Decision ID: afdce3bf-d4cf-4898-8489-f6e5610e0c61
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, erlitt am
4.
Mai 2000 einen
Autounfall und
meldete sich am 1
2.
April 2002 mit Hinweis auf multiple Verletzungen nach ei
ner
HWS-Verletzung und einer leichten traumatischen Hirnverletzung bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2 Ziff. 7.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Ver
fügung vom 1
1.
Juni 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab Mai 2001 zu (Urk. 8/42).
Mit Mitteilung vom 2
9.
Februar 2008 (
Urk.
8/75) bestätigte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 86
%
den
A
nspruch auf eine ganze Rente.
1.2
Im Mai 2012 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (vgl.
Urk.
8/
91)
. Gestützt auf die Ergebnisse einer mehrjährigen Observation der Ver
sicherten, durchgeführt vom
Haftpflichtversicherer des seinerzeitigen
Unfallver
ursachers
(vgl.
Urk.
8/
97 =
Urk.
7/1)
,
stellte die IV-Stelle mit
Mitteilung vom
2
5.
April 2014
die Sistierung der Rente in Aussicht (Urk.
8/106
)
, wozu die Ver
si
cherte am 1
1.
Mai
2014 (Urk.
8/110
)
und am 2
8.
Mai 2014 (
Urk.
8/114) Stel
lung nahm.
Mit Verfügung vom 1
1.
Juli
2014 sistierte die IV-Stelle die Rente
mit sofortiger Wirkung. Einer Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung (Urk. 8/116 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 11
.
Juli
201
4
erhob d
ie Versicherte am 15
.
Septem
ber
201
4
Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzu
heben,
und
die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Rente bis zum Abschluss der
angeordneten medizinischen Abklärung weiter auszurichten (
Urk.
1 S.
2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte die
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 27. Oktober 2014 mitgeteilt (Urk. 9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk.
2) zur B
e
gründung
der angeordneten Sistierung aus, gemäss Beurteilung des Regiona
len
Ärztlichen Dienstes (RAD) mache die Beschwerdeführerin bei den anhand der
Observation festgestellten Tätigkeiten einen vitalen unauffälligen Eindruck. In den Verhaltensbeobachtungen sei kein auffälliges Verhalten gesehen worden, zu
dem kontrastierten diese zu den Angaben der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer Leist
ungsfähigkeit. Werde das heute
gezeigte Aktivitätsniveau mit dem
j
e
ni
gen
bei der
Rentenzusprache
und während der Abklärungen des
Unfall
ver
sicherers
in Ver
bindung
gesetzt, sei von einem deutlich gebesserten Gesund
heitszu
stand seit zirka 2005/2006 auszugehen. Es könne von einer ausgeprägten
Ag
gravation ausgegangen werden.
Mit Blick auf die Observationsergebnisse und
die diesbezügliche Würdigung durch den RAD bestünden eindeutige Zweifel an
einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zumindest zum Zeitpunkt
der Obser
va
tion. Aufgrund der dargelegten und aus medizinischer Sicht beurteilten Dis
kre
panzen bestehe die Möglichkeit einer rückwirkenden Leistungsbeurteilung (S. 2).
1.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1)
,
dass selbst mit einem reduzierten, aber guten Einkommen immer noch ein An
spruch zumindest auf eine Teilrente bestünde. Es gebe genügend Anhaltspunkte dafür, dass sie keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreicht habe, die zu
einem rentenausschliessenden Einkommen führen würde. Ausserdem gebe es in den Akten keine einzige Stellungnahme eines Arztes, der im Vollbesitz der Ak
ten
gewesen sei oder einer medizinischen Fachperson, die sie untersucht habe. Es gebe
schlicht keinen Hinweis auf eine verbesserte intellektuelle Leistungsfä
hig
keit. Diese sei jedoch die Grundlage für ihr hohes Einkommen (S. 5
Ziff. 21
). Im Weiteren sei im Fall einer rückwirkenden Einstellung der Rente die Rückfor
de
rung nicht gefährdet. Einerseits habe sie genügend Vermögen, um eine Rück
forderung aufgrund einer rückwirkenden Aufhebung zu begleichen. Ande
rerseits
habe die IV die ganzen
Rentenbetreffnisse
sowohl
für die Vergangenheit als auch
für die Zukunft
regressiert
. Das heisse, die IV sei dafür bezahlt worden, dass sie die Renten ausrichte.
Diese Renten würden angerechnet in die Schaden
ersatz
for
derungen (S. 5 f.
Ziff. 22 ff.
).
1.3
St
rittig und zu prüfen ist somit,
ob die vorläufige Leistungs
einstellung rechtens ist.
2.
2.1
Nach der Lehre (Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversiche
rung, Bern 2010) ist die IV-Stelle zum Erlass vorsorglicher Massnahmen er
mäch
tigt, wobei die Ermächtigung in der Anknüpfung an das Bundesgesetz über
das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) beziehungsweise das Bundesgesetz über den Bun
deszivilprozess (BZP) gründet und sich insbesondere auf das materielle Bun
desrecht, dessen Durchsetzung die vorsorglichen Massnahmen sichern sol
len, stützt
(Urs Müller, a.a.O.,
Rz
2329; vgl. auch BGE 121 V 112, S. 115 f.).
Die IV-Stelle ist auch im Verfahren der Revision gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der
Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG sowie der prozessualen Revi
sion
nach Art. 53 Abs. 1 ATSG zum Erlass vorsorglicher Massnahmen befugt (vgl. Franz
Schlauri
, Die vorsorgliche Einstellung von Dauerleistungen der Sozi
al
ver
sicherung, in: Schaffhauser/
Schlauri
, Hrsg., Die Revision von Dauerleistun
gen in der Sozial
versicherung, St. Gallen 1999, S. 193). Hauptanwendungsfälle von vorsorgli
chen Massnahmen in der Praxis sind einerseits die Einstellung ei
ner lau
fenden Rente und andererseits der Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwer
de (Urs Müller, a.a.O.,
Rz
2328).
Damit ist die grundsätzliche Befugnis der IV-Stelle zur Sistierung einer Rente ausgewiesen.
2.2
Vorsorgliche Massnahmen werden aufgrund einer summarischen Prüfung ge
stützt auf die vorhandenen Unterlagen getroffen. Auch im
Rechtsmittelverfah
ren
kann die Sache deshalb nicht eingehend abgeklärt und damit der Entscheid in der Hauptsache vorweggenommen werden. Vielmehr ist aufgrund der vor
hande
nen Akten zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine vorsorgliche Mass
nahme
vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4C_463/2009 vom 8. Juli 2009, E.
3.2.2
mit weiteren Hinweisen).
Ein Entscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen setzt Dringlich
keit voraus. Nicht dringlich ist eine Massnahme, wenn mit ihr zugewartet wer
den könnte, bis das Verfahren durchlaufen ist. Der Verzicht auf eine Mass
nahme
muss zudem
aus Sicht der entscheidenden Behörde
einen Nachteil bewirken, der nicht leicht wieder gut zu ma
chen wäre, wobei ein tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches Interesse ge
nügen kann. Die vorsorgliche Massnahme muss ge
eignet sein, den befürchte
ten Nachteil nicht eintreten zu lassen. Zudem muss sie erforderlich sein. Schluss
endlich ist eine Interessenabwägung vorzunehmen. Die Abwägung der entge
genstehenden Interessen gibt den Ausschlag für den einst
weiligen Rechts
schutz und hat verhältnismässig zu sein. Die Berücksichtigung
der
Hauptsa
chen
prog
nose
rechtfertigt sich nur, wenn die
Entscheidprognose
ent
sprechend eindeutig ist (Urs Müller, a.a.O.,
Rz
2336 ff.).
3.
3.1
Der Beschwerdeführerin wurde die ganze Rente wegen eines Status nach Ver
kehrs
unfall am
4.
Mai 2000 mit leichter
commotio
cerebri und
HWS-Distorsi
onstrauma
mit
zervikocephalem
Syndrom, Spannungskopfschmerzen sowie neu
ro
psychologischen Störungen wie einer Konzentrationsschwäche und eines rezi
divierenden psychischen Erschöpfungszustandes zugesprochen (vgl.
Urk.
8/37).
Im
Revision
sfragebogen
vom 4. Oktober 2012 (Urk. 8/91) gab
die Beschwerde
füh
rerin an
,
die Aufnahme einer Tätigkeit könnte einen positiven Einfluss auf ihr Befinden haben (S.
1
Ziff.
1.1). Sie führte weiter aus, dass sie sich seit Längerem bemühe, die verbliebenen Fähig
keiten zu trainieren und einzusetzen, um mittel
fristig wieder eine
Teilzeittätig
keit
aufnehmen zu können. In einer regulären
Teil
zeittätigkeit
in der Wirtschaft könne sie mit ihren unfallbedingten Einschrän
kungen nicht dauerhaft bestehen. Einschränkend wirkten sich vor allem kog
ni
tive Defizite (
Konzentrationsstörun
gen
) und auch schmerzhafte HWS- und LWS-
Beschwerden aus. Sie versuche ihr momentanes Niveau zu stabilisieren, in dem sie einige Semester Medizin stu
diere. So könne sie die Vorteile einer
Studier
tätigkeit
wie eine flexible Zeitein
teilung und ein reduziertes Tempo nutzen. Dies wirke sich positiv auf ihr Befin
den aus. Mit Kenntnissen in Medizin als
Zu
satz
qualifikation
könne sie eventuell in einer wirtschaftswissenschaftlichen For
schungsgruppe eine Teilzeittätigkeit als Nische mit geeigneten Rahmenbeding
ung
en finden (S.
5
f.).
Auch
Dr.
med.
Y._
führte im
Revisions
frage
bogen
aus
, dass der Beschwerdeführerin
eine angepasste Tätigkeit für
4-5 Stunden in absoluter Ruhe und bei selbständiger
Ar
beitseinteilung
möglich sei (S. 3).
3.2
Der Haftpflichtversicherer des seinerzeitigen Unfallverursachers liess die Be
schwerdeführerin observieren, und zwar
vom
3.
Juli 2009 bis zum
4.
Mai 2011
(vgl.
Berichte in
Urk.
8/97 =
Urk.
7/1)
.
In den Berichten über die Observation (
Urk.
8/97) wurde festgehalten,
es sei be
kannt geworden
, dass die Beschwerdeführerin unlängst an zwei Publikationen der
Z._
mitgewirkt habe und offenbar beim
A._
, einem
Busi
nes
s
club
für Frauen, bei welchem sie selber Mitglied sei, in der Zeit nach ihrem Unfall auch schon Vorträge gehalten habe (S.
2). Bei diversen Observationsver
suchen im Bereich des Wohnortes der Beschwerdeführerin habe nie eine Frau gesehen
werden können, deren Signalement auf die Beschwerdeführerin zuge
troffen habe.
Im Verlaufe der Ermittlungen anfangs 2011 habe sich herausge
stellt, dass die
Beschwerdeführerin offenbar nur ihre Post an ihre offizielle Wohnadresse in
B._
zustellen lasse, jedoch in
C._
wohne. Sie wohne dort offenbar beim
Vater ihres knapp 2-jährigen Kindes (S. 4 f.).
Die Beschwer
deführerin sei regelmässig mit dem Zug und in der Stadt
D._
mit
dem Tram unterwegs. Sie sei wiederholt an der
Z._
in der Schulanlage
E._
zu se
hen gewesen, wo sie als Studierende des
2.
Studienjahres für Human-
und Zahnmedizin eingetragen sei (S. 5).
Am 1
5.
Dezember 2010 habe die Be
schwer
deführerin eine Verhandlung beim Friedensrichter gehabt. Sie habe schon
am
frühen Morgen
ihren inoffiziellen Wohnort in
C._
verlassen und noch vor der Verhandlung ihr Kind in die Tagesstätte nach
D
._
gebracht. Nach der Verhandlung sei sie nicht nach Hause, sondern mit dem Tram an die Uni ge
fahren, wo sie sich bis 17.00 Uhr aufgehalten habe. Sie habe dann ihr Kind ab
geholt und sei so mit Kinderwagen und Gepäck recht schwer beladen bei teil
weise schneebedeckten Strass
en zur nächsten Tramhaltestelle
gegangen und zum Hauptbahnhof
D._
gef
ahren, wo sie sich eilig mit dem Kinderwagen und Rollkoffer im grossen Feierabendverkehr und bei Weihnachtsmarkt durch den
Bahnhof zum Zug Richtung
C._
begeben habe. In
F._
sei sie ausgestie
gen
und habe sich mit dem Kind auf den Armen und dem Rollkoffer im Kin
der
wagen ins Bahnhofrestaurant begeben, wo sie einer älteren Frau das Kind über
geben habe. Danach sei sie mit dem Zug weiter Richtung
G._
gefahren, wo sie nach der Ankunft
einen Mann getroffen habe, i
n dessen Auto sie dann wegge
fahren seien
(S. 15)
.
Auch an den anderen Tagen
sei die Beschwerdefüh
rerin jeweils
um zirka 11.00 Uhr
zusammen mit ihrem knapp zweijährigen Kind zu Fuss zum Hauptbahnhof
C._
gelangt
und dort in den Zug nach
D._
eingestiegen.
Um zirka 12.00 Uhr sei sie in
D._
eingetroffen, habe ihr Kind mit dem Tram zur Tages
stätte gebracht
und sich daraufhin in die Räumlichkei
ten des Anatomischen Insti
tuts
der Uni
E._
begeben. Dort habe sie
teilweise
Unterrichtsstunden
besucht,
sich
während
2
-
3
Stunden in einem
Gruppenraum
aufgehalten
und
während zirka 2 Stunden Selbststudium betrieben.
Danach habe sie jeweils
gegen 17.00 Uhr
eilig mit Rucksack und Rollkoffer die Uni ver
lassen und sich zu Fuss zur Kinde
rk
rippe begeben, wo sie ihr Kind abgeholt habe. Mit dem Tram sei sie an
schliessend mit Kind, Kinderwagen und Gepäck zu
m Hauptbahnhof
gelangt
, wo sie in den Intercity
nach
F._
-
C._
-
H._
gestiegen sei
. Bei der Ankunft in
C._
sei sie jeweils zu Fuss in die zirka 600 m entfernte Altstadt gelangt, wo
sie mit dem mitgeführten Schlüssel die Haustüre geöffnet habe und kurz nach 19.00 Uhr im Treppenhaus verschwunden sei
(S. 9
-15).
Beim Ein- und Aussteigen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln habe sie jeweils andere Fahrgäste gefragt, damit diese ihr beim Heben des Kinderwagens über
die Treppenstufen geholfen hätten. Ansonsten habe sie all die Strapazen mit Kind
,
Kinderwagen und Gepäck souverän ohne Hilfe Dritter bewältigt und sich
auch in grossen Menschenmengen sicher, rasch und zielstrebig bewegt. Sie sei
auch
wiederholt mit anderen Menschen im Gespräch und dabei stets freundlich
und aufgestellt gewesen. Ihr Kind habe sie stets sehr liebevoll und fürsorglich um
sorgt, dies auch in stressigen Situationen. Während der ganzen
Beobach
tung
s
zeit
habe die Beschwerdeführerin gesund und überaus vital gewirkt und sich ganz natürlich verhalten. Auch beim Selbststudium an der Uni habe sie konzen
triert gewirkt. Zu keinem Zeitpunkt seien bei ihr Anzeichen von physi
schen oder
psychischen Beschwerden oder Schmerzen auszumachen gewesen (S. 15 unten).
3.3
Es besteht eine offensichtliche Diskrepanz zwischen den für die
Zusprache
der
Rente massgebenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und dem anlässlich der
Überwachung beobachteten alltäglichen Verhalten der Beschwerdeführerin.
Insgesamt liefern die Überwachungsprotokolle hinreichende Anhaltspunkte da
für,
dass die Beschwerdeführerin in der Lage wäre, einer Erwerbstätigkeit nach
zu
geh
en.
So zeigte sich die Beschwerdeführerin zum Teil während über neun Stunden
ausser Haus sehr aktiv, wobei es schien, dass ihre Aktivitäten nach
Überwach
ungsabbruch
am Abend noch weiter gingen (vgl.
Urk.
8/97
S.
22).
Sie hielt sich weiter
während über vier Stunden
a
n der Uni auf, wo sie ein 2-stündi
ges Prak
ti
kum besuchte und anschliessend noch während 2 Stunden Selbststu
dium be
trieb
(
Urk.
8/97
S.
30). Die Beschwerdeführerin bewältigte die Strapazen mit einem schweren Rucksack, einem Rollkoffer und einem Kinderwa
gen stets souverän und bewegte sich sicher in Menschenmengen, wobei sie ei
nen überaus aktiven
und vitalen Eindruck hinterliess. Anzeichen von körperli
chen Behinderungen oder
anderen Beschwerden konnten nicht erkannt werden (
Urk.
8/97
S.
22
f.
).
So trug
sie ihr Kind auf
dem
eine
n
Arm und stiess mit dem anderen Arm den be
ladenen Kinderwagen auch über Stufen aus dem Tram und über
Gehsteig
ränder
(
Urk.
8/97
S.
30).
Unter diesen Umständen hat die Beschwerdegegnerin verwaltungsrechtliche Konse
quenzen zu ziehen und die Rente allenfalls aufzuheben. Zur Prüfung des Leistungsanspruchs hat sie
eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet (vgl.
Urk.
2
S. 3).
3.4
Unterbleiben vor
sorgliche Massnahmen, so kann die
Beschwerdeführer
in
bis zum
Abschluss des Revisionsverfahrens wei
terhin Leistungen der Invaliden
ver
sic
he
rung
beziehen. Damit kommt sie
unter Umständen in den Genuss von zu Un
recht ausg
erichteten Leistungen, welche sie
gegebenenfalls zurückzuerstatten hat.
Die Beschwerdegegnerin hat ein Interesse daran, eine Rückforderung wegen der damit verbundenen administra
tiven Erschwernisse und der Gefahr der
Nichtein
bringlichkeit
nach Möglichkeit zu vermeiden.
Die Sistierung erweist sich als geeignet, um diesen nicht leicht wieder gut zu machenden Nachteil nicht eintreten zu lassen. Die vorläufige Renteneinstellung ist auch erforderlich, eine mildere Massnahme ist nicht ersichtlich.
3.5
Zu beurteilen bleibt, ob die vorläufige Sistierung der Rente verhältnismässig ist, da die vorübergehende Einstellung der Rentenzahlungen einen erheblichen Ein
schnit
t in die Einkommenssituation der Beschwerdeführerin
darstellt.
Bei der Abwägung der Gründe für und gegen eine vorläufige Sistierung steht dem
genannten Interesse der Beschwerdegegnerin
das Interesse der Beschwer
defüh
rer
in
,
während der Dauer des Revisionsverfahrens nicht von der Fürsorge abhängig
zu sein, gegenüber. Diesem Umstand kommt jedoch
praxisgemäss
nur dann au
s
schlagge
bende Bedeutung zu, wenn mit
grosser
Wahrscheinlichkeit anzuneh
men
ist
, dass der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
weiterhin besteht
(vgl. BGE 105 V 266, S. 269 f. E
.
3).
Dies ist vorliegend nicht der Fall. In den Observationsberichten, den
Video
auf
nahmen
und der Fotodokumentation (vgl.
Urk.
8/97,
Urk.
7/1-8)
finden sich viele
Hinweise dafür, dass de
r
Beschwerdeführer
in
eine Arbeitstätigkeit zumut
bar wäre.
Die Beschwerdegegnerin hat mittlerweile eine medizinische Abklärung in die
Wege geleitet. Der Ausgang des
Revisions
verfahrens
ist noch offe
n. Die Tat
sach
e allein, dass die
Beschwerdeführer
in
allenfalls das Sozialamt um finan
ziel
le Un
terstützung ersuchen muss
, rechtfertigt die weitere Auszahlung der Rente somit nicht.
Bei der vorliegenden Aktenlage
überwiegt vielmehr das öf
fentliche Inte
resse an einer sofortigen Sistierung der Rentenleistungen das pri
vate Interesse an
der Weiterausrichtung der Rente bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Ent
scheids über den Rentenanspruch. Somit ist die Beschwerde abzuweisen.
4
.
Das vorliegende Verfahren ist kostenlos, weil es nur die vorläufig unterblei
bende Auszahlung und damit nicht die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen zum Gegenstand hat (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG e
contrario
).