Decision ID: 4ebddb3e-3745-50a7-8cab-e57e76003f48
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland
am 6. August 2009 auf dem Luftweg und gelangte über Katar und Italien
am 10. August 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach-
suchte. Am 14. August 2009 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum (EVZ) B._ befragt. Das BFM hörte ihn am 1. September 2009
zu seinen Asylgründen an.
B.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2013 – eröffnet am 20. Februar 2013 –
lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete
dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegwei-
sung an. Seinen ablehnenden Entscheid begründete das BFM namentlich
mit der fehlenden Glaubhaftigkeit sowie der fehlenden asylrechtlichen Re-
levanz der geltend gemachten Vorbringen (Art. 3 und 7 des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Ferner erachtete das BFM den
Wegweisungsvollzug als zulässig, zumutbar und möglich.
C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 22. März 2013 (Eingabe und
Poststempel) liess der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim
Bundesverwaltungsgericht unter Beilage der auf Seite 52 ff. aufgeführten
Beweismittel (1 bis 64) Beschwerde erheben und beantragen, die ange-
fochtene Verfügung sei wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzu-
heben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die
Verfügung wegen der Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung
aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richti-
gen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das
BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben, die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl
zu gewähren. Eventuell seien die Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Ver-
fügung aufzuheben und die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges festzustellen. Zudem ersuchte er um Mitteilung
der Zusammensetzung des Spruchkörpers. Ferner beantragte er, dass
ihm eine angemessene Frist für eine sprachlich genügende Übersetzung
der von ihm selbst eingereichten Gerichts- und Polizeidokumente (Akte B
1867/4/9) angesetzt werde.
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D.
Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2013 bestätigte die zuständige In-
struktionsrichterin den Eingang der Beschwerde, stellte fest, der Be-
schwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten, erhob einen Kostenvorschuss und gab antragsgemäss die voraus-
sichtliche Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt. Ferner stellte
sie fest, dass alle übrigen Anträge zu einem späteren Zeitpunkt behandelt
werden. Das Gesuch um Fristansetzung zur Einreichung einer sprachlich
genügenden Übersetzung der Akte B 1867/4/9 wurde abgewiesen, da
diese bereits durch einen vereidigten Übersetzer getätigt wurde. Für wei-
tere Parteieingaben wurde auf Art. 32 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) hingewiesen.
E.
Mit Eingabe vom 30. Mai 2013 liess der Beschwerdeführer die Überset-
zung der Akte B 1867/4/9 (Beilage 65) sowie weitere Beilagen (66 bis 78)
ins Recht reichen.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. November 2013 ersuchte
der Beschwerdeführer unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-2948/2012 vom 14. November 2013 mit ergänzendem
Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
Rückweisung der Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz, insbesondere zur Ab-
klärung der aktuellen Lage in Sri Lanka und zur Neubeurteilung. Gleich-
zeitig wurde unter Beilage 79 die aktuelle Kostennote eingereicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
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son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit
Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer zweiten Richterin zu
behandeln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich begründet erweist
(Art. 111 Bst. e AsylG).
2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
3.
3.1 Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tami-
lischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausrei-
sefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen
aufzuheben. Faktisch zieht sie damit sämtliche Verfahren (auch solche im
Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbesehen der konkreten
Umstände im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf zwei im
August 2013 bekannt gewordene Vorfälle sri-lankischer Rückkehrer zu-
rück, welche in der Schweiz jeweils erfolglos ein Asylverfahren durchlau-
fen haben und weggewiesen wurden (vgl. Medienmitteilung des BFM
vom 4. September 2013: "Bundesamt hat Rückführungen nach Sri Lanka
vorläufig ausgesetzt"). Die sri-lankischen Behörden haben die tamilischen
Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. Daraufhin hat die
Vorinstanz in Aussicht gestellt, die beiden Vorfälle und eine allfällige Ver-
änderung der allgemeinen Situation und insbesondere die Lage der
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Seite 5
Rückkehrenden in Sri Lanka vertieft abzuklären. Hierfür ersuchte sie das
UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), die beiden Fälle einer
Qualitätsprüfung zu unterziehen sowie anschliessend auch die Dossiers
jener Personen zu überprüfen, deren Gesuche rechtskräftig abgelehnt
worden sind und die mit der Rückführung nach Sri Lanka hätten rechnen
müssen (vgl. Medienmitteilung des BFM vom 3. Oktober 2013: "Sri Lanka
gibt bekannt, warum zwei ehemalige Asylsuchende in Haft sind" sowie:
Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 4. Oktober 2013: "UNHCR überprüft
Asyldossiers – zwei zurückgeschickte Tamilen seit Wochen in Haft"). Die
Vorinstanz geht damit selbst davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der
Verfügung vom 15. Februar 2013 zugrunde liegt, offensichtlich nicht voll-
ständig festgestellt ist. Denn es besteht kein Zweifel, dass eine neue La-
gebeurteilung vor Ort sich auf die konkrete Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts auswirken kann, sei es im Flüchtlings- und Asylpunkt,
sei es im Wegweisungsvollzugspunkt.
3.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-
chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwei-
sung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsa-
chen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren
durchzuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann
grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt
werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen an-
gebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).
Vorliegend liegt der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung, wobei die unterbliebenen notwendigen Abklärungen eine relativ
aufwändige und umfangreiche Beweiserhebung darstellen, weshalb sich
eine Kassation der angefochtenen Verfügung rechtfertigt. Im Übrigen
bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist,
als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet.
3.3 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die angefochtene Verfü-
gung ist aufzuheben, die Sache ist zur vollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen und
die vorinstanzlichen Akten sowie das Beschwerdedossier, welches eben-
falls Prozessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, werden
dem BFM zugestellt. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmittelein-
gabe ist aufgrund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt
nicht näher einzugehen.
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4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines faktischen Ob-
siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi-
gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen. In Abweichung von der eingereichten Kostennote – zu berücksich-
tigen ist namentlich, dass weite Züge der Beschwerdebegründung und
zahlreiche der eingereichten Beweismittel in diversen vom mandatierten
Rechtsvertreter geführten Beschwerdeverfahren in identischer Weise ein-
gereicht worden sind - sind die notwendigen Parteikosten (unter Berück-
sichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren, vgl. Art. 9–13
VGKE) aufgrund der Akten auf insgesamt Fr. 2'000.– (inkl. aller Auslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Die Vor-
instanz ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 VwVG anzuweisen, dem Be-
schwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten.
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