Decision ID: 5d3ab351-634f-46d0-ae3e-7c28744ee604
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 12. September 2021 zusammen mit sei-
nem Cousin in die Schweiz ein und suchte tags darauf um Asyl nach. Die
Personalienaufnahme fand am 14. September 2021 statt. Mit Vollmacht
vom 15. September 2021 mandatierte er die ihm zugewiesene Rechtsver-
tretung. Die Anhörung zu den Asylgründen fand am 28. September 2021
statt.
Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er gehöre der kur-
dischen Ethnie an und stamme aus C._, Provinz D._, wo er
mit seinen Eltern und seiner Schwester zusammengelebt habe. Er habe
die Schule bis zur (...) Klasse besucht und später in der (...) seines Bruders
gearbeitet. Er habe sich in seinem Dorf mit einem Mitglied der kurdischen
Arbeiterpartei (PKK) angefreundet und in der Folge zusammen mit seinem
Cousin regelmässig Waren – Zigaretten, Lebensmittel, Kleider und Schuhe
– an die PKK geliefert. Das befreundete PKK-Mitglied habe sich später den
Behörden gestellt und diesen seinen Namen verraten. Deswegen sei ge-
gen ihn eine polizeiliche Vorladung und etwas später ein gerichtlicher Haft-
befehl erlassen worden, weshalb er sein Heimatland verlassen habe. Nach
der Ausreise habe sich die Polizei zu Hause nach ihm erkundigt.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Kopien seines Führer-
scheins, seiner Staatsangehörigkeitsbescheinigung, seiner Identitätskarte
sowie von behördlichen Dokumenten seines Heimatlandes zu den Akten.
B.
Am 7. Oktober 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zum Entscheid-
entwurf des SEM vom 6. Oktober 2021. Zusammen mit der Stellungnahme
gab er die Staatsangehörigkeitsbescheinigung und die Identitätskarte –
beide im Original – sowie zwei ausländische behördliche Dokumente zu
den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 8. Oktober 2021 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an.
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D.
Mit Eingabe vom 3. November 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen
den Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, ihn vorläufig aufzu-
nehmen. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung zur vollständi-
gen Erstellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung, inklu-
sive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, zu gewähren.
E.
Die Instruktionsrichterin hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 9. November 2021 gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner lud sie
die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
F.
Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 17. November 2021
sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.
G.
Die Vernehmlassung der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer am
22. November 2021 zur Kenntnisnahme zugestellt.
H.
Der Beschwerdeführer wurde am 20. Januar 2022 dem Kanton B._
zugewiesen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 10 der Verordnung über Mass-
nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom
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1. April 2020 [Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318] und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
4.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, dem Beschwerdeführer sei es –
trotz mehrfachen Nachfragens bei einzelnen Punkten – nicht gelungen,
seine Fluchtvorbringen überzeugend darzulegen. Dass ein PKK-Angehöri-
ger den Behörden mitgeteilt haben soll, der Beschwerdeführer habe der
Organisation Waren geliefert, stelle eine blosse Vermutung seinerseits dar.
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Die von ihm vorgelegten amtlichen Dokumente, welche zeigen sollen, dass
er von den heimatlichen Justiz- und Polizeibehörden gesucht werde, seien
grundsätzlich leicht käuflich erwerbbar. Ferner würden die eingereichten
Beweismittel diverse Auffälligkeiten aufweisen. Auch im Zusammenhang
mit den Schilderungen, wie die Dokumente zugestellt worden sein sollen,
seien Ungereimtheiten auszumachen. Sodann vermöchten Beweismittel
im Irakkontext praxisgemäss nur bei Vorliegen von schlüssigen Vorbringen
relevante Beweiskraft zu entfalten, was vorliegend jedoch nicht der Fall sei
und sich deshalb auch keine eingehende Dokumentenanalyse aufdränge.
Im Ergebnis sei es dem Beschwerdeführer deshalb nicht gelungen, seine
Flüchtlingseigenschaft glaubhaft darzulegen.
5.
In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, die Vorinstanz habe es in unzulässiger Weise unterlassen, die ein-
gereichten behördlichen Dokumente einer detaillierten und fachkundigen
Prüfung zu unterziehen. Stattdessen habe sie den Beweismitteln in pau-
schaler Weise die Beweiskraft abgesprochen. Ferner hätte ihm vor Erlass
der Verfügung das rechtliche Gehör zur Authentizität der Beweisunterlagen
gewährt werden müssen. Schliesslich sei es naheliegend, dass sein Name
von der PKK-Kontaktperson verraten worden sein müsse und es ihm nicht
möglich gewesen sei, die diesbezüglichen Geschehensabläufe nachträgli-
che genau abzuklären.
6.
Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung im Wesentlichen aus, aufgrund
der im Irak herrschenden Korruption könne selbst formell echten amtlichen
Dokumenten nur bei gleichzeitigem Vorliegen von schlüssigen Fluchtvor-
bringen relevante Beweiskraft zukommen. Aufgrund der unglaubhaften
Schilderungen des Beschwerdeführers sei sie deshalb nicht gehalten ge-
wesen, die eingereichten Beweismittel näher auf ihre Echtheit zu untersu-
chen. Zudem seien solche Dokumente oftmals keiner schlüssigen Über-
prüfung zugänglich. Aufgrund der Fluchtvorbringen wäre sodann von einer
eher niederschwelligen Tätigkeit für die PKK auszugehen, was nicht für
eine hohe Verfolgungsgefahr im Falle seiner Rückkehr spreche.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer sieht eine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör darin begründet, dass er zur Einschätzung der Vor-
instanz betreffend die Authentizität der eingereichten Dokumente nicht vor-
gängig Stellung nehmen konnte. Die Rüge ist vorab zu behandeln, da sie
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geeignet sein könnte, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu be-
wirken.
Die Würdigung der eingereichten Beweismittel ist Bestandteil der Rechts-
beziehungsweise Urteilsfindung und erfolgt, nachdem im Rahmen der Vor-
bereitungsphase und der Anhörung (vgl. Art. 26 ff. AsylG) die notwendigen
Erhebungen vorgenommen wurden. Ein Anspruch auf Gewährung des
rechtlichen Gehörs in Bezug auf den voraussichtlichen Verfahrensausgang
besteht jedoch nicht beziehungsweise nur dann, wenn die Behörde wegen
täuschendem Verhalten einen Nichteintretensentscheid zu fällen beabsich-
tigt (Art. 36 Abs. 1 AsylG), was vorliegend jedoch nicht der Fall war. Die
Rüge erweist sich als unbegründet.
Da die weiteren in der Rechtmitteleingabe (teilweise implizit) enthalten Ver-
fahrensrügen eng mit der materiellen Beurteilung der vorliegenden Sache
zusammenhängen, ist diesbezüglich auf die nachfolgenden Erwägungen
zu verweisen.
7.2 Der Beschwerdeführer begründet seine Fluchtvorbringen im Kern da-
mit, dass er aufgrund von Warenlieferungen an die PKK in den Fokus der
heimatlichen Behörden geraten sei.
Es ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Ausführungen des Be-
schwerdeführers insgesamt oberflächlich bleiben und wenige Details auf-
weisen. Dies unter anderem bezüglich der Frage, wie der Beschwerdefüh-
rer und sein Cousin überhaupt in Kontakt mit der PKK kamen. Er schildert
relativ pauschal, dass sich PKK-Leute in ihrem Dorf aufgehalten hätten,
einer von ihnen auf sie zugekommen sei und sie gefragt habe, ob sie bereit
wären, Waren an die Organisation zu liefern (vgl. SEM-Akten A19/14
F50 ff.). Wie die Anfreundung konkret zustande kam, ob sich diese spontan
oder über einen längeren Zeitraum entwickelte und ob ihm und dem Cousin
von Anfang klar war, dass es sich um ein Mitglied der PKK handelte, kann
den Schilderungen nicht entnommen werden. Dies wäre unter anderem
deshalb relevant, da nicht aus sich selbst heraus erhellt, weshalb sie der
PKK für diese – gemäss Beschwerdeführer riskante – Tätigkeit ihre richti-
gen Namen bekannt gaben, was ihnen letztendlich zum Verhängnis gewor-
den sein soll. Weiter weist die Vorinstanz zutreffend darauf hin, dass der
Beschwerdeführer einmal angab, der Haftbefehl sei von der Post zuge-
stellt, das andere Mal, er sei von der Polizei nach Hause gebracht worden
(vgl. a.a.O. F81 ff.). Ferner ist festzuhalten, dass gemäss Kenntnis des Ge-
richts im Zusammenhang mit der Ausstellung sowie der Zustellung von
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Haftbefehlen in der Autonomen Region Kurdistan (ARK) eine gewisse Will-
kür zu herrschen scheint. Gemäss Berichten würden Haftbefehle den Be-
schuldigten grundsätzlich nicht ausgehändigt, wobei es auch vorkomme,
dass Verhaftungen ohne Haftbefehl vorgenommen würden (vgl. UN As-
sistance Mission for Iraq [UNAMI] / Office of the UN High Commissioner for
Human Rights [OHCHR], Report on Human Rights in Iraq January to June
2017, 14.12.2017, https://www.refworld.org/docid/5a746d804.html; vgl. sodann
The Law Does Not Protect Us: Lack of Supremacy of Law
Menaces Democracy and Freedom of Press, 13.01.2018, https://www.met-
roo.org/english/dreja.aspx?=hewal&jmare=160&Jor=1; alle abgerufen am
15.3.2022). Die von der Vorinstanz in durchaus begründeter Weise geäusserten
Vorbehalte am diesbezüglichen Vorgehen der Behörden vermag der Beschwerde-
führer mit der pauschalen Kritik, es habe keine Auseinandersetzung mit der im
Irak gängigen behördlichen Vorgehensweise stattgefunden, nicht zu entkräften.
Auch fällt auf, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers teilweise in auffäl-
liger Weise identisch mit denjenigen seines Cousins – E._ (N [...]) – sind,
mit welchem er die Tätigkeit für die PKK ausgeübt haben soll. Beide haben in der
(...) ihres jeweiligen Bruders gearbeitet und sowohl der Vater des Beschwerdefüh-
rers als auch der Vater des Cousins sollen den Behörden – aus nicht näher bekann-
ten Gründen – anlässlich der Razzien den Beamten Fotografien ihrer Söhne gezeigt
haben. Schliesslich ist zumindest bemerkenswert, dass der Beschwerdeführer be-
reits einen Tag nach Kenntnis der Zustellung des Haftbefehls aus dem Land ge-
flüchtet sein soll, ohne dass aus seinen Schilderungen hervorgehen würde, dass er
bis dahin irgendwelche organisatorischen, logistischen oder finanziellen Vorberei-
tungshandlungen getroffen hätte.
Insgesamt erwecken die Ausführungen des Beschwerdeführers den Ein-
druck, dass er allgemein bekannte Tatsachen – vor deren Hintergrund sich
ein Szenario in der von ihm geschilderten Weise zwar ungefähr auch so
abspielen könnte – dafür verwendet, eine Verfolgungsgeschichte zu kon-
struieren, die er nicht erlebt hat. Auf den Umstand, dass zentrale Teile sei-
ner Fluchtvorbringen zudem auf Vermutungen basieren, muss bei dieser
Ausgangslage nicht mehr vertieft eingegangen werden.
Sodann hat die Vorinstanz, unter Verweis auf die geltende Praxis, bereits
zutreffend ausgeführt, dass Beweismitteln im vorliegenden Kontext nur bei
Vorliegen plausibler Fluchtvorbringen ein relevanter Beweiswert zukommt.
Um Wiederholungen zu vermeiden kann auf die zutreffenden Ausführun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Nur ergänzungs-
halber ist festzuhalten, dass die in der Verfügung berechtigterweise geäus-
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serten Vorbehalte an der Authentizität der eingereichten Dokumente – ins-
besondere unter Verweis auf die Ähnlichkeit der Unterschriften auf der Vor-
ladung und dem Haftbefehl sowie die umgangssprachlichen Wendungen –
in der Beschwerde nicht überzeugend ausgeräumt werden konnten. Die im
Zusammenhang mit der Beweiswürdigung gerügten Verletzungen der Ver-
fahrensrechte des Beschwerdeführers erweisen sich bei dieser Ausgangs-
lage als unbegründet.
7.3 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein
Asylgesuch abgelehnt hat.
8.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.1.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
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zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105];
Art. 3 EMRK).
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten sie eine konkrete Bedrohung im Sinne eines «real risk» nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Nachdem es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine
Verfolgung nachzuweisen oder auch nur glaubhaft zu machen, ist diese
Voraussetzung nicht erfüllt. Ferner lässt die allgemeine Menschenrechtssi-
tuation im Heimatgebiet des Beschwerdeführers den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. aus jüngerer
Zeit: Urteil des BVGer E-4484/2021 vom 22. Februar 2022 E. 8.3 m.w.H.).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.1.2
9.1.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-
dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläu-
fige Aufnahme zu gewähren.
Der Wegweisungsvollzug in die kurdischen Provinzen des Nordirak gilt ge-
mäss konstanter Rechtsprechung grundsätzlich als zumutbar (vgl. Urteil
des BVGer E-4484/2021 vom 22. Februar 2022 E. 8.4.1 m.w.H.), wobei
einzelne Zusammenstösse der regionalen Sicherheitskräfte mit der PKK
an dieser Einschätzung nichts zu ändern vermögen. Gleiches gilt für die –
offenbar anti-israelisch motivierten – Raketenangriffe der iranischen Revo-
lutionswächter in der Umgebung des amerikanischen Generalkonsulats in
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Erbil Mitte März 2022 (https://www.nzz.ch/international/ballistische-rake-
ten-schlagen-in-erbil-ein-nzz-ld.1674319; abgerufen am 15.03.2022).
9.1.2.2 In Bezug auf die individuelle Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges enthält die Rechtsmitteleingabe keine Ausführungen und es kann
diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden. Der Wegweisungsvollzug erweist sich mithin als
zumutbar.
9.1.3 Der Beschwerdeführer verfügt über eine irakische Identitätskarte und
es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die
für eine Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente zu beschaffen
(vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der
Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2
AIG).
9.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung
vom 9. November 2021 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde
und den Akten keine Hinweise für Veränderungen seiner finanziellen Ver-
hältnisse zu entnehmen sind, sind keine Verfahrenskosten zu erheben
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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