Decision ID: 59f7d804-f43a-58d1-af74-0cf85ee861fa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 4. Juni 2020 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 9. Juni 2020 mandatierte sie die ihr zugewiesene Rechtsvertre-
tung im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am (...) bereits in Italien
ein Asylgesuch gestellt hatte.
C.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 9. Juni 2020 gab die Beschwer-
deführerin zu Protokoll, sie habe Nigeria etwa im Jahr (...) verlassen und
sei via C._ und D._ nach E._ gereist. Von dort aus
sei sie im (...) per Flugzeug nach Italien gelangt, wo sie in ein Haus ge-
bracht worden sei und ihr die Papiere abgenommen worden seien. Gegen
Ende 2019 sei sie von Italien aus in die Schweiz gekommen und habe sich
seither bei einer Freundin in F._ aufgehalten.
D.
Mit Eingabe vom 17. Juni 2020 teilte die Beschwerdeführerin dem SEM
mit, dass sie mit der Fachstelle Frauenhandel und Migration (FIZ) vernetzt
worden sei. Am 25. Juni 2020 reichte sie medizinische Unterlagen ein und
informierte das SEM darüber, dass ein erster Termin bei der FIZ am (...)
2020 geplant sei.
E.
Am 29. Juni 2020 hörte das SEM die Beschwerdeführerin als potentielles
Opfer von Menschenhandel an. Sie brachte im Wesentlichen vor, dass sie
ihr Heimatland wegen Problemen mit der Familie verlassen habe. Diese
habe herausgefunden, dass sie (...) sei, und (...) würden in ihrem Dorf le-
bendig beerdigt. Sie sei deshalb zu einer Freundin nach G._ ge-
gangen. Dort habe sie eine Frau namens H._ kennengelernt, die
ihr angeboten habe, für sie eine Arbeitsstelle in Europa zu suchen. Sie
habe H._ gesagt, dass sie kochen und putzen könne. H._
habe dann ihre Reise nach Italien organisiert. Zuvor habe sie in einem Voo-
doo-Ritual einen Eid leisten müssen, niemandem etwas zu erzählen und
das Geld für die Reise zurückzubezahlen, ansonsten ihr etwas passieren
würde. Via C._, D._, E._ und I._ sei sie im
(...) mit gefälschten Papieren nach Italien gelangt und zu einem Haus in
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J._ (ausserhalb von K._) gebracht worden, wo bereits an-
dere Mädchen gewohnt hätten. Ihr seien die Papiere abgenommen worden
und eine Frau namens L._, bei der es sich um die Schwester von
H._ gehandelt habe, sei gekommen und habe ihr gesagt, dass sie
(...) Euro erstatten müsse, weil sie sie nach Italien gebracht und ihr Leben
gerettet habe. Trotz ihres Widerstands sei sie in der Folge gezwungen wor-
den, als Prostituierte zu arbeiten. L._ habe nicht vor Ort gelebt, sei
aber alle ein bis zwei Wochen vorbeigekommen, um das zur Seite gelegte
Geld abzuholen. Wenn sie manchmal nicht habe arbeiten können und ei-
nes der Mädchen gepetzt habe, habe L._ sie angerufen und ange-
schrien. Sie sei auch gezwungen worden, in Italien unter einer falschen
Identität ein Asylgesuch einzureichen. Als sie (...) Euro abbezahlt gehabt
habe und sich mittels erspartem Geld eine eigene Wohnung habe mieten
wollen, sei sie von L._ und deren Freund unter Gewaltanwendung
(...) daran gehindert worden. Angesichts der Drohungen und Angst vor ne-
gativen Folgen aufgrund des geleisteten Schwurs habe sie nirgends um
Hilfe ersucht. Mit der Zeit seien immer mehr Mädchen aus dem Haus in
J._ weggegangen und im Jahr (...) sei auch sie schliesslich von
dort weg und so aus der Zwangsprostitution geflohen. In den folgenden
(...) Jahren habe sie an verschiedenen Orten in Italien gelebt. Eines Tages,
als sie in M._ gewohnt habe, habe sie am dortigen Bahnhof zufälli-
gerweise H._ getroffen. Diese habe ihr gesagt, dass sie die Schul-
den bei L._ begleichen müsse. Nach dieser Begegnung habe
L._ sie wieder angerufen, nach dem Geld verlangt und ihr gedroht,
Leute zu schicken, die sie schlagen und umbringen würden. In der Folge
hätten sie auch Männer angerufen und bedroht. Daraufhin habe sie be-
schlossen, Italien zu verlassen, und einen Monat später sei sie ausgereist.
Respektive sie habe seit ihrer Flucht aus J._ bei einem (...) in
N._ gewohnt. Nachdem dieser nach O._ zurückgekehrt sei,
habe sie die letzten sechs Monate vor ihrer Ausreise aus Italien bei einer
Freundin in N._ verbracht. Als diese ihr gesagt habe, dass sie sich
nun etwas Eigenes suchen müsse, habe sie sich entschieden, in die
Schweiz zu kommen. Seit der Flucht aus der Prostitution habe sie ihren
Lebensunterhalt mit (...) bestritten. Sie habe damit genug Geld verdient. In
diesen (...) Jahren sei es ruhig gewesen und ihr sei nichts mehr passiert,
aber sie habe immer noch Anrufe bekommen und sich Sorgen gemacht,
dass L._ sie irgendwann finden könnte. Vor der Ausreise aus Italien
habe sie ihre italienische SIM-Karte zerstört, um nicht mehr erreichbar zu
sein. Sie habe ein Facebook-Profil, aber es sei für niemanden aus Italien
möglich, darüber Kontakt mit ihr aufzunehmen. Die Telefonnummern von
L._ und H._ kenne sie nicht; diese seien jeweils unterdrückt
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gewesen. Sie habe in Italien einen negativen Asylentscheid erhalten, da-
gegen aber über eine Anwältin Beschwerde eingereicht.
Das SEM informierte die Beschwerdeführerin, dass ihre Aussagen Anhalts-
punkte enthalten würden, wonach sie in Italien Opfer einer Straftat im Zu-
sammenhang mit Menschenhandel geworden sein könnte. Das SEM sei
nicht zuständig, eine Strafanzeige in Bezug auf diesen Sachverhalt zu be-
handeln, aber verpflichtet, Offizialdelikte den Strafverfolgungsbehörden zu
melden. Diese Datenübermittlung komme nicht der Einreichung einer
Strafanzeige gleich. Des Weiteren informierte es die Beschwerdeführerin
über den weiteren Verlauf des Verfahrens (Einräumung einer Erholungs-
und Bedenkzeit, um über eine mögliche Zusammenarbeit mit den Strafver-
folgungsbehörden nachzudenken). Die Beschwerdeführerin nahm dies zur
Kenntnis und erklärte, sie möchte gern helfen, könne aber keine näheren
Angaben zu der Frau in K._ machen.
Des Weiteren gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das rechtliche
Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit
der Überstellung nach Italien. Die Beschwerdeführerin gab zu Protokoll,
dass sie nicht nach Italien zurückkehren möchte. Sie habe dort von
H._ Drohanrufe bekommen und beim letzten Telefonat habe diese
gedroht, ihren Körper noch mehr zu verstümmeln. In Italien gebe es keinen
Ort, an dem sie sich verstecken könnte. Man würde sie dort überall finden.
Abschliessend informierte die Befragerin die Beschwerdeführerin, dass sie
sich jederzeit an das Personal des BAZ, den Sicherheitsdienst oder die
Polizei wenden könne, wenn sie sich bedroht fühle.
F.
Ebenfalls am 29. Juni 2020 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin als
potentiellem Opfer von Menschenhandel gestützt auf Art. 13 des für die
Schweiz am 1. April 2013 in Kraft getretenen Übereinkommens zur Be-
kämpfung des Menschenhandels (SR 0.311.543) schriftlich eine 30-tägige
Erholungs- und Bedenkzeit. Die Beschwerdeführerin nahm diese in An-
spruch.
G.
Mit Schreiben vom 9. Juli 2020 informierte die Beschwerdeführerin das
SEM, dass der erste Gesprächstermin bei der FIZ stattgefunden habe und
ein weiterer für den (...) 2020 geplant sei.
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H.
Mit Erklärung vom 28. Juli 2020 willigte die Beschwerdeführerin ein, falls
erforderlich mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. In
der Folge übermittelte das SEM die entsprechenden Informationen zur
mutmasslichen Täterschaft an die zuständige Strafverfolgungsbehörde.
Gemäss deren Antwort werde aufgrund unzureichender Angaben zur Tä-
terschaft zurzeit kein Strafverfolgungsverfahren eingeleitet.
I.
Am 30. Juli 2020 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Rück-
übernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Gleichzeitig informierte es die italienischen Behörden darüber, dass die Be-
schwerdeführerin ein potentielles Opfer von Menschenhandel sei.
Die italienischen Behörden hiessen das Überstellungsersuchen am 4. Au-
gust 2020 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gut.
J.
Am 11. August 2020 reichte die Beschwerdeführerin den Einschätzungs-
bericht der FIZ vom (...) 2020 ein, wonach sie als Opfer von Menschen-
handel zu qualifizieren sei.
K.
Am 17. September 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen ärztlichen
Kurzbericht des BAZ vom 16. September 2020 ein. Mit Eingabe vom
29. Oktober 2020 teilte sie dem SEM mit, dass am (...) 2020 in der (...) der
(...) ein Abklärungsgespräch stattgefunden habe.
L.
Am 30. Oktober 2020 wies das SEM die Beschwerdeführerin infolge des
Erreichens der gesetzlich befristeten Aufenthaltsdauer im BAZ dem erwei-
terten Verfahren zu und es erfolgte ihr Austritt in den Kanton B._.
M.
Mit Schreiben vom 17. November 2020 forderte das SEM die Beschwer-
deführerin auf, bis zum 30. November 2020 einen aktuellen Arztbericht ein-
zureichen. Am 30. November 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen
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vom selben Tag datierenden Bericht der (...) ein (Diagnosen: [...]). Gleich-
zeitig ersuchte sie das SEM um Prüfung der Souveränitätsklausel. Am
7. Dezember 2020 ging beim SEM ein weiterer Bericht der (...) vom 2. De-
zember 2020 ein.
N.
N.a Mit Verfügung vom 8. Dezember 2020 – eröffnet am 15. Dezember
2020 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Italien)
an, forderte die Beschwerdeführerin auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen und beauftragte den Kanton Bern mit
dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten und stellte fest, dass einer allfälligen Be-
schwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.
N.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, Italien sei gemäss der
Dublin-III-VO für die Durchführung des Asylverfahrens der Beschwerdefüh-
rerin zuständig. Die italienischen Behörden seien über die Menschenhan-
delsproblematik informiert. Italien habe das Übereinkommen des Europa-
rats zur Bekämpfung des Menschenhandels ratifiziert, das zum Ziel habe,
den MenschenhandeI zu verhindern, Opfer von Menschenhandel zu schüt-
zen und die Menschenhändler strafrechtlich zu verfolgen. Opfer von Men-
schenhandel seien in Italien zudem durch das Zuwanderungsgesetz in be-
sonderem Masse geschützt. Demgemäss habe die Beschwerdeführerin
dort das Recht auf Zugang zum besonderen Hilfsprogramm, soziale In-
tegration und Unterbringung in einer geschützten Struktur, sowie die Mög-
lichkeit, selbst bei einem ablehnenden Asylentscheid einen Aufenthaltstitel
"per motivi di protezione sociale" zu erhalten. Besonders schutzbedürftige
Asylsuchende (einschliesslich Opfer von Menschenhandel) würden im
Rahmen des italienischen Rechts besonderen Schutz geniessen. Zum
Zeitpunkt der Organisation der Überstellung werde das SEM die italieni-
schen Behörden erneut darauf hinweisen, dass die Beschwerdeführerin
ein potentielles Menschenhandelsopfer sei. Es obliege der Beschwerde-
führerin, die italienischen Behörden dann über die Umstände ihrer Ausbeu-
tung zu informieren. Wenn sie weiterhin von Privatpersonen bedroht wer-
den oder sich vor Übergriffen fürchten sollte, könne sie sich ebenfalls an
die italienische Polizei wenden. In Italien gebe es zudem verschiedene
Hilfsorganisationen für Opfer von Menschenhandel, an die sie sich wenden
könne. Es lägen damit keine konkreten Hinweise vor, dass die Beschwer-
deführerin bei einer Rückkehr nach Italien einem ernsthaften Nachteil oder
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einer gravierenden Menschenrechtsverletzung gemäss Art. 3 und 4 EMRK
ausgesetzt wäre. Der Umstand, dass sie in der Vergangenheit Opfer von
Menschenhandel gewesen sei, werde nicht in Frage gestellt, stelle jedoch
bei einer Überstellung nach Italien keinen ausreichenden Grund für ein re-
ales Risiko des Re-Trafficking dar. Nach der Flucht aus der Zwangsprosti-
tution habe sie ihren Angaben zufolge während (...) weiteren Jahren in Ita-
lien gelebt und den Lebensunterhalt selbständig mit (...) bestritten. Die wei-
teren telefonischen Kontaktaufnahmen seien aus Sicht des SEM wenig
substantiiert. Diese hätten auch keine weiteren Folgen gehabt. Somit be-
stehe keine Kausalität zwischen der erlittenen Ausbeutung und der Aus-
reise. Es obliege der Beschwerdeführerin, sich bei weiteren Drohungen an
die italienischen Behörden zu wenden und um Schutz zu ersuchen. Italien
sei ein Rechtsstaat, der über eine funktionierende Polizeibehörde verfüge,
die schutzwillig und schutzfähig sei. Es lägen keine objektiven Hinweise
vor, dass die italienischen Behörden, wenn sie über die entsprechenden
Informationen verfügen würden, nicht alle erforderlichen Massnahmen er-
greifen würden, um die Beschwerdeführerin ihrer Situation entsprechend
unterzubringen und zu betreuen. Auch lägen keine wesentlichen Gründe
für die Annahme gemäss Art. 3 Abs. 2 VO Dublin vor, dass das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien Schwach-
stellen aufweisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder ent-
würdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta
und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Italien habe die Verfahrens- und
Aufnahmerichtlinien umgesetzt und sei sowohl Signatarstaat des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) als auch der EMRK. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte
dafür vor, dass sich ltalien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen
haIten und das Asylverfahren nicht korrekt durchführen würde. Das SEM
gehe daher nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einer Über-
stellung gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3
Abs. 2 VO Dublin und Art. 3 EMRK ausgesetzt würde, in eine existenzielle
Notlage geraten oder ohne Prüfung ihres Asylgesuchs und unter Verlet-
zung des Non-Refoulement-Gebots in ihren Heimatstaat überstellt würde.
Auch unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands der Beschwerde-
führerin vermöge die Überstellung keinen Verstoss gegen Art. 3 EMRK zu
begründen. Folglich bestehe keine Verpflichtung, die Souveränitätsklausel
gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden. Italien verfüge über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur und sei verpflichtet, der Be-
schwerdeführerin die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren.
Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes-Dekrets 1 13/2018 am 5. Oktober 2018
sei der Zugang zu medizinischer Versorgung in Italien für Asylsuchende
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nicht infrage gestellt worden. Asylsuchende hätten weiterhin im gleichen
Umfang wie Personen, die in Italien über einen Aufenthaltstitel verfügen
würden, Zugang zum nationalen Gesundheitssystem. Am 22. Oktober
2020 sei das Dekret Nr. 130 vom 21. Oktober 2020 für 60 Tage in Kraft
getreten. In dieser Zeit müsse das Parlament dieses in Gesetz umwandeln.
Das neue Dekret modifiziere dasjenige vom 5. Oktober 2018, indem es
Asylsuchenden die Registrierung in den lokalen Gemeinderegistern erneut
ermögliche und damit den Zugang zu den in Italien angebotenen Leistun-
gen wie die Registrierung beim nationalen Gesundheitsdienst und der Ge-
sundheitsversorgung vereinfache. In Anbetracht dessen sei davon auszu-
gehen, dass Italien angemessene medizinische Versorgungsleistungen er-
bringen könne und den Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung
gewährleiste. Es lägen keine Hinweise vor, wonach Italien der Beschwer-
deführerin eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig
verweigern würde. Gemäss Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember
2019 seien bei den italienischen Behörden nur dann individuelle Garantien
einzuholen, wenn schwer erkrankte Asylsuchende unmittelbar nach der
Ankunft in Italien auf eine lückenlose medizinische Versorgung angewie-
sen seien. Die Beschwerdeführerin gehöre nicht zu dieser Kategorie. Aus
den medizinischen Akten gehe nicht hervor, dass sie auf eine lückenlose
medizinische Behandlung unmittelbar nach Ankunft in Italien angewiesen
sei. Es lägen auch keine Hinweise vor, wonach der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin einem akuten medizinischen Notfall gleichkomme.
Dem ärztlichen Bericht vom 30. November 2020 zufolge würden bei ihr in-
termittierende Suizidgedanken bestehen, gegenwärtig jedoch ohne solche
Absichten oder konkrete Pläne. Es sei durchaus nachvollziehbar, wenn
sich bei gewissen Personen eine suizidale Tendenz bemerkbar mache,
weil deren Zukunft ungewiss sei. Es wäre aber stossend, wenn die Be-
schwerdeführerin durch Berufung auf eine tatsächliche oder vermeintliche
Selbstmordgefahr die Behörden zum Einlenken zwingen könnte. Es stehe
ihr frei, diesbezüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die ent-
sprechende Infrastruktur stehe auch in Italien zur Verfügung. Für das wei-
tere Dublin-Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend.
Diese werde erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt. Das SEM
trage dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei der Organisa-
tion der Überstellung Rechnung und es werde die italienischen Behörden
im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vor der Überstellung über
deren aktuellen Gesundheitszustand und die notwendige medizinische Be-
handlung informieren. Gleichzeitig werde es – wie erwähnt – erneut darauf
hinweisen, dass die Beschwerdeführerin ein potentielles Opfer von Men-
schenhandel sei. Bei der Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, gemäss
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welcher das SEM die Souveränitätsklausel auch aus humanitären Gründen
anwenden könne, handle es sich um eine Kann-Bestimmung, weshalb das
SEM über einen Ermessensspielraum verfüge. Die Dublin-III-VO sehe
nicht vor, dass der anfragende Dublin-Staat weitergehende Abklärungen in
Bezug auf eine adäquate Aufnahme im zuständigen Dublin-Staat vor-
nehme. Die Verpflichtung der Schweiz beschränke sich auf die Übermitt-
lung der Transfermodalitäten und medizinischen Akten. Des Weiteren ge-
höre die Beschwerdeführerin – wie erwähnt – nicht einer besonders vul-
nerablen Personengruppe im Sinne des Referenzurteils E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 an. Es lägen somit keine Gründe vor, die die Anwen-
dung der Souveränitätsklausel gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 i.V.m.
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzeigen würden.
O.
O.a Mit Eingabe vom 22. Dezember 2020 erhob die Beschwerdeführerin
durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Sie ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Anwei-
sung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter um Rück-
weisung der Sache an das SEM zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung
und Neubeurteilung, und subeventualiter um Anweisung an das SEM, von
den italienischen Behörden individuelle Zusicherungen bezüglich des Zu-
gangs zum Asylverfahren sowie adäquater medizinischer Versorgung und
Unterbringung einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie – unter
Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 16. Dezember
2020 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
O.b Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, das SEM ver-
füge bezüglich der Anwendung der Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO über einen Ermessensspielraum, der es ihm erlaube zu er-
mitteln, ob humanitäre Gründe vorliegen würden, die einen Selbsteintritt
rechtfertigen würden. Vorliegend habe das SEM sein Ermessen fehlerhaft
unterschritten, indem es der Tatsache, dass sie Opfer von Menschenhan-
del geworden sei, unzureichend Rechnung getragen habe. Es sei nicht si-
chergestellt beziehungsweise überprüfbar, ob sie in Italien Zugang zu einer
Unterbringung haben würde respektive ob diese mit ihren Bedürfnissen
kompatibel sei. Mit der Re-Trafficking-Gefahr habe sich das SEM nur ober-
flächlich auseinandergesetzt. Es sei unverständlich, weshalb das SEM ihre
Aussagen zu den Kontaktaufnahmen nach ihrer Flucht aus J._ als
wenig substantiiert erachte. Sie habe die Drohanrufe kohärent geschildert
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und auch den Vorfall in M._ dargelegt. Das Vorzeigen der kaputten
SIM-Karte bei der Anhörung sei als Indiz zu werten, das für ihre Aussagen
spreche. Auch der häufige Wechsel des Wohnorts zeige, dass sie sich un-
sicher gefühlt habe. Im Übrigen sei es wissenschaftlich erwiesen, dass sich
eine (...) auf das Aussageverhalten einer Person auswirken könne. Sie ver-
weise hierzu auf BVGE 2016/207. Dem Bericht der (...) sei denn auch zu
entnehmen, dass sie zwar auskunftsbereit gewesen sei, jedoch in sich ver-
sunken, teilweise abwesend gewirkt habe. Der Rechtsvertretung gegen-
über habe sie den Eindruck hinterlassen, als ob sie gefühlstaub wäre. Die-
ses Verhalten widerspiegle sich in der Anhörung, bei der sie zwar über die
traumatischen Erlebnisse habe berichten können, aber keine Gefühlsre-
gungen gezeigt habe. Zudem sei sie bei der Anhörung nicht mit dem Vor-
wurf der Unsubstantiiertheit konfrontiert worden. Die von der Vorinstanz
geforderte Kausalität zwischen der Ausbeutung respektive den Drohungen
und ihrer Ausreise aus Italien sei zu bejahen und es sei davon auszugehen,
dass sie bei einer Rückkehr nach Italien die ausstehende Schuld zwangs-
weise abzahlen müsse. Am (...) sei sie per Messenger erneut bedroht wor-
den (vgl. beiliegende Screenshots). Sie sei von einer Person namens
P._ aus M._, die (...), auf Facebook kontaktiert worden.
Diese habe am (...) über Messenger vier Mal versucht, sie telefonisch zu
erreichen. Auf ihre schriftliche Nachfrage nach der Identität des Anrufers
seien ihr am (...) die besagten Drohungen per Messenger geschickt wor-
den. Sie kenne keine Person namens P._, gehe aber davon aus,
dass diese mit dem Menschenhandelsring in Verbindung stehe. Dies zeige,
dass die Täterschaft gut vernetzt und die Gefahr gross sei, dass sie bei
einer Rückkehr nach Italien erneut in die Fänge der Menschenhändler ge-
raten würde. Sie würde nicht in Ruhe gelassen, bis sie ihre Schulden ab-
bezahlt habe. Aufgrund der drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK sei ein
Selbsteintritt vorzunehmen. Die Behandlung ihrer gesundheitlichen Be-
schwerden sei bis auf Weiteres notwendig, ansonsten das Risiko einer
Chronifizierung und einer erhöhten Suizidgefahr bestehe. Aufgrund ihrer
Opfereigenschaft und labilen Gesundheit sei sie als vulnerable Person ein-
zustufen. Sie sei auf eine lückenlose medizinische Unterstützung angewie-
sen und es sei davon auszugehen, dass sie diese in Italien aufgrund der
langen Wartezeiten im Bereich der Gesundheitsversorgung nicht rechtzei-
tig erhalten würde. Bei einer Überstellung nach Italien sei deshalb mit einer
raschen und irreversiblen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands zu
rechnen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung
bezüglich der Re-Trafficking-Gefahr und des Vorhandenseins einer Unter-
kunft in Italien an das SEM zurückzuweisen. Subeventualiter seien von den
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italienischen Behörden Garantien bezüglich ihrer Unterkunft und psychiat-
rischen Unterstützung einzuholen.
P.
Am 23. Dezember 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der
Überstellung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme aus.
Q.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Januar 2021 erteilte die Instruktionsrichte-
rin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Sie hiess das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur
Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
R.
In der innert entsprechend erstreckter Frist eingereichten Vernehmlassung
vom 13. Januar 2021 beantragte das SEM die Abweisung der Beschwerde.
Das von Italien ratifizierte Übereinkommen des Europarats zur Bekämp-
fung des Menschenhandels verpflichte die Unterzeichnerstaaten, den Op-
fern von Menschenhandel angemessene Hilfe zu leisten. Darüber hinaus
sehe die italienische Gesetzgebung besondere Verfahrens- und spezifi-
sche Aufnahmegarantien für Asylsuchende vor, die als Opfer von Men-
schenhandel erkannt seien. Wenn während des Asylverfahrens Gründe für
die Annahme auftreten würden, dass die Person Opfer von Menschenhan-
del sei, könne die Territorialkommission das Verfahren aussetzen und das
zuständige Polizeipräsidium, die Staatsanwaltschaft sowie die spezialisier-
ten NGOs informieren. Zudem sehe das Gesetzesdekret Nr. 24/2014 vom
März 2014 die Einrichtung eines nationalen Mechanismus zur Koordinie-
rung der beiden Schutzsysteme für Opfer von Menschenhandel vor (zent-
ral koordiniertes Schutzsystems für Asylsuchende und Begünstigte inter-
nationalen Schutzes und auf territorialer Ebene eingerichtetes Schutzsys-
tem für Opfer von Menschenhandel). Das Gesetzesdekret Nr. 142/2015
vom 18. August 2015 lege fest, dass von Menschenhandel betroffene Per-
sonen einem speziellen Sozialhilfe- und Integrationsprogramm zuzuführen
seien. Betroffene könnten ebenfalls im zweiten Aufnahmesystem von
SIPROIMI untergebracht werden. In Anbetracht dieser besonderen Garan-
tien könne davon ausgegangen werden, dass Opfer von Menschenhandel
nach ihrer Überstellung in Italien angemessen und unverzüglich unterstützt
würden. Die Beschwerdeführerin könne sich in Italien auch – wie sie dies
in der Schweiz getan habe – an eine spezialisierte NGO wenden. In Italien
gebe es auch eine sogenannte "Numero Verde Antitratta (800-290-290)",
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an die sich Opfer von Menschenhandel rund um die Uhr wenden könnten.
Bezüglich des neu eingereichten Screenshots aus Facebook Messenger
und der geltend gemachten Gefahr eines Re-Trafficking verweise das SEM
nach dem Vorerwähnten auch auf die Ausführungen in der Verfügung, wo-
nach es der Beschwerdeführerin obliege und zuzumuten sei, sich bei wei-
teren Kontaktaufnahmen und Drohungen durch Privatpersonen an die ita-
lienischen Behörden zu wenden, Anzeige zu erstatten und um Schutz zu
ersuchen. Des Weiteren stehe es ihr frei, ihren Facebook-Account zu lö-
schen, so wie sie die SIM-Karte zerstört habe, um für allfällige unliebsame
Anrufe und Nachrichten unerreichbar zu sein. Das SEM verneine nicht,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund der erlebten Ausbeutung in Italien
traumatisiert sei. Aus den medizinischen Unterlagen gehe jedoch nicht her-
vor, dass sie unmittelbar nach der Ankunft in Italien auf eine lückenlose
medizinische Behandlung angewiesen sei. Sie gehöre demnach nicht zu
der Kategorie von Personen, für die eine individuelle Garantie einzuholen
sei. Ergänzend sei zu erwähnen, dass das Dekret Nr. 130 vom 21. Oktober
2020 zwischenzeitlich vom italienischen Parlament in ein Gesetz umge-
wandelt worden und am 20. Dezember 2020 in Kraft getreten sei.
S.
Am 20. Januar 2021 stellte die Instruktionsrichterin der Beschwerdeführe-
rin die Vernehmlassung des SEM zu und räumte ihr Gelegenheit zur Ein-
reichung einer Replik ein.
T.
In ihrer Replik vom 28. Januar 2021 entgegnete die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen, sie habe ihren Facebook-Account selbstverständlich ge-
löscht. Der besagte Kontaktaufnahmeversuch zeige aber doch auf, dass
die Frau sie nach wie vor suche und über ein gut organisiertes Netzwerk
verfüge, das international tätig sei. Auch wenn sie nicht mehr über Social
Media erreichbar sei, sei es für den Menschenhandelsring ein Leichtes, sie
aufzuspüren. Umso mehr, als dass sie nach K._ überstellt werden
solle, einem (...) in ltalien. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM
zum Schluss komme, dass sie nicht in die Kategorie der vulnerablen Per-
sonen gehöre, nur weil in den medizinischen Unterlagen der Bedarf einer
lückenlosen Behandlung nicht ausdrücklich erwähnt werde. Aus den Aus-
führungen im Arztbericht vom 2. Dezember 2020, wonach die Behandlung
der (...) mittels (...) erfolgten sollte und im weiteren Verlauf eine (...) ange-
zeigt sei, sei sehr wohl erkennbar, dass eine lückenlose Behandlung not-
wendig sei. Ohne Behandlung würden die (...) in stressigen Situationen
oder durch Trigger immer wieder aktiviert werden. Auch wenn das Dekret
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Nr. 30 vom 21. Oktober 2020 zwischenzeitlich in ein Gesetz umgewandelt
worden und am 20. Dezember 2020 in Kraft getreten sei, sei dennoch un-
klar, wie dieses zukünftig umgesetzt werde. Zwar sei vorgesehen, dass
verbesserte Dienstleistungen in den Asylzentren angeboten würden, aber
es sei fraglich, wann und in welchem Umfang dies der Fall sein werde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des zuständigen Staats prüft das
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SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prü-
fung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des
Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mit-
gliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit
zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8 - 15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, vor der Einreise in die Schweiz
in Italien ein Asylgesuch gestellt zu haben. Das SEM ersuchte die italieni-
schen Behörden am 30. Juli 2020 um Wiederaufnahme der Beschwerde-
führerin gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die italienischen
Behörden stimmten dem Ersuchen am 4. August 2020 in Anwendung der
besagten Bestimmung zu und anerkannten damit ihre Zuständigkeit.
4.2 Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführerin ist somit gege-
ben. Der Wunsch der Beschwerdeführerin um Verbleib in der Schweiz ver-
mag daran nichts zu ändern, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchen-
den kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszu-
wählen (vgl. auch BVGE 2010/40 E. 8.3).
5.
5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
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Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der FK sowie
des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und
kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es
darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die
Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen
Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-
men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen
Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) ergeben.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht denn auch in ständiger Recht-
sprechung davon aus, dass das italienische Asylsystem trotz punktueller
Schwachstellen keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zwei-
ter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil E-962/2019 vom 17. De-
zember 2019 E. 6.3). Unter diesen Umständen ist die Anwendung von
Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin fordert mit ihren Vorbringen, wonach sie in Ita-
lien Opfer von Menschenhandel geworden sei, dort eine Re-Trafficking-
Gefahr bestehe und sie an gesundheitlichen Problemen leide, die Anwen-
dung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der
– das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung
von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311).
6.2 Gemäss der Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO
kann jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
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zuständig ist. Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht
durch Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, SR 142.311 konkretisiert, gemäss dem das
SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln
kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
Der Entscheid über den Selbsteintritt liegt im pflichtgemässen Ermessen
der Behörde. Ein einklagbarer Anspruch auf die Ausübung des Selbstein-
trittsrechts besteht jedoch dann, wenn sich die Überstellung der asylsu-
chenden Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat als unzulässig im
Sinne der EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden, völkerrecht-
lichen Bestimmung erweist. Diesfalls muss die Vorinstanz die Souveräni-
tätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz behandeln (vgl.
BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
6.3 Vorliegend besteht kein Grund zur Annahme, die italienischen Behör-
den, die der Rückübernahme der Beschwerdeführerin ausdrücklich zuge-
stimmt haben, würden ihr den Zugang zum Asyl- respektive einem allfälli-
gen Wiederaufnahmeverfahren unter Einhaltung der Regeln der Verfah-
rensrichtlinie verweigern beziehungsweise in ihrem Fall den Grundsatz des
Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in
dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3
Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die Beschwerdeführerin
vermag auch keine konkreten Anhaltspunkte darzulegen, Italien würde ihr
die aus der Aufnahmerichtlinie zustehenden Lebensbedingungen vorent-
halten.
6.4 Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit in
Italien Opfer von Menschenhandel gewesen sei, lässt sie zwar als vulnera-
bel erscheinen, vermag unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse
aber nicht zur Unzulässigkeit der Überstellung nach Italien zu führen. Es
kann hierzu zunächst auf die entsprechenden Ausführungen des SEM zu
den in Italien geltenden Bestimmungen zum Schutz von Menschenhan-
delsopfern verwiesen werden. Das SEM hat die italienischen Behörden am
30. Juli 2020 bereits darüber informiert, dass die Beschwerdeführerin ein
potentielles Opfer von Menschenhandel sei, und es wird diese – wie es
aufgezeigt hat – vor der Überstellung nochmals ausdrücklich darauf hin-
weisen. Es liegt an der Beschwerdeführerin, den vorinformierten italieni-
schen Behörden dann die erlebte Ausbeutung darzulegen. Es steht ihr
auch jederzeit offen, sich an die zuständigen italienischen Behörden zu
wenden, sollte sie sich von Drittpersonen bedroht fühlen. Wie das SEM
zutreffend aufgezeigt hat, verfügt Italien generell über eine funktionierende
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Schutzinfrastruktur und darüber hinaus über spezifische Mechanismen
zum Schutz potentieller Opfer von Menschenhandel, und es liegen keine
Hinweise vor, wonach die zuständigen italienischen Organe der Beschwer-
deführerin den erforderlichen Schutz oder eine Anzeigeerstattung verwei-
gern würden. Dass sich die Beschwerdeführerin, die ihren Angaben zu-
folge im italienischen Asylverfahren eine Anwältin zur Seite gehabt habe,
während ihres (...)jährigen Aufenthalts in Italien nie – auch nicht nach dem
Weggang aus J._ und der Flucht aus der Zwangsprostitution im
Jahr (...) – schutzsuchend an die italienischen Behörden oder dortige
NGOs, die sie mit den zuständigen behördlichen Stellen hätten vernetzen
können, gewendet habe, vermag die Schutzfähigkeit und -willigkeit der dor-
tigen Organe nicht in Frage zu stellen. Das von der Beschwerdeführerin
aufgeworfene Risiko eines Re-Trafficking bei einer Rückkehr nach Italien
vermag angesichts des Gesagten denn auch nicht zur Unzulässigkeit der
Überstellung im Sinn der EMRK zu führen. Zu beachten ist schliesslich,
dass es der Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben gelang, sich
vor mehreren Jahren aus der Zwangsprostitution zu lösen, sie in der Folge
in Italien verblieb und im Stande war – offenbar auch dank eines erhebli-
chen Beziehungsnetzes – ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften.
Es liegt sodann, wie gesagt, an der Beschwerdeführerin, sich an die von
den Schweizer Behörden über die Menschenhandelsproblematik vorinfor-
mierten italienischen Behörden zu wenden.
6.5 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, ist darauf hinzuweisen,
dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK
darstellen kann. Eine vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-
kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-
scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-
den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-
res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden
oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde
(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
6.5.1 Laut den aktenkundigen Arztberichten leidet die Beschwerdeführerin
an (...) und (...). Laut dem Bericht der (...) vom 2. Dezember 2020 wird
nach der ersten Stabilisierung eine Behandlung mittels (...) empfohlen, so-
wie im weiteren Verlauf eine (...), Weiterführung der Medikation, Verlaufs-
kontrolle und (...). Gemäss dem Bericht der (...) vom 30. November 2020
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würden bei der Beschwerdeführerin intermittierende Suizidgedanken be-
stehen, gegenwärtig aber ohne solche Absichten oder Pläne.
6.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem bereits erwähnten Re-
ferenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 festgestellt, dass der Zu-
gang für asylsuchende Personen zum italienischen Gesundheitssystem
über die Notversorgung hinaus grundsätzlich gewährleistet ist, auch wenn
es in der Praxis zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann (vgl. Referenz-
urteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E 6.2.7). Strengere Kriterien für
Dublin-Überstellungen nach Italien gelten nur für schwer erkrankte Asylsu-
chende, die sofort nach der Ankunft in Italien auf lückenlose medizinische
Versorgung angewiesen sind. In solchen Fällen wurde das SEM verpflich-
tet, individuelle Zusicherungen betreffend die Gewährleistung der nötigen
medizinischen Versorgung und Unterbringung bei den italienischen Behör-
den einzuholen (vgl. a.a.O. E. 7.4.3).
6.5.3 Die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierten Beeinträchtigungen
vorwiegend psychischer Natur sind nicht als so gravierend einzustufen, als
dass die Beschwerdeführerin im Fall einer Überstellung nach Italien mit
dem Risiko einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustands konfrontiert wäre. Die medikamentöse
Behandlung und psychiatrische Therapierung kann in Italien weitergeführt
werden. Das beschriebene Krankheitsbild vermag eine Unzulässigkeit im
Sinn der restriktiven Rechtsprechung mithin nicht zu rechtfertigen. Auf-
grund des gegenwärtigen Gesundheitszustands kann die Beschwerdefüh-
rerin nicht zur Gruppe besonders verletzlicher Personen im Sinn des be-
sagten Referenzurteils E-962/2019 gezählt werden, womit es keiner indivi-
duellen Zusicherungen der italienischen Behörden bezüglich Unterbrin-
gung und medizinischer Versorgung bedarf. Italien verfügt über eine aus-
reichende medizinische Infrastruktur und der Zugang zum dortigen Ge-
sundheitssystem ist für asylsuchende Personen – wie bereits ausgeführt –
über die Notversorgung hinaus gewährleistet (vgl. a.a.O. E. 6.2.7). Es darf
somit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin adäquate
medizinische Betreuung finden wird. Es liegen keine konkreten Hinweise
vor, wonach Italien ihr diese verweigern würde.
Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen
Verfügung beauftragt sind, werden – wie das SEM dargelegt hat – die ita-
lienischen Behörden bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung über die medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f.
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Dublin-III-VO). Gegebenenfalls kann der Beschwerdeführerin zur Sicher-
stellung einer lückenlosen Behandlung für die erste Zeit eine Reservemedi-
kation mitgegeben werden. Art. 3 EMRK steht somit einer Überstellung der
Beschwerdeführerin nach Italien auch aus gesundheitlichen Gründen nicht
entgegen. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass es sich bei der
COVID-19-Pandemie um ein bloss temporäres Vollzugshindernis handelt,
welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist. Es
versteht sich von selbst, dass die Überstellung erst erfolgen kann, wenn
die Reisebeschränkungen dies zulassen, und dass dannzumal die Reise-
fähigkeit der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der konkreten
Umstände zu beurteilen sein wird.
6.6 Der Vorinstanz kommt bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1
Ermessen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.), und entgegen des Einwands der
Beschwerdeführerin sind den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswid-
rige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch das
SEM zu entnehmen. Das SEM ist der Identifizierungspflicht und den sich
aus dem Übereinkommen vom 16. Mai 2005 zur Bekämpfung des Men-
schenhandels ergebenden Verpflichtungen nachgekommen (Identifizie-
rung der Beschwerdeführerin als potentielles Opfer von Menschenhandel,
Einräumung einer Ruhe- und Bedenkzeit an die Beschwerdeführerin, Mel-
dung des Sachverhalts bei den hiesigen Strafverfolgungsbehörden, Infor-
mierung des zuständigen Dublin-Staats über die Menschenhandelsproble-
matik), es wurden Abklärungen zur physischen und psychischen Gesund-
heit der Beschwerdeführerin vorgenommen (vgl. BVGE 2016/27 E. 9.2),
und das SEM hat bei seinem Entscheid den Umstand, dass die Beschwer-
deführerin in Italien Opfer von Menschenhandel geworden sei, und die da-
raus resultierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen berücksichtigt.
Das Bundesverwaltungsgericht enthält sich unter diesen Umständen wei-
terer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts. Überdies besteht keine
Veranlassung für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an
das SEM zur vollständigen Sachverhaltserstellung.
6.7 Im Lichte der vorstehenden Erwägungen erübrigen sich Weiterungen
in Bezug auf das Gesetzesdekret Nr. 130/2020.
6.8 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Italien der für die
Behandlung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständige Mit-
gliedstaat. An dieser Stelle bleibt nochmals festzuhalten, dass die Dublin-
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III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prü-
fenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.9 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten.
Da die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
6.10 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen
von solchen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
7.
Die Beschwerde ist aufgrund des Gesagten abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr aber die
unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt
wurde, ist von der Kostenerhebung abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist,
dass sie nicht mehr bedürftig wäre.
(Dispositiv nächste Seite)
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