Decision ID: ab9d2b62-7edf-43b0-bc2a-2cf4e7c65a13
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Conzett, Kapfstrasse 46, 9453 Eichberg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a Bei A._ (nachfolgend: Versicherter), Jahrgang 19_, wurde aufgrund der
Diagnosen persistierende sternale Schmerzen bei einer Sternum-Pseudarthrose,
maladaptive Schmerzverarbeitung bei leichter depressiver Entwicklung und koronare 3-
Gefässerkrankung eine Arbeitsunfähigkeit von 40% in adaptierter Tätigkeit erhoben
(vgl. Gutachten des Medizinischen Zentrums B._ vom 14. Juli 2005, IV-act. 39;
nachfolgend Gutachten vom 14. Juli 2005). Die Invalidenversicherung (nachfolgend: IV)
ermittelte einen Invaliditätsgrad von 57% und sprach dem Versicherten ab 1. Mai 2003
eine halbe Rente zu (Beschluss vom 18. November 2005, IV-act. 49 f.; Verfügung vom
12. April 2006, IV-act. 57). Die dagegen erhobenen Rechtsmittel mit den Begehren um
Zusprechung einer ganzen Rente wurden mit Einspracheentscheid vom 27. November
2006 (IV-act. 76) und Urteil des Versicherungsgerichts vom 19. Mai 2008, IV 2007/22,
abgewiesen (IV-act. 88).
A.b Am 9. September 2008 machte der Versicherte eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustands geltend und stellte das Gesuch um revisionsweise Erhöhung der
Rente (IV-act. 91). Die eingereichten medizinischen Berichte der behandelnden Ärzte
(IV-act. 96, 101, 110) vermochten nach der Beurteilung von Dr. med. C._ vom
Regionalen Ärztlichen Dienst der IV (nachfolgend: RAD) vom 17. Dezember 2008 (IV-
act. 102; bestätigt am 20. Februar 2009 [IV-act. 111]) gegenüber dem Gutachten des
B._ vom 14. Juli 2005 (IV-act. 39) keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nach- oder einen Bedarf
nach weiterer medizinischer Abklärung auszuweisen. Das Revisionsgesuch wurde
daher mit Verfügung vom 12. März 2009 abgewiesen (IV-act. 112).
A.c Mit Schreiben vom 7. November 2011 machte der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Peter Conzett, Eichberg, erneut eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustands geltend und stellte wiederum ein Gesuch um revisionsweise
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erhöhung der Rente (IV-act. 115). Am 16. Dezember 2011 reichte der Rechtsvertreter
den Bericht von Prof. Dr. med. D._, Facharzt für Radiologie FMH, über das
Magnetresonanztomogramm (abgekürzt MR, MRT oder MRI) der Lendenwirbelsäule
(abgekürzt LWS) und der Iliosakralgelenke (abgekürzt ISG) vom 12. Dezember 2011
sowie eine Stellungnahme des Hausarztes des Versicherten, Dr. med. E._, Facharzt
für Allgemeinmedizin FMH, vom 15. Dezember 2011 nach (IV-act. 119 f.). RAD-Arzt
Dr. C._ wies aufgrund dieser neuen medizinischen Unterlagen die Verwaltung an,
wiederum beim B._ eine polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung durchführen zu
lassen (IV-act. 121). Im internistisch-rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten vom
17. April 2012 (IV-act. 135; nachfolgend: Verlaufsgutachten) hielten die begutachtenden
Personen als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zunächst eine koronare 3-
Gefässerkrankung mit/bei Status nach infero-lateralem Myokardinfarkt Dezember 2001,
Status nach 4-facher koronarer Revaskularisation am 3. September 2002 und leicht
eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (EF 46%) fest. Weiter wurde ein Post-
Sternotomie-Syndrom mit Generalisierungstendenz im Bereiche des ventralen Thorax
erhoben, bei Status nach Sternotomie mit AC-Bypassoperation am 3. September 2002,
Pseudarthrosebildung nach Cerclage, Status nach Cerclageentfernung des Sternums
am 9. September 2004 und Status nach Titaneumplatten-Osteosynthese am
15. Februar 2007 mit Narbenhernienplastik. Als dritten Diagnosenkomplex führten sie
belastungsabhängige lumbovertebrale Missempfindungen mit fraglicher
intermittierender L5-Reizung links bei Diskushernie L4/L5 ohne neurologische
Ausfallsymptomatik sowie Diskusprotrusionen/beginnende Diskushernien L3/L4 und
L5/S1 ohne Kontakt zu den Nervenwurzeln an (Verlaufsgutachten S. 32). Als Diagnose
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit listeten sie ein metabolisches Syndrom mit
arterieller Hypertonie, Adipositas und Hypercholesterinämie auf (Verlaufsgutachten
S. 33). - Dr. med. F._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, stellte aufgrund ihrer
Untersuchung am 9. Februar 2012 fest, der Patient sei aus internistischer Sicht für
behinderungsangepasste leichte Tätigkeiten, z.B. Verpackungsarbeiten ohne längere
Gehstrecken und Einhalten von regelmässigen kurzen Pausen, voll arbeitsfähig. Eine
zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei aus internistischer Sicht nicht zu
begründen (Verlaufsgutachten S. 21 ff., S. 34 f.). - Rheumatologisch wurde der
Versicherte von Dr. med. G._, Facharzt für Rheumatologie FMH und zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, untersucht. Neben dem Post-Sternotomie-Syndrom, das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schon bei der Untersuchung für das erste Gutachten am 4. Mai 2005 bestanden habe,
stellte er bei derjenigen vom 9. Februar 2012 auch belastungsabhängige
Einschränkungen der lumbalen Wirbelsäule fest. Dabei zeigten sich ihm sowohl im
Brust- als auch im Bereich der Lendenwirbelsäule wesentliche Unterschiede zwischen
den Schmerzangaben beobachtet und abgelenkt unbeobachtet. Dr. G._ fasste diese
Feststellungen als deutliche Hinweise für eine subjektive Schmerzverdeutlichung mit
Selbstlimitierung und Inkonsistenzen im Sinn eines dysfunktionalen
Krankheitsverhaltens zusammen (Verlaufsgutachten S. 27). Er kam zum Schluss, dass
für wirbelsäulenbelastende respektive schwerere Tätigkeiten eine bleibende
Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für leichte Tätigkeiten ohne monoton vornüber gebückte
Position, ohne repetitives Gewichte heben über 10 kg, mit ideal Wechsel zwischen
sitzender und stehender Position, ohne längere Gehstrecken respektive regelmässiges
Zurücklegen von Treppenstufen beurteilte er eine 80%ige Arbeitsfähigkeit als zumutbar
und ausgewiesen. Weiter hielt er in der rheumatologischen Beurteilung und
Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit fest, die Sternum-Pseudarthrose sei nach dem
Eingriff von 2007 nicht mehr nachweislich, so dass grundsätzlich eine stabile Situation
bestehe. Mit Blick auf das Post-Sternotomie-Syndrom sei das Einhalten von
regelmässigen kurzen Pausen medizinisch indiziert und nachvollziehbar. Deshalb
ergebe sich eine bleibende 20%ige Arbeitsunfähigkeit auch für die Schonkriterien
berücksichtigenden Arbeiten. Bei dieser Teilarbeitsunfähigkeit werde auch das lumbale
Achsenskelett genügend geschont respektive wäre ohne das Problem der
Sternotomie-Schmerzen für das lumbale Achsenskelett unter Einhalten von
Schonkriterien keine Teilarbeitsunfähigkeit begründbar. - Dr. med. H._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erhob am 10. Februar 2012 einen normalen
psychischen Befund. Die Angaben des Versicherten zum aktuellen Tagesablauf und zur
aktuellen Lebenssituation ergaben nach seiner Beurteilung keine Anhaltspunkte für eine
klinisch relevante, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende psychische Störung
(Verlaufsgutachten S. 31). Da die im psychiatrischen Teilgutachten vom 4. Mai 2005
beschriebene Scham- und Selbstwertproblematik nicht mehr bestehe, kamen
Dr. G._, Dr. F._ und Dr. H._ zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in der vom Rheumatologen beschriebenen angepassten Tätigkeit 80%
betrage.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Die IV-Stelle unterbreitete das Verlaufsgutachten des B._ Dr. C._ Der RAD-
Arzt bezeichnete es als umfassend, sorgfältig und widerspruchsfrei. Darauf erteilte die
IV-Stelle dem Versicherten bzw. seinem Rechtsvertreter am 23. Mai 2012 den
Vorbescheid (IV-act. 138 ff.), die durchgeführten Abklärungen hätten eine Verbesserung
des Gesundheitszustands mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ergeben und es
bestehe in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Der
Einkommensvergleich ergebe eine Erwerbseinbusse entsprechend einem
Invaliditätsgrad von 35%. Da dieser unter 40% liege, bestehe kein Rentenanspruch
mehr.
A.e Dagegen erhob der Rechtsvertreter am 18. Juni 2012 verschiedene Einwände und
reichte Berichte von Dr. D._ vom 6. Juni 2012 und dem behandelnden Kardiologen,
Dr. med. I._, Facharzt FMH für Kardiologie und Innere Medizin, vom 8. Juni 2012 ein
(IV-act. 141). Er machte insbesondere geltend, vom Invalideneinkommen sei ein
leidensbedingter Abzug von 25% vorzunehmen, weshalb der Invaliditätsgrad nicht
35%, sondern 51% betrage. Dr. C._ hielt am 20. Juni 2012 fest, er halte das
Gutachten (gemeint Verlaufsgutachten) des B._ nach wie vor für umfassend,
sorgfältig und widerspruchsfrei und weitere Abklärungen seien aus Sicht des RAD nicht
angezeigt (IV-act. 142).
A.f Mit Verfügung vom 25. Juni 2012 (IV-act. 144) hielt die IV-Stelle am Invaliditätsgrad
von 35% fest, verwies bezüglich der medizinischen Einwände auf die Stellungnahme
von Dr. C._ und verneinte Gründe für einen behinderungsbedingten Abzug vom
Tabellenlohn. Sie hob die Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats (mithin per Ende Juli 2012) auf und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung.
B.
B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 13. August 2012 mit den Anträgen, die
Verfügung vom 25. Juni 2012 sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine
angemessene IV-Rente von mindestens 25% zuzusprechen, dem Beschwerdeführer
sei die unentgeltliche Rechtspflege/Rechtsverbeiständung zu gewähren und das
Verfahren sei für drei Monate zu sistieren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Sistierungsantrag wurde mit dem Einholen eines Gutachtens zum Vorhandensein
von Schmerzen begründet. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers führte
verschiedene Ausführungen des Verlaufsgutachtens an, die nicht korrekt
wiedergegeben worden seien. Weiter machte er geltend, auf dem Invalideneinkommen
sei zu Unrecht kein Abzug vorgenommen worden. - Das an das Sicherheits- und
Justizdepartement gestellte detaillierte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung vom 13. August 2012 wurde von diesem zuständigkeitshalber
ans Versicherungsgericht weitergeleitet (act. G 2 mit Beilagen).
B.b Mit Schreiben vom 27. August 2012 sistierte die verfahrensleitende
Abteilungspräsidentin das Verfahren formlos bis 30. November 2012 (act. G 3). Am
8. November 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers das
medizinische Gutachten von Dr. med. J._ Facharzt FMH für Anästhesiologie und
Intensivmedizin mit Fähigkeitsausweis Interventionelle Schmerztherapie, vom
30. Oktober 2012 nach (act. G 4 mit Beilagen). Er beurteilte die Beschwerden, die ihm
der Explorand anlässlich des Untersuchs vom 11. September 2012 angegeben hatte,
als absolut glaubhaft, diagnostizierte einen eindeutigen chronischen neuropathischen
Schmerzzustand und bezeichnete die Diagnose "maladaptive Schmerzverarbeitung bei
leichter depressiver Entwicklung" im Gutachten des B._ als völlige Fehleinschätzung.
Dr. J._ attestierte dem Beschwerdeführer aufgrund der vorliegenden
Einschränkungen auch für leichte Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens
75%. Die verfahrensleitende Abteilungspräsidentin hob darauf die Sistierung des
Verfahrens auf und forderte die IV-Stelle zur Beschwerdeantwort auf (act. G 5).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2013
(act. G 6) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass
bezüglich medizinischen Sachverhalts auf das Verlaufsgutachten des B._, das die
Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten erfülle, abgestellt werden könne.
Dieses habe somatisch bedingt eine unveränderte Arbeitsfähigkeit von 80% in
angepasster Tätigkeit und den Wegfall der psychisch bedingten Einschränkungen
derselben von weiteren 20% ergeben. Der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich nachgewiesenermassen verbessert. Dr. J._ benenne
keine organische Ursache am Bewegungsapparat als hinreichende Erklärung für die
vom Beschwerdeführer beklagten Schmerzen und es sei nicht plausibel, wenn er von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
neuropathischen Schmerzen spreche, einer Diagnose, die im Übrigen von einem
Neurologen gestellt werden müsste. Die Schmerzen, über die der Beschwerdeführer
klage, stellten auch keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinn der
Rechtsprechung dar. Weiter nahm sie einen Einkommensvergleich vor, nannte Gründe,
weshalb vom Invalideneinkommen kein Abzug zu machen sei, und errechnete einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 29%.
B.d Gestützt auf ergänzte Unterlagen bewilligte die verfahrensleitende
Abteilungspräsidentin am 14. Februar 2013 die unentgeltliche Rechtspflege im
Verfahren vor dem Versicherungsgericht, befreite den Beschwerdeführer von den
Gerichtskosten und bewilligte die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Conzett (act. G 10).
B.e Mit Replik vom 15. Februar 2013 (act. G 11) führte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers aus, das Gutachten von Dr. J._ erfülle die von der
Rechtsprechung geforderten formellen und materiellen Voraussetzungen an ein korrekt
abgefasstes beweiskräftiges Gutachten. Der erfahrene Schmerztherapeut sei sehr wohl
qualifiziert, neuropathische Schmerzen zu diagnostizieren. Neuropathisch
imponierende Schmerzen seien auch bereits im Bericht des Universitätsspitals Zürich
über das Rheumatologische Konsilium vom 28. Mai 2008 dokumentiert worden (IV-
Akten 133-1/2 [in den dem Gericht vorliegenden Akten IV-act. 134]). Durch das
Gutachten von Dr. J._ sprächen konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des
Verlaufsgutachtens des B._, weshalb dieses nicht als Beweis herangezogen werden
könne. Überdies generiere das B._ über 80% seines Umsatzes durch Aufträge von
Sozialversicherungsträgern, die grundsätzlich daran interessiert seien, Gutachten zu
erhalten, in denen die Arbeitsfähigkeit der Versicherten möglichst hoch angesetzt sei.
Schliesslich sei zu beachten, dass Dr. J._ in seinem Gutachten mit 75%
Arbeitsunfähigkeit zur gleichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gelange wie
Dr. I._ in seiner Beurteilung vom 8. Juni 2012, wo er ausführe, es könnte ihm keine
Arbeit von mehr als zwei Stunden täglich zugemutet werden.
B.f Mit Schreiben vom 22. Februar 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik und hielt ausdrücklich an den Ausführungen in der Beschwerdeantwort und an
ihrem Antrag (auf Abweisung der Beschwerde) fest (act. G 13).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

Considerations:
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die Rente
des Beschwerdeführers revisionsweise aufgehoben hat.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Sinn und Zweck der Revision ist es, als Folge einer nachträglichen
Sachverhaltsveränderung die Sachverhaltsprognose für die Zukunft anzupassen und
gestützt darauf die laufende Dauerleistung für die Zukunft neu festzusetzen (Ralph Jöhl
in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers (Hrsg.), Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012,
Zürich/St. Gallen 2012, S. 162). Der Veränderung des Invaliditätsgrads ist immer dann
mittels Rentenerhöhung, Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung Rechnung zu
tragen, wenn sich der der Leistung zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich
erheblich verändert hat. Bei der Anpassung einer Invalidenrente im Sinn von Art. 17
Abs. 1 ATSG geht es darum, eine ursprünglich tatsächlich und rechtlich korrekte,
formell rechtskräftige Verfügung über eine Dauerleistung (Rente) an nach Eintritt der
formellen Rechtskraft eingetretene Veränderungen tatsächlicher Natur anzupassen.
Das heisst mit anderen Worten, eine nachträglich eingetretene tatsächliche
Unrichtigkeit der formell rechtskräftigen Verfügung wird (für die Zukunft) behoben.
Dieses Revisionsverfahren greift auch dort Platz, wo die zu revidierende Rente mit
formell rechtskräftigem Gerichtsurteil zugesprochen oder bestätigt worden war (vgl.
Jöhl, a.a.O., S. 161 f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der
Rente wie auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vgl. BGE 133 V 108).
2.3 Anlass zur Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer
wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar,
wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5).
3.
3.1 Um beurteilen zu können, ob eine Rentenrevision begründet ist, sind Verwaltung
und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V
352 E. 3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a am Ende).
3.2 In einem zweiten Schritt erfolgt sodann eine juristische bzw. erwerbliche
Beurteilung der medizinischen Beurteilungen. Aufgabe der IV-Stelle und des
Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt darauf sowie auf
die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen, inklusive eines allfälligen
Abzugs vom Tabellenlohn, den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
4.
4.1 Vorliegend ist demnach zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers derart verändert hat, dass eine Anpassung der Rentenleistung
vorgenommen werden muss. Sein Gesundheitszustand, der ursprünglich zur
(rückwirkenden) Zusprechung der halben Rente per 1. Mai 2003 geführt hatte, war im
Gutachten des B._ vom 14. Juli 2005 (IV-act. 39) dokumentiert worden. Mit
Verfügung vom 12. März 2009 (IV-act. 112) war eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands gegenüber demjenigen, der im Gutachten des B._ vom 14. Juli
2005 dokumentiert worden war, verneint worden. Anlass für das vorliegend zu
prüfende Revisionsbegehren des Beschwerdeführers waren vermehrte lumbale
Rückenschmerzen, von denen er geltend machte, sie müssten mit wöchentlichen
Schmerzspritzen bekämpft werden.
4.2
4.2.1 Die von Dr. G._ im Verlaufsgutachten des B._ vom 14. Juli 2012 (IV-act.
135) erhobenen Diagnosen an der Lendenwirbelsäule (belastungsabhängige
lumbovertebrale Missempfindungen mit fraglicher intermittierender L5-Reizung links bei
Diskushernie L4/L5 ohne neurologische Ausfallsymptomatik sowie Diskusprotrusionen/
beginnende Diskushernien L3/L4 und L5/S1 ohne Kontakt zu den Nervenwurzeln
[Verlaufsgutachten S. 32]), die er als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend einstufte,
zeigten eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
gegenüber der Begutachtung vom 4. Mai 2005 (Gutachten vom 14. Juli 2005, IV-act.
39). Im ersten Gutachten des B._ waren nämlich nur chronische unspezifische
Lumbalgien ohne strukturelles Korrelat und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
dokumentiert worden (Gutachten vom 14. Juli 2005 S. 18).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2.2 Die Plattenosteosynthese des Sternums mit Narbenhernienplastik, die am
15. Februar 2007 durchgeführt worden war (IV-act. 84 f.), hatte eine Stabilisierung des
Thoraxbereichs bewirkt. Die Pseudarthrose des Sternums war nicht mehr nachweislich;
ein Rezidiv der Narbenhernie bereits anlässlich der Untersuchungen am
Universitätsspital Zürich ausgeschlossen worden (Verlaufsgutachten S. 28; Berichte
der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich vom
31. August 2007 und vor allem vom 4. April 2008 [IV-act. 129]).
4.2.3 Der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hatte sich
wesentlich verbessert. Die Diagnose einer leichten depressiven Episode (ICD-10:
F32.0), die im Gutachten des B._ vom 14. Juli 2005 (IV-act. 39) noch gestellt worden
war und die die damaligen Gutachter veranlasst hatte, eine zusätzliche 20%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit zu attestieren, konnte
Dr. H._ am 10. Februar 2012 nicht mehr bestätigen. Vielmehr stellte er fest, dass sich
die soziale Situation des Probanden stabilisiert habe, dieser in der Familie weiter gut
integriert sei und dass die im psychiatrischen Teilgutachten vom 4. Mai 2005
beschriebene Scham- und Selbstwertproblematik nicht mehr bestehe
(Verlaufsgutachten S. 29 ff.).
4.2.4 Trotz der anerkannten Verschlechterung im lumbalen Rücken ergab sich
insgesamt damit gegenüber der im Gutachten vom 14. Juli 2005 dokumentierten
Situation eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers.
4.3 Die erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
wirkte
sich deutlich auf seine Arbeitsfähigkeit aus. Aus psychiatrischer Sicht war diese bei der
Verlaufsbegutachtung nicht (mehr) eingeschränkt (Verlaufsgutachten S. 29 ff.). Aus
rheumatologischer Sicht und weil sich auch internistisch keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ergab, wurde von Dr. G._, Dr. F._ und Dr. H._ bei der
Verlaufsbegutachtung vom 9. und 10. Februar 2012 eine solche von 80% in einer
adaptierten Tätigkeit als zumutbar erachtet. Diese umfasste leichte Tätigkeiten ohne
monoton vornüber gebückte Position, ohne repetitives Gewichte heben über 10 kg,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
idealerweise mit Wechsel zwischen sitzender und stehender Position, ohne längere
Gehstrecken respektive regelmässigem Zurücklegen von Treppenstufen. Mit Blick auf
das Post-Sternotomie-Syndrom sei das Einhalten von regelmässigen kurzen Pausen
medizinisch indiziert und nachvollziehbar, weshalb sich auch für die Schonkriterien
berücksichtigenden Arbeiten eine bleibende 20%ige Arbeitsunfähigkeit ergebe. Dabei
werde auch das lumbale Achsenskelett genügend geschont (Verlaufsgutachten S. 28
bzw. S. 36 f.).
4.4
4.4.1 Das Verlaufsgutachten vom 17. April 2012 erfüllt die Anforderungen an ein
beweiskräftiges medizinisches Gutachten (vgl. vorstehende E. 3.1). Es schildert den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers umfassend, beruht auf allseitigen
Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Die Fachärztin und
die beiden Fachärzte dokumentierten ihre Kenntnisse der Vorakten. Ihre Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und ihre Beurteilung der medizinischen Situation
leuchten ein und ihre Schlussfolgerungen sind begründet und plausibel.
4.4.2 Der Beschwerdeführer macht gegen die Beweiskraft des Verlaufsgutachtens
zunächst geltend, es sei nicht wertneutral erstellt worden. An jeder nur möglichen
Stelle werde ihm die Simulation von Schmerzen vorgeworfen und dazu würden
Behauptungen beigezogen, ohne den gesamten Kontext zu beachten. Als Beispiel
erwähnt er zunächst die Schilderung von Dr. G._, er habe die Dell-Bandage (eine
solche trage er um den Brustkorb zwecks Stabilisierung der ehemaligen Sternotomie-
Region), die ihm zu Boden gefallen sei, spontan aufgehoben "und bewegt sich dabei
mit Rotation, Lateralflexion und LWS-Flexion, kombiniert mit einer Flexion in den
Kniegelenken" (Verlaufsgutachten S. 25). Diese Beobachtung werde im ganzen Bericht
x-fach wiederholt, um die vorgeworfene Simulation zu bestätigen. Es werde jedoch
nicht beachtet, dass er im gleichen Untersuchungszimmer und in Anwesenheit des
Arztes eine anwesende Pflegefachfrau gebeten habe, ihm den auf den Boden
gefallenen Strumpf aufzuheben, da ihm diese Handlung Schmerzen bereiten würde. Er
habe ihn in der Hand behalten und sich nachher beide Strümpfe von seinem Sohn, der
ihn beide Tage an die Untersuchung begleitet habe, anziehen lassen. Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Ausführungen von Dr. G._ bei diesem Einwand aus dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kontext gerissen wurden. Unter dem Titel "Rheumatologischer Untersuchungsbefund"
beschrieb er zunächst kurz den Exploranden und schilderte darauf, dass beim Aus-
und Ankleiden betreffend Brustbein ein Schonverhalten bestehe, indem
Kraftaufwendungen vermieden würden. Er könne die Kleidungsstücke jedoch
selbständig ausziehen und anziehen, wobei bezüglich lumbalen Achsenskeletts kein
Schonverhalten offensichtlich sei. Die Schilderung des Aufhebens der Bandage schloss
der Rheumatologe mit der Feststellung: "Dieser Bewegungsablauf geschieht rasch und
ohne beobachtbares Schonverhalten (Diskrepanz)." Wenn sich der Beschwerdeführer
bei der Untersuchung durch Dr. J._ nicht selbst nach einem zu Boden gefallenen
Strumpf bückte und sich die Strümpfe von seinem Sohn anziehen liess sowie beim
Anziehen der Socken und des Wintermantels auch zuhause Hilfe benötigte, widerlegt
das die Ausführungen von Dr. G._ nicht, er habe beim selbständigen Aus- und
Ankleiden ein Schonverhalten bezüglich Brustbein, jedoch nicht bezüglich lumbalem
Achsenskelett gezeigt. Weiter ist sein Verhalten bezüglich Strümpfen auch nicht
geeignet, die "Diskrepanzen bezüglich spontanen Bewegungsabläufen beim Aus- und
Ankleiden resp. bei Ablenken im Gespräch verglichen mit der subjektiv beschriebenen
schmerzbedingten Bewegungs- und Belastbarkeitseinschränkung", die der
Rheumatologe im Kontext zur Diagnose "deutliche Hinweise für eine subjektive
Schmerzverdeutlichung mit Selbstlimitierung und Inkonsistenzen im Sinne eines
dysfunktionalen Krankheitsverhaltens" nannte (Verlaufsgutachten S. 27), zu entkräften.
Die einzelnen Diskrepanzen listete er bei der Schilderung des rheumatologischen
Untersuchungsbefundes auf (Verlaufsgutachten S. 25 f.) und beschränkte sich dabei
keineswegs auf das Aus- und Ankleiden und auf die Tatsache, dass das spontane
Aufheben der zu Boden gefallenen Dell-Bandage ohne Schonverhalten des lumbalen
Achsenskeletts geschah.
4.4.3 Auch mit dem weiteren Einwand, Dr. G._ habe nicht ausgeführt, dass er
seinen handgeschalteten Personenwagen selbst nur kurze Strecken fahre, vermag der
Beschwerdeführer keine sachlichen Gründe gegen die Zuverlässigkeit des
Verlaufsgutachtens vorzubringen. Der Rheumatologe hatte erhoben, dass es der
Proband gut vertrage, seinen handgeschalteten Personenwagen selbst zu fahren. Die
beim Fahren entstehenden hebelwirksamen Kräfte stellte er in der rheumatologischen
Beurteilung der Tatsache gegenüber, dass er bei der Untersuchung die ganze
Thoraxwand kaum berühren konnte, ohne dass der Beschwerdeführer erhebliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzen angab (Verlaufsgutachten S. 27 unten bzw. S. 26 oben). Auch wenn der
Beschwerdeführer jeweils nur kurze Strecken fährt, wirken die hebelwirksamen Kräfte,
denn diese treten neben dem Schalten bekanntlich auch beim Starten und Manövrieren
und damit bei Abläufen auf, die nicht in erster Linie von der Länge der gefahrenen
Strecke abhängig sind.
4.4.4 Zweck der Verlaufsbegutachtung war es, die Befunde des
Beschwerdeführers zu erheben, sie in den Kontext seiner medizinischen Vorgeschichte
zu stellen und aufgrund der Schlüsse zu formulieren, welche Arbeitstätigkeit in
welchem Ausmass die begutachtenden Personen ihm zumutbar hielten. Sie
beantworteten die einschlägigen Fragen begründet in den Ziffern 7.4 und 7.6 f. des
Verlaufsgutachtens (S. 37 und 39). Hausarzt Dr. E._ nahm im Bericht vom 3. Juni
2012 (IV-act. 141-8/12) nur zu den physischen Befunden am Thorax und in der
lumbalen Rückenregion Stellung. Er hielt fest, dass der Gesamtzustand seines
Patienten gegenüber dem Zeitpunkt der Rentenzusprechung 2005 unverändert oder
leicht verschlechtert sei. Im Verlaufsgutachten wurde diese somatische Beurteilung des
Hausarztes bestätigt, besonders was die Verschlechterung in der lumbalen
Rückenregion betraf (vgl. Verlaufsgutachten S. 24 ff. sowie vorstehende E. 4.2.1). Die
erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands gegenüber dem Gutachten vom
14. Juli 2005 war, wie ausgeführt (vgl. vorstehende E. 4.2.3 f.), auf den Wegfall der
psychisch bedingten Einschränkungen zurückzuführen, die Dr. E._ in seinem Bericht
vom 3. Juni 2012 offenbar nicht bedachte. Dr. I._ stellte bei der kardiologischen
Kontrolle vom 7. Juni 2012 (IV-act. 141-8 ff./12) keine relevante Veränderung
gegenüber der letzten Kontrolle fest. Die Beschränkung der zumutbaren Arbeit auf
kaum mehr als zwei Stunden täglich begründete er nicht und führte auch nicht näher
aus, welche Arbeit er noch für zumutbar halte. Jedenfalls kann aus der Einschränkung
der Lebensqualität, die beim Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen
zweifellos vorhanden ist, nicht ohne weiteres auf die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit und deren Ausmass geschlossen werden, wie das der Kardiologe
offenbar tat. Damit vermag auch sein Bericht die Beweiskraft des Verlaufsgutachtens
vom 17. April 2012 (IV-act. 135) nicht in Zweifel zu ziehen.
4.5 Der Rechtsvertreter veranlasste eine Parteibegutachtung des Beschwerdeführers
durch Dr. J._, welcher diesen am 11. September 2012 in der Sprechstunde empfing
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und am 30. Oktober 2012 berichtete (act. G 4.1). Der Schmerzspezialist dokumentierte
eine Konsultation und dabei gemachte Angaben des Exploranden. Eine körperliche
Untersuchung fand bei dieser Gelegenheit offenbar nicht statt. Er setzte sich auch nicht
mit den Diskrepanzen zwischen den subjektiven Schmerzangaben und den Befunden
auseinander, die sich Dr. G._ bei der rheumatologischen Verlaufsbegutachtung vom
9. Februar 2012 gezeigt hatten (Verlaufsgutachten, IV-act 135, S. 24 ff.). Da er zwar das
umfangreiche Dossier an Vorakten erwähnte, im Einzelnen aber nur Bezug nahm auf
die Diagnose "maladaptive Schmerzverarbeitung bei leichter depressiver Entwicklung",
die im Gutachten des B._ vom 14. Juli 2005 gestellt (IV-act. 39 S. 15 ff.), bei der
psychiatrischen Verlaufsbegutachtung vom 10. Februar 2012 am B._ durch Dr. H._
aber ausdrücklich als nicht nachvollziehbar bezeichnet und nicht bestätigt worden war
(Verlaufsgutachten, IV-act. 135 S. 29 ff.), ist nicht einmal erstellt, dass Dr. J._ die
rheumatologischen Befunde überhaupt zur Kenntnis genommen hatte. Seine Kritik
("völlige Fehleinschätzung") bezog sich nicht auf das Verlaufsgutachten vom 17. April
2012. Daher kann sie nicht geeignet sein, dieses in Frage zu stellen. Auch der
Schmerzspezialist hielt (ähnlich wie bereits Dr. I._ [vgl. IV-act. 141-8 ff./12;
vorstehende E. 4.4.4]) eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität des Probanden
und eine dieser offenbar entsprechende Verminderung der Leistungsfähigkeit fest. Sein
Attest einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 75% auch für leichte Tätigkeiten stützte
sich auf die "vorliegenden Einschränkungen", stellte diese jedoch nicht im Einzelnen
objektiv dar und enthielt auch keine Begründung. Bei den beschriebenen
Unzulänglichkeiten ist die als "Medizinisches Gutachten" bezeichnete Stellungnahme
von Dr. J._ nicht geeignet, die Beweiskraft des Verlaufsgutachtens des B._ in
Frage zu stellen oder die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anders zu beurteilen.
Daher braucht auch die medizinische Frage, ob Dr. J._ dem Beschwerdeführer zu
Recht chronische, therapieresistente neuropathische Schmerzen attestiert hatte, an
dieser Stelle nicht näher erläutert zu werden.
4.6 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Spritzen, die er wegen der
Schmerzen im lumbalen Rücken erhalte, würden jeweils zu einem starken Anstieg des
Blutzuckers führen und eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit bewirken. Entsprechende
Dokumente seines Hausarztes liegen nicht vor. Dr. E._ schilderte am 15. Dezember
2011 Abklärungen der Rückenschmerzen und fasste das MRI vom 12. Dezember 2011
zusammen, machte aber keine Angaben zur Behandlung (IV-act. 120). Im Bericht vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. Juni 2012 führte er aus, die Rückenschmerzen lumbal seien durch mehrere
Abklärungen dokumentiert (IV-act. 141-8/12). Dr. G._ hatte im Verlaufsgutachten
unter subjektiven Beschwerden als aktuelle Behandlung intramuskuläre
Schmerzspritzen durch den Hausarzt etwa dreimal pro Monat angegeben
(Verlaufsgutachten, IV-act. 135, S. 25 oben). Dr. J._ beschrieb in der
Schmerzanamnese Kortison-Injektionen gegen die chronischen, teils starken
Rückenschmerzen, die jeweils zu einem starken Blutzuckeranstieg führten, gab dafür
aber keinerlei Belege an (act. G 4.1). Anlässlich der Verlaufsbegutachtung ergaben sich
am 9. Februar 2012 Laborwerte von 6.6 mmol/l Glucose (nicht nüchtern; 3.6-6.1) und
HbA1c 6.2% (4.3-6.1; Verlaufsgutachten S. 23). Dr. Walder beschrieb auf Seite 34 f.
des Verlaufsgutachtens einen 49-jährigen Versicherten mit einer Adipositas Grad II bei
einem Body Mass Index (BMI) von 33.7 kg/m mit einem metabolischen Syndrom.
Korrelierend dazu würden sich in den Laboruntersuchungen serologisch leicht erhöhte
Leberwerte bei bereits vor Jahren sonografisch festgestellter Lebersteatose, erhöhte
Glucose- und Triglyceridwerte sowie ein grenzwertig erhöhtes HbA1c finden. Aus
internistischer Sicht beurteilte sie den Patienten für behinderungsangepasste leichte
Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Dr. I._ führte im Bericht vom 8. Juni 2012 aus, der
Patient habe eine diabetische Entgleisung gehabt, wobei jetzt unter Diät eine Therapie
nicht mehr durchgeführt werde (IV-act. 141-9 ff./12). Aufgrund dieser Unterlagen ist
weder von der Spritzenbehandlung der Rückenschmerzen noch vom Diabetes mellitus
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) nachgewiesen, dass sie eine dauerhafte, zusätzlich
invalidisierende Wirkung auf den Beschwerdeführer haben.
4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verbesserung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführers, insbesondere durch Wegfall der psychischen
Beeinträchtigung, im Verlaufsgutachten des B._ vom 17. April 2012 (IV-act. 135)
rechtsgenüglich dargelegt wurde. Seine Vorbringen vermögen diesen Beweis nicht
umzustossen. Auch die im Verlaufsgutachten beschriebene Arbeitsfähigkeit von 80%
für leichte Tätigkeiten ohne monoton vornüber gebückte Position, ohne repetitives
Gewichte heben über 10 kg, idealerweise mit Wechsel zwischen sitzender und
stehender Position, ohne längere Gehstrecken respektive regelmässiges Zurücklegen
von Treppenstufen (Verlaufsgutachten S. 28 bzw. S. 36 f.), ist genügend dargelegt.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, eine höhere Einschränkung seiner
Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich darzutun.
5.
Im Folgenden gilt es, die erwerblichen Auswirkungen der vom B._ im
Verlaufsgutachten umschriebenen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
(Verlaufsgutachten, IV-act. 135, S. 28 bzw. S. 36 f.) zu ermitteln und zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Invaliditätsgrad tiefer als 40% errechnet und
daher einen Rentenanspruch für die Zukunft verneint hat.
5.1
5.1.1 Das Valideneinkommen des Beschwerdeführers als Gipser war in der
ursprünglichen Rentenverfügung vom 12. April 2006 (IV-act. 57) aufgrund des Eintrags
im individuellen Konto für das Jahr 2000 mit Fr. 71'020.-- bestimmt worden. In der
angefochtenen Verfügung vom 25. Juni 2012 hatte die IV-Stelle dieses
Valideneinkommen der Nominallohnentwicklung bis 2009 angepasst und als
Ausgangspunkt für den neuen Einkommensvergleich ein solches von Fr. 73'278.--
ermittelt (IV-act. 137 f., 144). Der berücksichtigte Faktor beträgt gerundet 1.032
(73'278 : 71'020).
5.1.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist auf die Lohnstrukturer
hebung 2010 (LSE, herausgegeben vom Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2012)
abzustellen. Für den Einkommensvergleich ist daher auch das Valideneinkommen für
2010 zu bestimmen. Laut der Tabelle T1.1.05 des Bundesamts für Statistik (vgl.
Lohnentwicklung 2010, Neuenburg 2011) erhöhte sich der Nominallohn für Männer im
Baugewerbe von 2005 bis 2010 um 7,7%. Das Valideneinkommen von Fr. 71'020.-- ist
daher mit dem Faktor 1.077 auf Fr. 76'488.55 hochzurechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.1.3 Die grundlegende Neuberechnung des Valideneinkommens, wie sie die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2013 (act. G 11)
vornahm, käme demgegenüber einer Wiedererwägung der ursprünglichen Bestimmung
des Valideneinkommens gleich. Eine solche ist jedoch im Rahmen einer Revision nach
Art. 17 ATSG nicht zulässig (vgl. Jöhl, a.a.O., S. 162 ff.).
5.2
5.2.1 Das Invalideneinkommen ist aufgrund des Tabellenwerts, Totalwert im
privaten Sektor für Männer bei Arbeiten im Anforderungsniveau 4, gemäss Tabelle TA1
der LSE 2010 zu errechnen und an die Normalarbeitszeit von 41.6 Wochenstunden
anzupassen. Das ergibt für 2010 den Jahreslohn von Fr. 61'164.50 (Fr. 4'901.--
x 12 : 40 x 41.6) bei einem Pensum von 100%. Umgerechnet auf die dem
Beschwerdeführer attestierte Arbeitsfähigkeit von 80% ergibt sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 48'931.60.
5.2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, auf dem Tabellenlohn sei ihm der
maximale Abzug von 25% (vgl. BGE 126 V 79 f. E. 5b) zu gewähren. Bei der
ursprünglichen Rentenzusprechung war ein Abzug auf dem Tabellenlohn von 15%
vorgenommen worden, wobei dessen konkrete Bemessung nicht dokumentiert worden
war (IV-act. 44 f.). Bei der Ermittlung des Gesundheitszustands im Rahmen des
Revisionsverfahrens traten keine Anhaltspunkte auf, die eine direkte Auswirkung auf die
Bemessung des Abzugs hätten. So hat sich insbesondere das Ausmass der
Konkurrenznachteile des Beschwerdeführers - auch unter Berücksichtigung des bei
Erlass der angefochtenen Verfügung auf knapp 50 Jahre fortgeschrittenen Alters - nicht
relevant verändert. Eine Neubestimmung käme daher ebenfalls einer Wiedererwägung
der ursprünglichen Rentenzusprechung gleich, die im Rahmen des Revisionsverfahrens
keinen Platz hat (vgl. diesbezügliche Ausführungen zum Valideneinkommen in E. 5.1.3
und Jöhl, a.a.O., S. 162 ff.). Unter Berücksichtigung des Abzugs von 15% resultiert ein
Invalideneinkommen von Fr. 41'591.85.
5.2.3 Weil die psychische Beeinträchtigung weggefallen und der
Beschwerdeführer dadurch für einen potentiellen Arbeitgeber ein weniger
problematischer Arbeitnehmer ist, könnte der Abzug auf 10% reduziert werden. Selbst
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn damit - entgegen den Ausführungen in der vorstehenden Erwägung 5.2.2. - von
einer Veränderung des Sachverhalts betreffend Abzugs vom Tabellenlohn
ausgegangen würde, hätte dies keine Auswirkung auf den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Viertelsrente, wie nachfolgend (E. 5.3.2) zu zeigen sein
wird. Bei einer Reduktion des Abzugs auf 10% resultiert ein Invalideneinkommen von
Fr. 44'038.45.
5.3
5.3.1 Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 76'488.55 mit dem
Invalideneinkommen von Fr. 41'591.85 ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr. 34'896.70
oder 45.62% und einen Invaliditätsgrad von 46%. Gemäss Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht bei einem
Invaliditätsgrad zwischen mindestens 40 und 49% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers besteht in diesem Rahmen weiter und die
verfügungsweise Einstellung der Rentenzahlung ist aufzuheben. Nachdem die
angefochtene Verfügung vom 25. Juni 2012 datiert und offenbar an diesem Tag
verschickt worden war (Beschwerdeschrift [act. G 1] S. 2), wurde die Rentenzahlung in
Anwendung von Art. 88 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) offenbar per Ende Juli 2012 eingestellt. Der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Viertelsrente besteht demnach ab 1. August 2012. Zur
Berechnung und Nachzahlung der seit der Einstellung aufgelaufenen
Rentenbetreffnisse ist die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.3.2 Würde bei einem Abzug vom Tabellenlohn von lediglich 10% das
Invalideneinkommen von Fr. 44'038.45 (vgl. E. 5.2.3) dem Valideneinkommen von
Fr. 76'488.55 gegenübergestellt, würde eine Erwerbseinbusse von Fr. 32'450.10 oder
42.42% und ein Invaliditätsgrad von 42% resultieren. Da er ebenfalls zwischen 40 und
49% liegt, würde der tiefere Abzug vom Tabellenlohn am Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Viertelsrente nichts ändern.
6.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. August 2012
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 25. Juni 2012 aufzuheben und die
halbe Invalidenrente des Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von 46%
revisionsweise ab 1. August 2012 auf eine Viertelsrente zu reduzieren.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss (der Beschwerdeführer hatte die
Zusprechung einer angemessenen Invalidenrente von mindestens 25% beantragt) die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Bedeutung und dem Aufwand
der Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die Festsetzung einer
Entschädigung aus der am 14. Februar 2013 gewährten unentgeltlichen Rechtsverbei
ständung (act. G 10) erübrigt sich damit.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP