Decision ID: 875b2fa4-287d-5c29-9dd5-157d7fe034fa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 stellte das SEM fest, der Gesuch-
steller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch
vom 22. Juni 2016 ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug der Wegweisung an.
B.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 17. Januar 2019
wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-319/2019 vom 11. No-
vember 2020 vollumfänglich abgewiesen.
C.
Mit Eingabe vom 25. Januar 2021 reichte der Gesuchsteller beim SEM ein
«Wiedererwägungsgesuch» ein, mit dem er unter anderem beantragte, «in
Anbetracht der neuen erheblichen Tatsache sei auf den Entscheid vom
17.12.2018 zurückzukommen» und ihm Asyl, eventualiter die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
D.
Mit Verfügung vom 10. März 2021 trat das SEM auf das Wiedererwägungs-
gesuch nicht ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
E.
Mit Eingabe vom 19. März 2021 reichte der Gesuchsteller ein «Revisions-
gesuch» beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte unter Anru-
fung von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG, «in Anbetracht des neuen Beweismit-
tels sei auf den Entscheid vom 17.12.2018 zurückzukommen» und ihm
Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
F.
Mit Urteil E-1253/2021 vom 24. März 2021 trat das Bundesverwaltungsge-
richt auf das "Revisionsgesuch" im Wesentlichen mit der Begründung nicht
ein, das Gesuch richte sich gegen die Verfügung des SEM vom 17. De-
zember 2018, wobei es sich um eine erstinstanzliche Verfügung handle,
die nicht revisionsfähig sei, sondern einzig mit dem ordentlichen Rechts-
mittel der Beschwerde anfechtbar (gewesen) sei und der Gesuchsteller
habe von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht. Dieselbe Verfügung
könne nicht nachträglich noch in Revision gezogen werden, weshalb die
Eintretensvoraussetzungen schon aus diesem Grund nicht erfüllt seien.
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G.
Mit als Revisionsgesuch bezeichneter Eingabe vom 6. April 2021 (Eingang
Bundesverwaltungsgericht am 12. April 2021) liess der Gesuchsteller
durch seine Rechtsvertretung beantragen, es sei festzustellen, dass das
Revisionsgesuch aufschiebende Wirkung habe, es sei auf einen Kosten-
vorschuss und die Kostenauferlegung zu verzichten, es sei die Unterzeich-
nende als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen, in "Anbetracht des
neuen Beweismittels sei auf das Urteil vom 11.11.2020 zurückzukommen
und unserem Mandanten sei hierzulande Asyl zu gewähren", eventualiter
sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen und als Folge davon sei dem Gesuchsteller die vorläu-
fige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren.
In der Eingabe wurden als "neue wichtige" Beweismittel aufgeführt: "1. Be-
richt von Dr. med. B._ vom 06.12.2020. 2. Bestätigungsschreiben
verfasst durch C._ bzgl. weiteren wichtigen Informationen zur (...)
Tätigkeit des Gesuchstellers. 3. Erklärungen zum behördlichen Interesse
sowie Details zu Finanztätigkeiten. 4. Filmmaterial zur aktuellen Verfol-
gung".
H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. April 2021 wurde das sinngemässe Ge-
such um Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung abgewiesen. Auch die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Beiord-
nung einer amtlichen Verbeiständung wurden abgewiesen und verfügt, der
Gesuchsteller habe innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten, unter
Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.
I.
Der Kostenvorschuss wurde innerhalb der gesetzten Frist einbezahlt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst.
d Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen,
die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/21 http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/21
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und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG
und Art. 6 AsylG).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121 – 128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47
VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen
(vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren
vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2008, S. 247 Rz. 5.36).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121 – 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45
VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um
Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte
geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Besetzung mit drei
Richterinnen oder Richtern (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern das Revisionsge-
such nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungsweise der Ein-
zelrichterin fällt (vgl. Art. 23 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 Der Gesuchsteller macht den Revisionsgrund des nachträglich aufge-
fundenen entscheidenden Beweismittels geltend (Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG). Das Revisionsgesuch stellt ein ausserordentliches Rechtsmittel dar,
dessen formelle Voraussetzungen zu prüfen sind, bevor ein bereits rechts-
kräftig entschiedener Sachverhalt neu beurteilt werden kann. Bezüglich der
Rechtzeitigkeit des Revisionsgesuchs ist festzuhalten, dass ein solches in
entsprechender Anwendung von Art. 124 Bst. d BGG innerhalb von 90 Ta-
gen nach der Entdeckung des Revisionsgrundes einzureichen ist. Das vor-
liegend, wie nachstehend festzustellen ist, einzig grundsätzlich der revisi-
onsrechtlichen Prüfung zugängliche Beweismittel datiert vom 6. November
2020. Der Gesuchsteller hat dieses Beweismittel den schweizerischen
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Asylbehörden am 25. Januar 2021 zwar unter einem falschen Rechtstitel
eingereicht, was ihm aber – auch in Berücksichtigung der anschliessenden
Verfahren – im vorliegenden Verfahren bezüglich der Fristwahrung nicht
zum Nachteil gereichen soll. Damit ist von der Fristwahrung im Sinne von
Art. 124 Bst. d BGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG auszugehen. Auf das
Revisionsgesuch ist einzutreten. Demgegenüber ist die Frist zur Anrufung
von Youtube-Videos aus den Jahren 2016 und 2017 (vgl. Revisionsgesuch
S. 4 f.) nicht eingehalten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich entscheidende Beweismittel auffindet, die sie
im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Be-
weismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind.
3.2 Der Gesuchsteller ruft den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG an und macht geltend, es lägen neue Beweismittel vor, welche ge-
eignet seien, zu einer Neueinschätzung der Frage der Flüchtlingseigen-
schaft oder des Vollzuges der Wegweisung zu führen. Dabei hat das Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts E-319/2019 vom 11. November 2020 be-
züglich des ordentlichen Beschwerdeverfahrens als Beurteilungsgrund-
lage und rechtskräftige res iudicata zu gelten.
3.3 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG ist erforderlich, dass es der um
Revision ersuchenden Partei nicht möglich war, die neuen Beweismittel
bereits im früheren Verfahren beizubringen. Demnach gelten entspre-
chende Gründe, welche bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hät-
ten vorgebracht werden können, nicht als Revisionsgründe (Art. 46 VGG,
vgl. zum Ganzen näher BVGE 2013/22; BGE 134 III 47 E. 2.1;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O. Rz. 5.47). Ein auf nachträglich aufge-
fundene Beweismittel gestütztes Revisionsgesuch kann nur gutgeheissen
werden, wenn diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens be-
standen haben (vgl. BVGE 2013/22); somit sind Beweismittel, welche erst
nach dem angefochtenen Entscheid entstanden sind, als Revisionsgrund
ausgeschlossen (Art. 123 Abs. 2 Bst. a in fine BGG). Zudem müssen die
Beweismittel rechtserheblich sein, das heisst geeignet, den rechtserhebli-
chen Sachverhalt derart zu verändern, dass die Entscheidung anders aus-
fällt. Daraus ergibt sich, dass mit Revisionsgesuchen nach Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG in jedem Fall geltend gemacht werden muss, dem ursprüngli-
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chen Entscheid sei ein falscher Sachverhalt zugrunde gelegt worden (ur-
sprüngliche Fehlerhaftigkeit des Urteils), obwohl die entscheidende Be-
hörde in der Lage gewesen wäre, diesen Sachverhalt als falsch zu erken-
nen, wenn die nun vorliegenden Beweismittel bereits aufgefunden gewe-
sen wären.
3.4 Der vom Gesuchsteller eingereichte ärztliche Bericht beziehungsweise
Kommentar stammt vom 6. Dezember 2020 und ist demnach nach Erlass
des angefochtenen Beschwerdeentscheids E-319/2019 vom 11. Novem-
ber 2020 entstanden. Er ist somit von der Prüfung als Revisionsgrund aus-
geschlossen.
3.5 Das eingereichte Schreiben eines in der Schweiz wohnhaften Lands-
mannes des Gesuchstellers ist nicht datiert und es wird dem Gericht ver-
wehrt zu beurteilen, ob dieses überhaupt in zeitlicher Hinsicht einer Prü-
fung unter den revisionsrechtlichen Bestimmungen zugänglich wäre. Ab-
gesehen davon ist diesem Schreiben beweismässig kein erhebliches Ge-
wicht beizumessen. Es überschreitet den Wert eines Gefälligkeitsschrei-
bens nicht und sein Inhalt ist offenkundig nicht tauglich und somit nicht ge-
eignet, den rechtserheblichen Sachverhalt auf eine Art zu verändern, als
dass das Urteil des BVGer E-319/2019 vom 11. November 2020 anders
ausgefallen wäre, zumal der entsprechend im Wesentlichen geltend ge-
machte Sachverhalt in diesem Schreiben bereits Gegenstand des ordentli-
chen Beschwerdeurteils bildete.
3.6 Der Gesuchsteller reichte im Weiteren acht Filmaufnahmen einer Über-
wachungskamera vom 6. November 2020 (Aufnahmen 1-8) und eine vom
23. November 2020 (Aufnahme 9) auf Bildträgern einer CD zu den Akten.
Die Filmaufnahme 9 stammt vom 23. November 2020 und ist damit nach
Erlass des angefochtenen Beschwerdeentscheids E-319/2019 vom
11. November 2020 entstanden, womit sie von der Prüfung als Revisions-
grund ausgeschlossen ist. Diesbezüglich kann dennoch auf die zutreffen-
den Ausführungen in der Verfügung des SEM vom 10. März 2021 verwie-
sen werden, wonach die unzureichend dokumentierte Situation in der Film-
aufnahme 9 den Schluss nicht zulässt, der Gesuchsteller wäre in Sri Lanka
flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen nach Art. 3 AsylG ausgesetzt,
und wonach selbst unter der Annahme, dass es sich dabei tatsächlich um
einen real zugetragenen Besuch von Polizisten im Haus seiner Mutter han-
deln würde, damit der Grund des Besuchs oder gar seine angeblich flücht-
lingsrechtlich relevante Bedrohungslage nicht dargetan ist.
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3.7 Die Filmaufnahmen 1-8 datieren vom 6. November 2020 und sind dem-
nach als vor dem Urteil des BVGer E-319/2019 vom 11. November 2020
entstandene Beweismittel grundsätzlich der revisionsrechtlichen Prüfung
zugänglich. Wie sich aus der Visierung der aus Standkameras gewonne-
nen Videoaufnahmen 1-8 ergibt, entsprechen diese im Wesentlichen dem
Inhalt der Filmaufnahme 9. Es lassen sich daraus offenkundig keine Sach-
verhalte erkennen, die geeignet wären, die Beurteilungsgrundlage in
rechtserheblicher Weise derart neu zu gestalten, als dass die Entschei-
dung des Urteils E-319/2019 vom 11. November 2020 anders ausgefällt
worden wäre. Die Filmaufnahmen 1-8 haben revisionsrechtlich als uner-
heblich zu gelten.
3.8 Die weiteren Ausführungen im vorliegenden Revisionsgesuch nehmen
sich letztlich als Urteilskritik am ordentlichen Beschwerdeentscheid des
BVGer E-319/2019 aus, was einer Prüfung im Rahmen der Revisionsbe-
stimmungen nicht zugänglich ist.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gesuchsteller keine revisi-
onsrechtlich relevanten Gründe darzutun vermochte. Das Gesuch um Re-
vision des Urteils des BVGer E-319/2019 vom 11. November 2020 ist dem-
zufolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten auf Fr. 1'500.– fest-
zusetzen und dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1
– 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), zu-
mal das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG abgewiesen wurde. Der einbezahlte Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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