Decision ID: 2a938cf8-04f2-4d90-a544-4aeae419de74
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, hat sein Heimatland eigenen Angaben zufolge im Dezember 2008
in Richtung Indien verlassen. Am 3. Oktober 2016 hat er Indien auf dem
Luftweg verlassen und am 4. Oktober 2016 am Flughafen Zürich-Kloten
ein Asylgesuch eingereicht. Am 10. Oktober 2016 wurde ihm die Einreise
in die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs bewilligt.
B.
Die Befragung zur Person (BzP) fand am 7. Oktober 2016 statt. Am 3. Juni
und am 3. Juli 2019 wurde der Beschwerdeführer eingehend zu seinen
Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen folgenden Sach-
verhalt geltend:
Seine Familie stehe den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) nahe,
zwei seiner Brüder seien hochrangig für diese tätig gewesen (beide hätten
den Rang eines «Leutnant-Colonel» gehabt) und seien im Bürgerkrieg um-
gekommen. Bereits in seiner Kindheit habe er den Krieg am eigenen Leib
miterlebt, weshalb er sich entschlossen habe, den LTTE beizutreten. Im
Jahr 2005 habe er eine militärische Ausbildung erhalten. Zwischen 2005
und 2007 sei er zum «Training-Master» aufgestiegen. Danach sei er in die
Geheimdienstabteilung abkommandiert worden und sei bis Dezember
2008 bei dieser tätig gewesen. Er sei einer Frau B._ unterstellt ge-
wesen, welche dem Chef des Geheimdienstes, Herr C._, unterstellt
gewesen sei. Im August 2008 sei er von Vanni nach Vavuniya geschickt
worden, wo er zusammen mit einem Kollegen die Aufgabe gehabt habe,
die sri-lankische Armee (SLA) in Vavuniya zu beobachten. Er habe be-
obachten müssen, wie diese ihre Waffen und Militärfahrzeuge in der Stadt
Vavuniya bewegten und die Truppen gegen die LTTE manövrierten. Aus-
serdem habe er auskundschaften müssen, ob es Möglichkeiten für An-
schläge gebe, um die grosse Offensive der SLA zu stoppen oder zu schwä-
chen. Diese Informationen habe er teilweise von Soldaten der SLA erhal-
ten, zu denen er Kontakt gepflegt habe. Sein Kollege in der Geheimdienst-
abteilung sei kurze Zeit später von der SLA ermordet worden. Wahrschein-
lich sei diese über den Kollegen an Informationen über ihn gelangt und
habe begonnen, nach ihm zu suchen, denn kurze Zeit später hätten ihn
Leute der SLA aufgespürt und verfolgt. Ihm sei jedoch die Flucht gelungen.
Seine Vorgesetzte habe ihm darauf geraten, unterzutauchen und sich im
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Ausland in Sicherheit zu bringen. Diesem Rat sei er gefolgt und im Dezem-
ber 2008 sei ihm schliesslich – nach mehreren Versuchen – die Flucht per
Boot nach Indien gelungen. Ferner erklärte er, er habe am 10. Dezember
2008 den Kontakt zu seiner Vorgesetzten verloren, da diese im Vanni-Ge-
biet stationiert gewesen und dort Krieg ausgebrochen sei. In Indien habe
er sich zunächst in verschiedenen Flüchtlingscamps im Bundesstaat Tamil
Nadu und ab 2013 in der Stadt Chennai aufgehalten. Dort habe er am 28.
Juni 2013 seine Frau geheiratet. Während seines Aufenthalts in Indien sei
er von einem Kollegen finanziell unterstützt worden, welcher sich in Eng-
land aufhalte. Dieser stamme aus seinem Dorf. Da zwei seiner Brüder ums
Leben gekommen seien, habe er innerhalb der Familie niemanden, der ihn
hätte unterstützen können, weshalb er von diesem Kollegen Unterstützung
erhalten habe. Am 15. April 2016 sei er in Chennai von Unbekannten ent-
führt und bis zum 26. Juni 2016 an einem ihm unbekannten Ort festgehal-
ten worden. Während dieser Zeit sei er misshandelt und mehrfach sexuell
missbraucht worden. Die Entführer hätten Lösegeld verlangt, wobei seine
Ehefrau einen Teil bezahlt habe. Beim Transport zum Übergabeort des
zweiten Teils des Lösegeldes sei ihm die Flucht gelungen. In der Folge
habe er sich versteckt und seine Flucht aus Indien vorbereitet. Am 3. Ok-
tober 2016 sei er schliesslich in die Schweiz geflogen. Nach seiner Aus-
reise sei seine in Indien verbliebene Ehefrau wiederholt von Unbekannten
telefonisch bedroht worden. Sie sei deshalb am 26. April 2018 mit Hilfe des
UNHCR nach Sri Lanka zurückgekehrt. Dort sei sie von Beamten des CID
aufgesucht und über den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers befragt
worden. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde er um sein Leben fürch-
ten, da die sri-lankische Regierung ehemalige Geheimdienstleute der LTTE
jage – sie fürchte einen Wiederaufbau der LTTE durch diese. Ausserdem
habe er ein hochrangiges Profil aufgrund seiner beiden verstorbenen Brü-
der. Einer der Brüder sei ein berühmtes LTTE-Mitglied gewesen und den
sri-lankischen Behörden bekannt. Der Beschwerdeführer reichte verschie-
dene Dokumente zur Untermauerung seiner Vorbringen zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2
AsylG, wies sein Asylgesuch jedoch wegen Asylunwürdigkeit ab; es ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Weg-
weisung infolge Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf-
schob.
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D.
Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht
vom 25. November 2019 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung
erheben. Darin beantragte er die Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 3
der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung des Asylpunktes an die Vorinstanz; eventualiter sei das
SEM anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Ferner er-
suchte er um unverzügliche Mitteilung, welche Gerichtspersonen mit der
Behandlung der Sache betraut seien. Gleichzeitig sei bekannt zu geben,
ob diese zufällig ausgewählt worden seien und andernfalls die konkreten
objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen die Auswahl erfolgt sei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2019 informierte der vormalige
Instruktionsrichter über die Zusammensetzung des Spruchkörpers und trat
auf den Antrag um Mitteilung betreffend dessen Bildung nicht ein. Ferner
wurde dem Beschwerdeführer Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses
oder eines begründeten Gesuchs um Erlass der Verfahrenskosten ange-
setzt.
F.
Der Kostenvorschuss wurde am 19. Dezember 2019 fristgerecht geleistet.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Vorliegend wurde aufgrund von Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
4.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2019 wurde dem Beschwerde-
führer antragsgemäss das Spruchgremium unter Vorbehalt allfälliger
Wechsel bei Abwesenheiten mitgeteilt. Aufgrund des Abteilungswechsels
des Zweitrichters Jürg Marcel Tiefenthal erfolgte eine Spruchkörperände-
rung und Richter Gérald Bovier wurde als Zweitrichter eingesetzt. Die An-
passung erfolgte manuell und – wie auch die ursprüngliche Einsetzung –
aufgrund objektiver und im Voraus bestimmter Kriterien (vgl. Art. 31 Abs. 3
des Geschäftsreglements für das Bundesverwaltungsgericht [VGR, SR
173.320.1] vom 17. April 2008). Als objektive Kriterien in diesem Sinne gel-
ten Amtssprache, Beschäftigungsgrad, Belastung durch die Mitarbeit in
Gerichtsgremien, Vorbefassung, Kammerzuständigkeit, Austritt, Erweite-
rung des Spruchkörpers, Ausstand, enger Sachzusammenhang, Abwesen-
heit sowie Ausgleich der Belastungssituation.
5.
Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit der angefochtenen
Verfügung gestützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und seine vor-
läufige Aufnahme in der Schweiz angeordnet hat, ist nachfolgend einzig zu
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beurteilen, ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangt ist, der Beschwer-
deführer sei asylunwürdig im Sinn von Art. 53 AsylG und sein Asylgesuch
sei deshalb abzulehnen.
6.
6.1
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Davon ausgenommen sind gemäss Art. 53 AsylG
jedoch unter anderem Flüchtlinge, die wegen verwerflicher Handlungen
der Asylgewährung unwürdig sind (Bst. a) oder die die innere oder die
äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Bst. b).
6.2 Unter den Begriff der verwerflichen Handlungen im Sinn von Art. 53
Bst. a AsylG fallen grundsätzlich Delikte, die dem abstrakten Verbrechens-
begriff von Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen, also Straftaten, die mit einer
abstrakten Höchststrafe von mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht
sind (vgl. hierzu und zum Folgenden BVGE 2011/29 E. 9.2.2, 2011/10 E. 6
und 2010/44 E. 6). Nach der asylrechtlichen Rechtsprechung ist es irrele-
vant, ob die verwerfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrecht-
lichen Charakter hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist (vgl. BVGE
2011/29 E. 9.2.2, 2011/10 E. 6 [2. Abschnitt] und das Urteil des BVGer vom
28. Oktober 2013 E. 5.1, je m.w.H.). Das anzusetzende Beweismass
wurde in der Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Ände-
rung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Auslän-
der vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II 73) für Art. 1 F des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) und Art. 53 Bst. a AsylG übereinstimmend umschrieben, was
sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschlagen hat. Demnach
ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein strikter Nachweis
erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte
Annahme, dass sich die betreffende Person einer Straftat im Sinn der ge-
nannten Bestimmungen schuldig gemacht hat. Liegt eine entsprechende
Delinquenz vor, vermag die alleinige Tatsache einer Mitgliedschaft bei ei-
ner extremistischen Organisation nicht zur Folgerung der Asylunwürdigkeit
zu führen. Es ist diesfalls vielmehr von einer pauschalen Betrachtungs-
weise Abstand zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag zu ermitteln; zu
diesem sind die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatent-
scheid wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs- oder
Schuldminderungsgründe zu zählen (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.3 f.). Aus-
serdem ist zu prüfen, ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine
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verhältnismässige Massnahme darstellt (vgl. BVGE 2011/10 E. 6, 2011/29
E. 9.2.3 f. m.w.H.).
7.
7.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Asylentscheids zunächst
aus, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft, da aufgrund
der Aktenlage, seiner Aussagen und den dazu eingereichten Dokumenten
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass er im
Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevante Nachteile zu befürchten
habe. Jedoch bestehe aufgrund seiner Aussagen sowie der eingereichten
Fotografien eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er im Zusammenhang mit
seiner Tätigkeit als «Training Master» an bewaffneten Fronteinsätzen be-
teiligt gewesen sei und sich eines oder mehrerer Verbrechen schuldig ge-
macht habe. Selbst bei der unwahrscheinlichen Annahme, dass keine sei-
ner Aktivitäten auf der Gegenseite zu Todesopfern oder Verletzten geführt
habe, müsste von einem vollendeten Versuch zur Begehung eines Verbre-
chens ausgegangen werden. Es sei bekannt, dass die LTTE rigoros und
mit besonderer Grausamkeit gegen (angeblich) oppositionelle Kräfte vor-
gegangen seien und in diesem Zusammenhang zahlreiche Delikte gegen
Leib und Leben begangen hätten, welche als verwerfliche Handlungen zu
qualifizieren seien. Die alleinige Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur
Organisation sei für sich alleine nicht als verwerfliche Handlung im Sinn
von Art. 53 AsylG zu werten; diesbezüglich sei auf seinen individuellen Tat-
beitrag abzustellen. Als «Training Master» dürfte er mit hoher Wahrschein-
lichkeit verwerfliche Handlungen begangen haben. Ausserdem handle es
sich bei ihm um ein langjähriges Mitglied der LTTE, welches sich 2005 frei-
willig und aus Überzeugung dieser Organisation angeschlossen habe. Im
Übrigen habe er offenbar nahe Verbindungen zu wichtigen Persönlichkei-
ten innerhalb der LTTE gehabt, namentlich zu seinen beiden Brüdern, die
als hochrangige Kommandanten bei den LTTE tätig gewesen seien und mit
denen er auf Fotografien zu sehen sei. Aufgrund der Dauer und der Quali-
fiziertheit seiner Aktivitäten für die LTTE sei davon auszugehen, dass er
diese über einen vergleichsweise langen Zeitraum in nicht zu unterschät-
zendem Ausmass sowohl logistisch (als Geheimdienstmitarbeiter), als
auch militant (als Training Master) unterstützt habe. Insbesondere in seiner
Funktion als Geheimdienstmitarbeiter dürfte er eine zentrale Rolle für die
Kriegsführung der LTTE innegehabt haben. Er habe sich als 24-jähriger
freiwillig den LTTE angeschlossen. Aufgrund seines damaligen Alters sei
er sich den Folgen seines Handelns klar bewusst gewesen und habe diese
in Kauf genommen. Sodann habe er nie versucht sich von den LTTE zu
distanzieren, offenbar bewege er sich auch seit er in der Schweiz sei noch
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in einem LTTE-Umfeld und nehme an Anlässen dieser Organisation teil. Er
identifiziere sich mit deren Ideologie und zeige dies auch. Betreffend Ver-
hältnismässigkeit führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer könne
als Flüchtling in der Schweiz bleiben und verfüge hier über einen privile-
gierten Rechtsstatus. Erschwert sei einzig der Familiennachzug seiner
Ehefrau. Dies genüge vorliegend jedoch nicht, um von der Unverhältnis-
mässigkeit des Asylausschlusses auszugehen. Zudem habe er sich seit
der Ausreise aus Sri Lanka offenbar auch nie aus Überzeugung von den
LTTE distanziert oder eine allfällige Veränderung seiner Lebensverhält-
nisse in Bezug auf diese an den Tag gelegt. Der Asylausschluss sei somit
verhältnismässig, selbst wenn seine Taten in Sri Lanka bereits elf Jahre
zurückliegen würden.
7.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegnet, das SEM
habe den rechtserheblichen Sachverhalt weder vollständig noch richtig ab-
geklärt und zudem die Begründungspflicht verletzt. Der Beschwerdeführer
sei den LTTE nicht grundlos beigetreten, sondern da er seit seinem sechs-
ten Lebensjahr immer wieder grossem Leid und Übergriffen von Seiten den
sri-lankischen Sicherheitsbehörden oder mit diesen verbundenen Perso-
nen aufgrund des Bürgerkriegs ausgesetzt gewesen sei. Nach seinem Bei-
tritt zu den LTTE im Jahr 2005 habe er zunächst eine militärische Grund-
ausbildung durchlaufen. Von 2005 bis 2007 sei er Ausbildungsleiter gewe-
sen, danach bis August 2008 habe er als Teil des LTTE-Geheimdienstes
Truppenbewegungen der sri-lankischen Armee überwacht. Er sei somit le-
diglich rund dreieinhalb Jahre Mitglied der LTTE gewesen und habe an kei-
ner Kampfhandlung teilgenommen. So werde ihm in der Verfügung des
SEM auch keine konkrete Tat, respektive Beteiligung an einer Tat, vorge-
worfen, sondern es werde davon ausgegangen, dass er sich im Zusam-
menhang mit seiner Tätigkeiten als Ausbildungsleiter Verbrechen schuldig
gemacht habe. Dies ohne Verweis auf Protokollstellen, einen konkreten
Tatbeitrag oder ein spezifisches Ereignis, sondern lediglich auf pauschalen
Annahmen beruhend. Die Annahme des SEM aufgrund seiner Tätigkeit als
Ausbildungsleiter an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung und damit ge-
gen die Menschlichkeit beteiligt gewesen zu sein, komme im Grunde einer
pauschalen Annahme gleich, jedes Mitglied der LTTE habe aufgrund dieser
Mitgliedschaft eine verwerfliche Handlung begangen. Dies sei absurd und
gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht zuläs-
sig. Ferner hätte gewürdigt werden müssen, dass sich der angefochtene
Entscheid massiv zu Lasten der Ehefrau des Beschwerdeführers auswirke,
da sich diese in Sri Lanka aufhalte und anhaltend bedroht werde, der Be-
schwerdeführer sie aber aufgrund der festgestellten Asylunwürdigkeit nicht
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nachziehen könne. Schliesslich werde aus der Verfügung nicht klar, wel-
cher Tatbeitrag zu welchen Straftaten dem Beschwerdeführer denn nun
konkret vorgeworfen würden, zumal sich in den Akten keinerlei Hinweise
für eine allfällige konkrete Straftat finden würden und das SEM auch keinen
einzigen konkreten Tatbeitrag benenne. Damit verletze die angefochtene
Verfügung die Begründungspflicht. Ferner würden dem Beschwerdeführer-
nahe Verbindungen zu wichtigen Persönlichkeiten innerhalb der LTTE, na-
mentlich zu seinen zwei Brüdern, die als hochrangige Kommandanten tätig
gewesen seien, vorgeworfen. Es sei klar, dass er Kontakt zu seinen Brü-
dern pflege, jedoch wende das SEM damit Sippenhaft an. Aus den Foto-
grafien mit den Brüdern könne nicht geschlossen werden, dass der Be-
schwerdeführer verwerfliche Handlungen verübt habe oder über eine be-
sonders verwerfliche Einstellung verfüge. Der vom SEM verletzte Anspruch
auf das rechtliche Gehör (Begründungspflichtsverletzung) und der nicht
vollständig beziehungsweise unrichtig abgeklärte rechtserhebliche Sach-
verhalt würden die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz rechtfertigen.
8.
8.1 In der Beschwerde wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt,
was vorab zu beurteilen ist.
8.2
8.2.1 Der Beschwerdeführer erblickt eine Verletzung der Begründungs-
pflicht – und damit des rechtlichen Gehörs – darin, dass das SEM nicht
konkretisiert habe, welche Delikte gegen Leib und Leben (respektive wel-
cher Tatbeitrag daran) ihm genau vorgeworfen werden. Dadurch sei ihm
eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung verunmöglicht worden.
8.2.2 Aus der vorinstanzlichen Begründung geht hinreichend hervor,
welche Handlungen des Beschwerdeführers das SEM der Begehung ver-
werflicher Handlungen durch die LTTE als zuträglich qualifizierte. Die
Beurteilung eines allfälligen individuellen Tatbeitrags bildet sodann Gegen-
stand der materiellen Prüfung. Insgesamt lassen die Akten keine Ver-
fahrensfehler erkennen, die eine Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz rechtfertigen würden.
8.2.3 Nach dem Gesagten besteht für die beantragte Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz keine Veranlassung.
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Seite 10
9.
9.1 Nach Durchsicht der Verfahrensakten kommt das Bundesverwaltungs-
gericht in Abweichung von der Vorinstanz zum Schluss, dass dem Be-
schwerdeführer kein konkreter und individueller Tatbeitrag zu verwerflichen
Handlungen im Sinn von Art. 53 AsylG vorgeworfen werden kann.
Als wesentlich wird Folgendes erachtet:
9.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon
aus, dass die LTTE angesichts ihrer Zielsetzung der politischen Selbst-
bestimmung der Tamilen in Sri Lanka nicht ausschliesslich als terroristisch-
kriminelle Organisation aufzufassen sind, gleichzeitig aber aufgrund der
Wahl ihrer Mittel, welche zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen
geführt haben, ebenso nicht nach den alleinigen Kriterien einer Bürger-
kriegspartei behandelt werden können. Mit anderen Worten wird es in
Bezug auf die LTTE einerseits nicht als sachgerecht angesehen, deren
Taten generell als Kriegshandlungen zu qualifizieren – mit der Konse-
quenz, dass diese den daran Beteiligten generell nicht als Asylausschluss-
grund entgegengehalten werden können. Andererseits wird auch die
Annahme eines Asylausschlusses einzig gestützt auf eine Mitgliedschaft
bei den LTTE nicht als gerechtfertigt erachtet (vgl. BVGE 2011/29 E. 8.2.1;
Urteil des BVGer D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.2.1 ff. m.w.H.).
9.3 Das Bundesverwaltungsgericht bejahte im vorliegenden Länder-
kontext eine Asylunwürdigkeit zuletzt insbesondere in Fällen, bei denen die
betreffenden Personen selbst aktiv an Kampfhandlungen beteiligt waren,
innerhalb der LTTE Funktionen mit Befehlsgewalt ausübten, Waffen- und
Munitionslager verwalteten und/oder Kampftruppen mit Waffen belieferten
(vgl. BVGer-Urteile E-7518/2014 vom 30. Juli 2015 E. 6.2.2, D-1320/2015
vom 4. Januar 2016 E. 6.3, D-6095/2014 vom 1. März 2016 E. 6.2.3,
D-5136/2014 vom 11. Juli 2016 E. 8.3.1 sowie D-1255/2017 vom 25. Fe-
bruar 2019 E. 5.4). Demgegenüber wurde beispielsweise Personen Asyl
gewährt, die – sei es als Mitglied oder Sympathisant – Material für die LTTE
beschafften, Waffen oder Minen versteckten respektive aufbewahrten,
Geld einsammelten, in der Funkabteilung tätig waren, Fahrzeuge reparier-
ten und/oder Personen oder Lebensmittel transportierten (vgl. BVGer-
Urteile D-7471/2014 vom 1. März 2018 E. 5.3.2, E-4917/2015 vom 22. Ok-
tober 2018 E. 6.1, D-1762/2019 vom 20. Mai 2019 E. 7.2.2 und
D-1975/2020 vom 18. September 2020 E. 7.2.3, D-2085/2018 vom 6. Mai
2021 E. 6).
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Seite 11
9.3.1.1 Vorliegend kann – auch unter Berücksichtigung vergleichbarer Fall-
konstellationen – nicht der Schluss gezogen werden, der Beschwerde-
führer sei entweder direkt oder indirekt an gewalttätigen und terroristischen
Handlungen der LTTE beteiligt gewesen und seine unmittelbare bezie-
hungsweise mittelbare Täterschaft an verwerflichen Handlungen sei über-
wiegend wahrscheinlich. Wie oben dargelegt, stellen weder eine LTTE-
Mitgliedschaft für sich allein noch sämtliche Aktivitäten innerhalb dieser Or-
ganisation verwerfliche Handlungen im Sinn von Art. 53 AsylG dar.
Sodann sind weder individuelle Handlungen noch eine individuelle Verant-
wortlichkeit des Beschwerdeführers ersichtlich, die als verwerflich im Sinn
von Art. 53 AsylG einzustufen sind. Aus den protokollierten Angaben zu sei-
nen Tätigkeiten für die LTTE ergeben sich keine klaren Hinweise darauf,
dass er in irgendeiner Weise an Gewaltakten der LTTE beteiligt war. Er
bekleidete weder eine Führungsfunktion noch verfügte er über Entschei-
dungsbefugnisse. Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass die Vo-
rinstanz nicht schlüssig aufzuzeigen vermochte, wie er sich durch seine
Tätigkeiten an allfälligen Gewalt- und Tötungsdelikten der LTTE beteiligt
haben soll. Entgegen der Einschätzung des SEM entsteht bei Durchsicht
der Akten nicht der Eindruck, der Beschwerdeführer habe seine Stellung
innerhalb der LTTE heruntergespielt oder verharmlost und auch der Ver-
weis der Vorinstanz auf seine persönliche Beziehung zu hochrangigen Mit-
gliedern, namentlich seinen Brüdern, ist nicht geeignet, eine besondere
ideologische Nähe des Beschwerdeführers zu den LTTE aufzuzeigen. Es
gibt insbesondere keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer je
an Kampfhandlungen teilgenommen hätte. Zu seinen genauen Tätigkeiten
als Ausbildner befragt, erklärte er, er habe die Auszubildenden in Körper-
training, Training mit Gewehr und Taktiken unterrichtet. Dabei sei auf Tar-
get-Schilder geschossen worden (vgl. vorinstanzliche Akten N 683 679 A31
F50 ff.). Weitere Angaben zu seinen Tätigkeiten als Ausbildner enthalten
die Akten nicht. Seine Beteiligung an einer konkreten Tat der LTTE, welche
nach dem Gesagten als massgeblicher Beitrag im Sinn eines Verbrechens
angesehen werden müsste, ergibt sich somit aufgrund seiner Tätigkeit als
«Training Master» aus den Akten nicht. Auch der Umstand, dass der Chef
des Geheimdienstes nur zwei Stufen höher als er selber gewesen sei, lässt
nicht per se auf solche Taten oder spezielle Befugnisse schliessen. Ferner
vermag die Vorinstanz mit ihren Verweisen auf die persönliche und ideolo-
gische Nähe des Beschwerdeführers zu den LTTE nicht schlüssig aufzu-
zeigen, wie er sich durch seine Tätigkeit, in welcher er im Wesentlichen
eintreffende Informationen entweder archivierte oder an seine Vorgesetzte
weiterleitete, an den allfälligen Gewalt- und Tötungsdelikten der LTTE be-
teiligt haben soll. Der alleinige Umstand, dass er in der Spionageabteilung
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Seite 12
des Geheimdienstes der LTTE arbeitete, vermag ihn ebenfalls nicht in den
inneren Kreis der LTTE oder in eine Position mit Weisungsbefugnis inner-
halb derselben zu rücken. Es kann überdies nur gemutmasst werden, wie
sich seine Unterstützungsleistungen in Form von Ausbildung von Mitglie-
dern und Beschaffung von Informationen betreffend das sri-lankische Mili-
tär konkret ausgewirkt haben. Dass er damit einen Beitrag zur Erreichung
der Ziele der LTTE geleistet hat, kann nicht ausgeschlossen werden, zumal
er seine Unterstützungstätigkeit während mehrerer Jahre ausgeübt hat.
Auch unter Berücksichtigung dessen, dass im Ausland begangene verwerf-
liche Handlungen nach Art. 53 AsylG nicht eines strikten Beweises bedür-
fen, sondern die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte Annahme
genügt, dass sich die betroffene Person einer entsprechenden Straftat
schuldig gemacht hat, ergibt sich aber aus der Aktenlage nachweislich
keine Beteiligung an irgendeiner Tat der LTTE, die als massgeblicher Bei-
trag im Sinn eines Verbrechens zu werten wäre. Es ist daher aufgrund der
Aktenlage auch eine allfällige indirekte Beteiligung an verwerflichen Hand-
lungen zu verneinen.
9.4 Insgesamt liegt demnach keine Unterstützungshandlung vor, die mit
der erforderlichen Gewissheit als konkreter und individueller Tatbeitrag zu
einer verwerflichen Handlung im Sinn von Art. 53 AsylG bezeichnet werden
könnte. Somit kann die Frage, ob ein Ausschluss vom Asyl gegebenenfalls
unverhältnismässig wäre, vorliegend letztlich offenbleiben.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kos-
tenvorschuss ist diesem zurückzuerstatten.
10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde
keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-
grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt
auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE)
ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-
gung von gerundet Fr. 1500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) zuzusprechen.
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Seite 13