Decision ID: 0e0bca5e-a581-4ea8-b30b-99a342def7f2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene und damals als Hilfsgärtner tätige X._ meldete sich im März 2007 ein erstes Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung und medizinische Eingliederungsmassnahmen) an unter Hinweis auf ein weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom (Urk. 8/2 und Urk. 8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische und erwerbliche Auskünfte ein und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 22. Oktober 2007 ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 13 % ab (Urk. 8/16).
Hiergegen wurde kein Rechtsmittel ergriffen.
1.2
Am 22. Februar 2012 liess der Versicherte bei der IV-Stelle unter Beilage von Arztberichten eine Anmeldung zum Rentenbezug einreichen (Urk. 8/22/1-4; unterzeichnet vom Versicherten in Urk. 8/27/1-4). Die IV-Stelle holte eine Stel
lungnahme bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst ein (RAD, Urk. 8/29 S. 2 ff.) und wies das Leistunsgbegehren mit Verfügung vom 29. Mai 2012 abermals ab, da sich keine relevante Änderung des Gesundheitszustandes ergeben habe, wes
halb weiterhin kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 8/31). Auch diese Verfügung blieb unangefochten.
1.3
Nach einer Anmeldung zur Früherfassung durch die Hausärztin (Urk. 8/33) mel
dete sich der Versicherte, damals als Hilfsabwart in einem 25 %-Pensum bei der Gemeinde beschäftigt, am 3. März 2015 erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/36). Die IV-Stelle holte einen IK-Auszug (Urk. 8/42), Arztberichte (Urk. 8/40, Urk. 8/43 und Urk. 8/44) und eine Stel
lungnahme beim RAD (Urk. 8/52 S. 3 f.) ein und wies das Begehren nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/45 ff.) mit Verfügung vom 8. Januar 2016 (Urk. 2) erneut ab.
2.
Dagegen liess der Beschwerdeführer am 5. Februar 2016 unter Beilage aktueller Arztberichte aus der Z._ (Urk. 3/4 und Urk. 3/5) Beschwerde erhe
ben (Urk. 1) und beantragen, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine polydisziplinäre Abklärung durchzuführen und anschliessend den An
spruch auf Leistungen neu zu prüfen (S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Be
schwerdeantwort, Urk. 7), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 16. März 2016 (Urk. 9) in Kenntnis gesetzt wurde.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Der Arzt muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Die diesen Anforderungen genügenden Berichte der regionalen ärztlichen Dienste (
Art.
59 IVG und
Art.
47 ff. IVV) können ei
nen vergleichbaren Beweiswert wie ein Gutachten haben (BGE 137 V 210
E. 1.2.1; Bundesgerichtsurteil 9C_999/2010 vom 1
4.
Februar 2011 E. 5.1.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des erneuten Leistungs- begeh
rens in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) damit, dass der Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers seit der letztmaligen Abweisung des Gesuchs mit Verfügung vom 29. Mai 2012 keine relevante Änderung erfahren habe. Es würden keine neuen, die Arbeitsfähigkeit betreffenden medizinischen Sachverhalte vorliegen. Es werde weiterhin von einer 100%igen Restarbeitsfä
higkeit in einer körperlich leichten angepassten Tätigkeit ausgegangen.
Diesen Vorbringen fügte sie in ihrer Beschwerdeantwort nichts hinzu (Urk. 7).
2.2
Dagegen liess der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 5. Februar 2016 (Urk. 1) im Wesentlichen geltend machen, die Feststellung, wonach noch immer der gleiche medizinische Sachverhalt vorliege, sei nicht korrekt. Mit den akten
kundigen Arztberichten sei belegt, dass der aktuellen Leistungsbeurteilung nicht derselbe medizinische Sachverhalt zugrunde liege (S. 4 f.). Die Beschwerdegeg
nerin habe ihre Abklärungspflicht verletzt und sei angesichts des komplexen Beschwerdebildes mit Wechselwirkungen gehalten, eine polydisziplinäre Begut
achtung zu veranlassen (S. 6).
3.
3.1
Der ersten leistungsverneinenden Verfügung vom 22. Oktober 2007 (Urk. 8/16) lag im Wesentlichen der folgende medizinische Sachverhalt zugrunde:
3.2
Am 23. März 2007 erstattete der Hausarzt Dr. med. A._, Facharzt für Allge
meinmedizin FMH und Facharzt für Prävention und Gesundheitswesen FMH, bei dem der Beschwerdeführer seit dem 26. Januar 2006 in Behandlung stand, der IV-Stelle einen Bericht (Urk. 8/5/1-7). Er nannte die folgenden Diagnosen:
1.
Fibromyalgie/Generalisiertes weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom
-
AC-Gelenksarthrose rechts > links
-
subacromiales Impingementsyndrom rechts > links
-
Generalisierung der Schmerzsymptomatik in die ganze Schulter-Nackenregion mit Spannungskopfschmerzen und zum Teil in den ganzen Körper ausstrah
lenden Schmerzen (thoraco-)lumbal und alle vier Extremitäten
-
Zum Teil über 11/18 positive Tenderpoints (Vollbild der Fibromyalgie)
-
Status nach kurzzeitiger Besserung nach drei Wochen stationärem Reha-Aufent
halt in B._ von März bis April 2006
2.
Rhizarthrose rechts
3.
Status nach Hepatitis A mit Seronarbe
4.
Mässiges Übergewicht (178 cm, 91 Kg, BMI 28.7) mit Steatosis hepatis
5.
Arterielle Hypertonie
Dr. A._ attestierte in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsgärtner vom 26. Januar 2006 bis 12. Januar 2007 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und vom 13. Januar bis 31. März 2007 eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit. Er gab weiter an, begonnen habe es mit Schulterschmerzen auf der rechten Seite. Danach sei eine Generali
sierung eingetreten. Der Beschwerdeführer gebe Schmerzen am ganzen Körper, vor allem in den Schultern (rechts mehr als links), an der Lendenwirbelsäule und in beiden Beinen an. Er habe zum Teil bis sechzehn positive Tenderpoints erhoben. Daneben bestehe auf der rechten Seite ein AC-Gelenkschmerz. Der Gesundheitszustand verschlechtere sich eher. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer seit Januar 2006 ein Pensum von 75 % zu
mutbar. Im Beruf als Gärtner sei eine Invalidität absehbar.
3.3
Im Bericht vom 2. April 2007 (Urk. 8/7/7-10) nannten die in der Z._ tätigen Dr. med. C._, Stv. Oberärztin Rheumatologie, und Dr. med. D._, Chefärztin Rheumatologie und Rehabilitation, die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
1.
Chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom
(bestehend seit zirka 2001)
-
Somatisierungs- und Aggravationstendenz
-
Depressive Symptomatik
-
Chronische Cephalgie
-
Status nach Rehabilitationsaufenthalt in
B._
März 2006
-
Aktuell betont myofas
ziales Syndrom Schultergürtel und Nacken
2.
AC-Gelenksarthrose rechts
-
Zeichen retraktilen Kapsulitis (Arthro-MRI rechte Schulter vom 4. Oktober 2006)
3.
Rhizarthrose rechts
Die Ärztinnen gaben an, die Behandlung in der Rheumatologie der Z._ habe vom 17. Januar bis 22. Februar 2007 gedauert (S. 2). Sie führten aus, Hinweise auf eine entzündliche, rheumatologische Erkrankung hätten kli
nisch, radiologisch und labormässig nicht bestanden. Bei generalisierten Schmerzen sowie Druckdolenz über den Tenderpoints wie auch über den mus
kulären Kontrollpunkten entspreche das Beschwerdebild eher einem generali
sierten Schmerzsyndrom. Die Röntgenaufnahmen hätten keine Hinweise auf (post) entzündliche Veränderungen gezeigt. Labormässig seien die Rheumafak
toren und ANA negativ gewesen. Therapeutisch werde das Weiterführen der Therapie, allenfalls in Kombination mit einem schlafanstossenden, schmerzmo
dulierenden Antidepressivum empfohlen. Ferner werde eine in erster Linie akti
vierende Physiotherapie zur individuell angepassten Rekonditionierung, Hal
tungskorrektur und Stärkung sowie Kräftigung der Extremitäten- und Rumpf
muskulatur angeregt (S. 3).
Die Arbeit als Gartenbauhilfsangestellter sei eine mittel- bis schwere körperliche Tätigkeit. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit würden sich bei Tätigkeiten wie Tragen und Heben von schweren Lasten, längeren Überkopfarbeiten und repetitiven manuellen Tätigkeiten Einschränkungen aufgrund der AC-Gelenksarthrose, der
Rhizarthrose
rechts und der retraktilen Kapsulitis der rechten Schulter ergeben. In diesem Sinne würden sie den Beschwerdeführer für eine mittelschwere kör
perliche Tätigkeit als zu 50 % arbeitsfähig sehen, wobei das Pensum mit Vorteil auf den ganzen Tag verteilt werden sollte mit der Möglichkeit zu vermehrten Pausen. Vermieden werden sollten das Heben von schweren Lasten sowie län
gere Überkopfarbeiten. Für eine leichte Arbeitstätigkeit erachteten die Ärztinnen den Beschwerdeführer als voll arbeitsfähig (S. 1). Inwieweit sich das chronische generalisierte Schmerzsyndrom mit Verdacht auf eine depressive Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, könne aus ihrer Sicht nicht beantwortet wer
den und bedürfe einer psychiatrischen Beurteilung. Möglicherweise könnten sich auch die mangelhaften Deutschkenntnisse und die fehlende Berufsausbil
dung des Beschwerdeführers negativ auf die Arbeitstätigkeit auswirken (S. 3).
3.4
Der RAD-Arzt Dr. med. E._ ging in seiner Stellungnahme vom 21. Mai 2007 gestützt auf die Angaben im Bericht der Z._ von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsgärtner aus. In einer kör
perlich leichten angepassten Tätigkeit (ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 Kilogramm sowie Arbeiten in Armvorhalten und Überkopfar
beiten) sei von einer 100%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen (Urk. 8/12 S. 2 f.).
4.
4.1
Mit Bezug auf die rechtkräftige Leistungsablehnung mit Verfügung vom 29. Mai 2012 (Urk. 8/32) sind folgende medizinische Berichte aktenkundig:
4.2
Im Bericht des F._ vom 23. Februar 2011 nach Beur
teilung des Beschwerdeführers in einer interdisziplinären Schmerzsprech
stunde (Urk. 8/22/6-14) nannten Dr. med. G._, Oberärztin, Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. H._, Oberarzt, Schmerzambulatorium Anästhesiolo
gie, Dr. med. I._, Oberarzt, Rheumatologie, sowie Dr. med. J._ und Dr. med. K._, Assistenzärzte, Neurologie, die folgenden Diagnosen (S. 7):
-
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Periarthropa
thia humeroscapularis beidseits
-
Bei
Status
nach aktivierter AC-Gelenksarthrose
rechts und myofaszial
en
Verspan
nungsbefunden der Schultergürtelmuskulat
ur ohne Hinweise für Rotatorenman
sc
hettenläsion oder Schulterverkalkungen
-
Zev
ikospondylogenes und -cephales Schmerzsyndrom
beidseits
-
Bei degenerativen Veränderungen d
er unteren Halswirbelsäule sowie myofasz
ialen Verspannungsbefunden der Nacken- und Schultermuskulatur
beidseits
-
Chronisches lu
mbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
Ausstrahlung in beide Leisten
-
Verdacht auf
Mitbeteiligung der
l
umbalen Facettengelenke
-
Leichte Coxarthrose
beidseits
mit wahrscheinlicher Ausstrahlung in beide Kniege
lenke
-
Beginnende Fingerpol
yarthrosen
-
Spannungskopfschmerz
en
-
H
olocephal drückend, im Tagesverlauf zunehmend, keine Hinweise auf Migräne
-
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Hochgradiger Verdacht auf Alkoholabhängigkeitsproblematik (ICD-10
F10.1)
-
Transaminasen-Erhöhung unklarer Signifikanz sowie makrozytär hyperchromes Blutbild
-
Ausgeprägter Vitamin D
-Mangel
(25 OH-Vit.D3 5,1
μ
g/
l
)
-
Status nach
Aortenklappenendocarditi
s durch Str
eptococcus bovis (gallolyticus)
-
Septische
Embolie Dig 3 rechts 11.06.2009
-
Antibiotische Therapie mit Unterbr
uch über insgesamt 10 Wochen:
-
Tobramyzin und Penicillin vom 09.
05.09-
04.06.09 im L._
-
Penicillin G vom 16.06.09-29.06.09
-
G
entamycin vom 16.06.09-29.06.09
-
Rocephin vom 30.06.09-28.07.2009
-
Sple
nektomie 22.05.2009 bei Milzrupt
ur nach
wahrscheinlich
septischem Milzin
farkt
-
Obere gastrointestinale Blutung am 02.07.2009
-
ent
zündliche Veränderungen an de
r grossen Kurvatur des Magens
-
keine Hinweise einer Malig
nität in wiederholten Biops
ieentnahmen
-
H. pylori positiv
-
Tubuläres Kolonschl
eimhauta
denom mit nicht-hochgradiger Epi
th
el
dysplasie im Rek
tum und im Kolon descendens (Koloskopie 25.06.09)
-
Arterielle Hypertonie
-
Hochfrequente Innenohrschwerhörigkeit
Die Ärztinnen und Ärzte der interdisziplinären Schmerzsprechstunde gaben an (S. 7 f.), beim inzwischen 53-jährigen Beschwerdeführer hätten sich auf der Ba
sis wahrscheinlich myofaszialer Verspannungszustände insbesondere im Schul
tergürtelbereich bei schwerer körperlicher Arbeit sowie beginnenden Poly
arthrosen an den grossen Gelenken und den Fingern zunehmende, chronifi
zierte, belastungsverstärkte Schmerzen etabliert mit einer zunehmenden Schmerzausweitung, die sich nach dem Verlust der Arbeitsstelle und seither an
haltender Arbeitslosigkeit noch akzentuiert habe. Aktuell zeigten sich aus rheumatologischer Sicht eine deutliche Haltungsinsuffizienz lumbal bei an
sonsten unauffälligem Untersuchungsbefund des Rückens, eine verminderte Beweglichkeit der Halswirbelsäule mit dazu passenden myofaszialen Verspan
nungsbefunden der Nackenmuskulatur sowie eine leichte Beweglichkeitsein
schränkung für Bewegungen über der Horizontalen in beiden Schultergelenken ohne klare Impingement-Symptomatik und ohne wesentliche degenerative Ver
änderungen in den Röntgenaufnahmen. Klinisch und radiologisch bestehe hin
gegen eine
leichtgradige beidseitige Coxarthrose
, aber keine sichere Kniege
lenksarthrose, wobei die Knieschmerzen auch Ausstrahlungsbefunde der Cox
arthrose sein könnten. Zudem bestünden leichtgradige OSG-Schmerzen unklarer Signifikanz und ein diffuses Schmerzsyndrom, das in seiner Ausprägung einer Fibromyalgie entsprechen könnte; gemäss Dolorimetrie (9/24 Tenderpoints mit pathologisch gesenkter Schmerzschwelle) sei aktuell das Vollbild nicht etabliert.
Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht bestehe am ehesten eine leichte depressive Episode. Aufgrund der Erkrankungsdauer von mehr als zwei Jahren könne nicht mehr von einer Anpassungsstörung gesprochen werden. Eine Alko
holabhängigkeitsproblematik sei zu vermuten. Zudem bestehe eine Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die Kriterien einer reinen somatoformen Schmerzstörung würden ihrer Meinung nach beim Beschwerde
führer nicht erfüllt. Die Rehabilitationsaussichten seien insgesamt eher ungüns
tig.
4.3
Mit Bericht vom 22. Februar 2012 (Urk. 8/22/1-4) baten Dr. med. M._, Ober
ärztin, und Dr. med. N._, Assistenzarzt, tätig im O._, um Überprüfung des Rentenanspruchs, da sich der körperliche und psy
chische Zustand des Beschwerdeführers verschlechtert habe. Sie nannten die Di
agnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0) sowie starker körperlicher Schmerzen bei multiplen Schäden des Bewegungsapparates beziehungsweise als Differenzialdiagnose eine Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41; S. 1) und verwiesen im Weiteren auf den Abklärungsbericht der interdisziplinären Schmerzsprechstunde des F._. Sie gaben an, der Beschwerdeführer komme re
gelmässig zirka einmal im Monat zu psychiatrisch-psychotherapeutischen Ge
sprächen. Er nehme an der Gruppe für Chronisch-Schmerzkranke teil. Es be
stehe zudem eine antidepressive Medikation. Vom 26. November 2007 bis 15. September 2008 habe eine tagesklinische Behandlung stattgefunden (S. 2; vgl. Urk. 8/22/15-17). Eine stationäre psychiatrische Behandlung sei nicht durchgeführt worden (S. 1). Den zwischenzeitlich regelmässigen Alkoholkonsum habe der Beschwerdeführer problemlos sistiert. Anamnese und Befunde würden für andauernde, schwere Schmerzen sprechen, wobei die Schmerzen sicher teil
weise durch einen physiologischen Prozess und/oder körperliche Störungen er
klärt werden könnten. Die für eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung geforderten emotionalen Konflikte oder psychosozialen Belastungen seien nach ihrer Einschätzung zu wenig schwerwiegend, um als entscheidender ursächli
cher Faktor gelten zu können. Auch fordere der Beschwerdeführer ihnen gegen
über wenig gesteigerte persönliche oder medizinische Hilfe mit Bitte um Unter
stützung und weitere Abklärungen. Vielmehr scheine der Beschwerdeführer tatsächlich unter den körperlich verursachten Schmerzen (nach einem Arbeits
leben als Schwerarbeiter) zu leiden, gegen die er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ankämpfe und vielfältige Therapieangebote motiviert wahrnehme (S. 2). Durch den leicht verminderten Antrieb, dysfunktionale Ver
haltensmuster wie Stress und Angstzustände komme es zu einer verminderten psychischen Belastbarkeit. Körperliche Schmerzen würden akzeptiert und es be
stehe der Versuch, diese möglichst als gegeben zu integrieren und trotz der Schmerzen in Bewegung zu bleiben. Es bestehe ihres Erachtens eine adäquate Schmerzverarbeitung und keine Schmerzverarbeitungsstörung. Der Beschwer
deführer sei vermindert belastbar und schnell erschöpft, und es sei ihm einzig eine Tätigkeit von zwei Stunden pro Tag im geschützten Rahmen zumutbar (S. 3), wobei er in diesem Umfang als Hilfsarbeiter eines Schulhausabwartes im Rahmen eines Sozialprojekts tätig ist (vgl. Urk. 8/22/8, Urk. 8/27/3). Die Ar
beitsfähigkeit im angestammten Beruf im Gartenbau sei seit dem Jahr 2006 zwischen 50 % bis 100 % eingeschränkt. Aktuell sei er durch den Hausarzt zu 75 % krank geschrieben (S. 1 und 3).
4.4
Der RAD-Arzt Dr. med. P._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, gab in seiner Stellungnahme vom 10. April 2012 (Urk. 8/29 S. 2 ff.) an, die im F._ er
hobenen Untersuchungsbefunde seien allesamt nicht gravierend. Das diffuse Schmerzsyndrom könne einer Fibromyalgie entsprechen. Die Diagnosen und Befunde hätten sich seit dem Jahr 2007 nicht wesentlich verändert mit Aus
nahme des Status nach einer Aortenklappenendocarditis im Jahr 2009 (antibio
tisch behandelt) mit septischer Embolie D 3 rechts, Milzinfarkt und Splenekto
mie sowie Gastritis mit Blutung. Die Endocarditis sei ausgeheilt. Verblieben sei eine gelegentlich bewegungs- und belastungsabhängig schmerzhafte Narbe nach Milzentfernung. Dies könne jedoch nicht zu einer Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit über das bestehende Mass hinaus führen. Die übrigen rheumato
logisch festgestellten Diagnosen seien, wie die Befunde zeigten, leichtgradig ausgeprägt und liessen sich unter der schon bekannten Diagnose der Fibromy
algie subsumieren. Auch die psychischen Diagnosen einer leichten depressiven Episode und einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren vermöchten keine weitere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Hausärztlicherseits werde die Arbeitsunfähigkeit seit dem Jahr 2007 durchge
hend in gleicher Höhe (75 %) attestiert. Auch das spreche gegen eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes.
Versicherungsmedizinisch weise die Beurteilung in den aktuellen Arztberichten anhand der objektiven Befunde keine relevante Änderung des Gesundheitszu
standes aus im Vergleich zum Feststellungsblatt vom 4. September 2007. Es könnten aus den jetzt vorliegenden Arztzeugnissen keine wesentlichen Verän
derungen des Gesundheitszustandes, die zu einer veränderten Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führen würden, hergleitet werden (S. 3).
5.
5.1
Im Rahmen der vorliegend strittigen Neuanmeldung vom 3. März 2015 (Urk. 8/36) präsentiert sich der medizinische Sachverhalt wie folgt:
5.2
Dr. I._, Oberarzt Klinik für Rheumatologie des F._, nannte im Bericht vom 24. April 2014 an die Hausärztin Dr. med. Q._, Allgemeine Medizin (Urk. 8/44/11-14), die folgenden Diagnosen:
1.
Aktivierte Polyarthrose
–
DD Polyarthritis kristallinduziert (Hydroxyapatit, Harnsäure), periphere S
pondy
loarthritis, hämatologisch
–
Klinik/Bi
ldgebung:
–
leich
te Fingerpolyarthrose beidseits
–
l
eichte Coxarthrose beidseits mit wahrscheinlicher Au
sstrahlung in beide Knie
gelenke
–
Arthrose
OSG beidseits
–
Periarthropathia humeroscapularis beidseit
s und AC-Gelenksarthrose rechts
–
Szintigraphie 19.02.2014:
entzündliche Aktivität
in be
iden Schultergelen
ken, Ellbogen
gele
nk links, Hand- und Kniegelenke
–
Hyperurikämie (Harnsäure 447
μmol/l
) und Adipositas Grad III (BMI 48.7
kg/m
2
)
2.
Panvertebrales Schmerzsyndrom
–
Zerv
ikospondylogenes un
d -zephales Schmerzsyndrom beidseits
–
bei degenerativen Veränderungen der unteren
Halswirbelsäule
sowie myofaszi
alen Verspannungs
befunden der Nack
en- und Schultermuskulatur beidseits
–
Chronisches lum
bospondylogenes Schmerzsyndrom
–
Ausstrahlung in beide Leisten
–
Verdacht auf
Mitbeteiligu
ng der lumbalen Fazettengelenke
3.
Thrombozytose unklarer Genese
–
DD reaktiv (Asplenie, Rebound nach ethanolinduzierter T
hrombozytopenie, ent
zündlich)
–
DD autonom (myeloproliferatives / myelodysp
lastisches Syndrom), essentiell
4.
Spannungskopfschmerzen
–
Holocephal drückend, im Tagesverlauf zunehmend
, keine Hinweise auf Migräne
5.
Status nach
Aortenklappenendocarditis durch Str
eptococcus bovis (gallolyticus)
–
septische
Embolie Dig 3 rechts 11.06.2009
–
Antibiotische Therapie mit Unter
bruch über insgesamt 10 Wochen:
–
Tobramyzi
n und Penicillin vom 09.05.
-
04.06.2009 im L._
–
Penicill
i
n G vom 16.06. - 29.06.2009
–
Gentamycin vom 16.06.
- 29.
06.2009
–
Rocep
hin vom 30.06. - 28.07.2009
–
Splenektomie 22.05.2009 bei Milzruptur nach wahrscheinlich septischem Milzin
farkt
6.
Arterielle Hypertonie
7.
Lei
chte depressive Episode (ICD-10 F32.1)
8.
Schmerzstörung mit
somatischen und psychisch
en Faktoren (ICD-10 F45.41)
9.
rezidivierende intestinale Probleme
–
Status
nach
Fistelspaltung bei 7 Uhr in SSL am 19.07.2013 bei
transsphinktärer Perianalfistel
bei 7
Uhr in SSL
–
Status nach
oberer gastrointest
inaler Blutung am 02.07.2009
–
Entzündliche Veränderungen an
der grossen Kurvatur des Magens
–
Keine Hinweise einer Malignität in wiederholten Biops
ieentnahmen
–
H. pylori positiv
–
Status nach
tubulärem Kolonschleimhaut
a
denom mit nicht-hochgradiger Epitheldysplasie im Rektum und im Kolon descendens (
Koloskopie 25.06.2009)
–
Status nach
Alkoholüberkonsum DD Alkoholabhängigkeits
problematik (ICD-10 F10.1)
10. Hochfrequente Innenohrschwerhörigkeit
Dr. I._ gab an, beim Beschwerdeführer bestehe eine langjährige kom
plexe Schmerzproblematik, die sich sicher nicht einer einzigen Ursache zuord
nen lasse. Die diffuse herabgesetzte Schmerzschwelle spreche gegen eine Fibro
myalgie und eher für eine somatoforme Schmerzstörung.
Hinzu kämen aber Hinweise für degenerative und entzündliche Probleme bei Polyarthrose peri
pherer Gelenke, aktuell betont in beiden Schultergelenken.
Diesbezüglich sei noch eine sonographische Untersuchung der Schultergelenke geplant. Die Ske
lettszintigraphie zeige auch leicht entzündliche Aktivierungen des linken Ellen
bogengelenks, der Hand- und Kniegelenke sowie diverse degenerative Verän
derungen. Aus diesem Grund sollte die Medikation mit Salazopyrin trotz sub
jektiv bislang fehlender Wirkung noch fortgesetzt werden, da erst nach etwa zweimonatiger Einnahme über die Wirksamkeit entschieden werden könne. Auch sollte die Thrombozytose hämatologisch weiter abgeklärt werden, da diese gemäss elektronischer Krankenakte nach Splenektomie vorübergehend ver
schwunden sei und nun wieder auftauche mit steigender Tendenz (Frage nach einem myelodysplastischen Syndrom). Schliesslich weise die erhöhte Harnsäure auch auf eine mögliche Kristallarthropathie als Ursache für die Gelenksprobleme hin (S. 3 f.).
Es sei leider nicht zu erwarten, dass eine antientzündliche Therapie, so sie denn überhaupt ein Ansprechen zeige, die Schmerzen des Beschwerdeführers wesent
lich lindern könne.
Es sei lediglich möglich, dass die entzündliche Komponente dadurch beeinflusst werden könne. Die Situation müsse deshalb internistisch weiter verfolgt werden und eine Begleitung und Betreuung des Beschwerdefüh
rers – auch im Hinblick auf ein günstigeres Schmerzcoping – bleibe weiterhin zentral (S. 4).
Im Bericht vom 7. Mai 2014 (Urk. 8/40) gab Dr. I._ an, dass auch das Weiteführen von Salazopyrin keinerlei Einfluss auf die Beschwerden gehabt habe, weshalb er mit dem Beschwerdeführer zusammen entschieden habe, das Medikament abzusetzen. Es müsse akzeptiert werden, dass im Moment für die Beschwerden des Beschwerdeführers keine medikamentöse Therapieoption exis
tierte. Aktuell werde am 13. Mai 2014 eine operative Fistelexploration perianal erfolgen. Die Schultersonographie von heute habe eine AC-Gelenksarthrose beidseits, rechts möglicherweise aktiviert sowie kleinste Verkalkungen in beiden Supraspinatussehnen sowie Unregelmässigkeiten des Humeruskopfes, aber keine Bursitis und keine glenohumerale Gelenksentzündung ergeben. Das hämatolo
gische Konsil werde erst Ende Mai stattfinden.
Zusammenfassend bestehe somit ein chronischer Schmerzzustand betont der Gelenke
,
bei dem eine mögliche entzündliche Komponente mitspiele, die aber durch medikamentöse Therapie nicht beeinflussbar sei.
Am ehesten handle es sich um
arthrotische Beschwerden
. Als Differenzialdiagnose nannte Dr. I._ eine Kristallarthritis, was das negative Ansprechen auf Medika
mente erklären würde. Er empfehle in dieser Situation deshalb ein abwartendes Verhalten mit Bedarfsanalgesie bei Schmerzschüben. Bei akuten arthritischen Reizungen könne auch lokal Steroid infiltriert werden.
5.3
Dr. med. R._, Oberarzt Orthopädie, Z._, nannte im Bericht vom 5. Februar 2015 zuhanden der IV-Stelle (Urk. 8/43/6-7) die Diagnose einer diffusen Schmerzsymptomatik im Beckenbereich (Differenzialdiagnose begin
nende Coxarthrose rechts). Zudem wies er auf die Nebendiagnosen einer be
kannten aktivierten Polyarthrose (mit exzessiver rheumatologischer Abklärung im F._ im Jahr 2014), eines Panvertebralsyndroms, Spannungskopfschmerzen, einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, depressiver Episoden, einer arteriellen Hypertonie, eines Status nach C2-Überkonsum, eines Status nach Aortenklappenendokarditis im Jahr 2009 sowie einer Innen
ohrschwerhörigkeit hin. Dr. R._ gab an, es bestehe eine komplexe Schmerzsymptomatik am gesamten Bewegungsapparat bei massiver Adipositas. Um dem Beschwerdeführer gerecht zu werden, werde eine therapeutische In
filtration rechts durchgeführt, da im konventionellen Röntgenbild auf der rech
ten Seite mehr als auf der linken Seite doch eine gewisse Gelenksspaltver
schmälerung zu sehen sei. Aufgrund der gesamten Anamnese und Vorge
schichte denke er allerdings nicht, dass der Beschwerdeführer ein Kandidat für einen operativen Eingriff sei. Die gesamte Schmerzproblematik werde kaum mit der rechten Hüfte gelöst werden können (vgl. auch Urk. 8/44/18-19).
5.4
Im Bericht vom 24. März 2015 (Urk. 8/44/23-24) an die Hausärztin Dr. Q._ nannte Dr. med. S._, FMH Kardiologie und Innere Medizin, die fol
genden Diagnosen:
1.
Status nach
Aorte
nklappenendokarditis im 06/09
–
als Erreger wurde ein Streptococcus bovis
(gallolyticus) identifiziert
–
in diesem Kont
ext offenbar auch septische Embolien in Händen und Milz
–
wegen septischem Milzinfarkt mit Milzruptur wurde eine Splenektomi
e not
wendig
–
damals über insgesamt 10 Wochen unter einer antib
iotischen i.v.-Therapie ste
hend
–
nur
mässiggradig postendokarditisch verän
derte Aortenklappe (Echo 03/15)
–
dabei findet sich eine asymmetrisch verkalkte Klappe
mit leichter Aorteninsuf
fizienz
–
eine Aortenstenose
kann keine nachgewiesen werden
2.
Hypertensive Herzkrankheit
–
unter der aktuellen Therapie gut kon
trollierte Praxisblutdruckwerte
–
konzentrische LV-Hypertrophie, diast
olische Dysfunktion, Vorhöfe dil
atiert (Echo
03/15)
–
keine
pulmonale arterielle Hypertonie (
PAH
)
, Ek
tasie der Aorta ascendens
–
cvRF:
Status nach Nikotin, Hypertonie, BMI
3.
Komplexes, c
hronisches diffuses, analgetika-resistentes Schmerzsyndrom
–
DD: i.R.
von 1
Dr. S._ gab an, der Beschwerdeführer sei anlässlich der klinischen Untersuchung zur kardiologischen Reevaluation kardiopulmonal kompensiert gewesen, habe normotone Blutwerte und einen normokarden Sinusrhythmus aufgewiesen. In der Echokardiographie sei der linke Ventrikel normal gross mit erhaltener systolischer Pumpfunktion ohne regionale Kinetikstörungen. Die tri
cuspide Aortenklappe sei trotz entsprechender Anamnese nur mässiggradig postendokarditisch verändert mit lediglich leichter, zentraler Aorteninsuffizienz und ohne Nachweis einer Aortenstenose. Der übrige Klappenapparat sei alters
entsprechend unauffällig. Passend zur Hypertonie fänden sich mässig ausge
prägte Veränderungen im Sinne eines hypertensiven Endorganschadens, inklu
sive einer leichten Ektasie der Aorta ascendens. Gemäss den schweizerischen Richtlinien sei die Indikation für die Endokarditisprophylaxe in diesem Kontext lebenslang gegeben.
5.5
Die Hausärztin Dr. Q._, bei welcher der Beschwerdeführer seit dem 13. November 2013 in Behandlung ist, berichtete der IV-Stelle am 13. April 2015 (Urk. 8/44/1-6). Sie nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Kom
plexes, chronisches, diffuses, t
herapie-analgetikaresistentes Schmerzsyndrom
(2005)
2.
B
ekannte aktivierte Polyarthrose
–
Differenzialdiagnose:
Polyarthritis kristallinduziert (
H
ydroxyapatit, Ha
rn
säur
e), periphere Spondylarthritis
–
Hyperurikämie,
A
diposit
as Grad 2 (BMl 35 kg/m
2
)
3.
Panvertebralsyndrom
–
Cervico-spondylogenes und cervik
o-cephales Schmerzsyndrom beidseits
–
Chronisches lumbos
pondylogenes Schmerzsyndrom
4.
Spannungskopfschmerzen
–
H
olocephal drückend, im Tagesverlauf zunehmend, keine Hinweise
auf Migr
äne
5.
Schmerzstörung mit somat
ischen und psychischen Faktoren
6.
Status nach
Aortenklappenendocarditis durch Streptococcus bovis (gallolyticus) 11
.06.2009
–
a
ntibiotische Therapie mit Unterbruch
ü
ber insgesamt 10 Wochen
(L._)
–
Splenektomie 22.05.2009 bei Milzruptur
nach
wahrscheinlich septischem Milzin
farkt
7.
Depressive Episoden
–
Verdacht auf Anpassungsstörung (2010)
8.
Arteriell
e Hypertonie - behandlungsbedürftig
–
cvRF: Arterielle Hypertonie, Adipositas, Alter, Bewegungsmangel
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die von Dr. Q._ eben
falls genannten rezidivierenden intestinalen Probleme, eine Thrombozytose un
klarer Genese (2013), eine hochfrequente Innenohrschwerhörigkeit, eine Adipo
sitas mit Steatosis Hepatis sowie ein Status nach Hepatitis A mit Seronarbe.
Dr. Q._ gab an, es bestehe seit Ende 2005 ein generalisiertes, gelenkbeton
tes Schmerzsyndrom mit Schmerzen im Bereich beider Schultergelenke, der Lendenwirbelsäule, beider Hüften sowie in den OSG beidseits. Sie wies auf Rehaklinikaufenthalte in den Jahren 2006 und 2007, auf umfangreiche rheu
matologische und orthopädische Abklärungen, auf eine Inakzeptanz der Schmerzsymptomatik und auf eine Beschwerdepersistenz trotz medikamentöser Behandlung (PT, NSAR, Infiltration) hin. Es bestehe eine schlechte Prognose bei einer chronischen therapieresistenten Schmerzsymptomatik seit dem Jahr 2006. Bis ins Jahr 2007 habe der Beschwerdeführer Gartenarbeiten ausgeführt. Ab November 2011 habe er in einem 25%-Pensum Reinigungsarbeiten in einer Turnhalle verrichtet. Dr. A._ habe seit dem 1. Januar 2011 durchgehend eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Zudem sei der Beschwerdeführer vom 13. November 2013 bis 6. Dezember 2013, vom 22. Mai 2014 bis 30. Mai 2014 und vom 2. Juli 2014 bis 31. August 2014 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 11. November 2014 bis auf weiteres bestehe wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es bestünden keine geistigen oder psychischen Einschrän
kungen. Einschränkend wirkten sich die Ruhe- und Belastungsganzkörper
schmerzen (Schulter, Hüfte, Kniegelenk und OSG beidseits) aus. Unter 2 Stunden täglicher Arbeitsbelastung verschlechtere sich die Schmerzsymptomatik. Die aktuelle 25%ige Arbeitsfähigkeit sei wegen der Schmerzzunahme unter Arbeits
belastung nicht durchführbar. Seit dem 11. November 2014 (kalte Jahresmo
nate) bestehe ein starker Schmerzschub.
5.6
Der RAD-Arzt Dr. P._ gab in seiner Stellungnahme vom 21. Juli 2015 (Urk. 8/52 S. 3) an, seit der letzten RAD-ärztlichen Beurteilung vom April 2012 seien am 19. Juli 2013 eine Analfistelspaltung durchgeführt und eine Throm
bozytose unklarer Genese diagnostiziert worden. Beide Diagnosen seien laut der Hausärztin Dr. Q._ ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Dr. I._ habe am 24. April und am 7. Mai 2014 das chronische Schmerzgeschehen be
stätigt; desgleichen Dr. R._ am 5. Februar und am 2. April 2015. Auch die kardiologische Kontrolle bei Dr. S._ am 24. März 2015 habe keine neuen medizinischen Aspekte ergeben. Es würden also keine neuen medizini
schen Sachverhalte die Arbeitsfähigkeit betreffend vorliegen im Vergleich zur Stellungnahme des RAD vom 10. April 2012.
5.7
Im Beschwerdeverfahren liess der Beschwerdeführer einen noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung ergangenen Bericht von Dr. C._, leitende Ober
ärztin Rheumatologie und Rehabilitation, Z._, vom 29. Oktober 2015 (Urk. 3/4) einreichen. Dr. C._ nannte darin die folgenden Diagnosen (S. 1 f.):
1.
Chronisches
generalisiertes Schmerzsyndrom
–
Verdacht auf dysf
unktionales Krankheitsverhalten
–
Verdacht auf somatoforme Sch
merzstörung
–
depressive Episoden
2.
Polyarthrosen
–
DD Kristallarthropathie
–
ANA, Rheumafaktor und anti-
CCP negativ
–
szintigraphisch entzündliche Anreicherungen in den
AC-Gelenken, Handge
lenke, MCP-G
elenke II und III beidseits, IP l beidseits, MCP-1 beidseits, AC beidseits, OSG beidseits, MTP l beidseits (19.02.2014), DD akti
vierte Arthrosen, DD arthritisch
–
leichtgradige Coxarthrosen
beidseits, symptomatisch rechts
–
Status nach
Hüftinfiltration rechts am 26.02.2015 mit nur kurzdauerndem
Ansprechen
–
Rhizarthrose und STT-Arthrose
beidseits
–
AC-Arthrose beidseits
3.
Chronisches Panvertebralsyndrom, betont zervikal und thor
akolumbal
–
HLA-B27 negativ
–
HWS: Osteochondrose C6/7, leichtgradige Spondylarthrosen, Spondylosen mitt
lere
Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule
: Lumbalisation SWK 1, multisegmen
tale Oste
ochondrosen Th11- L1 und Spondyl
osen, degenerative Retrolisthesis L2 gegen L3, lumbale Spondy
l
arthro
sen
–
Fehlhaltung, muskuläre Dysbalancen und statisch-dynamische Insuffizienz der Schultergürtel- und der Rumpfmus
kulatur sowie des Beckengürtels
–
MRI LWS/Be
cken 08/2014: degenerative Lendenwirbelsäulenv
eränderungen ohne entzündliche Veränderung
en, normale Darstellung beider I
SG ohne dege
nerative
oder entzündliche Veränderungen
–
MRI
Ganzkörper (Bechterewprotokol
l
) 28.10.2015: multisegmentale zervikal
e
und lumbale Veränderungen, keine Spinalkanalstenose oder Neurokompression, keine aktiv oder chronisch entzündlichen Veränderungen, keine Spondyl
i
tis, keine Enthesitis, keine Sacroiliitis
4.
Status nach
Aortenklappenendokarditis durch Strep
tococcus bovis 2009 (L._)
–
Status nach Spl
enektomie bei Milzruptur nach wahrscheinlich septischem
Milzin
farkt 2009
5.
Thrombozytose (521 G/l), DD
Status nach Splenektomie
6.
Spannungskopfschmerzen
7.
Arterielle Hypertonie
8.
Rezidivier
ende intestinale Probleme
–
Status nach
Fistelspaltung 2013 bei transs
phinktären Perianalfistel
–
Status nach
oberer
gastrointestinaler Blutung 2009
–
entzündliche Veränderungen grosse Magenkurvatur
–
keine Hinweise a
uf Malignität
–
H. pylori positiv
9.
Status nach
tubulä
rem Kolonschleimhautadenom 2009
10.
Status nach Alkoholüberkonsum
11.
Hochfrequente Innenohrschwerhörigkeit
Dr. C._ gab an, der Beschwerdeführer leide unter einem chronisch generali
sierten Schmerzsyndrom mit kaum modulierbarer Schmerzsymptomatik und Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung. Des Weiteren leide der Be
schwerdeführer unter peripheren Polyarthrosen, vor allem in den Händen, auch in beiden AC-Gelenken und in den Hüftgelenken, vor allem rechts. Diesbezüg
lich seien auch hier therapeutische Massnahmen wie zuletzt die Steroidinfiltra
tion der rechten Hüfte Ende Februar 2015 fehlgeschlagen. Es bestehe der Ein
druck eines festgefahrenen Schmerzmusters mit einem weitgehend therapie
refraktären Verlauf. Wahrscheinlich dürfte auch die soziale beziehungsweise ökonomische Komponente mit der Ablehnung des IV-Entscheides und der vom Beschwerdeführer erlebten Ablehnung durch Ämter und Behörden eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang habe er auch den Wunsch geäussert, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen werde sollte, da
mit die Invalidenversicherung entsprechend ihren Entscheid revidieren würde. Diesem Wunsch könne natürlich in diesem Rahmen nicht entsprochen werden.
Auf der anderen Seite müsse sicher festgehalten werden, dass entzündlich anmu
tende Veränderungen insbesondere in den Bildbefunden (Anreicherungen in der Spätphase) im Szintigramm vom Februar 2014 in den Händen, den AC-Gelenken und Füssen vorhanden seien. Grundsätzlich könne nicht differenziert werden, ob es sich um aktivierte Arthrosen oder arthritische Prozesse handle. Allerdings sei das Verteilungsmuster, insbesondere die Mitbeteiligung der Fin
gergrundgelenke, für eine primäre Arthrose etwas ungewöhnlich. Zusammen mit der STT-Arthrose sowie sonographisch festgestellten Verkalkungen in der Supraspinatussehne könnte dies gut für eine Kristallarthritis sprechen. Eine rheumatoide Arthritis erscheine aufgrund des radiologischen Aspekts und der negativen Antiimmunantikörper sehr unwahrscheinlich. Auch in der aktuellen Laboruntersuchung seien bis auf die bekannte Thrombozytose und den leichten Vitamin D3-Mangel keine Auffälligkeiten vorhanden. Dies schliesse eine Kris
tallarthropathie natürlich nicht aus. Bei Serum-Harnsäure von 449 μmol/l sei eine Uratarthropathie eher unwahrscheinlich. Im Ganzkörper-MRI (Bechterew-Protokoll) vom 28. Oktober 2015 seien keine aktiven oder abgelaufenen Ent
zündungen festzustellen, bei multisegmentalen degenerativen Veränderungen, betont in der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule. Auch das negative HLA-B27 spreche gegen eine (axiale) Spondarthropathie. Neben der chronischen Schmerzsituation mit wahrscheinlich somatoformer Komponente und akten
anamnestisch depressiven Episoden dürften auch die Haltungsinsuffizienz und die muskulären Insuffizienzen der peripheren Muskulatur, die Dekonditionie
rung und die Adipositas eine negative Rolle spielen (S. 6 f.).
Im Bericht vom 1. Dezember 2015 (Urk. 3/5) gab Dr. C._ an, das MRI der Hände vom 5. November 2015 habe den Verdacht auf entzündliche Verände
rungen bestätigt, vom Verteilungsmuster vor allem die Fingergrundgelenke und die Handgelenke betreffend, auch wenn diese derzeit nicht sehr aktive erschei
nen würden, jedoch teilweise bereits mit erosiven Veränderungen an den ein
zelnen MCP und Carpalia verbunden seien. Ausgehend vom Verteilungsmuster seien die Veränderungen gut mit einer rheumatoiden Arthritis vereinbar. Bereits im Bericht vom 27. Oktober 2015 sei festgehalten worden, dass die Immunse
rologien negativ seien, wobei Erosionen bei der RA vor allem bei ACPA-positi
ven Patienten vorkommen würden. Nach wie vor stehe die Differenzialdiagnose einer Kristallarthritis sicher im Vordergrund. Sie empfehle angesichts der doch vorhandenen synovitischen Aktivität und aufgrund der differentialdiagnosti
schen Überlegungen eine Basistherapie.
6.
6.1
Die Verwaltung ist auf die Neuanmeldung vom
3. März 2015
eingetreten
und
hat nach Einsicht in die neuen medizinischen Unterlagen eine erhebliche Ver
änderung des Gesundheitszustands als glaubhaft erachtet (vgl.
Art.
87 Abs. 2 und Abs. 3 IVV), weshalb sie für die richtige und vollständige Abklärung des Sachverhalts
zu sorgen hat
(
E. 1.3;
BGE 117 V 198 E. 3a). Diese Untersuchungs
pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesge
richts 8C_746/2011 vom 1
3.
März 2012 E. 4.2).
6.2
Entscheidet die Verwaltung gestützt auf eine interne Aktenbeurteilung ihres RAD, gelten strengere Anforderungen an
die Beweiswürdigung. Diesfalls sind bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vor
zunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
6.3
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist ausgewiesen, dass sich der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers verschlechtert hat. Dies gilt na
mentlich mit Blick auf die im F._ szintigraphisch
erhobenen
entzündliche
n
Aktivitäten in beiden Schultergelenken, im linken Ellenbogengelenk sowie in den Hand- und Kniegelenken (E. 5.2). Die MRI-Befunde der Z._ vom 5. November 2015 bestätigten in der Folge den Verdacht auf entzündliche Veränderungen insbesondere an den
Hand- und Fingergelenken
(wenn diese damals auch nicht sehr aktiv erschienen); zudem wurden teilweise bereits ero
sive Veränderungen erhoben
(vgl. E. 5.7). Hierzu nahm der RAD-Arzt Dr. P._ keine Stellung, was einen Mangel darstellt. Die im Beschwerdever
fahren eingereichten Berichte der in der Z._ tätigen Rheumatolo
gin Dr. C._ (E. 5.7) wurden dem RAD auch nicht mehr zur Beurteilung vor
gelegt. Die Angabe, wonach keine neuen, die Arbeitsfähigkeit betreffenden me
dizinischen Sachverhalte vorliegen würden, vermag bei dieser Sachlage nicht zu überzeugen, nachdem die Beschwerdegegnerin auch mit den behandelnden Rheumatologen mit Bezug auf die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit keine Rücksprache nahm und die erstmalige Ablehnung des Rentenbegehrens auf An
gaben von Dr. C._ basierte (vgl. E. 3.3 und E. 3.4). Zutreffend ist, dass die den Schmerzen und den bildgebend festgestellten entzündlich anmutenden Ver
änderungen zugrundliegenden Ursachen weiterhin nicht geklärt sind, zumal die Schmerzen durch medikamentöse Therapien trotz umfangreicher Bemühungen nicht wesentlich beeinflussbar zu sein scheinen. Im Zentrum der vorliegenden Berichterstattung steht weiterhin ein komplexes chronisches Schmerzsyndrom beziehungsweise der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung.
6.4
Auch nicht zu überzeugen vermag die Einschätzung von Dr. Q._ (E. 5.5), wonach neu von einer 100%gen Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auszugehen sei. Insbesondere ist nicht einzusehen, weshalb der beschriebene starke Schmerzschub in kalten Monaten eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen soll. Hinzu kommt, dass das Engagement der Ärztin bei der erneuten Anmeldung zum Bezug einer Invalidenrente gewisse Zweifel an der für eine unabhängige Expertise notwendigen Distanz zum Beschwerdeführer aufkommen lässt. Die Ärzte und Ärztinnen des F._ und der T._ nahmen wie bereits erwähnt keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit.
6.5
Es bleibt nach dem Gesagten trotz aktenkundiger umfangreicher bildgebender, rheumatologischer und orthopädischer Abklärung unklar, ob der Beschwerde
führer in einer angepassten Tätigkeit nach wie vor zu 100 % arbeitsfähig ist. Bislang fehlt eine ärztliche Auskunft darüber, ob die neuen Befunde eine wei
tergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge haben beziehungs
weise wie sich diese in Anbetracht des schubartigen Verlaufs beurteilt (E. 1.4). Zudem ist angesichts der eingetretenen Verschlechterung auch mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss massgebenden Indikatoren (BGE 141 V 281) zu prüfen, wie es sich mit der invalidisierenden Wirkung eines chronischen generalisierten Schmerzsyndroms (mit Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung) verhält. Nicht fachärztlich geklärt sind weiter die Auswirkungen der in der Berichter
stattung mehrfach thematisierten depressiven Episoden, wobei die diesbezügli
chen Angaben der Hausärztin Dr. Q._ im Bericht vom 13. April 2015 (E. 5.5) widersprüchlich sind. Sie listete die depressiven Episoden unter den Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf, erwähnte indes an ande
rer Stelle, es bestünden keine geistigen oder psychischen Einschränkungen.
6.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigung des Be
schwerdeführers auf die Arbeitsfähigkeit nicht hinreichend beurteilen lassen. Somit hätten sich weitere medizinische Abklärungen aufgedrängt. Die Verfü
gung vom 8. Januar 2016 ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verschlechterung und Zunahme der Beschwerden und namentlich deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit weiter abkläre. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch neu verfügen.
7.
7.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--) auf Fr. 900.-- festzulegen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer, in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zessentschädigung von Fr. 1‘150.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.