Decision ID: 1fb98235-2762-4e2e-a295-25171bd5085f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
war
ab
1.
Juli 1991
als
Verkäufer
beim
Y._
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG
vom
7.
Juni 1993
liess er der
Suva
mitteilen, dass er am
2.
Juni 1993 einen
Verkehrsunfall erlitten
und sich dabei Rückenverletzungen zugezogen
habe
(Urk. 9/1)
. Das
Z._
diagnostizierte eine sensomoto
risch inkomplette linksbetonte spastische
Tetraplegie
bei neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen
(Bericht vom
29.
April 1994, Urk.
9/22)
. Die
Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Mit Verfügung vom 1
3.
August 1998
schloss die
Suva
den Fall ab
und
sprach dem Versicherten ab
1.
März 1997
eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
25
%
,
eine Integritätsentschädigung bei einer Integritäts
einbusse von
95
%
sowie eine
E
ntschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Gra
des
zu (
Urk.
9/75
).
Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2005 erhöhte sie den Invalidi
tätsgrad ab
1.
März 2005 auf 44
%
(
Urk.
9/109
).
Am
2.
März 2017 beantragte der Versicherte eine
Entschädigung
für eine Hilf
losigkeit
mittelschweren
Grades (
Urk.
9/183
).
Mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2017 lehnte die Suva eine Erhöhung der Hilflosenentschädigung wegen einer fehlenden Veränderung der Verhältnisse ab, sprach dem Versicherten hingegen Hauspflegeleistungen von monatlich
Fr.
493.-- zu (
Urk.
9/211
).
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
7. November 2017
(Urk.
9/214
) wies die
Suva am
7.
März 2018
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
8.
April 2018
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei
die Vor
instanz zu verpflichten, ihm rückwirkend seit wann rechtens, spätestens aber ab März 2017 eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades auszurichten. Eventua
liter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurück
zuweisen verbunden mit der Anordnung, eine neue Verfügung im Sinne der Beschwerde zu erlassen
. Am
7.
Juni 2018
beantragte die
Suva
, die B
eschwerde sei abzuweisen (Urk. 8
)
.
Mit Replik vom
3.
Juli 2018
(
Urk.
11
)
und Duplik vom 1
9.
September 2018 (
Urk.
16)
hielt
en die Parteien an ihren
Anträgen fest.
Die Duplik wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
0.
September 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der
vorliegender Sache
zugrunde liegende
Unfall hat sich am
2.
Juni 1993
ereig
net, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 26 Abs. 1 UVG hat der Versicherte bei Hilflosigkeit Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beein
trächtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Hilflo
senentschädigung bemisst sich nach dem Grad der Hilflos
igkeit (Art. 27 UVG).
1.2.2
Nach
Art.
38 UVV
gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn der Versicherte vollstän
dig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn er in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der
persönlichen Überwachung bedarf (Abs. 2).
Gemäss Abs. 3
gilt die Hilflosigkeit
als mittelschwer, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
re
gelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (lit. b). Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades im Sinne von Art. 38 Abs. 3 lit. a UVV eine Hilfsbedürf
tigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V
90 E. 3b, 107 V 151 E. 2).
Nach
Abs.
4 gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn
der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmäs
sig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b) oder einer durch das Gebre
chen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (lit. c) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter ge
sellschaftliche Kontakte pflegen kann (lit. d).
1.2.3
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs all
täglichen Lebensverrichtungen massgebend (B
GE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E.
4a):
1.
Ankleiden, Auskleiden;
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3.
Essen;
4.
Körperpflege;
5.
Verrichten
der Notdurft;
6.
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist
bloss
erforderlich, dass er bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig
in er
heblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist.
1.3
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit
hat folgenden Anfor
derungen zu genügen:
-
Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der ört
lichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigung
en und
Hilfsbedürftig
keiten
hat;
-
b
ei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind
die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligt
en im Bericht aufzuzeigen sind;
-
d
er Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der ein
zelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sein. Schliesslich hat er in Überein
stimmung mit den an Ort und Stel
le erhobenen Angaben zu stehen.
Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
genden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 13. Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4
Die Revision einer
Hilflosenentschädigung
richtet sich nach Art. 17 Abs. 2 ATSG; das gesamte Rentenrevisionsrecht ist sinngemäss anwendbar (
vgl.
BGE 137 V 424 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2 und 8C_30/2010 vom 8. April 2010 E. 2.2 mit Hinweis).
Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede andere (als eine Invalidenrente) formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat.
Die Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung einer Hilflosenentschädigung gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG setzt folglich einen Revisionsgrund voraus. Da
runter ist jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, unter anderem Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder Verwendung neuer Hilfsmittel, zu verstehen, die geeignet ist, den Grad der Hilf
losigkeit und damit den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen (BGE 137 V 424 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prü
fung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfü
gung, welche auf einer materiellen Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht (vgl. BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2014 vom 9. September 2014 E. 3.2 und E. 3.3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Anspruch auf Hilflosenent
schädigung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen,
wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_72/2017 vom 23. Mai 2017 E. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (
Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer bei der ursprünglichen Zusprache der Hilflosenent
schädigung in den Lebensverrichtungen «Essen» sowie «Fortbewegung» auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen gewesen sei. Anlässlich der Neuerhebung habe er angegeben, zudem in den Lebensverrichtungen «Aufstehen, Absitzen, Ab
liegen» und «Verrichten der Notdurft» Hilfe Dritter zu benötigen. Vergleiche man jedoch die Angaben bei der erstma
ligen Erhebung mit den heutigen,
sei - aus näher dargelegten Gründen - keine erhebliche Verstärkung der Hilflosigkeit fest
zustellen
. Die Voraussetzungen für eine Revision der Hilflosenentschädigung seien deshalb nicht erfüllt. Selbst wenn neu eine Hilflosigkeit bei der Lebensver
richtung «Verrichten der Notdurft» anerkannt würde, wäre noch immer keine mit
telschwere Hilflosigkeit gegeben, sei doch ein erhebliches
Angewiesensein
auf Dritthilfe bei der Lebensverrichtung «Aufstehen, Absitzen, Abliegen» nicht aus
gewiesen (S.
5-
7).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
8
) hielt sie ergänzend fest,
die vom Beschwer
deführer geltend gemachte medizinische Befundverschlechterung habe sich im Jahr
e
2005 zwar auf seine Arbeitsfähigkeit aber nicht auf seine Hilflosigkeit aus
gewirkt. In Bezug auf Letzteres sei keine erhebliche Veränderung des Sachverhalts eingetreten. Für die Beschwerdegegnerin bestehe zudem kein Anlass, auf ihre rechtskräftige Verfügung vom 1
3.
August 19
98 zurückzukommen, denn di
e erst
malige Zusprache einer Hilflosenentschädigung
leichten
Grades
sei nicht zweifel
los unrichtig gewesen (S. 6-7).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
schon 1997 habe die
A._
festgehalten, dass er in allen all
täglichen Aktivitäten stark behindert sei. Den Berichten ab 2005 sei zudem zu entnehmen, dass sich sein Gesundheitszustand allgemein verschlechtert habe. Die Beschwerdegegnerin hätte deshalb die Hilflosenentschädigung von Amtes wegen
erhöhen müssen
(S. 7
f.
). Er sei heute - aus näher dargelegten Gründen - auch in den Lebensverrichtungen «Aufstehen, Absitzen, Abliegen» und «Verrichten der Notdurft» in erheblicher Weise auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen, weshalb er Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades habe (S. 9-12).
3.
Vergleichszeitpunkt bildet die Verfügung vom
1
3.
August 1998
, mit welcher die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Entschädigung wegen
leichter
Hilflosigkeit zugesprochen hatte (Urk.
9/75
).
4
.
4
.1
Im
B
ericht vom 2
9.
April 1994 des
Z._
(
Urk.
9/22), wo sich der Beschwer
deführer vom 2
3.
Juni 1993 bis 3
1.
März
1994
zur Erstrehabilitation aufgehalten hatte, stellten Chefarzt
Dr.
med.
B._,
Oberarzt
Dr.
med.
C._
und Assistenz
arzt
Dr.
med.
D._
folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
sensomotorisch inkomplette linksbetonte spastische
Tetraplegie
, bei/mit
-
Status nach Autounfall am
3.
Juni 1993 mit HWK 4-Fraktur
-
operativer Stabilisation am
4.
Juni 1993 (in Bologna I)
-
n
eurogene Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen
-
Status nach postoperativer
Stressulcusblutung
-
Status nach
Unguis
incarnatus
Hallux
rechts (konservative Therapie)
Dazu hielten sie fest, der zu Beginn
tetraplegische
Beschwerdeführer
habe trotz der hohen Verletzung im HWS-Bereich eine ungewöhnlich gute Erholungsten
denz in Bezug auf die neurologische Ausfallsymptomatik gezeigt. Bei Abschluss der Rehabilitation bestehe eine spastisch linksbetonte Symptomatik, welche ihm den Stand ermögliche, dadurch werde vor allem das Transferieren in den Rollstuhl wesentlich erleichtert. An den oberen Extremitäten bestehe vor allem linksseitig ein Defizit in Bezug auf Feinmotorik und Kraft, rechts viel weniger ausgeprägt und fast der Norm entsprechend. Die sensorischen Ausfälle seien ebenfalls rückläufig gewesen, bei Austritt bestehe in gewissen Segmenten eine Hypästhesie/-
algesie
, jedoch seien Lage- und Vibrationssinn allseits erhalten. Ein eigentliches sensorisches Ausfallmuster bestehe nicht. In Zukunft sei mit einer weiteren Erho
lung zu rechnen, weshalb im Moment noch nicht von einem Endzustand gespro
chen werden könne, jedoch sei aus medizinischer Sicht ein völliges Verschwinden der Ausfallsymptomatik wenig wahrscheinlich (S. 3). Aus medizinischer Sicht dürfte eine Aufnahme der Berufstätigkeit ab dem
1.
Mai 1994 möglich sein, er könne seine ursprüngliche Tätigkeit als Handelskaufmann am alten Arbeitsort
wieder aufnehmen
. Die prozentuale definitive Arbeitsfähigkeit müsse nach einer Probezeit von einigen Monaten neu evaluiert werden, eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit sei aus medizinischen Gründen nicht indiziert (S. 4).
4
.
2
Der Zusprache der Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit lag das Erhebungs
blatt für die Hilflosenentschädigung vom 3
0.
September 1997 (Urk. 9/59) zu
grunde. Darin wurde die Frage der Erforderlichkeit regelmässi
ger und wesentli
cher Hilfe
bei f
olgenden
Lebensverrichtungen bejaht
(S. 1)
:
3.
Essen: Beim Brot und Fleisch schneiden, sonst keine Hilfe nötig
6.
Fortbewegung im Freien: Mühe mit dem Rollstuhl (unebenes Gelände,
Bergauf- und abwärts, Trottoir, inklusive Überqueren von Strassen)
Pflege gesellschaftlicher Kontakte: Besuche, Anlässe
In Bezug auf das Verrichten der Notdurft wurde bei der Entleerung der Blase eine Dritthilfe verneint, aber darauf hingewiesen, dass ein
Katheter notwendig sei.
Zur Erforderlichkeit einer dauernden Pflege wurde festgehalten, dass seine Ehefrau zur Dekubitusprophylaxe zwei bis drei
mal
täglich seine Fersen mit einer Salbe einreiben und je nach Verkrampfung 30 bis 60 Minuten pro Tag seine Beine deh
nen müsse (S. 1-2).
4.3
Oberarzt
Dr.
med.
E._
und Assistenzarzt
Dr.
med.
F._
vom
G._
der
A._
hielten in ihrem Ber
icht vom 1
3.
Oktober 1998 (Urk.
9/100/12-14) fest, die neurogene Darmentleerungsstörung sei unter der Therapie mit
Lecicarbon
Supp (1
x
/
2
d) weiterhin gut eingestellt. De
r
Beschwer
deführer
könne mittlerweile an S
töcken für höchstens 200 Meter g
ehen, sei sonst aber weiterhin auf den Rollstuhl angewiesen (S. 2).
4.
4
Oberarzt
Dr.
med.
H._
vo
n der
I._
der
A._
führte in seinem Bericht vom 2
4.
Januar 2003 (
Urk.
9/100/4-5) unter anderem aus, die Mobilisation erfolge im Rollstuhl mit Sitzkissen, über wenige Meter sei Gehen möglich.
Anlässlich einer Besprechung mit der Beschwerdegegnerin am 2
3.
März 2005 (Urk. 9/91) hielt der Beschwerdeführer fest, dass er keine 5 Meter mehr gehen und den linken Fuss nicht mehr heben könne.
Gemäss dem Bericht von
Dr.
H._
vom 1
0.
Mai 2005 (
Urk.
9/100/1-3) sei der Beschwerdeführer etwas verunsichert aufgrund einer subjektiv allgemeinen Ver
schlechterung unter anderem bezüglich Schmerzen
etc.
seit letztem Herbst. Im Speziellen beständen wechselnde lumbale Schmerzen, vor allem gegen Abend auftretend, im weiteren Schmerzen von Seiten des rechten Knies nach rezidivie
renden Stürzen durch eine vermehr
te Spastik. Wahrscheinlich in
Zusammenhang mit den Problemen der Darmentleerung sei es zu einer Zunahme der Spastik ge
kommen.
Dr.
H._
berichtete am 2
9.
April 2010 (
Urk.
9/134/3-4) und am
8.
Juni 2012 (
Urk.
9/152/2-3), die Mobilisation erfolge im Rollstuhl mit
Stimulite
-Kissen/Schaumstoffkissen.
4.
5
Nach der vom Beschwerdeführer
beantragten Zusprache einer Entschädigung für eine
Hilflosigkeit
mittelschweren
Grades
liess ihn die Beschwerdegegnerin erneut abklären. Gemäss dem diesbezüglichen Erhebungsblatt vom 3
1.
August 2017 (
Urk.
9/201)
ist
eine regelmässige und wesentliche Hilfe - zusätzlich zu den bereits
im Erhebungsblatt vom 3
0.
September 1997 festgehaltenen
Einschränkun
gen in den
Funktionen
«Ess
en» sowie «Fortbewegung» -
bei f
olgenden
Lebensver
richtungen erforderlich
(S. 1-2)
:
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen: inkomplette
Tetraplegie
5.
Verrichten der Notdurft - Darm ausräumen: die Ehefrau übernimmt diesen Teil
4
.
6
Die weiteren aktenkundigen Arztberichte äussern sich zur vorliegend strittigen Frage
, ob sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
in Bezug auf
seine Hilfsbedürftigkeit
seit dem Vergleichszeitpunkt
verschlechtert hat,
nicht
bezie
hungsweise nicht wesentlich anders als die oben wiedergegebenen
.
5.
5.1
Vorliegend ist unbestritten und ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer in den beiden
Lebensverrichtungen
«Essen» sowie «Fortbewegung»
regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist
. Umstritten ist die Hilfsbedürf
tigkeit in den
Funktionen
«
Aufstehen, Absitzen, Abliegen» und «Verrichten der Notdurft».
5.2
5.2.1
Wie bereits dargelegt, ist es b
ei
Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunk
tionen umfassen,
bloss
erforderlich, dass der Versicherte bei einer dieser Teilfunk
tionen
regelmässig
in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist
(E.
1.2.3 hievor).
Mit Bezug auf die Teilfunktion Aufstehen ist zudem festzuhalten, dass darunter nicht nur das Sicherheben verstanden werden kann. Denn das Aufstehen ist in den seltensten Fällen Selbstzweck; vielmehr steht man in der Regel auf, um
anschliessend
etwas
in stehender
Position zu tun: mit jemandem sprechen, einen Gegenstand zu sich nehmen, eine Tür oder ein
Fenster öffnen und weiteres. Im
B
GE 117 V 146 hielt das Bundesgericht in Bezug auf die Abklärung der Hilfsbe
dürftigkeit eines
Paraplegikers
fest, dass die Bewältigung der Funktion Aufstehen für ihn, auch wenn er an sich noch aufstehen könnte, wesentlich ihren Sinn ver
loren hat, weil er damit nichts erreichen
kann: Da die Muskeln im Bereich der gelähmten Körperpartie völlig fehlen, ist der
Paraplegiker
, einmal aufgestanden, nicht in der Lage, sich Dritten oder Gegenständen zuzuwenden, sondern er ist damit beschäftigt, sich mit den Händen im Gleichgewicht zu halten. Er kann zwar vielleicht noch aufstehen, aber sicher nicht mehr aufrecht stehen. Die Teilfunktion Aufstehen ist für ihn daher nutzlos. Die Hilfsbedürftigkeit ist auch dann zu beja
hen, wenn eine Teilfunktion zwar noch möglich, für den Versicherten je
doch ihres Sinnes entleert ist
(
E.
3.
b
)
.
5.2.2
Zwei Monate nach dem Vergleichszeitpunkt berichtete
n die
Dres
.
E._
und
F._
, dass der Beschwerdeführer für h
öchstens 200 Meter mit Stöcken g
ehen könne. Es ist davon auszugehen, dass im Vergleichszeitpunkt eine Gehfähigkeit in ungefähr demselben Ausmass
vorlag
. Eine Hilflosigkeit in der Teilfunktion Aufstehen bestand
damit
dannzumal
ebensowenig
wie in den Teilfunktionen Ab
sitzen
oder
Abliegen. Dies wurde denn auch im Erhebungsblatt für die Hilflo
senentschädigung vom 3
0.
September 1997 (E. 4.
2
hievor) so festgehalten
. Dem Beschwerdeführer wurde gestützt darauf zu Recht eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen
.
Sein
Gesundheitszustand hat sich
aber
seither verschlechtert. Insbesondere ist es zu einer Zunahme der Spastik sowie einer Reduktion von Kraft und Ausdauer gekommen. Während
er
im Jahre 2003 noch wenige Meter
g
ehen
konnte
,
war ihm dies 2005 keine 5 Meter mehr möglich und in den Berichten von 2010 und 2012 wurde überhaupt keine Gehfähigkeit mehr erwähnt (E. 4.
4
hievor).
Anders als im Vergleichszeitpunkt
ist
es
ihm
inzwischen also
wohl
nicht mehr möglich, ohne Hilfe
in stehender
Position etwas zu tun.
So
gab
d
er
Beschwerdeführer
denn auch an, sich nur
noch mit Mühe in den Rollstuhl hinein oder
aus dem Rollstuhl
hinaus transferieren zu können (
Urk.
9/214/2).
D
ie Funktion Aufstehen
hat
für ihn demnach wesentlich ihren Sinn verloren
und er ist diesbezüglich als hilflos anzusehen
.
Daran ändert entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. etwa
Urk.
8 S. 5) nichts, dass der Beschwerdeführer in der Nacht selbständig die Toilette aufsuchen und wieder ins Bett zurückkehren kann, ebenso wenig, dass er am Morgen selbst mit seinem Auto zur Arbeit fahren kann. Denn es ist davon auszugehen, dass er dabei die Wege mit seinem Rollstuhl zurücklegt, die diesbe
züglich (unveränderte) Selbständigkeit demgemäss bei der Lebensverrichtung «Fortbewegung» zu berücksichtigen ist.
In Anbetracht
der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers
ist es nachvollziehbar, dass d
er Aussendienst
mit
arbeiter der Beschwerdegegnerin im Erhebungsblatt für die Hilflosenentschä
di
gung vom 3
1.
August 2017 (E. 4.5
hievor)
die Hilflosigkeit in der
Lebensver
rich
tung
«
Aufstehen, Absitzen, Abliegen»
bejahte und dies
led
i
glich mit der
Anmer
kung
«
inkomplette
Tetraplegie
»
begründete. In einem Schreiben an den Beschwer
deführer hielt er denn auch sinngemäss fest, dass
seines Erachtens
in diese
r
Le
bensverrichtung so offensichtlich eine Hilfsbedürftigkeit bestehe, dass
er
in der Besprechung auf diesen Punkt gar nicht näher eingegangen sei (Urk.
3/
16).
Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers haben zudem
verstärkt durch die Schmerzen die spastischen Krämpfe stark zugenommen
, weshalb
das selbständige Aufstehen oder Abliegen ohne Hilfe teilweise nicht mehr
funktioniert (Urk.
9/214/2)
. Dem Erhebungsblatt für den Tagesablauf vom 3
1.
August 2017 (
Urk.
9/203) ist zudem zu entnehmen, dass
er
- anders als im Vergleichszeitpunkt - in der Nacht ungefähr zweimal von seiner Ehefrau gelagert werden müsse.
Ob
er
deshalb
neu auch in der Teilfunktion Abliegen als hilflos gilt, kann vorliegend
jedoch
offenbleiben, nachdem die Hilflosigkeit in der Funktion
«
Aufstehen, Ab
sitzen, Abliegen» bereits aufgrund der Hilfsbedürftigkeit in der Teilfunktion Auf
stehen
ausgewiesen
ist.
In Bezug auf die Lebensverrichtung
«
Aufstehen, Absitzen, Abliegen» ist es
demnach
zu einer Verschlechterung des Zustandes gekommen und eine Hilfsbedürf
tigkeit
besteht
neu
.
5.3
Die Darmentleerungsstörung des Beschwerdeführers war im Vergleichszeitpunkt gut eingestellt (E. 4.3 hievor). Auch diesbezüglich hat sich die gesundheitliche Situation verschlechtert, bereits im Jahre 2005
berichtete
Dr.
H._
von zu
nehmenden Darmproblemen (E. 4.4 hievor)
. Der Beschwerdeführer
gab
der Beschwerdegegnerin
gegenüber an
, er müsse seinen Darm jeden zweiten Tag mittels Abführzäpfchen zur Entleerung stimulieren. Da ihm die Einführung allzu oft nicht selber gelinge, müsse ihm seine Frau dieses
einführen.
Leider sei es zudem allzu oft der Fall, dass er Verstopfung oder Durchfall habe. In ersterem Fall müsse seine Frau beim manuellen Ausräumen des Darms helfen, in letzterem Fall komme es zu unkontrolliertem in die Wäsche gelangendem Abgang,
was
wie
derum von seiner Frau in Ordnung gebracht werden müsse (
Urk.
9/214/1).
Der Beschwerdeführer ist diesbezüglich demnach regelmässig auf eine Mithilfe seiner Ehefrau angewiesen
, eine tägliche Dritthilfe ist entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
8 S. 6) nicht erforderlich. Nachvollziehbar bejahte deshalb
der Aussendienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin im Erhebungsblatt für die Hilflosenentschädigung vom
31.
August 2017 (E. 4.5
hievor)
- anders als noch anlässlich der Abklärung vom 3
0.
September 1997 - neu
die Hilflosigkeit des Beschwerdeführers in der Teilfunktion «Darm ausräumen».
Es besteht kein Anlass, in sein Ermessen einzugreifen (vgl. dazu E. 1.3 hievor).
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Blasenfunktions
störung
seit dem Unfall
täglich mehrfach
einen Katheter verwenden
muss.
Die sechs bis siebenmal pro Tag erforderliche Katheterisierung dauert nach seinen Angaben jeweils 10 bis 15 Minuten (vgl.
Urk.
9/214/1) und ist demnach mit einem erheblichen Aufwand verbunden.
Ge
mäss
der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung
stellt
die Katheterisierung
eine unübliche Art und Weise der
Notdurftver
richtung
dar,
weshalb die Anspruchsvoraussetzungen bei dieser Lebensverrich
tung erfüllt sind
, obwohl es am Erfordernis effektiver Dritthilfe fehlt (Urteil des Bundesgerichts 8C_674/2007 vom
6.
März 2008 E. 6 mit Hinweisen).
Auch in der Teilfunktion «Entleerung der Blase» besteht damit eine Hilfsbedürftigkeit.
Zusammenfassend hat sich somit der Zustand des Beschwerdeführers b
ezüglich der Lebensverrichtung
«Verrichten der Notdurft»
ebenfalls
verschlechtert
und er ist auch diesbez
üglich
re
gelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter an
gewiesen
.
6.
Nachdem
nach dem Gesagten
ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG
vorliegt und
der Beschwerdeführer
seit der Verschlechterung seines Zustandes
trotz der Abgabe von Hilfsmitteln
in vier alltäglichen Lebensverrichtungen
regel
mässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, hat er Anspruch auf
eine
Entschädigung wegen
einer
Hilflosigkeit mittelschweren Grades.
Diese ist ihm - unter Anrechnung der bereits ausbezahlten Entschädigung für eine leichte Hilflosigkeit - ab dem Zeitpunkt seines Gesuchs um
Zusprache
einer hö
heren Hilflosenentschädigung, mithin ab
1.
März 2017 auszurichten (Art.
17
Abs.
2 ATSG, vgl. dazu auch
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N
52 und N
68
zu
Art.
17
ATSG
).
7
.
Dem Beschwerdeführer steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm - nach Einsicht in die Kosten
note vom
3.
Juli 2018 (
Urk.
12)
und unter Hinweis auf den gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- - eine Prozessentschädigung von Fr.
3
‘
165.40
(inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) auszurichten.