Decision ID: 6444180d-c3f9-59a0-9312-78e4de2e848a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 25. Oktober 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 11. November 2015 befragte ihn das SEM zu seiner Person
und seinem Reiseweg (Befragung zur Person; BzP).
Dabei brachte er vor, er sei ethnischer Hazara, seine Muttersprache sei
Dari und er sei am (...) in B._, Distrikt C._, Provinz
D._, Afghanistan, geboren. Er habe seit Kleinkindesalter in Pakis-
tan gelebt, wo er auch mehrere Jahre zur Schule gegangen sei. Von dort
sei er in den Iran, weiter in die Türkei und via Griechenland, Mazedonien
und Österreich in die Schweiz gereist.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer im Rahmen dieser Befragung
das rechtliche Gehör zu seiner Ansicht, dass er nicht wie von ihm angege-
ben am (...) geboren und damit minderjährig sei. Unter anderem gestützt
auf seine Angaben gegenüber den griechischen Behörden, seinem Ausse-
hen nach sowie aufgrund einer Knochenaltersanalyse werde er als volljäh-
rig erachtet. Der Beschwerdeführer führte dazu aus, er sei einverstanden,
wenn das SEM sein Geburtsdatum fortan mit dem (...) führe und ihn als
volljährig erachte.
B.
Am 17. Januar 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen
Fluchtgründen an.
Im Rahmen dieser Anhörung gab er hauptsächlich zu Protokoll, seine Mut-
tersprache sei Hazaregi Farsi, er verstehe aber Dari. Als er noch ein Klein-
kind gewesen sei, seien seine Eltern verstorben. Nach deren Tod habe er
in E._, Quetta, Pakistan, gelebt. Sein Onkel habe ihn dort anfäng-
lich betreut. Später habe er vier Jahre lang bei einer Frau gelebt, bis diese
verstorben sei. Danach habe er mit psychisch kranken Personen leben res-
pektive für diese arbeiten müssen. Fünf Jahre lang sei er in einer Einrich-
tung für psychisch kranke Personen gequält und geschlagen worden. Ein
Jahr lang habe er zugleich die Schule besucht. Anschliessend habe er ei-
nige Jahre in einem Laden gearbeitet. Dessen Besitzer sei etwa 2015 ge-
tötet und der Laden geschlossen worden. Die Täter hätten gewusst, dass
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in dem Laden Hazara gearbeitet hätten. Ihm habe man auch einmal mit
Schlägen gedroht. Nach der Schliessung des Ladens habe er auf den
Strassen Plastiktüten verkauft. Im September 2015 habe er Pakistan mit
Hilfe seines Onkels verlassen. Bei einer Rückkehr nach Pakistan würde er
aufgrund seiner Ethnie geschlagen und getötet werden. Nach Afghanistan
könne er nicht zurückkehren, da er dort niemanden kenne und Krieg herr-
sche.
Der Beschwerdeführer brachte ausserdem vor, dass es ihm in Pakistan
schlecht gegangen sei. Auch hier in der Schweiz gehe es ihm psychisch
und körperlich schlecht. Er sei vergesslich und werde fast verrückt. In ärzt-
licher Behandlung sei er nicht; niemand habe ihn zu einem Arzt geschickt.
C.
Mit Verfügung vom 7. März 2019 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg-
weisung an.
Auf die Begründung wird, sofern massgeblich, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 2. April 2019 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die
Verfügung des SEM vom 7. März 2019.
Darin wurde beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Sache sei zur korrekten Sachverhaltsfeststellung und zur Neubeurtei-
lung der Wegweisung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei
die Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und die
vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung der rubri-
zierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersucht.
Der Beschwerde waren unter anderem ein Kurzbericht der bei der einläss-
lichen Anhörung anwesenden Hilfswerksvertretung vom 23. Januar 2018
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und Kopien zweier ärztlicher Bescheinigungen aus Pakistan beigelegt. Ge-
mäss den ärztlichen Zeugnissen war der Beschwerdeführer in Pakistan
wegen einer (...) in Behandlung gewesen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und den
Antrag auf Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin
gut. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Der Be-
schwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen aktuellen ärztlichen
Bericht sowie zu Handen des Gerichts und der Vorinstanz eine Erklärung
über die Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht einzureichen.
F.
Am 25. Juni 2019 wurde ein ärztlicher Bericht des (...) Kantonsspitals vom
13. Juni 2019 zu den Akten gereicht. Demnach wurde beim Beschwerde-
führer eine (...) diagnostiziert. Mit Bezug auf die erwähnte Krankheit wurde
durch die Rechtsvertreterin geltend gemacht, eine Wegweisung nach Pa-
kistan sei unzumutbar und unzulässig. Ein Vollzug der Wegweisung nach
Afghanistan komme ebenfalls nicht in Frage.
G.
Die Instruktionsrichterin lud das SEM am 8. Januar 2020 zur Vernehmlas-
sung ein. Die Vorinstanz reichte ihre Stellungnahme, in der sie die Abwei-
sung der Beschwerde beantragte, mit Eingabe vom 23. Januar 2020 ein.
H.
Nachdem der Beschwerdeführer am 28. Januar 2020 zur Replik eingela-
den wurde, bezog dessen Rechtsvertreterin am 11. Februar 2020 zur Ver-
nehmlassung des SEM Stellung.
I.
Mit Eingabe vom 10. März 2020 reichte die Rechtsvertreterin eine ärztliche
Terminbestätigung ein und verwies auf die Medikation des Beschwerdefüh-
rers.
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J.
Am 19. Oktober 2020 wurde eine afghanische Tazkera (afghanischer Iden-
titätsausweis) und am 4. November 2020 ein weiterer Arztbericht zu den
Gerichtsakten gereicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105
AsylG [SR 142.31]; Art.83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das frühere Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Wie sich den Rechtsbegehren und insbesondere der Begründung der Be-
schwerde entnehmen lässt (vgl. S. 2 und S. 5 ff. der Beschwerde), richtet
sich diese ausschliesslich gegen den von der Vorinstanz angeordneten
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Seite 6
Vollzug der Wegweisung. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und
die Ablehnung des Asylgesuchs sind demnach in Rechtskraft erwachsen.
Praxisgemäss ist somit auch die Wegweisung als solche nicht mehr zu
überprüfen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet damit lediglich
die Frage, ob die Wegweisung des Beschwerdeführers zu vollziehen oder
ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich der vorliegend interessierenden Normen des Aus-
länderrechts (Art. 83 Abs. 1 bis 4 AIG) nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
4.
4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
4.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Auslände-
rin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat
noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
4.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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Seite 7
5.
5.1 Das SEM hält in seinem Entscheid fest, die Zulässigkeit, Zumutbarkeit
und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung seien zwar grundsätzlich
von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht finde jedoch ihre
vernünftigen Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden. Die-
sen komme eine Substantiierungslast zu. Es sei nicht Sache der Asylbe-
hörden, bei fehlenden Hinweisen seitens der Asylsuchenden nach allfälli-
gen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen.
Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, seine afghanische Herkunft
glaubhaft zu machen. Diesbezüglich verwies das SEM auf seine Erwägun-
gen zur Flüchtlingseigenschaft, wo es im Wesentlichen festhielt, der Be-
schwerdeführer habe widersprüchliche Angaben zum Geburtsort und zum
Zeitpunkt der Ausreise nach Pakistan gemacht. Zum Alter seiner Eltern und
jenem seines Ziehonkels habe er keine Angaben machen können. Seine
Familienverhältnisse habe er daher verschleiern wollen. Erschwerend
komme hinzu, dass seine Aussagen zur Schulbildung und zur Arbeitsstelle
ebenfalls unterschiedlich ausgefallen seien. Das SEM stelle zwar nicht in
Frage, dass er ein ethnischer Hazara schiitischen Glaubens sei, der in
Quetta, Pakistan, gelebt habe. Es bestünden indes Zweifel an der geltend
gemachten Staatsangehörigkeit respektive es würden vielmehr Indizien
vorliegen, die auf eine Herkunft ausserhalb Afghanistans, insbesondere
aus Pakistan, hindeuten würden. Bei einer Person, die ihre wahre Herkunft
verschleiere, könne jedoch mutmasslich davon ausgegangen werden,
dass sie eine Aufenthaltsbewilligung oder Duldung in einem Drittstaat oder
eine andere Staatsangehörigkeit besitze.
Angesichts der unglaubhaften Vorbringen des Beschwerdeführers könne
ferner nicht angenommen werden, dass er über kein familiäres Bezie-
hungsnetz verfüge. Er sei im Übrigen jung, gesund sowie voll und ganz
arbeitsfähig und es sei ihm als erwachsener junger Mann zuzumuten, auch
ohne Unterstützung eines familiären Netzwerks erneut Fuss an seinem
früheren Wohnort zu fassen. Zudem würden gemäss ständiger Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts blosse soziale und wirtschaftliche Schwierig-
keiten keine existenzbedrohende Situation darstellen, die gegen die Zu-
mutbarkeit des Vollzugs sprechen würden (m.H. auf BVGE 2014/26 E. 7.6).
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Seite 8
Zur Zulässigkeit des Vollzugs – so das SEM im Weiteren – könne festge-
halten werden, dass mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft mit Be-
zug auf Pakistan das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot nach
Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar sei. Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer in Pakistan mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung im Sinne von Art.
3 EMRK oder Art. 1 FoK ausgesetzt wäre, würden nicht vorliegen. Der Voll-
zug der Wegweisung nach Pakistan sei daher zulässig.
Es sei – so das SEM zusammenfassend – nicht davon auszugehen, dass
wegweisungsbeachtliche Gründe gegen eine Rückkehr des Beschwerde-
führers an den bisherigen Aufenthaltsort sprechen würden. Auch sei die
Möglichkeit des Vollzuges zu bejahen. Dies gelte selbst dann, wenn ein
Asylsuchender seine wahre Identität oder Nationalität verheimliche (m.H.
auf Urteile des BVGer D-3609/2008 und E-4070/2008).
5.2 In der Beschwerde wird die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
beantragt und dabei gerügt, das SEM hätte bei – wie vorliegend – offen-
sichtlich vorhandenen psychologischen Defiziten ein medizinisches res-
pektive psychologisches Gutachten anordnen müssen. Es würden hierfür
genügend Indizien vorliegen. Das SEM nehme ohne Weiteres an, der Be-
schwerdeführer sei ein junger und gesunder Mann, der voll und ganz ar-
beitsfähig sei. Dem Unterschriftenblatt des Anhörungsprotokolls (SEM-
Akte A17) sowie auch dem beigelegten Bericht der Hilfswerksvertretung
vom 17. (recte 23.) Januar 2018 sei zu entnehmen, dass es ihm nicht mög-
lich gewesen sei, klare Angaben zu machen. Aus dem Anhörungsprotokoll
würden sich Hinweise ergeben, die auf psychische Defizite des Beschwer-
deführers hindeuteten. Dem beiliegenden ärztlichen Schreiben sei sodann
zu entnehmen, dass er in Pakistan infolge einer (...) zur Beobachtung in
die Einrichtung (...) überwiesen worden sei. Ausserdem würden aus dem
Anhörungsprotokoll Verständnis- und Verständigungsprobleme ersichtlich.
Der Sachverhalt sei daher nicht genügend ermittelt worden, weshalb das
Verfahren zur erneuten Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen und hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs neu zu beurteilen sei.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2019 wird zudem auf einen ärztlichen Bericht
vom 13. Juni 2019 verwiesen, wonach schlafgebundene, generalisierte
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(...) Anfälle beim Beschwerdeführer diagnostiziert wurden und zu diesem
Zweck eine medikamentöse Therapie begonnen wurde.
5.3 Das SEM stellt sich in seiner Vernehmlassung vom 23. Januar 2020
auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe in der BzP einzig erklärt,
dass er in der Nacht stark schwitzen würde, darüber hinaus aber angege-
ben, dass es ihm gesundheitlich gut gehe. Es habe daher keine Veranlas-
sung für die Vornahme einer medizinischen Abklärung gegeben. Im Rah-
men der Anhörung habe er zwar dargelegt, dass es ihm psychisch und
körperlich nicht so gut gehe, er jedoch noch keinen Arzt aufgesucht habe.
Obwohl er darauf hingewiesen worden sei, sich bei gesundheitlichen Prob-
lemen an die Betreuung zu wenden, habe er dies nicht getan. Aus den
Aussageprotokollen würden sich keine besonderen Auffälligkeiten erge-
ben, die zur Annahme führten, dass er aufgrund einer psychischen Ein-
schränkung den Anhörungen nicht habe folgen können. Es sei üblich, dass
Gesuchsteller manchmal nachfragen würden. Der Beschwerdeführer habe
jedoch den Grossteil der Fragen auf Anhieb verstanden. Indizien dafür,
dass er entwicklungspsychologisch nicht in der Lage gewesen sei, dem
Gespräch zu folgen, seien nicht vorhanden. Seine widersprüchlichen An-
gaben zu seiner Biographie liessen sich nicht widerlegen. Die von der
Rechtsvertretung in der Beschwerde aufgeführten Protokollstellen würden
deutlich machen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers zur angeblich
psychiatrischen Klinik, in der er sich befunden habe, oberflächlich und nicht
erlebnisgeprägt seien. Die im Arztbericht dargelegte, schlafgebundene (...)
beruhe alleine auf den Aussagen des Beschwerdeführers. Der Arztbericht
sage nichts über eine allfällige Bewusstseinsstörung oder psychische Er-
krankung aus. Der Beschwerdeführer habe zudem ausgesagt, in Pakistan
nie bei einem Arzt oder in einem Spital gewesen zu sein. Die Einreichung
ärztlicher Bescheinigungen aus Pakistan würde daher erstaunen. Überdies
sei das Schreiben von F._ sehr knapp ausgefallen. Jenes der (...)
bestätige eine Behandlung in dieser Institution. Damit würden sich aber
neue Fragen zur Biographie ergeben, insbesondere jene danach, weshalb
der Beschwerdeführer eine zweijährige Behandlung in der erwähnten In-
stitution, welche auf die Behandlung von (...) spezialisiert sei, verschwie-
gen habe. Die von der Rechtsvertretung eingereichten Dokumente würden
im Übrigen belegen, dass er in Pakistan Zugang zu medizinscher Behand-
lung gehabt habe und damit eine Behandlung dort möglich sei.
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Aufgrund der widersprüchlichen Angaben zur Biographie bestünden Zwei-
fel an der afghanischen Staatsangehörigkeit. Es sei davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer in Pakistan eine Aufenthaltsbewilligung oder
Duldung besessen habe. Die Beurteilung von Wegweisungsvollzugshin-
dernissen finde indes ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht dort, wo diese
grob verletzt werde, indem die Behörden bewusst über die wahre Herkunft
getäuscht würden, wovon vorliegend aufgrund der widersprüchlichen An-
gaben zur Biographie und den aus Pakistan stammenden Dokumenten
auszugehen sei.
5.4 In der Replik wird dem entgegengehalten, im Herkunftskanton des Be-
schwerdeführers sei die Anzahl der Sozialarbeitenden begrenzt. Er habe
keine ihm zugewiesene Betreuung gehabt. Er sei in der Vergangenheit
nicht in einer Asylunterkunft, sondern in externen Wohnungen unterge-
bracht gewesen, wo kein Betreuungspersonal vor Ort sei. Es sei daher
nicht nachvollziehbar, inwiefern er Schuld an der fehlenden medizinischen
Betreuung haben solle. Für die Vorinstanz hätten genügend Anhaltspunkte
bestanden, eine medizinische Abklärung zu veranlassen. Ihre Haltung hin-
sichtlich der Einschränkungen des Beschwerdeführers überrasche ange-
sichts der Angaben der Hilfswerksvertretung. Dem Beschwerdeführer sei
durch den Oberarzt des (...) ein Medikament gegen (...) verordnet worden,
weshalb die Argumentation des SEM, die Diagnose stütze sich allein auf
die Aussagen des Beschwerdeführers, erstaune und zu rügen sei. Im bei-
gelegten Arztbericht vom 26. August 2019 werde die Fortführung der The-
rapie unverändert empfohlen. Als Zufallsbefund werde darin zudem eine
Läsion in der Ausrichtung der (...) (Anmerkung Gericht: [...]) angegeben.
(...) Anfälle könnten kognitive Fähigkeiten beeinflussen und auch Gedächt-
nisverlust auslösen. Es sei zwar zu diskrepanten Angaben gekommen, der
Beschwerdeführer wirke indes unbeholfen und verwirrt. Eine (...) Testung
sei beim Hausarzt, der inzwischen pensioniert sei, beantragt worden. Eine
Meldung über das weitere Vorgehen sei ausstehend.
6.
6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-
chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
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Seite 11
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungs-
pflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die
Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an
der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die
Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen
und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen
Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4).
6.2 Wie nachstehend aufgezeigt (vgl. E. 7 ff.), würdigt das Gericht den vom
SEM erstellten Sachverhalt anders als die Vorinstanz. So lässt sich bei ei-
ner Gesamtbetrachtung keine grobe Mitwirkungspflichtverletzung des Be-
schwerdeführers, mithin keine Täuschung über dessen Herkunft feststellen
und es ist davon auszugehen, dass er afghanischer Herkunft ist sowie jah-
relang in Pakistan gelebt hat und an (...) leidet. Wahrscheinlich erscheinen
dem Gericht auch allfällige kognitive Defizite. Ein Vollzug der Wegweisung
des Beschwerdeführers nach Pakistan oder aber nach Afghanistan er-
scheint sodann unzumutbar, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und
der Beschwerdeführer in der Folge durch das SEM vorläufig aufzunehmen
ist. Vor diesem Hintergrund kann darauf verzichtet werden, auf die in der
Beschwerde erhobene formelle Rüge näher einzugehen.
7.
7.1 Zunächst ist festzustellen, dass die BzP des damals sehr jungen Be-
schwerdeführers nicht einmal eine Stunde dauerte, davon allein 15 Minu-
ten der Rückübersetzung dienten und auf eine – wie ansonsten üblich –
eigentliche summarische Befragung zu den Flucht- respektive Ausreise-
gründen verzichtet wurde. Zwischen der BzP und der einlässlichen Anhö-
rung verstrich zudem ein Zeitraum von über zwei Jahren. Diesen Faktoren,
insbesondere der Länge des zwischen der BzP und der Anhörung verstri-
chenen Zeitraums, ist daher bei der Würdigung der Aussagen des Be-
schwerdeführers Rechnung zu tragen (vgl. dazu Urteil des BVGer
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Seite 12
D- 3937/2014 vom 30. April 2018 E. 6.4.4 mit Hinweis auf das Urteil
D- 2157/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 6.3.5).
7.2 Im Weiteren berücksichtigt das Gericht, dass es sich beim Beschwer-
deführer – und dies verkennt das SEM in seiner Vernehmlassung – um
eine Person handelt, die nach ihren Angaben und ihrem Aussageverhalten
wohl lediglich über eine sehr geringe Schulbildung verfügt und welche ge-
mäss den klaren Anmerkungen der Hilfswerksvertretung im Rahmen der
Anhörung nervös und verwirrt schien (vgl. act. A17/19 S. 19). Dass der Be-
schwerdeführer in seinen kognitiven Fähigkeiten womöglich – wie auf Be-
schwerdeebene unter Hinweis auf weitere Bemerkungen der Hilfswerks-
vertretung geltend gemacht wird – eingeschränkt ist, erscheint durchaus
möglich. Dies umso mehr, als eine solche Einschränkung – wie in der Rep-
lik dargelegt wird – in Zusammenhang mit der beim Beschwerdeführer di-
agnostizierten (...) Erkrankung, an der das Gericht keine Zweifel hat (vgl.
nachfolgende E. 7.5.3), vorkommen kann (vgl. [...]) abgerufen am 4. No-
vember 2021).
7.3
7.3.1 Die vom SEM erkannten Widersprüche sind im Lichte dieser Fakto-
ren (kurze BzP, längerer Zeitraum zwischen BzP und Anhörung, womöglich
eingeschränkte kognitive Fähigkeiten des Beschwerdeführers) zu betrach-
ten. Zu den vom SEM angeführten Widersprüchen lässt sich vor diesem
Hintergrund Folgendes feststellen:
7.3.2 Dem SEM ist zwar beizupflichten, dass der Beschwerdeführer an-
lässlich der BzP als Geburts- und Wohnort in Afghanistan B._, Dis-
trikt C._, Provinz D._, nannte (SEM-Akte A9/13 S. 3), im
Rahmen der Anhörung hingegen zunächst darlegte, sich nicht daran erin-
nern zu können, da er als Einjähriger aus Afghanistan ausgereist sei (vgl.
SEM-Akte A17/19 F15, F 18). Das SEM klammert bei dieser Beurteilung
allerdings aus, dass der Beschwerdeführer im Verlauf derselben Anhörung
auch angab, er könne sich wieder erinnern und der Ort sei F._ ge-
wesen (vgl. a.a.O. F162). Einen massiven Widerspruch in den Aussagen
des Beschwerdeführers lässt sich demnach nicht erkennen.
7.3.3 Das SEM hält dem Beschwerdeführer vor, er habe in der Anhörung
zunächst angegeben, er sei im Alter von einem Jahr mit seiner Familie aus
E-1569/2019
Seite 13
Afghanistan ausgereist, an anderer Stelle habe er jedoch erklärt, er sei un-
gefähr ein Jahr alt gewesen, als er mit seinem Onkel väterlicherseits aus-
gereist sei und die Eltern seien da schon verstorben gewesen. In der BzP
habe er hingegen erwähnt, seine Mutter sei verstorben, als er zwei Jahre
alt gewesen sei, und er sei damals aus Pakistan ausgewandert. In der BZP
habe er zudem dargelegt, sein Vater sei verstorben, als er fünf Jahre alt
gewesen sei. Diese ungereimten Angaben sind gestützt auf die jeweiligen
Protokollstellen zwar ebenfalls zu bestätigen (vgl. SEM-Akte A17/19 F8,
F83-F85, F 93 und A9/13 S. 5). Zu beachten gilt es aber, dass der Be-
schwerdeführer sowohl an der BzP als auch im Rahmen der Anhörung sei-
nen Heimatstaat jeweils übereinstimmend mit Afghanistan bezeichnete so-
wie erzählte, seine Eltern seien verstorben. Insbesondere sprach er stets
davon, im Kleinkindalter, nämlich entweder mit ein oder zwei Jahren, Af-
ghanistan verlassen zu haben (vgl. SEM-Akte A9/13 S. 6 f., A17/19 F8,
F15, F83 f., F168).
Seine Erzählungen stimmen demnach dahingehend überein, dass er noch
im Kleinkindesalter gewesen sei, als seine Eltern verstarben, und er als
Kleinkind Afghanistan verlassen habe und nach Pakistan gelangt sei. Dass
er sich nicht mehr an die genauen Begebenheiten respektive den genauen
Zeitpunkt oder sein konkretes Alter im Zeitpunkt seiner Ausreise oder – wie
ihm vom SEM ausserdem vorgehalten wird – nicht an das Alter seiner El-
tern zu erinnern vermag, erscheint angesichts seines damaligen Kindesal-
ters nachvollziehbar. Eine Absicht des Beschwerdeführers die wahren Fa-
milienverhältnisse verschleiern zu wollen, lässt sich daher – entgegen der
Ansicht des SEM – nicht erblicken.
7.3.4 Der Beschwerdeführer machte zwar – wie das SEM ebenso zutref-
fend ausführt – unterschiedliche Angaben zu seiner Schulbildung respek-
tive zur Dauer derselben. So gab er an der BzP zu Protokoll, er sei fünf
Jahre in Pakistan in eine englischsprachige Schule gegangen, in der An-
hörung erwähnte er jedoch zunächst, er habe keine Schule besucht (vgl.
SEM-Akte A9 S 4 f., A19/17 F21 f.). Später versuchte er – und dies lässt
das SEM bei seiner Beurteilung ausser Acht – klarzustellen, dass er die
Schule in Pakistan zwar ein Jahr lang besucht, aber nichts gelernt habe
(vgl. a.a.O. F 149 ff.). Wie lange genau und welche Schule er in Pakistan
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Seite 14
besucht hat, bleibt damit unklar. Angesichts seines eher tiefen Bildungs-
standes kann zumindest davon ausgegangen werden, dass er nicht über
eine längere oder gar abschliessende Schulbildung verfügt.
7.3.5 Was die vom Beschwerdeführer dargelegten Arbeitstätigkeiten anbe-
langt, gab er – wie vom SEM zutreffend erwähnt – im Rahmen der BzP an,
er habe in einem Hotel in Pakistan als Reinigungskraft gearbeitet sowie die
letzten drei Jahre vor der Ausreise auf dem Markt Plastiktüten verkauft (vgl.
SEM-Akte A9/13 S. 5). Im Rahmen der Anhörung erklärte er jedoch, er
habe, nachdem er in der Einrichtung für psychisch kranke Personen gelebt
und dort zugleich habe arbeiten müssen, in einem Laden gearbeitet und –
was das SEM hier nicht erwähnt – nach dem Tod des Ladenbesitzers auf
der Strasse Plastiktüten verkauft (vgl. SEM-Akte A17/19 F17 f, F 29 ff.,
F75, F98 ff.). Auch wenn damit Unzulänglichkeiten in den Schilderungen
zur Arbeitstätigkeit in Pakistan bestehen, fällt zumindest auf, dass der Be-
schwerdeführer in beiden Befragungen erklärte, Plastiktüten verkauft zu
haben. Ausserdem vermag er den Standort des Warenladens in Pakistan
sowie den Namen dessen Besitzers anzugeben (vgl. a.a.O. F34, F 36).
Damit ist zwar nicht konkret geklärt, wann der Beschwerdeführer genau
welche Tätigkeiten in Pakistan ausgeübt hat. Wahrscheinlich erscheint da-
mit aber, dass er in Pakistan in einem Laden gearbeitet hat.
7.4
7.4.1 Es lässt sich demnach feststellen, dass zwar verschiedene Unge-
reimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers, insbesondere hin-
sichtlich der von ihm dargelegten Schulbildung und seinen genauen Ar-
beitstätigkeiten in Pakistan, bestehen. Entgegen der Würdigung des SEM
kann aber bei einer Gesamtbetrachtung aus seinen Aussagen weder ge-
schlossen werden, dass er versucht habe, seine wahren Familienverhält-
nisse zu verschleiern, noch lässt sich folgern, dass er die Schweizer
Asylbehörden bewusst über seine "wahre" Herkunft getäuscht und damit
eine schwere Verletzung seiner Mitwirkungspflicht begangen habe.
7.4.2 Denn wie gesehen, gab der Beschwerdeführer stets an, in Afghanis-
tan geboren zu sein und dieses Land im Kleinkindalter verlassen zu haben
und nach Pakistan gereist zu sein, wo er in Quetta gelebt und gearbeitet
habe. Hinzukommt, dass er Dari, eine unter anderem in Afghanistan ge-
sprochene Sprache spricht und er seinen Angaben gemäss auch Hazaregi-
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Seite 15
Farsi beherrsche. Letztere Sprache oder Dialekt, wird nach Kenntnis des
Gerichts mitunter in Afghanistan gesprochen (vgl. Jamal, Abedin, Attitudes
Toward Hazaragi, 01.05.2010 < http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcon-
tent.cgi?article=1224&context=theses > abgerufen am 4. November 2021;
Refugee Review Tribunal, N00/34478 [2000] RRTA 835, 28.08.2000 <
http://www.austlii.edu.au/au/cases/cth/RRTA/2000/835.html > abgerufen
am 24.08.2021.) Eindeutige Indizien dafür, dass er nicht wie von ihm er-
klärt, aus Afghanistan stammt oder als Person afghanischer Herkunft nicht
in Quetta gelebt habe, sind aufgrund der gesamten Aktenlage jedenfalls
nicht erkennbar und werden vom SEM in der angefochtenen Verfügung
bezeichnenderweise nicht konkret dargetan. Es zweifelt zudem selber
nicht daran, dass der Beschwerdeführer den Hazara zugehöre und in
Quetta, Pakistan gelebt habe. Im Gegenteil, es geht mitunter davon aus,
dass Indizien für eine pakistanische Herkunft bestünden und nimmt in die-
sem Zusammenhang eine Prüfung darüber vor, ob der Beschwerdeführer
als Hazara bei einer Rückkehr nach Quetta einer Kollektivverfolgung un-
terliegen würde, was es verneint.
7.5
7.5.1 Ausgehend von einer – wie vom SEM angenommenen – pakistani-
schen Herkunft respektive Staatsangehörigkeit und der nicht strittigen Zu-
gehörigkeit zu den Hazara sowie auch, dass der Beschwerdeführer in
Quetta gelebt hat, müsste vorliegend aber der Schluss gezogen werden,
dass eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Quetta, Pakistan, nicht
zumutbar wäre:
7.5.2 So herrscht in Pakistan zwar weder Bürgerkrieg noch eine Lage all-
gemeiner Gewalt (vgl. Urteile des BVGer E-1305/2019 vom 4. November
2020 E. 6.4.4, E-3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.1). Das Bundesver-
waltungsgericht hat sich in BVGE 2014/32 aber ausführlich zur Situation
der Hazara in Pakistan, insbesondere in der Provinz Belutschistan und in
der Stadt Quetta geäussert. Dabei führte es aus, als Schiiten gehörten die
Hazara in Pakistan zu den von religiöser Gewalt seitens sunnitischer Ext-
remisten besonders betroffenen Minderheiten. Der pakistanische Staat
vermöge nicht oder nur unzulänglich vor der Gewalt extremistischer Grup-
pen zu schützen (vgl. a.a.O. E. 6.9). Eine Kollektivverfolgung der Hazara
sei zwar nicht anzunehmen (vgl. a.a.O. E. 7.2). Hingegen sei die Zugehö-
http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1224&context=theses%20%3e%20%20 http://opensiuc.lib.siu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1224&context=theses%20%3e%20%20 http://www.austlii.edu.au/au/cases/cth/RRTA/2000/835.html%20%3e
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Seite 16
rigkeit zu dieser ethnischen Minderheit ein starkes Indiz für die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs. Ergebe sich aus der persönlichen Situ-
ation eines abgewiesenen Asylsuchenden ein zusätzliches Gefährdungs-
indiz, das über die schwierige generelle Lage hinausgehe, sei der Wegwei-
sungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. a.a.O. E. 9.4). Das Be-
stehen von internen Aufenthaltsalternativen sei für Hazara nur mit äussers-
ter Zurückhaltung anzunehmen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Diese Lageeinschät-
zung ist nach wie vor aktuell und das Bundesverwaltungsgericht stützt sich
weiterhin darauf ab (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer E-3518/2020 vom
22. Oktober 2020 E. 5.3 m.w.H. und E-1305/2020 vom 4. November 2020
E. 6.4.4).
7.5.3 Wäre der Beschwerdeführer den Indizien des SEM zufolge pakista-
nischer Herkunft respektive pakistanischer Staatsangehöriger, so wäre
nicht nur dem Umstand, dass der Beschwerdeführer zweifellos Hazara ist
und in Quetta gelebt hat, sondern auch jenem, dass er offenbar krank ist,
Rechnung zu tragen und diese Erkrankung als zusätzlicher Faktor, der zur
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen kann, anzuerkennen.
So wird dem Beschwerdeführer nämlich eine (...), attestiert. Diese Diag-
nose wurde fachärztlich durch das (...) Kantonsspitals erstmals am
13. Juni 2019 gestellt (vgl. Beilage zur Eingabe vom 25. Juni 2019). Inwie-
fern in medizinischer Hinsicht an diesem Attest zu zweifeln ist, ist nicht er-
sichtlich, zumal die Begründung des SEM in dessen Vernehmlassung, die
Diagnose basiere auf den Angaben des Beschwerdeführers, nicht aus-
reicht, um erwähnte ärztliche Meinung in Frage zu stellen. Anhaltspunkte
dafür, dass die fachärztliche Begutachtung nicht zutrifft, erkennt das Bun-
desverwaltungsgericht nicht. So wird im Arztbericht vom 13. Juni 2019 aus-
geführt, dass der Beschwerdeführer seit dem Kindesalter unter einer (...)
ausschliesslich mit schlafgebundenen hochwahrscheinlich generalisierten
(...) Anfällen leide. Die Angaben des Beschwerdeführers werden gemäss
der medizinischen Meinung des Facharztes zudem als eindeutig gewertet
(vgl. a.a.O.). Im Arztbericht vom 2. November 2020 wird zudem bestätigt,
dass der Beschwerdeführer an (...) leidet und die Fortführung der medika-
mentösen Therapie wird unverändert durch den Facharzt empfohlen. Seit
der Beschwerdeführer das Medikament einnehme, träten keine Anfälle
mehr auf (vgl. Beilage zur Eingabe vom 4. November 2020).
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Seite 17
7.5.4 Auch wenn der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit in Pa-
kistan wegen erwähnter Erkrankung in Behandlung gewesen sein sollte,
ändert dieser Umstand – entgegen der Ansicht des SEM – sehr wohl etwas
daran, dass darin ein zusätzliches Kriterium, das zur Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs führen kann, zu erblicken wäre.
So gilt es nicht nur zu bedenken, dass das Gesundheitswesen in Pakistan
– wie in der Replik zu Recht ausgeführt wird – ganz allgemein als schwach
bezeichnet wird, sondern auch, dass die Hazara in Quetta allgemein nur
unter erschwerten Bedingungen Zugang zu medizinischer Versorgung er-
halten. Es wurde von Angriffen auf Sanitäter sowie davon berichtet, dass
aufgrund der schlechten Sicherheitslage für die Hazara diese die vorhan-
denen Spitäler nicht aufsuchen können. Zwar gibt es in ihren Quartieren
private Gesundheitseinrichtungen, welche allerdings für Ärmere nicht be-
zahlbar sind. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung in Pakistan ist
zudem krankenversichert und der grösste Anteil der Gesundheitskosten ist
von den Patienten selbst zu tragen, wobei die meisten Kosten für Medika-
mente anfallen (vgl. Urteil des BVGer E-741/2021 vom 19. Juli 2021 E.
8.3.5; Hussain, S. et al., Integration of mental health into primary
healthcare: perceptions of stakeholders in Pakistan, in: East Mediterr
Health J. 2018; 24 (2):146-153 < https://doi.org/10.26719/2018.24.2.146;
Australian Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Country
Information Report Pakistan, 20.02.2019 < https://dfat.gov.au/about-
us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf >; Na-
tional Commission for Human Rights (NCHR), Understanding the agonies
of ethnic Hazaras, 02.2018 < https://nchr.gov.pk/wp-content/up-
loads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf >; Economist Intelligence Unit (EIU),
Pakistan launches national health insurance scheme, 31.12.2015 <
http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-
al-health-insurance-scheme/_10 >; World Health Organization (WHO), Pri-
mary Care Systems Profiles & Performance (PRIMASYS), 2017 <
https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf >;
The World Bank, Out-of-pocket expenditure (% of current health expendi-
ture) – Pakistan, undatiert, < https://data.worldbank.org/indica-
tor/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK > alle Links abgerufen am
20. Oktober 2021).
https://doi.org/10.26719/2018.24.2.146 https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-al-health-insurance-scheme/_10 http://www.eiu.com/industry/article/703816654/pakistan-launches-nation-al-health-insurance-scheme/_10 https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf https://data.worldbank.org/indicator/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK https://data.worldbank.org/indicator/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK
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Seite 18
7.5.5 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer über eine geringe Ausbil-
dung verfügt und sich die Arbeitssituation und allgemein die ökonomische
Lage für Hazara in Quetta seit 2018 zunehmend verschlechtert hat (vgl.
Australian Department of Foreign Affairs and Trade [DFAT], DFAT Country
Information Report Pakistan, 20.02.2019 < https://dfat.gov.au/about-
us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf >; Na-
tional Commission for Human Rights [NCHR]: Understanding the agonies
of ethnic Hazaras, 02.2018 < https://nchr.gov.pk/wp-content/uplo-
ads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf > beide Links abgerufen am 20. Okto-
ber 2021 >).
7.5.6 Schliesslich ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
in Pakistan über ein funktionierendes Beziehungsnetz verfügt, zumal seine
Eltern – was glaubhaft erscheint (vgl. E. 7.4) – verstorben sind und sich
sein Onkel seinen Aussagen zufolge im Iran befinde (vgl. SEM-Akte 9/13
S. 6).
7.5.7 Es liegen damit mehrfache Anhaltspunkte dafür vor, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Quetta einer konkreten Gefähr-
dung ausgesetzt wäre. Eine inländische Aufenthaltsalternative fiele zudem
nicht in Betracht.
7.6
7.6.1 Ohnehin ist aber – wie unter E. 7.4 aufgezeigt – vorliegend davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer afghanischer Herkunft ist und er
seit Kindesalter in Quetta, Pakistan, gelebt hat. Letzteres erscheint auch
im historischen Kontext plausibel:
Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind afghanische Hazara nach Quetta mi-
griert. Seit den 1980er Jahren flohen zudem Hazara aus Afghanistan nach
Pakistan, wobei nur wenige von ihnen in Flüchtlingscamps unterkamen.
Vielmehr versuchten viele ihr Glück in urbanen Zentren wie Quettan. Nach-
kommen der ersten Generation von Migranten wurden dabei pakistanische
Staatsbürger, jene der letzten Dekade besitzen hingegen immer noch die
afghanische Staatsbürgerschaft (vgl. Afghanistan Research and Evalua-
tion Unit (AREU), Afghans in Quetta – Settlements, Livelihoods, Support
Networks and Cross-Border Linkages, 01.2006 < https://areu.org.af/wp-
https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf https://dfat.gov.au/about-us/publications/Documents/country-information-report-pakistan.pdf https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf https://nchr.gov.pk/wp-content/uploads/2019/01/HAZARA-REPORT.pdf https://areu.org.af/wp-content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf
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content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf > abgeru-
fen am 20. Oktober 2021; Monsutti, A., Guerres et migrations: réseaux so-
ciaux et stratégies économiques des Hazaras d’Afghanistan, 2004; Mon-
sutti, A. Image of the Self, Image of the Other: Social Organization and the
Role of 'Ashura' among the Hazaras of Quetta (Pakistan), In: Monsutti, A.,
et Naef, S. The Other Shiites – From the Mediterranean to Central Asia,
2007, S. 178; Monsutti, A., Guerres et migrations: réseaux sociaux et stra-
tégies économiques des Hazaras d’Afghanistan, 2004, S. 135; Monsutti,
A., Guerres et migrations: réseaux sociaux et stratégies économiques des
Hazaras d’Afghanistan, 2004, S. 146; Landinfo, Temanotat Pakistan: Op-
prør, sekterisk vold og lokale konflikter i Baluchistan, 26.10.2018 <
https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Op-
prør-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf > ab-
gerufen am 4. November 2021).
7.6.2 Wenn der Beschwerdeführer in Pakistan – wie vom SEM in der Ver-
nehmlassung angenommen – über eine Duldung oder Aufenthaltsbewilli-
gung verfügt haben sollte, so wäre er demzufolge als afghanischer Hazara
bei einer Rückkehr nach Quetta derselben Gefährdungslage, wie sie unter
E. 7.5 aufgezeigt wurde – ausgesetzt und eine Rückkehr dorthin erschiene
demnach nicht zumutbar.
7.7
7.7.1 Sollte der Beschwerdeführer die afghanische Staatsangehörigkeit
nach wie vor besitzen – worauf zumindest die nunmehr auf Beschwerde-
ebene eingereichte Tazkera hindeutet – so liesse sich schliesslich feststel-
len, dass ein Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan ebenfalls nicht zur
Debatte stehen würde:
7.7.2 Es lässt sich nämlich feststellen, dass – ungeachtet der veränderten
Lage in Afghanistan – vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte dafür be-
stehen, der Beschwerdeführer stamme aus einer der gemäss der bisheri-
gen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bezeichneten Städ-
ten respektive Regionen (Kabul, Mazar i Sharif oder Herat), wohin bis anhin
der Vollzug der Wegweisung nur ausnahmsweise respektive nur unter ge-
wissen begünstigenden Umständen als zumutbar bezeichnet werden
konnte (vgl. Referenzurteile des BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober
2017 E. 8.4, D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 E. 8.4 und D-4705/2016
https://areu.org.af/wp-content/uploads/2015/12/604E-Afghans-in-Quetta-CS-web.pdf https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-temanotat-Oppr%C3%83%C2%B8r-sekterisk-vold-og-lokale-konflikter-i-Baluchistan-26102018.pdf http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5800/2016
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vom 14. Juni 2021 E. 10.6). Ausgehend von der afghanischen Staatsange-
hörigkeit wäre daher der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers
nach Afghanistan ebenfalls als unzumutbar zu erachten.
8.
Zusammenfassend lässt sich demnach feststellen, dass sich der Vollzug
der Wegweisung des Beschwerdeführers in seinen Herkunfts- oder Hei-
matstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG als unzumutbar erweist. Nachdem
sich aus den Akten keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7
AIG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen
Aufnahme daher erfüllt.
9.
Aufgrund dieser Sachlage kann auf Ausführungen zur Zulässigkeit und
Möglichkeit des Vollzuges der Wegweisung verzichtet werden, denn die
vorstehend erwähnten Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alter-
nativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegwei-
sung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu re-
geln. Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem
weggewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das Bun-
desverwaltungsgericht offen (Art. 112 AIG i. V. m. Art. 84 Abs. 2 AIG), wo-
bei in jenem Verfahren die Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach
Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von Neuem zu prü-
fen sind (vgl. BVGE 2011/7 E. 8 S. 88 f.).
10.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die Ziffern 4 und 5 des Dispo-
sitivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. März 2019 sind aufzuheben.
Das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer gemäss den gesetzlichen
Bestimmungen vorläufig aufzunehmen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
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Seite 21
11.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
11.3 In der Beschwerde wird ein zeitlicher Aufwand von 6 Stunden und 5
Minuten zu einem Stundenansatz von Fr. 193.85 (inkl. Mehrwertsteuer) so-
wie eine Pauschale von Fr. 54.– geltend gemacht. Der aufgeführte Stun-
denaufwand erscheint angemessen. Der veranschlagte Stundenansatz be-
wegt sich im nach Art. 10 Abs. 2 VGKE vorgesehenen Rahmen. Für die
weiteren Vertretungshandlungen wurde keine Kostennote eingereicht. Auf
die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden, da sich
dieser Aufwand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE), zumal
es sich dabei hauptsächlich um Eingaben von Beweismitteln (Arztberichte
und Tazkera), die teils kurz kommentiert werden, Kurzmitteilungen, einem
Fristverlängerungsgesuch und einer dreiseitigen Replik handelt (vgl. act.
BVGer 3, 5, 7, 8 und 13). Die Parteientschädigung wird daher unter Be-
rücksichtigung der Bemessungsfaktoren auf insgesamt Fr. 2000– (inkl.
Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) festgesetzt.
(Dispositiv nächste Seite)
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