Decision ID: 79458004-8269-4a77-85de-21ea930e3670
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1967
geborene
X._
war zuletzt vo
m
7.
November 2005
bis
30.
November 2008 als Gruppenleiterin
in der Baureinigung
bei der
Y._
angestellt
(Urk. 8/14 und
Urk.
8/21
). Am
9.
November 2007 stürzte sie am Arbeitsplatz und verletzte sich am rechten Knie. Am
3.
Januar 2009 erlitt sie einen zweiten Unfall, als sie auf dem Eis ausrutschte und sich
erneut am rechten Knie verletzte (
Urk.
8/
20/14 und
Urk.
8/31/41
). Die Suva
erbrachte
als
Unfallversichererin
jeweils
die gesetzlichen Leistungen,
stellte diese mit
Mittei
lung vom 1
9.
Januar 2010 ab
1.
Februar 2010 ein (
Urk.
8/54)
und lehnte die Ausrichtung einer Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 7 % mit Verfü
gung vom
5.
September 2012 (
Urk.
8/82) ab.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 1
1.
September 2012 wies die Suva mit
E
ntscheid vom 1
4.
Februar 2013 (
Urk.
8/
92
) ab.
Am 1
9.
März 2013 erhob die Versicherte dagegen Beschwerde, welche da
s hiesige Gericht mit Urteil vom 2
0.
August 2014 (Prozess-Nr. UV.2013.00071) ab
wies
.
1.2
Am
2
3.
September
2008
hatte sich die Versicherte
unter Hinweis auf
Kniebe
schwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(Urk.
8/14
und
Urk.
8/21
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinisc
he und erwerbliche Abklärungen und verneinte mit Verfügung vom 2
6.
November 2009 (
Urk.
8/45) einen Leistungsanspruch
. I
n Be
zug auf
das Gesuch um Ausrichtung einer Invalidenrente
hob sie die
Verfügung
am
1
4.
Januar 2010 wiedererwägungsweise
auf
und stellte die Prüfung des Ren
tenanspruches nach Abschluss der Rentenprüfung durch die Suva in Aussicht
(
Urk.
8/53).
1.3
Am 3
1.
August 2011 (
Urk.
8/64) meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf Kniebeschwerden und psychische Probleme
erneut
bei der
IV-Stelle
zum Leis
tungsbezug an.
Diese
liess
sie
bidisziplinär
(rheumatologisch-psychiatrisch)
be
gutachten (Expertise
n
vom
1
5.
Februar
und 2
5.
März 2013
;
Urk.
8/89
und
Urk.
8/96
)
und
sprach ihr
mit Mitteilung
en
vom 1
8.
Oktober 2013
und 4.
April 2014
Integrationsmassnahmen in Form eines Belastbarkeitstrainings
(6.
Januar bis
4.
April 2014) sowie eines Aufbautrainings
(
5.
April bis 30.
Oktober 2014; Abbruch per
3.
Oktober 2014) zu (Urk.
8/111
,
Urk.
8/122 und
Urk.
8/128
)
.
Die IV-Stelle liess
sie
daraufhin erneut psychiatrisch begutachten (Expertise vom 2
3.
November 2015;
Urk.
8/152).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/156
,
Urk.
8/163,
Urk.
8/165
und Urk. 8/16
8
) wies sie das
Leistungsbe
gehren
mit Verfügung vom
6.
Oktober 2016
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
0.
November 2016
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom
6.
Oktober 2016
sei aufzuheben und es sei
ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zuzusprechen. Even
tualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen zur Vornahme medizinischer und beruflicher Eingliederungsmassnahmen.
Zudem sei ihr die unentgeltliche Proze
ssführung unter Bestellung eines
unentgeltlichen Rechts
vertr
et
e
rs
zu bewilligen. Am
2
8.
Dezember 2016
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom
3.
Januar 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
o
der teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
n
a
nder gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
6.
Oktober 2016
(Urk. 2) damit, dass
keine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei, weshalb kein Anspruch auf berufli
che Massnahmen oder eine Invalidenrente bestehe. Psychische Störungen gälten nur dann als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
seien, was vorliegend nicht der Fall sei. Die zusätzlich erwähnte Ver
dachtsdiagnose könne zudem nicht berücksichtigt werden.
Im Übrigen
könne sich der Gesundheitszustand mit der Fortsetzung der psychiatrischen Behand
lung wesentlich verbessern (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie stehe seit Jahren in intensiver ambulanter Psychotherapie und sei auch sta
tionär behandelt worden. Integrationsmassnahmen seien trotz intensiver Betei
ligung und Motivation gescheitert. Die Gutachterin
an
erkenne eine 40%ige Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
Nach deren Ausführungen
sei es erst nach einer längeren Stabilisierungsphase von bis zu zwei Jahren möglich
beziehungsweise nicht ausgeschlossen
, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zurückzu
gewinnen und erst im weiteren Verlauf
denkbar
,
wieder
eine volle Arbeitsfähig
keit zu erreichen.
Ihre mittelgradige depressive
Störung werde zudem von wei
teren psychischen Störungen begleitet, welche sie daran hindern würden, Inte
grationsmassnahmen oder weitere medizinische Massnahmen erfolgreich zu ge
stalten. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden sei damit belegt
(S. 6
f.).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in ihrem Bericht vom
5.
Oktober 2012 (
Urk.
8/85) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit fest:
-
Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
-
Negative Kindheitserlebnisse (Z61)
-
Probleme mit Bezug auf die Erziehung (Z62)
-
Schäden durch Missbrauch im Kindesalter (T74)
-
Chondrokalzinose
und medial betonte Gonarthrose rechts bei Status nach Kniedistorsion (11.07., 05.08., 01.09.)
-
Tinnitus beidseits seit 2010
Dazu führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei seit
dem
1
1.
August 2011 bei ihr in
einer integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung
mit Gesprächen wöchentlich bis alle
drei
Wochen sowie einer Psychopharmakothe
rapie
.
Sie sei seit
diesem Zeitpunkt
in ihrer
angestammten
Tätigkeit zu 50
%
eingeschränkt. In einer angepassten Tätigkeit sei sie ab sofort an vier Stunden pro Tag arbeitsfähig (S. 1-3).
3.2
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin FMH sp
ez. Rheumaerkrankungen, und Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielten in ihrem Gut
achten vom
1
5.
Februar
und 2
5.
März 2013
(
Urk.
8/89 und
Urk.
8/96
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
(
Urk.
8/96
S.
9
):
-
Mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11)
-
Knieschmerzen rechts bei
Chondrokalzinose
(Erstdiagnose 04/2009) und leichter Gonarthrose (
femorotibial
medial und lateral) sowie
femoropatellar
, leicht progredient (
MRI
02/2013 gegenüber MRI 05/2008
) und Status nach mehreren Knie
distorsionen mit Riss im
Aussenmeniskus jed
o
c
h intakten Knie-Binnenstrukturen, Sta
t
us nach zwei
arthroskopischen
Behandlu
n
gen
am 2
7.
Februar
und
1
4.
Mai 2008 mit Normalisierung der Beinumfänge, Messung 01/2013 gegenüber 09/2011 und 12/2009
Zudem stellten sie
folgende Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/96 S. 9):
-
Hypercholesterinämie (6.3 mmol/l)
Dazu führten sie aus,
aus somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Nicht adaptierte Tätigkeiten könne sie seit der Kniedistorsion am
9.
November 2011 (wohl: 2007) nicht mehr ausüben. Ein Teilbereich ihrer Tätigkeit in der Baureinigung sei nicht adaptiert gewesen, weshalb sie diesen nicht mehr machen könne. Admi
nistrative Aufgaben und leichte Reinigungsarbeiten könne sie hingegen zu 100
%
ausüben (Urk. 8/89 S. 53).
Aufgrund der depressiven Symptomatik sei die Beschwerdeführerin seit August 2011 in ihrer angestammten und einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeits
un
fähig
.
Tätigkeiten mit Lasten heben oder tragen von mehr als
zwölf Kilo
gramm
, mit sehr hohen Anforderungen an die Konzentration und geistige Fle
xibilität sowie eine längere Arbeitspräsenz als acht bis neun Stunden oder Nachtarbeiten seien ihr nicht zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht werde eine stationäre Behandlung über vier bis sechs Wochen in einer psychosomatischen Klinik, allenfalls eine konsequente Fortsetzung der etablierten ambulanten the
rapeutischen Massnahmen ergänzend mit den beruflichen Massnahmen emp
fohlen (Urk.
8/96 S. 9 f.).
3.3
Am 1
6.
September 2013 stellte
Dr.
Z._
zusätzlich die Verdachtsdiagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (F62.0). Die Beschwerdeführe
rin sei vom
3.
bis 2
7.
Juli 2013 in der
C._
in stationärer Behandlung gewesen. Die Psychopharmakotherapie werde optimiert, die Ge
spräche fänden wieder wöchentlich bis 14-täglich statt (Urk. 8/110).
3.4
Am 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
8/141) berichtete
Dr.
Z._
von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer aktuell schweren depressiven Episode. Die Beschwerdeführerin sei im Sommer 2014 in ihr Heimatland gereist und dort mit ihrer Familie konfrontiert worden, was eine Verschlechterung ihres Zustandes bewirkt habe. Nachdem die Wiedereingliederungsmassnahmen im Herbst 2014 gescheitert seien, sei sie in eine schwere Krise gefallen.
Heute sehe sie die Arbeitsfähigkeit nur noch an einigen Stunden pro Tag im geschützten Rahmen.
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Neurologie FMH und für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, hielt in ihrem Gutachten vom 2
3.
November 2015 (Urk. 8/152) folgende Diagnosen fest
(S. 39 f.)
:
-
Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-
10 F33.1)
-
Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9)
Dazu führte sie aus,
die Eltern der Beschwerdeführerin hätten in Deutschland gelebt und gearbeitet und seien zweimal pro Jahr zurück in ihr Heimatland ge
kommen. Sie sei bei ihrer
Urgrossmutter väterlicherseits
aufgewachsen, welche wie eine Mutter für sie gewesen sei. Diese habe sich im Alter von 70 Jahren mit einem Gewehr
suizidiert
. Ihr
sechs
Jahre jüngerer Bruder sei Alkoholiker und psychisch kaputt, sie wisse nicht
,
wo er jetzt lebe.
Auch die Mutter habe an De
pressionen gelitten, sie habe diese im Jahre 2000 zum letzten Mal gesehen.
Ihr Vater habe sie im Alter von 13 bis 17 Jahren regelmässig sexuell missbraucht und vergewaltigt.
Sie habe acht Jahre lang die Schule besucht und zwei Jahre lang eine Vorweiterbildungsschule. Sie sei in der normalen Schule gut gewesen, in der weiteren schlecht
, dies wahrscheinlich aufgrund ihrer dannzumal nicht mehr so guten Konzentration.
Sie sei von ihrem Grossvater mit dem Gürtel ge
schlagen worden.
Mit 17 Jahren sei sie von ihrer Familie geflüchtet, habe einen Landsmann geheiratet und sei mit diesem in die Schweiz gezogen. Fünf Monate nach der Geburt ihres dritten Sohnes habe ihr Mann - inzwischen wieder in
das Herkunftsland
zurückgekehrt – eine neue Frau nach Hause gebracht und sie ha
be die Familie verlassen müssen. Sie sei in die Schweiz zurückgekehrt, habe ihre Kinder aber nicht mitnehmen können. In der Schweiz habe sie Schulden
ihres Mannes
von
Fr.
55'000.-- zurückzahlen müssen.
Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen,
ihre
Kinder in die Schweiz zu holen, seien diese bei ihrem Exmann aufgewachsen. Sie habe
sie
während mehreren Jahren nicht sehen dürfen. Die beiden jüngeren Söhne
(heute 17 und 21 Jahre alt)
würden inzwischen mit ih
rem Vater in Deutschland wohnen, der
27jährige
Sohn sei nach wie vor im Heimatland. Vor ihren Unfällen habe sie sehr viel gearbeitet. Von ihrem zweiten Mann habe sie sich im siebten Jahr der Ehe
wegen Streitereien
scheiden lassen
. 2011 sei ihr Vater gestorben, sie habe ihn beerdigen lassen
und sich um alles kümmern
müssen, was nach den Vorfällen in der Vergangenheit ein riesiger Stress für sie gewesen sei.
Zur Zeit
sei sie alle zwei Wochen in psychiatrischer Behandlung. Wenn sie auf der Strasse eine Familie sehe, mache ihr das zu schaffen, ebenso, dass sie jetzt beim Sozialamt sei
(S. 3
1
-3
5
).
Die Beschwerdeführerin wohne in einer Zweizimmer-Wohnung. Sie lese
gerne in
einem kleinen Park im I
nnenhof, ab und zu am See. Sie habe
nicht viel Kon
takt zu
Freunden,
da sie andere nicht belästigen möchte und ihnen nicht zeigen wolle, wenn es ihr schlecht gehe.
Die einzigen Vertrauenspersonen für sie seien ihre Kinder und die
wüssten
nicht, dass sie in psychiatrischer Behandlung stehe und Medikamente nehme.
N
ormalerweise
stehe sie um 7:30 Uhr auf. Es gebe
Momente mit extremem Schwindel und Müdigkeit. Sie lese, sehe fern und sehe im Internet, welche Möglichkeiten es gebe, was sie tun könne
. Dann gebe
es Phasen, wo
sie zu nichts Lust habe
. Sie gehe
einkaufen und
nehme ärztliche Termine war. Sie esse nicht regelmässig und koche nur ab und zu. Sie
l
ebe al
leine
und habe zur Zeit keinen Freund
(S.
36)
.
Gemäss der telefonischen Auskunft der behandelnden Psychiaterin seien
ver
schiedene Medikamente ausprobiert worden. Die Beschwerdeführerin habe diese
immer genommen.
Sie
habe öfters an eine Intensivierung der Therapie durch
ei
ne
tagesklinische Behandlung gedacht
und dies auch mit
ihr
besprochen. Das Problem hierbei sei, dass es
dieser
gänzlich unmöglich sei, an Gruppentherapien teilzunehmen. Es sei nicht so, dass sie nicht wolle, sie könne es nicht
(
S. 38
).
Die Beschwerdeführerin sei seit Anfang August 2011 in ihrer bisherigen Tätig
keit nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit
diesem Zeitpunkt
eine Arbeitsfähigkeit von 5
0
%
, seit September 2014 eine solche von 40
%
. Die Arbeitsunfähigkeit sei vor allem auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen. Psychosoziale Faktoren würden nicht überwie
gen, eine Sucht bestehe nicht. Die bisher abgrenzbaren depressiven Episoden seien wohl jeweils durch belastende Lebensereignisse ausgelöst worden, so sei etwa die damals akute depressive Episode kurz nach Tod und Beerdigung des Vaters im Sommer 2011 aufgetreten. Im August 2014 habe während des Heimat
urlaubs eine
Retraumatisierung
stattgefunden und der Gesundheitszu
stand habe sich
erneut
verschlechtert
.
Es bestehe der dringende Verdacht, dass neben den depressiven Episoden eine nicht ganz eindeutig zu bestimmende Per
sönlichkeitsstörung vorlieg
e
mit Hinweisen sowohl auf impulsive Elemente, Elemente einer
Borderline
-Störung
sowie auf Elemente
einer
histrionischen
Stö
rung
. I
n keinem Fall
bestehe
aber das Vollbild einer dieser abgrenzbaren Diag
nosen. Trotz dieser sich wahrscheinlich schon in früheren Jahren manifestierten, tiefergreifenden Störung habe
sie
in jüngeren Jahren beruflich tätig sein kön
nen. Die Störung sei aber mit deutlicheren Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden und führe neben den depressiven Symptomen zu deutlichem subjektive
m
Leiden
(S.
39-41,
S. 43
und S. 45
).
T
rotz des in den letzten Jahren schwankenden bis sehr ungünstigen Verlaufes
sei es
nicht
ausgeschlossen
, dass die Beschwerdeführerin
frühestens in ein bis zwei Jahren
eine mindestens 50%ige Arbeitsfähigkeit zurückerlangen könn
t
e
. Bei längeren Stagnationen im Rahmen der Behandlung oder gar
einer
Ver
schlechterung
sei
die Frage nach einer längeren s
tationären oder
teilstationären Behandlung
nochmals
aufzuwerfen
und
gegebenenfalls na
ch
Möglichkeiten ei
ner solchen ohne
Teilnahme an Gruppentherapien
zu suchen
.
E
rneute berufliche Massnahmen vor mindestens
einer deutlichen
Remission der depressiven Episo
de
würden hingegen
eine Überforderung darstellen und mögliche Behandlungs
erfolge konterkarieren
(S.
42
).
3.6
Dr.
Z._
hielt in ihrer Stellungnahme vom 2
0.
September 2016 (
Urk.
8/166/1) fest, die Gespräche fänden alle zwei bis drei Wochen statt, in Krisen häufiger. Die Compliance der Beschwerdeführerin sei sehr gut. Die Medikation werde ständig kontrolliert und angepasst. Auch da sei die Compliance vorbildlich. Mit dem Medikamentenspiegel vom 1
6.
Juni 2016 (
Urk.
8/166/2) werde eine regel
mässige Medikamenteneinnahme bewiesen.
4.
4.1
Die eingeholten Gutachten
(E. 3.2
und E. 3.5
hievor
) beruh
en
auf den erforderli
chen Untersuchungen,
sind
für die streitigen Belange umfassend und wurde
n
in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
er
stellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin ausein
ander.
Sie
gelangten so
d
ann zum ausführlich begründeten Schluss, dass
die Be
schwerdeführerin
seit ihrer Kniedistorsion am 9.
November 2007 in ihrer ange
stammten Tätigkeit nicht mehr
und
in einer
angepassten Tätigkeit von August 2011 bis Juli 2014 zu 50 % sowie seit August 2014 zu 40
%
arbeitsfähig ist.
Die
Gutachten
entsprechen
damit den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4
hievor
).
Dies wird von den Parteien
grundsätzlich
auch nicht bestritten. Umstritten ist hingegen, ob aufgrund
der
psychischen Beschwerden
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht
.
4.2
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
trächtigungen, somit auch bei psychischen Störungen, keineswegs allein Sache der mit dem
konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen, sel
ber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Ge
richt) ver
bindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu
einer (an
dauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe
und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gege
benheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwen
der und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache
des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu be
ur
teilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Be
rücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Fol
genabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurtei
lungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2).
V
on einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähi
gkeit
kann da
mit
aus rechtlicher Sicht abgewi
chen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätzlich beweiskräfti
ges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (
vgl. etwa
Urteil des Bun
desgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
Das Vorliegen einer allfälli
gen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
gilt es nachfolgend zu prüfen.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin leidet seit ungefähr August 2011 an einer mittelgradi
gen depressiven Störung.
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit kön
nen in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Recht
sprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschlies
sendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in ei
nem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls ge
wisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
5.2
5.2.1
Was den K
omplex
„Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten,
dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Aus
schluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung je
doch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannte
r
BGE 143 V 418
E. 5.2.2).
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich nach dem Tod ihres Vaters im Sommer 2011 verschlechtert,
da
sie sich um dessen Beerdigung zu kümmern und die nach or
thodoxem Brauch vorgesehenen Abläufe einzuhalten hatte und dadurch wohl wiederholt mit ihrer schwierigen Vergangenheit konfrontiert wurde. Sie leidet seither nach übereinstimmenden Aussagen der behandelnden Fachärztin
und der
Gutachter an einer mittelschweren depressiven Störung mit mindestens 50%iger Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der
Indikator der diagnoserelevanten Befunde
damit als mittelgradig ausgeprägt.
Psychosoziale Faktoren, welche
rechtlich keine In
validität zu begründen vermögen,
sind zwar vorhanden, doch ist die Arbeitsun
fähigkeit gemäss
Dr.
D._
vor allem auf ein psychisches Leiden mit Krank
heitswert zurückzuführen
(E. 3.5
hievor
)
.
5.2.2
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resi
stenz
“
hat sich der Gesundheitszustand seit August 2011 trotz psychiatrisch-psychotherapeutische
r
Behandlung mit Gesprächen und einer Psychopharmako
therapie sowie einer stationären Behandlung weiter verschlechtert. Ab
6.
Januar 2014 absolvierte die Beschwerdeführerin ein Belastbarkeits- und
anschliessend ein Aufbautraining. Letzteres musste
trotz
ihres guten
Einsatzes (vgl.
Urk.
8/121 und
Urk.
8/130) per
3.
Oktober 2014
krankheitsbedingt
abgebrochen werden.
Auch dies lässt auf eine
mittelgradige
Ausprägung der Symptomatik schliessen.
Zwar schloss
Dr.
D._
nicht aus, dass die Beschwerdeführerin bei Fortsetzung der bestehenden Behandlung eine 50%ige
– mithin eine um 10
%
höhere
als die von ihr ab September 2014 attestierte (nur noch 40%ige)
-
Arbeitsfähigkeit zu
rückerlangen könnte. Da dies ihrer Ansicht nach jedoch frühestens nach einer
Rekonvaleszenzphase
von ein bis zwei Jahren (
Urk.
8/152 S. 42) möglich sein
dürfte
, spricht dies nicht gegen eine derzeitige Ausprägung der Symptomatik.
5.2.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressour
cenhemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannte
r
BGE 143 V 418
E. 8.1). Die Beschwerdeführerin leidet unter Kniebeschwerden, aufgrund welcher sie ih
re angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben kann (E. 3.2
hievor
).
Zudem be
steht gemäss
Dr.
D._
der dringende Verdacht auf eine nicht ganz eindeutig zu bestimmende Persönlichkeitsstörung, welche mit deutlicheren Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden ist und zu deutli
chem subjektive
m
Leid führt. Als „Komorbiditäten“ zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen sind damit
ausgewiesen
.
5.2.4
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgen
des:
D
ie Beschwerdeführerin ist
nach zumindest teilweise belastenden Ehen
zweifach geschieden und lebt seit dem Scheitern ihrer letzten kurzen Beziehung alleine.
Sie hat drei erwachsene Kinder, welche jedoch bei deren Vater
im Hei
matland aufgewachsen sind beziehungsweise heute (die beiden jüngeren) bei diesem in Deutschland wohnen.
Zu den
drei Söhnen
hatte sie
während deren Kinder- und Jugendjahre nur wenig Kontakt, was sie noch immer schwer belas
tet. Zwar bezeichnete sie
die
Kinder als ihre einzigen Vertrauenspersonen, doch
wissen diese nichts über ihre Erkrankung.
Die Beschwerdeführerin schilderte sehr zerrüttete Familienverhältnisse. So wurde sie von ihrem Vater jahrelang sexuell missbraucht und von ihrem Grossvater geschlagen, weshalb sie bereits mit 17 Jahren in eine erste Ehe
floh
. Z
u ihrem Bruder hat sie keinen Kontakt mehr
und ihre Mutter letztmals im Jahre 2000 gesehen.
Ihre Urgrossmutter, welche wie eine Mutter für sie war,
suizidierte
sich, was die Beschwerdeführerin stark getroffen hat. Regelmässige soziale Kontakte
zu Freunden,
Bekannten
oder weiteren Verwandten
sind
nicht
ersichtlich.
Zudem
besteht der
dringende Ver
dacht
auf
eine nicht ganz eindeutig zu bestimmende Persönlichkeitsstörung
. Diese
, welche
mit
Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfä
higkeit verbunden
ist,
führte mehrfach zu Konflikten am Arbeitsplatz.
Der so
ziale Lebenskontext
und die Persönlichkeit enthalten
somit keine
bestätigende
n
, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende
n
Faktoren.
5.2.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Mi
chael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016, S. 28 ff.) zielt
der Indikator „
gleichmässige
Ein
schränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die dis
kutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähig
keit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Gemäss
Dr.
D._
besteht ein deutli
cher sozialer Rückzug. Die Beschwerdeführerin vermag jedoch ab und zu draussen zu lesen, geht einkaufen, sieht fern
und
surft im Internet
. Sie isst je
doch nicht regelmässig und
kocht
nur
ab und zu.
Im Sommer 2014
war es ihr möglich, in
ihr Herkunftsland in
die Ferien zu fahren, doch hat sich ihr Ge
sundheitszustand anschliessend erneut verschlechtert. Die Einschränkung im Alltag ist als mittelgradig zu betrachten und entspricht damit der geltend ge
machten 50
-
60%igen Arbeitsunfähigkeit.
5.2.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S. 25
Rz
60) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Aus
mass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt wer
den (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkon
sistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin
ist
seit August 2011
– mithin seit über fünf Jahren – bei
Dr.
Z._
in
psychiatrisch-psychotherapeutische
r
Behandlung mit
seitherigen
Gesprächen
wöchentlich bis alle drei Wochen beziehungsweise in Krisen häufi
ger (
Urk.
8/85/3,
Urk.
8/110 und
Urk.
8/166/1)
und
in
einer Psychopharmako
therapie.
Zuvor hatte sie zwar – wie die Beschwerdegegnerin
geltend machte
– mehrere Behandlungen abgebrochen, doch war sie zu jenem Zeitpunkt aus psy
chischen Gründen in
der
Arbeitsfähigkeit
nicht
eingeschränkt
,
weshalb daraus nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden kann.
Auf Empfehlung des Gut
achters
Dr.
B._
begab sie sich
freiwillig
in stationäre Behandlung, was je
doch ihren Gesundheitszustand nicht zu verbessern vermochte. Anlässlich der Begutachtung
durch
Dr.
A._
waren
die Schmerzmittel
nicht
im therapeu
ti
schen Bereich nachweisbar (E.
3.2
hievor
)
.
Bezüglich der Psychopharmaka wur
de jedoch
mit einem weiteren Medikamentenspiegel (
Urk.
8/166/2) eine regel
mässige Medikamenteneinnahme nachgewiesen.
Wiederholt wurde die Compli
ance von der behan
delnde
n
Psychiaterin
als sehr gut bezeichnet
.
Eine Intensi
vierung der Therapie durch eine tagesklinische Behandlung ist zudem
nicht aufgrund
mangelnder
Mitwirkung nicht möglich, sondern
aufgrund
der
Persön
lichkeitsstrukturen
der Beschwerdeführerin
.
Dass
sie
nicht an Gruppentherapien teilnehmen kann, ist krankheitsbedingt.
Im Rahmen der beruflichen Eingliede
rungsversuche war
sie
zudem um einen guten Einsatz bemüht,
wies keine Ab
senzen auf und erschien grossmehrheitlich pünktlich und zuverlässig zu den vereinbarten Terminen
. Auch vermochte sie die Präsenzzeiten – entsprechend der 50%igen Arbeitsfähigkeit – in den ersten drei Monaten von
den von der be
handelnden Psychiaterin empfohlenen
zwei
auf vier Stunden pro Tag zu stei
gern
(
vgl.
Urk.
8/121 und
Urk.
8/130)
.
Eine weitere Steigerung der Präsenzzeiten sowie der erfolgreiche Abschluss der Massnahmen scheiterte
aufgrund einer Verschlechterung
des
Gesundheitszustandes.
Von erneuten
berufliche
n
Mass
nahmen vor mindestens einer deutlichen Remission der depressiven Episode
riet die Gutachterin ausdrücklich ab.
Ein inkonsistentes Verhalten ist damit nicht er
sichtlich, vielmehr ist in Anbetracht der mehrjährigen intensiven Behandlung von einem ausgewiesenen Leidensdruck auszugehen.
5.2.7
Bei gesamthafter Betrachtung über
die
massgeblichen
Indikatoren
ist – überein
stimmend mit den Gutachtern und der behandelnden Psychiaterin - eine medi
zinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung
einer aus psychischen Gründen von August 2011 bis Juli 2014 zu 50 % und seit Au
gust 2014 zu 60
%
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit
führt, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
aus
gewiesen.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
6.
6.
1
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin sei die Kündigung vom 26. September 2008 wegen Umstrukturierungen erfolgt (
Urk.
8/21/17), doch ist
dies mit Blick auf die vielen krankheitsbedingten Fehltage vor der Kündigung, insbesondere einer erneuten Krankschreibung vom 1
8.
bis 2
5.
September 2008 (
Urk.
8/23/2), nicht glaubhaft. Auch gemäss den behandelnden Ärzten erfolgte die Kündigung wegen häufiger Fehlzeiten (
Urk.
8/31/9, vgl. auch
Urk.
8/31/32). Es ist damit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesund
heit weiterhin für
die
Y._
tätig wäre.
Gestützt auf deren Angaben (
Urk.
8/21
/11
) hätte
sie
im Jahr
e 2008 einen Monatslohn von Fr.
4'400.-- (x 13)
, mithin ein Jahreseinkommen von
Fr.
57'200.--
erzielt
.
Der Arbeitgeberfragebo
gen wurde jedoch nur unvollständig ausgefüllt. So fehlen unter anderem Anga
ben zu Ferien- und Feiertagsentschädigung und zur Gratifikation, welche der Beschwerdeführerin
in den Jahren 2006 und 2007
ausbezahlt wurden (vgl.
etwa
Urk.
8/21/
42, 47 und 63: Zuschlag Sonn-/Feiertage ML,
Urk.
8/21/52 und 67: Bonus) und wohl weiterhin ausgerichtet worden wären. Entsprechend stimmt
der
nach
Arbeitgeberfragebogen erzielte
Lohn
von
Fr.
57'200.
--
nicht
mit
dem
Auszug aus dem individuellen Konto
überein, gemäss welchem das Einkommen per 2006
Fr.
59'295.-- und per 2007
Fr.
61'841.-- betrug
(
Urk.
8/19)
. Aufgrund der unvollständigen Angaben im Arbeitgeberbericht rechtfertigt es sich nicht, auf diesen abzustellen. Vielmehr ist vom Durchschnittseinkommen der Jahre 2006 und 2007
gemäss IK-Auszug
hochgerechnet per 2008, mithin von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
62'
141
.-- auszugehen (
[
Fr.
59'295.--
/
2417 x 2499 +
Fr.
61'841.-- / 2454 x 2499] / 2
[
vgl.
Indices
2006-2008
, Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T39, Frauen]
)
.
6.2
Zur
Ermittlung
des Invalideneinkommens ist auf die Tabellenlöhne
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008 abzustellen. Der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für Frauen in einfa
chen und repetitiven Tätigkeiten (
T1,
Kompetenzniveau 4) beläuft sich auf
Fr. 4‘198.--. Dies ergibt unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.
6
Stunden (Bundesamt für Sta
tistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
T. 03.02.03.01.04.01)
ein Jahres
einkommen
von Fr.
52'391.05 per 2008
.
Da proportional, erübrigt sich eine Aufrechnung der Vergleichseinkommen auf
den jeweiligen Rentenbeginn.
6.3
Nachdem die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit aus somati
scher Sicht zu 100
%
arbeitsfähig ist und die Auswirkungen der psychischen Beschwerden bei einem 50
%
- beziehungsweise 40
%
-Pensum
bereits
berück
sichtigt wurden, rechtfertigt sich kein Leidensabzug. Ein solcher wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht.
6.4
Es ist damit von einem Invalideneinkommen von Fr. 52'391.05 per 2009 (frü
hestmöglicher Rentenbeginn),
Fr.
26'195.55
(Fr. 52'391.05 x 0.5) per August 2011 (Verschlechterung Gesundheitszustand) sowie von
Fr.
20’956.40
(Fr. 52'391.05 x 0.4) per August 2014 (erneute Verschlechterung Gesundheitszu
stand) auszugehen.
6.5
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
62'141.--
mit den jeweiligen In
valideneinkommen ergibt einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
16
%
bis Juli 2011. Im August 2011 verschlechterte sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin, weshalb sie ab diesem Zeitpunkt auch in einer angepassten Tätigkeit lediglich noch zu 50
%
arbeitsfähig
war
.
Der Invaliditäts
grad beträgt ab diesem Zeitpunkt
58
%, womit ab
1.
August
2011
(Urteil des Bundesgerichts 8C_690/2012 vom
4.
März 2013 E. 3.2 mit Hinweisen).
An
spruch auf eine
halbe Rente
besteht. Im August 2014 verschlechterte sich
ihr
Gesundheitszustand erneut, weshalb sie ab diesem Zeitpunkt auch in einer an
gepassten Tätigkeit lediglich noch zu 40
%
arbeitsfähig ist. Der Invaliditätsgrad beträgt ab diesem Zeitpunkt
66
%, womit ab
1.
November 2014 (
Zeitpunkt Ver
schlechterung plus drei Monate;
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Inva
lidenversicherung [IVV]
) Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversi
cherung
besteht.
Die selben
Rentenansprüche hätten im Übrigen mit dem von der Beschwerdegegnerin angenommenen
Valideneinkommen
von
Fr.
57'200.--
(vgl. E. 6.1
hievor
)
resultiert.
6.6
Vom
5.
April bis
3.
Oktober 2014 wurden Eingliederungsmassnahmen
(Aufbau
training)
durchgeführt und die Beschwerdeführerin bezog dafür ein Taggeld
(
Urk.
8/117
,
Urk.
8/125
-128
)
.
Die Beschwerdegegnerin wird dies bei der
Festle
gung
des Rentenanspruchs zu berücksichtigen haben
(vgl.
Art.
47 IVG).
7.
7.
1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
1’0
00.-- festzusetzen und entsprechend
dessen
Ausgang der
un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu. Diese wird vom Gericht nach Ermessen festgesetzt, nachdem
sie
von der Möglichkeit, eine Ho
norarnote einzureichen, keinen Gebrauch gemacht hat (vgl. dazu
Urk.
9). Die Festsetzung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine Prozessentschädigung von Fr.
3
‘
0
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
7.3
Das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung eine
s
unent
geltlichen Rechtsvertret
ers
erweist sich damit als gegenstandslos.