Decision ID: e5c4240a-a476-5e87-b79e-dde347636a2f
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 10. August 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 14. April 2015 erhob das SEM seine Personalien und be-
fragte ihn zum Reiseweg (sogenannte Befragung zur Person; BzP). Am
11. April 2017 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei erklärte der Beschwerdeführer – ein eritreischer Staatsangehöriger
tigrinischer Ethnie aus Asmara – unter anderem, er habe ab 2006 seinen
Grundwehrdienst in Sawa geleistet. Ab 2007 bis zu seiner Ausreise im
März 2013 habe er in Asmara für die (...) in der (...) als Fahrer gearbeitet.
Zu seiner Person gab er ferner zu Protokoll, er habe seine spätere Ehefrau
in der Schule kennen gelernt. Ihre Beziehung hätten sie 2010 angefangen.
Sie habe im Stadtteil C._ in Asmara gelebt. Wenn er Zeit gehabt
hätte, sei er zu ihr gegangen. Er sei in Asmara stationiert gewesen und am
Sonntag seien die meisten Vorgesetzten im Urlaub gewesen. Auch an Fei-
ertagen habe er sie besuchen können. Der Vater von B._ heisse
D._ und ihre Mutter E._. Sie habe die Schule nach Ab-
schluss der elften Klasse abgebrochen und sei nicht nach Sawa gegangen.
Er habe sich mit ihr vor seiner Ausreise besprochen. Es habe ihr nicht ge-
fallen, aber sie habe nichts dagegen unternehmen können, da sie auch
gesehen habe, wie die Umstände seien. Er sei alleine ausgereist, weil die
Flucht mit vielen Gefahren verbunden gewesen wäre. Zudem habe er nicht
genügend finanzielle Mittel für beide gehabt. Sie sei im September 2015
aus Eritrea ausgereist und halte sich momentan in F._ auf. Sie hät-
ten nicht in Eritrea geheiratet, da es die Umstände nicht zugelassen hätten.
Er sei immer im Militär gewesen und habe weder finanzielle Mittel noch Zeit
gehabt, eine Ehe zu führen. Heute hätten sie telefonischen Kontakt und sie
seien immer noch in einer Beziehung.
Im März 2013 sei der Beschwerdeführer aus Eritrea geflohen, weil er sich
auf der Arbeit stark unter Druck gefühlt habe. Er habe keine Freiheit gehabt
und habe sein Leben nicht selber bestimmen können. Er habe keine Zeit
für seine Familie und seine Freundin gehabt und auch keine Hoffnung auf
eine Verbesserung seiner Lage. Im Jahr 2009 sei er wegen unerlaubten
Fernbleibens vom Dienst für acht Monate in G._ inhaftiert gewesen
und zu zwei Monaten Arbeitsstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2012 seien
viele Personen mit gesundheitlichen Beschwerden auf Antrag aus dem
Dienst entlassen worden. Da er selber an Gastritis gelitten habe, habe er
auch versucht eine Entlassung aus dem Dienst zu erhalten. Jedoch sei das
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Dossier mit seinem Antrag von seinem Vorgesetzten nicht weitergeleitet
worden, obwohl er medizinische Dokumente habe vorweisen können.
Schlussendlich sei er mit Hilfe eines Schleppers über Barentu, den Gash
Fluss, Tesseney und Gulij in den Sudan ausgereist. Nach einem Aufenthalt
von ca. zweieinhalb Jahren im Sudan sei er via Libyen und Italien am
9. August 2015 in die Schweiz eingereist.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen seines Asylverfahrens eine Ko-
pie seines eritreischen Führerscheins, diverse medizinische Dokumente
des Verteidigungsministeriums (im Original), vier Fotos seiner militärischen
Ausbildung in Sawa, eine Zulassungskarte für die Abschlussprüfung in
Sawa von 2007 ([...], im Original) seine eritreische Identitätskarte (ausge-
stellt in Asmara, [...], im Original) ein (vgl. SEM-Akte A17; Beweismittelku-
vert).
A.b Mit Verfügung vom 19. April 2017 hiess das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers gut und gewährte ihm in der Schweiz Asyl.
B.
B.a Mit Eingabe vom 17. Oktober 2017 stellte der Beschwerdeführer beim
SEM ein Gesuch um Familienzusammenführung mit seiner in Uganda le-
benden eritreischen Ehefrau. Sie hätten bereits in Eritrea drei Jahre zu-
sammen gewohnt. Am 5. August 2017 hätten sie in H._ (Uganda)
geheiratet. Aufgrund der Umstände in seinem Heimatstaat sei eine Heirat
nicht möglich gewesen. Sie hätten dort jedoch in einer eheähnlichen Ge-
meinschaft gelebt. Diese Gemeinschaft sei aufgrund der Flucht von ihm
getrennt worden. Eine Rückkehr nach Eritrea sei aufgrund der Situation
weder für ihn noch für seine Frau möglich. Ein Zusammenleben sei zurzeit
nur in der Schweiz möglich. Dabei reichte er zwei Passfotos von sich und
seiner Ehefrau, eine Kopie der Geburtsurkunde seiner Ehefrau sowie ein
Asylgesuch vom 27. Juli 2017 seiner Ehefrau in Uganda zu den Akten.
B.b Am 26. Oktober 2017 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer
zur Einreichung von verschiedenen Dokumenten auf und stellte ihm ver-
schiedene Fragen im Zusammenhang zu seinem Gesuch um Familienzu-
sammenführung.
B.c Mit Schreiben vom 13. November 2017 beantwortete der Beschwerde-
führer die Fragen der Vorinstanz und reichte die gewünschten Dokumente
ein. Er habe seit 2010 eine Beziehung zu seiner Frau geführt. Sie hätten
sich in der Schule kennen gelernt. Sie hätten in Asmara, C._ (...)
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zusammengelebt. Damals sei er im Militärdienst in der Umgebung von As-
mara stationiert gewesen. Ausserhalb der Diensttage während den Wo-
chenenden, Feiertagen und in den Ferien habe er mit seiner Frau im glei-
chen Haushalt gelebt. Im Sommer 2017 habe er seine Frau das letzte Mal
gesehen. Seit er im März 2013 Eritrea verlassen habe, habe er seine Frau
mindestens einmal pro Woche kontaktiert. Momentan sei der Kontakt sehr
intensiv. Das Internet habe es ihnen erleichtert, den Kontakt zu stärken.
Seine Frau habe Eritrea 2015 illegal in den Sudan verlassen. Der letzte
Wohnsitz seiner Frau sei in Asmara, C._ (...) gewesen. An dieser
Wohnadresse habe seine Frau seit seiner Ausreise alleine gewohnt. Die-
sem Schreiben legte der Beschwerdeführer die Heiratsurkunde Nr. (...) von
(...) (im Original), eine Kopie der Geburtsurkunde seiner Ehefrau, ein Foto
von der Hochzeitszeremonie und ein Foto des Zusammenlebens in As-
mara, eine Kopie der Wohnsitzbestätigung vom 21. August 2009 seiner
Ehefrau in Asmara sowie eine Kopie des Mietvertrags vom 1. Januar 2013
bis 30. Dezember 2013, ausgestellt auf seine Ehefrau, zu den Akten (vgl.
SEM-Akte B4; Beweismittelkuvert).
B.d Am 13. Dezember 2017 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer
zur Einreichung von weiteren Beweismitteln auf und stellte ihm weitere Fra-
gen zum Gesuch um Familienzusammenführung.
B.e Mit Schreiben vom 26. Dezember 2017 teilte der Beschwerdeführer
mit, er könne die Identitätskarte seiner Ehefrau nicht einreichen, da sie jene
bei ihrer Ankunft in I._ (Sudan) bei der Polizei habe abgeben müs-
sen. Ihre Identitätskarte sei im Juli 2005 in Asmara ausgestellt worden und
trage die Nummer (...). Einen Pass habe sie keinen. Er habe alle Fotos,
welche er besitze, eingereicht. Damals sei er ein Soldat gewesen, und
habe sich keine Fotokamera leisten können. Die einzige Möglichkeit sei
gewesen in ein Fotostudio zu gehen und dort fotografiert zu werden. Die-
sem Schreiben legte er einen Liebesbrief von 2013 sowie einen USB-Stick
mit Whatsapp- und Viber-Chats von 2015 bis 2017 zu den Akten (vgl. SEM-
Akte B4; Beweismittelkuvert).
C.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2018 bewilligte das SEM die Einreise der
Ehefrau in die Schweiz nicht und lehnte das Gesuch um Familienzusam-
menführung ab.
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 6. Februar 2018
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(Datum des Poststempels: 7. Februar 2018) Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Dabei beantragt er, die Verfügung der Vorinstanz vom
11. Januar 2018 sei aufzuheben, seiner Partnerin sei die Einreise in die
Schweiz zu bewilligen, sie sei in seine Flüchtlingseigenschaft einzubezie-
hen und ihr sei Familienasyl zu gewähren. Eventualiter sei das Verfahren
zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Weiteren
beantragt er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, ihm
sei eine amtliche Rechtsvertretung beizuordnen und von der Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses abzusehen. Seiner Beschwerde legte er eine auf
seine Person ausgestellte Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung des Sozial-
diensts Luzern vom 6. Februar 2018 bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Februar 2018 wies die zuständige Instruk-
tionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab, dem Gesuch um Erlass der
Verfahrenskosten wurde entsprochen und auf das Erheben eines Kosten-
vorschusses wurde verzichtet. Gleichzeitig lud das Gericht die Vorinstanz
zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 1. März 2018 fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten,
weshalb vollumfänglich an den Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung festgehalten werde.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht lud den Beschwerdeführer am 5. März
2018 zur Einreichung einer Replik ein.
H.
Am 19. März 2018 reichte der Beschwerdeführer seine Replik ein und legte
diesem Schreiben ein Foto seiner Ehefrau bei.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Familienasyl).
Wurden die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt
und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu
bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG).
3.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt
eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der Familie durch
die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz
voraus (vgl. BVGE 2012/32 E. 5).
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3.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
miliengemeinschaft, die vorbestandene Familiengemeinschaft, die Famili-
entrennung durch die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereini-
gung beider Anspruchsberechtigten nachzuweisen oder zumindest glaub-
haft zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3).
4.
4.1 Das SEM führt zur Begründung der Ablehnung des Familienzusam-
menführungsgesuchs aus, den Aussagen des Beschwerdeführers, die er
im Laufe seines Asylverfahrens gemacht habe, könne nicht entnommen
werden, dass er vor seiner Flucht mit seiner Ehefrau in einer eheähnlichen
Gemeinschaft gelebt habe. So habe er anlässlich der BzP zu Protokoll ge-
geben, er sei ledig und er habe ausser seinen Eltern und Geschwistern
keine weiteren Bezugspersonen in Eritrea. Spätestens hier sei zu erwarten
gewesen, dass man jemanden, mit dem man zusammengelebt habe, er-
wähnen würde. Während der Anhörung habe er geltend gemacht, er habe
offiziell bei seinen Eltern in Asmara gewohnt, jedoch habe er die meiste
Zeit im Militär verbracht. Nur wenn er Zeit gehabt habe, sei er zu seiner
Freundin gegangen. Diese habe zusammen mit ihrer Schwester in
C._, Asmara gelebt. Diese Beschreibung entspreche nicht einem
ehelichen Zusammenleben und weiche von der Beschreibung des Zusam-
menlebens mit seiner Partnerin anlässlich des Gesuchs um Familienzu-
sammenführung ab. Weder die eritreische Heiratsurkunde stelle einen Be-
leg für ein gemeinsames Zusammenleben in Eritrea dar noch die anderen
eingereichten Beweismittel. Auf dem eingereichten Wohnungsvertrag sei
sein Name nicht zu finden. Bei den eingereichten Fotos sei nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb er sein Leben im Militär mit Fotos habe dokumentieren
können, hingegen sein Zusammenleben mit seiner Partnerin nicht. Auch
der Liebesbrief und die Chatauszüge würden sich nicht als geeignet erwei-
sen, ein gemeinsames Zusammenleben vor seiner Ausreise im März 2013
zu belegen, da sie erst nach seiner Ausreise aus Eritrea entstanden seien.
Es sei nicht nachvollziehbar, dass er in Khartoum (Sudan) nicht die Aus-
reise seiner Frau von Eritrea in den Sudan habe abwarten können. Auch
überrasche es, dass er die illegale Ausreise aus Eritrea nicht mit seiner
Partnerin gewagt habe. Durch diese Art der gelebten Beziehung sei eine
Unentbehrlichkeit der angeblich eheähnlichen Gemeinschaft zum damali-
gen Zeitpunkt nicht erkennbar, was die Zweifel am geltend gemachten ge-
meinsamen Zusammenleben sowie der Trennung desselben durch die
Flucht bestätige. Aus dem Gesagten folge, dass er vor seiner Ausreise aus
Eritrea mit seiner Ehefrau nicht in einem gemeinsamen Haushalt gelebt
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und keine Familiengemeinschaft gebildet habe, weshalb die Voraussetzun-
gen für die Gewährung von Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 1 i.V.m.
Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt seien.
4.2
4.2.1 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Beiden
hätten bereits in Eritrea eine Beziehung geführt. Sie würden sich seit ihrer
Kindheit kennen und als er 17 Jahre alt gewesen sei, habe er gewusst,
dass sie seine Ehefrau werden solle. Sie hätten eine mehrjährige Liebes-
beziehung geführt, bevor er zur Flucht gezwungen und damit von ihr ge-
trennt worden sei. Seine Ehefrau habe zuerst mit ihrer Schwester gelebt,
doch als diese geheiratet habe, sei es ihr gemeinsames Zuhause gewor-
den.
4.2.2 Seit er Eritrea verlassen habe, würden sie in regelmässigem telefo-
nischem Kontakt stehen. Er habe seine Partnerin, sobald er seinen positi-
ven Asylbescheid und damit einen Reisepass erhalten habe, im August
2017 in Uganda besucht und dort geheiratet. Aus dem persönlichen Kon-
takt sei ihr erstes gemeinsames Kind entstanden. Ihre (damals) siebenjäh-
rige Beziehung und damit ihr Familienleben hätten sie somit nie aufgege-
ben.
4.2.3 Auf seinem Personalienblatt vom 10. August 2015 habe er bei sei-
nem Zivilstand „ledig“ sowie „andere“ angekreuzt, womit er seine Bezie-
hung zu seiner Partnerin bereits im Empfangs- und Verfahrenszentrum
kundgetan habe. Die BzP vom 14. August 2015 sei stark verkürzt gewesen
und habe lediglich 40 Minuten gedauert. Es seien ihm – ausser zum Zivil-
stand – keine Fragen zu seinem Beziehungsstatus gestellt worden.
4.2.4 Eine räumliche Trennung im Heimatland stehe dem Recht auf Art. 8
EMRK sowie Art. 14 BV nicht entgegen, insbesondere dann nicht, wenn
die Gegebenheiten, namentlich der zwangsweise Militärdienst eine tat-
sächlich freie und gelebte Partnerschaft nicht zulassen würden. Er habe
direkt nach dem Erhalt der Aufenthaltsbewilligung ein Gesuch um Famili-
enzusammenführung eingereicht, alle Fragen der Vorinstanz fristgerecht
beantwortet und ernsthafte Bemühungen unternommen, um Beweismittel
einzureichen.
4.2.5 Es könne ihm nicht vorgehalten werden, er habe seine Partnerin in
der Anhörung erst bei Frage 104 erwähnt. Bei den Einstiegsfragen sei er
explizit über seine Eltern und Geschwister befragt worden und sobald er
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über sein Zuhause befragt worden sei, habe er seine Partnerin erwähnt.
Vorher habe er keine Gelegenheit dazu erhalten. Dass er bei der Frage,
mit wem er zusammengelebt habe, seine Partnerin erwähnt habe, berück-
sichtige die Vorinstanz in keiner Weise.
4.2.6 Als letzte Adresse in Eritrea habe er diejenige seiner Eltern angege-
ben, da er seit seiner Kindheit dort registriert gewesen sei und direkt nach
der Schule beziehungsweise Sawa in den Militärdienst eingerückt sei.
Seine offizielle Wohnadresse habe er nicht unproblematisch wechseln kön-
nen, da er nicht mit seiner Partnerin verheiratet gewesen sei. Bei der BzP
sei er nach der offiziellen und nicht nach der tatsächlichen Adresse gefragt
worden, darum habe er diejenige seiner Eltern angegeben. Tatsächlich
habe er mit seiner Partnerin in ihrer Mietwohnung gewohnt.
5.
5.1 Die Einreisebewilligung zwecks Gewährung des Familienasyls wird
denjenigen Familienmitgliedern erteilt, die mit dem in der Schweiz als
Flüchtling anerkannten und asylberechtigten Mitglied in einer Familienge-
meinschaft gelebt haben, welche durch die Flucht desselben getrennt
wurde. Die Einreisebewilligung dient demnach der Wiederherstellung von
Familiengemeinschaften, die durch die Flucht getrennt wurden, hingegen
nicht der Aufnahme von neuen oder der Wiederaufnahme von beendeten
Beziehungen (vgl. BVGE 2012 E. 5.2 und 5.4, insbes. 5.4.2).
Das Bundesverwaltungsgericht geht bei Familien, die bereits vor der Aus-
reise des asylberechtigten Mitglieds im Heimatstaat getrennt lebten, gleich-
wohl von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft aus, wenn
zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorgelegen haben
(vgl. Urteile des BVGer D-3664/2016 vom 14. Dezember 2018 E. 5.2 [zur
Publikation vorgesehen] und D-982/2016 vom 10. September 2018
E. 5.2.1).
5.2
5.2.1 Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Erit-
rea mit seiner Lebenspartnerin nicht verheiratet. Von einem gefestigten
Konkubinat ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auszugehen,
wenn eine auf längere Zeit, wenn nicht auf Dauer angelegte umfassende
Lebensgemeinschaft zweier Personen mit Ausschliesslichkeitscharakter
vorliegt, welche sowohl eine geistig-seelische als auch eine wirtschaftliche
Komponente aufweist (vgl. BGE 140 V 50 E. 5.4.3; 138 III 97 E. 2.3.3). Im
Rahmen seiner Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK hielt das Bundesgericht
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fest, ein Konkubinatspaar könne aus dieser Bestimmung einen Anspruch
auf Erteilung einer Bewilligung ableiten, wenn die Beziehung bezüglich Art
und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleichkomme. Dabei sei wesent-
lich, ob die Partner in einem gemeinsamen Haushalt lebten; zudem sei der
Natur und Dauer ihrer Beziehung sowie ihrem Interesse und ihrer Bindung
aneinander, etwa durch Kinder oder andere Umstände wie Übernahme ge-
genseitiger Verantwortung Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BGer
2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.1 m.w.H.). Das Bundesgericht erach-
tete namentlich ein Zusammenleben von drei respektive vier Jahren für
sich allein noch nicht als ausreichend, um einen entsprechenden Anspruch
zu begründen (vgl. Urteile des BGer 2C_1194/2012 vom 31. Mai 2013 E. 4
m.w.H.; 2C_1035/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 5.2).
5.2.2 Vorliegend sagte der Beschwerdeführer aus, dass er in Eritrea offizi-
ell noch bei seiner Familie gelebt habe und, wenn er Zeit gehabt habe, sei
er zu seiner Freundin gegangen (SEM-Akte A18, F104). Auf die Frage, ob
die beiden jemals zusammengelebt hätten, antwortete er, dass sie mit ihrer
Schwester zusammengelebt habe und wenn er Zeit gehabt habe, sei er zu
ihr gegangen (SEM-Akte A18, F111). Bereits hier stellt sich die Frage, ob
angesichts seiner Aussagen von einem gemeinsamen Haushalt zwischen
dem Beschwerdeführer und seiner Freundin ausgegangen werden kann.
Offensichtlich spricht er davon, dass er offiziell bei seiner Familie gelebt
habe, er seine Freundin besucht habe und dass seine Freundin mit ihrer
Schwester zusammengelebt habe. Er erwähnt, dass er «zu ihr» gegangen
sei und in der Anhörung ist an keiner Stelle von einem gemeinsamen Haus-
halt die Rede. Seinem Familienzusammenführungsgesuch legte der Be-
schwerdeführer eine Kopie eines Mietvertrags bei, welcher bestätige, dass
Frau B._ vom 1. Januar 2013 bis am 30. Dezember 2013 in
C._ in Asmara gelebt habe. Für die Jahre 2010 bis 2013 konnte der
Beschwerdeführer keine weiteren Belege einreichen. Zumal für die besag-
ten circa drei Jahre des Zusammenlebens von 2010 bis 2013 kein Mietver-
trag eingereicht wurde, gilt festzuhalten, dass nur ihr Name auf dem einge-
reichten Mietvertrag steht und somit offiziell nur sie alleine dort gewohnt
hat. Einen gemeinsamen Haushalt konnte mit diesem Dokument nicht
nachgewiesen werden. Ob es sich hierbei um eine Beziehung handelt, die
bezüglich Art und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleichkommt, darf
stark bezweifelt werden.
5.2.3 Auf die Frage, weshalb sie nicht geheiratet hätten, gab er an, dass
es die Umstände nicht zugelassen hätten. Er sei immer im Militär gewesen
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und er habe keine finanziellen Mittel und Zeit gehabt, um eine Ehe zu füh-
ren (SEM-Akte A18, F123). Dabei gilt zu erwähnen, dass der Beschwerde-
führer nach seinen Angaben während drei Jahren in Asmara stationiert ge-
wesen sei, also unweit seiner Freundin. Bei vergleichbaren Fällen konnte
wiederholt beobachtet werden, dass andere Paare auch während der Mili-
tärdienstzeit geheiratet haben. Bei seinen Ausführungen, warum er nicht
geheiratet habe, konnte er nicht schlüssig darlegen, welches seine Hinder-
nisse gewesen sein sollen. Zwar holten die beiden am 5. August 2017 ihre
Hochzeit in Uganda nach, aus der eingereichten Urkunde konnten sie je-
doch nichts für ihre Zeit vor der Ausreise ableiten. Die Eheschliessung fand
erst nach der Flucht statt.
5.2.4 In der unter 5.2.1 erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
werden als weitere Kriterien der Bindung zwischen dem Konkubinatspaar
Kinder oder andere Umstände wie die Übernahme gegenseitiger Verant-
wortung erwähnt. Kinder haben die beiden keine. Der eingereichte Miet-
vertrag erwähnt nur Frau B._ als Mieterin. Für eine weiteren gegen-
seitige Verantwortung zu jener Zeit können vorliegend keine Anhaltspunkte
entnommen werden.
5.2.5 In der Beschwerdeschrift dürfte zurecht ausgeführt worden sein, es
könne ihm nicht vorgehalten werden, dass er seine Partnerin in der Anhö-
rung erst bei Frage 104 erwähnt habe. Es dürfte ihm tatsächlich vorher
keine Gelegenheit dazu geboten worden sein, über seine Partnerin zu er-
zählen. Der Umstand, dass die beiden in regelmässigem Kontakt stehen
und die Beziehung aufrecht erhalten wurde, werden auch von der Vo-
rinstanz nicht bestritten. Der Beschwerdeführer hat sich zudem relativ zeit-
nah nach dem Erhalt seines positiven Asylentscheids um das Gesuch zur
Familienzusammenführung bemüht. Diese Umstände ändern aber nichts
am Fehlen einer vorbestandenen ehelichen oder eheähnlichen (Art. 1a
Bst. e AsylV1) Vereinigung.
5.2.6 Nach Abwägung der Argumente kann zusammenfassend festgehal-
ten werden, dass vor der Ausreise aus Eritrea keine gelebte Familienge-
meinschaft beziehungsweise kein gemeinsamer Haushalt zwischen dem
Beschwerdeführer und B._ bestanden hat. Übereinstimmend mit
der Vorinstanz ist festzustellen, dass vorliegend die Voraussetzung von
Art. 51 Abs. 4 AsylG der durch die Flucht getrennten Familiengemeinschaft
nicht erfüllt ist. Es erübrigt sich deshalb auf die eingereichten weiteren Do-
kumente weiter einzugehen.
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5.2.7 Sind die Voraussetzungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51
AsylG nicht erfüllt, findet Art. 8 EMRK im Übrigen keine ergänzende An-
wendung. Dem Beschwerdeführer bleibt es jedoch unbenommen, bei den
dafür zuständigen kantonalen Migrationsbehörden ein Gesuch um Famili-
ennachzug gestützt auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2002 Nr. 6, EMARK 2006 Nr. 8).
6.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM das Gesuch um Familien-
zusammenführung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG zu Recht ab-
gelehnt und der im Ausland wohnhaften B._ die Einreise in die
Schweiz folgerichtig verweigert hat. Die angefochtene Verfügung verletzt
Bundesrecht nicht, stellt den Sachverhalt richtig und vollständig fest. Die
Beschwerde ist demnach abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Verfügung der
damaligen Instruktionsrichterin vom 22. Februar 2018 das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass
sich seine finanzielle Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist auf
die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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