Decision ID: cdeeee70-fd01-5e52-ba5a-f85eac7a3278
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus dem Kosovo stammende Beschwerdeführer (geb. 1976) gelang-
te im Dezember 1997 erstmals in die Schweiz und reichte ein Asylgesuch
ein, das am 14. Mai 1998 rechtskräftig abgewiesen wurde. Nachdem er
vorübergehend in den Genuss der vorläufigen Aufnahme für Personen
mit letztem Wohnsitz im Kosovo gekommen war, wurde er am 26. Okto-
ber 1999 aufgefordert, das Land bis zum 31. Mai 2000 zu verlassen. Am
15. Juli 2000 meldete ihn die damalige Wohngemeinde als verschwun-
den.
B.
Am 23. September 2002 stellte der Beschwerdeführer ein zweites Asyl-
gesuch. Darauf trat das BFM am 11. Oktober 2002 nicht ein. Auf Be-
schwerde hin fällte am 22. November 2002 auch die ehemals zuständige
Asylrekurskommission (ARK) einen Nichteintretensentscheid. Bereits zu-
vor, am 13. November 2002, war er in sein Heimatland ausgeschafft und
mit einer dreijährigen Einreisesperre belegt worden. Am 18. Dezember
2002 heiratete der Beschwerdeführer im Kosovo die Schweizer Bürgerin
B._ (geb. 1975), welche er seinen eigenen Angaben zufolge im Jahr
1999 im Kanton Bern kennengelernt hatte. Mitte August 2003 erhielt er
vom Wohnkanton Bern daraufhin eine Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib bei der Ehefrau. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.
C.
Am 15. Juli 2008 ersuchte der Beschwerdeführer in seiner Eigenschaft
als Ehegatte einer Schweizer Bürgerin gestützt auf Art. 27 des Bürger-
rechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0) um erleichter-
te Einbürgerung.
Die Ehegatten unterzeichneten am 27. März 2009 zu Handen des Ein-
bürgerungsverfahrens eine Erklärung, wonach sie in einer tatsächlichen,
ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zu-
sammen lebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten be-
stünden. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die
erleichterte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder während des
Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Schei-
dung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr
besteht, und dass die Verheimlichung solcher Umstände zur Nichtigerklä-
rung der Einbürgerung nach Art. 41 BüG führen kann.
C-176/2014
Seite 3
Am 9. April 2009 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert.
Nebst dem Schweizer Bürgerrecht erhielt er die Bürgerrechte des Kan-
tons Bern und der Gemeinde X._/BE.
D.
Im März 2011 erfuhr das BFM über die Schweizer Botschaft in Pristina,
dass der Beschwerdeführer seit anfangs September 2010 rechtskräftig
von seiner schweizerischen Ehegattin geschieden war sowie dass er im
Sommer 2010 eine Landsfrau kennengelernt und sich mit ihr am 31. De-
zember 2010 in seiner Heimat verlobt hatte. Später brachte das Bundes-
amt aufgrund weiterer behördlicher Meldungen Näheres zur Trennung
und Scheidung in Erfahrung und erhielt Kenntnis davon, dass der Be-
schwerdeführer seine kosovarische Verlobte am 2. Dezember 2011 in So-
lothurn geheiratet hatte.
E.
Aufgrund dieser Umstände eröffnete die Vorinstanz am 1. Oktober 2012
ein Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung gemäss
Art. 41 BüG. Im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nahm sie mit Einver-
ständnis des Beschwerdeführers Einsicht in die Ehescheidungsakten des
Regionalgerichts Y._. Ferner unterbreitete sie der früheren Ehefrau
am 12. und 22. März 2013 schriftlich Fragen zum gemeinsamen Kennen-
lernen, zum Verlauf der Ehe sowie zu den Umständen der Trennung und
Ehescheidung. Die geschiedene Gattin äusserte sich hierzu am 20. März
2013 bzw. 4. April 2013. Da sie an einer leichten geistigen Behinderung
leidet, wurden die Antworten von ihrem Vorgesetzten, dem Geschäftsfüh-
rer einer Werkstätte für Behinderte, verfasst und jeweils von beiden (der
Auskunftsperson und dem Dokumentverfasser) unterzeichnet.
Die vom Beschwerdeführer mandatierte Parteivertreterin machte vom
Äusserungsrecht am 14. Januar 2013 und 28. Februar 2013 Gebrauch.
Am 27. Juni 2013 reichte sie eine abschliessende Stellungnahme ein.
F.
Auf Ersuchen des BFM erteilte der Kanton Bern am 12. November 2013
die Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.
G.
Mit Verfügung vom 26. November 2013 erklärte die Vorinstanz die er-
leichterte Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig. Die Nichtigkeit
erstrecke sich auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht
C-176/2014
Seite 4
auf der nichtig erklärten Einbürgerung beruhe, namentlich auch auf die
aus der zweiten Ehe hervorgegangenen Kinder P._ (geb. 21. Juli
2012) und Q._ (geb. 30. Oktober 2013).
H.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 13. Januar 2014 stellt die Rechtsvertreterin
die Begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihrem
Mandanten und dessen Kindern sei das Schweizer Bürgerrecht zu belas-
sen.
I.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 11. April 2014 auf
Abweisung der Beschwerde.
J.
Replikweise lässt der Beschwerdeführer am 26. Mai 2014 am eingereich-
ten Rechtsmittel und dessen Begründung festhalten.
Mit Nachtrag vom 4. Juni 2014 reichte die Parteivertreterin Unterlagen zur
finanziellen und beruflichen Situation ihres Mandanten nach.
K.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-
gungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer der in Art. 33 VGG auf-
geführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen auch die Verfügun-
gen des BFM betreffend Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung
(vgl. Art. 41 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs. 1 BüG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl.
Art. 37 VwVG).
C-176/2014
Seite 5
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Ergreifung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf seine frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Die Parteivertreterin moniert in der Beschwerdeschrift vom 13. Januar
2014, wenn auch eher beiläufig, die Formulierungen in der angefochte-
nen Verfügung muteten textbausteinartig an. Ausserdem wirft sie der Vor-
instanz mangelnde Sorgfalt vor, da in Ziff. 3 der entsprechenden Erwä-
gungen (recte: in Ziff. 3 des Sachverhalts) plötzlich von einem Herrn
Z._ anstatt von ihrem Mandanten die Rede sei.
3.2 Was die sinngemässe Rüge der zu pauschalen Begründung anbe-
langt, so sind die Behörden gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG verpflichtet, ih-
ren Entscheid zu begründen. Die Begründungspflicht ist Teilgehalt des
Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV. Sie soll
verhindern, dass die Behörden sich von unsachlichen Motiven leiten las-
sen und es der betroffenen Person ermöglichen, den Entscheid sachge-
recht anzufechten. Eine sachgerechte Anfechtung ist nur möglich, wenn
sich sowohl die Partei wie auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragwei-
te des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken. Die Anforderungen an die Begründung sind
umso höher, je weiter der Entscheidungsspielraum und je komplexer die
Sach- und Rechtslage ist. Bei schwerwiegenden Eingriffen wird eine sorg-
C-176/2014
Seite 6
fältige Begründung verlangt (vgl. zum Ganzen BGE 137 II 266 E. 3.2
S. 270 f. und BGE 133 I 270 E. 3.1 S. 277; ferner BVGE 2009/35 E. 2.2.1;
BVGE 2007/27 E. 5.5.2; ebenso LORENZ KNEUBÜHLER, in: Kommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008,
Rz. 4 ff. und insb. Rz. 9 ff. zu Art. 35 VwVG).
3.3 In der angefochtenen Verfügung hat sich das BFM ziemlich einge-
hend mit den Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt.
Textbausteinmässig daher kommen einzig die Erwägungsziffern 1 – 3,
was jedoch unproblematisch erscheint, werden darin doch lediglich die
Rechtsgrundlagen zitiert und die Rechtsprechung zum Begriff der eheli-
chen Gemeinschaft rekapituliert. Der Betroffene war denn ohne weiteres
in der Lage, sich wirksam in das Verfahren einzubringen und die Verfü-
gung sachgerecht anzufechten. Soweit in diesem Zusammenhang argu-
mentiert wird, die Vorinstanz habe lediglich die den Verdacht der Er-
schleichung des Bürgerrechts erhärtenden Elemente miteinbezogen, be-
trifft dies im Übrigen die materiell-rechtliche Frage der Beweiswürdigung.
Die Rüge des Beschwerdeführers erweist sich somit als unbegründet. Bei
der Falsch- bzw. Umbennung seines Namens wiederum handelt es sich
offensichtlich um ein redaktionelles Versehen, das keine generellen
Rückschlüsse auf die vorinstanzliche Arbeitsweise zulässt und woraus
ihm keinerlei Nachteile erwachsen sind.
4.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der
Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte
Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-
wohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b) und seit drei Jahren
in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c). Die
Einbürgerung setzt gemäss Art. 26 Abs. 1 BüG zudem voraus, dass die
ausländische Person in die schweizerischen Verhältnisse eingegliedert ist
(Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (Bst. b) und die in-
nere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Sämt-
liche Einbürgerungsvoraussetzungen müssen sowohl im Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung er-
füllt sein. Fehlt es in den fraglichen Zeitpunkten an der ehelichen Ge-
meinschaft, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen wer-
den (BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f. m.H.).
4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft im Sinne des Bürger-
rechtsgesetzes bedeutet mehr als nur das formelle Bestehen einer Ehe.
C-176/2014
Seite 7
Verlangt wird vielmehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, getragen
vom Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten (BGE 135 II 161
E. 2 S. 164 f. m.H.). Mit Art. 27 BüG wollte der Gesetzgeber ausländi-
schen Ehepartnern von Schweizer Bürgern die erleichterte Einbürgerung
ermöglichen, um die Einheit des Bürgerrechts der Ehegatten im Hinblick
auf eine gemeinsame Zukunft zu fördern (vgl. Botschaft des Bundesrats
zur Änderung des Bürgerrechtsgesetzes vom 26. August 1987, BBl 1987
III 310). Zweifel am Bestand einer ehelichen Gemeinschaft sind bei-
spielsweise angebracht, wenn kurze Zeit nach der erleichterten Einbürge-
rung die Trennung erfolgt oder die Scheidung eingeleitet wird (BGE 135 II
161 E. 2 S. 164 f. m.H. oder BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f.).
4.3 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatkan-
tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Ver-
heimlichung erheblicher Tatsachen "erschlichen" (Art. 41 Abs. 1 BüG),
d.h. mit einem unlauteren und täuschenden Verhalten erwirkt wurde. Arg-
list im Sinne des strafrechtlichen Betrugstatbestandes ist nicht erforder-
lich. Es genügt, dass der Betroffene bewusst falsche Angaben macht bzw.
die mit dem Einbürgerungsbegehren befasste Behörde bewusst in einem
falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen
zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (BGE 135 II 161
E. 2 S. 164 f. m.H.).
4.4 Weiss der Betroffene, dass die Voraussetzungen für die erleichterte
Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so
muss er die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung in
seinen Verhältnissen orientieren, von der er weiss oder wissen muss,
dass sie einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich
aus dem Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtli-
chen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde
darf sich ihrerseits darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte
bei passivem Verhalten des Gesuchstellers nach wie vor der Wirklichkeit
entsprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.).
5.
5.1 Gemäss Art. 41 Abs. 1 bis
BüG, in Kraft seit 1. März 2011, muss die
Nichtigerklärung innert zweier Jahre ab Kenntnisnahme vom rechtserheb-
lichen Sachverhalt erfolgen, spätestens jedoch acht Jahre nach Erwerb
des Schweizer Bürgerrechts. Zuvor galt nach Art. 41 Abs. 1 BüG in seiner
ursprünglichen Fassung (AS 1952 1087) eine einheitliche Frist von fünf
Jahren ab Einbürgerung. Wie das Bundesverwaltungsgericht bereits ent-
C-176/2014
Seite 8
schieden hat, ist Art. 41 Abs. 1 bis
BüG anwendbar auf alle Einbürgerungs-
fälle, in denen die altrechtliche Frist von fünf Jahren nicht bereits vor dem
Inkrafttreten des neuen Rechts abgelaufen ist. Die unter altem Recht ver-
strichene Zeit ist dabei an die absolute achtjährige Frist anzurechnen. Die
relative zweijährige Frist kann als Neuerung ohne Gegenstück im alten
Recht frühestens auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Rechts
zu laufen beginnen (Urteil des BVGer C-476/2012 vom 19. Juli 2012
E. 4.4 m.H., vgl. auch die Konstellation im Urteil des BGer 1C_516/2012
vom 29. Juli 2013).
5.2 In der vorliegenden Streitsache sind die formellen Voraussetzungen
des Art. 41 Abs. 1 und Abs. 1 bis
BüG erfüllt. Die von Abs. 1 geforderte Zu-
stimmung des Heimatkantons liegt vor und die relative zweijährige sowie
die absolute achtjährige Frist des Abs. 1 bis
wurden gewahrt.
6.
6.1 Das Verfahren zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung
richtet sich nach den Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes
(vgl. Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a VwVG). Danach obliegt es gemäss
Art. 12 VwVG der Behörde, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklä-
ren. Sie hat zu untersuchen, ob der betroffenen Person die Täuschung
über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden kann, wozu
insbesondere ein beidseitig intakter und gelebter Ehewille gehört. Da die
Nichtigerklärung in die Rechte der betroffenen Person eingreift, liegt die
Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht es in der Regel um innere,
dem Kern der Privatsphäre zugehörende Sachverhalte, die der Behörde
nicht bekannt und einem Beweis naturgemäss kaum zugänglich sind. Sie
kann sich daher veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen (Vermu-
tungsbasis) auf unbekannte (Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche so-
genannt natürlichen bzw. tatsächlichen Vermutungen können sich in allen
Bereichen der Rechtsanwendung ergeben, namentlich auch im öffentli-
chen Recht. Es handelt sich um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die auf
Grund der Lebenserfahrung gezogen werden. Die betroffene Person ist
verpflichtet, bei der Sachverhaltsabklärung mitzuwirken (vgl. BGE 135 II
161 E. 3 S. 165 f. m.H.).
6.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (vgl.
Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Sie stellt eine Beweislaster-
leichterung dar, indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter
Schlüssigkeit mögliche Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehrung
der Beweislast hat sie jedoch nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte
C-176/2014
Seite 9
Tatsachen – beispielsweise die Chronologie der Ereignisse – die natürli-
che Vermutung begründen, dass die erleichterte Einbürgerung erschli-
chen wurde, muss die betroffene Person nicht den Beweis für das Gegen-
teil erbringen. Es genügt, wenn sie einen Grund anführt, der es als wahr-
scheinlich erscheinen lässt, dass sie die Behörde nicht getäuscht hat. Bei
diesem Grund kann es sich um ein ausserordentliches Ereignis handeln,
das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die betroffene Person
kann plausibel darlegen, weshalb sie die Schwere der ehelichen Proble-
me nicht erkannt hat und den wirklichen Willen hatte, mit dem Schweizer
Ehepartner auch weiterhin in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft zu
leben (BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. m.H.).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung aufgrund des
zeitlichen Ereignisablaufes und der Scheidungsakten zur Überzeugung,
die Ehegatten hätten im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung nicht
mehr in stabilen und zukunftsgerichteten Verhältnissen gelebt. Dagegen
sprächen nur schon die vorübergehende Trennung Ende Oktober 2009,
die definitive Trennung per Ende Februar 2010 und die anschliessende
rasche Umsetzung der Scheidungsabsicht. Dem Beschwerdeführer ge-
linge es nicht, die entsprechende tatsächliche Vermutung durch erhebli-
che Zweifel umzustürzen. Die geltend gemachten Gründe für die Tren-
nung und Scheidung (Trauerverarbeitung nach dem Tod des Vaters des
Beschwerdeführers, gesundheitliche Probleme der Ex-Ehefrau, Streitig-
keiten wegen der grossen Arbeitspensen ihres damaligen Partners) hät-
ten vielmehr schon vor dem Einbürgerungszeitpunkt bestanden und
könnten nicht als plötzliche und unerwartet eingetretene Ereignisse ange-
sehen werden. Dass der Vater des Beschwerdeführers gemäss einver-
langter Todesbescheinigung nicht wie angegeben im Sommer 2009 son-
dern bereits am 26. Juli 2007 verstorben sei, schränke die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen zusätzlich ein. Auch ein Bemühen, die Ehe zu retten,
werde kaum erkennbar. Ein planmässiges Verhalten des Beschwerdefüh-
rers manifestiere sich darüber hinaus in weiteren Verhaltensweisen.
Schliesslich sei zu befürchten, dass er mit der heutigen Gattin seit länge-
rem eine eheähnliche Beziehung gepflegt habe, was jedoch bestritten
werde. Aus den gesamten Umständen und in Würdigung der Beweise
müsse geschlossen werden, dass der Betroffene die erleichterte Einbür-
gerung durch falsche Angaben und das Verheimlichen erheblicher Tatsa-
chen erschlichen habe. Die materiellen Voraussetzungen für eine Nich-
tigerklärung der erleichterten Einbürgerung seien deshalb erfüllt.
C-176/2014
Seite 10
7.2 Die Rechtsvertreterin wendet in der Rechtsmitteleingabe vom 13. Ja-
nuar 2014 im Wesentlichen ein, das Ehepaar habe während zehn Jahren
eine gefestigte, auf Respekt und Liebe basierende Beziehung gepflegt
und fast bis zur definitiven Trennung an deren Fortbestand geglaubt.
Dass sich der feste Glaube an die Tragfähigkeit dieser Ehe im Nachhinein
als Trugschluss entpuppt habe, sage nichts darüber aus, ob die Ehegat-
ten im Einbürgerungsverfahren falsche Angaben gemacht hätten und falls
ja, ob dies bewusst geschehen sei. Indem sich die Vorinstanz lediglich
auf eine ganze Kette von Vermutungen und Tatsachen stütze, nehme sie
keine Beweisführung im eigentlichen Sinne vor und verletze dadurch die
Gebote der korrekten Sachverhaltsfeststellung und Rechtsanwendung;
insbesondere suche sie nicht nach Indizien und Belegen, welche für eine
stabile Ehe sprächen. So werde in der angefochtenen Verfügung weder
auf die besonderen Belastungen während der Beziehung (Trennung in-
folge Einreiseverbots, schwere Krankheit der Ehegattin) noch auf den
Umstand eingegangen, dass die Auszeit in der Ehe im November 2009
bloss einen Monat gedauert habe. Danach hätten die Ehepartner noch-
mals drei Monate zusammengelebt. Wohl sei den beiden im Herbst jenes
Jahres bewusst geworden, dass sie sich andauernd gestritten hätten. Die
Erkenntnis zur definitiven Trennung habe sich indessen erst im Februar
2010 eingestellt, wobei die Ex-Gattin die treibende Kraft dahinter gewe-
sen sei. Des Weiteren statuiere das Bürgerrecht kein Scheidungsverbot
des eingebürgerten Ehegatten und Scheidungen seien heute alltäglich.
Jedenfalls erfordere der Nachweis der Stabilität der Ehe im massgebli-
chen Zeitraum nicht ein nachträgliches unerwartetes Ereignis. Ein sol-
ches gebe es vorliegend auch nicht. Das Ehepaar sei durch die schwere
Krankheit der schweizerischen Ex-Ehefrau (u.a. Nierentransplantation)
dermassen zusammengeschweisst worden, dass etwas anderes als das
Zusammenleben in alle Zukunft nie in Betracht gekommen sei. Schliess-
lich werden die vorinstanzlichen Ausführungen zu den vom Beschwerde-
führer durchlaufenen Asylverfahren mit anschliessendem Familiennach-
zug sowie zu dessen zweiter Ehe als spekulativ, deplatziert und willkürlich
bezeichnet und es wird abschliessend hervorgehoben, dass Art. 41 BüG
als Kann-Vorschrift ausgestaltet sei, das BFM die Verhältnismässigkeit im
Rahmen ihres Ermessensentscheides jedoch nicht pflichtgemäss geprüft
habe.
8.
8.1 Die Vorinstanz betrachtet die Voraussetzungen für die Nichtigerklä-
rung der erleichterten Einbürgerung v.a. wegen der zeitlichen Abfolge der
C-176/2014
Seite 11
Ereignisse und der von den Betroffenen vorgebrachten Scheidungsgrün-
de als erfüllt.
8.2 Die massgeblichen Vorkommnisse liefen wie folgt ab: Nach zwei er-
folglos durchlaufenen Asylverfahren (1997/98 bzw. 2002) heiratete der
Beschwerdeführer rund einen Monat nach der Ausschaffung am 18. De-
zember 2002 im Kosovo eine Schweizerin. Diese hatte er im Jahre 1999
– nach rechtskräftigem Abschluss des ersten Asylverfahrens, aber vor Ab-
lauf der angesetzten Ausreisefrist – im Kanton Bern kennengelernt. Der
Anstoss sich zu vermählen, soll von beiden Parteien ausgegangen sein.
Acht Monate nach der Heirat erhielt er eine ordentliche Aufenthaltsbewil-
ligung. Die Schweizer Ehefrau ist sechzehn Monate älter als er und leidet
an einer leichten geistigen Behinderung. Die Ehe, in deren Verlauf sich
die gesundheitlich angeschlagene Ex-Gattin einer Nierentransplantation
unterziehen musste, blieb kinderlos. Am 15. Juli 2008 ersuchte der Be-
schwerdeführer um erleichterte Einbürgerung. Nachdem die Ehegatten
am 27. März 2009 die gemeinsame Erklärung zum Bestand der ehelichen
Gemeinschaft abgegeben hatten, wurde er am 9. April 2009 erleichtert
eingebürgert.
Aktenkundig ist ferner, dass die Eheleute sich Ende Oktober 2009 vorü-
bergehend getrennt haben. Am 13. Oktober 2009 schloss der Beschwer-
deführer per 1. November 2009 einen Mietvertrag über eine Wohnung im
Kanton Solothurn ab. Nach Darstellung der Parteien haben sie vom De-
zember 2009 bis Ende Februar 2010 nochmals im Kanton Bern zusam-
mengewohnt und sich erst dann definitiv getrennt. Gemäss Scheidungs-
akten unterzeichneten sie im März 2010 eine Vereinbarung über die
Scheidungsfolgen (Scheidungskonvention) und reichten am 16. Juni 2010
ein gemeinsames Scheidungsbegehren ein, das am 30. August 2010 zur
Scheidung führte (in Rechtskraft seit 12. September 2010). Am 31. De-
zember 2010 verlobte sich der Beschwerdeführer in seiner Heimat mit ei-
ner knapp drei Jahre jüngeren Landsfrau, welche er am 2. Dezember
2011 in Solothurn heiratete. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder.
8.3 Bis zur erleichterten Einbürgerung am 9. April 2009 dauerte die Ehe
des Beschwerdeführers mit der schweizerischen Ehefrau knapp sechs
Jahre und vier Monate. Rund sechseinhalb Monate später haben sich die
Eheleute erstmals getrennt. Bis zum definitiven Auszug des Beschwerde-
führers aus dem ehelichen Domizil und der umgehend erfolgten Unter-
zeichnung der Ehescheidungskonvention verstrichen ab Einbürgerung
ungefähr zehneinhalb Monate, bis zur rechtskräftigen Scheidung sieb-
C-176/2014
Seite 12
zehn Monate. Lediglich dreieinhalb Monate nach der Scheidung verlobte
sich der Beschwerdeführer mit einer Landsfrau. Dieser Ereignisablauf
begründet nach der Rechtsprechung die natürliche Vermutung dafür,
dass er im massgeblichen Zeitraum des Einbürgerungsverfahrens nicht
mehr in einer stabilen Ehe lebte (vgl. etwa Urteile des BVGer
C-1083/2012 vom 21. Juli 2014 E. 7.2 oder C-3365/2011 vom 16. De-
zember 2013 E. 9.2 je m.H.).
9.
Besteht aufgrund der Chronologie der Vorkommnisse – wie vorliegend –
die tatsächliche Vermutung, die Einbürgerung sei erschlichen worden, ist
es Sache des Beschwerdeführers, einen alternativen Geschehensablauf
aufzuzeigen. Dazu genügt, dass er ein nach der Einbürgerung eingetre-
tenes ausserordentliches Ereignis dartut, das zum raschen Scheitern der
Ehe führte. Der Parteivertreterin ist beizupflichten, dass besagte Vermu-
tung auch anders umgestossen werden kann, beispielsweise wenn die
betreffende Person im Stande ist, einen oder mehrere plausible Gründe
anzugeben, warum sie die Eheprobleme während des Einbürgerungsver-
fahren nicht oder noch nicht erkannte (siehe hierzu E. 6.2 vorne).
9.1 Als einen wichtigen Auslöser für das eheliche Zerwürfnis nannte der
Beschwerdeführer in seiner ersten Stellungnahme vom 14. Januar 2013
den überraschenden Tod seines Vater im Sommer 2009, was bei ihm
grosse Trauer ausgelöst habe. Die Ex-Gattin habe dafür kein richtiges
Verständnis aufgebracht. Aus dieser Situation heraus hätten sich unter
den Ehepartnern immer häufiger Streitigkeiten zu manifestieren begon-
nen. Dies habe im November 2009 zur provisorischen und später dann
zur definitiven Trennung geführt. Nachdem das BFM vom Beschwerde-
führer einen Beleg für diesen Todesfall verlangt hatte, reichte er eine To-
desbescheinigung nach. Daraus ging hervor, dass sein Vater nicht im
Sommer 2009, sondern bereits am 26. Juli 2007 aufgrund eines Unfalles
verstorben ist. Die Argumentation liess der Beschwerdeführer in den
nachfolgenden Stellungnahmen vom 28. Februar 2013 und 27. Juni 2013
entsprechend anpassen. Auch die geschiedene Ehefrau wies in ihren
schriftlichen Antworten vom 20. März 2013 darauf hin, dass sie, wenn
dieser Todesfall nicht gewesen wäre, nicht so viele Probleme zusammen
gehabt hätten. Diese Ausführungen machen deutlich, dass die Schwierig-
keiten, welche u.a. zur Trennung geführt haben sollen, offenkundig einige
Zeit vor der erleichterten Einbürgerung anfingen. Die Stabilität der Ehe
war als Folge besagter Belastung mithin bereits während des Einbürge-
rungsverfahrens erheblich beeinträchtigt. Verstärkt wird diese Einschät-
C-176/2014
Seite 13
zung durch die Äusserungen in der vorgenannten Stellungnahme vom
14. Januar 2013, wonach die deswegen immer häufigeren Streitereien
unter den Ehegatten bald auch ein gewisses Mass an Unversöhnlichkeit
in sich getragen hätten. Abgesehen davon leidet durch die Falschaussa-
ge zu jenem Todesfall auch die Glaubhaftigkeit der übrigen Ausführungen
des Beschwerdeführers. Die in diesem Zusammenhang geltend gemach-
ten Umstände stellen jedenfalls keine ausserordentlichen Ereignisse dar,
die zum raschen Zerfall des Willens zur ehelichen Gemeinschaft im An-
schluss an die Einbürgerung geführt haben können.
9.2 Für das Scheitern der Ehe ursächlich waren laut Darstellung der frü-
heren Gattin sodann die grossen Arbeitspensen des Beschwerdeführer.
Er habe viel gearbeitet und sei deswegen oft weg gewesen; teilweise ha-
be er auch am Samstag und Sonntag gearbeitet (vgl. ihre Antworten vom
20. März 2013 und 4. April 2013). Die Parteivertreterin bestätigte, dass ihr
Mandant seine Arbeit seit jeher gerne mache und häufig Überstunden
leiste; erstmals aufgegriffen wird dieser aus der Optik der schweizeri-
schen Ex-Ehefrau zentrale Punkt für die Ehekrise von ihm freilich erst in
den abschliessenden Bemerkungen vom 27. Juni 2013. Nichts desto trotz
muss auch die Arbeitssituation auf Seiten des Beschwerdeführers ein
Thema gewesen sein, das sich vor der erleichterten Einbürgerung be-
merkbar machte, zumal die eingereichten Lohnabrechnungen schon ab
November 2006 regelmässig Überstunden teilweise erheblichen Umfan-
ges aufweisen. Dass Letzterer auch vor und nach dem Einbürgerungsver-
fahren sowie nach der Scheidung sehr oft am Arbeitsplatz anzutreffen
war, ist nicht von Belang. Als massgeblich erscheint einzig, dass diese
berufsbedingten Absenzen während des Einbürgerungsverfahrens nach-
weislich einen belastenden Faktor in seiner ersten Ehe darstellten. Ana-
loges gilt hinsichtlich der gesundheitlichen Probleme der geschiedenen
Ehefrau. Deren Nierenleiden wird allerdings nur vom Beschwerdeführer
und bloss anfänglich als ein Auflösungsgrund genannt (siehe Stellung-
nahme vom 14. Januar 2013, wo davon die Rede ist, dass das Paar des-
wegen schwierige Phasen gekannt habe). Am schwerwiegendsten prä-
sentierte sich der Gesundheitszustand der betreffenden Person gemäss
den herangezogenen Akten denn zwischen 2003 und 2005 (Datum der
Nierentransplantation: 6. April 2004). Die Probleme der (zeitlich) starken
beruflichen Beanspruchung und der gesundheitlichen Handicaps vermö-
gen das plötzliche Zerwürfnis in einer zuvor funktionierenden ehelichen
Gemeinschaft somit nicht plausibel zu erklären.
C-176/2014
Seite 14
9.3 Des Weiteren wird von der Rechtsvertreterin auf Beschwerdeebene
argumentiert, die Trennung der Eheleute im November 2009 sei vorüber-
gehender Natur gewesen und sie hätten danach um den Fortbestand ih-
rer Ehe weitergekämpft. Wann genau die Haushaltsgemeinschaft endgül-
tig aufgehoben wurde, spielt angesichts der vergleichsweise engen Er-
eignisabfolge – auch die definitive Trennung erfolgte wie erwähnt schon
zehneinhalb Monate nach der erleichterten Einbürgerung – kaum eine
Rolle. Unabhängig davon sprechen überdies gewichtige Indizien gegen
die Ernsthaftigkeit der angesprochenen Rettungsversuche. Hinzuweisen
wäre etwa auf die Miete einer Wohnung in einem anderen Kanton per
1. November 2009, den Verzicht auf die Untervermietung dieser Woh-
nung während der Rückkehr des Beschwerdeführers ins eheliche Domizil
und die Tatsache, dass die Parteien kurze Zeit nach dem angegebenen
definitiven Trennungszeitpunkt (Ende Februar 2010) eine Scheidungs-
konvention unterzeichneten (von beiden datiert mit: "im März 2010"). In
dieses Bild passen ausserdem die zügige Durchführung des Scheidungs-
verfahrens und die baldige Hinwendung des Beschwerdeführers zu einer
Landsfrau, mit welcher er sich gerade mal dreieinhalb Monate nach
Rechtskraft des Scheidungsurteils in seiner Heimat verlobte. Im Kontext
der vorgetragenen Scheidungsgründe (siehe E. 9.1. und 9.2 vorstehend)
sowie des raschen und finalen Entschlusses zur Trennung und Schei-
dung charakterisieren sich die Äusserungen der Eheleute, wonach sie ih-
rer Probleme erst im Herbst 2009 gewahr geworden, damals aber weiter-
hin von einem unerschütterlichen Glauben an die Zukunft der Ehe getra-
gen gewesen seien, als blosse Schutzbehauptungen. Sie vermögen
nichts daran zu ändern, dass die Stabilität der ehelichen Gemeinschaft
bereits während des Einbürgerungsverfahrens bzw. im Zeitpunkt des Ein-
bürgerungsentscheids erheblich beeinträchtigt gewesen sein muss.
9.4 Zu keinem anderen Ergebnis führt, dass laut Beschwerdeschrift vom
13. Januar 2014 angeblich die damalige Ehefrau des Beschwerdeführers
die treibende Kraft hinter der Scheidung gewesen sein soll, kann die er-
leichterte Einbürgerung doch nicht als "Belohnung" für eigenes eheliches
Wohlverhalten betrachtet werden. Mit dem einheitlichen Bürgerrecht der
Ehegatten wollte der Gesetzgeber vielmehr ihre gemeinsame Zukunft
fördern (vgl. BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f.). Es kommt mit anderen Wor-
ten nicht darauf an, welcher Ehepartner für die Auflösung der Ehe die
Hauptverantwortung trägt (vgl. Urteil des BGer 1C_250/2011 vom 21. Juli
2011 E. 5). Zu prüfen ist lediglich, ob aufgrund der gesamten Umstände
für den Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung und der Einbürgerung eine
intakte und stabile Ehesituation angenommen werden kann (siehe Urteil
C-176/2014
Seite 15
des BVGer C-4576/2013 vom 12. Juni 2014 E. 11.4 m.H.), was hier – wie
dargelegt – nicht der Fall war. Die Einwände der Parteivertreterin sind im
Übrigen dahingehend zu relativieren, dass es sich um ein gemeinsames
Scheidungsbegehren handelte, das wie die vom März 2010 datierende
Vereinbarung über die Scheidungsfolgen von beiden Ehegatten unter-
zeichnet worden ist. Abgesehen davon hat sich der Beschwerdeführer
auffallend rasch mit dem endgültigen Aus seiner ersten Ehe arrangiert.
Dem Einwand wiederum, dass Scheidungen heutzutage häufig vorkä-
men, gilt es zu entgegnen, dass die Erteilung des Bürgerrechts sich nicht
nach allfälligen Statistiken richtet (vgl. Urteile des BGer 1C_309/2011 vom
5. September 2011 E. 3.2, 1C_232/2011 vom 15. Juli 2011 E. 2.6 oder
1C_220/2008 vom 19. Juni 2008 E. 5). Es bleibt daher bei der Vermu-
tung, dass die Auflösungserscheinungen in der Ehe vor der erleichterten
Einbürgerung ihren Lauf genommen haben.
9.5 Einen Anhaltspunkt für eine Zweckentfremdung des Instituts der er-
leichterten Einbürgerung liefert darüber hinaus der Umstand, dass der
Beschwerdeführer das Einbürgerungsgesuch zum frühestmöglichen Zeit-
punkt einreichte (Aufenthaltsbewilligung gültig ab 11. Juli 2003, Gesuch-
einreichung am 15. Juli 2008; vgl. dazu wiederum Urteil 1C_220/2008
E. 5). Ein weiteres Element erblickt die Vorinstanz in der Erlangung eines
Anwesenheitsrechts hierzulande dank sofortiger Heirat einer Schweizerin
nach rechtskräftig abgeschlossenem zweitem Asylverfahren. Zudem ver-
weist sie auf den seitens der Schweizerischen Vertretung in Pristina ge-
hegten Verdacht, der Beschwerdeführer habe mit seiner jetzigen Ehefrau
schon zuvor eine eheähnliche Beziehung gepflegt. Allerdings erlaubt die
Aktenlage nicht, ihm in dieser Hinsicht zweckwidrige Absichten zu un-
terstellen. Andererseits stellen die beiden Aspekte auch keine Vorausset-
zung zur Annahme der Vermutungsbasis dar. Ohnehin handelt es sich um
Randargumente, weshalb nicht näher darauf einzugehen ist. Im Rahmen
einer Gesamtwürdigung weisen die zuvor aufgelisteten Indizien (siehe
E. 9.1 – 9.4 hiervor) indessen allesamt darauf hin, dass seitens des Be-
schwerdeführers und der geschiedenen Gattin schon vor der erleichterten
Einbürgerung kein auf die Zukunft gerichteter Ehewille mehr bestand.
9.6 Als unbehelflich erweist sich schliesslich der Hinweis, die kurz bevor-
stehende absolute Verjährung hätte in die vorinstanzliche Interessenab-
wägung mit einfliessen müssen. Zum einen endet die absolute Verjäh-
rung hier erst im Frühjahr 2017, zum andern wird verkannt, dass Art. 41
Abs. 1 bis
BüG der Nichtigerklärung durch das Bundesamt einzig einen
zeitlichen Rahmen von acht Jahren setzt (siehe E. 5.1 und 5.2 vorste-
C-176/2014
Seite 16
hend). Weitere im Zeitablauf gründende Einschränkungen sind nicht vor-
gesehen. Das BFM als erste Instanz soll damit stets den vollen zeitlichen
Handlungsspielraum ausschöpfen können (siehe Urteil des BVGer
C-2361/2010 vom 12. November 2012 E. 8.7 m.H.).
Nach dem Gesagten hat das BFM weder den Sachverhalt unrichtig fest-
gestellt oder einseitig gewürdigt, noch das Gebot der korrekten Rechts-
anwendung oder Beweisregeln verletzt.
9.7 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
plausible Alternative zur dargestellten Vermutungsfolge zu präsentieren
und damit die gegen ihn sprechende tatsächliche Vermutung in Frage zu
stellen, wonach er und seine damalige Ehefrau im Zeitpunkt der Unter-
zeichnung der gemeinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürge-
rung nicht (mehr) in einer tatsächlichen und stabilen ehelichen Gemein-
schaft lebten. Es ist demnach davon auszugehen, dass die erleichterte
Einbürgerung im Sinne von Art. 41 BüG durch falsche Angaben und das
Verheimlichen erheblicher Tatsachen erschlichen wurde.
Damit sind die materiellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der
erleichterten Einbürgerung ebenfalls erfüllt.
10.
Art. 41 Abs. 1 BüG legt den Entscheid über die Nichtigerklärung in das
pflichtgemässe Ermessen der Behörde. Die Rechtsprechung geht in die-
sem Zusammenhang allerdings davon aus, dass gegenüber einer Per-
son, welche die Täuschungshandlung begangen hat, die Nichtigerklärung
eine Regelfolge darstellt, von der nur unter ganz ausserordentlichen Um-
ständen abzuweichen ist (vgl. etwa Urteil des BVGer C-4875/2011 vom
21. Februar 2014 E. 8). Dass der Beschwerdeführer fleissig und gemäss
Nachtrag vom 4. Juni 2014 ein guter Steuerzahler ist sowie dass er sich
während seiner bisherigen Anwesenheit hierzulande nie etwas hat zu
Schulden kommen lassen, ist im vorliegenden Verfahren ohne Belang
und vermag im Rahmen der Ermessensausübung keinen Verzicht auf die
Nichtigerklärung zu rechtfertigen. Die genannten Aspekte wären gegebe-
nenfalls in einem separaten ausländerrechtlichen Verfahren zu würdigen.
Klarzustellen ist immerhin, dass der Entzug des Schweizer Bürgerrechts
nicht eo ipso mit einem Verlust des Aufenthaltsrechts einhergeht (zum
Ganzen siehe BGE 140 II 65 E. 4.2.2 – 4.2.3 S. 72 f. und BGE 135 II 1
E. 3.2 S. 5 ff.).
C-176/2014
Seite 17
11.
Sofern nicht ausdrücklich anders verfügt, erstreckt sich die Nichtigkeit auf
alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtig er-
klärten Einbürgerung beruht (vgl. Art. 41 Abs. 3 BüG). Gestützt auf die
angefochtene Verfügung sind die beiden nach der erleichterten Einbürge-
rung geborenen Kinder des Beschwerdeführers und seiner heutigen Ehe-
frau von der Nichtigkeit mit betroffen. Nun droht den Kindern, soweit be-
kannt, weder die Staatenlosigkeit, noch befinden sie sich mit gut zwei
Jahren bzw. zehn Monaten in einem Alter, das unter dem Gesichtspunkt
der Verhältnismässigkeit dem Einbezug in die Nichtigerklärung entgegen-
stehen könnte (vgl. dazu das Handbuch "Bürgerrecht", publiziert auf der
Webseite des Bundesamtes für Migration <http://www.bfm.admin.ch> Do-
kumentation > Rechtliche Grundlagen > Weisungen und Kreisschreiben >
V. Bürgerrecht, Ziff. 6.6, besucht am 28. August 2014). Die angefochtene
Verfügung lässt sich somit auch diesbezüglich nicht beanstanden.
12.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.
13.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 172.320.2]).
Dispositiv Seite 18
C-176/2014
Seite 18