Decision ID: 538dd549-c055-4491-97f1-036053355a76
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene
X._
wurde am 1
3.
Januar 1987 (Eingangs
datum) zum Bezug
von Invalidenleistungen für Minderjährige angemeldet
(Urk. 6
/1).
Aufgrund d
es
im Abklärungsbericht festgestellten
Phosphatdiabetes
(
Urk.
6
/
3) gewährte
ih
r
die
Invalidenversicherung
eine Kostenübernahme
bis am 29. Februar 2004
für notwendige medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 461
(
Urk.
6
/
6
, Urk.
6
/17,
Urk.
6
/19
).
Während der Absolvierung der
Realschule
wurde
die Versicherte
am
21.
Mai 2001
(Eingangsdatum)
durch ihre
Beiständin
für Berufliche Massnahmen angemeldet (
Urk.
6
/
37
).
Nachdem die Versicherte unentschuldigt
dem
Berufsberatungstermin
ferngeblieben war
, lehnte die IV-Stelle
nach angedrohten Säumnisfolgen das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
3
0.
Jul
i 2002
ab (Urk.
6
/53).
Nach Schul
abschluss hatte die Versicherte mehrere Gelegenheitsjobs und absolvierte
berufs
begleitend die zweijährige
Handelsschule
an der Kaufmännischen Berufsschule in
Y._
. Schliesslich arbeitete sie
in einem befristeten Arbeitsverhältnis vom 2
5.
Februar bis am 8.
Mai 2013 als Sachbearbeiterin
beim
Z._
.
Ihre Anschlussstelle
als Sachbearbeiterin fand sie ab dem 1
3.
Mai 2013
bei
m
A._
in Zürich
(
Urk.
6/64-65 und
Urk.
6/72-73).
Am
7.
Dezember 2015
meldete sich
die
Versicherte
unter Hinweis auf schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, Osteoporose im
fort
geschrittenen Stadium, Rücken
beschwerden, Fussfehlstellungen und
beidseitig
künstliche Hüftgelenke
abermals
bei der
Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich,
IV
-Stelle
,
zum Leistungsbez
ug
an (Urk.
6/
63-
65
).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse
zog
die IV-Stelle zunächst
einen Auszug aus dem individuellen Konto
bei (Urk.
6/71)
,
holte Arbeitgeberbericht
e
(
Urk.
6/72
-73
)
und
das
von der Pensionskasse BVK in Auftrag gegebene
vertrau
ensärztliche Gutachten von Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen
,
vom 1
7.
Februar 2016
ein
(
Urk.
6/85
)
. Zudem forderte die IV-Stelle
einen Bericht de
r
behandelnden
Ärz
te
im
C._
ein (Urk. 6/87)
.
Auf Veranlassung des durch den Arbeitgeber eingeschaltete
n
Case Management
s
klärte die IV-Stelle
die
berufliche Situation der Versicherten ab
(
Urk.
6/90 und
Urk.
6/93)
un
d gewährte
ihr
mit Mitteilung vom
3.
Juni 2016 Kostengutsprache für ein Job Coaching
im Rahmen der Arbeitsplatzerhaltung beim
A._
(
Urk.
6/98-99
und 6/115
).
Des Weiteren wurde
n die neusten
Bericht
e
des
C._
(
Urk.
6/111
und
Urk.
6/117
) sowie d
as vertrauens
ärztliche Gutachten der BVK von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, zu den Akten ge
nommen
(6/113).
Mit Mitteilung vom 1
5.
März 2017 schloss die IV-Stelle die Eingliederungsberatung im Rahmen des Arbeitsplatzerhalts ab, da die Versicherte
nach eigener Aussage
mit dem 40%
-
Pensum an ihre Grenzen stosse (
Urk.
6/122). Nach Abschluss der Beruflichen Massnahme holte die IV-Stelle erneut Berichte
der
behandelnden Ärzte ein (
Urk.
6/124
-125,
Urk.
6/130, Urk. 6/13
3
-13
4
,
Urk.
6/142-143,
Urk.
6/146
).
Im September 2017
wurde der IV-Stelle
die
am 5.
September 2017 erfolgte
Geburt des Sohnes der Versicherten
und die Dauer des Mutterschaftsurlaubs bis Ende 2017
gemeldet
(Urk. 6/137
-140
).
Im
Februar
2018
veranlasste die IV-Stelle
eine
allgemein-internistisch
e
, psychiatrisch
e
und neurologisch
e
Begutachtung der Versicherten durch die
E._
(
Expertise vom 1
7.
Mai 2018,
Urk.
6/159).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom
2
9.
Juni 201
8
,
Urk.
6/
164
; Einwand vom
1
6.
August 2018
,
Urk.
6/
169
)
sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2018
eine
befristete
ganze
Rente
vom
1.
Juni 2016 bis am 31.
Oktober 2017 zu (Urk.
2
).
2.
D
a
gegen erhob die Versicherte am
8.
November
2018 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
1
0.
Oktober 2018
sei aufzuheben und
es sei ihr neben der unbestrittenen ganzen Rente vom
1.
Juni 2016 bis am 3
1.
Oktober 2017 min
des
tens eine Viertelsrente ab 3
1.
Oktober 2017 zuzusprechen, eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen und hernach über den Rentenanspruch der Be
schwerdeführerin zu entscheiden (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 12. Dezem
ber
2018 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
), was der Beschwerdeführerin am
1
8.
Dezember 2018
zu
r
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
1
7
).
Mit Beschluss vom
2
0.
Mai 2020
wurde de
r
Beschwerdeführerin
Ge
legenheit eingeräumt, um zu der vom Gericht nicht auszuschliessenden Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen möglichen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu
ihrem
Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (
Urk.
8
). Mit Eingabe vom
6.
Juli
2020
hielt
sie
an
ihrer
Beschwerde fest (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 de
s Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, AT
SG). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fo
lgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1
.
3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können
, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angew
iesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglic
h welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E
. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
dass die Beschwerdeführerin
gemäss
den
medizinischen Akten seit
dem
2
6.
Mai 2015 aufgrund gesundheitlicher Beschwerden zu 100
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
sei
.
Somit beginne ab
diesem Tag
d
as gesetzlich
vo
rge
ge
bene
Wartejahr
zu laufen
. Dieses sei am 26.
Mai 2
0
16 erfüllt. Da zu diesem Zeitpunkt weiterhin keine
Tätigkeit
zumutbar gewesen sei, habe der Invaliditätsgrad zu diesem Zeitpunkt 100
%
betragen. Anspruch auf eine
Invalidenrente
bestehe sechs Monate nach Eingang des Gesuchs. Daher habe die Beschwerdeführerin ab
1.
Juni 2016 Anspruch auf eine ganze Rente. Um die Arbeitsstelle zu erhalten, sei die Beschwerdeführerin ab Juni 2016 mit Job
Coaching
unterstütz
t
worden. Aus
ärztlicher
Sicht sei sie ab 1.
August 2016
als
Sachbearbeiterin Administration
wieder
zu 30
%
arbeitsfähig
gewesen
. Eine andere Tätigkeit hätte das
zumutbare
Arbeitspensum zu keinem Zeitpunkt erhöht. Dies
ergebe
ein
en
Invalid
i
tätsgrad von 70
%
, womit weiterhin
Anspruch
auf eine ganze Rente bestehe.
Ausweislich des medizinischen Gutach
tens sei die Beschwerdeführerin aber ab 1. August 2017 in der Tätigkeit als Sachbearbeitern wieder voll arbeitsfähig.
Somit
ende
der Anspruch auf eine Inva
lidenrente u
nter Berücksichtigung, dass die volle Arbeitsfähigkeit drei Monate und länger andauern müsse, um von einer Verbesserung de
r
Erwerbsfähigkeit ausgehen zu können
, per 3
1.
Oktober 2017 (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
sie sei wohl polydisziplinär begutachtet worden, jedoch sei dabei keine Fachdisziplin vorhanden gewesen, welche
die
seltene metabolische Knochenerkrankung und
deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit umfasse
nd hätte
beurteilen könne
n
, daran vermöge auch der
Beizug
einer Neurologin nichts
zu
ändern. Zudem sei die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung nicht umfassen
d
abgeklärt worden
,
die degenerativen Veränderungen in den Händen
seien nicht genügend und allfällige Wechselwirkungen der verschiedenen Krankheiten sowie die Persönlichkeitsstörung seien gar nicht berücksichtigt worden. Darüber hinaus fehle die Analyse d
er sozialpraktischen Auswirkung,
weshalb
sich
das
psychia
trische
Gutachten
dadurch
als unvollständig
und damit als nicht beweis
tau
g
lich
erweise
. Di
e jahrelang behandelnde
Nephrol
o
gin
Dr.
F._
des
C._
begründe die von ihr
attestierte
Leistungsfähigkeit
unter
Berücksich
tigung
der verschiedenen
Erkrankungen
. Sie gehe von einer Arbeitsfähigkeit von 20
-
40
%
aus. Damit habe sie mindestens
Anspruch
auf eine Viertelsrente.
Eventualiter
sei ein poly
disziplinäres
(psychiatrisch
es
/
nephrologisches
/rheuma
tologisches)
Gerichtsgutachten
bei einer auf Schmerzerkrankungen spezialisierten Institution einzuholen (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
10. Oktober 2018
im Wesentlichen auf das i
nterdisziplinäre Gutachten vom 1
7.
Mai
2018 ab (
Urk.
6/159
). Darin werden die bis zur Begutachtung der Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
6/159/
47-70
), wes
halb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erfor
derlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genom
men.
3.2
Dr.
med.
G._
,
Fachärzt
i
n
für
Orthopädische
Chirurgie,
Dr.
med. univ.
H._
, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie,
Dr.
med.
I._
, Facharzt Innere Medizin,
Dr.
med.
J._
,
Fachärzt
i
n
Neuro
logie
, von der
E._
hielten in ihrem Gutachten vom
1
7.
Mai
2018
fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
6/159/
6
):
-
Cervico
-lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei mässigen degenerativen Veränderungen
-
Belastun
gsabhängige Knieschmerzen
bds
. n
ach Umstellungsosteotomie beider Unterschenkel wegen O-Beinstellung in den 90er Jahren
-
Belastungsabhängige
Hüftschmerzen
bds
. nach Hü
ft-TEP
beidseits am 27.05.2015
-
Belastungsab
hängige Schulterschmerzen
bds
. b
ei freiem Bewegungs
aus
mass, radiologisch im Wesentlichen unauffälligem Befund
-
Phosphatdiabetes (Erstdiagnose im Alter von etwa 2 Jahren)
-
Rezidivier
ende depressive Störung, gegenwä
rtig leichte depressive Epi
so
de
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ
Als o
hne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie folgende Diagnosen
:
-
Nephrokalzinose
ohne Nierenfunktionsbeeinträchtigung bei
X-chromo
somal
dominanter
hyp
op
hosphatämer
Rachitis
-
Adipos
itas mit einem BMI von 30,8 kg/m2
-
Nikotinkonsum von kumulativ 15 pack/
years
-
Arterielle Hypertonie unter
Bilol
1.25 mg täglich gut eingestellt
-
Vitamin-D-Mangel, unter wöchentlicher Vitamin D3 Substitution von 3mg
Polydisziplinär führend seien die orthopädischen Diagnosen
, von daher sei die Beschwerdeführerin für körperlich belastende Tätigkeiten wie z.B. als V
erkäuferin
nicht geeignet. Aus psychiatrischer,
allgemeinme
dizinisch-internistischer
und n
eu
rologischer Sicht ergebe sich keine die
Arbeitsfähigkeit beeinflussende
Diagnose. Die Arbeitsfähigkeit für körperlich belastende Tätigkeiten betrage 0
%
. Für die zuletzt durchgeführte Tätigkeit im Büro bestünden unter Berücksichtigung des negativen Leistungsbildes keine Gründe, d
ie gegen eine 100%-
ige
Arbeits
fähig
keit sprächen. Entsprechend dem Bericht
vom 10. August 2017 des
K._
zur interdisziplinären Schmerzbehandlung
be
stehe laut wirbelsäulenchirurgischem Befund (
Dr.
L._
) eine vermin
derte Belastbarkeit des Achsenorgans für alle
Tätigkeiten
mit
schwerem
Heben
und
Tragen
von Lasten
, welche die Wirbelsäule belasten
.
Zumutbar
seien
kör
per
lich
leicht
e
Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselposit
i
onen. Aus rheu
matologischer Sicht (
Dr.
M._
) sei die
Beschwerdeführer
i
n
für die
zuletzt
ausgeübte
Tätigkeit
als
Verwaltungsfachang
e
stellte zu 100
%
einsetzbar. Laut
neurologischer
Beurteilung
(
Dr.
N._
) sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig. Aus psychiatrischer Sicht werde eine 70%-
ige
Arbeitsunfähigkeit
in
angepasster Tätigkeit (
Dr.
O._
)
attestiert. Die
se
attestierte
n
Arbeitsun
fähigkeit
en
se
i
en
aktuell nicht nachvollziehbar (Urk.
6/159/6). Gemäss dem negativen Leistungsbild soll
t
en
keine körperlich belastenden Tätigkeiten
mit Heben schwerer Gegenstände
regelmässig über 10 kg, keine häufigen Überkopf
tätigkeiten, keine Vibrationen und keine Tätigkeiten, die mit Rotation des Rump
fes einhergehen, ausgeübt werden. Es sollten gemäss dem
positiven Leis
tungsbild leichte, möglichst wechselbelastende Tätigkeiten zwischen Sitzen, Stehen und Gehen ausgeübt werden. Aktuell bestehe in der zuletzt
durchgeführten
Bürotätig
keit eine Arbeitsfähigkeit
von
100
%
. Es handle sich dabei um eine adaptierte Tätigkeit.
Die Arbeitsfähigkeit sei wie folgt verlaufen: 100%-
ige
Arbeitsun
fähig
keit nach der Hüftoperation am 2
7.
Mai 201
5.
Intermittierende Arbeitsfähigkeit: Laut Aktenlage Arbeitsfähigkeit ab ca. August 2016 von 60-80%, ab 1
0.
August 2017 (Bericht interdisziplinäre Schmerzbehandlung Zürich) 100%-
ige
Arbeits
fähigkeit in leichter Tätigkeit
(Urk.
6/159/7).
4.
4.1
Das orthopädische
, allgemein internistische
und das neurologische Teilgutachten beruhen grundsätzlich auf für die streitigen Belange umfassenden fachärztlichen Untersuchungen
(
Urk.
6/159/22-27,
Urk.
6/159/31-37 und
Urk.
6/159/
40-44
)
und
wurden in Kenntnis der Vorakten verfasst (Urk. 6/159/47-70)
. Die Gutachter haben
detaillierte Befunde und hieraus begründete
Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Be
schwerdeführerin ausführlich auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schluss
fol
gerungen nachvollziehbar begründet
(
Urk.
6/159/27-30, Urk.
6/159/37-39 und
Urk. 6/159/44-46
)
.
Jedoch
fehlt diesen
Teilg
utachten eine
medizinische fachärzt
liche Beurteilung
der
Grunderkrankung
(Phosphatdiabetes)
und
insbesondere deren Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
, obwohl die
Beschwerdeführerin
ge
mäss Aktenlage seit Kindheit daran leidet.
4.2
Das
psychiatrische Teilgutachten wurde
in Kenntnis der Vorakten verfasst (Urk.
6/159/47-70)
und es wurden
detaillierte Befunde
und hieraus begründete Diagnosen erhoben (
Urk.
6/
159/
10
-17
)
. Indessen
legt es
aber
die Arbeitsfähigkeit
nicht schlüssig und nachvollziehbar dar.
So
enthält das Gutachten
keine Ausfüh
rungen zu den
somatischen und
psychiatrischen Komorbiditäten
, wodurch eine vollständige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen an
hand der im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren nicht möglich ist (BGE 143 V 418, 143 V
409, 141 V 281 E. 4.3-4.4).
Des Weiteren
stellte der psychia
trische Teilgutachter
einerseits
bei der Würdigung der Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen nahezu keine Einschränkungen
fest (Urk.
6/159/20),
während er andererseits
als Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidi
vierende depressive Störung,
gegenwertig leichte Episode
,
sowie eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ
,
feststellte
(Urk.
6/159/18). Wie sich diese Diagnosen
schliesslich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
,
lässt sich dem Gutachten nicht entnehmen.
Vielmehr
wurde
der Beschwerdeführerin
vom psychiatrischen Teilgutachter
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert
, indem die
aktuelle
Arbeitsunfähigkeit primär auf
die
Mutterschaft
zurückgeführt wurde
(Urk.
6/159/21).
H
ierzu ist der Vollständigkeit halber anzufügen, dass
bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmel
dungs
verfahren die Methode der Invaliditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen ist (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b), was
die Beschwerdegegnerin nach der Geburt des Sohnes
der Beschwerdeführerin am 5. September 2017
unterliess
(
Urk.
6/161/13
). Somit bleibt vorliegend
unklar, ob die Beschwerdeführerin wei
terhin voll erwerbstätig wäre oder ob sie einer Teilzeitbeschäftigung nachginge und daneben in einem Aufgabenbereich tätig wäre
.
4.3
Zusammengefasst erweist sich
das
Gutachten der
E._
vom
17.
Mai 2018
hinsichtlich der streitigen Belange
aufgrund der fehlenden
nephrologischen
Abklärungen
als nicht umfassend und die darin enthaltene Arbeitsfähig
keits
beurteilung
insbesondere aus psychiatrischer Sicht
als nicht schlüssig. Vor diesem Hintergrund stellt das Gutachten keine beweiskräftige
Ent
scheidgrundlage
dar (vgl. E. 1.5
).
Zudem liegen auch
keine medizinischen Berichte
vor
, welche den invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
allumfassend beurteilen liessen.
5.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin den rechtserheblichen
Sachver
halt unzureichend abgeklärt, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zwecks weiterer Abklärungen und neuer Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zu
heissen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen
Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.
2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Überdies
hat die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1 GSVGer in Verbindung mit
Art.
61 lit. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses
und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer). Vorliegend erscheint
eine Parteientschädigung von
Fr.
2’
6
00.-- (inkl. Barauslage
n
und Mehrwert
steuer) als angemessen.