Decision ID: 23315bbe-7353-4431-8b81-f3b285d7fe2a
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. C._, Jahrgang E._, war als Geschäftsführer bei der D._
GmbH, F._, tätig und damit bei der B._ AG obligatorisch gegen
Unfälle versichert. Mit Unfallmeldung vom 13. Mai 2019 teilte die D._
GmbH der B._ AG mit, dass C._ am 7. April 2019 eine "blöde
Bewegung" beim Verschieben eines Granittisches an seinem Arbeitsplatz
(im Restaurant G._) gemacht und er sich dabei die Sehne der rechten
Schulter angerissen habe.
2. In der Folge klärte die B._ AG den Sachverhalt ab. In ihrer Verfügung
vom 11. Oktober 2019 gelangte sie zum Schluss, dass kein Anspruch auf
Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung bestehe.
Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass das Ereignis vom
7. April 2019 keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor aufweise und bei
C._ auch keine Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 UVG
diagnostiziert worden sei.
3. Hiergegen erhob die A._ als Krankenversicherung von C._ am
25. Oktober 2019 Einsprache. Sie machte im Wesentlichen geltend, es
lägen sehr wohl unfallähnliche Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2
UVG vor, welche nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen seien.
4. Mit Einspracheentscheid vom 13. Februar 2020 wies die B._ AG die
Einsprache der A._ ab. Dabei verneinte sie das Vorliegen einer
leistungsrelevanten unfallähnlichen Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2
UVG, da die Körperschädigungen gemäss den Stellungnahmen des von
ihr beigezogenen Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf Abnützung zurückzuführen seien.
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5. Hiergegen erhob die A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
13. März 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Sie stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Es sei der Einsprache-Entscheid aufzuheben.
2. Es sei die Beschwerdegegnerin zur Übernahme der Heilungskosten im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 7. April 2019 zu verpflichten.
In ihrer Begründung führte sie aus, aufgrund der neuen Erkenntnisse
gemäss dem Sprechstundenbericht des Hausarztes Dr. med. I._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 11. März 2020 und der
daraus resultierenden Darstellung ihres Vertrauensarztes Dr. med.
J._ vom 12. März 2020 handle es sich bei der Schulterverletzung von
C._ um einen Unfall, weshalb die Unfallversicherung zur Übernahme
der Heilungskosten verpflichtet sei. Mit dem Sprechstundenbericht des
Hausarztes Dr. med. I._ vom 11. März 2020 reichte die
Beschwerdeführerin zudem Berichte des Spitals O._ vom November
2019, Dezember 2019 und Februar 2020 betreffend eine Operation an der
rechten Schulter von C._ ein.
6. Die B._ AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 26. März 2020 die Abweisung der Beschwerde.
Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass der mit der Beschwerde
eingereichte Bericht des Hausarztes Dr. med. I._ vom 11. März 2020
und die Stellungnahme des Vertrauensarztes Dr. med. J._ vom
12. März 2020 nichts daran ändere, dass kein Unfall im Sinne des
Gesetzes vorliege; es werde keine schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen Faktors beschrieben. Zudem vermöge der Bericht von Dr.
med. J._ keine Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. H._ zu
erwecken, wonach die Verletzungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf Abnützung zurückzuführen seien.
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7. Mit Schreiben vom 16. März 2020 lud die Instruktionsrichterin C._
(nachfolgend: Beigeladener) zur Teilnahme am vorliegenden Verfahren
ein, wobei er sich nicht vernehmen liess.
8. Am 1. September 2021 teilte die Instruktionsrichterin den Parteien mit, es
werde vorgesehen, ein bidisziplinäres Gerichtsgutachten (Radiologie und
Orthopädie) in Form eines Aktengutachtens in Auftrag zu geben, welches
sich insbesondere zur Frage äussere, ob beim Beigeladenen
Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG bis zum Zeitpunkt des
angefochtenen Entscheids am 13. Februar 2020 vorlagen und wenn ja, ob
diese vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen waren.
Gegen dieses Vorgehen wurden von Seiten der Verfahrensparteien keine
Einwände erhoben.
9. Nachdem der Beigeladene seine Einwilligung zur Herausgabe der
medizinischen Akten an die Gutachterstelle (voraussichtlich die Klinik Gut)
erteilt hatte, gelangte die Instruktionsrichterin an die Klinik Gut mit der
Frage, ob sich einer ihrer Chefärzte bzw. Leitenden Ärzte als Gutachter
für die Erstattung eines bidisziplinären radiologisch-orthopädischen
Aktengutachtens im Auftrag des Verwaltungsgerichts zur Verfügung stelle.
In der Folge bzw. nach Durchsicht der Akten erklärte sich Dr. med.
K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, dazu bereit, ein akten- und bildkonsiliarisches
Gutachten zu erstellen; die Kosten bezifferte er auf etwa CHF 1'600.--.
Auch hiergegen wurden von Seiten der Verfahrensparteien keine
Einwände erhoben.
10. In der Folge wurde Dr. med. K._ mit der Erstellung eines akten- und
bildkonsiliarischen Gutachtens hinsichtlich der Frage, ob beim
Beigeladenen Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG bis zum
Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids am 13. Februar 2020 vorlagen
und wenn ja, ob diese vorwiegend (d.h. im gesamten Ursachenspektrum
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zu mehr als 50 %) auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen waren,
beauftragt. Dieser Gutachtensauftrag erging unter dem ausdrücklichen
Hinweis auf Art. 307 StGB.
11. Am 21. Dezember 2021 (Poststempel) erstattete Dr. med. K._ das
bei ihm in Auftrag gegebene radiologisch-orthopädische Aktengutachten,
datiert vom 17. Dezember 2021. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu am
20. Januar 2022 (Poststempel) Stellung, zu welcher Stellungnahme die
Beschwerdeführerin sich am 14. Februar 2022 vernehmen liess.
12. In der Folge liess die Instruktionsrichterin die beiden Stellungnahmen dem
Gutachter Dr. med. K._ zukommen, mit der Bitte, sich dazu zu
äussern – insbesondere zum Punkt "Kein sofortiger Funktionsverlust" (vgl.
S. 2 der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin) bzw. zum Befund im
UVG-Zeugnis von Dr. med. I._ vom 17. Juni 2019 und der Angabe
des Beigeladenen vom 8. Juli 2019, wonach er den Arm nach dem
Ereignis vom 7. April 2019 kaum noch habe heben können. Dabei wurde
von einem zusätzlichen Kostenrahmen von CHF 300.-- ausgegangen.
13. Mit Schreiben vom 24. Februar 2022 (Poststempel) äusserte sich Dr. med.
K._ zu den Stellungnahmen der Parteien bzw. er reichte eine
ergänzende Stellungnahme zu seinem Gutachten vom 21. Dezember
2021 ein.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
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1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 13. Februar 2020. Ein solcher Entscheid
kann gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons angefochten werden, in dem die versicherte Person
oder – wie vorliegend – die Beschwerde führende Dritte zur Zeit der
Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Zur Bestimmung der örtlichen
Zuständigkeit ist bei Leistungsstreitigkeiten der Wohnsitz der Beschwerde
führenden Drittperson jedoch nur dann von Belang, wenn ein solcher der
versicherten Person nicht besteht (KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 58 Rz. 18 und 21 m.w.H.). Der versicherte
Beigeladene wohnt im Kanton Graubünden, womit die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt
sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Krankenversicherung
des Beigeladenen ist die Beschwerdeführerin vom angefochtenen
Einspracheentscheid berührt und sie weist ein schutzwürdiges Interesse
an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG), da der Einspracheentscheid
unmittelbar ihre prinzipielle Leistungspflicht begründet (vgl. BGE 134 V
153 E.5.3.1). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 60 und 61 ATSG).
2. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht für das Ereignis vom 7. April 2019 mangels Vorliegens
eines Unfalls (Art. 4 ATSG) bzw. einer leistungsrelevanten unfallähnlichen
Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 UVG zu Recht verneint hat.
3.1. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Gemäss
- 7 -
Art. 6 Abs. 1 UVG ist der Unfallversicherer, soweit das Gesetz nichts
anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten leistungspflichtig. Unfall ist nach Art. 4 ATSG die
plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
3.1.1. Der äussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden
Unfallereignisses; er ist das Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff
konstituierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 72 E.4.1.1). Der äussere
Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich
alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 72 E.4.1 m.w.H.). Nach der
Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen
selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit,
dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen
nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor
vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper
abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine
Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E.4.3.1 m.w.H.; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E.2.2,
8C_671/2019 vom 11. März 2020 E.2.3).
3.1.2. Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der
äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt
begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Dies trifft beispielsweise
dann zu, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem
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Gegenstand anstösst, oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern,
eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_783/2013 vom 10. April 2014 E.4.2 m.w.H.;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September
2020 E.4.2 m.w.H.). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der
ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor –
Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten
Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117
E.2.1 m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom
28. September 2020 E.2.2, 8C_671/2019 vom 11. März 2020 E.2.3).
3.2. Nach Art. 6 Abs. 2 UVG ist der Unfallversicherer auch bei bestimmten
Körperschädigungen (Listenverletzung gemäss lit. a-h) leistungspflichtig,
sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Neuregelung der
unfallähnlichen Körperschädigung in der am 1. Januar 2017 in Kraft
getretenen – und damit auf das vorliegende Ereignis vom 7. April 2019
anzuwendenden (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des UVG vom 25. September 2015) – Bestimmung von Art. 6 Abs. 2 UVG
gilt es dabei Folgendes zu beachten: Für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2
UVG ist kein äusserer Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges
Ereignis oder eine allgemein gesteigerte Gefahrenlage im Sinne der
Rechtsprechung zu aArt. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) mehr vorausgesetzt. Insoweit führt
grundsätzlich bereits die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG
genannte Körperschädigung vorliegt, nunmehr zur Vermutung, es handle
sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom
Unfallversicherer übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der
in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises
weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu
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übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs-
und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die
Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis auch
nach der UVG-Revision relevant. Zu betonen ist aber, dass der
Unfallversicherer bei Vorliegen einer Listenverletzung grundsätzlich in der
Pflicht steht, Leistungen zu erbringen, solange er nicht den Nachweis für
eine vorwiegende Bedingtheit durch Abnützung oder Erkrankung erbringt.
Dies setzt voraus, dass er im Rahmen seiner Abklärungspflicht (vgl. Art.
43 Abs. 1 ATSG) nach Eingang der Meldung einer Listenverletzung die
Begleitumstände der Verletzung genau abklärt. Lässt sich dabei kein
initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter
resp. harmloser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig in aller Regel den
Entlastungsbeweis des Unfallversicherers. Denn bei der in erster Linie von
medizinischen Fachpersonen zu beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das
gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu
berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände
des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die
verschiedenen Indizien, die für
oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus
medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis
gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche
Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit – nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung
vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das
Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder
Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der
Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere
Abklärungen erübrigen (zum Ganzen BGE 146 V 51 E.8.6; vgl. auch
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Urteile des Bundesgerichts 8C_630/2020 vom 28. Januar 2021 E.3.2,
8C_267/2019 vom 30. Oktober 2019 E.6 m.w.H.).
4.1. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 61
lit. c ATSG) beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn
sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste erachtet (BGE 144 V 427
E.3.2, 138 V 218 E.6; Urteile des Bundesgerichts 8C_745/2020 vom 29.
März 2021 E.1.3, 9C_439/2020 vom 18. August 2020 E.1.3). Darüber
hinaus gilt es festzuhalten, dass praxisgemäss die versicherte Person die
einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft zu machen hat. D.h.
sie muss über das konkrete Geschehen wahre, genaue und wenn möglich
ins Einzelne gehende Daten namhaft machen, aufgrund derer der
Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild
zu machen und diese in objektiver Weise abzuklären (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_338/2018 vom 17. Dezember 2018 E.4.2). Kommt die
versicherte Person dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige,
ungenaue
oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines
unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht
keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V 298 E.5b; vgl.
auch Urteile des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli 2019 E.3,
8C_358/2016 vom 28. September 2016 E.3.4).
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4.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V 351 E.3a).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist also entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl.
BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug
auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien
für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b).
4.2.2. Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
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begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen
ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt
in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es
bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 135 V
465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/ee, 122 V 157 E.1c). Soll ein Versicherungsfall
ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind
an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.4; Urteil des
Bundesgerichts 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). In Bezug auf
Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5, 125
V 351 E.3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2019 vom 11. Februar
2020 E.4.4). Weiter ist gemäss Rechtsprechung auch eine reine
medizinische Aktenbeurteilung beweiskräftig, wenn die Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergeben und diese Daten unbestritten sind, sodass ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines
an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht, mithin die
direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund
rückt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_527/2020 vom 2. November
2020 E.3.2, 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_788/2019 vom
30. Juni 2020 E.3 und 8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3).
- 13 -
5. Nachfolgend gilt es zunächst zu prüfen, ob das Ereignis vom 7. April 2019
als Unfall i.S.v. Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist. Während die
Beschwerdeführerin gestützt auf den Bericht des Hausarztes Dr. med.
I._ vom 11. März 2020 und die Darstellung ihres Vertrauensarztes Dr.
med. J._ vom 12. März 2020 die Anerkennung der Schulterverletzung
vom 7. April 2019 als Unfall beantragt, ist die Beschwerdegegnerin der
Auffassung, dass mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein
Unfall vorliege.
5.1. In den Akten finden sich folgende Angaben zum Ablauf und zu den
Umständen des Ereignisses vom 7. April 2019: Gemäss Unfallmeldung
vom 13. Mai 2019 hat der Beigeladene "eine blöde Bewegung beim
Granittisch verschieben" gemacht (vgl. beschwerdegegnerische Akten
[Bg-act.] 3). Der Hausarzt Dr. med. I._ hielt in seinem Arztzeugnis
vom 17. Juni 2019 fest, dass beim Beigeladenen "beim Anheben von
Tischen [ein] plötzlicher einschiessender Schmerz in der Schulter bzw. im
vorderen Oberarm links [sic!]" aufgetreten sei (vgl. Bg-act. 10). Der
Beigeladene selbst schilderte den Ablauf des Ereignisses am 8. Juli 2019
wie folgt: "Ich wollte mit ausgestrecktem Arm den Schiefertisch hochheben
und zurückschieben am 7. April 2019"; daraufhin habe er den Arm kaum
noch heben können (vgl. Bg-act. 12). Dem Bericht von Dr. med. L._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 7. November 2019 (präoperative Konsultation
im Spital O._) ist schliesslich Folgendes zu entnehmen: Der
Beigeladene habe berichtet, am 7. April 2019 einen 150 Kilogramm
schweren Tisch in 90° Elevation des rechten Armes angehoben zu haben,
wobei es zu einschiessenden Schmerzen im Bereich der rechten Schulter
gekommen sei (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2 S. 3; vgl.
auch die darauf abstellenden, von der Beschwerdeführerin
herangezogenen Berichte von Dr. med. J._ vom 12. März 2020 [Bf-
act. 3 S. 2] und Dr. med. I._ vom 11. März 2020 [Bf-act. 2 S. 1]).
- 14 -
5.2.1. Angesichts der vorstehend dargelegten Angaben zum Ablauf und zu den
Umständen des Ereignisses vom 7. April 2019 kann der für die Erfüllung
des Unfallbegriffs im Rechtssinne notwendige äussere Faktor nur in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen. Eine solche liegt dann vor, wenn der
Bewegungsablauf durch eine gewisse Programmwidrigkeit wie Stolpern,
Ausgleiten oder Anstossen gestört wird (vgl. vorstehende
Erwägung 3.1.2). Bei gewissen typischen Gesundheitsschäden, die
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folgen von Krankheit, namentlich
von vorbestehenden degenerativen Veränderungen eines Körperteils
innerhalb eines normalen Geschehensablaufs eintreten können, muss das
Begriffsmerkmal der Aussergewöhnlichkeit besonders deutlich erfüllt bzw.
die Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt worden
sein. Dasselbe gilt für körpereigene Traumen, das heisst für
Schädigungen infolge einer im Körperinnern vor sich gehenden
Krafteinwirkung. Die unmittelbare Ursache der Schädigung muss in diesen
Fällen entweder die Folge einer bestimmten sinnfälligen Überanstrengung
sein oder unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein.
Die Ungewöhnlichkeit ist etwa zu bejahen, wenn beim Heben oder
Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt
und zu einer Schädigung führt. Es ist jedoch von Fall zu Fall zu prüfen, ob
die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und berufliche oder
ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausserordentlicher
Art war (Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020
E.4.2 m.w.H.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_404/2020 vom
11. Juni 2021 E.3.1 m.w.H.).
5.2.2. Vorliegend lassen die Angaben zum Ablauf und zu den Umständen des
Ereignisses vom 7. April 2019 nicht auf eine programmwidrige
Beeinflussung bzw. Störung des natürlichen Bewegungsablaufs beim
Anheben/Hochheben/Verschieben eines Granit- oder Schiefertisches
durch einen in der Aussenwelt begründeten Umstand schliessen. Zwar
- 15 -
wurde in der Unfallmeldung vom 13. Mai 2019 festgehalten, dass der
Beigeladene "eine blöde Bewegung beim Granittisch verschieben"
gemacht habe (vgl. Bg-act. 3). Es ist allerdings nicht ersichtlich, worin
diese "blöde Bewegung" bestanden haben bzw. wodurch sie verursacht
worden sein soll. Auch der Umstand allein, dass der Granit- oder
Schiefertisch 150 Kilogramm gewogen haben soll, begründet vorliegend
noch keine Ungewöhnlichkeit, zumal es sich beim
Anheben/Hochheben/Verschieben des erwähnten Tisches um einen im
Arbeitsalltag des Beigeladenen (Geschäftsführer eines Restaurants)
üblichen Vorgang gehandelt haben dürfte, zu dem soweit ersichtlich nichts
Ausserordentliches hinzugetreten ist. So liess denn auch der Beigeladene
die Frage, ob etwas Besonderes oder Aussergewöhnliches passiert sei,
auf dem Fragebogen der Beschwerdegegnerin betreffend das Ereignis
vom 7. April 2019 unbeantwortet (vgl. Bg-act. 12).
5.3. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin das Vorliegen eines
Unfalls (Art. 4 ATSG) somit zu Recht verneint.
6. Damit bleibt zu prüfen, ob beim Beigeladenen unfallähnliche
Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG vorlagen und falls ja,
ob diese vorwiegend (d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als
50 %) auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen waren.
6.1. Zur Beantwortung dieser Fragen holte die Instruktionsrichterin bei
Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates an der Klinik Gut, ein
radiologisch-orthopädischen Aktengutachten ein. In seinem
Gerichtsgutachten vom 21. Dezember 2021 (Poststempel) gelangte dieser
zum Schluss, dass beim Beigeladenen unfallähnliche
Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG vorlagen. Zudem hielt
er Folgendes fest (vgl. Gutachten S. 8): "[Es] ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese [die unfallähnlichen
- 16 -
Körperschädigungen] nicht vorwiegend (d.h. im gesamten
Ursachenspektrum zu mehr als 50 %) auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen waren. Hinweise, dass der Gesundheitsschaden
überwiegend wahrscheinlich auf reine Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen ist, bestehen nicht, wenn auch eine gewisse
Vordegeneration nicht ausgeschlossen werden kann. Gemäss meiner
Beurteilung aber zu einem geringeren Anteil als 50 %."
6.2. Soweit ersichtlich ist zwischen den Parteien unbestritten, dass beim
Beigeladenen unfallähnliche Körperschädigungen nach Art. 6 Abs. 2 lit. a-
h UVG vorlagen (vgl. Vernehmlassung Ziff. 2 ff.). Die
Beschwerdegegnerin ist allerdings der Auffassung, dass aufgrund der
Faktenlage unter Berücksichtigung des gesamten Ursachenspektrums
(deutliche degenerative Vorzustände, keine sofortige
Funktionseinschränkung, kein bone bruise nachweisbar, Hergang nicht
geeignet) auf einen degenerativen Vorzustand geschlossen werden
müsse; auf das Aktengutachten von Dr. med. K._ könne nicht ohne
Weiteres abgestellt werden (vgl. Stellungnahme zum Gutachten S. 7 f.).
6.3. Nachfolgend gilt es also zu prüfen, ob auf die Beurteilung von Dr. med.
K._, wonach die unfallähnlichen Körperschädigungen nicht
vorwiegend (d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %) auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen waren, abgestellt werden
kann. Dabei gilt es zu beachten, dass das Gericht bei Gerichtsgutachten
nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des
medizinischen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine
Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (vgl. BGE 143 V 269
E.6.2.3.2, 135 V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/aa; vgl. darüber hinaus
vorstehende Erwägungen 4.1 - 4.2.2). Ein Grund zum Abweichen kann
jedoch vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem
- 17 -
Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b/aa).
7.1. Mit Bezug auf den Beschwerde- bzw. Beurteilungsverlauf im Nachgang
zum Ereignis vom 7. April 2019 ist den Akten Folgendes zu entnehmen:
7.1.1. Gemäss Unfallmeldung vom 13. Mai 2019 hat der Beigeladene am 7. April
2019 "eine blöde Bewegung beim Granittisch verschieben" gemacht (vgl.
Bg-act. 3).
7.1.2. Am 9. April 2019 erfolgte die Erstbehandlung beim Hausarzt Dr. med.
I._ (vgl. Bg-act. 4 und 10), welcher den Verdacht auf eine Zerrung der
Bizepssehne äusserte und folgenden Befund erhob (vgl. Bg-act. 10
[Arztzeugnis vom 17. Juni 2019]): "Keine Schwellung, kein Hämatom, DDo
Sulcus intertubercularis, Muskelbauch Musc. Biceps ohne Distalisation,
keine Bewegungseinschränkungen, pDMS intakt." Dem Bericht von Dr.
med. I._ ist zudem zu entnehmen, dass der Beigeladene angab, beim
Anheben von Tischen einen plötzlich einschiessenden Schmerz in der
Schulter bzw. im vorderen Oberarm links [recte: wohl rechts] verspürt zu
haben.
7.1.3. Auf einem Fragebogen zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 8. Juli
2019 gab der Beigeladene an, er habe mit ausgestrecktem Arm den
Schiefertisch hochheben und zurückschieben wollen am 7. April 2019;
daraufhin habe er den Arm kaum noch heben können (vgl. Bg-act. 12).
7.1.4. Im ersten MRI, das am 11. September 2019 und damit erst rund fünf
Monate nach dem Ereignis durchgeführt wurde, gelangte Dr. med.
M._, Facharzt für Radiologie am Spital N._, zu folgendem
Befund (vgl. Bg-act. 15): "Anteriore Partialruptur der Supraspinatussehne
Grad I nach Ellman auf dem Boden einer Tendinopathie, die auch die
Sehne des Musculus infraspinatus betrifft. SSC intakt. Keine
- 18 -
Muskelatrophie. Verlagerung der Bizepssehne auf die Sehne des
Musculus subscapularis bei Ruptur der Pulley-Schlinge. Desweiteren zeigt
sich ein deutlicher Knorpeldefekt Grad II bis 3 am anteroinferioren Glenoid
ohne subchondrale Reaktion. Bizepssehnenanker degenerativ verändert.
Leichte AC-Gelenksarthrose. Zeichen einer Bursitis
subacromialis/subdeltoidea."
7.1.5. Anlässlich einer Konsultation bei Dr. med. L._ im Spital O._ vom
7. November 2019 gab der Beigeladene an, beim Anheben eines 150 kg
schweren Tisches in 90° Elevation des rechten Armes einschiessende
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter gehabt zu haben; seither
bemerke er bei Bewegungen ein Schnappphänomen sowie
einschiessende Schmerzen, wobei er in Ruhe beschwerdefrei sei.
Gestützt auf das MRI vom 11. September 2019 diagnostizierte Dr. med.
L._ eine SLAP-Läsion Grad IV sowie eine kleine artikularseitige
Partialruptur der anterioren Supraspinatussehne (vgl. Bf-act. 2 S. 3). In der
Folge wurde der Beigeladene am 12. November 2019 an der rechten
Schulter operiert (Arthroskopie Schulter rechts, Débridement kleine
PASTA, subpectorale Bicepstenodese). Dabei ist dem Operationsbericht
von Dr. med. L._ vom 13. November 2019 mit Bezug auf den
intraoperativen Befund u.a. Folgendes zu entnehmen (vgl. Bf-act. 2 S. 4):
"Glenohumeral: Regelrechte Knorpeloberfläche glenoidal und humeral. Es
zeigt sich eine grosse ausgefaserte und zerrissene SLAP IV-Läsion mit
grossem Korbhenkel und Ausläufer der Ruptur in den Sehnenverlauf der
Bicepssehne. [...] Das restliche Labrum ist noch stabil. Subscapularis,
Supraspinatus und Teres minor und Infraspinatus sind regelrecht."
7.2. Neben den vorstehend zitierten Akten (Berichte, radiologische
Bildgebungen) berücksichtigte Dr. med. K._ in seinem Gutachten
vom 21. Dezember 2021 auch die intraoperativen Bilder der Operation
vom 12. November 2019 (vgl. Gutachten S. 1 ff.). Gestützt auf diesen
lückenlosen Untersuchungsbefund begründete er seine Schlussfolgerung,
- 19 -
wonach die unfallähnlichen Körperschädigungen nicht vorwiegend (d.h. im
gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %) auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen waren, im Wesentlichen wie folgt:
7.2.1. Aufgrund der vorliegenden MR-Tomographie (vom 11. September 2019)
könne keine Aussage über die Ätiologie traumatisch versus degenerativ
gemacht werden. Um die typischen Begleiterscheinungen eines Traumas
in der Bildgebung zur Darstellung zu bringen, müsse (gemäss
POGORZELSKI et al.) eine Bildgebung innerhalb von zwei Wochen erfolgen.
Zwischen dem Ereignis am 7. April 2019 und der MR-Bildgebung am
11. September 2019 liege eine Zeitspanne von über fünf Monaten. Fünf
Monate nach Ereignis seien MR-tomographisch keine "frischen oder
zeitnahen" Veränderungen mehr zu erwarten. Dies schliesse aber nicht
aus, dass solche Veränderungen (Einblutung oder bone bruise, wie dies
Dr. med. H._ als Zeichen für eine traumatische Ätiologie fordert [vgl.
Bg-act. 16 - 18]) zu einem früheren Zeitpunkt hätten zur Darstellung
kommen können (vgl. Gutachten S. 4 f. sowie die ergänzende
Stellungnahme vom 24. Februar 2022 [Poststempel] S. 3). Zudem wies er
daraufhin, dass Dr. med. L._ in seinem Bericht zur Operation vom
12. November 2019 eine "grosse ausgefaserte und zerrissene SLAP IV-
Läsion mit grossem Korbhenkel und Ausläufer der Ruptur in den
Sehnenverlauf der Bizepssehne" beschreibe. Diese Läsion des
Bizepsankers werde durch den befundenden Radiologen Dr. med.
M._ nicht explizit als solche beschrieben; dieser beschreibe eine
"Degeneration des Bizepsankers". Retrospektiv, im Wissen der SLAP-
Läsion, liessen sich jedoch deutliche Hinweise auf eine höhergradige
SLAP-Läsion erkennen (vgl. Gutachten S. 7).
7.2.2. Weiter hielt Dr. med. K._ in seiner ergänzenden Stellungnahme vom
24. Februar 2022 zum Gutachten vom 21. Dezember 2021 unter Hinweis
auf mehrere medizinische Arbeiten fest, dass bei einer kompletten,
durchgreifenden Sehnenruptur der Rotatorenmanschette (infolge eines
- 20 -
Traumas) eine Beeinträchtigung der aktiven Mobilität auftreten könne, ein
Funktionsverlust – wie von der Beschwerdegegnerin für den Fall einer
frischen traumatischen Sehnenruptur gefordert – müsse aber nicht
zwingend vorliegen. Zudem sei mit Nachdruck anzumerken, dass beim
Beigeladenen weder eine komplette (von vorne nach hinten) noch eine
durchgreifende (von innen nach aussen) Sehnenruptur vorgelegen habe,
sondern eine gelenksseitige Partialläsion der Supraspinatus ohne
durchgreifende Komponente. Es sei ihm keine Arbeit bekannt, welche
beschreibe, dass eine (traumatische) Partialläsion zwingend zu einem
Funktionsverlust führe. Auch mit Bezug auf den Befund von Dr. med.
I._ anlässlich der Erstbehandlung vom 9. April 2019 (vgl. Arztzeugnis
vom 17. Juni 2019, Bg-act. 10) hielt Dr. med. K._ fest, es sei im Falle
einer Konstellation wie beim Beigeladenen nicht zwingend eine
Beeinträchtigung der Funktion zu erwarten; erfahrungsgemäss entwickle
sich im Verlauf ein Schmerzsyndrom, woraus eine schmerzbedingte
Funktionsabnahme resultieren könne.
7.2.3. Mit Bezug auf den Ereignishergang führte Dr. med. K._ in seinem
Gutachten vom 21. Dezember 2021 sodann aus, es könne aufgrund der
Angaben des Beigeladenen in der Anamnese – "eine blöde Bewegung
beim Granittisch verschieben", "mit ausgestrecktem Arm den Schiefer-
Tisch hochheben und zurückschieben" – eine traumatische Ätiologie nicht
ausgeschlossen werden bzw. es müsse mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer unfallbedingten Schädigung ausgegangen
werden. Dabei zitierte er aus LÄDERMANN et al. was folgt (vgl. Gutachten
S. 5): "Nur fünf Studien beschreiben den zur Verletzung führenden
Mechanismus einer traumatischen Rotatorenmanschetten-Läsion. Es
handelt sich am häufigsten um einen Sturz auf den ausgestreckten Arm.
Andere Einflüsse, die zu Verletzungen führen können, sind
Krafteinwirkung bei aussenrotiertem Arm gegen Widerstand, starker Zug
- 21 -
beim Festhalten, Heben von schweren Gewichten oder eine
Schulterluxation."
7.3. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts erscheint das Gutachten
von Dr. med. K._ vom 21. Dezember 2021 als schlüssig,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei. Wie
nachfolgend zu zeigen sein wird, vermögen die Vorbringen der
Beschwerdegegnerin sowie die Stellungnahmen des durch die
Beschwerdegegnerin beigezogenen Dr. med. H._ die Schlüssigkeit
des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen.
8.1.1. Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Dr. med. H._ kam in
seinen Stellungnahmen vom 24./25./26. September 2019 zum Schluss,
dass der schriftliche MRI-Befund vom 11. September 2019 überwiegend
ältere und degenerative Alterationen des rechten Schultergelenks
beschreibe (vgl. Bg-act. 16 - 18). Diese Schlussfolgerung vermag nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts keine Zweifel an der
Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens zu wecken; denn mit Bezug auf die
im MRI-Befund beschriebene "Degeneration des Bizepsankers" äusserte
sich Dr. med. K._ in seinem Gutachten vom 21. Dezember 2019 wie
folgt (vgl. Gutachten S. 7): "Retrospektiv," d.h. gestützt auf den Bericht zur
Operation vom 12. November 2019, "im Wissen der SLAP-Läsion, lassen
sich jedoch deutliche Hinweise auf eine höhergradige SLAP-Läsion
erkennen." Dies blieb von Seiten der Beschwerdegegnerin unbestritten.
8.1.2. In seinen Stellungnahmen vom 24./25./26. September 2019 hielt der von
der Beschwerdegegnerin beigezogene Dr. med. H._ allerdings weiter
fest, dass frische oder zeitnah eingetretene Verletzungsfolgen mit
Einblutung oder bspw. bone bruise nicht dokumentiert seien, sodass das
angeschuldigte Ereignis vom 7. April 2019 allenfalls geeignet gewesen
sei, eine vorbestehende erhebliche degenerative Gelenksveränderung zu
aktivieren (vgl. Bg-act. 16 - 18). Zudem wies die Beschwerdegegnerin in
- 22 -
ihrer Stellungnahme zum Gutachten vom 21. Dezember 2021 darauf hin,
dass das Vorliegen bzw. Nicht-Vorliegen eines bone bruise ein starkes
Indiz für oder gegen eine frische traumatische Sehnenruptur sei. Im MRT
sei (zwar) kein bone bruise ersichtlich. Daraus abzuleiten, dass ein solcher
nicht ausgeschlossen werden könne, verletze (allerdings) das
bundesrechtliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit.
Gemäss Dr. med. K._ könne ein bone bruise objektiv nicht erstellt
werden, und somit läge Beweislosigkeit vor, die sich zu Ungunsten der
Person auswirke, die sich darauf berufe.
Hierzu äusserte sich Dr. med. K._ in seiner ergänzenden
Stellungnahme vom 24. Februar 2022 zum Gutachten vom 21. Dezember
2021 wie folgt: Er habe in seiner initialen Beurteilung geschrieben, dass
fünf Monate nach Ereignis MR-tomographisch keine "frischen oder
zeitnahen" Veränderungen mehr zu erwarten seien. Er gehe mit der
Aussage der Beschwerdegegnerin einher, dass daraus nicht abzuleiten
sei, dass solche bzw. ein bone bruise allenfalls in einer frühzeitigen MR-
Tomographie vorhanden gewesen wäre(n). Umgekehrt dürfe seines
Erachtens das Fehlen eines bone bruise (im MRT fünf Monate nach
Ereignis) aber auch nicht als Hinweis auf eine degenerative Läsion
verwendet werden. Diesen Ausführungen von Dr. med. K._ ist nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts zu folgen. Denn zum einen ist
zwischen den Parteien unbestritten, dass fünf Monate nach Ereignis MR-
tomographisch kein bone bruise mehr zu erwarten ist. Und zum anderen
führt grundsätzlich bereits die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h
UVG genannte Körperschädigung vorliegt, zur Vermutung, es handle sich
hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom
Unfallversicherer übernommen werden muss; damit trägt die
Beschwerdegegnerin die Beweislast für den Nachweis einer vorwiegend
auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführenden Listenverletzung bzw.
die Folgen der Beweislosigkeit (vgl. Art. 6 Abs. 2 UVG sowie vorstehende
- 23 -
Erwägung 3.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_593/2021 vom
6. Januar 2022 E.2.4 und 5.2.1). Die Beschwerdegegnerin hätte aus dem
Nichtvorliegen eines bone bruise hinsichtlich der Ätiologie der
Schulterverletzung also von vornherein nur dann etwas ableiten können,
wenn sie zeitnah ein MRT veranlasst hätte (vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_593/2021 vom 6. Januar 2022 E.5.2.1). Auch insofern
vermögen die Stellungnahmen von Dr. med. H._ sowie die
Vorbringen der Beschwerdegegnerin die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen.
8.1.3. Soweit die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme zum
Gerichtsgutachten weiter ausführt, der Umstand, dass während fünf
Monaten kein MRT gemacht worden sei, spreche gegen eine traumatische
Sehnenruptur, vermag dies ebenfalls keine Zweifel an der Schlüssigkeit
der Beurteilung von Dr. med. K._ zu wecken, zumal sich die
Beschwerdegegnerin diesbezüglich nicht auf eine medizinische
Fachmeinung beruft, obschon es sich hierbei um eine medizinische Frage
handelt, deren Beantwortung Aufgabe der Mediziner ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.4.3).
8.2. Weiter hält die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme zum
Gutachten vom 21. Dezember 2021 fest, es sei in der medizinischen
Literatur unbestritten, dass eine frische traumatische Sehnenruptur zum
sofortigen Funktionsverlust führe. Beim Beigeladenen hingegen sei
echtzeitlich kein Funktionsverlust festgestellt worden (vgl. Bg-act. 10).
Auch diese Vorbringen vermögen die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen. So hielt Dr. med. K._ in
seiner ergänzenden Stellungnahme vom 24. Februar 2022 – wie bereits in
vorstehender Erwägung 7.2.2 dargelegt – insbesondere fest, es sei mit
Nachdruck anzumerken, dass beim Beigeladenen weder eine komplette
(von vorne nach hinten) noch eine durchgreifende (von innen nach
aussen) Sehnenruptur vorgelegen habe, sondern eine gelenksseitige
- 24 -
Partialläsion der Supraspinatus ohne durchgreifende Komponente. Es sei
ihm keine Arbeit bekannt, welche beschreibe, dass eine (traumatische)
Partialläsion zwingend zu einem Funktionsverlust führe. Diese
Ausführungen sind nachvollziehbar und schlüssig und blieben von Seiten
der Beschwerdegegnerin unbestritten.
8.3.1. In seinen Stellungnahmen vom 24./25./26. September 2019 und
9. Dezember 2019 hielt der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Dr.
med. H._ weiter fest, das beschriebene Ereignis sei in der
Biomechanik nicht geeignet gewesen, die Zerreissung einer gesunden
Rotatorenmanschettensehne plausibel zu begründen bzw. eine
traumatische Ursache der eingetretenen Verletzung könne als nicht
überwiegend wahrscheinlich gesehen werden (vgl. Bg-act. 16 - 18 und 24
m.H.a. wisschenschaftliche Einschätzungen nach WELLMANN und
HEMPFLING). Auch die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme
zum Gutachten vom 21. Dezember 2021 fest, es handle sich beim vom
Beigeladenen geschilderten Bewegungsablauf – "Tisch etwas
hochgehoben und nach hinten verschoben" – um eine kontrollierte
muskuläre Anspannung. Diesem Vorgang gehe die exzentrische
Rotationsbewegung ab; der Vorgang sei per se ungeeignet, eine
traumatische Ruptur einer Sehne zu verursachen (vgl. "Schultertrauma-
Check", Medinfo 2021/1 des SVV). Zudem hielt sie fest, es sei nicht klar,
von welchem Hergang der Gutachter ausgehe. Der Versicherte gebe initial
an, er habe beim Verschieben eines Granittisches eine blöde Bewegung
gemacht. Dieser Vorgang werde im Laufe der Schilderungen zum
Anheben eines 150 kg schweren Tisches in 90° Elevation.
8.3.2. In der ergänzenden Stellungnahme vom 24. Februar 2022 zum Gutachten
vom 21. Dezember 2021 hielt Dr. med. K._ fest, die Anamnese sei
tatsächlich nicht in allen Berichten identisch bzw. gleich ausführlich. In
seiner Beurteilung sei er jedoch von der Richtigkeit dieser Angaben
ausgegangen. Dabei führte er in seinem Gutachten vom 21. Dezember
- 25 -
2021 aus, es könne aufgrund der Angaben des Beigeladenen in der
Anamnese – "eine blöde Bewegung beim Granittisch verschieben", "mit
ausgestrecktem Arm den Schiefer-Tisch hochheben und zurückschieben"
– eine traumatische Ätiologie nicht ausgeschlossen werden bzw. es
müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer unfallbedingten
Schädigung ausgegangen werden. Dabei zitierte er aus LÄDERMANN et al.
was folgt: "Nur fünf Studien beschreiben den zur Verletzung führenden
Mechanismus einer traumatischen RM-Läsion. Es handelt sich am
häufigsten um einen Sturz auf den ausgestreckten Arm. Andere Einflüsse,
die zu Verletzungen führen können, sind Krafteinwirkung bei
aussenrotiertem Arm gegen Widerstand, starker Zug beim Festhalten,
Heben von schweren Gewichten oder eine Schulterluxation." Die in der
Anamnese beschriebene Aktivität – "eine blöde Bewegung beim
Granittisch verschieben", "mit ausgestrecktem Arm den Schiefer-Tisch
hochheben und zurückschieben" – entspreche den genannten
Mechanismen "Krafteinwirkung bei aussenrotiertem Arm gegen
Widerstand, starker Zug beim Festhalten, Heben von schweren
Gewichten" (vgl. Gutachten S. 5). Zudem äusserte er sich zu der von Dr.
med. H._ zitierten wissenschaftlichen Einschätzung nach WELLMANN;
jene von HEMPFLING lag ihm nicht vor.
8.3.3. Aus dem vorstehend Gesagten ergibt sich, dass die Frage, ob der
Ereignishergang geeignet war, die Schulterverletzung zu verursachen, in
der Medizin keineswegs unumstritten ist. Gestützt auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung rechtfertigt es sich daher, zur
Beurteilung der Unfallkausalität dem Kriterium des Unfallmechanismus
keine übergeordnete Bedeutung mehr beizumessen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_167/2021 vom 16. Dezember 2021 E.4.1,
8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.4.1.3). Der Ereignishergang, welcher
vorliegend als einziges Kriterium für eine mögliche degenerative Genese
- 26 -
der Schulterverletzung verbleibt, ist damit für sich alleine von vornherein
nicht geeignet, den Entlastungsbeweis zu erbringen.
8.4. Nach dem Gesagten ist der Beschwerdegegnerin der Nachweis, dass die
Schulterverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu
mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei, nicht
gelungen, weshalb sie gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG für das Ereignis vom
7. April 2019 leistungspflichtig ist. Lediglich der Vollständigkeit halber gilt
es mit Bezug auf den Ereignishergang zudem festzuhalten, dass auch der
Operateur Dr. med. L._ vom Spital O._ von einer "SLAP-Läsion
Grad IV Schulter links [recte: rechts] bei Hebetrauma vom 7. April 2019
mit kleiner PASTA-Läsion (Hervorhebung durch das Gericht)" ausging
(vgl. Bf-act. 2 S. 4; vgl. auch Bf-act. 3 [Stellungnahme von Dr. med.
J._, Vertrauensarzt der Beschwerdeführerin]).
9. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet, weshalb sie
gutzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben ist.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, zufolge Vorliegens einer
leistungsrelevanten unfallähnlichen Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2
UVG die Heilungskosten gemäss Art. 10 UVG im Zusammenhang mit dem
Ereignis vom 7. April 2019 zu übernehmen.
10.1. Gemäss aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos, weshalb für
das vorliegende Verfahren keine Kosten erhoben werden. Der
obsiegenden, mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Beschwerdeführerin steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu
(vgl. FORSTER, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum ATSG, Zürich/Basel/Genf 2021, Art. 61 Rz. 86).
Gleiches gilt praxisgemäss für den nicht anwaltlich vertretenen
Beigeladenen.
- 27 -
10.2.1. Mit Bezug auf die Kosten des eingeholten orthopädisch-radiologischen
Gerichtsgutachtens von Dr. med. K._ vom 21. Dezember 2021 gilt es
zu beachten, dass gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG der Versicherungsträger
die Kosten der Abklärung des Sachverhalts durch einen unabhängigen
Sachverständigen übernimmt, wenn er die Massnahme angeordnet hat
oder wenn diese für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich war. Dazu
zählen nach Lehre und Rechtsprechung auch Gerichtsgutachten, die das
Gericht einholen musste, weil die Abklärungen des Versicherers nicht
ausreichend für die sachgerechte Beurteilung waren (vgl. KIESER, a.a.O.,
Art. 45 Rz. 20 und 27 ff.; BGE 143 V 269 E.6.2.1, 139 V 496 E.4.4 und 137
V 210 E.4.4.2). Voraussetzung für die Auferlegung der Kosten an die
Verwaltung ist, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem
Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit,
eine Gerichtsexpertise anzuordnen (vgl. BGE 140 V 70 E.6.1 m.H.a.
BGE 139 V 496 E.4.4). Dies trifft namentlich zu bei einem manifesten
Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten
ärztlichen Auffassungen, ohne dass dieser durch objektiv begründete
Argumente entkräftet wurde, wenn zur Klärung der medizinischen
Situation notwendige Aspekte unbeantwortet geblieben sind oder auf eine
Expertise abgestellt wurde, welche die Anforderungen an eine
medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (vgl. BGE 140 V 70 E.6.1
m.H.a. BGE 139 V 496 E.4.4).
10.2.2. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren reichte die Beschwerdeführerin
u.a. einen Bericht des Spitals O._ vom November 2019 betreffend
eine Operation an der rechten Schulter des Beigeladenen ein (vgl. Bf-
act. 2 S. 3 ff.). Obschon im Operationsbericht auf das Ereignis vom 7. April
2019 Bezug genommen wurde, die Operation (sogar) noch vor Abschluss
des Verwaltungsverfahrens stattgefunden hatte und der Zeitraum bis zum
Abschluss des Verwaltungsverfahrens Bezugsgrösse für den
entscheidungsrelevanten Sachverhalt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
- 28 -
8C_414/2019 vom 25. September 2019 E.2.2.2 m.w.H.), reichte die
Beschwerdegegnerin zu diesem Bericht (sowie den übrigen im
Beschwerdeverfahren neu eingereichten Berichten des Spitals O._)
keine ärztliche Stellungnahme ein. Infolgedessen sah sich die
Instruktionsrichterin im Hinblick auf eine sachgerechte Beurteilung dazu
veranlasst, ein Gerichtsgutachten einzuholen, worin sämtliche Akten
gewürdigt werden. Es erscheint somit gerechtfertigt, der
Beschwerdegegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten vom
21. Dezember 2021 im Betrag von CHF 1'667.75 sowie für die ergänzende
Stellungnahme vom 24. Februar 2022 in der Höhe von CHF 61.75, d.h.
total CHF 1'729.50, zu überbinden.