Decision ID: 915527a4-2876-4d3b-9973-79bdf9578dec
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967
, ist
Bezüger einer Invalidenrente sowie von Zusatz
leistungen in Form von Ergänzungsleistungen und kantonalen Beihilfen (vgl. zum Sachverhalt im Folgenden
das
Urteil des Sozialversicherungsgerichts ZL.2011.00083
vom 30. Dezember 2011, Urk. 5/15
). Anlässlich einer periodi
schen Überprüfung im Sommer 2010 erfuhr die
Sozial
ver
sicherungsanstalt
des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: SVA), dass im Zusammenhang mit dem unselbständigen
Erwerbsein
kommen
des Versicherten ab 1. Januar 2008 Änderun
gen eingetre
ten
waren
. Daher setzte die SVA die Zusatzleis
tungen ab 1. Januar 2008 im Zuge einer Neuberechnung neu fest (
Revisions
verfügungen
vom 14. Oktober 2010) und forderte gleich
zeitig vom Versicherten die ab 1. Januar 2008 bis 31. Okto
ber 2010 zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen und Beihilfen im Betrag von
Fr.
6'080.- zurück.
Mit Schreiben vom 1
2.
November 2010
ersuchte
X._
die
SVA, die Rück
forderung zu erlassen, was diese mit Verfügung vom 18. Juli 2011 mangels guten Glaubens ablehnte. Die dagegen erhobene Einsprache wies die SVA mit Ent
scheid vom 31. August 2011 ab. Das Sozialversicherungsgericht hiess die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil ZL.2011.00083 vom 30. Dezember 2011
(
Urk.
5/15)
in dem Sinne teilweise gut, dass es in Aufhebung des ange
fochtenen Entscheids die Sache an die
SVA
zurückwies, damit
sie
prüfe, ob der Versicherte seiner Meldepflicht nachgekommen sei
und hernach über den Erlass der Rückerstattung neu entscheide
.
1.2
In Nachachtung des Urteils forderte die SVA den Versicherten mit Schreiben vom 26. September 2012 auf (
Urk.
5/12), seine Angaben, wonach er ihr die Änderungen des Erwerbseinkommens rechtzeitig gemeldet habe,
innert Frist
mit geeigneten Beweismittel
n
zu belegen, ansonsten sie aufgrund der Akten ent
scheide. Nachdem der Versicherte innert Frist nicht reagiert hatte (
Urk.
5/9-11), wies die SVA das Erlassgesuch mit Verfügung vom 5. Dezember 2012 ab (
Urk.
5/4) und hielt daran nach ergangener Einsprache vom 18. Dezember 2012 (
Urk.
5/8) mit
E
ntscheid vom 24. Januar 2013 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
24. Februar 2013
Beschwer
de (
Urk.
1), wobei er sein Gesuch um Erlass der Rückforderung erneu
erte. Die SVA beantragte in ihrer Vernehmlassung vom
3. April 2013 (
Urk.
4
) die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Obwohl
der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt
und
die Beurteilung der
Beschwerde
somit
in die einzelrichterliche Zuständigkeit
fallen würde
(
§
11
Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
;
GSVGer
)
, wurde das Ver
fahren angesichts seiner grundsätzlichen Bedeutung der Kammer überwiesen (§11 Abs. 4
GSVGer
)
.
2.
Die anspruchsberechtigte Person hat gemäss
Art.
24 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen (ELV) der Durchführungsstelle von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Änderung der wirtschaftli
chen Verhältnisse unverzüglich Mitteilung zu machen (vgl. auch
Art.
31 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG)
.
Nach
Art.
25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2).
Nach der Rechtsprechung entfällt der gute Glaube als
Er
lassvoraussetzung
von vornherein, wenn der
Rückerstat
tungs
tat
bestand
(Melde
oder
Auskunftspflicht
verletzung
) durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten her
beigeführt wurde. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben be
rufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unter
lassung nur eine leicht
e
Ver
letzung der Melde
oder Aus
kunfts
pflicht darstellt (BGE 112 V 97 E. 2c mit Hinwei
sen).
Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem objek
tiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare nicht ausgeblendet werden darf
.
Der gute Glaube ist jedoch regelmässig zu verneinen, wen
n
der Versicherte
das
Ergänzungs
leis
tungs-
Berechnungsblatt
nicht oder nur unsorgfältig kontrolliert und deshalb ei
nen d
arin enthaltenen gravierenden,
leicht erkennbaren Fehler nicht meldet (Urteil
des Bundesgerichts 8C_391/2008 vom 14. Juli 2008, E. 4.4.1
)
.
3.
Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärun
gen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (
Art.
43 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Die Versicherten haben beim Vollzug der
Sozialversiche
rungsgesetze
unentgeltlich mitzuwirken. Wer Versicherungsleistungen bean
sprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des An
spruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind (
Art.
28 Abs. 1 und 2 ATSG). Kommt die versicherte Person, die Leistungen be
ansprucht, den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfü
gen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss die versicherte Person vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinwei
sen; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43 Abs. 3 ATSG).
4.
4.1
Das Sozialversicherungsgericht hat die SVA im Rückweisungsurteil vom
30. Dezember 2011 gestützt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe die Einkommensänderungen rechtzeitig gemeldet, angewiesen, die Akten zu ver
vollständigen, weitere Abklärungen über die behaupteten Meldungen vorzu
nehmen und dem Beschwerdeführer Gelegenheit zu geben, entsprechende Beweismittel zu nennen oder einzureichen (
Urk.
5/15).
In der Folge gelangte die SVA mit Schreiben vom 26. September 2012 an den Beschwerdeführer und forderte ihn auf, seine Darstellung des Sachverhalts bis zum 19. Oktober 2012 mit geeigneten Beweismitteln zu belegen, ansonsten gemäss
Art.
43
Abs.
3 ATSG aufgrund der Akten entschieden werde (
Urk.
5/12). Ein Fristerstreckungsgesuch des Beschwerdeführers (
Urk.
5/11) bewilligte sie am 2
4.
Oktober 2012 und wies nochmals auf die Mitwirkungspflicht hin (
Urk.
5/9). Als der Beschwerdeführer nicht reagierte, verfügte sie am
5.
Dezember 2012 die Abweisung des Erlassgesuchs (
Urk.
5/6).
4.2
Dieses Vorgehen ist korrekt. Die SVA hatte den Beschwerdeführer ausreichend auf seine Pflichten hingewiesen und ihm im Säumnisfall einen Aktenentscheid in Aussicht gestellt.
Zu prüfen ist daher lediglich, ob die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe die Erhöhung des Einkommens rechtzeitig gemeldet, aufgrund der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist.
4.3
Die Zusatzleistungen ab November 2007 basierten auf dem gemäss den einge
reichten Lohnblättern für die Monate Mai bis September 2007 (
Urk.
5/218/2-6) errechneten Jahreseinkommen von
Fr.
13‘689.-- (
Urk.
5/217/3, 5/212/3, 5/176/3, 5/157/4, 5/113/3, 5/100/2 und 5/98/4). Der Lohnausweis für das Jahr 2007 ging der Beschwerdegegnerin im April 2008 zu (
Urk.
5/201/1). Darin war ein Nettoeinkommen für die Zeit vom 1
6.
April bis 3
1.
Dezember 2007 von
Fr.
12‘060.-- ausgewiesen, was aufgerechnet auf ein Jahr einen Nettolohn von
Fr.
17‘026.-- (
Fr.
12‘060.
-- :
8,5 x 12) ergibt. Die SVA nahm keine Anpassung der Zusatzleistungen vor, sondern berechnete diese weiterhin unter Anrechnung eines Einkommens von
Fr.
13‘689.-- (
Urk.
5/176/3, 5/157/4, 5/113/3, 5/100/2 und 5/98/4).
Dem auf den
1.
Januar 2008 geänderten Anstellungsvertrag zwischen dem Be
schwerdeführer und der
Y._
(
Urk.
5/202/15-21) war verglichen mit dem bis Ende Dezember 2007 gültig gewesenen Vertrag (
Urk.
5/202/8-14) keine
Ein
kommenserhöhung
zu entnehmen, da der Beschwerdeführer weiterhin auf reiner Provisionsbasis tätig war. Sowohl die unter dem Titel
Entlöhnung
aufgeführten umsatzabhängigen Prämien als auch die Jahresbonifikationen sind in beiden Verträgen identisch, und der Umstand, dass die höchste produktebezogene Pro
vision neu 30
%
statt wie bis anhin 35
%
betrug (
Urk.
5/202/9 und 5/202/16), wies auf keine Einkommenserhöhung hin.
Bis und mit September 2008 - mit Ausnahme des Monats April - hielt sich das vom Beschwerdeführer erzielte Einkommen im Rahmen dessen, was er 2007 verdient hatte. Erst im Oktober 2008 und vor allem im Dezember 2008 verdiente er mit
Fr.
2‘186.-- beziehungsweise
Fr.
3‘650.-- deutlich mehr (
Urk.
5/146/4). Aus dem am 3
1.
Dezember 2008 ausgestellten Lohnausweis ergab sich schliess
lich ein Gesamteinkommen für das Jahr 2008 von netto
Fr.
19‘169.-- (
Urk.
5/148/12), welcher Betrag knapp
Fr.
2‘150.-- höher war als das im Jahr 2007 erzielte, auf ein Jahr umgerechnete Einkommen von
Fr.
17‘026.--.
Wenn nun die SVA auch diese Lohnerhöhung in den nachfolgenden Verfügun
gen unberücksichtigt liess und der Zusatzleistungsberechnung weiterhin ein Einkommen von
Fr.
13‘689.-- zu Grunde legte (
Urk.
5/176/3, 5/157/4, 5/113/35/100/2 und 5/98/4), so stellte dies wohl einen Fehler dar, indes kann nicht gesagt werden, dass es sich um einen gravierenden, für den Beschwerde
führer leicht erkennbaren Fehler im Sinne des zitieren Bundesgerichtsurteils 8C_391/2008 vom 1
4.
Juli 2008 handelte, der eine leichte Verletzung der Mel
depflicht ausschliessen würde.
4.4
Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin den Lohnausweis für das Jahr 2008, aus dem die erwähnte Einkommensverbesserung ersichtlich war,
zusammen mit dem Lohnausweis für das Jahr 2009 (
Urk.
5/75) erst im Septem
ber 2010 eingereicht (
Urk.
5/4/3 in Verbindung mit
Urk.
5/70). Hingegen hatte er ihn im September 2009 im Zusammenhang mit einem
Rentenrevisionsver
fahren
der IV-Stelle zugestellt (
Urk.
5/148/12 in Verbindung mit
Urk.
5/148/1 und 5/148/4).
In der Einsprache (
Urk.
5/8) und in der Beschwerde (
Urk.
1), macht der Beschwer
deführer geltend, er habe davon ausgehen dürfen, dass zwischen den beiden Stellen ein automatischer Datenaustausch erfolge, weshalb ihm keine Meldepflichtverletzung vorgeworfen werden könne.
Mit jeder Verfügung, mit der ihm Zusatzleistungen zugesprochen wurden, wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass er verpflichtet sei, jede Änderung in den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen unverzüglich „der SVA Zürich“ zu melden (
Urk.
5/217/2, 5/212/2, 5/176/2, 5/157/2, 5/113/2, 5/98/6 und 5/98/2), ferner waren die Verfügungen mit „
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich“ unterzeichnet. Wenn der Beschwerdeführer gestützt auf diese Formulierungen davon ausging, wenn er der SVA Zürich, IV-Stelle, für den Zusatzleistungsanspruch erhebliche Unterlagen zustelle, würden diese automatisch an die zuständige Abteilung weitergeleitet, so kann ihm allenfalls eine Fahrlässigkeit, sicher aber nicht ein grobfahrlässiges oder gar ein arglisti
ges Verhalten vorgeworfen werden. Vielmehr wäre es an der
Beschwerdegegne
rin
, den Hinweis auf die Meldepflicht so zu präzisieren, dass es für die versi
cherten Personen klar ist, welcher Abteilung sie Änderungen mitzuteilen haben.
4.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer weder für das Jahr 2008 - er hatte den Lohnausweis 2007, aus dem sich ein höheres als von der Beschwerdegegnerin angenommenes Erwerbseinkommen ergab, rechtzeitig eingereicht und die weitere Einkommenserhöhung trat erst gegen Ende des Jahres ein - noch für die Zeit ab Oktober 2009, als er den Lohnausweis für das Jahr 2008 der IV-Stelle eingereicht hatte, ein den guten Glauben ausschliessen
des Verhalten vorgeworfen werden kann.
Das im Jahr 2009 erzielte Nettoeinkommen lag mit
Fr.
19‘064.-- (
Urk.
5/75) unter dem Einkommen aus dem Jahr 2008 von
Fr.
19‘169.--, so dass auch dies
bezüglich keine grobe Meldepflichtverletzung vorlag.
Grobfahrlässigkeit ist dem Beschwerdeführer somit lediglich für die Zeit von Januar bis September 2009 vorzuwerfen, weil er es unterliess, den bereits im Dezember 2008 ausgestellten Lohnausweis rechtzeitig einzureichen. Die für diese Zeit zurückgeforderten Zusatzleistungen sind ihm daher nicht zu erlassen.
Hinsichtlich der weiteren Rückforderung für das Jahr 2008 und für die Zeit von Oktober 2009 bis 3
1.
Oktober 2010 hat die Beschwerdegegnerin die Vorausset
zung der grossen Härte zu prüfen und danach erneut über den Erlass zu befin
den. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass eine Eingabe
von
Z._
vom 1
5.
Januar 2014 (
Urk.
7) nicht berücksichtigt werden kann. Denn
Z._
ist weder ein Verfahrensbeteiligter noch ein bevollmächtigter Rechtsvertreter eines Verfahrensbeteiligten.