Decision ID: 0ff0ce29-f283-5a6a-9f5d-32793c930a8c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Y._
, geboren 1991,
meldete sich
im
April 2002 zum Bezug von
Invali
denleistungen
für Minderjährige an (Urk. 6/1). Aufgrund der im
Abklärungsbe
richt
festgestellten schweren Lese- und Rechtschreibschwäche (Urk. 6/2) sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
Sonderschulmassnahmen
von
Oktober 2001 bis Oktober 2003 (
Legastheniebehandlung
) zu (Urk. 6/3).
Nachdem sein Vater spurlos verschw
u
n
d
en war
, entwickelte der Versicherte im Jahr 2004
erste depressive Symptome
. Im Mai 2008 wurde er nach
mehreren Verwarnungen
wegen Absenzen
von der
Sekundars
chule verwiesen.
Den
nachfolgenden
Privatunterricht
, die hernach begonnene
Attestlehre
als Schreiner in der Stiftung
Z._
und
die
anschliessend
selbst gesuchte Stelle in einer Gärtnerei
gab er jeweils nach kurzer Zeit auf. Zudem endete M
itte 2009
nach acht Monaten
die
psycho
therapeu
tische und
sozialarbeiterische
Begleitung durch den
A._
.
Der Versicherte war in d
er Folge ohne Beschäf
tigung und
Behandlung, bis er
sich
i
m November 2011
wegen starker
Suizidge
danken
bei der Notfallaufnahme
des
B._
meldete
(Urk. 6/14 S.
2-4
).
Fortan wurde er ambulant
und
zweimal
stationär in der
C._
behandelt (Urk. 6/51 S. 2)
.
Während
des ersten
Aufenthalts in der
C._
vom 10. Januar 2012 bis 4. April 2012 meldete
sich der Versicherte
am 24. Januar 2012 wegen
einer
psychische
n
Erkrankung zur beruflichen Integration und zum Rentenbezug an (Urk. 6/4).
Danach
trat er in
die betreute Wohngemeinschaft der
D._
ein.
Die IV
Stelle
h
olte derweilen bei beiden Institutionen
einen Bericht
ein (Urk. 6/14,
Urk. 6/19)
und arbeitete
bei der beruflichen Abklärung
mit der Stadt
X._
zusammen
,
die
den Versicherten seit April 2012
mit Sozialleistungen
unterstüt
z
t
(Urk. 26 S. 4 ff.
, Urk. 3/3
).
In
diesem Zusammenhang absolvierte
der Versicherte
im Juni 2012 ein
einmonatiges
Praktikum bei der
E._
Gm
bH
(Urk.
6/20 S. 1
)
und im Juli 2012
zwei S
chnupperwochen
beim
Verein
F._
(Urk
. 6/21, Urk. 6/
22
, Urk. 6/26 S. 6
)
.
Des Weiteren wurde er am
27. Juli 2012
neuropsychologisch untersucht
(Urk. 6/23).
Aufgrund
der Abklärungen
leistete
die IV-Stelle
per 1.
September 2012
Kostengutsprache für
ein
Vorberei
tungsjahr
hinsichtlich einer
erstmalige
n
Ausbildung zum Schreinerpraktiker EBA beim Verein
F._
(Urk. 6/24)
und
sprach
Y._
ein
kleines Taggeld
zu
(Urk. 6/28).
Der Versicherte,
de
r
seit Ende August 2012
wieder bei seiner Mutter wohnte, arbeitete
sodann aus
gesundheitlich
en Gründen nur wenige Tage
beim Verein
F._
.
A
b
26. November 2012
wurde er
zum zweiten Mal
stationär
behandel
t
(Urk.
6/31, Urk.
6/32 S. 2 f.
, Urk.
6/36
, Urk.
6/40
).
Wegen
seines
Gesundheitszustandes
brach die IV-Stelle die berufli
che Massnahme
per 1. November 2012 ab (Urk. 6/33).
Am 22. Januar 2013 ersuchte die
C._
mit Einverständnis des Versicherten um
neue
berufliche Massnahmen (Urk. 6/36).
Da der Versicherte
am 19.
Februar 2013
in die
t
herapeutische Wohngemeinschaft
G._
in
H._
ein
trat
(Urk. 6/38)
, delegierte die IV-Stelle die Abklärungen an die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons
I._
(Urk. 6/39).
Diese
schloss die Abklärungen
vorzeitig
ab
(Urk. 6/46), n
achdem die S
tadt
X._
am 27. Juni 2013
eine
n
Antrag auf Rentenprüfung
g
estellt
hatte
(Urk. 6/43)
.
Zunächst
teilte
die IV-Stelle
dem Versicherten
a
m 5.
September
2013
schriftlich
mit,
dass
er auf
grund seines Gesundheitszustandes zurzeit
kein
en
Anspruch auf berufliche Massnahmen
habe
(
Urk. 6/47).
Eine
entsprechende
beschwerdefähige Verfügu
ng
wurde nicht
verlangt
.
Alsdann
holte die IV-Stelle einen
weiteren
Bericht der
C._
ein
(Urk. 6/51)
,
wies den Versicherten
an, sich im Hinblick auf seine Schadenminderungspflicht einer
regelmässig
en
psychologische
n
Betreuung
zu unterziehen
(Urk. 6/53)
und stellte schliesslich mit Vorbescheid vom 8. Januar 2014 eine Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht
(Urk.
6/54)
. Dagegen
erhob
d
ie Stadt X._
am 24. Februar 2014 Einwand (Urk. 6/67
)
unter Beilage eines
Verlaufsbericht
s
der
Wohngemeinschaft
G._
(
Urk.
6/66)
.
Die
C._
liess mit Einverständnis des Versicherten
ebenfalls
Einwand
erheben (Urk. 6/61)
und
begründete
diesen innert der ihr gesetzten Nachfrist
im Sinne einer Ergänzung zum Einwand der Stadt
X._
(Urk. 6/63, Urk. 6/68)
.
Die IV-Stelle liess die Einwände durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
prüfen (Urk. 6/71) und verneinte den Rentenanspruch mit Verfügung vom 12.
Mai 2014
im Sinne ihres Vorbescheids
(Urk. 6/72)
.
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Stadt
X._
am 11. Juni 2014 Beschwerde
und verlangte
, es sei dem Versicherten eine
Rente
zuzusprechen
(Urk. 1)
.
Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 13. August 2014 eine teilweise Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, als die Sache zur Prüfung von Eingliederungsmassnahmen zurückzuweisen sei (Urk. 5).
Der Ver
sicherte wurde mit Verfügung vo
m 20. August 2014 zum Prozess beigeladen (Urk. 8)
und
nahm am 8. September 2014 Stellung
(Urk. 10).
In der Replik vom 29. September 2014 hielt die Stadt
X._
an ihrem Antrag fest
(Urk.
13). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik (Urk. 16). Sämtliche Einga
ben wurden den Parteien
zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 17 und 19).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
bewirken.
Zur Annahme der Invalidität
ist
auc
h bei psychischen Erkran
kungen
in
jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(
fach
)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker
deshalb
psy
chosoziale und soziokulturelle Faktoren
wie beispielsweise Sorge um die Familie
im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich
, von der Belastungs
situation unter
scheidbare
psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein
(
vgl. zum Ganzen
BGE 127 V 294 E. 5a,
Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und
soweit psychosoziale und soziokulturelle
Fak
toren einen
in diesem Sinne
verselb
ständigten
Gesundheits
schaden
indessen
aufrechterhalten oder den Wirkungs
grad
seiner
Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditäts
begründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hin
weisen
).
1.2
Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit i
n
validen
versicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbs
fähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte
; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt
(
BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen
)
.
Festzustellen ist
somit
, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
, d.h. wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräfte
n entsprechen
würden
,
mit der psychisc
hen Beein
trächtigung vereinbar
ist
.
Nicht massgebend ist
hinge
gen
,
ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarkt
ver
hältnis
sen
vermittelt werden kann
. E
rwerbsunfähigkeit ist
folglich
insoweit anzu
nehmen, als die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit sozial-praktisch
nicht mehr
zumutbar ist
(Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005
E.
4.2 und
8C_1018/2010 vom 18. April 2011 E. 5.
).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
versicherte Personen
, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.
4
Invalidität liegt
demnach
nur vor, wenn nach zumutbarer Eingliederung ein ganzer oder teilweiser Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten verbleibt
.
D
amit wird der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" statuiert, welcher bewirkt, dass vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden
darf, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist
(BGE 121 V 190 E. 4a und c
, Urteil
e
des Bundes
gerichts 9
C
_99/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 3.1)
.
In seinem Urteil 9
C
_186/2009 vom 29. Juni 2009 E. 3.3 hielt das Bundesgericht
die Prüfung des Rentenanspruchs mittels Einkommensvergleich für angezeigt, als
bei einer
ver
sicherte
n
Person
,
die
aufgrund ihrer psychischen Gesundheit bisher keine beruf
liche Ausbildung absolvieren konnte
,
trotz voller Arbeitsfähigkeit in angepass
ten Tätigkeiten
die geplanten Eingliederungsmassnahmen
invaliditäts
bedingt
nicht
durchgeführt werden konnten.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der
Verfügung vom 12. Mai 2014
sinnge
-
mäss
aus
, dass es sich bei den Diagnosen sowie de
n
Motivationsproblemen des Versicherten um
invaliditäts
fremde Faktoren handle.
Ferner
sei
die berufliche Massnahme
in gegenseitigem Einverständnis abgeschlossen worden
(Urk. 2).
In der
Beschwerdeantwort
vom 13. August 2014
beantragte
sie
eine
teilweise Gut
heissung
der Beschwerde
im Sinne einer
Rückweisung der Sache zur Prüfung von Eingliederungsmassnahmen
.
Es liege z
war kein invalidisierender
Gesund
heitsschaden
vor,
weshalb kein
Rentena
nspruch bestehe,
doch s
ei der Versi
cherte
von
einer Invalidität bedroht
(Urk. 5)
.
2.
2
Die Beschwerdeführerin machte
in der Beschwerdeantwort
sinngemäss
geltend,
mit
Verfügung vom 12. Mai 2014
seien die Ansprüche des Versicherten auf
Rente
und
erstmalige Ausbildung
v
erneint
worden
.
Dabei gehe die
Beschwerde
gegnerin
selbst davon aus,
dieser
sei nicht
eingliederungsfähig.
Des Weiteren
würden die invaliditätsfremden Gründe
hinter die
psychische Erkrankung
des Versicherten
treten
. Diese
Faktoren
seien zudem
be
i der Prüfung der Verwert
barkeit der verbliebenen Erwerbs
möglichkeiten
miteinzubeziehen
und dabei auch der niedrige IQ des Versicherten zu berücksichtigen
(Urk. 1 S.
3-7
).
In der Replik begrüsste
die Beschwerdeführerin
eine
spätere
Überprüfung der
Ein
gliederungsfähigkeit
, hielt aber
fest, es bestehe ein chronischer
Gesundheits
schaden
, weshalb dennoch eine Rente zuzusprechen sei. Ursache (schwere
Per
sönlich
keitsstörung
) und Wirkung (Ängstlichkeit und Vermeidung) dürften n
icht verdreht werden (Urk. 13).
2.3
Der zum Prozess beigeladene Versicherte erklärte in seiner Stellungnahme vom 8. September 2014 sinngemäss zusammengefasst, dass ihm die berufliche Integration bisher
aufgrund psychischer Probleme nicht
gelungen sei, obwohl er diese unbedingt wolle und er sich sehr darum bemüht habe.
Er verstehe deshalb nicht, weshalb er keine Rente erhalte. Nun sei er
stabiler und freue sich, dass die
Beschwerdegegnerin bereit sei, nochmals Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
Es sei aber zu bedenken, dass er seine Fortschritte in einem geschützten Rahmen erzielt habe und
er
nicht wisse, ob er auch im „normalen Leben“ so sein könne (Urk. 10).
3.
3.1
Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist der Rentenanspruch. Über den Anspruch auf berufliche Massnahmen wurde bereits am 5. September 2013 entschieden (Urk. 6/47
).
Allerdings verlangte die Beschwerdegegnerin
in der
Beschwerdeantwort
eine Rückweisung der
Sache, um
eine Wiedererwägung dieses Entscheids zu prüfen (Art. 53 ATSG).
3
.
2
Nach Art. 29 Abs. 1
IVG entsteht der Rentenanspruch nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung
.
Da die Anmeldung des Versicherten (Urk. 6/4) am 1. Februar 2012 bei der Beschwerdegegnerin einging (Urk. 6/5 S.
1), kommt die Auszahlung einer Rente
bei Erfüllung der Voraussetzungen nach Art. 28 IVG
frühestens ab 1. August 2012 in Betracht.
4.
4.1
Soweit es den in Art. 28 Abs. 1
lit
. a
IVG statuierten Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ betrifft,
wurde
der Versicherte im Juni und Juli 2012 beruflich abge
klärt
(Urk. 6/20 S. 1, Urk. 6/21-23). Gemäss
dem
Bericht
des Vereins
F._
zeigte sich der Versicherte
dabei
motiviert (Urk. 6/22). Dennoch nutzte er
aus gesundheitlichen Gründen nur zwei von vier möglichen
Schnupper
wochen
(Urk. 6/26 S. 6, Urk. 6/22 S. 1).
Des Weiteren empfahlen Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Neurologie, und die Neuropsychologin Prof.
Dr. phil.
K._
im Bericht zur neuropsychologischen Untersuchung
neben der antidepressiven Behandlung
insbesondere eine Schulung der sozialen Kompetenzen (Urk. 6/23 S. 2).
Berufsberater
L._
von der IV-Stelle
hielt
als Resultat der Abklärungen
am 5. September 2012 fest, der Versicherte habe im bisherigen
Eingliederungs
prozess
gut und motiviert mitgemacht. Angesichts
des gesundheitlichen Ein
bruchs sei
im weiteren Verlauf
darauf zu achten, dass keine
Überforderungssi
tuationen
entstünden
. Ausserdem werde ein betreutes Wohnen ausserhalb des Elternhauses als notwendiger Bestandteil des
Eingliederungs
prozesses
erachtet
(Urk. 6/26 S. 1 f.).
4.2
In der Folge
leistete die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für ein
Vor
berei
tungsjahr
in einer geschützten Werkstätte ab 1.
September 2012 und verfügte ein
Taggeld (Urk. 6/24, Urk. 6/28
).
B
ereits Ende August 2012 wurde der Versi
cherte aus der Wohngemeinschaft entlassen und zog zurück zu seiner Mutter (Urk. 6/40 S. 5).
Danach
erschien
er
mit Ausnahme weniger Tage aus gesund
heitlichen Gründen nicht zur Arbeit
(Urk. 6/31, Urk. 6/32 S. 2) und wurde von
November
2012 bis Februar 2013 stationär in der
C._
behandelt (
Urk. 6/36 S.
1,
Urk. 6/40 S. 3). Am 28. November 2012 hielt der Berufsberater
L._
dies
bezüglich
fest, dass die berufliche Massnahme aufgrund einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes
per 1. November 2012
abgebrochen werde. Diese sei sorgfältig nach einem vorbereitenden Arbeitstraining aufge
gleist worden und in einem geschützten Rahmen bei optimalen, dem
Gesund
heitsschaden
angepass
ten Bedingungen erfolgt. Der Versicherte werde daher als nicht
eingliederungs
fähig
erachtet. Bei einer erneuten Anmeldung sei auf eine nachhaltige Stabili
sierung des Gesundheitszustandes zu achten (Urk.
6/32 S. 1).
4.
3
Im Gesuch
der
C._
vom 22. Januar 2013
erachteten
Dr. phil.
M._
,
Fach
psy
c
hologin
für Psychotherapie FSP, die Psychologin
l
ic
. phil.
N._
sowie der Sozialarbeiter
O._
den Beginn einer neuen ber
uflichen Mass
nahme ab Anfang Mai 2013 als sinnvoll (Urk. 6/36).
Im Schlussbericht der
Sozial
versi
cherungsanstalt
I._
vom August 2013 hielt die
Eingliede
rungs
verant
wortliche
P._
indessen
fest, der psychische Gesundheitszustand des Versi
cherten sei bisher noch nicht stabil genug, um eine eigentliche Berufs
beratung durchzuführen und eine realistische berufliche Zu
kunfts
perspektive zu ent
wickeln, weshalb e
in zweites Gespräch für September 2013 geplant gewesen
sei
(Urk. 6/
4
6 S. 2).
Dabei stützte sie sich auf ein Standortgespr
äch mit dem Versi
cherten und seiner
Betreuerin
in der Woh
ngemeinschaft
Anfang Juni 2013 sowie ein Telefonat mit dem behandelnden Psycho
logen
lic
. phil.
Q._
Ende Mai 2013 (Urk. 6/46 S. 5 f.).
Schliesslich verneinte die Beschwerdegegnerin a
m 5. September 2013
mangels Eingliederungsfähigkeit
den Ans
pruch
des Ver
si
cherten
auf berufliche Massnahmen
(Urk. 6/47
).
4.4
Im
später eingeholten
Bericht der
C._
vom 15. Oktober
2013
wurde fest
gehal
ten
, dass
die Leistungsfähigkeit
des Versicherten
zu stark vermindert
sei
, als dass eine berufliche Massnahme unmittelbar in Betracht gezogen werden könne. Man gehe von einer Stabilisierung innerhalb des nächsten Jahres aus
(Urk. 6/51 S. 4)
.
Gemäss Schreiben
der
C._
vom 17. März 2014
war der Versicherte dann
zumal
immer
noch nicht eingliederungsfähig
(Urk. 6/68 S.
2
).
Im
Gesuch um Kostengutsprache
vom 11. Oktober 2013 äusserte sich die W
ohngemeinschaft
G._
kurzgefasst
ebenfalls
dahingehend,
dass
sich der Gesundheitszustand des Versicherten stabilisiere,
dieser
vor Beginn einer Berufs
ausbildung aber noch Zeit benötig
t
, um Boden unter den Füssen zu gewinnen (Urk. 6/66 S. 1 und 3).
4.
5
Aufgrund der Akten ist
somit
erstellt, dass
der Versicherte
zwischen Januar 2012 und Februar 2013
zweimal
mehrere
Monate
stationär behandelt wurde und
d
ie angeordnete
Eingliederungsmassnahme
aufgrund
einer Ver
schlechte
rung des
Gesundheitszustandes
nicht durchgeführt werden konnte
,
ob
schon
sich der Versicherte nach Ansicht der am Eingliederungsprozess Beteiligten
bemühte.
Ausserdem geht aus den Akten hervor, dass
die
Beschwerdegegnerin
ab
November 2012
weitere
Eingliederungsmassnahmen
nicht mehr
ern
sthaft in Betracht zog
und seitens der involvierten Ärzte, Psychologen und Betreuer auch keine empfohlen
wurden.
Laufen
jedoch
keine beruflichen Massnahmen und sind solche auch nicht konkret angeordnet, kann mithin auch dann ein (allen
falls befristeter) Rentenanspruch entstehen, wenn die Möglichkeiten der berufli
chen Eingliederung noch nicht ausgeschöpft sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 21. September 2012 E.
3.3.1).
5.
5.1
Anspruch auf eine Rente hat eine (noch) nicht eingliederungsfähige versicherte Person, wenn sie während einer e
injährigen Wartezeit
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 40 % arbeitsunfähig
war und danach
noch einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % aufweist (Art. 28 Abs. 1
lit
. b und c
IVG
).
5.2
U
m
die Arbeitsunfähigkeit während des Wartejahres und
den Invaliditätsgrad
beurteilen
zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Aus
künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
In den Akten finden sich insbesondere Unterlagen der
C._
, ein Bericht der neuropsychologischen Untersuchung des Versicherten sowie zwei Gesuche um Kostengutsprache der betreuten Wohngemeinschaften.
5.3
Am 2. April 2012
e
rstattete die
C._
der Beschwerd
egegnerin erstmals B
ericht.
Dieser wurde unterzeichnet von
Dr. phil.
M._
und
lic
. phil
.
N._
sowie Dr. med.
R._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie stellten
beim Versicherten
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.10), eine ängstlich-vermei
dende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) und eine Lese- und
Rechtschreib
störung
(ICD-10: F81.0). Den
übrigen
Diagnosen in sogenannter Z
Kodierung massen sie rechtsprechungsgemäss keine Bedeut
ung für die Arbeitsfähigkeit zu (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2012 vom 20. August 2012 E. 2 mit wei
teren Hinweisen; Urk. 6/14 S. 2).
Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit hielten
sie
fest,
der Versicherte sei
seit
Beginn des stationären Aufenthalts zu 100 % arbeitsunfähig.
B
ei kurz- und mittelfristig gut koordinierter Betreuung und Unterstützung und gutem Verlauf der ambu
lanten Therapie könne längerfristig mit einer Erhöhung der Einsatz
fähigkeit auf 80 bis 100 % und einer guten Leistungsfähigkeit gerechnet werden (Urk. 6/14 S.
7). Sinnvoll sei
es
,
ausgehend von einem
Einstiegspensum vo
n 40
bis 60 % langsam zu steigern und die Arbeitsanforderungen schrittweise anzupassen. Es sei damit zu rechnen, dass der Versicherte mangels beruflicher Tätigkeit in den letzten drei Jahren zunächst deutlich weniger belastbar und durchhaltefähig sei, mehr Pausen und mehr Zeit für die Arbeiten benötige (Urk.
6/14 S. 5).
Hinsichtlich einer Lehre mit nachfolgender Berufstätigkeit stellten
sie
aufgrund des Zustandes am Ende des Klinikaufenthalts
zusammengefasst eine vorsichtig günstige Prognose. Diese sei aufgrund der belastenden Beziehung zur Mutter deutlich günstiger in Verbindung mit einem betreuten Wohnen (Urk. 6/14 S. 4 und 7). Als schwierig habe sich das durch die depressive Episode und die
Persön
lichkeitszüge
bedingte Verhaltensmuster erwiesen, welches der Versi
cherte bereits als Kind entwickelt habe, um mit anforderungsreichen Situationen umzugehen. Die Motivations-, Antriebs- und Interessenlosigkeit würden zu einem starken Vermeidungsverhalten (Absenzen) führen. Er habe zudem Mühe, Kontakt aufzunehmen, wenn es Schwierigkeiten gebe. Aufgrund des schwach ausgebildeten Selbstwert
gefühl
s traue er sich sehr wenig zu, nehme ungern neue Aufgaben in Angriff und sei aufgrund unrealistischer Erwartungen an sich selbst schnell demotiviert. Schliesslich sei seine Eigen
initiative eingeschränkt. Ohne engmaschige therapeutische und sozialpäda
gogische Begleitung bestehe die Gefahr einer längerfristigen
Chronifizierung
der psychischen Symptomatik (Urk. 6/14 S. 4 f.).
5.4
Dem Gesuch um Ko
stengutsprache der D._
vom 29. Mai 2012 ist zusammengefasst zu entnehmen, dass der Versicherte nach dem ersten
Klinik
aufenthalt
zunächst grosse Mühe bekundete, sich in die Wohnge
mein
schaft zu integrieren. Inzwischen habe er einige wenige Kontakte geknüpft. Gegen die Hausregeln verstosse er noch aus Unachtsamkeit.
Ämtli
übernehme er nach Aufforderung. Hygiene, Ordnung und Sauberkeit hätten sich mittels
Zimmerkontrollen und Aufforderung verbessert. Termine könne er aber nicht selbständig koordinieren und einhalten. Auch die Medikamenteneinnahme müsse kontrolliert werden (Urk. 6/19 S. 1 f.). Hauptproblem sei die Antriebs
lo
sigkeit, die sich unter anderem in erklärtem Desinteresse, sozialem Rückzug, Lust- und Interessenlosigkeit sowie fehlender Lebensfreude manifestiere (Urk.
6/19 S. 2). Er benötige daher längerfristig Unterstützung mittels betreuter Wohnform (Urk. 6/19 S. 3).
5.5
Im Bericht der neuropsychologischen Untersuchung vom 27. Juli 2012 im Rahmen der beruflichen Abklärung hielten Prof. Dr. phil.
K._
und Dr. med.
J._
fest, die sprachliche Dysfunktion zusammen mit der Neigung zur Depres
sion weise auf eine frühkindlich erworbene Entwicklungsschwäche der
sprachdominaten
linken Hirnhälfte hin. Die übrigen höheren Hirnleistungen seien erhalten. Neben der antidepressiven Behandlung seien die sozialen Kompe
tenzen zu schulen (Urk. 6/23 S. 2).
5.
6
Nach dem zweiten Klinikaufenthal
t diagnostizierten
dieselben Fachpersonen
wie im ersten Bericht
der
C._
z
usammen mit dem Assi
stenzarzt Med. prakt.
S._
anstelle der ängstlich-vermeidenden neu eine schizoide
Persönlichkeits
störung
(ICD-10: F60.1). Die übrigen Änderungen
im Bericht vom 15. März 2013
betrafen lediglich Z-kodierte Diagnosen (Urk. 6/40 S. 2).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sie sich nicht, sondern wiesen lediglich auf die von der Beschwerdegegnerin geplante Wiederaufnahme der beruflichen Mass
nahmen ab spätestens Anfang Mai 2013 hin.
Ihr Fazit lautete, es handle sich beim Versicherten um einen
arbeitsfähige
n
junge
n
Mann, der wenig fähig sei, sich mitzuteilen, der aber sehr gut durch genaues Nachfragen und praktische Interventionen
abholbar
sei (Urk. 6/40 S. 6).
5.7
In ihrem Gesuch um Kostengutsprache vom 11. Oktober 2013 wies die Wohnge
meinschaft
G._
darauf hin, dass der Versicherte nach dem zweiten
Kli
ni
kaufenthalt
zusehends an Stabilität gew
o
nn
en hatte
. Er nehme nun praktisch ausnahmslos an der Tagesstruktur teil, erledige ihm übertragene Aufgaben gewissenhaft und habe durch gezieltes Trainieren von Alltagskompetenzen bereits schöne Fortschritte erzielt. Zudem sei er gut in die Gruppe integriert und pflege soziale Kontakte. Auch gelinge es ihm vermehrt, sich Unterstützung zu holen, wenn sich die depressiven Symptome phasenweise verstärkten. Das Erle
digen administrativer Aufgaben (vor allem offene Rechnungen) bereite ihm nach wie vor grosse Mühe und für Behördengänge sei mehrmaliges Nachhaken notwendig. Gesprächstermine mit der Begleitperson und dem Psychologen nehme er zuverlässig und interessiert wahr. Es sei wichtig, dass er die nötige
Zeit erhalte, um nachhaltig und ohne Druck Boden unter den Füssen zu gewin
nen (Urk. 6/66).
5
.
8
Im letzten Bericht der
C._
vom 15. Oktober 2013
zur ambulanten
Weiter
behand
lung
, unterzeichnet von Dr. med.
T._
und dem Psycholo
gen
lic
.
phil.
Q._
, wurden folgende Diagnosen gemäss ICD
10
-
Kodierung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
Dysthymie
(F34.1), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0), ängstliche (vermei
dende) Persönlichkeitsstörung (F60.6) und Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0). Die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit waren diesel
ben wie im ersten Bericht
der
C._
(Urk. 6/51 S.
1
f.).
Hin
sichtlich der Arbeitsfähigkeit kam man zum Schluss, aktuell sei dem Versi
cherten die bisherige Tätigkeit nicht zumutbar. Bei weiterer Verbesserung des Zustandsbildes sei die Zumutbarkeit eines Arbeitspensums von zu Beginn 50 bis 70 % denkbar und wahrscheinlich (Urk. 6/51 S. 4; insofern wohl unpräzis Ziffer 1.6 des Berichts). Zur Begründung führte
d
ie
C._
dieselben Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit wie im ersten Bericht an (Motivationslosigkeit, schwierige Kontaktaufnahme etc.; Urk. 6/51 S. 3). Konzentrationsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien eingeschränkt (Urk. 6/51 S. 6). Eine später immer noch verminderte Leistungsfähigkeit sei wahrscheinlich, aber noch nicht beurteilbar. Derzeit sei die Leistungsfähigkeit zu stark vermindert, als dass eine berufliche Massnahme unmittelbar in Betracht gezogen werden könne. Man gehe von einer Stabilisierung innerhalb des nächsten Jahres aus (Urk. 6/51 S. 4)
5.
9
Dr.
T._
und der
Psychologe
lic
. phil.
Q._
betonten mit Schreiben vom 17. März 2014 nochmals, dass die ängstlich-vermeidende
Persönlichkeits
störung
(ICD-10: F60.6) sowie die rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.0) schwerwiegend seien und eine normale jugendliche Entwicklung verunmöglichen würden. Was sich vordergründig teilweise als Interessen-,
Motiva
tions
- oder Antriebsproblem zeige, dem unterliege eine ausgeprägte Unsicher
heit im Kontakt mit anderen, eine stark verminderte
Selbstwirksam
keits
über
zeugung
, eine Überzeugung von eigener Minderwertigkeit und die grosse Sorge vor Kritik und Ablehnung. Im Zusammenhang mit diesen schon langjährig bestehenden Persönlichkeitszügen und den damit verbundenen Verhaltens
mus
tern sei auch die depressive Symptomatik (Wegfall von Erfahrungen, sozia
ler Rückzug, gedankliche Belastung) und oben erwähnte volitionale Symptoma
tik zu verstehen.
Die psychische Belastung
vermutlich beider
Eltern habe dazu geführt, dass der Versicherte wichtige
Ent
wicklungsschritte
nicht realisiert habe. Es bestünden Erfahrungen von früher
Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Realität sowie den eigenen Zielen und Bedürfnissen. Ein Lernen am Modell von dysfunktionalen
Copingstrategien
der Eltern sei naheliegend. Die An
pas
sungsfähigkeit des Versicherten sei stark beeinträchtigt. Wöchentliche psy
cho
therapeutische Termine nehme er freiwillig und zuverlässig wahr (Urk.
6/68 S. 1 f.).
6
.
6
.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Verneinung des Rentenanspruchs vollumfänglich
und praktisch wörtlich
auf die beiden Stellungnahmen des RAD-Arztes Med. prakt.
U._
.
Dieser hielt am
25
. Oktober 2013
zunächst
fest, dass es
im ersten
Bericht der
C._
Hinweise auf psychosoziale und
„
IV-ferne
“
Faktoren gebe. So habe die Mutter den Auszug des Versicherten
von zu Hause abgelehnt und die
geschil
derte Interessen- und Motivationslosigkeit gehörten in dieser Ausprägung nicht zu den Symptomen einer leichten Depression oder
Dysthymie
. Der Versicherte scheine nach seinem Vermeidungsverhalten wenig unangenehme Konsequenzen gespürt zu haben. Angesichts der Therapiefortschritte bei der ängstlich-vermei
denden Persönlichkeitsstörung könne in einem Jahr geprüft werden, welches Ausmass die
invaliditäts
fernen Faktoren noch hätten (Urk. 6/52 S. 3 f.).
Am 6. Mai 2014 ergänzte
er
, dass der Bericht der Wohngemeinschaft
G._
erfreuliche soziale Fortschritte schildere und von Eigenschaften (zuverlässig, präsent, rücksichtsvoll, einfühlend sowie angenehme, humorvolle und wache Art) des Versicherten berichte, die beleg
te
n, dass keine gravierende depressive Störung vorliege. Auch zeige der Versicherte gemäss diesem Bericht kaum
Ver
meidungsverhalten
ausser bei administrativen Dingen und offenen Rechnungen, was angesichts des niedrigen IQ sowie der Lese- und Rechtschreibschwäche nicht verwundere. Dass er sich in der neuen sozialen Umgebung besser zurecht
finde, unterstreiche zudem die Wichtigkeit der sozialen Faktoren. Dies spreche gegen die von der
C._
zunächst gestellte Diagnose einer schizoiden
Persönlich
keitsstörung
und
gegen
das Vorlieg
en einer anhaltenden ängstlich
-
vermeiden
den Persönlichkeitsstörung. Die
am 15.
Oktober 2013 diagnostizierte rezidi
vierende depressive Störung (ICD-10: F33.0) sei ausserdem
nur
eine leichte
depressive
Episode (Urk. 6/71 S. 2 f.).
6.2
Dem
ist inso
fern
beizupflichten, als
es sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung
bei
einer
leichten depressiven Episode definitionsgemäs
s um ein vorübergehendes Leiden handelt,
dem es am Krankheitscharakter fehlt.
Selbst bei mittelschweren depressiven Episoden verneint das Bundesgericht
regelmässig deren invalidisierende Wirkung.
Daran ändert
auch
nichts, dass
diese
vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnosti
ziert
wurde
. Dabei handelt es sich um einen Befund, der seinerseits durch wiederholte depressive Episoden charakterisiert ist. Die Besserung zwischen den Episoden ist jed
och im Allgemeinen vollständig (Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_176/2011 vom 29. Juni 2011 E.
4.3
und
8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2
je
mit Hinweisen
).
Dies
wird vorliegend durch
die in den Berichten der
C._
und der Wohngemeinschaften dokumentierte
Verbesserung des Gesund
heitszustandes
während und nach der stationären Behandlung
bestätigt
.
Das Bundesgericht hat
auch
verschiedentlich festgehalten, dass eine
Dysthymie
– wie sie vorliegend ebenfalls diagnostiziert wurde –
nach der im gebräuchli
chen ICD-Klassifikationssystem enthaltenen Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung ist, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Epi
soden anhaltend genug
sei
, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen; daher sei sie in der Regel nicht invalidisierend (Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2013 vom 6.
März 2014 E. 6.2 mit Hinweisen). Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizi
nische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist
gemäss Bun
desgericht allerdings
nicht absolut zu setzen; eine
dysthyme
Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden – wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung – auftritt (Urteil des Bundesgerichts 8C_623/2013 vom 11
. März 2014 E. 3.2 mit Hinweis).
L
etztlich m
assgebend
für
eine allfällige Invalidität des Versicherten
ist
daher
die
von der
C._
gestellte
D
iagnose Persönlichkeitsstörung
gemäss
ICD
Klassi
fika
tions
system
.
6.3
Hierbei stellt sich
vorab
das Problem, dass
d
ieselben Fachpersonen
zunächst
eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
(Urk. 6/14 S. 2)
und
ein Jahr später
ohne Erklärung
eine schizoide Persönlichkeitsstörung
(Urk. 6/40 S. 2)
diagnostizierten
, bevor
andere Fachpersonen
wenige Monate danach
ohne Erläuterung
wieder die
ursprüngliche Diagnose
stellten
(Urk. 6/51 S. 1).
Darüber hinaus
sind die Angaben zur Arbeitsfähigkeit
und der Ausgestaltung der ange
passten Tätigkeit
in den Berichten der
C._
, soweit überhaupt vorhanden,
sehr vage (Urk. 6/14 S. 5 und 7, Urk. 6/40 S. 6, Urk. 6/51 S. 4). Die (Rest
)Arbeitsfähigkeit und
insbesondere
deren Verwertbarkeit lassen sich
damit noch
nicht zuverlässig beurteilen.
In Bezug auf Berichte
von behandelnden Arztpersonen
bzw.
Therapiekräften ist
zudem
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick
auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
und die Sicherstellung des
Behand
lungsziels
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati
enten aussagen
(
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc,
124 I 170 E. 4)
. Dementsprechend vermögen sie ein von einer neutralen Fachperson erstelltes Gutachten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht ohne Weiteres in Frage zu stellen, au
ch wenn die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung durchaus wertvolle Erkenntnis zeitigen
kann
(vgl. zum Ganzen
Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06])
.
Daraus ist zu schlussfolgern, dass u
mso weniger
auf ein Gerichtsgutachten verzichtet und allein auf Berichte der
behandelnde
n
Ärzte und Therapeuten
abgestellt werden kann,
die
in
konsistent und
nur
vage
sind
.
6.
4
Umgekehrt genauso wenig zu überzeugen
vermag
d
ie
Beurteilung
des RAD
Arztes,
die der Persönlichkeitsstörung
eine
invalidenversicherungs
rechtli
che
Relevanz
abspricht.
Seine Stellungnahme
beruht nicht auf einer eigenen Untersuchung, sondern
stützt sich hauptsächlich
auf das Gesuch um Kosten
gutsprache der Wohngemeinschaft
G._
.
Das Gesuch
ist jedoch nicht geeig
net,
die Berichte der
C._
in Frage zu stellen
, handelt es sich doch dabei nicht um medizinische Unterlagen
. Es geht dabei nicht um eine umfassende medizi
n
ische Abklärung des Versichert
en, vielmehr liegt
das Augenmerk
darauf, die Nützlichkeit des eigenen Angebots für
den
Versicherten hervorzuheben
.
Darüber hinaus
ist dem Versicherten beizupflichten, dass nicht ohne
Weitere
s
ange
nommen werden kann
,
dass
die erzielten Fortschritte auch unter realen Bedin
gungen, d.h. ausserhalb der Wohngemeinschaft
,
nachhaltig
sind. Bereits in der ersten Wohngemeinschaft
D._
stellten sich schnell erste Erfolge ein, welche jedoch nicht zu verhindern vermochten, dass nur ein Teil der
Schnupper
wochen
realisiert werden konnte.
In diesem Sinne
ist dem Bericht der Wohngemeinschaft
G._
zu entnehmen, dass auch Monate nach dem statio
nären Aufenthalt nach
wie vor depressive Symptome auftr
a
ten
,
gezieltes Trai
ning
stattfand und
Kontrollen nötig
waren
(vgl. E. 5.7).
Des Weiteren
wies
der RAD-Arzt
darauf hin
, dass
sich
eine Interessen- und
Moti
vationslosigkeit
dieses
Ausmass
es
nicht mit einer leichten depressiven Episode erklären lasse
(Urk. 6/52 S. 4)
. Gemäss Berichten der
C._
steh
en diese Symptome
jedoch primär im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung (z.B. Angst vor Ablehnung und Kritik, schnelle Demotivation aufgrund unrea
listischer Erwartungen und schlechter Selbsteinschätzung). Damit setzt sich der RAD-Arzt nicht auseinander.
Ferner
kann ein invalidisierender
Gesundheits
schaden
nicht allein aufgrund des
(früheren)
Vorhandenseins psychosozialer Faktoren von der Hand gewiesen werden
.
Vielmehr wäre
diesfalls
zu klären
gewesen
,
ob inzwischen
ein
verselbständigter
Gesundheitsschaden vorliegt.
Hingegen geht es nicht an, im Zweifelsfall entsprechend der Empfehlung d
es RAD-Arztes
einfach ein Jahr lang
die weitere Entwicklung
abzuwarten
(Urk.
6/52 S. 4).
Letztlich
erachtete
a
uch der RAD-Arzt
immerhin
eine regelmässige psychologi
sche Betreuung als erforderlich und empfahl deshalb am 21.
November 2013, dem Versicherten
eine entsprechende
Schaden
minderungspflicht
aufzuerlegen (Urk. 6/52 S. 4).
6.
5
Abschliessend
ist darauf hinzuweisen, dass die erste Stellungnahme seitens des RAD von Dr. med.
V._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, abge
geben wurde. Sie erachtete die Angaben
im ersten Bericht
der
C._
als nachvoll
ziehbar, weshalb darauf abzustellen sei.
Am 8. Mai 2012 schlussfolgerte sie, dass bisher
aufgrund des Gesundheitsschadens keine Ausbildung beendet wor
den und eine intensive Begleitung durch psychiatrisch erfahrene Lehrpersonen notwendig
sei
. Dies werde noch lange so bleiben. Damit sei der geschützte Rahmen ausgewiesen (Urk. 6/26 S. 3).
Die erste RAD-Ärztin
sah
die Probleme bei der beruflichen Integration
somit nicht einzig in leicht zu
beeinflussenden
psychosozialen Faktoren und
der persönlichen
bzw.
bewussten Einstellung des Versicherten
begründet
.
7.
7.1
Zusammenfassend ergibt sich, dass über den strittigen
Renten
anspruch nicht ohne zusätzliche medizinische Abklärungen betreffend die Arbeitsfähig
keit des
Versicherten
in einer angepassten Tät
igkeit entschieden werden kann.
7.2
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger
erfolgt
e
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
gestützt auf
§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
)
,
wenn sie allein in der notwendi
gen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3
).
Da die Abklärung
en
vorliegend
grundsätzlicher Natur sind, wird die
Beschwerde
gegnerin
diese vorzu
nehmen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzu
heissen und die Sache zur Durchführung der notwendigen Abklärungen und neue
n
Entscheidung
an diese zurückzuweisen.
7.
3
Bei dieser Gelegenheit hat die
Beschwerdegegnerin
nochmals
die Möglichkeit von
Eingliederungsmassnahmen
zu prüfen
, da sich
aus den Akten Anhalts
punkte
dafür ergeben, dass sich der Gesundheitszustand inzwischen genügend stabilisiert
haben könnte.
Einerseits kann dies unter Umständen zur Befristung einer allfälligen Rente führen.
Andererseits
ist aufgrund
des bisherigen
Krank
heitsverlaufs
und der bereits vorhandenen medizinischen Unterlagen
mindes
tens von einer drohenden Invalidität auszugehen
. Mit anderen Worten ist ohne entsprechende Integrations
massnahmen und
berufliche Massnahmen der Eintritt einer Erwerb
s
unfähigkeit als überwiegend wahrscheinlich anzusehen (vgl. Art. 8 IVG in Verbindung mit A
rt. 1
novies
der Verordnung über die Invalidenver
sicherung
,
IVV
).
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Ob
siegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen sind.
8.2
Die Beschwerdeführerin verlangt
eine Parteientschädigung (Urk. 1 S. 6).
Nach §
34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Keine Prozessentschädigung steht
demgegenüber
in
der Regel
d
em Gemeinwesen zu
(
vgl.
§ 34 Abs. 2
GSVGer
).
So
hat das Bundes
gericht entschieden, dass kein Anspruch auf Prozessentschädigung besteht, wenn eine Institution der öffentlichen Sozialhilfe eine
obsiegende
versicherte Person vertritt
. Die
Institution
nehme öffentliche Aufgaben wahr und die
finan
ziellen Mittel
dazu stammten
aus der öffentlichen Hand
(vgl. BGE 126 V 11)
.
Angesichts der Begrü
nd
ung muss
dies
auch
gelten, wenn eine entsprechende Institution wie vorliegend selbst Beschwerde führt
. Darüber hinaus
handelt es sich ohnehin nicht um eine
n
komplizierten Sachverhalt, der einen
unüblich
hohen Arbeitsaufwand erfordert
e und damit eine Prozessentschädig
ung
recht
fertigen würde
(vgl. BGE 110 V 132 E. 4d).