Decision ID: 22d355a8-694e-5a0f-b914-e5b7dd5a2f29
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. Dezember 2010 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 175). Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch die MEDAS
Zentralschweiz polydisziplinär (Innere Medizin, Rheumatologie, Urologie, Psychiatrie,
Neuropsychologie) begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit wesentlicher
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Mischtyp, mit Persistenz im Erwachsenenalter (ICD-10:
F90.00), mit akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73) und chronischer
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), sowie
einen Residualzustand mit Minderbelastbarkeit der rechten unteren Extremität bei
kongenitalen Missbildungen (IV-act. 253-24 f.). Für die zuletzt ausgeübte körperlich
schwere Arbeit als Lastwagenchauffeur mit manuellem Auf- und Abladen schätzten die
Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 0%, vornehmlich aus rheumatologischen, weniger
aus psychiatrischen Gründen. Für körperlich leichte und mittelschwere
Verweistätigkeiten ohne länger dauerndes Gehen und Stehen, auch für eine Arbeit als
Chauffeur ohne Auf- und Abladen und ohne Reinigung der Ladeflächen, bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 60%, lediglich limitiert durch die psychiatrischen Befunde
(Gutachten vom 23. August 2013; IV-act. 253). Die RAD-Ärztin Dr. med. B._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, gelangte in der Stellungnahme vom
6. Dezember 2013 zur Auffassung, die vom psychiatrischen Gutachter postulierte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40% wegen Aufmerksamkeitsstörung und
A.a.
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Hyperaktivität sei nicht nachvollziehbar, da diese Symptome in der
neuropsychologischen Abklärung nicht festgestellt worden seien (IV-act. 257). Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die IV-Stelle am 16. April 2014 die
Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 275). Die dagegen vom Versicherten
erhobene Beschwerde vom 27. Mai 2014 hiess das Versicherungsgericht teilweise gut.
Es führte aus, dass mit Blick auf die vom RAD vorgebrachten Einwände die Verwaltung
zunächst die MEDAS bzw. den psychiatrischen MEDAS-Gutachter mit der
Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. B._ hätte konfrontieren müssen und - falls die
verbleibenden Zweifel nicht hätten ausgeräumt werden können - allenfalls eine neutrale
psychiatrische Begutachtung hätte einholen müssen, bevor abschliessend über das
Leistungsbegehren hätte entschieden werden dürfen. Zwar treffe es zu, dass die
Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung, wonach der Beschwerdeführer
auch bei den Aufmerksamkeitsleistungen durchschnittliche bis überdurchschnittliche
Leistungen erbracht habe, sich nicht ohne weiteres mit der Diagnose einer
Aufmerksamkeitsstörung vereinbaren lassen würden. Auch begründe der Gutachter,
wie die Beschwerdegegnerin zu Recht geltend mache, nicht in nachvollziehbarer
Weise, weshalb es dem Beschwerdeführer trotz seiner Krankheit möglich gewesen sei,
den Chauffeurberuf während rund 25 Jahren offenbar ohne Verursachung eines
Verkehrsunfalls vollzeitlich auszuüben. Es sei zwar denkbar, dass die dafür
aufzubringende hohe Konzentration aufgrund seiner Erkrankung eine Mehranstrengung
erfordert habe, die schliesslich zur Erschöpfung geführt habe, doch bestehe bezüglich
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Klärungsbedarf. Der medizinische Sachverhalt
erweise sich damit als unzureichend abgeklärt. Das Versicherungsgericht wies die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinn der Erwägungen an die IV-
Stelle zurück (siehe hierzu sowie zum bis dahin massgebenden Sachverhalt den
Entscheid vom 7. April 2016, IV 2014/286, IV-act. 292).
Nachdem die IV-Stelle verschiedene medizinische Berichte eingeholt hatte, teilte
sie dem Versicherten am 21. Dezember 2017 mit, sie werde eine polydisziplinäre
Begutachtung anordnen. Die Wahl erfolge nach dem Zufallsprinzip (IV-act. 373). Der
Versicherte zeigte sich damit nicht einverstanden und beantragte, dass die IV-Stelle
zunächst die vom Versicherungsgericht angeordnete Abklärung bei der MEDAS
Zentralschweiz vornehme bzw. dass die MEDAS Zentralschweiz mit einer
A.b.
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Verlaufsbegutachtung beauftragt werde (Schreiben vom 22. Dezember 2017, IV-
act. 374). Mit der Zwischenverfügung vom 10. Januar 2018 ordnete die IV-Stelle die in
Aussicht gestellte polydisziplinäre Begutachtung an, ohne vorgängig Rückfragen an die
vorherige Gutachterstelle zu stellen. Der Auftrag werde nicht an die MEDAS
Zentralschweiz vergeben (IV-act. 378). Die dagegen gerichtete Beschwerde vom
24. Januar 2018 hiess das Versicherungsgericht gut. Es verpflichtete die IV-Stelle,
nunmehr umgehend der verbindlichen Abklärungsanordnung nachzukommen und den
psychiatrischen MEDAS-Gutachter mit der davon abweichenden Stellungnahme des
RAD zu konfrontieren. Erweise sich der bis zum 16. April 2014 eingetretene Sachverhalt
nach der Stellungnahme des psychiatrischen MEDAS-Gutachters gestützt auf das
MEDAS-Gutachten nunmehr als spruchreif, so habe die IV-Stelle die bereits mit dem
Fall vertraute MEDAS Zentralschweiz zusätzlich mit der Beurteilung der danach
eingetretenen Sachverhaltsentwicklung zu beauftragen. Andernfalls habe die IV-Stelle
über den gesamten umstrittenen Zeitraum ein Obergutachten bei einer noch nicht mit
dem Fall des Versicherten befassten Gutachterstelle einzuholen (Entscheid vom
24. Mai 2018, IV 2018/36, IV-act. 412).
Auf die Anfrage der IV-Stelle vom 27. Juni 2018 hin (IV-act. 413) äusserte sich der
psychiatrische Gutachter der MEDAS Zentralschweiz am 19. Juli 2018 zur RAD-
Stellungnahme vom 6. Dezember 2013. Es ergebe sich rückblickend keine fachlich
begründete Notwendigkeit, die damals gestellten Diagnosen und Einschätzungen in
Frage zu stellen. Es ergäben sich auch keine Änderungen der damals angegebenen
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 417). Der RAD-Arzt med. pract. C._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vertrat die Auffassung, allein die Diagnose eines
ADHS ohne entsprechende ausgewiesene kognitive Funktionsstörungen begründe aus
versicherungsmedizinischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit. Auch nach den
ergänzenden Ausführungen des psychiatrischen Gutachters der MEDAS
Zentralschweiz sei aus versicherungsmedizinischer Sicht beim Versicherten keine
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen. Somit könne die frühere
RAD-Einschätzung vom 6. Dezember 2013 bestätigt werden, wonach der Versicherte
zum damaligen Zeitpunkt in körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeiten, auch
als Chauffeur, 100% arbeitsfähig gewesen sei. Entsprechend dem Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 24. Mai 2018 sei nun über den gesamten umstrittenen
A.c.
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Zeitraum ein Obergutachten bei einer noch nicht mit dem Fall des Versicherten
befassten Gutachterstelle einzuholen (Stellungnahme vom 27. Juli 2018, IV-act. 418).
Der Versicherte nahm am 29. August 2018 Stellung zu den aufgelaufenen
medizinischen Akten. Die Behauptung des RAD, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
auch für die Tätigkeit als Chauffeur bzw. für jede Tätigkeiten gegeben sein soll, sei
haltlos und nicht nachvollziehbar (IV-act. 420).
In der Mitteilung vom 16. November 2018 ordnete die IV-Stelle eine
polydisziplinäre (allgemeininternistische, chirurgische, kardiologische, neurologische,
neuropsychologische, oto-rhino-laryngologische, pneumologische, psychiatrische,
rheumatologische und urologische) Begutachtung des Versicherten durch die BEGAZ
GmbH, Binningen, an (IV-act. 442). Die Untersuchungen erfolgten an einzelnen Tagen
im Zeitraum vom 19. Dezember 2018 bis 4. Februar 2019 (IV-act. 454-5). Im Rahmen
der polydisziplinären Beurteilung stellten die BEGAZ-Gutachterin und -Gutachter
folgende Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen:
1. ein Pleuraempyem beidseits am 20. August 2017; 2. eine intermittierende
Schwindelsymptomatik (ICD-10: H82); 3. eine verminderte Belastbarkeit der rechten
unteren Extremität; 4. ein intermittierendes lumbales Schmerzsyndrom; 5. chronische
belastungsabhängige Unterarmschmerzen rechts; 6. eine leicht eingeschränkte
linksventrikuläre Dysfunktion unklarer Ätiologie; 7. eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4); 8. eine Dysthymia (ICD-10: F34.1); 9. ein Status nach
zweimaliger Versorgung einer Zwerchfellhernie 2017 und 10. intermittierende Gang-
und Gleichgewichtsstörungen unklarer Ätiologie (ICD-10: R26.8). Für
leidensangepasste Chauffeurtätigkeiten bescheinigten die medizinischen
Fachpersonen der BEGAZ seit Mai 2011 aufgrund der Einschränkungen am
Bewegungsapparat und ab 2011 auch aus psychiatrischer Sicht eine (nicht additive)
20%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Jahr 2017 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für
sämtliche Tätigkeiten bestanden. Im Zeitraum von Januar bis Ende Juni 2018 habe ein
sukzessiver Anstieg der Arbeitsfähigkeit stattgefunden. Seit «Juni 2018» (IV-act. 454-21
und -22) bzw. Juli 2018 (IV-act. 462-12) verfüge der Versicherte über eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit bezogen auf eine leidensangepasste Chauffeurtätigkeit bzw. auf
andere leidensangepasste Tätigkeiten (Gutachten vom 13. März 2019, IV-act. 454,
insbesondere S. 19 ff.).
A.d.
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B.
Der RAD-Arzt C._ vertrat die Auffassung, aus versicherungsmedizinischer Sicht
könne auf das BEGAZ-Gutachten abgestellt werden. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bezogen auf die angestammte Tätigkeit (als Chauffeur mit Be- und Entladen von
Stückgut sowie Reinigen des Lastwagens) sowie die 60%ige Arbeitsfähigkeit bezogen
auf leidensangepasste Tätigkeiten könnten übernommen werden. Bezüglich des
retrospektiven Verlaufs der Arbeitsfähigkeit könne dem Gutachten ebenfalls gefolgt
werden. Das heisse, dass seit 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit vorgelegen habe. Von 2011 bis 2016 habe lediglich eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bestanden. 2017 sei es aus chirurgischen
und pneumologischen Gründen zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch in einer
adaptierten Tätigkeit gekommen. Von Januar 2018 bis Juni 2018 sei es zu einer
schrittweisen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten auf 60% gekommen. Seit «Juli 2018» bestehe durchgängig eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten (Stellungnahme vom 4. April 2019, IV-
act. 468).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 13. Mai 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis 30. September 2018 befristeten
ganzen Rente und einer Viertelsrente ab 1. Oktober 2018 in Aussicht (IV-act. 474).
Dagegen erhob der Versicherte am 13. Juni 2019 Einwand und beantragte, es sei ihm
ab Juni 2011 mindestens eine halbe Rente und ab Januar 2017 eine ganze Rente
auszurichten (IV-act. 482). In der Verfügung vom 21. August 2019 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten eine ganze Rente für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis
30. September 2018 zu. Für die Rentenleistung ab Oktober 2018 werde noch eine
separate Verfügung erlassen werden (IV-act. 489).
A.f.
Gegen die Verfügung vom 21. August 2019 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 19. September 2019. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm ab Juni 2011
mindestens eine Viertelsrente und ab Januar 2017 eine ganze Invalidenrente
auszurichten. Eventualiter seien durch das Gericht Rückfragen beim psychiatrischen
Gutachter der MEDAS Zentralschweiz zu stellen. Subeventualiter sei ein gerichtliches
B.a.
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Obergutachten einzuholen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung
bringt er im Wesentlichen vor, die vom psychiatrischen Gutachter der MEDAS
Zentralschweiz bescheinigte 40%ige Arbeitsunfähigkeit sei beweiskräftig. Das BEGAZ-
Gutachten zeige nicht auf, warum die frühere Einschätzung der MEDAS Zentralschweiz
falsch gewesen sein soll. Die Beschwerdegegnerin hätte zudem gar kein zweites
Gutachten bei einer anderen Gutachterstelle einholen dürfen, da es eine unzulässige
second opinion darstelle. Das BEGAZ-Gutachten leide sodann unter verschiedenen
Mängeln. Ausserdem fehle eine einleuchtende Begründung für die Annahme, dass er
nach dem lebensbedrohlichen Zustand im Jahr 2017 mit Koma und monatelanger
Hospitalisation bereits nur zwei Monate nach der Entlassung aus der Reha im immer
noch äusserst geschwächten Zustand teilarbeitsfähig gewesen sei. Dies sei
unrealistisch. Unter diesen Umständen und da entsprechende auf eine Besserung
schliessende medizinische Unterlagen nicht vorhanden seien, könne nicht
nachvollzogen werden, dass gemäss BEGAZ-Gutachten zwischen Januar bis Juni
2018 eine Wiederaufnahme einer Teilzeittätigkeit hätte stattfinden können. Da eine
Verbesserung des Gesundheitszustands im Verlauf des Jahres 2018 nicht ausgewiesen
sei und auch in diesem Punkt nicht auf das BEGAZ-Gutachten abgestellt werden
könne, sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten (act. G 1).
Am 3. Oktober 2019 reicht der Beschwerdeführer die inzwischen von der
Beschwerdegegnerin am 26. September 2019 erlassene Verfügung ein, worin ihm mit
Wirkung ab Oktober 2018 eine Viertelsrente zugesprochen wurde (act. G 3; zur
Verfügung siehe IV-act. 494).
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 12. November
2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass der
Beschwerdeführer gegen die bei der BEGAZ angeordnete Begutachtung nicht
opponiert und sich der Begutachtung unterzogen habe. Demnach sei dessen Rüge, es
hätte keine erneute polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt werden dürfen, von
vornherein nicht stichhaltig. Das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz sei nicht
beweiskräftig, weshalb ein neues Gutachten erforderlich gewesen sei. Das BEGAZ-
Gutachten sei nachvollziehbar begründet und beweiskräftig. Deshalb stütze sich die
Beurteilung des Rentenanspruchs zurecht darauf ab (act. G 5).
B.c.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der am 8. Dezember
2010 angemeldete Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer
erhob gegen die Verfügung vom 21. August 2019 betreffend den Rentenanspruch bis
30. September 2018 (IV-act. 489) Beschwerde. Da die rückwirkende und auf
unbestimmte Zeit wirkende Rentenzusprache ein einheitliches Rechtsverhältnis bildet,
ist der Rentenanspruch für den gesamten Zeitraum Gegenstand der gerichtlichen
Überprüfung (vgl. BGE 131 V 164). Die spätere Verfügung vom 26. September 2019
betreffend den Rentenanspruch ab Oktober 2018 (IV-act. 494) gilt deshalb als
mitangefochten.
In der Replik vom 10. Dezember 2019 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest. Er reicht verschiedene Berichte medizinischer Fachpersonen ein,
welche die Entwicklung seines Gesundheitszustands ab Juli 2018 betreffen (act. G 7).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 9).B.e.
Am 26. Februar 2020 reicht die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
Honorarnote ein (act. G 10).
B.f.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
1.1.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des psychiatrischen Gutachters der MEDAS
Zentralschweiz nach der ergänzenden Stellungnahme vom 19. Juli 2018 (IV-act. 417)
beweiskräftig ist.
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Das Versicherungsgericht legte in seinem Entscheid vom 7. April 2016,
IV 2014/286, E. 2.4.3, dar, dass am psychiatrischen Teil des Gutachtens der MEDAS
Zentralschweiz erhebliche Zweifel bestünden, die einer abschliessenden
Beweiswürdigung entgegenstünden. Zur Herstellung der Spruchreife sei zunächst eine
2.1.
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Konfrontation des psychiatrischen Gutachters der MEDAS Zentralschweiz mit den
beschriebenen Mängeln durchzuführen, bevor eine psychiatrische Oberbegutachtung
in Betracht falle (IV-act. 292-13; vgl. auch den Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 24. Mai 2018, IV 2018/36, E. 3.2, IV-act. 412-5 f.).
Die Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters der MEDAS Zentralschweiz
vermag die bestehenden Zweifel an dessen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht
auszuräumen.
2.2.
So besteht sie grösstenteils in einer blossen Wiedergabe der allgemeinen ICD-
Kriterien für hyperkinetische Störungen (IV-act. 417-2) und der allgemeinen, nicht
nachvollziehbaren Ausführung, «hingegen sind ausreichend Symptome wie sie oben
gemäss ICD 10 F 90 zitiert sind beim Exploranden in meiner Exploration und v.a. bei
den Eigen- und Fremdanamnesen sowie den ADHS-spezifischen Fragebögen
festgestellt worden, um diese Diagnose stellen zu können» (IV-act. 417-3 oben). Ein
überzeugender konkreter Bezug zum Beschwerdeführer, insbesondere unter dem
Aspekt seiner langjährigen Tätigkeit als Lastwagenchauffeur oder der schlüssigen
Beurteilung des neuropsychologischen Teilgutachtens der MEDAS Zentralschweiz
fehlen. Insbesondere bleibt unklar, welche für die Arbeitsfähigkeit relevanten
Funktionen des Beschwerdeführers durch die vom psychiatrischen Gutachter
diagnostizierten ADHS beeinträchtigt sind, nachdem die umfassende
neuropsychologische Testung keine relevanten kognitiven Dysfunktionen bezüglich
Aktivität und Partizipation ergeben haben (IV-act. 253-63 unten).
2.2.1.
Unklar bleibt, was der psychiatrische Gutachter mit dem Hinweis auf die
unauffällige Symptomvalidierung gegen die vom RAD festgestellte «sehr tiefe
Selbsteinschätzung» des Beschwerdeführers ableiten möchte (IV-act. 417-3 Mitte).
Denn die neuropsychologischen Untersuchungen samt unauffälliger
Symptomvalidierung bestätigten gerade, dass der Beschwerdeführer aus objektiver
Sicht über ein durchschnittliches bis überdurchschnittliches kognitives
Leistungspotenzial verfügt (siehe etwa IV-act. 253-62; zum hohen
Aufmerksamkeitslevel siehe IV-act. 253-61), das mit seiner Selbsteinschätzung,
vollständig arbeitsunfähig zu sein («Er könne sich nicht vorstellen zu arbeiten», IV-
act. 253-61), offensichtlich nicht vereinbar ist. Die Behauptung des psychiatrischen
Gutachters, im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung sei bloss eine
hälftige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden (IV-act. 417-3 oben), erweist sich als
aktenwidrig. Im neuropsychologischen Gutachten wurde das Bestehen von kognitiven
Dysfunktionen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden, ausdrücklich
2.2.2.
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3.
Nachdem die Beschwerdegegnerin die Beweiskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Gutachters der MEDAS Zentralschweiz zu Recht verneinte (siehe
vorstehende E. 2.2), war zur Herstellung der Spruchreife zumindest eine umfassende
psychiatrische Neubegutachtung bzw. Oberbegutachtung erforderlich (siehe auch die
entsprechenden Ausführungen des Versicherungsgerichts im Entscheid vom 24. Mai
2018, IV 2018/36, E. 3.2, IV-act. 412-5). Dass die Beschwerdegegnerin die neuerliche
Begutachtung nicht auf die fachpsychiatrische Disziplin beschränkte, ist allein schon
aufgrund des weit zurückliegenden Sachverhalts, der inzwischen zusätzlich
aufgetretenen Gesundheitsschäden (siehe etwa zur komplikationsreichen zweimaligen
Versorgung einer Zwerchfelhernie im Jahr 2017 IV-act. 458-5) und der «sehr
komplexen» medizinischen Situation (IV-act. 454-21 unten) gerechtfertigt. Bereits
deshalb erweist sich der erstmals mit der Beschwerde vorgebrachte Vorwurf einer
«unzulässigen second opinion» (act. G 1, Rz 40) als unbegründet. Nachdem sämtliche
übrigen Gutachter und Gutachterinnen der MEDAS Zentralschweiz - anders als ihr
psychiatrischer Kollege - keine Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigten (IV-act. 253-24), ist ausserdem nicht erkennbar, inwiefern sich der
ausgeschlossen (IV-act. 253-64). Lediglich bezüglich der mentalen Belastbarkeit
bezogen sich die neuropsychologischen Gutachterinnen auf die Dauer ihrer
halbtägigen Untersuchungen. Dass der Beschwerdeführer darüber hinaus über keine
mentale Belastbarkeit verfügen würde, stellten sie indessen nicht fest. Stattdessen
liessen sie die Frage nach der mentalen Belastbarkeit während eines längeren
Zeitraums offen (IV-act. 253-64). In damit zu vereinbarender Weise wurde im Rahmen
der polydisziplinären Beurteilung denn auch festgehalten, dass die
neuropsychologischen Gutachterinnen «keine Arbeitsunfähigkeit zubilligen» könnten
(IV-act. 253-24 Mitte). Insgesamt erweckt die Beurteilung des psychiatrischen
Gutachters der MEDAS Zentralschweiz den Anschein, dass ihr primär die tiefe
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers bzw. dessen nicht hinreichend objektiv
überprüften Selbstangaben zugrunde liegen. Deren kritische Überprüfung wäre nicht
bloss angesichts der neuropsychologischen Erkenntnisse, sondern auch aufgrund der
von der (vom psychiatrischen Gutachter beigezogenen) psychologischen Expertin
festgestellten «Widersprüche in den Erzählungen bzw. zwischen der Fremd- und
Selbsteinschätzung» (IV-act. 253-44) geboten gewesen. Ergänzend kann auf die
ausführliche und schlüssige Stellungnahme des RAD-Arztes C._ vom 27. Juli 2018
verwiesen werden (IV-act. 418). Vor diesem Hintergrund erweisen sich weitere
Rückfragen beim psychiatrischen Gutachter der MEDAS Zentralschweiz - wie sie vom
Beschwerdeführer eventualiter beantragt werden (act. G 1, S. 2) - als nicht zielführend.
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Beizug weiterer medizinischer Fachdisziplinen im Rahmen der Neubegutachtung
zuungunsten des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers hätte auswirken können.
Die Beschwerdegegnerin weist ferner zutreffend darauf hin, dass der rechtskundig
vertretene Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren nichts gegen den
polydisziplinären Rahmen der Begutachtung vorbrachte und vorbehaltlos an den
einzelnen Untersuchungen teilnahm (act. G 5, III. Rz 1). Deshalb und vor dem
Hintergrund, dass der rechtskundig vertretene Beschwerdeführer im Schreiben vom
8. November 2018 darum ersuchte, die weiteren Abklärungen in Form der am
22. Oktober 2018 mitgeteilten polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 431) umgehend
vorzunehmen (IV-act. 436), erweist sich die erst im Beschwerdeverfahren erhobene
Rüge auch unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben als unzulässig.
4.
Damit bleibt die Beweiskraft der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der BEGAZ-Gutachter
und -Gutachterin zu prüfen. Der Beschwerdeführer bringt dagegen verschiedene
Mängel vor.
Aus der Sicht des Beschwerdeführers werden im Gutachten der BEGAZ die
Abweichungen zur Einschätzung gemäss Gutachten der MEDAS Zentralschweiz nicht
begründet (act. G 1, Rz 42). Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Wie
bereits vorstehend dargelegt, vermag die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters
der MEDAS Zentralschweiz namentlich mit Blick auf das objektiv vorhandene kognitive
Fähigkeitsniveau des Beschwerdeführers, wie es sich anlässlich der
neuropsychologischen Abklärungen sowohl in der MEDAS-Zentralschweiz als auch in
der BEGAZ (IV-act. 456-17 f.) feststellen liess, nicht zu überzeugen (siehe vorstehende
E. 2.2.1 f.). Hinzu kommt, dass der psychiatrische BEGAZ-Gutachter im Rahmen seiner
Beurteilung u.a. auch die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters der MEDAS
Zentralschweiz berücksichtigte (IV-act. 460-4 und IV-act. 460-17). Entscheidend ist
ausserdem, dass er schlüssig begründete, weshalb die frühere gutachterliche
Einschätzung nicht nachvollziehbar sei: «Insbesondere das Ausmass einer möglichen
einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung auf die Arbeitsfähigkeit kann nicht
nachvollzogen werden resp. es wäre nur schwer zu erklären, weshalb der Explorand
trotzdem bis 2010 zu 100% arbeiten konnte. [...] Insgesamt kann somit davon
ausgegangen werden, dass seit Beginn der aktuellen psychiatrischen Aktenlage (2011)
ein weitgehend stabiler psychopathologischer Status besteht, welcher vor allem durch
akzentuierte Persönlichkeitszüge und Schmerzen, resp. eine Dysthymie dominiert ist.
Im Alltag ist der Explorand dadurch nur wenig eingeschränkt» (IV-act. 460-17).
4.1.
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Der Beschwerdeführer rügt des Weiteren, dass der psychiatrische BEGAZ-
Gutachter keine Fremdanamnese erhoben habe (act. G 1, Rz 43). Entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers war vorliegend eine Fremdanamnese zur
Beurteilung von dessen Arbeitsfähigkeit nicht erforderlich, weil sich der Gutachter
insbesondere im Rahmen der ausführlichen sozialen Anamnese und des vom
Beschwerdeführer detailliert geschilderten Tagesablaufs (IV-act. 460-9 f.) ein
ausreichendes, in sich schlüssiges Bild über sein Aktivitäts- und Funktionsniveau zu
bilden vermochte. Der Beschwerdeführer legt denn auch nicht dar noch ist erkennbar,
welche neuen, entscheidenden Gesichtspunkte im Rahmen einer zusätzlichen
Fremdanamnese zu gewinnen gewesen wären.
4.2.
Im Vorbringen des Beschwerdeführers, dass die psychiatrischen und
neurologischen Begutachtungen vor der neuropsychologischen stattfanden (act. G 1,
Rz 44), kann schon deshalb kein im Rahmen der Beweiswürdigung erheblicher Mangel
an der gutachterlichen Einschätzung erblickt werden, da die einzelnen Teilgutachten
keine sich widersprechenden Befunde oder Erkenntnisse enthalten. Im Übrigen flossen
sämtliche Beurteilungen der einzelnen Teilgutachten im Rahmen eines konsensualen
Vorgehens in das polydisziplinäre Gesamtgutachten ein (IV-act. 454).
4.3.
Ausserdem bemängelt der Beschwerdeführer, dass ein additiver Effekt der in
einzelnen Teilgutachten bescheinigten Teilarbeitsunfähigkeiten im BEGAZ-
Gesamtgutachten verneint worden sei (act. G 1, Rz 45). Die BEGAZ-Gutachter und -
Gutachterin begründeten die Einschätzung der Gesamtarbeitsunfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten ab «Juni 2018» wie folgt: «Wir haben im Rahmen der
Konsensbesprechung diese komplexe Situation umfangreich diskutiert und sehen die
einzelnen Einschränkungen nicht additiv. Unseres Erachtens ist mit der pulmonalen
Einschränkung die gesamte Situation gebührend berücksichtigt» (IV-act. 454-22). Wie
sich aus dem BEGAZ-Gutachten plausibel begründet ergibt, sind die in einzelnen
Teilgutachten für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten Teilarbeitsunfähigkeiten
(die zwischen 20 bis 40% liegen) vor allem auf einen erhöhten Pausenbedarf, eine
erhöhte Ermüdbarkeit bzw. eine Minderbelastbarkeit zurückzuführen (siehe etwa IV-
act. 454-22 oben, IV-act. 459-17 Mitte und -18 oben; IV-act. 460-19 oben). Gerade
auch die vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Ausführungen der
rheumatologischen BEGAZ-Gutachterin (act. G 1, Rz 45 am Schluss) zeigen, dass die
sich «z. T.» gegenseitig negativ beeinflussenden Einschränkungen am
Bewegungsapparat ausschliesslich in einen erhöhten Pausenbedarf münden (IV-
act. 464-30). Im Licht dieser Umstände erscheint plausibel, dass - wie der
pneumologische BEGAZ-Gutachter ausdrücklich bezüglich der von ihm bescheinigten
4.4.
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40%igen Arbeitsunfähigkeit festhielt (IV-act. 462-12) - den einzelnen bescheinigten
Teilarbeitsunfähigkeiten keine (teil-)additive Wirkung zukommt.
Der Beschwerdeführer hält die gutachterliche Auffassung, dass ab Juli 2018
wieder von einer 60%igen Restarbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten auszugehen sei, für unzutreffend (act. G 1, Rz 47). Eine Verbesserung des
Gesundheitszustands im Verlauf des Jahres 2018 sei nicht ausgewiesen (act. G 1,
Rz 48 und act. G 7, Rz 7).
4.5.
Gemäss BEGAZ-Gutachten ist nach dem operativen Eingriff bei einer
Hiatushernie 2017 gesamtmedizinisch eine Verschlechterung eingetreten (IV-
act. 454-13). Der pneumologische BEGAZ-Gutachter beschrieb die postoperativen
Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bzw. deren Verlauf ausführlich (IV-
act. 462-10 f.) und vertrat gestützt darauf plausibel die Auffassung, dass ab Januar
2018 bis Ende Juni 2018 eine langsame Steigerung der Arbeitsfähigkeit erfolgte (IV-
act. 462-12). Weder aus den Akten noch den Ausführungen des Beschwerdeführers
ergeben sich Gesichtspunkte, welche diese Einschätzung in Zweifel zu ziehen
vermögen.
4.5.1.
Vielmehr gab der Beschwerdeführer bezüglich der im Jahr 2017 stattgefundenen
Eingriffe selbst an, «er habe sich von diesen Eingriffen dann recht ordentlich erholt» (IV-
act. 458-5). Dies wird auch in der vom Beschwerdeführer eingereichten
Krankheitsgeschichte bestätigt. So berichtete der Beschwerdeführer am 3. Juli 2018,
dass es ihm besser gehe (act. G 7.1, letzte Seite). Aus den weiteren Akten ergibt sich
nichts zugunsten des Beschwerdeführers bzw. der von ihm über den Juli 2018 hinaus
geltend gemachten vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Im kardiologischen
Untersuchungsbericht vom 6. Juli 2018 wurde nur (noch) eine «gering diffus
eingeschränkte linksventrikuläre Funktion unklarer Genese» festgestellt (IV-act. 429-1).
Zeichen für eine kardio-respiratorische Insuffizienz wurden verneint (IV-act. 429-2
Mitte). Eine Indikation für eine weiterführende kardiologische Diagnostik wurde ebenso
verneint (IV-act. 429-2). Die den Beschwerdeführer in der Hals-Nasen-Ohrenklinik am
KSSG vom 30. Mai bis 3. Juni 2018 betreuenden Ärzte gaben im Austrittsbericht vom
5. Juni 2018 an, dass sich der intra- und postoperative Verlauf nach der Revision mit
mikroendoskopisch kontrollierter Restdivertikelschwellendurchtrennung am 31. Mai
2018 komplikationslos gestaltet habe. Der Beschwerdeführer habe am
«03.08.2018» (richtig: 3. Juni 2018, IV-act. 428-1) in gutem Allgemeinzustand nach
Hause entlassen werden können (IV-act. 428-2). Nichts anderes gilt hinsichtlich der am
4. Januar 2018 erfolgten primären semirigiden Ureterorenoskopie rechts und DK-
4.5.2.
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Einlage (IV-act. 425). Denn wie sich aus dem Austrittsbericht der Klinik für Urologie am
KSSG betreffend die vom 2. bis 7. Januar 2018 erfolgte Hospitalisation ergibt, konnte
dieser Eingriff problemlos durchgeführt werden. Der postoperative Verlauf war
unauffällig und der Beschwerdeführer konnte «in gutem Allgemeinzustand» entlassen
werden (IV-act. 424-3). Unter diesen Umständen bestehen keine ernsthaften Zweifel an
der gutachterlichen Einschätzung, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers spätestens Ende Juni 2018 verbesserte.
Schliesslich kann den Akten auch nicht entnommen werden, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Juli 2018 wieder
arbeitsfähigkeitsrelevant und dauerhaft verschlechtert hätte. Im Eintrag in der
Krankengeschichte vom 19. März 2019 wurde festgehalten, dass es dem
Beschwerdeführer betreffend gastrointestinalen Problemen relativ gut gehe (act. G 7.1,
S. 3). Im Bericht zur Notfallkonsultation der Klinik für Allgemeine Innere Medizin/
Hausarztmedizin am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) vom 25. Juni 2019 wurde ein
guter Allgemeinzustand festgestellt (act. G 7.6). Im Bericht der Klinik für Urologie am
KSSG vom 4. Juli 2019 wird erwähnt, dass sich in Bezug auf die urologische Situation
ein beschwerdearmer Patient präsentiert habe. Es bestehe nur ein geringer subjektiver
Leidensdruck (act. G 7.8). Die gastroenterologische Untersuchung vom 6. August 2019
ergab keine relevanten Krankheitsbefunde (act. G 7.10).
4.5.3.
Bei der Würdigung des BEGAZ-Gutachtens fällt weiter ins Gewicht, dass es auf
umfassenden polydisziplinären Untersuchungen beruht und in Kenntnis der Vorakten
erstellt wurde. Die darin gezogenen Schlüsse beruhen auf einer ausführlichen,
plausiblen Ressourcenbeurteilung (siehe hierzu etwa IV-act. 454-18, IV-act. 456-6 f.,
IV-act. 459-10, IV-act. 460-9 f. und IV-act. 464-20) und erfolgten in überzeugender,
kritischer Auseinandersetzung mit der tiefen Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers und seiner fehlenden Motivation (siehe hierzu IV-act. 458-7). Die
von den BEGAZ-Gutachtern gezogenen Schlüsse, insbesondere auch die
gesamtmedizinisch festgelegte Arbeitsunfähigkeit erscheint plausibel. Ergänzend kann
auf die RAD-Stellungnahme vom 4. April 2019 (IV-act. 468-7) verwiesen werden.
Gestützt auf das BEGAZ-Gutachten ist bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten von
folgenden Arbeitsunfähigkeiten auszugehen: Von 2011 bis 2016: 20%ige
Arbeitsunfähigkeit; ab Januar 2017 bis Ende Juni 2018: 100%ige Arbeitsunfähigkeit; ab
Juli 2018 60%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 454-19 ff.; siehe auch die RAD-
Stellungnahme vom 4. April 2019, IV-act. 468-6 unten; bei der Festsetzung der
60%igen Arbeitsfähigkeit ab «Juni 2018» in IV-act. 454-21 handelt es sich um ein
redaktionelles Versehen; vgl. IV-act. 462-12 und IV-act. 454-19 unten).
4.6.
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5.
Damit verbleibt die Bestimmung der Invaliditätsgrade.
Für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis Ende Juni 2018 bestand eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten, womit ein Invaliditätsgrad von 100% und
damit ein Anspruch auf eine ganze Rente resultiert. Unter Berücksichtigung von
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) ist die
ab Juli 2018 anzunehmende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ab anfangs Oktober
2018 zu berücksichtigen. Die Beschwerdegegnerin hat damit den Anspruch auf eine
ganze Rente zu Recht bis 30. September 2018 befristet (IV-act. 489).
5.1.
Bezüglich des Rentenanspruchs ab Oktober 2018 gilt es das Folgende zu
beachten: Die BEGAZ-Gutachter legten plausibel dar, dass auch im angestammten
Berufsfeld des Beschwerdeführers leidensangepasste Tätigkeiten bestehen (IV-
act. 454-19). Dies deckt sich mit der Betrachtungsweise des Beschwerdeführers, der
anlässlich der pneumologischen Begutachtung von sich aus darauf hinwies, dass für
den Beruf als Lastwagenchauffeur «die körperlichen Tätigkeiten nicht mehr ausgeprägt
gefordert» seien (IV-act. 462-4 oben). Dass der Beschwerdeführer weiterhin in der Lage
ist, «ab und an» 100 km weit zu fahren, erwähnte er ausdrücklich (IV-act. 456-6). Vor
diesem Hintergrund erscheint die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit trotz des
fortgeschrittenen Alters als realistisch und zumutbar. Die verbliebenen Ressourcen des
Beschwerdeführers und deren erwerbliche Verwertbarkeit im angestammten
Berufsbereich - wenn auch nur noch bezüglich den körperlichen Leiden angepasste
Tätigkeiten - bilden konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei der
Verwertung der spätestens ab Juli 2018 wiedererlangten Teilarbeitsfähigkeit keiner
beruflichen Eingliederungsmassnahmen bedarf. Vielmehr ist ihm deren Verwertung im
Rahmen der Selbsteingliederungspflicht zumutbar (vgl. BGE 145 V 214 f. E. 6). Da dem
Beschwerdeführer auch im angestammten Bereich leidensangepasste Tätigkeiten zur
Verfügung stehen, besteht kein Anlass für die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs. Der
Beschwerdeführer hat denn auch in tatsächlicher Hinsicht keine Umstände
vorgebracht, die einen solchen rechtfertigen würden (vgl. act. G 1 und act. G 7).
Offenbleiben kann, ob aufgrund der im angestammten Berufsbereich bestehenden
Möglichkeiten für leidensangepasste Tätigkeiten ein Prozentvergleich zur Bemessung
der Invalidität angemessen erscheint. Denn selbst wenn zugunsten des
Beschwerdeführers darauf verzichtet und auf den von der Beschwerdegegnerin
vorgenommenen Einkommensvergleich bzw. den gestützt darauf ermittelten 45%igen
5.2.
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6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Der Beschwerdeführer
hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von
ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.