Decision ID: e85b1eb4-e826-4672-95d2-ed2da9a820f4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
X._
, geboren 1963, absolvierte
eine Ausbildung als Zahnarztgehilfin
(
Urk.
7
/
2
/4).
In der Schweiz war sie z
uletzt vom
1.
Juni 2005
bis zum
Ablauf des befristeten Arbeitsverhältnisses am
31.
Dezember
2008 mit einem
Teilzeit
pensum
als
Sortiererin bei
der
Z._
angestellt (Urk. 7/11
,
7/13/6
und 7/15
)
.
Im Mai 2010 zog
die Versicherte
nach
A._
, wo sie eine Tätigkeit als
Übersetzerin
in einem Architekturbüro
aufnehmen
wollte
(Urk.
7/13/6)
.
I
m September 2010
eröffnete
man ihr dort
, man
müsse aus wirtschaftlichen Gründen auf ihren Einsatz verzichten
(
Urk.
7/13/7
und 7/33/17
).
Am 21.
Februar 2011 kehrte
die Versicherte
wie
der in die Schweiz zurück (Urk.
7/13/7). Im Mai 2011 unternahm sie einen Arbeitsversuch als Kioskverkäuferin mit einem Pensum von 10-15 Stunden pro Woche
(Urk.
7/13/7).
Am
13
.
Mai
20
11
meldete sich die Versicherte bei der
Sozialver
sicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Ur
k. 7/2
)
. Diese klärte die erwerblichen (vgl. Urk.
7/6
,
7/8-10
und 7/15
) und medizinischen (vgl. Urk.
7/12
, 7/16, 7/22
, 7/23 und 7/26
) Verhältnisse ab.
Sie gab bei
Dr.
med.
B._
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag
(Urk.
7/28), das er am 1
5.
Oktober 2012 erstattete (
Urk.
7/33).
Die IV-Stelle stellte der Versicherten mit Vorbescheid
vom 1
0.
Dezember 2012 ab dem 1.
Februar 2012 eine
Viertelsrente
in Aussicht (
Urk.
7/38 und 7/39).
Überdies verpflichtete die IV-Stelle die Versicherte mit Schreiben vom 1
0.
Dezember 2012
unter Hinweis auf ihre Schadenminderungspflicht zur Fortführung der ambulanten fachpsychiatrischen Behandlung inklusive adäquater Pharmak
o
therapie einschliesslich notwendige
r Plasmaspiegelkontrollen (Urk.
7/37).
Gegen den Vorbescheid vom 1
0.
Dezember 2012 erhob die Versicherte Einwand (
Urk.
7/46),
den sie unter Einreichung weiterer Berichte ihrer behandelnden Ärzte
(Urk.
7/50) ergänzend begründete (
Urk.
7/51).
Die IV-Stelle forderte die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zur
Bekanntgabe ihres Behandlungsplans und des aktuellen Behandlung
sstandes
auf
(
Urk.
7/52),
worauf
sich
diese
mit zwei Schreiben vom 2
0.
März 2013 äusserte (
Urk.
7/55 und 7/56).
Mit Verfügung vom
3.
Mai 2013 sprach
die IV-Stelle der Versicherten
, ausgehend von
einer 60%ige Arbeits
un
fähigkeit und
einem Invaliditätsgrad von 60
%
(
Urk.
7/58/3,
7/60/2 und 7/61)
,
ab dem
1
.
Februar
20
12
eine
Dreiviertels
rente
zu (Urk.
7/66
).
Im
März
20
14
leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Rentenüberprüfung ein, indem sie der Versicherten den Fragebogen zur Revision der Invalidenrente zusandte, der am 2.
April
20
14
ausgefüllt retourniert wurde (Urk.
7
/
73
). Die IV-
Stelle holte einen
aktuellen IK-Auszug (
Urk.
7/74) und ärztliche
Verlaufsbericht
e
(
Urk.
7/75/5 und 7/76) ein.
Am
28
.
Mai
2014 gab
sie
bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches
Gutachten in Auftrag (Urk.
7
/
78
), das er am
11
.
August
2014 erstattete (Urk.
7
/
81
). Mit
Vorbe
scheid vom
6
.
Februar
201
5
stellte die IV-Stelle der Versicherten
die
Aufhebung der
Dreiviertels
rente
in Aussicht (
Urk.
7
/
83
). Dagegen
erhob
die Versicherte Einwand (Urk.
7/90
)
. Mit demselben nahm sie auch zum Gutachten von
Dr.
D._
Stellung
(Urk.
7
/
89
).
Die IV-Stelle hob m
it Verfügung vom 22. Juni
2015 wie angekündigt die
Dreiviertelsrente
auf Ende des der
Z
ustel
lung der Verfügung folgen
den Monats auf (Urk. 2 = 7/
93
). Einer Besch
werde gegen die Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung (Urk. 2 S. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
22. Juni
2015 liess die Versicherte, vertreten durch
die Sozialen Dienste der Stadt Winterthur,
mit Eingabe vom 24. August 2015 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit dem Antrag, die ang
efochtene Verfügung sei aufzuhe
ben und es sei
ihr
weiterhin eine Invalidenrente zuzusprechen und aus
zurichten. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme von ergänzenden Abklä
rungen zurückzuweisen und es sei die IV-Stelle anzuweisen, ein neues (
po
l
ydis
ziplinäres
) Gutachten sowie eine BEFAS- und/oder EFL-Abklärung in Auftrag zu
geben.
Subeventualiter
seien der Versicherten berufliche (Eingliederungs-)Mass
nahmen zuzusprechen und umgehend einzuleiten.
Alles unter Kosten- und
Ent
schädigungsfolgen
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S.
2). Ferner wurd
e um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels und die Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ersucht (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 24. September 2015 auf Abweisung der
Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfü
gung vom 2
6
. Septem
ber 2015 wurde
das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung
be
willigt
(Urk.
8
).
Mit derselben Verfügung wurde der Beschwerdeführerin auch mitgeteilt, ein zweiter Schriftenwechsel erscheine nicht erforderlich, es stehe ihr
indessen frei, sich zur Beschwerdeantwort zu äussern (
Urk.
8 S.
4).
Die Beschwer
deführerin reichte keine weitere Stellungnahme ein.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften
und die im
Besch
werde
verfahren
neu eingereichte
Unterlage (
Urk.
3/6
)
wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im
Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilun
g einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte
rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (BGE 133 V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung
zog
die Beschwerdegegnerin in Betracht,
ihre Abklärungen hätten ergeben,
dass sich
der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin verbessert
habe.
Es sei auf das psychiatrische
Gutachten
von
Dr.
D._
vom 1
1.
August 2014
abzustellen. Demnach seien der Beschwer
deführerin seit Mai 2014 wieder jegliche Tätigkeiten zu 100
%
zumutbar. Es bestehe somit keine Invalidität mehr, die einen Rentenanspruch zu begründen vermöchte
(vgl. Urk. 2).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin vorbringen,
das Gutachten von
Dr.
D._
sei aktenwidrig
und widersprüchlich. Es erfüll
e die von der Recht
sprechung gestellten Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten nicht, so dass nicht darauf abgestellt werden könne (vgl. Urk. 1
).
3.
3.1
Die
Rentenzusprac
he
beruhte in medizinischer Hin
sicht auf
dem Bericht der be
handelnden Psychiaterin
Dr.
C._
vom 2
0.
März 2013 (
Urk.
7/55 und 7/56) und dem
anschliessend
von
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) mit
Dr.
C._
geführten Telefongespräch
, dessen Inhalt in den Akten nicht
dokumentiert
wurde
(vgl. das Feststellungsblatt für den
Einwand
vom
25
.
März
20
13
, Urk. 6/22).
Demnach litt die Beschwerdeführerin unter einer rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig schwer mit psychotischen Symptomen
mi
t
schwankende
m
Verlauf, mittlerweile mittelgradig
ausgeprägt
(ICD-10: F32.2)
,
und an einer w
ahnhaften Störung (ICD-10: F22), weswegen sie als
für jegliche
Tätigkeiten
zu
60
%
a
rbeitsunfähig
beurteilt wurde
(Urk.
7/55, 7/56/3
und 7/58/2
)
.
3.2
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für allgemeine Medizin, hielt in seinem Verlaufsbericht vom
5.
Mai 2014 fest, der psychische Zustand der Versicherten sei unverändert. Laut ihren eigenen Angaben sei sie immer noch nicht belastbar. Anfang 2014 habe sie
erneut
eine grosse seelische Krise durchge
macht, die sie wieder zurückgeworfen habe. Sie habe sich ganz zurückgezogen, sei nicht mehr unter die Leute
und
auch nicht mehr regelmässig in die ambu
lante Psychotherapie zu
Dr.
C._
gegangen. Aus seiner Sicht bestehe weiterhin eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von 60 % (
Urk.
7/75/5).
3.3
In ihrem Bericht vom
8.
Mai 2014 verwies
Dr.
C._
betreffend die
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf ihren Vorbericht (
Urk.
7/76/1).
Sie habe die
letzte Untersuchung am 2
8.
April 2014 vorgenommen (
Urk.
7/76/1). Gegenwärtig finde keine Behandlung statt (
Urk.
7/76/2). Die verordneten
Hor
montabletten
habe die Versicherte abge
setzt. Sie habe
Wechseljahresbe
schwer
den
gehabt, die seit April 2014 besser geworden seien. Ab und zu nehme sie eine halbe Tablette
Zoloft
ein
, welche sehr stark wirke. Die Motivation zur Therapie sei gering. Die Versicherte habe erklärt, gegen ihr Problem helfe Ruhe. Das sei ihre Therapie. Sie wolle sich ab dem nächsten Jahr wieder irgendeine Arbeit suchen oder Beratungen machen
(
Urk.
7/76/2)
.
Zur Anamnese führte
Dr.
C._
an, alles rege die Versicherte auf. Sie beschreibe viele Krisen. Sie ertrage den Zeitgeist nicht mehr, es gebe zu
viel CO
2
in der Luft, ande
re Menschen empfänden das nicht
so. Die schlechte
Luft tue ihr nicht gut,
sie sei
oft
verschnupft. Sie rieche, sehe und höre zu
viel. Die Menschen seien zu unkritisch, sie sei hellfühlend und nehme Vieles wahr. Sie mache zweimal pro Woche astrologische Beratungen. Mehr könne sie nicht. Sie habe keine Nerven mehr. Sie könne nur 20 Seiten lesen, dann habe sie einen
Strom
kreislauf
bzw. Stacheldraht im Kopf. Sie merke erst jetzt, dass sie in ihrem Leben nie Ruhe gehabt habe. Manchmal wolle sie sich erhängen. Eine Verände
rung der Wahrnehmung habe sich nicht eingestellt. Die Suizidgedanken träten in den Vordergrund, wenn sie sich mit dem Zeitgeist beschäftige. Ihre Kraft sei erschöpft. In ihr sei alles wie tot
(
Urk.
7/76/2)
.
Dr.
C._
verzichtete auf eine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung und regte an, eine Zweitmeinung einzuholen (
Urk.
7/76/3). In einem ergänzenden Schreiben vom selben Datum
legte
Dr.
C._
dar
, im Verlauf der weiteren Behandlung seit dem Rentenentscheid sei die Versicherte noch vordergründig motiviert zur Be
handlung erschienen. Sie habe den Sinn und den Zweck der psychiatrischen Behandlung angezweifelt und erklärt,
dieselbe
bringe
ihr nichts mehr. Urlaubs- und k
rankheitsbedingt sei eine längere Pause seit Januar 2014 gefolgt. Das therapeutische Verhältnis habe sich nicht aufrechterhalten lassen. Sie empfehle eine Untersuchung durch den
RAD
bzw. eine gutachterliche Untersuchung, da sie sich mit der Diagnose weiterhin nicht sicher sei. Ein gewisser
Krankheitsge
winn
sei denkbar (
Urk.
7/76/6).
3.4
In seinem Gutachten vom 1
1.
August 2014 (
Urk.
7/81)
stellte
Dr.
D._
ke
ine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien ein Erschöpfungssyndrom (Burn-out Syndrom),
ICD-10: Z73.1
,
und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remit
tiert
, ICD-10: F33.4 (
Urk.
7/81/37).
Zur Begründung
führte
Dr.
D._
an, aktuell
liessen sich
keine Symptome erheben,
die
einer depressiven Störung zuordenbar wären. Es sei daher von
einer
Remission der rezidivierend
en
depressiven Störung auszugehen. Im Vorder
grund der Psychopathologie stünden ein E
rschöpfungssyndrom (B
urn-out) und eine Selbstlimitation. Letztere ergebe sich im Rahmen der ideologischen Über
zeugung der Versicherten
, wie dies
bereits
Dr.
C._
festgestellt
habe. Dieselbe habe
in ihrem Bericht vom
6.
Januar 2012
festgehalten
, die Versicherte
könne sich
für keine Arbeit motivieren, die nicht im Einklang mit ihrer Ideologie stehe. Sie erkenne den Sinn
des Gelderwerbes nicht (Urk.
7/81/36).
Der formale Gedankengang
der Versicherten
sei in Kohärenz, Stringenz und Tempo ungestört.
Sie
äussere im inhaltlichen Denken esoterische Gedanken üb
er das Leben, die in sich schlüssig wirkten und sich mit ihrem alternativen Lebensentwurf und ihrer Ausbildung deckten, so dass keine wahnhafte Störung anzunehmen sei. Es gebe keine Hinweise für Wahn, keine Sinnestäuschungen und keine Ich-Störungen im Sinne von Gedankeneingebung, -ausbreitung oder –
beeinflussung
.
Es
lasse sich
weder
eine
Derealisation
noch eine
Depersonal
i
sa
tion eruieren. Ebenso wenig
seien
Gedankenkreisen oder Grübeln
auszumachen
. Rituale würden verneint und seien im Untersu
ch auch nicht beobachtbar (Urk.
7/81/32).
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass sich der psychische Gesundheitszu
stand der Versicherten verbessert habe. Sie befinde sich aktuell in keiner psy
chiatrischen Behandlung. Es bestehe auch nach den Angaben vo
n
Dr.
C._
kein Leidensdruck und
d
ie Versicherte erhalte keine psychopharma
kologische Medi
k
a
tion
(
Urk.
7/81/37)
.
Die verbesserte Situation bestehe seit dem Bericht von
Dr.
C._
vom
8.
Mai 2014, spätestens jedoch seit der Begutachtung am
4.
August 2014 (
Urk.
7/18/38).
4
.
4
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung des aktuel
len medizi
nischen Sachverhalts auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
D._
vom
11
.
August
2014 abstellen durfte.
4
.2
Das zur Diskussion stehende Gutachten basiert auf
der fachärztlichen Untersu
c
hung der Beschwerdeführerin am
4.
August
2014 (Urk.
7
/
81
/
3
und 7/81/17
)
. Es wurde
in Kenntnis der medizinischen
Vorakten
erstattet (Urk.
7/81/3 und 7/81/5-17
). Die gestellten Fra
ge
n beantwortet es umfassend. Überdies setzt es
sich
detailliert mit den Beurteilungen von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
aus
einander
(
Urk.
7/81/35)
.
4
.3
Gegen das Gutachten wurde in der Beschwerdeschrift vorgebracht,
der aufmerk
same Leser stelle bei der Lektüre fest, dass diverse Ereignisse aus der Biographie der Beschwerdeführerin nicht korrekt wiedergegeben und von
Dr.
D._
zum Teil
als widersprüchliche Aussagen der Beschwerdef
ührerin qualifiziert worden seien
. In ihrer Stellungnahme zum Gutachten vom
2.
März 2015 habe die Be
schwerdeführerin rund ein Dutzend falsche und aktenwidrige Angaben aufge
zeigt
(
Urk.
1 S. 4
mit Hinweis auf 7/89
)
.
Die Beschwerdeführerin
nahm
daran
Anstoss
, dass
Dr.
D._
in seinem Gut
achten festhielt, kein Familienmitglied leide an einer schweren
Persönlichkeits
störung
.
Dabei hätten i
hre Mutter an einer Schizophrenie und ihre Grossmutter jahrelang an schweren Depressionen gelitten. Auch ihre erblindete Tante leide an Depressionen (
Urk.
7/89/1 mit Hinweis auf Urk. 7/81/18).
Weder
eine
Schizo
phrenie noch
eine
Depression
ist
mit einer Persönlic
hkeitsstörung gleichzu
setzen
, da es sich um drei verschiedene psychische Leiden handelt
.
Es trifft daher zu, dass – den Ausführungen der Beschwerdeführerin zufolge – kein Familienmitglied an einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet. Die von der
Beschwerdeführerin beschriebenen depressiven und schizophrenen Erkrankungen
ihrer weiblichen Familienmitglieder hat
Dr.
D._
korrekt festgehalten
(
Urk.
7/81/17), so dass ihm in diesem Punkt nichts vorzuwerfen ist.
Dasselbe gilt
bezüglich der Feststellung, in der Herkunftsfamilie sei keine Tuberkulose auf
getreten (
Urk.
7/89/1 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/18). Der Umstand, dass
(ledig
lich)
die Beschwerdeführerin
selbst
in ihrer Kindheit unter
einer
Tuberkulose gelitten hatte, war
Dr.
D._
bekannt und wurde
von ihm zutreffend
im Gut
achten erwähnt (
Urk.
7/81/19).
Des
Weiteren
machte die Beschwerdeführerin
geltend, sie habe nie erklärt, ihr geschiedener Ehemann habe sie schlecht behandelt
und ausgenutzt
(Urk.
7/89/1 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/21
und
Urk.
7/89/3 mit Hinweis auf Urk.
7/81/33
).
Generell ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, w
eshalb
Dr.
D._
die anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin nicht richtig wiedergegeben haben sollte.
Vielmehr ist h
insichtlich der gerügten
Feststellung
zu bemerken
,
dass
die Beschwerdeführerin
in dem von ihr verf
assten Lebenslauf
selbst
schil
derte
,
sie habe
aufgrund des Verhaltens ihres Ehemannes, das dem ihr be
kannten Muster entsprochen habe,
unter
einem
seelischem Druck gelitten
(
Urk.
7/13/4).
Ungeachtet dessen
betreffen
die
strittige
n
Passage
n
– wie zahlrei
che weitere –
einen Nebenpunkt, dem für die Wertigkeit des Gutachtens keine Bedeutung zukommt.
Namentlich ist es
unerheblich, ob sich die Beschwerde
führerin als „esoterische Beraterin“ oder aufgrund ihrer psychologischen und astrologischen Ausbildung als Lebensberaterin betätigt
, ebenso,
ob sie damit „ca. 300 bis 400 CHF“ oder ca.
Fr.
320.-- erzielt
(Urk.
7/
89/1 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/23). Es spielt auch keine Rolle, ob sich das Institut von Prof.
Dr.
G._
in „
H._
“ oder in
I._
befa
nd und ob dort
„Metaphy
s
i
k
“
oder praktische Psychologie und Lebensberatung gelehrt wurde (
Urk.
7/89/1 mit Hin
weis auf
Urk.
7/81/24).
Offen bleiben kann auch, ob die Beschwerdeführerin nac
h dem Zeitunglesen Karten spielt oder nicht und ob
sie
tatsächlich zwei, drei oder vier Tassen Kaffee pro Tag trinkt (
Urk.
7/89/2 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/30).
Schliesslich
sind
auch der
offensichtliche
Verschrieb der Jahreszahl betreffend die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der
Z._
und die Kontroverse betreffend die Gründe dafür nicht von Relevanz (
Urk.
7/89/2 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/25).
Immerhin wurde zu Recht nicht beanstandet,
Dr.
D._
habe
die
Ausführungen
zu den gepflegten Hobbies nicht korrekt festgehalten, auch wenn
die Beschwerdeführerin
dieselben nacht
r
äglich als
zum Teil
scherzhaft gemeint
bezeichnete
(
Urk.
7/89/1 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/23).
Als Zwischenergebnis ist daher festzuhalten, dass
Dr.
D._
nicht vorzuwerfen ist, er habe für die psychiatrische Beurteilung wesentliche Angaben der Beschwerdeführerin nicht korrekt wiedergegeben und berücksichtigt.
4.
4
Des Weiteren
wurde in der Beschwerdeschrift gerügt
,
Dr.
D._
habe in seinem Gutachten unzutreffend festgehalten,
Dr.
C._
habe sich in ihrem Schreiben vom
8.
Mai
2014 von ihrer eigenen diagnostischen Einschätzung distanziert und sei zum Schluss gekommen, dass ein gewisser Krankheitsgewinn denkbar sei;
l
etzteres
sei
aus
guta
chterlicher Sicht korrekt (Urk.
1 S. 5 mit Hinweis auf
Urk.
7/81/35-36).
Tatsächlich habe
Dr.
C._
im besagten Schreiben lediglich ausgeführt, dass sich das therapeutische Verhältnis n
icht habe aufrecht
erhalten lassen
. Sie empfehle eine Untersuchung durch den RAD bzw. eine gutachterliche Untersuchung, da sie
sich
in der
Diagnose weiterhin nicht sicher
sei. Ein gewisser Krankheitsgewinn sei denkbar
(
Urk.
1 S.
5 mit Hinweis auf
Urk.
7/76/6).
Es trifft
zwar
zu, dass
Dr.
C._
in ihrem Schreiben vom
8.
Mai 2014 erklärte, sie sei sich bezüglich der Diagnose „weiterhin“ unsicher (
Urk.
7/76/6). Aus den
Akten geht indessen nicht ansatzweise hervor, dass
Dr.
C._
nach dem 20. März
2013 bis zur
Rentenzusprache
Zweifel bezüglich der relevanten Diagnosen hegte (vgl. 7/55, 7/56
und 7/58/2
). Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass
Dr.
D._
das Schreiben vom
8.
Mai 2014 als Distanzierung von der ursprünglichen diagnostischen
Einschätzung
wertete
. Insbesondere
legte er in seinem Gutachten
nachvollziehbar
dar,
dass
die von
Dr.
C._
neu
vertretene
Ansicht, ein gewisser Krankheitsgewinn sei denkbar,
zutreffend sei (
Urk.
7/81/36 und 7/81/38)
. Das Gutachten gibt folglich auch in diesem Punkt zu keinen Beanstandungen Anlass.
4.
5
Ferner
wurde moniert, das
Gespräch mit
Dr.
D._
sei aus
der Sicht der Be
schwerdeführerin
unangenehm und unpersönlich verlaufen
, seine ganze Art hab
e herablassend und entwertend
auf sie
gewirkt
(
Urk.
1 S. 4 und 7/89/1).
Hierzu ist
zu bemerken, dass das subjektive Empfinden der Beschwerdeführerin keine Rolle
spielt.
Vielmehr ist entscheidend, dass nichts vorgetragen wurde
,
was
Zweifel an
der fachlichen Eignung oder
an
der Unbefangenheit von
Dr.
D._
zu wecken
vermöchte.
Aus
einem temporeichen Fragestil
allein lässt sich
jedenfalls
nicht folgern, die Unparteilichkeit von Dr.
D._
sei nicht gewährleistet.
4.
6
Schliesslich
wurde auch sonst
nichts vorgetragen, was das psychiatrische Gut
achten von
Dr.
D._
vom 11
.
August
2014 als
nicht schlüssig erschei
nen liesse oder sonst in Zweifel zu ziehen vermöchte. Ebenso wenig ist etwa
s Derartiges aus den Akten er
sicht
lich. Vielme
hr erfüllt das Gutachten sämtli
c
he von der Rechtsprechung statu
ierten
Anforderungen an ein medizini
sches Gutachten (vgl. auch BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin darauf abgestellt hat.
Unter diesen Umständen war es auch nicht
angezeigt
, die von der Rechtsvertreterin der Be
schwerdeführerin geforderten weiteren Ab
klärungen bezüglich des von Dr.
D._
diagnostizierten Erschöpfungssyndrom
s
(Burn-out Syndrom: ICD-10: Z73.1) vorzunehmen (
Urk.
1 S. 6), hatte er
demselben
doch – einleuchtend und nachvollziehbar – keine invaliditätsrelevante Auswirkung auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit zugemessen.
5
.
Mit dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
vom
11. August
2014
ist ausgewiesen, dass
spätestens seit dem
8.
Mai 2014
kein psychischer
Gesund
heitsschaden
mehr besteht, der die Beschwerdeführerin
in invaliditätsrelevanter Weise
in ihrer Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt.
Im
Beschwerdever
fahren
wurde neu ein ärztliche
s Zeugnis von
Dr.
F._
vom 26.
Juni 2015 ein
gereicht, mit welchem er der Beschwerdeführerin vom
1.
Juni bis zum 3
1.
Juli 2015 eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit attestierte (Urk. 3/6). Selbst
wenn seit dem
1.
Juni 2015 eine verschlechter
t
e Gesundheitssituation und da
mit einhergehend eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vorliegen sollte, vermöchte die Beschwerdeführerin hier nichts zu ihren Gunsten daraus abzuleiten. Bei
m
Erlass der
angefochtenen Verfügung am 2
2.
Juni 2015
dauerten die geltend gemachten veränderten Verhältnisse noch keine drei Mo
nate an, weshalb sie ohnehin nicht zu berücksichtigen
sind
(
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV)
.
Es erweist sich
somit
als korrekt, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch verneint und die
Dreiviertelsrente
aufgehoben hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen
, zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung (Urk. 8)
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.