Decision ID: bf6908d7-92ce-5451-a38c-3dbadc57a869
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die am (...) geborene deutsche Staatsangehörige A._ (nachfol-
gend: Versicherte oder Beschwerdeführerin), wohnhaft in B._ (DE),
ist gelernte Hotelkauffrau, arbeitete gemäss Auszug aus dem Individuellen
Konto in den Jahren 1984 bis 2004 mit Unterbrüchen in der Schweiz und
entrichtete in dieser Zeit Beiträge an die schweizerischen Alters- und Hin-
terlassenenversicherung (AHV; Akten der Invalidenversicherungs-Stelle
für Versicherte im Ausland [IVSTA] gemäss Aktenverzeichnis und -numme-
rierung vom 27.04.2016 [nachfolgend: act.] 16 [IK-Auszug]; 15, S. 1 - 10;
33, S. 1 - 7; 12, S. 1 f.).
B.
B.a Am 20. April 2015 (Posteingang) übermittelte die Deutsche Rentenver-
sicherung der Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK) mit dem Formular
E 204 eine Anmeldung zum Bezug von Versicherungsleistungen der
Schweizerischen Invalidenversicherung (IV; act. 15, S. 1 - 10; 17, S. 1 f.).
B.b Die Invalidenversicherungsversicherungs-Stelle für Versicherte im
Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) führte daraufhin medizini-
sche Abklärungen durch, indem sie mehrere Arzt- und Befundberichte so-
wie im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung erstattete Gutachten
(act. 23, S. 1 - 8; 51, S. 1 - 21) beizog (act. 20 - 22; 27 und 28; 34 - 36; 38
- 48).
B.c Mit Stellungnahme vom 16. Juli 2015 führte Dr. med. C._, Fach-
arzt FMH für Allgemeine Medizin beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
Rhône und zertifizierter Gutachter SIM, insbesondere aus, dass aufgrund
der vorliegenden Akten als Diagnosen ein Mammakarzinom links, eine
chronische Cervicobrachialgie beidseits ohne anatomisches Korrelat bei
Fibromyalgie-Syndrom, chronische unspezifische Abdominalschmerzen
sowie ein Status nach Exzision eines juvenilen Myeloms (1975) festzuhal-
ten seien. Die medizinische Aktenlage sei aus seiner Sicht vollständig, und
die momentane Arbeitsunfähigkeit würde voraussichtlich während der ge-
samten Bestrahlungszeit von rund zwei Monaten bestehen bleiben. Nach
einer anschliessenden einmonatigen Rekonvaleszenz von einem Monat
könne ab circa Ende August 2015 wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden. Die anderen Gesundheitsstörungen seien rein funk-
tionell und könnten im Rahmen des Fibromyalgie-Syndroms oder einer so-
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matoformen Schmerzstörung ohne schwere begleitende psychische Stö-
rung betrachtet werden; sie seien somit nicht invalidisierend im Sinne der
Invalidenversicherung. Eine Einschränkung im Haushalt könne nicht be-
stätigt werden. Ferner sei im September 2015 ein neuer Arztbericht anzu-
fordern (act. 52).
B.d Mit Bescheid vom 16. Juli 2015 stellte das hessische Amt für Versor-
gung und Soziales einen Grad der Behinderung (GdB) von 70 % fest. Zur
Begründung führte das Amt insbesondere an, der festgestellte Grad der
Behinderung sei nach versorgungsmedizinischen Grundsätzen erfolgt. Bei
der Bemessung des Behinderungsgrades seien die Auswirkungen folgen-
der Funktionsbeeinträchtigungen berücksichtigt worden: 1. Brusterkran-
kung im Stadium der Heilungsbewährung; 2. somatoforme Störungen,
Schmerzsyndrom; 3. Geschwürsleiden des Magens/Zwölffingerdarms;
4. Divertikelerkrankung des Darmes, Darmteilverlust; 5. Nierenschaden;
6. Funktionsstörung der Wirbelsäule und der Gliedmassen (act. 58). Am
6. August 2015 teilte die Deutsche Rentenversicherung der Versicherten
mit, dass ihr eine vom 1. Januar 2015 bis 30. Juni 2016 befristete Rente
wegen voller Erwerbsminderung zugesprochen werden könne (act. 60).
B.e Mit (undatiertem) Schlussbericht vom 23. November 2015 (Datum
Posteingang) bestätigte RAD-Arzt Dr. med. C._ die in seiner Stel-
lungnahme vom 16. Juli 2015 festgehaltenen Diagnosen und führte ergän-
zend aus, dass für die Zeit vom 13. Mai 2015 bis 6. August 2015 sowohl
hinsichtlich der bisherigen wie auch einer angepassten Tätigkeit eine Ein-
schränkung der Leistungsfähigkeit von 100 % angenommen werden
könne. Bezüglich der Tumorerkrankungen im Bereich der linken Mamma
sei von einem Kleinsttumor auszugehen, welcher vollständig exzidiert wor-
den sei. Die postoperative und adjuvante Radiotherapie sei von der Versi-
cherten aus unerklärlichen Gründen abgebrochen worden. Es sei unmög-
lich, dass sie nach so wenig Strahlendosis bereits Nebenwirkungen hätte
spüren können; der Abbruch der Strahlenbehandlung sei somit nicht nach-
vollziehbar. Nach Abbruch der Behandlung, das heisst ab 7. August 2015,
sei von einer vollständigen Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (act. 75).
B.f Mit Vorbescheid vom 20. November 2015 stellte die Vorinstanz der Ver-
sicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (act. 76, S. 1
- 3).
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B.g Nachdem die Versicherte gegen den Vorbescheid keinen Einwand er-
hoben hatte, bestätigte die Vorinstanz den Vorbescheid mit Verfügung vom
11. Februar 2016. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, ab dem
7. August 2015 sei der Versicherten die Betätigung im bisherigen Aufga-
benbereich sowie eine gewinnbringende Teilzeittätigkeit in rentenaus-
schliessender Weise wieder zumutbar. Es liege keine ausreichende durch-
schnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres vor, und die Ent-
scheide ausländischer Sozialversicherungen seien für die schweizerische
Invalidenversicherung nicht bindend (act. 77).
C.
C.a Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin, vertreten
durch Rechtsanwalt Ch. Haag, mit Eingabe vom 9. März 2016 Beschwerde
mit den folgenden Anträgen:
„1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11.2.2016 sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführerin eine ganze Rente
auszurichten.
3. Der Beschwerdeführerin seien die unentgeltliche Rechtspflege zu erteilen
und der Unterzeichnende als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben.
4. Der Beschwerdeführerin sei nach einem Entscheid über Antrag Ziff. 3 das
Replikrecht einzuräumen.
5. Es sei gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 BV eine öffentliche
Gerichtsverhandlung durchzuführen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MWSt) zulasten der Be-
schwerdegegnerin.“
Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin insbesondere aus, gemäss
Deutschem Versorgungsamt gelte sie als hochgradig schwer behindert.
Überdies erhalte sie von der Deutschen Rentenversicherung gestützt auf
einen Rentenbescheid vom 6. August 2015 eine Rente wegen voller Er-
werbsminderung, und sie sei laut einem ärztlichen Befundbericht vom
3. März 2016 arbeitsunfähig, wobei sich der Befund in letzten zwölf Mona-
ten nicht verändert habe und keine Besserung der Leistungsfähigkeit mög-
lich sei. Ungeachtet dieser klaren Hinweise auf eine Erwerbsunfähigkeit sei
sie nie begutachtet worden. Die pauschale Annahme, es sei ihr eine ren-
tenausschliessende Erwerbstätigkeit zumutbar, stehe im krassen Wider-
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spruch zum – laut Bescheid des Deutschen Versorgungsamtes bestehen-
den – Behinderungsgrad von 70 %, welcher einer hohen Schwerbehinde-
rung entspreche, sowie zur vollen Erwerbsminderung gemäss Entscheid
der Deutschen Rentenversicherung. Die Annahme, es sei ihr ab 7. August
2015 eine rentenausschliessende Erwerbstätigkeit zumutbar, sei mit die-
sen Entscheiden nicht vereinbar. Überdies widerspreche die Aktenbeurtei-
lung des RAD ohne Durchführung einer persönlichen Untersuchung auch
der Beurteilung durch die langjährig behandelnden Ärzte. Eine externe Be-
gutachtung sei insbesondere anzuordnen, wenn auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztli-
chen Feststellungen bestünden. Soweit eine rentenbegründete Invalidität
nicht mit den vorliegenden Akten belegt werden könne, müsse die Be-
schwerdegegnerin trotz anderslautender Einschätzung ihres RAD zumin-
dest zwingend weitere Abklärungen in Form einer polydisziplinären exter-
nen Begutachtung durchführen (Akten im Beschwerdeverfahren [BVGer
act.] 1).
C.b Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. März 2016 reichte die Be-
schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht weitere Beweismittel
ein (BVGer act. 4 samt Beilagen).
C.c Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung vom 2. Mai 2016 den
Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie ergän-
zend aus, der Anspruch auf eine schweizerische Invalidenrente beurteile
sich ausschliesslich nach schweizerischem Recht, und es bestehe keine
Bindung der schweizerischen Invalidenversicherung an die Feststellungen
der deutschen Versicherungsträger und Behörden. Aus dem Ausland stam-
mende Rentenbescheide sowie medizinische Befund- und Arztberichte
würden vielmehr der freien Beweiswürdigung durch die schweizerischen
Behörden respektive Gerichte unterliegen. Aus der Tatsache, dass das
Deutsche Amt für Versorgung bei der Beschwerdeführerin einen Grad der
Behinderung von 70 % anerkannt habe, könne sie nichts zu ihren Gunsten
ableiten, zumal es sich dabei um ein Instrument der Sozialhilfe handle, wel-
ches den Grad der Behinderung nach anderen Kriterien beurteile als die
schweizerische Invalidenversicherung. Trotz des Abbruchs der Radiothe-
rapie sei eine vollständige Wiederherstellung des Gesundheitszustandes
eingetreten. Es bestehe keine ausreichende durchschnittliche Arbeitsunfä-
higkeit von mindestens einem Jahr, so dass der Rentenantrag zu Recht
abgewiesen worden sei (BVGer act. 7).
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C.d Nachdem die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht mit
Eingabe vom 29. April 2016 aufforderungsgemäss weitere Beweismittel
eingereicht hatte (BVGer act. 3 und 6), hiess der Instruktionsrichter das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Zwi-
schenverfügung vom 11. Mai 2016 gut und ordnete der Beschwerdeführe-
rin Rechtsanwalt Ch. Haag als amtlich bestellten Anwalt bei (vgl. Ziff. 1 und
2 der Verfügung). Ferner ersuchte er die Beschwerdeführerin, bis zum
13. Juni 2016 eine Replik einzureichen, unter gleichzeitiger Einräumung
der Gelegenheit zu einer ergänzenden Stellungnahme unter dem Aspekt
der mit BGE 141 V 281 geänderten Rechtsprechung zu den syndromalen
Leiden (Ziff. 5 und 6 der Verfügung; BVGer act. 8).
C.e Mit Replik ihres Rechtsvertreters vom 23. Mai 2016 übermittelte die
Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht weitere Beweismittel
und führte zur Begründung ergänzend aus, angesichts der erheblichen Dif-
ferenzen zwischen der Einschätzung des RAD und den übrigen medizini-
schen Befunden hätte sich eine eingehende Begutachtung aufgedrängt.
Hierauf weise denn auch zu Recht Dr. med. D._ im beigefügten
neurologisch-psychiatrischen Gutachten vom 26. Juni 2015, in welchem er
die internistische Begutachtung zur Abklärung von Leistungseinschränkun-
gen infolge der gravierenden organischen Erkrankungen empfehle (Bei-
lage 17 zu BVGer act. 10), hin. Der Gesundheitszustand respektive die
Erwerbsfähigkeit seien durch die Vorinstanz in Verletzung ihrer Untersu-
chungspflicht nicht ausreichend abgeklärt worden. Eventualiter werde das
Bundesverwaltungsgericht deshalb ersucht, ein gerichtliches Gutachten
einzuholen und die Vorinstanz gestützt darauf zu verpflichten, der Be-
schwerdeführerin eine ganze Rente auszurichten. Mit Blick auf BGE 141 V
281 wies sie ferner darauf hin, dass bei ihr seit Jahren eine schwere Form
der Fibromyalgie bestehe, welche sich als therapieresistent erwiesen
habe. Der Indikator der Behandlungsresistenz sei vorliegend gegeben. Die
diagnoserelevanten Befunde seien zudem in starker Ausprägung erfüllt.
Ferner sei sie in einer kritischen sozialen Situation, so dass auch der Indi-
kator „sozialer Kontext“ erfüllt sei. Schliesslich fehlten ihr auch die Res-
sourcen, um die durch die Fibromyalgie bedingten Beschwerden zu über-
winden. Dementsprechend seien die massgeblichen Indikatoren für die An-
nahme einer Unüberwindbarkeit geben (BVGer act. 10 samt Beilagen).
C.f Mit Eingabe vom 3. August 2016 verzichtete die Vorinstanz unter Hin-
weis auf einen beigefügten Bericht ihres RAD vom 6. Juli 2016 einstweilen
auf eine Stellungnahme und ersuchte das Bundesverwaltungsgericht, ent-
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sprechend der Empfehlung des RAD von der Beschwerdeführerin das Re-
sultat der Densinometrie-Untersuchung einzuverlangen und ihr im An-
schluss daran eine abschliessende Gelegenheit zur Duplik einzuräumen
(BVGer act. 14 samt Beilage).
C.g Mit Zwischenverfügung vom 10. August 2016 (BVGer act. 15) teilte der
Instruktionsrichter den Verfahrensbeteiligten mit, dass der Antrag der Vor-
instanz auf Einholung des Resultats der Densinometrie-Messung als Be-
weisantrag zu den Akten genommen werde (Ziff. 2). Ferner ersuchte er die
Beschwerdeführerin um Mitteilung bis zum 14. September 2016, ob sie am
mit Beschwerdeeingabe vom 9. März 2016 gestellten Antrag auf Durchfüh-
rung einer öffentlichen Gerichtsverhandlung festhalte (Ziff. 3). Ferner gab
er der Beschwerdeführerin Gelegenheit, innert gleicher Frist eine Stellung-
nahme zum Beweisantrag der Vorinstanz abzugeben, verbunden mit dem
Hinweis, dass es ihr freistehe, dem Bundesverwaltungsgericht ein bereits
vorliegendes Resultat der Knochendichtemessung einzureichen (Ziff. 4).
C.h Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. August 2016 teilte die Be-
schwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass sie den Antrag
auf Durchführung einer öffentlichen Gerichtsverhandlung zurückziehe und
überdies mit dem Beweisantrag auf Einholung des Resultates der Kno-
chendichtemessung einverstanden sei, wobei sie gleichzeitig den bereits
vorliegenden radiologischen Arztbericht vom 3. Mai 2016 ins Recht legte.
Ergänzend machte sie geltend, dass die diagnostizierte Osteoporose laut
Arztbericht von Dr. med. E._ vom 1. Juni 2016 eine massive
Schmerzsymptomatik verursache. Diese Tatsache untermauere die ge-
rügte ungenügende Abklärung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz
(BVGer act. 16 samt Beilagen).
C.i Mit Duplik vom 21. September 2016 hielt die Vorinstanz unter Hinweis
auf eine beigefügte Stellungnahme ihres RAD-Arztes, Dr. med. F._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin und zertifizierter Gutachter SIM, vom
14. September 2016 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest
(BVGer act. 18 samt Beilage).
C.j Mit Verfügung vom 28. September 2016 teilte der Instruktionsrichter
den Verfahrensbeteiligten mit, dass der Schriftwechsel – vorbehältlich wei-
terer Instruktionsmassnahmen – am 10. Oktober 2016 abgeschlossen
werde (BVGer act. 19).
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C.k Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 29. September 2016 nahm die
Beschwerdeführerin unaufgefordert zur Streitsache Stellung und reichte
gleichzeitig eine detaillierte Kostennote ein (BVGer act. 20 samt Beilage).
C.l Mit Verfügung vom 30. September 2016 übermittelte das Bundesver-
waltungsgericht der Vorinstanz ein Doppel der unaufgefordert eingereich-
ten Stellungnahme vom 29. September 2016, unter gleichzeitigem Verweis
auf den am 28. September 2016 in Aussicht gestellten Abschluss des
Schriftwechsels (BVGer act. 21).
C.m Mit unaufgeforderter Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 23. Mai
2017 liess die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht einen
neuen Arztbericht vom 20. April 2017 sowie einen neuen Bescheid der
Deutschen Rentenversicherung vom 10. Mai 2017 zukommen, in welchem
der Beschwerdeführerin neu ein unbefristeter Anspruch auf eine Rente we-
gen voller Erwerbsminderung bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu-
gesprochen wurde (BVGer act. 22 samt Beilagen).
C.n Mit Verfügung vom 31. Mai 2017 (BVGer act. 23) übermittelte der In-
struktionsrichter der Vorinstanz ein Doppel der Eingabe vom 23. Mai 2017.
Gleichzeitig verwies er die Verfahrensbeteiligten auf den bereits abge-
schlossenen Schriftenwechsel (gemäss Ziff. 3 der Verfügung vom 28. Mai
2017).
C.o Mit unaufgeforderter Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. August
2017 übermittelte die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht
weitere Arztberichte sowie einen Bescheid des Hessischen Amtes für Ver-
sorgung und Soziales vom 25. Juli 2017, worin dieses mit Wirkung per
5. Juli 2017 einen Grad der Behinderung von 100 festgestellt hatte (BVGer
act. 24 samt Beilagen).
C.p Mit Verfügung vom 14. August 2017 liess der Instruktionsrichter der
Vorinstanz ein Doppel der unaufgefordert eingereichten Stellungnahme der
Beschwerdeführerin vom 9. August 2017 zur Kenntnisnahme zukommen
(BVGer act. 25).
D.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel wird – soweit entscheidwe-
sentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 9

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]) und die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der ange-
fochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur
Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; vgl.
auch Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde vom 9. März 2016 ist – nachdem auch die unentgeltliche Pro-
zessführung gewährt wurde (vgl. Sachverhalt, Bst. C.d hievor) – einzutre-
ten (Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; Kognition, vgl.
BENJAMIN SCHINDLER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, Art. 49 N. 1 ff.).
2.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 220 E. 3.1.1; 131 V 242 E. 2.1).
Demnach ist vorliegend grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlas-
ses der streitigen Verfügung (hier: 11. Februar 2016) eingetretenen Sach-
verhalt abzustellen. Neue Tatsachen, die sich vor Erlass der streitigen Ver-
fügung verwirklicht haben, die der Vorinstanz aber nicht bekannt waren o-
der von ihr nicht berücksichtigt wurden (unechte Noven), können im Ver-
fahren vor dem Sozialversicherungsgericht vorgebracht werden und sind
zu würdigen. Gleiches gilt auch für neue Beweismittel (ANDRÉ MOSER/MI-
CHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 117 Rz. 2.204). Später eingetretene Tat-
sachen (echte Noven), die zu einer Änderung des Sachverhalts geführt ha-
ben, sind grundsätzlich nicht im Rahmen des hängigen, sondern gegebe-
nenfalls im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE
132 V 215 E. 3.1.1; BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen). Immerhin sind
indes Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, im hängigen Verfahren
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Seite 10
soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeit-
punkt des Erlasses der Verfügung zu beeinflussen (vgl. Urteil des BGer
C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.1).
3.
Im Folgenden sind vorab die im vorliegenden Verfahren anwendbaren Nor-
men und Rechtsgrundsätze darzustellen.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige und wohnt
heute in Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemein-
schaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss An-
hang II des FZA zur Anwendung. Der Anspruch auf Leistungen der schwei-
zerischen Invalidenversicherung richtet sich indes auch nach dem Inkraft-
treten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE 130 V 253 E. 2.4).
3.2 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG) und beim Eintritt
der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer Beiträge an
die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet
hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG (in
der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung; AS 2007 5129). Diese Bedin-
gungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine Voraussetzung, so ent-
steht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist.
Die Beschwerdeführerin hat in den Jahren 1984 bis 2004 mit Unterbrüchen
in der Schweiz gearbeitet und hat in dieser Zeit, während insgesamt 85
Monaten, Beiträge an die schweizerischen Alters- und Hinterlassenenver-
sicherung geleistet (act. 16; 49, S. 1).
3.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
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Seite 11
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat
den Begriff der Erwerbsunfähigkeit nicht modifiziert, BGE 135 V 215
E. 7.3). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli-
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil-
weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in
einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fas-
sung) haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten
oder verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits-
unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres
zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c).
3.5
3.5.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt-
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen
haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4; 115 V 133 E. 2).
3.5.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 352 E. 3a).
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Seite 12
3.5.3 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begeh-
ren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt
die erforderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist dem Durchfüh-
rungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem
Untersuchungsgrundsatz abzuklären, sodass gestützt darauf die Verfü-
gung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann (Art. 49 ATSG;
SUSANNE LEUZINGER-NAEF, Die Auswahl der medizinischen Sachverstän-
digen im Sozialversicherungsverfahren [Art. 44 ATSG], in: Riemer-
Kafka/Rumo-Jungo [Hrsg.], Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit,
Bern 2010, S. 413 f.). Auf dem Gebiet der Invalidenversicherung obliegen
diese Pflichten der (zuständigen) Invalidenversicherungsstelle (Art. 54 - 56
in Verbindung mit Art. 57 Abs. 1 lit. c - g IVG).
3.5.4 Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Sie setzen dabei insbesondere die für die Invalidenversi-
cherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit
der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im
Aufgabenbereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 Abs. 1 Satz 1
IVV). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Gut-
achten im Sinn von Art. 44 ATSG nicht erfasst werden, weshalb die in die-
ser Norm enthaltenen Verfahrensregeln bei der Einholung von RAD-berich-
ten keine Wirkung entfalten (BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258 ff.; Urteil des
BGer 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). Der Beweiswert
von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist nach der Rechtsprechung
mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleich-
bar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gut-
achten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210
E. 1.2.1 S. 219 f.). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Ab-
klärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann bereits bei Vorlie-
gen geringer Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht abge-
stellt werden (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.;
Urteil 8C_385/2014 E. 4.2.2).
3.5.5 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 seine langjährige Praxis
zu den anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren
psychosomatischen Leiden (vgl. dazu die Übersicht im Kreisschreiben des
Bundesamtes für Sozialversicherung über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung, KSIH [gültig ab 1. Januar 2015], Rz. 1017.4 1/14)
C-1582/2016
Seite 13
einer eingehenden Prüfung unterzogen und in wesentlichen Teilen geän-
dert. Danach gilt insbesondere die Überwindbarkeitsvermutung im Sinne
der bisherigen Schmerz- und Überwindbarkeitspraxis (vgl. dazu BGE 131
V 49 E. 1.2 S. 50; 130 V 352) nicht mehr. Die Frage, ob ein psychosomati-
sches Leiden zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führt, stellt
sich nun nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung der Ausgangsvermu-
tung. Anhand eines Katalogs von Indikatoren erfolgt neu vielmehr eine er-
gebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leis-
tungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensati-
onspotenzialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leis-
tungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.5 und 3.6). Das bisherige Regel-
Ausnahmemodell (Überwindbarkeitsvermutung; BGE 131 V 49 E. 1.2
S. 50) soll demnach in Weiterführung der Rechtsprechung (BGE 139 V
547) durch ein sogenanntes (durch Indikatoren) strukturiertes Beweisver-
fahren ersetzt werden. Unter dem Aspekt des funktionellen Schweregrades
sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnose-
relevanten Befunde, Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resis-
tenz und Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsstruktur, Per-
sönlichkeitsentwicklung und -störungen, persönliche Ressourcen) und
"Sozialer Kontext" (Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Fakto-
ren einerseits und Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds
anderseits) zu prüfen. Die auf diesem "Grundgerüst" beruhenden Folge-
rungen müssen schliesslich einer Konsistenzprüfung standhalten, welche
einerseits die Teilfragen der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäts-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und andererseits den be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidens-
druck umfasst (BGE 141 V 281 E. 4.1.3; vgl. dazu auch JÖRG JEGER, Die
neue Rechtsprechung zu psychosomatischen Krankheitsbildern, in: Juslet-
ter vom 13. Juli 2015, Rz. 30 ff.; THOMAS GÄCHTER/MICHAEL E. MEIER,
Schmerzrechtsprechung 2.0, in: Jusletter vom 29. Juni 2015, Rz. 32 ff.).
3.5.6 Zwar hatten die Ärztinnen und Ärzte bereits bis anhin ihre Stellung-
nahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und
es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen
die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforderun-
gen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass
aus den medizinischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein
muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicher-
ten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge
– Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechen-
den Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen.
C-1582/2016
Seite 14
Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funkti-
onellen Ausfällen bei objektivierter Zumutbarkeitsbeurteilung anhand der
Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt (BGE
141 V 281 E. 6; Urteil des BGer 8C_10/2015 vom 5. September 2015
E. 4.2).
3.6 Bereits nach der bisherigen (vor BGE 141 V 281 geltenden) Rechtspre-
chung zählten depressive Störungen nicht zu den unklaren Beschwerde-
bildern. Danach war nicht von einem syndromalen Beschwerdebild auszu-
gehen, wenn die depressive Erkrankung nicht bloss als eine Begleiter-
scheinung eines psychogenen Schmerzgeschehens, sondern als ein
selbstständiges, davon losgelöstes Leiden erschien; bereits nach dieser
(bisherigen) Rechtsprechung galt eine zuverlässig diagnostizierte, die Ar-
beitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigende depressive Störung nicht als
überwindbares Beschwerdebild (Urteil des BGer 8C_14/2014 vom 30. April
2014 E. 4.2.5). Demgegenüber hatte nach dieser Rechtsprechung die de-
pressive Erkrankung invaliditätsrechtlich keine weitergehende Bedeutung,
wenn eine somatoforme Schmerzstörung oder ein anderes psychosomati-
sches Leiden (vgl. dazu KSIH Rz. 1017.4 1/14) und eine depressive Er-
krankung im Sinne einer blossen Begleiterscheinung zum unklaren Be-
schwerdebild vorlag (Urteile des BGer 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013
E. 4.1; 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2). Liegen ein syndromales
Leiden und eine depressive Erkrankung vor, und ist die depressive Erkran-
kung als selbstständiges Leiden, losgelöst vom unklaren Beschwerdebild,
anzusehen, so waren bereits nach der bisherigen Rechtsprechung in erster
Linie die fachärztlichen Feststellungen des Gesundheitszustandes und der
Arbeitsunfähigkeit massgeblich (Urteile des BGer 8C_278/2014 vom 24.
Juni 2014 E. 5.1.2; 8C_251/2013 vom 14. Februar 2014 E. 4.2.2; vgl. dazu
auch RAHEL SAGER, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend
Depressionen, SZS 04/2015 S. 308 ff., 312 f.).
Nach der mit BGE 141 V 281 begründeten neuen Rechtsprechung sind die
bisherigen Kriterien "psychiatrische Komorbidität" und "körperliche Be-
gleiterkrankungen" zu einem einheitlichen Indikator zusammenzufassen.
Erforderlich ist danach eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen
und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden
krankheitswertigen Störungen. Eine Störung, welche nach der Rechtspre-
chung als solche nicht invalidisierend sein kann (vgl. SVR 2011 IV Nr. 17
[9C_98/2010] E. 2.2.2), ist nicht Komorbidität (vgl. SVR 2012 IV
[9C_1040/2010] Nr. 1 E. 3.4.2.1), sondern allenfalls im Rahmen der Per-
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Seite 15
sönlichkeitsdiagnostik zu berücksichtigen. Das Erfordernis einer Gesamt-
betrachtung gilt grundsätzlich unabhängig davon, wie es um den Zusam-
menhang zwischen dem Schmerzsyndrom und der Komorbidität bestellt
ist. Daher verliert beispielsweise eine Depression nicht mehr allein wegen
ihrer (allfälligen) medizinischen Konnexität zum Schmerzleiden jegliche
Bedeutung als potenziell ressourcenhemmender Faktor (vgl. dazu bei-
spielsweise die Urteil des BGer 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.1). Be-
schwerdebilder jedoch, die bloss als diagnostisch unterschiedlich erfasste
Varianten derselben Entität mit identischen Symptomen erscheinen, sind
von vornherein keine Komorbidität. Andernfalls würde die auf mehrere Ar-
ten erfass- und beschreibbare Gesundheitsbeeinträchtigung doppelt ver-
anschlagt (E. 4.3.1.3 mit Hinweisen).
3.7 In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V
210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische
Begutachtung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss al-
tem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweis-
wert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls
mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent-
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweis-
grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 137 V 210 E. 6). In sinnge-
mässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten
Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – ge-
gebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine
schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben
oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umstän-
den eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
3.8 Nach ständiger Rechtsprechung vermag ein Alkoholismus eine Invali-
dität im Sinne des Gesetzes nicht zu begründen. Vielmehr wird eine solche
Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits
eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher
oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsscha-
den eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen
oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zu-
kommt (vgl. BGE 124 V 265 E. 3c S. 268). Dabei ist das ganze für die
Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Ge-
samtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wech-
selwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiter-
krankung Rechnung zu tragen ist. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts
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C-1582/2016
Seite 16
einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass
diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der erforderli-
che Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswerti-
gem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der
noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten
Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (Urteil des BGer
8C_906/2013 vom 22. Mai 2014 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.9 Nach Art. 46 Abs. 3 VO Nr. 883/2004 ist die vom Träger eines Staates
getroffene Entscheidung über die Invalidität eines Antragstellers für den
Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann verbindlich, wenn die
in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgelegten Tatbestandsmerk-
male der Invalidität in Anhang VII dieser Verordnung als übereinstimmend
anerkannt sind. Eine solche anerkannte Übereinstimmung besteht für das
Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz (ebenso wie für das Ver-
hältnis zwischen den übrigen EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz) nicht.
Der Invaliditätsgrad bestimmt sich daher auch unter dem Geltungsbereich
des FZA nach schweizerischem Recht (vgl. hierzu auch BGE 130 V 253
E. 2.4; vgl. auch ZAK 1989 S. 320 E.2).
Die Feststellungen der aus dem Ausland stammenden Beweismittel, wie
insbesondere auch ärztliche Berichte und Gutachten, unterliegen der freien
Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versiche-
rungsgerichts [EVG, ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 11. Dezember 1981 i.S. D; EVG vom 11. Dezember
1981 i.S. D; zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung: BGE 125 V 351
E. 3a).
4.
Nachfolgend ist vorab zu prüfen, ob die Vorinstanz ihrer Abklärungspflicht
im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG rechtsgenüglich nachgekommen ist und
ob die vorliegenden medizinischen Berichte und Gutachten beweiskräftig
sind.
4.1 Hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung liegen insbesondere die folgenden Gutachten und Arztberichte
vor:
- Im Anschluss an einen stationären Aufenthalt vom 1. bis 4. Juli 2012 im
Krankenhaus G._ diagnostizierten die verantwortlichen Ärzte mit
C-1582/2016
Seite 17
Bericht vom 4. Juli 2012 eine akute Gastritis (ICD-10 K 29.1; histolo-
gisch gesicherte Entzündung der Magenschleimhaut; PSCHYREMBEL,
Klinisches Wörterbuch, 264. Aufl. 2013, S. 735). In ihrer Beurteilung
hielten sie insbesondere fest, die Beschwerdeführerin habe sich auf-
grund ihrer seit rund vier Wochen persistierenden Unterbauchschmer-
zen bei ihnen vorgestellt. Nachdem sie auch über starke Kopfschmer-
zen mit dem Gefühl von Schwäche im linken Arm geklagt habe, seien
weitere Abklärungen erfolgt. In den durchgeführten Computertomogra-
fien (CT) des Abdomens, des Halses und des Schädels hätten sich
keine Pathologien ergeben. Entgegen dem ärztlichen Rat habe sie am
4. Juli 2012 die stationäre Behandlung abgebrochen und sich in ihre
hausärztliche Behandlung begeben. Die Ärzte empfahlen die Vorstel-
lung beim Gynäkologen zur Kontrolle sowie eine Kontrolle der Gamma-
GT-Werte im Verlauf sowie eine Alkoholkarenz (act. 8).
- Dr. med. H._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 12. Juni 2014 ein Fibromyalgie-
Syndrom mit Verdacht auf somatoforme Störung sowie eine arterielle
Hypertonie. In seiner zusammenfassenden Beurteilung hielt er fest,
dass eine psychotherapeutische Behandlung mit Berücksichtigung der
chronischen Schmerzen und der Somatisierungstendenz notwendig sei
(act. 6).
- Mit Bericht vom 7. Januar 2015 hielt Dr. med. I._, Facharzt FMH
für Gastroenterologie und Innere Medizin, insbesondere fest, aufgrund
der von der Beschwerdeführerin geschilderten, in den letzten Tagen
massiv zugenommenen Beschwerden seien am 29. Dezember 2014
eine Koloskopie und am 30. Dezember 2014 eine Abdomensonografie
durchgeführt worden. Gestützt auf seine Untersuchungen diagnosti-
zierte er eine Refluxösophagitis (II – IV Grades; Manifestation der gast-
roösophagealen Refluxkrankheit; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1786) unter
intermittierender PPI-Therapie, eine erosive Gastritis Typ C (medika-
mentös-toxische Gastritis, Gallenrefluxgastritis), bei im Übrigen unauf-
fälliger Oesophagogastroduodendoskopie, ein kleines tubuläres Ade-
nom (vom Ephitelgewebe endokriner oder exokriner Drüsen oder
Schleimhäute ausgehendes, primär benignes Neoplasma, das maligen
entarten kann; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 23) im Colon ascendens (Teil
des Dickdarmes; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 406), einen kleinen hyper-
plastischen Polyp im Rektum, eine reizlose Divertikulose im ganzen Ko-
lon (Auftreten zahlreicher Ausstülpungen im Dickdarm; PSCHYREMBEL,
a.a.O., S. 489 und S. 491) bei Status nach Sigmaresektion (operative
C-1582/2016
Seite 18
Entfernung eines Teils des Dickdarmes; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1936)
wegen Verwachsungen bei Divertikulose 2002, eine rezidivierende, teils
chronische Diarrhoe bei Verdacht auf Colon irritable, bei im Übrigen un-
auffälliger Illeokoloskopie und unauffälliger Abdomensonografie bei Sta-
tus nach Choleozystektomie (operative Ausräumung einer entzündeten
steingefüllten Gallenblase; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 378). Aufgrund der
histologisch gefundenen Zellatypien empfahl der Gutachter nach Ablauf
von zwei bis drei Monaten eine Kontroll-Gastroskopie mit nochmaliger
Biopsieentnahme; überdies empfahl er aufgrund der solitär erhöhten
Gamma-GT-Werte eine regelmässige Kontrolle in Abständen von rund
drei Monaten. Differenzialdiagnostisch sei an eine Enzyminduktion
durch Aethyleinnahme zu denken (act. 22, S. 1 - 3).
- Im Auftrag des hessischen Amts für Versorgung erstattete Dr. med.
J._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie,
Homöopathie und Akupunktur, am 15. Januar 2015 ein neurologisch-
psychiatrisches, sozialmedizinisches Gutachten. Gestützt auf eine per-
sönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin diagnostizierte der
Spezialist eine Fibromyalgie (ICD-10 M 79.70+G), eine depressive Ent-
wicklung (ICD-10 F 32.9), ein Cervical-Syndrom (ICD-M 54.2+G), eine
Lumboischialgie (ICD-10 M 54.4+G) sowie einen Tinnitus aurium (ICD-
10 H 93.1+G). In seiner zusammenfassenden Beurteilung kam er zum
Schluss, dass die Beschwerdeführerin an starken Rückenschmerzen,
einem Tinnitus, chronischer Müdigkeit und einer Depression mit Ängst-
lichkeit leide. Ferner befinde sie sich in einer psychosozial schwierigen
Situation. Neurologisch bestünden keine manifesten Paresen oder an-
dere schwere Defizite. Unter Berücksichtigung der wechselseitigen Be-
ziehungen dieser Gesundheitsbeeinträchtigungen setzte er den Grad
der Behinderung auf insgesamt 50 % fest (act. 23, S. 1 - 8).
- Mit Bericht des Klinikums K._ vom 15. April 2015 wurde bei der
Beschwerdeführerin ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert
(act. 28), welches in der Folge mit operativem Eingriff vom 13. Mai 2015
entfernt wurde (act. 34, S. 4).
- Am 21. Mai 2015 hielten die verantwortlichen Ärzte des Krankenhauses
L._ zuhanden der behandelnden Hausärztin fest, dass der post-
operative Verlauf fieberfrei und komplikationslos erfolgt sei, wobei die
Beschwerdeführerin nach stationärem Aufenthalt vom 12. Mai bis
16. Mai 2015 bei körperlichem Wohlbefinden in die weitere fachärztliche
C-1582/2016
Seite 19
Betreuung entlassen worden sei. Als weitere onkologische Behandlun-
gen würden eine adjuvante perkutane Radiatio der linken Mamma
(Strahlenklinik des Klinikums M._), eine endogene Therapie mit
Tamixofen sowie übliche Tumor-Nachsorgeuntersuchungen bei der be-
handelnden Hausärztin empfohlen (act. 34, S. 1 - 3).
- Die Deutsche Rentenversicherung veranlasste in der Folge ein internis-
tisches Gutachten mit Schwerpunkt Gastroenterologie bei Dr. med.
N._, Facharzt für Innere Medizin, welches am 28. Mai 2015 er-
stattet wurde. Gestützt auf eine Prüfung der vorliegenden Akten und
eine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin diagnostizierte
der Gutachter ein Mamma-Karzinom (ICD-10 C 50.9), eine gastrooeso-
phageale Refluxkrankheit (ICD-10 K 21.0), eine arterielle Hypertonie
(ICD-10 I 10.90) sowie eine Hypercholesterinämie (ICD-10 E 78.0). In
seiner Beurteilung hielt der Gutachter insbesondere fest, dass die Wie-
deraufnahme einer Berufstätigkeit aufgrund der geplanten Radiatio bei
Mamma-Karzinom aktuell nicht möglich sei. Nach Abschluss dieser
Therapie und weiterer Rekonvaleszenz sollte ab Anfang 2016 eine Wie-
deraufnahme der früheren Tätigkeit – auch vollschichtig – bei einem
komplikationslosen und rezidiv- respektive metastasenfreien Verlauf
möglich sein. Die Dauer der Leistungsminderung sei voraussichtlich bis
31. Dezember 2015 gegeben (act 51, S. 1 - 21).
- RAD-Arzt Dr. med. C._ kam gestützt auf eine Aktenbeurteilung
mit Stellungnahme vom 16. Juli 2015 zum Schluss, dass die medizini-
sche Aktenlage aktuell vollständig sei. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit
sei aufgrund des Brustkrebses gerechtfertigt. Während der Dauer der
Bestrahlung von rund zwei Monaten und einer daran anschliessenden
einmonatigen Rekonvaleszenz sei weiterhin von einer vollständigen Ar-
beitsunfähigkeit auszugehen. Ab circa Ende August 2015 sollte die an-
gestammte Tätigkeit wieder vollschichtig ausgeübt werden können. Die
anderen Gesundheitsstörungen seien rein funktionell und könnten im
Rahmen eines Fibromyalgie-Syndroms oder einer somatoformen
Schmerzstörung ohne schwere begleitende psychische Störung be-
trachtet werden und seien somit nicht invalidisierend im Sinne der Inva-
lidenversicherung. Eine Einschränkung im Haushalt könne bei einem
Ein-Personen-Haushalt nicht bestätigt werden (act. 52, S. 1 - 21).
- Dr. med. O._, Fachärztin für Strahlentherapie, führte in ihrem
Bericht vom 24. August 2015 aus, im Anschluss an ein ausführliches
C-1582/2016
Seite 20
Aufklärungsgespräch und eine CT-basierte virtuelle 3D-Bestrahlungs-
planung sei die Bestrahlung in der Zeit vom 28. Juli bis 6. August 2015
begonnen worden. Nach Erreichen einer Bestrahlungsdosis von 12.6
Gray (Gy) sei die Bestrahlung auf Wunsch der Beschwerdeführerin – im
Anschluss an eine ausführliche Information über die negativen Auswir-
kungen der vorzeitigen Beendigung der laufenden Behandlung – bei ei-
ner Zielvolumendosis (ZVD) von 66.6 Gy abgebrochen worden (act. 71).
- RAD-Arzt Dr. med. C._ kam in seinem (undatierten) Bericht
(Posteingang: 23. November 2015) zuhanden der Vorinstanz zum
Schluss, dass die Aktenlage aus seiner Sicht vollständig sei, wobei zu-
sammenfassend keine langdauernde und invalidisierende Erkrankung
im Sinne der IV bestehe (act. 75).
4.2 Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die vorstehend aufgeführten medizi-
nischen Berichte und Stellungnahmen die rechtsprechungsgemässen An-
forderungen an ein beweiskräftiges Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125
V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis) zu erfüllen vermögen.
4.2.1 Die Vorinstanz stützte ihre Leistungsfähigkeitsbeurteilung in der an-
gefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf die medizinischen Stellung-
nahmen von Dr. med. C._ vom 16. Juli 2015 (act. 52, S. 1 f.) und
vom 23. November 2015 (Datum Posteingang; act. 75, S. 1 f.) ab. Darin
stufte der RAD-Arzt die medizinische Aktenlage als vollständig ein. Ferner
ging er von der Annahme aus, dass die Beschwerdeführerin nach dem un-
erklärlichen beziehungsweise nicht nachvollziehbaren Abbruch der Strah-
lenbehandlung ab dem 7. August 2015 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit
erlangt habe. Die anderen Gesundheitsstörungen seien rein funktionell und
könnten im Rahmen eines Fibromyalgie-Syndroms oder einer somatofor-
men Schmerzstörung ohne begleitende psychische Störung eingestuft
werden, weshalb eine Invalidisierung im Sinne der IV von vornherein nicht
bestehe. Überdies habe im Bereich des Haushalts zu keinem Zeitpunkt
eine Einschränkung bestanden.
4.2.2 Vorab ist festzuhalten, dass Aktenbeurteilungen rechtsprechungsge-
mäss zulässig sind, wenn es sich nur um die ärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt.
Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der
RAD (Urteil des BGer 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2 mit Hinweisen).
C-1582/2016
Seite 21
Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 3.5.4 hievor), sind in solchen Fällen aller-
dings strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur
geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (Urteil
9C_28/2015 E. 3.3).
Vorliegend fällt auf, dass RAD-Arzt Dr. med. C._ der Beschwerde-
führerin für den Bereich des Haushalts zu keinem Zeitpunkt eine relevante
Einschränkung attestiert hat, und zwar mit der Begründung, dass bei einem
Einpersonen-Haushalt keine Einschränkung angenommen werden könne.
Er ging mit anderen Worten auch während der Dauer der Krebstherapie im
Jahr 2015 von einer vollständigen Leistungs- und Arbeitsfähigkeit im Haus-
halt aus. Diese Begründung ist nicht nachvollziehbar, zumal die Besorgung
der Haushaltsarbeiten zumindest teilweise anspruchsvolle, körperliche be-
lastende Arbeiten umfasst und die Beschwerdeführerin über erhebliche Be-
einträchtigungen bei der Haushaltführung berichtet hat (act. 33, S. 8 f.). Die
Annahme des RAD-Arztes, wonach im Einpersonen-Haushalt keinerlei
Einschränkungen zu attestieren seien, steht zudem im Widerspruch zur mit
100 % bewerteten (temporären) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ei-
ner leichteren angepassten Verweistätigkeit. Hinzu kommt, dass der RAD-
Arzt die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit zumindest sinngemäss da-
mit begründet, dass die Beschwerdeführerin die Bestrahlungstherapie aus
nicht nachvollziehbaren Gründen abgebrochen habe, weshalb „nach Ab-
bruch von einer wiederum vollständigen Wiederherstellung ausgegangen
werden“ könne (act. 75, S. 2). Diese Schlussfolgerung greift zu kurz und
ist mit dem Gebot einer umfassenden und allseitigen Abklärung nicht ver-
einbar. Selbst wenn für den Abbruch der Bestrahlung aus objektiver medi-
zinischer Sicht keine hinreichenden Gründe vorgelegen haben sollten und
die Beschwerdeführerin die Ablehnung der weiteren Behandlung nicht mit
stichhaltigen Gründen zu rechtfertigen vermöchte, entbindet dies die Vor-
instanz nicht von ihrer Abklärungspflicht.
Damit fehlt es vorliegend an einer nachvollziehbaren Begründung für die
angenommene Leistungsfähigkeit wie auch für den Zeitpunkt der (ange-
nommenen) Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit.
4.2.3 Darüber hinaus findet sich in den der angefochtenen Verfügung zu-
grunde gelegten Stellungnahmen des RAD auch keine Auseinanderset-
zung mit abweichenden fachärztlichen Beurteilungen. Im zuhanden des
Deutschen Versorgungsamtes erstellten neurologisch-psychiatrischen
Gutachten hielt Dr. med. J._ als ausgewiesener Facharzt immerhin
C-1582/2016
Seite 22
eine Depression und Angststörung mit erheblicher sozialer Relevanz, ein
Cervikal- und ein LWS-Syndrom sowie einen Tinnitus fest (act. 23, S. 7).
Angesichts dieser Diagnosen bedarf der Verzicht auf weitergehende Ab-
klärungen zumindest einer eingehenden und nachvollziehbaren Begrün-
dung, welche hier indes fehlt. Diese Unterlassung kann auch nicht damit
gerechtfertigt werden, dass Dr. med. P._ in seinem zuhanden der
Deutschen Rentenversicherung erstellten internistischen Gutachten – al-
lerdings lediglich prognostisch – von einer mutmasslichen Wiedererlan-
gung der Arbeitsfähigkeit bis Anfang 2016 ausging (act. 51, S. 16 und 18),
zumal diese Leistungsbeurteilung unter dem Vorbehalt eines komplikati-
onslosen Therapieverlaufs gestellt wurde. In diesem Zusammenhang ist
namentlich zu fordern, dass der Arzt detailliert und nachvollziehbar begrün-
det, weshalb er eine Diagnose als unrichtig respektive für die Leistungsbe-
urteilung irrelevant einstuft. Die (hier vollkommen fehlende) Auseinander-
setzung mit Berichten und Expertisen, welche von den der Verfügung zu-
grunde gelegten versicherungsinternen Stellungnahmen abweichen, ist
deshalb notwendig, weil das Gericht ansonsten bei divergierenden Arztbe-
richten häufig nicht in der Lage ist, das gesamte Beweismaterial zu würdi-
gen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht die an-
dere medizinische These abstellt, wie dies die Rechtsprechung verlangt
(vgl. Urteil des BGer 9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 4.5.2; BGE
125 V 352 E. 3a S. 352). Auch aus diesem Grund erweisen sich die medi-
zinischen Abklärungen der Vorinstanz als massiv ungenügend (vgl. dazu
auch GABRIELA RIEMER-KAFKA, Versicherungsmedizinische Gutachten, 3.
Aufl. 2017, S. 59).
Die vorliegenden medizinischen Beweismittel genügen überdies auch mit
Blick auf die neue Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 den
Anforderungen nicht. Laut den vorliegenden medizinischen Berichten lei-
det die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit an einer Fibromyalgie (vgl.
act. 6; act. 23, S. 2). Der RAD-Arzt hat sich in diesem Zusammenhang mit
der pauschalen Feststellung begnügt, es handle sich hierbei um eine „rein
funktionelle“ Gesundheitsstörung, welche von vornherein nicht invalidisie-
rend sein könne. Die Fibromyalgie zählt indes rechtsprechungsgemäss zu
den sogenannten syndromalen Leiden, welche in den Anwendungsbereich
der genannten Rechtsprechung fallen (vgl. dazu BGE 132 V 65 E. 4;
THOMAS GÄCHTER/MICHAEL E. MEIER, Schmerzrechtsprechung 2.0, in: Jus-
letter 29. Juni 2015 Rz. 3).
Nach der neuesten Rechtsprechung bedarf es in diesem Zusammenhang
einer Prüfung des Komplexes der Gesundheitsschädigung (beinhaltend
C-1582/2016
Seite 23
die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, den Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder die -resistenz sowie die Komorbiditäten), des
Komplexes der Persönlichkeit und des Sozialen Kontextes sowie der Frage
der Konsistenz (gleichmässige Einschränkungen des Aktivitätenniveaus
und ausgewiesener Leidensdruck). Diesen Anforderungen werden die
RAD-Stellungnahmen offensichtlich nicht gerecht. Zum einen bedarf es in
diesem Zusammenhang einer klaren und einlässlich begründeten Diag-
nose. Die blosse Annahme, dass es sich um eine Fibromyalgie oder eine
somatoforme Schmerzstörung handeln könne (vgl. act. 52, S. 1), genügt in
dabei nicht. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.40) setzt einen andauernden, schweren und quälenden Schmerz vo-
raus (Urteil des BGer 8C_77/2016 vom 18. April 2016 E. 5.2). Entspre-
chend bedarf es im Falle einer gesicherten Diagnose für die nicht invalidi-
sierende Auswirkung eines andauernden, schweren und quälenden
Schmerzes einer nachvollziehbaren und differenzierten Begründung. Zum
andern gilt es sowohl hinsichtlich der somatoformen Schmerzstörung als
auch bezüglich der Depression den diagnoseinhärenten Schweregrad der
Gesundheitsbeeinträchtigung sorgfältig zu erheben und einlässlich zu be-
gründen (vgl. dazu MICHAEL E. MEIER, Ein Jahr neue Schmerzrechtspre-
chung, in: Jusletter 11. Juli 2016, Rz. 37 ff., insbesondere Rz. 47 mit Hin-
weisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung)
4.2.4 Überdies bedarf es in diesem Zusammenhang auch noch einer Ge-
samtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der
Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störun-
gen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Eine Auseinandersetzung mit den mögli-
chen Wechselwirkungen zwischen der Fibromyalgie und der Depression
fehlt vorliegend vollkommen.
4.3 Hinzu kommt, dass sich in den Akten Hinweise auf eine Alkoholerkran-
kung finden (vgl. dazu act. 8; act. 22, S. 3). Die im Recht liegenden ärztli-
chen Berichte und Gutachten setzen sich nicht mit den zwingend zu beant-
wortenden Fragen auseinander, ob eine Alkoholerkrankung besteht, ob
dieser gegebenenfalls Krankheitswert zukommt und welche Wechselwir-
kung allenfalls zwischen dieser und der Depression besteht. Zu klären ist
insbesondere, ob die (allfällige) Sucht eine Krankheit bewirkt hat, in deren
Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen-
der Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder ob sie selber Folge eines
körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert
zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht,
dass die Auswirkungen einer Alkoholerkrankung, die ihrerseits auf einen
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C-1582/2016
Seite 24
Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die
zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Ein-
schränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als
Folgen selbstständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff.
ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Reine Suchtfolgen sind IV-rechtlich irrelevant,
soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie
gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusam-
menhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen (Urteil
des BGer 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 und 2.2.2).
Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Fol-
gespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass
einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und
psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist. Mit dem Erforder-
nis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen
Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ein-
schränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alko-
holsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden be-
steht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychi-
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berück-
sichtigen (Urteil des BGer 8C_906/2013 vom 22. Mai 2014 E. 2.2 mit Hin-
weisen).
4.4 Der Gutachter hat überdies in detaillierter Weise zur medizinischen Zu-
mutbarkeit der bisherigen wie auch einer angepassten Verweistätigkeit
Stellung zu nehmen. Gerade bei psychischen Beeinträchtigungen ist de-
tailliert auf die zur Diskussion stehenden Beschwerden wie Konzentrati-
ons- und Gedächtnisstörungen, Ermüdbarkeit oder auch eingeschränkte
Kompetenzen der sozialen Kontaktaufnahme einzugehen und aufzuzei-
gen, in welchem Ausmass diese sich auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
auswirken (vgl. dazu RIEMER-KAFKA, a.a.O., S. 89 ff.; ULRICH MEYER-BLA-
SER, Arbeitsunfähigkeit, in: Schaffhauser/Schlauri, Schmerz und Arbeitsun-
fähigkeit, 2003, S. 48 f.).
Vorliegend erweisen sich die Arztberichte und die Stellungnahmen des
RAD auch deshalb als nicht verwertbar, weil darin nicht hinreichend zu Art
und Ausmass einer allfälligen angepassten Verweistätigkeit Stellung ge-
nommen wird.
C-1582/2016
Seite 25
4.5 Auch wenn keine Bindungswirkung in Bezug auf die von der Deutschen
Rentenversicherung getroffenen Entscheidungen besteht, ist die Zuspra-
che der – zunächst befristeten und später unbefristeten – Rente wegen
voller Erwerbsminderung (act. 65, 69 sowie Beilage zu BVGer act. 22)
wenn nicht als Beweis, so doch immerhin als relevanter Hinweis auf eine
wesentliche und dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit und der Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu werten, welcher im konkreten
Fall Anlass zu weiteren umfassenden Abklärungen gibt.
4.6 Nach dem Gesagten steht fest, dass vorliegend erhebliche Zweifel an
der Schlüssigkeit und Verlässlichkeit der versicherungsinternen Stellung-
nahmen bestehen. Zudem erlauben die vorliegenden Akten auch keine
schlüssige Beurteilung im Lichte der Beurteilungsindikatoren gemäss BGE
141 V 281, so dass sich der gesundheitliche Zustand und insbesondere
dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit unter Berück-
sichtigung der medizinischen Beweismittel, wie sie der Vorinstanz im Zeit-
punkt der angefochtenen Verfügung vom 11. Februar 2016 vorlagen, nicht
schlüssig beurteilen lassen.
Im Anschluss an die Replik der Beschwerdeführerin mit einer ausführlichen
Stellungnahme zu den Standardindikatoren des strukturierten Beweisver-
fahrens nach BGE 141 V 281 (BVGer act. 10, S. 9 ff.) wurde der Vorinstanz
Gelegenheit gegeben, sich im Rahmen ihrer Duplik zu den beweisrechtli-
chen Anforderungen der neuen Schmerzrechtsprechung zu äussern und
gegebenenfalls ergänzende medizinische Abklärungen respektive Beurtei-
lungen einzuholen. Von dieser Gelegenheit – und der Möglichkeit, in Zu-
sammenarbeit mit dem medizinischen Dienst eine sorgfältige Prüfung vor-
zunehmen – hat die Vorinstanz indes keinen Gebrauch gemacht, sondern
im Gegenteil pauschal eine invalidisierende Wirkung der Fibromyalgie ver-
neint (BVGer act. 18 samt Beilagen).
4.7 Zu prüfen ist in einem weiteren Schritt, ob die vom Beschwerdeführer
im Beschwerdeverfahren neu eingereichten Berichte und Gutachten zu be-
rücksichtigen sind und bejahendenfalls inwiefern sie eine rechtsgenügliche
Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit erlauben.
4.7.1 In einem – replicando eingereichten – Arztbericht vom 6. Mai 2016
hielt Dr. med. Q._, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative
Medizin, als Diagnosen eine vorbekannte chronische Schmerzerkrankung,
ein degeneratives HWS-/LWS-Syndrom, einen Zustand nach Mammakar-
https://www.koordination.ch/fileadmin/files/urteile/9c14/9c_492_2014.pdf
C-1582/2016
Seite 26
zinom (behandelt 2015), einen Zustand nach Sigma-Teilresektion, Pes pla-
nus bds. (Plattfüsse; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1615), degenerative Verän-
derungen im Bereich beider unterer Sprunggelenke, einen Nachweis des
Erbmerkmals HLAB27 sowie den Verdacht auf eine generalisierte Mineral-
salzminderung fest. In seiner Beurteilung kam er zum Schluss, dass die
Beschwerden einerseits Folge der vordiagnostizierten Schmerzerkrankung
vom Fibromyalgietyp seien, anderseits lägen degenerativ bedingte Be-
schwerden im Bereich der Wirbelsäule und des unteren vorderen Sprung-
gelenks vor. Radiologisch sei der Verdacht auf eine Osteoporose geäus-
sert worden, und es sei eine Knochendichtemessung veranlasst worden
(Beilage 15 zu BVGer act. 10).
4.7.2 In einem Bericht der Radiologie R._ vom 3. Mai 2016 wurden
bei der Beschwerdeführerin im Bereich der Halswirbelsäule eine leichte
rechtskonvexe Skoliose, eine leichte Unkovertebral- und Spondylarthrose
C4 bis C7 beidseits sowie eine ventrale Spondylose C5/C6 und eine Oste-
oporose befundet. Im Bereich der Lendenwirbelsäule wurden sodann ins-
besondere eine leichte linkskonvexe Skoliose und deine deutliche Streck-
fehlstellung, verstärkte rechtskonvexe Spondylarthrosen ab L3 distalwärts
sowie eine deutliche Osteoporose befundet. Ferner hätten sich bei den bei-
den oberen Sprunggelenken nur leicht degenerative Veränderungen im Ta-
lonavikulargelenk in Form kleiner osteophytärer Ausziehungen, ein kleiner
Fersensporn (links) sowie eine Fibroostose des Achillessehnenansatzes
gezeigt (Beilage zu BVGer act. 16).
4.7.3 Gestützt auf eine quantitative MD-Spiral-Computertomografie vom
17. Mai 2016 wurde in der Folge ein T-Score von -3.74 und ein Z-Score
von -1.54 SD befundet und eine Osteoporose diagnostiziert. Dr. med.
E._ hielt mit Bericht vom 1. Juni 2016 fest, dass eine manifeste,
behandlungsbedürftige Osteoporose mit massiver Schmerzsymptomatik
bestehe. Auch Dr. med. S._, Facharzt für Orthopädie, bestätigte in
seinem Bericht vom 26. Juli 2016 die Diagnose der Osteoporose (Beilagen
zu BVGer act. 16).
4.7.4 RAD-Arzt Dr. med. F._ kam mit Bericht vom 14. September
2016 zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin eine Osteoporose zu
diagnostizieren sei, allerdings ohne Hinweis auf Frakturen oder Patholo-
gien beim Bewegungsapparat. Bei einem T-Score von -3.74 seien funktio-
nelle Limiten in Bezug auf das Tragen schwerer Lasten gegeben. Die bis-
C-1582/2016
Seite 27
herige Arbeit könne sie indes trotz dieser Einschränkungen weiterhin aus-
üben. Die im Schlussbericht getroffenen Schlussfolgerungen würden ihre
volle Gültigkeit bewahren (Beilage zu BVGer act. 18).
4.7.5 Dr. med. T._, Fachärztin FMH für Urologie, führte in ihrem Be-
richt vom 21. April 2017 insbesondere aus, dass im Rahmen der Abklärung
mittels Urethrozystokopie drei kleine papilläre Blasentumore an der Bla-
senseitenwand festgestellt worden seien. Die Beschwerdeführerin werde
die indizierte transurethrale Resektion der Blasentumore in Deutschland
vornehmen lassen (Beilage zu BVGer act. 22).
4.7.6 In seinem Bericht vom 29. Juni 2017 hielt Dr. med. U._, Fach-
arzt für Urologie, Chirurgie und Medikamentöse Tumortherapie, im We-
sentlichen fest, dass aufgrund eines im April 2017 diagnostizierten Bla-
senkarzinoms am 16. Juni 2017 eine transurethrale Resektion (operative
Entfernung eines Organteils über die Harnröhre; PSCHYREMBEL, a.a.O.,
S. 1799 und S. 2174) der Harnblase (TURB), verbunden mit einer perio-
operativen Behandlung mit einem Zytostatikum (Substanz, welche das
Zellwachstum verhindert oder verzögert; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 2311),
vorgenommen worden sei (Beilage zu BVGer act. 24).
4.7.7 Die vorstehend aufgeführten Arztberichte (E. 4.7.1 - 4.7.6) knüpfen
an einen medizinischen Sachverhalt an, der sich erst nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung verwirklicht hat respektive zumindest erst da-
nach festgestellt worden ist.
Gründe für eine Ausdehnung des massgeblichen Zeitraumes über den hier
zur Diskussion stehenden Zeitpunkt vom 11. Februar 2016 hinaus liegen
nicht vor, zumal auch die – im Zuge des Beschwerdeverfahrens eingereich-
ten – neuen Beweismittel den Anforderungen an eine beweiskräftige Ex-
pertise nicht gerecht werden, so dass der Sachverhalt auch hinsichtlich des
Zeitraums nach Erlass der angefochtenen Verfügung nicht hinreichend ge-
nau abgeklärt ist, um den Streitgegenstand über den Verfügungszeitpunkt
hinaus auszudehnen (vgl. hierzu z.B. Urteil des BVGer C-527/2012 vom
17. März 2014 E. 6.2 und 6.3). Immerhin können die Berichte insoweit im
Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt werden, als diese die (be-
reits aus den bisherigen Akten gewonnene) Erkenntnisse bestätigen (vgl.
dazu ULRICH MEYER-BLASER, Streitgegenstand im Streit – Erläuterungen
zu BGE 125 V 413, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Aktuelle Rechtsfra-
gen der Sozialversicherungspraxis, St. Gallen 2001, S. 24). Im Hinblick auf
C-1582/2016
Seite 28
die Ermittlung der Resterwerbsfähigkeit lassen allerdings auch die nach-
träglich erstellten Berichte keine verlässlichen Schlüsse zu.
4.7.8 Damit steht auch unter Berücksichtigung der nach Erlass der ange-
fochtenen Verfügung erstellten Berichte fest, dass der rechtserhebliche
medizinische Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Es kann
mithin vorliegend nicht auf die Abnahme weiterer Beweise verzichtet wer-
den, da von einer zusätzlichen, medizinisch nachvollziehbar und schlüssig
begründeten fachärztlichen Beurteilung neue verwertbare und entscheid-
relevante Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. dazu auch Urteil des BGer
8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweisen). Eine antizipierte Be-
weiswürdigung (vgl. dazu BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 23; BGE 134 I 140
E. 5.3) fällt demnach ausser Betracht.
5.
5.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der relevante medizinische
Sachverhalt nicht allseitig und zudem auch nicht vollständig abgeklärt
wurde, so dass sich die funktionelle Leistungsfähigkeit und damit auch die
Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit nicht zuverlässig beurteilen lassen.
Die versicherungsinternen medizinischen Berichte erfüllen die rechtspre-
chungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Grundlage nicht, zumal sie sich ihrerseits nicht auf beweiskräftige Gutach-
ten zu stützen vermögen. Vorliegend sind ergänzende Expertisen in den
Fachbereichen Innere Medizin/Gastroenterologie, Urologie, Psychiatrie
und Rheumatologie geboten. Die internistische respektive gastroenterolo-
gische Begutachtung drängt sich vorliegend mit Blick auf die diagnostizier-
ten Gesundheitsbeeinträchtigungen im Magen-Darmtrakt (Gastritis, Re-
fluxkrankheit, Diarhoe) und den Verdacht auf die Alkoholkrankheit auf. Mit
Blick auf das operativ und medikamentös behandelte Blasenkarzinom (vgl.
E. 4.7.6 hievor) drängt sich eine Untersuchung durch einen Facharzt für
Urologie auf. Die diagnostizierte Depression und die Prüfung allfälliger
Wechselwirkungen mit der gegebenenfalls bestehenden Alkoholkrankheit
erfordern sodann eine psychiatrische Abklärung. Das HWS-/LWS-Syn-
drom, die degenerativen Veränderungen der Sprunggelenke und die be-
stehende Fibromyalgie sind durch einen Rheumatologen zu beurteilen. Ob
neben den genannten Fachdisziplinen auch noch weitere Spezialisten bei-
gezogen werden, ist dem pflichtgemässen Ermessen der Gutachter zu
überlassen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fra-
gestellung über die erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. dazu
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C-1582/2016
Seite 29
Urteil des BGer 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E.6.3.1). Mit der in-
terdisziplinären Begutachtung kann auch sichergestellt werden, dass alle
relevanten Gesundheitsschädigungen erfasst und die daraus jeweils abge-
leiteten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit würdigend in einem Gesamter-
gebnis ausgedrückt werden (vgl. dazu SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1).
Überdies erfordert die bundesgerichtliche Praxisänderung im Bereich der
psychosomatischen Leiden (BGE 141 V 281) im vorliegenden Fall auch die
Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens mit einer umfassenden
Prüfung der Standardindikatoren.
5.2 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, zumal die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizeri-
schen Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; Urteil des BVGer C-
4677/2011 vom 18. Oktober 2013 E. 3.6.3). Der Beschwerdeführerin ist
dazu das rechtliche Gehör zu gewähren und es ist ihr Gelegenheit zu ge-
ben, Zusatzfragen zu stellen (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258 ff.).
5.3 Es sind zudem keine Gründe ersichtlich, welche eine Begutachtung in
der Schweiz als unverhältnismässig erscheinen liessen. Des Weiteren er-
folgt die Gutachterauswahl bei polydisziplinären Begutachtungen in der
Schweiz nach dem Zufallsprinzip (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1
S. 354), was im Interesse der Verfahrensbeteiligten liegt.
5.4 Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung
des Sachverhaltes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist unter diesen Umständen mög-
lich, da sie in der notwendigen Beantwortung der bisher ungeklärten Frage
nach den Auswirkungen des Gesundheitszustandes auf die Arbeits- res-
pektive Leistungsfähigkeit begründet liegt (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
Wie vorstehend dargelegt, konnten die Ärzte des medizinischen Dienstes
weder auf ein vollständiges medizinisches Dossier noch auf für die streiti-
gen Belange beweistaugliche Unterlagen im Sinn der Rechtsprechung zu-
rückgreifen. Eine reine Aktenbeurteilung war unter diesen Umständen un-
zulässig, was zwangsläufig zu weiteren Abklärungen hätte führen müssen.
Die Vorinstanz hat mithin kein umfassendes Administrativgutachten einge-
holt, obwohl ein solches geboten gewesen wäre. Würde eine gravierend
mangelhafte Sachverhaltsabklärung im Verwaltungsverfahren durch Ein-
holung eines Gerichtsgutachtens im Beschwerdeverfahren korrigiert, be-
stünde die konkrete Gefahr der unerwünschten Verlagerung der den
Durchführungsorganen vom Gesetz übertragenen Pflicht zur Abklärung
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C-1582/2016
Seite 30
des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts auf das Gericht mit ent-
sprechender zeitlicher und personeller Inanspruchnahme der Ressourcen
(BGE 137 V 210 E. 4.2; Urteil des BVGer C-1358/2014 vom 11. Dezember
2015 E. 5). Überdies würde den Verfahrensbeteiligten mit dem Verzicht auf
ein Administrativgutachten im Verwaltungsverfahren auch die Möglichkeit
der Überprüfung durch ein Obergutachten genommen. Daher und auf-
grund dessen, dass aufgrund der Aktenlage nur eine ungenügende Beur-
teilung des Gesundheitszustands und der funktionellen Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin erfolgen konnte, ist die Angelegenheit zur Vor-
nahme einer polydisziplinären Begutachtung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
5.5 Nachdem die Beschwerdeführerin am 11. Mai 2017 bereits ihr 60. Al-
tersjahr vollendet hat, wird die Vorinstanz nach Vorliegen des polydiszipli-
nären Gutachtens zu prüfen haben, ob und gegebenenfalls inwiefern ihr
die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit noch zumutbar ist. Denn recht-
sprechungsgemäss wird das fortgeschrittene Alter, obgleich an sich ein in-
validitätsfremder Faktor, als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit
weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann,
dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachge-
fragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbstein-
gliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirtschaftlich
verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfä-
higkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 459). Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage
nach der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter
beantwortet wird, ist dabei auf das Feststehen der medizinischen Zumut-
barkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457 E. 3.3
S. 462; Urteil des BGer 9C_134/2016 vom 12. April 2016 E. 3.1).
5.6 Die Beschwerde ist demnach insoweit gutzuheissen, als die angefoch-
tene Verfügung vom 11. Februar 2016 aufzuheben ist und die Akten im
Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zur Durchführung weiterer Abklä-
rungen im Sinne von E. 5.1 - E. 5.5 und anschliessendem Erlass einer
neuen Verfügung zurückzuweisen sind.
6.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
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C-1582/2016
Seite 31
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 und
Abs. 3 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei.
Da eine Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führen-
den Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind der Beschwerdeführerin im vor-
liegenden Fall keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Aufgrund dieses Ver-
fahrensausganges besteht keine Verfahrenskostenpflicht, und die (subsidi-
äre) unentgeltliche Prozessführung greift somit nicht. Der Vorinstanz sind
ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Rechtsanwalt Ch. Haag macht in seiner Honorarnote vom 29. Septem-
ber 2016 (Beilage zu BVGer act. 20) einen Aufwand von Fr. 7‘369.40 gel-
tend (einschliesslich Auslagen von Fr. 155.50 sowie MWSt von Fr. 31.90).
6.2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 VGKE umfasst die Parteientschädigung die
Kosten der Vertretung (Art. 9, 10 und 11 VGKE) sowie allfällige weitere
Auslagen der Partei (Art. 13 VGKE), unter Berücksichtigung des Verfah-
rensausgangs, der Kostennote (Art. 14 Abs. 1 VGKE), des gebotenen und
aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwie-
rigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens. Die Parteientschädi-
gung stellt also "Ersatz der Parteikosten" dar, welche massgeblich vom tat-
sächlichen und notwendigen Vertretungsaufwand bestimmt wird. Die Be-
deutung der Streitsache ist aber ohnehin weniger gut messbar als die
Schwierigkeit des Prozesses auf der Grundlage des tatsächlichen Arbeits-
aufwandes. Dem letztgenannten Bemessungskriterium kommt denn auch
seit jeher vorrangige Bedeutung zu. Bei der Frage nach dem notwendigen
Vertretungsaufwand dürfen die Gerichte auch in Betracht ziehen, dass der
Sozialversicherungsprozess von der Untersuchungsmaxime beherrscht
wird, wodurch in vielen Fällen die Arbeit der Rechtsvertretenden erleichtert
wird. Diese Arbeit soll nur insoweit berücksichtigt werden, als sich die An-
wältin/der Anwalt bei der Erfüllung ihrer Aufgabe in einem vernünftigen
Rahmen hält, unter Ausschluss nutzloser oder sonstwie überflüssiger
Schritte. Zu entschädigen ist nicht der geltend gemachte, sondern nur der
notwendige Aufwand (vgl. Urteil des BGer 8C_723/2009 vom 14. Januar
2010 E. 3.2 und 4.3 mit Hinweisen).
6.2.2 Unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Auf-
wands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des vorlie-
gend zu beurteilenden Verfahrens erweist sich der geltend gemachte Auf-
wand von 23.94 Stunden insgesamt als deutlich zu hoch. Ein Aufwand für
das Verfassen der Beschwerde, der Replik, der erneuten Stellungnahme
vom 29. September 2016 nach Eingang der Duplik ist daher zu kürzen.
C-1582/2016
Seite 32
Insgesamt kann ein verbleibender Aufwand von gerundet insgesamt 12
Stunden (Klienteninstruktion und Ausarbeitung Beschwerde 7 Stunden,
Ausarbeitung Replik: 4 Stunden, Ausarbeitung zusätzlicher Stellungnah-
men und Analyse Urteil: 1 Stunde) – mit Blick auf ähnlich gelagerte Fälle
und die im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsmaxime –
noch als gerechtfertigt betrachtet werden. Als Stundenansatz ist ein Betrag
von Fr. 250.- angemessen. Die geltend gemachten Barauslagen von
Fr. 155.50 sind angemessen. Auf den Kosten der Vertretung von
Fr. 3‘155.50 (Honorar von Fr. 3‘000.- und Auslagen von Fr. 155.50 gemäss
Art. 9 Abs. 1 Bst. a und Bst. b VGKE) ist überdies die Mehrwertsteuer von
Fr. 252.45 (= 8 % von Fr. 3‘155.50) geschuldet (Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
Beim in der Kostennote geltend gemachten Betrag von lediglich Fr. 31.90
handelt es sich wohl um ein Versehen. Der Beschwerdeführerin ist somit
zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von insge-
samt Fr. 3‘407.95 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzuspre-
chen.