Decision ID: 1c312f0e-b616-4e8b-8be7-9992dc197f8b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966
, betrieb
als
diplomierter
Ton
ingenieur
ein Tonstu
dio (
Y._
GmbH; Urk. 7/16). Am 19
.
Februar
2014 ereignete sich in sei
nem Tonstudio ein Computercrash mit sehr lauten Störgeräuschen/White Noise (Urk. 7/2/5 Ziff. 6.2; Urk. 7/10/19-21
).
Unter Hinweis auf
einen Tinnitus meldete sich der
Versicherte am
17. Januar 2015
bei der Invalidenversicher
ung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
zog Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 7/10), klärte die medizini
sche und erwerbliche Situation ab und gewährte Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungskurses im Bereich «
Social
Media Marketing» (Urk. 7/25+31). Die beruflichen Massnahmen wurden mit Schreiben vom 6. Januar 2016 abgeschlossen. Gleichzeitig teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, er sei rentenausschliessend eingegliedert (Urk. 7/32).
Mit Verfügung vom 27. April 2016 verneinte die IV-Stelle einen weiteren An
spruch auf berufliche Massnahmen (Gesuch um Kostengutsprache für eine Wei
terbildung; Urk. 7/42).
Am 20. November 2017 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an und beantragte rückwirkend ab dem 19. Februar 2014 eine Rente (Urk. 7/50).
Nachdem die IV-Stelle diverse Arztberichte eingeholt hatte, veranlasste sie ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 7. September 2018 durch Ärzte des
Z
entrums
Z._
erstattet wurde (Urk. 7/83; v
gl. Teilgutachten Urk. 7/84+86-89).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/99
; Urk.
7/100
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
18. März 2019 einen Rentenanspruch (Urk. 2 = 7/104
)
.
2.
Der Versicherte erhob am
8. April 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
18. März 2019
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
rück
wirkend ab 1. Juli 2015 eine halbe Rente mit Verzugszins zuzusprechen
(Urk.
1
S.
2).
Die IV-Stelle beantr
agte mit Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2019
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 22. August 2019 (Urk. 11) ergänzte der Beschwerdeführer seine bisherigen Anträge mit dem Eventualantrag, es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie gestützt auf das ausserordentliche Bemessungsverfahren über den Rentenanspruch neu ent
scheide. Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 23. September
2019 (Urk. 14) an ihrem Antrag fest, was dem Beschwerdeführer am
25. September
2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15). Die Stellungnahme des Beschwer
deführers vom 2. Oktober 2019 (Urk. 16) wurde der Beschwerdegegnerin am 7. Oktober 2019 zugestellt (Urk. 17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2 IVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
gestützt auf die medizinischen Abklärungen sei ausgewiesen, dass dem Be
schwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Tontechniker seit Oktober
2014 nicht mehr zumutbar sei. In einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfä
higkeit von 70 % auszugehen (S. 1). Gestützt auf den Auszug des individuellen Kontos (IK-Auszug) könne für das
Valideneinkommen
bei einem 100 %-Pensum von einem Jahreseinkommen von Fr. 75'000.-- ausgegangen werden. Für das Invalideneinkommen sei bei einem zumutbaren Pensum von 70 % gestützt auf sta
tistische Werte im Bereich der Dienstleistungen von einem Jahreseinkommen von Fr. 46'890.-- auszugehen. Dabei resultiere eine Erwerbseinbusse von Fr. 28'110.-- respektive ein Invaliditätsgrad von 37 % (S. 2).
In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus (Urk. 6), die in den einzelnen Gutachten der
Z._
dargelegten Einschränkungen seien nachvoll
ziehbar. Unter Hinweis auf eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Diens
tes (RAD) sei anhand der Ressourcenprüfung eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit von höchstens 30 % plausibel. Die im
Z._
-Gutachten vorgenommene teilweise Kumulation der Arbeitsunfähigkeit sei jedoch nicht nachvollziehbar (Urk. 6 S. 1 f. Ziff. 1).
Mit Beschwerdeantwort
(Urk. 6)
machte die Beschwerdegegnerin insbesondere geltend
, der Beschwerdeführer habe sich gemäss IK-Auszug schon seit dem
Jahr
2008 (sechs Jahre vor dem Unfall) jeweils e
inen Lohn von Fr. 30'000
.--
aus
b
e
zahlt. Die im Jahr 1999 gegründete GmbH habe sich nicht mehr im Anfangs
stadium befunden und es bestünden keine Hinweise darauf, dass der Beschwer
de
führer vor dem Hörtrauma kein 100 %-Pensum ausgeübt habe. Es sei daher voll
umfänglich auf den IK-Auszug abzustellen und von einem
Valideneinkom
men
von Fr. 30'000.-- auszugehen (S. 2 Ziff. 2). Selbst wenn zu Gunsten des Be
schwerdeführers von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen würde, würde das Invalideneinkommen das
Valideneinkommen
übersteigen. Der Invali
ditätsgrad betrage daher 0 % und es bestehe kein Rentenanspruch (S. 3).
Du
plicando
führte die Beschwerdegegnerin aus, es seien im vorliegenden Fall keine Gründe ersichtlich, weshalb dem Beschwerdeführer die Aufgabe seiner selb
ständigen Erwerbstätigkeit nicht zumutbar sei. Im Verfügungszeitpunkt sei er 52 Jahre alt gewesen, weshalb die verbleibende Aktivitätsdauer noch über 12 Jahre betragen habe. Ausserdem sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch ein genügend breites Spektrum an angepassten Tätigkeiten vorhanden. Da die Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar sei, könne ein Einkom
mensvergleich durchgeführt werden (Urk. 14 S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, es sei gestützt auf das beweiskräftige
Z._
-Gutachten von einer 40%igen Arbeits
unfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszugehen. Die monodisziplinäre versiche
rungsinterne Aktenbeurteilung des RAD vermöge die im Rahmen des polydiszi
plinären Gutachtens ermittelte Leistungsfähigkeitsbeurteilung nicht zu entkräften (S. 5 ff. Ziff. 9.3.1 ff.).
Hinsichtlich Invalideneinkommen sei entgegen der Be
schwerdegegnerin
gestützt auf den Tabellenlohn der LSE 2014 im Sektor «Dienstleistungen» im Kompetenzniveau 1
ein tieferes Jahr
eseinkommen von Fr. 33'581.--
heranzuz
iehen (S. 10 ff. Ziff. 9.
5
f.) und es sei ein leidensbedingter Abzug von 10 % zu gewähren (S. 8 ff. Ziff. 9.4). Bei einem errechneten Invalidi
tätsgrad von 55 % (S. 12 Ziff. 10) resultiere ab 1. Juli 2015 ein Anspruch auf eine halbe Rente mit Verzugszins (S. 12 f. Ziff. 11 ff.).
Daran hielt der Beschwerdeführer mit Replik fest (Urk. 11).
Betreffend die neuen Ausführungen der Beschwerdegegnerin zum
Valideneinkommen
machte der Beschwerdeführer geltend, es sei bei Gesellschaftern mit beschränkter Haftung nicht auf die IK-Einträge abzustellen. Der Invaliditätsgrad sei in einem solchen Fall nach dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren zu ermitt
eln (S. 5 f. Ziff. 6.1
f.) und
er sei als
selbständigerwerbend
einzustufen (S. 7 f. Ziff. 6.4). Da die Beschwerdegegnerin weder das
Valideneinkommen
rechtsprechungsgemäss ab
ge
klärt
,
noch den Betätigungsvergleich durchgeführt habe, sei die Sache an sie zu
rückzuweisen, um die Invaliditätsbemessung nach den Vorgaben von BGE 128
V 33 E. 4c f. beziehungsweise gestützt auf das ausserordentliche Bemessungsver
fahren durchzuführen (S. 9 Ziff. 7).
Auf die Ausführungen in der Triplik ist, sofern notwendig, in den
nachfolgenden
Erwägungen einzugehen (vgl. Urk. 16).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Seit 13. März 2015 ist der Beschwerdeführer bei Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, Universitätsspital
B._
, in Behand
lung
(vgl.
auch
die ambulanten Berichte der ORL-Klinik des
B._
vom 16. März
2015, 17. Juni
2015, 5. Januar
2016, 9
.
Januar
2017 und 8. Janu
ar
2018, Urk. 7/58/7-17)
. Prof.
A._
berichtete
zuhanden der Be
schwer
degegnerin
am 12. Januar
2018 (Urk.
7/58
/1-6) über einen unauf
fälligen ohr
mikroskopischen Befund. Im Rahmen der Schweregradeinschätzung des Tin
nitus sei bei der letzten Konsultation beim Tinnitus-Handicap-Inventar ein
Score
wert
von 80 von maxi
mal möglichen 100 Punkten erreicht
worden
, was einem Schweregrad 5 (kata
strophal) im Sinne eines
deko
mpensierten
Tinnitus entspre
che. Der Beschwerde
führer versuche, mit multiplen Therapiemassnahmen seine Gesamtsituation zu verbessern. Er sei diesbezüglich sehr motiviert und befinde sich in regelmässigen psychotherapeutischen Sitzungen. Zusätzlich nehme er auch an einer
psychoedu
kativen
Gruppentherapie für Tinnitus-Patienten am
B._
teil, gehe zu Akupunk
turbehandlungen und habe einen Meditations-Workshop besucht sowie sich Stra
tegien zur Stressbewältigung angeeignet (vgl. auch Ziff. 1.5
).
Aus (ohrenärztli
cher) Sicht zeige sich, dass der Zustand im Laufe der letzten Jahre weitgehend als konstant einzuschätzen sei. Es habe sich leider keine wesentliche Reduktion der Belastung durch die Ohrgeräusche eingestellt (Ziff. 1.4).
Gemäss anamnestischem Gespräch bestehe derzeit das ausgeübte Arbeitspensum des Beschwerdeführers bei etwa 60 % (Ziff. 1.6). In der bisherigen Tätigkeit als Toningenieur sei der Beschwerdeführer massiv beeinträchtigt. Er könne aufgrund der zusätzlichen
Geräuschewahrnehmung
schlechter die von ihm zu bearbeiten
den Tondokumente abmischen. Die Konzentration sei massiv beeinträchtigt. Län
geres Arbeiten am Stück sei aus diesem Grunde nicht möglich. Aus medizinischer Sicht sei ihm die bisherige Tätigkeit in einem zeitlichen Rahmen von 50 bis 60 % zumutbar (Ziff. 1.7).
3.2
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin, stellte im Bericht vom 26. Februar 2018 (Urk. 7/61/1-6; vgl. auch Erstbericht vom 31. März 2015, Urk. 7/15/1-5) folgende Diagnosen (Ziff. 2.5):
-
Tinnitus beidseits
-
Periarthropathie
rechte Schulter
-
Polyallergie mit Lebensmitteln mit Colon
irritabile
-
depressive Entwicklung
-
Anpassungsstörung
Die bisherige Tätigkeit als Toningenieur sei nur noch im Umfang von acht bis zehn Stunden pro Woche zumutbar (Ziff. 4.1). Eine leidensangepasste Tätigkeit sei für ein bis zwei Stunden täglich zumutbar (Ziff. 4.2).
3.3
Der Beschwerdeführer wird
seit Juni 2011
von
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelt
(Bericht vom 14. März 2018, Urk. 7/
67
/1-8). Seit dem Schalltrauma vom 19. Februar 2014 bestehe eine fort
währende Behinderung, den bisherigen Beruf fachgerecht auszuüben. Zuvor sei ein Coaching erfolgt wegen Problemen mit der Mutter und deren Tod (Ziff. 2.1).
Dr.
D._
führte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Ziff. 2.5):
-
Status nach Schalltrauma mit darauffolgendem, schweren Tinnitus
-
Tinnitus
aurium
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
Die Depression und die Angstzustände des Beschwerdeführers seien durch den Tinnitus verursacht. Es seien diverse Versuche mit Antidepressiva erfolgt (
Trittico
,
Fluctine
,
Temesta
). Etliche Antidepressiva seien jedoch Tinnitus-fördernd. Be
währt habe sich die Einnahme von
Remeron
(Ziff. 2.3).
Seit dem Hörtrauma am 19. Februar 2014 bestehe in der bisherigen sowie auch
in
sämtlichen beruflichen Tätigkeiten eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3).
3.4
3.4.1
Am 7. September 2018 wurde das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
erstellt (Urk. 7/83).
Folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden gestellt (S. 8 Ziff. 4.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung des Magendarmsystems mit re
petitiven Durchfällen als Ausdruck der erlebten repetitiven Gewalterfah
rung (ICD-10 F45.3)
-
Tinnitus beidseits,
dekompensiert
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die nachfolgenden Diagnosen:
-
episodische Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Hochtonsenke beidseits
-
Schulterimpingement
links
-
muskuläre
Dysbalance
am Schultergürtel beidseits, aktuell rechtsbetont, und im Bereich des Beckengürtels
-
Status nach AC-Gelenksluxation
Tossy
I rechts am 30. Januar
2013 bei Sturz auf die rechte Schulter
-
Status nach Polytrauma
anlässlich eines Verkehrsunfalles zirka 1983
-
rezidivierend springender Kleinfinger rechts
-
Spreizfüsse
3.4.2
Im Rahmen der allgemeininternistischen Exploration habe der Beschwerdeführer angegeben, sein Hauptproblem sei
en
der Tinnitus sowie die mittelschwere De
pression (Urk. 7/87/6 Ziff. 3.1 f.)
. Aus internistischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/87/11-12 Ziff. 7 f.).
3.4.3
Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine Diagnosen mit Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit, da die Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates (Schulter- und Nackenschmerzen; vgl. Urk. 7/84/4 Ziff. 3.2) schon seit Jahren vorhanden seien, seit 2013 auch in diesem Ausmass, ohne dass früher deswegen die Arbeits
fähigkeit eingeschränkt gewesen sei (Urk. 7/84/10 oben).
In funktioneller Hinsicht liege im Bereich der linken Schulter eine deutliche Bewegungseinschränkung vor. Diese manifestiere sich am Arbeitsplatz des Beschwerdeführers jedoch nicht (Urk. 7/84/11 Ziff. 7.2).
3.4.4
Anlässlich der
otoneurologischen
Untersuchungsbefunde wurde eine Hochton
senke beidseits festgestellt (
Urk.
7/88/9 Ziff. 7.1), wobei sich noch keine auditiven Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergeben würden. Einzig Tätigkeiten unter gesteigertem
Umgebungsgeräuschepegel
mit möglicher Zunahme des Tinnitus seien für den Beschwerdefü
hrer nicht geeignet. Zusätzlich
müsse von Einschrän
kungen im Rahmen von auditiv qualifizierten Tätigkeiten ausgegangen werden, so dass die angestammte Tätigkeit als Toningenieur als nicht mehr optimal adap
tiert angesehen werden müsse.
Im Rahmen des
dekompensierten
Tinnitus mit Sekundärproblematik (Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten und konsekutiver Tagesmüdigkeit und Konzen
trationsstörungen; vgl. Urk. 7/88/9 Ziff. 7.1)
sei
von einer zusätzlichen quantita
tiven Einschränkung von 20 % aus
zugehen
, welche im Rahmen der aktuellen Tätigkeit mit 50 % zu beziffern sei. Dies insbesondere da Teilbereiche der Tätig
keit (Livemixing oder DJ-Ing) als nicht mehr zumutbar angesehen werden müss
ten, sowie gewisse Teilbereiche unter einer Akzentuierung des Tinnitus nicht jederzeit ausgeführt werden könnten. Im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit sei von einer quantitativen Einschränkung von 20 % auszugehen im Sinne ver
mehr
ter Ruhe
pausen zwecks Erholung
(Urk. 7/88/10 Ziff. 7.2). Diese Einschrän
kungen bestün
den seit dem Jahr 2014 (Urk. 7/88/12 oben).
3.4.5
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer repetitive Trauma- und Gewalterfahrung durch die Mutter erlebt habe, wobei es ihm dennoch gelungen sei, eine differenzierte persönliche Entwicklung einzuge
hen. Es sei jedoch nicht ganz ausgeschlossen, dass ein Teil der
Traumaerfahrung
konversionsneurotisch in eine psychosomatische Fehlentwicklung ausgeartet sei (Schlafstörungen und repetitive Magendarmprobleme; Urk. 7/89/17-19 Ziff. 7.1). Die psychosomatischen Magendarmbeschwerden seien zwar evident vorhanden, aber nicht in einem Ausmass, welches eine wesentliche Berufsunfähigkeit zur Folge hätte. Er leide zwar unter seinen funktionellen Symptomen, seiner inneren Anspannung, seiner Schlafstörung und den damit verbundenen kognitiven Be
einträchtigungen. Es sei ihm aber auch nach Auftreten des Tinnitus gelungen, die psychosomatischen Beschwerden und die depressive Fehlentwicklung einiger
massen zu sublimieren. Immerhin sei es ihm auch gelungen, eine Weiterbildung im
Social
Media-Bereich zu absolvie
r
en, wobei er wegen den Konzentra
tions
einbus
sen nicht sämtlichen Anforderungen habe gerecht werden können. Die Diplom
arbeit habe er bis heute noch nicht beenden können (Urk. 7/89/19 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht liege einerseits eine depressive Fehlentwicklung vor, d
ie im Längsverlauf jedoch eher als
leichtgradig ausgeprägt einzustufen sei.
Auf
grund der Psychopathologie und des sozialen sowie persönlichen Funktionieren
s
des Beschwerdeführers, welcher weiter versuch
e
, seine 30- bis 40%ige Leistungs
fähigkeit in seiner Firma aufrecht zu halten, könne nicht davon ausgegangen werden, dass er in jeder Tätigkeit psychiatrisch weitgehend arbeitsunfähig sei. Dies könne weder mit der Psychopathologie noch mit der Diagnostik, der Ich-Stärke oder seiner guten Beziehungsfähigkeit in einer langjährigen Beziehung begründet werden (Urk. 7/89/19-20).
Aus rein psychiatrischer Sicht könne eine leichte Verminderung des Durchhalte
vermögens, der Belastbarkeit, der Stressbelastungsfähigkeit und der Konzentrati
onsfähigkeit begründet werden
. Dies schränke die Arbeitsfähigkeit um zirka 30 % ein (Urk. 7/89/20 Mitte).
Da es sich um einen fluktuierend und episodisch auftretenden Verlauf mit besse
ren und schlechteren Zeiten handle, könne keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
ausgemacht werden. Insofern sei auch die depressive Symptomatik wechselhaft (Urk. 7/89/21
-22 Ziff. 7.3). Der Beschwerdeführer habe durchwegs noch Ressourcen. Er versuche sein Geschäft weiter aufrechtzuhalten. Nicht ausgeschlossen seien auch invaliditätsfremde Faktoren, sei doch im Musik
business einiges im Umbruch durch die Digitalisierung (Urk. 7/89/22 Ziff. 7.4).
Im Hinblick auf die (stattfindenden) Therapien könnten keine Vorschläge gemacht werden, wie der Tinnitus und vor allem die funktionelle Symptomatik wesentlich behoben werden könnten
. Diverse Psychopharmaka hätten keine wesentliche Än
derung hervorbringen können (Urk. 7/89/23 unten).
3.4.6
In der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Beschwer
deführer aus gesamtgutachterlicher Sicht in der bisherigen Tätigkeit als Tontech
niker, als DJ, als Organisator von Live-Events, in welcher er acht Stunden einem hohen Musikpegel ausgesetzt sei, nicht mehr arbeitsfähig sei. Diese Einschrän
kung bestehe seit 2014 (Urk. 7/83/10 Ziff. 4.7).
In einer angepassten Tätigkeit, auch als Tontechniker und auch im administrati
ven Bereich, sei der Beschwerdeführer weiterhin sechs bis sieben Stunden täglich arbeitsfähig. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % müsse aus psy
chiatrischer Sicht seit dem Hörtrauma am 19. Oktober (richtig: Februar) 2014 angenommen werden. Es bestehe eine quantitative Einschränkung der Arbeits
fähig
keit von 20 % in dem Sinne, als dass dem Beschwerdeführer vermehrt Ruhepau
sen zugestanden werden sollten. Unter Berücksichtigung der psychi
schen und so
matischen Faktoren von Seiten der ORL-Problematik müsse eine Arbeitsunfähig
keit von 40 % angenommen werden
(Urk. 7/83/10 Ziff. 4.8). Die Einschränkung sei mit der beeinträchtigten Konzentrations- und Aufmerk
samkeitsfähigkeit so
wie der wegen der Erschöpfungssymptomatik herabgesetzten Belastbarkeit be
gründet. Es bestehe eine deutliche verminderte Stresstoleranz im Berufsumfeld, wo er mit Tönen konfrontiert sei (Urk. 7/83/10-11 Ziff. 4.9).
3.5
Am 17
.
Dezember
2018 nahm
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
RAD
, Stellung zum
Z._
-Gutachten (Urk. 7/98/7-8). Er führte aus, qualitativ sei für eine angepasste Tätigkeit die Schultereinschränkung links zu berücksichtigen, was im Rahmen der gesamtgutachterlichen Beurteilung keinen
Eingang gefunden habe. In Abweichung der
Z._
-Beurteilung sei die psy
chiatrisch gegebene 30%ige Einschränkung und die ausgewiesene 20%ige Ein
schränkung von Seiten der ORL-Befunde nicht additiv, sondern ineinander ent
halten. Daher sei für eine allen Einschränkungen angepasste Tätigkeit eine Ar
beitsfähigkeit von 70 % zumutbar. Seit 2014 sei der Beschwerdeführer in der an
gestammten Tätigkeit - wenn er alle geforderten Teilbereiche ausüben müsse - voll arbeitsunfähig.
3.6
Dipl. med.
F._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psycho
therapie, RAD, beurteilte das psychiatrische Teilgutachten der
Z._
als nach
vollziehbar und plausibel. Die Einschränkung der funktionellen Leistungsfähig
keit um 30 % sei aus seiner Sicht für jegliche Tätigkeiten nachzuvollziehen (Stellungnahme vom 18. Dezember 2018, Urk. 7/98/9 oben).
4.
In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus, die in den einzel
nen Gutachten der
Z._
dargelegten Einschränkungen seien nachvollziehbar. Unter Hinweis auf
die
Stellungnahme des
RAD vom 17. Dezember 2018
sei an
hand der Ressourcenprüfung
jedoch höchstens
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 30 % plausibel. Die im
Z._
-Gutachten vorgenommene teilweise Kumulation der Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar (Urk. 6 S. 1 f. Ziff. 1).
Es kann vorliegend offenbleiben, ob die im Rahmen der Konsensbeurteilung der
Z._
-Gutachter geschlussfolgerte 40%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit von diesen nachvollziehbar begründet und hergeleitet wurde. Ebenso kann vorliegend offenbleiben,
ob
die RAD-Aktenbeurteilung vom 1
7.
und 18. Dezember 2018
ausreich
e
n würde
, um
von der polydisziplinären Einschät
zung
abzuweichen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass einer reinen Aktenbeur
teilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhen
den Expertise praxisgemäss nicht der gleiche Beweiswert zukommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4). Jedenfalls stimmen die Beurteilung des psychiatrischen
Z._
-Gutachters sowie die psychiatrische RAD-Aktenbeurteilung überein, dass aufgrund der psychiatrischen Befunde und
deren Auswirkungen
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten ausgewiesen sei.
Ob - was der Beschwerdeführer beantragt - von einer
insgesamt
40%igen Arbeitsunfähigkeit gestützt auf das
Z._
-Gutachten oder
- gemäss Standpunkt der Beschwerdegegnerin -
von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit ge
stützt auf die RAD-Beurteilung auszugehen ist, müsste gegebenenfalls weiter ab
geklärt werden.
Die
juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung dem
Beschwerdeführer noch zugemutet werden kann
, kann vorliegend jedoch offen
bleiben. Ebenfalls erübrigt sich e
ine Rückweisung zur er
gänzenden Abklärung aufgrund der
in den nachfolgenden
Erwägungen darzulegenden Gründe
.
5.
5.1
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
senen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten
in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Indivi
duellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden
. Weist das bis Ein
tritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer län
geren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheits
beeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens
dar
stellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständigen Erwerbstä
tigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständiger Er
werbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten bestanden hät
ten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Parallelisierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinweisen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
5.2
Der Beschwerdeführer ist nach eigenen Angaben seit Dezember 1999 als Tonin
genieur in einem 100 %-Pensum in seiner eigenen Firma
,
der
Y._
GmbH
,
tätig. Dabei zahlte er sich einen Jahreslohn von Fr. 30'000.-- aus (Urk. 7/2/4 Ziff. 5.4; Urk. 7/7/2).
Gleiches geht aus dem IK-Auszug hervor (Urk. 7/9): In den Jahren 2000 bis 2004 und 2008 bis 2013 wurde
aufgrund der Tätigkeit bei der
Y._
GmbH
ein AHV-beitragspflichtiges Einkommen
von Fr. 30'000.-- gemeldet. In den Jahren 2005 bis 2007 wich das beitragspflich
tige Einkommen
aufgrund seiner
selbständigen Tätigkeit
ab (2005: Fr. 108'000.--;
2006: Fr. 37'400.-- plus Arbeitslosenentschädigung von Fr. 47'715.--; 2007: Fr. 12'325
.--
plus Arbeitslosenentschädigung von Fr. 47'314.--). Im vom Be
schwerdeführer ausgefüllten Arbeitgeberfragebogen vom 9. April 2015 gab er an,
der aktuelle beitragspflicht
ig
e Lohn von Fr. 30'000.-- entspräche nicht seiner Ar
beitsleistung. Ein der Arbeitsleistung entsprechender Lohn sei seit Januar 2000 auf Fr. 150'000.-- zu beziffern (Urk. 7/16/2 Ziff. 2.10). Einen Lohn in diesem Um
fang zahlte er sich in all den Jahren bis zum Hörtrauma im
Jahr 2014 nicht an
nähernd aus.
5.3
Für
Selbständigerwerbende
ist vorab Art. 25 Abs. 1
der Verordnung über die In
validenversicherung (IVV)
zu beachten, wonach als Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 16 ATSG die Einkommen gelten, von denen Beiträge nach
de
m Bundes
gesetz
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
erhoben
wurden (
Frey/Mosimann/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kommentar, 2018, Mosimann, N 19 zu Art. 16 ATSG).
Da sich der Beschwerdeführer von 2000 bis 2013 weitge
hend mit einem bescheidenen Einkommen von Fr. 30'000.-- begnügt hat, ist die
ses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend.
Aus den vorhande
nen Abschlüssen der Jahre 2011, 2012 und 2013 ist sodann ersichtlich, dass die
Y._
GmbH
bei
einem
Verlustvortrag
von
Fr.
294’
437.95 seit jeher kei
nen Gewinn abwarf und offensichtlich seit langem als überschuldet betrach
tet
werden muss
(vg
l. Erfolgsrechnungen der
Y._
GmbH der Jahre 2011
2013
, Urk. 7
/17). Sodann
gehen aus den Akten keine Indizien hervor, dass der Beschwerdeführer ein reduziertes Arbeitspensum ausgeübt hätte. Vielmehr gab der Beschwerdeführer stets an, er habe ein 100 %-Pensum ausgeübt (IV
Anmeldung vom 17. Januar
2015, Urk. 7/2/4 Ziff. 5.4; Angaben im Stand
ortge
spräch vom 12. Februar 2015, Urk. 7/7/2 oben; Arbeitgeberfragebogen vom 9. April 2015, Urk. 7/16/2 Ziff. 2.9). Ebenfalls ist dem Bericht vom 14. März 2018 von
Dr.
D._
, welcher den Beschwerdeführer seit Juni 2011 kennt, folgende Aus
führung zur bisherigen Tätigkeit zu entnehmen (Urk. 7/67/2 Ziff. 1.3): «
Herr
X._
konnte als
Selbständigerwerbender
vor dem Schall-/Hörtrauma vom 19. Februar
2014 stets problemlos und durchgehend 100 % als Musiker, DJ, Event-Manager, auf ein Ereignis hin wie Festivals, z.B.
Züri-Fäscht
, wo der Auf
wand enorm war und praktisch Tag und Nacht forderte (
...)»
,
tätig sein.
Entgegen der Darlegung des Beschwerdeführers hat der Einkommensvergleich auch bei
Selbständigerwerbenden
so zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden. Nur wenn sich
- was vorliegend nicht der Fall ist -
die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen liessen, wäre ein erwerblich gewichteter Betätigungsvergleich vorzunehmen
und
der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der vermin
derten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (ausserordentliche Methode; vgl.
Mosimann
,
a.a.O
, N 20 zu Art. 16 ATSG).
Da die gemeldeten Jahreseinkünfte mehrere Jahre vor dem Hörtrauma vom Februar 2014
konstant
Fr. 30'000.-- betrugen
, diese auch mit den Angaben in der Erfolgsrech
nung und Bilanz vereinbar sind und der Beschwerdeführer nichts vorbringt, was ein höheres
Valideneinkommen
rechtfertigen würde
, ist mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
vo
n einem
Valideneinkommen
in d
er Höhe
von Fr. 30'000.--
aus
zugehen.
5.4
N
ach der Rechtsprechung
kann
die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstä
tigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 1
4.
November 2014 E. 3.1 mit Hin
weisen auf Urteile I 116/03 vom 1
0.
November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 1
2.
September 2001 E. 2b).
Eine
Betriebsaufgabe
ist
nur unter strenger Voraus
setzung unzumutbar und es kann ein Betrieb selbst dann nicht auf Kosten der Invalidenversicherung aufrechterhalten werden, wenn die versicherte Person da
rin Arbeit von einer gewissen erwerblichen Bedeutung leistet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_771/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Entsprechend ist dem Beschwerdeführer
, welcher erst im Jahr 2031 das Pensionierungsalter er
reicht,
die Aufnahme einer angepassten Tätigkeit und auch der Wechsel in eine unselbständige Anstellung zur optimalen Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der ihm obliegenden Sch
adenminderungspflicht zumut
bar.
Die Beschwerdegegnerin errechnete ein Invalideneinkommen von Fr.
46'890.--(vgl. Urk.
2 sowie 7/102/1)
. Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei gestützt auf den Sektor 3 «Dienstleistungen (46-
96)»
Kompetenzniveau 1 der LSE 2014 bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % und unter Berücksichtigung eines leidensbe
dingten Abzuges von 10 % von einem Invalideneinkommen von Fr. 33'581.-- auszugehen
(Urk. 1 S. 12 Ziff. 9.6)
. Wie bereits unter Erwägung 4 ausgeführt, kann
offenbleiben
, ob von einer 30%igen oder einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Ebenfalls kann dahingestellt bleiben, ob der vom Beschwerdefüh
rer beantragte leiden
s
bedingte Abzug von 10 % zu gewähren wäre. Denn selbst unter den vom Beschwerdeführer geforderten
und für ihn
günstigeren
Faktoren
ergibt sich im Vergleich zum
Valideneinkommen
von Fr. 30'000.-- keine Er
werbseinbusse.
Dementsprechend ist die Verfügung vom 18. März 2019
im Ergebnis
nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung
der Beschwerde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.