Decision ID: b070acd4-d562-4886-a6a5-eab00dc5845a
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
erheblichen Sachverhaltsänderung streitig. Dies habe zur Folge, dass der
Beweisantrag auf Einholung eines weiteren Arztberichtes von vornherein
abzulehnen sei, da er die Eintretensfrage präjudizieren würde. Das vom
Beschwerdeführer eingereichte Schreiben von Dr. phil. ... vom 21. März 2011
sei nicht relevant, weil es im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung noch gar nicht existiert habe. Gestützt auf das erwähnte Schreiben
von Dr. phil. ... könne jedoch ein neues Gesuch um Rentenerhöhung gestellt
werden. Vorliegend sei der Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit
rechtskräftiger Verfügung vom 26. November 2008 letztmals materiell geprüft
und der Invaliditätsgrad ab dem 1. Januar 2006 auf 45% festgelegt worden,
womit der Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2006 einen Anspruch auf eine
Viertelsrente gehabt habe. Dabei habe die IV-Stelle das Invalideneinkommen
von Fr. 35'466.05 auf der Basis einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsgeeigneten Tätigkeit hypothetisch ermittelt. Auf das
Revisionsgesuch vom 26. Oktober 2010 habe die IV-Stelle nur einzutreten,
wenn eine rentenrelevante Erhöhung des IV-Grades aufgrund veränderter
Verhältnisse glaubhaft gemacht werde, wobei es neuer Elemente
tatsächlicher Natur bedürfe, die nach der rechtskräftigen Verfügung vom 26.
November 2008 eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt
hinzugekommen seien oder diesen verändert hätten. Im
Rentenerhöhungsgesuch vom 26. Oktober 2010 mache der
Beschwerdeführer unter Beilage der Lohnausweise der Jahre 2007 bis 2009
sowie Bescheinigungen der Arbeitslosenkasse und der Ausgleichskasse eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit dem Jahre 2007
geltend, weshalb er das Arbeitspensum seit dem Jahre 2008 habe reduzieren
müssen. Trotz Aufforderung und Vorbescheidverfahren habe der
Beschwerdeführer bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 28.
Februar 2011 der IV-Stelle jedoch keine Unterlagen eingereicht, aus denen
glaubhaft hervorginge, dass sich sein Gesundheitszustand seit dem 26.
November 2008 verschlechtert oder sich die wirtschaftlichen Auswirkungen
des Gesundheitszustandes verändert hätten. Demnach habe eine
rentenrelevante Erhöhung des Invaliditätsgrades aufgrund veränderter
Verhältnisse nicht glaubhaft gemacht werden können, weshalb die IV-Stelle
am 28. Februar 2011 zu Recht Nichteintreten verfügt habe. Dies gelte umso
mehr, als die letzte rechtskräftige Verfügung vom 26. November 2008 nur
kurze Zeit zurückliege, so dass an die Glaubhaftmachung höhere
Anforderungen zu stellen seien. Dass der Beschwerdeführer im Jahre 2009
lediglich ein Einkommen von Fr. 21'794.-- erzielt habe und damit Fr. 2'743.--
weniger verdient habe als noch im Jahre 2008 könne an diesem Resultat auch
nichts ändern. Denn die IV-Stelle habe das Invalideneinkommen von Fr.
35'466.05 schon am 26. November 2008 - unter Ausserachtlassung des vom
Versicherten effektiv erzielten Einkommens - hypothetisch ermittelt, weil der
Beschwerdeführer aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht bereits damals
seine Restarbeitsfähigkeit ungenügend verwertet habe.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, sofern erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die IV-Stelle im
Sinne von 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) zu Recht nicht auf das Gesuch um Rentenerhöhung des
Beschwerdeführers eingetreten ist. Demnach ist nachfolgend zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer glaubhaft dargelegt hat, dass sich die tatsächlichen
Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 26. November
2008 in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert haben, wobei
der bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2011
sich verwirklichte Sachverhalt massgebend ist. Weitere Arztberichte, wie dies
der Beschwerdeführer beantragte, sind demgemäss keine einzufordern, da
sie für die vorliegend zu beantwortende Eintretensfrage ohnehin nicht
massgebend wären.
2. a) Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) i.V.m. Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind laufende Renten von
Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen
oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers in
einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Revision der
Rente gibt, der langjährigen Praxis des Bundesgerichts folgend, jede
erhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, N. 15 zu Art. 17 ATSG).
Neben der wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes bilden die
erhebliche Änderung der wirtschaftlichen Auswirkungen des unverändert
gebliebenen Gesundheitsschadens sowie des für die Methodenwahl
ausschlaggebenden hypothetischen Sachverhaltes weitere Revisionsgründe.
Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen
Rentenverfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
beruht, bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung (vgl. BGE 133 V 110 E. 5, Änderung bzw. Präzisierung
der bisherigen Rechtsprechung, 125 V 369 E. 2 mit Hinweis, Ueli Kieser,
a.a.O., N. 22 zu Art. 17 ATSG).
b) Stellt der Versicherte ein Gesuch um Rentenerhöhung, hat er gemäss Art. 87
Abs. 3 IVV glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für
den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Das Kriterium der
Erheblichkeit setzt dabei das Interesse an der Stabilität der
Rentenausrichtung um, welches gebietet, Anpassungen nicht ohne Weiteres
vorzunehmen (Ueli Kieser, a.a.O., N. 15 zu Art. 17 ATSG). Überdies soll damit
verhindert werden, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleich
lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden, Gesuchen befassen muss (vgl. BGE 117 V 200 E.
4b mit Hinweisen). Der Versicherte muss dabei für die geltend gemachte
erhebliche Sachverhaltsänderung weder den vollen Beweis noch den
Nachweis erbringen, dass seine Darstellung überwiegend wahrscheinlich (im
Sinne des sozialversicherungsrechtlichen Regelbeweisgrades; vgl. BGE 121
V 47 E. 2a) ist. Vielmehr genügt es, wenn er glaubwürdig konkrete
Anhaltspunkte für eine erhebliche Sachverhaltsänderung dartun kann (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 724/99 vom 5. Oktober 2001 E.
1c/aa, nicht publ. in BGE 127 V 294, aber in SVR 2002 IV Nr. 10 S. 25).
Immerhin ist eine erhebliche Sachverhaltsänderung nicht bereits damit
glaubhaft gemacht, dass in einem neuen Bericht von Ärzten oder anderen
Fachleuten, auf deren Sachverstand die IV-Stelle bei der
Invaliditätsbemessung zurückgreifen muss, der bereits im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenverfügung gegebene Sachverhalt abweichend
bewertet wird und entsprechend andere Schlussfolgerungen gezogen
werden. Vielmehr müssen Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass nach der
ursprünglichen Verfügung Umstände aufgetreten sind, die den im Zeitpunkt
der ursprünglichen Verfügung massgebenden Sachverhalt erheblich
verändert haben (nicht veröffentlichtes Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 484/00 vom 21. März 2001 E. 1b/bb). Im Übrigen sind
an die Glaubhaftmachung umso höhere Ansprüche zu stellen, je kürzer der
Zeitraum zwischen der ursprünglichen, rechtskräftigen Verfügung und dem
Revisionsgesuch ist (vgl. BGE 109 V 264 E. 3). Gelangt die IV-Stelle zum
Ergebnis, es sei nicht glaubhaft gemacht, dass sich der Invaliditätsgrad in
erheblicher Weise geändert hat, erledigt sie das Revisionsgesuch mit einem
Nichteintretensentscheid (vgl. BGE 109 V 114 E. 2b).
3. a) Vorliegend ist einzig die Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten
erheblichen Sachverhaltsänderung mit Einfluss auf den Invaliditätsgrad zu
prüfen. Der Rentenanspruch wurde letztmals mit der rechtskräftigen
Verfügung vom 26. November 2008 materiell geprüft und der Invaliditätsgrad
ab 1. Januar 2006 auf 45% festgelegt. Der Versicherten hatte demzufolge ab
dem 1. Januar 2006 Anspruch auf eine Viertelsrente. Die IV-Stelle hat dabei
das Invalideneinkommen von Fr. 33'466.05 auf der Basis einer 60%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit hypothetisch
ermittelt. Auf das Revisionsgesuch vom 26. Oktober 2010 hat die IV-Stelle
somit nur einzutreten, wenn eine rentenrelevante Erhöhung des
Invaliditätsgrades aufgrund veränderter Verhältnisse glaubhaft gemacht wird,
wobei es neuer Elemente tatsächlicher Natur bedarf, die nach der
rechtskräftigen Verfügung vom 26. November 2008 eingetreten und zu dem
damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen sind oder diesen verändert
haben.
b) Der Beschwerdeführer bringt im Rentenerhöhungsgesuch vom 26. Oktober
2010 unter Einreichung der Lohnausweise der Jahre 2007 bis 2009 sowie
Bescheinigungen der Arbeitslosenkasse und der Ausgleichskasse vor, sein
Gesundheitszustand hätte sich seit dem Jahre 2007 verschlechtert, weshalb
er sein Arbeitspensum seit 2008 habe reduzieren müssen. Namentlich leide
er an innerer Unruhe, Angstzuständen sowie vermehrt auch an depressiver
Stimmung. Mögliche Auslöser dieser Leiden sieht der Beschwerdeführer in
seiner Arbeit. Sein Arbeitspensum musste der Versicherte eigenen Angaben
zufolge von 2.4 Stunden auf 2.2 Stunden pro Tag beziehungsweise von 12
Stunden auf 11 Stunden pro Woche reduzieren. Unterlagen, wie
beispielsweise Arztberichte oder eine Bestätigung seines Arbeitgebers, aus
welchen glaubhaft hervorgeht, dass sich sein Gesundheitszustand seit dem
26. November 2008 tatsächlich verschlechtert oder dass sich die
wirtschaftlichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes verändert haben
könnten, brachte der Beschwerdeführer jedoch, trotz schriftlicher
Aufforderung der IV-Stelle vom 27. Oktober 2010 und Vorbescheidverfahren,
bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2011 nicht
vor. Die eingereichten Lohnausweise und Bescheinigungen der
Arbeitslosenkasse und der Ausgleichskasse genügen dazu keineswegs,
zumal, wie schon die Vorinstanz zu Recht darauf hinweist, die IV-Stelle das
Invalideneinkommen schon in der rechtskräftigen Verfügung vom 26.
November 2008, unter Ausserachtlassung des vom Versicherten effektiv
erzielten Einkommens, hypothetisch ermittelte. Daher kann aus der Tatsache,
dass der Beschwerdeführer gemäss den eingereichten Lohnausweisen im
Jahre 2009 lediglich ein Einkommen von Fr. 21'794.-- erzielte und damit Fr.
2'743.-- weniger verdiente als im Jahre 2008, nichts zugunsten des
Beschwerdeführers abgeleitet werden. Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer eine erhebliche Änderung der tatsächlichen
Verhältnisse in Form einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder
einer Veränderung der wirtschaftlichen Auswirkungen des
Gesundheitszustandes gegenüber der rechtskräftigen Verfügung vom 26.
November 2008 und damit einen Eintretenstatbestand nicht glaubhaft
gemacht hat. Dies gilt umso mehr, als bei der Prüfung der
Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten Sachverhaltsänderung zu
berücksichtigen ist, dass die letzte rechtskräftige Verfügung vom 26.
November 2008 nur kurze Zeit zurückliegt. Die IV-Stelle ist demnach mit
Verfügung vom 28. Februar 2011 zu Recht nicht auf das Gesuch um
Rentenerhöhung eingetreten.
4. An diesem Ergebnis vermag auch das mit der Beschwerde vom 1. April 2011
eingereichte Schreiben von Dr. phil. ... vom 21. März 2011 nichts zu ändern.
Wie bereits ausgeführt, hat die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch
die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft zu machen. Der
Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu
sorgen hat (vgl. BGE 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen), spielt insoweit nicht.
Wird im Gesuch um Rentenerhöhung kein Eintretenstatbestand glaubhaft
gemacht, ist der versicherten Person eine angemessene Frist zur Einreichung
weiterer Beweismittel anzusetzen. Die Fristansetzung ist mit der Androhung
zu verbinden, dass ansonsten auf Nichteintreten zu erkennen sei. Die IV-
Stelle hat den Beschwerdeführer denn auch, nachdem dieser am 26. Oktober
2010 das Rentenerhöhungsgesuch ohne ausreichende Glaubhaftmachung
der erheblichen Veränderung des Invaliditätsgrades eingereicht hatte, mit
Schreiben vom 27. Oktober 2010 eine Frist bis 31. Dezember 2010 gewährt,
um weitere Beweismittel einzureichen, mit dem Hinweis, dass ansonsten auf
das Begehren nicht eingetreten werde. Nachdem diese Frist ungenutzt
verstrichen war, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Februar 2011
folgerichtig nicht auf das Revisionsgesuch ein. Ergeht wie vorliegend eine
Nichteintretensverfügung im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens, das den
eben umschriebenen Erfordernissen betreffend Fristansetzung und
Androhung der Säumnisfolgen genügt, hat das Gericht seiner
beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde zu legen, wie er
sich der Verwaltung bot (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5). Das Schreiben von Dr.
phil. ... vom 21. März 2011 reichte der Beschwerdeführer vorliegend erst mit
der Beschwerde am 1. April 2011 ein. Demnach ist erwähntes Schreiben hier
nicht zu beachten, weil es im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung vom 28. Februar 2011 noch gar nicht existierte. Der
Nichteintretensentscheid der IV-Stelle ist demnach auch unter diesem Aspekt
zu Recht ergangen, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Hingegen kann
der Beschwerdeführer, wie schon die Vorinstanz korrekt festgehalten hat,
gestützt auf das Schreiben von Dr. phil. ... bei der IV-Stelle ein neues Gesuch
um Rentenerhöhung stellen.
5. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von
Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung
(inkl. Erhöhung) von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Jene Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die vom unterliegenden
Beschwerdeführer zu tragenden Kosten auf Fr. 700.-- fest. Die IV-Stelle des
Kantons Graubünden hat keinen Anspruch auf eine aussergerichtliche
Entschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).