Decision ID: e83fad91-d697-5628-bfc8-44867f423d9d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Aufgrund einer Strafanzeige der Fédération Internationale de Football
Association (nachfolgend: FIFA) vom 18. November 2014, in welcher mög-
liche Straftaten im Zusammenhang mit der Vergabe von FIFA-Weltmeister-
schaften beschrieben wurden, eröffnete die Bundesanwaltschaft mit Verfü-
gung vom 10. März 2015 eine Strafuntersuchung gegen unbekannte Tä-
terschaft wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und
weiterer Delikte. Dieses Verfahren wurde später in mehrere Verfahren auf-
geteilt bzw. es wurden neue Verfahren als "Abspaltung" eröffnet (nachfol-
gend: FIFA-Verfahrenskomplex).
B.
B.a Am 8. Juli 2015 trafen sich der Bundesanwalt Michael Lauber (nach-
folgend: Bundesanwalt), André Marty (Informationschef der Bundesanwalt-
schaft) sowie Rinaldo Arnold (Oberstaatsanwalt im Kanton Wallis) im Büro
des Bundesanwaltes zu einer Besprechung. Dieses Treffen wurde nicht
protokolliert.
B.b Nachdem Gianni Infantino am 26. Februar 2016 zum neuen Präsiden-
ten der FIFA gewählt worden war, kam es am 22. März 2016 und 22. April
2016 zu zwei nicht protokollierten Treffen zwischen dem Bundesanwalt und
Gianni Infantino. Am ersten Treffen vom 22. März 2016 im Hotel Schwei-
zerhof in Bern nahmen nebst dem Bundesanwalt und Gianni Infantino auch
Rinaldo Arnold und André Marty teil. Teilnehmer des zweiten Treffens vom
22. April 2016 in Zürich waren der Bundesanwalt, Gianni Infantino, Olivier
Thormann (damals Leitender Staatsanwalt der Bundesanwaltschaft) und
Marco Villiger (damaliger Leiter Rechtsdienst der FIFA).
B.c Am 16. Juni 2017 fand im Hotel Schweizerhof in Bern ein drittes Treffen
zwischen dem Bundesanwalt und Gianni Infantino statt. Daran nahmen
auch Rinaldo Arnold, André Marty sowie möglicherweise eine fünfte Person
teil. Auch dieses Treffen wurde nicht protokolliert.
C.
C.a Aufgrund einer Anfrage eines Journalisten informierte die Bundesan-
waltschaft am 11. Oktober 2018 die Medien über die beiden Treffen vom
22. März 2016 und 22. April 2016. Am 6. November 2016 verlangte die
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Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) vom Bundesan-
walt Unterlagen sowie eine Aktennotiz zu den Gesprächen vom 22. März
2016 und 22. April 2016. Mit Aktennotiz vom 7. November 2018 informierte
der Bundesanwalt die Geschäftsprüfungskommission (GPK) über die bei-
den Treffen. Die Aktennotiz wurde zugleich auch der AB-BA zugestellt. Im
Wesentlichen hielt der Bundesanwalt darin fest, die Treffen mit dem FIFA-
Präsidenten hätten der Standortbestimmung sowie der allgemeinen Ein-
ordnung des FIFA-Verfahrenskomplexes und der Erörterung der FIFA als
Anzeigeerstatterin und Privatklägerin gedient. Der Bundesanwalt liess der
AB-BA am 9. November 2018 sodann eine Aktennotiz betreffend die Medi-
enarbeit der Bundesanwaltschaft zu den beiden erwähnten Treffen zukom-
men.
C.b Am 12. November 2018 wurden der Bundesanwalt sowie André Marty
von der AB-BA zu den Treffen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 be-
fragt. Auf entsprechende Frage der AB-BA verneinte der Bundesanwalt
weitere Gespräche mit der FIFA auf Stufe Bundesanwalt.
C.c Mit Schreiben vom 22. November 2018 empfahl die AB-BA dem Bun-
desanwalt, Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteiligten im
Sinne der Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu doku-
mentieren.
D.
D.a Im Rahmen eines vom ausserordentlichen Staatsanwalt des Kantons
Wallis geführten Strafverfahrens gegen Rinaldo Arnold erstattete der Bun-
desanwalt am 25. Januar 2019 einen amtlichen Bericht. Darin gab er u.a.
an, das Treffen vom 22. April 2016 sei das "zweite und abschliessende
Treffen" gewesen.
D.b Am 26. Februar 2019 ersuchte der ausserordentliche Staatsanwalt des
Kantons Wallis den Bundesanwalt um einen ergänzenden Bericht. Nach
seinen Informationen habe Rinaldo Arnold namens Gianni Infantino im Mai
2017 zwecks Vereinbarung eines weiteren Treffens Kontakt mit der Bun-
desanwaltschaft aufgenommen, woraufhin man diesem den 9. und 16. Juni
2017 als Terminvorschläge unterbreitet habe. In seinem Antwortschreiben
vom 11. März 2019 hielt der Bundesanwalt fest, bei der Überprüfung der
Agenden habe sich ein solcher Eintrag für den 16. Juni 2017 ergeben. Als
Ort des Treffens sei das Hotel Schweizerhof in Bern eingetragen. Gemäss
Agenda-Eintrag seien als Teilnehmer der Bundesanwalt, André Marty,
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Olivier Thormann sowie Gianni Infantino vorgesehen gewesen. Ob auch
Rinaldo Arnold an diesem Treffen teilgenommen habe, lasse sich bei der
Bundesanwaltschaft nicht rekonstruieren. Eine SMS von Rinaldo Arnold an
André Marty vom 16. Juni 2017 deute darauf hin, dass dieser Gianni Infan-
tino auf dem Weg zu diesem Treffen begleitet habe. Weder der Bundesan-
walt noch André Marty hätten sich an diesen Termin oder dessen Zustan-
dekommen erinnern können. Die nachträglichen Abklärungen der Bundes-
anwaltschaft würden darauf hindeuten, dass der Termin stattgefunden
habe. Es sei anzunehmen, dass es weiterhin um die Rolle der FIFA als
Anzeigeerstatterin bzw. Privatklägerin im FIFA-Verfahrenskomplex gegan-
gen sei.
D.c Die Bundesanwaltschaft übermittelte am 12. März 2019 der GPK so-
wie der AB-BA ihr Antwortschreiben vom 11. März 2019 samt Beilagen
(Ausdruck Agenda-Einträge, Ausdruck SMS-Verkehr).
E.
Am 19. März 2019 erfolgte je eine weitere Befragung des Bundesanwaltes
und von André Marty durch die AB-BA. Beide gaben an, sich an das Treffen
vom 16. Juni 2017 nicht mehr zu erinnern.
F.
Anlässlich der Aufsichtssitzung der AB-BA vom 25. März 2019 nahm der
Bundesanwalt nochmals Stellung zu den Treffen mit dem FIFA-Präsiden-
ten. Die AB-BA ihrerseits teilte dem Bundesanwalt gleichentags mit, dass
sie für die weitere Untersuchung des Sachverhalts und Klärung der offenen
Fragen eine externe Fachperson einsetzen werde. Sodann übermittelte die
AB-BA der GPK sowie der Gerichtskommission der eidgenössischen Räte
den Bericht "Weiteres Gespräch des Bundesanwaltes mit dem FIFA-Präsi-
denten" mit ihrer vorläufigen Einschätzung und dem geplanten weiteren
Vorgehen.
G.
Mit Schreiben vom 17. April 2019 informierte die AB-BA den Bundesanwalt,
dass sie nach Vornahme zusätzlicher Untersuchungshandlungen zur Vor-
abklärung des Sachverhalts prüfen werde, ob gegen ihn gegebenenfalls
eine Disziplinaruntersuchung einzuleiten sei.
Im Rahmen der weiteren Vorabklärungen der AB-BA erteilten Gianni Infan-
tino sowie Rinaldo Arnold am 18. April 2019 schriftlich Auskunft. Zudem
wurde Olivier Thormann am 29. April 2019 durch die AB-BA befragt.
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H.
Am 9. Mai 2019 legte die AB-BA den "Bericht über die Vorabklärungen zu
Handen der GPK im Zusammenhang mit der Frage über die Notwendigkeit
einer Disziplinaruntersuchung" vor und eröffnete mit Entscheid vom glei-
chen Tag ein Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt.
I.
Am 10. Mai 2019 äusserte sich der Bundesanwalt anlässlich einer Medien-
konferenz zur Eröffnung der Disziplinaruntersuchung.
J.
Die AB-BA beauftragte in der Folge Prof. Peter Hänni mit der Durchführung
der Disziplinaruntersuchung und setzte ihn mit Verfügung vom 9. Mai 2019
als Leiter der Untersuchung sowie weitere Personen als Untersuchungs-
mitarbeiter ein. Am 1. Juli 2019 teilte der Bundesanwalt der AB-BA mit, er
habe Rechtsanwalt Dr. Lorenz Erni und Rechtsanwältin Francesca Caputo
mit der Wahrung seiner Interessen in diesem Disziplinarverfahren betraut.
Der Leiter der Disziplinaruntersuchung erkannte in der Folge mit Instrukti-
onsverfügung vom 3. Juli 2019, Lorenz Erni und Francesca Caputo würden
wegen eines Interessenskonflikts nicht als "Vertreter und Beistände" des
Bundesanwalts zugelassen.
Auf die vom Bundesanwalt sowie von Rechtsanwalt Dr. Lorenz Erni und
Rechtsanwältin Francesca Caputo hiergegen erhobene Beschwerde trat
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil A-3612/2019 vom 29. Juli 2019
nicht ein, stellte aber gleichzeitig fest, dass die Instruktionsverfügung vom
3. Juli 2019 im Sinne der Erwägungen nichtig sei. Die Nichtigkeit der Ver-
fügung begründete es zusammengefasst damit, dass die Aufgabenüber-
tragung an den Leiter der Disziplinaruntersuchung ohne eine gesetzliche
Grundlage erfolgt sei, weshalb diesem keine Verfügungskompetenz zu-
kommen könne. Darüber hinaus hielt es fest, dass das angeordnete Ver-
tretungsverbot auch in materieller Hinsicht nicht zulässig sei. Mit der Be-
gründung, die AB-BA sei nicht beschwerdeberechtigt, trat das Bundesge-
richt schliesslich mit Urteil 8C_551/2019 vom 10. Januar 2020 auf die von
der AB-BA gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erhobene Be-
schwerde nicht ein.
K.
Am 24. Juli 2019 entschied der Bundesanwalt nach vorgängigem Aus-
tausch mit dem Eidgenössischen Personalamt (EPA), dass die Bundesan-
waltschaft denjenigen Mitarbeitenden, welche als Dritte von der AB-BA in
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das Disziplinarverfahren involviert würden, die Kosten der rechtsanwaltli-
chen Vertretung erstatten werde. In Bezug auf seine eigenen Anwaltskos-
ten entschied der Bundesanwalt, die Frage der Kostentragung der Finanz-
delegation (FinDel) zu unterbreiten und dass die Kosten vorläufig die Bun-
desanwaltschaft übernehme.
L.
Nachdem die AB-BA am 12. August 2019 beschlossen hatte, die Diszipli-
naruntersuchung selbst weiterzuführen, forderte sie mit "Aktenedition
Nr. 1" vom 21. August 2019 die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte
auf, diverse Unterlagen und Auskünfte zu übermitteln. Am 12. September
2019 liessen die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte der AB-BA einen
Teil der verlangten Unterlagen zukommen und teilten mit, in Bezug auf die
übrigen Dokumente würden sich wichtige Rechtsfragen stellen, die es
vorab zu klären gelte. So sei der Schutz der Persönlichkeitsrechte, des
Untersuchungsgeheimnisses und der als vertraulich qualifizierten Doku-
mente zu prüfen. Während die AB-BA in den nachfolgenden Korrespon-
denzen mehrfach an der verlangten Aktenedition festhielt und diesbezüg-
lich am 17. Oktober 2019 eine entsprechende Verfügung erliess, stellten
sich die Stellvertretenden Bundesanwälte auf den Standpunkt, sie seien für
das Ersuchen nicht zuständig. Die Herausgabe von Akten in laufenden Ver-
fahren falle in den Anwendungsbereich von Art. 101 Abs. 2 und 102 der
Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafpro-
zessordnung, StPO, SR 312.0), womit die jeweilige Verfahrensleitung zu-
ständig sei. Sodann liege keine Vertretungssituation vor, weshalb das Er-
suchen an den Bundesanwalt selbst zu richten sei. Eine Aktenedition im
von der AB-BA verlangten Umfang erfolgte bis zum Abschluss der Diszipli-
naruntersuchung nicht.
M.
Am 11. November 2019 stellte der Bundesanwalt jeweils eine "Aussageer-
mächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" für A._ ([...]),
André Marty und B._ ([...]) aus. Diese wurden durch die AB-BA bzw.
dem hierfür mit Beschluss vom 10. September 2019 ermächtigten Mitglied
der AB-BA am 12. November 2019, 13. November 2019 bzw. 15. Novem-
ber 2019 im Beisein des Rechtsvertreters des Bundesanwaltes befragt.
N.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2020 teilte die AB-BA dem Bundesanwalt eine
Erweiterung des Disziplinarverfahrens mit. Sie werde ergänzend das Ver-
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halten des Bundesanwaltes während der Untersuchung und generell ge-
genüber der AB-BA im Hinblick auf mögliche Amtspflichtverletzungen be-
rücksichtigen. Der Bundesanwalt nahm am 21. Januar 2020 hierzu schrift-
lich Stellung.
O.
Am 10. Januar 2020 wurde der Bundesanwalt durch die AB-BA befragt.
P.
In der Folge wurde dem Bundesanwalt am 4. Februar 2020 der Entwurf der
Verfügung zum Abschluss des Disziplinarverfahrens zugestellt und ihm
gleichzeitig Gelegenheit eingeräumt, hierzu bis 17. Februar 2020 Stellung
zu nehmen. Der Bundesanwalt reichte seine Stellungnahme innert er-
streckter Frist am 24. Februar 2020 ein.
Am 27. Februar 2020 teilten die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte
der AB-BA mit, der Bundesanwalt habe entgegen den Ausführungen im
Verfügungsentwurf bei der Beantwortung der Editionsbegehren keinen Ein-
fluss auf sie ausgeübt, um sie dazu zu veranlassen, keine Dokumente zu
liefern. Die Antworten würden ihrer persönlichen Überzeugung entspre-
chen.
Q.
Mit Verfügung vom 2. März 2020 belegte die AB-BA den Bundesanwalt mit
einer Disziplinarsanktion in Form der Lohnkürzung von 8% für die Dauer
eines Jahres (Ziff. 1) und regelte die Kostenfolgen des Verfahrens (Ziff. 2).
In ihren Erwägungen stellte sie zunächst verschiedene Amtspflichtverlet-
zungen fest. So habe der Bundesanwalt durch die Nichtprotokollierung der
Treffen mit Gianni Infantino die Protokollierungspflicht nach Art. 77 StPO
grobfahrlässig verletzt. Sodann habe er mehrfach im Interessenkonflikt ge-
handelt und die Stellvertretungsregelung nach Art. 10 des Bundesgesetzes
über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010
(Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG, SR 173.71) missachtet, in-
dem er persönlich drei Auskunftspersonen eine "Aussageermächtigung
und Entbindung vom Amtsgeheimnis" sowie proaktiv eine Kostengutspra-
che zulasten der Bundesanwaltschaft für den Beizug von Rechtsbeistän-
den erteilt, in die Behandlung der Auskunfts- und Editionsbegehren der AB-
BA eingegriffen und die Übernahme der Kosten seiner eigenen Rechtsver-
tretung durch die Bundesanwaltschaft bis zum Entscheid der FinDel ange-
ordnet habe. Dadurch habe er mehrfach grobfahrlässig den Code of
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Conduct der Bundesanwaltschaft verletzt. Weiter habe der Bundesanwalt
seine Treuepflicht grobfahrlässig verletzt, da er wissentlich und willentlich
unwahre Angaben gegenüber der AB-BA gemacht, die Untersuchung der
AB-BA grobfahrlässig behindert sowie die AB-BA anlässlich der Medien-
konferenz vom 10. Mai 2019 öffentlich in Misskredit gezogen und damit in
grobfahrlässiger Weise illoyal gehandelt habe. Mit der Zulassung von Ri-
naldo Arnold an den Treffen vom 22. März 2016 und 16. Juni 2017 habe er
zudem grobfahrlässig die Möglichkeit der Amtsgeheimnisverletzung ge-
schaffen. Schliesslich habe der Bundesanwalt Art. 9 Abs. 2 StBOG, wo-
nach er insbesondere gehalten sei, Personal-, Finanz- und Sachmittel der
Bundesanwaltschaft wirksam einzusetzen, fahrlässig verletzt.
Alsdann führte sie aus, aufgrund der Empfehlung vom 22. November 2018,
Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteiligten im Sinne der
Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu dokumentieren,
sei die Verletzung der Protokollierungspflicht disziplinarrechtlich nicht zu-
rechenbar und im Rahmen der Sanktionierung nicht zu berücksichtigen.
Dasselbe gelte infolge Verjährung für die Verletzung von Art. 9 Abs. 2
StBOG und die Schaffung der Gefahr der Amtsgeheimnisverletzung. Der
Umfang der weiteren Pflichtverletzungen wiege schwer. Zudem falle der
Bundesanwalt durch Uneinsichtigkeit auf. Im Kern zeige er ein falsches
Berufsverständnis. Er mache den Eindruck, über dem Gesetz und über den
Institutionen zu stehen und die Bundesanwaltschaft als Behörde mit seiner
Person zu verwechseln. Nur eine schwere Sanktion sei geeignet, den Bun-
desanwalt vor der weiteren Begehung von Disziplinarfehlern abzuhalten.
Es sei deshalb von der Maximalsanktion einer Lohnkürzung von 10% aus-
zugehen, wobei sanktionsmindernd zu berücksichtigen sei, dass in den Ak-
ten keine Hinweise enthalten seien, dass er unrechtmässige Geld-, Sach-
oder Personaldienstleistungen empfangen habe. Als Sanktion sei deshalb
eine Lohnkürzung von 8% für die Dauer eines Jahres auszusprechen.
R.
Mit Schreiben vom 25. März 2020 und nachdem er von der veröffentlichten
und teilweise geschwärzten Fassung der Verfügung vom 2. März 2020
Kenntnis erlangt hatte, wies Gianni Infantino gegenüber der AB-BA ge-
wisse Feststellungen in der Verfügung als falsch zurück. Er habe im Jahr
2015 zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden darum gebeten, sich mit dem
Bundesanwalt zu treffen. Zudem habe er im Juli 2015 keinerlei Pläne und
nicht die geringste Absicht gehabt, eines Tages für das Amt des FIFA-Prä-
sidenten zu kandidieren.
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S.
Gegen die Verfügung der AB-BA (nachfolgend: Vorinstanz) vom 2. März
2020 lässt der Bundesanwalt (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Ein-
gabe vom 21. April 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht er-
heben. Darin beantragt er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Einstellung des gegen ihn geführten Disziplinarverfahrens. Er rügt
in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, eine unvoll-
ständige Sachverhaltsdarstellung, eine unzulässige Beurteilung verjährter
Sachverhalte, die Voreingenommenheit bzw. Parteilichkeit der Vorinstanz
sowie eine Kompetenzüberschreitung durch die Vorinstanz. In materieller
Hinsicht weist er die ihm vorgeworfenen Amtspflichtverletzungen als unbe-
gründet zurück.
T.
In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2020 schliesst die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde und stellt verschiedene Beweisanträge.
U.
Der Beschwerdeführer hält in seinen Schlussbemerkungen vom 2. Juli
2020 an seinen Anträgen und Ausführungen gemäss Beschwerdeschrift
fest, äussert sich zu den Beweisanträgen der Vorinstanz und verzichtet an-
sonsten auf eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz.
V.
Am 8. Juli 2020 reicht die Vorinstanz unaufgefordert eine weitere Stellung-
nahme und zusätzliche Unterlagen ein.
W.
Mit Eingabe vom 13. Juli 2020 teilt der Beschwerdeführer seinen Verzicht
auf eine weitere Stellungnahme mit.
X.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist und eine Vorinstanz im Sinn von Art. 33 VGG ent-
schieden hat.
Die angefochtene Verfügung ist ein zulässiges Anfechtungsobjekt. Es han-
delt sich sodann um eine Verfügung der Vorinstanz auf dem Gebiet des
Arbeitsverhältnisses der von der Vereinigten Bundesversammlung gewähl-
ten Mitglieder der Bundesanwaltschaft, wozu der Bundesanwalt gehört
(Art. 20 Abs. 1 StBOG). Hiergegen ist die Beschwerde zulässig (vgl. Art. 33
Bst. cter VGG). Eine Ausnahme im erwähnten Sinn liegt nicht vor. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, sofern das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG). Zur
Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung berührt ist
(Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-
rung (Bst. c) hat.
Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen
und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung, mit welcher ihm der
Lohn für die Dauer eines Jahres um 8% gekürzt wird, sowohl formell als
auch materiell beschwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist.
1.3
1.3.1 Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
ist das durch die Verfügung geregelte Rechtsverhältnis, soweit dieses an-
gefochten wird. Er wird einerseits bestimmt durch den Gegenstand der an-
gefochtenen Verfügung (Anfechtungsgegenstand), andererseits durch die
Parteibegehren. Anfechtbar ist grundsätzlich nur das Dispositiv einer Ver-
fügung. Gegen die Begründung und allfällig darin enthaltene Meinungs-
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Seite 11
äusserungen oder Empfehlungen kann hingegen keine Beschwerde ge-
führt werden (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.8 mit Hinweisen).
1.3.2 Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die
von der Vorinstanz verfügte Lohnkürzung von 8% für die Dauer eines Jah-
res und entsprechend die dieser Disziplinarmassnahme zugrundeliegen-
den Aspekte, insbesondere die Amtspflichtverletzungen, für welche die
Sanktion ausgesprochen wurde. Nicht zum Streitgegenstand gehören hin-
gegen sämtliche Sachverhaltselemente, mit denen sich die Vorinstanz in
der angefochtenen Verfügung zwar auseinandersetzte, bei der Bemessung
der Disziplinarmassnahme jedoch nicht berücksichtigte. Soweit sich der
Beschwerdeführer damit in seiner Beschwerde inhaltlich auseinandersetzt,
ist darauf nachfolgend nicht weiter einzugehen.
1.3.3 Dies trifft zunächst auf die Verletzung der Protokollierungspflicht nach
Art. 77 StPO zu. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und
in ihrer Vernehmlassung selbst ausführte, ist dem Beschwerdeführer die-
ser Vorwurf aufgrund der Empfehlung der Vorinstanz vom 22. November
2018, zukünftig Gespräche mit Parteien oder anderen Verfahrensbeteilig-
ten im Sinne der Strafprozessordnung zu Handen der Verfahrensakten zu
dokumentieren, disziplinarrechtlich nicht zurechenbar und im Rahmen der
Sanktionierung nicht zu berücksichtigen.
1.3.4 Dasselbe gilt in Bezug auf die unbestritten verjährten Vorwürfe der
Verletzung von Art. 9 Abs. 2 StBOG und der Schaffung der Gefahr der
Amtsgeheimnisverletzung. Während die angefochtene Verfügung diesbe-
züglich nicht ganz klar ist, führte die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung
aus, diese Tatbestände seien infolge Verjährung bei der Sanktionierung
nicht berücksichtigt worden.
1.3.5 Zu den Sachverhaltselementen, mit welchen sich die Vorinstanz in
den Erwägungen der angefochtenen Verfügung zwar auseinandersetzte,
schlussendlich jedoch keine Amtspflichtverletzung feststellte, und welche
sie bei der Sanktionsbemessung nicht berücksichtigte, gehören folgende
Vorgänge:
- Unwahre Angaben zu den Inhalten der Treffen vom 22. März 2016 und
22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/c der angefochtenen Verfügung): Die
Vorinstanz bezeichnete die Angaben des Beschwerdeführers in der an-
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gefochtenen Verfügung zwar als widersprüchlich und nicht nachvoll-
ziehbar, sah darin jedoch keine Amtspflichtverletzung, wie sie auch in
ihrer Vernehmlassung ausdrücklich ausführte. Entsprechend ist auch
der in diesem Zusammenhang gestellte Beweisantrag der Vorinstanz
auf Edition einer E-Mail von Gianni Infantino an Rinaldo Arnold vom
12. April 2016, mit welcher die Vorinstanz belegen möchte, dass es am
Treffen vom 22. April 2016 auch um verfahrensspezifische Inhalte ge-
gangen sein dürfte und ihre Zweifel an den Angaben des Beschwerde-
führers zu den Inhalten der Treffen berechtigt seien, bereits an dieser
Stelle mangels Relevanz für den Verfahrensausgang abzuweisen.
- Angaben zur "Transmission" bezüglich der Treffen vom 22. März 2016
und 22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/d der angefochtenen Verfügung): In der
angefochtenen Verfügung erachtete die Vorinstanz die vom Beschwer-
deführer vorgebrachten Motive für die beiden Treffen als nicht stichhal-
tig, stellte jedoch in diesem Zusammenhang keine Amtspflichtverlet-
zung fest, wie sich auch explizit aus ihrer Vernehmlassung ergibt.
- Angaben zur Abwesenheit von fallführenden Staatsanwälten bezüglich
der Treffen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 (Ziff. 5.2.3.1/e der
angefochtenen Verfügung): Die Vorinstanz erachtete die Angaben des
Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung als inkonsistent,
erkannte darin aber keine Amtspflichtverletzung und zog daraus für das
Disziplinarverfahren keine Folgerungen.
- Angaben zum Hotel Schweizerhof (Ziff. 5.2.3.1/f der angefochtenen
Verfügung): Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest,
die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Gründen, weshalb
die Treffen vom 22. März 2016 und 16. Juni 2017 im Hotel Schweizer-
hofs durchgeführt worden seien, seien unglaubhaft und in Teilen fak-
tenwidrig. Eine Amtspflichtverletzung stellte die Vorinstanz jedoch auch
hier nicht fest und berücksichtigte ihre Feststellung auch ansonsten
nicht bei der Sanktionsbemessung.
1.3.6 Unter dem Titel "Verletzung der Verantwortlichkeit als Bundesanwalt"
in Ziff. 5.3 der angefochtenen Verfügung wirft die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer vor, die seinem Amt inhärente Verantwortlichkeit in mehr-
facher Hinsicht verletzt zu haben. Eine eigenständige, zu sanktionierende
Amtspflichtverletzung sah sie darin jedoch nicht. Es handelt sich lediglich
um eine Gesamtwürdigung durch die Vorinstanz. Ihre Ausführungen hierzu
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beschränken sich denn auch im Wesentlichen auf eine blosse Zusammen-
fassung der festgestellten Amtspflichtverletzungen. Entsprechend ist da-
rauf nachfolgend ebenfalls nicht spezifisch einzugehen. Eine Gesamtwür-
digung der einzelnen Amtspflichtverletzungen wird – sofern solche bei der
nachfolgenden Überprüfung tatsächlich festgestellt werden – im Rahmen
der Festlegung der Disziplinarmassnahme vorzunehmen sein.
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist daher – mit Verweis auf die vor-
stehende Präzisierung – einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechterheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die
Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
Bei der Prüfung der Angemessenheit auferlegt sich das Bundesverwal-
tungsgericht indes namentlich dann eine gewisse Zurückhaltung, wenn es
um die Leistungsbeurteilung von Bediensteten des Bundes, um verwal-
tungsorganisatorische Fragen oder um Probleme der betriebsinternen Zu-
sammenarbeit und des Vertrauensverhältnisses geht. Es entfernt sich in-
sofern im Zweifel nicht von der Auffassung der Vorinstanz und setzt sein
eigenes Ermessen nicht an die Stelle desjenigen der Vorinstanz (vgl. statt
vieler: Urteil des BVGer A-1399/2017 vom 13. Juni 2018 E. 2.1; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.160).
3.
3.1 Die Aufgaben und Befugnisse der Vorinstanz im Zusammenhang mit
Disziplinaruntersuchungen sind in Art. 31 Abs. 2 StBOG geregelt. Danach
kann die Vorinstanz bei Amtspflichtverletzungen gegenüber den von der
Vereinigten Bundesversammlung gewählten Mitgliedern der Bundesan-
waltschaft, d.h. insbesondere gegenüber dem Bundesanwalt, eine Verwar-
nung oder einen Verweis aussprechen oder eine Lohnkürzung verfügen.
Art. 5 des Reglements der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft
vom 4. November 2010 (nachfolgend: AB-BA-Reglement;
SR 173.712.243) hält weiter fest, dass für das Disziplinarverfahren nach
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Art. 31 Abs. 2 StBOG die Art. 16–19 der Verordnung der Bundesversamm-
lung vom 1. Oktober 2010 über die Organisation und die Aufgaben der Auf-
sichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (nachfolgend: Organisations-
und Aufgabenverordnung; SR 173.712.24) und subsidiär das VwVG an-
wendbar sind (vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts [BVGer] A-3612/2019 vom 29. Juli 2019 E. 4.1.1).
3.2 Art. 16-19 der Organisations- und Aufgabenverordnung regeln die Dis-
ziplinarmassnahmen, das Verfahren, die Verjährung der disziplinarischen
Verantwortlichkeit sowie das Verfahren zur Stellung eines Antrages auf
Amtsenthebung. Art. 16 der Organisations- und Aufgabenverordnung wie-
derholt die in Art. 31 Abs. 2 StBOG bereits erwähnten Disziplinarmassnah-
men und bestimmt in Bezug auf die Sanktion der Lohnkürzung, dass diese
höchstens 10 Prozent während längstens eines Jahres betragen kann (vgl.
Bst. c). In Bezug auf das Disziplinarverfahren selbst hält Art. 17 der Orga-
nisations- und Aufgabenverordnung lediglich Folgendes fest:
1 Disziplinarmassnahmen können nur nach einer Untersuchung ausgespro-
chen werden.
2 Mit Beendigung des Amtes endigt die Untersuchung automatisch.
3 Führt der gleiche Sachverhalt zu einer Untersuchung und zu einem Straf-
verfahren, so wird der Entscheid über Disziplinarmassnahmen bis zur Be-
endigung des Strafverfahrens aufgeschoben. Aus wichtigen Gründen kann
ausnahmsweise vor Beendigung des Strafverfahrens über Disziplinarmas-
snahmen entschieden werden.
Entsprechend richtet sich die Disziplinaruntersuchung in verfahrensrechtli-
cher Hinsicht im Wesentlichen nach dem VwVG.
4.
Der Beschwerdeführer rügt zunächst in verschiedener Hinsicht eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs.
4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist als selbständiges Grundrecht
in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) verankert und wird
für das Verwaltungsverfahren in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert. Der Ge-
hörsanspruch umfasst verschiedene Teilgehalte, so namentlich das Recht
der Parteien auf Anhörung bzw. Äusserung vor Erlass der Verfügung, auf
Orientierung, auf Akteneinsicht, auf Prüfung der eigenen Vorbringen sowie
auf Begründung der Verfügung (BGE 144 I 11 E. 5.3 und 135 II 286 E. 5.1;
A-2138/2020
Seite 15
WALDMANN/BICKEL in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommen-
tar VwVG, 2. Aufl. 2016 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], Art. 29
N 44 ff.).
Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich dazu, dass im
Beschwerdeverfahren der formell mangelhafte Entscheid der Vorinstanz
aufgehoben wird. Das Bundesgericht lässt es jedoch zu, Verfahrensfehler
wie eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Rechtsmittel-
verfahren zu heilen bzw. die unterbliebene Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs nachzuholen. Dies setzt voraus, dass die Verletzung nicht besonders
schwer wiegt und der Betroffene die Möglichkeit hat, sich vor einer Be-
schwerdeinstanz zu äussern, die zur freien Prüfung aller Sachverhalts- und
Rechtsfragen berechtigt ist. Des Weiteren dürfen dem Betroffenen durch
die Heilung keine unzumutbaren Nachteile entstehen (BGE 137 I 195
E. 2.3.2; Urteil des BGer 2C_856/2013 vom 10. Februar 2014 E. 3.2;
WALDMANN/BICKEL, a.a.O., Art. 29 N. 114 ff.).
4.2
4.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm sei nur eine ungenügende
Frist zur Ausarbeitung der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf einge-
räumt worden. Der Verfügungsentwurf sei am 6. Februar 2020 bei seinen
Rechtsvertretern eingegangen mit einer Frist zur Stellungnahme bis
17. Februar 2020. Die daraufhin wegen Auslands- und Ferienabwesenhei-
ten der Rechtsvertreter beantragte Fristerstreckung um 20 Tage sei ohne
Not nur einmalig um eine Woche bewilligt worden. Tatsächlich seien ihm
daher nur wenige Tage zur Verfügung gestanden, was für eine Stellung-
nahme zum rund 40 Seiten umfassenden Entwurf und den damit zugestell-
ten 147 Beilagen nicht genügend gewesen sei. Sodann seien die Ausfüh-
rungen in der Stellungnahme praktisch vollumfänglich ignoriert worden. Die
Vorinstanz habe sich in der angefochtenen Verfügung mit den Vorbringen
in der Stellungnahme überhaupt nicht auseinandergesetzt. Ihm sei das
rechtliche Gehör anlässlich seiner Befragung vom 10. Januar 2020 und für
die Stellungnahme zum Verfügungsentwurf nur pro forma gewährt worden.
Der Entscheid sei offensichtlich bereits festgestanden.
4.2.2 Die Vorinstanz bestreitet eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Dem Beschwerdeführer sei ausreichend Zeit für die Ausarbeitung seiner
Stellungnahme zum Verfügungsentwurf zur Verfügung gestanden, was
seine 34 Seiten umfassende Eingabe vom 24. Februar 2020 belege. Auf
die Stellungnahme des Beschwerdeführers werde in der angefochtenen
A-2138/2020
Seite 16
Verfügung an zahlreichen Stellen hingewiesen. Sie sei ihrer Begründungs-
pflicht in genügender Weise nachgekommen. Ohnehin würde eine allfällige
Verletzung des rechtlichen Gehörs im vorliegenden Verfahren geheilt.
4.2.3 Der Beschwerdeführer konnte seine Sicht der Dinge im Rahmen der
Disziplinaruntersuchung in genügender Weise darlegen. So wurde er am
10. Januar 2020 eingehend zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen be-
fragt. Nach Abschluss der Untersuchung wurde ihm sodann Gelegenheit
eingeräumt, zum Verfügungsentwurf Stellung zu nehmen. Dieser ging am
6. Februar 2020 bei den Rechtsvertretern des Beschwerdeführers ein. Un-
ter Berücksichtigung der gewährten Fristerstreckung bis 24. Februar 2020
standen dem Beschwerdeführer somit 19 Tage bzw. 13 Arbeitstage zur
Ausarbeitung der Stellungnahme zur Verfügung. Wie sich aus dem Frister-
streckungsgesuch vom 12. Februar 2020 ergibt, war in dieser Zeit stets nur
einer der beiden Rechtsvertreter ausland- oder ferienabwesend. Die Frist
zur Stellungnahme ist in Anbetracht des Umfangs des Verfügungsentwurfs
und der Akten zwar als kurz anzusehen, eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs liegt jedoch – auch unter Berücksichtigung, dass die Rechtsvertre-
tung des Beschwerdeführers noch andere termin- bzw. fristgebundene Ar-
beiten zu erledigen hatte – nicht vor. Der Beschwerdeführer reichte denn
auch fristgerecht eine 34 Seiten umfassende Stellungnahme ein, worin er
zu sämtlichen Punkten des Verfügungsentwurfs Stellung nahm. Inhaltlich
entspricht sie im Wesentlichen seiner Beschwerdeschrift. Inwiefern er aus
zeitlichen Gründen zu bestimmten Vorwürfen nicht oder nicht ausreichend
Stellung nehmen konnte, legt er nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Im
Übrigen ist festzuhalten, dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oh-
nehin als geheilt anzusehen wäre, nachdem sich der Beschwerdeführer im
vorliegenden Beschwerdeverfahren umfassend äussern konnte und das
Bundesverwaltungsgericht Beschwerden mit voller Kognition überprüft
(vgl. vorstehend E. 2).
4.2.4 In der angefochtenen Verfügung wird an verschiedenen Stellen auf
die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 24. Februar 2020 verwie-
sen. Gewisse darin geäusserte Kritikpunkte hat die Vorinstanz einleitend
zurückgewiesen. Ansonsten hat sie sich mit den einzelnen Vorbringen des
Beschwerdeführers grösstenteils nur rudimentär auseinandergesetzt. Es
ist jedoch zu beachten, dass eine Behörde nicht verpflichtet ist, sich zu
allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich
auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es
genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde
leiten liess. Die Begründung einer Verfügung entspricht den Anforderungen
A-2138/2020
Seite 17
von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt
werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller
Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen (vgl. BGE
141 III 28 E. 3.2.4, 140 II 262 E. 6.2 und 136 I 229 E. 5.2). Diesen Anfor-
derungen genügt die angefochtene Verfügung. Der Beschwerdeführer war
denn auch in der Lage, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und
sie in Kenntnis der Umstände beim Bundesverwaltungsgericht anzufech-
ten. Nachdem sich die Vorinstanz zudem in ihrer Vernehmlassung einge-
hend zu den Einwänden des Beschwerdeführers äusserte, wäre eine all-
fällige Verletzung der Begründungspflicht ohnehin als geheilt anzusehen.
4.2.5 Schliesslich kann nicht gesagt werden, die Vorinstanz habe dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör nur pro forma gewährt. So hat sie in
der angefochtenen Verfügung verschiedentlich auf die Aussagen des Be-
schwerdeführers anlässlich der Befragung vom 10. Januar 2020 abgestellt.
Diese diente der Vorinstanz nicht unwesentlich zur Klärung des Sachver-
halts. Sodann hat sie nach dem zuvor Ausgeführten auch die Stellung-
nahme vom 24. Februar 2020 in ihren Entscheid einfliessen lassen. Aus
dem Umstand, dass die Vorinstanz an ihrer Auffassung gemäss Verfü-
gungsentwurf festhielt, kann noch nicht geschlossen werden, dass ihr Ent-
scheid bereits definitiv festgestanden hätte. Es liegt in der Natur der Sache,
dass die Behörde regelmässig an ihrer Sichtweise gemäss Verfügungsent-
wurf festhält. Dabei ist vorliegend insbesondere zu berücksichtigen, dass
der Vorinstanz die vom Beschwerdeführer in der Stellungnahme vom
24. Februar 2020 vertretenen Standpunkte im Wesentlichen bereits auf-
grund der Befragung vom 10. Januar 2020 sowie aufgrund weiterer Einga-
ben im Laufe der Disziplinaruntersuchung bekannt waren.
4.3
4.3.1 Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, er sei durch die Vorinstanz
trotz entsprechender Nachfrage nur ungenügend über den Verfahrensge-
genstand informiert worden. Gewisse Vorwürfe seien ihm gegenüber gar
nie konkret erwähnt worden, sondern seien erst aus dem Verfügungsent-
wurf ersichtlich gewesen.
4.3.2 Die Vorinstanz macht geltend, der Pflicht zur Orientierung werde Ge-
nüge getan, wenn der Betroffene über die Eröffnung der Disziplinarunter-
suchung orientiert werde, ihm die Gründe für die Eröffnung in den Grund-
zügen bekanntgegeben und ihm vor Erlass der Verfügung die entscheidre-
levanten Überlegungen mitgeteilt würden. Dies sei vorliegend geschehen.
A-2138/2020
Seite 18
Der für Strafverfahren geltende Grundsatz nach Art. 32 Abs. 2 BV, wonach
jede angeklagte Person Anspruch darauf habe, möglichst rasch und um-
fassend über die gegen sie erhobenen Beschuldigungen unterrichtet zu
werden, sei vorliegend nicht anwendbar.
4.3.3 Der Anspruch auf Orientierung ist notwendige Voraussetzung für die
Wahrnehmung weiterer Rechte wie etwa das Recht auf Akteneinsicht oder
das Recht auf vorgängige Äusserung. Damit sich der Betroffene überhaupt
äussern und seine Mitwirkungsrechte ausüben kann, muss er Kenntnis ha-
ben, dass eine einseitige hoheitliche Anordnung in Aussicht steht. Des Wei-
teren muss er über den Gehalt dieser Anordnung wenigstens in groben
Zügen Bescheid wissen und den Umfang sowie die Tragweite der vorzu-
nehmenden Sachverhaltsabklärung erfahren können (WALDMANN/BICKEL,
a.a.O., Art. 29 N 45 und 71 ff.). Der Beschwerdeführer wurde in diesem
Sinne von der Vorinstanz in genügender Weise über das Verfahren orien-
tiert. So wurde er über die Eröffnung sowie die Gründe für die Eröffnung
der Disziplinaruntersuchung in Kenntnis gesetzt. Mit Schreiben vom 7. Ja-
nuar 2020 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer alsdann mit, dass
sie das Disziplinarverfahren erweitern werde und auch das Verhalten wäh-
rend der Untersuchung und generell gegenüber der Vorinstanz berücksich-
tigen werde. Die Erweiterung erfolge namentlich aufgrund der mutmassli-
chen Einflussnahme auf die Stellvertretenden Bundesanwälte sowie auf
weitere Mitarbeitende der Bundesanwaltschaft und der öffentlichen Kom-
munikation der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit der Disziplina-
runtersuchung. Hierzu wurde der Beschwerdeführer einerseits am 10. Ja-
nuar 2020 befragt und andererseits konnte er die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe im Einzelnen aus dem Verfügungsentwurf ersehen. Der Be-
schwerdeführer war insofern für die Ausübung seiner Mitwirkungsrechte
stets ausreichend über das Verfahren orientiert.
Soweit der Beschwerdeführer ein allenfalls darüber hinausgehendes Recht
auf Orientierung aus strafprozessualen Grundsätzen ableiten möchte, ist
anzufügen, dass diese im vorliegenden Disziplinarverfahren nicht zur An-
wendung gelangen, zumal es sich nicht um eine strafrechtliche Anklage im
Sinne von Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte
und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) handelt
(vgl. hierzu Urteil des BGer 8C_417/2010 vom 6. September 2010 E. 4 mit
Hinweisen; ANDREA HÜLSMANN, Disziplinarische Verantwortlichkeit im öf-
fentlichen Dienst, Analyse der gesetzlichen Regelung im Bund und im Kan-
A-2138/2020
Seite 19
ton Zürich, Diss. Bern 2013, S. 186 ff., insb. S. 196 ff.; TSCHANNEN/ZIM-
MERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 32 Rz. 47;
nachfolgend E. 5.4).
Anzufügen bleibt, dass eine allfällige Verletzung des Rechts auf Orientie-
rung ebenfalls als geheilt anzusehen wäre, nachdem sich der Beschwer-
deführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren umfassend und in Kennt-
nis sämtlicher Umstände äussern konnte.
4.4
4.4.1 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, ihm sei nur unvollstän-
dig Akteneinsicht gewährt worden, obwohl er mehrmals um Zustellung
sämtlicher Akten ersucht habe. Es genüge nicht, nur in jene Akten Einsicht
zu gewähren, auf welche in der Verfügung abgestellt werde. Auch liege
kein Verfahrensprotokoll vor. Es sei deshalb nicht klar, ob gegebenenfalls
trotz dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Juli 2019 externe
Personen weiterhin in die Untersuchungsführung involviert gewesen seien.
Sodann habe die Vorinstanz die Endfassung innert bloss drei Arbeitstagen
nach Erhalt der Stellungnahme vom 24. Februar 2020 erstellt, was zur
Frage Anlass gebe, ob tatsächlich allen sieben Mitgliedern genügend Zeit
zur Verfügung gestanden habe und ob der Entscheid verfahrensrechtlich
korrekt zustande gekommen sei.
4.4.2 Die Vorinstanz führt hierzu aus, mit Ausnahme einiger weniger Doku-
mente, die irrtümlicherweise nicht Eingang in die Akten gefunden hätten,
seien dem Beschwerdeführer zusammen mit dem Verfügungsentwurf die
gesamten Akten zur Verfügung gestellt worden. Von den meisten der mit
dem Verfügungsentwurf nicht zugestellten Akten habe der Beschwerdefüh-
rer zudem Kenntnis gehabt, da er vorher bereits eine Orientierungskopie
erhalten habe oder die Schreiben an ihn gerichtet gewesen seien. Der Be-
schwerdeführer habe sämtliche Akten, auf welche sich die Verfügung
stütze und die entscheidrelevant gewesen seien, erhalten. Es bestehe
keine Pflicht zur Führung eines Verfahrensprotokolls. Der Inhalt der Verfü-
gung sei intensiv diskutiert und die am 26. Februar 2020 eingegangene
Stellungnahme von allen Mitgliedern eingehend geprüft worden. Dass sie
in der Lage gewesen sei, diese innert weniger Tage zu verarbeiten, könne
ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden.
4.4.3 Das Einsichtsrecht umfasst nicht nur die im konkreten Fall tatsächlich
als Beweismittel herangezogenen Aktenstücke, sondern alle Unterlagen,
A-2138/2020
Seite 20
welche grundsätzlich geeignet sind, als Beweismittel zu dienen bzw. für die
Behörde entscheidrelevant sein könnten, auch wenn die Ausübung des Ak-
teneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen ver-
mag. Es ist insofern grundsätzlich in alle Akten Einsicht zu gewähren, die
zum Verfahren gehören (BGE 132 V 387 E. 3.2; BVGE 2015/47 E. 5.2;
STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar
VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 26 N 33).
Es ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer gewisse zum Verfahren
gehörende Unterlagen weder mit dem Verfügungsentwurf noch anderswie
zur Einsichtnahme zugestellt wurden. Damit hat die Vorinstanz das rechtli-
che Gehör des Beschwerdeführers verletzt, unabhängig davon, ob die ihm
vorenthaltenen Akten entscheidwesentlich waren. Der Beschwerdeführer
konnte jedoch im vorliegenden Beschwerdeverfahren in sämtliche Akten
Einsicht nehmen, womit die Gehörsverletzung als geheilt zu betrachten ist.
4.4.4 Eine Pflicht zur Erstellung eines "Verfahrensprotokolls", wie es der
Beschwerdeführer verlangt, sieht das VwVG nicht vor. Anhaltspunkte dafür,
dass der vorinstanzliche Entscheid nicht rechtskonform zustande gekom-
men ist, bestehen sodann nicht. Nach Ergehen des Urteils des Bundesver-
waltungsgerichts vom 29. Juli 2019 legte die mit der Durchführung der Dis-
ziplinaruntersuchung beauftragte, externe Fachperson die Leitung der Un-
tersuchung nieder und die Vorinstanz beschloss am 12. August 2019, das
Verfahren selbst weiterzuführen, was sie schliesslich auch tat. Nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerdeführer schliesslich aus
dem Umstand, dass die angefochtene Verfügung bereits wenige Tage nach
Eingang der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf erlassen wurde. Die-
ses Vorgehen der Vorinstanz gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.
5.
Zu den weiteren formellen Rügen des Beschwerdeführers kann Folgendes
festgehalten werden:
5.1 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige Sachverhaltsdarstel-
lung rügt, ist darauf – soweit entscheidrelevant – nachfolgend bei der Über-
prüfung der einzelnen vorgeworfenen Amtspflichtverletzungen einzuge-
hen.
5.2 Dasselbe gilt für die Rüge, die Vorinstanz habe ihre Kompetenzen
überschritten und in Missachtung des massgeblichen Prozessrechts dem
A-2138/2020
Seite 21
Untersuchungsgeheimnis unterstehende Informationen aus Strafverfahren
der Bundesanwaltschaft beigezogen und unzulässigerweise verwendet.
5.3 Was den Vorwurf der Voreingenommenheit bzw. Parteilichkeit der
Vorinstanz anbelangt, so ist darauf nicht weiter einzugehen, zumal der Be-
schwerdeführer auf ein Ausstandsbegehren explizit verzichtete und dieses
ohnehin als verspätet angesehen werden müsste (vgl. BGE 138 I 1 E. 2.2,
136 I 207 E. 3.4 und 132 II 485 E. 4.3).
5.4 Die Frage, ob der Einbezug der verjährten Amtspflichtverletzungen
(Verletzung von Art. 9 Abs. 2 StBOG und Schaffung der Gefahr der Amts-
geheimnisverletzung) in die Disziplinaruntersuchung überhaupt zulässig
war, kann offengelassen werden. Einerseits bilden die verjährten Amts-
pflichtverletzungen nicht Streitgegenstand (vgl. vorstehend E. 1.3.4) und
andererseits kann in deren Einbezug in die Disziplinaruntersuchung entge-
gen der Ansicht des Beschwerdeführers jedenfalls keine Verletzung der in
Strafverfahren geltenden Unschuldsvermutung (vgl. Art. 32 Abs. 1 BV, Art.
10 Abs. 1 StPO, Art. 6 Ziff. 2 EMRK) erblickt werden. Das vorliegende Dis-
ziplinarverfahren, mit welchem als Sanktion eine Lohnkürzung von 8% für
die Dauer eines Jahres ausgesprochen wurde, gilt nicht als strafrechtliche
Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 2 EMRK, weshalb sich der Beschwerde-
führer nicht auf die Unschuldsvermutung berufen kann (vgl. Urteil des BGer
8C_417/2010 vom 6. September 2010 E. 4 mit Hinweisen, wonach eine
gegenüber einem kantonalen Staatsanwalt als Disziplinarstrafe ausge-
sprochene Herabsetzung der Besoldung um zwei Erfahrungsstufen inner-
halb einer Lohnklasse nicht in den Anwendungsbereich von Art. 6 EMRK
fällt und die Unschuldsvermutung nicht zur Anwendung gelangt; vorste-
hend E. 4.3.3).
6.
6.1 Die Anordnung einer Disziplinarmassnahme gegenüber dem Bundes-
anwalt (oder einem Stellvertretenden Bundesanwalt) setzt – wie bereits er-
wähnt – eine Verletzung von Amtspflichten voraus (Art. 31 Abs. 2 StBOG
sowie Art. 16 der Organisations- und Aufgabenverordnung). Diese muss im
Rahmen einer Disziplinaruntersuchung festgestellt worden sein (Art. 17
Abs. 1 der Organisations- und Aufgabenverordnung). Der Bundesanwalt
muss fehlerhaft gehandelt, d.h. eine ihm obliegende dienstliche bzw. ar-
beitsrechtliche Pflicht verletzt haben. Das pflichtwidrige Verhalten kann in
einem Tun oder Unterlassen bestehen (PETER HELBLING, in: Portmann/Uhl-
mann [Hrsg.], Handkommentar zum Bundespersonalgesetz BPG, 2013,
A-2138/2020
Seite 22
Art. 25 Rz. 44; PETER HÄNNI, Personalrecht des Bundes, in: Schweizeri-
sches Bundesverwaltungsrecht, Bd. I/2, 3. Aufl. 2017, Rz. 265; WALTER
HINTERBERGER, Disziplinarfehler und Disziplinarmassnahmen im Recht
des öffentlichen Dienstes, 1986, S. 108; Urteil des BVGer A-6699/2015
vom 21. März 2016 E. 4.2).
In Bezug auf die Amtspflichten des Bundesanwaltes hält die Verordnung
der Bundesversammlung über das Arbeitsverhältnis und die Besoldung
des Bundesanwalts oder der Bundesanwältin sowie der Stellvertretenden
Bundesanwälte oder Bundesanwältinnen vom 1. Oktober 2010
(SR 173.712.23) unter dem Titel "Pflichten" lediglich fest, der Bundesan-
walt müsse Wohnsitz in der Schweiz haben (Art. 13) sowie das Amtsge-
heimnis wahren (Art. 14). Sodann enthält der vom Bundesanwalt als Wei-
sung erlassene Code of Conduct der Bundesanwaltschaft vom 1. Juli 2017
(nachfolgend: CoC) bestimmte Verhaltensregeln, welche gemäss dessen
Präambel auch für den Bundesanwalt selbst gelten und deren Nichteinhal-
tung als disziplinarisch zu sanktionierende Verletzung der Berufspflichten
angesehen werden können. Darüber hinaus sind insbesondere die allge-
meine Treuepflicht eines Arbeitnehmers im öffentlichen Dienst und die da-
raus abgeleiteten Arbeits- und Verhaltenspflichten von zentraler Bedeu-
tung. Deren Missachtung stellt eine Amtspflichtverletzung dar (ANDREA
HÜLSMANN, a.a.O., S. 114; PETER HÄNNI, a.a.O., Fn. 687). Gemäss der all-
gemeinen Treuepflicht haben Angestellte die ihnen übertragene Arbeit mit
Sorgfalt auszuführen und die berechtigten Interessen des Bundes bezie-
hungsweise ihres Arbeitgebers zu wahren (sog. "doppelte Loyalität"). Die-
ser Grundsatz wird zwar nur in Art. 20 des Bundespersonalgesetzes vom
24. März 2000 (BPG, SR 172.220.1), welchem der Bundesanwalt nicht un-
tersteht (vgl. Art. 2 Abs. 2 Bst. a BPG; Urteil des BVGer A-3612/2019 vom
29. Juli 2019 E. 4.2), ausdrücklich geregelt, er gilt jedoch auch ohne aus-
drückliche Gesetzesvorschrift und nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung selbst für den Bundesrat (BGE 116 IV 56 E. III; PETER HÄNNI,
a.a.O., Rz. 246). Damit untersteht auch der Bundesanwalt der erwähnten
Treuepflicht. Die mit der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers korrelierende
Treuepflicht des Arbeitnehmers ist eine die Arbeitspflicht ergänzende Ne-
benpflicht. Sie ist beschränkt und besteht nur so weit, als es um die Errei-
chung und Sicherung des Arbeitserfolges geht, also soweit ein genügender
Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis besteht. Die Treuepflicht hängt da-
her stark von Funktion und Aufgabe des Arbeitnehmers und den betriebli-
chen Verhältnissen ab und ist für jedes Arbeitsverhältnis gesondert auf-
grund der konkreten Umstände und der Interessenlage des konkreten Fal-
les zu bestimmen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019
A-2138/2020
Seite 23
E. 3.3, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.3 und A-2718/2016 vom
16. März 2017 E. 5.2; PETER HELBLING, a.a.O., Art. 20 Rz. 50 f.). Je höher
die berufliche Stellung, desto höher ist das Mass der zu beachtenden Sorg-
falts- und Interessenwahrungspflicht. So wird von leitenden Angestellten
eine wesentlich grössere Loyalität verlangt als von einem Angestellten in
untergeordneter Stellung (vgl. BGE 116 IV 56 E. III; Urteile des BVGer
A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.3 und A-2718/2016 vom 16. März 2017
E. 5.2; vgl. zum privatrechtlichen Arbeitsverhältnis BGE 130 III 28 E. 4.1,
104 II 28 E. 1; Urteil des BGer 4A_349/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.2).
Eine Amtspflichtverletzung liegt nicht nur dann vor, wenn die Person die mit
ihrer besonderen Stellung verbundenen Pflichten verletzt, sondern auch
wenn sie eine mit dieser Stellung unvereinbare Handlung begeht (BGE 106
V 40 E. 5a/cc).
6.2 Nebst einer objektiven Amtspflichtverletzung ist in subjektiver Hinsicht
Verschulden erforderlich. Der Arbeitnehmer muss die ihm obliegende
Pflicht gekannt und diese vorsätzlich oder fahrlässig verletzt haben. Vor-
sätzlich handelt, wer die Amtspflichtverletzung wissentlich und willentlich
begeht. Auch handelt vorsätzlich, wer es nicht für sicher hält, sondern es
bloss als möglich erachtet, dass sein Verhalten eine Dienstpflicht verletzt;
die Verwirklichung des Tatbestandes wird diesfalls bewusst in Kauf genom-
men (Eventualvorsatz). Fahrlässig handelt, wer die Sorgfalt ausser Acht
lässt, zu der er nach den Umständen des Einzelfalls verpflichtet und nach
seinen persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten im Stande ist. Dabei
wird zur objektiven Beurteilung die angewendete Sorgfalt hypothetisch mit
einem "Durchschnittsmass" an Sorgfalt und Aufmerksamkeit verglichen.
Weiter müssen die Betroffenen die Pflichtwidrigkeit des Handelns erkannt
haben oder zumindest muss die Möglichkeit bestehen, dass die Pflichtwid-
rigkeit hätte erkannt werden können. Eine blosse Unkenntnis der Pflichten
führt nur dann zum Ausschluss des Verschuldens, wenn den Betroffenen
nicht der Vorwurf gemacht werden kann, sie hätten die ihnen obliegende
Verpflichtung kennen sollen und können. Im Hinblick auf das Mass des
Verschuldens – z.B. für die Zumessung der Sanktion – wird zwischen leich-
ter und grober Fahrlässigkeit unterschieden. Als grobfahrlässig gilt die un-
ter Missachtung elementarster Vorsichtsgebote verwirklichte Dienstpflicht-
verletzung. Leichte Fahrlässigkeit liegt hingegen vor, wenn der Betroffene
einer nur entfernt in Betracht kommenden Möglichkeit einer Dienstpflicht-
verletzung keine Aufmerksamkeit schenkt (ANDREA HÜLSMANN, a.a.O.,
S. 116; WALTER HINTERBERGER, a.a.O., S. 125 f. und 139 ff.; PETER HELB-
LING, a.a.O., Art. 25 Rz. 45).
A-2138/2020
Seite 24
6.3 Weiter setzt die Anordnung einer Disziplinarmassnahme voraus, dass
keine Not- oder Zwangslage vorlag, d.h. der Arbeitnehmer hätte rechts-
und pflichtkonform handeln können. Schliesslich muss die Massnahme an-
gemessen sein (PETER HELBLING, a.a.O., Art. 25 Rz. 42 ff.; Urteil des
BVGer A-6699/2015 vom 21. März 2016 E. 4.2).
7.
Nachdem vorliegend eine Disziplinaruntersuchung durchgeführt wurde, gilt
es nachfolgend (E. 8 ff.) die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Amts-
pflichtverletzungen im Einzelnen zu prüfen.
7.1 Dabei gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, das heisst, die
Behörde entscheidet nach ihrer freien Überzeugung darüber, ob ein Be-
weis erbracht wurde oder nicht, wobei auch das Verhalten der Parteien im
Verfahren zu berücksichtigen ist (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundes-
gesetzes über den Bundeszivilprozess vom 4. Dezember 1947 [BZP,
SR 273]). Die Behörde ist an keine Regeln über den Wert bestimmter Be-
weismittel gebunden und es gibt keine hierarchische Abstufung der zuge-
lassenen Beweismittel nach ihrem Beweiswert. Der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung verlangt jedoch, dass die Behörde ihre Meinung über
den zu beweisenden Sachverhalt sorgfältig, gewissenhaft und unvoreinge-
nommen bildet. Kommt sie zum Schluss, dass (weitere) Beweiserhebun-
gen unnötig sind oder dass ein konkretes Beweismittel nicht tauglich ist,
um ihr sichere Kenntnisse von den rechtswesentlichen Geschehensabläu-
fen zu verschaffen, kann sie in Vorwegnahme des Beweisergebnisses von
der Beweisführung absehen (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. AUER/BIN-
DER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019,
Art. 12 N 18; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.140 und 3.144;
BVGE 2012/33 E. 6.2.1 und 6.2.4; je mit Hinweisen).
7.2 Der Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht gestützt auf die Beweis-
würdigung nach objektiven Gesichtspunkten zur Überzeugung gelangt ist,
dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat. Absolute Ge-
wissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht
am Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat
oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (sog. Regelbe-
weismass; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.141; KRAUS-
KOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar VwVG, Art. 12 N 213 ff.;
je mit Hinweisen). Ausnahmen vom Regelbeweismass der vollen Überzeu-
gung ergeben sich einerseits aus dem Gesetz und sind andererseits durch
A-2138/2020
Seite 25
Rechtsprechung und Lehre herausgearbeitet worden. Danach wird insbe-
sondere eine überwiegende Wahrscheinlichkeit als ausreichend erachtet,
wo ein strikter Beweis nicht nur im Einzelfall, sondern der Natur der Sache
nach nicht möglich oder nicht zumutbar ist und insofern eine "Beweisnot"
bzw. ein "Beweisnotstand" besteht. Die Herabsetzung des Beweismasses
darf im Ergebnis nicht zu einer Umkehr der Beweislast führen. Die beweis-
pflichtige Partei hat alle Umstände, die für die Verwirklichung des behaup-
teten Sachverhalts sprechen, soweit möglich und zumutbar zu behaupten
und zu beweisen. Eine Beweisnot liegt nicht schon darin begründet, dass
eine Tatsache, die ihrer Natur nach ohne weiteres dem unmittelbaren Be-
weis zugänglich wäre, nicht bewiesen werden kann, weil der beweisbelas-
teten Partei die Beweismittel fehlen. Blosse Beweisschwierigkeiten im kon-
kreten Einzelfall können somit nicht zu einer Beweiserleichterung führen
(BGE 140 III 610 E. 4.1, 130 III 321 E. 3.2 und 128 III 271 E. 2b/aa; ferner
ausdrücklich zum öffentlichen Verfahrensrecht: MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, a.a.O., 3.142a; Urteile des BVGer B-6405/2016 vom 5. Dezember
2017 E. 5.3.1 und A-5113/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 4.1.2).
7.3 (Voller) Beweis kann auch indirekt, durch Indizien, erbracht werden,
das heisst durch den Beweis von Sachumständen, die den Schluss auf
andere, rechtswesentliche Tatsachen zulassen. Der Indizienbeweis ist ein
indirekter Beweis, da nicht der rechtserhebliche Sachumstand als solcher,
sondern ein anderer Sachumstand, der aber den Schluss auf die Existenz
der rechtserheblichen Tatsache zulässt, Gegenstand des Hauptbeweises
ist. Dieser Umweg ist naturgemäss dann angezeigt, wenn die unmittelbar
rechtserheblichen Tatsachen nicht oder nur schwer zu beweisen sind (Tat-
sachen des menschlichen Innenlebens wie Absichten). Der Indizienbeweis
ist dem direkten Beweis gleichwertig (Urteile des BGer 6B_360/2016 vom
1. Juni 2017 E. 2.4, nicht publ. in: BGE 143 IV 361 und 6B_1427/2016 vom
27. April 2017 E. 3; BVGE 2012/33 E. 6.2.3; MICHAEL TSCHUDIN, Glauben,
Wissen, Zweifeln – über das Beweismass im Kartellrecht, AJP 2014
S. 1333, 1337).
7.4 Wenn es um die Beurteilung von inneren Vorgängen geht, die der Be-
hörde oft nicht bekannt und schwierig zu beweisen sind, ist es zulässig,
von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbekannte Tatsachen
(Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche tatsächlichen Vermutungen kön-
nen sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung ergeben, namentlich
auch im öffentlichen Recht. Es handelt sich dabei um Wahrscheinlichkeits-
folgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden (BGE
A-2138/2020
Seite 26
135 II 161 E. 3 und 130 II 482 E. 3.2; BVGE 2012/33 E. 6.2.1 und 2008/23
E. 4.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.143).
8.
Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer eine mehrfache, grobfahrläs-
sige Verletzung von Ziff. 5 des CoC vor, indem er in vier Fällen im Interes-
senkonflikt gehandelt und die Stellvertretungsregelung nach Art. 10 StBOG
missachtet haben soll (vgl. Ziff. 5.2.2 der angefochtenen Verfügung). Nach-
folgend gilt es diese vier Fälle im Einzelnen zu prüfen.
8.1 Zunächst erblickt die Vorinstanz eine Amtspflichtverletzung bzw. einen
Verstoss gegen Ziff. 5 CoC darin, dass der Beschwerdeführer am 11. No-
vember 2019 für A._, André Marty und B._ im Hinblick auf
deren Befragungen als Auskunftspersonen im Disziplinarverfahren jeweils
ein Dokument "Aussageermächtigung und Entbindung vom Amtsgeheim-
nis" ausstellte (vgl. Ziff. 5.2.2.4).
8.1.1 Die Vorinstanz führt hierzu aus, der Beschwerdeführer sei im Diszip-
linarverfahren persönlich Partei. Er habe ein persönliches Interesse am
Ausgang des Verfahrens und habe daher im Zusammenhang mit dem Dis-
ziplinarverfahren nicht frei von Interessenkonflikten handeln können. Er
hätte deshalb keinerlei Handlungen in der ihn betreffenden Untersuchung
mehr vornehmen dürfen. Indem er für drei Mitarbeitende eine "Aussageer-
mächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" erteilt habe, habe er im
Interessenkonflikt gehandelt und gegen den CoC sowie die Treuepflicht
verstossen. Durch den Umriss der Befragungsthemen in den Dokumenten
"Aussageermächtigung und Entbindung vom Amtsgeheimnis" werde bei
den Auskunftspersonen der Anschein erweckt, dass der Beschwerdeführer
definiere, was der Gegenstand der Befragungen sei. Damit werde bei den
Auskunftspersonen auch ein Loyalitätskonflikt hervorgerufen. Es sei uner-
heblich, ob das Verfahren durch das Verhalten des Beschwerdeführers be-
hindert worden sei oder ob er daraus einen Vorteil gezogen habe. Sein
Verhalten sei grob sorgfaltswidrig, was ihm hätte bewusst sein müssen.
8.1.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Nichtvermeidung eines In-
teressenkonflikts bzw. das Handeln in einem solchen stelle noch keine zu
sanktionierende Amtspflichtverletzung dar, andernfalls jeder Richter oder
Staatsanwalt, gegen den ein Ausstandsgesuch erfolgreich durchgesetzt
werde, nachträglich mit einer Disziplinarsanktion belegt werden müsste.
Eine Amtspflichtverletzung liege vielmehr ausschliesslich dann vor, wenn
ein potentieller oder tatsächlicher Interessenkonflikt im eigenen Interesse
A-2138/2020
Seite 27
oder im Interesse einer Prozesspartei ausgenützt werde. Davon könne vor-
liegend keine Rede sein. Er habe das Disziplinarverfahren nicht behindert
und keinen Interessenkonflikt zu seinen Gunsten gelöst. Die Stellvertreten-
den Bundesanwälte hätten genau gleich gehandelt, wenn sie die Aussage-
ermächtigungen erteilt hätten. Auch habe er bei den betroffenen Personen
nicht den Anschein erweckt, dass er definiere, was Gegenstand der Befra-
gungen sei. Er habe einzig festgehalten, was aufgrund der Informationen
über den Untersuchungsgegenstand einigermassen erkennbar gewesen
sei. Es entspreche gängiger Praxis, dass Aussageermächtigungen bzw.
Entbindungen vom Amtsgeheimnis stets nur spezifisch auf den Verfahrens-
gegenstand ausgerichtet erteilt würden. Sämtliche Personen hätten denn
auch ausgesagt, dass er ihnen keine Weisungen erteilt habe, wie sie aus-
zusagen hätten. Gemäss der übereinstimmend vertretenen Meinung inner-
halb der Leitung der Bundesanwaltschaft habe kein Vertretungsfall nach
Art. 10 Abs. 2 StBOG vorgelegen. Es habe auch Einigkeit darüber bestan-
den, dass er selber die Aussageermächtigungen zu unterzeichnen habe.
Er sei der Überzeugung gewesen, dass er selber handeln müsse. Komme
hinzu, dass er auch im Rahmen der Vorabklärungen eine Aussageermäch-
tigung erteilt habe, was von der Vorinstanz aber nicht beanstandet worden
sei. Dass ihm nun die Erteilung der Aussageermächtigungen zum Vorwurf
gemacht werde, widerspreche Treu und Glauben.
8.1.3 Wie bereits erwähnt enthält der CoC, welcher vom Beschwerdeführer
als Weisung erlassen wurde, im Sinne einer Konkretisierung der Dienst-
pflichten der Mitarbeitenden der Bundesanwaltschaft bestimmte Verhal-
tensregeln, welche gemäss dessen Präambel auch für den Bundesanwalt
selbst gelten und deren Nichteinhaltung als disziplinarisch zu sanktionie-
rende Verletzung der Berufspflichten angesehen werden können. Ziff. 5
des CoC bestimmt unter dem Titel "Vorbeugung von Interessenkonflikten",
dass Staatsanwälte und Mitarbeitende sich in ihrer Berufstätigkeit und in
ihrem Privatleben jeder Tätigkeit und jedes Verhaltens enthalten, das zu
Interessenkonflikten führen könnte. Diese Pflicht zur Vermeidung von Inte-
ressenkonflikten stellt eine Konkretisierung der Treuepflicht dar und ent-
spricht inhaltlich im Wesentlichen der in Art. 94a der Bundespersonalver-
ordnung vom 3. Juli 2001 (BPV, SR 172.220.111.3) für Angestellte des
Bundes statuierten Pflicht, in den Ausstand zu treten, wenn sie aus einem
persönlichen Interesse in einer Sache befangen sein könnten. Art. 94a
BPV verweist explizit auf die Treuepflicht nach Art. 20 BPG. Die aus der
Treuepflicht fliessende Ausstandspflicht gilt auch für den Beschwerdefüh-
rer.
A-2138/2020
Seite 28
8.1.4 Die unbestritten vom Beschwerdeführer erteilten Aussageermächti-
gungen und Entbindungen vom Amtsgeheimnis beziehen sich auf Befra-
gungen von Auskunftspersonen im Disziplinarverfahren, welches gegen
den Beschwerdeführer selbst gerichtet war. Er hat insofern darüber ent-
schieden, ob diese Personen in einem Verfahren, in welchem er selbst Par-
tei ist, aussagen dürfen oder nicht. Bei dieser Konstellation befand sich der
Beschwerdeführer bei seinem Entscheid klarerweise in einem Interessen-
konflikt. Als von der Disziplinaruntersuchung betroffene Person hatte er un-
streitig ein persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens, weshalb er
bei sämtlichen Entscheiden in Zusammenhang mit diesem Verfahren in
den Ausstand hätte treten müssen. Entsprechend hätte er auch beim Ent-
scheid über die Aussageermächtigungen und Entbindungen vom Amtsge-
heimnis zwingend in den Ausstand treten müssen. Wenn der Beschwerde-
führer der Ansicht ist, er habe als Leiter der Bundesanwaltschaft selbst
handeln müssen, so verkennt er, dass es zwei Stellvertretende Bundesan-
wälte gibt, welche im Vertretungsfall dieselben Befugnisse haben wie er
selbst (vgl. Art. 10 StBOG). Bei Entscheidungen, bei welchen der Be-
schwerdeführer infolge eines Interessenkonflikts in den Ausstand treten
muss, liegt selbstredend ein solcher Vertretungsfall im Sinne von Art. 10
Abs. 2 StBOG vor. Unerheblich ist, ob der Beschwerdeführer den Interes-
senkonflikt zu seinem Vorteil gelöst hat oder nicht. Dieser Umstand kann
lediglich bei der Sanktionsbemessung berücksichtigt werden (vgl. nachfol-
gend E. 14.3.2). Nach Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht fliessenden
Ausstandspflicht ist der Beschwerdeführer verpflichtet, Interessenkonflik-
ten vorzubeugen und bereits dann in den Ausstand zu treten, wenn er in
einer Sache befangen sein könnte. Die Amtspflichtverletzung des Be-
schwerdeführers liegt deshalb bereits darin begründet, dass er trotz Vorlie-
gens eines Interessenkonflikts über die Aussageermächtigungen und Ent-
bindungen vom Amtsgeheimnis entschieden hat (vgl. hierzu auch WALTER
HINTERBERGER, a.a.O., S. 99, wonach es unerheblich sei, ob die Pflichtver-
letzung einen Schaden bewirke).
8.1.5 Die Frage, ob der Beschwerdeführer mit seinem Vorgehen bei den
Auskunftspersonen den Anschein erweckte, er würde den Gegenstand der
Befragungen definieren, und er habe damit bei diesen einen Loyalitätskon-
flikt hervorgerufen, kann grundsätzlich offengelassen werden. Wie sich klar
aus der Vernehmlassung ergibt, erblickt die Vorinstanz die Amtspflichtver-
letzung nicht in der Schaffung eines Loyalitätskonflikts, sondern einzig in
der Ausstellung der Aussageermächtigungen und Entbindungen vom
Amtsgeheimnis trotz Interessenkonflikts. Der Vollständigkeit halber kann
aber festgehalten werden, dass sich jedenfalls aus den Befragungen der
A-2138/2020
Seite 29
Auskunftspersonen keine Anhaltspunkte für einen Loyalitätskonflikt ent-
nehmen lassen. Dass Aussageermächtigungen und Entbindungen vom
Amtsgeheimnis grundsätzlich nicht generell, sondern auf den Verfahrens-
gegenstand beschränkt erteilt werden, erscheint zudem nachvollziehbar
und nicht ungewöhnlich. In den Einladungen an die Auskunftspersonen
gab die Vorinstanz an, in der Untersuchung gehe es um die Existenz und
die Durchführung von Treffen zwischen der Bundesanwaltschaft und der
FIFA, die Information über diese Treffen gegenüber der Vorinstanz sowie
deren verfahrenstechnische Handhabung. Der Beschwerdeführer erteilte
daraufhin die Aussageermächtigungen für "Abklärungen zu Treffen des
Bundesanwaltes mit der FIFA-Leitung", was inhaltlich dem in den Ge-
sprächseinladungen angegebenen Verfahrensgegenstand entspricht. Vor
diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer
habe den Anschein erweckt, er würde den Gegenstand der Befragungen
definieren.
8.1.6 Was das Verschulden des Beschwerdeführers anbelangt, so ist in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einer grobfahrlässigen Begehung
auszugehen. Der CoC wurde vom Beschwerdeführer selbst erlassen. So-
dann entspricht die Pflicht, bei einem möglichen Interessenkonflikt in den
Ausstand zu treten, einem allgemeinen prozessualen Grundsatz, der u.a.
auch in Strafverfahren gilt (vgl. Art. 56 StPO) und der dem Beschwerdefüh-
rer als Bundesanwalt bekannt gewesen sein musste. Bei pflichtgemässer
Sorgfalt hätte der Beschwerdeführer sodann ohne Weiteres erkennen müs-
sen, dass er sich beim Entscheid über die Aussageermächtigungen und
Entbindungen vom Amtsgeheimnis bzw. allgemein bei Entscheiden in Zu-
sammenhang mit dem Disziplinarverfahren, in welchem er selbst Partei ist,
in einem Interessenkonflikt befinden könnte. Der Beschwerdeführer hat bei
seinem Handeln elementarste Sorgfaltsgebote missachtet.
8.1.7 Rechtfertigungsgründe liegen nicht vor. Dass die Stellvertretenden
Bundesanwälte einen Vertretungsfall nach Art. 10 StBOG ebenfalls ver-
neinten oder die Auskunftspersonen auf den Beschwerdeführer persönlich
zugingen, wie dieser anlässlich seiner Befragung vom 10. Januar 2020 an-
gab, vermögen das Verhalten des Beschwerdeführers ebenso wenig zu
rechtfertigen, wie der Umstand, dass die Vorinstanz eine im Rahmen der
Vorabklärungen erteilte Aussageermächtigung des Beschwerdeführers
nicht beanstandet hatte. Die Nichtahndung einer früheren Pflichtverletzung
begründet kein schützenswertes Vertrauen in dem Sinn, dass eine spätere,
gleichartige Pflichtverletzung nicht mehr sanktioniert werden dürfte. Ein
Treu und Glauben widersprechendes Verhalten der Vorinstanz liegt nicht
A-2138/2020
Seite 30
vor. Schliesslich kann dem Beschwerdeführer auch nicht gefolgt werden,
wenn er anlässlich seiner Einvernahme vom 10. Januar 2020 ausführt, der
Interessenkonflikt lasse sich nicht lösen, weil er auch bei einer Delegation
an seine Stellvertreter noch über die Weisungshoheit verfüge. Im Falle ei-
nes Interessenkonflikts ist ihm aufgrund seiner Ausstandspflicht selbstre-
dend auch jegliche Erteilung von Weisungen untersagt.
8.1.8 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer grob-
fahrlässig gegen Ziff. 5 CoC bzw. die aus der Treupflicht fliessende Aus-
standspflicht verstossen hat. Dies stellt eine Amtspflichtverletzung dar.
8.2 Des Weiteren stellt nach Ansicht der Vorinstanz auch die Anordnung
des Beschwerdeführers, die Bundesanwaltschaft übernehme die Anwalts-
kosten der Auskunftspersonen, einen Verstoss gegen Ziff. 5 CoC dar (vgl.
Ziff. 5.2.2.5 der angefochtenen Verfügung).
8.2.1 Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer
habe gegenüber den Auskunftspersonen eine Kostengutsprache zulasten
der Bundesanwaltschaft für den Beizug von deren Rechtsbeiständen er-
teilt. Aufgrund seines Interessenkonflikts hätte er jedoch nicht selber han-
deln dürfen, sondern zwingend in den Ausstand treten und den Entscheid
seinen Stellvertretern überlassen müssen. Die Kostengutsprache sei zu-
dem proaktiv, d.h. bevor die Auskunftspersonen überhaupt ein diesbezüg-
liches Bedürfnis artikuliert hätten, erteilt worden. Damit habe der Be-
schwerdeführer auf eine Art gehandelt, die geeignet sei, die Auskunftsper-
sonen in einen Loyalitätskonflikt zu stürzen. Bei diesen könne die Erwar-
tungshaltung erweckt werden, zu Gunsten des Beschwerdeführers als de-
ren Vorgesetzten auszusagen. Ob die Auskunftspersonen effektiv in einen
Loyalitätskonflikt geraten seien, spiele keine Rolle.
8.2.2 Der Beschwerdeführer bestreitet eine Amtspflichtverletzung. Er habe
das Eidgenössische Personalamt (EPA) angefragt, ob auch in einem Dis-
ziplinarverfahren ein Anspruch auf Parteikostenersatz bestehe. Dieses
habe ihm mitgeteilt, dass Art. 77 BPV vom Wortlaut her einen Anspruch auf
Parteikostenersatz nur für Straf- und Zivilverfahren vorsehe. Zur Frage, ob
die Übernahme von Parteikosten auch in einem Disziplinarverfahren mög-
lich sei, bestehe keine Gerichts- oder Verwaltungspraxis. Es liege daher in
der Kompetenz der Bundesanwaltschaft, diese Frage zu entscheiden. Er
habe diese Frage alsdann mit seinem Rechtskonsulenten und dem Gene-
ralsekretär besprochen und entschieden, dass alle Mitarbeiter, die im Dis-
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Seite 31
ziplinarverfahren befragt würden, auf Kosten der Bundesanwaltschaft ei-
nen Rechtsbeistand beiziehen könnten. Ein solcher Hinweise auf einen
rechtmässigen Anspruch könne keinen Disziplinartatbestand erfüllen. Ein
solches Angebot könne Auskunftspersonen auch nicht in einen Loyalitäts-
konflikt stürzen. Das Gegenteil sei der Fall, zumal sich die Personen mit
ihren Rechtsbeiständen beraten und von ihnen über ihre Rechte und Pflich-
ten orientieren lassen könnten.
8.2.3 Es ist unstrittig und ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerde-
führer am 24. Juli 2019 nach vorgängigem Austausch mit dem EPA ent-
schied, dass die Bundesanwaltschaft denjenigen Mitarbeitenden, welche
als Dritte von der Vorinstanz in das Disziplinarverfahren involviert würden,
die Kosten der rechtsanwaltlichen Vertretung erstatten werde. Ein entspre-
chendes, vom Beschwerdeführer unterzeichnetes Schreiben wurde im In-
tranet der Bundesanwaltschaft aufgeschaltet. Der Beschwerdeführer be-
fand sich bei diesem Entscheid über die Kostengutsprache wiederum in
einem Interessenkonflikt, zumal es in der Sache um das gegen ihn gerich-
tete Disziplinarverfahren ging, an dessen Ausgang er ein persönliches In-
teresse hatte. Der Beschwerdeführer hätte auch hier in den Ausstand tre-
ten und den Entscheid über die Kostengutsprache seinen Stellvertretern
überlassen müssen. Ob der Entscheid im Ergebnis rechtmässig war, ist in
diesem Zusammenhang nicht von Belang. Es kann hierzu im Übrigen auf
das im Zusammenhang mit der Ausstellung der Aussageermächtigungen
und der Entbindung vom Amtsgeheimnis Ausgeführte verwiesen werden
(vgl. vorstehend E. 8.1.4). Damit liegt auch hier in objektiver Hinsicht ein
Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht fliessenden Aus-
standspflicht und damit eine Amtspflichtverletzung vor.
8.2.4 Offengelassen werden kann die Frage, ob das Handeln des Be-
schwerdeführers geeignet war, die Auskunftspersonen in einen Loyalitäts-
konflikt zu stürzen und bei diesen die Erwartungshaltung zu erwecken, zu
seinen Gunsten auszusagen. Wie sich wiederum klar aus der Vernehmlas-
sung ergibt, erblickt die Vorinstanz die Amtspflichtverletzung nicht in der
Schaffung eines Loyalitätskonflikts, sondern einzig in der Missachtung der
Ausstandspflicht. Immerhin ist anzufügen, dass sich in den Akten keine An-
haltspunkte dafür finden, dass der Beschwerdeführer mit der Kostengut-
sprache versuchte, Einfluss auf die Aussagen der Auskunftspersonen zu
nehmen oder sich die Auskunftspersonen tatsächlich in einem Loyalitäts-
konflikt befunden hätten.
A-2138/2020
Seite 32
8.2.5 Die Begehung der Amtspflichtverletzung ist wiederum als grobfahr-
lässig einzustufen. Es kann hierzu auf das im Zusammenhang mit der Aus-
stellung der Aussageermächtigungen und der Entbindung vom Amtsge-
heimnis Ausgeführte verwiesen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Recht-
fertigungsgründe liegen auch hier nicht vor.
8.3 Einen weiteren Verstoss gegen Ziff. 5 CoC erblickt die Vorinstanz darin,
dass der Beschwerdeführer in die Behandlung ihrer Auskunfts- und Editi-
onsbegehren eingegriffen habe (vgl. Ziff. 5.2.2.6 der angefochtenen Verfü-
gung).
8.3.1 Die Vorinstanz macht geltend, Aktenbeizugsbegehren im Rahmen ei-
nes den Beschwerdeführer betreffenden Disziplinarverfahrens seien von
der Bundesanwaltschaft als Behörde zu beantworten. Aufgrund des Inte-
ressenkonflikts des Beschwerdeführers seien die Begehren von den Stell-
vertretenden Bundesanwälten zu beantworten. Es sei daher nur folgerich-
tig, dass sie wegen des offensichtlichen Eintritts eines Vertretungsfalles
ihre Auskunfts- und Editionsaufforderungen an die beiden Stellvertreten-
den Bundesanwälte gestellt habe. Indem der Beschwerdeführer trotz be-
stehendem Interessenkonflikt in die Behandlung der Auskunfts- und Editi-
onsbegehren eingegriffen habe, habe er den CoC verletzt. Er habe den
Interessenkonflikt bewusst geschaffen. Erschwerend komme hinzu, dass
er die Stellvertretenden Bundesanwälte zu einer Verweigerungshaltung an-
gehalten habe.
8.3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet eine Amtspflichtverletzung. Er habe
zwar mit seinen Stellvertretern und seinem Rechtskonsulenten Grundsatz-
fragen, die sich in diesem Zusammenhang gestellt hätten, besprochen. Er
habe seinen Stellvertretern jedoch keine Weisungen erteilt und diese nicht
zu einer Verweigerungshaltung angehalten. Dies hätten die beiden Stell-
vertretenden Bundesanwälte in ihrem Schreiben vom 27. Februar 2020 der
Vorinstanz auch explizit mitgeteilt. Aus der Korrespondenz zwischen der
Vorinstanz und den Stellvertretenden Bundesanwälten ergebe sich, dass
hinsichtlich der Frage, welche Akten die Stellvertretenden Bundesanwälte
in eigener Kompetenz zur Verfügung stellen dürfen und wie mit Akten aus
laufenden Strafuntersuchungen umzugehen sei, ein völlig unterschiedli-
ches Rechtsverständnis bestanden habe. Daraus könne keine ihm anzu-
lastende Amtspflichtverletzung konstruiert werden.
8.3.3 Die Vorinstanz richtete ihre Auskunfts- und Editionsaufforderungen
im Rahmen der Disziplinaruntersuchung an die beiden Stellvertretenden
A-2138/2020
Seite 33
Bundesanwälte, welche den Begehren nur teilweise nachkamen. Dabei ist
unbestritten, dass der Beschwerdeführer die sich bei der Bearbeitung der
Begehren stellenden Grundsatzfragen mit seinen beiden Stellvertretern
und seinem Rechtskonsulenten besprach. Entsprechend hat er an der Ent-
scheidung, wie mit diesen Begehren umzugehen ist, mitgewirkt. Dadurch
hat der Beschwerdeführer wiederum im Interessenkonflikt gehandelt und
gegen seine Ausstandspflicht verstossen, zumal sich die Auskunfts- und
Editionsaufforderungen auf das gegen ihn gerichtete Disziplinarverfahren
bezogen (vgl. vorstehend E. 8.1.4). Ein Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw.
der aus der Treuepflicht fliessenden Ausstandspflicht und damit eine Amts-
pflichtverletzung ist damit wiederum zu bejahen.
8.3.4 Wie sich zumindest eindeutig aus der Vernehmlassung ergibt, er-
blickt die Vorinstanz das Fehlverhalten des Beschwerdeführers einzig da-
rin, dass er trotz des bestehenden Interessenkonflikts in die Behandlung
der Auskunfts- und Editionsbegehren der Vorinstanz eingriff und sich am
Meinungsbildungsprozess der Stellvertretenden Bundesanwälte beteiligte.
Auf den Vorwurf, der Beschwerdeführer habe die beiden Stellvertretenden
Bundesanwälte zu einer Verweigerungshaltung angehalten, wird nachfol-
gend noch an anderer Stelle (vgl. E. 11) einzugehen sein.
8.3.5 Die Begehung der Amtspflichtverletzung ist auch hier als grobfahrläs-
sig einzustufen. Es kann hierfür auf das bereits in anderem Zusammen-
hang Ausgeführte verwiesen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Rechtferti-
gungsgründe liegen auch hier nicht vor.
8.4 Schliesslich erachtet die Vorinstanz den Entscheid des Beschwerde-
führers betreffend die einstweilige Übernahme seiner eigenen Anwaltskos-
ten durch die Bundesanwaltschaft als Verstoss gegen Ziff. 5 CoC
(vgl. Ziff. 5.2.2.7 der angefochtenen Verfügung).
8.4.1 Die Vorinstanz führt aus, der Beschwerdeführer habe gemäss dem
Dokument "Aktennotiz und Entscheid des Bundesanwaltes" vom 24. Juli
2019 entschieden, dass er die Frage der Übernahme seiner Anwaltskosten
direkt der FinDel unterbreite und bis zu deren Entscheid die Bundesanwalt-
schaft seine Anwaltskosten übernehme. Der Entscheid betreffend die
Übernahme seiner eigenen Anwaltskosten könne nicht vom Beschwerde-
führer selbst getroffen werden. Er befinde sich in einem Interessenkonflikt.
Er hätte die Sache seinen Stellvertretern überlassen müssen.
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Seite 34
8.4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe das EPA um eine Beurtei-
lung ersucht. Da sich dieses aber nicht für zuständig erachtet habe, sei
entschieden worden, die Anwaltskosten einstweilen der Bundesanwalt-
schaft zu belasten, um dann nach Abschluss des Verfahrens den definiti-
ven Entscheid der FinDel zu überlassen. Zudem sei der Generalsekretär
der Bundesanwaltschaft als Verantwortlicher für die Gegenzeichnung und
Verabschiedung der einzelnen Rechnungen bezeichnet worden. Auch in-
nerhalb der Geschäftsleitung der Bundesanwaltschaft herrsche somit dies-
bezüglich vollständige Transparenz. Es sei nicht ersichtlich, was daran wi-
derrechtlich sein solle. Er befinde sich nicht in einem Interessenkonflikt.
Nicht er werde letztlich über die Tragung der Anwaltskosten entscheiden,
sondern die FinDel.
8.4.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers stellt sein Verhalten
auch hier einen Verstoss gegen Ziff. 5 CoC bzw. der aus der Treuepflicht
fliessenden Ausstandspflicht und damit eine Amtspflichtverletzung dar. Der
Beschwerdeführer hat selbst über die einstweilige Übernahme seiner das
Disziplinarverfahren betreffenden Anwaltskosten durch die Bundesanwalt-
schaft entschieden. Bei diesem Entscheid befand sich der Beschwerdefüh-
rer unzweifelhaft in einem Interessenkonflikt, zumal es um seine eigenen
Anwaltskosten ging. Er hat insofern in eigner Sache entschieden, was eine
Verletzung der Ausstandspflicht darstellt. Er hätte diesen Entscheid in An-
wendung von Art. 10 StBOG seinen Stellvertretern überlassen müssen.
Dass über die definitive Kostentragung schlussendlich die FinDel entschei-
det, ändert an der Amtspflichtverletzung nichts, auch wenn die Pflichtver-
letzung deshalb als weniger gravierend anzusehen ist, als dies bei einem
definitiven Kostenentscheid der Fall wäre.
8.4.4 Auch hier ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einer grob-
fahrlässigen Begehung der Amtspflichtverletzung auszugehen. Es kann
wiederum auf das bereits in anderem Zusammenhang Ausgeführte verwie-
sen werden (vgl. vorstehend E. 8.1.6). Schliesslich liegen auch für diese
Pflichtverletzung keine Rechtfertigungsgründe vor.
8.5 Zusammengefasst kann nach dem zuvor Ausgeführten festgehalten
werden, dass der Beschwerdeführer mehrfach (in vier Fällen) grobfahrläs-
sig gegen Ziff. 5 CoC bzw. die aus der Treupflicht fliessende Ausstands-
pflicht verstossen und damit seine Amtspflichten verletzt hat.
9.
Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer des Weiteren eine Verletzung
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Seite 35
der Treuepflicht aufgrund unwahrer Angaben ihr gegenüber zum Inhalt des
Treffens vom 8. Juli 2015 vor (vgl. Ziff. 5.2.3.1/c der angefochtenen Verfü-
gung).
9.1 Sie führt hierzu in der angefochtenen Verfügung aus, die Aussagen des
Beschwerdeführers – wie auch diejenigen von André Marty – zum Treffen
vom 8. Juli 2015 mit Rinaldo Arnold seien unglaubhaft. Der Beschwerde-
führer und André Marty hätten bei ihren Antworten zu Fragen zum Treffen
vom 8. Juli 2015 praktisch identische Formulierungen verwendet. Beide
hätten die Sprachregelung "Allgemeine strafrechtliche Fragen" bzw. "es
ging nicht um den FIFA-Verfahrenskomplex" benutzt. Dies lasse sich aus-
sagepsychologisch nur durch eine gemeinsame Sprachregelung erklären.
Es mache aus der Optik von Rinaldo Arnold keinen Sinn, dass er sich als
Walliser Oberstaatsanwalt und damals als Delegierter des Kantons Wallis
in der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz (SSK) über André Marty,
der keine juristische Ausbildung habe, Zugang zum Beschwerdeführer ver-
schaffe, um mit diesem über allgemeine strafrechtliche Fragen zu spre-
chen. Hierfür gäbe es den institutionalisierten Kanal der SSK, bei welcher
der Beschwerdeführer damals Vizepräsident gewesen sei. Die Aussage
von André Marty, wonach es z.B. darum gegangen sei, wie die Bundesan-
waltschaft organisiert sei, sei unplausibel. Es sei nicht nachvollziehbar,
dass ein Oberstaatsanwalt den Bundesanwalt für die Besprechung einer
solchen Frage bemühe. Aus der Einstellungsverfügung des ausserordentli-
chen Staatsanwalts des Kantons Wallis in Sachen Rinaldo Arnold ergebe
sich, dass sich Rinaldo Arnold zugunsten von Gianni Infantino auf privater
Basis engagiert habe. Dieses Engagement habe Monate vor der Wahl zum
FIFA-Präsidenten am 26. Februar 2016 begonnen. So sei Rinaldo Arnold
von Gianni Infantino noch im Jahr 2015 ins Wembley-Stadion nach London
und zur Ziehung der Achtelfinalpaarungen der Champions League nach
Nyon sowie zum Wahlkongress der FIFA am 26. Februar 2016 eingeladen
worden. Für das Treffen vom 22. März 2016 habe Rinaldo Arnold einen Tag
frei genommen. Daraus lasse sich der Schluss ziehen, dass Rinaldo Arnold
schon am 8. Juli 2015 auf privater Basis für Gianni Infantino bzw. in diesem
Sinn tätig gewesen sei. Gianni Infantino habe eine Kandidatur für das FIFA-
Präsidium ins Auge gefasst und daher ein Interesse gehabt, in Erfahrung
zu bringen, ob die seit dem 27. Mai 2015 allgemeinnotorisch gewordenen
FIFA-Verfahren sich auch gegen Joseph Blatter und/oder Michel Platini, die
direkten Konkurrenten von Gianni Infantino um das FIFA-Präsidium, rich-
ten würden. Ebenso habe Gianni Infantino ein Interesse gehabt, in Erfah-
rung zu bringen, dass sich die Verfahren nicht gegen ihn richten würden.
Aus Sicht des Beschwerdeführers sei kein Grund erkennbar, weshalb er
A-2138/2020
Seite 36
seine Zeit für ein unverbindliches Gespräch über allgemeine strafrechtliche
Fragen hätte verlieren sollen. Auch die Präsenz von André Marty als Medi-
ensprecher der Bundesanwaltschaft mache bei diesem Thema keinen
Sinn. Vor dem Hintergrund, dass der FIFA-Verfahrenskomplex mit den
Hausdurchsuchungen vom 27. Mai 2015, der Medienkonferenz vom
17. Juni 2015 sowie den Sitzungen mit den Rechtsvertretern der FIFA vom
10. und 26. Juni 2015 einen ersten Höhepunkt erreicht habe, sei es nicht
plausibel, dass der Beschwerdeführer und Rinaldo Arnold dies einfach aus-
geblendet und sich über allgemeine strafrechtliche Fragen unterhalten hät-
ten. Insgesamt stehe daher fest, dass am Treffen vom 8. Juli 2015 auch
die FIFA-Verfahren zur Sprache gekommen seien. Die Angaben des Be-
schwerdeführers zum Inhalt des Treffens seien daher nicht richtig bzw.
nicht vollständig.
In ihrer Vernehmlassung bringt die Vorinstanz mit Verweis auf einen Zei-
tungsartikel des Walliser Boten vom 1. April 2020 neu vor, nach Angaben
von Rinaldo Arnold habe dieser den Beschwerdeführer aus rein persönli-
chen Gründen getroffen. Er habe sein Interesse an einer Stelle bei der
Bundesanwaltschaft bekundet. Diese Aussage bestätige, dass es am Tref-
fen vom 8. Juli 2015 nicht oder zumindest nicht nur um allgemeine straf-
rechtliche Fragen gegangen sei. Der Beschwerdeführer habe gegenüber
der Vorinstanz nie von einem Vorstellungsgespräch gesprochen. Damit
werde bestätigt, dass die Aussagen des Beschwerdeführers nicht richtig
bzw. nicht vollständig gewesen seien.
9.2 Der Beschwerdeführer bestreitet den Vorwurf. Nach der Verhaftung
verschiedener FIFA-Funktionäre am 27. Mai 2015 habe Joseph Blatter am
2. Juni 2015 bekannt gegeben, dass er sein Amt als FIFA-Präsident zur
Verfügung stelle. Aussichtsreichster Kandidat für das FIFA-Präsidium sei
Michel Platini, damaliger Präsident der Union of European Football Associ-
ations (UEFA), gewesen. Für Gianni Infantino als damaligen Generalsek-
retär der UEFA wäre eine Kandidatur gegen seinen eigenen Präsidenten
niemals in Frage gekommen. Gianni Infantino habe erst nach der Suspen-
dierung von Michel Platini von seinen Funktionen als FIFA-Funktionär
durch die Ethik-Kommission im Oktober 2015 kandidiert. Gleichzeitig habe
er öffentlich bekannt gegeben, dass er seine Kandidatur zurückziehe, falls
Michel Platini bis zum Wahltermin von der Ethik-Kommission freigespro-
chen werde. Vor diesem Hintergrund erweise sich die Annahme, Rinaldo
Arnold habe bereits im Juli 2015 im Interesse von Gianni Infantino das Ge-
spräch mit dem Beschwerdeführer gesucht, als frei erfunden und willkür-
A-2138/2020
Seite 37
lich. Hinzu komme, dass Gianni Infantino, nachdem er von der angefoch-
tenen Verfügung Kenntnis erlangt habe, die Behauptungen der Vorinstanz
in einem an deren Präsidenten gerichteten Schreiben vom 25. März 2020
als inhaltlich falsch und ehrverletzend zurückgewiesen habe.
In seinen Schlussbemerkungen hält der Beschwerdeführer daran fest,
dass es beim Treffen vom 8. Juli 2015 um allgemeine strafrechtliche Fra-
gen gegangen sei, die nicht das Geringste mit dem FIFA-Verfahrenskom-
plex zu tun gehabt hätten. Daran ändere nichts, dass sich Rinaldo Arnold
auch dahingehend geäussert haben möge, dass er sich einen Wechsel zur
Bundesanwaltschaft vorstellen könnte.
9.3 Anlässlich der Befragung vom 12. November 2018 durch die
Vorinstanz gab André Marty in Bezug auf das Treffen vom 8. Juli 2015 an,
es habe sich um ein Gespräch "zu allgemeinen strafrechtlichen Fragen,
ohne Beteiligung von Herrn Infantino und ohne Bezug zur Fussballthema-
tik" gehandelt. Bei der gleichentags durchgeführten Befragung des Be-
schwerdeführers war das Treffen vom 8. Juli 2015 kein Thema. An den
Einvernahmen vom 19. März 2019 sprach André Marty von einem "allge-
meinen Austausch in Strafrechtsfragen". Der Beschwerdeführer seiner-
seits gab damals zu Protokoll, es sei "nicht um den FIFA-Verfahrenskom-
plex" gegangen. Bei seiner Befragung vom 13. November 2019 führte
André Marty aus, es sei "ein allgemeiner Austausch mit einem kantonalen
Staatsanwalt, wie z.B. ist die Bundesanwaltschaft organisiert", gewesen.
Schliesslich gab der Beschwerdeführer anlässlich seiner Einvernahme
vom 10. Januar 2020 an, es sei um "allgemeine Fragen, Rechtsgrundsätze
und Kompetenzen der Strafverfolgung in der Schweiz etc." gegangen bzw.
es sei "ein allgemeiner Austausch" gewesen.
In Bezug auf den Inhalt des Treffens vom 8. Juli 2015 stimmen die Aussa-
gen des Beschwerdeführers und von André Marty überein. Nach ihren An-
gaben handelte es sich um einen allgemeinen Austausch zu strafrechtli-
chen Themen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz lässt sich aufgrund der
Aussagen aber nicht auf eine Absprache bzw. gemeinsame Sprachrege-
lung schliessen. Die von André Marty und dem Beschwerdeführer verwen-
deten Formulierungen und Angaben zum konkreten Inhalt des Treffens
stimmen nicht derart überein, wie dies bei einer gemeinsamen Sprachre-
gelung zu erwarten wäre. Das Aussageverhalten kann daher nicht als Indiz
für eine Falschangabe des Beschwerdeführers gewertet werden.
A-2138/2020
Seite 38
9.4 Betreffend die Darstellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung zum ihrer Ansicht nach tatsächlichen Inhalt des Treffens ist festzuhal-
ten, dass die Annahme, Gianni Infantino habe bereits im Zeitpunkt des Tref-
fens am 8. Juli 2015 eine Kandidatur für das FIFA-Präsidium in Betracht
gezogen, in keiner Weise belegt ist. Die Vorinstanz führt denn auch nicht
näher aus, worauf sie diese Annahme stützt. Damit ist ihrer Darstellung,
wonach Rinaldo Arnold bereits am Treffen vom 8. Juli 2015 für Gianni In-
fantino Informationen habe beschaffen wollen, jedoch die Grundlage ent-
zogen. Allein aus dem Umstand, dass Rinaldo Arnold zu einem späteren
Zeitpunkt für Gianni Infantino bei der Bundesanwaltschaft tätig wurde, kann
zudem noch nicht darauf geschlossen werden, auch ein früheres Treffen
habe diese Angelegenheit betroffen. Kommt hinzu, dass Gianni Infantino
in seinem Schreiben vom 25. März 2020 an die Vorinstanz die Darstellung
der Vorinstanz gemäss Verfügung explizit als falsch zurückwies. Er habe
im Jahr 2015 zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden darum gebeten, sich
mit dem Beschwerdeführer zu treffen. Zudem habe er im Juli 2015 keinerlei
Pläne und nicht die geringste Absicht gehabt, eines Tages für das Amt des
FIFA-Präsidenten zu kandidieren. Schliesslich liegen seitens Rinaldo
Arnold zwar keine im Rahmen des Disziplinarverfahrens gemachten
Äusserungen zum Treffen vom 8. Juli 2015 vor. Er lehnte beide Gesprächs-
einladungen der Vorinstanz ab und nahm in seinem Antwortschreiben vom
18. April 2019 nur zum Treffen vom 16. Juni 2017 Stellung. Aus dem von
der Vorinstanz erwähnten Zeitungsartikel des Walliser Boten vom 1. April
2020 ergibt sich jedoch, dass auch Rinaldo Arnold die Darstellung der
Vorinstanz bestreitet. Er habe den Beschwerdeführer damals aus rein per-
sönlichen Gründen getroffen. Es habe sich um ein informelles Vorstellungs-
gespräch gehandelt. Gianni Infantino habe damit nichts zu tun. Bei dieser
Beweislage kann nicht auf die Darstellung der Vorinstanz in der angefoch-
tenen Verfügung abgestellt werden.
9.5 Wie erwähnt gab Rinaldo Arnold gemäss dem Bericht des Walliser Bo-
ten vom 1. April 2020 gegenüber der Zeitung an, es habe sich beim Treffen
vom 8. Juli 2015 um ein informelles Vorstellungsgespräch gehandelt. Er
habe sein Interesse an einer Stelle bei der Bundesanwaltschaft bekundet.
Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann aber auch gestützt darauf nicht
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer gegenüber der
Vorinstanz unwahre Angaben zum Inhalt des Treffens gemacht hätte. Zu-
nächst ist nicht einsichtig, weshalb der im Zeitungsartikel zitierten Aussage
von Rinaldo Arnold eine höhere Glaubhaftigkeit zukommen soll als derje-
nigen des Beschwerdeführers, welche zudem mit den Angaben von André
Marty übereinstimmt. Es ist denn auch nicht auszuschliessen, dass es sich
A-2138/2020
Seite 39
bei den Angaben von Rinaldo Arnold um eine Art Schutzbehauptung han-
delte. Sodann schliessen sich die Angaben von Rinaldo Arnold und dem
Beschwerdeführer nicht zwingend gegenseitig aus. Es ist durchaus denk-
bar, dass im Rahmen des allgemeinen Austausches auch ein allfälliger
Wechsel von Rinaldo Arnold zur Bundesanwaltschaft zur Sprache kam und
für die Gesprächsteilnehmer deshalb unterschiedliche Aspekte des Tref-
fens im Zentrum standen. Wenn der Beschwerdeführer gegenüber der
Vorinstanz diesen für ihn nebensächlichen Aspekt des Gesprächs nicht er-
wähnte, auch weil er ihn möglicherweise nicht mehr in Erinnerung hatte, so
kann darin noch keine Amtspflichtverletzung erblickt werden.
9.6 Im Übrigen erscheint es auch nicht derart abwegig, dass sich der Bun-
desanwalt mit einem kantonalen Oberstaatsanwalt zu einem allgemeinen
Austausch zu strafrechtlichen Fragen trifft, dass die diesbezüglichen Anga-
ben des Beschwerdeführers als unplausibel angesehen werden müssten.
Wie der Beschwerdeführer an seiner Befragung vom 10. Januar 2020 an-
gab, ist die Kompetenzausscheidung zwischen Bund und Kantonen ein
Dauerdiskussionsthema. Auch die Kontaktaufnahme über den Kommuni-
kationschef André Marty kann nicht als aussergewöhnlich angesehen wer-
den. Sowohl der Beschwerdeführer als auch André Marty gaben in ihren
Befragungen an, dass André Marty eine "Türöffnerfunktion" zukomme bzw.
dieser ein "Einfallstor" für Externe sei. Nach den unwiderlegten Angaben
des Beschwerdeführers kannten sich er und Rinaldo Arnold nicht persön-
lich, auch wenn Rinaldo Arnold als Delegierter und der Beschwerdeführer
als Vizepräsident des SSK fungierten. Gemäss den ebenfalls unwiderleg-
ten Angaben des Beschwerdeführers gelangten auch in anderen Fällen
Staatsanwälte oder Oberstaatsanwälte nicht direkt an ihn. Dass André
Marty als Nicht-Jurist am Treffen vom 8. Juli 2015 teilnahm, erscheint so-
dann ebenfalls nicht als ungewöhnlich, zumal der Kontakt zwischen Ri-
naldo Arnold und dem Beschwerdeführer über ihn lief und André Marty ge-
mäss seinen Angaben an der Befragung vom 13. November 2019 immer
wieder an solchen Gesprächen mit Externen, an welchen es nicht um ope-
rative Geschäfte gehe, dabei sei. Es ist zudem einleuchtend, dass der Be-
schwerdeführer an solchen Besprechungen eine minimale Begleitung ha-
ben muss, wie dies André Marty am 13. November 2019 ebenfalls zu Pro-
tokoll gab. Abschliessend bleibt anzufügen, dass es aus Sicht von Rinaldo
Arnold durchaus Sinn ergeben kann, in seiner Funktion als kantonaler
Oberstaatsanwalt ein Gespräch mit dem Beschwerdeführer zu allgemei-
nen strafrechtlichen Themen zu initiieren. Dies umso mehr, wenn man da-
von ausgeht, dass es ihm schlussendlich offenbar darum ging, sein Inte-
resse an einer Stelle bei der Bundesanwaltschaft zu bekunden.
A-2138/2020
Seite 40
9.7 Insgesamt vermag die Vorinstanz nach dem zuvor Ausgeführten nicht
rechtsgenüglich nachzuweisen, dass der Beschwerdeführer ihr gegenüber
unwahre Angaben zum Inhalt des Treffens vom 8. Juli 2015 gemacht hätte.
Der Vorwurf einer diesbezüglichen Amtspflichtverletzung erweist sich des-
halb als unbegründet.
10.
Ebenfalls eine vorsätzliche Verletzung der Treuepflicht aufgrund unwahrer
Angaben ihr gegenüber wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer in Be-
zug auf die Existenz des Treffens vom 16. Juni 2017 vor (vgl. Ziff. 5.2.3.1/b
der angefochtenen Verfügung).
10.1 Die Vorinstanz begründet die Amtspflichtverletzung damit, dass der
Beschwerdeführer ihr gegenüber das Treffen vom 16. Juni 2017 geleugnet
habe, obwohl es die Aktenlage wie auch die Eintragung in seinem eigenen
Kalender belegen würden. In der Disziplinaruntersuchung habe er geltend
gemacht, sich nicht daran erinnern zu können. Anlässlich seiner Befragung
vom 12. November 2018 habe er auf die Frage, ob es – nebst den Gesprä-
chen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 – zu weiteren Gesprächen mit
Vertretern der FIFA oder der UEFA gekommen sei, geantwortet: "Nein. Nie
auf Stufe Bundesanwalt". Diese Antwort sei zeitlich näher am Treffen er-
folgt, was die nachträgliche Berufung auf Sich-Nicht-Erinnern-Können als
deutlich nachgeschoben erscheinen lasse. Sie (die Vorinstanz) sei daher
überzeugt, dass der Beschwerdeführer am 12. November 2018 ihr gegen-
über wissentlich und willentlich die Unwahrheit gesagt habe.
In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz ergänzend aus, aufgrund von
nach Abschluss der Disziplinaruntersuchung erschienen Medienberichten
deute inzwischen Verschiedenes darauf hin, dass auch ein mit den Fuss-
ballverfahren befasster Staatsanwalt des Bundes am Treffen teilgenom-
men habe. In den Medien erwähnt worden seien Joël Pahud und Cédric
Remund. Diese seien deshalb hierzu durch das Bundesverwaltungsgericht
zu befragen. Die Teilnahme eines untersuchenden Staatsanwalts hätte zu
dessen Befangenheit geführt, mit der Folge, dass dieser die Untersuchung
nicht hätte weiterführen können. Dies hätte für die Bundesanwaltschaft ei-
nen schweren Rückschlag bedeutet. Der Beschwerdeführer habe daher
ein Motiv gehabt, das Treffen vom 16. Juni 2017 zu verschweigen.
10.2 Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, der angefochtenen Verfü-
gung könne insoweit beigepflichtet werden, als aufgrund aller Umstände
A-2138/2020
Seite 41
davon ausgegangen werden könne, dass dieses Treffen tatsächlich statt-
gefunden habe. Der Vorwurf, er habe dieses Treffen bewusst verschwie-
gen, sei jedoch unzutreffend und willkürlich. Er habe aufgrund einer Medi-
enanfrage proaktiv über die beiden Treffen vom 22. März 2016 und 22. Ap-
ril 2016 informiert. Der Journalist habe zwar von Kontakten zwischen Ri-
naldo Arnold und der Bundesanwaltschaft gewusst, jedoch keine Kenntnis
von Treffen zwischen der Bundesanwaltschaft und der FIFA in Anwesen-
heit von Rinaldo Arnold gehabt. Dies zeige, dass man in aller Transparenz
geantwortet habe. Er habe damals nicht wissen können, dass sich auch
Gianni Infantino und Rinaldo Arnold nicht an ein drittes Treffen erinnern
würden. Eine entsprechende Absprache habe es selbstredend nicht gege-
ben. Komme hinzu, dass es schlicht kein Motiv für das Verschweigen eines
dritten Treffens gegeben habe. Es hätte in der öffentlichen Wahrnehmung
keinen Unterschied gemacht, ob es nun zwei oder drei Treffen gewesen
seien. Sowohl er als auch André Marty seien sehr überrascht gewesen, als
sich aufgrund der Anfrage des ausserordentlichen Staatsanwalts des Kan-
tons Wallis, der das Strafverfahren gegen Rinaldo Arnold geführt habe,
Hinweise auf ein drittes Treffen ergeben hätten. Dies habe B._ an
ihrer Befragung vom 15. November 2019 auch so ausgesagt. Der Termin
sei sowohl in seiner Agenda als auch in derjenigen von André Marty im
Vorfeld der Befragung vom 12. November 2018 übersehen worden. Dieser
Umstand sei damit zu erklären, dass der Termin mit "G.I." als Abkürzung
für Gianni Infantino in der Agenda eingetragen worden sei.
10.3 Dass es am 16. Juni 2017 im Hotel Schweizerhof in Bern tatsächlich
zu einem dritten Treffen zwischen dem Beschwerdeführer und Gianni In-
fantino kam, an welchem auch Rinaldo Arnold und André Marty teilnahmen,
wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten. So ist erstellt, dass
A._, (...), am 19. Mai 2020 eine Raumreservation für den 16. Juni
2017 im Hotel Schweizerhof für vier Personen tätigte. Die entsprechende
Offerte des Hotels Schweizerhof zur Benutzung des "Meeting Room III" für
die Zeit von 09:00 Uhr bis 11:30 Uhr und vier Teilnehmer weist einen Preis
von Fr. 500.– (inkl. Getränke) aus. Das Hotel Schweizerhof stellte schliess-
lich für die Raummiete und fünf Snacks einen Betrag von Fr. 530.– in Rech-
nung. Die Outlook-Agenden des Beschwerdeführers und von André Marty
nennen als Teilnehmer für das Treffen vom 16. Juni 2017 mit Abkürzungen
den Beschwerdeführer, André Marty, Olivier Thormann und Gianni Infan-
tino. Des Weiteren ist ein SMS-Verkehr zwischen André Marty und Rinaldo
Arnold vom 16. Juni 2020, 09:02 Uhr, dokumentiert. Darin teilt Rinaldo
Arnold André Marty mit, dass der Zug von Gianni Infantino Verspätung
habe, sie jedoch in ein paar Minuten da sein würden. André Marty antworte
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Seite 42
daraufhin: "Sali. Kein Problem. Im 1. Stock, Meeting Room III". Damit ist
erwiesen, dass das Treffen vom 16. Juni 2017 tatsächlich stattfand und
daran zumindest der Beschwerdeführer, André Marty, Rinaldo Arnold und
Gianni Infantino teilnahmen. Olivier Thormann, der gemäss den Agenda-
Einträgen ebenfalls am Treffen hätte teilnehmen sollen, befand sich am 16.
Juni 2017 im Ausland und nahm am Treffen nicht teil.
Der Beschwerdeführer gab gegenüber der Vorinstanz anlässlich seiner Be-
fragung vom 12. November 2018 auf die Frage, ob es – nebst den Gesprä-
chen vom 22. März 2016 und 22. April 2016 – zu weiteren Gesprächen mit
Vertretern der FIFA oder der UEFA gekommen sei, Folgendes an: "Nein.
Nie auf Stufe Bundesanwalt". Nachdem gemäss dem vorstehend Ausge-
führten feststeht, dass es am 16. Juni 2017 entgegen den Angaben des
Beschwerdeführers zu einem dritten Treffen zwischen ihm und dem FIFA-
Präsidenten kam, erweist sich die vorerwähnte Aussage des Beschwerde-
führers objektiv als unrichtig.
10.4 In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz
genügt. Von einer eigentlichen Falschaussage, wie sie dem Beschwerde-
führer vorgeworfen wird, kann nur dann ausgegangen werden, wenn sich
der Beschwerdeführer bei seiner Aussage der Unrichtigkeit seiner Anga-
ben bewusst war (vgl. in Bezug auf die vergleichbaren Straftatbestände der
falschen Beweisaussage nach Art. 306 und des falschen Zeugnisses nach
Art. 307 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937
[StGB, SR 311.0]: DONATSCH/THOMMEN/WOHLERS, Strafrecht IV, Delikte
gegen die Allgemeinheit, 5. Aufl. 2017, S. 527 und 537; TRECHSEL/PIETH,
in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018,
Art. 306 N 5 und Art. 307 N 15; BGE 71 IV 132).
10.4.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, er könne sich
nicht mehr an das Treffen vom 16. Juni 2017 erinnern, weshalb man ihm
nicht unterstellen könne, das Treffen bewusst verschwiegen zu haben.
Was jemand wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sogenannte innere
Tatsachen (BGE 130 IV 58 E. 8.5; PASCAL GROLIMUND, in: Staehe-
lin/Staehelin/Grolimund/ [Hrsg], Zivilprozessrecht, 3. Aufl. 2019, § 18 N 3).
Ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Aussage am 12. November
2018 von der Existenz des Treffens vom 16. Juni 2017 wusste oder ob er
sich daran schlicht nicht mehr erinnern konnte, ist eine solche innere Tat-
sache, welche – mangels "Geständnis" – kaum direkt nachweisbar ist. In
einem solchen Fall ist bei der Beweisführung auf Indizien und natürliche
Vermutungen abzustellen (vgl. vorstehend E. 7.3 und 7.4).
A-2138/2020
Seite 43
10.4.2 Aufgrund einer Anfrage eines Journalisten informierte die Bundes-
anwaltschaft am 11. Oktober 2018 über die beiden Treffen vom 22. März
2016 und 22. April 2016. Der Anfrage des Journalisten lässt sich entneh-
men, dass dieser von Kontakten zwischen Rinaldo Arnold und der Bundes-
anwaltschaft wusste und auch im Besitz von E-Mails war, wonach Rinaldo
Arnold Gianni Infantino u.a. angeboten hatte, ihn zu Treffen mit der Bun-
desanwaltschaft zu begleiten. Ob es tatsächlich zu Treffen zwischen der
Bundesanwaltschaft und der FIFA in Anwesenheit von Rinaldo Arnold ge-
kommen war, wusste der Journalist aber offenbar nicht. Seine Frage lau-
tete denn auch, ob Rinaldo Arnold jemals an Treffen mit der FIFA teilge-
nommen habe. Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzustimmen, als dass
die Bundesanwaltschaft mit ihrer Information über die ersten beiden Tref-
fen Transparenz schaffte und nicht versuchte, diese zu verschweigen. Das
dritte Treffen vom 16. Juni 2017 wurde seitens der Bundesanwaltschaft je-
doch nicht offengelegt. Der Grund hierfür ist unklar. Wie der Beschwerde-
führer zu Recht vorbringt, hätte es wohl in der öffentlichen Wahrnehmung
keinen Unterschied gemacht, ob zwei oder drei solcher Treffen stattfanden.
Jedenfalls kann darin kaum ein Motiv für das Verschweigen des Treffens
gesehen werden. Sofern am Treffen – wie von der Vorinstanz geltend ge-
macht – ein mit den Fussballverfahren befasster Staatsanwalt teilnahm,
könnte darin zwar grundsätzlich ein Motiv für das Verschweigen des Tref-
fens erblickt werden, zumal dieser Umstand wohl zu dessen Befangenheit
geführt hätte. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass auch in diesem Fall
nicht zwingend das Treffen an sich hätte verschwiegen werden müssen,
sondern nur die Teilnahme des betreffenden Staatsanwalts. Entsprechend
vermöchte auch die Teilnahme eines fallführenden Staatsanwalts zumin-
dest kein starkes Motiv für das Verschweigen des Treffens darzustellen.
Was die mögliche Teilnahme der Staatsanwälte Joël Pahud oder Cédric
Remund anbelangt, so ergibt sich aus den Akten, dass Cédric Remund mit
Schreiben vom 23. April 2020 der Vorinstanz mitteilte, an keinem Treffen
zwischen dem Beschwerdeführer und Gianni Infantino teilgenommen zu
haben. Inhaltlich dasselbe gab er bereits in seiner E-Mail vom 6. Februar
2020 an den Stellvertretenden Bundesanwalt Jacques Rayroud an. Joël
Pahud seinerseits führte in seiner E-Mail vom 28. Januar 2020 an Jacques
Rayroud aus, er habe erst im Oktober 2018 aufgrund einer Medienmittei-
lung der Bundesanwaltschaft erfahren, dass es zu Treffen zwischen dem
Beschwerdeführer und Gianni Infantino gekommen sei. Er habe keine per-
sönlichen Kenntnisse von solchen Treffen. Aufgrund dieser klaren und be-
reits aktenkundigen Angaben erübrigt es sich eine Befragung dieser beiden
Personen. Der entsprechende Beweisantrag der Vorinstanz ist daher ab-
zuweisen. Ob beim Treffen vom 16. Juni 2017 eine fünfte Person teilnahm
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Seite 44
und um wen es sich dabei handelte, muss daher offenbleiben. Aufgrund
der Tatsache, dass das Hotel Schweizerhof fünf Snacks verrechnete, kann
die Teilnahme einer fünften Person aber jedenfalls nicht ausgeschlossen
werden. Insgesamt vermag die Vorinstanz kein konkretes Motiv für ein Ver-
schweigen des Treffens vom 16. Juni 2017 darzulegen, was insoweit für
die Ansicht des Beschwerdeführers, er habe das Treffen nicht bewusst ver-
schwiegen, spricht. Da sich aber alle vier bekannten Teilnehmer nach ei-
genen Angaben nicht mehr an das Treffen erinnern können (vgl. nachfol-
gend E. 10.4.4), bleibt sowohl der Inhalt des Treffens als auch der effektive
Teilnehmerkreis schlussendlich ungeklärt. Damit lässt sich aber auch nicht
abschliessend sagen, der Beschwerdeführer habe keinerlei Motiv für ein
Verschweigen des Treffens gehabt.
10.4.3 Im Nachgang zur streitgegenständlichen Aussage des Beschwerde-
führers vom 12. November 2018 gab dieser auch in seinem amtlichen Be-
richt vom 25. Januar 2019 an den ausserordentlichen Staatsanwalt des
Kantons Wallis u.a. an, das Treffen vom 22. April 2016 sei das "zweite und
abschliessende Treffen" gewesen. Erst als der ausserordentliche Staats-
anwalt des Kantons Wallis den Bundesanwalt am 26. Februar 2019 um
einen ergänzenden Bericht ersuchte und mitteilte, nach seinen Informatio-
nen habe Rinaldo Arnold im Namen von Gianni Infantino im Mai 2017
zwecks Vereinbarung eines weiteren Treffens Kontakt mit der Bundesan-
waltschaft aufgenommen, woraufhin man diesem den 9. und 16. Juni 2017
als Terminvorschläge unterbreitet habe, teilte der Beschwerdeführer in sei-
nem Antwortschreiben vom 11. März 2019 mit, bei der Überprüfung der
Agenden habe sich ein solcher Eintrag für den 16. Juni 2017 ergeben und
Abklärungen würden darauf hindeuten, dass der Termin tatsächlich statt-
gefunden habe. Aus diesen Umständen lassen sich insgesamt kaum Rück-
schlüsse für die vorliegend relevante Frage, ob der Beschwerdeführer das
Treffen vom 16. Juni 2017 bei der Befragung vom 12. November 2018 vor-
sätzlich verschwieg, ziehen. Einerseits spricht die Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer nicht nur die Terminvereinbarung bestätigte, sondern auch
mitteilte, das Treffen habe wohl tatsächlich stattgefunden, für die vom Be-
schwerdeführer angesprochene Transparenz und gegen ein vorsätzliches
Verschweigen. Andererseits ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer
damit rechnen musste, dass das Treffen auch ohne seine Offenlegung be-
kannt würde, nachdem der ausserordentliche Staatsanwalt bereits Kennt-
nis von den Terminvorschlägen hatte.
10.4.4 Alle vier Beteiligten gaben im vorinstanzlichen Verfahren an, sich
nicht mehr an das Treffen vom 16. Juni 2017 erinnern zu können. Gianni
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Seite 45
Infantino bestätigte in seinem Schreiben vom 18. April 2019 an die
Vorinstanz die beiden Treffen vom 22. März 2016 und 22. April 2016. An
ein drittes Treffen könne er sich nicht erinnern. Nach Prüfung seines Ka-
lenders könne er aber nicht ausschliessen, am 16. Juni 2017 für ein Treffen
nach Bern gefahren zu sein. Rinaldo Arnold teilt der Vorinstanz mit Schrei-
ben vom 18. April 2019 mit, er wisse nichts von einem Treffen im Juni 2017.
Er habe nur an einem Treffen im März 2016 teilgenommen. André Marty
sagte am 19. März 2019 gegenüber der Vorinstanz aus, er habe keine Er-
innerung an das Treffen, den Inhalt oder das Zustandekommen. An das
erste Treffen mit Gianni Infantino könne er sich gut erinnern. Am zweiten
Treffen habe er nicht teilgenommen. Er könne sich nicht erklären, weshalb
er sich nicht mehr erinnern könne. Ansonsten habe er ein gutes Erinne-
rungsvermögen. Anlässlich seiner Befragung vom 13. November 2019 hielt
André Marty an diesen Aussagen fest. Der Beschwerdeführer führte bei
der Befragung vom 19. März 2019 aus, er habe keine Erinnerung an das
Treffen. Er habe erst nach der Anfrage des ausserordentlichen Staatsan-
walts des Kantons Wallis aufgrund der Agenda-Einträge und dem SMS-
Verkehr zwischen André Marty und Rinaldo Arnold von diesem Treffen er-
fahren. Der 16. Juni 2017 sei ein normaler Arbeitstag gewesen. Es sei
wahrscheinlich das immer gleich Thema diskutiert worden. Das sei die
plausibelste Erklärung für das Treffen. Es sei "courant normal" gewesen.
Deswegen könne er sich wahrscheinlich nicht mehr erinnern. Ein Treffen
mit dem "grossen Player" Gianni Infantino sei für ihn nicht derart beson-
ders, wie es gegen aussen wirken könnte. Die Erinnerung verschwimme
auch mit anderen wichtigen Personen im Laufe der Zeit. Seit Amtsantritt
vergesse er angesichts der schieren Menge mehr und mehr die Details im
"courant normal". Dies schätze er als normal ein. An der Einvernahme vom
10. Januar 2020 bekräftigte der Beschwerdeführer seine Angaben, wonach
er sich nicht an das Treffen erinnern könne. Ergänzend hielt er fest, dass
er normalerweise über ein gutes Erinnerungsvermögen verfüge.
Dass sich keiner der vier Teilnehmer mehr an das Treffen erinnern können
soll, erscheint wenig glaubhaft und legt die Vermutung nahe, dass sie sich
diesbezüglich abgesprochen bzw. Stillschweigen vereinbart haben. Ver-
stärkt wird diese Vermutung dadurch, dass sich die gleichen Teilnehmer an
die zeitlich weiter zurückliegenden Treffen vom 8. Juli 2015, 22. März 2016
und 22. April 2016 – wobei nicht sämtliche Personen an allen Treffen dabei
waren – ausnahmslos erinnern können. Nach der allgemeinen Lebenser-
fahrung ist es schlicht abwegig, dass alle vier Personen eines Treffens,
welche sich allesamt an sämtliche früheren und in ähnlicher Konstellation
abgehaltenen Treffen erinnern können, an ein bestimmtes Treffen keinerlei
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Erinnerung mehr haben sollen. Eine plausible Erklärung hierfür wird denn
auch von keinem der Beteiligten vorgebracht. Kommt hinzu, dass sie sich
selbst nach Bekanntgabe des Datums, der Örtlichkeit und der weiteren Teil-
nehmer des Treffens nicht mehr zu erinnern vermögen, obwohl diese An-
gaben durchaus als Gedächtnisstütze dienen können. Zu beachten ist
schliesslich, das sowohl der Beschwerdeführer als auch André Marty aus-
sagten, sie würden über ein gutes Erinnerungsvermögen verfügen, was die
geltend gemachten Erinnerungslücken umso weniger glaubhaft erscheinen
lässt.
10.4.5 Gegen eine tatsächliche Erinnerungslücke des Beschwerdeführers
spricht sodann der Umstand, dass er sich an die ersten beiden Treffen mit
Gianni Infantino vom 22. März 2016 und 22. April 2016, welche zeitlich
nahe beisammen lagen, erinnern konnte, nicht hingegen an das mehr als
ein Jahr später isoliert abgehaltene Treffen vom 16. Juni 2017. Auch wenn
das jeweils erste Treffen erfahrungsgemäss wohl besser in Erinnerung
bleibt als die nachfolgenden, wäre zu erwarten gewesen, dass sich der Be-
schwerdeführer zumindest noch daran erinnern kann, dass mit einigem
zeitlichen Abstand ein weiteres Treffen stattfand. Dies gilt insbesondere vor
dem Hintergrund, dass im Zeitpunkt seiner Aussage am 12. November
2018 das dritte Treffen erst rund eineinhalb Jahre zurücklag. Hätten die
drei Treffen nacheinander in engem zeitlichen Abstand stattgefunden, so
wäre es zumindest noch leichter nachvollziehbar, dass diese in der Erinne-
rung miteinander verschwimmen und der Beschwerdeführer fälschlicher-
weise nur noch von zwei Treffen ausging.
10.4.6 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er könne sich nicht
mehr an das Treffen erinnern, weil es "courant normal" gewesen sei und
ein Treffen mit dem FIFA-Präsidenten für ihn nicht derart besonders sei,
wie es gegen aussen wirken könne, so ist Folgendes festzuhalten: Anläss-
lich seiner Befragung vom 12. November 2018 gab er auf die Frage, wes-
halb er sich an die Details der beiden Gespräche mit Gianni Infantino vom
22. März 2016 und 22. April 2016 erinnern könne, an, dies sei so, weil es
für ihn eine ausserordentliche Situation gewesen sei. An der Befragung
vom 10. Januar 2020 auf diese Aussage angesprochen, führte der Be-
schwerdeführer aus, er würde diese Aussage grundsätzlich wieder ma-
chen. Das erste Treffen sei das erste und an das zweite Treffen könne er
sich deshalb erinnern, weil es eine dreistündige Fahrt im Zug von Bern über
Basel nach Zürich in einer "Sauhitze" gewesen sei. Nach Angaben von
A._, (...), hat es zwar auch sonst Treffen im Hotel Schweizerhof
gegeben – so fand das Treffen vom 22. März 2016 ebenfalls dort statt –,
A-2138/2020
Seite 47
allerdings sei "oft" hierfür nicht das richtige Wort. Auch wenn der Beschwer-
deführer in seiner Funktion viele Gespräche, darunter auch mit bekannten
Persönlichkeiten, führen dürfte, so kann ein drittes Treffen mit dem FIFA-
Präsidenten mehr als ein Jahr nach den ersten beiden Treffen, welches
zudem extern im Hotel Schweizerhof stattfand, kaum als "courant normal"
angesehen werden. Im Vergleich dazu erscheint jedenfalls das Gespräch
mit Rinaldo Arnold rund zwei Jahr zuvor über allgemeine strafrechtliche
Themen, an welches sich der Beschwerdeführer noch erinnern konnte,
weit weniger relevant. Im Übrigen würde auch der Umstand, dass ein sol-
ches Treffen zum üblichen Tagesgeschäft des Beschwerdeführers gehört,
nicht erklären, weshalb sämtliche übrigen Teilnehmer ebenfalls keine Erin-
nerung mehr an das Treffen haben. Insgesamt erscheint der vom Be-
schwerdeführer angegebene Grund für seine Erinnerungslücke daher we-
nig glaubhaft.
10.4.7 Nicht zu entlasten vermag sich der Beschwerdeführer auch durch
den Einwand, das Treffen sei bei der Prüfung der Outlook-Agenda im Vor-
feld der Befragung vom 12. November 2018 übersehen worden, weil der
Termin mit "G.I." als Abkürzung für Gianni Infantino eingetragen worden
sei. Nach seinen Angaben in der Befragung vom 19. März 2019 hat
A._ die Agenden von ihm und von André Marty vor der Befragung
vom 12. November 2018 anhand von Suchbegriffen durchsucht. Einerseits
war es gerade A._, die die Abkürzung "G.I." für Gianni Infantino
beim Agenda-Eintrag definiert hatte, wie sie bei ihrer Befragung vom
12. November 2019 angab. Es ist deshalb nicht leicht nachvollziehbar,
weshalb sie bei ihrer Recherche nicht auch den Suchbegriff "G.I." verwen-
dete. Andererseits gab André Marty bei seiner Befragung vom 19. März
2019 an, er und sein Kommunikationsteam hätten die Agenda mehrfach
geprüft. Sie hätten nicht mit Begriffen gesucht, sondern die Agenda seit
Arbeitsantritt im März 2015 manuell durchgeschaut. Wenn die Agenden ei-
nerseits von der Person, welche die Abkürzung "G.I." definiert hatte, mit
Suchbegriffen überprüft und andererseits manuell mehrfach durchgesehen
wurden, so erscheint es doch zumindest erstaunlich, dass der Termin von
allen übersehen wurde. Ohnehin erscheint die fehlende Erinnerung an das
Treffen nach dem bereits Ausgeführten unglaubhaft. Der Umstand, dass
der Termin mit "G.I." als Abkürzung für Gianni Infantino in der Agenda ein-
getragen wurde, vermag daran nichts zu ändern, denn es ist nicht einsich-
tig, weshalb der Beschwerdeführer einen Agenda- Eintrag benötigt, um
sich an das Treffen erinnern zu können.
A-2138/2020
Seite 48
10.4.8 Schliesslich ändert auch die Aussage von B._ anlässlich ih-
rer Befragung vom 15. November 2019, wonach der Beschwerdeführer
und André Marty sehr erstaunt gewesen seien über die gefundenen
Agenda-Einträge zum Treffen vom 16. Juni 2017, nichts am bisher Ausge-
führten. Bei der Schilderung von B._ handelt es sich um eine sub-
jektive Wahrnehmung, welcher auch mangels näherer Angaben kein gros-
ser Beweiswert beigemessen werden kann. Aus der Aussage von
B._ ergibt sich sodann, dass nicht sie die Abklärungen zu den
Agenda-Einträgen vorgenommen und den Beschwerdeführer darüber in-
formiert hatte. Vielmehr wurde sie offenbar erst nach dem Beschwerdefüh-
rer darüber in Kenntnis gesetzt. Entsprechend bezieht sich ihre Schilde-
rung nicht auf die Erstreaktion des Beschwerdeführers nach dem Auffinden
der Agenda-Einträge. A._, welche in die Abklärungen involviert war
und nach Auffinden der Raumreservation und der Offerte des Hotels
Schweizerhof den Beschwerdeführer informiert hatte, sagte demgegen-
über aus, es habe keine Reaktion darauf gegeben. Es sei klar gewesen,
dass es eine Reservation gegeben habe.
10.4.9 Insgesamt und unter Berücksichtigung sämtlicher dargelegter Um-
stände erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als unglaubhaft, dass
sich der Beschwerdeführer an das Treffen vom 16. Juni 2017 nicht mehr
erinnern konnte. Die von ihm angeführten Gründe überzeugen nicht. Ins-
besondere der Umstand, dass sich keiner der vier Beteiligten mehr an das
Treffen erinnern können soll, ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung als
abwegig anzusehen und lässt auf eine entsprechende Absprache schlies-
sen. Für das Bundesverwaltungsgericht steht daher fest, dass der Be-
schwerdeführer bei seiner Befragung vom 12. November 2018 gegenüber
der Vorinstanz vorsätzlich die Unwahrheit sagte und das Treffen vom
16. Juni 2017 bewusst verschwieg.
10.5 Aufgrund der Treuepflicht ist der Beschwerdeführer verpflichtet, die
berechtigten Interessen des Bundes zu wahren, was u.a. bedingt, seiner
Aufsichtsbehörde gegenüber wahrheitsgemässe Angaben zu machen. Der
Bund als Arbeitgeber sowie die von ihm eingesetzte Vorinstanz als Auf-
sichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft, welche auch die Arbeitgeber-
entscheide trifft (Art. 27 Abs. 2 StBOG), haben ein berechtigtes Interesse
daran, vom Beschwerdeführer wahrheitsgemäss über die Tätigkeiten der
Bundesanwaltschaft informiert zu werden. Indem der Beschwerdeführer
gegenüber der Vorinstanz vorsätzlich die Unwahrheit sagte, hat er seine
Treuepflicht und damit seine Amtspflichten verletzt. Rechtfertigungsgründe
hierfür liegen nicht vor.
A-2138/2020
Seite 49
11.
Weiter wird dem Beschwerdeführer eine grobfahrlässige Verletzung der
Treuepflicht wegen Behinderung der Untersuchung durch Abweisung und
Verschleppung der Auskunfts- und Editionsbegehren, auch im Verbund mit
den beiden Stellvertretenden Bundesanwälten, zum Vorwurf gemacht (vgl.
Ziff. 5.2.3.2 der angefochtenen Verfügung).
11.1 Die Vorinstanz führt hierzu aus, der Beschwerdeführer habe die Stell-
vertretungsregelung missachtet und sich allein zuständig für die Behand-
lung ihrer Auskunfts- und Editionsbegehren betrachtet. Durch seine Einmi-
schung hätten die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte die an sie ge-
richteten Auskunfts- und Editionsbegehren mangels Zuständigkeit nicht be-
handelt. Durch das Verhalten des Beschwerdeführers sei die Untersu-
chung erheblich behindert worden. Trotz mehrfacher Aufforderung seien ihr
nur ein Teil der verlangten Akten zur Verfügung gestellt worden.
11.2 Der Beschwerdeführer bestreitet eine Behinderung der Untersu-
chung. Zur Begründung verweist er auf seine Ausführungen zum Vorwurf,
er habe in die Behandlung der Auskunfts- und Editionsbegehren eingegrif-
fen (vgl. vorstehend E. 8.3.2).
11.3 Die Vorinstanz forderte mit "Aktenedition Nr. 1" vom 21. August 2019
die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte auf, diverse Unterlagen und
Auskünfte zu übermitteln. Am 12. September 2019 liessen die beiden Stell-
vertretenden Bundesanwälte der Vorinstanz einen Teil der verlangten Un-
terlagen zukommen und teilten mit, in Bezug auf die übrigen Dokumente
würden sich wichtige Rechtsfragen stellen, die es vorab zu klären gelte. So
sei der Schutz der Persönlichkeitsrechte, des Untersuchungsgeheimnisses
und der als vertraulich qualifizierten Dokumente zu prüfen. Die Klärung die-
ser Fragen sei vernünftigerweise nach der Wiederwahl des Bundesanwal-
tes am 25. September 2019 anzugehen. In ihrem Antwortschreiben vom
20. September 2019 hielt die Vorinstanz fest, es handle sich um eine amts-
hilfeweise Weitergabe von Informationen. Die Persönlichkeitsrechte der
Betroffenen würden gewahrt werden und sie beachte das Untersuchungs-
geheimnis sowie bestehende Klassifizierungen von Akten gemäss Informa-
tionsschutzverordnung. Nachdem die beiden Stellvertretenden Bundesan-
wälte in ihrem Schreiben vom 1. Oktober 2019 der Vorinstanz erneut mit-
geteilt hatten, dass die Aktenedition komplexe rechtliche Fragen aufwerfe,
die beantwortet werden müssten, bevor der Anfrage Folge gegeben wer-
den könne, verpflichtete die Vorinstanz mit Verfügung vom 17. Oktober
2019 die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte unter Androhung der
A-2138/2020
Seite 50
Ungehorsamstrafe zur Herausgabe der verlangten Unterlagen bis spätes-
tens 31. Oktober 2019. Die beiden Stellvertretenden Bundesanwälte teilten
der Vorinstanz daraufhin mit Schreiben vom 31. Oktober 2019 mit, sie hät-
ten vertiefte rechtliche Abklärungen vorgenommen und seien auf verschie-
dene Problemstellungen getroffen. So liege keine Vertretungssituation vor,
weshalb das Ersuchen an den Bundesanwalt zu richten sei. Dies gelte ins-
besondere für die Herausgabe von dessen Agenda und derjenigen des
Kommunikationschefs. Das Ersuchen um Herausgabe von Akten in den
laufenden Fussballverfahren falle sodann in den Anwendungsbereich von
Art. 101 Abs. 2 und Art. 102 StPO, womit der diesbezügliche Entscheid bei
der jeweiligen Verfahrensleitung liege. Mit Schreiben vom 20. November
2019 antwortete die Vorinstanz den Stellvertretenden Bundesanwälten,
dass sich deren Rechtsauffassung nicht mit derjenigen der Vorinstanz de-
cke und sie zu gegebener Zeit darauf zurückkommen werde. Gleichzeitig
verlangte die Vorinstanz die Edition weiterer Unterlagen. In ihrem Schrei-
ben vom 28. November 2019 hielten die Stellvertretenden Bundesanwälte
an ihrer bisherigen Rechtsauffassung fest. Mit Schreiben vom 16. Januar
2020 verwiesen die Stellvertretenden Bundesanwälte auf ein Schreiben
der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, in welchem diese der
Vorinstanz in Bezug auf ein Einsichtsgesuch in gleicher Sache dargelegt
hatte, dass das Gesuch nach den Modalitäten der Strafprozessordnung
behandelt werde. Zugleich teilten sie der Vorinstanz mit, dass deren Editi-
onsbegehren den Anforderungen von Art. 101 StPO nicht genüge, sie je-
doch daran seien, hierfür eine konstruktive Lösung zu finden. Am 21. Feb-
ruar 2020 übermittelten die Stellvertretenden Bundesanwälte der
Vorinstanz sodann die Stellungnahmen der verfahrensleitenden Staatsan-
wälte zum Editionsbegehren. Eine Aktenedition im von der Vorinstanz ver-
langten Umfang erfolgte bis zum Abschluss der Disziplinaruntersuchung
nicht.
11.4 Wie bereits dargelegt (vgl. vorstehend E. 8.3.3), ist unbestritten, dass
der Beschwerdeführer die Auskunfts- und Editionsbegehren der Vorinstanz
mit seinen beiden Stellvertretern besprochen und bei der Entscheidung,
wie mit diesen Begehren umzugehen ist, mitgewirkt hat. Daraus kann je-
doch noch nicht der Schluss gezogen werden, der Beschwerdeführer habe
seine Stellvertreter zu einer Verweigerungshaltung angehalten. In Bezug
auf die seitens der Stellvertretenden Bundesanwälte gegenüber der
Vorinstanz vertretenen Rechtsauffassung zur Herausgabe von Akten
sprach der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragung vom 10. Januar
2020 von einer "ständigen Rechtsauffassung" der Bundesanwaltschaft. Die
A-2138/2020
Seite 51
beiden Stellvertretenden Bundesanwälte teilten der Vorinstanz mit Schrei-
ben vom 27. Februar 2020 sodann mit, der Beschwerdeführer habe entge-
gen den Ausführungen im Verfügungsentwurf bei der Beantwortung der
Editionsbegehren keinen Einfluss auf sie ausgeübt, um sie dazu zu veran-
lassen, keine Dokumente zu liefern. Die Antworten würden ihrer persönli-
chen Überzeugung entsprechen. Selbst wenn davon auszugehen ist, dass
der Meinung des Beschwerdeführers als Leiter der Bundesanwaltschaft bei
der Diskussion von grundsätzlichen Fragen erhöhtes Gewicht zukommt,
kann bei dieser Faktenlage nicht als erwiesen angesehen werden, dass er
seine Stellvertreter zu einer Verweigerungshaltung angehalten oder deren
Verhalten auf andere Weise zu verantworten hätte. Auch ansonsten sind
keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf schliessen lassen
würden, dass der Beschwerdeführer die Untersuchung behindert hätte. Die
hierfür beweisbelastete Vorinstanz vermag denn auch keine solchen dar-
zulegen.
11.5 Was die Verweigerungshaltung anbelangt, so ist zwar anzumerken,
dass von der Bundesanwaltschaft durchaus eine höhere Kooperationsbe-
reitschaft hätte erwartet werden dürfen. So hätte sie beispielsweise die Er-
suchen ohne Weiteres intern an die ihrer Ansicht nach zuständigen Perso-
nen weiterleiten oder deren Stellungnahme einholen können. Ihre in der
Korrespondenz mit der Vorinstanz geäusserten Vorbehalte in Bezug auf
die Aktenherausgabe erscheinen aber – prima facie – nicht gänzlich unbe-
gründet. So ist nicht ersichtlich, gestützt auf welche Rechtsgrundlage die
Vorinstanz im Rahmen einer Disziplinaruntersuchung unbesehen Akten
aus laufenden Verfahren der Bundesanwaltschaft beiziehen könnte. Die
Bestimmungen zur Disziplinaruntersuchung enthalten keine solche Vor-
schrift. Nach Art. 30 Abs. 2 und 3 StBOG, welche sich auf die Aufsichtstä-
tigkeit beziehen, haben Personen, die von der Aufsichtsbehörde bzw. der
Vorinstanz mit der Einholung von Auskünften oder mit einer Inspektion be-
traut werden, Einsicht in die Verfahrensakten, soweit dies für die Erfüllung
ihres Auftrags nötig ist. Sie dürfen die dabei erlangten Kenntnisse aber nur
in allgemeiner und anonymisierter Form als Grundlage für ihre Berichter-
stattung und ihre Empfehlungen verwenden. Die Botschaft vom 10. Sep-
tember 2008 zum StBOG führt hierzu aus, die Angaben zu den einzelnen
Verfahren würden sowohl im Interesse der Durchsetzung eines allfälligen
Strafanspruchs des Gemeinwesens als auch im Interesse des Persönlich-
keitsschutzes allfälliger Betroffener einer strengen Vertraulichkeit unterlie-
gen. Diese könne durch die Interessen der Aufsicht nicht einfach durchbro-
chen werden. Die Einsicht sei einerseits von Fall zu Fall auf den umschrie-
A-2138/2020
Seite 52
benen Gegenstand der Abklärung oder Kontrolle beschränkt und anderer-
seits dürften die mit der Abklärung beauftragten Personen in keinem Fall,
also auch nicht ihren unmittelbaren Auftraggebern, Rohdaten aus Verfah-
rensakten bekanntgeben. Bei der Berichterstattung an die Auftraggeber
müssten solche Daten anonymisiert und in eine Form gebracht werden,
welche Rückschlüsse auf geschützte Verfahrensdaten verhindere (BBl
2008 8125, 8160). Art. 30 StBOG erlaubt es der Vorinstanz insofern nicht,
unbesehen Akten aus laufenden Strafverfahren der Bundesanwaltschaft
beizuziehen. Im Übrigen richtet sich die Einsicht in Akten laufender Straf-
verfahren für Behörden grundsätzlich nach der Strafprozessordnung, wel-
che die Akteneinsicht nur erlaubt, sofern dieser keine überwiegenden öf-
fentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (vgl. Art. 101 Abs. 2
StPO; ANDREA HÜLSMANN, a.a.O., S. 153).
11.6 Der Vorwurf der Behinderung der Untersuchung erweist sich nach
dem Ausgeführten als unbegründet.
12.
Schliesslich wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine grobfahrläs-
sige Verletzung der Treuepflicht aufgrund illoyalem Handeln ihr gegenüber
vor (vgl. Ziff. 5.2.3.3 der angefochtenen Verfügung).
12.1 Nach Ansicht der Vorinstanz habe der Beschwerdeführer sie (die
Vorinstanz) und ihren Präsidenten anlässlich seiner Pressekonferenz vom
10. Mai 2019 öffentlich in Misskredit gezogen, indem er folgende Aussagen
getätigt habe:
"Ich habe erwartet und ich ging davon aus, dass man mir auch in diesem Sinne
vertraut. Auf Grund der heute bestehenden Situation und der Berichte der AB-
BA muss ich aber davon ausgehen, dass die AB-BA unter der jetzigen Präsi-
dentschaft nicht von einer Vertrauensbeziehung ausgeht."
"Dass nun im Rahmen der weiteren Vorabklärungen der AB-BA nicht einmal in
Betracht gezogen wird, dass ich auch die Wahrheit sagen könnte, ist für mich
aber nicht nur eine Enttäuschung, es ist eine Anmassung. Wir haben die Un-
tersuchung stets unterstützt. Mein Problem ist also nicht, dass was sie haben,
die Zweifel, die man haben kann, ich verstehe das voll. Mein Problem ist, dass
nicht einmal in Betracht gezogen werde, dass ich die Wahrheit gesagt haben
könnte. Diese Situation mit der nun eröffneten Disziplinaruntersuchung er-
schüttert mich persönlich. Es ist nicht nur ein Frontalangriff gegen mich als Per-
A-2138/2020
Seite 53
son, nein, es ist auch ein Eingriff in die Unabhängigkeit der Bundesanwalt-
schaft. Es geht hier um eine heraufbeschworene institutionelle Krise. Es geht
um die Institution BA und um deren Schutz und um deren Verfahren. Deswegen
stehe ich auch hier und deswegen sage ich auch klar, was meine Meinung ist."
Der Beschwerdeführer sei zu einem loyalen Verhalten gegenüber dem
Bund und der Vorinstanz verpflichtet. Abgesehen davon, dass es für seinen
Gang an die Medien keinen Grund gegeben habe und ihm andere Mög-
lichkeiten offen gestanden hätten, um sich gegen die als unberechtigt emp-
fundenen Vorwürfe zur Wehr zu setzen, seien der öffentlich vorgetragenen
Kritik klare Grenzen gesetzt. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Ver-
waltung und in die Institutionen dürfe nicht beeinträchtigt werden. Die Gren-
zen des Zulässigen habe der Beschwerdeführer mit seinen Äusserungen
bei weitem überschritten.
12.2 Der Beschwerdeführer erachtet den Vorwurf als unbegründet. Er habe
sich in erster Linie gegen die vorverurteilende Medienkampagne, die nicht
zuletzt auch Folge ungehöriger Äusserungen des Präsidenten der
Vorinstanz gewesen sei und welche aufgrund der gleichentags erfolgten
Veröffentlichung der Eröffnungsverfügung zusätzlich angefeuert worden
sei, zur Wehr setzen müssen, um sich und sein Amt zu schützen. Er habe
von einem Journalisten erfahren müssen, dass die Vorinstanz abkläre, ob
gegen ihn eine Disziplinaruntersuchung zu eröffnen sei. Der Präsident
habe sich sodann an der Medienkonferenz vom 25. April 2019 vorverurtei-
lend und abschätzig über ihn geäussert. So habe er gesagt, dass er schon
als Auditor beim Verhöramt gelernt habe, dass alles zu protokollieren sei.
Zudem habe er davon gesprochen, dass die Fussballverfahren wegen des
Verhaltens des Beschwerdeführers "abverrecken" könnten. Er (der Be-
schwerdeführer) habe sich daher gegen die unberechtigten Vorwürfe zur
Wehr setzen müssen. Im Zentrum seiner Aussagen stehe die Enttäu-
schung darüber, dass man ihm nicht mehr vertraut habe. Dieser Enttäu-
schung Ausdruck zu verleihen, sei gewiss keine Amtspflichtverletzung. Sie
sei gedeckt vom Recht der freien Meinungsäusserung und seinem Recht,
sich gegen unbegründete Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Er habe es zudem
als notwendig erachtet, gänzlich unberechtigte Vorwürfe auch im Interesse
der Bundesanwaltschaft als Behörde zurückzuweisen.
12.3 Wie bereits dargelegt (vgl. vorstehend E. 6.1), hängt das Ausmass der
Treuepflicht von der Funktion und Stellung eines Arbeitnehmers ab. Je hö-
her die berufliche Stellung, desto grösser ist die zu beachtende Loyalität.
A-2138/2020
Seite 54
Entsprechend ist beim Beschwerdeführer als von der Vereinigten Bundes-
versammlung gewählter Bundesanwalt ein strenger Massstab anzulegen.
Er unterliegt – ähnlich eines Bundesrates (vgl. BGE 116 IV 56 E. III) – einer
erhöhten Sorgfalts- und Interessenwahrungspflicht. Nichtdestotrotz muss
dem Beschwerdeführer eine gewisse, auch öffentliche Kritik am Arbeitge-
ber oder – wie hier – am Vorgehen seiner Aufsichtsbehörde erlaubt sein.
Die Meinungsäusserungsfreiheit nach Art. 16 BV findet aufgrund der
Treuepflicht dort ihre Schranke, wo das Verhalten die Amtsführung und das
Vertrauen der Öffentlichkeit in die Verwaltung beeinträchtigt. Die Treue-
pflicht gebietet, sich insbesondere in der Art und Weise der Kritik eine ge-
wisse Zurückhaltung aufzuerlegen (BGE 136 I 332 E. 3.2.1 und 120 Ia 203
E. 3a; PETER HÄNNI, a.a.O., Rz. 255 ff.; je mit Hinweisen).
12.4 Hintergrund der Medienkonferenz war die am 9. Mai 2020 eröffnete
Disziplinaruntersuchung gegen den Beschwerdeführer. Wie dieser an der
Befragung vom 10. Januar 2020 angab, sei die Bundesanwaltschaft des-
wegen mit einer Flut von Medienanfragen konfrontiert gewesen. Bereits
zuvor waren die Treffen zwischen dem Beschwerdeführer und Gianni In-
fantino sowie die in diesem Zusammenhang durchgeführten Vorabklärun-
gen der Vorinstanz Gegenstand zahlreicher Medienberichte gewesen. An
dieser Thematik bestand daher ein erhebliches öffentliches Interesse. Vor
diesem Hintergrund ist jedenfalls nicht zu beanstanden, dass der Be-
schwerdeführer eine Medienkonferenz durchführte und dabei zu den Vor-
würfen Stellung nahm.
12.5 Der Beschwerdeführer äusserte sich an der Medienkonferenz in ruhi-
gem und sachlichem Ton. Inhaltlich nahm er zu den gegen ihn erhobenen
Vorwürfen Stellung und brachte insbesondere seine Enttäuschung über die
Eröffnung der Disziplinaruntersuchung sowie das aus seiner Sicht fehlende
Vertrauen in ihn seitens der Vorinstanz zum Ausdruck. Solche Äusserun-
gen sind dem Beschwerdeführer, der sich auch in der Öffentlichkeit erheb-
licher Kritik ausgesetzt sah, durchaus zuzugestehen. Die in diesem Sinne
geäusserte Kritik an der Eröffnung der Disziplinaruntersuchung und am
sonstigen Verhalten der Vorinstanz vermögen keine Amtspflichtverletzung
darzustellen. Wenn der Beschwerdeführer allerdings die Eröffnung der Dis-
ziplinaruntersuchung als "Anmassung" und als "Eingriff in die Unabhängig-
keit der Bundesanwaltschaft" bezeichnet sowie von einer von der
Vorinstanz "heraufbeschworenen institutionellen Krise" spricht, hat er die
Grenzen des Zulässigen überschritten. Diese Äusserungen sind geeignet,
das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Verwaltung zu beinträchtigen, zumal
A-2138/2020
Seite 55
er der Vorinstanz damit im Ergebnis vorwirft, ihre Kompetenzen zu über-
schreiten und die Bundesanwaltschaft sowie deren Ansehen in der Öffent-
lichkeit absichtlich zu schwächen. Dabei ist zu beachten, dass die Auf-
sichtstätigkeit der Vorinstanz gesetzlich geregelt und deren Befugnis zur
Eröffnung einer Disziplinaruntersuchung bei Verdacht auf eine Amtspflicht-
verletzung in Art. 31 Abs. 2 StBOG und Art. 5 AB-BA-Reglement explizit
vorgesehen ist. Damit liegt in objektiver Hinsicht eine Verletzung der
Treuepflicht und damit eine Amtspflichtverletzung vor.
12.6 In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass das Verhältnis zwi-
schen dem Beschwerdeführer und der Vorinstanz im Zeitpunkt der Medi-
enkonferenz auf persönlicher Ebene ganz offensichtlich belastet war. Nicht
umsonst hat der Beschwerdeführer von einer fehlenden Vertrauensbezie-
hung gesprochen. Hierzu hat auch die Vorinstanz mit ihrem Verhalten ihren
Teil beigetragen. So ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer über eine
Medienanfrage erfahren musste, dass die Vorinstanz abkläre, ob gegen ihn
ein Disziplinarverfahren zu eröffnen sei. Auch hat sich der Präsident der
Vorinstanz an der Medienkonferenz zum Tätigkeitsbericht 2018 vom
25. April 2019 despektierlich über den Beschwerdeführer geäussert, indem
er – bezugnehmend auf die nicht protokollierten Treffen des Beschwerde-
führers mit Gianni Infantino – ausführte, er habe schon als junger Auditor
vor bald 26 Jahren im damaligen Verhöramt des Kantons Zug gelernt, dass
alles zu protokollieren sei. Auch wenn vom Beschwerdeführer in seiner
Funktion als Bundesanwalt erwartet werden dürfte, dass er solchen Äusse-
rungen mit der notwendigen Distanz begegnet und das Verhalten der
Vorinstanz die Äusserungen des Beschwerdeführers anlässlich seiner Me-
dienkonferenz vom 10. Mai 2019 nicht zu rechtfertigen vermag, so ist es
doch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, dass der Beschwerde-
führer bei der Formulierung seiner Kritik die notwendige Aufmerksamkeit in
Bezug auf eine allfällige Überschreitung des mit der Treuepflicht noch Ver-
einbaren vermissen liess. Das Verschulden des Beschwerdeführers ist da-
her als leicht fahrlässig einzustufen. Soweit der Beschwerdeführer vor-
bringt, er habe die Vorwürfe auch im Interesse der Bundesanwaltschaft als
Behörde zurückzuweisen müssen, vermag dies die Amtspflichtverletzung
aber nicht zu rechtfertigen.
12.7 Im Ergebnis ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer durch
seine Aussagen anlässlich der Medienkonferenz vom 10. Mai 2019 illoyal
gehandelt und seine Treupflicht leichtfahrlässig verletzt hat.
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Seite 56
13.
Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer gemäss den gemachten Er-
wägungen folgende Amtspflichtverletzungen begangen:
- mehrfache (in vier Fällen) grobfahrlässige Verletzung von Ziff. 5 CoC
bzw. der aus der Treupflicht fliessenden Ausstandspflicht (vorste-
hend E. 8);
- vorsätzliche Verletzung der Treuepflicht aufgrund unwahrer Angaben
gegenüber der Vorinstanz in Bezug auf die Existenz des Treffens
vom 16. Juni 2017 (vorstehend E. 10);
- leichtfahrlässige Verletzung der Treuepflicht aufgrund illoyaler Aus-
sagen anlässlich der Medienkonferenz vom 10. Mai 2019 (vorste-
hend E. 12).
14.
Es bleibt zu prüfen, welche Disziplinarmassnahme für die begangenen
Amtspflichtverletzungen angemessen ist.
14.1 Disziplinarische Massnahmen sind administrative Massnahmen und
somit keine Strafen im Rechtssinn. Sie dienen der Aufrechterhaltung der
Ordnung sowie der Wahrung des Ansehens und der Vertrauenswürdigkeit
der Verwaltung und der Justiz. Sie sollen bewirken, dass diejenigen Perso-
nen, die dem Disziplinarrecht unterstehen, ihre Pflichten erfüllen. Einer Dis-
ziplinarmassnahme kommt sowohl spezial- als auch generalpräventive
Funktion zu (vgl. Urteil des BGer 1C_500/2012 vom 7. Dezember 2012
E. 3.3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.
2016, Rz. 1506; ANDREA HÜLSMANN, a.a.O., S. 121 f.; WALTER HINTERBER-
GER, a.a.O., S. 113).
Art und Mass der Disziplinarmassnahme richten sich nach der Schwere
der Verfehlung. Diese wird objektiv durch die Bedeutung der verletzten
oder gefährdeten administrativen Interessen und subjektiv durch das Mass
des Verschuldens bestimmt. Auf der subjektiven Seite sind neben der Form
des Verschuldens die Gesamtpersönlichkeit des Betroffenen und dessen
Einstellung zu der von ihm begangenen Dienstpflichtverletzung in Betracht
zu ziehen. Von Bedeutung ist auch die dienstliche Stellung des Fehlbaren,
indem die Verantwortlichkeit umso schwerer wiegt, je höher die Stellung ist
(ANDREA HÜLSMANN, a.a.O., S. 133; PETER HÄNNI, a.a.O., Rz. 271; WALTER
HINTERBERGER, a.a.O., S. 369 ff.).
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Seite 57
Bei der Auswahl und Bemessung der Disziplinarmassnahme kommt der
Behörde Ermessen zu. Dieses Ermessen ist pflichtgemäss auszuüben,
d.h. der Entscheid hat rechtmässig und angemessen zu sein. Die Beach-
tung von Verfassungsgrundsätzen wie dem Willkürverbot, dem Rechts-
gleichheitsgebot und dem Verhältnismässigkeitsprinzip versteht sich hier-
bei von selbst (Urteil des BVGer A-6699/2015 vom 21. März 2016 E. 6.2;
WALTER HINTERBERGER, a.a.O. S. 351 ff.; PETER HÄNNI, a.a.O. Rz. 271;
ANDREA HÜLSMANN, a.a.O., S. 132; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN; a.a.O.,
Rz. 1517).
14.2 Als mögliche Disziplinarmassnahmen sieht Art. 31 Abs. 2 StBOG Ver-
warnung, Verweis oder Lohnkürzung vor. Art. 16 der Organisations- und
Aufgabenverordnung bestimmt sodann ergänzend, dass eine Lohnkürzung
höchstens 10 Prozent während längstens eines Jahres betragen kann (vgl.
Bst. c). Welche Sanktion bei welcher Schwere der Verfehlung anzuordnen
ist, wird nicht näher bestimmt und liegt im Ermessen der Behörde.
14.3 Bei der Bestimmung der Disziplinarmassnahme ist zunächst zu be-
rücksichtigen, dass der Beschwerdeführer mehrere Amtspflichtverletzun-
gen begangen hat.
14.3.1 Ausgangspunkt bei der Bemessung der Disziplinarmassnahme bil-
det die vorsätzliche Verletzung der Treuepflicht aufgrund unwahrer Anga-
ben gegenüber der Vorinstanz, welche als schwerwiegendste Pflichtverlet-
zung zu qualifizieren ist. Diesbezüglich wiegt das Verschulden des Be-
schwerdeführers aufgrund der vorsätzlichen Begehung schwer. Auch
kommt den dadurch verletzten Interessen hohe Bedeutung zu. Damit die
Vorinstanz ihre gesetzliche Aufgabe der Aufsicht effektiv und zielführend
erfüllen kann, ist sie darauf angewiesen, vom Beschwerdeführer wahr-
heitsgemäss über die Tätigkeiten der Bundesanwaltschaft informiert zu
werden (vgl. vorstehend E. 10.5). Abgesehen davon, wird durch ein sol-
ches Verhalten des Beschwerdeführers als Leiter der Bundesanwaltschaft
das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Funktionieren der Verwaltung und
in die Bundesanwaltschaft als Behörde geschwächt.
14.3.2 Was die mehrfache grobfahrlässige Verletzung von Ziff. 5 CoC bzw.
der aus der Treupflicht fliessenden Ausstandspflicht anbelangt, so handelt
es sich um elementare Grundsätze, die der Beschwerdeführer durch sein
Handeln im Interessenkonflikt missachtet hat. Erschwerend kommt hinzu,
dass der Beschwerdeführer durch seine Aussagen anlässlich der Einver-
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nahme vom 10. Januar 2020, wonach sich der Interessenkonflikt nicht lö-
sen lasse, weil er auch bei einer Delegation an seine Stellvertreter noch
über die Weisungshoheit verfüge, und er die Gesamtverantwortung, so-
lange er sie habe, auch ausüben werde, den Eindruck erweckt, von einem
falschen Verständnis der gesetzlichen Grundlagen auszugehen und sich
auch inskünftig bei einem Interessenkonflikt nicht an die Ausstandspflicht
gebunden zu fühlen.
Zugunsten des Beschwerdeführers ist hingegen zu berücksichtigen, dass
die im Interessenkonflikt getroffenen Entscheide nicht von persönlichen In-
teressen geleitet erscheinen. Es ist jedenfalls nicht ersichtlich, inwiefern
dem Beschwerdeführer aus den getroffenen Entscheiden ein Vorteil ent-
standen wäre bzw. dass er damit einen persönlichen Vorteil angestrebt
hätte. Einzig der Entscheid zur vorläufigen Übernahme seiner eigenen An-
waltskosten gereicht ihm insoweit zum Vorteil, als dies zu einer vorüberge-
henden wirtschaftlichen Besserstellung führt.
14.3.3 Bei der Verletzung der Treuepflicht aufgrund illoyaler Aussagen an-
lässlich der Medienkonferenz vom 10. Mai 2019 ist von einer leichtfahrläs-
sigen Begehung auszugehen. Aufgrund des bloss leichten Verschuldens
tritt diese Amtspflichtverletzungen im Vergleich zu den vorerwähnten in den
Hintergrund, auch wenn die damit verletzten Interessen objektiv durchaus
von vergleichbarer Bedeutung sind. Die Amtspflichtverletzung ist leicht
sanktionserhöhend zu berücksichtigen.
14.4 Bei der Bemessung der Disziplinarmassnahme zu beachten ist des
Weiteren, dass das Verhalten des Beschwerdeführers bisher zu keinen Be-
anstandungen Anlass gab. Es wurde gegen ihn noch keine disziplinarische
Massnahme verhängt, was eine strengere Massnahme gebieten würde.
14.5 Ebenfalls zugunsten des Beschwerdeführers sprechen sodann die
Tätigkeitsberichte der Vorinstanz der vergangenen Jahre (vgl.
< http://www.ab-ba.ch/de/taetigkeitsberichte.php >, abgerufen am 16. Juli
2020). Darin werden die Leistungen der Bundesanwaltschaft und des Be-
schwerdeführers grundsätzlich positiv beurteilt. So hält der Tätigkeitsbe-
richt 2018 beispielsweise fest, die Bundesanwaltschaft habe sich zu einer
modernen und selbstbewussten Strafbehörde gewandelt. Während früher
noch der einzelne Staatsanwalt weitgehend auf sich allein gestellt über die
ihm zugeteilten Fälle habe entscheiden können, habe die Bundesanwalt-
schaft mit dem neuen Führungs- und Organisationsmodell an Profil gewon-
nen. Mit dem ausgebauten Controlling, mit der Fallbewirtschaftung, mit den
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Deliktsfeldverantwortlichen und vor allem auch mit den Projekten im Be-
reich UNAVOCE habe eine Einheitlichkeit erzielt werden können, die im
Interesse einer effizienten und wirkungsvollen Strafverfolgung unerlässlich
sei. Wenn die Vorinstanz daher ausführt, der Beschwerdeführer zeige im
Kern ein falsches Berufsverständnis, so scheint sie damit etwas weit zu
gehen und ihre früheren Beurteilungen der Amtsführung des Beschwerde-
führers auszublenden.
14.6 Schliesslich wiegen die Amtspflichtverletzungen aufgrund der dienst-
lichen Stellung des Beschwerdeführers als Leiter der Bundesanwaltschaft
schwerer als dies bei einer Person in untergeordneter Stellung der Fall
wäre. Der Beschwerdeführer hat mit seinem Verhalten und seinen Äusse-
rungen dem Ansehen der Bundesanwaltschaft und der Vorinstanz gescha-
det. Es fehlt ihm zudem an Unrechtsbewusstsein bzw. Einsicht. Es er-
scheint deshalb nicht gänzlich unbegründet, wenn die Vorinstanz ausführt,
der Beschwerdeführer mache den Eindruck, über dem Gesetz zu stehen
und die Bundesanwaltschaft mit seiner Person zu verwechseln.
14.7 Die Vorinstanz verfügte als Disziplinarmassnahme eine Lohnkürzung
von 8% für die Dauer eines Jahres. Unter Berücksichtigung des zuvor Aus-
geführten ist zunächst nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz mit der
Lohnkürzung die strengste Massnahmenart gewählt hat. Dies zeigt auch
ein Vergleich mit der auf den Beschwerdeführer nicht anwendbaren BPV.
Diese sieht bei grobfahrlässigen oder vorsätzlichen Pflichtverletzungen,
wie sie auch der Beschwerdeführer begangen hat, u.a. eine Lohnkürzung
vor, während eine Verwarnung nur bei fahrlässiger Begehung vorgesehen
ist (Vgl. Art. 99 BPV). Die (mittlere) Disziplinarmassnahme des Verweises
ist in der BPV nicht vorgesehen.
Was den Umfang der von der Vorinstanz verfügten Lohnkürzung anbe-
langt, so ist zu berücksichtigten, dass sich im vorliegenden Beschwerde-
verfahren gewisse Vorwürfe als unbegründet erwiesen haben. Es erscheint
daher angebracht, den Umfang der Lohnkürzung zu reduzieren. Nach
Art. 16 der Organisations- und Aufgabenverordnung beträgt die maximal
mögliche Lohnkürzung 10% für die Dauer eines Jahres. Unter Berücksich-
tigung sämtlicher Umstände erscheint vorliegend eine Lohnkürzung im
mittleren Bereich angemessen. Entsprechend ist als Disziplinarmass-
nahme eine Lohnkürzung von 5% für die Dauer eines Jahres anzuordnen.
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Seite 60
15.
Im Ergebnis ergibt sich aus den gemachten Erwägungen, dass die Be-
schwerde teilweise gutzuheissen ist. Dispositiv-Ziff. 1 der angefochtenen
Verfügung ist aufzuheben und gegenüber dem Beschwerdeführer eine Dis-
ziplinarmassnahme in Form einer Lohnkürzung von 5% für die Dauer eines
Jahres anzuordnen.
16.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beschwerdever-
fahrens zu befinden.
16.1 Das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist in
personalrechtlichen Angelegenheiten unabhängig vom Ausgang des Ver-
fahrens grundsätzlich kostenlos (Art. 34 Abs. 2 BPG). Auch wenn das BPG
auf den Beschwerdeführer nicht anwendbar ist (vgl. vorstehend E. 6.1), ist
nicht einsichtig, weshalb dieser Grundsatz, welcher im Übrigen auch im
privatrechtlichen Arbeitsrecht bei Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von
Fr. 30'000.– gilt (vgl. Art. 114 Bst. c der Schweizerischen Zivilprozessord-
nung vom 19. Dezember 2008, ZPO, SR 272), nicht auch in personalrecht-
lichen Angelegenheiten des Beschwerdeführers zur Anwendung gelangen
soll. Es sind deshalb in analoger Anwendung von Art. 34 Abs. 2 BPG keine
Verfahrenskosten zu erheben.
16.2
16.2.1 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1
VwVG; Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Obsiegt sie nur teilweise, ist die Parteientschädigung ent-
sprechend zu kürzen. Keinen Anspruch auf Parteientschädigung haben
Bundesbehörden und, in der Regel, andere Behörden, die als Parteien auf-
treten (Art. 7 Abs. 3 VGKE). Die Entschädigung umfasst die Kosten der
Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei; unnötiger Aufwand
wird nicht entschädigt (Art. 8 ff. VGKE). Die Parteien, die Anspruch auf Par-
teientschädigung erheben, haben dem Gericht vor dem Entscheid eine de-
taillierte Kostennote einzureichen (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Das Bundesver-
waltungsgericht legt die Parteientschädigung aufgrund der eingereichten
Kostennote oder, wenn keine Kostennote eingereicht wird, aufgrund der
Akten fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Das Anwaltshonorar wird nach dem not-
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wendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen, wo-
bei der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen mindestens 200 und
höchstens 400 Franken beträgt (Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE).
16.2.2 Während die Vorinstanz als Bundesbehörde keinen Anspruch auf
Parteientschädigung hat, steht dem Beschwerdeführer im Umfang seines
Obsiegens eine Parteientschädigung zu. Der Beschwerdeführer obsiegt in
Bezug auf die Vorwürfe der unwahren Angaben zum Inhalt des Treffens
vom 8. Juli 2015 (E. 9) sowie der Behinderung der Untersuchung (E. 11).
Betreffend die Verletzung der Treuepflicht aufgrund illoyalem Handeln ob-
siegt er teilweise, zumal diese abweichend von der angefochtenen Verfü-
gung nicht als grob-, sondern nur als leichtfahrlässig eingestuft wurde
(E. 12). Hingegen unterliegt er vollumfänglich in den vier Fällen des Han-
delns im Interessenkonflikt (E. 8) sowie bezüglich der unwahren Angaben
zur Existenz des Treffens vom 16. Juni 2017 (E. 10.). Insgesamt erscheint
es daher angemessen, den Beschwerdeführer als zu einem Drittel obsie-
gend zu betrachten. In diesem Umfang hat er Anspruch auf eine reduzierte
Parteientschädigung.
16.2.3 Die Vertreter des Beschwerdeführers reichten mit den Schlussbe-
merkungen eine Kostennote ein. Darin machen sie bei einem Zeitaufwand
von 101.55 Stunden eine Entschädigung von Fr. 33'659.25 (Honorar von
Fr. 30'342.50.– zuzüglich Auslagen von 3% sowie Mehrwertsteuer) gel-
tend. Die Kostennote enthält jedoch nicht nur die Aufwendungen für das
vorliegende Beschwerdeverfahren, sondern auch diejenigen im Zusam-
menhang mit der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf der Vorinstanz.
Für die Vertretung im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens kann das
Bundesverwaltungsgericht jedoch mangels ausdrücklicher gesetzlicher
Grundlage keine Parteientschädigung zusprechen (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 4.87). Solche Aufwendungen wären
im vorinstanzlichen Verfahren geltend zu machen gewesen. Daran ändert
nichts, dass die Stellungnahme zum Verfügungsentwurf die Grundlage für
die Beschwerde bildete. Da nur die für das Beschwerdeverfahren angefal-
lenen Aufwendungen zu entschädigen sind, ist die Kostennote entspre-
chend zu kürzen. Zu berücksichtigen sind somit lediglich die in der Kosten-
note aufgeführten Leistungen ab 4. März 2020. Dadurch ergibt sich für das
Beschwerdeverfahren ein Aufwand von 68.65 Stunden. Aufgrund der
Schwierigkeiten des Falles und des Umfanges der Rechtsschriften sowie
der Akten erscheint dieser Aufwand angemessen. Der geltend gemachte
Stundenansatz von Fr. 300.– entspricht sodann dem gesetzlichen Rah-
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men. Das Honorar beläuft sich somit auf Fr. 20'595.–. Zuzüglich der gel-
tend gemachten Auslagenpauschale von 3% sowie der Mehrwertsteuer
von 7.7% ergibt sich eine (volle) Parteientschädigung von Fr. 22'846.25.
Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer demnach eine (reduzierte) Par-
teientschädigung von Fr. 7'615.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. b und c VGKE) zu bezahlen.