Decision ID: add79ba4-1fc0-5d37-b8e9-c0d47a264150
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law
Law Sub-area: Oeffentliches Bau-, Raumplanungs- und Umweltrecht
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner 1 und 2 (nachfolgend: Beschwerdegegnerschaft) reichten bei
der Gemeinde Ostermundigen ein Baugesuch ein für den Abbruch des bestehenden
Wohnhauses und der bestehenden Nebenbauten und für den Neubau eines Wohnhauses
mit fünf Wohneinheiten und Carport auf Parzelle Ostermundigen Grundbuchblatt
Nr. H._. Die Parzelle liegt einerseits in der Wohnzone 2 (W2) und andererseits in
der Grünzone. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführerin 2
und der Beschwerdeführer 1 (nachfolgend: Beschwerdeführende) Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 24. Januar 2019 erteilte die Gemeinde Ostermundigen die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 20. Februar 2019 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie stellen folgende
Rechtsbegehren:
"1. Der Gesamtbauentscheid der Hochbaukommission Ostermundigen vom
24. Januar 2019 sei aufzuheben;
2. Das Baugesuch sei zur Bereinigung und Neuauflage sowie Wiederholung
der Publikation zurückzuweisen;
3. Eventualiter sei der Bauabschlag zu erteilen"
Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht geltend, dass die
Beschwerdegegnerschaft im Verlauf des Verfahrens den Spielplatz umpositioniert habe.
Diese Projektänderung hätte publiziert, bzw. mindestens den betroffenen
Verfahrensbeteiligten mitgeteilt werden müssen, was nicht erfolgt sei. Zudem sei die
«Baugesellschaft I._» keine juristische Person. Als einfache Gesellschaft sei sie
weder im Baugesuchs- noch im vorliegenden Beschwerdeverfahren partei- und
prozessfähig. Die beiden Beschwerdegegner hätten das Baugesuch oder eine Vollmacht
unterzeichnen müssen. Aus diesen Gründen beantragen die Beschwerdeführenden die
Neuauflage sowie die Wiederholung der Publikation. In materieller Hinsicht rügen sie unter
anderem die Nichteinhaltung der Sichtweiten ab Ausfahrt Carport/Besucherparkplatz, die
Grenzabstände und Gebäudeabmessungen (Gebäudehöhe), die Aufenthalts- und
RA Nr. 110/2019/31 Seite 3 von 35
Spielbereiche bzw. Umgebungsgestaltung sowie die Erteilung der Ausnahmebewilligung
für den Abstellplatz und den Carport. Zudem fehlten Angaben zur Wärmepumpe.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Ostermundigen
beantragt mit Eingabe vom 26. März 2019 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der Vollständigkeit halber weist sie darauf hin,
dass der Beschwerdeführer 1 Mitglied und Vizepräsident der Hochbaukommission der
Gemeinde Ostermundigen sei. Anlässlich der Sitzung, an der über das umstrittene
Vorhaben beraten worden sei, sei er nicht anwesend gewesen. Die
Beschwerdegegnerschaft beantragt mit Beschwerdeantwort vom 1. April 2019 ebenfalls die
Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Das Rechtsamt holte beim TBA OIK II einen Fachbericht zur Erschliessungssituation und
Verkehrssicherheit ein. Zudem wurde die Beschwerdegegnerschaft aufgefordert, beim
zuständigen Nachführungsgeometer eine Aufnahme des Terrains auf Parzelle
Nr. H._ im Bereich des Gebäudegrundrisses einzuholen, den Verlauf der Falllinie
durch den Gebäudeschwerpunkt zu ermitteln und im Plan darzustellen sowie die
Hangneigung zu berechnen. Diese Unterlagen wurden am 11. Juni 2019 eingereicht. Da
diese nach Einschätzung des Rechtsamtes bezüglich Aufnahme des Terrains den
Anforderungen nicht vollumfänglich genügten, erhielt die Beschwerdegegnerschaft
Gelegenheit, den Nachweis verbessert einzureichen, was mit Eingabe vom 17. Juli 2019
erfolgte. Die Parteien erhielten anschliessend Gelegenheit, sich zum Fachbericht und zur
Aufnahme des Terrains zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen.
4. Auf die Rechtsschriften, den Fachbericht und die Unterlagen betreffend Aufnahme
des Terrains wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 4 von 35

Considerations:
II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Mangelnde Partei- und Prozessfähigkeit
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die «Baugesellschaft G._», die
aus den beiden Beschwerdegegnern besteht, sei als einfache Gesellschaft keine
juristische Person und somit weder im Baugesuchs- noch im Beschwerdeverfahren partei-
und prozessfähig. Die beiden Beschwerdegegner hätten das Baugesuch oder eine
Vollmacht unterzeichnen müssen. Der angefochtene Entscheid sei bereits deshalb
aufzuheben.
b) Die Beschwerdegegnerschaft verweist auf die Vollmacht, die sie der
Projektverfasserin als Bauherrenvertretung erteilt habe. Der Gesamtentscheid sei zwar
lediglich der «Baugesellschaft G._» eröffnet worden und ohne den Hinweis, dass
diese aus den beiden Beschwerdegegnern bestehe. Diese unvollständige
Parteibezeichnung im Gesamtentscheid schade der Prozessfähigkeit der
Beschwerdegegnerschaft jedoch nicht.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 5 von 35
Nach Auffassung der Gemeinde wurde das Baugesuch durch die Bauherrschaft
formgerecht eingereicht. Es sei hinfällig, welche Rechtsform die «Baugesellschaft
G._» aufweise, da sie durch die J._ AG als Projektverfasserin
rechtsgenüglich vertreten worden sei.4
c) Laut Art. 10 Abs. 2 BewD5 ist für das Baugesuch das amtliche Formular zu
verwenden und dieses ist von der Bauherrschaft, von den Projektverfassenden und bei
Bauten auf fremdem Grund auch von der Grundeigentümerin oder dem Grundeigentümer
zu unterzeichnen.6 Vorliegend ist kein Bauen auf fremdem Grund gegeben, weshalb die
Unterschrift der Grundeigentümer nicht erforderlich war. Im Verwaltungsverfahren ist
zudem die Vertretung durch Nichtanwälte zugelassen, soweit nicht persönliches Handeln
oder Erscheinen notwendig ist (was im Baubewilligungsverfahren nicht verlangt wird). Die
Stellvertretung ist im Baubewilligungsverfahren gestützt auf Art. 15 Abs. 1 VRPG7
zulässig.8 Nötig ist eine schriftliche Vollmacht.
Gemäss den Vorakten hat die Beschwerdegegnerschaft der J._ AG, vertreten
durch K._, als Projektverfasserin mit Datum vom 6. Januar 2018 eine Vollmacht
für das Vorhaben am G._ "in allen Teilen des Baugesuchs" erteilt.9 Das
Baugesuch bzw. die amtlichen Formulare wurden folglich (nur) durch die
Vollmachtnehmerin unterzeichnet.10 Während der Situationsplan und der Plan «Nachweis
der Raumhöhe» durch die bevollmächtigte Projektverfasserin unterzeichnet wurden,
weisen die weiteren Pläne, umfassend «Fassaden», «Grundrisse / Kanalisation / Wasser»
sowie den «Umgebungsplan»11, sowohl die Unterschrift der Vollmachtnehmerin, bzw. von
K._ als auch des Beschwerdegegners 1 auf. Die massgeblichen Formvorschriften
sind somit eingehalten.
4 Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Ziff. II. 5, Akten der BVE, pag. 43 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 10 ff. 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 15 N. 1 9 Vgl. Vollmacht vom 6. Januar 2018, Vorakten der Gemeinde, BK-Nr. 363/2018-005 (nachfolgend: Vorakten), Reiter 1, pag. 14 10 Vgl. Formular 1.0, Vorakten, Reiter 1, pag. 12 sowie pag. 30 ff. 11 Vgl. bewilligte Projektpläne, Vorakten, Reiter 6
RA Nr. 110/2019/31 Seite 6 von 35
d) Der angefochtene Gesamtentscheid wurde der «Baugesellschaft G._»,
vertreten durch die Projektverfasserin, eröffnet, was entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführenden nicht zu beanstanden ist. Einzig das Rubrum des angefochtenen
Entscheids ist insofern fehlerhaft, als es die beiden Gesellschafter der «Baugesellschaft
G._» nicht namentlich aufführt. Dieser Fehler wiegt jedoch nicht besonders schwer
und ist verbesserungsfähig.12 Die beiden Beschwerdegegner werden als Gesellschafter der
«Baugesellschaft G._» im vorliegenden Rubrum aufgeführt. Ein Kassationsgrund
liegt damit keiner vor.
e) Im Beschwerdeverfahren sind einfache Gesellschaften nicht prozess- bzw.
parteifähig.13 Die Vertretung durch einen Nichtanwalt ist nach Art. 15 Abs. 4 VRPG im
Verwaltungsjustizverfahren ausgeschlossen. Im Verfahren vor der BVE wird die
Baugesellschaft bestehend aus den genannten Beschwerdegegnern 1 und 2 nicht mehr
durch die Projektverfasserin, sondern durch einen Anwalt vertreten. Dieser ist zur
Parteivertretung befugt (Art. 15 Abs. 4 VRPG).
f) Zusammenfassend erweisen sich die Rügen hinsichtlich fehlender Partei- und
Prozessfähigkeit der Beschwerdegegnerschaft als unbegründet.
3. Umgebungsgestaltung / Projektänderung / rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht geltend, dass die
Beschwerdegegnerschaft im Verlauf des Baubewilligungsverfahrens den Spielplatz von der
südöstlichen auf die nordöstliche Seite der Bauparzelle verlegt habe. Diese
Projektänderung sei zumindest den Verfahrensbeteiligten mitzuteilen, was nicht erfolgt sei.
Die Beschwerdegegnerschaft legt dar, dass sich ihrer Kenntnis entziehe, wann die
Beschwerdeführenden über diese Anpassung informiert worden seien. Letztere hätten
jedoch offensichtlich Kenntnis vom neuen Standort des Spielplatzes genommen und sich in
der vorliegend zu beurteilenden Eingabe dazu äussern können. Eine Gehörsverletzung
werde durch Prüfung der Rüge geheilt.
12 Vgl. VGE 2010/90 vom 1. November 2010, E. 8.3, mit weiteren Hinweisen 13 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 11 N. 1 bzw. 7
RA Nr. 110/2019/31 Seite 7 von 35
b) Die öffentlich aufgelegten Pläne (2. März 2018 bis 3. April 2018 bzw. 19. September
bis 19. Oktober 2018) werden gemäss den Vorakten als "ungültige Projektpläne"
bezeichnet.14 Der aufgelegte Umgebungsgestaltungsplan sah eine "Zone für
Aufenthaltsbereich und Kinderspielplatz" auf der Südostseite der Bauparzelle vor. Gemäss
dem bewilligten Umgebungsgestaltungsplan vom 12. Dezember 2018 liegt die Spielfläche
auf der Nordostseite der Bauparzelle; am ursprünglichen Standort ist nun eine Naturwiese
vorgesehen.15
c) Laut Art. 43 BewD kann die Baugesuchstellerin oder der Baugesuchsteller während
eines Baubewilligungsverfahrens eine Projektänderung einreichen. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt (Abs. 1). Erfolgt die
Projektänderung im Gesuchsverfahren, kann die Baubewilligungsbehörde nach Anhörung
der Beteiligten und der von der Projektänderung berührten Dritten das Verfahren ohne
erneute Veröffentlichung fortsetzen bzw. die Änderung des bewilligten Projekts ohne neues
Baugesuchsverfahren gestatten, wenn öffentliche oder wesentliche nachbarliche
Interessen nicht zusätzlich betroffen sind (Abs. 2).
d) Die nach der öffentlichen Auflage vorgenommene Verlegung der Spielfläche stellt
unbestrittenermassen eine Projektänderung gemäss Art. 43 Abs. 1 BewD dar, da das
Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt. Aus den Baugesuchsakten ergibt sich
nicht, dass die Gemeinde den Beschwerdeführenden als Verfahrensbeteiligten dazu das
rechtliche Gehör gewährt hätte. Die Rüge der Beschwerdeführenden, wonach ihnen keine
Gelegenheit zur Stellungnahme zur Projektänderung eingeräumt worden ist, trifft daher zu.
Damit verletzte die Gemeinde das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden.
Offensichtlich haben die Beschwerdeführenden aber vor Beschwerdeeinreichung Kenntnis
von den bewilligten Plänen erhalten, haben sie doch Fotografien davon als Beilagen zur
Beschwerde eingereicht.
e) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG bzw. Art. 29 Abs. 2 BV16
ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt deshalb
grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann
aber dann geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die
14 Vgl. Vorakten, Reiter 7 15 Vgl. Vorakten, Reiter 6 16 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 8 von 35
Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst.
Bei besonders schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung
jedoch eine Heilung grundsätzlich aus.17 Vorliegend liegt keine besonders schwerwiegende
Verletzung vor. Zudem hatten die Beschwerdeführenden nachweislich Kenntnis vom
geänderten Umgebungsgestaltungsplan und dem neuen Standort des Spielplatzes und
konnten sich in ihrer Beschwerde mit einer hinreichenden Begründung damit
auseinandersetzen. Als erste Rechtsmittelinstanz kann die BVE Bauvorhaben frei prüfen
(Art. 40 Abs. 3 BauG). Damit konnten die Beschwerdeführenden ihre Rechte im
Beschwerdeverfahren umfassend wahrnehmen. Die Gehörsverletzung wiegt auch nicht
derart schwer, dass eine Heilung des Verfahrensmangels ausgeschlossen wäre. Die
Heilung des rechtlichen Gehörs ist aber bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen18 (vgl.
E. 15).
4. Grenzabstand
a) Das Bauvorhaben umfasst die Erstellung eines Wohnhauses mit fünf Wohneinheiten.
Dabei handelt es sich um drei 2- bzw. 21⁄2-Zimmer-Wohnungen und zwei 31⁄2-Zimmer-
Wohnungen.19 Das Gebäude weist zwei Vollgeschosse und ein ausgebautes
Dachgeschoss auf. Der gestaffelte Baukörper wird in zwei Gebäudeteile gegliedert.
Während der grössere Baukörper auf der Nordwestseite der Parzelle ein Satteldach
aufweist, ist der kleinere, hangseitig bzw. südöstlich gelegene Gebäudeteil mit einem
Flachdach ausgestattet. Der nördliche Baukörper weist eine Länge von 12,00 m auf, der
südliche eine solche von 6,40 m; die Gesamtlänge beträgt somit ab Plan 18,40 m.
b) Gemäss Art. 34 GBR20 müssen gegenüber Nachbargrundstücken mindestens die in
Art. 86 GBR festgesetzten Grenzabstände einschliesslich allfälliger Mehrlängenzuschläge
eingehalten werden. Mit Grenzabstand ist gemäss Art. 35 GBR die "kürzeste, waagrecht
gemessene Entfernung zwischen der Gebäudefassade und der Grundstücksgrenze"
gemeint (Abs. 1). "In den Wohnzonen und den Wohn- und Gewerbezonen ist zusätzlich der
17 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 18 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9 19 Vgl. Baugesuch Formular 1.0, Vorakten, Reiter 1, pag. 12 20 Baureglement der Gemeinde Ostermundigen vom 12. Juni 1994 (genehmigt vom AGR am 17. März 1995) mit Änderungen bis und mit 4. April 2017 (genehmigt vom AGR am 23. Oktober 2017)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 9 von 35
in Art. 86 Abs. 4c festgelegte Mehrlängenzuschlag zu berücksichtigen" (Abs. 3). Laut
Art. 86 Abs. 1 und Abs. 4 Bst. c beträgt der Grenzabstand in der Wohnzone W2 5,00 m
zuzüglich eines Mehrlängenzuschlags von 1⁄4 der Mehrlänge bei Gebäuden über 12,00 m
Länge. Dabei sind gemäss Anhang III des GBR die zeichnerischen Darstellungen zum
Baureglement zu beachten; für gestaffelte Gebäude gelten die Vorgaben gemäss Skizze 1.
Diese zeigt Folgendes: Ist derjenige Gebäudeteil, der über der Gebäudelänge von
12,00 liegt, zurückversetzt, gilt der Mehrlängenzuschlag nur für diesen Gebäudeteil; bei
fehlender Staffelung gilt der Mehrlängenzuschlag für die gesamte Gebäudelänge. Das
Gebäude weist eine Gesamtlänge von über 12,00 m auf, weshalb der Mehrlängenzuschlag
gemäss Art. 86 GBR zur Anwendung kommt. Der Mehrlängenzuschlag beträgt vorliegend
1,60 m (18,40 - 12 = 6,40 : 4 = 1,60). Bei einem einzuhaltenden Grenzabstand von 5,00 m
und dem errechneten Mehrlängenzuschlag gilt ein Grenzabstand von 6,60 m. Da das
Bauvorhaben gestaffelt ist und der hintere, südöstlich gelegene Teil vom vorderen, 12,00 m
langen Teil zurückversetzt ist, kommt der Mehrlängenzuschlag nur beim südöstlichen Teil
zur Anwendung. Dieser hat somit gegenüber der Parzelle Nr. M._ der
Beschwerdeführenden einen Grenzabstand von 6,60 m einzuhalten.
c) Nach Auffassung der Beschwerdeführenden verletzt der südöstliche Gebäudeteil den
geforderten Grenzabstand von 6,60 m zu ihrer Parzelle, was aus dem Situationsplan
ersichtlich sei. Die Grundstückgrenzen würden nicht parallel zueinander verlaufen; das
Grundstück werde zur "hinteren, südöstlichen Seite (Richtung Grünzone) schmaler".21 Der
Grenzabstand sei im Übrigen nicht nur anhand des vermassten Plans festzustellen. Die
Beschwerdeinstanz habe von Amtes wegen einen Geometer zu beauftragen, "die
Einhaltung der Abstände ab der Grenze zur Profilierung vor Ort zu überprüfen".22
d) Laut Beschwerdegegnerschaft ist diese Rüge unbegründet. Die mit dem Baugesuch
eingereichten Pläne stützten sich auf die Angaben des Geometers und seien vermasst.
Daraus gehe hervor, dass der erforderliche Grenzabstand von 5,00 m zuzüglich Mehrlän-
genzuschlag überall eingehalten sei. Das entsprechende Schnurgerüst sei durch den Geo-
meter abgenommen worden. Im Übrigen seien auch der Mehrlängenzuschlag von 1,60 m
und damit der einzuhaltende Grenzabstand von 6.60 m unbestritten. Wie den Plänen ent-
nommen werden könne, sei der hintere, südöstliche Teil der Liegenschaft "exakt um die
erforderlichen 1,60 m zurückversetzt". Die Grenzabstände seien damit eingehalten.
21 Vgl. Beschwerdeschrift, Bst. C, Rz. 30 ff. 22 Beschwerdeschrift, a.a.O., Rz. 33
RA Nr. 110/2019/31 Seite 10 von 35
e) Gemäss den bewilligten Plänen ist ein Abstand von 6,60 m zwischen dem
südöstlichen Gebäudeteilt und der Parzellengrenze eingetragen. Diese Vermassung ist
massgebend: Die Bauherrschaft hat das Vorhaben entsprechend auszuführen. Nicht
massgebend ist, ob die Abstände zwischen der Parzellengrenze und der Profilierung ganz
exakt stimmen. Die Einhaltung der Abstände ist anhand der Vermassung in den Plänen
und nicht nach den Profilen zu prüfen. Aus diesem Grund ist die Einholung eines
Geometergutachtens nicht nötig (vgl. E. 13). Die Rüge hinsichtlich Nichteinhaltung der
Grenzabstände erweist sich somit als unbegründet.
5. Gebäudehöhe
a) Gemäss Art. 86 GBR gilt für Vorhaben in der Zone W2 eine einzuhaltende
Fassadenhöhe von 7,00 m. Die Fassadenhöhe wird gemäss Art. 44 Abs. 1 GBR "in der
Fassadenmitte gemessen, und zwar vom gewachsenen Boden oder dem abgegrabenen
Terrain bis zur Schnittlinie der Fassadenflucht mit der Oberkante des Dachsparrens, bei
Flachdächern bis oberkant offene oder geschlossene Brüstung". Grundsätzlich darf die
Gebäudehöhe auf keiner Gebäudeseite überschritten werden (vgl. Art. 44 Abs. 3 GBR).
Für Bauten am Hang gestattet das Baureglement überall eine Mehrhöhe von 1,00 m, mit
Ausnahme der bergseitigen Fassade. Für den Hangzuschlag massgeblich ist die Neigung
des gewachsenen Bodens, die "in der Falllinie gemessen innerhalb des
Gebäudegrundrisses wenigstens 10 % beträgt" (vgl. Art. 44 Abs. 4 GBR). Da die
Gemeinde Ostermundigen die Bestimmungen der BMBV23 noch nicht umgesetzt hat, ist
altArt. 97 BauV24 weiterhin massgebend (Art. 34 Abs. 1 und Abs. 2 BMBV). Gemäss dieser
Vorschrift gilt als gewachsener Boden das Terrain, wie es vor Baubeginn besteht, sofern
nicht ein Fall von Abs. 2 oder Abs. 3 vorliegt. Die Gemeinde gelangte im angefochtenen
Entscheid zum Schluss, dass die Hangneigung innerhalb des Gebäudegrundrisses grösser
als 10 % sei, weshalb bei der Fassadenhöhe die Mehrhöhe von 1,00 m gemäss Art. 44
Abs. 4 GBR beansprucht werden könne. Die maximale Fassadenhöhe betrage demnach
8,00 m (7,00 m plus 1,00 m).25
23 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen (BMBV; BSG 721.3) 24 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 25 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.5 bzw. Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Bst. D, S. 4/6, Akten der BVE, pag. 45
RA Nr. 110/2019/31 Seite 11 von 35
b) Die Beschwerdeführenden sind der Auffassung, dass vorliegend kein Hangzuschlag
beansprucht werden könne. Die Gemeinde gehe zu Unrecht von einer Hangneigung von
nachweislich grösser als 10 % aus. Dies sei weder begründet noch belegt. Das Gefälle
befinde sich nur im hinteren Teil des Grundstücks, wo das Gebäude nicht zu stehen
komme. Unter dem Gebäude sei das Terrain flach. Es sei ein Geometergutachten
anzuordnen.26
c) Die Beschwerdegegnerschaft weist in ihrer Beschwerdeantwort darauf hin, dass der
Beschwerdegegner 1 das Terrain fachgerecht ausgemessen habe. Daraus ergebe sich,
dass das Terrain gegen Süd-Westen (recte: Süd-Osten) massiv ansteige, dass aber das
gesamte Terrain eine Neigung aufweise. Aus den Messungen ergebe sich auch, dass die
Hangneigung innerhalb des Gebäudegrundrisses grösser als 10 % sei. Aufgrund dieser
Messungen sei das gewachsene Terrain in den Plänen eingezeichnet worden.27
d) Eine Falllinie entspricht der Linie, der ein Wassertropfen bei Vernachlässigung der
Trägheit hangabwärts folgen würde. Die Falllinie folgt jeweils der Richtung des grössten
Gefälles und schneidet die Höhenlinien stets rechtwinklig. An einem Hang existieren
unendlich viele Falllinien.28 Die in Art. 44 Abs. 4 GBR enthaltene Formulierung "Neigung
des gewachsenen Bodens, die in der Falllinie gemessen innerhalb des
Gebäudegrundrisses 10 % beträgt" enthält keine Konkretisierung, welche Falllinie
innerhalb des Gebäudegrundrisses für die Bestimmung der Hangneigung massgebend ist.
Es handelt sich aber um eine Formulierung, die nicht nur im Baureglement der Gemeinde
Ostermundigen enthalten ist. Sie entspricht im Grundsatz Art. 18 NBRD29 sowie der
Formulierung in Art. 212 Abs. 5 des Musterbaureglements30 des AGR und ist in den
Reglementen vieler Gemeinden enthalten. Gemäss Praxis der BVE ist bei der Ermittlung
der Hangneigung gemäss der genannten Formulierung die durch den Schwerpunkt des
Gebäudegrundrisses verlaufende Falllinie massgebend.31
26 Beschwerdeschrift, Bst. D, Rz. 36 ff. 27 Beschwerdeantwort vom 1. April 2019, Ziff. 6, Akten der BVE, pag. 54/55 sowie Beilage 5 28 Vgl. BVE RA Nr. 110 2017 126 vom 6. August 2018, E. 3a bestätigt durch VGE 2018/300 vom 19. Juli 2019. Vgl. auch BVE RA Nr. 110 2019 1 vom 1. April 2019, E. 3d 29 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 30 Abrufbar unter www.jgk.be.ch, Rubriken Raumplanung / Arbeitshilfen / Musterbaureglement 31 Vgl. Verfahren RA Nr. 110 2017 126 vom 6. August 2018, E. 3e bestätigt durch VGE 2018/300 vom 19. Juli 2019. Vgl. auch BVE RA Nr. 110 2019 1 vom 1. April 2019, E. 3d
http://www.jgk.be.ch
RA Nr. 110/2019/31 Seite 12 von 35
Da Falllinien die Höhenlinien stets rechtwinklig schneiden, ist die zur Bestimmung der
Hangneigung im Gebäudegrundriss massgebende Falllinie wie folgt zu ermitteln: Auf
einem Plan mit Höhenlinien sind ausgehend vom Schwerpunkt des Gebäudegrundrisses
Linien hangaufwärts und hangabwärts jeweils rechtwinklig auf die nächste Höhenlinie
einzutragen und von dort weiterführend jeweils rechtwinklig auf die nächsten Höhenlinien,
bis die Gebäudelinien geschnitten werden. Zur Berechnung der Hangneigung ist
anschliessend für alle so eingetragenen Abschnitte zwischen den einzelnen Höhenlinien
das Gefälle zu bestimmen. Schliesslich ist aus diesen Gefällen ein unter Berücksichtigung
des Verhältnisses der Distanzen der Teilabschnitte zur Gesamtdistanz gewichtetes Mittel
zu berechnen. Diese Vorgehensweise führt zur genauesten Bestimmung der Hangneigung.
In der Praxis wird allerdings oft eine vereinfachte Variante angewendet. Bei dieser wird die
Falllinie wie geschildert eingezeichnet, anschliessend werden die zwei Schnittpunkte dieser
Falllinie mit den Gebäudelinien mit einer geraden Linie verbunden und die Hangneigung
anhand der Höhendifferenz der Schnittpunkte und der Distanz zwischen den
Schnittpunkten berechnet.32
e) Gemäss den Plänen weist die bergseitige Fassade eine Fassadenhöhe von 6,49 m
auf, die übrigen Fassadenhöhen betragen zwischen 7,42 und 7,50 m. Die gemäss GBR
zulässige Höhe ist überall eingehalten, wenn der Hangzuschlag zur Anwendung gelangt.
Die Bauherrschaft hat die Falllinie entlang der Fassaden und im Längsschnitt
eingezeichnet, was nicht der Falllinie im Schwerpunkt des Gebäudegrundrisses entspricht.
f) Zur Frage, ob die Vorgaben des GBR, wonach die Falllinie innerhalb des
Gebäudegrundrisses massgebend ist, eingehalten sind, musste die
Beschwerdegegnerschaft im Beschwerdeverfahren vor der BVE den Nachweis des
Nachführungsgeometers erbringen. Mit Eingabe vom 7. Juni 2019 bzw. 17. Juli 2019
reichte sie die Unterlagen zur Aufnahme des Terrains des zuständigen
Nachführungsgeometers (L._) ein. Die Beschwerdeführenden stellten in ihrer
Stellungnahme die Messungen des Nachführungsgeometers auf Grund der fehlenden
Genauigkeit in Frage. Bei knappen Ergebnissen wie vorliegend sei die Genauigkeit
entscheidend.33 Der Hangzuschlag ist somit weiterhin bestritten.
32 Vgl. BVE RA Nr. 110 2017 126 vom 6. August 2018, E. 3e bestätigt durch VGE 2018/300 vom 19. Juli 2019. Vgl. auch BVE RA Nr. 110 2019 1 vom 1. April 2019, E. 3d 33 Vgl. Schlussbemerkungen vom 2. September 2019, Bst. F, S. 9
RA Nr. 110/2019/31 Seite 13 von 35
g) Die L._ als für die Gemeinde Ostermundigen zuständiger
Nachführungsgeometer hat ihren Aufnahmen und Berechnungen den von der
Beschwerdegegnerschaft angegebenen Gebäudegrundriss zu Grunde gelegt (bestehende
Bauten und neues Gebäude). Die Darstellung ist grundsätzlich korrekt (Mst. 1:100 ist leicht
verkleinert dargestellt) und es ist entgegen den Darlegungen der Beschwerdeführenden
nicht zu beanstanden, dass das gestaffelte Gebäude nicht als ein Gebäudekörper, sondern
als "proj. Gebäude 1" und "proj. Gebäude 2" bezeichnet wird. Gemäss dem eingereichten
«Terrainmodell» hat die L._ eine grössere Anzahl von Terrainpunkten
aufgenommen. Im Modell wurden die Höhenlinien eingetragen; die Äquidistanz beträgt
50 cm, teilweise weniger. Schliesslich wurde die Falllinie durch den Schwerpunkt des
Gebäudes ermittelt. Wie aus dem «Profil»34 ersichtlich, hat die L._ in einer Tabelle
die einzelnen Teilabschnitte mit ihren Gefällen sowie der anhand der Länge der Abschnitte
ermittelten Gewichtung aufgelistet. Sie kommt zum Schluss, dass vorliegend das Gefälle
bei der Berechnung der Falllinie gewichtet auf die Teilabschnitte (ausgehend von einer
Gebäudelänge von 18,60 m) abgerundet 12 % ergibt. Ohne Rundung ergibt sich aus der
Berechnungstabelle eine Hangneigung von 12,3 %.35
Selbst bei Berücksichtigung der von den Beschwerdeführenden zu Recht geltend
gemachten richtigen Gebäudelänge – diese beträgt 18,40 m und nicht 18,60 m wie vom
Geometer eingetragen –, ist vorliegend von der Einhaltung der geforderten Hangneigung
auszugehen: Würde die Gebäudelänge gemäss dem «Profil» auf der nordwestlichen und
flachen Seite innerhalb des Gebäudegrundrisses um 0,20 m gekürzt, so würde die
Hangneigung mehr als 12,3 % betragen. Würde die Gebäudelänge hingegen auf der
steilen, südöstlichen Seite um 0,20 m korrigiert, so führte dies zu einer Verringerung der
Hangneigung, dies allerdings nur minimal: Der fragliche Abschnitt weist ohne Korrektur ein
Gewicht von "0,06" auf "1" auf; die erwähnte Korrektur der Gebäudelänge um 0,20 m
würde eine Gewichtung von "0,05" ergeben (Distanz 0.97 m statt 1.17; 0.97 : 18.4).36 Dies
ergibt für diesen um 0.20 m reduzierten Abschnitt eine gewichtete Steigung von 2.1 statt
2.6. Daraus würde gesamthaft eine Hangneigung von 11,8 % statt 12,3 % resultieren. Dies
34 Vgl. «Profil L._» vom 10.7.2019 35 Vgl. «Terrainmodell» vom 10.07.2019 sowie «Profil» der L._vom 10.7.2019 (Aufnahme Terrainpunkte am 28.5.2019) mit Distanzen und gewichteter Steigung 36 Vgl. «Profil L._» vom 10.7.2019 mit Berechnungstabelle
RA Nr. 110/2019/31 Seite 14 von 35
liegt immer noch deutlich über 10 %. Damit ist die gemäss Art. 44 GBR geforderte
Hangneigung von 10 % auf jeden Fall eingehalten.
h) Bei diesem Ergebnis ist kein (weiteres) Geometergutachten erforderlich. Das
Bauvorhaben kann mit Ausnahme der Hangseite auf drei Seiten von einem Hangzuschlag
von 1,00 m profitieren. Die maximal zulässige Gebäudehöhe beträgt daher talseitig 8,00 m
und hangseitig 7,00 m. Das geplante Gebäude hält diese Höhen ein.
6. Erschliessung: Sichtweiten / Verkehrssicherheit
a) Die Beschwerdegegnerschaft will auf der Bauparzelle ein Wohnhaus mit fünf
Wohnungen erstellen. Dazu gehören im Vorland bzw. nordwestlich des Bauvorhabens ein
Carport mit drei Abstellplätzen sowie ein separater Aussenparkplatz für Besucher. Dieser
befindet sich nahe der Grenze zur Nachbarparzelle Nr. M._.37 Das Vorhaben wird
über den N._ erschlossen. Es ist umstritten, ob die Sichtweiten ab Carport und
Besucherparkplatz eingehalten sind. Nach Auffassung der Beschwerdeführenden sei dies
weder abgeklärt noch begründet worden. Die Platzverhältnisse auf dem Strässchen seien
sehr eng. Es gebe keine Wendemöglichkeiten. Die sicherheitsrelevanten Sichtdistanzen
vom Besucherparkplatz sowie vom Carport seien ungenügend. Die minimalen
Knotensichtweiten der einschlägigen VSS-Norm38 seien "derart krass" unterschritten, dass
die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet sei.39
Die Beschwerdegegnerschaft weist darauf hin, dass die Parzelle an einer Sackgasse liege
und hinter der Bauparzelle lediglich noch fünf weitere Liegenschaften lägen. Es sei von
einem absolut minimalen Verkehrsaufkommen von weniger als 10 Fahrzeugen am Tag
auszugehen. Die Sichtweiten seien eingehalten; dazu reichte die Beschwerdegegnerschaft
einen nicht unterzeichneten Sichtweitenplan als verkleinerte Kopie ein. Dieser beruht auf
Sichtweiten von 25 m. Gemäss Plan könnten parkierte Autos in den Sichtfeldern der
Abstellplätze stehen.40
37 Vgl. Umgebungsplan vom 12.12.2018, Vorakten, Reiter 6 38 Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) 39 Beschwerdeschrift, Bst. A, Rz. 17 bis 24 bzw. Bst. B, Rz. 29 40 Beschwerdeantwort vom 1. April 2019, Ziff. 2 sowie Beilage 4, Akten der BVE, pag. 52
RA Nr. 110/2019/31 Seite 15 von 35
b) In ihrem Entscheid vertritt die Gemeinde die Auffassung, dass vorliegend die
Sichtweiten gemäss VSS Norm eingehalten seien. Beim N._ handle es sich um
eine gemeindeeigene Strasse, die dem Gemeingebrauch gewidmet sei.41 Gemäss ihrer
Stellungnahme weist der N._ eine Durchfahrtsbreite von 5,00 m auf. Die
Mindestsichtweiten seien vorliegend basierend auf einem Temporegime von 30 km/h
bemessen worden.42
c) Grundstückzufahrten sind so zu gestalten, dass durch ein- und ausfahrende
Fahrzeuge die Sicherheit auf den öffentlichen Strassen nicht beeinträchtigt wird (vgl.
Art. 21 BauG sowie Art. 57 Abs. 1 und 2 BauV).43 Zur Beurteilung der Frage, ob ein
Strassenanschluss verkehrssicher ist, können die Normen des Schweizerischen Verbands
der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) als Entscheidungshilfe herangezogen werden.
Diese legen die Anforderungen fest, denen ein Strassenanschluss zu genügen hat. Es
handelt sich aber nicht um Rechtsnormen, sondern lediglich um Richtlinien, deren
Anwendung im Einzelfall vor den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, insbesondere vor dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit, standhalten muss. Sie dürfen daher nicht unbesehen
der konkreten Verhältnisse der Entscheidung zugrunde gelegt werden.44
Die Frage der Sichtfelder und der Verkehrssicherheit beurteilt sich nach der VSS-Norm SN
640 273a (Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene). Diese legt die Abmessungen der
Sichtfelder fest, die in Knoten vorhanden sein müssen, damit ein vortrittsbelastetes
Fahrzeug den vortrittsberechtigten Verkehr kreuzen oder in diesen einbiegen kann.
Anhand der Parameter Beobachtungsdistanz und Knotensichtweite wird ein Sichtfeld
definiert, das von allen Hindernissen freizuhalten ist. Die Sichtbedingungen müssen sowohl
in der Ebene als auch im Raum erfüllt sein. In der Regel genügt es aber, wenn das
Sichtfeld in einem Bereich zwischen 0,6 m und 3 m über dem Boden frei ist (Ziff. 10 VSS-
Norm). Die Beobachtungsdistanz beträgt innerorts 3 m ab Fahrbahnrand bzw. hinterem
Teil des Gehwegs (Ziff. 11 VSS-Norm). Die erforderliche Knotensichtweite ist abhängig von
der Zufahrtsgeschwindigkeit. In Bezug auf die Ausgestaltung von Parkplätzen ist zudem
41 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.2 Seite 6/22 42 Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Bst. A, S. 2/6, Akten der BVE, pag. 43 43 Vgl. VGE 2016/166 vom 3. Juli 2017, E. 3.3 ff. 44 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 21 N. 7; BGer 1C_430/2015 vom 15. April 2016 E. 3.2; 1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 3.3.3; VGE 2016/166 vom 3. Juli 2017 E. 3.3, 2015/306 vom 15. Juni 20016 E. 2.1
RA Nr. 110/2019/31 Seite 16 von 35
die entsprechende VSS-Norm SN 640 291a (Parkieren, Anordnung und Geometrie der
Parkierungsanlagen) zu beachten.
d) Das TBA OIK II beurteilte in seinem Fachbericht vom 4. Juni 2019 die Situation
zusammengefasst wie folgt: Der N._ sei eine kleine Quartiererschliessungsstrasse
ohne Trottoir, die rechtwinklig über eine Schwelle in den O._weg einmünde und
als Sackgasse signalisiert sei. Da keine Geschwindigkeitslimite signalisiert sei, gälten dort
"generell 50 km/h". Die tatsächliche Geschwindigkeit sei auf Grund des kurzen Stücks, der
rechtwinkligen Strassenführung und den blauen Parkfeldern "wohl sehr niedrig". Der
N._ werde wie ein Platz, oder wie ein grosser, wenig befahrener Parkplatz
genutzt. Wie auf einem öffentlichen Parkplatz (beispielsweise bei einem Einkaufszentrum)
stünden "Autos reihenweise senkrecht parkiert nebeneinander". Die gegenseitige
Sichtbehinderung mehrerer Fahrzeuge beim Manöver auf die Strasse werde durch
entsprechendes Verhalten entschärft. Über das hintere betroffene Wegstück würden acht
Parzellen erschlossen, weshalb das Verkehrsaufkommen sehr gering sei. Es bestehe
weder Durchgangs- noch Suchverkehr. Die Privatparkplätze seien wie in der näheren
Umgebung üblich, rechtwinklig und direkt an den Weg angeschlossen. Es sei davon
auszugehen, dass die Personen, die dort verkehrten, die Situation bestens kennen und
sich angemessen verhalten würden. Bei der Polizei seien keine Unfälle registriert. Die
Sicherheit sei auch dank der vorhandenen Verkehrsberuhigung und dem damit
verbundenen Bremseffekt durch blaue Parkfelder hoch. Die Werte der VSS-Norm SN 640
273a bezüglich der einzuhaltenden Sichtweiten seien mit Bezug auf den betroffenen
Wegabschnitt kritisch anzuwenden. Deren Werte seien eher für Knoten in einer Ebene
definiert, als für Parkplatzsituationen in einer verkehrsberuhigten Quartierstrasse. Sowohl
die Sichtweiten und die Beobachtungsdistanz am hinteren N._ entsprächen dem
"Gedankengut der VSS-Norm SN 640 273a". Das rechtzeitige Erkennen ausfahrender
Fahrzeuge sei mit einem Sicherheitsabstand von 1,50 m zwischen den Parkfeldern und der
Verkehrsfläche möglich. Rückwärts Parkierende profitierten zudem mit dem Distanzstreifen
von einer reduzierten Beobachtungsdistanz (1,50 m). Die Verkehrssituation entspreche
etwa derjenigen bei einem wenig befahrenen öffentlichen Parkplatz mit einer 5 m breiten,
beruhigten Fahrgasse und mit Personenverkehr auf der Verkehrsfläche. Die Werte der
entsprechenden VSS-Norm SN 640 291a (Parkieren) seien eingehalten. Die Sichtweiten
seien gemäss seiner Interpretation der VSS-Normen eingehalten. Die Parkplätze könnten
vorwärts erreicht und rückwärts verlassen oder rückwärts erreicht und vorwärts verlassen
werden. Die Sichtweiten seien ähnlich gut oder gleich gut wie bei den benachbarten
RA Nr. 110/2019/31 Seite 17 von 35
Ausfahrten. Sie genügten den Sicherheitsanforderungen. Die Sichtverhältnisse auf der
benachbarten Parzelle der Beschwerdeführenden (Parzelle Nr. M._) seien ähnlich
wie bei den neuen Parkplätzen und für die vorliegende Situation genügend. Die
Sichtbehinderungen auf Parzelle Nr. M._ seien hausgemacht. Durch mehrere
nebeneinander stehende und direkt an die Verkehrsfläche angrenzende parkierte Autos
werde den Ausfahrenden die Sicht verdeckt. Dieser Mangel könne auf der Parzelle selbst
behoben werden. Durch das Verkehrsaufkommen und die Geschwindigkeit könne jedes
einzelne motorisierte Fahrzeug wahrgenommen werden. Zusammengefasst kommt der
TBA OIK II zum Schluss, der Verkehrssicherheit werde genügend Rechnung getragen. Er
empfiehlt der Gemeinde Ostermundigen im Übrigen, auf dem N._ die Signalisation
einer Begegnungszone zu prüfen und die vorhandene Signalisation zu verbessern.45
e) Gemäss den überzeugenden Ausführungen des TBA OIK II zur Situation kann auf
dem fraglichen Abschnitt des P._ von einem sehr geringen Verkehrsaufkommen
ausgegangen werden, da es sich um den letzten Teil einer Sackgasse handelt. Was die
Einhaltung der Sichtweiten generell anbelangt, so ist vorliegend im Sinne einer der
Situation angepassten Auslegung der Werte der VSS-Norm SN 640 273a nicht von einem
Tempo von 50 km/h, sondern von einem deutlich geringeren Tempo auszugehen. Auf
Grund der gesamten Verkehrssituation führt dies dazu, dass jedes einzelne motorisierte
Fahrzeug rechtzeitig wahrgenommen werden kann. Die vorhandene Fahrbahnbreite von
5,00 m und dem zusätzlichen Distanzstreifen von 1,50 m gewährleistet zusätzlich, dass die
Parkplätze auf der als Parkierungsanlage wirkenden Fahrgasse sicher vorwärts oder
rückwärts bzw. rückwärts oder vorwärts erreicht oder verlassen werden können. Unter
Berücksichtigung, dass es sich bei diesem Abschnitt des P._ um eine Sackgasse
handelt, die hauptsächlich durch ortskundige Anwohnerinnen und Anwohner sowie
Besucherinnen und Besucher genutzt wird, erweist sich die Verkehrssituation insgesamt
als unproblematisch. Selbst wenn die Sichtfelder temporär durch nebeneinander parkierte
Autos eingeschränkt sein könnten, kann diesem Umstand durch situativ angepasstes
Verhalten Rechnung getragen werden. Wie bereits ausgeführt, ist die Verkehrssicherheit
gemäss der überzeugenden Beurteilung des TBA OIK II auch bezüglich der Parzelle
Nr. M._ der Beschwerdeführenden eingehalten. Die nachvollziehbare
Einschätzung des TBA OIK II beruhte auf einer Begehung vor Ort, weshalb die beantragte
Durchführung eines Augenscheins nicht nötig war.
45 Vgl. Fachbericht TBA OIK II vom 4. Juni 2019, Fazit/Empfehlung, S. 3/3
RA Nr. 110/2019/31 Seite 18 von 35
f) Die Verkehrssicherheit des Strassenanschlusses des Bauvorhabens ist
gewährleistet. Dies unabhängig davon, ob die Gemeinde Ostermundigen die
Empfehlungen des TBA OIK II hinsichtlich Signalisation umsetzt.
7. Erschliessung, nachbarlicher Parkplatz
a) Nach Auffassung der Beschwerdeführenden verstösst der geplante Besucher- bzw.
Aussenparkplatz im Vorland des Wohnhauses gegen eine bestehende öffentlich-rechtliche
Auflage. Der N._ seitige Parkplatz auf dem Grundstück Nr. M._, welches
heute den Beschwerdeführenden gehöre, sei 1995 vom damaligen Grundeigentümer
geplant worden. Dieser habe sich im Baubewilligungsverfahren verpflichtet, eine
ausreichende Sicht nach Südwesten freizuhalten. In der Folge hätten sich der damalige
Grundeigentümer mit dem damaligen Eigentümer der Bauparzelle Nr. H._
geeinigt, dass Letzterer auf seiner Parzelle das Sichtfeld ab einer Höhe von 80 cm ab
Strassenniveau gemäss der im dazugehörigen Plan schraffierten Fläche von sämtlichen
Sichtbehinderungen freihalten werde. Nur unter dieser Auflage sei der Parkplatz auf
Grundstück Nr. M._ bewilligt worden.46 Die Erschliessung des Vorhabens sei auch
aus diesem Grund nicht sichergestellt.
b) Die Beschwerdegegnerschaft weist darauf hin, dass 1995 die Errichtung einer
Dienstbarkeit zur Sicherstellung der Sichtweiten hätte errichtet werden sollen. Ein solcher
Dienstbarkeitsvertrag sei jedoch nie zustande gekommen. Sie habe erst mit den Eingaben
der Beschwerdeführenden davon erfahren, dass die Rechtsvorgänger die Freihaltung einer
kleinen Ecke der Bauparzelle von sichtbehindernden Einfriedungen und Bepflanzungen
zugesichert hätten. Diese Zusicherung habe jedoch weder öffentlich-rechtlichen Charakter
noch sei sie auf die Rechtsnachfolger übertragen worden. Zudem würden in diesem
kleinen Spickel weder Bepflanzungen noch Einfriedungen noch sonstige Bauten über
80 cm entstehen. Der zu erstellende Carport werde mehrere Meter von diesem Bereich
entfernt gebaut. Einzig der Besucherparkplatz falle in diesen Bereich, sei aber
unproblematisch.47
46 Beschwerdeschrift, Bst. A, Rz. 25 bis 28, insbes. Rz. 26 mit Beilage 6 (Baubewilligung vom 11.12.1995 für zwei Parkplätze auf Parzelle Gbl. Nr. 2574 [nicht 2573]) 47 Beschwerdeantwort vom 1. April 2019, Ziff.3, S. 5: Akten der BVE, pag. 52/53
RA Nr. 110/2019/31 Seite 19 von 35
c) Die Gemeinde ist der Auffassung, dass die frühere Vereinbarung mit den
ursprünglichen Eigentümern der Bauparzelle hier nicht zu berücksichtigen sei, da es sich
um eine privatrechtliche Angelegenheit handle. Zudem sei diese Vereinbarung nicht im
Grundbuch eingetragen worden. Aus öffentlich-rechtlicher Sicht sei diese Vereinbarung
nicht relevant.48
d) Gemäss den eingereichten Unterlagen bildete die Zustimmung zum
Strassenanschluss vom 8. November 1995 einschliesslich der Auflage für das Freihalten
der Sichtfelder Bestandteil der Baubewilligung vom 11. Dezember 1995 für das Erstellen
von zwei Parkplätzen auf Parzelle Nr. M._.49 Diese Auflage hat für die
Beschwerdeführenden als Eigentümer der fraglichen Parzelle nach wie vor Gültigkeit.
Gemäss dem Grundstückdaten-Informationssystem (GRUDIS) haben es die
Beschwerdeführenden bzw. deren Rechtsvorgänger jedoch versäumt, die entsprechende
Auflage als Dienstbarkeit auf Parzelle Nr. M._ bzw. auf der Bauparzelle
(Nr. H._) im Grundbuch einzutragen. Daher kann die geltend gemachte
Verpflichtung zur Freihaltung der schraffierten Fläche von Sichtbehinderungen gegenüber
den späteren Eigentümern der Parzelle Nr. H._ bzw. deren Rechtsnachfolgern
nicht entgegen gehalten werden kann. Der TBA OIK II beurteilte im Übrigen die
Sichtverhältnisse auf der Parzelle der Beschwerdeführenden trotz dem neuen
Besucherparkplatz als genügend (vgl. E. 6).
8. Ausnahme nach Art. 28 BauG für Carport und Besucherparkplatz
a) Der geplante Carport und der Besucherparkplatz befinden sich innerhalb des
Strassenabstands. Die Gemeinde hat auf Gesuch der Beschwerdegegnerschaft eine
Ausnahmebewilligung für das Bauen in der Bauverbotszone erteilt.
Die Beschwerdeführenden rügen, die Gemeinde habe diese Ausnahmebewilligung zu
Unrecht gestützt auf Art. 28 BauG erteilt. Zudem habe die Gemeinde nicht darauf
hingewiesen, dass die Ausnahmebewilligung auf Zusehen hin erfolge. Weiter sei die
48 Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Akten der BVE, pag. 44 49 Vgl. Beilage 6 der Beschwerdeschrift: Baugesuch für Parzelle Nr. Q._ enthaltend Plan mit Unterschrift von "V._" vom 20.10.1995
RA Nr. 110/2019/31 Seite 20 von 35
Kommission Tiefbau und Betriebe für die Erteilung der Ausnahmebewilligung nicht
zuständig.50
b) Nach Auffassung der Gemeinde können sowohl die Parkplätze als auch der Carport
nötigenfalls ohne Schwierigkeiten entfernt werden, sofern wichtige öffentliche Interessen
dies erforderten. Die Parkplätze und der Carport seien als leicht entfernbare Anlagen zu
qualifizieren. Der Widerruf sei auch ohne Eintragung eines "zusätzlichen Revers" möglich.
Schliesslich weist die Gemeinde darauf hin, dass vorliegend die dafür zuständige
Kommission Tiefbau und Betrieb die Ausnahmebewilligung erteilt habe.51
c) Das zuständige Gemeinwesen kann gemäss Art. 81 Abs. 1 SG52 Ausnahmen von
den gesetzlichen Strassenabständen bewilligen, wenn besondere Verhältnisse,
insbesondere des Ortsbildes, es rechtfertigen und wenn dadurch weder öffentliche noch
wesentliche nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden; für Kleinbauten gilt Art. 28
BauG sinngemäss. Nach Art. 28 Abs. 1 BauG kann die Erstellung kleiner und leicht
entfernbarer Bauten und Anlagen in Abweichung von Bauvorschriften, namentlich auch von
Baulinien, auf Zusehen hin bewilligt werden, wenn der Bauherr ein genügendes Interesse
nachweist und weder öffentliche noch nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden und
bei Bauten an Gewässern oder Wald die dafür zuständige Behörde zugestimmt hat. Art. 28
BauG setzt ein genügendes Interesse des Bauherrn voraus; besondere Verhältnisse
müssen dagegen nicht vorliegen. Ein genügendes Interesse liegt dann vor, wenn die
Einhaltung der Vorschrift zu einer für die Bauherrschaft unzweckmässigen Lösung führen
würde.53
d) Kleine und leicht entfernbare Bauten und Anlagen im Sinne von Art. 28 BauG sind
solche, deren Entfernung ohne grösseren Aufwand und erhebliche Nachteile möglich ist.
Als klein können Bauten gelten, die die Dimension gemäss Art. 12 Abs. 3 NBRD nicht
wesentlich überschreiten (Grundfläche 60 m2, Höhe 4 m). Technisch leicht entfernbar sind
Bauten, die ohne besonderen Aufwand beseitigt werden können, also nicht fest mit dem
50 Beschwerdeschrift, Bst. F, Rz. 54 51 Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Bst. F, Akten der BVE, pag. 45/46 52 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 53 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 28 N. 3
RA Nr. 110/2019/31 Seite 21 von 35
Boden verbunden sind (Fahrnisbauten), und solche, deren Fundament nötigenfalls ohne
Schwierigkeiten beseitigt oder ohne Nachteile im Boden belassen werden können.54
e) Sowohl der Carport mit den drei Abstellplätzen mit einer Gesamtfläche von rund
42 m2 (5,20 m x 8,10 m) als auch der geplante Besucherparkplatz mit einer Fläche von
21 m2 (6,00 x 3,50 m) sind als kleine leicht entfernbare Bauten und Anlagen zu
qualifizieren, zudem besteht keine technische Abhängigkeit zum neuen Gebäude. Art. 28
BauG verlangt keine besonderen Verhältnisse, es reicht, wenn der Bauherr ein
genügendes Interesse nachweist. Unter diesen Umständen vermag die
Beschwerdegegnerschaft ein genügendes Interesse an der Ausnahme nachzuweisen, da
damit eine zweckmässige Nutzung der Bauparzelle und eine geschützte Abstellmöglichkeit
für drei Fahrzeuge und ein Besucherparkplatz ermöglicht werden. Wie unter Erwägung 6
ausgeführt, wird die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt. Zudem sind laut TBA OIK II
auch die Sichtverhältnisse für die Parzelle der Beschwerdeführenden genügend. Weitere
öffentliche oder nachbarliche Interessen sind vorliegend nicht tangiert. Soweit die
Beschwerdeführenden die Widerrechtlichkeit des Besucherparkplatzes rügen, so erfolgte
dessen Bewilligung zu Recht (vgl. E. 6). Der Erteilung der Ausnahmebewilligung stehen
somit weder öffentliche noch nachbarliche Interessen entgegen.
Für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 28 BauG ist im Grundsatz die
Baubewilligungsbehörde zuständig. Für gewisse Fälle, wie für Ausnahmen im
Strassenabstand, ist die Zustimmung der nach der Spezialgesetzgebung zuständigen
Behörde vorausgesetzt.55 Gemäss den Vorgaben des kommunalen Reglements über die
ständigen Kommissionen56 obliegen der Kommission Tiefbau und Betriebe unter anderem
Entscheide über Ausnahmebewilligungen und Einsprachen für das Bauen in den
Bauverbotsstreifen (Wasser- und Strassenbaulinien) (vgl. Art. 18 Ziff. 2 des Reglements).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden war die Kommission Tiefbau und
Betriebe somit für die Erteilung der Ausnahme zuständig. Da die Ausnahmebewilligung von
Gesetzes wegen auf Zusehen hin erteilt wird und jederzeit entschädigungslos widerrufen
werden kann (vgl. Art. 28 Abs. 1 und 2 BauG) ist kein entsprechender Hinweis auf den
möglichen Widerruf im Gesamtentscheid erforderlich.
54 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 28 N. 2 55 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Art. 28 N. 6, mit weiteren Hinweisen 56 Vgl. Reglement vom 22. März 2011 der Gemeinde Ostermundigen über die ständigen Kommissionen (i.K. 1. Januar 2013) bzw. Entscheid Kommission Tiefbau, Vorakten, Reiter 1, pag. 56
RA Nr. 110/2019/31 Seite 22 von 35
Die Gemeinde hat die Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 81 Abs. 2 SG i.V.m. Art. 28
BauG zu Recht erteilt, die Rüge ist unbegründet.
RA Nr. 110/2019/31 Seite 23 von 35
9. Aufenthaltsbereiche und Spielplätze
a) Die Beschwerdeführenden rügen neben dem formellen Mangel bezüglich
Umgebungsgestaltung (vgl. E. 3), dass das Vorhaben die Mindestvorgaben für
Aufenthaltsbereiche und Spielflächen gemäss Art. 42 BauV nicht einhalte. Die
Beschwerdegegnerschaft habe eine Berechnung der Hauptnutz- und Konstruktionsflächen
nachzureichen. Bei geschätzten 300 m2 müsse der Spielplatz 45 m2 gross sein.57
b) Die Beschwerdegegnerschaft weist darauf hin, dass das umstrittene Vorhaben
lediglich zwei 31⁄2-Zimmer-Wohnungen aufweise, die als Familienwohnungen gälten.
Zudem werde das Mehrfamilienhaus auf einem Grundstück mit sehr viel Umschwung
gebaut. Namentlich befinde sich im südöstlichen Teil eine Grünzone mit einer Fläche von
350 m2 und einer Naturwiese mit einer Fläche von 323 m2. Bei dieser Ausgangslage sei der
reine Spielplatzbereich mit 20 m2 sachgerecht.58
c) Gemäss Art. 15 Abs. 1 BauG59 hat die Bauherrschaft beim Bau von
Mehrfamilienhäusern im Freien Aufenthaltsbereiche für die Bewohnerinnen und Bewohner,
insbesondere Kinderspielplätze, zu schaffen. Unter Mehrfamilienhäusern "sind
Wohnhäuser mit mehr als zwei Familienwohnungen verstanden, nicht aber
zusammengebaute Reiheneinfamilienhäuser. Als Familienwohnung gelten Wohnungen mit
wenigstens drei Zimmern" (Art. 43 Abs. 3 BauV).
d) Aus den bewilligten Plänen ergibt sich, dass das umstrittene Bauvorhaben drei 2-
bzw. 21⁄2-Zimmer-Wohnungen und zwei 31⁄2-Zimmer-Wohnungen vorsieht.60 Mit zwei
Familienwohnungen fällt das Projekt nicht unter den Begriff des "Mehrfamilienhauses" und
muss somit den quantitativen und qualitativen Anforderungen bezüglich Erstellung von
Aufenthaltsbereichen und Kinderspielplätzen gemäss Art. 44 ff. BauV nicht genügen. Die
Rüge hinsichtlich der Nichteinhaltung der Vorgaben für Aufenthaltsbereiche und
Spielplätze erweist sich daher als unbegründet.
57 Beschwerdeschrift, Bst. E, Rz. 42 ff. 58 Beschwerdeantwort vom 1. April 2019, Ziff. 7, S. 8: Akten der BVE, pag. 55 59 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 60 Vgl. Vorakten der Gemeinde: Formular 1.0, pag. 12 bzw. Plan 1:100 «Grundriss/Kanalisation/Wasser», Reiter 6
RA Nr. 110/2019/31 Seite 24 von 35
10. Wärmepumpe
a) Aus dem Plan «Grundrisse / Kanalisation / Wasser» Mst. 1:10061 und dem
Baugesuchsformular 2.062 geht hervor, dass hier eine sog. Luft-Wasser-Wärmepumpe
vorgesehen ist, die innerhalb des Gebäudes aufgestellt wird (sog. Innenaufstellung).
Gemäss Fachbericht des beco (neu: AWI) sind die Lärmgrenzwerte eingehalten.63.
b) Nach Auffassung der Beschwerdeführenden enthalten weder der Bauentscheid noch
die Vorakten ein Datenblatt über die geplante Wärmepumpe. Auch dem Fachbericht des
beco könne nicht entnommen werden, von welchen Werten dieses ausgehe. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden habe beim beco nachgefragt; es handle sich um
einen Anlagetyp mit Schallleistungspegel von 57 dB(A). Der berechnete Schalldruckpegel
am Eintrittsort betrage 25 dB(A). Bei der Berechnung des Wärmepumpenlärms müsse auf
den Schallleistungspegel und nicht den Schalldruckpegel abgestützt werden. Wegen der
Rückfragen beim beco sei dieses zwar seiner Begründungspflicht nachgekommen. Es sei
jedoch anzuordnen, dass dieses seinen Bericht schriftlich ergänze".64
c) Laut Entscheid der Gemeinde liegt ein Fachbericht des beco (neu: AWI) vor, wonach
die Immissionswerte der Wärmepumpe vollumfänglich eingehalten seien.65 In ihrer
Stellungnahme weist sie zudem darauf hin, dass der Lärmschutznachweis den
Baugesuchsakten beiliege und einsehbar gewesen sei.66
d) Gemäss den Vorakten handelt es sich bei der eingesetzten Wärmepumpe um eine
Luft-Wasser-Wärmepumpe. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden liegt dem
Baugesuch eine Typenbeschreibung bei.67 Es handelt sich um das Modell "alira LW 160
H/V" des Herstellers "alpha innotec". Zudem hat die Bauherrschaft einen
Lärmschutznachweis auf dem Online-Formular des Cercle bruit (Vereinigung kantonaler
61 Vorakten, Reiter 6 62 Vorakten, pag. 23 63 Fachbericht Immissionsschutz des beco vom 19. März 2018, Vorakten, pag. 59 64 Vgl. Beschwerdeschrift, Ziff. G, Rz. 56 ff. 65 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.10 Bst. f 66 Stellungnahme der Gemeinde vom 26. März 2019, Bst. G, S. 6: Akten der BVE, pag. 46 67 Vgl. Vorakten, pag. 24
RA Nr. 110/2019/31 Seite 25 von 35
Lärmschutzfachleute) eingereicht68, der als Grundlage des Fachberichts des beco (neu:
AWI) diente.69 Der Lärmbeurteilung liegt ein Schallleistungspegel im Nachtbetrieb von
maximal 57 dB(A) zugrunde. Gemäss dem Schallrechner der Fachvereinigung
Wärmepumpen Schweiz (FWS)70 ist dieser Wert korrekt. Wie die Beschwerdeführenden
richtig bemerken, ist nicht der Schalldruckpegel am Empfangsort massgebend, sondern
der Beurteilungspegel Lr. Dieser ist bei einer Distanz von 15 m zwischen der Lärmquelle
und dem nächstliegenden, relevanten Immissionsort berechnet. Weiter wurden die
Pegelkorrekturen K1, K2 und K3 gemäss der Empfehlung des Cercle bruit berücksichtigt.
Der Nachweis entspricht vollumfänglich der Vollzugshilfe des Cercle bruit. Auf den
Lärmschutznachweis der Beschwerdegegnerschaft vom 14. Februar 2018 kann somit
abgestellt werden. Es ist bei dieser Sachlage nicht nötig, einen zusätzlichen Fachbericht
des AWI einzuholen.
e) Luft-Wasser-Wärmepumpen sind ortsfeste Anlagen. Diese dürfen nach Art. 25 Abs. 1
USG71 nur errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen allein erzeugten
Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten. Das
Wohngebäude der Beschwerdeführenden und das Bauvorhaben liegen in der Wohnzone
W2. Diese ist der Empfindlichkeitsstufe (ES) II zugeordnet. Gemäss Art. 40 Abs. 1 und
Anhang 6 LSV72, der unter anderem die Belastungsgrenzwerte für den Lärm von Heizungs-
, Lüftungs- und Klimaanlagen regelt, gilt für die ES Il ein Planungswert von 55 dB(A) am
Tag und 45 dB(A) in der Nacht. Dabei errechnet sich der massgebliche Beurteilungspegel
Lr aus der Summe des A-bewerteten Mittelungspegels Leq am Immissionsort und der
Pegelkorrekturen K1 bis K3.73 Die vorgesehene Luft-Wasser-Wärmepumpe hält den
geforderten Planungswert von 45 dB(A) nachts in der Wohnzone W2 bei einer Distanz
zum Empfangsort von 15 m auf der Nachbarparzelle mit einem Beurteilungspegel Lr von
35,5 dB(A) deutlich ein.74 Selbst bei dem am nächsten liegenden Punkt des Gebäudes der
Beschwerdeführenden (Ecke Anbau Gebäude Nr. 14, Distanz 13,50 m) wäre der
Planungswert in der Nacht mit einem Beurteilungspegel von 36,4 dB(A) ebenfalls deutlich
68 Vgl. https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/ 69 Vgl. Vorakten, pag. 26 70 Vgl. https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/ 71 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 72 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrats vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 73 Vgl. Anhang 6 Ziff. 31 Abs. 2 LSV 74 Vgl. Vorakten, pag. 26 bzw. https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/
https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/ https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/
RA Nr. 110/2019/31 Seite 26 von 35
eingehalten. Soweit die Beschwerdeführenden die Einhaltung der Grenzwerte bei den
relevanten Immissionsorten bestreiten, ist ihre Beschwerde unbegründet.
f) Gemäss Rechtsprechung ist im Einzelfall zu prüfen, ob im Rahmen des
Vorsorgeprinzips nach Art. 11 Abs. 2 USG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV
zusätzliche Emissionsbegrenzungen erforderlich sind. Dies gilt selbst dann, wenn die
Planungswerte wie hier eingehalten sind.75 Die strittige Wärmepumpe wird wie ausgeführt
innerhalb des Gebäudes aufgestellt. Deren maximaler Schallleistungspegel beträgt
57 dB(A). Dieser Wert ist verhältnismässig tief. Innen aufgestellte Wärmepumpen mit
einem maximalen Schallleistungspegel von 59 dB(A) bei einer Heizleistung bis zu 10 kW
gelten bereits als leise Anlagen.76 Die Innenaufstellung der Wärmepumpe sowie die Wahl
eines lärmarmen Geräts stellen bereits Massnahmen im Sinne der Vorsorge dar. Zudem
wird die Zu- und Abluft beim eingesetzten Model über Schächte abgeführt, die ebenfalls
eine lärmmindernde Wirkung aufweisen. Zusätzliche Emissionsbegrenzungen sind
vorliegend somit nicht erforderlich.
g) Die Beschwerdeführenden beantragen, dass die Auflage gemäss Fachbericht des ibe
vom 9. März 2018 direkt in den Bauentscheid aufzunehmen sei. Gemäss Entscheid der
Gemeinde bilden die Bedingungen und Auflagen des Instituts für Bau + Energie (ibe)
ohnehin einen integrierenden Bestandteil des Gesamtentscheids77, weshalb sich eine
(zusätzliche) Aufnahme der Auflage nicht als erforderlich erweist.
11. Beleuchtung
a) Nach Auffassung der Beschwerdeführenden ist umstritten, ob eine allfällige
Beleuchtung des Vorhabens bzw. der Zufahrt die umweltschutzrechtlichen Vorgaben und
der SIA-Norm 491 einhalte. Die Gemeinde habe sich zu wenig mit der von ihnen
aufgeworfenen Frage hinsichtlich Beleuchtung auseinander gesetzt.78 Die
75 BGer 1C_506/2008 vom 12.5.2009, E. 3.3; VGE 2016/82 vom 6. April 2017 E. 3.5; VGE 2017/319 vom 6. Juni 2018 E. 3.2 76 Vgl. Entscheid der BVE RA Nr. 110 2018 133 vom 16. Juli 2019, E. 8 77 Vgl. vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 4.1, Seite 15/22 78 Vgl. Beschwerdeschrift, Bst. H, Einsprache vom 28. März 2018, Vorakten, pag. 146 ff.
RA Nr. 110/2019/31 Seite 27 von 35
Beschwerdegegnerschaft werde darauf behaftet, dass sie keine Lichtquellen im
Aussenbereich plane.79
b) Die Beschwerdegegnerschaft weist darauf hin, dass vorliegend nicht klar sei, was die
Beschwerdeführenden beanstandeten. Im Aussenbereich seien keine Lichtquellen geplant.
Sie gehe davon aus, dass die bestehende Strassenbeleuchtung der Gemeinde für die
Ausleuchtung der Zufahrt genüge; allenfalls sei mit solarbetriebenen Gartenlaternen zu
rechnen, die nicht baubewilligungspflichtig seien.
c) Aus den Plänen ergeben sich keine Hinweise, wonach die Beschwerdegegnerschaft
eine Beleuchtung der Zufahrt vorgesehen hat. Diese bildet somit nicht Gegenstand diese
Verfahrens, weshalb sich die Rüge als unbegründet erweist. Im Falle einer späteren
Beleuchtung hätte diese unter anderen den Vorgaben des USG zu genügen. Die
Beurteilung von Lichtimmissionen erfolgt, anders als z.B. bei Lärmimmissionen, nicht
mittels Mess- und Grenzwerten, sondern die rechtsanwendenden Behörden müssen diese
im Einzelfall unmittelbar gestützt auf Art. 11-14 USG sowie Art. 16-18 USG beurteilen. Im
Lichte des Vorsorgeprinzips muss unter anderem sichergestellt werden, dass die
Immissionen nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Menschen, Tiere und
Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften und Lebensräume nicht gefährden und die
Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören.80 Ein völlig ungestörtes,
immissionsfreies Wohnen ist hingegen nicht gefordert. Zudem werden zur Beurteilung von
Lichtemissionen Richtlinien und Empfehlungen von Fachstellen herangezogen. Darunter
fallen die «Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen» des BUWAL81 aus dem
Jahr 2005, die Empfehlungen «Lichtverschmutzung vermeiden» des vormaligen beco82
sowie die SIA-Norm 491 zur «Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum»83.
Gemäss diesen Richtlinien sind Emissionen unnötig, soweit sie über das Mass
hinausgehen, das zur Erfüllung ihres Zwecks notwendig ist. Zu beleuchten ist nur, was
beleuchtet werden muss, wobei die notwendigen Bedürfnisse mit der geringstmöglichen
Gesamtlichtmenge abzudecken sind.84 Im Falle einer späteren Beleuchtung hätte die
79 Schlussbemerkungen vom 2. September 2019, Bst. K 80 BGE 140 II 33 E. 4.2 81 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, heute BAFU 82https://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/lichtverschmutzung/downloads_publikationen/licht_elektrosmogchemie. html 83 Schweizer Norm, SN 586 491 84 Vgl. Richtlinien beco S. 4 sowie BGer 1C_602/2012 vom 2.4.2014, E. 4.1 mit den entsprechenden Hinweisen
RA Nr. 110/2019/31 Seite 28 von 35
Beschwerdegegnerschaft auf Grund des Vorsorgeprinzips die genannten Richtlinien zu
beachten.
12. Wald / Grünzone
a) Die Bauparzelle weist im südöstlichen und teilweise in der Grünzone liegenden Teil
eine Bestockung auf. Nach Auffassung der Beschwerdeführenden handle es sich dabei
gemäss Waldinformation des Kantons Bern (Geoportal des Kantons Bern) um Wald; das
Vorhaben habe daher einerseits den Waldabstand einzuhalten und andererseits sei eine
Rodungsbewilligung notwendig. Dazu hätte sich nach ihrer Auffassung das Amt für
Gemeinden und Raumordnung (AGR) äussern müssen. Die Vorinstanz habe den
Sachverhalt auch in diesem Punkt zu wenig abgeklärt.85
b) Die Gemeinde legt in ihrer Stellungnahme dar, dass eine Teilfläche der Bauparzelle
Nr. H._ gemäss Zonenplan der Grünzone gemäss Art. 83 GBR zugewiesen sei.
Dies gehe aus dem rechtskräftigen Zonenplan unmissverständlich hervor. Dass es sich um
Wald handle, sei eine Behauptung der Beschwerdeführenden. Gegenüber Zonengrenzen
seien gemäss Art. 33 GBR die gleichen Abstände wie gegenüber benachbarten
Grundstücken einzuhalten; der Zonenabstand von 5,00 m sei vorliegend eingehalten.
c) Die Beschwerdeführenden gehen offenbar davon aus, dass es sich bei der
bestockten Fläche auf der Parzelle Nr. H._ um Wald im waldrechtlichen Sinne
handelt und daher zum einen eine Rodungsbewilligung erforderlich und zum andern der
Waldabstand einzuhalten sei. Gemäss den waldrechtlichen Vorgaben gilt als Wald jede
Fläche, die mit Waldbäumen oder Waldsträuchern bestockt ist und Waldfunktionen erfüllen
kann (vgl. Art. 2 Abs. 1 Satz 1 WaG86). Nicht als Wald gelten isolierte Baum- und
Strauchgruppen, Hecken, Alleen, Garten-, Grün- und Parkanlagen, Baumkulturen, die auf
offenem Land zur kurzfristigen Nutzung angelegt worden sind, sowie Bäume und Sträucher
auf Einrichtungen zur Stauhaltung und in deren unmittelbarem Vorgelände (Art. 2 Abs. 3
WaG). Der Waldbegriff ist dynamisch umschrieben.87 Ob eine Fläche als Wald gilt, muss in
85 Vgl. Beschwerdeschrift, Bst. H, vgl. auch Einsprache vom 28. März 2018, Vorakten, pag. 151 86 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über den Wald (Waldgesetz, WaG; SR 921.0) 87 Vgl. Peter Hänni/Tamara Ischi, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl., Bern 2016, S. 196
RA Nr. 110/2019/31 Seite 29 von 35
einem Waldfeststellungsverfahren eruiert werden; dies kann entweder einzelfallweise oder
bei Erlass und bei Revision von Nutzungsplänen erfolgen (vgl. Art. 10 Abs. 1 und 2 WaG).
Gemäss Zonenplan der Gemeinde Ostermundigen wurde im fraglichen Gebiet eine
Grünzone ausgeschieden, jedoch keine Waldgrenzen festgelegt.
Die umstrittene und von den Beschwerdeführenden als "Wald" bezeichnete, bestockte
Fläche erstreckt sich über verschiedene Parzellen (Nrn. R._, S._,
T._ sowie H._) und bildet je Teil der zu den jeweiligen Gebäuden
gehörenden Gartenanlagen. Diese grenzen in östlicher Richtung an die
U._strasse. Was die Bauparzelle betrifft, so stehen die Sträucher und Bäume in
der Nähe des bestehenden Gebäudes und befinden sich grösstenteils auf der
südöstlichen, der Grünzone zugewiesenen Seite der Parzelle. Gemäss der Karte
"Waldinformation" auf dem Geoportal des Kantons Bern88, handelt es sich bei der
umstrittenen Bestockung um Jungwuchs mit einer Dickung von weniger als 12 cm. Die
bestockte Fläche grenzt wie erwähnt an die U._strasse und übt auch sonst keine
besonderen Schutzfunktionen aus. Schliesslich liegt die Bestockung in der Wohn- und in
der Grünzone, weshalb sie als Siedlungsgehölz zu qualifizieren ist.89 Zusammenfassend ist
die bestockte Fläche als Gartenanlage zu bezeichnen90 und fällt daher unter den sog.
Negativkatalog gemäss Art. 2 Abs. 3 WaG. Die umstrittene Fläche gilt damit entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführenden nicht als Wald. Nicht massgebend ist zudem der
Hinweis auf die Karte "Waldinformation", da dieser keine rechtsverbindliche Wirkung
zukommt. Ob es sich bei einer bestockten Fläche tatsächlich um Wald im waldrechtlichen
Sinne handelt, kann nicht der Waldinformation entnommen werden, sondern müsste immer
im dafür vorgesehenen Verfahren (Nutzungsplanung oder Waldfeststellungsverfahren) und
im Lichte der quantitativen und qualitativen Voraussetzungen (vgl. Art. 2 WaG sowie Art. 4
KWaG91) geprüft werden. Dies erweist sich vorliegend auf Grund des Gesagten als nicht
nötig.
Die Einschätzung der Gemeinde, dass es sich bei der bestockten Fläche und in der
Grünzone liegenden Fläche nicht um Wald handelt und das Vorhaben nur den Abstand zur
88 https://www.geo.apps.be.ch/de/ 89 Vgl. BVR 2004, S. 214, E. 3.3.3 ff. 90 Vgl. BGE 124 II 85, S. 90 E. 4a 91 Kantonales Waldgesetz vom 5. Mai 1997 (KWaG; BSG 921.11)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 30 von 35
Grünzone einzuhalten hat, ist daher nicht zu beanstanden. Soweit darauf überhaupt
einzutreten ist, erweist sich die Rüge somit als unbegründet.
13. Beweisabnahme
Gemäss Art. 18 VRPG stellen die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie
bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der Parteien
gebunden zu sein. Erscheint die Sachlage umfassend abgeklärt und versprechen
zusätzliche Erhebungen keine wesentlich neuen Erkenntnisse, so brauchen keine weiteren
Untersuchungen angestellt zu werden, selbst wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten der
Beweisführung ausgeschöpft sind.92 Ergibt eine vorweggenommene Beweiswürdigung,
dass ein Beweis nicht dazu geeignet ist, das Beweisergebnis zu verändern oder den zu
treffenden Entscheid zu beeinflussen, so kann auch unter dem Aspekt des rechtlichen
Gehörs (Art. 21 ff. VRPG) von der Beweisabnahme abgesehen werden. Vorliegend
beantragen die Beschwerdeführenden die Einholung eines Geometergutachtens, den
Einbezug des beco (neu: AWI) und des AGR sowie die Durchführung eines Augenscheins.
Gemäss den vorangehenden Erwägungen und den erhobenen Beweismitteln (Fachbericht
TBA OIK II und Aufnahme des Terrains durch den Nachführungsgeometer) waren hier von
den weiteren, von den Beschwerdeführenden beantragten Beweismitteln keine neuen
relevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet werden konnte.
14. Rechtsverwahrung
a) Die Beschwerdeführenden beantragen eine Ergänzung des Beschwerdeentscheids
hinsichtlich Durchleitungsrecht (Stromleitung und Swisscomanschluss). Eine Zustimmung
ihrerseits liege nicht vor; ein allfälliges Durchleitungsrecht sei zu entschädigen.93
b) Die Rechtsverwahrung bezweckt die Orientierung der Gesuchstellenden und der
Behörden über die Privatrechte, welche durch das Bauvorhaben berührt werden, und über
Entschädigungsansprüche, die daraus abgeleitet werden könnten (Art. 32 Abs. 1 BewD).
Dadurch wird die Bauherrschaft in die Lage versetzt, ihnen allenfalls durch eine
Projektänderung Rechnung zu tragen.94 Rechtsverwahrungen sind gemäss Art. 36 Abs. 3
92 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 10; vgl. auch BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 93 Beschwerdeschrift, Ziff. IV, Rz. 73/74 94 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 3
RA Nr. 110/2019/31 Seite 31 von 35
Bst. f BewD ins Dispositiv aufzunehmen, unabhängig davon, ob die geltend gemachten
Vorbringen zutreffen oder nicht.
c) Gemäss angefochtenem Entscheid wurde die Rechtsverwahrung der
Beschwerdeführenden bereits ins Dispositiv aufgenommen.95 Die Beschwerdegegnerschaft
hat von den (zusätzlichen) Ansprüchen der Beschwerdeführenden im
Beschwerdeverfahren Kenntnis nehmen können. Eine Ergänzung des Dispositivs ist daher
nicht nötig.
15. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass das Bauvorhaben den anwendbaren
Vorschriften entspricht. Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Der Gesamtentscheid der Gemeinde Ostermundigen vom 24. Januar 2019
ist zu bestätigen.
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird vorliegend festgesetzt auf Fr. 2'000.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV96). Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden
die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale
Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände
rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Den Vorinstanzen können grundsätzlich
keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a
und b VRPG).
c) Im vorliegenden Verfahren sind die Beschwerdeführenden mit ihren Anträgen,
wonach der angefochtene Entscheid aufzuheben und das Baugesuch zur Bereinigung und
Neuauflage sowie Wiederholung der Publikation zurückzuweisen sei, nicht
durchgedrungen. Gleiches gilt für ihren Eventualantrag, mit welchem sie die Erteilung des
Bauabschlags beantragt haben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass vorliegend auch ein
Verfahrensmangel (Verletzung des rechtlichen Gehörs) geheilt werden musste. Dieser
Verfahrensfehler stellt einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar,
95 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 4.4, S. 16/22 96 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 32 von 35
welcher es rechtfertigt, auf die Erhebung eines Fünftels der Verfahrenskosten bzw.
Fr. 400.– zu verzichten.97 Im Ergebnis sind damit den Beschwerdeführenden Fr. 1600.–
bzw. vier Fünftel der (gesamten) Verfahrenskosten aufzuerlegen; den Restbetrag von
Fr. 400.– trägt der Kanton. Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den gesamten
auf sie entfallenden Betrag.
d) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten der
Beschwerdeführenden sind aufgrund der Gehörsverletzung zu einem Fünftel der
Gemeinde Ostermundigen aufzuerlegen. Die Parteikosten der Beschwerdegegnerschaft
wären grundsätzlich den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hat aber die Vorinstanz, die eine
Gehörsverletzung begangen hat, auch hier die von der Gehörsverletzung betroffenen
Beschwerdeführenden zu entlasten.98 Daher hat die Gemeinde Ostermundigen auch der
Beschwerdegegnerschaft einen Fünftel ihrer Parteikosten zu ersetzen. Vier Fünftel der
Parteikosten der Beschwerdegegnerschaft werden den Beschwerdeführenden auferlegt.
e) Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der
Beschwerdegegnerschaft beläuft sich auf Fr. 4'278.90 (Honorar Fr. 3'925.–, Auslagen
Fr. 48.–, Mehrwertsteuer Fr. 305.90) und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden beläuft sich auf Fr. 12'006.40 (Honorar
Fr. 10'850.00, Auslagen Fr. 298.–, Mehrwertsteuer Fr. 858.40). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV99
beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis
Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz
nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und
der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG100). Im vorliegenden Fall ist der
gebotene Zeitaufwand als durchschnittlich zu werten. Angesichts der Baukosten gemäss
97 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 7 und 9; BVR 2004 S. 133 E. 3.1 98 VGE 2014/198 vom 6. August 2015 E. 4.4 99 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811) 100 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
RA Nr. 110/2019/31 Seite 33 von 35
Baugesuch von rund Fr. 1'500'000.– und den umstrittenen Rechtsfragen sind auch die
Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als
durchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des Gebührenrahmens
zu 50 % und damit ein Honorar von Fr. 6'100.– als angemessen. Die Parteikosten der
Beschwerdeführenden werden somit festgelegt auf Fr. 6'890.65 (Honorar Fr. 6'100.–,
Auslagen Fr. 298.–, Mehrwertsteuer Fr. 492.65). Nach dem Gesagten haben die
Beschwerdeführenden der Beschwerdegegnerschaft einen Parteikostenanteil von
Fr. 3'423.10 (vier Fünftel von Fr. 4'278.90) zu bezahlen. Die Beschwerdeführenden haften
solidarisch für den gesamten Betrag. Sodann hat die Gemeinde Ostermundigen der
Beschwerdegegnerschaft einen Parteikostenanteil von Fr. 855.80 (ein Fünftel von
Fr. 4'278.90) zu bezahlen. Schliesslich hat die Gemeinde Ostermundigen den
Beschwerdeführenden einen Parteikostenanteil von Fr. 1'378.15 (ein Fünftel von
Fr. 6'890.65) zu ersetzen.