Decision ID: 01d408d0-7d96-4f5f-bc75-50e1bb93a697
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 12. Juli 2018 in der Schweiz um Asyl.
Am 19. Juli 2018 wurde er im Bundesasylzentrum (BAZ) Boudry zu seinen
Personalien befragt (Befragung zur Person; PA) und am 25. Januar 2019
eingehend zu seinen Asylgründen angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vor, afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie Sadat zu
sein und in B._im Iran geboren zu sein. Er habe – abgesehen von
einem Aufenthalt in der Türkei und in Afghanistan im Alter von 20 Jahren –
während 30 Jahren im Iran und anschliessend während rund sieben bis
acht Jahren in Afghanistan gelebt.
Nachdem er im Iran während sechs Jahren die Schule besucht und diverse
Arbeiten ausgeführt habe, sei er in Afghanistan im (...)ministerium als Fah-
rer und Personenschützer für den Minister tätig gewesen. Bei diesem habe
es sich um einen Verwandten (...) gehandelt. Er machte überdies in gene-
reller Weise geltend, er sei als Polizist, Leibwächter und Kommandant tätig
gewesen. Für eine Anstellung als Leibwächter im Ministerium während der
Wahlen hätte er unter 30 Jahre alt sein müssen, weswegen er sich auf
Anraten des besagten Ministers eine gefälschte Tazkera unter Angabe ei-
nes jüngeren Alters habe ausstellen lassen und diese im Auswahlprozess
eingereicht habe. Daraufhin seien Ermittlungen gegen ihn geführt worden.
Er sei verdächtigt worden, Angehöriger der Taliban zu sein und von der
Antiterrorismusabteilung verhaftet worden. Er sei durch das Militärgericht
des Innenministeriums am (...) wegen Betrugs zu einem Jahr Gefängnis
sowie zu einem Kampfeinsatz verurteilt worden. Dabei sei festgestellt wor-
den, dass er versucht habe, unter Angabe von verschiedenen Namen und
einem jüngeren Alter einen biometrischen Ausweis zu erhalten. Er sei des
Weiteren von einem Freund, dem Schwiegersohn eines Taliban-Komman-
danten, aufgefordert worden, Verwandte des (...)ministers an die Taliban
zu übergeben. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen und daher
mehrfach von besagtem Freund kontaktiert worden, letztmals etwa vier
Monate vor seiner Ausreise. Er habe Afghanistan aufgrund der Verurteilung
wegen Betrugs und aus Angst, als Soldat im Kampfeinsatz getötet zu wer-
den, im August 2016 verlassen. Am 9. Juli 2018 sei er von Griechenland
aus mittels Familiennachzug zu seiner damaligen Ehefrau C._ (ge-
boren am [...]; ebenfalls N [...]) in die Schweiz gekommen. Seit dem
29. Oktober 2018 bestehe eine Trennungsvereinbarung zwischen ihm und
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seiner Ehefrau (Anmerkung Gericht: gemäss Eintrag im Zentralen Migrati-
onssystem [ZEMIS] sind die Eheleute mittlerweile geschieden). Seine Mut-
ter, sein Stiefvater und fünf seiner Geschwister befänden sich ebenfalls in
der Schweiz, während sein Vater in Afghanistan lebe; einer seiner Brüder
sei in Afghanistan verschwunden.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen und seiner Identität reichte der Be-
schwerdeführer seine Tazkera, seinen Arbeitsausweis, ein Urteil des Mili-
tärgerichts sowie die Anklageschrift zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2020 – eröffnet am 21. Juli 2020 – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren
Vollzug.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
den rubrizierten Rechtsvertreter – am 27. Juli 2020 beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der vorinstanzli-
chen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Ge-
währung von Asyl durch die Vorinstanz. Eventualiter sei die Unzulässigkeit,
allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlicher
Rechtsbeistand.
D.
Am 28. Juli 2020 stellte der Beschwerdeführer das Gesuch, das SEM sei
anzuweisen, seinen Namen im ZEMIS lautend auf A._ auf
D._ zu ändern. Das Gesuch um Berichtigung der Personendaten
wurde vom SEM mit Verfügung vom 30. Oktober 2020 abgelehnt; dieser
Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. August 2020 wurde der Beschwerdeführer
zur Einreichung einer Fürsorgebestätigung aufgefordert, auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und die Vorinstanz zur Einrei-
chung einer Vernehmlassung eingeladen.
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F.
Mit Eingabe vom 26. August 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Für-
sorgebestätigung nach.
G.
Die Vernehmlassung vom 25. August 2020 des SEM wurde dem Be-
schwerdeführer am 27. August 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2022 wurde das SEM zu einer
erneuten Vernehmlassung eingeladen.
I.
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels zog das SEM den ursprüngli-
chen Asylentscheid mit Verfügung vom 2. März 2022 teilweise in Wieder-
erwägung, hob die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 17. Juli
2020 auf und ordnete infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an.
J.
Mit Verfügung vom 4. März 2022 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert
mitzuteilen, ob er an seiner Beschwerde festhalten wolle, soweit diese nicht
durch die vorinstanzliche Verfügung vom 2. März 2022 gegenstandslos ge-
worden sei, oder ob er diese allenfalls zurückziehen wolle. Der Beschwer-
deführer reichte innert Frist keine Stellungnahme ein.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2022 wurde dem Beschwerdeführer
Gelegenheit eingeräumt, zur Frage einer möglichen Motivsubstitution Stel-
lung zu nehmen. Die entsprechende Stellungnahme datiert vom 16. Mai
2022.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Das SEM hat mit Verfügung vom 2. März 2022 die Verfügung vom 17. Juli
2020 teilweise in Wiedererwägung gezogen, deren Dispositiv-Ziffern 4 und
5 aufgehoben und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers infolge
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges angeordnet. Demnach er-
weist sich die Beschwerde diesbezüglich als gegenstandslos, weshalb sich
das vorliegende Verfahren auf die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, des
Asyls und der Wegweisung beschränkt.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz
nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus
anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsub-
stitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O.,
S. 398, Rz. 1136).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids im
Wesentlichen aus, es erstaune, dass der Arbeitgeber des Beschwerdefüh-
rers, ein Minister, der ihm geraten habe, unter Angabe eines jüngeren Al-
ters einen biometrischen Ausweis zu erhalten und ihm einen Pass für die
Ausreise seiner Ehefrau aus Afghanistan organisiert haben solle, nicht im-
stande gewesen sein soll, ihm im Betrugsverfahren zu helfen. Der Be-
schwerdeführer sei mit Urteil des Innenministeriums vom 12. Dezember
2015 zu einem Jahr Gefängnis und einem Einsatz an der Front verurteilt
worden. Gemäss Art. 469 des Afghanischen Strafgesetzbuchs werde zu
einer Geldstrafe beziehungsweise einer Gefängnisstrafe verurteilt, wer die
Justiz irreführe. Weitergehende Strafandrohungen seien gesetzlich nicht
vorgesehen. Der Beschwerdeführer habe unter Vortäuschung von Tatsa-
chen versucht, eine Tazkera zu erlangen und sei aufgrund dessen verurteilt
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worden. Dies stelle eine strafrechtlich motivierte und rechtsstaatlich legi-
time Verurteilung dar, welche keine Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG
entfalte. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Kon-
taktaufnahmen seitens der Taliban führte das SEM aus, die Ehefrau des
Beschwerdeführers habe in der Bundesanhörung angegeben, sie sei über-
rascht darüber gewesen, dass der Beschwerdeführer Afghanistan habe
verlassen wollen. Er habe ihr erst in Griechenland mitgeteilt, dass der Be-
kannte, der bei den Taliban gewesen sei, ihn dazu gezwungen habe, Infor-
mationen über den Minister weiterzuleiten. An der Bundesanhörung habe
der Beschwerdeführer sodann angegeben, dass er Afghanistan nicht auf-
grund der Drohungen durch die Taliban verlassen habe, sondern aus Angst
davor, an die Front geschickt zu werden. Insgesamt würden die Vorbringen
des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
nicht standhalten.
5.2 In der Beschwerde wird dem entgegnet, der Beschwerdeführer sei für
seine Straftat, bei welcher niemand zu Schaden gekommen sei und die er
bloss begangen habe, um seine wirtschaftliche Existenz zu sichern, zu ei-
nem Jahr Gefängnis und einem Kampfeinsatz verurteilt worden; dieses
Strafmass sei unverhältnismässig hoch. Diese Verurteilung könne unmög-
lich auf einem fairen und rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren beruhen. Zu-
dem seien die Bedingungen in den afghanischen Gefängnissen, in denen
Folter und Missbrauch weit verbreitet seien, in Betracht zu ziehen. Damit
sei vorliegend ein Politmalus im Sinne der Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts gegeben.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass dem vorinstanzlichen Entscheid im Ergebnis zwar zuzustim-
men ist. Das Bundesverwaltungsgericht stützt sich in seiner Begründung
aber teilweise auf andere Überlegungen als die Vorinstanz und erachtet die
Vorbringen des Beschwerdeführers in einer Gesamtschau als nicht glaub-
haft.
6.2 So haben sich hinsichtlich der zentralen Asylvorbringen des Beschwer-
deführers verschiedene Ungereimtheiten ergeben, indem er geltend
machte, er habe nach dem gegen ihn ergangenen Urteil am 12. Dezember
2015 im Heimatstaat nur zwei Tage Zeit gehabt, um seine Ausreise und die
seiner Ehefrau zu regeln. Er habe am ersten Tag einen Pass für seine Ehe-
frau beantragt, am anderen Tag ein Visum für diese. Gemeinsam hätten
sie sich dann auf die Flucht gemacht, seine Ehefrau sei legal in den Iran
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eingereist, er sei illegal über Umwege in den Iran gelangt (SEM-Akten [...]-
28/20 [nachfolgend: act. A28/20] F13, F100 f.). Dabei blieb der Beschwer-
deführer substanziierte Ausführungen darüber schuldig, wie es ihm, als
strafrechtlich verurteilter Person, innerhalb von nur zwei Tagen gelungen
sein soll, einen neuen Pass und ein Visum für seine Ehefrau nicht nur zu
beantragen, sondern auch zu erhalten. Seine Ausführungen zum Gerichts-
verfahren, zum gegen ihn ergangenen Urteil sowie zu möglichen Rekurs-
möglichkeiten sind vage ausgefallen (act. A28/20 F12, F84, F110 ff.). Die
Ausführungen des Beschwerdeführers, es habe gegen das Urteil keine Re-
kursmöglichkeit gegeben (vgl. act. A28/20 F110) stehen dem Inhalt des
eingereichten Beweismittels, bei welchem es sich um besagtes Urteil han-
deln soll, entgegen, da in diesem Dokument eine Anfechtungsmöglichkeit
von 20 Tagen genannt wird. Sodann entspricht das im eingereichten Be-
weismittel ausgesprochene Strafmass nicht der höchsten Strafandrohung
von Art. 469 des Strafgesetzbuches, sondern geht über dieses hinaus, wie
auch die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat (maximal 3 Monate; vgl. Af-
ghanistan, Penal Code, <https://ihl-databases.icrc.org/applic/ihl/ihl-
natnsf/0/cca31567c689b4aec12571140033a15e/$FILE/Penal%20Code%
201976.pdf>; Afghanistan Legal Education Project (ALEP) /Stanford Law
School, An introduction to the Criminal Law of Afghanistan, 12.2015,
https://www-cdn.law.stanford.edu/wp-content/uploads/2015/12/ Intro-to-
Crim-Lawof-Afg-2d-Ed.pdf, abgerufen am 12. Juli 2022). Unklar bleibt
auch, inwiefern der Beschwerdeführer im Strafverfahren mitgewirkt haben
soll: Zum einen führte er aus, in dieser Sache während sechs Monaten
jeden Tag bei der Staatsanwaltschaft gewesen zu sein (act. A28/20 F12),
zum anderen brachte er zu Protokoll, dass er sich nicht zu den Vorwürfen
habe äussern dürfen (act. A28/20 F114) beziehungsweise dass er an einer
Verhandlung zwei Tage vor Urteilsfällung teilgenommen habe (act. A28/20
F115). Weitere Ungereimtheiten ergeben sich sodann hinsichtlich seiner
Tätigkeit für den Minister, für den er eigenen Angaben gemäss als Fahrer
und Bodyguard tätig gewesen sein soll (act. A28/20 F65 f.). Diesbezüglich
brachte er aber ebenfalls vor, dass er, um überhaupt als Bodyguard arbei-
ten zu können, zunächst die gefälschte Tazkera habe beantragen müssen,
in der Folge sei das ganze Strafverfahren in Gange gebracht worden
(act. A28/20 F87 ff.). Relevante Zweifel an den Vorbringen ergeben sich
schliesslich auch in zeitlicher Hinsicht, indem der Beschwerdeführer unter-
schiedliche Angaben zu seinem Ausreisezeitpunkt gemacht hat: So führte
er während der Befragung zur Person und im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs zum Dublin-Verfahren aus, er sei im vierten Monat des Jahre 2016
aus dem Heimatstaat ausgereist respektive im August 2016 (SEM-Akten
[...]-14/4 S. 1; SEM-Akten [...]-11/8 Ziff. 5.01). In der Anhörung hingegen
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brachte er vor, Afghanistan zwei Tage nach dem Urteil, welches vom
12. Dezember 2015 datiert (act. A28/20 F9), verlassen zu haben
(act. A28/20 F13). Weder in der Beschwerde noch im Rahmen der Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs zur möglichen Motivsubstitution vermochte
der Beschwerdeführer diesen Widersprüchen etwas entgegen zu setzen.
Insgesamt erweisen sich seine Darstellungen über weite Teile als inkonsis-
tent und unplausibel und sind als unglaubhaft zu erachten, weshalb sich
weitere Ausführungen zur Frage der Asylrelevanz erübrigen.
6.3 Der vom Beschwerdeführer geäusserten Aufforderung eines Freundes,
der ein Taliban sei, er solle Angehörige seines Arbeitgebers an die Taliban
ausliefern, kommt des Weiteren keine Asylrelevanz zu. Zum einen hat die-
ser Vorfall den Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge nicht zur Aus-
reise aus Afghanistan bewegt und lagen die Aufforderungen vor der Aus-
reise bereits mehrere Monate zurück. Dass der Beschwerdeführer dieser
Aufforderung nicht nachgekommen ist, blieb sodann ohne Konsequenzen
für den Beschwerdeführer (vgl. act. A28/20 F98 f). Zum anderen wird den
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen in der Beschwerde in diesem
Zusammenhang auch nichts entgegengesetzt, was zu einer anderen Ein-
schätzung führen könnte.
6.4 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein
Asylgesuch abgewiesen hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Nachdem das SEM mit Verfügung vom 2. März 2022 angesichts der Lage
in Afghanistan die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt
und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, er-
übrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und
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Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2011/7 E. 8, 2009/51
E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung, so-
weit sie nicht durch Wiedererwägung gegenstandslos geworden ist, Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu bean-
standen ist. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind dem Beschwerdeführer grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsie-
gen und Unterliegen aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63
Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüglich sei-
nes Hauptantrags auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Asyl-
gewährung unterlegen. Hinsichtlich seines Eventualbegehrens um Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme hat er zufolge der teilweisen Wiedererwä-
gung durch das SEM obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Obsiegen
zur Hälfte.
10.2 Somit wären bei diesem Verfahrensausgang die reduzierten Kosten
(soweit die Abweisung der Beschwerde betreffend) dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da – ex ante betrachtet – die gestell-
ten Rechtsbegehren nicht als aussichtslos zu bezeichnen sind und der Be-
schwerdeführer aufgrund der am 26. August 2020 nachgereichten Fürsor-
gebestätigung als bedürftig zu erachten ist und seither keine Veränderung
seiner finanziellen Verhältnisse aktenkundig geworden sind, ist das mit der
Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind daher keine Verfahrenskosten
zu erheben.
10.3 Entsprechend ist auch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um
Beiordnung des mandatierten Rechtsvertreters lic. iur. Dominik Löhrer als
amtlicher Rechtsbeistand im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 und Abs. 3 AsylG
gutzuheissen. Er ist für seinen Aufwand zu entschädigen, soweit dieser
sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und soweit dies den abzu-
weisenden Teil der Beschwerde betrifft. Der Rechtsvertreter hat keine Kos-
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tennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes ver-
zichtet werden, da der Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren
zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In An-
wendung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE)
und unter Berücksichtigung der vom Gericht festgelegten Bedingungen für
die Entschädigung amtlich bestellter Rechtsbeistände ist dem Rechtsver-
treter des Beschwerdeführers ein anteiliges amtliches Honorar in der Höhe
von Fr. 400. (inkl. anteilige Auslagen) auszurichten.
10.4 Soweit der Beschwerdeführer zur Hälfte obsiegt hat, ist ihm zu Lasten
der Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 VwVG;
Art. 7 ff. VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die anteilige Parteientschädigung auf insge-
samt Fr. 400. (inkl. anteilige Auslagen) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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