Decision ID: 4975fb25-c960-4ddc-b60a-c21c6da1a8ee
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene und damals als Hilfsgärtner tätige
X._
meldete sich im März 2007 ein erstes Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung und medizinische Eingliederungsmassnahmen) an unter Hinweis auf ein weichteilrheumatisc
hes Schmerzsyndrom (Urk. 6/2,
Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medi
zinische und erwerbliche Auskünfte ein und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 22. Oktober 2007
(Urk. 6/16)
ausgehend von einem Invaliditäts
grad von 13 % ab.
Hiergegen wurde kein Rechtsmittel ergriffen.
1.2
Am 22. Februar 2012 liess der Versicherte bei der IV-Stelle unter Beilage von Arztberichten eine Anmeldung zum Rentenbezug einreichen (Urk. 6/22/1-4
,
Urk. 6/27/1-4). Die IV-Stelle holte eine Ste
l
lungnahme bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst ein (RAD, Urk. 6/29 S. 2 ff.) und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 29. Mai 2012 (Urk. 6/3
2
) abermals ab, da sich keine relevante Änderung des Gesundheitszustandes ergeben habe, weshalb weiterhin kein Ren
ten
anspruch bestehe. Auch diese Verfügung blieb unangefochten.
1.3
Nach einer Anmeldung zur Früherfassung durch
die Hausärztin (Urk. 6/33) mel
dete sich der Versicherte, damals als
Hilfsabwart
in einem 25 %-Pensum bei der Gemeinde beschäftigt, am 3. März 2015 erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/36). Die IV-Stelle holte einen IK-Auszug (Urk. 6/42), Arztbe
richte (Urk. 6/40, Urk. 6/43-44
) und eine Stel
l
ungnahme beim RAD (Urk. 6/52 S.
3 f.) ein und wies das Begehren mit Verfügung vom 8. Januar 2016 (Urk. 6/54) erneut ab.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 27. Juli 2017 (Urk. 6/59; Prozess IV.2016.00194) in dem Sinne gut, dass es die Sache zu ergänzenden Abklärungen in medizinischer Hin
sicht und erneuter Verfügung über den Anspruch auf Rentenleistungen an die IV-Stelle zurückwies (S. 21).
1.4
In der Folge nahm die IV-Stelle medizinische
Abklärungen vor und ordnete ein
e
bidisziplinäre
Begutachtung
(Rheumatologie und Psychiatrie)
durch das
Begutachtungsinstitut
Y._
an (Expertise vom 19. Juni 2018, Urk. 6/78/1-3
5
)
.
Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2018 (Urk. 6/82) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht.
Dies wurde nach Einholung einer Stellungnahme durch den RAD (Urk. 6/88
S. 4
) unter Entkräftung der dagegen
erhobenen Einwände
(Urk. 6/86/1-15)
mit Verfügung vom 2. Oktober 2018 (Urk.
2) bestätigt.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 5. November 2018 Beschwerde (Urk.
1
) und beantragte, es
sei
die Verfügung vom 2. Oktober 2018 aufzuheben und
es sei
ihm eine IV-Rente gestützt auf einen Mindestinvaliditätsgrad von 70 % zuzusprechen, eventuell sei
en
ein Gerichtsgutachten einzuholen und hernach die gesetzlichen Ansprüche nochmals zu prüfen und gegebenenfalls zuzusprechen (S. 2). Mit Be
schwerdeantwort vom 11. Dezember 2018 (Urk. 5) s
chloss die Beschwerdegeg
neri
n auf
Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führ
er am 12. Dezember 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
,
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vor
aussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revi
sionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzu
klären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfü
gung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern
falls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität
z
u bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger
Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung vom 2. Oktober 2018 (Urk. 2)
damit, dass gestützt auf das von ihr veranlasste Gutachten keine psychiatrischen Diagnosen festgestellt worden seien, welche den Beschwerdeführer in seiner bis
herigen Tätigkeit als Hilfskraft im Gartenunterhalt einschränk
t
e
n
. Aus dem rheu
matologischen Teilgutachten gehe
sodann
hervor, dass er seit dem Jahr
e
2007 in seiner angestammten Tätigkeit eingeschränkt
sei
und sich
sein Gesundheits
zu
stand
ab 2011
verschlechtert habe, weshalb ihm dieser Beruf nicht mehr zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit (leich
t bis gelegentlich mittelschwer
, wechselbe
lastend, ohne wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen
und
regelmässige Über
kopfarbeiten) sei dem Beschwerdefüh
rer indessen zu 100 % zumutbar. Aufgrund des Einkommensvergleichs resultiere keine Erwerbseinbusse respektive ein Inva
liditätsgrad von 0 %, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber (Urk. 1) auf den Standpunkt, dass
die
Y._
-Gutachter den von den behandelnden Ärzten festgestellten deutli
chen degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS) nicht genügend
nachgegangen seien und keine Skelettszintigraphie gemacht hätten. Ebenso wenig
sei im Gutachten ab
ge
klärt worden, inwiefern eine Depression vorliege.
Die im Zusammenhang mit
d
e
r
Schmerzstörung gestellte «Nichtdiagnose» der
Y._
-Exper
ten
stehe sodann
in
Widerspruch zu deren wiederholten Feststellungen, das
s eine Schmerzstörung vorliege
(
S. 5 f. Ziff. 8 ff.
).
Diesbezüglich
hätten die Gut
achter
ferner
unter Missachtung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine
Indikatorenprüfung
vorgenommen
(S. 7 Ziff.
13-15). Der gutachterliche Schluss
, wonach die Prognose gut sei und sich der Gesundheitszustand seit 2012 nicht verändert habe,
widerspreche
alsdann
der
Aktenlage und de
n
gerichtlichen Feststellungen im Urteil vom 27. Juli 2017 (S. 8 Ziff. 16). Im Gutachten fehle es
schliesslich
an einer gesamtheitlichen und polydisziplinären Beurteilung des Leis
tungsvermögens, da die Wechselwirkungen und Komorbiditäten der verschiede
nen Erkrankungen des Beschwerdeführers unberücksichtigt
ge
blieben
seien
(S. 9
Ziff.
17-18).
Entsprechend
könne nicht auf die
Y._
-Expertise abgestellt werden, weshalb die Berichte der behandelnden Ärzte massgebend seien u
nd gestützt darauf in psychi
scher Hinsicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
respektive
unter rheumatologischen Gesichtspunkten von einer Arbeitsunfähigkeit
von 100 %
in der angestammten
beziehungsweise
50 % in einer
angepassten Tätigkeit auszugehen sei (S. 10 Ziff. 19-21).
3.
3.1
Mit Bezug auf die recht
s
kräftige Leistungsablehnung mit Verfügung vom 29. Mai 2012 (Urk. 6/32) sind folgende medizinische Berichte aktenkundig:
3.2
Im Bericht des Universitätsspitals
Z._
vom 23. Februar 2011
(Urk. 6/22/6-
14)
nach Beurt
eilung des Beschwerdeführers in einer i
nterdisziplinären Schmerz
sprechstunde
nannten Dr. med.
A._
, Oberärztin, Psychiatrie und Psychothe
rapie, Dr. med.
B._
, Oberarzt, Schmerzambulatorium Anästhesiolo
gie, Dr. med.
C._
, Oberarzt, Rheumatologie, sowie Dr. med.
D._
und Dr. med.
E._
, Assistenzärzte, Neurologie, die folgenden Diagnosen
(S.
7):
-
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Periarthropa
thia
humeroscapularis
beidseits
-
b
ei
Status
nach aktivierter AC-Gelenksarthrose
rechts und
myofaszial
en
Verspan
nungsbefunden der Schultergürtelmuskulat
ur ohne Hinweise für
Rotatorenman
sc
hettenläsion
oder Schulterverkalkungen
-
Zev
ikospondylogenes
und -
cephales
Schmerzsyndrom
beidseits
-
b
ei degenerativen Veränderungen d
er unteren Halswirbelsäule sowie
myofasz
ialen
Verspannungsbefunden der Nacken- und Schultermuskulatur
beidseits
-
c
hronisches
lu
mbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Ausstrahlung in beide Leisten
-
Verdacht auf
Mitbeteiligung der
l
umbalen Facettengelenke
-
l
eichte
Coxarthrose
beidseits
mit wahrscheinlicher Ausstrahlung in beide Kniege
lenke
-
b
eginnende Fingerpol
yarthrosen
-
Spannungskopfschmerz
en
-
H
olocephal
drückend, im Tagesverlauf zunehmend, keine Hinweise auf Migräne
-
l
eichte depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
h
ochgradiger Verdacht auf Alkoholabhängigkeitsproblematik (ICD-10
F10.1)
-
Transaminasen-Erhöhung unklarer Signifikanz sowie
makrozytär
hyperchromes
Blutbild
-
a
usgeprägter Vitamin D
-Mangel
(25 OH-Vit.D3 5,1
μ
g/
l
)
-
Status nach
Aortenklappenendocarditi
s
durch
Str
eptococcus
bovis
(
gallolyticus
)
-
s
eptische
Embolie
Dig
3 rechts 11.06.2009
-
a
ntibiotische Therapie mit Unterbr
uch über insgesamt 10 Wochen:
-
Tobramyzin
und Penicillin vom 09.
05.09-
04.06.09 im Spital
F
._
-
Penicillin G vom 16.06.09-29.06.09
-
G
entamycin
vom 16.06.09-29.06.09
-
Rocephin
vom 30.06.09-28.07.2009
-
Sple
nektomie
22.05.2009 bei Milzrupt
ur nach
wahrscheinlich
septischem Milzin
farkt
-
o
bere gastrointestinale Blutung am 02.07.2009
-
ent
zündliche Veränderungen an de
r grossen Kurvatur des Magens
-
keine Hinweise einer Malig
nität in wiederholten
Biops
ieentnahmen
-
H.
pylori
positiv
-
t
ubuläres Kolonschl
eimhauta
denom mit nicht-hochgradiger Epi
th
el
dysplasie im Rek
tum und im Kolon
descendens
(Koloskopie 25.06.09)
-
a
rterielle Hypertonie
-
h
ochfrequente Innenohrschwerhörigkeit
Die Ärztinnen und Ärzte der interdisziplinären Schmerzsprechstunde gaben an
(S. 7
f.), beim inzwischen 53-jährigen Beschwerdeführer hätten sich auf der Ba
sis wahrscheinlich
myofaszialer
Verspannungszustände insbesondere im Schul
ter
gür
tel
bereich bei schwerer körperlicher Arbeit sowie beginnenden Poly
arthrosen an den grossen Gelenken und den Fingern zunehmende,
chronifi
zierte
, belas
tungsverstärkte Schmerzen etabliert mit einer zunehmenden Schmerzausweitung, die sich nach dem Verlust der Arbeitsstelle und seither an
haltender Arbeits
losig
keit noch akzentuiert habe. Aktuell zeigten sich aus rheumatologischer Sicht eine deutliche Haltungsinsuffizienz lumbal bei an
sonsten unauffälligem Untersuchu
ngs
befund des Rückens, eine verminderte Beweglichkeit der Halswirbelsäule mit dazu passenden
myofaszialen
Verspan
nungsbefunden der Nackenmuskulatur so
wie eine leichte Beweglichkeitsein
schränkung für Bewegungen über der Horizon
talen in beiden Schultergelenken ohne klare
Impingement
-Symptomatik und
ohne wesentliche degenerative Ver
änderungen in den Röntgenaufnahmen. Klinisch
und radiologisch bestehe hin
gegen eine
leichtgradige beidseitige
Coxarthrose
, aber keine sichere Kniege
lenksarthrose, wobei die Knieschmerzen auch Ausstrahlungsbefunde der
Cox
arthrose
sein könnten. Zudem bestünden leichtgradige OSG-Schmerzen unklarer Signifikanz und ein diffuses Schmerz
syndrom, das in seiner Ausprägung einer Fibromyalgie entsprechen könnte; gemäss
Dolorimetrie
(9/24 Tenderpoints mit pathologisch gesenkter Schmerz
schwelle) sei aktuell das Vollbild nicht etabliert.
Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht bestehe am ehesten eine leichte depressive Episode. Aufgrund der Erkrankungsdauer von mehr als zwei Jahren könne nicht mehr von einer Anpassungsstörung gesprochen werden. Eine Alko
holabhängigkeitsproblematik sei zu vermuten. Zudem bestehe eine Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die Kriterien einer reinen somatoformen Schmerzstörung würden ihrer Meinung nach beim Beschwerde
führer nicht erfüllt. Die Rehabilitationsaussichten seien insgesamt eher ungüns
tig.
3.3
Mit Bericht vom 22. Februar 2012 (Urk.
6
/22/1-4) baten Dr. med.
G
._
, Ober
ärztin, und Dr. med.
H
._
, Assistenzarzt, Psychiatriezentrum
I
._
, um Überprüfung des Rentenanspruchs, da sich der körperliche und psy
chische Zu
stand des Beschwerdeführers verschle
chtert habe. Sie nannten die Di
agnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
,
sowie starker körperlicher Schmerzen bei multiplen Schäden des Bewe
gungsapparates beziehungsweise als Differenzialdiagnose eine Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41; S. 1) und verwiesen im Weiteren auf den Abklärungsbericht der interdisziplinären Schmerz
sprech
stunde des
Z._
. Sie gaben an, der Beschwerdeführer komme re
gelmässig zirka
einmal im Monat zu psychiatrisch-psychotherapeutischen Ge
sprächen. Er nehme an der Gruppe für Chronisch-Schmerzkranke teil. Es be
stehe zudem eine antide
pressive Medikation. Vom 26. November 2007 bis 15. September 2008 habe eine tagesklinische Behandlung stattgefunden
(S.
2; vgl. Urk.
6
/22/15-17). Eine statio
näre psychiatrische Behandlung sei nicht durchgeführt worden
(S.
1). Den zwi
schen
zeitlich regelmässigen Alkoholkonsum habe der Beschwerdeführer prob
lem
los sistiert. Anamnese und Befunde würden für andauernde, schwere Schmerzen sprechen, wobei die Schmerzen sicher teil
weise durch einen physiologischen Prozess und/oder körperliche Störungen er
klärt werden könnten. Die für eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung geforderten emotionalen Konflikte oder psychosozialen Belastungen seien nach ihrer Einschätzung zu wenig schwerwie
gend, um als entscheidender ursächli
cher Faktor gelten zu können. Auch fordere der Beschwerdeführer ihnen gegen
über wenig gesteigerte persönliche oder medi
zinische Hilfe mit Bitte um Unter
stützung und weitere Abklärungen. Vielmehr scheine der Beschwerdeführer tatsächlich unter den körperlich verursachten Schmerzen (nach einem Arbeits
leben als Schwerarbeiter) zu leiden, gegen die er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ankämpfe und vielfältige Therapiea
ngebote motiviert wahrnehme (S.
2). Durch den leicht verminderten Antrieb
und
dysfunktionale Ver
haltensmuster wie Stress und Angstzustände komme es zu einer verminderten psychischen Belastbarkeit. Körperliche Schmer
zen würden akzeptiert und es be
stehe der Versuch, diese möglichst als gegeben zu integrieren und trotz der Schmerzen in Bewegung zu bleiben. Es bestehe ihres Erachtens eine adäquate Schmerzverarbeitung und keine Schmerzverarbei
tungs
störung. Der Beschwer
deführer sei vermindert belastbar und schnell erschöpft, und es sei ihm einzig eine Tätigkeit von zwei Stunden pro Tag i
m geschützten Rahmen zumutbar (S.
3), wobei er in diesem Umfang als Hilfsarbeiter eines
Schulhausabwartes
im Rahmen eines Sozialprojekts tätig
sei
(vgl. Urk.
6
/22/
6-14 S.
8, Urk.
6
/27/
1-4 S. 3
). Die Ar
beitsfähigkeit im angestammten Beruf im Garten
bau sei seit dem Jahr 2006 zwischen 50 % bis 100 % eingeschränkt. Aktuell sei er durch den Hausarzt zu 75 %
krank geschrieben
(S. 1 und 3).
3.4
Der RAD-Arzt Dr. med.
J
._
, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, gab in seiner Stellungnahme vom 10. April 2012 (Urk.
6
/29 S. 2 ff.) an, die im
Z._
er
hobenen Untersuchungsbefunde seien allesamt nicht gravierend. Das diffuse Schmerzsyndrom könne einer Fibromyalgie entsprechen. Die Diagnosen und Befunde hätten sich seit dem Jahr 2007 nicht wesentlich verändert mit Aus
nahme des Status nach einer
Aortenklappenendocarditis
im Jahr 2009 (antibio
tisch behandelt) mit septischer Embolie D 3 rechts, Milzinfarkt und
Splenekto
mie
sowie Gastritis mit Blutung. Die
Endocarditis
sei ausgeheilt. Verblieben sei eine gele
gentlich bewegungs- und belastungsabhängig schmerzhafte Narbe nach Milzent
fernung. Dies könne jedoch nicht zu einer Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit über das bestehende Mass
hinaus führen
. Die übrigen rheumato
logisch festge
stellten Diagnosen seien, wie die Befunde zeigten, leichtgradig ausgeprägt und liessen sich unter der schon bekannten Diagnose der Fibromy
algie subsumieren. Auch die psychischen Diagnosen einer leichten depressiven Episode und einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren vermöchten keine weitere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken.
Hausärztlicherseits
werde die Arbeitsunfähigkeit seit dem Jahr 2007 durchge
hend in gleicher Höhe (75 %) attestiert. Auch das spreche gegen eine Ver
schlechterung des Gesund
heits
zustandes.
Versicherungsmedizinisch weise die Beurteilung in den aktuellen Arztberichten anhand der objektiven Befunde keine relevante Änderung des Gesundheitszu
standes aus im Vergleich zum Feststellungsblatt vom 4. September 2007. Es könnten aus den jetzt vorliegenden Arztzeugnissen keine wesentlichen Verän
derungen des Gesundheitszustandes, die zu einer veränderten Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führen würden, hergleitet werden
(S.
3).
4.
4.1
Dr.
med.
K
._
, Fachärztin für Rheumatologie, und
Dr.
med.
L
._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
Y._
,
gingen in ihrem im Nachgang an das Rück
weisungsurteil vom 27. Juli 2017 (Urk. 6/59) von der Beschwerdegegnerin einge
holten
bidisziplinären
Gutachten vom 19. Juni 2018 (Urk. 6/78/1-37) von folgen
den
interdisziplinären Diagnosen aus (S. 7):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndom
(ICD-10 M53.1)
-
klinisch keine Hinweise für
radikul
äre
S
y
m
ptomatik
-
radiologisch und kernspintomographisch
Osteochondrose
C6/7 (MRI 10/2015)
-
chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
-
myostatische
Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamentären
Überlastungsreaktionen
-
klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
-
radiologisch und kernspintomographisch
lumbosakrale
Übergangsstörung, Status nach thorakalem M. Scheuermann,
Osteochondrose
und leichte degenerative
Retrolisthese
L2/3 (MRI
10/2015)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
generalisiertes
multilokuläres
Schmerz
syndrom (ICD-10 R52.9)
-
Ganzkörperschmerzen mit vegetativer Begleitsymptomatik
-
Druckschmerz über sämtliche
n
Fibromyalgie-typischen Tenderpoints
-
klinisch, labortechnisch, radiologisch und kernspintomographisch keine Hinweise für entzündlich-rheumatisches Geschehen
4.2
Dr.
K
._
führte in ihrem rheumatologischen Teilgutachten
(Urk. 6/78/
19
-28)
aus,
beim Beschwerdeführer bestehe ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerz
syndrom mit
Zervikozephalgien
und
-
brachialgien beidseits. Bei der klini
schen Untersuchung sei die Beweglichkeit der Halswirbelsäule (HWS) nur leichtgradig eingeschränkt.
Dysbalancen
der Schultergürtelmuskulatur liessen sich nicht feststellen. Klinische Hinweise für eine
radikuläre
oder Wurzel
kom
pressionssymptomatik wie Reflexausfälle oder Abschwächung von Kennmuskeln fänden sich nicht. Sowohl radiologisch wie auch kernspintomographisch zeigten sich degenerative Veränderungen im Sinne einer
Osteochondrose
C6/7, welche für die Beschwerdesymptomatik in diesem Bere
ic
h mitverantwortlich sein könnte
. Im Weiteren bestehe ein chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyn
drom bei
myostatischer
Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamen
tären
Überlastungsreaktionen. Bei der klinischen Untersuchung demonstriere der Beschwerdeführer eine eingeschränkte LWS-Beweglichkeit, die sich bei unbe
wussten Bewegungen nicht feststellen lasse. Klinische Hinweise für eine
radi
kuläre
oder Wurzelkompressionssymptomatik fänden sich nicht. Sowohl radiolo
gisch wie auch kernspintomographisch stellten sich die Brustwirbelsäule und die LWS bis auf
Schmorlsche
Knoten im Sinne eines abgelaufenen Morbus Scheuer
manns
,
eine beginnende
Osteocho
ndrose
und eine degenerativ bedingte
Retrolis
these
L2/3 unauffällig dar. Entzündliche Veränderungen der Wirbelsäule oder der
Iliosakralgelenke
als Ursache
der Beschwerdesymptomatik liessen sich bei den in der Vergangenheit mehrfach durchgeführten Röntgenaufnahmen und Kernspin
to
mographien nicht nachweisen. Zusätzlich bestehe ein generalisiertes
multilo
kuläres
Schmerzsyndrom mit Ganzkörperschmerzen und vegetativer Begleits
ymptomatik. Der Beschwerdeführer gebe über sämtlichen Fibromyalgie-typischen
Tenderpoints Druckschmerzen an;
da er jedoch auch
Druckdolenzen
über den
sogenannten Kontrollpunkten angebe, bestehe gemäss ACR-Kriterien keine Fibro
myalgie, sondern ein generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom. Bei der klinischen Untersuchung seien sämtliche Gelenke reizlos und frei beweglich. Obwohl
die Fingergrundgelenke nach Auffassung de
s Beschwerdeführers
ge
schwollen seien
, liessen sich diesbezüglich keine
Synovitiden
feststellen. Es hätten sich weder klinisch noch labortechnisch Hinweise für ein entzündlich-rheumatisches Geschehen ergeben. Auf den in der Vergangenheit mehrfach durchgeführten Röntgenaufnahmen der Hände, Füsse, Schultern,
Hüften sowie
Sprung-
und Kniegelenke
zeige sich immer ein altersentsprechender Befund mit allenfalls diskreten degenerativen Veränderungen. Entzündliche Veränderungen liessen sich nicht nachweisen (S. 24-25).
Die Gutachterin wies
ferner
darauf hin, dass sämtliche bis anhin durchgeführte
n
Behandlungen (stationäre Reha-Aufenthalte, Gelenk- und Rückeninfiltrationen, Schmerzmedikamente, Physiotherapie, Basistherapie mit
Methotrexat
und
Salazopyrin
, Behandlung mit Steroiden) zu keiner längerfristigen Besserung der Symptomatik geführt hätten. Durch die häufigen Röntgenaufnahmen und Kern
spintomographien sei der Beschwerdeführer in seiner subjektiven Krankheits
überzeugung bestärkt worden, was er anlässlich der Begutachtung zum Ausdruck gebracht habe. Für die vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen und Funk
tionseinschränkungen des Bewegungsap
parates fände
sich nur
teilweise
ein entsprechendes Korrelat (S. 25).
Im Weiteren hielt
Dr.
K
._
fest, dass dem Beschwerdeführer bis auf eine ver
minderte Belastbarkeit der Wirbelsäule aus rein rheumatologischer
S
icht sämt
liche Fähigkeiten und Ressourcen zur Verfügung st
ü
nden, welche zur Ausübung einer adaptierten Tätigkeit erforderlich seien (S. 26).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit wies die Expertin darauf hin, dass die ange
stammte Tätigkeit im Gartenbau über das zumutbare Leistungsp
rofil
hinausgehe und dem Beschwerdeführer nicht zumutbar sei, weshalb diesbezüglich von einer Arbeitsfähigkeit von 0 % auszugehen sei. Die degenerativen Veränderungen im
Zervikalbereich
seien erstmalig im Februar 2011 nachweisbar gewesen, weshalb körperlich schwere und überwiegend mittelschwere Tätigkeiten inklusive die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Gartenbau seither nicht mehr zumutbar sei
en
. Leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelasten
de Tätigkeiten ohne
die
W
irbelsäule
belastende Zwangshaltungen und ohne regelmässige Überkopfar
bei
ten seien indessen vollschichtig während 8 Stunden pro Tag in einem 100 %-Pensum zumutbar. Dabei gebe es aus der Sicht des Bewegungsapparates keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit für die genannten angepassten Tätig
keiten in den vergangenen Jahren längerfristig rele
vant eingeschränkt gewesen sei
(S. 26 f.).
Abschliessend hielt die Gutachterin fest, dass es seit 2012 aus rein rheuma
tolo
gischer Sicht zu keiner relevanten Verschlechterung gekommen und die Arbeits
fähigkeit somit seit 2012 unter rheumatologischen Gesichtspunkten
gleichgeblie
ben
sei (S. 27 f.).
4.3
Dr.
L
._
führte in seinem
psychiatrischen
Teilgutachten (Urk. 6/78/29-35) aus, beim Beschwerdeführer bestehe diagnostisch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychische
n
Faktoren, welche durch diffuse, ausgeweitete Schmerzen im Bewegungsapparat gekennzeichnet sei, deren Ausmass mit soma
tischen Befunden nicht hi
nreichend erklärt werden könn
t
e
n
.
Es bestünden psy
chosoziale und emotionale Belastungsfaktoren, die eine Rolle spielen könnten
,
mit einer chronischen Schmerzproblematik, die sich bis anhin trotz Behandlung nicht gebessert habe, und einer früheren a
ls
anstrengend empfundenen Arbeit und einer angespannten finanziellen Situation mit Abhängigkeit vom Sozialamt. Dadurch könne es psychisch zu Verunsicherung und vor allem auch Enttäu
schung kommen und es könnten lebensgeschichtliche Enttäuschungen reaktiviert werden. Die Persönlichkeitsentwicklung sei normal mit weitgehend normaler Sozia
lisation und
mit jahrelanger
voller Leistungsfähigkeit
bis zur anhaltenden Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer leide in seinem Alltag nicht unter psychopathologis
chen Symptomen und anlässlich der Begutachtung seien keine psychopathologischen Befunde für die Diagnose einer psychischen Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststellbar. Für die Diagnose einer depressiven Episode fehlten deutliche Konzentrationsstörungen, Schuldgedanken, ein vermin
derter Appetit mit Gewichtsabnahme und ein deutlich verminderter Selbstwert. Lediglich aufgrund einer Schmerzstörung könne keine Arbeitsunfähigkeit atte
stiert werden, namentlich auch wegen den täglichen Aktivitäten, welche dem Beschwerdeführer möglich seien. Die Prognose sei aber wegen des chronischen Verlaufs und der deutli
ch ausgeprägten Krankheits-/
Behinderungsüberzeugung ungünstig und der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Arbeit als Abwart
von
zwei Stunden am Tag nicht ste
igern ko
nn
t
e, hänge auch wesentlich
mit dieser Überzeugung zusammen (S. 33).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit hielt Dr.
L
._
fest, dass dem Beschwerde
führer die Ausübung der bisherigen Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei und im
Verlauf keine lang anhaltende psychiatrische Arbeitsunfähigkeit begründet we
rden könne (S. 34).
4.4
Im Rahmen der Konsensbeurteilung führten die Gutachter
Dres
.
K
._
und
L
._
aus, dass beim Beschwerdeführer aufgrund der objektivierbaren Befunde am Achsenskelett eine diesbezüglich leicht verminderte Belastbarkeit bestehe. Für die Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden sei eine chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren
verantwortlich
, welche jedoch gemäss aktueller psychiatrischer Beurteilung nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe (
Urk. 6/78/1-37
S. 8).
Im
Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass die angestammte Tätigkeit im Gartenbau über das zumutbare Leistungsprofil hinausgehe. Die degenerativen Veränderungen im
Zervikalbereich
seien erstmals im Februar 2011 nachgewiesen, weshalb schwere und überwiegend mittelschwere Tätigke
iten, wie die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
im Gartenbau, seit diesem Zeitpunkt nicht mehr zumutbar seien. Eine leichte bis gelege
ntlich
mittelschwere,
wechsel
belastende
Tätigkeit,
ohne Einnahme von
w
irbelsäule
belastenden
Zwangshaltungen und ohne regel
mässige Überkopfarbeiten
seien indessen vollschichtig (8
Stunden pro Tag) res
pektive zu 100 % möglich. Es bestünden sodann keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit für
die
adaptierte
n
Tätigkeiten in den vergangenen Jahren längerfristig relevant eingeschränkt gewesen
sei
. Bezüglich Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei einzig die rheumatologische Einschätzung massgebend, aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit gestellt werden (S. 8 f.).
Die Gutachter gingen schliesslich von einem stabilen Gesundheitszustand seit dem Jahre 2012 aus (S. 9).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte
die angefochtene
Verfügung vom 2. Oktober 2018 (Urk. 2) auf das
Y._
-Gutachten
vom 19. Juni 2018
ab, welches sie aufgrund des Rückweisungsurteils des hiesigen Gerichts vom 27. Juli 2017 (Urk. 6/59) veranlasste
(vgl. Urk. 6/81
S. 3)
. Das Gericht hielt dabei fest, dass
gestützt auf d
ie
medizinische Aktenlage ausgewiesen sei, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers – namentlich mit Bezug auf die
szintigraphisch
erhobenen
entzündlichen
Aktivitäten in den Schultergelenken, im linken Ell
en
bogengelenk sowie in den Hand- und Kniegelenken
-
verschlechtert habe
. Zu untersuchen sei
insbesondere
, ob die neuen Befunde eine weitergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten und wie es sich angesichts der eingetretenen Verschlechterung mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss massgebenden Indi
katoren
(BGE 141 V 281)
bezüglich der
invalidisierende
n
Wirkung eines chroni
schen generalisierten Schmerzsyndroms
(mit Verdacht auf somatoforme Schmer
z
störung)
verhalte
(
Urk. 6/59
S. 19 Ziff.
6.3, S. 20 Ziff. 6.5).
5.2
5.2.1
Die Gutachter gingen in der Expertise davon aus, dass sich
die gesundheitliche Situation
des Beschwerdeführers seit dem Jahre 2012 nicht verändert habe und seither ein stabiler Verlauf bestehe (Urk. 6/78/1-37 S. 9, S. 27
).
Diese Auffassung ste
ht diametral zu de
r
vom Gericht
im Urteil vom 27. Juli 2017
gemachten
ver
bindlichen
Feststellung
(vgl. E. 5.1
hievor
)
, wonach
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers namentlich unter Hinweis auf
die Berichte
von Dr.
C._
, Oberarzt Klinik für Rheumatologie des
Z._
,
vom 24. April 2014
und von Dr. med.
M._
, Leitende Oberärztin Rheumatologie und Rehabilitation,
Klinik
N._
,
vom 29. Oktober und 1. Dezember 2015
verschlechtert hat
(
Urk. 6/59
S. 19 Ziff. 6.3,
S. 11
ff.
Ziff. 5.2, S. 1
6 ff.
Ziff. 5.7
)
. Die Experten setzten sich
jedoch
in
keiner Weise mit der gerichtlichen Feststellung
ausein
ander
.
Ebenso wenig nahmen sie Stellung zu den
Ausführungen
der
Dres
.
C._
und
M._
betreffend
entzündliche Veränderunge
n in diversen Gelenken.
Entsprechend fehlt es dem
Y._
-Gutachten an der Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Umfang und den Auswirkungen der gerichtlich festgestellten Ver
änderung des Gesundheitszustand
s
,
deren Abklärung der Grund für die Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zwecks weiterer medizinischer Sachverhaltserhebungen darstellte.
5.2.2
Mit Bezug auf die psychischen Beschwerden respektive de
n
Hinweis der Be
schwerdegegnerin, wonach
im konkreten Fall
von einer Prüfung der Standard
indi
katoren abzusehen sei, weil aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose gestellt worden sei
, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers auswirke
(Urk. 2 S. 2),
gilt Folgendes
:
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychische
n
Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen). Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden ent
wickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weis
verfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V
418 E. 7.1). Die Frage, ob im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für einen Verzicht auf ein strukturiertes Beweisverfahren
erfüllt sind,
hat aktuell offenzubleiben und ist von der Beschwerdegegnerin
im Rahmen der
Beurteilung
der Auswirkungen
der eingetretenen Verschlechterung des Gesundheitszustands zu prüfen.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die im
Y._
-Gutachten aufgeführte Diag
nose der
«
c
hronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Fakto
ren
»
(F45.41 in der ICD-10
-
German
Modification
[
GM
],
Urk. 6/78/1-37 S. 7
]
in
Dilling
H.
/
Mombour
W.
/Schmidt
M.H.
[Hrsg.]
,
I
nternationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kl
ini
sch-diagnostische Leitlinien
,
10
. Auflage
201
5, Ziff. F45.4 S.
233
, nicht eingefügt worden ist, da sie nicht hinreichend von der
«
anhaltenden somatischen Schmerzstörung
»
(F45.40 in der ICD-10-GM) abgrenzbar ersch
eint
.
5.3
Zwar kann nicht auf das Gutachten des
Y._
abgestellt werden, die Berichte der behandelnden Ärzte genügen jedoch entgegen der Meinung des Beschwerde
führers (Urk. 1 S. 10 Ziff
.
19-21) ebenfalls nicht für ein abschliessendes Bild über seine Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Der Bericht der Hausärztin Dr. med.
O._
vom 13. April 2015 (Urk. 6/44/1-4) lag dem Gericht bereits bei der Urtei
ls
fällung vom 27. Juli 2017 vor und überzeugte schon damals nicht. Auch der Bericht
der Rheumatologin
Dr.
M._
vom
9. November 2017 (Urk. 6/66/6-11), welche eine körperlich sehr leichte bis leichte wechselbelastende und
–
posi
tio
nierte Arbeitstätigkeit zu 50 % hal
btags für zumutbar hielt (S. 5),
genügt nicht, bleibt doch
namentlich
unklar
, seit wann die von ihr postulierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit Bestand haben soll. Im Weiteren ist
auch
die Erfahrungs
tatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc)
.
5.4
Im Lichte der obigen Erwägungen ist die Verfügung vom 2. Oktober 2018
(Urk. 2)
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
mittels eines neuen Gutachtens die Auswirkungen der
vom Gericht mit Urteil vom 27. Juli 2017
(Urk. 6/59)
verbindlich festgestellte
n
Verschlechterung
des Gesund
heits
zustands des Beschwerdeführers
auf die Arbeitsfähigkeit abkläre
bzw. sich damit rechtsgenügend auseinandersetze
. Dabei ist neben de
n
rheumatologischen und psychiatrischen Abklärung
en auch die beim Beschwerdeführer diagnos
ti
zierte hochfrequente Innenohrschwerhörigkeit
(
Urk. 7/43/6-7 S. 1,
Urk. 7/66/6-11,
S.
2
)
und deren allfällige Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit
zu unter
suchen. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch neu verfügen.
6.
6.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--) auf Fr. 900.-- festzulegen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr.
2
’
3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.