Decision ID: 304879bf-515c-47e1-879d-11dcf995d5a6
Year: 2011
Language: de
Court: AG_SVWG
Chamber: AG_SVWG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Am 25. Juni 2007 erteilte der Gemeinderat Q. (nachfolgend: Gemeinderat)
der A. AG (kurz: A.) die Baubewilligung für den Abbruch der Gebäude Nrn.
B, D und E und für den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern mit Tiefga-
rage auf den Parzellen Nrn. aaa und bbb (X-Gasse).
B.
Gleichzeitig verfügte der Gemeinderat die provisorische Kanalisationsan-
schlussgebühr in der Höhe von 1.8 % der veranschlagten Baukosten von
Fr. 4'500'000.00, zuzüglich MWSt, d.h. Fr. 87'156.00, und einen provisori-
schen Klärbeitrag von 0.8 % der veranschlagten Baukosten, zuzüglich
MWSt, d.h. Fr. 38'736.00.
Diese Abwasseranschlussgebühren von gesamthaft Fr. 125'892.00 stellte
der Gemeinderat der A. am 14. November 2007 in Rechnung.
C.
Die Aargauische Gebäudeversicherung (kurz: AGV) schätzte die drei Mehr-
familienhäuser und die Tiefgarage am 25. August 2009 auf insgesamt
Fr. 6'886'000.00.
D.
Mit Schreiben vom 23. März 2010 teilte die Bauverwaltung Q. (nachfolgend:
Bauverwaltung) der A. mit, dass die Baugebühren aufgrund des Brandver-
sicherungswerts erhoben werden. Die Berechnungsgrundlage
(Fr. 2'386'000) für die definitiven Abwasseranschlussgebühren ergab sich
aus der Schätzung der AGV (Fr. 6'886'000) abzüglich der provisorischen
Bausumme (Fr. 4'500'000).
Dementsprechend stellte die Bauverwaltung der A. am 24. März 2010 noch
Kanalisationsanschlussgebühren in der Höhe von Fr. 46'212.05 (inkl.
MWSt) und einen Klärbeitrag in der Höhe von Fr. 20'538.70 (inkl. MWSt),
d.h. zusammen Fr. 66'750.75, in Rechnung.
E.
Gegen die Verfügung vom 23. März 2010 erhob die A. am 6. April 2010
Einsprache. Der Gemeinderat hiess die Einsprache mit Beschluss vom
26. April 2010 teilweise gut. Er brachte den Wert der Abbruchgebäude zum
Teil in Abzug, was zu einem (gegenüber der Verfügung vom 23. März 2010
reduzierten) bereinigten Bauwert von Fr. 6'219'000.00 als Basis für die Be-
rechnung der Abwasseranschlussgebühren führte.
- 3 -
Der Gemeinderat stellte die Anschlussgebühren am 27. April 2010 wie folgt
in Rechnung (die provisorische Bausumme von Fr. 4'500'000.00 ist vom
Ausgangswert von Fr. 6'219'000.00 bereits abgezogen):
Kanalisationsanschlussgebühr: 1.8 % von Fr. 1'719'000.00 (inkl. MWSt) = Fr. 33'293.60
Klärbeitrag: 0.8 % von Fr. 1'719'000.00 (inkl. MWSt) = Fr. 14'797.15
Total: Fr. 48'090.75
F.
Gegen den Einspracheentscheid vom 26. April 2010 erhob die A. (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 21. Mai 2010 Beschwerde
beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (kurz: BVU). Sie stellt sinn-
gemäss die Anträge,
dass die Verfügung vom 26. April 2010 und die Rechnung vom 27. April 2010 aufzuheben seien, und die Abwasseranschlussgebühr neu zu berechnen sei.
G.
Das BVU überwies die Beschwerde mit Schreiben vom 26. Mai 2010 in
Bezug auf die Abwasseranschlussgebühren zuständigkeitshalber an die
Schätzungskommission nach Baugesetz (kurz: Schätzungskommission).
H.
Mit Schreiben vom 1. Juni 2010 hielt die Schätzungskommission fest, dass
ein allfälliges Rechtsmittel gegen die Baubewilligungsgebühr nicht in die
Zuständigkeit der Schätzungskommission falle. Zudem bestätigte die
Schätzungskommission die Übernahme des Verfahrens gegenüber BVU
und Beschwerdeführerin. Sie hielt fest, dass in der Beschwerde vom
21. Mai 2010 sinngemäss einzig verlangt werde, dass der Versicherungs-
wert eines vorbestehenden und mittlerweile abgebrochenen Landwirt-
schaftsbetriebs (Gebäude Nr. E, Wohnhaus mit Scheune, X-Gasse) vom
ausgewiesenen Differenzwert zusätzlich in Abzug zu bringen sei. Aus dem
angefochtenen Protokollauszug vom 26. April 2010 gehe hervor, dass da-
bei ein Wert von Fr. 208'000.00 in Frage stehe. Die Beschwerdeführerin
erklärte sich damit stillschweigend einverstanden, indem sie den Kosten-
vorschuss am 11. Juni 2010 kommentarlos bezahlte.
I.
Die Schätzungskommission liess die Beschwerde vom 21. Mai 2010 der
Gemeinde Q. (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) mit Schreiben vom
25. Juni 2010 zukommen und forderte sie zu einer Vernehmlassung bis am
2. September 2010 auf.
- 4 -
Gleichzeitig überwies sie die Beschwerde in Bezug auf die Baubewilli-
gungsgebühr an das BVU zurück, welches das Verfahren bis zur Erledi-
gung des Verfahrens gegen die Abwasseranschlussgebühren vor der
Schätzungskommission sistierte (Schreiben BVU vom 5. Juli 2010).
J.
Die Beschwerdegegnerin erstattete ihre Vernehmlassung am 1. September
2010 und verlangte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung
wurde der Beschwerdeführerin am 2. September 2010 zur Kenntnis ge-
bracht. Damit war der Schriftenwechsel abgeschlossen.
Auf die Begründungen der erwähnten Eingaben und Entscheide wird, so-
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
K.
Am 4. Mai 2011 führte die Schätzungskommission in Q. eine Augenschein-
verhandlung durch (Präsenz vgl. Protokoll, S. 2). Dabei kamen die Parteien
zum Schluss, dass sie einen aussergerichtlichen Einigungsversuch bis
Ende Juni 2011 unternehmen wollten.
L.
Eine Einigung gelang nicht, was die Schätzungskommission aufgrund tele-
fonischer Nachfrage bei der Beschwerdegegnerin erfuhr. Die Schätzungs-
kommission informierte die Parteien daher mit Schreiben vom 7. Juli 2011
über das weitere Vorgehen, nämlich dass die Sache nun zu entscheiden
sei. Gleichzeitig verlangte sie von der Beschwerdegegnerin die Einreichung
des entsprechenden Ausschnitts des Generellen Entwässerungsprojekts
(kurz: GEP). Die Beschwerdegegnerin reichte diesen am 12. Juli 2011 ein.
M.
Die Schätzungskommission hat den Fall am 17. August 2011 beraten und
das nachfolgende Urteil gefällt.
- 5 -

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Gegen Abgabeverfügungen kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim ver-
fügenden Organ Einsprache erhoben werden (§ 35 Abs. 2 des Gesetzes
über Raumentwicklung und Bauwesen [Baugesetz, BauG; SAR 713.100]
vom 19. Januar 1993). Einspracheentscheide können innert 30 Tagen mit
Beschwerde bei der Schätzungskommission angefochten werden (§ 35
Abs. 2 BauG i.V.m. § 44 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; SAR 271.100] vom 4. Dezember 2007).
1.2.
Der Beschluss des Gemeinderats Q. vom 26. April 2010 (E.) ist ein Ein-
spracheentscheid im Sinne von § 35 Abs. 2 BauG. Damit ist die Schät-
zungskommission für die Behandlung der Beschwerde zuständig.
1.3.
Zur Einreichung einer Beschwerde ist legitimiert, wer ein schutzwürdiges
und aktuelles Interesse geltend macht (§ 42 lit. a VRPG). Ein solches
schutzwürdiges und aktuelles Interesse liegt bei der Adressatin des Ein-
spracheentscheides vom 26. April 2010 zweifellos vor.
1.4.
Auf die auch im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
somit einzutreten.
2.
2.1.
Gemäss § 34 Abs. 2 BauG können die Gemeinden von den Grundeigentü-
mern Beiträge an die Kosten der Erstellung, Änderung und Erneuerung von
Anlagen der Versorgung mit Wasser und elektrischer Energie sowie der
Abwasserbeseitigung erheben. Soweit die Kosten dadurch nicht gedeckt
werden, sowie für den Betrieb, sind sie verpflichtet, Gebühren zu erheben.
Die Erhebung der Beiträge und Gebühren wird von den Gemeinden und
Gemeindeverbänden geregelt, soweit keine kantonalen Vorschriften beste-
hen (§ 34 Abs. 3 BauG).
2.2.
Die Durchführung von Massnahmen zum Schutz der Gewässer im Rahmen
der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung sowie die Beteiligung
der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer an deren Kosten sind in
der Einwohnergemeinde Q. im Abwasserreglement (kurz: AR) geregelt.
Das AR und der dazugehörige Gebührentarif wurden entsprechend der
- 6 -
Kompetenzordnung in § 20 Abs. 2 lit. i des Gesetzes über die Einwohner-
gemeinden (Gemeindegesetz, GG; SAR 171.00) vom 19. Dezember 1978
von der Gemeindeversammlung am 30. Mai 2008 beschlossen.
2.3.
Auch das frühere Reglement betreffend Gebühren und Beiträge trat in Be-
zug auf die Kanalisationsanschlussgebühren mit Genehmigung der Ge-
meindeversammlung auf den 1. Januar 1972 in Kraft. Die Erhöhung der
Tarife um die MWSt wurde am 9. Dezember 1994 von der Gemeindever-
sammlung beschlossen.
2.4.
Es kann somit festgehalten werden, dass sowohl mit dem AR als auch mit
dem alten Reglement eine genügende gesetzliche Grundlage für die Erhe-
bung von Anschlussgebühren vorlag und -liegt. Dies wird von der Be-
schwerdeführerin im Grundsatz auch nicht bestritten (Protokoll, S. 4).
3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Versicherungswert des
vorbestehenden und mittlerweile abgebrochenen Gebäudes Nr. E (vgl. H.)
in der Höhe von Fr. 208'000.00 vom ausgewiesenen Differenzwert von
Fr. 1'719'000.00 zusätzlich in Abzug zu bringen sei. Auch die häuslichen
Abwässer aus einem landwirtschaftlichen Betrieb müssten der Kanalisation
zugeführt werden, was in Bezug auf das Gebäude Nr. E so gewesen sei.
3.2.
Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass das Gebäude Nr. E nie an der
Kanalisation angeschlossen gewesen sei, weshalb der Betrag von
Fr. 208'000.00 nicht abgezogen werden könne. Gemäss "2. Kanalisations-
anschlussgebühren Art. 1 Abs. 3" und "3. Klärbeiträge Art. 1 Abs. 4" des
auf den vorliegenden Sachverhalt eigentlich anwendbaren früheren Regle-
ments, wäre für Neubauten auf alten Gebäudeplätzen die volle Anschluss-
gebühr zu entrichten. Der Gemeinderat habe jedoch das neue, im vorlie-
genden Fall mildere AR zur Anwendung gebracht und die Berechnung der
Anschlussgebühr auf § 47 Abs. 1 und 2 AR gestützt. Dieses Vorgehen sei
aus Gründen der Gleichbehandlung mit einem anderen Grundeigentümer
gewählt worden, bei welchem in einem ähnlichen Sachverhalt ebenfalls das
AR angewendet worden war. Der Abzug der Gebäudeversicherungswerte
der abgebrochenen Liegenschaften sei nur aus Kulanz gewährt worden.
Aufgrund der eindeutigen Rechtslage wäre für Neubauten auf alten Gebäu-
deplätzen die volle Anschlussgebühr zu entrichten. Weitere Zugeständ-
nisse könnten nicht gemacht werden.
- 7 -
4.
4.1.
Vorliegend ist einzig strittig, ob der Versicherungswert des Gebäudes Nr. E
in Abzug gebracht werden kann oder nicht (vgl. Protokoll, S. 3 und 4).
4.2.
Ersatzbauten sind von Bundesrechts wegen abgabetechnisch grundsätz-
lich gleich zu behandeln wie Um-, An-, Aus- und Erweiterungsbauten (vgl.
dazu Entscheid des Bundesgerichts 2C_153/2007 vom 10. Oktober 2007;
Entscheid des Bundesgerichts 2P.78/2003 vom 1. September 2003; Aar-
gauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2002 S. 163). Dies
bedeutet, dass das Vorbestehende anzurechnen ist und zwar nach Mass-
gabe des im Zeitpunkt der Abgabeerhebung geltenden Kriteriums, was vor-
liegend sowohl alt- als auch neurechtlich der Gebäudeversicherungswert
ist. Die Frage, ob das alte oder neue Reglement auf den vorliegenden
Sachverhalt anwendbar ist, braucht daher vorliegend nicht beantwortet zu
werden, und die Anrechnung des Vorbestehenden bedeutet demnach auch
kein Entgegenkommen der Gemeinde.
4.3.
Von einer Ersatzbaute kann man in abgaberechtlicher Hinsicht jedoch nur
sprechen, wenn das Gebäude Nr. E bereits an die Kanalisation ange-
schlossen war. Die alles entscheidende Frage lautet also, ob das nicht an-
gerechnete Gebäude Nr. E im Zeitpunkt des Abbruchs an das kommunale
Entwässerungsnetz angeschlossen war oder nicht. Wenn dem so war,
wäre die Beschwerde gutzuheissen, wenn nicht, handelt es sich eben nicht
um eine Ersatz-, sondern um eine Neubaute, die mit Abwasseranschluss-
gebühren zu belasten ist. Da deren Berechnung ansonsten nicht bestritten
ist (Protokoll, S. 3), wäre die Beschwerde abzuweisen.
4.4.
An der Augenscheinverhandlung vom 4. Mai 2011 ergaben sich folgende
Erkenntnisse (Protokoll, S. 4 - 6):
 Die Beschwerdegegnerin hat bereits am 15. April 1975 verfügt, dass
das Gebäude Nr. E an die Kanalisation von Q. anzuschliessen sei.
 Im Sommer 1975 wurde im Zuge des Kanalisationsbaus in der X-Gasse
auch ein "Hausanschluss" gebaut (vgl. die entsprechende Rechnung
der C. AG Q. an die damalige Eigentümerin der Parzelle aaa vom
30. September 1975 sowie den zugehörigen Ausführungsplan). Da-
nach fehlt vom erstellten Anschlussschacht eine Verbindung zur Lie-
genschaft (Gebäude Nr. E). Für diese ist darin vielmehr ein Entwässe-
rungskonzept in drei Jauchegruben enthalten. Mit den vorliegend be-
legten Bauarbeiten wird kein Anschluss an das kommunale Abwasser-
netz nachgewiesen.
- 8 -
 Offen blieb, warum die Verfügung vom 15. April 1975 damals nicht um-
gesetzt wurde. Nach Angaben des Vizeammanns wurde bei landwirt-
schaftlichen Gebäuden die Entwässerung in Jauchegruben manchmal
einfach weiter geduldet.
 Unter Berufung auf die Voreigentümerin machte die Beschwerdeführe-
rin geltend, dass der Anschluss im Zuge eines Kücheneinbaus 1987
erfolgt sei. Die Angabe wird indessen nicht weiter belegt; insbesondere
hat die Beschwerdeführerin es auch versäumt, einen Beleg für den An-
schluss seitens der Voreigentümerin zu beschaffen, wie es an der Ver-
handlung noch in Aussicht gestellt wurde (Protokoll, S. 7). Zudem hat
auch die Bauverwaltung keine Akten (Baubewilligung, Anschlussge-
bührenrechnung oder ähnliches) zum Vorgang gefunden.
 Im Zuge des Abbruchs von Gebäude Nr. E und der Erstellung der heute
auf den Grundstücken stehenden drei Mehrfamilienhäuser gab es nach
Angaben der Beschwerdeführerin keine Beweissicherung über einen
vorbestehenden Abwasseranschluss. Die neuen Liegenschaften wur-
den neu an der Leitung in der X-Gasse angeschlossen. Die aktuelle
Abwassererschliessung basiert also nicht auf einer schon vorhandenen
Leitung.
 Aus dem GEP ist nichts ersichtlich, was einen vorbestehenden Abwas-
seranschluss von Gebäude Nr. E beweisen würde.
 Auch den mittelbaren Nachweis eines Anschlusses durch die Leistung
von Abwasseranschlussgebühren vermochte die Beschwerdeführerin
nicht zu erbringen. Seitens der Gemeinde wird der Umstand sogar als
Beleg für das Fehlen eines Anschlusses angeführt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht nachgewiesen ist, dass das
Streitobjekt (Gebäude Nr. E) je an das Abwassernetz der Gemeinde Q. an-
geschlossen war. Die Neubauten auf den Parzellen aaa und bbb ersetzen
das Gebäude Nr. E somit nicht. Eine Anrechnung dessen Versicherungs-
werts bei der Bestimmung der Abwasseranschlussgebühren fällt daher
ausser Betracht. Die Beschwerdeführerin als Beweispflichtige für die abga-
bemindernde Tatsache hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Die
Beschwerde ist somit abzuweisen.
5.
5.1.
An der Verhandlung vom 4. Mai 2011 brachte die Beschwerdeführerin zu-
dem vor, dass die Stockwerkeigentümer ihrerseits vor der Schätzung der
AGV auch noch Mehrwert geschaffen hätten. In diesem Zeitpunkt sei sie
aber schon nicht mehr Eigentümerin gewesen. Es könne doch nicht sein,
dass sie für diesen Mehrwert auch noch Anschlussgebühren bezahlen
müsse (Protokoll, S. 6).
- 9 -
5.2.
Diese Frage war für die Schätzungskommission in diesem Zeitpunkt neu.
Nach Durchsicht sämtlicher Unterlagen wurde klar, dass die Beschwerde-
führerin der Beschwerdegegnerin eine andere Einspracheversion einge-
reicht hat, als sie der Schätzungskommission zu den Akten gegeben hat.
In der Version der Beschwerdegegnerin ist dieser Streitpunkt nicht enthal-
ten, weshalb er auch im Einspracheentscheid nicht behandelt wurde. Die
Version der Einsprache, welche der Schätzungskommission von der Be-
schwerdeführerin zu den Akten gegeben wurde, enthält diesen Streitpunkt.
Bei der Vorbereitung der Verhandlung stellte die Schätzungskommission
auf die von der Beschwerdegegnerin eingereichten Vorakten ab. Die von
der Beschwerdeführerin eingereichte Version der Einsprache war somit
nicht Gegenstand der Bemühungen, zumal unterschiedliche Fassungen
von Rechtsschriften nicht vorkommen sollten und daher auch nicht zu ver-
muten sind.
In der Beschwerde vom 21. Mai 2010 war von diesem Streitpunkt auch
nicht die Rede (Protokoll, S. 6). Zudem blieb das Schreiben der Schät-
zungskommission vom 1. Juni 2010, worin sie explizit nachfragte, ob der
einzige strittige Punkt die Anrechnung des Gebäudeversicherungswerts
des Gebäudes Nr. E sei (H.), von der Beschwerdeführerin unwiderspro-
chen. Dasselbe gilt auch für die ausdrücklichen Rückfragen an der Ver-
handlung (Protokoll, S. 3 und 4). Erst danach wurde das Thema von der
Beschwerdeführerin angesprochen.
5.3.
Der Streitgegenstand im Rechtsmittelverfahren wird durch die angefoch-
tene Verfügung begrenzt. Nur was Gegenstand des ursprünglichen Verwal-
tungsverfahrens war, oder was allenfalls im verwaltungsinternen Rechts-
mittel- und Einspracheverfahren zusätzlich verbindlich geregelt wurde, mit-
hin das noch streitige Rechtsverhältnis kann im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren und somit auch im Verfahren vor der Schätzungs-
kommission (§ 149 Abs. 1 BauG) Streitgegenstand sein (vgl. Entscheid des
Bundesgerichts [BGE] 133 II 35; BGE 131 V 164; AGVE 1999 S. 367, mit
weiteren Hinweisen; René Rhinow/Heinrich Koller/Christina Kiss, Öffentli-
ches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996,
N 901 mit weiteren Hinweisen).
Das neue Argument würde also den Beschwerdegegenstand über den im
Einspracheverfahren bestimmten Rahmen (vgl. Erw. 4.) ausweiten, was zu-
mindest im Verwaltungsjustizverfahren unzulässig ist.
5.4.
Der Beschwerdeführerin wurde bereits an der Verhandlung erklärt, dass
diese Rüge im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr vorgebracht werden kann (Pro-
tokoll, S. 6). Es ist nicht darauf einzutreten.
- 10 -
6.
Für die Aufteilung der Verfahrenskosten und die Verlegung der Parteikos-
ten gelten die allgemeinen Regeln; massgebend ist somit der Prozessaus-
gang (§§ 31 Abs. 2 und 32 Abs. 2 VRPG). Die Beschwerdeführerin unter-
liegt, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat.
Mangels Vertretung werden auch der obsiegenden Gemeinde keine Par-
teikosten ersetzt (vgl. § 29 VRPG).
7.
Von Gesetzes wegen wäre gegen den vorliegenden Entscheid als Rechts-
mittel die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht gegeben. In seinem Entscheid 2C_390/2009, 2C_391/2009
vom 14. Januar 2010 hat das Bundesgericht indessen festgehalten, dass
hier vorderhand Beschwerde an das kantonale Verwaltungsgericht zu füh-
ren ist.