Decision ID: 1baff99e-79e8-514a-bff9-2e0450f544ca
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Gesuch vom 29. Februar 2016 ersuchte das Bundesamt für Strassen
(ASTRA) beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Ener-
gie und Kommunikation (UVEK) um Genehmigung des Ausführungspro-
jekts "N02, Sentibrücken Erweiterung Lärmschutz" (Projekt Nr. 622.2-
00188). Das Projekt umfasste die lärmrechtliche Sanierung eines Natio-
nalstrassenabschnitts der N2 im Bereich der Sentibrücken auf dem Ge-
meindegebiet der Stadt Luzern (UH-km 93.700 – 94.100). Dabei sollten
hauptsächlich die bestehenden Lärmschutzwände durch rund 2 m höhere
Elemente ersetzt und seitliche Öffnungen in den Tunnel- und Galerieberei-
chen sowie beim Rasterbauwerk Sonnenberg Nord geschlossen werden.
Weiter war vorgesehen, die bestehende Lärmschutzwand auf dem Portal
des Reussporttunnels zu ersetzen. Trotz dieser Lärmschutzmassnahmen
verblieben für etliche Liegenschaften Lärmbelastungen über dem Immissi-
onsgrenzwert, weshalb das ASTRA Erleichterungen beantragte.
B.
Mit Verfügung vom 5. April 2017 genehmigte das UVEK das Plangenehmi-
gungsgesuch des ASTRA. Die Einsprache der Erbengemeinschaft
X._ wurde abgewiesen, soweit darauf einzutreten war. Die Ent-
schädigungsforderung wurde zur Behandlung an die Eidgenössische
Schätzungskommission weitergeleitet. Die Plangenehmigungsverfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. Januar 2018 eröffnete der Prä-
sident der Eidgenössischen Schätzungskommission (ESchK) Kreis 9 das
Schätzungsverfahren für die unerledigte Entschädigungsforderung und
gab der Erbengemeinschaft X._ (nachfolgend: die Enteigneten)
Gelegenheit, ihre Entschädigungsforderung zu begründen und zu spezifi-
zieren, gegebenenfalls einen mit dem ASTRA abgeschlossenen Vergleich
einzureichen.
D.
Mit begründeter Forderungseingabe vom 30. Mai 2018 beantragten die
Enteigneten die Zusprechung einer Entschädigung für die Enteignung der
nachbarrechtlichen Abwehransprüche in Bezug auf das Grundstück
Nr. (...) sowie weiterer lnkonvenienzen nach Ermessen der Schätzungs-
kommission bzw. nach gutachterlicher Festlegung. In prozessualer Hin-
sicht wurde die Durchführung von aktuellen Lärmmessungen beantragt.
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E.
Am 24. Januar 2019 fand in Emmenbrücke eine Einigungsverhandlung vor
der ESchK Kreis 9 mit einer Vertretung des ASTRA und dem Rechtsvertre-
ter der Enteigneten statt. Eine Einigung kam dabei nicht zustande. In Folge
kam es bezüglich des streitgegenständlichen Grundstücks zu einer
Partialerbteilung und zu einem Anwaltswechsel.
F.
Am 12. Februar 2020 fand in Luzern die Schätzungsverhandlung mit den
Parteien vor der ESchK Kreis 9 statt. Bestandteil der Verhandlung war
auch ein Augenschein auf dem Grundstück bzw. in der Liegenschaft der
Enteigneten. Es wurden zwei Wohnungen auf dem Grundstück Nr. (...) be-
sichtigt.
G.
Mit Eingabe vom 24. Juni 2020 stellten die Enteigneten bei der ESchK
Kreis 9 den Antrag, die Schweizerische Eidgenossenschaft habe den Ent-
eigneten als Minderwert für "die Liegenschaft" Nr. (...) den Betrag von
Fr. 1'095'000.– nebst 5% Zins seit 10. Mai 2017 zu bezahlen und die Ver-
fahrenskosten zu übernehmen. Mit der Eingabe wurde ein Immobiliengut-
achten der Dienststelle Steuern des Kantons Luzern vom 2. August 2016
eingereicht. Laut diesem Gutachten wurde der Wert der Gesamtliegen-
schaft auf insgesamt Fr. (...) beziffert. Die Enteigneten begründeten die
geltend gemachte Minderwertentschädigung mit (...)% des Verkehrswerts,
wobei sie den aktuellen Verkehrswert basierend auf dem Immobiliengut-
achten und einem seitherigen Wertzuwachs mit aktuell Fr. (...) bezifferten.
Mit Eingabe vom 25. August 2020 nahm das ASTRA Stellung zu den For-
derungen der Enteigneten und beantragte die Abweisung aller Forderun-
gen. Die Enteigneten reichten am 21. September 2020 eine weitere Stel-
lungnahme ein.
H.
Mit Entscheid vom 12. Februar 2021 wies die ESchK Kreis 9 das Entschä-
digungsbegehren der Enteigneten ab, soweit darauf einzutreten war. Fer-
ner wurde das ASTRA verpflichtet, die Verfahrenskosten zu tragen und den
Enteigneten eine Parteientschädigung von Fr. 7'310.35 zu bezahlen.
Ihren Entscheid begründet die ESchK Kreis 9 im Wesentlichen damit, dass
mindestens eines der drei vom Bundesgericht als Voraussetzung für die
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Entschädigung der Enteignung eines nachbarrechtlichen Abwehran-
spruchs definierten Kriterien, nämlich das Kriterium des schweren Scha-
dens, klar nicht erfüllt sei.
I.
Mit Eingabe vom 25. März 2021 erheben die Enteigneten (nachfolgend:
Beschwerdeführende) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und
beantragen, die Beschwerde sei gutzuheissen und der Entscheid der
ESchK Kreis 9 (nachfolgend: Vorinstanz) sei aufzuheben. Weiter stellen sie
den Antrag, die Schweizerische Eidgenossenschaft habe ihnen als Minder-
wert für "die Liegenschaft" Nr. (...) den Betrag von Fr. 1'095'000.– nebst
5% Zins seit 10. Mai 2017 zu bezahlen. Eventualiter sei die Sache zur Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Schweize-
rische Eidgenossenschaft habe ihnen für die Kosten des Enteignungsver-
fahrens vor der Vorinstanz Fr. 10'473.90 zu bezahlen.
In prozessualer Hinsicht beantragen die Beschwerdeführenden, es sei ein
Augenschein unter Beizug eines Schätzungsexperten durchzuführen so-
wie der Minderwert des Grundstücks Nr. (...) sei durch ein Schätzungsgut-
achten zu ermitteln. Soweit erforderlich sei für die lärmrechtliche Beurtei-
lung (der Grundrisse, der Gestaltung der Fassaden und der Fenster an den
beiden Gebäuden) eine Expertise bei einem diplomierten Akustiker SGA
einzuholen. In der Sache selbst bringen die Beschwerdeführenden u.a. vor,
die Vorinstanz habe die Berechnung des Minderwerts bundesrechtswidrig
vorgenommen. Weiter rügen sie eine falsche Sachverhaltserstellung.
J.
In der Beschwerdeantwort vom 20. April 2021 beantragt das ASTRA (nach-
folgend: Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde. Der Be-
schwerdegegner entgegnet, dass die verwendete Bewertungsmethode Be-
rechnung Minderwert Strassenlärm ("MiStra") durchaus geeignet sei, um
festzustellen, ob im Einzelfall ein enteignungsrechtlich relevanter Schaden
vorliege oder nicht. Die Vorinstanz sei mit ihrem Fachwissen auch in der
Lage zu beurteilen, ob der so ermittelte Schaden plausibel sei. Vorliegend
sei der mit "MiStra" ermittelte lärmbedingte Minderwert der Gesamtliegen-
schaft mit 2.4% weit weg von den vom Bundesgericht geforderten 10%. Im
Übrigen habe die Vorinstanz die Schwere des Schadens nicht einzig ge-
stützt auf "MiStra" verneint.
K.
Die Vorinstanz reicht am 1. Mai 2021 ihre Vernehmlassung ein.
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L.
Mit Replik vom 2. August 2021 halten die Beschwerdeführenden im We-
sentlichen an ihren Ausführungen fest.
M.
Der Beschwerdegegner sowie die Vorinstanz verzichten in ihren Schluss-
bemerkungen vom 10. August 2021 bzw. vom 27. August 2021 auf weitere
Bemerkungen.
N.
Auf die weiteren Vorbringen und die sich in den Akten befindlichen Schrift-
stücke wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Entscheide der Eidgenössischen Schätzungskommissionen unterlie-
gen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 77 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 20. Juni 1930 über die Enteignung [Enteignungsge-
setz, EntG, SR 711]). Dieses ist demnach sachlich zur Beurteilung der Be-
schwerde zuständig. Das Beschwerdeverfahren richtet sich nach dem Ver-
waltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32), soweit das
Enteignungsgesetz nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 77 Abs. 2 EntG). Das
VGG verweist in Art. 37 seinerseits ergänzend auf die Regeln des Verwal-
tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021).
1.2 Nach Art. 78 Abs. 1 EntG sind insbesondere die Hauptparteien des
Enteignungsverfahrens zur Beschwerde befugt. Gemäss Art. 48 Abs. 1
VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch
den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdi-
ges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat.
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Die Beschwerdeführenden nahmen als Teil der damaligen Erbengemein-
schaft als Hauptpartei am vorinstanzlichen Verfahren teil, drangen jedoch
mit ihrer Forderung nicht durch. Sie verlangen eine Entschädigung für die
Gesamtliegenschaft, nicht nur für die lärmbelasteten Wohnungen. Sie sind
somit sowohl formell als auch materiell beschwert und ohne Weiteres zur
Beschwerde legitimiert. Damit erübrigt es sich, auf die Rechtsnachfolge der
Beschwerdeführenden infolge der partiellen Erbteilung einzugehen.
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzu-
treten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit uneinge-
schränkter Kognition. Es überprüft den angefochtenen Entscheid auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger und unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehlern bei der
Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG).
Soweit es um die Beurteilung von ausgesprochenen Spezialfragen geht, in
denen die Vorinstanz über ein besonderes Fachwissen verfügt, weicht das
Bundesverwaltungsgericht nicht ohne Not von deren Auffassung ab (statt
vieler Urteil des BVGer A-196/2017 vom 12. Dezember 2018 E. 2 m.H.).
2.2 Den Sachverhalt stellt das Bundesverwaltungsgericht von Amtes we-
gen fest (Art. 12 VwVG) und bedient sich nötigenfalls verschiedener Be-
weismittel. Es nimmt die ihm angebotenen Beweise ab, wenn diese zur
Abklärung des Sachverhaltes tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG)
und kann von einem beantragten Beweismittel dann absehen, wenn be-
reits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von vornherein gewiss
ist, dass der angebotene Beweis keine wesentlichen Erkenntnisse zu ver-
mitteln vermag oder wenn es den Sachverhalt auf Grund eigener Sach-
kunde ausreichend würdigen kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl.
BGE 134 I 140 E. 5.3 und 131 I 153 E. 3; Urteil des BVGer A-637/2020
vom 5. Februar 2021 E. 1.4 m.H.).
2.3 Für das Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes
vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273]).
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3.
Auf den vorliegenden Fall ist unbestrittenermassen das EntG in seiner bis
zum 31. Dezember 2020 geltenden Fassung anwendbar. Auf die neuen
Bestimmungen, die am 1. Januar 2021 in Kraft getreten sind, kommt es
nicht an (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen des Enteignungsgeset-
zes zur Änderung vom 19. Juni 2020; AS 2020 4085; Urteil des BGer
1C_301/2020 vom 12. Mai 2021 E. 5.1). Diese Teilrevision des EntG vom
19. Juni 2020 hat auf das Beschwerdeverfahren keinen Einfluss.
4.
Zunächst ist auf die von den Beschwerdeführenden gerügte falsche Sach-
verhaltserstellung und die Verletzung der Begründungspflicht einzugehen
(E. 5). Danach sind die Voraussetzungen für den Entschädigungsanspruch
aus Enteignung nachbarrechtlicher Abwehransprüche zu erläutern (E. 6).
Anschliessend sind die einzelnen Rügen zur Bewertungsmethode "MiStra"
sowie zur Schwere des Schadens zu behandeln (E. 7). Ein weiterer um-
strittener Punkt betrifft die Parteientschädigung vor der Vorinstanz (E. 8).
Abschliessend gilt es die prozessualen Anträge zu behandeln (E. 9).
5.
5.1 In sachverhaltlicher Hinsicht rügen die Beschwerdeführenden, dass die
Vorinstanz die Feststellungen, die sie anlässlich der auf der Liegenschaft
durchgeführten Schätzungsverhandlung gemacht habe, entweder gänzlich
unberücksichtigt gelassen (deutlich wahrnehmbarer Lärm auf der Ebene
der Zufahrtsstrasse, auf den Terrassen und in den Räumen bei offenem
Fenster, ebenso wie die bundesrechtswidrig angewandte sog. "Lüftungs-
fensterproblematik"), oder offensichtlich falsch gewürdigt habe, wie die an-
geblich tauglichen baulichen Vorkehren eines passiven Lärmschutzes wie
die vorgelagerten Terrassen.
Weiter sind die Beschwerdeführenden der Ansicht, dass die Plangenehmi-
gung vom 5. April 2017 bundesrechtswidrig ergangen sei. Aufgrund des
massgebenden Umweltrechts und der Rechtsprechung des Bundesge-
richts sei der Gesamtschaden der betroffenen Liegenschaft zu berücksich-
tigen.
5.2 Die Vorinstanz führt demgegenüber aus, dass die Kritik an der Lärmsi-
tuation, am Projekt und am Plangenehmigungsverfahren im Schätzungs-
verfahren fehl am Platz sei. Der Plangenehmigungsentscheid sei rechts-
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kräftig und massgebend. Die Lüftungsfensterpraxis habe bei der Beurtei-
lung der Voraussetzungen für eine Minderwertentschädigung keine Rele-
vanz. Das Protokoll der Schätzungsverhandlung werde von den Beschwer-
deführenden (bezüglich der Wahrnehmung des Lärms) falsch zitiert. Die
Vorinstanz habe die Bedeutung der Betonbrüstungen nicht verkannt. Diese
seien kein wesentliches Element innerhalb der Gesamtwürdigung gewe-
sen.
5.3 Der Beschwerdegegner verweist auf seine vorinstanzlichen Ausführun-
gen.
5.4 In ihrer Replik machen die Beschwerdeführenden eine Verletzung der
Begründungspflicht geltend, da nicht ersichtlich sei, inwiefern die
Vorinstanz die Betonbrüstung innerhalb der Gesamtwürdigung beurteilt
und (stattdessen) pauschal auf die "MiStra"-Werte des Beschwerdegeg-
ners abgestellt habe.
5.5 Vorab ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die für die Berechnung
massgebenden stockwerkgenauen Beurteilungspegel aus dem vom UVEK
genehmigten Lärmschutzprojekt Sentibrücken stammen (vgl. Planerbericht
vom 15. Januar 2016 "Erleichterungen gemäss Lärmschutzverordnung",
[...]). Gemäss diesen Objektblättern ergeben sich für das streitgegenständ-
liche Grundstück Nr. (...) die Lärmbelastungen für den Planungshorizont
2030. Die dazugehörige Plangenehmigungsverfügung des UVEK vom
5. April 2017 blieb unbestrittenermassen unangefochten und erwuchs in
Rechtskraft. Unbehilflich ist deshalb der Einwand, dass die Plangenehmi-
gungsverfügung bzw. die darin festgestellten Immissionsgrenzwerte bun-
desrechtswidrig sei bzw. seien.
5.6 Insofern als die Beschwerdeführenden eine fehlerhafte Sachverhalts-
erstellung rügen, gehen sie fehl. Es kann im Wesentlichen auf den
vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (vgl. E. 8.5). In der ange-
fochtenen Verfügung wurde nebst der Mindestschwelle des immissionsbe-
dingten Schadens von 10% auch eine Gesamtwürdigung zur Lärmbelas-
tung vorgenommen. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden zur angeb-
lich fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung haben indessen einen engen Be-
zug zur materiellen Frage der Schwere des Schadens. Ob die rechtliche
Würdigung der Vorinstanz zur Schwere des Schadens zutreffend ist, wird
bei der materiellen Prüfung zu entscheiden sein (vgl. E. 6 f. hiernach). Hier
ist einzig festzuhalten, dass die vorgenommene Erhebung des Sachver-
halts als genügend zu erachten ist.
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5.7 Soweit die Beschwerdeführenden in ihrer Replik eine Verletzung der
Begründungspflicht rügen, es sei nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz
die Betonbrüstung innerhalb der Gesamtwürdigung beurteilt habe und pau-
schal auf die "MiStra"-Werte abgestellt habe, kann ihnen nicht gefolgt wer-
den. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der Gesamtwürdigung bezüglich
der Lärmbelastung zu Recht auf die wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränkt (vgl. E. 8.5 des angefochtenen Entscheids) und hatte nicht jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen (vgl. statt vieler BGE 142
III 433 E. 4.3.2; vgl. zur Gesamtwürdigung ausführlich E. 7.11 hiernach).
5.8 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden
mit ihren Vorbringen zur rechtskräftigen Plangenehmigungsverfügung des
UVEK vom 5. April 2017 nicht zu hören sind. Mit ihren Rügen der falschen
Sachverhaltsfeststellung sowie der Verletzung der Begründungspflicht ver-
mögen sie nicht durchzudringen.
6.
Als nächstes ist auf die Voraussetzungen für den Entschädigungsanspruch
aus Enteignung nachbarrechtlicher Abwehransprüche (Art. 5 EntG;
Art. 679 und Art. 684 ZGB) sowie auf die diesbezüglichen Berechnungen
des Beschwerdegegners zum Minderwert einzugehen.
6.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt ein Entschädi-
gungsanspruch für die Unterdrückung nachbarlicher Abwehrrechte gegen-
über Lärmeinwirkungen voraus, dass (kumulativ) die drei Bedingungen der
Unvorhersehbarkeit der Lärmimmissionen, der Spezialität der Immissionen
sowie der Schwere des immissionsbedingten Schadens gegeben sein
müssen (vgl. statt vieler BGE 136 II 263 E. 7 m.H.).
6.2 Die Voraussetzung der Schwere des immissionsbedingten Schadens
ist so zu verstehen, dass der Schaden eine gewisse Höhe oder einen ge-
wissen Prozentsatz des Gesamtwertes einer Liegenschaft erreichen muss,
damit eine Ersatzpflicht entsteht (vgl. BGE 134 II 145 E. 6, 130 II 394 E. 12,
123 II 481 E. 7d, 110 lb 340 E. 2 und 94 I 286 E. 9c). Eine feste, allgemein
gültige Grenzziehung ist in der Praxis ausgeschlossen worden. In BGE 101
Ib 405 E. 3b und BGE 102 Ib 271 E. 4 wurde immerhin anerkannt, dass
auch eine Entwertung von 10% einer Liegenschaft bereits einen schweren
Schaden im enteignungsrechtlichen Sinn darstellen kann. Dabei sind ne-
ben der Lärmbelastung auch die Lage, die Art und die Umgebung der
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Grundstücke zu berücksichtigen sowie unter Umständen weitere Gege-
benheiten, welche die Immobilienwerte zu beeinflussen vermögen (Urteil
des BGer 1C_78/2019 vom 22. November 2019 E. 3.2).
6.3 Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid zur Schwere des
Schadens fest, dass sie anhand der vom Beschwerdegegner entwickelten
Methode einen von der Nationalstrasse verursachten lärmbedingten Scha-
den von 2% für den Zeitpunkt 2030 ermittelt habe. Nachdem sie den Be-
schwerdegegner darauf aufmerksam gemacht habe, dass er nur einen der
beiden Hausteile betrachtet habe, habe er den Minderwert neu berechnet.
Er führe aus, der prozentuale Schaden betrage sowohl für die einzelnen
Liegenschaftsteile wie auch für die gesamte Liegenschaft 2.4%.
6.4 Nach dem Gesagten stützt sich die Vorinstanz im angefochtenen
Schätzungsentscheid auf die Bewertungsmethode "(MiStra)" des Be-
schwerdegegners. Diese Berechnung lautet wie folgt (vgl. Vorakte 11, Bei-
lage 2):
"Berechnung Minderwert Strassenlärm (MiStra)
Alle bekannten Studien und Methoden zur Berechnung des lärmbedingten Minderwerts von
Liegenschaften gehen davon aus, dass unterhalb eines gewissen Schwellenwerts kein wirt-
schaftlicher Schaden entsteht. Die Schwere des Schadens berechnet sich in der Folge pro-
zentual pro dB Lärm über diesem Schwellenwert. In den verschiedenen Studien werden
sowohl die Schwellenwerte als auch die prozentualen Schadenansätze unterschiedlich an-
genommen. Es lässt sich feststellen, dass tiefe Schwellenwerte auch tiefere Schadenan-
sätze nach sich ziehen. Die Methodik MiStra richtet sich nach den neusten Erkenntnisse
(sic) und Studien und setzt die Kriterien so konservativ an, dass aufgrund des Ergebinsses
(sic) eine Entscheidung vorgenommen werden kann, ob ein schwerer Schaden gemäss
Bundesgerichtspraxis (mind. 10% - 15%) vorliegt oder nicht. Die Methodik äussert sich nicht
zum Wert der Liegenschaft und zur effektiven Höhe des Schadens.
Kriterien: - Berücksichtigung der Empfindlichkeitsstufen ES - Schwellenwert für Schadenseintritt: IGW – 10 - Berücksichtigung massgebender Beurteilungspegel Tag und Nacht - Berücksichtigung massgebender Beurteilungspegel pro Stockwerk (lautester
Punkt) - Schaden pro dB über Schwellenwert (S/dB): -0.6%
(Ansatz nach ARE/BAFU (externe Kosten 2005)1, Lärmausgleichsnorm LAN und ZKB-Studie2)
- Anzahl dB über Schwellenwert (∆) - Schaden = ∆ * -0.6%
Ermittlung Minderwert Liegenschaft (...) Objekt-ID (...)
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IGW ES II: T: 60dB N: 50 dB Schwellenwert für Schadeneintritt: T: 50 dB N: 40dB
Liegenschaft: max. Pegel pro Stockwerk (gemäss vom UVEK am 5. April 2017 genehmigtem Projekt)
0. Stock: T: 46 dB N: 41 dB 1. Stock: T: 48 dB N: 43 dB 2. Stock: T: 51 dB N: 46 dB 3. Stock: T: 53 dB N: 48 dB 4. Stock: T: 56 dB N: 51 dB
Schadensbemessung:
(...)
Fazit:
In vorliegendem Fall führt die Nationalstrasse zu einem lärmbedingten Schaden von 2 %.
Diese Wertverminderung berücksichtigt die mit der Plangenehmigung UVEK vom 5. April
2017 verfügte Lärmbelastung für den Zeitpunkt 2030. Gemäss bisheriger Rechtsprechung
erfüllt ein solcher Schaden das Kriterium der Schwere nicht.
Lärmausgleichsnorm: Zusammenstellung vorhandener Untersuchungen zu Minder-
wertberechnungen
Lärmeinfluss aus Hedonic-Pricing-Studien für die Schweiz (...)"
6.5 Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdegegner darauf aufmerksam
gemacht hatte, dass er nur einen der beiden Hausteile betrachtet habe und
dass in den Projektakten auch beim Hausteil West (...) eine analoge Über-
schreitung festgehalten worden sei, hat er den Minderwert neu berechnet
(vgl. Vorakte 43, Beilage 1). Diese korrigierte Berechnung anhand von
"MiStra" lautet wie folgt:
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Seite 12
"Schadensbemessung:
∆(T-TSchadensgrenze)*Schaden pro dB = "Reduktion" => Gemittelte Werte für
Schadensbemessung
Fazit:
In vorliegendem Fall liegt also aus unserer Sicht eine Wertverminderung von max. 2–3%
vor. Diese Wertverminderung berücksichtigt bereits die Lärmbelastung in der Zukunft."
6.6 Zusammenfassend ergibt sich anhand des Bewertungsmodells
"MiStra" ein Minderwert von 2.4% bzw. gemäss den Ausführungen des Be-
schwerdegegners zwischen 2 und 3%. Der anhand des Bewertungsmo-
dells "MiStra" berechnete Minderwert wird von den Beschwerdeführenden
bestritten. Sie machen stattdessen eine Entschädigung von mindestens
1,95 Mio. Fr. zzgl. Zins von 5% und damit einen Minderwert von 15% gel-
tend.
7.
Im Folgenden ist auf die einzelnen Rügen zur Bewertungsmethode
"MiStra" sowie zur Schwere des Schadens einzugehen.
7.1 Die Beschwerdeführenden rügen als erstes, dass die Vorinstanz sich
nicht auf das Bewertungsmodell des Beschwerdegegners hätte abstützen
dürfen. Neben der zu beachtenden Feststellung, dass es sich bei der Be-
rechnung der Beschwerdegegner um eine Parteibehauptung handelt, sei
die Berechnung des Wertverlusts überdies bundesrechtswidrig vorgenom-
men worden. Der Minderwert bzw. die Entschädigung sei nicht als prozen-
tualer Anteil des Verkehrswertes des unbelasteten Grundstücks bzw. des
belasteten Grundstücks zu bestimmen, sondern als Differenzbetrag zu er-
mitteln, der sich bei Gegenüberstellung der Verkehrswerte vor und nach
der Lärmbelastung ergebe.
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Seite 13
7.2 Die Vorinstanz hält den Vorbringen im Wesentlichen entgegen, dass
die vom ASTRA entwickelte Methode zur Ermittlung von Minderwerten we-
gen Strassenlärms keine verbindliche Vorgabe darstelle. Sie sei jedoch ein
relevantes Element in der Gesamtwürdigung. Aufgrund einer Gesamtwür-
digung sei sie zum Schluss gekommen, der allfällige Minderwert komme
deutlich unter 10% zu liegen. Sie habe daher auf eine detaillierte Differenz-
berechnung verzichten können.
7.3 Der Beschwerdegegner schliesst sich in seinen Ausführungen der
Vorinstanz an, wonach die Bewertungsmethode "MiStra" durchaus geeig-
net sei, um festzustellen, ob im Einzelfall ein enteignungsrechtlich relevan-
ter Schaden vorliege oder nicht.
7.4 Replicando halten die Beschwerdeführenden daran fest, dass die
Vorinstanz ihr Ermessen falsch ausgeübt habe. Weiter bestreiten sie, dass
die Vorinstanz auf eine detaillierte Differenzrechnung habe verzichten kön-
nen. Gemäss Bundesgericht hätte die Vorinstanz gemäss wissenschaftlich
anerkannter Methode die Werteinbusse ermitteln müssen. Indem sich
diese ohne sachlich haltbare Gründe auf die Berechnungsmethode und die
Berechnungen des Beschwerdegegners abgestützt habe, sei sie in Willkür
verfallen.
7.5 Als erstes ist auf die Bewertungsmethode einzugehen.
7.5.1 Bei der Wahl der Bewertungsmethode steht den Eidgenössischen
Schätzungskommissionen bei voller Kognition grundsätzlich ein grosses
Ermessen zu. Immerhin ist festzuhalten, dass die Anwendung einer be-
stimmten Bewertungsmethode geeignet sein muss, um das betreffende
Objekt plausibel zu bewerten, dass die Schätzungskommission ihr Ergeb-
nis nachvollziehbar begründen muss und dass dieses insgesamt sachlich
haltbar ist (Urteil des BVGer A-2375/2018 vom 11. April 2019 E. 5.2 m.H.).
7.5.2 Die Ermittlung der Minderwerte für die Schadensbemessung von
"MiStra" beruht auf bestehenden Untersuchungen (insbesondere der Zür-
cher Kantonalbank [ZKB] zu Minderwerten ["Hedonic Pricing Studien"]).
Solche sog. hedonischen Bewertungsmodelle sind allgemein üblich (vgl.
mutatis mutandis zum Fluglärm etwa die hedonischen Bewertungsmodelle
in BGE 138 II 77 E. 7 und 134 II 49 E. 18.5 f.; vgl. ferner das Urteil des
BVGer A-2375/2018 vom 11. April 2019 E. 5.3) und werden von den Be-
schwerdeführenden nicht substanziiert bestritten. Dabei verfängt auch das
Argument nicht, dass es sich um eine Parteibehauptung handelt. Es gilt im
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Seite 14
Verwaltungsverfahren wie auch im Beschwerdeverfahren der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (vgl. E. 2.3 hiervor). Vielmehr liegt das Vorge-
hen im Rahmen des vorinstanzlichen Schätzungsermessens und dient ei-
ner einheitlichen Praxis. Die Vorinstanz hatte daher nicht ein eigenes wis-
senschaftliches Modell zu entwickeln. Demnach ist es nicht zu beanstan-
den bzw. auch nicht willkürlich, dass sie den lärmbedingten Minderwert der
Liegenschaft gestützt auf "MiStra" ermittelt hat.
7.5.3 Den Beschwerdeführenden ist dahingehend zuzustimmen, dass die
Entschädigung nach den Regeln über die Teilenteignung zu bemessen ist.
Der Grundeigentümer hat Anspruch auf Ersatz des Minderwertes, den sein
Grundstück durch die dingliche Belastung erleidet, d.h. auf die Vergütung
der Wertdifferenz, die sich zwischen dem Verkehrswert des unbelasteten
Grundstücks und jenem des belasteten Grundstücks ergibt (BGE 134 II 49
E. 11). Üblicherweise wird der Minderwert aus Praktikabilitätsgründen in
Prozenten des Verkehrswerts des lärmunbelasteten Grundstücks angege-
ben (vgl. BGE 134 II 49 E. 11). Unter der Prämisse, dass der Minderwert
deutlich unter 10% liegt, war es daher ohne weiteres vertretbar, auf eine
detaillierte Differenzberechnung zu verzichten. Auf die Rügen zur Minder-
wertsberechnung ist noch einzugehen (vgl. E. 7.10 hiernach).
7.5.4 Als Zwischenergebnis ist die Bewertungsmethode der Vorinstanz –
unter der Prämisse, dass der Minderwert deutlich unter 10% liegt – nicht
zu beanstanden.
7.6 Weiter sind die Beschwerdeführenden der Ansicht, dass der Beschwer-
degegner seine Berechnung auf Werte stütze, welche im Planungshorizont
2030 erreicht werden sollten und ignoriere damit einerseits die heutige, hö-
here Lärmbelastung, die auch mit der aktuellen Nachbesserung wiederum
nicht eliminiert werden könne. Andererseits sei höchst fraglich, ob die er-
rechneten Lärmwerte bis 2030 auch tatsächlich erreicht werden, da Lärm-
schutzmassnahmen in der Praxis in den seltensten Fällen vollumfänglich
halten würden, was sie versprächen. Ausserdem stütze der Beschwerde-
gegner seine Berechnung auf die maximalen Pegel an der Südfassade der
Liegenschaft und lasse dabei ausser Acht, dass die Lärmpegel an der Ost-
fassade im EG sowie im 2. und 3. Obergeschoss höher lägen als an der
Südfassade. Dabei sei insbesondere zu berücksichtigen, dass ihre Liegen-
schaft die einzige sei, die vom Lärmschutzprojekt Sentibrücke nicht profi-
tiert habe.
A-1366/2021
Seite 15
Zusätzlich erheben die Beschwerdeführenden sachverhaltliche Rügen,
welche einen engen Bezug zur materiellen Frage der Schwere des Scha-
dens haben (vgl. E. 5.6 hiervor). Sie rügen u.a., die Vorinstanz habe die
Feststellungen, die sie anlässlich der auf der Liegenschaft durchgeführten
Schätzungsverhandlung gemacht habe, gänzlich unberücksichtigt gelas-
sen (deutlich wahrnehmbarer Lärm auf der Ebene der Zufahrtsstrasse, auf
den Terrassen und in den Räumen bei offenem Fenster, ebenso wie die
bundesrechtswidrig angewandte sog. "Lüftungsfensterproblematik").
7.7 Die Vorinstanz entgegnet den Ausführungen der Beschwerdeführen-
den, insofern als sich diese zu den Grundlagen äussern würden, die in der
Projektgenehmigung erhoben worden seien, seien sie nicht zu hören. Die
Lüftungsfensterpraxis habe bei der Beurteilung der Voraussetzungen für
eine Minderwertentschädigung keine Relevanz.
7.8 In seiner Beschwerdeantwort führt der Beschwerdegegner aus, dass
auf die mit der Plangenehmigungsverfügung bestätigten Lärmwerte abzu-
stellen sei, bei deren Ermittlung entsprechend der umweltrechtlichen Vor-
gaben künftige Zu- oder Abnahmen der Lärmimmissionen berücksichtigt
worden seien. Für die vorliegende Fragestellung sei nicht relevant, dass
die Liegenschaft der Beschwerdeführenden angeblich die einzige sei, die
vom Lärmschutzprojekt Sentibrücke nicht profitieren könne. Damit würden
die Beschwerdeführenden viel mehr bestätigen, dass es heute nicht lauter
sein könne als im massgebenden Beurteilungshorizont 2030. Hinzu
komme, dass sie das Projekt so akzeptiert und die Plangenehmigungsver-
fügung entsprechend nicht angefochten hätten.
7.9 Die Beschwerdeführenden entgegnen in ihrer Replik im Wesentlichen,
dass die heutigen Eigentümer keine Kenntnis von der Plangenehmigungs-
verfügung erhalten hätten.
7.10 Als nächstes ist die Minderwertsberechnung des Beschwerdegegners
– auf die sich die Vorinstanz abstützt – zu prüfen.
7.10.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Berechnungen des Beschwerde-
gegners zu den Immissionen aus dem Plangenehmigungsverfahren stam-
men. Die entsprechende Plangenehmigungsverfügung vom 5. April 2017
ist unbestrittenermassen in Rechtskraft erwachsen, woran auch der Ein-
wand der Beschwerdeführenden nichts ändert, dass die heutigen Eigentü-
mer über die Plangenehmigungsverfügung keine Kenntnis gehabt hätten.
A-1366/2021
Seite 16
Sie machen jedenfalls nicht geltend, dass die Plangenehmigungsverfü-
gung nicht eröffnet worden wäre bzw. nichtig wäre. Dazu passt, dass sie
im vorinstanzlichen Verfahren mit Stellungnahme vom 24. Juni 2020 aus-
geführt haben, dass der Plangenehmigungsentscheid wegen unsorgfälti-
ger Prozessführung nicht angefochten worden sei.
Die Berechnungen des Beschwerdegegners berücksichtigen die zukünf-
tige Lärmentwicklung bis 2030 (vgl. Planerbericht vom 15. Januar 2016
"Erleichterungen gemäss Lärmschutzverordnung", Erleichterungsantrag
[...]). Die Vorinstanz durfte deshalb ohne weiteres darauf abstellen. Soweit
die Beschwerdeführenden vorbringen, dass sie vom (weitgehend ausge-
führten) Lärmschutzprojekt Sentibrücke nicht hätten profitieren können, ist
deshalb darauf nicht einzugehen. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwie-
fern die Lärmwerte bis 2030 nicht erreicht werden sollten und wird auch
nicht substanziiert vorgebracht. Die lärmrechtlichen Vorbringen bezüglich
des deutlich wahrnehmbaren Lärms auf der Ebene der Zufahrtsstrasse so-
wie auf den Terrassen und in den Räumen bei offenem Fenster beschlagen
ebenfalls die rechtskräftige Plangenehmigungsverfügung und sind damit
nicht zu hören. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz eine Gesamtwürdigung
der lärmrechtlichen Situation vorgenommen und die Feststellungen am Au-
genschein miteinbezogen hat (vgl. E. 7.11 hiernach). Auf den prozessualen
Antrag zur Einholung einer Expertise bei einem diplomierten Akustiker SGA
ist noch einzugehen (vgl. E. 9 hiernach). Im Übrigen ist der Vorinstanz da-
hingehend beizupflichten, dass die sog. "Lüftungsfensterpraxis" im Zusam-
menhang mit dem Streitgegenstand nicht einschlägig ist, sondern sie be-
schlägt Baubewilligungen in lärmbelasteten Gebieten für neue Gebäude
(vgl. Urteile des BGer 1C_139/2015, 1C_140/2015 und 1C_141/2015 vom
16. März 2016 E. 3 ff.).
7.10.2 Der Beschwerdegegner hat den Schaden – gestützt auf die soeben
erwähnten Untersuchungen zu Minderwerten der ZKB (vgl. E. 7.5.1 hier-
vor) – pro dB über Schwellenwert (S/dB) mit -0.6% veranschlagt. Die Be-
schwerdeführenden verlangen die Gesamtbetrachtung der Liegenschaft,
was in dieser Berechnung erfolgt ist. Er hatte ursprünglich die Berechnun-
gen mit "MiStra" nur für den Hausteil Ost getätigt (vgl. Vorakte 11, Bei-
lage 2). Mit der Korrektur der Berechnung der Vorinstanz gemäss E-Mail-
Anhang vom 29. Januar 2021 nach "MiStra" ist die Schadensberechnung
für den Hausteil Ost und den Hausteil West abgebildet (Vorakte 43). Darauf
hat die Vorinstanz abgestellt, was nach dem zuvor unter E. 7.5.2 Gesagten
nicht zu beanstanden ist. Die neue Berechnung nach "MiStra" zeigt an-
schaulich, dass der Schaden in Rahmen einer Gesamtbetrachtung des
A-1366/2021
Seite 17
Grundstücks ungefähr zwischen 2 und 3% und damit deutlich unter 10%
ausfällt. Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, dass die Lärmpegel
an der Ostfassade im EG sowie im 2. und 3. Obergeschoss höher lägen
als an der Südfassade, kann dies letztlich offen bleiben. Selbst wenn die-
sem Vorbringen gefolgt würde, wird aus der Berechnung von -0.6% pro dB
über Schwellenwert (S/dB) klar, dass der Minderwert von 10% auch bei
Berücksichtigung der leicht höheren Lärmpegel an der Ostfassade bei wei-
tem nicht erreicht würde.
7.10.3 Zusammenfassend liegt der Minderwert deutlich unter 10%. Damit
ist auch der Verzicht auf eine detaillierte Differenzberechnung nicht zu be-
anstanden (vgl. E. 7.5.3 hiervor).
7.11 Abschliessend ist auf die Gesamtwürdigung der Vorinstanz einzuge-
hen.
7.11.1 Die Beschwerdeführenden bringen zur Schwere des Schadens kon-
kret vor, dass die bundesgerichtlichen Grundsätze missachtet worden
seien. Eine feste, allgemein gültige Grenzziehung sei in der Praxis ausge-
schlossen worden. Das Bundesgericht habe bereits wiederholt anerkannt,
dass auch eine Entwertung von 10% einer Liegenschaft bereits einen
schweren Schaden im enteignungsrechtlichen Sinn darstellen könne. Ver-
schiedentlich seien denn auch in bundesgerichtlichen Verfahren, die Nati-
onalstrassenlärm betroffen hätten und durch Vergleich erledigt hätten wer-
den können, Minderwertsentschädigungen von klar weniger als einem Drit-
tel des Verkehrswertes des (nicht lärmbelasteten) Grundstücks zugestan-
den worden. Neben der Lärmbelastung seien auch die Lage, die Art und
die Umgebung des Grundstücks zu berücksichtigen sowie weitere Gege-
benheiten, welche die Immobilienwerte zu beeinflussen vermögen. Indem
sich die Vorinstanz bei der Festlegung, ob ein schwerer Schaden bestehe,
vollumfänglich und ohne sachliche Gründe auf die Berechnung der Be-
schwerdegegner abgestützt habe, ohne selbst die Wertverminderung zu
ermitteln und bei der Bemessung pauschal auf den ihr zustehenden Er-
messenspielraum verwiesen habe, sei das bestehende Recht falsch aus-
geübt bzw. es seien offensichtlich Rechtsfehler bei der Ausübung des Er-
messens begangen worden.
Wie bereits erwähnt, erheben die Beschwerdeführenden ausserdem sach-
verhaltliche Rügen, welche einen engen Bezug zur materiellen Frage der
Schwere des Schadens haben (vgl. E. 5.6 hiervor). In sachverhaltlicher
Hinsicht rügen die Beschwerdeführenden u.a., dass die Vorinstanz die
A-1366/2021
Seite 18
Feststellungen, die sie anlässlich der auf der Liegenschaft durchgeführten
Schätzungsverhandlung gemacht habe, falsch gewürdigt habe, wie die an-
geblich tauglichen baulichen Vorkehren eines passiven Lärmschutzes wie
die vorgelagerten Terrassen.
7.11.2 Die Vorinstanz hielt demgegenüber im angefochtenen Entscheid
fest, dass sie bei der Feststellung, ob ein durch die Lärmbelastung erzeug-
ter schwerer Schaden bestehe, sie einen grossen Ermessenspielraum
habe. Weil sie mit den beiden Fachrichtern selber über einschlägiges Fach-
wissen verfüge, könne sie dieses Ermessen auch pflichtgemäss und
rechtskonform ausüben. Wie vom Bundesgericht vorgegeben, orientiere
sie sich dabei nicht an einem starren Prozentsatz. Grundlage für die Abwä-
gung seien ein Gesamteindruck der Problematik einerseits und die Auswir-
kungen derselben auf die gesamte Liegenschaft anderseits. Im Zuge die-
ser Abwägung könne festgestellt werden, dass die streitbezogene Liegen-
schaft nach Ausführung des gesamten Sanierungsprojekts und mit Blick
auf den Planungshorizont 2030 lärmmässig gut dastehe.
In Ihrer Vernehmlassung äussert sich die Vorinstanz dahingehend, dass
sie sich nicht einseitig auf die durch den Beschwerdegegner ermittelten
"MiStra-Werte" abgestellt habe. Sie habe die Feststellungen am Augen-
schein in die Gesamtwürdigung einbezogen. Sie habe die Bedeutung der
Betonbrüstungen nicht verkannt. Sie seien kein wesentliches Element in-
nerhalb der Gesamtwürdigung gewesen.
7.11.3 Der Beschwerdegegner trägt vor, die Vorinstanz sei mit ihrem Fach-
wissen auch in der Lage zu beurteilen, ob der so ermittelte Schaden plau-
sibel sei. Vorliegend sei der mit "MiStra" ermittelte lärmbedingte Minderwert
der Gesamtliegenschaft mit 2.4% weit weg von den vom Bundesgericht
geforderten 10%. Im Übrigen habe die Vorinstanz die Schwere des Scha-
dens nicht einzig gestützt auf "MiStra" verneint. Vielmehr habe als mit
Fachrichtern ausgestattete Entscheidbehörde im Rahmen einer Gesamt-
würdigung der massgebenden Umstände befunden, dass – unabhängig
der Bewertungsmethode – weitergehende Expertisen nicht nötig seien und
offensichtlich nicht zu einem anderen Ergebnis führen würden.
7.11.4 Die Vorinstanz hat sich – entgegen den Vorbringen der Beschwer-
deführenden – nicht nur starr von den Prozentwerten leiten lassen, sondern
sie hat im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch den
Gesamteindruck abgewogen. Im Rahmen dieser Abwägung ist sie zum
Schluss gekommen, dass der IGW nur bei den beiden Dachwohnungen
A-1366/2021
Seite 19
überschritten ist und die streitgegenständliche Liegenschaft gut dasteht.
Sie hat weiter berücksichtigt, dass gemäss Immobiliengutachten geringe
Immissionen von der Autobahn und der Bahnlinie bestehen. Auf diese
sachgerechte Einschätzung der Vorinstanz, welche mit Fachrichtern über
einschlägiges Fachwissen verfügt (vgl. E. 2.1 hiervor), ist abzustellen. Da-
bei brauchte sie nicht auf jedes Argument der Beschwerdeführenden am
Augenschein ausdrücklich einzugehen (vgl. E. 5.7 hiervor).
7.12 Zusammenfassend hat die Vorinstanz ihr Schätzungsermessen nicht
über- oder unterschritten bzw. missbraucht. Damit erweisen sich die Be-
rechnungen zum Minderwert und die Gesamtwürdigung für die Enteignung
der nachbarrechtlichen Abwehransprüche aus dem streitgegenständlichen
Grundstück als bundesrechtskonform. Die Schwere des immissionsbe-
dingten Schadens ist nicht gegeben. Die drei unter E. 6.1 aufgeführten Vo-
raussetzungen des Entschädigungsanspruchs für die Unterdrückung nach-
barlicher Abwehrrechte gegenüber Lärmeinwirkungen müssen kumulativ
erfüllt sein; ist bereits eine nicht gegeben, erübrigt es sich deshalb, die üb-
rigen Voraussetzungen zu prüfen.
8.
Nach Art. 115 EntG hat der Enteigner für die notwendigen aussergerichtli-
chen Kosten des Enteigneten im Einsprache-, im Einigungs- und im Schät-
zungsverfahren grundsätzlich eine angemessene Entschädigung zu leis-
ten.
8.1 Im angefochtenen Schätzungsentscheid erwog die Vorinstanz, dass
grundsätzlich nur die notwendigen aussergerichtlichen Kosten zu entschä-
digen seien. Der Rechtsvertreter sei erst vor der Schätzungsverhandlung
mandatiert worden. Er habe an der Verhandlung teilgenommen und in der
Folge zwei kurze Eingaben und ein zweiseitiges Schreiben eingereicht. Sie
sprach den Beschwerdeführenden eine gekürzte Parteientschädigung für
anwaltliche Aufwendungen von Fr. 7'310.35 zu (Honorar: Fr. 6'500.–, Aus-
lagen Fr. 287.70 und MwSt. von Fr. 522.65). Sie führte aus, dass der Auf-
wand von mehr als 36 Stunden als sehr hoch erscheine. Zudem könnten
die eingesetzten Stundenansätze von Fr. 280.– und Fr. 320.– nicht geneh-
migt werden. Das Bundesverwaltungsgericht lasse in seiner Praxis bei Fäl-
len ohne besondere Komplexität nur Stundenansätze von maximal
Fr. 250.– zu.
A-1366/2021
Seite 20
8.2 Die Beschwerdeführenden machen geltend, die zugesprochene Partei-
entschädigung sei fehlerhaft bzw. die Anzahl Stunden als auch der Stun-
denansatz seien zu tief bemessen. Die Teuerung sei nach einem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts zu berücksichtigen. Der geltend gemachte
Aufwand im Verfahren vor der Vorinstanz sei unter anderem bedingt durch
den Anwaltswechsel und sei zu entschädigen. Sie verlangen neu statt der
im vorinstanzlichen Verfahren geforderten Fr. 10'425.95 (Aufwand von
36.67 Stunden, Honorar von Fr. 9'392.85, Auslagen von Fr. 287.70 und
MwSt. von Fr. 745.40) eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 10'473.90
(Aufwand von 29.5 Stunden, Honorar von Fr. 9'440.–, Auslagen von
Fr. 283.20 und MwSt. von Fr. 748.70).
8.3 In ihrer Vernehmlassung erwidert die Vorinstanz, sie habe sich bei der
Festsetzung der Parteientschädigung die Praxis der übergeordneten In-
stanzen angewandt. Die Honorarnote des Anwalts der Beschwerdeführen-
den habe nicht dem entsprochen, weshalb sie gekürzt habe werden müs-
sen.
8.4 Der Beschwerdegegner lässt sich hierzu im Beschwerdeverfahren
nicht vernehmen.
8.5 Es steht der Vorinstanz bei der ermessensweisen Festlegung der Par-
teientschädigung im Rahmen von Art. 115 EntG ein weiter Ermessens-
spielraum zu, weshalb sich das Bundesverwaltungsgericht bei der Über-
prüfung eine gewisse Zurückhaltung auferlegt (Urteile des BVGer
A-957/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 15.4.3 und BVGer A-330/2013
vom 26. Juli 2013 E. 9.4.1). Von der Einschätzung der Vorinstanz ist dem-
entsprechend nicht ohne Not abzuweichen (Urteil des BVGer A-4707/2018
vom 24. April 2020 E. 5.2.1.5 m.H.). Parteikosten sind dann als notwendig
zu betrachten, wenn sie zur sachgerechten und wirksamen Rechtsverfol-
gung oder Rechtsverteidigung unerlässlich erscheinen; ob dies zutrifft, be-
stimmt sich nach der Prozesslage, wie sie sich dem Betroffenen im Zeit-
punkt der Kostenaufwendung darbot (Urteil des BVGer A-4556/2011 vom
27. März 2012 E. 2.2.2 m.H.). Ebenfalls ist zu berücksichtigen, dass die
Schätzungskommissionen aus Fachleuten zusammengesetzt und nicht an
die Parteibegehren gebunden sind, was zwar die Anwälte der Enteigneten
nicht ihrer Sorgfaltspflichten enthebt (vgl. BGE 111 IB 97 E. 3), jedoch
grundsätzlich die Anlegung eines strengen Beurteilungsmassstabs bei der
Prüfung der Notwendigkeit der getroffenen Vorkehren rechtfertigt (Urteil
des BVGer A-957/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 15.4.3).
A-1366/2021
Seite 21
8.6 Strittig ist, ob die Vorinstanz den Anwaltswechsel hätte entschädigen
müssen. Somit ist zu prüfen, ob die Vorbringen der Beschwerdeführenden
ein Eingreifen in den vorinstanzlichen Entscheidungsspielraum zur Reduk-
tion der Parteientschädigung als begründet erscheinen lassen.
8.6.1 Es liegt im Rahmen des vorinstanzlichen Ermessens, gewisse Um-
stände als Reduktionsgründe zu anerkennen. Eine Reduktion ist nament-
lich angezeigt, wenn die Partei schuldhaft unnötige Kosten verursacht hat.
Zu einer Reduktion führen etwa Wiederholungen in Rechtsschriften und
Eingaben, in denen gegenüber den vorher eingereichten Rechtsschriften
materiell nichts Neues vorgebracht wird. Zu einer Kürzung der Parteient-
schädigung kann gemäss Rechtsprechung auch der vermeidbare Koordi-
nationsaufwand, der durch den Beizug mehrerer Anwälte entstanden ist,
führen. Ebenso ist der vom Enteigneten selber begründete Anwaltswechsel
nicht dem Enteigner aufzuerlegen. Eine allfällige Kürzung ist in pauschaler
Weise und ohne einlässliche Berechnung vorzunehmen (vgl. Urteile des
BVGer A-4707/2018 vom 24. April 2020 E. 5.3.6 und BVGer A-957/2016
vom 14. Dezember 2016 E. 15.4.3).
8.6.2 Die Beschwerdeführenden begründen ihren Aufwand mit dem An-
waltswechsel. Sie führen indessen nicht aus, inwiefern ein solcher notwen-
dig gewesen wäre. Der durch den von den Beschwerdeführenden selber
zu verantwortende Anwaltswechsel entstandene Mehraufwand ist somit
nicht dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (vgl. E. 8.6.1 hiervor). Die
Vorinstanz hat daher bei der Festlegung der Parteientschädigung zu Recht
einzig die zwei kurzen Eingaben und ein zweiseitiges Schreiben des neuen
Rechtsvertreters für die Höhe der Entschädigung berücksichtigt. Dazu
passt, dass das zugesprochene Honorar von Fr. 6’500.– (exkl. Auslagen
und MwSt.) bei einem Stundensatz von Fr. 250.– einen Aufwand von 26
Stunden ergibt und damit nahezu dem im Beschwerdeverfahren geforder-
ten Aufwand von 29.5 Stunden entspricht. Die Pauschale von Fr. 6’500.–
und die MwSt. von Fr. 522.65 erweisen sich daher als sachgemäss. Im Üb-
rigen bemängeln die Beschwerdeführenden die Höhe der Auslagen von
Fr. 287.70 nicht, weshalb es sich erübrigt darauf einzugehen.
8.7 Als nächstes ist der Stundenansatz von Fr. 250.– zu überprüfen, den
die Vorinstanz als Maximum für die zugesprochen Pauschale von
Fr. 6’500.– zugrunde gelegt hat.
A-1366/2021
Seite 22
8.7.1 Für die Bestimmung des Stundenansatzes ist gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung primär auf die konkreten Umstände des einzel-
nen Verfahrens abzustellen und sekundär sind auch die örtlichen Verhält-
nisse, welche die Höhe der Aufwendungen der Enteigneten beeinflussen
können (allgemeine Lebenskosten, örtliche Preise für Dienstleistungen,
Mieten usw.), zu berücksichtigen (BGE 129 II 106 E. 3.4). Im Urteil
BGE 123 II 456 E. 3 aus dem Jahre 1997 ging das Bundesgericht von ei-
nem Normalansatz von Fr. 200.– aus, der in tatsächlich und rechtlich sehr
komplexen Fällen auf Fr. 250.– erhöht werden könne. Zudem beurteilte
das Bundesgericht den Ansatz von Fr. 280.– in einem tatsächlich und
rechtlich sehr komplexen Pilotverfahren mit erheblicher präjudizieller Wir-
kung als nicht unverhältnismässig hoch bzw. offensichtlich überrissen (Ur-
teile des BGer 1C_100/2011 und 1C_102/2011 vom 9. Dezember 2011
E. 14.3.2, nicht publiziert in: BGE 138 II 77; vgl. ferner das Urteil des BVGer
A-4858/2012 vom 15. August 2013 E. 10.4.3). Das Bundesverwaltungsge-
richt erwog in den Direktüberflugsfällen in Kloten, dass es sich um tatsäch-
lich und rechtlich sehr komplexe Fälle handle, bei denen verschiedene
Rechtsfragen erstmals zu prüfen waren. Entsprechend erweise sich ein
Stundenansatz von Fr. 250.– ohne Weiteres als angemessen (vgl. statt vie-
ler das Urteil des BVGer A-2153/2012 vom 1. April 2014 E. 10.6.3). Auch
in neueren Urteilen hat das Bundesverwaltungsgericht an dieser Praxis
festgehalten (Urteile des BVGer A-4707/2018 vom 24. April 2020
E. 5.2.1.6, A-4864/2018 vom 1. November 2019 E. 10.3, A-3425/2016 vom
8. Juni 2017 E. 11.3.2.2 und A-3465/2016 vom 15. September 2016
E. 19.3).
8.7.2 Konkret stellen sich keine besonders schwierigen Rechtsfragen und
damit ist nicht von Verhältnissen auszugehen, die einen höheren Ansatz
rechtfertigen könnten. Auch die Teuerung ist – entgegen den Vorbringen
der Beschwerdeführenden – in der letzten Dekade nicht als derart gewich-
tig einzustufen, dass die Vorinstanz ihr Ermessen mit einem Stundenan-
satz von Fr. 250.– überschritten hätte. Als Zwischenfazit ist festzuhalten,
dass die Vorinstanz ihr Ermessen bei der Festlegung des Stundenansatzes
pflichtgemäss ausgeübt hat. Die Rüge der Beschwerdeführenden zur Höhe
des Stundenansatzes erweist sich als unbegründet.
8.8 Im Ergebnis hat die Vorinstanz den ihr zustehenden Ermessensspiel-
raum nicht überschritten. Die zugesprochene Parteientschädigung ist da-
mit nicht zu beanstanden. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem
Punkt als unbegründet.
A-1366/2021
Seite 23
9.
9.1 In prozessualer Hinsicht beantragen die Beschwerdeführenden, es sei
ein Augenschein unter Beizug eines Schätzungsexperten durchzuführen.
Der Minderwert der Liegenschaft Nr. (...) sei durch ein Schätzungsgutach-
ten zu ermitteln. Soweit erforderlich sei für die lärmrechtliche Beurteilung
(der Grundrisse, der Gestaltung der Fassaden und der Fenster an den bei-
den Gebäuden) eine Expertise bei einem diplomierten Akustiker SGA ein-
zuholen.
9.2 Der Beschwerdegegner stellt sich auf den Standpunkt, dass weiterge-
hende Expertisen nicht nötig seien. Die Vorinstanz lässt sich hierzu nicht
vernehmen.
9.3 Nach dem unter E. 7.12 Gesagten ergibt sich, dass der Minderwert des
Grundstücks Nr. (...) bundesrechtskonform erstellt ist. Für die Anordnung
eines Augenscheins bzw. eines gerichtlichen Gutachtens besteht demnach
kein Anlass. Diese Beweisanträge sind daher in antizipierter Beweiswürdi-
gung abzuweisen (vgl. E. 2.2 hiervor). Die lärmrechtliche Beurteilung ist
Bestandteil der rechtskräftigen Plangenehmigungsverfügung vom 5. April
2017 (vgl. E. 7.10.1). Im Übrigen hat die Vorinstanz eine Gesamtwürdigung
der Lärmsituation vorgenommen (vgl. E. 7.11.4). Es erübrigt sich somit auf
den Antrag zum Beizug eines diplomierten Akustikers einzugehen.
9.4 Nach dem Gesagten sind die gestellten Beweisanträge der Beschwer-
deführenden in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen, soweit auf sie
einzugehen ist.
10.
Im Ergebnis erweist sich der Entscheid der Vorinstanz als bundesrechts-
konform. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Verfahrens vor
Bundesverwaltungsgericht zu befinden.
11.1 Die Kosten des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht, ein-
schliesslich einer Parteientschädigung an den Enteigneten, hat der Enteig-
ner zu tragen (Art. 116 Abs. 1 Satz 1 EntG). Werden die Begehren des Ent-
eigneten ganz oder zum grösseren Teil abgewiesen, so können die Kosten
auch anders verteilt werden. Unnötige Kosten trägt in jedem Fall, wer sie
verursacht hat (Art. 116 Abs. 1 Satz 2 und 3 EntG).
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Seite 24
Auch wenn die Beschwerdeführenden als die Enteigneten mit ihrer Be-
schwerde nicht durchgedrungen sind, besteht kein Anlass vom Grundsatz
abzuweichen, wonach der Enteigner die aus der Geltendmachung des Ent-
eignungsrechts entstehenden Kosten trägt. Der Beschwerdegegner hat als
Enteigner sowohl die Verfahrenskosten zu tragen als auch eine Parteient-
schädigung an die Beschwerdeführenden als Enteignete zu leisten.
Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach Umfang und Schwierigkeit der
Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG sowie Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2], zur subsidiären Anwendbarkeit siehe
vorne E. 1.1 hiervor). In enteignungsrechtlichen Verfahren ist es zudem
üblich, die Kosten eher niedrig zu halten. Nicht heranzuziehen ist bei der
Bemessung der Gerichtsgebühr insbesondere die Bestimmung von Art. 4
VGKE, welche für Streitigkeiten mit Vermögensinteresse eine streitwertab-
hängige Gerichtsgebühr vorsieht: Da das Unterliegerprinzip grundsätzlich
nicht gilt, kann der Streitwert bei der Bestimmung der Gerichtskosten (und
auch der Parteientschädigung) nicht ausschlaggebend sein. Der Enteig-
nete wäre sonst in der Lage, durch Erhöhung seiner Forderung einseitig
und praktisch ohne eigenes Risiko auf die Kosten einzuwirken (vgl. Urteil
des BVGer A-742/2019 vom 18. Februar 2020 E. 17.2). Es rechtfertigt sich,
die Verfahrenskosten auf Fr. 3'000.– festzusetzen und in dieser Höhe den
Enteignern aufzuerlegen.
11.2 Da die Beschwerdeführenden keine Kostennote eingereicht haben, ist
die Parteientschädigung ermessensweise aufgrund der Akten zu bestim-
men (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anbetracht des mutmasslichen Arbeits- und
Zeitaufwandes, namentlich für das Verfassen der Rechtsschriften, hält das
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.– (inkl.
Auslagen und MwSt.) für angemessen, welche durch den Beschwerdegeg-
ner zu entrichten ist.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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