Decision ID: a8a401de-ce46-42df-a3db-50eb58811060
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1989, war
vom
1.
April
2019
bis
zur Kündigung durch die Arbeitgeberin per
3
0.
November
2019
b
eziehungsweise 3
1.
Dezember 2019
in einem Pensum von 50
%
als medizinische Sekretärin
bei der
Klinik Y._
angestellt (
vgl.
Urk.
7/A1
,
Urk.
7/A7,
Urk.
7/A38
,
Urk.
7/
A52
) und über
diese
bei der AXA Versicherungen AG (nach
folgend: AXA)
im Rahmen einer kollektiven Krankentaggeldversicherung
gemäss
dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) taggeldversichert
(
Police Nr.
...
;
Urk.
7, im Anschluss an die Akten
der Invalidenversicherung, IV;
vgl. Aktenverzeichnis S. 3).
Daneben arbeitete sie
seit Jahren in – soweit ersicht
lich – variierenden
Teilzeitpensen
i
m Geschäft ihres Vaters
im Verkauf
(vgl.
Urk.
7, IV-
Akten,
dort
Arbeitgeberfragebogen
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.9 sowie
IV-Anmeldung
Ziff.
5.4;
Urk.
7/A38 S. 1).
1.2
Mit
Krankenmeldung vom 1
8.
September 2019 (
Urk.
7/A1)
meldete die Arbeit
geberin der AXA, dass d
ie
Versicherte seit
8.
August 2019
krank
heitsbedingt arbeitsunfähig sei.
Die AXA leistete ab dem
7.
September 2019 Taggelder (
Urk.
7
/A72).
Am 1
1.
November 2019 wurde
die Versicherte
im Auftrag der AXA durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, untersucht
(
Urk.
7/M3).
Mit Schreiben vom 1
3.
November 2019 (
Urk.
7/A9) teilte die AXA der Versicherten mit, dass sie gestützt auf die Beurteilung
durch
Dr.
Z._
davon ausgehe, dass in der bisherigen Tätigkeit ab
1.
Dezember 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und ab dem
1.
Januar 2020 wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe und
dass
die Taggelder entsprechend ausgerichtet würden. Daran hielt sie mit Schreiben vom 1
9.
Dezember 2019 (
Urk.
7/A22)
gestützt auf die
Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 1
8.
Dezember 2019 (
Urk.
7/M5) fest.
Nach
(erneuter) Intervention
der Versicherten vom 2
0.
Februar 2020 (
Urk.
7/A30) tätigte die AXA weitere Abklärungen und holte insbesondere die Akten der Inv
alidenversicherung (
Urk.
7/I1-5;
vgl. Aktenverzeichnis S. 2 unt
en) ein
. Mit Schreiben vom 2
4.
April 2020 (
Urk.
7/A53) teilte
sie
der Versicher
ten mit, gestützt auf den von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
zuh
anden der Invalidenversicherung erstatteten Bericht vom
1.
April
2020 (
Urk.
7/M7) sei davon auszugehen, dass sich das versicherte Risiko bereits vor
Beginn der (Versicherungs-) Deckung manifestiert habe, weshalb eine Leistungs
pflicht abgelehnt werden müsse. Auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Taggelder in der Höhe von
Fr.
6‘112.45 werde verzichtet.
Mit Einwand vom
8.
Mai 2020
(
Urk.
7/A63)
machte die Versicherte geltend, die zur Leistung der AXA berechtigende Erkrankung habe (erst) am 2
0.
August 2019 beg
onnen, und reichte hierzu eine Stellungnahme
von
Dr.
A._
vom
6.
Mai 2020
zum Verlauf der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
(
Urk.
7/M8 =
Urk. 7
/K9) ein. Am
8.
Juni 2020
(
Urk.
7/M9)
nahm
Dr.
Z._
erneut Stellung zur medizinischen Akten
lage. Mit S
c
hreiben vom 1
0.
Juni 2020 (
Urk.
7/A74) hielt die AXA an der Leistungsein
stellung per 3
1.
Dezember 2019 fest, mit der Begrün
dung, dass die Kriterien einer p
osttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
nicht erfüllt seien und keine ande
ren Diagnosen gestellt würden, die eine Arbeitsunfähigkeit begründeten. Hin
sicht
lich der Deckungsbeurteilung
beliess
sie
es bei einem Hinweis
auf wider
sprüchliche Angaben zum Beginn der Arbeits
unfähigkeit durch
Dr.
A._
.
2.
2.1
Mit Eingabe vom
7.
Oktober 2020 erhob die
Versicherte eine unbegründete Klage gegen die AXA
mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2 oben):
«Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin Taggelder aus der Taggeldversicherung
...
wie folgt zu bezahlen:
-
für die Periode 0
1.
– 31.12.2019: 31 hal
be Taggelder à CHF 31.3
5
-
für die Periode 01.0
1.
– 30.09.2020: 274 ganze Taggelder à CHF 62.70
nebst Zins zu 5
%
ab Klageeinleitung;
unter Vorbehalt der Nachklage für weitere Taggelder;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (
zuzügl
.
MwSt
) zu Lasten der
Beklagten.»
In Nachachtung der Gerichtsverfügung
vom 3
0.
Oktober 2020 (
Urk.
4) reichte die Beklagte
am 2
6.
November 2020 das die strittige Angelegenheit betreffende Dossier (
Urk.
7/A1-81, M1-M9, K1-K10
, I1-5
)
samt der anwendbaren Police
(
Urk.
7, im Anschluss an die IV-A
kten;
vgl. Aktenverzeichnis S. 3)
und
den
mass
gebenden
Versicherungsbedingungen (
Urk.
7/A61
) ein
.
2.2
A
nlässlich der von der
Kläger
in
beantragten Hauptverhandlung vom
2
2.
März 2021
stellte
diese
folgendes erweitertes
Rechtsbegehren (Prot. S. 2 Mitte,
Urk.
12 S. 1 oben):
«Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin Taggelder aus der Taggeldversicherung
...
wie folgt zu bezahlen:
-
für die Periode 0
1.
– 31.12.2019: 31 halbe Taggelder à CHF 31.35
-
für die Periode 01.01.
2020
– 31.01.2021
: 397
ganze Taggelder à CHF 62.
70
-
für die Periode 01.02.2021 – 28.02.2021: 28 halbe Taggelder à CHF 31.35;
nebst Zins zu 5
%
ab Klageeinleitung;
unter Vorbehalt der Nachklage für weitere Taggelder;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (
zuzügl
.
MwSt
) zu Lasten der
Beklagten.»
Alsdann begründete
sie ihre
Klage mündlich
(Prot. S. 3,
Urk.
12
) und
die Beklagte
erstattete
ihre mündliche Klag
eantwort (Prot. S. 3
f.,
Urk.
14
)
, wobei sie die vollumfängliche Abweisung der Kla
ge beantragte (Prot. S. 2 unten,
Urk.
14 S. 1 oben)
.
Mit mündlich erstatteter
Replik (Prot. S. 4 ff.) und Duplik (Prot. S. 6 f.)
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest
.
Eine vergleichsweise Einigung konnte anlässlich der Hauptverhandlung
nicht erzielt werden (Prot. S. 7 unten
).
Am
6.
April 2021 wurde den Parteien eine Kopie des Protokolls über die Haupt
verhandlung vom 2
2.
März 2021 zugestellt (
Urk.
17).
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art. 2 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 26. September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
si
cherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem
VVG
. Sie sind privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1). Kollektive Krankentaggeldversicherungen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren Taggeldversicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (BGE 142 V 448 E. 4.1).
1
.2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für Kla
gen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversi
che
rung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) zuständig (Art. 7
der Schweiz
erischen Zivilprozessordnung,
ZPO
, in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
; BGE 138 III 2 E. 1.2.2), ohne dass vorgängig ein Schlichtungsverfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558 E. 4).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unstreitig (vgl.
Urk.
14 S. 1
lit
. B) gegeben.
Da der Streitwert Fr. 3
0’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Klage
in die einz
elrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs.
1
GSVGer
, in der ab 1.
Juni 2020 geltenden Fassung
).
1
.3
Gemäss Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO werden Ansprüche aus einer Zusatz
ver
si
che
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren nach Art. 243 ff. ZPO beurteilt. Ge
mäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO stellt das Gericht im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
Der Untersuchungsgrundsatz befreit die Parteien indessen nicht davon, bei der Feststellung des
entscheidwesentlichen
Sachverhalts aktiv mitzuwirken. Das Ge
richt ist im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO lediglich einer erhöhten Fragepflicht unterworfen. Wie unter der Verhandlungsmaxime müssen die Parteien selbst den Stoff beschaffen. Das Ge
richt kommt ihnen nur mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen Behauptungen und die entsprechenden Beweismittel genau aufgezählt werden. Es ermittelt aber nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt ver
treten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der Ver
handlungsmaxime zurückhalten (BGE 141 III 569 E. 2.3 franz.; Urteil des Bundes
gerichts 4A_702/2016 vom 23. März 2017 E. 3.1).
1
.4
Gemäss Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs be
hauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt wer
de
n und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Es obliegt der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Ver
si
cherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die
den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbindlich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1
.5
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsbe
rech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr ge
scheitert (BGE 130 III 321 E. 3.4).
1
.6
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
nu
merus
clausus der Beweismittel.
Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Be
weismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2).
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Z
eugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts als Privatgut
achten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5).
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind als blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017, E. 3.2 am Ende).
2
.
2
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beklagte der K
lägerin für den Zeitraum vom
1.
Dezember 2019 bis 2
8.
Februar 2021
Krankentaggelder
im Betrag von
insge
samt
Fr.
26'741.55
(für eine
volle
Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Dezember 2019 bis 3
1.
Januar 2021
sowie eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom
1.
bis 2
8.
Februar 2021
) zuzüglich 5
%
Zins ab
7.
Oktober 2020 zu bezahlen hat.
2.2
Die Klägerin
begründete ihre Klage
zusammengefasst
damit
(
Urk.
12)
,
dass ihr
durch
Dr.
A._
ab dem 2
0.
August 2019 durchgehend
eine Arbeitsunfähigkeit
bis zum
3
0.
April 2021
bescheinigt
werde
.
Es lägen diametral entgegengesetzte Beurteilungen durch
Dr.
A._
und
Dr.
Z._
vor.
Die einmalige Untersuchung durch
Dr.
Z._
sei unzureichend gewesen
(S. 3 f.
Ziff.
3). Sie habe
Dr.
A._
schon anfangs 2018 aufgesucht, weil sie seit längerer Zeit an Angst- und Panik
attacken gelitten habe. Eine eigentliche Behandlung bei
Dr.
A._
habe im Februar 2019 begonnen. Die durchgeführte medikamentöse Behandlung habe da
zu geführt, dass sie wieder arbeitsfähig geworden sei und anfangs April 2019 die Stelle bei der
Klinik Y._
habe antreten können.
I
m August 2019
habe sich ihr Zustand
wieder verschlechtert. Sie habe an diversen – näher dargelegten (S. 4 unten) – Symptomen gelitten, welche bis zu fünf oder sech
s Mal am Tag aufge
treten seien, und sich sozial zurückgezogen
(S. 4 f.
Ziff.
4). Ihre Beschwerden hätten mehrere Ursachen gehabt, die in ihrer Gesamtheit einfach zu viel geworden seien
.
So zum einen die Situation mit dem Vater
ihres zwölfjährigen Sohnes, welcher sich nach Jahren ohne persönlichen Kontakt
2018
bei der KESB be
schwert habe, dass
sie ihm das Besuchsrecht verweigern würde, woraufhin sie der Behörde immer wieder die von Gewalt und Drohung
geprägten und teilweise auch polizeilich aktenkundigen
Geschehnisse von vor zehn Jahren habe schildern müssen, was sie als extreme psychische Belastung
empfunden habe.
Sie habe
befürchtet,
die KESB könnte ihr das Kind wegnehmen. Erst als das Verfahren anfangs September 2020 abgeschlossen worden sei, sei das Damoklesschwert über ihr verschwunden. Zum andern sei auch
die Situation mit ihrem
a
n einer latenten Schizophrenie
l
eidenden Bruder sehr belastend, welcher
sich in Krisensituationen mit Alkohol und Kiffen
behelfe,
und sie und ihren Sohn
terrorisiere
.
Darüber hinaus sei bei ihrem Vater 2019 eine schwere und unheilbare Autoimmun
er
krankung diagnostiziert worden. Die Kündigung durch die
Klinik Y._
im August 2019 habe schliesslich das «Fass zum Überlaufen»
gebracht (S. 5 ff.
Ziff.
5
)
.
Dr.
Z._
habe
die
postulierte psychische Verbesserung
lediglich
da
mit begründet, dass ein Teil der Belastungen weggefallen sei, da
keine Konfron
tation mit dem Ex-
Ehe
mann mehr stattfinde, was aber nicht stimm
e, da das KESB-Verfahren erst d
reiviertel Jahre später abgeschlossen worden sei (S. 7
Ziff.
6)
. Wichtiger als die exakte Diagnose sei die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit, welche bei einer
PTBS
genauso eingeschränkt sein könne wie bei einer depressiven Reaktion. In diesem entscheidenden Punkt sei die Beurteilung durch
Dr.
Z._
sehr oberflächlich (S. 8
Ziff.
7). Die Berichte
von
Dr.
A._
er
schienen dageg
e
n hinreichend und nachvollziehbar begründet.
In ihrem
Be
richt zuhanden
der Invalidenversicherung
vom
1.
April 2020
habe
Dr.
A._
den Beginn der Arbeitsunfähigkeit
fälschlicherweise
auf den 2
1.
Februar 2019 datiert
. Hierbei h
andle
es
sich
effektiv
um das Datum des Behandlungsbeginns (S. 9 oben).
Am
1.
Februar 2021 habe sie, bei einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 50
%
, eine
neue Stelle als Personalassistentin in einem 50
%
-Pensum antreten können, welche ihr jedoch in der Probezeit bereits wieder gekündigt worden sei. Im ihrem neusten Bericht vom 1
5.
März 2021 bestätige
Dr.
A._
wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 9
Ziff.
9).
2.3
Die
Beklagte
bestritt ihre Leistungspflicht
im Wesentlichen
mit der Begründung
(
Urk.
14
; vgl. auch Prot. S. 3 f.
),
gestützt auf den Bericht von
Dr.
A._
zuh
anden der Invalidenversicherung
vom
1.
April 2020
sei davon auszugehen, dass die Klägerin bei Antritt des Arbeitsverhältnisses
bei der
Klinik Y._
am
1.
April 2019 arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb für
die geltend gemachte
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit keine Versicherungsdeckung bestehe (S. 2
Ziff.
3). Soweit
Dr.
A._
zu einem späteren Z
eitpunkt einen Unte
rbruch der Arbeits
un
fäh
i
gkeit
von
1.
April bis 1
9.
August 2019 bestätigt habe, sei dies
mit Blick auf
ihre Angaben zum
Gesundheitszustand
und zum
Behandlungsverlauf
sowie
die von ihr gestellten Diagnosen
nicht
nachvollziehbar beziehungsweise nicht über
wiegend wahrscheinlich (S. 2 f.
Ziff.
4)
.
Wenn
von einer bestehenden Versi
che
rungsdeckung ausgegangen werden müsste, wäre eine volle Arbeitsunfähigkeit der Klägerin ab dem
1.
Dezember 2019 nicht ausgewiesen. Die von
Dr.
Z._
gestellte Diagnose einer
depressiven Reaktion im Sinne einer
Anpassungsstörung erscheine plausibel. Eine solche vermöge gemäss Rechtsprechung in der Regel jedoch keine Arbeitsunfähigkeit von mehr als sechs Monaten Dauer auszulösen
. Der von
Dr.
Z._
beschriebene
Verlauf der Arbeitsunfähigkeit sei nachvoll
ziehbar und ausgewiesen (S. 3 f.
Ziff.
5). Soweit
Dr.
A._
die von ihr postulierte Arbeitsunfähigkeit mit der Diagnose einer
PTBS
begründe, sei eine solche
nicht ausgewiesen (S. 4 f.
Ziff.
6-7).
Auch die Kriterien für die Diagnose einer rezi
di
vierenden depressiven Störung seien nicht erfüllt (vgl. Prot. S. 4
Ziff.
8).
Die Klägerin vermöge das
Bestehen einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab
1.
Dezember 2019 nicht rechtsgenügend zu belegen (S. 5 f.
Ziff.
8).
Die Darstellung der Klägerin betreffend die Untersuchung bei
Dr.
Z._
sei einseitig und unzu
treffend und die Dauer der Untersuchung spreche nicht grundsätzlich gegen die B
e
weiskraft des Untersuchungsberichts (Prot. S. 3
Ziff.
1,
Prot.
S. 4
Ziff.
10).
2.4
Replikweise
(Prot. S. 4 f.
)
hielt die Klägerin dem entgegen,
zu
Beginn des Arbeits
verhältnisses bei der
Klinik Y._
sei sie voll a
rbeits
- und leis
tungs
fähig gewesen
, was – näher genannte – Zeugen be
stätigen könnten (S. 4 unten).
Weiter
bekräftigte sie ihren Standpunkt, wonach
die exakte Diagnose weniger
im Vordergrund
stehe
als die Folgen. Die Anforderungen an
die Diagnose
eine
r
PTBS
seien rechtsprechungsgemäss zugegebenermassen hoch, aber
Dr.
A._
habe die von ihr beschriebene
Retraumatisierung
nicht im Rechtssinn, sondern im medi
zinischen Sin
n
verstanden.
A
uch bei einer depressiven Reaktion oder einer
Anpassungsstörung könne
aber
eine Arbeitsunfähig
keit die Folge sein
. Die pau
schale Aussage, wonach letztere Diagnose – unabhängig vom konkreten Fall – keine Arbeitsunfähigkeit von mehr als sechs Monaten Dauer auslösen könne, sei nicht haltbar
(S. 5 Mitte).
Schliesslich hielt die Klägerin daran fest, dass die vertrauensärztliche Untersuchung durch
Dr.
Z._
keine fundierte Basis zur Beurteilung ihrer
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
darstelle (S. 6 oben).
2.5
Die Beklagte
hielt in ihrer
Duplik
(Prot. S.
6 f.
)
daran fest, dass für die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit keine Versicherungsdeckung bestehe
(S. 6 Mitte).
E
ntgegen der Auffassung der Klägerin
sei
d
ie
Diagnose
sodann
schon
massgebend
f
ür die damit zusammenhängend
e Arbeitsunfähigkeit, denn
sie
sage
etwas aus
über den Schweregrad einer Erkrankung. Die Kriterien der
klinisch-diagnos
ti
schen
Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer
Störungen (
ICD-10
)
seien massgebend (S. 6 unten). Eine Anpassungsstörung habe – anders als eine
PTBS
– in der Regel keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge (S. 7 oben).
3
.
3
.1
Gemäss der Police
Nr.
...
(
Urk.
7, im Anschluss an die
IV-
Akt
en
; vgl. Aktenverzeichn
is S. 3) ist das gesamte Personal der
Klinik Y._
mit einem Jahres-Höchstlohn bis
Fr.
300'000.--
im Rahmen der zwischen ihr und der Be
klagten abgeschlossenen
Personenversicherung Professional für
ein Kranken
tag
geld von 80
%
des AHV-
Lohnes
bei einer Leistungsdauer von 730 Tagen abzüg
lich einer Wartefrist von 30 Tagen versichert (S. 5).
Als Vertragsgrundlage
wird auf
die Allgemeinen Vertragsbedingungen (AVB),
Ausgabe
03.
2015, verwiesen
(S. 1 Mitte). Diese bilden damit Vertragsbestandteil
.
3
.2
Gemäss den AVB (
Urk.
7/A61) erbringt die Beklagte die in der Police aufgeführten Leistungen für die wirtschaftlichen Folgen der krankheitsbedingten Arbeitsun
fähigkeit (
Art.
E1
Abs.
1).
Ist der Versicherte nach ärztlicher Feststellung arbeits
unfähig, bezahlt die Beklagte das Taggeld nach Ablauf der vereinbarten Warte
frist längstens während der in der Police aufgeführten Leistungsdauer (
Art.
E7
Abs.
1 AVB).
Ge
mäss
Art.
E1
Abs.
2 AVB n
icht versichert sind (unter anderem) Krankheiten, die bei Eintritt in den Betrieb oder bei Beginn der Versicherung bestehen, solange sie eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben
.
3
.3
In den AVB (
Urk.
7/ A61) wird Krankheit definiert als jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert und eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (
Art.
A4
Abs.
2)
. Arbeitsunfähigkeit wird defi
niert als die durch einen Unfall oder eine Krankheit bedingte, volle oder teilweise
Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabengebiet zumutbare Arbeit zu leisten
. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt
(
Art.
A4
Abs.
3 AVB).
4
.
4
.1
Am 2
5.
Oktober 2019 (
Urk.
7/M2) berichtete
Dr.
A._
,
die Klägerin stehe seit
dem
2
1.
Februar
2019
in ihrer Behandlung (
Ziff.
1). Als Diagnose nannte sie eine
schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome
mit
Traumafolge
stö
rungen
,
(mit)
im Hintergrund
(von)
Deprivation und
Parentifizierung
geprägte
(n)
Familienbeziehungen
in der Herkunftsfamilie in Kindheit und Jugend
, Z61.2
(
Ziff.
4)
.
Zur Anamnese führte
Dr.
A._
unter anderem aus, die Eltern der Klä
gerin hätten sich häufig gestritten und sie sei seit ihrer Kindheit auf sich selbst angewiesen gewesen. Mit 18 Jahren sei sie von ihrem damaligen, deutlich älteren Freund schwanger geworden und mit diesem zusammengezogen. Der Mann sei sowohl körperlich wie auch verbal gewalttätig gewesen und sie habe mehrmals mit dem Kind zu ihrer Mutter flüchten müssen.
Vor
zehn Jahren
habe sie
mit Hil
fe ihres
Vaters entsch
i
e
den
, diesen Mann endgültig zu verlassen. Sie habe ihren Sohn, mit gelegentlicher Hilfe ihrer Mutter,
alleine erzogen. Während einiger
Monaten habe sich der
Kindsvater
nicht gemeldet, dann aber die KESB eingeschaltet. Er habe das Recht,
den Sohn
zu besuchen und
dieser
dürfe auch bei ihm übernachten. Dadurch habe er erneut begonnen, sie zu schikanieren. Deswegen leide sie unter ausgeprägten Panikattacken und könne seither kaum Ruhe finden.
G
ewalttätige Momente seien erneut präsent, sie leide unter ausge
prägten Angstzuständen, Schlafstörungen und Schuldgefühlen ihrem Sohn gege
n
über. Sie habe die Hilfe ihres Vaters, der aber aktuell an einer
schweren Erkran
kung leide
und eine
sehr ungünstige
Prognose
bekommen
habe
. Sie fühle sich zunehmend traurig, könne sich gedanklich nicht ablenken
, habe sich zuhause zurückgezogen und ihre Arbeit abbrechen müssen. Sie habe an passiven Todes
wünschen gelitten und sei stark auf die Hilfe Dritter angewiesen. Davor sei ihre psychiatrische Vorgeschichte
bland
. Sie erkenne sich in diesen Phasen nicht und suche eine Therapie, um die Situation frühzeitig genug angehen zu können. We
gen dem schwierigen Zustand und nach Rücksprache mit der KESB seien die Abklärungen für sechs Monate gestoppt worden
. Die Ungewissheit in Bezug auf das, was nachher passieren werde, stelle aktuell eine massive Belastung
dar
(
Ziff.
2). Die Klägerin zeige Isolierungstendenzen und deutliche Einschränkungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Aus psychiatrischer Sicht sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig, eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit sei
bis auf Weiteres nicht möglich (
Ziff.
3). D
urch
die eingeleitete integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische sowie medikamentöse antidepressive Behandlung
sei
en
eine leichte Besserung der Selbstorganisation und der Entspannungs
möglich
keiten sowie der Schlafarchitektur eingetreten. Es bestünden weniger Stim
mungs
schwankungen und mehr Introspektion (
Ziff.
8-
9).
4
.2
Dr.
Z._
erstattete am 1
2.
November
2019
ein
von der Beklagten in Auftrag gegebenes Gutachten zur Plausibilisierung der Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/M3), dies nach am 1
1.
November 2019 erfolgter Untersuchung der Klägerin
(vgl. S. 4 oben). Zu den aktuell beklagten subjektiven Beschwerden führte
er
aus, die
Klägerin
habe angegeben, ihre Eltern hätten sich getrennt als sie zwölfjährig gewesen sei. Als Kind habe
sie keine schlimmen Erlebnisse
gehabt
und nicht an Ängsten gelitten. Ein Bruder
sei alkoholsüchtig. Die als 18-J
ährige geschlossene Ehe mit e
inem DJ sei mühsam verlaufen. S
i
e
sei von ihm geschlagen worden. Diese Erlebnisse habe sie später aber nie wie im Film vor sich gesehen und auch
nicht davon geträumt. Wenn es mit dem Ex-Ehemann zu Konfrontationen komme
, fühle sie sich gestresst. Es träten gelegentlich Ängs
t
e auf, welche bereits früher vorhanden gewesen seien. Ihr elfjähriger Sohn sei ihre wichtigste Stütze. Er hänge an ihrem Vater, welcher vor einem Jahr an einer beinahe unheilbaren Krankheit erkrankt sei und oft im Spital geweilt habe. Dies habe sie und ihren Sohn erheb
lich belastet. Ihre derzeitigen seelischen Probleme würden teilweise damit zu
sammenhängen. Zudem hätten Probleme mit ihrem Ex-Ehemann
besta
nden, welcher den Sohn lange Zeit nicht besucht habe.
De
r Sohn sei dem Vater ent
fremdet
.
Vor einigen Monaten habe dies zu erheblichen Spannungen geführt und es sei die KESB eingeschaltet worden. Sie habe es unbedingt vermeiden wollen, den Sohn weggeben zu müssen, und habe um ihn gekämpft. Seit Frühjahr 2019 sei das Besuchsrecht des Ex-Ehemannes vorübergehend aufgehoben, was zu einer Beruhigung geführt habe. Trotzdem sei es ihr von August 2018 bis Februar 2019 schlechter gegangen. Sie habe an Ängsten gelitten, sich überlastet gefühlt und schlecht geschlafen. Seit der Aufhebung des
Besuchsrechts gehe es besser.
Ende Juli
2019 sei ihr die Stelle als Sekretärin gekündigt worden. Dies sei ein zu
sätzlicher Auslöser dafür gewesen, dass sie ab August 2019 depressiv geworden sei. Sie habe kaum geschlafen, an starken Ängsten gelitten und sich unwohl gefühlt. Im Februar 2019 habe sie eine Behandlung bei einer Psychiaterin auf
genommen, welche sie in der Regel 14-täglich besuche.
Seit Juni
2019
nehme sie
Brintellix
-Tabletten ein, wodurch sich die Ängste zurückgebildet hätten. Sie ge
stalte den Tag regelmässig, besuche unter anderem Elternabende. Sie sei weniger sozial aktiv als früher (S. 3 f.).
Zum Untersuchungsbefund führte
Dr.
Z._
aus, der affektive Rapport
sei gut herstellbar. D
ie Stimmungslage
sei
phasenweise düster, insbesondere
,
wenn von den Problemen mit dem Ex-Ehemann und dem Vater gesprochen
werde. Eine
schwermütig gedrückt
e Stimmung finde sich aber nicht. Es bestehe keine Sui
zidalität. Die Klägerin
klage
über Schlafstörungen. Der Appetit, die Konzentration und das Gedächtnis seien in Ordnung. Es bestehe ein eher eingeschränktes Selbst
wertgefühl (S. 4).
Als Diagnose nannte d
er Gutachter
eine
depressive Reaktion
/
familiäre Schwie
rigkeiten
, ICD-10 F43.2 / Z63
(S. 5 oben).
Er führte aus, die Klägerin sei f
rüher nie psychisch krank
gewesen. Eine
PTBS
habe nie bestanden, die Klägerin habe keine ausserordentlich schlimmen Erlebnisse gehabt und nicht an Flashbacks gelitten. Im Zusammenhang mit einer schwierig verlaufenen Ehe seien Probleme aufgetreten, sie habe vorerst durchgehalten. Später sei sie überfordert gewesen, da ihr Vater schwer erkrankt sei. Zudem habe es Arbeitsplatzprobleme gegeben, welche mit einer Kündigung geendet hätten. Als alleinerziehende Mutter sei sie generell überlastet gewesen. Im August 2019 sei sie unter dem
Bild einer An
passungsstörung
dekompensiert
.
Diese Diagnose könne gestellt werden, da be
stimmte Gründe zur seelischen Krise geführt hätten.
Die Anpassungsstörung sei zu Beginn von Panikgefühlen begleitet gewesen, welche sich unterdessen zurück
gebildet hätten. Eine rezidivierende depressive Störung sei nicht nachweisbar, da die Klägerin früher nie an depressiven
Episoden gelitten habe (S. 5).
Aktuell bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit, dies bis zum 3
0.
November 201
9.
Ab
1.
Dezember 2019 sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen, dies bis zum 3
1.
Dezember 201
9.
Ab
1.
Januar 2020 bestehe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 6 oben). Der psychische Gesundheitszustand der Kläge
rin habe
sich
verbessert.
So hätten sich die Panikzustände
zurückgebildet. Ein Teil der Belastungen sei weggefallen, da Konfrontation
en
mit dem Ex-
Ehem
ann nicht mehr stattfänden.
Die Klägerin
benötige noch etwas Zeit, sich von der depressiven Reaktion zu lösen. Dies sollte es ihr erlauben, ab
dem
1.
November
2019 zu 50
%
tätig zu sein
(S. 6 unten).
Die
Kündigung der Arbeitsstelle sei nur ein Grund von mehreren gewesen, der zur psychischen Krise geführt habe.
Die Klägerin
könne im kaufmännischen Bereich arbeiten (S. 7 oben).
Die thera
peu
tischen Massnahmen
seien optimal (S. 7 unten).
4
.3
Dr.
A._
monierte in ihrer
am 2
2.
November 2019 erstatteten Stellungnahme
(
Urk.
7/M4)
,
dass
i
nsbesondere m
ehrere
anamnestische Angaben
im Gutachten von
Dr.
Z._
nicht mit der von der
Klägerin
beschriebenen Situation über
einstimmten.
Nebst dem Umstand, dass der Ex-Freund fälschlicherweise als Ehemann bezeichnet werde,
wies
Dr.
A._
unter anderem darauf hin, dass die Klägerin eigenen Angaben zufolge in einem gewalttätigen Kontext aufgewachsen
und
unter an
derem emotional schwer vernachlässigt worden sei,
und
dass sie
sowohl
für sich als
auch für ihren an Schizophrenie erkrankten Bruder habe
handeln und entscheid
en
müssen
(S. 1 oben). Nach -
im Wesentlichen bereits bekannte
n
– Ausführungen zur
von häuslicher Gewalt geprägten Beziehung zu ihrem (Ex-)
Freund und zur Besuchsrechtsproblematik wies
Dr.
A._
des Wei
teren darauf hin,
dass die Klägerin an ihrer letzten Stelle als Sekretärin in einer Arztpraxis heftige Auseinandersetzungen mit ihrem Chef erlebt habe
, welche vor Gericht geendet hätten
.
Demzufolge sei
sie
schwer deprimiert geworden, habe an ausgeprägten Panikattacken gelitten und sich kaum aus dem Haus gewagt. Die dadurch ausgelöste und aktuell noch vorhandene mittelgradige bis schwere de
pressive Symptomatik habe sich aufgrund der gegebenen Struktur im Alltag und den Erholungsmomenten leicht gebessert. Die Proble
matik bezüglich der eigenen Ide
n
t
ität, d
er Affekt- und Impulsregulation sowie
der Selbstorganisation und
Selbstwahrnehmung sei dur
ch mehrere
– näher genannte –
psychosoziale und familiäre Belastungen und deren Folgen mit der erneuten Erfahrung von Unkon
trollierbarkeit, Ohnmacht und Fremdbestimmung
reviktimisierend
und auslösend für das komplexe Zustandsbild gewesen
(S. 2 oben)
.
Die
Klägerin
sei
nur be
schränkt belastbar und aktuell weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2 Mitte).
Aufgrund der schweren Belastungen seit Anfang Jahr 2019 seien die Ressourcen der Klägerin gänzlich erschüttert worden. Die nachfolgenden depressiven Krisen mit Suizidalität, die zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, seien schrittweise überwunden worden und die Klägerin habe im jetzigen Rahmen vorsichtig neue Perspektiven entwickeln können (S. 2 Mitte).
Mithilfe der stö
rungsspezifischen Therapie sei es zu einer verbesserten Fähigkeit der Emotions
regulation gekommen, die mit einer Zunahme der affektiven Stabilität einher
gehe. Die Klägerin sei weniger bedrückt, weniger impulsiv, die problematischen Emotionen von Wut, Ohnmacht und Depressivität seien weniger intensiv und häufig und schränkten die Fähigkeit zur Alltagsgestaltung weniger ein. Es komme aber doch noch zu regelmässigen, wenige Stunden bis wenige Tage andauernden, anhaltenden depressiven Einbrüchen. Diese brächten weiterhin eine Minderung der dauerhaften Leistungsfähigkeit mit sich (S. 2 unten).
Diagnostisch
sei eine
posttraumatic
stress
disorder
(PTSD
) zu berücksichtigen. Die Klägerin zeige ein Zustandsbild, welches durch aufdrängend belastende Erinne
rungen an gewalttätige traumatisierende Ereignisse, einem eindeutigen Vermei
den von
Auslösreizen
für diese Erinnerungen
,
von heute noch vorhandenen kog
nitiven und affektiven Veränderungen, welche
eindeutig in Zusammenhang mit dem
retraumatisierenden
Konfli
kt mit dem vorherigen Chef und mit dem erneute
n
erzwungenen Kontakt mit dem Ex-Freund aufgetreten seien, sowie eine
r
massi
ve
n
Veränderung der Emotionsregu
l
a
tion mit zunehmender Impulsivität und e
inem gesteiger
ten Erregungsniveau gekennzeichn
et sei (S. 2 unten, S. 3 oben).
4
.4
Dr.
Z._
hielt
in seiner Aktenbeurteilung vom 1
8.
Dezember
2019 (
Urk.
7/
M5)
hinsichtlich Diagnose und
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
an seiner Beurteilung gemäss Bericht vom 1
2.
November 2019 (vorstehend E. 4.2
) fest (S. 2).
Sodann
nahm er
Stellung zum
Schreiben
der Klägerin vom 1
2.
November
2019 (
vgl.
Urk.
7/A12)
, in welchem
dies
e die Art und Dauer der Untersuchung
durch ihn
bemängelt hatte, sowie
zum Bericht von
Dr.
A._
vom 2
2.
November
2019 (
vorstehend E. 4.3
).
Er führte unter anderem aus,
die Besprechung
(bei ihm)
habe nicht 15,
sondern 40 Minuten gedauert und
aus seinem Bericht ergebe sich auch, dass
er
etwa die
Frage
nach der Medikation
gestellt
habe.
Dr.
A._
schildere
sodann
verschieden
e
Be
lastungssituationen, die auch er habe feststellen können, weshalb er die Diagnose einer Anpassungsstörung beziehungsweise einer depressiven Reaktion gestellte habe. Gestützt auf die Angaben
von
Dr.
A._
könne davon ausgegangen werden, dass sich der Zustand der Klägerin dank der Therapie verbessert habe (S. 4 Mitte). Die von
Dr.
A._
gestellte neue Diagnose eine
r
PTBS
erstaune, habe
Dr.
A._
in den vorherigen Berichten
doch
nie eine derartige Diagnose gestellt. Die Klägerin habe ihm gegenüber Flashbacks ausdrücklich verneint (S. 4 unten). Grundsätzlich entstehe eine PTBS nicht mit einer derart langen Latenz, es sei hier auf die Kriterien der ICD-10 hinzuweisen. Die von
Dr.
A._
angeführte pessimistische Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht nachweisbar (S. 5).
4
.5
Dr.
A._
führte in ihrer Stellungnahme vom 1
1.
Februar
2020
(
Urk.
7/M6) aus, die v
on
Dr.
Z._
gestellte Diagnose
einer Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
lasse sich
anhand der Anamnese und des Krankheitsverlaufs sowie der kompl
exen Symptomatik ausschliessen
.
Gemäss den ICD-10 werde bei dieser Diagnose von einer leichten depressiven Reaktion durch eine längere, nicht über zwei Jahre andauernde, anhaltende Belastungssituation ausgegangen. Unter Berücksichtigung des Schweregrads der Symptomatik, die zu einer vollen Arbei
tsunfähigkeit geführt habe, sowie
die von ihr im Vorbericht bereits erwähnten Kriterien, sei die Diagnose einer
komplexen PTBS erfüllt.
Gerade bei unter komplexen Traumata leidenden Patienten sei die therapeutische Beziehung und die damit verbundene Vertrautheit eine grosse Voraussetzung für die Symptombes
chreibung und Diagnosestellung
(S. 1 Mitte)
.
Sie
bestätige noch
mals, dass d
ie Problematik bezüglich der eigenen Identität, der Affekt- und Impulsregulation, der Selbstorga
nisation und Selbstwahrnehmung
durch mehrere psychosoziale und familiäre traumatisc
he Belastungen und deren Folgen
mit der erneu
ten Erfahrung und Unkontrollierbarkeit
, Ohnmacht und Fr
emdbestimmung
reviktimisierend
- Konflikt am Arbeitsplatz -
, auslösend für das komplexe Zu
stands
bild gewesen
seien
(S. 1 unten).
Das Vorliegen einer
PTBS nur mangels
Flashbacks zu verneinen
,
sei fraglich,
das
Krankheitsbild sei komplex.
In der 2022 in Kraft tretenden ICD-11 gebe es erstmals die eigenständige Diagnose ei
ner komplexen PTBS (S. 2 oben).
Die
Kindheit und Jugend
der Klägerin seien gemäss authentischer Schilderung
von schweren kumulativen körperlichen Gewalterfahrungen und
einer jahrelang anhaltenden
Atmosphäre übertriebener Strenge, Ablehnung und emotionaler De
privation gekennzeichnet
gewesen
.
Eine medizinisch-psychiatrische Beurtei
lung,
die nur auf den Angaben zu den l
etzten Konflikten am Arbeitsplatz oder den isolierten Bel
astungen beruhe, greife zu kurz
(S. 2 Mitte).
Gegenwärtig bestehe eine mittelschwere Depressivität
, die inhaltlich in dem Zusammenhang zu sehen sei, dass mit dem Wiederauftreten posttraumatischer intrusiver Erinnerungen und Flashbacks, welche im Zusammenhang mit dem erlebten, wiedererlebten Konflikt am Arbeitsplatz und der Konfrontation mit dem Ex-Freund bei der Klägerin ein ausgeprägtes Gefühl hinterlassen hätten
,
sich in einer instabilen gesundheitlichen Situation zu befinden und dieser Problematik ohnmächtig und ohne irgendwelche eigenen Einflussmöglichkeiten ausgesetzt zu sein. Diese Erfahrungen des Ausge
liefertseins knüpften an die traumatischen Erlebnisse in der Kindh
eit und Jugend der Klägerin an
(S. 2 unten)
.
Bei Fortsetzung der engmaschigen aktuellen Behandlung sei die Prognose
ins
gesamt
als günstig einzuschätzen
.
Die
traumabezogene
Behandlung habe bereits zu einer gewissen Stabilisierung und Verbesserung der Impulsivität geführt (S. 2
unten, S. 3 oben).
Die Arbeitsunfähigkeit sei derzeit
mit
100
%
einzuschätzen (S. 3
oben).
4
.6
In ihrem Bericht zuhanden der Invalidenversicherung vom
1.
April
2020 (
Urk.
7/M7) gab
Dr.
A._
an, die Klägerin stehe seit dem 2
1.
F
ebruar 2019 in ihrer Behandlung. Diese fin
de einmal wöchentlich statt
. Die letzte Kontrolle sei am
5.
März 2020 gewesen (
Ziff.
1.1-2).
Seit dem 2
1.
Februar 2019 sei die Klägerin
in der Tätig
keit als Medizinische Praxisass
istentin (MPA)
zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Ziff.
1.3).
Als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
Dr.
A._
eine
mittelgradige bis schwere depressive Episode im Rahmen eines
chroni
fi
zierten
posttraumatischen Stres
s
syndroms,
ICD-10
F32, F43.1 (
Ziff.
2.5).
Ihre Ausführungen zur Vorgeschichte (
Ziff.
2.1)
decken sich
im Wesentlichen
wörtlich mit ihren
diesbezüglichen
Ausführungen
im Bericht vom 2
2.
November 2019 (vorstehend E. 4.3
).
Aufgrund
ihrer kognitiven und psychischen Einschränkungen
sei die Klägerin
aktuell nicht in der Lage, den Anforderungen ihrer alltäglichen sowie beruflichen Tätigkeit im üblichen Rahmen nachzukommen.
Der bisherige Verlauf bezüglich der psychischen Stabilität sei
nicht sehr erfreulich, einschrän
kend seien sicher die Sensibilitätsstörungen und die immer wieder auftretenden einschiessenden Traumata (
Ziff.
2.7).
4
.
7
In ihrer
Stellungnahme vom
6.
Mai 2020 z
um Verlauf der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
(
Urk.
7/M8)
führte
Dr.
A._
aus, die Klägerin sei seit
Behandlungsbeginn im
Februar 2019 – mit Unterbruch – arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsunfähigkeit sei wie folgt zu berücksichtigen: vom 2
1.
Februar 2019 bis 3
1.
März 2019 und vom 2
0.
August 2019 bis auf Weiteres sei die
Klägerin
zu
100
%
arbeitsunfähig (gewesen).
Vom
1.
April bis 1
9.
August 2019 habe sie gearbeitet. Während dieser Zeit sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
4
.8
Dr.
Z._
führte in seinem versicherungsmedizinischen Bericht vom
8.
Juni 2
020 (
Urk.
7/M9) aus,
die ICD-10 stelle weiterhin die massgebliche internationale Klassifikation von psychischen Störungen dar, die möglicherweise 2022 in Kraft tretende ICD-11 sei nicht massgebend. Die von
Dr.
A._
angeführten Belas
tun
gen erfüllten die
– näher genannten -
Kriterien einer PTBS gemäss
ICD-10 nicht
(S. 2)
.
Es seien keine
oder unklare Diagnosen
vorhanden, welche die jetzige
Arbeitsunfähigkeit
begründe
te
n. Es bestehe
eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 3 oben
).
4
.9
Am
1
5.
März 2021
erstattete
Dr.
A._
einen Verlaufsbericht (
Urk.
13
/27). Ihre Ausführungen zu den früheren Untersuchungsergebnissen (S. 1 f.) und zur per
sönlichen Anamnese (S. 2 Mitte) decken sich im Wesentlichen wörtlich mit den Angaben im Bericht vom 1
1.
Februar 2020 (vorstehend E. 4.5
). Zur aktuellen Situation führte
Dr.
A._
aus, der Zustand der
Klägerin
sei stabil, es gehe ihr weder besser noch schlechter. Die neu angetretene Stelle als Pe
r
sonalassistentin in einem Pensum von 50
%
sei ihr aufgrund ihres zurückhaltenden Verhaltens bereits nach einem Monat während der Probezeit wieder gekündigt worden. Nach wie vor falle es der Klägerin schwer, sich zu integrieren, Selbstvertrauen zu ge
winnen und einen
Neustart zu wagen (S. 2 unten). In unerwarteten Situationen träten alle Symptome der
Traumafolgestörung
gleichzeitig und mit der vertrauten Intensitä
t auf. Die Selbstorganisation b
liebe weiterhin stark eingeschränkt. Die depressiven Phasen träten wiederholt auf, die Intensität der Symptome variiere. Seit der Kündigung der Arbeitsstelle sei die Selbstverzweiflung gewachsen und die depressiven Symptome seien deutlich ausgeprägt vorhanden. Derzeit bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (S. 3).
5
.
5.1
Z
wischen den Parteien
strittig
ist zunächst
, ob die
von der Klägerin
behauptete
Arbeitsunfähigkeit
ab 2
0.
August 2019
bei der Beklagten überhaupt (
taggeld
)
ver
sichert
ist
.
Nach Auffassung der
Beklagte
n sei die
Klägerin bei Antritt der Stelle bei der
Klinik Y._
am
1.
April 2019 bereits arbeitsunfähig gewesen und damit der Versicherungsschutz gestützt auf
Art.
E1
Abs.
2 AVB (vgl. vo
rstehend E. 3.2) zu verneinen
. Da die Beklagte aus dieser behaupteten
rechtshindernden
Tatsache Rechte ableitet, ist sie für deren Bestehen bewei
spflichtig (vgl. vorste
hend E. 1.4
).
5.2
Die Beklagte stützt ihre Behauptung
zur Hauptsache
auf den Bericht von
Dr.
A._
zuha
nden der Invalidenver
sicherung vom
1.
April 2020 (vorstehend E. 4.6), in welchem diese der Klägerin eine volle Arbeitsunfähigkeit als MPA seit 2
1.
Februar 2019 attestierte.
Die Klägerin
machte
demgegenüber geltend, sie habe ab dem
1.
April 2019 bei der
Klinik Y._
voll und korrekt
sowie mit voller Leis
tungsfähigkeit gearbeitet
(Prot. S. 4 unten). In
ihrer Stellungnahme vom
6.
Mai
2020 (vorstehend E.
4.7)
habe
Dr.
A._
bestätigt, dass vom
1.
April bis 1
9.
August 2019 keine Arbeitsun
fähigkeit attestiert worden sei (
Urk.
12 S. 9 oben).
5.3
Ein echtzeitliches Arztzeugnis, in welchem der Klägerin eine volle Arbeits
un
fähigkeit ab dem
1.
April 2019 attestiert worden wäre, ist nicht aktenkundig.
Fest steht s
odann, dass die Klägerin am
1.
April 2019 ihre Stelle bei der
Klinik Y._
angetreten hat
,
was von der Beklagten nicht bestritten wird (vgl. Prot. S. 3
Ziff.
5)
.
Mit Email an die Beklagte vom 2
4.
April 2020 (
Urk.
7/A52) bestätigte
die
Treuhänderin der
Klinik Y._
, dass die Klägerin vom
1.
April bis
7.
August 2019 normal gearbeitet habe, mit Ausnahme von sechs Krankheitstagen während der dreimonatigen Probezeit.
Dass
die Klägerin
– wie von de
r Beklagten geltend gemacht (vgl.
Urk.
14 S. 3
Ziff.
4 am Ende
)
–
trotz
Anwesenheit am Arbeitsplatz nicht die geforderte Leistung erbracht hätte,
ist nicht dokumentiert. D
ie Beklagte hat die Arbeitgeberin
auch nicht danach gefragt
.
Der Beklagten ist zwar insofern beizupflichten, als in Bezug auf
eine frühere
Teilzeitanstellung der Klägerin als medizinische Sekretärin bei
Dr.
B._
vom
1.
Januar oder
1.
November 2017 bis 3
1.
März 2019
(vgl.
Urk.
7/A34,
Urk.
7/A50)
Beanstandungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Klägerin aktenkundig sind. Aus diesem Umstand
allein
kann aber
nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit auf eine massgeblich beeinträchtigte Leistungsfähigkeit in Bezug auf das am
1.
April 2019 angetretene Arbeitsverhältnis bei der
Klinik Y._
geschlossen werden.
Die in den Akten erwähnte (vgl.
Urk.
7/A38 unten,
Urk.
7/A41
Mitte), aber ebenfalls nicht durch echtzeitliche Zeugnisse dokumentierte, durch
Dr.
A._
für die Zeit vom
1
7.
Dezember 2018 bis 3
1.
März 2019
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit
scheint sodann in einem engen Zusammenhang gestanden zu
haben
mit
dem durch Auseinandersetzungen belasteten
und letztlich vor
Gericht
endenden Arbeitsverhältnis
bei
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E.
4.3
,
Urk.
7/A50
,
Prot. S. 5 oben
),
wurde die Arbeitsunfähigkeit
doch
just nach der durch
Dr.
B._
ausgesprochenen Kündigung attestiert (vgl.
Urk.
7/A50). Auch insofern scheint es jedenfalls nicht
unplausibel
, dass die Klägerin am
1.
April 2019 in der Lage war, eine Arbeitstätigkeit bei einer neuen Arbeitgeberin
aufzunehme
n
,
und
dass
sie
hinreichend
leistungsfähig war. Der von der Beklagten in diesem Zusammen
hang vorgebrachte Einwand, wonach
eine volle
A
rbeitsfähigkeit
ab
1.
April 2019
angesichts des in den Berichten von
Dr.
A._
beschriebenen Gesundheitszu
stands und Behandlungsverlaufs nicht nachvollziehbar sei (
Urk.
14 S. 2 f.
Ziff.
4, Prot. S. 3
Ziff.
4),
ist
zwar
nicht von der Hand zu weisen
. Die
Tatsache
n
, dass die Klägerin die Stelle bei der
Klinik Y._
aber faktisch angetreten hat, eine Arbeitsunfähigkeit echtzeitlich nicht bescheinigt
wurde
und eine unzureichende Leistungsfähigkeit nicht dokumentiert ist,
sind aber als gewichtige
(
re
)
und aus
schlaggebende
Indiz
ien
dafür zu werten, dass die Klägerin ab dem
1.
April 2019 arbeitsfähig war, womit die
Versicherungsdeckung zu bejahen ist. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich weitere Beweismassnahmen in Form der von der Klägerin offerierten (vgl. Prot. S. 4 unten) Partei- und Zeugenbefragungen.
6.
6.1
Strittig und z
u prüfen
bleibt
,
ob die von der Klägerin über Ende
November 2019 hinaus geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit, konkret eine volle Arbeitsun
fähig
keit vom
1.
Dezember 2019 bis 3
1.
Januar 2021 sowie eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit vom
1.
bis 2
8.
Februar 2021, ausgewiesen ist.
Für die als weiterhin bestehend
behauptete Arbeitsunfähigkeit ist die Klägerin beweispflichtig
.
Es gilt der
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(vgl. vorstehend E. 1.4-5).
6.2
Bei den von
der
Klägerin
zunächst als Beweis
angeführten
ärztlichen Z
eugnissen,
mit welchen
Dr.
A._
ihr ab dem 2
0.
August 2019 und insbesondere auch für de
n
vorliegend strittigen Zeitraum
vom
1.
Dezember 2019 bis 3
1.
Januar 2021
eine
volle (
Urk.
7/K1,
Urk.
7/K3-K7,
Urk.
7/K10
,
Urk.
2/18,
Urk.
13/21-23)
,
bez
i
e
hungs
weise vom
1.
b
is 2
8.
Februar 2021 eine 50%ige
(
Urk.
13/24)
Arbeitsunfähigkeit
attestierte, handelt es
sich
um blosse Parteibehauptungen, welche für sich allein noch
nicht beweisbilden
d
sind
(vgl. vorstehend E. 1.6
)
. Fraglich ist, ob sie zu
sammen mit den begründeten Berichten von
Dr.
A._
, welche ebenfalls nur Partei
behauptungen darstellen, den Nachweis für die
als fortbestehend
behaup
tete Arbeitsunfähigkeit zu erbringen vermögen.
6.3
In ihrem ersten Bericht vom 2
5.
Oktober 2019
(vorstehend E. 4.1)
diagnostizierte
Dr.
A._
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome mit
Traumafolgestörungen
,
mit im Hintergrund von Deprivation und
Parentifizierung
geprägten Familienbeziehungen
in Kindheit und Jugend.
Dem Bericht ist zu entnehmen, dass
Dr.
A._
die Klägerin seit
dem
2
1.
Februar 2021 behandelt
. Es wird beschrieben, dass die Klägerin im Zuge eines Besuchsrechtsstreits mit Involvierung der KESB und aufgrund der damit verbundenen Schikanen ihres Ex-Freundes und Vater ihres Kindes ausgeprägte Panikattacken entwickelt habe. Erwähnt wird zudem, dass der Vater der Klägerin «aktuell» a
n einer schweren Erkrankung l
e
i
de und eine sehr ungünstige Prognose erhalten habe.
Dr.
A._
attestierte der Klägerin eine volle
Arbeitsunfähigkeit, wobei sie sich nicht zu deren Beginn äusserte.
In ihrem Bericht vom 2
2.
November 2019 (vorstehend E. 4.3)
schilderte
Dr.
A._
überdies, dass die Klägerin an ihrer letzten Stelle als Sekretärin in einer Arztpraxis heftige Auseinandersetzungen mit ihrem Chef erlebt habe, welche vor Gericht geendet hätten.
Demzufolge sei sie schwer deprimiert geworden, habe an ausge
prägten Panikattacken gelitten und sich kaum aus dem Haus gewagt. Die
von
Dr.
A._
erwähnte
n
Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz beziehen sich dabei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auf das Arbeitsverhältnis bei
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 5.3)
, zumal
Dr.
A._
im gleichen Bericht von schweren
, die Ressourcen der Klägerin gänzlich erschütternden
Belastungen seit
Anfang Jahr 2019 berichtete und
s
ich aus den Akten ergibt, dass
Dr.
B._
der Klägerin nach diversen Differenzen etwa am 1
3.
Dezember 2018 die Kündigung ausgesprochen
hat
, woraufhin es
z
u einem Verfahren vor der Schlichtungsbehörde (
vgl.
Urk.
7/A50)
sowie
vor dem Bezirksgericht
Thun
(
vgl.
Prot. S. 5 oben)
kam
.
Neu nannte
Dr.
A._
als Diagnose nun eine PTSD.
Die Arbeitsfähigkeit beurteilte sei weiterhin als zu 100
%
eingeschränkt.
In ihrem Bericht vom 1
1.
Februar 2020 (vorstehend E. 4.5)
nannte
Dr.
A._
als Diagnose
sodann
eine komplexe PTBS. Wie
bereits im Bericht vom 2
2.
Nov
e
m
ber 2019 (vorstehend E. 4.3) begründete sie dies
e
(sinngemäss)
damit, dass psycho
soziale und familiäre traumatische
Belastungen in der Kindheit und Jugend
der Klägerin zu einer Problematik bezüglich der eigenen Identität, der Affekt- und Impulsregulation sowie der Selbstorganisation und Selbstwahrnehmung geführt hätten
,
und
dass
es
aufgrund
der
(erneute
n
) Konfrontation mit dem Ex-Fre
und und dem
K
onflikt
am Arbeitsplatz
zu einer Dekompens
a
tion
beziehungsweise
Retraumatisierung
gekommen sei.
Die Arbeitsunfähigkeit bezifferte sie weiterhin auf 100
%
.
In ihrem Bericht zuh
anden der Invalidenversicherung vom
1.
April 2020 (vorste
hend E. 4.6)
schliesslich
nannte
Dr.
A._
als Diagnose
e
ine mittelgradige bis schwere depressive Episode im Rahmen eines
chronifizierten
posttraumatischen St
re
ss
syndroms, codiert mit ICD-10 F32 (depressive Episode) und ICD-10 F43.1 (PTBS)
,
und attestierte der Klägerin eine volle Arbeitsunfähigkeit als MPA seit dem 2
1.
Februar 2019.
6.4
Die Beklagte machte
geltend,
die vo
n
Dr.
A._
zur Begründung der Arbeits
unfähigkeit angeführte Diagnose einer PTBS sei
nicht ausgewiesen. Gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.2) sei vom
Vorliegen
einer depressiven Reaktion im Sinne
einer Anpassungsstörung auszugehen, welche keine Arbeitsunfähigkeit von mehr
als sechs Monaten zu begründen vermöge.
Hinsichtlich der
durch
Dr.
A._
diagnostizierten
(komplexen)
PTBS substantiierte die Beklagte ihren Standpunkt unter Hinweis auf die Stellungnahmen durch
Dr.
Z._
vom 1
8.
Dezember 2019 (vorstehend E. 4.4) und vom
8.
Juni 2020 (vorstehend E.
4.8)
. Darin wies
Dr.
Z._
zutreffend darauf hin, dass
zum heutigen Zeitpunkt
massgebend für die Diagnosestellung
die ICD-10
sind und die von
Dr.
A._
in ihren Berichten angeführten Belastungen die Kriterien einer PTBS gemäss ICD-10 nicht erfüllten. Dass weder
die von
Dr.
A._
in allgemeiner Weise
geschilderten Belastungen in der Kindheit und Jugend der Klägerin noch der Besuchsrechtskonflikt noch der Arbeitsplatzkonflikt bei
Dr.
B._
noch die Kündigung durch die
Klinik Y._
auslösende Traumata von hinreichender Schwere dar
stellen
, welche von der Diagnose einer PTBS im Sinn
e von ICD-10 F43.1 erfasst sind,
scheint letztlich auch die Klägerin
so zu sehen
(vgl. Prot. S. 5 Mitte). Hinsichtlich der Belastungen in der Kindheit
und Jugend wäre darüber hinaus
auch
die erforderliche Latenzzeit weit überschritten, worauf
Dr.
Z._
ebenfalls zutreffend
hinwies
.
6.5
Die Klägerin
stellte sich auf den Standpunkt, dass
letztlich weniger die Diagnose, sondern
vielmehr die sich aus der
Erkrankung
ergebenden Auswirkungen auf die Arbe
itsfähigkeit entscheidend seien.
Es ist fraglich, ob ohne das Vorliegen einer nachvollziehbaren,
lege
artis
auf die Vorgabe eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose
, wie sie im Bereich der Invalidenversicherung für die
Annahme eines psychischen Ge
sundheitsschadens im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Inva
lidenversicherung (IVG)
sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorausgesetzt wird
(vgl. etwa BGE 145 V 215 E. 5.1)
, vom Vorliegen eine Krankheit im Sinne der
AVB (vgl. vorstehend E. 3.3) ausgegangen werden kann. Diese Frage braucht in
des nicht weiter vertieft zu werden,
da vorliegend
– wie
im Folgenden dargelegt
-
diverse
(weitere)
Indizien
erhebliche
Zweifel an der
durch
Dr.
A._
ab Dezember 2019 als weiterhin bestehend postulierte
n
Arbeitsunfähigkeit
e
rwecke
n
.
6.6
Nach Lage der Akten steht die Klägerin seit 2
1.
Februar 2019 bei
Dr.
A._
in Behandlung. Die Behandlungsaufnahme erfolgte
zu e
inem Zeitpunkt, als die Klä
gerin durch verschiedene Umstände stark belastet
war. Ihr Ex-Freund und
V
ater
ihres Kindes
hatte eine Besuchsrechtsstreitigkeit
bei der
KESB losgetreten, bei ihrem Vater war eine schwere Erkrankung diagnostiziert worden und an ihrem damaligen Arbeitsplatz bei
Dr.
B._
war es zu Konflikten gekommen, welche in einem gerichtlichen Verfahren endeten (vgl. vorstehend E. 6.3).
Dem Bericht von
Dr.
A._
vom 2
5.
Oktober 2019 (vorstehend E. 4.1) ist zu entnehmen, dass die Klägerin mit ausgeprägten Panikattacken, Angstzuständen
,
Schlafstörungen, zunehmender Traurigkeit
und sozialem Rückzug
reagierte. Durch die eingeleitete Therapie
konnte
gemäss
Dr.
A._
aber
eine leichte Besserung der Selbstor
gani
sat
ion und der Entspannungsmöglichkeiten
sowie der Schlafar
chitektur erreicht werden.
Dr.
A._
berichtete
zudem
von weniger Stimmungsschwankungen
und mehr Introspektion.
Auch im Bericht vom 2
2.
November 2019
(vorstehend E. 4.3)
führte
Dr.
A._
aus, dass es mithilfe der störungsspezifischen Therapie zu einer verbesserten Fähigkeit der Emotionsregulation und damit einhergehend einer Zunahme der affektiven
Stabilit
ät gekommen sei.
Soweit sie im gleichen Bericht ausführte, die Klägerin sei im Zuge der heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Chef (
Dr.
B._
) schwer deprimiert geworden und die dadurch ausgelöste mittel
gradige bis schwere depressive Symptomatik sei aktuell noch vorhanden, steht dies im Widerspruch zu den beschriebenen Verbesserungen und insbesondere auch zur Tatsache, dass die Klägerin
vom
1.
April
bis 1
9.
August 2019 bei der
Klinik Y._
und daneben
-
soweit ersichtlich
-
auch noch im Geschäft ihres Vaters (
vgl.
Urk.
7/M3 S. 3 unten)
arbeitete, wobei
Dr.
A._
explizit bestätigte, ihr für
die
se
Zeit
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert zu haben
(vgl. vorstehend E.
4.7)
. Wäre von einer seit Anfang 2019 anhaltenden
mittelgradigen bis schwe
ren
Depressivität auszugehen, wäre
die
Versicherungsdeckung
bei der Beklagten wohl tatsächlich zu verneinen
(vgl.
dazu
vorstehend E.
5.3
).
Die
durch
Dr.
A._
ab 2
0.
August 2019
(erneut) attestierte
volle
Arbeitsun
fähig
keit schloss unmittelbar an die Kündigung durch die
Klinik Y._
an
(vgl.
Urk.
7/A52,
Urk.
7/K1)
, wobei die Gründe, die zur Kündigung führten, unklar bleiben.
Naheliegend ist, dass die
se
Kündigung erneut zu einer gewissen Destabi
li
sierung der Klägerin
führte,
was sich den Berichten
von
Dr.
A._
so allerdings
nicht
entnehmen lässt
.
Die
ab 2
0.
August 2019
anhaltend
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit
begründete
Dr.
A._
vielmehr (weiterhin) mit der im Zuge
der (erneuten) Konfrontation mit dem Ex-Freund und dem Konflikt am Arbeitsplatz
(bei
Dr.
B._
)
e
ing
etretenen
Retraumatisierung
bei psychosozialen und famili
ä
ren traumatischen Belastungen in der Kindheit und Jugend.
Wie auch die
Be
klagte ausführte (vgl.
Urk.
14 S. 4 unten
)
,
wird nicht in Abrede gestellt, dass die Kindheit und Jugend der Klägerin von verschiedenen Belastungssituationen,
da
runter
insbesondere ihre frühe Mutterschaft
und die Bez
i
e
hung zum
gewalttätigen
Ki
ndsvater, geprägt war. Dass dies
bei der Klägerin in der Vergangenheit zu einer psychischen Erkrankung geführt hätt
e, ist allerdings nicht belegt.
Dr.
A._
hielt im Bericht vom
2
5.
Oktober 2019
denn auch explizit fest
, dass die psychiatrische Vorgeschichte der Klägerin
bland
sei (vgl. vorstehend E. 4.1). Im Bericht vom
2
2.
November 2019
gab
Dr.
A._
überdies an, dass sich die Klägerin
nach der Trennung vom Kindsvater
schulisch habe entwickeln können
und versucht habe, ein Leben mit ihrem Sohn aufzubauen (
Urk.
7/M4 S. 1 unten)
.
In
ihrem Bericht
vom 1
1.
Februar 2020
führte sie dagegen aus, dass die Klägerin eigenen Angaben zufolge
aufgrund der traumatischen Ereignisse
unter andrem in den Bereichen Schule/Ausbildung/Beruf stark beeinträchtigt gewe
sen sei (
Urk.
7/M6 S. 2 Mitte). Diese Angaben sind jedoch nicht weiter belegt.
Fest steht, dass d
ie Belastung durch den Arbeitsplatzkonflikt bei
Dr.
B._
spä
tes
tens mit der
gerichtlichen Streitbeilegung
wegfiel. Das belastende Verfahren bei der KESB mag sodann zwar erst im September 2020
definitiv
abgeschlossen worden sein
(vgl. vorstehend E. 2.2)
. Aufgrund der durch
Dr.
A._
im Bericht vom 2
5.
Oktober
2019 (vorstehend E. 4.1) erwähnten sechsmonatigen Sistierung der Abklärungen scheint es aber auch diesbezüglich
im Verlauf
zu einer gewissen Beruhigung gekommen zu sein, zumal auch die Klägerin
Dr.
Z._
gegenüber angegeben hatte, dass es seit der Aufhebung des Besuchsrechts
im Fr
ühjahr
2019 – womit wohl die von
Dr.
A._
erwähnte Sistierung der Abklärungen gemeint war -
besser
gehe
(vgl. vorstehend E. 4.2).
Damit
ist auch
erklärbar, weshalb die Klägerin ab dem
1.
April 2
019 wieder hat arbeiten können.
A
nlässlich der Unter
suchung
durch
Dr.
Z._
vom 1
1.
November
2019 gab die Klägerin zudem an, dass sich die Ängste durch die seit Juni 2019 erfolgte Einnahme von
Brintellix
-Tabletten zurückgebildet haben.
Dr.
Z._
konnte sodann
keine schwermütig
gedrückte Stimmung feststellen
und beschrieb den affektiven Rapport als gut her
stellbar
(vgl. vorstehend E. 4.2)
. In i
hrem zeitnah erstatteten Bericht vom 2
2.
Nove
m
ber 2019
(vorstehend E. 4.3) führte
Dr.
A._
dagegen
keinen Befund
(Psychostatus) an, welcher die von ihr im gleichen Bericht als aktuell noch vor
handen beschriebene mittelgradige bis schwere depressive Symptomatik unter
mauern würde. Vielmehr berichtete sie, die Klägerin sei weniger bedrückt, weniger
impulsiv, die problematischen Emotionen von Wut, Ohnmacht und Depressivität seien weniger intensiv und häufig und schränkten die Fähigkeit zur Alltags
gestaltung weniger ein.
Depressive Einbrüche
hielten
(lediglich noch)
wenige
Stunden bis wenige Tage
an.
V
or diesem Hintergrund
erweist sich die durch
Dr.
A._
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit als
nicht nachvollz
iehbar.
In
ihrem Bericht zuhanden der Invalidenversicherun
g vom
1.
April 2020
(vor
stehend E
. 4.6
)
hielt
Dr.
A._
sodann
fest, dass die letzte Kontrolle am
5.
März 2020, mithin vor rund einem
Monat, stattgefunden habe, bei gleichzeitig
behaup
teter wöchentlicher Behandlungsfrequenz.
Auch dies lässt erhebliche Zweifel
am Vorliegen
einer
mittel- bis
schwergradigen
und damit eine umso intensivere Behandlung erfordernden
depressiven Symptomatik
aufkommen.
Der nächste be
gründete Bericht datiert alsdann erst wieder vom 1
5.
März
2021 (vorstehend E.
4.9). Die für die Zwischenzeit (einzig) vorliegenden einfachen Arbeitsunfähig
keitsatteste sind
für sich allein
-
wie bereits dargelegt
(vorliegend E. 6.2) -
nicht beweisbildend
.
Als inkonsistent zu werten ist schliesslich, dass
Dr.
A._
der Klägerin für die Ze
it vom
1.
bis 2
8.
Februar 2021
lediglich
eine
50
%
ige A
rbeits
unfähigkeit attestierte (
Urk.
13/24), den Gesundheitszustand im Bericht vom 1
5.
März 2021
(vorstehend E. 4.9)
aber als weder verbessert noch verschlechtert bezeichnete.
6.7
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilung durch
Dr.
Z._
zusammen mit den dargelegt
e
n Inkonsistenzen und Widersprüchlichkeiten
in den
Berichten von
Dr.
A._
erhebliche Zweifel am
Bestehen der behaupteten
Arbeitsunfähigkeit
(100
%
vom
1.
Dezember 2019 bis 3
1.
Januar 2021
, 50
%
vom
1.
bis 2
8.
Februar 2021
)
erwecken
, sodass diese nicht als überwiegend wahr
schein
lich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden kann. Der Haupt
be
weis ist damit gescheitert.
Daran ändert
nichts, dass
die vom zweiten Arbeitgeber der Klägerin abgeschlossene Krankentaggeldversicherung
im fraglichen Zeitraum
Taggelder leistet
e
, hat deren Entscheid doch keinerlei Bindungswirkung.
Dies führt zur Abweisung der Klage.