Decision ID: 31216030-3637-4462-9624-774d76453569
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 2000 geborene
X._
erlitt intrauterin eine CMV-Infektion, welche in den ersten Lebensmonaten zu einer Cerebralparese führte (Urk. 8/31). Aufgrund dieser schweren Behinderung übernahm die SVA, IV-Stelle, schon mehrfach Kosten für medizinische Massnahmen, Hilfsmittel sowie Sonder
schul
massnahmen. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2003 lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren betreffend dem Hilfsmittel "
Jelly
Bean Taster" ab (Urk. 8/6) und hielt daran mit
Einspracheentscheid
vom 29. Januar 2004 fest (Urk. 8/1 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Mutter des Versicherten am 27. Februar 2004 Beschwerde und beantragte die Kostengutsprache für das genannte Hilfsmittel (Urk. 1).
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2004 die Abweisung der Beschwerde beantragte (Urk. 7), wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 28. April 2004 geschlossen (Urk. 9).

Considerations:
Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöh
nung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben.
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14 IVV an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verord
nung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2 HVI be
steht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Um
welt oder für die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die in die
ser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Aus
übung einer
Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2; BGE 122 V 214
Erw
. 2a).
1.2
In ständiger Rechtsprechung hat das Eidgenössische Versicherungsgericht fest
gehalten, dass die im Anhang zur HVI enthaltene Liste der von der Invaliden
versicherung abzugebenden Hilfsmittel insofern abschliessend ist, als sie die in Frage kommenden Hilfsmittelkategorien aufzählt, wogegen bei jeder Hilfsmit
telkategorie zu prüfen ist, ob die Aufzählung der einzelnen Hilfsmittel (inner
halb der Kategorie) ebenfalls abschliessend oder bloss exemplifikatorisch ist (BGE 121 V 260
Erw
. 2b, 117 V 181
Erw
. 3b mit Hinweisen).
1.3
Gemäss Ziffer 15.02 der im Anhang zur HVI enthaltenen Liste haben sprech- und schreibunfähige Versicherte Anspruch auf elektrische und elektronische Kommunikationsgeräte, die zur Pflege des täglichen Kontakts mit der Umwelt dienen, sofern die Leistungsempfänger über die notwendigen intellektuellen und motorischen Fähigkeiten zu deren Verwendung
verfügung
.
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
damit, dass in Anbetracht des Alters des Beschwerdeführers durch die Benützung des frag
lichen Geräts kein erheblicher Eingliederungserfolg realisierbar sei, und hielt an dieser Einschätzung in der Beschwerdeantwort (Urk. 7) unter Hinweis auf das Schreiben des Bundesamtes für Sozialversicherung vom 8. Oktober 2003 (Urk. 8/53) fest (Urk. 2).
2.2
Die Vertreterin des Beschwerdeführers machte demgegenüber im Wesentlichen geltend, dass die Beschwerdegegnerin die Kompetenz und Fähigkeit langjähriger Fachleute in Frage stelle, welche einen Einsatz des "
Jelly
Bean Tasters" befür
worten würden (Urk. 1 S. 3).
2.3
2.3.1
Z._
, behandelnde Ergotherapeutin im Rehabilitationszentrum
A._
, hielt in ihrem Bericht vom 28. Juli 2003 fest, dass der Vorgang von Ursache und Wirkung dem Beschwerdeführer mitt
lerweile klar sei. Zuerst sei das in Betrieb setzen von Spielsachen mittels eines Knopfes nur mit Führung möglich gewesen, mittlerweile sei aber eine selbstän
dige Bedienung möglich (Urk. 3/1 S. 3).
B._
und
C._
von der Stiftung
D._
hielten in ihrer Stellungnahme vom 20. Februar 2004 fest, dass es dem Beschwerdeführer im Moment noch nicht möglich sei, ein Kommunikati
onsgerät mit mehreren Tasten zu bedienen, weshalb ein schrittweiser Aufbau mit Hilfe des "
Jelly
Bean Tasters" nötig sei. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass es gang und gäbe sei, solche Geräte im Rahmen der Kommunikationsanbah
nung in der Früherziehung einzusetzen. Weiter weise auch die spezialisierte Literatur immer häufiger auf die Bedeutung des frühen Einsatzes der "Unter
stütz
ten Kommunikation" für die Entwicklung nicht sprechender Kinder hin (Urk. 3/9.1 S. 3).
E._
hielt in ihrem Bericht vom 23. Februar 2004 fest, dass sie seit August 2003 1-2mal wöchentlich als Heilpädagogin mit dem Beschwerde
führer arbeite. Auf Grund dessen Mehrfachbehinderung sei es ihm nicht mög
lich, über die verbale Sprache mit seiner Umwelt in Kontakt zu treten. Das in Frage stehende Hilfsmittel erlaube es ihm, Ursache-Wirkungszusammenhänge erkennen zu lernen und so aktiver auf seine Umwelt Einfluss zu nehmen. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für seine soziale, emotionale und kognitive Weiterentwicklung (Urk. 3/7).
2.3.2
Es
ist
unbestritten, dass
der
in Frage
stehende
"
Jelly
Bean Taster
"
als Kommuni
ka
tionsgerät den Hilfsmitteln zuzuordnen ist. Die Beschwerdegegnerin macht denn auch nicht geltend, dass eine Kostenübernahme grundsätzlich aus
ser Betracht falle, sondern weist lediglich darauf hin, dass aufgrund des Alters des Be
schwer
deführers kein Eingliederungserfolg realisiert werden könne. Aus den vorliegenden Fachberichten geht jedoch klar hervor, dass der Beschwerde
führer in der Lage ist, den "
Jelly
Bean Taster" einzusetzen und so die nötigen Grund
lagen für eine weitere Entwicklung seiner Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen. Weiter geht insbesondere aus dem Bericht der Stiftung
D._
vom 20. Februar 2004 hervor, dass ein zeitiger Einsatz der in Frage stehenden Kommunikationshilfsmittel sinnvoll ist, was auch der allge
meinen Lebenserfahrung entspricht.
3.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Voraus
setzungen betreffend der Kostengutsprache für den "
Jelly
Bean Taster" erfüllt, was zur Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
sowie zur Gutheissung der Beschwerde führt.