Decision ID: 71293b38-41a3-509a-a2e4-76d60f74fd70
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ zog sich am 20. September 2005 bei der Arbeit eine distale, dislozierte
Radiusfraktur der dominanten rechten Hand zu, die gleichentags im Spital B._
operativ versorgt wurde. Bei im Verlauf persistierenden Handgelenksbeschwerden
wurde der Versicherte zur stationären Handrehabilitation und neurologischen
Abklärung an die Rehaklinik Bellikon überwiesen (vgl. zum Ganzen Fremd-act. 1-64 ff.,
1-94 f., 1-119 f., 1-133 ff., 1-143). Im Rahmen des Rehabilitationsaufenthalts kamen die
behandelnden Ärzte zum Schluss, dass dem Versicherten die bisherige Tätigkeit als
Bauarbeiter nicht mehr zumutbar sei. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit ohne
Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten sei ihm hingegen ganztags zumutbar
(Austrittsbericht vom 3. April 2006, Fremd-act. 1-102 ff.). Am 14. Juni 2006 erfolgte im
Spital B._ die Metallentfernung mit Denervation des Handgelenks und Arthrolyse
(Fremd-act. 1-54). Vom 22. bis 30. August 2006 war der Versicherte bei den Diagnosen
einer psychischen Dekompensation mit ausgeprägter Angststörung,
Wahnvorstellungen und latenter Suizidalität sowie eines chronischen
Schmerzsyndroms der rechten Hand im Spital C._ hospitalisiert (Bericht vom 29.
September 2006, Fremd-act. 1-24 ff.). Vom 29. November 2006 bis 12. Januar 2007
erfolgte aufgrund einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
sowie einer somatoformen Schmerzstörung in der Psychiatrischen Klinik D._ eine
stationäre psychiatrische Behandlung (vgl. Austrittsbericht vom 12. Januar 2007,
Fremd-act. 1-3 ff.). Anschliessend wurde der Versicherte durch das
Sozialpsychiatrische Zentrum E._ ambulant psychiatrisch weiterbehandelt (vgl.
Fremd-act. 1-17, IV-act. 21).
A.a.
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St.Galler Gerichte
Am 22. Januar 2007 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 2). Nach Einholung verschiedener Arztberichte
(vgl. IV-act. 14, 16, 20 ff.) erachtete der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst (RAD) den
Versicherten in allen Tätigkeiten als zu 100% arbeitsunfähig. Nach frühestens einem
Jahr könne eine Beurteilung des Verlaufs eingeholt werden, um die weitere Prognose
abzuschätzen (Bericht vom 17. August 2007; IV-act. 23). Mit Vorbescheid vom 16.
Oktober 2007 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
100% die Ausrichtung einer ganzen Rente ab dem 1. September 2006 in Aussicht (IV-
act. 33). Am 22. November 2007 verfügte sie gemäss Vorbescheid (IV-act. 37, 40).
A.b.
Der Unfallversicherer stellte seine Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen nach
einer kreisärztlichen Abschlussuntersuchung und Beurteilung per 31. Juli 2008 ein (vgl.
Fremd-act. 3-46 ff., Fremd-act. 4). Mit Verfügung vom 11. Juli 2008 wurden dem
Versicherten ab dem 1. August 2008 eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 14% und eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von 5% zugesprochen. Der Unfallversicherer hielt fest, dass dem
Versicherten leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne die Arbeit auf Leitern oder
Gerüsten ganztags möglich seien. Die psychogenen Störungen, die seine
Erwerbsfähigkeit neben den organisch bedingten Unfallfolgen beeinträchtigten,
stünden nicht in einem adäquat-kausalen Zusammenhang mit dem erlittenen Ereignis
(Fremd-act. 5). Die dagegen erhobene Einsprache wies der Unfallversicherer nach
weiteren neurologischen und handchirurgischen Abklärungen (vgl. Fremd-act. 7-6 ff.,
7-25 ff., 8-2 f.) mit Entscheid vom 8. Juni 2010 ab (Fremd-act. 9). Dieser
Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.c.
Im Januar 2010 leitete die IV-Stelle ein amtliches Rentenrevisionsverfahren ein, in
dessen Rahmen sie die Akten des Unfallversicherers beizog (vgl. IV-act. 43 ff., 53). Die
behandelnden Ärzte beschrieben den Gesundheitszustand des Versicherten in ihren
Verlaufsberichten trotz einer ausgedehnten Psychopharmaka-Therapie als
gleichbleibend schlecht bis verschlechtert. Der Versicherte leide an einer schweren
depressiven Störung mit Konzentrationsstörungen und paranoiden Ängsten (vgl. insb.
IV-act. 49, 52). Im April 2010 erfolgte die Verbeiständung des Versicherten (IV-act. 51,
58, vgl. auch die Akten der F._, Fremd-act. 11). Im Februar 2011 stellte die
Beiständin, eine mit dem Versicherten entfernt verwandte Nachbarin, Frau G._, einen
A.d.
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St.Galler Gerichte
Antrag auf die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung für den Versicherten. Sie gab
an, dem Versicherten seit 4 Jahren während 84 Stunden wöchentlich zu helfen (IV-act.
56).
Im Juli 2011 leitete die IV-Stelle bei Verdacht auf Inkonsistenzen weitergehende
Abklärungen ein (vgl. IV-act. 68 ff.). In diesem Rahmen liess sie den Versicherten
überwachen und führte ein Standortgespräch sowie unangemeldete Hausbesuche
durch (vgl. den Observationsbericht vom 24. November 2011, IV-act. 79; das
Gesprächsprotokoll vom 22. November 2011, IV-act. 75 f., und die Gesprächsnotiz
vom 15. Dezember 2011, IV-act. 80-2 f.). Am 15. Dezember 2011 kam der zuständige
IV-Mitarbeiter zum Schluss, dass auch unter Anwendung weitergehender
Abklärungsmassnahmen die Zweifel bzw. Verdachtsmomente auf einen
ungerechtfertigten Leistungsbezug nicht hätten erhärtet werden können. Es müsse mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Versicherte
schwer psychisch eingeschränkt sei (IV-act. 80-3). Daraufhin teilte die IV-Stelle dem
Versicherten am 23. Dezember 2011 mit, dass er weiterhin unverändert Anspruch auf
die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100%) habe (IV-act. 83).
A.e.
Im März 2012 wurde neu eine Amtsvormundin mit der Beistandschaft des
Versicherten betraut (IV-act. 88). Im Rahmen der Abklärungen des Anspruchs des
Versicherten auf Hilflosenentschädigung (vgl. IV-act. 90 ff.) fand am 26. September
2012 eine RAD-Abklärung statt. Im Abklärungsbericht vom 28. September 2012
erwähnte die RAD-Ärztin insbesondere ein katatones Zustandsbild bei anamnestisch
schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.1). Sie hielt
fest, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten im Vergleich mit den
Befunden aus den früheren psychiatrischen Berichten verschlechtert habe. Er habe in
der Abklärungssituation ein mutistisches Bild geboten und antriebsgehemmt, blockiert,
affektiv kaum schwingungsfähig, angespannt, ängstlich und ratlos gewirkt. Aus
psychischen Gründen benötige er bei den meisten alltäglichen Verrichtungen
anhaltende Aufforderungen, teilweise Anleitungen und Supervision. Zu einer
selbständigen Lebensführung wäre er ohne kontinuierliche Betreuung und Begleitung
aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung nicht in der Lage. Eine Verwandte
und Nachbarin, Frau G._, habe ca. sechs Jahre zuvor die Betreuung der Familie
übernommen, aktuell in einem Umfang von ca. 12 Stunden pro Tag (IV-act. 98). Im
A.f.
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Oktober 2012 erfolgte im Rahmen der Prüfung des IV-Leistungsanspruchs der Ehefrau
des Versicherten eine Überwachung des Ehepaares sowie von Frau G._ zur
Überprüfung des geltend gemachten Betreuungsaufwandes (vgl. IV-act. 105 f.; IV-act.
123; vgl. auch die Protokolle der Gespräche mit der Ehefrau des Versicherten sowie mit
Frau G._; IV-act. 119, 120).
Aufgrund des anlässlich dieser Überwachung beobachteten Verhaltens des
Versicherten leitete die IV-Stelle im Oktober 2013 ein neues Rentenrevisionsverfahren
ein (IV-act. 125 ff.). Dabei wurde der Gesundheitszustand des Versicherten von Dr.
H._ und Frau G._ als verschlechtert angegeben, da er sich seit der Observation
verfolgt fühle (IV-act. 135-3, 140-8). Daraufhin veranlasste die IV-Stelle im April 2014
eine bidisziplinäre psychiatrische und orthopädische Begutachtung (IV-act. 145). Am
16. Juni 2014 wurde der Versicherte von Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie, orthopädisch begutachtet. Der Gutachter attestierte dem Versicherten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten und hielt fest, dass der klinische
Befund in krassem Gegensatz zu den angegebenen Beschwerden stehe (Gutachten
des Orthopädischen Schmerzzentrums J._ vom 26. Februar 2015, IV-act. 166).
Nachdem die psychiatrische Begutachtung an zwei Terminen nicht hatten durchgeführt
werden können, leitete die IV-Stelle am 8. August 2014 ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren ein (IV-act. 153, vgl. auch IV-act. 151 f.). Am 2. Oktober 2014 teilte
der psychiatrische Gutachter, Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der IV-Stelle mit, dass der Versicherte zwar zum dritten
Begutachtungstermin vom 1. Oktober 2014 erschienen sei, eine psychiatrische
Begutachtung aufgrund seines Verhaltens aber nicht habe durchgeführt werden
können. Er erachtete die ambulante Untersuchbarkeit des Versicherten als nicht
vorhanden und empfahl eine stationäre Begutachtung (IV-act. 163, vgl. auch IV-act.
159 ff.)
A.g.
Mit Vorbescheid vom 23. März 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Einstellung der Invalidenrente in Aussicht, da nach aktuellem Aktenstand ein die
Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränkender Gesundheitszustand nicht mehr
nachgewiesen sei (IV-act. 168). Am 29. Mai 2015 verfügte die IV-Stelle die Einstellung
der bisherigen ganzen Invalidenrente (IV-act. 178). In der Folge erhob der Versicherte
gegen die Renteneinstellung Beschwerde am Versicherungsgericht des Kantons St.
A.h.
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Gallen (IV-act. 189-2 ff., 190), welche dieses aus verfahrensrechtlichen Gründen mit
Entscheid vom 16. Februar 2016 (IV 2015/203, IV-act. 205) guthiess. Mit Urteil vom 16.
Januar 2017 hob das Bundesgericht den Entscheid des Versicherungsgerichts auf und
bestätigte die Verfügung der IV-Stelle (9C_244/2016, IV-act. 224).
Im April 2017 reichte der Beschwerdeführer erneut eine Anmeldung zum IV-
Leistungsbezug ein und erklärte sich dazu bereit, sich den notwendigen
Begutachtungen zu unterziehen und bei den Abklärungen zu kooperieren (IV-act. 231,
246). In der Folge gab die IV-Stelle eine neue psychiatrische Begutachtung bei Dr.
med. L._, Forensische Psychiatrie, Psychiatrisches Zentrum M._, in Auftrag (vgl.
IV-act. 267, 269, 273, 276), wobei der Versicherte zum ersten Gutachtentermin nicht
erschien und im Verlauf verschiedene Atteste einreichte (vgl. IV-act. 278 ff.). Nachdem
die IV-Ärztin Dr. med. N._ diese als nicht überzeugend erachtet hatte, forderte die IV-
Stelle den Versicherten unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflichten am 19. Februar
20219 letztmals auf, sich der Begutachtung zu unterziehen (IV-act. 289).
A.i.
Am 13. März 2019 wurde der Versicherte von Dr. L._ psychiatrisch begutachtet.
Im Gutachten vom 6. Mai 2019 kam der psychiatrische Facharzt zum Schluss, dass
sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit dem Jahr 2008, abgesehen von
einer Phase der Anpassungsstörung durch die polizeilichen Umtriebe nach den
Observationen von 2011 und 2012 für eine Dauer von maximal sechs Monaten, nicht
grundlegend verändert habe. In einer optimal angepassten Tätigkeit könne die
Arbeitsfähigkeit bis zu 70% betragen (IV-act. 295). Am 23. Mai 2019 erachtete Dr.
N._ das Gutachten als nachvollziehbar (IV-act. 296).
A.j.
Gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 297).
Dagegen liess der Versicherte am 1. Juli 2019 Einwand erheben und eine
Oberexpertise beantragen (IV-act. 303, 307). Mit Stellungnahme vom 27. August 2019
äusserte sich die behandelnde Psychotherapeutin, med. pract. O._, Psychiatrie
D._, zum Gutachten (IV-act. 309). Dazu nahm der psychiatrische Gutachter Dr. L._
am 11. November 2019 wiederum Stellung (IV-act. 312). Am 26. November 2019
erachtete IV-Ärztin Dr. N._ die Stellungnahme des Gutachters als schlüssig und
widerspruchsfrei (IV-act. 313). Am 17. April 2020 verfügte die IV-Stelle die Abweisung
A.k.
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B.

Considerations:
Erwägungen
1.
des Leistungsbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 26%, wobei sie auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 30% abstellte (IV-act. 318).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch seinen
Rechtsvertreter, am 14. Mai 2020 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung sei
aufzuheben und die Angelegenheit sei zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine Viertelsrente
zuzusprechen (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 1. September 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 29. September 2020 auf eine
Duplik (act. G 8).
B.c.
Der Beschwerdeführer bezog ab dem 1. September 2006 eine ganze Rente der
Invalidenversicherung (Verfügung vom 22. November 2007; IV-act. 37, 40). Nachdem
ein erstes Rentenrevisionsverfahren in den Jahren 2010 und 2011 einen unveränderten
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ergeben hatte, leitete die Beschwerdegegnerin
im Jahr 2013 ein weiteres Revisionsverfahren ein (IV-act. 125 ff.). Im Rahmen dieses
Verfahrens nahm der Beschwerdeführer zwei Termine zur psychiatrischen
Begutachtung nicht wahr und am dritten Termin konnte diese aufgrund seines
Verhaltens nicht durchgeführt werden. Daraufhin hob die Beschwerdegegnerin die
Rente auf Ende des der Verfügungszustellung folgenden Monats auf (Verfügung vom
29. Mai 2015, IV-act. 178, bestätigt durch das Bundesgericht mit Entscheid vom 16.
Januar 2017; IV-act. 224). Im Nachgang zu diesem Entscheid erklärte sich der
Beschwerdeführer im April 2017 dazu bereit, bei künftigen Begutachtungen
mitzuwirken (IV-act. 231, 246). Daraufhin nahm die Beschwerdegegnerin das
ursprüngliche Revisionsverfahren aus dem Jahr 2013 wieder auf und liess den
Beschwerdeführer erneut psychiatrisch begutachten (vgl. IV-act. 266 ff.). Gestützt auf
das Ergebnis dieser Begutachtung stellte sie die Rente schliesslich am 17. April 2020
1.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/16
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ein (IV-act. 318). Bei der angefochtenen Renteneinstellung vom 17. April 2020 handelt
es sich somit um eine Revisionsverfügung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG.
Vorliegend streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob diese Renteneinstellung zu Recht
erfolgte.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Insbesondere ist
die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands,
sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich
gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f.
E. 3.5). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 11.
Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom
3. Oktober 2013, 8C_211/2013, E. 2.2). Ob eine solche Änderung eingetreten ist,
beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der
versicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, die auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung (BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/16
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2.
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3.a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
formgerecht eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E.
1.3.4; vgl. ferner Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte
und ihre Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in:
Kieser/Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138
ff.).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a).
1.4.
Mit Verfügung vom 17. April 2020 wurde das im Jahr 2013 eingeleitete
Rentenrevisionsverfahren, das die Überprüfung der erstmaligen Rentenzusprache aus
dem Jahr 2007 zum Gegenstand hatte, abgeschlossen. Demnach ist zu prüfen, ob seit
der ursprünglichen Rentenzusprache vom 22. November 2007 eine rentenrelevante
Änderung eingetreten ist, ob mithin ein Revisionsgrund vorliegt.
2.1.
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache bestanden beim
Beschwerdeführer körperliche und psychische Beeinträchtigungen nach dem
Unfallereignis vom September 2005, die insbesondere im Rahmen von stationären
Aufenthalten in der Rehaklinik Bellikon sowie in der Psychiatrischen Klinik D._
2.1.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/16
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behandelt wurden. Die Ärzte der Rehaklinik Bellikon berichteten am 3. April 2006 im
Wesentlichen, dass aus somatischer Sicht sechs Monate nach dem Unfall vom
September 2005 mit Fraktur des distalen Radius und konsekutiver offener Reposition
und Osteosynthese bei an sich gutem Operationsresultat weiterhin bewegungs- und
kraftlimitierende Schmerzen im Bereich des Handgelenks sowie unklare Dysästhesien
im Bereich der Finger und der ulnaren Handkante beklagt würden. Infolge von
Selbstlimitierung und Inkonsistenzen seien die Resultate von physischen
Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise
verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem Effort eine bessere Leistung
erbracht werden könnte, als in den Therapien gezeigt worden sei. Das Ausmass der
demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden und den bildgebenden Abklärungen nur zum Teil erklären.
Die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter sei dem Beschwerdeführer aufgrund der zu
hohen Anforderungen nicht mehr zumutbar. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit ohne
Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten sei dem Beschwerdeführer hingegen ganztags
zumutbar (Austrittsbericht vom 3. April 2006, Fremd-act. 1-102 ff.). Anlässlich der
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung der Unfallversicherung vom 11. Dezember 2007
(und damit nach Erlass der ursprünglichen rentenzusprechenden IV-Verfügung) wurde
festgehalten, dass die Untersuchung des Handgelenks eine deutlich eingeschränkte
aktive Beweglichkeit gezeigt habe. Es bestehe eine gewisse Atrophie der rechten
oberen Extremität, was auf eine Inaktivität hindeute. Es bestünden jedoch weder
radiologisch noch klinisch Dystrophiezeichen und das Röntgenbild zeige einen guten
Mineralisationsgehalt und keine wesentlichen Arthrosezeichen. Vorwiegend lägen
nicht-organische Komponenten vor. Deshalb sei auf die Zumutbarkeitsbeurteilung der
Rehaklinik Bellikon abzustellen (Fremd-act. 3-47 ff.).
Die Ärzte der Psychiatrischen Klinik D._ hatten im Rahmen der stationären
Behandlung vom 29. November 2006 bis 12. Januar 2007 die Diagnosen einer
schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (F32.1) sowie
anamnestisch einer somatoformen Schmerzstörung (F45.4) gestellt. Ziel der
Behandlung sei die Aktivierung des Beschwerdeführers über die Einbindung in
Therapien gewesen. An diesen habe der Beschwerdeführer nur teilweise
teilgenommen. Dem zunehmend auf seine spezifischen Störungsmuster
zugeschnittenen Ganztagesprogramm mit hoher Observanz durch das Behandlerteam
habe sich der Beschwerdeführer durch die Aufkündung des Behandlungsvertrages und
einen raschen Austrittswunsch entzogen (Austrittsbericht vom 12. Januar 2007, Fremd-
act. 1-3 ff.). Am 23. Mai 2007 hatten die Ärzte berichtet, dass von einer positiven
2.1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/16
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Prognose ausgegangen werden könne, vorausgesetzt, dass sich der Beschwerdeführer
auf eine regemässige medikamentöse Behandlung sowie auf eine gezielte
psychotherapeutische Behandlung einlassen könne (IV-act. 20). Dr. med. P._,
Ambulatorium M._, der den Beschwerdeführer ambulant weiter betreut hatte, hatte
am 9. August 2007 berichtet, dass der Beschwerdeführer an einer schweren
depressiven Episode mit psychotischen Symptomen und einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung leide, ausgelöst durch die Radiusfraktur vom
September 2005 mit schwerem Rehabilitationsdefizit. Es bestehe für jegliche Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 22 f.). Der RAD hatte die psychische
Beeinträchtigung des Beschwerdeführers in seiner internen Stellungnahme vom 17.
August 2007 als derart schwer erachtet, dass aktuell keine adaptierte Tätigkeit denkbar
sei (IV-act. 23).
Ob der im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache massgebende
Sachverhalt damals hinreichend abgeklärt worden war, ist mit Blick auf die eher
dürftige Aktenlage fraglich. Bei der damaligen Sachlage hätte sich zumindest eine
RAD-ärztliche Untersuchung aufgedrängt, da nicht auszuschliessen war, dass die
behandelnden Ärzte aufgrund ihres ärztlichen Behandlungsauftrags die subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers in ihre Beurteilung hatten einfliessen lassen und
deshalb nicht auf den objektiv-klinischen Befund abgestellt hatten. Nach dem Sinn und
Zweck des Art. 17 Abs. 1 ATSG muss die Revision einer Rente aber auch dann zulässig
sein, wenn der Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
festgestanden hatte. In einem solchen Fall muss der überwiegend wahrscheinliche
Sachverhalt im Zeitpunkt des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jener
Sachverhaltsannahme verglichen werden, die bei der ursprünglichen Rentenzusprache
unter den gesetzlichen Tatbestand subsumiert und damit der rentenzusprechenden
Verfügung zugrunde gelegt worden war. Ein Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall
also dann vor, wenn der aktuelle Sachverhalt nicht mehr jener Sachverhaltsannahme
entspricht, auf die die IV-Stelle bei der ursprünglichen Rentenzusprache abgestellt
hatte (vgl. zum Ganzen ausführlich den Entscheid des Versicherungsgerichtes vom 25.
Juni 2019, IV 2016/364 E. 1.1).
2.1.3.
Der Unfall des Beschwerdeführers war bei Rentenzusprache im November 2007
erst gut zwei Jahre zurückgelegen. Seither hatten zwei operative Eingriffe am rechten
Handgelenk und längerdauernde Therapien stattgefunden. Der Beschwerdeführer hatte
- zum damaligen Zeitpunkt - seine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Bauarbeiter vollumfänglich eingebüsst und per Ende August 2006 seine Festanstellung
2.1.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/16
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in der Baubranche verloren. Zeitgleich mit der im Juni 2006 vom Arbeitgeber
ausgesprochenen Kündigung hatten die psychischen Probleme begonnen (vgl. etwa
Fremd-act. 1-4 Mitte, IV-act. 295-12), die zu den längeren stationären und ambulanten
Therapien geführt hatten (Fremd-act. 1-24 ff., 1-3 ff.; 1-17; IV-act. 21). Auf Ende
November 2006 hatte der Beschwerdeführer überdies auch die Nebentätigkeit im
Reinigungsbereich verloren (vgl. IV-act. 15-7). Insgesamt ist - trotz der dürftigen
damaligen Aktenlage - davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der ursprünglichen Rentenzusprache aufgrund der unfallbedingten Einschränkung
seiner dominanten Hand und einer damit einhergehenden, akuten psychischen
Anpassungsreaktion im Sinne einer schweren depressiven Episode zu 100%
arbeitsunfähig war und die damalige Rentenzusprache auf diesem Gesamtbild beruhte.
Im Rahmen des Revisionsverfahrens wurde der Beschwerdeführer orthopädisch
und psychiatrisch begutachtet.
2.2.
Im orthopädischen Gutachten vom 26. Februar 2015 wurde festgehalten, dass
die Anamnese des Beschwerdeführers zum aktuellen Leiden sehr schwer zu eruieren
gewesen sei. Er habe keine Angaben machen wollen. Das Gespräch sei hauptsächlich
mit der Betreuerin und Dolmetscherin geführt worden. Bei der Untersuchung der
rechten Hand habe der Beschwerdeführer angegeben, diese nicht bewegen zu können.
Bei der durchgeführten passiven Beweglichkeit habe es allerdings keinerlei
Bewegungseinschränkungen gegeben. Auffallend sei eine hervorragende muskuläre
Ausbildung an der Hand und am Unterarm gewesen. Hier habe sich eine
hervorragende Beschwielung der rechten Hand gezeigt, sodass der dringende
Verdacht auf aktuelle handwerkliche Tätigkeiten bestehe. Der orthopädische Gutachter
verneinte jegliche muskuläre Atrophie und hielt fest, dass die dargestellten
Beschwerden aufgrund der klinischen Untersuchungen und des radiologischen
Befundes nicht nachvollzogen werden könnten. Der körperliche Befund zeige keinerlei
Einschränkungen und neurologische Defizite. Die vom Beschwerdeführer
vorgetragenen Beschwerden und präsentierten Symptome seien in sich nicht
konsistent mit den erhobenen Befunden. Die Radiusfraktur sei vollkommen ausgeheilt
und die Muskulatur der Hand und des Armes sei vollkommen zurückgekehrt. Der
Gutachter schätzte die Arbeitsfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auf 100%. Er hielt fest,
dass sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in adaptierten Tätigkeiten keine
verminderte Leistungsfähigkeit mehr bestehe. Es sei möglich, dass die geltend
gemachten Beschwerden vorgespielt seien. Der klinische und der radiologische Befund
ständen in krassem Gegensatz zu den angegebenen Beschwerden. Auch das
Observationsmaterial zeige eine vollständig andere Verhaltensweise des
2.2.1.
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Beschwerdeführers. Dieser habe sich bisher geweigert, eine zur Validierung der
geklagten Leiden anerkannte neurologische Untersuchung durchzuführen. Ein
Täuschungsverhalten sei wahrscheinlich (IV-act. 166).
Im psychiatrischen Gutachten vom 6. Mai 2019 kam der Experte seinerseits zum
Schluss, dass im Wesentlichen die Diagnosen einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und emotional-instabilen/impulsiven Zügen
(F61.0), einer Angststörung und depressiven Störung gemischt (F41.2) sowie einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) und
abnormem Krankheitsverhalten zu stellen seien. Dabei sei es kein leichtes Unterfangen,
die passenden diagnostischen Klassifikationen zu finden, die dem immensen Spektrum
von somatischen und psychischen Beschwerden und Dysfunktionen gerecht würden.
Das Gewicht der genuinen Gesundheitsstörung des Beschwerdeführers reduziere sich
unter Berücksichtigung des relativ hohen Stellenwertes von IV-fremden Faktoren und
des hochgradig abnormen Krankheitsverhaltens beträchtlich, was auch mit dem relativ
unauffälligen klinischen Erscheinungsbild übereinstimme. Im aktuellen Zustand sei von
einer leichten, allenfalls leicht bis mittelschweren Störung auszugehen, die bei
entsprechender Leistungsmotivation durchaus noch Möglichkeiten des produktiven
Arbeitens offenliesse. Weder die von verschiedenen Therapeuten diagnostizierte
schwere Depression mit psychotischer Symptomatik noch die posttraumatische
Belastungsstörung mit Panikattacken hätten anlässlich der aktuellen Untersuchung
bestätigt werden können. Vielmehr hätten die aktuell gestellten Diagnosen auch
retrospektiv durchaus Anwendung finden können. Die 0%ige Arbeitsfähigkeit, die der
Beschwerdeführer verschiedentlich attestiert bekommen habe, könne im Grunde nur
für die Zeit seiner chirurgischen Behandlung nach dem Unfall sowie für die
Klinikaufenthalte und allenfalls noch für den Tiefpunkt seiner Anpassungsstörung nach
der Observation als effektiv begründbar angesehen werden (IV-act. 295-46). In einer
optimal angepassten Tätigkeit könne die Arbeitsfähigkeit bis zu 70% betragen. Dabei
sei eine Tätigkeit in Innenräumen ohne Zwangshaltungen, ohne das Heben von
schweren Lasten sowie ohne allzu hohe Anforderungen an die Eigenmotivation und an
die Langzeitkonzentrationsfähigkeit zu bevorzugen (IV-act. 295).
2.2.2.
Die beiden Fachgutachten sind jeweils in Kenntnis der medizinischen Aktenlage
erstellt worden und beruhen auf umfassenden fachärztlichen Untersuchungen. Die
beiden sachverständigen Gutachter haben sich mit den vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Trotz seines passiven Verhaltens bzw.
der insgesamt erschwerten Untersuchungssituation ist es beiden Gutachtern gelungen,
detaillierte Befunde zu erheben und eine überzeugende und nachvollziehbare
2.2.3.
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Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben. In psychiatrischer Hinsicht vermögen
insbesondere die vom Beschwerdeführer angeführten Berichte der behandelnden
Psychiaterin med. pract. O._ die gutachterliche Beurteilung nicht in Frage zu stellen,
zumal der psychiatrische Gutachter die von dieser diagnostizierte PTBS klar verneint
hat. Diesbezüglich ist insbesondere auch auf die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits
hinzuweisen (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Dieser Faktor ist
vorliegend aufgrund der erheblichen Diskrepanzen der subjektiven Angaben und
objektiven Befunde von erheblicher Bedeutung. Die behandelnde Psychiaterin scheint
sich sowohl bei den Angaben zum Unfall als auch bei der Befunderhebung im
Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers gestützt zu haben,
ohne diese kritisch zu hinterfragen. Damit vermag die Einschätzung der Psychiaterin
die Überzeugungskraft der gutachterlichen Beurteilung aufgrund der fehlenden
Objektivität nicht zu erschüttern. Was schliesslich die Verwertung des
Observationsmaterials betrifft, so ist auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in
der Beschwerdeantwort zu verweisen (act. G 4 Ziff. 4). Zusammenfassend kann auf die
gutachterlichen Beurteilungen abgestellt werden.
Vergleicht man den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache im Jahr 2007 mit der gesundheitlichen Situation, wie
sie sich im aktenmässigen Verlauf bis zum Erlass der angefochtenen
Revisionsverfügung im Jahr 2020 präsentierte, fällt auf, dass durchgängig von
verschiedenen Ärzten Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Verhalten des
Beschwerdeführers festgestellt und aus gutachterlicher Sicht ein Täuschungsverhalten
als wahrscheinlich erachtet wurde. Die erheblichen Diskrepanzen bezüglich der objektiv
erhebbaren Befunde und der geltend gemachten Beschwerden erschweren eine
Beurteilung und Plausibilisierung der gesundheitlichen Situation des
Beschwerdeführers erheblich, wenn sie diese nicht gar verunmöglichen.
Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers im Verlauf aktenkundig wesentliche Veränderungen erfahren und
sich im Revisionszeitpunkt insgesamt verbessert gezeigt hat. In somatischer Hinsicht
hat sich dahingehend eine Verbesserung ergeben, dass die damaligen medizinischen
Abklärungen noch eine gewisse Atrophie und damit Hinweise auf eine Inaktivität der
rechten Hand und des Handgelenks ergeben hatten, wogegen anlässlich der
orthopädischen Begutachtung im Jahr 2015 keinerlei Atrophie mehr festgestellt und ein
Zustand nach vollkommen ausgeheilter Radiusfraktur ohne Funktionseinschränkungen
diagnostiziert wurde. In psychischer Hinsicht wurde dem Beschwerdeführer anlässlich
2.3.
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3.
der Begutachtung im Jahr 2019 eine 70%ige und damit wesentlich verbesserte
Arbeitsfähigkeit attestiert. Zwar gab der psychiatrische Gutachter den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers als seit Jahren im Wesentlichen
unverändert an. Dies ist jedoch damit zu begründen, dass er die damalige
gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers retrospektiv anders einschätzte als
die echtzeitlich mit der Behandlung betrauten Ärzte (vgl. vorstehend E. 2.2.2). Da aber,
wie in E. 2.1.3 dargelegt, die bei der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde
gelegte Sachverhaltsannahme als Vergleichsbasis dient (und für die gut zwei Jahre
nach dem Unfall eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit immerhin plausibilisiert
werden konnte), kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass der Gutachter
keine offenkundige Veränderung seines Gesundheitszustands angenommen hat, nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Vielmehr ist auch in psychischer Hinsicht von einer
wesentlichen Veränderung auszugehen. Vor diesem Hintergrund hat die
Beschwerdegegnerin einen Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG zu Recht bejaht.
Zusammenfassend ist mit Blick auf die überzeugenden medizinischen Gutachten
von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen.
3.1.
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad. Der Beschwerdeführer war vor dem
Unfall als Bauarbeiter tätig und führte seit Oktober 2003 eine Nebentätigkeit bei den
Q._ AG aus. Da sein Gesamteinkommen in den Jahren vor dem Unfall im Jahr 2005
schwankte, rechtfertigt es sich, für die Bemessung des Valideneinkommens den
Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2004 heranzuziehen. Im Jahr 2002 hat er ein
Jahreseinkommen von Fr. 51'253.00, im Jahr 2003 von Fr. 52'027.00 und im Jahr 2004
von Fr. 61'852.00 erzielt (vgl. IK-Auszug vom 21. Februar 2007, IV-act. 9; Werte in den
Jahren 2003 und 2004 einschliesslich des Einkommens aus Nebenerwerb). Bei
jeweiliger Anpassung dieser Jahreslöhne an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr
2007 ergibt sich dabei ein durchschnittliches Einkommen von Fr. 57'591.45 (vgl. T39,
Entwicklung der Nominallöhne; Index Männer 2002: 1'933 [= Fr. 54'275.70]; 2003:
1'958 [= Fr. 54'391.85]; 2004: 1'975 [= Fr. 64'106.85] und 2007: 2'047). Damit liegt der
vom Beschwerdeführer erzielte, nominallohnbereinigte Durchschnittslohn selbst bei
Einbezug des Verdienstes bei der Q._ AG nicht über dem Durchschnittslohn gemäss
Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung für männliche Hilfsarbeiter im
Jahr 2007 von Fr. 60'167.00. Vor diesem Hintergrund kann eine vertiefte Prüfung, ob es
dem Beschwerdeführer längerfristig zumutbar gewesen wäre, neben der vollzeitlichen
Tätigkeit beim Baugeschäft R._ die Tätigkeit bei der Q._ AG auszuüben (sowie
gegebenenfalls das Ausmass festzusetzen), unterbleiben. Insgesamt ergibt sich bei
3.2.
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4.