Decision ID: 569b7e26-b06f-4d01-9267-be1558dce075
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ ist Eigentümer der Parzelle D._ (alt E._) in F._
(Gemeinde B._). Am 4. Mai 2021 reichte A._ bei der
Baukommission der Gemeinde B._ ein Baugesuch im Anzeige-
(Melde oder vereinfachtes)verfahren (datiert 3. Mai 2021) betreffend eine
Geländeanpassung auf der Parzelle D._ in F._ ein.
2. An ihrer Sitzung vom 4. Mai 2021 bewilligte die Baukommission der
Gemeinde B._ das Baugesuch gestützt auf Art. 40 Abs. 1 Ziff. 17
KRVO sowie Art. 1 und 2 der Verordnung zum kommunalen Baugesetz
ohne Auflagen. Das Baugesuch wurde im Amtsblatt G._ vom 14. Mai
2021 publiziert.
3. In seiner Einsprache vom 5. Mai 2021 gegen das Baugesuch Nr. 20/2021
von H._ betreffend die Erstellung eines Gartenhäuschens und einer
Wärmepumpe auf Parzelle I._, wies A._ darauf hin, dass die von
ihm beantragte Terrainveränderung auf Parzelle D._ den Zweck
habe, die Parzelle später als Sitzplatz und für kleinere Anlässe wie
Agrotourismus zu nutzen.
4. Mit Schreiben vom 17. Mai 2021 verlangte die C._ AG, Eigentümerin
der Nachbarparzelle J._, einen sofortigen Baustopp und die
Einleitung des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens. So habe A._
im Verfahren Nr. 20/2021 die Absicht erwähnt, Stellplätze auf
landwirtschaftlichen Betrieben zu erstellen.
5. Am 17. Mai 2021 sprach die Baukommission der Gemeinde B._
zunächst mündlich einen sofortigen Baustopp aus, den sie am 20. Mai
2021 auch noch schriftlich verfügte.
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6. Am 25. Mai 2021 hob die Baukommission der Gemeinde B._ den
Baustopp wieder auf, unter Bestätigung ihres Baubescheids vom 4. Mai
2021.
7. Dagegen erhob die C._ AG mit Eingabe vom 31. Mai 2021
Einsprache beim Gemeindevorstand B._, worauf der Gemeinde-
vorstand B._ am 2. Juni 2021 einen sofortigen Baustopp verfügte.
8. Mit Entscheid vom 13., mitgeteilt am 20. September 2021, hiess der
Gemeindevorstand B._ die Einsprache der C._ AG vom 31. Mai
2021 gut und leitete betreffend die beantragte Terrainveränderung auf
Parzelle D._ das ordentliche Baubewilligungsverfahren ein. Der
Gemeindevorstand B._ begründete seinen Entscheid im Wesent-
lichen damit, dass der Baugesuchsteller im Bauverfahren Nr. 20/2021 eine
zukünftige agrotouristische Nutzung der Parzelle erwähnt habe und damit
Anzeichen dafür bestünden, dass durch ein bewilligungsfähiges
Bauvorhaben Vorschriften des materiellen Rechts verletzt werden
könnten, weshalb die kommunale Baubehörde das Baubewilligungs-
verfahren einzuleiten habe.
9. Mit Schreiben vom 13. September 2021 nahm A._ durch seinen
Rechtsvertreter insbesondere Stellung zur Einsprache der C._ AG
und zu den Baustoppverfügungen. Weiter hielt er fest, dass die
beabsichtigte Terrainveränderung allein dem Zweck diene, die Parzelle zu
nivellieren, der Hinweis auf eine "agrotouristische Nutzung" sei rein
spekulativ.
10. Das Wiedererwägungsgesuch vom 12. Oktober 2021 wies der Gemeinde-
vorstand B._ mit Entscheid vom 8., mitgeteilt am 16. November 2021,
ab.
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11. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2021 erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) gegen die Verfügung des Gemeindevorstands
B._ vom 13., mitgeteilt am 20. September 2021, Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte dessen
Aufhebung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Vorinstanz. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, bei der
ersuchten Terrainebnung handle es sich unbestrittenermassen um ein
bewilligungsfreies Bauvorhaben, weshalb das Bauvorhaben auch
ursprünglich genehmigt worden sei. Dennoch habe die Vorinstanz die
Einleitung eines ordentlichen Baubewilligungsverfahren verfügt, was sie
mit seiner Mitteilung vom 5. Mai 2021 im anderen Baubewilligungs-
verfahren Nr. 20/2021, wonach das Terrain der Parzelle D._
begradigt werde "per silsuenter nazzegiar quella sco plaz da seser per
pintgas occurenzas (p. ex. Agrotourismus)" begründet habe. Wenn die
Vorinstanz nun nachträglich den ihr seit langem bekannten Hinweis ohne
Angabe von sachlichen Gründen rechtlich anders würdige, stelle dies eine
Verletzung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes und des Verbots
widersprüchlichen Verhaltens dar. Die Vorinstanz habe auch ihre Pflicht
zur Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts gemäss Art. 11 Abs. 1
und Art. 51 Abs. 1 lit. b VRG verletzt, indem sie seine ausdrückliche
Erklärung vom 13. September 2021, keinen Betrieb eines Agrotourismus
zu beabsichtigen, in der angefochtenen Verfügung habe unbeachtet
gelassen. Zudem habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt,
indem sie ihm die Begründung dafür schuldig geblieben sei, weshalb die
Aussage vom 5. Mai 2021 dazu führen sollte, dass das Bauvorhaben
Vorschriften des materiellen Rechts verletze. Schliesslich rügte der
Beschwerdeführer eine falsche Anwendung von Art. 40 Abs. 3 KRVO,
denn selbst wenn ein bewilligungspflichtiges Projekt vorläge, hätte es der
Gemeindeverwaltung B._ oblegen, von Amtes wegen das
Baubewilligungsverfahren einzuleiten. Für eine Anordnung wie jene in
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Ziffer 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung lasse Art. 40 Abs. 3
KRVO keinen Raum.
12. Am 21. Oktober 2021 räumte der Instruktionsrichter den Parteien Frist zur
Vernehmlassung ein, mit dem Hinweis, dass das Verfahren einstweilen
auf Deutsch geführt werde, es den Parteien aber freigestellt sei, die
Weiterführung auf Romanisch zu beantragen.
13. Mit Vernehmlassung vom 9. November 2021 beantragte die C._ AG
(nachfolgend Beschwerdegegnerin 2), auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten, eventualiter seien die beschwerdeführerischen Anträge
Ziffer 1 und 2 vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer zulasten des Beschwerde-
führers. Die Beschwerdegegnerin 2 erklärte sich mit der vom Verwaltungs-
gericht gewählten Verfahrenssprache einverstanden. Begründend führte
sie im Wesentlichen an, dem Beschwerdeführer fehle es an einem
schutzwürdigen Interesse, weshalb auf seine Beschwerde nicht
einzutreten sei, habe er doch mit Schreiben vom 13. September 2021
explizit die Erforderlichkeit eines ordentlichen Baubewilligungsverfahrens
für sein Bauvorhaben anerkannt. Die vom Beschwerdeführer geplante und
bereits realisierte Terrainveränderung betreffe den südöstlichen Teil der
Parzelle D._, der in der Ortsbildschutzzone liege und von einer
blauen Gefahrenzone überlagert werde. Der Beschwerdeführer habe im
Bauverfahren Nr. 20/2021 mitgeteilt, dass er auf diesem Parzellenteil eine
Terrainbegradigung vornehmen wolle, um dieses als Sitzplatz für kleine
Veranstaltungen (bzw. Agrotourismus) nutzen zu können. Diese Aussage
wolle er erst vier Monate danach als zurückgezogen betrachtet haben,
andere Gründe für die Terrainveränderung habe er dann aber keine
vorgebracht. Entgegen der beschwerdeführerischen Behauptung, wonach
maximal 70 cm des vorhandenen Terrains abgetragen bzw. ausgeebnet
werden sollten, seien im Rahmen der bereits vorgenommenen
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Bauarbeiten vielmehr massive Felsbrocken aus dem Erdreich entfernt und
an der von der Terrainveränderung betroffenen Stelle zusätzliches
Erdmaterial hinzugefügt worden. Im Zusammenhang mit der Terrain-
veränderung habe der Beschwerdeführer zudem eine Deponie in der
Landwirtschaftszone eingerichtet. Die Beschwerdegegnerin 2 verneinte
eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben, auch erachtete
sie die übrigen vom Beschwerdeführer gerügten Verletzungen als nicht
gegeben.
14. In seiner Vernehmlassung vom 11. November 2021 beantragte das Amt
für Raumentwicklung Graubünden (ARE) die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. Es hielt fest, dass die umstrittene Terrainveränderung nicht
Gegenstand eines BAB-Verfahrens gewesen sei. Zur Frage der
Baubewilligungspflicht führte das ARE im Wesentlichen aus, dass aus den
vorliegenden Baugesuchunterlagen und dem angefochtenen Entscheid
nicht hervorgehe, welchem Zweck die fragliche Terrainveränderung diene.
Für eine zonenkonforme, landwirtschaftlich begründete Terrain-
veränderung gebe es vorliegend keine Anhaltspunkte. Aufgrund der im
Raum stehenden Vorwürfe, wonach das Vorhaben agrotouristisch
motiviert sei, bestünden vielmehr Zweifel an der materiellrechtlichen
Zulässigkeit des Vorhabens im Sinne von Art. 40 Abs. 3 KRVO, so dass
der Entscheid der Gemeinde nicht zu beanstanden sei.
15. Mit Vernehmlassung vom 26. November 2021 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin 1), die Beschwerde sei
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei; unter gesetzlicher Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führte die Beschwerdegegnerin 1
im Wesentlichen aus, die Rüge bezüglich Verletzung der
Begründungspflicht sei unbegründet und deshalb abzuweisen. Sie habe
ihren Entscheid damit begründet, wonach offensichtlich Anzeichen dafür
bestünden, dass Vorschriften des materiellen Rechts verletzt sein
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könnten, wenn der Beschwerdeführer die betroffene Parzelle künftig
eventuell für Agrotourismus nutzen würde. Die Erklärung des
Beschwerdeführers vom 13. September 2021, wonach die Terrain-
veränderung ausschliesslich den Zweck der Nivellierung habe, ändere
nichts am Sachverhalt. Sei doch die Gemeindebehörde gemäss Art. 40
Abs. 3 KRVO auf Hinweis von Dritten gehalten, ein ordentliches Verfahren
einzuleiten. Zur Rüge der unvollständigen Feststellung des Sachverhalts
hielt die Beschwerdegegnerin 1 fest, bei der Beurteilung des vorliegenden
Geschäfts am 13. September 2021 keine Kenntnis vom beschwerde-
führerischen Schreiben vom selben Tag gehabt zu haben, so dass sie
dieses dementsprechend bei der Beurteilung nicht habe mitberück-
sichtigen können. Weiter hielt sie fest, dass eine Verletzung des
Vertrauensprinzips nicht feststellbar sei, wenn der Gemeindevorstand die
erteilte Baubewilligung anders würdige als die Baubehörde der Gemeinde
B._. Schliesslich sei auch der Entscheid betreffend die formelle
Einleitung des Baubewilligungsverfahrens rechtlich haltbar und damit die
Rüge betreffend die Verletzung der Anordnung "vom Amtes wegen"
abzuweisen.
16. In seiner Replik vom 17. Januar 2022 beantragte der Beschwerdeführer
ergänzend zu seiner Beschwerde vom 20. Oktober 2021 folgendes:
"2. Die Terrainveränderung gemäss meiner Anzeige eines Bauvorhabens ("ANZEIGE
BAUVORHABEN") vom 14. April 2021 sei zu genehmigen.
3. Eventualiter sei die Terrainnivellierung gemäss der ANZEIGE BAUVORHABEN unter
der Bedingung zu genehmigen, dass diese Terrainveränderung nicht dem Zweck
des Aufenthalts von Menschen und Tieren dient, sei es im Rahmen
agrotouristischer oder anderer Aktivitäten.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz."
Ergänzend führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, in der
Anzeige des Bauvorhabens vom 4. Mai 2021 und dem beigelegten Plan
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sei ersichtlich, dass sich die beantragte Terrainnivellierung auf die
Bauparzelle D._ beschränke und das Bauvorhaben kein Gebiet in der
Landwirtschaftszone umfasse. Ergänzend rügte der Beschwerdeführer die
Verletzung des rechtlichen Gehörs, indem er weder zum ersten Baustopp
vom 17. Mai 2021 noch zum zweiten Baustopp vom 2. Juni 2021 und auch
zum Vorwurf, er plane agrotouristische Aktivitäten, jemals von der
Beschwerdegegnerin 1 angehört worden sei, noch sei ihm die erste
Einsprache vom 17. Mai 2021 zugestellt worden. Damit habe die
Beschwerdegegnerin 1 auch den Untersuchungsgrundsatz sowie das
Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt. Er hielt weiter fest, dass er nach der
Aufhebung des ersten Baustopps am 17. bzw. 20. Mai 2021 ca. 8 m3
Erdmaterial auf die Parzelle D._ geführt und dort zwecks späterer
Terrainnivellierung als Erdhügel abgeladen habe.
17. Am 27. Januar 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin 1 auf die
Erstattung einer Duplik. Mit Duplik vom 28. Januar 2022 hielt die
Beschwerdegegnerin 2 unverändert an ihren Rechtsbegehren fest. Am
31. Januar 2022 verzichtete das ARE auf die Einreichung einer Duplik.
18. Mit unaufgeforderter Stellungnahme vom 9. Februar 2022 hielt der
Beschwerdeführer an seinen Rechtsbegehren vollumfänglich fest.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, den
angefochtenen Entscheid und die weiteren Akten wird, soweit erforderlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden
gegen Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen
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Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Die angefochtene Verfügung der
Beschwerdegegnerin 1 vom 13., mitgeteilt am 20. September 2021 (Akten
des Beschwerdeführers [Bf-act.] 1 = Akten der Beschwerdegegnerin 1
[Bg1-act.] 11), ist weder endgültig noch kann sie bei einer anderen Instanz
angefochten werden. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt
demzufolge in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Die
Eintretensvoraussetzungen geben – unter dem Vorbehalt gemäss
Erwägung 1.2 – vorliegend zu keinen Bemerkungen Anlass, weshalb auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist.
1.2. Auf die in der Replik neu gestellten Anträge Ziffer 2 und 3 kann, da sie im
vorliegenden Verfahren verspätet vorgebracht worden sind, nicht
eingetreten werden. So kann im Verlaufe eines Schriftenwechsels zwar
der Streitgegenstand verengt bzw. um nicht mehr streitige Punkte
reduziert werden, nicht aber eine Erweiterung oder qualitative
Veränderung des Streitgegenstandes vorgenommen werden (siehe dazu
die Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU] R 21 56 vom 21. September
2021 E.1.4 mit Hinweis auf R 16 72 und R 16 73 vom 11. Mai 2017 E.4a).
Streitgegenstand ist vorliegend nicht die Zulässigkeit der strittigen
Terrainveränderung an sich, sondern vielmehr einzig die Frage, ob der
Gemeindevorstand B._ den Baubescheid der Baubehörde B._
vom 4. Mai 2021 mit Einspracheentscheid vom 13., mitgeteilt am
20. September 2021, zu Recht aufgehoben und den Beschwerdeführer
ebenso zu Recht aufgefordert hat, ein ordentliches Baubewilligungs-
gesuch einzureichen. So geht die Argumentation der Beschwerde-
gegnerin 2 ins Leere, wonach die bereits vorgenommenen Bauarbeiten
das gesetzlich erlaubte Mass übersteigen würden, gilt es doch vorliegend
durch das Gericht nicht darum festzustellen, ob die bereits
vorgenommenen Bauarbeiten materielles Recht verletzen. Ob durch das
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Bauvorhaben materielles Recht verletzt wird oder nicht, hat die
Beschwerdegegnerin 1 im späteren Baukontrollverfahren festzustellen
und nötigenfalls die Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes zu
verfügen. Ebensowenig Streitgegenstand ist zudem das Wiederer-
wägungsgesuch des Beschwerdeführers vom 12. Oktober 2021, welches
entgegen dessen Vorbringen durch den Gemeindevorstand beurteilt und
am 8., mitgeteilt am 16. November 2021, abgewiesen worden ist (Bg1-act.
20).
2. Der Beschwerdeführer beruft sich auf Art. 40 Abs. 1 Ziff. 17 der
Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden (KRVO; BR
801.110), wonach betreffend die beabsichtigte Terraineinebnung auf der
Parzelle D._ kein ordentliches Baubewilligungsverfahren erforderlich
sei.
2.1. Nach Art. 22 des eidgenössischen Raumplanungsrechts (RPG; SR 700)
i.V.m. Art. 86 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) dürfen Bauten und Anlagen nur mit
Bewilligung der kommunalen Baubehörde errichtet, geändert,
abgebrochen oder in ihrem Zweck geändert werden. Grundvoraussetzung
einer Bewilligung ist, dass jene Bauten und Anlagen zonenkonform sind
und das Land erschlossen ist. Nach Art. 86 Abs. 2 KRG unterliegen
dagegen zeitlich nicht begrenzte Bauvorhaben sowie solche, die weder
öffentliche noch private Interessen berühren, nicht der
Baubewilligungspflicht. Die Regierung bestimmt durch Verordnung,
welche Bauvorhaben keiner Baubewilligung bedürfen. In Art. 86 Abs. 3
KRG wird dazu ergänzend festgehalten, dass die Gemeinden nicht
baubewilligungspflichtige Vorhaben dem vereinfachten Baubewilligungs-
verfahren unterstellen können. Art. 40 Abs. 1 der Raumplanungs-
verordnung für den Kanton Graubünden (KRVO; BR 801.110) bestimmt,
welche Bauvorhaben – sofern die Vorschriften des materiellen Rechts
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eingehalten sind – keiner Baubewilligung bedürfen. Darunter fallen
namentlich Terrainveränderungen bis zu 1 m Höhe oder Tiefe und einer
veränderten Kubatur von 100 m3 (Art. 40 Abs. 1 Ziff. 17 KRVO). Die von
der Baubewilligungspflicht ausgenommenen Bauvorhaben sind der
kommunalen Baubehörde vor der Ausführung schriftlich anzuzeigen
(Art. 40a Abs. 1 KRVO), worauf die Baubehörde der Bauherrschaft eine
allfällige Baubewilligungspflicht mitteilt und darüber orientiert, ob das
angezeigte Vorhaben dem ordentlichen oder vereinfachten
Baubewilligungsverfahren untersteht (Art. 40a Abs. 2 KRVO). Bestehen
indessen Anzeichen dafür, dass durch ein bewilligungsfreies Bauvorhaben
Vorschriften des materiellen Rechts verletzt sein könnten, hat die
kommunale Baubehörde von Amtes wegen, auf Ersuchen der Fachstelle
(ARE) oder auf Hinweis von Dritten hin das Baubewilligungsverfahren
einzuleiten (Art. 40 Abs. 3 KRVO).
2.2. Die Baubewilligungspflicht soll der Behörde die Möglichkeit verschaffen,
das Bauprojekt vor seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit der
raumplanerischen Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen
Gesetzgebung zu überprüfen. Massgebend dafür, ob eine Massnahme
erheblich genug ist, um sie dem Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen,
ist daher, ob damit im allgemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge, so wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse
der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle
besteht (BGE 139 II 134 E.5.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
1C_431/2018 vom 16. Oktober 2019 E.2.1; WALDMANN/HÄNNI,
Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 22 Rz. 10 mit
weiteren Hinweisen). Bei der Frage, ob bauliche Vorkehrungen der
baurechtlichen Bewilligungspflicht unterliegen, steht der Baubehörde ein
erheblicher Ermessensspielraum zu. Bestehen für die Baubehörde
Anhaltspunkte, dass ein bewilligungspflichtiger Sachverhalt vorliegen
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könnte, hat sie im Zweifelsfall ein Bewilligungsverfahren einzuleiten (Urteil
des Bundesgerichts 1A.204/2004 vom 14. Dezember 2004 E.3.1; vgl.
FRITZSCHE et al., Zürcher Planungs- und Baurecht, 6. Aufl., Wädenswil
2019, S. 617).
3.1. Aus der vom Beschwerdeführer am 4. Mai 2021 eingereichten Anzeige
eines Bauvorhabens (Verfahren Nr. 68/2021) geht hervor, dass sich die
Parzelle D._ in F._ in der Dorfzone V (Art. 19 BG) als auch in
der Landwirtschaftszone (Art. 28 BG) befindet und der Beschwerdeführer
eine Ausgleichung des Geländes vor der Kapelle ("Ulivaziun da terren
avon caplutta") sowie die Deponierung von Material ("Deponia da material
serenera") beabsichtigte (Bg1-act. 1). Aus den Akten ergibt sich weiter,
dass mit den Arbeiten bereits am 7. Mai 2021 begonnen wurde (siehe Bg1-
act. 4) und am 17. Mai 2021 der Geländeabtrag bereits auf 70 cm erfolgt
war (vgl. E-Mail des Archäologischen Dienst Graubünden vom 18. Mai
2021 [Bg1-act. 5]).
3.2. Die streitbetroffene Parzelle D._ befindet sich direkt neben der
Kapelle, einem Kulturobjekt ("Object cultural: Edifezis e stabiliments da
valur"), das im Generellen Gestaltungsplan (GGP) festgesetzt ist (siehe
das kantonale Geoportal). Nach Art. 43 Abs. 2 BG dürfen die im GGP
bezeichneten Kulturobjekte wie Sakralbauten, Burgen, Talsperren,
Schalensteine, historische Wege, Bauten mit historischer Bedeutung usw.
weder zerstört noch beeinträchtigt werden. Im Raum stehen vorliegend die
Verwertung von Aushubmaterial eines anderen Grundstückes auf der
betroffenen Parzelle bzw. die Erstellung einer Deponie auf der Parzelle
D._ (siehe dazu die Anzeige des Bauvorhabens vom 3. Mai 2021
[Bg1-act. 1]), womit eine Beeinträchtigung des Kulturobjektes Kapelle
nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann.
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3.3. Die vom Beschwerdeführer geplante und zwischenzeitlich zumindest
teilweise ausgeführte Terrainveränderung betrifft ausserdem die
Ortsbildschutzzone (siehe das kantonale Geoportal). Gemäss
kommunalem Baugesetz sind Veränderungen des bestehenden
Geländeverlaufs nur zulässig, soweit sie das Orts- und Landschaftsbild
nicht beeinträchtigen und in Form und Beschaffenheit natürlich erscheinen
(Art. 54 Abs. 1 BG). Bei der Erstellung von Stellplätzen für agrotouristische
Zwecke wäre ernsthaft von einer Beeinträchtigung der Ortsbildschutzzone
auszugehen, was die Durchführung des ordentlichen Baubewilligungs-
verfahrens erforderlich machte.
3.4. Weiter liegt die Terrainveränderung auch teilweise in der
Landwirtschaftszone (siehe das kantonale Geoportal), was es ebenfalls zu
berücksichtigen gilt. Aus den Ausführungen der Beschwerdegegnerin 2
ergibt sich, dass an der von der Terrainveränderung betroffenen Stelle
zusätzliches Erdmaterial hinzugefügt worden sei bzw. der
Beschwerdeführer im nordöstlichen Bereich der Parzelle D._ eine
Deponie geplant und errichtet habe (Gerichtsakten A2 S. 5; vgl. auch die
Anzeige des Bauverfahrens vom 3. Mai 2021 [Bg1-act. 1]). Eine
Terrainveränderung kann grundsätzlich nur bewilligt werden, wenn sie der
Landwirtschaft dient bzw. das landwirtschaftliche Bedürfnis nachgewiesen
ist. Zudem ist eine Deponie grundsätzlich nicht bewilligungsfähig, das
Material muss auf eine ordentliche Deponie Typ A oder B abgeführt
werden (siehe das Merkblatt des ARE für das BAB-Verfahren, Stand
September 2020, abrufbar unter: https://www.gr.ch/DE/institutionen/
verwaltung/dvs/are/dienstleistungen/bab/Seiten/bab_wegleitungen.aspx;
letztmals besucht am 6. Dezember 2022).
3.5. Überdies ergeben sich aus den im Raum stehenden Hinweisen, dass es
allenfalls mit der Geländeanpassung allein nicht sein Bewenden hat,
sondern zu einem späteren Zeitpunkt weitere Nutzungen wie z.B.
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Veranstaltungen, Agrotourismus oder Stellplätze für Agrotourismus
realisiert würden (siehe dazu u.a. die Einsprache des Beschwerdeführers
gegen das Baugesuch Nr. 20/2021 [Bf-act. B5]). Die Errichtung von
Camping- und Rastplätzen oder das ständige Stehenlassen von
Wohnwagen oder Wohnmobilen im Freien ist auf dem ganzen
Gemeindegebiet verboten und nur auf eigens dafür festgesetzten Zonen
zulässig. Für das zeitlich beschränkte Aufstellen von Zelten und
Wohnwagen kann der Gemeindevorstand Bewilligungen erteilen (Art. 57
Abs. 1 und 2 BG). Im Weiteren hat der Beschwerdeführer nicht dargelegt,
welchem weiteren Zweck die Terrainveränderung dienen soll, gibt es doch
auch keine Anhaltspunkte für eine zonenkonforme, landwirtschaftlich
begründete Terrainveränderung, so z.B. dass jene der landwirtschaft-
lichen Ertrags- und Bewirtschaftungsverbesserung dienen soll.
3.6. Das Bauvorhaben liegt zudem in einer überlagernden Gefahrenzone 2
(Art. 39 Abs. 2 BG; siehe kantonales Geoportal). Nach Art. 38 Abs. 4 und
5 KRG bedürfen alle Bauten und Anlagen, ob sie nun dem Aufenthalt von
Mensch und Tier dienen oder nicht, in Gefahrenzonen eines
angemessenen Objektschutzes. Baubewilligungen und Bewilligungen für
das Bauen ausserhalb der Bauzone (BAB-Bewilligungen) für
Bauvorhaben in Gefahrenzonen werden zudem nur erteilt, wenn eine
Genehmigung der Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden
vorliegt (Art. 38 Abs. 5 KRG). Bei solchen Bauvorhaben, bei denen es
(auch) um die Sicherheit von Mensch, Tier und Objekten geht, ist klar,
dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer
vorgängigen Kontrolle besteht und dieses Interesse erheblich genug ist,
um ein solches Bauvorhaben dem Baubewilligungsverfahren mit Auflage
und Publikation zu unterwerfen. Schliesslich ist nach der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung im Zweifelsfall dann ein ordentliches Bewilligungs-
verfahren einzuleiten, wenn begründete Anhaltspunkte vorliegen, dass ein
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baubewilligungspflichtiger Sachverhalt vorliegen könnte (Urteil des
Bundesgerichts 1A.204/2004 vom 14. Dezember 2004 E.3.1). Nach dem
Gesagten bestehen Zweifel an der materiellrechtlichen Zulässigkeit des
streitbetroffenen Bauvorhabens. Die Beschwerdegegnerin 1 hat demnach
folgerichtig gestützt auf das ihr zustehende Ermessen aufgrund des
Hinweises von Dritten gemäss Art. 40 Abs. 3 KRVO die Einleitung des
ordentlichen Baubewilligungsverfahren verfügt.
3.7. Schliesslich gehen die beschwerdeführerischen Rügen der Verletzung des
Vertrauensschutzes und des Verbots widersprüchlichen Verhaltens der
Behörden ins Leere, hat die Beschwerdegegnerin 1 als innerkommunale
Rechtsmittelinstanz doch pflichtgemäss den Entscheid der kommunalen
Baubehörde überprüft und die Sach- und Rechtslage dabei anders
beurteilt, was einem Rechtsmittelverfahren immanent ist. Auch die Rüge
der Verletzung der Begründungspflicht verfängt nicht, so war für den
Beschwerdeführer erkennbar, von welchen Überlegungen sich die
Beschwerdegegnerin 1 in ihrem Einspracheentscheid vom 13., mitgeteilt
am 20. September 2021, hat leiten lassen, so dass eine sachgerechte
Anfechtung ohne Weiteres möglich war. Selbst wenn mit Blick auf die
gerügte Begründungspflicht eine allfällige Verletzung des rechtlichen
Gehörs bejaht würde, dürfte der Mangel im vorliegenden Beschwerde-
verfahren als geheilt gelten (siehe dazu VGU R 20 99, 100 vom 30. Juni
2022 E.3.2 f.; R 18 23 vom 15. Januar 2019 E.2.3). Weiter liegt auch keine
unvollständige Feststellung des Sachverhaltes vor, war die Beschwerde-
gegnerin 1 doch im Zeitpunkt der Beurteilung der Angelegenheit am
13. September 2021 nicht im Besitze des beschwerdeführerischen
Schreibens vom selben Tag und konnte damit von dessen Inhalt auch
keine Kenntnis haben bzw. die darin enthaltenen Ausführungen nicht in
die Beurteilung einfliessen lassen (Bg1-act. 11). Schliesslich verfängt auch
die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs betreffend die
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ausgesprochenen Baustopps nicht. So ist es üblich, dass eine derartige
vorsorgliche Massnahme als superprovisorische Verfügung ohne
vorgängige Anhörung der beteiligten Parteien erlassen wird (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 1C_264/2014 vom 19. Februar 2015 E.3.2).
Zudem erhielt der Beschwerdeführer im Nachhinein Kenntnis von den
verfügten Baustopps und den Einsprachen, womit er dazu hätte Stellung
nehmen können, was er mit Schreiben vom 13. September 2021 denn
auch getan hat. Auch diesbezüglich ist festzuhalten, dass eine allfällige
Verletzung des rechtlichen Gehörs im verwaltungsgerichtlichen Verfahren
als geheilt zu betrachten wäre.
3.8. Im Ergebnis erweist sich der angefochtene Entscheid der Beschwerde-
gegnerin 1 vom 13., mitgeteilt am 20. September 2021, somit als
rechtmässig. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
4.1. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRG; BR 370.100]). Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Gerichtskosten gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG vollumfänglich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Das Gericht erachtet dabei hier
ermessensweise eine Staatsgebühr von CHF 1'500.-- (zzgl. Kanzlei-
auslagen) als angemessen und gerechtfertigt.
4.2. Im Rechtsmittelverfahren wird die unterliegende Partei in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen (vgl. Art. 78 Abs. 1 VRG).
Dabei wird die Parteientschädigung gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung
über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des
kantonalen Anwaltsgesetzes (BR 310.100) durch die urteilende Instanz
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nach Ermessen festgesetzt. Reichen die Parteien zu Beginn des
Verfahrens nicht eine vollständige, unterzeichnete Honorarvereinbarung
ein, kann die urteilende Instanz davon absehen, für die Festsetzung der
Parteientschädigung die Anwaltsrechnung heranzuziehen (Art. 4 Abs. 1
HV). Honorarnoten liegen vorliegend keine im Recht. Für den Aufwand im
vorliegenden Verfahren hat der Beschwerdeführer somit die
Beschwerdegegnerin 2 aussergerichtlich mit CHF 2'000.-- pauschal zu
entschädigen (inkl. MWST und Spesen). Bund, Kanton und Gemeinden
sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird
in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem
amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Art. 78 Abs. 2 VRG). Von dieser Regel
abzuweichen, besteht hier kein Anlass.