Decision ID: 71a31a2d-bc25-4147-910b-9fa5471f4cea
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954, meldete sich am 2
3.
Mai 2011 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
8/5).
Vom
2.
Juli bis zum 2
8.
September 2012 absolvierte die Versicherte ein Belastbarkeitstraining bei der
Y._
(Kostengut
sprache Belastbarkeitstraining vom
3.
Juli 2012,
Urk.
8/37) und im Anschluss daran ein Aufbautraining vom 2
9.
September 2012 bis zum 2
8.
März 2013 (Kostengutsprache Aufbautraining vom
2
7.
September 2012,
Urk.
8/51). Nach beruflichen und medizinischen Abklärungen sowie durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
5.
August 2013,
Urk.
8/73; Einwand vom 1
0.
September 2013,
Urk.
8/80; ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
8.
Oktober 2013,
Urk.
8/84) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
5.
April 2014 (
Urk.
2) einen Leistungsanspruch.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
3.
Mai 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mit Wir
kung ab
1.
November 2011 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei durch das Sozialversicherungsgericht eine psychiatrische Begutachtung anzu
ordnen, damit hernach über ihren Anspruch auf Ausrichtung einer IV-Rente entschieden werden könne.
Subeventualiter
sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Anordnung einer psy
chiatrischen Begutachtung neu über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Ausrichtung einer IV-Rente entscheide. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Mit Beschwerdeantwort vom
2.
Juli 2014 (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-94) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am
7.
Juli 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) dafür, dass kein Gesundheitsschaden vorliege, der aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründe. Es lägen keine Anhalts
punk
te für eine psychiatrische Komorbidität oder sonstige schwere
Funktions
ein
schrän
kungen
vor.
Das Leiden sei damit überwindbar. Au
ch lägen diverse psychosoziale Belastungsfaktoren vor, welche nicht berücksichtigt werden könnten. Diese hätten auch in der Vergangenheit zu psychischen Beschwerden geführt, welche mit entsprechender Behandlung oder Wegfallen dieser Belas
tungen wieder abgeklungen seien. Allfällige, beim Wegfallen der psychosozia
len Belastungssituation bleibende, psychische Restbeschwerden seien aufgrund ihrer Ressourcen überwindbar.
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass
ihre
psychische Beeinträchtigung nicht überwindbar sei. Neben einer rezidivierenden depressiven Störung leide sie zusätzlich an einer Persönlichkeitsstörung und weise entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin kaum Ressourcen auf. Auch seien keine psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren massgebend, so dass sie deshalb sowie unter Berücksichtigung ihres fortge
schrittenen Alters mit Wirkung ab dem
1.
November 2011 Anspruch auf die Ausrichtung einer ganzen Rente habe (
Urk.
1 S. 4).
Aus dem Arztbericht der
Z._
vom 1
9.
Mai 2014 gehe hervor, dass als zusätzliche Diagnose eine ängst
lich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung zu stellen sei,
sich die psychiatrischen Befunde verstärkt hätten und die Beschwerdeführerin über keinerlei Ressourcen verfüge. Auch sei ein psychiatrischer Gesundheitsschaden aufgrund der Beur
teilungen der behandelnden Psychiater und der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sehr wohl ausgewiesen. Irrelevant sei, dass die Kopf
schmerzen und die psychische Störung bereits seit 1973 best
ünden,
und die Beschwerdeführerin immer habe arbeiten können - massgebend sei, dass sie seit
dem
1.
November 2010 rentenrelevant eingeschränkt sei (
Urk.
1 S. 9 ff.).
Auch sei unter Berücksichtigung des fortgeschrittenen Alters, des jahrelangen psy
chischen
Leidenwegs
, der Diagnosestellung sowie der Erwerbsbiographie eine allfällige Resterwerbsfähigkeit nicht mehr wirtschaftlich verwertbar (
Urk.
1 S.
12 f.).
In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus,
dass eine ängst
lich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung oft im frühen Erwachsenenalter beginne. Es sei daher fraglich, weshalb diese Diagnose erst heute, wo die Beschwerdeführerin 60 Jahre alt sei, gestellt werde. Selbst wenn eine solche Störung vorliege, habe sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin die damit einhergehenden Beein
trächtigungen habe kompensieren können, aber heute nicht mehr dazu in der Lage sei (
Urk.
8).
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliede
rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend fest
gestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückwei
sung
– da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prü
fung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
3.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 2
4.
Juni 2011 (
Urk.
8/17) notierte
Dr.
med.
A._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2), seit ca.
1973 und 2) rezidivierende Migrä
ne Attacken (
ICD-10 G43.0
), seit dem jungen Erwachsenenalter mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin stehe seit Juli 1999 bei ihm in ambulanter psychiatri
scher Behandlung. Das Leiden habe sich seit dem jungen Erwachsenenalter meistens in Form eines Stimmungstiefs und einer psychosomatischen Sympto
matik des Magendarmtraktes gezeigt. W
ä
hrend einer Kampfscheidungsphase habe er der Beschwerdeführerin im April 2000 ein Zeugnis ausgestellt,
wonach
sie aus gesundheitlichen Gründen ihre berufliche Tätigkeit als Pflegerin (damals zwischen 50 und 60%) bis auf weiteres nicht erhöhen könne. Unter einer medi
kamentösen antidepressiven und stimmungsstabilisierenden Therapie mit
Quil
o
norm
ret
.
Tabl
. 450mg (1-0-1),
Efexor
ER Kaps. 150mg (1-0-0) und
Trimin
Tabl
. 25mg (0-0-0-1) habe sie nun ca. 10 Jahre gut funktioniert und sich über ihr berufliches Engagement zwischenmenschliche Kontakte und Bestätigung geholt (
Urk.
8/17 S. 4).
Im Verlauf des Jahres 2009 habe die Beschwerdeführerin verstärkt auftretende Symptome wie Denkblockaden, Zerstreutheit, Vergesslichkeit insbesondere im Zusammenhang mit Diskussionen am Arbeitsplatz auf die
Efexor
-Medikation zurück
geführt
. Ein Umstellungsversuch auf ein SSRI sei wegen starkem Herz
klopfen und Schweissausbrüchen gescheitert. Eine weitere Umstellung von
Efexor
auf
Cymbalta
30mg sei einige Monate gut verlaufen, ab Oktober 2010 sei es jedoch zu einer psychischen Zustandsverschlechterung gekommen, was eine Steigerung von
Cymbalta
auf 60mg notwendig gemacht habe. Darunter sei es zu einem unzumutbaren Tremor und einer inneren Unruhe gekommen, wes
wegen erneut auf das ursprüngliche Medikament
Efexor
zurückgegriffen wor
den sei. Im Oktober habe die Beschwerdeführerin dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass sie künftig nur noch zu 50
%
arbeiten wolle - der wahre Grund sei aber, dass sie aus gesundheitlichen Gründen das Arbeitspensum
habe
reduzieren wolle
n
, dem Arbeitgeber jedoch aus Angst vor einer Kündigung nichts von den gesundheitlichen Problemen
habe
sagen wolle
n
. Aufgrund der psychischen Verschlechterung habe sich die Behandlung seit Anfang November 2010 inten
siviert, wobei er die Beschwerdeführerin habe arbeitsunfähig schreiben müssen (
Urk.
8/17 S. 4).
Vom
1.
November 2010 bis zum
6.
Februar 2011 habe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit bestanden, seit dem
7.
Februar 2011 bestehe eine 75%ige Arbeitsun
fähigkeit bis auf weiteres, das bedeute, dass die Beschwerdeführerin bei einer 50%-Anstellung
zu 50
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
8/17 S. 6).
In ihrer bisherigen Tätigkeit sei sie durch Konzentrationsstörungen, eine erhöhte
Ermüd
- und Erschöpfbarkeit sowie verminder
t
e Belastungsfähigkeit mit
Affekt
in
kontinenz
eingeschränkt. Sie neige
dazu, unter zu grosser Belastung in Trä
nen auszubrechen und es könne vermehrt
zu
körperlichen Magen-Darm-Beschwer
den und insbesondere auch Migräne kommen, inklusive Verstärkung der Suizi
da
lität (
Urk.
8/17 S. 6).
3.2
Dr.
med.
B._
, Allgemeine Medizin, hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 2
1.
Juli 2011 (
Urk.
8/20 S. 5) fest, er habe jeweils nur kurzfristige Arbeitsunfähigkeit
en
aufgrund der Migräne attestiert. Die Arbeitsunfähigkeit werde durch die psychische Erkrankung bestimmt, welche nicht von ihm behandelt werde
, so dass er diese nicht beur
teilen könne.
3.3
Dr.
A._
hielt
im Verlaufsbericht vom
2.
Februar 2012 (
Urk.
8/33) zuhanden der Beschwerdegegnerin
1) eine rezidivierende ängstlich depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F32.2), in Teilremission und 2) rezidivie
rende Migräneattacken (
ICD-10 G43.0
) als Diagnosen fest. Er konstatierte,
dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin
verschlechtert habe, als sie
vom Sozialamt von der Anmeldung bei der IV erfahren habe, weil nun noch amtlich bestätigt werde, dass sie „unfähig“ und eine Versagerin sei. Im Juli 2011 habe der Hund, der ihr als treuer Begleiter psychischen Halt gegeben habe, notfallmässig operiert werden müssen.
Hinzugekommen sei,
dass sie am 3
1.
August 2011 die Kündigung der Arbeitsstelle erhalten habe, was sie zusätz
lich aufgewühlt und existenzielle Ängste ausgelöst habe. Sie habe sich völlig
ausgepumpt gefühlt, wie
ohne Luft und blockiert. Er habe die Beschwerdeführe
rin deswegen ab dem
2.
September 2011 erneut vollumfänglich arbeitsunfähig schreiben müssen.
Im Oktober sei der Hund gestorben, was eine Trauerreaktion ausgelöst habe. Unter Entlastung und Umstellung der Medikation habe sich die Beschwerde
führerin seit Mitte Dezember 2011 zuerst an vereinzelten Tagen und nun auch etwas häufiger psychisch weniger schlecht gefühlt. Insbesondere habe
sich
der Schlaf verbessert und sei erholsamer geworden. Seit Januar 2012 fühle sich die Beschwerdeführerin psychisch etwas stabiler und würde gerne eine Arbeit auf ihrem pflegerischen Beruf finden und damit stundenweise, mit 2 Stunden pro Tag, beginnen und das Pensum sukzessive steigern.
Aktuell schrecke sie morgens oft mit panikartigen Ängsten aus dem Schlaf. Bereits Termine
einzuhalten löse eine Stressreaktion mit Schweissausbrüchen und einem inneren Druckgefühl aus. Die Migräne-Attacken hätten zurzeit abge
nommen. Die Stimmung habe sich gebessert, sei aber weiterhin sehr labil. Sie werde durch die unklare berufliche Perspektive sehr belastet, glaube aber, sich durch einen möglichst baldigen Arbeitsversuch mit niedrigem Pensum schneller s
tabilisieren zu können. Es bestünden
weiterhin eine schnellere Erschöpfbarkeit und ein sozialer Rückzug.
Vorderhand sei sie noch nicht arbeitsfähig, es könne aber ein Arbeitsversuch von 20-25
%
gestartet werden. Je nach Verlauf könnte das Pensum gemäss der Belastbarkeit der Beschwerdeführerin angepasst werden. Falls sich der psychi
sche Zustand unter der Arbeitsbelastung verschlechtere, müsse eine
teilstatio
näre
oder stationäre Behandlung in Betracht gezogen werden. Längerfristig halte er sie für insgesamt 50
%
arbeitsfähig.
3.4
Ab Oktober 2012 wurde die Beschwerdeführerin durch die Ärzte der Psychiatri
schen
Z._
ambulant
betreut. Diese hielten in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom
6.
Mai 2013 1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, beste
hend seit 1999 (ICD-10 F33.1), 2) rezidivierende Migräneattacken, seit jungem Erwachsenenalter (ICD-10 G43.0) sowie 3) einen Tinnitus mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
8/67 S. 2).
Bei der Beschwerdeführerin bestünden aufgrund der depressiven Symptomatik deutliche Konzentrationsprobleme und eine mittelgradig eingeschränkte Belast
barkeit. Geistige oder physische Einschränkungen lägen keine vor. Bei der Arbeit wirkten sich die Einschränkungen durch eine erhöhte Erschöpfbarkeit, verminderte Belastbarkeit, reduziertes Durchhaltevermögen und
Konzentrati
ons
störungen
sowie bei Überlastung vermehrt auftretende körperliche Beschwer
den aus (Kopfschmerzen, Migräne, Tinnitus, innere Unruhe;
Urk.
8/67 S. 5).
Zurzeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
in der bisherigen Tätigkeit bei einer verminderten Leistungsfähigkeit. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit über 20
%
sei unwahrscheinlich (
Urk.
8/67 S. 5).
3.5
Die Ärzte der
Z._
notierten in ihrem zuhanden der Beschwerdegegnerin erstell
ten A
rztbericht vom 1
9.
Mai 2014
(
Urk.
3/4), es bestehe aktuell eine Arbeits
fähigkeit von 10-20
%
. Sie hielten als zusätzliche Diagnose eine ängstlich (ver
mei
dende) Persönlichkeitsstörung, bestehend seit der Adoleszenz (ICD-10 F60.6)
,
fest.
Körperliche oder geistige Einschränkungen bestünden keine. In psychischer Hin
sicht sei die Beschwerdeführerin
schwerst
beeinträchtigt. Aufgrund der depressiven Symptomatik bestünden deutliche Konzentrat
ionsprobleme, eine mittelgradig
eingeschränkte Belastbarkeit, Affektschwankungen und ein ausge
prägtes Antriebsdefizit. Es
bestünden
eine erhöhte Erschöpfbarkeit, verminderte Belastbarkeit, reduziertes Durchhaltevermögen und Konzentrationsstörungen sowie bei Überbelastung vermehrt auftretende körperliche Beschwerden (Mig
räne, Tinnitus, innere Unruhe). Aufgrund der Persönlichkeitsstörung zeige sie ein durchgängiges Muster von Minderwertigkeitsgefühlen, Gehemmtheit und Übersensibilität gegenüber negativer Beurteilung. Sie ziehe sich zurück und meide zwischenmenschliche Aktivitäten, aus Angst von anderen Menschen abgelehnt, zurückgewiesen, blossgestellt, lächerlich gemacht oder kritisiert zu werden (
Urk.
3/4 S. 4).
Die bisherige Tätigkeit sei ihr aktuell in einem Pensum von 10-20
%
bei ver
minderter Leis
tungsfähigkeit zumutbar (
Urk.
3/4 S. 4).
4.
4.1
Dr.
A._
hielt
in seinem Bericht vom 2
4.
Juni 2011 (
Urk.
8/17, vgl. E. 3.1) fest, dass die Beschwerdeführerin während ihrer Schei
dung von ihm krankgeschrie
ben wo
rde
n sei
. Auch sei die Beschwerdeführerin auf diverse psychosoziale Stressoren eingeengt (z.B. Gerichtsschulden, diverse Todesfälle in der Umge
bung) und es stünden am Arbeitsplatz Umstrukturierungen und Entlassungen an (
Urk.
8/17 S. 5). Im Verlaufsbericht vom
2.
Februar 2012 (
Urk.
8/33) hielt er fest, dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin nach der IV-An
meldung verschlechtert habe, da ihr nun auch noch amtlich bestätigt werde, dass sie „unfähig“ und eine Versagerin sei. Im Juli 2011 habe
ihr
Hund
notfall
mässig
operiert werden müssen, der ihr psychischen Halt gegeben habe. Am 3
1.
August 2011 sei ihr
gekündigt worden, was sie zusätzlich aufgewühlt und existenzielle Ängste ausgelöst habe. Als der Hund im Oktober gestorben sei, habe dies eine Trauerreaktion au
sgelöst (
Urk.
8/33).
Die behandelnden Ärzte der
Z._
konstatierten in ihrem Bericht vom
6.
Mai 2013 (
Urk.
8/67), dass die Beschwerdeführerin sehr hohe Ansprüche an sich habe und zu pe
rfektionistischem Verhalten neig
e. Unter Belastung und Insuffi
zienzgefühlen, z.B. durch nicht genügende Anerkennung und Bestätigung von Aussen
,
neige sie zu depressiver Dekompensation und einer gedrückten Stim
mung mit Verlust von Interesse und Lebensfreude (
Urk.
8/67 S. 3).
C._
, Psychologin der
Z._
, hielt in ihrem E-Mail vom 2
1.
Mai 2014 zuhan
den der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin fest, dass die Mutter der Beschwerdeführerin am
5.
Februar 2014 gestorben sei, welche eine grosse Stütze für die Beschwerdeführerin gewesen sei, da sie mit ihr über alles habe sprechen können. Seitdem habe sich der Zustand verschlechtert, wobei regel
mässige Therapiesitzungen helfen würden (
Urk.
3/5).
Zusammenfassend ist erstellt, dass
verschiedene psychosoziale Faktoren vorlie
gen, welche
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
zeitigen
.
Aus den im Recht liegenden Arztberichten
geht aller
dings nicht hervor, ob und wie weit die psychosozialen Umstände in die ärztli
che Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen sind, so dass nicht auf die vorliegenden Arztberichte abgestellt werden kann
(vgl. E. 2.4)
.
Des Weiteren ist auf die Erfahrungstatsache
hinzuweisen, dass
behandelnde Arztpersonen
mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfäl
len eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Selbstredend vermögen auch die knapp gehaltene
n
Beurteilung
en
durch den
RAD
(vgl. Feststellungsblatt vom 1
4.
August 2013)
, welche ohne eigene fach
ärztliche Untersuchung lediglich gestützt auf die (unzulängliche) Aktenlage erfolgte
n
, den Anforderungen an eine ausreichende medizinische
Entschei
dungsgrundlage
nicht
zu genügen.
4.2
Die Beschwerdegegnerin
führte
in der angefochtenen Verfügung aus, dass all
fäl
lige nach Ausscheiden der psychosozialen Belastungssituation verblei
bende psychische Restbeschw
erden überwindbar seien.
Um die sozial-praktische Zumutbarkeit der
Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG)
prüfen zu können
, ist
allerdings
vorab
medizinisch abzuklären, inwiefern die psychosozialen Faktoren das Beschwerdebild tatsächlich mitbe
stimmen bzw. ob seine Befunde in den psychosozialen Umständen teilweise ihre hinreichend
e Erklärung finden, oder ob
verselbständigte psychische Störungen vorliegen. Erst dann kann
und muss
beurteilt werden, ob allfällige Ressourcen der Beschwerdeführerin ausreichen, um ihre Einschränkungen zu überwinden.
4.3
Zusammengefasst erweist sich der medizinische Sachverhalt
in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand
als ungenügend abgeklärt
.
Die Sache is
t daher unter Aufhebung der Ver
fügung vom
1
4.
April
2014 an die Beschwerdegegnerin zurü
ckzuweisen (E. 2.5
). Diese wi
rd ergänzende Abklärungen, insbesondere eine psychiatrische Begutachtung, durch
zuführ
en und danach über den Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘500.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.