Decision ID: de7da405-470f-448c-b706-0b6266402a12
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren am 2. Juli 2013, leidet an verschiedenen Geburts
gebrechen gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
), so an Ziff. 313 (angeborene Herz- und Gefässmissbildungen), Ziff. 344 (
Hydronephrosis
congenita
) sowie Ziff. 395 (leichte zerebrale Bewegungsstörungen).
Am 19. März 2013 meldete ihre Mutter sie bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1 und Urk. 8/11).
Mit Verfügungen vom 14. März 2014 (Urk. 8/17), 17. März 2014 (Urk. 8/18), 18. März 2014 (Urk. 8/15) und 19. März 2014 (Urk. 8/16) leistete die Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen
im Zusammenhang mit den
Ge
burtsgebrechen
. M
it durch Urteil des Gerichts vom 13. Oktober 2015 (Prozess Nr. IV.2014.00747
, Urk. 8/44
) bestätigter Verfügung vom 25. Juni 2014 über
nahm die IV-Stelle Kosten der
Kinderspitex
(Urk. 8/34). Am
2. Dezember 2014 leistete sie Kostengutsprache für ambulante Physiotherapie
(Urk. 8/43)
.
1.2
Am 8. Mai 2017 meldete
Dr.
med.
Z._
, Leiterin pädiatri
sche Endokrinologie/Diabetologie, dass bei der Versicherten auch das Geburtsge
brechen gemäss Ziff. 462
GgV
-Anhang
(angeborene St
örung der
hypothala
mohypophysären
Funktion
) vorliege
(Urk. 8/45)
. Mit Vorbescheid vom 18. Au
gust 2017 stellte die IV-Stelle der Mutter der Versicherten in Aussicht, keine Kos
tengutsprache für medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit diesem Ge
burtsgebrechen zu leisten (Urk. 8/49).
Mit Einwand vom 7. September 2017 be
antragte die
se
, es seien die Kosten für die Therapie mit Wachstumshormonen zu übernehmen (Urk. 8/51). Hierbei wurde sie durch Dr.
Z._
(Schrei
ben vom 26. September 2017,
Urk.
8/53) unterstützt. Mit Verfügung vom 16. Ok
tober 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um Kostengutsprache für medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 462 gemäss Anhang
GgV
ab (Urk. 8/56
=
Urk.
2
).
2.
Gegen die Verfügung vom 16. Oktober 2017 (Urk. 8/56
=
Urk. 2) erhob die Mutter der Versicherten bei der IV-Stelle Beschwerde (Urk. 1/1-2), welche am
25. Januar 2018 zuständigkeitshalber an das Gericht überwiesen wurde (Urk. 4). Mit Be
schwerdeantwort vom 13. Februar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Replik vom 15. Juni 2018 (Urk. 17) beziehungsweise Duplik vom 2. August 2018 (Urk. 20) hielten die Parteien an ihren Rechtsbegeh
ren fest, was ihnen gegenseitig zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 19,
Urk.
22).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen ge
währt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von ge
ringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpas
sen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung ins
gesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.2
Versicherte haben gemäss
Art.
12 IVG bis zum vollendeten 20. Altersjahr An
spruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fä
higkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu ver
bessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (
Abs.
1).
Der Bundesrat ist befugt, die Massnahmen gemäss
Abs.
1 von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, abzugrenzen. Er kann zu diesem Zweck insbesondere die von der Versicherung zu gewährenden Massnahmen nach Art und Umfang näher umschreiben und Beginn und Dauer des Anspruchs regeln (
Abs.
2)
1.3
Die Leistungspflicht der Invalidenversicherung bei medizinischen Massnahmen im Allgemeinen (
Art.
12 IVG) und bei Geburtsgebrechen (
Art.
13 IVG) im Beson
deren setzt u.a. voraus, dass die Massnahmen nach bewährter Erkenntnis der me
dizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in ein
facher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
1 IVV und
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
Nach der Rechtsprechung gilt eine Behandlungsart dann als bewährter Er
kenntnis der medizinischen Wissenschaft entsprechend, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist. Das Schwergewicht liegt auf der Erfahrung und dem Erfolg im Bereich einer be
stimmten Therapie. Die für den Bereich der Krankenpflege entwickelte Definition der Wissenschaftlichkeit findet prinzipiell auch auf die medizinischen Eingliede
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung Anwendung. Eine Vorkehr, die mangels Wissenschaftlichkeit nicht durch die obligatorische Krankenpflegeversi
cherung zu übernehmen ist, kann grundsätzlich auch nicht als medizinische Mas
snahme nach
Art.
12 oder 13 IVG zu Lasten der Invalidenversicherung gehen. Die in diesem Sinn lautende, zum KUVG ergangene Rechtsprechung ist unter der Herrschaft des seit 1. Januar 1996 geltenden KVG weiterhin anwendbar. Medizi
nische Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (
Art.
12 und 13 IVG) sowie Analysen und Arzneimittel (
Art.
4
bis
IVV) werden somit nur unter der Voraussetzung gewährt, dass sie wissenschaftlich anerkannt sind. Auch in der Invalidenversicherung gilt das fundamentale Prinzip der wissenschaftlich nach
gewiesenen Wirksamkeit (vgl. dazu BGE 129 V 167 E. 3.2 mit Hinweisen), das heisst der wissenschaftlichen Anerkennung (BGE 125 V 21 E. 5a in
fine
, 123 V 53 E. 2b/cc; Urteil des Bundesgerichts I 519/03 vom 1
1.
Dezember 2003 E. 5.1; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts I 19/03 vom 2
9.
Januar 2004 E. 2.4). Die Beurteilung der Wirksamkeit hat aufgrund einer vom einzelnen Anwendungsfall losgelösten retrospektiven allgemeinen Bewertung der mit einer diagnostischen oder therapeutischen Massnahme erfahrungsgemäss erzielten Ergebnisse zu er
folgen (BGE 125 V 21 E. 5a in
fine
, 123 V 53 E. 2b/cc; vgl. auch BGE 133 V 115 E. 3.2.1; AHI 2001 S. 76 f. E. 1b je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 601/06 vom 12. März 2008 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.4
Der Leistungsanspruch bei Geburtsgebrechen gemäss
Art.
13 IVG besteht - anders als nach der allgemeinen Bestimmung des
Art.
12 IVG - unabhängig von der Möglichkeit einer späteren Eingliederung in das Erwerbsleben oder in den Auf
gabenbereich (
Art.
8
Abs.
2 IVG). Eingliederungszweck ist die Behebung oder Milderung der als Folge eines Geburtsgebrechens eingetretenen Beeinträchtigung (BGE 115 V 202 E. 4e/cc S. 205; SVR 2003 IV Nr. 12 S. 35 E. 1.2, Nr. 16 S. 48 E. 2.3).
1.5
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit ei
nes bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Gesche
hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hin
weisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf Übernahme der Kosten einer Therapie mit Wachstumshormonen
mit der Begründung
(Urk. 2)
,
es sei aus versi
cherungsmedizinischer Sicht kein Wachstumshormonmangel ausgewiesen. Die Grenzwerte von 7 bzw. 8
ug
/L (= 7 bzw. 8
ng
/ml) seien nicht in zwei Tests ein
gehalten beziehungsweise unterschritten worden (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort führte sie aus (Urk. 7), das Geburtsgebrechen sei medizinisch nicht ausgewiesen. Der Umstand, dass die Versicherte erkennbare gesundheitliche Probleme mit dem Wachstum habe, vermöge daran nicht
s
zu ändern, zumal es aus medizinischer Sicht mannigfaltige andere Gründe für die vorhandene gesundheitliche Proble
matik gebe.
Daran hielt sie mit Du
plik fest (Urk. 20).
2.2
Dagegen wandte die Mutter der Versicherten
in der Beschwerde
ein (Urk. 1
/1
), in der Schweiz gelte ein Grenzwert von 10
ng
/ml, und nicht von 7 bis 8ng/ml.
Mit Replik (Urk. 17) brachte sie zusammenfassend vor, d
ie Beschwerdegegnerin habe sich
auf eine interne medizinische Stellungnahme gestützt, die einerseits den vor
liegenden medizinischen Sachverhalt unvollständig würdige und andererseits in verschiedener Hinsicht von falschen medizinischen Annahmen ausgehe
(
S. 3 Ziff. 6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Versicherten auf medizinische Ein
gliederungsmassnahmen in For
m einer Wachstumshormontherapie
.
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
Z._
, Oberä
r
z
t
in der
Kinderendokrinologie/-
dia
betologie
am
A._
,
diagnostizierte im
Bericht vom 24. Mai 2017
(Urk. 8/47) einen partiellen Wachstumshormonmangel (Ziff. 1.1) und nannte das Geburtsgebrechen Ziff. 462 gemäss
GgV
-Anhang (Ziff. 1.3). Die Ver
sicherte benötige eine Wachstumshormonsubstitution (Ziff. 1.6).
Seit dem vierten Lebensmonat wachse die Versicherte unter
der dritten Perzentile
(P3) und falle zunehmend von dieser ab. Sie sei zudem muskulär eher schwach im Vergleich zu ihren Altersgenossen
(
Ziff.
2.3)
. Das 3 Jahre und 10 Monate alte Mädchen habe eine Grösse von 88.1 cm (6 cm <
P3) und ein Gewicht von 11.9 kg (1 kg
<
P3). Sie
habe
einen eher hypotonen Rumpf, ein deutlich ausladendes Ab
domen und feine Extremitäten
. Die Stirn sei eher breit und es liege ein
Hyper
telorismus
vor (Ziff. 2.4). Unter Wachstumshormonsubstitution sei ein Aufhol
wachstum in den familiären Zielbereich sowie eine deutliche Zunahme der Mus
kelmasse und -kraft zu erwarten. Das kardiovaskuläre Risiko nehme bei Kindern mit Wachstumshormonmangel unter Substit
ution ebenfalls ab (Ziff. 2.5).
Es seien
s
pezialärztliche Untersuchungen mit näher beschriebenen Ergebnissen vorgenommen worden (Ziff. 2.6).
3.1.2
Am 26. September 2017 bekräftigte
Dr.
Z._
(Urk. 8/53), dass bei der Versicherten klinisch ganz klar ein Wachstumshormonmangel vorliege. Das Mädchen wachse seit dem Kleinkindesalter deutlich unter der P3 und weit unter dem familiären Zielbereich. Die Wachstumsgeschwindigkeit sei tief. Das Kno
chenalter sei deutlich retardiert.
Der erste Wachstumshormonstimulationstest sei höchst auffällig gewesen, der zweite sei ebenfalls knapp pathologisch. Der
«C
ut off
»
f
ür Wachstumshormon
mangel basiere in der Schweiz auf den Consensus Guidelines aus dem Jahr 2000 und liege demzufolge bei 10
ng
/ml. Der IGF
-1-
Level sei für die Diagnose eines Wachstumshormonmangels nicht ausschlaggebend.
E
r
könne einen Hinweis ge
ben, jedoch eine Diagnose weder ein- noch ausschliessen. Ebenso verhalte es sich mit der
Hypophysenmorphologie
. Das MRI des Schädels sei lediglich gefordert, um eine Raumforderung vor Wachstumshormontherapiebeginn auszuschliessen.
E
ine normale
Hypophysenmorphologie
schliesse einen Wachstumshormonman
gel keineswegs aus.
3.1.3
Am 3. November 2017 erläuterte
Dr.
Z._
(Urk. 8/61), in der Schweiz sei nie vereinbart worden, die AWMF-Richtlinien zu benutzen, sondern man beziehe sich weiterhin auf die ESPE-Consensus Guidelines, wo
rin
als Schwellenwert 10
ng
/ml festgelegt sei.
3.1.4
Am 5. Januar 2018 erklärte
Dr.
Z._
(Urk. 8/73),
der Wachstums
hormonanstieg im Arginin-Belastungstest sei ungenügend gewesen, im Gluka
gon-Test grenzwertig (
z
wischen 8 und 10
ng
/ml). Das IGF
-
1 sei stets im unteren Normbereich
<
-1 Standardabweichung). Klinisch sei der Wachstumshormon
mangel
apparent
.
3.1.5
Mit Bericht vom 27. April 201
8
(
Urk.
18)
nahm
Dr.
Z._
zum Be
richt von Prof.
Dr.
B._
vom 22. Januar 2018 (vgl. untenstehende E. 3.2.4) Stel
lung: Der Wachstumshormonmangel sei mittels der näher dargelegten Befunde gestellt. Angefügt werden könne, dass die Wachstumsgeschwindigkeit unter pro
batorischer Wachstumshormontherapie enorm angestiegen sei und die Versi
cherte gemäss Aussagen der Eltern deutlich kräftiger und lebhafter geworden sei, was einen weiteren Hinweis für die Diagnose darstelle (S. 1). Die Diagnose sei nicht nur klinisch, sondern mit zweimaligem Wachstumshormonstimulationstest gestellt worden. Übrige Differenzialdiagnosen seien ausgeschlossen (Hyperthy
reose, Zöliakie, Turner-Syndrom). Ernährungsprobleme könnten Auswirkung auf das Wachstum des Kindes haben, seit dem
2.
Lebensjahr sei das Gewicht der Ver
sicherten normal für die Länge und somit nicht Ursache des schlechten Wachs
tums. Prof.
Dr.
B._
verdrehe näher ausgeführte Tatsachen aus den Guidelines (S. 2).
3.2
3.2.1
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Regio
naler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
führte in seiner Stellung
nahme vom 17. August 2017 (Feststellungsblatt vom 18. August 2017, Urk. 8/48 S. 2)
aus
, die IGF-1-Konzentration im Serum sowie die
Hypophysengrösse
im
cMRI
seien normal gewesen und es lägen keine zwei pathologische Stimulations
tests vor, denn nur nach
Argininbelastung
sei eine erniedrigte Sekretion erfasst worden, nach der
Glukagonabgabe
hingegen sei ein
Anstieg der Wachstumshor
monk
o
n
zentration auf 9.38
ng
/ml erfolgt, so dass nicht von einem
Mangel aus
gegangen werden könne
. Da das Wachstumshormon extrazellulär im Blutserum transportiert werde und seine Wirkung im Kontakt mit der Aussenseite von Zell
membranen entfalte, sei eine Verfälschung der Laborwerte für das Wachstums
hormon durch Hämolyse nicht zu erwarten.
3.2.2
Laut Feststellungsblatt vom 16. Oktober 2017 (Urk. 8/55 S. 2) gab Prof.
B._
am 9. Oktober 2017 zu bedenken, es gebe keine Empfehlung, nach der der veraltete Grenzwert für Stimulationstests innerhalb der Diagnostik des Wachstumshor
mon
m
angels bei Kindern in Höhe von 10
ng
/ml in der Schweiz gültig sei.
Der ge
ltende Grenzwert von 7 bzw. 8
u
g
/L
(
=
7 bzw. 8
ng
/ml) sei nicht in zwei Tests eingehalten beziehungsweise unterschritten worden, so dass nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht davon ausgegangen werden könne, dass
L
eistungs
a
nsprüche nach Ziff. 4
6
2
GgV
-Anhang ausgewiesen seien.
3.2.3
In der Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 (Feststellungsblatt vom 8. Januar 2018, Urk. 8/69 S. 2) wiederholte Prof.
B._
nach Rücksprache mit einer Ärztin des RAD
C._
, es lägen nicht zwei aussagekräftige Stimulationstests vor,
weshalb über das Vorliegen von Leistungsansprüchen nicht entschieden werden könne, weshalb auch in
C._
ein abweisender Entscheid erteilt worden wäre. Dies auch angesichts der Tatsache, dass der wesentliche Effektor, der letztlich für das Wachstum entscheidend sei
(
= I
G
F-1) und durch das Wachstumshormon aktiviert werde, vorliegend normal gewesen sei. Zusätzlich sei die
Hypophysengrösse
im
c
MRI
normal.
3.2.4
Am 17./22. Januar 2018 (Feststellungsblatt vom 23. Januar 2018, Urk. 8/75 S. 4) stellte sich Prof.
B._
auf den Standpunkt, die niedrigen Grenzwerte für die Maximalwerte der Wachstumshorm
on-Stimulationstests der Guidel
ine aus dem Jahr 2016 seien nicht erreicht worden, auch nicht annähernd, so dass aus versi
cherungsmedizinischer Sicht keine Grundlage für Leistungsansprüche nach Ziff. 462
GgV
-Anhang abgeleitet werden könnten. Ein Abklärungsbedarf im Sinne eines Behandlungsversuchs mit Wachstumshormon könne auf der Grund
lage dieser Guideline, der individuellen Laborwerte und des individuellen Wachs
tumsverlaufs ebenfalls nicht nachvollziehbar hergeleitet werden. Eine Hypothy
reose sei nach den bisher eingereichten Unterlagen nicht ausgeschlossen worden, obwohl Konsens bestehe, dass dies vor der Annahme eines Wachstumshormon
mangels erforderlich sei. Indirekte Mer
k
male wie verminderte Herzmuskelmasse fehlten und wiesen bei der Versicherten ebenfalls nicht auf das Vorliegen von Wachstumshormonmangel hin.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestünden Hinweise für einen
syndromalen
Minderwuchs, der möglicherweise durch das gleichzeitige Vorliegen von Ernährungsproblemen,
gastroösophagealem
Reflux, bedeutsamer
Pulmonalstenose
mit Rechtsherzbelastung und allenfalls auch durch renale Probleme verstärkt werde.
3.2.5
In der Stellungnahme vom 26./27. Juli 2018 (Feststellungsblatt vom 31. Juli 2018, Urk. 2
1
) stellte Prof.
B._
zusammenfassend fest, der Verdacht oder die Diagnose eines
hypophysären
Wachstumshormonmangels werde durch
folgende Befunde nicht gestützt:
norm
ale Grösse der Hypophyse im MRI,
normale Wachs
tumsgeschwi
ndigkeit im Bereich der 6
0.
Perz
entile in den entscheidungsrelevan
ten 12 Monaten vor Antragstellung, kein sicherer Nachweis eine
r
Verzögerung der Knochenreife, eine normale IGF-1-Konzentration
,
nur ein
pathologische
r
Sti
mulationstest (Arginin
; der zweite Test mit Glukagon sei nicht verwertbar
)
.
Da differenzialdiagnostisch eine ganze Reihe von Befunden vorgelegen hätten, die das Längenwachstum beeinflussen könnten (Hydronephrose, Herzfehler mit Rechtsherzbelastung, Ernährungsschwierigkeiten, morphologische
Syndromhinweise
), seien auch andere Ursachen des hier vorliegenden Kleinwuchses zu be
rücksichtigen (S. 6 f.)
.
4.
4
.1
Laut
Rz
462 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen
(BSV)
über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen (KSME
, in der seit 1. Juni 2017 gültigen Fassung
) kann bei angeborenen Störungen der
hypothalamohypo
physären
Funktion (
hypophysärer
Kleinwuchs, Diabetes
insipidus
,
Prader
-Willi-Syndrom und
Kallmann
-Syndrom) eine Behandlung mit Wachstumshormon nur bei nachgewiesenem Wachstumshormonmangel übernommen werden.
Der Wachstumshor
monm
angel muss lege
artis
im längeren Verlauf nachvollziehbar erfolgen
.
In Zweifelsfällen (z.B. Diagnose nicht durch Facharzt für pädiat
r
ische Endokrinologie und Diabetologie gestellt, oder
W
achstumshormonm
angel wird bei Diagnose
SGA
[
small
f
o
r
gestational
age
] geltend gemacht etc.) ist an das BSV zu gelangen.
Um den Nachweis eines Wachstumshormonmangels zu erbringen
,
werden bei Kindern verschiedene Tests durchgeführt (Grössenvergleich mit dem Altersdurch
schnitt sowie Relation der Grösse des Kindes zur Grösse der Eltern; Bestimmung des IGF-1-Wertes im Blut und seines Bindungsproteins IGFBP-3; Stimulations
tests mit
Clonidin
, Arginin oder mit Insulin
; Urteil des Bundesgerichts 9C_403/2009 vom 10. November 2009 E. 6.2
).
4.
2
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.3
Es kann aufgrund der Berichterstattung der behandelnden Fachärztin davon aus
gegangen werden, dass die erforderlichen Tests bei der Versicherten lege
artis
durchgeführt wurden. Dies wird von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten. Zwischen der behandelnden Fachärztin und dem RAD-Arzt besteht indessen Un
einigkeit darüber, wie die Resultate der durchgeführten Tests zu werten sind und insbesondere welche Richtlinien bei der Interpretation des IGF-1-Levels die mas
sgebenden sind. Gemäss Aktenlage ist die Beschwerdegegnerin nicht an das B
SV gelangt (vgl. obige E. 4.1).
4.4
Im Unterschied zu Prof.
B._
verfügt
Dr.
Z._
über eine Zu
satzqualifikation für pädiatrische Endokrinologie-Diabetologie, weshalb si
ch die Beschwerdegegnerin
nicht allein auf die Beurteilung des RAD-Arztes hätte
stüt
zen
dürfen. Zumindest die Frage, welche Richtlin
ien für die Beurteilung, ob
der
bei der Versicherten gemessene IGF-1-Level im
Normbereich liegt oder nicht, in der Schweiz anwendbar sind, hätte sich die Beschwerdegegnerin nicht allein von
Dr.
B._
bean
tworten lassen dürfen, insbesondere deshalb, weil er lediglich da
rauf hinwies, dass es keine Empfehlung zur Anwendung der von der behandeln
den Ärztin herangezogenen Grenzwerte gebe, ohne anzugeben,
wer
die Anwen
dung der von ihm hera
ngezogenen Grenzwerte empf
iehlt
.
Da der Normwert je nach Leitlinie unterschiedlich angegeben wird
,
wäre diese Frage
im Interesse der rechtsgleichen Behandlung
aller Versicherten
dem BSV zu unterbreiten gewesen.
Die von der behandelnden Ärztin vertretene Meinung, dass sowohl der IGF-1-Level als auch die
Hypophysenmorphologie
für die Diagnose eines Wachstums
hormonmangels nicht ausschlaggebend sei
en
, sondern nur einen Hinweis geben könne, wurde von Prof.
B._
nicht kommentiert
.
E
r
w
ies
lediglich widerholt darauf hin, dass die Grenzwerte der Wachstumshormon-Stimulationstests nicht erreicht worden seien
.
Insoweit
sich die Beschwerdegegnerin darauf ber
ie
f
, dass die Ärzteschaft des RAD im Kanton
C._
, mi
t welcher Prof.
B._
in Kontakt stand,
ihre versicherungsmedizinische Einschätzung teile, ist ihr entgegenzuhal
ten, dass
sich diese bei
ihrer Beurteilung
ohne Kenntnisse der Aktenlage allein auf die mündlichen Aussagen von Prof.
B._
stützte.
Wie Prof.
B._
zutreffend anführte, wurde in
den
Berichten
von
Dr.
Z._
nie erwähnt
,
welche Differenzialdiagnosen aus welchen Gründen auszuschliessen sind, was sich aufgrund des Vorliegens anderer Geburtsgebre
chen aufgedrängt hätte. Daran ändert nichts, dass
Dr.
Z._
in der jüngsten Stellungnahme (E. 3.1.5) beteuert
e
, dass übrige Differenzialdiagnosen ausgeschlossen worden
seien, ohne darauf einzugehen, welche Befunde gegen das Vorliegen der Differenzialdiagnosen sprechen. Schliess
lich ist auch dem Um
stand Rechn
ung zu tragen, dass
Dr.
Z._
als die Hormonbehand
lung
initiierende
Fachärztin eine gewisse Nähe zur Sache nicht abzusprechen ist, intervenierte sie doch persönlich gegen die ablehnende Verfügung (vgl. Urk. 8/53)
und möchte sie sich wohl kaum dem Vorwurf aus
setzen
, eine nicht adäquate Behandlung einleiten zu wollen
.
4.5
Angesichts der sich widersprechenden
Einschätzungen
der beiden Ärzte über das Vorliegen eines Wachstum
s
hormonmangels
und damit des Erfordernisses einer medizinischen Massnahme
erweist sich die Sache als nicht spruchreif. Demzu
folge ist die angefochtene Verfügung vom 16. Oktober 2017 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ergänzende
Abklä
rungen, ob bei der Versicherten ein Wachstumshormonmangel ausgewiesen ist, veranlasse
und hernach neu über den Anspruch auf medizini
sche Massnahmen
verfüge.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
5.2
Die Kosten des Verfahrens sind
gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
auf Fr. 800.-- fest
zulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen
.
5.3
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsrecht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und unter Anwendung des gerichtsüblichen Stunden
ansatzes von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer ermessensweise auf Fr. 1'700.-- inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer festzusetzen.