Decision ID: 793cd984-b46c-498c-8d01-8245148c62c8
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._, ohne abgeschlossene Berufsausbildung (nachfolgend Versicherte), arbeitete
seit dem 1. April 2017 in einem 100 %-Pensum als Fachkraft für Sortierarbeiten bei der
B._ AG (IV-act. 1, 2-3, 23).
A.a.
Nach entsprechender Anmeldung zur Früherfassung vom 26. Juni 2019 (IV-act. 1)
meldete sich die Versicherte am 21. Juli 2019 insbesondere wegen der die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden persistierenden Rückenschmerzen mit
Ausstrahlungen in die Beine sowie Schulterschmerzen rechts mit Ausstrahlung in den
rechten Arm (vgl. die Berichte der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen [nachfolgend: KSSG] vom 17. Juli, 14. August, 10. Oktober und 10. Dezember
2018 sowie vom 30. April und 31. Mai 2019 [IV-act. 9, 11 ff., 15, 22-5 f.] und der Klinik
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des KSSG vom 14. Juni und 18. Juli
2019 [IV-act. 16 f.]) zum Bezug von Leistungen bei der Invalidenversicherung an
(Berufliche Integration/Rente; IV-act. 4). In der Stellungnahme vom 6. August 2019 hielt
die RAD-Ärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, fest,
dass bei der Versicherten in der angestammten Tätigkeit mit ausschliesslichem Stehen
und repetitiver Belastung der rechten Schulter wegen einer verminderten Belastbarkeit
der Wirbelsäule und der rechten Schulter dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit mehr
bestehe. In einer leidensadaptierten Tätigkeit (leichte körperliche Tätigkeit in
Wechselbelastung, ohne Zwangshaltungen für die Wirbelsäule, ohne repetitive
Belastungen für die rechte Schulter und den rechten Arm und ohne Überkopfarbeiten)
bestehe Eingliederungspotential in einem 50%igen Pensum, steigerbar (IV-act. 24).
A.b.
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Mit Mitteilung vom 4. November 2019 sicherte die IV-Stelle der Versicherten
Beratung und Unterstützung beim Erhalt des Arbeitsplatzes zu (IV-act. 36).
A.c.
Im Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 27. November 2019 über die
Untersuchung vom 18. November 2019 diagnostizierten die Ärzte ein chronifiziertes
nozizeptives Schmerzsyndrom des lumbalen Rückens mitbedingt durch die erhebliche
lumbale S-förmige Skoliose. Die monotone, körperbetonte Arbeit erachteten die Ärzte
als einen Risikofaktor für eine weitere Chronifizierung (IV-act. 41).
A.d.
Da eine Anpassung des bisherigen Arbeitsplatzes und ein firmeninterner
Arbeitsplatzwechsel nicht möglich waren (vgl. IV-act. 44), sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Mitteilung vom 9. Januar 2020 die Übernahme der Kosten für ein
Jobcoaching zwecks Suche einer externen Anschlusslösung zu (IV-act. 45). Das
Arbeitsverhältnis bei der B._ AG endete am 30. April 2020 (vgl. IV-act. 54-7).
Anschliessend arbeitete die Versicherte in einer Firma, welche im Bereich der
automatischen Verpflegung tätig ist. Das Arbeitsverhältnis wurde jedoch bereits nach
14 Tagen von der Arbeitgeberin wieder aufgelöst (IV-act. 54-6; betreffend
Auflösungsgrund vgl. auch IV-act. 56-1, 58-2, 63-1 und 72-6).
A.e.
Mit Mitteilung vom 8. Juli 2020 sprach die IV-Stelle der Versicherten einen vom 1.
Juli bis 31. Dezember 2020 befristeten Arbeitsversuch im D._ zu. Als Ziele des
Arbeitsversuchs wurden insbesondere genannt die möglichst genaue Beurteilung der
Belastbarkeit, der Leistungs- und Einsatzfähigkeit und der Zuverlässigkeit der
Versicherten sowie das Sammeln von Berufserfahrung in einem möglichen
Arbeitsumfeld und das Erschaffen einer aktuellen Referenz für die weitere Stellensuche
(IV-act. 57, 60). Im Feststellungsblatt berufliche Massnahmen vom 16. Dezember 2020
wurde von der Eingliederungsberaterin der IV-Stelle zum Arbeitsversuch festgehalten,
dass bei einem vollen Arbeitspensum sozialpraktisch eine Leistung von 60 bis 80 %
erreicht worden sei. Die Leistung sei bei Tätigkeiten, die mit längeren Gehstrecken
verbunden seien, deutlich stärker eingeschränkt. Tätigkeiten an Ort (ohne
Zwangshaltungen) hätten fast ohne Leistungseinschränkungen durchgeführt werden
können (IV-act. 74; siehe auch die Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit im
Standortgespräch vom 21. September 2020 sowie im Abschlussgespräch vom 1.
Dezember 2020, IV-act. 72-8). Mit Mitteilung vom 4. Januar 2021 wurden die
A.f.
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beruflichen Massnahmen von der IV-Stelle abgeschlossen (IV-act. 75). Am 7. April 2021
wurde die Versicherte von der IV-Stelle informiert, dass nach dem Abschluss der
beruflichen Massnahmen nun der mögliche Anspruch auf eine Rente geprüft werde (IV-
act. 83).
In der Stellungnahme vom 22. April 2021 erklärte RAD-Ärztin Dr. C._, dass der
Gesundheitszustand der Versicherten für die Rentenprüfung noch nicht ausreichend
stabil sei (IV-act. 84). Nach Einholung neuer Berichte beim Schmerzzentrum des KSSG
(Untersuchungsbericht vom 21. Juni 2021, IV-act. 91, und Beurteilung der
Leistungsfähigkeit vom 20. Juli 2021, IV-act. 94) erfolgte eine erneute Fallvorlage,
woraufhin die RAD-Ärztin in der Stellungnahme vom 17. August 2021 festhielt, dass die
im Rahmen des Arbeitsversuchs am Bundesverwaltungsgericht sozialpraktisch
erprobte Leistung und die gezeigten Einschränkungen aufgrund der objektiven
Wirbelsäulenveränderungen plausibel und nachvollziehbar seien. Seither sei es zu einer
vorübergehenden Verschlechterung und auch wieder zu einer Verbesserung
gekommen, was den normalen Verlauf bei einer solchen Erkrankung darstelle. In der
angestammten Tätigkeit (Facharbeiterin Recycling) mit monotoner Körperhaltung
bestehe seit dem 10. Juli 2018 anhaltend keine relevante Arbeitsfähigkeit mehr. In einer
optimal leidensadaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60 % (innerhalb
eines 80 bis 100%igen Pensums mit Leistungsminderung durch zusätzliche, frei
wählbare Pausen zum Positionswechsel und eine gewisse Leistungsminderung durch
verlangsamtes Arbeiten bei Schmerzen). Als Adaptionskriterien wurden genannt: leichte
körperliche Arbeit in Wechselbelastung, vorwiegend im Sitzen, keine längeren
Gehstrecken, Knien, Hocken oder Bücken, mit frei wählbaren Pausen zum
Positionswechsel, keine besondere Stressbelastung unter Zeitdruck sowie keine
Exposition gegenüber aussergewöhnlicher Kälte, Hitze oder Zugluft (IV-act. 95).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 25. August 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, das Leistungsbegehren für eine Invalidenrente bei einem
ermittelten Invaliditätsgrad von 37 % abzuweisen (IV-act. 99; Berechnungsgrundlagen
siehe IV-act. 96 f.).
A.h.
Am 29. September 2021 liess die Versicherte, vertreten durch Procap St. Gallen-
Appenzell, Einwand gegen den Vorbescheid erheben. Verlangt wurde die Ausrichtung
A.i.
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B.
einer Viertelsrente. Ausgeführt wurde, dass die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit des RAD nicht bestritten werde. Da in der Vergangenheit sehr
unterschiedlich hohe Einkommen erzielt worden seien, sei nicht auf das letzte
Einkommen bei der B._ AG, sondern beim Valideneinkommen und beim
Invalideneinkommen auf die Tabellenlöhne abzustellen. Zudem sei ein
Tabellenlohnabzug beim Invalideneinkommen zu gewähren (IV-act. 103).
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten für eine Invalidenrente bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 37 % ab
(IV-act. 104). Beim Valideneinkommen wurde auf die Lohnangaben der letzten
Arbeitgeberin, der B._ AG, für das Jahr 2019 von Fr. 50'830.- abgestellt (vgl. IV-act.
23-5 f.). Gestützt auf die Tabellenlöhne und unter Berücksichtigung eines
Minderverdienstabzug von 3.65 % (8.65 % - 5 %) sowie bei einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit wurde das Invalidenkommen auf Fr. 32'023.- festgelegt. Ein
Tabellenlohnabzug wurde nicht gewährt (IV-act. 104).
A.j.
Gegen die Verfügung vom 1. Oktober 2021 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 3. November 2021 (act. G 1). Die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin Nadja D'Amico, Procap Schweiz,
Olten, beantragt darin die Aufhebung der Verfügung vom 1. Oktober 2021, die
Gewährung von beruflichen Massnahmen und die Zusprache einer Invalidenrente ab
dem frühest möglichen Zeitpunkt. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung lässt sie
insbesondere ausführen, dass die Beschwerdegegnerin dem Grundsatz Eingliederung
vor Rente vorliegend zu wenig Rechnung getragen habe. So habe der Arbeitsversuch
beim Bundesverwaltungsgericht deutlich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin in der
Eingliederung auf weitere Unterstützung angewiesen sei. Im Weiteren wird darauf
hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin die erste berufliche Ausbildung
gesundheitsbedingt habe abbrechen müssen. Die Bemühungen, eine neue,
leidensadaptierte Lehrstelle zu finden, seien ebenfalls am gesundheitlichen Zustand der
Beschwerdeführerin gescheitert. Insbesondere auch vor diesem Hintergrund müssten
B.a.
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berufliche Massnahmen geprüft werden. Mit einer Arbeitsvermittlung sei es nicht getan.
Der Rentenentscheid sei zu früh erfolgt. Die vom RAD angenommene Arbeitsfähigkeit
von 60 % könne nicht nachvollzogen werden, sei dieser doch zuvor von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen (vgl. IV-act. 24-3).
Mit Schreiben vom 4. November 2021 reichte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin ein erneutes Gesuch um Gewährung
von beruflichen Massnahmen ein und begründete dies damit, dass berufliche
Massnahmen nicht Gegenstand vor Gericht seien und die Beschwerdeführerin ihre
erstmalige berufliche Ausbildung zur Schlosserin aus gesundheitlichen Gründen habe
abbrechen müssen, was bisher nicht berücksichtigt worden sei (IV-act. 107).
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Begründet wird dies insbesondere
damit, dass der Anspruch auf berufliche Massnahmen bereits mit Mitteilung vom 4.
Januar 2021 (IV-act. 75) verneint worden sei und die Beschwerdeführerin nicht innert
der Frist von 30 Tagen eine anfechtbare Verfügung verlangt habe. Ausserdem sei der
Grundsatz Eingliederung vor Rente nicht verletzt, da ein Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint worden sei. Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, dass
der RAD gestützt auf den Bericht der Eingliederungsberaterin zum Arbeitsversuch im
D._ sowie weitere Berichte des KSSG geprüft habe, ob die anlässlich des
Arbeitsversuchs gezeigte Leistung anhand der objektiven Wirbelsäulenveränderungen
plausibel sei, was bestätigt worden sei.
B.c.
In der Replik vom 16. März 2022 lässt die Beschwerdeführerin vollumfänglich an
den Rechtsbegehren gemäss der Beschwerde vom 3. November 2021 festhalten (act.
G 8). Miteingereicht wurden der Untersuchungsbericht des Ostschweizer
Wirbelsäulenzentrums des KSSG vom 14. Februar 2022 über die Untersuchung vom
10. Februar 2022 (act. G 8.1), der Verlaufskonsultationsbericht des Schmerzzentrums
des KSSG vom 7. Januar 2022 über die Untersuchung vom 13. Dezember 2021 (act.
G 8.2) sowie weitere Arztberichte aus den Jahren 1991 bis 1999 (act. G 8.3).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).B.e.
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Considerations:
Erwägungen
1.
2.
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft (Weiterentwicklung der IV [WEIV]: Änderung vom 19. Juni
2020, AS 2021 705, BBI 2017 2535). Die im vorliegenden Beschwerdeverfahren
angefochtene Verfügung vom 1. Oktober 2021 (IV-act. 104) erging vor dem 1. Januar
2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich
massgebenden Sachverhalts (vgl. statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 351 E. 1
mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der bis 31. Januar 2021 gültig
gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2022,
8C_736/2021, E. 2.2).
1.1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen sind der Anspruch
der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen sowie derjenige auf eine
Invalidenrente (vgl. act. G 1-2).
1.2.
Zum Begehren der Beschwerdeführerin um Gewährung von beruflichen
Massnahmen ist festzuhalten, dass vorliegend einzig der Rentenanspruch Gegenstand
der angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2021 (IV-act. 104) bildet. Der Anspruch
auf berufliche Massnahmen wurde von der Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 4.
Januar 2021 (IV-act. 75) abgewiesen und die Beschwerdeführerin nutzte gemäss
Aktenlage die Möglichkeit, innert 30 Tagen eine anfechtbare Verfügung zu verlangen,
nicht. Auch auf das Informationsschreiben der Beschwerdegegnerin vom 7. April 2021,
dass nach Abschluss der beruflichen Massnahmen nun der mögliche Anspruch auf
eine Rente geprüft werde (IV-act. 83), reagierte die Beschwerdeführerin nicht. Selbst im
Einwand vom 29. September 2021 (IV-act. 103) gegen den Vorbescheid vom 25.
August 2021 (IV-act. 99) beantragte die Beschwerdeführerin keine beruflichen
Massnahmen, sondern verlangte ausschliesslich die Zusprache einer Invalidenrente.
Folglich gab es für die Beschwerdegegnerin keine Veranlassung, berufliche
Massnahmen nochmals zu prüfen und darüber zu befinden.
2.1.
Im Hinblick darauf, dass der Verfügung vom 1. Oktober 2021 (IV-act. 104) kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad zugrunde gelegt wurde, ist die Frage betreffend
Eingliederungsmassnahmen/berufliche Massnahmen auch nicht notwendigerweise
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/19
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3.
deren Gegenstand. Sollte die Überprüfung aber ergeben, dass der Invaliditätsgrad über
40 % liegt, besteht entsprechend dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" eine
Eingliederungspflicht der Invalidenversicherung und über berufliche Massnahmen hätte
vorab befunden werden müssen, zumal die Ablehnung von beruflichen Massnahmen in
der Mitteilung vom 4. Januar 2021 (IV-act. 75) insbesondere damit begründet wurde,
dass keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert worden sei, der RAD inzwischen
allerdings von einer Arbeitsunfähigkeit in einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit von
40 % ausgeht (vgl. Stellungnahme vom 17. August 2021, IV-act. 95). Die berufliche
Eingliederung wäre damit in diesem Verfahren Prozessthema. Liegt der Invaliditätsgrad
unter 40 %, könnte materiellrechtlich betreffend berufliche Massnahmen höchstens
noch ein Eingliederungsanspruch der Beschwerdeführerin bestehen. In diesem Fall
läge kein Anfechtungsobjekt vor und auf die Beschwerde wäre in diesem Punkt nicht
einzutreten (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19.
November 2018, IV 2018/165, E. 1.2 und 2).
Zur Prüfung einer Verletzung der Eingliederungspflicht seitens der
Beschwerdegegnerin ist damit im Folgenden die Höhe des Invaliditätsgrads zu
ermitteln. Dies wiederum setzt seitens der Beschwerdegegnerin eine rechtsgenügliche
medizinische Abklärung voraus.
2.3.
Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/19
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könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen,
die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70
%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine
Viertelsrente.
3.3.
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die
Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche
Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 24. Januar 2018, 9C_790/2017, E.
2.1.1 mit Hinweisen).
3.4.
Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige
Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder
der Expertin begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen, 141 V 14 E. 6.3.1).
3.5.
Hinsichtlich Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen bzw.
beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen gilt der Grundsatz, dass ein
Anstellungs- bzw. Vertragsverhältnis dieser Personen zum Versicherungsträger alleine
nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V
353 E. 3b/ee). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen – insbesondere ohne Anordnung
3.6.
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4.
Zu prüfen ist somit vorab, ob die vorliegende medizinische Aktenlage für eine
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausreicht und die Beschwerdegegnerin zu Recht auf
die Einschätzungen des RAD vom 17. August 2021 (IV-act. 95) abgestellt hat.
eines externen Gerichtsgutachtens – abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen
versicherungsinterner Fachpersonen bzw. beratender Ärzte und Ärztinnen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in
Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3; BGE 122 V
162 f. E. 1d).
Gemäss Aktenlage hat die Beschwerdegegnerin keine Begutachtung der
Beschwerdeführerin veranlasst. Die Verfügung vom 1. Oktober 2021 (IV-act. 104)
basiert in medizinischer Hinsicht auf der aktenbasierten Stellungnahme der RAD-Ärztin
Dr. C._ vom 17. August 2021 (IV-act. 95). Der RAD-Ärztin standen für ihre
Einschätzungen vor allem Berichte des KSSG zur Verfügung. Dazu gehörten
insbesondere der vom Schmerzzentrum erstellte Bericht über die Verlaufskonsultation
vom 21. Juni 2021 (IV-act. 91) und dessen Beurteilung der Leistungsfähigkeit vom 20.
Juli 2021 (IV-act. 94), der von der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates erstellte Untersuchungsbericht vom 8. Februar 2021 über
die Untersuchung vom 4. Februar 2021 (IV-act. 80) sowie der vom Ostschweizer
Wirbelsäulenzentrum verfasste Untersuchungsbericht vom 16. August 2021 über die
Untersuchung vom 5. August 2021 (IV-act. 98). Zudem standen der RAD-Ärztin ein
Bericht des Zentrums E._ vom 19. Februar 2021 zur Verfügung (IV-act. 82). Weitere
sachdienliche Informationen zur Arbeits-/Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
enthalten die Berichte und Gesprächsnotizen über den Arbeitsversuch im D._ vom 1.
Juli bis 31. Dezember 2020 (IV-act. 60). Dazu gehören die von der
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle erstellten Kurzprotokolle zum Standortgespräch
vom 21. September 2020 (IV-act. 72-8) und zum Abschlussgespräch vom 1. Dezember
2020 (IV-act. 72-8 f.), der Schlussbericht vom 15. Dezember 2020 (IV-act. 73) sowie die
undatierte Leistungsbeurteilung des Arbeitsversuchs (IV-act. 77).
4.1.
Die Ärztinnen und Ärzte des KSSG diagnostizierten in den zuvor genannten
Berichten einerseits eine idiopathische, rechtskonvexe thoracolumbale Skoliose mit
linkskonvexem tieflumbalem Schwung sowie tiefthoracalem linkskonvexem
Gegenschwung mit sekundären degenerativen Veränderungen bei Status nach
4.2.
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Facettengelenksinfiltration L4/5 und L5/S1 beidseits am 30. August 2018 mit negativem
Ansprechen sowie bei Status nach Kryorhizotomie L4/5 und L5/S1 beidseits am 1. Mai
2019 mit negativem Ansprechen und andererseits ein chronifiziertes nozizeptives
Schmerzsyndrom mit Lokalisation in der LWS, im Becken, im Bein rechts und in der
Schulter rechts sowie einen Status nach tiefer Beinvenenthrombose links (vgl. IV-act.
80-1, 91-1, 98-1). Tätigkeiten mit wechselnder Körperhaltung wurden als geeignet
erachtet (vgl. IV-act. 98-2) bzw. es wurden wechselbelastende Tätigkeiten ohne
einseitige Belastung und ohne schweres Heben oder Tragen sowie regelmässige
Pausen, insbesondere nach aktueller Belastung, empfohlen (IV-act. 94). Festzuhalten
ist, dass die Klinikberichte die für die Diagnosestellung erforderlichen Elemente
(Kurzanamnese/Kurzstatus, klinisch und/oder bildgebend erhobene Befunde) enthalten
und Auskunft über die vorgeschlagenen und geplanten Behandlungsmassnahmen
geben. Die von den Klinikärztinnen und -ärzten beschriebenen Leiden und Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sind nachvollziehbar und schlüssig und sind denn
auch unbestritten. Die RAD-Ärztin stellte somit zu Recht darauf ab.
Dass der Beschwerdeführerin die letzte Tätigkeit (Fachkraft für Sortierarbeiten)
gesundheitsbedingt nicht mehr zumutbar ist, ist nachvollziehbar und blieb ebenfalls
unbestritten (vgl. dazu die von der RAD-Ärztin festgelegten Adaptionskriterien [siehe
Sachverhalt A.g, IV-act. 95-2]).
4.3.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit
besteht dagegen kein Konsens zwischen den Parteien.
4.4.
Die Beschwerdeführerin geht gestützt auf den mit der Replik eingereichten
Untersuchungsbericht des Ostschweizerischen Wirbelsäulenzentrums des KSSG vom
14. Februar 2022 über die Untersuchung vom 10. Februar 2022 (act. G 8.1) und den
Verlaufskonsultationsbericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 7. Januar 2022
über die Untersuchung vom 13. Dezember 2021 (act. G 8.2) sowie die (frühere)
Stellungnahme des RAD vom 6. August 2019 (IV-act. 24) von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit aus (vgl. act. G 1-6 f., G 8-3). Die Beschwerdegegnerin hält hingegen in
Anlehnung an die Stellungnahme des RAD vom 17. August 2021 (IV-act. 95) eine
60%ige Arbeits-/Leistungsfähigkeit für gegeben (IV-act. 111, act. G 4-5 f.).
4.4.1.
Die RAD-Ärztin Dr. C._ führte in der Stellungnahme vom 17. August 2021 zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus, dass die im Rahmen des Arbeitsversuchs
bei D._ sozialpraktisch erprobte Leistung und die gezeigten Einschränkungen
plausibel und nachvollziehbar seien. Seither sei es zu einer vorübergehenden
Verschlechterung aber auch wieder zu einer Verbesserung der Schmerzsymptomatik
4.4.2.
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gekommen, was den normalen Verlauf bei einer solchen Erkrankung darstelle. Die
RAD-Ärztin ging gestützt auf die objektiven Befunde bezüglich der
Wirbelsäulenveränderungen und die Erfahrungsberichte zum Arbeitsversuch, welche
sowohl die Einschätzungen der Eingliederungsberaterin als auch diejenigen der
Bertreuenden des Arbeitsversuchs seitens des D._s beinhalten, davon aus, dass in
einer optimal leidensangepassten Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
(innerhalb eines 80 bis 100 %-Pensums mit Leistungsminderung durch zusätzliche, frei
wählbare Pausen zum Positionswechsel und eine gewisse Leistungsminderung durch
verlangsamtes Arbeiten bei Schmerzen; IV-act. 95-2).
Die Arbeitsfähigkeitschätzung des RAD von 60 % für eine optimal
leidensangepasste Tätigkeit erscheint in Würdigung der Aktenlage und insbesondere
des mehrmonatigen Arbeitsversuchs im D._ als plausibel und dürfte bezogen auf
eine optimal leidensangepasste Tätigkeit (vgl. die von RAD festgelegten
Adaptionskriterien, IV-act. 95-2) sogar eher vorsichtig geschätzt sein. So entsprach
gemäss den Betreuern des Arbeitsversuchs die von der Beschwerdeführerin im
Vollzeitpensum erbrachte Leistung in etwa derjenigen eines 60%igen Arbeitspensums.
Die gezeigte Leistung während des Arbeitsversuchs sei konstant gewesen. Sie hätten
die Beschwerdeführerin jedoch nie aufgefordert, bis an die Leistungsgrenzen zu gehen.
Als optimal wurden Tätigkeiten in Bewegung und ohne Zwangshaltungen sowie mit
höchstens kurzen Gehstrecken erachtet (vgl. IV-act. 72-8). Die Leistungsbeurteilung
des Arbeitsversuchs zeigt, dass die Beschwerdeführerin die Anforderungen an die
Arbeitsstelle (hinsichtlich Arbeitsverhaltens, beruflichen Könnens, persönlichen
Verhaltens und sozialer Fähigkeiten) durchwegs zu erfüllen vermöchte (vgl. IV-act. 77).
Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle ging im Schlussbericht von 15. Dezember
2020 gar von einer im Arbeitsversuch gezeigten sozialpraktischen Leistungsfähigkeit
von 60 bis 80 % aus (IV-act. 73).
4.4.3.
Die von der Beschwerdeführerin vertretene Ansicht, dass nur eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit gegeben sei, vermag nicht zu
überzeugen. So kann die Beschwerdeführerin aus der früheren
Arbeitsfähigkeitsschätzung der RAD-Ärztin vom 6. August 2019 nichts zu ihren
Gunsten ableiten, zumal bereits dazumal das Eingliederungspotential bei einem 50 %
Pensum als steigerbar beurteilt und bei Einhaltung der Adaptionskriterien von einer
günstigen Prognose ausgegangen wurde (vgl. IV-act. 24). Zudem hat die neuere
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD vom 17. August 2021 die Entwicklungen seither
mitberücksichtigt und ist begründet und nachvollziehbar. Der mit der Replik
eingereichte Verlaufskonsultationsbericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 7.
4.4.4.
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Januar 2022 über die Untersuchung vom 13. Dezember 2021 (act. G 8.2) beruht auf
einem Gesundheitszustand nach Erlass der Verfügung vom 1. Oktober 2021 und ist
vorliegend unbeachtlich, da er keine Aussage zu einer optimal adaptierten Tätigkeit
und der damit einhergehenden Arbeitsfähigkeit enthält. Auch fehlt es an einer
Auseinandersetzung mit den Einschätzungen der RAD-Ärztin in ihrer Stellungnahme
vom 17. August 2021. Der Untersuchungsbericht des Ostschweizerischen
Wirbelsäulenzentrums des KSSG vom 14. Februar 2022 (act. G 8.1) beruht auf der
Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 10. Februar 2022 und damit ebenfalls auf
einem Gesundheitszustand nach Verfügungserlass. Aussagen zur Arbeitsfähigkeit zum
Verfügungszeitpunkt sind im Bericht ebenfalls nicht enthalten. Hinzu kommt, dass sich
die Klinikärzte des Wirbelsäulenzentrums ebenso nicht mit den Einschätzungen der
RAD-Ärztin hinsichtlich Adaptionskriterien und Arbeitsfähigkeit auseinandergesetzt
haben. Dass die Beschwerdeführerin in ihrem aktuellen Beruf maximal zu 33 %
arbeitsfähig sein soll, ist wegen der fehlenden ausführlichen Begründung nicht
nachvollziehbar und infolgedessen auch nicht überzeugend. So ist nicht ersichtlich,
wieso mit den zwei Arbeitsstellen (Reinigungstätigkeit von 3 Stunden pro Woche ab
dem 1. Juli 2021 und zusätzlich eine Reinigungstätigkeit von ca. 10 Stunden pro
Woche ab November 2021 [vgl. act. G 1-5]) die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausgeschöpft sein soll. Auch ist nicht erwiesen, ob es sich bei den
beiden Tätigkeiten um optimal leidensangepasste Tätigkeiten im Sinne der
Adaptionskriterien des RAD handelt. Die Einwände der Beschwerdeführerin und die
von ihr eingereichten Berichte vermögen nach dem Gesagten keine auch nur geringen
Zweifel an den Einschätzungen des RAD hinsichtlich Adaptionskriterien und
Arbeitsfähigkeit zu begründen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt per
Verfügungszeitpunkt sowohl hinsichtlich der Befunderhebung und der
Diagnosestellung als auch hinsichtlich der Adaptionskriterien und der Arbeitsfähigkeit
für eine leidensangepasste Tätigkeit rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Die Einwände
seitens der Beschwerdeführerin vermögen daran keine auch nur geringen Zweifel zu
wecken. Folglich ist von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Fachkraft für Sortierarbeiten von 0 % und in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit
von 60 % auszugehen.
4.5.
Bei dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere arbeitsmedizinische Abklärungen,
wie dies die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 3. November 2021 im
Eventualantrag forderte (act. G 1-2 Ziff. 4).
4.6.
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5.
Im Weiteren ist der Grad der Invalidität zu bestimmen.
Der Invaliditätsgrad ist, da davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde,
unbestrittenermassen anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln (Art. 16
ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG). Dafür wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Aktenmässig belegt ist durch die Stellungnahme des RAD vom
17. August 2021 eine zumindest 40%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 10. Juli 2018 (vgl.
IV-act. 95-2). Die IV-Anmeldung erfolgte am 21. Juli 2019 (IV-act. 4). Der
frühestmögliche Rentenbeginn wäre somit der 1. Januar 2020 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b
i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).
5.1.
Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt des
Rentenbeginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(BGE 134 V 322 E. 4.1, 125 V 146 E. 5c/bb). Die Einkommensermittlung hat so konkret
wie möglich zu erfolgen. Dabei wird grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der
Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft
(BGE 135 V 58 E. 3.1).
5.2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass beim Valideneinkommen auf den
Verdienst einer gelernten Schlosserin abzustellen sei, da sie die Lehre als Anlage- und
Apparatebauerin, Fachrichtung Feinblech, per 31. Mai 1991 aus gesundheitlichen
Gründen habe abbrechen müssen und in der Folge keine dem Leiden angepasste
Berufsausbildung habe finden und absolvieren können (vgl. act. G 1-8, G 1.3). Aus den
eingereichten Dokumenten (vgl. act. G 1.4 f.) ergibt sich entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin nicht, dass nach dem Abbruch der Lehre gesundheitsbedingt eine
leidensangepasste Berufsausbildung nicht möglich gewesen wäre (vgl. Art. 26 Abs. 2
IVV in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung). So beschränkte sich gemäss
Aktenlage die Lehr-/Praktikumsstellensuche auf die Jahre 1991 und 1992. Die
Beschwerdeführerin stellte dazumal auch kein Leistungsgesuch bei der
5.2.1.
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Beschwerdegegnerin. Inwieweit die Heirat im Jahr 19_ und die Geburt ihrer Tochter im
Jahr 19_ die Lehrstellensuche beeinflusste (vgl. IV-act. 4-3; vgl. dazu auch act.
G 4-6 f.), ergibt sich nicht aus den Akten, kann vorliegend jedoch unbeantwortet
bleiben, denn in den Jahren 1992 bis 2000 arbeitete die Beschwerdeführerin als
Shopmitarbeiterin, Praxishilfe, Pflegehelferin und Mitarbeiterin Hausdienst (vgl. IV-act.
54, G 8.3), so dass davon ausgegangen werden kann, dass das Absolvieren einer
leidensangepassten Lehre – allenfalls erstreckt über einen längeren Zeitraum –
gesundheitsbedingt nicht unmöglich gewesen wäre. Folglich kann beim
Valideneinkommen auch nicht im Sinne von Art. 26 Abs. 2 IVV auf das Einkommen
einer ausgebildeten Schlosserin abgestellt werden (vgl. dazu auch die Regelung im
neuen Art. 26 Abs. 5 IVV, welche seit dem 1. Januar 2022 in Kraft ist). Dem
entsprechenden Antrag ist deshalb nicht zu folgen.
Das letzte Erwerbseinkommen erzielte die Beschwerdeführerin als Fachkraft für
Sortierarbeiten bei der B._ AG. Dabei handelte es sich um ein seit dem 1. April 2017
bestehendes unbefristetes Arbeitsverhältnis, welches im Frühjahr 2020 aus
gesundheitlichen Gründen aufgelöst wurde (vgl. IV-act. 54-7). Gemäss dem Auszug
aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, IV-act. 20-1) sowie den Angaben im
Arbeitgeberfragebogen vom 31. Juli 2019 (IV-act. 23) erzielte die Beschwerdeführerin
im Jahr 2019 ein Einkommen von Fr. 50'830.- (Grundlohn Fr. 3'910.- x 13).
Demgegenüber hat ein durchschnittlicher Hilfsarbeiterinnenlohn im Jahr 2019
Fr. 55'222.- betragen (statistischer Zentralwert des Einkommens für eine Hilfsarbeiterin
[Frauen, Kompetenzniveau 1] gemäss der Lohnstrukturerhebung [LSE] des
Bundesamts für Statistik, vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2022). Der Umstand, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin tiefer ist
als das durchschnittliche Hilfsarbeiterinneneinkommen über alle Branchen hinweg,
muss auf die Zwänge des invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden
tatsächlichen Arbeitsmarkts zurückzuführen sein, denn die Beschwerdeführerin hätte
überwiegend wahrscheinlich eine besser bezahlte Stelle in irgendeiner Branche, bei der
sie einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn hätte erzielen können,
angenommen, wenn sich ihr die Gelegenheit dazu geboten hätte (vgl. dazu bspw.
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. April 2016, IV
2013/577, E. 2.1, vom 2. Dezember 2020, IV 2019/39, E. 4.3, und vom 31. März 2021,
IV 2020/35, E. 5.4). Folglich kann beim Valideneinkommen nicht auf den zuletzt
erzielten Verdienst abgestellt werden, sondern es ist von einer Erwerbsfähigkeit
auszugehen, die jener einer durchschnittlichen Hilfsarbeiterin entspricht. Das
Valideneinkommen für das Jahr 2020 (frühestmöglicher Rentenzeitpunkt, vgl.
5.2.2.
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Erwägung 5.1) beträgt somit Fr. 55'721.- (Fr. 54'681.- [LSE 2018, Frauen,
Kompetenzniveau 1] / 2732 [Nominallohnindexstand Frauen für das Jahr 2018] x 2784
[Nominallohnindexstand Frauen für das Jahr 2020]).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflichen
Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein
effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
statistische Werte, insbesondere die Tabellenlöhne der LSE, beigezogen werden (BGE
139 V 592 E. 2.3). Am 30. April 2020 endete das Arbeitsverhältnis bei der B._ AG (vgl.
IV-act. 54-7). Die Beschwerdeführerin war aktenkundig seither nicht mehr längerfristig
in einem Arbeitsverhältnis unter Ausschöpfung der Arbeitsfähigkeit tätig. Da sie ihre
angestammte Tätigkeit als Fachkraft für Sortierarbeiten nicht mehr ausüben kann (vgl.
IV-act. 95-2), ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens ebenfalls auf den
statistischen Zentralwert des Einkommens einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2020 von
Fr. 55'721.- abzustellen. Bei einer 60%igen Arbeitsfähigkeit (vgl. Erwägung 4.5 hiervor)
beträgt das Invalideneinkommen somit Fr. 33'433.- (Fr. 55'721.- x 0.6).
5.3.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren ist. Die IV-
Stelle gewährte der Beschwerdeführerin keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. IV-act.
96, 104). Die Beschwerdeführerin macht einen solchen von 25 % geltend (act. G 1-9).
Mit dem Tabellenlohnabzug wird berücksichtigt, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert sind, im Vergleich
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität, oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Vorliegend ist davon auszugehen, dass die
vom RAD festgelegte Arbeitsfähigkeit von 60 % für eine optimal leidensangepasste
Tätigkeit eher tief bzw. vorsichtig angesetzt ist (vgl. Erwägung 4.4.2 ff.) und damit
allfälligen Nachteilen – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht (vgl. act.
G 1-9) – infolge der Beanspruchung eines Arbeitsplatzes zu 100 % bei einer
Leistungsfähigkeit von (zumindest) 60 % bereits ausreichend Rechnung getragen
wurde. Zudem sind keine anderweitigen Gründe erkennbar oder ausgewiesen, die
5.4.
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6.
einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen würden. Das Begehren für einen
Tabellenlohnabzug von 25 % ist daher unbegründet.
Da sowohl das Valideneinkommen als auch das Invalideneinkommen gestützt auf
die Tabellenlöhne ermittelt wurden, kann ein sogenannter Prozentvergleich
vorgenommen werden. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40 % resultiert ohne
Gewährung eines Tabellenlohnabzugs ein Invaliditätsgrad von 40 %.
5.5.
Da von einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad auszugehend ist, besteht eine
Eingliederungspflicht der Invalidenversicherung und über Eingliederungsmassnahmen/
berufliche Massnahmen hätte vorab befunden werden müssen (vgl. Erwägung 2.2
hiervor).
5.6.
Anzufügen bleibt Folgendes: Selbst wenn beim Valideneinkommen vom zuletzt
erzielten Verdienst als Fachkraft für Sortierarbeiten bei der B._ AG ausgegangen wird
(vgl. Erwägung 5.2.2 hiervor), resultiert – wie nachfolgend dargelegt – ebenfalls ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad, welcher die Prüfung und gegebenenfalls die
Durchführung von Eingliederungsmassnahmen/beruflichen Massnahmen vor der
Rentenprüfung verlangt.
6.1.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine
Einkommensparallelisierung vorzunehmen, wenn der tatsächlich erzielte Verdienst
deutlich unter dem branchenüblichen LSE-Tabellenlohn liegt (BGE 135 V 297 E. 6.1.1).
Massgeblich für die Einkommensparallelisierung ist mithin das branchenspezifische
Durchschnittseinkommen und nicht etwa das Total über alle Wirtschaftszweige (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 22. September 2020, 9C_315/2020, E. 4.2 mit Verweis
auf BGE 135 V 302 E. 6.1.1, vom 2. September 2019, 9C_323/2019, E. 3.2.1, und vom
29. Oktober 2010, 9C_632/2010, E. 3.3.3).
6.2.
Ausgehend vom zuletzt erzielten Einkommen im Jahr 2019 von Fr. 50'830.-
(Grundlohn Fr. 3'910.- x 13; vgl. IK-Auszug, IV-act. 20-1, sowie die Angaben im
Arbeitgeberfragebogen vom 31. Juli 2019, IV-act. 23) beträgt das der
Nominallohnentwicklung angepasste Einkommen für das Jahr 2020 (dem
frühestmöglichen Rentenbeginn) Fr. 51'291.- (Fr. 50'830.- / 2759
[Nominallohnindexstand Frauen für das Jahr 2019] x 2784 [Nominallohnindexstand
Frauen für das Jahr 2020]).
6.2.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_315%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-297%3Ade&number_of_ranks=0#page297
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7.
Da die Beschwerdeführerin zuletzt in der Abfallentsorgungsindustrie arbeitete, ist
auf den branchenspezifischen LSE-Tabellenlohn des Sektors 36-39,
Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, abzustellen. Ausgehend vom
entsprechenden LSE-Tabellenwert des Jahres 2018 für Hilfsarbeiterinnen (Niveau 1)
von Fr. 4'813.- pro Monat, angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2020 und an
die branchenspezifische betriebsübliche Arbeitszeit von 42.9 Stunden pro Woche im
Jahr 2020, resultiert ein branchenspezifisches Durchschnittseinkommen von
Fr. 63'122.- für das Jahr 2020 (Fr. 4'813.- pro Monat x 12 Monate / 40 Stunden pro
Woche x 42.9 Stunden pro Woche / 2732 [Nominallohnindexstand Frauen für das Jahr
2018] x 2784 [Nominallohnindexstand Frauen für das Jahr 2020]). Der Minderverdienst
der Beschwerdeführerin gegenüber dem branchenspezifischen
Durchschnitteinkommen beträgt Fr. 11'831.- (Fr. 63'122.- - Fr. 51'291.-) bzw. 18.7 %.
Beim Valideneinkommen wäre somit von Fr. 59'966.- auszugehen (95 % von
Fr. 63'122.-).
6.2.2.
Der IV-Grad würde abgerundet 44 % (Fr. 59'966.- - Fr. 33'433.- [vgl. Erwägung 5.3
hiervor]) x 100 / Fr. 59'966.-) betragen.
6.3.
Eine Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur Prüfung von
Eingliederungsmassnahmen/beruflichen Massnahmen hätte also auch unter diesem
Aspekt bestanden.
7.1.
Angesichts der vorangehenden Erwägung ist die angefochtene Verfügung vom 1.
Oktober 2021 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist
zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.- ist ihr zurückzuerstatten.
7.3.
bis
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
7.4.
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