Decision ID: 3462b6e9-75b3-4d9e-97e6-46358134cf1e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966,
meldete sich am 23. März 2018
bei der Gemeinde
A._
(nachfolgend Durchführungsstelle)
zum Bezug von Zu
satzleistungen an (Urk. 12/3.1, Urk. 12/3.7).
Mit
Nichteintretens
verfügung
vom 1
8
.
April 2018
(Urk.
12
/
7 = Urk. 2
)
trat die Durchführungsstelle auf das Gesuch nicht ein mit der Begründung
, sie sei örtlich nicht zuständig.
2.
Gegen die
Nichteintretensverfügung
vom 18. April 2018 (Urk. 2) erhob die Ver
sicherte am 11. Mai 2018 Beschwerde beim hiesigen Gericht und beantragte sinn
gemäss, es sei auf das Gesuch einzutreten und der Anspruch auf Zusatzleistungen zu berechnen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2018 (Urk. 11) beantragte die Durchführungs
stelle die Abweisung der Beschwerde.
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2018
informierte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), Zusatzleistungen zur AHV/IV, dass die Durchfüh
rungsstelle die Ausrichtung von Zusatzleistungen mittels Anschlussvereinbarung im Sinne von § 3 des
Gesetz
es
über die Zusatzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ZLG)
per 1. November 2018 an sie übertragen habe und sie für die Weiterführung des Verfahrens zuständig sei (Urk. 14
S. 1
).
Weiter werde beantragt, die Beschwerde gutzuheissen. Es sei auf das Gesuch der Beschwerdeführerin einzutreten und die Leistungen seien ab dem 1. April 2018 zu berechnen (S. 2). Die SVA reichte zudem den Beschluss vom 4. September 2018 des Bezirksrates
Z._
zu den Akten (Urk. 15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit sind als Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen zu prüfen (§ 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsge
richt,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 59 Abs. 2
lit
. b und Art. 60 der Schweize
rischen Zivilprozessordnung, ZPO). Erachtet sich das Sozialver
sicherungs
gericht als nicht zuständig, leitet es die Eingabe an die zuständige Behörde weiter.
1.2
Laut Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts (ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderun
gen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffe
ne Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Gegen Verfügungen
kann nach Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und ver
fahrensleitende Verfügungen. Gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG Beschwerde erhoben werden.
1.3
Nach der Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts U 410/04 vom 3. November 2006
E. 4.2
) bestimmt sich der Begriff der Verfügung mangels näherer Konkreti
sierung in Art. 49 Abs. 1 ATSG nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1 des Bundesge
setzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
, vg
l. Art. 55 ATSG; BGE 132 V 98 E
. 3.2 mit Hinweisen). Bei den in Art. 52 Abs. 1 2. Satzteil ATSG erwähnten
pro
zess
- und verfahrensleitenden Verfügungen handelt es sich um Zwis
chenverfü
gungen (BGE 131 V 46 E
. 2.4). Wann Zwischenverfügun
gen zu erlassen sind, wird im ATSG nicht geregelt. Da sich der Verfügungs
begriff unter der Herrschaft des ATSG nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1
VwVG
definiert und Art. 55 Abs. 1 ATSG auf das
VwVG
verweist, soweit die in den Art. 27 bis 54 ATSG oder in den Einzelgesetzen enthaltenen Verfahrensbereiche nicht abschliessend geregelt sind, ist für diese Frage das
VwVG
massgebend (BGE 132 V 106 E. 6.1). Nach der Lehre (Martin Kayser in: Christoph Auer/ Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
VwVG
, Art. 45
VwVG
N 3) fällt eine Behörde, die ihre Zustän
digkeit verneint, einen
Nichteintretensentscheid
. Dieser ist früher als atypische Zwischen
verfügung betrachtet worden. Richtigerweise handelt es sich dabei je
doch um einen Endentscheid. Mit der Zwischenverfügung ist nicht die Vernei
nung der Zuständigkeit gemeint. Um eine Zwischenverfügung über die Zustän
digkeit im Sinne von Art 45
VwVG
handelt es sich lediglich bei einem die Zu
ständigkeit bejahenden Entscheid.
1.4
Damit übereinstimmend zählt die Literatur und Rechtsprechung Entscheide über die örtliche, sachliche oder funktionelle Zuständigkeit zu den anfechtbaren Vor- und Zwischenentscheiden im Sinne von Art. 92 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Als Zwischenentscheide im Sinne von Art. 92 BGG gelten indes nur Entscheide, mit welchen die Zuständigkeit bejaht wird. Demgegenüber handelt es sich bei Entscheiden, in welchen das Gericht seine Zuständigkeit ver
neint, nicht um einen Zwischenentscheid
,
sondern um einen
Nichteintretensent
scheid
und damit um einen Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG (Urteil des Bundesgerichts
8C_121/2009
vom 26. Juni 2009
E. 1.2 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.5
Bei der angefochtenen Verfügung vom
18. April 2018
(Urk. 2), worin die örtliche Zuständigkeit der
Durchführungsstelle z
um Entscheid über den Anspruch der Versicher
ten auf Ergänzungs- und Zusatzleistungen verneint wurde, handelt es
sich daher nicht um eine verfahrensleitende Verfügung im Sinne von Art. 52 Abs. 1 ATSG, sondern um eine Verfügung im Sinne von Art. 49 ATSG, gegen welche eine Einsprache zu erheben gewesen wäre. Vorliegend
gilt es indes zu beachten, dass die Parteien k
eine Rückweisung an die Beschwer
degegnerin zur Durchführung eines
Einspracheverfahrens
beantragten, weshalb davon auszuge
hen ist, dass die Verfahrensbeteiligten kein Interesse an eine
r
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin haben. Von einer Rückweisung der Sache an
die Beschwerdegegnerin aus den genannten formellen Gründen
, welche ei
nen formalistischen Leerlauf darstellen und zu unnötigen Verzögerungen führen würde, ist daher aus prozessökonomischen Gründen abzusehen (vgl. betreffend den Anspruch auf rec
htliches Gehör: BGE 132 V 390 E
. 5.1 mit Hinweis).
2.
2.1
D
ie
Durchführungsstelle
ging in der angefochtenen Verfügung vom
18. April 2018
(Urk. 2) davon aus, dass
der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer Anstalt keine neue Zuständigkeit begründe. Beim Aufenthalt der Beschwer
deführerin handle es sich um eine notwendige Unterbringung in einer heimange
gliederten Wohnung. Obwohl diese Wohnung keine Heimplatzbewilligung vor
weise, beziehe die Beschwerdeführerin Leistungen des Alters- und Pflegeheims, die über die Leistungen hinausgingen, die der Öffentlichkeit zugänglich seien. Sie begründe daher keinen regulären Wohnungsfall und sei als heimangegliederter Fall zu betrachten.
Daher liege die Zuständigkeit nicht bei ihnen, sondern der vorherigen Wohnsitzgemeinde (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt
hiegegen
vor (Urk. 1),
sie halte sich im Rahmen eines begleiteten Wohnens in einer 2-Zimmer Wohnung auf. Diese begleitete Wohnform wie auch die Wohnung werde vom Alters- und Pflegeheim angeboten und sei von ihr als Anschlusslösung an einen vorherigen Heimaufenthalt gewählt worden (S. 1).
Ihr zivilrechtlicher Wohnsitz und Lebensmittelpunkt be
finde sich in
A._
, weshalb
A._
für die Zusatzleistungen zuständig sei.
Dass
sie das Mittagessen im Hei
m
einnehme und dass ihr bei dieser Gelegen
heit die Medikamente abgegeben würden, sei nicht relevant (S. 2).
2.3
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
machte die nunmehr zuständige
Sozial
versicherungsanstalt
geltend, die Beschwerdeführerin habe ihre Wohnung
A._
selber ausgesucht und ihr Lebensmittelpunkt liege
dort. Damit liege die Zuständigkeit zur Ausrichtung von Zusatzleistungen bei der Gemeinde
A._
. Dass
d
ie
Beschwerdeführerin
gewisse Leistungen vom Alters- und Pfle
geheim beziehe, vermöge daran nichts zu ändern. Vor diesem Hintergrund
sei
auf das Gesuch um Ausrichtung von Zusatzleistungen einzutreten und
es seien
die
Leistungen ab dem 1. April 2018 zu berechnen. Die Beschwerde sei entspre
chend gutzuheissen (
Urk. 14
S. 2).
2.4
Da mit der Stellungnahme der Sozialversicherungsanstalt vom 13. Dezember 2018 (Urk. 14) in Bezug auf die Frage der örtlichen Zuständigkeit
übereinstim
mende Anträge vorliegen und diese mit der Akten- und Rechtslage in Einklang
stehen
, erweist sich
die
Nichteintretensverfügung
vom 18. April 2018
als unzu
treffend.
Zuständig zur Festsetzung und Ausrichtung der Ergänzungs- und Zu
satz
leistungen an die Beschwerdeführerin ist die Gemeinde
A._
. Die Be
schwerde ist daher gutzuheissen und die Akten sind nach Eintritt der Rechtskraft an die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung des Gesuchs der Beschwerdeführerin vom 23. März 2018 um Ausrichtung von Ergänzungs- und Zusatzleistungen zu überweisen.