Decision ID: 0a64af05-2476-447c-b709-74b1e1c3c6f4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene X._
arbeit
ete bei der Y._
AG als Hilfsarbeiter und war bei der Suva obligatorisch unfallversichert, als er am 2
3.
Januar 1990 einen Autounfall erlitt und sich dabei eine Quetschung der rech
ten Schulter zuzog (
Urk.
10/24). Die ärztlichen Abklärungen ergaben keine knö
cherne Läsion (
Urk.
10/25). Die Suva übernahm die Kosten der Heilbehandlung und richtete Taggelder aus (
Urk.
10/29).
1.2
Am
3.
Dezember
2006 erlitt der inzwischen arbeitslose Versicherte einen weiteren Unfall: Er stürzte eine Treppe hinunter und zog sich eine dislozierte Schaftfraktur des proximalen
Phalanges
Dig
V der rechten Hand zu (
Urk.
11/3), welche am
8.
Dezember 2006 durch eine offene Reposition und Platten-Osteosynthese ope
rativ versorgt wurde (
Urk.
11/5 S. 2 f.). Nach der Gipsentfernung am 1
9.
Janu
ar
2007 war die Beweglichkeit der rechten Schulte
r schmerzbedingt einge
schränkt
(
Urk.
11/11 S. 2).
E
ine MRI-Untersuchung
ergab
nebst einer erheblichen AC
Gelenksarthrose
eine kleine ansatznah
e
Supraspinatussehnenruptu
r
rechts (
Urk.
11/
24
; vgl. auch
Urk.
11/14)
. A
m
8.
Oktober 2007
erfolgte deshalb
ein ope
rativer Eingriff an der rechten Schulter (laterale
Clavicularesektion
,
Akromioplas
tik
sowie
Supraspinatussehnennaht
[
Urk.
11/41]).
Die Suva anerkannte ihre Leis
tungspflicht auch
diesbezüglich
(
Urk.
11/59 S.
2
; vgl. auch
Urk.
11/21,
Urk.
11/26,
Urk.
11/50-51,
Urk.
11/54
,
Urk.
11/157 S. 1
).
Da die Ärzte in der Folge
über
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und der Angabe massiver Schmerzen
berichteten
(
Urk.
11/44,
Urk.
11/58,
Urk.
11/69-70)
,
veranlasste die Suva
eine
Observation des Versicherten vom 2
8.
August bis 1
8.
Oktober 2008 (
Urk.
11/71-72).
Aufgrund der Ergebnisse der Observation und gestützt auf kreisärztliche Stellungnahmen vom
5.
Dezember 2008 sowie 1
0.
Feb
ruar 2009 (
Urk.
11/74,
Urk.
11/78
) stellte die S
uva
die Versiche
rungsleistungen mit Verfügung vom
3.
März 2009
rückwirkend per
3.
September 2008 ein
und
forderte
beim
Versicherten
unrechtmässig bezogene
Taggeldleistungen
im Betrag von
Fr.
19'750.80
zurück
(
Urk.
11/83
).
Auf Einsprache des
Versicherten
hin
(
Urk.
11/88,
Urk.
11/95-96)
hielt sie
mit
E
insprachee
ntscheid
vom 2
9.
September 2009
daran fest
(
Urk.
11/99).
Die vom
Versicherten
dagegen
beim Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich
erhobene Beschwerde
(
Urk.
11/102)
wurde mit Urteil vom 3
0.
Juni 2011
im Verfahren UV.2009.00393
abgewiesen (
Urk.
11/106). Auf das hiergegen erhobene Rechtsmittel
(
Urk.
11/112)
trat das Bundesgericht am
1
2.
Oktober 2011
im Verfahren 8C_723/2011
nicht ein
(
Urk.
11/115)
.
1.3
Am 1
2.
November
2013 meldete der Versicherte der Suva einen Rückfall
zum Unfall
ereignis
vom
3.
Dezember
2006
(
Urk.
11/131
).
Eine
erneute
MRI-Untersu
chung der rechten Schulter ergab am 1
9.
September 2016 wiederum Zeichen einer
trans
muralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
ansatznah (
Urk.
11/142 S. 108).
Mit Ein
gabe vom 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
11/142 S. 1 f.) reichte
d
er
Versicherte
der Suva das
für die
IV-Stelle des Kantons Zürich erstellte polydisziplinäre Gutachten der
Z._
AG vom 2
6.
Oktober 2016 ein (
Urk.
11/142 S. 3 ff.).
Die Suva
holte
daraufhin bei med.
pract
.
A._
, Facharzt für Chirurgie vom Suva-internen Kom
petenzzentrum für Versicherungsmedizin, die Stellungnahme
vom
8.
Januar 2020
zur Kausalität der Schulterbeschwerden ein
(
Urk.
11/161
; vgl. auch
Urk.
11/157)
. G
estützt darauf
verneinte
sie
mit Verfügung vom
1
7.
Januar 2020
ihre Leistungs
pflicht
, da kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen den als Rückfall gemeldeten rechtsseitigen Schulterbeschwerden und den Un
fällen vom 2
3.
Januar
1990 beziehungsweise vom
3.
Dezember
2006 bestehe (
Urk.
11/162)
. Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache
(
Urk.
11/167)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Mai 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Am 1
6.
Juni 2020 teilte der Versicherte der Suva schriftlich mit, er
sei
mit dem
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Mai 2020 nicht einverstanden (
Urk.
1). Die Suva leitete dieses Schreiben
am 1
8.
Juni 2020
an das Sozialversicherungsgericht wei
ter (
Urk.
3). Innerhalb der daraufhin angesetzten Nachbesserungsfrist (
Urk.
4) teilte der Versicherte sinngemäss mit, er wolle
beim Gericht
Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
erheben und beantrage
die Zusprechung von Versiche
rungsleistungen. In prozessualer Hinsicht verlangte er zudem, bei der Gerichts
entscheidung dabei sein zu können (
Urk.
6). Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Sep
tember 2020 beantragte di
e Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9)
, wovon dem Beschwerdeführer am
1.
Oktober 2020 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
12).
Am 1
8.
Mai 2021 forderte das Sozialversicherungsgericht den Beschwerdeführer auf, mitzuteilen, ob er die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK wünsche (
Urk.
13). Mit Schreiben vom
9.
Juni 2021 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht seinen Verzicht auf die Durchführung einer solchen Verhandlung mit (
Urk.
16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilenden Unfälle haben sich am 2
3.
Januar
1990 und am
3.
Dezem
ber 2006 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzu
sammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zusam
men
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der ein
getretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bezie
hungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschrei
bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam
menhangs nicht erforder
lich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ur
sache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die in Rechtskraft erwachsene Verweigerung weiterer Leistungen durch den ob
ligatorischen Unfallversicherer schliesst die spätere Entstehung eines Anspruchs, der sich aus demselben Ereignis herleitet, nicht unter allen Umständen aus. Viel
mehr steht ein solcher Entscheid unter dem Vorbehalt späterer Anpassung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversiche
rungsrecht, indem es der versicherten Person jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu ma
chen (vgl. Art. 11 der
Verordnung über die Unfallversich
erung [UVV]) und erneut Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähig
keit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können (BGE 144 V 245 E. 6.1, 118 V 293 E. 2c, je mit Hinweisen).
1.4
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfaller
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusam
men
hangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Be
schwer
de
bild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungs
pflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlich
keitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beein
träch
ti
gung ist. Bei
Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile des Bundesge
richts 8C_627/2020 vom 10. Dezember
2020 E. 2.3 und 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestände dar. Diesem Umstand ist auch dann Rechnung zu tragen, wenn zu einem früheren Zeitpunkt ein Leistungsanspruch verneint wurde. Unter diesen Titeln kann daher nicht eine uneingeschränkte neuerliche Prüfung vorgenommen werden. Vielmehr
ist von der rechtskräftigen Beurteilung auszugehen, und die Anerkennung eines Rückfalls oder von Spätfolgen setzt eine nachträgliche Änderung der anspruchs
relevanten Verhältnisse voraus (
BGE 144 V 245 E. 6.2
).
2.
2.1
Die Suva begründete ihre
Ablehnung einer Leistungspflicht infolge
eines
Rück
fall
s
damit,
ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen
den
neu
gemeldeten rechtsseitigen Schulterbeschwerden und den
aufgrund der Unfallereignisse
vom 2
3.
Januar
1990 und
3.
Dezember
2006
erlittenen Gesundheitsschädigungen
sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit au
s
gewiesen
(
Urk.
2,
Urk.
9 S. 2)
. Med.
pract
.
A._
habe in seiner Beurteilung vom
8.
Januar 2020 unter Berück
sichtigung des
gesamten Fallverlaufs dargelegt, dass
nicht z
u erwarten sei, dass die Unfälle in den
Jahr
en
1990
und 2006
zu einer Verletzung des AC-Gelenkes oder der lateralen Clavi
c
ula geführt
hätten
.
Hinsichtlich der Arthrose des AC
Gelenks habe med.
pract
.
A._
darauf hingewiesen, dass
eine posttrau
ma
tische Arthrose ohne Verletzung des Gelenks nicht eintreten könne und der
z
eitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Nachweis der Arthrose mit knapp sechs Wochen deutlich zu kurz sei, um für eine Unfallkausalität zu sprechen. Beim Riss der
Supraspinatussehne
handle es sich um einen Defekt infolge der chronischen
Tendinopathie
. Das Vorliegen einer unfallkausalen adhäsiven
Kapsu
li
tis
könne ebenfalls nicht angenommen werden, weil sich entsprechende Hin
weise erstmals im Jahr 2016 fänden und damit der zeitliche Zusammenhang mit einem entspre
chenden Trauma fehle.
Auf diese Schlussfolgerungen von med.
pract
.
A._
, wel
che in Kenntnis der gesamten Aktenlage abgegeben worden sei
en
,
könne abge
stellt werden. Sie stünden auch nicht im Widerspruch zu
r ortho
pä
dischen Beur
teilung im
Z._
-
Gutach
t
en vom 2
6.
Oktober 2016, wo fest
ge
halten werde, dass der Sehnenriss eine Folgeerkra
nkung
des la
ngjährigen dege
ne
rativen
Impi
n
gementsyndroms
sei (
Urk.
2 S. 14,
Urk.
9 S. 2
f
f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, seine Schul
terschmerzen mit Verschlimmerung des
Z
ervikalzustandes
bestünden
seit
dem
Un
fall vom
3.
Dezember
2006 beziehungsweise der Operation im Oktober 200
7.
Deshalb
habe die Invalidenversicherung eine
Invalidität von 100
%
aner
kannt. Seine Beeinträchtigungen seien indes nicht Folge einer Krankheit, sondern unfallkausal (
Urk.
1,
Urk.
6).
3.
3.1
Zum Hergang und den Folgen des U
nfalls vom 2
3.
Januar 1990 ist den Akten Folgendes zu entnehmen:
Gemäss Unfallmeldung stiess das Auto des Beschwer
deführers bei einer Kreuzung mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusam
men. Dabei kam es zu einer Quetschung der rechten Schulter (
Urk.
10/24). Laut dem gleichentags erstellten Polizeirapport war der Beschwerdeführer angegurtet und erlitt keine Verletzungen (
Urk.
10/38/17-18). Dem Arztzeugnis des erstbe
handelnden
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, ist zu entnehmen
, dass e
r am 2
4.
Januar 1990 über starke Schmerzen in der rechten Schulter und eine Schwellung an der Schädeldecke klagte.
Röntgenbilder ergaben keine An
haltspunkte für eine knöcherne Läsion.
Dr.
B._
diagnostizierte eine Kontusion der rechten Schulter und der Schädeldecke und bescheinigte dem Beschwerde
führer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, voraussichtlich für zwei bis drei Wochen (
Urk.
10/25). Am 2
7.
Februar
1990 war die ärztliche Behandlung nach Angaben des Arbeitgebers abgeschlossen
(
Urk.
10/26; vgl. auch
Urk.
10/
29).
3.2
Am
3.
Dezember 2006 stürzte der Beschwerdeführer eine Treppe hinunter und zog sich eine dislozierte Schaftfraktur des proximalen
Phalanges
Dig
V der rech
ten Hand zu
.
Im Bericht der
erst
beha
ndelnden Ärzte des Spitals C._
vom 1
8.
Dezember
2006
wurden
keine Schulterbeschwerden
dokumentiert
(
Urk.
11/3 S. 1 und 3). Die Fingerfraktur wurde
am
8.
Dezember 2006 durch eine offene Reposi
tion und Platten-Osteosynthese operativ versorgt (
Urk.
11/5 S. 2 f.). Nach der Gipsentfernung am 1
9.
Januar
2007
bemerkte der Beschwerdeführer eine schmerzbedingt eingeschränkte
Beweglichkeit der rechten Schulter
, weshalb ihm am 1
4.
Januar
2007 Physiotherapie verordnet wurde (
Urk.
11/6)
.
Laut dem be
handelnden Assistenzarzt
des Spitals C._
zeigten
die angefertigten Röntgenbil
der
eine alte laterale Clavicula-Fraktur (
Urk.
11/11 S. 2).
Im Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chiru
r
gie, vom 1
1.
April 2007
wird erstmals erwähnt, der Beschwerdeführer habe am
3.
Dezember
2006 auch eine Schulter
kontusion erlitten
und deshalb eine posttraumatische Arthrose im AC-Gelenk rechts diagnostiziert
(
Urk.
11/14 S. 1).
Wegen der persistierenden Schulterbe
schwerden wurde eine MRI-Untersuchung durchgeführt, welche nebst einer er
heblichen AC-Gelenksarthrose eine kleine ansatznah
e
Supraspinatussehnen
ruptu
r
rechts
zur Darstellung brachte
(
Urk.
11/24
; vgl. auch
Urk.
11/23 S. 1,
Urk.
11/29 S. 6
). Am
8.
Oktober 2007 erfolgte deshalb ein operativer Eingriff an der rechten Schulter (laterale
Clavicularesektion
,
Akromioplastik
sowie
Supraspi
natussehnennaht
[
Urk.
11/41]).
Dem Bericht der behandelnden Orthopäden der Uni
versitäts
klinik
E._
vom 2
9.
Mai 2008
ist zu entnehmen,
dass
die
vom Beschwerdeführer
nach wie vor
geklagte
ausgeprägte Schmerzsymptomati
k mit einer beinahe funktionslo
sen rechten Schulter von den Ärzten nicht erklärt werden
konnte
. Die rechte Schulter war
inspektorisch
unauffällig bei symmetrischem Schulterrelief, wobei keine Atro
phien festgestellt werden konnten.
Radiologisch fand sich ein
Acro
mion
Typ II bei Status nach
Acromioplastik
sowie e
ine AC-Gelenksarthrose. Funktio
nell war eine gezielte Untersuchung der Schulter unmöglich, da der Be
schwerdeführer bereits eine geringfügige Bewegung des Gelenks aufgrund von Schmerzen nicht tolerierte. Aus diesem Grund
konnten die Radiologen kei
ne axi
ale Aufnahme der Schulter (benötigt eine Abduktion der Schulter von 70°)
anfertigen (
Urk.
11/58)
.
Der
Suva
-Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte die Schulterbeschwerden zunächst
in Stellungnahmen vom 3
1.
Juli
2007
sowie
7.
März und
1.
April
2008 auf
das Unfallereignis vom
2
3.
Januar
1990 zurück
(
Urk.
11/21,
Urk.
11/50-51)
.
Anlässlich der
kreisärztli
chen Un
tersuchung vom 2
8.
Mai 2008
bezweifelte
der Beschwerdeführer, dass seine Schulterbeschwerden auf den früheren Unfall
zurückzuführen seien
. Er wies da
rauf hin
, er habe bis zum Treppensturz vom
3.
Dezember 2006 immer a
ls Gipser arbeiten können
.
Angesichts der
Röntgendiagnostik vom 1
9.
Januar 2007, welche
seiner Ansicht nach
eine alte laterale
Clavi
c
ulafraktur
dokumentier
t
e, gelangte
Dr.
F._
neu zur B
eurteilung, die vorgeschädigte r
echte Schulter sei am
3.
Dezember 2006 möglicherweise doch stärker
kontusioniert
worden, so dass das nachfolgende
Impingement
-Syndrom eher als eine Folge des zweiten Unfalls an
gesehen werden könne
(
Urk.
11/59 S. 2; vgl. auch
Urk.
11/157 S. 1). Da die Ärzte in der Folge über eine erhebliche Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und der Angabe massiver Schmerzen berichteten (
Urk.
11/58,
Urk.
11/69-70), veranlasste die Suva die Observation des
Beschwerdeführers
vom 2
8.
August bis 1
8.
Oktober
2008 (
Urk.
11/71-72).
In Anbetracht
der
durch die
Observation dokumentierten Aktivitäten und Bewegungsumfänge
der rechten
Schulter
(unter anderem Abduktion von über 90°)
ohne sichtbare Schmerzreaktion oder andere Auffälligkeiten
folgerte
Dr.
F._
in
den
Stellungnahmen vom
5.
Dezember 2008 sowie 1
0.
Februar 2009
,
dass das rechte Schul
tergelenk vollständig g
e
brauchsfähig sei
.
D
er Beschwerdeführer
sei
spätes
t
ens ab dem
3.
September 2008, dem ersten Ob
servationstag, sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in jeder anderen Tätigkeit uneingeschränkt
arbeitsfähig.
Zur Unfallkausalität der rechtsseitigen Schulterbeschwerden äusserte sich
der Kreisarzt
nicht mehr
(
Urk.
11/74,
Urk.
11/78
). In der Verfügung vom
3.
März 2009 und dem diese be
stätigenden
Einspracheentscheid
vom 2
9.
September 2009 begründete die Suva die Einstellung ihrer Leistungen per
3.
September 2008 damit, dass spätestens ab
jenem Zeitpunkt keine wahrscheinlichen Unfallfolgen nachweisbar seien (
Urk.
11/83 S. 1,
Urk.
11/99 S. 2 f.).
3.3
Im Urteil
UV.2009.00393
vom 3
0.
Juni 2011
, welches nach dem Nichteintreten des Bundesgerichts auf die dagegen erhoben
e Beschwerde (mit Entscheid vom
1
2.
Oktober 2011 [
Urk.
11/115]
) in Rechtskraft
erwachsen
ist,
gelangte das Sozial
versicherungsgericht
zur Beurteilung,
der Beschwerdeführer
könne
die an
ge
stammte Tätigkeit spätestens ab dem
3.
September
2008 uneingeschränkt ausüben
(Erwägung 3.2.2-3;
Urk.
11/106 S. 6)
.
Dabei stellte es auf die Stel
lungnahmen des Kreisarztes
Dr.
F._
vom
5.
Dezember
2008 sowie vom 1
0.
Febru
ar 2009 ab.
Zudem
erwog es,
eine weitere Behandlungsbedürftigkeit der rechten Schulter sei nicht ausgewiesen. Physio- und Ergotherapie seien ange
sichts der ausgewie
senen uneingeschränkten Schulterbeweglichkeit nicht zweck
mässig.
Glei
ches gelte für die von den Behandlern empfohlenen schmerzlindern
den The
rapien, weil die Observation gezeigt habe, dass die Bewegung der rechten Schulter keine Schmerzen verursache (E. 3.2.4;
Urk.
11/106 S.
7 f.). Mit dieser Begründung schützte es die Einstellung der Versicherungsleistungen per
3.
Sep
tem
ber
2008 (E. 3.2.5;
Urk.
11/106 S. 8
).
3.4
Mit der Rückfallmeldung vom
1
2.
November
2013
(
Urk.
11/131)
reichte der Beschwerdeführer
zwei Verlaufsberichte seiner Hausärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin,
vom 1
5.
Februar und 2
9.
Ok
tober
2013 ein
, woraus hervorgeht, dass
er im April 2012 ein erneutes
(nicht bei der Suva versichertes
[vgl.
Urk.
11/157 S. 1]) Schultertrauma e
rlitt
en hatte
und unter chronifizierten Nacken-, Schulter- und Armschmerzen rechts litt, welche s
ich im Verlauf des Jahres 2013 a
usweiteten. Aktuell bewege er die Schulter prak
tisch gar nicht mehr und halte sie in einer steten Schonhaltung. Kombinierte Schulterbewegungen seien stark eingeschränkt.
E
r sei seit dem 1
7.
April 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
11/131 S. 6
-8
).
Den bereits zuvor erstellten
Verlaufsberichten von
Dr.
H._
, Oberarzt
Orthopädie
der Uni
versitäts
klini
k
E._
,
vom
6.
Juni und 1
1.
Juli 2012 ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer nach rund drei Jahren Anfang Juni 2012 erstmals wieder bei diesen Ärzten in Behandlung
begeben hatte
und über verstärkte Be
schwerden in der rechten Schulter nach
d
er im April 2012 erlittenen Schulter
kontusion klagte. In der klinischen Untersuchung präsentierte sich
am
4.
Juni 2012
eine funktionslose, komplett
eingesteifte
rechte Schulter
. Im Vorder
grund
stand ein diffuser, nicht richtig lokalisierbarer Schmerz.
Im Bericht vom
6.
Juni
2012 wurde deshalb eine ausgeprägte
Frozen
Shoulder
rechts diagnos
tiziert
(
Urk.
11/124
). Eine
therapeutische
Infiltration
glenohumeral
sowie in das AC
Gelen
k
wirkte kurzfristig, führte danach aber zur
Schmerzexazerbation
(
Urk.
11/126)
. Am
9.
Juli 2012 zeigte sich die
glenohumerale
Beweglichkeit sym
metrisch für die Aussenrotation. Abduktion und Flexion waren auf Grund der starken Gegenspannung durch den Beschwerdeführer nicht beurteilbar, ebenso die
Rotatorenmanschette
. Unter
Berücksichtigung des Röntgenbefunds vom
4.
Juni 2012 und der
Arthro
-MRI-Bilder vom 2
7.
Oktober 2011
schloss
Dr.
H._
im Bericht vom 1
1.
Juli 2012,
dass der Beschwerdeführer am ehesten unter einem verselbständigten Schmerzsyndrom
leide
, welches sich durch die objektivierbaren geringfügigen strukturellen Veränderungen an der
Rotatorenmanschette
, der
Bi
zepssehne
und im HWS-Bereich
nicht hinreichend erklären lasse. A
us orthopä
disch-chirurgischer Sicht
sehe er
keine
weiteren
Verbesserungsmöglichkeiten und
empfehle die Optimierung der
Schmerzbehandlung (
Urk.
11/126
).
MRI-Bilder der rechten Schulter vom 1
9.
September 2016
ergaben Z
eichen einer
transmuralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
ansatznah ventral
mit schmaler Risslücke und ausreichender Muskelqualität, eine
Insertionstendinitis
der
Sub
scapularissehne
sowie eine minderkapazitive Gelenkkapsel (
Urk.
11/156).
In dem vom Beschwerdefüh
r
er zu den Suva-Akten gereichten
(
Urk.
11/142 S. 1)
polydisziplinären (orthopädisch-psychiatrisch-neurologisch-internistischen) Gut
achten der
Z._
AG vom 2
6.
Oktober 2016, welches von der Invalidenver
sicherung in Auftrag gegeben
worden war
, werden bei den Diagnosen mit Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit unter der Überschrift „unfallbedingt" chronische Schulterschmerzen rechts mit ausgeprägter Schonhaltung und nicht messbarem Funktionsdefizit der rechten Schulter bei Status nach
Frozen
Shoulder
rechts, erstmals diagnostiziert am
6.
Juni 2012 in der Uni
versitäts
klinik
E._
, erwähnt (
Urk.
11/142 S. 92
).
Der Beschwerdeführer gab
der orthopädischen Hauptgutach
terin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie,
an, seiner Ansicht nach seien die Schädigungen und Störungen im Bereich der rechten Schulter Folge des Unfallereignisses
im
Jahr 2006 (
Urk.
11/142 S. 65
). Im Gutachten wird
sodann
auf den Befund
der
Arthro
-MRI-Untersuchung der rech
ten Schulter vom 1
9.
September 2016 hingewiesen, wonach Zeichen einer
trans
muralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
ansatznah ventral mit einer Risslücke unter 1 cm, eine
Insertionstendinitis
der
Subscapularissehne
ohne wesentliche Knorpel- oder Labrumläsionen sowie eine minderkapazitive Gelenkkapsel er
kennbar
waren
(
Urk.
11/142 S. 68
,
S. 92 und S. 97
f.). In ihrer abschliessenden Beurteilung hielten die Gutachter fest,
d
ie
minderkapazitive Gelenkkapsel sei wohl Folge der
Frozen
Shoulder
mit Kapselschrumpfung und erkläre teilweise die Funktionsstörung der rechten Schulter.
Durch die schmerzbedingte Schonfehlhal
tung sei der Bewegungsumfang deutlich eingeschränkt.
Die
Insertionstendopathie
der
Subscapularissehne
könne als weiteres
pathomorphologisches
Substrat die
Funktionsstörung erklären.
Der
Supraspinatussehnenriss
rechts sei hingegen von untergeordneter Bedeutung. Aufgrund des langjährigen Verlaufs bestehe zusätz
lich eine
Schmerzchronifizierung
(
Urk.
11/142 S
. 98
)
.
Die
vom
Unfallereignis mit Schulterdistorsion im März (richtig: April
) 2012
ausgehende Störung sei kurzfris
tiger Natur gewesen. Eine Unterscheidung zwischen unfallbedingten und dege
nerativ bedingten Schädigungen der Schulter sei schwierig, da der Beschwerde
führer diverse Traumata erlitten habe. Die im
Arthro
-MRI der rechten Schulter vom September 2016 verifizierten Pathologien seien möglicherweise nicht un
fall
kausal.
Der
Supraspinatussehnenriss
rechts sei nur marginal
transmural
im Ansatz.
Die
Subscapularis
-Sehnenreizung und minderkapazitive Gelenkkapsel seien Folgeerkrankungen des langjährigen
Impingementsyndroms
. Diese Störun
gen
stünden im Vordergrund. Sie würden durch die Schonfehlhaltung pro
lon
giert, wobei wegen der fehlenden Schmerz
therapie zwischenzeitlich eine
Chro
nifi
zierung
eingetreten sei (
Urk.
11/142
S.
99
). Die Selbsteinschätzung
des Be
schwer
deführers, für sämtliche Tätigkeiten komplett arbeitsunfähig zu sein, sei aufgrund der erhobenen Befunde nur teilweise nachvollziehbar und wohl auch auf eine gewisse Selbstlimitierung zurückzuführen. Seine Arbeitsfähigkeit sei allein wegen der orthopädischen Befunde eingeschränkt. Die zuletzt ausgeübte Tä
tigkeit als Gipser könne er nicht mehr ausüben. In einer leichten wechselbelas
tenden Tätigkeit mit behinderungsangepasstem Leistungsprofil sei er zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
11/142 S. 99-100 und S. 104
).
4.
4.1
Fest steht, dass i
m Zeitpunkt
der
rechtskräftig gewordenen
Leistungseinstellung per
3.
September 2008 keine
B
eschwerden
in der rechten Schulter
bestanden
,
welche
zum Anspruch auf Unfal
lversicherungsleistungen führt
e
n
.
Zur Frage, ob die Schulterbeschwerden, für welche bis zum
3.
September 2008 Leistungen er
bracht wurden, überhaupt unfallkausal waren, äusserten sich nach dem Vorliegen der Observationsergebnisse
, die zu neuen Erkenntnissen führten,
weder der Kreis
arzt
Dr.
F._
in seinen Stellungnahmen
vom
5.
Dezember 2008 sowie 1
0.
Febru
ar 2009 (
Urk.
11/74,
Urk.
11/78;
vgl. vorstehend E. 3.2)
noch die Suva im
Einspracheentscheid
vom
2
9.
September 2009 (
Urk.
11/99 S. 2 f.)
beziehungs
weise das Sozialversicherungsgericht im Urteil
UV.2009.00393 vom 3
0.
Juni 2011
(vgl. vorstehend E. 3.3)
.
In seiner Rückfallmeldung vom 1
2.
November 2013 machte der Beschwerdeführer geltend, seit Anfang 2011 wieder unter vermehrten Be
einträchtigungen
zu leiden
(
Urk.
11
/13
1 S. 3). Dementsprechend wurde
er von den Orthopäden der Uni
versi
täts
klinik
E._
erst nach rund dreijähriger Behandlungspause Anfang Juni 2012 wieder wegen Beschwerden in der rechten Schulter
untersucht
(
Urk.
11/124).
Unter diesen Umständen ist das Bestehen unfallkausaler Schulter
schmerzen im Sinne von Brückensymptomen
auf jeden Fall – selbst wenn von einer Unfallkausalität der ursprünglichen Schulterbeschwerden ausgegangen wird -
nicht ausgewiesen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_
522/2013 vom 2
3.
September
2013 E.
3.2
mit Hinweisen).
Unbestrittenermassen ist deshalb
in erster Linie
zu prüfen, ob die ab
Anfang 2011
geklagten vermehrten
Schulterschmerzen
– allenfalls im Sinne eines
Rückfall
s – in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zu den bei der Suva versicherten
Unfällen
vom
2
3.
Januar
1990 und
3.
Dezember
2006
stehen
und insofern eine Änderung der anspruchsrelevanten Verhältnisse vorliegt
. Die Beweislast für die Un
fallkausalität liegt beim Beschwerdeführer (
vgl. das
Urteil des Bundesgerichts 8C_102/2008 vom 26. September 2008 E. 2.2 mit Hinweis).
Dabei ist eine andere Beurteilung der Unfallkausalität der ursprünglichen
Schulterbeschwerden
in dem Sinne,
dass s
ie bei richtiger Betrachtungsweise gar nicht unfallkausal seien,
trotz
damaliger
Anerkennung der Leistungspflicht
durch die Gewährung
von Heilbe
handlung und Taggeldern
möglich, und zwar
ohne Berufung auf einen
Wieder
erwägungs
- oder
(prozessualen)
Revisionsgrund
.
Bis anhin wurden nämlich keine Dauerleistungen ausgerichtet (vgl. zum Ganzen
BGE 130 V 380 E. 2.3.1-2 sowie
die
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_819/2016 vom
4.
August 2017 E. 6.1 sowie 8C_22/2010 vom 2
8.
September 2010 E. 4.1
).
4.2
Mit Stellungnahme vom
8.
Januar 2020
beurteilte
der Chirurg
med.
pract
.
A._
von der Abteilung Ver
sicherungsmedizin der Suva die Unfallkausalität der vom Beschwerdeführer
mit der Rückfallmeldung vom 1
2.
November 2013
geltend gemachten Schulterbe
schwerden (
Urk.
11/161).
Gestützt a
uf die Aktenlage hielt er fest, es sei nicht
überwiegend wahrscheinlich
, dass
der Autounfall vom 2
3.
Januar 1990
zu einer strukturellen Verletzung der rechten Schulter geführt habe. Der Beschwerdeführer sei
damals
angeschnallt ge
wesen und die Fahrgastzelle sei gemäss Polizeirapport intakt geblieben. Da vom erstbehandelnden
Dr.
B._
weder ein
Hämatom,
noch
eine Prellmarke, eine Schürfung
oder
eine Schwellung dokumentiert worden seien, sei es wahrschein
lich nicht zu einer Schulterprellung gekommen.
Möglicherweise sei es hingegen zu einer Stauchung des rechten Arms gekommen.
Die am 2
4.
Januar 1990 ange
fertigten Röntgenbilder
wiesen
keine Zeichen einer knöchernen Verletzung der lateralen Clavi
c
ula oder des AC-Gelenks
auf
, und eine Weichteilschwellung als
möglicher indirekter Hinweis auf eine Verletzung fehle. Auch
habe
k
eine
länger
daue
rnde
Arbeitsunfähigkeit
bestanden
.
Im Fall einer strukturellen Verletzung der rechten Schulter, insbesondere des AC-Gelenks und der lateralen Clavi
c
ula
, wäre mit erheblichen
Schmerzen und einer Geweb
e
schwellung zu rechnen gewe
sen, welche klinischer Diagnostik gut zugänglich gewesen wären (
Urk.
11/161 S.
12).
Nach dem Treppensturz vom
3.
Dezember 2006 sei initial keine Verletzung der rechten Schulter dokumentiert
worden
;
erst
im Januar 2007 seien Schulterbe
schwerden aufgrund eines
Impingementsyndroms
erwähnt worden
(
Urk.
11/161 S. 12 f.)
.
Die behandelnden Ärzte hätten die Röntgenbilddiagnostik vom 1
9.
Januar 2007 unterschiedlich interpretiert: Während der Radiologe
Dr.
med.
J._
keine frische knöcherne Verletzung, leichtgradige degenerative Ver
än
de
rungen des AC-Gelenks ohne Zeichen einer AC-Gelenks-Luxation sowie eine iso
lierte Ossifikation (Verknöcherung) am lateralen
Clavi
c
ulaende
erblickt habe (vgl.
Urk.
11/161 S. 8 f.), habe
Dr.
med. K._
, Assistenz
arzt Chirurgie des Spitals C._
, aufgrund der Röntgenbilder im Bericht vom 1
9.
Januar 2007 (vgl.
Urk.
11/11 S. 2) eine laterale
Clavi
c
ulafraktur
rechts diagnostiziert (
Urk.
11/161 S. 13).
Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer eine
akute
strukturelle Verletzung der rechten Schulter erst viele Wochen nach dem Unfall bemerkt habe
. Nach allgemeiner Erfahrung
wäre
es
andernfalls
zu
akuten,
erheblichen Schmerzen
in Ruhe und bei Alltagsaktivitäten
gekommen
, zumal
die rechte Schulter nach dem Unfall nicht mit Schienen oder Verbänden ruhiggestellt gewesen sei
(
Urk.
11/161 S. 12 f.)
.
Deshalb sei auch die auf den MRI-Bildern vom
6.
August 2007 (vgl.
Urk.
11/161 S. 4 f.) sichtbar gewordene kleine Läsion im Bereich des
Musculus
supraspinatus
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine akute Verletzung der Sehne am
3.
Dezember 2006 zurückzuführen. Die ebenfalls bildgebend zur Darstellung gelangte
Tendinopathie
der
Supraspinatus
sehne
sei Ausdruck eines
Impingement
-Syndroms (
Urk.
11/161 S. 14). Beim
sub
acromialen
Impingement
handle es sich um ein
chronisches Verschleissleiden. D
ieses
könne
nicht nur durch die berufliche Belastung der Schulter
verursacht worden sein
, sondern auch durch den bekannten chronischen Nikotinabusus, wel
cher die Entstehung von Defekten der
Rotatorenmanschette
fördere. Deshalb seien mit der Operation von
Dr.
D._
vom
8.
Oktober 2007 (Resektion der lateralen Clavi
c
ula,
Akromioplastik
und
Supraspinatussehnennaht
) nicht mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit Folgen des Unfalls vom
3.
Dezember
2006 behandelt worden. Nach der Operation habe der Beschwerdeführer weiterhin über massive Schmerzen geklagt und angegeben, mit seinem rechten Arm «überhaupt nichts» machen zu können. In der darauffolgenden Zeit
hätten
die behandelnden Ärzte
und auch die Rheumatologin
Dr.
med. L._
in ihrem Gutachten vom 1
8.
November
2011 eine erhebliche Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und den subjektiven Beschwerdeangaben festgestellt. Ausserhalb der Untersu
chungssituation habe eine recht ordentliche, schmerzfreie Funktion der rechten Schulter mit Elevation über 90° beobachtet werden können. Zusammen mit einer fehlenden Muskelminderung (der rechte Arm sei sogar muskulöser gewesen als der linke Arm) führe dies zu begründeten Zweifeln an der Validität der geäusser
ten Beschwerden. Es sei nicht überwiegend
w
ahrscheinlich, dass diese Folge einer strukturellen Läsion seien (
Urk.
11/161 S. 15 f.).
Der Orthopäde
Dr.
D._
habe in seinem Bericht vom 1
1.
April 2007 die Dia
gnose einer posttraumatischen Arthrose des AC-Gelenks gestellt. Da er selbst keine neue radiologische Diagnostik vorgenommen habe
(vgl.
Urk.
11/14)
, sei seine Diagnosestellung nicht sachgerecht.
Für die Entstehung einer posttrau
matischen Arthrose des AC-Gelenks hätte es einer strukturellen Verletzung des Gelenks be
durft.
Während im Bericht vom 1
9.
Januar 2007 im Spital
C._
nur eine
Druck
dolenz
über dem AC-Gelenk zusammen mit einer schmerzhaft ein
geschränkten Funktion im rechten Schultergelenk dokumentiert worden sei, habe
Dr.
D._
am 1
1.
April
2007
von
massivste
n
Schmerzen in diesem Bereich
berichtet
.
Bei einer Unfal
lkausalität wäre nicht mit einer
solchen
Zunahme
der Beschwerden zu rechnen,
sondern umgekehrt mit einer Abnahme der
Schmerzen
im zeitlichen Verlauf
.
Dr.
D._
habe
im Übrigen
darauf hingewiesen, dass der Beschwerde
führer, als er sich unbeobachtet geglaubt habe, die Schulter völlig normal bewegt habe.
Zudem
sei der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem bildgeben
den Nachweis der Arthrose mit knapp sechs Wochen deutlich zu gering für einen Zusammenhang.
Diese Überlegungen liessen es nicht als über
wiegend wahr
schein
lich erscheinen, dass der Unfall vom
3.
Dezember
2006 zu einer
post
traumatischen Arthrose des AC-Gelenks geführt
habe
(
Urk.
11/161 S.
13 f.).
Die Arthro
se habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zum Unfall
zeit
punkt bereits be
standen. Gegen
eine
Aktivierung der vorbestehenden Arthrose durch den Unfall spreche, dass die Beschwerden
solchenfalls
deutlich früher auf
getreten wären
. Eine Instabilität des AC-Gelenks sei nach dem Unfall nicht dokumentiert worden. Damit sei es auch nicht überwiegend wahrscheinlich, dass ein knöcherner Ausriss für die Ossifikationen beim lateralen
Clavi
c
ulaende
ursächlich sei
, zumal Ossifi
kationen auch ohne Trauma entstehen könnten
(
Urk.
11/161 S. 14)
.
Im Bericht vom
6.
Juni 2012 habe
Dr.
H._
von der Uni
v
ersi
täts
klinik
E._
die Diagnose einer ausgeprägten
Frozen
Shoulder
gestellt und diese auf die nicht bei der Suva versicherte Kontusion der rechten Schulter im April 2012 zurückge
führt.
Dabei habe er auf einen Bericht vom 1
0.
August 2009 (ebenfalls der Uni
versitäts
klinik
E._
;
Urk.
11/98) verwiesen, in welchem
angeblich
bereits eine
Frozen
Shoulder
diagnostiziert worden sei. Dem sei zu entgeg
n
en, dass im frag
lichen Bericht
die Diagnose
unklare
r
Schmerzen der rechten Schulter
gestellt wor
den sei
. Eine Untersuchung der Schulter sei
damals
wegen der vom Beschwerde
führer angegebenen Schmerzen nicht möglich gewesen, und die vor
handenen
radiologischen Befunde hätten keine Hinweise für das Vorliegen einer
Kapsulitis
adhäsiva
ergeben.
Die Ärzte hätten abschliessend lediglich darauf hingewiesen, dass eine
Frozen
Shoulder
nicht ausgeschlossen werden könne. Hingegen könne die im MRI-Befund vom 1
9.
September
2016 genannte minderkapazitive Gelenk
kapsel auf das Vorliegen einer adhäsiven
Kapsulitis
der rechten Schulter zu diesem Zeitpunkt hinweisen.
Die von der orthopädischen Gutachterin der
Z._
AG
Dr.
I._
erhobene Schwellung des rechten Oberarms (mit Umfangsdifferenz zur Gegenseite von mehr als 4 cm) könne dadurch nicht erklärt werden. Dieser Befund sei nicht typisch für eine adhäsive
Kapsulitis
und auch mit keinem
der anderen mittels der MRI-Untersuchung vom 1
9.
September 2016 erhobenen Befunde erklärbar. Das Krankheitsbild einer
Kapsulitis
adhäsiva
der Schulter entstehe zumeist ohne vorangehendes Schultertrauma
(
Urk.
11/161 S. 17)
.
Insgesamt stehe damit fest, dass die mit der Rückfallmeldung vom 1
2.
November 2013 geltend gemachten rechtsseitigen Schulterbesch
w
erden nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auf
die
Unf
älle
vom 2
3.
Januar
1990
und
vom
3.
De
zember 2006 zurückzuführen seien.
Es lasse sich keine strukturelle Ver
letzung der rechten Schulter objektivieren, die Folge der beiden Unfälle sei. Bis zu dem Sprechstundenbericht vom 1
0.
August 2009
könne eine erhebliche funk
tionelle Beeinträchtigung der rechten Schulter
mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht belegt werden. Ebenfalls nicht über
wie
gend wahr
scheinlich sei es, dass
der zumindest in einer Arthrose des AC-Gelenks bestehende Vorzustand sich nach dem Unfall vom
3.
Dezember 2006 richtung
gebend ver
schlimmert habe
.
Da keine der bis zum
1.
Juli 2009 eingeleiteten Behandlungs
massnahmen eine längerfristige Besserung bewirkt habe, habe spätestens ab die
sem Zeitpunkt von einer weiteren medizinischen Behandlung keine erhebliche Besserung erwartet werden können.
Die im
Z._
-Gutach
ten vom 2
6.
Ok
tober 2016 attestierte Einschränkung der zumutbaren Tätigkeiten sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auf unfallfremde Beeinträchtigungen zurückzu
führen (
Urk.
11/161 S. 17 ff.).
4.3
Med.
pract
.
A._
hat
überzeugend da
rgelegt, dass der erste Unfall vom 2
3.
Januar 1990
zu keinen bleibenden Schäden in der rechten Schulter führte. Dies wird vom Beschwerdeführer nicht in Abrede gestellt (vgl.
Urk.
1 und
Urk.
11/142 S. 65).
A
uch
die Beurteilung von
med.
pract
.
A._
, dass ein natürlicher Kausalzu
sammenhang zwischen
den Anfang 2011 wieder verspür
ten
Schulterschmerzen und
dem
zweiten Unfall
vom
3.
Dezember
2006 nicht über
wiegend wahrschein
lich
sei
,
kann aufgrund seiner Darlegungen sehr gut nach
vollzogen werden.
Die nicht mit konkreten ärztliche
n
Befunden
und Ein
schätzungen
begründete Be
hauptung des Beschwerdeführers,
die Schulterbe
schwerden seien auf den Unfall vom
3.
Dezember 2006 zurückzu
füh
ren (
Urk.
1,
Urk.
6),
vermag
die Beurteilung von
med.
pract
.
A._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Da
med.
pract
.
A._
den medizinischen Sachverhalt ohne persönliche Untersu
chung des Beschwerdeführers allein gestützt auf die ihm zur Verfügung gestellten Akten gewürdigt
hat,
handelt es sich bei seiner
Stellungnahme
vom
8.
Januar 2020 um ein reines Aktengutachten. Zudem wurde sein Bericht unfallversiche
rungsintern eingeholt. Rechtsprechungsgemäss sind aus diesen Gründen erhöhte Anforderungen an den Beweiswert
seiner
Beurteilung
zu stellen
. Im Einklang mit diesen Anforderungen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2013 vom 31. März
2014 E. 4.2.2 mit Hinweisen)
beruht
die Stellungnahme von
med.
pract
.
A._
auf
dem aktenmässig dokumentierten, lückenlosen Untersuchungsbefund
mit den
notwendigen
Informationen über Anamnese, Verlauf und den gegenwär
tigen Status
(
Urk.
11/161
S. 2-12
)
. Ferner besteht hinsichtlich der strittigen Frage, ob die Anfang 2011 vermehrt aufgetretenen Schulterbeschwerden
(
Urk.
11
/131 S. 3) in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zum
Unfall vom
3.
Dezember 2006 stehen, keine anderslautende ärztliche
Einschätzung
.
D
ie
Hausärztin
Dr.
G._
und
Dr.
H._
, Oberarzt Orthopädie der Uni
versitäts
klinik
E._
,
brachten die Beschwerden
in ihren Berichten
vom
6.
Juni und 1
1.
Juli 2012
(
Urk.
11/124,
Urk.
11/126)
sowie vom
1
5.
Februar und 2
9.
Oktober 2013
(
Urk.
11/131 S. 6-8)
in einen Zusammenhang mit dem nicht bei der Suva ver
sicherten Unfallereignis
vom April 2012 (vgl.
Urk.
11/157 S. 1)
. Die
orthopädische Hauptgutachterin der
Z._
AG
Dr.
I._
befasste sich
in der interdisziplinären Expertise vom 2
6.
Oktober 2016
im Auftrag der Invali
denversicherung
mit den Schulterbeschwerden, weshalb die Beurteilung der (Unfall-)Kau
salität der Beschwerden nicht im Vordergrund stand.
Dement
sprechend setz
te sie
sich mit dieser Frage weniger eingehend auseinande
r
als
med.
pract
.
A._
.
Immerhin hielt sie fest, e
ine Unterscheidung zwischen unfall
bedingten und degenerativ bedingten Schädigungen der Schulter sei schwierig,
und d
ie im
Arthro
-MRI der rechten Schulter vom September 2016 verifizierten Pathologien
(Zeichen einer
transmuralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
,
Inser
tions
ten
dinitis
der
Subscapularissehne
sowie minderkapazitive Gelenkkapsel)
seien möglicher
weise nicht unfallkausal
(
Urk.
11/142 S. 98-99
)
.
Zudem
ist dem
Z._
-Gut
achten zu
entnehmen, dass der
Beschwerdeführer weitgehend iden
tische Läsionen in der linken Schulter aufweist (
Urk.
11/142 S. 98
),
deren
Schädigung durch
einen
Unfall nicht zur Diskussion steht.
Dies deutet ebenfalls
eher
darauf hin, dass in der rechten Schulter ein rein degeneratives Geschehen vorliegt.
Damit sind die
Ausführungen
von
Dr.
I._
nicht geeignet,
auch nur gering
fügige Zweifel an der
Beurteilung von
med.
pract
.
A._
, dass die neu aufgetre
tenen rechtsseitigen Schulterbeschwerden nicht in einem natürlichen Kausalzu
sammenhang mit den Unfällen
vom 2
3.
Januar 1990 und vom
3.
Dezember 2006 stehen,
aufkommen zu lassen
.
Dem Aktengutachten des Chirurgen
med.
pract
.
A._
kommt aus diesen Grün
den Beweiswert zu (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2013 vom 31. März
2014 E. 4.2.2 mit Hinweisen),
so dass
darauf abgestellt werden
kann
.
Auf dieser Basis
steht fest, dass
die vom Beschwer
deführer als Rückfall gemeldete Beein
trächtigung
der rechten Schulter nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zu
einem
der Suva-
ver
sicherten Unfälle vom 2
3.
Januar 1990
beziehungsweise
vom
3.
Dezember
2006
steh
t. Deshalb
ist nicht zu beanstanden, dass die Suva
diesbezüglich ihre Leis
tungspflicht mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Mai
2020 verneint hat (
Urk.
2)
.
Bei diesem Ergebnis ist die
Beschwerde
abzuweisen
.