Decision ID: 9755bc64-e347-4a7c-9bd6-d6f5e5ead49f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, arbeitete von 1990 bis 1999 regelmässig in de
r Schweiz auf dem Bau (Urk. 9/1 S. 4, 9/32 S.
290 und 9/13). Bei Arbeitsunfällen 1995 und 1996 zog er sich ein Schädel-Hirn-Trauma und eine
Thoraxkontusion
respektive eine Vorderarmfraktur zu und war jeweils einige Wo
chen arbeitsun
fähig (Urk. 9/66 S. 3 und 9/66 S.
10). Mit Verfügu
ng vom 27. Dezember 1999, bestä
tigt mit
Einsprach
e
entscheid
vom 15. Mai 2000, ste
llte die Suva fest, dass er auf
grund eines Handekzems für alle Arbeiten mit Kontakt zu Z
ement ungeeignet sei (Urk. 9/32 S. 259 f., 9
/32 S. 235 ff. und Urk. 9/32 S.
224). Infolgedessen kün
digte
seine damalige Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis
per Dezember
2000 (Urk. 9/32 S.
200).
1.2
Im Februar 2000 meldete sich der Versicherte wegen einer
«
Allergie
»
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1). Diese liess ihn unter andere
m beruflich abklären (Urk. 9/32 S.
137
ff.), zog die Akten der Suva bei (Urk. 6/32) und holte einen Bericht beim behandeln
den Psychiater (Urk. 9/27) ein. Eine erste, einen Leistungsanspruch v
erneinende Verfügung (Urk. 9/32 S.
197)
wurde mit Urteil IV.2000.00681 vom 8. März 2001 des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-St
elle zurückgewiesen (Urk.
9/141 S.
65 ff.). Am 17. Juni 200
2 leistete diese alsdann Kosten
gutsprache für eine Umsch
ulung zum Taxifahrer (Urk. 9/32 S.
31), die der Versicherte aber nicht erfolgreich
ab
schliessen konnte (Urk. 9/
28 S. 3, 9/66 S. 13 und 9/59 S.
2). Zudem sprach sie ihm am 24. Februar 2005 rückwirkend ab 1. September 2003 eine halbe Invali
denrente zu (Urk. 9/31 und 9/43).
In der ersten Revision im Jahr 2007 liess die IV-Stelle den Versicherten einen Fragebogen ausfüllen (Urk. 9/62 inkl. Beilagen). Des Weiteren holte sie einen Auszug aus dem Individuellen Konto (Urk. 9/
63), Auskünfte der neuen Arbeit
geber (zwei Privatpersonen, für die der Versi
cherte Garten-, Maler- und Umge
bungsarbeiten erledigte, Urk. 9/64 f.) und Berich
te der behandelnden Ärzte (Urk.
9/66 und 9/69) ein. Anschliessend führte sie einen Einkommensvergleich durch (Urk. 9/70/2) und bestätigte mit formloser Mitteilung vom 21. Mai 2008 den bisherigen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (Urk. 9/71).
1.3
Im zweiten Revisionsverfahren, eingeleitet im Jahr 2013, liess die IV-Stelle den Versicherten wiederum einen Fragebogen ausfüllen (Urk. 9/78) und holte erneut einen Auszug aus dem Individuellen Konto (Urk.
9/79) sowie Berichte der behan
delnden Ärzte (Urk. 9/83 und 9/87) ein. Dabei
stellte sie fest, dass der Ver
sicherte
im März 2008 eine zusätzliche Arbeitsstelle angetreten und dadurch im Jahr 2009 eine deutliche Einkommenssteigerung erfahren hatte. Die IV-Stelle führte deshalb einen neuen Einkommensverg
lei
ch durch (Urk. 9/90 und 9/91 S.
4). Mit Vorbe
scheid vom 23. September 2014 stellte sie dem Versicherten in Aussicht, die Rente wegen Verletzung der Meldepflicht rückwirkend per 1. Januar 2009 aufzuheben und separat die Rückforderung der seither zu Unrecht bezogenen Leistungen zu verfügen (Urk. 9/92). Die Rückforderung bezifferte sie mit Vorbescheid
vom 3.
Oktober 2014 (Urk. 9/116 S.
2). Der Versicherte erhob Einwand (Urk. 9/93 und 9/96) und wies unter anderem auf die per Ende Oktober 2014 erfolgte Kündigung durch einen seiner drei Arbeitgeber hin (Urk. 9/98). Wie angekündigt hob die IV-Stelle die Rente sc
hliesslich mit Verfügung vom 2.
Februar 2015 rückwirkend per 1. Januar 2009 auf (Urk. 9/100) und verlangte mit Verfügung vom 10. Februar 2015 die Rückerstattung der zwischen 1. Januar 2009 und 30. September 2014 für den
Versicherten und seine zwei Kin
der ausbezahlten R
enten von insgesamt Fr. 87‘239.--
(Urk. 9/102 f.). Gegen beide Verfügungen erhob der Versic
herte Be
schwerde (U
rk. 9/105 S. 3 ff. und 9/106 S.
3 ff.). Mit Beschluss und Urteil vom 28. Oktober 2016 vereinigte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die beiden Verfahren unter der Prozess-Nr. IV.2015.00229 und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese nach weiter
en Abklärungen neu über den Ren
tenanspruch ab Januar 2009 sowie die Rückforderung ab Oktober 2009 verfüge (Urk. 9/116).
Die IV-Stelle holte einen aktuellen Auszug au
s dem individuellen Konto (Urk.
9/120) sowie Verlaufsberichte beim behandelnden Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Dr. med. Y._
(Urk. 9/123), und der Hausärztin des Ver
sicherten (Urk. 9/126) ein. Hernach gab sie ein psychiatrisches und neurologisches Gutachten in Auftrag (Urk. 9/128),
welches
am 1
4. September 2017 von der Z._
AG (nachfolgend:
Z._
) erstattet
wurde
(Urk. 9/141).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
ver
neinte die IV-Stelle am 30. November 2017 einen Leistungsanspruch
gegenüber der Invaliden
versiche
rung
(Urk. 9/149). Dieser Entscheid wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 28. Februar 2019 bestätigt (Urk. 9/166). Eine dagegen erhobene Be
schwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 22. August 2019 ab (Urk. 9/176).
1.4
Während laufendem Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht meldete sich der Beschwerdeführer am
19. Juni 2019 unter Hinweis auf eine Verschlimmerung der Kopfschmerzen sowie eine neu aufgetretene koronare
Eingefässerkrankung
er
neut
bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (Urk. 9/169)
. Diese tätigte medi
zi
nische (Urk. 9/178, 9/190, 9/199) sowie erwerbliche (Urk. 9/191) Abklärungen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte sie mit Verfügung vom
11.
März 2021 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenver
sicherung (Urk. 2 [= 9/202]).
2.
Dagegen erhob dieser mit Eingabe vom
26. April 2021 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf
zuheben und es sei ihm eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zuzu
sprechen. Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Juni 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2. Juli 2021 angezeigt wurde (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolge führenden Tatbestandes Geltung ha
ben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die ange
fochtene Verfügung vor dem 1. Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden (vgl. statt vieler: Urteile des Bun
desgerichts 8C_251/2022 vom 11. Juli 2022 E. 3.1 und 8C_804/2021 vom 1. Juni 2022 E. 2.2).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1
).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit E
rlass der letzten rentenverneinenden Verfügung nicht verschlechtert habe. Daher bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, im
Z._
-Gutachten, auf welches sich die IV-Stelle bei ihrem rentenverneinenden Entscheid gestützt habe, seien die Gutachter zum Schluss gekommen, seine Kopfschmerzen seien thera
pie
r
bar und würden ihn in der Arbeitsfähigkeit nicht einschränken. Inzwischen würden diese jedoch zwei- bis dreimal wöchentlich auftreten und seien nicht mehr therapie
r
bar. Er sei dadurch in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Zudem sei im Gutachten lediglich eine leichte depressive Episode diagnostiziert
worden
. Inzwischen leide er aber unter einer mittelgradigen depressiven Episode. Hinzu sei eine koronare
Eingefässerkrankung
gekommen. Sein Gesundheitszustand habe sich somit verschlechtert, weshalb er Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung habe (Urk. 1).
3.
3.1
Die IV-Stelle stützte sich bei Erlass der rentenverneinenden Verfügung vom 30. November 2017 auf das
Z._
-Gutachten vom 14. September 2017. In die
sem wurden als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) sowie eine somatoforme Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10: F45.6), diagnostiziert. Keine Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit wurde den Diagnosen
chronifizierter
Spanungskopfschmerz mit
migräniformen
Exazer
bationen und Migräne ohne Aura seit dem Sturz auf den Kopf im Jahr 1995 mit Zuziehen einer Commotio
cerebri beigemessen (Urk. 9/141 S.
27).
3
.2
Im neurologischen
Teilg
utachten wurde festgehalten, der Versicherte klage dar
über, seit dem Sturz auf den Kopf im Jahr 1995 unter Kopfschmerzen zu leiden. Die Schmerzen würden meistens auf Scheitelhöhe beginnen, genau an der Stelle, an der er verletzt gewesen sei. Dann würden sie sich im ganzen Kopf ausbreiten. Wenn
die Schmerzen
unerträglich würden, müsse er sich hinlegen oder schlafen gehen. Seit dem Unfall habe er im linken Ohr auch einen Tinnitus. Bei Wetter
wechsel und Nervosität sei er anfälliger für Kopfschmerzen.
Es würden etwa vier bis fünf Attacken im Monat auftreten, in ganz schlechten Zeiten auch Mal zwei bis drei pro Woche. Bei sehr starken Schmerzen hab
e
er auch ein Augenflimmern (Urk. 9/141 S. 57).
Der Versicherte habe im J
ahr 1995 bei einem Sturz aus 3 Metern
Höhe in eine Mulde eine Commotio cerebri und eine Rissquetschwunde links parietal erlitten. Dr.
A._
habe hierzu im April 2005 festgehalten, der Versicherte sei damals vier Wochen arbeitsunfähig gewesen und leide seither unter häufigen Kopfschmerz
attacken. Es sei eine posttraumatische Migräne ohne Aura d
iagnostiziert worden. Auffal
lend sei jedoch, dass diese Problematik während vielen Jahren im Dossier nicht erwähnt werde und der Versicherte dana
ch nie wieder neurologisch abge
klärt oder in einer Schmerzsprechstunde behandelt worden sei. Soweit sich dies retrospektiv festhalten lasse, hätten die posttra
umatisch aufgetretenen Kopf
schmer
zen über viele Jahre per se nie zu einer Arbeitsunf
ähigkeit geführt (Urk.
9/141 S.
60).
Diagnostisch dürfte es sich um ein gemischtes Bild handeln. Zum Teil würden Spannungskopfschmerzen auftreten, teilweise mit
migräniformem
Einschlag, und z
eitweise dürfte es sich um Migräneattacken ohne Aura handeln. Zurzeit bestehe eine Häufigkeit von vier bis fünf wahrscheinlichen Migräneattacken im Monat, die mit einem
Triptane
und Bettruhe
coupiert
werden könnten. Da es sich hierbei um ein anfallsartig auftretendes Leiden handle, bestehe keine dauernde, sondern
nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit während der Attacken. Die Kopf
schmerzsymptomatik müsse sodann im Gesamtkontext gesehen werden. Sie dürfte sich seit Auftreten der psychischen Probleme und dem massiven Rückzug, seit der Versicherte alleine lebe, verschlechtert haben (Urk. 9/141 S. 61).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, aus rein neurologischer Sicht könne der Versicherte sämtliche Arbeiten verrichten. Die Migräne würde keine dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen, er sei lediglich während der Attacken arbeitsunfähig (Urk. 9/141 S. 61).
3.3
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde festgehalten, der Versicherte
klage
über häufig auftretende Kopfschmerzen. Diese seien für ihn das Schlimmste. Darüber hinaus leide er seit Längerem unter schlechter Stimmung, habe keine Lust nach draussen zu gehen und sei oft gereizt. Die schwierige finanzielle Situation sowie der Ärger mit der Invalidenversicherung würden ihn belasten (Urk. 9/141 S.
44-45).
Der Versicherte sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Ein tragfähiger Kon
takt sei rasch herstellbar
und könne durchgehend aufrecht
erhalten werden. Die Auffassung sei nicht erschwert, die Konzentration nicht beeinträchtigt. Hinweise für intellektuelle Defizite lägen nicht vor. Merkfähigkeit sowie Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis würden unbeeinträchtigt erscheinen (Urk. 9/141
S.
48).
Beim Versicherten stehe die Kopfschmerzsymptomatik im Vordergrund.
Aus psy
chiatrischer Sicht werde eingeschätzt, dass bei deutlich erkennbaren psychosozi
alen Belastungsfaktoren (Streichung der Rente, finanzielle Probleme, Eheschei
dung) eine psychogene Überlagerung im Sinne einer somatoformen Schmerz
störung nach ICD-10: F45.9 vorliege. Diese sei mässig ausgeprägt und erreiche nicht den Schwer
egrad einer anhaltenden Schmerz
störung i
m Sinne von ICD-10: F45.4 (Urk.
9/141
S.
50
).
Vom Versicherten werde des Weiteren eine affektive Störung beschrieben. Er schildere, erstmals Ende der 90er-Jahre, nachdem er aufgrund einer Zement
-
allergie seinen Beruf als Maurer nicht mehr habe ausüben können, in eine Depression geraten zu sein, die spätestens im Jahr 2008 abgeklungen sei. Aus heutiger Sicht werde eingeschätzt, dass etwa ab dem Jahr 2008 zunächst mit ganz überwiegender Wahrscheinlichkeit über längere Zeit keine depressive Symptoma
tik mehr vorgelegen habe. Die psychische Situation des Beschwerdeführers habe sich indes verschlechtert, nachdem ihm mit Vorbescheid vom 23. September 2014 die Aufhebung der Rente mitgeteilt worden sei. Aufgrund der erheblichen finan
ziellen Belastung habe sich zunehmend eine depressive Symptomatik entwickelt.
Es ergebe sich das Bild einer leichten depressiven Episode. Gegen eine mittelgra
dige depressive Episode spreche das doch relativ hohe
Aktivitätenniveau
im be
ruflichen Bereich. An einzelnen Tagen sei der Beschwerdeführer bis zu acht Stun
den tätig. Darüber hinaus gehe er noch vielen positiv besetzten Aktivitäten nach, interessiere sich für Sport, Filme etc. Auch würden sich keine Symptome finden, die für stärker ausgeprägte Depressionen typisch seien, wie ein reduziertes Selbst
vertrauen, Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe. Im Gegenteil werfe er der Invali
denversicherung deren Entscheide vor und spiele den eigenen Anteil an der ein
getretenen Entw
icklung herunter (Urk. 9/141 S.
50-51).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, aus psychiatrischer Sicht liege ab unge
fähr September 2014 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
ca.
20
% vor (Urk. 9/141 S. 54).
3.4
Im interdisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass aus rein neurolo
gischer und psychiatrischer Sicht sowohl in der Tätigkeit als Maurer als auch einer leidensadaptierten Tätigkeit seit September 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 80 % vorliege. Konkret vermieden werden sol
lten emotional belastende Tä
tig
keiten sowie Tätigkeiten mit besonderem Zeitdruc
k, ansonsten sei das Belas
tungs
profil nicht eingeschränkt. Ferner komme, soweit aus der Aktenlage ersicht
lich, die Tätigkeit als Maurer aus nicht-psychiatrischen und nicht-neurologischen Gründen (Zementallergie)
nic
ht mehr in Frage (Urk. 9/141 S.
30). Der Beschwer
de
führer selbst sehe sich zu einer beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50 bis 60
% in der Lage, was jedoch etwas diskrepant zu den
Aktivitätenniveaus
in den Bereichen Freizeit und
Haushalt erscheine (Urk.
9/141 S.
37).
4.
4.1
Im Rahmen der Neuanmeldung legte der Versicherte einen Bericht des Universi
tätsspitals B._
, Klinik für Neurologie,
vom 20. Mai 2019 auf. In diesem werden folgende Diagnosen genannt (Urk. 9/168 S.
1-2):
-
Migräne ohne Aura, EM 1999
-
aktuell: seit mehr als 4 Jahren 2-3 Mal wöchentlich pulsierender fron
taler Schmerz mit Licht- und Lärmempfindlichkeit bei NRS 7
-
Status nach Paracetamol-Übergebrauchskopfschmerz, ED 09/2018
-
Persistierender Kopfschmerz in Verbindung mit mildem Kopftrauma, EM
1995
-
Koronare
Eingefässerkrankung
Der Patient habe sich im Rahmen einer Verlaufskontrolle vorgestellt. Es habe sich keine deutliche Besserung der Kopfschmerzfrequenz bei 20 Kopfschmerztagen im
Monat gezeigt. Weiterhin spreche er gut auf die Akuttherapie mit Paracetamol und
Eletriptan
an. Sollte sich keine Besserung der Kopfschmerzfrequenz zeigen, könnte ein Kostengutsprachegesuch für den neu zugelassenen C GRP-Rezeptor Antikörper
Erenumab
gestellt werden. Es sei eine Kontrolle in 3-4 Monaten geplant
(Urk. 9/168 S. 3-4).
4.2
Im Verlaufsbericht des Spitals
C._
vom 4. Juni 2020 wurden folgende Diagno
sen aufgeführt (Urk. 9/190 S. 11):
-
Koronare
Eingefässerkrankung
, ED 4/2019
-
Migräne, ED unklar
-
Makrozytäres
Blutbild, ED 23.4.2019
-
Schädlicher Alkoholkonsum, ED unklar
-
Dilatation der
Arteria
ascendens
, ED 23.4.2019
Der Patient präsentiere sich kardiopulmonal kompensiert und i
n gutem Allge
meinzustand. Echoka
rdiographisch zeige sich das Aneurysma der Aorta
ascen
dens
unverändert auf 4,8 cm und eine Ektasie der
Aortenwurzel
auf 4,2 cm. Er habe in der Ergometrie durchschnittliche 136 Watt geleistet, was 84,5% vom Soll entspreche. Bei insgesamt durchschnittlicher Leistung hätten sich weder subjektiv noch objektiv Hinweis
e
für eine belastungsinduzierte koronare Ischämie
gezeigt
. Es werde empfohlen, von grossen isometrischen Anstrengungen wie Gewichthe
ben oder dem regelmässigen Heben schwerer Lasten abzusehen
(Urk. 9/190 S. 12).
4.3
Im Bericht der
Hausärztin, Dr. D._
, Fachärztin FMH für Innere Medi
zin, vom 23. Oktober 2020, wurde festgehalten, der Versicherte habe
am 20.
April 2019 einen Herzinfarkt erlitten.
Seither fühle er sich einerseits innerlich unruhi
ger, andererseits körperlich rascher erschöpft. Im Rahmen der kardiologischen Abklärungen sei ein
Aortenaneurysma
diagnostiziert worden, welches regelmäs
siger Kontrollen bedürfe. Der Versicherte müsse höhere isometrische Belastungen vermeiden (Urk. 9/190 S. 3).
Zur Arbeitsfähigkeit führte sie aus, er sei seit Jahren eingeschränkt, insgesamt unverändert zu 50
%. Sie gehe davon aus, dass die maximale Belastbarkeit er
reicht sei und nicht weiter gesteigert werden könne. Im Rahmen der koronaren Herzkrankheit sei seine körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Zudem müsse er grössere, insbesondere isometrische Belastungen aufgrund des Aneurys
mas vermeiden (Urk. 9/190 S. 4).
4.4
Im Bericht des behandelnden Psychiaters vom 13. Januar 2021 werden als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie eine koronare
Eingefässerkrankung
(ED 04/2019) genannt (Urk. 9/199 S. 3).
Der Versicherte befinde sich seit dem Jahr 2003 in seiner Behandlung, wobei ungefähr monatliche Konsultationen erfolgen würden.
Er schätze ihn für leichte Tätigkeiten als zu 50
%-60
% arbeitsfähig (Urk. 9/199 S. 2).
5.
Der Beschwerdeführer macht geltend, gestützt auf diese Berichte sei erstellt, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe. So würden ihn die Kopf
schmerzen nun in seiner Arbeitsfähigkeit einschränken, hinzu komme eine Ein
schränkung durch die koronare
Eingefässerkrankung
und zudem leide er neu an einer mittelgradigen
depressiven Episode (Urk. 1 S.
5).
Zwar ist dem Beschwerdeführer insoweit beizupflichten, als bei ihm
im Jahr 2019
neu
eine koronare
Eingefässerkrankung
diagnostiziert wurde. Indes geht aus den Berichten des Spitals
C._
hervor, dass diese lediglich vorübergehend zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führte. So hielt die Kardiologin
am
8.
Mai 2019 fest, der Patient werde aufgrund des Infarktes vom 20. April 2019 für eine ambulante kardiale Rehabilitation angemeldet. Da er körperlich schwer arbeite, werde ihm ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis bis am 30. Juli
2019 ausgestellt (Urk. 9/190 S.
24). Bereits am 11. Juni 2019 vermerkte sie, der Patient
berichte
über eine deutliche Besserung und habe
seine Arbeit
wi
eder aufgenommen
(Urk. 9/190 S.
22).
Am
15. Oktober 2019 wurde festgehalten, der Patient präsen
tiere sich kardiopulmonal kompensiert (Urk. 9/190 S. 19). Auch in der Verlaufs
kontrolle vom 4. Juni 2020 wurde von einer kardiopulmonalen Kompensation berichtet
(Urk. 9/190 S. 12).
In beiden Berichten wurde – trotz schwerer körperli
cher Arbeit des Versicherten – keine Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Anhand der Berichte lässt sich daher lediglich eine vorübergehende Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes nachvollziehen
.
Hinsichtlich der geltend gemachten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die Kopfschmerzen ist darauf hinzuweisen, dass
aus dem Bericht des Universitätsspi
tals B._
vom 20. Mai 2019 hervorgeht, dass diesbezüglich keine Änderung eingetreten ist. So wurde explizit festgehalten, die Migräne würde seit mehr als vier Jahren zwei- bis dreimal wöche
ntlich auftreten (Urk. 9/168 S.
1). Der Versi
cherte hatte denn auch im Rahmen der
Z._
-Begutachtung angegeben, die Kopfschmerzen seien das Schlimmste
, woran er leide (Urk. 9/141 S.
34), er erachte sich aufgrund dieser
lediglich
als zu 50
%-60
% arbeitsfähig (Urk. 9/141 S.
48)
.
Die von ihm nun geltend gemachte Einschränkung bestand seiner Ansicht nach
demnach bereits vor Erlass der rente
nverneinenden Verfügung vom 30.
Novem
ber 2017, was für einen stationären Gesundheitszustand spricht.
Auch bezüglich der
depressiven Symptomatik
mangelt es an einer Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes
. Zwar wird im Bericht
des
behandelnden
Psychiaters eine mittelgradige depressive Episode genannt (Urk. 9/199 S. 3). Indes hatte dieser bereits im Februar 2017 von einer mittelgradigen agitiert-depressiven Epi
sode berichtet, die zu einer Einschränk
ung der Arbeitsfähigkeit von 50
% führe (Urk. 9/123 S. 1 und 3).
Die Berichte lassen daher auf einen gleich gebliebenen Gesundheitszustand schliessen, was sich auch in der seit Jahren unveränderten
Behand
l
ungsfrequenz
zeigt
(Urk. 9/123 S.
3, U
rk. 6/199 S.
2)
.
Anhand der Berichte ist nach dem Gesagten mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten rentenverneinen
den Verfügung vom 30. November 2017 nicht wesentlich verändert hat. Weitere medizinische Abklärungen erscheinen bei dieser Aktenlage nicht notwendig (an
tizipierte Beweiswürdigung;
BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3 je mit Hin
weisen
). Die angefochtene Verfügung ist nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) s
ind auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen.