Decision ID: d503fde7-2a97-4c48-a6a6-2800aa6edc6d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2001, leidet an verschiedenen Geburtsgebrechen gemäss An
hang zur Verordnung über Geburtsgebrechen
(
GgV
). Im Zusammenhang mit
den Geburtsgebrechen Ziff. 3
13
GgV
(angeborene
Herz- und
Gefässmissbildun
gen
) und Ziff. 395
GgV
(leichte zerebrale Bewegungsstörungen)
und Ziff. 390
GgV
(angeborene
zerebrale
Lähm
ungen
)
sprach
ihm die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, wiederholt Leis
tungen
in Form von medizi
nischen Massnahmen
zu (vgl.
Urk.
6/5;
Urk.
6/13;
Urk.
6/16;
Urk.
6/29;
Urk.
6/31
;
Urk.
6/41
;
Urk.
6/69;
Urk.
6/75;
Urk.
6/81-82
;
Urk.
6/104-105
;
Urk.
6/109;
Urk.
6/114-115
)
. Zudem erteilte sie dem Versicherten Kostengut
sprache für
Sonderschulmassnahmen (
Urk.
6/24
;
Urk.
6/54
;
Urk.
6/57;
Urk.
6/63
)
und Pflegebeiträge (
Urk.
6/34)
.
Mit Verfügung vom
1
3.
Februar 2004
(Urk.
6/35
)
gewährte die IV-Stelle dem Ver
sicherten
mit Wirkung
ab 1.
Januar 2004
eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit
.
Per
1.
Oktober 2005 wurde dem Versicherten eine Entschädigung
wegen Hilflosigkeit mittleren Grades zugesprochen (Verfügung vom
3.
März 2006,
Urk.
6/47).
Gestützt auf den Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädi
gung
für Minderjährige
vom
4.
März 2009
(
Urk.
6/85
)
sprach die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit
Verfügung vom 2
1.
April 2009 (
Urk.
6/91)
eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades sowie einen leichten
Intensivpflegezu
schla
g
für einen täglichen
invaliditätsbedingten Mehraufw
and von
5
Stunden und
9
Minuten
zu.
Nachdem die IV-Stelle im März 2011
eine
weitere Abklärung
ver
anlasst
hatt
e (Bericht vom 2
7.
April 2011,
Urk.
6/106)
,
teilte sie dem Versi
cher
ten
am 2
7.
April 2011
mit, der Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
sei unverän
dert (
Urk.
6/107).
1.2
Im Rahmen eines
amtlichen
Revisionsverfahrens
erfolgte
am
6.
November 2013
erneut eine Abklärung hinsichtlich Hilflosigkeit und Intensivpflegebedarf
(vgl.
Ab
klärungsbericht
vom
1
3.
Dezember 2013,
Urk.
6/118
)
. Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 6/120
;
Urk.
6/122
;
Urk. 6/125) reduzierte die IV-Stelle
die
Hilflosenentschädigung
mit Verfügung vom
2
5.
März 2014 (Urk. 6/126 = Urk. 2)
per
Ende April 2014
auf eine Entschädigung wegen mitt
lerer Hilf
losig
keit
bei gleichzeitiger
V
erneinung eines Anspruchs auf einen
Intensiv
pflege
zu
schlag
.
2.
Die Eltern des Versicherten erhoben am
3
0.
April 2014
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
5.
März 2014
(Urk. 2) und beantragten
sinngemäss
die
wei
tere Ausrichtung der
Hilflo
senentschädigung
in bisheriger Höhe
(Urk. 1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle
ersuch
te mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
Juni 2014
(Urk.
5
)
um
Ab
weisung der Beschwerde. Dies wurde den Eltern des Versicherten am
3.
Septem
ber 2014
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 des Bundesgesetz
es über die Invalidenversicherung
(IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflo
senent
schä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen
einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Le
bensver
rich
tung
en
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dau
ernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV). Praxisgemäss (BGE
121 V 88 E.
3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen
Lebens
ver
richtungen
massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme
.
1.2
Art.
37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Ab
gabe von Hilfsmitteln:
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Artikel 38 angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach
Art.
37
Abs.
2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen
Lebens
verrichtungen
voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.3
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen
Le
bensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwa
chung bedarf.
1.4
Gemäss Art. 42
ter
Abs. 3 IVG wird die
Hilflosenentschädigung
für Minder
jährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, um einen
Intensiv
pflegezuschlag
erhöht; dieser Zuschlag wird nicht gewährt bei einem Aufenthalt in einem Heim. Der monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem
inva
li
ditätsbedingten
Betreuungsaufwand von mindestens acht Stunden pro Tag 60 %,
bei einem solchen von mindestens sechs Stunden pro Tag 40 % und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag 20 % des Höchstbetrages der Altersrente nach Artikel 34 Absätze 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten.
Nach Art. 39 IVV liegt eine intensive Betreuung im Sinne von Artikel 42
ter
Absatz 3 IVG bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Be
einträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stun
den benötigen (Abs. 1). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an
Be
handlungs
- und Grundpflege im Vergleich zu nichtbehinderten Minder
jäh
rigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich ver
ord
nete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vor
ge
nommen werden sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs. 2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zu
sätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei
Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Über
wachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Abs. 3).
Im Kreisschreiben des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invaliden
versicherung (KSIH) werden die in Art. 39 Abs. 2 und 3 IVV geregelten Tatbe
stände konkretisiert (zur Tragweite von Weisungen der Aufsichtsbehörde BGE 136 V 16 E. 5.1.2 in
fine
S. 20 und 133 V 257 E. 3.2 S. 258).
1.5
Ändert sich der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise, so finden die
Art.
87-88
bis
IVV Anwendung. Fällt eine der übrigen Anspruchsvoraussetzungen dahin oder stirbt die anspruchsberechtigte Person, so erlischt der Anspruch am Ende des betreffenden Monats (
Art.
17
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
35
Abs.
2 IVV).
1.6
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Fachperson und
Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Per
son
in ihren körperlichen beziehungsweise geistigen Funktionen durch das Lei
den eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Ab
klärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Stö
rung
en und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern not
wendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1).
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (
Art.
9 ATSG) oder des
Pflegebedarfs hat folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstat
te
rin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumli
chen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklar
heiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen
Fachper
sonen
nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinun
gen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensver
richtungen
sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauern
den Pflege und der persönlichen Überwachung (
Art.
37 IVV) und der
lebens
praktischen
Be
gleitung (
Art.
38 IVV) gemäss sein. Schliesslich hat er in Über
einstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Ge
richt greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere
der Umstand, dass die fachlich kompetente
Abklärungs
person
näher am kon
kre
ten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zustän
dige Gericht (BGE 140 V 543
E. 3.2,
133 V 450 E. 11.1
.1, 130 V 61 E. 6.2, 128 V 93).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt, d
er
Versicherte
sei weiterhin in allen sechs Bereichen auf regelmässige und andauernde Dritthilfe angewiesen
(S. 2 unten)
. Jedoch seien weder die Notwendigkeit medizinisch-pflegerischer Hilfe noch
der persönlichen
Überwachung ausgewiesen (S.
2 f.).
Auch ein Intensivpflegezuschlag
sei nicht mehr
ausgewiesen
, da die geforderten vier Stunden pro Tag nicht erreicht wür
den
(S.
3 oben
)
.
Zur intensiven Überwachung wurde festgehalten, dass eine sol
che
gestützt auf die Beobachtungen und Angaben vor Ort sowie der Angaben sei
tens
der Schule nicht mehr vorliege (S. 4 oben).
2.
2
Die Eltern des Versicherten machten im Rahmen der Beschwerde (
Urk.
1)
insbe
sondere
geltend,
dass sich
an der Situation
nicht viel geändert
habe
.
Angesichts des beinahe Ertrinkens vor einei
nhalb Jahren und des
Entwicklungsalter
s
könne man eine
Selbst- oder Fremdgefährdung nicht ausschliessen. In den Ferien oder der Freizeit sei eine
Eins-zu-eins-Betreuung
notwendig
(S. 1)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob es seit der
Zusprache
der
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit mit Verfügung vom
2
1.
April 2009 (
Urk.
6/91)
res
pektive der Bestätigung dieser
mit Mitteilung vom 2
7.
April 2011 (
Urk.
6/107)
zu
einer wesentlichen Verbesserung gekommen ist, welche die Reduktion der Ent
schädigung mit Verfügung vom
2
5.
März 2014
(
Urk.
2) auf eine
Hilflo
senent
schädigung
wegen Hilflosigkeit mittleren Grades
und die Verneinung eines Anspruchs auf einen Intensivpflegezuschlag
rechtfertigt. Strittig ist dabei insbe
sondere die
Notwendigkeit der
persönlichen Überwachung
des
Versi
cherten
.
Unbestritten und gestützt auf die Akten ausgewiesen ist hingegen die nach wie vor bestehende Hilfsbedürftigkeit in
all
en
sechs
alltäglichen
Lebensverrichtun
gen
(
Ankleiden/Auskleiden,
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
,
Essen, Körperpflege,
Verrichtung der Notdurft
, Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
;
vgl.
Urk.
6/1
18
)
. Damit hat d
er
Versicherte unbestrittenermassen Anspruch auf eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
führte im
Bericht vom 2
8.
Oktober 2008
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/79
/2
)
aus, der Versicherte zeige in der Selbständigkeit in Bezug auf die täglichen Ver
richtungen den Entwicklungszustand eines Kleinkindes. Nach wie vor bestehe ein Defizit im Bereich der Handlungsplanung und der Spielplanung. Die Leis
tungen seien nicht altersgerecht. Im Bereich der Nahrungsaufnahme bestehe ebenfalls noch Unreife: plumpe Kau- und Schluckbewegungen sowie Speicheln.
3.2
Dem
Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige vom
4.
März
2009
(
Urk.
6/85
)
ist zu entnehmen, dass der knapp 7.5
-
jährige Versi
cherte die Grundstufe in der
B._
besuche. Er habe vor allem im sprachlichen Bereich Fortschritte gemacht und nehme die Umwelt ver
mehrt wahr. Er könne Mami und Papi unterscheiden und kenne seine Brüder (S. 1
unten).
Zur vorliegend strittigen Notwendigkeit der
persönlichen Überwa
chung
wurde festgehalten,
dass der Versicherte nicht alleine gelassen werden könne. Er könne keine Gefahren einschätzen oder sich entsprechend verhalten. Wenn die Haustüre nicht abgeschlossen sei, laufe er weg. Auch in der
B._
sei er weg
gelaufen und man habe ihn suchen müssen. Am Herd drücke er jeden Schal
ter und wolle die Pfannen in die Hand nehmen (S. 4 unten).
3.
3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
beantwor
tete
am
3.
März 2011 Fragen zur Hilflosigkeit (
Urk.
6/102/3-4). Dabei gab er folgen
den Mehraufwand gegenüber einem gleichaltrigen nichtbehinderten Kind an:
Ankleiden/Auskleiden: Kleider aussuchen, unterstützen
Aufstehen
/Absitzen/Abliegen:
Segufix
-
Halterung beim Schlafen
Essen: Nahrung zerkleinern
Körperpflege: überprüfen und teilweise unterstützen beim Waschen, Kontr
olle und Überwachung beim Baden/
Duschen
Verrichten der Notdurft: Mehraufwand beim Ordnen der Kleider und der Körperreinigung (Versicherter trägt Windeln)
Fortbewegung: Begleitung ausser Haus und bei der Pflege gesellschaftli
cher Kontakte
Eine dauernde Überwachung (ausserhalb der Beaufsichtigung in den einzelnen Lebensverrichtungen) erachtete
Dr.
A._
nicht als nötig.
3.4
Aus dem
Abklärungsbericht
für
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige
vom
2
7.
April 2011 (Urk. 6/106)
ergibt sich, dass der 9.5
-
jährige Versicherte immer
noch in der
B._
zur Schule geht. Er trage nun eine Brille. Dadurch, dass
er besser sehen könne, habe er sich auch ein bisschen verändert
. Auch in der
Sprache habe er grosse Fortschritte gemacht, auch wenn er überwiegend noch Stichworte benutze, um sich mitzuteilen (S.
1 unten).
In Bezug auf die Not
wen
digkeit der
persönlichen Überwachung
wurde angegeben, dass der Ver
sicherte nach wie vor keine Gefahren einschätzen könne. Er wolle überall dabei sein und
man müsse immer ein Auge auf ihn haben. Beispielsweise würde er auf die heisse
Herdplatte greifen, wenn die Mutter am
K
ochen sei. Das gehe ganz schnell. Er glaube es einfach nicht, wenn man es ihm sage. Sei eine Türe offen, wolle er weg
laufen. Man habe deshalb überall Schlösser angebracht (S. 4 f.).
3.
5
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.3) führte am 2
1.
Dezember 2012 (
Urk.
6/112/4-5) im Zusammenhang mit der Verlängerung der Ergotherapie aus, bezüglich des Hauptzieles der selbständigen Nahrungsaufnahme (von zunehmend fester Nah
rung) hätten deutliche Fortschritte erreicht werden können. Aktuell müsse das Essen nicht mehr püriert, sondern könne in kleinen Stücken gekaut und ge
schluckt werden.
3.6
PD
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Kin
der
spital
Zürich, Abteilung Entwicklungspädiatrie,
nannte im Bericht
vom
3.
Mai
201
3
(
Urk.
6/124)
folgende Diagnosen (S. 2 unten):
weit unterdurchschnittliche kognitive Entwicklung bei schwerem globa
len Entwicklungsrückstand (mittlere
s Entwicklungsalter 3 Jahre, EQ
25)
Zerebralparese bei
dyskinetisch-dystoner
Bewegungsstörung
Zustand nach Totalkorrektur eines komplexen Herzvitiums
Status nach
Zwillingsfrühgeburt aus der 36 2/7 SSW, GG 2190 g
Status
n
ach
beinahe Ertrinken im August 2011
s
chwerer Strab
ismus
convergens
,
Hyperopie
beidseits,
Papillenanomalien
beidseits
Dr.
C._
hielt fest, dass die Entwicklungsbeeinträchtigung des Versicherten schwerwiegend sei. Das mittlere Entwicklungsalter liege bei etwa drei Jahren. Er
zeige etwas stärkere Leistungen in den Arbeitsgedächtnisfunktionen (visuelles und
auditives Arbeitsgedächtnis, Nachsprechen von Zahlenreihen). Die visuelle Wahrnehmung liege bei einem Entwicklungsalter von etwa
dreieinhalb
Jahren (S. 2 unten). Seine visuell-räumliche Vorstellung (Mosaik, Zeichnen) entspreche
einem etwa
zweieinhalb
Jahre alten Kind (S. 2 f.). Der Versicherte sei in der Lage,
einfache Gegenstände zu kategorisieren (Entwicklungsalter
drei
Jahre). Logisch-
abstraktes und operationales Denken sei bei ihm nicht ausgebildet. Seine intel
lek
tuellen Fähigkeiten entsprächen einem Kind von etwa zwei Jahren. Das
Zahlen
verständnis
entspreche etwa einem
vier
jährigen Kind.
Die expressive Sprache zeige
ein Entwicklungsalter von etwa drei Jahren. Im Gegensatz dazu sei das Sprachverständnis etwas stärker eingeschränkt (Entwicklungsalter
zwei
Jahre).
Obwohl der Versicherte stereotype Bewegungsmuster und einige autisti
sche Ver
haltensweisen zeige, qualifiziere er sich nicht für eine Diagnose aus dem
Autis
mus-
Spektrum
(S. 3).
3.
7
Dem
Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige
vom
1
3.
Dezember 2013 (Urk. 6/118)
ist zu entnehmen, dass
der 12
-
jährige Versi
cherte die Oberst
ufe in der
B._
besucht
(S.
1). Zur Fortbewe
gung/
Pflege
gesellschaftlicher Kontakte wurde ausgeführt, der Versicherte werde jeweils mit dem Schulbus abgeholt. Der Schulbus warte vor dem Mehr
familienhaus,
der Versicherte
müsse aber dorthin begleitet werden, da die Ge
fahr bestehe, dass er
weglaufe. Er habe zwar die Verkehrsregeln in der Schule gelernt, erkenne je
doch
die Gefahren im Strassenverkehr nicht (S. 5 oben). Ge
mäss Angabe der Bezugs
person der Schule werde der Versicherte in den Hort oder zum Schulbus be
glei
tet, weil er sehr schnell abgelenkt sei und dann bei
spielsweise nicht an Ort und Stelle eintreffen würde. Bisher sei er noch nicht davon gelaufen. Die Gefahren im Strassenverkehr könnten vom Versicherten nicht eingeschätzt werden (S.
5 unten).
Zur
persönlichen Überwachung
wurde festgehalten,
dass man bei eini
gen Fenstern (ohne die Balkontüre) eine
Sicher
heitsvorrichtung
angebracht habe.
Gemäss Angaben der Eltern würde
X._
den grossen
Gasgrill
auf dem Balkon
nicht anrühren. Die Terrasse sei nicht ge
sichert, also mit Sicherheitsnetzen bezieh
ungsweise Erhöhungen am
Balkonge
länder
oder Ähnlichem ausgestattet. Das Zimmer des Versicherten sei nicht mit einem Fensterschloss versehen, da keine Gefahr bestehe, dass er das Fenster öffne. Er halte sich an Regeln und das Berühren von heissen Herdplatten sei nicht mehr gegeben. Während dem Ge
spräch gehe der Versicherte in sein Kin
derzimmer und beschäftige sich über einen längeren Zeitraum mit seinem Bru
der. Gemäss telefonischer Rücksprache mit der Bezugsperson der Schule benö
tige der Versicherte keine
Eins-zu-eins-Be
treuung
in Anbetracht
dessen
, dass er bei
spielsweise in der Pause wegrennen würde. Er halte sich in der Schule an die Regeln. Die Abklärungsperson merkte
an, dass – mit Ausnahme vo
n Sicher
heitsvorkehrungen an einigen Fenstern – keine speziellen Sicherheitsmassnah
men getroffen worden seien. Es bestehe keine
Selbst- oder Fremdgefährdung
(S. 6 Mitte).
3.
8
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.3) machte
am 3
0.
Januar 2014 im Rahmen des Einwandes (
Urk.
6/122)
geltend,
beim
aktuell knapp 12.5-jährige
n
Versicherte
n
sei ein Entwicklungsalter von drei Jahren festgestellt worden.
Das durchschnitt
liche Entwicklungsalter werde in den nächsten Jahren kaum oder gar nicht stei
gen. Damit sei beim Versicherten eine dauerhafte Selbstgefährdung sicher vor
handen und eine dauerhafte Überwachung durch Begleitpersonen sicher nötig.
4.
4.1
Pflege und Überwachung beziehen sich nicht auf die alltäglichen
Lebensverrich
tungen
und sind deshalb von der indirekten Dritthilfe zu unterscheiden (ZAK 1984 S.
357 E.
2c). Es handelt sich vielmehr um eine Art medizinischer oder
pflegerischer Hilfeleistung, die infolge des physischen, geistigen oder psychi
schen
Zustandes der versicherten Person notwendig ist. Unter Pflege ist zum Beispiel die Notwendigkeit zu verstehen, täglich Medikamente zu verabreichen oder eine
Bandage anzulegen. Die Notwendigkeit der persönlichen Überwa
chung ist bei
spiels
weise dann gegeben, wenn die versicherte Person wegen geistiger Absenze
n
nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden darf (BGE 107 V 136 E.
1b
mit Hinweis; ZAK 1990 S.
46 E.
2c; Urteil des Bundesge
richts I 431/05 vom 13. Oktober 2005 E. 1.3 mit Hinweisen).
Um als anspruchsrelevant zu gelten, muss die persönliche Überwachung ein ge
wisses Mass an Intensität aufweisen. Dazu genügt es n
icht, dass die versi
cher
te Person
in einer speziellen Institution untergebracht ist und unter einer gene
rellen Aufsicht dieser steht. Ob dauernde Hilfe oder persönliche Überwa
chung nötig sind, ist objektiv,
nach dem Zustand der versicherten Person zu be
urtei
len. Grundsätzlich unerheblich ist die Umgebung, in welcher sich die versi
cherte
Person aufhält. Eine Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen wer
den, wenn
die versicherte Person ohne Überwachung mit überwiegender Wahr
scheinlich
keit sich selbst oder Drittpersonen gefährden würde. Erforderlich ist zudem, dass
die Überwachung über eine längere Zeitdauer notwendig ist
(
Rz
8035 f. das
Kreis
schreiben
über Invalidität und Hilflosigkei
t in der Invaliden
versicherung,
KSIH, gültig ab
1.
Januar 201
4
).
Bei schwerer Hilflosigkeit ist die (direkte beziehungsweise indirekte) Dritthilfe bei Vornahme der einzelnen
Lebensverrich
tungen
bereits derart umfassend, dass der weiteren – gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV kumulativ notwendigen – Vorausset
zung der dauernden Pflege oder der dauernden persönlichen Über
wachung nur noch eine untergeordnete Bedeutung zukommen kann und dass im Rahmen der genannten Vorschrift daher schon eine minimale Erfüllung eines dieser zusätz
lichen Erfordernisse genügen muss (BGE 116 V 41 E. 6b, 107 V 145 E. 1d, 106 V 153, 105 V 52 E. 4b).
4.2
Die
Notwendigkeit einer persönlichen Überwachung
wurde in den früheren
Ab
klärungsberichten
im Wesentlichen damit begründet, dass der Versicherte keine Gefahren einschätzen könne und die Gefahr des Weglaufens bestehe, wenn eine Türe offen sei. Offenbar bestand
damals
auch
ein grosses Interesse am Herd (Schal
ter drücken, auf die heisse Herdplatte greifen).
4.3
Im aktuellen Abklärungsbericht vom Dezember 2013, welcher von einer ande
ren Sachbearbeiterin verfasst wurde, wurde zur Frage der Notwendigkeit einer
persönlichen Überwachung ausgeführt, dass sich der Versicherte an Regeln halte
und angeblich keine heissen Herdplatten mehr berühre.
Aus dem aktuellen
Ab
klä
rungsbericht
ergibt sich weiterhin die Gefahr des Weglaufens, wenn der Ver
sicherte von den Eltern nicht zum Schulbus begleitet wird. Des Weiteren wurde
festgehalten, dass der Versicherte die Gefahren im Strassenverkehr nicht
erkenne
,
was b
ei einem Kind mit einem
mittleren
Entwicklungsalter von etwa drei Jahren
nachvollziehbar ist
. Vergleichbares gilt wohl auch im Haus.
Es ist
davon auszu
gehen
, dass der Versicherte aufgrund seines geistigen Zustandes – gemäss Bericht von PD
Dr.
C._
verfügt er über die intellektuellen Fähigkeiten eines Zwei
jährigen – nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden kann (vgl. E. 4.1).
Unbestrittenermassen wurden Sicherheitsvorkehrungen an ei
nigen Fenstern zu Hause vorgenommen.
Die Abklärungsperson
führte aus
, dass das Fenster im Zimmer des Versicherten nicht gesichert sei, da keine Gefahr bestehe, dass er dieses öffne. Demgegenüber
gaben die
Eltern im Rahmen der Beschwer
de
an,
der Versicherte
könne
das Fenster in seinem Zimmer nicht öff
nen. Des Weiteren
dürfe der Versicherte nur in Begleitung auf die Terrassen. A
lle Türen
zu den Terrassen
seien
nachträglich mit Schlössern gesichert worden
(vgl.
Urk.
1 S. 1)
.
Anlässlich der Abklärung vom
6.
November 2013 wurde zum ersten Mal die Be
zugsperson der Schule befragt. I
nsofern besteht keine Ver
gleichs
mög
lich
keit zur früheren Situation.
4.4
Gemäs
s der Aktenlage hat sich die Situation nicht wesentlich verändert.
So bestehen die Gefahr des Weglaufens und das Nichterkennen
von
Gefahren im Strassen
verkehr weiterhin.
D
as Interesse am Herd hat
beim Versicherten
an
schei
nend
abgenommen
. Dennoch kann
das diesbezügliche
Gefahr
enpotential
wohl
kaum verneint
werden.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass e
in Kind mit einem mittleren Entwicklungsalter von etwa drei Jahren erfahrungsgemäss
generell
einer - mehr oder weniger - dauernden persönlichen Überwachung
be
darf
, weil an
sonsten die Gefahr einer Selbstgef
ährdung gross ist.
Damit sind die Anforderungen an die
Notwendigkeit einer persönlichen Über
wachung
erfüllt, zumal diese
sehr gering sind, wenn – wie im vorliegenden Fall – eine Hilfsbedürftigkeit in allen sechs
alltäglichen Lebensverrichtungen besteht (vgl. E.
4.1)
, und es ist weiterhin von einem anrechenbaren
Überwachungs
be
darf
von 2 Stunden pro Tag auszugehen
.
4.5
Nicht nachvollziehbar ist sodann, dass sich gemäss Abklärungsbericht vom 13.
Dezember 2013 (Urk. 6/118 S.
3) der invaliditätsbedingte Mehraufwand für den Bereich Essen (normal zubereitete Mahlzeiten) im Vergleich zum Bericht
vom 27. April 2011 (Urk. 6/106 S. 2 f.) von 90 Minuten pro Tag auf 4 Minuten pro Tag reduziert haben soll. Steht doch dies zum Einen im Widerspruch zum
Um
stand, dass dem Versicherten morgens zwei Joghurts (angeblich aufgrund des
Zeitdrucks) vom Vater eingegeben werden und anderseits insbesondere zu den Angaben der Bezugsperson des Versicherten. Danach müsse diesem das Essen in
mundgerechte Stücke zerkleinert werden. Sodann habe er beim Essen 1:1 Betreu
ung, da er Schritt für Schritt angewiesen werde, was er machen müsse. Er würde sonst ganz viel Essen in den Mund stopfen, bis es ihn würge. Die Lehrperson fordere ihn auf, zu kauen oder zu schlucken (Urk. 6/118 S. 3). Unter diesen Um
ständen ist auch im Bereich Essen von einem unveränderten anrechenbaren
in
validitätsbedingten
Mehraufwand von 90 Minuten pro Tag (Frühstück/
Zvieri
je 15 Minuten, Mittag- und Abendessen je 30 Minuten) auszugehen.
4.6
Nach dem Gesagten ist
keine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen ersichtlich, die geeignet wäre, den Grad der Hilflosigkeit
und damit den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
zu beeinflussen
.
N
ach wie vor
ist
von
der Notwendigkeit einer persönlichen Überwachung des
Versicherten
auszuge
hen
.
Da der Versicherte
überdies
in
sämt
lichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, besteht weiterhin eine schwere Hilflosigkeit (vgl. E. 1.3).
Da total ein anrechenbarer invaliditätsbedingter Mehraufwand von 4 Stunden und 32 Minuten resultiert (Ankleiden/Auskleiden 25 Minuten pro Tag, Auf
stehen/
Absitzen/Abliegen 5 Minuten pro Tag, Essen 90 Minuten pro Tag, Kör
per
pflege 19 Minuten pro Tag, Reinigung nach Verrichtung der Notdurft 11 Minuten pro Tag, persönliche Überwachung 2 Stunden pro Tag, Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen 2 Minuten pro Tag), besteht auch weiterhin An
spruch auf einen leichten Intensivpflegezuschlag.
5.
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
2
5.
März 2014 (Urk. 2)
daher aufzuheben, mit der Feststellung, dass
der Versicherte
wei
terhin Anspruch auf eine
Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit
schwe
ren Grades
sowie auf einen Intensivpflegezuschlag
hat
.
6.
Die Kosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.