Decision ID: 768ed743-86b5-5813-9345-d1c882edf5ec
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1972
,
war
von
November 2012
bis September 2015
als
Asset Managerin
bei der
Y._
angestellt und
in diesem Rahmen
bei der
Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend:
Helvetia)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
(vgl. Urk. 3/4 S. 2, Urk. 9/K3
).
Mit Unfallmeldung vom
9.
April
201
5
(
Urk. 9/K3
) liess die Versicherte der Helve
tia melden,
dass
sie
am
28
.
März
2014
während eines Aufenthaltes in ihrem Ferienhaus in
Z._
durch eine
n
Dritten
einen
Schlag auf das rechte Ohr erhalten habe (
effektiv
hat
das Ereignis
wohl
am 29. März 2014 stattgefunden [vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 25. Januar
2019; Urk.
9
/V84-144 S. 11]
)
.
Zuvor hatte
Dr. med.
A._
,
Assistenzarzt am
B._ (
vgl.
Urk. 12),
am 27. Juni 2014 (Urk. 9/V145)
eine akute Otitis
media
rechts mit Begleitotitis
externa
diagnostiziert und am
15. Januar 2015 (Urk. 9/M6-7
)
hatten
Oberarzt
PD Dr.
C._
und
Assistenzarzt
Dr. med.
D._
vom
B._
eine Otitis
media
chronica
simplex
rechts bei Status nach direktem Ohrtrauma am 28. März 2014 und Status nach akutem bakteriellem Infekt am 27. Juni 2014
als Diagnose gestellt
mit der Bemerkung, dass bei einer Vorstellung auf der Not
fallstation
des
B._
im Juni 2014 eine akute Otitis
media
perforata
rechts ) diag
nostiziert worden sei
.
Am 15. April 2015 unterzog sich die Versicherte
am
B._
eine
r
Operation
zum Verschluss einer Trommelfellperforation
am rechten Ohr
(retroaurikuläre
Tympanoplastik
und
Antrotomie
rechts; Urk. 9/M5).
Die Helvetia tätigte in der Folge Abklärungen und erbrachte Leistungen (Heilbehandlung [vgl. Urk. 2 S. 11 unten Ziff. 15
und Urk. 9/R1-R7
]).
1.2
Mit Verfügung vom
21
.
Februar
2019
(Urk.
9
/
K35-37
) verneinte die
Helvetia
ihre Leistungspflicht mit der Begründung, dass
die Beschwerden des rechten Ohres nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Kausalzusammenhang zum Un
fall vom 28. März 2014
stünden. Die Verletzung des Trommelfells rechts sei ein
deutig auf eine Erkrankung zurückzuführen
. Am 27.
März
201
9
liess die Versi
cherte Einsprache gegen die genannte Verfügung erheben (Urk.
9
/
V9-11
)
.
Am
17. Juni 2019 (Urk. 9
/
V29-33)
folgte eine
Einspracheergänzung
.
Die
Helvetia
wies die Einsprache mit Entscheid vom
5
.
November
2019
(
Urk. 2)
mit der Be
gründung
ab
, dass der Vorfall vom 28. b
zw. 29.
März
2014 nicht
rechtsgenüglich
bewiesen sei und darüber hinaus auch ein Kausalzusammenhang
mit den be
klagten Beschwerden am rechten Ohr nicht mit der notwendigen über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei (S. 7-11)
.
Auf eine Rückforderung der bereits
erbrachten Leistungen verzichte
sie (S. 11 Ziff. 15).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 5. November
2019
erhob
die Versicherte
am 6
.
Dezember
2019
(Urk.
1
/
1
) Beschwerde
und be
antragte, dieser sei aufzuheben,
die Beschwerdegegnerin sei zu verurteilen, ihr die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
,
und
der Fall sei zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2).
Die
Helvetia
schloss
in ihrer Beschwerdeantwort vom
23
.
Januar
2020
(Urk.
8
) auf Abweisung der Beschwerde
, was der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 5. Februar 2020 (Urk. 11)
zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Zuvor hatte das Bezirksgericht
E._
mit Strafurteil vom 19. Dezember 2017 (Urk. 9/AA24-88) den ehemaligen Partner der Beschwerdeführer
in
vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung wegen einer vermeintlichen am 29. März 2014 ausgeteilten Ohrfeige im Sinne des Grundsatzes «in
dubio
pro
reo
» freigesprochen (
S. 27-32, S. 64
)
, was das Obergericht
des Kantons Zürich
mit Urteil vom 25. Januar 2019 (Urk. 9/V84-144)
bestätigte
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversic
herung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Das
hier zu beurteilende
Ereignis
hat sich
vermeintlich
am
29. März 2014
ereignet
(vgl. Urk. 9/AA78)
, weshalb
die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche
, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kö
rper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat
(BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.
3
1.
3
.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.
3
.2
Bei unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversich
erers mit Ausnahme der Unge
wöhn
lichkeit sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein. Be
sondere Bedeutung kommt dabei der Voraus
setzung eines äusseren Ereignis
ses zu, das heisst eines ausserhalb des K
örpers liegenden, objektiv fest
stellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2).
Wo ein solches Ereignis mit Ein
wir
kung auf den Körper nicht statt
gefunden h
at, und sei es auch nur als Aus
löser eines in Art. 9 A
bs. 2
lit
. a
h UVV aufgezähl
ten Ge
sundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen
vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der in Art. 9 Abs. 2
lit
. a-h UVV enthaltenen Gesund
heitsschäden typischen Schmer
zen gleichge
setzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schä
digenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtu
ng einhergeht, welche die versi
cherte Person zu beschrei
ben in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein
Geschehen verlangt, dem ein ge
wisses gestei
gertes Gefährdungspoten
zial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende
Tätigkeit im Rahmen einer all
ge
mei
n gesteigerten Gefahrenlage vor
genommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Wer
hingegen beim Aufstehen, Absit
zen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen und so weiter einen ein
schies
senden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfall
ähnlichen Körperschädigung berufen (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erf
üllt ist dem
gegenüber das Erfor
dernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizi
nischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinne der bisherigen Rechtsprechung das plötz
liche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse un
kontrollierbare Änderung der Körperlage im Sinne der von der Rechtspre
chung positiv beurteilten Sachverhalte (BGE 126 V 466 E.
2.2 und 4.2).
1.
4
1.
4
.1
Die Verwaltung
als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
Im Sozialversiche
rungsrecht besteht kein Rechtsgrundsatz des Inhalts, dass die Ver
waltung oder das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der versicherten Person zu ent
scheiden hätte (ARV 1990 Nr. 12).
1.
4
.2
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversi
che
rungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438 Ziff. 7a). Im Sozi
al
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs
grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(BGE 117 V 261 E. 3b).
1.
4
.3
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts
in der Regel auf die sogenannten Aussagen der ersten Stunde ab, denen in beweis
mässi
ger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht im Wesentlichen mit der Begründung, dass
der Vorfall vom 28. bzw. 29.
März 2014 (vermeintlich
e
Ohr
feige) nicht
rechtsgenüglich
bewiesen sei und darüber hinaus, selbst wenn der Vorfall bewiesen wäre, sei der Kausalzusammenhang mit den beklagten Be
schwerden am rechten Ohr nicht mit der notwendigen überwiegenden Wahr
schein
lichkeit erstellt. Zwar habe sie in einem ersten Schritt Leistungen aus dem Unfallversicherungsgesetz erbracht, als Unfallversicherer habe sie aber die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeld anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
einzustellen
(
Urk. 2
S. 7-11
, v
gl. auch die Beschwerdeantwort [
Urk. 8 S. 3-8
]
)
.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen
(Urk.
1
/1
)
,
der Vorfall vom 28. März 2014 sei im sozialversicherungsrechtlichen Sinne als glaubhaft anzusehen. Er sei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit als Auslöser der HNO-Behandlung anzusehen. Die Ablehnung der Beschwerde
geg
nerin stütze sich auf den beweisrechtlich ungenügenden und med
izinisch unhalt
baren Bericht ihres Vertrauensarztes
(S. 3-7)
.
Als
Versicherte habe
sie die ein
zelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft zu machen. Damit könne nicht einfach auf ein Strafurteil verwiesen werden, weil dort dem Täter die Tat jenseits eines begründeten Zweifels nachzuweisen sei. So sei der Freispruch des Ober
gerichts ausdrücklich mit dem Hinweis «in
dubio
pro
reo
» erfolgt.
Ihre Schilde
rungen über das Ereignis vom 28. März 2019 [richtig: 2014] seien sowohl im Strafverfahren, als auch gegenüber dem Unfallversicherer vollständig, genau und ohne Widersprüche gewesen und stimmten mit den Indizien überein.
Die erlittene Verletzung sei eine typische Folge einer Ohrfeige
.
Noch im Dezember 2013 habe der behandelnde Facharzt den einwandfreien Zustand des Trommelfells bestätigt. Auslöser der Verletzung sei mit
zumindest
überwiegender
Wahrscheinlichkeit
die Ohrfeige
gewesen
, also eine gesteigerte Gefahrenlage (S. 8).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zu Recht verneint hat, weil sich am
29
.
März 2014
kein Unfallereignis und auch kein unfallähnliches (sinnfälliges) Ereignis zugetragen hat beziehungsweise ein derartiges Ereignis nicht mit dem Beweisgrad d
er überwiegenden Wahrschein
lich
keit erstellt ist.
Richtigerweise
wies die Beschwerdeführerin
daraufhin, dass im sozialversiche
rungsrechtlichen Verfahren – im Gegensatz zum Strafverfahren –
k
ein strikter Beweis für das Vorliegen eines bestimmten Sachverhaltes gilt. Nicht gefolgt werden kann
jedoch
ihrer Ansicht
, dass die einzelnen Umstände
des
Unfallge
schehens –
gemeint ist die vermeintliche Ohrfeige vom 29. März 2014 - nur glaubhaft
gemacht
werden m
üssten (vgl. Urk. 1
/1
S. 8 oben).
Im Sozialversicherungsrecht gilt - von gegenteiligen ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmungen abgesehen – tatsächlich nicht das Mass des strikten Beweises. So wird das Beweismass regelmässig eingeschränkt, indem der geltend gemachte Sachverhalt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss. Das Be
weismass der Glaubhaftmachung ist aber von demjenigen der überwiegenden Wahrscheinlichkeit abzugrenzen. Das Abstellen auf einen bloss glaubhaft ge
machten Sachverhalt vermag denn dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nicht zu genügen. Glaubhaftmachung stellt ein - im Gesetz vor
gesehenes - Abweichen vom sozialversicherungsrechtlichen Regelbeweismass dar (Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_
721
/2015 vom 8.
August 2016 E. 3.3
). Dieses
gilt etwa bei der Feststellung von Tatsachen, welche für das Eintreten auf eine
Neuanmeldung oder ein Revisionsgesuch
relevant sind
, nicht jedoch für das Bestimmen des Vorliegens eines bestimmten Sachverhaltes.
Im Folgenden ist daher zu überprüfen, ob mit dem Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als erstellt gelten kann, dass der Beschwerdeführerin am 29. März 2014 von ihrem damaligen Partner eine Ohrfeige ausgeteilt
wurde
.
3.
2
3.
2
.1
Den
diesbezüglich wesentlichen
medizinischen Akten
lässt sich in Bezug über den vermeintlichen Vorfall vom 29. März 2014 Fo
lgendes
entnehmen
:
3.
2
.2
Im Bericht über eine ambulante Verlaufskontrolle vom 27. Juni 2014
(Urk. 9/V145
)
hielt Dr.
A._
bei gestellter Diagnose einer
akuten
Otitis
media
(Mittel
ohrenentzündung)
rechts mit Begleitotitis
externa
(Aussenohrenentzündung)
unter anderem
fest, seit
1,
5 Wochen
sei eine helle nicht stinkende Ot
o
rrhoe
(Ohrenfluss)
ohne Otalgie
(Ohrenschmerzen)
feststellbar. Seit heute bestünden akut
e Schmerzen. Es bestehe keine Erkältung. Die Beschwerdeführerin gehe regelmässig schwimmen. Seit einer Woche bestehe eine konstante Hörminderung, aktuell sei keine Verstärkung feststellbar. Status Otitis vor einigen Jahren.
3.
2
.3
PD Dr.
C._
und Dr.
D._
vom
B._
hielten in ihrem Berich
t vom 15. Januar 2015 (Urk. 9/M6-7
) fest, die Beschwerdeführerin habe sich erstmals im Juni 2014 mit akuter Otalgie und Otorrhoe auf
ihrer
Notfallstation vorgestellt. Damals sei eine ak
ut
e Otitis
media
perforata
rechts mit einer
quadrantengrossen
Perforation am Trommelfell diagnostiziert worden
. Die Beschwerdeführerin habe in der heutigen Konsultation
berichtet
, dass sie von ihrem ehemaligen Lebensgefährten am 28. März 2014 ein direktes Ohrtrauma mit der flachen Hand (Ohrfeige) erlitten habe. Die Trommelfellperforation sei möglicherweise durch das direkte Ohrtrauma
mit flacher Hand entstanden.
Aufgrund der rezidivierenden akuten Otitiden sei die Indikation zur
Tympan
o
plastik
gegeben. Die Beschwerdeführerin wünsche den Eingriff im April 2015 vorzunehmen.
Am 15. April 2015 erfolgte die Operation
(
vgl.
Urk. 9/M
2-
5).
3.
2
.
4
PD Dr.
C._
hielt im Bericht vom 12. August 2015 (Urk. 9/M21) fest, gemäss Beschwerdeführerin sei es im Anschluss an eine Ohrfeige am 28. März 2014 zu einer Perforation des Trommelfells auf der rechten Seite und einer Hörminderung gekommen.
3.3
3.
3
.
1
Die Beschwerdeführerin schilderte die Ereignisse vom 29. März 2014 folgender
massen:
3.3.2
Anlässlich einer polizeilichen Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 12. Dezember
2014 bestritt sie die von ihrem damaligen Partner erhobenen Anschuldigungen
,
sie hätte am 4. August 2014 in die Hand und Genitalien
gebi
ssen und
gab an, vielmehr sei sie angegriffen worden.
Das Verfahren war mittels Anzeige vom damaligen Partner in Gang gesetzt worden, wobei die Beschwerdeführerin die
Vorwürfe
erst im bes
agten Strafverfahren
erhob (vgl. Urk. 9/V84-144 S. 12 Ziff. 3.1)
.
Unter anderem schilderte sie,
ihr
ehemalige
r
Partner habe sie am 29. März 2014 geohrfeigt und ihr so eine schwere Ohrver
letzung zugefügt (vgl. Urk. 9/V
84-144 S. 13
).
Der ehemalige Partner habe sie wohl durch das Fenster des Ferienhaues gesehen und gedacht, sie habe eine
n
ande
ren Mann. Er habe sie mit einer SMS-Nachricht konfrontiert, worauf sie ihn angerufen und mitgeteilt habe, dass sie mit ihm reden wolle. Sowohl sie als auch der anwesende Hausbesitzer seien dann nach draussen gegangen. Letzterer habe den Streit bemerkt, was ihm peinlich gewesen sei. Ihr ehemaliger Partner sei ausser sich gewesen und habe sie als Lügnerin und Hure
beschimpft. Anschlies
send habe er ihr eine Ohrfeige gegeben und sei dann weggerannt
. Sie habe bemerkt, dass ihr Ohr
schmerzte
. Leider sei sie dann aber erst zwei Monate später zum Arzt gegangen, als sie starke akute Ohrschmerzen gehabt habe
(
vgl. S. 24 Mitte
).
3.3.3
Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. September 2016 machte
die Beschwerdeführerin
geltend,
sie habe ihrem damaligen
Partner
,
nach
dem sie ihn telefonisch nicht hatte erreichen können, per SMS mitgeteilt, dass dieser zur Haustüre des Ferienhauses kommen solle. An der Haustüre habe er sie sofort beschimpft. Sie habe dann die Situation vor der Haustüre deeskalieren wollen. Ihr damaliger
Partner
habe sie aber hin und her gestossen und sie mit schlimmen Schimpfwörtern beleidigt. Auf
einmal
habe er ihr
eine Ohrfeige verpasst. Er habe mit seiner offenen Hand auf ihre rechte Wange richtig fest zugeschlagen. Ihr Kopf sei dadurch geradezu auf die andere Seite geflogen. Danach sei ihr damaliger
Partner
weggerannt. In der Folge sei sie auf der einen Seite leicht blau gewesen. Ihr sei einige Tage oder eine Woche später in der Nacht Wasser aus dem Ohr gelaufen. Da sie keine Schmerzen gehabt habe und zu der Zeit ziemlich gestresst gewesen sei, habe sie die Verletzung nicht
weiterverfolgt (vgl. Urk. 9/AA
24-88 S. 29
, Urk. 9/V
84-144 S. 27
).
3.3.4
Bei
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. August 2017 machte
die
Beschwerdeführerin
geltend,
als ihr damaliger
Partner
sie vor der Haustüre stark
beschimpft habe, habe sie die Tür zugemacht und dieser sei auf die Strasse gegangen, wo er sie weiter sehr laut beschimpft habe. Er habe geschrien und getobt.
Weil er so laut geschrien und getobt habe, seien in den Nachbarhäusern
die Lichter angegangen.
Sie habe ihn
immer wieder aufgefordert zu gehen und plötzlich sei ihr seine Hand ins
Gesicht
geflogen. Sie habe es vor allem auf dem Ohr und der Wange gespürt. Das Ohr habe sich danach wie ein Hohlkörper angefühlt. Da der Schlag so unerwartet und heftig gewesen sei, sei ihr Kopf bei
nahe weggefallen. In der Folge habe sie bestimmt drei bis vier Wochen Schmerzen gehabt und nachher sei viel Wasser aus dem Ohr gelaufen
(vgl. Urk. 9/
AA24-88 S. 30,
Urk. 9/V
84-144 S. 28
).
3.3.5
Während
der
gerichtlichen Einvernahme an der Hau
p
tverhandlung vom 19. Dezember 2017
vor dem Bezirksgericht
machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei von ihrem damaligen Partner
beschimpft
worden, als sie die Haus
türe des Ferienhauses geöffnet habe. Mit der Zeit
hätten sie sich
zusammen etwa 30 Meter vom Haus
entfernt und er
habe
ihr dann eine Ohrfeige verpasst.
Er habe ihr «voll eine geschossen». Es sei wie ein Brand gewesen.
Danach sei er weg
gerannt
(
vgl.
Urk. 9/
AA
24-88 S. 30
, Urk
. 9/V
84-144 S. 29)
.
3.
4
3.4.1
Der ehemalige Partner der Beschwerdeführerin bestritt anlässlich der staats
anwaltschaftlichen Einvernahmen vom 23.
Mai 2017 und 21.
August 2017 sowie auch während der gerichtlichen Einvernahme an der Hauptverhandlung des Strafverfahrens vom 19. Dezember
2017
vor dem Bezirksgericht
und im Rahmen der Berufungsverhandlung
, der Beschwerdeführerin eine Ohrfeige verpasst zu haben. Vielmehr habe sie ihm eine Ohrfeige verpasst. Er habe der Beschwerde
führerin gesagt, dass er sich belogen und betrogen vorkomme, woraufhin sie ihm eine Ohrfeige verpasst habe. Danach sei er nach Hause gefahren. Zudem liess er vorbringen, dass die Beschwerdeführerin ihre Vorwürfe erstmals vorgebracht habe, als sie von seinem Strafantrag erfahren habe (vgl. Urk. 9/AA
24-88 S. 27 f.
, Urk. 9/V
84-144 S. 16-18
).
3.
4.2
Die Schwester
der Beschwerdeführer
in (vgl. Urk. 9/
AA24-88 S. 32
oben)
gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme vom 15. September 2016 an, dass die Beschwerdeführerin auf einem Ohr schlecht oder gar nichts höre und sie wisse, dass eine Operation
erfolgt sei
, bei w
e
lcher ein künstliches Gehör eingesetzt worden sei.
Die Operation habe die Beschwerdeführerin aufgrund einer Ohrfeige ihres damaligen Partners gebraucht (
vgl.
S. 31
).
3.
4.3
Die Zeugin
F._
,
ehemalige
Arbeitskollegin der Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 9/
AA24-88 S. 15
)
, sagte bei der staatsanwaltlic
hen Einvernahme vom 21.
August 2017 aus, dass sie zwar wisse, dass die Beschwerdeführerin Probleme mit den Ohren habe, diese habe aber nie gesagt, dass eine Ohrfeige ihres dama
ligen Partners ursächlich
für diese Probleme gewesen sei
. Sie wisse nur, dass die
Beschwerdeführerin erzählt habe, dass ihr damaliger Partner vor der Türe gestan
den und ziemlich Ärger gemacht habe (vgl
. S. 32 oben
).
3.
5
3.5.1
Das Bezirksgericht
E._
kam in seinem
Strafurteil
vom 19. Dezember 2017 (Urk. 9/AA
24
-88
S. 27-31
) zum Schluss, dass bezüglich der Aussagen hinsichtlich der Ohrfeige sowohl der Beschwerdeführerin als auch ihres ehemaligen Partners nicht unerhebliche Zweifel an deren Glaubwürdigkeit
bestünden
. So erachtete das Bezirksgericht die Aussagen als nicht plausibel, weil sie trotz der von ihr behaupteten starken Schmerzen sowie dem austretenden Wasser aus dem Ohr lange keinen Arzt aufgesucht habe. Das Bezirksgericht hob hervor, dass sich das Aussageverhalten der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Schilderung zum Verhalten ihres damaligen Partners sowie zu den Geschehnissen bei der Ohrfeige dahinge
hend entwickelt habe, dass eine
stetige Zunahme der behaupteten Inten
sität augenfällig geworden sei
. Die Aussage der Schwester der Beschwerde
füh
rerin hielt das Bezirksgericht aufgrund der knappen und unpräzisen Antworten für erheblich zweifelhaft, wobei erschwerend hinzukomme, dass diese den Vorfall (Ohrfeige) nicht unmittelbar habe beobachten können (
S. 31 f.
).
Die Aussage der Zeugin
F._
hielt das Bezirksg
ericht hingegen für glaubhaft (S. 32
Mitte). Das Bezirksgericht erwog sodann, dass es sein könne, dass sich der Sach
verhalt sowohl nach den Schilderungen der Beschwerdeführerin als auch ihres ehemaligen Partners zugetragen haben könnte. Es bestünden erhebliche Zweifel daran, dass die Ohrverletzung eine unmittelbare Folge einer durch den ehemali
gen Partner potentiell ausgeteilte
n
Ohrfeige sei. Im Sinne des Grundsatzes «in
dubio
pro
reo
» könne der vorgeworfene Sachverhalt somit als nicht erstellt gelten
(
S. 32
unten). Dementsprechend sprach das Bezirksgericht den ehemaligen Partner
denn auch bezüglich der Ohrfeige vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung frei (
S. 64
Ziff. 2).
3.
5.2
Das Obergericht Zürich kam in seinem
Strafurteil vom 25. Januar
2019 (Urk. 9/V84-144) zum Schluss, dass
aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten in ihren Angaben, welche insbesondere das Kerngeschehen und dabei vor allem ihre von den Aussagen ihres ehemaligen Partners abweichenden Schilderungen be
trafen, auf ihre Aussagen nicht abgestellt werden könne (
S. 47
). Unter anderem bestünden Widersprüche in ihren Aussagen hinsichtlich der Stelle, an welcher sie die angebliche Ohrfeige getroffen haben soll, sowie Ungereimtheiten in Bezug auf den Zeitpunkt des Auftretens ihrer Ohrschmerzen
(
S. 4
3
)
.
Das Obergericht erach
tete
es
daher nicht als erstellt, dass die späteren Ohrenschmerzen auf den Vorfall vom 29. März 2014 zurückzuführen
seien
. Gemäss dem Obergericht verblieben
unüberwindliche Zweifel daran, dass der ehemalige Partner die Beschwerde
füh
rerin am 29. März 2014 tatsächlich geohrfeigt habe (
S. 55
), weshalb es bezüglich des Vorfalles vom 29. März 2014
den Freispruch bestätigte
(
S. 59
).
3.
6
3.
6
.1
Was die Geschehnisse am 29. März 2014 angeht
,
stehen sich die Behauptungen
der Beschwerdeführerin, sie sei geohrfeigt worden,
denen
ihres damaligen Partners
, er habe ihr keine Ohrfeige
ausgeteilt,
diametral
gegenüber (vgl. E. 3.
3 und E. 3.4.1
).
Direkte
Zeugen dieser Auseinandersetzung
gibt
es keine.
Es ist daher aus den Umständen zu schliessen, ob mit überwiegende
r
Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen ist
, dass
tatsächlich
eine Ohrfeige
ausgeteilt
wurde
.
3.
6
.2
Niederschlag in den Akten finde
t
die Behauptung
der Beschwerdeführerin, sie sei im März 2014 geohrfeigt worden, erstmals im Zusammenhang mit dem von ihrem damaligen Partner in Gang gesetzten Strafverfahren anlässlich einer polizeilichen Einvernahme am
12. Dezember 2014 und damit über acht Monate nach dem
strittigen
Vorfall (E. 3.
3.2
).
Gegenüber ihren ärztlichen Behandlern erwähnte sie die Ohrfeige als mögliche Ursache ihrer Ohrenbeschwerden erstmals am 15. Januar 2015 (E
. 3.
2
.3)
, trotz
einer vorherigen Behandlung des rechten Ohrs im Juni
2014 (E. 3.
2
.
2
)
.
Ihre Be
hauptung, sie habe die Ohrfeige gegenüber dem im Juni behandelnden
Assistenz
arzt
nicht erwähnt, weil sie sich
geschämt habe
(vgl. Urk. 1
/1
S. 4)
,
scheint zwar
auf
den
ersten Blick
nachvollziehbar
, vermag aber nicht restlos zu überzeugen.
So hätte sie
als Ursache
denn auch einfach nur
einen Schlag oder eine äussere Einwirkung auf das Ohr
anführen
können,
ohne näher ins Detail zu gehen,
falls sie den Verdacht gehegt
hätte
, die Ohrfeige
könnte
als Ursache in Frage kommen.
Sie
musste
damals
schon
der
Über
z
e
ugung
gewesen sein,
dass zur
Behandlung
der Ohrbeschwerden die Ursache
allenfalls
von Bedeutung
sein könnte, führte sie doch die Ohrfeige in späteren Arztbesuchen
explizit
als Ursache an
.
Die Be
schwerdeführerin
hat aber
im Juni 2014
nichts dergleichen
erwähnt
,
was
ihr
Aus
sage, warum sie damals nichts über die Ohrfeige gesagt hatte,
fraglich ersche
i
nen lässt.
Entgegen
ihrem Vorbringen waren ihre Schilderungen über den Vorfall
vom 29. März 2014
im Strafverfahren
zudem
weder genau noch widerspruchsfrei (vgl. Urk. 1
/1
S. 8 oben)
, was an der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen – wie schon vom Bezirksgericht und Obergericht festgestellt (E. 3.5-
3.
6 vorstehend) –
generell
zweifeln
lässt
.
Es
fällt bei
der Entwicklung ihrer Sachverhaltsdarstellungen auf, dass
die
Wiedergabe der
Ereignisse
vom
29.
März 2014 stetig an Dramatik
ge
wann
.
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 12. Dezember 2014 schil
derte die Beschwerdeführerin
,
der ehemalige Partner sei ausser sich gewesen, habe sie beschimpft, anschliessend geohrfeigt und sei dann weggerannt
(E. 3.3.2)
. Bei der Einvernahme am 15. September 2016 sagte sie aus, er habe sie sofort be
schimpft, habe sie hin und her gestossen und so fest geschlagen, dass ihr Kopf geradezu auf die andere Seite geflogen sei
(E. 3.3.3)
. Anlässlich der Einvernahme vom 8. August 2017 steigerte die Beschwerdeführerin ihre Aussage hinsichtlich der Intensität des Konfliktes
erneut
und
schilderte, nachdem sie die Tür zuge
macht habe, sei ihr ehemaliger Partner auf die Strasse gegangen und habe so laut geschrien und getobt, dass in den Nachbarhäusern die Lichter angegangen seien. Der Schlag sei so heftig gewesen, dass ihr Kopf
beinahe weggefallen sei (E. 3.3.4
).
Wenn
an
sich die Aussage,
ihr sei
eine Ohrfeige verpasst worden, im Strafverfah
ren konstant war, finden sich
aber auch diesbezüglich
Ungenauigkeit
en
und Widersprüche. Insbesondere zum Schmerzerlebnis im Zusammenhang mit der Ohrfeige
und der Stelle, an welcher sie diese getroffen haben soll,
sind die Aus
sagen
inkonsistent.
Am 15. September 2016 sagte sie
aus
, der ehemalige Partner
habe
mit seiner offenen Hand auf ihre rechte Wange richtig fest zugeschlagen
(E. 3.3.3)
. A
m 8. August 2017
gab
s
ie wieder
, seine Hand sei ihr ins Gesicht geflogen. Sie habe es vor allem auf dem Ohr und der Wange gespürt
(E. 3.3.4)
.
Was die Schmerzen und die Auswirkungen der Ohrfeige angeht, variieren die Aussagen
noch stärker. Am 12. Dezember 2014 äusserte sich die Beschwerde
führerin dahingehend, dass das Ohr zwar geschmerzt habe, aber sie sich erst zwei Monate später, als die Ohrschmerzen akut stark geworden seien, einen Arzt aufgesucht habe (E. 3.3.2). Am 15. September 2015 liess sie aber verlauten, dass sie nach der Ohrfeige keine Schmerzen gehabt habe und weil sie es daneben auch
s
treng gehabt habe, habe sie die Verletzung nicht weiterverfolgt (E. 3.3.3)
, um aber am 8.
August 2017 (E. 3.3.4) wiederum
anzugeben
, sie habe nach der O
hrfeige drei bis vier Wochen Schmerzen gehabt und es sei ihr viel Wasser aus dem Ohr gelaufen. Schliesslich waren die Schmerzen laut ihrer Aussage am 19. Dezember 2017 dann so stark gewesen, dass es sich wie ein Brand angefühlt habe (E. 3.3.5).
Aus dem Gesagten folgt, dass Zweifel
an
den Aussagen der Beschwerdeführerin bestehen, sodass auf diese nicht abgestellt werden kann.
3.
6
.3
Die Aussagen des ehemaligen Partners der Beschwerdeführerin, unter anderem zum Ereignis am 29. März 2014, zeigten sich betreffend die wesentlichen Ge
schehnisse im Strafverfahren als konsistent. Das Obergericht hat denn auch sein Aussageverhalten zu den im Strafverfahren in Frage stehenden Vorfällen – so auch die Ereignisse vom 29. März 2014 - als grundsätzlich konstant, detailliert
und weitgehend widerspruchsfrei erachtet und hielt dafür, dass sich sämtliche von ihm geschilderten Sachverhaltselemente miteinander vereinbaren liessen und insgesamt ein stimmiges Bild erg
ä
ben (vgl. E.
3.4.1, Urk. 9/
V84-144
S. 18
f.
). Jedoch ist auch zu beachten, dass sich der ehemalige Partner der Beschwer
de
führerin im Strafverfahren mit gegenseitig erhobenen Vorwürfen konfrontiert sah und somit beide
Parteien
an einem für sie günstigen Verfahrensausgang inte
ressiert waren, sodass nicht ohne weiteres auf die Aussagen des ehemaligen Partners, er habe der Besch
werdeführerin keine Ohrfeige ausgeteilt (E. 3.4.1), abgestellt werden kann.
3.
6
.4
Die
Zeugen
aussagen der
Schwester
der Beschwerdeführerin bieten hinsichtlich der Ereignisse vom 29. März 2014 auch keine verlässliche Grundlage, zumal die Schwester damals gar nicht zugegen war. Ihre Aussage, dass die Beschwerde
führerin die Operation wegen der Ohrfeige des ehemaligen Partners
benötigte
(E. 3.4.2)
,
erachteten denn das Bezirksgericht
aufgrund der knappen und unprä
zisen Antworten als zweifelhaft (vgl. E. 3.5.1) und das Obergericht hielt Vorsicht
bei der Würdigung der Aussage als geboten (Urk. 9/
V84-144
S. 15)
.
Hinzu
kommt
, dass
sich die Schwester der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerde
führerin
selber als Zeugin angeboten
hatte
, nachdem
diese
ihr von der Anzeige des damaligen Partners erzählt hatte (Urk. 9/V
84-144 S. 15
)
. Auf die Zeugen
aussage der Schwester der Beschwerdeführerin kann daher hinsichtlich der Ereig
nisse vom 29. März 2014 nicht abgestellt werden
beziehungsweise
diese
liefern keine verlässlichen Erkenntnisse
.
3.
6
.5
Daneben lässt auch der medizinische Sachverhalt nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit den Schluss zu, dass eine Ohrfeige am 29. März 2014
tatsächlich
ausgeteilt
worden w
a
r
.
So suchte die Beschwerdeführer erstmals
über drei
Monate nach
dem 29. März 2014 wegen Ohrenbeschwerden einen Arzt auf (
E. 3.2.2)
.
Entgegen
der
von PD Dr.
C._
und Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 15. Januar 2015 (E. 3.2.3)
– nach Anhebung des Strafverfahrens im Dezember 2014 (vgl. E 3.3.2) -
geäusserten Auffassung
,
im Juni 2014 sei eine Perforation am Trommelfell beschrieben wor
den, findet sich im Bericht von Dr.
A._
vom 27. Juni 2014 (E. 3.2.2) kein Hinweis auf eine Perforation. Vielmehr stellte dieser als Diagnosen lediglich eine Mittel- und Aussenohrenentzündung. Von einer Perforation
war
nicht die Rede. Akute Schmerzen traten auch erst ab Datum der Untersuchung von Dr.
A._
am 27. Juni 2014 auf. Mehr noch deutet der Umstand, dass erst
seit
eine
r
Woche eine konstante Hörminderung bestand, darauf hin, dass
vor
her
keine Perforation vorhanden war, hätte die doch bereits in den drei Monaten zuvor zu einer wahrnehmbaren Hörminderung führen müssen. Auch PD Dr.
C._
und Dr.
D._
äusserten sich nicht dahingehend, dass die Ursache der erstmals im Januar 2015 aktenkundigen Perforation notwendigerweise auf ein Trauma zurückzuführen sei, sondern hielten dies nur für möglich (E. 3.2.3). Aus ihren Berichten ist ersichtlich, dass die These der Ohrfeige als Ursache der Perforation auf
den
Ausführungen der Beschwerdeführerin gründen
(E. 3.2.3-3.2.4). Dass es, wie PD Dr.
C._
am 12. August 2015 (E. 3.2.4) wohl gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin festhielt, bereits im März 2014 zu einer Hörminderung gekommen
sei
, widerspricht
auch
der klaren
Feststellung von Dr.
A._
vom Juni 2014
, eine konstante Hörminderung besteh
e
seit einer Woche (E. 3.2.2).
3.
7
Es ist nicht ersichtlich, wie sich der Sachverhalt weiter klären liesse.
N
icht erkennbar
ist
, wie die von der
Beschwerdeführerin
beantragte Befragung von ihr durch das Gericht zum Vorfall vom 29. März 2014 (vgl. Urk. 1/1 S. 4 Ziff. 6) über sechs Jahre nach dem vermeintlichen Ereignis neue Erkenntnisse liefern sollte
n
, zumal sie sich im Strafverfahren bereits mehrfach zum Vorfall geäussert hatte und diese Aussagen vorliegend berücksichtigt wurden
(E. 3.2.1 und E. 3.3)
. Ge
nauso wenig ist ersichtlich, wie Akten
eines
Strafverfahren
s gegen den ehe
maligen Lebenspartner der Beschwerdeführerin in Deutschland, in welchem sich dieser
mit
vermeintlich identischen Vorwürfen der nachfolgenden Lebens
part
nerin konfrontiert sieht, oder
eine von diesem auf Facebook publizierte Erklärung
für das vorliegende Verfahren einen Erkenntnisgewinn bezüglich des Vorfalles vom 29. März 2014 bringen sollten (S. 4
f.
Ziff. 6
-7
)
.
In Anbetracht dessen sind von zusätzlichen Abklärungen keine
entscheid
wesent
lichen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
3.
8
Ob sich am
29
.
März
201
4
tatsächlich ein Unfall oder zumindest ein unfallähnli
ches, sinnfälliges Ereignis zugetragen hat
respektive die Beschwerdeführerin von einer Ohrfeige getroffen wurde
, ist durch die Akten nicht belegt. Es spricht mindestens so viel dagegen wie dafür. Letztlich kann aber
offen bleiben
, ob es gemäss herrschender Aktenlage sogar überwiegend wahrscheinlich ist, dass sich am
29
. März 2014
kein rechtlich relevantes Ereignis zugetragen hat, oder ob beide Möglichkeiten gleich wahrscheinlich sind. Streitentscheidend ist jedenfalls, dass sich der Sachverhalt nicht mehr weiter erhellen lässt und nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass sich am
29
. März 2014
ein Unfall oder ein unfallähnliches Ereignis
in Form einer ausgeteilten Ohrfeige
ereignet hat. Die Folgen dieser Beweislosigkeit wirken sich zu Lasten der Beschwerdeführerin aus (Art. 8 des Zivil
g
esetzbuches analog).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.