Decision ID: 55d9ac58-92e3-42ea-aae3-f44d80a11463
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1956 geborene
X._
war ab dem 1. August 2007 als Pflegeassistentin
im von der Politischen Gemeinde
Y._
geführten Altersheim
Z._
mit einem Arbeitspensum von 50 % angestellt und dadurch bei der HDI Global SE, Hanno
ver, Niederlassung Zürich, obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versi
chert. In der Schadenmeldung vom 9. Januar 2016 wurde berichtet, am 3. Dezember 2015 sei ein
Heimb
ewohner aggressiv geworden.
Er
habe versucht, mit dem Rollator gegen die Beine der Versicherten zu fahren. Beim Ausweichen habe diese das linke Knie verdreht und
dadurch verstaucht (Urk. 18/K1
). Am 26. Januar 2016 musste sich die Versicherte einer Operation (Kniearthroskopie links, Meniskusteilentfernung Korpus/
Hinterhorn
Übergang) unterziehen (Urk. 18/M4). Mit Schreiben vom 7. März 2016 teilte die HDI Global SE der Ver
sicherten mit, der Meniskusschaden sei nicht als unfallkausal zu betrachten. Es bestehe kein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis
vom 3. Dezember 2015 und den
darauffolg
enden Behandlungen des Knies sowie
des operativen Eingriffs
vom 26. Januar 2016 (Urk. 18/K6). Die Versicherte verlangte am 17. März 2016 eine
einsprach
efähige
Verfügung (Urk. 18/K10), welche die HDI Global SE am
10. Mai 2016
erliess. Darin
verneinte
sie
eine Leistungspflicht der Unfallversicherung, da der Unfallbegriff nicht erfüllt sei und auch keine unfall
ähnliche Körperschädigung
vorliege
(Urk. 18/K13). Dagegen erhob die Versi
cherte mit Eingabe vom 9. Juni 2016 Einsprache (Urk. 18/K14), welche mit Ent
scheid vom 4. April 2017 abgewiesen wurde (Urk. 2 [= Urk. 18/K23]).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
erhob die Versicherte am 22. Mai 2017 Beschwerde und beantragte,
dieser
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr sämtliche gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen zu bezahlen (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 26. Juni 2017 (Urk. 7) reichte die Beschwerdeführerin diverse Arztberichte ein (Urk. 8/1-5). Am 4. Oktober 2017 erstattete die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort und beantragte die Abweisung der Beschwerde (Urk. 17).
Replicando
hielt die Beschwerdeführerin am 22. November 2017 an ihrem Antrag fest (Urk. 23). Auch die Beschwerdegeg
nerin hielt in der Duplik vom 19. März 2018 an ihrem Antrag fest. Die Duplik wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. März 2018 zugestellt (Urk. 29).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 3. Dezember 2015 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Unge
wöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.3
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
(in der Fassung vor dem 1. Januar 2017)
kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirku
ng den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Entscheid das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors und damit die Erfüllung des Unfallbe
griffs. Das fragliche Ereignis sei gemäss den versicherungsmedizinischen Stel
lungnahmen von Dr
.
A._
nicht geeignet,
einen traumatischen
Meniskushinterhornriss
zu verursachen
. Es lägen ausschliesslich degenerative Veränderungen vor. Die Voraussetzungen zur Anerkennung einer unfallähnlichen Körperschädi
gung seien
ebenfalls
nicht erfüllt, womit keine Leistungspflicht der
Unfallversi
cherung
bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, der Unfallbegriff sei erfüllt und/oder es liege eine unfallähnliche Körperschädigung vor (Urk. 1
und Urk. 23
).
3.
3.1
3.1.1
Es liegen unterschiedliche Schilderungen zum Unfallhergang vor, weshalb diese hier
einzeln
wieder
gegeben werden
.
3.1.2
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin, hielt in ihrem Über
weisungsschreiben vom 24. Dezember 2015 an Dr. med.
C._
, Fach
arzt FMH für Orthopädie/Traumatologie, fest, die im
Z._
arbeitende Beschwerdeführerin habe einem am Rollator gehenden Bewohner helfen wollen und sich dabei obgenannte Verletzungen (Knieverletzungen) zugezogen (Urk. 8/5).
3.
1.
3
Dr.
C._
führte im Bericht vom 14. Januar 2016 zuhanden von Dr.
B._
(Urk. 18/M3) aus, er habe die Beschwerdeführerin am 8. Januar 2016 untersucht.
Die Beschwerdeführerin habe am 3. Dezember 2015 eine Kniedistorsion erlitten mit anschliessend persistierenden stärkeren Knieschmerzen. Der Unfallmechanis
mus sei ein Beinahe-Sturz im
Z._
gewesen, wo die Beschwerdeführerin als Pflegefachkraft arbeite. Sie habe versucht, eine am Rollator gehende Bewohnerin bei einem Manöver aufzufangen, worauf sie sich unglücklich und unter Mehrbe
lastung das Knie verdreht habe.
3.
1.
4
In der Schadenmeldung der Arbeitgeberin vom 9. Januar 2016 wurde festgehal
ten, die Beschwerdeführerin habe einen Bewohner begleitet, welcher aggressiv geworden sei und versucht habe, mit dem Rollator gegen
ihre
Beine zu fahren. Beim Ausweichen habe sie sich das Knie verdreht (Urk. 18/K1).
3.
1.
5
Die Beschwerdeführerin selbst schilderte den Unfallhergang am 12. Januar 2016 wie folgt (Urk. 18/K3): Ein sehr aufgebrachter Bewohner des
Z._
sei mit seinem Rollator auf sie (und eine beistehende Pflegeperson) wutentbrannt zuge
laufen. Sie (die Beschwerdeführerin) habe sich nur bedingt durch einen Dreh in Sicherheit bringen können. Dabei habe sie sich das Knie verdreht. Da sie ein Essenstablett in den Händen gehalten habe, sei sie in der Bewegung eingeschränkt gewesen. Der Vorfall habe
sich im Aufenthaltsraum der 3.
Etage ereignet, als sie Herrn
D._
das Nachtessen habe servieren wollen. Herr
D._
sei für den Unfall verantwortlich. Als äussere
n Faktor
nannte die Beschwerdeführerin ein Verdre
hen, um in Sicherheit zu gelangen.
3.
1.
6
In der Einsprache vom 9. Juni 2016 hielt
die
Beschwerdeführerin fest (Urk. 18/K14), während
sie
ein mit mehreren Kilo Geschirr beladenes Tablett getragen habe, sei ein äusserst aggressiver Heimbewohner auf sie zugestürzt. Die
ser Heimbewohner habe deutlich über 100 Kilogramm gewogen. Bereits als der Heimbewohner auf
sie
zugestürmt sei, habe er die Kontrolle über seinen Rollator verloren und es sei absehbar gewesen, dass er getrennt von seinem Rollator stür
zen würde. Dies sei dann schliesslich auch geschehen, und der
Heimbewohner
sei ungebremst auf
sie (
die Beschwerdeführerin
)
zugestürzt. Diese Situation
habe
eine Ausnahmesituation dar
gestellt
. Aufgrund des Umstandes, dass
sie (
die Beschwer
deführerin
)
durch die getragene Last massiv behindert gewesen sei, habe sie sich nicht mittels eines normalen Bewegungsablaufes in Sicherheit bringen können. Vielmehr habe das – aufgrund der Umstände – erforderliche Abwehr- respektive Ausweichmanöver zu einem programmwidrigen Bewegungsablauf geführt, aus welchem die Verletzung des Knies resultiert
sei
. Der Heimbewohner sei als Folge des Sturzes mit dem Kopf unmittelbar in das hinter der Beschwerdeführerin gelegene Fenster geprallt, wobei er beide Fensterscheiben durchschlagen habe (Urk. 18/K14 S. 2 f.).
3.
1.
7
In der Beschwerde vom 22. Mai 2017 (Urk. 1 S. 3 f.) hielt die Beschwerdeführerin fest, sie sei dabei gewesen, die Bewohner für das Abendessen bereit zu machen. Dabei habe sie ein schweres Tablett mit viel Geschirr vom Mittagessen, welches sie abgeräumt habe, in der Hand gehabt. Plötzlich sei ein aufgebrachter Patient mit
dem
Rollator auf sie zugerast. Er sei zornig und aufbrausend gewesen und habe sich nicht beruhigen lassen. Vielmehr sei er mit massiver Gewalt auf die Be
schwerdeführerin zugekommen. Ihrer
Bitte, stehen zu bleiben, sei er nicht nachgekommen. Während er auf sie zugerast sei, habe er die Kontrolle über sei
nen Rollator verloren und es sei absehbar gewesen, dass
er
sogleich getrennt von seinem Rollator auf die Beschwerdeführerin stürzen würde. Dies sei schliesslich auch geschehen, und der Bewohner sei ungebremst und mit voller Gewalt auf die Beschwerdeführerin zugestürzt. Dies sei so schnell passiert, dass der Beschwerde
führerin nichts
anderes
übriggeblieben sei, als sich schnell mit dem linken Bein mit dem Tablett nach hinten rechts abzudrehen, um eine Kollision zu vermeiden. Dabei habe sich ihr Knie verdreht. Der aufgebrachte Bewohner habe deutlich über 100 kg gewogen und sei in der Folge seines Sturzes mit dem Kopf unmittelbar in das sich hinter der Beschwerdeführerin gelegene Fenster (das bis zum Boden rei
che) geprallt und habe beide Fensterscheiben durchbrochen. Die Beschwerdefüh
rerin habe während des Vorfalls ein Tablett mit einer Last von mehreren Kilo
gramm in der Hand gehalten. Des Weiteren sei der Boden mit einem Spannteppich belegt gewesen. Durch diese beiden Umstände sei die Beschwerdeführerin in ihren Bewegungsabläufen und Reaktionsmöglichkeiten auf die massive Einwirkung wesentlich beschränkt gewesen, und die Bewegung könne nicht mehr als übliche und angesichts der Situation völlig normale Handlung beziehungsweise Reaktion betrachtet werden
(vgl. auch die Ausführungen in der Replik vom 22. November 2017, S. 3 f.)
.
3.2
3.2.1
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
In den beiden ersten Berichten der
Dres
.
B._
und
C._
wurde jeweils von einer Hilfestellung der Beschwerdeführerin gegenüber der Person am Rollator berichtet; sie habe dieser helfen beziehungsweise diese auffangen wollen. Dass dieser Geste ein Angriff vorausgegangen wäre, wurde nicht festgehalten (E. 3.
1.
2 und E. 3.
1.
3). Erst in den späteren Schilderungen (E. 3.
1.
4 ff.) wurde von einem Angriff und – in diametralem Widerspruch zu den früheren Berichterstattungen
– von einem Ausweichen der Beschwerdeführerin berichtet. Des Weiteren schil
derte die Beschwerdeführerin zunächst, sie habe dem Patienten gerade das Abendessen servieren wollen, als dieser sie angegriffen habe (E. 3.
1.
5).
S
päter
gab sie an, sie
habe die Bewohner für das Abendessen bereitmachen wollen.
Deshalb habe sie e
in mehrere Kilogramm wiegendes Tablett mit viel Geschirr vom Mittag
essen, welches sie abgeräumt habe, in der Hand gehabt (E. 3.
1.6
f.).
Betreffend die Last, welche die Beschwerdeführerin
beim fraglichen Ereignis getragen hatte
, ist auf
die
Aussage der ersten Stunde und damit auf die ausführ
liche Schilderung vom 12. Januar 2016 (E. 3.1.5) abzustellen. Es ist
daher
nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin ein Tablett mit einer Last von mehreren Kilogramm Geschirr vom Mittagessen in der Hand gehalten hätte.
Ob dem Bewe
gungsablauf der Beschwerdeführerin
sodann
ein Angriff vorausgeg
angen war
, kann im Übrigen
offenbleiben, denn so oder anders ist der Unfallbegriff nicht erfüllt, wie nachfolgend zu zeigen ist.
3.2.2
Dass die Beschwerdeführerin die Person am Rollator bei ihrer Hilfestellung (in der ersten Version der Sachverhaltsschilderung) tatsächlich zu greifen bekam oder dass diese die Beschwerdeführerin touchiert hätte, wurde nirgends festgehalten.
Da auch
die
Beschwerdeführerin selbst nie
von einem Kontakt mit der Drittperson berichtete, ist die Rechtsprechung zur Überanstrengung im pflegerischen Bereich nicht einschlägig (vgl. die Rechtsprechung zur Überanstrengung beim Auffangen von Pflegepatientinnen und -patienten im Urteil des ehemaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 166/04 und im Urteil des Bundesgerichts 8C_444/2009 E. 4.2 f. [in BGE 136 V 2 nicht veröffentlicht]).
3.2
.3
Zu prüfen bleibt, ob der Bewegungsablauf der Beschwerdeführerin durch eine Programmwidrigkeit gestört wurde. Die Beschwerdeführerin berichtete, sie habe sich durch einen Dreh in Sicherheit bringen wollen (zweite Version der Sachver
haltsschilderung), als der 100 Kilogramm schwere Patient auf sie zugestürzt sei. Da sie ein Essenstablett in den Händen gehalten habe, sei sie in der Bewegung eingeschränkt gewesen. Es sei zu einem Verdrehen gekommen. Sie habe sich schnell mit dem linken Bein mit dem Tablett nach hinten rechts abgedreht, um eine Kollision zu vermeiden. Dabei habe sich ihr Knie verdreht (E. 3.5-3.7).
Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann in einer unkoordinier
ten Bewegung bestehen. Verläuft die Bewegung unkoordiniert, liegt der unge
wöhnliche äussere Faktor darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas Pro
grammwidriges gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versi
cherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausf
ührt oder auszuführen versucht
(Urteil des ehemaligen Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts U 313/04 vom 1. Februar 2005 mit Hinweis auf RKUV 1999 Nr. U 345 S. 422 E. 2b). Die Körperbewegungen sind nicht isoliert zu beurteilen, son
dern der Bewegungsablauf ist – sowohl
in rechtlicher als auch
sachverhaltlicher
Hinsicht – gesamthaft zu betrachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs
gerichts U 222/05 vom 21. März 2006 E. 6.2 mit Hinweis).
Die Beschwerdeführerin drehte sich mit dem linken Bein mit dem Tablett nach hinten rechts ab, um eine Kollision zu vermeiden. Es wurde somit eine Drehbe
wegung des linken Beines vollzogen mit zusätzlicher Verdrehung des Oberkörpers nach rechts, wobei der Fuss des linken Beines wegen des Widerstan
ds des Spann
teppichs nicht wirklich
mitrutschen konnte. Zu einem Stolpern, Ausgleiten oder Anstossen kam es dabei nicht. Die Beschwerdeführerin trug ein Tablett mit dem Nachtessen des Patienten in Händen, was ihre Bewegungsfreiheit sicherlich ein
schränkte, die Reflexbewegung jedoch nicht derart stören konnte, dass diese einem programmwidrigen Bewegungsablauf entsprochen hätte. Es m
ag wohl sein, dass die Bewegung, das heisst das Abdrehen nach hinten,
reflexartig und damit einhergehend mit einem gewissen Kraftaufwand verbunden ausgeführt wurde. Die Drehbewegung dürfte auch in dem Sinne als «extrem» ausgefallen sein, als diese
so weit
ausgeführt wurde, wie dies die körperliche Beweglichkeit wider
standsfrei zuliess. Die Bewegung selbst beschränkte sich indessen auf das Abdre
hen des Rumpfs, wobei das linke Bein
aufgrund des durch den Spannteppich vermittelten
Haltes
mehr oder weniger
an Ort und Stelle verblieb und somit
ver
dreht wurde. Eine vom Körper nicht mehr ohne weiteres beherrschbare Vielzahl von verschiedenen, ineinandergreifenden Bewegungsabläufen, wie sie etwa bei einem (unerwarteten) Fehltritt ausgelöst werden können, lässt sich hingegen nicht ausmachen. Der Rumpf ist nicht anders bewegt worden, als dies etwa auch im Rahmen einer körperlichen Ertüchtigung (beispielsweise beim Tanzen) der Fall gewesen wäre. Zwar ist der Vorgang als solcher
durch den Angriff
unwillkürlich ausgelöst worden. Er hat sich indessen in kontrollierbaren Bahnen bewegt und kann insoweit nicht als programmwidrig bezeichnet werden. Ebenso wenig recht
fertigt es sich, einer
solchen
Bewegung
generell ein erhebliches Gefährdungspo
tential zuzusprechen (vgl.
das
Urteil des Bundesgerichts 8C_742/2017 vom 13. Juni 2018 E. 6).
Nach dem Gesagten ist der Unfallbegriff
somit
nicht erfüllt.
4
.
4
.1
Die Behandlung der Beschwerdeführerin beschränkte sich im Wesentlichen auf die am 26. Januar 2016 vorgenommene Kniearthroskopie links mit Meniskustei
l
entfernung am Korpus/
Hinterhorn
Übergang.
Im
dazugehörigen
Operationsbe
richt vom 27. Januar 2016
hielt der behandelnde Orthopäde fest
, der Meniskus zeige im Übergang vom Korpus zum
Hinterhorn
einen abgerundeten älteren radiären Riss. Der übrige Meniskus sei sonst unauffällig, zeige keine Degenerati
onszeichen. Der
Radiärriss
werde sorgsam
umschnitten
, der fibröse Ring erscheine dabei noch intakt (Urk. 18/M4).
Aufgrund des intraoperativen Befunds vom 26. Januar 2016 ergab sich gemäss Beurteilung
des behandelnden Orthopäden
, dass es sich beim am 22. Dezember 2015 bildgebend festgestellten Meniskusriss (Urk. 18/M1) um einen älteren radi
ären Riss handelte. Eine frische Läsion war nicht zu erkennen.
Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
wies
in seiner
versicherungsmedizini
schen Stellungnahme vom 12. Juli 2016
– nach Vorlage des Operationsberichts vom 27. Januar 2016 –
ebenfalls auf diesen Umstand hin. Er führte aus,
es sei auffallend, dass bei einem angeblich frischen traumatischen Meniskusriss der Operateur einen abgerundeten älteren radiären Riss dokumentiere.
Auch wenn anlässlich der Arthroskopie lediglich am Meniskus selbst eine Therapie mit
Teil
meniskektomie
durchgeführt worden sei, sei der Meniskusriss Bestandteil von degenerativen Veränderungen
(Urk. 18/M6)
.
Diese Beurteilung vermag zu über
zeugen;
der
Meniskusriss ist
bereits älter, weshalb er nicht m
it dem Ereignis vom 3. Dezember 2015 in Zusammenhang gebracht werden kann.
4.2
Anzufügen bleibt, dass
Dr.
A._
in seinen versicherungsmedizinischen Stel
lungnahmen vom 10. Februar 2016 (Urk. 18/M4a)
, 14. April 2016 (Urk. 18/M5), 12. Juli 2016 (Urk. 18/M6) und
27. September 2017 (Urk. 18/M10)
wiederholt
und in nachvollziehbarer Weise
aus
führte
, dass der
beschriebene Unfallmechanismus
nicht geeignet sei, die vorliegende Verletzung zu verursachen.
Auf die schlüssigen und ausführlichen Stellungnahmen von Dr.
A._
ist abzu
stellen. Der behandelnde Orthopäde nahm am 19. Juni 2017 zur Unfallkausalität zwar Stellung (Urk. 8/1) und hielt fest, die Meniskusverletzung sei mit an Sicher
heit grenzender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt. Er löste den Widerspruch
dazu –
dass er selbst intraoperativ bloss eine ältere Läsi
on des Meniskus erkennen konnte –
jedoch nicht auf.
Seine Argumentation, die Beschwerdeführerin habe vor dem Ereignis keine Knieschmerzen ge
habt
, ist
beweisrechtlich
sodann
nicht zulässig und vermag zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nic
ht zu genügen (vgl. zur Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc"
BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
s
owie das
Urteil des Bundesgerichts 8
C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E.
5.1).
Des Weiteren
führte
Dr.
A._
unter Verweis auf die gutachterliche Literatur aus,
dass
es nicht anerkannten wissenschaftlichen Kriterien entspreche,
radiäre Ver
letzungen
ohne Weiteres
als unfallkausal
zu
werten
(vgl. insbesondere Urk. 18/M10 S. 6 f.).
4.3
Es liegt somit
auch
keine unfallähnliche Körperschädigung gemäss Art. 9 Abs.
2 UVV
(E. 1.3) vor (vgl. die hierzu einschlägige Rechtsprechung im Urteil des Bun
desgerichts 8C_40/2017 vom 11. April 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
5
.
Da
das Ereignis vom
3. Dezember 2015
weder als Unfall
zu qualifizieren ist
noch
die Voraussetzungen für eine
unfallähnliche Körperschädigung
erfüllt sind
,
hat die Beschwerdegegnerin
eine Leistungspflicht der Unfallversicherung für die Fol
gen dieses Ereignisses
zu Recht
verneint. Die Beschwerde
erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.