Decision ID: f45d4cc0-0265-4773-9e53-919f5227b09e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit-Eurodac) ergab, dass er bereits am (...) in Kroatien um Asyl ersucht
hatte.
A.b Am 20. Oktober 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) des Be-
schwerdeführers statt.
A.c Am 25. Oktober 2022 beauftragte der Beschwerdeführer die Mitarbei-
tenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Re-
gion B._ mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren.
A.d Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 10. November
2022 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid
und einer Überstellung nach Kroatien (Dublin-Gespräch).
Der Beschwerdeführer brachte dabei vor, er wolle nicht nach Kroatien zu-
rückkehren. Dort sei er rassistisch behandelt worden, es werde Gewalt an-
gewendet und es gebe keine Menschenrechte. Obwohl er ein junger, kräf-
tiger Mann sei, sei er vom Erlebten in Kroatien mitgenommen.
Beim Versuch nach Kroatien zu gelangen, sei er zwei Mal aufgegriffen und
an einen abgelegenen Ort gebracht worden. Später sei er erneut im Wald
aufgegriffen worden. Er sei mit den Füssen getreten und seine SIM-Karte
sei zerstört worden, damit er nicht habe um Hilfe rufen können. Mit einem
kleinen Auto, das wie eine Gefriertruhe gewesen sei, sei er zu einem kalten
Ort gebracht worden. Obschon es sehr kalt gewesen sei, sei ihm befohlen
worden, den Pullover auszuziehen. Als er nach Essen gefragt habe und
dafür mit Euro habe zahlen wollen, sei ihm gesagt worden, dass in Kroatien
nicht mit Euro bezahlt werde. Er sei zudem gezwungen worden, Unterlagen
zu unterschreiben, welche er nicht verstanden habe. Am Tag darauf seien
ihm, auf seine Nachfrage, Unterlagen in französischer Sprache gebracht
worden. Beim Durchlesen sei er geschlagen worden und ihm sei gesagt
worden, er solle unterschreiben. Als er gesagt habe, er wolle kein Asylge-
such einreichen, sei er angeschrien worden. Nachdem er unterschrieben
habe, sei ihm gesagt worden, dass er innert sieben Tagen Asyl beantragen
könne. Er sei in ein kleines Hotel gebracht worden, wo Leute gezwungen
worden seien, für das Asylgesuch erneut Fingerabdrücke abzugeben. Er
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habe die Fingerabdrücke nicht erneut abgegeben und sich stattdessen ent-
schieden wegzulaufen. Er sei hereingelegt worden, indem ihm einfach die
Fingerabdrücke für ein Asylgesuch abgenommen worden seien.
Körperlich habe er keine Probleme und psychisch fühle er sich in Ordnung.
A.e Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens eine Kopie seiner Identitätskarte zu den Akten.
A.f Am 11. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden
um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 25. November 2022
gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut.
B.
Mit Verfügung vom 28. November 2022 (eröffnet am 29. November 2022)
trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz nach Kroatien an, forderte den Beschwerdeführer
auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu
verlassen, und beauftragte den Kanton B._ mit dem Vollzug der
Wegweisung. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Beschwerde ge-
gen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und verfügte
die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis.
C.
Mit Eingabe vom (...) informierte die Rechtsvertretung die Vorinstanz über
die Beendigung des Mandatsverhältnisses.
D.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen
die Verfügung des SEM vom 28. November 2022 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutre-
ten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei
die Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurück-
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zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde, um Anordnung eines Vollzugs-
stopps sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter
Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses ersucht.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung (inkl.
Empfangsbestätigung) und einer juristischen Analyse der Schweizerischen
Flüchtlingshilfe (SFH; Polizeigewalt in Bulgarien und Kroatien: Konsequen-
zen für Dublin-Überstellungen, Bern 13. September 2022) bei.
E.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2022 setzte die Instruktionsrichterin den
Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie
im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei-
ten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer erhebt in seiner Beschwerde formelle Rügen,
die vorab zu prüfen sind.
4.2
4.2.1 Er rügt unter dem Titel «Verfahren, Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs», dass seine Rechtsvertretung trotz seines ausdrücklichen Wunsches
bei der Entscheideröffnung nicht anwesend gewesen sei. Dies führe zu ei-
ner Einschränkung seiner Rechtsschutzmöglichkeiten.
4.2.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass der angefochtene Entscheid an
den zuständigen Leistungserbringer adressiert und am 29. November
2022 der Rechtsvertretung ausgehändigt wurde (vgl. act. SEM 1204326-
21/16 S. 1 [Begleitschreiben] und S. 16 [Empfangsbestätigung]). Damit ist
die Entscheideröffnung nicht zu beanstanden (vgl. Art. 12a Abs. 2 AsylG).
Zudem legt der Beschwerdeführer nicht dar, welche konkreten Auswirkun-
gen ein allfälliger Handwechsel innerhalb des Leistungserbringers auf das
rechtliche Gehör oder die Rechtsschutzmöglichkeiten des Beschwerdefüh-
rers gehabt haben sollte. Der Beschwerdeführer hat innert Frist eine voll-
ständige Beschwerde eingereicht. Gegenteiliges bringt der Beschwerde-
führer nicht vor und er stellt diesbezüglich auch keine Anträge.
4.2.3 Die Rüge ist folglich unbehelflich.
4.3 Weiter kritisiert der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe sich in Hin-
blick auf die Situation in Kroatien auf acht Monate alte Abklärungen der
Schweizerischen Botschaft gestützt, obwohl zwischenzeitlich neue Be-
richte zu Kroatien, etwa von der SFH, veröffentlicht worden seien. Diesbe-
züglich ist festzuhalten, dass die Argumentation der Vorinstanz nicht zu be-
anstanden ist. Das Bundesverwaltungsgericht geht auch unter Berücksich-
tigung der neusten Berichte zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass für
eine Änderung der dem vorinstanzlichen Entscheid zugrunde gelegten
Rechtsprechung, welche wiederum auf den Abklärungen der Schweizeri-
schen Botschaft in Kroatien basiert, keine Veranlassung besteht (vgl. auch
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Urteile des BVGer F-3984/2022 vom 14. November 2022 E. 3.2.2 und D-
5299/2022 vom 30. November 2022 E. 4.4). Folglich waren weitere Abklä-
rungen durch das SEM aufgrund der neusten Berichte nicht angezeigt.
4.4 Dem Gesagten zufolge erweisen sich die formellen Rügen als unbe-
gründet. Der Kassationsantrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-
men des in den Art. 23–25 Dublin-III-VO geregelten sogenannten Wieder-
aufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute)
Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. Die Zuständigkeit beziehungs-
weise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt
sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dub-
lin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und
R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7
E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
5.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz
gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-
titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen
Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten
Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23,
24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung
des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5
Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle
der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei
noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung (vgl.
FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20).
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5.4 Ein Abgleich des Fingerabdrucks des Beschwerdeführers mit der Fin-
gerabdruck-Datenbank ergab, dass dieser am (...) in Kroatien ein Asylge-
such eingereicht hat. Das SEM ersuchte deshalb die kroatischen Behörden
am 11. November 2022 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers.
Nachdem die kroatischen Behörden dem Gesuch um Rückübernahme ge-
stützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-
VO festgelegten Frist zugestimmt und gleichzeitig darauf hingewiesen ha-
ben, dass das Verfahren des Beschwerdeführenden noch im Gange sei,
ist die Zuständigkeit Kroatiens somit grundsätzlich gegeben.
Daran vermag der Einwand des Beschwerdeführers, er sei in Kroatien zur
Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden, nichts zu ändern. Be-
reits seine Einreise in das Hoheitsgebiet des Dublin-Staates hätte die Zu-
ständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-
fahrens begründet (Art. 13 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). Im Übrigen räumt
die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag
prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.
6.1 Nachfolgend ist im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
6.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie-
deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten
Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstel-
len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufwei-
sen (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-4542/2022 vom 11. November 2022
E. 6.2 m.w.H, D-4160/2022 vom 28. September 2022 E. 7.3 und
D-5299/2022 vom 30. November 2022 E. 6.2). Für eine Änderung der
Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der vom Beschwerdeführer
gemachten Äusserungen zu seiner erlebten Behandlung in Kroatien keine
Veranlassung, zumal die dargelegten Erlebnisse an der kroatischen Aus-
sengrenze gerade im Zusammenhang mit seiner illegalen Einreise von
Serbien aus stehen und nicht die vorliegend interessierende Situation der
Rückkehr nach Durchlaufen eines Dublin-Verfahrens betreffen. Die Vorin-
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stanz hat auf Grundlage seiner Aussagen und in Beachtung des Referen-
zurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-3078/2019 vom 12. Juli 2019
eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Verweis auf Abklärun-
gen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht zum Schluss ge-
kommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens
nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problematischen Push-
back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteil des BVGer D-4160/2022 vom
28. September 2022 E. 7.3.1). Aus den in der Beschwerde zitierten Urteilen
der deutschen Gerichte, die angeblich zu einer anderen Erkenntnis gelangt
seien, und den Berichten resp. dem beigelegten Bericht kann der Be-
schwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Folglich ist die Anwen-
dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
7.2 Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihm bei einer
Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht
sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könnten. Bei
einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden
Aufnahmebedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die kroa-
tischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfor-
dern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahme-
richtlinie]). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte Gewalt seitens
der kroatischen Behörden. Im Übrigen steht dem Beschwerdeführer die
Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontak-
tieren.
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7.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz
bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-
spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter
diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten
keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive
Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich
deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
7.4 Es liegen weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, welche die
Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der
Ermessensbetätigung. Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt
der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dub-
lin-III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dub-
lin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederaufzunehmen.
8.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach
Kroatien angeordnet. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuwei-
sen.
9.
9.1 Der am 6. Dezember 2022 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorlie-
genden Urteil dahin.
9.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses gegenstandslos geworden.
9.3 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen
waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind.
9.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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