Decision ID: 6232a504-8221-4397-b270-327397deb8ea
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. Mit Beschluss vom 2. Oktober 2018, mitgeteilt am 8. Oktober 2018,
verpflichtete der Gemeinderat der Gemeinde A._ den Kanton
Graubünden zur Zahlung von CHF 717'909.20 innert 30 Tagen seit
Rechtskraft des Beschlusses. Der geforderte Geldbetrag steht im
Zusammenhang mit der Kostentragung für asylsuchende und
schutzbedürftige Personen ohne Aufenthaltsbewilligung (vorläufig
Aufgenommene). Die Gemeinde A._ begründete ihre Forderung
damit, dass die finanzielle Zuständigkeit für diese Personen in den ersten
sechs Jahren beim Bund liege (VA7-) und ab dem siebten Aufenthaltsjahr
(VA7+) auf den Kanton bzw. die Gemeinden übergehe. Die Gemeinden
würden Familien, bei denen die Unterstützungseinheit aus Personen mit
Status VA7+ und VA7- bestehe, unterstützen. Bei diesen Fällen habe der
Kanton die Pauschalen für Kinder mit VA7- Status von Eltern mit VA7+
Status vom Bund erhalten, diese jedoch nicht an die Gemeinden bzw. an
die Gemeinde A._ überwiesen. Gemäss Auflistung der Gemeinde
A._ würden sich die Kosten von Kindern mit dem VA7- Status für den
Zeitraum vom 13. Februar 2009 bis zum 31. März 2018 auf insgesamt
CHF 717'909.17 belaufen. Mit Schreiben vom 3. Juli 2018 an den
Vorsteher des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (DJSG)
habe der Gemeinderat den Sachverhalt, die Rechtslage und die
Zusammensetzung der Forderung dargelegt. Mit der Bitte um
Stellungnahme sei dem Departement das rechtliche Gehör gewährt
worden. Innert Frist sei bei der Gemeinde A._ lediglich eine
Eingangsbestätigung eingegangen, jedoch keine materielle
Stellungnahme.
2. Gegen diesen Entscheid erhob der Kanton Graubünden (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 6. November 2018 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem Antrag, es sei
festzustellen, dass der angefochtene Beschluss nichtig sei. Eventualiter
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sei der Beschluss aufzuheben, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Gemeinde A._. Zur Begründung
brachte der Beschwerdeführer vor, dass die Gemeinde A._ nicht
berechtigt gewesen sei, ihn in einem einseitigen Hoheitsakt
rechtsverbindlich und erzwingbar zu verpflichten, ihr innert 30 Tagen seit
Eintritt der Rechtskraft CHF 717'909.20 zu bezahlen, da ihr die für eine
solche Anordnung erforderliche Verfügungsbefugnis fehle. Damit erweise
sich der angefochtene Beschluss als nichtig, was gerichtlich festzustellen
sei. Sollte das Gericht dieser Auffassung nicht folgen, so sei der Beschluss
infolge fehlender sachlicher Zuständigkeit der Gemeinde A._
aufzuheben. Es sei zudem darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer bereit sei, die Forderung der Gemeinde A._ zu
prüfen. Für die Bestimmung der Höhe der strittigen Forderung sei er
allerdings auf zusätzliche Angaben angewiesen. In einem weiteren Schritt
müssten die Ausgleichszahlungen bestimmt werden, welche die
Gemeinde A._ für die ausgerichteten Sozialhilfeleistungen vom
Beschwerdeführer aus dem Finanzausgleich erhalten habe. Erst aus
dieser Gegenüberstellung resultiere der Betrag, welcher die Gemeinde
A._ vom Beschwerdeführer einfordern könne, soweit sie hierfür eine
Anspruchsgrundlage anrufen könne, die es ihr erlaube, die entsprechende
Forderung selbst zum jetzigen Zeitpunkt und unter den gegebenen
Umständen noch durchzusetzen. Die von der Gemeinde A._
vorgelegte tabellarische Zusammenstellung angeblich erbrachter
öffentlicher Unterstützungsleistungen stelle keinen genügenden Nachweis
dar.
3. Mit Schreiben vom 26. November 2018 stellte die Gemeinde A._
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) den Antrag, das
Beschwerdeverfahren infolge aufgenommener Vergleichsverhandlungen
zu sistieren. Die beantragte Sistierung wurde vom Instuktionsrichter am
27. November 2018 gewährt und in der Folge einmal verlängert.
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4. Mit Eingabe vom 11. Februar 2020 orientierte der Beschwerdeführer das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dahingehend, dass sich die
Parteien über die Abgeltung betreffend eine bestimmte Person geeinigt
hätten, nicht hingegen über den Restbetrag von noch CHF 648'307.53.
Gleichzeitig ersuchte er um Aufhebung der Sistierung und Fortsetzung des
Beschwerdeverfahrens.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 24. März 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit sie nicht
infolge Vergleich bzw. Anerkennung der Forderung als erledigt
abzuschreiben sei. Eventualiter sei die vorliegende Angelegenheit im
Klageverfahren gemäss Art. 63 f. VRG zu beurteilen, subeventualiter sei
der Beschwerdeführer zu verpflichten, über die Höhe der
Unterstützungszahlungen zu Gunsten der Beschwerdegegnerin für Kinder
mit VA7- Status von Eltern mit VA7+ Status für den Zeitraum vom 13.
Februar 2009 bis zum 31. März 2018 eine anfechtbare Verfügung zu
erlassen, alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten des Beschwerdeführers. Zur Begründung führte die
Beschwerdegegnerin aus, vor dem Hintergrund, dass sich der
Beschwerdeführer trotz mehrfacher Aufforderung seit Jahren geweigert
habe, sich zur Frage der hier interessierenden Globalpauschale
verbindlich vernehmen zu lassen, eine entsprechende Abrechnung zu
erstellen bzw. eine Verfügung zu erlassen, sei der formelle Einwand
betreffend fehlender Zuständigkeit unbegründet, treuwidrig und geradezu
krass rechtsmissbräuchlich. Das Amt für Migration und Zivilrecht (AMZ)
habe sogar geltend gemacht, das sei nicht seine Aufgabe. Erst mit Erlass
der angefochtenen Verfügung sei Bewegung in die Sache gekommen.
Sollte das Gericht zum Schluss gelangen, dass die Beschwerdegegnerin
zum vorliegend strittigen Beschluss nicht befugt gewesen sei, sollte die
Angelegenheit im Klageverfahren zu beurteilen sein, allenfalls sei der
Beschwerdeführer gerichtlich zu verpflichten, über den Streitgegenstand
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zeitnah eine anfechtbare Verfügung zu erlassen. Dieses Vorgehen würde
allerdings auf ein neues Verfahren mit denselben materiellen
Fragestellungen hinauslaufen, bloss mit umgekehrten Parteirollen. Die
Beschwerdegegnerin sehe ein solches Vorgehen als prozessualen
Leerlauf an, den es zu vermeiden gelte. In materieller Hinsicht bezog sich
die Beschwerdegegnerin auf angebliche Zugeständnisse des
Beschwerdeführers im Rahmen der Vergleichsverhandlungen, namentlich
auf eine Verjährungseinredeverzichtserklärung des AMZ sowie ein
Angebot, per Saldo aller Ansprüche CHF 219'438.75 zu bezahlen, und
hielt daran fest, dass ihr die gesamte Globalpauschale zustehe, ihr mithin
auch der Restbetrag zuzusprechen sei.
6. In seiner Replik vom 22. April 2020 ergänzte der Beschwerdeführer seine
Rechtsbegehren und beantragte zusätzlich, es sei Vormerk davon zu
nehmen, dass die Sozialen Dienste der Gemeinde A._ und das
kantonale Sozialamt am 17. Mai 2019 einen Vergleich betreffend der im
Fall von B._ geschuldeten Leistungen geschlossen hätten.
Ausserdem vertiefte und ergänzte der Beschwerdeführer seine
Argumentation. Dabei bestritt er, dass gegenüber der
Beschwerdegegnerin eine Verjährungseinredeverzichtserklärung
abgegeben worden sei und drückte sein Befremden darüber aus, dass die
Beschwerdegegnerin im Rahmen von Vergleichsverhandlungen
übergebene Unterlagen und Vergleichsangebote in ein
Beschwerdeverfahren einbringt.
7. Am 20. Mai 2020 duplizierte die Beschwerdegegnerin mit unveränderten
Rechtsbegehren und verteidigte darin ihr Verhalten.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
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1. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Gemeinden, von anderen Körperschaften und von
selbstständigen Anstalten des kantonalen Rechts, soweit diese nicht bei
einer anderen Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem
oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der angefochtene Beschluss
der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2018, mitgeteilt am 8. Oktober
2018, ist weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz
angefochten werden. Folglich stellt er ein taugliches Anfechtungsobjekt für
ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar.
Als formeller und materieller Adressat dieses Beschlusses ist der
Beschwerdeführer berührt und er weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur
Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 50 Abs. 1 VRG). Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 52 Abs. 1
sowie Art. 38 Abs. 1 und 2 VRG) ist somit einzutreten.
2. Fehlerhaft ist eine Verfügung, wenn sie inhaltlich rechtswidrig ist oder in
Bezug auf ihr Zustandekommen, d.h. die Zuständigkeit und das Verfahren
bei ihrer Entstehung, oder in Bezug auf ihre Form Rechtsnormen verletzt.
Die Verfügung kann ursprünglich fehlerhaft sein oder nachträglich
fehlerhaft werden. Die ursprünglich fehlerhafte Verfügung ist bereits bei
ihrem Erlass mangelhaft, widerspricht somit schon in diesem Zeitpunkt
dem objektiven Recht. Die nachträglich fehlerhafte Verfügung ist dagegen
im Zeitpunkt ihres Erlasses rechtmässig. Sie wird erst infolge veränderter
Tatsachen oder Rechtsgrundlagen mangelhaft (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 1084 f.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 31 Rz. 10 ff.).
Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig, sondern nur
anfechtbar, und sie werden durch Nichtanfechtung rechtsgültig. Bei der
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Abgrenzung zwischen blosser Anfechtbarkeit und Nichtigkeit folgt die
Rechtsprechung der sogenannten Evidenztheorie. Danach ist eine
Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer und
offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die
Rechtssicherheit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird. Nichtigkeit
bedeutet absolute Unwirksamkeit einer Verfügung. Eine nichtige
Verfügung entfaltet keinerlei Rechtswirkungen. Sie ist vom Erlass an (ex
tunc) und ohne amtliche Aufhebung rechtlich unverbindlich. Die Nichtigkeit
ist nur ausnahmsweise anzunehmen. Als Nichtigkeitsgründe fallen
hauptsächlich schwerwiegende Verfahrensfehler und schwerwiegende
Form- oder Eröffnungsfehler sowie sachliche und funktionelle
Unzuständigkeit der verfügenden Behörde in Betracht. Dagegen haben
inhaltliche Mängel nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer
Verfügung zur Folge. Die Nichtigkeit ist von Amtes wegen zu beachten
und kann von jedermann jederzeit geltend gemacht werden (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1088 ff. mit Hinweisen;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 Rz. 13 ff.).
3.1. Anlass für die strittige Verfügung war, dass die Beschwerdegegnerin
offenbar vergeblich bei verschiedenen kantonalen Stellen Klarheit suchte
in der Frage, wer letztendlich die Kosten im Zusammenhang mit der
öffentlichen Unterstützung für vorläufig Aufgenommene in welchem
Umfang zu übernehmen hat. Als das Schreiben der Beschwerdegegnerin
vom 3. Juli 2018 an den damaligen Vorsteher des DJSG mit der konkret
benannten Forderung in der Höhe von CHF 717'909.20 unbeantwortet
blieb, verpflichtete sie den Beschwerdeführer zur entsprechenden Zahlung
(vgl. Erwägung 5 und Dispositiv-Ziff. 1 des angefochtenen Beschlusses
vom 2. Oktober 2018, mitgeteilt am 8. Oktober 2018). Im Rahmen des
durchgeführten Rechtsschriftenwechsels ergänzte die
Beschwerdegegnerin, dass sich der Beschwerdeführer über Jahre hin
trotz mehrfacher Aufforderung geweigert habe, sich zur hier strittigen
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Frage verbindlich vernehmen zu lassen, eine verbindliche Abrechnung zu
erstellen oder eine Verfügung zu erlassen. Zudem obliege der Vollzug des
kantonalen Unterstützungsgesetzes und der dazugehörigen
Ausführungsbestimmungen der Beschwerdegegnerin. Entsprechend sei
sie auch befugt, gestützt auf Art. 11 Abs. 3 des Gesetzes über die
Unterstützung Bedürftiger (Kantonales Unterstützungsgesetz, UG; BR
546.250) zu Unrecht ausgerichtete Unterstützungsleistungen – hier der
besagte Anteil an Unterstützungsleistungen für Kinder mit VA7- Status von
Eltern mit VA7+ Status – mittels Verfügung zurückzufordern.
3.2. Demgegenüber legt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
ausführlich das Zusammenspiel zwischen den Normen des Bundesrechts
(Asylgesetz [AsylG; SR 142.31], Bundesgesetz über die Ausländerinnen
und Ausländer [Ausländergesetz, AuG; in der Fassung vom 16. Dezember
2005, in Kraft gewesen bis zum 31. Dezember 2018], Bundesgesetz über
die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger [Zuständigkeitsgesetz,
ZUG; SR 851.1]) und des kantonalen Rechts (UG) im Zusammenhang mit
der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft einer Person dar und
erläutert, welche Zuständigkeiten sich daraus in finanzieller Hinsicht
ergeben. Der Beschwerdeführer schliesst daraus, dass die
Beschwerdegegnerin mangels Verfügungskompetenz nicht berechtigt
gewesen sei, ihn in einem einseitigen Hoheitsakt rechtsverbindlich und
erzwingbar zu einer Zahlung zu verpflichten. Eine sachliche
Unzuständigkeit bilde praxisgemäss einen Nichtigkeitsgrund, es sei denn,
der verfügenden Behörde komme – was hier nicht der Fall sei – auf dem
betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt zu. Wenn die
Beschwerdegegnerin ihre Verfügungskompetenz auf den Vollzug des UG
stütze, so übersehe sie, dass sie sich bei der Rückforderung öffentlicher
Unterstützungsleistungen lediglich an die Zahlungsempfänger halten
könne, nämlich in diesem Fall an die Unterstützten unter Vorbehalt der
Einschränkungen von Art. 11 UG. Der Beschwerdeführer habe von der
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Beschwerdegegnerin aber gerade kein Geld erhalten, welches sie
zurückfordern könne.
3.3. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist so dreist wie ihre
Argumentation falsch ist. Wie der Beschwerdeführer richtig darlegt, kommt
der Beschwerdegegnerin keine Zuständigkeit zu, die finanzielle Abgeltung
für vorläufig Aufgenommene in Anwendung von Bundes- oder kantonalem
Recht zu bestimmen. Nach Art. 14 Abs. 1 lit. b UG i.V.m. Art. 10a der
Ausführungsbestimmungen zum UG (ABzUG; BR 546.270) hat das AMZ
für vorläufig Aufgenommene mit einer Aufenthaltsdauer von unter sieben
Jahren die notwendigen Unterstützungsleistungen auszurichten. Mit
dieser Pflicht geht die Befugnis einher, die notwendige öffentliche
Unterstützung in einem einseitigen Hoheitsakt rechtverbindlich und
erzwingbar festzulegen. Bei den in der tabellarischen Zusammenstellung
der Beschwerdegegnerin aufgeführten Personen handelt es sich in 13
Fällen um vorläufig aufgenommene Kinder, die sich im interessierenden
Zeitraum weniger als sieben Jahre in der Schweiz aufgehalten haben (vgl.
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 12). Für diese Personen hat nach
dem vorangehend Gesagten das AMZ die notwendigen
Unterstützungsleistungen auszurichten und verfügungsweise festzulegen.
Der Beschwerdegegnerin kommt diesbezüglich keine
Verfügungskompetenz zu. Sie ist mithin nicht berechtigt, über die
entsprechenden Leistungen zu entscheiden. Soweit sie diesbezüglich im
angefochtenen Beschluss Anordnungen gegenüber dem
Beschwerdeführer getroffen hat, hat sie sich eine ihr nicht zukommende
Befugnis angemasst und somit als sachlich unzuständige Behörde
entschieden. In Bezug auf die volljährige B._ ist festzuhalten, dass
sie mit Entscheid des Staatssekretariats für Migration (SEM) vom
7. August 2015 als vorläufig aufgenommener Flüchtling anerkannt wurde
(vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3). Die öffentliche
Unterstützung von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen obliegt der
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politischen Gemeinde, in welcher der Bedürftige seinen Wohnsitz hat (Art.
5 Abs. 1 und 4 UG i.V.m. Art. 3 und 4 ZUG). Vor diesem Hintergrund wäre
im Kanton Graubünden das AMZ für die öffentliche Unterstützung von
B._ lediglich bis zum Zeitpunkt der rechtswirksamen Zuerkennung
der Flüchtlingseigenschaft (7. August 2015) zuständig. Soweit sich der
angefochtene Beschluss also auf den Zeitraum vom 1. Mai 2014 bis zum
6. August 2015 bezieht (vgl. Bg-act. 12), hat sich die Beschwerdegegnerin
mit der Festlegung der geschuldeten Unterstützungsleistungen eine dem
AMZ zukommende Befugnis angemasst und somit als sachlich nicht
zuständige Behörde entschieden. Ab dem Zeitpunkt der rechtswirksamen
Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ist im Kanton Graubünden – wie
bereits dargelegt – nicht mehr das AMZ, sondern die politische Gemeinde
am Wohnsitz der bedürftigen Person für die öffentliche Unterstützung
zuständig. Den Akten ist zu entnehmen, dass B._ ihren
Unterstützungswohnsitz spätestens seit dem 13. Oktober 2015 in A._
hat (vgl. Bf-act. 4 und 6). Spätestens ab diesem Zeitpunkt obliegt es also
der Beschwerdegegnerin, über die öffentliche Unterstützung von B._
zu entscheiden und ihr die notwendige öffentliche Unterstützung
auszurichten. Eine Leistungspflicht des Beschwerdeführers könnte sich für
die Zeit nach der Begründung eines Unterstützungswohnsitzes im Sinne
von Art. 5 UG allenfalls daraus ergeben, dass der Bund dem Kanton
Graubünden für die ihm zugewiesenen anerkannten und vorläufig
aufgenommenen Flüchtlinge Pauschalen ausrichtet (Art. 88 Abs. 1 AsylG).
Die Pauschalen für Flüchtlinge decken namentlich die Kosten für
Sozialhilfe und enthalten zudem einen Beitrag an die Betreuungs- und
Verwaltungskosten (Art. 88 Abs. 3 AsylG und Art. 87 Abs. 1 lit. b des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration [Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR 142.20]). Der
Bundesrat hat gestützt auf Art. 89 AsylG die Höhe der Pauschalen auf
Grund der voraussichtlichen Aufwendungen für kostengünstige Lösungen
sowie die Dauer ihrer Ausrichtung in den Art. 24 ff. der Asylverordnung 2
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über Finanzierungsfragen (Asylverordnung 2, AsylV 2; SR 142.312)
festgelegt. Das Auszahlungsverfahren ist in Art. 5 AsylV 2 geregelt.
Gemäss Art. 4 Abs. 1 AsylV 2 haben die Kantone für den Verkehr mit dem
Bund eine Koordinationsstelle zu bezeichnen. Mit Beschluss vom 19.
September 2006, mitgeteilt am 21. September 2006, hat die Regierung
des Kantons Graubünden das kantonale Sozialamt als Koordinationsstelle
im Zusammenhang mit anerkannten Flüchtlingen bezeichnet (vgl. Bf-act.
8), wobei es diese Aufgabe unbestrittenermassen auch für vorläufig
aufgenommene Flüchtlinge wahrnimmt. Dies bedeutet konkret, dass der
Bund die für anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge
geschuldeten Pauschalbeiträge dem kantonalen Sozialamt überweist.
Dieses behält die entsprechenden Gelder soweit, als hierdurch Leistungen
vergütet werden, welche es selbst erbracht hat. Soweit die
Pauschalbeiträge des Bundes Leistungen der unterstützungspflichtigen
Gemeinde abgelten, zahlt das kantonale Sozialamt dieser die
entsprechenden Gelder auf Gesuch hin aus. Wie der Beschwerdeführer
zutreffend festhält, ist mit der Übertragung der Aufgabe, als
Koordinationsstelle im Sinne von Art. 4 Abs. 1 AsylV 2 tätig zu sein, die
Befugnis verbunden, den der unterstützungspflichtigen Gemeinde
zustehende Anteil der Pauschalbeiträge des Bundes (im Streitfall) in Form
eines einseitigen Hoheitsaktes in rechtsverbindlicher und erzwingbarer
Weise betraglich festzulegen. Mit anderen Worten ist das kantonale
Sozialamt vorliegend befugt, die der Beschwerdegegnerin für die
öffentliche Unterstützung von B._ zustehenden Pauschalbeiträge des
Bundes verfügungsweise festzulegen. Aus dem vorstehend Gesagten
erhellt, dass die Beschwerdegegnerin mangels Verfügungskompetenz
nicht berechtigt war, den Beschwerdeführer in einem einseitigen
Hoheitsakt rechtsverbindlich und erzwingbar zu verpflichten, ihr innert 30
Tagen seit Eintritt der Rechtskraft CHF 717'909.20 zu bezahlen, weshalb
sich der entsprechende Beschluss vom 2. Oktober 2018, mitgeteilt am 8.
Oktober 2018, als nichtig erweist. Die Beschwerdegegnerin begründet ihr
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Vorgehen damit, dass der Beschwerdeführer auf ihre mehrmaligen
Aufforderungen nicht reagiert habe und es nun rechtsmissbräuchlich sei,
wenn er sich auf den Standpunkt stelle, ihr stehe gar keine
Verfügungsbefugnis zu. Wie man zu einer solchen Rechtsauffassung
gelangen kann und ob sie wirklich ernst gemeint ist, bleibt das Geheimnis
der Beschwerdegegnerin. Nicht besser ist der Versuch, eine
Verfügungskompetenz aus dem Rückforderungsrecht gemäss UG
herzuleiten, und zwar schon deshalb nicht, weil die Beschwerdegegnerin
beim Beschwerdeführer – wie dieser zutreffend festhält – mangels
geleisteter Zahlung ja gar nichts zurückfordern kann. Wenn die
Beschwerdegegnerin dann in der Duplik noch argumentiert, die
Rückforderung sei gerechtfertigt, weil der Beschwerdeführer ja hätte
zahlen müssen, verabschiedet er sich vollends von den gängigen
Vorstellungen von Rechtslehre und Praxis. In dasselbe Kapital fallen dann
auch die Versuche der Beschwerdegegnerin, das Beschwerdeverfahren
in ein Klageverfahren umzuwandeln oder den Beschwerdeführer
gerichtlich zu verpflichten, bezüglich des Streitgegenstandes eine
anfechtbare Verfügung zu erlassen. Der beschwerdegegnerische
Beschluss vom 2. Oktober 2018, mitgeteilt am 8. Oktober 2018, ist
klarerweise nichtig. Wenn schon hätte die Beschwerdegegnerin im
Nachgang an ihre unbeantwortet gebliebene Anfrage bzw. Aufforderung
vom 3. Juli 2018 vom Beschwerdeführer eine anfechtbare Verfügung
verlangen oder alternativ ein Klageverfahren anstrengen müssen. Im
Übrigen kann es nicht angehen, dass die Beschwerdegegnerin eine
Korrespondenz sowie ein betragsmässiges Angebot aus den
Vergleichsverhandlungen mit dem Beschwerdeführer in das
Beschwerdeverfahren einbringt (vgl. Bg-act. 5 und 6).
3.4. Schliesslich ist noch das ergänzte Rechtsbegehren des
Beschwerdeführers zu behandeln, mit welchem er verlangt, dass vom
zwischen den Sozialen Diensten der Gemeinde A._ und dem
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kantonalen Sozialamt geschlossenen Teil-Vergleich vom 17. Mai 2019
(vgl. Beilage zum Schreiben des DJSG vom 20. Februar 2020) Vormerk
genommen wird. Gegen eine solche Vormerknahme spricht vorliegend
nichts.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt die unterliegende
Beschwerdegegnerin gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG die Gerichtskosten. Die
Staatsgebühr wird im Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 2'500.--
festgesetzt. Dem obsiegenden Beschwerdeführer steht gemäss Art. 78
Abs. 2 VRG keine Parteientschädigung zu.