Decision ID: fc07cdfa-cc02-48bd-81d6-037d6871edb3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1994,
war ab 23. September 2019 als
Associate
Process
Engineer USP bei der
Y._
AG in Zug angestellt und gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er
gemäss Anga
ben in der Unfallmeldung vom 2
0.
Mai 2020
am 19. Mai 2020 beim Joggen einen «ungeschickten Schritt» machte und sich das linke Knie verdrehte (Urk. 7/1; vgl. auch Urk.
2 S. 2).
Die medizinische Erstversorgung fand bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, statt (Urk. 7/1).
Am 19. Juni 2020 wurde der Versicherte radio
logisch untersucht (Urk. 7/2). Assistenzarzt
Dr.
med.
A._
und Prof.
Dr.
med.
B._
vom Ambulatorium Orthopädie
I._
erstatteten am 15. Dezember 2020 Bericht (Urk. 7/11).
Assistenzarzt
C._
und Oberarzt
Dr.
med.
D._
von der
Klinik E._
untersuchten den Versicherten am 5. Juli 2021 (Urk. 7/24). Am 19. Juli 2021 fanden eine weitere MRI-Untersuchung (Urk. 7/28) und am
1
9.
und 29
Juli 2021 erneute Untersuchung
en
in der
Klinik E._
(Urk. 7/29
, 7/31
) statt.
Am 4. August 2021 wurde der Versicherte in der
Klinik E._
operiert (In
nenmeniskus Teilresektion und Naht
Hinterhorn
mit 3x
Truespan
-Anker; Resek
tion
Plica
infrapatellaris
[Urk. 7/40]). Dort blieb er bis zum 5. August 2021 hospitalisiert (Urk. 7/39).
1.2
Mit Schadenmeldung vom 9. August 2021 (Urk. 7/35) wurde die Suva
, welche die gesetzlichen Leistungen bis Dezember 2020 erbracht hatte (
Urk.
1 S. 3,
Urk.
6 S. 3),
davon in Kenntnis gesetzt, dass sich der Versicherte der genannten Operation unte
rzogen hatte
.
Prof.
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Radiologie, reichte am 2. September 2021 eine
im Auftrag der Suva erstattete
radiologisch-konsiliarische Beurteilung zu den Akten (Urk. 7/49).
Kreisarzt
med.
pract
.
G._
, Facharzt
FMH
für Chirurgie, nahm am 7. September 2021 Stellung (Urk. 7/51).
Mit Verfügung vom 17. September 2021 (Urk. 7/58) verneinte die Suva ihre Leis
tungspflicht
für den mit Schadenmeldung vom
9.
August 2021 gemeldeten Rück
fall zum Ereignis vom 1
9.
Mai 2020
mit der Begründung, dass die medizinischen Unterlagen keinen sicheren oder wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 19. Mai 2020 und den Gesundheitsbeeinträchti
gungen am linken Knie zeigten.
1.3
Med.
pract
.
H._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, ersuchte die
Suva mit
Schreiben vom 26. September 2021 (Urk. 7/66) um nochmalige Prüfung des Falles. Am 29. September 2021 nahm Kreisarzt med.
pract
.
G._
nochmals Stellung (Urk. 7/68). In der Folge hielt die Suva an ihrem leistungsverweigernden Entscheid fest (vgl. etwa Urk. 7/71).
Am 13. Oktober 2021 erhob der Versicherte Einsprache (Urk. 7/73) gegen die Verfügung vom 17. September
202
1.
Mit Entscheid vom 20. Januar 2022 (Urk. 2) wies die Suva die Einsprache ab.
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Februar 2022 (Urk. 1) Beschwerde mit dem Antrag, es sei die Suva zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Versicherungsleistungen auszurichten.
Die Suva schloss in ihrer Beschwerde
antwort vom 7. März 2022 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Ver
sicherten mitgeteilt wurde (vgl. Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art
. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die z
weckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenve
rsicherung (IV) noch nicht abge
schlo
ssen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 146 V 51 E. 7.1 sowie BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2.3
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. Sep
tember 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
sicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
teilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_593/2021 vom 6. Januar 2022 E. 2.3).
1.3
Praxisgemäss
stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in
beweismässiger
Hinsicht
grösseres
Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte
im angefochtenen Einspracheentscheid
in Bezug auf das Ereignis vom 19. Mai 2020
e
ine
Leistungspflicht
für die
ab
5.
Juli 2021
angefallenen Heilbehandlungen
mit einhergehender Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 2) im Wesentlichen mit der Begründung, dass
dasselbe
keine strukturellen Läsionen
nach sich gezogen habe und
Ende Juli 2020 und damit zehn Wochen nach dem genannten Ereignis, das sie als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG qualifizierte, spätestens jedoch im Zeitpunkt der erneuten ärztlichen Konsulta
tionen ab dem 5. Juli 2021 der Status quo sine mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erreicht gewesen sei respektive keine Unfallfolgen mehr gegeben gewesen seien (E.
3
c). Schliesslich sei in rechtlicher Hinsicht bezüglich des Hinweises des Beschwerdeführers auf eine Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG festzu
halten, dass, wenn es bei einem Unfall lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes gekommen sei, gleichzeitig auch erstellt sei, dass eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vorwie
gend, das heisse zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen sei (BGE 146 V 51 E. 9.2). D
ann bestehe kein
Leistungsanspruch aufgrund einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerde
gegnerin an dieser Sichtweise fest (vgl. Urk. 6). Den neu eingereichten Unterlagen des Beschwerde
führers sprach sie eine relevante Beweiskraft ab. Im Übrigen sei der
Vorgang vom 19. Mai 2020 im Detail nicht rekonstruierbar, scheine aber sehr unspezifisch und geringfügig gewesen zu sein («ungeschickter Schritt», «Fehltritt» oder «gestol
pert»).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt, dass nach wie vor Folgen des Unfalls vom 19. Mai 2020 vorlägen. Die medizinischen Berichte, auf die sich die Beschwerdegegnerin stütze, seien nicht überzeugend. Das treffe insbesondere auf die kreisärztlichen Einschätzungen zu. Aus dem radiologischen Bericht von Prof.
F._
gehe klar hervor, dass ein Gelenkserguss vorhanden gewesen sei. D
ies
widerspreche der kreisärztlichen Beurteilung. Die medizinischen Akten würden für das Vorliegen von Unfallfolgen sprechen. Das ergebe sich insbesondere aus dem Bericht des Ambulatoriums Orthopädie
I._
vom 18. Oktober 2021 (Urk. 3/11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
ab
5.
Juli 2021
zu Recht verneint hat, weil zwischen dem Ereignis vom 19. Mai 2020 und den Gesundheitsbeeinträchtigungen
am linken Knie des Beschwerdeführers kein Kausalzusa
mmenhang
(mehr)
besteht
respektive
keine
leistungsbegründende
Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG gegeben ist.
3.
3.1
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für Radiologie, hielt in seinem Bericht vom 19. Juni 2020 (Urk. 7/2) über die MRI-Untersuchung
des linken Knies folgende Beurteilung
fest:
-
Mediale
Meniskopathie
mit
undisloziertem
Meniskusriss auf Höhe des
Hinterhornes
bei
parameniskalen
laterodorsalen
Zysten, Reizzu
stand des medialen Kollateralbandkomplexes unter Einbezug des
Pes
anserinus
.
-
Tendinose
der
Quadriceps
- und Patellarsehne. Ein
Hoffa-I
m
pinge
ment
kann bei entzündlicher Veränderung des Hoffaschen Fett
körpers auf Höhe des lateralen
Patellapols
nicht ausgeschlossen werden.
Tendoperostose
der distalen,
dd
: leicht gereizten Patellar
sehne unter Einbezug der angrenzenden Bursa.
-
Durchgängiges, aber leicht verbreitertes und signalverändertes VKB, DD:
a.e
.
mukoide
Degeneration, DD: Klinik bzgl. Kreuzbandüber
dehnung?
3.2
Dr.
A._
und Prof.
B._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 15. Dezember 2020 (Urk. 7/11) eine mediale, horizontal verlaufende Meniskusläsion Knie links nach Distorsionstrauma vom Mai 202
0.
Die Zuweisung sei aufgrund persistie
render
medialseitiger
Knieschmerzen seit einem Distorsionstrauma im Mai 2020 erfolgt. Insbesondere unter Belastung wie beim Joggen komme es auch noch zu Schwellungen. Das MRI des linken Knies vom 19. Juni 2020 zeige eine Horizon
talläsion, welche die gesamt
e
Meniskusbreite von der zentralen Zone bis zur Basis vom
Hinterhorn
bis in den Korpus reichend überspanne. Der Knorpelüberzug sei regelrecht in allen drei Kompartimenten.
3.3
Aus dem Bericht der
Klinik E._
vom 7. Juli 2021 (Urk. 7/24) ergibt sich, dass der Beschwerdeführer weiterhin über anhaltende mediale Knieschmerzen linksseitig geklagt habe. Grundsätzlich sei hier bei anhaltenden Beschwerden eine bilanzierende Arthroskopie mit
Teilmeniskektomie
versus Meniskusnaht anzu
denken.
3.4
Prof.
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Radiologie, hielt im Nachgang zur MRI- Untersuchung des linken Knies vom 19. Juli 2021 folgende Beurteilung fest (Urk. 7/28):
-
Langstreckiger
horizontaler Riss im medialen Meniskus in der Pars
intermedia
und im
Hinterhorn
mit mehreren, mehrfach
septierten
, teilweise grossen
parameniskalen
Ganglien.
-
Keine Knorpelschäden.
-
Status nach
Osgood
-Schlatter.
3.5
Oberärztin
Dr.
med.
K._
und Oberarzt
Dr.
med.
D._
von der
Klinik E._
rieten in ihrem Bericht vom 22. Juli 2021 (Urk. 7/29) nach Ausschöpfung der konservativen Therapie beziehungsweise der Physiotherapie zu einer Knie
arthroskopie. Der Beschwerdeführer habe einen hohen Leidensdruck mit medialen Knieschmerzen nach körperlicher Belastung.
3.6
Prof.
Dr.
F._
führte in seinem Bericht (radiologisch-konsiliarische Beurteilung) vom 2. September 2021 (Urk. 7/49)
aus
, dass sich ein horizontaler Riss im medi
alen
Meniskushinterhorn
und den dorsalen Anteilen der Pars
intermedia
des Meniskus an typischer Lokalisation und mit typischer Morphologie
eines degene
rativ bedingten Meniskusrisses (oft asymptomatisch) zeige. Für einen länger bestehenden Riss spreche das mehrfach
septierte
assoziierte Ganglion an der
Basis
des medialen Meniskus. Es fänden sich keine typisch posttraumatischen Verän
derungen, insbesondere kein relevanter Gelenkserguss, kein
Bone
bruise
und auch keine Weichteilkontusionsmarken.
Nebenbefundlich
fänden sich reizlose Resi
duen eines stattgehabten Morbus
Osgood
-Schlatter. Somit seien insgesamt keine überwiegend wahrscheinlich mit dem Ereignis vom 19. Mai 2020 in Verbindung stehenden strukturellen Läsionen vorhanden.
3.7
Kreisarzt m
ed.
pract
.
G._
äusserte sich am 7. September 2021
(
Urk.
7/51)
dahingehend, dass er der Beurteilung von Prof.
Dr.
F._
uneingeschränkt zustimme. Insbesondere sei der Schaden, welcher «operiert» worden sei, nicht auf das Ereignis vom 19. Mai 2020 zurückzuführen. Bei diesem Ereignis sei es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Distorsion des linken Knies gekom
men. Solche nicht richtunggebenden Verschlimmerungen seien nach allgemeiner Lehrauffassung spätestens nach sechs Wochen als abgeheilt zu betrachten
(spä
testens per Ende Juli 2020). Danach habe das Ereignis mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit im weiteren Ve
rlauf keine Rolle mehr gespielt (vgl. zum Ganzen auch den Bericht von med.
pract
.
G._
vom 29. September 2021 [Urk. 7/68], in dem er an seinen Einschätzungen vom 7. September 2021 festhielt).
3.8
Assistenzärztin med.
pract
.
L._
vom Ambulatorium Orthopädie
I._
hielt demgegenüber in ihrem Bericht vom 21. September 2021 (
Urk.
7/64) dafür, dass Meniskusbeschwerden in sechs bis acht Wochen nachlassen oder über meh
rere Monate persistieren könnten. Bei der klinischen Kontrolle am 14. Dezember 2020 habe der Beschwerdeführer positive Meniskuszeichen gezeigt. Die Beschwerdegegnerin habe ihren leistungsverweigernden Entscheid vor allem gestützt auf radiologische Befunde getroffen. Das sei nicht korrekt. Selbst habe man den Beschwerdeführer klinisch untersucht, eine genaue Anamnese durch
geführt und anschliessend die Diagnostik beurteilt. Man sei der Meinung, dass die Kniebeschwerden durch die Meniskusläsion nach der Kniedistorsion vom Mai 2020 verursacht worden seien. Es sei bei Beschwerdefreiheit zwar möglich, aber unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer bereits vorher eine Meniskusläsion gehabt habe. D
ie Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch das Ereignis vom Mai 2020 verursacht worden (Urk. 7/64).
3.9
Med.
pract
.
H._
äusserte sich in seinem Bericht vom 26. September 2021 (Urk. 7/66) dahingehend, dass die Beschwerden entgegen den Mutmassungen des Kreisarztes im vorliegenden Fall eben nicht nach sechs Wochen abgeheilt gewe
sen seien. Seines Wissens sei gerade eine Distorsion ein geeigneter Mechanismus für eine Meniskusläsion. Die Beschwerden seien nach sechs Wochen nicht
vorbei gewesen, weil ja
nicht nur die Seitenbänder tangiert worden seien, sondern eben gerade auch der Meniskus betroffen gewesen sei. Das junge Alter des Beschwer
deführers und dessen (wenig kniebelastender) Beruf würden auch gegen einen degenerativen Prozess sprechen.
3.10
Med.
pract
.
L._
, Oberarzt
Dr.
med.
M._
und Prof.
Dr.
med.
B._
führ
ten in ihrem Bericht vom 18. Oktober 2021 (Urk.
7/82) aus, dass es aus fachärzt
licher Sicht durch den Unfall vom 19. Mai 2021 mit überwiegender Wahrschein
lichkeit zu einer frischen symptomatischen Meniskusläsion gekommen sei. Sollte es vorgängig bereits
intrameniskale
Degenerationen gegeben haben, welche eine
Ganglionformation
erklären würden, könne mit überwiegender Wahrscheinlich
keit davon ausgegangen werden, dass es durch die Distorsion zu einer «
acute
on
cronic
meniscus
lesion
» gekommen sei. Als Goldstandard der Diagnostik gelte immer noch die Kniearthroskopie, welche aus therapeutischen Zwecken bei persistierender Beschwerdesymptomatik nach gescheiterter konservativer Thera
pie in der
Klinik E._
durchgeführt worden sei. Hier sei im diagnostischen Rundgang ein klarer Lappenriss in der Pars
intermedia
beschrieben worden, welcher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer traumatischen Läsion entspreche. Das könne retrospektiv auch im MRI gesehen werden.
Vor dem Ereignis habe der Beschwerdeführer keine Knieschmerzen gehabt. Nach dem Ereignis habe mittels MRI-Untersuchung eine mediale Meniskusläsion diagnosti
ziert werden können, welche mit den klaren klinischen Symptomen über
ein
stimme. Beweisend komme hier noch die
arthroskopische
Beurteilung hinzu. Ob die
Ganglionformation
bereits vor dem Unfall bestanden habe, sei spekulativ.
Diese
könne auch in einem kurzen Zeitraum
entstanden
sein. Gemäss aktueller Literatur könnten auch bei
asymptomatischen
Patienten in bis zu 67 % im MRI
Abnormalitäten
, unter anderem Meniskusganglien
,
festgestellt werden. In der Zusammenschau aller klinischen, radiologischen und operativen Befunde sei die Meniskusläsion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die Kniedistorsion vom 19. Mai 2020 entstanden. Bei einer weiteren Kostenablehnung durch die Beschwerdegegnerin empfehle man die Einholung eines unabhängigen ortho
pädisch-unfallchirurgischen Fachgutachtens, welches den Operationsbericht sowie die Bilddokumentation desselben unbedingt als Beweismittel berück
sichtige.
4
.
4.1
Vorweg zu prüfen ist, ob
die Beschwerdeführerin das Ereignis vom 19. Mai 2020
zu Recht
als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG qualifiziert hat. Wie oben in E. 1.3 dargelegt wurde, kommt bei der Sachverhaltsschilderung den sogenannten Aussagen der ersten Stunde in beweisrechtlicher Hinsicht eine besondere Bedeu
tung zu.
Danach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am 19. Mai 2020 beim Joggen einen «ungeschickten Schritt» ge
macht und sich das «Knie verdreht» hat
(Urk. 7/1). Auch soweit er später vom einem «Fehltritt» gesprochen hat (vgl. Urk. 7/3, 7/10 und 7/34)
,
fügt sich das in dieses Bild, denn das Wort «Fehltritt» deckt gemäss
«
Duden
»
insbesondere auch die Bedeutung «falscher, ungeschickter Tritt» ab. Soweit der Beschwerdeführer später (vgl. Urk. 7/10) von einem Stolpern, das fast zu einem Sturz geführt habe, sprach,
erfüllt d
as reine Stolpern ohne Sturz beim sportlichen "Walken" oder Joggen in der freien Natur den Unfallbegriff gemäss
Art.
4 ATSG nicht, da es nicht als ungewöhnlich bezeichnet werden kann (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_50/2012 vom
1.
März 2012 E. 5.6)
.
Ein ungeschickter Schritt oder ein Fehltritt mit Verdrehen des Knies bei der Ausübung eines
üblichen Sports (wie dem Joggen)
ist
grundsätzlich
ebenfalls
nicht als Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zu
qualifizieren, weil
offen
sichtlich
ein ungewöhnlicher äusserer Faktor fehlt (vgl. dazu Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, N 64 f. zu Art. 4 ATSG mit Hinweisen,
wobei zu beachten ist, dass
auch
im
dort genannte
n
höchstrichter
liche
n
Präjudiz U 92/00 vom 27. Juni 2001 [
Misstritt
beim Volleyball] nicht auf Vorliegen eines Unfalls, sondern
lediglich
auf
dasjenige
einer unfallähnlichen Körperschädigung
geschlossen
wurde
). Üblichem Laufen oder Joggen wohnt kein gesteigertes Gefahrenpotential inne und ist in keiner Hinsicht ungewöhnlich
(Urteil des Bundesgerichts 8C_118/2008 vom 2
3.
Oktober 2008 E. 3.3)
. Dasselbe gilt für «ungeschickte Schritte».
Demzufolge
kann
das Ereignis vom 19. Mai 2020
kaum
unter Art. 4 ATSG subsumiert werden
. Nachdem die Beschwerdegegnerin
aber
ohnehin
auf eine Rückforderung bereits erbrachter Leistungen verzichtet (
Urk.
6 S. 3) und sich die Leistungspflicht - wie nachfolgend erläutert (E. 4.2.1) –
im Grundsatz auch
aus
Art.
6
Abs.
2 UVG ergäbe, erübrigen sich Weiterungen hierzu.
4.2
4.2.1
Da beim Beschwerdeführer eine sogenannte L
istenverletzung gemäss
Art. 6 Abs. 2 UVG
vorliegt und im Sinne der oben in E. 1.2.3 wiedergegebenen höchst
richterlichen Rechtsprechung mit dem «ungeschickten Schritt» beziehungsweise «Fehltritt» vom 19. Mai 2020 auch ein sogenanntes «initiales
erinnerliches
und benennbares
Ereignis» (
begrifflich an den früher verwendeten Terminus des «sinnfälligen
Ereignis
ses
»
erinnernd
) gegeben ist, steht die grundsätzliche Leis
tungspflicht der Beschwerdegegnerin fe
st, es sei denn,
die Gesundheitsbeein
trächtigung
en
am linken Knie des Beschwerdeführers beziehungsweise dessen
als wesentliche Folge des Ereignisses vom 1
9.
Mai 2020 diskutierte
Meniskusver
letzung
wäre
vorwiegend
, mithin
zu mehr als 50
%
auf Abnützung oder Erkran
kung zurückzuführen.
4.2.2
Bei der Frage, ob der streitgegenständliche Gesundheitsschaden am linken Knie des Beschwerdeführers vorwiegend degenerativer oder krankhafter Natur oder
vielmehr
auf das initiale Ereignis vom 19. Mai 2020 zurückzuführen
ist
, handelt es sich um eine medizinische Frage, die in den oben wiedergegebenen Berichten der involvierten medizinischen Experten kontrovers diskutiert worden ist.
Während Prof.
Dr.
F._
und Kreisarzt med.
pract
.
G._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer degenerativen oder krankhaften Genese der streit
gegenständlichen Gesundheitsbeeinträchtigung ausgingen (vgl. oben E. 3.6 und 3.7), waren med.
pract
L._
,
med.
pract
.
H._
,
Dr.
M._
und Prof.
Dr.
B._
diametral anderer Ansicht (vgl. E. 3.8-3.10). Während Prof.
Dr.
F._
und med.
pract
.
G._
ihre Auffassung vor allem auf die degenerative
Typizität
des Gesundheitsschadens und das Fehlen von typisch posttraumatischen Verän
derungen stützte
n (vgl. E. 3.6) und
med.
pract
.
G._
auch
auf
sein Erfahrungs
wissen hinwies
(vgl. E. 3.7), legten med.
pract
L._
,
med.
pract
.
H._
,
Dr.
M._
und Prof.
Dr.
B._
für ihre abweichenden Meinungen diverse Gründe vor (vgl. E. 3.8-3.10): Zum einen wurde darauf hingewiesen, dass am 19. Mai 2019 ein «initiales Ereignis» stattgefunden habe und dass der Beschwer
deführer davor keine Beschwerden gehabt habe. Zum anderen wurden metho
dische Mängel der Beurteilung von Prof.
Dr.
F._
geltend gemacht (fast aus
schliessliches Abstellen auf radiologische Befunde). Dann wurde auf das noch jugendliche Alter des Beschwerdeführers hingewiesen
, welches ebenso wie der wenig kniebelastende Beruf gegen einen degenerativen Prozess spr
e
che (E. 3.9), und auf
die erlittene Distorsion als typischen Mechanismus für derartige Verlet
zungen
, wobei die
initale
Symptomatik klar mit der Meniskusläsion korreliert habe
.
Schliesslich wurde die Beurteilung von Prof.
Dr.
F._
integral in Frage gestellt (vgl. E. 3.10).
Offensichtlich ist um die kontrovers diskutierte Frage nach der Genese der streit
gegenständlichen Gesundheitsbeeinträchtigung ein regelrechter medizinischer Expertenstreit entstanden, der nicht durch das S
ozialversicherungsgericht entschieden
werden kann. Gestützt auf die medizinischen Akten kann nicht beurteilt werden, welche der beiden Expertengruppen mit ihrer Einschätzung
dem vorliegenden Fall gerecht wird.
Die medizinischen Beurteilungen weichen zu stark voneinander ab. Es wäre die Aufgabe der Beschwerdegegnerin gewesen, diesen Expertenstreit durch eine Oberexpertise zu entscheiden.
4.2.3
Aus dem Gesagten folgt ohne Weiteres, dass sich die Sache als nicht spruchreif erweist. Es bedarf weiterer medizinischer Abklärungen. Wie von med.
pract
.
L._
,
med.
pract
.
H._
,
Dr.
M._
und Prof.
Dr.
B._
vorgeschlagen wurde, erscheint es angezeigt, ein versicherungsunabhängiges orthopädisch-unfallchirurgisches Gutachten einzuholen.
Demzufolge ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der Einsprache
entscheid vom 20.
Januar 2022 (Urk. 2) aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen über ihre Leistungspflicht
ab
5.
Juli 2021
neu verfüge.