Decision ID: 68fbbfc8-6ceb-5a1d-b2e8-47d7948dc8b0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die AGT Europe Automotive Import SA ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz
in Pfäffikon, Schwyz, und bezweckt den Import und Export von Automobi-
len und Motorrädern jeglicher Art, einschliesslich Autobestandteile.
B.
B.a Mit Jahresschlussrechnung 2019 vom 20. April 2020 verlangte das
Bundesamt für Energie (BFE) von der AGT Europe Automotive Import SA
gestützt auf Art. 30 der Verordnung vom 30. November 2012 über die Re-
duktion der CO2-Emissionen (CO2-Verordnung, SR 641. 711) eine Nach-
zahlung für das Jahr 2019. Zur Begründung führte es an, die individuellen
Zielvorgaben der durchschnittlichen CO2-Emissionen seien überschritten
worden. Die AGT Europe Automotive Import SA habe emissionsstarke
Fahrzeuge importiert, die nur für kurze Zeit als Lieferwagen zugelassen
und danach zu Personenwagen mutiert worden seien, um auf rechtsmiss-
bräuchliche Weise in den Genuss der Vorteile des CO2-Sanktionssystems
für Nutzfahrzeuge zu gelangen.
Die Jahresschlussrechnung 2019 wurde von A._ (...) unterzeich-
net.
B.b Ende Mai verschickte das BFE Schlussrechnungen für die CO2-Sank-
tion 2019 an sieben Importeure, die mutmasslich rechtsmissbräuchlich
Fahrzeuge in Verkehr gesetzt hätten. Die Fahrzeuge wurden im Rahmen
dieser Schlussrechnungen vom BFE nicht berücksichtigt (und führten zur
Forderung von Nachzahlungen). Am 10 Juni 2020 fand ein Vermittlungs-
versuch zwischen Vertretern des Verbands freier Autohandel Schweiz
(VFAS) und dem BFE statt.
B.c Am 26. Juni 2020 beantragte die AGT Europe Automotive SA beim
BFE die Korrektur der Jahresschlussrechnung 2019, eventualiter den Er-
lass einer anfechtbaren Verfügung im Sinne von Art. 33 der CO2-Verord-
nung. Die CO2-Sanktionen seien nicht auf Fahrzeuge der Kategorie «Lie-
ferwagen» anwendbar. Massgebend sei der Zustand der Fahrzeuge beim
erstmaligen Inverkehrbringen. Die spätere Umwandlung der Fahrzeuge
habe keinen Einfluss auf die Einordnung der Fahrzeugkategorie. In der
Jahresschlussrechnung seien 13 Fahrzeuge fälschlicherweise nicht aufge-
nommen und 144 Fahrzeuge auf unzulässige Weise als Personenwagen
qualifiziert worden.
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B.d Mit separatem Schreiben vom 26. Juni 2020 stellte die AGT Europe
Automotive Import SA im Zusammenhang mit der beantragten Verfügung
ein Ausstandsgesuch gegen Personen, die ihr gegenüber mit dem CO2-
Vollzug befasst seien und an der Revision der CO2-Verordnung, an der
Brancheninformation vom 17. Dezember 2019 sowie an den Vergleichs-
verhandlungen vom 10. Juni 2020 mit Branchenvertretern mitgewirkt hät-
ten. Sie müssten in den Ausstand treten, da ein Interessenkonflikt bestehe
und sie befangen seien.
B.e Mit Schreiben vom 9. Juli 2020 überwies B._ (...) das Aus-
standsbegehren zuständigkeitshalber an das Eidgenössische Departe-
ment für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Er nahm
zum Ausstandsgesuch Stellung und beantragte dessen Ablehnung. An der
laufenden Teilrevision der CO2-Verordnung, der Brancheninformation vom
17. Dezember 2019, dem telefonischen Vermittlungsversuch zwischen
Vertretern des VFAS und dem BFE vom 10. Juni 2020 sowie am bisherigen
CO2-Vollzug seien neben ihm C._ (...), D._ (...), und
A._ beteiligt gewesen. In der Teilrevision der CO2-Verordnung und
der Brancheninformation sei die Frage des Rechtsmissbrauchs in generell-
abstrakter Weise behandelt worden und habe kein konkretes Verfahren be-
troffen. Die übrigen Vorbringen seien nicht geeignet, auf eine Befangenheit
zu schliessen.
B.f Mit Schreiben vom 31. Juli 2020 nahm die AGT Europe Automotive Im-
port SA Stellung. Die vier genannten Personen seien mit der Frage des
vermeintlich rechtswidrigen Vorgehens, das ihr in der Schlussrechnung
vorgeworfen worden sei, mehrfach konkret befasst gewesen und hätten
sich bereits eine Meinung gebildet. Sie seien in Personalunion rechtsset-
zend sowie vollziehend tätig und offensichtlich neuen Argumenten nicht
mehr zugänglich. Der Verfahrensausgang sei damit nicht mehr als offen zu
betrachten.
B.g Mit Verfügung vom 17. August 2020 wies das UVEK das Ausstands-
begehren ab. Aus der Mitwirkung der Mitarbeitenden des BFE an der Teil-
revision des Gesetzes und der Verordnung, der BFE-Brancheninformation
sowie aus der Teilnahme an Vergleichsverhandlungen und am bisherigen
Vollzug könne nicht auf eine unzulässige Vorbefassung geschlossen wer-
den. Hierzu müssten weitere Anhaltspunkte vorliegen. Allenfalls beste-
hende Differenzen in der Rechtsauslegung führten nicht zum Ausstand.
Das zweistufige Verfahren bei der Berechnung und Erhebung der Sanktio-
nen sei eine Art Einspracheverfahren. Das BFE lege seine vorläufige
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Rechtsauffassung im Rahmen der Schlussrechnung dar, um den Grossim-
porteuren das rechtliche Gehör zu gewähren. Bei diesem Vorgehen könne
nicht auf das Vorliegen eines Ausstandsgrunds geschlossen werden. Es
sei zu erwarten, dass die Mitarbeitenden des BFE neue Argumente objektiv
beurteilen könnten.
C.
Mit Eingabe vom 17. September 2020 erhebt die AGT Europe Automotive
Import SA (nachfolgend: Beschwerdeführerin) beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde gegen die Verfügung des UVEK (nachfolgend: Vorin-
stanz) vom 17. August 2020 und beantragt deren Aufhebung sowie die
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung.
D.
In der Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 schliesst die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde.
E.
In ihren Schlussbemerkungen vom 19. November 2020 hält die Beschwer-
deführerin an ihren Anträgen fest.
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes (VGG, SR 173.32)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.021), so-
fern eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG entschieden hat und keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist.
Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich um einen Entscheid über
ein Ausstandsbegehren. Gegen selbständig eröffnete Zwischenverfügun-
gen über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde an das Bundesverwal-
tungsgericht zulässig (vgl. Art. 45 VwVG).
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Die Verfügung stammt von einer Behörde im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG;
es liegt keine Ausnahme bezüglich des Sachgebiets vor (vgl. Art. 32 VGG).
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-
ligt und ist durch den angefochtenen Entscheid, mit welchem ihre Begeh-
ren abgewiesen wurden, sowohl formell als auch materiell beschwert, wes-
halb sie zur Beschwerde legitimiert ist (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG) sowie auf Angemes-
senheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG).
3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe gegen das
Willkürverbot verstossen, weil sie entscheidrelevante Vorbringen und Be-
weismittel nicht berücksichtigt habe. Da erhebliche Vorbringen nicht ernst-
haft geprüft worden seien, habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör ver-
letzt und den Sachverhalt unrichtig sowie unvollständig festgestellt. Zur Be-
gründung bringt sie im Wesentlichen vor, die vier genannten Mitarbeiter
des BFE seien bereits auf fachbehördlicher Ebene mit dem gleichen Kon-
flikt zwischen ihr als Grossimporteurin und dem BFE befasst gewesen und
würden nun Einfluss auf die beantragte Verfügung nehmen. Die Vorinstanz
habe dies bei ihrer Entscheidfindung ausser Acht gelassen.
3.1 Nach Art. 12 VwVG ist der rechtserhebliche Sachverhalt festzustellen.
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob
über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (BGE 117
V 282 E. 4a). Die Behörde ist nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltsele-
ment umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärun-
gen sind nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als an-
gezeigt erscheinen. Die Amtsermittlung endet, wenn der rechtserhebliche
Sachverhalt bewiesen ist oder wenn willkürfrei ausgeschlossen werden
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kann, dass weitere Abklärungen zu einem zusätzlichen Erkenntnisgewinn
führen (vgl. BVGE 2015/1 E. 4.2).
Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG,
Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbrin-
gen der Parteien tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der
Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Begrün-
dung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG).
Eine Behörde hat angebotene Beweise nur dann abzunehmen, wenn sie
zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen (vgl. Art. 33 Abs. 1
VwVG). Beweise müssen dagegen nicht abgenommen werden, wenn sie
entweder eine nicht rechtserhebliche Frage betreffen oder wenn sich
dadurch von vorneherein am festgestellten Ergebnis nichts ändern würde.
Auch steht der Anspruch auf rechtliches Gehör einer vorweggenommenen
Beweiswürdigung nicht entgegen (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3; 136 I 229
E. 5.3).
3.2 Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung festgehalten hat, ist die
Mitwirkung der vier genannten Mitarbeiter des BFE auf den verschiedenen
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten fach- und vollzugsbehörd-
lichen Ebenen unbestritten. Die vorgebrachte Mehrfachbefassung jener
Personen im Rahmen der Erarbeitung von Gesetzesvorlagen und beim
Vollzug der CO2-Emissionsvorschriften ist Bestandteil der angefochtenen
Verfügung. Die sachverhaltlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin wur-
den von der Vorinstanz integral übernommen und rechtlich gewürdigt. Da-
mit hat sie die Vorbringen tatsächlich gehört sowie in ihrer Entscheidfin-
dung berücksichtigt und die Beschwerdeführerin konnte sich ein Bild von
der Tragweite des Entscheids machen (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2). Es liegt
keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.
3.3 Die Rüge, das Beweisverfahren sei fehlerhaft durchgeführt worden, ist
offensichtlich unbegründet. Aus den Vorbringen der Beschwerdeführerin
geht nicht hervor, welche Beweise von der Vorinstanz nicht abgenommen
worden seien. In ihren Schlussbemerkungen macht die Beschwerdeführe-
rin geltend, die Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass sie auch eine
Befangenheit aufgrund einer Akzeptanz der Praxis seit 2012 gerügt habe.
In der angefochtenen Verfügung wurde festgestellt, dass die vier genann-
ten Personen im Rahmen der fachbehördlichen Tätigkeit (Verfassen von
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Erläuterungen zu Verordnungsänderungen, Erlass von Brancheninformati-
onen sowie Gespräche mit Verbänden) und beim Vollzug verschiedene
Funktionen eingenommen hätten. Es ist nicht ersichtlich, weshalb diese
Feststellung die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Vortragstä-
tigkeit der Mitarbeiter im Rahmen des CO2-Sanktionsteams aus dem Jahr
2012 nicht umfassen soll. Die Vorinstanz ist nicht gehalten, auf jedes ein-
zelne Detail Bezug zu nehmen. Hinsichtlich der strittigen Frage, ob deshalb
seit 2012 eine Akzeptanz der als rechtsmissbräuchlich eingestuften Praxis
bestanden habe, hat das BFE in der Jahresschlussrechnung 2019 eine an-
dere Auffassung vertreten. Für die Beurteilung der Ausstandspflicht ist die-
ses Sachverhaltselement aber – entgegen den Vorbringen der Beschwer-
deführerin – nicht rechtserheblich. Allgemeine Vorwürfe der Befangenheit,
wie andere Ansichten in Grundsatzfragen oder der Umstand, dass die Par-
tei eine andere Rechtsauffassung vertritt oder die herrschende Praxis der
Behörde in einer bestimmten Frage von der Auffassung der Partei ab-
weicht, enthalten keine konkreten Anhaltspunkte für eine Befangenheit
(vgl. E. 4.1.3 und E. 4.7 hiernach).
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die formellen Rügen unbe-
gründet sind. Dass sich die Vorinstanz mit der angeblichen Akzeptanz der
Praxis seit 2012 nicht weiter befasst haben soll, ist für die Beurteilung des
Ausstandsgesuchs nicht entscheidwesentlich und lässt auf keine unrich-
tige oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung schliessen.
4.
Die Beschwerdeführerin begehrt die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und verlangt eine «Auseinandersetzung mit der tatsächlichen, inhalt-
lichen und funktionalen Befassung» der vom Ausstandsgesuch betroffenen
Behördenvertreter. Sie seien in Personalunion rechtssetzend und vollzie-
hend tätig geworden und würden offensichtlich neuen Argumenten nicht
mehr zugänglich sein. Sinngemäss macht sie geltend, die Vorinstanz hätte
deshalb die vier genannten Mitarbeiter des BFE in den Ausstand versetzen
müssen.
4.1
4.1.1 Gemäss Art. 10 VwVG muss eine Person, die eine Verfügung zu tref-
fen oder diese vorzubereiten hat, in den Ausstand treten, wenn sie in der
Sache befangen sein könnte. Neben verschiedenen speziellen Ausstands-
gründen (Art. 10 Abs. 1 Bst. a–c VwVG) statuiert Art. 10 Abs. 1 Bst. d VwVG
einen Auffangtatbestand, wonach eine Person in den Ausstand zu treten
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hat, wenn sie aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnte.
Um welche Gründe es sich dabei handelt, ist jeweils unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände des Einzelfalls zu bestimmen. Es genügt für
einen entsprechenden Ausstandsgrund, dass Umstände vorliegen, die bei
objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit zu begründen ver-
mögen (vgl. BGE 137 II 431 E. 5.2; Urteil des BVGer A-2142/2016 vom
9. September 2016 E. 6.1 m.w.H.).
Für Verwaltungsverfahren gilt nicht der gleich strenge Massstab wie ge-
mäss Art. 30 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK für Justizverfahren unabhängiger
richterlicher Behörden (BGE 140 I 326 E. 5.2; 125 I 209 E. 8). Ablehnungs-
und Ausstandsbegehren gegen nichtrichterliche Justizpersonen bezie-
hungsweise gegen Personen, die an einem Verwaltungsentscheid bera-
tend oder instruierend mitwirken, sind nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung im Interesse einer beförderlichen Rechtspflege nicht leichthin
gutzuheissen (zum Ganzen siehe Urteil des BGer 2C_989/2020 vom
29. April 2021 E. 2.2 m.H.; Urteile des BVGer A-2142/2016 vom 9. Sep-
tember 2016 E. 6.1; A-7010/2015 vom 19. Mai 2016 E. 3 m.w.H.).
4.1.2 Von einer Vorbefassung ist dann auszugehen, wenn sich dieselbe
Amtsperson in einem früheren Verfahrensabschnitt in amtlicher Funktion
mit derselben Angelegenheit befasst hat und dabei eine ähnliche Frage zu
beantworten hatte; bei Exekutivbehörden ist dabei zu berücksichtigen,
dass ihr Amt mit einer sachbedingten Kumulation verschiedener, auch po-
litischer Aufgaben einhergeht (vgl. BGE 140 I 326 E. 5.2; Urteil des BGer
1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 2.2). Exekutivbehörden sind auf-
grund ihres Amtes, anders als ein Gericht, nicht allein zur (neutralen)
Rechtsanwendung oder Streitentscheidung berufen. Sie tragen zugleich
eine besondere Verantwortung zur Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufga-
ben. Liegt die amtliche Mehrfachbefassung damit im öffentlichen Interesse
und ist sie in diesem Sinne systembedingt, so liegt nicht bereits darin eine
unzulässige Vorbefassung. Ob eine systembedingt vorbefasste Amtsper-
son tatsächlich voreingenommen erscheint, entscheidet sich nach den
konkreten Umständen des Einzelfalls (vgl. BGE 140 I 326 E. 5.2; BGE 125
I 119 E. 3f; Urteil des BGer 2C_912/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3).
Dabei ist vorab je nach Verfahrensart, Funktion oder Streitgegenstand des
betreffenden Verfahrens zu unterscheiden (vgl. BGE 137 II 431 E. 5.2; 125
I 119 E. 3d und 3f).
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Im verwaltungsinternen Verfahren wird von der Rechtsprechung eine Aus-
standspflicht in der Regel nur dann bejaht, wenn der Amtsträger selbst Par-
tei des Verfahrens ist oder ein persönliches Interesse am Verfahrensge-
genstand hat und insoweit in «eigener Sache» entscheidet. Dies ist anhand
der konkreten Umstände zu beurteilen (BGE 143 II 588 E. 3.2; Urteile des
BGer 1C_97/2014 vom 9. Februar 2015 E. 3.4; 2C_305/2011 vom 22. Au-
gust 2011 E. 2.5; 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 2.2; Urteil des
BVGer A-600/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 2.1.4).
4.1.3 Die Tatsachen, die den Ausstandsgrund bewirken, müssen von der
Partei, die sich darauf berufen will, zumindest glaubhaft gemacht werden
(vgl. Art. 36 Abs. 1 BGG). Dabei genügt es, wenn eine gewisse Wahr-
scheinlichkeit dafürspricht (vgl. BGE 120 II 393 E. 4c). Bloss allgemeine
Vorwürfe der Befangenheit – beispielsweise andere Ansichten in Grund-
satzfragen oder der Umstand, dass die herrschende Praxis der Behörde
zu einer bestimmten Frage von der Auffassung der Parteien abweicht –
sind keine konkreten Anhaltspunkte für eine Befangenheit (vgl. Urteile des
BVGer B-2381/2020 vom 23. September 2020 E. 6.2 m.H.; A-2142/2016
vom 9. September 2016 E. 6.4.2 m.H.).
4.2 Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, dass vier Mitarbei-
ter des BFE bereits als Fachexperten beim Entwurf, der Änderung und der
Umsetzung der CO2-Sanktionsbestimmungen involviert gewesen seien
und Einfluss auf die beantragte Verfügung hätten. Sie hätten seit dem Jahr
2012 eine Umgehungspraxis geduldet, die sie durch die bestrittene Jah-
resschlussrechnung 2019 vom 20. April 2020 nachträglich ändern sowie
gemäss diverser Publikationen (Erläuterungen, Brancheninformation vom
17. Dezember 2019, etc.) als rechtsmissbräuchlich einstufen wollten.
4.3 Um die CO2-Emissionen in der Schweiz zu reduzieren, wurden im Bun-
desgesetz vom 23. Dezember 2011 über die Reduktion der CO2-Emissio-
nen (CO2-Gesetz, SR 641.71) Reduktionsziele und Massnahmen festge-
legt. Das BFE ist als Fachbehörde massgeblich an der Gestaltung und Um-
setzung der technischen Massnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen
beteiligt. Als technische Massnahme zur Verminderung der CO2-Emissio-
nen im Mobilitätsbereich gelten seit 2012 CO2-Emissionsvorschriften für
neue Personenwagen, Lieferwagen und Sattelschlepper (vgl. Art. 10–13
CO2-Gesetz). Die Schweizer Importeure sind verpflichtet, die CO2-Emissi-
onen der erstmals in der Schweiz zum Verkehr zugelassenen Personen-
wagen zu senken. Seit dem 1. Juli 2012 wird für den Importeur eine Sank-
tion fällig, wenn seine durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Kilometer
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den Zielwert überschreiten. Für Schweizer Grossimporteure werden diese
Bestimmungen vom BFE vollzogen (vgl. Art. 30 ff. der Verordnung über die
Reduktion der CO2-Emissionen [CO2-Verordnung]). Das BFE muss im Wei-
teren die Öffentlichkeit über die Erreichung der Zielvorgaben, die erhobe-
nen Sanktionen und die Anzahl der Grossimporteure informieren (vgl.
Art. 36 CO2-Verordnung).
4.4 Im vorliegenden Fall ist von einer amtlichen Mehrfachbefassung der
vier genannten Mitarbeiter des BFE auszugehen. Die Beschwerdeführerin
verkennt, dass die von ihr geltend gemachte Vorbefassung an sich keine
Ausstandspflicht begründet. Die fachbehördliche Mitwirkung der vier Per-
sonen am Erlass der CO2-Sanktionsbestimmungen schliesst eine einzel-
fallbezogene Umsetzung der Bestimmungen durch dieselben Personen im
Verwaltungsverfahren nicht aus. Selbst wenn es sich bei den von den Be-
hördenvertretern verfassten Erläuterungen zum Rechtsmissbrauch um die-
selbe strittige rechtliche Fragestellung wie im Verfahren aufgrund der Ein-
sprache der Beschwerdeführerin gegen die Jahresschlussrechnung 2019
handelt, ist die systembedingte Vorbefassung der involvierten Behörden-
vertreter hinzunehmen. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemach-
ten Tätigkeiten (etwa Verfassen von Erläuterungen oder Brancheninforma-
tionen) fallen in den Aufgabenbereich des BFE als Fachbehörde. Die vier
Mitarbeiter des BFE haben sich daran nicht als Privatpersonen beteiligt.
Sie haben mit ihrer Tätigkeit öffentliche und nicht private Interessen ver-
folgt. Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Interessenkonflikt
– etwa aufgrund ihrer Zuständigkeit für die Erläuterungen von rechtlichen
Bestimmungen und für den Vollzug jener Bestimmungen – ist vom Gesetz-
geber vorprogrammiert (vgl. BGE 143 II 588 E. 3.2). Aufgrund der system-
bedingten amtlichen Mehrfachbefassung liegt keine unzulässige Vorbefas-
sung vor. Die vier Mitarbeiter des BFE gelten deshalb nicht als befangen
und es trifft sie keine Ausstandspflicht.
4.5 Darüber hinaus wäre es an der Beschwerdeführerin gelegen, konkrete
Anhaltspunkte vorzubringen, dass sich ein Behördenmitglied ihr gegen-
über bereits in einer Art festgelegt hätte, dass es einer anderen Bewertung
der Sach- und Rechtslage nicht mehr zugänglich wäre.
Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ergibt sich aus der ein-
sprachefähigen Jahresschlussrechnung 2019 nicht, dass sich A._
oder andere vom Ausstandsgesuch betroffene Behördenvertreter bereits
auf eine unverrückbare Art festgelegt hätten. Dies lässt sich auch nicht aus
der rechtlichen Begründung der Jahresschlussrechnung ableiten, die der
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Gewährung des rechtlichen Gehörs dient. Das Verfahren nach Art. 33 CO2-
Verordnung, welches aufgrund der Bestreitung der Jahresschlussrechnung
durch die Beschwerdeführerin geführt wird, ist bis zum Erlass des materi-
ellen Entscheids als ergebnisoffen zu betrachten.
4.6 Die Vorinstanz hat auch zutreffend festgehalten, dass der Hinweis auf
einen Vermittlungsversuch im Zuge einer Telefonkonferenz mit Branchen-
vertretern vom 10. Juni 2020 nicht geeignet ist, den Anschein der Befan-
genheit zu erzeugen. Die blosse Behauptung, es liege deshalb ein Aus-
standsgrund vor, genügt nicht (vgl. BGE 131 I 113 E. 3.6).
4.7 Die Beschwerdeführerin macht auch nicht geltend, dass sich die vier
Personen ihr gegenüber grob pflichtwidrig verhalten hätten. Ihre Argumen-
tation, wonach die vom BFE als rechtsmissbräuchlich eingestufte Praxis
seit 2012 geduldet und die Brancheninformation zu kurzfristig erlassen
worden sei, um darauf reagieren zu können, lässt die betreffenden Behör-
denmitglieder nicht als befangen erscheinen. Die Beschwerdeführerin
bringt damit bloss eine unterschiedliche Einschätzung der Rechtslage vor,
zumal das BFE in der Jahresschlussrechnung 2019 die Existenz einer sol-
chen geduldeten Praxis bestritten hat. Sollte die Beschwerdeführerin mit
ihrer Rechtsauffassung im Verwaltungsverfahren nicht durchdringen, liegt
es an ihr, dies allenfalls im Instanzenzug nach dem Erlass eines materiellen
Entscheids geltend zu machen (vgl. statt vieler BGE 116 Ia 135 E. 3a). Dies
gilt auch für den gerügten Zeitpunkt des Erlasses der Brancheninformation
sowie der Umsetzung der CO2-Sanktionen und nimmt den Entscheid nicht
vorweg. Selbst wenn die bereits mit der Brancheninformation vom 17. De-
zember 2019 kommunizierte Praxis der Behörde zu dieser Frage die Füh-
rung des Verwaltungsverfahrens – zumindest aus der Sicht der Partei – als
wenig erfolgversprechend erscheinen lässt, liegen deshalb noch keine An-
haltspunkte für eine Befangenheit vor.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine
Umstände geltend gemacht hat, die bei objektiver Betrachtung für den An-
schein der Befangenheit im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. d VwVG sprechen
würden. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die von ihr offerierten Be-
weismittel für den Entscheid über die Ausstandspflicht relevant sein könn-
ten. Die Beschwerdeführerin substanziiert nicht, welche konkreten Stellen
beziehungsweise Aussagen in den von ihr genannten Akten für eine Be-
fangenheit einer bestimmten Amtsperson sprechen sollen. Dass die aufge-
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führten Personen bereits mit der von ihnen als rechtsmissbräuchlich ein-
gestuften Praxis von Grossimporteuren systembedingt vorbefasst waren,
bildet für sich genommen keinen Ausstandsgrund. Die Vorinstanz hat das
Ausstandsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt. Die Be-
schwerde ist als unbegründet abzuweisen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdeführerin als
unterliegend. Sie hat die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.– zu tragen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet.
6.2 Angesichts ihres Unterliegens steht der Beschwerdeführerin keine
Parteientschädigung zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 VGKE). Die Vor-
instanz hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3
VGKE).
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