Decision ID: 2d39e7b0-8f84-4e15-80d7-f45c61d5c4c8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 2014 geboren
e
X._
leidet
seit Geburt
an
einer komplexen Hirnfehl
bildung mit Corpus
Callosum
-Agenesie
sowie weiteren Geburtsgebrechen
(Urk. 8
/6). Am 2
7
. März 2015 wurde der Versicherte bei der Invaliden
ver
siche
rung angemeldet (Urk.
8
/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, anerkannte den Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behand
lung der Geburtsgebrechen Ziffern 152, 356, 381, 386, 387, 395 und 427 gemäss Anhang zur Verordnung über Ge
burtsgebrechen (
GgV
; vgl. Urk. 8/21-25, 8/38, 8
/5
1
). Zudem gewährte sie Kostengutsprache für ambulante Physiotherapie (Urk.
8
/26)
, eine Sitzschale mit Sitzschalen-Untergestell (Urk. 8/27)
, eine Bade
liege (Urk. 8/69), leistete
einen Kostenbeitrag an Unterschenkelorthesen beidseits (Urk. 8/84) und
gewährte
Kostengutsprache für orthopädische Spezialschuhe (Urk. 8/118)
.
Des Weiteren wurde Kostengutsprache für die Mietkosten
einer
mobile
n
Sauerstoff-Druckgasversorgung im Zusammenhang mit dem Geburtsge
brechen Ziffer 387
geleistet
(Urk. 8/155).
1.2
Am
7
.
April
2017
(Eingang)
erfolgte die Anmeldung zum Bezug einer
Hilf
losenentschädigung
für Minderjährige (Urk.
8
/72).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 8/80) sprach
die IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügung vom 7. September 2017
vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2032 (vorbehalt
lich einer Revision) eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit
zu
(Urk.
8
/93). Am 5. Oktober 2017 verordnete der behandelnde Arzt
,
Dr.
A._
, Facharzt Kinder- und Jugendmedizin und Neuropädiatrie,
Kinderspi
tex
für den Versicherten (Urk. 8
/96), woraufhin die
Kinders
pitex
B._
di
e Kostenübernahme für Abklärung,
Beratung
und medizinische Massnahmen
durch die IV-Stelle beantragte (Urk.
8
/98). Die IV-Stelle
nahm
am 30.
Novem
ber 2017
eine Abklärung
vor
Ort vor
(Abklärungs
bericht für
Kinderspitex
, Urk. 8
/107) und prüfte dabei auch den Anspruch auf
die
Hilflosenentschädigung
für Minder
jährige und
einen
Intensivpflegezuschlag neu (vgl. Urk.
8
/101,
8
/108). Mit Vor
bescheid vom 28. Dezember 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Erhöhung der
Hilflosenentschädigung
ab dem 1. Dezember 2017 bis 31. Dezem
ber 2032 (vorbehaltlich einer Revision) wegen Hilflosigkeit mittleren Grades in Aussicht;
ein Anspruch auf Intensivpflegezuschlag bestehe hingegen nicht
(Urk.
8
/109). Sodann wurde mit separatem Vorbescheid vom 28.
Dezember 2017 die Abweisung des
Leistungsbegehrens
für
Kinderspitexleistungen
angekündigt
(Urk.
8
/110). Nach
Einwanderhebung (Urk. 8/131, 8/142)
wurde mit Verfügung
en vom 27. März 2018 im Sinne der
Vorbescheid
e
vom 28. Dezember 2017 das Leistungsbegehren um Kostengutsprache für
Kinderspitexleistungen
abgewiesen
(Urk.
8
/149; separates Verfahren IV.2018.00438) und
die Erhöhung der
Hilf
losenentschädigung
für Minderjährige im Sinne des Vorbescheids gewährt;
ein Anspruch auf
Intensivpflegezuschlag wurde
verneint
(Urk.
8
/150
[=
Urk. 2/1]
).
2.
Der Versicherte liess am 8. Mai 2018 Beschwerde (Urk. 1) gegen die Verfügung vom 27. März 2018 (Urk. 2/1) erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzu
heben und
es sei ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt eine Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit und ein Intensivpflegezuschlag zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
). Mit Verfügung vom 3. Juli 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und dem Beschwerdeführer Fr
ist zur Replik angesetzt (Urk. 9
). Mit Eingabe vom 10. September 2018 verzichtete der Beschwerdeführer auf eine Stellungnahme (Urk.
11
), was der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 13. September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 1
2
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosen
entsc
hä
digung
. Vorbehalten bleibt
Art.
42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebens
verrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V
297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
sieht drei Hilflosig
keitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittel
schwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (B
GE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E.
2).
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.3
Gemäss Art.
42
bis
Abs. 5 IVG haben Minderjährige keinen Anspruch auf eine
Hilf
losenentschädigung
, wenn sie lediglich auf lebenspraktische Begleitung ange
wiesen sind. Bei ihnen ist auss
erdem nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV). Diese Sonderregelung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Überwachungsbedürftigkeit auch bei voller Gesundheit besteht. Massgebend für die Bemessung der Hilflosigkeit bei diesen Versicherten ist daher der Mehrauf
wand an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem nicht invaliden Minderjährigen gleichen Alters.
Für
M
inderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird die
Hilflosenentschädigung
gemäss Art. 42
ter
Abs.
3 IVG um einen Intensiv
pflegezu
schlag erhöht.
Gemäss Art. 39 IVV liegt eine intensive Betreuung im Sinne
von Art. 42
ter
Abs.
3 IVG bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stunden benötigen (
Abs.
1). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf
an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minder
jährigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich ver
ordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (
Abs.
2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesund
heit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbe
dingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar.
1.
4
Im Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über Invali
dität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) werden die in Art. 39 Abs. 2 und 3 IVV geregelten Tatbestände
konkretisiert (
Rz
80
74
ff. KSIH in der ab
1. Januar 2015
gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung
Stand:
1.
Januar 2018
).
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durch
führungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
an
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen (vgl. auch
Rz
8131 ff. KSIH). Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforde
rungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine quali
fizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensver
richtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Per
sonen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet
und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
Diese mit Bezug auf die Bemessung der Hilflosigkeit ergangene Rechtsprechung gilt analog auch, wenn der Intensivpflegezuschlag zur
Hilflosenentschädigung
Minderjähriger streitig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 684/05 vom 19. Dezember 2006 E. 4.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2/1) davon aus, dass die vermehrte Dritthilfe beim Ankleiden/Auskleiden und beim Wickeln beim dreijährigen Beschwerdeführer
neu
angerechnet werde. Da
mit
bestehe
ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades, wobei die Leistungserhö
hung per 1. Dezember 2017 erfolge. Ein Anspruch auf Intensivpflege
zuschlag
bestehe nicht
(Urk. 2/1 S. 2)
. Die Entscheidung begründet
e
die Beschwerde
gegnerin
insbesondere
damit, dass in der Regel
eine behinderungsbedingte Über
wachungsbedürftigkeit vor dem 6. Altersjahr verneint werde, da vor diesem Alter auch ein gesundes Kind Überwachung brauche, wobe
i mögliche Ausnahmen im Anhang III
des Kreisschreibens beschrieben
würden
. Bei Kindern mit medikamen
tös nicht einstellbarer Epilepsie könne je nach Schweregrad und Situation die Überwachung schon ab
vier
Jahren anerkannt werden.
Die Beschwerdegegnerin
wies darauf hin
, dass der Beschwerdeführer im Dezember 2018 das 4. Altersjahr vollenden werde, wobei dann allenfalls geprüft werden müsse, wie die medika
mentösen Massnahmen sich auf die Anfallsereignisse auswirk
t
en und ob ein Überwachungsbedarf anerkannt werden könne (vgl.
Anhang zu Urk. 2/1,
Stellungnahme Abklärungsdienst S. 1 f.). Insgesamt werde der tägliche Min
destaufwand von
vier
Stunden pro Tag knapp nicht erreicht, weshalb am
ursprünglichen Entscheid festgehalten werde (
An
h
ang zu Urk. 2/1,
Stel
lung
nahme Abklärungsdienst S. 5
).
2.2
Im Namen des
Beschwerdeführer
s
wurde
hingegen geltend
gemacht
, dass ein Abstellen auf das Kriterium des Alters im vorliegenden Fal
l zu kurz greife und dem vorliegend zu beurteilenden Einzelfall eines schwerstbehinderten Kindes nicht gerecht werde
(Urk. 1 S. 10)
.
Im Falle des Beschwerdeführers sei jederzeit mit Anfällen zu rechnen, die eine Spitaleinweisung erfordern würden, weshalb eine Betreuungsperson sich stets in unmittelbarer Nähe aufhalten müsse. Es handle sich dabei um eine 1:1-Überwachung, was bei weitem nicht dem Über
wa
chungsbedarf eines gesunden Kindes im selben Alter entspreche. Es seien dem Beschwerdeführer daher vier Stunden für die behinderungsbedingte Über
wa
chung als Betreuungsaufwand im Sinne von Art. 39 Abs. 3 IVV anzurechnen (Urk. 1 S. 11). Des Weiteren sei der Mehrbedarf an Grund- und Behandlungs
pflege beim Beschwerdeführer in einzelnen Verrichtungen zu Unrecht nicht oder unzureichend berücksichtigt worden (Urk. 1 S. 12).
Da der Beschwerdeführer überwachungsbedürftig und in sämtlichen Lebensver
richtungen hilfsbedürftig sei, habe er Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
schweren Grades
,
und da der Betreuungsaufwand mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit bei mehr als acht Stunden liege, Anspruch auf den entsprechenden Intensivpflegezuschlag (Urk. 1 S. 16).
3.
3.1
Dr.
C._
, Fachärztin Kinder- und Jugendmedizin, stellte in ihrem Bericht vom 22. Juni 2015
(Urk. 8/17/5-7)
folgende Diagnosen:
-
Komplexe Hirnfehlbildung mit Corpus
callosum
-Agenesie, progrediente
Ventrikulomegalie
und Kleinhirnhypoplasie
-
Muskuläre Rumpfhypotonie und Hypertonie der Extremitäten
-
Strabismus
convergens
alternans
-
Kyphosierung
der mittleren Halswirbelsäule ohne Myelopathie
-
Torticollis
rechts mit
Plagiocep
h
alus
rechts
-
Globaler Entwicklungsrückstand
Dr.
C._
führte aus, es sei in Anbetracht der komplexen Hirnfehlbildung mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Lernbehinderung zu re
chnen (Urk. 8/17/5). Es sei zud
e
m
von einer dauerhaften motorischen und vermutlich auch kognitiven Entwicklungsstörung auszugehen (Urk. 8/17/6).
3.
2
Im Arztbericht vom 17. Mai 2017
(Urk. 8/102/5-7)
von Dr.
A._
, Facharzt Kinder- und Jugendmedizin sowie Neuropädiatrie, wurden folgende Diagnosen aufgeführt:
-
Komplexe Hirnfehlbildung mit Hydrozephalus mit/bei:
-
Corpus
callosum
Agenesie
-
Kleinhirnhypoplasie
-
Status nach
Shuntimplantation
08/2015
-
Kyphosierung
der mittleren Halswirbelsäule ohne Myelopathie
-
Torticollis
rechts mit mildem
Plagiocephalus
rechts
-
Globaler Entwicklungsstörung
-
Strabismus
convergens
alternans
-
Status nach Status
epilepticus
bei Fieber (09 und 11/2015) sowie
afebrilen
Anfällen
-
Atones
Anfallsereignis über ca. 18 Minuten am 05.04.2017
-
Erneuter Status
epilepticus
am 06.05.2017
-
Funktionelles
Systolikum
Aus dem Bericht geht hervor, dass es am 5. April 2017 zu einem erneuten Anfallsereignis ohne Fieber mit über 18 Minuten schlaffen Extremitäten
gekommen sei
. Die Dosis von
Levetiracetam
sei im Anschluss leicht erhöht wor
den. Am 6. Mai 2017 sei es erneut zu einem Anfallsereignis gekommen, wobei es in den Abendstunden zu einem
Tonusverlust
mit vermehrtem Schwitzen und Speichelfluss ohne Augenverdrehen
,
jedoch mit abdriftendem Blick gekommen sei. Die Episode habe rund 40 Minuten gedauert. I
n der Ambulanz sei es zu einem s
ichtbaren horizontalen Nystagmus gekommen, wobei im Kindernotfall nochmals
Buccolam
gegeben worden sei. Im Anschluss sei es
zu einer
Atemdepression gekommen und eine
Hospitalisation
auf der Intensivstation sei notwendig gewe
sen. Nachts habe der Beschwerdeführer nochmals einen tonisch-klonischen Anfall gehabt (Urk. 8/102/5). Die Therapie mit
Levetiracetam
werde weiter fort
geführt. Gemäss den Aussagen von Dr.
A._
mache der Beschwerdeführer in allen Bereichen leichte Entwicklungsfortschritte, gehalten könne er nun
s
itzen und
er
versuche in den
Vierfüsslerstand
zu gelangen, fortbewegen könne er sich hingegen noch nicht. Der Beschwerdeführer könne problemlos grob pürierte Sachen schlucken, selten komme es zu
m
Verschluc
ken von Wasser (Urk. 8/102/6).
3.3
Am 30. November 2017 fand eine Abklärung beim Versicherten zu Hause statt. Nebst der Abklärungsperson waren der Versicherte, seine Mutter sowie eine Dritt
person der
Kinderspitex
anwesend (Urk. 8/108/1).
Dem Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige und Intensivpflegezuschlag vom 27. Dezember 2017 (Urk. 8/108) ist zu entnehmen, dass es gemäss Angaben der Mutter häufig
zu Spitaleintritten komme.
Normalerweise seien die Notfallfahr
t
en
der Epilepsie zuzuschreiben.
Der Beschwerdeführer sei jedoch am Wochenende zuvor ausserhalb der Epilepsie bewusstlos geworden. Ein Zusammenhang mit dem Shunt habe sich nicht erhärten lassen. Der Beschwerdeführer sei dehy
d
riert gewesen, da er sich während der Akutphase
einer
Erkältung beim Essen und Trinken in Verweigerungshaltung begeben
habe. Nach venöser Flüssigkeits
gabe habe er sich soweit schnell wieder erholt. Die Epilepsie des Beschwerdeführers
folge
keinem erkennbaren Muster, wobei rund 90 % der Anfälle gehäuft nachts auftreten würden. Bisher habe die Epilepsie medikamentös nicht erfolgreich ein
gestellt werden können (Urk. 8/108/2).
4.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte, dass der Beschwerdeführer neben den bereits in der Verfügung vom 7. September 2017 anerkannten alltäglichen Lebensverrichtungen (Aufstehen/Absitze
n/Abliegen, Essen, Fortbewegung; vgl.
Urk. 8/93/2
) seit Dezember 2017 auch in den Bereichen
Ankleiden/Aus
kleiden
sowie
Wickeln
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist
(vgl. Urk. 8/150/2)
. Zu prüfen ist daher bloss, ob in der Lebensverrichtung Körperpflege eine Hilfsbedürftigkeit gegeben ist, der zeitliche Mehraufwand in den Bereichen Essen, Verrichtung der Notdurft
(Wickeln)
sowie dauernde medi
zinisch-pflegerische Hilfe zutreffend erfasst wurde und der Beschwerdeführer einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf,
sodass
die Voraussetzungen für eine
Hilflosenentschädigung
schweren Grades sowie einen Intensivpflege
zuschlag erfüllt
wären
.
Gemäss Randziffer (
Rz
) 8070 ff. KSIH ist im Rahmen der anrechenbaren Betreu
ung bei der Behandlungs- und Grundpflege der zeitliche Mehraufwand für die Betreuung gegenüber gleichaltrigen nichtbehinderten Minderjährigen zu berück
sichtigen, der durch Massnahmen der Behandlun
gspflege (d.h. medizinische Mas
s
nahmen, sofern nicht durch medizinische Hilfspersonen erbracht), und beziehungsweise oder der Grundpflege verursacht wird. Zur Sicherstellung der Rechtsgleichheit bei der Anspruchsbemessung wurden zum anrechenbaren Mehr
aufwand zeitliche Höchstgrenzen festgelegt. Anhang IV zum KSIH nennt diese Höchstgrenzen sowie die für die Betreuung nicht behinderter Minderjähriger not
wendige Zeit (vgl.
Rz
8074
KSIH
).
4.1
4.1.1
Im Bereich Essen wurde
im Abklärungsbericht
festgehalten,
d
er Beschwerdeführer könne
weder
kauen
noch
den L
ö
ffel führen und die Flasche nicht halten, weshalb dieser Bereich
weiterhin ausgewiesen sei. Das E
ssen werde sehr weich gekocht und sei schluckfertig zerkleinert, müsse dem Beschwerd
eführer hingegen voll
ständig ein
gegeben werden, weil das gezielte Greifen nicht gelinge. Je nach
Bereitschaft des Beschwerdeführers sei die Essensabgabe mehr oder weniger auf
wändig (Urk. 8/108/3). Seinen Milchschoppen trinke er teilweise selbst, wenn das Gefäss gut positioniert werde, könne er es halten. Er verliere den Schoppen jedoch zwei bis drei Mal, wobei dieser wieder positioniert werden müsse. Die Medika
mente
würden
dem Beschwerdeführer jeweils im Essen versteckt verabreicht
(Urk. 8/108/4)
.
In der Stellungnahme der Abklärungsperson wurde sodann fest
gehalten, d
er Beschwerdeführer
trinke
gut, wobei diese Aussage vor Ort
gemacht worden sei und auch mit dem Vorbericht übereinstimme.
Es sei zwar in einer Akutphase eines Infekts dazu gekommen, dass der Beschwerdeführer die Nahrungsaufnahme verweigert
habe
, sodass er dehydriert
sei
, jedoch komme dieses Verhalten bei vielen Kleinkindern bei akuten Infekten vor. Beim Beschwer
deführer liege keine schwerwiegende und dauernde Nierenerkrankung oder eine Erkrankung aus dem
Bereich Stoffwechselerkrankung
vor, weshalb nicht von medizinisch begründeten vermehrten Getränkegaben gesprochen werden könne. Für die Essensabgabe sei die Maximalpauschale von 80 Minuten für das drei
jährige Kind zugeordnet worden. Für das Pürieren der Mahlzeiten sei
sodann
der entstehende Mehraufwand im Bericht ebenfalls berücksichtig worden. Schluck
beschwerden
seien
zudem nirgend
s
dokumentiert (Urk. 8/147/3
; vgl. auch Urk. 8/108/4
).
Der Beschwerdeführer machte hingegen geltend, er
habe
seit Geb
urt eine Nieren
problematik
, weshalb seine Organe regelmässig untersucht und beobachtet werden
müssten
. Zudem treffe die Aussage, wonach er zwar nicht k
auen, aber gut schlucken könne, nicht zu. Die Eltern seien von der Logopädin angewiesen worden, vor und während der Nahrungsaufnahme den Mund und die Stirn zu stimulieren, damit der Beschwerdeführer die notwendigen Rotationsbewegungen durchführen könne. Die hinterlegten Maximalwerte seien irrelevant, entscheiden
d
sei der Einzelfall, wobei im vorliegenden Fall für die Einnahme einer Hauptmahl
zei
t jeweils 45 Minuten benötigt wü
rden. Es rechtfertige sich daher, für den behinderungsbedingten Mehraufwand mindestens 150 Minuten zu berücksichti
gen (Urk. 1 S. 12-13
Ziff.
5.2).
Dieser
Auffassung ist nicht zu folgen.
A
us den Akten ist nicht ersichtlich, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Nieren vorliegen würde,
welche ein ausserhalb des Üblichen liegendes Trinkverhalten notwendig machte. Was sodann beschwerdeweise hinsichtlich Kau- und Schluckverhalten des Beschwerdeführers vorgebracht wird, vermag eine klare Fehleinschätzung der Abklärungsperson nicht zu begründen. Gemäss Angaben von
Dr.
A._
ist der Beschwerdeführer problemlos in der Lage, grob pürierte Speisen zu schlucken (E. 3.2). Dem durch die Zubereitung von pürierter Kost entstehenden Mehraufwand ist denn auch mit
25 Minuten Rechnung getragen worden (Urk. 8/108/4). Weitere, darüberhinaus
gehende Aspekte, wie etwa die Notwendigkeit von
Sondenernährung
, sind nicht aktenkundig. Die Abklärungsperson hat eine maximale Tagespauschale von 80
Minuten sowie zusätzlich von 25 Minuten für pürierte Koste berücksichtigt, dem
gegenüber bloss 15 Minuten für die altersentsprechende Hilfe in Abzug gebracht (
Urk.
8/108/4), was als angemessen zu betrachten und mithin nicht zu beanstan
den ist.
4.1.2
Aus dem Abklärungsbericht ergibt sich ferner, dass aufgrund
des Alters des Beschwerdeführers die Körperpflege noch nicht angerechnet
werden könne
. Dem Beschwerdeführer sei seitens der Invalidenversicherung ein
Badesitz
zugespro
chen worden. Die Mutter habe jedoch mitgeteilt, dass er das Hilfsmittel
anfangs
gerne gehabt
habe
, dies jedoch nicht mehr so sei, weshalb sie mit ihrem Sohn in die Wanne steige. Schwierig sei zudem die Durchführung der Zah
n
pflege (Urk. 8/108/4).
In der Stellungnahme wurde zudem ausgeführt, dass
in begrün
deten Fällen bereits ab dem 4. Altersjahr die Hilflosigkeit als gegeben erachtet werden könne, sofern zwei Personen aus medizinischer Sicht notwendig seien um das Kind zu baden. Diese Vorgabe sei beim Beschwerdeführer jedoch nicht erfüllt, auch wenn die Mutter ihn auf ungewöhnliche Weise bade und mit ihm zusammen in die Wanne steige. Zudem sei davon auszugehen, dass die erschwerte Zahn
pflege mit methodisch-pädagogischen Mitteln überwindbar sei. Aus medizini
schen Gründen bestehe jedoch keine Notwendigkeit zur Anwesenheit einer zweiten Person bei der Zahnpflege, ein Kind in diesem Alter sei beim Zähne
putzen immer auf die Anwesenheit beziehungsweise Unterstützung einer Hilfsperson angewiesen, weshalb die Hilflosigkeit in diesem Bereich derzeit nicht bejaht werden könne (Urk. 8/147/3-4).
Der Beschwerdeführer
machte in Bezug auf die Körperpflege geltend, die Mutter müsse, um Stress für ihn zu vermeiden, mit ihm in die Badewanne steigen, um ihn drei Mal wöchentlich baden
zu können. Zudem gerate der Beschwerdeführer aufgrund der diversen Intubationen und zahlreichen oralen Zwangsmedikationen in Panik, wenn man ihm die Zähne oder Nase putzen möchte. Er wehre sich bei diesen Massnahmen mit Händen und Füssen und überstrecke sich, weshalb
die
Hilfe einer dritten Person erforderlich sei. Es würden im vorliegenden Fall aus
serordentliche Verhältnisse vorliegen, die mit dem Aufwand für ein gesundes Kind im selben Alter nicht vergleichbar seien, weshalb der Beschwerdeführer im Bereich Körperpflege hilflos sei und für die Zahnpflege täglich 15 Minuten und für das Baden
fünf
Minuten an den behinderungsbedingten Betreuungsaufwand anzurechnen seien (Urk. 1 S. 13-14
Ziff.
5.3).
Bei der Abklärung vor Ort führte die Mutter aus, dass die Zahnpflege schwierig durchzuführen sei, wobei in diesem Zusammenhang nicht geltend gemacht wurde, dass die Zahnpflege jeweils durch zwei Hilfspersonen durchgeführt werden müsse. Auch wenn die Mutter jeweils mit dem Beschwerdeführer in die Wanne steigen muss, um ihn zu beruhigen, so ist weiterhin von einer altersge
rechten Hilfsbedürftigkeit auszugehen, zumal auch gleichaltrige dreijährige Kinder beim Baden auf die Hilfe
der
Eltern angewiesen sind.
Hinweise dafür, dass die Mithilfe einer Drittperson aus medizinischen Gründen unabdingbar wäre (vgl.
Anhang III KSIH, Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen), was die Berücksichtigung eines Mehraufwands bei der Körper
pflege von Schwerstbehinderten erlaubte, ergeben sich nicht aus den Akten. Eine klare Fehleinschätzung der Abklärungsperson liegt damit nicht vor.
4.1.3
Die Abklärungsperson hielt im
Bereich Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
fest, dieser
sei seit Dezember 2017 ausgewiesen, da der Beschwerdeführer
insge
samt rund acht Mal pro Tag
gewickelt werden müsse
. Von der maximalen Tages
pauschale von 25 Minuten wurde ein altersbedingter Abzug von 10 Minuten vor
genommen, weshalb invaliditätsbedingt ein Mehraufwand von 15 Minuten täglich
resultierte
(Urk. 8/108/4).
Im Bereich Notdurft machte der Beschwerdeführer geltend, dass der häufigere Windelwechsel von mindestens acht Mal pro Tag zwar vermerkt worden, jedoch zeitlich unberücksichtigt geblieben sei. Der Beschwerdeführer überstrecke sich beim Wickeln und drehe den Körper auf die Seite, weshalb ein täglicher Mehr
aufwand von 40 Minuten zu berücksichtigen sei (Urk. 1 S. 14
Ziff.
5.4).
Nachdem vom Beschwerdeführer geltend gemacht
worden war
, in der Zwischenzeit
habe
so viel Stabilität erreicht werden
können
, dass er auf den Topf gesetzt werden könne, hielt die
Abklärungsperson
in der Stellungnahme fest, obwohl nicht bekannt sei, seit wann, wie oft und auf welche Weise mit dem Beschwerdeführer trainiert werde,
werde
selbst bei Anrechnung des maximal möglichen Mehrauf
wands von
20 Minuten für das
Topftrainig
der tägliche Mindestaufwand von vier Stunden knapp nicht erreicht
(Urk. 8/147/5)
.
Die Abklärungsperson legte ausführlich dar, weshalb eine Tagespauschale von 25
Minuten für das tägliche Wickeln gerechtfertigt sei. Sie wies alsdann zu Recht darauf hin,
dass auch bei Berücksichtigung des Topftrainings von 20 Minuten pro Tag der Mindestmehraufwand von vier Stunden täglich nicht
erreicht werde. G
emäss KSIH
beträgt
der Maximalwert
des behinderungsbedingten
pauschalen
Mehraufwands
30 Minuten, wobei bei Kindern bis
zu
drei Jahre
n
eine altersent
sprechende Hilfe von 30 Minuten bei sechs Windelwechseln
angenommen wird
.
Daher ist
nachvollziehbar
, dass auch unter Berücksichtigung der
acht Wickelvor
gänge (je 5 Minuten
mehr
ab sechs Mal pro
Tag), dem Toilettentraining (20
Minuten) sowie nach Abzug des altersbedingten
Aufwands
von bis zu 30
Minu
ten,
ein
Mehraufwand von
täglich
vier Stunden nicht erreicht wird. Die Ein
schätzung der Abklärungsperson erweist sich daher auch diesbezüglich nicht als klare Fehleinschätzung, weshalb daran festzuhalten ist.
4.1.4
Gemäss Abklärungsbericht
ist
im
Bereich dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe beim Beschwerdeführer weiterhin
Dritthilfe
ausgewiesen. Dabei wurde ein invaliditätsbedingter zeitlicher Mehraufwand von 51 Minuten für die Physio
therapie im Alltag,
das Anziehen der
Orthesen und das Dehnen angerechnet. Die
zweimal tägliche
Medikamentenabgabe mit dem Essen wurde zeitlich in diesem Bereich nicht angerechnet (Urk. 8/108/5).
Der Beschwerdeführer machte hingegen geltend,
das
s ihm das
Medikament
Valproat
mit einer Spritze aufgezogen und tröpfchenweise
verabreicht
werde, dies sei ärztlich verordnet worden. Es sei daher ein täglicher Mehraufwand von min
destens 10 Minuten anzurech
nen. Mit dem Beschwerdeführer wü
rden zudem logopädische Übungen durchgeführt, welche nicht als pädagogische, sondern als medizinische Massnahmen zu werten seien. Dafür sei ein täglicher Aufwand von täglich 30 Minuten zu berücksichtigen (Urk. 1 S. 15
Ziff.
5.5).
Gemäss
Anhang IV zum KSIH entfällt vor dem 1
5.
Altersjahr eine Anrechnung für die orale Verabreichung von Medikamenten. Hieran vermag nichts zu ändern, dass der Wirkstoff
Valproat
offenbar in flüssiger Darreichungsform vorliegt und mittels Spritze tröpfchenweise verabreicht wird. Weder resultiert hieraus ein erheblicher Aufwand, noch handelt es sich um eine spezielle Applikationsform wie etwa die subkutane oder intramuskuläre Verabreichung, wofür ein Mehrauf
wand anzuerkennen wäre. Ferner hat die Abklärungsperson für das Durchführen von Physiotherapie im Alltag einen Mehraufwand von 21 Minuten täglich aner
kannt (
Urk.
8/108/5). Soweit darüber hinaus die Berücksichtigung des täglichen Therapieaufwandes für die Durchführung von logopädischen Übungen zu Hause gefordert wird, ist darauf hinzuweisen, dass eine Kostengutsprache für eine solche Therapieform nicht aktenkundig ist. Nachdem beim Intensiv
pflege
zuschlag bloss Therapien zu berücksichtigen sind, für deren Kosten die Invalidenversicherung aufkommt (vgl.
Rz
8077.1
KSIH
), ist der von der Abklärungs
person festgestellte Mehraufwand im Bereich dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe nicht zu bean
standen.
4.1.5
Die schwere Hilflosigkeit setzt voraus, dass die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies
der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (vgl. E. 1.2). Im Abklärungsbericht wurde plausibel und begründet ausgeführt, bezüglich welcher einzelner alltäglicher Lebensverrichtungen der Beschwerdeführer hilflos im Sinne von Art. 9 ATSG ist,
wobei
auch die Angab
en der Mutter mitberücksichtigt
wurden
. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungs
grundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen (vgl. E. 1.
5
).
Es
besteht kein Grund, an der Kompetenz der Abklärungsperson zu zweifeln. Der Bericht genügt insbesondere den in den Erwägungen E. 1.5 hiervor umschriebe
nen Erfordernissen und klare Fehleinschätzungen der Abklärungsperson sind keine ersichtlich, womit kein Anlass besteht, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person einzugreifen. Gestützt auf deren beweiskräftigen Bericht besteht damit keine Hilflosigkeit in allen
alltäglichen Lebensverrichtungen, wes
halb ein
Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
schweren
Grades zum Verfü
gungszeitpunkt
nicht gegeben
ist
.
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer stellte sich
sodann
hinsichtlich Überwachung
auf den Standpunkt, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf das Kriterium des Alters abstelle,
was
dem vorliegenden Einzelfall eines schwerstbehinderten Kindes nicht gerecht werde. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts komme dem Kreis
schreiben keine Verbindlichkeit zu. Zudem sei im betreffenden Anhang
zum
KSIH vermerkt, dass es sich um Richtlinien handle und die Altersangaben als blosse Orientierungswerte dienen sollten, die nicht absolut anzuwenden seien. Beim Beschwerdeführer bestehe immer die latente Gefahr eines unvorhersehbaren akuten Anfalls, bei welchem sofort medizinische Massnahmen zu ergreifen seien, weshalb eine Betreuungsperson sich stets in unmittelbarer Nähe aufhalten müsse. Der Überwachungsbedarf entspreche bei weitem nicht dem eines gesunden Kindes im selben Alter (Urk. 1 S. 10-11 Ziff. 4.4). Dem Beschwerdeführer seien daher vier Stunden für die behinderungsbedingte Überwachung als Betreuungsaufwand im Sinne von Art. 39
Abs.
3 IVV anzurechnen (Urk. 1 S. 11 Ziff. 4.6).
4.2.2
Die Beschwerdegegnerin anerkannte zwar, dass
der Beschwerdeführer
in den Bereichen An- und Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abl
iegen, Essen, Notdurft und
Fortbewegung
hilfsbedürftig ist
sowie
der
dauernde
n
Pflege
bedarf
(vgl.
Urk. 8/108/6). In Bezug auf die persönliche Überwachung
erklärte
die Abklärungsperson, dass der Beschwerdeführer
zwar
überwacht werden müsse, dies sei jedoch wie bei jedem Kleinkind. Die Anfälle würden überwiegend nachts auftreten, wobei sich die Mutter auf ihren Instinkt verlasse und auf Anraten der
behandelnden Ärzte auf e
inen
Pulsoxymeter
wegen häufiger
Fehlalarme ver
zichte. Vorliegend wurde erwogen, dass gemäss
Anhang III zum
KSIH grundsätz
lich vor dem 6. Altersjahr eine persönliche Überwachung nicht als anrechenbar in Betracht zu ziehen sei. Bei Kindern mit häufigen Epilepsieanfällen könne je nach Schweregrad und Situation die Überwachung bereits ab dem 4. Altersjahr anerkannt werden (Urk. 8/108/5). Mit Stellungnahme vom 27. März 2018 (Urk. 8/147) hielt die Abklärungsperson fest, dass die Überwachungsbedürftigkeit für den Intensivpflegezuschlag eine relevante zeitliche Einheit darstelle, weshalb deren Prüfung immer ein besonderes Augenmerk geschuldet sei. Der Beschwer
deführer vollende das 4. Altersjahr im Dezember 2018, weshalb allenfalls dann geprüft werden müsse, wie die medikamentösen Massnahmen sich auf die Anfallsereignisse auswirk
t
en und ob ein Überwachungsbedarf anerkannt werden könne. Die Ärzte seien bis zu diesem Zeitpunkt nicht von einer
uneinstellbaren
, sondern von einer schwer einstellbaren Epilepsie ausgegangen
.
Z
urzeit
könne
kein Überwachungsbedarf für den Intensivpflegezuschlag anerkannt werden (Urk. 8/147/1-2).
4.2.3
Der Beschwerdeführer war im Abklärungszeitpunk drei Jahre alt.
Gemäss Anhang III
zum
KSIH wird ein Mehraufwand bei schwerstbehinderten
Kindern ab vier Jahren
bei
persönliche
r
Überwachung anerkannt
.
Wenngleich es - wie der Beschwerdeführer vorbringen lässt (
Urk.
1 S. 10) - zutrifft, dass Verwaltungsweisungen keine Rechtsnormen und für die Gerichtsin
stanzen nicht verbindlich sind, vermag er aus dem von ihm zitierten Urteil des Bundesgerichts (8C_461/2015 vom
2.
November 2015) nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Zum einen lag dem fraglichen Urteil eine ältere Version des KSIH zugrunde, dessen Anhang III insbesondere kein Mindestalter von vier Jahren hin
sichtlich des Bedarfs an persönlicher Überwachung bei Kindern mit häufigen Epi
lepsie-Anfällen vorsah. Zum anderen erlaubt der hier anwendbare Anhang III zum KSIH eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der im Rahmen der
Hilflosenentschädigung
beziehungsweise des Intensivpflegezu
schlags anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen: In Berücksichtigung dessen, dass vor allem dem Vergleich mit dem Verhalten eines gleichaltrigen Kindes besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist (
Rz
8078
KSIH
mit Hinweis auf BGE
137 V 424), wird eine persönliche Überwachung vor sechs Jahren in der Regel nicht in Betracht gezogen. Davon ist aber bei schwer
wiegenden gesundheitlichen Einschränkungen (Autismus, Kinder mit medika
mentös nicht einstellbarer Epilepsie) abzuweichen, sofern das Kind vierjährig ist. Sodann ist eine Ausnahme ohne Altersbegrenzung statuiert, sofern Erstickungs
gefahr bei häufigem Erbre
chen droht. Ferner wird im Anhang III zum KSIH eine Konkretisierung bei Atem
problemen aufgeführt. Diese im KSIH aufgeführten
Regelungen berücksichtigen mithin nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern erlauben auch eine gleich
mässige Gesetzesanwendung. Anlass, davon abzu
weichen, besteht mithin nicht.
4.2.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
mit 3 Stunden 36 Minuten (Urk. 8/108/6)
ein
zeitlicher Mehraufwand von mindestens vier Stunden (E. 1.3) nicht erreicht ist, womit die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des Beschwerde
führers auf Intensivpflegezuschlag verneint hat. Hierbei
wird nicht verkannt, dass der von der Mutter
des Beschwerdeführers geschilderte Alltag hohe Anforde
rungen an die Eltern stellt. Indessen können diese Aufwendungen (noch) nicht durch die Invalidenversicherung vergütet werden.
5.
Nachdem weder die Voraussetzungen für eine Entschädigung bei schwerer Hilflo
sigkeit (E. 4.1.5) noch diejenigen für einen Anspruch auf Intensiv
pflegezuschlag (E. 4.2.4) erfüllt sind, erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, wes
halb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.