Decision ID: 331e2ee5-278a-4a85-b6cb-10096de39b00
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
gesundheitlichen Sachverhalts (im Rahmen eines strukturierten
Beweisverfahrens) und eine (Neu-)Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sowie
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die Zusprache einer Invalidenrente. Dabei wies sie auf einen Dr. med.
D._ vorgelegten und von ihm am 1. Juni 2018 beantworteten
Fragekatalog hin, worin dieser namentlich den Schlussfolgerungen des
versicherungsexternen psychiatrischen Gutachtens vom 5. März 2018
nicht zustimmen könne.
9. Mit Verfügung vom 30. Juli 2018 verneinte die IV-Stelle, wie bereits im
Vorbescheid angekündigt, einen Leistungsanspruch. Zur Begründung wies
sie wiederum auf die festgestellte Aggravation hin, worauf die geltend
gemachten Leistungseinschränkungen zurückzuführen seien. Daran
vermöge auch die im Einwand geltend gemachte, seit vielen Jahren
bestehende schwere psychische Erkrankung nichts zu ändern. Die im
Einwand aufgeführten Sachverhalte seien der IV-Stelle sowie dem RAD
bekannt gewesen und auch im psychiatrischen Gutachten vom 5. März
2018 von Dr. med. H._ berücksichtigt worden.
10. Gegen die Verfügung vom 30. Juli 2018 erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 14. September 2018 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, eine Neubeurteilung des
gesundheitlichen Sachverhaltes und eine (Neu-)Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit sowie die Zusprache eine Invalidenrente. Ferner sei eine
Stellungnahme der Gutachterstelle zu den Vorbringen von Dr. med.
D._ in seinem Schreiben vom 1. Juni 2018 einzuholen. Zudem
ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zur Begründung führte sie insbesondere aus, dass aus
der Sicht der behandelnden (Fach-)Ärzte seit Jahren klare Diagnosen
(rezidivierende depressive Störung und perfektionistisch-anankastische
Persönlichkeitsstörung) bestünden. Zudem tendiere sie zu einer
Überanpassung mit perfekter Leistung, überhöhten Selbstansprüchen mit
Selbstüberschätzung und zum Dissimulieren. Es sei ein klassischer
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Bestandteil dieser Erkrankung und Persönlichkeitsstörung, dass sie
aggraviere und andererseits ihre Beschwerden verheimliche bzw.
dissimuliere. Das in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 durchgeführte
Aufbautraining habe infolge zunehmender Überforderung vorzeitig beendet
werden müssen, wobei sich die Überforderung in starken körperlichen
Symptomen wie Zittern, Herzrasen und Schwindel gezeigt habe. Ein vom
18. Juni bis am 4. Juli 2018 durchgeführter Arbeitsversuch in einem
Pensum von 20 bis 30 % habe auf Aufforderung des behandelnden
Psychiaters abgebrochen werden müssen, da sie völlig überfordert
gewesen und in eine starke Depression geraten sei. Zudem liege eine
Diagnose mit Beweiswert vor, welche im Schreiben vom 1. Juni 2018 durch
einen Facharzt für Psychiatrie gestellt und begründet werde. Schliesslich
sei gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Durchführung eines
strukturierten Beweisverfahrens erforderlich. Überdies wies die
Beschwerdeführerin noch auf zwei nach dem vorliegend massgebenden
Datum durchgeführte und gescheiterte Arbeitsversuche im ersten
Arbeitsmarkt hin.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 11. Oktober 2018 die kostenpflichtige Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie primär auf die angefochtene
Verfügung vom 30. Juli 2018. Ferner stellte sie in Abrede, dass Aggravation
ein Bestandteil der vorliegend im Raum stehenden Persönlichkeitsstörung
sei. Auch das Verheimlichen und Dissimulieren von Beschwerden führte
nicht zu Aggravation. Die Beschwerdegegnerin verneinte einen inneren
Widerspruch in der neuropsychologischen Beurteilung vom 3. Februar
2018 sowie dem psychiatrischen Gutachten vom 5. März 2018. Vielmehr
seien diese schlüssig und nachvollziehbar.
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Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 30. Juli 2018 sowie die weiteren Akten, wird,
sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 30. Juli 2018. Eine solche Anordnung, die
laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der
verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und
materielle Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist
somit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 61 lit. b ATSG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist streitig, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
3. Die Beschwerdegegnerin führt die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Leistungseinschränkungen auf Aggravation zurück und
schliesst eine leistungsbegründende gesundheitliche Beeinträchtigung
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aus. Dazu stützt sie sich im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten
vom 5. März 2018 von Dr. med. H._, worin auch die Ergebnisse der
neuropsychologischen Testungen durch Dr. phil. I._, Fachpsychologe
FSP, gemäss Bericht vom 3. Februar 2018 mitberücksichtigt wurden.
Zudem wurde das erwähnte Gutachten durch Dr. med. G._ vom
Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) beurteilt und er empfahl
für den Leistungsentscheid darauf abzustellen.
3.1. Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Konstellation, liegt rechtsprechungsgemäss regelmässig keine versicherte
Gesundheitsschädigung vor. Dies trifft namentlich zu, wenn eine erhebliche
Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten
Verhalten oder der Anamnese besteht, wenn intensive Schmerzen
angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt, wenn
keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen
wird, wenn demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen
unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag
behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist.
Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin
(BGE 141 V 281 E.2.2.1 f.; Urteile des Bundesgerichts 9C_462/2019 vom
18. Dezember 2019 E.4.2.1, 8C_155/2019 vom 11. Juli 2019 E.5.1.1 und
9C_104/2019 vom 27. Juni 2019 E.3.2.1).
Eine Aggravation zeichnet sich aus durch eine Übertreibung oder
Ausweitung von Beschwerden, indem tatsächlich vorhandene Symptome
zur Erreichung eines Ziels (im hier interessierenden Kontext die
Zusprechung einer Rente) verstärkt werden. Externe Motivation (Erreichen
einer Rente) und Bewusstseinsnähe sind somit – nebst den vorstehend
dargelegten Hinweisen – starke Anhaltspunkte für eine
anspruchshindernde Aggravation. Grundsätzlich gilt, dass umso eher von
Aggravation auszugehen ist, je mehr Hinweise auf eine absichtliche,
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gesteuerte und in diesem Sinne "bewusste" Symptomerzeugung bestehen.
Dabei sind nicht nur die von den medizinischen Sachverständigen
festgestellten Diskrepanzen zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung
und objektivierbaren Befunden von Bedeutung, sondern auch
diesbezügliche Beobachtungen der einen längeren Zeitraum
überblickenden behandelnden Ärzte. Von Relevanz sind sodann
(fremdanamnestische) Hinweise auf das Verhalten der versicherten Person
im Alltag, insbesondere auch im ausserberuflichen Bereich (siehe Urteile
des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E.3.1 und
9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.4.2.2).
Bedeutsame Hinweise ergeben sich unter anderem daraus, ob und
inwieweit die medizinischen Gutachter als auch die behandelnden, in aller
Regel einen längeren Beobachtungszeitraum überblickenden Ärzte
Diskrepanzen zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung und
objektivierbaren Befunden beobachtet und dokumentiert haben,
beispielsweise indem ihnen eine demonstrative Schmerzausgestaltung
aufgefallen ist oder die versicherte Person – aus nicht krankheitsbedingten
Gründen – während längerer Zeit geeignete Therapievorschläge abgelehnt
hat (vgl. Urteil 8C_4/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2). Ebenfalls kann
die Bestimmung von Medikamentenspiegel wichtige Anhaltspunkte liefern.
Schliesslich können auch Beschwerdevalidierungstests weitere hilfreiche
Hinweise geben (siehe Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom
29. Juni 2015 E.4.2.3).
Besteht nach sorgfältiger Prüfung auf, auch in zeitlicher Hinsicht, möglichst
breiter Beobachtungsbasis im Einzelfall Klarheit darüber, dass nach
plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation
bzw. anderer Ausschlussgründe eindeutig überwiegen und die Grenzen
eines bloss verdeutlichenden Verhaltens klar überschritten sind, ohne dass
das aggravierende Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige
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psychische Störung (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299) zurückzuführen
wäre, fällt eine versicherte Gesundheitsschädigung ausser Betracht und
ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen (siehe BGE 141 V 281 E.2.2.1 f.;
Urteile des Bundesgerichts 9C_462/2019 vom 18. Dezember 2019 E.4.2.2
f. und 9C_658/2018 vom 11. Januar 2018 E.4.1).
3.2. Die Beschwerdeführerin kritisiert das versicherungsexterne psychiatrische
Gutachten vom 5. März 2018 von Dr. med. H._ unter Hinweis auf die
Ausführungen von Dr. med. D._ in seinem Schreiben vom 1. Juni
2018. Darin widerspricht der behandelnde Psychiater im Rahmen der ihm
vorgelegten Fragestellungen den gutachterlichen Schlussfolgerungen
hinsichtlich der Diagnosestellung, der gutachterlich festgestellten
Aggravation und der entsprechenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in
angestammter und adaptierter Tätigkeit. Im Ergebnis spricht die
Beschwerdeführerin gestützt darauf dem psychiatrischen Gutachten von
Dr. med. H._ die Beweiseignung für die Beurteilung ihres
Leistungsanspruches ab.
3.3. Um beurteilen zu können, wie sich der Gesundheitszustand eines
Versicherten im massgebenden Zeitpunkt darstellt, sind die Verwaltung
und das im Beschwerdefall angerufene Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur
Verfügung stellen. Dabei besteht die Aufgabe des Arztes darin, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und − wenn nötig − seine Entwicklung
im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter
ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven
Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf eine Diagnose zu
stellen. Hiermit erfüllt der Arzt seine originäre Aufgabe, wofür die
Verwaltung und im Streitfall das Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
für die Arbeitsfähigkeit kommt dem Arzt hingegen keine abschliessende
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Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt er zur Arbeitsunfähigkeit
Stellung, d.h. er gibt eine Schätzung ab, welche er aus seiner Sicht so
substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden
können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4 und 125 V 256 E.4).
Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a,
122 V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E.3b,
118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
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137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte ein vergleichbarer Beweiswert
zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie
in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (siehe BGE 137 V 210 E.1.2.1, Urteil des Bundesgerichts
8C_839/2016 vom 12. April 2017 E.3.1 f.). Die Tatsache allein, dass der
befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (vgl. zum Ganzen BGE 125 V 351 E.3b/ee, 122 V 157 E.1c).
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465
E.4.3.2 und 4.4; Urteile des Bundesgerichtes 9C_415/2017 vom
21. September 2017 E.3.2, 8C_452/2016 vom 27. September 2016 E.4.2.2
f., 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). In Bezug auf Berichte von
Hausärzten darf und soll der Richter auch der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5; BGE 125 V 351 E.3b/cc).
Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag
der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und der
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten
(vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass für weitere
Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin
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die Fälle, wo sich eine vom (amtlichen) Gutachten abweichende
Beurteilung aufdrängt, weil die Berichte der behandelnden Ärzte wichtige –
nicht rein der subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt
geblieben sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_317/2019 vom 30.
September 2019 E.2.3, 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2.2,
8C_229/2019 vom 5. Juli 2019 E.5.1 und 8C_835/2018 vom 23. April 2019
E.3).
3.4. Dr. med. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, untersuchte die
Beschwerdeführerin am 16. Januar 2018 während mehr als einer Stunde
(siehe IV-act. 104 S. 1 ff.). Am 2. Februar 2018 führte Dr. phil. I._,
Fachpsychologe FSP, eine neuropsychologische Abklärung mit der
Beschwerdeführerin durch, worüber in der entsprechenden Beurteilung
vom 3. Februar 2018 berichtet wurde. Dr. phil. I._ ergänzte die bereits
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung geschilderte Anamnese und
befragte die Beschwerdeführerin insbesondere zu ihren Leiden bzw. den
subjektiven Beschwerden, den Entwicklungen und dem Verlauf der
kognitiven Defizite, der Freizeitgestaltung sowie der Selbsteinschätzung
der versicherten Person betreffend Diagnose, Arbeitsfähigkeit und
Wiedereingliederung. Zusätzlich hielt Dr. phil. I._ die von ihm
feststellbaren Befunde, wie die äussere Erscheinung, die
Verhaltensbeobachtung sowie den psychopathologischen Status fest und
beschrieb die Rahmenbedingungen der neuropsychologischen Testungen.
Als Befunde der neuropsychologischen Abklärung hielt Dr. phil. I._
verschiedentlich ein durchschnittliches Testergebnis, teilweise aber auch
leichtgradige bis schwergradige Einschränkungen fest. Gemäss
Stellungnahme von Dr. phil. I._ zur Leistungsmotivation und dem
Testverhalten anhand von Beschwerdevalidierungstests ergaben die
erreichten Testergebnisse Indizien für eine Antwortverzerrung, weshalb
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aus den testologisch erzielten Daten nicht auf das tatsächliche Ausmass
der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit geschlossen werden könne.
Dr. phil. I._ stellte zwar kein spezifisches Klagen oder Jammern der
Explorandin fest, doch stufte er zwei von vier Plausibilitätskriterien gemäss
Slick et al. (1999) zur Simulationsabklärung als erfüllt ein. Er bejahte einen
substanziellen externen Anreiz infolge des Umstandes, dass die
Beschwerdeführerin sich für die Ausrichtung einer Vollrente
ausgesprochen habe und sich in keiner Weise fähig sehe, jemals wieder in
den ersten Arbeitsmarkt einsteigen zu können. Mit Blick auf die Evidenzen
aus testpsychologischen erzielten Ergebnissen hielt Dr. phil. I._ fest,
dass die Menge an Fehlern in sämtlichen durchgeführten
Beschwerdevalidierungen höher als erwartet ausgefallen sei. Infolge der
Indizien für eine Antwortverzerrung verzichtete Dr. phil. I._ auf die
Diskussion der Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus rein
neuropsychologischer Sicht, weil sich daraus kein Mehrwert hinsichtlich der
Frage nach der Möglichkeit einer erwerblichen (Wieder-) Eingliederung
ergäbe.
3.5. Im psychiatrischen Gutachten vom 5. März 2018, welches sich neben den
damals vorliegenden Akten auch auf die eigenen Untersuchungen sowie
die vorstehend erwähnte neuropsychologische Abklärung abstützte, stellte
Dr. med. H._ keine Diagnose mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit (siehe IV-act. 104 S. 54). Aus der fachärztlichen
Beurteilung sowie der Beantwortung des gutachterlichen Fragekataloges,
welcher sich an den Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281
orientiert, lassen sich die folgenden Schlüsse ziehen: In Anlehnung an die
internationale Klassifikation psychischer Störungen ICD-10, Kapitel V (F)
klinisch diagnostische Leitlinien (10. Auflage) haben sich gemäss Dr. med.
H._ im Rahmen der Untersuchung keinerlei Hinweise für das
Vorliegen einer organischen, einschliesslich symptomatischen
psychischen Störungen, einer Störung durch psychotrope Subtanzen, einer
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Schizophrenie oder einer schizotypen oder wahnhaften Störung (mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) finden lassen. Im
Untersuchungszeitpunkt habe die Beschwerdeführerin eine zeitweise zum
depressiven Pol verschobene Grundstimmung gezeigt und die affektive
Modulationsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Auch habe die
Beschwerdeführerin verschiedentlich depressive Symptome beschrieben.
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Anamnese gelangte
Dr. med. H._ schliesslich zum Schluss, dass zwar viele, auch
anamnestische Angaben der Beschwerdeführerin auf das Vorliegen einer
rezidivierenden depressiven Störung hindeuten würden und
demensprechend eine solche Diagnose auch plausibel erscheine. Indes
müsse betont werden, dass sich im aktenmässig erfassten Zeitraum in den
Akten grosse Diskrepanzen zumindest in Bezug auf die Ausprägung der
depressiven Symptomatik fänden. Die Beschwerdeführerin sehe sich in
jedem Fall am besten von der Einschätzung von Dr. med. D._
wiedergegeben, welcher seit langer Zeit von einer anhaltenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen und zu dessen Begründung (neu) die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung eingeführt worden sei. Zuletzt habe
er sich aber nicht mehr eindeutig zur Arbeitsfähigkeit geäussert. Hinzu
komme, dass psychosoziale Belastungsfaktoren eine wesentliche Rolle im
ganzen Krankheitsgeschehen spielten. Daneben fänden sich aber auch
noch Hinweise auf eine starke Aggravation von Einschränkungen (der
funktionellen Leistungsfähigkeit). So werde beispielsweise wiederholt mit
gravierenden neuropsychologischen Einschränkungen argumentiert,
weshalb vorliegend auch eine entsprechende Abklärung durchgeführt
worden sei. Anlässlich der neuropsychologischen Abklärung durch Dr. phil.
I._ hätten sich aber sehr viele Hinweise auf eine Antwortverzerrung
ergeben. So sei die Menge an Fehlern in sämtlichen durchgeführten
Testverfahren zur Beschwerdevalidierung höher als erwartet ausgefallen.
Damit habe die Beschwerdeführerin (offensichtlich) anlässlich dieser
Abklärungen neuropsychologische Einschränkungen so stark betont, dass
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eindeutig von einer Antwortverzerrung ausgegangen werden müsse.
Zudem habe die Beschwerdeführerin anlässlich der neuropsychologischen
Abklärung – im Gegensatz zur psychiatrischen Exploration vom 16. Januar
2018 – auch keine depressive Verstimmung demonstriert. Denn Dr. phil.
I._ habe in seinem Beschrieb des Psychostatus (auf der Grundlage
der von der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der
Psychiatrie [AMDP] entwickelten Klassifikation) eindeutig festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin ebenso unauffällig wie angepasst gewesen
und die affektive Modulationsfähigkeit erhalten gewesen sei. Daraus
schloss Dr. med. H._, dass die Beschwerdeführerin gezielt ihren
affektiven Ausdruck modelliert habe und somit von einer deutlichen
Aggravation ausgegangen werden müsse. Dementsprechend erachtete
Dr. med. H._ zwar die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung wohl als plausibel, doch seien eindeutige Angaben über den
Verlauf, die Ausprägung der Symptomatik und über (allfällige)
Einschränkungen (infolge der deutlichen Aggravation bzw. nicht
verlässlichen Beschwerdeschilderung) nicht möglich. Dr. med. H._
wies zudem gestützt auf die damals bekannte Aktenlage darauf hin, dass
auch die behandelnden Fachärzte für Psychiatrie zuletzt – zumindest
implizit – nicht mehr eindeutig zu Einschränkungen (der Arbeitsfähigkeit)
Stellung nehmen konnten. Die von Dr. med. D._ (zuletzt neu) gestellte
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
perfektionistischen-anankastisch-dependenten Zügen kritisierte Dr. med.
H._ dahingehend, dass Dr. med. D._ dafür nicht mit den
(massgebenden) Kriterien gemäss ICD-10 argumentiert habe. Er
vermutete den Grund für diese Diagnosestellung darin, dass nur damit eine
anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit medizinisch habe
begründet werden können. Infolge der festgestellten Aggravation seien
keine zuverlässigen, gutachterlichen Angaben zur Persönlichkeit möglich.
Immerhin könne festgehalten werden, dass sowohl die berufliche als auch
die soziale Anamnese der Beschwerdeführerin nicht dafür sprächen, dass
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sich eine gravierende Persönlichkeitsstörung relevant auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe auswirken können. Wäre
dies der Fall, hätte dies auch schon viel früher so sein müssen, habe doch
Dr. med. D._ eine rezidivierende depressive Störung seit vielen
Jahren diagnostiziert, wobei sich diese dazumal offenbar nicht auf die
Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Zudem könne nach den Kriterien des
ICD-10 eine Persönlichkeitsstörung nur dann diagnostiziert werden, wenn
eine schwere Störung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens
in der Kindheit oder Jugend beginne und sich auf Dauer im
Erwachsenenalter manifestiere. Das auffällige Verhaltensmuster müsse
andauernd und gleichförmig sein und dürfe nicht auf Episoden psychischer
Krankheiten begrenzt sein. Dementsprechend hätte sich eines solche
Störung bereits früher auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auswirken müssen, wenn sie denn bestehen würde. Insofern verneinte
Dr. med. H._ das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung, auch wenn
es ihm aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung bzw. dem
aggravatorischen Verhalten anlässlich der psychiatrischen Abklärung nicht
möglich gewesen sei, zuverlässige Angaben zur Persönlichkeit der
Beschwerdeführerin zu machen (siehe zum Ganzen IV-act. 104 S. 46 ff.).
3.6. Die Beschwerdeführerin kritisiert das psychiatrische Gutachten vom
5. März 2018 insbesondere dahingehend, dass es die fachärztlich
gestellten Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10:
F33.1) seit ca. 1991 und eine seit vielen Jahren bestehende
perfektionistisch-anankastisch-dependente Persönlichkeitsstörung (ICD-
10: F61) sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verkenne.
Namentlich bestätige der behandelnde Psychiater Dr. med. D._, dass
er im Rahmen der Behandlung der Beschwerdeführerin seit dem
11. Januar 2016 keine Aggravation oder eingeschränkte Mitwirkung habe
feststellen können (siehe Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 4 S. 1).
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3.7. Zunächst ist festzuhalten, dass der beschwerdeführerische Antrag, wonach
die Vorbringen von Dr. med. D._ gemäss seinem Schreiben vom
1. Juni 2018 dem psychiatrischen Gutachter zur Stellungnahme vorzulegen
seien, in antizipierter Beweiswürdigung (siehe dazu BGE 136 I 229 E.5.3,
134 I 140 E.5.3, 124 V 90 E.4b und 122 V 157 E.1d) abzuweisen ist. Denn
Dr. med. H._ hat sich in seinem Gutachten vom 5. März 2018 bereits
einlässlich mit der dazumal vorliegenden Aktenlage auseinandergesetzt,
aus der auch die oben, von der Beschwerdeführerin vorgebrachten
Diagnosen und Arbeitsfähigkeitseinschätzungen hervorgingen (siehe dazu
IV-act. 104 S. 3 ff., 48 ff. und 57). Das im Rahmen des Einwandverfahrens
eingereichte Schreiben vom 1. Juni 2018 von Dr. med. D._ enthält
zudem auch nichts grundlegend Neues und es sind darin keine
Schlussfolgerungen enthalten, welche eine explizite Stellungnahme
seitens Dr. med. H._ als angezeigt erscheinen liessen (siehe dazu
insbesondere auch IV-act. 74 und 87).
3.8. Aus der von der Beschwerdeführerin zitierten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung, wonach auch bei leichten bis mittelschweren
Depressionen (grundsätzlich) ein strukturiertes Beweisverfahren
durchzuführen ist, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Denn der mit
BGE 143 V 409 begründeten und mit BGE 143 V 418 auf alle psychischen
Erkrankungen ausgedehnte Rechtsprechung, wonach nunmehr
grundsätzlich bei solchen Krankheitsbildern ein strukturiertes
Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 durchzuführen ist, wurde
vorliegend dergestalt Rechnung getragen, dass sich insbesondere der
Fragenkatalog für das psychiatrische Gutachten von Dr. med. H._ auf
die Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 bezieht und der
psychiatrische Gutachter namentlich auch die massgebenden Umstände
zur Beurteilung von weiteren Indikatoren, wie die persönlichen und sozialen
Ressourcen und Belastungen, erfasst hat. Damit hat Dr. med. H._ die
massgeblichen rechtlichen Vorgaben berücksichtigt (siehe insbesondere
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IV-act. 104 S. 28 ff. und 51 ff.; siehe auch nachfolgende Erwägung 3.10).
Es besteht kein Raum für eine losgelöste juristische Parallelüberprüfung
(BGE 144 V 50 E.4.3, 141 V 281 E.5.2.3).
3.9. Wie bereits in der vorstehenden Erwägung 3.4 dargelegt, gelangte Dr. phil.
I._ zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin Indizien für eine
Antwortverzerrung vorlägen. Dementsprechend könne aufgrund der
testologisch erzielten Daten nicht auf das tatsächliche Ausmass der
neurokognitiven Funktionstüchtigkeit geschlossen werden. Dr. phil. I._
verzichtete auf die Diskussion der Erwerbsfähigkeit aus rein
neuropsychologischer Sicht. Indizien für eine Antwortverzerrung sah er
namentlich darin, dass die Beschwerdeführerin in sämtlichen
durchgeführten Testverfahren zur Beschwerdevalidierung eine höhere als
die zu erwartende Fehlermenge erreicht hat. Darum bejahte er die Erfüllung
des B-Kriteriums nach Slick et al. (1999). Zudem erachtete er auch das A-
Kriterium (substantieller externer Anreiz) als erfüllt, weil sich die
Beschwerdeführerin für die Ausrichtung einer Vollrente durch die
Sozialversicherung ausgesprochen habe und sich in keiner Weise fähig
sehe, jemals wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Diese
Beurteilung ist genauso wenig zu beanstanden (siehe dazu Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 18 139 vom
17. März 2020 E.3.6.7) wie der Schluss von Dr. phil. I._, dass aufgrund
der Ergebnisse der Beschwerdevalidierungstest Hinweise für eine
Antwortverzerrung bestünden. Denn wie sich aus den durchgeführten
Testverfahren ergibt, wichen sämtliche Testwerte vom Normbereich ab
(siehe IV-act. 104 S. 73 f.). Zudem wurde im Konsistenzcore zum Word
Memory Test (WMT) ein Wert von 70 % erreicht bei einem Cut-off-Wert von
82.5 % sowie einem Bereich für Zufallsniveauergebnisse von 37.5 % bis
62.5 %. Gemäss Ausführungen von Dr. phil. I._ eignet sich dieser
Wert für die Feststellung einer subtilen Aggravation, denn Exploranden mit
mittelschweren bis schweren Schädel-Hirn-Traumata sowie neurologische
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=2&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22juristische+Parallel%FCberpr%FCfung%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-50%3Ade&number_of_ranks=0#page50 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=2&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22juristische+Parallel%FCberpr%FCfung%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
- 21 -
Patienten würden einen Testwert von ≥ 75 % erzielen. Hinsichtlich der
Evidenzen aus dem Verhalten (C-Kriterium) hielt Dr. phil. I._ fest, dass
keine Auffälligkeiten feststellbar seien und sich bei der Beschwerdeführerin
während der Exploration weder ein Jammer bzw. Klagen noch
Konzentrations- oder Gedächtnisschwierigkeiten gezeigt hätten. Er
erachtete das C-Kriterium im Ergebnis als nicht erfüllt. Betreffend das D-
Kriterium (das erfüllte B-Kriterium lässt sich nicht vollständig durch
psychiatrische bzw. entwicklungsbedingte Faktoren erklären) behielt
Dr. phil. I._ die Beurteilung einem Facharzt vor. Mit dem D-Kriterium
gemäss Slick et al. (1999) soll das Ausmass der Aggravation bzw.
Simulation im Rahmen dessen als willentlich deklariert werden, wie es sich
nicht durch plausible, alternative Erklärungen, wie (Psycho-)Pathologien
oder Entwicklungsstörungen, erklären lässt bzw. das Verhalten nicht
besser als unbewusstes oder unabsichtliches Handeln im Rahmen von
psychiatrischen, neurologischen oder Entwicklungsstörungen erklärt
werden kann (siehe KEPPLER et al., Beschwerdevalidierung in der
versicherungsmedizinischen Begutachtung, in: Fortschritte der Neurologie
Psychiatrie, Stuttgart 2017, S. 27 f.; KOOL/MEICHTRY/SCHAFFERT/RÜESCH,
Der Einsatz von Beschwerdevalidierungstests in der IV-Abklärung, in:
Schriftenreihe des BSV "Beiträge zur Sozialen Sicherheit", Bern 2008,
S. 26). Dementsprechend und auch in Übereinstimmung mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind neuropsychologische
Beschwerdevalidierungstest noch fachärztlich zu würdigen (siehe Urteile
des Bundesgerichts 8C_605/2019 vom 12. November 2019 E.3.2.2 und
8C_95/2019 vom 3. Juni 2019 E.6.1). Dies geschah vorliegend durch
Dr. med. H._, welcher Facharzt für Psychiatrie und Psychiatrie sowie
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM ist, im Rahmen seiner
Beurteilung der neuropsychologischen Abklärung im psychiatrischen
Gutachten vom 5. März 2018. Zudem hat er auch den
neuropsychologischen Bericht vom 3. Februar 2018 visiert und somit
dessen Schlussfolgerungen zugestimmt (siehe IV-act. 104 S. 75). Insofern
- 22 -
wird im neuropsychologischen Bericht vom 3. Februar 2018 und im
psychiatrischen Gutachten vom 5. März 2018 nachvollziehbar auf Indizien
für eine Antwortverzerrung anlässlich der neuropsychologischen
Testungen geschlossen.
3.10. Wie in der vorstehenden Erwägung 3.5 bereits ausgeführt, stellte Dr. med.
H._ in seinem Gutachten bei der Beschwerdeführerin eine starke bzw.
deutliche Aggravation fest. Insbesondere wies er auf die anlässlich der
neuropsychologischen Untersuchung von Dr. phil. I._ festgestellten
Hinweise für eine Antwortverzerrung im Rahmen der
Beschwerdevalidierungstests hin. Zudem habe Dr. phil. I._ bei der
Beschreibung des Psychostatus der Beschwerdeführerin anlässlich der
neuropsychologischen Testung vom 2. Februar 2018 eindeutig keine
depressive Verstimmung beschrieben. Im Gegensatz dazu habe die
Beschwerdeführerin anlässlich der psychiatrischen Exploration vom
16. Januar 2018 eine solche depressive Verstimmung demonstriert.
Daraus schloss Dr. med. H._ nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin gezielt einen affektiven Ausdruck habe modellieren
können, was als deutlicher Hinweis auf Aggravation zu bewerten sei.
Zudem erkannte Dr. med. H._ im aktenmässig erfassten Zeitraum
grosse Diskrepanzen hinsichtlich der (Schilderung der) Ausprägung der
depressiven Symptomatik (durch die behandelnden Ärzte). So habe der
(behandelnde Hausarzt) Dr. med. B._ in der ersten dokumentierten
ärztlichen Einschätzung vom 21. Januar 2015 eine Anpassungsstörung mit
leichter depressiver Episode (bei 50%iger Arbeitsunfähigkeit seit dem
11. Januar 2015) diagnostiziert (siehe IV-act. 19 und IV-act. 104 S. 3).
Daraus schloss Dr. med. H._, dass dazumal offensichtlich noch keine
sehr stark ausgeprägte depressive Verstimmung habe vorliegen können.
Am 14. (recte 13.) Mai 2015 sei dann eine Anpassungsstörung mit leichter
bis mittelschwerer depressiven Episode beschrieben worden und am
26. August 2015 sei Dr. med. B._ bereits von einer
- 23 -
Anpassungsstörung mit mittelschwerer Episode, bestehend seit November
2014 ausgegangen (siehe IV-act. 19 S. 2, IV-act. 22 S. 2 und IV-act. 104
S. 4). Demnach sei im Nachhinein die Ausprägung der depressiven
Verstimmung nach oben korrigiert worden, wobei die Beschwerdeführerin
zu diesem Zeitpunkt auch wieder in einem relevanten Pensum von 65 %
des ursprünglichen Teilzeitpensums am bestehenden Arbeitsplatz
gearbeitet habe. Mit der Überweisung im Juni 2015 an den Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie Dr. med. C._ sei letztlich daraus eine
schwere depressive Episode seit Oktober 2014 geworden (siehe IV-act. 23
S. 1 und IV-act. 104 S. 6), was aber unmöglich erscheine, da zu Beginn
höchstens eine leichte depressive Episode beschrieben worden sei und
zumindest vor der Überweisung an Dr. med. C._ die
Beschwerdeführerin zu 65 % im bisherigen Pensum gearbeitet habe. Dies
wäre bei einer schweren depressiven Episode aber wohl kaum möglich
gewesen. Im Ergebnis hielt Dr. med. H._ insbesondere fest, dass in
auffallender Weise im Verlaufe der Zeit (rückwirkend) eine immer
gravierendere depressive Verstimmung diagnostiziert worden sei.
Des Weiteren haben nach gutachterlicher Einschätzung psychosoziale
Belastungsfaktoren im ganzen Krankheitsgeschehen von Anfang eine
bedeutende Rolle gespielt. So seien bereits im (Austritts-)Bericht der Klinik
K._ vom 8. Januar 2016 betreffend die Hospitalisation vom
29. Oktober 2015 bis am 5. Januar 2016 psychosoziale Belastungsfaktoren
(Doppelbelastung als berufstätige Mutter, Existenzängste und fehlender
Zugang zu eigenen Emotionen) genannt worden, welche zu einer
depressiven Dekompensation geführt hätten (siehe dazu IV-act. 34 S. 9).
Dr. med. H._ äusserte im Hinblick auf die im Verlauf des Jahres 2016
vom behandelnden Psychiater diagnostizierte kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit perfektionistisch-anankastisch-dependenten
Zügen den Verdacht, dass diese Diagnose neu eingeführt worden sei, um
eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit weiterhin medizinisch begründen zu
- 24 -
können. Nachvollziehbar wies Dr. med. H._ jedenfalls darauf hin, dass
Dr. med. D._ im Rahmen dieser Diagnose keinen Bezug auf die
spezifischen Kriterien gemäss ICD-10 genommen habe (siehe dazu IV-
act. 74). Dr. med. H._ hielt zudem fest, dass weder die berufliche noch
die soziale Anamnese für eine gravierende Persönlichkeitsstörung mit
relevanten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sprächen. Zuverlässige
Angaben zur Persönlichkeit der Beschwerdeführerin würden infolge der
anlässlich der aktuellen Abklärung gezeigten Aggravation aber
verunmöglicht. Zudem wies Dr. med. H._ nachvollziehbar darauf hin,
dass bei Vorliegen einer solchen Persönlichkeitsstörung sich diese schon
früher relevant auf die Arbeitsfähigkeit hätte auswirken müssen. Immerhin
sei die rezidivierende depressive Störung (rückwirkend) schon bereits seit
vielen Jahren bestehend diagnostiziert worden, was sich aber dannzumal
offenbar nicht auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt
habe. Unter Bezugnahme auf die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung
gemäss ICD-10 legte Dr. med. H._ schlüssig dar, dass eine
Persönlichkeitsstörung gemäss medizinischer Klassifikation nur dann
diagnostiziert werden dürfe, wenn eine schwere Störung der
charakterlichen Konstitution und des Verhaltens in der Kindheit oder
Jugend beginne und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestiere.
Das auffällige Verhaltensmuster müsse andauernd und gleichförmig sein
und dürfe nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt sein (siehe
dazu DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation
psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostisches
Leitlinien, 9. Aufl., Bern 2014, S. 276 ff.). Dementsprechend gelangte
Dr. med. H._ zum Schluss, dass sich eine solche
(Persönlichkeits-)Störung bereits früher hätte relevant auf die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken müssen, wenn sie
denn bestanden hätte. Insofern verneinte der psychiatrische Gutachter das
Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung schlüssig, auch wenn er infolge der
eingeschränkten Mitwirkung bzw. den festgestellten
- 25 -
Aggravationstendenzen der Beschwerdeführerin keine zuverlässigen
Angaben zu ihrer Persönlichkeit machen konnte. Dazu ist zu bemerken,
dass die Beschwerdeführerin gemäss den Akten seit Februar 2006 in
einem Teilzeitpensum von ca. 70 % (rund 30 Stunden pro Woche) bei
ihrem letzten Arbeitgeber ohne entsprechende Einschränkungen tätig sein
konnte und dabei bis Ende 2014 keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
mit Bezug auf psychische Beschwerden zu finden sind (siehe dazu IV-
act. 2 und 10 f.). Warum Dr. med. D._ in seinem Schreiben vom
1. Juni 2018 entgegen der klassifikatorischen Vorgaben von ICD-10
insbesondere wellenförmige Auswirkungen der Persönlichkeitsstörung
beschreibt, um eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen
(siehe IV-act. 111 S. 4), ist in Anbetracht der gutachterlichen Ausführungen
von Dr. med. H._ nicht nachvollziehbar. Im Ergebnis kam Dr. med.
H._ bei der Beantwortung des an die Standardindikatoren gemäss
BGE 141 V 281 angelehnten gutachterlichen Fragenkatalogs zum Schluss,
dass infolge starker Aggravation keine sicheren Angaben namentlich zum
Verlauf und zur Ausprägung einer depressiven Symptomatik und ihren
(allfälligen) Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gemacht werden könnten.
Ebenso wenig sah er sich in der Lage, die Persönlichkeit der
Beschwerdeführerin bzw. entsprechende Belastungen und potenzielle
Ressourcen zu beurteilen (siehe dazu IV-act. 104 S. 52). Damit
übereinstimmend hielt auch Dr. med. G._ in der RAD-
Abschlussbeurteilung vom 1. Mai 2018 fest, dass gestützt auf das
psychiatrische Gutachten vom 5. März 2018 die Nichtbeurteilbarkeit (eines
invalidisierenden Gesundheitsschaden) festzustellen sei (siehe IV-act. 113
S. 13).
3.11. Mit Blick auf die bisher durchgeführten beruflichen
Eingliederungsmassnahmen hielt Dr. med. H._ fest, dass
Eingliederungsversuche in E._ durch verschiedene
Standortbestimmungsprotokolle dokumentiert seien, wobei darin im
- 26 -
Wesentlichen jeweils die subjektiven Einschätzungen der
Beschwerdeführerin (zu ihrem Gesundheitszustand) wiedergegeben
würden (siehe IV-act. 104 S. 53). Diese Ausführungen sind im
Zusammenhang mit dem Indikator "Behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" aus der
Kategorie "Konsistenz" sowie dem Indikator "Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz" aus dem Komplex
"Gesundheitsschädigung" der Kategorie "Funktioneller Schweregrad" von
Bedeutung. Mit Schreiben vom 10. November 2016 der
Beschwerdegegnerin wurde das am 5. April 2016 zugesprochene
Belastbarkeitstraining bzw. das am 4. Juli 2016 gewährte Aufbautraining
in E._ beendet, weil keine Steigerung der Präsenzzeit über 4 Stunden
pro Tag an vier Tagen pro Woche erreicht werden konnte und per
24. November 2016 ein Eintritt in die Tagesklinik vorgesehen war (siehe
IV-act. 45, 60 und 84 f.). Im Verlaufsprotokoll zur Eingliederung wird zwar
als Auftragsergebnis der Abbruch infolge gesundheitlicher Gründe
festgehalten, doch findet sich beispielsweise bereits zur
Standortbestimmung vom 14. Juni 2016 der Eintrag, wonach bei der
Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine Steigerung des Arbeitspensums
eine eher geringe Lösungsorientierung bestehe, namentlich hinsichtlich
des Umstandes von der Verantwortung abzurücken, zu Hause das
Mittagessen zuzubereiten (siehe IV-act. 82 S. 2). Zusätzlich äusserte die
Beschwerdeführerin anlässlich der Standortbestimmung vom 14. Juni
2016, dass es ihr nicht so gut gehe, es ein auf und ab sei und sich die
körperlichen Symptome wie Druck auf der Brust, Zittrigkeit und Schwindel
wieder bemerkbar machten. Die Aufstockung auf die (damals aktuellen)
drei Stunden pro Tag (ab 9. Mai 2016) habe zu einem Zeitpunkt
stattgefunden, als sich ihr Lebenspartner das Bein gebrochen hatte, was
sich auf ihre Psyche ausgewirkt habe (siehe IV-act. 54 S. 1 f.).
Rechtsprechungsgemäss ist dazu festzuhalten, dass
psychosozialbedingte Beschwerdebilder, vornehmlich im Zusammenhang
- 27 -
mit einer depressiven Symptomatik, (für sich) aus rechtlicher Sicht keine
Invalidität zu begründen vermögen (siehe dazu Urteil des Bundesgerichts
8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E.3.2). Zudem stützt dies die
Einschätzung von Dr. med. H._, dass die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung der behandelnden (Fach-)Ärzte bzw. das
ganze Krankheitsgeschehen der Beschwerdeführerin stark durch
psychosoziale Belastungsfaktoren geprägt sei. Gemäss
Standortgespräche vom 7. September 2016 erachtete sich die
Beschwerdeführerin körperlich und psychisch am Anschlag. Sie führte dies
auch auf die Aufstockung des Arbeitspensums infolge zweier zusätzlicher
Nachmittage à zwei Stunden (ab dem 15. August 2016) zurück. Indes
hielten die Gruppenleiterin sowie die Integrationscoachin der sozialen
Institution übereinstimmend fest, dass bei der Beschwerdeführerin keine
innere Unruhe bzw. nicht viel von körperlichen oder psychischen
Beschwerden während der Arbeit habe festgestellt werden können. Die
Integrationscoachin bewertete dies dahingehend, dass die
Beschwerdeführerin (aufgrund deren eigenen Schilderung) erst zu Hause
einbreche, sich am Arbeitsplatz hingegen zusammenreisse. In diesem
Zusammenhang kann auf die Beurteilung von Dr. med. H._
hingewiesen werden, wonach in diesen Standortbestimmungsprotokollen
hinsichtlich des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im
Wesentlichen deren subjektiven Schilderungen wiedergegeben würden.
Zudem ist auf ein aus dem Verlaufsprotokoll zur Eingliederung
ersichtliches Telefongespräch zwischen der Eingliederungsberaterin der
Invalidenversicherung sowie der Integrationscoachin vom 24. August 2016
hinzuweisen, worin Letztere schilderte, dass sich die Beschwerdeführerin
durch die zwei (zusätzlichen) Nachmittagseinsätze sehr unter Druck fühle
und wieder die Entwicklung von körperlichen Symptomen geschildert
habe. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater sei daher die
Mittagspause um eine Stunde verlängert worden. Diesbezüglich bat die
Eingliederungsberaterin die Integrationscoachin, die Thematik der
- 28 -
(Verpflichtung zur) Zubereitung des Mittagessens durch die
Beschwerdeführerin für ihre Kinder noch einmal anzusprechen und zu
diskutieren, ob es nicht Alternativen dazu gäbe, welche die
Beschwerdeführerin entlasteten; dies auch vor dem Hintergrund, dass die
Kinder zu diesem Zeitpunkt fast bzw. bereits volljährig gewesen sind (siehe
IV-act. 3 und IV-act. 82 S. 3). Denn bereits anlässlich der
Standortbestimmung vom 14. Juni 2016 war dies ein Thema und die
Beschwerdeführerin wurde im Hinblick auf die erwartete Steigerung des
Arbeitspensums betreffend Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich der
(übernommenen) Verantwortung zur Zubereitung des Mittagessens (für
ihre Kinder) befragt, wobei sich die Beschwerdeführerin aber nicht
besonders lösungsorientiert gezeigt habe (siehe IV-act. 82 S. 2). Dieselbe
Thematik wurde überdies anlässlich eines Telefongespräches der
Eingliederungsberaterin mit dem behandelnden Psychiater am 23. Juni
2016 vorgebracht. Dabei wurde seitens der Eingliederungsberaterin auch
die Wichtigkeit der Lösungsfindung in dieser Angelegenheit für die
Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt betont. Der behandelnde
Psychiater besprach das weitere Vorgehen mit der Beschwerdeführerin
noch gleichentags (siehe IV-act. 82 S. 2). Aus diesen mehrmaligen
Aufforderungen und Besprechungen kann demnach geschlossen werden,
dass die Beschwerdeführerin der entsprechenden
Eingliederungsempfehlung ohne ersichtlichen sachlichen Grund nicht
nachgekommen ist.
Anlässlich eines Gespräches zwischen der Beschwerdeführerin, Dr. med.
D._ und der Eingliederungsberaterin vom 27. September 2016 gab
die Beschwerdeführerin sodann an, dass sie den Einsatzzeiten nicht
gewachsen sei. Dabei wurde auch die von Dr. med. D._ (neu)
gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erwähnt und dieser
kritisierte den Aufbau von zu starkem Druck auf die Beschwerdeführerin
durch die geforderten Leistungssteigerungen im Rahmen des
- 29 -
Aufbautrainings. Dabei vertrat er bereits zu jenem Zeitpunkt die Meinung,
dass der Beschwerdeführerin eine befristete Rente zugesprochen werden
müsse, nachdem die Eingliederungsberaterin den Zweck des
Aufbautrainings sowie allfällige Alternativen hinsichtlich der finanziellen
Situation dargelegt hatte (Prüfung des Anspruchs auf Krankentaggeld oder
allenfalls Unterstützung durch das Sozialamt). Ab diesem Zeitpunkt wurde
das Arbeitspensum um die Einsätze am Nachmittag reduziert (siehe IV-
act. 71 bis 73 und IV-act. 82 S. 4). Am 12. Oktober 2016 berichtete die
Integrationscoachin der Eingliederungsberaterin, dass sich der Druck in
Form von Existenzängsten auf die Beschwerdeführerin dahingehend
verringert habe, weil die Krankentaggeldversicherung noch ein halbes Jahr
bezahlen werde. Auf der Arbeit werde die Beschwerdeführerin entspannter
wahrgenommen. Nach eigener Einschätzung der Beschwerdeführerin
spüre diese aber keine wirkliche Verbesserung der körperlichen
Symptome. Auch diese Angaben stützen die Beurteilung von Dr. med.
H._ hinsichtlich der grossen Bedeutung von psychosozialen Faktoren
für das Krankheitsgeschehen sowie seine kritischen Bemerkungen zur von
Dr. med. D._ am 3. März 2017 empfohlenen "vorübergehende(n)
Berentung" (siehe dazu IV-act. 87). Dazu vermerkte Dr. med. H._ zu
Recht, dass die Zusprache einer Invalidenrente nicht als therapeutisches
Instrument verwendet werden könne, um die finanzielle Situation und
somit auch den psychischen Zustand zu verbessern (siehe IV-act. 104
S. 51 f. und 55). Zudem fällt auf, dass die von Dr. med. H._
nachvollziehbar verneinte Diagnose einer perfektionistisch-anankastisch-
dependenten Persönlichkeitsstörung erstmals im September 2016 in den
Akten erscheint und somit die gutachterliche Vermutung, wonach
möglicherweise eine solche neue Diagnose eingeführt worden sei, um
weiterhin eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit medizinisch begründen zu
können, nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen ist.
- 30 -
4. Im Ergebnis vermögen die aktenkundigen medizinischen Berichte der
behandelnden Ärzte unter Berücksichtigung der
rechtsprechungsgemässen Beweiswürdigungsrichtlinien (siehe dazu
vorstehende Erwägung 3.3) das umfassende, auch auf eigenen
Erhebungen basierende versicherungsexterne psychiatrische Gutachten
vom 5. März 2018 nicht derart zu erschüttern, dass von dessen Ergebnis
abzuweichen wäre. Insbesondere vermag auch die Kritik von Dr. med.
D._ in seinem Schreiben vom 1. Juni 2016 nichts daran zu ändern.
Denn Dr. med. D._ hat, wie bereits in den vorstehenden Erwägungen
dargelegt, namentlich nicht schlüssig begründet, wie die Diagnose einer
perfektionistisch-anankastisch-dependenten Persönlichkeitsstörung (mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) in Beachtung der massgebenden
Kriterien gemäss ICD-10 sowie der bisherigen beruflichen und sozialen
Anamnese gestellt werden könnte. Eine lege artis gestellte (psychiatrische)
Diagnose gilt aber als Voraussetzung und Ausgangspunkt für die Frage der
invalidisierenden Auswirkung einer Beeinträchtigung der Gesundheit
(siehe BGE 142 V 106 E.4.4, 141 V 281 E.2.1 sowie 130 V 396 E. 6.2 ff.).
Dass das von den Gutachtern festgestellte inkonsistente Verhalten
betreffend die neurokognitiven Einschränkungen bzw. die anlässlich der
Beschwerdevalidierungstests durchgehend gezeigten Hinweise für eine
Antwortverzerrung sowie insbesondere die Fähigkeit zum Modulieren von
unterschiedlichen Stimmungsbildern gegenüber den beiden Gutachtern in
einer (krankheitswertigen) Überanpassung und zeitweiser Dissimulation
begründet sein soll, überzeugt ebenfalls nicht. So ergibt sich aus der
vorstehenden Erwägung 3.11 klar, dass die Beschwerdeführerin sehr wohl
die aus ihrer Sicht vorliegenden körperlichen und psychischen
Einschränkungen kundgeben und geltend machen kann. Unter diesen
Voraussetzungen und dem namentlichen anlässlich der psychiatrischen
und neuropsychologischen Abklärungen gezeigten aggravatorischen
Verhalten sowie den selbst von den behandelnden Psychiatern betonten
psychosozialen Belastungsfaktoren ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die
- 31 -
Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur im Rahmen
eines (im Übrigen bereits ab Juli 2016 durchgeführten und im November
2016 wieder beendeten) Arbeitsbelastungstest möglich sein soll, wie dies
Dr. med. D._ in seinem Schreiben vom 1. Juni 2018 postuliert. Davon
sind infolge des gutachterlich nachvollziehbar festgestellten
aggravatorischen Verhaltens keine validen und somit verwertbaren
Erkenntnisse zu erwarten, wie dies von Dr. med. H._ zutreffend
erkannt wird (siehe dazu IV-act. 104 S. 55). Auch wenn der den
Sozialversicherungsprozess beherrschende Untersuchungsgrundsatz eine
eigentliche Beweisführungslast ausschliesst, ändert dies nichts am
Umstand, dass für den Fall einer Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten derjenigen Partei ausfällt, welche aus dem unbewiesen
Sachverhalt Rechte ableiten will (siehe BGE 138 V 218 E.6 und Urteil des
Bundesgerichts 8C_673/2016 vom 10. Januar 2017 E.3.3). Zudem ist
vorliegend davon auszugehen, dass grundsätzlich von einer Validität der
versicherten Person auszugehen ist bzw. diese als grundsätzlich gesund
anzusehen ist und dementsprechend ohne entsprechenden Nachweis
keine Einschränkung der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit angenommen
werden kann (siehe BGE 142 V 106 E.4.3 und BGE 141 V 281 E.3.7.2).
Unter Mitberücksichtigung der vorstehend erwähnten, allgemeinen
Beweislastverteilungsregel hinsichtlich eines überwiegend
wahrscheinlichen invalidisierenden Gesundheitsschadens ist der
Entscheid der Beschwerdegegnerin, das Leistungsgesuch der
Beschwerdeführerin abzuweisen, somit nicht zu beanstanden.
5.1. Bei diesem Ergebnis erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen, womit die Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 69
Abs. 1bis IVG und in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG grundsätzlich
kostenpflichtig wird. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.--
festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens sind die
- 32 -
Gerichtskosten von Fr. 700.-- durch die unterliegende Beschwerdeführerin
zu tragen, soweit ihr nicht die beantragte unentgeltliche Prozessführung
bewilligt werden kann.
5.2. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76
Abs. 1 VRG). Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie
ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Art. 61
lit. f ATSG wiederholt das Recht auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung
explizit (siehe BGE 135 I 1 E.7.1; vgl. auch Art. 76 Abs. 3 VRG). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt eine Person dann als bedürftig,
wenn sie die Kosten eines Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne
jene Mittel anzugreifen, die für die Deckung des eigenen notwendigen
Lebensunterhaltes und desjenigen ihrer Familie erforderlich sind. Für die
Beurteilung der prozessualen Bedürftigkeit ist die gesamte wirtschaftliche
Situation der gesuchstellenden Partei zu würdigen. Dabei ist nicht
schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum abzustellen,
sondern es ist den individuellen Umständen Rechnung zu tragen. Dazu
gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die
Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Der Teil der finanziellen Mittel,
der das zur Deckung der persönlichen Bedürfnisse Notwendige übersteigt,
muss mit den für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und
Anwaltskosten verglichen werden. Dabei sollte es der monatliche
Überschuss der gesuchstellenden Partei ermöglichen, die Prozesskosten
bei weniger aufwändigen Prozessen innert eines Jahres, bei anderen innert
zweier Jahre zu tilgen (BGE 141 III 369 E.4.1).
5.3. Auf Aufforderung hin reichte die Beschwerdeführerin das auf den
4. Oktober 2018 datierte Formular für die unentgeltliche Prozessführung
- 33 -
sowie verschiedene Unterlagen hinsichtlich ihrer finanziellen Verhältnisse
sowie derjenigen ihres Lebenspartners ein. Demnach wohnt sie mit ihrem
Lebenspartner sowie ihrem in Ausbildung stehenden Sohn im gleichen
Haushalt. Aus der Gegenüberstellung der monatlichen Ausgaben gemäss
erweitertem betreibungsrechtlichen Existenzminimum sowie dem
angegebenen und zu berücksichtigen Einnahmen resultiert bei der
Beschwerdeführerin kein hinreichender Überschuss, welcher es ihr
ermöglichen würde, die vorliegend aufgelaufenen Kosten innert
angemessener Frist zu tilgen. Auch besteht kein zu berücksichtigendes
Vermögen. Dementsprechend ist die Bedürftigkeit ausgewiesen. Die
Einleitung des vorliegenden Verfahrens kann auch nicht gerade als
aussichtslos bezeichnet werden, womit die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren ist. Dementsprechend werden die von der
Beschwerdeführerin zu tragenden Gerichtskosten im Betrag von Fr. 700.--
(vorläufig) auf die Gerichtskasse genommen. Die Beschwerdeführerin war
vorliegend nicht (anwaltlich) vertreten, weshalb sich die Prüfung eines
Anspruches auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand erübrigt.
5.4. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf den Vorbehalt in Art. 77
VRG, wonach die erlassenen Gerichtskosten zu erstatten sind, wenn sich
die Einkommens- oder Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin
dereinst verbessern sollten.