Decision ID: ba4c3308-ec2e-50b2-a053-2acbedf40b4c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
B.
B.a Der Beschwerdeführer suchte am 8. Oktober 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2017 verneinte das SEM seine
Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug.
B.b Das Bundesverwaltungsgericht trat auf die gegen diesen Entscheid er-
hobene, auf den Wegweisungsvollzug beschränkte Beschwerde mit Urteil
D-6466/2017 vom 18. Dezember 2017 nicht ein.
C.
C.a Mit Eingabe vom 16. November 2018 ersuchte der Beschwerdeführer
das SEM um wiedererwägungsweise Neubeurteilung des mit Verfügung
vom 16. Oktober 2017 angeordneten Wegweisungsvollzugs und um An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme. Um sein Begehren zu untermauern
reichte er die wie folgt bezeichneten Dokumente (je in Kopie) zu den Akten:
Eintrag seiner B._ im Pass ihres Mannes, Pass seines C._,
Referenzschreiben für die Bildungsförderung der Kinder seiner B._,
Kopie des TNT-Versands, Befragungsprotokoll der Gerichtsverhandlung
vor dem Regionalgericht E._ vom (...) im Rahmen einer Personen-
standsklage, F._isches Arztzeugnis/Rezept für seine D._.
Mit diesen neuen, erheblichen Beweismitteln sei belegt, dass seine Familie
im F._ lebe und er in G._ über kein tragfähiges Beziehungs-
netz verfüge.
C.b Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer
ein Foto von seiner D._ und seiner B._ mit Familie (deren
H._ und [...]), angeblich aufgenommen im F._, zu den Akten.
C.c Der Beschwerdeführer führte mit Eingabe vom 20. September 2019
aus, dass er sich in einer sehr schlechten psychischen Verfassung befinde.
Sein Zustand habe sich im Sommer dermassen verschlechtert, dass er am
(...) in die Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) I._ über-
wiesen worden sei, wo er sich bis am (...) aufgehalten habe.
D.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2019 – eröffnet am 18. Dezem-
ber 2019 – lehnte das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab, erhob eine
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Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme
keine aufschiebende Wirkung zu.
Zur Begründung führte das SEM aus, der Beschwerdeführer habe für den
Beweis des Aufenthalts seiner Familienangehörigen in J._,
F._, lediglich Kopien eingereicht. Deren Beweiswert gelte als ge-
ring, da diese leicht verfälscht werden könnten. Selbst der Beweiswert von
Originaldokumenten dieser Art aus Afghanistan und F._ sei gering,
da solche einfach von Drittpersonen käuflich bezogen oder auch ohne
grosse Anstrengung selber angefertigt werden könnten. Zudem würden
vorliegend die Dokumente einen dauerhaften Aufenthalt der Familienange-
hörigen im F._ nicht nachweisen. Der afghanische Reisepass des
C._ sei vom Passamt der Sicherheitsbehörde in K._ ausge-
stellt worden. Eine dauerhafte Niederlassung im F._ gehe daraus
nicht hervor, vielmehr stehe auf der Seite, auf der seine B._ einge-
tragen sei, sogar ausdrücklich, dass der Ausstellungszweck für die Aus-
übung von Touristenreisen nach Asien, Europa und Amerika erfolge. Das-
selbe gelte für die Dokumente seiner (...) für eine Vorsprache bei den
Schulbehörden in J._, woraus ebenfalls nicht erkannt werden könne,
dass diese dauerhaft im F._ lebten. Die beiden die D._ be-
treffenden ärztlichen Scheine würden vom (...) und (...) datieren und einen
dauerhaften Aufenthalt im F._ ebenfalls nicht belegen. Auf den
Scheinen stehe auch nicht, wo sie ausgestellt worden seien. Das Foto,
welches sechs Personen neben einer Brücke in J._ zeige, könne von
einer Touristenreise stammen. Es sei somit nicht hinlänglich bewiesen,
dass seine Familienangehörigen tatsächlich im F._ leben würden.
Den in Aussicht gestellten Arztbericht bezüglich einer stationären psychiat-
rischen Behandlung vom (...) bis (...) habe er auch (...) Monate nach Be-
handlungsende nicht eingereicht, weshalb davon auszugehen sei, dass
sich sein Gesundheitszustand gebessert habe. Zusammenfassend lägen
keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 16. Oktober
2017 beseitigen könnten.
E.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
17. Januar 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde herzustellen und
ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
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Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, es müsste dem SEM be-
kannt sein, dass afghanische Flüchtlinge im F._, wenn sie auch seit
Jahrzehnten dort lebten, zu keinem dauerhaften Aufenthalt kämen. Aus
den Akten sei ersichtlich, dass seine B._ mit ihrer Familie
(H._ und inzwischen [...] [...]) im F._ verweilt habe, schon
bevor er seine Heimat verlassen habe. Die zwei eingereichten Schulzeug-
nisse seiner beiden (...) würden zeigen, dass diese nicht nur «im Schuljahr
(...)» registriert worden seien, sondern die Schule bis zum Ende besucht
und eine Klassennote erhalten hätten. Seine D._ lebe illegal im
F._. Der afghanische Rat für Migranten im F._ habe ihre An-
wesenheit und ihren Aufenthalt in J._ bestätigt. Für den Fall, dass
das Bundesverwaltungsgericht nach wie vor an der Authentizität der Doku-
mente oder des Aufenthaltsstatus seiner Familienangehörigen zweifle,
werde eine Botschaftsabklärung durch die schweizerische Vertretung im
F._ beantragt. Da er keine gültigen Dokumente aus seiner Heimat
habe beschaffen können, habe er seine Personalien durch das Regional-
gericht E._ feststellen lassen, womit seine Angaben in Bezug auf
seine Personalien bewiesen seien. In gesundheitlicher Hinsicht sei festzu-
halten, dass die erlittene Ungerechtigkeit, die unsichere Zukunft, die mehr-
malige Flucht an verschiedene Orte und in verschiedene Länder sowie die
an ihm ausgeübten groben, körperlichen Verletzungen tiefe psychische
Spuren bei ihm hinterlassen hätten. Die erhaltenen Medikamente hätten
nicht lang geholfen. Sein Hausarzt habe ihn an eine Psychiaterin überwie-
sen. Gemäss psychiatrischem Kurzbericht vom (...) sei sein psychischer
Zustand instabil und (...). Es sei für ihn als Angehöriger der ethnischen
Minderheit der Tadschiken und ohne nahen Angehörigen und Bezugsper-
sonen in G._ oder anderen Orten L._ äusserst schwierig bis
unmöglich, in G._ langfristig ein menschenwürdiges Leben in Si-
cherheit zu führen.
Der Beschwerde lagen eine Fürsorgebestätigung und die folgenden Doku-
mente (je in Scan-Kopie) bei: Schulzeugnisse der (...) des Beschwerde-
führers, (undatiertes) Schreiben der «B._» (recte: wohl
D._), Austrittsbericht der UPD H._ mit Kumulativbefund vom
(...) sowie ein Kurzbericht einer Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe-
rapie FMH vom (...).
F.
Die Instruktionsrichterin verfügte am 20. Januar 2020 gestützt auf Art. 56
VwVG die sofortige Aussetzung des Wegweisungsvollzugs.
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G.
Mit Eingabe vom 25. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer folgende
Dokumente, je im Original mit deutscher Übersetzung, zu den Akten: (un-
datiertes) Schreiben der D._ und Schulzeugnisse der beiden (...)
vom (...) samt Briefumschlag.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b aArt. 1 AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen.
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos-
sen Prozessentscheid abgeschlossen wurde, können auch Revisionsgrün-
de einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum sog. «qualifizier-
ten Wiedererwägungsgesuch» vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Darüber
hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Beweismittel abstützen, wel-
che erst nach Abschluss eines Beschwerdeverfahrens entstanden sind,
stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei der Vorinstanz einzubringen,
da solche neu entstandenen Beweismittel keine Grundlage für ein Revisi-
onsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht darstellen können
(Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz] BGG; vgl. BVGE
2013/22).
5.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.7.4 und 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumutbar
sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Herkunfts-
staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist.
6.2 Bezüglich der allgemeinen Lage in Afghanistan hat das Bundesverwal-
tungsgericht nach eingehender Lageanalyse in dem als Referenzurteil
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publizierten Entscheid D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 festgestellt, seit
dem letzten Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (vgl.
BVGE 2011/7) ergebe sich eine deutliche Verschlechterung der Sicher-
heitslage über alle Regionen hinweg und es bestünden derart schwierige
humanitäre Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans, dass die Situation
als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren sei.
Der Wegweisungsvollzug sei deshalb als unzumutbar zu beurteilen. Von
dieser allgemeinen Feststellung könne im Falle der Hauptstadt G._
abgewichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren gegeben
seien. Würden solche besonders begünstigenden Faktoren vorliegen, was
insbesondere bei alleinstehenden, gesunden Männern mit einem tragfähi-
gen Beziehungsnetz, einer Möglichkeit zur Sicherung des Existenzmini-
mums und einer gesicherten Wohnsituation der Fall sei, sei der Wegwei-
sungsvollzug als zumutbar zu qualifizieren (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4).
Es ist nicht zu verkennen, dass im Zusammenhang mit den Parlaments-
wahlen im Oktober 2018 die Gewalt – auch in G._ – zugenommen
hat, was periodisch immer wieder geschieht, indes an der dargelegten
Rechtsprechung nichts zu ändern vermag (vgl. Urteil des BVGer E-
6293/2018 vom 24. April 2019 E.4.4)
6.3 Das Argument, der Beschwerdeführer verfüge über kein tragfähiges
Beziehungsnetz in G._, weil seine Familienangehörigen
(D._ sowie B._ mit H._ und [...] wie auch die Familie
seines M._ mütterlicherseits) Afghanistan zwischenzeitlich verlassen
hätten und im F._ leben würden, wurde erstmals im Rahmen des
ordentlichen Asylverfahrens geltend gemacht und dementsprechend in der
Verfügung der Vorinstanz vom 16. Oktober 2017 behandelt (vgl. ebenda
Ziff. II Seite 5). Die Vorinstanz bezweifelte, dass der Beschwerdeführer in
Bezug auf seine Familienverhältnisse wahrheitsgetreue Angaben gemacht
habe. Die neu – das heisst nach diesem Entscheid – entstandenen Be-
weismittel, welche der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Wiedererwä-
gungsverfahren wie auch auf Beschwerdeebene (im Original) einreichte,
sind nicht geeignet zu belegen, dass seine Familienangehörigen seit (...)
in J._ leben.
Vorab ist festzuhalten, dass sich die Vorbringen des Beschwerdeführers
und die zur Untermauerung eingereichten Dokumente ausschliesslich auf
seine D._ und seine B._ samt deren H._ und [...] be-
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schränken. Im Unterschied zum Asylverfahren, in welchem der Beschwer-
deführer vorgebracht hatte – allerdings nicht glaubhaft zu machen ver-
mochte – dass sein M._ mütterlicherseits G._ ebenfalls ver-
lassen habe und zusammen mit seiner D._ und B._ im
F._ lebe (vgl. SEM act. A12 F54), macht er solches vorliegend nicht
mehr geltend. Auch dem auf Beschwerdeebene eingereichten (undatier-
ten) Schreiben der D._ ist solches nicht zu entnehmen. Es ist folg-
lich davon auszugehen, dass jedenfalls dieser M._, den der Be-
schwerdeführer in der Anhörung mehrfach erwähnt hatte (vgl. SEM
act. A12 F31, 34 f., 37, 43, 50, 56, 60 f.) und zu welchem er offensichtlich
eine enge Beziehung hat, nach wie vor in G._ lebt und den Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr bei einer Wiedereingliederung unter-
stützen wird.
Sodann sind die eingereichten Beweismittel nicht geeignet, einen Wohn-
ortswechsel der weiteren Familienangehörigen in den F._ glaubhaft
zu machen. Dabei fällt zum einen auf, dass das Schreiben der D._
– in welchem diese bestätigt, dass sie zusammen mit ihrer N._ und
deren O._ und [...] im F._ lebe, nicht datiert ist. Erstaunli-
cherweise enthalten auch die aufgeführten Bestätigungen der drei Zeugen
und des (...) des afghanischen Einwanderungsrates keine Datumsangabe,
weshalb beträchtliche Zweifel an der Echtheit des Dokuments angebracht
sind. Jedenfalls der (...) des afghanischen Einwanderungsrates dürfte im
Ausstellen von Bestätigungen geübt sein und es ist nicht davon auszuge-
hen, dass er eine Datumsangabe vergessen würde. Ohne eine Datumsan-
gabe vermag der Beschwerdeführer auch inhaltlich zum vornherein nichts
aus dem Schreiben seiner D._ abzuleiten. Betreffend die Schulbe-
stätigungen der beiden (...) des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass
darin der Schulleiter und sein Stellvertreter am (...) das Zeugnis und den
Notenspiegel für das «Schuljahr (...)» und gleichzeitig die im Juni ([...])
erfolgte Versetzung in die nächste Klasse unterschriftlich bestätigen. Es ist
nicht nachvollziehbar, weshalb ein «Zeugnis und Notenspiegel» (Bezeich-
nung des fraglichen Dokuments) erst nach bereits erfolgter Versetzung in
die nächst höhere Klasse ausgestellt werden sollte. Der Beschwerdeführer
hat auch keinerlei Angaben gemacht, weshalb er diese am (...) ausgestell-
ten Dokumente oder andere Schuldokumente seiner (...) erst im Januar
(...) (in Scan-Kopie) beziehungsweise im Februar (...)(im Original) und
nicht bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt eingereicht hat, zumal
er offensichtlich bereits im Zeitpunkt der Einreichung seines Wiedererwä-
gungsgesuchs mit seiner D._ und B._ in Kontakt stand und
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seine (...) den zwei dort eingereichten Referenzschreiben für Bildungsför-
derung zufolge auch für die Schuljahre (...) und (...) registriert waren.
Nachdem sich der Beschwerdeführer mit der angefochtenen Verfügung
nicht weiter auseinandersetzt, ist den zutreffenden vorinstanzlichen Erwä-
gungen ohne weiteren Begründungsaufwand beizupflichten, dass weder
die vorinstanzlichen Vorbringen und Beweismittel des Beschwerdeführers
noch die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente geeignet sind,
das angeblich fehlende Beziehungsnetz, namentlich in G._, aufzu-
zeigen.
Die Durchführung einer Botschaftsanfrage erübrigt sich aufgrund des Ge-
sagten, zumal damit allenfalls ein gegenwärtiger, nicht aber ein dauerhafter
Aufenthalt der D._ und/oder der B._ mit Familie im
F._ und auch nicht ein fehlendes Beziehungsnetz des Beschwer-
deführers in G._ (insbesondere M._ mütterlicherseits) eruiert
werden kann. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
6.4 Es bleiben im Rahmen einer Gesamtwürdigung die vorgebrachten ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen im Lichte des Referenzurteils des Bun-
desverwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 zu prüfen.
6.4.1 Auf Beschwerdeebene führte der Beschwerdeführer aus, dass all die
erlittenen Ungerechtigkeiten, die unsichere Zukunft, die mehrmalige Flucht
in verschiedene Orte und Länder sowie die an ihm ausgeübten groben,
körperlichen Verletzungen tiefe psychische Spuren hinterlassen hätten.
Sein Hausarzt habe ihn an eine Psychiaterin überwiesen. Diese führt in
ihrem Kurzbericht vom (...) aus, den Beschwerdeführer seit dem (...) re-
gelmässig zu behandeln. Sowohl in den ersten Sitzungen als auch heute
würden sehr stark ausgeprägte (...) (wiederkehrendes, quälend ins Be-
wusstsein drängendes Wiedererinnern und Wiedererleben von traumati-
schen Ereignissen, Anmerkung BVGer), (...) (besonders heftige Form der
Intrusion, Anmerkung BVGer), Ein- und Durchschlafstörungen, Alpträume,
Ängste sowie somatische Störungen im Vordergrund stehen. Aus psychi-
atrischer Sicht sei sein Gesundheitszustand nach wie vor instabil, weshalb
sich die Psychotherapie sehr schwierig gestalte. Auch seine medikamen-
töse Einstellung gestalte sich sehr schwierig, da er bei vielen Medikamen-
ten mit massiven Nebenwirkungen reagiere oder die Medikamente keine
Wirkung zeigen würden. Aufgrund einer (...) sei er notfallmässig am (...) in
den UPD hospitalisiert worden. Auf eigenen Wunsch sei er am (...) ausge-
treten, da er die Situation in der geschlossenen Station nicht ausgehalten
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habe. Zum Zeitpunkt des Austritts habe er sich glaubhaft von der (...) dis-
tanzieren können. Aus fachlicher Sicht sei es dringend notwendig, dass der
Beschwerdeführer zur Erhaltung seiner psychischen Gesundheit sowie
Stabilität und auch um einer Chronifizierung (Übergang von der vor-über-
gehenden zur dauerhaften [chronischen] Präsenz einer Erkrankung
oder eines Symptoms, insbesondere von Schmerzen, Anmerkung BVGer)
entgegen zu wirken, einer regelmässigen Beschäftigung nachgehe. Die
Absage für eine Anstellung bei einem Supermarkt habe erneut zu massiver
psychischer Dekompensation (Entgleisung, Anmerkung BVGer) mit Tag-
Nacht Rhythmusumkehr geführt. Das Gleiche habe sich auch nach der Ab-
lehnung des Wiedererwägungsgesuchs vom 23. Dezember 2019 ergeben,
weshalb zur Vermeidung einer starken Verschlechterung seines psychi-
schen Zustandsbildes die Medikamente erneut umgestellt worden seien.
Bei der letzten Konsultation am (...) habe sich der Beschwerdeführer be-
züglich der (...) absprachefähig gezeigt (vgl. ärztlicher Kurzbericht vom
[...]).
Aus dem Austrittsbericht der UPD vom (...) geht hervor, dass beim Eintritt
des Beschwerdeführers ein deutlich depressives Syndrom mit Hoffnungs-
losigkeit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, reduzierte Psychomotorik
und (...) imponiert hätten. Unter der Medikation und den psychotherapeu-
tischen Massnahmen habe sich sein Zustand gebessert und er sei von
akuter (...) klar distanziert. Auf seinen Wunsch sei die Entlassung in die
vorbestehenden Verhältnisse erfolgt. Zum Zeitpunkt des Austritts hätten
keine Hinweise auf eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung bestanden
(vgl. Austrittsbericht des UPD vom [...]).
6.4.2 Diesen ärztlichen Berichten zufolge ist davon auszugehen, dass der
abschlägige Entscheid betreffend Wiedererwägung ein wesentlicher auf-
rechterhaltener Faktor für die Depression des Beschwerdeführers ist.
Diese Annahme wird durch den Umstand gestützt, dass im ordentlichen
Asylverfahren der Gesundheitsfaktor als Vollzugshindernis – abgesehen
von einer Beinverletzung – kein Thema war (vgl. Verfügung des SEM vom
16. Oktober 2017, Ziff. III Seite 6). Die Wiedervereinigung des Beschwer-
deführers mit seiner Familie dürfte somit positive Auswirkungen auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers haben, zumal die Unsicher-
heit über seinen Asylstatus mit vorliegendem Urteil beseitigt wird. Der Be-
schwerdeführer – der sich einerseits sowohl gemäss Austrittsbericht vom
(...) als auch im Kurzbericht vom (...) statuiert glaubhaft von der (...) dis-
tanziert hat und andererseits anfangs November (...) im Rahmen von vier
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Schnuppertagen in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet und dabei of-
fenkundig gute Arbeit geleistet hat (vgl. ärztlicher Kurzbericht S. 2) – benö-
tigt derzeit offenbar nur noch eine Gesprächstherapie und Medikamente
gegen Ängste und Schlafstörungen. Mit Hilfe der Therapeutin kann er sich
sodann gezielt auf die Rückkehr vorbereiten. Zudem kann er bei Bedarf
medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch nehmen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d
AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2,
SR 142.312]). Nach dem Gesagten ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung
davon auszugehen, dass eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach
G._ in den Kreis seiner Familie (vgl. E. 6.3) zu einer Verbesserung
seines Gesundheitszustandes führen wird.
Sollte der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr noch psychiatrische
Unterstützung benötigen, besteht in G._ gemäss der Länderana-
lyse der SFH (Schweizerische Flüchtlingshilfe, Afghanistan: Psychiatrische
und psychotherapeutische Behandlung vom 5. April 2017) die Möglichkeit,
sich an zwei staatlichen Spitälern psychiatrisch behandeln zu lassen. Über-
dies kommt vorliegend auch die Behandlung in einer von mehreren priva-
ten Einrichtungen (wie beispielsweise J._ Hospital und K._
Hospital, welche ebenfalls eine begrenzte Kapazität psychiatrischer, psy-
chotherapeutischer und suchttherapeutischer Behandlungen anbieten) in
Betracht (vgl. Urteil des BVGer E-6293/2018 vom 24. April 2019 E. 4.6.2).
6.4.3 Im Falle einer (zwangsweisen) Rückführung ist dem Umstand der fra-
gilen Gesundheitssituation des Beschwerdeführers in angemessener
Weise Rechnung zu tragen, indem geeignete medizinische Massnahmen
getroffen werden und eine adäquate Betreuung (beispielsweise durch me-
dizinisches Fachpersonal) sichergestellt wird.
6.5 In Bestätigung der angefochtenen Verfügung liegen in Würdigung der
gesamten Umstände auch aus heutiger Sicht besonders begünstigende
Faktoren im Sinne der Rechtsprechung (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017) vor, womit der Vollzug der Wegwei-
sung nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren ist.
6.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer auch
im vorliegenden Verfahren nicht gelungen ist, den Wegweisungsvollzug
nach Kabul als unzumutbar erkennen zu lassen. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Der am 20. Januar 2020 verfügte Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin.
9.
9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos gewor-
den.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbegehren je-
doch nicht als aussichtslos zu betrachten waren und aufgrund der Akten
von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das mit
der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen.
(Dispositiv nächste Seite)
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