Decision ID: 53d14c6c-6816-5d0d-b092-fb9ff5162e72
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 14. Januar 2015 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Das SEM trat mit Verfügung vom 28. April 2015
gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31 / Dublin-Verfahren)
auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung des Beschwerde-
führers nach Italien und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Der Be-
schwerdeführer galt seit dem 13. Mai 2015 als unbekannten Aufenthalts.
A.b Am 11. Juli 2019 meldeten sich die Beschwerdeführenden gemeinsam
im Bundesasylzentrum (BAZ). Sie gaben an, sie hätten Sri Lanka am
31. Mai 2019 gemeinsam verlassen.
A.c Die Beschwerdeführerin stellte am 11. Juli 2019 ein Asylgesuch. Mit
Verfügung vom 30. Januar 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Das
Bundesverwaltungsgericht wies die gegen diese Verfügung gerichtete Be-
schwerde vom 4. März 2020 mit Urteil D-1275/2020 vom 18. März 2021
ab.
A.d Mit Eingabe vom 15. August 2019 stellte der Beschwerdeführer schrift-
lich ein Mehrfachgesuch. Das SEM lehnte das Mehrfachgesuch mit Verfü-
gung vom 30. Januar 2020 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete deren Vollzug an. Das Bundesverwaltungsgericht wies die ge-
gen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 4. März 2020 mit Urteil
D-1278/2020 vom 18. März 2021 ab.
B.
B.a Die Beschwerdeführenden stellten durch ihren Rechtsvertreter am
24. April 2021 beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch hinsichtlich des an-
geordneten Wegweisungsvollzugs. Sie wiesen dabei auf ihre gesundheitli-
chen Probleme und die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin hin.
B.b Das SEM schrieb das Wiedererwägungsgesuch am 30. April 2021 ge-
stützt auf Art. 111b Abs. 1 und 4 AsylG formlos ab.
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 6. Oktober 2021 reichten die Be-
schwerdeführenden beim SEM ein zweites Wiedererwägungsgesuch hin-
sichtlich des angeordneten Wegweisungsvollzugs ein.
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Die Beschwerdeführenden begründeten das Gesuch mit ihren gesundheit-
lichen Problemen. Mit den eingereichten ärztlichen Berichten werde belegt,
dass sich ihr Gesundheitszustand nach den Urteilen des Bundesverwal-
tungsgerichts verschlechtert habe. Die ursprünglich korrekte Verfügung
des SEM bedürfe aufgrund einer wesentlich veränderten Sachlage der An-
passung. Sie seien beide erkrankt und die Beschwerdeführerin sei
schwanger. Im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung sei
aufgrund zahlreicher Faktoren und der Beachtung des Kindeswohls der
Wegweisungsvollzug als undurchführbar einzustufen.
Der Eingabe lagen ein den Beschwerdeführer betreffender ambulanter Be-
richt des (...), vom 7. September 2021 und ein die Beschwerdeführerin be-
treffender psychologischer Bericht desselben Spitals vom gleichen Tag bei.
D.
Mit Verfügung vom 2. November 2021 – eröffnet am 10. November 2021 –
trat das SEM auf das Wiedererwägungsgesuch vom 6. Oktober 2021 nicht
ein, erklärte seine Verfügung vom 30. Januar 2020 für rechtskräftig und
vollstreckbar, und erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–. Gleichzei-
tig hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu.
E.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 17. November 2021 beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde und beantragten, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und die Sache sei an das SEM zurückzuweisen, damit die-
ses auf das Wiedererwägungsgesuch eintrete. Es sei ihnen die unentgelt-
liche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sei zu verzichten.
Der Beschwerde lagen ein den Sohn der Beschwerdeführenden betreffen-
der Austrittsbericht des (...), vom 6. Oktober 2021 und ein die Beschwer-
deführerin betreffender provisorischer Austrittsbericht Wochenbett vom
5. Oktober 2021 des gleichen Spitals, (...), bei.
F.
Mit Verfügung vom 18. November 2021 setzte der Instruktionsrichter den
Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisorischen Massnahme
gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Da Wiedererwägungs-
entscheide gemäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche
Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden
können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorlie-
genden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
– in der Regel und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; Art. 21
Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen
auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1
AsylG).
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
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BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum soge-
nannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22
E. 5.4 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung zu prüfen sind
Beweismittel, die erst nach dem Beschwerdeentscheid entstanden sind.
4.3 Das SEM hat die Eingabe vom 6. Oktober 2021 zu Recht als Wieder-
erwägungsgesuch entgegengenommen.
4.4
4.4.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist der Nicht-
eintretensentscheid des SEM vom 2. November 2021. Das Beschwerde-
verfahren beschränkt sich somit auf die Prüfung der Frage, ob das SEM zu
Recht auf die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 6. Oktober 2021
nicht eingetreten ist.
4.4.2 Die Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen
Prüfung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung fest, Wiedererwägungs-
gesuche müssten gehörig begründet sein, so dass die Behörde in der Lage
sei, über das Gesuch zu entscheiden, ohne dass sie die gesuchstellende
Person vorher anhöre. Sofern eine gesuchstellende Person ihrer Begrün-
dungspflicht nicht nachkomme, habe die Behörde gemäss Art. 111b Abs. 2
AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG neben der formlosen Ab-
schreibung die Option, auf das Gesuch nicht einzutreten (vgl. BVGE
2014/39 E. 7).
Weiter führt das SEM aus, von einer konkreten Gefährdung aus medizini-
schen Gründen sei nur dann auszugehen, wenn eine notwendige medizi-
nische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung stehe und die Rück-
kehr zu einer raschen und lebensbedrohenden Situation führe (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3). Aus der Eingabe der Beschwerdeführenden gehe nicht
hinreichend hervor, inwiefern sie aufgrund ihres Gesundheitszustands bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Gefährdung ausgesetzt
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sein könnten. Aus den medizinischen Berichten liessen sich keine Wegwei-
sungsvollzugshindernisse erkennen. Sri Lanka habe hinsichtlich der medi-
zinischen Versorgung grosse Fortschritte gemacht. Es befänden sich dort
23 Spitäler mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreuung und
über 300 Kliniken für ambulante Behandlungen psychisch kranker Patien-
ten. Es sei davon auszugehen, dass die geltend gemachten psychischen
Probleme auch im Heimatland behandelt werden könnten. Hinsichtlich ei-
ner eventuellen Suizidalität sei darauf hinzuweisen, dass Art. 3 EMRK ei-
nen Konventionsstaat nicht dazu verpflichte, bei einer Konfrontation mit
Suiziddrohungen von einer zu vollziehenden Wegweisung Abstand zu neh-
men. Es sei auch keine Gefährdung des Kindeswohls ersichtlich. Die psy-
chischen Beschwerden der Beschwerdeführenden seien nicht als derart
gravierend einzustufen, dass sie nicht mehr in der Lage sein sollten, ihr
Kind zu betreuen.
Gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG werde auf
das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten.
5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass das SEM sich trotz der
eingereichten Beweismittel erneut weigere, auf das Wiedererwägungsge-
such einzutreten. Der Sohn der Beschwerdeführenden sei zehn Tage auf
der Intensivstation gelegen und mit einer schweren Behinderung zur Welt
gekommen. Die Beschwerdeführerin sei zwecks Geburt ihres Kindes drei
Tage im Spital gewesen und habe viel Blut verloren. Die eingereichten Be-
weismittel widerlegten die Ausführungen des SEM. Die angefochtene Ver-
fügung sei aufgrund unvollständiger Sachverhaltsfeststellung an das SEM
zurückzuweisen. Im Falle eines Wegweisungsvollzugs hätten die Be-
schwerdeführenden eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürch-
ten. Angesichts der allgemeinen Lage in Sri Lanka und der Behinderung
ihres Sohnes hätten sie bei einer Rückkehr keine Perspektiven. Gemäss
Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) sei dem Kindeswohl Rechnung zu tra-
gen. Die medizinische Versorgungslage habe sich in den letzten Jahren
nicht verbessert und nur die medizinische Grundversorgung sei kostenlos.
Aufgrund ihres Gesundheitszustands würden die Beschwerdeführenden
keine Arbeit finden. In Anbetracht aller Umstände würden sie bei einer
Rückkehr in ihr Heimatland einer konkreten Gefährdung ausgesetzt.
6.
6.1 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung einleitend fest, unter
welchen Umständen es ihm offenstehe, ein Wiedererwägungsgesuch
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formlos abzuschreiben oder auf ein solches nicht einzutreten. Im An-
schluss zeigt es indessen nicht auf, aus welchen Gründen es das vorlie-
gende Gesuch als nicht ausreichend begründet erachtet, sondern nimmt
eine rudimentäre materielle Prüfung desselben vor. Die von den Beschwer-
deführenden geltend gemachten und mit den eingereichten ärztlichen/psy-
chologischen Berichten vom 7. September 2021 belegten Erkrankungen
waren indessen nicht Gegenstand des ordentlichen Asylverfahrens und
wurden demnach bisher nicht materiell geprüft.
6.2 Den erwähnten ärztlichen/psychologischen Berichten ist zu entneh-
men, dass der Beschwerdeführer unter einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung (PTBS / ICD-10 F43.1) leide. Die begonnene Traumatherapie
sei fortzusetzen; es sei davon auszugehen, dass eine mehrjährige trauma-
therapeutische Begleitung notwendig sein werde. Ohne Behandlung sei
eine zunehmende Verschlechterung der Symptomatik und des psychi-
schen Zustandsbilds zu erwarten. Bei einer zwangsweisen Rückführung
nach Sri Lanka müsse mit einer Suizidhandlung gerechnet werden. Bei der
Beschwerdeführerin wurde eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) diag-
nostiziert. In der psychotherapeutischen Behandlung liege der Fokus da-
rauf, Bewältigungsstrategien zu erarbeiten und Ressourcen zu aktivieren,
um die unsichere Lebenssituation zu stabilisieren. Die Rückführung der
Beschwerdeführenden wird von der die Beschwerdeführerin behandelnden
Psychologin als sehr bedrohlich erachtet. Eine weitere psychotherapeuti-
sche Behandlung der Beschwerdeführerin sei indiziert. Es sei nicht anzu-
nehmen, dass diese in Sri Lanka gewährleistet sei. Zudem stelle sich die
Frage, was diese Situation für das noch ungeborene Kind bedeute. Dessen
gesunde Entwicklung hänge in grossem Masse von der psychischen Sta-
bilität der Eltern ab, für die es schwierig wäre, dem Kind diese Stabilität im
Herkunftsland zu geben. Bei einer Rückführung der Familie wäre das Kin-
deswohl stark gefährdet.
6.3 Unter Hinweis auf den vorstehend zusammengefasst wiedergegebe-
nen Inhalt der beiden ärztlichen Berichte und die ebenso zusammenge-
fassten Ausführungen in der Eingabe vom 6. Oktober 2021 (vgl. Bst. C und
E. 6.2) ist das Wiedererwägungsgesuch als gehörig begründet zu erach-
ten. Davon scheint – entgegen den Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung – auch das SEM ausgegangen zu sein, setzte es doch den Weg-
weisungsvollzug am 12. Oktober 2021 aus und befasste sich im Entscheid
vom 2. November 2021 materiell mit den Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden. Damit bleibt kein Raum für einen Nichteintretensentscheid gemäss
Art. 111b Abs. 2 AsylG.
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Seite 8
7.
Nach dem Gesagten ist das SEM zu Unrecht auf das Wiedererwägungs-
gesuch vom 6. Oktober 2021 nicht eingetreten und hat damit Bundesrecht
verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist gutzuheissen, die angefoch-
tene Nichteintretensverfügung vom 2. November 2021 ist aufzuheben und
das SEM ist anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten
und dieses materiell zu behandeln.
8.
8.1 Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen
in der Beschwerdeschrift und den eingereichten Beweismitteln einzuge-
hen, weil sie Gegenstand des wiederaufzunehmenden materiellen Verfah-
rens sein werden und das SEM sich damit zu befassen haben wird. Fest-
zuhalten ist, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht
nicht über das mit dem Wiedererwägungsgesuch gestellte Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege entschieden hat.
8.2 Dem mit der Beschwerde eingereichten Austrittsbericht vom 6. Oktober
2021 ist zu entnehmen, dass der Sohn der Beschwerdeführenden vom (...)
hospitalisiert war. Eine erste Kontrolle beim Kinderarzt mit Hüftultraschall-
kontrolle und Vitamin-K-Gabe sei im Alter von vier Wochen durchzuführen
und entwicklungsneurologische Kontrollen hätten im Alter von drei Mona-
ten zu erfolgen. Eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung sei erfolgt.
Das SEM wird die durch die Geburt des Sohnes der Beschwerdeführenden
veränderte Sachlage bei der Prüfung des Wiedererwägungsgesuchs mit
zu berücksichtigen haben. Dabei wird abzuklären sein, welcher Art die spe-
ziellen Bedürfnisse des Sohnes sind und ob sich ein Wegweisungsvollzug
nach Sri Lanka mit dem in der KRK definierten vorrangig zu beachtenden
Kindeswohl vereinbaren liesse. Wiedererwägungsgesuche sind gemäss
Art. 111b Abs. 1 AsylG zwar schriftlich und begründet einzureichen, im Üb-
rigen richtet sich das Verfahren aber nach dem VwVG (vgl. BVGE 2014/39
E. 5.4). Das SEM hat mithin den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären
und es hat gestützt auf Art. 12 i.V.m. Art. 19 VwVG die erforderlichen Be-
weisvorkehrungen zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu
treffen, falls sich dieser aufgrund des schriftlich eingereichten Wiedererwä-
gungsgesuchs nicht vollständig erstellen lässt.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG), womit das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos
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geworden ist. Durch den direkten Entscheid in der Hauptsache wird auch
das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ge-
genstandslos.
10.
Den obsiegenden Beschwerdeführenden ist in Anwendung von Art. 64
Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen not-
wendigen und verhältnismässig hohen Vertretungskosten zuzusprechen
(vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote zu den Ak-
ten, weshalb die Parteientschädigung aufgrund der Akten festzusetzen ist
(Art. 14 Abs. 2 VGKE). Den Beschwerdeführenden ist aufgrund der mass-
geblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–13 VGKE) eine Parteientschä-
digung von insgesamt Fr. 800.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen und das
SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführenden diesen Betrag als Partei-
entschädigung auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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