Decision ID: 4fa06909-b637-4fbe-9ef6-474279c55e12
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene
X._
meldete sich am 22. Mai 1998 unter Hinweis auf Rückenbeschwerden zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/1). Nach Einholung beruflich-erwerblicher (Urk. 7/
3-
4) und medizinischer Unterlagen (Urk. 7/5-7) sowie nach psychiatrischer Begutachtung durch Dr. med.
Z._
,
Facharzt
FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie, (Gutach
ten vom 30. Dezember 1998, Urk. 7/12) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten mit Verfügung vom 9. Juli 1999 eine ganze Rente ab dem 1. Dezember 1998 samt Zusatzrente für die Ehegattin u
nd Kinderrenten zu (Urk. 7/15).
1.2
Im Rahmen des im Mai 2002 eingeleiteten Rentenrevisionsverfahrens wies der Versicherte auf einen verschlechterten Gesundheitszustand und eine hinzuge
kommene Hilflosigkeit hin (Urk. 7/21). Mit
Schreiben
vom 24. Juli 2002 bestä
tigte die IV-Stelle den unveränderten Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 7/24). Aufgrund des Abklärungsberichts für Hilflosenentschädigung vom 11. Dezember 2002 (Urk. 7/29) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfü
gung vom 5. Februar 2003 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades ab dem 1. Dezember 2002 zu (Urk. 7/31 [Verfügungsteil 2], Urk. 7/32).
1.3
Im August 2007 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein und bestätigte dem Versicherten am 16. Oktober 2007 wiederum den unveränderten Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 7/44). Nach Durchführung einer erneuten Aussendienstabklärung (Abklärungsbericht vom 11. Dezember 2007, Urk. 7/45) teilte die IV-Stelle dem Versi
cherten am 11. Dezember 2007 mit, unverändert einen Anspruch auf eine
Entschädigung infolge
Hilflosigkeit leichten Grades zu haben (Urk. 7/46).
1.4
Gestützt auf die Schlussbestimmung
lit
. a
Abs.
1 der
am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Änderung vom 1
8.
März 2011 des
Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung
(
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket; kurz:
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
)
überprüfte die IV-Stelle den Rentenanspruch erneut
(Urk. 7/49)
und
stellte die Invaliden
rente wie auch die Hilflosenent
schädigung auf
Ende
des
auf die Zustellung des Ent
scheids folgenden Monats ein (Verfügung vom 28. August 2012, Urk. 7/61), wogegen der Versicherte am 28. September 2012 Beschwerde erhob (Urk. 7/66). Mit Urt
eil des hiesigen Gerichts vom 26
. März 2013 im Prozess
Nr. IV.2012.01046
wurde die Beschwerde in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene
n
Verfügung
en
aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen wurde, damit diese unter Weiterausrichtung der bisherigen ganzen Invalidenrente und der Hilflosenentschädigung leichten Grades die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen treffe und hernach über die Leistungsan
sprüche des Versicherten neu verfüge (Urk. 7/79).
Mit Verfügungen vom 27. Januar und 18. Februar 2014
vollzog
die IV-Stelle den Ans
pruch des Versicherten auf die
rüc
kwirkende Weiterausrichtung der
Hilflo
senentschädigung leichten Grades (Urk. 7/100, Urk. 7/119) und mit Verfügung vom 30. Ja
nuar 2014 den Anspruch auf die
rüc
kwirkende Weiterausrichtung der
Invalidenrente (Urk. 7/107), wobei sie für den Zeitraum
1.
Oktober 2012 bis 3
1.
Januar 2014 am 2
4.
Februar 2014 eine separate Verfügung erliess und gleich
zeitig den Anspruch auf eine Kinderrente infolge Abbruchs der Ausbildung per April 2012 verneinte (
Urk.
7/125). Mit Verfügung vom 22. Mai 2014 verfügte die IV-Stelle
sodann
die rückwirkende Einstellung und Rückforderung von zu Unrecht ausgerichteten Kinderrenten der Periode Mai bis August 2012 (Urk. 7/131, Urk. 7/136).
1.5
Die IV-Stelle veranlasste in Umsetzung des Urteils des
hiesigen Gerichts
vom
26.
März 2013
eine
bidisziplinäre
Begutachtung
durch
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
A._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
(rheu
matologisch-internistisches Teilgutachten vom 2. November 2013 [Urk. 7/91], psychiatrisches Teilgutachten mit interdisziplinärer Beurteilung vom 7. Novem
ber 2013 [Urk. 7/95]).
Am 1
2.
November 2013 nahm RAD-Ärzt
i
n
Dr.
C._
zur medizinischen Aktenlage Stellung (
Urk.
7/218/2ff.). Sie erachtete die im Gut
achten vom 1
1.
November 2013 gezogenen Schlussfolgerungen als widersprüch
lich und nicht nachvollziehbar und regte eine Überprüfung der
Überwindbarkeit
der Schmerzstörung durch den Rechtsanwender an.
Der IV-Rechtsdienst
teilte in seiner Stellungnahme vom
1
3.
Dezember 2013
(Urk.
7/218/4)
die Ansicht
, dass das psychiatrische Teilgutachten hinsichtlich Aktivitätsniveau und Diagnosestel
lung nicht nachvollziehbar sei
und hielt
weiter
gehende
Abklärungen zum tat
sächlichen Aktivitätsniveau
für notwendig.
Mit Erhebung vom 20. Mai 2014 klärte die IV-Stelle die Verhältnisse vor Ort ab (Urk. 7/209).
Nachdem dem Ver
sicherte
n
auf Verordnung seines Hausarztes verschiedene Hilfsmittel abgegeben worden waren (
am 10. Februar respektive 16. Februar 2015
Kostengutsp
rachen für zwei Schwellenkeile [Urk. 7/164], einen Rollstuhl [Urk. 7/165]
sowie eine Toi
lettensitzerhöhung
[Urk. 7/166]
respektive einen Kostenbeit
rag für einen Elekt
rorollstuhl [Urk. 7/169]; a
m 7. Mai 2015 Kostengutsprache für eine Kopfstütze z
um Elektrorollstuhl [Urk. 7/176]
und am 19.
April 2017 für ein Elektrobett [
Urk. 7/208
])
stellte RAD-Arzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Anästhesiologie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, in seiner Aktenbeurteilung vom 1
7.
Dezember 2015 die Notwendigkeit der Hilfsmittelversorgung in Frage und ordnete
–
unter Hinweis auf die früheren Stellungnahmen von
Dr.
C._
und des Rechtsdienstes
–
die Einholung eines MEDAS-Gutachtens (mit den Fachdis
ziplinen Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie) an (
Urk.
7/218/6f.), was dem Beschwerdeführer am 2
8.
Dezember 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
7/183). Der Auftrag wurde nach dem Zufallsprinzip (vgl.
Art.
72
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV) der Medizinischen Abklä
rungsstelle (MEDAS)
E._
zugeteilt (
Urk.
7/185) und das Gutachten am 3
0.
November 2016 erstattet (
Urk.
7/202). Hierzu nahm
en
RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, FMH für Allgemeine Medizin und zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM)
,
am
3.
Januar 2017, und RAD-Ärztin
Dr.
G._
am 2
7.
Januar 2017 Stellung
(Urk. 7/218/8-10)
.
1.6
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 24. Oktober 2017 betreffend wiedererwägungsweise Aufhebung der Hilflosenentschädigung [Urk. 7/211], vorsorglicher Einwand vom 8. November 2017 [Urk. 7/212], begründeter Einwand vom 29. Dezember 2017 [Urk. 7/215], Vorbescheid vom 8. Februar 2018 betreffend wiedererwägungsweise Aufhebung der Invalidenrente [Urk. 7/223], Einwand vom 16. März 2018 [Urk. 7/229]) hob die IV-Stelle die Hilf
losenentschädigung mit Verfügung vom 2. Mai 2018 (Urk. 7/232) und die Inva
lidenrente mit Verfügung vom 28. Juni 2018 (Urk. 7/239 = Urk. 2) wiedererwä
gungsweise auf Ende des Monats, der dem Datum der jeweiligen Verfügung folgt, auf und entzog allfällig dagegen erhobenen Beschwe
rden die aufschiebende Wir
kung.
2.
Gegen die Verfügung vom 28. Juni 2018 (wiedererwägungsweise Aufhebung der Invalidenrente) erhob der Versicherte am 25. Juli 2018 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Beschwer
deführer unverändert weiter eine ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Mit Beschwerdeantwort vom 30. August 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten [Urk. 7/1-241]). Mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 wurde das
Gesuch des
Beschwerdeführer
s um Wiederherstellung der auf
schiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen (Urk. 8).
Gegen die Verfügung vom 2. Mai 2018 (wiedererwägungsweise Aufhebung der Hilflosenentschädigung) erhob der Versicherte am 1. Juni 2018 Beschwerde. Das Verfahren wird
separat
unter Prozess-Nr. IV.2018.00516 geführt
und die Beschwerde mit heutigen Datums abgewiesen.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.2
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3
ATSG;
BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wie
dererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünf
tiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl.
statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
De
m
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens nach
Art.
44 ATSG eingeholten Gut
achten von externen Spezialärzten, ist bei überzeugendem Beweisergebnis volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläs
sigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 201 E. 1.3.4 S. 227; 125 V 351 E. 3b/
bb
S. 353).
2.
2.1
Mit der angefochtenen Verfügung erwog die
Beschwerdegegnerin
im Wesentli
chen, bei der im Jahr 1999 erfolgten
Rentenzusprache
sei die Sach- und Rechts
lage einschliesslich der Rechtspraxis nicht korrekt angewandt worden. Schon damals habe es aus rechtlicher Sicht zur Annahme einer Invalidität in jedem Fall ein medizinisches Substrat gebraucht, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festge
stellt
worden sei
und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtig
t
e.
Dr.
Z._
sei in seinem Gutachten vom 30. Dezember 1998 von einem
behandlungsbedürftigen
Störungsbild ausgegangen. Einen
sta
bilisierten
Gesundheitsschaden, welcher die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit dauernd behinderte, habe die medizinische Aktenlage damals nicht aus
gewiesen
. Damit könne nicht von einem fachärztlich schlüssig ausgewiesenen psychischen Leiden gesprochen werden. Es habe kein iv-relevanter Gesundheits
schaden vorgelegen. Die Zusprechung der ganzen Rente habe damit auf einem Rechtsfehler beruht und sei zweifellos
unrichtig gewesen, weshalb die Verfügung vom 9. Juli 1999 aufgehoben werde
.
Die Prüfung des Rentenanspruchs habe ergeben, dass beim
Beschwerdeführer
von Aggravation auszugehen sei. Auf das
bidisziplinäre
Gutachte
n der Klinik
H._
vom 2. und 7
. November 2013 sowie das Gutachten der
Medas
E._
vom 30. November 2016 und die darin aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsun
fähigkeit von 100 % könne nicht abgestellt werden, zumal darin insbesondere die
zahlreichen
Inkonsistenzen und Hinweise auf Aggravation nicht aufgegriffen worden seien. Da die Leistungseinschränkung
im Bereich der Psychiatrie auf Aggravation beruhe, liege keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Aus neurologischer sowie orthopädischer Sicht bestehe ebenfalls keine Beeinträchti
gung. Aus internistischer Sicht werde dem
Beschwerdeführer
eine Einschränkung von 20 % in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit attestiert. Dies führe jedoch zu keinem rentenbegründenden IV-Grad
. Somit liege auch aktuell kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor, womit
die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende
des folgenden Monats
aufgehoben
werde (Urk. 2).
2.2
Mit seiner Beschwerde bringt der
Beschwerdeführer
zunächst vor,
die
Beschwer
degegnerin
sei im Rahmen der
Rentenzusprache
im Jahr 1999 gestützt auf das fachärztliche Gutachten, in Rücksprache mit dem eigenen ärztlichen Dienst
,
und unter vertieften Abklärungen zur rechtlichen Situation zur Auferlegung einer Schadenminderungspflicht
,
zum Schluss gekommen, dass eine volle Erwerbsun
fähigkeit vorgelegen hat. Die
Beschwerdegegnerin
habe in Anbetracht des dama
ligen Rechts das ihr zustehende Ermessen ausgeübt, sodass die
Zusprache
der Invalidenrente zumindest vertretbar gewesen sei. Eine zweifellos unrichtige
Ren
tenzusprache
liege nicht vor (Urk.
1
S. 7).
Eine zweifellos und klar ausgewiesene Aggravation liege gemäss psychiatrischen Gutachten gerade nicht vor. Alle beteiligten Fachärzte für Psychiatrie sähen einen medizinischen Grund als Ursache für das Verhalten des
Beschwerdeführer
s bezie
hungsweise lediglich eine Verdeutlichungstendenz und gerade keine Aggrava
tion
. Der Vorwurf der Aggravation könne deshalb nicht erhoben werden; insbe
sondere nicht mit dem für eine Wiedererwägung erforderlichen Beweismass der Zweifellosigkeit (Urk. 1 S. 10).
3.
Vorab ist
zu prüfen, ob die ursprüngliche Rentenverfügung vom
9.
Juli 1999 einer Wiedererwägung grundsätzlich zugänglich ist. Die Rentenbe
stätigungen vom
24.
Juli 2002 (
Urk.
7/24) und vom 1
6.
Oktober 2007 (
Urk.
7/44) beruhten nicht auf einer materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs, weil die Beschwerdegeg
nerin jeweils lediglich einen Verlaufsbericht des Hausarztes einholte (
Urk.
7/22,
Urk.
7/41-43). Aber auch die
Rentenverfügung vom
30.
Januar 2014
beruht
weder auf einer umfassenden materiellen Abklärung und Prüfung der Anspruchs
voraussetzungen noch vollzieht sie einen richterlich
materiell
beurteilten Renten
anspruch. Mit Urteil vom 2
6.
März 2013 wurde der Rentenanspruch nicht mate
riell beurteilt, sondern
die Sache
wurde mit der Begründung, dass seit 1998 keine
medizinische Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers mehr vorliege, weshalb über die Aufhebung des Rentenanspruchs unter dem Titel der besonderen Revision nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
nicht abschliessend entschieden werden könne, zur weiteren
medizinischen
Abklärung
zurückgewiesen.
Gleich
zeitig wurde d
ie rentenaufhebende V
erfügung (
Urk.
7/61) mit diesem Urteil auf
gehoben, womit die Rentenverfügung vom
9.
Juli 1999 wiederauflebte und
für die Dauer der noch zu tätigenden Abklärungen die Weiterausrichtung der Rente angeordnet wurde. Die Vollzugsverfügung vom 3
0.
Januar 2014 erging zwar nach Eingang des
bidisziplinären
Gutachtens der
Dr
e
s
.
A._
und
B._
vom
7.
November 2013, berücksichtigte dieses Gutachten jedoch nicht und überprüfte den Anspruch weder aufgrund des dannzumal frisch abgeklärten Gesundheitszu
standes noch unter anderen Anspruchsvoraussetzungen. Hieraus folgt, dass die Verfügung vom 3
0.
Januar 2014 keine materiellrechtliche Revisionsverfügung
darstellt, welche die Verfügung vom
9.
Juli 1999 konsumiert
(vgl. BGE 133
V
108). Ferner war
die aufgrund des Urteils vom 2
6.
März 201
3
wieder restituierte Rente
nverfügung vom
9.
Juli 1999
nicht Gegenstand einer materiell
en richterli
chen Überprüfung und steht daher
grundsätzlich einer Wiedererwägung im Sinne vo
n
Art.
53
Abs.
2 ATSG offen (E. 1.2
).
4.
4
.1
Im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom
9.
Juli 1999 (
Urk.
7/15) lagen verschie
dene Arztberichte der (somatisch) behandelnden Ärzte (
Urk.
7/5-8) und das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
vom 3
0.
Dezember 1
998 (
Urk.
7/12) vor.
Die in der Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin des Universitäts
spitals
I._
durchgeführte Evaluation der arbeitsbezogenen funktionel
len Leistungsfähigkeit
vom 28./2
9.
Mai 1998
erbrachte keine
verwertbaren
Test
ergebnisse. Der Beschwerdeführer habe während des Untersuchs eine geringe Bewegungsbereitschaft und Kooperation sowie ein stark schmerzfixiertes Verhal
ten (demonstratives Verhalten wie Grimassieren, Stöhnen, Reiben des Rückens) und eine Tendenz zur Schmerzausweitung (fünf positive
Wad
d
ellzeichen
) gezeigt
(
Urk.
7/7/6-
7
)
. Aus rheumatologischer
Sicht
attestierten die Ärzte des
I._
dem Beschwerdeführer für eine mittelschwere Tätigkeit
ohne repetitives Heben von mehr als 20 kg und unter Vermeidung von längerer Zwangshaltung
eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl. Bericht vom 2
9.
Juli 1998,
Urk.
7/7
/3-5
).
Dr.
Z._
diagnostizierte eine massive psychogene Überlagerung der mutmass
lichen somatischen Beschwerden im Rahmen einer depressiven Störung hypo
chondrischer
Färbung und konstatierte während der psychiatrischen Exploration ein unübersehbares demonstrativ
ag
gravatorisches
Verhalten (Urk. 7
/12/4). Er erachtete die psychische Störung als behandlungsbedürftig, jedoch nicht als «invalidisierend». Man könne
–
so
Dr.
Z._
–
von einer psychischen Fehlent
wicklung sprechen, der die körperliche Krankheit zu Grunde liege und welche sich zum Teil in depressiven, hypochondrischen Symptomen ausdrücke. Diese Fehlentwicklung müsse psychotherapeutisch angegangen und gestoppt werden. Das werde aber nicht möglich sein, wenn man dem Beschwerdeführer längerfris
tig eine Arbeitsunfähigkeit attestiere
–
obwohl er darauf dränge
–
und ihn in absehbarer Zukunft sogar als einen Invaliden deklariere. Vom gegenwärtigen psychischen Zustand her lasse sich keine wesentliche Verminderung der Arbeits
fähigkeit ableiten.
Da die bisherigen therapeutischen Bemühungen durchwegs gescheitert seien,
schlage
er (
Dr.
Z._
)
vor, den Beschwerdeführer zwecks wei
terer Beobachtung und Behandlung schnellstmöglich in eine psychiatrische Kli
nik mit Schwerpunkt einer Rehabilita
tion einzuweisen. Während dieses
Zeitraum
s
sei der Beschwerdeführer verständlicherweise voll arbeitsunfähig. Nach Abschluss der (läng
er andauernden) Behandlung müss
e definitiv zur Arbeitsfä
higkeit Stellung genommen werden (
Urk.
7/12/5).
4
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände,
welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
gegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen strukturierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundes
gerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2).
An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG
–
ausschliessliche Berücksichti
gung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumut
barkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person
–
hat sich dadurch nichts geändert. Im Grunde konkretisieren die in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invalidi
tätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnun
gen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142 V 106 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2017 vom 28. Februar 2018 E. 6.3).
4.3
Die der Rentenverfügung vom
9.
Juli 1999 zugrundeliegende medizinische Aktenlage postulierte weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht eine
durch Krankheit entstandene
andauernde Arbeitsunfähigkeit in einer körperlich leicht
en bis mittelschweren Tätigkeit, unabhängig davon welchen Beweiswert man dem Gutachten vom 3
0.
Dezember 1998 beimisst.
Selbst wenn der Gutachter
Dr.
Z._
–
in dieser Hinsicht etwas unklar
–
einen länger dauernden stationären Aufenthalt
zur Behandlung
für notwendig erachtete und anschliessend eine Neu
beurteilung der Arbeitsfähigkeit befürwortete, so beurteilte er dennoch unmiss
verständlich den
psychischen Gesundheitsschaden nicht derart, dass er aufgrund dessen eine
wesentliche Verminderung der
Arbeitsfähigkeit für gegeben erach
tete.
Kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer nach Lage der Akten nie eine län
gerdauernde, intensive psychiatrische Behandlung, auch nicht im ambulanten Ra
hmen, in Anspruch genommen hat
, weshalb
–
stellt man auf das Gutachten von
Dr.
Z._
ab
–
nie
eine
(längerdauernde)
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen war.
Die vorbehaltlose
–
ohne Nachweis des Antritts einer
langjährigen
stationä
ren Therapie
–
Zusprache
einer ganzen Rente
beruhte daher auf keiner
medizi
nisch begründeten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
. Unter Annahme einer aus somatischer Sicht vollständigen Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten wäre die Schwelle für einen
anspruchsbegündenden
Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
jedoch nicht erreicht
worden (vgl. BGE 117 V 8).
Nach Angaben der Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer
als Kundenmaurer
1998 monatlich
Fr.
5'280.-- bzw. jährlich
Fr.
68'640.-- erzielt (
Urk.
7/4) und lag der Zentralwert des monatlichen Bruttolohns für Männer in einfachen und repetitiven Tätigkeiten 1998 umgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Wochen
arbeitszeit
von 42 Stunden (vgl. Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen)
bei
Fr.
53'776.80
(vgl. Die vom Bundes
amt für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE] 1998, Tabelle TA1)
. Die
Rentenverfügung vom
9.
Juli 1999
war daher zweifellos unrichtig.
4.4
Ferner steht fest, dass das Leiden des Beschwerdeführers
(gemäss Gutachten vom 3
0.
Dezember 1998 umschrieben als
massive psychogene Überlagerung der mut
masslichen somatischen Beschwerden im Rahmen einer depressiven Störung hypochondrischer Färbung
)
unter die pathogenetisch-ätiologisch unklaren
synd
romalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage fällt, wes
halb es der besonderen Revision nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
unterlag
. Es
kann jedoch offen
bleiben, ob auch unter diesem
Rückkommenstitel
eine (revisions
rechtliche) Anpassung des Rentenanspruchs
ex
nunc
et pro
futuro
vorzunehmen
gewesen
wäre.
4.5
War nach dem Gesagten die leistungszusprechende Verfügung vom
9.
Juli 1999
nach damaliger Sach- und Rechtslage zweifellos unrichtig, ist die Rentenaufhe
bungsverfügung vom
2
8.
Juni 2018
nur
zu schützen, sofern die zwischenzeitliche Entstehung eines Rentenanspruchs bis zum letztgenannten Zeitpunkt zu vernei
nen ist (SVR 2014 IV Nr. 39 S. 137, 9C_121/2014 E. 3.4; Urteil
des Bundesgerichts
I 859/05 vom 1
0.
Mai 2006 E. 2.3).
Die
Prüfung der Rentenberechtigung ex
nunc
et pro
futuro
hat allerdings im Lichte der mit Urteil 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015 (
publ
. in BGE 141 V 281) in der Zwischenzeit grundlegend überdachten und teilweise
geänderten Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung somatofor
mer
und diesen gleichgestellter
Beschwerdebilder zu erfolgen (BGE 141 V 281
E.
8 S. 309; 137 V 210 E. 6 Ingress am Anfang S. 266).
5.
5.1
Hinsichtlich des
aktuellen Gesundheitszustand
es
des
Beschwerdeführer
s erstattete die
Medas
E._
am 30. November 2016 ein interdisziplinäres Gutachten (Ortho
pädie / Psychiatrie / Neurologie / Innere Medizin; Urk. 7/202). Die dem Gutachten zeitlich vorgelagerten Berichte werden im interdisziplinären Gutachten zitiert, worauf verwiesen werden kann (Urk. 7/202/4-8).
5.2
In somatischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer mangels Kooperation praktisch nicht untersuchbar war. Aus orthopädischer Sicht konnten die Beschwerden überwiegend nicht nachvollzogen werden, weshalb aufgrund der objektivierbaren Schulterproblematik und der leichten
Coxarthrose
rechts betont die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Maurer auf 80
%
und in einer Verweistätigkeit (im Rahmen eine
s
näher umschriebenen orthopädischen Zumutbarkeitsprofils) auf 100
%
eingeschätzt wurde, ohne dass retrospektiv je eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (
Urk.
7/202/17). Ein siche
rer Muskelabbau war
–
wie bereits
Dr.
A._
festgestellt habe
–
weder an den oberen noch an den unteren Extremitäten ausgewiesen. Auch an der
Schwere
gradigkeit
der angegebenen Schmerzen bestanden Zweifel, weil das Schmerzmit
tel nicht oder jedenfalls nicht regelmässig eingenommen werde. Aus neurologi
scher Sicht konnte eine Polyneuropathie bei Diabetes mellitus als sehr wahr
scheinlich gegeben betrachtet werden, Hinweise für eine objektivierbare
Hemi
symptomatik
bestanden jedoch keine (
Urk.
7/202/19). Aus internistischer Sicht sei die Leistungsfähigkeit bei insulinpflichtigem Diabetes mellitus infolge ver
mehrt erforderlicher
Pausen (viermaliges Messen und Spritzen des Insulins) in jeder Tätigkeit um maximal 20
%
eingeschränkt bei vollzeitlich
zumutbarem
Pen
sum (
Urk.
7/202/20). Somit kamen die Gutachter zum Schluss, dass das Beschwer
debild ausschliesslich psychiatrisch geprägt sei. Von allen Gutachter
n
seien zudem erhebliche Inkonsistenzen, Nicht-Kooperation und ein aggressives Verhal
ten attestiert worden (
Urk.
7/202/20).
5.3
Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem psychiatrischen Teilgutachten im Rahmen des
Medas
-Gutachtens vom 30. November 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/202/34):
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher bezeichnet, F 62.9
-
Somatisierungsstörung mit erheblichen dissoziativen Anteilen (Konver
sion) F 45.0
Der
Beschwerdeführer
sei während der Untersuchung soweit beurteilbar zeitlich, örtlich, situativ und zur Person orientiert und bewusstseinsklar gewesen. Es hät
ten sich keine Hinweise auf Störungen des Ich-Bewusstseins ergeben. Aufmerk
samkeit und Konzentration hätten keine Auffälligkeiten ergeben. Es sei von einer primär durchschnittlichen Intelligenz bei gegenwärtig vorliegendem regressivem Verhalten auszugehen. Der
Beschwerdeführer
sei affektiv kaum auslenkbar und schwingungsfähig. Es bestehe eine ausgeprägte Affektlabilität. Im Kontakt sei er unfreundlich-abweisend. Die Stimmung wirke mürrisch-dysphorisch. Es bestehe eine Persönlichkeit mit exzentrischer, sich dominant präsentierender Persönlich
keit mit einer schizoid anmutenden Akzentuierung bei erheblichen narzisstischen Anteilen. Die Willensbildungsfähigkeit sei stark vermindert, eine Antriebsschwä
che bestehe nicht. Es bestehe soweit beurteilbar eine Verzerrung der Realitätsori
entierung. Beim
Beschwerdeführer
sei keinerlei Motivation erkennbar. Schmerzen und eine dissoziative Bewegungsstörung im Sinne einer schweren Konversion stünden beim
Beschwerdeführer
im Vordergrund. Der Schweregrad mit der bereits seit vielen Jahren bestehenden Chronifizierung und der Art der Symptomatik, welche mit subjektiven Bewegungs- und Funktionsbeeinträchtigungen im Alltag einhergehe, müsse als bedeutsam und nicht mehr reversibel angesehen werden. Die Symptomatik sei beim
Beschwerdeführer
nach entscheidenden und belasten
den Lebensveränderungen wie dem Tod beider Eltern, und zum Zeitpunkt der Krankheitsentwicklung auch bei Verlust des langjährig angestammten Arbeits
platzes aufgetreten. Nach der Ankunft seiner Familie in der Schweiz, die zunächst einem Verbleib in der Schweiz sehr kritisch gegenübergestanden habe, habe er in seiner damaligen Situation nicht mehr garantieren können, dass er die Existenz
grundlage seiner Familie in der Schweiz auch dauerhaft sichern könne. Im Falle eines Sozialhilfeantrages wäre von den Behörden gegebenenfalls eine Zurückwei
sung seiner Familienmitglieder in den Kosovo nicht auszuschliessen gewesen. Es sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer
in dieser Zeit mit grosser Sorge, Kränkung, negativen Gefühlen, Selbstwertproblemen, Verlustängsten, autoag
gressiven Impulsen und letztlich auch einer psychischen Desintegration reagiert habe. Bei einer erzwungenen Abreise seiner Familie in den Kosovo wäre auch seine Existenz, der Bestand seiner E
he
und somit die Integrität seiner Familie gefährdet oder zumindest in Frage gestellt gewesen. Als Antwort auf innerseeli
sche und interpersonelle Konflikte, deren Einwirken als Bedrohung der Ich-Integ
rität erlebt worden sei, bei Vorhandensein strukturpathologischer Phänomene beim
Beschwerdeführer
,
habe
sich als Kompromiss zwischen Triebwunsch und
introjektiver
Abwehr eine somatoforme Symptomatik mit Konversion entwickelt. In den seit dieser Zeit vom
Beschwerdeführer
präsentierten Symptomen sei der damals bestehende Konflikt symbolisch verarbeitet worden; es sei eine Verschie
bung der Konfliktspannung vom ursprünglichen Kontext in einen körperlichen erfolgt. Das gegenwärtig vorhandene Zustandsbild des
Beschwerdeführer
s zeichne sich durch eine fast vollständige körperliche Inaktivität, eine Ritualisie
rung der Beschwerdepräsentation und des Tagesablaufs unter Inanspruchnahme der Hilfe fast aller Familienangehörigen, diese gehe aber auch mit einer «Depra
vation» der Persönlichkeit durch starke Regression, mit teilweisem Verlust von normgebundenem Verhalten einher. Auch wenn gegenwärtig keine regelmässige psychiatrische Behandlung stattfinde, auch die medikamentöse Therapie teilweise ausbleibe und eine Therapiebereitschaft und Motivation des
Beschwerdeführer
s nicht erkennbar sei, ändere dies nichts an dem inzwischen desolaten psychischen Zustand und an dem Umstand, dass selbst mit einer adäquaten Therapie allenfalls nur ein marginaler Therapieerfolg zu erzielen wäre, dies jedoch mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit ohne eine versicherungsmedizinische Bedeutung. In prog
nostischer Hinsicht ergebe sich selbst bei einer störungsadäquaten Therapie eine ungünstige Voraussage im Hinblick auf eine berufliche Tätigkeit des
Beschwer
deführer
s. Eine wirksame Therapie werde deutlich erschwert durch die Chronifi
zierung, die ausgeprägten somatischen Symptome, die zusätzliche Komorbidität, den sekundären Krankheitsgewinn, die schlechte In
tro
spektion, die fehlende Motivation und eine strukturelle Unreife des
Beschwerdeführer
s. Sein aggressives Verhalten würde seine berufliche Verwendbarkeit ebenfalls in Frage stellen (Urk. 7/202/30-32).
Beim
Beschwerdeführer
liessen sich in psychiatrischer Hinsicht durchaus erheb
liche Diskrepanzen in seinen Angaben zum Zustandsbild speziell im Längsschnitt erkennen, diese könnten jedoch als Verdeutlichungstendenzen gedeutet werden. Auch eine Aggravation könne in bestimmten Bereichen (siehe das orthopädische Gutachten) nicht ausgeschlossen werden. Die gegenwärtige psychiatrische Behandlungsaktivität sei gering und es könne nicht belegt werden, dass der
Beschwerdeführer
gegenwärtig ein Antidepressivum einnehme (Urk. 7/202/33).
Beim
Beschwerdeführer
bestehe ein Mangel an psychischer Stabilität, Umgäng
lichkeit, Selbstvertrauen und Vertrauen zu Dritten. Im Verlauf würden auch Antriebsstörungen auftreten. Das Durchhaltevermögen sei stark reduziert. Es bestünden bei ihm deutliche und kaum überwindbare Motivationsschwierigkei
ten. Die affektive Instabilität würde in Belastungssituationen des Berufslebens zu
affektiven Ausbrüchen und zu aggressivem Verhalten führen. In Belastungssitu
ationen sei mit einer reduzierten Affektkontrolle zu rechnen. Der
Beschwerdefüh
rer
sei nur begrenzt in der Lage, sich an von aussen vorgegebene Regeln und Routinen anzupassen und diese auch durchzuhalten, neige zu stereotypen Ver
haltensweisen und einer Symptompräsentation, die eine berufliche Wiederein
gliederung verunmögliche. Auch die kognitiven Fähigkeiten seien eingeschränkt. Selbst in einfachen und sich stets wiederholenden Tätigkeiten, beispielsweise in der seriellen Fertigung, könne der
Beschwerdeführer
nicht durchhalten. Er sei nicht umstellungs- und anpassungsfähig. Die Kommunikation sei erschwert, die häusliche Situation geprägt durch dominierendes Verhalten des
Beschwerdefüh
rer
s und dessen Klagen. Der
Beschwerdeführer
sei einem Arbeitgeber nicht zumutbar. Eine Intensivierung der Psychotherapie wäre zwar sinnvoll, diese werde jedoch keine versicherungsmedizinischen Auswirkungen zeigen. Der
Beschwerdeführer
sei nicht mehr in der Lage, in seiner letzten (angestammten) Tätigkeit zu arbeiten, dies gelte auch für eine Verweistätigkeit (Urk. 7/202/33). Die attestierte Arbeitsunfähigkeit liege retrospektiv seit 1998 vor, soweit aus der vorliegenden Aktenlage darstellbar (Urk. 7/202/35).
5
.4
Das im Rahmen des
Medas
-Gutachten vom 30. November 2016 erstattete psychi
atrische Teilgutachten von Dr.
J._
beruht auf
den erforderlichen sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (Urk. 7/202/29-31), wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (Urk. 7/202/4-8, Urk. 7/202/33-34), berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander (Urk. 7/202/29-33). Dr.
J._
hat die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und seine Schlussfolgerungen grundsätzlich nachvollziehbar begründet. Zudem setzt sich das Gutachten mit den Standardindikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 ausei
nander (Urk. 7/202/22-25).
Damit
erfüllt
das Gutachten
die
rechtsprechungsge
mässen
Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche
Entscheidungsgrundlage
(vgl. E. 1.
3
).
Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 2 S. 3) setzt
e
sich
Dr.
J._
auch mit dem Verhalten des Beschwerdeführer
s und einer möglicher
weise
damit zusammenhängenden
Aggravation auseinander,
deutete es aber
aus seinem Fachbereich
Psychiatrie – in Kenntnis des
in
den anderen Fachbereichen
aufgeworfenen Verdachts auf
Aggravation
–
eher als
Verdeutlichungstendenz (vgl. Urk. 7/202/33). Das auffällige Verhalten des Beschwerdeführers wurde als im Rahmen der psychischen Störung und mit dem Vorliegen von Verdeutli
chungstendenzen erklärbar beschrieben (Urk. 7/202/25, Urk. 7/202/33).
Die
Beschwerdegegnerin stützt sich
bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Gutachten von Dr.
J._
insbesondere auf die RAD-Stellungnahme vom 27. Januar 2017 (Urk. 7/210, vgl. Urk. 7/218/9-10). Darin führte RAD-Ärztin
G._
aus, im Gutachten der
Medas
vom 30. November 2016 fänden sich Widersprüche und diagnostische Unsicherheiten. Die Frage, ob das gezeigte Ver
halten krankheitsbedingt und darüber hinaus nicht bewusst und willentlich zu beeinflussen sei, werde durch das Gutachten nicht abschliessend beantwortet (Urk. 7/218/10).
Diese Kritik ist nicht vollständig von der Hand zu weisen. Der Gutachter kam jedoch
nachvollziehbar
zu
m
Schluss, dass das gezeigte Verhalten, welches hochgradig von Ink
on
sistenzen und Aggravation sowie von aggressiv verteidigtem, regressivem Krankenrollenverhalten gekennzeichnet sei, im Rah
men der psychischen Störung (Somatisierungsstörung mit erheblichen dissoziati
ven Anteilen [Konversion] und Andauernde Persönlichkeitsänderung) erklärbar werde. Ferner wies der Gutachter daraufhin, dass sich diese Störung seit 1998 so erheblich chronifiziert habe, dass eine Reversibilität jetzt nach 17 Jahren nicht mehr als realistisch anzunehmen sei (
Urk.
7/202/25). Damit hat der Gutachter die Frage, ob es dem Beschwerdeführer objektiv zumutbar wäre, seine Krankheits
überzeugung zu überwinden, verneint. Jedenfalls scheint der Gutachter nicht davon auszugehen, dass die gezeigte Krankheitsrolle vorgetäuscht ist.
Auch ist keine fachärztliche Einschätzung auszumachen, welche ernsthafte Zweifel an den Schlussfolgerungen von Dr.
J._
zu erwecken vermag, vielmehr gelangte auch Dr.
B._
in seinem fachpsychiatrischen Gutachten vom 7. November 2013 zur Einschätzung, dass aus psychiatrischen Gründen keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei
,
und hielt keine Ag
g
ravation fest (vgl. Urk. 7/95).
5
.5
Auf das psychiatrische Teilgutachten
von Dr.
J._
kann somit abgestellt wer
den.
Es liegt kein triftiger Grund vor, von der von ihm attestierten Arbeitsunfä
higkeit abzuweichen,
da er aufgrund der erhobenen Befunde unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen
Inaktivitäten
die medizi
nisch-psychiatrische Folgenabschätzung überzeugend dargelegt hat (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_808/2018 vom
2.
Dezember 2019 E. 4.3 mit Hinweisen).
Ferner bleibt auch darauf hinzuweisen
, dass der Beschwerdeführer im Januar 2013 das 5
5.
Altersjahr vollendete und seit über 15 Jahren eine ganze Invaliden
rente bezogen hat, weshalb grundsätzlich
Eingliederungsmassnahmen
angezeigt gewesen wären (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_940/2012 vom 1
2.
Dezember 2013 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Der psychiatrische Gutachter verneint
e
nicht nur eine Selbsteingliederungsfähigkeit, sondern
schätzt
e
einen möglichen Therapieerfolg als marginal und ohne versicherungsmedizinische Bedeutung ein
(
Urk.
7/202/32). Damit ist nicht davon auszugehen, dass eine kor
rekte Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
(
Art.
21
Abs.
4 ATSG)
zur Überwindung der Krankheitsüberzeugung hätte führen können, wobei weder die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht noch Eingliederungsbemühun
gen aktenkundig sind.
6
.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und
festzustellen, dass der Beschwerdeführer
(rückwirkend) weiterhin
Anspruch auf
eine
ganze
Invaliden
rente
hat
.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewi
lligung oder Verweigerung von
Leistungen
der Invalidenversicherung
geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten.
U
nter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3
GSVGer
)
erscheint es
als angemessen, die Prozessent
schädigung auf insgesamt Fr.
1‘700.--
(inkl. Ba
rauslagen und
MWSt
) festzulegen.
A
usgangsgemäss
ist sie
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.