Decision ID: bbe40c0a-2aa0-4e07-8cb2-e825bdfacf2b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
ist
seit dem
«...»
bei der
Z._
AG
angestellt und im Rahmen dieser An
stel
lung bei der Vorsorgestiftung
O._
(nachfolgend: Vorsorge
stiftung)
berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/2
, Urk. 9 S. 4
Rn
10
)
.
Mit Schreiben vom 19. März
2019
bestätigte
die Vorsorgestiftung der Versicherten den Eingang
ihrer
Frei
zügigkeitsleistung
und erklärte, die Deckung sei bis zum Entscheid des beratenden Arztes über einen medizinischen Vorbehalt noch provisorisch
(Urk. 2/2). Der beratende Arzt der Vorsorgestiftung teilte der Versicherten am 4. April 2019 mit, dass für Leistungen aus überobligatorischen Versicherungsteilen ein
fünfjähriger
Vorbehalt für
«....»
und Folgen
gelte (Urk. 2/3).
Mit Schreiben vom 17. Mai 2019 übermittelte die Vorsorgestiftung der
Versich
erten die definitive Deckungszus
age mit medizinischem Vorbehalt (Urk. 2/
4). Daraufhin wandte sich die Versicherte an die Vorsorgestiftung und
bat diese
, ihr zu bestätigen, dass auf der eingebrachten Freizügigkeitsleistung (inklu
sive dem überobligatorischen Teil) kein Vorbehalt angebracht werde (Urk. 2/5).
Mit Schreiben vom 5. Juli 2019 teilte die Vorsorgestiftung der Versicherten
mit, sie sei
im Duoprimat organisiert
und
d
ie Höhe des Altersguthabens habe aufgrund der lohnabhängigen Definition der Risikoleistungen keinen Einfluss auf die Bemessung der Leistungen bei Tod und Invalidität. Insofern sei der mit der einge
brachten Freizügigkeitsleistung erworbene Vorsorgeschutz einzig in Bezug auf die Höhe der Altersleistungen von Relevanz. Sollte sich das mit einem Vorbehalt belegte Risiko während der fünfjährigen Vorbehaltsdauer verwirklichen, würde
das
vorhandene BVG-Altersguthaben –
unter Berücksichtigung des einge
brach
te
n BVG-Altersguthabens zuzüglich der Summe der bis zum ordentlichen Renten
alter fe
hlenden BVG-Altersgutschriften –
mit dem gesetzlichen Umwandlungssatz in
eine BVG-Invalidenrente umgewandelt
. Aktuell würde sich die entsprechende BVG-Invalidenrente auf Fr. 20'397.-- pro Jahr belaufen
(Urk. 2/6).
Die Versi
cherte
wandte sich daraufhin mit Schreiben vom 2. Oktober 2019 erneut an die Vorsor
gestiftung
und stellte
–
unter Hinweis darauf, dass auf der gesamten einge
brachten Austrittsleistung (inklusive
Überobligatorium
) kein neuer Vor
behalt angebracht werden
dürf
e –
einen Antrag auf Berichtigung
des
Schreibens vom 5. Juli 2019
sowie
um Mitteilung des geänderten Betrages der Invalidenrente
(
Urk
.
2/7).
Mit Schreiben vom 20. Dezember 2019 bekräftigte die Vorsorgestiftung ihre Auffassung, wonach die Höhe der reglementarischen Invalidenrente
vom
versicherten beziehungs
weise beitragspflichtigen Lohn abhängig sei und
die Höhe des vorhandenen Altersguthabens (und damit auch eine allfällige einge
brachte Freizügigkeitsleistung) bei der Berechnung der reglementarischen Invali
denrente unbeachtlich sei (Urk. 2/8).
Der
nochmaligen
Aufforderung der Versi
cherten
,
ihr zu bestätigen, dass im Falle des Eintritts einer Invalidität aus einem mit einem Vorbehalt behafteten Grund auch die eingebrachte Freizügigkeits
leis
tung aus dem
Überobligatorium
in die Berechnung der Invaliditätsrente einbe
zogen werde (Urk. 2/9),
leistete die Vorsorgestiftung auch hernach keine Folge
.
So
führte
sie i
n ihrem Schreiben vom 26. Februar 2020
wiederum aus
,
das eingebrachte Altersguthaben
wirke sich
im Duo-/Mischprimat
nicht auf die Höhe der Vorsorgeleistungen
(gemeint wohl: im Invaliditätsfall)
aus
. D
em
entsprechend werde damit auch kein
Vorsorgeschutz im Sinne von Art. 14
des
Bundesgesetz
es
über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
vorsorge (FZG)
erworben
und
es
könne
i
m heutigen Zeitpunkt keine konkrete Zusage in Bezug auf eine allfällige Berücksichtigung des eingebrachten (überobli
gatorischen) Altersguthabens abgegeben werden (Urk. 2/10).
2.
Am 20. April 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht Klage gegen die Vorsorgestiftung
O._
und beantragte, es
«
sei festzustellen, dass im Falle des Eintritts eines Leistungsfalles auch die eingebrachte Freizügigkeits
leistung aus dem
Überobligatorium
in die Rentenberechnung einzubeziehen ist
»
und
«
es seien im Falle des Eintritts des Leistungsfalles Re
ntenleistungen im Betrag von Fr.
43'712.80 pro Jahr zu leisten
»
(Urk. 1 S. 2). Mit Klageantwort vom 17. August 2020 beantragte die Beklagte die Abweisung der Klage, soweit darauf einzutreten sei (Urk. 9). Mit Verfügung vom 28. August 2020 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 11). Mit Replik vom 23. November 2020 stellte die Klägerin
folgende
angepassten Anträge (Urk. 15 S. 2):
«1.
Es sei festzustellen, dass im Falle des Eintritts eines Leistungsfalles (aus
einem mit einem Vorbehalt belegten Grund) auch die gesamte
ein
ge
brachte Freizügigkeitsleistung aus dem
Überobligatorium
(inkl. dem
in den Kapitalplan überwiesenen Teil) in eine allfällige
Invalidenrentenberechnung einzubeziehen ist;
2.
Es sei im Falle des Eintritts des Leistungsfalles (aus einem mit einem
Vorbehalt belegten Grund) die genaue Vorgehensweise bei der Berechnung
der Leistungen zu ermitteln (inkl. anzuwendender Umwandlungssatz);
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.»
D
ie Beklagte
schloss
m
it Duplik vom 18. März 2021
auf
Abweisung der Klage, soweit darauf einzutreten sei (Urk. 21, der Klägerin zugestellt mit Verfügung vom 19. März 2021 [Urk. 23]).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem
schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder dem Ort des Betrie
bes, bei dem der Versicherte angestellt worden war, wobei die klagende Partei den Gerichtsstand wählen kann (BGE 133 V 488 E. 2.1 mit Hinweis).
Da die Beklagte ihren Sitz in
Zürich
hat
,
ist das angerufene Gericht örtlich u
nd gestützt auf § 2 Abs. 2
lit
.
a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sachlich zuständig.
2.
2.1
Ein
Rechtsschutzinteresse kann bei einem
Feststellungsbegehren nur bejaht werden, wenn die klagende Partei ein schutzwürdiges Interesse rechtlicher oder tatsächlicher Natur
an der verlangten Feststellung von Rechten oder Pflichten
hat. Nur wenn ein unmittelbares und aktuelles Interesse gegeben ist, sind Fest
stel
lungsbegehren im Verfahren nach Art. 73 Abs. 1 BVG
zulässig
(BGE 120 V 301 E. 2a,
BGE 117 V 320 E. 1b, BGE 11
5 V 373 E. 3, je mit Hinweisen,
SZS 1999 S. 156).
Bezüglich zukünftiger Leistungen wird das Bestehen eines schutzwürdi
gen Interesses anerkannt, wenn der Rechtsunterworfene wegen der Unkenntnis seiner Rechte oder Pflichten dazu neigen würde, Verfügungen zu treffen oder im Gegenteil darauf zu verzichten, mit der Gefahr, dadurch einen Nachteil zu erlei
den. Allgemeiner fehlt das erforderliche schutzwürdige Interesse, wenn die Partei zu ihren Gunsten ein Leistungsurteil erlangen kann; in diesem Sinne ist das Recht auf ein Feststellungsurteil subsidiär. Der Richter wird ein Interesse an einer Klage berücksichtigen, wenn Ungewissheit über Rechtsbeziehungen der Parteien besteht und die richterliche Feststellung über das Bestehen des Gegenstands des Verhält
nisses sie beheben könnte. Indessen genügt nicht jede Ungewissheit. Vielmehr ist erforderlich, dass ihre Fortdauer den Kläger hindert, seine Entscheidungen zu
treffen, und ihm diese Ungewissheit deshalb unzumutbar ist (BGE 137 V 105 E. 1.1
mit weiteren
Hinweisen =
Pra
100 [2011] Nr.
110).
2.2
Die Klägerin führte zur Begründung eines Rechtsschutzinteresses aus, s
ie
habe
ein unmittelbares und aktuelles Interesse daran, zu wissen,
ob sie
im Leistungsfall
– sofern der Vorbehalt zum Tragen komme – nur Anspruch auf das BVG-Mini
mum
in dem von der Beklagten genannten Ausmass habe oder ob die
von ihr
einge
brachte Freizügigkeitsleistung aus dem
Überobligatorium
ebenfalls in die Berech
nung
mit
einzubeziehen sei
.
Hätte sie nur Leistungen aus dem Obligatorium (im Sinne der Beklagten) zu gut, könnte dies nicht zuletzt Grund für einen Wechsel des Arbeitgebers sein, da andere Pensionskassen die aus dem
Überobligatorium
eingebrachte Freizügigkeitsleistung in die Rentenberechnung mit
einbeziehen würden (Urk. 1 S. 2 f.
Rn
3, Urk. 15 S. 4
Rn
9).
Vorliegend vertreten die Parteien
unterschiedliche Rechtsauffassungen
zur
Frage, ob die
von der Klägerin
einge
brachten
Vorsorgeguthaben
aus dem
Überobligatorium
im F
alle des Invaliditäts
ein
trittes
aus einem mit dem Gesu
ndheitsvorbehalt belegten Grund
bei der Be
rechnung der Invalidenrente zu berücksichtigen sind. Die daraus resultierende Ungewissheit über
den Inhalt der Rechtsbez
iehungen zwischen den Parteien
ver
unmöglicht
es der Klägerin
, einzuschätzen, ob
sich ein Wechsel
ihrer
Arbeit
s
stelle
im Hinblick auf die vorsorgerechtlichen Leistungen im Invaliditätsfall
aufdrängt
,
und hindert sie damit in ihrer Bewegungsfreiheit (vgl.
Scotoni
, Klagen vor dem Sozialversicherungsgericht, Klagen aus Zusatzversicherungen zur obligatorischen
Krankenpflegeversicherung und Klagen aus beruflicher Vorsorge vor dem Zürcher
Sozi
alversicherungsgericht, Zürich/Basel/
Genf 2020
[=
SzS
37], S. 99)
.
Infolge dieser Un
gewissheit
läuft
die Klägerin
Gefahr, Nachteile zu erleiden
, welche da
rauf zurückzuführen sind, dass sie
im Hinblick auf ihre berufliche Tätigkeit
Verfügungen
trifft
oder
im Gegenteil darauf
verzichtet
(
BGE 137 V 105 E. 1.1 mit weiteren Hinweisen =
Pra
100 [2011] Nr. 110;
Stauffer, in: Stauffe
r
/
Cardinaux
[Hrsg.]
, Rechtsprechung des Bundesgericht
s zur beruflichen Vorsorge, BVG
/FZG
/
ZGB/OR
/
FusG
/
ZPO, 4.
Aufl., Zürich/
Basel
/
Genf 2019,
Art.
73 Streitigkeiten und Verantwortlichkeitsansprüche, S. 329 mit weiteren Hinweisen).
Die wirtschaftli
chen Interessen der Klägerin fallen
umso stärker ins Gewicht, als
ein Grossteil
des
von ihr eingebrachte
n
Freizügigkeitsguthaben
s
(Urk. 2/2) aus dem überobliga
to
rischen Bereich stammt
.
Nach dem Gesagten ist d
as Interesse der Klägerin an der mit der Klage verfolgten Klärung ihres Anspruch
e
s auf vorsorgerechtliche Inva
liditätsleistungen im Hinblick auf die in Frage stehenden wirtschaftlichen Inte
ressen aktuell und als schützenswert zu erachten (vgl. BGE 117 V 318 E. 1.b).
Da die Klägerin ihr Rechtsbegehren in ihrer Replik dahingehend
modifizierte
, dass sie nun
(vgl. Urk. 1 S. 2) keine betragsmässige Feststellung
mehr
verlangt (Urk. 15 S. 2), vermag ein schutzwürdiges Interesse an der Feststellungsklage
sodann auch
nicht daran zu scheitern, dass derzeit noch nicht sämtliche Berechnungsfaktoren
für die Invalidenrente
(
Höhe des
Vorsorgeguthaben
s
bei Risikoeintritt
, Umrech
nungs
satz, IV-Grad)
bekannt sind (vgl.
dahinge
hend
Urteil des hiesigen Gerichts
BV.2005.00133
vom
29. März 2007 E. 1.2.2, wo ein schutzwürdiges Interesse für eine betragsmässige Feststellung einer Rückforderung verneint wurde). Dass es der Beklagten grundsätzlich jederzeit offensteht, ihr Vorsorgereglement
, welches auf das vorliegende Vorsorgeverhältnis Anwendung findet,
abzuändern
(vgl.
Abänderungsvorbehalt in Ziffer 58 des Vorsorgereglements [Urk. 2/11 S. 30])
,
fällt
aufgrund der dargelegten ausgeprägten wirtschaftlichen Interessen der Klägerin
nicht massgebend ins Gewicht (vgl.
auch
Urteil des hiesigen
Gerichts
BV.2005.00135
vom 31. Mai 2006 E. 1.2).
Der Klägerin steht es sodann – mangels Eintritts eines
Leistungsfalles – nicht offen,
zu ihren Gunsten ein Leistungsurteil zu erlangen.
Dementsprechend ist
ihre Feststellungsklage zulässig
und
es
kann darauf eingetreten werden.
3.
Zu prüfen ist, ob und inwiefern sich
die
von der Klägerin
eingebrachte
n Vorsor
geguthaben aus
dem
Überobligatorium
im Falle des Invaliditätseintrittes aus einem mit dem Gesundheitsvorbehalt belegten Grund
auf die
Höhe der diesfalls geschuldeten Invaliditätsleistungen
auswirken
.
4.
4.1
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 Abs. 1 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versi
chert waren. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist.
Die Invalidenrente wird nach dem gleichen Umwandlungssatz berechnet wie die Altersrente im 65. Altersjahr. Für die Versicherten der Über
gangs
generation gilt der vom Bundesrat nach Buchstabe b der Übergangsbe
stim
mungen der 1. BVG-Revision vom 3. Oktober 2003 festgelegte Umwandlungssatz (Art. 24 Abs. 2 BVG). Das der Berechnung zu Grunde liegen
de Altersguthaben besteht aus: D
em Altersguthaben, das der Versicherte bis zum Beginn des Anspruches auf die Invalidenrente erworben hat (Art. 24 Abs. 3
lit
. a
BVG
); der Summe der Altersgutschriften für die bis zum ordentlichen Rentenalter fehlenden Jahre, ohne Zinsen (Art. 24 Abs. 3
lit
. b BVG). Diese Altersgutschriften werden auf dem koordinierten Lohn des Versicherten während seines letzten Versiche
rungsjahres in der Vorsorgeeinrichtung berechnet (Art. 24 Abs. 4 BVG).
4.2
Nach Art. 12 Abs. 1 FZG
sind die Versicherten mit dem Eintritt in die Vor
sorge
einrichtung zu den Leistungen versichert, die ihnen nach dem Reglement auf
grund der einzubringenden Eintrittsleistung zustehen. Der
Vorsorgeschutz, der mit den eingebrachten Austrittsleistungen erworben wird,
darf
nicht durch einen neuen gesundheitlichen Vorbehalt geschmälert werden (
Art. 14
Abs. 1
FZG).
4.3
Die Vorsorgeeinrichtungen sind im Rahmen
des BVG
in der Gestaltung ihrer Leistungen, in deren Finanzierung
und in ihrer Organisation frei (Art. 49 Abs. 1
BVG). Gewährt eine Vorsorgeeinrichtung mehr als die Mindestleist
ungen, so gelten
für die
weiter
gehende Vorsorge nur die
in Art. 49 Abs. 2 Ziffer 1-26 aufgeführten Vorschriften (Art. 49 Abs. 2 BVG).
Art.
24 BVG stellt eine Mindestvorschrift im Sinne von
Art.
6 BVG dar. Den Vorsorgeeinrichtungen steht es daher frei, regle
mentarisch oder statutarisch andere Parameter zur Bestimmung der Höhe der Invalidenrente festzulegen, soweit die gesetzlichen Mindestleistungen jedenfalls eingehalten werden (
Hürzeler
, in: Schneider/Geiser
/Gächter
[Hrsg.], BVG und FZG
,
2.
Aufl., Bern 2019,
Art.
24 N 2).
4
.4
4.4.1
Gemäss
Ziffer 4.5 des
aktuell
gültigen
Vorsorgereglements
2018
der Beklagten kann die Stiftung, wenn im Zeitpunkt des Beginns des Arbeitsverhältnisses eine gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, für denjenigen Teil der Personalvor
sorge, der die Leistungen des BVG übersteigt, in Beachtung von Art. 14 FZG für höchstens fünf Jahre Vorbehalte anbringen. Führen die im Leistungsvorbehalt aufgeführten Gesundheits
probleme
innerhalb der Vorbehaltsdauer zur Invalidität oder zum Tod, so besteht im überobligatorischen Bereich kein Leistungsanspruch. Die Invaliden- oder Todesfallleistungen der Stiftung werden diesfalls über die Vorbehaltsdauer hinaus auf die Höhe der BVG-Mindestleistungen reduziert (Urk. 2/11 S. 6).
4.4.2
Gemäss Ziffer 29.1 des Vorsorgereglements der Beklagten hat die versicherte Per
son Anspruch auf eine lebenslängliche Altersrente, wenn sie d
as ordentliche
Rück
trittsalter gemäss
Ziffer 6 erreicht. Der Jahresbetrag der Altersrente ent
spricht
dem bei Pensionierung vorhandenen
Altersguthaben, multipliziert mit dem altersabhängigen Umwandlungssatz in Ziffer 61.1 im Anhang des Regle
ments. Bei
Teilpensionierung gemäss Ziffer 30 wird das Altersguthaben anteils
mässig berück
sichtigt (Ziffer 29.5
des Vorsorgereglements
; Urk. 2/11 S. 19
).
4.4.3
Gemäss Ziffer 35.4 des Vorsorgereglements der Beklagten entspricht die Invali
denrente bei voller Invalidität 65 % des beitragspflichtigen Lohns. Massgebend ist der beitragspflichtige
Lohn bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, die zur Inva
lidität führte (Urk. 2/11 S. 21).
4.5
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen der
Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtlichen Vorsorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch de
n
Innominatverträgen
zuzu
ord
nen
ist. Als solcher untersteht er in erster Linie den all
gemeinen Bestim
mungen des Obligationenrechts
(OR). Das Reglement stellt
den vorformulierten Inhalt des Vorsorgevertrages beziehungsweise
dessen Allg
emeine Versicherungs
bedingungen
(AVB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch kon
kludentes Verhalten unterzieht; gegebenenfalls können individuelle Abmach
ungen hinzutreten. Das Reglement ist nach dem Vertrauensprinzip auszulegen, wobei
jedoch die den Allgemeinen Versicherungsbedingungen innewohnenden Besonderheiten zu beachten sind, namentlich die Unklarheits- und die Unge
wöhnlichkeitsregel. Nach diesen Auslegungsgrundsätzen gilt es, ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung des Zusammenhangs, in dem eine streitige Bestimmung innerhalb des Reglements als Ganzes steht, den objektiven Vertrags
willen zu ermitteln, den die Parteien mutmasslich gehabt haben. Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht angenommen werden kann, dass die Parteien eine unvernünftige Lösung gewollt haben. Sodann sind mehrdeutige Wendungen in vorformulierten Vertragsbedingungen im Zweifel zu
Lasten ihres Verfassers auszulegen (BGE 140 V 50 E. 2.2 S. 51;
140 V 145 E.
3.3;
138 V 176 E.
6; 131 V 27 E. 2; SVR 2018 BVG Nr. 10 S. 33
, 9C_193/2017 E. 5.1; Nr. 17 S.
59, 9C_290/2017 E. 4.2; Nr. 21 S. 73, 9C_951/2015 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_196/2018 vom 20. Juli 2018 E. 1.1).
5
.
5
.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen,
die Beklagte nehme in Ziffer 4.5 ihres Vorsorgereglements bezüglich Gesundheitsvorbehalte direkt Bezug auf Art. 14 FZG, womit sie explizit darauf verweise, dass sie Art. 14 FZG berücksichtige
(Urk. 1 S. 10
).
In Art. 14 FZG werde unmissverständlich aus
geführt, dass auf der eingeb
rachten Freizügigkeitsleistung –
und somit auch a
uf dem überobligatorischen Teil –
kein Vorbehalt angebracht werden dürfe. Wenn schon kein Vorbehalt angebracht werden dürfe, sei auch klar, dass bei Eintritt eines Leistungsfalles, bei dem der Vorbehalt zum Tragen komme, die eingebrachte Freizügigkeitsleistung aus dem
Überobligatorium
bei der Festsetzung der Invali
d
i
täts
leistungen berücksichtigt werden müsse. Anderenfalls wäre dieser Artikel Makulatur (Urk. 15 S. 8
Rn
26). Egal, ob ein Beitragsprimat oder Duo-/Misch
primat vorliege, müssten bei einem Leistungsfall, bei dem ein Vorbehalt wirksam werde oder
eine Anzeigepflichtverletzung
mit Rücktritt
vom überobligatorischen Vertrag
vorliege, im Invaliditätsfall nur die BVG-Mindestleistungen erbracht wer
den. In BGE 144 V 376 habe das Bundesgericht klar festgelegt, was in dieser Konstellation unter
den BVG-Mindestleistungen
zu verstehen sei und
dass
auch die Eintrittsleistung aus dem
Überobligatorium
in die Berechnung der Invaliden
rente
einzubezi
ehen sei (Urk. 15 S. 10
Rn
30).
5
.2
Die Beklagte hielt dem
entgegen
,
die
einschlägigen reg
lementarischen Rege
lungen würden die Risikoleistungen bestimmen und insbesondere die Frage be
ant
worten, ob und inwiefern mit eingebrachten
Vorsorgemitteln
ein Risikoschutz erworben werden könne.
Da sich die
Invalidenrente
gemäss den einschlägigen
reglementarischen
Bestimmungen
in Prozenten des versicherten Lohnes
bestim
me, hätten
Bestand und Umfang des Altersguthaben
s
keinen Einfluss
auf deren Höhe
und könnten damit auch nicht zum Erwerb von bestimmten ziffernmässigen Risikoleistungen führen. Folglich kämen in Anwendung des Gesundheitsvorbe
haltes bei der Klägerin im konkreten Leistungsfall die
obligatorischen
BVG-Invalidenleistungen zur Auszahlung (Urk. 9 S. 15
Rn
33).
In einem Duoprimat wie
dem
vorliegend
en
erwerbe die versicherte Person mit der eingebrachten Aus
trittsleistung
– anders als bezüglich der
Altersleistungen –
keinerlei Risikoschutz.
Art. 14 FZG mache sodann keine Vorgaben dazu, ob und inwiefern mit der eingebrachten Austrittsleistung ein Vorsorgeschutz erworben werde, sondern beschränke sich auf die Aussage, dass der erworbene Vorsorgeschutz
nicht
durch
einen neuen Gesundheitsvorbehalt geschmälert werden dürfe (Urk. 21 S. 5 f.
Rn
12).
Die Vorsorgeeinrichtung, die von dem von der Klägerin zitierten BGE
144 V 376 betroffen gewesen sei, werde die Invalidenrente gemäss ihren ein
schlägigen
Reglementsbestimmungen
nach dem Beitragsprimat berechnet haben. Daraus könne aber keine Schlussfolgerung für den Vorsorgeplan der Beklagten, wonach sich die Risikoleistungen in Prozenten des versicherten Lohnes berech
ne
ten
und mit der eingebrachten Austrittsleistung kein Vorsorgeschutz erworben werde, gezogen werde
n
(Urk. 21 S. 8
Rn
19).
6.
6.1
Die Klägerin ist seit dem
«...»
bei der Beklagten berufsvorsorgeversichert
(Urk. 2/2)
. B
ei Eintritt
in die Beklagte wurde
der Klägerin
ein Gesundheits
vorbehalt
für
die Dauer von
fünf Jahre
n
auferlegt,
dess
en
Rechtmässigkeit
sie nicht in Abrede stellt
.
D
ie Parteien
gehen
übereinstimmend davon aus, dass sich die Invalidenrente
bei Eintritt einer Invalidität aus einem mit dem Gesundheits
vorbehalt belegten Grund (innerhalb der zeitlichen Wirksamkeit desselben)
nicht
nach der reglementarischen Vorschrift gemäss Ziffer 35.4
des Vorsorgeregle
ments
richtet, sondern
der
Klägerin diesfalls
lediglich die BVG-Mindestleistungen bei Invalidität zust
ünden
(Ziffer 4.5 Vorsorgereglement).
Umstritten und zu klären ist, wie sich eine
unter diesen Umständen
geschuldete
Invalidenrente konkret berechnet
und dabei insbesondere, ob die
von der Klägerin
eingebrachte Freizügigkeitsleistung aus dem
Überobligatorium
(
vgl. Urk. 2/2
) als Vorsorge
gut
haben in die Berechnung
mit
einzubeziehen ist
. Im Weiteren stellt sich die Frage, welcher Umwandlungssatz
diesfalls zur Anwendung gelangt
.
6.2
Die
Klägerin
begründet
ihre
Rechtsauffassung, wonach ihr Vorsorgeguthaben aus dem
Überobligatorium
ebenfalls
Bestandteil
des
bei der Rentenberechnung zu
berücksichtigenden Vorsorgeguthabens bilde
,
insbesondere
mit dem
Hinweis auf
Art. 14 FZG und BGE 144 V 376 (E. 5.1).
Dem
betreffende
n
Leitentscheid des Bundesgerichts
liegt
eine Anzeigepflichtverletzung
der versicherten Person
und insofern kein kongruenter S
a
chverhalt
zugrunde
.
Dies steht der Anwendung auf den vorliegenden Fall indessen nicht entgegen, zumal das Bundesgericht im
Ent
scheid
festgehalten hat, dass bei
Kündigung des Vorsorgevertrages durch die
Vor
sorgeeinrichtung infolge Falschdeklaration gestützt auf Art. 14 FZG die gleichen Leistungen geschuldet sind, wie sie bei einem Vorbehalt nach ordnungsgemässer Gesundheitsdeklaration zu erbringen wären (
Stauffer,
Entscheidbesprechung
zu BGE 144 V
376, AJP 2019
,
S. 734 ff
.
, S. 734 Einleitung
)
.
Der Sachverhalt
stimmt
denn auch
insofern
überein
,
als
der versicherten Person
im zitierten Leitentscheid
keine Invaliditätsleistungen aus weitergehender (überobligatorischer) Vorsorge
gemäss Reglement
, sondern einzig eine
obligatorische
Invalidenrente
aus BVG
zu
stand
. Hier wie dort stellt
sich
die
F
rage, wie mit der eingebrachten Eintritts
leistung
zu verfahren ist
,
falls diese
nicht nur aus dem BVG-A
ltersguthaben
besteht
(BGE 144 V 376 E. 3).
Es sind dementsprechend keine Gründe
dafür
aus
zumachen,
weswegen
die
in BGE 144 V 376
bezüglich
Art. 14 FZG
festge
haltenen Grundsätze
nicht auch auf den vorliegenden Fall Anwendung finden soll
t
en.
Auf das
Argument
der Beklagten, wonach sie im Duoprimat, die in BGE 144 V 376 involvierte Vorsorgestiftung jedoch im Beitragsprimat organisiert gewesen sei, und Art. 14 FZG deswegen unterschiedliche Auswirkungen zeitige (Urk. 21 S.
8
Rn
19,
S. 12
Rn
24, S. 13
Rn
27), wird
sogleich
im
Zusammenhang mit
der Berechnung der
allfälligen
Risikoleistungen einzugehen sein
.
6.3
Gemäss
dem Standpunkt der Beklagten
berechnet
sich
die
Invalidenrente
im der
vorliegenden K
lage zugrundeliegenden Sachverhalt
ausschliesslich
auf der Basis der
Vorsorge
guthaben aus dem BVG-Obligatorium
(E. 5.2)
. Dies
hätte
indes
zur Folge, dass die von der Klägerin eingebrachten
Vorsorgeguthaben aus dem
Über
obligatorium
im Invaliditätsfall
aufgrund
des
Gesundheitsvorbehaltes
hinsicht
lich
der Rentenberechnung
gänzlich
unberücksichtigt blieben
.
D
er
Gesundheits
vorbehalt
würde dementsprechend nicht nu
r das seit seiner Auferlegung
geäufnete
weitergehende
Vorsorgeguthaben, sondern auch das davor
angesparte Gut
haben aus dem
Überobligatorium
beschlagen.
A
uf die
se
Weise
würde
im Ergebnis
eine
Rückwirkung des
ab
«...»
auferlegten
Gesund
heitsvorbehaltes bis zum Zeitpunkt der erstmaligen
überobligatorischen
berufsvorsorgerechtlichen Versicherungsunterstellung der Klägerin
resultieren
,
was
diesbezüglich
einem vollständigen Leistungsausschluss bei Eintritt des Risikos gleich
käme (BGE 130 V 9 E. 4.4)
.
In Nachachtung von BGE 144 V 376 gibt Art. 14 Abs. 1 FZG neben der
Berücksichtigung der zuvor angesparten Vorsorgeguthaben aus dem
Über
obligatorium
denn
auch
die
Berechnung
der Risikoleistungen
im Grundsatz
nach dem
Beitragsprimat
(vgl. Art. 24 BVG)
vor.
Die Invalidenrente, welche bei Inva
liditätseintritt aus einem mit einem Gesundheitsvorbehalt belasteten Grund in Anwendung von Art. 14 Abs. 1 FZG resultiert, wird vom Bundesgericht
ausser
dem ebenfalls
als «BVG-Minimalrente» bezeichnet (BGE 144 V 376 E. 4.2).
Vor diesem Hintergrund ist auch d
er von der Klägerin zitierte Auszug aus
der Mono
graphie
von Stauffer
(Berufliche Vorsorge, 3. Aufl. 2019,
Rz
530; Urk. 1 S. 7
Rn
10)
,
wonach in die Vorsorgeeinrichtung eingebrachtes überobligatorisch ge
bil
detes Alterskapital nach der «Logik des BVG» zu höheren, überobliga
torischen Risikoleistungen führe
und für diese mit der Eintrittsleistung erworbenen An
sprüche kein Gesundheitsvorbehalt angebracht werden
dürfe
, dahingehend zu inter
pretieren, als auch die reglementarische Ausgestaltung der Beklagten als Duo-/Mischprimat einem Einbezug der Vorsorgeguthaben aus dem
Überobliga
torium
bei der Bemessung der Leistungen im Invaliditätsfal
l
nicht entgegensteht.
Dem widerspricht auch Ziffer 4.5 des Vorsorgereglements der Beklagten nicht, wonach im Falle des Eintritts der Invalidität aus einem mit dem Gesundheits
vorbehalt belasteten Grund nur Anspruch auf die «BVG-Mindestleistung
en» be
stehe
.
Es
kann
nicht angehen
, dass es
der Vorsorgestiftung
offensteht, den mit Art. 14 FZG
verfolgten Zweck der Erhaltung des Vorsorgeschutzes der versicher
ten Person (
Pärli
/Kämpf, in:
Hürzeler
/Stauffer [Hrsg.], Basler Kommentar Beruf
liche Vorsorge, BVG, FZG und weitere einschlägige Bestimmungen, N 3 zu Art. 14 FZG mit weiteren Hinweisen)
mit
einer
reglementarischen
Ausgestaltung der Risikoleistungen
nach dem
Leistungsprimat zu konterkarieren
.
Mit Art. 14 FZG sollte gerade
der Problematik
entgegengewirkt werden, dass
Versicherte
bei einem Stellenwechsel aufgrund der unterschiedlichen Struktur
en
der Vorsorge
ein
ri
chtungen Verluste hinsichtlich des Vorsorgeschutzes hinzunehmen ha
ben
;
mithin sollte
dadurch
eine Verbesserung der Freizügigkeit der versicherten Per
sonen bewerkstelligt werden
(
Pärli
/Kämpf,
a.a.O.
, N 1 zu Art. 14 FZG).
Dement
sprechend bildet
d
ie Eintrittsleistung Minimalgrösse für die Berechnung des Ren
tenanspruchs. Diese Grenze darf reglementarisch nicht unterschritten werden (
Pärli
/Kämpf,
a.a.O.
, N 25 zu Art. 14 FZG mit Hinweis auf BGE 144 V 376 E. 4.1
).
Im Unterschied zur Berechnung der obligatorischen Leistung nach BVG wird bei der Berechnung der Leistung, die aufgrund eines Gesundheitsvorbehalts ausge
richtet wird, nicht bloss auf das BVG-Altersguthaben gemäss Art. 24 Abs. 3
lit
. a BVG als Basis abgestellt. Vielmehr wird
stattdessen
auf das gesamte eingebrachte Altersguthaben abgestellt, zu welchem dann die Summe der infolge Eintritts des schädigenden Ereignisses wegfallenden Altersgutschriften addiert
wird
(Art. 24 Abs. 3
lit
. b BVG;
Stauffer,
Entscheidbesprechung
zu BGE 144 V
376,
a.a.O.
, S. 736).
Der Gesundheitsvorbehalt
gilt
nur b
ezüglich
des
neu
überobligatorisch aufgebauten Vorsorgekapital
s
, welches
aufgrund der Beiträge im Rahmen
des neuen Arbeitsverhältnisses
geäufnet wird (
Pärli
/Kämpf, a.a.O., N 25 zu Art. 14 FZG
mit Hinweis auf
BGE 144 V 376 E. 4
.
1 und
BGE 130 V 9
E.
5.2.2).
6.4
Nach dem Gesagten
ist der Klägerin insofern beizupflichten, als
das in die Beklagte eingebrachte Freizügigkeitsguthaben aus dem
Überobligatorium
bei der
Berechnung
eine
r
im Falle des Invaliditätseintrittes aus einem mit dem Ge
sund
heitsvorbehalt belasteten Grund
(
während der Geltungsdauer desselben
)
geschul
dete
n
Invalidenrente
vollumfänglich
zu berücksichtigen ist.
Das der Berechnung
zugrunde
zulegende
Altersguthaben berechnet sich in A
nwendung von Art. 24 BVG aus dem
gesamten bis zum Invaliditätseintritt angesparten und nicht mit einem Gesundheitsvorbehalt belasteten
Vorsorgeguthaben
(inklusive
dem einge
brachten
Guthaben aus dem
Überobligatorium
) zuzüglich der Summe der
BVG-
Altersgutschriften für die bis zum ordentlichen Rentenalter fehlenden Jahre (oh
ne Zinsen; Art. 24 Abs. 3 BVG).
6.5
Zu klären bleibt
der
anwendbare
Rentenumwandlungssatz.
In ihrer
Klage
schrift
plädierte die Klägerin
diesbezüglich für
eine analoge
Anwendung des
reglemen
tarischen Umwandlungssatzes
für die
Berechnung der Altersrente im ordentlichen Rücktrittsalter
(Urk. 1 S. 11
Rn
18, vgl.
Ziffer
n
6
, 29.1 und 29.5
in Verbindung mit Ziffer 61.1 Anhang H
Vorsorgereglement [Urk. 2/11]
)
.
Mit
ihrer Replik
vertrat die Klägerin
indes
den Standpunkt,
das Reglement der Beklagten
sehe
für die
vorliegend vorzunehmende Rentenberechnung keinen Umwandlungssatz vor,
wo
mit
eine regle
mentarische Lücke vorliege und
– da
es sich gemäss BGE 144
V 376 um BVG-Leistungen handle –
auf den Umwandlungssatz für das BVG-Obli
ga
to
rium abzustellen
sei
(Urk. 15 S. 10
Rn
31)
. Die Beklagte führte demgegenüber
aus,
vorliegend könne es nicht angehen, das Vorsorgeguthaben mit dem reglemen
tarischen Umwandlungssatz für die Altersleistungen zu multiplizieren (Urk. 9 S. 13
Rn
30, Urk. 9 S. 14 f.
Rn
31, Urk. 21 S. 4
Rn
10).
Für eine Verrentung von überobligatorischen Guthaben fehle sowohl im Gesetz als auch im Reglement eine einschlägige
Regelung, da es keiner solchen b
edürfe (Urk. 21 S. 4 f
.
Rn
10).
Die Verrentung eines überobligatorischen Altersguthabens mit dem BVG-Umwand
lungssatz sei bereits deshalb sachwidrig,
weil
den versicherten Personen damit Leistungen zustehen könnten,
auf die sie ohne Gesundheitsvorb
ehalt keinen An
spruch gehabt hätten (Urk. 21 S. 13
f.
Rn
26
und
Rn
30
).
Das Bundesgericht äusserte sich i
n BGE 144 V 376 nicht dazu, welcher Um
wandlungssatz in einer solchen Konstellation zur Anwendung gelangt.
Das von
Stauffer zur Illustrierung des mit Art. 14 FZG bewirkten Vorsorgeschutzes auf
gegriffene Zahlenbeispiel (
St
auffer, Berufliche Vorsorge, 3.
Aufl.
2019
,
Rz
530
) erweist sich
mit Blick auf den vorliegenden Fall
als
ebensowenig
aussagekräftig wie
auch
der Beitrag von
Hürzeler
in der Zeitschrift Haftung und Versicherung
,
worin
lediglich vom «anwendbaren Umwandlungssatz»
gesprochen wird
(
Hürzeler
, Rechtsprechung zum Leistungsrecht der beruflichen Vorsorge [5], HAVE 2019
,
S. 157)
.
In
seiner
Entscheidbesprechung
zu BGE 144 V 376
führt
e
Stauffer dies
bezüglich
zwar aus, dass der gesetzliche Rentenumwandlungssatz zur Anwen
dung
gelangen würde
, jedoch ohne
seine
Schlussfolgerung zu begründen
(Stauffer,
a.a.O.
, S. 736)
.
Beim Rentenumwandlungssatz handelt es sich letztlich um eine Kennziffer, mit welcher ein vorhandenes Altersguthaben unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Lebenserwartung und des künftigen Vermögensertrags in eine Jahresrente umzuwandeln ist. Die gesetzliche Verankerung des Rentenum
wandlungssatzes hat zur Folge, dass
auf die steigende
Lebenserwartung sowie
die
gesun
kene
Höhe künftiger Erträge nicht mit einer
zeitnahen
Senkung desselben
reagiert werden kann
beziehungsweise
konnte
(vgl. zur Problematik des gesetz
lichen Rentenumwandlungssatzes: Stauffer, in:
Hürzeler
/Stauffer [Hrsg.],
a.a.O.
,
N 16 f. zu Art. 14 BVG)
.
Wenn
Vorsorgestiftungen
über das Obligatorium hin
aus
gehende Leistungen erbringen, steht es ihnen frei
, den reglementarischen Renten
umwandlungssatz den aktuellen Gegebenheiten anzupassen
(vgl. Abänderungs
vorbehalt in Ziffer 58 des Vorsorgereglements
der Beklagten
[Urk. 2/11 S. 30]).
Aktuell liegt dieser bei der Beklagten für die Berechnung der Altersrente je nach Rücktrittsalter zwischen 4.80-6.55 %
(Ziffer 61.1 Anhang Vorsorgereglement [Urk. 2/11 S. 31]).
Dementsprechend brächte
d
ie Anwendung des
vergleichsweise
hohen
gesetzlichen Rentenumwandlungssatzes
von derzeit 6.8 % (vgl.
Art. 24 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 14 Abs. 2 BVG
)
im Ergebnis eine
beträchtliche
Besserstellung
der Klägerin
im Vergleich mit den anderen
versicherten Personen mit sich
.
Eine
derartige Privilegierung
erweist sich
vorliegend
jedoch
nicht
als gerechtfertigt, zumal diese
direkt auf den Gesundheitsvorbehalt zurückzuführen
wäre
,
welchen die Beklagte im Bestreben um eine Limitierung ihrer Leistung
s
pflicht infolge vorbestehender
Leiden auferlegt
e
.
Hinsichtlich des
anwendbaren Rentenumwandlungssatz
es ist daher
auf die regle
mentarischen Bestimmungen abzustellen.
Das
Vorsorger
eglement der Beklagten
enthält
keinen reglementarischen Rentenumwandlungssatz zur Berechnung von
Risikoleistungen
.
Somit
fehlt eine Regelung, welche hätte getroffen werden müsse
n, um die sich hier stellende Rechtsfrage zu beantworten und
es
liegt eine Lücke im Vorsorgereglement der Beklagten vor
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_706/2008 vom 6. November 2008 E. 3.1 e contrario).
Die Lückenfüllung erfolgt bei
reglementarisch vorformulierten Vorsorgeverträgen in analoger Anwen
dung de
r gesetzlichen Bestimmungen von
Art.
1 Abs.
2 und 3
des Schweizeri
schen
Zivil
gesetzbuch
es
(ZGB)
, welche für die richterliche Schliessung von Ge
setzes
lücken gelten
.
Damit wird namentlich die analoge Anwendung von gesetz
lichen
Regelungen ermöglicht, welche eine Normierung der im konkreten Vor
sorg
e
v
ertrag
offengelassenen, aber notwendigerweise zu beantwortenden Fragen enthalten
(Urteil des Bundesgerichts B 5/07 vom 19. September 2007 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 129 V 145 E. 3.1 S. 148).
Unter Berücksichtigung von Art. 24 Abs. 2 BVG
ist
vorliegend
der
für die Berechnung der Altersleistungen
im ordentlichen Rück
trittsalter
reglementarisch festgelegte
Rentenumwandlungssatz
analog
anzuwen
den
(
Ziffern 6, 29.1 und 29.5 in Verbindung mit Ziffer 61.1 Anhang H
Vorsor
ge
reglement [Urk. 2/11])
.
Dies gilt selbstredend nur für den Fall, dass sich dem Reglement der Beklagten auch im Zeitpunkt
der Entstehung des Rentenanspruchs
kein Rentenumwandlungssatz für
Invaliditätsleistungen
entnehmen lässt, anson
s
ten
dieser zur Anwendung gelangt
.
6.6
Die im
Falle des Invaliditätseintritts
aus einem mit einem Gesundheitsvorbehalt belasteten Grund geschuldete Invalidenrente ist dementsprechend mittels Multi
pli
kation des Altersguthabens
(vgl. davor E. 6.4)
mit dem reglementarisch für die
Berechnung der Altersleistungen im ordentlichen Rücktrittsalter
vorgesehenen
Rentenumwandlungssatz (vgl. davor E. 6.5)
vorzunehmen.
Die auf diese Weise ermittelte Rente erweist sich unter dem Vorbehalt als rechtskonform, dass der daraus resultierende Anspruch mindestens demjenigen entspricht, der sich aus der Berechnung nach dem BVG-Obligatorium (unter Berücksichtigung des aktu
ellen BVG-Zinssatzes) ergibt (vgl.
Stauffer, in: Stauffe
r
/
Cardinaux
[
Hrsg.
]
,
a.a.O.,
Art.
24 Höhe der Rente
).
Die Überprüfung, ob die Mindestbestimmungen einge
halten sind, erfolgt durch das Anrechnungs- oder Vergleichsprinzip, welches eine sogenannte Schattenrechnung voraussetzt. In dies
er wird, basierend auf zeitlich
identischer Grundlage und den gesetzlichen Parametern, der obligatorische An
spruch (theoretisch) berechnet. Dem obligatorischen Anspruch wird die auf zeit
lic
h identischer Grundlage beruhende und gleichartige, nach Massgabe
der vorherge
henden Erwä
g
ungen
berechnete Leistung gegenübergestellt. Ergibt der Vergleich, dass die
gemäss den vorhergehenden Erwägungen berechnete Leistung
höher ist als die obligatorische Leistung, ist die Mindestvorgabe des Obligatoriums erfüllt und es bleibt bei der Ausrichtung
der gemäss den obigen Grundsätzen berech
ne
ten
Leistung. Ist die gesetzliche
Mindestl
eistung
jedoch
höher, muss
diese
ausge
richtet werden (Glättli, in:
Hürzeler
/Stauffer [Hrsg.],
a.a.O.
, N
5 zu Art. 6 BVG
)
.
6.7
Nach dem Gesagten ist die Klage gutzuheissen.
7.
7.1
Das Klageverfahren
ist kostenlos (Art. 73 Abs. 2 BVG).
7
.2
Nach
§ 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Partei Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mit
Klage
vom
20. April 2020
(Urk. 1 S. 2) beantragte
die Klägerin
eine Partei
entschädigung. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit die Entschä
di
gung nach Ermessen festzusetzen ist (§ 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebüh
ren,
Kosten und Entschädigungen
vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rig
keit des Prozesses ist für den notwendigen Aufwand eine Entschädigung in Höhe von Fr.
2’900
.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.