Decision ID: 5314dfd9-eeb4-4672-a024-e42cc7e86c35
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus Ägypten stammende A._ (geb. [...], nachfolgend: Be-
schwerdeführer 1) heiratete am 20. Mai 2015 in Kairo die Schweizer Bür-
gerin B._ (geb. [...], im Folgenden: Beschwerdeführerin 2) und zog
im Oktober 2015 zu ihr in die Schweiz. In der Folge erhielt er eine Aufent-
haltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau. Inzwischen verfügt er über
eine Niederlassungsbewilligung. Am 10. April 2020 kam der gemeinsame
Sohn C._ zur Welt (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1 und act. 4).
B.
Am 13. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer 1 gestützt auf Art. 21
Abs. 1 des Bürgerrechtsgesetzes vom 20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) ein
Gesuch um erleichterte Einbürgerung ein (SEM act. 1).
C.
Mit Schreiben vom 24. November 2020 forderte das SEM vom Beschwer-
deführer 1 sämtliche Originale der dem Einbürgerungsgesuch beigelegten
Dokumente nach (SEM act. 2). Dieser Aufforderung kam er am 7. bzw.
29. Dezember 2020 nach (SEM act. 4 und 6).
D.
In der Folge holte die Vorinstanz vom Gemeindeamt des Kantons Zürich
einen Erhebungsbericht ein (SEM act. 7). Dieser lag am 1. Juni 2021 mit
einem positiven Antrag vor. Daraus ergab sich, dass der Beschwerdefüh-
rer 1 alle Einbürgerungskriterien erfülle (SEM act. 8).
E.
Am 22. Juni 2021 stellte das SEM dem Beschwerdeführer 1 die auszufül-
lenden Erklärungen betreffend eheliche Gemeinschaft und Beachtens der
Rechtsordnung zu (SEM act. 9). Die vom 1. Juli 2021 datierten Erklärungen
gingen am 2. Juli 2021 bei der Vorinstanz ein. Die Erklärung betreffend
eheliche Gemeinschaft war wie verlangt von beiden Ehegatten unterzeich-
net. Darin bestätigten sie, in einer tatsächlichen, ungetrennten und stabilen
ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zusammenzuwohnen und
dass weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestünden. Ferner
nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürge-
rung nicht möglich sei, wenn vor oder während des Einbürgerungsverfah-
rens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragt habe
oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr bestehe, und dass die
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Verheimlichung solcher Umstände zur Nichtigerklärung der erleichterten
Einbürgerung nach Art. 36 BüG führen könne (SEM act. 10).
F.
Am 5. Juli 2021 verfügte die Vorinstanz die erleichterte Einbürgerung des
Beschwerdeführers 1 gestützt auf Art. 21 Abs. 1 BüG (SEM act. 11).
G.
Am 26. August 2021 teilte die Beschwerdeführerin 2 dem SEM per E-Mail
mit, dass sie und ihr Ehegatte seit längerer Zeit Eheprobleme hätten. Ver-
geblich versuche sie seit drei Jahren, ihn zu einer Ehetherapie zu überre-
den. Wegen der immer grösser werdenden Probleme sei bei ihr ein Tren-
nungswunsch entstanden, dessen Umsetzung sich wegen des gemeinsa-
men Kindes nicht so einfach gestalte. Da sich der Beschwerdeführer 1 im
Einbürgerungsverfahren befinde und dies von Belang sein könnte, liege ihr
daran, dies dem Staatssekretariat zur Kenntnis zu bringen (SEM act. 12).
H.
Mit E-Mail vom 30. August 2021 orientierte die Vorinstanz den Beschwer-
deführer 1 über die elektronische Eingabe seiner Gattin. In diesem Zusam-
menhang erläuterte sie ihm nochmals die Voraussetzungen der erleichter-
ten Einbürgerung sowie die bundesgerichtliche Praxis hierzu. Aufgrund der
eingetretenen Sachlage hege das SEM erhebliche Zweifel am Bestehen
einer stabilen ehelichen Gemeinschaft. Gleichzeitig wurde dem Beschwer-
deführer 1 bis zum 1. September 2021 um 12 Uhr die Möglichkeit einge-
räumt, sich zur beabsichtigten Rücknahme des Einbürgerungsentscheids
vom 5. Juli 2021 mittels Verfügung zu äussern (SEM act. 13).
I.
Am 31. August 2021 tat die Beschwerdeführerin 2 gegenüber der Vor-
instanz kund, ihre Aussage vom 26. August 2021 revidieren zu wollen. Sie
und ihr Ehemann hätten in den letzten Tagen und vor allem nach Erhalt der
E-Mail des SEM vom 30. August 2021 sehr intensiv miteinander geredet.
Ihr verzweifelter Versuch via das Staatssekretariat habe ihrem Ehemann
den Ernst der Lage klargemacht und ihm die Augen geöffnet. Sie hätten es
in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt. Der Vater des Beschwer-
deführers 1 sei an Krebs erkrankt. Ihr Gatte versuche, bei schlechtem Lohn
und mit sehr viel Arbeit, seinen Teil an den Unterhalt beizutragen und auch
noch seine Familie in Ägypten zu unterstützen sowie die Arztkosten zu be-
zahlen. Die fragliche E-Mail habe sie mit viel Frust und Wut nach einem
Streit geschrieben. Sie seien seit zehn Jahren zusammen und hätten vor
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sechseinhalb Jahren geheiratet. Sie hoffe, dass sich die «Missstände»
durch diese Nachricht wieder lösten und das Einbürgerungsverfahren wei-
terlaufe (SEM act.14).
J.
Ebenfalls am 31. August 2021 liess der Beschwerdeführer 1 auf elektroni-
schem Weg verlauten, dass ihm die Situation durch den Schritt seiner Ehe-
frau bewusst geworden sei. Er liebe seine Familie und möchte alles dafür
tun, um sie zu behalten. Für ihn sei es keineswegs nur ein Verheiratetsein.
Er und die Beschwerdeführerin 2 hätten viel geredet, und sie seien beide
bereit, an der Ehe zu arbeiten (SEM act. 15).
K.
Am 1. September 2021 (eröffnet tags darauf) verfügte die Vorinstanz die
Rücknahme des Einbürgerungsentscheids vom 5. Juli 2021 betreffend den
Beschwerdeführer 1 und setzte das entsprechende Einbürgerungsverfah-
ren ins Instruktionsverfahren zurück (SEM act. 16).
L.
Mit einer als «Beschwerde gegen Widerruf der Verfügung vom 05. Juli
2021» bezeichneten Rechtsmitteleingabe ersuchten die Beschwerdefüh-
renden am 23. September 2021 beim Bundesverwaltungsgericht um Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung.
Die Beschwerdeeingabe war mit mehreren Familien- und Ferienfotos er-
gänzt (BVGer act. 1).
M.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 17. November 2021
auf Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 7).
N.
Mit Replik vom 17. Dezember 2021 hielten die Beschwerdeführenden am
eingereichten Rechtsmittel und dessen Begründung fest (BVGer act. 9).
O.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM betreffend erleichterte Einbürgerung sind mit
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 47 Abs. 1
BüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil-
genommen, sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Sie sind
daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 50 und 52 VwVG). Das vorliegende Rechtsmittel ist als «Beschwerde
gegen Widerruf der Verfügung vom 05. Juli 2021» bezeichnet; es richtet
sich offenkundig gegen die vorinstanzliche Rücknahmeverfügung vom
1. September 2021, deren Aufhebung die Beschwerdeführenden sinnge-
mäss beantragen.
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen (BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Im Streit befindet sich vorliegend die Verfügung vom 1. September
2021, womit die Vorinstanz die dem Beschwerdeführer 1 am 5. Juli 2021
erteilte erleichterte Einbürgerung zurückgenommen hat. Sie begründete
dieses Vorgehen damit, dass sie aufgrund einer E-Mail der Beschwerde-
führerin 2 vom 26. August 2021 sowie dem anschliessenden, aus zeitlichen
Gründen elektronischen geführten Schriftenwechsel Zweifel am Bestehen
einer stabilen, auf Dauer ausgerichteten ehelichen Gemeinschaft hege.
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3.2 Bei der Einbürgerung gibt es keinen ordentlichen Widerruf, wenn sich
nachträglich herausstellt, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt waren.
Möglich ist nur die Nichtigerklärung nach Art. 36 BüG unter den entspre-
chenden erschwerten Voraussetzungen, wie insbesondere der Täuschung
über wesentliche Tatsachen (vgl. BGE 140 II 65 E. 3.4.3 m.H.). Die nach-
trägliche Abänderung von noch nicht formell rechtskräftigen Verfügungen
durch die verfügende Behörde ist demgegenüber grundsätzlich zulässig.
Ist ein Rechtsmittelverfahren hängig, kommt einer sich für den Beschwer-
deführer negativ auswirkenden Wiedererwägungsverfügung der Charakter
eines Antrags an die Beschwerdeinstanz zu (vgl. Art. 58 Abs. 1 VwVG). In
Anlehnung an diese Regelung kann die Verwaltung während der Rechts-
mittelfrist auch auf eine unangefochtene Verfügung zurückkommen. Dabei
muss weder die Verfügung zweifellos unrichtig sein noch der Berichtigung
erhebliche Bedeutung zukommen, da der Rechtssicherheit und dem Ver-
trauensgrundsatz bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft nicht die glei-
che Bedeutung zukommen wie nach diesem Zeitpunkt. Dies dient der mög-
lichst einfachen Durchsetzung des objektiven Rechts (vgl. etwa Urteile des
BVGer F-493/2017 vom 7. Mai 2019 E. 5.1 oder C-2949/2014 vom 30. Ok-
tober 2015 E. 5.1 und E. 7.1, je m.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N. 713;
WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I,
2012, & 6 N. 2715 m.w.H.).
3.3 Die ursprüngliche Verfügung betreffend erleichterte Einbürgerung da-
tiert vom 5. Juli 2021, wurde am gleichen Tag per A-Post abgeschickt (SEM
act. 11) und dem Beschwerdeführer 1 somit frühestens am 6. Juli 2021
zugestellt. In Berücksichtigung des Fristenstillstandes vom 15. Juli bis und
mit 15. August (vgl. Art. 22a Abs. 1 Bst. b VwVG) endete die 30-tägige
Rechtsmittelfrist demnach frühestens am 6. September 2021. Die Verfü-
gung des SEM betreffend Rücknahme des Einbürgerungsentscheids und
Zurücksetzung ins Instruktionsverfahren datiert vom 1. September 2021
und wurde tags darauf eröffnet. Unbestrittenermassen wurde sie dem Be-
troffenen folglich vor der formellen Rechtskraft der Einbürgerungsverfü-
gung eröffnet.
3.4 Der E-Mail, welche die Beschwerdeführerin 2 am 26. August 2021 der
Vorinstanz zukommen liess, liegen zweifellos Ereignisse zugrunde, die auf
eine Instabilität der ehelichen Gemeinschaft hinweisen. Hätte die Gattin
der einbürgerungswilligen Person der verfügenden Behörde besagte Mit-
teilung vor dem 5. Juli 2021 zugesandt, dann hätte das SEM die erleich-
terte Einbürgerung nicht gleich verfügt bzw. gar nicht verfügen dürfen. Sie
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hätte – im Rahmen des Instruktionsverfahrens – vielmehr einmal abgewar-
tet, wie sich die eheliche Gemeinschaft entwickelt (Klärung der Eheprob-
leme, Ehetherapie, allfällige Trennung). Die Intervention der Vorinstanz vor
Ablauf der Rechtsmittelfrist ist daher nicht zu beanstanden, zumal – wie
bereits ausgeführt – der Rechtssicherheit und dem Vertrauensgrundsatz
bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft nicht die gleiche Bedeutung zu-
kommen wie nach diesem Zeitpunkt, es mit anderen Worten keiner beson-
deren Voraussetzungen bedarf, auf eine unangefochtene Verfügung zu-
rückzukommen, wenn die Rechtsmittelfrist nicht abgelaufen ist.
4.
4.1 Die Vorinstanz geht aufgrund der Intervention der Beschwerdeführe-
rin 2 vom 26. August 2021 sowie der danach eingegangenen Stellungnah-
men der Betroffenen davon aus, die Ehe sei in besagtem Zeitpunkt nicht
mehr in genügendem Masse stabil und zukunftsgerichtet gewesen. Auf Be-
schwerdeebene wird im Wesentlichen dagegengehalten, die Beschwerde-
führerin 2 habe die fragliche E-Mail nach einem Streit aus Wut und Frust
verfasst. Dass seit drei Jahren Eheprobleme bestünden, habe sie vorsätz-
lich falsch geschrieben. Durch die neue Rolle als Eltern sowie der ausser-
ordentlichen Lage seit bald zwei Jahren seien die Gemüter erhitzt gewe-
sen. Durch die zusätzlichen Stagnationen sei auch die eheliche Beziehung
gefordert gewesen. Der Streit der Beschwerdeführenden habe das Fass
zum Überlaufen gebracht. Sie seien aber stetig daran, an Herausforderun-
gen zu wachsen und zu lernen, damit umzugehen. Menschen seien leider
nicht rationale, sondern emotionale Wesen. Fehler passierten und die
ganze Situation können nicht anders denn als emotionaler Ausrutscher ein-
geordnet werden. Jedenfalls hätten sie beide den Willen, die Ehe auch in
Zukunft aufrechtzuerhalten.
4.2 Die erleichterte Einbürgerung setzt unter anderem voraus, dass die ge-
suchstellende Person seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem
Schweizer Ehepartner lebt (Art. 21 Abs. 1 Bst. a BüG). Sobald an einen
Begriff wie die Ehe rechtliche Folgen – wie der Erwerb des Bürgerrechts –
geknüpft sind, liegt die Definitionshoheit nicht mehr beim Einzelnen, son-
dern beim Gesetzgeber bzw. bei der Rechtsprechung (vgl. Urteil des
BVGer F-6214/2020 vom 17. Januar 2022 E. 4.2). Der Begriff der eheli-
chen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung mehr als nur das formelle Bestehen einer Ehe. Verlangt wird viel-
mehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, getragen vom beidseitigen
Willen, die Ehe auch künftig aufrechtzuerhalten (vgl. BGE 135 II 161 E. 2
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m.H. oder Art. 10 Abs. 1 der Bürgerrechtsverordnung vom 17. Juni 2016
[BüV, SR 141.01]).
4.3 Art. 10 Abs. 3 BüV bestimmt, dass die eheliche Gemeinschaft sowohl
im Zeitpunkt der Gesuchstellung als auch im Zeitpunkt der Einbürgerung
bestehen muss. Tritt im Verlauf des Einbürgerungsverfahrens eine Situa-
tion ein, in welcher eine eheliche Gemeinschaft nicht mehr angenommen
werden kann und fehlt eine solche im Zeitpunkt des Einbürgerungsent-
scheids, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden
(BGE 135 161 E. 2; 129 II 401 E. 2.2; BVGE 2016/32 E. 4.3.1; Urteil des
BVGer F-3499/2012 vom 11. November 2021 E. 7.2). Der Zeitpunkt der
Einbürgerung bzw. des Einbürgerungsentscheids umfasst den gesamten
Zeitraum bis zum Inkrafttreten der erleichterten Einbürgerung (vgl. Urteil
F-493/2017 E. 6.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz ging bis und mit dem positiven Einbürgerungsentscheid
vom 5. Juli 2021 davon aus, dass beim Beschwerdeführer 1 alle Einbürge-
rungsvoraussetzungen erfüllt sind. Zweifel an der Intaktheit und Zukunfts-
gerichtetheit der Ehe kamen auf, als das SEM von der Ehefrau am 26. Au-
gust 2021 eine E-Mail erhielt. Darin sprach jene von seit längerem beste-
henden Eheproblemen und davon, seit drei Jahren vergeblich zu versu-
chen, den Beschwerdeführer 1 zu einer Ehetherapie zu bewegen. Da die
Probleme immer grösser geworden seien, sei bei ihr ein noch nicht umge-
setzter Trennungswunsch entstanden. Wegen des gemeinsamen Kindes
lasse sich dies nicht so einfach bewerkstelligen (SEM act. 12). Weil die
fragliche Mitteilung klar formuliert und inhaltlich strukturiert war, erscheinen
die seitens des SEM gehegten Zweifel am Bestand einer intakten Ehe
durchaus berechtigt.
5.2 Was die Beschwerdeführenden in ihren Stellungnahmen im Rahmen
der Gewährung des rechtlichen Gehörs am 31. August 2021 per E-Mail
vorbrachten (siehe im Einzelnen SEM act. 14 und 15), vermag diese Zwei-
fel nicht zu entkräften. Wohl gab die Beschwerdeführerin 2 in diesem Zu-
sammenhang zu bedenken, die erste elektronische Nachricht mit viel Frust
und Wut nach einem Streit verfasst zu haben. Indem sie gleichzeitig er-
klärte, ihr verzweifelter Versuch via das SEM habe ihrem Partner klarge-
macht, wie ernst es ihr sei und ihm die Augen geöffnet, räumte sie indes
selbst zu diesem Zeitpunkt ein, dass seit längerer Zeit Eheprobleme be-
standen und der Beschwerdeführer 1 bis dahin nicht zu einer Ehetherapie
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oder zu klärenden Gesprächen zu bewegen gewesen war. Dass ihre An-
gaben vom 26. August 2021 nicht der Wahrheit entsprächen, machte die
Beschwerdeführerin 2 hierbei (noch) nicht geltend, sondern hielt lediglich
fest, ihre damaligen Aussagen zurückziehen zu wollen. Abgesehen davon
war in der ersten Mitteilung nicht von einem vorangegangenen Streit die
Rede gewesen. Das unter zweifelhaften Umständen zu Stande gekom-
mene Dementi (siehe hierzu den zeitlichen Ablauf der Vorkommnisse unter
Sachverhalt Bst. G. – J.) ändert angesichts dessen nichts. Wäre die Ehe
wie vorgegeben stabil und intakt gewesen, so hätte sie sich kaum zu be-
sagtem Schritt «hinter dem Rücken» ihres Ehemannes veranlasst gese-
hen. Ohnehin erfolgt eine Information solchen Inhalts erfahrungsgemäss
nicht leichtfertig; dagegen spricht nur schon, dass zwischen positivem Ein-
bürgerungsentscheid und der Intervention der Beschwerdeführerin 2 bei
der Vorinstanz mehrere Wochen verstrichen. Ihre nachträglichen Relativie-
rungen der Geschehnisse sind vor diesem Hintergrund als unglaubhaft und
unter Druck erfolgend einzustufen. Auch der Beschwerdeführer 1 gab in
der ebenfalls am 31. August 2021 verschickten E-Mail an, den Ernst der
Situation nun erkannt zu haben und an der Ehe arbeiten zu wollen. Sein
gleichzeitig zum Ausdruck gebrachter Wunsch, alles zu tun, um seine Fa-
milie zu behalten, deutet darauf hin, dass er sich des Risikos des Schei-
terns der Ehe bewusst war.
5.3 Im Rechtsmittelverfahren machte die Beschwerdeführerin 2, wie be-
reits erwähnt, nunmehr geltend, dass seit drei Jahren Eheprobleme be-
stünden, habe sie vorsätzlich falsch geschrieben. Dieser Einwand wider-
spricht teils ihren früheren Äusserungen, teils manifestiert sich darin ein
zielgerichtetes, am Wissensstand der Behörden orientiertes Aussagever-
halten, das ebenso als Indiz gegen das Bestehen einer intakten ehelichen
Gemeinschaft zu werten ist. Klarzustellen gilt es an dieser Stelle, dass ihr
Dementi nicht unmittelbar nach der am 26. August 2021 versandten E-Mail
erfolgte, sondern erst ein paar Tage später, nachdem der Beschwerdefüh-
rer 1 von ihrem in der Beschwerdeschrift als «hinterlistig» bezeichneten
Vorgehen erfahren hatte. Im Übrigen bestätigten die Eheleute in der Be-
schwerdeschrift erneut, seit einiger Zeit mit Problemen konfrontiert gewe-
sen zu sein. Konkret hielten sie fest, dass die Gemüter durch ihre neue
Rolle als Eltern sowie die ausserordentliche Lage (Pandemie) bereits er-
hitzt gewesen seien. Die Rede ist zudem von «zusätzlichen Stagnationen»,
durch welche die eheliche Beziehung gefordert gewesen sei. Der Streit
habe bei der Beschwerdeführerin 2 das Fass zum Überlaufen gebracht.
Sich ernsthaft mit den erwähnten Differenzen auseinanderzusetzen began-
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nen die Beschwerdeführenden unbestrittenermassen erst ab dem 30. Au-
gust 2021 (vgl. SEM act. 14 und 15). Die eingereichten, undatierten Ferien-
und Familienfotos wiederum sagen über das Eheleben als solches nichts
Stichhaltiges aus und vermögen in Anbetracht der Indizienlage kein ande-
res Ergebnis herbeizuführen. Schliesslich finden sich in den Akten keine
Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei der E-Mail vom 26. August 2021 um
eine unüberlegte Spontanreaktion oder einen emotionalen Ausrutscher ge-
handelt haben könnte.
5.4 Zu Spannungen kann es in jeder Ehe kommen. Liegen ihnen jedoch,
wie dargetan, gravierendere Vorfälle oder Entwicklungen zu Grunde, be-
darf es indes einer erneuten Überprüfung des Sachverhalts. Das SEM ist
in derartigen Verfahren gehalten, jeglichen Hinweisen nachzugehen, wenn
eines der Einbürgerungskriterien nicht erfüllt sein könnte. Bezogen auf den
vorliegenden Fall geht es darum abzuklären, ob der Beschwerdeführer 1
die Voraussetzungen der erleichterten Einbürgerung unter Berücksichti-
gung der neu bekannt gewordenen Sachverhaltselemente erfüllt (siehe er-
gänzend E. 3.4 weiter vorne). Aufgrund der E-Mail der Beschwerdeführerin
2 vom 26. August 2021 war das SEM nach dem Gesagten berechtigt wie
auch verpflichtet, seine ursprüngliche Verfügung vom 5. Juli 2021 zurück-
zunehmen, das Einbürgerungsverfahren ins Instruktionsverfahren zurück-
zuversetzen und nach dessen Abschluss eine neue Verfügung zu erlassen.
6.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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