Decision ID: 05fa0244-30c6-4267-b094-2972a26bc630
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der ukrainische Staatsangehörige
X._
, geboren 196
0
, reiste
im Dezem
ber 1996 illegal
in die Schweiz ein
(Urk. 10/2/1,
Urk. 10/5,
Urk. 10/58/221)
.
A
nschliessend
stellte
er ein
Asylgesuch
, welches
das Bundesamt für Flüchtlinge
am
28. Januar 2000
ab
wies
. Zudem wies es
X._
aus der Schweiz weg
und
verpflichtete ihn unter Androhung der Ausschaffung im Unterlassungsfall, die Schweiz bis zum 2
7.
April 2000 zu verlassen
(Urk. 10/
46
).
Die Schweizeri
sche
Asylrekurskommission
bestätigte diesen Entscheid mit Urteil vom 1
1.
Dezember 2001 (Urk. 10
/43
).
Am 15.
November 2004
meldete sich
X._
, der sich immer noch in der Schweiz befand,
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug einer Rente an (Urk. 10/2). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge
Personalnach
weis
und Ver
sicherungsausweis (Urk. 10/5-6),
einen Auszug aus dem individu
ellen Konto des
Versicherten
(IK-Auszug, Urk. 10/8) sowie einen Arbeitgeber
fragebogen (Urk. 10/9) ein und nahm Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 10/10-12).
Sodann sprach sie
X._
mit Verfügung vom
4.
Mai 2005 bei verspäteter Anmeldung mit Wirkung ab
1.
November 2003 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 10/18). Den Anspruch auf eine ganze Rente bestätigte die IV-Stelle in der Folge
revisionsweise
mit Mitteilungen vom 1
8.
August 2006 (Urk. 10/
27) sowie
vom 2
0.
März 2009 (Urk. 10/35)
bei jeweils unverändertem Invaliditätsgrad von 100
%
.
1.2
Nachdem die IV-Stelle am
8.
November 2010 von der Abweisung des
Asylge
suchs
erfahren hatte
(Urk. 10/40),
prüfte sie das Vorliegen der
versicherungs
mässigen
Voraussetzungen, wobei
sie die Akten des Migrationsamts beizog (Urk. 10/58
). Mit Vorbescheid vom 2
9.
Juni 2011 stellte sie
dem Versicherten
die wiedererwägungsweise Aufhebung
der ihm bisher ausgerichteten ganzen Rente in Aussicht. Dies
mit der Begründung,
dass
er
sich weder beim Eintritt des Versicherungsfalls im Mai 2002 noch bei der Anmeldung zum Rentenbezug im Jahr 2004 legal in der Schweiz aufgehalten habe und auch festgestanden sei, dass er kein Aufenthaltsrecht erlangen werde, womit die versicherungsmässigen Voraussetzu
n
gen für
die Bejahung
de
s
Anspruch
s
auf eine Invalidenrente nicht gegeben gewesen seien (Urk. 10/64).
Am
7.
Oktober 2011 verfügte die IV-Stelle in diesem Sinne (Urk. 10/67).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 1
1.
Februar 2013 ersuchte
X._
die IV-Stelle um Wiederausrichtung der Invalidenrente, mit dem Hinweis darauf, dass er unterdessen den
Ausländer
ausweis
F erhalten habe (Urk. 10/68-69). Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2013 stellte die IV-Stelle
ihm die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da die versicherungsmässigen Voraussetzungen weiterhin nicht gegeben seien, weil er vor dem Eintritt des Versicherungsfalles lediglich für zwei Monate Beiträge einbezahlt habe (Urk. 10/75).
Am 2
4.
April 2013 verfügte die IV-Stelle im ange
kündigten Sinne (Urk. 10/81 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
2
4.
April
2013 erhob
der Versicherte
am 1
9.
Mai 2013 Beschwerde (Urk. 1). Innert mit Gerichtsverfügung vom 2
7.
Mai 2013 (
Urk.
4) angesetzter Nachfrist beantragte er die Wiedera
usrichtung
seiner Invali
denrente (Urk. 5).
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Juli
2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
9)
, was
dem Beschwerdeführer am 1
1.
Juli 2013 zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk. 11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Der Invalidität als materieller Leistungsvoraussetzung sind die versicherungs
-
mäs
sigen Voraussetzungen als formelle Leistungserfordernisse gegenübergestellt (
Meyer, Bundesgesetz über
die Invalidenversicherung (IVG), 2.
Auflage 2010,
S. 57
). Schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose
haben gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG)
Anspruch auf Leistungen gemäss den nachstehenden Best
immungen. Art. 39 bleibt vorbehalten (Abs. 1). Ausländische Staatsangehörige sind, vorbehältlich Artikel 9 Absatz 3, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben (Abs. 2).
Zwischen der Schweiz und der Ukraine besteht kein Staatsvertrag, der eine abweichende Regelung enthalten könnte.
1.3
Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheits
zustandes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (AHI 2003 S. 209 E. 2a). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine An
meldung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden An
spruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E. 2b mit Hinweisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, die versicherungsmässigen Voraussetzungen
für einen
Leistungs
anspruch
seien nicht erfüllt, da bei Eintritt der Invalidität im Mai 2002 die
Min
destbeitragsdauer
nicht erreicht gewesen sei, sondern der Beschwerdeführer gemäss IK-Auszug erst Beiträge für zwei Monate einbezahlt gehabt habe (Urk. 2). In der Beschwerdeantwort führte sie ergänzend aus, nach Art. 16 AHVG falle auch eine rückwirkende Entrichtung weiterer Beiträge nicht mehr in Betracht (Urk. 9 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer wies in seiner Beschwerde darauf hin, dass er an
Herzprob
lemen
sowie an psychischen Problemen leide und bereits in den Jahren 2005 bis 2011 eine Invalidenrente bezogen habe (Urk. 1 und Urk. 5).
3.
3.1
Der von der IV-Stelle auf Mai 2002 festgelegte
Zeitpunkt
de
s
Eintritt
s
der Invali
dität
wurde vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt. Er
ist
denn auch in
Anbetracht
der Aktenlage
nicht zu beanstanden
. So gab
Dr.
med.
Y._
, Praktischer Arzt, in seinem Bericht vom
3.
Dezember 2004 an, der Beschwerdeführer leide (mindestens) seit dem
5.
Mai 2000 an einer paranoide
n
halluzinatorischen
Schizophrenie, an verschiedenen psychosomatischen
Schmerzsymptomatiken
sowie an psychosozialer Dissoziation. Eine Erwerbstä
tigkeit sei bei diesen psychiatrischen Diagnosen nicht realistisch (Urk. 10/10).
In die psychiatrische Behandlung bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, begab sich der Beschwerdeführer im Mai 2001 (Urk. 10/11/2).
Dr.
Z._
nannte
am 13. Dezember 2004
als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung bei einem entwurzelten Flüchtling, eine mittelschwere Depression, einen
Alkoholabusus
sowie
zuweilen ein paranoid-
halluzinatorisches
Zustandsbild (Urk. 10/11/5). Am 2
9.
Januar 2005 führte er ergänzend aus, eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ange
stammter und angepasster Tätigkeit
bestehe seit Therapiebeginn im Mai 2001, vermutlich auch bereits früher. Den Beschwerdeführer halte er nur im geschützten Rahmen für arbeitsfähig (Urk. 10/12/3).
Die Ärzte des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hielten gestützt darauf dafür, die Wartezeit per Mai 2001 zu eröffnen
(Urk. 10/
13/2). Darauf basier
end erging
die Verfügung der IV-Stelle vom
4.
Mai 2005, mit welcher dem Beschwerdeführer
wegen verspäteter Anmeldung allerdings erst mit Wirkung ab
1.
November 2003
eine ganze Invalidenrente zugesprochen wurde
(Urk. 10/
13/3,
Urk.
10/15/1,
Urk.
10/18).
3.2
Das Wartejahr dauerte somit bis
im Mai 200
2.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden dem Beschwerdeführer gemäss IK-Auszug
vom 2
5.
November 2004
(
Urk.
10/8) während zwei
Monaten Einkommen, auf denen Beiträge entrichtet worden waren, gutgeschrieben. Somit waren im Zeitpunkt, in welchem der Versiche
rungsfall eingetreten ist, die Voraussetzungen von
Art.
6 Abs. 2
IVG
nicht
erfüllt.
Da die Verjährungsfrist bereits abgelaufen ist, können die fehlenden Beiträge auch nicht mehr nachträglich entrichtet werden (
Art.
3 Abs. 1 IVG in Verbindung mit
Art.
16 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Alters-
und
Hinter
lassenenversicherung
;
AHVG)
.
Des Weiteren liegt beim 1960 geborenen Versi
cherten auch kein Fall von
Art.
9 Abs. 3 IVG vor.
Dass der Beschwerdeführer unterdessen vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurde
(Urk. 10/
69), ändert nichts am Fehlen einer versicherungsmässigen Voraussetzung, da auch der ununterbrochene 10-jährige legale Aufenthalt in der Schweiz bereits beim Eintritt der Invalidität
im Mai 2002
hätte vorliegen
müssen (
Art.
6 Abs. 2 IVG) und
im Übrigen auch
Art.
36 Abs. 1 IVG
das Erfül
len
eine
r
Mindestbeitragsdauer
im Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität voraussetzt für den Bezug einer ordentlichen Invalidenrente.
Ebenso wenig
gehört der Beschwerdeführer zum
Bezügerkreis
einer
ausserordentliche
n
Invali
denrente (
vgl.
Art.
39
IVG).
Demzufolge ist die Verneinung des Rentenan
spruchs nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzu
weisen.
4.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
5
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwer
deführer aufzuerlegen.