Decision ID: 07cbd840-7fda-52d9-b698-954e36b8c2cb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte am 31. Juli 2015 in die Schweiz, wo er am
selben Tag um Asyl nachsuchte.
B.
Am 12. August 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am
18. April 2017 wurde der Beschwerdeführer vom SEM ausführlich zu sei-
nen Asylgründen angehört.
Dabei brachte er vor, er gehöre der Ethnie (...) an und stamme aus
B._ (Subzoba C._, Zoba D._). Er habe die Schule
bis zur (...) Klasse in seiner Heimatgegend besucht. Die (...) Klasse habe
er (...) in E._ absolviert. Seine Noten seien gut genug gewesen, um
in der Folge als Lehrer ausgebildet zu werden; für die entsprechende Aus-
bildung sei er nach F._ aufgeboten worden. Dort habe man ihm
aber gesagt, dass er stattdessen eine Ausbildung als (...) machen müsse.
Da er und andere protestiert hätten, seien sie inhaftiert worden; zunächst
für (...) in F._ und danach für (...) in G._. Anschliessend
habe er für etwa (...) die (...) in H._ besucht und sei dann nach
I._ eingeteilt worden, wo er von (...) bis zu seiner Ausreise als (...)
gearbeitet habe. Am (...) habe er geheiratet. Er habe seine Arbeit nie ak-
zeptiert. Er habe auf eigenen Beinen stehen, frei als Lehrer arbeiten und
für sein Leben und seine Familie sorgen wollen; das sei ihm verwehrt wor-
den. Er habe keine Rechte gehabt, ein geregeltes Leben zu führen. Er
habe bei der Arbeit viele Probleme gehabt und sei insgesamt (...) Mal im
Gefängnis gewesen, am längsten von (...) bis (...), weil er seinen Urlaub
überzogen habe. Nach dieser Haft habe er sich für das Verlassen seines
Heimatlandes entschieden und sich hierfür vorbereitet. Zuletzt sei er kurz
vor seiner Ausreise für ungefähr (...) Tage im Gefängnis gewesen, weil er
einem Häftling ohne Erlaubnis Essen seiner Familie übergeben habe. Er
(Beschwerdeführer) habe die Situation nicht mehr ertragen und entschie-
den, das Land sofort zu verlassen. An einem Morgen im (...) habe er keinen
Passierschein erhalten beziehungsweise habe eine Erlaubnis erhalten,
seine Familie zu besuchen und sich deshalb ohne Erlaubnis von seiner
Arbeit entfernt. Er sei mit dem Bus nach J._ gefahren (beziehungs-
weise habe seine Frau in F._ getroffen und sei mit ihr zusammen
nach J._ gefahren) und von dort zu Fuss via K._ und
L._ nach M._ gelangt, wo er (beziehungsweise mit seiner
Frau zusammen) die Grenze zum N._ überschritten habe. Danach
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sei er nach O._ weitergegangen. Er sei (...) Tage lang zu Fuss un-
terwegs gewesen. Nach einem Aufenthalt von (...) im N._ und (...)
in P._ sei er über Q._ in die Schweiz gelangt. Seine Frau sei
aus finanziellen Gründen im N._ geblieben.
Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte im Original und ein Zer-
tifikat des Eritrean (...) zu den Akten.
C.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 30. November 2018 fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
an.
D.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 2. Januar 2019 gegen den
Entscheid des SEM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er be-
antragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei die
vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventuell sei die Sache zur Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Erlass
eines Kostenvorschusses.
E.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 10. Januar
2019 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un-
ter Vorbehalt des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut und ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 15. Januar 2019 (Post-
stempel) eine Fürsorgebestätigung zu den Akten.
F.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 16. Januar 2019 zur Beschwerde
vernehmen.
G.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 31. Januar 2019.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
[SR 142.31] in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1
sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21
Abs. 1 VGG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine unvollständige
Sachverhaltsfeststellung. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls
geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, a.a.O., Rz. 1043).
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Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufgelis-
teten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
3.3 Soweit der Beschwerdeführer für die Bewertung seiner Aussagen in
der BzP und in der Anhörung auf die fehlende Befragung in seiner Mutter-
sprache Bilen und damit implizit auf seine Widersprüche in den Befragun-
gen hinweist, ist Folgendes zu bemerken: Sowohl zu Beginn der BzP als
auch anfangs der Anhörung wurde er danach gefragt, ob er den Dolmet-
scher verstehe (vgl. SEM act. A6 Bst. h; act. A18 F1). Am Schluss der BzP
wurde er nochmals gefragt, ob er den Dolmetscher verstanden habe (vgl.
SEM act. A6 Ziff. 9.02). Diese Fragen bejahte der Beschwerdeführer und
gab sogar «sehr gut» zur Antwort. Zwar ist ihm zuzustimmen, dass er zu
Beginn der BzP den Dolmetscher bat, langsam zu sprechen (vgl. SEM
act. A6 Bst. h). Im gesamten Protokoll zur BzP ist aber einzig ein Hinweis
für eine mögliche Sprachproblematik vorzufinden, wonach er die Farbe
«hellblau» in Tigrinya nicht gekannt habe (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.02). Ent-
gegen seiner Ansicht in der Rechtsmitteleingabe kann deshalb von zahlrei-
chen Ungereimtheiten nicht die Rede sein, weshalb es nicht angebracht
erscheint, insgesamt alle seine Antworten anlässlich der BzP in Frage zu
stellen. Dies umso mehr als der Beschwerdeführer selber auf dem selbst-
ständig ausgefüllten Personalienblatt im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum nebst seiner Muttersprache Bilen unter anderem Tigrinya als weitere
Sprache angegeben hatte (vgl. SEM act. A2). Mit Blick auf das Gesagte
vermag der Beschwerdeführer nicht darzutun, dass die ihm vorgehaltenen
Unstimmigkeiten in den Angaben auf sprachliche Schwierigkeiten zurück-
zuführen sind.
Im Übrigen hat eine asylsuchende Person keinen Anspruch, nur in ihrer
Muttersprache angehört zu werden. Es besteht lediglich ein Anspruch da-
rauf, sich in einer Sprache zu äussern, die von der asylsuchenden Person
beherrscht wird. Wird eine asylsuchende Person nicht in ihrer Mutterspra-
che angehört, ist dies jedoch im Rahmen der Beweiswürdigung und insbe-
sondere der Glaubhaftigkeitsprüfung entsprechend zu berücksichtigen
(vgl. Urteil des BVGer D-4509/2017 vom 28. Oktober 2019 E. 2.2).
Vor diesem Hintergrund ist vorliegend zum Schluss zu kommen, dass die
Vorinstanz zu Recht auch auf die protokollierten Aussagen in der BzP ab-
gestellt hat, der Umstand, dass die Befragung nicht in der Muttersprache
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des Beschwerdeführers durchgeführt worden ist, ist jedoch im Rahmen der
Glaubhaftigkeitsprüfung zu beachten.
3.4 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, die Vorinstanz habe den Sach-
verhalt unvollständig festgestellt. Da sie ihm mangelhafte Glaubhaftigkeit
vorwerfe, sei sie inhaltlich trotz des im Asylrecht zur Anwendung kommen-
den Untersuchungsgrundsatzes nicht auf die Asylgründe eingegangen.
Denn die Vorinstanz habe aufgrund einer gewissenhaften, minuziösen und
vorurteilslosen Prüfung über den rechtserheblichen Sachverhalt zu ent-
scheiden. Sodann habe die Vorinstanz seine eingereichten Originaldoku-
mente in ihrem Entscheid zu wenig berücksichtigt.
3.5 Gemäss Art. 6 AsylG in Verbindung mit Art. 12 VwVG sowie Art. 30–33
VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest
(Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren
erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die rechtlich relevanten
Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl.
dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018,
Rz. 15 zu Art. 12). Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV in Verbindung mit Art. 35
Abs. 1 VwVG obliegt es der verfügenden Behörde sodann, alle erheblichen
Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen, wobei sich das Ergebnis der
Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat. Nach den
von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die Behörde im Rah-
men der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von denen
sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung
des Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebe-
nenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch nicht
mit jeder tatbestandlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken
(vgl. KNEUBÜHLER/PEDRETTI, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O.,
Rz. 5 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6).
3.6 Entgegen der Auffassung in der Beschwerde ist hier keine unvollstän-
dige Sachverhaltsfeststellung ersichtlich. Die Vorinstanz hat die wesentli-
chen Sachverhaltselemente im Sachverhaltsabschnitt der angefochtenen
Verfügung erfasst, sich in den Erwägungen hinreichend mit den Aussagen
des Beschwerdeführers anlässlich der BzP und Anhörung auseinanderge-
setzt und hinreichend begründet, weshalb die Vorbringen des Beschwer-
deführers nicht glaubhaft seien beziehungsweise er die Flüchtlingseigen-
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schaft nicht erfülle. Dabei durfte sie sich auf die wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken und namentlich nicht näher auf die Beweismittel ein-
gehen, da sie lediglich seine – unbestrittene – Identität untermauerten.
Auch aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der rechtserhebli-
che Sachverhalt nicht genügend erstellt wurde und weitere Abklärungen
der Vorinstanz nötig wären. Dass die Vorinstanz den Sachverhalt nicht im
Sinne des Beschwerdeführers eingeschätzt hat, ist eine Frage der materi-
ellen Würdigung.
3.7 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet, weshalb der Eventu-
alantrag auf Rückweisung der Sache abzuweisen ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend. Diese be-
gründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen
jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Personen, die
subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen, werden
als Flüchtlinge vorläufig in der Schweiz aufgenommen, weil sich der Voll-
zug der Wegweisung als unzulässig erweist (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
4.3 Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr
Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält.
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-
satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
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Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be-
schwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus,
wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der
gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die
vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die
Schilderungen des Beschwerdeführers zur geltend gemachten Desertion
aus der (...) im (...) vage und unsubstanziiert geblieben seien. Er habe die
Abweichung vom normalen Verlauf nur mit dem wiederholten Satz, sich
von dort entfernt zu haben, wiedergegeben. Es wäre zu erwarten, dass ihm
ein Ereignis von solcher Tragweite genau im Gedächtnis geblieben wäre
und er es dementsprechend weit detaillierter und differenzierter hätte aus-
führen können, so in Form von Details beim eigentlichen Geschehnis oder
mittels Gedanken und Gefühlen, die er während des Geschehnisses emp-
funden habe. Er habe auch nur sehr allgemein ausgeführt, wie er sich zur
Ausreise entschlossen und warum er gerade diesen bestimmten Tag dafür
gewählt habe. Er habe nicht erklären können, warum sich nie zuvor eine
Gelegenheit ergeben habe oder warum er nicht beispielsweise bei einem
früheren Urlaub ausgereist sei. Insgesamt sei es ihm an keiner Stelle sei-
ner Schilderungen gelungen, den Eindruck zu vermitteln, dass er ein tat-
sächlich erlebtes Ereignis wiedergebe. Er habe sich zudem betreffend die
Vorbringen zur Desertion auch widersprüchlich geäussert. So habe er bei
der BzP ausgeführt, nach seinem Entschluss zur Ausreise habe er um eine
Erlaubnis zum Besuch seiner Familie gefragt und diese erhalten; danach
habe er umgehend sein Heimatland im (...) verlassen. Bei der Anhörung
habe er zunächst gesagt, er habe im (...) Urlaub erhalten, sei dann nicht
mehr zu seiner Einheit zurückgekehrt und im (...) ausgereist. Später habe
er gesagt, er habe sich an einem Morgen vom Revier entfernt, weil sich
ihm dazu die Gelegenheit geboten habe; dabei habe er nicht erwähnt, ei-
nen Urlaub erhalten zu haben. Auf den Widerspruch angesprochen habe
er erklärt, er habe nach einem Passierschein gefragt, jedoch keinen erhal-
ten. Diese Erklärung überzeuge nicht. Auch seine zusätzliche Erklärung,
es sei ihm bei der BzP nicht gut gegangen, er sei krank gewesen, müsse
als Schutzbehauptung eingestuft werden. Es erstaune zudem, dass er bei
der BzP seine Frau bei der Schilderung der Ausreise mit keinem Wort er-
wähnt und auch keinen Zwischenhalt in F._ angegeben habe, wäh-
renddessen er bei der Anhörung angegeben habe, die Ausreise geplant
und seine Frau in F._ getroffen zu haben und von dort gemeinsam
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weitergereist zu sein. Das Vorbringen der Desertion sei daher als unglaub-
haft zu erachten.
Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, er sei im Rahmen seiner Ar-
beit als (...) im Gefängnis gewesen, sei anzuerkennen, dass sich seine
Arbeits- und die Rahmenbedingungen seines Lebens schwierig gestaltet
hätten. Gleichzeitig sei festzuhalten, dass es sich bei den verschiedenen
Gefängnisstrafen gemäss seinen Aussagen um dienstliche Sanktionen für
Fehlverhalten (Überziehens des Urlaubs) gehandelt habe. Zudem seien
auch manche seiner Arbeitskollegen so oft inhaftiert worden wie er. Aus
seinen Aussagen würden sich somit keine Hinweise darauf ergeben, dass
die geltend gemachten Haftstrafen eine gezielt gegen ihn gerichtete Ver-
folgung aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründen dargestellt hät-
ten. Da es sich bei den Gefängnisstrafen um dienstliche Sanktionen für
Fehlverhalten gehandelt habe und er alle Strafen absolviert habe, gebe es
auch keine Hinweise darauf, dass er mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
und in absehbarer Zukunft mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen
zu rechnen habe.
Der Beschwerdeführer habe seine geltend gemachte illegale Ausreise
knapp, undetailliert und undifferenziert geschildert. Er habe gesagt, mit
dem Bus bis J._ gefahren und von dort zu Fuss in (...) Tagen bis
M._ gelangt zu sein. Er habe zwei Orte erwähnt, die er passiert,
aber nicht direkt durchquert habe. Er habe ergänzt, teilweise mit anderen
Personen unterwegs gewesen und nur nachts gereist zu sein. Er habe
grosse Angst gehabt, kontrolliert zu werden, habe aber keine Vorkehrun-
gen getroffen, um Kontrollen zu vermeiden. Zusammenfassend sei festzu-
stellen, dass er auch bei der Schilderung seiner Ausreise nicht den Ein-
druck habe erwecken können, das Geschilderte tatsächlich erlebt zu ha-
ben. Es sei demnach zu schliessen, dass er die angeblich illegale Ausreise
nicht in der geschilderten Form erlebt haben könne. Somit lägen auch
keine subjektiven Nachfluchtgründe vor.
Seine Vorbringen würden weder den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG, noch an die Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, die
Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7
AsylG vorliegend nicht hinreichend Rechnung getragen. Sie werfe ihm in
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erster Linie vor, dass die Schilderung der Situation der tatsächlichen De-
sertion widersprüchlich sei. Tatsächlich habe er sich aus Verunsicherung
und «Beratung» durch Kollegen an der Anhörung zu den Asylgründen zur
Erzählung einer nicht zutreffenden Story verleiten lassen, was er heute
sehr bedauere. In Realität habe er sich während der Verbüssung der (...)
Haft anfangs (...) zur Flucht entschlossen, da er die Haftbedingungen nicht
mehr länger habe ertragen können. Er habe dieses Vorhaben mit seiner
Frau besprochen und geplant, gemeinsam mit ihr auszureisen. Nachdem
er erneut in Haft gesessen und aus dieser nach kurzer Zeit wieder entlas-
sen worden sei, habe er Urlaub beantragt, um angeblich seine Familie zu
besuchen. Dieser sei ihm im (...) gewährt worden, sodass er den (...) habe
umgehend verlassen können – wobei er dann nicht mehr in den Dienst
zurückgekehrt sei, sondern das Land zusammen mit seiner Frau fluchtartig
verlassen habe, um künftiger unmenschlicher Behandlung zu entgehen.
Ihm sei im Vorfeld der Anhörung zu den Asylgründen von anderen Geflüch-
teten gesagt worden, dass das von ihm Erlebte keine «gute Story» sei, da
er eine Bewilligung zum Verlassen des Dienstes gehabt habe. Er solle in
der Anhörung vielmehr aussagen, dass er ohne Passierschein den (...)
verlassen habe. Darüber hinaus spiele es schlussendlich für ihn bei der
Rückkehr auch keine Rolle, ob er mit oder ohne Urlaubsgenehmigung den
Dienst verlassen habe, da er sich in jedem Fall regelwidrig verhalten habe
und desertiert sei. Damit habe er jedenfalls drakonische Sanktionen des
Regimes zu befürchten, wenn er wieder nach Eritrea zurückkehre. Der Um-
stand der Desertion (ob basierend auf einem bewilligten Diensturlaub oder
nicht) bleibe denn auch der einzige Widerspruch, welcher ihm die Vo-
rinstanz vorwerfen könne. Abgesehen davon habe er die durchaus kom-
plexe Abfolge von Ereignissen, insbesondere die mehrfache Inhaftierung,
absolut widerspruchsfrei und kongruent wiedergeben können, sodass sich
daraus ein vollkommen nachvollziehbares, widerspruchsfreies Gesamtbild
ergebe.
Dass ihm von der Vorinstanz vorgeworfen werde, in der BzP nicht erwähnt
zu haben, zusammen mit seiner Frau ausgereist zu sein und die Vorinstanz
darin einen Widerspruch zur Anhörung sehe, sei nicht stichhaltig. Vielmehr
ergebe sich bereits aus den einleitenden Antworten in der BzP, dass sich
seine Frau im N._ aufhalte und dass er sie auch dort zum letzten
Mal gesehen habe, was eine gemeinsame Ausreise impliziert habe. Wei-
tere Fragen dazu seien ihm nicht gestellt worden. Auch dass die Flucht
selber von der Vorinstanz als unglaubhaft eingestuft werde, erscheine gar
weit hergeholt. Sie anerkenne selbst, dass die Ausreise aus Eritrea kaum
möglich sei. Dem Vorhalt, dass er mehr hätte sagen sollen, könne nicht
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gefolgt werden, habe er doch auf jede Frage zur Ausreise eine absolut
überzeugende und schlüssige Antwort geben können. Die Antworten in die-
sem Teil der Befragung seien keineswegs kürzer oder weniger präzise als
die vorangehenden Antworten, womit die Argumentation der Vorinstanz
entsprechend ins Leere laufe.
Schliesslich stelle die Vorinstanz in Frage, ob er nicht aus dem Dienst ent-
lassen oder suspendiert worden sei. Diese Aussage entbehre jeglicher
Grundlage: Er habe glaubhaft geltend gemacht, dass er für den (...) der
Armee einberufen worden sei, und zwar gegen seinen Willen und entgegen
entsprechender Ankündigung des Regimes, als Lehrer arbeiten zu können.
Dies sei von der Vorinstanz denn auch nicht in Frage gestellt worden.
Er gelte als Landesverräter und habe bei einer Rückkehr mit drastischen
Sanktionen, welche Leib, Leben und seine Freiheit ernsthaft gefährden
würden, zu rechnen. Die bereits erlittene Haft, deren Existenz auch von der
Vorinstanz nicht in Frage gestellt worden sei, bestätige, dass er keines-
wegs zu einer privilegierten Gesellschaftsgruppe, welche vor Sanktionen
des Regimes gefeit sei, gehöre.
5.3 Die Vorinstanz hielt in der Vernehmlassung fest, der Beschwerdeführer
sei nebst dem Hinweis auf seine Wahrheitspflicht und seine Mitwirkungs-
pflicht im Rahmen der Anhörung auf seine unterschiedliche Schilderung
der Desertion im Vergleich zu jener in der BzP hingewiesen worden. Er
habe aber dennoch an der Version festgehalten, die er zuvor in der Anhö-
rung erzählt habe. Zwischen der Anhörung und dem Asylentscheid seien
rund eineinhalb Jahre vergangen. In dieser Zeit habe der Beschwerdefüh-
rer trotz Mitwirkungspflicht keinerlei Versuch gemacht, auf seine angeblich
bewusst falsche Erzählung im Rahmen der Anhörung hinzuweisen und
stattdessen die angeblich richtige Version anzugeben. Die Vorinstanz stelle
seine Glaubwürdigkeit auch nicht im Allgemeinen in Frage, sondern ver-
neine nur die Glaubhaftigkeit derjenigen Aussagen, welche im Asylent-
scheid explizit (Desertion, illegale Ausreise) erwähnt worden seien. Seine
Aussagen in der BzP seien im Asylentscheid an keiner Stelle als nicht aus-
führlich bezeichnet worden und überdies im Asylentscheid nur im Rahmen
der Erörterungen zu den Widersprüchen der Schilderungen der Desertion
aufgeführt. Von den beiden unterschiedlichen Versionen dieser Schilde-
rung sei aber gemäss der Beschwerdeschrift gerade diejenige falsch, die
er in der Anhörung in seiner Muttersprache Bilen gemacht habe, während
die Schilderung in der in Tigrinya durchgeführten BzP der Version in der
Beschwerdeschrift zu entsprechen scheine.
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5.4 Der Beschwerdeführer wies in seiner Replik darauf hin, er sei bei der
Anhörung rechtlich nicht beraten gewesen. Folglich habe er sich auf Anra-
ten von anderen Geflüchteten zu Falschaussagen hinreissen lassen. Er
weise erneut darauf hin, dass die Vorinstanz ihm einzig einen Widerspruch
bei der Schilderung der Desertion vorwerfen könne und allein daraus auf
die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen schliesse. Entgegen den Ausfüh-
rungen der Vorinstanz seien die erlittenen unmenschlichen Sanktionen in
der Vergangenheit durchaus von erheblicher Bedeutung – so würden sie
insbesondere aufzeigen, dass er vor Verfolgung keineswegs gefeit sei und
bereits jetzt auf der «Black List» des Regimes aufgeführt sein dürfte. Ent-
gegen den Ausführungen der Vorinstanz komme der Würdigung der einge-
reichten Originaldokumente sehr wohl Relevanz zu: So würden die Doku-
mente in erster Linie bestätigen, dass seine Aussagen korrekt seien (z.B.
Ortsangaben, Daten) und würden demzufolge seine Glaubwürdigkeit wei-
ter bestärken.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als
erstellt, dass der Beschwerdeführer insgesamt (...) ([...] Monate im [...] [...]
wegen Flucht eines Gefangenen; [...] Wochen nach Begnadigung im Jahr
[...] wegen Flucht eines Gefangenen; ca. [...] Tage im Jahr [...] wegen ver-
späteter Rückkehr aus Ausgang; [...] bis [...] wegen Urlaubsverlängerung
und [...] Tage kurz vor seiner Ausreise wegen Essensabgabe an Gefange-
nen) inhaftiert wurde, zumal er seine Angaben übereinstimmend und sub-
stantiiert betreffend Haftdauer und -grund darlegt, weshalb auf die Akten
zu verweisen ist (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01f. und A18 F103 sowie F139f.).
Diese Sachverhaltsdarstellung wurde von der Vorinstanz auch nicht bestrit-
ten.
6.2 Indes hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausführlich
dargelegt, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers im zentralen
Punkt der angeblichen Desertion aus dem (...) und seiner illegalen Aus-
reise widersprüchlich, ungereimt und unsubstanziiert sind und damit insge-
samt den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
nicht genügen (vgl. dazu E. 5.1).
6.3 Der Beschwerdeführer räumt in der Beschwerdeschrift selber ein, dass
seine Aussagen in der BzP und in der Anhörung so widersprüchlich seien,
dass sie als nicht glaubhaft einzustufen seien. Sein Erklärungsversuch, er
habe aufgrund der (schlechten) Beratung durch Landsleute seine tatsäch-
lichen Fluchtgründe gegenüber der Vorinstanz nicht offengelegt, erweist
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sich nicht als überzeugend. Der Beschwerdeführer ist sowohl in der BzP
als auch anlässlich der Anhörung auf seine Wahrheits- und Mitwirkungs-
pflicht aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen worden, dass un-
wahre Angaben negative Konsequenzen für sein Asylgesuch haben könn-
ten. Zudem hat er, wie bereits festgehalten, nach der Rückübersetzung sei-
ner Aussagen unterschriftlich bestätigt, diese seien im Protokoll richtig wie-
dergegeben und entsprächen der Wahrheit (BzP) respektive das Protokoll
sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (Anhörung). Da-
rauf muss er sich behaften lassen.
Des Weiteren stellt der in der Rechtsmittelschrift als richtig dargestellte
Sachverhalt bloss eine weitere Version des bereits Geschilderten dar (vgl.
SEM act. A6 Ziff. 7.01): So habe sich der Beschwerdeführer während der
Verbüssung der (...) Haft anfangs (...) zur Flucht entschlossen, da er die
Haftbedingungen nicht mehr länger habe ertragen können. Dieses Vorha-
ben habe er mit seiner Frau besprochen und geplant, gemeinsam mit ihr
auszureisen. Nachdem er erneut in Haft gewesen und nach kurzer Zeit
wieder entlassen worden sei und Urlaub aus seinem (...) beantragt habe,
habe er zusammen mit seiner Frau das Land fluchtartig verlassen. Wie die
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht festhält, erscheint seine in
Tigrinya anlässlich der BzP ausgeführte Version derjenigen in der Be-
schwerdeschrift zu entsprechen – und gerade nicht die in seiner Mutter-
sprache Bilen gemachten Ausführungen an der Anhörung. Es gelingt dem
Beschwerdeführer durch seine Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe
jedenfalls nicht, die von der Vorinstanz angeführten Widersprüche aufzu-
lösen. Es bleibt auch nach Lektüre der Beschwerdeschrift unklar, was er
tatsächlich selbst erlebt hat und was er hinzugedichtet hat. Es ist aber nicht
Sache des Gerichts beziehungsweise der Vorinstanz, nach hypothetischen
Varianten zu suchen, was sich genau abgespielt haben könnte, nachdem
der Beschwerdeführer verschiedene Aussagemöglichkeiten dargelegt hat.
6.4 Schliesslich vermögen auch die eingereichten Beweismittel, welche le-
diglich die Identität des Beschwerdeführers und das Absolvieren einer (...)
belegen und von der Vorinstanz zurecht nicht bestritten werden, obige Ein-
schätzung nicht umzustossen.
6.5 Die Vorbringen in der Beschwerdeschrift vermögen insgesamt die von
der Vorinstanz als unglaubhaft erachtete Desertion aus dem (...) nicht in
einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Das Gericht schliesst sich der
Einschätzung der Vorinstanz an, dass der Beschwerdeführer keine Vor-
fluchtgründe im Sinne von Art. 3 AsylG hat aufzeigen können.
D-69/2019
Seite 14
7.
7.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer we-
gen seiner illegalen Ausreise aus Eritrea – mithin wegen subjektiver Nach-
fluchtgründe – bei einer Rückkehr dorthin befürchten müsste, ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
7.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss
Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). Als subjektive Nach-
fluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes
(sog. Republikflucht), das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland oder
exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfol-
gung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen un-
erlaubter Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die be-
züglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG dar-
stellen (vgl. BVGE 2009/29).
7.3 Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend
machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und
weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunfts-
staat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flücht-
linge gelten können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Ge-
setzgeber allerdings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt
der Geltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine
AsylG).
7.4 Mit Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 gelangte das
Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass im Kontext von Eritrea die
illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht
ausreicht. Vielmehr bedarf es hierzu zusätzlicher Anknüpfungspunkte, wel-
che die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als
missliebige Person erscheinen lassen und dadurch zu einer flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten.
7.5 Der Beschwerdeführer legte seine angeblich illegale Ausreise in mehr-
facher Hinsicht unstimmig und unsubstantiiert dar, wie die Vorinstanz zu-
treffend erkannt hat. So vermochte er trotz Nachfragen seine Ausreise, die
gemäss Anhörung eine geplante war (SEM act. A18 F187), gemäss BzP
indessen eine spontane (SEM act. A6 Ziff. 7.01), nicht näher darzulegen
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29
D-69/2019
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und verstrickte sich dabei in Widersprüche. Namentlich gab er unterschied-
liche Ausreisevarianten an. Bei der BzP führte er aus, er sei mit dem Bus
nach J._ gefahren (SEM act. A6 Ziff. 5.01), wogegen er bei der An-
hörung vorbrachte, er habe seine Frau in F._ getroffen, sei mit ihr
zusammen nach J._ gefahren (SEM act. A18 F166) und von dort
zu Fuss via K._ und L._ nach R._ gelangt. In der
Folge habe er – gemäss Anhörung zusammen mit seiner Frau – die Grenze
zum N._ überschritten (SEM act. A6 Ziff. 5.01; act. A18 F40f.). An
dieser Stelle fällt vorab ins Gewicht, dass er seine Frau bei den Darlegun-
gen seiner Ausreise an der BzP nicht erwähnte und sie erst im Zusammen-
hang mit dem Aufenthalt im N._ nannte. Auffallend ist ferner, dass
die Vorbringen zur Ausreise nicht den Eindruck vermitteln, als hätte der
Beschwerdeführer das von ihm Geschilderte persönlich erlebt. Er ver-
mochte keine konkreten, erlebnisgeprägten Angaben zur angeblich (...)
Tage lang dauernden Reise bis zur (...) Grenze zu machen. Auf Nachfrage
zu allfälligen Problemen bei der Ausreise gab er lediglich an, nachts gereist
zu sein, man habe nicht weit sehen können, weil es dunkel gewesen sei;
wenn sie irgendetwas bemerkt hätten, hätten sie sich versteckt (vgl. SEM
act. A18 F201). Bei einem Fussmarsch von mehreren Tagen wäre zu er-
warten, dass viel genauere Erinnerungen wie Äusserlichkeiten, persönli-
che Gedanken oder innere Vorgänge in seinem Gedächtnis geblieben wä-
ren. Darüber hinaus ist die angegebene Reiseroute – mit dem Bus von
I._ via F._ nach J._, von dort weiter zu Fuss über
K._, L._ und M._ nach O._ – nicht nachvoll-
ziehbar. Es erscheint völlig abwegig, dass der Beschwerdeführer für den
ersten Teil seiner Ausreise die öffentlichen Verkehrsmittel hätte benutzen
können, den zweiten – (...) Tage dauernden und damit äusserst mühsa-
men – Teil aber zu Fuss hätte zurücklegen sollen. Dies gilt umso mehr, als
der angegebene Fussweg einem regelrechten Zickzackkurs und deutli-
chen Umweg entspricht. Dies ist umso weniger nachvollziehbar, als der
Beschwerdeführer den Fussmarsch seinen Angaben zufolge nicht mit Hilfe
eines Schleppers zurückgelegt haben will, womit sich die Frage stellt, wie
er den Weg gefunden haben will. Dies ist umso erstaunlicher, als er in der
freien Erzählung auch dazu keine Angaben machte. Hinzu kommt, dass
seine Reise angeblich bei L._ vorbeigeführt hat. In L._, eine
Ortschaft, wenige Kilometer von E._ entfernt, befinden sich Planta-
gen, auf welchen Landwirtschaftsarbeiten für den eritreischen Staat ver-
richtet werden (vgl. [...], abgerufen am 25.06.2020). Es erscheint vor die-
sem Hintergrund geradezu lebensfremd, dass der Beschwerdeführer sich
bei seiner Ausreise – ohne ersichtliche Notwendigkeit – in die Nähe jenes
D-69/2019
Seite 16
Ortes begeben haben soll, wo er angeblich seine Militärausbildung absol-
viert hatte und infolge Protesten, nicht als (...) ausgehoben zu werden, in-
haftiert worden war. In einer Gesamtbetrachtung gelangt das Bundesver-
waltungsgericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer die angeblich
illegale Ausreise nicht in der geschilderten Form erlebt haben kann, und
diese demnach als unglaubhaft zu qualifizieren ist. Im Übrigen wären sel-
ber bei glaubhaft gemachter illegaler Ausreise keine Anknüpfungspunkte
im Sinne der Rechtsprechung ersichtlich, um von einem subjektiven Nach-
fluchtgrund auszugehen.
7.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer daher nicht gelun-
gen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG bezie-
hungsweise Art. 54 AsylG darzutun. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht
seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
D-69/2019
Seite 17
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden.
9.2.2 Die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage der Zulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs bei anstehender (erneuter) Einziehung in den erit-
reischen Nationaldienst ist vom Bundesverwaltungsgericht in einem
Grundsatzurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1). Das Gericht
hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im genannten Urteil sowohl
unter dem Gesichtspunkt des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK)
als auch unter jenem des Verbots der Folter und der unmenschlichen und
erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) geprüft.
Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren Quellen gelangte das
Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil in tatsächlicher Hinsicht
zum Ergebnis, dass die Bemessung der Dienstdauer und die Gewährung
von Urlauben im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson kaum vor-
hersehbar seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau
beziffern, auszugehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn
Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebens-
bedingungen gestalteten sich sowohl in der Grundausbildung als auch im
militärischen und im zivilen Nationaldienst schwierig. Darüber hinaus stellte
das Bundesverwaltungsgericht fest, dass es im eritreischen Nationaldienst
– insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen Nationaldienst
– zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen komme (vgl. zum Ganzen
BVGE 2018 VI/4 E. 6.1.5.2).
In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, Art. 4
Abs. 2 EMRK stehe dem Wegweisungsvollzug nur dann entgegen, wenn
das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung des Zwangsarbeitsver-
bots anzunehmen wäre. Der im eritreischen Nationaldienst effektiv zu be-
fürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine niedrig entlohnte Arbeit für
den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als unverhältnismässige Last zu
qualifizieren. Der Nachteil beraube jedoch Art. 4 Abs. 2 EMRK nicht seines
essenziellen Gehalts; insofern sei keine flagrante Verletzung anzunehmen.
Nicht erstellt sei zudem, dass die kolportierten Misshandlungen und sexu-
ellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede Nationaldienst-
leistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausge-
D-69/2019
Seite 18
setzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Auch insofern sei eine Ver-
letzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu verneinen (vgl. zum Ganzen BVGE
2018 VI/4 E. 6.1.5.2).
9.2.3 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) müsste der Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernst-
hafte Risiko ("real risk") nachweisen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse
Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06,
§§ 124-127 m.w.H.). Im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 führte das Bun-
desverwaltungsgericht diesbezüglich aus, dass keine hinreichenden Be-
lege dafür existieren, dass Misshandlungen und sexuellen Übergriffe im
Nationaldienst derart flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleis-
tende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre,
selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher kein ernsthaftes Ri-
siko einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den
eritreischen Nationaldienst (a.a.O., E. 6.1.6).
9.2.4 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer-
deschrift. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei-
nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor
schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation,
der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der
Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon-
flikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
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Seite 19
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende
individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.).
9.3.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen, gesunden
Mann mit verwandtschaftlichen Beziehungen (Eltern, [...] sowie [...] Onkel
[...] wohnen im Heimatdorf) und Arbeitserfahrungen als (...) und Repara-
turen von Radios. Seine Familie betreibt Landwirtschaft und hat Tiere, wo-
von sie gut habe leben können (vgl. SEM act. A18 F65 f.). Es ist deshalb
davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr – trotz der mehrjährigen
Landesabwesenheit – mit Unterstützung seiner Angehörigen eine gesi-
cherte Wohnsituation und Möglichkeiten zur Wiedereingliederung vorfin-
den wird; dies gilt umso mehr, als seine Familie auch einen Teil seiner
Reise vom Sudan in die Schweiz zu finanzieren vermochte (vgl. SEM
act. A18 F195).
9.3.3 Der Grad der Integration bildet grundsätzlich kein Kriterium für die
Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von
Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). Die Beurteilung einer Här-
tefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne von Art. 14 Abs.
2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden
(vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). Auf die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Integrationsbemühungen ist deshalb nicht näher einzugehen.
9.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar. Auch der Umstand eines etwaigen Einzugs in den National-
dienst vermag die Unzumutbarkeit nicht zu begründen (vgl. BVGE 2018
VI/4 E. 6.2.4).
9.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückfüh-
rung nach Eritrea zwar derzeit generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit
der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der
Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG
entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 20
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Zwischenverfügung vom 10. Januar 2019 das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis-
sen und es ist den Akten nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
zwischenzeitlich nicht mehr bedürftig wäre, weshalb keine Verfahrenskos-
ten aufzuerlegen sind.
(Dispositiv nächste Seite)
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