Decision ID: 145423c7-a7cd-45b7-b36c-9d2f824fd2e9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte für sich und ihre beiden älteren Kinder am
31. März 2021 in der Schweiz um Asyl nach. Sie mandatierte am 8. April
2021 den rubrizierten Rechtsvertreter.
A.a Am 6. April 2021 wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Person be-
fragt und am 3. September 2021 zu ihren Asylgründen angehört. Sie
brachte dabei im Wesentlichen vor, sie sei irakische Staatsangehörige (...)
Ethnie und stamme aus E._. Sie habe dort mit ihren Eltern und Ge-
schwistern zusammengelebt, die Schulen besucht und anschliessend (...)
studiert. Im Jahr (...) habe sie den schon damals in der Schweiz lebenden
(...) F._ im Irak geheiratet. Sie hätten sich im selben Jahre kennen-
gelernt und über das Internet Kontakt gepflegt. Bei der Eheschliessung sei
ihr Mann nicht persönlich anwesend gewesen, sondern von seinem (...)
vertreten worden. Zwecks Zusammenlebens mit ihrem Mann habe sie den
Irak nach Abschluss ihres Universitätsstudiums im Jahr (...) legal verlassen
und sei via die G._ im (...) in die Schweiz gereist. Im Zeitpunkt ihrer
Ausreise habe sie im Heimatland keinerlei Probleme gehabt. (...) sei gegen
ihren Mann in der Schweiz ein Strafverfahren eingeleitet worden. Seit dem
gegen ihn gefällten Urteil des (...) vom (...) gelte er als (...). Da dies zu
einem grossen Medienecho geführt habe, hätten sie, nachdem ihr Mann
die gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe verbüsst habe, im Jahr (...) ver-
sucht, in die G._ zu gelangen, um dort ein neues Leben aufzu-
bauen. Die G._ habe ihnen aber die Einreise verweigert. Nachdem
sie von den (...) Behörden daktyloskopisch erfasst worden seien, seien sie
in die Schweiz zurückgeschickt worden. Wenige Monate später hätten sich
die irakischen Behörden bei der Familie ihres Mannes in H._ nach
dem Aufenthaltsort von ihm und ihr erkundigt; offenbar hätten diese Kennt-
nis von der Verurteilung ihres Mannes erlangt. Bei einer Rückkehr in den
Irak fürchte sie sich deshalb vor einer Festnahme. Aufgrund der strafrecht-
lichen Verurteilung ihres Mannes drohe ihr als Ehefrau dort Reflexverfol-
gung, auch wenn sie mit dem (...) nichts zu tun habe und weder im Irak
noch in der Schweiz mit Personen in Kontakt gekommen sei, die (...). Sie
habe deshalb nun beschlossen, ein Asylgesuch zu stellen. Ihre in
E._ lebende Familie, der es gut gehe, sei nicht von den irakischen
Behörden kontaktiert worden. Seit (...) sei auch sonst im Irak nichts mehr
vorgefallen.
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A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle verwiesen (vgl.
SEM-Akten [...]-14 und [...]-36 [nachfolgend SEM-act. 14 beziehungs-
weise SEM-act. 36).
B.
Am 14. September 2021 verwies das SEM das Asylgesuch in das erwei-
terte Verfahren gemäss Art. 26d AsylG (SR 142.31) und es teilte die Be-
schwerdeführenden dem Kanton I._ zu.
C.
Am (...) brachte die Beschwerdeführerin ihr drittes Kind zur Welt. Dieses
wurde in das Asylverfahren einbezogen.
D.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2022 – eröffnet am 27. Mai 2022 – stellte das
SEM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht
originär erfüllten, es verfügte aber den Einbezug der Beschwerdeführen-
den in die Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes respektive Vaters. Die
Asylgesuche lehnte es ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
an, wobei es die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs feststellte und
die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden verfügte, mit deren
Umsetzung es den Kanton I._ beauftragte. Des Weiteren händigte
es den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis aus.
Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, es lägen keine konkreten
Anhaltspunkte für eine objektiv begründete Furcht der Beschwerdeführerin
vor asylrechtlich relevanter Verfolgung ihrer Person durch die heimatlichen
Behörden vor. Ihre Vorbringen vermöchten daher den Anforderungen an
die originäre Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standzuhal-
ten. Nachdem aber ihr Ehemann in der Schweiz als Flüchtling anerkannt
sei, seien sie und die Kinder gestützt auf den Grundsatz der Familienein-
heit in dessen Status einzubeziehen und vorläufig aufzunehmen.
Für die detaillierte Begründung wird auf die angefochtene Verfügung ver-
wiesen.
E.
Mit Eingabe vom 27. Juni 2022 erhoben die Beschwerdeführenden durch
den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Sei ersuchten um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung
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und um Feststellung der originären Flüchtlingseigenschaft sowie um Ge-
währung des Asyls. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie zudem,
unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 17. Juni
2022, um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsver-
beiständung.
Zur Begründung brachten sie im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführe-
rin würden als Ehefrau die gleichen Sanktionen wie ihrem Mann seitens
der irakischen Behörden drohen (Haft und/oder Todesstrafe), auch wenn
sie selbst mit der Sache, für die ihr Gatte hierzulande verurteilt worden sei,
nichts zu tun habe. Ihr würde von den irakischen Behörden keine eigen-
ständige politische oder religiöse Gesinnung zugestanden und auch wenn
der Fokus auf ihrem Mann liegen würde, würde sie sicherlich nicht von Ver-
folgung verschont bleiben.
Für die detaillierte Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für
den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 28. Juni 2022 den Eingang
der Beschwerde.
G.
Die vorinstanzlichen Akten der Beschwerdeführenden lagen dem Gericht
am 28. Juni 2022 vor, die Akten des Ehemannes/Vaters wurden antrags-
gemäss beigezogen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
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konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-
geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheids. Objektive Nachfluchtgründe sind dann ge-
geben, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person kei-
nen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von
Verfolgung bedrohten Person ist in diesen Fällen die Flüchtlingseigen-
schaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin machte keine Vorfluchtgründe geltend. Laut
ihren Angaben hat sie bis zu ihrer Ausreise aus dem Irak, welche im Jahr
(...) auf legalem Weg erfolgt sei, nie Probleme mit den heimatlichen Be-
hörden gehabt. Sie begründete ihr Asylgesuch vom 31. März 2021 einzig
mit der Furcht vor einer Reflexverfolgung seitens der irakischen Behörden
aufgrund der strafrechtlichen Verurteilung ihres Mannes.
5.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-
nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-
folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-
flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten
muss (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3 m.w.H.).
5.3 Der Ehemann der Beschwerdeführerin, der bereits seit (...) in der
Schweiz weilt, wurde mit Urteil des (...) vom (...) unter anderem wegen (...)
([...]) – (...) – schuldig gesprochen. Er hat die ihm auferlegte Freiheitsstrafe
verbüsst. Am (...) hat er ein Asylgesuch gestellt und geltend gemacht, dass
die irakischen Behörden, die offenbar von seiner strafrechtlichen Verurtei-
lung Kenntnis erlangt hätten, bei seiner Familie in H._ nach ihm
gefragt und einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hätten; im Falle einer
Rückkehr in den Irak fürchte er sich in diesem Zusammenhang vor einer
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Inhaftierung und einem mit Misshandlung verbundenen Verfahren seitens
der heimatlichen Behörden. Das SEM erkannte ihm mit in Rechtskraft er-
wachsener Verfügung vom (...) die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG aufgrund objektiver Nachfluchtgründe zu, lehnte aber das Asylge-
such infolge Asylunwürdigkeit des Ehemannes ab. In der Folge verfügte
das SEM auf Anordnung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Urteil
BVGer [...]) die vorläufige Aufnahme.
5.4 Nach Durchsicht sämtlicher Akten gelangt das Bundesverwaltungsge-
richt zum gleichen Schluss wie die Vorinstanz. Auch wenn die subjektiv
empfundene Angst der Beschwerdeführerin verständlich ist, ist vorliegend
aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass ihre Furcht, sie
würde im Falle einer Rückkehr in ihr Heimatland seitens der irakischen Be-
hörden in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise (reflex-)verfolgt, auch aus
objektivierter Sicht begründet ist. Gemäss ihren Angaben hatte sie vor ihrer
Ausreise aus dem Irak im Jahr (...) nie Probleme mit den heimatlichen Be-
hörden. Selbst wenn sich die irakischen Behörden im Jahr (...) bei der Fa-
milie des Ehemannes in H._ auch nach ihrem Aufenthaltsort erkun-
digt haben sollten, lässt sich allein daraus nicht ableiten, dass sie persön-
lich wegen der hierzulande erfolgten Verurteilung ihres Mannes im heuti-
gen Zeitpunkt im Visier der irakischen Behörden stehen würde, und dass
diese die Absicht hätten, sie in asylrelevanter Weise zu verfolgen. Konkrete
Anhaltspunkte hierfür liegen aufgrund der Aktenlage nicht vor, zumal Be-
hördenvertreter nie bei der Familie der Beschwerdeführerin in E._
vorstellig geworden seien oder anderweitig nach ihr gefragt worden sei und
auch sonst seit dem einen Behördenbesuch bei der Familie des Mannes
vor (...) Jahren im Irak nichts mehr vorgefallen sei. Der pauschale Einwand
in der Rechtsmitteleingabe vom 27. Juni 2022, dass (Ehe-)Frauen im Irak
keine Unabhängigkeit zugestanden werde und Ehefrauen per se das glei-
che juristische Schicksal erleiden würden wie ihre Ehemänner, vermag
nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin konnte im Irak ein universi-
täres Studium der (...) absolvieren und hätte ihren Angaben zufolge im Irak
auf diesem Gebiet auch eine Anstellung gefunden (vgl. SEM-act. 36 S. 7
F51), was ihre Eigenständigkeit zeigt. Auch wenn ihre Ehe im Irak regis-
triert ist, bestehen keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass
ihr im heutigen Zeitpunkt einzig aufgrund des Ehestands Reflexverfol-
gungsmassnahmen asylbeachtlichen Ausmasses seitens der heimatlichen
Behörden drohen würden.
5.5 Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen,
eine ihr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohende flüchtlingsrechtlich
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relevante (Reflex-)Gefährdung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu
machen. Sie (und ihre Kinder, für welche keine eigenen Asylgründe geltend
gemacht wurden) erfüllen damit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht originär. Es erübrigt sich, auf die diesbezüglich weiteren Aus-
führungen in der Rechtsmitteleingabe vom 27. Juni 2022 näher einzuge-
hen, da sie an der vorliegenden Würdigung des Sachverhalts nichts zu än-
dern vermögen.
5.6 Zusammenfassend hat das SEM die originäre Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführenden zutreffend verneint und die Asylgesuche zu
Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung sind alternativer Natur: Ist eine erfüllt, so ist der Vollzug der
Wegweisung als undurchführbar zu erachten, und die weitere Anwesenheit
in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
7.3 Mit dem vorliegenden Urteil erwächst die vom SEM mit Verfügung vom
19. Mai 2022 angeordnete vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs der in die Flüchtlingseigenschaft des Mannes res-
pektive Vaters einbezogenen Beschwerdeführenden in Rechtskraft. Daher
erübrigt sich eine Prüfung der übrigen Voraussetzungen des Wegwei-
sungsvollzugs (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
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8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung ist abzuweisen, da die Begehren, wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen waren,
weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der
belegten Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden – nicht erfüllt sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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