Decision ID: 4060aec2-37fa-5213-a0ce-e443bd413a8e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1959 geborene
X._
bezog im Ra
hmen eines ersten Verfahrens von
der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) ab dem
1. Februar 2003
eine ganze Invalidenrente. Mit Verfügung vom 18. September 2014 wurde diese ge
stützt auf die
Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des
Bun
desgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG
; 6. IV-Revision, erstes Massnah
men
paket; nachfolgend: Schlussbestimmungen) eingestellt (vgl. Urk.
7/1-193).
Am 26. Juli 2015 (
Urk.
7/198) meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf Herzprobleme erneut bei der IV zum Leistungsbezug an.
Daraufhin wurde sie mit Schreiben vom 4. August 2015 (Urk. 7/199) gebeten, Beweismittel zwecks Glaub
haftmachung einer wesentlichen Veränderung seit Erlass der letzten Verfügung einzureichen, damit auf das Leistungsbegehren eingetreten werden könne.
Nach dem Eingang
verschiedener
medizinische
Berichte (
Urk. 7/
200)
trat die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, auf die Neuanmeldung ein und tätigte eigene Abklärungen in medizinischer sowie erwerblicher Hinsicht. Mit Vorbescheid vom 9. Mai 2016 (
Urk.
7/212) stellte sie der Versicherten die Ab
weisung ihres Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversicherung in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am
19. Mai 2016 (Eingangsdatum)
Einwand (
Urk.
7/21
6 f.
). Am 22. Juni 2017 erstattete das Zentrum
Y._
, im Auftrag der IV-Stelle ein interdisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/238). Daraufhin verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. August 2017 (
Urk.
2) den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente.
2.
Gegen die Verfügung vom 9. August 2017 erhob die Versicherte am 29. August 2017 Einwand (Urk. 7/244 = Urk. 1) bei der IV-Stelle und beantragte sinngemäss die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente. Die IV
Stelle teilte ihr daraufhin mit, dass sie an ihrem Entscheid festhalte (Urk. 7/246), und leitete das Schreiben als Beschwerde zur Behandlung an das hiesige Gericht weiter (Urk. 7/247).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2017 (Urk. 6) beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades oder aufgehoben, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu verge
wissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem
Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invalidi
tätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchs
begründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwer
de
fall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung vom 9. August 2017 (Urk. 2) gestützt auf das Y._-Gutachten im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin sei ab dem 16. Januar 2015 kurzzeitig erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt gewesen. Ihre gesundheitliche Situation habe sich wieder verbessert und seit April 2015 bestehe aus körperlicher Sicht wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Gemäss aktueller Rechtsprechung würden sodann psychische Leiden nur in Be
tracht fallen, wenn diese erwiesenermassen schwer und therapeutisch nicht mehr
angehbar
seien. In der Regel seien diese Leiden therapierbar und führten aus Sicht der IV zu keiner langandauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Be
schwerdeführerin habe eine starke Persönlichkeitsstruktur. Auch schwierige Situa
tionen in ihrem Leben habe sie gut meistern können. Aktuell liege ein strukturierter Tagesablauf vor. Man gehe von guten Ressourcen aus. Durch diese bestehe eine gute Ausgangslage, um die Arbeitsfähigkeit umzusetzen. Schwierige Lebenssituationen wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen und Krankheiten von verschiedenen engen Familienangehörigen würden keine Arbeitsunfähigkeit be
grün
den. Durch die neu begonnene psychotherapeutische und psychopharma
ko
logische Behandlung könne die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin weiter verbessert werden. Darum liege keine gesundheitliche Beeinträchtigung
vor, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin langandauernd ein
schränke. Es bestehe somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2017 (Urk. 6) ergänzte die Be
schwer
degegnerin, das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin werde haupt
säch
lich durch die psychischen Einschränkungen bestimmt. Im Zeitpunkt der Begut
ach
tung im November 2016 werde von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausge
gangen,
die sich unter Therapie bessern sollte, weshalb nicht von einem Dauer
zustand aus
gegangen werden könne. Es sei daher nicht von einer langdauernden Ein
schrän
kung auszugehen, da sich das psychische Beschwerdebild aufgrund vorhan
dener Ressourcen mit weiterführender Therapie überwinden lasse.
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin vor, sie sei von ihrem Hausarzt und vom Spital zu 100 % arbeitsunfähig eingeschätzt worden. Die Beurteilung der Gut
achter könne sie nach zwei schweren Herzinfarkten, mit 15 Jahren Rheuma und Arthritis und chronischer asthmatischer Bronchitis sowie nach einem 2009 erlit
tenen Schlaganfall mit nachfolgender monatelanger linksseitiger Körperlähmung nicht nachvollziehen (Urk. 1).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin
bildet die
mit
Verfügung vom
18. September 2014 (Urk. 7/193) erfolgte Einstellung ihrer Invalidenrente gestützt auf die Schlussbestimmungen.
Medizinische Grundlage hierfür bildete das Gutachten von Dr. med. Z._, Chefarzt an der Klinik für Rheumatologie des Stadtspitals A._ und zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, vom 15. Dezember 2013 (Urk. 7/188). Darin wurden als Diagnosen ein chronisches Ganzkörper-Schmerzsyndrom ohne Möglichkeiten einer näheren strukturellen Differenzierung im Verlauf von zwölf Jahren, psychiatrische, anamnestische Diagnosen einer anhaltenden somato
for
men Schmerzstörung, Somatisierungsstörung und leichten bis mittelschweren depressiven Episoden sowie anamnestisch im Verlauf viele weitere Diagnosen wie Hyperventilation, Asthma bronchiale, chronischer Husten, Colon irritable, nicht-alkoholische
Steatohepatitis
(NASH), Magenulkus, Ulcus
duodendi
mit Nachweis von Helicobacter pylori, chronisches rezidivierendes
lumbospondylogenes
Syn
drom,
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, Thoraxschmerzen,
Livedo
race
mosa
und chronische Urtikaria, Diabetes mellitus Typ 2, Otitis
media
links, Verdacht auf undifferenzierte Kollagenose und weiteres festgehalten. Gemäss dem Gutachter konnten bei der Untersuchung keine rheumatologischen Befunde
erhoben werden, welche einer teilweisen oder vollzeitigen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit entgegenstehen würden (S. 26 f.).
4.
4.1
Im Austrittsbericht des Spitals B._ vom 16. Januar 2015 betreffend eine gleichentags erfolgte ambulante Notfallbehandlung der Beschwerdeführerin (Urk. 7/200/1 ff.) wurden ein akutes Koronarsyndrom (Nicht-ST-Hebungsinfarkt [NSTEMI]), eine arterielle Hypertonie, aktuell hypertensiv entgleist, ein Asthma bronchiale, ein Diabetes mellitus Typ 2 sowie eine
Dyslipidämie
, beides diätisch eingestellt, als Diagnosen aufgeführt. Es erfolgte die notfallmässige Verlegung ins Stadtspital A._ zur Koronarangiographie (S. 2).
4.2
Dr. med. C._, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie, und Dr. med. D._, Assistenzärztin an der Klinik für Innere Medizin, - beide am Stadtspital A._ - stellten am 21. Januar 2015 (Urk. 7/200/5 ff.) folgende Diagnosen (S. 5):
-
NSTEMI bei koronarer Zweigefässerkrankung
-
langstreckige
hochgradige Stenose des proximalen/mittleren Ramus
interventricularis
anterior (RIVA): perkutane
transluminale
coronare
Angioplastie
(PTCA)/2 x medikamentenbeschichteter Stent (DES)
-
signifikante Stenose des proximalen Ramus
circumflexus
(RCX)
-
normale systolische LV Funktion (LVEF 65 %)
-
cvRF
: Diabetes mellitus Typ 2, Nikotinabusus (kumulativ 80py),
Dyslipidämie
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
diätisch eingestellt
-
Asthma bronchiale
-
Status nach depressiven Episoden
Der Aufenthalt dauerte vom 16. bis 19. Januar 2015.
Der Beschwerdeführerin wurden zwei Stents eingesetzt. Zur Arbeitsfähigkeit nah
men die Ärzte keine Stel
lung (vgl. auch Urk. 7/200/27 f.).
4.3
In der Folge kam es im Januar und Februar 2015 zu kürzeren stationären Auf
enthalten in der Notfallstation der Klinik für Innere Medizin des Stadtspitals A._ (Urk. 7/200/15 ff.).
Im Kurzaustrittsbericht Notfallstation Medizin vom 22. Januar 2015 (Urk. 7/200
/15 f.) wurden neben den bereits erwähnten Diagnosen (E. 4.2) Tho
rax
schmerzen festgehalten, die die zuständigen Ärzte am ehesten als
musku
loskelettal
bedingt bei starkem Husten, differentialdiagnostisch als Perikarditis
beurteilten (S. 15). Sie hielten fest, bei Eintritt habe man eine hypertone und leicht
tachykarde
normoxäme
Patientin in gutem Allgemeinzustand gesehen. In der klinischen Untersuchung habe sich die Beschwerdeführerin kardiopulmonal kom
pensiert gezeigt. Kardiologisch hätten keine Auffälligkeiten bestanden,
pulmono
logisch
sei ein vesikuläres Atemgeräusch mit vereinzeltem obstruktivem Brumme
n zu hören gewesen. Bei Druck auf den linksseitigen Rippenbogen liessen sich die Schmerzen auslösen. Elektrokardiographisch zeigten sich keine frischen
Ischä
mie
zeichen
. Laborchemisch sei das Troponin
regredient
zu den Vorwerten ge
we
sen, die
Creatinkinase
sei im Normbereich. Man gehe am ehesten von einem
muskuloskelettalen
Schmerz, ausgelöst durch das vermehrte Husten aus, differen
tialdiagnostisch wäre eine Perikarditis denkbar. Bei geringer Symptomatik werde vor dem Hintergrund der koronaren Herzkrankheit auf eine NSAR-Therapie ver
zichtet (S. 15 f.).
Am 5. Februar 2015 (Urk. 7/200/17 f.) wurde im Kurzaustrittsbericht Notfall
sta
tion Medizin die Diagnoseliste (E. 4.2) um die Diagnose einer arteriellen Hyper
tonie, aktuell hypertensive Entgleisung, ergänzt, und die beklagte
Thoraxenge
differentialdiagnostisch darauf zurückgeführt (S. 17). In der Beurteilung wurde festgehalten, es hätten sich in der klinischen Untersuchung keine pathologischen Befunde gezeigt, speziell auch ein blander Neurostatus bei negativem Meningis
mus. Im Elektrokardiogramm habe sich ein
normokarder
Sinusrhythmus ohne Hinweise auf ein akutes Ereignis wie eine Re-Stenose im Bereich der RIVA oder Progredienz der Stenose im Bereich der RCX gezeigt. In der
Thoraxrönt
gen
über
sichtsaufnahme
habe sich ein kardiopulmonal kompensiertes Bild gezeig
t. Labor
chemisch
zeigten sich seriell geprüft
negative Herzmarker bei fehlenden Anzei
chen auf eine Inflammation oder Infektion
(S. 18).
In der Folge litt die Beschwerdeführerin an einer Influenza A mit Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion mit Pneumonie basal links. In diesem Zusammen
hang wurden auch erhöhte Transaminasen und
Cholestaseparameter
festgestellt, die differentialdiagnostisch im Rahmen des Infekts bzw. medikamentös inter
pretiert wurden. Die Beschwerdeführerin war vom 12. bis 17. Februar 2015 in stationärer Behandlung (Kurzaustrittsbericht Klinik für Innere Medizin Urk. 7/200/21 f.).
In einem weiteren Bericht vom 4. März 2015 (Urk. 7/200/31 f.) wurden ergänzend
epigastrische
Schmerzen, am ehesten bei
gastroösophagealer
Refluxkrankheit (GERD), sowie
muskuloskelettale
Schmerzen erwähnt und eine symptomatische Therapie verschrieben.
4.4
Am 25. März 2015 wurde der Beschwerdeführerin ein weiterer Stent implantiert (Urk. 7/200/29 f.). Im Austrittsbericht der Klinik für Kardiologie des Stadtspitals A._ vom gleichen Tag (Urk. 7/200/42 ff.) wurde festgehalten, es finde sich eine signifikante Stenose des proximalen RCX, welche mit einem medikamentös beschichteten Stent primär
gestentet
worden sei. Das Endresultat sei gut. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde der Beschwerdeführerin vom 25. März bis und mit 2. April 2015 attestiert (S. 43).
Mit Bericht vom 29. Juni 2015 (Urk. 7/200/34 f.) wurden seitens der zuständigen Ärzte der Klinik für Kardiologie folgende Diagnosen gestellt (S. 34):
-
Thorakale Schmerzen extrakardialer Genese, differentialdiagnostisch
muskuloskelettal
, im Rahmen undifferenzierter Kollagenose
-
Koronare Zweigefässerkrankung St. n. NSTEMI am 16. Januar 2015
-
gutes Resultat nach
perikutaner
Koronarintervention (PCI) des proxi
malen/mittleren RIVA am 16. Januar 2015 (2xDES)
-
signifikante Stenose des proximalen RCX, primäres
stenting
(1xDES) 25. März 2015
-
cvRF
: Diabetes mellitus Typ 2, Nikotinabusus (kumulativ 80py),
Dysli
pi
dämie
-
Asthma bronchiale
-
Status nach depressiven Episoden
-
Multilokuläres
myofasziales
Schmerzsyndrom
-
aktuell armbetont rechts
-
Verdacht auf undifferenzierte Kollagenose
-
erste Abklärungen in der Rheumaklinik des Universitätsspitals E._
-
Antinukleäre
Antikörper (ANA) 1:40 RE/anti-cyklisches
citrulliniertes
Peptid (CCP) negativ, Immunglobuline, Immunfixation, C3, C4, Anti-Neutrophile
cytoplasmatische
Antikörper (ANCA),
Antiphospholipid
-Syndrom Antikörper negativ (07/2009)
-
SSA, SSB, doppelsträngige (
ds
)-DNA, U1-RNP negativ (06/2008)
-
rezidivierende Polyarthritiden sowie anamnestisch
Synovitiden
(letzt
mals Verdacht auf
Synovitis
der
metacarpophalangeal
(MCP)-Gelenke I-III, V, entzündliche Mitbeteiligung der Beugesehne
Digitus
III linke Hand [10/2008])
-
skelettszintigraphisch
entzündliche Veränderungen in den Finger
ge
lenken inklusive MCP beidseits, oberes Sprunggelenk (OSG) beidseits,
metatarsophalangeal
(MTP) rechts (Skelettszintigraphie 02/2009)
-
aktenanamnestisch
Livedo
racemosa
Eine kardiologische Nachkontrolle mit Ergometrie wurde für in einem Jahr vor
gesehen (S. 35).
4.5
Am 20. Juli 2015 fand eine ambulante Erstuntersuchung der Beschwerdeführerin in der Klinik für Rheumatologie des Stadtspitals A._ statt (Urk. 7/200/25 f.). Dabei wurden die gleichen Diagnosen gestellt wie durch die Klinik für Kardiologie (E. 4.6). Die thorakalen Schmerzen wurden differentialdiagnostisch auf ein
Fibro
myalgiesyndrom
zurückgeführt. Zusätzlich erwähnten die Rheumatologen eine Augen-OP links vor Jahren sowie 2009 eine transitorische Ischämische Attacke (TIA) ohne neurologisches Residuum (S. 25).
Es wurde festgehalten, momentan stehe am ehesten ein Ganzkörperschmerz, vereinbar mit einem
Fibromyalgiesyndrom
, im Vordergrund. Allerdings gebe es in der Vorgeschichte auch Hinweise auf eine mögliche undifferenzierte Kolla
genose. Diesbezüglich wurden weitere Abklärungen veranlasst. Die Beschwerde
führerin wurde aufgrund der kardialen Vorgeschichte seit Januar als zu 100 % arbeitsunfähig beurteilt (S. 26).
4.6
Am 25. November 2015 (Urk. 7/206) wurde durch die Klinik für Innere Medizin des Stadtspitals A._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein NSTEMI bei koronarer Zweigefässerkrankung,
Revaskularisation
des RIVA mit zwei Stents, vom 12. bis 17. Februar 2015 eine
Hospitalisation
bei Influenza A und möglicher bakterieller Superinfektion, seit 25. März 2015 eine
Revaskularisation
des proxi
malen RCX, elektive Koronarangiographie sowie ein
Fibromyalgiesyndrom
fest
ge
halten (S. 1). Aktuell bestehe eine vollständige koronare
Revaskularisation
. In ihrer angestammten Tätigkeit im Packservice für eine Firma im Transport wurde die Beschwerdeführerin vom 25. März bis 2. April 2015 zu 100 % arbeitsunfähig erachtet. Eine Woche nach der Koronarangiographie wurde die angestammte Tätig
keit wieder für zumutbar erachtet, jedoch mit verminderter Leistungs
fähig
keit (keine schweren Lasten heben wegen Risiko von Blutung an Einstichstelle). Eine leidensangepasste Tätigkeit wurde ab 3. April 2015 zu 100 % für zumutbar erachtet (S. 2 f.).
4.7
Mit «Stellungnahme bezüglich der
ArbeitsUNfähigkeit
von Frau X._ in den letzten Monaten» Stellungnahme vom 14. Juni 2016 (Urk. 7/219) stellte Dr. med. F._, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin, die Diagnosen einer koronaren Zweige
fässer
krankung (Status nach NSTEMI 16. Januar 2015, Status nach
Rekanalisierung
und
Stenting
), unklarer wiederholter Synkopen (differentialdiagnostisch
rhyth
mogen
, epileptisch), schwerwiegender unklarer Schmerzzustände (differential
dia
g
nostisch im Rahmen einer nicht klassifizierbaren rheumatologischen Systemer
krankung, schwere Form eines
Fibromalgiesyndroms
), einer multifaktoriellen Dyspnoe bei persistierendem Nikotinabusus, einer arteriellen Hypertonie sowie eines Status nach depressiven Episoden. Zur
Arbeitsfähigkeit hielt er fest, aus medizinischen Gründen sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen. Insbesondere schwere auch mit starken Schmerz
mitteln nicht kontrollierbare Schmerzzustände und wiederholte Synkopen hätten dies unmöglich gemacht.
4.8
Dem provisorischen Austrittsbericht der Klinik für Rheumatologie des Stadtspitals A._ vom 14. Juni 2016 (Urk. 7/219/3 f.) sind folgende Diagnosen zu entneh
men (S. 3):
-
rezidivierende Polyarthritiden sowie anamnestisch
Synovitiden
(letztmals Verdacht auf
Synovitis
der MCP-Gelenke I-III, V, entzündliche Mitbe
teiligung der Beugesehne
Digitus
III linke Hand [10/2008],
skelettszin
ti
graphisch
entzündliche Veränderungen in den Fingergelenken inklusive MCP beidseits, OSG beidseits, MTP rechts [Skelettszintigraphie 02/2009])
-
Fibromyalgiesyndrom
-
koronare Zweigefässerkrankung Status nach NSTEMI am 16. Januar 2015 (gutes Resultat nach PCI des proximalen/mittleren RIVA am 16. Januar 2015 [2xDES], signifikante Stenose des proximalen RCX, primäres
Sten
ting
[1xDES] 25. März 2015,
cvRF
: Diabetes mellitus Typ 2, Nikotinabusus [kumulativ 80py],
Dyslipidämie
)
-
chronische Bronchitis bei Nikotinabusus
-
rezidivierende Synkopen mit thorakalem Engegefühl, Luftnot, Doppel
bildern bis anhin unklarer Ursache (auswärtig durchgeführtes Schädel-MRI von 04/2016 ohne Hinweis für Einblutung respektive Ischämie, Elek
troenzephalographie [EEG] vom 9. Juni 2016 ohne epilepsietypische Poten
tiale)
-
Status nach depressiven Episoden (aktuell Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung mit ängstlich-depressiver Schmerzverarbeitung bei komorbider rezidivierender depressiver Störung)
-
links Augen-OP vor Jahren
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin dürfe keine Tätigkeiten mit Heben und Tragen von schweren Lasten durchführen sowie keine Tätigkeiten in Zwangshaltung und über Kopf. Vom 31. Mai bis 3. Juli 2016 wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 4).
4.9
Im Y._-Gutachten vom 22. Juni 2017 (Urk. 7/238) wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.10),
festgehalten (S. 79). Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegeben
heiten und Befunde sei die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in ihrer
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Die hier gestellten internistischen, kardiolo
gi
schen und rheumatologischen Diagnosen seien nicht arbeitslimitierend. Hinge
gen führe die aktuelle Kombination einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung mit einer mittelgradigen depressiven Störung zu einer 50%igen Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeitsbereiche, die sich aber unter Therapie bessern sollte und nicht als Dauerzustand zu verstehen sei (S. 92).
5.
Das
Y._-Gutachten vom 22. Juni 2017 (Urk. 7/238)
beruht auf den erforder
lichen Untersuchungen, ist für die streitigen Be
lange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt.
Die Gutachter legten
die medizinischen Zusam
men
hän
ge einleuchtend dar, beurteilten
die medizinische Situation überzeugend und setzte
n
sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten
der Be
schwer
deführerin auseinander.
Im Rahmen der internistischen Untersuchung wurde insbesondere auch dem von der Beschwerdeführerin geklagten Reizhusten Rechnung getragen (S. 59). Der Gutachter konnte bei der Befunderhebung eine Eupnoe feststellen. Er führte hierzu aus, es bestehe ein ständiger Reizhusten, auskultatorisch ein leicht verlän
gertes
Exspirium
, keine Rasselgeräusche, kein Giemen oder Brummen (S. 60). Die durchgeführte Lungenfunktionsprüfung zeigte eine normale Spirometrie ohne Anhaltspunkte für eine obstruktive oder restriktive Ventilationsstörung (S. 62). Der Befund fand als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Sinne eines chronischen Reizhustens unklarer Ätiologie mit/bei aktuell normaler Lun
genfunktionsprüfung Eingang in die Diagnosestellung (S. 79). Ebenfalls unter
sucht wurden Herz/Kreislauf. Die Herzfrequenz lag bei 96/min., regelmässig, der Blutdruck bei 120/85
mmHg
. Die Herzauskultation zeigte reine, rhythmische Herztöne, es waren keine pathologischen Geräusche zu hören. Klinisch bestanden keine Hinweise auf eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz. Die peripheren Pulse waren allesamt symmetrisch palpabel. Es bestanden keine
Varikosis
und keine Ödeme (S. 60). Das Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) war ohne Hinweis für eine Hypertrophie oder eine Ischämie (S. 62). Damit erscheint auch der gutachterliche Schluss darauf, dass die koronare Zweigefässerkrankung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist (S. 79), nachvollziehbar (vgl. auch die gutachterlichen Ausführungen auf S. 89).
Seitens des Rheumatologen wurde weiter nach eingehender Befunderhebung (S. 64 f.) festgehalten, die im Rahmen dieser polydisziplinären Begutachtung durch
geführte rheumatologische Untersuchung zeige eine 57-jährige, stöhnende Versicherte, die aufschrecke und weine, wo immer man sie berühre. Unter Ablen
kungsmanöver gelinge jedoch eine absolut normale Beweglichkeit der Wirbel
säule
(alle drei Segmente), jedoch schmerzhaft. Neurologische Defizite hätten keine gefunden werden können. Beim Untersuch der Gelenke finde man diese durchwegs frei, aber schmerzhaft beweglich. Insbesondere hätten keine
Synovi
tiden
, keine
Tenosynovitiden
und keine Hautveränderungen festgestellt werden können. Aktuell sei ein entzündlich-rheumatisches Geschehen, insbesondere eine Kollagenose oder eine Myopathie, aber auch eine Polyarthritis, klinisch, aber auch laborchemisch, ausgeschlossen. Die Verdachtsdiagnose einer undifferenzierten Kollagenose habe sich im Jahre 2008 am Universitätsspital E._ auf die Skelettszintigraphie, auf die Polyarthralgien sowie die Laborwerte abgestützt. Da aktuell keine typischen Zusatzsymptome von Seiten der Organe festgestellt wür
den und auch keine typischen Hautveränderungen vorlägen und die Beschwerden sich seit 2008 nicht verändert hätten, sei kaum davon auszugehen, dass es sich hier um eine Kollagenose handle (S. 67). Damit wurden die geklagten rheuma
tischen Beschwerden berücksichtigt (vgl. zur diesbezüglichen Krankengeschichte auch S. 48 ff.). Die gutachterlichen Schlussfolgerungen sind begründet.
Auch der neurologische Gutachter berücksichtigte die Krankengeschichte der Beschwerdeführerin, so insbesondere auch die periphere
Facialisparese
links aus dem Jahre 2009. Diesbezüglich führte er aus, die Beschwerdeführerin habe sich davon vollständig erholt (S. 70). Dieser Schluss steht im Einklang mit der Beurteilung durch die Klinik für Rheumatologie in ihrem Bericht vom 20. Juli 2015, wo von einer 2009 erlittenen TIA ohne neurologisches Residuum gespro
chen wurde (E. 4.5). Dass die Beschwerdeführerin im respektive seit dem Zeit
punkt der Begutachtung durch das Y._ noch an neurologischen Folgen der 2009 erlittenen TIA litt, macht sie im Übrigen auch nicht geltend (Urk. 1). Die Diagnose eines Status nach peripherer
Facialisparese
links im April 2009 wurde dement
sprechend zu Recht als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt (S. 79). Im Weiteren kam der neurologische Gutachter nach umfassender Befundauf
nahme (S. 69 f.) zum nachvollziehbaren Schluss, dass die beklagte Schmerzsymp
tomatik nicht neuropathisch anmute und auch nicht von neurologischen Aus
fällen begleitet werde. Die beklagte intermittierende Fühlstörung sei eher als funktionelle Störung im Rahmen der Schmerzsymptomatik, denn als eigentliche sensible Ausfallsymptomatik einzuordnen. Dies werde auch aus Sicht der Be
schwerde
führerin so berichtet. Höhergradige, von schmerzbedingter Minder
inner
vation abzugrenzende, relevante fokalneurologische Defizite würden sich im gutachterlichen fachneurologischen Untersuchungsbefund nicht finden (S. 70). Ein fachärztlich-neurologischer Bericht, der dieser Beurteilung entgegenstehen würde, ist nicht aktenkundig.
Insgesamt erscheint damit der Schluss begründet, dass aus somatischer Sicht zwar bei der Beschwerdeführerin Diagnosen vorliegen, diese sich jedoch (seit April 2015, S. 93) nicht auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirken (vgl. S. 79).
Damit bleibt es gemäss dem beweiswertigen
Y._
-Gutachten in diagnostischer Hinsicht bei der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie der rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10), aufgrund welcher die Gutachter der Beschwerdeführerin eine 50%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeitsbereiche attestierten (E. 4.9).
6.
6.1
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychia
tri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeits
fähig
keit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen
kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeits
fähi
g
keit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den nor
mativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der ent
sprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwen
der prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheb
lichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Ein
schätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas
Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2016, S. 142 Ziff. 3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rech
nung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialver
si
cherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann
.
Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhe
b
liche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrach
tet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenan
spre
chenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
V
on einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähi
gkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne
dass ein
wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges
Gutachten dadurch sei
nen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
Die Beschwer
degegnerin wich von der seitens der Gutachter aus psychiatrischer Sicht atte
stierten 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (E. 4.9) ab und schloss auf einen nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden (E. 2.1). Ob dieser Einschät
zung aus rechtlicher Sicht gefolgt werden kann, ist nachfolgend zu prüfen.
6
.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem
Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
6.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
be
n, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
6
.
4
6
.
4
.1
Was den K
omplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator
der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2). Die
Beschwerdeführerin leidet neben der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) an
einer rezidi
vie
renden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10
; E. 4.9
). Gemäs
s gutachterlicher Beurteilung lä
ss
t
sich die depressive Symptomatik
klinisch
als mittelgradig einstufen (
Urk.
7/238
S.
96). In diesem Zusammenhang ist jedoch darauf hinzuweisen, dass auch gewichtige psychosoziale Belastungs
faktoren (schwere Erkrankung des Bruders, kranker Sohn, kranke Mutter, finan
zielle Probleme) vorliegen, welche
das depressive Leiden
gemäss gutachterlicher Beurteilung zumindest mit beeinflussen (vgl. Urk.
7/238
S.
77
, S. 98
) und die rechtlich keine Invalidität zu begründen vermögen. In Bezug auf den funktio
nellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als höchstens mittelgradig ausgeprägt.
6.4
.2
Bezüglich des Indikators
«Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder –
resi
stenz
»
ist festzustellen, dass
die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben seit
dem im
Januar 2015
erlittenen Herzinfarkt
keine Arbeitsversuche mehr unternommen
hat
(Urk.
7/238 S.
55). In einer psychiatrischen Gesprächstherapie war sie
sodann
vor der Aufnahme der Behandlung
bei ihrem neuen Psychiater
, bei welchem im Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung ein Termin stattgefunden hatte, seit Jahren nicht mehr (
Urk.
7/238
S. 57, S. 59, vgl. auch S. 100, 102
). Zum
Ein
gliederungs
- respektive Behandlungserfolg kann damit nichts gesagt werden. Die
Gutachter gingen jedoch davon aus, dass es möglich sei, unter einer intensiven psychotherapeutischen und medikamentösen Therapie
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin zu erreichen
, so dass nicht von einer dauerhaften 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (
Urk.
7/23
8 S. 100
).
Die Aufnahme von beruflichen Wiederein
glie
derungsmassnahmen wurde weiter als zumutbar erachtet und auch empfoh
len, um eine zu lange Arbeitskarenz und eine entsprechende
Dekonditionierung
zu verhindern (Urk. 7/238 S. 101). Von einer Behandlungs- oder Eingliederungs
resi
s
tenz kann damit keine Rede sein.
6.4
.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Die Beschwerdeführerin leidet neben der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige de
pres
sive Episode, an keinen Erkrankungen, welche sie zusätzlich in ihrer Arbeits
fähigkeit einschränken
, so namentlich die Herzerkrankung
. Zwar besteht zwi
schen der depressiven Symptomatik sowie der Schmerzerkrankung gemäss gutachterlicher Beurteilung eine gewisse Wechselwirkung.
Der psychiatrische Gutachter wies
jedoch auch darauf hin, dass die depressive Symptomatik
Folge der
Schmerzen
und der
psychosozialen S
chwierigkeiten sei (Urk. 7/238 S. 77).
6
.
4
.4
Bei den Komplexen
«Persönlichkeit»
und
«sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes
: Gemäss dem psychiatrischen Gutachter finden
sich keine Hinweise für eine pathologische Persönlichkeitsstruktur, eine solche Diagnose sei bisher auch noch nicht
gestellt worden (Urk. 7/238 S.
77). Im Rahmen der Beurteilung der persön
lichen Ressourcen führte der Facharzt
vielmehr
aus, die Beschwerdeführerin habe eine starke Persönlichkeitsstruktur (Urk.
7/238 S.
97).
Die Beschwerdeführerin kam im Alter von neun Jahren in die Schweiz und besuchte hier die Primarschule und
einen Teil der
Oberstufe.
Von ihrem gewalttätigen
und alkoholabhängigen
Vater
wurde sie mit 13 Jahren
aus der Schule herausgenommen und zum Arbeiten in
einer
Fabrik gezwungen.
Mit
etwa
16 Jahren flüchtete sie von zuhause.
I
hre von 1987 bis 1991 dauernde
Ehe war von der Alkoholabhängigkeit ihres dama
ligen Ehemannes geprägt.
Im Zeitpunkt der Begutachtung wohnte die geschie
de
ne Beschwerdeführerin mit ihrem Sohn
(geb. 1986)
zusammen in einer 4-Zimmer-Mietwohnung in Schlieren. Ihr Sohn bezog
infolge eines Unfalles
eine
ganze
Suva-Rente. Ihr Bruder war
sodann schwer an Krebs erkrankt (gemäss Angaben der Beschwerdeführerin im Endstadium).
D
ie Beschwerdeführerin besuchte i
h
n täglich
für mehrere Stunden
. Auch
die
Mutter
der Beschwerdeführerin
litt an Krebs.
Sie befand sich im Zeitpunkt der Begutachtung seit vier Wochen zu Besuch bei der Beschwerdeführerin. An sozialen Kontakten nannte die Beschwerde
führerin ihren Bruder, ihre Mutter, ihren Sohn und dessen Kollegen sowie eine Nachbarin. Ihr Sohn unterstützte
die Beschwerdeführerin
im Haushalt
, etwa bei der Wäsche oder beim Kochen (Urk.
7/26, Urk. 7/238 S. 54 ff.
,
S. 71 ff.
).
Mit der Krankheit ihres Sohnes, ihrer Mutter und ihres Bruders enthält der soziale Lebenskontext der Beschwerdeführerin ressourcenhemmende Faktoren. Gleich
zeitig
erfährt
sie durch ihren Sohn jedoch auch Unterstützung und die Ver
pflich
tungen ihm und ihrem Bruder gegenüber
verleihen
ihr auch eine gewisse Tages
struktur
(dazu nachfolgend E. 6.4.5)
. Der soziale Lebens
kontext enthält somit einerseits belastende, aber andererseits auch
bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
Als positive Ressource
wies
der psy
chiatrische Gutachter zudem auf das hohe Verantwortungsgefühl der Beschwer
de
führerin hin.
Dieses Verantwortungsgefühl, insbesondere aber auch ihre starke Persönlichkeitsstruktur verhalfen der Beschwerdeführerin nicht nur in der Ver
gangenheit dazu, ein grösstenteils geregeltes Leben führen zu können (vgl. Urk. 7/238 S. 77). Auch im Zeitpunkt der Begutachtung war sie in der Lage, trotz schwerwiegenden psychosozialen Belastungsfaktoren (vgl. auch Urk. 7/238 S. 98) einem einigermassen geregelten Tagesablauf nachzugehen (dazu nachfolgend E. 6.4.5) und insbesondere ihrer Verantwortung gegenüber ihrem Sohn und ihrem Bruder nachzukommen. So war sie etwa auch Ansprechperson für das Universi
tätsspital E._ im Zusammenhang mit der Erkrankung ihres Bruders (Urk. 7/238 S. 72 ff.). Dies zeugt von erheblichen persönlichen Ressourcen.
6.4.5
In der
Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016,
S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier
, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
[Hrsg.], Das
indikatorenorientierte
Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff.
[nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt
der Indikator «gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Zu ihrem Tagesablauf führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung aus, in der Regel stehe sie zwischen 06.00 Uhr und 06.30 Uhr auf, frühstücke, mache sich zurecht und gehe dann in einem kleinen Park in der Nähe spazieren, täglich vier Mal à 15 bis 20 Minuten. Sie brauche dies, damit der Körper in Bewegung bleibe. Zu Hause sei sie immer müde, müsse sich teils hinlegen, sie höre dabei Musik, vor allem SRF 1, hin und wieder schaue sie auch fern, sie interessiere sich vor allem für Nachrichten. Ansonsten mache sie die Hausarbeit, etappenweise, wie es von den Schmerzen gehe. Hin und wieder versuche sie mit dem Sohn auch Kreuzworträtsel zu lösen, sich etwas um ihn zu kümmern. Aktuell gehe sie täglich ins Spital, von 13.00 bis 16.00 Uhr, wenn es ihr von den Schmerzen schlecht gehe, auch weniger lang, wegen ihres im Sterben liegenden Bruders. Am Abend schaue sie erneut fern, sie schaue neben Nachrichten auch Krimis, Soap
Operas
, sie habe alles gern. Zwischen 02.00 und 03.00 Uhr am Morgen gehe sie dann zu Bett (Urk. 7/238 S. 73 f.). Einkäufe erledigte die Beschwerdeführerin mehrmals pro Woche selbst (Urk. 7/238 S. 55 f.). Mit Blick auf die Angaben der Beschwerdeführerin ist auf einen weitgehend geregelten Tagesablauf zu schliessen. Dass sie zu Hause müde war, erscheint beim ge
schilderten Tagesprogramm nach lediglich wenigen Stunden Schlaf nicht weiter verwunderlich. Auf eine erhebliche Einschränkung im Alltag kann nicht ge
schlossen werden.
6.4.6
Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25
Rz
60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht
sprechung, S. 129) weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
de
rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht
e Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbe
einträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin hat
seit
ihrem
im Januar 2015
erlittenen Herzinfarkt
keine Arbeitsversuc
he mehr unternommen (Urk. 7/238 S.
55). In einer psychia
trischen Gesprächstherapie war sie vor der Aufnahme der Behandlung bei
ihrem neuen Psychiater
, bei welchem im Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung ein Termin stattgefunden hatte, sei
t Jahren nicht mehr (Urk. 7/238 S.
74). Ein behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck be
steht damit nicht.
6.4.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indi
katoren insbesondere unter Berücksichtigung des Komplexes der Konsistenz bei fehlender gleichmässiger Einschränkung in allen Lebensbereichen sowie einem fehlenden behandlungs- und eingliederungsanamnestischen Leidensdruck nicht auf eine aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevante Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit zu schliessen.
In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die gutachterliche Beurteilung der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
auch unabhängig von der Prü
fung der Indikatoren
nicht gänzlich nachvollzogen werden kann. So wurde die 50%ige Einschränkung
vom begutachtenden Psychiater
mit einer verminderten Belastbarkeit, subjektiv erlebten kognitiven und mnestischen Defiziten, einer verminderten Stresstauglichkeit, einer reduzierten Aufmerksamkeit und Auffas
sung sowie einer eingeschränkten gedanklichen Flexibilität begründet (Urk. 7/23
8
S. 78)
.
Gleichzeitig hielt er als Befund fest, es seien keine
kognitiven sowie mnestischen Defizite
eruierbar
und die Aufmerksamkeit habe während des
ganzen
60
-
mi
nütigen
Gesprächs
in keiner Phase
nachgelassen. Der formale
Denkablauf
war weiter unauffällig,
inhaltlich
etwas auf
die Schmerzsymptomatik
einge
schränkt (
Urk. 7/238 S.
74 f.). Die attestierte verminderte Belastbarkeit sowie Stresstauglichkeit kann
folglich
nicht nachvollzogen werden.
Zudem befand sich
die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung
in
einer ausserordent
lichen Stress-
und Belastungssituation
: Ihre finanzielle Situation war schlecht. Ihr Sohn bezog schon seit Jahren infolge eines Unfallereignisses eine ganze Rente der Suva. Ihre Mutter war krebskrank und ihr Bruder
lag
im Sterben. Die Be
schwerdeführerin schaffte es dennoch,
jeden Tag morgens früh aufzustehen
,
regelmässig für sich und ihren Sohn
einkaufen
zu gehen, tägliche Spaziergänge zu unternehmen,
sich
etwas
um ihren Sohn zu kümmern, den Haushalt zu
erledi
gen
und
täglich während Stunden
ihren todkranken Bruder
im Spital
zu besuchen
(vgl. E. 6.4.4 f.)
. Das zeugt
gegenteils
von einer überdurchschnittlichen Belastbar
keit und Stresstoleranz. Insgesamt erscheint damit auch gestützt hierauf die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht schlüssig
, dies umso mehr als der psychiatrische Gutachter selber seiner Beurteilung anfügte, allerdings sei der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin noch instabil (S. 78)
.
Weil nach dem Gesagten aus rechtlicher Sicht - in Abweichung zur gutach
ter
lichen Beurteilung - nicht auf eine rentenrelevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu schliessen ist, ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.