Decision ID: e4925355-615b-4c71-9921-25bd262cceb0
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ beantragte am 23./27. Juni 2006 Leistungen der Invalidenversicherung für ein
Hörgerät (IV-act. 1). In der ärztlichen Expertise vom 31. Juli 2006 berichtete Dr. med.
B._, Fachärztin für HNO-Krankheiten, es bestehe links eine hochgradige kombinierte
Schwerhörigkeit nach Ohroperation 1984. Rechts sei das Hören im Störgeräusch,
besonders bei der Arbeit, beeinträchtigt. Es habe eine Hörgeräteversorgung der
Indikationsstufe 3 monaural rechts zu erfolgen (vgl. IV-act. 7). Am 4. Dezember 2006
erteilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen
Kostengutsprache für die beantragte Hörgeräteversorgung (IV-act. 12).
B.
B.a Am 5./9. Februar 2007 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer Rente an.
Sie habe in ihrer Heimat den Beruf einer Lebensmitteltechnologin erlernt. Sie sei Mutter
von drei Kindern (geb. [...]). Im Jahr 1991 sei sie in die Schweiz gekommen. Seit Juli
2001 sei sie teilzeitlich erwerbstätig. Mindestens seit September 2005 leide sie an
schweren Depressionen und sei seit 22. August 2005 zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act.
13).
B.b Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, erstattete der IV-Stelle am 26. Februar
2007 Bericht und gab an, die Versicherte leide an einer depressiven Störung mit
somatischem Syndrom und einem chronifizierten Schmerzsyndrom (St. n. HWS-
Distorsion infolge eines Auffahrunfalls am 14. April 2002). Die Schwerhörigkeit links und
rechts bei St. n. Myringoplastik links sowie die Adipositas hätten keine Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei seit dem 1. November 2005 zu 100 %
arbeitsunfähig. Die Behandlung erfolge zur Hauptsache durch eine sozialpsychiatrische
Behandlungsstelle, ebenso die Festlegung der Arbeitsfähigkeit. Bei ihm habe die
Versicherte (seit November 2005) lediglich sporadisch wegen somatischer
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Beschwerden in Behandlung gestanden. Sie habe bei jeder Konsultation einen völlig
benommenen Eindruck gemacht, so, als ob sie zu viel Psychopharmaka eingenommen
hätte. Ein Gespräch sei nie möglich gewesen. Seines Wissens sei die Versicherte am
8. Februar 2007 in die Psychiatrische Klinik Pfäfers eingetreten (IV-act. 19).
B.c In der Arbeitgeberbescheinigung vom 15. März 2007 führte die Arbeitgeberin aus,
die Versicherte sei seit 1. Juli 2001 mit einem Pensum von 64 % als Cartonnage-
Mitarbeiterin in D._ angestellt. Ihr letzter effektiver Arbeitstag sei der 18. August 2005
gewesen, seit dem 22. August 2005 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig. Sie habe seit 2005
einen Monatslohn von Fr. 1'550.-- zuzüglich ca. Fr. 118.-- Schichtzulage verdient (IV-
act. 23).
B.d Die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie in E._ diagnostizierte in
ihrem Arztbericht vom 21. März 2007 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
schwere depressive Episode (seit mindestens 2005), eine hochgradige kombinierte
Schwerhörigkeit links mit Tinnitus, eine mittelgradige
Schallempfindungsschwerhörigkeit rechts und einen Status post Myringoplastik links
bei chronischer mesotympanaler Otitis media (seit 1984). Die Versicherte sei seit 19.
November 2005 bis auf weiteres (bei stationärem Gesundheitszustand) zu 100 %
arbeitsunfähig. Sie leide unter extremer Kraftlosigkeit und sehr schneller Erschöpfung.
Auch eine andere als die bisherige Tätigkeit sei ihr aufgrund der zurzeit sehr schweren
depressiven Verstimmung (Antriebslosigkeit, schnelle Erschöpfbarkeit, Kraftlosigkeit)
nicht zumutbar. Die Versicherte habe angegeben, ihr Zustand habe sich seit einem
Autounfall verschlechtert; es seien eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma
festgestellt worden. Sie habe die Arbeit damals nach zwei Monaten aber wieder
aufnehmen können. Auf Empfehlung des Orthopäden sei sie im November 2005
erstmals zu einer Psychotherapeutin gegangen, welche sie im gleichen Monat an die
Fachstelle verwiesen habe (Behandlung bis 6. Februar 2007). Im Erstgespräch sei eine
auf die Schmerzen bezogene, fast etwas theatralisch wirkende Gestik aufgefallen. Aus
der deutlich gedrückten affektiven Grundstimmung sei die Versicherte nicht
herauszuholen gewesen. Im Verlauf der Behandlung sei auch sexueller Missbrauch in
der Kindheit zu Tage getreten und es sei klar geworden, dass die Versicherte durch die
Schwerhörigkeit sehr stark im sozialen Leben eingeschränkt sei. Da sich keine
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greifbare Zustandsverbesserung eingestellt habe, sei sie zur stationären Behandlung in
die Klinik St. Pirminsberg überwiesen worden (IV-act. 24).
B.e Die Klinik St. Pirminsberg gab in ihrem Bericht vom 24. Mai 2007 folgende
Diagnosen an: eine schwere depressive Episode mit psychotischem Syndrom (seit
November 2005, zunehmende Verschlechterung bis Ende 2006), ein Schleudertrauma
(seit Februar 2005), eine Somatisierungsstörung (seit Februar 2005), eine hochgradige
kombinierte Schwerhörigkeit mit Tinnitus links (seit 1984) und eine mittelgradige
Schallempfindungsschwerhörigkeit rechts. Seit ca. April 2006 bis mindestens Ende
April 2007 sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig gewesen. Es sei eine
praktische Abklärung der Arbeitsfähigkeit in geschütztem Rahmen mit Möglichkeiten
der Umschulung mit ärztlich attestierter Arbeitsfähigkeit auf Probe nach Absprache mit
dem ambulant nachbehandelnden psychiatrischen Arzt zu empfehlen. Die Versicherte
habe über verschiedene schwer traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit sowie in
den früheren Jahren der Ehe berichtet, die ihre aktuelle Befindlichkeit im Sinn einer
komplexen unverarbeiteten Traumatisierung nach wie vor stark beeinträchtigten. Seit
einer Otitis sei das Gehör stark beeinträchtigt, eine dazugekommene Schwerhörigkeit
rechts als Folge eines Unfalls habe zu starker Beeinträchtigung in der sozialen
Kommunikation mit vermehrtem Rückzugsverhalten bei zunehmend sozialen Ängsten
geführt. Bei einem Auffahrunfall 2005 habe sie ein Schleudertrauma mit bis anhin
verbleibender Schmerzsymptomatik im Kopf-, Hals- und Nackenbereich erlitten,
weshalb sie seit ca. April 2006 nicht mehr habe arbeiten können. Bei Austritt hätten
eine gute Kompensation der depressiven Symptomatik, ein verbessertes
Selbstvertrauen und erhöhte Zuversicht bezüglich der Gestaltung der familiären
Situation vorgelegen. Die Schmerzsymptomatik sei zwar anhaltend, jedoch zeitweise
besser erträglich. Subjektiv hätten eine bleibende soziale Behinderung durch die
Schwerhörigkeit und objektiv eine erhöhte Kommunikationsbereitschaft bestanden.
Passager aufgetretenes psychotisches Erleben sei nicht mehr vorhanden. Bei der
komplexen, zu einem grossen Teil chronifizierten Symptomatik müsse mit einer
bleibenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden, auch wenn eine
Stabilisierung auf verbessertem Zustandsniveau durchaus möglich erscheine (IV-act.
30).
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B.f Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung befürwortete am
31. August 2007 eine tridisziplinäre (psychiatrische, rheumatologische und HNO-
fachärztliche) Begutachtung (IV-act. 33).
B.g Das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH) erstattete am
11. März 2008 das Gutachten. Die Explorationen waren im Januar 2008 erfolgt. Als
Diagnosen wurden angegeben: ein chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom mit
Betonung im Nacken-/Schultergürtelbereich ohne klinisch radiologisch objektivierbare
Ätiologie, anamnestisch eine mittelgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit rechts,
anamnestisch eine hochgradig kombinierte Schwerhörigkeit links mit Tinnitus (gemäss
aktuellen Angaben ohne Tinnitus), eine Adipositas, eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischen Symptomen und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Für die angestammte Tätigkeit als Verpackerin bestehe aus
interdisziplinärer Sicht ab Februar 2008 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, ebenso wie für
eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit, welche den Anforderungen aus
psychiatrischer Sicht genüge. Aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht sei die
Versicherte für eine adaptierte Tätigkeit ganztägig voll arbeitsfähig. Aus psychiatrischer
Sicht sei eine Tätigkeit mit hoher Anforderung an die Eigeninitiative und Konzentration
für die Versicherte nicht geeignet. Ungeeignet seien auch Tätigkeiten mit ständigem
Kontakt zu Menschen, einerseits wegen der Hörschwierigkeiten, andererseits wegen
der Selbstwertproblematik. Als Schlussfolgerungen gemäss der Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) wurde festgehalten, die Leistungsbereitschaft
werde als nicht zuverlässig beurteilt, die Konsistenz bei den Tests sei schlecht
gewesen. Infolge erheblicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz
seien die Resultate der Belastbarkeitstests für die Beurteilung nur teilweise verwertbar.
Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit hätten daher nicht abschliessend anhand der EFL
bestimmt werden können (IV-act. 45).
B.h Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Versicherte am 2. Juni 2008 an, sie könne die Fragen nicht beantworten. Ihr Zustand
sei höchstens einmal in zehn Tagen für vielleicht einen halben Tag einigermassen
stabil. Sie könne deshalb fast nie irgendwelche Hausarbeiten erledigen, auch nicht die
Haushaltsführung oder die Unterstützung der Kinder bei den Hausaufgaben. Das alles
machten nun ihr Ehemann und ihre Kinder (IV-act. 55).
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B.i Am 26. Juni 2008 erfolgte bei der Versicherten zu Hause (im Beisein ihres
Sohnes) eine Abklärung der Verhältnisse zur Erstellung des Abklärungsberichts
Haushalt. Die Versicherte habe berichtet, ihre Krankheit habe nach dem Verkehrsunfall
2002 begonnen und sich ständig verschlechtert, im Haushalt könne sie seither nichts
mehr tun. Drei Jahre lang habe die Arbeitsstelle Vorrang gehabt und sie habe die
verbliebene Energie für deren Bewältigung eingesetzt und bis August 2005 dafür
gekämpft, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren, aber schliesslich habe sie auch dort
aufgeben müssen. Sie wäre weiterhin erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Das sei
auch finanziell nötig, denn die wirtschaftliche Situation sei angespannt. Sie könne nicht
mehr Autofahren und habe grundsätzlich kein Bedürfnis, ausser Haus zu gehen. Sie sei
im Haushalt zu 100 % eingeschränkt. Es wurde im Abklärungsbericht am 3. Juli 2008
festgehalten, bezüglich der Arbeitsfähigkeit im Haushaltsbereich werde eine ärztliche
Stellungnahme eingeholt. Die begutachtenden Ärzte muteten der Versicherten ab
Februar 2008 eine Erwerbstätigkeit im Ausmass von vier bis viereinhalb Stunden
täglich zu, was eine Differenz zum bisherigen Pensum von 22 % ergebe. Gewichtet
betrage der Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich somit 14.1 %. Davon werde eine
volle Arbeitsunfähigkeit anerkannt (IV-act. 53).
B.j Am 30. Juni 2008 ersuchte die IV-Stelle den psychiatrischen Gutachter um eine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im 4-Personen-Haushalt (mit einem
wahrscheinlichen Aufwand als Gesunde von viereinhalb Stunden täglich) ab Februar
2008 (IV-act. 52). Der psychiatrische Gutachter führte dazu am 22. August 2008 aus,
die Versicherte zeige eine ausgeprägte Problemüberbewertung. Ihm sei weder in der
eigenen Erfahrung noch in der Literatur begegnet, dass jemand über Jahre eine volle
Leistung am Arbeitsplatz erbringe, zu Hause aber ein voller Pflegefall sei. Sicherlich sei
bei der Versicherten ein vermehrter Erholungsbedarf in der Freizeit vorhanden gewesen
und sie habe in den vergangenen Jahren eindeutige regressive Tendenzen mit
sekundärem Krankheitsgewinn gezeigt, doch erkläre dies das Mass der angegebenen
Unfähigkeit nicht. Die Angaben der Versicherten seien deshalb nicht als objektiv
anzusehen; sie seien nicht mit den objektiven Befunden vereinbar. Objektiv bestehe
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % auf dem freien Wirtschaftsmarkt und die
Einschränkung im Haushalt betrage höchstens 20 %, und zwar ca. 20 % einzig im
Bereich Wohnungspflege. Ab Februar 2008 seien der Versicherten Tätigkeiten im
Haushalt täglich während insgesamt 4.5 Stunden zumutbar, insbesondere, weil sie die
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Arbeitseinteilung selber vornehmen könne und keinem zwischenmenschlichen Stress
wie am Arbeitsplatz ausgesetzt sei (IV-act. 54).
B.k Der RAD hielt am 17. November 2008 fest, die Versicherte sei ab Februar 2008 in
angestammter wie adaptierter Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig, davor sei sie seit
22. August 2005 voll arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 59).
B.l Bei der Sachbearbeitung wurde am 1. Dezember 2008 festgehalten, eine
objektive gesundheitliche Veränderung sei im Februar 2008 bzw. im Zeitpunkt der
medizinischen Abklärung nicht zu erkennen, somit auch kein "Revisionsgrund". Auf der
Basis des medizinischen Gutachtens sei das Rentengesuch deshalb abzuweisen (IV-
act. 60).
B.mMit einem Vorbescheid vom 7. Januar 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ablehnung des Rentengesuchs in Aussicht. Sie sei zu 64 % als Erwerbstätige und zu
36 % als Hausfrau zu qualifizieren. Ohne gesundheitliche Einschränkungen wäre sie
weiterhin im früheren Ausmass erwerbstätig, vorzugsweise in Schichtarbeit
nachmittags und abends. Mit dieser Tätigkeit wäre heute, gestützt auf den erzielten
Verdienst in den Jahren 2004 und 2005 und unter Berücksichtigung der allgemeinen
Lohnentwicklung, ein Verdienst von Fr. 24'520.-- möglich. Die Gutachter hätten ab
Februar 2008 die bisherige Arbeit – leicht und wenig anspruchsvoll – mit einem halben
Pensum als zumutbar erachtet. Ohne gesundheitliche Einschränkung könnte die
Versicherte gemäss der Lohnstrukturerhebung mit einem halben Pensum Fr. 25'488.--
verdienen. Das frühere Einkommen liege im Vergleich dazu um 24.7 % tiefer. Dieser
Minderverdienst werde beim zumutbaren Invalideneinkommen berücksichtigt; dieses
reduziere sich somit auf Fr. 19'162.--. Die Erwerbseinbusse betrage damit Fr. 5'358.--
und entspreche 21.85 %, bezogen auf 64 % Erwerbsanteil einem Teilinvaliditätsgrad
von 14 %. Im Haushalt könne in Berücksichtigung der medizinischen Grundlagen
lediglich eine Einschränkung von 20 % zugestanden werden, was bezogen auf 34 %
Haushaltanteil 7.2 % Teilinvaliditätsgrad ausmache. Insgesamt ergebe sich daher ein
nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 21.2 % (14 % und 7.2 %; IV-act.
62).
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B.n Mit Schreiben vom 15. Januar 2009 zeigte eine Rechtschutzversicherung an, sie
vertrete die Versicherte (IV-act. 64). Am 21. Januar 2009 legte auch eine procap-
Beratungsstelle eine Vollmacht vor (IV-act. 65, 66). - Am 9. Februar 2009 erhob
schliesslich (vgl. IV-act. 71) die procap-Beratungsstelle für die Versicherte Einwand
gegen den Vorbescheid vom 7. Januar 2009 und beantragte dessen Aufhebung und
eine Überprüfung des Invaliditätsgrades. Es bestehe eine höhere Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 73). Mit Einwand-Ergänzung vom 6. März 2009 führte die
damalige Rechtsvertreterin der Versicherten aus, der psychiatrische Gutachter habe,
damit die Restarbeitsfähigkeit von 50 % verwertet werden könne, eine fachliche
Unterstützung der Versicherten einerseits durch eine Weiterführung der ambulanten
psychiatrischen Behandlung und andererseits durch Integrationsmassnahmen
empfohlen. Die medizinisch theoretische Arbeitsfähigkeit könne damit eventuell
verwertet werden. Von August 2005 bis Februar 2008 sei von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Entsprechend bestehe Anspruch auf Rentenleistungen.
Die Qualifikation der Versicherten im Verhältnis von 64 % Erwerb zu 36 % Haushalt
werde (bis 31. März 2009) akzeptiert. Ab 1. April 2009 müsse diese aber geändert
werden, weil die Versicherte ab diesem Zeitpunkt, wäre sie gesund, ihr bisheriges
Pensum von 64 % auf 100 % würde erhöhen müssen. Dem Ehemann sei auf Ende
März 2009 die Stelle gekündigt worden und er beziehe seit April 2009 nur noch 80 %
des bisherigen Verdienstes als Hilfsarbeiter (ALV-Taggelder). Die Versicherte habe
bereits anlässlich der Haushaltabklärung im Juni 2008 klar festgehalten, als Gesunde
wäre sie weiterhin erwerbstätig, da die finanzielle Situation schon damals sehr
angespannt gewesen sei. Zum Ausmass habe sie sich nicht geäussert. Die jüngste
Tochter sei bereits in der Oberstufe und sei so weit selbständig. Im bisherigen Betrieb
hätte die Versicherte als Gesunde ihr Pensum aufstocken können. Zur Verwertung der
Arbeitsfähigkeit seien die empfohlenen unterstützenden Massnahmen anzubieten,
zumal die Versicherte in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stehe und ihre
Arbeitgeberin bereit sei, sie wieder zu beschäftigen. Die Wiedereingliederung könne
aber nur gelingen, wenn sie professionelle Begleitung wie zum Beispiel einen Support
am Arbeitsplatz erhalte. Das bedinge gerade auch die schwere Hörbehinderung (IV-act.
77).
B.o Mit Verfügung vom 17. Juni 2009 verneinte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der Versicherten. Nach Prüfung
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der Einwände sei gemäss dem RAD festzustellen, dass eine neue medizinische
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht nötig sei. Eine Änderung der Qualifikation auf 1.
April 2009 könne nicht erfolgen. Eine Rücksprache mit der Arbeitgeberin habe ergeben,
dass derzeit infolge der Wirtschaftskrise Stellen abgebaut werden müssten, wobei vor
allem Zweitverdiener betroffen seien. Es sei daher höchst unwahrscheinlich, dass der
Versicherten ein Ausbau des Arbeitspensums bewilligt worden wäre. Auch berufliche
Eingliederungsmassnahmen bei der Arbeitgeberin wären zurzeit nicht erfolgreich. Falls
dennoch Eingliederungsmassnahmen gewünscht seien, sei dies schriftlich mitzuteilen
(IV-act. 81).
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli,
procap, für die Betroffene am 24. August 2009 erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente vom 1. August 2006 bis
mindestens 31. Januar 2008 und einer halben Invalidenrente ab 1. April 2009, eventuell
eine Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und die
Beschwerdeführerin von der Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschusses zu befreien.
Gemäss den medizinischen Berichten, insbesondere dem psychiatrischen Gutachten
und dem Gutachten des AEH, sei die Beschwerdeführerin vom 22. August 2005 bis
Februar 2008 auch in adaptierten Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig gewesen,
weshalb nach Ablauf des Wartejahres ab 1. August 2006 bis mindestens Februar 2008
auch bei Anwendung der gemischten Methode Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 71.2 % bestehe. Das psychiatrische Gutachten halte
fest, unter konsequenter Durchführung der bisherigen therapeutischen Massnahmen
sei von der Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Damit die
Restarbeitsfähigkeit wiederhergestellt und erhalten werden könne, sei eine
regelmässige ambulante psychiatrische Behandlung einschliesslich Gesprächstherapie
und Psychopharmakotherapie notwendig. Eine weitere Verbesserung sei indessen
nicht zu erwarten. Das impliziere, dass die Restarbeitsfähigkeit von 50 % bei der
Begutachtung noch nicht vorgelegen habe, sondern erst nach Massnahmen erreicht
werden könnte. Die gesundheitliche Verbesserung wäre nach revisionsrechtlichen
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Grundsätzen also erst nach einer dauernden Verbesserung und demnach frühestens
nach drei Monaten möglich, womit sich die Ausrichtung der ganzen Rente sogar bis
Mai 2008 rechtfertige. Ab April 2009 sei für die Berechnung der Invalidität ein
Methodenwechsel angezeigt. Die familiären und insbesondere die wirtschaftlichen
Verhältnisse hätten sich damals markant verändert, weshalb die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall ein Arbeitspensum von 100 % versehen würde. Der Ehemann habe
am 28. Januar 2009 auf 31. März 2009 aus wirtschaftlichen Gründen - also
unverschuldet - die Kündigung seines Arbeitsverhältnisses erhalten und mit nur noch
80 % des früheren Lohnes würden die Lebenshaltungskosten der Familie nicht mehr
gedeckt. Nach Eintritt der Arbeitslosigkeit des Ehemannes hätte die Familie den bis
zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin gehabten Lebensstandard
nur halten können, wenn die Beschwerdeführerin ihr Pensum aufgestockt hätte. Ein
Vollzeitpensum zu bekleiden, wäre ihr auch durchaus möglich gewesen, da die jüngste
Tochter nicht mehr in erhöhtem Mass auf ihre Betreuung angewiesen sei. Im
Gesundheitsfall hätte die Beschwerdeführerin auf dem Arbeitsmarkt auch die besseren
Chancen als ihr etwas älterer Ehemann. Ob das Pensum an der konkret innegehabten
Stelle tatsächlich hätte erhöht werden können, sei nicht relevant, da es sich um eine
hypothetische (von der Wirtschaftslage eines Arbeitgebers oder der generellen
Arbeitsmarktlage losgelöste) Frage handle. Ab 1. April 2009 sei daher eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen (act. G 1).
D.
Am 8. Oktober 2009 reicht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die
Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ein (act. G 7) und legt ein
Schreiben der Rechtsschutzversicherung vom 23. Juli 2009 bei, wonach sie eine
Kostenübernahme für das anhängige Beschwerdeverfahren vor Versicherungsgericht
verweigere (act. G 7.19).
E.
Mit Beschwerdeantwort vom 13./15. Oktober 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die teilweise Gutheissung der Beschwerde und Gewährung einer ganzen Rente für die
Zeit vom 1. August 2006 bis 31. Januar 2008. Es sei davon auszugehen, dass von
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August 2005 bis Januar 2008 auch in einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % bestanden habe. Die Rente werde noch berechnet werden. Insbesondere
der psychiatrische Gutachter halte fest, dass die psychiatrische Therapie zu einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt habe, und bestätige ab dem
Folgemonat der Untersuchung eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von null auf 50 %. Er
habe denn auch eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen
diagnostiziert, während die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie und die
Klinik St. Pirminsberg noch eine schwere depressive Episode angegeben gehabt habe.
Diese eindeutige massgebende Verbesserung komme einem Revisionsgrund gleich,
womit die Rente aufzuheben sei. Der Verlust der Arbeitsstelle des Ehemannes und die
damit einhergehende Lohneinbusse stellten keinen triftigen Grund dar, der einen
Methodenwechsel rechtfertigen würde. Die finanzielle Situation der Familie sei schon
früher angespannt gewesen. Zudem sei nicht gesagt, ob diese Veränderung länger
andauernd sein werde. Es sei durchaus möglich, dass der Ehemann wieder eine Stelle
finde. Die Beschwerdeführerin habe im Übrigen bis ins Jahr 2000 gar nicht und danach
mit einem sehr kleinen Pensum gearbeitet, bevor sie bei der zuletzt innegehabten Stelle
erwerbstätig geworden sei. Dazu komme, dass der Sohn im Juni 2009 seine
Ausbildung abgeschlossen habe und dass anzunehmen sei, er könne dadurch das
Familienbudget deutlich entlasten (act. G 8).
F.
Am 23. Oktober 2009 hat der zuständige Abteilungspräsident des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt. Er wies aber darauf hin, dass sich das Gericht vorbehalten müsse, der
Deckungsfrage der Rechtsschutzversicherung (wegen Zweifeln an der Rechtmässigkeit
der Ablehnung) nachzugehen (act. G 10).
G.
Mit Replik vom 12. November 2009 lässt die Beschwerdeführerin darlegen, es sei
unbestritten, dass sich ihr Gesundheitszustand verbessert habe. Der Zeitpunkt der
Verbesserung sei indessen nicht konkret verifiziert. Datiere man ihn auf Februar 2008,
so sei dies eine blosse Annahme. Zur Zeit der Untersuchung sei die Arbeitsfähigkeit
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von 50 % noch nicht wiederhergestellt gewesen. Eine dauerhafte Verbesserung sei
daher erst drei Monate nach dem frühestmöglichen Zeitpunkt vom Februar 2009 -
somit ab 1. Mai 2009 - anzunehmen. Die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit wäre
wirtschaftlich notwendig gewesen. Entscheidend sei aber auch, inwieweit eine
Vollerwerbstätigkeit wahrscheinlich erscheine. Es sei nachvollziehbar, dass bei den
gegebenen Verhältnissen der Wunsch nach einem grösseren finanziellen Spielraum
bestehe, wobei es keine Rolle spielen könne, ob die Finanzen bereits seit längerem
angespannt gewesen seien oder nicht (sinngemäss der Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 373/02). Ausschlaggebend sei, ob in den persönlichen
Verhältnissen wesentliche Veränderungen eingetreten seien, die für die Methodenwahl
massgebend seien. Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebliche Methode
präjudiziere die künftige Rechtsstellung einer versicherten Person nicht. Ob und in
welchen Pensen die Beschwerdeführerin früher erwerbstätig gewesen sei, könne kein
Kriterium bilden. Die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit sei aufgrund der geänderten
Verhältnisse plausibel und höchst wahrscheinlich (act. G 11).
H.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 18./19. November 2009 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 14).

Considerations:
Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 17. Juni 2009, also unter der
Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er
sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Das
Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt in Bezug auf das Fehlen einer
übergangsrechtlichen Bestimmung (zum Rentenbeginn) zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
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aufgrund des Zeitpunkts der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder des Eintritts
des Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht,
erfolgen (zum Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Bezüglich des allfälligen
Rentenbeginns sind deshalb vorliegend angesichts der IV-Anmeldung von 2007 und
des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit nach der Aktenlage (IV-act. 47) im August 2005 die
bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt)
anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung hat sich indessen materiell keine Änderung
der Rechtslage ergeben.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch abgewiesen. Die Beschwerdeführerin lässt die Ausrichtung einer
ganzen Invalidenrente vom 1. August 2006 bis mindestens 31. Januar 2008 und einer
halben Invalidenrente ab 1. April 2009 beantragen, im Eventualstandpunkt eine
Rückweisung der Sache zur Abklärung. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer
Beschwerdeantwort die teilweise Gutheissung der Beschwerde und Gewährung einer
ganzen Rente für die Zeit vom 1. August 2006 bis 31. Januar 2008. Das
Versicherungsgericht ist nach Art. 61 lit. d ATSG an die Begehren der Parteien nicht
gebunden. - Streitgegenstand bildet zunächst der allfällige Rentenanspruch. Ergibt sich
tatsächlich, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage steht,
so gehört zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Im Falle einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen
notwendig, die Rente für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe
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des jeweiligen Invaliditätsgrads unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE 106 V 16;
BGE 109 V 125).
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit
auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich
(Rz 3046 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.2 In medizinischer Hinsicht liegen verschiedene ärztliche Berichte und
Stellungnahmen des RAD im Recht. Insbesondere ist eine medizinische Begutachtung
erfolgt. Das Gutachten des AEH erging nach Kenntnisnahme von den Akten, den
Röntgenbildern und den Angaben der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin
wurde rheumatologisch untersucht und es wurde ihre funktionelle Leistungsfähigkeit
evaluiert. Zusätzlich erfolgte eine psychiatrische Untersuchung und Beurteilung. Das
Ergebnis wurde in der Folge in einer interdisziplinären Konsensbesprechung gefunden.
3.3 Dem Gutachten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei der
Untersuchung als im Vordergrund stehend Schmerzen im Nacken- und
Schultergürtelbereich beidseits angegeben hat, die rechts in den Kopf ausstrahlen
könnten. Sie habe auch von Migräne berichtet (unter anderem mit Blockade der
Augen), von Schmerzen ubiquitär im Rücken, in den Sprunggelenken und in den
Füssen, ferner von Einschlafen der Hände, genereller Kraftlosigkeit und Müdigkeit.
Palpatorisch habe sich eine ausgeprägteste intensive Schmerzangabe bei auch nur
kleinster Berührung der Muskulatur im Nacken und oberen, dorsalen
Schultergürtelbereich gezeigt, ebenso im Bereich der ventralen Halsmuskulatur im
Bereich des Thorax beidseits. Es hätten sich insgesamt weder Hinweise für das
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Vorliegen eines radikulären Reiz- oder Ausfallsyndroms noch für das Vorliegen einer
Erkrankung aus dem rheumatologisch-entzündlichen Formenkreis oder für eine
typische Fibromyalgie ergeben. Die beklagten diffusen Beschwerden würden sich nicht
klar einer anatomisch-strukturellen Läsion zuordnen lassen. Ob die angegebenen
Nackenschmerzen als Unfallfolgen zu werten seien, könne aufgrund der fehlenden
Dokumentation nicht beurteilt werden. Gesamthaft ergebe sich der Eindruck, dass die
Schmerzproblematik und die Funktionseinbussen überwiegend durch die psychische
Erkrankung bedingt seien.
3.4 Was diesen psychiatrischen Aspekt betrifft, wurden in der Begutachtung eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen und eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung festgestellt. Der psychiatrische Gutachter hat diesen
Leiden einen die Arbeitsfähigkeit auf die Hälfte reduzierenden Einfluss zugemessen. Die
Beschwerdeführerin habe leichte bis mittelschwere Konzentrationsstörungen, formale
Denkstörungen, eine Deprimiertheit, Ängste, leichte Antriebsstörungen und eine wenig
lebhafte Motorik aufgewiesen. Sie habe ferner über zirkadiane Schwankungen in Form
eines Morgentiefs, über sexuelle Probleme, sozialen Rückzug und
Selbstwertproblematik geklagt. Die Problematik der fast ständig in gleicher Intensität
andauernden, quälenden Schmerzen, die mit einer körperlichen Störung nicht
vollständig erklärt werden könnten, stehe im Zusammenhang mit unbewussten
emotionalen Konflikten bzw. traumatischen Erfahrungen. Wenn der Gutachter darlegt,
es sei eine Schmerzüberwindung zumutbar (und er keine Komorbidität oder andere
qualifizierende Kriterien bezeichnet), so meint er damit offenbar nur eine teilweise (bis
zu 50 % reichende) Überwindbarkeit. - Der psychiatrische Gutachter beschreibt, die
Persönlichkeitsentwicklung der Beschwerdeführerin sei durch schwerste traumatische
Ereignisse (sexueller Missbrauch und Gehörsverlust) geprägt, was sicherlich zur
Bildung einer Persönlichkeit mit reduzierter psychischer Belastbarkeit und
möglicherweise zu einer Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen und histrionischen
Zügen geführt habe. Im August 2005 sei es zu einer schweren psychischen
Dekompensation gekommen, worauf sie voll arbeitsunfähig geschrieben worden sei.
Das sei nachvollziehbar. Seit November 2005 stehe die Beschwerdeführerin in
regelmässiger psychiatrischer Behandlung, ambulant und stationär. Die Behandlungen
hätten gemäss den entsprechenden Berichten und anamnestischen Angaben keine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gebracht. In der Zwischenzeit sei es indessen
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objektiv doch zu einer gewissen Rückbildung der depressiven Symptome gekommen.
Da die Therapie also doch zu einer Verbesserung geführt habe, sei die Prognose
einigermassen gut. Es sei zwar nicht mit der Wiederherstellung voller, aber bei
konsequenter Weiterführung der Massnahmen mit der Wiederherstellung und Erhaltung
der halben Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Die Beschwerdeführerin benötige weiterhin
regelmässige ambulante psychiatrische Behandlungen einschliesslich
Gesprächstherapie und Psychopharmakotherapie. Zur Zeit der Exploration (nicht erst in
Zukunft) wäre die Beschwerdeführerin für die bisherige Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig
gewesen, ebenso für eine adaptierte Tätigkeit ab Februar 2008 (dem der Exploration
folgenden Monat).
3.5 Die Klinik St. Pirminsberg hatte eine volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerde
führerin bis mindestens Ende April 2007 angegeben. Sie hatte durchaus eine Ver
besserung durch die stationäre Therapie beschrieben und empfohlen, die
Beschwerdeführerin auf Probe arbeitsfähig zu schreiben und so ihre Arbeitsfähigkeit
noch praktisch abzuklären. - Der im psychiatrischen Gutachten bestätigte Verlauf der
psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit kann daher als ausreichend ausgewiesen
betrachtet werden.
3.6 Die Beschwerdeführerin hatte bei der Begutachtung berichtet, vor kurzem sei
eine Reduktion des Hörvermögens rechts eingetreten. Eine ORL-Abklärung habe
ergeben, dass eine Tablettentherapie durchgeführt werden müsse. Sollte diese zu
keinem nennenswerten Erfolg führen, müsste allenfalls noch ein besseres Hörgerät
eingesetzt werden. Die Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin wurde im Gutachten
als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Diagnose aufgenommen. Die Auswirkungen
dieses Leidens wurden auch im Rahmen der psychiatrischen Abklärung berücksichtigt.
Eine eigentliche ORL-Abklärung hat indessen nicht stattgefunden. Es muss aber nicht
angenommen werden, dieser Gesichtspunkt sei ungenügend berücksichtigt worden.
3.7 Das Ergebnis der Begutachtung erscheint insgesamt als nachvollziehbar. Es kann
demnach darauf abgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin von August 2005 bis
Februar 2008 voll arbeitsunfähig war, während danach aufgrund einer Verbesserung
des Gesundheitszustands eine Arbeitsunfähigkeit von noch 50 % vorlag. Die
abweichenden Beurteilungen vermögen dagegen nicht anzukommen.
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4.
4.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; sog. allgemeine Methode). Versicherte Personen
mit vollendetem 20. Altersjahr (Art. 5 Abs. 1 IVG), die vor der Beeinträchtigung ihrer
körperlichen oder geistigen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG als
invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu
betätigen (vgl. auch Art. 28 Abs. 2 IVG; spezifische Methode, namentlich für im
Haushalt tätige versicherte Personen). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig
sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie
daneben in einem Aufgabenbereich nach Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig, so wird die
Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28 Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind
die Anteile der Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im andern Aufgabenbereich
festzulegen und es ist der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden
Bereichen zu bemessen (Art. 28 Abs. 2 IVG; gemischte Methode).
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Invalidität der Beschwerdeführerin nach der
gemischten Methode mit einer Aufteilung in 64 % Erwerbstätigkeit und 36 % Tätigkeit
im Haushalt bemessen. Das lässt sich unbestrittenermassen nicht beanstanden, kann
doch angenommen werden, die Beschwerdeführerin hätte ihren Beschäftigungsgrad im
Gesundheitsfall (zunächst) beibehalten. Angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit
im Erwerbsteil ergibt sich ein Invaliditätsgrad, der zu einer ganzen Rente berechtigt.
Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der Rentenanspruch
entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem Zeitpunkt,
in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b).
Da im Wartejahr eine (durchschnittlich) volle Arbeitsunfähigkeit vorlag, besteht nach
Ablauf der Wartezeit ab 1. August 2006 Anspruch auf eine ganze Rente, sofern die
Erwerbsunfähigkeit nicht durch berufliche Massnahmen zuvor noch hätte vermindert
bis
bis
ter
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werden können. Letzteres kann vorliegend ausgeschlossen werden. Es entstand somit
der genannte Rentenanspruch.
5.
5.1 Nach der medizinischen Aktenlage kann wie erwähnt von einer Verbesserung des
Zustands im Februar 2008 ausgegangen werden. Für den Erwerbsbereich war die
Beschwerdeführerin zu jener Zeit zu 50 % arbeitsfähig. Dass im Haushaltbereich mit
80 % für jene Zeit eine etwas höhere Arbeitsfähigkeit vorliegt, wie der psychiatrische
Gutachter am 22. August 2008 (IV-act. 54) dafürhielt, erscheint im Ergebnis ebenfalls
überzeugend. Es ist damit berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin bei körperlich
schwereren Tätigkeiten und Tätigkeiten in ungünstigen Körperhaltungen eingeschränkt
ist. Die Tätigkeit im Haushalt lässt sich allerdings leichter einteilen und ist psychisch
weniger belastend.
5.2 Nach der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung (seit 1. Januar 2008
gesetzlich neu in Art. 28a IVG platziert), wie sie das Bundesgericht (vom hiesigen
Gericht kritisiert) anwendet (BGE 131 V 51, wonach das Valideneinkommen nach
Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen
ist, und nicht etwa wie das Invalideneinkommen nach Massgabe eines
Vollzeitpensums, vgl. auch Bundesgerichtsentscheid vom 29. September 2010,
8C_538/10), ist das Valideneinkommen für das Jahr 2008 auf Fr. 24'399.-- (bei 64 %
Beschäftigung) festzulegen. Im Jahr 2004, dem Jahr vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit,
hatte die Beschwerdeführerin gemäss Arbeitgeberbescheinigung ein Einkommen von
rund Fr. 23'042.-- verdient. An die Nominallohnerhöhung bis 2008 (gemäss Tabelle 39
der Publikation Lohnentwicklung 2010 des Bundesamtes für Statistik) der Frauenlöhne
(Index 2004: 2360; Index 2008: 2499) angepasst, entspricht das einem Betrag von
Fr. 24'399.--. Gemäss der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE
2008 des Bundesamtes für Statistik, welche heranzuziehen ist, konnten Frauen mit
einfachen und repetitiven Tätigkeiten im privaten Sektor in jenem Jahr durchschnittlich
(statistisches Mittel, Zentralwert; vgl. AHI 1999 S. 50) Fr. 59'964.-- (12mal Fr. 4'997.--)
verdienen. Die Beschwerdeführerin könnte mit 50 % Erwerbstätigkeit als Gesunde
daher Fr. 29'982.-- verdienen. Da ihr tatsächliches Einkommen bei 50 % Beschäftigung
Fr. 19'061.-- ausgemacht hätte, hat sie um 36 % unterdurchschnittlich verdient. Der
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Unterschied ist, wie die Beschwerdegegnerin es getan hat, auszugleichen. Es ergibt
sich bei einem Ausgleich ohne Aussparung von 5 % ein Erwerbsausfall im
Erwerbsbereich von rund 22 % (Valideneinkommen Fr. 24'399.--, Invalideneinkommen
Fr. 19'061.--) und ein Teilinvaliditätsgrad von 14 %. Zusammen mit demjenigen aus
dem Haushaltbereich (0.36x 20 %) ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 21 %.
5.3 Der Rentenanspruch ist demnach aufzuheben. Bei der rückwirkenden
stufenweisen Rentenzusprechung richtet sich der Zeitpunkt einer Rentenherabsetzung
oder -aufhebung ausschliesslich nach Art. 88a Abs. 1 IVV. Art. 88 Abs. 2 IVV findet
keine Anwendung (BGE 106 V 16). Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die
anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für
die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere
Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. - Der Rentenanspruch ist daher auf den 30. April 2008 aufzuheben.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, ab April 2009 hätte sie im
Gesundheitsfall vollerwerbstätig werden müssen, da ihr Ehemann arbeitslos geworden
sei. Ein solcher Wechsel der Methode würde das Ergebnis einer Erhöhung ihres
Invaliditätsgrads erbringen.
6.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige oder als
Nichterwerbstätige einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode führt
-, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Abgestellt wird nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Beurteilung des Status - einzig - auf den
Beweis der hypothetischen Erwerbsverhältnisse im Gesundheitsfall (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom 4. Januar 2002, I 715/00), ohne die
Zumutbarkeit als zusätzliches Kriterium zu betrachten (vgl. aber Art. 5 Abs. 1 IVG und
Art. 8 Abs. 3 ATSG; hierzu Franz Schlauri, Das Rechnen mit der Arbeitsunfähigkeit in
Beruf und Haushalt in der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung, in: René
bis
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Schaffhauser/Franz Schlauri, Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003,
S. 343 f.). Massgeblich sind die gesamten (persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen) Umstände (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S R.
vom 24. Juli 2006, I 116/06). Nebst dem früheren Arbeitsverhalten sind im
Wesentlichen die Absicht der versicherten Person und ihre Vorstellungen und Pläne
zum Alltag ohne Gesundheitsschaden zu berücksichtigen (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom 20. Juni 2003, I 635/02). Von
Bedeutung sind vor allem auch die Sicherstellung der Kinderbetreuung und die
Verdienstverhältnisse (I 715/00). Die konkrete Situation und die Vorbringen der
Versicherten sind nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen
(I 116/06). Zu beachten ist, dass der Entscheid über die Statusfrage immer ein solcher
über eine Hypothese bleibt, da sie sich immer stellt, wenn in Wirklichkeit eine
gesundheitliche Beeinträchtigung (schon seit längerer oder kürzerer Zeit) eingetreten
ist. Die Arbeitseinteilung in der Vergangenheit einerseits kann für die massgebliche
Hypothese nur ein Indiz darstellen; die spätere reale Einteilung anderseits ist meist
bereits durch die Invalidität beeinflusst (nicht veröffentlichter Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S L. vom 2. Februar 2006).
6.3 Ein Methodenwechsel darf nach der älteren Praxis nur vorgenommen werden,
wenn er zwingend notwendig ist (vgl. ZAK 1969 S. 745; BGE 104 V 149 E. 2). Das ist
auch heute noch zu postulieren (vgl. Gabriela Riemer-Kafka, Veränderungen der fami
liären Verhältnisse als Rentenrevisionsgrund in der IV, in: R. Schaffhauser/ F. Schlauri
[Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, S. 111). Der
Methodenwechsel setzt eine Nachführung der hypothetischen Lebensentwicklung
voraus. Es wird auf den realen Verlauf persönlicher und familiärer Verhältnisse nach
Eintritt der Invalidität (und unter den Einwirkungen der Invalidität) abgestellt, obwohl
diese Verhältnisse an sich ohne kausalen Einfluss auf die Invalidität sind. Aus dieser
Realität wird auf wesentliche Änderungen im massgeblichen hypothetischen
Sachverhalt (BGE 117 V 199 E. 3b) geschlossen. Auf eindeutige Lebensentwürfe und
Lebenserfahrungen ist in der modernen Gesellschaft mit gleichen Chancen für
unterschiedlichste Arten beruflichen Fortkommens allerdings immer weniger Verlass.
Darum ist es gerechtfertigt, den Methodenwechsel nur bei triftigen Gründen
zuzulassen. Etwa wenn nach einer eindeutigen (hypothetischen) Sachlage ein
Festhalten an der bisherigen Methode missbräuchlich wäre (so der nicht veröffentlichte
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Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S V. vom 25. Oktober
2001, IV 2001/3). Verschiedene Hypothesen müssen gegeneinander abgewogen
werden. Ausschlaggebend ist dabei, welche dieser Hypothesen die plausibelste ist
(nicht veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
A. vom 22. April 2008, IV 2006/257).
6.4 Die Beschwerdeführerin lässt vorbringen, die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit
wäre nach Eintritt der Arbeitslosigkeit bei ihrem Ehemann wirtschaftlich notwendig
geworden und sei bei den gegebenen Verhältnissen vor allem überwiegend
wahrscheinlich. Ob ihr von der ehemaligen Arbeitgeberin (als einer von mehreren in
Frage kommenden Anbietern von Arbeit) eine Aufstockung des Arbeitspensums
bewilligt worden wäre (oder nicht, wie die Beschwerdegegnerin geltend macht), spielt
unter dem Aspekt der Kriterien für die Wahl der Bemessungsmethode keine Rolle.
Durch die Kündigung der Arbeitsstelle des Ehemannes der Beschwerdeführerin auf
Ende März 2009 ist allerdings eine mindestens vorübergehende gewisse Reduktion des
Familieneinkommens verursacht worden. Dieser Umstand erscheint jedoch nicht als so
nachhaltiger, einschneidender Grund, dass er die oben dargelegten Anforderungen an
die Rechtfertigung eines Methodenwechsels erfüllen würde. Was die Berechnungen
von Einnahmen- und Ausgabenüberschüssen gemessen an SKOS- und EL-
Bedarfssätzen betrifft, welche die Beschwerdeführerin angestellt hat, ist festzuhalten,
dass auch bei der Berechnung ab April 2009 (act. G1.6-7) das Einkommen der
Beschwerdeführerin für eine Beschäftigung von 64 % zu den Einnahmen
hinzuzurechnen ist, da sie als Gesunde mindestens jenes Pensum inne hätte. Damit
(und nicht erst mit einem Einkommen bei vollzeitlicher Anstellung) ergäben die
Berechnungen Einnahmenüberschüsse (im Übrigen gerechnet mit den von der
Beschwerdeführerin verwendeten Zahlen z.B. selbst nach EL-Ansätzen etwas mehr als
Fr. 700.--). Andere triftige Änderungen in den hier relevanten Verhältnissen sind nicht
ersichtlich (namentlich kann etwa dem Ausbildungsabschluss des Sohnes keine solche
Bedeutung zugemessen werden). Anlass, die Invalidität der Beschwerdeführerin im
Zeitablauf nach einer anderen Methode zu bemessen, besteht demnach nicht.
6.5 Bleibt es über den April 2009 hinaus bei der gemischten Bemessungsmethode,
so ist bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung nicht erneut ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad eingetreten.
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7.
7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 17. Juni 2009 teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist ab 1. August 2006 bis 30. April 2008 eine ganze Rente
zuzusprechen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Sie sind auf Fr. 600.-- zu veranschlagen.
7.3 Die Beschwerdeführerin obsiegt teilweise und hat die Gerichtskosten deshalb
ermessensweise zur Hälfte zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP), die Beschwerdegegnerin
hat die andere Hälfte zu bezahlen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege mit Präsidialverfügung vom 23. Oktober 2009 ist die Beschwerdeführerin
von der Bezahlung ihres Teils der Gerichtsgebühr zu befreien.
7.4 Die Beschwerdeführerin hat bei teilweisem Obsiegen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Es rechtfertigt sich, die
Beschwerdegegnerin zur Ausrichtung einer (hälftigen) Parteientschädigung von
Fr. 1'750.-- (einschliesslich Barauslagen und MWSt) zu verpflichten. Aufgrund der
bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege hat der Staat die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin zu entschädigen, wobei das Honorar um einen Fünftel
herabgesetzt wird (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG/SG; sGS 963.70). Der Staat hat somit eine
Entschädigung von Fr. 1'400.-- zu bezahlen.
7.5 Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es ihr gestatten, kann die
Beschwerdeführerin allerdings zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen
für die Vertretung verpflichtet werden (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 288 Abs. 1 des bis 31. Dezember 2010
bis
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gültig gewesenen Zivilprozessgesetzes des Kantons St. Gallen [ZPG/SG, sGS 961.2]
und Art. 99 Abs. 2 des st. gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP/
SG, sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht