Decision ID: 1c5df204-87d0-49c5-88de-eee220515700
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1970 geborene
X._
meldete sich am 2
2.
Dezember 2010 (Ein
gangs
datum,
Urk.
7/1) unter Hinweis auf Depressionen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wies das Leistung
sbegehren, nachdem es beruflich
-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen getätigt hatte, mit Verfügung vom 1
1.
März 2013 ab (
Urk.
7/37).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 1
5.
Dezember 2015 (Eingangsdatum,
Urk.
7/38) meldete sich der Versicherte erneut sowie unter Hinweis auf
eine Depression
zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 2
0.
April 2016 beschied die IV-Stelle dem Versicherten, mangels von ihm glaubhaft gemachter tatsächlicher Veränderung der Verhältnisse werde
auf das Leistungsbegehren nicht eingetreten (
Urk.
7/47). Diese Verfügung erw
uchs ebenfalls unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 1
6.
März 2017
(Eingangsdatum,
Urk.
7/48)
meldete sich der Versicherte erneut
und
unter Hinweis auf «unstabiles Verhalten, depressive Schübe, Stimmen, die ich höre, Wutausbrüche» zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle liess daraufhin
ein Gutachten in psychiatrischer und
neuropsychologischer
Fachrichtung
erstellen
(
Gutachten vom
9.
November 2018,
Urk.
7/88).
Nachdem di
e
Gutachter Rück
fragen der IV-Stelle beantwortet hatten (
Urk.
7/98), teilte sie dem Versicherten
mit Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2019 (
Urk.
7/100) mit, das Leistungsbegehren we
rde abgewiesen.
Gegen diesen Vorbescheid
erhob der Versicherte Einwand (Einwände vom 2
3.
Juli [
Urk.
7/101], vom 2
0.
August [
Urk.
7/105] und vom 2
5.
September 2019 [
Urk.
7/111]).
Daraufhin forderte die IV-Stelle den Versicherten mit Schrei
ben vom
4.
Oktober 2019 auf, eine stationäre Entzugsbehandlung anzutreten (
Urk.
7/112).
Alsdann wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
8.
November 2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Januar 2020 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2
8.
November 2019 sei aufzuheben und es sei
en
ihm
die gesetzlichen Leistungen,
insbesondere eine befristete Rente
,
auszurichten (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
4.
Februar 2020 auf Abweisung der
Be
schwerde (Urk.
6), wovon dem Beschwerdeführer am 2
7.
Februar 2020 Kenntnis
gegeben wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3.2
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind,
auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswir
kungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl mass
geblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130
V
343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts
im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinwei
sen
).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 2
5.
Februar 2020 E. 3.2).
1.4
1.4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren unter Hinweis auf
einen
fehlenden
langandaue
rnden
versicherten Gesundheitsschaden ab. Alsdann ver
merkte
sie mit Bezugnahme auf die dem Beschwerdeführer auferlegte Schaden
minderungspflicht, die (nunmehr) erfolgt
e leitliniengerechte Therapie ermögliche es
diesem
, einer Arbeit
uneingeschränkt
nachzugehen
(Urk.
2, 6)
.
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
es sei zwar unbestritten, dass er ab Oktober 2018 ein Vollpensum habe aufnehmen können,
die Beschwer
degegnerin habe
es
aber
unterlassen, seine Arbeitsfähigkeit für die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zu beurteilen. Dabei sei ihm von der Gutachterin für die Zeit von Juni 2016 bis Oktober 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, womit ein befristeter Rentenanspruch (
von
September 2017 bis Januar 2019) ausgewiesen sei. Entgegen der Annahme der Beschwerd
egegnerin
dürfe vom Gutachten nicht abgewichen werden, bestätige
die Indikatorenprüfung
gerade
die invalidisierende Wirkung
seines
gesundheit
lichen Leidens
.
Schliesslich sei auch die Annahme der Beschwerdegegnerin falsch, die
(frühere)
Therapie sei nicht leitliniengerecht erfolgt. Selbst wenn jedoch davon auszugehen wäre, dürfe
nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung
der invalidi
sierende
Charakter einer Krankheit nicht ohne weiteres ausgeschlossen werden (
Urk.
1).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich im massgeblichen Zeitraum zwischen der rechtskräftigen Leistungsverweigerung vom 1
1.
März 2013 (
Urk.
7/37) und der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
November 2019 (Urk. 2)
- anlässlich der
Neu
anmeldung
im Jahr
2015
wurden weder Berichte aufgelegt noch
eingeholt
(vgl. zur
rechtskonforme
n
Sachverhaltsabklärung
auch
E. 1.3.1,
1.3.2
) -
die tatsäch
li
chen Verhältnisse, namentlich der Gesundheitszustand und dessen Auswirk
ungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers dergestalt verändert haben, dass ihm nun eine Invalidenrente zusteht.
3.2
Der erstmalige Entscheid, mit welchem die Beschwerdegegnerin das Leistungs
begehren abwies, basierte in medizinischer Sicht im Wesentlichen auf
dem vom
Krankentaggeldversicherer eingeholten psychiatrischen Gutachten
vom 1
6.
Septem
ber 2011 (
Urk.
7/32/16-32; vgl. dazu auch Stellungnahme
des regio
nalen ärztlichen Dienstes
[
RAD
]
vom
9.
Oktober 2012 [
Urk.
7/34/6]). Die Gutach
ter waren
damals
zu folgenden Diagnosen gelangt
(
Urk.
7/32/27, 7/32/29-30)
:
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung,
ggw
. leichte depressive Episode (ICD-10:
F33.0)
-
Nicht-organische Insomnie (ICD-10: F51.0)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Kokainabhängigkeit,
ggw
. abstinent (ICD-10: F14.2.0)
-
Tabakabhängigkeit (ICD-10: F17.2)
Die Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer
von Mitte August bis Mitte September 2011 eine 50%ige, von da an bis Ende November 2011 eine 75%ige sowie ab dem
1.
Dezember 2011 eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/32/29). Sodann hielten sie fest, dem Beschwerdeführer
sei
die
ange
stam
m
-
te
Tätigkeit zumutbar (
Urk.
7/32/31).
Zum Befund
vermerkten sie,
der Beschwerdeführer sei wach und bewusstseinsklar sowie örtlich, zeitlich, situativ und zur Person gut orientiert gewesen.
Auch d
er
Gedankengang
habe sich
formal und inhaltlich unauffällig
gezeigt
. Sodann hätten sich keine Anhaltspunkte für Halluzinationen, Sinnestäuschungen, para
noides Erleben oder psychotische Anteile ergeben.
Ebenso
sei
die Merkfähigkeit intakt gewesen. Auch sei der
Beschwerdeführer
in der Lage
gewesen
, mühelos seine biographischen Daten und Ereignisse aus der Vergangenheit anzugeben.
Sodann sei er
dem Gespräch aufmerksam und
konzentriert
gefolgt. Auch habe er die gestellten Fragen ausreichend klar und präzise beantworten können.
D
ie Konzentration und die Aufmerksamkeit
seien ebenfalls
unauffällig gewesen. Hinweise für eine Störung der verbalen oder der bildlichen Auf
fassung
hätten sich
ebenfalls
nicht ergeben. Nach den biographischen Angaben sowie aufgrund der sprachlichen Differenziertheit zu urteilen liege die Intelligenz im oberen Bereich. Des Weiteren sei die Psychomotorik unauffällig sowie die Antriebslage und Intentionalität normal gewesen. Eine affektive Schwingungsfähigkeit sei
ebenfalls
zu bestätigen
.
Indes sei allenfalls
von einer subdepressiven, jedoch
nicht von einer depressiven,
suizidalen,
hypoman
en
oder manischen Stimmungslage auszugehen gewesen (
Urk.
7/32/26).
3.3
Im
Rahmen des
mit Gesuch vom 1
6.
März 2017 (Eingangsdatum,
Urk.
7/48) angehobenen Neuanmeldeverfahren
s
wurde ein
bidisziplinäres
(psychiatrisch
es
und neuropsychologisch
es
) Gutachten eingeholt (Gutachten vom
9.
November 2018,
Urk.
7/88). Die Gutachter
nannten
dabei folgende Diagnosen
(
Urk.
7/88/5)
:
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10: F31.3)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Kokain, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Abstinenz (ICD-10: F14.2)
-
Psychische Verhaltensstörung durch Alkohol, episodisch schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1)
Die Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer sowohl für die angestammte als auch in Bezug auf eine angepasste
Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/88/6). Zur Begründung verwiesen sie auf eine festgestellte psychotische Symptomatik in Form von akustischen Halluzinationen, welche die Konzen
tra
tionsfähigkeit beeinträchtige
n
sowie einen konstanten Realitätsbezug verunmög
liche
n würde
n
(
Urk.
7/88/6).
Gleichzeitig
hielten
die Gutachter
dafür
,
eine ab
schliessende versicheru
ngstechnisch verwertbare Bewertung des Eingliede
rungs
po
tenzials sowie eine fundierte Prognose bezüglich des künftigen Kran
k
heits
ge
schehens
sei
derzeit nicht
möglich. So sei betreffend die
Suchterkrankung bisher keine Therapie erfolgt. Zudem werde trotz einer Kokainabhängigkeit we
iterhin
Methylphenidat
verordnet, weshalb die Einordnung des Krankheitsbildes so lange
unklar bleibe, bis mindestens eine halbjährige Drogenabs
tinenz vorgewiesen werden könne
(
Urk.
7/88/5).
Zum Befund
vermerkte
di
e psychiatrische Gutachterin
,
der Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar, zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person vollumfänglich orientiert gewesen. Auch hätten sich
während der Exploration keine Auffassungs
störungen eruieren lassen.
Allerdings sei d
ie Konzentrationsfähigkeit wegen des teilweise beschleunigten Gedankenganges leicht beeinträchtigt gewesen.
Demge
genüber hätten sich
Merkfähigkeits- oder andere Gedächtnisstörungen genauso wenig
feststellen
lassen wie Ängste, Misstrauen oder Zwänge. Auch
hätten
keine Anhaltspunkte für eine Wahnthematik
vorgefunden werden könne
n
.
Sodann
sei auch der formale Gedankengang geordnet und kohärent gewesen, wenn auch teilweise etwas beschleunigt und ideenflüchtig. Schliesslich habe der Beschwerde
führer in der Stimmungslage nur leicht herabgesetzt, wenngleich affektarm sowie rat- und hoffnungslos gewirkt
(
Urk.
7/88/32).
Die
neuropsychologischen Gutachter
wiesen auf durchgehend unauffällige Be
funde
sowie ein
durchschnittliches Intelligenzniveau
hin
.
So habe der Beschwer
deführer
- verglichen mit der hir
ngesunden Altersreferenzpopulation
–
überwie
gend Leistungen, welche im Erwartungsbereich, zuweile
n auch darüber, selten darunter
gelegen hätten, vorweisen können (
Urk.
7/88/49).
Auch hätten
sich
weder
in der Verhaltensbeobachtung noch in den Testbefunden Hinweise
für
Inkonsistenzen
finden lassen
(
Urk.
7/88/47)
.
Gestützt auf ihre Befunde gelangten die neuropsychologischen
Gutachter zum Schluss, aus neuropsychologischer Sicht würden keine die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit einschrän
kenden Faktoren vorliegen (
Urk.
7/88/49).
4.
Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen zeigt, hat
sich der Gesund
heits
zustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
füh
rers im massgeblichen Zeitraum (vgl. dazu E.
3.1) nicht wesentlich verändert
, mithin liegt keine veränderte Befundlage vor
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2020 vom 1
6.
Juni 2020 E. 4.3.2).
So
präsentierte sich der Beschwerdeführer
jeweils
als
allseits orientiert und be
wusstseinsklar
(E. 3.
2, 3.3
)
.
Auch wurde
seine
Stimmungslage
sowohl im Gut
achten vom 1
6.
September 2011 wie auch
in
dem vom
9.
November 2018
im Wesentlichen gleich
(
subdepressiv beziehungsweise
lediglich
lei
cht herabgesetzt)
beschrieben
und zeigte sich eine intakte Merkfähigkeit
(E. 3.2, 3.3)
.
Sodann
geht aus dem
aktuellen
Gutachten
hervor
,
dass
die vom Beschwerdeführer geklagten
H
alluzinationen bereits zuvor
(
bei exzessivem Kokainkonsum
)
aufgetrete
n waren
(
Urk.
7/88/35).
Zudem
berichtete auch der Beschwerdeführer
selbst
über seit
längerer Zeit
bestehende
Halluzinationen respektive
über
eine
seit längerem
vorhandene
psychotische Sympt
omatik
, welche
in Zusammenhang mit seinem Betäubungsmittelkonsum
aufgetreten sei
(
vgl. Bericht Universitätsspital
Y._
vom 3
0.
August 2014 [
Urk.
7/52/27-31, S. 29]
und
Gutachten vom
9.
November 2018 [
Urk.
7/88/36
]
).
Was sodann die im
Gutachten
vom
9.
November 2018
ge
nannte
Diagnose einer
bipolare
n
affektive
n
Störung
sowie die
in diesem Zu
sam
menhang beschriebenen
manischen Episoden
anbelangt, kann nicht
von einer
beweismässig
zweifelsfr
ei gesicherten
Diagnose
beziehungsweise
einem entspre
chen
den
Befund
ausgegangen werden (vgl. auch Stellungnahme des RAD-Arztes,
dipl.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für
Neurologie, vom 1
8.
Mai 2019 [
Urk.
7/99/5-7])
.
So
hielt
die Gutachterin (
Urk.
7/
88/36)
ausdrücklich fest
, die von der behandelnden Psychiaterin beschrie
benen manischen Episoden
seien
in keinem der vorliegenden Befundberichte hin
reichend dokumentiert worden
, weshalb die Diagnose einer bipolaren affektiven Störung nicht zweifelsfrei gesichert werden könne.
Mangels hinreichend doku
men
tierte
r
manische
r
Episoden
kann deshalb nicht von einer veränderten respektive
neu von
einer
auffälligen
Befundlage
ausgegangen werden.
Zudem
wäre, selbst wenn von einer zweifelsfrei gesicherten Diagnose
beziehungsweise
einem entsprechenden
Befund
ausgegangen werden könnte, diese
nicht neu
(vgl. Berichte der behandelnden Klinik
vom 2
1.
März 2017 [
Urk.
7/52/2] und vom 2
2.
Januar 2018 [
Urk.
7/73/2]).
Wie das von der Gutachterin erhobene Krankheitsbild diagnostisch einzuordnen wäre, spielt letztlich indes keine Rolle, ist doch wie aufgezeigt eine erhebliche Befundänderung nicht ausgewiesen. Vielmehr bestand im Zeitpunkt der Begut
achtung nach wie vor eine langjährige Suchtproblematik mit wiederkehrender psychotischer Symptomatik. Mangels relevanter Veränderung ist mithin aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht unverändert auf eine uneingeschränkte Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers zu schliessen (vgl. E. 3.2), was dieser mit Auf
nah
me einer vollzeitlichen Arbeitsstelle per Oktober 2018 denn auch unter Beweis stellte (
Urk.
1 S. 3,
Urk.
7/115-117). Die Einschätzung der Gutachter, wonach beim Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe (E. 3.3), stellt demnach eine im Kontext des Neuanmeldungsverfahrens unbeachtliche andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts dar (E. 1.3.2). Ein Rentenanspruch lässt sich mithin nicht begründen.
5.
Selbst
wenn jedoch von einer erheblichen Veränderung des Gesundheitszustandes
auszugehen wäre
, was wie dargelegt nicht zutrifft,
führte dies zu keinem anderen Ergebnis, lassen die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
erheblichen Indikatoren (E. 1.4.1 und 1.4.2) nicht auf die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit schliessen.
5
.1
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schwere
grad» ist festzuhalten, dass die anlässlich der psychiatrischen Begutachtung erho
benen objektiven Befunde und Symptome nicht besonders ausgeprägt erschie
nen
(E. 3.2, 4)
.
Sodann ist zum Komplex «Persönlichkeit» festzuhalten, dass keine An
halts
punkte für eine Persönlichkeitsentwicklung ausserhalb der Norm festgestellt wurden. So konnte der Beschwerdeführer beruflich Fuss fassen und entspre
chen
de Ausbildungen absolvieren (Urk. 7/
88/30
).
Im
Januar 2018
trat er gar
eine Halb
tagesschule im Informatikbereich an (Systemingenieur [vgl.
Urk.
7/67, 7/88/29]), wobei er bereits im Oktober 2018 sieben von neun Prüfungen erfolg
reich
abgelegt
hatte (
Urk.
7/88
/29).
Hinsichtlich
des
Komplex
es
«Sozialer Kon
text» ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerde
führer im Zeitpunkt der Begut
achtung zwar in einem betreuten Wohnen lebte (
Urk.
7/88/31), dabei jedoch einen regelmässigen Tagesablauf aufwies (vgl.
Urk.
7/88/31, 7/88/46). Zur Wohn
situation ist anzufügen, dass die im März 2017 stattgefundene Dekompensation, in Zuge
derer
sich der Beschwerdeführer in ein betreutes Wohnen begab, im Wesentlichen auf psychosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen war (vgl.
Urk.
7/62/1). Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer zu seiner Familie einen engen und guten Kontakt pflegt, insbesondere sich täglich mit seiner Mutter unterhält sowie diese auch regelmässig besucht (
Urk.
7/88/31, 7/88/46).
Auch pflegt er zu seinen Freunden einen regelmässigen Kontakt (
Urk.
7/88/46).
Damit verfügt der Beschwerdeführer insgesamt über ein ausrei
chend intaktes soziales Umfeld mit mobilisier
baren Ressourcen.
5
.2
Zum
- beweisrechtlich relevanten -
Aspekt der «Konsistenz» ist darauf hinzu
weisen,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung zwar eine derzeit schlechte Phase beklagte (
Urk.
7/88/29), die neuropsychologische Testung dem
ge
genüber zu durchgehend unauffälligen Befunden führte
. Sodann nimmt er
seine alltäglichen Verrichtungen ohne grössere Einschränk
ungen und regel
mässig
wahr
und ist von einem relativ hohen Aktivitätsniveau auszugehen
(E. 5
.1). Kontras
tie
rend hierzu sieht sich der Beschwerdeführer nur bedingt als arbeits
fähig (Urk. 7/88/29-30).
Diese Selbsteinschätzung findet in den Akten allerdings keine genügende Stütze. Nachdem wie festgestellt im Alltag keine erheblichen Einschränkungen ausgemacht werden konnten, ist im Weiteren zu berücksich
tigen,
dass
angesichts der Therapiefrequenz (zweimal monatlich,
Urk.
7/88/29) nicht von einem erheblichen Leidensdruck
ausgegangen werden kann
.
Unter
Berücksichtigung des Gesagten weist die Kategorie der Konsi
stenz
deshalb
Auf
fälligkeiten auf.
5
.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
sich die gutachterlich attestierte voll
ständige Arbeitsunfähigkeit
-
unter Berücksichtigung eines
nicht erheblichen
Leidens
drucks bei gleichzeitig erhaltenen Kompensationspotentialen und eines nicht erheblichen Schweregrads der diagnos
tizierten Gesundheitsschädigung
-
nicht halten
liesse, zumal, wie bereits ausgeführt,
der Beschwerdeführer kurze Z
eit nach der Begutachtung seine
Erwerbstätigkeit
(im Vollpensum)
wiederauf
nahm
(
Urk.
1
S. 3
,
Urk.
7/116).
6
.
Nachdem es an einem Rentenanspruch - auch an einem befristeten (
Urk.
1 S. 9) - mangelt, erweist sich die
angefochtene Verfügung (
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
600
.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).