Decision ID: 721a2798-b294-4365-b3a6-4122e6861f82
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1967,
arbeitete
bis 3
1.
Juli 2000 bei der
Y._
in ei
nem Teilzeitpensum als Raum
pflegerin
und war damit bei der
Sammelstiftung BVG der
Elvia
Leben, Schweizerische Lebensver
sicherungs-Gesellschaft (heute:
Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebens
versicherungs-Gesellschaf
t
[nachfolgend
: Sammelstiftung]) vorsorgeversichert (Urk. 7 S. 3 und Urk. 8/1-3).
Seit
1.
November 2000 bezog sie eine ganze Rente der Invalidenversicherung
, wobei sie von der IV-Stelle Wallis in Anwendung der gemischten Methode wie folgt qualifiziert wurde:
Auf
gabenbereich Haus
halt
: Anteil 36 %, Arbeitsunfähigkeit: 66 %, Invaliditätsgrad: 24
%
;
Erwerbs
bereich
:
Anteil 64
%
, Arbeits
unfähigkeit: 100%, Invaliditätsgrad: 64
%
. Daraus resultierte ein Gesamt
invalid
itätsgrad von 88
%
(
Urk.
19/27 und Urk. 19/29). Die wegen eines Wohnsitzwechsels in den Kanton Zürich nunmehr zuständige IV-Stelle Zürich
nahm im Rahmen der
Ende 2009
eingeleiteten
Rentenrevision
eine
Neubeurteilung von und qualifizierte die Versicherte neu als Nichter
werbstätige mit einer Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt von 44 %. Dementsprechend
verfügte sie am 26.
April 2011 mit Wirkung ab 1.
Juni 2011 die Reduktion der ganzen Rente auf eine
Viertelsrente
(Urk. 19/129 und Urk. 19/133).
Die hiergegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit unangefochten gebliebenem Entscheid vom 1
8.
Juni 2012 ab (Urk. 20).
1.2
Mit Schreiben vom 3
1.
Januar 2011 (Urk. 8/10) teilte die Sammelstiftung der Klägerin mit, aufgrund der neuen invalidenversicherungsrechtlichen Qualifika
tion als Nichterwerbstätige
bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente der beruflichen Vorsorge und stellt
e
diese per Ende März 2011 ein (Urk. 2/4).
In der nachfolgenden Korrespondenz
konnten sich die Parteien nicht einigen
(Urk. 2/4-6).
2.
Mit Eingabe vom
9.
Januar 2012 (Urk. 1) liess
X._
Klage gegen die Sammelstiftung erheben und beantragen, die per 3
1.
März 2011 eingestellte In
validenrente sei aufgrund eines dem Erwerbsbereich entsprechenden
Invalidi
tätsgrades
von 100 % ab
1.
April 2011 weiter auszurichten. Eventualiter sei die Invalidenrente
ab
1.
April 2011
gestützt auf den von der Invalidenversicherung rechtskräftig festgest
e
llten Gesamtinvaliditätsgrad
weiter auszurichten. Weiter stellte die Beschwerdeführerin das Gesuch um Bestellung ihres Rech
tsvertreters als unentgeltlichen
Rechtsbeistand.
Mit Klageantwort vom 1
3.
März 2012 (Urk. 7) ersuchte die Beklagte um Abwei
sung der Klage
. Gleichzeitig beantrag
t
e sie die Sistierung des Prozesses
bis zu
r
Erledigung
des
hängigen
IV-Beschwerdeverfahrens.
Dem Sistierungsgesuch
entsprach das Gericht
und
sistierte das vorliegende Verfahren bis zur rechts
kräftigen Erledigung des Prozesses IV.2011.00563 (
Verfügung vom 2
6.
März 2012, Urk. 9).
Mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2013 (Urk. 11) hob das Gericht die Sistierung auf, bestellte Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler zum unentgeltlichen Rechtsbeistand der Klägerin und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an, worin die Parteien insbesondere zu
m
Ausgang des
invalidenversicherungs
rechtlichen
Verfahrens
(vgl. vorstehend Ziffer 1.1
). Stellung nehmen sollten. Die Parteien hielten in ihren Rechtsschriften (Replik vom 2
6.
November 2013, Urk. 13; Duplik vom1
0.
Februar 2014, Urk. 17
; der Klägerin zugestellt am 12.
Februar 2014, Urk. 18
) an ihren Anträgen fest.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist einzig, ob die Beklagte die Rente zu Recht wegen Weg
falls der Invalidität im erwerblichen Bereich eingestellt hat. Die Beklagte macht diesbezüglich
im Wesentlichen
geltend, mit der revisionsweisen
Neuqua
lifikation
der Klägerin als Nichterwerbstätige
durch die Invalidenversicherung
und der damit einhergehenden Änderung des Invaliditätsgrades sei
auch die Rente der
berufliche
n
Vorsorge anzupassen.
Mit
der für die Beklagte verbindli
chen invalidenversicherungsrechtlichen Qualifikation
der Klägerin
als Nichter
werbstätige
liege im Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von 0
%
vor, weshalb kein Anspruch (mehr) auf eine Rente aus beruflicher Vorsorge bestehe (Urk. 7 und Urk. 17). Demgegenüber bringt die Klägerin vor, durch die Statusänderung sei die Invalidität keineswegs weggefallen, denn die Klägerin sei im erwerbli
chen Bereich nach wie vor zu 100 % arbeits- und erwerbsunfähig
, was ihr wei
terhin Anspruch auf eine berufsvorsorgerechtliche Invalidenrente der Beklagten gebe
(Urk. 1 S. 5 f. und Urk. 13 S. 2).
2
.
2
.1
Die
Bindungswirkung der Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung für die (obligatorische) berufliche Vorsorge
ist in den Art. 23
ff.
des Bundesgesetzes
über die beru
f
liche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
posi
tivrechtlich
verankert. Dies zeigt sich darin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge an den
sachbe
züglichen
Voraussetzungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) orientiert (Art. 23
lit
.
a BVG), die Höhe der berufsvorsorgerechtlichen Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird und schliesslich für den Beginn des Anspruchs auf eine BVG-I
nvalidenrente gestützt auf Art. 26 Abs.
1 BVG sinngemäss die entsprechenden invalidenversicherungsrechtlichen Be
stimmungen (
Art.
29 IVG) gelten.
2
.2
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
beschränkt sich die Bindung der Vorsorgeeinrichtungen an den durch die Invalidenversicherung bei
teilerwerbs
tätigen
Personen aufgrund der gemischten Methode
gemäss
Art.
28a
Abs.
2 IVG (vgl. dazu BGE 130 V 393 ff. E. 3.3 mit Hinweisen)
ermittelten Invaliditätsgrad auf die Invalidität im erwerblichen Bereich (BGE 120 V 106). Dies lässt vorab keinen Raum für
eine vorsorg
e
rechtliche Rente gemäss dem von der
Invaliden
versicherung
neu
festgesetzten
und vom hiesigen Gericht bestätigten
Invalidi
tätsgrad
von 44
%
im Aufgabenbereich Haushalt (vgl. Urk. 20 E. 6.3), wie von der Beschwerdeführerin eventualiter beantragt
(vgl. Urk. 1 Rechtsbegehren Zif
fer 2).
2
.3
Im Sozialversicherungsrecht werden Dauerleistungen angepasst, wenn sich der ihnen zugrunde liegende Sachverhalt ändert (Art. 17 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Das BVG enthält keine ausdrückliche, Art. 17 ATSG entsprechende Regelung
. Gleichwohl läss
t sich vor dem Hinter
grund der
vorerwähnten
Verweise des BVG auf die Regelungen in der Invali
denversicherung und die
Bindungswirkung
an die Festlegungen derselben eine Rentenrevision auch in der beruflichen Vorsorge ohne
Weiteres
begründen
(vgl. Hans Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge,
2.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, N
1121 f., S. 412).
In diesem Sinn ist auch im Bereich der beruflichen Vorsorge
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
,
revisions
recht
lich
relevant
. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu
standes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen).
2.4
Die Vorsorgeeinrichtung ist aufgrund der Bindungswirkung (vgl. vorstehend E. 2.2) auch an den von der Invalidenversicherung festgelegten Status der versi
cherten Person als Erwerbstätige, Nichterwerbstätige oder Teilerwerbstätige gebunden. Für die Invaliditätsbemessung der beruflichen Vorsorge spielt dieser
Status zwar keine Rolle, wohl aber für die Überentschädigungsberechnung (vgl. BGE 129 V 150 E.
2.5).
Gemäss dem vom Bundesrat gestützt auf
Art.
34a
Abs.
1 BVG erlassenen Art.
24
der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invali
den
vorsorge
(BVV
2
)
kann die Vorsorgeeinrichtung die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Ein
künften 90 Prozent des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (
Abs.
1). Als anrechenbare Einkünfte gelten bei Bezügern von
Invalidenleistun
gen
u.a. das weiterhin erzielte oder
zumutbarerweise
noch erzielbare Erwerbs- oder Ersatzeinkommen (
Abs.
2 Satz 2).
Im Weiteren kann die
Vorsorgeeinrich
tung
die Voraussetzungen und den Umfang der Kürzung jederzeit überprüfen und ihre Leistungen anpassen, wenn die Verhältnisse sich wesentlich ändern (Abs. 5). Ein Statuswechsel kann eine Veränderung des mutmasslich entgange
nen Einkommens im Sinne von Art. 24 Abs. 1 BVV 2 bewirken und insofern die Vornahme einer neuen Überentschädigungsberechnung erfordern (vgl. BGE 129 150 E.
2.3).
2.5
Im vorliegenden Fall haben sich die erwerblichen Voraussetzungen seit der
Ren
tenzusprache
im Jahr 2000 erheblich geändert. Das hiesige Gericht hat im Ent
scheid vom 1
8.
Juni 2012 verbindlich festgestellt, dass die Klägerin mindestens seit Herbst 2010 (Zeitpunkt der Haushaltsabklärung, vgl. Urk. 20 E. 4.2) auch im Gesundheitsfall keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen, sondern sich vollum
fänglich der Betreuung ihres kranken Ehemannes widmen würde (Urk. 20 E. 5.3-4). Für die Überentschädigungsberechnung bedeutet dieser Statuswechsel, dass der mutmasslich entgangene Verdienst Fr. 0.-- beträgt, womit die Klägerin mit der Ausrichtung einer Rente aus beruflicher Vorsorge in jedem Fall
über
entschädigt
wäre. Die Beklagte hat somit die Rentenzahlung zu Recht einge
stellt, was zur Abweisung der Klage führt.
2.6
Zu beachten ist indessen, dass der Rentenanspruch der Klägerin grundsätzlich weiter besteht und lediglich infolge Überversicherung nicht zur Auszahlung gelangt. Dementsprechend hat die Beklagte das Alterskonto der Klägerin im Sinne von Art. 14 BVV 2 weiterzuführen.
3
.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
F
ür unnötigen (oder geringfügigen) Aufwand
wird
kein
e Entschädigung zugesprochen (§ 7 Abs. 1
der Verordnung über die
Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]
, was insbesondere auch für die Entschädigung der unentgeltli
chen Rechtsvertretung gi
lt
(
§
8
GebV
SVGer
).
Mit Kostennote vom 2
6.
Februar 2014 (Urk. 21) machte der unentgeltliche Rechts
vertreter einen Aufwand von insgesamt 14.5 Stunden (8 Stunden
für
Klage
und telefonische Besprechungen mit Klientin, 5 Stunden für Replik inkl. Durchsicht der Klageantwort sowie 1.5 Stunden für Prüfung der Duplik und noch vorzunehmende Prüfung des Urteils und Bespre
chung mit Klientin) zuzüglich eine
Spesenpauschale
von 3 %
geltend
.
Die
Klageschrift
umfasste
6
Seiten und die Replik
etwas mehr als 2
Seiten. Es stellte sich
lediglich
eine
spezifisch berufsvorsorgliche
Rechtsfrage;
umf
angrei
che
Sachverhalts- oder Beweisfragen
gab es nicht bzw. wurden im IV-Verfahren abgehandelt, in welchem der
Rechtsvertreter die Klägerin
ebenfalls vertreten hatte
und damit mit dem Fall vertraut war
.
Gestützt auf die
se
Ausführungen erschein
t der geltend gemachte Aufwand als zu hoch
, und e
ine Kürzung
um rund einen Drittel
auf 10 Stunden
ist angebracht
.
Mit dem g
erichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- ist die Entschädigung
somit
auf Fr. 2'200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.