Decision ID: 8079abf0-3525-4fff-a4e8-1811b7636907
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war vo
m
1.
September 2014 bis 3
1.
Oktober 2015
beim regionalen Verkehrsbetrieb
Y._
als
Buschauffeur
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
1
7.
Mai 2015
war (
Urk.
6/17
). Unter Hinweis auf
einen Unfall
meldete sich der Versicherte am
2
5.
November 2015
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/8
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerb
li
che Situation ab, zog Akten des
Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/19) sowie des
Unfallversicherers
(
Urk.
6/15-16,
Urk.
6/22,
Urk.
6/29,
Urk.
6/35,
Urk.
6/
69
)
bei und
holte
ein
psychiatrisches
Gutachten ein, das am
1
2.
Februar 2017
erstattet wurde (
Urk.
6/42
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/73
;
Urk.
6/81,
Urk.
6/86,
Urk.
6/88
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
7.
Juli 2018
einen Renten
anspruch (
Urk.
6/90
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte
e
rhob
am
1
0.
September 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
7.
Juli 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
, es sei festzu
stellen, dass er seine Schadenminderungspflicht nicht verletzt habe
und es sei ihm
eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
die Angelegenheit an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen und anschliessend neu über die gesetzliche Leistungspflicht zu verfügen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
Oktober 2018
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 2
6.
November
2018
hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest und reichte einen weiteren Arztbericht ein (
Urk.
8
,
Urk.
9/2
). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 1
9.
Dezember 2018 auf eine Duplik (
Urk.
11).
Mit Schreiben vom
4.
Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine weitere ärztliche Stellungnahme ein (
Urk.
13
,
Urk.
14/2
). Hierzu liess sich die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 2
8.
Juni 2019 ebenfalls nicht vernehmen (
Urk.
17).
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2
9.
November 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend obje
k
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2,
E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
lidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetreten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhängig
keits
syndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornhe
rein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängig
keits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Ge
mengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kul
turellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängig
keits
erkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krank
heitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struk
tu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Be
richte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegen
teiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrel
e
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2), gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das psychiatrische Gutachten vom
1
2.
Februar 2017
(
Urk.
6
/
42
), davon aus,
dass zur Verbesserung des Gesund
heits
zustands einige Massnahmen durchzuführen seien.
Der Beschwerdeführer
sei
mit Schreiben vom
2.
März 2017
aufgefordert
worden
, sich den entsprechenden Massnahmen zu unterziehen
. Die medizinischen Unterlagen würden ausweisen, dass die verlangten Massnahmen zwar durchgeführt worden seien, jedoch mitt
ler
weile keine Abstinenz von Benzodiazepinen mehr bestehe. Angaben über eine Einnahme der erforderlichen Medikamente
würden fehlen
. Da weitere Abklä
rung
en nicht vorgenommen werden könn
t
en, bestehe aufgrund der Verletzung der Mit
wirkungspflicht kein Anspruch auf IV-Leistungen (S. 1 unten f.).
Der Gut
achter habe sich intensiv mit der Aktenlage auseinandergesetzt und habe be
gründet, warum er die zuvor gestellten Diagnosen nicht bestätigen könne.
Der Gutachter habe auf Inkonsistenzen in der Aktenlage hingewiesen und es sei eine erhebliche Aggravation beschrieben worden. Der Gutachter habe wie die behan
delnden Ärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angestammt und angepasst fest
gehalten. Im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten gehe er aber davon aus, dass die gesundheitliche Situation verbessert werden könne
. Am vorliegenden Gutach
ten könne festgehalten werden (S. 3 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
zusammengefasst
auf den Stand
punkt (
Urk.
1), dass
er stets bemüht gewesen sei, seinen Verpflichtungen im IV-Verfahren nachzukommen. Er werde auch künftig sämtliche möglichen und zumutbaren Anstrengungen unternehmen, um seinen Gesundheitszustand zu ver
bessern und damit seine Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Sämtliche ärzt
lichen
Anordnungen habe er befolgt. Insbesondere werde er auch sämtliche
n
Auf
forderungen der Beschwerdegegnerin, sofern diese klar verständlich seien, in zu
mutbarer Weise nachkommen. Sicherlich sei ihm eine Verletzung der Schaden
minderungspflicht nie bewusst gewesen, weshalb sie ihm auch nicht vorgeworfen werden dürfe. Eine Abweisung des Leistungsbegehrens sei völlig unverhältnis
mässig. Dies insbesondere auch aufgrund eines Verzichts der Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
. Die angefochtene Verfügung sei demnach sofort aufzuheben, und es seien weitere Abklärungen durchzuführen und ihm an
schliessend eine ganze Invalidenrente auszurichten (S. 10
Ziff.
9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdefüh
rers.
2.4
Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht (vgl.
Urk.
1 S.
6
), darf diese - soweit sie überhaupt vorliegen sollte - als geheilt betrachtet werden, handelt es sich beim hiesigen Gericht doch um eine
Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt
als auch
die Rechtslage frei über
prüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem forma
lis
tischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer be
förderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3.
3.1
Dr.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliar
psychiater
der
Suva
, nannte in der psychiatrischen Beurteilung vom
6.
Oktober 2016
zu
Handen
der Unfallversicherung
(
Urk.
6/36) als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
bestehend seit Mai 201
5
, bisher weitgehend therapieresistenter Verlauf
, eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1)
,
recht schwere Ausprägung,
bestehend seit Mai 201
5
, bisher weitgehend therapieresistenter Verlauf,
sowie einen Status nach Anpassungsstörung
1999
(ICD-10 F43
.2
). Weiter
nannte
er Schmerzen und m
ultiple psychosomatische und vegetative
Beschwerden im Rahmen der
Depres
sion und PTBS
(S. 18)
.
Dazu führte er aus, die Attacke am 1
7.
Mai 2015 sei verständlicherweise als massive, akute Bedrohung erlebt worden. Aus psychiatrischer Sicht sei es nach
vollziehbar, dass dieses Ereignis zur Entwicklung einer recht schweren PTBS geführt habe, welche hier zugleich mit einer schweren depressiven Symptomatik einhergehe.
Ohne das Ereignis am 1
7.
Mai 2015 wäre es nicht in dieser Zeit und in dieser Weise zur Entwicklung der vorliegenden psychiatrischen Störung ge
kom
men. Aus diesen Gründen sei aus psychiatrischer Sicht ein natürlicher, teil
kau
saler Zusammenhang zwischen dem Ereignis am 1
7.
Mai 2015 und den aktu
ell vorliegenden, psychischen Beschwerden und Beeinträchtigungen mit über
wie
gender Wahrscheinlichkeit zu bejahen (S. 19 oben).
Die ambulanten Massnah
men seien mit insgesamt sechs Konsultationen pro Monat recht intensiv, wobei die antidepressive Medikation im Vergleich zur Schwere der depressiven Symptome relativ wenig ausgebaut
sei
. Allerding sei davon auszugehen, dass die medika
mentöse Beeinflussbarkeit aufgrund der schweren psychiatrischen Komorbidität grundsätzlich vermindert sei.
Alprazolam (Benzodiazepin) sei vom Behandler ver
ordnet worden und
werde
vom Beschwerdeführer vor allem in Momenten inten
siver seelische
r
Not eingesetzt. Nach Möglichkeit nehme er
Chlorprothixen
statt
Alprazolem
ein, dessen angstlösende Wirkung jedoch geringer sei. Von einem Missbrauch im eigentlichen Sinn könne nicht ausgegangen werden. Grundsätz
lich sei in Anbetracht des Langzeitverlaufs trotz gesamthaft recht intensiver ambulanter Therapie eine stationäre therapeutische Massnahme dringend emp
fohlen und sinnvoll. Es sei zu erwarten, dass im Rahmen einer stationären psy
chiatrischen Behandlung auch die Medikation optimiert werde, und dass ein Aus
schleichen von Alprazolam in diesem Rahmen besser möglich sein werde (S. 19).
Zurzeit und bis auf weiteres bestünden erhebliche funktionelle Einschränkungen, vor allem Antriebsverminderung, erhöhte Erschöpfbarkeit mit rasch nachlas
se
n
der Konzentrations- und Merkfähigkeit, erhebliche Beeinträchtigungen der psy
chischen und emotionalen Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit
, Neigung zu Panikzuständen und (anamnestisch) zu Reizbarkeit. Aus diesen Gründen sei dem Beschwerdeführer bis auf weiteres keine Erwerbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zumutbar (S. 20 oben).
Insgesamt sei die Prognose im Hinblick auf eine mittel- bis langfristige Verbesserung des psychischen Zustandes und somit der beruf
lichen Zumutbarkeit aktuell als vorsichtig günstig zu beurteilen (S. 20 Mitte). Eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik sei dringend indiziert. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sei er bereits für eine stationäre,
traumaspezifische
psychiatrische Therapie angemeldet worden. Davon sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Verbesserung der psychischen Beschwerden und Beeinträchtig
ungen zu erwarten (S. 21 oben).
3.2
Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, nannte im psychiatrischen Gutachten vom 1
2.
Februar
2017 (
Urk.
6/42) als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S.
37
Ziff.
5.1):
-
Verdacht auf eine organische (sekundäre) depressive Störung aufgrund einer iatrogen induzierten Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F06.32), soweit die Angaben der Wahrheit entsprächen
-
anamnestisch psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, iatrogene Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.24) gemäss Angaben mit sechs Tabletten Alprazolam und Zopiclon zur Nacht
-
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Opioide, schädli
cher Gebrauch (ICD-10 F11.10).
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte der Gutachter (S. 37
Ziff.
5.2):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeits
syn
dr
om, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
Dazu führte er aus,
der Beschwerdeführer sei am
1
7.
Mai
2015 im Rahmen seiner Tätigkeit als Buschauffeur durch einen ihm Unbekannten grundlos angegriffen und geschlagen
worden
. Seitdem stünden gemäss der Versicherungsakte erheb
liche psychische Beeinträchtigungen im Vordergrund. Die Behandler
würden
weiterhin aufgrund einer erheblichen, in schwe
rer Ausprägung bestehenden post
traumatischen Belastungsstörung (PTBS) (ICD-10 F43.1), bestehend seit Mai 2015, mit bisher weitgehend therapieresistentem Verlauf, sowie im Rahmen der Depres
sion und PTBS bestehenden Schmerzen, begleitet von multiplen psychosoma
ti
schen und vegetativen Beschwerden eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt
attestieren
. Unter Würdigung der Ver
sicherungsakte sowie der aktuellen Exploration und der psychiatrischen Unter
suchung
sei beim Beschwerdeführer
diagnostisch gemäss den ICD-10-Kriterien, dem Diagnostikmanual der
WHO, von einer organischen (sekundär
en) depres
si
ven Störung (ICD-10
F06.32) aufgrund einer schweren, iatr
ogen induzierten Ben
zo
diazepin-
Abhängigkeit (Alprazolam und Zopiclon) auszugehen, soweit die Angaben des Versicherten der Wahrheit entsprechen
würden
(siehe Medikamen
tenspiegel). Weiterhin
seien
gemäss den Angaben des Versicherten psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychi
schen und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, iatrogene Ben
zo
diazepin-Abhängigkeit (ICD-10
F13.24) sowie psychische und Verhaltens
stö
rung
en durch
psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhal
tens
störungen durch Opioid
e, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F11.10) zu kodieren (S. 52 Mitte).
Während der gesamten Untersuchung und Exploration
seien
erhebliche Inkon
sistenzen und Diskrepanzen auf
ge
fallen
. Es
fänden
sich auch erhebliche Dis
krepanzen im Vergleich mit den Angaben in der Versicherungsakte. Die gut
achter
liche Konsistenzprüfung
habe
Hinweise auf erhebliche nicht im ge
klagten Umfang vorhandene Funkti
onsbeeinträchtigungen im Sinne einer
Aggravation
erge
ben.
Die verordneten Medikamente
würden
offensichtlich nicht ein
ge
nom
men. Gleichzeitig behaupte
der
Beschwerdeführer
, bis zu sechs Tabletten Alpra
zolam am Tag zu nehmen
,
und
er
fahre
regelmässig Auto. Aufgrund der Dis
krepanzen
sei
eine plausible Herleitung und Darstellung von möglichen
Funk
tions
- und Fähigkeitsstörungen sowie der vorhandenen Ressourcen nur einge
schränkt möglich. Es
könne
auch nicht auf die Selbsteinschätzung der
Arbeits
fähigkeit des Versicherten abgestützt werden. Aufgrund der attestierten Schwere und Dauer der Erkrankung müss
t
en alle bis dato durchgeführten Behandlungen als nicht angemessen beurteilt werden
.
Medizinische Massnahmen
seien
somit nicht ausgeschöpft. Es
werde
dringend eine Behandlung im stationären Rahmen mit Entgiftung von Benzodiazepinen empfohlen
(S. 52 unten f.).
Der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
könne
in Anbetracht des Ausmasses der Benzodiazepin-Abhängigkeit
und der
sowohl beim Referenten als auch in der Versicherungsakte bereits in der Vergangenheit beschriebenen fluk
tuierenden psychopathologischen Auffälligkeiten, die auf den Substanzmiss
brauch zurückzuführen
seien
, nicht gefolgt werden. Es
handle
sich gemäss den ICD-10 Kriterien unter Beachtung der Differenzialdiagnosen einer depressiven Episode um eine sekundär (organisch) induzierte affektive Störung. In seiner psy
chiatrischen Beurteilung
habe
auch der Psychiater
Dr.
Z._
auf schwankende kognitive Defizite (Aufmerksamkeit und Konzentration) nach Einnahme von Alprazolam während seiner Untersuchung hin
gewiesen
. Die damalige psychia
trische Beurteilung
müsse
aus versicherungsmedizinischer Sicht infrage gestellt werden, während der Exploration
sei
kein professioneller Dolmetscher anwesend
gewesen
, die Exploration
sei
teilweise durch den im Rahmen der Untersuchung anwesenden Sohn übersetzt
worden
. Auch während der aktuellen Exploration
sei
auffallend
gewesen
, dass der
Beschwerdeführer
insbesondere die Fragen im Rahmen eines direkten Interviews nur unter Zuhilfenahme des professionellen Dolmetschers
habe
beantworten
können (S. 54 Mitte)
.
Ebenfalls k
önne
der Diagnose einer
PTBS
nicht gefolgt werden
und aufgrund der aktuellen Untersuchung nicht bestätigt werden (S. 54 ff.)
.
Beim Beschwerdeführer
würden zudem multiple nicht-versicherungsmedizinische relevante psychosoziale
Belastungsfaktoren vorliegen wie Migrationshintergrund, mangelnde Sprach
kenn
t
nisse, Alter, Verlust des Arbeitsplatzes sowie finanzielle Probleme (S.
57 oben).
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Buschauffeur
sei
bei
m
Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
(S. 57 unten)
.
Aufgrund des erheb
lichen iatrogen induzierten
Benzodiazepin
k
onsums
sei gegenwärtig bis zum Abschluss einer stationären Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung von psy
chotropen Substanzen ebenfalls in einer Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit ausgewiesen. Diese Massnahme sei dem Beschwerdeführer im Sinne einer Schadenminderungspflicht zuzumuten. Überwiegend wahrscheinlich sei durch diese Massnahme von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit spätestens in sechs Monaten, zumindest in einer angepassten Tätigkeit, auszugehen (S. 58 oben).
Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit dem Beginn der Erkran
kung 201
5.
Aus psychiatrischer Sicht werde dringen
d
die Anpassung der therapeutischen Massnahmen, insbesondere ein strikter Verzicht auf den weiteren Konsum von psychotropen Substanzen, im Sinne einer Entgiftungs- und Ent
wöh
nungsbehandlung im stationären Rahmen empfohlen. Darüber hinaus werde die Anpassung der medikamentösen antidepressiven Behandlung unter Kontrolle der Medikamentenspiegel aufgrund der mangelnden Compliance empfohlen (S.
58 Mitte).
3.3
Die Ärzte der
i
ntegrierte
n
Psychiatrie
B._
be
richteten am 2
7.
April 2017 (
Urk.
6/62) über eine
stationäre
(Entzugs-)Behand
lung vom
6.
bis 2
7.
April 2017 und nannten als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypno
tika
: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2).
Dazu führten die Ärzte aus, am
Eintrittstag
habe sich der Beschwerdeführer
in
einem deutlich depressive
n
Zustandsbild mit Traurigkeit, Verzweiflung, Hoff
nungs
l
osigkeit, depressiver Stimmungsl
age und Antriebsmangel
präsentiert.
Para
l
lel
habe beim Beschwerdeführer
eine beeinträchtigte Schlafqualit
ät in Form von Ein-und Durchschl
afstörungen mit
Hype
rvigilanz
bei vordiagnostizierter post
traumati
scher Belastungsstörung eruiert werden können
. Aufgrund der de
pressiven Symptomatik
sei
eine antidepressive Behandlung mittels Venlafaxin etabliert
worden
, initial mit der Tagesdosis von 75 mg einmal täglich, welche im weiteren Verlauf kontinuierlich bis Erreichen der Tagesdosis von 225 mg Inten
siviert
worden sei
. Unter der neu begonnenen Therapie
sei
es zur psychischen Stabilisierung
gekommen
. Die bisherige Therapie mit Fluoxetin
sei
eingestellt
worden
. Im stationären Setting
hätten
keine
wesentliche
n
Nebenwirkungen eru
ier
t
werden können
. Zugleich
seien
zur Verbesserung der Durchschlafqualität Quetia
pin 50 mg als retardiertes Präparat und für das Einsch
l
afen Quetiapin 25 mg in nicht
retadierter
Form als Festmedikation angeordnet
worden
, hierunter
hätte
eine ausgeprägte Besserung des Schlafes fest
gestellt werden können
. Aufgrund der vorbekannte
n
Benzodiazepin- Abhängigkeit
sei
ein fraktionierte
r
Entzug durch
geführt worden,
der komplikationslos
verlaufen sei
. Das
d
urchgeführte 12 Kanal-EKG
habe
keine
relevanten pathologischen Veränderungen
gezeigt
. Labor
chemisch
hätten
sich keine pathologischen Parameter konstatieren
lassen
. Bei fehlenden Hinweisen auf eine unmittelbare Selbst- oder Fremdgefährdung
habe
der psychisch kompensierte Beschwerdeführer
am 2
7.
April 2017 entlassen werden
können (S. 2).
3.4
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte am 1
8.
Januar 2018 (
Urk.
6/69/507-510) aus, der Beschwerdeführer sei nach dem statio
nären Entzug nur kurzfristig «clean» gewesen. Es sei zu einem Rückfall ge
kommen, insbesondere sei es zu einer Wiederaufnahme des
Xanax
-Konsums gekommen.
3.5
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in der Stellungnahme vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
6/71/9) aus, die Entzugs
behand
lung liege nun schon einige Zeit zurück (April 2017). Es sei nicht klar, was sich in der Zwischenzeit ereignet habe. Die Einschätzung des
B._
bezüglich psy
cho
pathologischem Befund weiche erheblich von dem im Gutachten
B
eschrie
be
nen ab. Es seien daher weitere Angaben beim Behandler einzuholen, auch betreffe
nd Entwicklung des Entzugs.
In der Stellungnahme vom
1.
März 2018 (
Urk.
6/71/10) führte sie zusammen
fassend weiter aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seiner Schadenminderungspflicht insbesondere hinsicht
lich der
Benzodiazepinabstinenz
nicht nachgekommen sei. Auch die regelmässige Einnahme der verordneten Medikamente sei unsicher.
In einer weiteren Stellungnahme vom 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
6/89/4-5) führte
D._
aus,
der Beschwerdeführer
bestreite das Vorliegen einer
Benzodia
zepinabhängigkeit
. Als Beweis habe
er das Ergebnis einer Laboruntersuchung vom 1
4.
Mai
2018 vor
gelegt
. Dieser Analyse
sei
zu entnehmen, dass das Medika
ment Alprazolam nicht
habe
nachgewiesen werden
können
. Es
handle
sich hierbei um eine einmalige Laboruntersuchung. Es
sei
nicht ersichtlich, unter welchen Be
dingungen die Untersuchung zustande
gekommen sei
.
Habe
es sich um eine kurzfristige Einbestellung des Kunden zur Untersuchung
gehandelt
?
Sei
die Urin
entnahme unter Sichtkontrolle durchgeführt
worden
, um Manipulationen auszu
schliessen? Warum
seien
keine Laborkontrollen auf Benzodiazepine
erfolgt
, sondern nur auf
Alprazolam? Der mittels Schadenminderungspflicht
geforderte Nach
weis einer
Benzodiazepinabstinenz
durch Laborkontrollen (Mehrzahl) über einen Zeitraum von sechs Monaten
sei
nicht erbracht
worden
.
Gemäss Aussagen von
Dr.
C._
sei es bereits kurz nach der Entlassung aus der erfolgreichen statio
nären Entzugsbehandlung zu einem Rückfall und zur Wiederaufnahme des
Xanaxkonsums
gekommen.
Es
seien
keine Laborkontrollen durch den behan
deln
den
Psychiater erfolgt
bzw.
würden diese
Untersuchungsergebnisse der IV-Stelle nicht vor
liegen
, so dass die zuverlä
ssige Einnahme der durch
Dr.
C._
verordneten Medikamente nicht bewiesen
sei
. Auch dieser Teil der
Schadenminderungspflicht sei
somit nicht erfüllt
worden
.
Bezüglich des
psychiatrischen
Gutachtens durch
Dr.
A._
handle
es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts. Der Gutachter
habe
sich intensiv mit der Aktenlage auseinander
gesetzt
und be
gründet, warum er die zuvor gest
ellten Diagnosen nicht bestätige
. Durch den Gutachter
werde
auf Inkonsistenzen in der Aktenlage und im Bericht des Kunden
hingewiesen (S. 4 unten). Eine erhebliche Aggravation werde beschrieben.
Dr.
A._
habe wie die behandelnden Ärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angestammt und angepasst festgestellt. Im Gegensatz zu den Behandlern gehe er aber davon aus, dass die gesundheitliche Situation verbessert werden könne (S. 5 oben).
3.6
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.4)
führte im Bericht vom 2
7.
Oktober 2018
(
Urk.
9/2)
zuhanden der Suva im Wesentlichen
aus, der Verlauf sei ungünstig und
es sei eine Invalidisierung eingetreten. Das psychopathologische Bild habe sich in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert. Alle Symptome, die auf eine posttrau
matische Belastungsstörung hinweisen würden, seien weiterhin nachweisbar. Dasselbe gelte für die mittlere, intermittierend auch schwere depressive Episode, immer wieder
berichte
der Beschwerdeführer von suizidalen Ideationen. Die Therapie gehe weiter. Allerdings
stünden die Chancen für eine kurative Behand
lung durchaus schlecht. Er habe weiterhin folgende Einschränkungen: Einerseits die persönlichen Störungen (Depression, Angst) die im Rahmen der erwähnten Diagnosen da seien. Andererseits sei sein soziales Funktionsniveau nach wie vor sehr tief. Er sei ausser Stande
,
irgendwelche Handlungen im Sinne des täglichen Lebensvollzugs zu erledigen. Es bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit. Auf dem primären Arbeitsmarkt sowieso, aber auch im geschützten Rahmen müsse man seine Arbeitsfähigkeit hinterfragen, da er wegen der Sympto
matik nicht gruppenfähig sei (S. 2). Insgesamt habe sich das klinische Bild leider nicht gebessert. Die Möglichkeiten einer ambulanten, intensiven Psychotherapie sei
en
langsam ausgereizt. Es handle sich um einen invalidisierenden Verlauf. Die Therapie
ziele darauf ab, akute Verschlechterungen wie Suizidalität zu verhin
dern, sei also als palliative, sozialpsychiatrische Betreuung zu betrachten. Es sei ein Endzustand erreicht, mit weiterer Besserung sei nicht zu rechnen.
Ob er von einer längerfristigen psychiatrischen Behandlung profitieren würde, bleibe dahin
gestellt, dies nicht zuletzt wegen der dürftigen intellektuellen Ressourcen, aber auch wegen der Sprachbarriere (S. 3).
3.7
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.1)
führte in der psychiatrischen Beurteilung vom 2
1.
November 2018
zu
Handen
der Unfallversicherung
(
Urk.
14/2) aus, der Be
schwer
deführer sei am
5.
Oktober
2016 durch den Unterzeichnenden untersucht
und am
6.
Oktober
2016 ausführlich beurteilt
worden
. Die damaligen Schluss
folgerungen
hätten
sinngemäss unverändert Gültigkeit
.
Obwohl die IV
-Stelle
auf
das psychiatrische
Gutachten
von
Dr.
A._
abgestellt habe
, änder
e
sich durch dieses nichts an
seiner
Beurteilung. Das Gutachten von
Dr.
A._
enthalte
mehrere relevante, offensichtliche Fehler, und die medizinischen Schlussfolgerungen
seien
nicht nachvollziehbar.
Der Spiegel von Fluoxetin
sei
laut Gutachten nur knapp unterhalb des therapeutischen Bereichs
gelegen
; das Antidepressivum Fluoxetin
werde
sicher eingenommen. Dasselbe
gelte
für Zopiclon. Dieses
werde
nur zum Einschlafen eingenommen und
habe
eine kurze Halbwertszeit, womit erklärbar
sei
, dass der Spiegel zum Zeitpunkt der Blutentnahme unterhalb des therapeu
ti
schen Bereichs
gelegen habe
. Auch das schlafanstossende Trazodon
sei
nachweis
bar
gewesen
. Diesbezüglich
sei
zu berücksichtigen, dass auch Trazodon eine ausgesprochen kurze Halbwertszeit
habe
. Deshalb
würden
auch Retard-Tabletten hergestellt (wobei der Versicherte die nicht retardierten Präparate
einnehme
). Aus diesen Gründen
seien
mehrere Aussagen von
Dr.
A._
betreffend die Medika
menteneinnahme schlichtweg falsch
.
Sehr bedauerlich
sei
, dass der Spiegel des Opioids Tramadol nicht bestimmt
worden sei
. In Anbetracht des Umfangs des Gutachtens von
Dr.
A._
und von dessen Auswirkungen sowie insbesondere der Tatsache, dass
Dr.
A._
das Vorliegen eines Opioid-Missbrauchs postuliert
habe
, wäre dies zu erwarten
gewesen
. Zudem führ
e
der Gutachter die auch von ihm beschriebenen depressiven Symptome auf eine Abhängigkeit von Alprazolam zurück. Allerdings
sei
dieses das einzige geprüfte Medikament, welches gar nicht nachweisbar
gewesen sei
.
Viele Anmerkungen im Gutachten
würden tendenziös wirken,
unter anderem auch durch die angewendete Formatierung und das häufige "Cave". Posttraumatische psychische Symptome
seien
offenbar nicht ge
zielt exploriert
worden
,
obwohl
Dr.
A._
die Beurteilung des Unterzeichnenden
vorgelegen habe
. Insgesamt
werde
das Gutachten von
Dr.
A._
dem psychischen Zustandsbild des Versicherten nicht gerecht. Der Einfluss von Benzodiazepinen
werde
stark überbewertet - siehe dazu auch die früheren Anmer
kungen im eige
nen Gutachten am
6.
Oktober
2016; diese
seien
im weiteren Verlauf bestätigt
worden
und
würden
auch in Anbetracht der Beurteilung durch
Dr.
A._
in unver
änderter Weise gelten (S.
29
).
Am 2
0.
Juni
2017
sei der Beschwerdeführer
ausführlich durch das
Zentrum E._
beurteilt worden, wo eine interdisziplinäre Schmerz
behandlung durchgeführt
worden sei.
Anlässlich von Reduktionen des Benzodiazepins Alprazolam seien im ambulanten Setting jeweils Entzugssymp
tome aufgetreten. Leider
sei
dabei nicht in differenzierter Weise auf den Verlauf bezüglich Benzodiazepinen während und nach dem erfolgten stationären Entzug eingegangen
worden
.
Der Beschwerdeführer
habe weiterhin Angst davor, dass der Täter nach
Hause komme und die Familie ge
fährde, womit dieser gedroht habe. Dies führe jeweils zu zwei bis
drei Minuten dauernden Panikat
tacken, mit Herz
rasen, Kribbeln am ganzen Körper, Hyperventilation und Todesangst. Die Ehefrau
habe berichtet
, dass ihr Mann im Haushalt nichts machen könne. In der Nacht sei er sehr unruhig. Seit dem Überfall sei er wie verändert (trauriger, nervöser und ängstlicher). Autofahren könne er nur kurze Strecken. Nicht korrekt in dem Bericht
sei
die Angabe
gewesen
, dass bis anhin keine Gutachten erstellt worden seien. Aus neuropsychologischer Sicht
seien
erhebliche Einschränkungen be
schrie
ben
worden
, wobei diese nicht in differenzierter Weise quantifiziert
worden seien. Psychiater
Dr.
F._
habe berichtet
, dass die Einzeltherapie bisher ohne genügenden Erfolg geblieben sei. Weiterhin
habe
er posttraumatische Belas
tungssymptome (aufdrängende Bilder, Vermeidungsverhalten, Schwitzen in der
Nacht, Albträume, Zähneknirschen)
beschrieben
. Im Langzeitverlauf hätten Schmer
zen
, Depression und Ängste zugenommen. Es
würde
eine volle Arbeits
unfähigkeit im allgemeinen Arbeitsmarkt
bestehen
, bei fehlendem Rehabilita
tions
potenzial. In Übereinstimmung mit dem Unterzeichnenden
habe
Dr.
F._
fest
gehalten
, dass keine Hinweise auf Agg
ravation oder Simulation vorlie
gen würden
(S. 30 unten)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im vorliegenden Fall im Wesentlichen auf
die psychiatrisch-gutachterliche Be
urteilung von
Dr.
A._
, welcher
zum Schluss kam, dass in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Buschauffeur eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und aufgrund
des erheblichen iatrogen induzierten
Benzodiazepinkonsums
gegenwärtig bis zum Abschluss einer stationären
Entgif
tungs
- und Entwöhnungsbehandlung von psychotropen Substanzen
auch
in einer
Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei
. Eine entspre
chende Massnahme sei dem Beschwerdeführer zumutbar und es könne
überwie
gend wahrscheinlich von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit spätestens in sechs Monaten zumindest in einer angepassten Tätigkeit
ausgegangen werden
.
Dabei erachtete
Dr.
A._
die
von den
übrigen
Fachärzten gestellten Diagnosen
einer depressiven Episode sowie einer posttraumatischen
Belastungsstörung (vor
stehend E.
3.1 und E. 3.3
)
alle
samt als nicht nachvollziehbar.
Der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode könne in Anbetracht des Ausmasses der Ben
zodiazepin-Abhängigkeit nicht
gefolgt werden, wobei die auch in der Versi
che
rungsakte beschriebenen fluktuierenden psychopathologischen Auffälligkeiten auf den Substanzmissbrauch zurückzuführen seien.
Dr.
A._
ging
einzig von einer organischen (sekundären) depressiven Störung aufgrund einer schweren iatrogen induzierten Benzodiazepin-Abhängigkeit
sowie von Psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
aus und verneinte die Diag
nose einer PTBS ohne weitere Begründung
(vorstehend E. 3.2).
4.2
Dagegen kam der
Konsiliarpsychiater
der S
uva
Dr.
Z._
zum Schluss, dass es aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar sei, dass die Attacke am 1
7.
Mai 2015 zur Entwicklung einer recht schweren PTBS geführt habe, welche zugleich mit einer schweren depressiven Symptomatik einhergehe. Er erachtete die medika
mentöse Beeinflussbarkeit aufgrund der schweren psychiatrischen Komorbidität grundsätzlich als vermindert
, wobei aus seiner Sicht von einem M
edikamen
ten
m
issbrauch im eigentlichen Sinn nicht ausgegangen werden könne (vorstehend E. 3.1)
. Im Weiteren kritisierte
Dr.
Z._
das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
und
wies dabei auf mehrere, relevante, offensichtliche Fehler und auf nicht nachvollziehbare medizinische Schlussfolgerungen hin. Das Gutachten von
Dr.
A._
werde dem psychischen Zustandsbild des Beschwerdeführers nicht gerecht und der Einfluss von Benzodiazepinen werde stark überbewertet. Im Weiteren wies
Dr.
Z._
auf den Bericht der Behandlung durch das
Zentrum
E._
hin (vorstehend E. 3.7).
4.3
4.3.1
Die beiden
medizinischen Einschätzungen
von
Dr.
A._
und
Dr.
Z._
lassen hinsichtlich Begründungsdichte und Schlüssigkeit eine abschliessende Beurtei
lung der invalidenversicherungsrechtlich relev
anten
(funktionellen)
Einschrän
kungen
(
vorstehend E. 1.2) sowohl der PTBS als auch der affektiven Störung in Zusammenhang mit
einer allfälligen
Abhängigkeitsproblematik
nicht zu.
4.3.
2
So handelt es sich bei der PTBS g
anz allgemein um eine Störung,
die nicht nur keinen Bezug zu einem organischen Geschehen aufweist, sondern für die sich keine oder kaum objektivierbare Befunde erheben lassen, was namentlich auf ihre typischen Symptome (Nachhallerinnerungen, Alp-/Träume, Wiedererleben, Ver
mei
dungsverhalten, Überwachsamkeit, erhöhte Schreckhaftigkeit) zutrifft. Dazu können weitere vielfältige Symptome treten, die ebenso bei anderen Störungen vorkommen und nach differenzierter Prüfung rufen. Auch der Verlauf zeigt sich sehr wechselhaft und nicht prognostizierbar, wobei progrediente Entwicklungen kaum zu erwarten sind und Chronifizierung, verbunden mit sozialem Rückzug und Antriebsmangel, eher selten auftritt
.
Bei einem dergestalt schwer fassbaren, rein subjektiven, nicht objektivierbaren und unspezifischen Krankheitsbild ist in Zusammenhang mit der Diagnosestellung in besonderer Weise auch auf Aus
schlussgründe (Aggravation und dergleichen) zu achten
.
Soweit es darüber hinaus schlussendlich vor allem um die Folgenabschätzung geht, mithin darum, die Auswirkungen der Störung auf das Leistungsvermögen bzw. die Arbeitsfähigkeit zu erheben und zu gewichten, bedarf es nach dem Erwogenen gerade auch bei der PTBS des "konsistenten Nachweises" mittels "sorgfältiger Plausibilitäts
prü
fung". Dafür liegt die besondere Eignung des strukturierten Beweisverfahrens unter Verwendung der Standardindikatoren nach
Massgabe von
BGE 141 V 281
E. 4.1.3 vor dem rechtlichen Hintergrund des
Art.
7
Abs.
2 ATSG
gleichsam auf der Hand
(vgl. BGE 142 V 342 E. 5.
2.3
mit Hinweisen)
.
Nachdem
Dr.
A._
die Diagnose einer PTBS ohne nachvollziehbare und eingeh
ende Begründung gänzlich verneinte
und
sich
auch die Beurteilung von
Dr.
Z._
vor dem Hintergrund der geänderten Rechtsprechung als zu wenig aussagekräftig erweist, um die Auswirkungen der PTBS auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers anhand der Standardindikatoren festlegen zu können, fehlt es in dieser Hinsicht an einer verlässlichen medizinischen Grundlage.
4.3.3
Sodann
kann angesichts der divergierenden medizinischen Unterlagen nicht ge
sagt werden, ob eine vom Suchtmittelkonsum unabhängige, leistungsein
schrän
kende affektive Störung vorliegt oder
diese
massgeblich substanzinduziert ist und/oder keine leistungseinschränkenden Folgen bei vollständiger Abstinenz zei
tigt. Kommt hinzu, dass gemäss
BGE 145 V 2015
auch einem ärztlich einwandfrei diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom beziehungsweise einer Substanzkon
sum
störung nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann, sondern diese vielmehr als invalidenver
siche
rungs
rechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen, wobei dies in Bezug auf den Schweregrad der Abhängigkeit und damit der zu beach
tenden
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ebenfalls eines
strukturierten Beweis
verfahrens bedarf (
vorstehend E. 1.3
).
Im Rahmen des strukturierten Beweisver
fahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängigkeitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. Letztere
sind selbstverständlich auch bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn
sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depres
sionen BGE 143 V 409 ff.
E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (
BGE 145 V 2015
E. 6.3).
4.4
Bei dieser Aktenlage muss in Nachachtung der neuen Rechtsprechung aufgrund eines strukturierten Beweisverfahrens geprüft werden, inwieweit das sich beim Beschwerdeführer präsentierende psychiatrische Beschwerdebild – einschliesslich des Suchtgeschehens – die Arbeitsfähigkeit einschränkt.
Dabei wird auch die präzisierende Rechtsprechung des Bundesgerichts im Urteil 9C_309/2019 vom
7.
Novem
ber 2019 zu berücksichtigen sein, wonach die versicherte Person im Vorfeld zu einer Begutachtung
unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklä
rungsverfahren
nicht gezwungen werden darf, sich einer Entzugsbehandlung zu unterziehen (vgl. E. 4.2.2).
Als Grundlage für die Beurteilung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers ab dem Jahr 2015 wird die Beschwerdegegnerin ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführe
n haben, im Zuge dessen sie ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen hat.
Dabei ist das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren durch die sachverständige Person einzuschätzen und nicht einzig durch einen Sach
bearbeiter der Beschwerdegegnerin
(vgl.
Urk.
6/71/10-12)
. Die Rechtsan
wendung prüft danach die betreffenden Angaben des Sachverständigen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer medizini
schen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (BGE 141 V 281 E. 5.2.2-5.2.3). Da im Zeitpunkt der Leistungsprüfung durch die Beschwerdegegnerin
insbesondere
die nunmehr geltende Praxis betreffend
Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanz
kon
sumstörungen
noch nicht bestanden hat und sich
die vorliegenden Beurtei
lungen
vor dem Hintergrund der geänderten Rechtsprechung als zu wenig aus
sagekräftig erweisen, um die Auswirkungen de
r
diagnostizierten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand der Standardindikatoren festle
gen zu können, fehlt
es vorliegend an einer verlässlichen medizinischen Grund
lage. Eine gerichtliche Überprüfung der anwendbaren Standardindikatoren ist demnach nicht möglich. Insoweit hat die Beschwerdegegnerin rechtsgenügliche Abklärungen vorzunehmen.
Eine vorgängige Entzugstherapie darf
, wie erwähnt,
nicht als Voraussetzung für die Neubegutachtung verlangt werden.
Die Einord
nung der
Compliance hinsichtlich der Einnahme der verordneten Medikamente und der
Motivation des
Beschwerdeführers zur Abstinenz sowie
die Frage, ob
der fortgesetzte
Substanzkonsum
willentlicher Natur ist, wird im Gutachten zu klären sein und ins Beweisergebnis betreffend Arbeitsfähigkeit einfliessen. Auch zumut
bare Therapieoptionen sind im Rahmen des einzuholenden Gutachtens zu prüfen und – bei allfälligem Rentenanspruch - ist solchen Optionen mit einer aufzuer
legenden Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG Rechnung zu tragen (E. 1.2,
BGE 145 V 215
E. 8.2
;
Urteil
des Bundesgerichts
9C_309/2019 vom
7.
November 2019
).
Nachdem das Ausmass des Suchtgeschehens
und insbesondere dessen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nicht rechtsgenüglich festgestellt worden
sind, lässt sich eine darauf abgestützte Leistungsverweigerung im Sinne der Verletzung der
Mit
wirkungs
- und Schadenminderungspflicht nicht rechtfertigen. Vor diesem Hinter
grund kann es offenbleiben,
wie
die dem Beschwerdeführer auferlegte Mass
nahme (Entgiftung, Einhaltung der
Benzodiazepinabstinenz
und der Einnahme der verordneten Medikamente, vgl.
Urk.
6/44)
zu qualifizieren ist und ob diese vom Beschwerdeführer
verletzt wurde.
5.
Das Verfahren ist aufgrund dieser Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese hat den Beschwerdeführer psychiatrisch neu begutachten zu lassen und hernach über seinen Anspruch auf Leistungen der Invali
den
versicherung neu zu entscheiden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1'0
00.-- anzusetzen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137
V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise auf
Fr.
3
‘
300
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.