Decision ID: f90a38ad-601d-4025-80e6-7cc454b4649c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1999, bezog zwischen 1999 und 2004
aufgrund
des Geburtsgebrechens Nr. 313 (angeborene Herz- und Gefässmissbildungen [
Urk.
8/10
]
) und des Geburtsgebrechens Nr. 395 (leichte
cerebrale
Bewegungsstö
rungen [
Urk.
8/
14] medizinische Massnahmen der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
.
Von
März
2004 bis August 2006 erteilte die
IV-Stelle
Kostengutsprachen für heilpädagogische Früherziehung und
wegen eines schwe
ren Sprachgebrechens
Sonderschulung (
Urk.
8/22
, 8/24
und
Urk.
8/26).
Im Zusammenhang mit Abklärungen des
Y._
(
Urk.
8/33)
und der Anmeldung
der Versicherten
für berufliche Einglie
derungsmassnahmen
im Oktober 2013
(
Urk.
8/28)
gewährte
die IV-Stelle
Berufs
beratung (
Urk.
8/30
und
Urk.
8/45
)
. Zusätzlich erteilte sie
Kostengutsprache
für
eine
stationäre Psychotherapie vom
4.
Dezember 2014 bis
4.
März 2015 (
Urk.
8/81)
.
Vom
4.
Mai 2015 bis
3.
Mai 2016
mit
Verlängerung bis 3
0.
April 2017
sprach die IV-Stelle
der Versicherten
Eingliederungsmassnahmen im Sinne
einer
erstmalige
n
berufliche
n
Ausbildung
als
Praktikerin
PrA
Hauswirtschaft
in der Genossenschaft
Z._
mit betreutem Wohnen
zu
(
Urk.
8/61,
Urk.
8/87
,
vgl. auch
Ausbildung
ss
chlussbericht
Urk.
8/85
).
Dabei
gewährte die IV-Stelle
von März 2015 bis März 2017
auch
Kostengutsprachen für ambulante
Psychotherapie
(
Urk.
8/79)
und zur Behandlung des Geburtsgebrechens 446 (angeborene
Schall
empfindlichkeits
-
S
chwerhörigkeit
, [
Urk.
8/80])
.
Sodann
erteilte sie Kostengut
sprache
n
für ein Arbeitstraining in der Genossenschaft
Z._
vom 14. August bis 1
1.
November 2017
(
Urk.
8/108)
und ein Arbeitstraining bei der Stiftung
A._
vom 3
0.
Oktober 2017 bis 2
9.
April 2018
(
Urk.
8/11
8
)
mit Ver
längerung bis 2
9.
Juli 2018 (
Urk.
8/135
;
vgl. auch Abschl
ussbericht
:
Urk.
8/146 und
Urk.
8/148
).
Am 1
7.
September 2018
(
Urk.
8/151)
teilte die IV-Stelle den erfolgreichen Abschluss und die Beendigung der beruflichen Massnahmen mit und wies auf die separate R
entenprüfung hin.
1.2
Mit Vorbescheid vom 2
0.
November 2018
(
Urk.
8/159)
stellte die IV-Stelle die V
erneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht. Hieran hielt sie nach Einwand der Versicherten (
Urk.
(8/172)
mit Verfügung vom
9.
März 2020 (
Urk.
2) fest.
2.
Hier
gegen erhob die Versicherte am 2
0.
April
2020
(
Urk.
1)
Beschwerde und beantragte
(S. 2)
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es
sei fest
zustellen, dass eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit zu 50
%
bestehe und demgemäss sei ihr seit dem 3
0.
Juli 2018 eine angemessene Invalidenrente zu entrichten.
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am
2.
Juni 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Am 2
1.
August 2020 reichte die Beschwerdeführerin zusätzliche Unterlagen ein (
Urk.
11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht
ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist mit jenem externer medizinischer Sachverständi
gengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (
Urk.
2), dass
sich die Beschwerdeführerin am
6.
November 2013 für
eine Massnahme der beruflichen
Eingliederung
angemeldet habe.
Vom
4.
Mai 2015 bis 3
0.
April 2017
habe sie die
e
rstmalige berufliche Ausbildung
zu
r Praktikerin Hauswirtschaft
P
r
A
absolviert und v
om 1
4.
August 2017 bis 2
9.
Juli 2018
hab
e
sie an
einem Arbeits
trai
ning teilgenommen. Danach sei
der
Rentenanspruch geprüft
worden, wobei die
Abklärungen ergeben
hätten
, dass es
ihr
möglich sei, eine angepasste Tätigkeit
zu 100
%
auszuüben.
Da
ihr
die Absolvierung einer Ausbildung in der freien Wirtschaft nicht möglich gewesen
sei
, seien
für das
Valideneinkommen
die sta
tistischen Lohnangaben
herangezogen worden
und
daraus ergebe sich
ein Ein
komm
en von
Fr.
57'400.--
. Für die Festlegung des Einkommens mit gesundheit
licher Einschränkung (Invalideneinkommen)
ergebe sich gestützt auf
die
statisti
schen
Lohnangaben
für eine angepasste
Tätigkeit
im
Jahr 2018
ein Einkommen von
Fr.
52'753.15
und daraus resultiere
e
in
rentenausschliessender
IV-Grad von 8
%
.
Abgestellt auf die
Angaben in der Ausbildungsinstitution
könne die
Beschwerdeführerin
eine Präsenz von 8.2 Stunden täglich gut bewältigen
.
Von einer
dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung mit Auswirkung auf
die
Arbeitsfähigkeit
sei nicht auszugehen
und
eine
Integration in den ersten Arbeits
markt
sei möglich
.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich demgege
nüber auf den Standpunkt (Urk.
3
S.
3
),
sie habe bereits seit
dem
Kindesalter
eine
Störung mit sozialer Ängstlichkeit,
eine
niedrige Intelligenz sowie
eine
Lernbehinderung und sei daher durch einen Psychotherapeuten betreut worden. Trotz
durchgeführter
Therapie
,
ambulant und
stationär
,
leide
sie immer noch unter sozialer Phobie sowie
einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, welche eine Eingliederung erschwere. Aufgrund
der
schwankenden Stabilität und Leistung
finde sie keine Anstellung
, obwohl sie gemäss Abschlus
sbericht in der Lage sei
,
eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt im Bereich Hauswirtschaft anzutreten. Auch ihr
e behan
delnde Psychotherapeutin
habe ihr in stabilen Phasen und in einer engen Beglei
tung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zugemutet, sofern es sich um einen Chef mit Verständnis handle, der sie unterstütze, freundlich sei und nicht zu viel Druck aufsetze. Zudem sei ein Wohnheim wichtig. Sie vermöge die tägliche Präsenzzeit von 8.2 Stun
den
aber
nur bei stabiler Gesundheit
und posi
tivem Wohlbefinden durchzu
halten
(S. 4)
. Daneben
spielten jedoch
viele begüns
tigende
und
erschwerende Faktoren mit
. So könne sie a
llein
schon
ein neues Arbeitsumfeld in soziale Angst versetzen. Aufgrund ihrer Ängstlichkeit habe sie auch bis zum Ende ihrer Ausbildung zur Praktikern
PrA
Hauswirtschaft keine Schnupperlehren absolvieren können. Sie habe bis jetzt
selbst
nicht einmal eine Beschäftigung als freiwillige Mitarbeiterin
finden können
,
da s
ie überall abge
lehnt werde. E
ine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden und diese zu behalten sei für sie noch viel schwieriger
.
Auch hinderten sie ihre sozialen Ängste zu telefonieren, um ihr Interesse an einer Arbeit mitzuteilen
(S. 5 f.)
.
Ebenso hät
ten a
uch die testpsychologische
n
Abklärung
en
vom
1.
und
2.
April 2019 ergeben, dass
sie aus neuropsychologischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 50
%
einge
schränkt sei (S. 6).
3.
3.1
Im Bericht des
Spitals B._
vom 1
6.
April 2015
(
Urk.
8/76/4-8)
über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin auf
der psychosomatisch-p
sychiatrischen Therapiestation vom
4.
Dezember 2014 bis
4.
März 2015 führten die Ärzte fol
gende Diagnosen auf:
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit/bei:
-
e
lterliche
r
Ü
berfürsorge
-
i
solierte
r
Familie
Verdacht auf
term
inales
Deletionssyndrom
2q37 mit/
bei:
-
Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindes
-
Intelligenzminderung (testpsychologisch untersucht)
-
Hyperandrogenämie
mit ausgeprägtem
Hirsutismus
-
Mikrozephalie
-
Brachymetapodie
und Brachydaktylie
Als neuropsychologische Testbefunde bestünden eine allgemein kognitive Leis
tungsfähigkeit im unterdurchschnittlichen Bereich mit einem Gesamt IQ von 72 mit/bei:
-
w
eit unterdurchschnittlichem Sprachverständnis (IW 67) - e
x
pressive und rezeptive Sprachstörung
-
i
n
dividuelle
r
Teilleistungsstärke i
m wahrnehmungsgebundenen
logischen Denken
-
Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen und Schwierigkeiten in Teilbereichen exekutiver Funktionen
-
a
uditive
r
und
visuo
-räumliche
r
Lernleistungen im Normbereich
-
weit unterdurchschnittlichem
Lesequotient (LQ
< 62
)
Die logopädische Abklärung habe Redeflussauffälligkeiten bei
unprägnanter
Artikulation und einen einfachen Wortschatz mit Wortabrufproblemen ergeben.
Die Beschwerdeführerin habe z
u Beginn des Aufenthaltes deutliche Defizite in
der
Bewältigung von Alltagshandlungen auf
gewiesen
. So
habe
sie
Begleitung auf
dem Weg zur internen
Schule, Aufforderung die Körperpflege durchzuführen und regelmässig und ausreichend zu essen etc.
benötigt.
In
einem Verhaltenst
raining
seien
diese Fertigkeiten schrittweise beigebracht
worden
und es
habe sich ge
zeigt
, dass
sie
lernfähig sei
un
d die Kompetenzen erworben habe
. Nach
zirka
zwei Wochen
habe sie
sich
an die Struktur d
er Therapiestation gewöhnt und habe
sämtlichen
Tätigkeiten selbstä
ndig nachkommen
können
.
Das selbständige Ü
ben des Weges von zu
Hause auf die Therapiestation habe
die Mutter
nicht
erlaubt, da sie befürchtet habe
,
die Beschwerdeführerin
könnte sich in der Stadt verirren. Die vor Eintritt auf die Therapiestation
geschilderten somatischen Beschwerden wie Übelkeit, Bauch-
und Kopfweh,
seien
während des gesamten
Aufenthaltes kaum Thema gewesen. Als grosse Herausforderung habe sich die Gestaltung
sozialer Kontakte abgezeichnet. Die Beschwerdeführeri
n sei zwar in der Jugend
lichen-G
ruppe anwesend gewesen, jedoch wenig in der Interaktion mit den anderen gestanden. Dies sei dadurch erschwert gewesen, dass sie ihre Kontakte im Internet als real erle
be
und
zum Beispiel auch
schilder
e, dass
ein Popstar ihr Freund sei. Der Umgan
g mit den sozialen Medien stell
e aus Sicht des Behand
lungsteams ein ausgeprägtes Problem dar. Über die familiären Verhältnisse hätten kaum Informationen gewonnen werden können. Sie habe sich aber dahin geäus
serte, dass es ihr zu Hause langweilig sei, niemand etwas mit ihr unternehmen würde, sie oft alleine vor dem Fernseher sei und sie an den Wochenenden lieber auf der Therapiestation bleiben wolle. Aufgrund der erreichten Fortschritte unter stationären Bedingungen
sei
deshalb eingehend eine ausserfamiliäre Wohnform mit interner Beschulung, um die erreichten Fortschritte weiter
zu fördern und zu stabilisieren
,
zu empfehlen.
3.2
Dr.
med. univ.
C._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
,
nannte
im Bericht vom 1
6.
Juli 2
018 (
Urk.
8/142)
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
2.5):
-
S
oziale
Phobie (ICD-10 F40.1)
-
R
ezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig remittiert (ICD-10 F33.4)
Der Arzt führte aus, er
behandle die Beschwerdeführerin
seit 2.
Februar 2018 mit zweiwöchentlichen Termine
n
(
Ziff.
1.1)
.
S
eit Behandlungsbeginn habe aus psy
chiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestanden
(
Ziff.
1.3)
.
P
sychopatholo
gisch
(
Ziff.
4.2) sei
die Beschwerdeführerin
zu allen Qualitäten orientiert
,
im Kon
takt freundlich, kooperativ und zugewandt. Die Aufmerksamkeit und
das
Gedächtnis im Gespräch seien gegeben. Das formale Denken sei kohärent und es sei kein Anhalt au
f Wahn und
Sinnestäuschungen
eruierbar
und
es bestünden auch keine
Hinweise auf Ich-Störungen in
Form von Depersonalisation und
Dere
alisation
.
Affektiv
sei die Beschwerdeführerin
euthym
.
Es bestünden
aber
Tren
nungsängste und Angst vor Zurückweisung
,
jedoch
keine
Schlafs
törungen.
Der
Antrieb
sei leicht vermindert und es bestehe teils ein
soziale
r Rückzug.
V
on
akuter handlun
gsrel
evanter S
uizidalität und Fremdgefährdung
sei die Beschwerdeführe
rin klar distanziert
und der
Appetit
sei
normal
(
Ziff.
2.4)
.
Die Beschwerdeführerin berichte, sie arbeite in einem Restaurant
der Stiftung
A._
. Sie sei in
der Hauswirtschaft tätig (Reinigung, Wäscherei etc.),
bediene auch an der Vitrine, wo
Sandwiches, Birchermüesli etc. verkauft würden
(
Ziff.
3.1)
.
Eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt sei nur in einer wohl
wollenden, freundlichen Umgebung möglich. Die Beschwerdeführerin brauche
Unterstützung und könne nur in einem freundlichen, akzeptierenden Team arbei
ten (
Ziff.
4.3).
3.3
Gemäss dem Abschlussbericht der Verantwortlichen der Stiftung
A._
vom 9. August 2018 wurde eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt als möglich erachtet. Empfohlen werde eine Arbeitsstelle oder ein Praktikum im Bereich Haus
wirtschaft, Back Office, Buffet, Lingerie oder in Ähnlichem mit einer Präsenz von 60
%
bis 80
%
. In stabilen Phasen und bei einer engen Begleitung entspreche die Leistungsfähigkeit den Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts. Notwendige Begleitmassnahmen seien ein Job Coaching und Psychotherapie (
Urk.
8/4 Ziffer 6).
3.4
Am 1
7.
September 2018 beurteilte die zuständige Berufsberaterin der Beschwer
degegnerin die aktuelle (gesundheitliche) Situation wegen bestehender Defizite in der Selbständigkeit und häufiger Absenzen wegen Krankheiten und Unpässlich
keiten beziehungsweise wegen schwankender Stabilität und Leistung als zu wenig klar, um davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin rentenausschliessend eingegliedert werden könne und empfahl die Rentenprüfung (vgl.
Urk.
8/150
S.
2 und S. 3).
3.5
Im Bericht vom
2.
April 2019
(
Urk.
8/179)
wies
lic
. phil.
D._
auf die
durch Dr.
C._
erfolgte
Zuweisung
der Beschwerdeführerin
zur
neuropsychologi
sche
n
Abklärung mit Fragen nac
h kognitiven Einschränkungen hin. Der Psycho
loge führte aus, d
ie Beschwerdeführerin berichte
, sie sei nach Abschluss ihrer
IV-gestützten zweijährigen Ausbildung zur Hauswirtschaftspraktikerin seit August 2018 erwerbslos, aber nicht beim RAV angemeldet, da sie nich
t
i
mstande sei
,
Bewerbungen zu schreiben. Sie lebe bei den Eltern und sei finanziell von ihnen abhängig. In der Hauswirtschaftsausbildung habe ihr die Arbeit
i
m Service und im Kundenkontakt gut gefallen. Noch lieber
würde sie mit Tieren arbeiten. E
s habe jedoch wenig freie Stellen. Bei der Arbeit sei ihr die Abgrenzung gegenüber anderen Mitarbeiterinnen oft schwergefallen, weil sich diese jeweils ihr anver
traut hätten, wenn es ihnen schlecht gegangen sei, was sie selbst dann belastet habe, sodass sie in solchen Phasen deshalb nicht mehr gern
e
zur Arbeit gegangen sei. Sie gebe an
,
ihre Stimmung sei soweit gut und die letzte depressive Phase sei schon länger her.
Im Symptomvalidierungsverfahren hätten
s
ich unauffällige Ergebnisse gezeigt, was gegen eine Aggravation spreche. Das Beck Depressions-
Inventar
weise bei einem Summenwert von 5 auf eine subklinische Ausprägung depressiver Symp
tome hin
(S. 4)
. In den Aufmerksamkeitsleistungen
hätten
sich
leichte bis schwere
Beeinträchtigungen
(visuell-verbale Verarbeitungsgeschwindigkeit) und bei den
untersuchten Exekutivfunktionen ebenfalls leichte bis schwere
Beeinträchtigun
gen
(kognitive Flexibilität
Arbeitsgedächtnis)
gezeigt
. Die verbal
en und nonver
balen Gedächtnisfunktionen seien mehrheitlich leicht eingeschränkt und
in der
Visuokonstruktion
bestehe
eine
leichte Beeinträchtigung
. Hingegen seien die Sprachfunktionen und
die
Orientierung insgesam
t weitgehend unauffällig
, wäh
rend sich das Intelligenzniveau an der unteren Normgrenze
zeige
.
I
m Vergleich zu
den Vorbefu
nden des
Y._
scheine
sich
die früh diagnos
tizierte
Sprachstörung
unter
erfolgreich
er logopädischer Therapie wesentl
ich verbessert zu haben und
diese
sei grobkursorisch
unauffällig
. Die im
Y._
ermittelte unterdurchschnittli
che Intelligenz
sei in der aktuellen Untersuchung
leicht besser aus
gefallen
und knapp
normgerecht
. Im
Verhalten
sei die Beschwerdeführerin
ruhig und ange
passt
. Es bestehe aber
eine deutlich eingeschränkte
Abgrenzungsfäh
igkeit gegen
über (Arbeits-)
Kollegen und Kolleginnen
, welche
immer wieder zu
Belastungssi
tuationen und daraus resultierenden Absenzen
geführt habe. S
eit der Pubertät best
ünden
auch
soziale Ängste
(S. 4 f.)
.
Die beschriebenen Minderfunktionen entsprächen einer mittelgradigen kogniti
ven Störung, die
ätiopathogenetisch
im Rahmen einer organischen
Persönlich
keits
- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funk
tionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.8), die bereits ab Kleinkindalter sowie in Kindheit und Jugend unter verschiedenen Diagnosen (
hypertone
Cerebralparese
, schweres Sprachgebrechen bzw. Sprachstörung, Lernbehinderung, niedrige Intel
ligenz
)
beschrieben worden sei. Die ebenfalls seit der Kindheit bestehenden Angststörungen (Panikstörung, Trennungsangst, soziale Phobie ICD-10 F40.1) seien wahrscheinlich zumindest teilweise auf die kognitive Störung zurückzufüh
ren, beziehungsweise sei
en
in ihrer Entstehung durch diese beeinflusst.
Zur Arbeitsfähigkeit
hielt
der Fachpsychologe
fest
, die Funktionsfähigkeit i
m All
tag
sei in der
Selbstbehauptungs
fähigkeit, in
der Fähigk
eit zur Flexibilität und Umstell
fähigkeit und in der Fähigk
eit zur Anpassung an Regeln und
Routinen
mittelgradig eingeschränkt. Die restlichen
Bereiche von Aktivitäten und Partizi
pation nach ICF
seien soweit beurteilbar
nicht wesentlich eingeschränkt
. Aus rein neuropsychologi
scher Sicht
sei die Arbei
tsfäh
igkeit aufgrund der aktuellen mit
telgradigen Beeinträchtigungen in
attentional
-exekutiven sowie in Gedächtnis
funktionen
und in der
Visuokonstruktion
zu 50
%
eingeschränkt
.
Darin
seien
möglic
he zusätzliche Arbeitsunfähigkeiten aus psychi
atrischer Sicht, beispiels
weise aufgrund einer vorhandenen affektiven Stö
rung, welche
von
psychiatri
scher
Seite
gesondert ei
nzuschätzen wäre
, nicht enthalten (S. 5).
3.
6
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 1
2.
Juli 2019 aus, seitens der Beschwer
degegnerin sei nicht ausreichend gewürdigt worden, dass die Beschwerdeführerin unter einem Geburtsgebr
e
chen leide. Die daraus resultierenden klinischen Ein
schränkungen seien deutlich und übergreifend (durchgängig). Sie entsprächen einer sozialen Phobie, einer generalisierten Angststörung, einer mehrdimensio
nalen Sprachstörung und einem signifikanten sozialen Vermeidungsverhalten. Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Die Beschwerdeführerin benötige den Schutz des zweiten Arbeitsmarktes (
Urk.
8/178 S. 3 f.).
3.
7
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapi
e
,
vom regio
nalen ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin führte in ihrer Aktenbe
urteilung vom 1
8.
Februar 2020 (
Urk.
8/180/3
-4
) aus, die Beschwerdeführerin leide unter einer sozialen Phobie (ICD-10 F40.1) und einer depressiven Störung, die seit mindestens 2018 remittiert sei (ICD-10 F33.4). In dem Arztbericht des behandelnden Psychiaters zur Einsprache werde neu die Diagnose einer genera
lisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) aufgelistet. Die entsprechende Symptoma
tik spiegle sich we
der im Befund
noch in der
Anamnese, so
dass dieser Diagnose nicht gefolgt werden könne. Die früh diagnostizierte Sprachstörung habe sich nach logopädischer Therapie wesentlich verbessert und
sei
in der neuropsycho
logischen Abklärung unauffällig gewesen, so dass von einem Status nach rezep
tiver und expressiver Sprachstörung ausgegangen werden müsse. Das niedrige Intelligenzniveau (IQ 70-84)
sei
per
definitionem
nicht von Krankheitswert
.
Die ebenfal
ls
gelistete hypertone
Cerebralparese
sei
nicht mehr zu finden und fein
motorisch werde die Beschwerdeführerin als geschickt beschrieben.
Der Verdacht auf ein terminales
Deletionssyndrom
2q37
sei
nicht auszuschliessen
. A
ufgrund der sozialen Phobie (ICD-10 F40.1), die seit Jahren bestehe, sei nachvollziehbar, dass Kundenkontakt eine Herausforderung darstelle
n könne
, ebenso Teamarbeit. Eine Arbeitsunfähigkeit ergebe sich daraus dennoch nicht. Aus psychiatrischer Sicht habe seit Februar 2018 keine Arbeitsunfähigkeit bestanden und ein acht Stunden-Pensum sei zumutbar und die Eingliederung auf dem ersten Arbeits
markt in freundlicher Umgebung möglich. Dies stimme auch mit den Angaben im Abschlussbericht der Stiftung
A._
überein, wonach d
ie
Beschwerdeführerin
eine Prä
senz
von 8.2 Stunden gut bewältigen
könne
und eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt als möglich erachtet wurde. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsscha
den ausgewiesen
.
3
.
8
Am
2
5.
März 2020
(
Urk.
4/9
) führte
Dr.
C._
aus, die Beschwerdeführer
in
sei seit ihrer letzten Tätigkeit in der Stiftung
A._
praktisch immer zuhause, die meiste Zeit in ihrem Zimmer und beschäftige sich mit digitalen Medien wie Mobiltelefon
und TV schauen. Sie habe einige Bewerbungen als freiwillige Mit
arbeiterin geschickt, jedoch nur Absagen bekommen. Sie getraue sich nicht anzurufen,
um sich zu bewerben, habe Angst
Kontakt aufzunehmen, wisse auch nicht, wie man sich bewerbe, wisse nicht, was in einem Interview zu sage
n sei
und fühle sich sehr unsicher.
Sie könne nicht mit Stress umgehen und sei nicht belastbar und auch der Umgang mit Menschen im ersten Arbeit
smarkt
sei
erschwert, weil sie in diesem Umfeld
mit den anderen
nicht
mithalten und sich
nicht
wehren könne. Sie sei in ihren sozialen
Kompetenzen stark eingeschränkt und
werde im ersten Arbeitsmarkt nicht
akzeptiert. Sie sei nicht fähig
,
Freiwilli
genarbeit auch nur für einige Stunden in der Woche zu suchen und zu finden, um die Wohnung manchmal verlassen zu können. Ihre sozialen Ängste hi
nderten sie zu telefonieren und
um ihr Interes
se an einer Arbeit mitzuteilen.
4.
4.1
Die mediz
inischen Akten ergeben, dass der
Beschwerdeführerin
aufgrund ver
schiedener Geburtsgebrechen (Nr. 313, Nr. 395, Nr. 446) Leistungen zugesprochen wurden. Bereits im Kindesalter traten
Schwierigkeiten
auf, die heilpädagogische Früh
erziehung
,
Sonderschulung und A
b
k
lärungen
beim
Jugendpsychiatrischen Dienst erforderten und
bereits im Jugendalter
zu einem
dreimonatigen
stationä
ren
Aufenthalt in der
Psychiatrie
des
Spital
s
B._
(
Urk.
8/76/4-8) und offenbar zu einer weiteren stationären
Behandlung ab 12.
August 2016 in der p
sychiatrischen
K
lin
i
k
F._
(vgl.
Urk.
8/95)
führten.
Aufgrund der psychischen Problematik und sich dadurch abzeichnende
r
Schwierigkeiten bei der Berufswahl und
bei der
Eingliederung ins Erwerbsleben wurden
-
n
och b
evor die Beschwerdeführerin die obligatorische Schulpflicht erfüllt hatte
-
umfangrei
che Eingliederungsmassnahmen
erforderlich, wobei es
letztlich nicht gelungen
ist
,
dass
die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt
Fuss fassen konnte
(vgl. E. 1.1 Sachverhalt)
.
Dabei
ergaben
sich
weder
aus den
Validierungstests anlässlich der neuropsycho
logischen Untersuchungen (vgl. E. 3.3
)
noch
aufgrund der
Ausbildungsberichte der Genossenschaft
Z._
(
Urk.
8/85) und der Stiftung
A._
(
Urk.
8/146
; vgl. auch
Urk.
8/148)
Anhaltspunkte
,
die auf ein
aggravatorisches
Verhalten
im Sinne, dass die Beschwerdeführerin nicht will, schliessen lassen
.
Die in
der neu
ropsychologischen Untersuchung
festgestellten
kognitiven Störung
en
wurden sodann
im Rahmen einer organischen Persönlichkeits- und
Verhal
-
tensstörung
aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstö
run
g des Gehirns (ICD-10 F07.8)
gesehen
, die
bereits ab Kleinkindalter sowie in Kindheit
und Jugend unter verschiedenen Diagnosen (Hypertone
Cerebralparese
, schweres Sprachge
brechen bzw. Sprachstörung, Lernbehinderung, niedrige Intelligenz) beschrieben
wurden
.
Bereits anlässlich de
s
stationären Aufenthaltes in der psychiatrischen
Therapiestation des
Spital
s
B._
Ende 20
14
/
Anfang
2015 wurde sodann die
Verdachtsdiagnose eines
terminalen
Deletionssyndrom
s
2q37
erhoben
.
Ein solcher Defekt im
c
hromosomalen
Bereich 2q37
schloss
auch die RAD Ärztin
Dr.
E._
o
ffenbar aufgrund der Biogr
afie
,
der Symptomatik und der
(
Krankheits
-) E
ntwicklung in ihrer Aktenbeurteilung nicht aus
.
Dabei fehlen aber n
ähere Abklärungen dazu
und
relevante Akten, wie
jene zum stationären Auf
enthalt der Beschwerdeführerin in der
K
linik
F._
ab 12. August 2016 (vgl.
Urk.
8/95).
4.2
Damit kann der
RAD-Ärztin zwar darin gefolgt werden, dass
offenbar
von einem Status nach rezeptiver und expressiver Sprachstörung aus
zugehen
ist
und e
in
niedrige
s Intelligenzniveau mit einem
IQ
von 70-84
grundsätzlich kein
en
invali
disierende
n
Gesundheitsschaden darstellt
.
Ebenso kann davon ausgegangen wer
den, dass sich die
Cerebralparese
soweit normalisiert hat, dass keine
relevanten
Defizite mehr bestehen und die
depressive
Störung
,
da remittiert
,
keine Arbeits
unfähigkeit mehr zu begründen vermag.
Die RAD-Stellungnahme
greift jedoch zu kurz
, wenn sie der psychischen Symptomatik als
kein
en
Krankheitswert zu
misst
. Denn mit der
diagnostizierten
sozialen Phobie (ICD-10 F40.1)
ist
ein psychisches Leiden ausgewiesen, dessen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit
grund
sätzlich
im Rahmen
einer
I
ndikatoren
prüfung
(vgl. E. 1.
2.2
) zu beurteilen ist.
Im Hinblick auf die Entwicklung der verschiedenen und teilweise bereits seit Kindheit bestehenden Leiden und der Erfahrungen bei der beruflichen Eingliederung
(vgl. E. 3.3 und 3.4)
erfordert dies eine umfassende Prüfung
und Begutachtung
, wie sie mit einer
reinen
Aktenbeurteilung nicht erfolgen kann. Zudem
fehlt
in der RAD-Stellungnahme
auch eine
Auseinandersetzung mit den
ne
uropsychologi
schen
Untersuchungsergebnissen
, welche
Einschränkungen in der Arbeitsfähig
keit
aufgrund von
kognitiven Störungen aufzeigten und auf eine
Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
hinwiesen.
L
etztlich
sind
auch die Akten unvollständig
(vgl. E. 4.1 hiervor).
Nachdem
Hinweise vorliegen, mitunter auch von
lic
. phil.
D._
und
Dr.
C._
(E. 3.3
, 3.4 und 3.8
), dass weitergehende
Einschränkungen
vorliegen
und die Beschwerdegegnerin diesbezüglich keine eigenen Abklärungen tätigte, verbleiben zumindest geringe Zweifel (E.
1.4 hiervor) an der Zuverlässig
keit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen. Jedenfalls durfte die
Beschwerdegegnerin bei dieser Sachlage ohne entsprechende
umfassende
fach
ärztliche Abklärung
en
nicht einfach
darauf schliessen, dass keine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt
.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders, wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
; vgl. auch BGE 139 V 99 E. 1.1 und 137 V 210 E. 4.4.1.4).
5.2
Vo
rliegend erweist sich
der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die Beurtei
lung der Restarbeitsfähigkeit der Beschw
erdeführerin in somatischer wie auch in psychischer Hin
sicht im Verfügungszeitpunkt als ungenügend ab
geklärt
. An
der
seits
sind
auch
die Akten unvollständig
(vorstehend E. 4.
1
)
.
Der angefochtene Entscheid ist daher aufzu
heben und zur entsprechenden Ab
klärung mit anschliessender Neuverfügung a
n die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
6.
6.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Ausgangsgemäss steht der ver
tretenen Beschwerdeführerin eine Prozessentschä
digung zu, welche auf
Fr.
1'
4
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen ist.