Decision ID: 6dc9bd51-3c3e-4c98-8542-8b75e8c2a35d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
ist
gelernter
Coiffeur (
Urk.
6/32 S. 3
Ziff.
2 Mitte). Zuletzt
war er
selbständig
erwerbend
als Geschäftsführer eines Nachtclubs tätig
(
Urk.
6/32 S. 1 oben)
. Am
3.
Dezember 2010 wurde er Opfer eines Raubüberfalles (
Urk.
6/16/31
Ziff.
4
-
6
). Am
6.
Juni 2011 erlitt er einen Hirnschlag (
Urk.
6/17
S. 1).
Der Versicherte meldete sich am 1
9.
Juni 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holt
e
ein
bidisziplinäres
Gutachten (
Urk.
6/24) ein. Am 3
0.
Mai 2012 erteilte sie Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung
(
Urk.
6/30).
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten daraufhin berufliche Massnahmen in Form einer kaufmännischen Umschulung zu
(
Urk.
6/63,
Urk.
6/74
,
Urk.
6/92
,
Urk.
6/172
).
Der Versicherte beendete die Ausbildungen mit dem Erwerb des Bürofachdiploms VSH, des Handelsdiploms VSH und des Diploms Sachbearbeiter Marketing und Verkauf (
Urk.
6/85,
Urk.
6/111/1,
Urk.
6/202/4).
Die IV-Stelle erteilte zudem
Kostengutsprache
n
für Arbeitstrainings, Arbeitsver
mittlung und ein Job Coaching
(
Urk.
6/138,
Urk.
6/146,
Urk.
6/154,
Urk.
6/158
,
Urk.
6/189
).
Am
6.
Juli 2018 (
Urk.
6/204) schloss sie die beruflichen Massnahmen ab.
1.2
Am 1
5.
August 2018 (
Urk.
6/208) erliess die IV-Stelle
den Vorbescheid
betreffend Rentenanspruch
. Der Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
6/219,
Urk.
6/221) vor.
Zudem veranlasste die IV-Stelle
eine Abklärung für
Selbständi
gerwerbende
(
Urk.
6/225).
Mit Verfügung vom
7.
Januar 2019 (
Urk.
6/227 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am
6.
Februar 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
Januar 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventuell sei zur Bestimmung der
Restarbeitsfähigkeit ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu gegeben. Subeventuell seien ergänzende Abklärungen in Auftrag zu geben (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte
mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
März 2019 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
9.
März 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2)
fest,
nach
der Beendigung der beruflichen Massnahmen
habe sie
einen Arztbericht eingeholt (S. 1). A
us medizinischer Sicht sei dem Beschwerdeführer eine behinderungsan
gepasste Tätigkeit zu 70
%
zumutbar.
Gestützt darauf
ermittelte
sie
einen Invali
ditätsgrad von 35
%
und verneinte einen Rentenanspruch (
S. 2
).
2.2
Der Beschwerdeführer beanstandete den von der Beschwerdegegnerin durchge
führten Einkommensvergleich.
Er brachte vor, der
aus dem Betrieb eines Nachtclubs bezogene Lohn
sie durchwegs angestiegen. Vor dem Unfall habe er stationär
Fr.
102'000.-- betragen
. Das
Valideneinkommen
sei deshalb auf der Ba
sis von
Fr.
102'000.-- festzusetzen
(
Urk.
1 S. 9
Ziff.
14).
Für die
Bestimmung des Invalideneinkommens
könne
das Gutachten
vom Januar 2012 nicht als Grund
lage für die Beurteilung seines Gesundheitszustandes im heutigen Zeitpunkt die
nen (
Urk.
1 S. 10
Ziff.
21).
2.3
Streitig
ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
Zunächst ist zu prüfen, ob auf das Gutachten vom 1
6.
Januar 2012 und die übrigen vorinstanzliche
n Akten abge
stellt werden kann oder ob ergänzende Abklärungen erforderlich sind.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Medizinische
Klinik,
Z._
,
nannte
im Be
richt vom
8.
August 2011 (
Urk.
6/12/1-4)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen
ischäm
ischen
cerebrovaskulären
Insult
der
Cap
s
ula
i
nterna
mit
motorischer
Hemiparese links vom
6.
Juni 201
1.
Als Diagnose ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine arterielle Hypertonie
(S. 1
Ziff.
1.1).
3.2
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Oberärz
tin,
B._
, nannte im Bericht vom
8.
August 2011 (
Urk.
6/13/1-5) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), seit Dezember 2010, und einen ischämischen
cerebrovaskulären
Insult vom
6.
Juni 2011 (S. 1
Ziff.
1.1).
3.3
Der Beschwerdeführer war vom 1
7.
Juni bis 2
8.
Juli 2011 in der
C._
hospitalisiert (
Urk.
6/17 S. 1). Die Ärzte der
C._
stellten im Austrittsbericht vom 3
1.
August 2011
(
Urk.
6/17)
folgende Dia
gnosen (S. 1):
-
ischämischer
cerebrovaskulärer
Insult der
Capsula
interna
rechts vom
6.
Juni 2011 mit/bei:
-
regredienter
sensomotorischer
Hemisymptomatik
links
-
cvRF
: arterielle Hypertonie,
Dyslipidämie
, positive Familienanamnese
-
MR-
Angio
:
unter an
derem nicht nachweisbare
Arteria
communicans
posterior
rechts und links
filiforme
Arteria
communicans
posterior
-
Dysarthrie und Dysphagie, Juli 2011, bei Reinfarkt im gleichen Stromge
biet oder im Bereich der
Penumbra
Die Ärzte führten weiter aus, der Beschwerdeführer
habe beim Austritt aus der Klinik uneingesc
hränkt selbständig gehen können
. Der Kraft und Koordination der linken Hand habe sich stark verbessert, so dass der Patient den Arm und die Hand im Alltag gut einsetzen könne. Eine neuropsychologische Abklärung habe günstige Befunde ergeben (S. 2 oben).
Die Ärzte attestierten für die Dauer von insgesamt drei Monaten nach dem Insult eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Da
nach solle
eine
schrittweise Wiedereingliederung des aktuell arbeitslosen Patien
ten erfolgen (S. 3).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurol
ogie, und
Dr.
med
. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatteten am 1
6.
Januar 2012 (
Urk.
6/24) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein neurologisches und psychiat
risches Gutachten. Die Untersuchungen erfolgten am 1
1.
Januar 2012 (S. 1 oben).
Dr.
D._
führte im neurologischen Teilgutachten aus, der Beschwerdeführer habe eine Beeinträchtigung der Gehfähigkeit
angegeben
und es bestehe
noch
eine Gleichgewichtsstörung (S. 6 oben). Der Gutachter stellte folgende
neurologischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10
Ziff.
5):
-
Hemisyndrom
links bei Zustand nach
cerebrovaskulärem
Ereignis vom
6.
Juni 201
1, insbesondere mit Beeinträchtigung der Feinmotorik des lin
ken Arms und leichter Gangstörung
-
leicht ausgeprägte kognitive Störungen
Aus neurologischer Sicht bestehe für die Tätigkeit
als selbständiger Geschäftsfüh
rer eines Nachtclubs eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Diese sei begründet durch eine vermehrte Ermüdbarkeit und
die
Unfähigkeit, nachts bis in die Mor
genstunden zu arbeiten. Auch in der Tätigkeit als Coiffeur sei von einer 100%igen Beeinträchtigung auszugehen
, aufgrund der deutlich gestörten Feinmotorik der linken Hand
.
Angepasst seien Tätigkeiten ohne erhöhte Anforderungen an die Gehfähigkeit, den Gleichgewichtssinn
, die Feinmotorik der linken Hand oder an die dauerhafte Konzentrationsfähigkeit sowie an die Fähigkeit, neue Inhalte auf
zunehmen. Für eine derartige Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen.
Der Beschwerdeführer sei darauf angewiesen, dass er nach drei bis vier Stunden eine längere Pause einlegen könne.
Eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei
etwas mehr
als ein halbes Jahr nach dem
cerebrovaskulären
Ereignis
aber
nicht möglich. Es sei von einer weiteren Besserung während mindestens zwei Jahren nach dem Ereignis vom Juni 2011 auszugehen. Erst danach sei eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsf
ä
higkeit sinnvoll. Bis zum 3
1.
Oktober 2011 müsse von einer Beeinträchtigu
ng der Arbeitsfähigkeit von 100
% für jegliche Tätigkeiten ausgegangen werden. Die at
testierte Arbeitsfähigkeit von 70
%
für angepasste Tätigkeiten gelte ab dem
1.
No
vember 2011 (S. 12 oben).
Zur psychiatrischen Untersuchung wurde ausgeführt, der Explorand habe nach einem Gespräch von über einer Stunde müde und erschöpft gewirkt und es sei zu Wortfindungsstörungen gekommen (S. 15
Ziff.
4 unten).
Dr.
E._
stellte
die psychiatrische Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstör
ung in Remission (ICD-10 F43.0).
Zudem nannte er als Diagnose anamnestisch
einen Verdacht auf ein kleines Aneurysma der A. cerebri
media
rechts, asymptomatisch (S. 15
Ziff.
5).
Der Beschwerdeführer sei nach dem Raubüberfall im
B._
in Behandlung gewesen. Er sei antidepressiv behandelt worden und es hät
ten Gespräche stattgefunden (S. 16 unten).
Die nach dem
Ereignis
vorgelegene Ängstlichkeit und Schreckhaftigkeit sei zurückgegangen. Der Explorand habe Freude am Leben und sei aktiv (S. 16 f.). Aus rein psychiatrischer Sicht sei er allein aufgrund der noch symptomatisch als leicht festzustellenden posttrauma
tischen Belastungsstörung nicht in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit beein
trächtigt. Eine affektive oder eine andere psychiatrische Erkrankung, die die
Ar
beits
- und Leistungsfähigkeit des Exploranden beeinträchtige, bestehe nicht
(S. 17 oben).
Aus neurologischer Sicht sei für
eine angepasste Tätigkeit von einer Arbeitsfä
higkeit von 70
%
auszugehen. Die Beeinträchtigung von 30
%
ergebe sich aus der vermehrten Ermüdbarkeit und der verminderten Belastbarkeit.
Die attestierte Arbeitsfähigkeit gelte ab dem
1.
November 201
1.
Bis zum 3
1.
Oktober 2011 habe
aus neurologischer Sicht
für jegliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
(S. 18
lit
. E Mitte).
Vom
3.
Dezember 2010 bis
6.
Juni 2011 habe aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Ab dem
6.
Juni 2011 sei die neurologische Beurteilung mass
gebend. In der Zwischenzeit habe sich die Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung zurückgebildet, so dass diese derzeit nicht mehr relevant sei für eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (S. 18
lit
. E unten).
3.5
Dr.
m
ed. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Be
richt vom 2
0.
Januar 2015 (
Urk.
6/136/2-3) aus, der Beschwerdeführer
ermüde
gemäss
seinen Angaben schnell und
es leide die Konzentration
sfähigkeit
(
Ziff.
2).
Zum Befund gab der Hausarzt an, d
as
Hemisyndrom
sei derzeit
regredient
(
Ziff.
3).
Der Beschwerdeführer sei
nur zu 70
%
arbeitsfähig beziehungsweise zu 30
%
ar
beitsunfähig, da er längere Pausen einlegen müsse (
Ziff.
5).
Aus den erwähnten Gründen
lasse sich eine
Arbeitsfähigkeit von 100
%
nicht mehr erreichen
(
Ziff.
6 a).
3.6
Im Verlaufsbericht vom
8.
Juni 2016 (
Urk.
6/157/4-5)
bezeichnete
Dr.
F._
den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
als
stationär (S. 1
Ziff.
1.1).
Weiter führte er aus, zurzeit
bestehe ein deutliches,
residuelles
Hemisyndrom
links, sensomotorisch. Die Konzentrationsfähigkeit sei ebenfalls eingeschränkt
(S. 1
Ziff.
1.3). Für Büroarbeiten bestehe
seit 2014
eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
. (S. 1
Ziff.
2.1 und 2.2).
Die Arbeitsfähigkeit lasse sich durch medizinische Mass
nahmen nicht verbessern (S. 2
Ziff.
4.1).
3.7
Dr.
F._
bestätigte in einem weiteren Verlaufsbericht vom 2
0.
Februar 2017 (
Urk.
6/176/4-5) einen stationären Gesundheitszustand (S. 1
Ziff.
1.1). Wei
ter führte er aus, der Beschwerdeführer habe ein zweites Arbeitstraining absol
viert. In einer leichten Bürotätigkeit zeige sich nun eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Der Patient werde bei längeren Arbeiten sehr schnell müde und die moto
rischen Funktionen des
residuellen
Hemisyndroms
links verstärkten sich (S. 1
Ziff.
1.3). Für eine leichte Bürotätigkeit bestehe daher eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 1
Ziff.
2.1).
3.8
Dr.
F._
gab im Bericht vom 1
6.
Juli 2018 (
Urk.
6/205/4-5)
z
um Befund an, der Patient leide nach wie vor unter einer belastungsabhängigen Schwäche im Bereich
der linken Seite und
bei längeren Arbeiten
unter Konzentrationsstö
rungen (
Ziff.
1.3). Es bestehe dauerhaft eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Für leichte wechselbelastende Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Ziff.
2.1).
3.9
PD
Dr.
med. G._
, Facharzt für Neurologie, Regional
er Ä
rztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte in
der
Stellungnahme vom
7.
August 2018 (
Urk.
6/207 S. 11 unten) aus,
Dr.
F._
habe
zuletzt
eine belastungsabhän
gige Schwäche im Bereich der linken Seite und Konz
entrationsstörungen bei län
gerem
Arbeiten beschrieben. Es lägen Berichte des Internisten
Dr.
F._
vor. Diese dokumentierten explizit einen im wesentlichen unveränderten Gesund
heitszustand. Eine berufliche Umschulung sei erfolgreich durchgeführt worden. Der Hausarzt habe seine Einschätzung im Verlauf von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auf 50
%
reduziert. Eine parallele Verschlechterung des Gesundheitszustan
des sei jedoch nicht ersichtlich. Aus den relevanten Fachrichtungen Neurologie und Psychiatrie lägen seit 2012 keine Berichte vor.
Ein
Interventionsbedarf sei
deshalb
nicht belegt. Ein Abweichen von der Einschätzung im
bidisziplinären
Gutachten vom 1
6.
Januar 2012 sei nicht nachvollziehbar ausgewiesen.
Das Gut
achten werde weiterhin als gültig erachtet.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer ist gelernter
C
oiffeur (
Urk.
6/122/5)
.
Zuletzt führte
er als
Selbständigerwerbender
einen Nachtclub
(
Urk.
6/32 S. 1 oben).
Nach den Ereignissen vom Dezember 2010 und vom
6.
Juni 2011 absolvierte er v
om
6.
bis 2
8.
August
2012
eine berufliche Abklärung
in der
H._
,
I._
(vgl. den Schlussbericht
J._
vom 1
2.
September 2012,
Urk.
6/42).
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer
in der Folge
berufliche Massnahmen in Form einer kaufmännischen Umschulung zu
(
Urk.
6/63,
Urk.
6/74
,
Urk.
6/92
,
Urk.
6/172
).
Er beendete die
Ausbildung
en
mit dem
Erwerb des
Bürofachdiploms VSH, des
Handelsdiplom
s
VSH
und
des Diploms
Sachbearbeiter Marketing und Verkauf (
Urk.
6/85,
Urk.
6/11
1
/1,
Urk.
6/202/4).
4.2
K._
, Coach,
L._
, berichtete am 1
1.
November 2015 (Schlussbe
richt,
Urk.
6/145) über ein Arbeitstraining
, das vom 1
3.
Mai bis 1
2.
November 2015 dauerte
(S. 1)
. Sie führte aus, durch die Mitarbeit bei der
M._
habe
der Beschwerdeführer
die Möglichkeit erhalten, seine Leistungs- und Belastbar
keitsgrenze zu
erproben. Er habe mit einem 50
%-Pensum bego
nnen, aufgeteilt auf die Vormittage. Seit September 2015
habe er im Einsatzbetrieb zu 60
%
ge
arbeitet. Am Anfang sei
er
, vor allem nach vier Stunden Arbeit, schnell müde geworden und habe sich an den Wiedere
insti
eg in die Arbeitswelt gewöhnen müs
sen
. Laut seinen Aussagen sei er bezüglich der Konzentrationsfähigkeit an seine persönliche Grenze gekommen.
Auch mit Routine habe er sich nach einem
halben Arbeitstag weitgehend erschöpft gefühlt
. Nach vier Stunden habe die
Leistungs
fähigkeit abgenommen und e
in effizientes Arbeitstempo habe nicht aufrecht
erhalten werden können. Die Fehlerquote habe sich in einem minimalen Bereich gesteigert
(S. 3 oben).
Laut den Schilderungen der Fachperson über die Arbeitsleistung könne beim Be
schwerdeführer im Vergleich zu den Anforderungen im ersten Arbeitsmarkt bei einem Pensum von 60
%
von
einer Leistungsfähigkeit von 70
% ausgegangen werden (S. 3 Mitte). Es habe sich gezeigt, dass er mit einem durchschnittlichen Arbeitspensum von 60
%
an seiner gesundheitlichen Belastungsgrenze angelangt sei.
Aufgrund
der Konzentrationsfähigkeit sei für den Beschwerdeführer eine An
stellung mit einem Pensum von 50-60
%
sinnvoll. Durch einen erfolgreichen Ein
stieg in den ersten Arbeitsmarkt würde er die Gelegenheit einer weiteren Pra
xiserfahrung erhalten und an Stabilität gewinnen (S. 4).
4.3
N._
, Coach,
L._
, berichtete am
3.
Januar 2017 (
Urk.
6/167) über ein weiteres Arbeitstraining. Sie führte aus, beim Beschwerdeführer sei je
weils ab Mittag eine Minderung der Konzentration spürbar
gewesen
und
es seien gehäuft kleine Fehler
aufgetreten
. Sofern das
Arbeitsp
ensum 50-60
%
nicht über
steige, könne
eine Leistungsfähigkeit von 80
% erreicht werden (S. 3 oben). Der Beschwerdef
ührer habe ein Pensum von 50-60
% ebenfalls als ideal eingeschätzt (S. 3 Mitte).
Es stelle sich die Frage, inwiefern eine erfolgreiche Weiterbildung überhaupt re
alistisch sei, wenn der Beschwerdeführer seine Leistungsgrenze bei eher repetiti
ven
Aufgaben
schon
mit einem Pensum von
maximal
60
%
erreiche. Die Ver
mittlungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt stelle sich daher als schwierig dar (S. 5).
4.4
O._
, Coach,
L._
, erstattete am 1
1.
August 2017 (
Urk.
6/187) den Schlussbericht über eine Arbeitsvermittlung und Nach
b
etreuung. Die Mass
nahme dauerte
vom 1
3.
Februar bis 1
2.
August 2017 (S. 1). Sie führte aus,
der Beschwerdeführer
habe vom 2
1.
Juli 2016 bis 2
2.
Januar 2017 bei der
P._
in
Q._
ein Arbeitstraining mit einem Pensum von 50-60
% absolvier
en können.
Nun habe er
eine Umschulung zum
Sachbearbeiter Marketing und Ver
kauf angetreten, die bis Ende Mai 2018 da
uern werde
(S. 1) unten).
Der Beschwerdeführer habe beim Arbeitgeber mit regelmässigen Pausen ein Pen
sum von 40
%
verrichtet. Rund 20
%
habe er in die Weiterbildung als Sachbear
beiter Marketing und Verkauf investiert. Die schulischen Anforderungen habe er in Abstimmung mit seiner Arbeitsplatzpräsenz und seiner hohen Motivation gut erfüllen können und er habe das Gelernte in seiner Arbeitstätigkeit umsetzen können
. Der Kunde habe sich über die erzielten Provisionszahlungen enttäuscht gezeigt, da diese unter den Abmachungen mit dem Arbeitgeber gelegen hätten
(S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer sei mit einem Pensum von 40
%
aber
zu wenig am Arbeitsplatz präsent, um Abschlüsse tätigen zu können (S. 2 Mitte).
4.5
Im Verlaufsprotokoll Berufsberatung der Beschwerdegegnerin vom
6.
Juli 2018
findet sich eine Notiz über eine
telefonische Besprechung mit dem Bes
chwerde
führer vom 2
9.
Mai 201
8.
Es wurde ausgeführt
,
der Beschwerdeführer sei zurzeit auf
Stellensuche. Ein Pensum von 50
%
sei für ihn gesundheitlich machbar. Län
ger
könne er nicht konzentriert arbeiten (
Urk.
6/203 S. 9 oben).
4.6
Die Beschwerdegegnerin holte sodann einen Abklärungsbericht für
Selbständi
gerwerbende
ein, der am 1
4.
Dezember 2018 (
Urk.
6/225) erstattet wurde.
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende Ab
klärung zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist
einem Bericht über eine konkret leistungsorientierte berufliche
Abklärung nicht jegliche Aussage
kraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen (Urteil des Bun
desgerichts 9C_833/2007 vom
4.
Juli 2008 E. 3.3.2).
5.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
6.
6.1
Zunächst ist darauf hinzuweisen
, dass der Beschwerdeführer
in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Geschäftsführer eines Nachtclubs sowie als Coiffeur
gesund
heitsbedingt
nicht mehr arbeitsfähig ist.
Unklar ist, in welchem Umfang in einer angepassten Tätigkeit eine zumutbare Arbeitsfähigkeit besteht.
Dr.
D._
und
Dr.
E._
nannten im Gutachten vom 1
6.
Januar 2012 als Diagnosen ein
Hemisyndrom
links bei
einem
Zustand nach
cerebrovaskulärem
Ereignis vom
6.
Juni 2011, leicht ausgeprägte kognitive Störungen, eine post
t
raumatische Belastungsstörung in
Remission und einen Verdacht auf ein kleines Aneurysma der A. cerebri
media
rechts, asymptomatisch. Die Gutachter
attestier
ten für
eine angepasste Tätigkeit eine zu
mutbare Arbeitsfähigkeit von 70
% (vor
stehend E. 3.4).
Der Hausarzt des Beschwerdeführers
attestierte
für eine ange
passte Tätigkeit
zunächst ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. Ab Februar 2017
änderte er seine Einschätzung
mit Verweis auf die erfolgten Arbeitseinsätze des Beschwerdeführers
und
nannte neu eine
Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
E. 3
.5,
E. 3.7 und 3.8).
6.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
datiert vom 1
6.
Januar 201
2.
Die Beschwerdegegnerin prüfte einen Rentenanspruch nach
Be
endigung
der beruflichen Massnahmen per Juni 201
8.
Zum Zeitpunkt der
ange
fochtenen
Verfügung vom
7.
Januar 2019 war das Gutachten
bereits
rund sieben Jahre alt.
Aufgrund des
grossen
zeitlichen Abstandes sind
anhand des Gutachtens
keine
Aussagen über den
aktuellen
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers möglich. Hinzu kommt,
dass sich die Gutachter eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausdrü
cklich vorbehielten und sie eine erneute Überprüfung zwei Jahre nach dem Ereignis vom Juni 2011 empfahlen (vorstehend E. 3.4).
Das Gutachten von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
vom 1
6.
Januar 2012
genügt den
Anforderungen
an den
Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (E. 5.1)
daher nicht.
Dr.
F._
i
st kein Facharzt für Neurologie
. Die Berichte von
Dr.
F._
enthalten zudem
jeweils nur eine
knappe Begründung zur Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit
. Aus diesen Gründen kann nicht allein auf die Beurteilung durch den Hausarzt
des Beschwerdeführers
abgestellt werden.
Nach den vorliegenden Akten bleibt damit offen,
ob und i
nwiefern der Beschwerdeführer durch die Fol
gen des
cerebrovaskulären
Ereignisses vom Juni 2011 noch in seiner Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt ist.
Des Weiteren
sind
die Berichte
über die
beruflichen Massnahmen und die
erfolg
ten
Arbeitseinsätze
des Beschwerdeführers
zu berücksichtigen.
Diesen ist zu ent
nehmen, dass
er
ein Arbeitspensum von 70
% gesundheitsbedingt
nicht bewälti
gen konnte
(vorstehend E. 4.2 bis 4.4)
. Eine
Arbeitsfähigkeit von 70
%
, a
uf welche der RAD-Arzt abstellen möchte
,
erscheint daher zumindest fraglich
. Die Be
schwerdegegnerin hat es
bei dieser Ausgangslage unterlassen
, ein neurologisches Verlaufsgutachten einzuholen. Das Einholen eines psychiatrischen Gutachtens er
üb
rigt sich, da die nach dem Raubüberfall vom Dezember 2010
diagnostizierte
posttraumatische Belastungsstörung zum Zeitpunkt des Gutachtens
vom 1
6.
Ja
nuar 2012 bereits
weitgehend
abgeheilt war (vorstehend E. 3.4).
Entgegen der Stellungnahme v
on RAD-Arzt PD
Dr.
G._
drängt
sich
aber
eine
ergänzende
neu
rologische
Abklärung zum aktuellen Gesundheitszustand
und zur Arbeitsfähig
keit
des Beschwerdeführers auf.
6.3
Zusammenfassend
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, da
mit sei ein neurologisches Verlaufsgutachten
einhole
. Danach hat sie über einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers
erneut
zu entscheiden.
Bei dieser Aus
gangslage muss zum Einkommensvergleich
der Beschwerdegegnerin
in der ange
fochtenen Verfügung nicht Stellung genommen werden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Vorliegend ist der
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer bei einem gerichtsüb
lichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise
mit
Fr.
2’
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.