Decision ID: 6fa2cd7a-82cb-4b9a-845a-ad8008266bbd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend mehrfachen Betrug
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht
Strafsachen, vom 8. Mai 2017 (GG160090)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 12. September
2016 (Urk. 41) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des mehrfachen Betrugs im Sinne
von Art. 146 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, wovon 35 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, teilweise als
Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur / Unterland vom 13. November 2012 ausgefällten Strafe.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Die Privatklägerin Gemeinde B._ wird mit ihrem Schadenersatzbegeh-
ren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 395.00 Auslagen Vorverfahren (Gutachten) Fr. 30.00 Auslagen Polizei Fr. 3'225.00 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird keine schriftliche Begründung dieses Urteils verlangt, ermässigt sich
die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
6. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren, Auslagen Vorverfah-
ren sowie Auslagen Polizei) und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
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Beschuldigten zu 5/6 auferlegt. Die restlichen 1/6 der Kosten werden auf die
Gerichtskasse genommen.
7. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 3'700.– inkl.
MWSt. aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 102 S. 1)
1. In Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Urteil des Bezirks-
gerichts Winterthur vom 8. Mai 2017 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
3. Dem Beschuldigten sei für die unschuldig erlittene Haft eine angemes-
sene Genugtuung im Ermessen des Gerichts aus der Staatskasse
auszurichten.
4. Die Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-
rens und des vorliegenden Berufungsverfahrens seien vollumfänglich
auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Die erbetene Verteidigerin sei für das Vorverfahren und das erstin-
stanzliche Gerichtsverfahren in der Höhe der dort eingereichten Hono-
rarnote zu entschädigen.
6. Die Kosten für die Verteidigung für das Berufungsverfahren seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 94, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Considerations:
Erwägungen:
I.
1.1 Mit Urteil vom 8. Mai 2017 sprach das Bezirksgericht Winterthur, Einzelge-
richt in Strafsachen, den Beschuldigten des mehrfachen Betrugs im Sinne von
Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe
von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.–, teilweise als Zusatzstrafe zu einem Strafbefehl
aus dem Jahr 2012, entschied über die Anrechnung der erstandenen Untersu-
chungshaft und die Schadenersatzansprüche der Gemeinde B._ und regelte
die Kostenfolgen des Verfahrens (Urk. 88 S. 51 ff.).
1.2 Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 33) liess der Beschuldigte
rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 82; Art. 399 Abs. 1 StPO). Am 10. August
2017 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die Parteien (vgl. Urk. 86)
und übermittelte in der Folge die Anmeldung der Berufung zusammen mit den Ak-
ten dem Obergericht (vgl. Urk. 87).
2.1 Am 1. September 2017 (Datum des Poststempels) reichte der Beschuldigte
der erkennenden Kammer rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung ein
(Urk. 86; Urk. 91; Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO). Die Staatsanwaltschaft be-
antragte unter dem 13. September 2017 die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils, verzichtete auf Beweisanträge und weitere Fristansetzungen zur Stellung-
nahme (Urk. 94). Die Privatklägerin äusserte sich innert der ihr mit Präsidialverfü-
gung vom 7. September 2017 (Urk. 92; Urk. 93/3) angesetzten Frist nicht und
verzichtete damit auf eine Anschlussberufung.
2.2 Zwischen dem 24. Oktober und dem 7. November 2017 gingen das vom Be-
schuldigten ausgefüllte Datenerfassungsblatt und Unterlagen zu seinen finanziel-
len Verhältnissen beim Gericht ein (Urk. 97 ff.).
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3. Die Berufungsverhandlung fand heute zusammen mit derjenigen gegen die
mitangeklagte Ehefrau des Beschuldigten, C._, in Anwesenheit des Be-
schuldigten statt (Prot. II S. 3 ff.).
II.
1. Die Berufung des Beschuldigten zielt auf einen vollumfänglichen Freispruch
und richtet sich gegen die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 und 3 (Strafe und
Vollzug) sowie 6 (Kostenauflage) und 7 (Prozessentschädigung) des vorinstanzli-
chen Entscheides (Urk. 91). Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist
der vorinstanzliche Entscheid damit hinsichtlich des Teilfreispruchs (Begründung
Ziff. III.5.5 letzter Absatz; Ziff. III.5.8, 2. Absatz und Ziff. IV.2.2.2) sowie der Dispo-
sitivziffern 4 (Schadenersatz) und 5 (Kostenfestsetzung), was vorab festzustellen
ist.
2.1 Gegenstand einer näheren Prüfung im Berufungsverfahren ist folglich noch
der Anklagevorwurf betrügerischen Verhaltens im Zusammenhang mit den Gut-
schriften auf den auf D._ lautenden Konten bei der E._ (Nr. 1' [recte: Nr.
1]) und der F._ (Nr. 2), die die Vorinstanz sachverhaltsmässig als erstellt er-
achtete und in rechtlicher Hinsicht als mehrfachen Betrug würdigte. Die Anklage
wirft dem Beschuldigten insoweit vor, diese beiden auf seinen Sohn D._ lau-
tenden Konten und darauf eingegangene Zahlungen der Invalidenversicherung ...
[Ort] (Fr. 143.40), der G._ AG (Fr. 1'259.20, Fr. 317.40, Fr. 9.70, Fr. 28.70,
Fr. 36.40 und Fr. 79.70), von H._ (Fr. 1'054.30), der SVA Zürich (Fr. 1'704.–),
der I._ (Fr. 593.35), der J._ (Fr. 500.–) und der K._ (Fr. 453.–) ge-
genüber den Sozialhilfebehörden in gleichmassgeblichem Zusammenwirken mit
seiner mitangeklagten Ehefrau bewusst verschwiegen und sie auch in der Steu-
ererklärung nicht deklariert zu haben (die Auftraggeber der Zahlungen werden in
der Anklage offensichtlich irrtümlich unter dem Titel Begünstigte aufgeführt). Hätte
die Fürsorgebehörde von diesen Einkünften gewusst, so die Anklage, hätten sie
diese mit den an den Beschuldigten und seine Ehefrau ausgerichteten Unterstüt-
zungsbeiträgen verrechnet und die Leistungen in entsprechendem Umfang ge-
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kürzt, so dass ihr in entsprechendem Umfang ein Schaden entstanden sei. Der
Beschuldigte habe dabei wie seine Ehefrau gewusst, zumal sie mehrfach darauf
hingewiesen worden seien und dies unterschriftlich bestätigt hätten, dass sie die-
se Kontos und die Zahlungseingänge unverzüglich und fortlaufend der Sozialbe-
ratung der Gemeinde B._ hätten melden müssen. Sie hätten dies jedoch im
Bestreben unterlassen, dennoch den vollen Unterstützungsbeitrag zu erwirken, da
sie gewusst hätten, dass ihnen diese Unterstützung im entsprechenden Umfang
gekürzt worden wäre, hätten sie die genannten Einkünfte ordentlich gemeldet. Sie
hätten damit gerechnet, dass die zuständige Fürsorgebehörde und die L._
AG aufgrund der Vielzahl von Sozialhilfebezügern, des grossen administrativen
Aufwandes und der überdies beschränkten Auskunftsmöglichkeiten keine geziel-
ten Nachforschungen tätigen und damit nicht merken würden, dass der Beschul-
digte und seine Ehefrau neben der Sozialhilfe weitere Einkünfte erzielten. Tat-
sächlich hätten die Sozialhilfebehörden in der Folge teilweise erst durch Zufall
und teilweise gar nicht von den betreffenden Einkünften erfahren (Urk. 41).
2.2.1 Der Beschuldigte bestätigte auf Vorhalt das Gesuch vom 29. Oktober 2008
um Gewährung wirtschaftlicher Hilfe und die Selbstdeklaration vom 21. November
2013 unterzeichnet zu haben, betonte im Übrigen jedoch, sich an die Vorgänge
nicht mehr im Einzelnen erinnern zu können und nie Sozialhilfe bezogen, sondern
als Asylbewerber über die L._ AG wirtschaftliche Hilfe beantragt zu haben
und von der L._ AG unterstützt worden zu sein. Ferner habe es keine Verän-
derungen in ihren Verhältnissen gegeben. Er wisse nicht, was sie hätten melden
müssen. Sie hätten das angegeben, was von ihnen verlangt worden sei. Sie hät-
ten nie etwas versteckt. Die L._ AG habe ein Konto gewollt, um das Geld von
monatlich Fr. 280.– zu überweisen. Er habe dann gesagt, dass er kein persönli-
ches Konto besitze und habe daher das Konto seiner Ehefrau angegeben, das als
Anhang der Selbstdeklaration beiliege. Den Vorwurf, sie hätten die Kinderkonti
bewusst verschwiegen, um zu verhindern, dass die darauf eingegangen Zahlun-
gen an die ausbezahlten Sozialhilfegelder angerechnet würden, bestritt er (Prot. I
S. 12 ff.). Auch im Berufungsverfahren blieb er dabei, dass er und seine Ehefrau
sich korrekt verhalten hätten bzw. nie mit Absicht etwas verschwiegen hätten
(Prot. II S. 16 f.).
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2.2.2 Die Verteidigung argumentiert, die vorhandenen Beweismittel seien nicht
verwertbar, da für die Observation durch die M._ GmbH die rechtliche
Grundlage gefehlt habe. Eventualiter sei der Tatbestand des Betrugs nicht erfüllt
(Urk. 102 S. 2 ff.).
3.1 Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Sachverhaltserstellung und der Be-
weiswürdigung zutreffend dargelegt. Es kann insoweit auf das angefochtene Urteil
verwiesen werden (Urk. 88 S. 11 f.). Ergänzend ist einzig darauf hinzuweisen,
dass die vollständigen Sozialhilfedossiers des Beschuldigten und seiner Ehefrau
nicht vorliegen und Zeugenaussagen der seitens der Gemeinde B._ und der
L._ AG mit den Dossiers befassten Personen fehlen. Unter welchen Um-
ständen und auf welcher Basis dem Beschuldigten und seiner Familie wirtschaftli-
cher Hilfe geleistet wurde, lässt sich aufgrund der Akten deshalb nur bruchstück-
haft rekonstruieren, was sich strafprozessual jedoch nicht zuungunsten des Be-
schuldigten auswirken darf.
3.2.1 Die Vorinstanz stützt ihren Entscheid auf die Aussagen des Beschuldigten,
seiner mitangeklagten Ehefrau, die von der Gemeinde B._ eingereichten Un-
terlagen mit Ausnahme des durch die M._ GmbH erstellten Abschlussbe-
richts der Überwachung des Beschuldigten, auf Bankunterlagen und die Fahr-
zeugauskunft des Strassenverkehrsamtes (Urk. 88 S. 12 E. 4.1). Die Verteidigung
stellt die Verwertbarkeit dieser Beweismittel unter Hinweis auf die Rechtspre-
chung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Urteil
61838/10 vom 18. Oktober 2016 auch im Berufungsverfahren in Frage. Das Urteil
betrifft die Streitsache Vukota-Bojic gegen die Schweiz. Die Versicherte war im
Auftrage des Unfallversicherers von einem Privatdetektiv überwacht worden. Da-
rin erblickte der EGMR eine Verletzung von Art. 8 EMRK. Die Observation einer
Person durch ein öffentliches Organ stelle einen Eingriff in das Grundrecht auf
Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK dar, für welchen das schweizerische Recht mit
Art. 28 Abs. 2 und Art. 43 ATSG in Verbindung mit Art. 96 UVG keine ausreichend
klare Rechtsgrundlage (vgl. zu den Voraussetzungen einer solchen BGE 143 I
377 E. 3.3) biete.
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3.2.2 In der Sozialhilfe findet sich in § 18 SHG eine spezialgesetzliche Grundlage,
die es den Fürsorgebehörden ermöglicht, auch ohne Zustimmung der betroffenen
Person Auskünfte bei Dritten einzuholen, wenn Zweifel an der Richtigkeit oder
Vollständigkeit der Angaben oder Unterlagen bestehen. Dass betroffene Perso-
nen observiert werden dürfen, ergibt sich daraus jedoch nicht, weshalb davon
auszugehen ist, dass auch § 18 SHG keine ausreichend klare Rechtsgrundlage
für eine Überwachung darstellt und die im Auftrag der Sozialen Dienste B._
erfolgte Observation (primär) des Beschuldigten durch die M._ GmbH wider-
rechtlich war. Das im Rahmen der widerrechtlichen Observation durch die
M._ GmbH gesammelte Material ist gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO im vorlie-
genden Verfahren nicht verwertbar. Dabei handelt es sich nebst dem Abschluss-
bericht der Überwachung (Urk. 2/4) auch um den Mietvertrag für Garagen und
Abstellplätze betreffend den Einstellplatz Nr. 4 in der Liegenschaft N._-
Strasse in B._ (Urk. 2/3 [8]; vgl. Urk. 2/4 S. 4) und die Motorfahrzeugversi-
cherungs-Police Nr. ... vom 2. Juli 2013 (Urk. 2/3 [9]); vgl. Urk. 2/4 S. 7). Zum er-
wähnten Mietvertrag führte die M._ GmbH die Observation des den Sozial-
behörden bekannten Motorfahrzeugs des Beschuldigten auf dem Aussenpark-
platz Nr. 1 am Wohnort der Familie verbunden mit Abklärungen bei der Vermiete-
rin der Familie (Urk. 2/4 S. 4). Die Motorfahrzeugversicherungs-Police machte die
M._ GmbH zwar bei der den Sozialbehörden bekannten Versicherung der
Familie erhältlich, allerdings erst, nachdem sie sich mittels der von der Vermiete-
rin erhaltenen Schlüssel Zugang zur Garage verschafft und dort einen gegenüber
den Sozialbehörden nicht deklarierten Audi A8 versehen mit den auf den Be-
schuldigten eingelösten polizeilichen Kennzeichen auf dem Einstellplatz Nr. 4
vorgefunden hatte (Urk. 2/4 S. 6).
3.2.3 Ob bzw. inwieweit die vom Statthalteramt und der Staatsanwaltschaft im
Rahmen des auf die widerrechtliche Observation folgenden Strafverfahrens erho-
bene Beweise verwertbar sind (vgl. Art. 141 Abs. 4 StPO), kann an sich offen
bleiben. Der Beschuldigte ist - wie zu zeigen sein wird - aus materiellen Gründen
ohnehin freizusprechen (vgl. E. II.5). Der Vollständigkeit halber ist immerhin fest-
zuhalten, dass sich die vom Statthalteramt getroffenen Beweismassnahmen (Edi-
tionen, Befragungen) allein aufgrund der den Sozialen Diensten aus der eigenen
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Tätigkeit bekannten Umstände, wie etwa die Geschäftsverbindungen zur E._
und O._, die Kreditaufnahme bei der P._ Group und den Gebrauch oder
Kauf eines teuer erscheinenden Fahrzeuges (vgl. Urk. 20/5, Aktennotizen vom
12. Februar 2010, 29. März 2010, 9. März 2009) aufdrängten. Die Überweisung
des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft erfolgte dann gestützt auf die Erkennt-
nisse aus den durch das Statthalteramt in Übereinstimmung mit der Strafprozess-
ordnung erhobenen Beweise unter Berücksichtigung der Angaben der Gemeinde
B._ darüber, wann ihr was bekannt geworden war (vgl. Urk. 40/1), worauf die
Staatsanwaltschaft unter Einhaltung der strafprozessualen Regeln weitere Be-
weiserhebungen (Hausdurchsuchung, Editionen [einschliesslich F._ auf-
grund des Ergebnisses der Hausdurchsuchung; vgl. Urk. 28/1, Urk. 33/3 Blatt 4],
Befragungen etc.) tätigte, die aufgrund der bisherigen Erkenntnisse auf der Hand
lagen. Nach den konkreten Umständen des Einzelfalls wären die durch das Statt-
halteramt und die Staatsanwaltschaft erhobenen Folgebeweise damit im Sinn ei-
nes hypothetischen Ermittlungsverlaufs zumindest mit einer grossen Wahrschein-
lichkeit auch ohne die Erkenntnisse aus der widerrechtlichen Observation durch
die M._ GmbH erlangt worden (vgl. BGE 138 IV 169 E. 3.3.3), allerdings nur
sofern unabhängig vom Ergebnis der widerrechtlichen Observation ein für die Er-
öffnung der Strafuntersuchung genügender Anfangsverdacht überhaupt bestand.
Und insoweit ist festzuhalten, dass sich aus den bei den Akten liegenden Akten-
notizen der Sozialen Dienste B._ (Urk. 20/4 f.) ergibt, dass wiederholt Hin-
weise aus der Bevölkerung eingegangen waren, wonach die Familie der Beschul-
digten über ihre Verhältnisse als Sozialhilfeempfänger lebe (vgl. Aktennotizen
vom 11. Dezember 2009 und vom 18. November 2010) und sich der Behörde sel-
ber immer wieder die Frage aufdrängen, wie die Familie gewisse, durch die wirt-
schaftliche Hilfe nicht gedeckte Ausgabenpositionen finanzierte (Aktennotizen
vom 4. Dezember 2009, 20. Januar 2010 und 29. März 2010; vgl. auch Aktennotiz
vom 7. April 2011). Am 8. April 2010 hatten sich bei einer Kontrolle der Kontoaus-
züge des O._-Kontos der Ehefrau des Beschuldigten ferner nicht belegte
Eingänge (diese waren später Gegenstand der Anklage) gezeigt. Damit bestan-
den unabhängig von der unzulässigen Observation Anhaltspunkte, die die Bege-
hung einer Straftat zumindest als möglich erscheinen liessen und die Eröffnung
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eines Verfahrens durch das Statthalteramt wohl gerechtfertigt hätte (Art. 357
StPO; Art. 7 StPO; Art. 301 Abs. 2 StPO; Art. 302 StPO; vgl. BSK StPO-
RIEDO/BONER, Art. 300 N. 4 f.). Die Frage, ob unabhängig vom Ergebnis der wi-
derrechtlichen Observation ein für die Eröffnung eines Strafverfahrens genügen-
der Anfangsverdacht gegen den Beschuldigten bestand, muss aber - wie ein-
gangs festgehalten - nicht abschliessend beantwortet werden, weil der Beschul-
digte aus folgenden Gründen ohnehin freizusprechen ist.
4.1 Des Betruges macht sich schuldig, wer in der Absicht sich oder einen an-
dern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unter-
drückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig be-
stärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich
selbst oder einen andern am Vermögen schädigt (Art. 146 StGB). Trifft den Täter
gegenüber dem Geschädigten eine qualifizierte Rechtspflicht zum Handeln im
Sinne einer Garantenpflicht kann das Delikt auch durch Unterlassung begangen
werden (Art. 11 StGB). Da die im Sozialhilferecht vorgesehenen gesetzlichen
Meldepflichten eine solche aber nicht begründen, ist Sozialhilfebetrug durch blos-
ses Verschweigen der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse nicht möglich
(BGE 140 IV 11; BGE 6B_793/2015 E. 3.1). Vielmehr setzt die Erfüllung des Tat-
bestandes in diesen Fällen ein Verhalten voraus, dem ein von der Wirklichkeit
abweichender positiver Erklärungswert hinsichtlich sozialhilferechtlich relevanter
Tatsachen zukommt. Namentlich müssen zum Leistungsbezug weitere Handlun-
gen hinzutreten, welchen objektiv die Erklärung beizumessen ist, es habe sich an
den Anspruchsvoraussetzungen nichts geändert, wie etwa ein Schweigen auf
ausdrückliches Nachfragen (vgl. BGE 140 IV 11).
4.2 Gestützt auf die Bankunterlagen (Urk. 30/6) steht fest, dass der Beschuldig-
te am 10. Juli 2006 für den gemeinsamen Sohn D._ das Jugendsparkonto
Nr. 1 eröffnete und sich als Bevollmächtigten eine E._ Kundenkarte mit PIN-
Code, welche Bargeldbezüge, Abfrage von Kontoinformationen und die Erteilung
von Zahlungsaufträge ermöglichte, ausstellen liess. Das auf D._ lautende
Konto Nr. 2 bei der F._ wurde gemäss den verwertbaren Kontounterlagen
(Urk. 28/4 f.) am 25. Januar 2008 von der Ehefrau des Beschuldigten eröffnet. Sie
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und der Beschuldigte als Bevollmächtigter verfügten je über eine Einzelzeich-
nungsberechtigung für das Konto. Am 29. Oktober 2008 unterzeichnete der Be-
schuldigte als Ehegatte das von seiner Frau bei der Gemeinde B._ unter
Verwendung eines Formulars gestellte Gesuch um wirtschaftliche Hilfe (Urk. 2/1).
In diesem waren das Einkommen und das Vermögen des Gesuchstellers und sei-
nes Ehepartners einzutragen, wobei unter dem Titel Vermögen nach dem in
Franken anzugebenden Wert von Barschaft, Sparguthaben, Wertschriften, ande-
ren Guthaben und Motorfahrzeugen etc. gefragt wurde. Ein Abschnitt, in welchem
explizit nach Einkommen- und Vermögen minderjähriger Kinder gefragt wurde
und/oder eine Rubrik, in welche (sämtliche) vorhandene Bank- und Postkonten
einzutragen waren, fehlte im verwendeten Formular. Der Beschuldigte und seine
Ehefrau brachten bei der Zeile Einkommen "Taggelder von ALV, IV, Unfallversi-
cherung oder Krankenkasse" eine (in der vorliegenden Kopie schlecht lesbare)
Bemerkung an und vermerkten als Vermögen einen PW. Die Rubrik Barschaft
liessen sie offen. Die weiteren Rubriken, insbesondere die Rubrik Sparguthaben,
versahen sie mit einem Strich, verneinten sie also sinngemäss. Ferner bestätigten
sie mit ihrer Unterschrift u.a. den vorgedruckten Vermerk, wonach sie unter Hin-
weise auf mögliche Straffolgen wahrheitsgetreue Angaben gemacht hätten. Mit
Beschluss der Sozialbehörden vom 25. November 2008 wurde der Familie mit
den vier Kindern, D._, Q._, R._ und S._ in der Folge ab
1. Dezember 2008 wirtschaftliche Hilfe gewährt, wobei der Beschuldigte als Ge-
suchsteller genannt wurde (Urk. 2/2). Die Gewährung der wirtschaftlichen Hilfe er-
folgte unter Hinweis darauf, dass alle zur Beurteilung notwendigen Unterlagen
eingereicht worden seien (Urk. 2/2). Welche Unterlagen vom Beschuldigten und
seiner Ehefrau im Einzelnen im Sinn von "notwendigen Unterlagen" verlangt wor-
den waren, geht weder aus dem Beschluss noch aus den vorliegenden Aktennoti-
zen der Behörde (Urk. 20/4 f.) hervor. Hinsichtlich der finanziellen Situation der
Familie wird darin aber jedenfalls festgehalten, dass die Leistungen der IV für die
Tochter R._ der Ehefrau des Beschuldigten als Einkommen angerechnet
würden, sie über das Privatkonto Nr. 3 bei der E._ Winterthur mit einem Mi-
nussaldo per 30. September 2008 von Fr. 282.05 und einen Ford Mondeo mit ei-
nem Wert von ca. Fr. 4'621.00 verfügten. Die auf D._ lautenden Konten wer-
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den nicht erwähnt. Daraus folgt zwar nicht zwingend, dass diese im Verlauf der
offensichtlich erfolgten Kontakte zwischen der Familie und den Sozialbehörden
vom Beschuldigten und/oder seine Ehefrau nicht erwähnt wurden. Die Ehefrau
des Beschuldigten räumte vor Vorinstanz jedoch ein, die Kinderkonten nie ange-
geben zu haben. Auch sie machte jedoch geltend, aufgrund der Äusserungen sei-
tens der Gemeinde davon ausgegangen zu sein, dass sie diese nicht angeben
müsse (BG Winterthur, Geschäfts-Nr. GG160089, Prot. I S. 11). Zusammenge-
fasst ist gestützt auf die mit den Akten übereinstimmenden Aussagen der Ehefrau
des Beschuldigten davon auszugehen, dass die Eheleute im Zusammenhang mit
ihrem Gesuch um Gewährung wirtschaftlicher Hilfe Ende 2008 die damals vor-
handenen Konten D._s nicht deklarierten. Allerdings wurde weder im von der
Gemeinde zur Verfügung gestellten Formular für den Antrag um wirtschaftliche
Hilfe eine Aufstellung aller von der Familie gehaltenen Bank- und Postkonten ver-
langt, noch ist eine entsprechende anderweitige Aufforderung im Vorfeld der Be-
willigung des Gesuchs vom 25. November 2008 dokumentiert. In der Erklärung
des Beschuldigten und seiner Frau, über ein Konto bei der E._ zu verfügen,
lag vor diesem Hintergrund objektiv nicht auch die implizite Behauptung, die Kin-
der der Familie verfügten nicht über eigene Bank- und/oder Postkonten. Abgese-
hen davon kann bei der gegebenen Ausgangslage auch nicht ausgeschlossen
werden, dass der Beschuldigte und seine Ehefrau tatsächlich davon ausgingen,
Kinderkonten müssten generell nicht deklariert werden. Selbst wenn man aber in
der Angabe des E._-Kontos die positive Erklärung sehen würde, dass die
Familie nicht über weitere Konten verfüge, betraf die Erklärung jedenfalls keine
leistungsrelevanten Tatsachen. Der Saldo des auf D._ lautenden E._-
Kontos belief sich per 29. Oktober 2008 (Gesuch um wirtschaftliche Hilfe) bzw.
25. November 2008 (Bewilligung des Gesuchs um wirtschaftliche Hilfe) nämlich
auf Fr. 5.95 (Urk. 30/6), derjenige des Kontos bei der F._ auf Fr. 0.–
(Urk. 28/5) und war damit auch kumuliert als Vermögen von D._ bzw. als Teil
des Familienvermögens bei der Bemessung der wirtschaftlichen Hilfe sozialhilfe-
rechtlich von vornherein unerheblich (Vermögensfreibeträge). Davon geht offen-
sichtlich auch die Anklage aus, wirft sie dem Beschuldigten und seiner Ehefrau
doch einzig vor, Einkünfte betrügerisch verschwiegen zu haben.
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4.3.1 In ihrem Gesuch um wirtschaftliche Hilfe vom 29. Oktober 2008 (Urk. 2/1)
hatten der Beschuldigte und seine Ehefrau u.a. auch bestätigt, die Pflichten ge-
mäss abgegebenem Merkblatt einzuhalten und insbesondere Veränderungen in
den Einkommens- und Vermögens- und familiären Verhältnisse sofort und unauf-
gefordert zu melden. Im Beschluss der Sozialbehörden vom 25. November 2008
wurden der Beschuldigte und seine Ehefrau erneut u.a. dazu angehalten, sämtli-
che Veränderungen in der finanziellen und persönlichen Situation umgehend der
Sozialbehörde zu melden. Damit waren sie unmissverständlich dazu aufgefordert,
jedenfalls ihnen wirtschaftlich zustehende Zusatzeinkünfte zu melden. Die Vor-
stellung, Kinderkonten müssten nicht deklariert werden, relativierte diese Pflicht
nicht und vermag daher die von der Ehefrau des Beschuldigten vor Vorinstanz (in
Übereinstimmung mit den übrigen Akten) implizit eingestandene Nichtdeklaration
der inkriminierten Zahlungseingänge (BG Winterthur, Geschäfts-Nr. GG160089,
Prot. I S. 12 f., 22 ff.) nicht zu erklären. Vielmehr liegt die Annahme nahe, dass
der Beschuldigte und seine Ehefrau, sozialhilferechtlich potentiell anrechenbare
Zahlungen auf die gemäss ihrer subjektiven Überzeugung nicht deklarationspflich-
tige Konten D._s überweisen liessen, um die Einkünfte gegenüber den Für-
sorgebehörden erfolgreich verheimlichen zu können. Dass es sich bei keiner der
inkriminierten und im Berufungsverfahren noch relevanten Zahlungen auf die Kon-
ten von D._ um solche handelte, die diesem wirtschaftlich zustanden, ergibt
sich aus den in den Bankunterlagen vermerkten Angaben zum jeweiligen Zah-
lungszweck (Urk. 28/5; Urk. 30/6) und den Aussagen des Beschuldigten (Prot. I
S. 21) und seiner Ehefrau (BG Winterthur, Geschäfts-Nr. GG160089, Prot. I S. 22
ff.). Aus dem Umstand, dass der Beschuldigte und seine Ehefrau die Vorausset-
zungen für das (vermeintlich) erfolgreiche Verheimlichen der Zahlungseingänge
aktiv schufen, folgt jedoch nicht zwingend, dass die unterlassene Meldung der
Gutschrift gegenüber den Fürsorgebehörden mehr als ein blosses Verschweigen
darstellte und sich diese auf sozialhilferechtlich relevante Umstände bezog. Viel-
mehr müssten dem Beschuldigten nach den Erwägungen gemäss II. 4.1 vorste-
hend eigene oder ihm zurechenbare Verhaltensweisen seiner Ehefrau gegenüber
den Fürsorgebehörden nachgewiesen werden können, denen objektiv die Erklä-
rung beizumessen ist, es habe sich an den Anspruchsvoraussetzungen nichts
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geändert, wie etwa ein Schweigen auf ausdrückliches Nachfragen. Dieser Nach-
weis kann aufgrund des vorliegenden Untersuchungsergebnisses nicht erbracht
werden. Das aus folgenden Gründen:
4.3.2 Gemäss den vorliegenden Aktennotizen (Urk. 20/5) hatte die Ehefrau des
Beschuldigten nach dem 1. Dezember 2008 Kontakt mit den Sozialbehörden, oh-
ne dass es dabei allerdings zu dokumentierten Fragen zu den aktuellen Einkom-
mens- und Vermögensverhältnissen gekommen wäre. Am tt.mm.2009 kam das
fünfte Kind der Familie, T._, zur Welt (vgl. Urk. 20/5, Aktennotiz vom 4. Mai
2009), was zu einer ab 1. August 2009 dokumentierten Neuberechnung der wirt-
schaftlichen Hilfe für die Familie führte (Urk. 2/3). Dass der Beschuldigte und sei-
ne Ehefrau in diesem Zusammenhang zu einer Deklaration ihrer aktuellen Ein-
kommens- und Vermögensverhältnisse aufgefordert worden wären und falls ja,
welchen Inhalt diese Aufforderung hatte, ergibt sich aus den Akten (vgl. insbe-
sondere auch Urk. 20/5) jedoch nicht.
4.3.3 Per Ende August 2009 verlor der Beschuldigte seine Aufenthaltsberechti-
gung in der Schweiz, hielt sich aber weiter mit einem N-Ausweis für Asylsuchende
im Land und bei seiner Familie auf. Er wurde in der Folge neu allein als Asylsu-
chender und damit auf der Basis des Asylgesetzes und der Asylfürsorgeverord-
nung, durch die L._ AG unterstützt, während die Ehefrau des Beschuldigten
und die fünf gemeinsamen Kinder weiterhin wirtschaftliche Hilfe gemäss Sozialhil-
fegesetz und Sozialhilfeverordnung bezogen und dabei von den Sozialen Diens-
ten B._ betreut wurden (Urk. 1 S. 2; Urk. 2/3 [3-5]; Urk. 22/1; Urk. 22/3; vgl.
auch Urk. 20/4 [12-18]). Die der Anklage zugrundeliegende Vorstellung, der Be-
schuldigte und seine Ehefrau seien im angeklagten Zeitraum vom 1. Dezember
2008 bis zum 31. März 2014 (Entlassung aus der Sozialhilfe; Urk. 2/6; Urk. 1 S. 3)
von der Gemeinde B._ gemeinsam betreut und wirtschaftlich unterstützt
worden, weshalb ihnen ihr jeweiliges Verhalten gegenüber den Behörden zuge-
rechnet werden könne, trifft damit nicht zu. Vielmehr war der Beschuldigte ab
1. September 2009 getrennt vom Rest der Familie, der sich weiterhin an die Sozi-
alen Dienste B._ zu halten hatte, für sich allein gegenüber der L._ AG
rechenschaftspflichtig und die L._ AG hatte die ihm persönlich zustehende
- 15 -
Unterstützung auf der Basis der einschlägigen Bestimmung unter Berücksichti-
gung des ihm anrechenbaren Bedarfs, Einkommens und Vermögens zu berech-
nen. Dass die Unterstützungsbeiträge an den Beschuldigten ab einem bestimm-
ten Zeitpunkt ebenfalls von der Gemeinde B._ überwiesen wurden, ändert
daran nichts. Gestützt auf welche Unterlagen die L._ AG den Sozialhilfean-
spruch des Beschuldigten ursprünglich prüfte und guthiess und ob bzw. auf wel-
cher Grundlage sie danach im Zeitraum bis November 2013 die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschuldigten überprüfte, ist nicht aktenkundig. Dokumentiert ist
erst die Selbstdeklaration im November/Dezember 2013. Diese erfolgte zunächst
mittels eines Formulars (Urk. 2/5), in welchem auch über das Einkommen Re-
chenschaft abzulegen war, vergangenheitsbezogen allerdings einzig insoweit, als
unter dem Titel "Arbeitslosigkeit" der letzte Monatslohn anzugeben und allfällige
Lohnausweise der letzten drei Monate vorzulegen waren. Nach gelegentlichen,
unregelmässigen Einkünften und insbesondere solchen in der Vergangenheit
wurde nicht gefragt. Wenn der Beschuldigte die Rubriken zum Einkommen offen-
liess, erklärte er damit vor diesem Hintergrund nur, dass er in den letzten drei
Monaten vor der Selbstdeklaration, gegenwärtig und auf absehbare Zeit kein Ein-
kommen aus Arbeitserwerb, Arbeitslosengeld, Rente o.ä. beziehe. Über verein-
zelte Zahlungen Dritter, welche teilweise mehrere Jahre zurücklagen, machte er
damit keine Aussagen. Dass das Formular ferner die Rubrik "Alle Bank- und
Postscheckkonti aller unterstützten Personen (inkl. Kinder)" und in den schriftli-
chen Erläuterungen zur Selbstdeklaration der Hinweis, dass auch eigene Mittel
von minderjährigen Kindern wahrheitsgemäss und vollständig zu deklarieren sei-
en, enthielt, trifft sodann zwar zu. Allerdings wurde der Beschuldigte von der
L._ AG allein unterstützt; von der L._ AG unterstützte Kinder gab es in
seinem Fall nicht. Es ist folglich davon auszugehen, dass der Hinweis auf Konten
unterstützter Kinder bzw. auf eigene Mittel minderjähriger Kinder für ihn nicht ein-
schlägig war. Mit seiner Auskunft macht er dazu folglich objektiv auch keine An-
gaben.
Anzufügen ist im Übrigen, dass der Kontostand des E._-Kontos im Zeitpunkt
der Selbstdeklaration gegenüber der L._ AG Fr. 120.45 (Urk. 30/6), derjenige
des F._-Kontos Fr. 7.15 (Urk. 28/5) betrug und damit auch kumuliert weit un-
- 16 -
ter dem Vermögensfreibetrag von Fr. 2'000.– für D._ bzw. Fr. 10'000.– für
die ganze Familie lag. Selbst wenn man der Tatsache, dass der Beschuldigte in
der Selbstdeklaration keine Konten aufführte also in dem Sinn einen positiven Er-
klärungswert beimessen würde, dass der Beschuldigte damit die Nichtexistenz
der Kinderkonten implizit behauptet habe, hätte sich diese Erklärung nicht auf
Tatsachen bezogen, die den Leistungsbezug hätten beeinflussen können. Davon
geht, wie bereits erwogen, auch die Anklage aus, die dem Beschuldigten ein be-
trügerisches Verheimlichen von Vermögen nicht vorwirft. Nebst dem Formular
Selbstdeklaration und den dazugehörigen Erläuterungen unterzeichnete der Be-
schuldigte schliesslich knapp drei Wochen später, am 12. Dezember 2013, ferner
als Gesuchsteller das Formular "Rechtsmittelbelehrung zur Selbstdeklaration" und
erklärte damit unter anderem, dass er die "vorgenannten Fragen" vollständig und
wahrheitsgetreu beantwortet habe sowie auf die Folgen falscher Auskunft, die
Pflicht, jederzeit Einsicht in seine Unterlagen zu gewähren und Änderungen in
seinen Verhältnissen zu melden, aufmerksam gemacht worden sei (Urk. 2/5). Die
Annahme, dass am 12. Dezember 2013 vor bzw. im Zusammenhang mit der Un-
terzeichnung des Formulars "Rechtsmittelbelehrung zur Selbstdeklaration" ein
Gespräch mit der für die Betreuung des Beschuldigten zuständigen Person bei
der L._ AG stattfand, in welcher die am 21. November 2013 vom Beschuldig-
ten unterzeichnete Selbstdeklaration thematisiert und allenfalls auch seitens der
Behörden vermutete Lücken besprochen wurden, liegt auf der Hand. Aktenkundig
ist ein solches Gespräch aber wiederum nicht.
4.4 Der Beschuldigte ist folglich vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146
StGB freizusprechen. Eine allfällige Widerhandlung im Sinn von § 48a des Sozi-
alhilfegesetzes wäre verjährt. Ausführungen dazu erübrigen sich. Die Bestim-
mung, welche den unrechtmässigen Bezug von Leistungen einer Sozialversiche-
rung oder der Sozialhilfe unter Strafe stellt (Art. 148a StGB) trat sodann erst per
1. Oktober 2016 und damit nach den inkriminierten Handlungen des Beschuldig-
ten in Kraft; sie ist auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar (Art. 2 StGB).
- 17 -
III.
1. Die Kosten der Untersuchung sowie beider gerichtlichen Verfahren sind auf
die Staatskasse zu nehmen und dem Beschuldigten eine angemessene Entschä-
digung für seine Aufwendungen im Verfahren und eine Genugtuung für die erlitte-
ne Untersuchungshaft von 35 Tagen (Urk. 34/1; Urk. 34/13) auszurichten
(Art. 426 StPO; Art. 428 StPO; 429 StPO).
2.1 Die Rechtsvertreterin des Beschuldigten macht für ihre Aufwendungen in der
Untersuchung und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren ausgehend von einem
Aufwand von knapp 70 Stunden und einen Stundenhonorar von Fr. 300.– ein Ho-
norar von Fr. 23'916.25 geltend (Urk. 80). Raum für eine Kürzung besteht nicht.
Unter Berücksichtigung des für das Berufungsverfahren geltend gemachten Auf-
wandes für die Verteidigung (Fr. 12'394.25; Urk. 104), ist dem Beschuldigten für
das Vorverfahren und für beide gerichtlichen Instanzen aus der Gerichtskasse ei-
ne Prozessentschädigung für insgesamt Fr. 36'300.– auszurichten.
2.2 Die Genugtuung für die erlittene Untersuchungshaft ist - vom Grundbetrag
von Fr. 200.– pro Tag erlittener Haft gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ausgehend - auf Fr. 7'000.– festzusetzen.