Decision ID: 4120404e-f30f-4889-b210-3f1fe9b83d01
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 10. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 18. Mai 2022 wurde sie zu ihrer Person und ihrem Reiseweg be-
fragt. Am 9. September 2022 hörte sie das SEM zu ihren Gesuchsgründen
an.
Zu ihrem persönlichen Hintergrund und zur Begründung ihres Asylgesuchs
brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie sei kosovarische
Staatsangehörige albanischer Ethnie und stamme aus dem Dorf
B._, Gemeinde C._. Dort habe sie in der Landwirtschaft und
im Gastgewerbe/Einzelhandel gearbeitet. Im Heimatstaat sei sie durch ih-
ren damaligen Lebenspartner mit dem Tod bedroht worden. Sie habe ihn
daraufhin bei den Behörden angezeigt, sei jedoch nicht ernst genommen
worden. Da es ihr kaum möglich gewesen sei, ihren Lebensunterhalt zu
bestreiten, habe sie sich zur Ausreise nach Polen entschlossen, wo sie sich
während einiger Monate aufgehalten habe. Nachdem sie auch in Polen
keine Arbeit mehr habe finden können, sei sie über Deutschland in die
Schweiz gelangt.
B.
Am 15. September 2022 nahm die zugewiesene Rechtsvertretung Stellung
zum Entscheidentwurf des SEM.
C.
Mit Verfügung vom 16. September 2022 – gleichentags eröffnet – stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 23. September 2022 erhob die Beschwerdeführerin ge-
gen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie be-
antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft sowie die Asylgewährung. Eventualiter sei die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses.
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E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
26. September 2022 in elektronischer Form vor. Am selben Tag bestätigte
es der Beschwerdeführerin den Eingang ihrer Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
4.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör und des Untersuchungsgrundsatzes gerügt; diese Rügen
sind vorab zu beurteilen, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
Aufgrund ihrer schlechten psychischen Verfassung habe die Beschwerde-
führerin während der Anhörung nicht alle relevanten Tatsachen zu Protokoll
geben können, weshalb ihre Asylgründe und die Umstände ihrer Verfol-
gung unvollständig festgestellt worden seien.
4.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat
die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt in-
dessen nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat in der aus
Art. 13 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG fliessenden Mitwirkungspflicht des
Asylsuchenden (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Der in diesem Zusammen-
hang ebenfalls zu beachtende Grundsatz des rechtlichen Gehörs, der in
Art. 29 Abs. 2 BV verankert und in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwal-
tungsverfahren konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklärung des Sach-
verhalts, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-
recht der Parteien dar (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1).
4.3 In den Akten finden sich keinerlei Hinweise auf die geltend gemachten
– jedoch nicht weiter substantiierten – gesundheitlichen Probleme der
Beschwerdeführerin. Vielmehr gab die Beschwerdeführerin mehrfach zu
Protokoll, sie sei bei bester Gesundheit (vgl. A15/3 und A32/14 D6). Die
pauschale Behauptung auf Beschwerdeebene, sie habe sich aufgrund
ihres Gesundheitszustandes in der Anhörung nicht vollumfänglich zu ihren
Gesuchsgründen äussern können, ist demnach als nachgeschoben zu
qualifizieren. Darüber hinaus finden sich in den Akten keinerlei Hinweise
darauf, die Vorinstanz hätte ihre Vorbringen nicht sorgfältig und ernsthaft
geprüft und in ihrer Entscheidfindung berücksichtigt.
4.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Es besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der ent-
sprechende Subeventualantrag ist abzuweisen.
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Seite 5
5.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen
ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli-
chen zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den An-
forderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand.
Die Republik Kosovo sei durch den Bundesrat zum verfolgungssicheren
Staat erklärt worden, womit die Regelvermutung bestehe, dass keine asyl-
relevante staatliche Verfolgung stattfinde und Schutz vor nichtstaatlicher
Verfolgung gewährleistet sei. Es handle sich um eine relative Verfolgungs-
sicherheit, welche im Einzelfall aufgrund konkreter und substantiierter Hin-
weise umgestossen werden könne. Dies sei der Beschwerdeführerin je-
doch nicht gelungen. Der Umstand, dass die heimatlichen Behörden ihre
Anzeige ihren Ex-Partner betreffend nicht ernst genommen hätten, führe
für sich alleine noch nicht zur Annahme, dass die kosovarischen Behörden
ihr keinen Schutz garantierten. Zudem habe sie eingestanden, dass es
nach Beendigung der Beziehung zu keinen weiteren Problemen mit ihrem
Ex-Partner gekommen sei.
6.2 Die Beschwerdeführerin hält dem im Wesentlichen entgegen, zusätz-
lich zu den Problemen mit ihrem Ex-Partner sei sie jahrelang in ihrem Dorf
geächtet worden, da man sie verdächtige, während des Krieges mit dem
serbischen Militär kollaboriert zu haben. In ihrer Heimat habe sie keine Zu-
kunft und ihr Leben werde bedroht.
7.
7.1 Die Republik Kosovo gilt als verfolgungssicherer Staat ("Safe Country")
gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG. Bei diesen Staaten gilt grundsätzlich
die Regelvermutung, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht statt-
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finde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Die Vo-
rinstanz hat sodann zu Recht festgestellt, dass der kosovarische Staat be-
züglich der geltend gemachten Bedrohung durch Drittpersonen schutzwillig
und schutzfähig ist (vgl. dazu statt vieler Urteile des BVGer E-4435/2021
vom 12. Oktober 2021 E. 6.1 m.w.H.). Die Ausführungen in der Be-
schwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu führen, zu-
mal sie mehrheitlich die im vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachten
Asylgründe wiederholen, ohne sich in substantiierter Weise mit den zutref-
fenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung auseinanderzuset-
zen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich darauf ver-
wiesen werden. Sodann vermag auch das pauschale Vorbringen auf Be-
schwerdeebene einer (angeblichen) Bedrohung der Beschwerdeführerin
durch die Dorfbewohner die vorgenannte Regelvermutung nicht umzustos-
sen. Mangels gegenteiliger Hinweise in den Akten ist auch bezüglich dieser
Bedrohung durch Drittpersonen – sofern glaubhaft – festzustellen, dass der
kosovarische Staat sowohl schutzfähig als auch schutzwillig ist.
7.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückschiebung der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus ihren Aussagen noch aus den Akten An-
haltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihr unter Hinweis auf die vorangehenden Er-
wägungen (vgl. E. 7 hiervor) nicht gelungen. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Betreffend allfällige
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Seite 8
weitere Bedrohungen seitens ihres Ex-Partners respektive der Dorfbewoh-
ner kann sich die Beschwerdeführerin an die Behörden wenden und/oder
allenfalls eine innerstaatliche Wohnsitzalternative suchen. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sich sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-
rechtlichen Bestimmungen als zulässig.
9.3
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
9.5 Die Vorinstanz hat die Republik Kosovo in der angefochtenen Verfü-
gung zutreffend als sicheren Herkunftsstaat bezeichnet, in welchen eine
Rückkehr in der Regel zumutbar ist. In den Akten finden sich sodann auch
keine Hinweise auf Umstände, die geeignet wären, diese Regelvermutung
umzustossen. Mit ihren im Kosovo verbliebenen Familienangehörigen,
welche sie bereits in der Vergangenheit verschiedentlich unterstützten
(vgl. beispielsweise A32/14 D89, D107, D120 ff. und Beschwerde S. 6),
verfüg die Beschwerdeführerin über ein gutes soziales Beziehungsnetz.
Ihre pauschale Behauptung, dass sie im Falle ihrer Rückkehr nicht mehr
auf deren Unterstützung zurückgreifen könne, ist als reine Schutzbehaup-
tung zu qualifizieren, gestand sie doch mehrfach ein, ihre Verwandten hät-
ten ihr auch bei der Finanzierung ihrer Ausreise die Hand geboten
(vgl. A32/14 D120 ff.). Ferner verfügt sie über gute Berufserfahrung in der
Landwirtschaft, im Malerhandwerk und dem Gastgewerbe/Einzelhandel
(vgl. A32/14 D86, D119 und Beschwerde S. 5). Es ist demnach zu erwar-
ten, dass sie sich im Heimatstaat auch wirtschaftlich schnell wieder zu in-
tegrieren vermag.
9.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 9
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist un-
geachtet der behaupteten Mittellosigkeit abzuweisen, da die Begehren –
wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu
bezeichnen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird
mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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