Decision ID: 39785ae0-a733-43e0-8f80-12af940c42fb
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, gebo
ren 1962,
meldete sich am 2
7.
Januar 2011 (Eingangs
datum)
beim Amt für AHV und IV
des Kantons Thurgau
,
IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
8/1).
Nach
dem
berufliche Eingliederungs
massnahmen (Arbeitsvermittlung
)
durchgeführt worden waren (
Urk.
8/16 und
Urk.
8/22),
sprach die IV-Stelle
Thurgau
dem Versicherten m
it Verfügung vom 2
2.
Mai 2013
mit Wirkung
ab dem
1.
November 2011 ein
e halbe Rente zu (
Urk.
8/74).
Im Rahmen eines
im
Juli 2013
eingeleiteten
Revisionsverfahren
s
(
Urk.
8/81
) bestätigte
die IV-Stelle
Thurgau
mit Mitteilung vom 1
1.
Dezember 2013
den
Anspruch
des Versicherten
auf die bisherige
halbe
Rente (
Urk.
8/91).
Nach
sei
nem
Umzug in den Kanton Zürich
stellte
der Versicherte m
it
Schreiben vom
6.
Juni 2015
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Antrag auf Rentenerhöhung
, da sich
sein Gesundheitszustand verschlechtert habe.
In der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des
Spitals Y._
sei ein
Klatskin
-Tumor vom Typ
Bismuth
IV mit M
etastasen diagnostiziert worden
(
Urk.
8/98
, vgl. auch provisorischer
Austritts
bericht
des
Spitals
Y._
vom
6.
August 2015, Urk.
8/100/2-6
).
Am 2
9.
September 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
bei der IV-Stelle
zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (Urk.
8/110).
Am
1.
Oktober 2015
verfügte die IV
Stelle, dass das
Leistungsb
egehren
um Ausrichtung einer Hilflosenentschädi
gung abgewiesen werde. Sie begründete dies damit, dass gemäss den vorhande
nen Unterlagen eine langandauernde Hilflosigkeit vorliege. Das Wartejahr laufe im Juli 2016 ab. Die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Hilflosenent
schädigung seien deshalb noch nicht erfüllt (
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
8.
Oktober 2015 Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom
1.
Oktober 2015 sei aufzuheben und es sei ihm eine Hilflosenentschädigung zu gewähren
; eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese das Vorbescheidverfahren durch
führe.
In pro
zessu
aler Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen
Prozessfüh
rung
und Bestellung einer unentgeltl
ichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantrag
te mit Beschwerdeantwort vom 2.
Dezember 2015 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2016 bewilligte das Gericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
13). Mit Replik vom
1.
März 2016 präzisierte der Beschwerdeführer sein
en Hauptantrag
dahingehend, dass ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine Hilflosenentschädigung für min
destens eine mittlere Hilflosigkeit mindestens ab Juli 2015 zu gewähren sei
(
Urk.
16 S. 2). Am
7.
April 2016 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen ei
ner Duplik verzichte (
Urk.
18), was dem Beschwerdeführer am 1
1.
A
pril 2016 angezeigt wurde (Urk.
19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen, For
derungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Gegen Verfügungen - ausgenommen gegen prozess- und verfahrensleitende - kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden (Art. 52 Abs. 1 ATSG).
1.2
Die IV-Stelle hat
gemäss
Art. 57a Abs. 1
Satz 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) der versicherten Person den vorgesehenen
Endent
scheid
über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels
Vorbescheid mitzuteilen
. Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände zum Vo
rbescheid vorbringen (Art. 73
ter
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (Art. 74 IVV). Verfügungen der kantonalen IV-Stellen sind direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1
lit
. a IVG).
1.3
Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG (Art. 57a Abs. 1 Satz 2 IVG), was unter anderem das Recht der versi
cherten Person umfasst, vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids sich zur Sache zu
äussern
, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentli
cher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern
, wenn darauf abgestellt werden soll (BGE 121 V 150 E. 4a mit Hinweisen).
1.4
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des recht
lichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit ande
ren Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Aus
gang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht
.
Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (
BGE 132 V 387 E. 5.1;
127 V 431 E. 3d/
aa
).
2.
2.1
Aufgrund der Akten steht fest und ist
unbestritt
en
, dass
die
Beschwerde
gegnerin vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1.
Oktober 2015 (Urk. 2) kein Vorbescheidverfahren durchgeführt und dem Beschwerdeführer auch auf keine andere Weise das rechtliche Gehör gewährt
hat
.
Dass die
Beschwerdegeg
nerin
auf die Durchführung des in Art. 57a IVG zwingend vorgeschriebenen
Vorbescheidverfahrens
verzichtet hat, stellt eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche einer Heilung grundsätzlich nicht zugäng
lich ist. Nach der Rechtsprechung kann die Verletzung der Anhörungspflicht schon dann schwerwiegend sein, wenn ein nach Erlass des Vorbescheids ergan
genes Begehren um Aktenedition oder eine Stellungnahme zum Vorbescheid unbe
rücksichtigt geblieben ist, indem auf die vorgebrachten Einwendungen nicht eing
egangen wurde (BGE 124 V 180
E
. 2). Umso schwerwiegender ist es, wenn - wie im vorliegenden Fall - überhaupt kein Vorbescheidverfahren durch
geführt und ohne Gewährung des rechtlichen Gehörs eine Verfügung erlassen wird (vgl.
Urteil
des
damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts
I 584/01
vom 24. Juli 2002
E. 2 mit Hinweisen
). Neben der zwingend vorgeschriebenen Anhörungspflicht stehen auch die Entlastung der
Verwaltungsrechtspflege
organe
sowie die Kostenlosigkeit des
Vorbescheidverfahrens
– im Gegensatz zur Kostenpflicht des Gerichtsverfahrens - einem Verzicht auf dasselbe entgegen.
2.2
Die Beschw
erde ist demnach
-
ungeachtet ihrer
materiellrechtlichen
Erfolgs
aussichten – in dem Sinne gutzuheissen,
dass die angefochtene Verfügung vom
1.
Oktober 2015 aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen
ist
, damit diese ein Vorbescheidverfahren durchführe und hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Hilflosenentschädigung
neu verfüge.
3.
3.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 5
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g
ATSG
in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
ge
richt
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
r
ig
keit des Prozesses auf Fr.
2
‘
5
00
.-- (inklusive Barauslagen und
MWSt
) fest
zu
setzen.