Decision ID: fb9548da-8046-442a-8829-f4c2e78ccbed
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden. Die Studie
„Standortbegründung“ der ... vom 15. Dezember 2009 zeige keinen der
angeblich geprüften Alternativstandorte. Die eingereichten Unterlagen
genügten nicht. Die Standortbegründung der ... sei eine reine
Parteibehauptung. Sie habe von der Stadt nicht überprüft werden können.
Das Gericht solle abklären, ob Amtsmissbrauch gemäss Art. 312 StGB
vorliege. Die Antennenleistung könne jederzeit erhöht werden. Ein
Qualitätssicherungssystem existiere nicht. Alle Schweizer Gerichte
verweigerten einen Augenschein auf den Betriebszentralen. Wären die
Systeme vorhanden, dürften sie auch gezeigt werden. Die Stadt habe nicht
überprüft, ob ein Qualitätssicherungssystem existiere. Die UMTS-Strahlung
könne nicht genau gemessen werden. BGU 1_C 132/2007 vom 30. Januar
2008 gebe auf diese Frage keine Antwort. Die Einhaltung der
Anlagegrenzwerte könne mit den ungenauen Messgeräten nicht zuverlässig
gemessen werden. Die biologisch und medizinisch vertretbaren Werte lägen
unterhalb von 0.06 V/m. Dies sei Stand der Wissenschaft. Höher dosierte
Strahlung mache krank. Die Stadt habe nicht darlegen können, wie sie unter
diesen Umständen die Sicherheit der Bevölkerung garantieren wolle. Die
ICNIRP-Richtlinien seien irrelevant. Der Stadtrat habe in Bezug auf den
Landschaftsschutz und Ortsbildschutz keine Abklärungen getroffen. Er habe
auch nicht die Meinungen der zuständigen kantonalen Dienststellen eingeholt
und keinen Augenschein vorgenommen.
3. Die ... beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. August 2010 die
Abweisung der Beschwerde. Das Bestehen eines Funklochs im hier
interessierenden Gebiet für ... sei nachgewiesen. Mit der neuen Antenne
könne dieses Loch geschlossen und die Abdeckung mit UMTS erreicht
werden. Die eingereichte Standortbegründung sei schlüssig. Der Beizug
eines neutralen Experten sei nicht notwendig. Die Machbarkeitsstudie zeige
auf, wo an 23 weiteren möglichen Standorten Abklärungen getroffen worden
seien. Im Endergebnis sei nur der gewählte Standort in Frage gekommen.
Das Qualitätssicherungssystem sei eingerichtet worden. Es werde durch eine
externe Firma auditiert. Daran könne nicht gezweifelt werden. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung könnten UMTS-Strahlungen zuverlässig
gemessen werden. Die NISV-Anforderungen seien erfüllt. An die Ästhetik
könnten keine zu hohen Anforderungen gestellt werden. Die Anlage befinde
sich nicht in einem Wohngebiet mit besonderer Wohnqualität. Die
Ausgestaltung der Anlage sei technisch bedingt und lasse sich nicht
wesentlich abändern.
4. Die ... AG beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Zur Begründung
brachte sie im Wesentlichen dieselben Argumente vor, wie die Stadt Chur.
5. Das ANU brachte in seiner Stellungnahme vor, die NISV-Vorschriften seien
eingehalten. Das Qualitätssicherungssystem sei auf Veranlassung des
Bundesgerichts aufgebaut worden. Das Bundesgericht habe zwei Optionen
genannt, um zu erreichen, dass in eine bestimmte Richtung nicht mehr
Sendeleistung abgestrahlt werden könne als bewilligt, entweder durch
bauliche Begrenzung oder durch eine verlässliche Kontrolle der NISV-
relevanten Hardware-Komponenten und Einstellungen. Auf Empfehlung des
BAFU werde die zweite Option verfolgt und eine Kontrolle der NIS-relevanten
Hardware-Komponenten und Einstellungen mittels eines
Qualitätssicherungssystems der Netzbetreiber umgesetzt. Diese hätten bis
Ende 2006 ein solches System einzuführen gehabt und dies auch getan. Die
Einhaltung der bewilligten ERP werde somit durch das zertifizierte System
gewährleistet. Auch hier sei die Gesuchstellerin verpflichtet worden, die
Anlage in ihr Qualitätssicherungssystem einzubinden. Das Bundesgericht
habe die grundsätzliche Zulässigkeit des Qualitätssicherungssystems
mehrfach bestätigt. Das System funktioniere so, dass die Netzbetreiberin eine
Datenbank führe, in welcher alle Hardware-Komponenten und
Geräteeinstellungen, welche die ERP oder die Senderichtungen beeinflussen
könnten, erfasst seien und laufend aktualisiert würden. Das System
vergleiche automatisch einmal pro Tag die tatsächlich eingestellte äquivalente
Sendeleistung und die Richtungen aller Antennen mit den bewilligten Werten
und Winkelbereichen. Würden Überschreitungen festgestellt, werde
automatisch ein Fehlerprotokoll erstellt. Allfällige Überschreitungen müssten
selbstverständlich behoben werden. Die Fehlerprotokolle müssten alle zwei
Monaten der kantonalen Fachstelle (hier: ANU) zugestellt werden. Es gebe
verschiedene Kontrollmöglichkeiten der kantonalen Vollzugsbehörden. Das
System bewähre sich sehr gut. Das ANU sei gerne bereit, den
Beschwerdeführerinnen zu erläutern, wie das System sowie die weiteren
Kontrollmöglichkeiten funktionierten. In BGU 1_C 492/2009 vom 20.7.2010
habe das Bundesgericht die zuverlässige Messbarkeit von UMTS-Strahlen
erneut bestätigt. Im gleichen Urteil habe sich das Bundesgericht erneut mit
dem zulässigen Anlagegrenzwert von 6 V/m befasst.
6. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten
fest, ohne wesentliche neue Gesichtspunkte aufzuzeigen.
7. Am 6. Dezember 2010 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein an
Ort und Stelle durch, an welchem Stockwerkeigentümer, Beschwerdeführer,
der Anwalt der Stadt Chur, der Rechtsvertreter der ... sowie Vertreter des
ANU teilnahmen. Allen Anwesenden wurde dabei Gelegenheit erteilt, sich
anhand der Örtlichkeiten auch noch mündlich zu den aufgeworfenen Fragen
zu äussern. Im Anschluss an den Augenschein begaben sich das Gericht und
die Parteien ins ANU, wo das Qualitätssicherungssystem und die
Kontrollmöglichkeiten des ANU erläutert wurden.
Auf das Ergebnis des Augenscheines sowie die weiteren Ausführungen der
Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Sendeanlagen für Mobilfunk und ähnliche Zwecke werden gemäss Art. 18
Abs. 2 des städtischen Baugesetzes (BG) unter Berücksichtigung der
technischen Möglichkeiten und des übergeordneten Rechts nur als
Gemeinschaftsanlagen bewilligt. Das bedeutet nicht, dass ausschliesslich
Gemeinschaftsanlagen bewilligungsfähig sind. Vielmehr sind eben das
übergeordnete Recht und die technischen Möglichkeiten zu berücksichtigen.
Dem ist die Vorinstanz bezüglich der Standortwahl nachgekommen, wie sich
klar aus dem angefochtenen Entscheid und den Prozessakten ergibt.
b) Die Baubehörde kann nach Art. 18 Abs. 3 BG Standorte festlegen und
insbesondere von den Mobilfunkbetreibern ein Gesamtkonzept für die
Erstellung ihrer Anlagen verlangen. Die Standortfestlegungen und das
Gesamtkonzept sind indessen für die Bewilligungsfähigkeit einer Anlage nicht
zwingend. Massgebend ist ausschliesslich, ob sie einerseits die
umweltrechtlichen Bestimmungen und anderseits die Bestimmungen des
kommunalen Baurechts einhält. Dies ist im Folgenden zu prüfen.
2. Nach Ansicht der Beschwerdeführerinnen liegen genügend wissenschaftliche
Studien vor, die nachweisen, dass die Grenzwerte der NISV zu hoch
angesetzt sind. Zu dieser Frage hat sich das Bundesgericht neulich in BGU
1C_492/2009 vom 20. Juli 2010 ausführlich wie folgt geäussert:
"2.2.1 Die Anlage- und Immissionsgrenzwerte der NISV hat das
Bundesgericht bisher stets als gesetzes- und verfassungskonform beurteilt
(Urteile 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2; 1C_282/2008 vom 7. April 2009
E. 4; 1C_92/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 3.3-3.6; 1C_316/2007 vom 30.
April 2008 E. 5.1; 1C_170/2007 vom 20. Februar 2008 E. 2; je mit Hinweisen).
Auch neuere Forschungen haben danach keine wissenschaftlich genügenden
Studien hervorgebracht, welche einen hinreichenden Zusammenhang
zwischen der Exposition durch Mobilfunkbasisstationen und schädlichen oder
lästigen Einwirkungen herstellen (vgl. BAFU [Hrsg.], Hochfrequente Strahlung
und Gesundheit: Bewertung von wissenschaftlichen Studien im
Niedrigdosisbereich, 2. Aufl. 2007, S. 10 ff., 72 f., 98 ff., 105 f. und 131;
«http://www.bafu.admin.ch/publikationen» [besucht am 13. Juli 2010]). Die
wissenschaftliche Datenlage für die Beurteilung der Gesundheitsgefährdung
der Bevölkerung durch hochfrequente Strahlung im Niedrigdosisbereich,
namentlich durch Mobilfunkbasisstationen, ist jedoch noch immer sehr
lückenhaft. Forschung auf diesem Gebiet ist deshalb wichtig (Urteil
1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2 mit Hinweis).
2.2.2 Es ist in erster Linie Sache der zuständigen Fachbehörden (und nicht
des Bundesgerichts), die internationale Forschung sowie die technische
Entwicklung zu verfolgen und gegebenenfalls eine Anpassung der
Grenzwerte der NISV zu beantragen (Urteil 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E.
3.2 mit Hinweis). Das BAFU ist bisher dieser Aufgabe nachgekommen, indem
es unter anderem in seinem Bericht "Hochfrequente Strahlung und
Gesundheit" einschlägige wissenschaftliche Studien analysierte und
bewertete. Die erste Auflage dieses Berichts erschien im Jahr 2003, die
zweite, aktualisierte Auflage im Jahr 2007 (vgl. die oben erwähnte Internet-
Fundstelle). Ein ständiges Monitoring der neuen wissenschaftlichen Literatur
erfolgt zudem in der Dokumentationsstelle ELMAR, welche im Auftrag des
BAFU geführt wird («http://www.elmar.unibas.ch/index.html» [besucht am 13.
Juli 2010]).
2.2.3 Das Argument der Beschwerdeführer, das BAFU sei bei der Bewertung
der Studien viel zu streng und das Vorsorgeprinzip verlange, auch vorläufige
wissenschaftliche Befunde zu berücksichtigen, ist vor dem Hintergrund der
Konzeption der Umweltschutzgesetzgebung nicht stichhaltig. Deren
Immissionsgrenzwerte beruhen von ihrer Anlage her auf wissenschaftlich
erhärteten Erkenntnissen und lassen deshalb keinen Raum für die
Berücksichtigung von Studien, welche wissenschaftlichen Massstäben nicht
zu genügen vermögen oder auf ihre Zuverlässigkeit bisher nicht überprüft
worden sind (in diesem Sinne bereits BGE 126 II 399 E. 3b S. 402 f.;
SCHRADE/LORETAN, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl.
2002, N. 9 zu Art. 13 USG, vgl. auch N. 38 zu Art. 11 USG). Das BAFU stellt
diesbezüglich darauf ab, ob eine Studie ein Peer-Review-Verfahren
durchlaufen hat (ein Verfahren zur Beurteilung der Qualität von
wissenschaftlichen Arbeiten durch unabhängige Gutachter vor der Publikation
mit dem Ziel der Qualitätssicherung der wissenschaftlichen Berichterstattung)
und ob eine unabhängige Wiederholung das Ergebnis bestätigt. Ein Effekt
wird demnach als gesichert erachtet, wenn er einer streng wissenschaftlichen
Beweisführung standhält, das heisst mehrfach unabhängig repliziert worden
ist, ein plausibles Wirkungsmodell existiert und er nicht im Widerspruch zu
anderen Forschungsergebnissen steht (BAFU, a.a.O., S. 47). Was die
Anlagegrenzwerte anbelangt, basiert deren spezifische Festlegung nicht auf
den Kriterien der Schädlichkeit oder Belästigung; sie richten sich vielmehr
nach den technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten (Art.
11 Abs. 2 USG; BGE 133 II 169 E. 3.1 S. 175 mit Hinweisen). Zwar trifft zu,
dass der Anlagegrenzwert als Konkretisierung des Vorsorgeprinzips das
Risiko schädlicher Wirkungen, die zum Teil erst vermutet werden und noch
nicht absehbar sind, möglichst gering halten soll (BGE 126 II 399 E. 3b S. 403
mit Hinweis). Und in diesem Sinne ist auch richtig, dass der Anlagegrenzwert
eine Art Sicherheitsmarge schafft, indem auf wissenschaftliche Gewissheit
verzichtet wird (ALAIN GRIFFEL, Die Grundprinzipien des schweizerischen
Umweltrechts, 2001, S. 60 f.). Daraus folgt jedoch keineswegs, dass lediglich
vorläufige wissenschaftliche oder erfahrungsbasierte Befunde den Massstab
für die Bestimmung der konkreten Höhe des Anlagegrenzwerts abgeben. In
seiner Vernehmlassung weist das BAFU in diesem Zusammenhang auch
darauf hin, dass gegen eine rasche und unkritische Integration von nicht
gefestigten Ergebnissen in ein Schutzkonzept gerade im Bereich der
nichtionisierenden Strahlung die Tatsache spreche, dass in den vergangenen
20 Jahren unerklärliche Einzelbefunde in Nachfolgeuntersuchungen zum Teil
nicht repliziert werden konnten. Ein Abstellen auf derartige vorläufige
Erkenntnisse hätte vor diesem Hintergrund auch eine beträchtliche
Rechtsunsicherheit zur Folge. In Bezug auf die erwähnte Sicherheitsmarge
zwischen dem (höheren) Immissionsgrenzwert und dem (tieferen)
Anlagegrenzwert ist zu ergänzen, dass jede Mobilfunkanlage an OMEN den
Anlagegrenzwert ausschöpfen darf (Art. 3 Abs. 3 und 6 NISV; Ziff. 64 und 65
Anhang 1 NISV). Dies bedeutet zwar, dass es im Einzelfall zu einer
Kumulation der Strahlung von zwei oder mehreren Anlagen in Bezug auf
einen OMEN kommen kann und dadurch die elektrische Feldstärke dort über
den Anlagegrenzwert ansteigt. Einer derartigen Kumulation sind jedoch
dadurch Grenzen gesetzt, dass nach Ziff. 62 Anhang 1 NISV
Antennengruppen, die aus einem engen räumlichen Zusammenhang senden,
als eine Anlage gelten. Zudem weist das BAFU darauf hin, dass sich die
Feldstärken nicht einfach addieren, wenn ein bestimmter OMEN von
mehreren als eigenständig zu qualifizierenden Anlagen bestrahlt wird.
Würden zwei Anlagen in Bezug auf einen OMEN den ihnen zustehenden
Anlagegrenzwert ausschöpfen, so resultierte eine kumulierte elektrische
Feldstärke von 141 % des Anlagegrenzwerts; bei drei Anlagen wären es
maximal 173 %. Der Immissionsgrenzwert würde schliesslich erst in der
praktisch nicht möglichen Situation erreicht, wenn 100 Mobilfunkanlagen den
betreffenden OMEN in der Höhe des Anlagegrenzwerts bestrahlen würden.
2.2.4 Konkret zitieren die Beschwerdeführer verschiedene Studien und
Berichte und weisen auf Entwicklungen im In- und Ausland hin. Unter
anderem verweisen sie auf die gesetzgeberische Entwicklung in Belgien.
Hierzu legt das BAFU dar, soweit ersichtlich stelle einzig die Verordnung der
Region Brüssel (Ordonnance relative à la protection de l'environnement
contre les éventuels effets nocifs et nuisances provoqués par les radiations
non ionisantes) vom 1. März 2007 strengere Anforderungen an die
Begrenzung der Strahlung von Mobilfunkanlagen als die schweizerische
NISV. Diese belgische Verordnung werde jedoch offenbar noch nicht
angewendet, was auf ein Rechtsmittelverfahren und die Ausarbeitung von
Ausführungsbestimmungen zurückzuführen sei. Entsprechend bestünden
keine Erfahrungen in der Praxis und könnten derzeit für die Schweiz auch
keine Schlüsse gezogen werden. Insgesamt vermögen die Beschwerdeführer
nicht aufzuzeigen, dass die zuständigen Fachbehörden oder der Bundesrat
als Verordnungsgeber angesichts einer wissenschaftlich nachgewiesenen
Gefährdung oder Belästigung untätig geblieben sind und es unterlassen
haben, eine gebotene Anpassung der Grenzwerte zu beantragen
beziehungsweise vorzunehmen. Nach dem Gesagten rechtfertigen es auch
die bestehenden Wissenslücken nicht, die Grenzwerte der NISV als
rechtswidrig zu beurteilen und den weiteren Bau von Mobilfunkantennen zu
verbieten (vgl. Urteil 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2 mit Hinweis). Die
kantonalen Behörden haben damit zu Recht die geltenden Immissions- und
Anlagegrenzwerte der NISV angewandt. Die Rüge der Beschwerdeführer
erweist sich als unbegründet."
Diese Ausführungen beanspruchen auch für den vorliegenden Fall Geltung,
zumal die Beschwerdeführerinnen nichts dargelegt haben, was die
Argumentation des Bundesgerichtes widerlegen würde.
3. Die Vorbringen betreffend die Nichtmessbarkeit von UMTS-Strahlen
entsprechen in keiner Art und Weise der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung. Das Bundesgericht hat im erwähnten Urteil ausgeführt:
"3.2 Das Bundesgericht hat in seiner bisherigen Rechtsprechung die
bestehenden Messverfahren und -geräte sowie den Entwurf einer
Messempfehlung für UMTS-Strahlung des Bundesamts für Umwelt, Wald und
Landschaft (BUWAL, heute: BAFU) und des Bundesamts für Metrologie
(METAS) vom 17. September 2003 genügen lassen (Urteile 1C_316/2007
vom 30. April 2008 E. 9; 1A.129/2006 vom 10. Januar 2007 E. 4, nicht publ.
in: BGE 133 II 64; 1A.57/2006 vom 6. September 2006 E. 6, in: ZBl 108/2007
S. 453; je mit Hinweisen). Gemäss einer Medienmitteilung des
Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und
Kommunikation (UVEK) vom 23. Januar 2007 haben vom METAS
organisierte Vergleichsmessungen ergeben, dass die Signale von UMTS-
Antennen zuverlässig gemessen werden können. Die Resultate würden den
erwähnten Entwurf der Messempfehlung für UMTS-Strahlung des BUWAL
und des METAS bestätigen. Es habe sich gezeigt, dass die Streuung der
Resultate von code-selektiven UMTS-Messungen mit jener der Messung von
GSM-Signalen vergleichbar sei."
An diese Beurteilung des Bundesgerichtes ist das Verwaltungsgericht
gebunden. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich deshalb.
4. Die Beschwerdeführerinnen rügen, das Qualitätssicherungssystem der
Beschwerdegegnerin 2 sei ungenügend. Auch dazu hat sich das
Bundesgericht im erwähnten Fall geäussert:
"4.2 Die Qualitätssicherungssysteme dienen der Kontrolle, dass die
bewilligten Parameter (äquivalente Strahlungsleistung ERP, Senderichtung)
der Mobilfunkantennen im Betrieb eingehalten und die Grenzwerte der NISV
nicht überschritten werden. Diese Kontrolle ist in Art. 12 NISV vorgesehen.
Die Verordnung schreibt jedoch nicht vor, auf welche Weise sie zu erfolgen
hat. Das Bundesgericht hatte letztmals in seinem Urteil 1C_282/2008 vom 7.
April 2009 Gelegenheit, zu den bestehenden Qualitätssicherungssystemen
eingehend Stellung zu nehmen. Es wies auf die 2007 durchgeführte
Überprüfung der Qualitätssicherungssysteme der Mobilfunknetzbetreiber ...,
..., ... und ... hin. Es räumte ein, die Systeme wiesen noch Mängel auf.
Insgesamt kam es jedoch zum Schluss, dass diese aus
umweltschutzrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden seien (a.a.O., E. 3). Die
Kritik der Beschewrdeführerinnen gibt keinen Anlass, auf diese
Rechtsprechung zurückzukommen. Die Rüge, das zur Anwendung
kommende Qualitätssicherungssystem sei ungenügend, ist demnach
abzuweisen."
Das Verwaltungsgericht hat sich anlässlich der Demonstration im ANU von
der Richtigkeit dieser Ausführungen überzeugen können. Ebenso bestehen
genügende Kontrollmöglichkeiten für die Fachbehörde.
5. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerinnen geht mit dem Bauvorhaben
keine rechtlich relevante Beeinträchtigung des Quartier- und
Landschaftsbildes einher. Die Mobilfunkanlage befindet sich nicht in einem
Wohngebiet mit besonderer Wohnqualität gemäss Art. 79 BG, so dass
gestalterisch keine besonderen Anforderungen gestellt werden. Gemäss Art.
73 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG)
wiederum sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln der
Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung und der
Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Mit dem Wort „gut“ wird zum
Ausdruck gebracht, dass die Anforderungen trotz der positiven Ausgestaltung
der Generalklausel nicht allzu hoch angesetzt werden dürfen (vgl. Botschaft
der Regierung Heft Nr. 3/2004-2005, S. 343; Urteil des Verwaltungsgerichts
Graubünden R 09 77 vom 17. November 2009, E. 3b). Die vorgesehenen drei
Antennen werden an einem ca. 19 Meter hohen Mast befestigt.
Mobilfunkantennen gehören zu den Infrastrukturanlagen des täglichen
Lebens und sind nicht besonders verunstaltend. Ihre Ausgestaltung (Höhe,
Durchmesser, Farbe etc.) ist technisch bedingt und lässt sich nicht wesentlich
abändern. Zudem erweist sich der Einfluss der Mobilfunkanlage auf den
Charakter der näheren Umgebung und der Landschaft objektiv betrachtet als
gering (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.30/2007 vom 9. Oktober 2007, E.
4.1). Hinzu kommt, dass vorliegend in unmittelbarer Nähe des Standortes
zahlreiche Infrastrukturanlagen bereits vorhanden sind. Insbesondere betrifft
dies die Gleisanlagen des Güterbahnhofes. Von einer Verletzung des Orts-
oder Landschaftsbildes kann aufgrund der vorstehenden Ausführungen keine
Rede sein.
6. Nicht Gegenstand dieses Verfahrens können die Vorbringen betreffend
Wertverminderung sein, da es hier lediglich um die Baubewilligung geht und
diesbezüglich von der Vorinstanz auch nicht verfügt wurde.
7. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten unter solidarischer
Haftbarkeit zulasten der Beschwerdeführerinnen.
Gemäss Art. 78 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG)
wird die unterliegende Partei in der Regel verpflichtet, der obsiegenden Partei
alle durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen.
Die Beschwerdeführer haben daher die private, anwaltlich vertretene
Gegenpartei unter solidarischer Haftbarkeit aussergerichtlich zu
entschädigen. Die Parteientschädigung wird in Berücksichtigung der
Honorarnote und des nicht fakturierten Aufwandes für den Augenschein auf
Fr. 4'000.-- (inkl. MWST) festgelegt.
Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass.