Decision ID: 9d61e6d9-2ed6-4244-9091-244b9734ad2e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war
seit 2002
bei der Y._
AG als Vorarbeiter Landschaftsgärtner tätig und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Am
8.
Dezember 2020 wurde der Suva angezeigt, dass der Versicherte am
2.
Dezember 2020 mit einer Steinplatte in der Hand auf rutschigem Grund ausgerutscht sei. Er sei nicht gestürzt, habe sich aber durch die ruckartige Bewegung eine Verletzung (ähnlich einer Zerrung) im Schulter-/Nackenbereich zugezogen. In den nachfolgenden Tagen habe sich der Schmerz verstärkt, so dass er am
7.
Dezember 2020 die Arbeit ausgesetzt und einen Arzt aufgesucht habe (
Schadenmeldung UVG vom
8.
Dezember 2020,
Urk.
7/1). Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (
Urk.
7/3).
Die erstbehandelnde
dipl.
Ärztin
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
hielt als morphologisches Schadens
bild einen Verdacht auf Läsion Schulter rechts sowie eine
Radikulopathie
C7/8 fest (Bericht vom 1
0.
März 2021,
Urk.
7/27).
Mit Schreiben vom 2
8.
April 2021 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallkausal seien. Die Kostenübernahme für die Operation vom 1
1.
Mai 2021 werde entsprechend abgelehnt und die Leistungen
würden
per 1
0.
Mai 2021 eingestellt (
Urk.
7/52).
Nachdem die Suva weitere insbesondere medizinische Abklärungen getätigt hatte
,
hielt sie mit Verfügung vom
8.
Juli 2021 an der Einstellung der Leistungen per 1
0.
Mai 2021 fest (
Urk.
7/78).
Nach
dem der Versicherte am 2
3.
August 2021 hiergegen Einsprache erhoben hatte (
Urk.
7/88; ergänzende
Einsprachebegründung
vom 1
4.
September 2021,
Urk.
7/93)
,
änderte die Suva die angefochtene Verfügung mit
Einspracheent
scheid
vom 2
9.
September 2021 dahingehend, dass der Versicherte bis zum
2.
Juni 2021 Anspruch auf die
gesetzlichen Leistungen habe
. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (
Urk.
7/94 =
Urk.
2). Mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2021 zog die Suva die Verfügung vom
8.
Juli 2021 zurück und teilte dem Versicherten mit, dass sie bis zum
2.
Juni 2021 die gesetzlichen
Leistungen erbringen werde
(
Urk.
7/96).
2.
Der Versicherte erhob am
5.
Oktober 2021 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom 2
9.
September 2021 und beantragte, es sei der
Einspracheentscheid
aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen au
ch über den
2.
Juni 2021 hinaus zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zwecks Einholung eines neurochirurgischen und radiologischen Gutachtens sowie nochmaliger Entschei
dung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeant
wort vom 1
2.
November 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-100), worüber der Beschwerdeführer am 2
2.
November 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die
Beschwerdegegnerin
hielt
dafür
(
Urk.
2 und
Urk.
6)
, dass die Einschätzung der Versicherungsmedizinerin med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Anästhesie, schlüssig und nachvollziehbar sei. Die Ausführungen von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Neurochirurgie
, könnten ihre Ausführungen nicht entkräften und würden eine richtungsgebende Verschl
immerung nicht überwiegend wahr
schein
lich erscheinen lassen. Des Weiteren sei festzuhalten, dass die Versicherungs
mediziner der Suva gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach ihrer Funktion und beruflichen Stellung Fachärzte im Bereich der Unfallmedizin seien. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilten und therapeutisch begleiteten, verfügten sie über besonders ausgeprägte
traumatologische
Kenntnisse und Erfahrungen, unabhängig von ihrem ursprünglich erworbenen Facharzttitel. Dies treffe auch bei med.
pract
.
A._
zu, welche über eine ausserordentlich breite Erfahrung als Versicherungsmediziner
in
verfüge.
So
mit sei überwi
egend wahr
scheinlich, dass das Ereignis vom
2.
Dezember 2010 nicht mehr Ursache des Gesundheitsschadens gewesen sei, wie er sich sechs Monate nach dem Ereignis gezeigt habe. Die danach bestehenden Beschwerden seien ausschliesslich krank
heitsbedingt.
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor (
Urk.
1),
dass die Diskushernie unbestritten vorbestehend sei. Die
Radikulopathie
sei jedoch durch das Unfall
ereignis verursacht worden im Sinne einer anhaltenden vorübergehenden Verschlimmerung. Die
Radikulopathie
gründe auf einer strukturellen Ursache, die neu sei und die
se
Nervenreizung/-schädigung habe die Operation zur Folge gehabt
. D
ie Leistungen seien entsprechend auch für die Operation und die anschliessende Rehabilitation zu gewähren. Darüber hinaus verfüge die Versiche
rungsmedizinerin als Fachärztin für Anästhesie über keine fundierte
n
Kenntnisse in der Neurochirurgie, was an ihrer Einschätzung zweifeln lasse.
2.
2.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
-
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die
Versicherungsleistungen bei Be
rufs
unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt.
2.2
2.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.2.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen
jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesund
heitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinwei
sen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
2.2.3
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2016 vom 18. April 2016 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärun
gen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen folgendermassen dar:
3.1
Die Erstbehandlung fand bei
dipl.
Ärztin
Z._
statt.
Diese
erhob einen Verdacht auf eine Schulterläsion rechts sowie eine
Radikulopathie
C7/8 rechts (
Urk.
7/27
; vgl. auch
Urk.
7/67
).
Sie
überwies den Beschwerdeführer
in der Folge
ans Spital C._
,
wo am 1
1.
Dezember 2020 die Schulter mittels Ultraschall untersucht wurde. Die behandelnden Ärzte notierten einen Verdacht auf intersti
tielle Läsion am
Footprint
der
Supraspinatussehne
sowie diskret Flüssigkeit in der Bursa
subacromialis
/
subdeltoidea
passend zu milder Bursitis (
Urk.
7/17).
3.2
Am 2
0.
Januar 2021 fand die Erstkonsultation in der Schulter-S
prech
stunde der Universität
sklinik
D._
statt. Die behandelnden Ärzte konstatierten, dass hinsichtlich der Schulterproblematik rechts klinisch eine
Rotatorenmanschetten
läsion
nicht sicher auszuschliessen sei, weswegen sie in einem nächsten Schritt ein
Arthro
-MRI der rechten Schulter durchführen liessen und den Beschwerde
führer dann erneut beurteilen würden. Die Schmerzen im Bereich des Margo
medialis
scapulae
und bei Halswirbelsäulen(HWS)-Rotation/-Kompression sprächen eher für eine
Radikulopathie
zervikaler Genese, weswegen sie auch hier weiterführend mittels Röntgen und MRI ab
k
lären würden. Danach werde sich der Beschwerdeführer in der Sprechstunde von
Dr.
E._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie,
vorstellen (
Urk.
7/15).
3.3
Nachdem am 1
9.
Februar 2021 die bildgebenden Untersuchungen der HWS sowie der rechten Schulter durchgeführt worden waren (vgl.
Urk.
7/20)
, wurde der Beschwerdeführer in der Schultersprechstunde vorstellig, an welcher auch
Dr.
E._
teilnahm (Bericht vom 1
9.
Februar 2021,
Urk.
7/21). Im Rahmen dessen hielten die Ärzte fest, dass primär eine schmerzhafte sensorische
Radikulopathie
C7 rechts bei
breitbasiger
Discusprotrusion
bestehe. Sie würden in einem nächsten Schritt eine Nervenwurzelblockade C7 durchführen und den Beschwerdeführer in vier Wochen verlaufskontrollieren. Sollten über den Verlauf Schulterschmerzen persistieren, wäre am ehesten an eine
Bicepsproblematik
zu denken, es solle bei Bedarf dann eine Wiederzuweisung erfolgen.
3.4
Es erfolgte eine Wiederzuweisung zur Schultersprechstunde
,
wo der Beschwerde
führer am 2
6.
März 2021 untersucht wurde. Die behandelnden Ärzte konstatier
ten, dass er in der diagnostischen Phase nicht relevant von der durchgeführten Infiltration habe profitieren können. Zudem zeige sich eine
derm
a
tomunspezi
fische
Hypästhesie der gesamten rechten Hand. Sie möchten daher eine neurophysiologische Befundobjektivierung hinsichtlich einer
floriden
Radikulo
pathie
C7 rechts durch die Neurologie anstreben. Sie hätten Chiropraktik verordnet und es sei eine klinische Verlaufskontrolle bei vorliegenden neurophy
siologischen Befunden vorgesehen (
Urk.
7/32).
3.5
Am 2
9.
März 2021 nahm med.
pract
.
A._
erstmals Stellung. Sie konstatierte, dass der Unfall zu keinen strukturellen Läsionen der HWS und der Schulter rechts geführt hätten. Die Schulter sei unverändert im Vergleich mit dem MRI von 201
6.
Zur Beantwortung der Frage, ob die Unfallfolgen überwiegend wahrscheinlich noch eine Rolle spielten
,
sei die neurologische Untersuchung abzuwarten (
Urk.
7/33/3).
3.6
Am 2
2.
April 2021 fand eine neurologische und neurophysiologische Unter
suchung statt.
Prof.
Dr.
med. F._
, Facharzt für Neurologie, konstatierte, dass sich klinisch-neurologisch ein eher unklares
zervikobrachiales
Schmerzsyn
drom beidseits zeige. In der neurophysiologischen Untersuchung lasse sich jedoch eine
Teilradikulopathie
C7 sensibel und motorisch rechts nachweisen (
Urk.
7/41).
Im A
nschluss daran h
ie
l
ten die behandelnden Ärzte des Wirbelsäulenzentrums der Universitätsklinik
D._
folgende Diagnose fest (
Urk.
7/72):
Schmerzhaft
-
sensorische
Radikulopathie
C7 rechts
-
Neuroforamenstenose
C6/7 rechts mehr als links
-
breitbasige
Diskusprotrusion
C6/7
Bei unkontrollierten Schmerzen und ausgeschöpften konservativen Therapie
massnahmen hätten sie die Operation im Sinne einer ACDF C6/7 besprochen. Eine Diskusprothese sei bei bereits leichtgradigen Veränderungen der Facettengelenke keine sinnvolle Option (
Urk.
7/72).
Am 2
6.
Mai 2021 erfolgte die Rückenoperation in der Universitätsklinik
D._
(
Urk.
7/62).
3.7
Kreisärztin med.
pract
.
A._
nahm am
5.
Juli 2021 erneut Stellung. Sie führte - nach ausführlicher Zusammenfassung der medizinischen
Vorakten
- folgendes aus
(
Urk.
7/75/5)
:
Eine sensomotorische C7-Symptomatik mit Ausstrahlung bis in die Finger
sei im Dezem
ber weder durch Hausarzt noch im Januar bei der Untersuchung in
der
Universitätsklinik
D._
(Bericht vom 20.01.2021) dokumentiert
worden
. Zudem
sei
di
e Erstuntersuchung erst nach ei
ner Woche (die Arbeitsunfähigkeit wurde ab dem 7.12.2020 attestiert)
erfolgt
, was gegen einen traumatis
chen Band
scheibenvorfall spreche
, welcher in der Regel zu einer starken lokalen Schmerzsymptomatik und schmer
zhaften Funktionsstörungen führe, wodurch es zur raschen Inanspru
chnahme medizinischer Hilfe und Arbeitsunfähigkeit
komme
.
MR-
tomographisch zeig
t
en sich keine Begleitverletzung, sondern fortgeschrittene degenerative Veränderungen. Unfallbedingte Bandscheibenverletzungen setzten ein heftiges adäquates Trauma voraus, dabei
entstünden
im betroffenen Segment begleitende knöcherne oder Bandverletzungen.
Aufgrund der fehlenden knöchernen und/oder
ligamentär
en
Verletzungen im MRI und zeit
na
h nicht dokumentierten neurologischen Ausfällen sei
die
MR-tomographisch diagnostizierte
Diskusprotrusion
C6/7 nicht mit überwiegen
d
er Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis
vom
2.
Dezember 2020 zurück
zufüh
ren. Es handle
sich um eine vo
rübergehende Verschlimmerung ei
nes zu dem Zeitpunkt klinisch stummen degenerativen Vorzustandes der HWS. Die Folgen des Unfal
lereignisses seien
nach maximal 6 Monaten abgeheilt.
Die du
rchgeführte Operation vom 2
6.
Mai 2021 sei auch nicht auf einen der Suva-
Vorschäden zurückzuführen. In den vorliegenden Schadenfällen 23.65501.19.2, 23.41616.18.5
, 23.42929.16.0, 15.50762.11.7 sei
eine Verletzung der HWS nicht dokumentiert.
3.8
I
n der Verlaufskontrolle 6 Wochen
postoperativ am
8.
Juli 2021 notierten die behandelnden Ärzte des Wirbelsäulenzentrums, dass der Beschwerdeführer noch an
stadiengerecht
fortbestehenden zervikalen Nackenbeschwerden leide. Die
radikulären
Schmerzen seien jedoch vollständig
regredient
. Radiologisch zeige sich eine allenfalls leichte Sinterung in die Deckplatte C
7.
Er sei umfassend über die Mobilisation und Belastung der Wirbelsäule aufgeklärt worden und Physio
therapie
sei verordnet worden (
Urk.
7/80).
3.9
Im Auftrag des Beschwerdeführers nahm
Dr.
med.
B._
, Facharzt
für Neurochirurgie, am 1
0.
September 2021 ausführlich Stellung zur medi
zinischen Situation zuhanden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (
Urk.
7/93/10 ff.). Er hielt in Bezug auf die Beurteilung von med.
pract
.
A._
fest
(
Urk.
7/93/15 f.)
, dass
bei
cervikalen
Diskushern
ien mit Wurzelkompression k
eine Beschwerdesymptomatik im Arm zu fordern
sei
. Für die Nervenwurzeln
der oberen Halswirbelsäule gelte
dies
ohnehin nicht und bei C
5
sei
die Beschwerde
ausstrahlung zur Schulter klassisch und der M.
deltoideus
der Kennmuskel. Aber auch b
ei den unteren Nervenwurzeln sei
die Symptomatik bis weit in den Arm
nicht
zwingend. Es gebe
eine Dunkelzi
ffer, wie viele Patienten mit C
7
-
Syndrom links auf dem
Herzkathetertisch
eines Kardiol
ogen lande
ten, weil man denke
, es handle sich um einen frisc
hen Herzinfarkt. Anderseits gebe
es klassische Schon
haltungen, wie
das L
egen des Armes über den Kopf, was zur
radikulä
ren
Beschwerdefreiheit führen kö
nn
e
.
Entscheidend sei
, dass Rotationsbewegungen der Halswirbelsäule schmerzauslösend s
eien
. Genau dies
sei beim Beschwerde
führer
der Fall
gewesen
.
Die Rotation der Halswirbelsäule nach rechts habe
zu Beschwerden
geführt
- typisch für ein rechtsseitiges Wurzelkompressions
syndrom. Dennoch
habe k
eine
traumatische Diskushernie C6/7 rechts
vorgelegen
,
was
absolut unstrittig
sei
. Die Kreisärztin ha
be
Recht, wenn sie die Verschlimme
rung eines bis dahin stummen klinischen Vorz
ustandes degenerativer Art annehme. Darüber bestehe
ebenfalls völlige Einigkeit.
Die entscheidende Frage sei
aber, ob es sich um eine vor
übergehende Verschlim
merung des bis da
to stummen Vorzustandes handle oder um eine r
ichtung
s
gebende Verschlimmerung. In
der
ausführlicheren Stellungnahme
vom Juli habe
die Kreisärztin diese entscheidende
Frage nicht erörtert. Es finde
sich nur ziemlich am Schluss auf Seite 5 die lapidare Feststellung
,
es sei eine vorübergehende Verschlimmerung
-
ohne jegliche Begründung für diese Annahme. Die Kreisärztin n
ehme
an, dass in der Nacht vom
2.
auf
3.
Mai 2021 um 0 Uhr und 0 Sekunden ein Status quo sine eingetreten sei und
die Suva deshalb nicht mehr leistungs
pflichtig sei für
die Operation vom 2
6.
Mai 202
1.
Im vorliegenden Fall hätten
sic
h durch das Unfallereignis vom
2.
Dezember
2020 bis dato klinisch stumme degenerative Veränderungen ak
tiviert. Diese Aktivie
rung habe
einen progredienten Charakter, welcher schlussendlich zur Operation
geführt habe
. Eine Arbeitsfähigkeit
sei
mit konservativen Massnahmen nicht zu erreichen
gewesen
. Damit
sei eine r
ichtung
s
gebende Verschlimmerung
zu bejahen
. Inwieweit man dann eine Unfallteilkausalität oder eine volle Unfallkau
salität a
nnehmen wo
ll
e
,
sei
eine versicherungsrechtliche F
rage. Aus medizi
nischer Sicht sei eine r
ichtung
s
gebende Verschlimmerung eines bis dato stummen vorbestehenden Leidens
jedenfalls erwiesen. Das Unfall
ereignis
habe
zu Beschwerden seitens der Halswirbelsäule
geführt
, welche konservativ nicht zu beherrschen
gewesen seien
und geradewegs zur Operation
ge
führt
hätt
en. Das Unfallereignis vom
2.
Dezember 2020 kö
nn
e
also nicht „weggedacht" werden bei der Einschätzung des
Eingriffs vom 2
6.
Mai
202
1.
Aus sich selbst heraus
habe
keine Eigendynamik
bestanden
, welche einen Eingriff an der Halswirbelsäule hätte befürchten oder erwarten lasse
n. Ohne das Unfallereignis vom
2.
Dezember
2020 hätte es
die Operation vom 2
6.
Mai
2021 mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nicht gegeben.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistun
gen zu Recht 6 Monate nach Ereignisdatum auf den
2.
Juni 2021 einstellte bzw. ob die vom Beschwerdeführer nach wie vor geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Ereignis vom
2.
Dezember 2020 stehen.
4.2
4.2.1
Der angefochtene
Einspracheentscheid
basiert massgeblich auf der Beurteilung von med.
pract
.
A._
(vgl. E.
3.7
), die entgegen der Ansicht des
Beschwer
deführers aufgrund ihrer Funktion und beruflichen Stellung bei der Suva als Fachärztin im Bereich der Unfallmedizin anzusehen ist und unabhängig von ihrem ursprünglich erworbenen Facharzttitel über besonders ausgeprägte
traumatologische
Kenntnisse und Erfahrungen für die Beurteilung des streitigen Leidens verfügt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_510/2007 vom 3. Oktober 2008 E. 7.5.4, Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2019 vom 24. Oktober 2019
E. 5.
4). Sie berücksichtigte sämtliche medizinische
Vorakten
einschliesslich
der
Bilder und setzte sich dabei ausführlich mit den radiologisch erhobenen Befunden auseinander. In
ihrer
Beurteilung hielt
Kreisärztin
A._
fest,
dass aufgrund der fehlenden knöchernen und/oder
ligamentären
Verletzungen im MRI und zeitnah nicht dokumentierter neurologischer Ausfälle die MR-tomographisch diagnostizierte
Diskusprotrusion
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom
2.
Dezember 2020 zurückzuführen sei. Es handle sich um eine vorübergehende Verschlimmerung eines zu dem Zeitpunkt klinisch stummen degenerativen Vorzustandes der HWS. Die Folgen des Ereignisses vom
2.
Dezem
ber 2020 seien nach maximal sechs Monaten abgeheilt (vgl. E.
3.7;
Urk.
7/75).
4.2.2
Der Beschwerdeführer führte aus, dass neu eine Sequestrierung der Bandscheibe vorliege - dieser Befund habe vorher allerdings nicht vorgelegen, womit klar eine richtungsgebende strukturelle Verschlimmerung vorliege (
Urk.
1 S. 5).
Allerdings sind sich
Dr.
B._
und
med.
pract
.
A._
dahingehend einig, dass keine
unfallkausalen strukturellen Veränderungen
vorliegen
- so konstatierte insbesondere
Dr.
B._
, dass es sich vorliegend um eine (progrediente) Verschlimmerung eines stummen Vorzustandes handelte (
Urk.
7/93/16).
4.2.3
Des Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor,
dass die
Radikulopathie
durch das Unfallereignis verursacht worden sei im Sinne einer anhaltenden vorüber
gehenden Verschlimmerung (
Urk.
1 S. 7).
Die Nervenwurzel C7 rechts sei stark eingeklemmt, eine Beschwerdefreiheit bei einer derart körperlichen Arbeit wäre
undenkbar gewesen - der Befund der
Radikulopathie
sei damit als neu und klar unfallkausal zu werten (
Urk.
1 S. 10).
Dem ist entgegenzuhalten, dass am
8.
Dezember 2020 anlässlich der Erstunter
suchung keine
Radikulopathie
oder Befunde, welche auf eine solche schliessen würden,
erhoben wurde
n
- bezüglich der HWS wurden lediglich «HWS-Verspannungen» notiert
.
Am
4.
Januar 2021 notierte
dipl.
Ärztin
Z._
erstmals, dass fraglich sei, ob die Beschwerden teilweise von der HWS kommen könnten (
Urk.
7/67).
Die
Radikulopathie
wurde von
dipl.
Ärztin
Z._
erst
in
ihrem
Bericht vom 2
0.
März 2021 - mithin drei Monate
nach Ereignis
und nach abgeschlossener Diagnostik - über die Erstbehandlung notiert (vgl.
Urk.
7/27).
Erst anlässlich der Erstvorstellung im
D._
wurde - soweit aus den Akten ersichtlich - ein umfassender Befund bezüglich HWS erhoben und ein Verdacht auf eine
Radikulopathie
C7/8 erhoben, so dass im A
nschluss
eine
weitergeh
ende (bildgebende) Diagnostik erfolgte (
Urk.
7/15).
4.2.4
Dr.
B._
stimmt
darüber hinaus
der Kreisärztin med.
pract
.
A._
dahingehend zu, dass keine traumatische Diskushernie vorliege - dies sei unstrit
tig. Allerdings seien durch das Unfallereignis vom
2.
Dezember 2020 bis anhin klinische stumme degenerative Veränderungen aktiviert worden - dies habe einen progredienten Charakter gehabt, welcher zur Operation geführt habe. Ohne das Unfallereignis hätte es die Operation vom 2
6.
Mai 2021 mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nicht gegeben (vgl. E. 3.9,
Urk.
7/93/16).
Nach der Rechtsprechung ist bei Diskushernien, die bei stummem degenerativen
Vorzustand durch den Unfall nur
aktiviert, nicht aber verursacht worden sind, von einer vorübergehenden Verschlimmerung auszugehen, die bei einer Prellung, Verstauchung oder Zerrung nach sechs bis neun Monaten und bei Vorliegen eines erheblich degenerativen Vorzustandes spätestens nach einem Jahr als abgeschlos
sen zu betrachten ist (Urteil 8C_774/2020 des Bundesgerichts vom 1
9.
Februar 2021, E. 2.3). Vorliegend lag kein erheblich degenerativer Vorzustand vor. Über
dies traten die Symptome nicht unmittelbar nach dem auslösenden Ereignis, sondern erst Tage später auf. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer vorübergehenden, nach sechs Monaten abge
schlossenen Verschlimmerung ausgegangen ist.
4.3
Zusammenfassend vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers und der Bericht von
Dr.
B._
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Stellungnahme von med.
pract
.
A._
keine auch nur geringen Zweifel zu wecken.
Es
ist
somit
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichk
eit davon auszugehen,
dass
es sich
vorliegend höchstens
um
eine vorübergehende Verschlimmerung eines zum Unfallzeitpunkt vom
2.
Dezember 2020 klinisch stummen Vorzustandes gehandelt hat und
dass der S
tatus quo sine
nach Ablauf von sechs Monaten ab Unfall erreicht ist. Bei dieser Aktenlage sind von weiteren medizinischen Abklärungen zur Unfallkausalität
der HWS-Beschwerden
keine anderslautenden weitere
n
entscheidrelevante
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144
ll
427
E. 3.1.3 S. 435 mit Hinweisen).
Der angefochtene
Einspracheentscheid
, mit welchem die Verfügung vom
8.
Juli 2021 dahingehend geändert wurde, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen bis zum
2.
Juni 2021 hat, ist demnach nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen.