Decision ID: 82114126-2358-454e-8267-2dc3bf4c00e0
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, war seit
dem
1.
Januar 2004 als Geschäftsführer des Transportunternehmens
Z._
GmbH tätig,
als er am 2
3.
April 2004 beim Liefern von Waren auf einer Treppe stürzte und die linke Schulter und den Kopf anschlug (Unfallmeldung UVG vom 2
8.
April 2004,
Urk.
8/16/230; Arztzeugnis UVG vom 1
9.
Mai 2004,
Urk.
8/16/229).
Es
persistierten Kopf- und Nacken
beschwerden und
X._
klagte zudem über Konzentrations- und Gedächtnis
probleme (Berichte von
Dr.
med. A._
, Spezialarzt für Neurologie, vom 1
7.
Mai und vom 1
7.
Juni 2
004,
Urk.
8/16/226-228 und Urk.
8/16/223-224). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und
wies den Versicherten
nach einer Besprechung an dessen Wohnort (Bericht vom 1
9.
Juli 2004,
Urk.
8/16/
219-221) der Rehaklinik
B._
zur stationären Abklärung und Rehab
i
litation zu (Austrittsbericht der Rehaklinik
B._
vom 1
8.
Oktober 2004 zum Aufenthalt von Mitte August bis Ende September 2004,
Dr.
med. C._
und Prof.
Dr.
med. D._
, Spezialarzt für Neurologie,
Urk.
8/16/183-188; neuropsychologischer Bericht vom 2
0.
August 2004,
lic
. phil.
E._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie, und
Dr.
med. F._
, Spezialarzt für Neurologie,
Urk.
7/16/193-196; Bericht vom 3
0.
September 2004 über das psychosomatische Konsilium,
Dr.
med. G._
und
Dr.
med. H._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Urk.
8/16/
189-191).
Aufgrund der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der Ärzte der Rehaklinik
B._
reduzierte die Suva das Taggeld
mit Verfügung vom
9.
Februar 2005 rückwirkend
per Anfang 2005 auf 50
%
(
Urk.
8/16/163-164)
, nahm diese Verfügung jedoch auf die Einsprache des Versicherten hin
(
Urk.
8/16/152-153)
wieder zurück (Schreiben vom 2
1.
März 2005,
Urk.
8/16/150-151). In der Folge klagte der Versicherte
weiterhin über generalisierte, vom Kopf und vom Nacken ausgehende Schmerzen sowie über kognitive Schwierigkeiten (Bericht
e
von
Dr.
A._
vom 1
0.
Februar 2005
und vom
5.
April 2005
,
Urk.
8/16/157-159
und Urk. 8/16/129
131
)
, weshalb die Suva eine neuropsychologische
Abklärung
durch
Dr.
phil. I._ und Dipl.-Psych. J._
veranlasste, die im Mai und
Juni 2005 stattfand (Bericht v
om 3
0.
Juni 2005, Urk. 8/16/115
126). Dort berichtete der Versicherte auch über einen Autounfall des Jahres 1999, bei
dem
ein anderes Fahrzeug in sein Auto gefahren und er mit dem Kopf gegen das Fenster geprallt sei (vgl.
Urk.
8/16/115
; vgl. auch bereits
Urk.
8/16/189
)
. An die
Abklärung
durch
Dr.
I._
und Dipl.-Psych.
J._
schloss sich eine kreisärztliche Unt
ersuchung durch
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt für Chirurgie, an (Beric
ht vom 2
2.
September 2005, Urk.
8/16/104-109), und es fol
gten eine neurologische Beurteil
ung anhand der Akten durch
Dr.
med. L._
, Spezialärztin für Neurologie und Psychiatrie (
Bericht vom 2
3.
Dezember 2005,
Urk.
8/16/85-91)
, Behandlungen im Herkunftsland des Versicherten (
Urk.
8/16/79-82; Bericht von
Dr.
A._
vom
8.
Februar 2006,
Urk.
8/16/60-61)
sowie Gespräche mit dem Rechtsvertreter des Versicherten und mit diesem persönlich (Berichte vom 31
.
Januar und vom
6.
Februar 2006,
Urk.
8/16/76-78 und
Urk.
8/16/62-64)
.
Des Weiteren nahm der Versicherte eine Kopfschmerztherapie in der
Klinik
M._
auf; die K
osten eines
beantragten
längerdauernden
stationären Medikamenten
entzugs übernahm die Suva jedoch nicht (vgl. hierzu die Berichte und die Korrespondenz in
Urk.
8/16/37-56).
1.2
W
ährend de
r
noch laufenden Behandlung
der Folgen des
Ereigni
s
s
es
vom 23.
April 2004
wurde der Versicherte am 2
0.
Dezember 2006
als Beifahrer
in einen Auffahrunfall verwickelt und schlug dabei erneut den Kopf an (Unfallmeldung UVG in
Urk.
8/16/420; Bericht des Universitätsspitals
N._
vom 2
0.
Dezember 2006 über die Notfallbehandlung,
Urk.
8/16/
418-419; Beri
cht des Univers
itätsspitals
O._
vom 2
1.
Dezember 200
6,
Urk.
8/16/415-416). Danach schilderte er
verstärkte Kopf- und Nackenbeschwerden, erneut mit zusätzlichen vege
tativen und kognitiven Beeinträchtigungen
(
Bericht von
Dr.
A._
vom 7.
Februar 2007,
Urk.
8/16/411-412). Die Suva führte wiederum eine persönliche Besprechung mit dem Versicherten durch (Bericht vom 1
3.
März 2007
mit den Angaben vom 1
4.
März 2007 im standardisierten Erhebungsblatt
, Urk.
8/16/
392
398
)
, liess durch
Dr.
L._
eine weitere Aktenbeurteilung erstellen (Bericht vom 2
9.
März 2007,
Urk.
8/16/387-389) und veranlasste ausse
rdem eine biomechanische Kurzbe
u
r
teilung, die Prof.
Dr.
med. P._
, Spezialarzt für Rechtsmedizin, am 1
7.
August 2007 fertigstellte (Urk.
8/16/
301-307). Vom 2
2.
bis zum 2
8.
August 2007 hielt sich der Versicherte sodann in der neurologischen Klinik des Universitätsspitals
O._
zum Schmerzmittelentzug
auf (B
ericht vom 2
3.
August 2007,
Urk.
8/16/271-276); anschliessend
folgte von Ende August bis Mitte September 2007 ein Aufenthalt zur stationären neurologischen Rehabilitation im
Rehazentrum
Q._
(Bericht vom 2
0.
September 2007 einschliesslich einer psychologischen B
eur
teilung
durch Dipl.-Psych.
R._
vom
2
3.
September 2007, Urk.
8/16/281-288)
.
Nachdem die Suva die nochmalige neurologische A
ktenbeur
t
eilung durch
Dr.
L._
vom 2
2.
Juli 2008 hatte
verfassen lassen (Urk. 8/16/260
265), eröffnete sie dem Ver
sicherten mit Verfügung vom
24.
September 2008, dass sie die Leistungen per 3
1.
Oktober
2008 einstellen werde, da
hinsichtlich de
r Unfälle
vom 2
3.
April 2004
und
vom 2
0.
Dezember 2006 keine adäquaten Unfallfolgen mehr bestünden (
Urk.
8/16/256-257). Der Versicherte liess gegen diese Verfügung Einsprache erheben (Urk.
8/16/249
253
), welche die Suva mit Entscheid
vom 2
2.
Januar 2009 abwies (
Urk.
8/16/231-245). Dieser Entscheid blieb unangefochten.
1.3
Am 1
5.
Januar 2013 schlug der V
ersicherte, der im November
2012 eine Stelle als Bauarbeiter bei der
S._
GmbH angetreten hatte
(vgl. den Arbeitsvertrag in
Urk.
8/16/452-4
55)
, bei einem Treppensturz abermals den Kopf an (Schadenmeldung UVG vom
5.
Februar 2013,
Urk.
8/16/430; Arztzeugnis UVG von
Dr.
A._
vom 1
9.
Februar 2013,
Urk.
8/16/441)
und beschrieb daraufhin gegenüber
Dr.
A._
intensive Nacken- und Kopfschmerzen, die in ihrem Ausmass deutlich über den vorbestandenen Bes
chwerden lägen (Bericht von Dr.
A._
vom 1
6.
Januar 2013,
Urk.
8/16/442-443).
Die Suva
, di
e ihre Leistungspflicht auch diesmal
anerkannte,
führte eine Besprechung mit dem Versicherten durch (Bericht vom 1
0.
April 2013,
Urk.
8/16/468-469) und ordnete ein LTHV-Assessment (
L
eichte
T
raumatische
H
irn-
V
erletzung) an (Schreiben vom 1
4.
März 2013,
Urk.
8/16/449-450), das am 18./1
9.
April 2013 in der Rehaklinik
B._
stattfand (
neurologischer Bericht vom 1
4.
Mai 2013,
PD
Dr.
med. T._
, Spezialärztin für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie,
Urk.
8/16/477-498
, sowie vorangegangene Berich
terstattung dieser Ärztin per E
Mail vom 2
1.
April 2013,
Urk.
8/16/471
-472
; neuropsychologischer Ber
i
cht vo
m 1
8.
April 2013,
lic
. phil. U._
, Neuropsyc
hologe und Psychologe FSP, Urk.
8/16/499-504;
Bericht Ergotherapie/Physiotherapie vom 1
9.
Apri
l 2013, Dipl. Ergotherapeutin V._
,
Dipl. Physiotherapeutin W._
,
MAS
Musik
therapeut
AA._
_
,
Urk.
8/16/505-514).
Anlässlich dieses Assessment
s
berichtete der Versicherte unter anderem, während der letzten fünf Jahre eine Haftstrafe verbüsst zu haben und im Dezember 2012 entlassen worden zu sein (vgl.
Urk.
8/16/500).
Mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2013 stellte die Suva ihre Leistungen mangels
Unfalladäquanz
der noch geklagten Beschwe
rden per
1.
Juni 2013 ein (Urk.
8/16/517-518). Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/16/525-530) wies die Suva mit Entscheid vom
6.
November 2013 ab (
Urk.
8/16/542-551); auch dieser Entscheid blieb unangefochten.
1.4
Am
3.
April 2014
meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Züri
ch, IV-Stelle, holte von
Dr.
A._
den Bericht vom 1
6.
Juli 2014 ein (
Urk.
8/11/1-4, unter anderem
mit dem beigelegten Bericht über die aktuellste Untersuchung vom 2
0.
März 2014,
Urk.
8/11/9-10)
und zog die Akten der Suva bei (
Urk.
8/16/1-561; vgl.
Urk.
8/12). Im Zuge ihrer Abklärungen erfuhr die IV-Stelle, dass
sich der Versicherte
erneut in Untersuchungshaft befand (vgl. die Aktennotizen in
Urk.
8/14 und
Urk.
8/17).
Mit Vorbescheid vom
2.
September 2014 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten, dass sie einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu verneinen gedenke, da kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei
(
Urk.
8/19). Der Versicherte l
iess Einwendungen erheben (Urk.
8/21 und
Urk.
8/2
8) und neue Berichte einreichen, nämlich einen Bericht von
Dr.
A._
vom 2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
8/24) und einen Bericht von
pract
. med.
AB._
_
, Leitende Ärztin des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich
,
vom
3.
Nove
mber 2014 (Urk.
8/25)
; die IV-Stelle entschied jedoch mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2015 im Sinne ihres Vorbescheids
und verneinte den Anspruch des Versicherten auf Leistungen (
Urk.
8/31). Eine Beschwerde gegen diese Verfügung wurde nicht erhoben.
1.5
Am 1
1.
September 2018 meldete sich der Versicherte zum zweiten Mal bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/47).
Die IV-Stelle holte den Bericht von
Dr.
med. AC._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
des
Psychologen Dr.
phil. h. c.
AD._
vom 2
2.
Oktober 2018 ein, in deren Praxis der Versicherte nach der Haftentlassung per Ende Juni 2018 (vgl.
Urk.
8/51/2) eine Behandlung aufgenommen hatte (
Urk.
8/51
; vgl. das Zuweisungsschreiben von
Dr.
A._
vom 1
4.
August 2018,
Urk.
8/54/13-14
); ferner liess sie
durch Dr.
A._
den Bericht vom
8.
Januar 2019 verfassen (
Urk.
8/54/1-6) und erhielt von diesem die Berichte über die vorangegangenen Abklärunge
n seit der Haftentlassung (Urk.
8/54/7-1
2
). Am 1
1.
März 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass Eingliederungsmassnahmen
zur Zeit
nicht möglich seien (
Urk.
8/55).
Nach der Einholung des Verlaufsberichts von
Dr.
A._
vom 1
4.
Juni 2019 (
Urk.
8/58/1-3
) ordnete die IV-Stelle
auf die
Empfehlung ihres RAD-Arztes Dr.
med. AE._
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 21./2
5.
Juni 2019 hin (
Urk.
8/91/4)
eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten an
(vgl.
die Korrespondenz hierz
u in
Urk.
8/59-73 und
Urk.
8/80
81) und zog in deren Vorfeld einen Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister betreffend den Versicherten bei (
Urk.
8/75).
Ein Gesuch um
die Bestellung einer
u
nentgeltlichen Rechtsvertretung
für die Dauer des Verwaltungsverfahrens lehnte sie mit Verfügung vom 1
8.
März 2020 ab (
Urk.
8/87).
1.6
Am 3
1.
März 2020 erstattete die Gutachtenstelle
AF._
Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen
ihr Gutachten (
Urk.
8/89;
Fallführung und neuro
psychologisches Teilgutachten von
Dr.
med. AG._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie; internistische
s Teilgutachten von
Dr.
med. AH._
, Spezialarzt für Allgemeine Innere Medizin; neurologisch
es Teilgutachten von
Dr.
med. AI._
, Spezialarzt für Neurologie; orthopädisches Teilgutachten von
Dr.
med. AJ._
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates;
psychiatrisches Teilgutachten von
Dr.
med. AK._
, Spezialarzt für
Psychiatrie und Psychotherapie.
Die IV
Stelle holte
dazu die Stellungnahmen des RAD
Arztes
Dr.
med. AL._
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie, vom
5.
Juni 2020 und d
er RAD-Ärztin
Dr.
med.
AM._
, Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
8.
Juni 2020 ein (
Urk.
8/91/4-8) und setzte den Versicherten
danach
mit Vorbescheid vom 1
1.
Juni 2020 von ihrer Absicht in Kenntnis,
seinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
gestützt auf das Gutachten der
AF._
zu verneinen
, da er zwar in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, diese Einschränkungen jedoch aus in
validenversicherungs
rechtlicher Sicht nicht langdauernd seien
(
Urk.
8/92
; vgl. das Feststellungsblatt in
Urk.
8/91
). Der Versicherte liess durch Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
mit Eingabe vom
8.
Juli 2020 vorsorglich Einwendungen erheben (
Urk.
8/93)
und liess diese nach der Beendigung dieses Mandats (vgl.
Urk.
8/101) durch
Y._
(
MSc
ZFH in Management
and
Law)
, Soziale Dienste der Stadt Zürich, mit Eingabe vom
4.
Dezember 2020 ergänzen
, namentlich mit dem Vorbringen, die Gutachter
der
AF._
hätten nicht alle
über die nötige Fachkompetenz zur Er
stellung des Gutachtens vom 31.
März 2020 verfügt
(
Urk.
8/106). Ferner hatte
n
Dr.
AC._
_
und
Dr.
AD._
der IV
Stelle ihre Stellungnahme vom 1
7.
August 2020 zum Gutachten der
AF._
zukommen lassen (
Urk.
8/96). Mit Verfügung vom
4.
Januar 2021 verneinte die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ankündigungsgemäss (
Urk.
2 =
Urk.
8/110; vgl. das Feststellungs
blatt in
Urk.
8/109).
2.
Gegen die Verfügung vom
4.
Januar 2021 liess
X._
durch
Y._
mit Eingabe vom 2
7.
Januar 2021 Beschwerde erheben (
Urk.
1)
und in materieller Hinsicht beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und es seien weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten, worauf über die
Ansprüche neu zu befinden sei (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
4.
März 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Verfügung vom 1
5.
März 2021 entsprach das Gericht dem formellen Antrag des Beschwerdeführers auf die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und setzte ihn von der Beschwerdeantwort in Kenntnis (
Urk.
9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arb
eitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
1.2
Im Hinbl
ick auf das Erfordernis in
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG hat das Bundes
gericht Leitlinien aufgestellt, die seit einem Grundsatzurteil des Jahres 2015 in spezifischen Standardindikatoren bestehen, anhand derer die Auswirkungen von
sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerde
bilde
rn ohne nachweisbare organische Grundlage, insbesondere von somato
formen
Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind (BGE 141 V 281).
Sodann hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen des Jahres 2017 die Anwendbarkeit dieser Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychi
schen Erkrankungen ausgedehnt, insbesondere auch auf die depressiven Störungen, und hat damit nicht länger an der früheren Rechtsprechung fest
gehalten, wonach Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (BGE 143 V 418 E. 7, 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5; vgl. die Zusammenfassung der früheren Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
Entscheidend ist somit
unabhängig von der diagnostischen Einordnung
einer psychischen Erkrankung,
ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast
trägt
(
vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf B
GE 141 V 281 E. 3.7.2; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
1.3
Gemäss
Art.
28
Abs.
2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70
%
, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofe
rn sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid ist (
lit
. c).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt
rechtsprechungsgemäss
jede
wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichts
punkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E.
2.3 mit Hinweisen; vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 2.6.2).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob sich der Invaliditätsgrad im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat, gilt die
letzte rechtskräftige Verfügung, die
auf einer materiellen Anspruchsprüfung
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung
eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (
vgl.
BGE 133 V 108
E. 5 mit Hinweisen
).
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prüfen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen einget
reten ist (vgl. BGE 130 V 71 E.
3.1 und 3.2 mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 133 V 108 E.
5.4).
Des Weiteren ist auch im Falle einer Neuanmeldung die Frist nach
Art.
29
Abs.
1 IVG abzuwarten, bevor der Rentenanspruch entsteht (BGE 142 V 547 E. 3; vgl.
auch Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen
[
BSV
]
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Rz
2030).
1.5
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fach
personen, namen
tlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE
125 V 351 E. 3a).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Anspruchsprüfung nach der rechts
kräftigen
Anspruchsverneinung mit der Verfügung vom 1
9.
Januar 2015 (Urk.
8/31) zur Diskussion steht
.
In einem ersten Schritt stellt sich daher die Frage nach anspruchserheblichen, insbesondere rentenerheblichen Veränderungen seit dem Erlass der Verfügung vom 1
9.
Januar 2015, und erst bei Vorliegen derartiger Veränderungen stellt sich in einem zweiten Schritt die
weitere
Frage nach den Auswirkungen der festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit.
3.2
D
ie Entlassung des Beschwerdeführers aus der
Haft, die
beim Erlass der Verfügung vom 1
9.
Januar 201
5 schon im Gange gewesen
(vgl.
Urk.
8/14 und
Urk.
8/17) und
im Juni 2018
beendet worden war
(vgl.
Urk.
8/51/2)
,
kommt dabei
als solche
nicht als leistungserhebliche Sachverhaltsänderung
in Frage
. Denn die Haft stellt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Rentenrevision keinen Revisionsgrund dar, sondern deren Rechtsfolge ist die Sistierung der Rente
(vgl. BGE 133 V 1 E. 3.1 mit Hinweisen; siehe auch
BGE 137 V 154
E. 5.1 und
129 V 211
E. 4.3.1).
Aufgrund der analo
gen Anwendbarkeit der Grund
sät
ze der
Rentenrevision
auf die Neuanmeldung muss daher
vorliegendenfalls
eine
Ver
änderung ausserhalb der H
aftentlassung nachgewiesen sein, und in Betracht
zu ziehen sind
in erster Linie gesundheitliche Veränderungen, darin ein
geschlossen
solche,
die allenfalls
als Folge der Haft
eingetreten
sind
, wie dies Dr.
AC._
_
und Dr.
AD._
im Bericht vom 2
2.
Okt
ober 2018 nahelegten (vgl.
Urk.
8/51/3).
3.3
Dass
nach gesundheitlichen Veränderungen seit Januar 2015 zu fragen ist, machte die
Beschwerdegegnerin
indessen
in ihrem gesamten Vorgehen bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
4.
Januar 2021 zu wenig deutlich.
So nahm d
er RAD-Arzt
Dr.
AE._
, der in Anbetracht der Diagnosen im Bericht von
Dr.
AC._
_
und
Dr.
AD._
vom 2
2.
O
ktober 2018 (
Urk.
8/51) und im Bericht von
Dr.
A._
vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
8/
54/1-6; vgl. auch
Urk.
8/54/7-12
) zur polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers riet, in seiner Empfehlung vom 21./2
5.
Juni 2019
(
Urk.
8/91/4)
keinen Bezug auf die vorangegangene Leistungsabweisung vom 1
9.
Januar 2015 und die damalige gesundheitliche Situation. Des Weiteren
wies
die Beschwerdegegnerin bei der Erteilung des Auftrags an die
AF._
_
zwar
darauf hin, dass eine Wiederanmeldung geprüft werde, und erwähnte auch ausdrücklich die erstmalige V
erfüg
ung vom 1
9.
Januar 2015 (
das Auftragsschreiben ist nicht in den Akten, wurde jedoch von den Gutachtern zitiert und zusammengefasst;
vgl.
Urk.
8/89/2-3,
Urk.
8/89/12-13,
Urk.
8/89/75-76,
Urk.
8/89/147-148,
Urk.
8/89/
212-213 und
Urk.
8/89
/283-284). Hingegen unterliess sie es
, die Thematik der Wiede
ranmeldung in die Fragestellung
einfliessen zu lassen
. Vielmehr fehlt die explizite Frage nach gesundheitlichen Veränderungen seit dem 1
9.
Januar 2015; die ergänzende, fallspezifische Fragestellung vom
5.
August 2019, welche die Beschwerde
gegnerin ihrem Auftrag beifügte (
Urk.
8/59), enthält lediglich die von
Dr.
AE._
formulierten Zusatzfragen im Hinblick auf die allfällige Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (vgl.
Urk.
8/91/4). Damit liess die Beschwerdegegnerin ausser Acht, dass
bei
den medizinischen Gutachtern als juristische
n Laien keine Kenntnis über das rechtlich begründete Erfordernis
einer Sachverhaltsänderung im Falle
einer Wiederanmeldung vorausgesetzt
werden konnte.
Schliesslich wurde die Frage nach gesundheitlichen Veränderungen seit Anfang 2015 auch nach dem Vorliegen des Gutachtens der
AF._
_
nicht thematisiert; weder die Fachpersonen des RAD, die sich im Juni 2020 zur Tauglichkeit des Gutachtens äusserten (
Urk.
8/91/4-8)
, noch die Sach
bearbeiterinnen und Sachbearbeiter de
r Beschwerdegegnerin (vgl. Urk.
8/91/8-9 und
Urk.
8/109/3-5) brachten diese Frage auf, und in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) findet sie ebenfalls keine Erwähnung.
Rechtsprechungsgemäss hängt d
er Beweiswert eines zwecks Rentenrevision
oder Neuanmeldung
erstellten Gutachtens
indessen
wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht
(
Urteile
des Bundesgerichts
9C_613/2020 vom 1
4.
April 2021 E. 3.2
und
8C_300/2020 vom
2.
Dezember 2020 E. 2.6.2
).
3.4
Ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
in der Zeit zwischen dem
Erlass der Verfügung vom 1
9.
Januar 2015
und dem Erlass der neuen Verfügung vom
4.
Januar 2021
verändert hat, wäre allerdings dann nicht relevant, wenn
in diesem Zeitraum
gesundheitliche Auswirkungen von leistungserheblichem Mass
ohnehin zu verneinen wären. Wie nachfolgend zu zeigen ist, lässt das Gutachten der
AF._
_
einen solchen Schluss jedoch nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit zu.
4.
4.1
S
ämtliche Teilgutachten sind nach dem gleichen Schema aufgebaut und enthalten im jeweiligen Kapitel 2 einen
identischen
Akte
nauszug, der
aus
chronologisch aufeinanderfolgenden, teilweise sehr umfassenden wörtlichen
Zitaten aus den ärztlichen Berichten
im Dossier der Beschwerdegegnerin besteht
(Urk. 8/89/14
54,
Urk.
8/89/77-117,
Urk.
8/89/1
49-189,
Urk.
8/89/214-254, Urk.
8/89/285-325).
Diese
Berichtszitate
geben zwar einen Überblick über die
geklagten Beschwerden, die Befunde und
Diagnosen und
die ärztlichen Einschätzungen im Laufe der Zeit;
sie ergeben
aber noch kein vollständiges Bild der Unfall- und Krankheitsgeschichte des B
eschwerdeführers. Denn
eine Ver
wertung der zitierten Textpassagen zu einer eigenständigen Aktenanamnese fehlt
,
und eine vollständige, aussagekräftige Aktenan
a
mnese
bedürfte
zudem de
s Ein
bezugs der nichtmedizinischen, adm
inistrativen Unterlagen
, wie etwa der Berichte über die verschiedenen Besprechungen
anlässlich der Abklärungen durch die Suva, denen Angaben zu
m Hergang der Unfälle, zur
familiären und beruflichen Situation und
- in Form erster Hinweise
-
zu den
Gefängnis
aufenthalten zu entnehmen sind
(vgl.
Urk.
8/16/219-221, Urk. 8/16/76
78, Urk.
8/16/62-64,
Urk. 8/16/392
398,
Urk.
8/16/468-469
).
Fehlt es indessen in den einzelnen Teilgutachten und in der kurzgefassten Gesamt
beurteilung an der schriftlichen Darstellung einer Aktenanamnese, so macht die Lektüre des Gutachte
ns nicht
durchwegs
erkennbar, wieweit
die Gutachter entsprechend der standardisierten Formulierung
in der Einleitung
zum Aktenauszug
«das vom Auftraggeber zusammengestellte Aktendossier in allen Teilen gründlich geprüft» haben (vgl.
Urk.
8/89/14+77+149+214+285).
Unter diesen Umständen
wird
, wie sich aus dem Folgenden ergibt,
auch nicht
überall
genügend transparent, ob die Teilgutachter bei der vertiefenden Befragung des B
eschwerdeführers (Kapitel 3; einschliesslich eines Fragebogens, den der Beschwerdeführer im Vorfeld der Begutachtung auszufüllen hatte und der in sämtliche Teilgutachten integriert wurde,
Urk.
8/89/56-61,
Urk.
8/89/
119-124,
Urk.
8/89/191-196,
Urk.
8/89/256-261,
Urk.
8/89/327-332),
bei der Befund
erhebung und der Diagnostik (Kapitel 4 und Kapitel 6) und bei der Beurteilung (Kapitel 7) die
Aspekte, die sich aus den
Vorakten
ergeben, ausreichend berücksicht
igt haben.
4.2
Was zunächst die allgemeinmedizinische Teilbegutachtung anbelangt, so
er
scheint die recht eingehende
Befragung durch den I
nternisten
Dr.
AH._
_
als angemessen
im Hinblick auf die
internistische Fragestellung, die lediglich eine Erhebung des allgemeinmedizinischen Zustands erforderte
(vgl.
Urk.
8/89/
54 und
Urk.
8/89/
62-63)
, und das gleiche gilt für die durchgeführten Untersuchungen, die ein EKG und eine La
boruntersuchung umfassten (Urk.
8/89/
64-66
, Urk.
8/89/401 und
Urk.
8/89/402-404
)
.
F
ür die Beurteilung der Beschwerden am linken Knie und an der linken Schulter, die Gegenstand der orthopädischen Begutachtung
durch
Dr.
AJ._
_
war
en
, mag
sodann die
lediglich kursorische Befragung
genügt haben (Urk.
8/89/197),
zumal diese B
eschwerden
eine eher marginale Rolle
im Rahmen der Gesamtproblematik
einnahmen und
Dr.
AJ._
umfassende Untersuchungen zum orthopädischen Status einschliesslich radiologischer Zus
atzdiagnostik vornahm (Urk. 8/89/197
203
und
Urk. Urk.
8/408-411
)
.
Demzufolge leuchtet grundsätzlich ein, dass
Dr.
AH._
_
und
Dr.
AJ._
dem Beschwerdeführer aus der Sicht ihrer Fachgebiete keine Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit attestierten (vgl.
Urk.
8/89/70-71 und
Urk.
8/89/207-208).
4.3
4.3.1
Demgegenüber kommt den Begutachtungen in den Fachgebieten der Neurologie und der Neuropsychologie - im Vergleich zur
internmedizinischen
und zur orthopädischen Begutachtung - eine zentrale Bedeutung zu angesichts der insgesamt drei dokumentierten Unfälle der Jahre 2004, 2006 und 2013, die (wie offenbar bereits ein Unfall des Jahres 1999; vgl.
Urk.
8/16/115 und
Urk.
8/16/189) nach den Schilderungen des Beschwerdeführers allesamt Kopf- und Nacken
beschwerden sowie kognitive Probleme nach sich gezogen hatten.
D
enn dieser Beschwerdekomplex
hatte
im
mer wieder Anlass zu
Konsultationen beim Neurologen
Dr.
A._
gegeben
und war darüber hinaus in den Jahren 2004, 2005 und 2013 Gegenstand spezifischer neurologischer und neuro
psycholo
gischer Abklärungen in der Rehaklinik
B._
(Urk. 8/16/183
188 und Urk.
8/
16/193
196
sowie
Urk.
8/16/471
-472
, Urk.
8/16/477-498 und Urk.
8/16/499
504
)
beziehungsweise in der P
ra
xis von
Dr.
I._
und Dipl.-Psych.
J._
(
Urk.
8/16/115-126)
gewesen
.
4.3.2
D
ie
Befragung durch den Neurologen
Dr.
AI._
blieb
jedoch
an der Oberfläche (
Urk.
8/89/117 und
Urk.
8/89/125-127), und es fe
hlen insbesondere aktuelle persönliche Angaben des Beschwerdeführers
zum Verlauf
nach den jeweiligen Unfällen
(einschliesslich eines Unfalles mit Heckauffahrkollision vom
9.
August 2018, den
Dr.
A._
in zwei Berichten
vom 2
1.
beziehungsweise vom 24.
August 2018 erwähnte; vgl.
Urk.
8/54/9 und
Urk.
8/54/11)
und zum Effekt der verschiedenen Rehabilitationsaufenthalte, aber auch zum Befinden während der Dauer der beiden mehrjährigen Gefängnisaufenthalte (vgl.
Urk.
8/16/500 sowie
Urk.
8/14,
Urk.
8/17
und
Urk.
8/51/2
).
Der
Befragung
folgte
sodann
eine Prüfung der gängigen neurologischen Parameter, nebst der Anfertigung einer Magnet
resonanztomografie des Gehirns (
Urk.
8/89/128-130
und Urk. 8/89/405
407
),
und
Dr.
AI._
_
liess seinen Untersuchungen eine recht ausführliche Sichtung
, Wiedergabe und gutachterliche
Einordnung der neurologisch einschlägigen Passagen aus den med
izinische
Vorakten
folgen (Urk.
8/89/131-140
). Wiederum wu
rden dabei jedoch die Jahre der Gefängnis
aufenthalte ausgeklammert; weder erwähnte
Dr.
AI._
_
den Bericht von
pract
.
med.
AB._
_
vom
3.
November 2014 zuhanden eines früheren Rechtsvertreters de
s
Beschwerdeführers, in dem die Ärztin Ausführungen zum Zustand und zu den Behandlunge
n
in den Jahre
n
2008 und 2009 s
owie 2010 und 2011 machte (Urk.
8/25), noch sind Bestrebungen des Neurologen zu erkennen, die Lücken in der Krankengeschichte aus
der Zeit der Gefängnisaufenthalte, namentlich
auch
desjen
ige
n in den Jahren 2014 bis 2018
,
zu schliessen
.
Die Schlussfolgerungen von
Dr.
AI._
, die im Wesentlichen in die F
eststellung mündeten
, es hätten im Zeitverlauf nie objektivierbare neurologische Einschränkungen bestanden und es liege auf neurologischem Gebiet keine ausreichend konsistente Gesundheitsstörung vor
, welche die Attestierung einer invalidisierenden Erkrankung zulasse
(
Urk.
8/89/
136+
139), sind demnach zwar nicht von vornherein
unplausibel
,
da
in den
Vorakten
, die
Dr.
AI._
zitierte
und diskutierte (
Urk.
8/89/131-140)
,
immer wieder auf Widersprüchlichkeiten und auf Aggravationstendenzen hingewiesen worden
war
.
Die Basis für diese Schluss
folgerungen erscheint indessen als zu schmal angesichts des fehlenden Einbezugs der Krankengeschichte während der Gefängnisjahre. Ebenfalls unzureichend un
termauert ist
die F
orderung nach d
er A
bstinenz von einem
gegenwärtigen Drogenkonsum und einem Medi
kamentenübergebrauch (vgl.
Urk.
8/89/141), da
Dr.
AI._
_
den Beschwerdeführer wohl zum Medikamenten
gebrauch befragt hatte (vgl.
Urk.
8/89/125), hingegen nicht ersichtlich is
t, dass er ihn auch mit dem hinsichtlich
Cannabis positiven L
abor
befund
(
Urk.
8/89/403) konfrontiert und
sich
genauer nach
seinen
K
onsum
gewohnheiten
erkundigt
hätte.
4.3.3
Was für die neurologische Beurteilung
gilt,
ist analog
auch
bei der
Würdigung des neuropsychologischen Teilgutachtens von
Dr.
AG._
relevant.
Auch hier beschränkte sich die Befragung (
Urk.
8/89/325-326 und Urk.
8/8
9/333
334)
auf einige wenige Punkte der Biografie
, es fehlen Ausführungen zum
Hintergrund der zweimaligen langjährigen Haft, deren Anlass gemäss dem Strafregisterauszug
Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz gewesen waren (vgl.
Urk.
8/75
), und der Gutachter liess es
beim Hinweis bewenden, der Beschwerdeführer verneine einen Drogenkon
s
um (
Urk.
8/89/
333)
, ohne de
n
Exploranden
mit dem Ergebnis der aktuellen Laboruntersuchung konfrontiert zu haben.
Sodann liess der Beschwerdeführer zu Recht beanstanden (vgl.
Urk.
1 S. 6), dass
der Psychiater
Dr.
AG._
über keinen Fachtitel
auf dem Gebiet der Neuro
psychologie
verfüge
. Dies
en
tspricht immer noch dem
Stand im
schweizerischen
Medizinalberufer
egister
(
www.medregom.admin.ch
), und der fehlende Fachtitel hat das B
undesamt
für Sozialversicherungen (BSV) im Dezember 2019
zur Anweisung an die
AF._
_
bewogen,
Dr.
AG._
nicht mehr für neuropsycholo
gische Begutachtungen einzusetzen (
Urk.
3/4). Das entsprechende Schreiben datiert zwar erst vom 1
3.
Dezember 2019 und konnte der
AF._
_
daher
zur Zeit des
Termin
s
der neuropsychologischen Testung vom 1
2.
Dezember 2019 (vgl.
Urk.
8/89/1) noch nicht bekannt sein
.
Zum einen stützte es sich jedoch
auf das IV
Rundschreiben Nr. 367, welches bereits am 2
1.
August 2017 fachliche Mindestanforderungen für
die neuropsychologische Tätigkeit und Begutachtung
aufgestellt
hatte und der
AF._
bekannt sein musste
, und zum andern
wurden weder im neurologischen Teilgutachten noch im Gesamtgutachten Gründe dargetan, weshalb der Mangel i
n der nachfolgenden Zeit der Durchführung der neuropsychologischen Untersuchung, die auf den 1
6.
Dezember 2019 angesetzt gewesen war (vgl.
Urk.
8/89/1), und der Fertigstellung des Gesamtgutachtens bis zum 3
1.
März 2020
nicht n
och hätte behoben und eine P
erson mit entsprechende
m
Fachtitel hätte eingesetzt werden können.
Aber unabhängig davon, ob die fachliche Qualifikation von
Dr.
AG._
in genereller Hinsicht für die Durchführung neuropsychologischer Begutachtungen ausreicht, entspricht das vorliegende neur
o
psychologische Teilgutachten den Anforderungen der konkreten Angelegenheit
ohnehin
nicht.
Zwar führte Dr.
AG._
eine Reihe
n
europsychologischer Tests durch;
deren Z
ielsetzung und
Auswertung (
Urk.
8/89/336-340)
sind
für den mediz
inischen Laien jedoch
kaum
nachzuvollziehen.
Denn
im Gegensatz zum Gutachten von
Dr.
I._
und Dipl.-Psych
.
J._
des Jahres 2005 (
Urk.
8/16/115-126), in dem die Fachpersonen das Testverhalten des Beschwerdeführers
genau
beschrieben und sowohl die gezeigten Defizite als auch die präsentierten Ressourcen
anschaulich dargestellt hatten
, und im Gegensatz auch zur verständlichen Präsentation im neupsychologischen Bericht von
lic
. phil.
U._
der Rehaklinik
B._
des Jahres 2013 (
Urk.
8/16/499-504),
hielt
Dr.
AG._
lediglich die Testergebnisse fest, ohne das Vorgehen des Beschwerdeführers im Rahmen der
Testungen qualitativ zu schildern und dem fachlichen Laien auf diese Weise einen Gesamteindruck zu ermöglichen.
Wie schon im neurologischen Teilgutachten von
Dr.
AI._
_
ist somit zwar die Feststellung eines bewusst verfälschend
en Antwortverhaltens (vgl.
Urk.
8/89/342+345+346+348) angesichts des vergleichbaren
, von
Dr.
AG._
erwähnten (vgl.
Urk.
8/89/345)
Schlusses von
lic
. phil.
U._
(
Urk.
8/16/503) nicht von vornherein von der Hand zu weisen
. Sie
erscheint jedoch
in Anbetracht der Lücken in der Anamnese und der mangelhaften Nachvollziehbarkeit
nicht als ausreichend plausibilisiert.
4.4
4.4.1
Im psychiatrischen Teilgutachten schliesslich akzentuieren sich die Mängel in der Erstellung
der Anamnes
e noch weiter
.
4.4.2
Wohl führte
Dr.
AK._
_
mit dem Beschwerdeführe
r ein Anamnesegespräch, das
aus
führlich
er war als dasjenige von
Dr.
AG._
und auch den
AN._-Krieg
thematisierte, an dem der B
eschwerdeführer an
der Schwelle zum Erwachsenen
alter teilgenommen hatte (
Urk.
8/89/254 und
Urk.
8/89/
262-265). Ausserdem sprach
Dr.
AK._
mit dem Beschwerdeführer auch eingehender über dessen Gefängn
isaufenthalt
und gab dessen Angaben wieder, er sei Ende 2007 in Untersuchungshaft gesetzt und kurz darauf
zu einer Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden,
sei
wegen guter Führung schon nach fünf J
ahren entlassen worden und habe
danach
ein Sonnenstudio und ein Restaurant betrieben, sei
alsdann
im April 2014 erneut verhaftet worden, nachdem er seit Dezember 2012 überwacht worden sei, und habe daraufhin bis Ende Juni 2018 in Einzelhaft geweilt (
Urk.
8/89/254
und Urk. 8/89/
264)
.
Dabei nahm
Dr.
AK._
_
zwar
zur Kenntnis, dass der Beschwerdeführer die mehr als vierjährige Haft von April 2014 bis Juni 2018 für eine Verschlechterung seines psychischen Gesundhei
tszustandes verantwortlich machte
(vgl.
Urk.
8/89/263)
;
er zitierte
jedoch
hierzu im Rahmen der Diagnoseb
egründung (
Urk.
8/89/270)
nur
die
Ausführungen
des Neurologen Dr.
A._
im Bericht vom
8.
Januar 2019 und
in
den Vorberichten von August bis Dezember 2018 (
Urk.
8/54). Demgegenüber scheint ihm der Bericht
von Dr.
AC._
_
und
Dr.
AD._
vom 2
2.
Oktober 2018 (Urk.
8/51)
entsprechend dem zutreffenden Hinweis dieser Fachpersonen in der Stellungnahme vom 1
7.
August
2020 (vgl.
Urk.
8/96/2-3)
entgangen zu sein, obschon dieser Bericht im Aktenauszug enthalten ist (vgl.
Urk.
8/
89/252). Denn a
nders ist nicht zu erklären
, dass
Dr.
AK._
_
nur die Diagnose einer Anpassungsstörung mit sonstigen Symptomen
(
F43.28 der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
erwähnte, die
pract
.
med.
AB._
in ihrem Bericht vom
3.
November 2014 (von Dr.
AK._
unrichtigerweise als Bericht vom 2
2.
Oktober 2014 zitiert) aufgeführt hatte (
Urk.
8/89/270; vgl.
Urk.
8/25/3), die Diagnosen von
Dr.
AC._
und
Dr.
AD._
- eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
, eine
komorbide
Entwicklung von Zügen einer paranoiden und schizoiden Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.0/F60.1)
und von verme
idend-unsicheren Zügen
(ICD-10 F60.6)
und eine depressive
Störung und andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (
ICD
10 F62.0;
Urk.
8/51/3)
- hingegen nicht wiedergab
und ausserdem
festhielt, es fehle an aktenkundigen Befundberichten zu einer vom Beschwerdeführer erwähnten ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
und im Dossier seien keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht dokumentiert
(
Urk.
8/89/274
und
Urk.
8/89/276-278
).
4.4.3
Hat
Dr.
AK._
_
aber den
einzigen aktuellen Bericht aus dem Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie nicht in sein Teilgutachten einfliessen lassen, so ist seine Beurteilung schon deswegen unvollständig und genügt den Anforderungen an ein taugliches (Teil-)G
utachten
nicht.
D
ies gilt umso mehr, als
Dr.
AK._
_
zu keiner abschliessenden Be
urteilung gelangte. Vielmehr stellte er wohl
die Diagnosen einer kombi
nierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0), einer möglichen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und einer Anpassungsstörung mit verlängerter depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
und führte
überdies einen Fehlgebrauch von Benzodiazepinen und den labor
chemischen Hinweis au
f Cannabiskonsum auf (
Urk.
8/89/268-269); er erklärte jedoch
,
eine die Arbeitsfähigkeit mindernde Gesundheitsstörung sei «bislang nicht hinreichend belegt»
, und
empfahl
eine stationäre Diagnostik mit Verhaltens
be
obachtung und Entgiftung
, bevor die Frage nach einer psychischen Gesund
heitsstörung und deren Auswirkungen in sechs Monaten nochmals
zu prüfen sei (
Urk.
8/89/276).
Es ist zwar nicht anzunehmen, dass
Dr.
AK._
_
allein anhand der Angaben im Bericht von
Dr.
AC._
und
Dr.
AD._
vom 2
2.
Oktober 2018
eine abschliessende
Beurteilung hätte vornehmen können.
Diese Angaben hätten ihn aber
dazu veranlassen
können un
d müssen, sich zum einen bei diesen
behandelnden Fachpersonen, deren Berichterstattung zur Zeit der Begutachtung schon mehr als ein Jahr zurücklag, nach dem Gang der Therapie zu erkundigen,
und
zum andern die Frage nach einer Traumatisierung durch die Untersuchungshaft zum
Gegenstand der
näheren P
rüfung
zu erheben.
Denn
Dr.
AC._
_
und
Dr.
AD._
hielten in der Anamnese zwar fest, der Beschwerdeführer sei - bundesgerichtlich bestätigt - zu Unrecht in eine mehr als vierjährige Untersuchungshaft gesetzt worden, die vorangegangene Überwachung sei ebenfalls ungesetzlich gewesen und der Beschwe
r
deführer habe wegen der Isolation eine schwere Traumatisierung erl
itten (
Urk.
8/51/3). Es
sind jedoch keinerlei Unterlagen zu diesem Strafverfahren und zur Haft vorhanden, und
ebenso wenig finden sich Unterlagen zum
Strafverfahren, das zur Haft in der Zeit von 2007 bis 2012 geführt hatte.
Der
Beizug
d
er Unterlagen
zu den beiden Strafverfahren
erscheint indessen
für die Beurteilung der invalidenversicherungsrechtlichen Problematik als uner
lässlich
. Dies gilt zunächst vor allem wegen des
geltend gemachten engen
Zusammenhang
s
zwischen der letzten Haftstrafe und dem Gesundheitszustand des B
eschwerdeführers; des Weiteren ist
angesichts der Dauer der ersten Haft
strafe von Delikten er
heblicher Schwere auszugehen
,
die zudem
gemäss Straf
registerauszug (
Urk.
8/75) Zuwiderhandlungen gegen das Betäub
ungs
mittelgesetz betrafen und einen Zusammenhang mit dem festgestellten
Betäubungs
mittelkonsum
s begründen könnten, und schliesslich
hatte sich der Beschwerde
führer
gemäss dem Ber
icht von
pract
. med.
AB._
_
vom 3.
November 2014
während der
ersten
Haft insgesamt 52 psychiatrischen Konsultationen (mehrheitlich in den Jahren 2008 und 2009) unterzogen und war
mit
verschiedensten M
edikamenten behandelt worden (
Urk.
8/25/1+2
).
Überdies ist
darauf hinzuweisen, dass
es
die S
taatsanwaltschaft im Jahr 2014 ihrerseits
für notwendig befunden hatte,
die Akten der Suva
beizuziehen (vgl. Urk. 8/16/556
557).
4.5
Sind demnach zumindest das neurologische, das neur
o
psychologische und das psychiatrische Teilgutachten der
AF._
_
in der dargelegten Weise mangelhaft
, so machen diese Mängel auch die Gesamtbeurteilung (
Urk.
8/89/4-9)
unverwendbar
.
Insbesondere ist
dies auch deshalb
der Fall
, weil der Psychiater
Dr.
AK._
_
nach dem Dargelegten die Frage nach einer psychischen Gesund
heitsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht
abschliessend
hatte
beantworten können
, diese
s
deklarierte Unvermögen
jedoch nicht vollumfänglich in die
Gesamtbeurteilung
eingeflossen
war. Vielmehr ist die Empfehlung e
iner stationären Abklärung darin
nicht erwähnt, sondern es wird nur zu einer nochmaligen psychiatrischen Bewertung in sechs Monaten geraten, und im Übrigen ist die Arbeitsfähigkeit aus psy
chiatrischer Sicht
vorbehaltlos mit 100
%
beziffert (
Urk.
8/89/8).
5.
Es sind demnach weitere Abklärungen zu treffen, bevor über die Ansprüche des Beschwerdeführers befunden werden kann, und deren Durchführung ist der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Vorab wird die Beschwerdegegnerin die Akten der Strafverfahren beizuziehen haben, die im Zusammenhang mit den Inhaftierungen in den Jahren 2007 bis 2012 und 2014 bis 2018 erstellt worden waren.
Vo
n diesen A
kten sind namentlich Aufschluss
über die Umstände der beiden Inhaftierungen
und Informationen über die
ärztlichen Behandlungen in dieser Zeit
zu erwarten,
und
zudem wird daraus ersichtlich sein,
ob im Rahmen der Strafverfahren Begutachtungen
stattgefunden haben, beispielsweise
im Zusammenhang mit der möglichen Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.
Anschliessend wird
ein neues polydisziplinäres
G
ut
achten bei einer anderen Begutachtungsstelle
anzuordnen sein und
es wird dabei namentlich
zu entscheiden sein, ob dieses in ambulantem oder entsprechend dem Vorschlag von
Dr.
AK._
_
in stationärem Rahmen anzufertigen sei.
Zudem ist darauf hinzuweisen,
dass die Begutachtung die Frage zu umfassen hat, ob
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit
seit
dem Erlass der Verfügung vom 1
9.
Januar 2015
verändert hat
.
Die Verfügung vom
4.
Januar 2021 ist demnach
in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen treffe und hernach über die Ansprüche des Beschwerdeführers neu verfüge.
6.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.