Decision ID: 11fa5cf5-b4f4-5eed-a83f-97485cef2d8e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 11. November 2014 in die Schweiz
ein und suchte am 18. November 2014 um Asyl nach. Im Rahmen des
Asylverfahrens machte er im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer
Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie und stamme aus B._, Distrikt
C._, Nordprovinz. Er habe dort zusammen mit seinen Eltern und
Geschwistern gewohnt. Nach Abschluss des A-Levels habe er ab 2006 res-
pektive 2008 ein (...)geschäft geführt, das er von seinem Bruder
D._ (N [...]) übernommen habe. Das zweite Geschäft seines Bru-
ders D._ habe sein Bruder E._ übernommen. Beide Unter-
nehmen befänden sich direkt gegenüber (...). Nebst anderen Kunden hät-
ten deshalb auch (...) das Geschäft besucht und bei ihm (...). Aufgrund
seiner Geschäftstätigkeit hätten Militärangehörige ihn wiederholt ins (...)
mitgenommen und geschlagen.
Am 14. September 2013 sei sein Geschäft in Brand gesetzt worden. Da-
raufhin habe er umgehend die Polizei verständigt. Nach deren Eintreffen
seien Angehörige des Criminal Investigation Departements (CID) an ihn
herangetreten. Sie hätten die Brandstiftung offen zugegeben und zur Be-
gründung angegeben, er habe den (...) erlaubt, (...). Diese Begegnung
habe er auf entsprechende Anordnung für sich behalten. Das Geschäft
habe er instandgesetzt und nach zehn oder fünfzehn Tagen wiedereröffnet.
In der Folge hätten die Behörden ihn schikaniert. Ausserdem habe er sich
wöchentlich im Militärcamp zur Unterschrift melden müssen. Nachdem er
einmal nicht hingegangen sei, sei er gesucht worden. Deshalb sei er am
(...) 2014 mit einem gefälschten Pass ausgereist.
A.b Mit Verfügung vom 5. Dezember 2017 stellte die Vorinstanz fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asyl-
gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll-
zug an.
Zur Begründung führte sie aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers ge-
nügten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht. Zudem ver-
neinte sie eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung aufgrund der im
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 definierten Risikofaktoren.
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil E-21/2018 vom 23. Mai 2018 ab.
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B.
Am 20. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eine als
«qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe ein. Er
führte aus, nach dem Beschwerdeurteil habe er Kontakt zu seinem Umfeld
in Sri Lanka aufgenommen und seine Rückkehr angekündigt. Ein paar
Tage später, am (...) 2018, hätten mehrere unbekannte Personen seine
Familienangehörigen über ihn befragt sowie bedroht. Diesen Vorfall habe
die Familie der Polizei gemeldet. Auch die Medien hätten davon Kenntnis
erhalten und darüber berichtet. Kurz darauf hätten die Polizisten seiner Fa-
milie mutmasslich auf entsprechende Anordnung einer höherrangigen
Stelle geraten, die Anzeige zurückzuziehen. Aus diesem Ereignis werde
ersichtlich, dass nach wie vor ein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lan-
kischen Behörden an seiner Person bestehe. Er gehöre zur sozialen
Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, die bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit systematisch
verhaftet, gefoltert sowie inhaftiert werden. Es sei zudem gerichtsnotorisch,
dass Personen, die für die Wegweisung Ersatzreisepapiere ausgestellt er-
hielten, auf einer «Black-List» landeten.
Dem Gesuch lagen Zeitungsartikel sowie Fotos betreffend den erwähnten
Vorfall als Beweismittel bei.
C.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwä-
gungsgesuch ab, stellte fest, die Verfügung vom 5. Dezember 2017 sei
rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr in der Höhe von
Fr. 600.– und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
D.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragt,
die Verfügung der Vorinstanz vom 15. Juni 2020 sei vollumfänglich aufzu-
heben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuwiesen. Subeventualiter sei der Vollzug der
Wegweisung als unzumutbar und/oder unzulässig zu qualifizieren und die
vorläufige Aufnahme zu verfügen. Der vorliegenden Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und die kantonale Migrationsbehörde
anzuweisen, den Wegweisungsvollzug auszusetzen. Es sei ihm für das
vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege, unter
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Seite 4
Beiordnung des Unterzeichnenden als unentgeltlichen Rechtsbeistand, zu
gewähren.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
gut, stellte fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten, forderte ihn auf, innert sieben Tagen ab Erhalt
dieser Verfügung eine Fürsorgebestätigung einzureichen und wies das Ge-
such um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ab.
F.
Am 30. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer dem Gericht eine Nothilfe-
Bestätigung des Sozialamtes des Kantons F._ vom 21. Juli 2020
zukommen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
H.
In der Vernehmlassung vom 26. August 2020 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2020 erhielt der Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Einreichung einer Replik. Diese ging am 15. September
2020 beim Gericht ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
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Seite 5
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.3
2.3.1 Ein Wiedererwägungsgesuch im Sinne von Art. 111b AsylG bezweckt
die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl- und Wegweisungsver-
fügung an nachträglich eingetretene Tatsachen, welche in der Regel die
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs betreffen (vgl. BVGE 2014/39
E. 4.5). Falls die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein
eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid
abgeschlossen wurde – können auch Revisionsgründe zu einem Anspruch
auf Wiedererwägung führen. Ein solches "qualifiziertes Wiedererwägungs-
gesuch" (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4) ist vom SEM nach den Regeln des
Revisionsverfahrens zu behandeln. Qualifizierte Wiedererwägungsgründe
in diesem Sinne liegen vor, wenn bei gleichbleibender Sachlage neue Tat-
sachen und Beweismittel geltend gemacht werden. Werden hingegen Tat-
sachen vorgebracht, die sich nachträglich zugetragen haben und die zur
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen sollen, stellt dies ein Asyl-
folgegesuch beziehungsweise neues Asylgesuch gemäss Art. 111c AsylG
dar (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 f. m.w.N.).
2.3.2 In der Eingabe vom 20. Juli 2018 an die Vorinstanz brachte der Be-
schwerdeführer vor, aufgrund des seinetwegen erfolgten Überfalls auf
seine Familie am (...) 2018 werde er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
E-3608/2020
Seite 6
Opfer asylrelevanter Verfolgung. Er macht demnach einen neuen Sachver-
halt betreffend Feststellung der Flüchtlingseigenschaft geltend, der sich
nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-21/2018 vom 23. Mai
2018 zugetragen hat, und reichte hierzu Beweismittel ein. Die Vorinstanz
hätte das Gesuch vom 20. Juli 2018 folglich nicht gestützt auf Art. 111b
AsylG als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch, sondern als Mehrfach-
gesuch gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG behandeln müssen. Nachdem sie
sich vorliegend aber mit sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt hat und dem Bundesverwaltungsgericht im Bereich
des Ausländerrechts umfassende Kognition zukommt (vgl. E. 3), besteht
keine Veranlassung für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
2.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Der Beschwerdeführer erhebt verschiedene formellen Rügen, welche
vorab zu beurteilen sind, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung führen können.
5.
5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
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Seite 7
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe den Unter-
suchungsgrundsatz verletzt, da sie die aktuelle Lageentwicklung in Sri
Lanka nicht berücksichtigt habe, namentlich die Machtübernahme durch
den Rajapaksa-Clan. Durch die unrechtmässig lange Verzögerung des
Verfahrens sei es zu einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung ge-
kommen.
Wie der Beschwerdeführer zutreffend festhält, hat sich die Vorinstanz in
der angefochtenen Verfügung nicht zur aktuellen Situation in Sri Lanka ge-
äussert, insofern den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festge-
stellt. Vor diesem Hintergrund übermittelte die Instruktionsrichterin die Be-
schwerde zur Vernehmlassung. In dieser äusserte sich die Vorinstanz zur
momentanen Lage in Sri Lanka sowie zum Einfluss auf das Gesuch des
Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer erhielt daraufhin Gelegenheit
zur Einreichung einer Replik. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist somit
zum Urteilszeitpunkt vollständig erstellt. Es besteht keine Veranlassung,
die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Soweit der Beschwerdeführer die Verfahrensdauer bean-
standet, hätte es ihm jederzeit offen gestanden, eine Rechtsverzögerungs-
beschwerde einzureichen. Im Weiteren vermengt der Beschwerdeführer
mit seinen Ausführungen zur Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
formelle Verfahrensfehler mit der materiellen Würdigung der Vorbringen.
Eine von der Ansicht des Beschwerdeführers abweichende Würdigung der
Vorinstanz stellt keine Verletzung von Art. 12 VwVG dar.
6.
6.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-3608/2020
Seite 8
6.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Die Vorinstanz habe es unterlassen, die wesentlichen Tatsachen und vor-
handenen Beweismittel umfassend sowie korrekt zu würdigen. Die Vor-
instanz habe die vorgebrachten Asylgründe bloss selektiv beurteilt. Die ein-
gereichten Zeitungsartikel seien weder einzeln analysiert noch thematisiert
worden.
Wie sich der angefochtenen Verfügung entnehmen lässt, hat die Vor-
instanz die neuen Vorbringen geprüft und dabei auch Bezug auf die einge-
reichten Zeitungsinserate genommen. Die Tatsache, dass die Vorinstanz
diese anders beurteilt als vom Beschwerdeführer erwünscht, betrifft nicht
den Anspruch auf rechtliches Gehör, sondern die materielle Würdigung.
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
6.3 Im Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe die
Begründungspflicht verletzt. Es scheine so, als ob es sich bei der ange-
fochtenen Verfügung angesichts der etlichen Verweise auf den bisherigen
Verfahrensausgang und der fehlenden Aufarbeitung der neuen Aktendoku-
mente um eine formlose Abschreibung handle. Da es sich beim Wiederer-
wägungsgesuch weder um ein unbegründetes noch wiederholt gleich be-
gründetes Gesuch handle, sei die Begründung nicht genügend.
Da die Vorinstanz das Gesuch des Beschwerdeführers vom 20. Juli 2018
materiell geprüft und mittels Verfügung abgewiesen hat, handelt es sich
offensichtlich nicht um eine formlose Abschreibung im Sinne von Art. 111b
Abs. 4 AsylG, die im Übrigen nicht anfechtbar ist (BVGE 2015/28 E. 2 und
3). Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen
Überlegungen aufgeführt, von denen sie sich hat leiten lassen. Eine sach-
gerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war – wie die vorlie-
gende Beschwerde zeigt – möglich. Die Rüge ist unbegründet.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
E-3608/2020
Seite 9
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
8.
8.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, die Suche
nach dem Beschwerdeführer respektive der Überfall auf die Familie sei
durch unbekannte Personen und nicht durch staatliche Behörden erfolgt.
Aus der Eingabe gehe der Hintergrund der Suche nach ihm nicht hervor.
Die Tatsache, dass die Familienangehörigen den Vorfall gemäss ihren An-
gaben gegenüber den Medien als bedrohlich empfunden hätten, begründe
keine Anhaltspunkte für eine asylbeachtliche Verfolgungsabsicht gegen-
über dem Beschwerdeführer. Zudem bestünden keine Hinweise, wonach
die heimatlichen Behörden ihrer Schutz- beziehungsweise Aufklärungs-
pflicht nicht nachgekommen seien. Die Familie des Beschwerdeführers
habe bei der Polizei Anzeige erstatten können. Für das Vorbringen, die Po-
lizei habe die Familie auf entsprechende Anweisung einer übergeordneten
Stelle dazu gebracht, diese zurückzuziehen, gebe es keine stichhaltigen
Belege. Es werde davon ausgegangen, dass die Polizeibehörden in Sri
Lanka Anzeigen entgegennähmen und bearbeiteten. Im Unterlassungsfall
bestehe die Möglichkeit, sich an die National Police Commission (NPC)
sowie an die nationale Menschenrechtskommission zu wenden. Vor die-
sem Hintergrund erwiesen sich die vorgebrachten Vorkommnisse respek-
tive Beweismittel als nicht erheblich. Darüber hinaus sei kein Zusammen-
hang zu den Vorbringen aus dem abgeschlossenen Asylverfahren ersicht-
lich, zumal jene für unglaubhaft befunden worden seien. Das Erwähnen
des Brandes im Jahr 2013 gegenüber den Medien nach dem Vorfall im (...)
2018 sei unerheblich und wirke vielmehr gesucht sowie medienwirksam in
Szene gesetzt. Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, die
Einschätzung im Asylentscheid vom 28. November 2017 umzustossen.
Im Weiteren ergäben sich aus den Akten keine konkreten Hinweise, dass
der Beschwerdeführer auf einer «Stop-list» oder «Watch-list» verzeichnet
sei, welche die sri-lankischen Behörden im Rahmen der Sicherstellung der
öffentlichen Ruhe und Ordnung und Kontrolle der Ein- sowie Ausreisen
führten. Im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren habe er keine
asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können. Im zweiten Gesuch
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Seite 10
seien keine stichhaltigen Argumente oder Belege enthalten, welche geeig-
net wären, eine asylbeachtliche Verfolgungsmotivation im Heimatstaat zu
begründen. Die Aufnahme in eine solche Liste erfolge nicht bloss aufgrund
der Beschaffung von Ersatzreisepapieren. Insgesamt würden keine
Gründe vorliegen, die zur Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft führten.
8.2 In der Beschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung von
Art. 3 sowie Art. 7 AsylG. Die Vorinstanz habe sich bloss oberflächlich mit
den eingereichten Beweismitteln auseinandergesetzt. Beim Argument, die
Verbindung zwischen dem Überfall im Jahr 2018 und dem Brand im Jahr
2013 wirke gekünstelt, stelle die Vorinstanz einzig auf die im abgeschlos-
senen Asylverfahren verneinte Glaubhaftigkeit ab. Die Vorinstanz habe
nicht dargelegt, weshalb die Zeitungsartikel keine tauglichen Beweismittel
darstellten und sie in Bezug auf das bisherige Asylgeschehen irrelevant
seien. Die Tatsache, dass die Polizeibehörde die Anzeige nicht habe wei-
terverfolgen wollen, sei für ihn nicht belegbar. Im Weiteren handle es sich
lediglich um eine Spekulation der Vorinstanz, der Überfall sei durch private
Dritte erfolgt und der Hintergrund sei nicht erstellt. Die Vorinstanz verkenne
seine Vorgeschichte und die aktuell kritische Lage in Sri Lanka, welche
eine persönliche Fehde ausschliessen würden. Es könne kein Zufall sein,
dass dieser Vorfall nach dem negativen Asylentscheid und der Bekannt-
gabe der Rückkehr stattgefunden habe. Die Vorinstanz sei in Willkür ver-
fallen, indem sie die Beweismittel pauschal als unglaubhaft beziehungs-
weise untauglich klassifiziert habe. Darüber hinaus bestehe aufgrund des
Machtwechsels respektive der Machtübernahme durch die Rajapaksa-Brü-
der in Sri Lanka begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. Die Ge-
fährdungslage habe sich intensiviert und Personen mit einem Profil wie sei-
nem (abgewiesener Asylsuchender tamilischer Abstammung, [vermeintli-
chen] LTTE-Verbindungen sowie exilpolitische Tätigkeiten) seien bei einer
Rückkehr gefährdet.
8.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer
habe im vorherigen Asylverfahren anlässlich der Befragungen eine LTTE-
Mitgliedschaft verneint und angegeben, nichts mit dieser Organisation zu
tun gehabt zu haben. Die nachträglich erwähnten Verbindungen seien da-
mals für unglaubhaft befunden worden. Neue stichhaltige Argumente oder
Beweismittel habe er für die erneut vorgebrachten Verbindungen zu den
LTTE nicht aufgezeigt. Die von ihm geltend gemachte Gefährdung in die-
sem Zusammenhang sei unglaubhaft. Was die exilpolitischen Aktivitäten
betreffe, sei im vorliegenden Verfahren nichts eingereicht worden, das die
Einschätzung im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren ändere. Der
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Seite 11
Beschwerdeführer verweise lediglich pauschal auf exilpolitische Aktivitä-
ten.
Zudem sei Folgendes in Ergänzung zur angefochtenen Verfügung festzu-
halten: Gegenüber Personen tamilischer Ethnie, welche nach einem Aus-
landaufenthalt zurückkehrten, wiesen die sri-lankischen Behörden eine er-
höhte Wachsamkeit auf. Die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie sowie
die mehrjährige Landesabwesenheit des Beschwerdeführers reichten für
sich alleine gemäss Praxis für die Annahme flüchtlingsrechtlich relevanter
Nachteile aber nicht aus. Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über
keine gültigen Identitätsdokumente verfügten, im Ausland ein Asylverfah-
ren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flug-
hafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung allein und das allfäl-
lige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen dar. Regelmässig
würden Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfas-
sung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person be-
fragt. Auch diese Kontrollmassnahmen am Herkunftsort nähmen grund-
sätzlich kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ausmass an. Hingegen würden
Personen, welche vormals besonders enge Beziehungen zu den LTTE hat-
ten und kein Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten, nach wie vor
verhaftet. Aufgrund des längeren Auslandaufenthaltes des Beschwerde-
führers sowie dessen Durchlaufens eines Asylverfahrens in der Schweiz
sei nicht anzunehmen, die sri-lankischen Sicherheitsbehörden würden ihn
als Person mit engen Beziehungen zu den LTTE betrachten. Diese Ein-
schätzung werde auch nicht durch die Präsidentschaftswahlen am 16. No-
vember 2019 umgestossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum
Präsidenten und der Einsetzung sogenannter Presidential Task Forces gin-
gen Befürchtungen von mehr Einschüchterungen von Minderheiten, Men-
schenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen und weiteren regie-
rungskritischen Personen einher. Die Überwachung der Zivilbevölkerung
habe seit den Anschlägen an Ostern 2019 und nochmals nach den Präsi-
dentschaftswahlen zugenommen. Es gebe jedoch keinen Anlass zur An-
nahme, ganze Volks- oder Berufsgruppen seien unter Präsident Gotabaya
Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Voraussetzung
für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschafts-
wahlen sei ein persönlicher Bezug zu diesem Ereignis respektive dessen
Folgen. Dafür sei eine hinreichende Konkretisierung notwendig, welche
vorliegend nicht gegeben sei.
E-3608/2020
Seite 12
8.4 In der Replik entgegnet der Beschwerdeführer, die Vorinstanz hätte die
neuen Vorbringen mit den bisherigen Asylgründen verknüpfen sollen. Sie
wiederhole aber bloss, dass im vorherigen Verfahren die Unglaubhaftigkeit
der Aussagen festgestellt worden sei. Die Vorbringen habe sie lediglich
oberflächlich sowie ungenügend geprüft. Der Überfall durch das CID auf
die Familie sei unbestritten, weshalb die begründete Furcht vor asylrele-
vanter Verfolgung erstellt sei. Sodann unterscheide sich sein Risikoprofil
von jenem eines normalen Rückkehrers. Er werde in Sri Lanka aufgrund
seiner Vergangenheit, namentlich seiner exilpolitischen Tätigkeiten sowie
Verbindungen zu den LTTE, individuell gesucht. Bereits anlässlich der BzP
habe er seinen Bezug zu den LTTE angeführt. Insofern habe bereits des-
halb ein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden bestanden. Mit
den neu eingereichten Beweismitteln werde dargelegt, dass ein solches
weiterhin bestehe. Darüber hinaus hätten die Parlamentswahlen am 5. Au-
gust 2020 zu einer Lageveränderung geführt. Diese werde höchstwahr-
scheinlich zu einer Verfassungsänderung führen, welche es den Sicher-
heitsbehörden ermöglichen werde, gegen Personen mit mutmasslicher
LTTE-Vergangenheit mit noch härteren Mittel vorgehen zu können.
9.
9.1 Vorab ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Asylgründe im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren als
unglaubhaft beurteilt respektive das Vorliegen einer Gefährdung bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka verneint worden sind.
9.2 Wie der Beschwerdeführer zutreffend festhält, hat die Vorinstanz den
Überfall vom (...) 2018 an sich nicht bestritten. Anders als der Beschwer-
deführer kam sie aber zum Schluss, dieser sei von privaten Drittpersonen
und nicht von staatlichen Institutionen durchgeführt worden. Dabei hat sie
zur Begründung insbesondere auch Bezug auf die vom Beschwerdeführer
eingereichten Zeitungsberichte genommen und sich nicht einzig auf die für
unglaubhaft befundenen Asylgründe im abgeschlossenen Asylverfahren
abgestützt. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist im
Vorfall vom (...) 2018 keine gegen ihn gerichtete Verfolgungshandlung
durch die sri-lankischen Behörden ersichtlich. Eine solche ergibt sich vor
allem auch nicht aus den eingereichten Fotos und Zeitungsausschnitten.
Die Fotos zeigen lediglich die Anwesenheit von Polizisten auf einem
Grundstück. Den beigelegten Übersetzungen der Zeitungsberichte lässt
sich entnehmen, dass diese gestützt auf die Aussagen des Vaters des Be-
schwerdeführers verfasst worden sind. Dieser gab an, bei den Angreifern
habe es sich um unbekannte Männer gehandelt (vgl. SEM-Akte B9/3 sowie
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Seite 13
B1/20 Beilage 3). Entsprechend stellt es keine Spekulation der Vorinstanz
dar, wenn sie das Vorliegen einer staatlichen Verfolgung verneint. Den Ak-
ten lassen sich – in Anbetracht der im abgeschlossenen Asylverfahren für
unglaubhaft respektive nicht asylrelevant befundenen Asylgründe – auch
keine anderen konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass der Über-
fall auf das Elternhaus wegen eines staatlichen Verfolgungsinteresses am
Beschwerdeführer erfolgt ist. Die vom Beschwerdeführer erwähnte Anzei-
geerstattung durch die Familie zeigt sodann auf, dass sie Zugang zur staat-
lichen Schutzinfrastruktur hatte und diese in Anspruch genommen hat.
Dass die Polizisten auf Anordnung einer höherrangigen Stelle geraten hät-
ten, die Anzeige zurückzuziehen, ist eine blosse Mutmassung. Vielmehr
erscheint vorliegend wahrscheinlich, dass die Polizei keine Möglichkeit
hatte, die unbekannte Täterschaft ausfindig zu machen, weshalb sie der
Familie – wie vom Beschwerdeführer festgehalten – gesagt habe, sie
könne nichts für sie tun (vgl. SEM-Akte B1/20 S. 5). Mit der Vorinstanz ist
zudem davon auszugehen, dass zwischen diesem Ereignis und den Vor-
bringen im ordentlichen Asylverfahren kein Zusammenhang besteht. Des-
halb ist auch nicht zu bemängeln, dass die Vorinstanz auf die Unglaubhaf-
tigkeit der Asylgründe im abgeschlossenen Verfahren verwiesen hat. Im
Übrigen ist auf die vorinstanzliche Verfügung zu verweisen.
9.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 (als Referenzurteil publiziert) festgehalten, bestimmte Risikofaktoren
(Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivi-
täten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im
Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur
Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber wür-
den das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise res-
pektive durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete
Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Fak-
toren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine ge-
nommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen
vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer
Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit
dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O.
E. 8.5.5).
Nach Auffassung des Gerichts bestehen nach wie vor keine stichhaltigen
Gründe zur Annahme, dass der Beschwerdeführer einer der im zitierten
E-3608/2020
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Referenzurteil genannten Risikogruppen zuzurechnen ist. Mit Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-21/2018 vom 23. Mai 2018 wurde festge-
stellt, dass der Beschwerdeführer kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ge-
fährdungsprofil im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 aufweist. Angesichts dessen, dass –
wie vorstehend ausgeführt – der Übergriff von Privatpersonen im (...) 2018
keine asylrelevante Verfolgung darstellt, ändert sich an dieser Einschät-
zung nichts. Auf mögliche Verbindungen zu den LTTE sowie exilpolitische
Aktivitäten des Beschwerdeführers ist bereits im Rahmen des ersten Asyl-
gesuchs eingegangen worden. Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer
nichts Neues vor. Insofern sind keine zusätzlichen Faktoren hinzugetreten,
die zu einer Verschärfung seines Profils führen. Vor diesem Hintergrund
sind demnach auch die Verweise der Vorinstanz auf das abgeschlossene
Asylverfahren nicht zu beanstanden. Aus dem blossen Hinweis auf die zwi-
schenzeitlich erfolgte Wahl Gotabaya Rajapaksas zum Präsidenten Sri
Lankas sowie die Parlamentswahlen im August 2020 vermag der Be-
schwerdeführer sodann keine individuelle Gefahr einer flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung seiner Person abzuleiten. Weitergehend kann dies-
bezüglich – um Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Ergänzend ist lediglich fest-
zuhalten, dass im Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitar-
beiterin gemäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft keine Informatio-
nen an die sri-lankischen Behörden gelangt sind, so dass keine Anhalts-
punkte auf eine erhöhte Gefährdungssituation hinweisen. Insgesamt ist
aufgrund der Aktenlage auch im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
nicht anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer persönlich im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen würden.
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft erneut verneint und das Gesuch des Beschwerdeführers vom
20. Juli 2018 abgelehnt. Eine Bundesrechtsverletzung liegt nicht vor, wes-
halb ein Verstoss gegen das Willkürverbot nach Art. 9 BV ausgeschlossen
ist.
10.
10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
E-3608/2020
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10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet
vorliegend mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft durch den Be-
schwerdeführer keine Anwendung. Sodann ergeben sich weder aus den
Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Eu-
ropäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des
UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete
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Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auf-
fassung des Gerichts nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil
BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den
Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten «Back-
ground Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und
Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die
seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungs-
vollzug erweist sich somit als zulässig.
11.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
11.3.1 Hierzu hielt die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sowie
der Vernehmlassung fest, der Eingabe vom 20. Juli 2018 sowie der Be-
schwerde seien verglichen mit dem abgeschlossenen Verfahren keine
neuen Argumente dafür zu entnehmen, dass dieser zwischenzeitlich unzu-
mutbar geworden sei. In der Beschwerde habe sich der Beschwerdeführer
auf allgemeine Darlegungen beschränkt. Die angeführten persönlichen
Verbindungen zu den LTTE seien zudem unglaubhaft. Davon ausgehend,
erübrigten sich Ausführungen dazu, wie sich glaubhafte Verbindungen zu
den LTTE vor der Ausreise aus dem Heimatstaat auf den Beschwerdefüh-
rer auswirken könnten. Der bewaffnete Konflikt sei im Mai 2009 beendet
worden und die Sicherheitslage habe sich verbessert. In den letzten Jahren
hätten sich verschiedene Sicherheitsvorfälle ereignet, namentlich Angriffe
von extremistischen Buddhisten auf Angehörige der muslimischen Ge-
meinschaft sowie dschihadistisch motivierte Terroranschläge auf Kirchen
und Hotels an Ostern 2019. Infolge der Terroranschläge seien die Sicher-
heitsvorkehrungen verschärft worden, wobei der Ausnahmezustand im Au-
E-3608/2020
Seite 17
gust 2019 aufgehoben worden sei. Trotz dieser Vorfälle sei die Sicherheits-
lage heute als ruhig zu bezeichnen. Es bestehe keine unsichere, von be-
waffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte
Lage, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hinter-
grunds konkret gefährdet wären. Es sei nicht von einer Situation allgemei-
ner Gewalt auszugehen. Individuelle Gründe, die gegen die Zumutbarkeit
des Vollzugs sprechen würden, bringe der Beschwerdeführer – mit Aus-
nahme der unglaubhaften LTTE-Verbindungen – nicht vor.
11.3.2 Der Beschwerdeführer hält den vorinstanzlichen Ausführungen zur
Zumutbarkeit des Vollzugs auf Beschwerdeebene nichts Substantielles
entgegen. Er führt einzig in oberflächlicher Weise aus, bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka sei er aufgrund seines Profils sowie angesichts der aktuel-
len Lage gefährdet. Wie die Vorinstanz aber zutreffend ausführte, vermö-
gen die momentanen Entwicklungen in Sri Lanka an der generellen Zumut-
barkeit des Vollzugs nicht zu ändern. In individueller Hinsicht sind keine
Veränderungen seit dem Beschwerdeurteil E-21/2018 vom 23. Mai 2018
eingetreten. Angesichts dessen kann deshalb, um Wiederholungen zu ver-
meiden, auf die Erwägungen der Vorinstanz sowie das genannte Be-
schwerdeurteil verwiesen werden. Die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs ist nach wie vor zu bejahen.
11.4 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo-
kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.5 Schliesslich steht auch im Gegensatz zur vom Beschwerdeführer ver-
tretenen Ansicht die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug nicht
entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporä-
res Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch
die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeit-
punkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
11.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 18
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes mit
Zwischenverfügung vom 18. August 2020 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung gewährt wurde und keine massgebende Veränderung der finanziellen
Verhältnisse ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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