Decision ID: cae3b40b-9c93-42ff-b1c9-f5b4eb8ff04d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Malerin bei der Firma B._ angestellt und
dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert,
als sie am 16. März 2017 beim Skifahren stürzte. Am 22. März 2018 erfolgte eine
Bagatellunfallmeldung UVG für eine Schulterprellung links. Als erstbehandelnder und
nachbehandelnder Arzt wurde Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin, D._,
angegeben (Suva-act. 1). Mit Schreiben vom 27. März 2018 teilte die Suva Dr. C._
mit, dass die Versicherte für die Folgen des Schadenfalls vom 16. März 2017 von der
Suva Versicherungsleistungen erhalte, sie erteilte ihm Kostengutsprache für die
ärztliche Behandlung und ersuchte ihn um Mitteilung, sollte es in der Folge zu
Weiterungen, wie beispielsweise einer Operation, kommen, damit die Leistungspflicht
erneut überprüft werden könne (Suva-act. 2).
A.a.
Mit E-Mail vom 30. April 2018 reichte die Praxis E._ der Suva einen Bericht vom
28. April 2018 über eine Sprechstunde der Versicherten bei Dr. med. F_ vom 26. April
2018 ein. Dr. F_ hatte darin eine Supraspinatussehnenläsion Schulter links
diagnostiziert und festgehalten, dass sich die Versicherte seine Empfehlung eines
operativen Vorgehens mit Sehnenrekonstruktion überlegen werde (Suva-act. 3). Die
Suva teilte der Versicherten hierauf mit Schreiben vom 1. Mai 2018 mit, dass weitere
Abklärungen betreffend Leistungspflicht der Suva durchzuführen seien. Danach
orientiere man über die Leistungspflicht (Suva-act. 4).
A.b.
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B.
Nach Einholung eines Arztzeugnisses UVG bei Dr. C._ (Suva-act. 5), welches
dieser am 15. Mai 2018 (vgl. Arztzeugnis UVG von Dr. C._ vom 9. Mai 2018 [Suva-
act. 6]) mit einem Bericht über eine durch Dr. med. G_, Radiologie H._, am 4. April
2018 durchgeführte MR-Arthrographie-Untersuchung einreichte (Suva-act. 6), sowie
nach Durchführung einer Besprechung mit dem Versicherten am 5. Juni 2018 (Suva-
act. 7) gelangte die Suva mit der Frage an ihren Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ob es sich bei
den beklagten Schulterbeschwerden links mit mindestens überwiegender
Wahrscheinlichkeit um Folgen des Ereignisses vom 16. März 2017 handle (Suva-act. 8).
Dr. I._ verneinte in einer ärztlichen Beurteilung vom 11. Juni 2018 eine überwiegend
wahrscheinliche Unfallkausalität der linksseitigen Schulterbeschwerden und ersuchte
um Einsicht in den radiologischen Befundbericht (Suva-act. 8). Am 13. Juni 2018 legte
ihm die Suva den Schadenfall mit dem MR-Arthrographie-Untersuchungsbericht von
Dr. G_ vom 4. April 2018 vor (Suva-act. 9 f.). Die radiologische Untersuchung hatte
folgende Befunde ergeben: eine transmurale Ruptur der ansatznahen
Supraspinatussehne dorsal, ca. 50% des Sehnen-Querschnitts betreffend; eine geringe
Retraktion um ca. 1.5 cm; ein eutropher Musculus supraspinatus; eine geringe
Insertionstendinopathie der Infraspinatussehne und einen im Übrigen unauffälligen
Befund der Rotatorenmanschette; eine Tendinopathie der intraartikulären langen
Bizepssehne und eine geringe Akromioklavikulargelenksarthrose (Suva-act. 6-2 f.). In
einer Beurteilung vom 13. Juni 2018 befand Dr. I._, dass die radiologisch
festgestellte Schädigung der Rotatorenmanschette und die Beschwerdesymptomatik
überwiegend wahrscheinlich nicht in Zusammenhang mit dem geltend gemachten
Ereignis vom 16. März 2017 stünden (Suva-act. 10).
A.c.
Gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung lehnte die Suva ihre Leistungspflicht mit
Verfügung vom 14. Juni 2018 ab (Suva-act. 11).
A.d.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 22. Juni 2018 Einsprache (Suva-
act. 16-1 f.) und reichte mit ihr ein Schreiben von Dr. C._ vom 18. Juni 2018 ein
(Suva-act. 16-3), welches dieser der Suva bereits als "Einsprache" hatte zukommen
lassen (Suva-act. 14).
B.a.
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C.
Am 14. August 2018 legte die Suva den Schadenfall erneut Dr. I._ vor (Suva-act.
19). In einer ärztlichen Beurteilung vom 14./16. August 2018 bekräftigte dieser die
Ablehnung eines kausalen Zusammenhangs der ab März 2018 beklagten
Schulterschmerzen links mit dem Ereignis vom 16. März 2017 (Suva-act. 20).
B.b.
Am 14. November 2018 reichte Rechtsanwalt lic. iur. D. Gebert, Au, der Suva eine
Einspracheergänzung (Suva-act. 30) zusammen mit Berichten von Dr. med. J._, FMH
Orthopädie und Traumatologie FMH, K._, vom 10. August 2018 (Suva-act. 31) und
Dr. C._ vom 13. November 2018 (Suva-act. 32), ein.
B.c.
Am 21. November 2018 führte Dr. J._ bei der Versicherten bei der Diagnose
"dramatische Ruptur Supraspinatussehne links" eine Mini open
Rotatorenmanschettenreinsertion und eine diskrete Akromioplastik links durch (vgl.
Operationsbericht vom 28. November 2018 [act. G 10.1]).
B.d.
Mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2019 wies die Suva die Einsprache der
Versicherten ab (Suva-act. 33).
B.e.
In einer Stellungnahme zuhanden der Suva vom 25. Januar 2019 hielt Dr. J._
insbesondere fest, dass er die kreisärztliche Beurteilung nicht nachvollziehen könne
und um eine unabhängige Beurteilung respektive Begutachtung der Versicherten durch
einen unabhängigen Facharzt der Orthopädie-Traumatologie ersuche (Suva-act. 35).
B.f.
Mit Eingabe vom 7. Februar 2019 erhob Rechtsanwalt Gebert für die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) gegen den Einspracheentscheid vom 8. Januar
2019 Beschwerde mit folgenden Anträgen: Der Einspracheentscheid bzw. die
Verfügung der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 14. Juni 2018 seien
aufzuheben. Der Beschwerdeführerin seien die infolge des Unfalls vom 16. März 2017
gesetzlich geschuldeten Versicherungsleistungen auszurichten. Eventualiter sei die
Sache zur weiteren (medizinischen) Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Barauslagen und
Mehrwertsteuer (MwSt) zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1). Zusammen mit
der Beschwerde reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin Rechnungsbelege
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
In formeller Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin Antrag auf Nichteintreten auf die
Beschwerde gestellt, falls diese nicht fristgerecht erhoben worden sei. Der
Einspracheentscheid vom 8. Januar 2019 (Suva-act. 40) ist der Beschwerdeführerin
gemäss unbestritten gebliebener Aussage in der Beschwerde vom 7. Februar 2019
(act. G 1, Ziff. 2.2) am 9. Januar 2019 zugegangen. Die Beschwerdefrist von 30 Tagen
nach Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) begann damit am 10. Januar 2019 zu
laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG) und endete am 8. Februar 2019. Gemäss der vom
Versicherungsgericht beigezogenen Sendungsverfolgung wurde die Beschwerde am 7.
Februar 2019 der Schweizerischen Post (vgl. dazu Art. 39 Abs. 1 ATSG) übergeben. Die
Beschwerde wurde damit fristgerecht erhoben. Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
des Spitalverbundes L._ (act. G 1.1.3) sowie eine Stellungnahme von Dr. J._ vom
4. Februar 2019 (act. G 1.1.4) zu Fragen von Rechtsanwalt Gebert (act. G 10.3) ein.
Mit Beschwerdeantwort vom 13. März 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 3), und legte
Internetartikel zum Thema Rotatorenmanschettenruptur ins Recht (act. G 3.1 f.).
C.b.
Mit Replik vom 27. Juni 2019 (act. G 10) hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an seinen Anträgen fest.
C.c.
Mit Duplik vom 2. August 2019 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 13).
C.d.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung; SR 832.20; UVG). Sie hat zudem Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
2.1.
Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat der Versicherer die Heilbehandlung
nur so lange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch
2.2.
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3.
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (BGE 134
V 114 E. 4.1), wobei das Kriterium der namhaften Besserung des
Gesundheitszustandes namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung
oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbeeinträchtigt, zu beurteilen
ist (BGE 134 V 115 E. 4.3). Unmittelbar anschliessend an den Unfall vom 16. März 2017
war die Beschwerdeführerin unstreitig nicht arbeitsunfähig (Suva-act. 6). Dr. F_
sprach allerdings mit der Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Sprechstunde vom
26. April 2018 über eine operative Behandlung der Supraspinatussehnenläsion (vgl.
Sachverhalt A.b und A.c). Zum damaligen Zeitpunkt entschied sich jedoch die
Beschwerdeführerin noch gegen eine Operation (Suva-act. 3). Am 21. November 2018
führte schliesslich Dr. J._ bei ihr eine Mini open Rotatorenmanschettenreinsertion
links durch (act. G 10.1). Nachfolgend war die Beschwerdeführerin bis 1. Mai 2019 zu
100% und ab 2. Mai 2019 zu 50% arbeitsunfähig (act. G 10.2).
Rechtsprechungsgemäss bildet das Datum des Verfügungserlasses bzw. des
Einspracheentscheids - in diesem Fall der 8. Januar 2019 - die zeitliche Grenze der
richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen; siehe
auch Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 109 zu Art. 61). Vor diesem
Hintergrund kann - entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 13. März 2019 (act. G 3 Ziff. 5.2) - die Kausalitätsfrage
bezüglich der als Unfallfolge vorgebrachten Gesundheitsschädigung (vgl. dazu
nachfolgende Erwägungen 3.1, 6) nicht offengelassen werden.
Angesichts der in Erwägung 2.1 angeführten gesetzlichen Bestimmungen bildet die
Unfallkausalität Anspruchsvoraussetzung für Taggeld- und Heilkostenleistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur
für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis (vgl. dazu Art. 4 ATSG) zusammenhängen (BGE 129 V 181 f. E. 3.1 f.;
André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu
Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
3.1.
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Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, a.a.O., N 53 und N 59 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 und 58;
BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils
8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei physischen Unfallfolgen
spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen deckt (BGE 134 V 111
f. E. 2, 127 V 103 E. 5b/bb, 117 V 365 mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 58 f.). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist,
beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit
Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl., Bern 2014, § 70 Rz. 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4). Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Während
es sich bei Einstellung von Versicherungsleistungen um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt und die Beweislast für den Wegfall damit beim Unfallversicherer liegt,
ist bei der Frage, ob ein leistungsbegründender Kausalzusammenhang überhaupt je
gegeben war, die versicherte Person beweisbelastet (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2
mit Hinweisen; BGE 117 V 263 f. E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Dieser
Grundsatz gilt aber nur für Verletzungen, welche damals thematisiert worden waren
und somit Gegenstand der Anerkennung bildeten (Urteil des Bundesgerichts vom 20.
August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 27. April 2005, U 6/05, auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.).
Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast
nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Die
Beweislastregel greift also erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4, 55).
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3.2.
Die Beschwerdegegnerin hat unbestrittenermassen anerkannt, dass die
Beschwerdeführerin am 16. März 2017 einen Unfall im Sinne des Gesetzes mit einer
schädigenden Einwirkung auf die linke Schulter erlitten hat und hat dem
erstbehandelnden Arzt Dr. C._ (vgl. Suva-act. 1, 6) mit Schreiben vom 27. März 2018
(Suva-act. 2) eine Kostengutsprache für die ärztliche Behandlung zugesichert (vgl. Art.
10 UVG). Ein Taggeldanspruch bestand unstreitig nicht, weil die Beschwerdeführerin
nach dem Unfall nicht arbeitsunfähig war (vgl. Art. 16 UVG). Das Schreiben an Dr.
C._ erfolgte zweifelsfrei basierend auf der in der Bagatellunfallmeldung UVG vom 22.
März 2018 angegebenen Unfallbeschreibung "Sturz beim Skifahren" und gestützt auf
die darin als Schädigung angeführte Prellung der linken Schulter (Suva-act. 1). Damit
ging die Beschwerdegegnerin offensichtlich und verständlicherweise nur von einer
innert kurzer Zeit ausheilenden Kontusionsverletzung aus (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2005, S. 412; Roche Lexikon,
Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 357 f.). Entsprechend hatte die Beschwerdegegnerin Dr.
C._ bereits im Schreiben vom 27. März 2018 um Mitteilung von Weiterungen, wie
beispielsweise einer Operation, ersucht, damit die Leistungspflicht erneut überprüft
werden könne (Suva-act. 2). Eine Supraspinatussehnenläsion stand im Zeitpunkt des
Schreibens an Dr. C._ noch nicht zur Diskussion. Von einer solchen erfuhr die
Beschwerdegegnerin erst mit dem ihr am 30. April 2018 eingereichten Bericht von Dr.
F_ vom 28. April 2018 (Suva-act. 3). Unmittelbar darauf teilte die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1. Mai 2018 mit, dass
sie zu den Versicherungsleistungen noch nicht endgültig Stellung nehmen könne und
über ihre Leistungspflicht orientieren werde, sobald die Abklärungen durchgeführt
worden seien (Suva-act. 4). In der Folge holte die Beschwerdegegnerin bei Dr. C._
ein Arztzeugnis UVG ein (Suva-act. 5 f.), führte mit der Beschwerdeführerin eine
Besprechung durch (Suva-act. 7) und legte den Schadenfall zur Prüfung der
Unfallkausalität der Schulterbeschwerden ihrem Kreisarzt Dr. I._ vor (Suva-act. 8, 10).
3.2.1.
Damit ist offensichtlich, dass die ursprüngliche Anerkennung der Leistungspflicht
(vgl. Erwägung 3.2.1) nicht die von Dr. F_ basierend auf dem MR-Arthrographie-
Untersuchungsbericht von Dr. G_ vom 4. April 2018 (Suva-act. 6-2f.) diagnostizierte
Supraspinatussehnenläsion Schulter links (Suva-act. 3) umfasste. Die Beweislast
hinsichtlich der Frage, ob sich die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 16. März 2017
eine über eine Kontusion hinausgehende Verletzung der Supraspinatussehne
zugezogen hat, und ob insbesondere die am 21. November 2018 durch Dr. J._ bei ihr
durchgeführte Mini open Rotatorenmanschettenreinsertion (act. G 10.1) einem
3.2.2.
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4.
unfallkausalen Gesundheitsschaden gegolten hat, liegt somit bei der
Beschwerdeführerin. In letzterem Fall wäre die Beschwerdegegnerin insbesondere für
die operative Behandlung und sodann bis zur Heilung der Operationsfolgen
(Wundheilung, postoperative Schmerzphase, Einnahme von Medikamenten,
Schonungsphase mit möglicher Arbeitsunfähigkeit usw.) leistungspflichtig.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweis). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und
BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101)
und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101)
geben keinen formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn
Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit eines Berichts oder Gutachtens eines
versicherungsinternen Arztes, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V
229 E. 5.2, 135 V 470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom
23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Die Erfahrungstatsache, dass behandelnde
Ärzte und Ärztinnen aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung im Zweifelsfall eher zu
Gunsten ihrer Patienten und Patientinnen aussagen, steht in denjenigen Fällen nicht im
4.1.
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5.
Vordergrund, in denen ein Arzt oder eine Ärztin einen Patienten oder eine Patientin
nicht als Hausarzt oder Hausärztin, sondern als Facharzt bzw. Fachärztin behandelte.
Im Übrigen sind Anhaltspunkte, welche die medizinischen Feststellungen der
versicherungsinternen Fachpersonen als nicht schlüssig erscheinen lassen, zu
beachten, auch wenn sie von behandelnden Ärztinnen oder Ärzten stammen (vgl. BGE
135 V 470 E. 4.5 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 8C_907/2009, E.
1.1). Die Rechtsprechung erachtet sodann auch reine Beurteilungen aufgrund der
Akten, wie sie vorliegend von Dr. I._ erstellt wurden (Suva-act. 8, 10, 20), als
beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um
die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts
geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den
Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E.
5.1.1). Die ärztliche Beurteilung von Dr. I._ vom 14./16. August 2018 (Suva-act. 20)
wurde in Kenntnis der Vorakten ("Aktenmässiger Verlauf", "Bildgebende Dokumente")
abgegeben und enthält ausführliche Erwägungen zur Kausalitätsfrage der
Supraspinatussehnenproblematik der Beschwerdeführerin. Weiter ist festzustellen,
dass Dr. I._ als Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates die fachliche Qualifikation für die medizinische Würdigung des
konkreten Falles nicht abgesprochen werden kann. Die Kreisärzte und Kreisärztinnen
der Beschwerdegegnerin sind ausserdem nach ihrer Funktion und beruflichen Stellung
Fachärzte bzw. Fachärztinnen im Bereich der Unfallmedizin. Da sie ausschliesslich
Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten
diagnostisch beurteilen sowie Heil- und Therapieverläufe prüfend beobachten bzw.
diesbezüglich Empfehlungen und Einschätzungen abgeben, verfügen sie über
besonders ausgeprägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E. 7.5.4.), welche im konkreten
Fall gefragt sind. Nach dem bisher Gesagten sprechen insbesondere keine formell-
rechtlichen Gründe gegen den Einbezug der Aktenbeurteilung von Dr. I._ vom 14./16.
August 2018.
Als unfallkausaler Gesundheitsschaden steht die bereits erwähnte, im MR-Arthro
graphie-Untersuchungsbericht von Dr. G_ vom 4. April 2018 (Suva-act. 6-2 f.)
erhobene transmurale Ruptur der ansatznahen Supraspinatussehne dorsal zur
Diskussion. Während eine Unfallkausalität von der Beschwerdegegnerin gestützt auf
die Beurteilung von Dr. I._ vom 14./16. August 2018 (Suva-act. 20) verneint wird,
vertritt die Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter unter Hinweis auf Berichte und
5.1.
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6.
Stellungnahmen von Dr. C._ und Dr. J._ (Suva-act. 16-3, 31 f., 35) den
gegenteiligen Standpunkt. Dr. I._ verneint eigentlich überhaupt das Vorliegen einer
transmuralen Schädigung der Supraspinatussehne und geht von einer stark
entzündlichen Ansatzerkrankung aus (Suva-act. 20-3, 20-5).
In einer transmuralen Sehnenruptur, d.h. einer kompletten, vollständigen
Durchtrennung der betroffenen Sehne, ist unstreitig eine strukturelle
Gesundheitsschädigung zu sehen. Der Ausdruck "Ruptur" (= Zerreissung) kann jedoch
nicht ohne Weiteres mit einer Traumarelevanz verbunden werden (Debrunner, a.a.O., S.
628, 724 f., 728 ff.; Roche Lexion, a.a.O., S. 1681; Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 1576, 1646). In Bezug auf die
Rotatorenmanschette und insbesondere deren Supraspinatus- und
Subscapularissehne gilt es zu beachten, dass diese zur Degeneration neigen. Die
Rotatorenmanschette kann allerdings auch als Folge eines Traumas ein- oder
abreissen (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 628, 724 f., 728 ff; Roche Lexikon, a.a.O., S.
1681; Pschyrembel, a.a.O., 1576, 1646). Eine Tendinopathie, als die Dr. I._ die
Supraspinatussehnenveränderung interpretiert, stellt demgegenüber eine Entzündung
der Sehne in Ansatznähe und damit grundsätzlich ein krankheitsbedingtes Leiden bzw.
eine degenerative Veränderung dar, die - im Gegensatz zu einer Sehnenruptur - als
unfallkausaler Gesundheitsschaden höchstens sekundär, d.h. als (Spät-)Folge einer
primären Verletzung, beispielsweise nach einer Fraktur oder Ruptur, auftreten kann
(vgl. Debrunner, a.a.O., S. 1107; Pschyrembel, a.a.O., S. 1782; Roche Lexikon, a.a.O.,
S. 1808). Zumindest partielle Sehnenrisse bzw. Teilrupturen lassen sich in der Regel
klinisch nicht von sekundären entzündlichen Reaktionen wie einer Tendinopathie
unterscheiden. Intraoperativ oder durch Kontrastmitteldarstellung können sie indessen
in der Regel medizinisch eindeutig festgestellt werden (vgl. dazu BGE 114 V 298; Urteil
des EVG vom 29. August 2000, U 441/99, E. 4 mit Hinweisen).
5.2.
Ob im konkreten Fall bei der Supraspinatussehne eine transmurale Ruptur vorlag,
womit überhaupt nur eine unfallkausale Gesundheitsschädigung in Betracht zu ziehen
wäre, kann jedoch offengelassen werden, nachdem es sich bei der inzwischen operativ
behandelten ansatznahen Supraspinatussehnenveränderung mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht um eine direkte Unfallverletzung, sondern eine
degenerative Gesundheitsschädigung gehandelt hat (vgl. Erwägung 6).
5.3.
Die Prüfung der Kausalität eines Gesundheitsschadens, der zwar traumatischen,
aber eben auch degenerativen Ursprungs sein kann, findet regelmässig anhand mass
6.1.
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gebender Beurteilungskriterien bzw. Indizien statt. Die Kriterien sind zuzuordnen und
letztlich in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dr. I._ und Dr. J._ nehmen in der
Beurteilung vom 14./16. August 2018 (Suva-act. 20) und der Stellungnahme vom 4.
Februar 2019 (Suva-act. 41) zu übereinstimmenden, im Zusammenhang mit der
Kausalität der Schulterproblematik links bedeutsamen Beurteilungskriterien Stellung,
bewerten sie allerdings unterschiedlich.
6.2.
Die Ärzte nehmen zunächst Bezug auf den Unfallmechanismus bzw. auf die beim
Sturz vom 16. März 2017 entstandene Krafteinwirkung auf die linke Schulter.
Insbesondere für Rotatorenmanschettenläsionen werden in den medizinischen
Fachartikeln konkrete Verletzungsmechanismen beschrieben, welche zu einer
traumatischen Sehnenruptur führen können. Als potenziell geeignete
Verletzungsmechanismen werden genannt: das Abscheren des Sehnenansatzes von
innen, sobald der maximal zulässige Rotationswinkel überschritten ist und der
Sehnenansatz mit dem Pfannenrand in Konflikt gerät (sogenanntes inneres
Impingement), z.B. bei einer Schulter(sub)luxation; die passive Traktion, z.B. nach
unten (beim Versuch einen schweren, fallenden Gegenstand aufzufangen), ventral oder
medial; die exzentrische Belastung angespannter Anteile der Rotatorenmanschette,
z.B. bei passiv forcierter Aussen- oder Innenrotation bei anliegendem oder
abgespreiztem Arm, z.B. bei einem Sturz vom Gerüst nach vorn mit dem Versuch, den
Fall durch Festhalten abzufangen. Die traumatische Ruptur der Rotatorenmanschette
erfolgt also dann, wenn durch indirekte Gewalteinwirkung bzw. durch eine plötzliche
körpereigene Kraftanstrengung die mechanische Belastbarkeit des Sehnengewebes
überschritten wird, selten jedoch durch ein direktes Anpralltrauma (vgl. zum Gesagten
Swiss Medical Forum, Ausgabe 2018/1516, Übersichtsartikel, Revidierte
Unterscheidungskriterien, Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette, zu finden unter https://medicalforum.ch/article/doi/smf.
2019.03247; https://www.awmf.org/ uploads/tx_szleitlinien/
033-041l_S2e_Rotatorenmanschette_2017-04_02.pdf; http://www.gaertner-
servatius.de/krankheiten/rotatorenmanschettenruptur_leitlinien.pdf, beide abgerufen
am 27. August 2020). Dr. I._ weist in seiner Beurteilung auf die obgenannten
Verletzungsmechanismen hin (Suva-act. 20-4). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin legte Dr. J._ am 31. Januar 2019 das Unfallgeschehen, welches
die Beschwerdeführerin anlässlich der Besprechung mit der Beschwerdegegnerin vom
5. Juni 2018 geschildert hatte (Suva-act. 7), zur Beurteilung vor (vgl. act. G 10.3). Dr.
J._ geht diesbezüglich von einem "idealen" Mechanismus - von einer axialen
6.2.1.
https://www.awmf.org/
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Stauchung des Humeruskopfs gegen das Schulterdach (Acromion) mit angelegtem
Arm, durch welche ein Stanzeffekt in der Rotatorenmanschette hervorgerufen werde -
aus und damit von einem Mechanismus, der grundsätzlich mit dem letzten der
obgenannten potenziell geeigneten Verletzungsmechanismen übereinstimmt. Einen
Sturz mit abduziertem, nicht angelegten Arm, wobei es gemäss Dr. J._ eher zu einer
Schulterluxation kommt, schliesst er sodann offensichtlich grundsätzlich als geeigneten
Verletzungsmechanismus aus.
Allgemein ist festzuhalten, dass ein plötzlich und unerwartet eintretendes bzw.
sich schnell abspielendes Geschehen, wie ein Sturz auf Skiern, nicht immer in
sämtlichen Einzelheiten wahrgenommen wird. Die Beschwerdeführerin schilderte
jedoch den Sturz vom 16. März 2017 in Bezug auf die Beteiligung der linken Schulter
am 5. Juni 2018 gegenüber einem Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin konkret und
detailliert wie folgt: "Als ich mit der auf Kunstschnee präparierten Piste gegen einen
Schneehügel fuhr, verkantete ich mit dem Ski und stürzte anschliessend zur linken
Seite, wobei ich mit angelegtem linken Arm direkt auf der linken Schulter
landete." (Suva-act. 7). Die Beschwerdeführerin beschreibt damit ein stumpfes
Aufpralltrauma mit der Schulter mit gleichzeitig angelegtem Arm, welches nicht als
geeigneter Verletzungsmechanismus für eine Rotatorenmanschettenläsion beschrieben
wird (vgl. Erwägung 6.2.1). Wie es bei einem Sturz auf die Seite mit angelegtem Arm zu
einer indirekten Gewalteinwirkung in Form eines axialen Stauchungstraumas hätte
kommen können, ist nicht nachvollziehbar. So hält die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 13. März 2019 (act. G 3, Ziff. 5.3/a) zutreffend fest, dass ein
seitlicher Sturz auf die linke Schulter eine axiale Stauchung ausschliesse.
Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass die Argumentation von Dr. J._
hinsichtlich Unfallmechanismus nicht überzeugt. Die Schlussfolgerung von Dr. I._,
dass der Unfallhergang im konkreten Fall gegen eine traumatisch bedingte Schädigung
der Rotatorenmanschette spreche, erscheint dagegen stichhaltig und überzeugend.
6.2.2.
6.3.
Dr. I._ sieht sodann eine traumatische Ursächlichkeit der linksseitigen
Supraspinatussehnenveränderung wegen der späten Inanspruchnahme einer ärztlichen
Hilfeleistung nicht als überwiegend wahrscheinlich an (Suva-act. 20-3). Lange
Latenzzeiten ohne Brückensymptome stellen ein bedeutsames Indiz gegen das
Vorliegen von Unfallrestfolgen dar (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. September
2008, 8C_102/2008, E. 2.2, und vom 20. Juli 2011, 8C_214/2011, E. 8; Urteil des EVG
vom 21. September 2001, U 134/00, E. 3b; RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c). Es ist
6.3.1.
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unbestritten, dass die Beschwerdeführerin Dr. C._ erstmals am 2. März 2018 (Suva-
act. 6-1) und damit erst fast ein Jahr nach dem Unfall vom 16. März 2017 konsultierte.
In der Beschwerde vom 7. Februar 2019 macht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zwar geltend, diese sei nach dem Unfall - nachdem sich der
Zustand nicht gebessert habe - vor dem ersten Hausarztbesuch bei Dr. C._ sechs
Mal wegen anhaltender Schulterschmerzen zu D. Schläpfer in die Bewegungstherapie
gegangen. Die Bewegungstherapien bei D. Schläpfer wurden mit Rechnungsbelegen
des Spitalverbunds AR dokumentiert (act. G 1.1.3), doch datiert die erste auch erst
vom 3. November 2017. Aufgrund des Gesagten ist somit eine Schulterbehandlung
frühestens ab November 2017, d.h. acht Monate nach dem Unfall, nachgewiesen.
Angesichts dieses zeitlichen Ablaufs erscheint eine Unfallkausalität fraglich bzw.
höchstens möglich. Innerhalb eines so langen Zeitraums spielen sich im menschlichen
Körper immer auch unfallunabhängige Vorgänge ab. Diesem Umstand kommt im
vorliegenden Fall insofern noch eine entscheidendere Bedeutung zu, als die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 13. März 2019 zutreffend darauf
hinweist, dass der objektive Zustand der linken Schulter unmittelbar nach dem Sturz
vom 16. März 2017 sowie im weiteren Verlauf bis zur MR-Arthrographie vom 4. April
2018 durch keinerlei medizinische Unterlagen erfasst ist (act. G 3 Ziff. 5.3/b). Die
Folgen der Beweislosigkeit von Brückensymptomen wirken sich zu Lasten der
Beschwerdeführerin aus (vgl. Erwägung 3.1).
Anlässlich ihres Gesprächs mit dem Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin vom 5.
Juni 2018 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe die linke Schulter in den Wochen
nach dem Unfall selbst mit Tinkturen behandelt, im Verlauf einen Vortrag in der Klinik
M._ betreffend Schulterverletzungen besucht und sei in der Folge anhand einer
Eigendiagnose von einer Entzündung ausgegangen, weshalb sie die Behandlung selber
mit entzündungshemmenden und selbst hergestellten Crèmes fortgesetzt habe.
Mangels Besserung des Zustands habe sie dann D. Schläpfer, eine
Bewegungstherapeutin, aufgesucht. Weil die Schmerzen nicht vollständig
verschwunden seien, habe sie letztlich im März 2018 Dr. C._ konsultiert (Suva-act. 7).
In diesem subjektiv geschilderten Sachverhalt kann jedoch kein überzeugender und
damit hinreichender Nachweis für eine Brückensymptomatik erblickt werden. Eine
gewisse Zeit lang erscheint es in manchen Fällen plausibel, wenn eine versicherte
Person nicht unverzüglich einen Arzt konsultiert und zunächst abwartend auf
Selbstheilung durch Eigenbehandlung vertraut. Im Wissen um einen Sturz auf die linke
Schulter sowie angesichts der beruflichen Tätigkeit als Malerin, welche - auch bei einer
Rechtsdominanz - die Beweglichkeit und den Einsatz beider Schultergelenke erfordert,
6.3.2.
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erscheint es jedoch zweifelhaft, dass sich eine versicherte Person ein Jahr lang (vgl.
Erwägung 6.3.1) nicht in ärztliche Behandlung begibt. Das von Dr. J._ und Dr. C._
im Untersuchungsbericht vom 10. August 2018 (Suva-act. 31) bzw. in der
Stellungnahme vom 13. November 2018 (Suva-act. 32) bezeichnete zeitliche
Zusammentreffen des Unfalls und der im MRI nachgewiesenen Läsion, an dem es
keine Zweifel gebe bzw. welches plausibel sei, überzeugt nicht. Die
Beschwerdegegnerin wendet in der Beschwerdeantwort vom 13. März 2019 zutreffend
ein, dass ein zeitliches Zusammentreffen gerade nicht erstellt sei, weil anschliessend
praktisch während eines ganzen Jahres keine medizinischen Untersuchungen der
linken Schulter erfolgt seien (vgl. Erwägung 6.3.1). Damit bleibt letztlich beweislos,
wann genau eine Schulterproblematik aufgetreten ist. So fällt auch auf, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der Besprechung mit dem Mitarbeiter der
Beschwerdegegnerin vom 5. Juni 2018 schilderte, sie habe direkt nach dem Sturz vor
allem Schmerzen an der linken Nackenseite gehabt. Die Aussagen von Dr. J._ im
Bericht vom 4. Februar 2019 (Suva-act. 41-2 Ziff. 9), die Beschwerdeführerin sei sehr
zäh und auch sehr trainiert, ihr körperlicher Habitus sei sehr schlank und drahtig, sie
unternehme regelmässig extreme Skitouren und sei viel am Klettern, was für einen
zähen, drahtigen, durchtrainierten Menschen spreche, sind zwar nicht in Abrede zu
stellen. Seine Schlussfolgerung - entsprechend sei die Beschwerdeführerin sicher
indolent (vgl. dazu auch Dr. C._ in Suva-act. 14) - entspricht jedoch einer blossen
Vermutung und es lässt sich aus ihr nichts Konkretes ableiten. Ebenso könnte aus der
obigen Beschreibung der Beschwerdeführerin gefolgert werden, dass sie ein
ausgeprägtes Körperbewusstsein habe, ein Leben führe, in welchem ein
funktionierender Körper gerade von grosser Bedeutung sei und sie bestimmt umsichtig
mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit umgehe. Allgemein ist anzufügen, dass das
Auftreten von Beschwerden nach einem Unfallereignis für sich allein kein genügender
Nachweis für einen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und
Gesundheitsschädigung ist. Die Regel "post hoc ergo propter hoc" hat daher im
Rahmen der Kausalitätsbeurteilung keine beweisrechtliche Bedeutung (BSK UVG-
Hofer, a.a.O., N 67 zu Art. 6; Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht,
S. 460 N 1205; BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb in fine).
In den zeitlichen Ablauf, der für eine degenerativ bedingte
Supraspinatussehnenveränderung spricht, fügt sich auch die überzeugende und mit
der medizinischen Literatur (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 121, 728; http://
www.klinikum.uni-muenchen.de/Orthopaedische-Klinik-und-Poliklinik/de/
Orthopaedisches-Behandlungsspektrum/schulterchirurgie/problemeTherapien/
rotatorenmanschette/index.html; https://medicalforum.ch/ article/doi/smf.2019.03247;
6.4.
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/ http://www.klinikum.uni-muenchen.de/ https://medicalforum.ch/
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beide abgerufen am 27. August 2020) übereinstimmende Auseinandersetzung von Dr.
I._ mit der Beschwerdesymptomatik nach einer akut traumatischen Rissbildung ein
(Suva-act. 20-3). Ein traumatischer Riss der Rotatorenmanschette führe zu einem
scharfen Schmerz mit Ausstrahlung in den Oberarm und einem Gefühl des Zerreissens,
begleitet von einem unmittelbaren Funktionsverlust (sog. Pseudoparalyse) bestimmter
Bewegungen, abhängig vom Ausmass des geschädigten Anteils der
Sehnenmanschette. Die Beschwerdeführerin beschreibt für den Zeitpunkt initial nach
dem Unfall keine solche Symptomatik.
Dr. I._ berücksichtigte im Rahmen seiner Kausalitätsbeurteilung nachvollziehbar
auch die Gesamtsituation des linken Schultergelenks der Beschwerdeführerin. Weist
ein Gelenk umfassende, unstreitig degenerative Veränderungen auf, sind diese häufig
auch miteinander verbunden und stellen insofern gegenseitige Begleitpathologien dar
(vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., S. 724 ff.), womit zu prüfen ist, weshalb
ausgerechnet eine bestimmte strukturelle Veränderung losgelöst von den übrigen
degenerativen Veränderungen als unfallbedingt zu betrachten ist. Bei der MR-
Arthrographie vom 4. April 2018 erhob Dr. G_ neben der transmuralen Ruptur der
ansatznahen Supraspinatussehne dorsal verschiedene degenerativ bedingte
Gesundheitsschäden - eine geringe Insertionstendinopathie der Infraspinatussehne bei
einem im Übrigen unauffälligen Befund der Rotatorenmanschette, eine Tendinopathie
der intraartikulären langen Bizepssehne sowie eine geringe
Akromioklavikulargelenksarthrose (Suva-act. 6). Gemäss Dr. I._ deuten die
genannten Veränderungen überwiegend wahrscheinlich darauf hin, dass es sich auch
bei den ansatznahen Veränderungen der Supraspinatussehne um verschleissbedingte
Veränderungen handle (Suva-act. 20-4). Diese Schlussfolgerung erschliesst sich dem
Gericht insofern nicht ohne Weiteres, als es sich um leichte Degenerationen handelt,
welche laut medizinischer Literatur ab einem gewissen Alter (etwa ab 40 Jahren) häufig
vorkommen und daher nicht mehr berücksichtigt werden sollten, um eine degenerative
von einer traumatischen Läsion zu unterscheiden (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 586;
https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2019.03247, abgerufen am 28. August 2020).
Auch in der geringen Retraktion um ca. 1.5 cm sowie im eutrophen Musculus
supraspinatus sind keine augenscheinlichen Befunde für die Schlussfolgerung von Dr.
I._ zu sehen. Schliesslich verneinte Dr. G_ im MR-Arthrographie-
Untersuchungsbericht vom 4. April 2018 (Suva-act. 6) eine Einengung des
Subakromialraums. Im Rahmen der Operation vom 21. November 2018 führte Dr. J._
zwar eine Akromioplastik links durch, jedoch nur eine diskrete. Auch ihm hatte sich ein
Subakromialraum gezeigt, der gut für einen Querfinger durchgehend war (act. G 10.1).
Allerdings sprechen die erwähnten Gesundheitsschäden im Bereich des linken
6.5.
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Schultergelenks auch nicht ohne Weiteres für eine traumatische Läsion. Immerhin
handelt es sich unbestrittenermassen um degenerative Befunde, welche damit
selbstredend nicht gegen eine degenerativ bedingte Supraspinatussehnenveränderung
sprechen und insofern in der Gesamtbetrachtung ein degeneratives Bild ergänzen.
Diejenigen Kriterien, welche entscheidend auf eine degenerative
Supraspinatussehnenveränderung hinweisen (Unfallmechanismus, zeitlicher Ablauf,
initiale Beschwerdesymptomatik; vgl. Erwägungen 6.2 ff.) vermögen die
Gesundheitsschäden jedenfalls nicht abzuschwächen.
Eine im konkreten Fall degenerativ und nicht traumatisch bedingte
Rotatorenmanschettenveränderung begründet Dr. I._ schliesslich epidemiologisch.
Veränderungen mit Rissbildungen der Rotatorenmanschette seien mit zunehmendem
Alter häufig Folge von Abnutzungserscheinungen und könnten ohne ursächliches
Unfallereignis vorkommen. Degenerativ bedingte Schädigungen der
Rotatorenmanschette fänden sich überdurchschnittlich häufig ab dem fünfzigsten
Lebensjahr mit Zunahme der Schäden in Abhängigkeit vom Lebensalter. Die
Beschwerdeführerin sei im Zeitpunkt der ersten Arztkonsultation 56 Jahre alt gewesen.
Dr. J._ äussert sich sodann in seinem Bericht vom 4. Februar 2019 (Suva-act. 41) zur
Frage, ob es möglich sei, dass bei einer 56-jährigen Patientin nach einem Sturz eine
transmurale Ruptur der Supraspinatussehne wahrscheinlicher eintrete als bei einer
jüngeren Patientin, und bejaht die Frage sinngemäss (act. G 10.3). In der medizinischen
Literatur sowie in medizinischen Fachartikeln finden sich Feststellungen und
Erhebungsergebnisse, welche die Aussagen von Dr. I._ mit Bezug auf die Prävalenz
nicht untermauern (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1576; https://medicalforum.ch/article/
doi/smf.2019.03247 und https://www.awmf.org/uploads/ tx_szleitlinien/
033-041l_S2e_Rotatorenmanschette_2017-04_02.pdf, beide abgerufen am 28. August
2020). Zudem scheint die Beurteilung von Dr. J._, dass eine altersbedingt sprödere
Sehne anfälliger auf traumatische Einflüsse sei als die Sehne eines jungen Patienten,
schlüssig. Das Beurteilungskriterium der Epidemiologie ist jedoch grundsätzlich ein
allgemeines Beurteilungskriterium, während Beurteilungskriterien wie Unfallhergang,
initiale Beschwerdesymptomatik, Diagnosen, Befunde und radiologische
Untersuchungsergebnisse sowie zeitlicher Ablauf den konkreten Fall aufzeigen.
Sprechen diese massgebend für eine traumatische Genese, kann im Einzelfall
durchaus auch bei einem älteren Menschen eine traumatische Läsion vorkommen. Im
vorliegenden Fall sprechen jedoch die einzelfallbezogenen Beurteilungskriterien - wie in
den Erwägungen 6.2 ff. dargelegt - nicht für eine solche. Entsprechend vermochte
auch Dr. J._ aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin nur eine Vermutung
("denke ich") zu äussern (Suva-act. 41-1, Frage 3).
6.6.
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7.
Im Sinne der Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 8. Januar 2019 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).