Decision ID: be9b2bd5-279c-4238-a012-97b648c4d1f2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986,
ging
von 2008 bis 2013
keiner Erwerbs
tätigkeit nach
. Von Juni 2014 bis September 2019 war er bei
wechselnden Gast
ronomiebetrieben als Servicemitarbeiter tätig (Urk. 11/5). Unter Hinweis auf psy
chische Beeinträchtigungen (
Asperger
Syndrom, Depression) und Rückenprob
leme meldete er
sich am
18. September 2018
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
11/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
veran
lasste eine Potenzialabklärung vom 11. März bis 3. April 2019 (Urk. 11/23), wel
che am 19. März 2019 vorzeitig abgebrochen werden musste (Urk. 11/29; Urk. 11/30 S. 3). N
ach ergangenem Vorbescheid (Urk. 11/37)
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
24. September 2019
einen Rentenanspruch (Urk.
2
= Urk. 11/38
).
2.
Mit Eingabe vom 2
1.
Oktober 2019
gelangte
der Versicherte an die IV-Stelle und erhob Beschwerde
gegen
die Verfügung vom 24. September 2019 (Urk. 2), wobei er die nochmalige Prüfung seines Gesuchs beantragte
(
Urk.
1
S. 1
= Urk. 11/41/1
)
.
Mit
Schreiben vom 5. November 2019
(Urk. 5/2 = Urk. 11/43) teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie an ihrem Entscheid festhalte und sie die ihr zuge
stellte Eingabe zuständigkeitshalber dem hiesigen Gericht weiterleiten werde. Die Weiterleitung erfolgte
am 6. November 2019 (Urk. 4 = Urk. 11/44
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13. Januar 2020
(Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
16. Januar 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
12
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
ti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrele
vante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon
aus, dass
durch die Behandler keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit festge
stellt worden
sei. Zudem befi
nde sich der Beschwerdeführer nicht in fachärztli
cher Behandlung. Er habe selbständig eine neue Arbeitsstelle gefunden und sei wieder arbeitsfähig (S. 1 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), er habe erneut gesundheitlich bedingt seine Arbeitsstelle verloren (S. 1 unten). Der erneute Stellenverlust sei zweifelsohne durch die lange Diagnoseliste respektive die körperlichen und psychischen Krankheitsbilder zu erklären
(S. 2 oben)
. Mit enormem Willen und all seinen Möglichkeiten habe er versucht, die Arbeitsstelle zu halten, was ihm während 5 Monaten nur unter starker körperlicher und emo
tionaler Belastung gelungen sei
(S. 2 Mitte).
2.3
Im Schreiben vom 5. November 2019 (Urk. 5/2) führte die Beschwerdegegnerin aus, aufgrund der Akten könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwer
deführer Anspruch auf IV-Leistungen habe. Zum jetzigen Zeitpunkt könne jedoch nicht beurteilt werden, ob ein IV-relevantes Leiden bestehe. Grund dafür sei, dass er sich nicht in regelmässiger, insbesondere psychiatrischer, Behandlung befinde, respektive begonnene Behandlungen jeweils nach wenigen Konsultationen ab
breche. Es liege daher keine ausreichende und verlässliche Aktenlage vor, was eine eingehende Abklärung verunmögliche
.
2.4
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt seitens der Beschwerde
gegnerin genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Dr. med.
Y._
, Facharzt für Radiologie, führte am 11. Dezember 2018 eine Magnetresonanztomographie (MRI)
der Lendenwirbelsäule (LWS)
durch, worüber er
am 13. Dezember 2018 berichtete (Urk. 11/26/16-17).
Es bestehe eine mehr
segmentäre Pathologie mit
Chondrosen
der Segmente zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbelkörper (L4/5) und zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuz
bein (L5/S1
). Auf beiden Segmenthöhen zeig
e sich eine flache Diskushernie zwi
schen dem 5. Lendenwirbelkörper und dem 1. Sakralwirbelkörper (L
5/S1
) rechts
betont mit möglichem Kontakt und auffälliger Irritation der Nervenwurzel S1 rechts. Eine linksseitige entzündliche Veränderung des
Iliosakralgelenkes
habe sich bestätigt. Man sehe hier auch zusätzlich eine kleine Knochenzyste auf der linken Seite (S. 1 unten).
3.2
D
r.
Z._
,
Chiropraktor
,
führte im Bericht vom 17. Dezember 2018 (Urk. 11/12) aus,
der Beschwerdeführer befinde sich wegen einer langjährigen Affektion der Wirbelsäule ohne neurologische Ausfälle seit Jahren bei ihm in
chiropraktischer
Therapie. Da die Schmerzen in den letzten zwei Jahren an Häu
figkeit und Intensität zugenommen hätten, habe er am 11. Dezember
2018
ein MRI
der LWS und der
Iliosakralgelenke
veranlasst. Die dort bestätigten Befunde könnten die rezidivierenden Schmerzen gut erklären. Aus diesem Grund empfehle er vorläufig das Vermeiden von Arbeiten mit repetitivem Heben oder häufigem Bücken/Biegen. Vorgesehen habe er ein absolutes Hebeverbot mit reduzierter physikalischer Belastung von 6 Monaten bei zeitgleichem Besuch einer intensiven Physiotherapie.
3.3
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und
für
Rheumatologie,
nannte
im Bericht vom 21. Januar 2019
(Urk. 11/26/11-14 = Urk. 11/40/14-17 = Urk. 11/49/10-13 = Urk. 3/1)
folgende Diagnosen
(S. 4):
-
chronisches
lumbo-spondylogenes
Schmerzsyndrom links ausgeprägter als rechts bei
Osteochondrose
L4/L5 mit medialer
Diskusprotrusion
mode
rat und deutlicher
Osteochondrose
und
Bandscheibenverschmälerung L5/S1 mit
mediolateraler
Diskusprotrusion
, moderater rechtskonvexer Torsionsskoliose der LWS,
Copp’scher
Winkel 10 Grad, moderatem Hohl
rundrücken, linkskonvexer Torsionsskoliose moderat
cervico-thoracal
. Rezidivierende Bewegungsblockierungen mechanisch-dynamisch bedingt
, i
ntramuskuläre Dysbalance und
Dekonditionierung
der Lumbalextensoren
-
kernspintomografisch
Iliosakralgelenk
(ISG)-Arthritis links ausgeprägter als rechts (Erstdiagnose 11. Dezember 2018), Verdacht auf
Spondarthritis
ankylosans
HLA-B27 positiv
-
chronisches rezidivierendes selbstlimitierendes
cervico
-vertebrales Schmerzsyndrom bei segmentalen Dysfunktionen, leichte FH
(möglicher
weise:
fibromuskuläre
Hyperplasie)
, Verdacht auf intramuskuläre Dysba
lance und
Dekonditionierung
der
Cervicalextensoren
-
chronische rezidivierende
Cephalea
frontal und/oder Apex rechts und/oder links
-
chronische depressive Verstimmung, Verdacht auf chaotische Persönlich
keitsstruktur, Asthenie
-
leptosomer Körperbau
-
Nikotinabusus
-
chronische rezidivierende
myofasciale
Beschwerden im Rahmen einer
Chondropathia
patellae beidseitig bei vermindertem Valgus im Kniegelenk rechts klinisch 176 Grad, links klinisch 178 Grad
-
Plattfüsse Grad II beidseitig, diskret verstärkter Valgus im Bereich des Rückfusses beidseitig
-
funktionelle Magen- und Darmbeschwerden seit der frühen Kindheit, Ver
dacht auf Colon irritable
Seit einem Sturz mit Kontusion des Rückens und primär Kontusion des Schädels frontal auf einer Kellertreppe best
ü
nden chronisch rezidivierende Beschwerden im Bereich
lumbo-sacral
, später auch
lumbo-spondylogen
beidseitig und
cervico
-vertebral, letzteres selbstlimitierend. Es handle sich um ein gemischtes degenera
tives und entzündliches Krankheitsbild bei kernspintomografisch verifizierter ISG-Arthritis (S. 3 Mitte). Aufgrund der Anamnese sei davon auszugehen, dass seit Juni 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestehe unter Berücksichtigung nachfolgender Einschränkungen: Keine
Arbeiten in unphysiologischer Stellung der Wirbelsäule, insbesondere kein Heben von Lasten über 5-8 kg in unphysio
logischer Stellung der W
irbelsäule
, insbesondere mit zusätzlicher Rotationskom
ponente und zusätzlicher Gewichtsbelastung über den langen Hebelarm durch die obere Extremität. Kein allzu langes Sitzen
. Wünschenswert sei ein häufiger Wech
sel der Körperposition (sitzend/stehend/herumgehend). Repetitives Heben von Lasten sei zu vermeiden, vereinzeltes Heben von Lasten in ergonomischer Hal
tung sei bis maximal 5 kg erlaubt, sofern keine Bewegungsblockierungen vorlä
gen (S. 3 f.).
3.4
B._
, Psychologin und Psychotherapeutin FSP,
führte im for
mularmässigen Arztbericht vom 29. Januar 2019 (Urk. 11/19/1-6) aus, sie be
handle den Beschwerdeführer seit dem 29. August 2013 (Ziff. 1.1). Schon in der Grundschule habe er ein auffälliges Verhalten gezeigt. Gemäss der Mutter seien zirka mit 18 Jahren erste schwere depressive Symptome aufgetreten
. Es habe ver
schiedene Entwicklungsstörungen und –
auffälligkeiten
gegeben (Ziff. 2.1). Der Beschwerdeführer sei zirka 50
%
arbeitsfähig in geschütztem Umfeld (Ziff. 2.7).
I
m
gleichentags verfassten
separaten
Bericht
(Urk. 11/19
/7-8
= Urk. 11/40/12-13 = Urk. 11/49/14-15 = Urk. 3/2)
wurden
folgende Diagnosen
genannt
(
S. 2
unten):
-
mittelgradige depressive Episode
(
ICD-10 F32.1
)
-
Verdacht auf Entwicklungsstörung F84.5 oder F84.8, w
eitere Untersu
chungen notwendig
Aktuell beschreibe der Beschwerdeführer Symptome einer akuten depressiven Episode. Er erlebe Schwindelgefühle, sei oft sehr müde und abgeschlagen. Er habe häufig Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Essstörungen, chronische Rü
ckenschmerzen und Angstzustände bis hin zu panischen Reaktionen. Er schlafe schlecht und unregelmässig. Er fühle sich subjektiv krank und nicht arbeitsfähig. Durch die familiäre Situation fühle er sich unter Druck, er müsse unbedingt Geld verdienen, wodurch noch mehr Stress induziert werde (
S. 1
unten). Der
Beschwer
deführer reagiere stark auf äussere Reize. Je nach Verfassung könne er ruhig und adäquat kommunizieren, unter Stress versagten
die
kommunikativen Fähigkeiten jedoch wenig bis stark
(S. 2 oben)
. Die Gründe für diese chronischen Störungen seien nicht abschliessend geklärt, bestünden aber nach Aussagen der Mutter seit der frühen Pubertät, einige gar seit der frühen Kindheit. Abklärungen oder Be
handlungen se
ien lange Zeit durch seine Ängste erschwert oder verunmöglicht worden. Bei seinem Vater bestehe wahrscheinlich eine Entwicklungsstörung (F84.5). Es sei wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich erblich belastet sei. Es sei ihm wahrscheinlich nicht möglich, in einem Pensum von mehr als 50
%
zu arbeiten. Eine Arbeit mit hohem Arbeitstempo und hohen Anforde
rungen an die Reaktionsfähigkeit sei wohl längerfristig nicht möglich (S. 2 Mitte). Es wäre ideal, eine stabile geschützte Arbeitssituation mit einem Pensum von etwa 50
%
zu erreichen (S. 2 unten).
3.5
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3) führte im Bericht vom 4. März 2019 (Urk. 11/26/7-10 = Urk. 11/40/8-11 = Urk. 11/49/16-19 = Urk. 3/3) aus, eine ambulante Be
handlung durch ihn sei am 15. August 2017 und vom 4. Dezember 2018 bis zum 29. Januar 2019 erfolgt (S. 1 Ziff. 1.1). Aufgrund der aktuellen Diagnosen betref
fend die chronischen Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers wäre eine Lang
zeitbehandlung sinnvoll. Zu einem Kontrolltermin am 8. Februar 2019 sei er aber unentschuldigt nicht mehr erschienen (S. 1 Ziff. 1.2). Als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er zusammengefasst ein chronisch
es
lumbo-spondylogenes
Schmerzsy
ndrom
und eine ISG-Arthritis (S. 2 Ziff. 2.5). Seit Juni 2018 sei der Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch nur zu 50
%
arbeitsfähig mit den bereits genannten Einschränkungen (vgl. vorstehend E. 3.3).
Sowohl der mechanisch-dynamische Anteil im Sinne von chronischen Überlas
tungsschmerzen der Lendenwirbelsäule mit rezidivierender Bewegungsblockie
rung als auch die
entzündliche Komponente der W
irbelsäule
seien therapierbar. Es scheine leider, dass der Beschwerdeführer auf eine konsequente physikalische und medikamentöse Therapie nicht eingehen wolle oder könne, dies wahrschein
lich im Rahmen eines psychologisch/psychiatrisch zu definierenden psychischen Defizits (S. 2 f. Ziff. 2.7). Eine psychiatrische und/oder psychologische Begutach
tung einschliesslich einer neuropsychologischen Testung werde als sinnvoll er
achtet
, um das Eingliederungspotential aus psychischer Sicht abschätzen zu kön
nen und den Patienten zu motivieren, sich auch im somatischen Bereich behan
deln zu lassen (S. 4 Ziff. 5).
3.6
Im Abschlussbericht
zur Potenzialerhebung
der
Stiftung C._
vom 8. April 2019
(Urk. 11/30) wurde ausgeführt,
die Massnahme habe vom 11. März 2019 bis zum Abbruch am 19. März 2019 gedauert (S. 1 Ziff. 2). D
er Einstieg sei nicht einfach gewesen. Der Beschwerdeführer habe von erheblichen Angstzuständen gegenüber Personen und Situationen sowie von einer Zunahme von Überforde
rungsgefühlen berichtet. Er schaffe es nicht mehr, seine Aufgaben im gemeinsa
men Haushalt aufrechterhalten zu können. Im Kontakt habe er zunehmend ver
wirrt sowie uferlos in der Gesprächsführung gewirkt. Sein Blick habe starr gewirkt und es habe geschienen, als leide er unter starken Stimmungsschwankungen. Während der Arbeitsausführung habe er angetrieben und rastlos gewirkt,
habe alle paar Minuten die Sitzgelegenheit gewechselt, habe
plötzlich und unpassend zu lachen
angefangen oder seinen Kopf auf die Arme gelegt, unwillkürlich die Augen geschlossen und gesagt: «Das gehört alles dazu.» Dies habe jedoch nicht in den aktuellen Kontext gepasst. Zudem habe er oft Sätze wiederholt wie: «Ich habe eine Familie, ich habe Freunde, ich habe eine Arbeit, ich bin glücklich.» Dies könne als Versuch, sich intrapsychisch zu stabilisieren, gesehen werden. Es habe geschienen, dass die akuten Überforderungsmomente im Verlaufe der Woche
zu
genommen
hätten
und der Beschwerdeführer im Bezugspersonengespräch zuneh
mend unter Stimmungsschwankungen
gelitten habe
. Er habe geweint und zwi
schenzeitlich aggressiv sowie deutlich reizbar gewirkt. Die Gefahr einer Dekom
pensation sei als hoch beurteilt worden. Die Massnahme sei dann per sofort ab
gebrochen worden. (S. 2 f. Ziff. 6).
In Anbetracht der fortbestehenden, stark aus
geprägten Symptomatik sei aktuell keine Arbeits- und Leistungsfähigkeit fest
stellbar (S. 4 Ziff. 9).
3.7
In einer Stellungnahme zur Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 24. Septem
ber 2019 vom
1
5. Oktober 2019
(Urk. 11/40/1-3 = Urk. 11/49/24-26 = Urk. 3/7)
forderte Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3)
sinngemäss eine Rückweisung an die Be
schwerdegegnerin, welche zusammen mit dem Beschwerdeführer eine Reintegra
tion in den Arbeitsprozess und allenfalls eine Umschulung zu erarbeiten habe. Eine dauerhafte Anstellung mit einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis sogar 100
%
sei aber nur in einem geschützten Rahmen möglich, welcher die Einschränkungen des Beschwerdeführers berücksichtige (S. 2 unten).
3.8
Die Psychologin
B._
(vorstehend E. 3.4) führte im E-Mail vom 20. Ok
tober 2019 zuhanden der Mutter des Beschwerdeführers aus, sie habe diesen zu
letzt am 19. September und am 15. Oktober 2019 zu einem Gespräch getroffen. Sein Zustand sei bei beid
en Gesprächen nicht adäquat, sondern
besorgniserre
gend gewesen. Leider habe er weitere medizinische Hilfe aktuell abgelehnt (S. 1 unten
). Ihrer Ansicht nach müsste unbedingt erneut geprüft werden, ob der Pati
ent nicht zumindest eine Teilrente zugesprochen erhalten sollte, um eine etwas stabilere Situation zu erreichen (S. 2 unten).
4.
4.1
Der medizinische Sachverhalt ist in psychischer Hinsicht
unklar
. Dies
stellte
die Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 5. November 2019 (
vorstehend E. 2.3
) auch
selber
fest, wo sie ausführte, aufgrund der Akten könne nicht ausge
schlossen werden, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf IV-Leistungen habe, wobei zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden könne, ob ein IV-relevantes Leiden bestehe.
Dies ist ebenso zutreffend
wie ihre nachfolgende Einschätzung
, dass der Grund dafür
darin liege
, dass
d
er
Beschwerdeführer
sich nicht in regelmässiger, insbe
sondere psychiatrischer, Behandlung befinde, respektive begonnene Behandlun
gen jeweils nach wenigen Konsultationen abbreche.
Korrekt ist zunächst auch der daraus gezogene Schluss, e
s liege keine ausreichende und verlässliche Aktenlage vor
.
4.
2
Die Konsequenz daraus darf jedoch nicht die Abweisung des Leistungsbegehrens, sondern muss in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes die Veranlassung einer eigenen Abklärung –
naheliegenderweise
in Form eines Gutachtens – sein. Denn im Vordergrund
stehen
beim Beschwerdeführer
psychische Beeinträchti
gungen, auch wenn er solche
offen
bar nicht wahrhaben möchte
(vgl.
etwa Urk. 1
1/32/
1 unten; Urk. 11/6/5 Ziff.
10). Es besteht
der Verdacht auf
eine erbli
che Vorbelastung väterlicherseits und es ergeben sich aus den Umständen des Abbruchs der Potentialabklärung Anhaltspunkte auf eine
möglicherweise
erheb
liche psychische Störung.
D
ie behandelnde Psychotherapeutin
ging denn auch
von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 50
% in einem geschützten Bereich aus (vorstehend E. 3.4) und der behandelnde Rheumatologe sah eine Arbeitsfä
higkeit nur in einem geschützten Rahmen als gegeben (vorstehend E. 3.7)
sowie
eine psychiatr
ische Begutachtung als sinnvoll
(vorstehend E. 3.5)
an
.
4.
3
Es griffe zu kurz, aus dem Fe
hlen einer adäquaten psychiatrischen Behandlung
auf einen fehlenden Leidensdruck zu schliessen. Eine solche Argumentation ver
löre die Möglichkeit aus den Augen, dass die fehlende Krankheitseinsicht gerade Ausfluss einer psychischen Störung sein kann.
Noch kürzer greift die Begründung
der angefochtenen Verfügung
,
wonach der Beschwerdeführer selbständig eine neue Arbeitsstelle gefunden habe und folglich wieder arbeitsfähig sei (vorstehend E. 2.1).
Wie sich herausstellen sollte, konnte die betreffende
Anstellung nur von
Mai
bis Oktober 2019 gehalten werden. Ob
wohl
dabei auch psychosoziale Faktoren hineinspielen
könnten,
ist j
edenfalls
nicht zum Vornherein unglaubhaft, wenn d
er
Beschwerdeführer ausführt, er habe die
se
Stelle
nur unter starker körperlicher und emotionaler Belastung so lange halten können (
vorstehend E. 2.2
). Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer
für einige Monate eine Arbeitsstelle innehatte
, kann somit entgegen der Be
schwerdegegnerin nicht
auf eine
hergestellte vollständige
Arbeitsfähigkeit
ge
schlossen werden
. Dies umso weniger, als nicht einmal
das
dortige
Arbeitspensum
bekannt ist
.
Es erstaunt bei dieser
diffizilen medizinischen
Ausgangslage, dass die Beschwer
degegnerin sich nicht veranlasst sah, eine Stellungnahme des Regionalen Ärztli
chen Dienstes
(RAD) einzuholen.
4.5
D
er medizinische Sachverhalt
kann nach dem Gesagten
nicht erstellt werden.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher in
Gut
heissung
der Beschwerde an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese, nach ergänzender medizi
nischer Abklärung, eine neue Beurteilung vor
nehme und über den Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.