Decision ID: 3aa78131-cad0-4610-9068-47c5f15ac90d
Year: 2021
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
A. meldete sich per 31. Oktober 2016 von Q. nach S. ab. Per 1. Januar
2018 meldete er sich von S. wieder in Q. an.
2.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2018 stellte die Steuerkommission Q. die
unbeschränkte Steuerpflicht von A. in Q. kraft persönlicher Zugehörigkeit
im Steuerjahr 2016 fest.
3.
Gegen die Feststellungsverfügung vom 10. Oktober 2018 liess A.
Einsprache erheben (9. November 2018).
4.
Mit Schreiben vom 28. August 2019 wurde das Einspracheverfahren gegen
die Feststellungsverfügung sistiert. A. wurde aufgefordert, die
Steuererklärung 2016 mit allen Beilagen einzureichen.
5.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 wurde A. von der Steuerkommission
Q. für das Jahr 2016 zu einem steuerbaren Einkommen von
CHF 315'900.00 (satzbestimmendes Einkommen CHF 315'900.00) und zu
einem steuerbaren Vermögen von CHF 50'000.00 (satzbestimmendes
Vermögen CHF 50'000.00) veranlagt.
6.
Gegen die Veranlagungsverfügung vom 24. Januar 2020 liess A. mit
Schreiben vom 21. Februar 2020 Einsprache erheben. Er beantragte, dass
die Steuerausscheidung gemäss der Veranlagung des Wohnsitzkantons
Schwyz vorzunehmen sei. Das im Kanton Aargau steuerbare Einkommen
sei auf CHF 6'411.00 und das steuerbare Vermögen auf CHF 50'359.00
festzusetzen.
7.
Mit Entscheid vom 5. Juni 2020 wies die Steuerkommission Q. die
Einsprache ab.
8.
Den Einspracheentscheid vom 5. Juni 2020 (Zustellung am 9. Juni 2020)
liess A. mit Rekurs vom 9. Juli 2020 (Postaufgabe gleichentags) an das
Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern, weiterziehen. Er stellte
folgende Anträge:
- 3 -
"I. Der persönliche Wohnsitz Ende 2016 war in S. Kt. SZ, in Q. bestand lediglich eine sekundäre Steuerpflicht aufgrund von Grundeigentum.
II. Es wird beantragt die Steuerausscheidung gemäss der Veranlagung
des Wohnsitzkantons Schwyz vorzunehmen. Das steuerbare  des Kantons Aargau sei auf CHF 6'411 festzusetzen und das  Vermögen im Kanton Aargau auf CHF 50'359."
Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen einge-
gangen.
9.
Das Gemeindesteueramt Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
10.
A. liess eine Replik erstatten mit folgendem Eventualantrag:
"Eventualiter wäre § 16 Abs. 3 StG zu prüfen. Die Veranlagungen des  Schwyz können nachgereicht werden."
11.
Aufforderungsgemäss nahm A. mit Schreiben vom 29. April 2021 zum
Schreiben des Spezialverwaltungsgerichts vom 25. März 2021 Stellung
und legte weitere Belege auf.
- 4 -

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2016.
Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG).
2.
2.1.
Es ist unbestritten, dass der Rekurrent während des ganzen Jahres 2016
– und damit insbesondere auch am Stichtag 31. Dezember 2016 – in Q.
Eigentümer zweier Liegenschaften war. Damit unterlag der Rekurrent im
Jahr 2016 zufolge wirtschaftlicher Zugehörigkeit in Q. mindestens für das
Liegenschaftseinkommen und -vermögen der Steuerhoheit des Kantons
Aargau. Damit war die Steuerkommission Q. befugt, den Rekurrenten in
der Steuerperiode 2016 zu besteuern und direkt eine Veranlagungs-
verfügung – ohne vorgängige Feststellungsverfügung – zu erlassen.
Nur wenn der Bestand der Steuerpflicht als solcher und nicht deren Umfang
(beschränkte oder unbeschränkte Steuerpflicht) in Frage steht, ist ein Fest-
stellungsentscheid über die Steuerhoheit zulässig (vgl. SGE vom 25. Juni
2020 [3-RV.2018.152]).
2.2.
Unbestrittenermassen war der Rekurrent per 31. Dezember 2015 noch in
Q. steuerpflichtig. Per 31. Oktober 2016 meldete sich der Rekurrent von Q.
nach S. ab. Am 1. Januar 2018 erfolgte die Anmeldung in Q., an derselben
Adresse wie vor dem Wegzug. Die Steuerkommission Q. veranlagte in der
Folge die primäre Steuerpflicht per 31. Dezember 2016. Diese Veranlagung
wird bestritten und ist Gegenstand dieses Verfahrens, nicht jedoch die
Feststellungsverfügung der Steuerkommission Q. vom 10. Oktober 2018
und das (sistierte) Einspracheverfahren.
2.3.
Eine gegen Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) verstossende Doppelbesteue-
rung liegt vor, wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren
Kantonen für das gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern
herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in
Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschrei-
tet und eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zustehen würde (vir-
tuelle Doppelbesteuerung; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember
2016 [2C_565/2016] = StR 2017 S. 324). Sowohl der Kanton Schwyz als
auch der Kanton Aargau besteuerten den Rekurrenten über denselben
- 5 -
Zeitraum und dasselbe Steuerobjekt. Es liegt eine aktuelle Doppelbesteu-
erung vor.
3.
3.1.
3.1.1.
Natürliche Personen sind im Kanton Aargau aufgrund persönlicher Zuge-
hörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig, wenn sie ihren steuerrechtlichen
Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton haben (§ 16 Abs. 1 StG). Der steuer-
rechtliche Wohnsitz ist damit eigenständig auszulegen, wenn auch in An-
lehnung an den zivilrechtlichen Wohnsitzbegriff (Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, a.a.O., § 16 StG N 4 ff.; Ernst Höhn/Peter Mäusli, Interkan-
tonales Steuerrecht, 4. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2000, § 7 N 11). Nach
§ 16 Abs. 2 StG (vgl. auch Art. 3 Abs. 1 StHG) hat eine Person ihren steu-
errechtlichen Wohnsitz im Kanton Aargau, wenn sie sich hier mit der Ab-
sicht dauernden Verbleibens aufhält oder wenn ihr das Bundesrecht hier
einen besonderen gesetzlichen Wohnsitz zuweist (SGE vom 24. November
2016 [3-RV.2016.39]).
3.1.2.
Der Steuerwohnsitz einer natürlichen Person umfasst zwei kumulativ erfor-
derliche Begriffselemente: Den Aufenthalt an einem Ort sowie die Absicht
des dauernden Verbleibens. Der Aufenthalt im Sinne einer nur vorüberge-
henden faktischen Präsenz an einem Ort genügt deshalb nicht. Zwar spielt
die Dauer des Aufenthalts keine Rolle, erforderlich ist aber ein Verweilen,
welches auf wesentliche Zwecke angelegt ist. Nur dann kann das Erforder-
nis der Absicht, an diesem Ort dauernd zu verbleiben, erfüllt sein. Dabei
wird ein "dauerndes" Verbleiben nicht nur dann bejaht, wenn eine Person
die Absicht hat, bis zum Lebensende an einem Ort zu bleiben; es genügt
ein Verweilen auf unbestimmte Zeit. Selbst ein Verweilen während der (län-
geren) Dauer bestimmter Verhältnisse kann ausreichen, indem der Aufent-
haltsort bis auf weiteres zum Mittelpunkt der Lebensinteressen gemacht
und ihm dadurch eine gewisse Stabilität verleiht wird. Es genügt auch,
wenn mit der Möglichkeit des Wechsels aus bestimmten Gründen zu rech-
nen ist oder feststeht, dass der Aufenthalt nach einiger Zeit wieder aufhört.
Nicht geeignet ist indessen ein bloss vorübergehender Aufenthalt mit fort-
dauerndem Willen, den bisherigen Wohnort als Mittelpunkt der Lebensinte-
ressen aufrechtzuerhalten. Die Absicht dauernden Verbleibens lässt sich
nicht mit blossen Willensäusserungen nachweisen. Sie muss vielmehr für
Dritte erkennbar aus äusseren Umständen hervorgehen. Die Person muss
mit ihrem Verhalten zeigen, dass sie an einem bestimmten Ort den Mittel-
punkt ihrer Lebensbeziehungen, d.h. den räumlichen Mittelpunkt ihrer per-
sönlichen, und allenfalls geschäftlichen, Interessen begründet hat. For-
melle Momente, wie der Rückzug der Schriften, die militärische Abmel-
dung, die Wohnsitzbescheinigung des neuen Ortes usw. bilden nur Indizien
für den Steuerwohnsitz, die nicht ausreichen, wenn nicht auch das übrige
- 6 -
Verhalten des Steuerpflichtigen dafür spricht (zum Ganzen vgl. BGE 138 II
300, 125 I 54; StR 2014 S. 714; StE 2005 A 24.21 Nr. 16; Bundesgerichts-
urteile vom 5. August 2021 [2C_41/2021], vom 18. Januar 2011 [2C_472/
2010], vom 29. April 2008 [2C_769/2007] und vom 1. März 2007 [2P.203/
2006]; VGE vom 4. September 2002 [BE.2001.00397], mit Hinweisen).
3.2.
3.2.1.
Bei einer Verlegung des steuerrechtlichen Wohnsitzes innerhalb der
Schweiz ist zu beachten, dass im interkantonalen Verhältnis – anders als
bei internationalen Sachverhalten – Art. 24 Abs. 1 ZGB nicht greift, wonach
der einmal begründete Wohnsitz einer Person bis zum Erwerb eines neuen
Wohnsitzes bestehen bleibt. Hat die steuerpflichtige Person die Verbindun-
gen zu ihrem bisherigen Wohnsitz gelöst, so ist sie dort nicht mehr steuer-
pflichtig. Der Wille zur Wohnsitzverlegung muss indes in die Tat umgesetzt
worden sein, das heisst die steuerpflichtige Person muss für die betref-
fende Zeit den Mittelpunkt ihrer Lebensführung schon an den neuen Ort
verlegt haben (Bundesgerichtsurteil vom 2. Mai 2014 [2C_794/2013], mit
Hinweis auf BGE 108 Ia 252; StE 2009 A 24.22 Nr. 6).
3.2.2.
Bestehen Beziehungen zu mehreren Orten, so gilt im interkantonalen Ver-
hältnis als Steuerwohnsitz derjenige Ort, zu dem der Steuerpflichtige die
stärkeren Beziehungen hat. Dabei werden die sich aus den familiären Ban-
den ergebenden persönlichen und familiären Beziehungen im Allgemeinen
als stärker erachtet als diejenigen, die sich aus der beruflichen Tätigkeit
ergeben. Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich dabei aus der Gesamtheit
der objektiven äusseren Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen
erkennen lassen, nicht nach bloss erklärten Wünschen der steuerpflichti-
gen Person; der steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar.
Bei unselbstständig Erwerbenden ist der Steuerwohnsitz gewöhnlich der
Ort, wo sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von
dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebens-
unterhalts dauernder Natur. Die Frage, zu welchem der Aufenthaltsorte die
steuerpflichtige Person die stärkeren Beziehungen unterhält, ist jeweils auf-
grund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (BGE
132 I 29; Bundesgerichtsurteil vom 27. August 2008 [2C_230/2008]; VGE
vom 7. Februar 2007 [WBE.2006.306]; VGE vom 4. September 2002 [BE.
2001.00397], je mit Hinweisen; E. Höhn/P. Mäusli, a.a.O., § 7 N 39 ff.,
71 ff.).
3.2.3.
Darüber, wo faktisch der Mittelpunkt der Lebensinteressen liegt, kann kein
klarer Beweis geführt werden. Von objektiven, äusseren Umständen ist auf
innere Tatsachen zu schliessen. Es ist aufgrund von Indizien eine Gewich-
tung vorzunehmen. Die Prüfung darf sich nicht auf eine schematische oder
- 7 -
isolierte Betrachtung einzelner Merkmale beschränken, sondern es ist eine
sorgfältige Berücksichtigung und Gewichtung sämtlicher Berufs-, Familien-
und Lebensumstände notwendig (Bundesgerichtsurteil vom 7. Mai 2008
[2C_646/2007]; StE 2013 B 11.1 Nr. 25, mit Hinweisen).
3.3.
Im Veranlagungsverfahren gilt die Untersuchungsmaxime (§ 190 Abs. 1
StG). Die Steuerbehörden haben den gesamten Sachverhalt zu untersu-
chen, einschliesslich Tatsachen, die sich zugunsten des Steuerpflichtigen
auswirken. Die Steuerbehörden tragen also für sämtliche relevanten Tat-
sachen die sogenannte Beweisführungs- oder subjektive Beweislast. Der
Untersuchungspflicht der Steuerbehörde stehen allerdings Mitwirkungs-
pflichten der Steuerpflichtigen gegenüber. Verletzt der Steuerpflichtige
seine Mitwirkungspflichten, kann dieses Verhalten ein Indiz für oder gegen
die Verwirklichung einer steuerrelevanten Tatsache bilden (Bundesge-
richtsurteil vom 18. Juni 2020 [2C_247/2020]). Der Steuerpflichtige ist zur
Mitwirkung und namentlich zu umfassender Auskunftserteilung über die für
die Besteuerung massgebenden Umstände verpflichtet. Dass eine Wohn-
sitzverlegung stattgefunden hat, ist somit im Rahmen seiner Mitwirkungs-
pflicht darzulegen. Dazu gehört nicht nur die endgültige Lösung der Verbin-
dungen zum bisherigen Wohnsitz, sondern auch die Darstellung der Um-
stände, welche zur Begründung des neuen Wohnsitzes geführt haben
(Bundesgerichtsurteil vom 18. Januar 2011 [2C_472/2010]).
Grundsätzlich haben die Behörden den Sachverhalt so abzuklären, dass
sie von den relevanten Tatsachen "voll überzeugt" sind (sog. Regelbeweis-
mass). Es bedarf aber keiner absoluten Gewissheit, sondern genügt, wenn
die Steuer- bzw. die Steuerjustizbehörde nach erfolgter Beweiswürdigung
und aufgrund objektiver Gesichtspunkte mit "an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit" vom Vorliegen einer relevanten Tatsache überzeugt
ist. Es ist zulässig und oft notwendig, dass sich die Behörden in ihrer Be-
weiswürdigung auch auf Indizien stützen und daraus Schlüsse auf rele-
vante Tatsachen ziehen (sog. natürliche Vermutungen). Wenn die Steuer-
behörde eine relevante Tatsache nicht mit verhältnismässigem Aufwand
direkt feststellen kann, aber ein oder mehrere Indizien ihre Verwirklichung
mit hinreichender Gewissheit vermuten lassen, steht es dem Steuerpflich-
tigen frei, diese natürliche Vermutung zu entkräften, indem er das oder die
Indizien (Vermutungsbasis), die relevante Tatsache (Vermutungsfolge)
oder allenfalls auch den Erfahrungssatz, der diese beiden verbindet, wider-
legt (sog. Gegenbeweis).
Erst wenn eine relevante Tatsache trotz allen zumutbaren Aufwands be-
weislos bleibt, stellt sich die Frage nach der objektiven Beweislast. Dabei
gilt auch im öffentlichen Recht der Grundsatz, wonach derjenige die (ob-
jektive) Beweislast für eine Tatsache trägt, der aus ihr Rechte ableitet
(Art. 8 ZGB analog; vgl. BGE 142 II 433 E. 3.2.6.). Im Steuerrecht hat die
- 8 -
Praxis diesen Grundsatz dahingehend konkretisiert, dass steuerbegrün-
dende und -erhöhende Tatsachen von der Steuerbehörde, steueraus-
schliessende und -mindernde Tatsachen vom Steuerpflichtigen nachzuwei-
sen sind (BGE 144 II 427 E. 8.3.1.). Die Umstände, die annehmen lassen,
der Steuerpflichtige habe seinen Lebensmittelpunkt im Kantons- bzw. Ge-
meindegebiet, sind steuerbegründend. Können sie weder direkt noch mit-
tels natürlicher Vermutungen bewiesen werden, ist zulasten des Fiskus da-
von auszugehen, dass sie sich nicht verwirklicht haben (vgl. zum Ganzen:
Bundesgerichtsurteil vom 5. August 2021 [2C_41/2021] mit weiteren Hin-
weisen).
4.
4.1.
Der Rekurrent lässt ausführen, dass er im Jahr 2015 die Bankleitung der
C. übernommen habe. Infolge seines Abgangs im Jahr 2016 sei für ihn klar
gewesen, dass er nicht im Raum Q. einen neuen Job suchen wollte und
realistischerweise kaum finden konnte. Beruflich und privat habe es ihn in
die Innerschweiz gezogen.
Er habe in Schwyz eine neue Arbeitsstelle bei der D. AG angetreten. Dass
die neue Stelle nicht von Dauer sein würde, sei nicht absehbar gewesen.
Über ein Jahr habe er im Raum Innerschweiz und Zürich nach einer neuen
Stelle gesucht. Die Arbeitslosenkasse des Kantons Schwyz habe die
Arbeitslosengelder bezahlt. Das hätte diese wohl nicht gemacht, wenn der
Wohnort nicht im Kanton Schwyz gelegen hätte. Überdies habe der
Rekurrent Schwyzer Kontrollschilder ersteigert.
Die Eltern des Rekurrenten und die Eltern seiner Partnerin (heute Ehefrau)
würden in U. bzw. Q. wohnen. Der Rekurrent und seine Partnerin hätten
jedoch keine Freunde oder Bekannte im Raum Q..
Wegen Schimmelbefalls habe die Wohnung in Q. ab Ende 2016 re-
gelmässig gelüftet und zusätzlich beheizt werden müssen. Im Juli 2017 sei
ausserdem der Pooldeckel ersetzt worden. Der Whirlpool habe sich immer
wieder unnötig aufgeheizt, was infolge des Wegzugs erst zu spät bemerkt
worden sei.
Der hohe Wasserverbrauch sei auch erklärbar. Der Buchsbaum und der
Ahorn würden in den Töpfen wesentlich mehr Wasser benötigen als in ei-
nem Garten, weshalb eine automatische Bewässerung installiert worden
sei. Zudem sei der Whirlpool defekt gewesen, weswegen das Wasser
mehrmals habe ausgewechselt werden müssen. Die ständige Befüllung
des Whirlpools sei gemäss Bedienungsanleitung notwendig gewesen. Des-
wegen sei der Wasser- und Stromverbrauch nicht kleiner ausgefallen als in
den Vergleichsperioden.
- 9 -
Umgehend nach der Trennungsvereinbarung mit der C. habe der Rekurrent
in S. ein neues Zuhause gesucht und sei auch umgezogen. Es sei ihm um
einen Neuanfang und die Verlegung des Lebensmittelpunkts gegangen.
Gleichzeitig habe er seine bisherige Wohnung (möbliert) verkaufen wollen,
um eine neue Wohnung in der Innerschweiz zu kaufen oder um für mehrere
Jahre nach Amerika auszuwandern. Leider habe sich ein potentieller
Käufer in letzter Minute zurückgezogen. Erschwerend sei hinzugekommen,
dass gleichzeitig eine identische, aber etwas kleinere Wohnung in
derselben Überbauung ebenfalls zum Verkauf gestanden habe. Das nicht
verkäufliche Mobiliar sei auf tutti.ch verkauft worden.
4.2.
Die Steuerkommission Q. hingegen hält am Wohnsitz in Q. fest. Die Grösse
der Mietwohnung in S. mit zwei Zimmern gegenüber dem
Stockwerkeigentum in Q. mit 8,7 Raumeinheiten spreche für Q.. Gleiches
gelte auch beim Vergleich des Normmietwertes von CHF 29'549.00 mit der
Höhe des Mietzinses von CHF 19'800.00 (inkl. Nebenkosten).
Der Stromverbrauch der Wohnung in Q. sehe über einen Zeitraum von drei
Jahren (12. November 2014 bis 21. November 2017) sehr harmonisch aus.
Bei einem Wegzug von Q. könne davon ausgegangen werden, dass der
Pool entleert und nicht in gefülltem Zustand weiterhin einsatzbereit in
Betrieb gehalten worden sei. Dies unter anderem um Schäden wie einen
technischen Defekt bei Abwesenheit vermeiden zu können. Ähnlich sei der
Wasserverbrauch in Q. zu werten, der über drei Jahre (2015, 2016 und
2017) ähnlich hoch ausgefallen sei. Als Begründung werde der in Betrieb
gehaltene Pool und die automatisierte Bewässerung der Pflanzen
angeführt. Beide Verbrauchergruppen alleine würden jedoch nicht über den
Eindruck einer uneingeschränkten Dauerbelegung der Liegenschaft in Q.
hinweg zu täuschen vermögen.
Da die Kreditkartenabrechnungen trotz Aufforderung nicht eingereicht wor-
den seien, könne nicht auf einen der beiden Standorte als Lebensmittel-
punkt geschlossen werden. Der Lebensmittelpunkt könne zudem auch
nicht lediglich an rein wirtschaftlichen Faktoren wie der Stellensuche fest-
gemacht werden. Im Jahr 2016 sei der Rekurrent ledig gewesen. Das Kon-
kubinatsverhältnis mit seiner damaligen Partnerin (heutigen Ehefrau) dürfe
jedoch bei der Frage nach dem Lebensmittelpunkt des Rekurrenten mitbe-
rücksichtigt werden.
5.
Der Rekurrent hatte bislang seinen steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton
Aargau. Dieser steuerrechtliche Wohnsitz fällt nicht einfach weg, vielmehr
bedürfte es hierzu äusserer Anhaltspunkte, einer erkennbaren Verände-
rung im Verhalten des Rekurrenten, die darauf schliessen lassen würden,
dass er in S. Wohnsitz genommen hat.
- 10 -
6.
6.1.
Der Rekurrent meldete sich per 1. November 2016 in S. an. Die Abmeldung
beim alten Wohnort bzw. die Anmeldung beim neuen Wohnort bildet jedoch
nur ein nicht entscheidendes formelles Indiz für den Wechsel des
Steuerwohnsitzes. Entsprechend kann der Rekurrent nichts zu seinen
Gunsten ableiten, soweit er geltend macht, dass die Kantonale Arbeitslo-
senkasse Schwyz die Arbeitslosentaggelder ausbezahlt habe und er
Schwyzer Kontrollschilder gelöst hatte. Diese Abläufe knüpfen am zivil-
rechtlichen Wohnsitz an, d.h. an den Ort, wo die Schriften hinterlegt sind
(vgl. Art. 77 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver-
sicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG [SR 837.0] und Art. 22
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01]). Der steuerrechtliche
Wohnsitz ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem zivilrechtlichen/niederlas-
sungsrechtlichen Wohnsitz.
6.2.
6.2.1.
Der Rekurrent wurde mehrmals, sowohl im Veranlagungs- und Einsprache-
verfahren als auch im Rekursverfahren, aufgefordert, seine Kreditkarten-
und Bankkontoauszüge einzureichen. Er reichte sie jedoch nicht ein und
führte aus, er habe sie nach der Prüfung nicht aufbewahrt, weil diese Ab-
rechnungen nach 30 Tagen als genehmigt gelten würden. Das Eindringen
in die Finanztransaktionen und persönlichen Ausgaben werde von ihm, als
ehemaligem Banker, unter anderem aus persönlichen und privatrechtlichen
Gründen abgelehnt. Er verweise auf das eingereichte "Bewegungsproto-
koll" (Schreiben vom 29. April 2021).
6.2.2.
Wie erwähnt reichte der Rekurrent weder die Kreditkartenauszüge noch die
Bankkontodetails ein. Er bemühte sich offenbar nicht hinreichend, diese er-
hältlich zu machen, oder wollte sie nicht auflegen. Die (detaillierten) Bank-
auszüge sind generell geeignet, die objektiven, äusseren Lebensumstände
des Rekurrenten aufzuzeigen bzw. seinen (hauptsächlichen) Aufenthaltsort
zu belegen oder mindestens glaubhaft zu machen, da sie nur mit grossem
Aufwand so "verändert" werden können, dass sich daraus ein anderer als
der tatsächliche Lebensmittelpunkt ergibt (vgl. VGE vom 11. Dezember
2018 [WBE.2019.182]). Da die Bankauszüge vorliegend aber nicht einge-
reicht wurden, können die Steuerbehörden und das Spezialverwaltungsge-
richt die Angaben des Rekurrenten, er habe seinen Lebensmittelpunkt nach
S. verlegt, nicht überprüfen. Es liegt damit eine krasse Verletzung der
Mitwirkungspflicht vor. Dies umso mehr als die vom Rekurrenten gegen
eine Einreichung geltend gemachten Gründe im Steuerverfahren absolut
irrelevant sind.
- 11 -
6.2.3.
Das stattdessen eingereichte "Bewegungsprotokoll" führt Tätigkeiten auf,
die teilweise akribisch und teilweise sehr pauschal beschrieben sind.
Nichtsdestotrotz bleibt die Liste eine unbewiesene Parteibehauptung, die
die Verschiebung des Lebensmittelpunktes nach S. nicht zu belegen
vermag. Auch die Ergänzung zum Bewegungsprotokoll, welche mit dem
Schreiben vom 29. April 2021 eingereicht wurde, ändert daran nichts.
Diese drei Trainingseinheiten innerhalb eines Monats (18. Dezember 2016
bis 21. Januar 2017) sprechen zwar für einen Aufenthalt in S., sind jedoch
zu wenig aussagekräftig, um die Verschiebung des Lebensmittelpunktes
zu erhärten.
6.2.4.
Aufgrund der Verletzung der Mitwirkungspflicht kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass der Rekurrent seinen Lebensmittelpunkt verschoben
hat und sich im Raum S. aufgehalten hat. Das "Bewegungsprotokoll" mit
Ergänzung bleibt eine unbewiesene Parteibehauptung, weshalb darauf
nicht abzustellen ist.
6.3.
Gemäss der Steuererklärung für den Kanton Schwyz war der Rekurrent
vom 1. November 2016 bis 31. Dezember 2016 stellensuchend. Somit war
der Rekurrent, entgegen den Angaben im Lohnausweis, nur vom 11. Juli
2016 bis 31. Oktober 2016 bei der D. AG angestellt bzw. tätig. Im Dezember
2016 sowie im Jahr 2017 erhielt der Rekurrent sodann Arbeitslo-
sentaggelder (Rekursbeilagen 14 bis 15b).
Im ganzen Zeitraum, in welchem der Rekurrent in S. angemeldet war, war
der Rekurrent stellensuchend. Konkrete Bemühungen, eine Arbeitsstelle in
der Nähe von S. zu finden, werden nicht geltend gemacht. Dass er den
Arbeitsort in die Innerschweiz verschieben wollte, wird ebenfalls nicht durch
äussere Anhaltspunkte gestützt. Soweit der Rekurrent also geltend macht,
dass bei ledigen Personen der steuerrechtliche Wohnsitz am Arbeitsort
anknüpfte, kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dies spricht gegen
die Verlegung des steuerrechtlichen Wohnsitzes nach S..
6.4.
6.4.1.
In Q. wohnte der Rekurrent in einer Stockwerkeigentumswohnung in der X-
Strasse 41. Gemäss Kaufvertrag verfügte diese über 5.5 Zimmer inkl.
Sauna und Doppelabstellplatz. Die Wohnung in S. hingegen verfügte
gemäss Mietvertrag über zwei Zimmer im Parterre und einen Pool. Der
Mietzins betrug monatlich CHF 1'650.00 (inkl. Abstellplatz und pauschale
Nebenkosten). Der Rekurrent bestreitet die Grössenverhältnisse nicht und
räumt ein, er hätte aufgrund der Platzverhältnisse gar nicht in S. verbleiben
dürfen, sondern hätte seinen Lebensmittelpunkt zurück nach Q. verlegen
- 12 -
müssen. Man müsse jedoch das Gesamtbild (ruhig, kein Verkehr,
unverbaute Weitsicht, beste Anbindung, Arbeitsort Schwyz besser
erreichbar) betrachten (Rekurs, S. 7).
6.4.2.
Die Wohnverhältnisse sprechen eindeutig gegen die Verlegung des steu-
errechtlichen Wohnsitzes nach S.. Da der Rekurrent ab November 2016 bis
mindestens Dezember 2017 Arbeitslosentaggelder erhielt, kann der
Rekurrent auch unter Berücksichtigung des von ihm behaupteten Ge-
samtbildes nichts zu seinen Gunsten ableiten. Schliesslich war der Rekur-
rent lediglich bis Ende Oktober 2016 bei der D. AG angestellt, wohingegen
Mietbeginn der Wohnung in S. erst der 1. November 2016 war.
Per 1. Januar 2018 meldete sich der Rekurrent schliesslich wieder in Q. an.
Während des gesamten Zeitraumes des behaupteten steuerrechtlichen
Wohnsitzes in S. war der Rekurrent stellensuchend. Deshalb vermag das
vom Rekurrenten vorgebrachte Gesamtbild, insbesondere die behauptete
Erreichbarkeit des Arbeitsortes in Schwyz und der Grössenunterschied der
beiden Wohnungen einen Lebensmittelpunkt nicht zu rechtfertigen. Mit
anderen Worten spricht der Vergleich der beiden Wohnungen für einen
Verbleib des Lebensmittelpunktes in Q..
6.5.
Der Rekurrent bestreitet nicht, dass die Nebenkosten (Strom und Wasser-
verbrauch) in den von der Vorinstanz aufgeführten Vergleichsperioden ähn-
lich hoch ausgefallen sind. Er begründet dies pauschal mit der Bekämpfung
des Schimmelbefalls, dem defekten Whirlpooldeckel und dem Unterhalt der
Bepflanzung.
Aus der Aufstellung der Beschaffungskosten der Pflanzen und den Fotos
(Rekursbeilage 11a und 11b) kann jedoch nicht herausgelesen werden, ob
überhaupt und wann die Pflanzen gekauft und die Bewässerungsanlage
installiert worden sind. Die aufgelegte Anleitung zum Whirlpool sagt ferner
nicht, dass das Wasser im Whirlpool nicht abgelassen werden kann. Über-
dies mutet es seltsam an, dass der weggefallene Wasser- und Stromver-
brauch infolge Wegzug gleich hoch sein soll wie der zusätzliche Wasser-
und Stromverbrauch für die Bepflanzung, den Whirlpool und die Bekämp-
fung des Schimmelbefalls. Der Rekurrent bleibt in seinen Ausführungen
diesbezüglich sehr vage und stellt insbesondere keine Berechnungen des
Strom- und Wasserverbrauchs auf. Das impliziert einen regelmässigen un-
veränderten Lebensmittelpunkt in Q..
6.6.
Der Rekurrent führt weiter aus, er habe die Möbel und die Wohnung an der
X-Strasse 41 in Q. verkaufen wollen. Dazu legt er den Kaufvertrag der
Wohnung und diverse Inserate zum Verkauf von Möbeln auf. Die
- 13 -
Liegenschaft X-Strasse 41 in Q. habe per Februar 2021 verkauft werden
können.
Die Verkaufsinserate, Fotos der Ikea-Möbel und der Entwurf des Kaufver-
trages vermögen jedoch den ernsthaften Willen, den Lebensmittelpunkt
von Q. weg nach S. zu verlegen, nicht zu belegen.
6.7.
Schliesslich macht der Rekurrent geltend, er und seine Ehefrau seien im
Dezember 2017 wieder zurück nach Q. gezogen. Entsprechend waren sie
lediglich rund 14 Monate in S. angemeldet. Eine Absicht des dauernden
Verbleibens in S. bestand vor diesem Hintergrund offensichtlich nicht.
Zudem ist die Behauptung des Rekurrenten, er wolle im Raum Q. keinen
neuen Job suchen und werde realistischerweise kaum einen finden,
widerlegt.
7.
Infolge der Verletzung seiner Mitwirkungspflicht ist die Verlegung des Le-
bensmittelpunktes des Rekurrenten nach S. klar zu verneinen. Zudem
sprechen der fehlende Arbeitsort und die Grössenverhältnisse der
Wohnungen in S. und Q. gegen die Verlegung des Lebensmittelpunktes
nach S.. Hingegen sprechen die Anmeldung in S. mit den daran
anknüpfenden administrativen Vorgängen (Arbeitslosentaggelder durch die
Arbeitslosenkasse Schwyz und Schwyzer Kontrollschilder) nicht für S..
8.
8.1.
Der Rekurrent bringt pauschal vor, eventualiter sei § 16 Abs. 3 StG zu prü-
fen. Dieser besagt, dass einen steuerrechtlichen Aufenthalt im Kanton eine
Person hat, wenn sie sich hier, ungeachtet vorübergehender Unterbre-
chung, mit Ausübung einer Erwerbstätigkeit während mindestens 30 Tagen
oder ohne Ausübung einer Erwerbstätigkeit während mindestens 90 Tagen
aufhält. Bei steuerrechtlichem Wohnsitz in einem anderen Kanton begrün-
det der Aufenthalt keine Steuerpflicht auf Grund persönlicher Zugehörig-
keit.
8.2.
Der Rekurrent hatte im ganzen Steuerjahr 2016 seinen steuerrechtlichen
Wohnsitz gemäss § 16 Abs. 1 StG in Q.. Somit bleibt kein Platz für diesen
an die Aufenthaltsdauer anknüpfenden Tatbestand.
9.
Der Rekurs erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
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10.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent die Kosten des Rekurs-
verfahrens zu tragen (§ 189 Abs. 1 StG). Es ist keine Parteikostenentschä-
digung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG).
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