Decision ID: 3a3c035a-2aa4-5596-8f4b-b1d28c55fba1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964
,
war
seit
1988 im Umfang von 100
%
und ab
Oktober 2005
bis Ende Januar 2016
von rund 70
%
als Verkäuferin bei der Genossenschaft
Y._
tätig
(Urk. 5/5
,
Urk.
5/16
)
.
Unter Hinweis auf psy
chische Beschwerden meldete
sie sich
am 24. September 2015 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 5/5).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf erwerbliche
Abklärungen
(Urk. 5/10
,
Urk. 5/16)
, zog
Akten
der Krankentaggeldversicherung
bei
(Urk. 5/6
,
Urk. 5/2
0
)
und h
olte Arztberichte ein (Urk. 5/15
,
Urk. 5/21
-22
)
.
Am 19. Januar 2016 teilte
sie
der Versicherten mit, dass
aus gesundheitlichen Grün
den
kein
e
berufliche Eingliederungsmassnahmen
möglich seien
(Urk. 5/19).
M
it Vorbescheid vom 11. Juli 2016
stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Leis
tungs
anspruch zu verneinen
(Urk. 5/24)
.
Nach dagegen erhobenen Einwänden (
Urk. 5/
2
9
,
Urk. 5/35
) holte die IV-Stelle weitere Akten der Krankentaggeld
ver
sicherung (
Urk.
5/39) ein, darunter ein von Dr. med.
Z._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie
,
am 12. September 2016 erstattetes Gutachten (Urk. 5/39/4-49).
Mit Verfügung vom
24. März 2017
verneinte die IV-Stelle
einen Leistungs
an
spruch
(Urk. 2 = Urk. 5/62)
.
2.
Die Versicherte erhob
am 26. April 2017 Beschwerde
gegen die Verfügung vom 2
4.
März 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei
aufzuheben und
es sei i
hr eine ganze Rente zuzusprechen
, eventuell sei die Sache
an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
(Urk. 1
S. 2 oben
).
D
ie IV-Stelle
beantragte
mit Beschwerdeantwort
vom 30. Mai 2017 (Urk.
4) die Ab
weisung der Beschwerde
.
Am 1
8.
November 2018 erstattete
Dr.
Z._
im Auftrag des Gerichts eine gut
achterliche Stellungnahme (
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am
7.
Dezember 2018 auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
15). Die Beschwerde
füh
rerin nahm am 2
1.
Januar 2019 Stellung (
Urk.
17), was der Beschwerdegegnerin am 2
3.
Januar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2
017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2) davon aus,
dass der
Gesundheitszustand die Voraussetzungen der Art und Schwere
für eine Invalidität
gemäss Art. 8 ATSG nicht erfülle. Ein Gesundheitsschaden
mit
längerfristig
en
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit habe
nicht
festgestellt wer
den können. Der durch die behandelnde Psychiaterin beschriebene psycho
pa
tho
logische Befund spreche gegen das Vorliegen einer schweren Depression. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Abklingen der de
pres
siven Episode wieder in der Lage sei, in ihrer bisherigen Tätigkeit zu arbeiten
(S. 1)
.
G
estützt auf das
im
Vorbescheidverfahren
beigezogene psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
sei
eine mittelgradige depressive Episode anzunehmen, aber auch von Problemen verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von akzentuierten Per
sönlichkeitszügen auszugehen
. Auffällig seien eine
ausgesprochene Selbstlimitierung und ein demonstratives Verhalten gewesen.
Eine
Panikstörung sei zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits remittiert gewesen. Ausgehend vom Gutachten liege keine schwere Depression mit erheblichen Funktionsbeeinträchtigungen vor. Die Medikamente seien nicht nachweislich konsequent eingenommen worden. Letztlich würden erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen, welche die depressive Störung unterhalten würden. Eine solche Störung gelte nicht als invalidenversicherungsrechtlich relevant. Es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
(
S.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellte sich
demgegenüber
auf den Standpunkt,
das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
stehe
im Widerspruch zum Bericht der behandelnden Ärzte
der Klinik
A._
und
sei
hinsichtlich der Aus
führungen zur Depression, zur Panikstörung und zur Arbeitsfähigkeit nicht beweis
kräftig
, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne
.
Vielmehr
sei gestützt auf den Bericht der behandelnden Psychiaterin von einer
chronifizierten
schweren Depression und basierend auf dem Bericht der Klinik
A._
von einer Panikstörung auszugehen
(S. 2 f.
Ziff.
2)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit dem Gesundheitszustand und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin verhält.
3.
3.1
Med.
pract
.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrem Bericht vom 2
6.
August
2015 an die Krankentaggeldversicherung (
Urk.
5/6
/1-3) folgende Diagnosen (Ziff
.
3):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
-
arterielle Hypertonie
-
eut
h
yreote
Struma
binodosa
Aktuell sei die Beschwerdeführerin in allen Tätigkeiten zu 100
%
eingeschränkt (
Ziff.
7b).
Ferner führte die Ärztin aus, sie rechne mit einer namhaften Besserung nach einer Psychotherapie und Psychopharmakotherapie. Die Prognose sei bei einer rezidi
vierenden depressiven Störung unsicher, aber nicht infaust (
Ziff.
4).
3.2
Dr.
med. C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 1
6.
November 2015 (
Urk.
5/15) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit März 2012 (
Ziff.
1.2). Die genaue psychiatrische Diag
nose sei ihr nicht bekannt, wahrscheinlich laute sie auf eine Depression mit Angststörung. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine arterielle Hypertonie, ein Asthma bronchiale und eine
euthyreote
Struma (
Ziff.
1.1). Eine
Arbeitsunfähigkeit (als Verkäuferin) habe sie nicht attestiert, es laufe alles
über die Psychiaterin (
Ziff.
1.6).
3.3
Laut Bericht vom 1
1.
April 2016 (
Urk.
5/20/2-5) weilte die Beschwerdeführerin vom
4.
Januar bis
2.
Februar 2016 und vom 2
9.
Februar bis 2
9.
März 2016
stationär in der
A._
, Privatklinik für Psychiatrie
(S. 3
Ziff.
5a
). Es wurden folgende psychiatrischen Diagnosen gestellt (S. 2 oben):
-
rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
Es sei eine Arbeitsunfähigkeit vom
4.
Januar bis 1
4.
April 2016 attestiert worden (S. 4
Ziff.
9a).
In einem späteren Bericht (vom 1
8.
Juli 2016) über die beiden Klinikaufenthalte (
Urk.
5/33) wurde als zweite psychiatrische Diagnose eine Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0) genannt (S. 1 Mitte).
3.4
Med.
pract
.
B._
(vorstehend E. 3.1)
führte
in zwei gleichlautenden Berichte
n
vom 1
0.
(
Urk.
5/21) und vom 3
1.
Mai 2016 (
Urk.
5/22)
aus, sie be
handle die Beschwerdeführerin seit 2
8.
April 2016 (
Ziff.
1.2), und nannte
die gleichen Diagnosen wie in ihrem Bericht vom 2
6.
August 2015 (
Ziff.
1.1), attes
tierte wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.7) und führte zur Prognose aus, bei der langen Dauer der psychischen Erkrankung, dem Vorhan
densein von auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren und wenig familiärer Unterstützung sei die Prognose unsicher. Es werde aber das Wiedererlangen einer Teilarbeitsfähigkeit angestrebt (
Ziff.
1.4 am Ende).
3.5
Laut Bericht vom
4.
August 2016 (
Urk.
5/34) weilte die Beschwerdeführerin vom 1
2.
Juni bis 1
1.
Juli 2016 ein drittes Mal in der
Klinik A._
. Als psychiatrische Diagnosen wurden nunmehr genannt (S.
1 Mitte
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen, vorrangig ängstlich-vermei
de
nd (ICD-10 Z73)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis
1.
August 2016 attestiert (S. 3 oben).
3.6
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neu
rologie, erstattete am 12. September 2016 ein Gutachten zuhanden der Kranken
taggeldversicherung (
Urk.
5/39/4-49). Er stützte sich auf die ihm überlassenen
Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Versicherten (S.
17 ff.) und die von ihm am 1
2.
August 2016 (S. 1 Mitte) erhobenen Befunde (S. 25 ff.).
Er nannte folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S.
34
Ziff.
6.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.1)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 34
Ziff.
6.2) nannte er Probleme verbunden mit Schwierigkeiten im Sinne von akzentuierten Persön
lichkeitszügen
, vorrangig ängstlich-vermeidende Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
.
Die in
der
Vergangenheit diagnostizierte Panikstörung, episodisch paroxysmale Angst (ICD-10 F41.0), sei unter der Behandlung beziehungsweise bei Wegfall der Arbeitsstelle remittiert (S. 37 oben).
Die
Versicherte
habe über diverse Unzulänglichkeiten im Beruf und im Alltag berichtet. Es sei
en
eine durchgehend gedrückte Grundstimmung, Interessen
ver
lust, Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs, eine erhöhte Ermüdbarkeit und ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen vorhanden. Sie müsse sich aufgrund von Tagesmüdigkeit immer wieder hinlegen. Es seien verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit sowie ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstver
trauen festzuhalten. Sie leide auch unter Schuldgefühlen, insbesondere wegen des Suizidversuchs, den sie während der Schwangerschaft mit der ersten Tochter verübt habe, weshalb sie sich für die Krankheit der Tochter schuldig fühle
(S. 35 unten)
. Darüber hinaus seien Gefühle der Wertlosigkeit sowie negative und pessi
mistische Zukunftsperspektiven festzustellen gewesen. Sie leide unter Suizidge
danken, ohne dass jedoch Suizidhandlungen geplant worden wären. Es liege verminderter Appetit vor, jedoch auch Frustattacken mit progressiver Gewichts
zu
nahme seit 2001
(S.
35 f.)
. Weiter sei auf Nachfrage über eine mangelnde Fähig
keit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu rea
gieren, berichtet worden. Ausserdem sei frühmorgendliches Erwachen, Mor
gen
tief und deutlicher
Libidoverlust
angegeben worden
(S. 36 oben)
.
Im objektiven
psychopathologische
n
Befund
in Anlehnung an die AMDP-Richt
linien hätten psychopathologische Auffälligkeiten bestanden, die
mindestens
a
uf
eine mittelgradige rezidivierende depressive
Episode im Rahmen der diagnos
ti
zierten rezidivierenden depressiven Störung
schliessen
liessen (S. 36
).
Die Beschwerdeführerin befinde sich in einer psychiatrisch-psychotherapeu
ti
schen Behandlung. Es seien drei stationäre Behandlungen erfolgt. Die durch sie als eingenommen angegebenen Psychopharmaka seien im Medikamentenspiegel
nicht im therapeutischen Bereich gelegen, was in Anbetracht der behaupteten Schwere, Dauer und dem Ausmass der Erkrankung nicht nachvollziehbar er
scheine (
S. 39 f.
).
Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe folgende Hinweise auf nicht
im
geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen gegeben (S. 40):
-
Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität der Be
schwerden und der Vagheit der Beschwerden
-
Diskrepanzen zwischen massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Unter
su
chungssituation
-
Diskrepanzen zwischen eigenen Angaben und den fremdanamnes
tischen Informationen einschliesslich der Aktenlage
-
Diskrepanzen zwischen den zeitnah zur Untersuchung als einge
nommen angegebenen Medikamenten und deren Nachweis im Blut
serum
-
Inkonsistenzen zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung und den objektiven Befunden
-
Inkonsistenz zwischen Art der beklagten Beschwerden und ihres Ver
laufs einerseits und dem typischen Bild und Verlauf des betreffenden Krankheitsverlaufs anderseits
-
I
nkonsistenz zwischen behauptetem
Leidensausmass und für den Gut
achter fehlender Erkennbarkeit von Leidensdruck
-
Die Präsentation erheblicher Behinderung («Ich kann überhaupt nicht arbeiten») sei nicht im Einklang mit Verhaltensbeobachtung und klini
schem Befund, klinisch untypisch und daher nicht plausibel.
Zusammenfassend ergäben die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild (Aktenlage, Eigenanamnese, Beo
bach
tung, Untersuchungsbefunde, Selbsteinschätzungsskalen, Medikamenten-Monitoring).
In Würdigung vorhandener Arztberichte (S. 40 f.) führte der Gutachter aus, z
usammenfassend könne im Rahmen der aktuellen Exploration und Unter
su
chung keine schwere depressive Episode ausgemacht werden. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen ergeben. Die verordneten Medikamente
würden
offensichtlich nicht eingenommen. Die
diagnostizierte Panikstörung habe sich offensichtlich
entaktualisiert
. Die Versicherte
sei mit einer schweren depressiven Störung vom 21. Juli bis 1. August 2016 in der Türkei im Urlaub gewesen. Eine solche Urlaubsreise sei mit einer schweren depressiven Störung und dem Alltags
aktivitätsniveau nicht vereinbar. Es
lägen
auch multiple nicht versicherungs
medi
zinisch relevante psychosoziale Belastungsfaktoren und ein ausgesprochen selbstlimitierendes Verhalten vor (
S. 41 oben
).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Verkäuferin in
einem 73%igen Arbeits
pensum
sei
bis am 30. September 2016
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausge
wiesen. Ab d
e
m 1. Oktober 2016 sei
der Versicherten
eine stufenweise Wieder
eingliederung in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (gleiches Ressourcenprofil) bei einem anderen Arbeitgeber, beginnend mit einem Arbeitspensum von 50 %, bezogen auf das letzte Arbeitspensum von 73 % zumutbar. Nach Anpassung der medikamentösen Behandlung sei von einer weiteren Verbesserung des Gesund
heits
zustandes auszugehen und eine sukzessive
Steigerung des Arbeitspensums u
m 10 % alle 14 Tage möglich und auch zumutbar
(S. 41 f.
Ziff.
8.1)
. Auch in einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit sei bei der Beschwerdeführerin bis Ende September 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen gewesen. Ein spezielles Ressourcenprofil müsse nicht definiert werden, da die zuletzt aus
geübte Tätigkeit an die Ressourcen der Beschwerdeführerin am besten angepasst sei (
S. 42
Ziff.
8.2
).
3.7
Laut Verlaufsbericht vo
m 23. Januar
2017
fand seit 1
1.
August
2016 (
Urk.
5/58/9-10)
in der
Klinik
A._
eine
tagesklinische Behandlung
statt
,
und es wurden
als
Diagnosen
weiterhin eine
rezidivierende depressive Störung, schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und eine Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
genannt
(
S. 1 Mitte
). Es
wurde
eine Verschlechteru
ng der depressiven Symptomatik berichtet; d
ie körperlichen Schmerzen hätten zugenommen
(S. 2 Mitte)
.
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.1) nannte i
m Bericht vom 3. Februar 2017 (Urk. 5/58/1-8)
ebenfalls
die gleichen Diagnosen (
Ziff.
1.1) und attestierte weiter
hin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6).
3.8
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.6) gab am 1
8.
November 2018 eine ergänzende gut
achterliche Stellungnahme ab (
Urk.
11).
Zum
funktionelle
n
Schweregrad
führte er unter anderem aus, zum
Zeitpunkt der Untersuchung
sei
eine mitte
l
gradige depressive Episode im
Rahmen einer rezi
di
vierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1) diagnostiziert
worden.
An Komor
biditäten
hätten
akzentuierte Persönlichkeitszüge im Sinne von Problemen ver
bunden
mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von vorrangig ängstlich-vermeidend
akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1) vor
gelegen
.
Eine Persönlichkeitsakzentuierung gehör
e
zu den sogenannten Z-Diag
no
sen, die aus
versicherungsmedizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründe
te
n. Mit
überwiegende
r
Wahrscheinlichkeit
seien
die akzen
tuierten Persönlichkeitszüge
vor
dem Hintergrund von multiplen nicht ver
siche
rungsmedizinisch relevanten psychosozialen
Belastungsfaktoren mitverant
wort
lich für den protrahierten Verlauf der Erkrankung. Eine
Persönlichkeits
störung
habe
bei der Versicherten nich
t vorgelegen (S. 2).
Im Hinblick auf die
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
verwies
Dr.
Z._
auf
die
im Gutachten dargelegten
Parameter der funktionellen
Leis
tungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP
(S. 2 f.).
Bei der Versicherten
hätten
zum Zeitpunkt der Untersuchung
Einschränkungen der Aktivität aus Störungen der emotionalen und verhaltensbezogenen
Funktionen, der Krank
heits
verarbeitung und dam
it zusammenhängenden Funktions
s
törungen
resul
tiert (S. 3 unten)
.
Einschränkend auf ihre
Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit
als Verkäuferin habe sich
vorwiegend die reduzierte Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
aus
gewirkt
. Infolgedessen
habe
die Versicherte Schwierig
keiten
gehabt
, sich neuen Situation
en
erwartungsgemäss anzupassen. Sie
sei
reduziert flexibel
gewesen
,
mithin sei
ihre Fähigkeit, sich in Bezug
auf wech
selnde Anforderungen der Umwelt angemessen zu verhalten, zum Zeitpunkt der
Untersuchung mittelgradig eingeschränkt
gewesen
. Aufgrund der reduzierten Fähigkeit zur Anwendung
fachlicher Kompetenzen
habe
es die Versicherte zum Zeitpunkt der Untersuchung
störungsbedingt nicht
geschafft
, eine ihren beruf
lichen Anforderungen entsprechende fachliche Kompetenz
zu realisieren. Auf
grund der reduzierten Durchhaltefähigkeit
habe
keine volle Leistungsfähigkeit
über die ganze Arbeitszeit hin
weg zum Einsatz gebracht werden können (S. 4 oben
).
Im Hinblick auf den Behandlungs- und Ein
gl
iederun
g
serfol
g sei
festzuhalten,
dass mit Verweis auf die Leitlinien zur Behandlung von unipolaren Depressionen keine
angemessene Behandlung bestand
en habe.
Die durch die Versicherte als eingenommen
angegebenen Psychopharmaka
hätten
im Medikamentenspiegel nicht im
therapeutischen
Bereich
gelegen
, was in Anbetracht der behaupteten Schwere, Dauer und dem Ausmass der
Erkrankung nicht nachvollziehbar er
schein
e (S. 4 Mitte)
.
Keine der
näher dargelegten
Massnahmen
im Rahmen einer Depressions
behand
lung sei
bei der Versicherten durchgeführt
worden
. Von einem Scheitern der
ambulanten/stationären Behandlung oder gar Chronizität der depressiven Epi
sod
e
habe
somit
zum Zeitpunkt der Untersuchung
keine Rede sein können. Eine beruf
liche Wiedereingliederung der Versicherten sei aufgrund der multiplen nicht versicherungsmedizinisch relevanten psychosozialen Belastungsfaktoren, einem ausgeprägten sekundären Krankheitsgewinn und fehlender Veränderungs
moti
vation, wieder eine Tätigkeit aufzunehmen, zumindest zum Zeitpunkt der Unter
suchung nicht erfolgversprechend gewesen (S. 5 Mitte).
Bis auf die diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszüge
habe
keine
Komor
bidität vor
gelegen, wobei
Persönlichkeitszüge
bei den meisten psychiatrischen Erkrankungen im akuten Stadium von der aktuellen
Symptomatik überlagert w
ü
rden und eine Einschätzung der Persönlichkeit mehr oder weniger
nur mit Einschränkung möglich
sei (S. 5 unten)
.
Betreffend
Persönlichkeitsdiagnostik
und persönliche Ressourcen führte
Dr.
Z._
unter anderem aus,
im Hinblick auf die Ätiologie/Risikofaktoren für die Ent
wicklung von akzentuierten
Persönlichkeitszügen
sei
festzuhalten, dass
die Versicherte
aufgrund der belastenden Kindheit durch den alkoholabhängigen Vater
und die
psychiatrische Heredität, unter anderem durch die Erkrankung der Schwester
an Schizophrenie,
eine erhöhte Vulnerabilität aufzeig
e (S. 6 unten).
Klinisch
hätten
sich Hinweise auf vorrangig ängstlich-vermeidend akzentuierte
Persönlichkeitszüge
gefunden
. Hauptmerkmale der ängstlich-vermeidenden (= selbstunsicheren)
Persönlichkeitszüge
seien
Gefü
hle der Unzulänglichkeit, eine Ü
berempfindlichkeit gegenüber
Kritik und die daraus resultierende soziale Hemmung. Wohl
sei
die Persönlichkeitsakzentuierung
sicherlich mitverant
wort
lich für den protrahierten Krankheitsverlauf
, aber es handle sich dabei, wie schon erwähnt, um eine die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkende Z-Diagnose (S. 7 Mitte).
Auffallend
sei
im Rahmen der Exploration und Untersuchung eine ausgeprägte affektive
Labilität mit demonstrativ wirkenden Weinausbrüchen und lauten Heul
attacken
gewesen
. Es
habe dur
chgehend eine gedrückte, depressive Stimmung
bestanden
. Die Versicherte
sei
insgesamt vermindert
schwingungsfähig
gewesen
. Die affektive Modulationsfähigkeit
sei deutlich vermindert gewesen.
Die Ver
sicherte
habe
zum Zeitpunkt der Untersuchung über ein reduziertes
Gesamt
spektrum der Emotionen
verfügt (S. 7 unten)
.
Die genannten psychopathologischen Auffälligkeiten
seien
auf eine mittelgradige
depressive Episode ohne psychotische Symptome im Rahmen einer rezidi
vie
ren
den depressiven
Störung (ICD-10: F33.1) zurückgeführt
worden, e
ine Persönlich
keitsstörung
habe nicht
vor
gelegen (S. 7 f.)
.
Die Versicherte verfüge über viele positive Ressourcen, insbesondere ihre per
sönliche und
berufliche Zielklärung (regelmässige Tätigkeit von 1998
, richtig: 1988,
bis 2016). Trotz der depressiven
Episode verfüge die Versicherte über eine unauffällige kognitive Leistungsfähigkeit, soziale
Kompetenz, gute Kontakte zu Familienangehörigen. An negativen Ressourcen
seien
die
geringe ökonomische Stabilität der Versicherten, der Migrationshintergrund, die Erkrankung
der Tochter, die Scheidung und die längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt zu benennen
(S. 8 Mitte)
.
Zum sozialen Kontext führte
Dr.
Z._
unter anderem aus,
d
ie Ehe
der Ver
sicherten sei
konfliktreich
gewesen
und Ende 2001 getrennt
und
im Januar 2005 geschieden
worden
. Aus dieser Verbindung ha
be
die Versicherte drei Töchter, geboren 1986, 1987 und 199
3.
Die
älteste
Tochter
sei
geistig behindert und IV-berentet
und arbeite
in der geschützten
Wirtschaft. Die beiden anderen Töchter
seien
bereits verheiratet, die mittlere ha
be
bereits zwei
Kinder, geboren 2012 und 201
4.
Die
jüngste
Tochter
habe
ebenfalls ein Kind
erwartet
. Die weitere Familienanamnese
sei soweit unauffällig gewesen (S. 9 oben).
Es l
ä
gen erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren vor (Migrations
hinter
grund, Ehe mit
dem alkoholabhängigen Mann, die Scheidung und die Belastung als alleinerziehende Mutter
von drei Töchtern, finanzielle Probleme,
Kündigung der Arbeitsstelle,
Alter, keine ausreichenden Sprachkenntnisse, keine anerkannte
Ausbildung in der Schweiz
;
S. 9)
.
Zur Konsistenz führte
Dr.
Z._
unter anderem aus, d
ie Versicherte
habe
sich in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
befunden und e
s
seien
bereits drei stationäre Behandlungen
erfolgt
. Die als eingenommen
angegebenen Psychopharmaka
hätten
im Medikamentenspiegel nicht im therapeutischen
Be
reich
gelegen
, was
in Anbetracht der behaupteten Schwere, Dauer und dem Ausmass der Erkrankung nicht nachvollziehbar
erschien
en sei (S. 9 unten)
.
Psychiatrisch w
ü
rden geklagte Beschwerden so objektiviert, dass eine Kongruenz oder
Diskrepanz zwischen den Beschwerden, dem klinischen Befund und den Krankheitsbildern
festgestellt werde, die nach der klinischen Erfahrung solche Beschwerden und Befunde hervorbringen könnten (S. 9 f.). Es sei im Gutachten explizit darauf hingewiesen worden, dass es sich im Falle der Versicherten um keine authentische Beschwerdeschilderung gehandelt habe. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionseinschränkungen und darüber hinaus ein ausgesprochen selbstlimitie
rendes, demonstratives Verhalten ergeben (S. 10 oben).
3.9
Dr.
B._
führte in ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Dezember 2018 (
Urk.
18/1) unter anderem aus,
Dr.
Z._
sei der einzige, der die depressive Epi
sode als mittelgradig diagnostiziere (S. 1). Eine schwere Episode sei zu diagnos
tizieren, wenn die drei - näher genannten - Kernsymptome und mindestens vier von - näher genannten - sieben zusätzlichen
Symptomen besonders ausgeprägt seien (S. 1 f.).
Bei der Beschwerdeführerin
seien
sechs der zusätzlichen Symptome vorhanden und auch von
Dr.
Z._
genannt und teilweise als sehr ausprägt beschrieben worden (S. 2).
Hinsichtlich einzelner Fähigkeiten erachtete sie ihre Beurteilung als zutreffender als jene durch
Dr.
Z._
(S. 2 f.). Sie habe erneut einen Medikamentenspiegel veranlasst (vgl.
Urk.
18/2) und dieser liege im Norm
bereich (S. 3 Mitte). Bezüglich
der Reisen in die Türkei wies sie darauf hin, diese seien immer zusammen mit zwei der drei Töchter erfolgt, mit der Hoffnung, dass der Abstand vom häuslichen Milieu und der Aufenthalt in der Heimat gesund
heitsfördernd sein könnten, was auch von den Behandlern empfohlen werde (S.
3 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin und
Dr.
B._
wiesen darauf hin,
dass
Dr.
Z._
die depressive Episode lediglich als mittelgradig beurteilte, während von behan
delnder Seite durchwegs eine schwere Episode diagnostiziert worden sei. Darin erblickten sie einen
(erheblichen)
Mangel des Gutachtens.
Bei der Würdigung dieses Kritikpunktes ist zu beachten, dass die
Differenzierung
zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer depressiver Episode gemäss ICD-10
(1
0.
Auflage, Bern 2015) auf einer komplexen klinischen Beurteilung
beruht, welche Anzahl, Art und Schwere der vorliegenden Symptome berücksichtigt (S.
171). Die blosse Anzahl von aufgelisteten Symptomen kann deshalb, entgegen der Betrachtungsweise von
Dr.
B._
, nicht abschliessend massgebend sein. Einzubeziehen ist vielmehr insbesondere auch deren Schwere. Wenn der Gutachter in seiner Beurteilung zum Schluss gelangte, die depressive Episode sei im Untersuchungszeitpunkt mittelgradig ausgeprägt gewesen, so genügt als Be
grün
dung für eine abweichende Beurteilung das von
Dr.
B._
Aus
geführte
deshalb
nicht. Dies gilt umso mehr, als es gemäss ICD-10
sehr unwahr
scheinlich
ist
, dass ein Patient während einer schweren depressiven Episode in der Lage ist, soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortzuführen
(S. 174)
. Der Hinweis des Gutachters,
wonach
die von der Beschwerdeführerin
vorge
nommenen
Reisen i
n die Türkei mit einer
schwergradig
ausgeprägten Episode nicht vereinbar seien, ist mithin absolut überzeugend, was für die diesbezüglichen Ausführungen von
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.9) nicht zutrifft.
Gemäss ICD-10 hat man es i
n der stationären Psychiatrie hauptsächlich mit Patienten mit schweren depressiven
Episoden zu tun (
S. 171
). Insofern erscheint nachvollziehbar, dass eine
schwergradig
ausgeprägte Episode für die Zeit der jeweiligen Klinikaufenthalte diagnostiziert wurde, nicht aber für die Zeit der
lediglich tagesklinischen und der ambulanten Behandlung durch
Dr.
B._
(vorstehend
E.
3.7).
Damit ist die Diagnosestellung durch den Gutachter als deutlich nachvoll
zieh
barer zu werten als diejenige von behandelnder Seite.
Schliesslich vermag auch d
er Hinweis von
Dr.
B._
, der von ihr ver
an
lasste Medikamentenspiegel habe im Normbereich gelegen (vorstehend E. 3.9), nichts
daran zu ändern, dass dies beim im Rahmen der Begutachtung
–
unan
gekündigt - erhobenen Medikamentenspiegel
eben
nicht der Fall war.
4.2
Die von behandelnder Seite und von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik am Gutachten und den darin formulierten Schlussfolgerungen erweist sich somit als nicht stichhaltig.
Mit dem 2016 erstatteten
Gutachten
(vorstehend E. 3.6) und der im November 2018 abgegebenen ergänzenden Stellungnahme (vorstehend E. 3.8) liegt
eine
umfassende Beurteilung vor, welche eine regelkonforme Anspruchsprüfung erlaubt
. Das Gutachten erfüllt alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4) vollumfänglich, und es werden die rechtsprechungsgemäss relevanten Standard
indikatoren (vorstehend E. 1.3)
umfassend
vollständig thematisiert und einlässlich
gewürdigt.
4.3
Ausschlaggebend ist, ob sich die gutachterliche Beurteilung an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten hat und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, mithin ob ausschliesslich funktionelle Aus
fälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zu
mutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte. Dies ist dann der Fall, wenn die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indika
toren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den norma
tiven Vorgaben Rechnung getragen wurde (BGE 144 V 50 E. 3.4).
Die Frage, ob sich der Gutachter an die massgebenden normativen Rahmen
be
dingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der ein
schlä
gigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen.
4.4
Somit ist auf das beweiskräftige Gutachten abzustellen, sowohl hinsichtlich der gestellten Diagnosen als auch der attestierten Arbeitsfähigkeit. Letztere bezifferte der Gutachter in der angestammten wie auch einer anderen Tätigkeit mit initial 50
%
von 73
%
, mit einer
zumutbaren
sukzessiven vierzehntäglichen Steigerung um jeweils 10
%
, was einer vollen Arbeitsfähigkeit innert rund 2 Monaten ent
spricht.
Bei dieser Sachlage
erweist sich die Beurteilung der Beschwerdegegnerin, wonach keine anspruchsrelevante Beeinträchtigung vorliegt und somit kein Leistungs
anspruch besteht, als zutreffend.
Dies führt zur Bestätigung der angefochtenen Verfügung und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzu
er
legen.