Decision ID: 558ad3c7-60ce-4083-92c3-5aa165c1dfdd
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Einsprache gegen Strafbefehl
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht Strafsachen, vom 22. September 2014 (GB140012)
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Anklage:
Der Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dielsdorf vom 8. Juli 2014 (Urk. 3/24)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ wird von Schuld und Strafe freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die Kosten des Strafbefehls Nr. ...
vom 8. Juli 2014 und der nachträglichen Untersuchung werden dem Statt-
halteramt des Bezirkes Dielsdorf belassen.
3. Dem Beschuldigten wird aus der Gerichtskasse eine Entschädigung für An-
waltskosten und persönliche Umtriebe in der Höhe von Fr. 3'000.– zuge-
sprochen.
Berufungsanträge:
a) Der Untersuchungsbehörde und Berufungsklägerin:
(Urk. 57 S. 6, sinngemäss)
1. Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils
2. Der Beschuldigte/Berufungsbeklagte sei wegen Führens eines nicht betriebssicheren bzw. nicht vorschriftsgemässen  Motorfahrzeugs schuldig zu sprechen
3. Der Beschuldigte sei dafür angemessen zu bestrafen 4. Unter Kostenfolge zulasten des Beschuldig-
ten/Berufungsbeklagten
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 2)
" 1. Es sei die Berufung unter KEF zu Lasten der Staatskasse  und das angefochtene Urteil zu bestätigen.
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2. Es sei dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren vor  eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen."
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Considerations:
Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 22. September 2014 wurde der
Beschuldigte vom Vorwurf des Lenkens eines Motorfahrzeugs in nicht betriebs-
sicherem oder nicht vorschriftsgemässem Zustand freigesprochen (Urk. 51),
nachdem er gegen den (zweiten) Strafbefehl des Statthalteramtes Dielsdorf vom
8. Juli 2014 (Urk. 3/24) fristgerecht Einsprache erhoben hatte (Urk. 3/25).
2. Fristgerecht meldete das Statthalteramt Dielsdorf dagegen die Berufung an
(Urk. 9). Nach Erhalt des begründeten Entscheids (Urk. 66/2) reichte das Statthal-
teramt mit Eingabe vom 6. Januar 2015 innert Frist die Berufungserklärung ein
(Urk. 52). Der Beschuldigte wurde daraufhin aufgefordert zu erklären, ob er An-
schlussberufung erhebe oder Nichteintreten verlange (Urk. 53). Er liess sich indes
nicht vernehmen. Mit Beschluss vom 11. Februar 2015 wurde das schriftliche Ver-
fahren angeordnet und dem Statthalteramt Frist angesetzt, um seine Berufungs-
anträge zu stellen und zu begründen (Urk. 55). Am 9. März 2015 gingen bei der
hiesigen Kammer die Berufungsanträge und deren Begründung ein (Urk. 57),
welche an den Beschuldigten und die Vorinstanz zugestellt wurden (Urk. 58 f.).
Während die Vorinstanz auf Vernehmlassung verzichtete (Urk. 60), reichte der
Beschuldigte mit Eingabe vom 6. April 2015 seine Berufungsantwort ein (Urk. 61
f.). Nach ausdrücklichem Verzicht des Statthalteramtes Dielsdorf vom 29. April
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2015 auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 65) erweist sich das vorliegende Ver-
fahren als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Bilden ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Urteil
sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich un-
richtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Beweise
können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).
2. Betreffend den Sachverhalt hat das Berufungsgericht nur zu prüfen, ob die-
ser durch die Vorinstanz offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich, festgestellt wurde.
Relevant sind dabei klare Fehler bei der Sachverhaltsermittlung, wie namentlich
Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zwischen der sich aus den
Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten- und Beweislage auf der
einen und der Urteilsbegründung auf der anderen Seite. Gesamthaft gesehen
sind Konstellationen relevant, die als willkürliche Sachverhaltserstellung zu quali-
fizieren sind (vgl. SCHMID, Strafprozessordnung Praxiskommentar, 2. Auflage
2013, N 12 f. zu Art. 398; BSK StPO-EUGSTER, N 3 zu Art. 398 StPO; Urteil BGer
vom 6. März 2012, [6B_696/2011], E. 2.1).
3. Weiter wird das angefochtene Urteil auf Rechtsverletzungen durch die Vor-
instanz hin überprüft. Insofern liegt keine Einschränkung der Überprüfungsbefug-
nis vor; sämtliche Rechtsfragen sind mit freier Kognition zu prüfen, und zwar nicht
nur materiellrechtliche, sondern auch prozessuale (vgl. HUG, in: DONATSCH/ HANS-
JAKOB/LIEBER, Kommentar zur StPO, 2014, 2. Auflage, Art. 398 N 23).
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird im Strafbefehl vom 8. Juli 2014 zusammengefasst
vorgeworfen, am 19. Juli 2013, um ca. 11.10 Uhr, auf der B._-Strasse in
C._ mit einem Traktor gefahren zu sein, dessen Aussenspiegel beidseits un-
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genügend eingestellt gewesen seien, so dass die Sicht nach hinten übermässig
gehemmt gewesen sei. Gleichzeitig sei auch die Sicht nach vorne übermässig
gehemmt gewesen, weil der Beschuldigte am Frontlader ein Anbaugerät (Gabel
bzw. Zange) angebracht habe, welche das Sichtfeld massiv eingeschränkt habe.
Dabei soll der Beschuldigte in Bezug auf die Sichthemmung nach hinten vorsätz-
lich und bezüglich derjenigen nach vorne fahrlässig gehandelt haben (Urk. 3/24).
2. Das Statthalteramt Dielsdorf bemängelt die Sachverhaltsfeststellung der
Vorinstanz nicht.
3. Damit ist für die rechtliche Würdigung von folgendem, korrigiertem Sachver-
halt auszugehen: Das Sichtfeld nach hinten wurde (lediglich) durch einen einge-
klappten rechten Aussenspiegel gehemmt. Die Sichteinschränkung nach vorne
war sehr gering, nicht massiv (Urk. 51 S. 11).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Fahrt trotz Sichthemmung nach hinten (eingeklappter Aussenspiegel)
1.1. Die Vorinstanz begründet den Freispruch zusammenfassend damit, dass
der objektive Tatbestand von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG und
Art. 112 Abs. 1 VTS zwar erfüllt sei. In subjektiver Hinsicht könne dem Beschul-
digte aber kein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden, weil der einge-
klappte Aussenspiegel einen leichteren Mangel im Sinne von Art. 57 Abs. 3 VRV
darstelle, mit welcher eine kurze Weiterfahrt noch gestattet sei (Urk. 51 S. 13 f.).
1.2. Vorweg festzuhalten ist an dieser Stelle, dass die Vorinstanz zu verkennen
scheint, dass in Bezug auf den eingeklappten Seitenspiegel vorsätzliche, und
nicht fahrlässige Tatbegehung eingeklagt wurde. So wirft die Untersuchungsbe-
hörde dem Beschuldigten explizit vor, ein landwirtschaftliches Fahrzeug mit unge-
nügend eingestellten Aussenspiegeln und übermässiger Sichthemmung nach hin-
ten wissentlich und willentlich gelenkt zu haben (Urk. 3/24). Damit hätte die
Vorinstanz in Einhaltung des Anklagegrundsatzes lediglich die vorsätzliche Bege-
hung dieses Vorwurfs prüfen dürfen oder die Anklage zur Ergänzung zurückwei-
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sen müssen. Da der Beschuldigte von diesem Vorwurf aber freigesprochen wur-
de, spielt diese Fehlinterpretation mangels beschwerender Wirkung auf den Be-
schuldigten keine wesentliche Rolle. Nachfolgend zu prüfen ist, ob das eingeklag-
te Verhalten, also die vorsätzliche Fahrt trotz Sichthemmung nach hinten, recht-
lich unter den eingeklagten Tatbestand subsumiert werden kann.
1.3. Dass der Tatbestand von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit
Art. 29 SVG und Art. 112 Abs. 1 VTS in objektiver wie subjektiver Hinsicht erfüllt
ist, ergibt sich ausdrücklich aus den Zugeständnissen des Beschuldigten. Er sel-
ber führte aus, dass der rechte Aussenspiegel während der Fahrt bei der Ver-
zweigung D._-/B._-Strasse eingeklappt sei und er in Kenntnis dessen
weitergefahren sei (Urk 3/20 Nr. 9, 12; Prot. I S. 8 f.). Damit hat er wissentlich und
willentlich gegen die genannten Verkehrsvorschriften verstossen. Fraglich ist vor-
liegend indes, ob der sich aus Art. 57 Abs. 3 VRV ergebende Rechtfertigungs-
grund zur Anwendung gelangen kann.
1.4. Die Untersuchungsbehörde macht diesbezüglich zusammengefasst gel-
tend, dass das vorinstanzliche Urteil rechtsfehlerhaft sei, weil der eingeklappte
Aussenspiegel – entgegen der Würdigung der Vorinstanz – keinen lediglich leich-
ten Mangel im Sinne von Art. 57 Abs. 3 VRV darstelle. Diese Bestimmung sei
nicht anwendbar, und der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen.
1.5. Gemäss Art. 57 Abs. 3 VRV darf der Führer eines Motorfahrzeugs mit be-
sonderer Vorsicht weiterfahren, wenn unterwegs leichtere Mängel auftreten. Die
Reparatur ist ohne Verzug zu veranlassen. Dies bedeutet aber entgegen der Be-
hauptung der Berufungsklägerin nicht, dass nur ein Mangel, deren Reparatur
nicht an Ort und Stelle erfolgen kann, in den Anwendungsbereich von Art. 57
Abs. 3 VRV fällt (Urk. 57 S. 4), ist dies dem Wortlaut des Gesetzes so doch nicht
zu entnehmen. Leichtere Mängel im Sinne dieser Bestimmung sind gemäss Lite-
ratur solche, die die Betriebssicherheit des Fahrzeugs an sich nicht tangieren und
die Befolgung der Verkehrsregeln noch immer gestatten (BSK SVG-SCHENK, N 49
f. zu Art. 29 SVG). Unter der Betriebssicherheit sind nicht nur im engeren, techni-
schen Sinn diejenigen Risiken zu verstehen, welche mit dem Betrieb als rein
technischem Vorgang in der Maschine verbunden sind. Erfasst wird vielmehr
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auch die bestimmungsgemässe Benutzung des Fahrzeugs im Strassenverkehr
(BSK SVG- SCHENK, N 27 zu Art. 29 SVG). Wann genau ein leichterer Mangel
vorliegt, ist anhand des Einzelfalles unter Berücksichtigung der konkreten Um-
stände zu beurteilen. Für diese Beurteilung ist insbesondere massgebend, wie
hoch der Grad der Verkehrsgefährdung ist, der durch die Weiterfahrt mit dem
Mangel geschaffen wird (BSK SVG-SCHENK, N 50 zu Art. 29 SVG). Je kleiner die-
se Gefährdung ist, desto eher kann man von einem leichteren Mangel ausgehen.
1.6. Die vorinstanzliche Qualifizierung, dass es sich beim eingeklappten Seiten-
spiegel um einen leichteren Mangel handelt (Urk. 51 S. 13 f.), ist im Ergebnis
nicht zu beanstanden. Die durch die Weiterfahrt mit eingeklapptem rechtem Sei-
tenspiegel geschaffene Gefahr ist für andere Verkehrsteilnehmer bei Berücksich-
tigung der konkreten Umstände und des Einzelfalles aus den nachfolgend darzu-
legenden Gründen als gering zu beurteilen. In der konkreten Konstellation ging es
um einen Traktor, der lediglich ca. einen Kilometer weit mit eingeklapptem rechten
Aussenspiegel auf einer Landstrasse mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h ge-
fahren wurde. Bis zum Kontrollort beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50
km/h und die Strasse verläuft einspurig, sehr beengt und relativ steil. Ab dem
Kontrollpunkt wird die Strasse in Fahrtrichtung zweispurig, die zulässige Höchst-
geschwindigkeit beträgt 80 km/h, und Fahrradfahrern wird ein separater Weg zu-
gewiesen. Der Beschuldigte fuhr also mit sehr geringem Tempo. Es handelt sich
um eine Landstrasse mit Höchstgeschwindigkeiten von 50 km/h bzw. 80 km/h und
nicht etwa um eine Autobahn, auf welcher deutlich schneller gefahren wird und
Fahrspurenwechsel häufig vorkommen Die Vorschriftswidrigkeit betraf den rech-
ten Seitenspiegel, welcher während der Fahrt einklappte. Einzige Gefahr, welche
er dadurch hätte schaffen können, wäre gewesen, einen Radfahrer zu übersehen,
welcher ihn genau in dem Moment von rechts zu überholen versucht hätte, wenn
er nach rechts abbiegen wollte. Das Eintreten einer solchen Konstellation er-
scheint aber bereits angesichts der Strassensituation und der Geschwindigkeit
des Beschuldigten vorliegend als sehr gering: So verläuft die Strasse doch relativ
steil. Ein Radfahrer hätte mindestens mit 30 km/h fahren müssen, um den Be-
schuldigten innerhalb des einen Kilometers überholen zu können. Bei dieser Stei-
gung und den beengten Strassenverhältnissen erscheint es aber als sehr un-
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wahrscheinlich, dass ein Radfahrer überhaupt mit 30 km/h fahren könnte.
Schliesslich reduziert sich die Verkehrsgefährdung gänzlich ab dem Kontrollpunkt:
Radfahrern wird ab diesem Ort ein separater Radweg zugewiesen. Selbst wenn
man aber davon ausgehen würde, dass ein Radfahrer es geschafft hätte, den Be-
schuldigten zu überholen, ergäbe sich eine nur geringe Gefährdung durch den
eingeklappten rechten Seitenspiegel. Denn der Beschuldigte fuhr nur mit 25 km/h.
Es muss ihm also ohne weiteres möglich gewesen sein, einen gewissen Bereich
der rechten Fahrbahnseite hinter ihm auch mit Kontrollblicken nach rechts zu
überblicken. Insbesondere einen mit 30 km/h fahrenden Radfahrer hätte er so
früh genug – also vor einem allfälligen Abbiegen nach rechts – erkennen können.
Zu Recht verwies sodann die Vorinstanz darauf, dass das Anhalten in so beeng-
ten Strassenverhältnissen eine weitaus grössere Verkehrsgefährdung geschaffen
hätte, als die Weiterfahrt mit eingeklapptem Seitenspiegel und mit einer Ge-
schwindigkeit von nur 25 km/h für etwa einen Kilometer. Damit tangierte der ein-
geklappte Seitenspiegel die Betriebssicherheit des Fahrzeuges in der vorliegen-
den Konstellation nicht in dem Ausmasse, dass die Befolgung der Verkehrsregeln
nicht mehr möglich gewesen wäre. Der eingeklappte Seitenspiegel gestattet in
der konkreten Situation weiterhin die bestimmungsgemässe Benutzung des Trak-
tors im Strassenverkehr. Damit ist der vorliegende Fall auch nicht vergleichbar mit
den von der Berufungsklägerin vorgebrachten Beispielen (Urk. 57 S. 3).
1.7. Die kurze Weiterfahrt des Beschuldigten mit eingeklapptem Seitenspiegel
war somit zwar tatbestandsmässig, aber nicht rechtswidrig, weshalb der Beschul-
digte in diesem Punkt freizusprechen ist.
2. Fahrt trotz Sichthemmung nach vorne (Anbaugerät an Frontlader)
2.1. Die Vorinstanz begründet ihren Freispruch in Bezug auf die Fahrt trotz
Sichthemmung nach vorne zusammengefasst damit, dass die Gabel allein die
Sicht nicht massiv beeinträchtige. Allein dies sei aber von der Untersuchungsbe-
hörde eingeklagt worden (Urk. 51 S. 16).
2.2. Die Untersuchungsbehörde wendet dagegen zu Recht ein, dass nicht nur
eine massive Sichthemmung unter Art. 71a Abs. 1 VTS falle, sondern jegliche
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Sichthemmung, welche es dem Führer verunmöglicht, bei einer Augenhöhe von
0.75 m über der Sitzfläche ausserhalb des Halbkreises von 12,0 m Radius die
Fahrbahn frei zu überblicken (Urk. 57 S. 5). Betrachtet man das Foto von der In-
nenkabine aus (Urk. 3/4 Bild 3), so ist die Fahrbahn durch die Gabel nicht in ge-
nanntem Sinn frei überblickbar. Mit der Vorinstanz kann zwar ebenfalls festgestellt
werden, dass die Sicht nach vorne massiver durch die Arme des Frontladers
rechts und links sowie den mitten im Sichtfeld stehenden Auspuff miteinge-
schränkt ist. Alle diese drei Teile gesamthaft schränken die Sicht doch massiv ein.
Nichtsdestotrotz reicht aber auch schon die Gabel, um den freien Überblick über
die Fahrbahn im Sinne von Art. 71a Abs. 1 VTS einzuschränken. Insofern ist der
eingeklagte Tatbestand von Art. 93 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 71a Abs. 1 VTS in ob-
jektiver Hinsicht erfüllt.
2.3. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift bezüglich der Sichthemmung
nach vorne fahrlässige Begehung vorgeworfen ("hätte er wissen müssen, dass
dies nicht den Vorschriften entspricht"). Zu beurteilen ist deshalb, ob der Beschul-
digte bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit hätte wissen müssen, dass die Sicht
durch die Gabel übermässig gehemmt war und er vorschriftswidrig handelte. Der
Beschuldigte führte glaubhaft aus, dass die Zulassungsbehörde ihm das Fahren
mit Auspuff und hochgefahrenem Frontlader ohne Auflagen bewilligt habe
(Urk. 62 Nr. 16). Wenn aber nun die Arme des Frontladers und der Auspuff von
der Zulassungsbehörde nicht für sichthemmend bzw. vorschriftswidrig qualifiziert
wurden, war für den Beschuldigten auch nicht vorhersehbar, dass nun die Arme
der Gabel seine Sicht vorschriftswidrig einschränken sollen. Der Beschuldigte hat
seiner Sorgfaltspflicht entsprechend den Traktor mit sichtbehinderndem Auspuff
und dem hochgefahrenen Frontlader, dessen Arme die Sicht weitaus mehr ein-
schränken als diejenigen der Gabel, bei der Zulassungsbehörde vorgeführt. Die
Zulassungsbehörde hat ihm die Bewilligung erteilt, und zwar ohne ihm die Auflage
zu machen, dass er an den Frontlader kein Anbaugerät anbringen dürfe, da an-
sonsten der freie Überblick im Sinne von Art. 71a Abs. 1 VTS nicht gewährleistet
wäre. Dass der Beschuldigte deshalb bei der Fahrt auf der B._-Strasse von
vorschriftsmässigem Verhalten ausging, kann ihm nicht zum Vorwurf gemacht
werden. Dem Beschuldigten kann insbesondere nicht vorgeworfen werden, darauf
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vertraut zu haben, dass die Zulassungsbehörde als Fachstelle gewusst hat, dass
an den Frontlader üblicherweise ein Anbaugerät (Gabel etc.) angebracht wird und
diese ihm eine Auflage erteilt hätte, wenn dies verboten gewesen wäre.
2.4. Damit hat sich der Beschuldigte auch nicht gemäss Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG
i.V.m. Art. 29 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV und Art. 71a Abs. 1 VTS strafbar gemacht.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 2) grundsätz-
lich zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Da jedoch gemäss Art. 423 StPO der
verfahrensführende Kanton und nicht die betreffende Behörde die Kosten trägt
(vgl. SCHMID, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 428
N 3), sind die Kosten des Untersuchungsverfahrens auf die Staatskasse zu neh-
men. Die Kosten des Berufungsverfahrens haben ausser Ansatz zu fallen
(Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Zu den Entschädigungsfolgen im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 51 S. 17 f.). Das vorinstanzliche Entschädigungsdispositiv (Ziff. 3) ist
zu bestätigen.
3. Für die anwaltliche Verteidigung ist dem Beschuldigten eine Prozessent-
schädigung zuzusprechen (Art. 436 Abs.1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).
Der in der eingereichten Honorarnote aufgeführte Aufwand von rund 16.85 Stun-
den und damit Fr. 4'367.50 (inkl. MwSt.) erscheint als angemessen (Urk. 67). Es
rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung für das
Berufungsverfahren von Fr. 4'367.50 (inkl. MwSt.) zuzusprechen.