Decision ID: 2f319f50-2992-4d1d-ba07-f969486d1d92
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1964 geborene
X._
besuchte in Italien die obli
gatorische Volksschule und reiste 1985 in die Schweiz ein; sie ist Mutter zweier Kinder (1985, 1988;
Urk.
7/15). Ab dem
1.
Juli 2001 war die Versicherte als Reini
gungsmitarbeiterin bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
7/22). Aufgrund einer Darmkrebserkrankung
musste sie sich im Dezember 2012 einem operativen Ein
griff unterziehen (
Hospitalisation
vom 1
9.
bis 2
4.
Dezember 2012;
Urk.
7/21/9) und meldete sich in diesem Zusammenhang am 1
0.
April 2013 bei der
Eidge
nös
sischen Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/15 S. 7). Nachdem die Versicherte ihre angestammte Tätigkeit im Oktober 2013 wieder
hatte
auf
neh
men
können
, wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
das Leistungsbegehren mangels Erfüllens des Wartejahres mit Verfügung vom 3
1.
März 2014 ab (Urk. 7/43).
1.2
Am 2
5.
Januar 2018 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 3
0.
April
2018
,
ohne dass dabei gesundheitliche Gründe eine Rolle
spielten
(
Urk.
7/45).
Gleichzeitig wurde
der Versicherten
eine Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
7/74
/1 und
Urk.
7/11).
Im Zusammenhang mit Rücken- und Handbeschwerden meldete sich die Versicherte am 1
8.
Juni 2018 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungs
be
zug an (
Urk.
7/46). Mit Vorbescheid vom 2
4.
Juli 2018 stellte diese das Nicht
eintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (
Urk.
7/60). Am 2
5.
September 2018 musste sich die Versicherte einer Karpaltunneloperation unterziehen (Urk. 7/74/19). Mit Verfügung vom 1
8.
Oktober 2018 hielt die IV-Stelle am ge
troffenen Vorbescheid fest (
Urk.
7/67).
1.3
Am 2
2.
Mai 2019 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/73). Diese zog in der Folge die Akten des Krankentag
geld
versicherers bei (
Urk.
7/74)
. Am 1
1.
Februar 2019 wurde ein erstes MRI der rech
ten Hand erstellt (
Urk.
7/105), am
1.
April 2019 wurde weiter eine Gastroskopie durchgeführt (
Urk.
7/85). Weitere bildgebende Untersuchungen erfolgten am
9.
Mai 2019 (Abdomen und Hand rechts) sowie am
5.
Juli 2019 (Knie rechts;
Urk.
7/85/6-8). M
it Mitteilung vom 2
6.
Juni 2019 hielt
die IV-Stelle
fest, dass aufgrund des Gesundheitszustandes keine Eingliederungsmassnahmen möglich
seien (
Urk.
7/79).
Am 1
2.
November
2019 unterzog sich die Versicherte einem ope
r
a
tiven Eingriff am rechten Knie (
Urk.
7/95
/3-4
). Mit Vorbescheid vom 2
6.
Okto
ber 2020 stellte die IV-Stelle die
Zusprache
einer befristeten halben Rente vom
1.
November 2019 bis 3
0.
Juni 2020 in Aussicht (
Urk.
7/117) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
1.
März 2021 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 1
9.
April 2021 Beschwerde und beantragte, es sei
der Beschwerdeführerin eine ganze Rente zuzusprechen, eventualiter eine Teilrente und Eingliederungsmassnahmen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
geg
nerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 3
1.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409
E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
de
t sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass n
ach Ablauf des Wartejahres von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 50
%
und seit März 2020 von einer solchen von 75
%
auszugehen sei.
Dies ergebe für die Zeit vom
1.
November 2019 bis zum 3
0.
Juni 2020 einen Anspruch auf eine halbe Rente. Für die Zeit danach sei von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 28
%
auszugehen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der
Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
von 75
%
zu Unrecht auf die Aktenbeurteilung ihres
regionalen ärztlichen Die
nstes (
RAD
)
abgestellt habe (Urk. 1 S. 4). So sei
Dr.
med.
Z._
, zertifizierte Gutachterin SIM, bis zur CTS-Operation von einer Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 50
%
und danach von 100
%
ausgegangen, ohne die Kniebe
schwer
den zu berücksichtigen (S. 5).
Dabei könne die Einschätzung von
Dr.
med.
A._
(RAD) von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit angepasst nach Abschluss der Behand
lung des rechten Knies nicht nachvollzogen werden (S. 6). Zudem sei beim Zu
mutbarkeitsprofil auch die Hand- und Schulterproblematik zu berücksichtigen,
und - sofern von einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit ausgegangen würde - ein
angemessener leidensbedingter Abzug vorzunehmen (S. 7).
2.3
Strittig ist vorliegend insbesondere die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit für die Zeit ab
1.
November 2019 respektive ab März 2020, sodass zu
nächst zu prüfen ist, ob die medizinische Aktenlage diesbezüglich eine verläss
liche Einschätzung zulässt.
3.
3.1
Zum Ausschluss zerebraler und
ossärer
Metastasen wurde am 1
3.
März 2018
ein CT des Schädels sowie der LWS erstellt.
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Radio
logie, konnte dabei keine Hinweise auf eine zerebrale Metastasierung feststellen. Im Bereich der LWS sei eine leichte Einengung des Spinalkanals L4/5 mit Kom
pression der
rezessalen
Nervenwurzel L5 beidseits ausgewiesen, zudem ein Morbus
Baastrup
L4/5 (
Urk.
7/106/1).
3.2
In ihrer orthopädischen Beurteilung vom
1
8.
Januar 2019
zu Händen des Krank
entaggeldversicherers
stellte
Dr.
Z._
(ZAFAS-Beurteilung)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/74
S. 1 f.)
:
-
L
umbospondylogenes
/
lumboischialgieformes
Schmerzsyndrom mit Aus
st
rah
lungen nach rechts
-
Schmerzs
yndrom rechte dominante Hand bei Status nach
CTS
-OP vom 2
5.
September 2018
-
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung der rechten Schulter
-
Cervicalgien
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden die folgenden Diagnosen bleiben:
-
Status nach Colon-CA mit O
P
und C
hemotherapie 2012
-
Ungeklärte Nausea bei normalem
gastroskopischem
Befund
-
K
opfschmerzen
Die angestammte Tätigkeit in der Reinigung sei definitiv als zu schwer zu be
trachten.
In einer leichten, w
echselbelastenden Tätigkeit sei
seit Beginn der Arbeit
s
unfähigkeit bis zur CTS-OP am 2
5.
September 2018 von einer 50%igen und danach von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Es seien die folgen
den medizinischen und therapeutischen Massnahmen zu empfehlen
(S. 3)
:
-
Arthro
-MRI Schulter rechts, MRI HWS
-
Einleiten einer Ergotherapie für die rechte Hand
-
Weitere Therapie für die rechte Hand je nach Befund Hand MRI vom 1
2.
Februar 2019 und Kontrolle
Spital C._
vom 1
9.
Februar 2019
-
Intensive Physiotherapie für die HWS, die LWS und die rechte Schulter
-
Allenfalls würde es Sinn machen, die Versicherte einer stationären Reha
bilitation zuzuführen um
eine intensive Therapie der HWS
, LWS, der rechten Schulter und der rechten Hand zu garantieren, die Schmerz
medi
kation anzupassen und auch die psychische Situation anzugehen, welche sich zunehmend verschlechtert
-
Ein Case-Management in
dieser sich verschlechternden Situation ist ange
zeigt
.
3.3
Am 1
1.
Februar 2019 wurde ein MRI der rechten Hand erstellt. Die für den Bericht vom 2
0.
Februar 2019 verantwortlichen Fachärzte des
Spitals C._
stellten gestützt auf die Bildgebung die folgenden Diagnosen:
-
Beginnende
Rhi
zarthrose
und STT-Ar
t
hrose rechts
-
Radiopalmares
Han
d
gelenksganglion rechts
-
Ulnopalmares
Ganglion auf Höhe des PIP-Gelenkes
Dig
. III Hand rechts
-
Status nach halboffener Karpaldachspaltung Hand rechts und A2-Ring
band-Ganglion-Exzision
Dig
. III Hand rechts am 2
5.
September 2018
Hinsichtlich der beginnenden
Rhiz
- sowie STT-Arthrose sei die Operations
indi
kation aus ihrer Sicht noch nicht gegeben.
Das
radiopalmare
Gelenksganglion sei klinisch nicht palpabel und auch im MRI nur klein und mehrfach
septiert
, sodass
sie von einer Exzision keinen therapeutischen Gewinn erwarten würden.
Das kl
eine Ganglion im Bereich des Mittelfingers über dem PIP würden sie bei deutlichem L
eidensdruck exzidieren (
Urk.
7/85/9-10).
3.4
Im Zusammenhang mit Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, saurem Auf
stossen sowie einer morgendlichen Übelkeit verbunden mit intermittierendem
Erbrechen wurde am
1.
April 2019 eine Gastroskopie sowie eine Koloskopie durch
geführt. Der für den Bericht vom
1.
April 2019 verantwortliche Facharzt des
Ma
gen-Darm-Zentrums kam dabei zu den folgenden Beurteilungen
(
Urk.
7/85/1-4)
:
-
Diskrete, im
Antrum
betonte Gastritis
-
Refluxösophagitis
ersten Grades mit/bei:
-
Nachweis zweiter nicht konfluierender Erosionen im distalen Ösophagus
-
Nachweis einer 2cm grossen axialen
Hiatushernie
und einer insuf
fi
zienten
Kardia
-
Status nach Kolonkarzinomoperation links im Jahr 2013 mit Chemo
therapie
-
Aktuell: Resektion eines
sessilen
Polypens
im Bereich der Anastomose, nicht verdächtig auf ein
Malignom
-
Reizlose und normal weite Anastomose
-
Sessiler
Polyp auf der
Illeozökalklappe
, vollständig entfernt und geborgen
-
Sessiler
Polyp im Rektum, vollständig entfernt und geborgen
Ein CT des Abdomens vom
9.
Mai 2019 ergab abgesehen von einer Diskushernie L5/S1 keine Pathologie (
Urk.
7/85/6).
3.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Radiologie, beurteilte das MRI der rechten Hand vom
9.
Mai 2019 wie folgt: Mässige Degeneration des TFCC mit leichter entzündlicher Umgebungsreaktion; Verdacht auf ein leichtes
Ulnar
-
Impaction
-Syndrom; posttraumatische Veränderungen am SL-Band (narbig); unauffälliges STT-Gelenk, unauffälliges Daumensattelgelenk; reizloser postoperativer Situs bei Status nach Karpaltunnel-OP (
Urk.
7/85/8).
3.6
Am
5.
Juli 2019 wurde ein MRI des rechten Knies erstellt
.
Dr.
D._
beurteilte die Bildgebung dahingehend, dass eine chronische Läsion des medialen Meniskus in der Pars
intermedia
und am
Hinterhorn
mir sehr irregulärer Unterfläche gege
ben sei. Weiter bestehe eine geringe bis mässige
Varusgonarthrose
, eine reaktive
Synovialitis
medialseits
, eine
geringgradige
Femoropatella
r
arthrose
, ein
kleiner Ge
lenkerguss ohne frei
en Gelenkkörper sowie eine kleine
Bakerzyste
(
Urk.
7/85/7).
3.7
Am 1
2.
November 2019 wurde am rechten Knie eine Arthroskopie mit
Innen
menis
kushinterhorn-Teilresektion
sowie eine additiv
valgisierende
Tibiakopf
umstellungsosteotomie
mit
Tomofix
durchgeführt. Der postoperative Verlauf
habe sich erfreulich komplikationslos gestaltet; die Beschwerdeführerin habe am
1
5.
November
2019 aus der stationären Pflege entlassen werden können (
Urk.
7/
95).
3.8
Dr.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
RAD
,
hielt in seiner Stellungnahme vom 2
1.
September 2020 fest, dass von den folgenden Ge
sundheitsschäden mit Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit auszu
gehen sei:
-
Beginnende
Rhizarthrose
und STT-Arthrose sowie
radiopalmares
Han
d
ge
lenksganglion rechts mit
-
Status nach halboffener Karpaldachspaltung und A2-Ringband
gan
glion-Exzision
Dig
. III am 2
5.
September 2018
-
Varusgonarthrose
mit Innenmeniskusschaden rechts mit
-
Status nach Knie-ASK mit
Innenmeniskushinterhorn
-Teilresektion plus additiver
valgisierender
Tibiakopf
-Umstellungsosteotomie am 1
2.
November 2019
-
Chronische Lumbalgie bei leichter Spinalkanaleinengung bei L4/5 mit Kompression der
rezessalen
Nervenwurzel L5 (CT der LWS am 1
3.
März 2018)
-
Chronisches HWS-Syndrom bei degenerativen Veränderungen
In der angestammten T
ätigkeit sei dauerhaft von einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit auszugehen. Die ZAFAS-Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit bis zur CTS-Operation sei plausibel, nicht jedoch die an
schliessende 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bei dieser Beurteilung würden psycho
so
ziale und damit IV-fremde Argumente eine wesentliche Rolle spielen. Es sei daher vielmehr
medizinischtheoretisch
überwiegend wahrscheinlich für den Zeit
raum nach Abschluss der postoperativen Rekonvaleszenz nach der Knie-OP und damit spätestens ab März 2020 von einer zumindest 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, bei vollschichtiger Tätigkeit mit vermehrten Ruhe- und Erholungs
zeiten (
Urk.
7/113 S. 6 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Einschätzung von
Dr.
A._
vom RAD.
Den Berichten und Gutachten ver
sicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweis
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser
grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medi
zinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger ver
anlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungs
fall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur ge
ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
4.2
Dr.
A._
begründet seine angenommene Verbesserung der Leistungsfähigkeit nach der Knieoperation allein mit theoretischen Erwartungswerten einer üblichen Rekonvaleszenz. So handelt es sich bei der Einschätzung um eine reine Akten
beurteilung und es werden keine echtzeitlichen Berichte erwähnt, welche eine entsprechende Leistungssteigerung nahelegen würden. Schon allein deshalb
be
stehen zumindest geringe Zweifel an der RAD-Einschätzung. Weiter tragen auch die von
Dr.
A._
erwähnten Gesundheitsschäden der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin zu wenig Rechnung. So hielt
Dr.
Z._
in ihrem Bericht
vom 1
8.
Januar 2019 auch hinsichtlich der rechten Schulter sowie der psychi
schen
Situation weitere Abklärungen für angezeigt; weiter ist aufgrund der CT-Unter
suchung vom
9.
Mai 2019 mittlerweile auch von einer Diskushernie L5/S1 aus
zugehen. Eine umfassende, auf einer Untersuchung basierende Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin drängt sich auch aufgrund der Vorge
schichte auf. So wurde
im Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen
am
1.
A
pril 2019 eine Magen-Darm-Untersuchung
nötig bei
Status nach Kolonkarzinom
ope
ration
im Jahr 201
3.
Neben den mittlerweile multiplen somatischen Beschwerden erscheint der Sachverhalt demnach auch in
gastroenterologischer
und psychi
sch
er Hinsicht abklärungsbedürftig, sodass die Restleistungsfähigkeit anhand einer umfassenden Gesamteinschätzung zu bestimmen ist.
Insgesamt erscheint die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens unum
gänglich, wozu die Sache – entsprechend dem Eventualantrag der Vertreterin der Beschwerdeführerin – an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Dies führt zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berück
sichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
2’0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.