Decision ID: 135557ee-7f42-5b61-8f4c-c3992f5526e4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2015 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen unter
Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung zum Leistungsbezug an. Sie gab
an, in ihrem Herkunftsland (B._) die Hochschule für Wirtschaft und Statistik besucht
zu haben. Vom 19. September 2014 bis 31. Mai 2015 sei sie als Modeberaterin im
40%-Pensum bei der C._ GmbH tätig gewesen (IV-act. 1).
A.a.
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 26.
November 2015, die Versicherte leide seit Jahren an einer rezidivierenden depressiven
Störung (ICD-10 F 33.1). Seit Mai 2010 sei sie bei ihm in Behandlung. Gegenwärtig
werde ein- bis zweimal im Monat ein psychiatrisch-psychotherapeutisches Setting
durchgeführt. Zusätzlich erhalte die Versicherte eine antidepressive Medikation. Die
bisherige Tätigkeit sei der Versicherten im Rahmen von drei bis vier Stunden pro Tag
weiterhin zumutbar. Es bestünden eine depressive Energieverarmung, eine
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung, eine reduzierte Stressresistenz und eine
Frustrationsintoleranz. Die Prognose sei aktuell nicht abschätzbar (IV-act. 16).
A.b.
Die zuständige Eingliederungsverantwortliche hielt im Assessmentprotokoll vom
23. Februar 2016 fest, dass aufgrund des instabilen Gesundheitszustands verbunden
mit der subjektiven Arbeitsunfähigkeit aktuell keine Unterstützung durch die
Eingliederungsberatung möglich sei (IV-act. 27). Am 24. Februar 2016 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass aufgrund des Gesundheitszustands zurzeit keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien. Die therapeutischen
Massnahmen stünden im Vordergrund. Der Anspruch auf Rentenleistungen werde
geprüft (IV-act. 29).
A.c.
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Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 14.
Juli 2016, dass die Versicherte an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, und an einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit starken narzisstischen dependenten,
zwanghaften und paranoiden Anteilen leide. Die Prognose sei ungünstig, da trotz der
sechs- bis achtjährigen Therapie keine Remission der depressiven Störung habe
erreicht werden können. Zurzeit fänden alle zwei bis drei Wochen
psychotherapeutische Gespräche statt. Im aktuellen Zustand sei die Versicherte nicht
teamfähig und für keinen Betrieb gegenüber den Kunden tragbar. Zusätzlich seien die
Konzentration und Auffassung reduziert. Trotzdem wäre eine Arbeit von Vorteil.
Theoretisch sei von einer 30-40%igen Arbeitsfähigkeit (entsprechend zwei bis drei
Stunden) auszugehen. Eine Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit sei ab sofort im
Umfang von 30% möglich (IV-act. 37)
A.d.
Am 5. Oktober 2016 hielt die zuständige Eingliederungsverantwortliche fest, dass
sie die gleiche Situation wie beim Assessmentgespräch im Februar 2016 angetroffen
habe. Aktuell sei keine Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung möglich
(IV-act. 53).
A.e.
Am 21. November bzw. 22. Dezember 2016 berichtete der die Versicherte seit
August 2016 behandelnde Psychiater Dr. med. F._, dass die Versicherte insb. an
einer chronischen depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwer ausgeprägt, sowie
an einer leicht ausgeprägten vaskulären Enzephalopathie leide. Es sei mit einem
negativen Einfluss der Enzephalopathie auf die Leistungsfähigkeit der Versicherte zu
rechnen. Die Versicherte sei zu 100% arbeitsunfähig und die Prognose sei ungünstig.
Er habe eine Fortsetzung der Therapie in einer Tagesklinik empfohlen; dies lehne die
Versicherte jedoch ab (IV-act. 55).
A.f.
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung der
Versicherten inkl. einer neuropsychologischen Testung (vgl. IV-act. 59 ff.). Am 3.
August 2017 fand die neuropsychologische Beurteilung durch den klinischen
Neuropsychologen Dr. phil. G._ statt. Dieser berichtete, dass sich bei der
neurologischen Testung verschiedene Auffälligkeiten ergeben hätten, die auf ein
suboptimales Leistungsverhalten bei einigen Aufgaben hingewiesen hätten. Es sei
A.g.
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überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass die erbrachten Leistungen nicht
durchgängig mit dem eigentlichen Leistungspotential übereingestimmt hätten. Aus den
Resultaten in einem durchgeführten Beschwerdevalidierungsverfahren und aus
Diskrepanzen zwischen den Testleistungen und den bekannten Mustern von
Hirnleistungen und Hirnleistungsstörungen sowie aus dem beobachtbaren Verhalten
hätten sich nämlich Hinweise auf ein suboptimales Leistungsverhalten ergeben. Die
Versicherte habe in einfachen Reiz-Reaktionsaufgaben Leistungen erbracht, die
üblicherweise auch bei schweren hirnorganischen Störungen nicht zu erwarten seien,
jedoch bei Personen mit einem subpotimalen Leistungsverhalten häufig beobachtet
würden. Das beobachtete Verhalten sei diskrepant zu den erhobenen Befunden im
Bereich der Aufmerksamkeit. Bei einer entsprechenden, höchst ungewöhnlich
schweren Störung, wie sie die Testresultate nahegelegt hätten, hätte eine erhebliche
Verlangsamung im Verhalten beobachtbar sei müssen, was aber nicht im
entsprechenden Ausmass der Fall gewesen sei. Unter Berücksichtigung der
diskutierten Befunde seien die Kriterien für das Vorliegen einer wahrscheinlichen
negativen Antwortverzerrung respektive einer Aggravation erfüllt. Zu den Testleistungen
insgesamt könne gesagt werde, dass in der neuropsychologischen Untersuchung in
einigen Bereichen erheblich unterdurchschnittliche Leistungen zu beobachten gewesen
seien. Aufgrund der Konfundierung von Begabung und Anstrengung bei den
Leistungstests und des überwiegend wahrscheinlich suboptimalen Leistungsverhaltens
bei einigen Aufgaben sei keine zuverlässige Interpretation der erbrachten Resultate
möglich. Das Ausmass der tatsächlichen Einschränkungen lasse sich daher nicht
sicher festlegen. Es könne lediglich gesagt werden, dass bezüglich der figuralen
Gedächtnisleistung, der Konzepterkennung, der einfachen Rechenleistungen und der
verbalen Lern- und Merkfähigkeit altersentsprechende Leistungen vorgelegen hätten.
Anhand der vorliegende Befunde könne er keine zuverlässige Aussage zur
Arbeitsfähigkeit machen (Abklärungsbericht vom 13. August 2017; IV-act. 69-47 ff.).
Am 19. Mai 2017 wurde die Versicherte von Dr. med. H._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Im Gutachten vom 22. August 2017 hielt
Dr. H._ fest, dass er keine psychiatrische Diagnose stellen könne. Im Rahmen der
Untersuchung hätten sich keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer organischen,
einschliesslich einer symptomatischen psychischen Störung, einer Störung durch
A.h.
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psychotrope Substanzen, einer Schizophrenie oder einer schizotypen oder wahnhaften
Störung gefunden. Zum Zeitpunkt der Untersuchung sei die Grundstimmung der
Versicherten zum depressiven Pol hin verschoben und die affektive
Modulationsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Die Versicherte habe Schuldgefühle,
Insuffizienzgefühle, eine innere Unruhe und Ängste beschrieben. Ebenfalls habe sie
eine Minderung der Vitalgefühle, einen sozialen Rückzug sowie ein Gefühl von
Lebensüberdruss beschrieben. Damit habe im Zeitpunkt der Untersuchung eine
gewisse depressive Verstimmung bestanden. Die Versicherte habe berichtet, dass der
psychische Zustand seit der Trennung/Scheidung schwanke. Es gebe bessere und
schlechtere Zeiten. Ihr Leben sei nicht so stabil und ihre Stimmung werde schlechter,
wenn eine schlechte Nachricht oder eine "Reizung" komme. Wenn aber nichts sei,
könne die Stimmung auch wieder besser sein. Damit beschreibe die Versicherte keine
anhaltende depressive Verstimmung, sondern berichte darüber, dass ihre Stimmung
schwankend sei und auf die jeweiligen Lebensumstände reagiere. Gerade dies sei aber
bei der Diagnose einer depressiven Störung nach ICD-10 nicht der Fall. Nach ICD-10
müsse eine depressive Verstimmung in einer gewissen Ausprägung über mindestens
vierzehn Tage anhaltend vorhanden sein und dürfe eben, abgesehen von
charakteristischen Tagesschwankungen, nicht auf die jeweiligen Lebensumstände
reagieren. Die Versicherte habe aber nicht über Tagesschwankungen berichtet,
sondern darüber, dass die Stimmung auf die jeweiligen Lebensumstände reagiere. Sie
habe in diesem Zusammenhang auch über verschiedene psychosoziale
Belastungsfaktoren (wie u.a. die Trennung und Scheidung sowie verschiedene
Mobbingsituationen an verschiedenen Arbeitsplätzen) berichtet, die die Probleme
ausgelöst, aber auch den Verlauf beeinflusst hätten. Auf der einen Seite bestehe also
eine reaktive depressive Verstimmung, die nach der Trennung/Scheidung aufgetreten
sei und seither durch weitere psychosoziale Belastungsfaktoren teilweise
aufrechterhalten und teilweise verstärkt worden sei. Auf der anderen Seite werde von
den Behandlern eine rezidivierende depressive Störung in einem mittelgradigen bis gar
schwergradigen Ausmass beschrieben, aber es habe nie eine teilstationäre oder
stationäre Behandlung stattgefunden. Schliesslich habe die Versicherte bei der
neuropsychologischen Testung nicht wirklich mitgewirkt. Insgesamt bestünden keine
wirklich eindeutigen Hinweise, die dafür sprächen, dass unabhängig von der
schwierigen psychosozialen Situation der Versicherten tatsächlich ein psychisches
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Leiden von Krankheitswert anhaltend einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
Aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung der Versicherten bei der Abklärung könne
keine psychiatrische Diagnose gestellt werden und deshalb liesse sich aus
psychiatrischer Sicht auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen.
Ebenfalls fänden sich keine Hinweise für das Vorliegen einer neurotischen, einer
Belastungs- oder einer somatoformen Störung. Vom Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung, wie sie Dr. E._ diagnostiziert habe, sei insgesamt nicht
auszugehen. Eine solche müsste per Definition seit dem jungen Erwachsenenalter
anhaltend und gleichförmig bestanden haben und sich auf die Arbeitsfähigkeit
auswirken. In der Anamnese fänden sich weder Hinweise für starke narzisstische,
paranoide oder auch zwanghafte Anteile noch fänden sich Hinweise dafür, dass die
Versicherte früher in ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen wäre.
Sie berichte darüber, dass ihre Probleme erst mit dem Umzug in die Schweiz und mit
der Trennung/ Scheidung begonnen hätten. Der Gutachter hielt abschliessend fest, da
keine psychiatrische Diagnose gestellt werden könne, sei die Arbeitsfähigkeit der
Versicherte nicht eingeschränkt. Ihr sei sowohl ihre angestammte als auch eine
adaptierte Tätigkeit zu 100% zumutbar (IV-act. 69).
Am 13. September 2017 notierte der RAD, dass das Gutachten in Bezug auf die
Argumentation im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung nicht als
nachvollziehbar und in sich schlüssig angesehen werden könne, da Patienten mit einer
Persönlichkeitsstörung aufgrund von Kompensationsstrategien über viele Jahre hinweg
arbeitsfähig sein könnten. Dr. H._ berichte selbst von einem wiederholten
Mobbingerleben der Versicherten an verschiedenen Arbeitsplätzen. Diesbezüglich
könnten meist Persönlichkeitsanteile als bedingende Faktoren festgestellt werden.
Auch werde die Versicherte in den Akten als reizbar und aggressiv gegenüber den
Kunden beschrieben. Aus den Akten werde zudem ersichtlich, dass die Versicherte
nicht jahrzehntelang unauffällig gearbeitet habe, sondern dass sie eher kurzzeitig
beruflich tätig gewesen sei. Die vorliegende Berufsbiografie sei auf jeden Fall mit einer
Persönlichkeitsstörung vereinbar. Allerdings sei weder von dem langjährigen
behandelnden Psychiater Dr. D._ noch von Dr. F._ eine Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert worden. Aufgrund dieser Ausführungen und aufgrund der auffälligen
A.i.
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B.
Befunde in der Symptomvalidierung könne jedoch bezüglich der wesentlichen
Aussagen auf das Gutachten abgestellt werden (IV-act. 70).
Am 21. September 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da kein
Gesundheitszustand vorliege, der die Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 73). Am 12.
Oktober 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten mit der gleichen Begründung die
Ablehnung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0% in Aussicht (IV-act.
77).
A.j.
Dagegen wandte die Versicherte am 5. November 2017 ein, dass sie seit Jahren in
psychiatrischer Behandlung stehe und seit jeher einer konsekutiv medikamentösen
Therapie bedürfe. Deshalb sei die Einschätzung, dass sie zu 100% arbeitsfähig sei,
völlig unangemessen (IV-act. 78).
A.k.
Mit Verfügung vom 4. Dezember 2017 wies die IV-Stelle das "Leistungsbegehren"
ab. Zu den Einwänden hielt sie fest, dass im psychiatrischen Gutachten vom 22.
August 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sei. Die Beurteilungen
der behandelnden Ärzte seien in die Begutachtung eingeflossen. Im Einwand seien
keine neuen medizinischen Informationen und Berichte angeführt worden, die einen
anderen Schluss zuliessen (IV-act. 79).
A.l.
Gegen diese Verfügung vom 4. Dezember 2017 liess die Versicherte am 18.
Januar 2018 Beschwerde erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung und die Zusprache einer Invalidenrente. Zudem sei der Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und der unterzeichnende Rechtsanwalt
sei als Vertreter zu bestellen. Er machte im Wesentlichen geltend, selbst vom RAD
werde eingeräumt, dass das Gutachten in Bezug auf die Ausführungen zur
Persönlichkeitsstörung nicht schlüssig sei. Zudem habe die neuropsychologische
Testung ergeben, dass keine zuverlässigen Aussagen zu den tatsächlichen
Einschränkungen möglich seien, und nicht, wie im Gutachten postuliert werde, dass
keine Einschränkungen bestünden. im Weiteren habe die Untersuchung nur 1.5
Stunden gedauert und es hätten offensichtliche sprachliche Probleme bestanden.
B.a.
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Schliesslich widerspreche die Einschätzung des Gutachters sämtlichen bisherigen
fachärztlichen Beurteilungen (act. G 1). Der Rechtsvertreter reichte zudem einen Bericht
von Dr. F._ vom 20. Oktober 2017 und einen Bericht von Dr. D._ vom 27.
Dezember 2017 ein. Dr. F._ hatte festgehalten, dass gegenwärtig eine schwer
ausgeprägte chronische depressive Störung bestehe. Die Beschwerdeführerin habe
sich aufgrund einer deutlichen Verschlechterung ihrer Stimmungslage, erheblicher Ein-
und Durschlafstörungen und seit ca. einer Woche bestehender latenter suizidaler
Gedanken zu einer Konsultation gemeldet. Sie habe die Begutachtung als
ausgesprochen kränkend und ungerecht empfunden. Teilweise habe es sich dabei am
ehesten um sprachlich bedingte Missverständnisse gehandelt, da sich die
Beschwerdeführerin der deutschen Sprache zwar mächtig fühle, was allerdings der
Realität lediglich bedingt entspreche. Eine stationäre Behandlung der
Beschwerdeführerin sei im Rahmen der zunehmenden Suizidalität und einer deutlichen
Verschlechterung der Symptomatik zwingend erforderlich (act. G 1.5). Dr. D._ hatte
festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin seit Jahren ein in Intensität und in
zeitlich unterschiedlicher Häufigkeit wechselnder Symptomenkomplex bestehe, der im
Längsschnitt einer rezidivierenden depressiven Störung entspreche. Im Laufe der Jahre
habe eine gewisse Stabilisierung erreicht und damit ein stationärer Aufenthalt, der
durchaus indiziert gewesen wäre, vermieden werden können. Diese Stabilisierung sei
jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Arbeitsfähigkeit (act. G 1.4).
Am 25. Januar 2018 notierte der RAD, dass das Gutachten als ausführlich und im
Wesentlichen in sich schlüssig und nachvollziehbar beurteilt werden könne. Es
berücksichtige auch die anderslautenden medizinischen Einschätzungen und die
vorliegende neuropsychologische Untersuchung mit auffälligen Ergebnissen. Dr. F._
habe die Versicherte bereits vor der Begutachtung als zu 100% arbeitsunfähig
beurteilt, was angesichts der damals von ihm gestellten Diagnose nicht nachvollziehbar
gewesen sei. Aus dem Bericht von Dr. D._ gehe hervor, dass sich die
Beschwerdeführerin weiterhin in ambulanter Behandlung befinde. Die seit Jahren
bestehenden depressiven Verstimmungen seien im Gutachten berücksichtigt worden.
Scheinbar sei auch in der Zwischenzeit keine stationäre psychiatrische Behandlung
erfolgt. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin darauf bestanden, das Gespräch
ohne Dolmetscher auf Deutsch zu führen, und die Verständigung sei gut möglich
B.b.
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gewesen. Der Gutachter habe detaillierte Ausführungen der Beschwerdeführerin zum
Verlauf der depressiven Symptomatik angeführt, aber diesen anders beurteilt als die
Behandler. Aus dem neusten Bericht von Dr. F._ werde ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin nach der Begutachtung mit einer deutlichen Verschlechterung
ihres psychischen Zustandsbildes reagiert habe, was wieder deutlich mache, wie sehr
die psychische Symptomatik auf die jeweiligen Lebensumstände reagiere (IV-act. 86).
Am 8. März 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf die Stellungnahmen des
RAD vom 13. September 2017 und vom 25. Januar 2018. Das Gutachten beantworte
sämtliche rechtsrelevanten Fragen. Bezüglich der Beurteilung der behandelnden Ärzte
sei festzuhalten, dass diese dem subjektiven Erleben des Patienten einen höheren
Stellenwert einräumten. Demgegenüber stehe die Unbefangenheit des Gutachters, der
nicht in der mitunter belastenden Behandlungsverantwortung stehe. Verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen seien somit möglich, zulässig und zu
akzeptieren. Ein Gutachten könne somit nicht stets dann in Frage gestellt werden,
wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Auffassung hätten. Vorliegend würden
die behandelnden Ärzte auf keine objektiv fassbare Punkte hinweisen, die dem
Gutachter entgangen wären. Das psychiatrische Gutachten entspreche den
Anforderungen der Rechtsprechung, weshalb auf es abgestellt werden könne (act. G
3).
B.c.
Am 13. März 2018 wurde dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung
von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltliche Rechtsverbeiständung) für
das Verfahren vor dem Versicherungsgericht entsprochen (act. G 4).
B.d.
Am 18. April 2018 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und den
Ausführungen in der Beschwerde festhalten (act. G 6).
B.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 26. April 2018 auf eine Duplik (act. G 8).B.f.
Am 10. September 2018 reichte der Rechtsvertreter eine ärztliche Bescheinigung
von Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. September
2018 ein. Dr. I._ hatte festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit dem 9. Juli
2018 in ambulanter Behandlung sei. Sie befinde sich seit etwa zehn Jahren in
B.g.
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Considerations:
Erwägungen
1.
psychiatrischer Behandlung. Eine volle Remission sei trotz des Wechsels der
Psychopharmaka und trotz einer intensiven Therapie nie aufgetreten. Bei der
Beschwerdeführerin beständen eine schwere depressive Episode mit psychotischen
Symptomen sowie differentialdiagnostisch eine paranoide Schizophrenie. Die
Versicherte leide an mittelgradig ausgeprägten Konzentrationsstörungen,
Auffassungsstörungen, Gedächtnisstörungen und es bestehe ein starkes Grübeln.
Ausserdem lägen massive Ein- und Durschlafstörungen, eine erhöhte Ermüdbarkeit
und eine niedrige Stresstoleranz vor. Im formalen Denken sei die Beschwerdeführerin
umständlich, eingeengt und etwas zerfahren. Dabei liege eine Wahnstimmung mit zum
Teil systematisiertem Wahn, Beziehungswahn und Verfolgungswahn vor. Die
Beschwerdeführerin sei dauerhaft zu 100% arbeitsunfähig (act. G 10).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme (vgl. act. G 11).B.h.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 4. Dezember
2017 das Rentengesuch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0%
abgewiesen (IV-act. 79). Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
1.1.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8
Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
1.2.
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2.
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit im Verfügungszeitpunkt feststehen. Zur Beantwortung der Frage
nach der Arbeitsfähigkeit hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin durch
Dr. H._ psychiatrisch begutachten und eine neuropsychologische Testung durch Dr.
G._ durchführen lassen.
2.1.
Dr. H._ hat als Befund eine gewisse depressive Verstimmung erhoben. Er hat
festgehalten, dass bei der Untersuchung die Grundstimmung der Beschwerdeführerin
zum depressiven Pol hin verschoben und die affektive Modulationsfähigkeit
eingeschränkt gewesen seien. Er ist allerdings zur Einschätzung gelangt, dass die
Diagnose einer depressiven Störung nicht vorliege, da die depressive Verstimmung der
Beschwerdeführerin nach deren eigenen Schilderungen auf die jeweiligen
Lebensumstände reagiere und nicht anhaltend vorhanden sei. Dabei hat der Gutachter
verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren und den Umstand, dass nie eine
(teil-)stationäre Behandlung stattgefunden habe, hervorgehoben. Er ist zum Schluss
gekommen, dass es "in dieser Situation" keine wirklich eindeutigen Hinweise gebe, die
dafür sprechen würden, dass unabhängig von der schwierigen psychosozialen
Situation der Beschwerdeführerin tatsächlich ein psychisches Leiden von
Krankheitswert einen anhaltenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Aufgrund der
eingeschränkten Mitwirkung der Beschwerdeführerin könne er keine psychiatrische
Diagnose stellen (IV-act. 69-31 ff.). Mit dem Hinweis auf die eingeschränkte Mitwirkung
der Beschwerdeführerin hat sich Dr. H._ auf das Verhalten der Beschwerdeführerin
bei der neuropsychologischen Testung bezogen. Diese hat verschiedene Hinweise auf
ein suboptimales Leistungsverhalten der Beschwerdeführerin ergeben. Der
neuropsychologische Gutachter hat festgehalten, dass die von der Beschwerdeführerin
bei der Testung erbrachten Leistungen überwiegend wahrscheinlich nicht durchgängig
mit dem eigentlichen Leistungspotential übereingestimmt hätten. Dr. G._ ist zum
Schluss gekommen, dass eine zuverlässige Interpretation der erbrachten Resultate
deshalb nicht möglich sei, so dass sich das Ausmass der tatsächlich vorliegenden
Einschränkungen nicht sicher festlegen lasse (IV-act. 69-56 f.). Dr. H._ hat im
2.2.
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Gutachten allerdings wiederholt festgehalten, dass er sich bei der psychiatrischen
Diagnostik im Wesentlichen auf subjektive und nicht nachprüfbare Angaben des
Exploranden habe abstützen müssen. Die Diagnosestellung und
Arbeitsfähigkeitsschätzung setze voraus, dass diese Angaben zuverlässig seien. Da die
Beschwerdeführerin bei der neuropsychologischen Abklärung nicht wirklich oder
höchstens zum Teil mitgewirkt habe, stelle dies die Abklärung "etwas" in Frage (IV-act.
69-35). Damit hat er die Grundlage, auf die er seine Diagnosen und letztlich seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt hat, selbst in Frage gestellt. Da die
neuropsychologische Testung aufgrund der fehlenden Mitwirkung der
Beschwerdeführerin zu keinen verwertbaren Ergebnissen geführt hat, hat Dr. H._
folglich gestützt darauf gar keine objektiv überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgeben können. Dr. H._ hätte also zum Schluss gelangen müssen, dass die
Selbstangaben der Beschwerdeführerin mit Blick auf die nicht verwertbare
neuropsychologische Testung nicht verlässlich sind und damit (im Sinne einer
objektiven Beweislosigkeit) keine Diagnose gestellt werden könne, und nicht, dass
keine depressive Störung vorliege. Die diesbezüglichen gutachterlichen Ausführungen
sind deshalb nicht geeignet, die massgebende Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
rechtsgenüglich zu belegen.
Das psychiatrische Gutachten erweist sich insofern auch als mangelhaft, als der
medizinische Sachverhalt in Bezug auf das Vorliegen einer möglichen
Persönlichkeitsstörung ungenügend abgeklärt worden ist. Insbesondere vermag das
Gutachten, wie auch der RAD ausführlich dargelegt hat, diesbezüglich nicht zu
überzeugen, da sich in den Akten und mit Blick auf die berufliche Laufbahn der
Beschwerdeführerin Hinweise finden, die auf das Bestehen einer
Persönlichkeitsstörung hindeuten. Im Weiteren erscheint auch die "Krankengeschichte"
der Beschwerdeführerin in Kindheit und Jugendjahren bzw. die Auseinandersetzung
mit der Frage, ob es bereits in der Kindheit bzw. Adoleszenz der Beschwerdeführerin
Anzeichen für eine Persönlichkeitsstörung gegeben habe, als zu wenig abgeklärt. Da
auch eine Persönlichkeitsstörung eine Arbeitsunfähigkeit begründen kann, ist die
Argumentation des RAD, es sei nicht weiter von Relevanz, dass das Gutachten in
diesem Punkt nicht überzeuge, nicht stichhaltig. Darüber hinaus ist die die
Beschwerdeführerin neu behandelnde Psychiaterin Dr. I._ im Gegensatz zu den
Vorbehandlern und zu Dr. H._ davon ausgegangen, dass neben einer depressiven
Erkrankung auch eine Störung der Persönlichkeit vorliege. Ob es sich dabei tatsächlich
um eine Schizophrenie, wie sie differentialdiagnostisch festgehalten worden ist, oder
eine andere psychische Störung handelt, wird abzuklären sein.
2.2.1.
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3.
Zusammenfassend liegt aufgrund der nicht verwertbaren neurologischen
Abklärungsergebnisse und der ungenügenden Abklärungen bezüglich der Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung keine überwiegend wahrscheinlich richtige
Arbeitsfähigkeitsschätzung vor.
2.3.
Da die aktuelle medizinische Aktenlage die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt, erweist sich der massgebliche medizinische Sachverhalt als
ungenügend abgeklärt. Dass die neuropsychologische Testung nicht verwertbar
gewesen ist, liegt jedoch im Wesentlichen daran, dass die Beschwerdeführerin gemäss
Dr. G._ bei der Abklärung nicht bzw. nicht "richtig" mitgewirkt hat. Soweit der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin diesbezüglich vorbringt, dass
Sprachschwierigkeiten bestanden hätten, ist anzumerken, dass die vorliegende
Aktenlage keine Hinweise auf sprachliche Probleme im vorgebrachten Ausmass
enthält. Ganz im Gegenteil hatte bereits die zuständige Eingliederungsberaterin
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin ein gepflegtes Deutsch spreche (vgl. IV-act.
27-3). Sprachliche Schwierigkeiten können folglich ausgeschlossen werden.
3.1.
Kommt eine versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung in unentschuldbarer Weise nicht nach, kann der
Versicherungsträger gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG aufgrund der Akten verfügen oder die
Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss die versicherte Person
vorher aber schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen und er muss ihr
eine angemessene Bedenkfrist einräumen. Folglich hätte die Beschwerdegegnerin die
neuropsychologische Testung im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht wiederholen
lassen und die Beschwerdeführerin zuvor unter Hinweis auf Art. 43 Abs. 3 ATSG auf
ihre Mitwirkungspflicht und die entsprechenden Rechtsfolgen hinweisen müssen. Die
Sache ist deshalb zur Wiederholung der neuropsychologischen Testung unter
Anwendung von Art. 43 Abs. 3 ATSG und zur nachfolgenden Präzisierung bzw.
Ergänzung der gutachterlichen Ausführungen im Sinne der Rechtsprechung (vgl. das
Urteil des Bundesgerichtes vom 15. November 2019, 8C_525/2019 E. 3.3) an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei wird die Beschwerdegegnerin nicht nur
die Wiederholung der neuropsychologischen Testung zu veranlassen und die erzielten
Resultate dem Gutachter vorzulegen, sondern sie wird auch die seit der Begutachtung
erstellten Arztberichte zu würdigen haben.
3.2.
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4.