Decision ID: c00537d9-76e1-419c-8d65-01f744f94f8f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: "Beschwerdeführer") hatte sich zur "Höheren
Fachprüfung Bauleiter Hochbau 2020" angemeldet. Mit Entscheid vom
18. Mai 2020 teilte ihm die Prüfungskommission der höheren Fachprüfun-
gen im Ingenieur- und Architekturwesen (nachfolgend: "Prüfungskommis-
sion" bzw. "Erstinstanz") mit, dass er aufgrund seiner ungenügenden Be-
rufserfahrung nicht zur Prüfung zugelassen werde. Die Erstinstanz begrün-
dete die Nichtzulassung mit der fehlenden Berufspraxis des Beschwerde-
führers.
A.b Gegen den Entscheid vom 18. Mai 2020 hatte der Beschwerdeführer
am 22. Juni 2020 beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Inno-
vation SBFI (nachfolgend: "Vorinstanz") Beschwerde erhoben. Er stellte
den Antrag, er sei zur Prüfung (provisorisch) zuzulassen. Seinen Antrag
begründet er damit, dass er die Zulassungsvoraussetzungen erfülle. Mit
Zwischenverfügung vom 24. Juli 2020 liess die Vorinstanz den Beschwer-
deführer im Sinne einer vorsorglichen Massnahme provisorisch zur Prü-
fung zu, wobei die Prüfungsakten und das Prüfungsergebnis bis zum
rechtskräftigen Entscheid über die Beschwerde betreffend die Prüfungszu-
lassung unter Verschluss zu halten seien. Für den Fall der definitiven Zu-
lassung zur Prüfung sei das Prüfungsergebnis zu eröffnen; bei Abweisung
der Beschwerde seien alle Prüfungsakten ohne Eröffnung des Prüfungser-
gebnisses zu vernichten. Unter diesen Voraussetzungen hat der Be-
schwerdeführer an der Prüfung im Oktober 2020 teilgenommen. Mit Ent-
scheid vom 15. Januar 2021 hat die Vorinstanz die Beschwerde abgewie-
sen. Die Vorinstanz argumentierte im Wesentlichen, dass der Beschwer-
deführer nicht über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis verfüge, das für
diese höhere Fachprüfung Zulassungsvoraussetzung bilde. Deshalb sei er
von der Erstinstanz im Ergebnis zu Recht nicht zur höheren Fachprüfung
zugelassen worden. Entsprechend erübrige sich eine Prüfung der Berufs-
erfahrung des Beschwerdeführers.
B.
Der Beschwerdeführer erhob gegen den Entscheid der Vorinstanz vom
15. Januar 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragt, es seien die Verfügung der Vorinstanz vom 15. Januar 2021 sowie
der Prüfungszulassungsentscheid der Erstinstanz vom 6. Mai 2020 aufzu-
heben. Zudem sei der Beschwerdeführer für die Prüfung HFP Bauleiter
B-745/2021
Seite 3
Hochbau im Herbst 2020 zuzulassen. Eventualiter sei die Sache zur voll-
ständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Es seien die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen (inkl. MwSt.) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zu entscheiden.
Seinen Antrag auf Prüfungszulassung begründet der Beschwerdeführer ei-
nerseits damit, dass die Vorinstanz, im Gegensatz zur Erstinstanz, seinen
Abschluss als Automobil-Fachmann zu Unrecht nicht akzeptiert habe. An-
dererseits begründet er ausführlich, dass er die notwendige Berufserfah-
rung für die Zulassung zur Prüfung erworben habe. Er argumentiert mit der
Darlegung seines beruflichen Werdegangs und dass er anhand seiner
nachträglich eingereichten Zeugnisse seine Berufserfahrung in der Bau-
branche (u.a. als Bau- und Montageleiter) seiner Meinung nach erfolgreich
nachweise. Damit verfüge er über die Voraussetzungen zur Prüfungszu-
lassung.
Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde aus, dass ihm der Prä-
sident der Erstinstanz mit Bezug auf die Prüfungsanmeldung vom 25. Juni
2019 mit Schreiben vom 15. Juli 2019 mitgeteilt habe: "Als gelernter Auto-
mobil-Fachmann benötigen Sie, um zur Prüfung zugelassen werden zu
können, mindestens 6 Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung.
[...] wenn sie weiterhin als Bauleiter tätig bleiben, können Sie sich für un-
sere höhere Fachprüfungen HFP im Jahr 2022 anmelden." Gleichzeitig
habe der Präsident der Erstinstanz seiner Auskunft beigefügt, dass dem
Beschwerdeführer für die Zeit, in welcher er mit baulichen Arbeiten, Mon-
tagearbeiten und Gartenarbeiten betraut war, drei Jahre Berufserfahrung
angerechnet werden können. Der Beschwerdeführer habe auf die Richtig-
keit der Auskunft des Präsidenten der Erstinstanz vertraut und im Hinblick
auf den positiven Prüfungszulassungsentscheid spezifische Dispositionen
getätigt.
C.
C.a Die Erstinstanz beantragt die kostenfällige Abweisung der Be-
schwerde. Sie bringt in ihrer Stellungnahme vom 25. März 2021 im We-
sentlichen vor, dass die Zulassungsvoraussetzungen im Hinblick auf das
eidgenössische Fähigkeitszeugnis praxisgemäss gelockert worden seien.
Diese Praxis sei anlässlich der Revision des Prüfungsreglements vom
24. September 2019 in die Prüfungsordnung 2019 überführt worden. Die
Ausführungen des Beschwerdeführers hinsichtlich einer allfälligen falschen
Behördenauskunft werden von der Erstinstanz bestritten.
B-745/2021
Seite 4
Soweit es die mangelnde Berufserfahrung des Beschwerdeführers betrifft,
hält die Erstinstanz an ihrer Einschätzung fest, dass sie dem Beschwerde-
führer die erstmalige Teilnahme an der Fachprüfung im Jahr 2023 in Aus-
sicht stellt. Zu diesem Zeitpunkt werde er über die notwendigen sechs
Jahre an Berufserfahrung als Bauleiter verfügen.
C.b Mit Stellungnahme vom 15. April 2021 beantragt die Vorinstanz die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Vorinstanz argumentiert,
dass sie das Recht von Amtes wegen anwendet und entsprechend einen
angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer anderen Begründung be-
stätigen könne (sog. Motivsubstitution). Die Zulassungsbedingungen hät-
ten sich erst mit Inkrafttreten der Prüfungsordnung vom 24. September
2019 geändert. Im Laufe eines Rechtsmittelverfahrens eingetretene Recht-
sänderungen seien in der Regel unbeachtlich, es sei denn, dass zwin-
gende Gründe dafür bestehen, um das neue Recht sogleich anzuwenden.
Es seien hier aber keine Gründe ersichtlich, die neue Prüfungsordnung
2019 auf das vorliegende Verfahren anzuwenden. Deshalb sei im vorlie-
genden Beschwerdeverfahren auf das bisherige Prüfungsreglement vom
9. März 1994 abzustellen. Mit dessen Anwendung sei eine Zulassung des
Beschwerdeführers zur Prüfung ausgeschlossen, da er nicht über das not-
wendige eidgenössische Fähigkeitszeugnis verfüge. Entsprechend habe
der Beschwerdeführer – unabhängig von seiner Berufserfahrung – nicht
die Voraussetzungen für die Zulassung erfüllt.
D.
Mit unaufgeforderter Stellungnahme vom 5. Mai 2021 äussert sich der Be-
schwerdeführer zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der Erstin-
stanz. Der Beschwerdeführer argumentiert, die Erstinstanz habe die Zulas-
sungsvoraussetzungen mit ihrer bisherigen Praxis aufgeweicht. Im vorlie-
genden Fall habe die Erstinstanz die Zulassung nur aufgrund der Berufs-
erfahrung des Beschwerdeführers verweigert, nicht hingegen wegen sei-
ner Ausbildung. Weiter habe die Erstinstanz zunächst in der ersten schrift-
lichen Auskunft vom 15. Juni 2019 dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass
ihm die Erfahrung mit baulichen Arbeiten, Montage- und Gartenarbeiten für
die Zulassung zur Prüfung angerechnet werde. Damit habe er zum dama-
ligen Zeitpunkt über drei Jahre anrechenbare Berufserfahrung verfügt. Die
Erstinstanz habe in ihrer Auskunft darauf hingewiesen, dass mehrere Ar-
beitsbestätigungen in der Anmeldung fehlen würden. Im Mai 2020 seien
ihm die in der Auskunft vom 15. Juli 2019 berücksichtigten Tätigkeiten nicht
B-745/2021
Seite 5
mehr im gleichen Umfang angerechnet worden, obschon er mit der Prü-
fungsanmeldung zusätzliche Arbeitsbestätigungen über die bisherigen, da-
mals nicht mit Belegen dokumentierten, beruflichen Tätigkeiten eingereicht
hatte. Schliesslich argumentiert der Beschwerdeführer, dass er aufgrund
der zusätzlich eingereichten Arbeitsbestätigungen nachgewiesen habe,
dass er zum Zeitpunkt der Prüfungsanmeldung über sechs Jahre anre-
chenbare Berufserfahrung verfüge. Im Übrigen seien im Hinblick auf die
Absolvierung der Prüfung vom Herbst 2020 die getätigten Dispositionen
nutzlos, wenn er die Prüfung nach der neuen Prüfungsform ab 2021 able-
gen müsse. Gestützt auf die Auskunft vom 15. Juli 2019 vom Präsidenten
der Erstinstanz habe er sich im Mai 2020 für die Prüfung angemeldet. Der
Beschwerdeführer sei davon ausgegangen, dass wenn er mit der Prü-
fungsanmeldung im Mai 2020 die bisher fehlenden Arbeitsbestätigungen
nachreiche, dass er aufgrund seiner Ausbildung und Berufserfahrung zur
Prüfung zugelassen werde.
E.
Die Vorinstanz verzichtet mit Schreiben vom 1. Juni 2021 auf eine Duplik
und beantragt weiterhin die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Mit
Duplik vom 31. Mai 2021 hält die Erstinstanz an ihren Vorbringen fest, die
sie bereits in der Vernehmlassung äusserte. Die Erstinstanz bestreitet das
Vorliegen einer vorbehaltslosen Behördenauskunft und setzt sich mit den
neu eingereichten Arbeitsbestätigungen des Beschwerdeführers auseinan-
der. Anhand der neu eingereichten Arbeitsbestätigungen sei keine planeri-
sche oder bauleiterische Tätigkeit dargelegt, wie sie das Prüfungsregle-
ment 1994 verlange.
F.
Auf die vorgenannten und weiteren Vorbringen der Parteien und einge-
reichten Akten wird, soweit urteilserheblich, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeentscheid der Vorinstanz vom 15. Januar 2021 stellt eine
Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Ver-
waltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (Verwaltungsverfahrensge-
setz, VwVG, SR 172.021) dar. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit für
die Beurteilung der vorliegenden Streitsache zuständig (Art. 31 und Art. 33
Bst. d des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom
17. Juni 2005 [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]; Art. 61
B-745/2021
Seite 6
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung vom 13. Dezember
2002 [Berufsbildungsgesetz, BBG, SR 412.10]).
1.1 Des Weiteren hat der Beschwerdeführer am vorinstanzlichen Verfah-
ren teilgenommen, ist als Adressat der angefochtenen Verfügung beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder
Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Damit ist er zur Beschwerde legitimiert.
1.2 Eingabefrist sowie Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwer-
deschrift sind gewahrt (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kos-
tenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die üb-
rigen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt (Art. 44 ff. VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit uneinge-
schränkter Kognition. Es überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Er-
messensausübung – sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG).
3.
Für die höhere Fachprüfung Bauleiter Hochbau war bis Ende 2020 das
Prüfungsreglement vom 9. März 1994 (nachfolgend: "Prüfungsreglement
1994") anwendbar. Seit 1. Januar 2021 ist neu die Prüfungsordnung vom
24. September 2019 (nachfolgend: "Prüfungsordnung 2019"; vgl. Prü-
fungsordnung 2019, Ziff. 9.11 und Ziff. 9.31) in Kraft. Die Prüfungsfächer
nach bisherigem und nach neuem Reglement unterscheiden sich sowohl
bezüglich ihres Inhalts, der Prüfungszeiten als auch der Prüfungsformate
voneinander. Nach neuem Prüfungsformat wird beispielsweise eine Di-
plomarbeit im Umfang von 100 Stunden Arbeit verlangt, was nach bisheri-
ger Prüfungsordnung nicht der Fall war. Nach neuem Prüfungsreglement
wird das Fach "Finanzielle Führung" im Umfang von 7 Stunden geprüft.
Demgegenüber werden technische Fachbereiche nicht mehr separat ab-
gefragt, sondern in Gestalt von interdisziplinären Projektleitungsaufgaben
benotet.
Gemäss Prüfungsordnung 2019, Ziff. 9.21, erhalten Repetentinnen und
Repetenten, welche nach bisherigem Reglement die Prüfung abgelegt ha-
ben, die Gelegenheit, bis zum 31. Dezember 2023 Wiederholungsprüfun-
gen nach bisherigem Prüfungsreglement 1994 zu absolvieren.
B-745/2021
Seite 7
Der Beschwerdeführer verlangte im vorinstanzlichen Beschwerdeverfah-
ren mit Beschwerde vom 22. Juni 2020 die provisorische Zulassung zur
Prüfung Hochbau HFP vom Herbst 2020. Er wurde zur vorliegenden Prü-
fung im Sinne eines ersten Versuchs für Oktober 2020 gestützt auf die
vorinstanzliche einstweilige Verfügung vom 24. Juli 2020 provisorisch zu-
gelassen. Diese Prüfung wurde nach bisherigem Prüfungsreglement 1994
durchgeführt. Das Prüfungsergebnis wurde dem Beschwerdeführer noch
nicht eröffnet.
4.
Art. 7 Abs. 1 des Prüfungsreglements 1994 sieht vor, dass der fristgerecht
eingereichten Anmeldung "eine Zusammenstellung über die bisherige be-
rufliche Ausbildung und berufliche Tätigkeit" sowie "Kopien der für die Zu-
lassung geforderten Ausweise und Arbeitszeugnisse" beizufügen seien.
In Art. 8 des Prüfungsreglements 1994 sind die Zulassungsvoraussetzun-
gen aufgeführt. Art. 8 Abs. 1 des Prüfungsreglements 1994 sagt hierzu –
soweit für den vorliegenden Streit relevant –, dass zur Prüfung zugelassen
wird, wer in bürgerlichen Ehren und Rechten steht und über folgende Aus-
bildung sowie Berufserfahrung verfügt:
b1) ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Hochbauzeichner besitzt und
mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung im Hochbau
nach der Lehre nachweist (Zusatzlehren als Maurer und/oder Zimmermann
werden als Berufserfahrung angerechnet)
oder
b2) ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Tiefbauzeichner, Stahlbau-
zeichner, Raumplanungszeichner oder Innenausbauzeichner besitzt und min-
destens 6 Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung im Hochbau nach
der Lehre nachweist
oder
b3) ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Maurer oder Zimmermann be-
sitzt und mindestens 6 Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung im
Hochbau nach der Lehre nachweist (erfolgreich abgeschlossene Hochbau-
zeichner-Zusatzlehren werden als Berufserfahrung angerechnet) [...].
Im Übrigen enthält Art. 8 des Prüfungsreglements 1994 Ausführungen über
die Gleichwertigkeit ausländischer Zeugnisse sowie Verfahrensvorschrif-
ten.
B-745/2021
Seite 8
Nach Ziff. 3.31 der neuen Prüfungsordnung 2019 wird zur Prüfung zuge-
lassen, wer:
a) über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Zeichner/in, Fach-
richtung Architektur oder Ingenieurbau oder eine gleichwertige Qualifikation
verfügt und mindestens 5 Jahre Praxis als Bauleiterin/Bauleiter nachweist;
oder
b) über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder eine gleichwertige
Qualifikation verfügt und mindestens 6 Jahre Praxis als Bauleiterin/Bauleiter
nachweist; oder
c) über einen Abschluss einer Berufsprüfung oder einer höheren Fachprüfung,
einen Abschluss einer höheren Fachschule, einen Abschluss (mind. Bachelor)
einer Fachhochschule oder Universität oder eine gleichwertige Qualifikation
verfügt und mindestens 6 Jahre Berufspraxis als Bauleiterin/Bauleiter nach-
weist.
Zusätzlich sieht Ziff. 3.31 der Prüfungsordnung 2019 vor, dass fristgerecht
die Prüfungsgebühr überwiesen und die vollständige Diplomarbeit recht-
zeitig abgegeben werden müssen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Erstinstanz habe ihm eine falsche Aus-
kunft bezüglich der Prüfungszulassungsvoraussetzungen erteilt. Die Erst-
instanz habe ihm mit Schreiben vom 15. Juli 2019 folgende Auskunft ge-
geben: "Als gelernter Automobil-Fachmann benötigen Sie, um zur Prüfung
zugelassen werden zu können, mindestens 6 Jahre Berufserfahrung in
Planung und Bauleitung." Die Erstinstanz habe sich am 15. Juli 2019 einzig
auf den Standpunkt gestellt, ihm fehle die notwendige Berufserfahrung;
sein EFZ habe sie hingegen nicht beanstandet. Erst die Vorinstanz, die
offenbar keine Kenntnis von der Zulassungspraxis der Erstinstanz habe,
sei zum gegenteiligen Schluss gekommen und habe die Zulassung verwei-
gert, da der Beschwerdeführer nicht über ein EFZ im Sinne von Art. 8
Abs. 1 Bst. b1 bis b3 Prüfungsreglement 1994 verfüge. Der Beschwerde-
führer habe sich in guten Treuen auf die Auskunft verlassen und gestützt
darauf Dispositionen getätigt. Er verlangt, dass sein EFZ als Automobil-
Fachmann für die Prüfungszulassung gestützt auf die Auskunft der Erstin-
stanz anerkannt werde, da bei der Vorinstanz nur die Beurteilung der Be-
rufserfahrung strittig gewesen sei.
Der Beschwerdeführer argumentiert, dass die Erstinstanz zur Abklärung
über die Zulassung und damit zur fraglichen Auskunftserteilung zuständig
B-745/2021
Seite 9
sei. Sie entscheide gemäss Art. 4 Abs. 3 Bst. g des Reglements über die
Eidgenössische Fachprüfung für Bauleiter/Bauleiterin Hochbau (nachfol-
gend: "Reglement") über die Prüfungszulassung. Die Zuständigkeit für die
Auskunftserteilung habe sich auch unter der seit 1. Januar 2021 gültigen
Prüfungsordnung über die höhere Fachprüfung für Bauleiterinnen/Baulei-
ter, Fachrichtung Hoch- oder Tiefbau (nachfolgend: "Prüfungsordnung
2019"), nicht verändert. Aufgrund des Mangels an Bauleitern in der
Schweiz, habe der Verband der HFP die Zulassungskriterien für die höhe-
ren Fachprüfungen "dipl. BauleiterIn Hoch-/Tiefbau" gelockert.
Erst die Vorinstanz – welche von der gelockerten Zulassungspraxis der
Erstinstanz offenbar keine Kenntnis habe – bemängle im hier angefochte-
nen Entscheid, dass der Beschwerdeführer nicht über das notwendige eid-
genössische Fähigkeitszeugnis für die streitgegenständliche Prüfungszu-
lassung verfüge. Die Erstinstanz sei auf ihre Behördenauskunft zu behaf-
ten, da dies ansonsten gegen Treu und Glauben verstosse. Zudem habe
der Beschwerdeführer im Hinblick auf die Absolvierung der Prüfungen Dis-
positionen getätigt (z.B. Besuch prüfungsspezifischer Weiterbildungs-
kurse; vgl. Beschwerde, Rz. 28). Er sei deshalb in seinem Vertrauen be-
züglich der Behördenauskunft zu schützen.
Der Beschwerdeführer sei davon ausgegangen, dass er mit der Prüfungs-
anmeldung für Herbst 2020 die fehlenden Belege nachreiche und damit
seine Bauleitungserfahrung belegen könne. Die Auskunft vom 15. Juli
2019 sei gestützt auf ein unvollständiges Dossier erteilt worden. Schliess-
lich sei dem Beschwerdeführer von der Erstinstanz mit Schreiben vom
15. Juli 2019 die Zulassung für die Prüfung im Herbst 2022 grundsätzlich
in Aussicht gestellt worden. Da der Beschwerdeführer mit der Prüfungsan-
meldung 2020 die noch fehlenden Arbeitsbescheinigungen zusätzlich ein-
gereicht habe, seien nun seines Erachtens die Voraussetzungen zur Prü-
fungszulassung für Herbst 2020 nachgewiesen.
5.2 Die Erstinstanz bestätigt die Behauptung des Beschwerdeführers, wo-
nach sie in der Vergangenheit auch Kandidaten zur Prüfung zugelassen
habe, welche über keine Grundausbildung als Maurer oder Zimmermann,
aber über ein anderes eidgenössisches Fähigkeitszeugnis verfügten.
Diese Kandidaten hätte sie zugelassen, sofern sie über eine sechsjährige
Berufserfahrung in Planung und Bauleitung verfügten. Die Erstinstanz
habe aber den Beschwerdeführer mit der Verfügung vom 18. Mai 2020
nicht wegen seiner Ausbildung, sondern wegen seiner mangelnden Berufs-
erfahrung die Zulassung zur Fachprüfung für das Jahr 2020 verweigert. Die
B-745/2021
Seite 10
Erstinstanz bringt vor, dass die mit Schreiben vom 15. Juli 2019 dem Be-
schwerdeführer erteilten Auskünfte weder unrichtig noch als Zusicherung
zu verstehen seien.
Mit Schreiben vom 15. Juli 2019 habe die Erstinstanz die fehlende Berufs-
erfahrung bemängelt und das Fehlen von Unterlagen des Beschwerdefüh-
rers beanstandet. Welche Tätigkeiten der Beschwerdeführer ausgeübt
habe, sei aus den eingereichten Unterlagen nicht hervorgegangen. Die
Erstinstanz habe deshalb dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass ihm für
die Zeit, in der er mit baulichen Arbeiten, Garten- und Montagearbeiten be-
traut gewesen sei, "etwa drei Jahre" (Hervorhebung durch Erstinstanz; vgl.
Stellungnahme der Erstinstanz, Rz. 14) als Berufserfahrung angerechnet
werden können. Zur Frage der Ausbildung habe sich die Erstinstanz in die-
sem Schreiben nicht geäussert.
5.3 Die Vorinstanz argumentiert, der Beschwerdeführer habe gestützt auf
das Prüfungsreglement 1994 ein Gesuch um Prüfungszulassung gestellt,
so dass dessen Bestimmungen als dem Beschwerdeführer bekannt vor-
ausgesetzt werden dürften. Die Vorinstanz habe sodann das Prüfungsreg-
lement 1994 angewandt und kam zum Schluss, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht über das notwendige Fähigkeitszeugnis gemäss Art. 8 Abs. 1
Bst. b3 des bisherigen Prüfungsreglements 1994 verfüge. Der Beschwer-
deführer habe insofern damit rechnen müssen, dass das Prüfungsregle-
ment 1994 angewandt werde. Soweit sich der Beschwerdeführer auf eine
"gelebte" und "langjährige" Zulassungspraxis der Prüfungskommission be-
zieht, ergebe sich bereits daraus, dass ihm entgegen seinen Vorbringen
die entsprechende Zulassungsvoraussetzung bekannt war und er die Un-
richtigkeit der Auskunft im Schreiben vom Juli 2019 hätte erkennen kön-
nen. Insofern könne der Beschwerdeführer nicht nach dem Vertrauens-
grundsatz nach Art. 5 Abs. 3 BV geschützt werden. Dem Beschwerdefüh-
rer sei bekannt gewesen, dass er über kein EFZ verfüge, das im damals
anwendbaren Reglement als Zulassungsvoraussetzung aufgeführt sei (vgl.
Beschwerde, Rz. 27). Die in der Beschwerde im Hinblick auf die Prüfungs-
zulassung 2020 getätigten Dispositionen habe der Beschwerdeführer in
Kenntnis der Auskunft vom Juli 2019 getroffen, dass er frühestens für die
Prüfung 2022 mit einer Zulassung rechnen könne. Das Vorbringen, dass
diese Dispositionen im Hinblick auf eine Prüfungszulassung im Jahr 2020
im Vertrauen auf den Vorbescheid getroffen worden seien, könne somit
ebenfalls nicht gehört werden.
B-745/2021
Seite 11
5.4
5.4.1 Nach dem in Art. 9 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben
kann eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, un-
ter gewissen Umständen Rechtswirkungen im Sinne eines Vertrauens-
schutzes entfalten. Voraussetzung dafür ist (vgl. BGE 137 II 182 E. 3.6.2;
131 II 627 E. 6.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 8. Aufl. 2020, N 667 ff.; MOOR/FLÜCKIGER/MARTENET, Droit adminis-
tratif, Bd. I: Les fondements généraux, 3. Aufl. 2012, S. 922 ff.), dass:
a) es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt;
b) die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende Ange-
legenheit bezieht;
c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig
war oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig
betrachten durfte;
d) der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres hat
erkennen können;
e) der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil rückgängig zu
machende Dispositionen getroffen hat;
f) die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie
im Zeitpunkt der Auskunftserteilung;
g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts
dasjenige des Vertrauensschutzes nicht überwiegt.
5.4.2 Der Präsident der Erstinstanz hat in der Auskunft vom 15. Juli 2019
den Lebenslauf des Beschwerdeführers aufgelistet und mitgeteilt:
"Gemäss Reglement, Art. 8, entspricht Ihr bisheriger Arbeitsbereich nur
teilweise den Anforderungen. Als gelernter Automobil-Fachmann benöti-
gen Sie, um zur Prüfung zugelassen werden zu können, mindestens 6
Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung.
Für die Zeit, in der Sie mit baulichen Arbeiten, Montagearbeiten und Gar-
tenarbeiten betraut waren, können wir Ihnen etwa 3 Jahre anrechnen.
Wenn Sie weiterhin als Bauleiter tätig bleiben, können Sie sich für unsere
höhere Fachprüfung HFP im Jahr 2022 anmelden."
Diese Auskunft des Präsidenten der Erstinstanz vom 15. Juli 2019 bezog
sich auf ein konkretes Anliegen des Beschwerdeführers, nämlich einer An-
frage bezüglich der Zulassung zur Höheren Fachprüfung Bauleiter Hoch-
B-745/2021
Seite 12
bau. Die Behörde, welche die Auskunft erteilt hat, ist gemäss Prüfungsreg-
lement für die Auskunftserteilung zuständig (vgl. Art. 4 Abs. 3 Bst. g Prü-
fungsreglement 1994).
Die Erstinstanz ging aufgrund einer Gesamtwürdigung der damals vom Be-
schwerdeführer eingereichten Unterlagen davon aus, dass er im Herbst
2020 noch nicht zur Prüfung zugelassen werden konnte. Mit ihrer Auskunft
vom 15. Juli 2019 äusserte sich die Erstinstanz nicht zur Ausbildung des
Beschwerdeführers.
Das Schreiben vom 15. Juli 2019 enthält weder hinsichtlich der Ausbildung
noch der Berufserfahrung eine verbindliche Zusage zur Prüfungszulassung
und kann nicht als Vertrauensgrundlage für die Prüfungszulassung dienen.
Somit ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Schutz seines Vertrau-
ens in die Behördenauskunft im vorliegenden Fall nicht verletzt (vgl. aber
immerhin E. 7.2 f.). Seine diesbezüglichen Rügen sind unbegründet.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Die Vorinstanz habe sich überraschend auf andere Argumente als er und
die Erstinstanz abgestützt und sich zu Unrecht nicht zur Berufserfahrung
geäussert. Der Beschwerdeführer sei davon ausgegangen, dass sein EFZ
als Automobil-Fachmann für die Prüfungszulassung akzeptiert werde. Der
Beschwerdeführer beruft sich darauf, dass die Erstinstanz bereits früher
andere Prüfungskandidaten zur Prüfung zugelassen habe, obschon diese
Kandidaten nicht die gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. b1-b3 des Prüfungsregle-
ments 1994 vorausgesetzten Fähigkeitszeugnisse erlangt hätten. Dies sei
von der Erstinstanz toleriert worden, solange die Prüfungskandidaten min-
destens sechs Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung nachwei-
sen konnten. Für diese Behauptungen offeriert der Beschwerdeführer Zeu-
genbeweise und E-Mails von Kandidaten, die mit einem anderen eidgenös-
sischen Fähigkeitsausweis zur Prüfung zugelassen worden seien.
Weder die Erstinstanz noch der Beschwerdeführer hätten damit rechnen
müssen, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer aufgrund seiner Aus-
bildung (statt seiner Berufserfahrung) nicht zur Prüfung zulasse (Be-
schwerdeschrift, Rz. 54 f.). Dadurch habe die Vorinstanz eine Gehörsver-
letzung verursacht, womit der angefochtene Entscheid aufzuheben und die
Sache zur Neubeurteilung zurückzuweisen sei.
B-745/2021
Seite 13
6.2 Die Vorinstanz führt in ihrer Stellungnahme aus, dass die Behörde das
Recht von Amtes wegen anzuwenden habe. Eine Motivsubstitution sei zu-
lässig. Zudem könne eine Beschwerde auch aus anderen als den geltend
gemachten Gründen gutgeheissen werden oder den angefochtenen Ent-
scheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die jener von der
Erstinstanz abweicht. Die Vorinstanz bringt vor, dass der Beschwerdefüh-
rer das Prüfungsreglement 1994 kannte. Entsprechend habe er nicht von
der Rechtsanwendung der Vorinstanz überrascht werden können. Es sei
nach Ansicht der Vorinstanz auch zulässig gewesen, dass sie sich im an-
gefochtenen Entscheid mit der Feststellung begnüge, der Beschwerdefüh-
rer verfüge nicht über das für die Prüfungszulassung notwendige EFZ. So-
mit könne die Rüge, dass der angefochtene Entscheid auf einer unvorher-
sehbaren Rechtsgrundlage beruhe, nicht gehört werden.
6.3 Die Erstinstanz verzichtet auf eine Stellungnahme betreffend die ge-
rügte Gehörsverletzung (Stellungnahme der Erstinstanz, Rz. 34).
Im Schriftenwechsel vor Bundesverwaltungsgericht teilte die Erstinstanz
mit, dass sie bereits vor der Anwendung der neuen Prüfungsordnung 2019
beliebige EFZ für die Prüfungszulassung akzeptiert hatte, wenn zugleich
die 6 Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung gegeben waren.
Seit Erlass der Prüfungsordnung 1994 hätten sich laut Erstinstanz die Rah-
menbedingungen geändert, da es nach Ansicht der Vorinstanz seit einigen
Jahren möglich und üblich sei, nach abgeschlossener Grundausbildung
den Berufszweig über Weiter- oder Zusatzausbildungen zu wechseln, ohne
dafür erneut eine weitere Berufslehre zu absolvieren. Ein Kandidat wurde
somit gemäss dieser Praxis zur Höheren Fachprüfung Bauleiter Hochbau
2020 zugelassen, wenn er über ein EFZ sowie über sechs Jahre Berufser-
fahrung im Bereich Bauleitung und Planung nach Abschluss der Lehre ver-
fügt. Aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen wurde die seit mehre-
ren Jahren praktizierte Zulassung in die revidierte Prüfungsordnung 2019
überführt (Stellungnahme der Erstinstanz, Rz. 6).
6.4 Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob tatsächlich eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vorliegt oder ob die Vorinstanz den Sachverhalt
bezüglich der Zulassungspraxis der Erstinstanz allenfalls unvollständig
oder fehlerhaft erhoben und/oder das Recht anderweitig fehlerhaft ange-
wandt hat.
6.4.1 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
B-745/2021
Seite 14
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Wenn – wie es der Beschwerdeführer behauptet – Kandidaten mit einem
beliebigen EFZ gestützt auf Art. 8 Abs. 1 Bst. b3 des Prüfungsreglements
1994 zur Prüfung zugelassen wurden, stellt sich zumindest die Frage, ob
die Vorinstanz hätte überprüfen müssen, ob dies tatsächlich der Fall gewe-
sen ist. Auf die Ermittlung der Zulassungspraxis hätte sie jedenfalls aber
verzichten können, wenn sie die Beschwerde aus den gleichen Gründen
wie die Erstinstanz – nämlich aufgrund der fehlenden Berufspraxis – abge-
wiesen hätte.
Eine Gehörsverletzung könnte sich, der Argumentation des Beschwerde-
führers folgend, aus zwei verschiedenen Optiken ergeben; einmal, weil die
Vorinstanz für ihren Entscheid überraschend auf den Rechtsgrund des für
die Prüfungszulassung fehlenden Ausbildungstitels abstützt, welcher bis
anhin weder umstritten noch thematisiert war. Zum anderen, weil sich die
Vorinstanz nicht zur Frage der genügenden Berufserfahrung äusserte, mit-
hin diese aus der Sicht des Beschwerdeführers zu Unrecht nicht prüfte.
6.4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Art. 30 Abs. 1 VwVG besagt, dass die Behörde die Parteien anhört,
bevor sie verfügt. Der Anspruch auf vorgängige Anhörung beinhaltet auch,
dass die Behörde sich beim Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen ab-
stützen darf, zu denen sich die von der Verfügung betroffene Person nicht
vorgängig äussern und diesbezüglich Beweis führen konnte; er besteht pri-
mär in Bezug auf die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl.
WALDMANN/BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommen-
tar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 18 zu Art. 30 VwVG). Dagegen vermittelt das
rechtliche Gehör grundsätzlich keinen Anspruch auf eine vorgängige An-
hörung zu Fragen der Rechtsanwendung: Die Behörde ist im Grundsatz
nicht verpflichtet, der von der Verfügung betroffenen Person mitzuteilen,
wie sie den Sachverhalt zu würdigen beabsichtigt und ihr diesbezüglich die
Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen. Eine Ausnahme von diesem
Grundsatz besteht lediglich, wenn die Behörde eine rechtliche Würdigung
vornehmen will, mit der die betroffene Person nicht rechnen konnte und
musste (sogenannte "überraschende Rechtsanwendung"; vgl. BVGE
2009/53 E. 5.4; Urteil des BVGer A-4778/2019 vom 2. September 2020
E. 3.3).
B-745/2021
Seite 15
In Rechtsmittelverfahren kann es aus gehörsrechtlichen Aspekten eben-
falls problematisch sein, wenn eine Behörde einen abschlägigen Rechts-
mittelentscheid auf ein rechtliches Argument abstützt, das für einen Be-
schwerdeführer überraschend kommt (vgl. Urteile des BGer 2C_329/2021
vom 21. September 2021 E. 4.2.1 und 2C_695/2018 vom 27. März 2019
E. 6.1). Dadurch wird der betreffenden Person unter Umständen die Mög-
lichkeit genommen, Beweismittel in das Verfahren einzubringen, die für die
rechtliche Würdigung der Angelegenheit relevant sein können (vgl. BGE
145 I 171 E. 4.1); ebenso kann das Äusserungsrecht tangiert sein (vgl.
dazu BGE 144 I 11 E. 5.3). Eine Gehörsverletzung kommt aber wie erwähnt
nur dort in Betracht, wo der Rechtsunterworfene mit der betreffenden recht-
lichen Argumentation nicht rechnen musste (Urteil des BGer 2C_329/2021
vom 21. September 2021 E. 4.2.1).
6.4.3 Ausgangspunkt des Verfahrens bildet die erstinstanzliche Verfügung.
Streitgegenstand der Verfügung vom 18. Mai 2020 ist die Prüfungszulas-
sung als solche. Die erstinstanzliche Verfügung nannte Art. 8 Abs. 1
Bst. b3 des Prüfungsreglements 1994 als zu prüfende Rechtsgrundlage.
Damit liegen sowohl die für die Prüfungszulassung vorausgesetzte Ausbil-
dung als auch die Berufserfahrung des Beschwerdeführers innerhalb des
ursprünglichen Anfechtungsobjektes und können, je nach vertretenem
Rechtsstandpunkt, grundsätzlich streitig sein. Aus dieser Warte könnte
nicht unbedingt behauptet werden, dass die Frage nach dem korrekten
Ausbildungstitel völlig überraschend sei.
Gemäss erstinstanzlichem Entscheid vom 18. Mai 2020 wurde der Be-
schwerdeführer zwar einzig aufgrund noch fehlender Berufserfahrung nicht
zur Prüfung zugelassen, doch nannte die Erstinstanz in ihrer Verfügung
das EFZ als Automobil-Fachmann, das der Beschwerdeführer erworben
hatte. Daraus konnte geschlossen werden, dass die Erstinstanz den Aus-
bildungsabschluss des Beschwerdeführers für die Prüfungszulassung in
Betracht zog, auch wenn sie sich nicht weitergehend zur Ausbildung des
Beschwerdeführers äusserte.
Die Erstinstanz hat gemäss ihren Angaben "seit mehreren Jahren ihre Zu-
lassungspraxis" bezüglich der Anforderungen an die Ausbildung "aufge-
weicht" ohne konkret anzugeben, seit wann sie diese Praxis anwende
(Stellungnahme der Erstinstanz, Rz. 5). Diese Angabe der Erstinstanz zu
ihrer Zulassungspraxis, die mit den Vorbringen des Beschwerdeführers
B-745/2021
Seite 16
übereinstimmt, bestätigt tatsächlich, dass die Zulassung zur Prüfung be-
reits vor der Einführung der revidierten Prüfungsordnung 2019 gelockert
wurde.
Im angefochtenen Entscheid erwähnt die Vorinstanz die gelockerte Zulas-
sungspraxis nicht. Sie gelangt dagegen zum Ergebnis, dass sich bereits
aus dem EFZ als Automobil-Fachmann ergebe, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht zur Prüfung zuzulassen sei und verzichtete auf die Prüfung der
Berufserfahrung.
6.4.4 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-
bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-
dung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2; Urteil des BGer 1C_573/2015 vom 5. Juli 2016
E. 6.1).
Der Begründungspflicht ist die Vorinstanz nachgekommen. Dass der Be-
schwerdeführer die Begründung der Vorinstanz nicht für überzeugend er-
achtet, ist keine Frage des rechtlichen Gehörs, sondern des materiellen
Rechts.
Der Vorinstanz kann grundsätzlich nicht vorgeworfen werden, wenn sie den
(korrekt festgestellten) Sachverhalt rechtlich abweichend würdigt als die
Erstinstanz, da sie das Recht von Amtes wegen anwendet und nicht an die
Begründung der Anträge der Parteien gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
Sie kann eine Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten
Gründen (allenfalls auch nur teilweise) gutheissen oder den angefochtenen
Entscheid im Ergebnis mit einer von der Vorinstanz abweichenden Begrün-
dung bestätigen (sog. Motivsubstitution; statt vieler: BGE 139 V 127 E. 1.2;
BVGE 2009/61 E. 6.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.54; MOOR/POLTIER,
Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, Ziff. 2.2.6.5, S. 300 f.). Der Anspruch
auf rechtliches Gehör verlangt nicht, dass sich eine Partei vorgängig zu
jeder möglichen Begründungsvariante äussern können muss. Die Behörde
hat in diesem Sinne nicht ihre Begründung den Parteien vorweg zur Stel-
lungnahme zu unterbreiten. Es genügt, dass sich die Parteien zu den
Grundlagen des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt sowie zu den
B-745/2021
Seite 17
möglicherweise anwendbaren Rechtsnormen äussern und ihre Stand-
punkte einbringen können (BGE 132 II 485 E. 3.4 und 132 II 257 E. 4.2;
WALDMANN/BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommen-
tar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 19 zu Art. 30 VwVG).
Allein der Umstand, dass die Vorinstanz zum Schluss kommt, dass dem
Beschwerdeführer für die Prüfungszulassung der vorausgesetzte Ausbil-
dungsabschluss fehlt und deshalb die Frage, ob eine genügende Berufs-
erfahrung vorliegt, unberührt lässt, stellt für sich genommen noch keine
Gehörsverweigerung dar. Sollte sich die Schlussfolgerung auf einen un-
vollständig oder unkorrekt erhobenen Sachverhalt oder aus anderen Grün-
den als rechtlich unkorrekt erweisen, so läge hierin noch keine Gehörsver-
letzung, sondern allenfalls eine einfache Rechtsverletzung, welche ober-
instanzlich überprüft und korrigiert werden könnte.
Selbst wenn der Ansicht des Beschwerdeführers gefolgt würde und von
einer Gehörsverletzung auszugehen wäre, könnte diese im vorliegenden
Fall als geheilt betrachtet werden, da sich der Beschwerdeführer zur Frage
nach dem korrekten Ausbildungsabschluss im Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht frei äussern konnte, es um eine Rechtsfrage geht, die
das Gericht grundsätzlich frei überprüfen kann und eine Rückweisung zu
einer unnötigen Verfahrensverlängerung führen würde (vgl. z.B. BGE 137
I 195 E. 2.3.2). Die damit verbundene Verkürzung des Instanzenzuges be-
züglich der Überprüfung der Berufspraxis wäre hinzunehmen, nachdem die
Fakten für die Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdeführer genügend
Berufspraxis vorweisen kann, liquid erscheinen und die Vermeidung einer
Verfahrensverlängerung auch im Interesse des Beschwerdeführers liegt.
Auch wenn das Abstellen der Vorinstanz auf den angeblich fehlenden reg-
lementarisch vorgesehenen Ausbildungstitel aus der Sicht des Beschwer-
deführers als überraschend erscheint, obwohl die Fragestellung von der
erstinstanzlichen Verfügung als abgedeckt betrachtet werden könnte – und
deswegen von einer Gehörsverletzung auszugehen wäre –, müsste diese
aus den gleichen Gründen als geheilt gelten. Zudem würde sich eine Rück-
weisung an die Vorinstanz ohnehin als formalistischer Leerlauf entpuppen,
weil, wie den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann (vgl.
E. 8 ff.), die Prüfungszulassung im Ergebnis zu Recht wegen ungenügen-
der Berufspraxis verweigert wurde und sich die Frage nach dem vorausge-
setzten Ausbildungstitel insofern als irrelevant erweist (BGE 138 II 77
E. 4.3.
B-745/2021
Seite 18
7.
7.1 Der Beschwerdeführer hat am 31. Juli 2010 ein EFZ als Automobil-
Fachmann erworben. Art. 8 Abs. 3 des Prüfungsreglements 1994 (dazu
vorne E. 4) zählt die verschiedenen EFZ auf, die für die Prüfungszulassung
notwendig sind. Hierzu gehören beispielsweise das EFZ Hochbauzeichner,
Tiefbauzeichner, Zimmermann oder Maurer. Das vom Beschwerdeführer
erworbene EFZ als Automobil-Fachmann ist in dieser Regelung zur Prü-
fungszulassung nicht aufgeführt (Art. 8 Abs. 3 Prüfungsreglement 1994)
und würde nicht die Anfordernisse an die verlangte Ausbildung erfüllen. Der
Beschwerdeführer beruft sich bezüglich der Berücksichtigung seines Aus-
bildungsabschlusses darauf, dass andere Kandidaten ebenfalls mit einem
beliebigen EFZ zur Prüfung zugelassen worden seien, solange sie über
genügende Berufserfahrung verfügt hätten und verlangt für sich die gleiche
Behandlung, selbst wenn die Zulassungspraxis nicht dem Reglement ent-
spreche.
7.2 Gemäss den übereinstimmenden Äusserungen des Beschwerdefüh-
rers und der Erstinstanz hatte letztere ihre Zulassungspraxis bezüglich der
vorausgesetzten Ausbildungstitel schon seit Jahren gelockert. Demnach
wurden entgegen dem Wortlaut des Prüfungsreglements 1994 Kandidaten
zur Prüfung zugelassen, obschon sie nicht das gemäss Art. 8 Abs. 3 vo-
rausgesetzte EFZ hatten, wenn sie über die notwendige Berufserfahrung
verfügten. Damit stellt sich grundsätzlich die Frage, ob das EFZ Automobil-
Fachmann des Beschwerdeführers entgegen der Bestimmung von Art. 8
Abs. 3 des Prüfungsreglements 1994 das Ausbildungserfordernis für die
Prüfungszulassung erfüllt.
7.3 Ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht besteht ausnahms-
weise, wenn eine eigentliche ständige gesetzeswidrige Praxis besteht und
die Behörde es ablehnt, diese aufzugeben. In diesem Fall können Private
verlangen, dass die widerrechtliche Begünstigung, die Dritten zuteilwurde,
auch ihnen gewährt werde (BGE 139 II 49 E. 7.1; 136 I 65 E. 5.6). Aus
dieser Optik hätte der Beschwerdeführer damit rechnen dürfen, dass das
von ihm vorgelegte EFZ für die Prüfungszulassung nicht hinderlich sein
würde.
Die Vorinstanz hat, wie bereits erwähnt, die Zulassungspraxis der Erstin-
stanz nicht berücksichtigt. Die Fragen, ob hierin eine fehlerhafte Rechtsan-
wendung der Vorinstanz liegt, sei es, indem sie den Sachverhalt bezüglich
der Zulassungspraxis unvollständig erhob oder indem sie mit Bezug auf die
B-745/2021
Seite 19
Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse rechtlich unkorrekte Schlussfol-
gerungen zog, mithin, ob das vom Beschwerdeführer vorgelegte EFZ Au-
tomobil-Fachmann gestützt auf den Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht für die Prüfungszulassung im Herbst 2020 ausreicht, kann offen-
bleiben. Denn wie im Folgenden gezeigt wird, erfüllt der Beschwerdeführer
aufgrund seiner zu kurzen Berufspraxis im Bereich Planung und Bauleitung
die Prüfungszulassungsvoraussetzungen ohnehin nicht, unabhängig da-
von, ob das alte oder das neue Reglement in Bezug auf die vorausgesetz-
ten Ausbildungstitel zur Anwendung gelangt.
8. Nachfolgend ist damit auf die strittige Prüfungszulassungsvorausset-
zung betreffend Berufserfahrung einzugehen.
8.1 Der Beschwerdeführer rügt auch diesbezüglich eine fehlerhafte Fest-
stellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz. Er behauptet einerseits,
dass er mit seinem EFZ als Automobil-Fachmann das Ausbildungserfor-
dernis gemäss der von der Erstinstanz gelebten Behördenpraxis erfülle. Er
erfülle die Voraussetzungen bezüglich der sechs Jahre Berufserfahrung
nach der Lehre in Planung und Bauleitung im Hochbau. Er erfülle diese
Voraussetzung, auch wenn die Vorinstanz die Berufserfahrung im ange-
fochtenen Entscheid nicht geprüft und die Erstinstanz die Berufserfahrung
im Hinblick auf die Prüfung nicht im Sinne des Prüfungsreglements aner-
kannt habe. Der Beschwerdeführer macht folgende Berufserfahrung gel-
tend (Beschwerdeschrift, Rz. 44):
- C._ AG 11 Monate
- D._ AG 10 Monate
- Bauherrenvertretung E._ 25 Monate
- F._ (Montage) 4 Monate
- G._ AG (Gartenbau) 7 Monate
- H._ GmbH (Montage) 6 Monate
- B._ und B._ GmbH 48 Monate
- Total: 111 Monate
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass seine selbstständige Erwerbs-
tätigkeit mit seinen "B._"-Unternehmen fehlerhaft gewürdigt worden
sei. Er sei zudem im Hinblick auf die Prüfungszulassung mit seiner selbst-
ständigen Erwerbstätigkeit gegenüber unselbstständig erwerbenden Per-
sonen diskriminiert worden. Arbeitnehmer könnten – anders als selbststän-
dige Unternehmer wie er – ihre Berufserfahrung mit einem Arbeitszeugnis
B-745/2021
Seite 20
nachweisen. Für den Nachweis seiner Erfahrung offeriert der Beschwerde-
führer im Beschwerdeverfahren seinen Lebenslauf, den Handelsregister-
auszug seiner damaligen GmbH, deren Gesellschafter und Geschäftsfüh-
rer er war, sowie Partei- und Zeugenauskünfte als Beweismittel.
Aus der Verfügung vom 18. Mai 2020 gehe hervor, dass die Erstinstanz die
GmbH des Beschwerdeführers als Zügel- und als Transportunternehmen
qualifiziert habe. Worauf sich diese Einschätzung der Erstinstanz stütze,
sei nicht erkennbar, beanstandet der Beschwerdeführer. Ein minimaler Hin-
weis auf die Zügel- und Transporttätigkeit ergebe sich einzig aus der sta-
tutarischen Zweckbestimmung, die im Handelsregister aufgeführt sei:
"Ausführungen von Montagearbeiten und Transporten aller Art, insbeson-
dere Umzüge, Wohnungsräumungen; Handel mit Waren aller Art; Objekt-
reinigungen." Da die Gründungsphase eines Unternehmens schwierig sei,
habe der Beschwerdeführer den Gesellschaftszweck absichtlich weit ge-
fasst. Tatsächlich sei er aber nur dann nebenbei in der Transport- und Zü-
gelbranche tätig gewesen, wenn die Auftragslage im beabsichtigten Kern-
gebiet der Baubranche zu gering gewesen sei. Im Juni 2014 habe der Be-
schwerdeführer den Unternehmenszweck angepasst, damit nun auch der
Betrieb einer Bauunternehmung im Zweck seiner B._ GmbH er-
wähnt werde. Dies werde im bisherigen Verfahren nicht korrekt im Sach-
verhalt wiedergegeben.
8.2 Die Vorinstanz hat die Prüfungszulassung des Beschwerdeführers, wie
bereits erwähnt, aufgrund seiner Ausbildung verweigert und seine Berufs-
erfahrung in der angefochtenen Verfügung nicht geprüft.
Bezüglich der Berufserfahrung bringt die Erstinstanz vor, dass aus den ak-
tenkundigen Beweismitteln nicht geschlossen werden könne, dass der Be-
schwerdeführer sechs Jahre lang planerische oder bauleiterische Tätigkei-
ten ausgeübt habe.
Vor Bundesverwaltungsgericht erläutert die Erstinstanz, dass bei unselbst-
ständig Erwerbenden der Nachweis der Berufserfahrung in der Regel
durch entsprechende Arbeitszeugnisse erbracht werden könne. Ein Arbeit-
geber sei hierbei einer arbeitsrechtlichen Wahrheitspflicht unterworfen. Bei
selbstständig Erwerbenden könne die Berufserfahrung mit anderen Nach-
weisen erbracht werden (z.B. Verträge mit Auftraggebern, begleitete Bau-
projekte oder sonstige Referenzen). Laut Erstinstanz falle auf, dass der
Beschwerdeführer – trotz der von ihm behaupteten vier Jahre dauernden
Selbstständigkeit – Mühe habe, seine effektiv ausgeführten Tätigkeiten
B-745/2021
Seite 21
konkret oder nachvollziehbar nachzuweisen. Der im Handelsregister auf-
geführte Gesellschaftszweck sei nicht als Beweismittel geeignet, um über
die tatsächlich ausgeübte Arbeit Auskunft zu geben. Im Übrigen habe der
Beschwerdeführer auch in seiner Beschwerde nicht Aufschluss über die
tatsächlich ausgeführten Arbeiten gegeben.
Die Erstinstanz bringt in ihrer Stellungnahme vor, dass sie aufgrund der ihr
vorliegenden Unterlagen erst die Berufserfahrung ab Oktober 2017 habe
anrechnen können. Für die Zeit vor Oktober 2017 sei hingegen keine Be-
rufserfahrung in Planung und Bauleitung in den Arbeitsnachweisen doku-
mentiert, weshalb frühere Tätigkeiten nicht angerechnet werden könnten.
Die vom Beschwerdeführer in seiner GmbH behaupteten Arbeiten würden
darauf hindeuten, dass er als Subunternehmer tätig gewesen sei und ge-
rade nicht als Bauleiter oder Planer. Zudem sei unklar, in welchem zeitli-
chen Ausmass und mit welcher Regelmässigkeit er seine selbstständigen
Arbeiten erbracht habe. Die im Beschwerdeverfahren vom Beschwerde-
führer eingereichten Beweismittel (Beschwerdebeilagen 7 und 8) würden
zwar eine gewisse Koordination mit einem Sanitärtechniker und einem
Schreiner bezüglich der Bauarbeiten für ein Badezimmer zeigen, aber der
zeitliche Umfang sei nicht ausgewiesen.
Der Beschwerdeführer versuche anhand der mit der Replik eingereichten
Arbeitsbestätigungen die Tätigkeiten im Rahmen der B._ GmbH
darzulegen. Diese Bestätigungen seien von der J._ AG (Beschwer-
debeilage 12), F._ AG (Beschwerdebeilage 13) und K._ AG
(Beschwerdebeilage 14) ausgestellt worden. Aus diesen ergebe sich eben-
falls nicht, dass der Beschwerdeführer als selbstständig Erwerbender Be-
rufserfahrung in Planung und Bauleitung gewonnen habe. Es genüge im
Hinblick auf die Zulassung zur Prüfung als Planer und Bauleiter nicht, wenn
der Beschwerdeführer – wie etwa in Beschwerdebeilage 14 aufgeführt –
Küchen, Bademöbel und Geräte zusammenbaue. Im Übrigen sei weiterhin
die angeblich vierjährige selbstständige Berufserfahrung für die B._
GmbH und B._ Einzelunternehmung in Planung und Bauleitung an-
hand der offerierten Beweismittel nicht belegt.
8.3 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zum relevanten Zeitpunkt
die vom Reglement verlangte sechsjährige Berufspraxis in Planung und
Bauleitung (Art. 8 Abs. 1 Bst. b3 Prüfungsreglement 1994) nachweisen
kann, was die Erstinstanz verneint.
B-745/2021
Seite 22
Das Prüfungsreglement 1994 nennt keinen spezifischen Stichtag, bis wann
die persönlichen Prüfungszulassungsvoraussetzungen eines Kandidaten
erfüllt sein müssen. Im vorliegenden Fall hat die Erstinstanz die Beurteilung
der persönlichen Voraussetzungen des Beschwerdeführers am 18. Mai
2020 und somit zeitnah vor der Durchführung der Prüfung beurteilt. Diese
Prüfung wurde im Oktober 2020 durchgeführt (vgl. vorne Sachverhalt A.b).
Sofern zugunsten des Beschwerdeführers auf den Zeitpunkt der Prüfungs-
durchführung abzustellen ist, gilt 1. Oktober 2020 als Stichtag, um die Be-
rufserfahrung unter Geltung des Prüfungsreglements 1994 zu berücksich-
tigen.
8.4 Die Erstinstanz beurteilt Kandidaten für die Zulassung bezüglich ihrer
Berufserfahrung in der Planung und Bauleitung im Hochbau (vgl. Art. 8
Abs. 1 des Prüfungsreglements 1994). Betreffend die Bewertung der Be-
rufserfahrung in Planung und Bauleitung handelt es sich um einen ausle-
gungsbedürftigen Begriff. Der Erstinstanz steht dabei ein eigentliches
"technisches Ermessen" zu (vgl. zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer
A-2905/2017 vom 1. Februar 2018 E. 2.2 m.w.H.). Die Behörde hat ihr Er-
messen pflichtgemäss auszuüben. Sie ist an die Verfassung gebunden und
hat insbesondere das Rechtsgleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeits-
prinzip und die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Interessen zu befolgen
(Urteil des BVGer A-6880/2018 vom 17. Oktober 2019 E. 7.3.1). Bei der
Beurteilung, welche Tätigkeiten im Hinblick auf die Prüfungszulassung an
die Berufserfahrung angerechnet werden können, darf ihr ein gewisser Er-
messens- und Beurteilungsspielraum belassen werden, soweit die Erstin-
stanz die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die
erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend vorgenommen hat,
greift die Rechtsmittelbehörde nicht ein (vgl. Urteil des BVGer A-5824/2020
vom 14. September 2021 E. 7.2.2; Urteil des BVGer B-5721/2019 vom
28. Januar 2021 E. 3.2; Urteil des BVGer A-604/2017 vom 22. März 2018
E. 2.2 m.w.H.).
8.5 Im hier angefochtenen Entscheid wurde die Berufserfahrung des Be-
schwerdeführers im Hinblick auf die Erfüllung der Prüfungszulassungsvo-
raussetzungen nicht geprüft. Die erstinstanzliche Verfügung vom 18. Mai
2020 enthält unter anderem folgende Angaben (vgl. Akten der Erstinstanz,
act. 7):
"Die Prüfung Ihrer Unterlagen und Angaben hat ergeben:
- Automobil-Fachmann, Abschluss Juli 2010
- Granitmonteur bei H._ GmbH, Januar 2011 – Mai 2011
B-745/2021
Seite 23
- Mitarbeiter in Firma G._, Juni 2011 – Dezember 2011
- Inhaber/Manager B._ GmbH (Umzüge/Transporte), Januar
2012 – April 2016
- Handwerker angelernt bei F._, Mai 2016 – Dezember 2016
- Sachbearbeiter bei I._ (Reisen), Januar 2017 – Juni 2017
- Bauleiter mit privaten Umbauten, Oktober 2017 – Dezember 2018
- Junior Bauleiter in der Firma D._ AG, Januar 2019 –
Oktober 2019
- Junior Bauleiter bei C._ AG, Dezember 2019 – heute
[...]
Aus Ihren bisherigen Tätigkeiten als Bauleiter ab Oktober 2017 können
Sie sich, unter der Voraussetzung, dass Sie weiterhin in Planung und Bau-
leitung tätig bleiben, frühestens für die Teilnahme an der HFP Hochbau
Herbst 2023 anmelden.
Entscheid der Prüfungskommission vom 6. Mai 2020
Auf Grund der ungenügenden Berufserfahrung können Sie an die höhere
Fachprüfung Hochbau Herbst 2020 nicht zugelassen werden."
8.6 Gemäss den übereinstimmenden Vorbringen des Beschwerdeführers
und der Erstinstanz sind die Berufserfahrungen des Beschwerdeführers im
Rahmen der Tätigkeit als Bauleiter mit privaten Umbauten (Oktober 2017
bis Dezember 2018), als Junior Bauleiter für die D._ AG 10 Monate
(Januar 2019 bis Oktober 2019) und als Junior Bauleiter für die C._
AG (seit Dezember 2019) im Hinblick auf die Prüfungszulassung anzuer-
kennen. Aufgrund der Akten sind keinerlei Anhaltspunkte vorhanden, wo-
nach die Anerkennung der Tätigkeiten ab Oktober 2017 bis zum 18. Mai
2020 zu beanstanden wäre.
Wenn man die Zeit vom Oktober 2017 bis zum Termin der Prüfungsdurch-
führung im Oktober 2020 berücksichtigt, hat der Beschwerdeführer drei
Jahre Erfahrung als Bauleiter ausgewiesen. Somit ist im Folgenden zu prü-
fen, ob der Beschwerdeführer zwischen seinem Lehrabschluss im Juli
2010 und bis Ende September 2017 drei weitere Jahre Berufserfahrung in
Planung und Bauleitung erworben hat, damit er über mindestens sechs
Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung verfügt, wie es gemäss
Prüfungsreglement 1994 verlangt wird.
8.7 Die Erstinstanz verwehrt mit ihrer Verfügung vom 18. Mai 2020 die An-
erkennung der Tätigkeiten des Beschwerdeführers als Granitmonteur bei
der H._ GmbH (Januar 2011 bis Mai 2011) und als Mitarbeiter in
B-745/2021
Seite 24
der Firma G._ (Juni 2011 bis Dezember 2011) für die Prüfungszu-
lassung. Sie führt in ihrer Stellungnahme aus, dass die im März 2020 ein-
gereichten Arbeitsnachweise keine Planungs- oder Bauleitungstätigkeiten
des Beschwerdeführers dokumentieren, sondern unternehmerseitige Bau-
ausführungen (vgl. Stellungnahme der Erstinstanz, Rz. 15). Aufgrund der
eingereichten Urkunden des Beschwerdeführers ist es — wie aus den
nachfolgenden Erwägungen hervorgeht — nicht zu beanstanden, dass die
Erstinstanz diese Tätigkeiten nicht als Berufserfahrung im Bereich Baulei-
tung und Planung für die Prüfungszulassung berücksichtigt.
Im Schriftenwechsel äussern sich der Beschwerdeführer und die Erstin-
stanz ausführlich zu den Tätigkeiten des Beschwerdeführers als Ge-
schäftsführer der B._ GmbH und der B._ Einzelunterneh-
mung. Die Erstinstanz hatte in der erstinstanzlichen Verfügung vom 18. Mai
2020 die selbstständige Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers unter
dem Punkt "Inhaber/Manager B._ GmbH (Umzüge/Transporte), Ja-
nuar 2012 – April 2016" zusammengefasst und die dort erworbene Berufs-
erfahrung, wie bereits erwähnt, nicht als Tätigkeit in der Planung und Bau-
leitung anerkannt.
8.8 Der Nachweis der für die Prüfungszulassung notwendigen Berufserfah-
rung ist nicht strikt an bestimmte Inhalte, Dokumente oder Formen gebun-
den. Es steht dem Beschwerdeführer frei, Beweismittel zu offerieren, wel-
che den rechtserheblichen Sachverhalt erhellen können (vgl. WALD-
MANN/BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommentar
VwVG, 2. Aufl. 2016, N 7 ff. zu Art. 33 VwVG). Die Behörde bzw. das Ge-
richt prüft die Überzeugungskraft der erhobenen Beweise von Fall zu Fall
anhand der konkreten Umstände, ohne dabei an bestimmte starre Regeln
gebunden zu sein, die ihm genau vorschreiben, welchen Beweiswert die
einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben (vgl. BGE 130 II
482 E. 3.2; BGE 135 II 161 E. 3 S. 166; BVGE 2012/33 E. 6.2.1; BVGE
2013/34 E. 6.2; WALDMANN, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxis-
kommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 20 zu Art. 19 VwVG).
Der statutarische Zweck einer Gesellschaft ist, wie die Erstinstanz zutref-
fend erläutert, kein hinreichender Nachweis dafür, welche Aktivitäten ein
Unternehmen in Gestalt einer Kapitalgesellschaft erbringt (Stellungnahme
der Erstinstanz, Rz. 27). Die Einträge im Handelsregister müssen laut Ge-
setz wahr sein und dürfen nicht zu Täuschungen Anlass geben (Art. 929
Abs. 1 OR). Entsprechend muss der Zweck ebenfalls wahr formuliert sein.
In der Praxis wird ein Geschäftszweck oftmals sehr weit formuliert, damit
B-745/2021
Seite 25
in Zukunft allenfalls weitere Geschäftsfelder erschlossen werden können;
bei einer zu engen Formulierung würde dies sonst zu Anpassungs- bzw.
Erweiterungsbedarf in der Beschreibung des Zwecks führen (vgl. ALEXAN-
DER VOGEL, in: HRegV Kommentar, Zürich 2020, N 5 zu Art. 118 HRegV).
Positive Aussagen im Hinblick auf die effektiv ausgeübte Tätigkeit des Un-
ternehmens können aus dem Gesellschaftszweck für sich alleine nicht ge-
troffen werden, selbst wenn solche Tätigkeiten beabsichtigt waren
(vgl. MEIER-HAYOZ/FORSTMOSER/SETHE, Schweizerisches Gesellschafts-
recht, 12. Aufl., Bern 2018, § 1 N 132). Der Handelsregistereintrag könnte
höchstens als Indiz für die ausgeübten Tätigkeiten verstanden werden,
welche konkret – z.B. anhand einer Liste von überprüfbaren Referenzbau-
projekten, Verträgen oder anderen Beweismitteln – substantiiert zu be-
haupten wäre.
8.9 Im Handelsregister sind unterschiedliche Zwecke für die beiden Unter-
nehmen des Beschwerdeführers, die B._ GmbH und das Einzelun-
ternehmen "B._", ausgewiesen. Die selbstständigen Erwerbstätig-
keiten des Beschwerdeführers werden im Folgenden gesondert für die Ein-
zelunternehmung und die GmbH geprüft.
Die B._ Einzelunternehmung war vom Januar 2012 bis im Juli 2014
im Handelsregister eingetragen. Die Zweckumschreibung der B._
Einzelunternehmung lautet: "Ausführung von Montagearbeiten und Trans-
porten aller Art, insbesondere Umzüge, Wohnungsräumungen; Handel mit
Waren aller Art; Objektereinigung." Die Bauleitung oder Planung war zu
keinem Zeitpunkt in der Zweckumschreibung der B._ Einzelunter-
nehmung aufgeführt. Gemäss Art. 118 Abs. 1 der Handelsregisterverord-
nung vom 17. Oktober 2007 (HRegV; SR 221.411) muss der Zweck so um-
schrieben sein, dass das Tätigkeitsfeld des Unternehmens für Dritte klar
ersichtlich ist. Der im Handelsregister eingetragene Zweck umfasst jedoch
im vorliegenden Fall die Bauleitung und Planung nicht. Entsprechend kann
aus dem im Handelsregister eingetragenen Zweck der Einzelunterneh-
mung geschlossen werden, dass für die B._ Einzelunternehmung,
jedenfalls zum Zeitpunkt der Eintragung vom 13. Januar 2012 bis zum
7. Juli 2014, keine Tätigkeiten im Bereich Bauleitung und Planung beab-
sichtigt waren.
Der Gesellschaftszweck der B._ GmbH lautete seit der Gründung
im Juni 2014: "Betrieb einer Bauunternehmung, Transporte aller Art sowie
Handel mit Waren aller Art." Im Februar 2016 wurde über die B._
B-745/2021
Seite 26
GmbH der Konkurs eröffnet und sogleich wurde das Konkursverfahren ge-
gen die Gesellschaft mangels Aktiven eingestellt. Mitte Mai 2016 wurde die
B._ GmbH aus dem Handelsregister gelöscht.
Aufgrund der zu geringen Beweiseignung des Gesellschaftszwecks im Hin-
blick auf die effektiv im Alltag erbrachten Tätigkeiten, kann nicht ohne wei-
tere Beweismittel anhand von der Existenz einer GmbH und der Gesell-
schafter- sowie Geschäftsführereigenschaften des Beschwerdeführers da-
rauf geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer schwergewichtig die
für die Prüfungszulassung anzurechnende Berufserfahrung in einem Teil-
bereich des weitgefassten Gesellschaftszwecks erworben hat. Dies hat der
Beschwerdeführer übrigens auch nicht substantiiert behauptet. Im Gegen-
teil, er verweist darauf, dass er nicht ausschliesslich in der Bauleitung und
Planung tätig war, sondern auch andere Leistungen erbracht habe (vgl.
Replik, Rz. 21 f.). Wie aus den vorstehenden Erwägungen hervorgeht,
kann aus den fraglichen Handelsregistereinträgen nichts zu Gunsten einer
konkreten Berufserfahrung als Planer und Bauleiter abgeleitet werden.
Der Beschwerdeführer legt im Beschwerdeverfahren Urkunden vor, um die
Tätigkeiten bei den "B._"-Unternehmen darzulegen. Wie die Erstin-
stanz im Schriftenwechsel zutreffend ausführt, deuten die Beschwerdebei-
lagen 7, 8, 12, 13 und 14 in ihren Formulierungen eher darauf hin, dass
primär eine Tätigkeit als Subunternehmer geleistet wurde. Anhand der vom
Beschwerdeführer eingereichten Urkunden, jene von der J._ AG
(Beschwerdebeilage 12), der F._ AG (Beschwerdebeilage 13) und
der K._ AG (Beschwerdebeilage 14) lässt sich nicht ableiten, dass
der Beschwerdeführer in der Bauleitung und Planung tätig war. Gemäss
Beschwerdebeilage 12 war der Beschwerdeführer zwischen 2012 und
2016 in der Bauausführung tägig und hatte im Wesentlichen Küchenabde-
ckungen versetzt und Bodenbeläge verlegt. Laut Beschwerdebeilage 13
war er als Subunternehmer aktiv; eine Tätigkeit in der Bauleitung oder Pla-
nung ist damit aber nicht dokumentiert. Gemäss Beschwerdebeilage 14 hat
der Beschwerdeführer die Einrichtung für drei Küchen und drei Bäder mon-
tiert. Es ist nachvollziehbar, dass die Erstinstanz diese Tätigkeiten nicht als
Berufserfahrung in Planung und Bauleitung berücksichtigt.
Die Ansicht des Beschwerdeführers, dass der Nachweis der Tätigkeit einer
vier Jahre dauernden Selbstständigkeit einen gewissen Aufwand mit sich
bringt, mag zwar zutreffen. Es ist dennoch der Erstinstanz zuzustimmen,
dass im Rahmen eines Nachweises der Berufspraxis hinsichtlich der Prü-
fungszulassung erwartet werden kann, dass die selbstständig ausgeübte
B-745/2021
Seite 27
Tätigkeit als Bauleiter und Planer anhand von einer repräsentativen Aus-
wahl seiner bisherigen Referenzprojekte beispielsweise anhand von Ur-
kunden (z.B. Fotos, Verkaufsdokumentation, Marketing-Material, Offerten,
Verträge etc.) dokumentiert werden kann, zumal die selbstständige Er-
werbstätigkeit angeblich eine mehrjährige Dauer umfasse. Der Beschwer-
deführer hat jedoch keine objektiv nachvollziehbare Referenzprojekte be-
hauptet oder konkrete Beweismittel hierzu genannt, die eine vierjährige
selbstständige Tätigkeit im Bauplanungs- und Bauleitungsbereich im frag-
lichen Zeitraum annähernd nachweisen könnten. Die Erstinstanz bemän-
gelt somit im Schriftenwechsel nachvollziehbar und zutreffend, dass der
Beschwerdeführer Schwierigkeiten hat, überhaupt Referenzprojekte zu
nennen, die eine selbstständige Erwerbstätigkeit in der Planung und Bau-
leitung darlegen könnten. Deshalb ist es nicht zu beanstanden, dass die
Erstinstanz die Tätigkeiten des Beschwerdeführers für seine B._
Unternehmen im Hinblick auf die Prüfungszulassung nicht anerkennt.
8.10 Der Beschwerdeführer beantragt die Einvernahmen von sich als Par-
tei und von mehreren Zeugen. Es handelt sich bei den Zeugen um ehema-
lige Mitarbeiter des Beschwerdeführers bei seinen "B._"-Unterneh-
men. Er möchte anhand dieser Zeugen und der Parteieinvernahme nach-
weisen, dass er eine vier Jahre dauernde Bauleiter- oder Planungstätigkeit
als selbstständig Erwerbender ausgeübt hat. Der Beschwerdeführer nennt
im Hinblick auf die beantragten Partei- und Zeugeneinvernahmen keine
konkreten Planungs- oder Bauleitungs- bzw. Referenzobjekte, über welche
die Partei- oder Zeugenbefragung durchgeführt werden könnte. Der Be-
schwerdeführer macht keine konkreten Angaben darüber, inwiefern von
den beantragten Einvernahmen ein Erkenntnisgewinn erwartet werden
kann, welcher die konkrete Dokumentation der Tätigkeit als Bauleiter und
Bauplaner in den Jahren 2012 bis 2016 ersetzen könnte. Die Anträge auf
Partei- und Zeugeneinvernahme werden deshalb abgewiesen.
8.11 Die Tätigkeiten als angelernter Handwerker bei F._ (von Mai
2016 bis Dezember 2016) und als Sachbearbeiter bei I._ AG (von
Januar 2017 bis Juni 2017) wurden von der Erstinstanz ebenfalls nicht be-
rücksichtigt, da damit keine Tätigkeiten in Bauleitung und Planung doku-
mentiert worden sei. Bei der F._ ist in der Arbeitsbestätigung eine
Tätigkeit des Beschwerdeführers als angelernter Handwerker ausgewie-
sen, wobei nähere Angaben und Informationen zu einer Tätigkeit als Bau-
leiter oder Planer fehlen (vgl. Akten der Erstinstanz, act. 6). In der Arbeits-
bestätigung von der Man Made AG sind diverse Dienstleistungen des Be-
B-745/2021
Seite 28
schwerdeführers in der Reisebranche dokumentiert; eine Tätigkeit in Bau-
leitung oder Planung ergibt sich daraus jedoch nicht (vgl. Akten der Erstin-
stanz, act. 6). Somit ist es ebenfalls von der Erstinstanz nachvollziehbar
und zutreffend im Schriftenwechsel vor Bundesverwaltungsgericht darge-
legt worden, dass diese Berufserfahrungen nicht für die Prüfungszulas-
sung berücksichtigt werden können.
8.12 Gemäss den nachvollziehbaren Ausführungen der Erstinstanz ist die
Berufserfahrung des Beschwerdeführers in Planung und Bauleitung ab Ok-
tober 2017 bis Oktober 2020 nachgewiesen. Deshalb rechnet sie ihm bis
im Herbst 2020 zu Recht drei Jahre Berufserfahrung in Planung und Bau-
leitung an. Des Weiteren ist es, wie vorne aufgeführt, nicht zu beanstan-
den, dass die früheren Tätigkeiten nicht für die Prüfungszulassung berück-
sichtigt werden. Die Erstinstanz hat die Berufserfahrung des Beschwerde-
führers insbesondere auch bezüglich der vom Beschwerdeführer behaup-
teten Selbstständigkeit anhand der aktenkundigen Beweise nachvollzieh-
bar geprüft und erklärt, dass bzw. weshalb der Beschwerdeführer hiermit
keine eigentliche Planer- und Bauleitungstätigkeit belegen konnte.
8.13 Die Feststellung der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer zum
Zeitpunkt der Beurteilung durch die Erstinstanz die Voraussetzungen zur
Prüfungszulassung für die höhere Fachprüfung 2020 nicht erfüllte, ist im
Ergebnis richtig. Der Beschwerdeführer hat die vorausgesetzten sechs
Jahre Berufserfahrung in Planung und Bauleitung, die im Hinblick auf die
Prüfungszulassung im Oktober 2020 notwendig gewesen wäre, nicht dar-
legen können. Die Rügen des Beschwerdeführers vermögen die tatsächli-
chen Feststellungen und Schlussfolgerungen der Erstinstanz zur Berufser-
fahrung nicht zu entkräften. Ob der Beschwerdeführer den für die Prü-
fungszulassung korrekten Ausbildungsabschluss erworben hat, kann, wie
bereits erwähnt, aufgrund dieses Ergebnisses offenbleiben. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer bringt bezüglich der Verfahrenskosten vor, dass
die Kosten in jedem Fall dem Staat aufzuerlegen seien, weil die Vorinstanz
den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt habe.
Zudem habe er aufgrund der Verletzungen des rechtlichen Gehörs unab-
hängig vom Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteikostenentschädi-
gung. Das Bundesgericht habe eine entsprechende Kostenregelung für die
B-745/2021
Seite 29
Verletzung des rechtlichen Gehörs durch eine Vorinstanz im Urteil des
BGer 9C_234/2008 vom 4. August 2008 in E. 5.1 vorgesehen.
Nachdem sich die Rüge der Gehörsverletzung als unbegründet erweist
(vgl. E. 6 ff., E. 7) und die Beschwerde im Ergebnis abzuweisen ist, besteht
kein Anlass, auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten oder
diese zu reduzieren. Analoges gilt für die beantragte Ausrichtung einer Par-
teientschädigung, weshalb die entsprechenden Anträge des Beschwerde-
führers abzuweisen sind.
9.2 Die Kosten des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht setzen
sich zusammen aus der Gerichtsgebühr und den Auslagen. Die Gerichts-
gebühr bemisst sich nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art
der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien. Vorbehalten blei-
ben spezialgesetzliche Kostenregelungen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die Verfahrenskosten werden angesichts des Umfangs, der Schwierigkeit
und der Bedeutung der Streitsache auf Fr. 1'600.– festgelegt. Das Bundes-
verwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der unter-
liegenden Partei. Vorinstanzen sind gemäss Art. 63 Abs. 2 VwVG von der
Kostenpflicht befreit.
Die Beschwerde erweist sich wie bereits erwähnt insgesamt als unbegrün-
det und ist abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der un-
terliegende Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63
Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. VGKE) und es steht ihm keine Parteientschädigung
zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE). Die Verfahrenskosten wer-
den nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils fällig und werden
dem vom Beschwerdeführer bereits geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 1'600.– entnommen.
B-745/2021
Seite 30