Decision ID: ae40d918-436b-58db-80dd-8c02a6341d9c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland am (...)
2015 und gelangte am 15. Juni 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags
ein Asylgesuch stellte. Am 24. Juni 2015 wurde er zu seiner Person, sei-
nem Reiseweg und summarisch zu seinen Ausreisegründen aus dem Hei-
matland befragt (Befragung zur Person; BzP). Am 2. und 4. Dezember
2015 fand die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen statt (Erste An-
hörung).
A.b Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes gel-
tend: Er stamme aus B._, Distrikt C._, wo er während (...)
Jahren die Schule besucht habe. Einen Beruf habe er nicht erlernt, er habe
jedoch in Sri Lanka ein (...) und seinem Schwiegervater in der landwirt-
schaftlichen Arbeit ausgeholfen.
Im Jahre 2007 sei er von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) auf-
gegriffen worden, habe aber bald darauf fliehen können. In der Folge sei
er im Jahre 2008 erneut aufgegriffen und gezwungen worden, für die LTTE
zu arbeiten. Nach einem einmonatigen Training, unter anderem an der
Waffe, sei er der (...) zugeteilt worden und habe (...). Seine Aufgabe sei
gewesen, (...). Am (...) 2009 sei er durch eine Bombenexplosion verletzt
und nach einem kurzzeitigen Spitalaufenthalt entlassen worden. Vom (...)
2009 bis zum (...) 2011 habe er sich in der Rehabilitation befunden und sei
währenddessen beim IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz)
angemeldet gewesen. Nach seiner Entlassung sei er verpflichtet gewesen,
sich wöchentlich bei den Behörden zu melden und Unterschrift zu leisten,
und habe unter Beobachtung des CID (Criminal Investigation Department)
gestanden. Manchmal sei er zu Hause aufgesucht oder ins Camp mitge-
nommen worden. Dabei hätten ihn die Leute des CID mit Kabeln geschla-
gen und mit den Schuhen getreten. Zu seinem Schutz habe ihn sein Vater
verheiratet, worauf er mit seiner Ehefrau bei deren Eltern in D._
gelebt habe. Am (...) 2013 sei er dort von CID-Beamten mitgenommen und
nach E._ ins F._-Gefängnis transferiert worden. Dies des-
halb, weil er bei den LTTE gewesen sei, keine Unterschrift mehr geleistet
und ohne Erlaubnis geheiratet habe und weggezogen sei. Etwa alle drei
Monate sei er verhört worden, ein Prozess oder ein Verfahren hätten je-
doch nicht stattgefunden. Lediglich alle drei Monate habe er Besuch emp-
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fangen dürfen. Gegen eine Geldzahlung sei er am (...) 2015 aus dem Ge-
fängnis entlassen worden und habe nach einem Aufenthalt in G._
und E._ Sri Lanka am (...) 2015 verlassen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens folgende Nachweise seiner Identität und Beweismittel ein:
- Identitätskarte
- Geburtsurkunde (in beglaubigter Kopie)
- Geburtsurkunde des Sohnes (in beglaubigter Kopie)
- Heiratsurkunde (in beglaubigter Kopie)
- Haftentlassungsschreiben vom (...) 2011
- Ausweis des ICRS (Information, Counselling and Referral Service; in Kopie)
- Karte des IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz)
- Reintegration Certificate vom (...) 2011
- Detention Attestation des IKRK vom (...) 2011
- Anmeldeformular des Kantonsspitals H._
B.
Mit Verfügung des SEM vom 21. September 2015 wurde das Dublin-Ver-
fahren beendet und das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren auf-
genommen.
C.
Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers reichte mit Eingabe vom
15. April 2016 zwei ambulante Berichte und einen Operationsbericht des
Kantonsspitals H._ vom (...) 2015, (...) 2015 und (...) 2015 zu den
Akten.
D.
Am 18. Januar 2018 liess der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis von
Frau Dr. med. I._, J._, vom (...) 2017 und ein Foto einer
Narbe einreichen. Dabei wurde (unter anderem) festgehalten, dass er un-
ter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, die wegen sprachli-
cher Verständigungsprobleme nicht genügend therapiert werden könne.
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E.
Mit Verfügung vom 18. Oktober 2018 – eröffnet am 22. Oktober 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
F.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 21. November 2018 gegen
den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren, eventualiter
sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumut-
bar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In
prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und die Ernennung eines amtlichen Rechtsbeistands.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Unterstützungs-
bestätigung vom (...) 2018, ein Schreiben einer sri-lankischen (...) vom (...)
2018 sowie das bereits am 18. Januar 2018 eingereichte ärztliche Zeugnis
(vgl. Bst. D) bei.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2018 stellte der Instruktionsrich-
ter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens in
der Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt einer
nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gut und verzich-
tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde dem
Beschwerdeführer eine Frist bis 18. Dezember 2018 angesetzt, um eine
amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbeistand zu benen-
nen.
H.
Die rubrizierte Rechtsvertreterin informierte das Gericht mit Schreiben vom
18. Dezember 2018 über ihre Bevollmächtigung und ersuchte um ihre Ein-
setzung als amtliche Rechtsbeiständin. Diesem Ersuchen kam der Instruk-
tionsrichter mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 nach. Gleichzeitig
wurde das SEM eingeladen, bis zum 4. Januar 2019 eine Vernehmlassung
einzureichen.
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I.
Das SEM liess sich mit Eingabe vom 31. Dezember 2018 zur Beschwerde
vernehmen.
J.
Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 7. Januar 2019 Gele-
genheit gegeben, bis zum 22. Januar 2019 eine Replik einzureichen. Die-
ser Einladung kam der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsver-
treterin vom 18. Januar 2019, welcher eine Honorarnote beilag, nach.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in der Beschwerde sinngemäss eine Ver-
letzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör und der Pflicht zur Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Er vermute, dass Ungenau-
igkeiten auch mit der Unsicherheit der Übersetzerin zusammenhängen
würden, die damals zum ersten Mal für das SEM übersetzt habe. Zudem
hätten die komplexen und verschachtelten Fragen es ihm erschwert, klare
Antworten zu geben. Auch die Hilfswerkvertretung habe Ähnliches konsta-
tiert und ihr seien, wie ihm, die Rückübersetzungsprobleme aufgefallen.
Sie habe zudem festgehalten, dass nicht alle Fragen hätten geklärt werden
können, und eine weitere Anhörung angeregt. Eine solche habe jedoch
nicht stattgefunden. Dass gewisse Sachverhaltselemente nicht vollends
hätten geklärt werden können, liege somit nicht an ihm, sondern daran,
dass nicht alles erfragt worden oder die Fragestellung zu kompliziert ge-
wesen sei, um klare Antworten zu geben.
3.2 Dem Anhörungsprotokoll sind in der Tat gewisse Ungenauigkeiten, ins-
besondere im Zusammenhang mit zeitlichen Angaben, zu entnehmen.
Diese konnten jedoch weitgehend bereits während der Befragung bezie-
hungsweise bei der Rückübersetzung angesprochen und geklärt werden.
So hielt die SEM-Mitarbeiterin etwa fest, dass die Verwendung von Zahlen
bei der Datumsnennung die Festnahme des Beschwerdeführers betreffend
([...] beziehungsweise [...]) zu Missverständnissen geführt haben könnte
(vgl. Akten SEM A21/30 F99). Auch stellte der Beschwerdeführer bei der
Rückübersetzung klar, sein Kind sei im (...) Monat zur Welt gekommen
(vgl. Akten SEM A21/30 F103). Dass diese angeblichen Ungereimtheiten
in der angefochtenen Verfügung aufgegriffen wurden, ist deshalb nicht
nachvollziehbar (vgl. nachfolgend E. 6.3). Hingegen lässt sich dem Proto-
koll nicht entnehmen, dass die Fragen besonders komplex oder verschach-
telt gewesen wären. Die von der Hilfswerkvertretung in diesem Zusammen-
hang beispielhaft angeführten Fragen F110 und F140 sind zwar tatsächlich
nicht besonders einfach, aber ohne Weiteres gut verständlich, was auch
aus den diesbezüglichen Antworten des Beschwerdeführers hervorgeht.
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Gleichzeitig trifft zu, dass verschiedene Antworten – teilweise trotz mehr-
maliger Nachfrage – nicht klärend ausfielen, wobei dies bemerkenswerter-
weise mehrheitlich bei einfachen Fragestellungen der Fall war (vgl. bei-
spielsweise Akten SEM A21/30 F21 ff.). Dass zu komplizierte Fragestellun-
gen einen wesentlichen Einfluss auf die Antworten des Beschwerdeführers
gehabt haben könnten, erscheint daher unwahrscheinlich. Sodann mag
nicht ideal gewesen sein, dass es sich um den ersten Einsatz der Dolmet-
scherin für das SEM handelte. Dass deren Unerfahrenheit für bestehende
Ungenauigkeiten im Protokoll beziehungsweise offene Fragen bei der
Rückübersetzung ausschlaggebend gewesen sein könnte, geht jedoch we-
der aus dem Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung noch aus dem Pro-
tokoll selbst hervor. Dem Protokoll lässt sich auch nicht entnehmen, dass
die Übersetzung mangelhaft gewesen wäre. Schliesslich ergibt sich aus
dem (27-seitigen) Protokoll, dass der Beschwerdeführer sehr ausführlich
zu seinen Asylgründen befragt wurde. Bei Unklarheiten wurde seitens des
SEM nachgehakt und versucht, den Sachverhalt soweit wie möglich zu klä-
ren (vgl. etwa Akten SEM A21/30 F21 ff., 77, 89, 104, 134, 171, 184, 187).
Insgesamt zeigt sich, dass die Anhörung, bei welcher der Beschwerdefüh-
rer rechtlich vertreten war, rechtmässig durchgeführt wurde. Das Anhö-
rungsprotokoll kann demnach dem vorliegenden Entscheid zugrunde ge-
legt werden und das SEM war nicht verpflichtet, eine zweite Anhörung
durchzuführen. Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten weder die Untersu-
chungspflicht noch das rechtliche Gehör verletzt. Insoweit dem Entscheid
allfällige Missverständnisse zugrunde liegen, beschlägt dies die materielle
Würdigung des Sachverhalts.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausge-
setzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die Schilderun-
gen des Beschwerdeführers zu den Umständen seiner Verhaftung seien
nicht nachvollziehbar und würden ernsthafte Zweifel an der Glaubhaftigkeit
dieser Vorbringen hervorrufen. Er bringe nicht nur verschiedene Daten der
Inhaftierung, sondern auch unterschiedliche Tageszeiten vor. Zudem stehe
seine Verhaftung in keinem zeitlich logischen Zusammenhang mit der Ge-
burt seines Sohnes am (...). Des Weiteren falle auf, dass er auch die Haft-
bedingungen im Gefängnis "F._" nicht substantiiert habe wiederge-
ben können. In Bezug auf andere Vorbringen sei er zu längeren Aussage-
passagen fähig gewesen, jedoch seien seine Aussagen zum Gefängnis
"F._" kurz und stereotyp ausgefallen. Letztere würden auch nicht
die Qualität aufweisen, welche zu erwarten wäre, wenn er ein solches Er-
eignis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erlebt hätte. Seine Erzählun-
gen zur Haft seien auch auf Nachfragen kurz und oberflächlich geblieben.
Insbesondere seine Aussagen zum Gefängnisaufenthalt, der letztlich über
zwei Jahre angedauert habe, seien knapp und gehaltlos ausgefallen. Als
er aufgefordert worden sei, von der Entlassung ausführlich zu berichten,
habe er knapp und mit einer Beschreibung einer stereotypen Entlassung,
die problemlos abgelaufen sei, geantwortet. Schliesslich sei darauf hinzu-
weisen, dass er die Begriffe "F._" und das "(...) E._" iden-
tisch verwende. Das F._ (...) befinde sich jedoch in K._,
circa (...) von E._ entfernt. Es sei unverständlich, wie es dem Be-
schwerdeführer während seiner mehrjährigen Haft entgangen sein könne,
dass "F._" nicht in E._ liege, zumal er vorbringe, auch von
seiner Familie regelmässig besucht und von E._ aus entlassen wor-
den zu sein. Insgesamt gebe es keinen Anlass zu glauben, dass er vom
CID festgenommen und während mehr als zwei Jahren im Gefängnis fest-
gehalten worden sei.
Hinsichtlich der ärztlich diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstö-
rung (PTBS) sei festzuhalten, dass ein Arztbericht zwar eine psychische
Störung beziehungsweise eine Traumatisierung, nicht aber deren genaue
Ursache belegen könne. Die Diagnose einer solchen Störung für sich allein
stelle demnach noch keinen Beweis für ein behauptetes, traumatisierendes
Vorkommnis dar. Gleichwohl könne die Einschätzung eines Facharztes ein
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Indiz für die Plausibilität von Ereignissen bilden. Vorliegend könne jedoch
die diagnostizierte PTBS kein Beweis für die Inhaftierung durch das CID
und die damit zusammenhängende Verfolgungssituation sein, welche der
Beschwerdeführer nicht habe glaubhaft machen können.
Bei der Prüfung einer allfälligen begründeten Furcht vor künftigen Verfol-
gungsmassnahmen im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka sei festzuhalten,
dass die Befragung am Flughaften allein und das allfällige Eröffnen eines
Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise keine asylrelevante Verfolgungs-
massnahme darstellen würden. Auch Kontrollmassnahmen am Herkunfts-
ort (Befragung zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur
Überwachung der Aktivitäten) würden grundsätzlich kein asylrelevantes
Ausmass annehmen. In Bezug auf die ausgeführte Tätigkeit für die LTTE
bis ins Jahr 2009 hätten die sri-lankischen Behörden den Beschwerdefüh-
rer bereits in die Rehabilitation zugewiesen und ihn seither schon lange
verhaften können, wenn sie dies gewollt hätten. Es könne offengelassen
werden, ob er wirklich für die LTTE tätig gewesen sei und welche Aufgaben
er dabei wahrgenommen habe. Aus seinen Aussagen könne geschlossen
werden, dass er sich seit Kriegsende während insgesamt sieben Jahren
und seit dem Ende seiner Rehabilitation während vier Jahren in Sri Lanka
habe aufhalten können. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende
Risikofaktoren hätten daher kein – glaubhaft gemachtes – Verfolgungsin-
teresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei
aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, dass er ein Risikoprofil haben
könnte beziehungsweise weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in
den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt wer-
den sollte. Durch seine unglaubhaften Schilderungen bezüglich der Inhaf-
tierung durch das CID verunmögliche er dem SEM indes eine weiterge-
hende Prüfung solcher Hinweise. Die eingereichten Unterlagen würden
nicht angezweifelte Sachverhalte belegen und sich nicht eignen, um die
bereits dargelegten Einschätzungen zu widerlegen.
5.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, im Tamilischen werde
bei der Nennung von Daten die Reihenfolge Tag/Monat/Jahr nicht immer
eingehalten. Dem Beschwerdeführer deswegen die Verhaftung und Inhaf-
tierung im F._-Camp nicht zu glauben, sei unfair. Sodann sei es in
Sri Lanka üblich, im Zusammenhang mit dem F._-Camp auch von
"(...) E._" zu sprechen. Würde die Vorinstanz solche für sie irritie-
renden Redensweisen mit den Dolmetschern besprechen, hätte dieses
Missverständnis bereits früher aus dem Weg geräumt werden können.
Weiter sei dem Beschwerdeführer zu Unrecht vorgeworfen worden, er
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habe die Haft nicht detailreich schildern können, obwohl er genau habe
angeben können, wie der Tagesablauf mit dem Duschen verlaufen sei. Es
sei schwierig, in einem monotonen Tagesablauf viele Details abzurufen. In
seiner Erinnerung würden die einzelnen Tage zu einer grauen einschüch-
ternden Erinnerung verschmelzen. Was die Geburt seines Sohnes anbe-
lange, habe er fälschlicherweise ausgesagt, seine Frau sei beim ersten
Besuch im F._-Camp im (...) Monat schwanger gewesen. Er habe
diese Aussage bereits bei der Rückübersetzung korrigiert und ergänzt,
dass er gemeint habe, sein Sohn sei im (...) Monat zur Welt gekommen.
Er vermute, dass diese Ungenauigkeiten auch mit der Unsicherheit der
Dolmetscherin zusammenhängen würden, welche damals zum ersten Mal
für das SEM übersetzt habe.
Da es sich bei seiner Entlassung aus dem F._-Camp nicht um eine
offizielle Entlassung gehandelt habe, rechne er damit, dass er bei einer
allfälligen Rückschaffung abermals inhaftiert werde. Die aktuelle politische
Situation in Sri Lanka mit dem Sturz des vom Parlament gewählten Premi-
erministers Ranil Wickremesinghe, die Einsetzung von Mahinda Rajapa-
ksa, die Auflösung des Parlaments und die Ansetzung von Neuwahlen wür-
den seine Einschätzung bestätigen. In der Folge habe das Gericht die Auf-
lösung des Parlaments und das Ansetzen der Neuwahlen für ungültig er-
klärt. Welche Folgen die Staatskrise in Sri Lanka habe, sei zum jetzigen
Zeitpunkt schwer abschätzbar. Es sei jedoch mit einer Verschärfung der
Sicherheitslage zu rechnen. Die aktuelle politische Situation habe eine un-
mittelbare Bedrohungssituation für Regimekritiker, Menschenrechtsaktivis-
ten, Journalisten und insbesondere Angehörige der tamilischen Minderheit,
welche Sympathien für den tamilischen Separatismus hegen würden oder
ihn aktiv unterstützt hätten, zur Folge. Dazu würden insbesondere auch
tamilische RückkehrerInnen aus Ländern mit einer politisch aktiven
Diaspora gehören. Mahinda Rajapaksa werde dem Anspruch auf politische
Mitbestimmung der Tamilen höchstwahrscheinlich nicht gerecht, weswe-
gen auch der tamilische Separatismus neu erwachen und es in Sri Lanka
zu einer neuen Eskalation kommen könnte. Es könne nicht davon ausge-
gangen werden, dass er (der Beschwerdeführer) als ehemaliges LTTE-Mit-
glied bei einer allfälligen Rückschaffung keiner asylrelevanten Verfolgung
ausgesetzt wäre. Dies insbesondere, weil er auf illegale Weise aus dem
F._-Camp freigekommen sei. Damit drohe ihm eine weitere Verhaf-
tung und Folterung im F._-Camp. Es sei auch möglich, dass er im
Rahmen der politischen Unruhen Opfer eines Mobs werde.
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5.3 In der Vernehmlassung führt das SEM ergänzend aus, aus dem einge-
reichten Empfehlungsschreiben der (...) gehe nicht hervor, aus welchen
Gründen es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen sei, sich wider-
spruchsfrei und substantiiert zur angeblichen Vorverfolgung zu äussern.
Gleichermassen vermöge es auch keine Hindernisse für einen Wegwei-
sungsvollzug zu begründen, zumal nicht nachvollziehbar sei, weswegen es
für den Beschwerdeführer unzumutbar, unzulässig oder unmöglich wäre,
nach Sri Lanka zurückzukehren, würde ihn die (...) nicht unterstützen. So-
dann bestünden keine spezifischen Anknüpfungspunkte zwischen der
Lage in Sri Lanka und dem Beschwerdeführer. Für das SEM sei das Vor-
bringen, im Gefängnis "F._" gewesen zu sein, nicht glaubhaft ge-
macht. Sodann habe sich die allgemeine Situation in Sri Lanka beruhigt
und es sei auch keine Zunahme gezielter Verfolgungsmassnahmen zu ver-
zeichnen. Deshalb sei im heutigen Zeitpunkt nicht von einer generell er-
höhten Gefährdung für sri-lankische Staatsangehörige aufgrund des
Machtkampfes auszugehen. Für eine solche Annahme brauche es viel-
mehr im Einzelfall spezifische Anknüpfungspunkte, welche die betroffene
Person besonders exponieren würden. Solche könnten beispielsweise bei
regierungskritischen Personen sowie Zeugen von Fehlleistungen der Si-
cherheitskräfte oder des politischen Establishments vorliegen. Die reine
Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder die politische Gesinnung, welche be-
reits vor dem Machtkampf nicht risikobegründend gewesen seien, ver-
möchten hingegen weiterhin keine Gefährdungssituation zu begründen.
5.4 In der Replik wird geltend gemacht, die Einschätzungen der Vorinstanz
zur aktuellen Situation in Sri Lanka und dass diese keine Auswirkungen auf
seine Gefährdungssituation habe, sei nicht zu teilen. Aller Voraussicht nach
würden spätestens 2020 Wahlen stattfinden. Höchstwahrscheinlich werde
sich die Oppositionspartei von Mahinda Rajapaksa am Wahlkampf beteili-
gen. Angesichts der aufgeheizten Situation und des Widerwillens vieler
Singhalesen, den ethnischen Konflikt aufzuarbeiten, müsse mit einem bal-
digen, hitzigen Wahlkampf gerechnet werden. Wie dann mit dem Be-
schwerdeführer, der einer ethnischen Minderheit angehöre, dem eine
LTTE-Verbindung unterstellt werde und der eine Rehabilitationshaft durch-
laufen habe und wegen der angeblichen Kenntnis von (...) inhaftiert wor-
den sei, umgegangen werde, sei schwer abschätzbar. Es deute vieles da-
rauf hin, dass Tamilinnen und Tamilen in näherer Zukunft eher wieder ei-
nem grösseren Verfolgungsrisiko ausgesetzt sein würden. Er sei bereits
vor seiner Flucht asylrelevant verfolgt worden, was auch zukünftig der Fall
sein werde. Zudem bestünden Parallelen zwischen seinen Tätigkeiten und
seiner Fallkonstellation und dem Urteil E-5955/2016 vom 30. Oktober
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2018. Das Gericht habe festgehalten, dass die Tätigkeit als (...) zwar un-
tergeordneter Natur sei, aber davon auszugehen sei, dass er als (...) über
die Standorte der LTTE-Camps Bescheid wisse und Kontakt zu anderen
LTTE-Mitgliedern gehabt habe oder dies ihm zumindest von der sri-lanki-
schen Regierung unterstellt werden könnte. Weiter sei festgehalten wor-
den, dass das Absolvieren einer Rehabilitationshaft mit anschliessender
Freilassung nicht mit Sicherheit garantiere, dass ein sri-lankischer Staats-
bürger tamilischer Ethnie mit erwiesener LTTE-Vergangenheit bei der
Rückkehr nicht erneut befürchten müsse, ins Visier der sri-lankischen Be-
hörden zu geraten. Trotz Rehabilitierung könne nicht ausgeschlossen wer-
den, dass ehemalige LTTE-Mitglieder weiterhin überwacht, kontrolliert und
gar erneut verhaftet würden. Im Urteil seien subjektive Nachfluchtgründe
schliesslich bejaht worden. Er (der Beschwerdeführer) sei bis kurz vor sei-
ner Flucht inhaftiert gewesen, weshalb in seinem Fall von ernsthaften
Nachteilen im Zeitpunkt seiner Ausreise ausgegangen werden müsse.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Urteilen
dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E.
5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der ange-
fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender
Begründung als unglaubhaft beziehungsweise als nicht asylrelevant quali-
fiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die weitgehend zutreffende Argumen-
tation in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In Ergänzung
und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen:
6.3 Soweit das SEM dem Beschwerdeführer vorwirft, er habe unterschied-
liche Daten der Inhaftierung im Jahre 2013 genannt, erscheint dies nicht
gerechtfertigt (vgl. E. 3.2). Der Beschwerdeführer stellte in der Befragung
klar, dass er am (...) 2013 und nicht am (...) 2013 verhaftet worden sei (vgl.
Akten SEM A21/30 F94 ff.). In der Folge hielt die SEM-Mitarbeiterin in einer
Protokollnotiz fest, die Benützung von Zahlen "könnte zu Missverständnis-
sen geführt haben: (...) vs. (...)" (vgl. Akten SEM A21/30 F99). Sodann
handelt es sich bei der Aussage des Beschwerdeführers, seine Frau sei
zum Zeitpunkt des ersten Besuches im Gefängnis im (...) Monat schwan-
ger gewesen, um ein offensichtliches Versehen. Bei der Rückübersetzung
legte er glaubhaft dar, dass das Kind im (...) Monat zur Welt gekommen
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sei (vgl. Akten SEM A21/30 F103; vgl. bereits E. 3.2). Die Auffassung des
SEM, der Beschwerdeführer habe verschiedene Daten der Inhaftierung
vorgebracht und seine Verhaftung stehe in keinem zeitlich logischen Zu-
sammenhang mit der Geburt des Sohnes, erweist sich damit als unzutref-
fend.
6.4 Dagegen verbleiben die widersprüchlichen Angaben, welche der Be-
schwerdeführer zur Uhrzeit seiner Festnahme machte. Sagte er zunächst
aus, er um zwei Uhr morgens festgenommen worden, sprach er später von
Mittag und dann wiederum von "etwa zwei, halb drei" (vgl. Akten SEM
A21/30 F54, F56 und F95). In der Beschwerde ging der Beschwerdeführer
auf diese Ungereimtheit gar nicht ein, sondern führte lediglich im Sachver-
halt aus, er sei um ungefähr 12 Uhr abgeholt worden (vgl. Beschwerde
S. 3).
6.5 Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, befindet sich das F._-Ge-
fängnis bei K._, rund (...) von E._. Beim Einwand in der Be-
schwerde, dieses Gefängnis werde im Sinne einer Redewendung üblicher-
weise als "(...) E._" bezeichnet, weil es näher bei E._ als
bei einer anderen der "vier grossen Städte" liege, handelt es sich um eine
unbelegte Parteibehauptung, welche bereits aufgrund der grossen Distanz
zu E._ nicht zu überzeugen vermag. Ob "dieses Missverständnis"
durch Rücksprache mit der Dolmetscherin hätte geklärt werden können,
darf bezweifelt werden. Im Weiteren liegt beispielsweise die Stadt
L._ – gemäss verschiedenen Quellen die (...) Stadt Sri Lankas –
näher bei K._ als dies bei E._ der Fall ist (vgl. etwa Wikipe-
dia, List of cities in Sri Lanka, https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_ci-
ties_in_Sri_Lanka; Geodatos, Most populated cities in Sri Lanka,
https://www.geodatos.net/en/population/sri-lanka). Vielmehr ist aufgrund
der vorinstanzlichen Ausführungen des Beschwerdeführers davon auszu-
gehen, dass dieser den wahren Standort des F._-Gefängnisses
nicht kannte, was bei einem tatsächlichen Aufenthalt von über zwei Jahren
kaum vorstellbar wäre. Wenn in der Beschwerde neu ausgeführt wird, die
Ehefrau sei jeweils von D._ nach E._ und von dort aus am
nächsten Tag nach K._ weitergereist, handelt es offensichtlich um
ein nachgeschobenes Vorbringen. Nach dem Gesagten bestehen bereits
wegen der von ihm verwendeten Bezeichnung erhebliche Zweifel, dass der
Beschwerdeführer tatsächlich im F._-Gefängnis inhaftiert war.
D-6621/2018
Seite 14
6.6 Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als bei einem mono-
tonen Tagesablauf die einzelnen Tage verschmelzen. Dennoch ist nach ei-
nem über zweijährigen Aufenthalt im Gefängnis davon auszugehen, dass
er in der Lage wäre, den Tagesablauf, die Örtlichkeit, die Befragungen und
weitere Vorkommnisse lebensnah zu schildern. Die entsprechenden Aus-
führungen des Beschwerdeführers sind – übereinstimmend mit dem SEM
– äusserst dürftig ausgefallen (vgl. etwa Akten SEM A21/30 F111 ff.). So
antwortete er etwa auf die Frage nach den Haftbedingungen: "Wir waren
vier Leute in einem Zimmer. Dort drin hat es kein Licht, gar nichts.
Draussen im Gang hatte es Licht. Wenn sie das Essen brachten, haben
sie es in einem Plastiksack gebracht. Drinnen durften wir nichts behalten.
Am Morgen kommen sie uns holen, um das Gesicht zu waschen und am
Nachmittag holen sie uns fürs Duschen" (vgl. Akten SEM A21/30 F111).
Ebenfalls wäre anzunehmen, dass unter den Zellengenossen das Bedürf-
nis bestanden hätte, sich die schwierige Zeit der Haft in der dunklen Zelle
durch Gespräche und gegenseitigen Beistand zu erleichtern. Vor diesem
Hintergrund erscheinen die Aussagen des Beschwerdeführers, wonach
sich die anderen nicht gross geäussert hätten, jeder sei in einer Ecke ge-
sessen und sie hätten sich nicht gross unterhalten, realitätsfremd und aus-
weichend (vgl. Akten SEM A21/30 F120 und F122, vgl. auch etwa F124 f.).
6.7 Was das mit der Beschwerde eingereichte Bestätigungsschreiben der
(...) anbelangt, ist ergänzend zu den Ausführungen des SEM festzuhalten,
dass darin lediglich von einer Suche durch das CID und nicht von einer
Inhaftierung die Rede ist. Im Übrigen handelt es sich um ein Gefälligkeits-
schreiben, das in Bezug auf die Verfolgung des Beschwerdeführers auf den
Aussagen von dessen Ehefrau beruht.
6.8 Nach dem Gesagten ist übereinstimmend mit dem SEM der Schluss zu
ziehen, dass der Beschwerdeführer bezogen auf den Zeitpunkt seiner Aus-
reise aus Si Lanka keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen
vermochte.
6.9
6.9.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol-
gung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG drohen würden.
6.9.2 Diesbezüglich ist auf das Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 zu verweisen, in dem das Bundesverwaltungsgericht festgestellt hat,
D-6621/2018
Seite 15
dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asyl-
suchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung
und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3), und gleichzeitig ausgeführt
hat, das Risiko von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, sei an verschiedenen Risikofaktoren zu
bemessen (vgl. im Einzelnen a.a.O. E. 8.4.1-8.4.3 und E. 8.4.4 f.) und es
sei im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko-
faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person
ergeben (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). Dass sich darüber hinaus aufgrund der Er-
eignisse, welche seit der Ausreise des Beschwerdeführers eingetreten
sind, in Sri Lanka das Risiko für tamilische Rückkehrer, im Falle der Rück-
kehr Menschenrechtsverletzungen zu erleiden, generell verschärft hätte,
lässt sich nicht feststellen. Bei der Beurteilung einer Gefährdung von aus
Sri Lanka stammenden tamilischen Asylsuchenden ist deshalb nach wie
vor auf das die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
zu Sri Lanka wiedergebende vorgenannte Urteil abzustellen.
6.9.3 Die frühere LTTE-Zugehörigkeit des Beschwerdeführers gilt grund-
sätzlich als stark risikobegründender Faktor. Seine vorgebrachte Tätigkeit
bei den LTTE als (...) (vgl. Bst. A.b) war jedoch eher ungeordneter Natur,
was den heimatlichen Behörden bekannt sein muss. Er hat zudem das Re-
habilitationsprogramm erfolgreich absolviert. Wie im von der Rechtsvertre-
terin genannten Urteil E-5955/2016 vom 30. Oktober 2018 festgehalten,
kann trotz Rehabilitierung nicht ausgeschlossen werden, dass ehemalige
LTTE-Mitglieder weiterhin überwacht, kontrolliert und gar erneut verhaftet
werden. Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer jedoch nicht, seine
Inhaftierung im F._-Gefängnis glaubhaft zu machen. Damit verun-
möglicht er den Asylbehörden eine umfassende Prüfung seines Profils. Mit
dem SEM ist deshalb festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer seit
dem Ende seiner Rehabilitation während vier Jahren in seiner Heimat auf-
hielt und die Behörden ihn in dieser Zeit ohne Weiteres hätten verhaften
können, wenn sie dazu einen Anlass gesehen hätten. Nach dem Gesagten
ist nicht davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer auf der Stop-
oder der Watch-List befindet und deshalb zu befürchten hätte, im Falle der
Rückkehr noch am Flughafen Colombo verhaftet zu werden. Es kann zwar
nicht ausgeschlossen werden, dass er einer Befragung und einer Überprü-
fung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Dieser "Background-
check" ist aber nicht als asylrelevante Verfolgung zu werten, und für ein
darüberhinausgehendes Interesse der sri-lankischen Behörden sind keine
massgeblichen Hinweise ersichtlich. Auch aus seiner tamilischen Ethnie,
seinen Narben und dem Umstand, dass er offenbar nicht im Besitz eines
D-6621/2018
Seite 16
sri-lankischen Reisepasses ist und nach mehrjährigem Aufenthalt in der
Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren wird, kann keine Gefährdung des
Beschwerdeführers abgeleitet werden.
6.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entsprechende Verfol-
gungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab-
gelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 110.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Das SEM führte zur Begründung des Wegweisungsvollzugs aus, we-
der aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten würden
sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass diesem im Falle einer Rückkehr in
den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3
EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Die Rückkehr nach Sri
Lanka erweise sich somit als zulässig. Durch seine unglaubhaft geschil-
derte Inhaftierung in "F._" E._ erlaube der Beschwerdefüh-
rer dem SEM nicht, abschliessend abzuklären, wo er sich in den letzten
D-6621/2018
Seite 17
drei Jahren vor seiner Ausreise aufgehalten habe. Es würden sich Hin-
weise finden, die darauf hindeuten würden, dass er bis zur Ausreise in
B._ gewohnt habe. Der Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka – na-
mentlich auch ins Vanni-Gebiet – werde aufgrund von substantiellen Ver-
besserungen zum heutigen Zeitpunkt als grundsätzlich zumutbar erachtet.
Weiter lasse sich seinen Aussagen entnehmen, dass seine Frau mit dem
Sohn bei deren Tante in M._ sowie sein Vater, sein Bruder und
seine Schwester im Heimatland wohnen würden. Überdies verfüge er über
einen Bruder und einen Cousin, die im Ausland leben würden. Aufgrund
seines grossen, intakten Beziehungsnetzes in seinem Heimatland könne
bei seiner Rückkehr auf eine gesicherte Wohnsituation geschlossen wer-
den. Weiter habe er ausgeführt, dass er einen (...) besitze, in dem er vor
seiner Ausreise gearbeitet habe. Dieser Betrieb werde momentan von sei-
nem Vater und seinem Bruder geführt. Ausserdem habe er seinem Schwie-
gervater auf dem Land ausgeholfen und das Feld bewirtschaftet. Es könne
ihm daher bei seiner Rückkehr zugemutet werden, die Tätigkeit in seinem
Betrieb wiederaufzunehmen, um sich damit seinen Lebensunterhalt zu ver-
dienen. Es sei davon auszugehen, dass er auch durch die Mithilfe auf dem
landwirtschaftlichen Grundstück zusätzliches Einkommen generieren
könne. Sodann könne ihm zugetraut werden, sich bei allfälligen finanziellen
Engpässen an seine Verwandten im In- und Ausland zu wenden. Seine
wirtschaftliche Situation könne daher bei seiner Rückkehr in sein Heimat-
land als gesichert angesehen werden.
Bei seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Verletzungen durch krie-
gerische Auseinandersetzungen und PTBS) handle es sich nicht um le-
bensbedrohliche Leiden, weshalb weiterhin von der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs auszugehen sei. In Sri Lanka – so auch in
N._ – sei die medizinische Versorgung gewährleistet. Zwar weise
das öffentliche Gesundheitssystem im Norden Sri Lankas bezüglich Kapa-
zität und Infrastruktur Mängel auf. Dennoch sei vorliegend davon auszuge-
hen, dass dem Beschwerdeführer eine allfällig notwendige Behandlung der
psychischen Beschwerden im Rahmen einer ambulanten Therapie im Dis-
trikt N._ in verschiedenen Institutionen zugänglich wäre und grund-
sätzlich vom Staat bezahlt würde. Zudem biete die in N._ statio-
nierte NGO "(...)" Beratung, Gruppentherapie und psychologische Unter-
stützung für traumatisierte Personen an. Im Falle einer Verschlechterung
des gesundheitlichen Zustands wäre eine umfassendere Behandlung auch
in Colombo möglich. Ferner wäre eine allfällige medikamentöse Behand-
lung – beispielsweise mit Antidepressiva – bei der State Pharmaceutical
Corporation (SPC) grundsätzlich kostenlos erhältlich, wenngleich die
D-6621/2018
Seite 18
Nachfrage nach kostenlos zur Verfügung gestellten Medikamenten zur Be-
handlung psychischer Krankheiten das Angebot des SPC bisweilen über-
steige. Zudem könnte allfälligen solchen Bedürfnissen auch durch die me-
dizinische Rückkehrhilfe Rechnung getragen werden. Es sei insgesamt
nicht davon auszugehen, eine Rückkehr nach Sri Lanka werde zu einer
raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheits-
zustandes führen. Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung technisch
möglich und praktisch durchführbar.
8.2.2 In der Beschwerde wurde auf die Ausführungen zum Asylpunkt, ins-
besondere zur Lage in Sri Lanka, verwiesen (vgl. oben E. 5.2). Ihm (dem
Beschwerdeführer) drohe in Sri Lanka eine menschenunwürdige Inhaftie-
rung ohne rechtliches Verfahren, was nicht mit den menschenrechtlichen
Verpflichtungen der Schweiz zu vereinen sei.
8.3
8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.3.3 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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Seite 19
8.3.4 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen
weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig
erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 12.2 f.). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt festgestellt, dass nicht
generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen
Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Vorliegend ist es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen eine flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre-
chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen (vgl. E. 6). Aus den Akten
ergeben sich auch sonst keine konkreten Anhaltspunkte dafür, der Be-
schwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über einen soge-
nannten "Backgroundcheck" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten
im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch persönlich
gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In einem als Refe-
renzurteil publizierten Entscheid erachtet das Bundesverwaltungsgericht
auch den Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet" als zumutbar (vgl. Urteil
D-6621/2018
Seite 20
des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Diese Einschät-
zung gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation.
8.4.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien bringt der Be-
schwerdeführer nichts vor, das geeignet wäre, die zutreffenden Ausführun-
gen der Vorinstanz umzustossen, auf die zur Vermeidung von Wiederho-
lungen vollumfänglich verwiesen werden kann. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist somit nicht unzumutbar.
8.5
8.5.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit
gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die Unmöglichkeit des
Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als
auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit
nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-
sen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist
in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh-
men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der
Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
8.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be-
schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
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Seite 21
führung und Rechtsverbeiständung wurde jedoch mit Verfügung vom
3. Dezember 2018 gutgeheissen. Da aufgrund der Akten nicht davon aus-
zugehen ist, die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers hätten
sich seither in relevanter Weise verändert, ist dieser nach wie vor als be-
dürftig zu erachten. Es sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Der amtlichen Rechtsbeiständin ist ein Honorar auszurichten (vgl. für
die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reg-
lements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE]). Bei amtlicher Vertretung geht
das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.− bis
Fr. 220.− für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.− bis Fr. 150.− für
nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl.
Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat in ihrer Honorarnote vom
18. Januar 2019 ein Honorar von total Fr. 1478.− (inkl. Auslagen) einge-
setzt. Der ausgewiesene und grundsätzlich angemessene zeitliche Auf-
wand von 6.5 Stunden ist um die für das Verfassen der Kostennote ausge-
wiesene halbe Stunde zu kürzen. Die Dossiereröffnungspauschale von
Fr. 50.– wird ebenfalls nicht entschädigt. Sodann ist der Stundenansatz
von Fr. 200.− auf Fr. 150.− für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertre-
ter zu kürzen. Die Dolmetscherkosten von Fr. 120.– und die Portospesen
von Fr. 8.– erscheinen dagegen angemessen. Der Rechtsvertreterin ist
demnach zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von gerundet
Fr. 1030.– (inklusive Dolmetscherkosten und Portospesen; keine Mehr-
wertsteuerpflicht) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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