Decision ID: 1bfca306-17e6-4a19-99a0-26b1e5426a9b
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 19. Oktober 2017 verhängte die Vorinstanz ein vom 4. Dezember 2017
bis zum 3. Dezember 2022 gültiges Einreiseverbot gegen den Beschwer-
deführer (nordmazedonischer Staatsangehöriger). Dieses ist unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsen.
B.
Im April 2018 reiste der Beschwerdeführer trotz bestehenden Einreisever-
botes unter einem anderen Namen in die Schweiz ein. In der Folge wurde
er aus der Schweiz weggewiesen.
C.
Mit Urteil des Regionalgerichts B._ vom 4. Oktober 2018 wurde der
Beschwerdeführer wegen rechtswidriger Einreise und rechtswidrigen Auf-
enthalts zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 20.– verurteilt.
D.
Am 19. Februar 2022 reiste der Beschwerdeführer erneut trotz bestehen-
den Einreiseverbotes in die Schweiz ein.
E.
Am 22. Februar 2022 wurde dem Beschwerdeführer im Rahmen der Ein-
vernahme durch die Kantonspolizei C._ die Gelegenheit gegeben,
sich zu einer Wegweisung und einer allfälligen Verhängung eines Einreise-
verbotes zu äussern. Gleichentags wurde er aus der Schweiz weggewie-
sen und in Ausschaffungshaft versetzt. Die Überstellung nach Deutsch-
land, wo er über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, wurde für den 24.
Februar 2022 angeordnet.
F.
Mit Verfügung vom 23. Februar 2022 (gleichentags eröffnet) erliess die
Vorinstanz ein vom 4. Dezember 2022 bis zum 3. Dezember 2023 gültiges
Einreiseverbot gegen den Beschwerdeführer und entzog einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 25. März 2022 (Poststempel) gelangte der
Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
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H.
Mit Strafbefehl vom 9. Mai 2022 wurde der Beschwerdeführer von der
Staatsanwaltschaft D._ wegen rechtswidriger Einreise und rechts-
widrigen Aufenthalts zu einer Geldstrafe von 11 Tagessätzen zu CHF 30.–
verurteilt.
I.
In ihrer Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Be-
schwerde.
J.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat, der ein schutzwür-
diges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung hat, zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die
übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist [Art. 50 Abs. 1
VwVG], Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG] und Bezahlung des Kosten-
vorschusses [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
1.4 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
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VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Das SEM verfügt unter Vorbehalt von Absatz 5 (vgl. E. 3.4) Einreise-
verbote gegenüber weggewiesenen Ausländerinnen und Ausländern,
wenn die Wegweisung nach Artikel 64d Abs. 2 Buchstaben a-c sofort voll-
streckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG) oder diese nicht innerhalb der ange-
setzten Frist ausgereist sind (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG). Die Wegweisung
ist gemäss 64d Abs. 2 AIG sofort vollstreckbar oder es kann eine Ausreise-
frist von weniger als sieben Tagen angesetzt werden, wenn die betroffene
Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die in-
nere oder die äussere Sicherheit darstellt (Bst. a), konkrete Anzeichen be-
fürchten lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entzie-
hen will (Bst. b) oder ein Gesuch um Erteilung einer Bewilligung als offen-
sichtlich unbegründet oder missbräuchlich abgelehnt worden ist (Bst. c).
3.2 Gemäss Art. 67 Abs. 2 AIG kann das SEM Einreiseverbote gegenüber
Ausländerinnen und Ausländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder
diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b) oder
in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft (Art. 75-78) ge-
nommen worden sind (Bst. c). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung liegt insbesondere vor bei einer Missachtung von gesetzli-
chen Vorschriften oder behördlichen Verfügungen (Art. 77a Abs. 1 Bst. a
der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Er-
werbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Eine Gefährdung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung liegt vor, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür beste-
hen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheb-
licher Wahrscheinlichkeit zu einer Nichtbeachtung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung führt (Art. 77a Abs. 2 VZAE).
3.3 Das Einreiseverbot wird grundsätzlich für eine Dauer von höchstens
fünf Jahren verfügt (Art. 67 Abs. 3 erster Satz AIG). Es kann für eine län-
gere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwie-
gende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67
Abs. 3 zweiter Satz AIG).
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3.4 Verhängt das SEM während der Dauer eines Einreiseverbotes ein wei-
teres Einreiseverbot, spricht man von einem «Anschlusseinreiseverbot».
Ein solches wird grundsätzlich als Reaktion auf ein Verhalten der betroffe-
nen Person ausgesprochen, welches sich nach Verhängung des vorgängi-
gen Einreiseverbotes ereignet hat. Das Anschlusseinreiseverbot wird zwar
in der Regel seine Rechtswirkung ab dem Zeitpunkt des Auslaufens des
ersten Einreiseverbotes entfalten; hingegen ist der Verfügungszeitpunkt
des Anschlusseinreiseverbotes entscheidend für die Festlegung der Dauer
der Massnahme unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnis-
mässigkeit. Das vorgängige Einreiseverbot und das Anschlusseinreisever-
bot zusammengenommen können die Höchstdauer von fünfzehn Jahren
überschreiten (BVGE 2021 VII/4 E. 7.2).
3.5 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbotes sind in jedem Fall
unter dem Blickwinkel der Verhältnismässigkeit staatlichen Handelns (Art.
5 Abs. 2 BV, Art. 96 Abs. 1 AIG) zu überprüfen. Eine Prognose, für welchen
Zeitraum die Sicherungsmassnahme notwendig sein wird, ist naturgemäss
nicht möglich. Abstufungen betreffend die Dauer ergeben sich aus der wer-
tenden Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung
und den privaten Interessen, welche die betroffene Person an der zeitli-
chen Beschränkung der Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20
E. 8.1). Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletz-
ten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidri-
gen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der betroffenen auslän-
dischen Person (Art. 96 Abs. 1 AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 555 ff.).
3.6 Die verfügende Behörde kann ausnahmsweise aus humanitären oder
anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbotes
absehen oder ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben
(Art. 67 Abs. 5 erster Satz AIG).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid mit der illegalen Einreise des
Beschwerdeführers und seinem widerrechtlichen Aufenthalt in der
Schweiz. Damit habe er gegen Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verstossen. Zudem
sei ihm eine zweitägige Ausreisefrist gemäss Art. 64 d AIG angesetzt wor-
den, weshalb auch die Voraussetzungen für die Verhängung eines Einrei-
severbotes gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG erfüllt seien. Schliesslich habe
der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht erwähnt,
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dass seine drei minderjährigen Kinder und seine Eltern in der Schweiz le-
ben würden, weshalb sein privates Interesse an einer ungehinderten Ein-
reise in die Schweiz zu relativieren sei.
In ihrer Vernehmlassung ergänzt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei
bereits im April 2018 trotz bestehenden Einreiseverbotes in die Schweiz
eingereist und sei in der Folge der rechtswidrigen Einreise und des rechts-
widrigen Aufenthalts vom Regionalgericht B._ schuldig gesprochen
worden. Aufgrund des erstmaligen Verstosses habe sie – die Vorinstanz –
(zunächst) auf eine Verlängerung der Fernhaltemassnahme verzichtet. Am
19. Februar 2022 sei er erneut unter Missachtung des Einreiseverbotes in
die Schweiz eingereist, weshalb er habe weggewiesen werden müssen
und in Ausschaffungshaft versetzt worden sei. In der Folge habe sie das
Einreiseverbot bis zum 3. Dezember 2023 verlängert.
4.2 Der Beschwerdeführer führt dagegen an, er habe aus Sehnsucht nach
seinen Kindern gegen das Einreiseverbot verstossen. Er habe nicht ver-
standen, was mit dem rechtlichen Gehör gemeint gewesen sei, weshalb er
sich «nicht gross geäussert» habe. Er habe niemandem schaden wollen.
Es sei ihm ein grosses Anliegen, seine Kinder regelmässig besuchen zu
können. Er habe einen grossen Bezug zur Schweiz. Hier habe er seine
Kindheit und Jugend verbracht. Seine engsten Verwandten würden in der
Schweiz leben.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer ist trotz gültigen Einreiseverbotes in die
Schweiz eingereist. Mit Strafbefehl vom 9. Mai 2022 wurde er von der
Staatsanwaltschaft D._ der rechtswidrigen Einreise und des rechts-
widrigen Aufenthalts schuldig gesprochen. Er hat somit gegen die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verstos-
sen. Zudem hatte er bereits im April 2018 das Einreiseverbot missachtet
und war in die Schweiz eingereist. Mit Urteil des Regionalgerichts
B._ vom 4. Oktober 2018 wurde er wegen rechtswidriger Einreise
und rechtswidrigen Aufenthalts zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
CHF 20.– verurteilt. Vor diesem Hintergrund ist die Verhängung eines An-
schlusseinreiseverbotes gerechtfertigt.
5.2 Die Vorinstanz stützt die Fernhaltemassnahme gegen den Beschwer-
deführer auch auf Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG. Dieser wurde mit Verfügung
des Migrationsdienstes des Kantons E._ vom 22. Februar 2022 in
Ausschaffungshaft versetzt. Somit war die Verhängung eines Anschluss-
einreiseverbotes auch gestützt auf Art. 67 Abs. 2 Bst. c AIG – und nicht wie
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von der Vorinstanz angeführt gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG – gerecht-
fertigt.
6.
Zu prüfen bleibt die Verhältnismässigkeit der Massnahme (vgl. E. 3.5).
6.1 Der Beschwerdeführer hat wiederholt gegen zentrale ausländerrechtli-
che Bestimmungen verstossen. Das generalpräventiv motivierte Interesse
daran, die ausländerrechtliche Ordnung durch eine konsequente Massnah-
menpraxis zu schützen, ist demnach als gewichtig einzustufen. Anderer-
seits ist eine spezialpräventive Zielsetzung der Massnahme darin zu se-
hen, dass sie die Betroffenen ermahnt, sich inskünftig an die geltenden
Regeln zu halten (BVGE 2014/20 E. 8.2; Urteil des BVGer F-1641/2019
vom 14. September 2020 E 4.1.1). Es besteht somit ein nicht unerhebli-
ches öffentliches Interesse an der befristeten Fernhaltung des Beschwer-
deführers.
6.2 Das private Interesse des Beschwerdeführers an einer ungehinderten
Einreise in die Schweiz ist nicht unbedeutend; seine drei minderjährigen
Kinder und seine Eltern leben in der Schweiz. Es steht der Familie jedoch
frei, sich ausserhalb der Schweiz, namentlich in Deutschland, wo der Be-
schwerdeführer über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, zu treffen. Ferner
kann das Einreiseverbot zur Wahrnehmung von Besuchen von Familien-
angehörigen auf begründetes Gesuch hin für eine kurze Zeitspanne sus-
pendiert werden (vgl. E. 3.5). Nicht beeinträchtigt wird ferner die Pflege der
Kontakte auf andere Weise als durch persönliche Treffen, namentlich mit-
tels moderner Kommunikationsmittel.
6.3 Nach Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen und unter
Berücksichtigung der Praxis in ähnlich gelagerten Fällen erweist sich die
Verlängerung des Einreiseverbotes um ein Jahr als verhältnismässig (vgl.
Urteile des BVGer F-4229/2017 vom 7. Dezember 2018 und F-91/2017
vom 14. Dezember 2017).
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, welche sich
vorliegend auf Fr. 1’000.– belaufen, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
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(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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