Decision ID: 300e0cd1-a4ca-4f5b-ab74-2279c33f736d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, meldete sich am 16. Februar 2005 nach einem 1998 erlittenen Autounfall bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 8
/3). Mit Verf
ügung vom 25. März 2010 (Urk. 8
/77) sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Wirkung ab 1. September 2005 eine ganze Invalidenrente zu. Nach einer im Oktober 2010 vera
nlassten Rentenrevision (Urk. 8
/91) hob die IV-Stelle nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/112, Urk. 8/113-114, Urk. 8/116, Urk. 8
/125) mit Verfügung vom 5. Ok
tober 2012 (Urk. 8/136
) die Invalidenrente auf
.
Die dagegen vom Versicherten
am
21.
November 2012
erhobene
Beschwerde (Urk. 8/143/3-21
)
,
mit welcher er
deren Aufhebung
und die unveränderte
Ren
tenzusprache
sowie die Kostenübernahme
für ein
psychiatrische
s
Privatgut
achten
verlangte, wurde mit Urteil des
hiesigen G
erichts vom 1.
Februar 2013 im Verfahren IV.2012.01217 (Urk.
8/
147
/1-
6
Dispositiv
Ziff.
1
und 3
) gutge
heissen.
1.2
Am 24. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine
poly
dis
zipli
näre
medizinische
Untersuchung
zur Klärung der
Leistungsansprü
che
not
wendig sei (Urk. 8
/169).
Am 26. Juli und
am
7. August 2013 beantragte der Versicherte die einvernehmliche Einigung auf eine Gutachterstelle (
Urk.
8/171
,
Urk.
8/175-176). Am 31. Juli und am 15. August 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Vergabe der Gutachtensaufträge nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen habe (
Urk.
8/172,
Urk.
8/178).
Am 21. August 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
die medizinische Untersuchung werde durch die
MEDAS
Y._
erfolgen und gab
die Namen der Gutachter
bekannt (
Urk.
8/180).
Da
gegen
erhob
der Versicherte
am 26. August 2013 (
Urk.
8/184
, vgl.
Urk.
1 S. 8
Ziff.
6.17
)
Einwände
.
Mit Zwis
chenverfügung vom 4
.
September 2013
(Urk. 8/185
= Urk. 2) hielt die IV-Stelle an der
A
bklärungs
stelle
MEDAS
Y._
und an den genannten Gutachtern
fest.
2.
Der Versicherte erhob am 20. September 2013 g
egen die Zwischenverfügung vom 4
.
September 2013 (Urk. 2)
Beschwerde (Urk. 1) und beant
ragte, diese sei aufzu
heben
und
es seien
die Gutachter
Dr.
med.
Z._
,
Fach
ärztin
FMH für Allgemeine Innere Medizin,
und med. prakt
.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
als Gutachter abzulehnen
(S.
2).
Mit
Be
schwerdeantwort vom 23
.
Oktober 2013
(Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die A
bweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 30. Oktober 2013
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Am 6. November 2013 nahm der Beschwerdeführer noch einmal Stellung (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der angefochtenen Verfügung vom
4. September 2013 (Urk. 2)
handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung, mit welcher die IV-Stelle an der von ihr gewählten Abklärungsstelle
und den Gutachtern
festhielt. Da sie das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine
Zwischen
verfügung
.
1.2
Zwischenverfügungen können gemäss Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
) unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen recht
licher und tatsächlicher Natur angefochten werden. Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der
Gutach
tenanordnung
fällt gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) ins Gewicht, dass das Sachverständigengutachten im Rechtsmittelverfahren mit Blick auf die fachfremde Materie faktisch nur beschränkt überprüfbar ist. Mithin kommt es entscheidend darauf an, dass qualitätsbezogene Rahmen
bedingungen durchgesetzt werden können. Greifen die Mitwirkungsrechte erst nachträglich
bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerde
verfahren
-, so kann hieraus ein nicht wieder gutzumachender Nachteil ent
stehen, zumal im Anfechtungsstreitverfahren kein Anspruch auf Einholung von
Gerichts
gutach
ten
besteht. Hinzu kommt, dass die mit medizinischen Unter
suchungen einher
gehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Eingriff in die physische oder psychische Integrität bedeuten. Aus diesen Gründen ist gemäss der Recht
sprechung die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzu
machenden Nach
teils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird. Beschwerdeweise geltend gemacht wer
den können materielle Einwendungen
beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachverhalt - bloss einer
Zweit
meinung
ent
spre
che (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen; noch anders: BGE 136 V 156). Sodann können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer
machte in seiner Beschwerde vom September 2013 (Urk.
1) geltend,
die Gutachterin
Dr.
Z._
verfüge über keine
Berufs
ausübungsbewilligung
im Kanton
B._
, womit eine allfällig erfolgende Begutachtung auch strafbar sei (S. 9 ff.
Ziff.
7.2
-7).
Im Hinblick
auf den Gutachter
A._
fänden sich i
m Internet
zahlreiche Bei
träge, in welchen
dieser sich
„
Dr.
med.“ nenne.
Da unklar geblieben sei
,
ob
er
über einen Doktortitel der Medizin verfüge oder nicht, müsse eine ebenfalls strafbare Titelanmassung in Betracht gezogen werden (S. 11 f.
Ziff.
8.1-3).
2.2
Die Beschwerdegegnerin hiel
t in ihrer
Zwischenverfügung vom September
2013 (
Urk.
2) an der Gutachterstelle
MEDAS
Y._
und an den gewählten
Gut
achtern fest mit der Begründung, es seien keine
schützenswerten Ausstands- oder
Ablehnungsgründe geltend gemacht worden
(S. 2
f.
)
.
3.
3.1
Art. 43 Abs. 1
ATSG
statuiert die
Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei die zuständige Behörde nicht an Anträge der versicherten Person gebun
den ist (BGE 132 V 93 E. 5.2.8
). Entsprechend dem Untersuchungs
grundsatz ist es in erster Linie Sache de
r zuständigen Behörde, die mate
rielle Wahrheit zu ermitteln (SVR 2007 IV Nr. 22 S. 77, I 478/04).
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Abs.
2
).
3.2
Gemäss Art. 44 ATSG hat der Versicherungsträger der versicher
ten Person die Namen und die medizinische Fachrichtung (SVR 2007 IV Nr. 27 S. 94, I 193/05) der Gutachter beka
nnt zu geben. Wenn der Experten
auftrag an eine
Gutachter
stelle
(wie beispielsweise eine MEDAS) geht und die Namen der einzelnen Sach
verständigen noch nicht bekannt sind, muss deren Nennung nicht schon mit der Verfügung der Gutachtenanordnung erfolgen. Die Nennung der Namen der ein
zelnen Gutachter kann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen (BGE 137 V 210 E.
3.4.2.8).
3.3
Die versicherte Person kann alsdann gegebenenfalls
gesetzliche Ausstands- und Ablehnungsgründe und damit triftige Gründe im Sinne von Art. 44 Satz 2 ATSG
substantiiert
vortragen
(vgl. BGE 132 V 376). Die üblichen Untersuchun
gen im Rahmen einer medizinischen Begutachtung sind
ohne konkret entge
genstehende Umstände generell als zumutbar zu erachten
(Art. 43 Abs. 2 ATSG; Urteil des Bundesgerichts I 988/06 vom 28. März 2007). Die Mitwirkung kann von der betroffenen Person jedoch dann ohne rechtliche Folgen verweigert wer
den (Art. 43 Abs. 3 ATSG), wenn sie begründete Ausstands- oder
Ablehnu
ngs
gründe
anfügen kann. Ist dies nicht der Fall, spricht verfahrensrechtlich nichts dagegen,
wenn der Versicherungsträger die Begutachtung ohne das Einver
ständnis der ver
sicherten Person anordnet.
Nach der Rechtsprechung hat der Versiche
rungsträger, falls eine Einigung über die Gutachtenseinholung nicht zustande kommt, über die Anordnung, eine Expertise einzuholen, eine formelle Ver
fügung im Sinne von Art. 49 ATSG zu erlassen (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6).
3.4
Mit Blick auf einen vom Sozialversicherungsträger im Sinne von Art. 44 ATSG vorgesehenen oder beauftragten medizinischen Gutachter können nur formelle Ausschliessungs- oder Ablehnungsgründe Thema eines Ablehnungsgesuches bilden, wie sie beispielsweise in Art. 10
VwVG
und Art. 36 ATSG festgehalten sind. Die
Ausstandsgründe
nach Art. 36 ATSG stimmen mit denjenigen nach Art. 10
VwVG
überein (SVR 2007 IV Nr. 22 S. 77 E. 2.2.3, I 478/04). Dazu ge
hören ein persönliches Interesse an der zu beurteilenden Sache, aber auch die enge verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbundenheit mit einer Partei oder andere Gründe von ähnlichem Gewicht (Urteil des Bundesgerichts U 31/07 vom 7. Dezember 2007 E. 6.1
). Bedenken materieller Natur können nicht Inhalt eines
Ausstandsbegehrens
sein, sondern sind allenfalls im Rahmen der Würdi
gung des Gutachtens vorzubringen (BGE 132 V 93 E. 6.5).
4.
4.1
In Bezug auf die gerügte
fehlende
kantonale
Praxisbewilligung von
Dr.
Z._
ist festzuhalten, dass das Bundesgericht eine kantonale
Berufsausübungs
bewilligung
– soweit ersichtlich - bislang nie als Voraussetzung für die
Gut
achtertätigkeit
genannt hat. Hat aber das höchste Ge
richt in den zahlreichen Fällen, in welchen es um die Beurteilung der persönli
chen und fachlichen Eig
nung von Gutachtern ging, die Voraussetzung einer
Berufsausübungsbewilli
gung
zu keinem Zeitpunkt thematisiert beziehungsweise für die Ausübung einer gutachterlichen Tätigkeit gefordert, so ist dies - solange keine anderslautende Rechtspre
chung absehbar ist - als qualifiziertes Schweigen zu werten. De
shalb spricht al
lein der Umstand, dass ein Arzt oder eine Ärztin nicht über eine kan
tonale Berufsausübungsbewilligung verfügt, nicht gegen seine oder ihre Eig
nung, als Gutachtensperson in einer bestimmten medizini
schen Disziplin tätig zu sein, und es ist darin kein Ablehnungsgrund im Sinne von Art. 44 ATSG zu sehen.
4.2
Der Beschwerdeführer
machte weiter geltend, med. prak
t.
A._
habe
sich im Internet einen Doktortitel angemasst, obwohl er über keinen verfüge.
Aus den eingereichten Unterlagen (
Urk.
3/
6-8) geh
e
sodann hervor, dass med. prak
t.
A._
auf verschieden
en
Seiten im Internet auch unter „
Dr.
med.“
A._
aufgeführt w
e
rde.
In der
Mitteilung
der IV-Stelle vom 2
1.
August 2013 (
Urk.
8/180)
an den Beschwerdeführer
betreffend die
Notwendigkeit einer polydisziplinären medizi
nischen Untersuchung wurde der psychiatrische Gutachter ausdrücklich mit „med. prakt.“
A._
bekanntgegeben.
Auch im E-Mail Verkehr mit der IV
Stelle wurde von „med. prakt.“
A._
gesprochen (vgl.
Urk.
8/181). Aus dem
vom Beschwerdeführer beigelegte
n
I
nternetausdruck betreffend einen
Informa
tionsanlass
vom 2
3.
Mai 2013 (
Urk.
3/6)
, in welchem
med. prak
t.
A._
mit
„
Dr.
med.“
A._
, Präsident der
C._
,
vor
g
estellt wurde
, geht nicht her
vor, das
s
er
sich in diesem Zusammenhang selbst den Doktortitel angemasst hat. Gleiches gilt betreffend den Ausdruck vom 1
8.
September 2013 (
Urk.
3/7).
Auf der Homepage der
C._
ist
med. prak
t.
A._
jedenfalls ohne Doktortitel aufgeführt
. G
leiches gilt für den Eintrag im
elektro
nischen
Telefonbuch
tel.search.ch
.
Auch
auf der
Internet
seite
der MEDAS
Y._
ist
er
ohne Doktortitel aufgeführt.
Dass sich daher m
ed. prak
t.
A._
absichtlich einen Doktortitel angemasst hat und damit allfällige Zweifel an seiner Integrität bestünden
, ist nicht
aus
ge
wiesen und auch nicht
überwiegend wahrscheinlich.
S
eit 1992
verfügt er
über das Arztdiplom und seit 2002 über den Facharzt
t
itel in Psychiatrie und Psychotherapie (
www.m
e
d
regom.admin.ch
,
besucht am 30.
Oktober 2013). Damit
hat med. prakt.
A._
die notwendigen Qualifika
tionen, um eine entsprechende Begutachtung vorzunehmen.
Allfällige weitere Ausstands- oder Ablehnungsgr
ünde, welche einer Begutachtung
entgegenstehen würden, wurden nicht geltend gemacht.
4.3
Zusammenfassend liegen
gegen
Dr.
Z._
und
gegen
med. prakt.
A._
weder Ausstands- noch Ausschlussgründe vor, noch stehen anderwei
tige trifti
ge Gründe einer Begutachtung des Beschwerdeführers durch die MEDAS
Y._
und durch die dort beschäftigten Gutachter entgegen.
5.
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Zwischenverfügung vom
4. September 2013 (Urk. 2)
an der Abklärung durch
die MEDAS
Y._
und durch die dort beschäftigten Gut
achter festhielt, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.