Decision ID: 2654b877-5234-419b-82d8-9e9597553dd2
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 27. Juli 2021 im Bundesasylzentrum
(BAZ) der Region Nordwestschweiz ein Asylgesuch. Am 30. Juli 2021 er-
folgte die Personalienaufnahme (PA), am 13. August 2021 das Dublin-Ge-
spräch und am 21. September 2021 die Anhörung des Beschwerdeführers
zu den Asylgründen. Tags darauf wurde er dem erweiterten Verfahren zu-
geteilt, woraufhin die ihm im BAZ zugewiesene und von ihm am 12. August
2021 mandatierte Rechtsvertretung das Vertretungsmandat als beendet
erklärte. Für den weiteren Verlauf des Verfahrens liess sich der Beschwer-
deführer durch eine kantonale Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende
vertreten. Im Beisein der neuen Rechtsvertretung wurde der Beschwerde-
führer am 18. Oktober 2021 ergänzend zu seinen Asylgründen angehört.
Anlässlich der PA und der Anhörungen machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei kurdischer Ethnie, alevitischen
Glaubens und stamme aus B._. Seine Familie und mehrere Onkel
hätten sich politisch engagiert, insbesondere für die HDP (Halklarin Demo-
kratik Partisi – Demokratische Partei der Völker). Auch er habe für diese
Partei bei Wahlen mitgeholfen, Stimmen gesammelt, die Wahlurne betreut,
an Versammlungen teilgenommen sowie Treffen und Proteste veranstaltet,
wobei er manchmal von der Polizei gefilmt worden sei. Ferner habe er sich
im Jahr 2016 für die Aleviten-Vereinigung engagiert. All seine Probleme
sehe er im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten. In den behördlichen Fo-
kus sei er seit 2015 geraten, als er zwei Mal an der (...) teilgenommen
habe. Seither sei er an Kontrollposten immer besonders kontrolliert worden
und man habe ihm Kontakte zu den Guerillas sowie Hilfeleistungen und
Rekrutierungsaktivitäten für diese vorgeworfen. Nachdem er bei einer po-
litischen Demonstration im Jahre (...) ein Plakat mit der Aufschrift
C._ getragen habe, sei er wegen (...) angeklagt worden. Sein An-
walt habe eine Reduktion der von der Staatsanwaltschaft geforderten Haft-
strafe von (...) Jahren auf letztlich (...) Monate erreicht, die er nach Eintritt
der Rechtskraft bis (...) 2017 im Gefängnis abgesessen habe. Nach der
Entlassung sei er zu den Grosseltern aufs Land gezogen, um als (...) zu
arbeiten. Dort sei er aber von den Behörden beobachtet, häufig kontrolliert,
von zivilen Autos verfolgt und durch Soldaten belästigt worden. Im Novem-
ber 2019 hätten Soldaten das Haus der Grosseltern «gestürmt» und seinen
Hund erschossen. Das Haus sei dann immer wieder gestürmt worden,
weshalb er sich in der Folge kaum mehr bei den Grosseltern aufgehalten
habe. Anfang 2020 sei er zum Schutz seiner Grosseltern wieder zu seinen
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Eltern ins Zentrum gezogen. Im Jahre (...) sei ein weiteres Urteil gegen ihn
wegen eines Vorfalls vom (...) 2016 ergangen. Damals sei er zusammen
mit seinem Freund von (...) Polizisten angehalten und kontrolliert worden,
wobei er – im Gegensatz zu seinem Freund – trotz erlittener Schläge habe
fliehen können. Am folgenden Tag habe er sich zwecks Erlangung eines
ärztlichen Attests im Hinblick auf eine Anzeigeerstattung in ein Spital bege-
ben, wo er aber von avisierten Polizisten festgenommen und in Untersu-
chungshaft überführt worden sei. Im (...) 2021 sei er schliesslich wegen
(...) zu einer Haftstrafe von (...) Jahren und (...) Monaten beziehungsweise
(...) Jahren verurteilt worden. Das Verfahren sei aktuell auf Berufungsstufe
hängig und bei politisch Aktiven sei erfahrungsgemäss eine Strafverschär-
fung durch das Berufungsgericht zu befürchten. Anfang (...) 2021 sei er
ferner einer von mehreren Männern belästigten Frau zu Hilfe geeilt, die er
wutentbrannt und handgreiflich gegenüber ihren Peinigern verteidigt habe.
Von sich aus sei er dann zur Polizeiwache gegangen, wo er jedoch von
den Polizisten beschimpft und geschubst worden sei. Bei den belästigen-
den und durch ihn verletzten Männern habe es sich offenbar um (...) ge-
handelt, welche die Frau als (...) verdächtigt hätten. Das gegen ihn einge-
leitete Verfahren befinde sich noch in der Untersuchungsphase. In dieser
Situation habe er eine weitere Verurteilung befürchtet. Da er von seinem
früheren Gefängnisaufenthalt gewusst habe, wie rechtsmissachtend, un-
menschlich und wenig gewissenhaft Insassen und besuchende Familien-
angehörige von den Behörden behandelt würden, habe er den Entscheid
zum Verlassen seines Heimatlandes getroffen und sich zu diesem Zweck
etwa (...) Monate vor seiner am (...) 2021 erfolgten legalen Ausreise auf
dem Luftweg einen Reisepass ausstellen lassen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer im Verlaufe des erstin-
stanzlichen Verfahrens zahlreiche Unterlagen insbesondere betreffend
seine Identität, betreffend Berufs-, Ausbildungs- und Arbeitstätigkeiten so-
wie betreffend seine dargelegten Verfolgungsvorbringen (insb. Dokumente
betreffend die verschiedenen abgeschlossenen oder hängigen Strafverfah-
ren in der Türkei) ein. Zudem gingen am (...) September 2021 beim SEM
zwei von den zuständigen schweizerischen (...)behörden am (...) 2021 bei
der Kontrolle einer aus D._ stammenden Postsendung sicherge-
stellte Identitätsdokumente ein: Ein türkischer Reisepass (ausgestellt am
[...]) und eine türkische Identitätskarte, je lautend auf die Personalien des
Beschwerdeführers. Für die vollständige Auflistung der Beweismittel wird
auf die angefochtene Verfügung (dort Ziff. I/3) und hinsichtlich ihres kon-
kreten Inhalts auf die Akten verwiesen.
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B.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2022 – eröffnet am 1. Juli 2022 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an. Mit dem Entscheid wurden ihm die editi-
onspflichtigen Akten ausgehändigt.
C.
Mit Eingabe des neu mandatierten, rubrizierten Rechtsvertreters vom
2. August 2022 und Ergänzung vom 3. August 2022 erhob der Beschwer-
deführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. Darin beantragt er deren Aufhebung, die Gewährung von Asyl, den
Verzicht auf eine Wegweisung aus der Schweiz sowie in prozessualer Hin-
sicht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Beiord-
nung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
D.
Die Akten des Beschwerdeführers und die bereits vom SEM für seine Ent-
scheidfindung beigezogenen Akten des (...) des Beschwerdeführers
(E._; N [...]; erstinstanzlich hängiges Asylgesuch vom [...] 2021)
lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 3. August 2022 in elektronischer
Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG [SR 142.31]).
E.
Mit Verfügung vom 3. August 2022 stellte der Instruktionsrichter den einst-
weilen rechtmässigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz
fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das
SEM die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen als den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Be-
achtlichkeit nicht genügend. Zahlreiche geltend gemachte Schikanen
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durch die türkischen Behörden in den letzten Jahren (regelmässige und
teilweise herabwürdigende Kontrollen, Beobachtungen, Belästigungen und
Bedrohungen wegen Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie, zur Aleviten-
Vereinigung und wegen seines Aktivismus für die HDP; Durchsuchungen
des grosselterlichen Hauses; Vorwürfe betreffend Kontakten zur Guerilla
und betreffend Rekrutierungen für diese) genügten den asylrechtlichen An-
forderungen an die Intensität nicht. Die diesbezüglichen Ausführungen des
Beschwerdeführers würden nicht den Schluss zulassen, dass eine Gefähr-
dung im Sinne von Art. 3 AsylG stattgefunden habe oder ein unerträglicher
psychischer Druck erzeugt worden sei. Das SEM verkenne nicht, dass die
geltend gemachten Vorfälle belastend für ihn gewesen sein mögen und ihn
verunsichert hätten. Jedoch hätten diese Massnahmen kein derartiges
Ausmass angenommen, dass ihm ein menschenwürdiges Leben in der
Türkei verwehrt gewesen oder unzumutbar erschwert worden wäre. Als
Ausreisegrund habe er denn auch die bevorstehende Haftstrafe des Urteils
vom (...) 2021 in Kombination mit dem Vorfall vom 21. Mai 2021 genannt,
und nicht die zuvor erlebten Schikanen. Weiter sei er trotz der geltend ge-
machten Benachteiligungen noch einige Jahre im Heimatstaat verblieben,
wo er gearbeitet und sich weiter engagiert habe. Entsprechend sei auch
nicht von einem unerträglichen psychischen Druck auszugehen, welcher
ihm ein Leben im Heimatstaat verunmöglicht hätte. Die geltend gemachten
Schikanen seien daher nicht als genügend ernsthaft zu qualifizieren und
damit flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Sodann sei festzuhalten, dass es
grundsätzlich legitim sei, wenn ein Staat in Erfüllung seiner rechtsstaatli-
chen Pflichten Straftaten ahnde. Wie den eingereichten Verfahrensakten
entnommen werden könne, sei er mit Urteilen vom (...) und vom (...) 2015
wegen (...) zu Freiheitsstrafen von (...) Monaten und (...) und (...) Monaten
verurteilt worden, wobei diese Urteilsverkündungen aufgeschoben worden
seien und eine Probezeit von (...) Jahren festgesetzt worden sei. Zu den
Verfahren mit den Geschäftsnummern (...) und (...) habe er trotz Aufforde-
rungen bislang die entsprechenden Akten nicht nachgereicht, abgesehen
von einer Rechtskraftmitteilung im Verfahren (...). Auf Nachfrage habe er
erklärt, dass es sich um ein (...)delikt und um eine Verurteilung zu (...) und
(...) Monaten Freiheitstrafe wegen einer von ihm begangenen (...) einer
Person handle, die seine (...) beleidigt habe. Er habe somit mehrere Ge-
richtsverfahren durchlaufen, die offenbar rechtsstaatlich legitim durchge-
führt und abgeschlossen worden seien. Ausser seinen blossen Angaben,
dass die Anklage vom (...) 2018 auf Lügen basiere, er den (...) die besag-
ten Verletzungen nicht zugefügt habe und die Vorwürfe durch seine kur-
disch-alevitische Zugehörigkeit motiviert seien, liessen sich den Akten
keine Rückschlüsse entnehmen, wonach die auf einem Vorfall vom Jahre
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2016 basierende Verurteilung vom (...) 2021 nicht rechtsstaatlich legitim
vonstattengegangen sei oder ein Malus vorliegen könnte. Entgegen sei-
nem Vorbringen, wonach er bei der damaligen Kontrolle geschlagen wor-
den und geflohen sei, könne dem Urteil vom (...) 2021 entnommen werden,
dass die ihn anzeigenden (...) Frakturen vom besagten Vorfall davongetra-
gen hätten. Zudem habe er eingeräumt, in der Vergangenheit Personen
tätlich angegriffen und körperlich versehrt sowie seine Wut nicht unter Kon-
trolle zu haben. Dem Einvernahmeprotokoll vom (...) 2021 könne weiter
entnommen werden, dass er mit dem (...) wahllos auf Personen in Zivil
eingeschlagen habe. Schliesslich sei anzumerken, dass die Verurteilung
vom (...) 2021 noch nicht in Rechtskraft erwachsen, sondern seine Be-
schwerde dagegen hängig sei. Es lägen somit bezüglich der Rechtmässig-
keit des gegen ihn gefällten Urteils betreffend (...) keine Anhaltspunkte vor,
das Gerichtsverfahren sei mit einem Politmalus behaftet und demnach
rechtsstaatlich nicht legitim. Die flüchtlingsrechtliche Relevanz sei daher
auch diesen Vorbringen abzusprechen. Bezüglich der Verurteilung vom
(...) 2016 (vom Berufungsgericht bestätigt am [...]) betreffend (...), deren
Strafe ([...] Monate Gefängnis) er bereits abgesessen haben, sei festzu-
halten, dass das Asylgesetz nicht dazu diene, allfällig vergangenes Un-
recht wieder gut zu machen. Die damaligen Haftbedingungen (insb. Schi-
kanierung von ihn besuchenden Angehörigen; Einschränkungen beim Zu-
gang zu Büchern, eigener Post und beim Telefonieren; Schubsen und Tre-
ten; Leibesvisitationen mit Entkleidung) seien zwar unangenehm, jedoch
nicht als menschunwürdig zu qualifizieren und genügten den Anforderun-
gen an die Intensität daher nicht. Vor dem Hintergrund seiner diesbezügli-
chen Schilderungen sei nicht davon auszugehen, dass er aufgrund der
pendenten gemeinrechtlichen Delikte eine menschenunwürdige Behand-
lung im Gefängnis und mithin ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgeset-
zes zu befürchten habe. Die Asylvorbringen würden daher den Anforderun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsyIG nicht standhalten.
An dieser Einschätzung vermöchten die eingereichten Beweismittel oder
die N-Akten seines (...) nichts zu ändern, zumal sich letzterer in seinem
Asylverfahren grösstenteils auf (...) und die Situation der Kurden beziehe.
Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung der Asylgesuche sei die Weg-
weisung aus der Schweiz. Deren Vollzug in den Heimatstaat sei mangels
Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1
AsylG, ferner unter praxisgemässer Berücksichtigung der allgemeinen
Menschenrechtslage in der Türkei sowie mangels Anhaltspunkten für die
beachtliche Wahrscheinlichkeit der Gewärtigung einer nach Art. 3 EMRK
verbotenen Strafe oder Behandlung völkerrechtlich zulässig. Der Vollzug
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erweise sich ebenso als zumutbar. Auch nach der Niederschlagung des
Militärputschversuchs vom Juli 2016 herrsche keine landesweite Situation
allgemeiner Gewalt. Der Beschwerdeführer stamme aus der Provinz
Tunceli, sei jung, gesund und verfüge über einen Gymnasiumsabschluss
sowie Arbeitserfahrungen in (...), im Bereich (...) und in (...). Ausserdem
sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durch-
führbar.
Für den vollständigen Inhalt der Begründung der angefochtenen Verfügung
wird auf die Akten verwiesen.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bekräftigt der Beschwerdeführer seine
geltend gemachte Verfolgungslage; seine «Geschichte» zeichne sich
durch seine längere und bis heute andauernde politische Tätigkeit für die
HDP und die Aleviten-Vereinigung sowie durch die Unterdrückung seiner
Familie und des kurdischen Volkes allgemein aus. Die erkannten Wider-
sprüche seien vermeintlicher Art, denn es handle sich um «normale natür-
liche Abweichungen» hinsichtlich Zeit und Ort, zumal er keine Agenda
führe. Seine Rolle und Aktivitäten für die HDP würden durch zwei nun vor-
legbare Schreiben der HDP bestätigt. Er bringe somit klar und nachweislich
zum Ausdruck, dass er aufgrund seiner Zugehörigkeit zur kurdisch-aleviti-
schen Gemeinschaft und zur heute verbotenen HDP im Vergleich zu türki-
schen Bewohnern und Häftlingen übermässigen staatlichen Schikanen
ausgesetzt sei. Kurden würden in seiner Provinz deutlich mehr systemati-
schen Polizei- und Militärkontrollen unterzogen und gegen Kurden ausge-
sprochene Urteile seien von Anbeginn weg mit einem Kurdenmalus verse-
hen. Die ethnisch bedingte Schlechterbehandlung von kurdischen Gefäng-
nisinsassen und Besuchenden gegenüber türkischen gehe ebenso aus ei-
nem beiliegenden Schreiben seiner Familienangehörigen hervor, die ihn
während der gesamten Gefängniszeit nicht hätten besuchen können. Ge-
genüber der vorinstanzlichen Auffassung betreffend die grundsätzliche Le-
gitimität der Ahndung von Straftaten sei festzuhalten, dass es nicht mehr
legitim sei, wenn staatliche Handlungen missbraucht würden, um misslie-
bige religiöse, «ethische» oder politische Minderheiten zu unterdrücken.
Zudem sei die Unabhängigkeit der Justiz im kurdischen Südosten des Lan-
des zu bestreiten, da diese in türkischer Hand sei. Seine Bestrafung mit
(...) und (...) Monaten wegen (...) zeige klar eine solche Unverhältnismäs-
sigkeit auf; ein derartiges Urteil würde einer Überprüfung durch den EGMR
nicht standhalten. Aufgrund des Gesagten und der vorgelegten Beweismit-
tel habe er bei einer Rückkehr eine menschenunwürdige Behandlung im
Gefängnis und im Alltag durch die türkischen Behörden zu befürchten, wie
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ebenso seine Familie. Er habe mithin Anspruch auf Gewährung des Asyls.
Beschwerdeergänzend legt er (kommentarlos) zwei weitere Beweismittel
ins Recht: Zum einen eine Bestätigung des F._ betreffend seine
dortige aktive Mitgliedschaft, die allgemeine Lage in der Türkei seit dem
Militärputsch 2016 und seine daraus fliessende Gefährdung sowie zum an-
dern ein Schreiben seines türkischen Rechtsanwalts, wonach diesem die
Einsicht in Gerichtsakten verweigert worden sei und sein Mandant bei einer
Rückkehr in die Türkei eine Verhaftung zu befürchten habe.
6.
6.1 Das SEM ist nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsabklärung
und -feststellung mit einlässlicher und überzeugender Begründung sowie
hinlänglicher Aktenabstützung zur zutreffenden Erkenntnis gelangt, die gel-
tend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen von
Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen, wes-
halb kein Anspruch auf Anerkennung als Flüchtling und auf Gewährung des
Asyls bestehe. Diese Erwägungen und die darin enthaltenen Beweismittel-
würdigungen geben zu keinen Beanstandungen Anlass und es kann inso-
weit zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Inhalt der angefochte-
nen Verfügung (vgl. dort E. II) sowie auf die zusammenfassende Wieder-
gabe oben (E. 5.1, 1. Abschnitt) verwiesen werden. Die sich relativ knapp
präsentierende Beschwerde führt diesbezüglich zu keiner anderen Be-
trachtungsweise, zumal sie sich über weite Teile in pauschalen Bekräfti-
gungen, Gegenbehauptungen und Mutmassungen erschöpft, ohne konkret
Bezug auf die einzelnen Erwägungen der Vorinstanz zu nehmen oder diese
darüber hinaus gar einzelfallspezifisch zu beanstanden. Unter Bezug-
nahme auf einzelne Argumentationsteile der Beschwerde sieht sich das
Gericht zu folgenden Erwägungen veranlasst: Zunächst erstaunt es, dass
der Beschwerdeführer seine Verfolgungsvorbringen selber als «Ge-
schichte» bezeichnet und Widersprüche zu entkräften versucht, die das
SEM gar nie beurteilt hat. Weiter ist klarzustellen, dass die Familienange-
hörigen des Beschwerdeführers nicht Partei des vorliegenden Asyl- bezie-
hungsweise Beschwerdeverfahrens sind; deren allfällige eigenen Verfol-
gungssituationen gelangen daher hier nicht zur Beurteilung, zumal der Be-
schwerdeführer auch nie eine konkrete, personenbezogene eigene Re-
flexverfolgung geltend gemacht hat. Im selben Zusammenhang bleibt im
Übrigen bemerkenswert, dass der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen
Verfahren die schlechte Behandlung der ihn besuchenden Angehörigen
während seines Gefängnisaufenthaltes geltend gemacht hat, auf Be-
schwerdestufe nun aber auf ein als Beweismittel eingereichtes Schreiben
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verweist, in dem sich seine Familienangehörigen über den Umstand be-
schweren würden, dass sie ihn während der gesamten Gefängniszeit nicht
hätten besuchen können. Weiter ist unter Bezugnahme auf die geltend ge-
machte, ethnisch motivierte Unverhältnismässigkeit von gegen ihn ergan-
genen Urteilen mitzuberücksichtigen, dass die Strafzumessungen offenbar
in Kumulation mit anderen Straftatbeständen und in Beachtung des delik-
tischen Vorlebens ergangen sind und das von ihm konkret angesprochene
Urteil vom (...) 2021 noch nicht rechtskräftig, sondern auf Berufungsstufe
hängig ist.
Die mit der Beschwerde vorgelegten Beweismittel führen nicht zu einer an-
deren Sichtweise. Weder das SEM noch das Bundesverwaltungsgericht
bestreiten die Aktivitäten des Beschwerdeführers für die HDP oder sein En-
gagement für die kurdische Sache, und die Mitgliedschaft beim F._
sowie die in der Bestätigung beschriebenen Aktivitäten des Beschwerde-
führers für dieses (...) generieren offensichtlich noch keinen subjektiven
Nachfluchtgrund. Unter Bezugnahme auf das Schreiben seines türkischen
Rechtsanwalts, wonach der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in die
Türkei eine Verhaftung zu befürchten habe, bleibt klarzustellen, dass das
Bundesverwaltungsgericht eine solche Befürchtung nicht grundsätzlich in
Abrede stellt, sie aber vom Ergehen rechtskräftiger Strafurteile abhängt
und, wie bereits vom SEM zutreffend erkannt, ein flüchtlingsrechtlich be-
deutsamer Hintergrund (z.B. Polit- oder Kurdenmalus) bislang in seinem
Fall nicht erkennbar ist. Am Rande ist der Beschwerdeführer darauf auf-
merksam zu machen, dass die HDP entgegen seiner Behauptung bislang
in der Türkei vom Verfassungsgericht nicht verboten wurde, sondern seit
März 2021 ein von der Generalstaatsanwaltschaft iniziiertes Verbotsver-
fahren hängig ist.
Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation des Be-
schwerdeführers und mithin dessen behauptungsgemässen Anspruch auf
Gewährung des Asyls nach rechtsgenüglicher Abklärung des relevanten
Sachverhalts und unter Wahrung der dem Beschwerdeführer zustehenden
Verfahrensrechte zu Recht verneint.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten.
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6.3 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich erkannt. Zur Vermeidung von Wiederho-
lungen kann hierzu wiederum vollumfänglich auf die zu bestätigenden Aus-
führungen des SEM in der angefochtenen Verfügung (dort E. III) sowie auf
die vorstehende Zusammenfassung (E. 5.1, 2. Abschnitt) verwiesen wer-
den. Auch diesbezüglich führt die Beschwerde nicht zu einer anderen Be-
trachtungsweise, zumal sie wiederum keine substanziellen Bestreitungen
enthält.
Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten als zulässig, zumut-
bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da sie
am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Angesichts der aus den Erwägungen hervorgehenden Aussichtslosigkeit
der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung mit amtlicher Rechtsverbeiständung trotz ausgewiesener Für-
sorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen, da es somit an ei-
ner zwingenden weiteren Voraussetzung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG man-
gelt.
(Dispositiv nächste Seite)
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