Decision ID: 232ac371-d17a-4c4f-bc3e-e12278359899
Year: 2017
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
in Sachen
X._, vertreten durch Dr. iur. Rechtsanwalt M._
gegen
STAATSRAT DES KANTONS WALLIS
EINWOHNERGEMEINDE N._
(Umweltschutz)
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid vom 15. Juni 2016.
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Sachverhalt
A. Am 27. November 2015 schrieb die Gemeinde N._ (Gemeinde) die öf-
fentliche Auflage des Meliorations- bzw. Bauprojekts Sanierung Wasserversorgung
A._ vom 30. November 2015 bis zum 6. Januar 2016 aus (Amtsblatt Nr. xxx
des Kantons Wallis vom xxx 2015). Die Wasserversorgung A._ wird von der
Quelle Nord RIB xxx1 und der Quelle Süd RIB xxx2 gespeist. Das Projekt sieht die
Sanierung bzw. Neufassung der bestehenden Quelle Nord RIB xxx1 , eine neue Sam-
melstube unterhalb der Fassungen, ein neues Reservoir (100 m 3 ), mehrere neue Zulei-
tungen und Druckleitungen sowie ein Steuerungssystem zur Überwachung der Anlage
vor.
B. X._ Wallis sprach am 5. Januar 2016 gegen das während 30 Tagen
öffentlich aufgelegte Projekt ein und beantragte unter anderem, dass bei der Quelle
RIB xxx1 Vegetations- und Lebensraumaufnahmen durchgeführt werden müssten.
Falls sich dabei herausstelle, dass schützenswerte Lebensräume tangiert seien, müsse
gemäss Art. 18 Abs. 1 ter
des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz vom
1. Juli 1966 (NHG; SR 451) für deren bestmöglichen Schutz, für deren Wiederherstel-
lung oder für angemessenen Ersatz gesorgt werden.
C. Am 15. Juni 2016 wies der Staatsrat die Einsprache von X._ vollständig
ab; alle von der Einsprecherin aufgeführten Punkte seien bereits akzeptiert. Im selben
Entscheid genehmigte der Staatsrat das Projekt VS xxx3 Sanierung Trinkwasserver-
sorgung A._ unter diversen Vorbehalten und Auflagen und erklärte es zum
Werk öffentlichen Nutzens.
D. Dagegen erhob X._ (Beschwerdeführerin) am 29. August 2016 Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde bei der öffentlichrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts
und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Es sei der Entscheid des Staatsrats Nr. xxx3 vom 15. Juni 2016 teilweise aufzuheben.
2. Es sei die Genehmigung des Projekts VS xxx3 zu verweigern, soweit die Sanierung bzw.  der Quelle Nord (RIB xxx1 ) und die dazugehörige Leitung bis zur Sammelstelle betroffen ist.
3. Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, den Sachverhalt bei der Quelle Nord und im darunter liegenden Bereich bis zur Sammelstube soweit nötig zu ermitteln und vollständige Quell-, - und Lebensraumerhebung (zu Quelle, Quellfluren, Flora und Fauna) vorzunehmen.
4. Es sei ein Augenschein vor Ort durchzuführen.
5. Es sei der Beschwerde im beantragten Umfang die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
6. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Beschwerdeführer mit dem vorzeitigen Baubeginn  die übrigen Projektbestandteile einverstanden sind.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu lasten der Beschwerdegegnerin.“
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Die Beschwerdeführerin rügte, der Sachverhalt hinsichtlich Lebensräume, Fauna und
Flora im Umfeld der Quellfassung Nord sei unvollständig ermittelt worden. Der vo-
rinstanzliche Entscheid verletzte Art. 18 Abs. 1, Abs. 1 bis
und Abs. 1 ter
NHG sowie Art.
18b NHG i.V.m. Art. 14 Abs. 1 und Abs. 3 lit. a und b NHV und Anhang 1 NHV, Art. 3
Abs. 2 NHG, ausserdem Art. 1 Abs. 1 lit. c und e und Art. 36 a des Bundesgesetzes
über den Schutz der Gewässer vom 24. Januar 1991 (Gewässerschutzgesetz, GSchG;
SR 814.20) i.V.m. Art. 41c Abs. 1 der Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober
1998 (GSchV; SR 814.201) sowie Art. 3 Abs. 2 lit. d des Bundesgesetzes über die
Raumplanung vom 22. Juni 1979 (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). Der Ent-
scheid missachte schliesslich das Prinzip der Verhältnismässigkeit nach Art. 5 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999
(BV; SR 101).
Die Beschwerdeführerin habe am 17. Juli 2016 unterhalb der Fassung Nord durch ei-
nen Quellspezialisten Abklärungen durchführen lassen, welcher in seinem Kurzbericht
vom 25. August 2016 folgende Erkenntnisse dargelegt habe: Unterhalb der grössten-
teils bereits gefassten Quelle Nord würden vier kleine Quellaustritte einen Quellbach
speisen (nicht gefasste Wassermenge von ca. 1 l/s, vermutlich ganzjährig). Es handle
sich bei der festgestellten kalkarmen Quellflur (Cardamino-Montion) um ein schüt-
zenswertes Biotop i.S.v. Art. 18 Abs. 1 und 2 NHG i.V.m. Art. 14 Abs. 3 lit. a NHV und
Anhang 1 zur NHV. Es würden auch kleine Flachmoore existieren, welche ebenfalls
gemäss Art. 18 Abs. 1 bis
NHG zu schützen seien. Der Spezialist habe mindestens vier
typische Quellbewohner beobachtet. Es gebe im betroffenen Talkessel keine ver-
gleichbaren Gewässer, wohin diese Tierarten ausweichen könnten. Für die geplante
Neufassung der Quelle Nord seien Grabungsarbeiten bis ca. 10 m Tiefe in der Grund-
wasserschutzzone S1 und S2 notwendig. Die Vorinstanz behaupte im angefochtenen
Entscheid, alle in der Einsprache vorgebrachten Anträge der Beschwerdeführerin ak-
zeptiert zu haben, was nicht zutreffe. Die Dienststelle für Wald und Landschaft (DWL)
habe am 15. Februar 2016 eine provisorisch negative Vormeinung abgegeben und
habe gefordert, dass das Dossier mit Informationen zu den betroffenen Lebensraum-
typen und dem Vorkommen von seltenen und geschützten Pflanzenarten zu ergänzen
sei. Am 21. April 2016 habe die DWL in einer neuen Vormeinung ausgeführt, auf eine
vollumfängliche Naturwerterhebung als Voraussetzung für die Genehmigung des Pro-
jekts könne verzichtet werden. Die Vorinstanz sei der abgeänderten Empfehlung der
DWL gefolgt; sie habe die Baubewilligung erteilt und lediglich Abklärungen vor Beginn
der Bauarbeiten verlangt, wobei gegebenenfalls geeignete Schutz-, Wiederherstel-
lungs- oder Ersatzmassnahmen vor Ort vorzusehen seien.
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Der technische Bericht vom 23. November 2015 zeige nicht auf, dass die kleine Quell-
wassermenge von rund 1 l/s unterhalb der Quellfassung Nord für die Wasserversor-
gung der betroffenen Landwirtschaftsbetriebe tatsächlich benötigt werde. Der Wasser-
verbrauch für die Trinkwasserversorgung und die Brandbekämpfung sei einerseits ge-
stützt auf Messungen der Quellschüttung aus dem Jahr 1981 beurteilt worden, neuere
Bemessungsgrundlagen würden fehlen, und andererseits sei bei der Beurteilung des
Trinkwasserverbrauchs offenbar ein Siedlungsausbau unbekannter Grössenordnung
berücksichtigt worden. Es seien ausserdem keine Alternativen zur Fassung der vier
kleinen Quellfluren geprüft worden. Obwohl dem technischen Bericht keine Vegeta-
tions- und Lebensraumaufnahmen zugrunde gelegen hätten, sei dieser zum Schluss
gekommen, die Bauphase werde einen bloss temporären negativen Einfluss auf die
lokale Flora und vernachlässigbare Auswirkungen auf die Fauna haben.
Im Juli 2016 - nach der Bewilligung des Projekts durch die Vorinstanz seien durch das
Ingenieurbüro B._ AG Ergänzungen zum technischen Bericht erstellt wor-
den. Erneut werde nicht angesprochen, dass das Versiegen der Quellflur unterhalb der
Quelle Nord nicht nur biologische, sondern auch landschaftliche Auswirkungen mit sich
brächte. Der Ergänzungsbericht räume ein, dass keine spezifischen Erhebungen be-
züglich Fauna vorgenommen worden seien; es seien jedoch mehrere Schmetterlings-
arten und die geschützte Rote Waldameise aufgefunden worden. Der Bericht erwähne
zudem das Vorkommen der geschützten Arten Grüne Hohlzunge und Geflecktes Kna-
benkraut.
Die Vorinstanz habe das Projekt bewilligt, obwohl entscheidende Sachverhaltselemen-
te fehlten (Untersuchung von Quellfluren sowie der Flora und Fauna). Um das Projekt
so schnell wie möglich bewilligen zu können, habe die Vorinstanz vorgesehen, diese
Untersuchungen nach Erteilung der Bewilligung und vor Baubeginn nachzuholen und
allfällige Massnahmen vor Ort festzulegen. Dieses Vorgehen sei nicht rechtmässig, ein
Bauprojekt sei erst entscheidungsreif, wenn die relevanten Tatsachen bekannt seien.
Die Prüfung der Vereinbarkeit des Projekts mit den Bestimmungen des Umweltrechts
müsse Grundlage für den Bewilligungsentscheid sein und dürfe nicht in ein separates,
nachträgliches und gesetzlich nicht vorgesehenes Verfahren verwiesen werden.
E. Die Dienststelle für Landwirtschaft (DLW) beantragte am 30. September 2016 die
Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdeführerin. Die DLW führte aus, die A._ werde sowohl touristisch
als auch alpwirtschaftlich genutzt. Die bestehende Wasserversorgung sei in den 60er
Jahren erstellt worden und das Leitungsnetz sei in einem sehr schlechten Zustand. Die
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Trinkwasserversorgung für das Gebiet sei nicht mehr gewährleistet. Die Fassung der
Quelle RIB xxx1 befinde sich zu nahe an der Oberfläche, die Gefahr der Verunreini-
gung des Quellwassers sei sehr gross. Messungen bei der Brunnenstube, wo die Quel-
len RIB xxx1 und RIB xxx2 (Quelle Süd) zusammenkämen, hätten ergeben, dass die
Wassermenge in den Wintermonaten unter der Verbrauchsspitze von 1.78 l/s liege und
zur Wiederauffüllung der Löschreserve nicht ausreiche. Aufgrund der zu kleinen Quell-
schüttung und der fehlenden Speicherkapazität sei es in den letzten Jahren zu Unter-
brüchen und Engpässen in der Wasserversorgung gekommen, zudem fehle es an ei-
nem zeitgemässen Brandschutz.
Bauten ausserhalb der Bauzone seien nicht automatisch Bundesaufgabe. Der techni-
sche Ergänzungsbericht vom 6. Juli 2016 sehe Massnahmen zum Schutz, zur Wieder-
herstellung und angemessenen Ersatz vor, wie es Art. 18 Abs. 1 ter
NHG verlange. Es
sei keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Die zuständigen kantonalen Fach-
stellen hätte alle positive Vormeinungen abgegeben, welche in den Entscheid integriert
worden seien. Die Lebensraum- und Vegetationsaufnahmen seien vor Ort am 21. Juni
2016 und 4. Juli 2016 gemacht worden und die Ergebnisse seien im Bericht vom 6. Juli
2016 dargestellt; die DWL habe daraufhin grünes Licht gegeben. Am 15. Juli 2016 ha-
be eine Begehung statt gefunden, an welcher eine Vertreterin der Beschwerdeführerin,
der Gemeindepräsident und der für den Bericht verantwortliche Ingenieur teilgenom-
men hätten; die Aufnahmen seien von einem Umweltingenieur und einem Land-
schaftsarchitekten gemacht worden, welche anerkannte Fachleute seien. Das Projekt
sei verhältnismässig; eine Grundversorgung mit Trinkwasser stelle ein übergeordnetes
Bedürfnis dar. Es müsse mit baulichen Massnahmen, welche vor Ort festgelegt werden
könnten, sichergestellt werden, dass genügend Oberflächenwasser Richtung Quellflur
abgeleitet werden könne; der zuständige Geologe halte dies für umsetzbar. Der Ergän-
zungsbericht stelle klar, dass die Neufassung der Quelle die Natur beeinflusse und
führe entsprechenden Massnahmen auf. Die DLW bestritt, dass das Projekt zu irrever-
siblen ökologischen Schäden führen würde. Die einwandfreie Qualität und die Quanti-
tät des Trinkwassers könne nicht garantiert werden. Die nicht gefasste Wassermenge
könne nicht abgeschätzt werden, weil dazu notwendige Messungen und Abklärungen
fehlten. Es sei nicht bestritten und schon im Ergänzungsbericht vom 6. Juli 2016 aufge-
führt, dass Quellfluren, wie auch Flachmoore und Feuchtgebiete schützenswerte Le-
bensräume darstellten. Der genannte Ergänzungsbericht enthalte die notwendigen
Vegetations- und Lebensraumaufnahmen und weise die schutz- und ersatzpflichtigen
Vegetationstypen respektive Lebensräume und entsprechende Kompensationsmas-
sahmen aus. Messungen bei der Brunnenstube, wo die Quellen RIB xxx1 und RIB
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xxx2 zusammen kämen, zeigten klar, dass in den Wintermonaten die Wassermenge
unter der notwendigen Verbrauchsspitze von 1.78 I/s liege und zur Wiederauffüllung
der Löschreserve nicht ausreiche. Ohne die Sanierung der Quelle Nord reiche der Be-
darf für die A._ nicht aus. Die Wasserversorgung sei neben der traditionel-
len Alpwirtschaft (110 Grossvieheinheiten und eine Alpkäserei) auf 400 Einwohner-
gleichwerte ausgerichtet (59 bestehende Häuser und ein Hotel- und Restaurationsbe-
trieb sowie 12 geplante Häuser). Es sei davon auszugehen, dass die vom Experten der
Beschwerdeführerin vorgefundenen Köcherfliegenarten noch an weiteren Orten in der
unmittelbaren Umgebung vorkommen würden. Die gemachten Erhebungen seien an-
hand eines Schnellverfahrens durchgeführt worden und deshalb nicht wissenschaftlich
belegt und mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren. Es seien weder Temperatur
noch Quellschüttung gemessen worden. Mit baulichen Massnahmen könnten Austritte
von Wasser garantiert werden. Genügend Trinkwasser in einwandfreier Qualität stelle
ein übergeordnetes öffentliches Interesse dar. Der Staatsrat sei auf alle von der Be-
schwerdeführerin vorgebrachten Punkte eingegangen und habe diese in den Entscheid
aufgenommen. Bis im Juni 2016 habe noch viel Schnee gelegen, die Vegetation- und
Lebensraumkartierung erst vor Baubeginn durchzuführen und die erforderlichen Mass-
nahmen erst vor Ort anzuordnen, sei zweckmässig und richtig. Die vorhandenen Fotos
würden von der Beschwerdeführerin nicht korrekt interpretiert; eine Ortsschau könne
Klärung bringen.
F. Die Gemeinde nahm ebenfalls am 30. September 2016 Stellung und beantragte die
Abweisung der Beschwerde sowie die Kostenverteilung zu Lasten der Beschwerdefüh-
rerin. Sie machte geltend, die seit mehr als 50 Jahren bestehende private Wasserver-
sorgung auf der A._ sei veraltet und befinde sich in einem schlechten Zu-
stand. Die Versorgungssicherheit sei nicht mehr gewährleistet. Die A._ be-
fände sich in einer rechtsgütig homologierten Dorfzone und die Gemeinde habe einen
Versorgungsauftrag zu erfüllen. Im Gebiet werde traditionelle Alpwirtschaft betrieben,
die Alpkäserei sei auf eine qualitativ einwandfreie Trinkwasserversorgung angewiesen.
Zudem befinde sich im Gebiet ein Restaurations- und Hotelbetrieb, welcher auf eine
ganzjährige Trinkwasserversorgung angewiesen sei. In den letzten Jahren sei es im-
mer wieder zu prekären Engpässen und Unterbrüchen der Wasserversorgung gekom-
men. Eine zu kleine Quellschüttung sowie fehlende Speichermöglichkeiten würden bis
heute die Realisierung eines Brandschutzes verhindern.
Bundesrecht werde nicht verletzt, wenn Schutz, Wiederherstellung und angemessener
Ersatz umgesetzt werde, was der Ergänzungsbericht vom 6. Juli 2016 vorsehe. Für
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das vorliegende Projekt sei keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben. Das
Projekt benötige eine Ausnahmebewilligung gemäss GSchV für den Bau in der Ge-
wässerschutzzone S2; die Voraussetzungen seien gegeben, da die Anlage unverzicht-
bar und standortgebunden sei und eine Gefährdung der Trinkwassernutzung mittels
Auflagen und Bedingungen ausgeschlossen werden könne. Das Projekt liege in der
Landwirtschaftszone 2 und im Wald; eine Ausnahmebewilligung sei zulässig, da die
standortgebundene Trinkwasserleitung unter anderem der Landwirtschaft diene und
die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung ein prioritäres öffentliches Interesse dar-
stelle. Das Prinzip der Verhältnismässigkeit werde nicht verletzt; Trinkwasserversor-
gung und Brandschutz seien übergeordnete Bedürfnisse, die idealistischen Betrach-
tungsweisen der Beschwerdeführerin hätten subjektiven Charakter und seien dabei
nicht zu berücksichtigen.
Für die Feuchtgebiete zwischen der Sammelstube und der Fassung Nord seien Kom-
pensationsmassnahmen vorgesehen, deren genaue Ausgestaltung werde vor Ort defi-
niert. Mit baulichen Massnahmen müsse sichergestellt werden, dass genügend Ober-
flächenwasser in Richtung Quellflur abgeleitet werde. Die vermutete konstante Schütt-
menge von 1l/s werde bezweifelt, die vorkommenden Pflanzenarten sprächen gegen
einen gleichbleibenden Wasserzufluss. Entgegen der Behauptung der Beschwerdefüh-
rerin seien Vegetations- und Lebensraumaufnahmen durch Fachleute durchgeführt
worden. Der Bedarf sei in Kapitel 7 des technischen Berichts vom 23. November 2015
nachgewiesen. Nur zwei der vier vom Experten der Beschwerdeführerin gefundenen
Arten würden als gefährdet bzw. potentiell gefährdet gelten; keine der gefundenen Ar-
ten sei vom Aussterben bedroht. Aufgrund der geringen Anzahl der gefundenen Tiere
müsse davon ausgegangen werden, dass die gefährdete Art entweder noch an weite-
ren Orten in der Umgebung vorkomme, oder die Population auch ohne den geplanten
Eingriff mittelfristig nicht überlebensfähig sei. Dass es im Talkessel keine Ausweich-
möglichkeiten für diese Arten gebe, sei nicht belegt. Es würde bei den Grabarbeiten
darauf geachtet werden, das Wasser derart zu fassen, dass es noch frei in Richtung
Quellflur fliessen könne. Nach Art.18 NHG genüge ein angemessener Ersatz, es müs-
se nicht zwingend Gleiches mit Gleichem ersetzt werden. Der Begriff lasse einen gros-
sen Gestaltungsspielraum offen. Als Ersatz sei die Schaffung von neuen Tümpeln im
Gebiet vorgesehen. Das permanente Fliessen könne ohne entsprechende Messungen
und Beobachtungen nicht als sicher eingestuft werden. Eine Vegetations- und Lebens-
raumerhebung könne einfacher und effizienter vor Ort resp. während den Bauarbeiten
erfolgen. Ausserdem hätte sowohl im Spätherbst 2015 als auch im Juni 2016 keine
Vegetationskartierung durchgeführt werden können, da zu viel Schnee auf der
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A._ gelegen habe. Mit dem Ergänzungsbericht vom 6. Juli 2016 seien alle
nötigen Angaben betreffend Vegetation und Lebensräume vorhanden. Es sei eine
Ortsschau durchgeführt und ein Inventar der Naturwerte erstellt worden, man habe die
Wirkung des Projekts auf die Natur abgeschätzt und Gegenmassnahmen vorgeschla-
gen. Im Projektperimeter befänden sich keine ausgewiesenen Schutzobjekte nach
NHG. Zur Dimensionierung der geplanten Anlage seien die Richtlinien des Schweizeri-
schen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) herangezogen worden. Der Wei-
ler auf der A._ liege in einer rechtskräftigen Bauzone, die bestehenden 59
Gebäude (knapp 70 Wohneinheiten) und die 12 geplanten Gebäude seien mit Trink-
wasser zu versorgen. Die Wasserversorgung sei Ende des Winters bereits mehrfach
kollabiert und der Brandschutz sei derzeit nicht gewährleistet. Die zusätzliche Was-
sermenge sei nötig, um den Bedarf zu decken. Alternative Varianten wären aus techni-
schen und ökonomischen Gründen unverhältnismässig, zudem hätten sie einen erheb-
lich grösseren Eingriff in die Natur zur Folge. Die streitbetroffenen Tümpel und Gewäs-
serläufe seien nicht landschaftsrelevant und aus touristischer Sicht von sekundärer
Bedeutung. Aufgrund der Karte dürfte es Gewässerläufe mit ähnlicher Qualität im Be-
reich „C._“ geben, wohin die betroffenen Tiergruppen ausweichen könnten.
Die Vegetations- und Lebensraumaufnahmen bei der Quelle Nord seien im Jahr 2016
nachgeholt worden (Ergänzungsbericht). Dass nicht alle Arten erfasst werden könnten,
liege in der Natur der Sache; je nach Artengruppe seien zusätzliche Experten nötig,
was nicht verhältnismässig sei. Die bei der Begehung vom 4. Juli 2016 getroffene An-
nahme, das Wasser stamme vom schmelzenden Schneefeld, bleibe bestehen.
G. Die DWL nahm am 3. Oktober 2016 Stellung und bestätigte ihre Aussagen vom
24. April 2016: Der Standort sei unabhängig von einer Erhebung der dort vorkommen-
den Arten als schützenswerter Lebensraum identifiziert worden. Das Projekt sei an den
Standort gebunden und es seien Bedingungen formuliert worden zur bestmöglichen
Erhaltung der Lebensräume, andernfalls werde der Ersatz gemäss Art. 14 NHV ange-
ordnet. Die Erhaltungsziele seien durch die Bestandsaufnahme der Naturwerte vor
Baubeginn und der Definition der Massnahmen, die Begleitung der Bauphase durch
einen Spezialisten sowie die Hinterlegung einer Kaution garantiert.
H. Die Beschwerdeführerin replizierte am 14. November 2016 und hielt an ihren An-
trägen und ihrer Begründung fest: Die Fassung von zusätzlichem Quellwasser diene
nicht der Landwirtschaft, welche bisher im Sommer bestens mit Wasser versorgt ge-
wesen sei, sondern in erster Linie dem geplanten Bau von einem Dutzend Feriencha-
lets. Ausnahmebewilligungen für Bauten ausserhalb der Bauzonen nach Art. 24 RPG
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stellten gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung stets eine Bundesaufgabe
i.S.v. Art. 2 NHG dar. Ein Quelllebensraum könne durch Tümpel, wie in den Ergänzun-
gen zum technischen Bericht vorgeschlagen, nicht angemessen ersetzt werden. Die
Sachverhaltsabklärungen seien nach wie vor nicht vollständig, es fehle insbesondere
eine Lebensraumanalyse. Die Ergänzungen vom 6. Juli 2016 äusserten sich zwar auf
zehn Seiten zu den Themen Natur und Landschaft (inklusive Anhang mit Pflanzenlis-
te), dies gestützt auf zwei Feldbegehungen. Die vier Quellaustritte samt Quellflur im
Vorfeld der Fassung RIB xxx1 seien dabei nicht entdeckt worden, was als gravierender
Mangel in der Abklärung erscheine. Erst der von der Beschwerdeführerin beigezogene
Spezialist habe den Quelllebensraum entdeckt. Lebensraumanalysen seien gemäss
Art. 18 Abs. 1 ter
NHG vor Erteilung der Baubewilligung vorzunehmen; der Entscheid
über die Zulässigkeit eines Eingriffs in einen schutzwürdigen Lebensraum und über die
Anordnung von Massnahmen setze voraus, dass der drohende Verlust überhaupt be-
kannt sei oder zumindest abgeschätzt werden könne, andernfalls fehle der gebotenen
Interessenabwägung die Beurteilungsgrundlage. Ein Eingriff lasse sich nicht mit Er-
satzmassnahmen rechtfertigen, diese seien vielmehr Folge eines bewilligten Eingriffs.
In einem ersten Schritt sei grundsätzlich zu entscheiden, ob Beeinträchtigungen von
schutzwürdigen Lebensräumen vollständig vermieden werden könnten. Erst wenn die
Bewilligungsfähigkeit zu bejahen sei, würden Ersatzmassnahmen eine Rolle spielen.
Die Zerstörung des Quelllebensraums sei vorliegend vermeidbar; sie würde mit dem zu
erwartenden Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis stehen. Die Beschwerdeführerin
äusserte die Befürchtung, eine 10 m tiefe Fassung werde sämtliche Quellaustritte er-
fassen. Oberflächlich würde kein Wasser mehr zur Verfügung stehen, was wohl die
Zerstörung der moorigen Fläche nach sich ziehen würde. Die vom Spezialisten gefun-
denen Tiere seien der „lebende Beweis“ für das Vorliegen einer Quelle, da sie auf eine
permanente Schüttung angewiesen seien: Die gefundenen Pflanzen- und Tierarten
würden klar für eine ständige Wasserführung sprechen. Die angegebene Schüttung
von 1 l/s sei eine Schätzung des Spezialisten; es sei Aufgabe der Gemeinde, mittels
Messung die austretende Schüttmenge über einen längeren Zeitraum abzuklären. Eine
Lebensraumanalyse der Feuchtgebiete fehle auch im Ergänzungsbericht. Die quellge-
bundene Köcherfliege sei eine potentiell gefährdete Art, die Aussage, diese sei auf-
grund der geringen Artenzahl mittelfristig nicht überlebensfähig und würde auch ohne
Eingriff verschwinden, erscheine sehr bedenklich. Die Gefahr einer Verschmutzung der
Quelle sei angesichts der schwer zugänglichen Lage der Fassung sehr unwahrschein-
lich und es sei der Beschwerdeführerin nicht bekannt, dass tatsächlich Verschmutzun-
gen vorgekommen seien. Der Quelllebensraum zeichne sich durch permanent flies-
sendes Wasser mit einer konstanten Temperatur aus und sei nicht mit einem temporä-
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ren Tümpel zu verwechseln. Abklärungen zu schützenswerten Lebensräumen würden
vom NHG unabhängig von Projektgrösse und -kosten verlangt, diese seien vorliegend
nötig und auch verhältnismässig, es handle sich um ein grosses Bauprojekt mit einem
Kostenrahmen von rund Fr. 1.25 Mio. Es sei rechtlich nicht haltbar, eine Baubewilli-
gung zu erteilen, bevor die nötigen Sachverhaltserhebungen durchgeführt seien. Die
durch den Spezialisten festgestellte Weichwasser-Quellflur (Cardamino-Montion) stelle
gemäss Anhang 1 der NHV einen schützenswerten Lebensraumtyp dar. Das Projekt
werde seit 15 Jahren geplant und es sei sicher Zeit gewesen, die Lebensraumanalysen
sorgfältig durchzuführen. Die bestehende Fassung der Quelle Nord weise einen star-
ken Überlauf aus, was einen namhaften Wasserverlust nach sich ziehe. Inwiefern ein
zusätzlicher Liter pro Sekunde den Bedarf von 12 neuen Ferienchalets decken könne,
sei nicht nachvollziehbar, für dieses Erschliessungsprojekt müssten Alternativen ge-
prüft werden, z.B. die Versorgung durch die neu gefassten Quellen „D._ “
bei E._. Die „D._ “-Quellen würden einer Gesteinsschicht ent-
springen, aus welcher verschiedenen Quellgruppen austräten. Bei der Fassung RIB
xxx1 befinde sich vermutlich eine Art natürlicher Überlauf dieser Quellgruppen, eine
Neufassung auf 10 m Tiefe würde höchstwahrscheinlich das Versiegen dieser letzten
natürlich austretenden Quellwassermenge zur Folge haben. Betreffend Brandschutz
sei nicht zwingend Quellwasser nötig, das „F._ “ könnte allenfalls als
Brandschutz-Reservoir in Betracht gezogen werden: Letzteres sei kurz nach dem Auf-
fahren der schweren Baumaschinen abgeflossen, weshalb nach Abschluss der Bauar-
beiten eine Sanierung nötig sein werde, dabei könnte gleichzeitig der Brandschutz ab-
gedeckt werden. Am 16. Oktober 2016 habe die Quellfassung Nord einen bedeutenden
Überlauf aufgewiesen, welcher ungebraucht in den G._ abgeleitet werde.
Gemäss dem Hydrologischen Bericht der I._ vom 1. Oktober 2015 betrage
der Überlauf aus den beiden Fassungen RIB xxx1 und RIB xxx2 mehr als 600 l/min. Im
technischen Bericht werde nicht untersucht, inwiefern das Zuführen dieses Überlaufs in
die Wasserversorgung die Nachfassung (vermutlich 1 l/s) überflüssig machen würde.
Die Angaben zu den Quellzuflüssen im technischen Bericht würden sich auf veraltete
Messungen aus dem Jahr 1981 stützen.
Die Vorinstanz habe eine einseitige Interessenabwägung zugunsten einer Neufassung
vorgenommen, ohne über sämtliche entscheidrelevanten Grundlagen zu verfügen.
Eine vertiefte Erhebung der Lebensräume und der möglichen Wiederherstellungs-
massnahmen sei vernachlässigt worden und es fehlten aktuelle Messungen zu den
effektiven Schüttungsmengen der Quelle RIB xxx1 und des Überlaufs. Eine Quellflur
könne nicht durch eingeleitetes Oberflächenwasser erhalten oder kompensiert werden,
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da die Temperatur von Oberflächenwasser im Tages- und Jahresverlauf zu stark
schwanke. Es sei spekulativ, ob mit baulichen Massnahmen garantiert werden könne,
dass die Quellwasseraustritte wie bis anhin bestehen bleiben würden. Die Beschwer-
deführerin stimme hinsichtlich der am 17. Juli 2016 durch den von ihr beauftragten
Spezialisten durchgeführten Wassertemperaturmessungen zu, dass noch genauere
Messungen zu verschiedenen Parametern durchgeführt werden sollten; dies sei Auf-
gabe der Gemeinde.
Die Aussage der DWL, der Lebensraum sei als schutzwürdig identifiziert worden unab-
hängig von einer Erhebung der an diesem Standort vorkommenden Arten, werfe die
Frage auf, worauf sich diese Erkenntnis angesichts der fehlenden Lebensraumauf-
nahmen abstütze. Die Naturwerte, und damit der Schutzstatus, seien zum Zeitpunkt
der Bewilligungserteilung noch gar nicht bekannt gewesen, die rechtserheblichen Sa-
chumstände seien nicht geklärt. Die vorgenommenen Sachverhaltsabklärungen wür-
den nicht genügen, um die Vereinbarkeit des Vorhabens (Neufassung der Quelle RIB
xxx1 ) mit den Umweltschutzvorschriften beurteilen zu können. In der aufgelegten
Form erscheine der umstrittene Projektbestandteil als nicht bewilligungsfähig. Neue
Leitungsrohre dürften nach Ansicht der Beschwerdeführerin höchstens bis ca. 30 m
unterhalb der heutigen Fassung gelegt werden. Für eine solche Projektoptimierung
wären aber vorgängige Untersuchungen nötig, wofür (wie auch für die Umweltbaube-
gleitung) ein Spezialist beigezogen werden müsse, welcher in der Ingenieurbiologie
kundig sei und fundierte Kenntnisse in der Bioindikation von Gewässern aufweise.
Am 16. November 2016 reichte die Beschwerdeführerin zusätzliche Beilagen zu ihrer
Replik ein.
I. Die DLW reichte am 6. Dezember 2016 eine Duplik ein und hielt an ihren Rechtsbe-
gehren fest. Sie entgegnete, es sei technisch sehr schwierig und mit einem enormen
finanziellen Aufwand verbunden, die Löschwasserreserve aus dem See zu beziehen:
Dazu wäre eine zusätzliche Transportleitung inklusive Fassung im See nötig, was ei-
nen grossen Eingriff in das Gewässer und massive Mehraufwendungen bedeuten wür-
de. Die DWL habe am 21. April 2016 eine positive Vormeinung unter Vorbehalt der
genannten, in den Entscheid aufgenommenen Bedingungen und Auflagen abgegeben.
Sie habe nicht die Einleitung von Oberflächenwasser, sondern die Einleitung des aus-
tretenden Quellwassers mittels eines Sickerrohrs vorgeschlagen. Man könne eine Ver-
schmutzung des Trinkwassers praktisch ausschliessen, wenn die Fassung in einer
Tiefe von 5 - 7 m erstellt und mittels einer Lehmschicht und einer Betonplatte abge-
dichtet werde. Die Garantie, dass die Neufassung nicht zum Versiegen der Quellflur
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führe, könne niemand abgeben, aber es bestehe die Möglichkeit, dass dies mit bauli-
chen Massnahmen verhindert werden könne. Es handle sich im Übrigen um 12 Bau-
rechte, und nicht um 12 bereits geplante Ferienchalets.
J. Am 6. Januar 2017 duplizierte die Gemeinde und beantragte erneut die Abweisung
der Beschwerde. Die Neufassung der Quelle Nord werde entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin nicht aufgrund von geplanten Ferienchalets vorgenommen, son-
dern weil die minimale Schüttung der beiden Quellen Nord und Süd von rund 86.4 m 3
pro Tag (0.97 l/s am 17. März 1981) den errechneten Wasserverbrauch für die Ein-
wohner, den Hotelbetrieb und die Landwirtschaft von 111.26 m 3 pro Tag nicht zu de-
cken vermöge. Ohne die erhöhten Zufluss- und Speichermöglichkeiten könne im Win-
ter kein Brandschutz in der Dorfzone gewährleistet werden. Diverse Alphütten würden
bis heute über keinen Trinkwasseranschluss verfügen und müssten Bachwasser nut-
zen, diese könnten nach einer Kapazitätsanpassung ebenfalls mit Trinkwasser versorgt
werden. Die Gemeinde müsse betreffend Trinkwasser ihren Versorgungsauftrag erfül-
len. Die Quellfassung komme in einem vegetationslosen Blockfeld zu liegen, einzig die
Leitung quere den Bereich mit Tümpeln und Wasserabflussgräben. Die Feuchtgebiete
sollten weiterhin mit Wasser aus der neuen Quellfassung gespeist werden können,
allenfalls könnten als Kompensationsmassnahme zusätzliche Senken geschaffen wer-
den, welche neu ebenfalls vernässt sein würden. Eine Umsiedlung von Tierarten erüb-
rige sich deshalb und zusätzliche Schwankungen der Wassertemperatur seien nicht zu
erwarten. Die Erhebung jeder Einzelart zur Bestimmung des Vegetationstyps sei weder
üblich, verhältnismässig noch zielführend. Trotz der vielen vorkommenden Arten seien
die meisten weder selten noch geschützt oder schützenswert. Der Beizug von diversen
Spezialisten erfolge erst nach Vorliegen von spezifischen Hinweisen, welche bis anhin
nicht vorlagen. Ein Vegetationsmosaik wie das hier vorliegende komme in der subalpi-
nen Stufe sehr häufig vor, daher könnten Umfang des Eingriffs und des notwendigen
Ersatzes grob abgeschätzt werden. Es bestünden keine angemessenen Alternativen
zur notwendigen Sicherstellung der Trink- und Löschwasserversorgung, es sei daher
sinnvoll, die Bewilligung unter Vorbehalt der entsprechenden Schutz-, Wiederherstel-
lungs- und Ersatzmassnahmen zu erteilen und die Massnahmen gemeinsam zu disku-
tieren und festzulegen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei für das vorliegende Pro-
jekt nicht vorgeschrieben. Im Bereich „F._ “ könne keine Wasserleitung er-
stellt werden, ohne schutzwürdige Lebensräume zu tangieren. Beeinträchtigungen
könnten nur durch einen Verzicht auf die Fassung RIB xxx1 verhindert werden; man-
gels vernünftiger Alternativen sei diese jedoch notwendig. Am Vortag der Begehung
vom 16. Oktober 2016 durch die Beschwerdeführerin seien intensive Niederschläge
- 13 -
festgestellt worden, was zu einem längeren und verzögerten Wasserabfluss geführt
habe. Bei der Feldbegehung vom 4. Juli 2016 sei aufgrund der Schneeschmelze selbst
auf den angrenzenden Feucht- und Magerwiesen Wasser festgestellt worden; wäre der
Wasserstand dort immer so hoch, würde man dort nicht Arten wie z.B. Arnika, Enzian,
Berg-Nelkenwurz sowie Süss- und Sauergräser vorfinden. Die Vegetation sei dominiert
von Zeigearten der Borstgrasweide und Feuchtigkeitszeiger z.B. für das Braunseggen-
ried (30 - 0 %) im Bereich zwischen Fassung und Brunnenstube. Eine für die kalkarme
Quellflur typische Moosflur oder entsprechende charakteristische Pflanzen würden
fehlen. Die Vegetationsfluren seien von einem Umweltingenieur FH und einem Land-
schaftsarchitekten FH begutachtet worden, deren Berufsbildung auch Module bezüg-
lich Fauna, Flora und Lebensräume umfasse, zudem müssten die Erfahrung und Wei-
terbildung während der Berufspraxis berücksichtigt werden. Eine Verschmutzung der
Quelle könne durch Naturereignisse erfolgen, eine tiefere Fassung biete einen besse-
ren Schutz. Das neue Reservoir weise ein Volumen von 100 m 3 auf, bei einem minima-
len Zufluss von 1 l/s könne es in rund 28 Stunden gefüllt werden. Für eine Überbrü-
ckung von zehn Tagen müsste das Reservoir ca. das zehnfache Volumen aufweisen.
Ob ein Gewässer auch im Winter ständig fliesse, könne kaum durch eine Messung der
Wassertemperatur im Sommer festgestellt werden. Die Aussage des von der Be-
schwerdeführerin beigezogenen Spezialisten, die Quellschüttung betrage permanent
1 l/s werde bestritten, dies stehe im Widerspruch zur Aussage des Geologen, der für
den Sommer einen Wasserüberschuss von 600 l/s für die Quelle RIB xxx1 abgeschätzt
habe. Die Schüttung von Quellen sei saisonal stark schwankend; während im Sommer
Überläufe bestünden, sei die Schüttung im Spätwinter spärlich oder die Quelle versie-
ge sogar ganz. Das Restaurant H._ habe deswegen am Ende der Winter-
saison auch schon frühzeitig schliessen müssen. Der Ergänzungsbericht vom 6. Juli
2016 habe im Projektperimeter folgende schützenswerte Vegetationstypen nach An-
hang 1 zur NHV festgestellt und ausgewiesen: Mesophile subalpine Zwergstrauchhei-
de (Alpenrosenheide, grossflächig), Larici-Pinetum cembrae (Lächrech-Arvenwald,
kleinflächig resp. kaum betroffen), Caricion fuscae (Saures Kleinseggenried, kleinflä-
chig), Elynion (Nacktriedrasen, sehr kleinflächig) und Salicion herbaceae (Sauerboden-
Schneetälchen, sehr kleinflächig). Vier davon seien nur sehr kleinflächig oder kleinflä-
chig vorhanden; die schützenswerten Naturräume umfassten insgesamt nur wenige
Quadratmeter. Der Ergänzungsbericht weise die Feuchtgebiete aus, ob das Wasser
aus Niederschlag, einem Quellüberlauf oder der Schneeschmelze stamme, spiele da-
für keine Rolle. Die für eine Lebensraumanalyse benötigten detaillierten Projektanga-
ben hätten erst seit Herbst 2015 vorgelegen und nicht bereits seit 15 Jahren, wie es die
Beschwerdeführerin behaupte. Die „D._ “-Quellen lägen geografisch viel
- 14 -
tiefer als die A._ und wären nur mit einer aufwendigen Pumplösung nutzbar;
dies sei aus technischer und finanzieller Sicht sowie aufgrund des grösseren Eingriffs
in die Landschaft absolut unverhältnismässig.
K. Die Beschwerdeführerin reichte am 24. Januar 2017 eine weitere Stellungnahme
ein und hielt an ihren bisherigen Anträgen und Begründungen fest. Eine Vertreterin der
Beschwerdeführerin habe am 21. Januar 2017 das Gebiet nochmals aufgesucht und
zusätzliche Filmaufnahmen angefertigt; die Schneedecke sei beim Austritt des Quell-
flusses infolge der Wärmeabgabe des Wassers leicht eingesunken und es sei unter
dem Schnee eine Eisschicht oberhalb der Quellflur sichtbar. Dies seien weitere Indi-
zien für einen permanenten Quellwasseraustritt. Die Gemeinde und die DLW würden
sich auf Messwerte vom 17. März 1981 berufen, welche also bald 36 Jahre alt seien.
Die auf 400 Einwohnergleichwerte ausgerichtete Versorgung beziehe sich auf Gebäu-
de, die überwiegend nur im Sommerhalbjahr genützt würden, gemäss dem techni-
schen Bericht bestehe während dieser Zeit sogar ein Wasserüberschuss. Der Bedarf
für die Neufassung der Quelle RIB xxx1 sei nicht erwiesen. Es erscheine unverhältnis-
mässig, einen schützenswerten Lebensraum für die Fassung von relativ wenig zusätz-
lichem Wasser zu zerstören, zudem dürfte dieses zusätzliche Wasser für die geltend
gemachten wachsenden Bedürfnisse sowieso nicht ausreichen. Die ungenügende
Sachverhaltsabklärung hinsichtlich des Wasserbedarfs sowie den schützenswerten
Biotopen und der Flora und Fauna stehe einer Bewilligung der Neufassung entgegen.
Die Beschwerdeführerin habe nie eine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt;
ob ein Projekt den Vorschriften über den Schutz der Umwelt entspreche, müsse auf-
grund von Art. 3 und 4 UVPV trotzdem überprüft werden. Die Gemeinde vermöge in
keiner Weise aufzuzeigen, wie die Erhaltung der Quellaustritte effektiv sicher gestellt
werde könne; wenn mehr Quellwasser gefasst werden solle, so sei mit einem Versie-
gen der kleinräumigen natürlichen Wasseraustritte zu rechnen. Nur aufgrund von voll-
ständigen Erhebungen der Naturwerte (Gewässer, Biotope, Flora und Fauna) könne
entschieden werden, ob einzelne Biotope erhalten werden müssten oder ob bei un-
vermeidbaren Eingriffen Ersatzmassnahmen anzuordnen seien. Ein „Überlauf“ sei nicht
geeignet, um die kleinräumigen Quellaustritte permanent zu erhalten. Die Aussage der
Gemeinde, dass am Vortag des 16. Oktobers 2016 ca. 50 l/m 2 Niederschläge gefallen
seien, könne nicht nachvollzogen werden; erstens seien die angegebenen Daten auf
www.gin.admin.ch nur Fachleuten zugänglich, zweitens seien gemäss diesen Angaben
am Vortag der Filmaufnahmen keine Niederschläge gemessen worden. Die Beschwer-
deführerin schlage vor, das Wasser aus dem Überlauf zu nutzen und in ein vergrösser-
tes Reservoir zu leiten, welches im Bereich der künstlichen Hügel der Fassung RIB
- 15 -
xxx2 eingebaut werden könnte, verbunden mit einer Renaturierung des Geländes. Das
Verschmutzungsrisiko für die Quelle RIB xxx1 erscheine klein, Belege für Naturereig-
nisse, welche in der Vergangenheit zu Verschmutzungen geführt hätten, würden feh-
len.
L. Die Gemeinde teilte am 8. Februar 2017 mit, dass sie an ihren bisherigen Stellung-
nahmen festhalte. Falls die Quelle Nord nicht neu gefasst werden könne, bitte die Ge-
meinde das Gericht darum, mindestens die Erstellung einer neuen Leitung zu geneh-
migen, damit das bereits gefasste Trinkwasser der Quelle Nord mit der neu erstellten
Brunnenstube im nicht strittigen Projektteil verbunden werde könne.
M. Am 23. Februar 2017 antwortete die Beschwerdeführerin, dass sie sich mit einer
teilweisen Erneuerung der Leitung (ab einer Distanz von ca. 30 Meter zur Fassung),
unter der Voraussetzung einer vorgängigen Abklärung und einer weisungsbefugten
Umweltbaubegleitung, einverstanden erklären könnte.
Weitere Sachverhaltsdarstellungen, Parteibehauptungen sowie Begründungen sind,
soweit rechtlich von Bedeutung, in den nachfolgenden Erwägungen aufgeführt.

Considerations:
Erwägungen
1. Der angefochtene Entscheid des Staatsrats stellt eine letztinstanzliche Verfügung
im Sinne von Art. 72 des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren und die Verwal-
tungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976 (VVRG; SGS/VS 172.6) dar, die gemäss
Art. 105 Abs. 2 des Gesetzes über die Landwirtschaft und die Entwicklung des ländli-
chen Raumes vom 8. Februar 2007 (Landwirtschaftsgesetz; GLER; SGS/VS 910.1) der
Verwaltungsgerichtsbeschwerde unterliegt.
Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Staatsratsentscheids,
aber auch gemäss Art. 12 NHG zur Beschwerde befugt, da sie zu den nach Art. 12
Abs. 1 lit. b NHG beschwerdebefugten Organisationen im Bereich des Natur- und Hei-
matschutzes gehört (vgl. Anhang der Verordnung vom 27. Juni 1990 über die Bezeich-
nung der im Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes be-
schwerdeberechtigten Organisationen [VBO; SR 814.076]) und die Erfüllung von Bun-
desaufgaben im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV und Art. 2 NHG durch kantonale Behör-
den im Raume steht (ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts, vgl. zuletzt
- 16 -
BGE 142 II 509 E. 2.2 f.; 139 II 271 E. 3 und E. 9.2). Der Biotopschutz gemäss Art. 18
ff. NHG gehört zu den Bundesaufgaben, ebenso die Erteilung einer raumplanungs-
rechtlichen Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 RPG (BGE 142 II 509 E. 2.3; 139 II
271 E. 3, 9 und 10.2; 138 II 281 E. 4.4, jeweils mit Hinweisen), so dass die Beschwer-
deführerin gemäss Art. 80 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a VVRG zur Beschwer-
deführung legitimiert ist. Auf ihre im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde ist deshalb einzutreten (Art. 80 Abs. 1 lit. b und c i.V.m. Art. 46 und Art. 48
VVRG).
2. Das Gericht hat die Angelegenheit nicht unter allen Gesichtspunkten zu überprüfen,
sondern kann sich im Wesentlichen auf die gerügten Punkte beschränken (Art. 48
Abs. 2 i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. c VVRG). Es können zudem nur Rechtsverletzungen,
einschliesslich Überschreitungen oder Missbrauch des Ermessens, sowie die unrichti-
ge oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend ge-
macht werden. Die Unzweckmässigkeit der Verfügung kann jedoch nur in Fällen, die
hier nicht zutreffen (Art. 78 VVRG), überprüft werden.
3. Die Beschwerdeführerin beantragt als Beweismittel die Durchführung eines Augen-
scheins und reicht verschiedene Beilagen ein.
3.1 Das Recht, Beweise zu beantragen, ist ein Teilgehalt des rechtlichen Gehörs. Die
Parteien haben daher das Recht, die Abnahme relevanter Beweise zu verlangen, wenn
die Beweise die Entscheidung beeinflussen können (BGE 137 III 324 E. 3.2.2; 127 I 54
E 2b; 124 I 241 E. 2). Das Beweisverfahren kann nach der Rechtsprechung und der
herrschenden Lehre aber geschlossen werden, ohne damit das rechtliche Gehör zu
verletzen, wenn die entscheidende Instanz sich ihre Überzeugung gebildet hat und
ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, der rechtsre-
levante Sachverhalt würde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 136
I 229 E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3; 131 I 153 E. 3; ZWR 2009 S. 46 E. 3b; Alfred Kölz/ Isa-
belle Häner/ Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. A., 2013, N. 153 und N. 537). Dies trifft u.a. zu, wenn eine Beweisführung
über einen nicht rechtlich relevanten Sachverhalt verlangt wird (Art. 80 Abs. 1 lit. d, 56
und 17 Abs. 2 VVRG; Urteil des Bundesgerichts 1A.87/2006 vom 12. September 2006
E. 2.2; BGE 131 I 153 E. 3; 130 II 425 E. 2.1; 122 II 464 E. 4a mit Hinweisen). Führen
die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder den Richter
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt
sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweis-
massnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, ist auf die Ab-
- 17 -
nahme weiterer Beweise zu verzichten (BGE 124 I 274 E. 5b; 122 II 464 E. 4a; Alfred
Kölz/ Isabelle Häner/ Martin Bertschi, a.a.O., N. 153, 154 und 537).
3.2 Das Kantonsgericht hat alle von der Beschwerdeführerin eingereichten Beilagen
zu den Akten genommen. Die DLW hat am 30. September 2016 die vollständigen amt-
lichen Akten eingereicht. Die Gemeinde hat am 30. September 2016 und am 6. Januar
2017 weitere Beilagen eingereicht, welche das Kantonsgericht zu den Akten genom-
men hat. Die eingereichten Akten enthalten unter anderem Fotos und Filmaufnahmen
des betroffenen Gebiets unterhalb der bestehenden Quellfassung Nord. Die vorhande-
nen Akten enthalten die entscheidrelevanten Sachverhaltselemente und genügen - wie
aus den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen hervorgeht - zur Beurteilung der
rechtserheblichen Fragen. Das Kantonsgericht nimmt unter Berücksichtigung der vor-
liegenden Umstände in antizipierter Beweiswürdigung an, weitere Beweismittel - insbe-
sondere eine Ortsschau - würden an der zu beurteilenden Sach- und Rechtslage nichts
ändern, weshalb auf zusätzliche Beweisabnahmen verzichtet wird.
4. Für den Natur- und Heimatschutz sind die Kantone zuständig (Art. 78 Abs. 1 BV).
Der Bund erlässt gemäss Art. 78 Abs. 4 BV Vorschriften zum Schutz der Tier- und
Pflanzenwelt und zur Erhaltung ihrer Lebensräume in der natürlichen Vielfalt und
schützt bedrohte Arten vor Ausrottung.
4.1 Art. 18 NHG regelt den Schutz von Tier- und Pflanzenarten. Gemäss Art. 18
Abs. 1 NHG ist dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzenarten durch die Er-
haltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und andere geeignete Massnahmen
entgegenzuwirken. Bei diesen Massnahmen ist schutzwürdigen land- und forstwirt-
schaftlichen Interessen Rechnung zu tragen. Art. 18 Abs. 1 bis
hält fest, dass Uferberei-
che, Riedgebiete und Moore, seltene Waldgesellschaften, Hecken, Feldgehölze, Tro-
ckenrasen und weitere Standorte, die eine ausgleichende Funktion im Naturhaushalt
erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für Lebensgemeinschaften aufwei-
sen, besonders zu schützen sind. Lässt sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger
Lebensräume durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht ver-
meiden, so hat der Verursacher gemäss Art. 18 Abs. 1 ter
NHG für besondere Mass-
nahmen zu deren bestmöglichem Schutz, für Wiederherstellung oder an sonst für an-
gemessenen Ersatz zu sorgen.
4.2 Der Biotopschutz soll laut Art. 14 Abs. 1 NHV insbesondere zusammen mit dem
ökologischen Ausgleich (Art. 15 NHV) und den Artenschutzbestimmungen (Art. 20
NHV) den Fortbestand der wildlebenden einheimischen Pflanzen- und Tierwelt sicher-
- 18 -
stellen. Biotope werden gemäss Art. 14 Abs. 2 NHV insbesondere geschützt durch:
Massnahmen zur Wahrung oder nötigenfalls Wiederherstellung ihrer Eigenart und bio-
logischen Vielfalt (lit. a), Unterhalt, Pflege und Aufsicht zur langfristigen Sicherung des
Schutzziels (lit. b), Gestaltungsmassnahmen, mit denen das Schutzziel erreicht, beste-
hende Schäden behoben und künftige Schäden vermieden werden können (lit. c),
Ausscheidung ökologisch ausreichender Pufferzonen (lit. d). und Erarbeitung wissen-
schaftlicher Grundlagen (lit. e). Art. 14 Abs. 3 NHV bestimmt, dass Biotope als schüt-
zenswert bezeichnet werden aufgrund der insbesondere durch Kennarten charakteri-
sierten Lebensraumtypen nach Anhang 1 (lit. a), der geschützten Pflanzen- und Tierar-
ten nach Artikel 20 (lit. b), der nach der Fischereigesetzgebung gefährdeten Fische und
Krebse (lit. c), der gefährdeten und seltenen Pflanzen- und Tierarten, die in den vom
BAFU erlassenen oder anerkannten Roten Listen aufgeführt sind (lit. d) und weiterer
Kriterien, wie Mobilitätsansprüche der Arten oder Vernetzung ihrer Vorkommen (lit. e).
Die Kantone können die Listen nach Absatz 3 Buchstaben a-d den regionalen Gege-
benheiten anpassen (Art. 14 Abs. 4 NHV). Die Kantone sehen ein zweckmässiges
Feststellungsverfahren vor, mit dem möglichen Beeinträchtigungen schützenswerter
Biotope sowie Verletzungen der Artenschutzbestimmungen des Artikels 20 vorgebeugt
werden kann (Art. 14 Abs. 5 NHV). Ein technischer Eingriff, der schützenswerte Bio-
tope beeinträchtigen kann, darf gemäss Art. 14 Abs. 6 NHV nur bewilligt werden, so-
fern er standortgebunden ist und einem überwiegenden Bedürfnis entspricht. Für die
Bewertung des Biotops in der Interessenabwägung sind neben seiner Schutzwürdigkeit
nach Absatz 3 insbesondere massgebend: Die Bedeutung des Biotops für die ge-
schützten, gefährdeten und seltenen Pflanzen- und Tierarten (lit. a), seine ausglei-
chende Funktion für den Naturhaushalt (lit. b), seine Bedeutung für die Vernetzung
schützenswerter Biotope (lit. c) und seine biologische Eigenart oder sein typischer
Charakter (lit. d). Art. 14 Abs. 7 NHV betont noch einmal, dass wer einen Eingriff vor-
nimmt oder verursacht, zu bestmöglichen Schutz-, Wiederherstellungs- oder an sonst
angemessenen Ersatzmassnahmen zu verpflichten ist.
4.3 Ein Biotop i.S.v. Art. 18 NHG ist ein flächenmässig begrenzter, schützenswerter
Lebensraum. Es wird anhand qualitativer Kriterien bestimmt, ob ein Biotop vorliegt,
wobei hauptsächlich die Vorgaben von Art. 18 Abs. 1, Abs. 1 bis
und Abs. 1t er
NHG so-
wie von Art. 14 Abs. 3 NHV den Massstab bilden. Art. 18 Abs. 1 bis
enthält eine nicht
abschliessende Aufzählung von Lebensräumen, bei denen die Schutzwürdigkeit ver-
mutet wird, bei anderen ist sie aufzuzeigen (vgl. zum Ganzen Karl Ludwig Fahrländer,
Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 18 N. 13 ff.). Auch bei den in Art. 18 Abs. 1 bis
NHG
genannten Lebensräumen ist eine gewisse Minimalgrösse vorausgesetzt und sie müs-
- 19 -
sen eine ökologische Qualität aufweisen; der Lebensraum muss infolge seiner Lage
oder Zusammensetzung gefährdete Tier- oder Pflanzenarten entweder beherbergen
oder dafür geeignet sein (BGE 133 II 220 E. 2.3; Karl Ludwig Fahrländer, a.a.O., Art.
18 N. 15). Der Entscheid über die Zulässigkeit eines Eingriffes in ein Schutzobjekt und
über die Anordnung von (Ersatz)Massnahmen nach Art. 18 Abs. 1 ter
NHG setzt voraus,
dass der drohende Verlust überhaupt bekannt ist oder seine Ausmasse zumindest ab-
geschätzt werden können, andernfalls fehlt der nach Art. 18 Abs. 1 ter
NHG gebotenen
Interessenabwägung und der daran geknüpften Frage nach der Anordnung von (Er-
satz-) Massnahmen die erste Beurteilungsgrundlage (Karl Ludwig Fahrländer, a.a.O.,
Art. 18 N. 27).
5. Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei mangels aktueller Messungen der
Schüttmengen der beiden Quellen auf der A._ gar nicht erweisen, ob für die
Neufassung der Quelle Nord ein Bedarf bestehe.
5.1 Der technische Bericht vom 23. November 2015 führt betreffend Quellzufluss aus,
dass die beiden Quellen oberhalb des „F._ “ (Fassung Nord RIB xxx1 und
Fassung Süd RIB xxx2 ) in den Sommermonaten eine ergiebige Quellschüttung auf-
weisen würden. In den Wintermonaten hingegen versiege die Quelle Nord oftmals. Die
minimale Quellschüttung werde in dieser Zeit nur durch die Quelle Süd gewährleistet
und betrage 1 l/s (gemäss Projektgrundlage Nr. 19), was einem Volumen von rund 86
m 3 pro Tag entspreche.
5.2 Bei der besagten Projektgrundlage Nr. 19 handelt es sich um den technischen
Bericht und die Kostenschätzung betreffend die Wasserversorgung E._ -
A._ des Ingenieurbüros J._ vom Juli 1981 (vgl. Beleg 7 der Ge-
meinde sowie S. 3 des technischen Berichts vom 23. November 2015). Der Bericht
vom Juli 1981 befasst sich mit der Wasserversorgung von K._ und derjeni-
gen von E._, es wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, die zwei Quellen
in E._ und die beiden Quellen auf K._ unterhalb „L._ “
in einem Versorgungsnetz zusammenzufassen. Der Bericht führt aus, dass die ältere
Quelle unterhalb „L._ “ regelmässig in den Monaten Februar und März kur-
ze Zeit versiege und die Fassung praktisch an der Erdoberfläche liege. Durch eine Sa-
nierung dieser Fassung hoffe man, auch im Winter mehr Wasser zu erhalten. Die
1979/1980 erstellte Fassung sei während zweier Winter beobachtet worden und bei
den Kontrollen sei immer ein Ausfluss festgestellt worden. Im Winter 1980/1981 habe
die minimale Schüttung bei 1 l/s gelegen. Der Bericht weist ausserdem darauf hin,
dass die Einzugsgebiete der vier Quellen sehr verschieden seien und die minimalen
- 20 -
Quellschüttungen zu unterschiedlichen Zeiten anfallen würde; eine Zusammenfassung
dieser vier Quellen sei deshalb sinnvoll, nur so könne eine optimale Nutzung garantiert
werden. Dem Bericht liegt eine Seite mit der Überschrift „Wassermessungen
A._ Winter 1981“ bei. Es sind sieben Messwerte ermittelt worden, welche
folgende Schüttmengen ergaben: Am 21. Januar 2.1 l/s, am 14. Februar 1.7 l/s, am
21. Februar 1.56 l/s, am 4. März 1.2 l/s. am 17. März 0.97 l/s am 28. März 0.8 l/s und
am 20. April 2.5 l/s. Auf dem Datenblatt ist nicht vermerkt, an welcher Stelle des Trink-
wasserversorgungssystems diese Messungen durchgeführt worden sind.
5.3 Die DLW geht davon aus, dass die Messungen beim bestehenden Sammel-
schacht vorgenommen worden sind und sich die Messwerte somit auf die gesamte
Schüttmenge beider Quellen beziehen. Die Gemeinde teilt diese Auffassung offenbar:
Sie führt aus, im Jahr 1981 sei die Schüttmenge beider Quellen gemessen worden.
Diese Sichtweise widerspricht jedoch den Angaben im technischen Bericht vom
23. November 2015, welcher auf Seite 28 Folgendes ausführt:
„Gemäss den Berichten [22] und [19] kann man davon ausgehen, dass bis zur Neufassung
der Fassung Süd im Jahre 1980 die beiden Quellen regelmässig in den Wintermonaten für
kurze Zeit versiegten. Während zweier Winter ab 1980 wurde die sanierte Fassung beo-
bachtet und ergab eine minimale Schüttung von 1 l/s (siehe [19]).“
Der technische Bericht bezieht sich erneut auf die Ausführungen im Bericht vom Juli
1981 (Projektgrundlage Nr. 19, siehe oben E. 5.2), wonach die 1979/1980 erstellte
Fassung während zweier Winter beobachtet worden sei und im Winter 1980/1981 die
minimale Schüttung bei 1 l/s gelegen habe. Die Quelle Süd ist entweder im Jahr 1980
oder im Jahr 1981 neu gefasst worden (vgl. S. 8 und S. 24 des technischen Berichts
vom 23. November 2015). Die Fassung der Quelle Nord hingegen ist seit der Erstel-
lung der Wasserversorgung A._ in den 60er Jahren nicht erneuert worden
(vgl. S. 15 und S. 24 des technischen Berichts vom 23. November 2015). Bei der Pro-
jektgrundlage 22 handelt es sich gemäss dem technischen Bericht vom 23. November
2015 um den „Sanierungsvorschlag TWV und Hydrantenanlage, K._/
E._, SRP, 1977“. Dieses Dokument befindet sich nicht in den Akten. Die
Messungen vom Winter 1981, auf welche bei der Bedarfsberechnung im technischen
Bericht abgestellt wird, sind den vorliegenden Akten zufolge bei der Quelle Süd durch-
geführt worden.
5.4 Die im Winter 1981 durchgeführten Wassermessungen lassen keine verlässlichen
Rückschlüsse auf die heutige Versorgungssituation zu: Wie bereits ausgeführt bezie-
hen sich die Messwerte gemäss dem technischen Bericht nur auf die Schüttmenge der
- 21 -
Quelle Süd. Selbst wenn sich die Messungen aus dem Jahr 1981 auf die gemeinsame
Schüttmenge beider Quellen beziehen würde, wie Gemeinde und DLW annehmen,
könnte aufgrund der wenigen Messungen nicht eingeschätzt werden, ob bereits das
deutlich vergrösserte neue Reservoir mit einem Fassungsvermögen von 100 m 3 (das
bestehende Reservoir fasst gemäss dem technischen Bericht vom 23. November 2015
nur 5 - 8 m 3 ) eine ausreichende Trinkwasserversorgung während der Wintermonate
gewährleisten würde: Die im Winter 1981 an sieben einzelnen Tagen der Monate Ja-
nuar bis April gemessenen Schüttmengen haben sich von Tag zu Tag deutlich unter-
schieden, zwei der sieben gemessenen Werte lagen bei ca. 1 l/s oder darunter, drei
Werte lagen jedoch deutlich über 1 l/s und zwei Messungen ergaben eine Schüttmen-
ge von über 2 l/s (siehe oben E. 5.2).
5.5 Sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Gemeinde erwähnen den hydrogeo-
logischen Bericht „Überprüfung Quellschutzzonen A._ Gemeinde
N._ “ der I._ vom 1. Oktober 2015, welcher im technischen Be-
richt als Projektgrundlage Nr. 28 aufgeführt wird, jedoch nicht in den Akten enthalten
ist. Nach Aussage der Beschwerdeführerin geht aus dem hydrogeologischen Bericht
hervor, dass der Überlauf aus den beiden Fassungen RIB xxx1 und RIB xxx2 mehr als
600 l/min betrage. Die Gemeinde hingegen führt aus, der Geologe habe einen Was-
serüberschuss von 600 l/s für die Quelle RIB xxx1 im Sommer abgeschätzt.
5.6 Die Vorinstanz und die Gemeinde vertreten den Standpunkt, die Neufassung der
Quelle Nord sei zwingend notwendig, da gegenwärtig der Trinkwasserbedarf im Winter
nicht gedeckt werden könne. Die Quelle liefere im Winter praktisch kein Wasser, da
sich die Fassung zu nahe an der Oberfläche befinde. Es sei wiederholt zu Versor-
gungsengpässen und Unterbrüchen bei der Trinkwasserversorgung gekommen. Die
DLW hat betreffend Quellwasseraustritte bei der Quelle Nord ausgeführt, die nicht ge-
fasste Wassermenge könne nicht abgeschätzt werden, weil dazu notwendige Messun-
gen und Abklärungen fehlen würden, die Wassermenge habe aber am 14. September
2016 sicher weit weniger als 1 l/s betragen (vgl. Beschwerdeantwort vom 30. Septem-
ber 2016 Punkt 15 S. 5). Die Quelle Nord kann gemäss dem technischen Bericht in
den Wintermonaten versiegen. Der technische Bericht zitiert zudem hydrogeologische
Expertisen, wonach es sich bei der Quelle RIB xxx1 um eine Mischquelle handle, de-
ren Ergiebigkeit starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen sei, es liege ein
kleines Einzugsgebiet mit reichlich Schneeschmelze im Sommer vor. Es handle sich
um zwei Quellen mit einer bemerkenswerten Quellschüttung, welche bei fachgerechter
Fassung auch zur Zeit der niedrigsten Quellschüttung in den Monaten Februar bis April
- 22 -
für die Wasserversorgung wichtig sei (vgl. S. 8, 26 und 28 des technischen Berichts
vom 23. November 2015). Dem technischen Bericht kann nicht entnommen werden,
wie hoch die erhoffte zusätzliche Schüttmenge einer neuen, tieferen Fassung der Quel-
le Nord eingeschätzt wird. Ob sich die im Bericht als Projektgrundlagen 8 und 28 auf-
geführten hydrogeologischen Expertisen mit dieser Frage beschäftigt haben, kann
nicht überprüft werden, da sich diese Dokumente nicht bei den Akten befinden.
5.7 Im Protokoll der Sitzung vom 2. Juni 2015 (Beleg 8 der Gemeinde) wird erwähnt,
falls die Fassungen nicht optimiert werden könnten, bestünde die Alternative, das
Überschusswasser der Wasserversorgung E._ ins Reservoir
„O._ “ zu leiten. Bereits der technische Bericht vom Juli 1981 hat darauf
hingewiesen, dass eine Zusammenfassung der beiden Quellen auf der A._
mit den beiden Quellen in E._ sinnvoll wäre, da die minimalen Quellschüt-
tungen zu unterschiedlichen Zeiten anfallen würden. Im technischen Bericht vom 23.
November 2015 und in den übrigen Akten finden sich keine Angaben, dass diese Al-
ternative näher geprüft worden wäre.
5.8 Gemäss dem technischem Bericht vom 23. November 2015 (vgl. S. 12) sind seit
1961 keine Probleme im Zusammenhang mit der Wasserqualität aufgetreten: Bei ers-
ten Laboruntersuchungen im Jahr 1961 sei eine zu hohe Keimzahl festgestellt worden.
Weitere Trinkwasseranalysen zwischen 1973 bis 2005 hätten hingegen eine normale
Keimzahl gezeigt. Bei Untersuchungen von 2007 bis 2014 hätten bei allen analysierten
Parametern die Ergebnisse unterhalb der Grenzwerte gelegen und entsprächen folg-
lich der Lebensmittelgesetzgebung.
5.9 Nach dem Gesagten ist hinsichtlich der Schüttmenge der Quelle Nord einzig un-
bestritten, dass diese im Verlauf des Jahres stark schwankt und die Quelle im Winter
zeitweise versiegen kann. Die Schüttmenge der Quelle Nord ist nie gemessen worden;
die Messungen vom Winter 1981 sind gemäss technischem Bericht bei der Quelle Süd
durchgeführt worden. Für die Ermittlung des vorhandenen Quellzuflusses hat der tech-
nische Bericht folglich nur die Schüttmenge der Quelle Süd berücksichtigt, welche im
Winter 1981 gemessen worden ist. Dabei ist man von einer Schüttmenge von 1 l/s
ausgegangen - entweder aufgrund des am 17. März 1981 gemessenen Wertes von
0.97 l/s (vgl. Duplik der DLW vom 6. Dezember 2016) oder aufgrund der Aussage im
technischen Bericht vom Juli 1981, die minimale Schüttung habe im Winter 1980/1981
bei 1 l/s gelegen. Weshalb auf einen einzigen Messwert bzw. die ungenaue Angabe im
Bericht und nicht auf den Durchschnittswert aller sieben im Winter 1981 durchgeführ-
ten Messungen (ca. 1.5 l/s) abgestellt worden ist, bleibt unklar. Demnach ist nicht be-
- 23 -
kannt, wieviel Quellwasser der Trinkwasserversorgung A._ im Winter tat-
sächlich zur Verfügung steht. Es kann deshalb auch nicht beurteilt werden, ob der mi-
nimale Quellzufluss der beiden Quellen RIB xxx1 und RIB xxx2 im Winter den Bedarf
deckt oder nicht. Falls die Quelle Nord während des Winters 1981 mehrheitlich versiegt
ist und deshalb nur die Schüttmenge der Quelle Süd ermittelt worden ist, stellt sich die
Frage, ob dies während der letzten 36 Jahre üblich war. Wäre dies der Fall, müsste
näher untersucht werden ob die Quelle Nord überhaupt das Potenzial besitzt, bei einer
Neufassung die Versorgungssituation in den Wintermonaten spürbar zu verbessern.
6. Die Beschwerdeführerin kritisiert zudem, dass dem technischen Bericht vom
23. November 2015 keine Vegetations- und Lebensraumaufnahmen zugrunde gelegen
hätten. Die Vorinstanz habe das Projekt trotz des Fehlens dieser entscheidenden
Sachverhaltselemente bewilligt und vorgesehen, dass die Aufnahme des Inventars der
Naturwerte mit einer Wirkungsanalyse nach Erteilung der Bewilligung und vor Beginn
der Bauarbeiten durchgeführt und gegebenenfalls geeignete Schutz- Wiederherstel-
lungs- oder Ersatzmassnahmen vor Ort festgelegt werden könnten. Dieses Vorgehen
sei nicht rechtmässig; die Prüfung der Vereinbarkeit des Projekts mit den Bestimmun-
gen des Umweltrechts müsse Grundlage für den Bewilligungsentscheid sein und dürfe
nicht in ein nachträgliches und gesetzlich nicht vorgesehenes Verfahren verwiesen
werden. Auch die erst nach dem Entscheid der Vorinstanz erstellten Ergänzungen zum
technischen Bericht seien ungenügend und würden insbesondere nicht ansprechen,
dass das Versiegen der Quellflur unterhalb der Quelle Nord nicht nur biologische son-
dern auch landschaftliche Auswirkungen mit sich brächte.
6.1 Der technische Bericht vom 23. November 2015 befasst sich auf den Seiten 15
und 16 mit den Auswirkungen des Projekts auf Natur und Landschaft. Die Auswirkun-
gen im Bereich Landschaft werden als klein beurteilt; die neuen Leitungen würden ein-
gegraben und nicht sichtbar sein, die Gebäudeteile würden unterirdisch erstellt. Betref-
fend Biosphäre führt der Bericht aus, keine nationalen Natur- und Landschaftsschutz-
gebiete und keine inventarisierten Lebensräume seien betroffen. Eine Begehung bzw.
Vegetationsaufnahme im Projektperimeter sei aufgrund der Jahreszeit nicht möglich.
Die DWL habe vorgeschlagen, die Vegetationsaufnahmen und Lebensraumanalysen
im nächsten Jahr durchzuführen und ein komplettes Dossier bezüglich Natur und
Landschaft einzureichen. Da die Erneuerung der Wasserversorgung bei diesem Vor-
gehen nicht mehr im Jahr 2016 möglich sei, schlage die Bauherrin vor, nach der
Schneeschmelze ein Begehung mit der DWL, dem Planer und einer Umweltfachperson
durchzuführen und Massnahmen vor Ort festzulegen. Als Alternative zur Begehung
- 24 -
könne eine Fotodokumentation erstellt und besprochen werden. Der technische Bericht
kommt zum Schluss, dass die Bauphase einen temporären negativen Einfluss auf die
lokale Flora haben werde. Unter Einhaltung der Auflagen sei zu erwarten, dass die
Eingriffe nach wenigen Vegetationsperioden kaum noch sichtbar sein würden. Auf die
Fauna werde die Bauphase vernachlässigbare Einwirkungen haben; die mobilen Tier-
gruppen könnten auf Lebensräume in der unmittelbaren Nachbarschaft ausweichen
und mit langfristigen Bestandeseinbussen sei nicht zu rechnen. Der Bericht schlägt drei
Massnahmen betreffend die Biosphäre vor: 1. Die geschützten Pflanzen seien vor
Baubeginn durch die Umweltbaubegleitung zu markieren und die geschützten Arten
müssten beim Abtragen der Rasenziegel in deren Zentrum liegen. 2. Schutz der an-
grenzenden Lebensräume gegen bauliche Eingriffe (keine Ablagerungen, kein Befah-
ren durch Baufahrzeuge etc.). 3. Die Rasenziegel seien möglichst grossflächig abzu-
tragen, von Unter- und Oberboden getrennt zu lagern und bei Bedarf zu wässern. Nach
Abschluss der Grabarbeiten sollen die Rasenziegel möglichst früh in der Vegetations-
periode wieder eingebaut werden. Weitere Massnahmen würden nach der Begehung
im Frühling 2016 definiert.
6.2 Am 15. Juni 2016 hat der Staatsrat das Projekt genehmigt und hat unter anderem
folgende Auflagen festgelegt: Vor Beginn der Bauarbeiten sei durch ein Fachbüro die
Aufnahme des Inventars der Naturwerte mit einer Wirkungsanalyse zu erstellen (Vege-
tations- und Lebensraumaufnahmen). Gegebenenfalls seinen geeignete Schutz-, Wie-
derherstellungs- oder Ersatzmassnahmen vor Ort vorzusehen, ebenfalls seien die
Wiederherstellungsmassnahmen für die stillzulegenden Anlagen aufzuzeigen. Die Er-
gebnisse würden in einem Bericht zusammengefasst und der DWL sowie der Be-
schwerdeführerin übermittelt, welche vor Baubeginn eingeladen würden, die Ergebnis-
se vor Ort zu diskutieren und die erforderlichen Massnahmen definitiv festzulegen. Mit
den Bauarbeiten dürfe erst nach der definitiven Festlegung der Massnahmen begon-
nen werden. Als Garantie für die Wiederherstellungsmassnahmen werde von der DWL
eine Kaution von Fr. 20 000.-- erhoben, welche die Gemeinde in den kantonalen Na-
turschutzfond einzahlen müsse. Die Umweltbaubegleitung überwache die Umsetzung
der Massnahmen vor Ort und erstelle nach Abschluss der Arbeiten einen abschlies-
senden Bericht mit Fotodokumentation. Die DWL und die Beschwerdeführerin würden
eingeladen, die getroffenen Massnahmen bei Bauende vor Ort zu besichtigen und ab-
zunehmen. Was die Einsprache der Beschwerdeführerin betrifft, hat die Vorinstanz
ausgeführt, diese werde abgewiesen, sofern darauf überhaupt einzutreten sei, da alle
Bedingungen der Einsprache vollumfänglich in den Entscheid aufgenommen würden.
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6.3 Am 6. Juli 2016 erstellte die B._ AG Ergänzungen zum technischen
Bericht vom 23. November 2015 (Ergänzungsbericht), um die von der DWL in ihrer
Vormeinung beantragten Ergänzungen zu behandeln. Der Ergänzungsbericht führt
aus, am 21. Juni 2016 und am 4. Juli 2016 hätten Feldbegehungen im Projektbereich
stattgefunden, um die Naturwerte mit der entsprechenden Flora und Fauna abzuklären.
Die Quellfassung werde mehrere Meter unter der Geröllhalde erstellt und nach Ab-
schluss der Arbeiten nicht sichtbar sein, die Geröllhalde werde möglichst natürlich wie-
der hergestellt. Zwischen der Sammelstube und der Fassung Nord seien neben Borst-
grasrasen (Nardion) mehrere kleine, meist temporäre Feuchtgebiete festgestellt wor-
den, welche durch Schmelzwasser gespiesen würden. Feuchtgebiete seien nach NHG
geschützt und möglichst zu schonen. Der Leitungsverlauf müsse so gewählt werden,
dass möglichst wenige Feuchtgebiete tangiert würden. Im genannten Abschnitt befän-
den sich ausserdem die geschützten Orchideenarten Coeloglossum viride (Grüne
Hohlzunge) und Dactylorhiza maculata (Geflecktes Knabenkraut). Diese müssten im
Feld markiert und ausgegraben werden, damit sie nach Abschluss der Bauarbeiten
wieder eingegraben werden könnten. Dadurch sollten keine langfristigen Verluste der
Arten auftreten. Die geschützten Pflanzen befänden sich auch oberhalb und unterhalb
des Bauperimeters, der Fortbestand der Arten in den entsprechenden Lebensräumen
sei auch bei Beschädigung einzelner Pflanzen gesichert. Bezüglich Fauna seien keine
spezifischen Erhebungen vorgenommen worden, bei den Begehungen seinen mehrere
Schmetterlingsarten und ausserhalb des Baustellenperimeters die gemäss NHV ge-
schützte rote Waldameise festgestellt worden. Im Übrigen wiederholt der Ergänzungs-
bericht, auf die Fauna werde die Bauphase vernachlässigbare Auswirkungen haben.
Die Feuchtgebiete zwischen der Sammelstube und der Fassung Nord würden durch
die Bauarbeiten voraussichtlich tangiert und vermutlich auch beeinträchtigt. Als Kom-
pensationsmassnahmen für die nicht 100%ige Wiederherstellung würden lokal zusätz-
lich sechs kleine Tümpel/Flachwasserteiche geschaffen, wodurch die Biodiversität und
geschützte Arten gefördert würden. Die genaue Gestaltung werde vor Ort durch die
Umweltbaubegleitung unter Beizug der karch (Koordinationsstelle für Amphibien- und
Reptilienschutz in der Schweiz) definiert.
Zum Ergänzungsbericht ist zudem eine Fotodokumentation „Wasserfassung
A._ “ erstellt worden. Dem Kommentar zu den Abbildungen 1 und 2 ist zu
entnehmen, dass es sich um die Blockhalde handle, unter der sich die Fassung befin-
de (ca. 6 - 9 m tief). Der Standort sei vegetationsfrei, es seien weder Feinerdeanteile
noch Wasser vorhanden. Eine Quellflur sei nicht vorhanden. Die Abbildungen 3 und 4
würden die Leitung unterhalb der bestehenden Fassung zeigen. Dort seien temporäre
- 26 -
Tümpel entstanden, weil durch den Leitungsbau das Wasser zurückgestaut werde. Zu
Abbildung 5 wird ausgeführt, anschliessend an die Blockhalde folge ein Vegetations-
mosaik mit Nardion, kleinen Gewässerläufen (zumeist temporär aufgrund der Schnee-
schmelze) sowie sehr kleinen Tümpelchen. Die beiden geschützten Orchideenarten
seien in diesem Bereich gefunden worden. Das auf Abbildung 6 sichtbare Schneefeld
dürfte etliche der am 4. Juli 2016 festgestellten Tümpel und Wasserabflüsse speisen.
6.4 Der Staatsrat hat das Projekt genehmigt, ohne geklärt zu haben, ob im betroffenen
Gebiet schützenswerte Lebensräume i.S.v. Art. 18 ff. NHG bestehen. Der technische
Bericht ist offenbar davon ausgegangen, dass im Projektgebiet schützenswerte Pflan-
zen vorkommen könnten und hat die Durchführung von Vegetationsaufnahmen und
Lebensraumanalysen und die Erstellung eines Dossiers bezüglich Natur und Land-
schaft vorgeschlagen. Ob sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger Lebensräume
durch einen technischen Eingriff unter Abwägung aller Interessen nicht vermeiden lässt
(vgl. Art. 18 Abs. 1 ter
NHG), hat der Staatsrat folglich gar nicht abklären können, da ihm
die dazu notwendigen Beurteilungsgrundlagen nicht zur Verfügung gestanden haben.
Auch Art. 14 Abs. 6 NHV formuliert klar, dass ein technischer Eingriff, der schützens-
werte Biotope beeinträchtigen kann, nur bewilligt werden darf, sofern er standortge-
bunden ist und einem überwiegenden Bedürfnis entspricht. Die vorgeschriebene Inte-
ressenabwägung hat nicht stattgefunden; vielmehr ist der Staatsrat, ohne eine voll-
ständige Sachverhaltsabklärung durchzuführen, davon ausgegangen, dass das Inte-
resse an der Neufassung der Quelle gegenüber einer möglichen Beeinträchtigung von
im Gebiet bestehenden schützenswerten Biotopen überwiegt. Dieses Vorgehen ist mit
Art. 18 Abs. 1 ter
NHG nicht vereinbar.
6.5 Der Ergänzungsbericht ist zum Schluss gekommen, es seien im Bereich zwischen
der Quellfassung und der Sammelstube nach NHG geschützte Feuchtgebiete vorhan-
den und zwei geschützten Orchideenarten seien anzutreffen. In den Kommentaren zur
Fotodokumentation wird von kleinen bzw. temporären Tümpeln und kleinen Gewässer-
läufen, ebenfalls „zumeist temporär“, gesprochen. Gemäss der Abbildung auf Seite 7
des Ergänzungsberichts kommen im Bereich zwischen der Fassung Nord und der
Sammelstube die Vegetationstypen „Nardion mit Feuchtstellen“ vor. Der Ergänzungs-
bericht enthält keine Informationen zu den in den Tümpeln bzw. Gewässerläufen le-
benden Tierarten. Neben den beiden genannten Orchideenarten enthält der Ergän-
zungsbericht auch keine Informationen betreffend die Vegetation in den genannten
Feuchtgebieten. Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora
(info flora), welches die in der Schweiz gebräuchlichen Lebensraum-Klassifikationen
- 27 -
gemäss der Publikation "Lebensräume der Schweiz" (Delarze, Gonseth, Eggenberg &
Vust 2015) nutzt und auf seiner Website zugänglich macht, verwendet „Ufer“ und
„Feuchtgebiete“ als Oberbegriff für die Lebensraumtypen 2.0 Künstliche Ufer, 2.1 Ufer
mit Vegetation, 2.2 Flachmoore, 2.3 Feuchtwiesen, 2.4 Hochmoore und 2.5 Wechsel-
feuchte Pionierfluren, bei jedem dieser Lebensraumtypen werden wiederum Unterka-
tegorien unterschieden (vgl. www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.
html, abgerufen am 11. April 2016). Von welchem Lebensraumtyp der Ergänzungsbe-
richt ausgeht, wird durch den Begriff „Feuchtgebiete“ völlig offen gelassen. Die Ge-
meinde bringt vor, die Vegetation im betroffenen Gebiet sei dominiert von Zeigearten
der Borstgrasweide und Feuchtigkeitszeiger z.B. für das Braunseggenried (30 - 0 %)
im Bereich zwischen Fassung und Brunnenstube, jedoch fehle eine für die kalkarme
Quellflur typische Moosflur oder entsprechende charakteristische Pflanzen. Zudem
würden vorgefundene Arten wie z.B. Arnika, Enzian, Berg-Nelkenwurz sowie Süss-
und Sauergräser bei dauernder Feuchtigkeit nicht gedeihen. Der Ergänzungsbericht
nennt auf Seite 6 den Vegetationstyp Bortsgrasrasen, jedoch nicht das Braunseggen-
ried; auch die von der Gemeinde aufgelisteten Lebensraumtypen Larici-Pinetum cemb-
rae, Elynion und Salicion herbaceae werden im Ergänzungsbericht nicht genannt. Zu-
dem enthält der Ergänzungsbericht keine Flächenangaben betreffend die genannten
Vegetationstypen und führt nicht aus - abgesehen von den beiden genannten Orch-
ideenarten - welche Pflanzenarten im Bereich zwischen der Quellfassung Nord und der
Sammelstube vorkommen. Diese Angaben der Gemeinde sind daher nicht überprüf-
bar. Zu erwähnen bleibt, dass gemäss info flora das kalkarme Kleinseggenried oder
Braunseggenried (Caricion fuscae) zu den Flachmooren gehört, den Status „verletz-
lich“ erhalten hat und damit als gefährdeter Lebensraumtyp gilt; es besteht eine hohe
nationale Priorität und ein klarer Massnahmenbedarf (www.infoflora.ch/
de/lebensraeume/222-kalkarmes-kleinseggenried-braunseggen-ried.html). Ausserdem
gehören Moore zu den in Art. 18 Abs. 1 bis
NHG genannten Lebensraumtypen, bei de-
nen die Schutzwürdigkeit vermutet wird. Die von der Beschwerdeführerin erwähnte
kalkarme Quellflur (Cardamino-Montion) wird bei info flora im Übrigen als „vom Aus-
sterben bedroht“ geführt, ebenfalls mit hoher nationaler Priorität und klarem Massnah-
menbedarf (vgl. www.infoflora.ch/de/lebens-raeume/133-kalkarme-quellflur.html) und
steht auf der Liste der schützenswerten Lebensraumtypen gemäss Art. 14 Abs. 3
i.V.m. Anhang 1 NHV.
6.6 Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass auch der Ergänzungsbericht keine
ausreichenden Informationen enthält, um die gebotene Interessenabwägung durchzu-
führen: Weder bezeichnet er Lebensraumtypen noch nennt er für das Gebiet zwischen
- 28 -
der Quellfassung Nord und der Sammelstube charakteristische Arten, die entspre-
chende Rückschlüsse erlauben würden. Entgegen der Ansicht der Gemeinde und der
DLW ist es für die Bestimmung der Schutzwürdigkeit eines Biotops (Art. 18 Abs. 1 bis
NHG, Art. 14 Abs. 3 NHV) und für dessen Bewertung in der Interessenabwägung nach
Art 18 Abs. 1 ter
NGH und Art 14 Abs. 6 NHV sehr wohl relevant, um welchen Typ oder
um welche Typen „Feuchtgebiet“ es sich handelt bzw. ob das Wasser im Gebiet aus
Quellen stammt oder nicht: Wie oben erwähnt, handelt es sich bereits bei der genann-
ten kalkarmen Quellflur einerseits und dem Kleinseggenried andererseits um unter-
schiedliche Lebensräume, welche eine unterschiedlich starke Schutzwürdigkeit aufwei-
sen und - falls ein Eingriff nach erfolgter Interessenabwägung zulässig sein sollte - auf
die jeweils im Lebensrum beherbergten Arten zugeschnittene Schutz, Wiederherstel-
lung oder Ersatzmassnahmen benötigen (vgl. Art. 18 Abs. 1 ter
NHG). Eine Bewertung
des Biotops aufgrund dessen Bedeutung für die geschützten, gefährdeten und selte-
nen Pflanzen- und Tierarten, seiner ausgleichenden Funktion für den Naturhaushalt,
seiner Bedeutung für die Vernetzung schützenswerter Biotope oder seiner biologische
Eigenart oder seines typischer Charakters kann aufgrund der Informationen, es handle
sich um ein Feuchtgebiet, in dem zwei geschützte Orchideenarten vorkommen, nicht
erfolgen (vgl. Art. 14 Abs. 6 NHV). Die Fotodokumentation zum Ergänzungsbericht
kommentiert zu den Abbildungen 5 und 6, es seien bloss kleine Gewässerläufe vor-
handen, welche meist temporär seien und durch das abgebildete Schneefeld gespeist
würden und es sei keine Quellflur bei der Fassung vorhanden (zu Abb. 1) - auf den
Fotos ist nicht zu erkennen, ob dies zutrifft oder nicht. Die von der Beschwerdeführerin
eingereichten Filmaufnahmen zeigen Gewässerläufe, bzw. im Winter Eis unter der
Schneedecke, die Beschwerdeführerin bewertet diese Gewässerläufe als Quellflur. Die
DLW und die Gemeinde sprechen in ihren Stellungnahmen ebenfalls von einer Quell-
flur. Die DLW führt unter anderem aus, es bestehe die Möglichkeit, dass das Versiegen
der Quellflur durch die Neufassung der Quelle Nord mit baulichen Massnahmen ver-
hindert werden könnte. Demnach anerkennen die DLW und die Gemeinde, dass
Quellwasseraustritte unterhalb der Fassung Nord vorhanden sind, obwohl deren Exis-
tenz im Ergänzungsbericht nicht erwähnt wird. Ob es sich dabei um eine schutzwürdi-
ge kalkarme Quellflur oder einen anderen Lebensraumtyp handelt, muss folglich näher
untersucht werden.
Gemäss Art. 14 Abs. 3 lit b und c NHV ist das Vorkommen von geschützten oder von in
den Roten Listen aufgeführten Pflanzen- und Tierarten nach Art. 20 ein Kriterium für
die Bestimmung der Schutzwürdigkeit eines Biotops; der Ergänzungsbericht hat bezüg-
lich Fauna „keine spezifischen Erhebungen vorgenommen“. Zudem führt der Ergän-
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zungsbericht aus, für die Gestaltung der als Kompensationsmassnahmen empfohlenen
Tümpel bzw. Flachwasserteiche solle die Koordinationsstelle für Amphibien- und Repti-
lienschutz in der Schweiz (karch) beigezogen werde; ob im betroffenen Gebiet (gefähr-
dete) Arten von Amphibien leben, ist nicht untersucht worden. Im von der Beschwerde-
führerin eingereichten Kurzbericht wird die gefährdete Art Anisogamus difformis ge-
nannt, eine in Quellen vorkommende Köcherfliege, sowie die potenziell gefährdete Art
Consorophylax consors (vgl. Rote Listen Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen,
Hrsg. BAFU/SZKF, Bern 2012, S. 30 Tab.5).
7. Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, dass die Vorinstanz die gemäss Art. 18
Abs. 1 ter
NHG und Art. 14 Abs. 6 NHV gebotene Abwägung zwischen der im öffentli-
chen Interesse stehenden Sicherung der Trinkwasserversorgung auf der
A._ einerseits und dem ebenfalls im öffentlichen Interesse stehenden Bio-
topschutz andererseits nicht vorgenommen hat: Der Staatsrat hat seinen Entscheid
gefällt, ohne Vegetations- und Lebensraumanalysen durchgeführt zu haben. Die seit-
her gewonnenen Informationen betreffend Lebensräume, Flora und Fauna sind nach
wie vor ungenügend und teilweise widersprüchlich. Zudem ist die auf der
A._ zur Verfügung stehende Trinkwassermenge mangels aktueller Messun-
gen der Schüttmengen beider Quellen nicht bekannt und damit der Bedarf für die Neu-
fassung der Quelle Nord ungeklärt. Solange diese Beurteilungsgrundlagen fehlen,
kann nicht darüber entschieden werden, ob die Neufassung der Quelle Nord und die
Erstellung der Leitung von der Quelle bis zur Sammelstube mit der Natur- und Heimat-
schutzgesetzgebung vereinbar sind. Der angefochtene Entscheid ist betreffend die
strittigen Projektbestandteile (Neufassung der Quelle Nord inklusive Zuleitung bis zur
Sammelstube) aufzuheben. Der Staatsrat hat den Sachverhalt sowohl durch Messun-
gen der Schüttmengen der beiden Quellen RIB xxx1 und RIB xxx2 als auch durch eine
vollständige Vegetations- und Lebensraumerhebung (Lebensraumtypen, Flora, Fauna,
allenfalls vorhandene Quellfluren) im Gebiet zwischen der Quellfassung Nord und der
Sammelstube zu ergänzen und eine Interessenabwägung durchzuführen.
8. Bei diesem Verfahrensausgang gilt die Gemeinde als unterliegende Partei mit den
entsprechenden Folgen für die Tragung der Kosten.
8.1 Im Beschwerdeverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die Kosten zu
tragen (Art. 89 Abs. 1 VVRG). Ausnahmsweise können die Kosten ganz oder teilweise
erlassen werden (Art. 89 Abs. 2 VVRG). Den Behörden des Bundes, des Kantons und
der Gemeinden, die in ihrem amtlichen Wirkungskreis und ohne dass es sich um ihr
Vermögensinteresse handelt, als Parteien oder Vorinstanzen in einem Verfahren auf-
- 30 -
treten, werden in der Regel keine Kosten auferlegt (Art. 89 Abs. 4 VVRG). Vorliegend
bestehen keine Gründe, von dieser Regel abzuweichen, weshalb keine Gerichtskosten
erhoben werden.
8.2 Die Beschwerdeinstanz gewährt der ganz oder teilweise obsiegenden Partei auf
Begehren die Rückerstattung der notwendigen Kosten, die ihr entstanden sind (91 Abs.
1 VVRG). Die Parteientschädigung wird im Dispositiv beziffert und der Staats- oder
Gemeindekasse auferlegt, soweit sie aus Billigkeitsgründen nicht der unterliegenden
Partei auferlegt werden kann (Art. 91 Abs. 2 VVRG). Der Rechtsanwalt der Beschwer-
deführerin gibt einen Zeitaufwand von 20.5 Stunden für die Beschwerdeschrift (vgl.
Aufstellung des Zeitaufwands in Beilage 10 der Beschwerdeschrift) und von rund 25
Stunden für die Ausarbeitung der Replik an (Replik vom 14. November 2016 N. 83,
ohne Aufstellung der Tätigkeiten). Ausserdem macht die Beschwerdeführerin Kosten in
der Höhe von Fr. 1 323.-- für den in Auftrag gegebenen Kurzbericht des Quellenexper-
ten geltend. Das Gericht ist bei der Festlegung der Parteientschädigung nicht an die
gestellten Begehren gebunden, die Parteientschädigung kann global festgesetzt wer-
den (Urteile des Bundesgerichts 1C_170/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 3.1;
1P.69/2003 vom 16. Mai 2003). Sie umfasst die Entschädigung an die berechtigte Par-
tei sowie ihre Anwaltskosten (Art. 4 Abs. 1 GTar). Letztere sind in Anwendung der Art.
27 ff. GTar zu bestimmen. Für das Verfahren bei einer Verwaltungsgerichtsbeschwer-
de wird das Honorar zwischen Fr. 1 100 und Fr. 11 000 festgesetzt (Art. 39 GTar). Die
einer Partei gewährte Entschädigung umfasst die Rückerstattung ihrer Auslagen und,
falls es die besonderen Umstände rechtfertigen, eine Abgeltung für Zeitverlust und
entgangener Gewinn (Art. 4 Abs. 2 GTar). Die Parteientschädigung ist aufgrund des
Schwierigkeitsgrades des Falles sowie des geschätzten Aufwandes festzusetzen. Vor-
liegend erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 5 000.-- als angemessen,
welche der obsiegenden Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Kantonsge-
richt zu Lasten der Gemeinde zuzusprechen ist.