Decision ID: 0885e954-7e07-43a2-96cd-9562e3321495
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Y._
, geboren 1979,
liess am
2
2.
Juli
2015
das
Einzelunternehmen
Z._
, welches Treuhandarbeiten aller Art erbringt,
im Handels
r
egister des Kantons Zürich ein
tragen (
Urk.
10/1,
Urk.
10/55
).
Daraufhin
ersuchte sie die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse, sie als selbständig erwerbende Person zu erfassen (
Urk.
10/3).
Die Ausgleichskasse lehnte die Anmeldung ab, weil
Y._
die zur Prüfung des Gesuchs erforderlichen Unterlagen nicht eingereicht hatte (
Urk.
10/16). In der Folge
mel
dete sich
Y._
am 17. März 2017 erneut
bei der Ausgleichskasse zu
m Anschluss
als
Selbständigerwerbstätige
an (
Urk.
10/17
/1-4
). Dieser Anmel
dung legte sie
unter anderem
den Zusammen
arbeitsvertrag mit der
X._
GmbH vom 1. Juli 2015 (Urk. 10/17/24-27) und diverse Rechnungen an diese Gesellschaft (Urk. 10/1
7/16-23) sowie weitere Verträge
und Rechnun
gen, welche ihre Tätigkeit als Treuhänderin betreffen
(Urk. 10/17/28-45)
,
bei.
Nach der Prüfung dieser Unterlagen teilte die Ausgleichskasse
Y._
am 1
9.
April 2017 mit, dass sie sie rückwirkend per
1.
Juli 2015
als
Selbständi
gerwerbstätige
in der Branche Treuhand registriere
.
Sie führte aber auch aus, dass davon die
Tätigkeit für die
X._
GmbH
ausgenommen sei, weil diese
aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht als unselbständige Erwerbstätigkeit
gelte
(
Urk.
10/21). Darüber informierte die Ausgleichskasse die
X._
GmbH mit Schreiben vom 1
9.
April 201
7.
Darin
wies
sie
die
X._
GmbH ebenfalls an,
dass sie
über die an
Y._
ausbezahlte Ent
schädigung mit
ihrer Ausgleichskasse abrechnen solle (
Urk.
10/22).
Y._
und die
X._
GmbH verlangten am 2
1.
April be
ziehungsweise
3.
Mai 2017 jeweils eine
einsprachefähige
Verfügung (Urk. 10/28, Urk.
10/32).
Alsdann wies die Aus
gleichs
kasse das Gesuch von
Y._
vom 17. März 2017 um Anschluss und Registrierung als
Selbständigerwerbstätige
m
it Verfügung
en
vom 1
0.
Mai 2017
teilweise ab, weil ihre Tätigkeit für die
X._
GmbH als unselbständige Erwerbs
tätigkeit zu qualifizieren sei (Urk. 10/33-34). Dagegen erhoben
Y._
und die
X._
GmbH am
2.
Juni 2017 Einsprache (
Urk.
10/35, mit
Einsprachebegründung
vom 2
8.
September 2017,
Urk.
10/52
).
Die Ausgleichskasse wies die Einsprache m
it
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Juli 2018 ab (
Urk.
2)
2.
Dagegen erhoben die
X._
GmbH und
Y._
am
1
3.
September 2018 Beschwerde und beantragten, in Aufhebung des ange
foch
te
nen
Einspracheentscheids
vom 1
6.
Juli 2018 sei
Y._
als
Selbstän
dig
erwerbende
zu registrieren und an die entsprechende Ausgleichskasse anzu
schliessen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vor
instanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9, unter Beilage der Kassenakten,
Urk.
10/1-72), was den Beschwerdeführenden am 2
6.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die
im
Zusammenarbeits
vertrag
mit der
Beschwerde
führerin 1
vom 1.
Ju
l
i
201
5
geregelte Tätigkeit de
r
Beschwerdefüh
rer
in 2
AHV-beitragsrechtlich als selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifi
zieren ist.
1.2
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Juli 2018 führte die Beschwerde
gegnerin aus,
gemäss dem Zusammenarbeitsvertrag der Beschwerdeführerenden vom
1.
Juli 2015 übernehme die Beschwerdeführerin 2
die Buchhaltung der Kun
den
der Beschwerdeführerin
1.
Dabei bestimme d
ie Beschwerdeführerin 1 alleine und umfassend
,
zu welchen Bedingungen und für welche Tätigkeiten die Be
schwerdeführerin
2
bei ihren Kunden eingesetzt werde
.
Die Beschwerde
füh
rerin
2 müsse ihre Aufgaben nach den gesetzlichen Vorgaben und insbesondere auch nach den Richtlinien der Beschwerdeführerin
1 ausführen.
Es bestehe ein Unter
ordnungsverhältnis, weil d
ie Beschwerde
führerin 2 die Weisungen der Beschwer
de
führerin 1 zu befolgen habe.
Die Beschwerdeführerin 2 werde zur Unter
stützung der Beschwerdeführerin
1
eingesetzt, wenn die fachliche Kompe
tenz
fehle. Die Beschwerdeführerin 2 werde
aber
nicht wie eine Beraterin zur Lösung eines konkreten Problems beigezogen. Vielmehr habe sie wiederkehrende Aufträge zu erledigen. Dabei trete sie nicht in eigenem Namen auf und stelle die Rechnung auch nicht an den
Kunden
der Beschwerdeführerin 1, sondern an die Be
schwer
deführerin 1 selbst. Sie habe somit gegenüber
deren Kunden
auch kein D
elkrede
re
risiko
. Und schliesslich sei es der Beschwerdeführerin 2 nicht erlaubt, mit den Kunden
der Beschwerdeführerin 1 eigene
Absprachen zu tref
fen. Eine Kunden
übernahme sei nur möglich, wenn dies durch die Beschwerde
führerin 1 bewilligt werde
. Aufgrund dieser Umstände könne
bezüglich diesen Buch
haltungsarbeiten
somit nicht von einer selbstän
digen Tätigkeit der Beschwerde
führerin 2 ge
spro
chen werden
(
Urk.
2 S. 3).
1.3
Die Beschwerdeführenden lassen demgegenüber vorbringen, die Beschwerdegeg
nerin habe unberücksichtigt gelassen,
dass die Beschwerdeführerin ein eigenes Treuhandbüro, welches im Handelsregister eingetragen sei, führe. Sie führe ledig
lich rund 10 Aufträge im Jahr für die Beschwerdeführerin 1 aus
(
Urk.
1 S.
3, S.
6)
.
Auch beschränke sich d
ie Zusammenarbeit
nicht einzig auf
diese Mandate. Sie beinhalte ebenfalls
Vermittlung
en, Repräsen
ta
tionen etc.
Beabsichtigt werde
unter anderem ein koordinierter
interkantonaler Austausch von Treuhandarbeiten aber auch von treuhänderischem Knowhow zwischen den Beschwerdeführenden, welche in verschiedenen Kantonen tätig seien. Das Ziel sei eine effizientere Kun
den
betreu
ung und der Ausbau des jewei
ligen Kundenstamms (
Urk.
1 S. 6).
Die Beschwerde
gegnerin habe
sodann
ebenfalls ausser Acht gelassen, dass die Be
schwerdeführerin 2 grundsätzlich auf eigene Rechnung und Gefahr arbeite
und damit das Delkredererisiko trage
(
Urk.
1 S.
3
-4
, S.
6
). Die Beschwerdegegnerin habe schlicht behauptet, dass die Beschwerdeführerin 2
nicht
auf eigene Rech
nung und Gefahr arbeite. Sie habe dies aber nicht begründet und sei auch nicht auf die Vorbringen der Beschwerde
führenden eingegangen (
Urk.
1 S. 3).
Wie in dieser Branche üblich, arbeite die Beschwerde
führerin 2
zudem
mit verschiedenen Treuhändern zusammen. Für die Beschwerdeführerin 1 nehme sie bestimmte Aufgaben wa
h
r. Dabei handle es sich um die Betreuung von ganzen Mandaten oder auch um spezifische Arbeiten innerhalb eines Vertretungsauftrages
. Die Be
schwerdefüh
rerin 2 sei nicht in den
Betrieb der Beschwerdeführerin 1
einge
gliedert. Sie sei in der Ausführung und Planung der Arbeiten frei und bestimme selber, wann und wo sie ihre Dienste erbringen wolle. Die Beschwerdeführerin 1 habe kein Weisungsrecht und es bestehe kein Subordinationsverhältnis
(
Urk.
1 S.
4-5)
. Die Natur des Treuhand
geschäftes bringe es mitunter mit sich, dass - zum Beispiel bei Jahresabschlüssen - bestimmte Fristen eingehalten werden müss
t
en.
Die Beschwerdeführerin 2 sei an gewisse Termine gebunden, die ihr zwar von der Beschwerdeführerin 1 vorgegeben würden. Diese Termine müssten aber im Hin
blick auf Gesetzesvor
schriften oder dergleichen ohnehin eingehalten werden. Es könne aber nicht die Rede davon sein, dass die Beschwerdeführerin 1 der Be
schwerde
führerin 2 vorschreibe, bis wann sei einzelne Arbeiten zu erledigen habe. In diesem Sinne würden auch nur selten fachliche Anweisungen entgegen
ge
nommen (
Urk.
1 S. 4). Zudem sei es offensichtlich, dass bei einer Zusammen
arbeit zwischen zwei Vertragsparteien die jeweiligen Richtlinien
und Prinzipien der Partien zu beachten sind. Dies diene letztlich der Transparenz und der Rufer
haltung (
Urk.
1 S.
5). Es sei ferner klar, dass die Übernahme von Kunden der Zu
stimmung der anderen Partei bedürfe. Andernfalls würde sich die Vertrags
partei, welche die Kunden übernimmt, unlauter verhalten (
Urk.
1 S. 5).
Zu berück
sichtigen sei sodann, dass der
Zusammenarbeitsvertrag jeweils auf Ende Jahr mit einer Frist von 6 Monaten schriftlich gekündigt werden könne. Arbeits
vertrag
liche Kündigungsfristen seien völlig anders gestaltet (
Urk.
1 S. 6).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sei die Tätigkeit der Beschwerdeführerin 2 für die Beschwerdeführerin 1 als selbständige Tätigkeit beziehungsweise als zur Tätigkeit der Beschwerdeführerin 2 als selbständige Treuhänderin gehörend zu qualifi
zieren.
Zum Abschluss sei noch zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin sämt
liche anderen Ko
opera
tionen der Beschwerdeführerin 2 mit anderen Treu
händern als selbständige Tätigkeit qualifiziert habe (
Urk.
1 S. 6).
2.
2.1
Vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit, massgebender Lohn ge
nannt, werden paritätische Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge erhoben (Art. 5 Abs. 1 und Art. 13 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlas
senenversicherung
, AHVG). Als massgebender Lohn gilt jedes Entgelt für in un
selbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (Art. 5 Abs. 2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des
Selbständigerwerbenden
erhoben (Art. 8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG).
2.2
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebs
wirt
schaft
licher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 144 V 111 E. 4.2 mit Hin
weisen).
2.3
2.3.1
Gemäss der Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML; gleichlautend in den ab 1. Januar 2016 und 1. Januar 2019 gültigen Ver
sionen) sprechen
namentlich
die folgenden Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos
(
Rz
.
1014
[WML 201
7
] bzw.
Rz
.
1019 [WML 20
20
]
):
-
das Tätigen erheblicher Investitionen,
-
die Verlusttragung,
-
das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos,
-
die Unkostentragung,
-
das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung,
-
das Beschaffen von Aufträgen,
-
die Beschäftigung von Personal,
-
eigene Geschäftsräumlichkeiten.
Auf der anderen Seite kommt das wirtschaftliche respektive arbeits
organisa
tori
sche Abhängigkeitsverhältnis
Unselbständigerwerbender
gemäss der WML bei folgenden Merk
malen zum Ausdruck (
Rz
.
1015 [WML 201
7
] bzw.
Rz
.
1020 [WML 20
20
]
):
-
dem Weisungsrecht,
-
dem Unterordnungsverhältnis,
-
der Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung,
-
de
m
Konkurrenzverbot,
-
der Präsenzpflicht.
2.3.2
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungs
weisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstel
len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
3.
3.1
Im
Zusammenarbeitsvertrag zwischen den Beschwerdeführenden
(
Urk.
10/17/24-27)
sind nach der Präambel (
Ziff.
1) zunächst die Pflichten der Beschwerde
füh
rerin 2 (
Ziff.
2) aufgeführt. Es wurde festhalten, dass die Beschwerdeführerin 2 den Kunden
(der Beschwerdeführerin 1 gegenüber)
verpflichtet sei, die Buch
hal
tung und die Abschlüsse, sowie alle anderen Arbeiten im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und gemäss den Weisungen der Kunden auszuführen (
Ziff.
2.1). Zudem
hat
die Beschwerde
führerin 2 die Interessen der Beschwerdeführerin 1 mit der nötigen Sorgfalt zu wahren und alles zu tun, damit die Beschwerdeführerin 1 ihr
em Ruf gerecht werden könne (
Ziff.
2.2). Die Beschwerdeführerin 2
ist
sodann verantwortlich für Fristen, die ihr vom Gesetz oder von Kunden vorgegeben würden. Insbesondere Mehrwertsteuer-Termine, Lohnzahlungs-Termine usw. (
Ziff.
2.3). Die
Beschwerdeführerin
2
verpflichtete
sich
überdies
, Betriebs- und Geschäfts
geheim
nisse der Beschwerdeführerin 1 zu wahren und die Unterlagen, die sich auf den Zusammenarbeitsvertrag beziehen, so aufzu
bewah
ren, dass sie anderen unzugänglich sind.
Gemäss der Vereinbarung unterliegen
der Geheim
haltungs
pflicht
insbesondere sämtliche Papiere
, welche Einsicht in die Preis
politik der
Beschwerdeführerin
1
gewähren, sowie die Kundenverzeichnisse (
Ziff.
2.4). Alsdann bestimmten die Vertragsparteien, dass die Beschwerdefüh
rerin
2 verpflichtet sei, nach ihrem Ausscheiden sämtliche ihr überlassenen Unterlagen zurück
zugeben. Sie verpflichtete sich ferner, keinerlei Abschriften der Kunden
kartei und allfälliger weiterer Unterlagen anzufertigen (
Ziff.
2.5)
. Zu den Pflichten der Beschwerdeführerin 2 gehört sodann, dass sie die Sozialver
siche
rungs
beiträge (insbes. die AHV-Beiträge) selber aufkommt und sich für einen Ver
dienstausfall infolge Krankheit oder Unfall selber versichert (
Ziff
.
2.6-2.7).
3.2
Der Zusammenarbeitsvertrag enthält ferner Bestimmungen zu den Pflichten der Beschwerdeführerin
1
(
Ziff.
3). Demnach
ist
sie verpflichtet, die Tätigkeit der Be
schwerdeführerin 2 in jeder Beziehung zu unterstützen. Sie hat
ihr insbeson
dere alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, welche sie für ihre Tätigkeit be
nö
tigt und ihr alle für ihre Tätigkeit notwendigen Auskünfte zu erteilen (
Ziff.
3.1). Als
dann vergütet die Beschwerdeführerin 1 der Beschwerdeführerin 2 monatlich eine
à
conto
Zahlung. Die Beschwerdeführerin 2 kann aber auch jederzeit eine Zwischenabrechnung einreichen. Die sich daraus ergebenden Guthaben werden von der Beschwerdeführerin 1 auf Ende des Monats an die Beschwerdeführerin 2 überwiesen (
Ziff.
3.2). Schliesslich wurde festgehalten, dass die Liste der aktuellen Kunden und der Arbeiten und Entschädigungen derselben Bestandteil des Ver
trages ist (
Ziff.
3.3)
.
3.3
Im
Zusammenarbeitsvertrag
finden sich ebenfalls Bestimmungen
zum
Beizug
von Dritt
personen durch die Beschwerdeführerin 2 (
Ziff.
4), der Dauer des Vertrages (
Ziff.
5). Der Vertrag enthält
Schlussbestimmungen
(
Ziff.
6)
, welche unter ande
rem ein
grundsätz
liches
Verbot der Beschwerdeführerin 2, während der Ver
tragslaufzeit und 10 Jahre danach auf eigene Rechnung für die
Kunden
der Beschwerdeführerin 1 tätig zu sein
,
aufstellen
(
Ziff.
6.3).
4.
4.1
Vorab ist
darauf hinzuweisen
, dass die
Beschwerdegegnerin die ihr bekannten übrigen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin 2 als Treuhänderin - sie reichte mit ihrem Gesuch vom 1
7.
März 2017 unter anderem nebst Mandatsverträgen Rech
nungen an ein Restaurant, eine
Coiffeuse
und Privatpersonen ein (
Urk.
10/17/28-45) - als selbständige Erwerbstätigkeit qualifizierte und die
Beschwerdefüh
-
rerin
2
deswegen rückwirkend per
1.
Juli 2015 als
Selbständiger
werbstätige
regi
strierte (
Urk.
10/21). Diese Tatsache vermag die bei
tragsrechtliche Qualifikation der Tätigkeit der Beschwerdeführerin 2
als Buchhalterin
, welche sie im Rahmen ihres Zusammenarbeitsvertrages mit der der Beschwerdeführerin
1
ausübt
(vgl. dazu
Urk.
10/1
7
/16-23)
, nicht zu präjudizieren, weil für jedes Ein
kommen zu prüfen ist, ob es aus selbstän
di
ger oder unselbständiger Tätigkeit stammt
(BGE 123 V 16
1
E. 4a)
. Ebenso wenig ist ausschlaggebend, dass die Beschwerde
führenden in der Präambel des Zusam
men
arbeitsvertrags erklärt haben, dass auf diesen Vertrag die Vorschriften des einfachen Auftrages (
Art.
394
ff.
des Obli
gationenrechts, OR)
Anwendung finden würden. Gleiches gilt bezüglich der Pflicht
zur Bezahlung von Sozialver
sicherungsbeiträgen und Versicherungs
prä
mien
, welche sie vertraglich
der Beschwerdefüh
rerin 2 auferlegt haben
(Ziff. 2.6-2.7 des Zusammenarbeitsvertrages vom
1.
Juli 2015, Urk. 10/17/25)
. Die Frage, ob eine selbstän
dige oder unselbständige Erwerbs
tätig
keit vorliegt, ist vielmehr nach AHV-rechtlichen Kriterien (namentlich Unter
nehmerrisiko und Abhängig
keits
verhältnis; vgl. E. 2.
2-2.3
vorstehend) zu beur
teilen.
4.2
Zum Kriterium des Unternehmerrisikos bringen die B
eschwerdeführenden vor, dass die
Beschwerdeführerin 2 das Delkredererisiko tragen würden (Urk. 1 S. 4).
D
en
von der Beschwerdeführerin 2 im Verwaltungsverfahren
eingereichten Unter
lagen
lässt sich
aber entnehmen,
dass
sie
ihre Abrechnungen
für ihre Tätigkeit als Buchhalterin
direkt der Beschwerdeführerin 1 zu
stellt
und von
dieser
auch entschädigt
wird
(
Urk.
10/17/16-17). Das Risiko, dass die Beschwer
deführerin
1 die Dienstleistun
gen der Beschwerdeführerin 2 nicht oder nicht voll
umfänglich an ihre Kunden weiterverrechnen kann
,
liegt damit bei der Beschwer
defüh
rerin
1.
Die
Entschädigung der Beschwerdeführerin 2 ist mit dem Lohn einer Arbeit
neh
merin vergleichbar, welcher
vom Arbeitgeber
aufgrund deren Arbeits
tätigkeit
geschuldet
ist
.
Es kommt hinzu, dass die Beschwerde
führerin
2 hinsicht
lich der im Rahmen des Zusammenarbeitsvertrages
ausgeübten
Tätigkeit
auf
grund der vertraglichen Regelung
und entgegen der Behauptung der Beschwer
deführenden
gerade nicht im eigenen Namen und auf eigene Rechnung arbeiten darf (vgl. Ziff.
6.3 dieses Vertrages,
Urk.
10/18/27).
Die dies
bezüglichen Ausfüh
rungen der Beschwerdeführenden beziehen sich
offensichtlich
auf gesamte die Tätigkeit der Beschwerdeführerin 2 als Treuhänderin
(Urk. 1 S. 3). Dies ist jedoch
unbehelflich
, weil
hier
nur die Tätigkeit
der Beschwerdeführerin 2
für die Beschwerde
führerin
1 zu beurteilen ist. In den vorliegenden Akten finden sich
schliesslich keine
Anhaltspunkte
dafür
,
dass für
Beschwerdeführerin
2
bei der zu beurteilenden Tätigkeit, ausser der Möglich
keit, dass die Beschwerdeführerin
1 die Entschädi
gung für ihre Dienst
leistungen nicht bezahlen könnte, irgendwelche wirtschaft
liche Risiken bestehen
würden
.
Ein
Unternehmerrisiko ist somit zu verneinen. Diesbezüglich ist aber auch zu berücksichtigen, dass f
ür typische Dienstleistungs
tätigkeiten - wozu auch die vorliegend zu beurtei
lende Tätigkeit de
r
Beschwerde
führer
in
2
als
Buchhalterin
zu zählen ist -
häufig
keine beson
deren Investitionen an
fallen
, weshalb
das Unternehmerrisiko als eines der praxis
gemäss heranzu
ziehenden Unter
scheidungsmerkmale für die Abgrenzung der selbständigen von der unselbstän
digen Erwerbstätigkeit in den Hintergrund tritt. Die Frage der betriebswirtschaft
lich-arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit (vgl. E. 4.3 nach
stehend) erhält hier
bei mehr Gewicht (Urteil des Bundesgerichts H 195/05 vom 19. Oktober 2007 E. 4.2)
.
4.3
Bezüglich des Kriteriums der wirtschaftlichen beziehungsweise arbeitsorga
nisato
rischen Abhängigkeit ist
zunächst
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 2
sämtliche
Unter
lagen, welche sie für ihre Tätigkeit
als Buchhalterin
benötigt, von der Beschwer
deführerin 1 erhält (vgl.
Ziff.
6.3
des
Vertrages,
Urk.
10/18/27)
.
Im Vertrag fehlt zwar eine Präsenzpflicht der Beschwerdeführerin 2
in den Büros der Beschwerde
führerin 1
und
sie
hat
im Antragsformular zudem festgehalten
, dass sie von zu H
ause aus arbeiten würde (Urk. 10/18/2).
M
angels andere
r
Angaben
muss dies
auch für
ihre
Tätigkeit für die Beschwerdeführerin 1 geltend. Dies
bezüglich ist aber
zu berücksichtigen, dass heutzu
tage viele Arbeit
nehmerinnen und Arbeit
nehmer zumindest teilweise zu Hause arbeiten
können
und
eine
Tätig
keit als Buchhalterin nicht eine ständige Anwesen
heit im Betrieb der Arbeit
geberin voraussetzt.
Das
s
bei der Arbeit zu Hause
zudem
ein gewisser Handlungs
spielraum bezüglich der Zeiteinteilung besteht, ist unter dem Gesichtspunkt der arbeits
organisatorischen Abhängigkeit nicht von Bedeutung (Urteil des Bundes
gerichts H
35/00 vom 3
1.
August 2001 E. 4a/
ee
).
Der Umstand, dass die Beschwer
deführerin 2 zu Hause arbeitet, schliesst die betriebliche Eingliederung bei der Beschwerdeführerin 1 somit nicht aus.
Alsdann könnte die Beschwerde
führerin gemäss dem Zusammenarbeitsvertrag
vom 1. Juli 2015
für ihre Tätigkeit die im Anhang 2 zu diesem Vertrag aufgelisteten Personen
be
i
ziehen
(vgl.
Ziff.
4.1 des Vertrages,
Urk.
10/18/26
)
.
Dazu ist nichts
Weiteres
bekannt, weil die Beschwer
deführenden diesen Anhang nicht eingereicht
haben
.
Er muss vom Gericht aber
auch
nicht beigez
ogen werden. Weil andere der zu
prüfenden Kriterien für eine unselbständige Tätigkeit der Beschwerdeführerin
2
sprechen,
sind weitere Kennt
nisse zur im Vertrag geregelten Recht zum
Beizug
von Dritt
personen nicht nötig.
Dies würde nicht mehr ins Gewicht fallen.
Immerhin
steht aufgrund des vor
liegenden Vertrages
fest, dass die Beschwerdeführerin
2 bei der Auswahl dieser Personen nicht frei wäre, sondern nur die Personen gemäss Anhang 2 des Zu
sammenarbeitsvertrages beiziehen dürfte
(vgl.
Ziff.
4.1 des Vertrages,
Urk.
10/18/27)
.
Es ist ferner zu berücksichtigen
, dass die vereinbarte Kündigungs
frist von sechs Monaten sowie der Kündigungstermin (auf das Ende des Jahres) gegen die in Art. 404 Abs. 1 OR für den Auftrag zwingend vor
gesehene Kün
digungs
möglichkeit verstossen würde (Urteil der Einzelrichterin am Sozialver
sicherungs
gericht AB.2014.00065 vom 8. Februar 2016 E. 4.1).
Der unbefristete Vertrag und die lange Kündigungsfrist
legen ein
Arbeits
verhältnis
nahe
. Und schliesslich enthalten die Schlussbestimmungen des Zusam
men
arbeitsvertrages vom
1.
Juli 2015
ein Konkurrenzverbot der Beschwerde
führerin 2:
Während der Ver
tragslaufzeit und 10 Jahre danach
darf sie nicht
auf eigene Rechnung für die Klienten der Beschwerdeführerin 1 tätig sein
(
Ziff.
6.3 des Vertrages,
Urk.
10/17/27).
Ferner ist diesem Vertrag
zu entnehmen, dass die Beschwerde
führerin
2
während 10 Jahren nach der Beendigung des Vertragsver
hältnisses das Wissen und die Kenntnisse aus der Tätigkeit für die Beschwerde
führerin 1 weder selbst nutzen noch für andere Per
sonen nutzbringend anwenden darf (
Ziff.
6.1
des Vertrages,
Urk.
10/18/26).
Falls die Beschwerdeführerin 2 dem zuwider
han
deln würde, müsste sie laut Vertrag
für jeden einzelnen Verstoss gegen die Ver
tragsbestimmungen
eine Konventionalstrafe in der Höhe der letzten halben Jahresvergütung leisten
. Zusätzlich wäre sie zum Ersatz eines bei der Beschwer
deführerin 1 eingetreten Schadens verpflichtet
(
Ziff.
6.2
des Vertrages,
Urk.
10/18/27
).
Das Konkurrenzverbot und die
Konven
tionalstrafe
spre
ch
en
eben
falls für das Vorliegen eine
s Arbeitsverhältnisses beziehungsweise einer
unselb
ständigen Tätigkeit (
BGE 144 V 111 E. 6.3.1
und E. 6.4
,
Urteil des Bundes
gerichts 9C_386/2013 vom 2
0.
September 2013 E.
3.1
f.
). Davon ab
ge
sehen ist nicht ersichtlich, wie m
it solchen Vertragsbestimmungen
das von den Beschwerde
führenden
im vor
liegenden
Verfahren
angegebene Ziel der Zusam
menarbeit, näm
lich
de
r
Beschwerdeführerin 2
den Ausbau des eigenen Kunden
stammes zu ermöglichen
(
vgl.
Urk. 1 S. 6
)
, erreicht werden soll.
Besser nach
vollziehbar sind die Ausführungen der Beschwerdeführerin 1 in ihrem Schreiben vom
3.
Mai 201
7.
Sie führte
dort
aus, dass die Beschwerdeführerin 2 derzeit (mehr) für sie arbeite, weil sie ihren Kundenstamm erst noch aufbauen müsse (
Urk.
10/32).
Aus den diesbezüglichen Vorbringen können die Beschwerde
füh
renden somit eben
falls nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Die
Prüfung der
angeführten Vertragsbestimmungen, welche die Beschwerde
führerin 2
nach dem Gesagten
wie eine Arbeitnehmerin an die Beschwerde
führerin 1 binden
,
führ
t
dazu, dass die
arbeitsorganisatorische Abhängigkeit
der Beschwerdeführerin 2 von der Beschwerdeführerin 1
vorliegend
bejaht werden muss
.
4.4
In einer Gesamtschau sprechen die Kriterien Unternehmerrisiko
und
wirtschaft
liche
beziehun
gsweise arbeitsorganisatorische
Abhängigkeit
klar
für
eine
un
selbständige Tätigkeit.
5.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.