Decision ID: 5a4de836-bbf3-58e3-a809-5b3cc0bb4fbf
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 2
5.
November 2010 forderte die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
1.
Juli 2008 bis 3
1.
März 2010 an
Z._
,
A._
und
B._
akzessorisch
zur Invalidenrente ihrer Mutter,
C._
, ausgerichtete Kinderrenten im Betrag von
Fr.
21'096.-- zurück
, da sich
C._
während dieser Zeit in
D._
aufgehalten
habe und sie da
mit
keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung gehabt habe
. Die Ver
fügung wurde zugestellt an "Jugend- und Familienberatung
Kt
.
Zürich
,
E._
"
(Urk. 9/172). Auf Beschwerde hin
(Prozess-Nr. IV.2011.00009)
hob das hiesige Gericht
die Verfügung auf und wies die Sache zur korrekten Er
öff
nung und Begründung an die IV-Stelle zurück (
Entscheid vom 2
0.
Januar
2011, Urk. 9/178/1-4). Die von
Z._
un
d A._
ge
gen dieselbe Verfügung
erhobene Beschwerde
(Prozess-Nr. IV.2011.00010)
wurde mit Beschluss
vom glei
chen Tag
mangels Anfechtungsgegenstands
als gegenstandslos
geworden ab
ge
schrieben (Urk. 9/179/1-4).
2.
Am 1
4.
März 2013 erliess die IV-Stelle eine neue Rückforderungsverfügung
ge
gen
die
Jugend- und Familienbe
ratung des Kantons
Zürich
in
X._
(heute: Kinder-
und Jungendhilfezentrum
kjz
; nachfolgend:
kjz
X._
)
.
Weil sich laut An
gaben der IV-Stelle zwischenzeitlich herausgestellt hatte, dass sich
C._
im April und Mai 2009 in der Schweiz aufgehalten hatte, reduzierte
sie
den
Rückforder
ungsbetrag auf Fr. 19'068.--
(Urk. 2)
.
Hiergegen erhob
das
kjz
X._
mit Eingabe vom 1
5.
April 2013 Beschwerde und
beantragte, die angefochtene Verfügung sie aufzuheben und auf die Rückfor
de
rung
sei ersatzlos zu verzichten (Urk. 1).
Mit
Eingabe
vom 2
1.
August 2013 (Urk. 8)
verzichtete die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf
die internen Stellungnahmen
der Ausgleichskassen
F._
(Urk. 9/301)
und
G._
(
Urk. 10
; vgl.
auch Urk. 3/1
) auf eine eigene
Be
schwer
deantwort
.
In einem zweiten Schriftenwechsel hielt die Beschwerdefüh
rerin vollumfänglich an ihren Anträgen fest (Repl
ik vom 26.
September 2013, Urk. 13
)
; während die Beschwerdegegnerin auf Duplik verzichtete (Eingabe vom
2
2.
Oktober 2013 [Urk. 17], der Beschwerdeführerin zugestellt am 2
4.
Oktober 2013,
Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwer
de
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die
b
eschwerdeführe
nde
Institution
, an welche
offen
bar ab 1. Juli 2007
die Kinderrenten von
Z._
,
A._
und
B._
ausbe
zahlt wurden,
für die im Zeitraum vom
1.
Juli 2008 bis 3
1.
März 2009 und vom
1.
Juni 2009 bis 3
1.
März 2010 ausgerichteten
Betreffnisse
rück
er
stattungspflichtig
ist.
2.1
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zu-
rückzuerstatten
. Neben den eigentlichen Leistungsbezügern oder deren Erben (
Art.
2
Abs.
1
lit
. a der Verordnung über
den Allgemeinen Teil des
Sozial
versi-
cherungsrechts
, ATSV) können auch Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vor
mundes oder der
Vormundin
, denen Geldleistungen zur Gewährleistung zweck
gemässer Verwendung nach Artikel 20 ATSG oder den Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden (
lit
. b), sowie Dritte oder Behörden, mit Aus-
nahme
des Vormundes oder der
Vormundin
, an welche die unrechtmässig
ge
-währte Leistung nachbezahlt wurde (
lit
. c), rückerstattungspflichtig werden.
2.2
Keine Rückerstattungspflicht besteht für Behörden, welche Leistungen nur als In
kasso- oder Zahlstelle entgegengen
ommen haben (BGE 110 V 14 f. E. 2b, 118 V 221 E
. 4a), den Amtsvormund oder die Vormundscha
ftsbehörde (BGE 112 V 101 f. E
. 2b) oder den Beistand (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
Art.
25
Rz
24).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründet ihre Forderung damit,
C._
habe sich im erwähnten Zeitraum in
D._
aufgehalten und in dieser Zeit keinen Rentenanspruch gehabt. Damit sei
auch der Anspruch auf die
Kinderr
enten ent
fallen, weshalb diese zu Unrecht ausgerichtet worden seien. Die Beschwer
defüh
rer
in
, an welche die Kinderrenten ab
1.
Juli 2008 ausbezahlt worden seien,
sei als Behörde gemäss
Art.
1
Abs.
2 ATSV rückerstattungspflichtig.
Anzumerken ist vorab
, dass
die
Beschwerdeführerin
zu
Recht
moniert
, der
Auf
enthaltsstatus
von
C._
sei nicht vollständig geklärt, was sich au
gen
fällig darin zeige, dass sich zwischenzeitlich (seit der ersten
Rückforde
rungs
ver
fügung
vom 2
5.
November 2010) die angebliche Aufenthaltsdauer in
D._
um
zwei
Monate
redzuiert
habe (Urk. 1 S. 3).
Die Beschwerdegegnerin versuchte wohl, anhand des Reisepasses die Ein- und Ausreisedaten in
D._
zu klären
(vgl.
Urk. 9/249), doch die Passkopien (Urk. 9/228) enthalten keine lü
ckenlosen Ein- und Ausreisedaten für den fraglichen Zeitraum.
Fraglich ist auch, ob die Rück
forderung ohne formell rechtskräftige Leistungseinstellung der Stammrente zu
lässig
ist, bzw. ob eine solche erfolgt ist.
Angesichts
dieser Un
klarheiten
würde sich grundsätzlich eine Rückweisung zu weiteren
diesbezügli
chen
Abklärungen
aufdrängen
.
Davon kann indessen abgesehen werden, da die Beschwerde ohne
hin gutzuheissen ist, wie sich aus den nachfolgenden Erwä
gungen ergibt.
3.2
Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend,
die Kinderrenten seien bei ihr (als Geschäftsstelle des Amtes für Jugend- und Berufsberatung des Kantons
Zürich
) einem zinslosen
Klientenkontokorrent
, wie es für jedes einzelne Mündel geführt werde, gutgeschrieben und von der
Vormundin
ausschliesslich für die
Zwecke der begünstigten Jugendlichen verwendet worden (Urk. 1 S. 2 und Urk. 13
S. 3).
Dieser Darstellung wird auch in den von der Beschwerdegegnerin
aufgelegten Stellungnahmen der Ausgleichskassen (Urk.
9/301 und Urk.
10) nicht
widersprochen. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Aufgabe der Be
schwer
deführerin einzig und allein darin bestand, die Kinderrenten direkt auf die
Konten von
Z._
,
A._
und
B._
zu überweisen, damit diese durch die
Vormundin
zweckbestimmt weiterverwendet werden konnten. Dass die
Beschwerdeführerin für die Jugendlichen in irgendeiner Weise fürsor
gerisch tätig
gewesen wäre, ist nach der Aktenlage nicht erstellt und nach den glaubwür
di
gen
Vorbringen der Beschwerdeführerin auch nicht anzunehmen. Hat die Be
schwer
deführerin nach dem Gesagten somit die
Kinderrenten als blosse
Zahl
stelle in Empfang genommen
,
zieht dies
rechtsprechungsgemäss keine
R
ücker
statt
ungs
pflicht
nach sich.
Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, und es ist die angefochtene Verfü
gun
g ersatzlos aufzuheben.
Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob die Be
schwer
de
führerin die richtige Adressatin der angefochtenen Verfügung war, denn selbst
wenn
der Kanton
Zürich
als rückerstattungspflichtig ins Recht ge
fasst würde, änderte dies nichts. Ebenso kann offen bleiben, ob der Beschwer
deführerin das rechtliche Gehör ordnungsgemäss gewährt wurde (vgl. Urk. 1 S. 3), denn jeden
falls war es ihr möglich, die sie betreffende Verfügung sachge
mäss anzufechten.
4.
4.1
Als Teil des Gemeinwesens steht der Beschwerdeführerin keine
Parteientschädi
gung
zu (§ 34 Abs. 2 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
.
4.2
Die auf Fr. 600.-- festzulegenden Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind
aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.