Decision ID: 6ba16d11-8dfc-4c7d-96cb-c4a3fdcbf2bc
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 4. Juli 2011 erstmals bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Er gab an, an einer phlegmonösen
Entzündung/Erysipel unterhalb des rechten Knies, an den Folgen einer Blutvergiftung
sowie an einem chronischen Lymphödem zu leiden. Er sei zu 100 % als
Geschäftsinhaber seines B._geschäfts tätig und erziele ein Bruttoeinkommen,
welches jedes Jahr variiere (IV-act. 1). Nach vorgenommenen Abklärungen wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren mit Verfügung vom 5. Oktober 2012 ab. Zur Begründung
führte sie aus, dass nach Vornahme des Einkommensvergleichs ein Invaliditätsgrad
von 32 % resultiere (IV-act. 53).
A.a.
Am 6. Mai 2019 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an. Er gab an, seit einem aufgrund eines
Sturzes von der Leiter am 24. November 2018 erlittenen Schädelbruch mit Hirnblutung
beeinträchtigt zu sein. Er sei nach wie vor selbstständiger B._, sein Jahreslohn
betrage Fr. 73'000.-- (IV-act. 54).
A.b.
Der Versicherte war nach dem erwähnten Sturz aus drei Metern Höhe für drei Tage
im Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert. Im Austrittsbericht des Kantonsspitals
St. Gallen, Neurologie, vom 27. November 2018, wurden ein Schädelhirntrauma mit
Kalottenfraktur, eine Beckenkontusion sowie eine Unterschenkelkontusion rechts
diagnostiziert (IV-act. 65-3). Gemäss Verlaufsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom
28. Dezember 2018 zeigte sich in der Folge ein erfreulicher Verlauf und die Behandlung
wurde abgeschlossen (IV-act. 65-7). Dr. med. C._, Facharzt für Oto-Rhino-
Laryngologie, und der behandelnde Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine
A.c.
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Innere Medizin, bestätigten ebenfalls eine Verbesserung des Gesundheitszustands
(Berichte vom 6. März 2019 bzw. 15. November 2019; IV-act. 65-8 und 76). Letzterer
teilte am 24. Mai 2019 mit, der Versicherte sei ab dem 24. November 2018 zu 100 %
und anschliessend vom 1. Januar 2019 bis 30. Juni 2019 zu 75 % arbeitsunfähig
gewesen (IV-act. 65-1).
Nachdem der Versicherte mitteilte, dass er zu 40 % im eigenen Betrieb arbeite,
seine selbständige Tätigkeit als B._ weiterführen wolle und nicht an beruflichen
Massnahmen interessiert sei, teilte die IV-Stelle ihm am 8. Juli 2019 mit, dass kein
Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-act. 68).
A.d.
Nach Einholung diverser Arztberichte hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) in
der Stellungnahme vom 5. März 2020 die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit fest: Schädelhirntrauma am 24. November 2018 mit/bei nicht
dislozierter Kalottenfraktur okzipal, kleine Parenchymblutung temporal rechts, Status
nach Contusio labyrinthi mit Ausfall des Gleichgewichtsorgans rechts (mit Schwindel
und Fallneigung nach rechts) und Anosmie (komplette Erholung im Dezember 2019),
Geschmackstestung vom 19. Februar 2020: 4 von 4 Qualitäten wurden erkannt.
Ausserdem wurden weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
festgestellt. Der RAD stellte fest, dass die Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit
unklar sei, da die behandelnden Ärzte einerseits Einschränkungen für Arbeiten in
grosser Höhe und auf Leitern und oder Gerüsten – wie sie für einen B._ typisch seien
– beschreiben würden, andererseits aber ein hohes körperliches Aktivitätsniveau
festgehalten werde. In leidensadaptierter Tätigkeit bestehe ab sofort
Eingliederungspotential mit einer Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 93).
A.e.
Am 8. September 2020 reichte Dr. D._ einen Verlaufsbericht ein, in welchem er
unter anderem angab, dass die Therapien abgeschlossen seien und der Versicherte mit
Defiziten werde leben müssen. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit verwies er auf seine
vorhergehenden Berichte (IV-act. 102-2 ff.).
A.f.
Mit Stellungnahme vom 15. Oktober 2020 kam der RAD zum Schluss, in einer
adaptierten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei eine geringe
A.g.
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B.
Leistungsminderung durch eventuell leicht verlangsamtes Arbeiten oder gelegentliche
zusätzliche Pausen möglich sei (IV-act. 107).
Auf Grundlage einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in adaptierter Tätigkeit ermittelte
die IV-Stelle anhand eines Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 15 % und
stellte mit Vorbescheid vom 4. Januar 2021 die Ablehnung des Leistungsbegehrens in
Aussicht. Zur Berechnung des Einkommens ohne gesundheitliche Einschränkung
wurde auf den Durchschnitt des in den Jahren 2014-2018 erzielten Einkommens
gemäss individuellem Konto (IK-Auszug; Fr. 78'760.--), für dasjenige mit
gesundheitlicher Einschränkung auf den Medianlohn der Lohnstrukturerhebung (LSE)
des Bundesamts für Statistik, Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Mann, des Jahres
2018 (Fr. 66'804.--) abgestellt (IV-act. 112). Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 wurde
das Leistungsbegehren im Sinn des Vorbescheids abgewiesen (IV-act. 116).
A.h.
Gegen diese Verfügung lässt der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
durch Rechtsanwalt Mark Glavas am 18. März 2021 Beschwerde erheben. Er
beantragt, die angefochtene Verfügung vom 17. Februar 2021 sei aufzuheben und ihm
zumindest eine Viertelsrente auszurichten. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten der IV Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Zur Begründung lässt er im Wesentlichen ausführen, dass die
Beschwerdegegnerin sein Valideneinkommen falsch berechnet habe. Er habe mit
seinem B._geschäft bereits ab dem Jahre 2010 nicht mehr vollends reüssieren
können, da er damals erstmals gesundheitlich angeschlagen gewesen sei. Dies habe
zu einem finanziellen Einbruch des damals florierenden B._geschäfts geführt. Die
Beschwerdegegnerin habe damals ein Valideneinkommen von Fr. 126'318.-- errechnet;
anstatt dieses nun aufzurechnen, habe die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen anhand des durchschnittlichen Einkommens der Jahre vor der
erneuten gesundheitlichen Beeinträchtigung berechnet. Weil beim Valideneinkommen
berücksichtigt werden müsse, wie sich die erwerbliche Situation ohne jegliche
eingetretene Gesundheitsschädigung präsentieren würde, sei dieses Vorgehen zu
beanstanden. Er habe nach ersten gesundheitlichen Beschwerden ab dem Jahre 2010
nicht mehr vollumfänglich manuell tätig sein können, wodurch er auch kein höheres
B.a.
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Einkommen mehr habe generieren können. Nur weil die Beschwerdegegnerin damals
einen Rentenanspruch abgelehnt habe, bedeute dies nicht, dass er wieder vollends
habe reüssieren können; immerhin sei anerkannt worden, dass die B._tätigkeit bloss
noch in angepasstem Umfang möglich sei. Aus diesem Grund dürften nun nicht die
Durchschnittslöhne der Jahre 2014 bis 2018 herangezogen werden, sondern es sei das
damalige, von der Beschwerdegegnerin bezifferte Valideneinkommen hochzurechnen.
Unter Berücksichtigung der Teuerung betrage das Valideneinkommen im Jahre 2018
somit mindestens Fr. 131'850.--. Werde nun dieses Einkommen mit dem von der
Beschwerdegegnerin errechneten Invalideneinkommen von Fr. 66'804.-- verglichen,
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 49 %, weshalb der Versicherte zumindest
Anspruch auf eine Viertelsinvalidenrente habe. Allerdings sei auch das von der
Beschwerdegegnerin errechnete Invalideneinkommen zu beanstanden: Er sei in seiner
jahrzehntelang ausgeübten Tätigkeit relevant eingeschränkt und könne bloss in einer
völlig neuen Branche wiederum vollumfänglich reüssieren. Seine beruflichen
Fähigkeiten würden sich auf das B._handwerk beziehen, so dass er nun von vorne
beginnen müsse. Unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen und
der Dauer der Betriebszugehörigkeit rechtfertige es sich, einen Leidensabzug von 10 %
vom Tabellenlohn zu gewähren. Somit betrage das Invalideneinkommen maximal
Fr. 60'123.--. Durch eine Gegenüberstellung mit dem vorgenannten Valideneinkommen
resultiere ein Invaliditätsgrad von 55 %, weshalb er Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente habe. Sofern das Gericht wider Erwarten nicht das ehemals errechnete
Valideneinkommen hochrechnen und beim Einkommensvergleich berücksichtigen
wolle, sei das Valideneinkommen zumindest bloss anhand der Zahlen gemäss IK-
Auszug der Jahre 2017 und 2018 zu berechnen. So könne berücksichtigt werden, dass
sich das Geschäft nach der gesundheitlichen Schädigung wieder habe erholen
müssen. Anhand der Zahlen des IK-Auszugs zeige sich, dass sein Einkommen vor
allem ab dem Jahr 2013 vollends eingebrochen sei. Dennoch habe die
Beschwerdegegnerin das Jahr 2014 berücksichtigt. Anhand des IK-Auszugs sei
erstellt, dass sein Geschäft danach wieder floriert habe und er ab dem Jahr 2017 einen
Lohn von über Fr. 100'000.-- habe erzielen können. Zwar habe dieses Einkommen
weiterhin unter dem ursprünglichen Valideneinkommen gelegen, er habe jedoch wieder
einigermassen reüssieren können, ehe er durch den Sturz vom November 2018 erneut
massgeblich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt worden sei. Es sei somit davon
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auszugehen, dass er im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein
Einkommen von über Fr. 100'000.-- generieren würde, weshalb zur Berechnung des
Valideneinkommens die Jahre 2017 und 2018 zu berücksichtigen seien. Somit ergebe
sich ein Valideneinkommen von Fr. 107'000.--, womit sich durch die
Gegenüberstellung mit dem Invalideneinkommen von Fr. 60'123.-- ein Invaliditätsgrad
von 44 % ergebe, weshalb der Anspruch auf eine Viertelsrente auch auf diese
Berechnungsweise ausgewiesen sei (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass für
die Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend sei, was die versicherte Person
im Gesundheitsfalle im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung überwiegend
wahrscheinlich tatsächlich verdient hätte und nicht, was sie bestenfalls hätte verdienen
können. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei, falls das zuletzt
erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene
Schwankungen aufweise, auf den während einer längeren Zeitspanne verdienten
Durchschnittsverdienst abzustellen. Es sei deshalb nicht auf das im Jahr 2012
ermittelte Valideneinkommen abzustellen, sondern auf den Durschnitt der in den
Jahren 2014 bis 2018 erzielten Einkommen (Fr. 78'760.--). Aufgrund der
Schadenminderungspflicht sei dem Beschwerdeführer die Aufgabe der selbständigen
Erwerbstätigkeit zumutbar. Er sei in adaptierter Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, bis zur
Pensionierung würden ihm noch 7 1⁄2 Jahre verbleiben. Zur Ermittlung des
Invalideneinkommens sei daher auf den statistisch ermittelten Durchschnittslohn der
Männer für einfache Tätigkeiten abzustellen, welche ohne spezifische Ausbildung
ausgeübt werden könnten. Ein Leidensabzug sei nicht vorzunehmen, da sich weder
das Alter noch die mangelnde Berufserfahrung in einem derartigen Tätigkeitsbereich
(einfach, repetitive Tätigkeit) lohnsenkend auswirken würden. Die Gegenüberstellung
des Valideneinkommens von Fr. 78'760.-- mit dem Invalideneinkommen von
Fr. 66'804.-- ergebe eine Lohneinbusse von Fr. 11'956.--, womit ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 15 % resultiere (act. G 6).
B.b.
Mit Replik vom 28. September 2021 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an
den gestellten Begehren fest (act. G 10).
B.c.
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2021 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine
einlässliche Duplik (act. G 12).
B.d.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein allfälliger
Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2022 beginnen würde, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung (siehe
auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und
Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 9100 f.). Im
vorliegenden Fall sind demnach die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
materiellen Bestimmungen massgebend. Sie werden deshalb in dieser Fassung zitiert.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % im Sinne von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) invalid sind (lit. c).
1.2.
Nach aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
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2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung hat.
2.1.
Der RAD kam in seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2020 in Würdigung der
medizinischen Berichte der Behandler (IV-act. 65-3, 77 ff. und 102) und damit
übereinstimmend nachvollziehbar zum Schluss, dass aus versicherungsmedizinischer
Sicht in einer adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Eine geringe
Leistungsminderung durch eventuell leicht verlangsamtes Arbeiten oder gelegentliche
zusätzliche Pausen wäre möglich (IV-act. 107). Die Beschwerdegegnerin stellte in der
Folge auf diese Einschätzung ab (IV-act. 112), was vom Beschwerdeführer nicht
beanstandet wird (act. G 1, E. III.4). Auf Berichte von versicherungsinternen
medizinischen Sachverständigen kann abgestellt werden, sofern nicht Zweifel an deren
Überzeugungskraft bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.6). Es besteht vorliegend kein
Anlass, von der unstreitigen Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD abzuweichen,
weshalb darauf abgestellt werden kann.
2.2.
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Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist dagegen der Einkommensvergleich,
namentlich die Höhe des Valideneinkommens sowie die Vornahme eines Abzugs vom
Tabellenlohn beim Invalideneinkommen, wobei das Abstellen auf den Tabellenlohn
(LSE des Bundesamts für Statistik, Tabelle TA1_tirage-skill_level, privater Sektor,
Männer, Kompetenzniveau 1) an sich unbestritten ist.
2.3.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist zur Ermittlung des relevanten
Valideneinkommens die Abklärung an Ort und Stelle vom 5. Juli 2012 (IV-act. 49) nicht
mehr massgebend. Nach der damaligen, abweisenden Rentenverfügung ging der
Beschwerdeführer weiterhin seiner bisherigen Tätigkeit nach. Er gibt sowohl in der
Wiederanmeldung ("Pensum 300 %"; IV-act. 54-6) als auch im Fragebogen für den
Arbeitgeber (IV-act. 81-3) an, dass er in der dem Betrieb entsprechenden Arbeitszeit in
vollem Umfang tätig war (8 Stunden pro Tag, 40 Stunden pro Woche seit 1988). Somit
ist davon auszugehen, dass er nach dem Jahr 2012 wieder sein volles Arbeitspotential
ausschöpft hatte. Dies entspricht im Übrigen auch den Angaben des Hausarztes
Dr. D._, gemäss welchen der Beschwerdeführer nach Heilung der Infektion in der
bisherigen Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig sein sollte (Arztbericht vom 14. März
2012, IV-act. 42). Dass keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund
des Abszesses oder der Erysipel/Lymphangitis am rechten Unterschenkel mehr
besteht, wird auch von den Behandlern und dem RAD insofern bestätigt, als dass diese
Diagnosen in den aktuellen Berichten gar nicht mehr erwähnt werden (vgl. Arztbericht
von Dr. D._ vom 15. November 2019, IV-act. 76 und RAD-Stellungnahme vom
20. Dezember 2019, IV-act. 82). Massgebend ist somit das Valideneinkommen nach
der abweisenden Verfügung vom 5. Oktober 2012.
2.4.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden
Zeitpunkt auf Grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich
verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen.
Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im
Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung
des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der
Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Das Valideneinkommen von Selbstständigerwerbenden kann grundsätzlich auf der
Basis der Einträge im Individuellen Konto (IK) bestimmt werden. Weist das bis Eintritt
der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in
2.5.
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Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren
Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts
vom 18. Februar 2020, 9C_651/2019, E. 6.2 mit Hinweis).
Die Beschwerdegegnerin berechnete das Valideneinkommen des
Beschwerdeführers aus dem Durchschnitt der in den Jahren 2014 bis 2018 auf dem IK-
Auszug ersichtlichen Einkommen (Fr. 26'200.-- [2014], 82'800.-- [2015], 70'400.--
[2016], 110'500.-- [2017] und 103'900.-- [2018]) und ermittelte so einen Betrag von
Fr. 78'760.--. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass das Valideneinkommen
anhand des Durschnitts der Einkommen der Jahre 2017 und 2018 gemäss IK-Auszug
zu berechnen sei. So könne berücksichtigt werden, dass sich das Unternehmen nach
der gesundheitlichen Schädigung wieder habe erholen müssen und das Einkommen ab
dem Jahre 2013 vollends eingebrochen sei. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass
er im Gesundheitsfall (weiterhin) ein Einkommen von über Fr. 100'000.-- generieren
würde.
2.6.
Dem IK-Auszug (IV-act. 104) ist zu entnehmen, dass sich das Einkommen des
Beschwerdeführers zunächst von 1989 bis 1995 im Bereich zwischen Fr. 20'716.-- und
Fr. 36'804.-- bewegte, ehe es sich danach deutlich erhöhte und mit Ausnahme der
Jahre 2013 und 2014 nie mehr weniger als Fr. 50'000.-- betrug. Zudem ist ersichtlich,
dass das Einkommen sowohl vor als auch nach dem Jahr 2012 starke Schwankungen
auswies. Dass die tiefen Einkommen der Jahre 2013 und 2014 auf gesundheitliche
Einschränkungen des Beschwerdeführers und nicht etwa auf eine schlechte
Auftragslage zurückzuführen sind, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt. Es kann ihm jedoch zugestanden werden, die genannten Jahre nicht in die
Berechnung des Durchschnittsverdiensts einzubeziehen, da er zumindest seit 1996 nie
mehr ein nur annähernd so tiefes Einkommen erzielt hat.
2.7.
Nach 2014 kam es zu einem starken Anstieg des Einkommens mit weiterer
Steigerung bis ins Jahr 2017, als das Einkommen fast gleich hoch wie in den Perioden
mit den höchsten Einkommen (2001/2002 sowie 2010/2011) war. Der
Beschwerdeführer legt nicht substantiiert dar, weshalb es zu solchen Schwankungen
kam. Insbesondere vermag er nicht zu begründen, dass die Schwankungen auf
gesundheitliche Einschränkungen zurückzuführen sind. Auch kann entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers nicht nur auf die beiden hohen Einkommen der Jahre
2017 und 2018 abgestellt werden, da – wie bereits erwähnt – Schwankungen über die
Jahre hinweg bzw. seit Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit ausgewiesen
sind. Das Valideneinkommen soll grundsätzlich die Realität abbilden und
invaliditätsfremde Faktoren ausklammern (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es erscheint daher
2.8.
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sachgerecht, als jährliches Valideneinkommen den Durchschnitt der Einkommen der
Jahre 2015 bis 2018 gemäss IK-Auszug heranzuziehen. Dieses ist demnach mit
Fr. 91'900.-- ([Fr. 82'800 + 70'400 + 110'500 + 103'900]/4) zu bemessen. Ergänzend ist
darauf hinzuweisen, dass selbst wenn nur die Einkommen der Jahre 2017 und 2018
berücksichtigt würden, kein Rentenanspruch bestünde (vgl. nachfolgend E. 2.12).
Zur Bemessung des Invalideneinkommens zieht die Beschwerdegegnerin den
Tabellenlohn gemäss LSE des Bundesamts für Statistik des Jahres 2018 für einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (privater Sektor, Männer, Kompetenz
niveau 1) heran und ermittelt so ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 66'804.--
(vgl. IV-act. 110). Gemäss Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen IV-Textausgabe (11. Ausgabe 2022, S. 278, basierend auf der LSE)
beträgt das einschlägige Invalideneinkommen für das massgebende Jahr 2018
Fr. 67'767.--, was freilich am Ergebnis nichts ändern würde. Grundsätzlich wäre bei
Anmeldung im Mai 2019 der frühestmögliche Rentenbeginn der 1. Dezember 2019
(Art. 29 Abs. 1 IVG) und damit das Jahr 2019 massgebend für den
Einkommensvergleich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2020,
8C_132/2020, E. 4.1). Da aber sowohl beim Valideneinkommen als auch beim
Invalideneinkommen das zeitidentische Jahr 2018 herangezogen wurde, ist
unerheblich, ob diese beiden Einkommen unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung auf das massgebende Jahr 2019 hochgerechnet würden (vgl.
zur Hochrechnung: Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2014, 9C_192/2014,
E. 2.2).
2.9.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug, welcher nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft
zu schätzen ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb und b/bb). Die Frage, ob und in welchem
Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und
beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten
Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen sind.
2.10.
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3.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist kein Abzug vom Tabellenlohn
angezeigt. In einer adaptierten Tätigkeit ist er praktisch nicht eingeschränkt (vgl. RAD-
Stellungnahme vom 15. Oktober 2020, IV-act. 107). Soweit er den Abzug aus seinem
fortgeschrittenen Alter herleitet, ist mit der Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen,
dass sich ein solches insbesondere im Bereich des Kompetenzniveaus 1 nicht
zwingend lohnsenkend auswirken muss (statt vieler BGE 146 V 16 E. 7.2.1). Vorliegend
ist unter Berücksichtigung der konkreten Umstände nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seines Alters mit einem geringeren Lohn vorliebnehmen
müsste, da der Beschwerdeführer gelernt und gut ausgebildet ist (vgl. etwa
Fähigkeitszeugnis und Fachausweis, IV-act. 21) sowie in über 30 Jahren als
selbständiger Geschäftsführer viele wertvolle Kompetenzen erworben haben dürfte,
welche auch in adaptierter Tätigkeit von Nutzen sind. Es erscheint in Anbetracht
dessen überhaupt fraglich, ob er in einer adaptierten Tätigkeit im Vergleich zu
beispielsweise unausgebildeten und sprachfremden Hilfsarbeitern nicht besser entlöhnt
würde und allenfalls gar der Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 2 der LSE zur
Berechnung des Invalideneinkommens heranzuziehen wäre. Dem ist mit jedoch mit
Blick auf die nachfolgende E. 2.12 nicht weiter nachzugehen.
2.11.
Ohne Tabellenlohnabzug ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das
Invalideneinkommen von Fr. 67'767.-- dem Valideneinkommen von Fr. 91'900.--
gegenüberzustellen (vgl. Art. 16 ATSG). Vorliegend ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
rund 26 %, welcher einen Rentenanspruch ausschliesst (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch, sofern das Valideneinkommen
ausschliesslich anhand der Jahre 2017 und 2018 bestimmt würde, kein
Rentenanspruch bestünde (Valideneinkommen Fr. 107'200; Invaliditätsgrad von rund
37 %; vgl. vorstehend E. 2.8). Dass die Beschwerdeführerin den Anspruch auf eine
Invalidenrente verneinte, ist deshalb nicht zu beanstanden.
2.12.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.3.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da der
Beschwerdeführer vollumfänglich unterliegt, ist die Gerichtsgebühr ihm aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Der
von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihm daran angerechnet. Der
3.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/13
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