Decision ID: e6bc5794-99f4-47ca-b65e-322fcd029827
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, Mutter zweier Kinder (geboren 2001 und 2004),
mel
dete sich a
m 1
3.
Juli 2007 erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (
Urk.
6/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab und verneinte
daraufhin
mit Verfügungen vom 1
1.
und 1
2.
Dezember
2007 (
Urk.
6/25-26) sowohl einen Rentenanspruch der Versicherten als auch einen Anspruch auf berufliche Mass
nahmen.
1.2
Am 1
3.
Juli 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum
Leistungsbezug an (
Urk.
6/28), woraufhin d
ie IV-Stelle wiederum Abklärungen der medizinischen sowie erwerblichen Situation
tätigte
und
schliesslich
mit Verfügung vom 1
6.
Juni 2011 (
Urk.
6/50) bei einem Invaliditätsgrad von 5
%
neuerlich
einen Rentenan
spruch der Versicherten
verneinte
.
1.3
Unter Hinweis auf Beschwerden nach einem
am 2
4.
Oktober
2016 (vgl.
Urk.
6/64/53)
erlittenen Treppensturz meldete sich die Versicherte am
7.
Februar 2019 abermals zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/58).
Die zuständige Unfall
versicherung hatte die Leistungen mit Verfügung vom 1
6.
Oktober
2017 (
Urk.
6/64/17-19) infolge Erreichens des Status quo sine per 3
0.
September
2017 eingestellt.
Die IV-Stelle tätigte
entsprechende Abklärungen
,
erachtete Eingliede
rungsmassnahmen als derzeit nicht
angezeigt
(vgl. Mitteilung vom 1
9.
Juni 2019,
Urk.
6/68)
und veranlasste insbesondere eine Abklärung für
Selbständigerwer
bende
, über welche am 1
7.
November 2020 berichtet wurde (
Urk.
6/94).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/97;
Urk.
6/99) sprach die IV
Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 (
Urk.
6/118 =
Urk.
2)
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab dem
1.
August 2019 zu.
2.
Die Versicherte erhob am
1.
September 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei teilweise aufzuheben und es sei ihr spätestens ab Dezember 2020 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventuell sei die Streitsache
für weitere Abklärungen (insbesondere eine
Begut
achtung) an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Oktober 2021 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2021 (
Urk.
7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Beschluss vom
3.
Mai 2022 (
Urk.
8) wurde der Beschwerdeführerin die Gele
genheit eingeräumt, um zu der vom Gericht in Aussicht gestellten Rückweisung und damit verbundenen möglichen Schlechterstellung (
reformatio
in
peius
) Stel
lung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen. Am 2
7.
Mai 2022 reichte die Beschwerdeführerin ihre Stellungnahme ein und hielt an der Beschwerde fest (
Urk.
10). Dies wurde der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
7.
Juni 2022 (
Urk.
11) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer ü
berg
angsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % bes
teht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesent
liche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
be
reich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Re
vi
sionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztli
chen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unter
schiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt so
mit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heits
zustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mittei
lung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu ver
gleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hin
weis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellun
gen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Be
weiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entschei
denden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Ver
waltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutach
terlichen Ausführun
gen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Ver
fügung fest, gestützt auf die erfolgten Abklärungen sei der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit als selbständige Nageldesignerin von Oktober 2016 bis November 2018 nicht zumut
bar gewesen. Sie sei vollständig arbeitsunfähig gewesen. Da die IV-Anmeldung
erst
im Februar 2019 eingegangen sei, sei für den Rentenanspruch
indessen
le
diglich die Zeitdauer ab August 2019 ausschlaggebend. Ab November 2018 könne die Beschwerdeführerin ihre bisherige
sowie eine angepasste
Tätigkeit noch zu 50
%
ausüben. Somit entspreche die Arbeitsunfähigkeit dem Invaliditätsgrad, womit ab August 2019 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bestehe (vgl.
Urk.
2 S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt,
der RAD-Beurteilung könne nicht gefolgt werden.
A
nhand der
im
Einwandverfahren
eingereichten
Berichte von
Dr.
med.
Y._
und
Dr.
med.
G._
habe sich
gezeigt, dass sich ihr Gesundheitszustand m
assgeblich verschlechtert habe und sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit täglich bloss noch zwei bis drei Stunden arbeiten könne. Somit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 80
%
. Da sie in der aktuellen Tätigkeit optimal eingegliedert sei,
bestehe in einer angepassten Tätigkeit
keine höhere Arbeitsfähigkeit. Die neuropsychologische Testung
, welche den verschlechterten Gesundheitszustand belege,
sei
im Septem
ber 2020
erfolgt
.
S
ie
habe daher
spätestens ab Dezember 2020 Anspruch au
f eine ganze Invalidenrente
. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihren Gesundheitszustand
aufgrund der berechtigten Zweifel an den RAD-Aus
führungen
umfassend abzuklären und ein psychiatrisch-neuropsychologi
sches Gutachten
einzuholen
(
vgl.
Urk.
1
S. 2,
S. 5 ff.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
7.
Februar 2019 (
Urk.
6/58) eingetreten, weshalb es zu prüfen gilt, ob
und in wel
chem Ausmass
sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der rentenabweisenden Verfügung vom 1
6.
Juni 2011 (
Urk.
6/50) verändert haben (vorstehend E. 1.4).
Dabei ist
insbesondere
umstritten, ob der Beschwerdeführerin infolge eines ver
schlechterten Gesundheitszustandes
ab Dezember 2020
eine höhere Invaliden
rente
als die zugesprochene
zusteht.
3.
3.1
Die rentenabweisende Verfügung vom 1
6.
Juni 2011 (
Urk.
6/50) basierte in me
dizinischer Hinsicht auf
folgenden
, wesentlichen Berichten:
3.2
Mit Bericht vom
6.
April 2010 (
Urk.
6/34
/6-8
)
erwähnte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Oberarzt,
Spital B._
, als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Kniedistorsion rechts vom 2
2.
Februar 2010 mit Ruptur des proximalen vorderen Kreuzbandes sowie mit Ruptur des medialen Kollateralbandes und kleinster Impression des dorsalen lateralen
Tibiaplateaus
mit
deutlichem
Bone
bruise
(S. 1
Ziff.
1.1).
Die Entwicklung der Stabilität des rechten Kniegelenks müsse unter intensiver Physiotherapie abgewartet werden. Bei guter Stabilität im Verlauf könne die konservative Therapie abgeschlossen werden. Sollte das Instabilitätsgefühl störend persistieren, müsse ein operatives
Vorgehen besprochen werden (S. 2
Ziff.
1.4). Die Festlegung der Arbeitsunfähig
keit
erfolge durch den Hausarzt (S. 2
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Bei Erreichen einer guten Stabilität sei keine weitere Eins
chränkung mehr zu erwarten (S. 2
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte mit Bericht vom 2
8.
Juli 2010 (
Urk.
6/33) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 5
Ziff.
1.1):
-
chronisches
thorakospondylogenes
Syndrom mit muskulärer
Dysbalance
, leichter Wirbelsäulen (WS)-
Fehlform
und Skoliose
-
reaktive, depressive Verstimmung
-
Status nach komplexer, traumatischer Knieverletzung rechts mit Ruptur des proximalen vorderen Kreuzbandes und Ruptur des medialen Kollate
ralbandes und kleiner Impressionsfraktur am
Tibiaplateau
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er eine Hypothyreose (S.
5
Ziff.
1.1).
Die Beschwerd
eführerin habe am 2
2.
Februar 2
010 beim Skifahren ein schweres Kniedistorsionstrauma rechts erlitten. Die Verletzung sei konserva
tiv behandelt worden und die Behandlung habe
zwischenzeitlich
mit erträglichen Restbeschwerden abgeschlossen werden können.
Es
komme sicher
lich
zu einer Defektheilung, welche sich ebenso wie die Wirbelsäulenveränderung nachteilig auf die Erwerbstätigkeit als
Servicefachangestellte
auswirken werde. Eine beruf
liche Neuorientierung erscheine längerfristig unumgänglich (S. 6
Ziff.
1.4). Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Servicefachangestellte vom 2
2.
Februar bis 1
8.
Juli 2010 vollständig arbeitsunfähig gewesen (S. 6
Ziff.
1.6).
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht längerfristig kaum noch zu
mutbar (S. 7
Ziff.
1.7).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, nannte mit Bericht vom 1
8.
November 2010 (
Urk.
6/44/11-12) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Kniedistorsion rechts am 2
2.
Februar 2010 mit partieller Ruptur des vorderen Kreuzbandes und Ruptur des medialen Kollateralban
des mit/bei:
-
erneutem Sturz mit Kniekontusion rechts am 1
7.
Oktober 2010
-
keinen neuen intraartikulären Läsionen (
Magnetresonanztomographie, MRI, Knie
vom 1
6.
November 2010)
-
myofasziales
, teil neurogenes
thoracic
outlet
syndrom
mit/bei:
-
chronischem
thorakospondylogenem
Syndrom links seit Dezember 2006
-
Differentialdiagnose (DD):
sulcus
ulnaris
Syndrom links
-
Knick- und Senkfüsse beidseits, linksbetont mit Überlastungs-Tendinitis der
Tibialis
posterior
Sehne links
-
Morton-
Neurinom
distales
Interphalan
geal
gelenk
(
Dig
.
)
III/IV links
Das MRI des Knies zeige keine Hinweise für eine erneute Binnenläsion
. D
ie Be
funde seien
unverändert zum Vorbefund nach Distorsion vom 2
2.
Februar 201
0.
In der Nachkontrolle vom 1
7.
November
2010 habe sich eine deutliche Bes
serung gezeigt und die Beschwerdeführerin sei wieder beschwerdearm gewesen. Die chronische
thorakospondylogene
Symptomatik zeige seit mehreren Monaten eine Exazerbation. Bei sehr guter Beweglichkeit
der Halswirbelsäule (HWS)
, un
auffälligem Röntgenbild
der HWS
und unauffälligem Befund des MRI
der Brust
wirbelsäule (BWS)
sei eine
zervikoradikuläre
Symptomatik C8 äusserst unwa
hr
scheinlich. Die Senk- und Knick
füsse beidseits würden zu einer Überbelastung führen, weshalb ein medial unterstützender Spezialschuh mit Abrollhilfe getragen werden sollte. Das Morton-
Neurinom
Dig
.
III und IV links sei bereits mehrmalig infiltriert und zeige die Tendenz zum Rezidiv, weshalb eine Operation empfohlen werde (S. 2).
3.5
Mit RAD-Stellungnahme vom
2.
März 2011 erachtete
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, die
vorhandenen
Arztberichte als plausibel.
D
emnach
habe aufgrund
der neu aufgetretenen Knie
verletzung vom 2
2.
Februar bis 1
8.
Juli 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Servicefachangestellte bestanden. Auch wenn sich die Arbeitsfähigkeit danach wieder gebessert habe, sei diese Tätigkeit auf Dauer nicht optimal. Tätigkeiten mit Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, mit Ersteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten, in kniender oder kniebeugender Körperhaltung sowie überwiegende Geh- und Stehbelastung sollten vermieden werden.
Eine ü
berwiegend sitzend a
usgeübte, angepasste Tätigkeit
mit leichter Wechselbelastung sei
dagegen
ganztags zumutbar (
Urk.
6/46 S. 4).
4.
4.1
Seither sind die folgenden
,
wesentlichen
,
medizinischen Berichte zu den Akten genommen worden:
4.2
Die Ärzte des Universitätsspitals
F._
informierten mit Austrittsbericht vom 2
2.
November 2016 (
Urk.
6/64/53-55) über die notfallmässige Behandlung der Beschwerdeführerin und stellten
die
folgende
n
– hier gekürzt aufgeführten -
Diagnosen (S. 1 f.):
-
s
chweres Schädelhirntrauma vom 2
4.
Oktober 2016
mit/bei:
-
klinisch: Anosmie, Wortfindungsstörungen
-
cCT
:
parencymatöse
Blutung links
temporopolar
sowie
frontobasal
links,
subarachnoidale
Blutung links frontal. Lineare Fraktur
des Os
Okzipitale links mit Ausdehnung bis in die
Sutura
Lamboidea
und in
ferior bis an den
Condylus
occipitalis
-
MRI: vorbekannte Blutungen wie im
cCT
, keine Diffusionsrestriktionen, ansonsten keine pathologischen Kontrastmittelanreicherungen, Raum
forderung des Sinus
frontalis
rechts
am ehesten (
a.e
.
)
Osetom
entspre
chend
-
Adipositas Grad III
-
obstruktives Schlafapnoesyndrom
-
substituierte Hypothyreose
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.1)
Die Beschwerdeführerin sei notfallmässig durch den Hausarzt zugewiesen word
en aufgrund neu diagnostizierten
intrakraniellen Blutungen. Die Beschwerdeführe
rin sei vor einem Monat im Urlaub auf Lanzarote alkoholisiert nachts wahrschein
lich zirka zehn Treppen
stufen
gestürzt mit Kopfanprall am Hinterkopf. Sie sei bewusstlos von ihrer Tochter aufgefunden worden. In der Bildgebung hätten sich ältere intrakranielle Blutungen ohne Hinweis auf
eine
frische Einblutung gezeigt, weshalb keine neurochirurgische Behandlungsindikation bestehe (S. 2 f.).
4.3
Das am 1
9.
Februar 2018 erfolgte
MRI des Schädels ergab
traumabedingte
Glio
sen
,
Enzephalomalazie
und
Hämosiderinablagerungen
frontobasal
beidseits,
tem
poropolar
links und
frontopolar
links. Es
zeigte
sich keine inzwischen neu aufge
tretene intrakranielle Hämorrhagie
und kein
andere
r
pathologische
r Prozess
(vgl. Bericht vom 1
9.
Februar 2018,
Urk.
6/67/15).
4.4
Am 2
1.
November 2018 erfolgte eine neuropsychologische und verhaltensneuro
logische Untersuchung durch
lic
. phil
.
G._
, Neuropsycholo
gin/Psy
chologin FSP, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie. Mit Bericht vom 2
2.
November 2018 (
Urk.
6/67/11-14)
wurde eine leichte bis mittel
schwere Störung mit
bifrontalem
und
frontotemporalem
Ausfallsmuster (vorder
gründig Störungen in den
Bereichen Aufmerksamkeit, Exeku
tivfunktionen und
Mnestik
, zudem affektive und Verhaltensauffälligkeiten) im Rahmen eines orga
nischen Psy
cho
syndroms nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) diagnostiziert. Ange
sichts der erhobenen Befunde erstaune es nicht, dass die Beschwerdeführerin Schwierigkeiten am Arbeitsplatz aufweise. Diese s
eien
schwierig beziehungsweise vom Schreibtisch aus nicht zu quantifizieren und müssten im praktischen Berufs
alltag getestet werden. Eine Verhaltenstherapie wäre zu evaluieren (S. 3 f.).
4.5
Mit Bericht vom 2
8.
Mai
2019 (
Urk.
6/65/1-7)
nannte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er ein
e substituierte Hypothyreose (S.
4
Ziff.
2.5-2.6). Es bestünden leichte bis mittelschwere kognitive Defizite, affektive und Verhaltensauffälligkeiten (S. 5
Ziff.
3.4). Die bisherige Tä
tigkeit sei zweimal zwei Stunden pro Tag zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sei vier Stunden pro Tag zumutbar (S. 6
Ziff.
4.1-4.2).
4.6
Dr.
H._
informierte mit Schreiben vom
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/67/1-2) dar
über,
dass die Beschwerdeführerin am 2
4.
Oktober 2016 einen Unfall mit Schä
del
hirntrauma erlitten habe. In der neuropsychologischen Untersuchung vom 2
1.
November 2018 sei eine leichte bis mittelschwere Störung im Rahmen eines organi
schen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma diagnostiziert worden, was zu einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von 50
%
geführt habe. Aufgrund des bis
herigen Verlaufes ohne erkennbare Besserung sei von einem Endzustand auszu
gehen.
Das Fortführen der bisherigen Tätigkeit (
Naildesignerin
) in reduzier
tem Pensum sei a
ufgrund des beruflichen Profils sinnvoller als eine angepasste Tätig
keit in einem eventuell höheren Pensum (falls überhaupt möglich, S. 1 f.)
.
4.7
Am 1
9.
Mai 2020 berichtete
Dr.
I._
über einen stationären Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Es ergäben sich keine veränderten Befunde. Die Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit sei unverändert (
Urk.
6/80 S. 2
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.3,
Ziff.
2.1).
4.8
Mit Bericht vom 1
9.
Juli 2020 (
Urk.
6/83/1-2) informierte
Dr.
H._
über einen insgesamt stationären Gesundheitszustand. Die arbeitseinschränkenden neu
ropsychologischen Störungen im Rahmen eines organischen Psychosyndroms seien im Wesentlichen unverändert. Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als
Naildesignerin
schätzungsweise zu vier Stunden pro Tag mit vielen Pausen arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe schätzungsweise eine Arbeitsfähigkeit von acht Stunden pro Tag mit vielen Pausen, wobei je nach Tä
tigkeit eine verminderte Leistung (Rendement) zu erwarten sei. Sie sei schät
zungsweise zu 50
%
(bei vollem Pensum) arbeitsfähig (S. 1
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.3,
Ziff.
2.1-2.2).
4.9
Mit RAD-Stellungnahme vom 2
2.
Oktober 2020
nannte
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Neurologie,
einen Status nach schwerem Schädelhirntrauma vom 2
4.
Oktober 2016
sowie
eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Stö
rung im Rahmen ei
nes organischen Psychosyndroms
(ICD-10 F07.2)
als Diagno
sen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit.
Als ohne Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte sie eine stabilisierte Migräne, eine substituierte Schild
drüsenunterfunktion, eine Adipositas Grad III sowie ein obstruktives Schlafapno
esyndrom und eine stabile rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1).
Es bestehe eine
eingeschränkte Konzentration und mentale Belastbarkeit, eine rasche Erschöpfung und eine Geruchsstörung. Die bisherige Tätigkeit entspreche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer angepassten Tätigkeit. Die Beschwerde
führerin
sei
vom 2
4.
Oktober 2016 bis 2
1.
November 2018
in jeglicher Tätigkeit
vollständig arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 2
2.
November 2018 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen
sowie einer angepassten Tätigkeit
. Eine Verbesserung sei im Verlauf sehr unwahrscheinlich. In der Bildgebung seien meh
rere Gehirnblutungen
sowie
eine Schädelfraktur am Hinterkopf nachgewiesen worden.
Seither lägen k
linisch unverändert eine rasche Erschöpfbarkeit und kog
nitive Defizite vor.
Anlässlich einer zwei Jahre nach dem Unfall erfolgten
neu
rops
ychologischen Untersuchung sei
eine leichte bis mittelschwere Störung im Rahmen eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) diagnostiziert worden.
Das MRI des Schädels vom Februar 2018 habe eine
traumabedingte
Gehirnveränderung nach stattgehabter Gehirnblutung
ergeben
. Die Lokalisation sei mit dem diagnostizierten Psychosyndrom vereinbar.
Da die kognitiven Defizite noch zwei Jahre nach
erfolgtem
Schädelhirntrauma
hätten
objektiviert werden k
önnen
, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem Endzustand auszugehen. Somit könne der Einschätzung von
Dr.
H._
vom 1
9.
Juli 2020 gefolgt werden. Entsprec
hend der Begutachtungsleitlinie
sei bei einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Störung eine Arbeits
un
fä
higkeit von 30 bis 50
%
ausgewiesen
, womit der Einschätzung von
Dr.
I._
vom Mai 2019 und Mai 2020 einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit gefolgt werden könne. Der durch
Dr.
H._
höher attestierten Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit könne auf
grund der vorliegenden chronischen Erkrankung und unter Berücksichtigung der Begutachtungsleitlinie nicht gefolgt werden.
Es sei von einem dauerhaften Ge
sundheitsschaden auszugehen. Eine vorzeitige Neubeur
tei
lung sei nicht erforder
lich (
Urk.
6/95 S. 4 ff.).
5.
5.1
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
sind die folgenden medizinischen Berichte eingegangen:
5.2
Die Beschwerdeführerin war vom
6.
bis
9.
Dezember 2019 in der Psychiatrischen Universitätsklinik
K._
stationär hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 1
6.
Dezember 2019 (
Urk.
6/101/8-13) nannten die Ärzte die folgenden – hier ge
kürzt aufgeführten – Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma im Oktober 2016, leichte bis mittelschwere Störung mit
bifrontalem
und
frontotemporalem
Ausfallmuster (ICD-10 F07.2)
-
Selbstschädigung in der Eigenanamnese (ICD-10 Z91.8)
-
Status nach intestinalem Bypass oder intestinaler Anastomose (ICD-10 Z98.0)
-
substituierte Hypothyreose
-
Status nach Schädelhirntrauma am 2
4.
Oktober 2016
-
Adipositas Grad III
-
obstruktives Schlafapnoesyndrom
Der Eintritt sei freiwillig erfolgt infolge Selbstgefährdung vor dem Hintergrund einer neu aufgetretenen Belastungssituation sowie einem bekannten organischen Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (S. 2). Nachdem die Beschwerdeführerin drei Tage auf der Station verbracht habe, habe sie von
einer kompletten
Remis
sion der Symptomatik, insbesondere der
Lebe
nsüberdrussgedanken
, berichtet. S
ie
habe daher
ausdrücklich den Austritt gewünscht
. Es werde eine Nachbehandlung durch das Home Treatment initiiert
(S. 4).
5.3
Vom 1
0.
bis 2
0.
Dezember
2019 wurde die Beschwerdeführerin in der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
zur Unterstützung bei Rückkehr in die Häuslichkeit nach mehrtätiger Hospitalisierung bei Exazerbation depressiver Symptome
ambulant behandelt
(vgl. Austrittsbericht vom 1
5.
Januar 2020,
Urk.
6/101/14-17). Die Beschwerdeführerin habe sich nach Eintritt affektiv ausgeglichen
sowie
stabil gezeigt und habe die Rückkehr in die Häuslichkeit als stimmungshebend erachtet.
Die
50%ige Tätigkeit als Nageldesig
nerin
habe sie
wiederaufgenommen. Der Austritt sei in das bestehende hausärzt
liche Behand
lungsverhältnis erfolgt (S. 3).
5.4
Mit Bericht vom 1
6.
Oktober 2020 (
Urk.
6/101/18-19) nannte
Dr.
med.
MSc
ETH
Y._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychothera
pie,
folgende Diagnosen (S. 1):
-
attentionale
und exekutive Defizite bei Status nach Schädelhirntrauma am 2
4.
Oktober 2016 (ICD-10 F06.8) mit/bei:
-
MRI Schädel (2018):
traumabedingte
Gliosen
,
Enzephalomalazie
und
Hämosiderinablagerungen
frontobasal
beidseits,
temporopolar
links und
frontopolar
links
-
Neuropsychologie (September 2020): mittelgradige neuropsychologi
sche Störung mit deutlichen Minderleistungen bei der Aufmerksamkeit und den exekutiven Funktionen
-
psychophysiologische Aufmerksamkeitsdiagnostik mittels
qEEG
/ERP (September 2020): verminderte
Alertness
, Neuromarker für eine ver
minderte reaktive kognitive Kontrolle und eine limbische Überaktivie
rung, verstärkte Signaldetektion und verstärkte Orientierungsreaktion
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
Die von der Beschwerdeführerin beklagten und
bereits
durch
den
Voruntersucher beschriebenen
attentionalen
Defizite würden sich sowohl in der neuropsycholo
gischen als auch in der psychophysiologischen Diagnostik objektivieren lassen. Zudem fänden sich exekutive Defizite. Das Gedächtnis sei sowohl für verbale als auch figurale Inhalte normal, sodass eine zusätzliche neurodegenerative Erkran
kung unwahrscheinlich sei. In der psychophysiologischen Diagnostik fänden sich zudem Neuromarker für eine limbische Überaktivierung, welche typisch bei Ängs
ten, Depressionen und
Traumatisierungen aufträten
. Aus neuropsychiatrischer Sicht sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Schädel
hirntraumas mit Kontusionsblutungen die deutlichen
attentionalen
und exekuti
ven Defizite aufweise und
,
dass die Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt sei, wobei kein konkreter Prozentsatz festgelegt werden könne (S. 2).
5.5
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Be
richt vom
4.
März 2021 (
Urk.
6/101/1-7) an, dass sie die Beschwerdeführerin seit dem 1
2.
Januar 2021 behandle (S. 2
Ziff.
1.1)
,
und als Diagnosen mit Auswirkun
g
en
auf die Arbeitsfähigkeit eine organische gemischte affektive Störung (ICD-10 F06.33) nach am 2
4.
Oktober 2016 erlittenem Schädelhirntrauma mit
attentiona
len
und exekutiven Defiziten sowie eine
seit dem Jahr 2002 bestehende
Allerg
ie gegen Acryl und säurehaltigen
Primer stellen könne. Als Diagnose ohne Auswir
kung
en
auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine psychische Verhaltensstörung durch Alkohol und Niko
tin, gegenwärtig abstinent (ICD-
10 F10.20 un
d F17.20). Die Prognose sei beim bisherigen
Pensum von 50
%
ungünstig (S. 4
Ziff.
2.5-2.7). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin zu zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sei nicht erforderlich. Die Beschwerde
führerin könne mit reduziertem Pensum in ihrer angestammten Tätigkeit arbeiten (S. 6
Ziff.
4.1-4.2).
5.6
Mit RAD-Stellungnahme vom 3
0.
März 2021 hielt
Dr.
J._
hinsichtlich des
durch
Dr.
G._
erstellten B
erichtes fest, dass
k
ein medizinisches Attest mit Nachweis einer Allergie gegen Acryl und säurehaltigen Primer vorliege. Da die Allergie seit dem Jahr 2002 bestehen solle, bleibe unklar, wieso sich die Beschwerdeführerin trotz besserem Wissen diesen Noxen im Rahmen einer Selbständigkeit ausgesetzt habe und dabei auch noch wirtschaftl
ich erfolgreich gewesen sei.
Die Diagnose ein
er Allergie sei nicht plausibel, weshalb ihr
nicht gefolgt werden
könne
. Hin
sichtlich der Depression sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin b
ereits seit dem 1
4.
Lebensjahr und somit
vor dem im Jahr 201
6 erlittenen Schädelhirn
trauma
unter rezidivierend depressiven Episoden leide. Es bestehe seit 15 Jahren eine antidepressive Therapie mit Citalopram. Aufgrund des fehlenden direkten zeitlichen Zusammenhangs sei die Diagnose einer organisch gemischten affekti
ven Störung nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F06.33)
daher
wenig plausibel.
D
ie
durch die Ärzte der
Psychiatrischen Universitätsklinik K._
gestellte Diagnose von rezidivierend depressiven Episo
den seit der Jugend (ICD-10 F33.0)
sei hingegen plausibel
.
Gemäss dem durch
Dr.
Y._
erstellten Be
richt habe sich im September 2020 eine mittelgradige neuropsychologische Störung gezeigt. Entsprechend der Begutachtungsleitlinie könne bei einer solchen eine 50%ige Arbeit
sunfähigkeit angenommen werden, was
bereits in der RAD-Stellungnahme vom 2
2.
Oktober 2020 berücksichtigt wor
den
sei
. Es lägen keine neuen Diagnosen oder neue dauerhafte Funktionsein
schränkungen vor. Es handle sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sach
verhalts. An der RAD-Stellungnahme vom 2
2.
Oktober 2020 könne festgehalten werden (
Urk.
6/114 S. 2 f.).
6
.
6
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der verfügten
Rentenzusprache
auf die
RAD-
Stellungnahme von
Dr.
J._
(vorstehend E. 4.9, E. 5.6). Diese vermag in
dessen nicht zu überzeugen.
6.2
RAD-Ärztin
Dr.
J._
hat die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht, sondern eine reine Aktenbeurteilung vorgenommen. Dabei stellt sich die Frage,
w
eshalb die von ihr erwähnte «stabile» rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1)
keine Diagnose mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit dar
stellt
(vgl.
Urk.
6/95 S. 4)
.
Auch kann sie sich für ihre Einschätzung der verbliebenen Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf keine verlässliche Beurteilung aus ärztlicher Sicht stützen.
Anlässlich der neuropsychologischen und verhal
tens
neurologischen Untersuchung durch
lic
. phil.
G._
und
Dr.
H._
konnte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht quantifiziert werden (vor
stehend E. 4.4).
Soweit
Dr.
I._
als Internist
eine angepasste Tätigkeit als zu vier Stunden pro Tag zumutbar erachtete (
vorstehend E. 4.5, E. 4.7
), wurde
dies nicht fachärztlich festge
stellt.
D
ie Beurteilung durch
Dr.
H._
, wonach eine ange
passte Tätigkeit schätzungsweise zu 8 Stunden mit vielen Pausen möglich, auf
grund des beruflichen Profils indessen das Fortführen der bisherigen Tätigkeit in reduziertem Pensum sinnvoller sei (
vorstehend E.
4.6, E. 4.8
), erschei
nt ungenau
und erfolgte ohne Erstellung eines Belastungsprofils
.
Dr.
Y._
erachtete die Arbeitsfähigkeit zwar als deutlich eingeschränkt, konnte sich jedoch ebenfalls nicht auf einen konkreten Prozentsatz festlegen (vorstehend E. 5.4).
Die Aussage von
Dr.
G._
,
wonach eine
angepasste Tätigkeit nicht erforderlich sei
, da die Beschwerdeführerin mit redu
ziertem Pensum in ihrer angestammten Tätigkeit arbeiten könne (
vorstehend E. 5.5
), entspricht sod
ann keiner Einschätzung der ver
bliebenen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit aus medizinisch-theo
retischer Sicht.
Schliesslich
haben sich weder die behandelnden Ärzte noch der RAD zu den Standardindikatoren bei diagnostiziertem organischen Psycho
syn
drom (ICD-10 F07.2) und Depressionen geäussert.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkran
kungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (
vorstehend E. 1.5
).
Kognitive Defizite müssen nachvollziehbar und überzeugend durch ein medizinisch-dia
gnos
tisch fassbares Leiden mit Krankheitswert erklärbar sein, das mit Blick auf Schweregrad, Dauer und Intensität zugleich als eine die Arbeitsfähigkeit beein
trächtigende Krankheit im gesetzlichen Sinne gelten kann (Urteil des Bundes
gerichts 9C_231/2016 vom 1. Juni
2016 E. 2.2.2).
Die RAD-Beurteilung
durch
Dr.
J._
kann sich demnach nicht auf eine schlüssige und nachvollziehbare Aktenlage stützen, womit Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen und folglich nicht darauf abgestellt werden kann (vorstehend E. 1.7).
D
ie übrigen aktenkundigen Arztbe
richte erlauben
– wie soeben aufgezeigt
–
keine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs.
6.3
Zusammenfassend
erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich
. Es kann nicht überprüft werden, ob und
in welchem Ausmass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der rentenabweisenden Verfügung vom 1
6.
Juni 2
011 (
Urk.
6/50) verändert haben. Dementsprechend ist
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen, damit diese nach erneuter
rechtskonformer
Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständi
ges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
Diese ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
ents
chädigung vorliegend
beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
)
auf
Fr.
2'5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.