Decision ID: 4e0c2a8f-1968-5e6e-a062-53b354e1b298
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) April 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. April 2016 und
der Anhörung vom 9. Juli 2018 machte er im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Er sei sri-lankischer Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie und in
B._ geboren. Gewohnt habe er in einem Dorf namens C._
im D._, Vanni-Gebiet, bis er im Jahr 2009 in ein Flüchtlingslager
oder Rehabilitationscamp in E._ gebracht worden sei. In dieser Zeit
sei seine Mutter für eine Befragung abgeholt worden und nie wieder zu-
rückgekehrt. Er selbst sei einmal nach dem Aufenthaltsort seiner Mutter
sowie nach allfälligen Verbindungen seiner Familienangehörigen zu den
Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) befragt worden. Auch seinen Vater
und seine beiden Brüder habe er in diesem Jahr aus den Augen verloren.
Nach zwei Monaten im Flüchtlingslager sei er geflohen und habe bis im
Jahr 2011 bei einem Pfarrer in F._ gewohnt und sei dann nach
G._ gegangen, wo er hinter einem Restaurant gelebt habe. Ende
2013 sei er nach Colombo gezogen. Von dort aus sei er im Mai bezie-
hungsweise Juli 2015 zusammen mit einem Freund nach H._ ge-
gangen, um seine Mutter zu suchen. Dabei seien sie vom Criminal Inves-
tigation Department (CID) angehalten, in ihr Büro mitgenommen, befragt
und nach Angabe seiner Adresse in Colombo entlassen worden. Daraufhin
sei er ungefähr am (...) 2015 in Colombo von der Polizei festgenommen,
für einen Monat inhaftiert und währenddessen immer wieder befragt und
geschlagen worden. Er sei unter anderem nach dem Grund seines Entflie-
hens aus dem Flüchtlingslager, allfälligen Absichten seiner Angehörigen,
die LTTE-Bewegung wieder aufleben zu lassen und dem Grund seines Auf-
enthalts in H._ gefragt worden. Danach habe er ein Papier unter-
zeichnen und sich für weitere Kontaktaufnahmen seitens des CID bereit-
halten müssen. Sie seien danach nochmals zu seiner Wohnung gefahren.
Er sei aber bereits an einem anderen Ort wohnhaft gewesen und am (...)
2015 mit einem gefälschten Pass ausgereist.
Der Beschwerdeführer reichte seine Geburtsurkunde zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab.
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Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung aus der Schweiz und den Voll-
zug an.
C.
Mit Beschwerde vom 25. November 2019 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässig-
keit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen
und ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um amtliche Verbeiständung durch die rubrizierte Rechts-
vertreterin.
Der Beschwerdeführer legte seiner Eingabe eine Fürsorgebestätigung des
(...) vom 12. November 2019 bei.
D.
Am 27. November 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den Aus-
gang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2019 wurden die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beiordnung der
rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin abgewiesen
und ein Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– erhoben, der am
10. Dezember 2019 einging.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
Des Weiteren wurde am 1. Januar 2019 das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen-
dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG
übernommen worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Das Verfahren wird gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG auf Deutsch ge-
führt.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz
aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen seien weder glaubhaft
noch asylrelevant. Der Beschwerdeführer habe nicht sagen können, ob es
sich bei dem genannten Camp um ein Flüchtlings- oder Rehabilitationsla-
ger gehandelt habe, obwohl es sich dabei um ein sehr einschneidendes
Erlebnis gehandelt haben müsse. Nach seiner Flucht aus dem Camp habe
er überdies bis ins Jahr 2015 ein normales Leben gelebt, ohne Probleme
mit den sri-lankischen Behörden zu erhalten. Es sei nicht nachvollziehbar,
weshalb diese erst sechs Jahre später auf ihn aufmerksam geworden sein
sollen, zumal er nie politisch tätig gewesen sei oder sonst ein abtrünniges
Verhalten gezeigt habe. Die Freilassung nach einem Monat zeige überdies
das mangelnde Interesse des CID an seiner Person. Seine Befürchtung,
nur freigelassen worden zu sein, um später getötet zu werden, sei eine
reine Vermutung, für die keinerlei Anhaltspunkte vorlägen. Ausserdem hät-
ten die Behörden seinen Freund viel intensiver befragt, wenn sie ihn (den
Beschwerdeführer) tatsächlich gesucht hätten. Er sei nie für die LTTE tätig
gewesen oder in diesem Zusammenhang verurteilt worden. Allein aufgrund
seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, der Landesabwesenheit und
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der fehlenden Reisedokumente sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht
von einer asylrelevanten Verfolgung auszugehen. Das SEM stelle die sub-
jektive Angst des Beschwerdeführers nicht in Frage, halte jedoch fest, dass
diese Furcht nicht auf objektiven Indizien basiere. Die hypothetische Angst
sei hingegen kein ausreichender Grund im Sinne des Asylgesetzes.
Aufgrund der nicht glaubhaft gemachten Vorverfolgung könne folglich nicht
darauf geschlossen werden, dass die sri-lankischen Behörden den Be-
schwerdeführer tatsächlich als eine das Regime gefährdende Person
wahrgenommen hätten. Auch bei einer Rückkehr nach Sri Lanka sei es
unwahrscheinlich, dass er aufgrund der vorhandenen leichten Risikofakto-
ren in den Fokus der sri-lankischen Behörden gerate.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Beschwerdeschrift, es sei
nicht legitim, widersprüchliche Aussagen zwischen der BzP und der Anhö-
rung derart stark zu gewichten. In der Endphase des Krieges seien alle
Geflüchteten in geschlossene Flüchtlingslager interniert worden. Der Staat
habe mittels Verhören, Folter und Selbstdenunziation herauszufinden ver-
sucht, wer unter den Geflohenen eine LTTE-Verbindung aufweise. Nach
einer langen Reihe von Aufenthalten in verschiedenen Camps und Gefäng-
nissen seien die Gefangenen schliesslich dem offiziellen Rehabilitations-
programm zugeführt worden. Vor diesem Hintergrund erstaunte es nicht,
dass er als Fünfzehnjähriger, der vom Vanni-Gebiet ins I._ Camp
transportiert worden sei, nicht sicher gewesen sei, ob dieses Camp nur ein
Flüchtlingslager oder bereits ein Rehabilitationscamp gewesen sei. Zu die-
ser Zeit habe in den Camps ein grosses Chaos geherrscht und die Behör-
den hätten damals kaum die Kapazitäten gehabt, geflohene Flüchtlinge
ausfindig zu machen. Vielmehr habe sich der Staat auf die in den Lagern
eingesperrten LTTE-Kämpfer konzentriert. Dass einige Jahre später das
staatliche Interesse an ihm entfacht worden sei, sei einem unglücklichen
Zufall zuzuschreiben. Da er sich bei der Kontrolle in H._ nicht habe
ausweisen können, sei aufgefallen, dass er damals aus dem Lager geflo-
hen sei. Er sei überdies sehr vorsichtig gewesen und habe ein unauffälliges
Leben geführt. Seine Lebensgeschichte habe er nur seinem Arbeitgeber in
Colombo anvertraut und mit ihm vereinbart, vor den anderen als
"J._" angesprochen zu werden. Er habe erfahren, dass er nach sei-
ner Freilassung von unbekannten, bewaffneten Personen an seinem Ar-
beitsort gesucht worden sei. Die Beamten hätten seinen Arbeitgeber nach
der Dauer des Arbeitsverhältnisses und dem Grund seiner Abwesenheit
gefragt. Er wisse bis heute nicht, weshalb er freigelassen worden sei und
ob er womöglich bei der Unterzeichnung des singhalesischen Dokuments
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ein Schuldeingeständnis gemacht habe. Es sei in Sri Lanka durchaus üb-
lich, dass sich der Staat seiner Gegner dadurch entledige, indem er sie
durch parastaatliche Gruppierungen – getarnt als Gewaltverbrechen oder
Unfall – verschwinden lasse, was der internationalen Reputation Sri Lan-
kas weniger schade. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass die Suche nach
Untergetauchten in der geschilderten informellen Art und Weise durchge-
führt werde. Die Verfolgung sei gezielt gegen ihn gerichtet gewesen und
fusse auf der ihm unterstellten politischen Gesinnung und seiner ethni-
schen Herkunft. Da er keine Familie und Verwandte habe, habe er auch
niemanden, der sich bei einer weiteren Verhaftung für seine Freilassung
einsetzen oder seinen Fall publik machen könnte. Er wäre der staatlichen
Willkür ausgeliefert. Aufgrund der Repression, die er wegen der Suche
nach seinen verschwundenen Familienmitgliedern erfahren habe, habe er
nicht mehr gewagt, weitere Suchanfragen zu stellen. Hier in der Schweiz
sei er von seiner Rechtsvertretung auf den Suchdienst des Schweizeri-
schen Roten Kreuzes aufmerksam gemacht worden, den er in Anspruch
nehmen wolle.
Der Machtwechsel im November 2019 lasse wenig Hoffnung auf Verbes-
serung beziehungsweise Entspannung seiner Situation. Vielmehr sei mit
der Wahl von Gotabaya Rajapaksa mit einer Rückkehr der menschen-
rechtswidrigen Verfolgung der tamilischen Minderheit zu rechnen. Er habe
ausserdem (...), die von (...) als Foltermethode herrührten und auch als
solche erkennbar seien. Ausserdem sei er wegen seiner angeblichen Ver-
bindung zu den LTTE und seiner Flucht aus dem Flüchtlingslager bereits
einmal auf dem Posten verhört und einmal während eines Monates irregu-
lär interniert und gefoltert worden. Der sri-lankische Staat verfüge über ein
unterzeichnetes Schreiben und könne somit seine Personalien bei der Ein-
reise mit der bereits erfolgten Repression in Zusammenhang bringen. Da-
mit müsse unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichtes gefolgert werden, dass er ein Risikoprofil habe und es
höchst wahrscheinlich sei, dass er bei einer Rückschaffung nach Sri Lanka
erneuter Verfolgung ausgesetzt würde.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung der Vorinstanz im Resultat zu stützen ist. Al-
lerdings ist festzustellen, dass entgegen der Einschätzung der Vorinstanz
eher von der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers aus-
zugehen ist, konnte er doch einige Details nennen (vgl. etwa Flucht aus
dem Flüchtlingslager, A27 F66; Festnahme in Colombo, A27 F58, F75, F77
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und Beschreibung der Zelle, A27 F58, F77 ff.) und seine Emotionen schil-
dern (vgl. etwa Festnahme in Colombo, A27 F58, F75 f. und in Haft, A27
F83). Zudem schien er nicht zu übertreiben (vgl. etwa "das geschah nur
ein Mal" A5 Ziff. 7.01; die Mitglieder des CID in H._ waren nicht
gewalttätig, A27 F58). Die Frage der Glaubhaftigkeit kann aber letztlich of-
fen bleiben, da die vorinstanzliche Einschätzung hinsichtlich der Asylrele-
vanz seiner Vorbringen zu bestätigen ist. Auf die betreffenden Ausführun-
gen in der angefochtenen Verfügung kann mit den nachfolgenden Ergän-
zungen verwiesen werden.
6.2 Die Vorinstanz hat hinsichtlich der Fluchtvorbringen – ungeachtet der
Frage ihrer Glaubhaftigkeit – in ihrer Verfügung dargelegt, welche Gründe
auf die fehlende Asylrelevanz schliessen lassen. Der Beschwerdeführer
wurde trotz angeblichen Verdachts der LTTE-Zugehörigkeit aus der Haft
entlassen und so mutmasslich als ungefährlich erachtet. Wie vom SEM er-
örtert, beruhen die Befürchtungen des Beschwerdeführers, nach seiner
Entlassung getötet zu werden, auf reinen Spekulationen und Hörensagen.
Es ist folglich nicht davon auszugehen, dass er im Zeitpunkt seiner Aus-
reise einer aktuellen Gefahr ausgesetzt war. Die geltend gemachte Verfol-
gung erfüllt somit selbst bei Vorliegen der Glaubhaftigkeit der Inhaftierung
nicht die Anforderungen an die Intensität einer gezielten Verfolgung und
vermag deshalb keine Flüchtlingseigenschaft zu begründen.
6.3 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Fall seiner Rückkehr
nach Sri Lanka aus anderen Gründen als den geltend gemachten Vor-
fluchtgründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu
befürchten hätte.
Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwal-
tungsgericht eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach
Sri Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O., E. 8) und festgestellt, dass aus Eu-
ropa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende
nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter
ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der
Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofakto-
ren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder
vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um
eine Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um
das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, ty-
pischerweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
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Seite 9
Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl.
a.a.O., E. 8.4.1-8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und über-
prüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderli-
chen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise
nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Or-
ganisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Perso-
nen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die
konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante
Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht,
dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lan-
kischen Behörden zugeschrieben wird, bestrebt zu sein, den tamilischen
Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1).
Der Beschwerdeführer bringt nicht vor, politisch aktiv gewesen zu sein, sich
regimekritisch betätigt zu haben oder als Befürworter des tamilischen Se-
paratismus in Erscheinung getreten zu sein. Er war gemäss eigenen An-
gaben nie Mitglied der LTTE und hat diese Organisation in keiner Weise
konkret unterstützt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass er – selbst bei
Wahrunterstellung der geltend gemachten Inhaftierung – deswegen bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte.
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der langen Landesabwesenheit des
Beschwerdeführers. Aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrende ta-
milische Asylsuchende sind ferner nicht per se einer Gefahr ausgesetzt,
bei ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG (nament-
lich Verhaftung und Folter) zu erleiden. Die Wahrscheinlichkeit von Verhaf-
tung und Folter bei der Rückkehr kann auch nicht ohne weiteres an der
Dauer des Aufenthalts im Gastland gemessen werden (vgl. dazu das Urteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, E. 9.2.4, mit Verweis auf E. 8.3
und 8.4.6). Es ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer in Sri Lanka einschlägig registriert wäre oder gar auf
einer Fahndungsliste der heimatlichen Behörden stünde und im Falle sei-
ner Rückkehr einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt wäre. Die ta-
milische Ethnie des Beschwerdeführers sowie die Narben auf seinem (...)
– die weder an der Anhörung erwähnt noch mit Fotos untermauert wurden
und auch nicht auf Anhieb zu erkennen wären – stellen lediglich schwach
risikobegründende Faktoren dar. Es ist daher nicht auf eine asylrelevante
Verfolgung zu schliessen.
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Seite 10
6.4 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer kam
es in Sri Lanka zu verschiedenen Veränderungen, wobei namentlich politi-
sche Spannungen, die Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die
Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwäh-
nen sind. Der neue Präsident war unter seinem älteren Bruder Mahinda
Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 Präsident Sri Lankas war,
Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen
Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivistinnen und Aktivisten began-
gen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverlet-
zungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die An-
schuldigungen (vgl. vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. ANI
News, Sri Lanka: 35 including President's brother Chamal Rajapaksa
sworn in as ministers of state, https://www.aninews.in/news/world/asia/
sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-
ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 22. Juli 2021). Be-
obachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten insbesondere
mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechts-
aktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositio-
nellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flücht-
lingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21. November 2019, www.fluechtlingshilfe.ch/publikationen/im-fokus/sri-
lanka-regierungswechsel-weckt-aengste-bei-minderheiten, abgerufen am
22. Juli 2021). Die mit der absoluten Mehrheit gewonnene 16. Parlaments-
wahl vom 5. August 2020 verstärkt die Machtfülle der Brüder Rajapaksa
noch weiter (vgl. Stiftung für Wissenschaft und Politik [SWP] Aktuell, Nr. 69,
September 2020: Politischer Umbruch in Sri Lanka; https://www.swp-
berlin.org/10.18449/2020A69/; abgerufen am 22. Juli 2021).
Der Beschwerdeführer ergänzt seinen Sachverhaltsvortrag auf Beschwer-
deebene um Erläuterungen zu den genannten Präsidentschaftswahlen so-
wie zur diesbezüglichen Lage Sri Lankas (Beschwerde, Ziff. 43). Das Bun-
desverwaltungsgericht ist sich oben ausgeführter Veränderungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil
http://www.fluechtlingshilfe.ch/publikationen/im-fokus/sri-lanka-regierungswechsel-weckt-aengste-bei-minderheiten http://www.fluechtlingshilfe.ch/publikationen/im-fokus/sri-lanka-regierungswechsel-weckt-aengste-bei-minderheiten
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Seite 11
ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl.
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016, HRW, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16. Feb-
ruar 2020, www.hrw.org/news/2020/02/16/sri-lanka-families-disappeared-
threatened, abgerufen am 22. Juli 2021). Dennoch gibt es zum heutigen
Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein
persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zu den Präsidentschafts-
wahlen vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein sol-
cher Bezug ist vorliegend aus den Akten nicht ersichtlich und wurde vom
Beschwerdeführer auch nicht dargetan.
6.5 Damit ist nach Würdigung der gesamten Umstände als Ergebnis fest-
zuhalten, dass der Beschwerdeführer die Voraussetzungen der Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht erfüllt. Folgerichtig bleibt
ihm die Gewährung von Asyl durch die schweizerischen Behörden versagt
(Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Die Ablehnung des entsprechenden Ge-
suchs durch die Vorinstanz ist zu bestätigen.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
http://www.hrw.org/news/2020/02/16/sri-lanka-families-disappeared-threatened http://www.hrw.org/news/2020/02/16/sri-lanka-families-disappeared-threatened
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Seite 12
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3
8.3.1 Die Vorinstanz befand den Wegweisungsvollzug für zulässig, zumut-
bar und möglich. Es treffe zwar zu, dass es im Norden und im Osten des
Landes immer noch zahlreiche Militärbasen gebe, die Armee sei aber we-
niger präsent und befasse sich nicht mehr mit zivilen Angelegenheiten. Die
Sicherheitslage habe sich deutlich und nachhaltig verbessert. Angesichts
dieser erheblichen Verbesserungen sei das SEM der Auffassung, der Weg-
weisungsvollzug in das Vanni-Gebiet sei derzeit grundsätzlich zumutbar. In
individueller Hinsicht führte sie aus, dass mehrere Freunde des Beschwer-
deführers in der Nordprovinz lebten. Er selbst habe mehrere Jahre in (...)
gearbeitet, befinde sich im besten Alter und habe keine gesundheitlichen
Probleme geltend gemacht.
8.3.2 Nach Ansicht des Beschwerdeführers sei der Vollzug der Wegwei-
sung weder zulässig noch zumutbar. Es sei damit zu rechnen, dass er bei
einer allfälligen Rückschaffung erst recht einer staatlichen Verfolgung aus-
gesetzt würde, wobei ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verhaftung
und Folter drohe, insbesondere, weil seine Flucht in die Schweiz als wei-
teres Schuldeingeständnis einer verschwiegenen LTTE-Vergangenheit ge-
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Seite 13
deutet werden könne. Aus diesen Gründen sei der Vollzug der Wegwei-
sung als menschenrechtswidrig und damit unzulässig zu qualifizieren. Er
habe die meiste Zeit seines Lebens in H._ gelebt, seine gesamte
Kernfamilie im Zuge des Krieges aus den Augen verloren und kenne weder
die Namen noch den Aufenthaltsort weiterer Verwandten. Seit seinem fünf-
zehnten Lebensjahr sei er Waise und habe mit (...) versucht, sich über
Wasser zu halten, ohne dass er je eine Ausbildung gemacht habe. Er habe
weder eine gesicherte Unterkunft in Sri Lanka noch in irgendeiner Form ein
Beziehungsnetz. Sein einziger Arbeitskollege habe sich wegen den Behör-
denbesuchen von ihm distanziert, um nicht weitere Probleme zu erhalten.
Er verfüge auch über keine finanziellen Mittel. Ausserdem leide er unter
Schmerzen an der Hüfte, die er zufolge seiner Folter während der Haft
habe.
8.4 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR
0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
und denjenigen der Freiplatzaktion Basel in der Beschwerdebeilage – nicht
als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall
vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom
19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Beschwerdeaus-
führungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK ver-
botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So weist der Beschwer-
deführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutete, zukünftig staatlichen
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind keine Anhaltspunkte
ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Massnahmen zu befürchten
hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenannten Background Check
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(Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinaus-
gingen, oder dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr eine Gefährdung
drohen könnte. Solches lässt sich gemäss obenstehenden Ausführungen
nicht annehmen. Aussergewöhnliche Umstände, die gestützt auf die Praxis
des EGMR zu Art. 3 EMRK zur Feststellung der Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzuges aus gesundheitlichen Gründen führen könnten (vgl.
dazu EGMR, Urteil i.S. N gegen Grossbritannien vom 27. Mai 2008, Be-
schwerde Nr. 26565/05, §§ 34 und 42 ff.; BVGE 2009/2 E. 9.1.3; EGMR,
Urteil i.S. Paposhvili gegen Belgien vom 17. April 2014, Beschwerde-Nr.
41738/10), sind aufgrund der Akten ebenfalls nicht ersichtlich. Der Vollzug
der Wegweisung ist zulässig.
8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.5.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Mit
Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwal-
tungsgericht seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) und die
gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wonach der Wegweisungsvollzug
in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich zumutbar ist, was gemäss Urteil
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als Referenzurteil publiziert) auch für
das Vanni-Gebiet gilt (vgl. E. 9.5). An dieser Einschätzung vermögen die
Gewaltvorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der
sri-lankischen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene
Ausnahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusam-
menhängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
8.5.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Wie die Vorinstanz zu Recht dar-
legt, ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird. Er hat
(...) Jahre lang die Schule besucht und danach mehrere Jahre in (...) ge-
arbeitet und sich so seinen Lebensunterhalt verdienen können (vgl. A5 Ziff.
https://hudoc.echr.coe.int/eng#%7B
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1.17.05 und A27 F40). Er konnte sich seit seiner Flucht aus dem Flücht-
lingslager seine Lebenshaltungskosten stets selbst finanzieren und auf die
Unterstützung diverser Menschen zählen. Trotz Fehlens eines familiären
Beziehungsnetzes ist daher von einem gewissen sozialen Netz auszuge-
hen, dass ihn bei seiner Reintegration etwas unterstützen kann. Die gel-
tenden gemachten Hüftschmerzen vermögen daran nichts zu ändern.
8.5.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Be-
zahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
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