Decision ID: 997fc750-9254-4c07-9d78-572470a7063e
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
1.
Am 12. Oktober 2021 meldete die Kleintierpraxis "D." in Y. dem Amt für
Verbraucherschutz (AVS), Veterinärdienst (VetD), dass A. mit zwei
Maremmano-Welpen vorstellig geworden sei. Er habe die beiden Welpen
zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in Italien gefunden und anschliessend
in die Schweiz eingeführt, ohne dass diese gegen Tollwut geimpft oder
gechippt waren. Zudem fehlten für beide Tiere der EU-Heimtierpass sowie
die Besitzerklärung.
2.
Aufgrund dieser Meldung führte der Veterinärdienst am 13. Oktober 2021
unangemeldet eine Kontrolle am Wohnort von A. durch. Anlässlich der
Kontrolle wurden u.a. eingetrocknete Kotflecken in der Wohnung, ein-
getrockneter Kot und Urinlachen auf dem Balkon, mit Fäkalien ver-
schmutzte Liegeflächen der Welpen sowie eine ungenügende Menge an
Futter festgestellt. Diese sowie weitere Missstände veranlassten den Vete-
rinärdienst, umgehend Sofortmassnahmen zu verfügen. Dabei wurde
namentlich die vorsorgliche Beschlagnahme der beiden Hundewelpen an-
geordnet. Zudem wurde eine Frist von 14 Tagen zur Leistung einer Kaution
in Höhe von Fr. 2'000.00 angesetzt. Schliesslich wurde A. die Auferlegung
von Kosten für die Massnahmen und/oder den administrativen Aufwand der
Behörden in Aussicht gestellt. Einer allfälligen Beschwerde gegen die
Sofortmassnahmen wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
3.
Am 10. November 2021 wurden die beiden Hunde unter Auflagen an A.
zurückgegeben.
4.
Am 14. November 2021 wurde A. durch die Kantonspolizei Aargau im Wald
bei X. aufgegriffen. Er wirkte orientierungslos und führte seine beiden
Hunde mit. Nachdem auf dem Polizeiposten Muri weitere Abklärungen
vorgenommen wurden, ordnete der beigezogene Arzt die fürsorgerische
Unterbringung von A. an. Am 16. November 2021 verliess er die Klinik
wieder.
5.
Nach Angaben der Mutter von A. kam es am 22. November 2021 erneut zu
einem Zwischenfall, welcher in der Folge dazu führte, dass für A. wiederum
die fürsorgerische Unterbringung angeordnet wurde.
- 3 -
6.
Am 26. November 2021 verfügte der Veterinärdienst vorsorglich die sofor-
tige Beschlagnahme der beiden Hunde und auferlegte A. ein sofortiges
Hundehalteverbot. Gleichzeitig wurde eine Kaution für die beiden Hunde
gefordert und A. die Möglichkeit zum rechtlichen Gehör gewährt.
7.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2021 entschied der Veterinärdienst:
I. A., unbekannter Wohnort, wird ein sofort geltendes  auferlegt.
II. Die Hunde "B.", Maremmano Abruzzese Mischling, männlich, geb. 1. Juni 2021, Mikrochipnummer aaa und "C.", Maremmano Abruzzese Mischling, männlich, geb. 1. Juni 2021, Mikrochipnummer bbb, werden definitiv beschlagnahmt und sofort neu platziert.
III. Die Kosten dieser Verfügung von Fr. 230.00 werden A. auferlegt. Der Betrag ist mit beiliegendem Einzahlungsschein innert 30 Tagen zu begleichen.
IV. Die Kosten im Rahmen der Unterbringung, Betreuung und Pflege der Hunde "B." und "C." werden A. bis zum Verfahrensabschluss vollumfänglich auferlegt und mit separater Verfügung erhoben, sobald alle Kosten bekannt sind.
V. Den Massnahmen gemäss Ziffern I. und II. der Verfügung wird die aufschiebende Wirkung entzogen.
VI. Vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen diese Verfügung werden gestützt auf Art. 28 Abs. 3 des  Tierschutzgesetzes (TSchG, SR 455) sowie Art. 292 des eidgenössischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) mit Busse bestraft. Art. 28 Abs. 3 TSchG lautet wie folgt: "Mit Busse wird , wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen eine , deren Missachtung für strafbar erklärt worden ist, der eine unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn  Verfügung verstösst". Art. 292 StGB lautet wie folgt: "Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen  unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft".
B.
1.
Gegen diese Verfügung des Veterinärdienstes erhob A. mit undatierter
Eingabe, welche am 23. Dezember 2021 beim AVS einging, Verwal-
tungsbeschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfü-
gung. Die Beschwerde wurde in der Folge zuständigkeitshalber an das De-
partement Gesundheit und Soziales (DGS), Generalsekretariat, weiter-
geleitet.
- 4 -
2.
Am 14. April 2022 entschied das DGS, Generalsekretariat:
1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und Dispositiv-Ziff. I der angefochtenen Verfügung aufgehoben.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen und die angefochtene Verfügung bestätigt.
2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Verfahrens, bestehend aus einer Staatsgebühr von Fr. 800.-, der Kanzleigebühr und den  von Fr. 100.-, zusammen Fr. 900.-, zur Hälfte, d.h. im Umfang von Fr. 450.- zu bezahlen.
3. Ersatz für Parteikosten wird nicht zugesprochen.
C.
1.
Gegen den Entscheid des DGS erhob A. mit Eingabe vom 20. Mai 2022
Verwaltungsgerichtsbeschwerde und beantragte die sofortige Rückgabe
seiner beiden Hunde sowie Schadenersatz für seine aufgelaufenen
Kosten.
2.
Am 26. Juli 2022 stellte der Veterinärdienst dem Verwaltungsgericht den
am 30. Juni 2020 gegen A. ergangenen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
U. zu betreffend Hinderung einer Amtshandlung, mehrfacher Tierquälerei
durch Misshandeln von Hunden, mehrfache Tierquälerei durch
Vernachlässigen von Hunden durch ungenügende Fütterung,
ungenügender Reinhaltung der Haltungseinrichtungen bei Hunden,
mehrfacher Einfuhr von Hunden ohne EU-Heimtierpass, ohne Mikrochip,
ohne gültige Tollwutimpfung und ohne Besitzerklärung aus einem nicht
Tollwutrisikoland in die Schweiz, mehrfachem Nichtprüfenlassen der Kenn-
zeichnung (Mikrochip) eines importierten Hundes innerhalb von 10 Tagen
bei einem Tierarzt, mehrfachem Nichtmelden der Adress- und/oder Han-
dänderung an den Betreiber der Tierdatenbank innerhalb von 10 Tagen,
mehrfachem Nichtmelden eines Hundes bei der Gemeinde sowie Missach-
tung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit innerorts.
3.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. August 2022 beantragte das DGS die Ab-
weisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei.
4.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 1. Dezember 2022 beraten und
entschieden.
- 5 -

Considerations:
Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Das DGS beurteilt Beschwerden gegen Entscheide des Veterinärdiensts
im Bereich der Hunde- und Tierschutzgesetzgebung (vgl. § 41 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Ver-
waltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200] i.V.m. § 12 Abs. 1 lit. b
und e der Verordnung über die Delegation von Kompetenzen des Regie-
rungsrats vom 10. April 2013 [Delegationsverordnung, DelV;
SAR 153.113]). Gegen letztinstanzliche Entscheide der Verwaltungsbehör-
den ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde zulässig (§ 54 Abs. 1 VRPG).
Somit ist das Verwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
2.
Der Beschwerdeführer verlangt aufgrund des aus seiner Sicht unrechtmäs-
sigen Einsatzes von Staatsgewalt durch das Veterinäramt sowie die Polizei
Schadenersatz.
Schadenersatzforderungen gegen den Kanton müssen im verwaltungs-
gerichtlichen Klageverfahren geltend gemacht werden (§ 11 Abs. 2 des
Haftungsgesetzes vom 24. März 2009 [HG; SAR 150.200]). Im Rahmen
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens darf auf den entsprechenden An-
trag nicht eingetreten werden.
3.
Die übrigen Beschwerdevoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
Anlass. Auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde ist unter Vorbehalt von
Erw. 2 hiervor einzutreten.
4.
Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht können die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen ge-
rügt werden (§ 55 Abs. 1 VRPG). Die Kontrolle der Angemessenheit ist
demgegenüber ausgeschlossen (Umkehrschluss aus § 55 Abs. 3 VRPG).
II.
1.
1.1.
Der Beschwerdeführer macht zunächst eine fehlende Zuständigkeit der Be-
hörden des Kantons Aargau geltend. Der ausschlaggebende Grund für die
Beschlagnahme seiner Hunde sei der Verdacht auf Tollwut gewesen. Da
- 6 -
dies bei Hunden aus Italien kein Thema sei, sei die Zuständigkeit des Ve-
terinärdienstes nicht gegeben. Ihm könne "höchstens eine unstatthafte Ein-
fuhr bzw. fehlende Zollabgabe aufgrund Überquerung bei Nacht und Un-
wissenheit vorgeworfen werden", wofür die schweizerischen Zollbehörden
zuständig seien. Zudem sei sein Wohnort im massgeblichen Zeitraum im
Kanton Appenzell Ausserrhoden und nicht im Kanton Aargau gewesen,
weshalb das Veterinäramt des Kantons Aargau ohnehin nicht für den Er-
lass der angefochtenen Verfügung zuständig gewesen sei.
1.2.
Die Vorinstanz führte aus, nach Art. 212a Abs. 1 der Tierschutzverordnung
vom 23. April 2008 (TSchV; SR 455.1) sei zur Anordnung eines Tierhalte-
verbots nach Art. 23 TSchG die Behörde des Kantons zuständig, in dem
die betroffene Person Wohnsitz habe oder in dem die Tiere gehalten oder
gezüchtet würden. Per Januar 2022 sei der Beschwerdeführer nirgends ge-
meldet gewesen, sein letzter legaler Wohnsitz habe sich jedoch im Kanton
Aargau befunden. Die Zuständigkeit des Veterinärdienstes stütze sich auf
§ 3 der Verordnung über den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung vom
7. Juni 1982 (SAR 393.111). Für die Beschlagnahme und die anderen
Massnahmen nach Art. 24 TSchG bestehe keine Bestimmung betreffend
die örtliche Zuständigkeit. Diesbezüglich sei davon auszugehen, dass nicht
nur die Behörden am Wohnort und am Ort der Haltung oder der Zucht der
Tiere zu Anordnung und Vollzug von Massnahmen befugt sind, sondern
auch diejenigen am Aufenthaltsort der Tiere, wo Verstösse gegen Tier-
schutzbestimmungen stattgefunden hätten und wo deswegen ein Behör-
deneinsatz durchgeführt worden sei. Zwar habe der Beschwerdeführer am
12. Oktober 2021 der Gemeinde V. seinen Wegzug nach W. gemeldet,
faktisch habe er sich dort jedoch nie aufgehalten. Es sei vielmehr
anzunehmen, dass sich der Beschwerdeführer bis mindestens Mitte
November 2021 in seiner alten Wohnung in V. aufgehalten habe. In
analoger Anwendung von Art. 24 Abs. 1 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210), wonach der
einmal begründete Wohnsitz einer Person bestehen bleibe bis zum Erwerb
eines neuen, sei von der Fortdauer des Wohnsitzes in V. auszugehen.
Daraus ergebe sich, dass der Veterinärdienst sowohl für die Vornahme der
Kontrolle als auch für die Anordnung der Massnahmen (Beschlagnahme
und Neuplatzierung sowie Halteverbot) örtlich und sachlich zuständig war.
1.3.
Dem angefochtenen Entscheid des DGS liegt der Entscheid des Veterinär-
dienstes vom 17. Dezember 2021 zugrunde. Diesem Entscheid gingen be-
reits die Verfügungen des Veterinärdienstes vom 13. Oktober 2021 (vor-
sorgliche Beschlagnahme), vom 10. November 2021 (Rückgabe unter Auf-
lagen) und vom 26. November 2021 (erneute vorsorgliche Beschlag-
nahme) voraus. Die vorsorgliche Beschlagnahme vom 13. Oktober 2021
wurde durch den Entscheid vom 10. November 2021 obsolet. Dieser zweite
- 7 -
Entscheid ist – wie derjenige vom 26. November 2021 – unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Darauf ist im vorliegenden Verfahren deshalb nicht
mehr zurückzukommen. Zu prüfen bleibt daher einzig, ob der Veterinär-
dienst zur definitiven Beschlagnahme gemäss Verfügung vom 17. Dezem-
ber 2021 zuständig war.
1.4.
Wird festgestellt, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten
Bedingungen gehalten werden, so schreitet die zuständige Behörde unver-
züglich ein (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 TSchG). Gestützt auf vorgenannte Be-
stimmung kann die zuständige kantonale Behörde sowohl die vorsorgliche
als auch die definitive Beschlagnahme von Tieren anordnen. Im Kanton
Aargau ist der kantonale Veterinärdienst zuständig für den Vollzug der Tier-
schutzgesetzgebung und trifft insbesondere die erforderlichen Massnah-
men nach Art. 24 und 25 TSchG (vgl. § 3 Abs. 2 der Verordnung über den
Vollzug der eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung).
1.5.
Der Beschwerdeführer wurde am 14. November 2021 im Wald bei X. im
Kanton Aargau aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich in V.
abgemeldet und seine Schriften neu in W. deponiert. Bei der neuen
Adresse handelte es sich um diejenige seiner Mutter, die im Rahmen der
polizeilichen Ermittlungen angab, dass ihr Sohn sich ohne ihr Wissen an
ihrer Adresse angemeldet und seither nie bei ihr übernachtet habe.
Entsprechend der Vorinstanz ist folglich davon auszugehen, dass sich der
Beschwerdeführer nicht mit der Absicht dauernden Verbleibens in W.
aufgehalten und folglich dort keinen gesetzlichen Wohnsitz begründet hat.
In analoger Anwendung von Art. 24 Abs. 1 ZGB bestand somit weiterhin
gesetzlicher Wohnsitz im Kanton Aargau. Zudem befanden sich die beiden
Hunde beim Vorfall vom 14. November 2021, der letztlich zur
Beschlagnahme führte, im Aargau und der Beschwerdeführer verstiess hier
gegen die massgebenden Tierschutzbestimmungen.
1.6.
Da der Beschwerdeführer im fraglichen Zeitpunkt seinen gesetzlichen
Wohnsitz im Aargau hatte, war der Veterinärdienst des Kantons Aargau
örtlich zuständig, die vorliegend umstrittene definitive Beschlagnahme an-
zuordnen. Mit guten Gründen leitet die Vorinstanz die Zuständigkeit des
aargauischen Veterinärdienstes aber auch daraus ab, dass sich die Hunde
im Aargau befanden bzw. hier gegen Tierschutzbestimmungen verstossen
wurde. Zum einen erscheint diesbezüglich die analoge Anwendung von
Art. 212a Abs. 1 TSchV plausibel. Zum anderen lässt sich die ent-
sprechende Zuständigkeit auch aus dem Zutrittsrecht gemäss Art. 39
TSchG ableiten. Nach dieser Bestimmung haben die mit dem Vollzug des
TSchG beauftragten Behörden Zutritt zu den Räumen, Einrichtungen, Fahr-
zeugen, Gegenständen und Tieren. Besteht der Verdacht auf einen
- 8 -
Verstoss gegen die Tierschutzgesetzgebung und drängt sich ein Einschrei-
ten nach Art. 24 TSchG auf, kommt hierfür grundsätzlich nur die Behörde
am entsprechenden Ort in Frage.
Im Übrigen vermag auch ein Verstoss gegen Einfuhrbestimmungen nichts
an der Zuständigkeit des kantonalen Veterinärdienstes zu ändern bzw.
keine Zuständigkeit der Zollbehörden bei späteren Verstössen gegen Tier-
schutzbestimmungen zu begründen. Der vorliegend strittige Sachverhalt
fällt offensichtlich nicht unter das Zollgesetz (vgl. Art. 1 des Zollgesetzes
vom 18. März 2005 [ZG; SR 631.0]).
2.
2.1.
Der Beschwerdeführer rügt weiter eine unvollständige Feststellung des
Sachverhalts durch die Vorinstanz. So habe er am 13. Oktober 2021 keinen
heftigen Widerstand geleistet. Er habe bloss die Rechtsschutzversicherung
anfragen wollen, ob der mit Polizeieinsatz erzwungene Zutritt in seine Woh-
nung statthaft sei. Nichtsdestotrotz sei er von zwei Polizisten angegangen,
gewürgt, in Handschellen gelegt und mit Pfefferspray eingeschmiert wor-
den. Am 14. November 2021 sei er nicht verwirrt gewesen. Er sei mit seinen
Hunden eine Nacht lang unterwegs gewesen, da er die Konstitution der
Hunde habe testen wollen. Im Wald habe er dabei die Orientierung verloren
und der Akku seines Natels sei leer gewesen.
2.2.
Es ist nicht einsehbar und wird vom Beschwerdeführer in keiner Art und
Weise dargetan, inwiefern die angeblich fehlerhaften Sachverhaltsfeststel-
lungen in Bezug auf die massgebenden Verstösse gegen Tierschutzbe-
stimmungen relevant gewesen sein könnten. Im Übrigen sind die Vorfälle
vom 13. Oktober 2021 mit dem rechtskräftigen Strafbefehl vom 30. Juni
2022 erstellt und es besteht kein Anlass, hiervon abzuweichen. Ebenso
wenig ergeben sich begründete Zweifel in Bezug auf die Darstellungen des
Vorfalls vom 14. November 2021 im entsprechenden Polizeirapport.
3.
3.1.
Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Vorinstanz geltend, da diese die Begründung seiner Beschwerde
nicht vollständig in ihrem Entscheid berücksichtigt habe.
3.2.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt unter anderem, dass die Be-
hörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffe-
nen auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt
(BGE 146 II 335, Erw. 5.1 mit Hinweis auf BGE 143 III 65, Erw. 5.2). Eine
Begründung muss im Allgemeinen zumindest so abgefasst sein, dass die
- 9 -
Betroffenen die Verfügung oder den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten können (Urteil des Bundesgerichts 1C_272/2020 vom
22. Januar 2021, Erw. 3.2). Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die
sich ihr Entscheid stützt (BGE 142 I 135, Erw. 2.1; 138 I 232, Erw. 5.1).
Dagegen wird nicht verlangt, dass sich die Begründung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt; die Behörde kann sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken (BGE 146 II 335, Erw. 5.1 mit Hinweis
auf BGE 143 III 65, Erw. 5.2). Es muss sich aus der Gesamtheit der Be-
gründung ergeben, weshalb die Behörde einem Parteistandpunkt nicht fol-
gen kann (BGE 136 I 229, Erw. 5.2; 133 I 270, Erw. 3.1). Ist diese Voraus-
setzung erfüllt, schadet es nicht, wenn die Behörde ihre Haltung nur implizit
zum Ausdruck bringt (BGE 141 V 557, Erw. 3.2.1 = Pra 105/2016 Nr. 29;
140 II 345 nicht publ. Erw. 3.2 = Pra 104/2015 Nr. 75). Ob die vorgetrage-
nen Argumente inhaltlich zutreffen, ist nicht eine Frage des rechtlichen Ge-
hörs, sondern der materiellen Beurteilung (zum Ganzen: MICHEL DAUM, in:
Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern,
2. Aufl. 2020, Art. 21 N 28; vgl. etwa BGE 130 II 530, Erw. 4.3; siehe hinten
Erw. 6).
3.3.
Der Beschwerdeführer macht in keiner Weise geltend, auf welche Punkte
seiner Beschwerde vom 21. Dezember 2021 die Vorinstanz nicht einge-
gangen sei. Soweit die Vorinstanz offensichtlich nicht im Zusammenhang
mit der angefochtenen Verfügung des Veterinärdienstes vom 17. Dezem-
ber 2021 stehende Ausführungen des Beschwerdeführers von vornherein
explizit nicht berücksichtigte (vgl. angefochtener Entscheid, Erw. 1.e), ist
ihr daraus kein Vorwurf zu machen. Im Übrigen hat die Vorinstanz die Aus-
führungen des Beschwerdeführers korrekt wiedergegeben und abgehan-
delt. Im Ergebnis kann keine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der
Begründungspflicht durch die Vorinstanz festgestellt werden.
4.
4.1.
In materieller Hinsicht wehrt sich der Beschwerdeführer gegen die definitive
Beschlagnahme seiner Hunde. Die Haltung sei durch "einen erstmalig pro-
visorischen Umzug" nach W. in ein alleinstehendes Haus mit rund
2 Hektaren Umschwung völlig artgerecht gewesen. Im Folgenden hätte er
ein ähnliches Haus mieten wollen. Er habe seine Lebensumstände nach
dem Fund der beiden Hunde schnellstmöglich umgestellt. Zudem sei er
während der rund zwei Monate, in denen die Hunde in seinem Besitz
gewesen seien, insgesamt fünf Mal bei zwei Tierärzten vorstellig geworden.
Eine Unterernährung der Hunde sei ihm vom Tierarzt in Italien nicht bestä-
tigt worden. Dass sich seine Tiere gehemmt verhalten würden, sei völlig
nachvollziehbar, da er die Hunde verletzt und völlig verwahrlost neben
- 10 -
einem Müllcontainer in Italien gefunden und sie in die Schweiz gebracht
habe. In der Schweiz seien die Hunde unter Einsatz massiver Polizeigewalt
und Geschrei von ihm getrennt worden. Nach der anschliessenden Rück-
gabe und nach einer langen Nacht seien sie ihm erneut mit einem massiven
Polizeiaufgebot weggenommen worden, ohne dass er sich habe verab-
schieden können. Die Hundepflege des Veterinäramtes Aargau sei kosme-
tischer Art und entspreche aus seiner Sicht nicht einem dem Tierwohl ent-
sprechenden Umgang.
4.2.
Die Vorinstanz führte aus, dass bei beiden Hunden bereits im Welpenalter,
das heisst nach erst kurzer Haltung durch den Beschwerdeführer, deutliche
Anzeichen ungenügender Haltung und Pflege festgestellt worden seien. So
sei neben verschiedenen weiteren Mängeln auch ein deutlich unter der
Norm für das entsprechende Alter liegendes Gewicht und somit eine unge-
nügende Ernährung registriert worden. Der Zwischenverfügung der Kan-
tonspolizei Aargau vom 17. November 2021 sei zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer die beiden Hunde am 14. November 2021 am Nacken-
fell gepackt und in das zweite Obergeschoss des Polizeipostens getragen
habe. Später habe er die beiden über seine Schultern geworfen sowie um
den Bauch gepackt und hochgehoben. Diese grobe Behandlung unter be-
hördlicher Beobachtung werfe ein schlechtes Licht auf den Beschwerde-
führer. Nachdem sich die Erwartungen des Beschwerdeführers, er könne
seine Hunde in W. ihren Bedürfnissen und den Tierschutzbestimmungen
entsprechend halten, zerschlagen hätten, verfüge er jetzt an seiner neuen
Adresse in der St. Galler Altstadt dazu über keinerlei Möglichkeit mehr.
Insbesondere fehle ein genügend grosser, frei zugänglicher Auslauf im
Freien, der für eine Hüterhunderasse wie die Maremmano Abruzzese
notwendig sei. Bei der aktuellen bzw. zuletzt bekannten Adresse des
Beschwerdeführers sei vielmehr klar, dass die Verhältnisse im Haus und
der Wohnung beengt seien und auch der begleitete Auslauf in der
Innenstadt den Bedürfnissen der beiden Hunde nicht entgegenkomme. All
diese Umstände würden insgesamt zur Schlussfolgerung führen, dass eine
Rückkehr der Tiere in die Obhut des Beschwerdeführers eine erhebliche
Gefahr gesundheitlicher Schädigungen begründen und dadurch dem Tier-
wohl widersprechen würde.
4.3.
Wird festgestellt, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten
Bedingungen gehalten werden, so schreitet die zuständige Behörde unver-
züglich ein (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 TSchG). Eine starke Vernachlässigung
liegt vor, wenn ein Tier in seinem Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt ist,
weil die Obhutperson erforderliche Handlungen wie die richtige Ernährung,
Pflege und Unterbringung unterlässt (ANTOINE F.GOETSCHEL/ALEXANDER
FERRARI, GAL Tierleitfaden 1.1 für Schweizer Vollzugsbehörden, Eine vor-
- 11 -
läufige Darstellung des verwaltungsrechtlichen Tierschutzes aus rechtswis-
senschaftlicher Sicht durch den Global Animal Law GAL Verein, Zürich
2018, S. 23). Die zuständige Behörde kann Tiere vorsorglich beschlagnah-
men und auf Kosten der Halterin oder des Halters an einem geeigneten Ort
unterbringen (Art. 24 Abs. 1 Satz 2 TSchG). Die definitive Beschlagnahme
kommt in Betracht, wenn die zuständige Behörde nach sorgfältiger Prüfung
zum Schluss kommt, dass der Tierhalter auch in Zukunft nicht in der Lage
sein wird, angemessen für das Tier zu sorgen (GOETSCHEL/FERRARI,
a.a.O., S. 26).
4.4.
Der Beschwerdeführer wurde wegen zahlreicher, z.T. erheblicher
Verstösse gegen Tierschutzbestimmungen rechtskräftig verurteilt, so u.a.
wegen mehrfacher Tierquälerei durch Misshandeln von Hunden und mehr-
facher Tierquälerei durch Vernachlässigen von Hunden durch ungenü-
gende Fütterung. Wie der Bericht des Veterinäramts vom 13. Oktober 2021
deutlich zeigt, war der Beschwerdeführer an seinem früheren Wohnort in
V. nicht in der Lage, die Hunde artgerecht zu halten und sie entsprechend
ihren Bedürfnissen zu versorgen. Auch seine aktuelle Wohnung in der
Altstadt von Z. stellt keine adäquate Unterkunft für die Tiere dar;
bezeichnenderweise werden die entsprechenden Ausführungen der
Vorinstanz vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Hinzu kommt,
dass der Beschwerdeführer an erheblichen psychischen Problemen leidet.
Bereits vor den vorliegend relevanten Ereignissen war er mehrfach
psychisch aufgefallen und musste nach Angaben der Mutter allein im No-
vember 2021 zwei Mal hospitalisiert werden. Es ist deshalb mit der Vor-
instanz davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage
ist, Hunde auf Dauer artgerecht zu halten und ihnen die erforderliche Pflege
zukommen zu lassen. In Anbetracht der bisherigen Vorfälle, der aktuellen
Wohnsituation des Beschwerdeführers und seiner gesundheitlichen Ver-
fassung erscheint es folglich zwingend, die beiden Hunde definitiv zu be-
schlagnahmen und neu zu platzieren. Dies lässt sich auch unter dem Ge-
sichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht beanstanden. Das Interesse des
Beschwerdeführers, Hunde zu halten, steht dem öffentlichen Interesse am
Schutz der Würde und des Wohlergehens derselben gegenüber. Der Be-
schwerdeführer war rein zufällig in den Besitz der beiden Hunde gelangt
und hatte diese während lediglich knapp zwei Monaten bei sich. Eine enge
Bindung konnte insofern nicht entstehen und das private Interesse an den
Hunden ist deshalb von vornherein stark zu relativeren. Demgegenüber ist
das öffentliche Interesse, dass Tiere den einschlägigen Schutzbestim-
mungen entsprechend gehalten und behandelt werden, grundsätzlich als
hoch einzustufen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als der Veterinärdienst
innert knapp zwei Monaten zwei Mal eingreifen musste. Insgesamt über-
wiegt das öffentliche Interesse am Schutz der Hunde das private Interesse
des Beschwerdeführers, die Hunde weiterhin halten zu dürfen, deutlich.
- 12 -
5.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verletzung des Bundes-
gesetzes über den Datenschutz vom 19. Juni 1992 (DSG; SR 235.1) und
des Dienstweges durch die Polizei und das Veterinäramt ist nicht weiter
einzugehen, da dies nicht Streitgegenstand des angefochtenen Entscheids
ist.
III.
1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die verwal-
tungsgerichtlichen Verfahrenskosten zu tragen (§ 31 Abs. 2 VRPG).
Die Staatsgebühr wird unter Berücksichtigung des Zeitaufwands und der
Bedeutung der Sache auf Fr. 1'200.00 festgelegt (vgl. § 3 Abs. 1 i.V.m. § 22
Abs. 1 lit. c des Dekrets über die Verfahrenskosten vom 24. November
1987 [Verfahrenskostendekret, VKD; SAR 221.150]). Für die Kanzleige-
bühr und die Auslagen wird auf §§ 25 ff. VKD verwiesen.
2.
Parteikosten sind nicht zu ersetzen (vgl. § 29 i.V.m. § 32 Abs. 2 VRPG).