Decision ID: 59e5e695-2d20-5006-89c8-2234fd6b83f2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Urteil vom 27
.
September 2016
hiess das Bundesgericht die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kan
tons Zürich vom 25. Mai 2016 (Prozess-Nr. IV.2015.00811, Urk. 2/9
), mit welchem
ein Rentenanspruch
verneint wurde, teilweise gut und wies die Sache an das hiesige Gericht zurück, damit es im Sinne
von Erwägung 4.3
ergänzende Abklärungen im Sinne von Art. 44 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG) veranlasse, um
danach über
die Sache
neu
zu
entscheide
n
(Urk. 1, Dispositiv-Ziff. 1
, E. 4.3
).
2.
Mit Beschluss vom
1.
November 2016
(Urk. 3) ordnet
e das hiesige Gericht das Einholen eines
bidisziplinären Gutachtens
an, formulierte die entspre
chenden Fragen und
stellte
als Gutachter
stellen
die Medizinische Abklä
rungsstelle (MEDAS) Z._ oder das A._,
in
Aussicht.
Nachdem die Parteien innert Frist keine Ablehnungsgründe geltend gemacht h
atten, erteilte das Gericht am 17
.
November 2016 (Urk. 8
) den Auftrag zur Begutachtung des
Beschwerdeführers
an
die
MEDAS Z._
.
Die Gutachter der MEDAS Z._
erstatte
n
ihr Gutachten am 9
.
März 2017 (Urk. 13
).
Am 24
.
März 2017 nahm der
Beschwerde
führer zum Gutach
ten der MEDAS Z._ Stellung (Urk. 17), und am 5
.
April 2017 ging die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin ein (Urk. 18
).
Mit Gerichtsverfü
gung vom 6. April 2017 wurden die Eingaben der Parteien (Urk. 17, Urk. 18) der jeweils anderen Partei zur Kenntnis gebracht (Urk. 19).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Im Urt
eil des hiesigen Gerichtes vom 25
.
Mai 2016 (Urk. 2/9
) wurden die Bestimmungen über den Begriff der Invalidität (Art. 8 ATSG, Art. 4 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch und des
sen Umfang (Art. 28 Abs. 2 IVG)
dargelegt, worauf verwiesen wird.
2.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nach
stehen
den Erwägungen eingegangen. Über die im Rahmen der Stellung
nahme vom 2
4.
März 2017 zum MEDAS-
Z._
Gutachten vom Beschwer
deführer beantragten Eingliederungsmassnahmen (Urk. 17 S. 3 unten) hat die Beschwerdegegnerin in der hier angefochtenen Verfügung vom 1
6.
Juli 2015 (
Urk.
2/2) nicht entschieden, weshalb diese nicht
Streit
ge
genstand
bilden.
3.
Das Bundesgericht begründete die Rückweisung der Sache an das hiesige Gericht zur Einholung eines
Gutachtens in seinem Urteil vom 27
.
September 2016
im Wesentlichen damit,
dass das hiesige Gericht den Untersuchungs
grundsatz und die bundesrechtlichen Vorgaben an den Beweiswert versiche
rungsinterner ärztlicher Berichte verletzt habe, indem es unter den gegebe
nen Umständen der reinen Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) volle Beweiskraft zuerkannt und auf ergänzende versiche
rungsexterne Abklärungen verzichtet habe.
Mit Blick auf die gesamte Aktenlage fehle es an einer den praxisgemässen Anforderungen genügenden zuverlässigen und schlüssigen fachärztlich-rheumatologischen Begutachtung mit Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf eine leidensangepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher Gesundheitsschäden des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 E. 4.2.3 und E. 4.3).
4
.
Dr. med. B._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, und Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardiologie, MEDAS Z._, stellten in ihrem gerichtlich eingeholten bidisziplinären Gutachten vom 9. März 2017 (Urk. 13) zusammenfassend folgende Diagnosen mit wesentli
cher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 30 Ziff. 4.1):
-
fortgeschrittene Gonarthrose im medialen Kompartiment beidseits
-
rezidivierende Reizergüsse
-
Status nach arthroskopischer Teilmeniskektomie rechts medial Juni 1993
-
Status nach arthroskopischer Teilmeniskektomie medial, Knorpel
débridement am medialen Femurkondylus und Kreuzbanddébride
ment Februar 2014
-
Status nach mehrfachen Steroidinstillationen und Viscosupple
menta
tions
behandlungen mit Ostenil
-
Periarthropathia humeroscapularis links
-
leichtgradige degenerative Veränderungen am Acromiondach mit subacromialem Impingement
-
wahrscheinlich muskuläre Irritationen durch den implantierten ICD Defibrillator
-
primäre Kardiomyopathie angeboren bzw. Ionenkanalerkrankung
-
Brugada-Syndrom Typ I
-
Status nach erster Synkope 2007
-
typisches Brugada-EKG, stark positive Familienanamnese bezüg
lich plötzlichem Herztod
-
induzierbares Kammerflimmern in der EPS 12. November 2007
-
ICD-Implantation links infraclavivulär 15. November 2007
-
Status nach Kammerflimmern mit erfolgreicher Defibrillation 17. Oktober 2013 und 23. Januar 2016
-
koronare Herzkrankheit
-
1-2-Asterkrankung
-
kein Ischämienachweis in der kardialen Magnetresonanz-Untersu
chung mit Adenosin 12. November 2007
-
Koronarangiographie März 2011: Keine Progredienz
-
aktuell: AP frei, kein Ischämienachweis
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aber mit Krankheitswert nannten die Gutachter eine Epicondylopathia humeri radialis beidseits, anamnestisch rezidivierende Nackenschmerzen bei degenerativen Veränderungen C4-6 (MRT 11. Mai 1998), unspezifische Rückenschmerzen bei leichter Fehlform/Fehlstatik der Wirbelsäule und degenerativen Verän
derungen und koronare Risikofaktoren, so eine therapierte Hypercholesteri
nämie, Präadipositas, einen Bewegungsmangel und eine positive Familienan
amnese (S. 30 Ziff. 4.2). Als Nebenbefund nannten die Gutachter anam
nestisch einen Status nach Urolithiasis vor zirka 5 Jahren mit sponta
nem Steinabgang (S. 30 Ziff. 4.3).
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer übe derzeit keine Tätigkeit aus, die letzte Anstellung als Hilfskraft in der Küche eines Altersheims sei ihm per 30. November 2015 gekündigt worden
. Aus heutiger Sicht habe sie nicht mehr dem medizinischen Zumutbarkeitsprofil entsprochen
. Dabei seien vor allem die Einschränkungen von Seiten des Bewegungsapparates aus
schlaggebend (S. 32 Ziff. 8).
Was den Bewegungsapparat anbelange, so bestünden funktionelle Einschrän
kungen, bedingt durch die Gonarthrose und die Periarthropathie der linken Schulter. Aus kardialen Gründen sei der Beschwerdeführer nicht geeignet für körperliche Schwerarbeit (S. 31 Ziff. 5).
Aus den geschilderten Krankheiten des Bewegungsapparates lasse sich folgen
des Zumutbarkeitsprofil ableiten: Nicht zumutbar seien andauernd stehend-gehende Tätigkeiten, repetitives Begehen von Treppen und Leitern, Arbeiten auf Gerüsten, repetitives Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, Arbeiten in kauernder oder kniender Stellung und Arbeiten mit dem linken Arm oberhalb der Schulterebene.
Dagegen seien mehrheitlich sitzend ausführbare Tätigkeiten ohne starke Gewichtsbelastungen vollschichtig zumutbar. Im aktuellen Zustand müsste ermöglicht werden können, dass der Beschwerdeführer das linke Kniegelenk beim Sitzen auch strecken könne.
Die Belastbarkeit des linken Kniegelenkes könnte durch die Implantation einer Totalendoprothese gesteigert werden, doch sei es medizinisch nicht sinnvoll, einem Patienten eine Operation aufzudrängen. Hinzu komme, dass auch mit einer Totalprothese körperliche Schwerarbeit nicht zumutbar bliebe. Aus kardiologischer Sicht sei der Patient für eine Verweistätigkeit mit nur leichter bis maximal mässiger körperlicher Belastung 100 % vollschichtig arbeitsfähig (S. 31 f. Ziff. 6).
Optimal leidensangepasste Tätigkeiten seien dem Versicherten vollschichtig zumutbar (S. 32 Ziff. 7).
Im vorliegenden Fall werde die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Rheumatologen Dr. D._ als zuverlässig betrachtet. Auch die Ein
schätzung durch die Rheumatologen und den Orthopäden Dr. med. E._ am F._ erscheine begründet,
so dass ab März 2013 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die zuletzt ausgeführte Tätigkeit ausgegangen werden könne.
Eine Progression der Gonarthrose sei am 22. September 2015 dokumentiert, und spätestens ab dann sei die letzte Tätigkeit nicht mehr zumutbar gewesen (S. 33 Mitte).
Zur
Prognose
wurde ausgeführt, die Gonarthrose werde vermutlich zunehmen, doch könne nicht vorausgesagt werden, wie stark und in wel
chem Zeitraum. Eine Gonarthrose könne rasch dekompensieren, zum Bei
spiel, wenn es zu einer Nekrose komme, sie könne aber auch lange stabil bleiben. Der Zeitpunkt für die Implantation einer Totalendoprothese werde im Wesentlichen durch den Leidensdruck beziehungsweise durch den Wunsch des Patienten bestimmt. Rechts sei der radiologische Befund ähnlich wie links, aber die klinische Symptomatik sei noch weniger ausgeprägt. Dies könnte sich jedoch schlagartig ändern, aber auch lange gleich bleiben. Hin
sichtlich des Brugada-Syndroms würden zukünftige Ereignisse durch den ICD erfolgreich therapiert. Somit bestehe eine gute Prognose. Es sei jedoch darauf zu achten, dass regelmässige Kontrollen durchgeführt würden, um das Erschöpfen der Batteriekapazität rechtzeitig zu erfassen und einen ICD
Wechsel durchzuführen (S. 33 Ziff. 10). Was die koronare Herzkrankheit anbelange, sei diese Krankheit prinzipiell progredient. Aus diesem Grunde sollte beim Patienten in naher Zukunft eine erweiterte Ischämiediagnostik mit vorgängig erwähnten bildgebenden Untersuchungen (Myokardperfu
sions
szinti
graphie oder Stressechokardiographie) durchgeführt werden. Die Korrektur der Risikofaktoren sei weiter fortzuführen (S. 34 oben).
5
.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten von Dr.
B._ und Dr. C._, MEDAS Z._, vom März 2017 (vorstehend E. 4
) entspricht in sämtlichen Punkten den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise
(vgl. vorstehend E. 5.1)
. So ist es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend, erklärte
n
Dr.
B._ und Dr. C._
doch aus
führlic
h, welche Befunde zu den von ihnen
gestellten Diagnosen
geführt haben
, und wie sich diese auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkten.
Das Gutachten beruht sodann auf den erforderli
chen allseitigen Untersu
chungen des Beschwerdeführers und wurde in Kenntnis der Vorakten ver
fasst, so dass darauf abgestellt werden kann.
Aus dem von den Gutachtern der MEDAS Z._ formulierten Zumut
barkeitsprofil, das
als angepasste Tätigkeit eine mehrheitlich sitzend ausführbare Tätigkeit ohne starke Gewichtsbelastungen nennt, ist ersichtlich, dass auch die für den Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesundheitsscha
dens durch die Arbeitgeberin mittels Änderungskündigung per 1. März 2015 geschaffene Stelle, wo er noch in einem Pensum von 50 % leichte Reini
gungsarbeiten in der Küche ausführen musste (vgl. Urk. 2/7/13 S. 1, Urk. 2/7/14 Ziff. 2.2), nicht einer angepassten Tätigkeit entsprach.
5.3
Im Ergebnis ist
demnach gestützt auf das Gutachten der MEDAS Z._ vom März 2017 der
medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe
im rentenanspruchsrelevanten Zeitraum nur noch reduziert und seit September 2015 nicht mehr zumutbar ist
,
er jedoch in einer behin
derungsangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
6.
6
.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
6
.2
Für die Vornahme des Einkommensvergleiches ist grundsätzlich auf die Gege
benheiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns,
hier
mithin auf das Jahr 2014, abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Der Beschwerdeführer hat im Jah
r 2013 bei der G._,
mit der Tätigkeit als Küchenangestellter ein Einkommen von Fr. 55‘836.-- erzielt (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto; IK-Auszug, Urk.
2/
7/11).
Dies ergibt unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im Jahr 2014 von 1.1 % (vgl. Schweizerischer Lohnindex nach Branche; Index und Veränderungen auf der Basis 2010 = 100 %, www.bfs.admin.ch, Bereich Gastgewerbe, lit. I Ziff. 55/56) ein massgebendes hypothetisches Validenein
kommen von rund Fr. 56‘394.-- im Jahr 2014 (Fr. 55‘836.-- x 1.010).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalidenein
kommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
6.4
Da
die vom Beschwerdeführer nach Änderungskündigung per 1. März 2015 bei der G._, ausgeübte Tätigkeit im Umfang von 50 % als Küchenangestellter (vgl. Urk. 2/7/14 Ziff. 2.2 und Ziff. 2.7) gemäss den Gutachtern der MEDAS Z._ keine angepasste Tätigkeit dar
stellt (vgl. vorstehend E. 4 und E. 5.2), eine solche aber im Umfang von 100 % für zumutbar erachtet wurde,
ist vorliegend das Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne und nicht anhand des effektiv erzielten Ver
dienstes zu
bestimmen (vgl. vorstehend E. 6
.3).
Das im Jahr 2012 von Männern im Durchschnitt aller einfachen und repetiti
ven Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr. 5‘210.-- (LSE 2012, S. 35, Tabelle TA1, Niveau 1). Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Normalarbeitszeit; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, betriebsübliche Wochenarbeitszeit), der Nominallohnent
wicklung von 0.7 % im Jahr 2013 und von 0.8 % im Jahr 2014 (vgl. Schwei
zerischer Lohnindex nach Branche; Index und Veränderungen auf der Basis 2010 = 100 %, www.bfs.admin.ch, Total) ergibt sich ein hypothetisches Inva
lideneinkommen
von rund Fr. 66‘158.--
im Jahr 2014 (Fr. 5‘210.--
:
40 x 41.7 x 12 x 1.007 x 1.008
).
6.5
Der Beschwerdeführer machte in seiner Stellungnahme zum Gerichtsgutach
ten geltend, dass sein Valideneinkommen wesentlich unter dem liege, was gemäss Tabellenlöhne
n
für eine solche Tätigkeit vorgesehen werde
, weshalb eine Parallelisierung vorzunehmen sei
(
Urk.
17 S. 4
Ziff.
2).
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkennt
nisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invalidi
tätsbemessung nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurück
zuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind. Diese Paralleli
sierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des Validen
einkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine ent
sprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E.
3.1, 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenübli
chen LSE
Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise nicht den Tabel
lenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalidenein
kommen
anzunehmen ist (BGE 135 V 58 E. 3.4.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 vom
5.
September 2008 E. 6.4, zusammengefasst in: SZS 2008 S. 570; Urteile des Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006 E. 7.2.2; I
630/02 vom 5. Dezember 2003 E. 2.2.2). Kann tatsächlich oder zumutbarer
weise ein durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirtschaftlichen Gründen unterdurchschnittliches Valideneinkommen auf ein durchschnittliches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetzwidriger Weise Einkommens
einbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invalideneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das ohne Gesundheitsbe
einträchtigung bei vollständiger Ausschöpfung des wirtschaftlichen Poten
zials zumutbarerweise hätte erzielt werden können, sondern demjenigen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.4.3 in fine).
Sind die Voraussetzungen der Einkommensparallelisierung erfüllt, weil die versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufs
ausbildung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches Valideneinkommen erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchenüblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren praxisgemäss nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grund
satz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermei
den, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des Erheblichkeitsgrenzwertes von mindestens 5
%
gegebe
nenfalls eine sprunghafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den Erheblichkeitsgrenzwert von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxisgemäss nur die Ausgleichung einer deut
lichen
also nicht jeder kleinsten
Abweichung des tatsächlich erzielten Ver
dienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzein
kommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
6.6
Das im Jahr 2012 im Wirtschaftszweig „Gastgewerbe“ von Männern für einfa
che Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art erzielten Einkom
men betrug Fr. 3‘730.-- (vgl. LSE 2012 S. 35 Tabelle TA1, Ziff. 55-56, Niveau 1).
Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 42.3
Stunden (Normalarbeitszeit; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, betriebsübliche Wochen
arbeitszeit), de
r Nominallohnentwicklung von 0.3 % im Jahr 2013 und von 1.1
% im Jahr 2014 (
vgl. Schweizerischer Lohnindex nach Branche; Index und Veränderungen auf der Basis 2010 = 100 %, www.bfs.admin.ch, Bereich Gastgewerbe, lit. I Ziff. 55/56
)
ergäbe dies ein Valideneinkommen von rund Fr. 47‘950.-- (Fr. 3‘730.--: 40 x 42.3 x 12 x 1.003 x 1.010). Damit liegt das Einkommen von
rund Fr. 56‘394.--
, welches der Beschwerdeführer als Küchenhilfe bei der G._, im Jahr 2014 erzielt hätte, über demjenigen gemäss dem entsprechenden Tabellenlohn, womit kein Anlass für eine Parallelisierung der Einkommen besteht.
6.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksich
tigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug ent
wickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskatego
rie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unter
durchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellen
lohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mit
verantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merk
mal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berück
sichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser angemessen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr.
31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
Die Frage, ob sich
vorliegend auf
grund der Umstände ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug vom Tabellen
lohn recht
fertigt, kann offen gelassen werden.
6.8
Selbst unter Berücksichtigung eines maximal zulässigen Abzugs von 25 % ergäbe sich ein Invalideneinkommen in der H
öhe von rund Fr. 49‘618.-- (
Fr. 66‘158.--
x 0.75). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 56‘394.-- (vgl.
vorstehend E. 5.2) resultierte somit eine E
inkommenseinbusse von Fr. 6‘776
.--,
was einem Invaliditätsgrad von 12
% entspräche.
Demnach besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach im Ergebnis als rechtens,
was zu
r
Abwei
sung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuer
legen.
7.2
Gemäss der verbindlichen Einschätzung des Bun
desgerichts wäre bereits im 2016
entschiedenen Verfahren ein Gerichtsgutachten einzuholen gewesen. Die Frage der Kostentragung richtet sich demgemäss nach BGE 139 V 469 und ist so zu entscheiden, dass die Ko
sten von insgesamt Fr. 9
‘
677.45
(vgl.
Urk. 14
) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.