Decision ID: 78605389-47bd-544a-9abc-d5f1a0c66fa1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, war seit 9. September 2019 als
Angestellter
Back
office
bei der
Y._
GmbH beschäftigt und damit bei der AXA Versicherungen AG gegen Unfälle versichert.
Nach
einer
vom
25. Okto
ber 2019
bis 15. Februar 2020
bestehenden unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit (Urk.
11/
2-
3)
infolge Sturzes mit Verl
e
tzung beider Handgelenke (Urk. 11/48)
meldete die Arbeitgeberin am 20. Februar 2020 (Urk. 11/1),
der Versicherte sei am 13. Februar 2020 im Keller von einer Leiter gestürzt, habe sich dabei die rechte Schulter ausgekugelt, die linke Schulter gebrochen, die Rippen 7 und 8 rechts gebrochen und das linke Handgelenk geprellt. Am 2. April 2020 (Urk. 11/11) schilderte er den genauen Unfallhergang und am 3. April 2020 (Urk. 11/12) folgte die Unfallmeldung auf dem Formular der AXA.
In der Folge zeigten sich Probleme mit der rechten Schulter (unter anderem) im Sinne einer
Pulley
-Läsion sowie einer SLAP II Läsion
(Bericht der
Radiologie Z._
AG vom 13. Mai 2020, Urk. 10/7)
.
1.2
Am 24. Juni 2020 (Urk. 11/48) erfolgte eine Abklärung am Wohnort des Versi
cherten, wobei unter anderem der Unfallhergang thematisiert wurde.
Am 7. Juli 2020 (Urk. 11/50 und Urk. 11/53)
fand
eine weitere Abklärung am Wohnort des Versicherten im Beisein eines Unfallanalytikers
statt
.
Nach
Beizug
einer Akten
beurteilung durch Dr. med.
A._
, FMH Orthopädie und Traumatologie, vom 7. August 2020 (Urk. 10/14) verneinte die AXA mit Verfügung vom 13. August 2020 (Urk. 11/54) einen Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfall
versicherung mit der Begründung, es sei von einer absichtlich falschen Unfall
meldung auszugehen. Die dagegen erhobene Einsprache (Urk.
11/57 und Urk.
11/59) wies sie mit Entscheid vom 17. März 2021 (Urk. 2) ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 6. April 2021 (Urk. 1) Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung des
Einspracheentscheids
und Ausrichtung sämt
licher gesetzlicher und allfälliger vertraglicher Leistungen; eventuell sei die Sache zwecks Vornahme weiterer beweisrechtlicher Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie hernach nochmals über die gesetzlichen An
sprüche des Beschwerdeführers entscheide (S. 2).
Die AXA ersuchte am 12. Juli 2021 (Urk. 9) um Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten am 12. Juli 2021 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 14. Januar 2022 (Urk. 13) legte dieser einen ärztlichen Bericht auf (Urk. 14).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der ver
sicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not
wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereig
nisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten de
r versicherten Person auswirkt
(BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b
; Urteil des Bundesgerichts 8C_358/2016 vom 28. September 2016 E. 3.4 mit Hinweisen
).
1.3
Nach Art. 46 Abs. 2 UVG kann d
er Versicherer die Leistung verweigern, wenn ihm absichtlich eine falsche Unfallmeldung erstattet worden ist.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung des angefochtenen
Einsprache
ent
scheids
aus,
der Beschwerdeführer habe seine Angaben zum Ereignis vom 13. Februar 2020 mehrfach korrigiert und auch nach der Konfrontation mit den unfallanalytischen Ergebnissen, wonach der geschilderte Ablauf unmöglich zu den medizinisch dokumentierten Auswirkungen auf den
Körper
habe führen können, daran
festgehalten
, dass sich der Unfall in seinem Kellerabteil ereignet habe. Es sei von einer absichtlich falschen Unfallmeldung auszugehen und sie - die Beschwerdegegnerin - könne folglich die
Leistungen verweigern (S. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dageg
en,
er habe keinen Anlass dazu gehabt, eine Falschaussage zu machen. Die festgestellten
Verletzungen
bewiesen eine trau
matische Entstehung ohne jeden Zweifel. Die Behauptung, er habe den Unfall
hergang «angepasst», sei nicht richtig. Er habe den
Hergang immer identisch geschildert
(Urk. 1 S. 5).
Er habe das Gleichgewicht auf der Leiter verloren und sei gestürzt. Die Platzverhältnisse im Keller seien eng und es sei nicht erstaunlich, dass man beim Sturz an Ecken, Kanten und Wände
n
des Kellers anpralle. Zudem stehe genau an dieser Stelle ein Türrahmen mit einer eckigen Kante. Die
fest
gestellten
Verletzungen stimmten mit den engen Platzverhältnissen überein. Ein Anschlagen an
Türkante
und am Rahmen sei durchaus geeignet, solche Ver
letzungen herbeizuführen (S. 7). Des Weiteren gebe es Personen, die den Be
schwerdeführer nach dem Unfall zu Hause gefunden und ins Spital gefahren hätten. Sie hätten den Unfall nicht gesehen, aber auch ihnen sei seitens des Beschwerdeführers nie ein anderer Unfallhergang berichtet
worden.
Am besagten Abend habe der Beschwerdeführer mit einem Kollegen zum Essen und Fuss
ball
schauen abgemacht. Als dieser angekommen sei, habe er den Beschwerdeführer verletzt in seiner Wohnung aufgefunden (S. 8).
Da
s
unfallanalytische Gutachten basiere ausschliesslich auf Äusserungen im Bericht der Case Managerin. Weder die Zeugenaussagen noch die medizinischen Berichte seien beigezogen worden (S. 10).
3.
3.1
3.1.1
In seiner ersten persönlichen Unfallschilderung vom 2. April 2020 (Urk. 11/11) führte der Beschwerdeführer Folgendes aus:
«Bin am 13.02.2020 ca. 19.15 im Keller von einer kleinen Leiter
rückwärz
auf die Schultern gefallen. Wollte Lebensmittel (Büchse) vom Kellerregal herunter
neh
men, leider verlor ich das Gleichgewicht und stürzte von
ca
1Meter
höhe
. Ich habe die linke Schulter gebrochen, rechte Schulter Ausgekugelt, rechte Rippe 7/8 gebrochen, linkes Handgelenk geprellt. Auf Grund des Unfalls habe ich stand heute auch starke
schmärzen
im
Rückenbereich.»
3.1.2
In der Unfallmeldung vom 3. April 2020 (Urk. 11/12) findet sich folgende Unfall
beschreibung: «Aus kleiner Leiter
Rückwärz
auf die Schultern gefallen. Wollte etwas aus dem K
ellerregal
runternehmen.»
3.1.3
Am 24. Juni 2020 erfolgt
e
ein Besuch einer Care Managerin der Beschwerde
geg
nerin beim Beschwerdeführer. Diese führte im Bericht vom 30.
Juni
2020 (Urk.
11/48) aus, der Beschwerdeführer gebe an, am 13. Februar 2020
um
ca. 19.00 Uhr zu Hause im eigenen Kellerabteil rückwärts von einer Leiter gefallen zu sein. Er erkläre, dass er etwas vom obersten Regal habe holen wollen, welches ca. 1.60 m hoch sei. Es selbst sei 1.70 m gross und habe, da auf dem Regal mehrere Büchsen
gestapelt gewesen seien, eine Leiter gebraucht. Die Leiter verfüge über fünf Sprossen und sei
direkt
vor das Regal gestellt worden (S. 1).
Auf
Bitte um genauere Erklärung des Unfallhergangs
erkläre
der Beschwerde
führer, dass er die Leiter habe benützen müssen, weil sich mehrer
e
Büchsen auf dem Regal befunden hätten, welche er ohne Leiter nicht erreicht hätte. Auf mehr
malige Nachfrage hin, ob er auf der rechten oder linken Seite der Leiter gestanden sei, erkläre der Beschwerdeführer, dass er es nicht wisse. Etw
a
s später gebe er dann an, dass er rittlings auf der Leiter gestanden sei und dies auf der zweiten oder dritten Sprosse. Dann habe er aus unerklärlichen Gründen das Gleichgewicht verloren und sei rückwärts von der Leiter gefallen. Er gebe auf Nachfrage hin an, dass er sich nirgend
s
festgehalten habe, um den Sturz zu verhindern oder den Aufprall zu mindern. Deshalb sei er mit voller Wucht zuerst mit dem Thorax auf den Rand der (in der Fotodokumentation dargestellten) grauen Kiste
und danach nach hinten zwischen der Kellertüre hindurch auf den Betonboden geprallt. Dort sei er zuerst mit der rechten und danach mit der linken Schulter aufgeschlagen. Auf Nachfrage respektive Hinweis, dass somit das erste Aufschlagen mit der rechten Schulter die Wucht des Aufpralls hauptsächlich aufgefangen habe und somit Erklärungsbedarf hinsichtlich der Fraktur des linken Schulterblattes be
stehe, korrigiere sich der Beschwerdeführer.
Er erkläre nun, dass er mit beiden Schulter gleichzeitig aufgeprallt sei. Unklar sei zudem lange geblieben, wo die Leiter durch den Sturz hingefallen sei. Der Beschwerdeführer erkläre zum Schluss, dass die Leiter zwischen seinen Beinen gelandet sei (S. 3).
Die Care Managerin führte aus, dem Beschwerdeführer sei erklärt worden, dass dieser Hergang nicht nachvollziehbar sei und die verschiedenen Nachfragen nicht plausibel hätten «erklärt» werden können (S. 3).
3.1.4
Am 7. Juli 2020 erfolgte eine neue Besprechung des Unfallhergangs im Beisein eines Unfallanalytikers
. Die Care Managerin
schilderte
im Bericht vom selben Tag (Urk. 11/50)
die Ausführungen des Beschwerdeführers wie folgt: Die Leiter sei von der rechten
Seite
her bestiegen worden und zwar mit dem rechten Fuss zuerst. Dies bis auf die dritte Stufe von unten, anschliessen
d
habe sich der Beschwer
deführer rittlings auf die Leiter gestellt. Die Konservendosen seien nicht auf dem
Gestell aufgestapelt gewesen, sondern hätten sich in grünen Plastikkisten befun
den. Zudem habe es zum Zeitpunkt des Unfalles deutlich mehr Dosen in den Kisten gehabt, weshalb diese nicht beziehungsweise nur mit grösstem Kraftauf
wand hätten verschoben werden können. Der Beschwerdeführer habe nicht aus unbekannten Gründen das Gleichgewicht verloren
, sondern
s
ei beim Absteigen mit dem linken
Hosenbein
Höhe Oberschenkelinnenseite an der Leiter hängen geblieben, als er das linke Bein zum Abstieg über die Leiter geschwungen habe. Der Sturz sei nicht rückwärts aus der Endstellung heraus (rittlings stehend) erfolgt, sondern beim Absteigen über die rechte Seiter der Leiter.
Der Aufprall sei mit der rechten
Thoraxseite
auf der grauen Kiste erfolgt, danach sei der Be
schwer
deführer aber nicht
auf
den Kellerboden geprallt, sondern an die Keller
wand beziehungsweise den rechten Türrahmen. Die Leiter sei am Schluss nicht zwischen seinen Beinen gelegen, sondern sei direkt auf ihn gefallen. Er sei nicht von seiner Mutter, sondern
von deren Freund ins Spital gefa
hren worden. Nach dem Sturz sei
noch sein bester Freund hinzugekommen.
3.2
Im unfallanalytischen Kurzgutachten vom 8. Juli 2020 (Urk. 11/53) führte
dipl.
Ing. (FH)
B._
von der Beschwerdegegnerin aus, der vom Beschwerdeführer geschilderte Ablauf sei äusserst
unplausibel
und die Lage-Energie, die der nie
drige Raum ermöglicht habe
,
beziehungsweise die Sturzhöhe von der dritten Sprosse böten keine vernünftige Erklärung für die Gesamtheit der Verletzungen, die der Beschwerdeführer bei diesem Sturz erlitten haben wolle. Ebenfalls völlig unlogisch sei, dass sich der Beschwerdeführer nirgends habe festhalten können
beziehungsweise
festgehalten habe, obwohl dies für Menschen eine typische und instinktive Reaktion sei. Falls der Sturz wie geschildert
geschehen
wäre, hätte diese zu Energie-Verlusten beziehungsweise -Umwandlungen an vielen Stellen geführt
(am oberen Leiterende, beim Abgleiten von der Leiter, bei
m
Anprall an die graue Kiste, beim Anprall gegen die
Türkante
, beim Anprall gegen den Boden)
.
Der Unfallanalytiker konstatierte, dass es aus unfallanalytischer Sicht nicht plau
sibel sei, dass in diesem engen Raum ein derartiger Sturz mit diversen Körper-Anprallstellen und den dokumentierten Verletzungen erfolgt sein soll
e
.
3.3
3.3.1
Die zuständigen Ärzte des
Spitals C._
diagnostizierten im Bericht vom 2. März 2020 (Urk. 10/1) über die Untersuchung im chirurgischen Ambulatorium vom 24. Februar 2020 eine
Scapulafraktur
links, Frakturen Costa 7 und 8 rechts, eine Schulterkontusion rechts, anamnestisch Schultersubluxation mit selbständiger Reposition sowie eine Handgelenkskontusion links.
3.3.2
Die zuständigen Ärzte der Klinik
D._
berichteten am 5. Juni 2020 (Urk.
10/9) zu Händen des Hausarztes und diagnostizierten eine posttraumatische
Capsulitis
adhaesiva
Schulter rechts bei
Sturz von der Leiter am 13. Februar 2020,
einen
Status nach
ventrokaudaler
Schulterluxation mit
labraler
Bankart-Läsion und Hill-Sachs-Delle loco
typico
,
eine
Pulley
-Läsion Typ 3 nach
Habermeyer
(Partialläsion der
Supraspinatussehne
), einen hochgradigen Verdacht auf insta
bile
Bizepssehne
sowie eine
Slapläsion
(Typ II nach Snyder). Als Nebendiagnosen verwiesen die Ärzte auf einen Status nach
Scap
u
lafraktur
links im Rahmen eines Sturzes am 13. Februar 2020 (anamnestisch).
3.3.3
In seiner Aktenbeurteilung vom 7. August 2020 (Urk. 10/14) führte Dr.
med.
A._
, FMH Orthopädie und Traumatologie, von der Beschwerdegegnerin aus, es stehe unzweifelhaft fest, dass der Beschwerdeführer ein Trauma erlitten habe. Hierfür sprächen die Fraktur der 7. und 8. Rippe rechts und die wenig dislozierte
extraartikuläre
Skapulafraktur
links. Dass es im Rahmen des geltend gemachten Ereignisses
zudem
zu einer Schulterkontusion rechts mit konsekutiver
Capsulitis
adhäsiva
gekommen sein möge, könne er nicht ausschliessen.
Hingegen erachte er es als nicht plausibel, dass es anlässlich des geltend ge
machten Ereignisses zu einer vollständigen Luxation mit Selbstreposition der Schulter gekommen sei.
Erstens sei die Selbstreposition einer traumatischen Erstluxation eine absolute Rarität. Zweitens sei eine dorsal
e
Luxation wie vom Versicherten beschri
e
ben aufgrund des
beschriebenen
Unfallmechanismus nicht plausibel (
Sturz
auf dorsale Strukturen mit Kraftwirkung nach ventral). Drittens könne er weder auf den konventionell radiologischen noch auf den tomogra
phischen Bildern der rechten Schulter eine Hill Sachs Läsion erkennen. Auch die SLAP Läsion, die
tendinopathischen
Veränderungen der
Supraspinatussehne
und die
tendinopathischen
Veränderungen der
Bizepssehne
liessen sich nicht durch
das
Unfallereignis erklären, sondern stellten überwiegend wahrscheinlich einen degenerativ bedingten Vorzustand dar.
Dr.
A._
hielt weiter fest, es bestünden seines Erachtens sowohl aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, den Unfall
hergang bei der ersten Befragung spontan zu schildern, als auch aufgrund der Tatsache, dass er diesen sowohl in der ersten als auch in der zweiten Befragung wiederholt
angepasst
und korrigiert habe, berechtigte Zweifel, ob das geltend gemachte Ereignis für die Verletzungen kausal sei. Diese Zweif
e
l würden durch die Bil
d
er des unfallanalytischen Gutachtens genährt, welches engste Raum
ver
hältnisse zeige
und
da
s Benutzen einer Leiter und die Fallhöhe von einem bis eineinhalb Meter und insbesondere auch ein
en
ungebremste
n
Sturz (ohne Ab
wehr-
/Halte-/Bremsbewegungen) zuerst auf die rechte und dann auf die linke Körperhälfte als wenig plausibel erscheinen lasse.
4.
4.1
Eine Durchsicht der Angaben des Beschwerdeführers ergibt, dass er den Unfall
hergang in den wesentlichen Punkten jeweils identisch geschildert hat. Von Be
ginn weg brachte er vor, im Keller auf die besagte Leiter gestiegen zu sein, um aus dem Regal eine Büchse zu holen, dabei von der Leiter gefallen zu sein und
beim Sturz
die Schultern angeschlagen zu haben.
4.2
Zu den
von
der Beschwerdegegnerin ins Zentrum gerückten Widersprüche
n
in den Äusserungen
des Beschwerdeführers
ist Folgendes zu bemerken:
Dass
d
er
Beschwerdeführer
nach vier Monaten
auf spontane Anfrage
hin
nicht
sofort angeben konnte
, ob
er
die Leiter
auf der rechten oder linken Seite
bestiegen habe und es ihm nachträglich - allenfalls nach interner Rekapitulation - wieder einfiel, ist jedenfalls nicht derart ungewöhnlich, dass man hieraus
schon
auf
bewusst
falsche Angabe
n
schliessen
könnte.
Er machte auch nie eine andere Aussage, als dass
er rittlings auf der Leiter stand
.
In
der
ersten persönlichen Unfallschilderung war die genaue Position auf der Leiter kein Thema (E. 3.1.1), darauf angesprochen fielen seine Aussagen immer gleich aus (E. 3.1.3 und E. 3.1.4). Wenn der Beschwerdeführer von einem Sturz von der Leiter sprach
(E. 3.1.1)
, welche er von rechts betreten habe
(E. 3.1.4)
,
sind
auch die weiteren Präzisierungen (
Sturz rittlings von der Leiter
respektive Sturz beim Absteigen von der Leiter)
zwanglos
darin eingeschlossen und keineswegs als neue Aussage zu fassen oder
sonst wie
auffällig. Es handelt sich lediglich um eine präzisere Beschreibung.
Nach den gesamten Schilderungen sind die Aus
sagen des Beschwerdeführers so zu verstehen, dass er rittlings auf der Leiter die Dose holen wollte und dann beim Absteigen
die Leiter kippte. Dass er dabei sein linkes Bein bereits vollständig über die Leiter gehoben hatte, wurde nirgends erwähnt, so dass anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer im Begriff war, dies zu tun und dabei auf der Leiter nach hinten fiel.
Ein
eigentlicher
Widerspruch in den Aussagen ist diesbezüglich nicht erkennbar.
Die Antworten zum Standort der Leiter nach dem Sturz lassen ebenfalls keinen Verdacht auf eine Falschaussage aufkommen. Dass die Endlage einmal mit «
zwi
schen den Beinen
»
(Urk. 11/48 S. 3)
und einmal mit «
auf dem Beschwerdeführer
»
(Urk. 11/
53 S. 2)
beschrieben wurde
,
ist insofern unauffällig, als die Leiter
mit einer Länge über fünf Stufen so beschaffen
ist
, dass sie sowohl zwischen den Beinen als auch auf dem Beschwerdeführer liegen kann. So ist unschwer vorstell
bar
,
dass nach einem Sturz rückwärts die Leiter auf den Beschwerdeführer fiel und dabei zwischen den Beinen (Fussteil) und auf dem Beschwerdeführer (Kopf
teil) lag.
Ebenso unergiebig
ist der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf die Angaben zum Grund des Sturzes. Dass der Beschwerdeführer zuerst keinen Grund nennen konnte («aus unerklärlichen Gründen», E. 3.1.3) und später angab, er sei beim Absteigen mit dem linken Hosenbein Höhe Oberschenkelinnenseite an der Leiter hängen geblieben, als er das linke Bein zum Abstieg über die rechte Seite der Leiter geschwungen habe (E. 3.1.4), erscheint ebenfalls nicht derart ausserge
wöhnlich, dass der Beschwerdeführer der Lüge bezichtigt werden könnte. Denkbar ist, dass er bei der ersten Befragung
den exakten Bewegungsablauf nicht vor Augen hatte oder
aber,
dass er sich wohl an das Einhängen erinnerte, dieses aber nicht als einzig ausschlaggebend erachtete und es insgesamt unerklärlich fand, gestürzt zu sein. Immerhin lag er nach dem Sturz benommen am Boden und es erscheint als entschuldbar, den Sturzablauf als Betroffene
r
nicht genau rekapitu
lieren zu können. Dass das später der Fall war, ändert an diesen Feststellungen nichts, denn der Beschwerdeführer wurde
sich
erst anlässlich des ersten Haus
besuches gewahr, dass dem genauen Hergang eine solche Bedeutung zukommt. Dies mag ihn zum Nachdenken und Rekapitulieren angeregt haben.
Auch die Kritik an der vom Beschwerdeführer geschilderten Abfolge des Auf
schlagens erscheint als etwas gesucht. Dass ein Sturzopfer mit den vom Be
schwerdeführer erlittenen Verletzungen im Nachhinein nicht präzise angeben kann, mit welchem Körperteil er zuerst aufgeschlagen ist, ist nicht
ausserge
wöhnlich
. Wohl lagen nur Sekundenbruchteile zwischen dem Aufschlagen der beiden Schulterseiten
und für den Beschwerdeführer mag sich das
allenfalls
wie ein einziger Aufschlag angefühlt haben.
Wenn er also zuerst angab, zwischen der Kellertüre hindurch auf den Betonboden geprallt
zu
sei
n und d
ort mit der rechten und danach mit der linken Schulter aufgeschlagen
zu haben, und auf Konfron
tation hin ein gleichzeitiges Aufschlagen schilderte (E. 3.1.3), ist dieser Wider
spruch von geringer Schwere. Auch der spätere Hinweis auf den Aufschlag auf der «grauen Kiste» und der Kellerwand und dem Türrahmen
(E. 3.1.4)
schliesst da
s
vom Beschwerdeführer
Vorgetragene
im weitesten Sinne ein. Die Endlage war unbestrittenermassen auf dem Boden liegend (Urk. 11/53 S. 4 oben links). Wenn der Beschwerdeführer also
rückwärts fiel
, beim Sturz die Kiste «streifte» (Urk.
11/53 S. 2 unten rechts), hernach den Türrahmen
«
touchierte
»
(Urk. 11/53 S. 3 oben rechts) und auf dem Boden zu liegen kam, können die vorgängigen Schilderungen nicht einfach
als
falsch qualifiziert werden, sondern als wenig präzise und etwas vereinfacht.
Das Herausstreichen
des Umstandes, dass das
Handy nach dem Sturz
unbeschadet war
(Urk. 2 S. 5 Ziff. 2.3.6)
,
vermag sodann zu keinem Erkenntnisgewinn
zu
führen. Wenn das Handy etwa in der vorderen Hosentasche war, wäre
eher
ein Defekt bei Sturz rücklings auf die Schulter verwunderlich.
4.3
In gleicher Weise greift auch
das
bei den Akten liegende unfallanalytische Gut
achten (E. 3.2) zu kurz. Der blosse Verweis auf die engen Platzverhältnisse lassen jedenfalls nicht den Schluss zu, dass der Unfall nicht wie geschildert statt
gefunden und zu den aktenkundigen Verletzungen geführt hat. Die Reaktion einer Schulter auf Krafteinwirkungen mag zuweilen unterschiedlich sein und eine ärztliche Einschätzung, dass die Verletzungen
(abgesehen von der Luxation)
aus
medizinischer
Sicht bei einem Sturz aus dieser Höhe wenig wahrscheinlich
sind
, liegt nicht vor.
Denn Dr.
A._
begründete seine Zweifel nur am Rande mit mediz
i
nischen Argumenten, sondern vielmehr
mit
den aus seiner Sicht wiederholten Anpas
sun
gen und Korrekturen des Unfallhergangs. Weiter zweifelte er die Benützung der Leiter durch den Beschwerdeführer bei Körpergrösse von 170 cm und
Gestellhöhe
von 160 cm (Urk. 11/53 S. 1) an, obwohl der Beschwerdeführer die Umstände nach
vollziehbar geschildert hatte (Büchsenentnahme aus einer hinteren Reihe, Urk. 11/48 S.
1 unten
,
S.
3 oben
und Urk. 1 S. 7
). Weiter erachtete Dr.
A._
den Umstand als wenig plausibel, dass der Beschwerdeführer keine Haltebe
we
gung vorgenommen hat (E. 3.3.3). Das ist keine medizinische Begründung, zumal es gerichtsnotorisch ist, dass sich Verunfallte zuweilen Verletzungen zuziehen, weil sie etwa Gegenstände tragen und diese bei einem Sturz nicht etwa fallen
lassen und sich mit den Armen abstützen, sondern die Gegenstände instinktiv
festhalten
.
4.4
Auch die Schilderungen
der Geschehnisse
im Anschluss an den Sturz
erscheinen als unauffällig. Dass
d
er
Beschwerdeführer
seine in der Nähe wohnhafte Mutter
anrief (Urk. 11/48 Mitte) ist plausibel. Dass es dann nicht die Mutter war (Urk.
11
/48 Mitte), sondern deren Freund
und Lebensgefährte
, der ihn ins Spital fuhr
(Urk. 11/50 S. 2 und Urk. 1 S.
9
)
,
ist insofern nicht weiter von Bedeutung, da der Transport von der Mutter organisiert wurde und diese offenbar gar keinen Fahrausweis hat. Aus diesen Angaben auf eine falsche Unfallmeldung zu schliessen, schiesst offenkundig über das Ziel hinaus.
Schliesslich erscheinen
d
i
e Chat
nachrichten
des Kollegen des Beschwerdeführers (
E._
) vom Unfallabend an einen anderen Kollegen (
F._
) als unauffällig («
Säve
lüt
mer
schnäll
a bitte» «mir
münd
mitem
X._
schnäll
in
spital
», Urk. 3 und Urk. 1 S. 9). Dass der Beschwerdeführer bei einer solchen Verletzung - wie von der Beschwerdegegnerin thematisiert - an einem anderen Ort nach Hause hätte fahren und dort
einen
Kollegen
aufbieten sollen
, nur um einen Zeugen für den Nachgang des Unfalls zu haben, erscheint als kon
struiert. Im Gegenteil fand
an jenem Abend
mit
dem italienischen Cuphalbfinal AC Mailand gegen Juventus Turin ein für Fussballbegeisterte durchaus sehens
wertes Spiel statt, was die Verabredung zum Essen und Fussball Schauen (E. 2.2) als plausibel erscheinen lässt.
4.5
Auch die übrigen Umstände deuten nicht auf eine falsche Unfallmeldung hin. Es liegen unbestrittenermassen traumatische Verletzungen vor und das Vorliegen eines Unfalls wurde durch die Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellt.
Zu den von der Beschwerdegegnerin genannten möglichen Gründe
n
für eine Falsch
mel
dung respektive Relevanz richtiger Angaben (Urk. 2 S. 6 Ziff. 2.3.12) ist
F
olgendes zu bemerken: Regressfragen würden sich bei einer Beteiligung Dritter stellen. Solches ist vorliegend kaum denkbar, auch wenn sich der Unfall anders als ge
schildert zugetragen hätte. Ausgenommen davon
ist selbstverständlich
eine all
fällig
e
Schlägerei, hierfür bestehen aber keiner
l
ei Anhaltspunkte. Vor allem verletzte sich der Beschwerdeführer nicht am Kopf
,
im B
r
ustkorb- oder Bauch
bereich
und es fanden sich
keine Verletzungen, welche hierauf deuten würden. Die erstbehandelnden Ärzte stellten den geschilderten Geschehensablauf nicht in Frage (Urk. 10/3). Auch erwartet man eine Schlägerei eher
an Wochenenden oder spätabends und
nicht an einem
Donnerstagnachmittag
. Es liegen denn auch keine polizeilichen
Unterlagen vor.
Im Vordergrund steht offensichtlich
die Möglichkeit von
Schwarzarbeit und ein Unfall in diesem Zusammenhang. Solches wäre
zutreffenderweise
zu ahnden, und zwar nicht nur versicherungsrechtlich. Allerdings gibt es keinen Anhaltspunkt, welcher für Derartiges sprechen würde. Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt
des neuerlichen Unfalls noch (für zwei Tage) arbeitsunfähig geschrieben (Urk.
11
/2)
. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf Untersuchungen bei der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers,
zum Beispiel in Form
eine Nachfrage betreffend Arbeitseinsätze
n
am 13. Februar 2020, etwa ob der Beschwerdeführer zu Unrecht während laufende
m
Unfalltaggeldbezug
wieder eingesetzt
wurde. Ein Unfall als Büromitarbeiter mit den genannten Folgen wäre
indes
auch nicht sehr wahrscheinlich. So verbleibt als einziges realistisches Szenario ein Einsatz in einem Drittbetrieb. Blosse Zweifel an der Unfallmeldung rechtfertigen indes eine
solche Annahme
nicht bei Fehlen
jeglicher weiterer Anhaltspunkte
hierfür.
4.6
Damit erscheint es als überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer
am 13. Februar 2020 im Keller von der Leiter gestürzt ist und sich dabei Verlet
zun
gen zugezogen hat. Es kann mithin nicht von einer falschen Unfallmeldung ausgegangen werden, weshalb sich die pauschale Leistungsverweigerung nicht rechtfertigt.
5.
Bei diesem Ergebnis ist der angefochtene
Einspracheentscheid
in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben mit der Feststellung, dass ein Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen ist und keine Falschmeldung vorliegt. Damit hat die Beschwerdegegnerin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Welche Leis
tungen genau geschuldet sind, ist nicht in diesem Verfahren zu klären, stellen sich doch
diesbezüglich
namentlich Fragen zur Kausalität der einzelnen
Verlet
zungen und
zum
Verlauf der Arbeitsunfähigkeit.
In diese
m
Sinne bleibt auch der zuletzt aufgelegte Operationsbericht (Urk. 14) ohne Relevanz für den vorlie
gen
den Prozess.
6.
Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss
eine Pro
zess
entschädigung
zu, welche in Anwendung der einschlägigen Kriterien
(§ 34 Abs. 1 und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
; Art. 61
lit
. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts, ATSG)
auf Fr. 1'900.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen ist.