Decision ID: 60233465-32b1-40a9-88c0-1f5359f2958f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend mehrfache üble Nachrede etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht, vom 6. November 2020 (GG200015)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 10. August 2020
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/27).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 63 S. 39 f.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB,
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 20.–
(entsprechend Fr. 1'200.–) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre fest-
gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 und 2 werden abgewiesen.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'700.– ; die weiteren Verfahrenskosten betragen: Fr. 1'300.– Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Gerichtsgebühr um einen Drittel.
7. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer 6 werden der Beschuldigten auferlegt.
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8. Die Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'000.– zu bezahlen.
9. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Beschuldigten wird abge-
wiesen.
10. (Mitteilung)
11. (Rechtsmittel)."
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) Der Beschuldigten:
(Prot. II S. 6 ff., sinngemäss)
1. Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Privatkläger und Frau B._ seien zu verpflichten, der
Beschuldigten Schadenersatz in Höhe von Fr. 6'000.– und eine Genug-
tuung in Höhe von Fr. 2'000.– zu bezahlen.
3. Der Beschuldigten sei eine angemessene Parteientschädigung zuzu-
sprechen.
4. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens, des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens und des Berufungsverfahrens seien den Privat-
klägern aufzuerlegen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 70)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Considerations:
Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
6. November 2020 wurde die Beschuldigte anklagegemäss der mehrfachen üblen
Nachrede sowie der Beschimpfung schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe
sowie einer Busse bestraft, wobei ihr für die Geldstrafe der bedingte Strafvollzug
gewährt wurde (Urk. 63 S. 39). Gegen diesen Entscheid meldete die Beschuldigte
mit Eingabe vom 12. November 2020 innert gesetzlicher Frist Berufung an
(Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 57). Die Berufungserklärung der Beschuldigten ging
ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3
StPO; Urk. 65). Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 28. Januar 2021 innert
Frist mitgeteilt, dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 70; Art. 400
Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsver-
fahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 65 und Prot. II. S. 5). Die Be-
schuldigte hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung nicht beschränkt (Urk. 65;
Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung des ange-
fochtenen Entscheides (Urk. 70). Die Privatkläger haben auf Teilnahme an der
Berufungsverhandlung und Antragstellung verzichtet (Urk. 72; Urk. 78; Prot. II
S. 4).
2. Demnach sind im Berufungsverfahren die vorinstanzliche Abweisung der
Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 und 2 (Urteilsdispositiv-Ziffer 5.) und die
vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziffer 6.) nicht angefochten.
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab mittels Beschluss fest-
zustellen (Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Die inkriminierten Tatvorwürfe, die mit Anklageschrift der Anklagebehörde
vom 10. August 2020 gegen die Beschuldigte erhoben werden, gehen zurück auf
ein strittiges Mietverhältnis zwischen der Beschuldigten als Mieterin und dem
Privatkläger 2 (respektive dessen Mutter B._) als Vermieter sowie dem Pri-
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vatkläger 1 als Rechtsvertreter des Privatklägers 2 (respektive dessen Mutter).
1.2. Im Rahmen der Mietstreitigkeit der Parteien verfasste die Beschuldigte am
28. Juni 2018 (überbracht am 2. Juli 2018) eine schriftliche Eingabe an das
Mietgericht des Bezirks Pfäffikon, welche die gemäss Anklageziffer Dossier 1 und
Dossier 2 inkriminierten Passagen enthält (Urk. D1/27 S. 2-5; Urk. D1/2/6). Am
12. September 2018 sandte die Beschuldigte ferner eine SMS-Nachricht an den
Privatkläger 2, welche die gemäss Anklageziffer Dossier 4 inkriminierten Passa-
gen enthält (Urk. D1/27 S. 6; Urk. D4/1-2).
1.3. Die Beschuldigte anerkennt, die massgebliche schriftliche Eingabe an das
Mietgericht Pfäffikon verfasst und eingereicht sowie die SMS-Nachricht an den
Privatkläger 2 verfasst und verschickt zu haben (Prot. I S. 10 und S. 15; Urk. 80
S. 6 und S. 12). Der äussere Anklagesachverhalt ist somit mit der Vorinstanz
erstellt (Urk. 63 S. 7).
2.1. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid eingangs zutreffende Erwä-
gungen zu den gesetzlichen Tatbeständen der Verleumdung, der üblen Nachrede
(sowie den Voraussetzungen eines Entlastungsbeweises diesbezüglich) und der
Beschimpfung angestellt (Urk. 63 S. 8-12). Darauf wird verwiesen (Art. 82 Abs. 4
StPO).
2.2. Im Folgenden hat die Vorinstanz die im Schreiben an das Mietgericht durch
die Beschuldigte gemachten Äusserungen detailliert angeführt (Urk. 63 S. 12 f.)
und dazu erwogen, gewisse Äusserungen (Dossier 1: "unehrlicher Anwalt", "ver-
logen", "im Betrugsstil", "betreibt sogar Aktenfälschung"; Dossier 2: "ungeheuer-
lich unehrlichen Leuten", "abartigen Lügen", "will mit aller Kraft den Betrug", "ver-
logen", "an Lug und auch Betrug nichts auslassen", "unverschämt lügt", "ein Lü-
genduo") seien Tatsachenbehauptungen; andere Äusserungen (Dossier 1: "ext-
rem dreist", "hochmanipulativ", "unverschämte Freund des Hauses"; Dossier 2:
"dreisten Leuten", "extrem dreisten und hochmanipulativen Vermietern", "wie
dreist, berechnend er agierte", "Noch nie bin ich einem Mann begegnet, der so
unverfroren, berechnend den Mund öffnet") seien gemischte Werturteile. Sämtli-
che zitierten Äusserungen seien auf eine Tatbeständlichkeit nach Art. 173 StGB
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oder Art. 174 StGB zu prüfen (Urk. 63 S. 14).
2.3. Zur rechtlichen Qualifikation der massgeblichen Äusserungen erwog die
Vorinstanz, mit den vorstehend erstgenannten habe die Beschuldigte den Privat-
klägern 1 und 2 betrügerische Machenschaften und Lügen sowie – im Fall des
Privatklägers 1 – Aktenfälschung unterstellt. Diese Darstellungen seien ebenso
ehrverletzend wie konkret unwahr und erfüllten den objektiven Tatbestand von
Art. 173 und Art. 174 StGB (Urk. 63 S. 14 f.).
Auf konkreten Vorhalt hat die Beschuldigte an der Hauptverhandlung zwar bestrit-
ten, die massgeblichen Äusserungen seien ehrverletzend. Zur Begründung dieser
Haltung verwies sie dann aber sofort und pauschal – wie auch im Berufungsver-
fahren – auf die behaupteterweise unhaltbaren Mietverhältnisse, die man ihr als
Mieterin zugemutet habe (Prot. I S. 11 und Urk. 80 S. 6 ff.). Mit gleicher – pau-
schaler – Begründung bestritt sie auch, dass ihre Darstellungen unwahr seien.
Hiezu hat die Vorinstanz klar dargelegt, dass gegen die Privatkläger 1 und 2 nie
Strafverfahren wegen Betrugs oder Urkundenfälschung ("Aktenfälschung") geführt
wurden und für Solches auch keine objektiven Anhaltspunkte bestünden (Urk. 63
S. 14). Daran vermag die Beschuldigte auch mit ihrer – erneuten – langfädigen
Darstellung des mutmasslich unbefriedigenden Mietverhältnisses und Mietstreit-
verfahrens in ihrer schriftlichen Berufungserklärung nichts zu ändern (Urk. 65).
Das Gericht hat sich im Übrigen gemäss ständiger Praxis nicht mit sämtlichen,
sondern lediglich mit den wesentlichen Punkten der Parteibehauptungen ausei-
nander zu setzen (Entscheid des Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober
2019 E.1.5.2. mit Verweisen).
Zu ergänzen ist einzig, dass nicht sämtliche der inkriminierten Äusserungen ob-
jektiv ehrverletzend sind: Die Darstellungen, die Privatkläger 1 und 2 seien
"dreist", "unverschämt", "berechnend", "manipulativ" und "unverfroren" sind man-
gels Schwere noch nicht in strafrechtlich relevanter Weise ehrenrührig.
2.4. Zum Subjektiven erwog die Vorinstanz, der Beschuldigten könne kein direk-
ter Vorsatz zur Verbreitung von Unwahrheiten nachgewiesen werden; sie sei of-
fenbar innerlich davon überzeugt, betrogen worden zu sein. Mangels Handelns
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wider besseren Wissens sei daher der Tatbestand der Verleumdung aus subjekti-
ven Gründen nicht erfüllt (Urk. 63 S. 18). Da einzig die Beschuldigte appelliert,
muss eine Prüfung dieser vorinstanzlichen Qualifikation schon aus prozessualen
Gründen (Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO) unterbleiben
(BGE 139 IV 282 E. 2.5. mit Verweisen).
Die Vorinstanz hielt hingegen dafür, die Beschuldigte habe in Kauf genommen,
Unwahrheiten über die Privatkläger 1 und 2 zu verbreiten, die überdies ehrenrüh-
rig waren. Dies ist ohne Weiteres zutreffend: Die Beschuldigte sagte in der Haupt-
verhandlung ausdrücklich aus: "Wegen dem Betrug...: Wenn man dies nur sagen
darf, wenn jemand schon verurteilt wurde..., das weiss ich nicht. Ich habe nicht
recherchiert". Auch im Berufungsverfahren brachte die Beschuldigte wiederholt
vor, dass sie nicht habe wissen können, ob die Privatkläger 1 und 2 tatsächlich
vorbestraft seien bzw. vorverurteilt worden seien, dass für sie die geschehenen
Sachen als Laie jedoch unter Betrug fielen (Urk. 80 S. 9 f.). Auf die Frage, was sie
unternommen habe um zu überprüfen, ob ihre Aussagen der Wahrheit entsprä-
chen, sagte sie an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung freimütig: "Nichts. Ich
musste mich einfach verteidigen" (Prot. I S. 14). An der Berufungsverhandlung
sagte sie weiter, dass man dies als Laie in einer solchen Situation nicht mache
(Urk. 80 S. 11). Damit bringt die Beschuldigte ihre Schilderungen auf den Punkt:
Sie wollte in ihrer Mietstreitigkeit vor Mietgericht möglichst schlagkräftig auftreten
und nahm dafür auch ehrenrührige Verunglimpfungen der Mietprozess-
Gegnerschaft in Kauf.
Die Vorinstanz bezeichnete dies zusammengefasst zutreffend als "Stimmungs-
mache" und hat dahingehend zurecht auch einen Rechtsfertigungsgrund der
Beschuldigten für ihre Äusserungen im Sinne von Art. 14 StGB verneint (Urk. 63
S. 18).
2.5. Zum Entlastungsbeweis, welcher einem Beschuldigten gemäss Art. 173
Ziff. 2 und 3 StGB unter bestimmten Voraussetzungen offen steht, hat die
Vorinstanz entschieden, der Beschuldigten sei die Zulassung zum Wahrheits- und
Gutglaubensbeweis verwehrt (Urk. 63 S. 21).
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Eine Auseinandersetzung mit der Führung eines Wahrheitsbeweises entfällt oh-
nehin, da die massgeblichen Äusserungen – wie die Vorinstanz vorstehend kor-
rekt erwogen hat – erstelltermassen unwahr sind.
Zum Gutglaubensbeweis hatte die Beschuldigte mit der Vorinstanz keine begrün-
dete Veranlassung zu ihren Äusserungen, sondern vielmehr die Absicht, den
Privatklägern 1 und 2 Übles vorzuwerfen (Urk. 63 S. 20 f.): Die Beschuldigte be-
fand sich in einem sie offenbar überstrapazierenden Mietstreit. Ein Rechtsstreit
legitimiert jedoch nicht per se dazu, die Gegenseite zu verunglimpfen. Die Ge-
genseite als eigentliche Rechtsbrecher und Straftäter darzustellen, war sodann
auch zur Vertretung ihres Standpunktes im Mietstreit ebenso unsachlich wie un-
nötig. Das Motiv der Beschuldigten lag somit einzig in der Verunglimpfung ihres
Vermieters und seiner Rechtsvertretung. Dies alles entgegen den Wiederholun-
gen der offensichtlich uneinsichtigen Beschuldigten in ihrer schriftlichen Beru-
fungserklärung und anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 65 S. 20 ff.;
Urk. 80 S. 5 ff.; Prot. II S. 6 ff.).
2.6. Insgesamt ist der angefochtene Schuldspruch wegen mehrfacher übler
Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB zu bestätigen.
3.1. Weiter hat die Vorinstanz die in der SMS-Textnachricht an den Privatkläger
2 vom 12. September 2018 durch die Beschuldigte gemachten Äusserungen de-
tailliert angeführt (Urk. 63 S. 22): " SIE SIND ZU EINER DREISTEN GEWIßEN+ EMOTIONSLOSEN GELDGIERI-
GEN+KLEINKRIMINELLEN KREATUR GEWORDEN!- EIN MINDERWERTIG NEUREICHER ER-
BÄRMLICHER MANN DER DEN MUND ÖFFNET+100%!!DAS GEGENTEIL MACHT!-WAS FÜR
EINE ABARTIGE KREATUR SIE+IHRE MUTTER(DIV LEUTE KAMEN AUF MICH ZU+SAGTEN
MIR W A S DAS FÜR EINE FRAU IST..!)-ALLES NUR ECKLIG+ABSCHEULICH!- BEI JEDEM!!
MANN FRAGE ICH MICH NUN OB ER SO EIN DREIRTER LÜGNER+BETRÜGER WIE SIE
IST...!-EIN MANN OHNE RÜCKGRAT+STIL DER SEINE EIGENEN VERSPRECHEN
BRICHT!+MEINE EXISTENZ ZU ZERSTÖREN VERSUCHT AUS LAUTER GELDGIER+ WIDER-
LICHER"MAMILIEBE" WELCHE SIE ALS PARTNERERSATZ MACHT+ALLENFALLS GAR
MISSBRAUCHTE..!! "
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3.2. Zur rechtlichen Qualifikation dieser Äusserungen hat die Vorinstanz diese
zusammengefasst und insgesamt als Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1
StGB taxiert (Urk. 63 S. 22-24).
3.3. Dieses Vorgehen greift etwas kurz: Vorab ist wieder zu ergänzen, dass nicht
sämtliche der zahlreichen inkriminierten Äusserungen objektiv tatbeständlich sind:
Die Titulierung des Privatklägers 2 als "dreist", "emotionslos", "geldgierig", "neu-
reich", "ohne Stil und Rückgrat" sind mangels Schwere noch nicht in strafrechtlich
relevanter Weise ehrenrührig.
Wenn die Beschuldigte den Privatkläger 2 sodann als "kleinkriminell" sowie "Lüg-
ner und Betrüger" bezeichnet, wäre dies – wie die entsprechenden Äusserungen
im Schreiben der Beschuldigten an das Mietgericht Pfäffikon – auf eine objektive
Tatbeständlichkeit der üblen Nachrede respektive der Verleumdung zu prüfen
gewesen. Da es sich dabei um gravierendere rechtliche Qualifikationen handelt
als die blosse Beschimpfung, entfällt eine entsprechende Prüfung im
Berufungsverfahren aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2
StPO).
Den objektiven Tatbestand von Art. 177 Abs. 1 StGB hat die Beschuldigte hinge-
gen – mit der Vorinstanz – fraglos dadurch erfüllt, dass sie den Privatkläger 2 als
"abartige Kreatur" bezeichnet hat.
Bereits die Vorinstanz hat der Beschuldigten an der Hauptverhandlung vorge-
halten, dass sie den ehrverletzenden Charakter dieser Äusserungen ja nicht
grundsätzlich bestreitet (Prot. I S. 15; Urk. 63 mit Verweis auf Urk. D1/10/4 F/A
16). Wenn die Beschuldigte darauf (nach und trotz früherer Zugaben) lapidar ant-
wortet, es komme darauf an, welchen Menschen man bei diesen Äusserungen
vor sich habe, ist dies falsch: Für die Beurteilung mutmasslich ehrverletzender
Äusserungen gilt ein objektiver Massstab, welcher für alle Personen als Rechts-
schutzträger gleichermassen gilt. Insofern zeigte sich die Beschuldigte im Beru-
fungsverfahren auch einsichtig, als sie auf entsprechende Frage eingestand, dass
man niemanden eine "abartige Kreatur" nennen dürfe (Urk. 80 S. 18).
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3.4. Zum Subjektiven hat die Vorinstanz zutreffend zitiert, dass die Beschuldigte
eingestanden hat, "emotional", "im Affekt" und bei "durchgegangenen Nerven"
gehandelt zu haben (Urk. 63 S. 24 mit Verweisen), was sie auch im Berufungsver-
fahren wiederholte (Urk. 80 S. 18). Zweifellos wollte sie die Ehre des Privatklägers
2 verletzen und nahm dies – zumindest betreffend einen Teil der Äusserungen –
nicht nur in Kauf: Wer einen Menschen als "abartige Kreatur" bezeichnet, weiss
um den ehrenrührigen Charakter dieser Aussage und will den Adressaten auch in
seiner Ehre tangieren.
3.5. Betreffend die Äusserung der Beschuldigten, der Privatkläger 2 sei eine
"minderwertige, abartige Kreatur", ist (entgegen der Vorinstanz, vgl. Urk. 63 S. 25
Ziff. 8.4.2.) auch nicht die Frage eines Entlastungsbeweises zu prüfen
(vgl. vorinstanzliche Erwägungen, Urk. 63 S. 25 f.), da es sich dabei klar um ein
reines Werturteil und nicht um eine Tatsachenbehauptung handelt.
3.6. Auch der Schuldspruch wegen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1
StGB ist zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte in Abgeltung der mehrfachen üblen
Nachrede und der Beschimpfung mit einer Geldstrafe von insgesamt 60 Tagess-
ätzen zu Fr. 20.– und einer Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 63 S. 39).
2. Die appellierende Beschuldigte setzt sich mit der Strafzumessung der
Vorinstanz in keiner Weise kritisch auseinander (Urk. 65; Prot. II S. 6 ff.).
3. Wenn die Vorinstanz mit ausführlicher Begründung für die mehrfache üble
Nachrede eine Einsatzstrafe von 45 Tagessätzen Geldstrafe bemessen und diese
zur Sanktionierung der Beschimpfung um 10 Tagessätze Geldstrafe erhöht hat
(Urk. 63 S. 28-31), ist dies nicht zu beanstanden. Ebenso wenig, dass die
Vorinstanz nach der Beurteilung der Täterkomponente infolge der einschlägigen
Vorstrafe der Beschuldigten die Einsatzstrafe um 5 Tagessätze Geldstrafe erhöht
hat (Urk. 63 S. 32; Urk. 64). Wenn die Vorinstanz der Beschuldigten Uneinsichtig-
keit im Nachtatverhalten vorwirft, ist hiezu zu präzisieren, dass das Bestreiten ei-
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ner strafbaren Handlung das prozessuale Recht eines Beschuldigten darstellt. Die
vorinstanzlich festgesetzte Geldstrafe von 60 Tagessätzen ist insgesamt ange-
messen und daher zu bestätigen.
Betreffend Tagessatzhöhe muss auf das von der Vorinstanz erwogene verwiesen
werden (Urk. 63 S. 32 f.), da die Beschuldigte bei der Befragung zu ihren genau-
en wirtschaftlichen Verhältnissen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Ge-
brauch machte (Urk. 80 S. 3 f.). Aufgrund ihrer Aussagen ist von knappen Ver-
hältnissen auszugehen, weshalb die von der Vorinstanz angesetzte Tagessatz-
höhe von Fr. 20.– sicherlich angemessen ist. Diese ist ebenfalls zu bestätigen.
4. Auch die Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit einer nicht gesetzlich-
minimalen Probezeit von vier Jahren ist zu bestätigen, da die Beschuldigte wie
erwogen einschlägig vorbestraft ist, weshalb hinsichtlich einer günstigen Legal-
prognose Zweifel verbleiben (Urk. 63 S. 33 f. und Urk. 64; Art. 44 Abs. 1 StGB).
5. Die Vorinstanz sprach zudem eine Verbindungsbusse in Höhe von Fr. 300.–
bei Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen für das schuldhafte Nicht-
bezahlen der Busse aus (Urk. 63 S. 34). Dies, obschon sie die zuvor festgesetzte
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 20.– als dem Verschulden der Beschuldig-
ten angemessen erachtete (Urk. 63 S. 32). Eine Verbindungsbusse hat jedoch
zusammen mit den weiteren Sanktionen schuldangemessen zu sein und darf
nicht zu einer zusätzlichen Bestrafung führen (BGE 134 IV 60 E. 7.3). Der Vo-
rinstanz ist jedoch zuzustimmen, dass im vorliegenden Fall die Verhängung einer
Busse angezeigt ist, um der Beschuldigten das Unrecht ihrer Taten auch spürbar
vor Augen zu führen (Urk. 63. S. 34). Auch die Höhe der Busse erscheint in Anbe-
tracht des leichten Verschuldens und der knappen finanziellen Verhältnisse der
Beschuldigten angemessen. Die vorinstanzlich verhängte Busse ist daher vorlie-
gend zu bestätigen, diese ist jedoch bei der zuvor festgelegten Geldstrafe in Ab-
zug zu bringen, um die Schuldangemessenheit der beiden Sanktionen zu gewähr-
leisten. Somit ist die Geldstrafe von 60 Tagessätzen um 15 Tagessätze (Bussen-
höhe / Tagessatzhöhe = Anzahl Tagessätze) auf 45 Tagessätze zu reduzieren.
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6. Zusammenfassend ist die Beschuldigte für die mehrfache üble Nachrede im
Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und die Beschimpfung im Sinne von Art.
177 Abs. 1 StGB mit einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 20.–,
unter Ansetzung einer Probezeit von vier Jahren, sowie mit einer Busse von
Fr. 300.–, unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen für den Fall
des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse, zu bestrafen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdis-
positiv (Dispositiv-Ziffern 7. und 8.) zu bestätigen (Art. 426 und Art. 433 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen.
3. Die appellierende Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mit ihren
Anträgen vollumfänglich. Demnach sind ihr die Kosten des Berufungsverfahrens
aufzuerlegen (Art. 428 StPO).
4. Aufgrund des Verfahrensausgangs besteht kein Raum für die Zusprechung
von Schadenersatz oder einer Genugtuung an die Beschuldigte. Die ent-
sprechende vorinstanzliche Schadenersatz- und Genugtuungsregelung ist daher
zu bestätigen (Urk. 63 S. 38).
5. Den Privatklägerin 1 und 2 ist für das Berufungsverfahren mangels relevan-
ten Aufwandes keine Prozessentschädigung zuzusprechen.