Decision ID: 278f7b4b-583e-52eb-a7ac-87b4baa2c67f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 11. Dezember 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 20. Januar 2021 wurde er dem erweiterten Verfahren zuge-
wiesen.
Anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom 16. Dezember 2020 und
der Anhörung vom 12. Januar 2021 machte er im Wesentlichen Folgendes
geltend:
Er sei türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und in B._
geboren, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Er habe ein Jahr lang
an der Universität (...) studiert, das Studium aber nicht abgeschlossen.
Während sowie nach Abbruch des Studiums habe er als (...) in einem (...)
und als (...) in einem (...) gearbeitet. Im August beziehungsweise Septem-
ber 2019 sei ihm auf dem Heimweg von der Arbeit ein Fahrzeug entgegen-
gekommen. Zwei Polizisten in Zivil seien ausgestiegen und hätten nach
ihm gerufen. Sie hätten von ihm seine Identitätskarte sowie sein Mobiltele-
fon verlangt und hätten dieses durchsucht. Dann hätten sie von ihm ver-
langt, dass er in seinem Quartier für sie spioniere und ihnen mitteile, wer
zur FETÖ (Fethullahçı Terör Örgütü) gehöre, wer die PKK (Partiya
Karkerên Kurdistan, Arbeiterpartei Kurdistans) unterstütze oder die Regie-
rung kritisiere. Er habe darauf geantwortet, dass er keine Ahnung habe und
nicht spionieren könne. Daraufhin hätten sie ihm seine Identitätskarte zu-
rückgegeben und ihn gehen lassen. Die Polizisten hätten insgesamt rund
sechs bis sieben Male versucht, ihn als Spitzel für sich zu gewinnen. Einige
Zeit nach dem ersten Vorfall sei er wieder von der Polizei angehalten wor-
den und man habe ihm denselben Auftrag erteilen wollen. Er habe ihn er-
neut abgelehnt mit der Begründung, er lebe zurückgezogen und könne
deshalb die gewünschte Arbeit nicht erledigen. Eines Abends sei er wieder
angehalten worden. An diesem Abend sei er bedroht worden und die Poli-
zisten hätten ihn geschlagen. Aus Furcht habe er während den darauffol-
genden 15 Tagen das Haus nicht mehr verlassen. Als er im Dezember 2019
oder Januar 2020 wieder nach draussen gegangen sei, seien die Polizisten
wieder erschienen. Ein Polizist habe ihm seine Waffe gezeigt und ihn be-
droht. Er (der Beschwerdeführer) habe erwidert, dass er darüber nachden-
ken und in zehn bis 15 Tagen auf sie zukommen werde. Daraufhin habe er
sich aus Furcht vor weiteren Behelligungen zur Ausreise entschieden und
begonnen, diese zu organisieren. Die darauffolgenden zwei Wochen habe
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er bei einem Freund in einem anderen Quartier von B._ verbracht,
bis der Fluchthelfer bereit gewesen sei, mit ihm auszureisen.
Zwei seiner Tanten würden in der Schweiz leben. Als seine Mutter ein Kind
gewesen sei, habe seine Familie in C._ den Druck der Polizei und
Folter erlebt. Seine inzwischen verstorbenen Grosseltern hätten in
D._ politisches Asyl erhalten. Er vermute deshalb, dass seine Fa-
milie fichiert sei und dies der Grund sei, weshalb er als Spitzel ausgewählt
worden sei.
Als Identitätsnachweise legte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte,
seinen Führerschein (jeweils im Original) sowie die Kopie seines Passes
ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 – gleichentags eröffnet – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der
Schweiz und den Wegweisungsvollzug.
C.
Die von Amtes wegen zugewiesene Rechtsvertretung legte ihr Mandat mit
Schreiben vom 1. Februar 2021 nieder.
D.
Gegen die Verfügung vom 29. Januar 2021 erhob der Beschwerdeführer
am 1. März 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei fest-
zustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und un-
möglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde, um unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung der
rubrizierten Rechtsanwältin als amtliche Rechtsbeiständin.
Mit der Beschwerde wurden unter anderem zwei (...) Medienberichte über
einen türkischen Staatsangehörigen zu den Akten gereicht, (...).
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E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
2. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer äussert in der Beschwerdeschrift den Einwand,
er sei aufgrund der traumatisierenden Ereignisse auf der Flucht zum Zeit-
punkt der Anhörung nicht vernehmungsfähig gewesen. Sein psychischer
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Zustand sei damals noch nicht einmal ansatzweise ärztlich beurteilt gewe-
sen. Er habe sich zudem nicht frei äussern können, zumal die Befragung
durch den Sachbearbeiter des SEM dominiert und in entsprechende Bah-
nen geführt worden sei. An dessen Befragungsart lasse sich erkennen,
dass er darauf abgezielt habe, den Beschwerdeführer zu verunsichern und
in Erklärungsnot zu bringen. Damit rügt er sinngemäss eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs sowie des Untersuchungsgrundsatzes. Diese formellen
Rügen sind vorab zu behandeln, da deren Gutheissung gegebenenfalls
geeignet sind, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.
m.w.H.).
4.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs
wird für das Verwaltungsverfahren in Art. 26–33 VwVG konkretisiert. Dem
verfassungsmässigen Grundsatz des rechtlichen Gehörs erwachsen be-
hördliche Pflichten, wie insbesondere die Untersuchungspflicht. Das AsylG
als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfahren besondere Verfah-
rensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG).
Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und vollstän-
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung der
für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich re-
levanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Beweis-
führung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn
die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sach-
verhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un-
recht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht
alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wur-
den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). Im Asylverfahren wird
der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit Art. 8
AsylG beschränkt, weil diese Bestimmungen im Asylverfahren eine Mitwir-
kungspflicht der asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung ver-
langen.
Die in der Beschwerdeschrift erhobene Behauptung, der Beschwerdefüh-
rer sei zum Zeitpunkt der Anhörung nicht vernehmungsfähig gewesen, fin-
det in den Akten keinen Niederschlag. Der an der Anhörung anwesende
von Amtes wegen zugewiesene Rechtsvertreter hat keine solchen Beden-
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ken geäussert. Dem Anhörungsprotokoll sind sodann auch keine Anhalts-
punkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer den Fragen nicht
folgen konnte. Im Gegenteil zeugt seine sich über zwei Protokollseiten er-
streckende freie Rede, in der er chronologisch und ohne Unterbrüche seine
Vorbringen wiedergibt, von einer hohen Konzentration während einer lan-
gen Zeitspanne. Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Einvernahmefä-
higkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Anhörung liegen nicht vor,
weshalb der Befrager auch nicht gezwungen war, dieser Frage nachzuge-
hen. Der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers stand zum Zeit-
punkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung fest und gab zu keinen
weiteren medizinischen Abklärungen Anlass. Eine Verletzung der Untersu-
chungspflicht ist damit nicht ersichtlich. Den gesundheitlichen Problemen
des Beschwerdeführers wurde sodann im Rahmen der Prüfung des Weg-
weisungsvollzugs Rechnung getragen (vgl. Ziffer III 2.2 der angefochtenen
Verfügung).
Auch im Umstand, dass der Befrager nicht nach den Vorkommnissen in
den (...) fragte, liegt keine Verletzung der Untersuchungspflicht, zumal
diese nicht das Heimatland des Beschwerdeführers betreffen und somit
flüchtlingsrechtlich nicht relevant sind.
Ferner geht aus den Akten nicht hervor, dass der Befrager den Beschwer-
deführer in Erklärungsnot hätte bringen wollen. Der Sachbearbeiter hat
mehrmals versucht, vom Beschwerdeführer mehr Details zu seinen Vor-
bringen zu erfahren, indem er ihn insbesondere aufforderte, weitere Ele-
mente zu nennen, Fragen teilweise umformulierte und sich nach Gedan-
kengängen oder Gefühlsregungen erkundigte (vgl. SEM-Akten 1083449-
17/23 [nachfolgend: A17/23] F92, F99–100, F130, F144, F147, F149–150).
Ein solches Vorgehen ist nicht zu beanstanden, bezweckt doch die Anhö-
rung eine möglichst umfassende Ermittlung des rechtserheblichen Sach-
verhalts, welcher dem Asylentscheid zugrunde gelegt wird.
In Bezug auf den Einwand, der Beschwerdeführer sei nicht anwaltlich ver-
treten gewesen, ist festzuhalten, dass gemäss Art. 102i Abs. 4 AsylG auch
Personen mit universitärem juristischem Hochschulabschluss, die sich be-
ruflich mit der Beratung und Vertretung von Asylsuchenden befassen, zur
Rechtsvertretung im Asylverfahren zugelassen sind. Es wäre dem Be-
schwerdeführer indessen unbenommen gewesen, bereits zu Beginn sei-
nes Asylverfahrens einen Anwalt beizuziehen.
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Schliesslich findet auch die Behauptung in der Beschwerdeschrift, der Be-
schwerdeführer sei nicht über seine Rechte und Pflichten informiert wor-
den, keine Stütze in den Akten. Sowohl bei der Personalienaufnahme als
auch bei der Anhörung wurde der Beschwerdeführer einleitend über seine
Rechte und Pflichten informiert und er hat beide Male bestätigt, sämtliche
Punkte in der Einleitung verstanden zu haben beziehungsweise über seine
Rechte und Pflichten informiert zu sein (vgl. S. 2 des Protokolls der Perso-
nalienaufnahme und A17/23 F2).
4.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweisen sich die formellen
Rügen insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht,
die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Das Gericht hat folglich in der Sache zu entscheiden
(Art. 61 Abs. 1 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts beinhaltet die
Glaubhaftigkeitsprüfung eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Überein-
stimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit
und Plausibilität der Angaben sowie persönliche Glaubwürdigkeit, wobei
die Sachverhaltsdarstellung nur glaubhaft sein kann, wenn die positiven
Elemente überwiegen [vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.]). Grund-
sätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert,
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in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde-
rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der
inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei-
nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende
Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht
der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be-
weismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie
wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des
Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwir-
kung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum
strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum
für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers.
Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von
ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält,
obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht
es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich
ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.
6.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids führt die Vorinstanz
aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft. Während
er die polizeilichen Anhaltungen über knapp zwei Protokollseiten in freier
Rede dargelegt habe, seien seine Antworten zu vertiefenden Fragen zu
diesen Vorfällen allgemeingültig und undifferenziert geblieben. In seiner
Aussageweise habe sich demnach ein Strukturbruch ergeben. Die Be-
schreibung der Polizisten sei stereotyp und allgemeingültig ausgefallen. Er
habe die einzelnen Zusammentreffen nicht zeitlich einordnen können, son-
dern nur erwähnt, dass die Zeitabstände unterschiedlich – von einer Wo-
che, zehn Tagen, bis zu einem Monat – gewesen seien. Auf die Frage, wo-
ran er erkannt habe, dass es sich bei den Verfolgern um Polizeibeamte
gehandelt habe, habe er lediglich erwidert, dass diese Funkgeräte gehabt
hätten und bewaffnet gewesen seien. Seinen Aussagen habe es an indivi-
dualisierten Anhaltspunkten gefehlt, welche seine persönliche Betroffen-
heit zum Ausdruck bringen würden. Er habe auch nicht angeben können,
von welcher Einheit die Polizisten gewesen seien. Seine diesbezügliche
Erklärung, er habe dies nicht fragen können, weil die Türkei ein Polizeistaat
sei, sei als Schutzbehauptung zu werten. Er habe nämlich gleichzeitig aus-
gesagt, nach dem Grund gefragt zu haben, weshalb ausgerechnet er für
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die Spitzelarbeit ausgewählt worden sei. Es sei vor diesem Hintergrund
nicht nachvollziehbar, dass er sich nicht auch nach der Einheit erkundigt
habe. Auf die Frage, weshalb er die zwei Wochen vor seiner Ausreise aus-
gerechnet bei seinem in B._ wohnhaften Freund verbracht habe,
habe er auf eine oberflächliche Art geantwortet. Aufgrund seiner geltend
gemachten Furcht sei zu erwarten gewesen, dass er seinen Aufenthaltsort
für den Zeitraum bis zur Ausreise sorgfältig ausgewählt hätte und spontan
sowie ausführlich über die Beweggründe berichten könnte. Seine vorge-
brachte Verfolgung habe lokalen Charakter gehabt und sich auf sein Wohn-
quartier beschränkt. Es erstaune deshalb, dass er keine Vorsichtsmass-
nahmen getroffen habe, indem er beispielsweise das entsprechende Quar-
tier gemieden hätte. Seine diesbezüglichen Aussagen enthielten keine Ge-
fühlsregungen. Erst, als die Polizisten ihn zusammengeschlagen hätten,
habe er Angst bekommen. Vor diesem Hintergrund sei nicht stichhaltig,
dass er nach diesem Vorfall immer noch zu Hause geblieben sei, obwohl
die Polizei seine Adresse gekannt habe. Er habe keine weiteren Nachfor-
schungen bezüglich der Beweggründe der Polizei, ihn zum Spion zu ver-
pflichten, und betreffend allfällige gegen ihn laufende Verfahren getätigt.
Angesichts dessen mute es befremdend an, dass er sogleich die drasti-
sche Massnahme der Ausreise gewählt habe. Bei derartig vielen Anhaltun-
gen wäre ein grosses Behördeninteresse vorauszusetzen, weshalb nicht
nachvollziehbar sei, dass die Beamten ihn immer wieder hätten gehen las-
sen. Angesichts des gut dotierten Sicherheitsapparats und Geheimdiens-
tes in der Türkei sei davon auszugehen, dass die Behörden ihn bei seinem
Freund aufgespürt beziehungsweise bei seiner Familie nach ihm gesucht
hätten. Die geltend gemachten Vorfälle, welche seine Familie in C._
erlebt habe, würden lange zurückliegen, womit sie keinen Kausalzusam-
menhang mit seiner Ausreise aufweisen würden. Die vorgebrachte in
D._ festgestellte Flüchtlingseigenschaft seiner Grosseltern stehe
ebenfalls in keinem Zusammenhang mit seinen Vorbringen. Dasselbe gelte
für die geltend gemachten Asylgründe seiner Tanten, welche in der
Schweiz lebten. Schliesslich sei er weder politisch aktiv noch inhaftiert ge-
wesen. Dementsprechend lasse sich auch nichts aus seiner oppositionel-
len Einstellung gegen die AKP-Regierung ableiten.
6.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene, er sei
vom Befrager nicht angehalten worden, in Bezug auf die Beschreibung der
Polizisten noch mehr ins Detail zu gehen. Er sei von den genannten Per-
sonen weder gefoltert noch stundenlang festgehalten worden, weshalb
nicht einzusehen sei, dass er sich an mehr hätte erinnern müssen. Bei den
kurzen Anhaltungen habe nicht das Aussehen der Polizisten, sondern das
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Gesagte im Vordergrund gestanden. Es könne von ihm keine umfassende
Analyse betreffend Merkmale verlangt werden, welche einen Polizeibeam-
ten in der Türkei ausmachten. Auf seinem Bildungsniveau müsse die Aus-
sage betreffend Waffen und Funkgeräte genügen, um als Erklärung zu fun-
gieren. Es sei allgemein bekannt, dass die türkischen Polizeibehörden mit
kurdischen Minderheiten nicht zimperlich umgingen. Seine Aussage, er
habe nicht nach der Einheit gefragt, weil die Türkei ein Polizeistaat sei, sei
deshalb keine Schutzbehauptung und im Kontext seiner Herkunftsge-
schichte zu verstehen. Er stamme aus bescheidenen Verhältnissen, wes-
halb es nachvollziehbar sei, dass er weder die Kapazitäten noch die reale
Möglichkeit gehabt habe, das Land innert Kürze zu verlassen. Er sei auf
einen Mittelsmann angewiesen gewesen, welcher ihm einen Flug habe or-
ganisieren können. Er habe ausserhalb von B._ keine greifbaren
Bekanntschaften, weil er ein zurückgezogenes Leben führe. Er habe so-
dann nicht genügend finanzielle Ressourcen gehabt, um sich an einem an-
deren Ort in der Türkei niederzulassen. Zudem habe er nicht auf ein sozi-
ales Netzwerk ausserhalb seines Heimatortes zurückgreifen können, wel-
ches ihm Schutz gewährt hätte. Vor dem Hintergrund der staatlichen Ver-
folgung hätte es ohnehin wenig Sinn gemacht, dass er innerhalb der Türkei
den Wohnort gewechselt hätte. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass er
anfangs angenommen habe, irgendwann wieder in Ruhe gelassen zu wer-
den. Der Ernst der Lage sei ihm erst nach der Gewaltanwendung und den
Drohungen bewusstgeworden. Danach sei er nicht sofort ausgereist, da er
mit den Polizisten eine Überlegungsfrist vereinbart habe und davon ausge-
gangen sei, sie würden ihn bis zum Ablauf derselben in Ruhe lassen. Es
entbehre jeglicher Logik anzunehmen, dass er die Beweggründe einer kor-
rupten Staatsgewalt eruieren könne. Ihm hätte es ohnehin nichts genützt
zu wissen, weshalb er für die Spitzelarbeit ausgewählt worden sei. Er habe
nicht behauptet, dass er von offizieller Seite behördlich verfolgt worden sei
oder dass ein Haftbefehl gegen ihn vorgelegen habe. Das Vorgehen der
Polizei habe vorliegend wohl kaum einen offiziellen Charakter gehabt. Des-
halb sei auch nicht zu befürchten gewesen, dass er am Flughafen direkt
verhaftet worden wäre. Die Gefahr, bei seinem Freund aufgespürt zu wer-
den, stelle er nicht in Abrede. Ein diesbezügliches Risiko hätte aber auch
bestanden, wenn er sich weiter weg in der Türkei versteckt hätte. Zwei sei-
ner näheren Familienmitglieder hätten politisches Asyl erhalten, weshalb
es glaubhaft sei, dass er und seine Familie fichiert seien. Eine politische
Gesinnung werde ihm deshalb aufgrund seiner Familiengeschichte ohne-
hin zugeschrieben, auch wenn er diese nicht offen herausgetragen habe.
Er habe deshalb allen Grund zur Annahme gehabt, dass seine Verfolgung
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mit den Anhaltungen und der Gewaltanwendung gerade erst begonnen
habe.
7.
7.1 Die Vorinstanz ist zur zutreffenden Erkenntnis gelangt, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers unglaubhaft sind. Um Wiederholungen zu
vermeiden, kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.
7.2 Insbesondere ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten,
dass bei einem Vergleich der freien Schilderung der Asylgründe mit den
Antworten auf die darauffolgenden Fragen ein deutlicher Bruch in der Er-
zählstruktur bemerkbar ist. Während er seine Vorbringen in freier Rede
ausführlich darlegt, fällt die Beantwortung der Fragen äusserst knapp aus
(vgl. A17/23 F77, F96, F99–100, F128).
Nicht nachvollziehbar ist die Entscheidung des Beschwerdeführers, nach
der angeblichen Todesdrohung durch die Polizei noch zwei Wochen in
B._ zu verbringen und somit den Ablauf der Überlegungsfrist in
Kauf zu nehmen, welche die Polizeibeamten ihm gewährt hätten. Es wäre
zu erwarten gewesen, dass er sich, nachdem ihm der Ernst der Lage be-
wusst geworden sei, zumindest bis zum Zeitpunkt der Ausreise aus der
Türkei weiter weg von seinem Quartier aufgehalten hätte, anstatt zunächst
zuhause und dann – nach der Todesdrohung – weitere zwei Wochen in
einem anderen Quartier derselben Stadt zu bleiben. Sein Erklärungsver-
such, er lebe zurückgezogen und habe ausserhalb von B._ keine
greifbaren Bekanntschaften, vermag nicht zu überzeugen. Gemäss seinen
Aussagen hat er zwei Tanten, welche an anderen Orten in der Türkei
(E._ und F._) wohnen (vgl. A17/23 F48). Hätte er tatsächlich
befürchtet, dass die Polizisten nach Ablauf der Frist ihre Drohungen in die
Tat umsetzten, wäre zu erwarten gewesen, dass er sich sofort von der
Stadt entfernt hätte, in welcher ihm Schwierigkeiten drohten. Vor allem vor
dem Hintergrund der auf Beschwerdeebene erwähnten bescheidenen Ver-
hältnisse sowie fehlenden Auslandserfahrung wäre ein Umzug innerhalb
des Landes naheliegender gewesen, zumal er nach eigenen Angaben da-
von ausgegangen ist, dass kein Haftbefehl gegen ihn vorliege und die Ver-
folgung keinen offiziellen Charakter habe. Der Umstand, dass er weder im
Haus seiner Eltern noch bei seinem Freund aufgesucht worden ist, stützt
die Einschätzung, dass er keine asylrelevante Verfolgung zu befürchten
hatte.
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7.3 Überdies leuchtet nicht ein, warum die Polizeibeamten gerade den Be-
schwerdeführer als Spitzel auswählen sollten. Gemäss den einschlägigen
Herkunftsländerinformationen stehen für die Ausführung von Spitzelarbei-
ten insbesondere Studierende, Journalisten und Journalistinnen sowie Ak-
tivisten und Aktivistinnen im Visier der Behörden (vgl. Human Rights
Association, IHD special report on testimonies, interviews, forced infor-
mant-making through methods of coercion and threat, and abduction
cases, 16. November 2018, < https://ihd.org.tr/en/ihd-special-report-on-te-
stimonies-interviews-forced-informant-making-through-methods-of-coer-
cion-and-threat-and-abduction-cases/ >, abgerufen am 28. April 2021).
Auch Kurden und Kurdinnen würden teilweise als Spitzel rekrutiert, insbe-
sondere solche mit politisch aktiven Familienmitgliedern (vgl. UK Home
Office, Report of a Home Office Fact-Finding Mission, Turkey: Kurds, the
HDP and the PKK, Oktober 2019, S. 57, < https://assets.publishing.ser-
vice.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/
850840/turkey-ffm-report-2019.pdf >, abgerufen am 28. April 2021). Die
obengenannte Aufzählung der Personengruppen, welche sich in den Au-
gen der türkischen Sicherheitsbehörden im Besonderen als Spitzel eignen,
ist nicht abschliessend. Der Fokus liegt indessen auf Personen mit einem
ausgeprägten Beziehungsnetz, zumal die Behörden mit deren Hilfe versu-
chen, ihr Netzwerk auszubreiten (vgl. UK Home Office, a.a.O., S. 98 ff.).
Der Beschwerdeführer (...) und gibt selbst an, ein zurückgezogenes Leben
geführt zu haben (vgl. SEM-Akten 1083449-11/10 Ziffer 1.17.03; A17/23
F77). Gerade im Hinblick auf seine (...) ist nicht erkennbar, wie er insbe-
sondere PKK-Mitglieder hätte ausfindig machen sollen. Überdies war er
eigenen Angaben zufolge nicht politisch aktiv (vgl. A17/23 F73). Er macht
auch keine politischen Aktivitäten seiner Familie geltend. Aus den Akten
gehen auch sonst keine Anhaltspunkte dafür hervor, dass die türkischen
Behörden irgendein Interesse daran gehabt haben könnten, gerade ihn als
Spitzel zu rekrutieren. Dass er lediglich aufgrund der geltend gemachten
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft seiner Grosseltern beziehungs-
weise des Aufenthalts zwei seiner Tanten in der Schweiz ins Visier der Be-
hörden geraten sein soll, vermag – wie die Vorinstanz zutreffend festhält –
nicht zu überzeugen, zumal er nicht geltend macht, dass sich Letztere op-
positionspolitisch betätigt hätten.
7.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht
abgelehnt.
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8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Auch unter Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-kur-
dischen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwi-
schen der PKK und staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 in ver-
schiedenen Provinzen im Südosten des Landes sowie der Entwicklungen
nach dem Militärputschversuch im Juli 2016 ist gemäss konstanter Praxis
des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer Situation allgemeiner Ge-
walt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in der Türkei – auch nicht
für Angehörige der kurdischen Ethnie – auszugehen (vgl. statt vieler Urteile
des BVGer E-1716/2020 vom 22. April 2020 E. 7.4.1 und E-2182/2020 vom
17. Dezember 2020 E. 12.4.1 je m. H.). Bei G._ handelt es sich
sodann nicht um eine Provinz, bei der die geltende Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts von der generellen Unzumutbarkeit des Voll-
zugs von Wegweisungen ausgeht (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6).
In individueller Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der
Türkei die Schule besucht hat und jahrelang erwerbstätig war (vgl. A17/23
F15–38). Er ist jung und ohne familiäre Verpflichtungen. Verschiedene
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nahe Angehörige leben nach wie vor in seinem Heimatstaat (vgl. a.a.O.
F39–54) und es ist anzunehmen, dass er über ein intaktes familiäres Be-
ziehungsnetz verfügt, welches ihn bei der Wiedereingliederung unterstüt-
zen kann.
Dem ärztlichen Bericht vom 18. Dezember 2020 lässt sich entnehmen,
dass dem Beschwerdeführer (...) (vgl. SEM-Akten 1083449-15/3). Er hat
deshalb (...). Ausserdem leidet er unter einer (...), hat Schlafprobleme,
starke Ängste aufgrund der Flucht und befindet sich in einer posttraumati-
schen Belastungssituation. Vorgesehen seien die Anmeldungen in einer
transkulturellen Sprechstunde und in einer Schmerzsprechstunde sowie
ein Kontrolltermin beim (...). Den Akten sind keine Hinweise dafür zu ent-
nehmen, dass er auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen wäre.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Behandlung psychischer Prob-
leme, wie sie im vorliegenden Fall geltend gemacht werden, in der Türkei
sowohl stationär als auch ambulant möglich ist. Es existieren landesweit
psychiatrische Einrichtungen und es stehen im Bedarfsfall auch moderne
Psychopharmaka zur Verfügung. Insbesondere in türkischen Gross- und
Provinzhauptstädten – darunter B._, wo der Beschwerdeführer sein
ganzes Leben bis zu seiner Ausreise verbracht hat – ist der Zugang zu
Gesundheitsdiensten, Beratungsstellen und Behandlungseinrichtungen für
psychische Erkrankungen gewährleistet (vgl. Referenzurteil E-1948/2018
vom 12. Juni 2018 E. 7.3.5.3 m.w.H.). Auch seine (...) können in der Türkei
ohne weiteres behandelt werden. Es kann somit davon ausgegangen wer-
den, dass der Beschwerdeführer eine allfällig notwendige medizinische Be-
handlung im Heimatstaat ebenfalls erhältlich machen könnte.
Seine Behauptung, seine frühere Einnahmequelle im (...) sei durch die (...)
unwiderruflich erloschen, ist weder belegt noch begründet. Aus den medi-
zinischen Akten geht die in der Beschwerdeschrift behauptete Arbeitsunfä-
higkeit nicht hervor. Abschliessend kann der Beschwerdeführer auf die
Möglichkeit hingewiesen werden, dem SEM bei Bedarf einen Antrag auf
Gewährung medizinischer Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1
Bst. d AsylG und Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
[AsylV 2, SR 142.312]).
Bei dieser Aktenlage ist nicht davon auszugehen, er würde nach einer
Rückkehr in eine existenzbedrohende Lage geraten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
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9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sich die Rechts-
begehren vorliegend nicht als aussichtslos erwiesen haben und aufgrund
der Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art 65
Abs. 1 VwVG) gutzuheissen. Es sind demnach keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen.
11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung ist ebenfalls gutzuheissen (Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG) und dem
Beschwerdeführer ist antragsgemäss die rubrizierte Rechtsvertreterin als
amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen.
Aufgrund der Einsetzung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-
din ist dieser ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die
Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Regle-
ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Bei amtlicher Ver-
tretung geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von
Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte aus (Art. 12 i.V.m.
Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen
ist (Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat für das Beschwerdever-
fahren keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb das Gericht die
auszurichtende Entschädigung von Amtes wegen festsetzt. Gestützt auf
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die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist
das amtliche Honorar auf Fr. 1'300.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer-
zuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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