Decision ID: d90c36d3-2ddd-4795-9b6a-f003d6da11e5
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Ermessensspielraum, den die Beschwerdeinstanzen – im Rahmen der Sachverhalts-
und Rechtskontrolle – nicht unter dem Titel der Auslegung überspielen dürfen. Von
mehreren möglichen Auslegungen hat die gerichtliche Beschwerdeinstanz nicht die ihr
zweckmässig scheinende auszuwählen, sondern die Grenzen des rechtlich Zulässigen
abzustecken. Wichtige Schranken bei der Anwendung der Eignungskriterien bilden der
allgemeine Grundsatz von Treu und Glauben und das vergaberechtliche
Transparenzprinzip. Die im Rahmen der Ausschreibung formulierten Eignungskriterien
sind so auszulegen und anzuwenden, wie sie von den Anbietern in guten Treuen
verstanden werden konnten und mussten (vgl. BGer 2C_1101/2012 vom 24. Januar
2013 E. 2.4; BGE 141 II 14 E. 7.1).
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Im Kriterium E20 der Eignungsprüfung gemäss Beilage 2 zum Pflichtenheft wurde die
Anbieterin danach gefragt, ob sie über Referenzkunden aus dem universitären Bereich
verfüge und in den letzten drei Jahren mindestens zwei Projekte zu Studierendenkarten
mit Schweizer Universitäten oder Fachhochschulen erfolgreich durchgeführt habe. Die
Beschwerdegegnerin verneinte die Frage zwar, fügte jedoch im dazugehörigen
Bemerkungsfeld an "In der Schweiz nur Studierendenausweise über einen bekannten
Systemanbieter (Kundenschutz)". Bei den Angaben zu den Referenzprojekten in der
Beilage 4 gab sie an, sie habe "die Studierendenausweise für diverse Projekte über
einen bekannten Partner in der Schweiz geliefert (z.B. Universität Bern, Höhere
Fachhochschule Gesundheit und Soziales, idheap, ISL, Uni Fribourg, FH Nordschweiz,
HES-SO Lausanne, HSR – Hochschule für Technik Rapperswil)". Zumal die
Beschwerdegegnerin Erfahrungen als Unternehmerin im universitären Bereich und als
Subunternehmerin an schweizerischen Universitäten und Fachhochschulen nachwies,
lag es im Ermessen der Vorinstanz, die Eignung der Beschwerdegegnerin nicht zu
verneinen. Ihr Entscheid ist mit Blick auf die Hinweise der Beschwerdegegnerin zu
ihren schweizerischen Referenzprojekten und zur vorinstanzlichen Begründung in ihrer
Vernehmlassung zum Gesuch um aufschiebende Wirkung jedenfalls bei der gebotenen
summarischen Prüfung nachvollziehbar. Dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin
im schweizerischen Umfeld lediglich Erfahrung als Subunternehmerin nachwies, trug
die Vorinstanz bei der Bewertung des Angebots nach dem Zuschlagskriterium der
Referenzprojekte Rechnung.
2.2.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, den Zuschlag habe ein krasses
Unterangebot – das heisst ein Angebot unter dem Selbstkostenpreis – erhalten. Die
Vorinstanz hätte mindestens weitere Informationen und Unterlagen einholen müssen.
Gemäss Art. 12 Ingress und lit. a VöB kann der Auftraggeber einen Anbieter vom
Vergabeverfahren unter anderem dann ausschliessen, wenn dieser die
Eignungskriterien nicht erfüllt. Ein ungewöhnlich niedriges Angebot ist nur dann
mangels Eignung auszuschliessen, wenn Anlass besteht, an der Fähigkeit des
Anbieters zur Auftragserfüllung zu den angebotenen Konditionen und damit an der
grundsätzlichen Seriosität des Angebots zu zweifeln (vgl. D. Lutz, Angebotspreis:
Kalkulationsfreiheit und die Schranken, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles
Vergaberecht 2014, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 295 f.). Die Beweislast liegt bei der
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Vergabebehörde (vgl. Lutz, a.a.O., S. 296). Werden ungewöhnlich niedrige Angebote
eingereicht, kann der Auftraggeber gemäss Art. 32 VöB zusätzliche Unterlagen und
Auskünfte verlangen, um die Einhaltung der Teilnahmebedingungen zu prüfen. Bei
einem Angebot, das rund 20 Prozent unter der preislich zweitniedrigsten Offerte liegt,
sind nach der st. gallischen Vergabepraxis und Rechtsprechung zusätzliche
Abklärungen jedenfalls gerechtfertigt (www.beschaffungswesen.sg.ch unter
Vergabeverfahren/Zuschlag/ungewöhnlich niedrige Angebote, Ziffer 5; GVP 2002 Nr.
33). Eine Pflicht besteht nur dann, wenn Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente dafür
bestehen, dass der Anbieter Teilnahme- oder Auftragsbedingungen verletzt, wobei
teilweise sogar offensichtliche und krasse Fälle verlangt werden (vgl. Lutz, a.a.O. S.
289 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz hat das mit 30 Prozent gewichtete Preiskriterium in die Unterkriterien
Investitionskosten und Betriebskosten aufgeteilt. Die mit 18 Prozent (60 Prozent von 30
Prozent) gewichteten Investitionskosten setzen sich zusammen aus Kosten für die
Hardware (Server, Arbeitsstationen, Drucker und Validierungsstationen), die
Anwendungssoftware und die Lösung der Schnittstellen sowie die
Dienstleistungskosten (Projektmanagement, Einführung, Tests, Schulung, Abnahme
usw.) und die Kosten der Kartenherstellung im Rollout pro Karte (Personalisierung,
Erstvalidierung, Konfektionierung und Verbrauchsmaterial). Die mit 12 Prozent (40
Prozent von 30 Prozent) gewichteten Wartungskosten umfassen Hardware,
Anwendungssoftware und Schnittstellen sowie die Kosten je Kartenrohling. Bei
sämtlichen Teilkosten – mit Ausnahme der Kosten je Kartenrohling – liegt das Angebot
der Beschwerdegegnerin mehr als 20 Prozent unterhalb der nächstbilligeren Offerte.
Allerdings sind bei der angezeigten summarischen Prüfung keine Hinweise dafür
ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin Teilnahme- oder Auftragsbedingungen
verletzt. Aufgrund der von der Beschwerdegegnerin beziehungsweise der mit ihr
personell verflochtenen IDENTA Ausweissysteme GmbH, Villingen-Schwenningen/D,
angegebenen zahlreichen Referenzprojekte (vgl. act. 3.4), welche personalisierte
Kartensysteme mit ganz unterschiedlichen Funktionen umfassen, ist nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdegegnerin die Eignung zur Umsetzung des
ausgeschriebenen Projektes grundsätzlich abgeht. Im Übrigen hat sie sämtliche Fragen
in der Beilage 1 (Anbieterangaben) zu Arbeitnehmerschutz, Steuern und
Sozialversicherungsbeiträgen positiv beantwortet. Schliesslich hat die Vorinstanz
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anlässlich der Projektpräsentation zur Frage der Projektkosten Auskünfte eingeholt und
erhalten (vgl. act. 7/Ziffer 24 und act. 8/4.1 und 2). Sollte die Beschwerdegegnerin das
ausgeschriebene Projekt mit Mitteln anderer Projekte quersubventionieren, zieht dies
nicht die Unzulässigkeit des Angebots nach sich.
2.2.3. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung ihres Angebots nach den
Kriterien der Leistungsfähigkeit des Unternehmens und der Referenzen.
Bei einer maximal möglichen Punktzahl von drei Punkten erzielte das Angebot der
Beschwerdeführerin 1,49 gewichtete Punkte, jenes der Beschwerdegegnerin 1,93
gewichtete Punkte. Der Rückstand beträgt mithin 0,44 gewichtete Punkte. Würde das
Angebot der Beschwerdeführerin sowohl bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit
(1,46 Punkte, Gewichtung zehn Prozent, 0,15 gewichtete Punkte) als auch bei der
Bewertung ihrer Referenzprojekte (2,15 Punkte, Gewichtung 20 Prozent, 0,43
gewichtete Punkte) mit dem Punktemaximum von je drei Punkten bewertet, würde sich
die Gesamtpunktzahl um 0,32 gewichtete Punkte (0,15 Punkte bei der
Leistungsfähigkeit, 0,17 Punkte bei den Referenzprojekten) zwar auf 1,81 gewichtete
Punkte verbessern. Den Rückstand auf das Angebot der Beschwerdegegnerin würde
die Beschwerdeführerin jedoch nicht aufholen.
3. Zusammenfassend erscheint die Beschwerde insbesondere auch mit Blick
auf die beträchtlichen öffentlichen Interessen an der Einhaltung des Terminplans nicht
als ausreichend begründet. Bei der gebotenen summarischen Prüfung der
Begründetheit der Beschwerde erscheint der Umstand, dass die Vorinstanz die
Beschwerdegegnerin nicht mangels Eignung ausgeschlossen hat, nicht als
Rechtsverletzung. Schliesslich könnte die auf dem vierten Platz rangierte
Beschwerdeführerin den Rückstand gegenüber der Beschwerdegegnerin auch bei
einer Bewertung ihres Angebots in den von ihr beanstandeten Zuschlagskriterien mit
der maximalen Punktzahl nicht aufholen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin, es sei
ihrer Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist deshalb abzuweisen.
4. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin ist die Gelegenheit zu bieten, bis 22.
Juni 2015 ihre Vernehmlassungen in der Sache soweit erforderlich zu ergänzen. Nach
unbenützter Frist wird Verzicht angenommen. Die Beschwerdeführerin beantragt einen
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zweiten Schriftenwechsel nach vollständiger Aktenüberweisung durch die Vorinstanz.
Vorinstanz und Beschwerdegegnerin werden deshalb ersucht, sich innert gleicher Frist
zu diesem sinngemässen Gesuch um vollständige Einsicht in die Vergabeakten zu
äussern und allfällige begründete Abdeckungsvorschläge zu machen; nach
unbenützter Frist wird, was das Angebot der Beschwerdegegnerin anbelangt,
Zustimmung angenommen.
5. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dieser Verfügung
von CHF 800 der Gesuchstellerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 7 Ziff. 211 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie sind mit dem von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von CHF 2'000 zu verrechnen. CHF 1'200 verbleiben bei der
Hauptsache. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 und Art. 98bis
VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz.
829).

Considerations: