Decision ID: 74a52370-735b-4ecb-9b6d-73ba2193610c
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 2003,
begann
am
1.
August 2020
bei der Y._
eine Lehre als Kauffrau
EFZ
mit Schwerpunkt Handel (
Urk.
9/2)
. Am
1
0.
Dezember 2020
meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf
drei
Unfä
ll
e sowie der Anmerkung, dass die Lehre gefährdet sei,
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/
3
Ziff.
4.4 und
Ziff.
5.3
).
Am 2
2.
Januar 20
21 löste die Y._
das Lehrverhältnis mit der Versicherten noch während der verlängerten Probezeit per 2
9.
Januar 2021 auf (
Urk.
9/13
).
Die IV
Stelle
zog Unterlagen betreffend die schulische Ausb
ildung
sowie medizini
sche Berichte bei.
Am 2
8.
Mai 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
,
dass im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen die Kosten für eine Lehrstellen
suche inklusive Schnuppern
vom 1
0.
Februar bis am 3
0.
September 2021
ü
bernommen würden (
Urk.
9/36).
Nach ergangenem
Vorbescheid (
Urk.
9/37)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
8.
Juli 2021 einen Anspruch auf eine erstmalige beruf
liche Ausbildung (
Urk.
9/40 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
9.
September 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
Juli 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
November 2021 (
Urk.
7) beantragte die IV-Stelle
, die Beschwerde sei abzuweisen.
Am 2
5.
Januar 2022 reichte die Beschwerdeführerin ihre Replik (
Urk.
13) ein
,
und die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
0.
März 2022 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
16), was der Beschwerdeführerin am 1
4.
März 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner
das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 IVV die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Als invaliditätsbedingte Mehrkosten gelten
gemäss
Art.
5
bis
IVV
die Kosten, die einer invaliden Person im Vergleich mit einer nicht invaliden Person aus der erstmaligen beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung wegen der Invalidität zusätzlich entstehen
(
Abs.
3)
.
Die Mehrkosten haben einen wesentlichen Umfang, wenn sie jährlich mindestens 400 Franken betragen
(
Abs.
4)
.
An die invaliditätsbedingten Mehrkosten anrechenbar sind
(
Abs.
5)
:
die Aufwendungen für die Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten
(
lit
. a), d
ie Kosten für persönliche Werkzeuge und Berufskleider
(
lit
. b) sowie die
Transportkosten
(
lit
. c)
.
Hat die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität schon eine Ausbildung begonnen oder hätte sie ohne Invalidität offensichtlich eine weniger kostspielige Ausbildung absolvieren können, so bilden die Kosten dieser Ausbildung die Vergleichsgrundlage für die Berechnung der invaliditätsbeding
ten Mehrkosten (
Abs.
2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in ihrer Verfügung (
Urk.
2) einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine erstmalige berufliche Ausbildung mit der Begründung, dass
sie
zwar vorübergehend in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, in der Zwischenzeit in einer angepassten Tätigkeit
jedoch
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Damit entstünden bei der erstmaligen beruf
lichen Ausbildung keine erheblichen Zusatzauslagen wegen Invalidität. Für die Unterstützung bei der Stellensuche sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig. Gemäss Mitteilung vom 2
8.
Mai 2021 habe die Beschwerde
führerin von der
Z._
GmbH Unterstützung bei der Lehrstellensuche erhalten (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass sie am 1
9.
September 2017 in einen ungesicherten Schacht gestürzt sei und sich dabei Verletzungen am rechten Fuss zugezogen habe. Es bestehe ein Status nach diversen Eingriffen und einem komplizierten Heilverlauf, was direkten Ein
fluss auf ihr psychisches Befinden und ihre Motivation gehabt habe, weshalb die begonnene Lehr
e bei der Y._
per Ende Januar 2021 habe abgebrochen werden müssen (S. 3
Ziff.
2).
Sie habe nach wie vor keine neue Lehrstelle gefunden (S. 3
Ziff.
3).
Die Annahme der Beschwerdegegnerin, wonach sie in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei, sei falsch. Es sei
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin auch die psychischen Beschwer
den nicht ausreichend berücksichtigt habe (S. 3
Ziff.
4)
.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7) führte die Beschwerdegegnerin aus,
dass daran festgehalten werde, dass
der Beschwerdeführerin eine angepasste, überwie
gend sitzende Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei. Die begonnene Ausbildung zur Kauffrau EFZ habe vorwiegend aufgrund der mangelhaften Arbeiten, fehlenden Sozialkompetenz und Motivation der Beschwerdeführerin nicht fortgeführt werden können. Die Tätigkeit als Kauffrau EFZ und die Ausbildung dazu
entsprä
chen
jedoch dem Belastungsprofil. Eine drohende Invalidität liege nicht vor. Insbesondere lägen auch keine psychischen Einschränkungen vor, welche die Beschwerdeführerin bei der Lehrstellensuche oder Ausbildung beeinträchtigten könnten (S. 2
Ziff.
4-5).
2.4
In ihrer Replik (
Urk.
13) führte die Beschwerdeführerin aus, dass laut
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei ihr eine affektive Belastungssymptomatik bestanden h
abe
. Das Erleben von reduzierter Mobilität und Leistungsfähigkeit und vermehrter Abhängigkeit von den Eltern hätten bei ihr zu einer tiefen Verunsicherung mit der Beeinträchtigung des Erle
bens von Selbstwirksamkeit geführt (S. 1 f).
Zudem habe sie ihre ursprünglichen Pläne für eine Lehre im Bereich der Betreuung/Pflege wegen den körperlichen Unfallfolgen auf
ge
geben. Als Folge der psychischen Symptomatik seien die Leis
tungsfähigkeit und Lebens
qualität deutlich eingeschränkt
(S. 2 oben).
Es
sei
nicht zutreffen
d
, dass die Lehrstelle als Kauffrau EFZ ihren gesundheitlichen Beschwer
den entsprochen hätte (S. 2 unten). Sie sei auf Hilfe bei der Lehrstellensuche oder einer anderen beruflichen Eingliederung entsprechend ihrem Belastungsprofil angewiesen. Sie habe Anspruch auf berufliche Integrationsmassnahmen (S. 3).
2.5
Strittig und zu prüfen
ist
der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine erstma
lige berufliche Ausbildung.
3.
3.
1
Dr.
med. B._
, Leitender Arzt, Leiter Fusschirurgie, und
Dr.
med. C._
, Assistenzärztin Orthopädie,
Universitätsklinik
D._
,
stellten in ihrem Bericht vom
5.
Februar 2021 (
Urk.
9/32/8-9)
folgende Diagnose (S. 1):
-
Status nach
anteriorer
Arthroskopie
des oberen Sprunggelenkes (OSG)
mit
Adhäsiolyse
,
Narbendébridement
und Stabilitätsprüfung
, Inspektion der
Peroneal
-Sehnen und
Narbendébridement
OSG rechts am 2
3.
Dezember 2020 mit/bei
-
erneuter OSG-Distorsion rechts am
9.
Oktober 2020 mit bei
-
Status nach
anteriorer
OSG-Arthroskopie,
Débridement
anteromediales
Gutter
,
Tubularisierung
Peroneus
brevis
-Sehne rechts am 1
2.
August 2019 mit/bei
-
persistierenden Beschwerden am rechten
Rückfuss
mit/bei
-
kurzstreckigem
Längsriss
Peroneus
brevis
-Sehne
-
anterom
e
dialem
OSG-
Narbenimpingement
(Status nach Kapselband
ausriss dorsales
Tarsometatarsal
(
TMT
)
-
IV/V-Gelenk am 1
2.
Mai 2018 nach Rückfussdistorsion/Status nach OSG-Distorsion am 1
9.
Septem
ber 2017 mit konservativ therapierter
,
undislozierter
Volkmann-Frak
tur und Partialläsion der ventralen
Syndesmose
)
-
neurophysiologische Untersuchung 1
6.
September 2020: Keine Neuro
pathie des
Nervus
suralis
und
Nervus
peroneus
profundus
Die Ärzte führten aus, dass eine klinische Verlaufskontrolle der Beschwerdefüh
rerin sechs Wochen postoperativ stattgefunden habe (S. 1). Intraoperativ hätten sich die
Peronealsehne
unauffällig und keine OSG-Instabilität gezeigt. Die ver
bleibenden Beschwerden würden auf eine Neuropathie des
Nervus
suralis
und die postoperativen Vernarbungen sowie ein noch deutliches muskuläres und koordi
natives Defizit zurückgeführt. Es werde daher nochmals Physiotherapie zur Kräf
tigung verordnet
(S. 2).
3.
2
Am 1
1.
Februar
2021 führte
Dr.
med.
B._
,
Universitätsklinik
D._
, auf tele
fonische Anfrage der IV-Stelle aus, dass er aktuell etwas ratlos sei bezüglich der Situation der Beschwerdeführerin. Anatomisch sei vom Fuss her eigentlich alles in Ordnung. Es sei nichts geschwollen
,
und er sei gut beweglich. In der letzten Zeit gebe die Beschwerdeführerin vor allem unspezifische Schmerzen an, welche er sich nicht wirklich erklären könne.
Dr.
B._
führte aus, dass die Physiothera
pie bisher durch die Beschwerdeführerin nicht richtig umgesetzt worden sei und vielleicht eine konstante Umsetzung eine Verbesserung bringe.
Sie
habe gesagt, dass sie aktuell keine Stelle suchen könne. Man habe deshalb mit ihr abgemacht, dass sie bis am 2
1.
März 2021 intensiv Physiotherapie betreibe und die Einglie
derung in der Zeit danach angehe. Vielleicht werde sie nach dem März 2021 noch ein bis zwei Monate zu 50
%
arbeitsfähig geschrieben, danach sei jedoch bald auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zuzugehen. Vom Fuss her wäre es sich
er
nicht ideal, wenn die Beschwerdeführerin den ganzen Tag stehen und gehen müsste. Eine wechselbelastende Tätigkeit wie das KV sei aber optimal angepass
t
. Vom Transport her habe er erfahren, dass die Beschwerdeführerin jeweils vom Vater gefahren werde. Aus medizinischer Sicht sei ihr jedoch die Benützung der öffent
lichen Verkehrsmittel zumutbar
(
Urk.
9/41/8).
3.3
Dr.
med. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 2
6.
Februar 2021 (
Datum des Eingangs;
Urk.
9/31) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
akute Belastungsstörung (ICD-10 F43.0)
,
seit Behandlungsbeginn im Oktober 2020
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
,
seit Behandlungsbeginn im Oktober 2020
Dr.
E._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1
2.
Oktober 2020 bei ihm in wöchentlicher Behandlung sei und die letzte Kontrolle am 2
3.
Februar 2021 stattgefunden habe (
Ziff.
3.1). Eine schulische Ausbildung sei
ihr
zu 100
%
möglich. Es bestünden körperliche und keine geistigen Einschränkungen (
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.3). Lernen sollte gut gehen. Eine KV-Lehre mit allen körperlichen Tätigkeiten sei nicht möglich (
Ziff.
2.4). Es werde eine schnelle Verbesserung der Symptome erwartet, wenn die Beschwerdeführerin eine Perspektive für ihre Zukunft erhalte (
Ziff.
3.3). Als Faktor, welcher die Krankheit aufrechterhalte,
nannte
Dr.
E._
den Umstand, dass
der Vater
die Beschwerdeführerin chauf
fiere. Der Weg sollte selber zu bewältigen sein
(
Ziff.
4.2).
3.
4
Dr.
med. F._
, Facharzt für Ki
nder- und Jugendmedizin,
Regionaler Ärztli
cher Dienst (
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom 1
9.
November 2021 (
Urk.
8/1-2) aus, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Gesundheitsschaden angenommen werden könne,
der für Massnahmen beruflicher Art (
Art.
16 IVG) qualifiziere. So sei der Lehrabbruch anteilig durch die Fussbeschwerden bedingt gewesen. Auch sei die Tätig
keit in der Y._
durch das viele Stehen und Gehen dauerhaft eher ungeeignet gewesen. Bei ausgewiesenem Behandlungsbedarf und unklarer Prog
nose sei mit Einschränkungen und Zusatzkosten bei der beruflichen Ausbildung zu rechnen. Ein verständnisvoller Arbeitgeber und ein Coaching schienen ausbil
dungsbegleitend erforderlich. Wechselbelastende, handwerkliche und administ
rative Tätigkeiten, überwiegend im Sitzen, sollten im Vollzeitpensum zumutbar sein. Ungeeignet seien Tätigkeiten, die Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, langes Stehen und Ge
hen, insbesondere auf unebenem
Gelände bezie
hungsweise spezielle Fussbelastungen erforderten. Hohe schulische und sprachli
che Anfor
derungen seien weniger geei
g
net.
3.
5
Dr.
med. G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie
des Bewegungsapparates
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 1
9.
November 2021 (
Urk.
8
/2-3)
nach Würdigung der Arztbe
richte
der Universi
tätsklinik
D._
aus, dass bei
der Beschwerdeführerin
aus ve
rsicherungsmedi
zinischer Sicht ein
IV-relevanter Gesundheitsschaden
ausgewiesen sei
.
Aufgrund des
bisherigen recht frustrierenden
Verlauf
es
dieses Gesundheitsschadens
sei
bezüglich der bisherigen
weitestgehend stehend und gehend auszuübenden
T
ätigkeit (KV-Lehre in einem Y._-Betrieb
) aus versiche
rungs
medizinisch-orthopädischer Sicht mindestens von einer drohenden Invali
dität
auszugehen.
Dr.
G._
hielt fest, dass für eine optimal angepasste Tätigkeit mit körperlich leich
ter, nahezu ausschliesslich sitzender Tätigkeit, ohne lange Arbeitswege (An- und Abmarschwege zur Arbeitsstelle), ohne häufiges Treppensteigen oder längere Gehstrecken auf unebenen Untergrund
–
und damit für alle schulischen Ausbil
dungen
–
aus versicherungsmedizinisch-orthopädischer Sicht ab sofort eine zeit
lich uneingeschränkte (ganztägig-vollschichtige) Arbeitsfähigkeit
bestehe
.
4.
4.1
A
ls
invalid im Sinne von Art. 16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsp
rechenden Ausbildung erhebliche
Mehrkosten
auf sich nehmen muss
(vorstehend E. 1.3).
Weder machte die
Beschwerdeführerin
vorliegend geltend, noch ist aus den Akten ersichtlich, inwiefern ihr
im massge
benden Zeitpunkt der Verfügung vom
8.
Juli 2021 (
Urk.
2)
bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung
aufgrund von somatischen oder psychischen Beschwer
den im wesentlichen Umfange zusätzliche
anrechenbare
K
osten entstanden sein
oder noch entstehen
soll
t
en. Damit fehlt es bereits an
einer
Anspruchsvorausset
zung von
Art.
16 IVG.
Zudem hatte die Beschwerdeführerin ihre Lehr
stelle bei der Y._
bereits per Ende Januar 2021
verloren (vgl.
9/13
), so dass mangels
konkret
ange
strebter Ausbildung auch nicht beurteilt werden kann, i
n
welchem Umfang zusätzliche K
osten entstehen
könnten
. Anzumerken
bleibt
, dass die Lehrstelle
bei der Y._
, da sie vorwiegend als eine gehende und stehende Tätigkeit angesehen wurde,
von den RAD-Ärzten
Dr.
F._
und
Dr.
G._
in ihren Stellung
nahmen vom 1
9.
November 2021
als ungeeignet taxiert wurde (vorstehend E.
3.4-5
). Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit, namentlich auch die KV-Lehre an
sich, wurde
jedoch
auch von Seiten des behandelnden Arztes
Dr.
B._
als vollständig zumutbar erachtet
(vorstehend E. 3.2)
.
Der
seit
dem 1
2.
Oktober 2020 behan
delnde Psychiater
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.
3
) ging davon aus, dass
bei der Beschwerdeführerin
keine geistigen Beeinträchtigungen bestünden.
Abgese
hen von der mangelnden Aktualität, lässt sich auch aus
dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht von
Dr.
A._
vom 2
5.
Sep
tember 2019
(
Urk.
14/1), welcher die Beschwerdeführerin am 1
0.
Juli 2019 untersucht hatte, nichts Gegenteiliges ableiten, zumal festgehalten wurde, dass sich keine Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen gefunden hätten und der Antrieb
der Beschwerdeführerin
nicht beeinträchtigt gewirkt habe (vgl.
Urk.
14/1 S. 4).
Dass es zum Abbruch der Lehre durch den Lehrbetrieb kam, w
ar sodann
im
Wesentlichen
invaliditätsfrem
de
n
Gesichtspunkten geschuldet. Namentlich habe
die
Beschwerdeführerin trotz Aufforderung
keine genaue Selbstkontrolle durch
geführt,
wodurch vermeidbare
Fehler entstanden
seien
.
Trotz mehrfache
r Hin
weise
habe die Beschwerdeführerin
die Tipps zur Quali
tätsoptimierung nicht umgesetzt und
insgesamt keine Motivation gezeigt, die Lehre absolvieren zu wollen. Zudem habe
sie sich
nicht an die getroffenen Vereinbarungen betreffend Informationen über Absenzen gehalten (vgl.
Urk.
9/26
, vgl. auch
Urk.
9/24
).
Dass allgemein davon auszugehen wäre, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Gesundheitszustandes jeweils auf den Fahrdienst des Vaters angewiesen wäre, und es ihr nicht zumutbar wäre, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benüt
zen, wurde sowohl vom behandelnden Psychiater
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.3
)
als auch von
Dr.
B._
am
1
1.
Februar 2021
(
vorstehend E.
3.2
) verneint.
Folglich hat die Beschwerdegegnerin einen
Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine erstmalige berufliche Ausbildung
im Sinne von Art. 16 IVG
zu Recht ver
neint.
4.2
Anzumerken
ist, dass der Beschwerdeführerin im Rahmen der Frühinterventions
massnahmen bereits
vom 1
0.
Februar bis 3
0.
September 2021
berufliche Einglie
derungsmassnahmen in Form von Hilfe bei der Lehrstellensuche
inklusive Schnuppern
über die
Z._
GmbH
gewährt wurde
(vgl.
Urk.
9/35-36)
, weshalb sich ihr Antrag auf Hilfe bei der Lehrstellensuche als nicht gerecht
fertigt erweist.
Wie sich aus dem Verlaufsprotokoll vom
8.
Juli 2021 aus den Rückmeldungen der zuständigen Person bei der
Z._
GmbH ergibt, zeigte sich die Beschwer
deführerin aber auch hier nur wenig motiviert, war oft schlecht erreichbar und stellte weder zeitnah ihre Bewerbungsunterlagen zusammen
noch
unternahm
sie eigenständige
Bemühungen zur Lehrstellensuch
e
(
Urk.
9/41/15)
,
wobei der Umstand, dass sie unter der Woche auch Therapietermine wahrnehmen musste, hierfür keine
n entschuldbaren Grund
bietet. Das Verhalten der Beschwerdefüh
rerin hat vorliegend nicht
zu Lasten der Invalidenversicherung
zu gehen.
4.3
Zusammenfassend hat
te
bei der Beschwerdeführerin
d
ie Suche nach einer g
esundheitlich angepassten
Lehrstelle vorerst im Zentrum zu stehen,
welchem die Beschwerdegegnerin im Rahmen der gewährten Frühinterventionsmassnahmen nachgekommen ist. Ein Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung
nach
Art.
16 IVG
ist mangels
konkreter Anhaltspunkte für
invaliditätsbedingte
Mehr
kosten
im Verfügungszeitpunkt
nicht gegeben.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerde
führer
in aufzuerlegen.