Decision ID: ba5a6d7c-35bb-5442-82d8-353de456e7fa
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die erstrubrizierte Beschwerdeführerin (im Folgenden: die Beschwerdefüh-
rerin) stellte am 29. Februar 2016 in der Schweiz ein Asylgesuch. Am
9. März 2016 wurde sie im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) Altstätten zu ihrer Person befragt (BzP) und am 13. August 2018 (mit
Fortsetzung am 3. September 2018) zu den Asylgründen angehört. Dabei
machte sie im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie stamme aus C._, sei dort mit ihrer Mutter und ihren (...) aufge-
wachsen – der Vater sei (...) – und habe in C._ und D._
studiert. Am (...) 2009 habe sie einen Mann geheiratet, der sich alsbald als
einflussreicher (...)mitarbeiter, Folterer und gewalttätig herausgestellt
habe. Er habe auch ihr Gewalt angetan und an ihr abartige Sexualpraktiken
und Vergewaltigungen vollzogen. Nach Einwirkung ihrer Mutter habe er
seine schriftliche Einwilligung zur Scheidung der Ehe gegeben. Am (...)
2010 habe sie sich ohne dessen Beisein gerichtlich von ihm scheiden las-
sen. Ihr Ex-Mann habe diesen mutigen Schritt nicht erwartet und in der
Folge seine Frau zurückgefordert. Hierzu habe er Drohungen gegen sie
ausgesprochen, was sie bewogen habe, sich fortan an verschiedenen Or-
ten zu verstecken, umso mehr als dieser vermutlich für den zwischenzeit-
lichen Tod ihrer (...) verantwortlich sei. Am 7. November 2015 sei sie
schliesslich illegal ausgereist und via die Türkei und Griechenland am (...)
Februar 2016 auf dem Luftweg mit einem vom Schlepper besorgten (...)
Pass in die Schweiz gelangt. Nach der Ausreise habe der Ex-Mann ihre
Mutter geschlagen und bedroht und Dokumente sowie seinen Laptop mit-
genommen. In der Schweiz lebe sie nun im Konkubinat mit einem Lands-
mann.
Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin nebst ihrem Identitätsbüch-
lein verschiedene Fotos, Urkunden und Dokumente (u.a. betr. die Schei-
dung im Iran) und insbesondere auch einen Vertrag über das in der
Schweiz gelebte Konkubinat mit dem iranischen Landsmann E._
(N [...], rechtskräftig abgewiesener und zur Ausreise verpflichteter Asylbe-
werber) zu den Akten.
Am (...) wurde die zweitrubrizierte Beschwerdeführerin geboren.
B.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
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schwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte de-
ren Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
C.
Gegen diese Verfügung haben die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe
vom 16. Januar 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erho-
ben. Darin beantragen sie deren Aufhebung, die Gewährung von Asyl unter
Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die Gewährung der
vorläufigen Aufnahme als Flüchtlinge, eventualiter die Gewährung der vor-
läufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, eventualiter die Rückwei-
sung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz sowie in prozessua-
ler Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mitsamt Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung eines
unentgeltlichen Rechtsbeistandes ihrer Wahl.
D.
Mit Verfügung vom 21. Januar 2020 stellte der zuständige Instruktionsrich-
ter des Bundesverwaltungsgerichts den einstweilen rechtmässigen Aufent-
halt der Beschwerdeführerinnen in der Schweiz während des Beschwerde-
verfahrens fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
Bereits am 1. Januar 2019 wurde zudem das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen-
dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG
übernommen worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Mit dem vorliegenden, instruktionslos ergehenden Direktentscheid in
der Sache wird der prozessuale Antrag betreffend Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses hinfällig.
2.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflich-
tungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das
SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als in verschiedenen
Teilen realitätsfern, substanz- und detailarm, nicht nachvollziehbar oder wi-
dersprüchlich, weshalb die Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaub-
haftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts nicht erfüllt seien und
auf eine Prüfung der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit nach Art. 3 AsylG
verzichtet werden könne. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des
Asylgesuchs sei die Wegweisung der Beschwerdeführerinnen aus der
Schweiz. Der Wegweisungsvollzug in den Heimatstaat sei mangels Erfül-
lung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG
und mangels Anhaltspunkten für die beachtliche Wahrscheinlichkeit der
Gewärtigung einer nach Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung
zulässig. Der Vollzug sei ferner unter Berücksichtigung sowohl der allge-
meinen, insbesondere politischen Situation im Iran als auch verschiedener
vollzugsbegünstigender individueller Umstände zumutbar; dabei macht
das SEM im Besonderen auch darauf aufmerksam, dass die Beschwerde-
führerin mit ihrem hiesigen Lebenspartner E._, der über keinen ge-
regelten Aufenthalt in der Schweiz verfüge, in den Iran zurückkehren
könne. Der Vollzug der Wegweisung sei im Übrigen technisch möglich und
praktisch durchführbar.
Für den detaillierten Inhalt der Erwägungen wird auf die angefochtene Ver-
fügung verwiesen.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin zunächst
darauf aufmerksam, dass die Lebenspartnerschaft mit dem iranischen
Landsmann E._, dem Vater der gemeinsamen Tochter, nicht mehr
bestehe und sie somit alleinerziehend sei. Im Weiteren hält sie an ihren
Asylvorbringen fest. Die Ausführungen seien durchaus genügend substan-
ziiert, konkret, schlüssig, plausibel, widerspruchsfrei und wahrheitskon-
form. Die vom SEM dargelegten Unglaubhaftigkeitselemente seien nicht
gerechtfertigt und entbehrten einer Gesamtbeurteilung. Ihre Furcht vor wei-
teren Benachteiligungen durch den Ex-Mann sei begründet, weshalb für
sie und ihre Tochter Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
und Gewährung des Asyls bestehe. Dieser Anspruch ergebe sich gleich-
sam aus dem Umstand, dass die Beziehung mit E._ nie auf einer
standesamtlichen oder religiösen Trauung gefusst habe, inzwischen auf-
gelöst sei und das gemeinsame Kind ausserehelich gezeugt worden sei.
Dies stelle einen objektiven oder allenfalls zumindest einen subjektiven
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Nachfluchtgrund dar, denn das iranische Strafgesetz verbiete Sex zwi-
schen unverheirateten Personen und sanktioniere Verstösse mit 100 Peit-
schenhieben. Das Eingehen einer nicht ehelichen Beziehung sei zudem
ein Tatmotiv für einen sowohl durch sie als auch durch die Tochter zu be-
fürchtenden Ehrenmord seitens des Ex-Mannes, demgegenüber der irani-
sche Staat keinen wirksamen Schutz biete. Bei Einleitung eines Verfahrens
würden ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit die zivilen Rechte und das Sorge-
recht über das Kind abgesprochen. Auch die uneheliche Tochter selber sei
bei einer Rückkehr in den Iran mit einer gesetzlich verankerten rechtlichen
Diskriminierung konfrontiert. Diese nachfluchtbedeutsamen Umstände be-
gründeten zudem eine Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges und mit-
hin den Anspruch auf Gewährung zumindest einer vorläufigen Aufnahme,
da sie eine grausame und unmenschliche Bestrafung im Sinne von Art. 3
EMRK und Art. 3 FoK nach sich zögen. Der Subeventualantrag betreffend
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz gründe in einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs insbesondere in Form der Untersuchungs-, der Begrün-
dungs- und der Abwägungspflicht nach Art. 32 Abs. 1, Art. 35 Abs. 1 und
Art. 12 VwVG. Die Vorinstanz habe nämlich spätestens seit der am 13.
August 2018 durchgeführten und am 3. September 2018 fortgesetzten An-
hörung Kenntnis von der Geburt der zweitrubrizierten Beschwerdeführerin
gehabt, sich aber weder mit dieser Tatsache noch mit den Folgen für sie
beide bei einer Rückkehr in den Iran auseinandergesetzt. Als Beweismittel
gaben die Beschwerdeführenden insbesondere eine SFH-Schnellrecher-
che betreffen die Gefährdungslage bei der Rückkehr mit einem uneheli-
chen Kind in den Iran sowie drei Unterstützungs- beziehungsweise Bestä-
tigungsschreiben von befreundeten Personen aus der Schweiz zu den Ak-
ten.
Für den detaillierten Inhalt der Beschwerdebegründung und der vorgeleg-
ten Beweismittel wird auf die Rechtsmitteleingabe verwiesen.
6.
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend in einer sachge-
recht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl.
Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Nicht
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erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf rechtliches Gehör
beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, nicht
aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund
und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG
beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine umfassende Sachver-
haltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfü-
gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder
Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle
für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer-
den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). Ermittelt das Bundes-
verwaltungsgericht eine fehler- oder lückenhafte Feststellung des Sachver-
halts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinstanz
zurück, damit diese den rechtserheblichen Sachverhalt neu und vollständig
feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungsgrundsatz gehört sodann zu den all-
gemeinen Grundsätzen des Verwaltungs- beziehungsweise Asylverfah-
rens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes
zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen,
die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss dar-
über Beweis zu führen. Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die
ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts
tauglich erscheinen.
Wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt, erachtet das Bundesver-
waltungsgericht die genannten Grundsätze vorliegend gestützt auf in der
Beschwerde erhobene Rügen wie auch im Rahmen seiner über das Rüge-
prinzip hinausgehenden Prüfungsbefugnis von Amtes wegen als verletzt.
7.
7.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Pflege einer nichtehelichen Bezie-
hung sowie der in einer solchen Beziehung ausgeübte Sex und die dabei
erfolgte Zeugung eines ausserehelichen Kindes allesamt eigenes Verhal-
ten der Beschwerdeführerin (und ihres Partners) darstellen, ohne dass
äussere, von der Beschwerdeführerin nicht beeinflussbare Umstände da-
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rauf eingewirkt hätten. Die Annahme objektiver Nachfluchtgründe kann so-
mit zum vornherein ausgeschlossen werden. Nach Art. 54 AsylG können
solche subjektiven Nachfluchtgründe nicht zur Gewährung von Asyl führen.
Da die nachfolgend zu erörternden Verfahrensmängel einzig Einfluss auf
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft infolge subjektiver Nachflucht-
gründe und allenfalls auf die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges
haben können, nicht aber Vorfluchtgründe betreffen, verzichtet das Bun-
desverwaltungsgericht angesichts des Kassationsausganges auf eine
Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf die Frage hin, ob das SEM
die Vorfluchtgründe zutreffend als nicht glaubhaft und keinen Anspruch auf
Asyl begründend erkannt hat. Das SEM wird im wiederaufzunehmenden
erstinstanzlichen Verfahren Gelegenheit haben, die betreffenden Ausfüh-
rungen in der vorliegenden Beschwerde (vgl. dort Ziff. B/II/2.1 f.) zur Kennt-
nis zu nehmen und zu würdigen.
7.2 Wie in der Beschwerde zutreffend festgehalten wird, war dem SEM seit
der am 13. August 2018 durchgeführten und am 3. September 2018 fort-
gesetzten Anhörung bekannt, dass die damals geschiedene und nicht wie-
der verheiratete Beschwerdeführerin Mutter eines in der Schweiz unehe-
lich gezeugten und am 4. Juni 2018 unehelich geborenen Kindes ist und
sie in einer nichtehelichen Lebenspartnerschaft mit dem rechtskräftig ab-
gewiesenen und zur Ausreise verpflichteten iranischen Asylbewerber
E._ lebte; hierfür legte sie denn auch einen Konkubinatsvertrag vor.
Das SEM hat diese Tatsachen in der angefochtenen Verfügung (vgl. dort
insb. Ziff. I/4) denn auch zumindest ansatzweise erfasst. Es liegt daher in-
soweit keine unvollständige Sachverhaltsfeststellung vor. Tatsache ist
ebenso, dass das SEM im Zusammenhang mit der Frage der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges eine Würdigung dieser Lebenspartnerschaft
dahingehend vorgenommen hat, dass die Beschwerdeführerinnen die
Rückkehr in ihre Heimat in Begleitung von E._ antreten könnten
(vgl. Verfügung E. III/2). Die behauptungsgemässe Beendigung des Kon-
kubinats hat die nach Art. 8 AsylG umfassend mitwirkungsverpflichtete Be-
schwerdeführerin dem SEM hingegen nicht zur Kenntnis gebracht. Das
SEM hatte somit im Verfügungszeitpunkt weder Anlass diesen Umstand
sachverhaltlich zu erfassen noch ihn im Hinblick auf eine darauf basierende
flüchtlingsrechtliche oder vollzugsrechtliche Gefährdungslage zu prüfen
und zu würdigen.
Dennoch hat das SEM vorliegend den Anspruch der Beschwerdeführerin-
nen auf Wahrung des rechtlichen Gehörs in den oben (E. 6) erwähnten
weiteren Erscheinungsformen verletzt: Würde nämlich hypothetisch von
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der Annahme einer im Verfügungszeitpunkt noch bestandenen Lebens-
partnerschaft ausgegangen, hätte sich die Würdigung nicht nur auf die Zu-
mutbarkeitsfrage beschränken dürfen. Vielmehr hätte bereits unter dieser
für die Beschwerdeführerinnen begünstigenden Annahme geprüft werden
müssen, welche Auswirkungen die nichteheliche Partnerschaft, der nicht-
eheliche Sex und die nichteheliche Zeugung eines unehelich geborenen
Kindes potenziell auch auf die Begründung der Flüchtlingseigenschaft und
jedenfalls auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges haben
kann. Angesichts der im iranischen Recht bestehenden Straftatbestände
sowie zivilrechtlichen und sozialen Schlechterstellungen insbesondere für
betroffene Frauen und Kinder wäre eine solche Prüfung vorliegend gebo-
ten gewesen. Unter Umständen hätten vorgängig Abklärungen darüber
dienlich sein können, ob die Partnerschaft tatsächlich gänzlich ehelos –
mithin auch ohne religiöse Heirat – bestanden habe, denn auch dies kann
bedeutsam sein für die Prüfung einer flüchtlingsrechtlichen Verfolgungs-
lage beziehungsweise des (Nicht-)Bestehens allfälliger Vollzugshinder-
nisse. Ausgehend von einer zwischenzeitlich aufgelösten Partnerschaft
könnten Abklärungen darüber, ob diese Behauptung überhaupt den Tatsa-
chen entspreche (beispielsweise via die kantonalen Migrations-, Sozial-
und Zivilstandsbehörden [vgl. dazu die vorinstanzliche Akte A23 F49 ff. so-
wie die im Konkubinatsvertrag geäusserte Heiratsabsicht]), sachdienlich
sein. Jedenfalls aber ist das SEM bei Annahme einer zwischenzeitlich auf-
gelösten Partnerschaft – hierfür spricht beispielsweise das als Beilage 7
vorgelegte Unterstützungsschreiben F._ (Schikanierungen und
Schläge durch den Ex-Lebenspartner) – gehalten zu prüfen, welche Aus-
wirkungen die genannten Umstände (Sex und uneheliches Kind aus einer
unverheirateten und inzwischen wieder aufgelösten Partnerschaft; Rück-
kehr in die Heimat als alleinerziehende und geschiedene Mutter eines aus
einer nichtehelichen Partnerschaft stammenden Kindes) für die Beurtei-
lung insbesondere der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges der Beschwerdeführerinnen oder gar ihrer Flüchtlingseigen-
schaft hat. Die Beschränkung auf die Frage der Zumutbarkeit und eine
Würdigung einzig im Hinblick darauf, ob eine Rückkehr mit oder ohne einen
männlichen Partner möglich ist, greift klar zu kurz. Die Ausführungen in der
Beschwerde zu den drohenden Konsequenzen und Befürchtungen im Hin-
blick auf eine Rückkehr der Beschwerdeführerinnen in den Iran (vgl. Be-
schwerde Ziff. B/II/2.4 ff.) und die hierfür als Beweismittel vorgelegte
Schnellrecherche der SFH ist daher vom SEM im Rahmen der Entscheid-
findung genauso zu berücksichtigen wie beispielsweise das in einer analo-
gen Konstellation am 22. November 2016 ergangene (Kassations-) Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-2401/2015 (vgl. dort E. 6).
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7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM den Anspruch der
Beschwerdeführenden auf Wahrung des rechtlichen Gehörs in verschiede-
nen Erscheinungsformen verletzt hat und die Akten Anlass zur vervollstän-
digenden Abklärung und Feststellung des Sachverhalts geben.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs-
anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek-
ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz-
lich zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Die Hei-
lung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf
Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die
Beschwerdeführenden dazu Stellung nehmen können und der Beschwer-
deinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Be-
zug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festge-
stellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Ent-
scheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand herge-
stellt werden kann. Selbst wenn eine Heilung nach den erwähnten Anfor-
derungen möglich wäre, kann sich eine Kassation unter Umständen aber
rechtfertigen. Sie kann beispielsweise dann in Betracht gezogen werden,
wenn die Gehörsverletzung durch die Vorinstanz kein Versehen im Einzel-
fall darstellt, sondern Resultat gehäufter unsorgfältiger Verfahrensführung
ist. Auch eine Häufung von für sich allein weniger gewichtigen Verfahrens-
fehlern kann dazu führen, dass das Verfahren insgesamt als derart man-
gelhaft bezeichnet werden muss, dass eine Heilung im Rechtsmittelverfah-
ren ausgeschlossen ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/10 E. 7.1 m.w.H.).
Diese Kassationsvoraussetzungen sind vorliegend offensichtlich erfüllt.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt und
Bundesrecht verletzt. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben
und die Sache ist zur Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens,
zur Behebung der erkannten Mängel, zur vollständigen Sachverhaltsabklä-
rung und -feststellung und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen. Eine Kopie der gesam-
ten Beschwerdeeingabe (mitsamt Beilagen) ist dem SEM im Hinblick auf
die Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens mittels Ablage in
den N-Akten zur Kenntnis zu bringen.
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9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG), womit der prozessuale Antrag auf Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG hinfällig
wird. Die Beschwerdeführerinnen sind immerhin darauf aufmerksam zu
machen, dass sie den vorliegenden Verfahrensausgang zumindest teil-
weise durch eine Verletzung von Verfahrenspflichten (insb. Mitwirkungs-
pflicht nach Art. 8 AsylG, vgl. oben E. 7.2 [1. Abschnitt]) herbeigeführt ha-
ben. Auf eine entsprechende Kostenauflage in Anwendung von Art. 63 Abs.
3 VwVG ist vorliegend dennoch zu verzichten, da gemäss den vorstehen-
den Erwägungen die Kassation auch unbesehen dieser Verfahrenspflicht-
verletzung unausweichlich gewesen wäre.
Das nach aArt. 110a AsylG zu beurteilende Gesuch um Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistands wird ebenso hinfällig, da die bislang nicht
rechtsvertretenen Beschwerdeführerinnen den Kassationsausgang mit ih-
rer sprachlich und juristisch einwandfrei verfassten Beschwerde selber her-
beigeführt haben.
Anlass zur Ausrichtung einer Parteientschädigung nach Art. 64 VwVG be-
steht trotz Obsiegens im Kassationsantrag (Aufhebung der angefochtenen
Verfügung) nicht, da die Beschwerdeführerinnen bislang nicht rechtsver-
treten sind und nicht davon auszugehen ist, ihnen wären für die selber
(bzw. mit Unterstützung von «guten Freunden», vgl. Beschwerde Ziff. B/IV)
verfasste Beschwerde bereits verhältnismässig hohe Kosten erwachsen.
Solche werden auch nicht geltend gemacht.
(Dispositiv nächste Seite)
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