Decision ID: 59dc1f56-0184-5ad0-a9a4-66fdf95e95b2
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. C., welche seit dem 1. Juni 2018 unter Begleit- und Vertretungsbeistandschaft steht (act.
7.8), wurde vom 1. Oktober 2017 bis 30. Juni 2019 vom Sozialamt D. finanziell unterstützt.
Vom 22. März 2018 bis 30. Juni 2019 wohnte C. im betreuten Wohnen der Stiftung E. in F.
Per 1. Juli 2019 trat C. auf eigenen Wunsch aus der Stiftung E. aus und zog nach A. an die
G.-Strasse, wo sie eine 2.5-Zimmer-Wohnung gemietet hatte (vgl. dazu den Beschluss der
Fürsorgekommission D. vom 24. Oktober 2019, S. 1, act. 7.5/1).
B. Mit Verfügung vom 1. Juli 2019 hiess die Kommission B. in A. ein Sozialhilfegesuch von C.
vom 16. Juni 2019 (act. 13.1) gut und beschloss, C. mit einer Summe von Fr. 636.00 pro
Monat zu unterstützen. Dazu bewilligte sie u.a. auch die Übernahme der Kosten für die Ta-
gesstruktur im "E." während 2 Tagen pro Woche für 6 Monate (act. 7.1/1).
C. Aufgrund ihrer schlechten psychischen Verfassung trat C. am 4. Juli 2019 wieder in die Stif-
tung E. in F. ein, wonach vorerst ein gezieltes Wohntraining geplant wurde. Gemäss dem
Bericht der Stiftung E. vom 1. Oktober 2019 (act. 7.5/4) war vorgesehen, dass C. einzelne
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Tage von F. aus in ihre Wohnung nach A. geht, um sich langsam mit fachlicher Unterstützung
an die Selbständigkeit zu gewöhnen. Am 8. Juli 2019 entschied sich C., wieder in die Miet-
wohnung nach A. zurückzukehren und die ursprünglich vor dem 1. Juli 2019 ausgemachte
Struktur (zwei Tage Tagesstruktur in der Stiftung E., Unterstützung durch L. und die Beistän-
din, psychologische Gespräche) einzuhalten. Nachdem C. von ihrer Beiständin CC. erneut
in schlechter psychischer Verfassung angetroffen worden war, wurde am 25. Juli 2019 im
gemeinsamen Gespräch entschieden, dass C. die Wohnung in A. aufgibt und wieder das
betreute Wohnangebot der Stiftung E. in F. in Anspruch nimmt. Am selben Tag fand der
Umzug von A. nach F. statt.
D. Mit Schreiben vom 6. August 2019 (act. 7.1/4) beantragte C., vertreten durch CC., beim
Sozialamt A., die Kosten für das betreute Wohnen im E. für 6 Monate und die Miet- und
Umzugskosten für die Wohnung in A. bis zur schnellstmöglichen Vertragsauflösung zu über-
nehmen.
E. Mit Verfügung vom 20. August 2019 (act. 7.1/5) lehnte die Kommission B. in A. den Antrag
auf Kostengutsprache für das betreute Wohnen in der Stiftung E. in F. sowie die Übernahme
der Miet- und Umzugskosten ab. Begründet wurde die Verfügung damit, dass C. in A. keinen
neuen Unterstützungswohnsitz begründet habe und dieser wohl weiterhin bei der Gemeinde
D. liege. Die Gemeinde D. beschloss mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 (act. 7.5/1) die
Sozialhilfeleistungen für C. aufgrund ihres Wegzugs per 30. Juni 2019 einzustellen.
F. Mit Eingabe vom 17. September 2019 (act. 7.1) liess C., vertreten durch CC., beim Departe-
ment Gesundheit und Soziales gegen die Verfügung vom 20. August 2019 Rekurs erheben
mit dem Antrag, festzustellen, welche Gemeinde zuständig und zahlungspflichtig sei.
G. Mit Beschluss vom 14. November 2019 (act. 7.15/22) trat die Fürsorgekommission D. man-
gels örtlicher Zuständigkeit auf ein Gesuch von C. betreffend Kostenübernahme nicht ein.
H. Mit Zwischenentscheid vom 22. November 2019 (act. 7.12) verpflichtete das Departement
Gesundheit und Soziales die Gemeinde A. einstweilig zur Vorfinanzierung der sozialhilfe-
rechtlichen Leistungen für C. bis zum rechtskräftigen Entscheid über den Unterstützungs-
wohnsitz.
I. Mit Entscheid vom 5. November 2020 (act. 2) hiess das Departement Gesundheit und
Soziales den Rekurs von C. (im Folgenden: Beschwerdegegnerin) gut. Gleichzeitig stellte es
fest, dass die Unterstützungspflicht ab 1. Juli 2019 bei der Gemeinde A. liege.
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J. Dagegen erhob die Einwohnergemeinde A. (im Folgenden: Beschwerdeführerin) mit Eingabe
vom 7. Dezember 2020 (act. 1) Beschwerde beim Obergericht, wobei sie eingangs erwähnte
Rechtsbegehren stellte.
K. Mit Schreiben vom 14. Januar 2021 (act. 6) und 26. Januar 2021 (act. 5) liessen sich das
Departement Gesundheit und Soziales (im Folgenden: Vorinstanz) sowie die Einwohnerge-
meinde D. (im Folgenden: Beigeladene) mit eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur
Beschwerde vernehmen.
L. Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 (act. 10) liess die Beschwerdeführerin eine Replik einrei-
chen, worin sie an ihren Anträgen festhielt.
M. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen
näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen ergibt,
dass das Obergericht nach Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1) zur Behandlung der Beschwerde gegen den Rekursentscheid der
Vorinstanz zuständig ist und die Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind.
Nach Art. 32 Abs. 2 i.V.m. Art. 59 VRPG steht das Beschwerderecht den Gemeinden zur
Wahrung eigener öffentlicher Interessen zu. Gemäss Art. 3 Abs. 2 des Gesetzes über die
öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG, bGS 851.1) obliegt die Gewährung der
Sozialhilfe an Personen mit Aufenthalt im Kanton der Gemeinde, in der die hilfsbedürftige
Person ihren Unterstützungswohnsitz hat.
Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids und möglicher-
weise unterstützungspflichtiges Gemeinwesen durch den angefochtenen Entscheid in ihrem
Aufgabenbereich berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auf
die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
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des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den Sachver-
halt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der Angemessenheit ist
dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario).
3. Vorab gilt es festzuhalten, dass die Kommission B. ursprünglich mit Verfügung 1. Juli 2019
(act. 7.1/1) offenbar selbst die Auffassung vertrat, dass die Beschwerdegegnerin in A. ihren
Wohnsitz hat. Die Kommission B. hat in dieser Verfügung, welche in Rechtskraft erwachsen
ist, den Wohnsitz der Beschwerdegegnerin in der Gemeinde A. bejaht, was aus der Sach-
verhaltsfeststellung auf S. 1 klar hervorgeht (C. ist seit 01.07.2019 in A. wohnhaft. Sie ist von
D. zugezogen. Sie wohnt in einer 2.5-Zimmer-Wohnung an der G.-Strasse in A.). Um den
Unterstützungswohnsitz der Beschwerdegegnerin in A. nachträglich zu verneinen, müsste
demnach ein gesetzlicher Revisionsgrund im Sinne von Art. 26 Abs. 1 VRPG vorliegen (vgl.
dazu auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N.
1219). Aus der Verfügung der Kommission B. vom 20. August 2019 (act. 7.1/5), welche die-
sem Beschwerdeverfahren zugrunde liegt und in welcher der Unterstützungswohnsitz der
Beschwerdegegnerin in A. nachträglich verneint wurde, gehen jedoch keine entsprechenden
Revisionsgründe hervor. Dazu kommt, dass die Kommission B. bei Verneinung der örtlichen
Zuständigkeit gar nicht auf das Gesuch der Beschwerdegegnerin hätte eintreten bzw. dieses
nicht hätte behandeln dürfen (Art. 2 Abs. 1 VRPG; Art. 3 Abs. 1 SHG e contrario). Die Verfü-
gung vom 20. August 2019 erweist sich daher bereits aus diesen Gründen als fehlerhaft. Im
Weiteren erscheint es nicht sachgerecht, dass die unbestrittenermassen bedürftige Be-
schwerdegegnerin (bzw. ihre Beiständin) trotz ursprünglicher rechtskräftiger Anerkennung
des Unterstützungswohnsitzes in der Gemeinde A. nachträglich gezwungen wurde, die be-
strittene Zuständigkeit selbständig zu klären bzw. in mehreren Gemeinden dafür ein Rechts-
mittelverfahren zu durchlaufen. Wird ein Unterstützungswohnsitz trotz rechtskräftiger Verfü-
gung nachträglich von einer Gemeinde bestritten, müsste sinngemäss das Verfahren der
Richtigstellung im Sinne von Art. 28 und 33 f. und des Bundesgesetzes über die Zuständig-
keit für die Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz, ZUG, SR 851.1) zur Anwendung
gelangen, auf welches Art. 3 Abs. 3 SHG hinsichtlich des Unterstützungswohnsitzes verweist
(vgl. dazu auch GUIDO WIZENT, Sozialhilferecht, 2019, N. 268). Beim Richtigstellungsbegeh-
ren handelt es sich um ein der Revision nachgebildetes Rechtsinstitut, wobei qualifizierte
Gründe für eine Richtigstellung sprechen müssten und es nicht ausreicht, wenn sich eine
andere Lösung ebenfalls mit sachlichen Erwägungen vertreten lässt (Urteil des Bundesge-
richts 8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 2).
In Anbetracht dieser Umstände wäre grundsätzlich eine Rückweisung zur Neubeurteilung
und korrekten Durchführung des Verfahrens an die Kommission B. in A. angezeigt. Da die
Gemeinde D., gegen welche ein entsprechendes Begehren um Richtigstellung zu richten
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gewesen wäre, jedoch als Beigeladene in das vorliegende Beschwerde- und das vorange-
gangene Rekursverfahren einbezogen wurde und ein Sachentscheid der zuständigen
Rekursinstanz ergangen ist, erscheint eine Rückweisung der Streitsache an die Beschwer-
deführerin bzw. an die Kommission B. in A. aus verfahrensökonomischen Überlegungen
wenig sinnvoll. Die Beschwerde wird daher im Folgenden materiell behandelt.
4.
4.1 Im innerkantonalen Verhältnis obliegt gemäss Art. 3 Abs. 1 SHG die Gewährung der Sozial-
hilfe an Personen mit Aufenthalt im Kanton der Gemeinde, in der die hilfsbedürftige Person
ihren Unterstützungswohnsitz hat. Die Begründung und Aufgabe des Wohnsitzes richten sich
nach dem in Art. 3 Abs. 3 SHG normierten Verweis nach den Grundsätzen, die gemäss dem
ZUG im interkantonalen Verhältnis gelten. Die unterstützungspflichtige Person hat ihren
Wohnsitz im Sinne des ZUG in dem Kanton, in dem sie sich mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Art. 4 Abs. 1 ZUG). Nach Art. 4 Abs. 2 ZUG gilt die polizeiliche Anmel-
dung als wohnsitzbegründend, wenn nicht nachgewiesen ist, dass der Aufenthalt schon
früher oder erst später begonnen hat oder nur vorübergehender Natur ist. Dem Unterstüt-
zungswohnsitz gemäss Art. 4 ZUG liegt begriffsimmanent eine räumliche und persönliche
Beziehung einer Person zu einer bestimmten Gemeinde zugrunde. Der Unterstützungswohn-
sitz beginnt demnach mit der tatsächlichen Niederlassung, wobei weder an die Absicht noch
an die Dauer des Verbleibens zu strenge Anforderungen gestellt werden. Bei unsteten
Personen bildet bereits der länger andauernde Aufenthalt an einem Ort ein Indiz für die
Wohnsitzbegründung. Das Fehlen gefestigter sozialer und ökonomischer Beziehungen ist
insbesondere bei suchtkranken Personen typisch und kann für sich allein nicht ausschlagge-
bend sein. Andernfalls könnten solche Personen kaum je einen Unterstützungswohnsitz
begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3).
Die polizeiliche Anmeldung begründet eine Wohnsitzvermutung (Art. 4 Abs. 2 ZUG). Lässt
sich jemand mit der nach aussen erkennbaren Absicht des dauernden Verbleibens in einer
Gemeinde nieder und verfügt diese Person dort über eine ordentliche Wohngelegenheit,
begründet sie im Zeitpunkt der Niederlassung in jener Gemeinde ihren Unterstützungswohn-
sitz, selbst wenn sie sich dort nicht polizeilich angemeldet bzw. in der alten Wohngemeinde
nicht abgemeldet hat. Dass die betroffene Person trotz der gesetzlichen Wohnsitzvermutung
keinen Wohnsitz genommen, diesen aufgegeben oder erst später begründet hat, muss der
Meldekanton beweisen. Indizien für das Bestehen eines Unterstützungswohnsitzes sind
namentlich das Vorhandensein einer ordentlichen Wohnangelegenheit (eigene Wohnung,
Zimmer in einer WG, möbliertes Zimmer mit Mietvertrag etc.), für Dritte erkennbare
Umstände, die auf eine Absicht der betreffenden Person, sich in der Gemeinde niederzulas-
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sen, schliessen lassen (z.B. Postzustellung, Zeitungsabonnement, Telefonanschluss, Ver-
such, sich in der Gemeinde polizeilich anzumelden, Äusserungen gegenüber Dritten, in der
Gemeinde zumindest bis auf Weiteres bleiben zu wollen etc.) oder der nicht von vornherein
lediglich vorübergehende geplante Aufenthalt (d.h. es besteht keine Absicht, innerhalb einer
kurzen, zeitlich klar bestimmten Frist in die vorherige Wohngemeinde zurückzukehren oder
in eine dritte Gemeinde zu ziehen). Das Fehlen eines Unterstützungswohnsitzes darf nicht
leichthin angenommen werden. Insbesondere dürfen weder an die Wohnsitzbegründung,
v.a. von Personen, die an einer Suchtproblematik oder gesundheitlichen Problemen psychi-
scher Art zu kämpfen haben, allzu strenge Anforderungen gestellt werden, noch darf leichthin
von einem Verlust des Unterstützungswohnsitzes ausgegangen werden (Merkblatt der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe [SKOS] "Örtliche Zuständigkeit in der Sozialhilfe"
Bern 2019, Kapitel 3; Urteile des Bundesgerichts 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010 E. 4.1,
2A.420/1999 vom 2. Mai 2000 E. 6).
4.2 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die Beschwerdegeg-
nerin den Unterstützungswohnsitz in D. nach dem Austritt aus dem Heim der Stiftung E. in
F. aufgegeben habe. Mit der Anmeldung in A. und dem Bezug der dort gemieteten Wohnung
habe sie in A. einen Unterstützungswohnsitz begründet.
4.3 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass vorliegend keine Rede davon sein könne,
dass die Beschwerdegegnerin zu A. die intensivste Beziehung und dort den Mittel- oder
Schwerpunkt ihrer Lebensbeziehungen habe. Diese habe vor dem 1. Juli 2019 nie in A. ge-
wohnt. Vielmehr habe sie zu D. solche Bezugspunkte, wo sie mit ihrer Familie (Ehemann und
Tochter) gelebt habe. Es sei blosser Zufall, dass es die Beschwerdegegnerin nach A. ver-
schlagen habe, weil sie dort zufälligerweise eine Wohnung gefunden habe. Damit habe die
Vorinstanz den Sachverhalt unzureichend festgestellt und Art. 4 ZUG falsch angewendet.
Aus den Akten gehe hervor, dass die Beiständin sowie involvierte Fachpersonen und Be-
treuer im E. von Anfang an der Meinung gewesen seien, dass der Wunsch der Beschwerde-
gegnerin, selbständig zu wohnen, zum Scheitern verurteilt sei. In Anbetracht der Vertretungs-
beistandschaft sei nicht nachvollziehbar, weshalb man trotz aussichtsloser Prognose dem
"Wunsch" der Beschwerdegegnerin, eine Wohnung zu beziehen, nachgegeben habe und
weshalb man das langfristige Mieten einer Wohnung nicht verhindert habe. Es erscheine
fraglich, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund dieser Verbeiständung überhaupt urteilsfähig
gewesen sei, zu erkennen, was mit einem selbstständigen Wohnen an Anforderungen auf
sie zukomme und ob sie dem gewachsen sein würde und ob sie aufgrund der Verbeistän-
dung überhaupt handlungsfähig gewesen sei, einen Mietvertrag abzuschliessen. Mit dem
seit dem Gespräch vom 11. September 2019 (act. 7.11/1) bekannten Wissensstand
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erscheine das "Geschehen lassen" des Austritts aus dem E. und das langfristige Mieten einer
zufällig in A. gefundenen Wohnung als stossend und pflichtwidrig.
4.4 Vorab ist hervorzuheben, dass die Begleitungs- und Vertretungsbeistandschaft der
Beschwerdegegnerin und deren rund 15-monatiger Aufenthalt in der Stiftung E. bereits zum
Zeitpunkt der Verfügung vom 1. Juli 2019 bekannt war, womit es an der Beschwerdeführerin
bzw. der Sozialhilfebehörde von A. gewesen wäre, im Rahmen der von Amtes wegen durch-
zuführenden Ermittlung des Sachverhalts (Art. 10 VRPG) vor dem Erlass der Verfügung ent-
sprechende Nachforschungen über die Beschwerdegegnerin zu tätigen. Diesbezüglich ist
weder ein offensichtlicher Revisionsgrund im Sinne von Art. 26 Abs. 1 VRPG noch ein
Berichtigungsgrund nach Art. 28 ZUG ersichtlich. Soweit die Beschwerdeführerin der Bei-
ständin oder der Erwachsenenschutzbehörde ein pflichtwidriges Verhalten vorwirft, bildet
dies nicht Gegenstand dieses Verfahrens und ist auf ein allfälliges Staatshaftungsverfahren
nach Art. 454 ff. ZGB hinzuweisen.
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass sich die Beschwerdegegnerin in D. abgemeldet,
in A. eine Wohnung bezogen und sich in A. polizeilich angemeldet hat (act. 7.1/2), womit die
gesetzliche Vermutung gemäss Art. 4 Abs. 2 ZUG für deren Wohnsitzbegründung in A.
spricht. Die Aktenlage lässt zudem darauf schliessen, dass die Beschwerdegegnerin zur Ge-
meinde D. keine familiären Bindungen mehr hat, lebt sie doch von ihrem Ehepartner seit
längerer Zeit getrennt und ist die gemeinsame Tochter in H. (Gemeinde I.) fremdplatziert (act.
7.13/1). Damit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin mit der Anmeldung und
dem Einzug in die Wohnung in A. beabsichtigte, ihren neuen Lebensmittelpunkt dauerhaft in
A. zu begründen.
Es gibt im Weiteren keine Hinweise, dass die zwar verbeiständete aber urteilsfähige
Beschwerdegegnerin nicht in der Lage war, die Absicht zu bekunden, in der Gemeinde
A. zu verbleiben oder gar in Bezug auf die Unterzeichnung des Mietvertrags nicht handlungs-
fähig war (vgl. dazu das Schreiben von CC. vom 6. November 2019, act. 7.8). Verträte man
eine andere Auffassung, müsste die Absicht dauernden Verbleibens im Sinne von Art. 4 Abs.
1 ZUG bei unsteten Personen mit psychischen- oder Suchtproblemen regelmässig in Frage
gestellt werden, was der oben erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der
SKOS-Richtlinie 2019 klar entgegensteht. Bei der psychisch angeschlagenen und mit Alko-
holproblemen kämpfenden Beschwerdegegnerin dürfen daher bezüglich der Dauer des tat-
sächlichen Aufenthalts keine strengen Anforderungen gestellt werden. Der Beschwerdegeg-
nerin lässt sich zudem nicht vorwerfen, nicht versucht zu haben, sich dauerhaft in A. aufzu-
halten, ist sie doch aktenkundig mehrmals von der Stiftung E. in die Wohnung zurückgekehrt.
Dies bildet ein starkes Indiz für die subjektive Absicht, auf unbestimmte Zeit ("dauernd") in A.
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zu verbleiben. Im Weiteren gilt es festzuhalten, dass selbst die Absicht, einen Ort später
(aufgrund veränderter nicht mit Bestimmtheit vorauszusehender Umstände) wieder zu ver-
lassen, eine Wohnsitzbegründung nicht ausschliessen würde. Die Absicht dauernden Ver-
weilens muss nur im Moment der Begründung eines Wohnsitzes bestanden haben (Urteil
des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2020.00088 vom 11. Juni 2020 E. 5.7). Alleine aus dem
Umstand, dass sich die Beschwerdegegnerin nur kurz in der Gemeinde A. aufhielt, kann
deshalb nicht geschlossen werden, sie hätte keinen Wohnsitz begründet. Unter den akten-
kundigen Umständen darf der kurzen Dauer keine ausschlaggebende Bedeutung zugemes-
sen werden (Urteil des Bundesgerichts 2A.253/2003 vom 23. September 2003 E. 3.4). Ent-
scheidend war, dass beim Einzug in die Wohnung von Dauerhaftigkeit ausgegangen werden
konnte und nicht nur eine vorübergehende Lösung beabsichtigt war. Es liegen damit gewich-
tige Anhaltspunkte vor, dass die Beschwerdegegnerin den Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehun-
gen durch den Einzug in die Wohnung am 1. Juli 2019 mit der Absicht dauernden Verbleibens
nach A. verlegt hat.
5.
5.1 Art. 5 ZUG sieht vor, dass der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer anderen
Einrichtung und die behördliche Unterbringung einer volljährigen Person in Familienpflege
keinen Unterstützungswohnsitz begründen. Der Eintritt eines solchen Sachverhalts beendigt
einen bestehenden Unterstützungswohnsitz auch nicht (Art. 9 Abs. 3 ZUG). Beendet wird der
Unterstützungswohnsitz, wenn die bedürftige Person aus dem Wohnkanton wegzieht (Art. 9
Abs. 1 ZUG). Die Regelungen von Art. 5 und Art. 9 Abs. 3 ZUG gehen derjenigen von Art. 4
Abs. 2 ZUG grundsätzlich vor. Der Unterstützungswohnsitz kann sich damit bei Heiminsas-
sen vom Ort der tatsächlichen Anwesenheit unterscheiden (Urteil des Bundesgerichts
8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.2).
Was als "Heim", "Spital" oder "andere Einrichtung" im Sinne des Gesetzes gilt, wird in Art. 5
und Art. 9 Abs. 3 ZUG nicht definiert. Daraus ergibt sich, dass die Anwendung von Art. 5
ZUG immer mit Bezug auf den zur Diskussion stehenden Sachverhalt zu prüfen ist, um einer
zeitgemässen Interpretation des Heimbegriffs gerecht zu werden. Als Beurteilungskriterium
kommen etwa die Art und das Mass der angebotenen Dienstleistungen, der Grad der fest-
stellbaren Fremdbestimmung sowie der Abhängigkeitsgrad der betroffenen Person in Frage
(Urteil des Bundesgerichts 2A.603/1999 vom 7. Juni 2000 E. 3a). Gemäss Lehre sind die
Begriffe aufgrund der erwähnten Aufzählung, der Entstehungsgeschichte und Sinn und
Zweck der Bestimmung zum Schutz der Standortkantone in einem sehr weiten Sinne zu
verstehen, indem sie sich nicht nur auf Einrichtungen beziehen, die nach dem täglichen
Sprachgebrauch so bezeichnet werden, sondern alle möglichen Versorgungseinrichtungen
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umfassen, in denen erwachsene Personen zur persönlichen Betreuung oder Pflege, zur ärzt-
lichen oder therapeutischen Behandlung, zur Ausbildung oder Rehabilitation untergebracht
werden oder freiwillig eintreten. Es geht somit um Institutionen, die erwachsene Personen
aus einem bestimmten Grund oder zu einem bestimmten Zweck aufnehmen. Als Heime im
Sinne von Art. 5 ZUG gelten zum Beispiel: Alters- und Pflegeheime, Blindenheime, Bürger-
heime, Frauen- oder Männerheime, Aufnahme- oder Wohnheime aller Art, Unterkünfte für
Obdachlose, Formen des begleiteten Wohnens, Kur- und Erholungsheime, therapeutische
Wohngemeinschaften für psychisch Kranke und/oder Suchtkranke. (WERNER THOMET,
Kommentar zum Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger,
2. Aufl. 1994, Rz. 110 f.).
5.2 Die Vorinstanz vertritt im angefochtenen Entscheid die Auffassung, dass sich beim Einzug in
die Wohnung in A. die durch die Stiftung in Anspruch genommene Leistung auf den Besuch
der Tagesstruktur zwei Mal pro Woche sowie das wöchentliche gruppentherapeutische Set-
ting beschränkt habe. Weitere Leistungen oder Kontrollen durch die Institution seien nicht
vorgesehen gewesen. Von einer engen und intensiven Betreuung könne demzufolge keine
Rede sein. Die Beschwerdegegnerin sei nicht zum Zweck, die festgelegten Dienstleistungen
der Stiftung in Anspruch zu nehmen, nach A. gezogen. Diese hätten auch von einer beliebi-
gen anderen Ausserrhoder Gemeinde aus bezogen werden können. Es handle sich vorlie-
gend um eine ambulante Betreuung durch die Stiftung. Eigene Wohnungen, welche in
örtlicher Distanz zur Institution und in einer beliebigen anderen Gemeinde lägen, würden vom
Schutzzweck von Art. 5 ZUG nicht umfasst.
5.3 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass auch Formen begleiteten Wohnens unter
den Heimbegriff fallen würden, wenn das Dienstleistungsangebot insgesamt nur schon über
das blosse Wohnen hinausgehe und den Abhängigkeitsgrad der betroffenen Person
tangiere. Das für die Beschwerdegegnerin vorgesehene Setting (14-täglich psychologische
Gespräche, dazwischen Besuche von der Beiständin, 2 x pro Woche Besuch der Tagesstruk-
tur in der Stiftung E., 2 x pro Woche Besuch der L., obligatorische Teilnahme an gruppenthe-
rapeutischen Settings, Erarbeitung einer sinnvollen Tagesstruktur) zeigten sehr wohl eine
recht engmaschige und keineswegs bloss auf Freiwilligkeit basierende Betreuung. Externat-
Settings seien zwangsläufig recht weitgehend ambulant, da sich die Personen nicht in der
Institution selber aufhielten. Im Bericht der Stiftung E. vom 1. Oktober 2019 sei beschrieben,
wie man nach dem Wiedereintritt im E. am 4. Juli 2019 weiter verfahren wollte. Am Standort-
gespräch vom 5. Juli 2019 sei ein gezieltes Wohntraining geplant worden. Die Beschwerde-
gegnerin sollte an einzelnen Tagen von F. aus in ihre Wohnung gehen und sich langsam mit
fachlicher Unterstützung (L., Stiftung E.) an die Selbständigkeit gewöhnen. Dass man durch
dieses sogenannte Wohntraining auf eine mögliche Erlangung der Selbständigkeit hin habe
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arbeiten wollen, zeige, dass im damaligen Zeitpunkt von einem selbstständigen Leben in der
eigenen Wohnung nicht ansatzweise habe gesprochen werden können. Dass man aber ab
dem 8. Juli 2019 die Beschwerdegegnerin wieder mit dem ursprünglichen Setting in die Woh-
nung nach A. gelassen habe, sei nicht nachvollziehbar. Damit spreche das versuchte Exter-
nats-Setting - und erst recht das nach dem ersten Scheitern geplante Setting des Wohntrai-
nings - für das Erfüllen des Heimbegriffs.
5.4 Als Vorbemerkung gilt es erneut festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin bereits zum Zeit-
punkt der Verfügung vom 1. Juli 2019 bekannt war, dass die Beschwerdegegnerin 2 Mal
wöchentlich die Tagesstruktur der Stiftung E. in F. besuchen und 2 Mal wöchentlich durch
die L. betreut wird. Die ursprünglich geplanten Besuche der Beiständin und der L. sowie die
14-täglichen Gespräche mit dem Psychologen sind zudem stiftungs- und damit heimunab-
hängig. Neben einer zweitägigen Tagesstruktur in der Stiftung E. waren vor dem 1. Juli 2019
keine zusätzlichen Dienstleistungen im Sinne einer Heimbetreuung vorhergesehen. Das
Standortgespräch vom 5. Juli 2019, an welchem ein gezieltes Wohntraining geplant war, fand
offenkundig nach der Eröffnung der Verfügung statt. Damit sind auch diesbezüglich keine
offensichtlichen Revisionsgründe im Sinne von 26 Abs. 1 VRPG oder Berichtigungsgründe
nach Art. 28 ZUG erkennbar.
Gegen die Qualifikation der Wohnung in A. als "Heim" spricht zum einen der Umstand, dass
die Beschwerdegegnerin sich freiwillig und selbstbestimmt nach A. begeben hat und nicht
etwa aus therapeutischen Gründen oder zu einem anderen Sonderzweck in die Mietwohnung
gezogen ist. Vielmehr wollte sich die Beschwerdegegnerin entgegen der Empfehlung aller
Beteiligten von der Fremdbetreuung lösen und selbständig wohnen. Durch den Wegzug nach
A. ist sie damit nicht etwa in ein Heim eingetreten, sondern hat ein solches vielmehr verlas-
sen, woran der Umstand nichts ändert, dass sich nachträglich herausstellte, dass der Umzug
zu früh erfolgte. Die Wohnung in A. wurde zudem nicht etwa von der Stiftung E., sondern von
der Beschwerdegegnerin selbst gemietet. Die Beschwerdegegnerin bewohnte die Wohnung
in A. alleine, und diese Wohnung befindet sich ausserhalb des Stiftungsangebots, welches
sich auf Räumlichkeiten in F. und J. beschränkt. Im Gegensatz zu den von der Stiftung E.
angebotenen Wohnungen unterstand die Beschwerdegegnerin in A. denn auch nicht einer
bestimmten Hausordnung (vgl. dazu: K.). In Bezug auf die Organisation der Wohnung in A.
bestanden damit keine festen Regeln wie z.B. ein heimbedingter Plan zur Haushaltsführung
oder sonstige Verbindlichkeiten, welche einen Eingriff in die freie Gestaltung des Wohnens
darstellen würden. Das Wohnen in A. war nicht von der Inanspruchnahme der Therapiean-
gebote abhängig und es war keine jederzeitige Kontrolle durch eine Heimaufsicht möglich.
Aus den Akten geht nicht hervor, dass in A. überhaupt irgendwelche Dienstleistungen durch
die Stiftung angeboten wurden, womit eine klare Trennung von der Heimbetreuung und
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Heimgemeinschaft stattfand. Die Heimbetreuung war auch nicht Bestandteil des Mietverhält-
nisses, und beim monatlich zu bezahlenden Preis wurde weder ein Betreuungsaufwand ab-
gedeckt noch war der Mietvertrag heimbedingt befristet. Durch die Miete der Wohnung hat
sich die Beschwerdegegnerin nicht der Betreuung und der Kontrolle der Stiftung E. unterwor-
fen, weshalb in A. keine Fremdbestimmung durch die Stiftung vorlag. Daran vermag auch
der Umstand nichts zu ändern, dass die Beiständin der Beschwerdegegnerin die Betreuung
gemäss Aktennotiz vom 11. September 2019 (act. 7.11/1) als "Externats-Setting" bezeich-
nete, zumal die Beiständin damit - soweit ersichtlich - nur das der Beschwerdeführerin am
1. Juli 2019 bekannte Dienstleistungsangebot meinte und es sich bei einem "Externats-Set-
ting" nicht um einen rechtlich definierten Begriff handelt. Die Wohnung in A. ging somit ins-
gesamt nicht über das bei einem normalen Mietverhältnis Übliche hinaus. Demzufolge lag
kein über das reine Wohnen hinausgehender Zweck einer Institution in A. vor, womit die am
1. Juli 2019 begründete Wohnsituation nicht als "begleitetes" Wohnen" qualifiziert werden
konnte, welches unter den Heimbegriff im Sinne von Art. 5 ZUG fällt.
6. In Anbetracht dieser Umstände kommt das Obergericht zum Schluss, dass die von der
Beschwerdeführerin angeführten Umstände die gesetzliche Vermutung der Begründung
eines Unterstützungswohnsitzes nach Art. 4 Abs. 2 ZUG in A. nicht umzustossen
vermögen. Zudem liegen keine Revisionsgründe im Sinne von Art. 26 VRPG bzw. qualifi-
zierte Gründe nach Art. 28 ZUG vor, welche einen Widerruf oder eine Richtigstellung der
Verfügung vom 1. Juli 2019 rechtfertigen würden. Die Vorinstanz hat damit zu Recht festge-
stellt, dass sich der Unterstützungswohnsitz der Beschwerdegegnerin seit dem 1. Juli 2019
in der Gemeinde A. befindet, womit die Beschwerde abzuweisen ist.
7. Das vorliegende Verfahren ist kostenlos (Art. 22 Abs. 2 lit. b VRPG). Auf die Zusprechung
einer Parteientschädigung besteht mangels Antrags kein Anspruch (Art. 59 i.V. m. Art. 24
Abs. 1 VRPG).
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