Decision ID: e4431124-cdfa-4b6f-a550-77b58f849680
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, bezieht seit
April 2003 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Verfügung vom 2
2.
September 2006, Urk. 7/18), welche mit Mitteilung vom 2
3.
September 2009 bestätigt wurde (Urk. 7/29). Massge
bend für die
Rentenzusprache
war ein chronisch-depressiver postpsychotischer Zustand
(Feststellungsblatt vom 5. Juli 2006, Urk. 7/12)
nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Polizei anlässlich einer Kontroll- und
Festnahme
aktion
am
21. April 2002 (vgl. dazu die Urteile des Obergerichts des Kantons Zürich vom 21. November 2006 [Urk. 7/34/112-199 und Urk. 7/56/31-146]).
Im Rahmen
der
anfangs 2014 eingeleiteten Rentenrevision
holte
die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
weitere medizinische Unter
lagen des behandelnden Arztes
Y._
, Arzt und Psychoanalytiker
,
(Urk.
7/37 und 7/40)
sowie
den Fragebogen zur Rentenrevision
ein
(nach mehr
maliger Mahnung und Androhung des Rentenentzuges [Urk. 7/50]
vom Ver
sicherten
eingereicht am 11. März 2015
[
Urk. 7/52
]
). Am 30. September 2015 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit, sie erachte eine psychiatrische Abklä
rung als notwendig, welche bei Dr. med.
Z._
stattfinden solle (Urk. 7/62).
X._
nahm
hierzu
am 4. November 2015
Stellung
und bemängelte
,
der von der IV-Stelle als
Gutachter in Aussicht genommene
Dr.
Z._
sei ein Strafrechtsspezialist und als solcher nicht geeignet, seinen Fall zu beurteilen.
Er nannt
e zwei andere Psychiater, welche mit der Begut
achtung beauftragt werden könnten (Urk. 7/65).
Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2015 hielt die IV-Stelle an Dr.
Z._
als Gutachter fest und machte den Versicherten gleichzeitig auf die gesetzlichen Folgen einer Nichtmitwirkung am Abklärungsverfahren aufmerk
sam (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom 15.
Dezember
2015 Be
schwerde und beantragte in der Hauptsache, an Stelle von Dr.
Z._
sei ein anderer Psychiater mit der Begutachtung zu beauftragen. Ferner seien zwei
der Zusatzfra
gen
an den Gutachter zu streichen, da sie tendenziös seien (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2016 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
; dem Beschwerdeführer mit einer Kopie von Urk. 8 zugestellt am 18. Februar 2016, Urk. 9
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
sta
tuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von
Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen
.
Die Verfahrensleitung liegt
dabei
beim Versicherungsträger, dessen
Ermessensspiel
raum
in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizi
nischen Erhebungen gross ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom 7. November
2013 E. 3.4)
.
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sach
verhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen
einholen, so gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den
Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG).
1.2
In BGE 137 V 210 formulierte das Bundesgericht Anforderungen an
polydiszi
plinäre
medizinische Entscheidungsgrundlagen.
Dazu führte es in BGE 138 V
271 E. 1.1 ergänzend aus, den Rahmenbedingungen der Auftragsvergabe komme
eine
grosse Bedeutung zu. So erfolge
die Vergabe der
MEDAS-Begutach
tungs
aufträge
fortan nach dem Zufallsprinzip (BGE 137 V 210 E.
3.1). Auf der Grund
lage des auf den
1.
März 2012 in Kraft getretenen, neu gefassten
Art.
72
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) habe
das B
undes
amt für Sozialversicherungen (BSV)
das Zuweisungssystem "
SuisseMED@P
" etabliert, dem alle Gutachteninstitute angeschlossen
seien
, die über eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesamt verfüg
t
en.
Sei
eine Gutachterstelle nach diesem System benannt, so
könne
die versicherte Person materielle Einwen
dungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), gegen Art oder Umfang der Begut
achtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizinischen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompetenz) erheben. Weiter könn
t
en formelle
Ausstandsgründe
gegen Gutachterpersonen geltend gemacht w
erden (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Es liege
indessen im Interesse von IV-Stelle und versicherter Person, Verfahrensweiterungen zu ver
meiden, indem sie sich um eine einvernehmliche Gutachtenseinholung bemühten,
nachdem materielle Einwendungen erhoben oder formelle Ablehnungsgründe vorgebracht
worden seien
. Mit der verfügungsmässigen Anordnung der Begut
achtung (oder auch schon anlässlich der erstmaligen Mitteilung über die
benannte
Gutachtenstelle
)
würden
die IV-Stellen der versicherten Person im Übrigen den vorgesehenen Katalog der Expertenfragen zur Stellungnahme
unter
breiten.
1.3
Wird
- wie vorliegend -
anstelle
eines polydisziplinären (MEDAS-) Gutachtens eine mono- oder
bidisziplinäre
Expertise eingeholt
, bei welchen
keine
zufalls
basierte
Zuweisung
erfolgt
, so sind dieselben
Partizipationsrechte beachtlich
. Bei Uneinigkeit ist eine Begutachtung demnach mit anfechtbarer
Zwischen
verfügung
anzuordnen; zudem hat die versicherte Person ein Recht zur vo
r
gängigen Fragestellung (BGE 139
V
349 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2014 vom 18. November 2014 E. 5.2.1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin teilte dem Beschwerdeführer am 30. September 2015 die Art der Begutachtung, den vorgesehenen Gutachter und die vom Gutachter zu beantwortenden Fragen
mit
. Sie räumte dem Beschwerdeführer eine Frist von 10 Tagen ein, um Zusatzfragen zu stellen, Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin oder die begutachtende Person zu machen (Urk. 7/62).
Die
Beschwerdegegnerin
berücksichtigte die
vorstehend dargelegte
Rechtsprechung
und folgte
dem im
Kreisschreiben über das Ver
fah
ren in der Invalidenversicherung (KSVI)
vorgesehenen
Verfahren für die
Auf
trags
vergabe
von mono- oder
bidisziplinären
Gutachten
(
Rz
2083 f.; vgl. auch BGE 139 V 349 E.
5.2.3)
. Das Vorgehen ist damit grundsätzlich nicht zu bean
standen.
2.2
Mit seinem Einwa
nd vom 4. November 2015 moniert
e
der Beschwerdeführer,
er sehe nicht ein, weshalb ein
Strafrechtsspezialist wie Dr.
Z._
, der sich mit ganz schweren Fällen
in Strafverfahren
befasse, seinen Fall beurteilen soll. Es stünden andere Psychiater zur Verfügung, welche auch sonst mit der Inva
lidenversicherung zusammenarbeiteten (Urk. 7/65).
Der Vorbehalt gegenüber Dr.
Z._
ist ein zulässiger materieller Einwand, der grundsätzlich einem Einigungsversuch offen steht (
Rz
2084 KSVI). Ob ein solcher stattgefunden hat, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Die Beschwerdegegnerin entschied in
dessen mit der angefochtenen Zwischenverfügung, der Einwand sei unbe
grün
det (Urk. 2).
Ob ein nicht durchgeführter
Einigungsversuch
einen
Verfahrens
mangel
darstellen könnte
,
kann
vorliegend
offen bleiben, denn d
em Beschwer
deführer war es möglich, die Zwischenverfügung sachgerecht anzufechten, wes
halb ein allfälliger Mangel als geheilt
zu betrachten wäre
.
2.3
Im vorliegenden Verfahren macht der Beschwerdeführer wiederum geltend,
es gebe andere Psychiater in der Region Zürich, die besser als Dr.
Z._
geeignet wären, seinen Fall zu beurteilen und auch regelmässig von der Inva
lidenversicherung beigezogen würden. Gegen Dr.
Z._
bringt er vor, dieser
sei auf forensische Psychiatrie spezialisiert, welche sich vor allem mit Fragen der Unterbringung psychisch kranker Straftäter befasse.
In seinem Fall gehe es aber nicht um eine strafrechtliche Fragestellung, sondern um die Arbeits
fähig
keit, was nicht zu den Kernkompetenzen von Dr.
Z._
gehöre (vgl. Urk. 1). Dem entgegnet die Beschwerdegegnerin, Dr.
Z._
sei Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und auch seine
Weiterbildung
im Bereich Forensische Psychia
trie und Psychotherapie vermöge
in keiner Weise Zweifel an der Fachkompetenz als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH zu begrün
d
en (Urk. 6 S. 2).
2.4
Richt
ig ist, dass Dr.
Z._
, bis 2009
Leiter
des Forensisc
h-Psychiatrischen Dienstes der p
sychiatrischen
Klinik
A._
, und heute in eigener Praxis gutachterlich tätig, ein ausgewiesener Experte im Bereich der foren
si
schen Psychiatrie, einem Teilgebiet der Psychiatrie, ist.
Als Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH erfüllt er ohne Weiteres die
vom Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) generell für Gutachter geforderten f
achlichen Anforderungen
(vgl. die Mustervereinbarung des BSV mit den Gutachterstellen,
abrufbar unter
www.bsv.admin.ch
)
.
Inwiefern
Dr.
Z._
fachlich nicht bzw
. ung
enügend qualifiziert sein sollte, der psychischen Problematik des Beschwer
deführers
Rechnung zu tragen, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht
substanziiert
dargelegt.
Andere
Ausstands- oder Ablehnungsgründe gegen Dr.
Z._
hat der Beschwerdeführer nicht vorgebracht
.
Wie vorstehend in E. 1.1 dargelegt, liegt die Verfahrensleitung bei der Beschwerdegegnerin
.
E
nt
gegen
der Auffassung des Beschwerdeführers gibt es kein Mitbestimmungsrecht der versicherten Person bei der Auswahl des Gutachters
, weil
keine Partei zu einer einvernehmlichen Gutachtenseinholung verpflichtet werden kann
und
hiefür
stets eine - nicht verbindlich durchsetzbare - übereinstimmende Willens
kundgebung erforderlich ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_708/2013 vom 28.
Oktober 2014 E. 3.2.2).
2.5
Weiter beantragt der Beschwerdeführer die Fragen 2.1 und 2.5
an den Gutachter
seien wegzulassen
, da sie tendenziös seien und der Zusammenhang zwischen den Fragen und seiner Erkrankung nicht ersichtlich sei
(Urk. 1 S. 2 unten
; Fragenkatalog Urk. 7/60
).
Frage 2.1 lautet:
"Wie beurteilen Sie die Konsistenz der Angaben des Explo
randen zu dessen geltend gemachten Beeinträchtigungen? Bitte beantworten Sie diese Frage auch hinsichtlich dem auslösenden Ereignis für die geltend gemachten Beeinträchtigungen sowie den aktenkundigen sozialen/sportlichen Betätigungen (häufiges Fitnesstraining, hohe Medienpräsenz)."
Frage 2.5 lautet: "Nach Lage der Akten befindet sich der Explorand nicht in fachpsychiatrischer Behandlung; der Arzt E.
Y._
verfügt über keinen psy
chiatrischen Facharzttitel. Reichen die therapeutischen Bemühungen des Exploranden mit Blick auf die geltend gemachten umfassenden Beeinträch
ti
gungen aus? Welche therapeutischen Optionen sind zu empfehlen (fachärztliche bzw. fachpsychiatrische Betreuung, Intervall der Betreuung, Medikation, statio
näre Therapie etc.)? Könnte bei optimaler Therapie von einer prognostischen Verbesserung ausgegangen werden? Wenn ja: wie lange müsste die Therapie dauern von welcher Verbesserung hinsichtlich Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit könnte ausgegangen werden?"
Die beanstandeten Fragen zielen darauf ab,
ob und inwiefern sich die
geltend gemachten Beeinträchtigungen als Einschränkungen im Beruf und in den sonstigen Lebensbereichen auswirken bzw. welche zusätzlichen therapeutischen Optio
nen allenfalls zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes beitragen könnten. Die Fragen sind weder tendenziös noch unnötig, sondern für eine sachgerechte Beurteilung der Leiden des Beschwerdeführers
notwendig und des
halb im Fragenkatalog zu belassen.
2.6
Schliesslich stellt der Beschwerdeführer auch die Notwendigkeit einer Begut
achtung an sich in Frage
(Urk. 1 S. 3)
.
Der RAD-Arzt begründete die
Anordnung einer
Begutachtung mit dem aktuell unklaren psychischen Zustandsbild und der aufgrund der Unterlagen nicht plausibel nachvollziehbaren
Chronifizierung
(Urk. 8 S. 3).
Wenn die Beschwerdegegnerin bei dieser medizinischen Aktenlage eine psychiatrische Expertise für angezeigt hielt, handelte sie innerhalb des ihr zustehenden Ermessenspielraums, in den das Gericht nicht einzugreifen hat. Ferner liegt auf der Hand, dass bei einem langjährigen Rentenbezug eine per
io
dische Überprüfung des Rentenanspruchs grundsätzlich notwendig ist.
Da das verwaltungsrechtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, wäre es dem Gericht auch verwehrt, selber ein Gutachten anzuordnen, wie vom Beschwer
de
führer angeregt (Urk. 1 S. 3). Denkbar wäre dies erst in einem
Beschwerde
verfahren
gegen eine das verwaltungsrechtliche Verfahren abschliessende Ver
fü
gung über den Leistungsanspruch (vgl. Art. 69 Abs. 1
lit
. a des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
3.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.