Decision ID: 28a6c307-b432-50f4-821c-8d0c5bb9d9b3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge
Anfang des Jahres 2013. Nach rund zweijährigem Aufenthalt in Italien
reiste die Beschwerdeführerin am 26. April 2015 in die Schweiz ein, wo sie
am Folgetag um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) wurde die Beschwerde-
führerin am 6. Mai 2015 summarisch befragt. Dabei machte sie im Wesent-
lichen geltend, eines Abends von der Al-Shabaab aus dem familieneigenen
(...), das sie geführt habe, entführt worden zu sein. Sie sei während ihrer
siebentägigen Inhaftierung zunächst beschuldigt worden, mit der Regie-
rung zusammenzuarbeiten und eine Informantin derselben zu sein. Später
habe man sie der Unzucht bezichtigt und ihr vorgeworfen, eine Liebesbe-
ziehung mit einem Regierungsvertreter zu haben. Aufgrund dieses
Verstosses gegen die Scharia habe ihr eine Peitschenstrafe gedroht. Am
Vorabend der Auspeitschung sei sie von zwei vermummten Al-Shabaab-
Angehörigen aus ihrer Zelle geführt und von einem von ihnen vergewaltigt
worden. Am Morgen vor der Auspeitschung sei ihr unter dem Vorwand, ihr
Gebet verrichten zu wollen, die Flucht gelungen. Als sie bereits in Äthiopien
gewesen sei, habe sie erfahren, dass ihre Fotografie zu Fahndungs-
zwecken veröffentlicht worden sei.
B.b Abklärungen der Vorinstanz zufolge, die sich auf die Aussagen der Be-
schwerdeführerin anlässlich der BzP stützten, verfügte diese in Italien über
einen subsidiären Schutzstatus.
C.
Mit Verfügung vom 25. August 2016 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und
ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin und ihres damals einzi-
gen Kindes aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, unter An-
drohung der zwangsweisen Rückführung nach Italien.
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D.
Gemäss Mitteilung der zuständigen kantonalen Behörde vom 20. Dezem-
ber 2016 galten die Beschwerdeführerin und ihr Kind seit dem 12. Dezem-
ber 2016 als verschwunden.
II.
E.
E.a Mit einem als "Gesuch um Wiedererwägung oder 2. Asylgesuch" be-
zeichneten Schreiben gelangten die Beschwerdeführenden am 22. Juni
2017 an die Vorinstanz. Darin beantragten sie die Aufhebung der Verfü-
gung vom 25. August 2016 im Wegweisungspunkt und die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme, eventualiter die vollumfängliche Aufhebung der Ver-
fügung und die Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz, eventua-
liter die Qualifikation der Eingabe als zweites Asylgesuch und die Durch-
führung des Asylverfahrens in der Schweiz.
E.b Diese Eingabe begründeten die Beschwerdeführenden im Wesentli-
chen mit den prekären Lebensbedingungen, die sie nach ihrer freiwilligen
Rückkehr nach Italien am 5. Dezember 2016 dort trotz subsidiärem Schutz-
status vorgefunden hätten.
F.
Mit Schreiben vom 10. Juli 2019 informierte die Vorinstanz die Beschwer-
deführenden über die Beendigung des Rückübernahme-Verfahrens und
die Durchführung des nationalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens.
G.
G.a Am 11. Oktober 2019 wurde die Beschwerdeführerin eingehend zu ih-
ren Asylgründen angehört. Dabei machte sie im Wesentlichen Folgendes
geltend:
Sie habe nach ihrem Schulbesuch ab 2010 in Beled Hawo das familien-
eigene (...) geführt. In der Folge habe sie eine aussereheliche
Beziehung mit dem verheirateten Regierungsmitarbeiter D._, der
oft das (...) besucht habe, aufgenommen. 2012 habe sie diesem Mann mit-
geteilt, dass sie dieses Verhältnis nicht länger weiterführen wolle, worauf-
hin dieser ihr gedroht habe, die Beziehung publik zu machen und insbe-
sondere auch die Al-Shabaab darüber zu informieren. Im Dezember 2012
sei sie von der Al-Shabaab aus dem (...) entführt und eine Woche lang
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gefangen gehalten worden. Während ihrer Inhaftierung sei sie mehrmals
vergewaltigt worden. Unter dem Vorwand, ihr Gebet verrichten zu wollen,
sei ihr am Morgen vor der ihr drohenden Auspeitschung die Flucht gelun-
gen. Zwei Tage nach ihrem Entkommen sei D._ von der Al-Shabaab
umgebracht worden. Nach ihrer Ausreise habe sie erfahren, dass auf sie
ein Kopfgeld ausgesetzt und ihr Foto zur Fahndung ausgeschrieben
worden sei. Die Familie von D._ habe nach ihrer Ausreise ihre Fa-
milie angegriffen und im Jahr 2014 deren Haus niedergebrannt.
Im November 2014 habe sie in E._ einen somalischen Staatsange-
hörigen religiös geheiratet. Dieser sei auch der Vater ihrer beiden Kinder,
verfüge in Italien über einen subsidiären Schutzstatus und halte sich in Ita-
lien und Frankreich auf.
G.b Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin
eine Bestätigung der somalischen Vertretung in der Schweiz über ihre so-
malische Staatszugehörigkeit sowie eine Bestätigung derselben Vertretung
mit der Bezeichnung "Attestation de passeport" zu den Akten (beides im
Original). Zudem reichte sie eine Kopie des somalischen Reisepasses ih-
res Ehemannes sowie eine Kopie seiner Aufenthaltsbewilligung für Italien
ein.
H.
Mit Verfügung vom 24. April 2020 – am 27. April 2020 eröffnet – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, wies ihr
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei
es den Wegweisungsvollzug infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufschob.
I.
Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe an das Bundesverwal-
tungsgericht vom 26. Mai 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ver-
fügung. Sie beantragten darin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Asylgewährung unter Anerkennung ihrer Flüchtlingseigen-
schaft. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
J.
Am 5. Juni bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Be-
schwerde.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen. Sowohl die
aussereheliche Beziehung mit D._ als auch die Auseinanderset-
zung ihrer Familie mit seinen Angehörigen nach seinem Tod und die mehr-
maligen Vergewaltigungen habe die Beschwerdeführerin erst anlässlich
der Anhörung vorgebracht, weshalb diese als nachgeschoben zu qualifi-
zieren seien. Unstimmigkeiten in Bezug auf ihre Biografie und Herkunft
würden überdies den Eindruck erwecken, sie versuche, die wahren dies-
bezüglichen Umstände zu verschleiern. Die Schilderungen bezüglich des
Ablaufs der Entführung und der Inhaftierung würden entscheidende Wider-
sprüche aufweisen. Ihr Vorbringen, wonach ihr die Flucht unter dem Vor-
wand gelungen sei, das Morgengebet verrichten zu wollen, widerspreche
der Handlungslogik. Überdies seien die Schilderungen der Beschwerde-
führerin vielerorts unsubstanziiert und ausweichend gewesen.
5.2 Die Beschwerdeführenden führen zur Begründung ihres Rechtsmittels
im Wesentlichen aus, während der BzP sei die Beschwerdeführerin krank,
traumatisiert sowie verwirrt gewesen und habe unter starken Kopfschmer-
zen gelitten. Dies erkläre die bisweilen unvollständigen und widersprüchli-
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chen Angaben in Bezug auf ihre Biografie und Herkunft. Traumatische Er-
eignisse, wie etwa die geltend gemachte Inhaftierung und die Vergewalti-
gungen, hätten sich auf ihr Aussageverhalten ausgewirkt, was bei der Be-
urteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen berücksichtigt werden
müsse. Hinsichtlich der ausserehelichen Beziehung habe sie bereits zu
Beginn der Anhörung darauf hingewiesen, in der BzP aus Angst nicht über
alle ihre Probleme gesprochen zu haben. Überdies sei der Übersetzer ein
Mann gewesen, weshalb sie sich geschämt habe, über die aussereheliche
Beziehung und die Vergewaltigungen zu berichten. Die besonders strikte
Haltung der Al-Shabaab gegenüber dem islamischen Glauben – und somit
die Seriosität, welche die anwesenden Wachen dem Gebet entgegen-
gebracht hätten – sei bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Flucht
aus dem Gefängnis zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund seien ihre
Vorbringen insgesamt glaubhaft, womit sie vor ihrer Ausreise Opfer einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung geworden sei und sie somit wei-
terhin begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung habe. Überdies wäre
sie in ihrem Heimatland ohne männliche Familienmitglieder exponiert und
ihr Gefährdungsprofil werde dadurch geschärft, dass ihr Vater aufgrund
seiner früheren Tätigkeit für die Regierung von der Al-Shabaab inhaftiert
und gefoltert worden und im Gefängnis verstorben sei.
6.
6.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten der Beschwerdeführenden kommt das
Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Die
Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen den Erwägungen des
SEM letztlich nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Somit kann vorab auf
die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden.
6.2 Ergänzend hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest:
6.2.1 Die Beschwerdeführerin machte anlässlich der BzP und der Anhö-
rung unterschiedliche Angaben darüber, was ihr seitens der Al-Shabaab
vorgeworfen worden sei. Während der BzP gab die Beschwerdeführerin
zunächst zu Protokoll, man habe ihr die Zusammenarbeit mit der Regie-
rung vorgeworfen und sie beschuldigt eine Informantin zu sein. Im Laufe
ihrer einwöchigen Inhaftierung sei die Al-Shabaab von diesem Vorwurf ab-
gewichen und habe ihr Unzucht vorgeworfen und eine Liebesbeziehung
"mit Regierungsvertretern" (vgl. act. A8/17 7.01) unterstellt, ohne diesen
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Vorwurf näher zu konkretisieren oder eine tatsächliche aussereheliche Be-
ziehung – wie sie bei der Anhörung vorgebracht wird – geltend zu machen
(vgl. a.a.O. S. 12 f.). Demgegenüber findet der angeblich ursprüngliche
Vorwurf der Regierungszusammenarbeit während der Anhörung keine Er-
wähnung.
6.2.2 Vor diesem Hintergrund vermag der Einwand der Beschwerdeführe-
rin, sich aufgrund des männlichen Dolmetschers während der BzP nicht
getraut beziehungsweise sich geschämt zu haben, über die aussereheli-
che Beziehung (und die mehrfachen Vergewaltigungen) zu berichten, nicht
zu überzeugen (vgl. act. B15/27 F259 und Beschwerde S. 4). Obwohl der-
artige Scham- oder Angstreaktionen in Bezug auf geschlechterspezifische
Vorbringen und die personelle Zusammensetzung des Befragungsteams
nicht grundsätzlich in Abrede zu stellen sind, ergibt sich die Unglaubhaf-
tigkeit des diesbezüglichen Vorbringens vorliegend nicht allein aus dem
nachgeschobenen Charakter der ausserehelichen Beziehung. Vielmehr ist
es die unterschiedliche Darstellung hinsichtlich der anfänglichen Vorhalte
der Al-Shabaab gegen die Beschwerdeführerin, die erhebliche Zweifel an
diesem Vorbringen aufkommen lässt. So erwähnt die Beschwerdeführerin
im Rahmen der Anhörung nicht – wie noch in der BzP dargetan – dass die
Al-Shabaab zunächst Details zu ihrer geheimen Tätigkeit als Informantin
der Regierung habe in Erfahrung bringen wollen und erst im weiteren Ver-
lauf ihrer Inhaftierung auf den Vorwurf der Unzucht umgeschwenkt sei. Je-
doch ist der Sachverhalt, der in den Augen der Al-Shabaab zu ihrer Entfüh-
rung respektive Inhaftierung geführt haben soll, von zentraler Bedeutung
und diesbezügliche Abweichungen in den Schilderungen der Beschwerde-
führerin wiegen entsprechend schwer.
6.2.3 Die zwischen BzP und Anhörung unterschiedlich dargestellten Vor-
bringen lassen sich – wie bereits dargelegt – weder durch das Geschlecht
des Übersetzers bei der BzP noch durch den Einwand auf Beschwerde-
ebene erklären, die Beschwerdeführerin sei während der BzP krank gewe-
sen (vgl. Beschwerde S. 2 f.). Dieses Vorbringen findet zudem im Protokoll
insofern keine Stütze als die Beschwerdeführerin bei dieser ersten Befra-
gung auf die Frage nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen antwortete:
"Ich bin gesund." (vgl. act. A8/17 8.02; allerdings reagierte sie auf die An-
kündigung, dass ihrem Wunsch, dem Aufenthaltsort ihrer Cousine zugeteilt
zu werden, eventuell nicht entsprochen werden könne, mit den Worten "Ich
bin traumatisiert, verwirrt. Ich brauche meine Cousine." [vgl. a.a.O. 9.01]).
Ebenfalls keine hinreichende Erklärung ergibt sich aus der Aussage der
Beschwerdeführerin zu Beginn der Anhörung, wonach sie bei der ersten
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Befragung nicht alle ihre Probleme habe darlegen können (vgl. act. B15/27
F2 f.). Wie aus den obenstehenden Erwägungen hervorgeht, können die
Aussagen im Rahmen der Anhörung nicht bloss als Ergänzungen zu den-
jenigen in der BzP verstanden werden, sondern stehen diesen vielmehr
unvereinbar gegenüber. Insofern wird der entsprechende Hinweis der Be-
schwerdeführerin entkräftet und er vermag die Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit der Schilderungen nicht auszuräumen. Ferner führt auch der pau-
schale Hinweis in der Beschwerde, der Beschwerdeführerin sei "auch Zu-
sammenarbeit mit der Regierung vorgeworfen" worden, nicht zu einer an-
deren Einschätzung (vgl. Beschwerde S. 2 und S. 5).
6.3 Ebenfalls widersprüchlich fielen im Rahmen der Anhörung die Angaben
zum eigentlichen Entführungshergang durch die Al-Shabaab aus. Zu-
nächst gab die Beschwerdeführerin an, sich zum Zeitpunkt ihrer Entfüh-
rung aus dem (...) gemeinsam mit D._ dort aufgehalten zu haben
(vgl. act. B15/27 F106: "Eines Abends war ich in meinem (...). Dieser Mann
war auch da. Plötzlich kamen die Al-Shabaab."). Im weiteren Verlauf der
Anhörung gab sie auf Nachfrage zu Protokoll, alleine im (...) gewesen zu
sein (vgl. act. B15/27 F133 und F257 f.). Auf diesen Widerspruch ange-
sprochen erklärte die Beschwerdeführerin, allein gewesen zu sein und ge-
meint zu haben "dass sie uns gesehen haben" (vgl. act. B15/27 F257). In
der Beschwerdeschrift konkretisierte sie diese Aussage dahin-gehend, die
Al-Shabaab müsse sie und D._ an einem anderen Abend vor der
Entführung zusammen im (...) gesehen haben, weshalb sie die ausserehe-
liche Beziehung zwischen ihnen vermutet haben müsse. Dieser Erklä-
rungsversuch überzeugt indes nicht. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb
die Beschwerdeführerin mit ihrer Aussage "Dieser Mann war auch da.
Plötzlich kam die Al-Shabaab." gemeint haben soll, der Mann sei an einem
anderen Abend als demjenigen der angeblichen Entführung zugegen ge-
wesen.
6.4 Hinsichtlich der geltend gemachten ausserehelichen Beziehung fallen
die Aussagen der Beschwerdeführerin – wie von der Vorinstanz zutreffend
festgestellt – vage und oberflächlich aus. Mitunter erscheint nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb D._ ihr gedroht haben soll, die Al-Shabaab über
die aussereheliche Beziehung zu informieren, wenn sie diese nicht weiter-
führe (vgl. act. B15/27 F120). Als verheirateter Mann hätte er sich ebenso
wie sie einer Straftat im Sinn der Scharia schuldig gemacht, weshalb nicht
logisch erscheint, dass er sich selbst vor der Al-Shabaab belasten würde,
um ihr zu schaden. Dieser Eindruck verstärkt sich vor dem Hintergrund,
dass die Beschwerdeführerin denn auch angibt, D._ sei aufgrund
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der ausserehelichen Beziehung schliesslich von der Al-Shabaab umge-
bracht worden (vgl. act. B15/27 F106). In den Aussagen der Beschwerde-
führerin finden sich keine Hinweise auf konkrete Vorsichtsmassnahmen zur
Geheimhaltung dieser angeblichen ausserehelichen Treffen. Im Lichte die-
ser Bedrohung durch die Al-Shabaab vermag der pauschale Einwand auf
die Frage nach konkreten Sicherheitsvorkehrungen, sie hätten "das ge-
heim halten. Er kam mit dem Auto und brachte mich in sein Haus.", nicht
zu überzeugen (vgl. act. B15/27 F116).
6.5 Ebenfalls als der Handlungslogik zuwiderlaufend zeigt sich – wie von
der Vorinstanz bereits zutreffend festgestellt – die Schilderung der Flucht
der Beschwerdeführerin unter dem Vorwand, das morgendliche Gebet
verrichten zu wollen. Auch vor dem Hintergrund der in der Beschwerde
thematisierten gesteigerten Religiosität der Al-Shabaab-Angehörigen wird
nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin kurz vor ihrer Aus-
peitschung unbewacht das Gefängnisgelände hätte durchstreifen können.
Ihre diesbezüglichen Aussagen blieben insgesamt oberflächlich und erwe-
cken nicht den Eindruck, sie gebe persönliche Erlebnisse wieder.
6.6 Aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin ergeben sich weitere
Ungereimtheiten, wobei bezüglich dieser Unglaubhaftigkeitselemente
(etwa hinsichtlich ihres Schulbesuchs oder dem Zeitpunkt der Festnahme
des Vaters) auf die Argumentation der Vorinstanz zu verweisen ist. Insge-
samt ist jedoch festzuhalten, dass diese Unstimmigkeiten in den protokol-
lierten Aussagen der Beschwerdeführerin ihrer persönlichen Glaubwürdig-
keit abträglich sind.
6.7 Soweit die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene geltend macht,
als alleinstehende Frau im Falle einer Rückkehr flüchtlingsrelevante Ver-
folgung zu befürchten, ist Folgendes festzuhalten: Aufgrund des unglaub-
haften Kerns der Sachverhaltsdarstellung ist nicht davon auszugehen,
dass die erweiterte Verwandtschaft sie aufgrund einer ausserehelichen Be-
ziehung verstossen hat (vgl. act. B15/27 F231 ff.). Die Mutter und ihr mitt-
lerweile volljähriger Bruder leben, den Aussagen der Beschwerdeführerin
zufolge, mittlerweile im Heimatdorf der Mutter (vgl. act. B15/27 F29). Vor
dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit des Verstosses der erweiterten Fa-
milie kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin sich
im Falle einer – angesichts ihrer vorläufigen Aufnahme gänzlich hypotheti-
schen – Rückkehr unter den Schutz ihres erwachsenen Bruders stellen
könnte (vgl. BVGE 2014/27 E. 5.4).
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Seite 11
6.8 Was die in der Beschwerde thematisierten gesundheitlichen (psychi-
schen) Aspekte anbelangt (vgl. Beschwerde S. 2 f.), ergibt sich aus den
Akten Folgendes:
6.8.1 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu einer Wegweisung nach
Italien liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 4. Juni 2015 ausfüh-
ren sie sei im (...) Monat schwanger und es gehe ihr "psychisch schlecht"
(vgl. act. A20/4 S. 1) In der Folge wurde ein Arztbericht der F._ vom
7. Juli 2015 eingereicht, in welchem bei ihr eine leicht- bis mittelgradige
depressive Episode (F32.1 nach ICD-10) diagnostiziert und überdies fest-
gestellt wurde, die Verdachtsprognose einer Posttraumatischen Belas-
tungsstörung habe nicht bestätigt werden können (vgl. act. A21/5 S. 4). In
einem Arztzeugnis der F._ vom 22. August 2016 wurden "ausge-
prägte[...] Schlafstörungen im Rahmen einer Depression" thematisiert (vgl.
A34/2 S. 2).
6.8.2 Nach der Wiedereinreise in die Schweiz reichte die Beschwerdefüh-
rerin den Kurzbericht eines Facharztes FMH für Lungenkrankheiten und
Innere Medizin vom 21. Juni 2017 zu den Akten, in welchem unter anderem
die Verdachtsdiagnose einer "postpartalen Depression 11/2015" gestellt
wurde (vgl. B1/16 Beilage 7).
6.8.3 In der Beschwerde vom 26. Mai 2020 wird ausgeführt, aktuell leide
die Beschwerdeführerin noch unter Schlafstörungen und sei deswegen bei
ihrem Hausarzt in Behandlung (der hierzu noch einen aktuellen Bericht ein-
reichen werde).
6.8.4 Bei dieser Aktenlage ist einerseits festzustellen, dass die früher diag-
nostizierten Gesundheitsbeschwerden offenkundig nicht geeignet sind, die
vielen klaren Unglaubhaftigkeitsindizien plausibel zu erklären. Andererseits
gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin im Falle
einer Rückkehr aufgrund einer besonderen Vulnerabilität asylrelevante ge-
schlechtsspezifische Verfolgung zu befürchten hätte (vgl. Beschwerde
S. 6 ff.). Die Nachreichung des angekündigten Arztzeugnisses braucht
unter diesen Umständen nicht abgewartet zu werden.
6.9 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass die
Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
verneint und ihr Asylgesuch abgewiesen hat.
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Seite 12
7.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solche. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 24. April 2020 die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufigen Aufnah-
men der Beschwerdeführenden angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-
mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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