Decision ID: 652338c7-8193-5313-ab68-ac97aa60aba0
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine syrische Staatsangehörige kurdischer Eth-
nie aus der Provinz Al-Hasaka – verliess ihren Heimatstaat eigenen Anga-
ben zufolge am 16. September 2018 und gelangte auf dem Landweg über
diverse Länder nach Griechenland, von wo sie per Flugzeug am 1. Novem-
ber 2018 in die Schweiz einreiste.
B.
Mit Eingabe vom 2. November 2018 wandte sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an das Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe,
reichte eine entsprechende Vollmacht der Beschwerdeführerin ein und
kündigte an, seine Mandantin werde am 5. November 2018 ein Asylgesuch
stellen. Der Verlobte der Beschwerdeführerin (B._, geboren [...],
staatenlos, N [...]) lebe in [...] (Kanton C._). Aus diesem Grund sei
die Beschwerdeführerin dem Kanton C._ zuzuweisen. Es sei ihr die
private Unterbringung bei ihrem Verlobten zu erlauben (4.5 Zimmerwoh-
nung). Zur Begründung wurde auf den Grundsatz der Familieneinheit und
auf die bevorstehende Heirat verwiesen. Als Beweismittel wurde eine Ko-
pie der Niederlassungsbewilligung C von B._ sowie eine Kopie der
syrischen Identitätskarte der Beschwerdeführerin eingereicht.
C.
C.a Wie angekündigt, stellte die Beschwerdeführerin am 5. November
2018 ihr Asylgesuch. Per Zufallsprinzip wurde sie dem Testphasenbetrieb
im Bundeszentrum Boudry zugewiesen. Dort wurde sie am 15. November
2018 summarisch zu ihrer Person befragt. Am 10. Dezember 2018 fand
eine einlässliche Anhörung zu den Asylgründen statt.
C.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen geltend, sie sei als Kurdin diskriminiert worden in ihrer Hei-
mat. An der Schule sei sie die einzige kurdische Lehrerin gewesen; sie sei
von den anderen Lehrern ausgegrenzt worden, was bis hin zu ihrer Entlas-
sung geführt habe. Ausserdem sei sie in ihrem Dorf von Arabern belästigt
worden. Sie habe sich politisch engagiert, indem sie an pro-kurdischen De-
monstrationen teilgenommen habe. Im Jahr 2014 hätten die Daesh (soge-
nannter Islamischer Staat) ihr Dorf besetzt. Aus Furcht habe sie ihr Haus
kaum mehr verlassen können. Die Kriegssituation, die unsichere Lage in
ihrer Heimat sowie ihr Wunsch, mit ihrem Mann – der als anerkannter
Flüchtling in der Schweiz lebe – vereint zu sein, hätten sie veranlasst, ihren
Heimatstaat zu verlassen.
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Die Beschwerdeführerin gab ferner zu Protokoll, am (...) 2018 B._
in Syrien religiös geheiratet zu haben. Der abwesende Bräutigam sei durch
ihren Onkel väterlicherseits vertreten worden (A25/17-21 Q120-122). Die
zivile Heirat in der Schweiz sei geplant; eine entsprechende behördliche
Ehevorbereitung sei in die Wege geleitet worden (A25/17-21 Q119).
C.c Die Beschwerdeführerin reichte im vorinstanzlichen Verfahren fol-
gende persönlichen Dokumente als Beweismittel zu den Akten (jeweils mit
französischer Übersetzung): eine Identitätskarte, eine Zivilstandsbeschei-
nigung, eine Geburtsurkunde, eine Ledigkeitsbescheinigung, mehrere Ko-
pien von Diplomen sowie Unterlagen zu ihrer Ehevorbereitung in der
Schweiz.
C.d Mit Schreiben vom 4. Dezember 2018 wandte sich das Zivilstandsamt
des Kantons C._ an das SEM. Es ersuchte im Rahmen der laufen-
den Ehevorbereitung um Zustellung diverser Dokumente betreffend die Be-
schwerdeführerin.
D.
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2018 – eröffnet am 21. Dezember 2018
– stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch ab. Dagegen schob es den Vollzug
der Wegweisung nach Syrien wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer
vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführerin auf.
E.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 31. Dezember
2018 focht die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter diesen Ent-
scheid an und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung
und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen und rich-
tigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Eventualiter sei ihr vollumfängliche
Einsicht in sämtliche Asylakten und das rechtliche Gehör dazu zu gewäh-
ren. Anschliessend sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer
Beschwerdeergänzung zu gewähren. Eventualiter wurde die Aufhebung
der Verfügung des SEM und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
sowie die Gewährung von Asyl beantragt. Subeventualiter sei die Verfü-
gung des SEM aufzuheben und die Beschwerdeführerin als Flüchtling an-
zuerkennen. In prozessualer Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess-
führung beantragt.
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F.
Am 3. Januar 2019 wurde die Beschwerdeführerin für die weitere Dauer
des Verfahrens dem Kanton C._ zugeteilt.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 hielt die Instruktionsrichterin
fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten, zumal sie als vorläufig aufgenommene Person bereits
über eine Berechtigung zum Aufenthalt in der Schweiz verfüge. Die Vor-
instanz wurde angewiesen, der Beschwerdeführerin Einsicht in die editi-
onsfähigen vorinstanzlichen Akten zu gewähren. Die Beschwerdeführerin
wurde aufgefordert, ihre prozessuale Bedürftigkeit mittels Sozialhilfebestä-
tigung zu belegen.
H.
Mit Eingabe vom 16. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine Ko-
pie ihres F-Ausweises (mit der Schreibweise [...] ihres Namens) sowie eine
behördliche Unterstützungsbestätigung zu den Akten.
I.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2019 (sic) stellte das SEM der Beschwerde-
führerin die editionsfähigen vorinstanzlichen Akten per Telefax zur Einsicht
zu.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2019 wurde der Beschwerdeführe-
rin Gelegenheit geboten, ihre Beschwerde zu ergänzen.
K.
Mit Eingabe vom 25. Februar 2019 wurde eine Beschwerdeergänzung zu
den Akten gereicht. Die Beschwerdeführerin hielt weiter am Hauptbegeh-
ren, die angefochtene Verfügung sei zu kassieren, fest; ferner begründete
sie ihr Eventualbegehren betreffend Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft und Asylgewährung.
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 27. Februar 2019 wurde das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, und auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Das SEM wurde eingela-
den, eine Vernehmlassung zu den Akten zu reichen.
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M.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 14. März 2019 vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und be-
antragte die Abweisung der Beschwerde.
N.
Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde der Beschwerdeführerin am
14. März 2019 zur Kenntnis gebracht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Aufgrund
der Zuweisung der Beschwerdeführerin in die Testphase des Bundeszenr-
tums in Boudry kommt ausserdem die Verordnung vom 4. September 2013
über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnah-
men im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) zur Anwendung (Art. 1 und
Art. 4 Abs. 1 TestV).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 38 TestV, i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Das Verfahren wird gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG in deutscher
Sprache geführt, nachdem die Eingaben der Beschwerdeführerin im Be-
schwerdeverfahren in deutscher Sprache erfolgt sind.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt in der Beschwerde-
eingabe zu Recht, dass ihm trotz entsprechendem Antrag vom 21. Dezem-
ber 2018 – und trotz der verkürzten Beschwerdefristen im Testbetrieb –
nicht rechtzeitig Akteneinsicht gewährt worden sei. In der Tat sind dem
Rechtsvertreter die Akten, nach entsprechender Aufforderung an das SEM
im Rahmen der Beschwerdeinstruktion (vgl. oben Bst. G), erst am 6. Feb-
ruar 2019 zugestellt worden. Nachdem der Beschwerdeführerin anschlies-
send Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung eingeräumt wurde, die sie
mit Eingabe vom 25. Februar 2019 wahrnahm (oben Bst. K), kann der Man-
gel mittlerweile als behoben gelten.
3.2 Das SEM hat im vorliegenden Verfahren dem Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführerin, entgegen der Bestimmung von Art. 17 Bst. e und f TestV,
keinen Entwurf der zu erlassenden Verfügung zur vorgängigen Stellung-
nahme unterbreitet. Dies stellt einen Verfahrensmangel dar (vgl. Urteil des
BVGer E-6885/20017 vom 20. März 2019, E. 6). Angesichts des nachfol-
gend begründeten Verfahrensausgangs, wonach die angefochtene Verfü-
gung aus anderem Grund aufzuheben ist, und nachdem die Beschwerde-
führerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens zur Verfügung in allen
Punkten hat Stellung nehmen können, drängt sich eine Kassation allein
wegen dieses Mangels nicht auf.
4.
4.1 Das SEM würdigte in seiner Verfügung die Vorbringen der Beschwer-
deführerin als nicht asylrelevant. Aus der allgemeinen Lage allgemeiner
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Unsicherheit in Syrien lasse sich keine Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen
Sinn ableiten. Ebenso genüge die von Diskriminierung geprägte Situation
der Kurden nicht, um als Verfolgung zu gelten; die Praxis anerkenne keine
Kollektivverfolgung der Kurdinnen und Kurden. Die geltend gemachten
Diskriminierungen bis hin zur Entlassung, die die Beschwerdeführerin an
ihrer Schule erlebt habe, seien nicht intensiv genug, um als ernsthafter
Nachteil zu gelten. Nachdem die Beschwerdeführerin ihren Angaben ge-
mäss zwar an Demonstrationen teilgenommen, sich dort aber nicht expo-
niert habe, begründe dies keine hinlängliche Furcht vor zukünftiger Verfol-
gung, zumal sie nie direkte Probleme mit den Behörden gehabt habe.
4.2 Was das Vorbringen betrifft, der religiös angetraute Mann beziehungs-
weise Verlobte der Beschwerdeführerin lebe als anerkannter Flüchtling in
der Schweiz, stellte die Vorinstanz zunächst unter anderem fest, dass die
Beschwerdeführerin vorgebracht habe, Syrien aufgrund der unsicheren
Lage verlassen zu haben sowie mit der Absicht, sich mit ihrem Ehemann,
den sie am (...) 2018 in Syrien religiös geheiratet habe, zu vereinen. In den
darauffolgenden Erwägungen der angefochtenen Verfügung unterbleibt in-
des eine rechtliche Würdigung dieses Umstands. In der Entscheidbegrün-
dung werden einzig die persönlichen Verfolgungsvorbringen der Be-
schwerdeführerin geprüft und wird diesbezüglich die (originäre) Flücht-
lingseigenschaft verneint; die Prüfung eines allfälligen Einbezugs in die
Flüchtlingseigenschaft des Partners ebenso wie die Prüfung einer allenfalls
drohenden Reflexverfolgung ist unterblieben.
5.
In der Beschwerde wird als Hauptbegehren die Kassation der angefochte-
nen Verfügung beantragt und geltend gemacht, der rechtserhebliche Sach-
verhalt sei nicht hinlänglich erstellt. Die Beschwerdeführerin rügt, das SEM
habe in der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort auf B._ Be-
zug genommen, obwohl der Rechtsvertreter mit Eingabe vom 2. November
2018 dem SEM ausdrücklich mitgeteilt habe, dass es sich bei ihm um ihren
Verlobten handle. Das SEM habe lediglich unter Ziffer I 3 der angefochte-
nen Verfügung pauschal erwähnt, dass sie unter anderem diverse Unterla-
gen betreffend die Heirat eingereicht habe. Weiter habe das SEM unter
Ziffer I 2 ausgeführt, dass sie am (...) 2018 religiös geheiratet habe. Es sei
offensichtlich, dass das SEM den Anspruch auf rechtliches Gehör sowie
die Abklärungspflicht verletzt habe, indem es in der angefochtenen Verfü-
gung mit keinem Wort Ausführungen zum Verlobten B._ und des-
sen Status, zur Heirat sowie zur Frage des Einbezugs der Beschwerdefüh-
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rerin in die Flüchtlingseigenschaft von B._ gemacht habe. Die an-
gefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und die Sache zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie
zur Neubeurteilung an das SEM zu überweisen (Beschwerde S. 5 ff.; Be-
schwerdeergänzung S. 2 f.).
Zur Untermauerung der Beschwerdevorbringen wurden unter anderem Un-
terlagen des Zivilstandsamts (...) betreffend die Einleitung des Verkünd-
verfahrens eingereicht.
6.
6.1
Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung, dass der rechtser-
hebliche Sachverhalt nicht genügend abgeklärt und gewürdigt worden ist,
was das Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend ihre religiöse Hei-
rat beziehungsweise Verlobung mit B._ betrifft.
6.2 Die Beschwerdeführerin gab bereits an der summarischen Befragung
vom 15. November 2018 zu Protokoll, ihr religiös angetrauter Ehemann
B._ lebe in der Schweiz (A13/8 S. 3 und 5); ihr Rechtsvertreter hatte
das SEM auch schriftlich noch vor Einreichung des Asylgesuchs entspre-
chend informiert (Schreiben vom 2. November 2018, vgl. oben Bst. B). An
der Anhörung vom 10. Dezember 2018 machte sie sodann detaillierte An-
gaben zu ihrem Ehemann und dazu, wie sie ihn von Syrien aus kennen
gelernt habe; ihr Ehemann sei seit (...) in der Schweiz und verfüge über
eine Niederlassungsbewilligung (A25/21 Q111 ff.). Am (...) 2018 habe sie
ihren Ehemann in Syrien vor einem Mullah religiös geheiratet; er sei durch
ihren Onkel väterlicherseits vertreten worden (A25/21 Q121 f.).
Die Ehevorbereitung vor den schweizerischen Zivilstandsbehörden sei be-
reits in die Wege geleitet worden (A25/21 Q113, Q119 f.). Ihr Ehemann
habe sie bei ihrer Ankunft in der Schweiz am Flughafen abgeholt; sie ver-
stehe sich sehr gut mit ihm und er sei lieb zu ihr (A25/21 Q126 f.). Sie
wünsche sich, mit ihrem Mann zusammen zu sein (A25/21 Q145).
6.3 Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ver-
lobter das Verkündverfahren bei den Zivilstandsbehörden bereits am 5. No-
vember 2018, mithin wenige Tage nach der Ankunft der Beschwerdeführe-
rin in der Schweiz, eingeleitet haben. Das SEM hat die Beschwerdeführerin
für die weitere Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._ zugeteilt;
sie lebt in (...) an der selben Adresse wie ihr Verlobter.
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Am (...) 2019 hat B._ vor den Zivilstandsbehörden von (...) eine
Kindsanerkennung vor der Geburt abgegeben.
7.
7.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl –
Ehegatten und minderjährige Kinder eines Flüchtlings, die in eigener Per-
son die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, in die Flüchtlingseigenschaft
ihres Ehepartners bzw. Elternteils einbezogen und erhalten Asyl, wenn
keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Personen, die in eheähn-
licher Gemeinschaft zusammenleben, sind den Ehegatten gemäss Art. 1a
Bst. e Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
gleichgestellt – dies auch im Anwendungsbereich von Art. 51 AsylG (vgl.
BVGE 2012/5 S. 45 ff.).
Vor einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Angehörigen ist zu
prüfen, ob die einzubeziehende Person die Flüchtlingseigenschaft selb-
ständig nach Art. 3 AsylG erfüllt (vgl. Art. 37 AsylV1). Diese Prüfung muss
für die Beschwerdeführerin neben den geltend gemachten Vorbringen be-
treffend ihre Vorfluchtgründe auch die Frage betreffen, ob sie ihres Part-
ners wegen begründete Furcht vor Reflexverfolgung haben musste oder
für die Zukunft haben müsste (vgl. Beschwerdeergänzung S. 7 f.).
7.2 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Un-
tersuchungsgrundsatz, wonach die Asylbehörde den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären hat (Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Namentlich muss
sie die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen
und die relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Be-
weis führen.
Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs verlangt, dass die verfügende Be-
hörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernst-
haft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt und sich dies auch in
einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung ausdrücken muss
(Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG; vgl.
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3 und 2006 Nr. 24 E. 5.1). Dabei kann sie
sich bei der Entscheidfindung auf die rechtserheblichen Vorbringen be-
schränken.
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7.3 Die Beschwerdeführerin hat im vorinstanzlichen Verfahren wie auch
auf Beschwerdeebene ausdrücklich geltend gemacht, sie sei religiös mit
B._ verheiratet. Letzterer ist seit dem 5. Juni 2013 in der Schweiz
originär als Flüchtling anerkannt und verfügt über eine Aufenthaltsbewilli-
gung C. Zudem ist gemäss Aktenlage eine zivilrechtliche Ehevorbereitung
im Gang. Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrem künftigen Ehepartner zu-
sammen; offenbar erwartet das Paar ein Kind (vgl. oben E. 6.2).
Damit könnten die Voraussetzungen einer eheähnlichen Gemeinschaft der
Beschwerdeführerin mit B._ im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV1 er-
füllt sein. Der angefochtenen Verfügung oder den Akten der Beschwerde-
führerin ist nicht zu entnehmen, dass die Vorinstanz die Frage, ob die Be-
schwerdeführerin und ihr Partner eine solche Lebensbeziehung führen, ge-
prüft hätte (vgl. oben E. 7.1); auch in der Vernehmlassung nimmt das SEM
nicht Bezug auf die entsprechenden Vorbringen in der Beschwerdeein-
gabe.
7.4 Angesichts des klaren Wortlauts der anzuwendenden Bestimmungen
wäre vom SEM zu prüfen gewesen, ob die Beschwerdeführerin und ihr
Partner eine eheähnliche Beziehung führen (oder ob sie allenfalls ange-
sichts des seit November 2018 eingeleiteten Ehevorbereitungsverfahrens
bereits verheiratet seien), was sowohl für die Frage einer allfälligen dro-
henden Reflexverfolgung gemäss Art. 3 AsylG wie auch für einen Einbezug
gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG – vorbehältlich besonderer Umstände – in die
Flüchtlingseigenschaft des Partners von Relevanz wäre.
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM den rechtserhebli-
chen Sachverhalt unvollständig abgeklärt hat. Durch Nichtberücksichti-
gung eines wesentlichen Vorbringens hat die Vorinstanz auch ihre Begrün-
dungspflicht sowie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches
Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV verletzt.
7.6 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Auf-
hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wird. Das Verfahren ist
zur Abklärung des vollständigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur
Neubeurteilung der Sache an das SEM zurückzuweisen.
7.7 Soweit die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeergänzung vom 25.
Februar 2019 betreffend ihr Eventualbegehren der Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung die Gefahr einer Reflexverfol-
gung unterstreicht und ihre bisherigen Vorbringen ergänzt, ist auf diese
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Ausführungen vorliegend nicht einzugehen. Das SEM wird die Frage einer
drohenden Reflexverfolgung nach Abklärung des gesamten rechtserhebli-
chen Sachverhalts zu prüfen haben (vgl. oben E. 7.1).
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
9.
Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr not-
wendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Das Gericht geht für das Beschwerdeverfahren von einem Arbeits-
aufwand des Rechtsvertreters von 8 Stunden aus und legt der Berechnung
einen Stundenansatz von Fr. 220.- zugrunde. Gestützt auf die in Betracht
zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist der
Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von
insgesamt Fr. 1'920.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag)
zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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