Decision ID: 7eb885db-1e07-563e-ae84-469f25240844
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 1. September 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) B._ zuge-
wiesen. Am 4. September 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) und
am 10. September 2020 das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-Verordnung), statt. Das
SEM führte mit dem Beschwerdeführer in der Folge am 25. September
2020 die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) durch.
A.b Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie. Geboren sei er in
C._, Distrikt D._. Als Kleinkind sei er mit seiner Familie nach
E._, F._, Distrikt G._ umgezogen, wo er bis zu seiner
Ausreise – zuletzt mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder – gelebt
habe. Sein Vater sei im Jahre (...) verstorben. Die Schule habe er (...)
Jahre lang besucht und danach eine Ausbildung zum (...) absolviert. Als
(...) habe er auf privater Basis Aufträge ausgeführt und (...). Daneben habe
er in Fabriken gearbeitet. Finanziell sei er gut über die Runden gekommen.
In der Heimat würden (...) Geschwister und in der Schweiz sein Bruder
H._ leben. Im Jahre (...) sei sein Bruder I._ von Singhalesen
mitgenommen und erschlagen worden. Dieser sei zu Unrecht verdächtigt
worden, etwas mit den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) zu tun zu
haben, weil er oft ins Vanni-Gebiet gereist sei, wo (...) Schwestern gewohnt
hätten. Seine Schwester J._ und (...) seiner Schwäger hätten in der
Vergangenheit das Training der LTTE absolviert. Probleme mit Behörden
hätten sie deswegen jedoch nie gehabt. Nach I._s Tod habe auch
sein Bruder H._ Probleme bekommen und sei ausgereist. Ob die
Familie danach wieder Probleme gehabt habe, wisse er nicht.
Ein Bekannter namens K._, welcher seine (des Beschwerdefüh-
rers) Arbeitsweise gekannt habe, habe ihm vorgeschlagen, sich beim Büro
der EPDP (Eelam People's Democratic Party) zu melden, um über dieses
vielleicht eine Regierungsstelle als (...) zu erhalten. Da man für eine An-
stellung bei der Regierung normalerweise eine Ausbildung benötige, er je-
doch weder das O- noch das A-Level abgeschlossen habe, sei er diesem
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Vorschlag gefolgt. Beim Büro der EPDP sei er befragt worden und man
habe ihm eine Regierungsstelle in Aussicht gestellt, sofern er die EPDP
unterstütze. Am folgenden Tag sei er ins Büro bestellt worden, wo ihm der
Unterstützungsauftrag offenbart worden sei. Er hätte LTTE-Leute in seinem
Dorf beobachten und die gewonnenen Informationen an die EPDP weiter-
leiten sollen. Nach Rücksprache mit seiner Mutter habe er den Auftrag ab-
gelehnt. Daraufhin habe man ihm gesagt, er solle das überdenken. Wenn
er den Auftrag nicht ausführe, werde er Probleme erhalten. In der Folge sei
er beobachtet worden. Aus Angst habe er lediglich noch die Einkäufe erle-
digt und die Ware seinen Arbeitern übergeben. Am (...) 2019 sei er, als er
mit seinem Tuk-Tuk zum Laden gefahren sei, von sechs Personen auf drei
Motorrädern verfolgt worden. Die Personen hätten ihn während der Fahrt
mit Schwertern angegriffen und dabei das Tuk-Tuk beschädigt. Schliesslich
habe er angehalten und sei in eine Bananenplantage geflüchtet, wo er sich
eine Weile versteckt habe. Anschliessend sei er zu einem Freund gegan-
gen, wo er bis zur Ausreise geblieben sei. Währenddessen seien Personen
bei ihm zu Hause aufgetaucht, hätten sich nach ihm erkundigt und seine
Mutter zu Boden gestossen. Deshalb habe seine Mutter den Schwager da-
rum gebeten, ihn (den Beschwerdeführer) ins Ausland zu bringen. An die
Polizei habe er sich nicht gewandt. Am (...) 2019 habe er mit Hilfe seines
Schwagers mit einem Boot nach Indien flüchten können, wo er einen Monat
verbracht habe. Auch während dieser Zeit hätten zu Hause immer wieder
Leute nach ihm gefragt. Er sei deshalb nicht wie geplant in die Heimat zu-
rückgekehrt, sondern nach Europa weitergereist. Sein jüngerer Bruder
habe seinetwegen Probleme bekommen. Auch dessen Tuk-Tuk sei be-
schädigt worden. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka habe er Probleme mit
der EPDP oder der (...) zu befürchten. Würde er den Auftrag der EPDP
ausführen, würde er hingegen Probleme mit den LTTE erhalten. Persönlich
habe er bis auf den geschilderten Vorfall nie Probleme gehabt in seiner
Heimat. Auch sei er nie politisch aktiv gewesen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte, eine beglaubigte
Kopie seiner Geburtsurkunde sowie Kopien von verschiedenen Dokumen-
ten seine Ausbildung betreffend zu den Akten.
B.
Am 2. Oktober 2020 gab das SEM dem Beschwerdeführer Gelegenheit,
sich zum Entscheidentwurf zu äussern. Die Stellungnahme erfolgte mit
Schreiben der zugewiesenen Rechtsvertretung vom 5. Oktober 2020.
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C.
Das SEM verneinte mit Verfügung vom 6. Oktober 2020 – gleichentags er-
öffnet – die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Die zugewiesene Rechtsvertretung teilte dem SEM mit Schreiben vom
6. Oktober 2020 die Niederlegung des Mandats mit.
E.
Am 8. Oktober 2020 fand das Ausreisegespräch statt, in dessen Rahmen
der Beschwerdeführer erklärte, er werde eine Beschwerde gegen die vor-
instanzliche Verfügung erheben.
F.
Das SEM wies den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 3. November
2020 dem Kanton L._ zu.
G.
G.a Am 5. November 2020 erhob der Beschwerdeführer mittels Eingabe
seiner rubrizierten Rechtsvertreterin gegen die Verfügung des SEM vom
6. Oktober 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung vollumfänglich aufzuheben und
ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläu-
fige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsver-
beiständung sowie um den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Schliesslich sei festzustellen, dass die Beschwerde aufschie-
bende Wirkung habe.
G.b Der Beschwerde lagen – neben einer Vollmacht – eine Kostennote,
eine Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse zu "Sri Lanka: Aktuelle po-
litische Situation, Überwachung der Diaspora, Geldsammeln im Ausland
für Kriegsopfer" vom 10. April 2020, eine Auskunft der SFH-Länderanalyse
zu "Sri Lanka: EPDP" vom 26. Juni 2020 sowie diverse Fotos eines be-
schädigten Tuk-Tuks bei.
H.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 6. November
2020 den Eingang der Beschwerde.
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Seite 5
I.
Mit Schreiben vom 19. November 2020 liess der Beschwerdeführer eine
Unterstützungsbestätigung der Sozialhilfe L._ vom 11. November
2020 nachreichen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG).
1.2
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1
AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen
im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19-Ver-
ordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – vorbehältlich der Erwägung 4 – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ver-
zichtet.
4.
Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssachen
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aufschiebende Wirkung und das SEM hat die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Der Beschwerdeführer
ist daher von Gesetzes wegen berechtigt, sich bis zum Abschluss des Asyl-
verfahrens in der Schweiz aufzuhalten (vgl. Art. 42 AsylG). Auf den Antrag
um Feststellung der aufschiebenden Wirkung ist deshalb mangels Rechts-
schutzinteresses nicht einzutreten.
5.
Die Asylakten des Bruders des Beschwerdeführers, H._ (N [...]),
wurden von Amtes wegen beigezogen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Das SEM führt in seiner Verfügung im Wesentlichen aus, es wäre zu
erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer mehr über die Person, wel-
che ihm vorgeschlagen habe, sich wegen einer Regierungsstelle bei der
EPDP zu melden, hätte berichten können. Es sei nicht nachvollziehbar,
dass er nichts zum aktuellen Werdegang des Mannes habe sagen können.
Er habe auch nur oberflächliche Angaben dazu machen können, wie es zur
angeblichen Anfrage gekommen sei. Bereits die Angabe, wonach er sich
für eine Stelle bei der Regierung interessiert habe, erscheine somit äus-
serst zweifelhaft und konstruiert. Sodann habe er zum angeblich fluchtaus-
lösenden Ereignis – dem Vorfall mit dem Tuk-Tuk – äusserst oberflächliche
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und wenig plausible Angaben gemacht. Seine Schilderungen würden zu-
dem keine Details oder Angaben enthalten, welche nicht auch ohne Erleb-
nisbezug hätten geschildert werden können. So gehe aus seinen Schilde-
rungen nicht deutlich hervor, wie sich die Umstände bei seiner Flucht in die
Plantage genau präsentiert haben sollen. Dass er mit dem Tuk-Tuk sechs
bewaffnete Personen auf ihren Motorrädern lediglich mit Zick-Zack-Fahren
und dank den Dorfbewohnern habe abhängen können, sei nicht nachvoll-
ziehbar. Weiter habe er nur vage begründen können, weshalb er sich im
Zusammenhang mit dem angeblichen Ereignis nie an die Polizei gewandt
habe. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass er angeblich aus Angst nicht
mehr arbeiten gegangen sei und gleichzeitig Einkäufe getätigt haben wolle.
Gestützt auf seine Aussagen hätte er sich gerade beim Einkaufen in Gefahr
wähnen sollen. Es erscheine nicht plausibel, dass er derart auf die Hilfe
von Anwohnern vertraut habe, sich gleichzeitig jedoch aus der Öffentlich-
keit zurückgezogen habe. Weiter habe er in einem anderen Zusammen-
hang angegeben, er habe während der betreffenden Zeit aufgrund einer
Operation nicht gearbeitet und sich schonen müssen, weshalb er lediglich
die Einkäufe für die Mitarbeiter erledigt habe. Insgesamt glaube das SEM
nicht, dass er sich vor der Ausreise je beobachtet gefühlt habe. Zum
Thema, dass sein jüngerer Bruder wegen ihm Probleme erhalten habe,
habe er lediglich sagen können, dessen Tuk-Tuk sei kaputt gemacht wor-
den sei, wofür mutmasslich diejenigen Leute verantwortlich seien, die auch
ihn bedroht hätten. Es sei nicht nachvollziehbar, dass ihm die Familie Neu-
igkeiten im Zusammenhang mit den Asylvorbringen verheimliche, um ihn
zu schonen. Der Bruder habe selber ein Asylverfahren in der Schweiz
durchlaufen, weshalb ihm die Relevanz von Informationen zur aktuellen
persönlichen Situation bewusst sein müsste. Dass sein jüngerer Bruder für
das Asylverfahren relevante Probleme habe, sei somit ebenfalls nicht
glaubhaft. Aufgrund seiner insgesamt unglaubhaften Angaben zu den Asyl-
vorbringen erscheine weiter auch nicht glaubhaft, dass nach seiner Aus-
reise nach ihm gesucht worden sei. Dass er bei einer Rückkehr in die Hei-
mat in irgendeiner Weise durch die (...) bedroht sein könnte und womöglich
gefoltert würde, sei deshalb ebenfalls nicht glaubhaft. Der Anhörung seien
sodann keine Anzeichen zu entnehmen, wonach es dem Beschwerdefüh-
rer schwergefallen sei, über die Ereignisse in Sri Lanka zu sprechen. Diese
Angabe werde als nachgeschobene Schutzbehauptung aufgefasst. Dass
auf Ebene der Stellungnahme nochmals erwähnt werde, dass seine Fami-
lienmitglieder aufgrund seiner psychischen Verfassung relevante Informa-
tionen zurückbehalten würden, stütze den Entscheid zusätzlich. So habe
er offenbar auch nach der Anhörung nicht mehr von seinem Bruder in Er-
fahrung gebracht, was nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Behauptungen
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spreche. Sodann sei ohne weitere Erläuterungen nicht nachvollziehbar,
dass er angeblich nichts über die Person, welche ihm die Stelle habe ver-
mitteln wollen, wisse und gleichzeitig davon ausgehe, dass diese viel Er-
fahrung und gute Beziehungen habe. Auch die Angabe, wonach die Behör-
den in Sri Lanka bei seiner Rückkehr herausfinden könnten, dass er Kon-
takt zu seinem Bruder in der Schweiz habe, ändere nichts am Entscheid.
Der Bruder habe kein Asyl erhalten, sondern sei aufgrund der damaligen
allgemeinen Lage von der Schweiz vorläufig aufgenommen worden, so-
dass das SEM nicht davon ausgehe, dass dieser Kontakt ein Risikofaktor
darstelle. Der Beschwerdeführer habe auch angegeben, dass er nach der
Ausreise seines Bruders im Jahre 2008 bis auf die unglaubhaft geschilder-
ten Ereignisse nie Probleme in der Heimat gehabt habe. Es würden somit
keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass er bei einer Rückkehr in die Hei-
mat asylbeachtlich bedroht sein könnte. Die Angabe, wonach sein ältester
Bruder im Jahre 2006 von Singhalesen erschlagen worden sei, spreche für
sich allein nicht dafür, dass er (der Beschwerdeführer) 14 Jahre nach des-
sen Tod in einen besonderen Fokus der Behörden geraten könnte. Weiter
habe er angegeben, dass eine Schwester zwar ein Training der LTTE
durchlaufen habe, deswegen jedoch nie Probleme gehabt habe. Vertiefte
Angaben zur angeblichen LTTE-Vergangenheit der Schwester und seiner
Schwäger habe er keine machen können. Auch die am 16. November 2019
erfolgte Präsidentschaftswahl vermöge diese Einschätzung nicht umzu-
stossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten sowie
ersten Anzeichen der Zunahme von Überwachungsaktivitäten gingen Be-
fürchtungen von mehr Einschüchterungen von Minderheiten einerseits und
Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen und weiteren re-
gierungskritischen Personen andererseits einher. Tatsächlich habe die
Überwachung der Zivilbevölkerung seit den dschihadistisch motivierten
Terroranschlägen an Ostern 2019 und nochmals nach der Präsident-
schaftswahl zugenommen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt kei-
nen Anlass zur Annahme, dass ganze Volks- oder Berufsgruppen unter
Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausge-
setzt seien. Das SEM prüfe das Verfolgungsrisiko im Einzelfall. Vorausset-
zung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Person zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen.
Den Akten seien keine Hinweise auf eine Verschärfung der persönlichen
Situation des Beschwerdeführers aufgrund dieses Ereignisses zu entneh-
men.
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7.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, es sei nicht legitim,
widersprüchliche Aussagen zwischen der BzP und der vertieften Anhörung
derart stark zu gewichten. Sodann sei verständlich, dass der Beschwerde-
führer zum Mann namens K._, der ihn an die EPDP vermittelt habe,
keine detaillierten Angaben habe machen können. Immerhin sei
K._ auf ihn zugegangen und nicht umgekehrt. Er habe in ihm die
Chance auf einen Job bei der Regierung gesehen, weshalb er K._
auch relativ blind vertraut habe. Ein Job bei der Regierung hätte für ihn
eine enorme Sicherheit bedeutet, da dieser einen festen Lohn, eine Pen-
sion und ein gewisses Ansehen in der Gesellschaft bedeutet hätte. Für ihn,
der über keinen Schulabschluss verfüge, sei es eine einmalige Chance ge-
wesen. Die Aussagen zu K._ in der Stellungnahme seien keines-
wegs widersprüchlich. Die Vermutung, dass K._ viel Erfahrung
habe, lasse sich davon ableiten, dass dieser die Baustelle besucht und so-
mit wahrscheinlich eine vorgesetztere Rolle eingenommen habe. Auch
habe K._ gewusst, dass man über Kontakte zur EPDP zu Stellen
bei der Regierung gelangen könne. Sodann habe der Beschwerdeführer
grosse Mühe, über die Ereignisse in Sri Lanka zu sprechen. Dies sei sehr
gewöhnlich für Menschen, welche ein traumatisches Erlebnis durchge-
macht hätten. Besonders in Stresssituationen, wie etwa der Anhörung, sei
das Erinnerungsvermögen von traumatisierten Personen stark einge-
schränkt. Dass dies keine nachgeschobene Schutzbehauptung sei, zeige
sich darin, dass der Dolmetscher teils Mühe gehabt habe, das Erzählte ge-
ordnet wiederzugeben, und der Beschwerdeführer darauf hingewiesen
worden sei, sich mehr Zeit für die Antworten zu nehmen. Auch habe nicht
geholfen, dass er mehrmals unterbrochen worden sei, weil dies kein ange-
nehmes Erzählklima schaffe, was für eine traumatisierte Person jedoch von
essenzieller Bedeutung sei. Während der Parteibefragung (gemeint ist
wohl die Besprechung mit der Rechtsvertretung, Anm. des Gerichts), also
in einer geringeren Stresssituation, habe er den Tagesablauf genauer re-
konstruieren können. Gemessen an den Umständen sei es ihm sehr wohl
gelungen, das fluchtauslösende Ereignis plausibel und detailliert darzustel-
len. Es sei sodann verständlich, dass er nicht zur Polizei gegangen sei, da
seine Familie bereits einmal von der Polizei enttäuscht worden sei. Die
EPDP pflege enge Kontakte mit der Regierung und sei auch in dieser ver-
treten. Es sei somit einleuchtend, dass er nicht auf eine staatliche Institu-
tion wie die Polizei vertraut habe. Was die erlebte Gefährdungslage anbe-
lange, seien die Angaben keineswegs widersprüchlich. Er habe ausgesagt,
dass er eigentlich nur noch im Dorf eingekauft und auf Aufträge von aus-
serhalb verzichtet habe. Diese Aussage spreche dafür, dass er sich nur
aus dem öffentlichen Leben ausserhalb des Dorfes zurückgezogen habe,
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Seite 10
da er sich im Dorf sicher gefühlt habe. Auch habe er nach wie vor gewisse
Risiken eingehen müssen, weil er Geld zum Überleben gebraucht habe.
Bei der Arbeit, welche er aufgrund der Operation nicht mehr habe machen
können, habe er sich auf die Tätigkeit in der (...) bezogen. Dort habe er
seinen letzten Arbeitstag am (...) 2019 gehabt. Die Arbeit als (...) habe er
dagegen aus Angst eingestellt. Die Rechtsvertretung habe sodann nach
der Anhörung darauf hingewiesen, dass es wichtig wäre, Nachrichten von
zu Hause zu beschaffen. Sowohl der Bruder als auch die Mutter hätten
dem Beschwerdeführer erzählt, dass er weiterhin gesucht werde und dass
mittlerweile im Dorf sehr schlecht über ihn geredet werde, weil er das Land
verlassen habe. Da in Sri Lanka das Ansehen im Dorf und der Familie sehr
wichtig sei, sei verständlich, dass der Bruder und die Mutter ihn davor hät-
ten schützen wollen und deshalb nicht davon erzählt hätten.
Er sei in Sri Lanka von der EPDP bedroht und verfolgt worden. Die EPDP
sei in der Regierung vertreten und deswegen als Teil von dieser zu betrach-
ten. Er werde bis heute regelmässig bei seiner Mutter und im ganzen Dorf
gesucht. Diese Tatsachen würden die Bedrohung, welcher er ausgesetzt
gewesen sei, sehr real erscheinen lassen. Sodann sei er mit Schwertern
gejagt und bedroht worden. Dies könne als Todesdrohung oder zumindest
als Drohung von starker Gewaltanwendung gewertet werden. Die Angst
vor einer erneuten Verfolgung mitsamt der Bedrohung mit Waffen stelle of-
fensichtlich einen unerträglichen psychischen Druck dar. Auch nach der
Ausreise sei weiterhin nach ihm gesucht worden. Insgesamt erfülle die Ver-
folgung sowohl objektiv als auch subjektiv das geforderte Mass an Intensi-
tät, um von einem ernsthaften Nachteil ausgehen zu können. Selbst, wenn
für diese Übergriffe die asylrelevante Intensität verneint würde, sei die
Frage des unerträglichen psychischen Drucks zu prüfen. Die Suche nach
ihm sowie die zu befürchtenden Inhaftierungen und Folterungen würden
einen menschenwürdigen Verbleib in Sri Lanka verunmöglichen. Die Flucht
hänge auch kausal mit der Vorverfolgung zusammen.
Der Beschwerdeführer erfülle sodann mehrere gewichtige Risikofaktoren
gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom
15. Juli 2016. Er sei bei der EPDP bekannt und werde von dieser gesucht.
Weiter sei er Teil der tamilischen Diaspora und habe durch seinen Bruder
intensiven Kontakt. Dem sri-lankischen Staat sei egal, ob eine Person Asyl
erhalten habe oder nicht. Der Bruder sei schon lange Teil der tamilischen
Diaspora und stelle somit in den Augen der sri-lankischen Regierung eine
Gefahr für das Land dar. Ihm (dem Beschwerdeführer) würde somit bei ei-
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Seite 11
ner allfälligen Rückschaffung eine Internierung drohen und er würde ver-
dächtigt, die LTTE wiederbeleben zu wollen. Diese Annahme werde durch
den aktuellen Regierungswechsel und die damit einhergehende Zunahme
an Repressionen unterstützt. Die Lage spitze sich in Sri Lanka zu und po-
litische Gegner des Rajapaksa-Clans würden sich zunehmend in Gefahr
fühlen. Am 25. November 2019 sei sogar eine Mitarbeiterin der Schweize-
rischen Botschaft in Colombo von einem weissen Van irregulär verhaftet
und zu sri-lankischen Spitzenpolitikern befragt worden. Das dreiste und
rechtswidrige Vorgehen des Rajapaksa-Clans gegen jegliche Gegner lasse
vermuten, dass dieses Regime auch gegenüber zurückgeschafften, abge-
wiesenen Asylsuchenden aus der Schweiz vermehrt vorgehen werde. Es
könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass ihnen
Folter, Inhaftierung oder andere unmenschliche Behandlungen drohen
würden. Erschwerend komme hinzu, dass der Beschwerdeführer bereits
vor seiner Ausreise inhaftiert gewesen und demnach dem Staat bekannt
sei und eine Vorladung für ihn vorliege. Die Verfolgung sei gezielt gegen
ihn gerichtet und kausal für seine Flucht gewesen. Sie fusse auf seiner
ethnischen Zugehörigkeit und seiner politischen Gesinnung. Es könne von
einem fehlenden Schutzwillen seitens des sri-lankischen Staats ausgegan-
gen werden, da es sich bei der EPDP um eine in der Regierung vertretene
Partei handle.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
8.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der ange-
fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender
Begründung als unglaubhaft beziehungsweise als nicht asylrelevant quali-
fiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die weitgehend zutreffende Argumen-
tation in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In Ergänzung
und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen:
8.3 Das SEM stellte zur Begründung seiner Verfügung auf keinerlei Wider-
sprüche zwischen der Personalienaufnahme und der Anhörung ab. Soweit
in der Beschwerde die Gewichtung von Widersprüchen in der Anhörung
gerügt wird, ist auf die nachfolgenden Ausführungen zu verweisen.
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Seite 12
8.4 Sodann bestehen für die behauptete Traumatisierung des Beschwer-
deführers keinerlei Anhaltspunkte. Dem Anhörungsprotokoll ist nicht zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer Schwierigkeiten gehabt hätte,
über Erlebtes zu sprechen oder sich nur ungenügend hätte erinnern kön-
nen. Aus dem Umstand, dass der Dolmetscher an einer Stelle Mühe be-
kundete, aufgrund des Erzählten Sätze zu formulieren, weshalb der Be-
schwerdeführer aufgefordert wurde, sich Zeit für die Antworten zu nehmen
(vgl. Akten SEM [...]-16/20 F94 f., vgl. auch F50), kann nicht auf eine Trau-
matisierung geschlossen werden. Ebenfalls erscheint unwahrscheinlich,
dass die beiden Unterbrechungen Auswirkungen auf das Erzählklima ge-
habt haben könnten (vgl. Akten SEM [...]-16/20 F52 und F71). Der Be-
schwerdeführer reichte zudem bis heute keinen Arztbericht ein, um eine
Traumatisierung zu belegen, und stellte einen solchen auch nicht in Aus-
sicht, obwohl es ihm im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8
AsylG oblegen hätte, entsprechende Dokumente zu beschaffen. Die vor-
gebrachten Schwierigkeiten, über Erlebtes zu sprechen, sind daher – über-
einstimmend mit dem SEM – als nachgeschobene Schutzbehauptung zu
werten. Insoweit damit sinngemäss auch eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs und der Pflicht zur Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts geltend gemacht wird, erweist sich eine solche Rüge nach dem Ge-
sagten ebenfalls als unbegründet.
8.5 Dass die Sicherheit einer Regierungsstelle für den Beschwerdeführer
verlockend gewesen sei, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Auch erscheint
nicht per se abwegig, dass der Beschwerdeführer nicht viel über
K._ und dessen Werdegang zu berichten wusste, zumal dieser dem
Beschwerdeführer gegenüber nicht eine kollegiale, sondern vorgesetztere
Rolle eingenommen habe. Gewisse Vorbehalte sind jedoch an der Darstel-
lung in der Beschwerde anzubringen, wonach der Beschwerdeführer
K._ im Rahmen einer Praktikumsstelle beim (...) im Jahre 2019
kennengelernt habe. Gemäss den eingereichten Ausbildungsdokumenten
absolvierte der Beschwerdeführer vom (...) 2016 bis zum (...) 2016 ein
"Training" beim (...) und erhielt am (...) 2016 sein "National Certificate" als
(...). Auf die Frage, ob er seit dem Abschluss der Ausbildung im Jahre 2016
auf diesem Beruf gearbeitet habe, antwortete er in der Anhörung: "Ja, pri-
vat habe ich (...). (...)arbeiten habe ich gemacht" (vgl. Akten SEM [...]-
16/20 F25). Dass der Beschwerdeführer nach 2016 beim (...) eine Prakti-
kumsstelle gehabt habe, lässt sich den vorinstanzlichen Akten somit nicht
entnehmen.
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Seite 13
8.6 Weiter trifft zu, dass die EPDP enge Kontakte mit der Regierung pflegt
und in dieser vertreten ist. Der Beschwerdeführer begründete jedoch in der
Anhörung seinen Entschluss, keine Anzeige zu erstatten, einzig mit angeb-
lich vergangenem Untätigbleiben der Polizei (vgl. Akten SEM [...]-16/20
F84). Dass der Beschwerdeführer sofort zur drastischen Massnahme der
Ausreise aus seinem Heimatland griff und nicht einmal versuchte, die Hilfe
der staatlichen Institutionen in Anspruch zu nehmen, ist nicht nachvollzieh-
bar.
8.7 Sodann fällt auf, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe der Anhörung
die Verfolgungsmassnahmen der EPDP ständig zu korrigieren beziehungs-
weise auszubauen schien. Sprach er in der freien Erzählung noch davon,
er sei zwei bis drei Mal vor dem Haus beobachtet worden, erklärte er spä-
ter, er sei "immer verfolgt und beobachtet" worden. Kurz darauf ergänzte
er, "sie" hätten ihn auch "zwei, drei Mal angerufen und bedroht" (vgl. Akten
SEM [...]-16/20 F45, F83, F86 ff. und F93). Hätten die Beobachtungen,
Verfolgungen und Anrufe tatsächlich in einem solchen Ausmass stattgefun-
den, wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer dies von An-
fang an vorgebracht hätte. Den Vorfall vom (...) 2019 betreffend wird in der
Beschwerde ergänzend ausgeführt, der Beschwerdeführer habe an jenem
Tag für einen speziellen Auftrag nach M._ fahren müssen. Auf dem
Weg dorthin habe er bemerkt, dass ihm sechs Männer auf Motorrädern
gefolgt seien. Er habe dann beschlossen, nicht mehr nach M._ zu
fahren und sei umgekehrt (vgl. Beschwerde Ziff. 10). Zwar erwähnte der
Beschwerdeführer auch in der Anhörung, dass er gegen Ende der Verfol-
gung in seinem Dorf angekommen sei, wenngleich er nicht von einem "spe-
ziellen Auftrag", sondern von einer Fahrt zum Laden sprach (vgl. Akten
SEM [...]-16/20 F45 und F75). Diese Darstellung der Ereignisse ist jedoch
nicht in Einklang zu bringen mit der Aussage in der Anhörung, er habe aus
Angst nur noch im Dorf eingekauft und gearbeitet (vgl. Akten SEM [...]-
16/20 F95 f.). Selbst wenn tatsächlich zuträfe, dass sich der Beschwerde-
führer nur aus dem öffentlichen Leben ausserhalb des Dorfes zurückgezo-
gen hätte, da er sich im Dorf sicher gefühlt habe (vgl. Beschwerde Ziff. 23),
wäre kaum vorstellbar, dass er die Strecke von seinem Dorf nach
M._ unter den vorgebrachten Umständen gewagt hätte. Sodann
wird in der Beschwerde neu ausgeführt, der Beschwerdeführer sei, als er
auf eine Hauptstrasse habe einbiegen müssen, "von einem der Motorräder
überholt" und das Tuk-Tuk "von einem Schwerthieb getroffen" worden (vgl.
Beschwerde Ziff. 10). Diese Darstellung unterscheidet sich merklich vom
Vorbringen in der Anhörung, wonach die Motorräder das Tuk-Tuk von bei-
D-5478/2020
Seite 14
den Seiten überholt hätten und die Personen grosse Schwerter hervorge-
nommen und damit das Tuk-Tuk geschnitten hätten (vgl. Akten SEM [...]-
16/20 F45, F71 und F73 f.). Insgesamt ist der Beschwerde nichts zu ent-
nehmen, das geeignet wäre, die vorinstanzlichen Erwägungen zum angeb-
lich fluchtauslösenden Ereignis in einem anderen Lichte erscheinen zu las-
sen. Auch die eingereichten Fotos eines beschädigten Tuk-Tuks lassen
keine Rückschlüsse auf die geltend gemachten Geschehnisse zu.
8.8 Entgegen der Ansicht in der Beschwerde lässt sich dem Anhörungspro-
tokoll nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen der Operation
(nur) die Arbeit in der (...)fabrik habe einstellen müssen. Im Gegenteil
sprach er implizit von einer Schonung auch in Bezug auf die (...)arbeiten:
"Der Arzt hat mir gesagt, dass ich mich drei Monate nicht anstrengen sollte.
Bei der Arbeit haben zwei Jungen mir geholfen" (vgl. Akten SEM [...]-16/20
F76). Es gelingt dem Beschwerdeführer somit nicht, den Widerspruch, er
habe einerseits wegen der Operation und andererseits aus Angst vor Mas-
snahmen der EPDP nicht mehr gearbeitet, auszuräumen.
8.9 Sodann ist auch der Verweis auf die Wichtigkeit des Ansehens im Dorf
und der Familie nicht geeignet zu erklären, weshalb der Bruder zuerst
nichts von den Geschehnissen in Sri Lanka habe erzählen wollen. Abge-
sehen davon, dass kaum nachvollziehbar ist, weshalb diese Information
dem Beschwerdeführer hätte vorenthalten werden sollen, wäre zu erwar-
ten gewesen, dass der Bruder den Beschwerdeführer über alles informiert,
was für dessen Asylverfahren auch nur ansatzweise von Belang sein
könnte.
8.10 Schliesslich werfen auch die Angaben des Beschwerdeführers zu sei-
nem Reisepass Fragen auf. So führte er zunächst aus: "Der Pass war zu
Hause. Nachdem ich hier in der Schweiz ankam, ist jemand zu mir nach
Hause gegangen, verlangte von meiner Familie den Pass und nahm ihn
mit" (vgl. [...]-16/20 F39). Unmittelbar darauf erklärte er: "Als ich in Indien
war, kam jemand zu mir nach Hause, hat den Pass verlangt und ihn mitge-
nommen." Davon habe er erfahren, als er nach der Personalienaufnahme
seine Familie kontaktiert habe (vgl. Akten SEM [...]-16/20 F40 f.). Im spä-
teren Verlauf der Anhörung brachte er hingegen vor, der Schlepper habe
seinen Pass gebraucht, um ihn nach Europa zu bringen, weshalb er den
Pass durch seine Leute habe holen lassen ([...]-16/20 F98). Schliesslich
ist dem – allerdings vom Beschwerdeführer nicht unterzeichneten – Proto-
koll des Ausreisegesprächs vom 8. Oktober 2020 zu entnehmen, dass ihm
der Reisepass von einem Agenten abgenommen worden sei, nachdem er
D-5478/2020
Seite 15
nach Indien gegangen sei. Er habe den Pass nicht zurückbekommen ([...]-
25/1). Insgesamt erwecken diese uneinheitlichen Angaben den Verdacht,
der Beschwerdeführer enthalte den Schweizer Behörden seinen Reise-
pass vor.
8.11 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach dem Gesagten überein-
stimmend mit dem SEM zum Schluss, dass die dargelegten ausreisebe-
gründenden Ereignisse als unglaubhaft zu qualifizieren sind.
8.12
8.12.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorver-
folgung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
8.12.2 Diesbezüglich ist auf das Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 zu verweisen, in dem das Bundesverwaltungsgericht festgestellt hat,
dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asyl-
suchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung
und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3), und gleichzeitig ausgeführt
hat, das Risiko von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, sei an verschiedenen Risikofaktoren zu
bemessen (vgl. im Einzelnen a.a.O. E. 8.4.1-8.4.3 und E. 8.4.4 f.) und es
sei im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko-
faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person
ergeben (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). Die jüngsten politischen Ereignisse in Sri
Lanka lassen nicht darauf schliessen, dass sich das Risiko für tamilische
Rückkehrer, im Falle einer Heimkehr Menschenrechtsverletzungen zu er-
leiden, generell verschärft hätte (vgl. hierzu etwa das Urteil des BVGer D-
4285/2017 vom 6. Juli 2020 E. 7.8.2). Die Entwicklung verdeutlicht viel-
mehr, dass die im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 erwähn-
ten Risikofaktoren, die zu einer asylrechtlich relevanten Gefährdung von
nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischen Personen führen können,
nach wie vor aktuell und dementsprechend weiterhin zu prüfen sind.
8.12.3 Das Bundesverwaltungsgericht stützt die vorinstanzliche Verfügung
auch in diesem Punkt. Wie den vorstehenden Erwägungen zu entnehmen
ist, hat sich die Vorverfolgung des Beschwerdeführers als unglaubhaft er-
wiesen. Beim Beschwerdevorbringen, der Beschwerdeführer sei bereits
vor seiner Ausreise inhaftiert gewesen, sei dem Staat bekannt und eine
Vorladung liege für ihn vor, handelt es sich um ein offensichtliches Verse-
hen (vgl. Beschwerde Ziff. 46), auf welches nicht weiter einzugehen ist.
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Seite 16
Exilpolitische Tätigkeiten sind nicht aktenkundig. Es ist nach dem Gesag-
ten nicht davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer auf der
Stopp- oder der Watch-List befindet und deshalb zu befürchten hätte, im
Falle der Rückkehr noch am Flughafen Colombo verhaftet zu werden. Es
kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass er einer Befragung und ei-
ner Überprüfung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Dieser "Back-
groundcheck" ist aber nicht als asylrelevante Verfolgung zu werten, und für
ein darüberhinausgehendes Interesse der sri-lankischen Behörden sind
keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Alleine aus der tamilischen Eth-
nie und dem Umstand, dass er aus der Schweiz nach Sri Lanka zurück-
kehrt, kann er keine Gefährdung ableiten. Dass sein Bruder bereits seit
2008 in der Schweiz lebt, ändert an dieser Einschätzung nichts. Im Übrigen
kann auf die zutreffenden Ausführungen des SEM verwiesen werden.
8.13 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
nichts vorgebracht hat, das geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Es kann darauf ver-
zichtet werden, auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde einzuge-
hen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu än-
dern vermögen. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint
und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
D-5478/2020
Seite 17
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 110.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Das SEM führt zur Begründung des Wegweisungsvollzugs aus, es
würden sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus
den Akten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass diesem im Falle einer Rück-
kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch
Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Die Rückkehr nach
Sri Lanka erweise sich somit als zulässig. Sodann sei nicht von einer Situ-
ation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG auszugehen. Ge-
mäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei der Weg-
weisungsvollzug in die Ostprovinz und die Nordprovinz zumutbar, wenn
das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden
könne. Der Beschwerdeführer sei ein junger gesunder Mann, habe (...)
Jahre lang die Schule besucht und sei nach eigenen Angaben bis zu seiner
Ausreise berufstätig gewesen. Als (...) habe er gut verdient. Zudem habe
er in der Vergangenheit in Fabriken gearbeitet. Weiter habe er in der Hei-
mat ein familiäres Netzwerk. Seine Schwestern seien alle verheiratet und
nach eigenen Angaben einige Jahre älter als er, und es sei davon auszu-
gehen, dass er bei einer Rückkehr notfalls von diesen unterstützt werden
könnte. Bereits im Zusammenhang mit der Ausreise habe er auf die Unter-
stützung der Familie zählen können. Weiter habe er einen Bruder in der
Schweiz, der über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge. Es bestünden so-
mit keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
in eine existentielle Notlage geraten würde. Somit erweise sich der Vollzug
der Wegweisung sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als
zumutbar. Er sei zudem technisch möglich und praktisch durchführbar.
10.2.2 In der Beschwerde wird entgegnet, es habe sich gezeigt, dass der
Beschwerdeführer sein gesamtes Leben in der Nordprovinz verbracht
habe. Das Vanni-Gebiet sei immer noch stark militarisiert. Zudem würden
D-5478/2020
Seite 18
ihm unmenschliche Behandlungen drohen, da er nach wie vor von der
EPDP gesucht werde. Es habe sich durch die Verfolgung vor der Flucht
gezeigt, dass die EPDP gewillt sei, ihm Gewalt anzutun. Es sei davon aus-
zugehen, dass ihm bei einer Rückschaffung ähnliches drohe. Sodann sei
angesichts der Corona-Pandemie in Sri Lanka von einer medizinischen
Notlage auszugehen. Es sei damit zu rechnen, dass er bei einer Anste-
ckung in Sri Lanka keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung er-
halten würde. Damit müsse festgestellt werden, dass sein Leben bei einer
Rückschaffung in Gefahr oder zumindest von einer medizinischen Notlage
auszugehen sei. Der Vollzug sei deshalb als unzumutbar zu qualifizieren.
Zudem sei der Vollzug unmöglich, da der Flugverkehr global eingeschränkt
und für gewisse Destinationen komplett eingestellt worden sei. Auch seien
Grenzen geschlossen beziehungsweise die Ein- und Ausreise stark regu-
liert und kontrolliert worden. Es sei nicht einmal in den Grundzügen abseh-
bar, inwiefern sich diese Situation entspannen oder verschärfen werde. An-
gesichts der Situation sei von Letzterem auszugehen.
10.3
10.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
10.3.3 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
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Seite 19
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.3.4 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen
weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig
erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 12.2 f.). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt festgestellt, dass nicht
generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen
Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten
ergeben sich – dies unter Verweis auf die Ausführungen in Erwägung 8 –
keine konkreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Mass-
nahmen zu befürchten, die über einen sogenannten "Backgroundcheck"
(Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinaus-
gehen würden oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Voll-
zug der Wegweisung ist zulässig.
10.4
10.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In einem als Refe-
renzurteil publizierten Entscheid erachtet das Bundesverwaltungsgericht
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Seite 20
auch den Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet" als zumutbar (vgl. Urteil
des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Diese Einschät-
zung gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation.
10.4.3 In Bezug auf die generellen und individuellen Zumutbarkeitskriterien
bringt der Beschwerdeführer nichts vor, das geeignet wäre, die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz umzustossen, auf die zur Vermeidung
von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden kann. Bezüglich der
sich derzeit in zahlreichen Ländern ausbreitenden Corona-Pandemie ist
festzuhalten, dass in Sri Lanka gemäss öffentlich zugänglichen Quellen der
erste Fall einer Covid-19-Erkrankung Ende Januar 2020 und somit rund
einen Monat, bevor in der Schweiz der erste Fall gemeldet wurde, diagnos-
tiziert wurde. Die Krankheit hat sich in Sri Lanka weit weniger als in der
Schweiz ausgebreitet, wobei unter Hinweis auf die Dunkelziffer in beiden
Ländern nicht alle Fälle bekannt sein dürften. Jedenfalls führt die Tatsache,
dass auch Sri Lanka von Covid-19-Erkrankungen betroffen ist, nicht bereits
zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Urteil
des BVGer E-319/2019 vom 11. November 2020 E. 8.3.5). Insbesondere
bestehen keine Hinweise darauf, dass die medizinische Versorgung in Sri
Lanka im Falle einer Covid-19-Erkrankung nicht gewährleistet wäre (vgl.
etwa Ministry of Health, Epidemiology Unit, http://epid.gov.lk/web/in-
dex.php?lang=en; Health Promotion Bureau, https://hpb.health.gov.lk/en/
covid-19). Der Vollzug der Wegweisung ist somit nicht unzumutbar.
10.5
Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12). Der Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung steht
auch die Corona-Pandemie nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich –
wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rah-
men der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu
tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Wegweisung der Si-
tuation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d
und e sowie statt vieler Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020
E. 8.9). Der Vollzug der Wegweisung ist daher auch als möglich zu be-
zeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
http://epid.gov.lk/web/index.php?lang=en http://epid.gov.lk/web/index.php?lang=en https://hpb.health.gov.lk/en/%20covid-19 https://hpb.health.gov.lk/en/%20covid-19
D-5478/2020
Seite 21
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit auf diese einzutreten ist.
12.
12.1 Angesichts des vorliegenden direkten Entscheids in der Hauptsache
ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
gegenstandslos geworden.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch die
Beschwerdebegehren nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet
werden konnten und aufgrund der eingereichten Unterstützungsbestäti-
gung von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszuge-
hen ist, ist das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen. Somit sind dem Beschwer-
deführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG).
12.3 Damit sind auch die Voraussetzungen für eine amtliche Rechtsverbei-
ständung erfüllt und das entsprechende Gesuch ist unter Beiordnung der
rubrizierten Rechtsvertreterin gutzuheissen (vgl. Art. 102m Abs. 1 AsylG).
MLaw Cora Dubach ist demnach ein amtliches Honorar für ihre notwendi-
gen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die mit der Be-
schwerde eingereichte Kostennote weist einen zeitlichen Vertretungsauf-
wand von insgesamt 16.5 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 150.–
sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 124.20 (Fr. 120.– Dolmetscherkosten,
Fr. 4.20 Portospesen) aus. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand für die
Erstellung der Beschwerde von 11 Stunden erscheint als zu hoch, zumal
die Ausführungen zur Flüchtlingseigenschaft und zum Wegweisungsvoll-
zug weitgehend aus diversen Textbausteinen bestehen. Zudem ist nicht
ersichtlich, inwiefern vorliegend ein Aktenstudium und weitere juristische
und länderspezifische Abklärungen im Umfang von vier Stunden notwendig
gewesen wären. Der Aufwand ist daher entsprechend zu kürzen und es ist
von einem notwendigen Aufwand von insgesamt 12 Stunden auszugehen.
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In der Kostennote nicht enthalten ist der für die Nachreichung der Fürsor-
gebestätigung vom 19. November 2020 getätigte Aufwand, welcher von
Amtes wegen auf 0.3 Stunden zu veranschlagen ist. Der gesamte Aufwand
beläuft sich demnach auf 12.3 Stunden, die Auslagen erhöhen sich auf
Fr. 126.60.–. Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden nicht-
anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von
Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Der – nicht mehrwertsteuerpflichtigen – amtlichen Rechtsvertreterin ist da-
her zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von gerundet
Fr. 1975.– (inkl. Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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