Decision ID: f5bb0c4f-5715-591b-82ae-15eed7fe4742
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 16. Juli 2013 in der Schweiz um Asyl
nach.
Sie machte im Wesentlichen geltend, sie sei chinesische Staatsangehörige
tibetischer Ethnie. Sie habe im Dorf D._, Gemeinde E._, Be-
zirk F._, Präfektur G._, Provinz H._ gelebt. Sie sei
geflohen, da sie einen Polizisten erschlagen habe. Nachdem Polizisten
ihre beiden Väter verhaftet und sie bei einer Hausdurchsuchung vergewal-
tigt hätten, habe sie es nicht mehr ertragen, als Ende (...) 2013 ein Polizist
dann auch noch ihre Mutter bedroht und geohrfeigt habe. Deshalb habe
sie eine Schaufel genommen und auf den Polizisten eingeschlagen, bis er
blutend zu Boden gesunken sei.
Vor diesem Hintergrund habe sie Tibet anfangs (...) 2013 zu Fuss über
einen 5000 m hohen Pass verlassen. Anschliessend habe sie sich zwei-
einhalb Monate in einem ihr unbekannten Land aufgehalten und in einem
Restaurant gearbeitet. Dieses Land habe sie auf dem Luftweg verlassen
und sie sei am (...) Juli 2013 von einem ihr unbekannten Land herkom-
mend in die Schweiz gelangt, wo sie gleichentags um Asyl nachgesucht
habe.
B.
Mit Verfügung vom 14. April 2015 stellte das SEM fest, dass die Beschwer-
deführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-
weisungsvollzug an, wobei es den Vollzug nach China ausschloss.
Zur Begründung führte es an, die Vorbringen der Beschwerdeführerin ver-
möchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten.
Die Sozialisation der Beschwerdeführerin in der Volksrepublik China sei
nicht glaubhaft, es scheine, dass die Beschwerdeführerin zwar tibetischer
Ethnie sei, die Hauptsozialisation aber ausserhalb Tibets stattgefunden
habe. Da sie aber keine konkreten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt
in einem Drittstaat geliefert habe, sei im Sinne der Praxis anzunehmen,
dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine
Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestehen würden. Der Vollzug
der Wegweisung sei – mit Ausnahme nach China – als zulässig, zumutbar
und möglich zu erachten.
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C.
Die von der Beschwerdeführerin dagegen erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2768/2015 vom 3. Juni 2015 ab.
D.
Mit Eingabe vom 15. April 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Wie-
dererwägung des ablehnenden Asylentscheids.
Sie reichte einen Brief eines Geschäftspartners ihres Cousins mit Überset-
zung, ein Schreiben des Dorfoberhauptes von I._ (D._) mit
Übersetzung, eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit, einen Auszug
aus dem Geburtsregister des neugeborenen Sohnes, ein Arztzeugnis vom
1. März 2019, 14 Referenzschreiben von Privatpersonen und Vereinen so-
wie eine Petition zu den Akten und machte im Wesentlichen geltend, diese
Dokumente würden unter anderem ihre im Asylverfahren als unglaubhaft
erachtete Herkunft belegen. Der negative Asylentscheid vom 14. April
2015 sei deshalb in Wiedererwägung zu ziehen. Respektive sei der Weg-
weisungsvollzug als unzulässig und unzumutbar zu erklären, da sie über
die Massen gut integriert sei und Anspruch auf Achtung ihres Privat- und
Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK habe.
E.
Mit Verfügung vom 15. Mai 2019 wies das SEM das Wiedererwägungsge-
such ab, soweit es darauf eintrat, und erklärte die Verfügung vom 14. April
2015 als rechtskräftig und vollstreckbar. Es erhob eine Gebühr von
CHF 600.- und stellte weiter fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine
aufschiebende Wirkung zukomme.
Zur Begründung führte es an, die eingereichten Beweismittel würden von
vorneherein aufgrund ihrer leichten Herstellbar- und Fälschbarkeit einen zu
geringen Beweiswert besitzen, um die Herkunft der Beschwerdeführerin
glaubhaft zu machen und vermöchten die rechtskräftige Verfügung vom
14. April 2015 nicht umzustossen. Insofern die Beschwerdeführerin in ihrer
Eingabe weitere Erklärungen vorbringe, mit welchen sie Widersprüche auf-
zulösen versuche, sei darauf nicht einzutreten. Diese wären allenfalls revi-
sionsrechtlich beim Bundesverwaltungsgericht vorzutragen. Weiter sei
zwar erfreulich, dass sich die Beschwerdeführerin so gut in der Schweiz
integriere, dies habe indes keinen Einfluss auf das Asylgesuch und
schliesslich sei festzustellen, dass ein allfälliger Anspruch auf Verbleib in
der Schweiz aufgrund von Art. 8 EMRK von den kantonalen Migrationsbe-
hörden und nicht vom SEM zu prüfen wäre.
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F.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 14. Juni 2019 erhob die Beschwer-
deführerin gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht. In materieller Hinsicht beantragte sie, die Verfügung sei aufzuhe-
ben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr als Flüchtling
die vorläufige Aufnahme zu gewähren, eventualiter sei festzustellen, dass
sich der Wegweisungsvollzug als unzulässig, unzumutbar und unmöglich
erweise. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie zudem sinngemäss um Er-
teilung der aufschiebenden Wirkung respektive um Vollzugsstopp sowie
um koordinierte Behandlung ihres Verfahrens mit demjenigen von
J._ (N ..., D-6139/2018) ihrem Partner und Vater der beiden ge-
meinsamen Kinder, um unentgeltliche Prozessführung sowie Erlass des
Kostenvorschusses.
Es wurde betont, die Beschwerdeführerin sei glaubwürdig und ihre Vorbrin-
gen seien glaubhaft, sie habe alles Erdenkliche unternommen, um Beweis-
mittel zu beschaffen, mit denen sie ihre Sozialisation in Tibet, Volksrepublik
China, belegen könne. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass ihr
bei der Beschaffung von Identitätsdokumenten auf der heimatlichen Ver-
tretung der VR China die Hände gebunden seien und dass sie naturge-
mäss nicht beweisen könne, dass sie in keinem anderen Land über eine
Aufenthaltsbewilligung verfüge. Abschliessend sei der Vollzug der Wegwei-
sung auch aufgrund der eheähnlichen Beziehung mit J._, mit dem
sie zwei Kinder habe, nicht zulässig (Art. 8 EMRK). Der Lebensmittelpunkt
ihrer kleinen Familie sei in der Schweiz, sie seien über die Massen gut
integriert und verfügten über enge Bindungen in der Schweiz, weshalb die
Wegweisung auch in dieser Hinsicht unzumutbar sei.
Auf die weitere Beschwerdebegründung wird – soweit für den Entscheid
wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
G.
Am 17. Juni 2019 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der
Wegweisung per sofort einstweilen aus. Mit Zwischenverfügung vom 3. Juli
2019 stellte der Instruktionsrichter zudem fest, dass der Vollzug der Weg-
weisung während des Verfahrens ausgesetzt bleibe, die Beschwerdefüh-
rerin und ihre Kinder den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
dürfen und das vorliegende Verfahren zeitlich koordiniert mit demjenigen
von J._ (N ..., D-6139/2018) geführt werde. Das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung wurde gutgeheissen und auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.
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H.
Mit Eingabe vom 11. Juli 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung
zu den Akten, in der sie ausführte, die Beschwerde enthalte keine neuen
erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Änderung ihres Stand-
punktes rechtfertigen könnten. Zudem erstaune bei den Ausführungen in
der Beschwerdeschrift unter anderem, dass die Beschwerdeführerin die
Geburtsbestätigung des Tibet Bureau vom 29. September 2016 erstmals
mit der Beschwerdeschrift vom 17. Juni 2019 einreiche und beispielsweise
nicht bereits mit dem Wiedererwägungsgesuch.
I.
Nach gewährter Fristerstreckung reichte die Beschwerdeführerin – han-
delnd durch ihre Rechtsvertreterin – mit Eingabe vom 16. August 2019 eine
Stellungnahme zur Vernehmlassung (Replik) zu den Akten. Sie führte aus,
sie habe ihrer Mittwirkungspflicht bei der Papierbeschaffung beziehungs-
weise dem Versuch, ihre Identität und ihre Sozialisation nachzuweisen, ge-
nüge getan. Sie habe sowohl der indischen als auch der nepalesischen Bot-
schaft geschrieben und habe bei beiden vorgesprochen, aber keine Reak-
tion erhalten. Die Geburtsbestätigung des Tibet Bureau aus dem Jahr 2016
habe sie in Zusammenhang mit ihrem Härtefallgesuch am 2. November
2018 beim Migrationsdienst Bern eingereicht. Dieses Gesuch sei aber ab-
gelehnt worden. Mit Nachtrag vom 26. August 2019 führte sie weiter aus,
wie komplex es gewesen sei, zur eingereichten Geburtsbestätigung des
Tibet Bureaus zu kommen, was sie mit Schreiben von K._, von (...)
bis (...) Präsident der Sektion Bern der tibetischen Gemeinschaft in
Schweiz und Liechtenstein, belege.
J.
Schliesslich reichte sie am 7. Januar 2020 je eine «Identitätskarte» von ihr
und ihrem Partner der exiltibetischen Regierung zu den Akten, womit sie be-
lege, dass sie tatsächlich in der Volksrepublik China sozialisiert worden sei
und weiterhin ihrer gesetzlichen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG
nachkomme. Sie sei sich bewusst, dass es sich dabei um kein staatliches
Identitätsdokument handle, dennoch werde mit diesem Dokument seitens
der exiltibetischen Regierung anerkannt und bestätigt, dass sie aus der au-
tonomen Region Tibet stamme.
K.
Auf die weiteren Argumente von Vorinstanz und Beschwerdeführerin wird
– soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
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BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Blieb die abzuändernde Verfügung unange-
fochten oder wurde ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos-
sen Prozessentscheid abgeschlossen, können auch Revisionsgründe ei-
nen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum sogenannten „qualifi-
zierten Wiedererwägungsgesuch“ vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Dar-
über hinaus sind Beweismittel, die vorbestehende Tatsachen belegen sol-
len, aber erst nach Erlass eines materiellen Beschwerdeentscheids ent-
standen und daher einem Revisionsverfahren nicht zugänglich sind (vgl.
Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a in fine BGG; vgl. hierzu auch
BVGE 2013/22 E. 13), beim SEM vorzulegen, welches diese im Rahmen
eines qualifizierten Wiedererwägungsverfahrens zu prüfen hat (vgl. BVGE
2013/22 E. 12.3).
3.3 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der qualifizierten Wiederer-
wägung wird demnach wie bei der Revision die Unabänderlichkeit und
Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeentscheids im Hinblick
darauf angefochten, dass die Rechtskraft beseitigt und über die Sache neu
entschieden werden kann.
3.4 Die Wiedererwägung ist indes nicht beliebig zulässig. Sie darf nicht
dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder
infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu
umgehen. Gründe, die bereits im Zeitpunkt der verpassten Anfechtungs-
möglichkeit im ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, kön-
nen nicht als Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (vgl. Art. 66
Abs. 3 VwVG und Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 24 E. 5b S. 220).
3.5 Neue Beweismittel im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen
entweder den Beweis für neue erhebliche Tatsachen oder den Beweis für
Tatsachen erbringen können, deren Existenz oder Eigenschaften im Be-
schwerdeverfahren (respektive im Asylverfahren vor dem SEM) zum Nach-
teil des Beschwerdeführers oder der Beschwerdeführerin unbewiesen ge-
blieben sind. Anerkennung finden können nur Tatsachen und Beweismittel,
die zurzeit des Asylverfahrens bereits vorhanden waren, aber aus ent-
schuldbaren Gründen nicht vorgebracht werden konnten (vgl. AUGUST
MÄCHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Art. 66 Rz. 16f.).
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4.
4.1 Vorab ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass
von einem qualifizierten Wiedererwägungsgesuch auszugehen ist, da die
Beschwerdeführerin das Vorliegen von neuen erheblichen Tatsachen und
Beweismitteln geltend macht, mit welchen sie im ordentlichen Verfahren
unbewiesen gebliebene Vorbringen, so insbesondere ihre Sozialisation in
Tibet, belegen könne. Diesbezüglich ist das Wiedererwägungsgesuch da-
her nach den Regeln des Revisionsverfahrens, insbesondere Art. 66
Abs. 2 VwVG, zu behandeln. Daneben werden im Wiedererwägungsge-
such auch wegweisungsvollzugsrelevante Ereignisse geltend gemacht, die
sich nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens ereignet haben (Bezie-
hung zu J._ und Geburt zweier Kinder). Diese Vorbringen sind im
Rahmen eines regulären Wiedererwägungsverfahrens zu prüfen.
4.2 Zunächst ist jedoch in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Vor-
instanz festzustellen, dass die ausführlichen Erklärungen und Erläuterun-
gen, mit denen sie die Widersprüche und Ungereimtheiten in ihren Vorbrin-
gen zu erklären und damit ihre angeblich erlebte Verfolgung in der Heimat
und ihre Ausreise glaubhaft zu machen versucht, bereits im ordentlichen
Verfahren rechtskräftig als unglaubhaft beurteilt wurden. Insofern sie dies-
bezüglich ihre Vorbringen wiederholt und neue Erklärungen vorbringt, ist
festzuhalten, dass diese nicht Gegenstand der vorliegenden Prüfung sind.
Gründe, die bereits im Zeitpunkt der verpassten Anfechtungsmöglichkeit
im ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können nicht als
Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden.
4.3 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, mit den neu
beigebrachten Beweismitteln und Erklärungen könne sie ihre Sozialisie-
rung in Tibet, Volksrepublik China, belegen.
Es ist der Vorinstanz jedoch recht zu geben, dass die von der Beschwerde-
führerin dargelegten Anstrengungen, ihre chinesische Identität offen zu le-
gen, nichts daran ändern, dass sie ihrer Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG
nicht nachkommt. Sie reichte bis zum heutigen Tag keine rechtsgenügli-
chen Identitätsdokumente zu den Akten, weshalb ihre Identität nicht ab-
schliessend feststeht. Bei den eingereichten Dokumenten handelt es sich
lediglich um Schreiben Dritter, die sich weder formell noch inhaltlich auf
ihre Echtheit hin überprüfen lassen, weshalb deren Beweiswert als gering
zu erachten ist (vgl. zum Ganzen den Wiedererwägungsentscheid der Vo-
rinstanz vom 15. Mai 2019). Die nachträglich eingereichten Beweismittel
sind daher nicht geeignet, die Verfügung vom 14. April 2015 zu entkräften,
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in der einlässlich dargetan wurde, weshalb die von der Beschwerdeführerin
im Asylverfahren geltend gemachte Sozialisierung nicht glaubhaft ist. Auch
die Entgegnungen auf Beschwerdeebene, wonach sie alles Erdenkliche
unternommen habe, um Beweismittel zu beschaffen, mit denen sie ihre So-
zialisation in Tibet, Volksrepublik China, belegen könne, vermag nichts da-
ran zu ändern.
Der in Bezug auf Nepal und Indien erhobene Einwand, sie könne naturge-
mäss nicht beweisen, dass sie in keinem anderen Land über eine Aufent-
haltsbewilligung verfüge, trifft zwar zu, ist aber dem Umstand geschuldet,
dass sie keine glaubhaften Angaben zu ihrer Sozialisation gemacht hat.
Zusammenfassend ist deshalb festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
ihre Hauptsozialisierung in Tibet mit den neu eingereichten Beweismitteln
und Ausführungen nicht glaubhaft machen konnte, weshalb sie auch keine
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaub-
haft machen konnte und deshalb in der Schweiz nicht als Flüchtling aner-
kannt werden kann.
4.4 In der Beschwerde wird ferner im Sinne einer nachträglichen Verände-
rung der rechtserheblichen Sachlage vorgebracht, der Vollzug der Weg-
weisung der Beschwerdeführerin widerspreche im heutigen Zeitpunkt dem
Grundsatz der Einheit der Familie und verletze Art. 8 EMRK. Dazu ist Fol-
gendes zu erwägen: Es ist der Beschwerdeführerin zwar insofern zuzu-
stimmen, dass es sich bei ihrer geltend gemachten Verbindung zu
J._ um eine dauerhafte und tatsächlich gelebte Beziehung und da-
mit um eine schützenswerte und gefestigte Partnerschaft respektive Fami-
liengemeinschaft zu handeln scheint. Somit hat die Beschwerdeführerin
recht, dass ihr Aufenthalt beziehungsweise der Vollzug ihrer Wegweisung
mit demjenigen ihres Partners koordiniert werden muss (Art. 44 AsylG),
andernfalls dies eine Verletzung von Art. 8 EMRK darstellen würde. Zumal
das Asylgesuch ihres Partners abgelehnt und seine Wegweisung aus der
Schweiz verfügt wurde, weshalb auch er über kein Aufenthaltsrecht in der
Schweiz verfügt.
Nach dem Gesagten stellt die geltend gemachte Beziehung der Beschwer-
deführerin zu J._ keine wiedererwägungsrechtlich relevante Verän-
derung der Sachlage dar. Da das Recht auf Familie aber zu achten ist, ist
der Vollzug der Wegweisung zu koordinieren.
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4.5 Angesichts dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit
den weiteren Vorbringen wie den zahlreichen Schreiben von Privatperso-
nen aus ihrem schweizerischen Umfeld in der Beschwerde, zumal sie of-
fensichtlich nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen.
Ebenfalls muss die in Aussicht gestellte Fotografie ihres Impfausweises
nicht abgewartet werden, zumal einem solchen Ausweis keine Beweiskraft
für ihre Herkunft beigemessen werden kann.
5.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder die im (qualifizierten)
Wiedererwägungsverfahren eingereichten Beweismittel noch die geltend
gemachte nachträgliche Veränderung der Sachlage geeignet sind, die im
ordentlichen Asylverfahren für unglaubhaft befundene Herkunft aus Tibet
nachträglich glaubhaft zu machen respektive die im Asylentscheid getroffe-
nen Feststellungen zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs zu entkräften. Die geltend gemachten Wiedererwägungsgründe
vermögen die Rechtskraft der vorinstanzlichen Verfügung vom 14. April
2015 daher nicht zu beseitigen.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Mit vorliegendem Urteil wird die angeordnete vorsorgliche Massnahme
(einstweiliges Aussetzen des Wegweisungsvollzugs) gegenstandslos.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr Gesuch um unentgelt-
liche Prozessführung aber mit Zwischenverfügung vom 3. Juli 2019 gutge-
heissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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