Decision ID: c5e6679b-d4fd-4705-82ed-9e4a171294fe
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 29. November 2021 in der Schweiz
um Asyl nach. Nachdem er am 3. Dezember 2021 die Mitarbeitenden der
HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (...) mit seiner Rechtsvertretung
im Rahmen des Asylverfahrens mandatiert hatte, fand 6. Dezember 2021
die Personalienaufnahme (PA) statt. In der Folge wurde der Beschwerde-
führer am 21. April 2022 einlässlich zu seinen Asylgründen gemäss Art. 29
AsylG (SR 142.31) angehört.
A.b Der Beschwerdeführer machte zu seinem Lebenslauf und zur Begrün-
dung seines Asylgesuches im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei arabischer Ethnie und in B._, im Quartier C._, zur
Welt gekommen. Aufgrund des Krieges respektive der Unruhen seien er
und seine Familie (...)/(...) in ein anderes Quartier nach D._ in
B._ umgezogen, in welchem es ruhiger gewesen sei.
Circa im Jahre (...) sei sein Vater in den E._ gezogen, um für seine
Familie eine Unterkunft zu suchen, in welche er (der Beschwerdeführer)
dann gemeinsam hätte nachreisen sollen. Dies, da sich die Bürgerkriegs-
situation in Syrien inzwischen stark intensiviert habe. Ein Grossteil seiner
Familie sei dann auch aus Syrien in den E._ ausgereist, jedoch sei
er, sein Bruder F._ und sein Bruder G._ in Syrien geblieben,
da die Ausreise – welche über von den syrischen Behörden kontrolliertes
Gebiet geführt habe – für ihn als Mann in wehrdienstpflichtigem Alter hätte
gefährlich sein können.
Obwohl er und seine Brüder versucht hätten, sich den Kriegswirren zu ent-
ziehen, hätten sich sowohl F._ als auch G._ Verletzungen
durch Raketen- und Bombenangriffe zugezogen. Seine Eltern hätten da-
raufhin gesagt, dass er (der Beschwerdeführer) sich in Schutz bringen
solle. Etwa (...) sei er deshalb illegal in die H._ gereist und habe
dort rund (...) Jahre gelebt. Vor seiner Reise nach Europa sei er zurück
nach Syrien gegangen, um seinen Bruder G._, der seit der Verlet-
zung nicht mehr gehen könne, und seine Familie zu unterstützen, während
G._ sich einer Behandlung unterzogen habe. Nach Abschluss der
Behandlungen sei er (der Beschwerdeführer) über H._ endgültig
aus Syrien ausgereist, um nach Europa weiterzureisen und in der Schweiz
ein Asylgesuch zu stellen.
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Abgesehen von der allgemeinen Bürgerkriegssituation und den damit zu-
sammenhängenden Gefahren habe er in Syrien keine Probleme gehabt.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Ver-
fahrens seinen syrischen Identitätsausweis in Kopie zu den Akten.
A.d Das SEM konsultierte das Dossier seiner Familie (N ...) zur Ent-
scheidfindung.
A.e Am 28. April 2022 wurde der Entscheidentwurf des SEM der Rechts-
vertretung des Beschwerdeführers zur Stellungnahme ausgehändigt.
Diese teilte mit Schreiben vom 29. April 2022 mit, dass der Beschwerde-
führer auf eine inhaltliche Stellungnahme verzichte.
B.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2022 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, nahm
ihn aber infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der
Schweiz auf und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aus.
C.
Die Rechtsvertretung teilte dem SEM am 2. Mai 2022 mit, das Mandat nie-
dergelegt zu haben.
D.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 30. Mai 2022 gegen diese
Verfügung vom 2. Mai 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als
Flüchtling anzuerkennen und sein Asylgesuch sei gutzuheissen, eventua-
liter sei die Sache zur weiteren Abklärung an das SEM zurückzuweisen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu bewilligen und von der Erhebung eines Kostenvorschusses
abzusehen.
Der Beschwerde lag die angefochtene Verfügung in Kopie bei.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 31. Mai 2022
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
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F.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2022 wies der Instruktionsrichter die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und setzte dem
Beschwerdeführer eine Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses in der
Höhe von Fr. 750.– an.
G.
Mit Eingabe vom 22. Juni 2022 (Datum Poststempel) ersuchte der Be-
schwerdeführer um Ratenzahlung à je Fr. 187.50 und legte seiner Eingabe
eine Fürsorgebestätigung vom 21. Juni 2022 bei. Am 29. Juni 2022 wurde
der eingeforderte Kostenvorschuss einbezahlt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der einverlangte Kosten-
vorschuss innert angesetzter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb auf
einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeentscheid nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land,
in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führt in seiner Verfügung aus, dass im Rahmen von Krieg
oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile keine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung darstellen würden, soweit sie nicht auf der
Absicht beruhen würden, einen Menschen aus einem der in Art. 3 Abs. 1
AsylG erwähnten Gründe zu treffen. Der Beschwerdeführer habe zu Pro-
tokoll gegeben, aufgrund der allgemeinen Bürgerkriegssituation aus Syrien
ausgereist zu sein. Dazu befragt, habe er angegeben, weder Probleme mit
den syrischen Behörden noch mit nichtstaatlichen Gruppierungen oder
Personen gehabt zu haben. Er habe zwar von der Angst berichtet, in den
Militärdienst rekrutiert zu werden oder für eine (Kriegs-)Partei Seite ergrei-
fen zu müssen, habe jedoch explizit zu Protokoll gegeben, nie in Kontakt
mit den syrischen Behörden oder sonstigen Konfliktparteien gestanden zu
haben. Folglich bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass seine erlittenen
Nachteile flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten könnten, zumal sowohl
seinen als auch den Akten seiner Familie keine Risikofaktoren zu entneh-
men seien, welche zu einer anderen Konklusion führten könnten. Seine
Vorbringen würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
5.2 Dem hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegenhalten, sein
Vater, seine Mutter und seine Geschwister seien durch ein Resettlement-
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Programm in die Schweiz gelangt. Ihnen sei die Flüchtlingseigenschaft zu-
gesprochen und Asyl erteilt worden. Es sei ihm damals nicht möglich ge-
wesen, mit ihnen zu reisen. Aber auch er habe schreckliche Dinge in sei-
nem Heimatland erlebt. Auch ihm soll Asyl gewährt werden, sodass er den
gleichen Status in der Schweiz wie seine Verwandten habe. Für sein
Rechtsempfinden sei es sehr schwierig nachzuvollziehen, warum sie einen
anderen Status als er hätten. Er sei als kleiner Junge von seinen Geschwis-
tern und seinen Eltern getrennt worden, weshalb er um Familienvereini-
gung ersuche. Er wolle wieder zusammen mit ihnen hier leben können.
6.
6.1 Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der angefoch-
tenen Verfügung mit ausführlicher und überzeugender Begründung als
nicht asylrelevant qualifiziert. Auf diese kann zur Vermeidung von Wieder-
holungen vollumfänglich verwiesen werden.
6.2 Übereinstimmend mit dem SEM ist festzuhalten, dass im Rahmen von
Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile keine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung darstellen, soweit sie nicht auf der Ab-
sicht beruhen, einen Menschen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG er-
wähnten Gründe zu treffen. Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte da-
für, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten erlittenen Nachteile
flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, zumal sowohl seinen als auch den
Akten seiner Familie keine Risikofaktoren im Sinne der bundesverwal-
tungsrechtlichen Rechtsprechung (vgl. BVGE 2015/3; zuletzt bestätigt in
BVGE 2020 VI/4) zu entnehmen sind, welche zu einer anderen Schlussfol-
gerung führen könnten.
6.3 Soweit der Beschwerdeführer mit Hinweis auf den Umstand, dass sei-
nen Eltern und seinen Geschwistern I._, J._, K._,
L._ und M._ im Rahmen eines Resettlement-Programms
am (...) gestützt auf Art. 56 AsylG Asyl gewährt worden ist, auf Gerechtig-
keit und Solidarität pocht, ist festzuhalten, dass er aus dem Status seiner
Angehörigen nichts zu seinen Gunsten ableiten kann.
6.4 Der Beschwerdeführer macht überdies – sinngemäss, aber ohne wei-
tere Begründung – eine Familienvereinigung nach Art. 27 Abs. 3 AsylG gel-
tend, welche sich aber als gegenstandslos erweist, da er dem gleichen
Kanton (N._) wie seine Angehörigen zugewiesen worden ist.
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6.5 Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-
neint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf den eventuell gestellten Rückwei-
sungsantrag zwecks Sachverhaltsabklärung näher einzugehen, da dieser
unbegründet geblieben ist und sich aus den Akten ohnehin keine Anhalts-
punkte ergeben, welche auf eine unrichtige oder unvollständige Erhebung
des rechtserheblichen Sachverhalts durch die Vorinstanz ergeben.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Mit der Bezahlung des eingeforderten Kostenvorschusses am 29. Juni
2022 wird das Gesuch um dessen Ratenzahlung vom 22. Juni 2022 (Da-
tum Poststempel) gegenstandslos.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 29. Juni 2022 in gleicher Höhe geleistete
Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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