Decision ID: 8aad4e9b-73cc-52b7-93c5-3ab44bf3799e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein Tamile aus B._ (Jaffna, Nordpro-
vinz) – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im April 2015
und gelangte am 17. September 2015 in die Schweiz, wo er am gleichen
Tag um Asyl nachsuchte. Am 20. Oktober 2015 fand die Befragung zur Per-
son (BzP) statt.
A.b Mit Verfügung vom 18. November 2015 trat das SEM auf sein Asylge-
such nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Ungarn. Die dagegen
erhobene Beschwerde vom 4. Dezember 2015 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil E-7909/2015 vom 26. Juni 2017 gut und hob die an-
gefochtene Verfügung auf. In der Folge wurde das Dublin-Verfahren been-
det und das nationale Verfahren durch das SEM aufgenommen.
A.c Das SEM führte am 5. Januar 2018 eine Anhörung gemäss Art. 29
Abs. 1 AsylG d (SR 142.31) durch. Ein Teil der Anhörung – die Vorbringen
zu erlittenen sexuellen Übergriffen während seiner Inhaftierung – fand auf
Wunsch des Beschwerdeführers durch ein Männerteam statt. Der Be-
schwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er
habe bis im Jahre 2008 die Schule bis zum O-Level besucht. Danach habe
er seinem Vater in der (...) geholfen. Zudem habe er zusammen mit ande-
ren Jugendlichen die Bewegung unterstützt und Propaganda gemacht. Im
Jahre 2013 habe er für die Tamil National Alliance (TNA) Flugblätter ge-
druckt und aufgeklebt, weshalb er von Leuten der EPDP (Eelam People's
Democratic Party) bedroht worden sei. Da sein Vater wegen dieser Tätig-
keit Probleme befürchtet habe, habe er ihn nach C._ geschickt. Er
sei daraufhin mit einem eigenen Pass und einem indischen Visum nach
C._ gereist, wo er in D._ gelebt und gelegentlich in einem
(...)- sowie einem (...)geschäft von Freunden seines Bruders gearbeitet
habe. Nachdem seine Mutter erkrankt sei, sei er im (...) 2014 nach Sri
Lanka zurückgekehrt. Anlässlich einer Kontrolle bei seiner Ankunft am
Flughafen in Colombo sei festgestellt worden, dass ein Mitglied der Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unter seiner Identität Sri Lanka habe
verlassen wollen. Er sei zwecks Abklärung dieser Umstände wegen Ver-
dachts auf Gehilfenschaft festgenommen und auf den Polizeiposten ge-
bracht worden. Am nächsten Tag habe das Gericht Untersuchungshaft an-
geordnet, worauf er in ein Gefängnis in Colombo überführt worden sei. Dort
sei er am ersten Tag von zwei Gefängniswärtern sexuell missbraucht wor-
den. Er sei in eine Zelle, in der Singhalesen gewesen seien, gebracht wor-
den. Diese hätten ihn wiederholt geschlagen. Nach drei Wochen sei er zum
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Gericht gebracht worden. Sein Vater sei ebenfalls anwesend gewesen. Er
sei daraufhin gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen worden mit der
Auflage, während dreier Monate jeden zweiten Sonntag auf einem Polizei-
posten in Colombo Unterschrift zu leisten. Nachdem er zusammen mit sei-
nem Vater nach Hause gereist sei, habe er am darauffolgenden Sonntag
seine Unterschrift in Colombo geleistet. Man habe ihn dabei für zwei, drei
Tage auf dem Polizeiposten festgehalten. Nachdem sein Vater aufgefordert
worden sei, ihn abzuholen und einen Geldbetrag zu bezahlen, habe er sei-
nen Pass zurückerhalten und sei freigelassen worden. Er sei insgesamt
drei- oder viermal zwecks Unterschrift nach Colombo gereist. Danach sei
er nicht mehr hingegangen. Zudem seien zweimal Leute der EPDP zu
Hause erschienen und hätten – da er nicht anwesend gewesen sei – sei-
nem Vater erklärt, dass sein Leben in Gefahr sei respektive ihm gedroht,
ihn zu schlagen, sollte er weiterhin Propaganda für die TNA machen. Aus
diesem Grund habe er sich im April 2015 dazu entschlossen, mit einem
Fischerschiff illegal nach C._ zu reisen. Von dort aus sei er später
über verschiedene Länder in die Schweiz gereist. Im Übrigen sei seine
Mutter nach seiner Einreise in die Schweiz gestorben. Weder er noch sonst
ein Mitglied seiner Familie seien je LTTE-Mitglied gewesen. Sein Vater und
ein Onkel hätten der Bewegung Geld gegeben. Deswegen sei sein Onkel
einmal von der Armee geschlagen worden. Ansonsten habe niemand aus
der Familie Probleme deswegen gehabt. Es sei nach seiner Ausreise le-
diglich seitens Jugendlicher und Angehöriger der TNA auf freundschaftli-
cher Basis nach ihm gefragt worden.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
Am 31. Januar 2018 wurde ein ärztliches Zeugnis der Klinik (...), vom (...)
2018 eingereicht.
B.
Mit Verfügung vom 9. Mai 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab.
Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren
Vollzug an. Es begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, die
Vorbringen seien weder glaubhaft noch asylrechtlich relevant.
C.
Mit Eingabe vom 14. Juni 2018 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diese Verfügung
Beschwerde und beantragte deren Aufhebung und die Feststellung der
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Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl, eventualiter die
Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung, subeventualiter
die Feststellung der Unzulässigkeit und/oder der Unzumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung des Unter-
zeichnenden als unentgeltlicher Rechtsbeistand. Ferner sei ein aktueller
ärztlicher Bericht gerichtlich zu edieren beziehungsweise eventualiter ihm
eine angemessene Frist zur Einreichung eines solchen Berichts anzuset-
zen. Weiter wurde um Ansetzung einer Frist zur Einreichung weiterer Be-
weismittel im Zusammenhang mit seiner Inhaftierung in Colombo ersucht.
Als Beweismittel reichte er verschiedene Berichte zur aktuellen Lage in Sri
Lanka sowie eine Sozialhilfebestätigung vom 12. Juni 2018 zu den Akten.
D.
Mit Schreiben vom 22. Juni 2018 wurde dem Beschwerdeführer der Ein-
gang der Beschwerde bestätigt.
E.
Mit Verfügung vom 27. Juni 2018 teilte die Instruktionsrichterin dem Be-
schwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
abwarten. Gleichzeitig wurden die Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes gut-
geheissen und der unterzeichnende Rechtsvertreter als amtlicher Rechts-
beistand eingesetzt. Die Vorinstanz wurde zur Einreichung einer Vernehm-
lassung eingeladen.
F.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2018 die
Abweisung der Beschwerde.
G.
Der Beschwerdeführer nahm dazu in seiner Replik vom 25. Juli 2018 Stel-
lung.
H.
Am 31. August 2018 wurde ein ärztlicher Bericht der Klinik (...), vom (...)
2018, eingereicht.
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Seite 5
I.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer aufgefor-
dert, aktualisierte Arzt- und Therapieberichte sowie eine Entbindungserklä-
rung von der ärztlichen Schweigepflicht einzureichen.
J.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2020 wurden ein Bericht des Psychosozialen
Dienstes (PSD) vom (...) 2020, eine ärztliche Entbindungserklärung und
eine Honorarnote vom 20. Juli 2020 eingereicht.
K.
Die Vorinstanz reichte am 16. September 2020 eine weitere Vernehmlas-
sung ein.
L.
Mit Replik vom 2. Oktober 2020 nahm der Beschwerdeführer dazu Stel-
lung. Gleichzeitig wurden verschiedene Berichte zur Situation in Sri Lanka
sowie eine aktualisierte Honorarnote vom 2. Oktober 2020 eingereicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 17 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 f.; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2 S. 70).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind;
unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013,
Rz. 1043).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 7
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe es unterlassen, die vorge-
brachten Tatsachen zu würdigen und den rechtserheblichen Sachverhalt
korrekt, vollständig und willkürfrei festzustellen. Er habe vorgebracht, be-
reits im Jahre 2008 mit anderen Jugendlichen in Jaffna die LTTE-Bewe-
gung unterstützt zu haben. Da er für die TNA Propaganda gemacht und sie
unterstützt habe, sei er durch Mitglieder der EPDP massiv eingeschüchtert
und bedroht worden, weshalb er anfangs Januar 2013 nach C._
geflüchtet sei. Bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka Ende 2014 sei er wegen
dieses Engagements verhaftet worden. Anlässlich der Haft sei er von Ge-
fängniswärtern sexuell missbraucht und von Mitgefangenen geschlagen
worden. Nachdem er gegen Kaution freigelassen worden sei, habe er in
regelmässigen Abständen seine Unterschrift leisten müssen. Das SEM
habe es unterlassen, den Umstand der Misshandlungen und Schläge zu
berücksichtigen sowie die öffentlich zugänglichen Quellen betreffend die
Zusammenarbeit des Staatsapparates mit der EPDP in Bezug auf Entfüh-
rungen, Folter und Lösegelderpressung beizuziehen. Gleichzeitig verweist
er auf Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 16. Juni
2015, 18. Dezember 2016 und 12. Januar 2018.
4.2 Der Einwand einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes wie er
vom Beschwerdeführer hievor gerügt wird, ist unbegründet. Die Vorinstanz
bezeichnete die geltend gemachte Tätigkeit für die TNA und die darauf ge-
stützte Bedrohungssituation seitens Angehöriger der EPDP und singhale-
sisch sprechender Personen wegen realitätsfremder und unsubstanziierter
Angaben als unglaubhaft, zumal es sich bei der TNA um eine legale etab-
lierte Partei handle und sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner Anga-
ben, die ohnehin vage und widersprüchlich ausgefallen seien, auch nicht
exponiert habe. Das SEM hat sich sodann mit den vorgebrachten sexuel-
len Übergriffen in seiner Verfügung auseinandergesetzt. Es bestehen keine
stichhaltigen Gründe, von einem diesbezüglich unkorrekt erfassten Sach-
verhalt auszugehen. Zudem hat das SEM gestützt auf die Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts eine Risikoprüfung vorgenommen und die
Ausführungen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der aktuellen
Lage in Sri Lanka gewürdigt. Schliesslich hat sich die Vorinstanz zu den
gesundheitlichen Problemen des Beschwerdeführers sowohl im angefoch-
tenen Entscheid als auch in seinen zwei Vernehmlassungen eingehend
auseinandergesetzt. Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in sei-
ner Länderpraxis zu Sri Lanka, an der es auch nach den aktuellen politi-
schen Verhältnissen festhält, einer anderen Linie folgt, als vom Beschwer-
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deführer in seiner mit eingehenden Hinweisen und Berichten untermauer-
ten Eingabe vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen auch
zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwer-
deführer verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststel-
lung.
4.3 Ferner ist nicht ersichtlich, dass das SEM das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers hinsichtlich seiner gesundheitlichen Beschwerden und
den von ihm daraus abgeleiteten Konsequenzen missachtet habe. Dem
Arztbericht vom (...) 2018 sind zwar Konzentrations- und Gedächtnis-
schwierigkeiten zu entnehmen, die im Protokoll der Anhörung ebenfalls er-
kennbar sind. Das SEM hat aber seinen abschlägigen Entscheid nicht aus-
schliesslich auf Inkohärenzen in den Schilderungen des Beschwerdefüh-
rers abgestützt, die auf solche Schwächen hindeuten könnten. Es hat die
Vorbringen auch als irrelevant eingestuft, was nicht mit dem Aussagever-
halten des Beschwerdeführers zu tun hat, sondern wiederum mit seiner
rechtlichen Würdigung. Folglich ergibt sich daraus keine Verfahrensrechts-
verletzung.
4.4 Zusammengefasst ergibt sich aus den vom Beschwerdeführer ange-
führten Gründen kein Anlass, die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurtei-
lung zurückzuweisen. Hingegen kommt das Gericht zum Schluss, dass
sich eine Rückweisung aus anderen Gründen rechtfertigt (vgl. E.7.2 f.).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, insgesamt würden
die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG (Verfolgung nach der Haft) bezie-
hungsweise an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Vorab ist zu prüfen, ob diese Einschätzung zu bestätigen ist.
5.2 Das SEM kam zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Benachteiligungen im Zusammenhang mit dem vorgebrachten
politischen Engagement für die TNA den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit nicht standhalten würden. Bei der TNA handle es sich um eine legale
Partei, die bereits seit den Wahlen im Jahre 2010 im Parlament vertreten
sei. Da sie sich immer weiter etabliert habe, sei nicht nachvollziehbar, dass
der Beschwerdeführer deswegen im Jahre 2015 wieder bedroht worden
sei, zumal die von ihm beschriebenen Aktivitäten aus den Jahren
2012/2013 für diese Partei kaum zu einer ernsthaften Verfolgung geführt
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hätten. Er habe sich weder exponiert noch habe er eine besondere Funk-
tion innegehabt. Auch habe er vage und widersprüchliche Angaben zu sei-
ner Tätigkeit (Drucken von Flugblättern, Propagandaaktionen, einheitliche
Bekleidung) gemacht. Zudem seien seine Schilderungen, wer ihn im Jahre
2015 bedroht habe, vage ausgefallen und würden nicht überzeugen. Seine
Angaben zum Zeitpunkt, wann die Leute der EPDP respektive der Polizei
gekommen seien und wann er ausgereist sei, seien widersprüchlich und
vage. Abgesehen davon würden die zwei Vorfälle, bei denen zu Hause
nach ihm gefragt worden sei, keine asylrechtlich relevante Intensität errei-
chen.
Ferner erachtete die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als
asylrechtlich irrelevant. So habe die geltend gemachte Inhaftierung nach
seiner Rückkehr aus C._ im (...) 2014 eine rechtsstaatliche Mass-
nahme dargestellt, welche dazu gedient habe, aufzuklären, wie es dazu
gekommen sei, dass eine andere Person, insbesondere ein ehemaliges
LTTE-Mitglied seinen Namen und seine Identitätskartennummer für die
Ausreise aus Sri Lanka habe benutzen wollen. Die am Flughafen erfolgte
Festnahme und Untersuchungshaft seien rechtlich korrekt abgelaufen,
auch wenn ihm im Anschluss an die ordentliche Entlassung eine dreimo-
natige Meldepflicht auferlegt worden sei. Die Entlassung zeige zudem,
dass die Behörden nicht davon ausgegangen seien, dass er sich ernsthaft
strafbar gemacht habe oder eine Gefahr für das Land darstelle. Weiter soll
es sich bei der Person, die seinen Namen und seine Identitätskartennum-
mer verwendet habe, um ein rehabilitiertes Mitglied gehandelt haben. Die
ihm auferlegte Meldepflicht vor dem offiziellen Abschluss dieses Falles
habe zudem einem legitimen Zweck gedient und sei nicht intensiv genug
gewesen, um flüchtlingsrechtlich relevant zu sein. Auch habe er bei der
ersten Unterschriftsleistung seinen Pass gegen eine Kaution zurückerhal-
ten, weshalb nicht mit einer behördlichen Verfolgung zu rechnen gewesen
sei. Ausser einer Nacht, die er auf dem Polizeiposten habe warten müssen,
bis sein Vater mit dem Geld vorbeikomme, sei es zu keinen weiteren Vor-
fällen gekommen. Abgesehen von der fehlenden Asylrelevanz seien die
diesbezüglichen Angaben des Beschwerdeführers vage – er habe diese
immer wieder angepasst – und nicht nachvollziehbar (keine Angaben zum
Gericht und zum Polizeiposten) ausgefallen.
Im Weiteren kam die Vorinstanz zum Schluss, dass keine Hinweise darauf
bestehen würden, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Vorkomm-
nisse anlässlich der Festnahme – Vergewaltigung durch zwei Gefängnis-
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wärter am Tag seiner Ankunft und Schläge durch singhalesische Mitgefan-
gene – in Zukunft Nachteile zu befürchten hätte respektive wieder mit se-
xuellen oder anderen physischen Übergriffen zu rechnen hätte.
Weiter lasse eine Prüfung anhand der durch die Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts definierten Risikofaktoren (Urteil E-1866/2015
E. 8, 9.1) nicht auf eine begründete Furcht des Beschwerdeführers vor
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen im Falle einer Rückkehr nach Sri
Lanka schliessen. Der Beschwerdeführer sei nach der im Anschluss an
seine Rückkehr erfolgte Untersuchungshaft wieder freigelassen worden,
weshalb davon auszugehen sei, dass die Behörden bereits zu diesem Zeit-
punkt abgeklärt hätten, ob er ein LTTE-Mitglied sei oder enge Verbindun-
gen zu solchen gehabt hätte. Er habe auch nicht glaubhaft machen kön-
nen, nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Allfällige, im Zeit-
punkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Ver-
folgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen ver-
mocht. Er habe nach dem Kriegsende noch knapp vier Jahre in seinem
Heimatland gelebt, wobei ihm seitens der sri-lankischen Sicherheitsbehör-
den offenbar keine besonders enge Beziehung zu den LTTE zugeschrie-
ben worden sei. Ferner seien weder er noch sonst jemand aus seiner Fa-
milie je LTTE-Mitglied gewesen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei ei-
ner Rückkehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter
Weise verfolgt werden sollte.
5.3 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, er habe trotz
massiven Gedächtnislücken und seiner Unfähigkeit, die Geschehnisse
chronologisch exakt zu schildern, konsistente und glaubhafte Angaben ge-
macht. Er habe anlässlich der Anhörung mehrmals erwähnt, dass er wegen
Gedächtnislücken und seines psychischen Zustandes massive Schwierig-
keiten habe, das Geschehene detailliert und chronologisch zu präsentie-
ren, was für die Wahrheit seiner Vorbringen spreche. Seine Ausführungen
im Zusammenhang mit der Inhaftierung in Colombo, der Gerichtsverfahren
und der Suche seitens der EPDP (Haftbedingungen, sexuelle Misshand-
lungen, Umstände der Fahrt nach Colombo, Haftbedingungen in der Poli-
zeistation, Zusammenspiel der verschiedenen Behörden und Gruppierun-
gen) enthielten zahlreiche Realkennzeichen. Die verschiedenen Hand-
lungsabläufe (Aufenthalt in C._, Umstände am Flughafen Colombo,
Gefängnis in Colombo, Polizeistation, Mannar, Ablauf der Festnahme, Vor-
fälle im Gefängnis, Gerichtsverhandlung, Bestechungsgeld- resp. Kauti-
onszahlung) seien widerspruchsfrei ausgefallen. Beispielsweise habe er
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Seite 11
die Tatsache zum sexuellen Missbrauch nur einem männlichen Befrager
erzählen wollen.
Ferner argumentiert der Beschwerdeführer, tamilische Personen, welche
der TNA nahe stünden oder vormals die LTTE unterstützt hätten, würden
systematisch behelligt, willkürlich verhaftet und erpresst. Personen und Fa-
milien mit potenziellen LTTE- beziehungsweise TNA-Verbindungen würden
auch viele Jahre nach Kriegsende noch behördlich verfolgt. Der Beschwer-
deführer stelle aufgrund seiner Verbindung zur TNA und seiner
C._reise sowie wegen Beihilfe zur Fluchthilfe eines LTTE-Mitglieds
für den Staatsapparat ein potenzielles Risiko für einen Einheitsstaat dar.
Das SEM verkenne zudem, dass die von ihm erlittenen Übergriffe (Fest-
nahme, sexuelle Misshandlungen, finanzielles Ausnehmen) ein
Machtinstrument gegenüber der tamilischen Minderheit darstellen würden.
Eine Strafanzeige durch ihn gegen die fehlbaren Polizisten (Vergewaltiger)
würde kaum entgegengenommen und ihn ohnehin zusätzlich gefährden.
Tamilinnen und Tamilen stünden generell unter Terrorverdacht und erhiel-
ten kein faires Verfahren oder würden verschwinden. Kleinere Unabhän-
gigkeitsbewegungen würden im Keim erstickt. Schliesslich gehöre er zur
sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, welche
bei der Rückkehr nach Sri Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
systematisch verfolgt würden, wobei auf verschiedene öffentlich zugängli-
che Berichte und das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgericht E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 hingewiesen wird.
Schliesslich sei die Einschätzung der Vorinstanz zur Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklun-
gen in Sri Lanka falsch. Die Vorinstanz habe lediglich den medizinischen
Aspekt geprüft. Der Beschwerdeführer leide an massiven psychischen und
physischen Problemen, weshalb er in einer intensiven Behandlung sei. Er
könne in Sri Lanka nicht mit einer angemessenen Behandlung rechnen.
Ferner würden die aktuelle politische Entwicklung in Sri Lanka und deren
Folgen gegen den Vollzug der Wegweisung sprechen.
5.4 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2018 an ihrem
Standpunkt fest. Zudem führt sie aus, die vom Beschwerdeführer einge-
reichten Berichte des SFH würden daran nichts ändern. So bestehe auf-
grund dessen Ausführungen anlässlich der Befragungen kein Anlass, da-
von auszugehen, dass der Staat ihn als Gefahr für den Einheitsstaat wahr-
nehme und er eine exponierte Person sei. Sie habe zudem eine Prüfung
der Risikofaktoren vorgenommen.
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Bezüglich der beim Beschwerdeführer diagnostizierten gesundheitlichen
Probleme gebe es in Sri Lanka entsprechende Behandlungsmöglichkeiten.
5.5 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Replik vom 25. 2018 entge-
gen, die Behauptung der Vorinstanz, dass er nach Ansicht des sri-lanki-
schen Staates keine Gefahr für den Einheitsstaat darstelle, sei falsch. Er
befinde sich weiterhin in ärztlicher Behandlung, wozu er am 31. August
2018 einen weiteren ärztlichen Bericht vom (...) 2018 einreichte.
5.6 Am 20. Juli 2020 wurde ferner ein Bericht des PSD vom (...) 2020 ein-
gereicht, gemäss dem der Beschwerdeführer wegen psychischen Auffällig-
keiten und Konzentrationsproblemen nicht mehr in der Lage gewesen sei,
Deutsch- und Integrationskurse zu besuchen. Deshalb seien mit Unterstüt-
zung eines Dolmetschers mehrere einstündige Sitzungen mit der PSD
durchgeführt worden.
5.7 Die Vorinstanz äusserte sich dazu ausführlich in ihrer ergänzenden
Vernehmlassung vom 16. September 2020. Weiter hielt sie fest, die Be-
hauptung des Beschwerdeführers, als gebrandmarkter Tamile von keinem
Arzt behandelt zu werden, da sich ein solcher vor staatlichen Repressionen
fürchten würde, werde durch nichts belegt. Er weise auch unter Berück-
sichtigung der Veränderungen seit den Präsidentschaftswahlen von 2019
und den Parlamentswahlen vom 5. August 2020 kein erhöhtes Risikoprofil
auf.
5.8 Der Beschwerdeführer hielt dazu in seiner Stellungnahme vom 2. Ok-
tober 2020 fest, die Vorinstanz habe sich ungenügend mit dem Bericht des
PSD auseinandergesetzt. Diesem könnten neue Erkenntnisse in Bezug auf
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entnommen werden. Er sei
auf eine längerfristige psychologisch-therapeutische Begleitung angewie-
sen. Eine solche könne aufgrund der traumatischen Entwicklungen nicht in
Sri Lanka stattfinden, zumal die dortigen Institutionen unter der direkten
Kontrolle des Staates seien. Angesichts seiner schweren posttraumati-
schen Belastungsstörung, der bereits fortgeschrittenen Integration sowie
der prekären finanziellen und wirtschaftlichen Aussichten im Heimatstaat
sei eine erfolgreiche Eingliederung in das dortige soziale, kulturelle und
wirtschaftliche Leben nicht zumutbar, zumal er über keine berufliche Aus-
bildung verfüge und seine Familie in äusserst prekären wirtschaftlichen
Verhältnissen lebe.
6.
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6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS
SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick
über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015
S. 5).
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass der Vorinstanz zuzustimmen ist, wonach es unglaubhaft er-
scheint, der Beschwerdeführer sei wegen seines politischen Engagements
für die TNA in den Jahren 2012/2013 nach seiner Rückkehr aus C._
im Jahre (...) seitens Angehöriger der EPDP respektive der Polizei bedroht
worden. Abgesehen davon, dass die von ihm geltend gemachte Tätigkeit –
das Drucken von Flugblättern sowie Propagandaaktionen – als nieder-
schwellig zu bezeichnen ist und damit keine politisch herausragende Funk-
tion darstellt, handelte es sich bei der TNA bereits damals um eine legale,
moderate und im Parlament vertretene Parteienallianz. Zudem sind die vor-
gebrachten Suchen durch die EPDP und durch singhalesisch sprechende
Personen, von denen er vermute, dass es Polizisten gewesen seien – sie
seien erstmals eineinhalb Monate vor April 2015 und zum zweiten Mal im
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April 2015 erschienen – oberflächlich und vage ausgefallen. Zudem basie-
ren sie auf den Aussagen Dritter (Akte A34 F 152 ff.), denen nur ein be-
schränkter Beweiswert zukommt. Darüber hinaus hat die Vorinstanz diesen
zwei Vorfällen, bei denen sein Vater aufgefordert worden sei, ihm (dem Be-
schwerdeführer) mitzuteilen, dass er in Zukunft keine Tätigkeiten für die
TNA mehr ausführen soll, andernfalls er geschlagen würde respektive sein
Leben in Gefahr wäre, zu Recht die Intensität und damit eine asylrechtliche
Relevanz abgesprochen. Sein Hinweis auf Gedächtnislücken und seinen
psychischen Zustand, aufgrund derer er anlässlich der Anhörung Schwie-
rigkeiten gehabt habe, das Geschehene detailliert und chronologisch zu
präsentieren, lässt keine andere Beurteilung zu.
7.2 Was die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner Anhaltung am
Flughafen in Colombo im Dezember 2014, zu den Umständen der an-
schliessenden Untersuchungshaft (sexuelle Übergriffe durch Gefängnis-
wärter, Schläge durch Mitgefangene) sowie zu der ihm im Anschluss an die
Freilassung auferlegte dreimonatige Meldepflicht betrifft, hat die Vorinstanz
diese grundsätzlich nicht in Frage gestellt, auch wenn es gewisse Unglaub-
haftigkeitselemente aufführte. Sie ist bei ihrer Beurteilung indes zur zutref-
fenden Erkenntnis gelangt, dass es sich bei den Untersuchungsmassnah-
men seitens der sri-lankischen Behörden und der dem Beschwerdeführer
auferlegten Meldepflicht grundsätzlich um rechtsstaatlich legitime Mass-
nahmen handelt, denen keine asylrechtliche Relevanz zukommt. Unklar ist
indes vorliegend, ob das vom Beschwerdeführer erwähnte, gegen ihn ein-
geleitete Gerichtsverfahren im Zeitpunkt seiner Ausreise abgeschlossen
war respektive im heutigen Zeitpunkt noch hängig ist. Zudem ist offen, mit
welchem Ergebnis es allenfalls abgeschlossen wurde. Je nach Verfahren-
sausgang wäre eine begründete Furcht vor erheblichen Nachteilen – auch
unter Berücksichtigung des bereits Erlebten – im Zeitpunkt der Ausreise
beziehungsweise zum heutigen Zeitpunkt nicht auszuschliessen. Die Vo-
rinstanz hat den Beschwerdeführer diesbezüglich auch nicht weiter be-
fragt.
Unter Berücksichtigung dieser Feststellungen stellen sich vorliegend ver-
schiedene Fragen, die einer Klärung bedürfen. Das Bundesverwaltungs-
gericht gelangt deshalb zum Schluss, dass der rechtserhebliche Sachver-
halt in Bezug auf das gegen den Beschwerdeführer eingeleitete Gerichts-
verfahren nicht als erstellt zu erachten ist.
8.
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8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264).
Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1).
8.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass das SEM auf-
grund eines nicht vollständig erstellten Sachverhalts entschieden hat. Ge-
stützt auf den bestehenden Sachverhalt können keine Aussagen zu dem
vom Beschwerdeführer erwähnten Gerichtsverfahren gemacht werden. Es
sind daher im vorliegenden Fall weitere Abklärungen nötig. Da es nicht Auf-
gabe des Bundesverwaltungsgerichts sein kann, den Sachverhalt auf Be-
schwerdeebene rechtsgenüglich zu erstellen, ist die angefochtene Verfü-
gung vollumfänglich aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuwei-
sen.
Das SEM hat über die Schweizer Vertretung in Sri Lanka konkrete Anga-
ben zum Gerichtsverfahren einzuholen und abzuklären, ob und allenfalls
wie dieses abgeschlossen worden ist. Gestützt darauf hat sie in ihrem
neuen Entscheid aufzuzeigen, ob der Beschwerdeführer im Falle einer
Rückkehr in seinen Heimatstaat begründete Furcht vor künftiger Verfol-
gung hat. Wenn der erstellte Sachverhalt diesen Schluss nicht ohne weite-
res zulässt, kann eine solche begründete Furcht nicht ausgeschlossen wer-
den.
9.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten insofern gutzuheissen, als damit
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 9. Mai 2018 beantragt
wird, und die Sache ist zur weiteren Sachverhaltsabklärung im Sinne der
Erwägungen und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
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10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Ausgangs des
Verfahrens zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm
erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte
am 2. Oktober 2020 eine (aktualisierte) Kostennote in der Höhe von
Fr. 4'695.30 (20.50 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.– und
Auslagen von Fr. 185.30) ein. Dieser Aufwand erscheint angemessen. Die
Parteientschädigung zu Lasten des SEM ist demnach auf Fr. 5'057.– (in-
klusive Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) festzusetzen.
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