Decision ID: 99981806-6ab1-420d-92dc-27d4249ea4eb
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Abklärung des medizinischen Sachverhalts mangle. Sie beantragte auch,
dass die Kosten für die fachmedizinische Stellungnahme von Dr. med.
K._ der IV-Stelle auferlegt würden.
7. Mit Vernehmlassung vom 10. Februar 2020 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde sowie die Ablehnung der von der Beschwerdeführerin
gestellten verfahrensrechtlichen Anträge. Ferner bestritt sie eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs. Zum eingereichten Bericht von
Dr. med. K._ führte sie aus, diesem könnten keine Befunde, konkrete
Einschränkungen oder Aussagen zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin entnommen werden, weshalb sich die angefochtene
Verfügung als rechtens erweise.
- 7 -
8. In ihrer Replik vom 16. März 2020 hielt die Beschwerdeführerin
unverändert an ihren Rechtsbegehren und deren Begründung gemäss
ihrer Beschwerde vom 31. Januar 2020 fest.
9. Mit Schreiben vom 20. März 2020 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass
sie auf die Einreichung einer Duplik verzichte und an den Ausführungen in
ihrer Vernehmlassung vom 10. Februar 2020 vollumfänglich festhalte.
10. In einer ersten Beratung vom 12. Mai 2020 kam das Gericht zum Schluss,
dass ein psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen sei, zumal
namentlich bezüglich der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auch
nach Einholung der ergänzenden Stellungnahme von med. pract. E._
vom 20. Dezember 2018 weiterhin markante Divergenzen zwischen der
gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und jener durch die
behandelnden Ärzte bzw. die Eingliederungsfachpersonen bestünden und
daher eine abschliessende Beurteilung gestützt auf die vorhandenen
medizinischen Unterlagen nicht möglich sei. Mit Schreiben vom 20. Mai
2020 teilte die Instruktionsrichterin den Parteien mit, dass das Gericht
beabsichtige, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten bei Dr. med. L._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM, einzuholen. Die Instruktionsrichterin gab den Parteien
Gelegenheit, allfällige Ausstands- oder Ablehnungsgründe zum
vorgeschlagenen Experten geltend zu machen, zum beigelegten
Fragenkatalog Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungsfragen
einzureichen.
11. Mit jeweiligem Schreiben vom 27. Mai 2020 erklärten sich sowohl die
Beschwerdeführerin wie auch die Beschwerdegegnerin mit dem
angekündigten Vorgehen (inkl. Fragenkatalog) sowie dem einzusetzenden
Gutachter einverstanden. Die Beschwerdeführerin legte ihrem Schreiben
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einen Praktikumsbericht der Buchhandlung J._ GmbH vom
18. November 2016 bei.
12. Am 3. Juni 2020 beauftragte die Instruktionsrichterin Dr. med. L._ mit
der Erstellung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens anhand der ihm
bereits im Vorfeld zugestellten Unterlagen (Akten und Fragenkatalog). Am
24. September 2020 erstattete Dr. med. L._ das psychiatrische
Gerichtsgutachten, das den Parteien in der Folge zur Stellungnahme
zugestellt wurde.
13. Die Beschwerdegegnerin teilte mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 mit, sie
anerkenne aufgrund des Gerichtsgutachtens und nach Rücksprache mit
dem RAD-Arzt, dass die Verfügung vom 10. Dezember 2019 aufzuheben
und die Beschwerde gutzuheissen sei. Neu resultierten folgende
Rentenansprüche:
- ab dem 1. August 2013 bis zum 31. August 2013: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 61 %)
- ab dem 1. August 2015 bis zum 31. Januar 2017: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 62 % [2015] bzw. 67 % [2016 und 2017])
- ab dem 1. Januar 2019 bis zum 30. Juni 2020: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 67 %)
- ab dem 1. Juli 2020: unbefristete ganze Rente (Invaliditätsgrad 71 %)
14. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020, bereits in Kenntnis der Stellungnahme
der Beschwerdegegnerin vom 8. Oktober 2020, machte die
Beschwerdeführerin insbesondere einen Leidensabzug von mindestens
15 % geltend und beantragte folglich die Zusprechung einer ganzen
Invalidenrente für den Monat August 2013, mindestens einer
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Dreiviertelsrente spätestens mit Wirkung ab August 2015 und einer ganzen
Invalidenrente spätestens mit Wirkung ab Januar 2016.
15. Dazu nahm die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 26. Oktober 2020
in ablehnender Weise Stellung. Sie erachtete insbesondere die
Voraussetzungen für einen Leidensabzug als nicht gegeben.
16. Mit Schreiben vom 9. November 2020 teilte die Beschwerdeführerin mit,
dass sie an ihren Ausführungen in der Eingabe vom 19. Oktober 2020
vollumfänglich festhalte.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom
10. Dezember 2019 (Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 2, Akten der
IV-Stelle [IV-act.] 327) stellt eine solche anfechtbare Verfügung und folglich
ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über
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die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressatin der
strittigen Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt, und sie weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitig ist vorliegend der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Uneins
sind sich die Parteien bezüglich der Bemessung des Invalideneinkommens
und dabei insbesondere bezüglich der Verwertbarkeit der (Rest-)
Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt und der Vornahme
eines Leidensabzugs. Unbestritten ist demgegenüber die Höhe des
Valideneinkommens.
3. Vorerst ist auf die von der Beschwerdeführerin gestellten
verfahrensrechtlichen Anträge (Datenbekanntgabe, Angaben zu den
Arbeitsunfähigkeiten in den herauszugebenden Gutachten, vgl.
Erwägung 3.1.1 ff.) bzw. auf die formelle Rüge (Verletzung des rechtlichen
Gehörs; vgl. Erwägung 4) einzugehen.
3.1. Einerseits betrifft dies die Anträge der Beschwerdeführerin auf Herausgabe
und Analyse (bezüglich Arbeitsunfähigkeit) sämtlicher mono- und
bidisziplinären Gutachten, die zwischen den Jahren 2015 und 2019 von der
Beschwerdegegnerin eingeholt wurden (vgl. Erwägung 3.1.1 ff.). Zwar ging
das Gericht im Laufe des Verfahrens davon aus, dass eine abschliessende
Beurteilung gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen trotz
ergänzender Stellungnahme von med. pract. E._ vom 20. Dezember
2018 (IV-act. 293) nicht möglich sei, weshalb es die Einholung eines
psychiatrischen Gerichtsgutachtens bei Dr. med. L._ veranlasste.
Nach Kenntnisnahme des am 24. September 2020 erstatteten
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Gerichtsgutachtens anerkannte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die
von Dr. med. L._ festgestellte (Rest-)Arbeitsfähigkeit von 40 % ihre
Leistungspflicht, weshalb die Ausführungen von med. pract. E._ vom
7. April 2016 (IV-act. 160) bzw. vom 20. Dezember 2018 (IV-act. 293) bei
der Entscheidfindung des Gerichts kaum noch bzw. nur noch in
untergeordnetem Mass entscheidrelevant sind (vgl. Erwägung 7). Folglich
erübrigten sich eigentlich weitere Ausführungen zu den vorliegenden
(allerdings nicht zurückgezogenen) Verfahrensanträgen der
Beschwerdeführerin. Da es sich jedoch um eine grundlegende, im
allgemeinen Interesse liegende und bisher so (im Kanton Graubünden)
wohl noch nicht beantwortete Frage handelt, soll im Nachfolgenden in
allgemeiner Form darauf eingegangen werden.
3.1.1. Die Beschwerdeführerin beantragt, die Beschwerdegegnerin solle zur
Bekanntgabe sämtlicher im Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum
31. Dezember 2019 eingeholten mono- und bidisziplinären Gutachten und
zur Angabe, wie viele dieser Gutachten von med. pract. E._ erstellt
worden seien, verpflichtet werden, sowie auch zur Angabe, wie sich die in
diesen Gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeiten in einer
leidensangepassten Tätigkeit verteilten. Sie begründet diesen Antrag im
Wesentlichen damit, dass dem Gutachten von med. pract. E._ im
vorliegenden Verfahren ein hoher Stellenwert zukomme, während den IV-
Stellen bei der Vergabe von mono- und bidisziplinären Gutachten ein
grosser Ermessenspielraum zustehe. Im Schreiben vom 3. Dezember
2018 habe die Beschwerdegegnerin die Gutachterin als "unseren Partner"
bezeichnet. Damit stellten sich Fragen zur Praxis der Gutachtensvergabe
sowie zu Neutralität und Unabhängigkeit. Die Beschwerdeführerin habe
Anspruch auf ein faires Verfahren und auf neutrale fachkundige Beurteilung
der medizinischen Situation. Die Verfahrensanträge zielten darauf ab,
anhand der verlangten Daten zu erfahren, ob bei der involvierten
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Gutachterin eine Tendenz bestehe, die Arbeitsunfähigkeit eher
zurückhaltend oder grosszügig anzuerkennen.
3.1.2. Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, dass für derartige Anträge
das Öffentlichkeitsgesetz zu beachten sei. Dessen Geltungsbereich
erstrecke sich jedoch nicht auf die Sozialversicherungsanstalt
Graubünden. Für die Beschwerdegegnerin als Teil der
Sozialversicherungsanstalt Graubünden gelte somit das
Geheimhaltungsprinzip (mit Öffentlichkeitsvorbehalt). Für Dritte seien
Informationen, über welche die Verwaltung verfüge, nur ausnahmsweise
zugänglich, und grundsätzlich bestehe kein Anspruch auf Zugang zu
amtlichen Dokumenten. Nur wer ein besonderes Interesse geltend machen
könne, habe Anspruch auf Information und Akteneinsicht. Zu beachten
seien sodann die nach Art. 33 ATSG geltende Schweigepflicht und die
privaten Interessen der Gutachter bzw. Gutachterstellen. Aufgrund dieser
rechtlichen Ausgangslage dürfe sie keine personalisierten Daten von
Gutachterstellen herausgeben.
3.2. Die Beschwerdeführerin äussert sich nicht zur massgeblichen gesetzlichen
Grundlage. Sie bezweifelt jedoch, dass das von der Beschwerdegegnerin
erwähnte kantonale Öffentlichkeitsgesetz überhaupt zur Anwendung
gelangt. Sie verweist auf das Urteil des Bundesgerichts 1C_461/2017 vom
27. Juni 2018 E.7.6 (publiziert als BGE 144 I 170; vgl. dort auch den
Hinweis auf BGE 137 V 210 E.2.5), in dem festgehalten worden sei, dass
es für versicherte Personen von Belang sei, ob es für einen Gutachter oder
eine Gutachterin eine Tendenz gebe, die Arbeitsunfähigkeit eher
zurückhaltend oder grosszügig zu anerkennen.
3.2.1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat der Bundesgesetzgeber
mit dem Erlass des Bundesgesetzes über das Öffentlichkeitsprinzip der
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Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz [BGÖ; SR 152.3]) die IV-Stellen nicht
diesem Bundesgesetz unterstellen wollen, weshalb insoweit das
entsprechende kantonale Recht anwendbar ist (Urteil des Bundesgerichts
1C_461/2017 vom 27. Juni 2018 E.5.4 [nicht publiziert in BGE 144 I 170]).
In Frage käme daher das kantonale Gesetz über das Öffentlichkeitsprinzip
(kantonales Öffentlichkeitsgesetz; BR 171.000), das aber in Art. 3 Abs. 1
lit. c die Sozialversicherungsanstalt Graubünden – und damit auch die
Beschwerdegegnerin – von dessen Geltungsbereich explizit ausnimmt.
Damit gelangt auch dieses Gesetz vorliegend nicht zur Anwendung.
3.2.2. Ebenso wenig erweist sich das kantonale Datenschutzgesetz (KDSG;
BR 171.100) als einschlägig, da dieses gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. a der
betroffenen Person namentlich nur den Anspruch vermittelt, Auskunft der
über sie in einer Datensammlung bearbeiteten Daten zu verlangen (ähnlich
Art. 8 des Bundesgesetzes über den Datenschutz [DSG; SR 235.1]).
3.2.3.1.In BGE 144 I 170 (Urteil des Bundesgerichts 1C_461/2017 vom 27. Juni
2018) hatte das Bundesgericht einen Fall zu beurteilen, in dem der dortige
Beschwerdeführer gestützt auf die kantonale Öffentlichkeitsgesetzgebung
die IV-Stelle des Kantons Solothurn (nachfolgend IV-Stelle/SO) ersucht
hatte, ihm schriftlich mitzuteilen, in wie vielen Fällen zwei näher
bezeichnete Ärzte in den in einer Liste der IV-Stelle/SO aufgeführten
Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 % attestiert hätten und
in wie vielen Fällen daraus eine leistungsbegründende Invalidität abgeleitet
worden sei. Die beigezogene Informations- und Datenschutzbeauftragte
des Kantons Solothurn empfahl, die IV-Stelle/SO solle jedem Gesuchsteller
Zugang zu den jeweils geforderten Gutachten gewähren. Dieser
Empfehlung kam die IV-Stelle/SO nicht nach. Das letztinstanzlich
angerufene Bundesgericht führte dazu aus, dem dortigen
Beschwerdeführer stehe gestützt auf Art. 11 Abs. 3 der solothurnischen
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Kantonsverfassung (KV/SO; BGS 111.1) ein Recht auf Zugang zu
amtlichen Dokumenten zu. Auch § 12 Abs. 1 des solothurnischen
Informations- und Datenschutzgesetzes vom 21. Februar 2001
(InfoDG/SO; BGS 114.1) gewährleiste jeder Person das Recht auf Zugang
zu amtlichen Dokumenten; gemäss dessen Abs. 2 könne der Zugang
jedoch vom Nachweis eines schutzwürdigen Interesses abhängig gemacht
werden, wenn er einen besonderen Aufwand der Behörde erfordere (BGE
144 I 170 E.7.4). Im konkreten Fall sei grundsätzlich erstellt, dass die
Erteilung der nachgesuchten Auskünfte mit einem beachtlichen Aufwand
seitens der Verwaltung verbunden wäre (BGE 144 I 170 E.7.4). Der
Beschwerdeführer habe aber jedenfalls ein schutzwürdiges Interesse am
verlangten Aktenzugang, soweit er mit dem Beizug von einem oder von
beiden der zwei fraglichen Ärzte als Gutachter in seinem
Leistungsverfahren konkret rechnen müsse (BGE 144 I 170 E.7.7).
Indessen sei es nicht unhaltbar, zu verlangen, dass das schutzwürdige
Interesse umso grösser sein müsse, je erheblicher der Aufwand für die
Zugangsgewährung ausfalle, weshalb es auch nicht willkürlich sei, die
Einsicht gestützt auf § 12 Abs. 2 InfoDG/SO zu verweigern, wenn das
private Interesse an der Zugangsgewährung ausgesprochen gering, der
erforderliche behördliche Aufwand dagegen als sehr hoch einzustufen
wäre (BGE 144 I 170 E.7.8). Das Bundesgericht wies die Sache
schliesslich an die Vorinstanz zur Vornahme ergänzender Abklärungen
zurück, u.a. weil die Aktenlage nicht ausreichte, um den behördlichen
Aufwand für die Übermittlung der ersuchten Informationen mit genügender
Klarheit abzuschätzen (BGE 144 I 170 E.8.9).
3.2.3.2.Anders als in BGE 144 I 170 hat die Beschwerdeführerin vorliegend kein
Gesuch um Zugang zu amtlichen Dokumenten gestellt, das insofern auch
Gegenstand des Verfahrens vor der Beschwerdegegnerin gebildet hätte
(vgl. dazu Art. 10 ff. kantonales Öffentlichkeitsgesetz). Vielmehr stellte die
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Beschwerdeführerin die vorgenannten Verfahrensanträge in dem sie
betreffenden Verfahren, in dem es um ihren Anspruch auf eine
Rentenleistung der Invalidenversicherung geht. In einem solchen
Verfahren sind die Parteien gemäss dem anwendbaren Verfahrensrecht
zur Akteneinsicht – als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör –
berechtigt, das bei Vorliegen überwiegender Interessen eingeschränkt
werden kann (vgl. BGE 129 I 249 E.3; Urteil des Bundesgerichts
9C_612/2017 vom 27. Dezember 2017 E.1.1). Dabei erscheint es
sachgerecht, wenn während eines hängigen Verfahrens die
entsprechenden Verfahrensgarantien zum Zuge kommen und die
Anwendung des Öffentlichkeitsgesetzes zurückgedrängt wird, andernfalls
es zu Normenkollisionen kommen könnte. Vorliegend vermittelt Art. 47
Abs. 1 lit. a ATSG der versicherten Person ein Recht auf Akteneinsicht für
die sie betreffenden Daten, sofern überwiegende Privatinteressen gewahrt
bleiben. Es gewährleistet somit einen individuellen Anspruch auf Einsicht,
während das Öffentlichkeitsgesetz – bei Vorliegen der Voraussetzungen –
ein generelles Zugangsrecht für die Öffentlichkeit vorsieht. Es geht somit
nicht an, das verfahrensrechtliche Akteneinsichtsrecht auf diejenigen
Dokumente zu erstrecken, die Gegenstand eines Zugangsgesuchs bilden
müssten. Andernfalls könnte die versicherte Person über ihr
verfahrensrechtliches Akteneinsichtsgesuch Zugang zu Unterlagen
erzwingen, zu denen sie – wie im vorliegenden Fall aufgrund von Art. 3
Abs. 1 lit. c des kantonalen Öffentlichkeitsgesetzes – gar keinen Zugang
hat (vgl. zum Ganzen: CHRISTA STAMM-PFISTER, Basler Kommentar zum
Datenschutzgesetz und Öffentlichkeitsgesetz, 3. Auflage, Basel 2014,
Art. 3 BGÖ Rz. 3).
In der hier zu beurteilenden Angelegenheit gehen die Verfahrensanträge –
jedenfalls soweit damit generell Einsicht in sämtliche der bei der
Beschwerdegegnerin eingegangenen mono- bzw. bidisziplinären
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Gutachten zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Dezember 2019
bzw. in die darin attestierten Arbeitsunfähigkeiten verlangt wird – somit
bereits insofern fehl, als es dabei an der persönlichen Betroffenheit
mangelt. Allenfalls ist zu erwägen, ob zumindest hinsichtlich der Anträge,
die spezifisch med. pract. E._ betreffen, ein Anspruch auf
Bekanntgabe besteht, zumal das Bundesgericht im erwähnten Urteil
immerhin die Wichtigkeit von gutachterlichen Tendenzen bezüglich der
Arbeits(un)fähigkeit für die betroffenen Personen anerkannte (vgl. auch
Erwägung 3.2), auch wenn sich erst im einzelnen Leistungsverfahren
zeigen würde, ob sich daraus auch rechtliche Folgerungen ziehen liessen
(BGE 144 I 170 E.7.6). Aus diesen Überlegungen kann geschlossen
werden, dass – nach Massgabe des kantonalen Rechts – Anspruch auf
Zugang zu den massgebenden Gutachten bestehen würde, sofern in
Leistungsverfahren, welche die Beschwerdeführerin betreffen, mit dem
Beizug der fraglichen Gutachterin konkret zu rechnen ist, was hier zu
bejahen wäre.
3.2.3.3.Allerdings ist zu beachten, dass im vorliegenden Fall in rechtlicher Hinsicht
wesentliche Unterschiede zu den Bestimmungen der KV/SO bzw. dem
InfoDG/SO bestehen, die dem Urteil des Bundesgerichts BGE 144 I 170
zugrunde lagen. Diese gewährleisten einen sehr weitgehenden
Öffentlichkeitsanspruch und nehmen insbesondere keine Akten von
Verwaltungsjustizverfahren, zu denen Gutachten nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung gehören (BGE 144 I 170 E.8.2), vom Zugangsanspruch
aus bzw. sehen lediglich insoweit eine Zugangsbeschränkung vor, als
durch das Zugangsgesuch ein ausserordentlicher Aufwand zu bewältigen
wäre. Demgegenüber nimmt das Öffentlichkeitsgesetz des Kantons
Graubünden – wie bereits dargelegt – die Sozialversicherungsanstalt wie
auch die Justizbehörden im Bereich der Rechtspflege (Art. 3 Abs. 1 lit. b
und c kantonales Öffentlichkeitsgesetz) von seinem Geltungsbereich aus.
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Insofern ist vorliegend (im Unterschied zum Fall in BGE 144 I 170) auch
nicht zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin durch die Bereitstellung der
die Gutachten von med. pract. E._ betreffenden Informationen ein
derartiger Aufwand entstehen würde (insbesondere durch die
Anonymisierung bzw. Anfertigung von Gutachtensauszügen), der den
Geschäftsgang der Beschwerdegegnerin erheblich beeinträchtigen bzw.
lahmlegen würde (vgl. dazu BGE 142 II 324 E.3.5; Urteil des
Bundesgerichts 1C_155/2017 vom 17. Juli 2017 E.2.6 und E.3), was wohl
für die in Frage stehenden vier Jahre nicht zutreffen dürfte.
3.2.3.4.Ebenso wenig lässt sich ein Anspruch der Beschwerdeführerin direkt aus
Art. 16 Abs. 3 der Eidgenössischen Bundesverfassung (BV; SR 101) bzw.
der dazugehörigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung ableiten,
beschränkt dieser doch das Zugangsrecht zu Informationen von staatlichen
Behörden auf allgemein zugängliche Quellen (vgl. z.B. BGE 137 I 8 E.2.3
und 2.7).
Dasselbe gilt gestützt auf Art. 10 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101): Das
Auskunftsbegehren der Beschwerdeführerin verfolgt zwar insoweit ein
öffentliches Interesse, als dadurch in Erfahrung gebracht werden soll, wie
die Praxis der Gutachtensvergabe der Beschwerdegegnerin aussieht bzw.
ob sie vor den Grundsätzen der Unabhängigkeit und Neutralität standhält.
Bei den Gutachterinnen und Gutachtern bzw. bei den Exploranden handelt
es sich aber nicht um Personen, die kraft ihrer Stellung in der Öffentlichkeit,
ihrer Leistung oder ihres hohen Einkommens bzw. Vermögens als
(absolute) Personen der Zeitgeschichte gelten (vgl. BGE 141 I 211 E.3.1
und 3.3.2, BGE 137 I 16 E.2.5, BGE 127 III 481 E.2c/aa; EGMR-Urteil
Satakunnan Markkinapörssi Oy und Satamedia Oy gegen Finnland vom
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27. Juni 2017 [Nr. 931/13] § 180), weshalb hier bereits aus diesem Grund
nicht auf die Minimalgarantie von Art. 10 EMRK abgestellt werden kann.
3.2.3.5.Damit kann festgehalten werden, dass sich das verfahrensrechtliche
Akteneinsichtsrecht vorliegend nur auf die verfahrensbezogenen Akten
erstreckt (vgl. z.B. BGE 144 II 427 E.3.1.1, BGE 132 V 387 E.3.2). Da sich
die Verfahrensanträge zu den Gutachten von med. pract. E._ nicht auf
Akten beziehen, die für das die Beschwerdeführerin betreffende
Leistungsverfahren erstellt oder beigezogen wurden, kommt das Gericht
zum Schluss, dass die entsprechenden Anträge abzulehnen wären bzw.
sind. Dasselbe Resultat ergibt sich auch, nachdem die Einholung des
psychiatrischen Gerichtsgutachtens bei Dr. med. L._ und
nachfolgender Anerkennung des Leistungsanspruchs seitens der
Beschwerdegegnerin (vgl. Erwägung 3.1) die Frage nach allfälligen
Tendenzen in der Begutachtung von med. pract. E._ und
entsprechender Neutralität und Unabhängigkeit dieser Gutachterin faktisch
hat hinfällig werden lassen.
4. Nebst den verfahrensrechtlichen Anträgen (Erwägung 3.1 ff.) macht die
Beschwerdeführerin andererseits auch eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend.
4.1. Auch wenn die Einholung des von beiden Parteien akzeptierten
Gerichtsgutachtens bei Dr. med. L._ vom 24. September 2020 einen
wesentlichen Teil der entsprechenden Argumentation der
Beschwerdeführerin (zur Verletzung des rechtlichen Gehörs), die sich
insbesondere auf die medizinische Einschätzung von med. pract. E._
bezieht (vgl. Beschwerde vom 31. Januar 2020 und Einwandbegründung
vom 27. November 2019 [IV-act. 323]), hinfällig werden lässt (vgl. dazu
auch Erwägung 3.1), ist auf diese Rüge ebenfalls vorab einzugehen. Denn
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der sich aus Art. 29 Abs. 2 der BV ergebende Anspruch auf rechtliches
Gehör ist formeller Natur und seine Verletzung führt ungeachtet der
materiellen Begründetheit des Rechtsmittels bzw. der Erfolgsaussichten
der Beschwerde in der Sache selbst zur Gutheissung der Beschwerde und
zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (Urteil des Bundesgerichts
1C_373/2019 vom 6. März 2020 E.3.1; BGE 144 I 11 E.5.3).
4.1.1. Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde diesbezüglich vor, die
Beschwerdegegnerin sei auf ihre im Vorbescheidverfahren vorgebrachten
Rügen im Zusammenhang mit dem Gutachten bzw. der ergänzenden
Stellungnahme von med. pract. E._ nicht eingegangen. Sie habe im
Einwand vom 27. November 2009 auf Mängel in der Beurteilung von med.
pract. E._ hingewiesen und gerügt, dass auch trotz Einholung einer
ergänzenden Stellungnahme keine ergebnisoffene Gesamtbeurteilung
stattgefunden habe.
4.1.2. Die Beschwerdegegnerin bringt dagegen vor, die Vorbringen der
Beschwerdeführerin im Einwandverfahren hätten sich in einer pauschalen
Kritik erschöpft. Anstelle weiterer Ausführungen verweist sie auf die
entsprechenden Erwägungen f (angebliche Mängel der ergänzenden
Stellungnahme von med. pract. E._ vom 20. Dezember 2018) und g
(angeblich zu weit zurückliegende Untersuchung) der angefochtenen
Verfügung.
4.2.1. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt
es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines
Entscheids dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift (BGE 142
I 86 E.2.2, BGE 127 I 54 E.2b; Urteil des Bundesgerichts 2C_821/2019 vom
11. Februar 2020 E.3.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Auflage, Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 1001). Der
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Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet u.a. auch, dass eine Behörde
ihren Entscheid begründet, d.h. die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich
hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen
berücksichtigt. Dabei kann sie sich aber auf die für ihren Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Nicht erforderlich ist, dass sich die
Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (zum Ganzen: BGE 142
II 49 E.9.2, BGE 142 I 135 E.2.1; Urteile des Bundesgerichts 2C_821/2019
vom 11. Februar 2020 E.3.2 und 9C_436/2018 vom 4. Oktober 2018
E.3.2.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1038).
4.2.2. Die Beschwerdeführerin legt nicht konkret dar, inwiefern die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember
2019 (Bf-act. 2, IV-act. 327) auf ihre Ausführungen im Einwand vom 27.
November 2019 (IV-act. 323) nicht eingegangen wäre. Entgegen ihrer
Darstellung setzte sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung vom 10. Dezember 2019 (Bf-act. 2, IV-act. 327) mit der
Beurteilung bzw. der ergänzenden Stellungnahme von med. pract.
E._ vom 20. Dezember 2018 (IV-act. 293) auseinander und ging auch
auf die von der Beschwerdeführerin erwähnten Mängel – keine
Auseinandersetzung mit dem Bericht der psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich (Dr. med. C._), keine ausführliche psychiatrische Exploration
bzw. kein Abstellen auf die vorliegenden umfangreichen Unterlagen,
sondern Hinweis auf Unzulänglichkeiten in den Berichten fachkundiger
Drittpersonen, Unklarheit über erfolgte spezifische Abklärungen, veraltetes
Gutachten und lediglich einmalige Abklärung im Jahr 2016 – ein (vgl.
Erwägungen f und g der angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember
2019 [Bf-act. 2, IV-act. 327]). Die Beschwerdegegnerin kam diesbezüglich
zum Schluss, die Gutachterin habe ausführlich, nachvollziehbar und
schlüssig aufgezeigt, dass die Kriterien des Adult Asperger Assessments
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(AAA) bei der Beschwerdeführerin nicht erfüllt seien (Erwägung e der
angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember 2019 [Bf-act. 2, IV-
act. 327]). Zudem habe sich die Gutachterin auch mit den Berichten
anderer Fachärzte (Dr. med. C._, Dr. med. K._, Dr. med.
M._ und Dr. phil. N._) sowie der Eingliederungsfachpersonen
auseinandergesetzt. Sie habe dargelegt, aus welchen Gründen oder in
welchen Punkten die Berichte der anderen Fachpersonen ihre eigene
Einschätzung nicht in Zweifel zu ziehen vermöchten (Erwägung f der
angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember 2019 [Bf-act. 2, IV-
act. 327]). Die Rügen der Beschwerdeführerin erachtete die
Beschwerdegegnerin als pauschal, weil diese sich mit der ergänzenden
Beurteilung von med. pract. E._ nicht auseinandergesetzt habe
(Erwägung f der angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember 2019 [Bf-
act. 2, IV-act. 327]). Soweit die Beschwerdeführerin darüber hinaus geltend
mache, die Untersuchung durch med. pract. E._ im Jahr 2016 liege zu
weit zurück, sei unbestritten, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seither nicht verändert habe, weshalb weitere
Untersuchungen nicht angezeigt seien (Erwägung g der angefochtenen
Verfügung vom 10. Dezember 2019 [Bf-act. 2, IV-act. 327]).
4.2.3. Das Gericht erachtet den Einwand der Beschwerdeführerin, das rechtliche
Gehör sei verletzt, – soweit hier noch von Relevanz (vgl. dazu Erwägungen
3.1 und 4.1) – als unbegründet. Wie bereits erwähnt (Erwägung 4.2.1) ist
nicht erforderlich, dass sich die Beschwerdegegnerin mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass die betroffene Person den Entscheid in voller Kenntnis der
Tragweite der Angelegenheit an die höhere Instanz weiterziehen kann. In
diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden,
von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
- 22 -
stützt (Urteile des Bundesgerichts 2C_821/2019 vom 11. Februar 2020
E.3.2 und 9C_436/2018 vom 4. Oktober 2018 E.3.2.1; BGE 142 I 135
E.2.1, BGE 136 I 229 E.5.2; vgl. auch VGU S 17 4 E.2b). In diesem Sinne
erweist sich die angefochtene Verfügung vom 10. Dezember 2019 (Bf-
act. 2, IV-act. 327) als ausreichend begründet. Die Beschwerdegegnerin
zeigte insbesondere auf, weshalb ihrer Ansicht nach auf die Ergänzung des
Gutachtens von Dr. med. E._ vom 20. Dezember 2018 abgestellt
werden könne. Mithin legte sie dar, dass die Gutachterin die Kriterien des
Adult Asperger Assessments (AAA) geprüft und sich mit den
anderslautenden Arztberichten und den Leistungsbeurteilungen der
Eingliederungsstätten auseinandergesetzt habe.
4.3. Wird also eine Verletzung des rechtlichen Gehörs verneint, ist im
Nachfolgenden auf die materiell-rechtlichen Fragen einzugehen.
5. Gemäss Art. 6 und Art. 28 IVG hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid ist,
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, u.a. auch auf eine
Invalidenrente. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird (bei erwerbstätigen Versicherten) das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen) (Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 IVG).
- 23 -
Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann (lit. a), während mindestens eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % im bisherigen
Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist (lit. b) und nach
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (lit. c). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG).
5.1. Im Sozialversicherungsrecht gilt generell das Untersuchungsprinzip.
Demnach hat die Behörde und im Beschwerdefall das Gericht den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei
an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 43 Abs. 1 ATSG und
Art. 61 lit. c ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2018 vom
5. Dezember 2018 E.3.1). Die Untersuchungspflicht gilt sowohl im
Verwaltungsverfahren wie auch grundsätzlich im kantonalen
Gerichtsverfahren.
Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten einer versicherten Person noch eine Erwerbstätigkeit
zugemutet werden kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall
angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 132 V 93
E.4). Dabei können sich die IV-Stellen und im Streitfall die
Sozialversicherungsgerichte auf die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD;
- 24 -
Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die Berichte der behandelnden Ärztinnen
und Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige abstützen
(Art. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen
Beweismittel zu würdigen sind, vielmehr gilt für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3). Danach
haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V 124 E.2.2.2 und BGE 125 V
351 E.3a).
5.2. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 143
V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3a mit Hinweisen). Dennoch hat es die
- 25 -
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte
und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125
V 351 E.3b). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit
der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, BGE 125 V 351 E.3b/bb).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das
Gericht auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass
Hausärztinnen und Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 E.3a und
3b). Sodann kommt auch den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/ee; Urteil des
Bundesgerichts 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).
6. In ihrer den Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom 10. Dezember
2019 (Bf-act. 2, IV-act. 327) kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss,
dass bezüglich der strittigen Frage der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf die ergänzende Stellungnahme von med. pract.
E._ vom 20. Dezember 2018 (IV-act. 293) abgestellt werden könne.
Auch der RAD-Arzt Dr. med. F._ halte nach entsprechender
Einsichtnahme mit Stellungnahme vom 7. Januar 2019 (IV-act. 328-6/18)
an seiner Abschlussbeurteilung vom 11. April 2016 fest. Die Überlegungen
- 26 -
und Ergebnisse der Gutachterin und des RAD-Arztes seien schlüssig,
nachvollziehbar und widerspruchsfrei, weshalb an der mit Vorbescheid
vom 14. August 2019 (IV-act. 315) dargelegten Beurteilung, dass kein
Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe, festgehalten werde.
6.1. Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde vom 31. Januar 2020 und
in der Replik vom 16. März 2020 im Wesentlichen die Stellungnahme von
med. pract. E._ vom 20. Dezember 2018, die sie als unvollständig,
nicht plausibel und nicht überzeugend erachtet. Diese Beurteilung vermöge
die vom Gericht mit Urteil VGU S 17 4 vom 6. Februar 2018 festgestellten
Mängel nicht zu beseitigen. Auch aus der beigelegten Stellungnahme von
Dr. med. K._ vom 29. Januar 2020 gehe hervor, dass die Beurteilung
von med. pract. E._ in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge ungenügend und insbesondere das Adult Asperger
Assessment (AAA) nicht korrekt durchgeführt worden sei. Auffällig sei die
enorme Diskrepanz bei der Folgenabschätzung der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen. Die Beschwerdegegnerin wäre zu weiteren
Abklärungen verpflichtet gewesen, zumal die angegebene 100%ige
Leistungsfähigkeit im erlernten Berufszweig in den Akten keine Stütze
finde. Vielmehr würden die Eingliederungsfachpersonen übereinstimmend
eine hochgradige Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit
beschreiben. Damit sprächen klare Indizien gegen die Zuverlässigkeit des
Gutachtens von med. pract. E._, womit die Leistungsabweisung nicht
rechtens sei. Nachdem die diagnostische Einordnung eines Leidens nicht
mehr zentrale Bedeutung habe und die Beschwerdegegnerin das Vorliegen
eines invaliditätsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens anerkenne, sei
auf die Leistungsbeurteilung der Eingliederungsfachpersonen abzustellen.
6.2. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Februar 2020 gibt die
Beschwerdegegnerin an, die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden
- 27 -
das nun ergänzte Gutachten von med. pract. E._ nicht erschüttern,
weshalb sich die angefochtene Verfügung als rechtens erweise. Die
Gutachterin habe, wie vom Gericht gefordert, zu den Berichten der
Fachärzte und Eingliederungsfachpersonen detailliert Stellung genommen.
Dem mit Beschwerde eingereichten Bericht von Dr. med. K._ vom
29. Januar 2020 könnten keine Befunde bzw. konkrete Einschränkungen
oder Aussagen zur (zumutbaren) Arbeitsfähigkeit entnommen werden.
6.3. Nach durchgeführtem Schriftenwechsel, nämlich am 24. September 2020,
wurde das vom Gericht am 3. Juni 2020 in Auftrag gegebene psychiatrische
Gutachten erstattet. Der Gutachter Dr. med. L._ kam darin zum
Schluss, dass aus gutachterlicher Sicht, unter Berücksichtigung der Eigen-
und Fremdanamnese, der Abklärung in einer Spezialsprechstunde und der
differenzialdiagnostischen Überlegungen mit einer an Sicherheit
grenzenden Wahrscheinlichkeit die Diagnose einer
Autismusspektrumstörung (ICD-10 F84.0) gestellt werden könne (S. 73).
Was die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin betrifft, attestierte er ihr
in Bezug auf den ersten Arbeitsmarkt in einer optimal angepassten Stelle,
das heisst mit einem wohlwollenden Vorgesetzten, ausreichenden
Rückzugsmöglichkeiten, möglichst wenig Publikumsverkehr und
fehlendem Zeit- und Leistungsdruck sowie möglichst gleichbleibenden
Abläufen, eine Arbeitsfähigkeit von 40 %; im geschützten Rahmen
erachtete er eine Arbeitsfähigkeit zwischen 60-80 % als möglich (S. 81 f.).
6.4. Nach Kenntnisnahme des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von
Dr. med. L._ vom 24. September 2020 und Rücksprache mit dem
RAD-Arzt kam die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. Oktober
2020 auf die angefochtene Verfügung (Bf-act. 2, IV-act. 327) zurück und
anerkennt nunmehr, entgegen dem ursprünglichen Entscheid, einen
Anspruch auf eine Invalidenrente. Da die Beschwerdeführerin vom
- 28 -
13. August 2013 bis zum 12. August 2015 sowie vom 1. Februar 2017 bis
zum 31. Dezember 2018 Taggelder bezogen hatte, bemisst die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch folgendermassen (vgl. die
entsprechenden Invaliditätsbemessungen für die Jahre 2013, 2015, 2016,
2019 und 2020 in der Beilage der Beschwerdegegnerin zum Schreiben
vom 8. Oktober 2020):
- ab dem 1. August 2013 bis zum 31. August 2013: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 61 %)
- ab dem 1. August 2015 bis zum 31. Januar 2017: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 62 % [2015] bzw. 67 % [2016 und 2017])
- ab dem 1. Januar 2019 bis zum 30. Juni 2020: Dreiviertelsrente
(Invaliditätsgrad 67 %)
- ab dem 1. Juli 2020: ganze unbefristete Rente (Invaliditätsgrad 71 %;
Erhöhung des Ansatzes für Versicherte ohne Ausbildung mit
Vollendung des 25. Altersjahres).
Die Beschwerdegegnerin geht dabei gestützt auf die Beurteilung von
Dr. med. L._ von einer (Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
von 40 % (50%ige Leistungsfähigkeit bei einem 80%igen Pensum), einem
Valideneinkommen nach den Ansätzen von Art. 26 Abs. 1 der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) für Versicherte ohne
Ausbildung (Frühinvalidität) und einem Invalideneinkommen gemäss den
Tabellen der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(nachfolgend LSE; weiblich, Kompetenzniveau 1, aufindexiert) aus (vgl. die
entsprechenden Bemessungen des Invaliditätsgrads für die Jahre 2013,
2015, 2016, 2019 und 2020).
6.5. Zu der am 8. Oktober 2020 erfolgten Anerkennung der
Beschwerdegegnerin nahm die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
- 29 -
19. Oktober 2020 Stellung. Darin beantragt sie die Ausrichtung einer
ganzen Invalidenrente für den Monat August 2013, mindestens eine
Dreiviertelsrente spätestens mit Wirkung ab August 2015 und eine ganze
Invalidenrente spätestens mit Wirkung ab Januar 2016.
Begründend führt sie aus, dass auch sie das Gutachten von Dr. med.
L._ als vollständig und nachvollziehbar erachte. Die Ausführungen zur
Arbeitsfähigkeit bedürften jedoch einer genaueren Betrachtung. Die
diesbezüglichen Angaben von Dr. med. L._ seien in Anlehnung an die
Einschätzungen der Eingliederungsfachleute erfolgt. Dabei gehe er von
einer optimal angepassten Stelle aus, d.h. einem wohlwollenden
Vorgesetzten, ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten, möglichst wenig
Publikumsverkehr und fehlendem Zeit- und Leistungsdruck sowie
möglichst gleichbleibenden Abläufen. Zur Beurteilung des Lehrbetriebs
O._ (ehemals D._), wonach bei einem Pensum von 80 % eine
Leistung von 50 % erbringbar sei, habe Dr. med. L._ festgehalten, die
Versuche im Bereich des ersten Arbeitsmarkts hätten ausgesprochen
schnell gezeigt, dass diese Einschätzung eher optimistisch sei (vgl.
psychiatrisches Gerichtsgutachten S. 81). Zudem gelte die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachter einzig in einem klar strukturierten
und wohlwollenden Umfeld. Auch wenn der ausgeglichene Arbeitsmarkt
Nischenarbeitsplätze vorsehe, sei es vorliegend mit einem sozialen
Entgegenkommen des Arbeitsgebers nicht getan. Die Beschwerdeführerin
habe aufgrund der gutachterlich festgestellten schwerwiegenden
Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen einen hohen
Unterstützungsbedarf. Sie bedürfe zudem gemäss Einschätzung des
G._ im Abschlussbericht vom 4. Juni 2018 einer "beschützenden"
Arbeitsstelle. Zudem weise der Gutachter auf die Gefahr der
Selbstüberforderung hin. Schliesslich sei mit den krankheitsbedingt
auftretenden Blockaden nicht mit einer stabilen Leistungsfähigkeit zu
- 30 -
rechnen. Es erscheine daher fraglich, ob auf dem ersten Arbeitsmarkt
verfügbare Stellen vorhanden seien. Für den Fall, dass das Gericht dies
bejahe, sei aufgrund der schweren Beeinträchtigungen nicht von einer
40%igen Leistungsfähigkeit auszugehen; vielmehr sei ein angemessener
Leidensabzug vorzunehmen. Im Abschlussbericht des G._ vom
4. Juni 2018 sei der erzielbare Verdienst auf Fr. 18'000.-- (Fr. 1'500.-- x 12)
beziffert worden. Gerechtfertigt sei ein Leidensabzug von mindestens
15 %, womit ein Invalideneinkommen in der genannten Grössenordnung
resultiere. Folglich bestehe spätestens ab Januar 2016 ein Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente. Für den August 2013, dem Monat des
Erreichens des 18. Altersjahrs, sei der Beschwerdeführerin eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen, da sie damals auf einen Arbeitsplatz im
geschützten Rahmen angewiesen gewesen sei.
6.6. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu ihrerseits mit Eingabe vom
26. Oktober 2020 Stellung. Ihrer Ansicht nach ist die Frage, ob der erste
Arbeitsmarkt angesichts des sehr spezifischen Anforderungs- und
Zumutbarkeitsprofils verfügbare Stellen anbiete, klar zu bejahen, zumal der
ausgeglichene Arbeitsmarkt nach konstanter Rechtsprechung auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze anbiete, bei denen Personen mit einem
gesundheitlichen Handicap auf ein soziales Entgegenkommen der
Arbeitgeber zählen könnten. Ein Leidensabzug sei nicht gerechtfertigt, weil
aufgrund des eingeholten psychiatrischen Gerichtsgutachtens davon
auszugehen sei, dass die Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der
noch zumutbaren Rest-Arbeitsfähigkeit berücksichtigt seien.
6.7. Die Beschwerdeführerin hält dem mit Schreiben vom 9. November 2020
entgegen, dass eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bisher trotz
umfangreicher Unterstützung und vorbildlichem Einsatz der
Beschwerdeführerin nicht gelungen sei. Praxisgemäss sei im Rahmen der
- 31 -
Indikatorenprüfung sowohl die medizinische Beurteilung als auch die
Einschätzung der Eingliederungsfachpersonen zu berücksichtigen. Die
Beschwerdeführerin sei auf einen Nischenarbeitsplatz angewiesen und
selbst dort stehe ihr krankheitsbedingt nur ein beschränktes Spektrum an
Tätigkeiten zur Auswahl. Entgegen der Darstellung der
Beschwerdegegnerin seien diese Einschränkungen nicht als in der
zumutbaren (Rest-)Arbeitsfähigkeit berücksichtigt zu betrachten. Ein
Leidensabzug sei gerechtfertigt, weil insbesondere der
Unterstützungsbedarf dauerhaft hoch bleiben werde, was auch Dr. med.
L._ bestätigt habe.
7. Nachdem beide Parteien das psychiatrische Gerichtsgutachten von
Dr. med. L._ vom 24. September 2020 und die von ihm attestierte
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anerkennen, erübrigt es sich
vorliegend, auf die gegen die Beurteilung von med. pract. E._
erhobenen Einwände näher einzugehen. Da der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente seitens der
Beschwerdegegnerin anerkannt wird, geht das Gericht im Nachfolgenden
in einem ersten Schritt auf das psychiatrische Gerichtsgutachten von
Dr. med. L._ vom 24. September 2020 ein (Erwägung 7.1.) und prüft
in einem zweiten die konkrete Invaliditätsbemessung (Erwägung 8).
7.1. Nach Ansicht des Gerichts erfüllt das psychiatrische Gerichtsgutachten von
Dr. med. L._ vom 24. September 2020 die von der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines
medizinischen Berichts gestellten Anforderungen (vgl. dazu
Erwägung 5.2). Dr. med. L._ hat sich in seiner Beurteilung in Kenntnis
der medizinischen und der weiteren Vorakten (S. 10 ff.) sorgfältig mit den
gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin sowie mit ihrer
Vor- bzw. Krankheitsgeschichte auseinandergesetzt und seine
- 32 -
Schlussfolgerungen gestützt auf die eigene Exploration (S. 46 ff., inkl.
Befunderhebung [S. 56] und Einholung fremdanamnestischer Auskünfte
bei der Mutter [S. 56 ff.]) gezogen. Die Ausführungen in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge, insbesondere auch zu den
vorbefundlichen Diagnosen, einschliesslich den Ausführungen von
med. pract. E._ zu den Kriterien einer Autismusspektrumstörung, sind
einleuchtend (S. 61 ff. und S. 84 f.). Ebenso sind die gezogenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur
versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
anhand der Standardindikatoren und eines Mini-ICF-APP zur objektivierten
Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit nachvollziehbar begründet
(S. 75 ff.).
Ferner ist das Gutachten für die streitigen Belange umfassend. Dr. med.
L._ kommt unter Bezugnahme auf die DSM-5-(bzw. ICD-10/11)-
Kriterien und die einschlägige Literatur zur Autismusspektrumstörung bzw.
Differenzialdiagnostik in schlüssiger Weise zum Schluss, dass aus
gutachterlicher Sicht, unter Berücksichtigung der Eigen- und
Fremdanamnese, der Abklärung in einer Spezialsprechstunde und der
differenzialdiagnostischen Überlegungen mit einer an Sicherheit
grenzenden Wahrscheinlichkeit die Diagnose einer
Autismusspekrumstörung (ICD-10 F84.0) gestellt werden könne. Darüber
hinaus könne trotz der hohen grundsätzlichen Komorbidität keine weitere
Diagnose nach ICD-10 oder DSM-5 mit der nötigen Sicherheit gestellt
werden (S. 70 ff.).
Schliesslich führt Dr. med. L._ überzeugend aus, dass die
Beschwerdeführerin in verschiedenen (Eingliederungs- bzw. Praktika-
)Stellen ähnliche Ergebnisse erbracht habe. Die Einschätzung des
O._ (ehemals D._), dass bei einem Arbeitspensum von
- 33 -
höchstens 80 % eine Leistung von 50 % erbringbar sei, dürfte aus
gutachterlicher Sicht am ehesten den realistischen Fähigkeiten der
Beschwerdeführerin entsprechen, aber einzig in einem klar strukturierten
und wohlwollenden Umfeld, das mit der Diagnose vertraut sei. Somit sei
die Arbeitsfähigkeit im angestammten KV-Bereich mit 40 % zu beurteilen.
Da die Tätigkeit bei O._ grundsätzlich einer optimal
leidensangepassten Tätigkeit entsprochen habe, sei die Arbeitsfähigkeit
gleich wie im angestammten Beruf (S. 81 f.).
7.2. Nach dem Gesagten kommt das Gericht zum Schluss, dass dem
Gutachten von Dr. med. L._ vom 24. September 2020 volle
Beweiskraft zukommt und dass vollumfänglich darauf abgestellt werden
kann. Dies wird denn auch von den Parteien nicht bestritten.
8. Zu klären bleibt damit, in einem weiteren Schritt und im Hinblick auf die
Bemessung der Invalidenrente (Erwägung 8.3), insbesondere die
Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (Erwägung 8.1)
und die Frage des Leidensabzugs (Erwägung 8.2).
8.1. Was die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit angeht, so ist der
Referenzpunkt dafür nicht der erste, sondern der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG). Art. 7 Abs. 1
ATSG definiert die Erwerbsunfähigkeit als der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
8.1.1. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich dabei um
einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den
- 34 -
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits
ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der
Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält
und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu
verwerten (BGE 134 V 64 E.4.2.1, BGE 110 V 273 E.4b; Urteile des
Bundesgerichts 8C_710/2018 vom 30. Januar 2019 E.7.1 und
8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.2). Daraus folgt, dass für die
Invaliditätsbemessung auch nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.4.2, Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 19/06 vom 18. Oktober 2006
E.5.1 mit Hinweis auf AHI-Praxis 6/1998 S. 291).
8.1.2. Im vorliegenden Fall definierte Dr. med. L._ in seinem psychiatrischen
Gerichtsgutachten vom 24. September 2020 ein Belastungsprofil.
Demnach erweisen sich nur Tätigkeiten in einem wohlwollenden Umfeld
als geeignet, in dem auf die krankheitsbedingten Einschränkungen der
Beschwerdeführerin Rücksicht genommen werde. Die Beschwerdeführerin
benötige Rückzugsmöglichkeiten, wiederkehrende Abläufe, wenig
Kundenkontakte und das Fehlen von Zeit- und Leistungsdruck (vgl.
psychiatrisches Gerichtsgutachten S. 82 und 89). Dieses gutachterliche
Belastungsprofil enthält zwar zahlreiche qualitative Anforderungen an eine
- 35 -
leidensangepasste Tätigkeit. Es erscheint aber nicht derart eingeschränkt,
dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt eine solche Stelle praktisch nicht
kennen würde oder von einem Arbeitgeber realistischerweise kein solches
Entgegenkommen erwartet werden könnte, womit das Finden einer
solchen Stelle praktisch ausgeschlossen wäre (Urteile des Bundesgerichts
8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2, 9C_183/2017 vom 30. Oktober
2017 E.4.2 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1). Vielmehr finden
sich im Bereich einfacher, handwerklicher Tätigkeiten (Kompetenzniveau
1) durchaus auch Arbeiten, welche insbesondere wenig Kundenkontakt
und Publikumsverkehr bzw. gleichbleibende Abläufe aufweisen und auch
in einem (niedrigeren) Teilzeitpensum und mit Rückzugsmöglichkeiten
erbracht werden können (vgl. Urteil 8C_219/2019 vom 30. September 2019
E.5.2). Zudem räumt die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift
selbst ein, über ein gutes Potenzial zu verfügen und eine gute Intelligenz
aufzuweisen (vgl. dazu auch ihre Leidenschaft für historische Romane und
Sachbücher, Phantasie- und Jugendbücher, die sie auf Deutsch und
Französisch liest). Auch im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen bzw.
der absolvierten Praktika wird eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
nicht grundsätzlich ausgeschlossen (vgl. z.B. Lehre im D._
[Abschlussbericht vom 3. Juni 2015, IV-act. 141]: maximales
Arbeitspensum im ersten Arbeitsmarkt von 80 % mit 50 % Leistung;
H._ Gartencenter [IV-act. 173 S. 31]: Präsenzzeit von 50 % bei 15 %-
20 % Leistung; Abschlussbericht des G._ vom 4. Juni 2018 [IV-
act. 275]: Tätigkeit in einer Bibliothek in der freien Wirtschaft sei möglich im
"beschützten" Rahmen, vgl. dazu auch eigene Aussage der
Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung [psychiatrisches
Gerichtsgutachten S. 53]). Obschon dabei zahlreiche Defizite beschrieben
werden (vgl. dazu Ausführungen weiter unten) und auch Dr. med. L._
solche in seinem Gutachten ausweist (vgl. psychiatrisches
Gerichtsgutachten S. 78: erhebliche Beeinträchtigungen v.a. im Bereich
- 36 -
der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Entscheidungs- und
Urteilsfähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Konversations- und
Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie eine geringe Fähigkeit zu engen
dyadischen Beziehungen), schliesst er letztlich ausdrücklich auf eine
Arbeitsfähigkeit von 40 % im ersten Arbeitsmarkt bei Einhaltung gewisser
qualitativer Anforderungen (psychiatrisches Gerichtsgutachten S. 89). Dies
erscheint angesichts der doch vorhandenen Ressourcen (vgl. z.B.
Spezialinteresse für Bücher sowie gute Erledigung von einfachen,
repetitiven Arbeiten mit klaren Strukturen, vgl. ferner psychiatrisches
Gerichtsgutachten S. 80 bzw. Arbeitszeugnis Einsatzprogramm
Mittelbünden vom 19. Juni 2017 [IV-act. 230 f.]) nachvollziehbar. Auch
wenn angesichts der Defizite der Beschwerdeführerin eine enge,
verständnisvolle und wohlwollende Begleitung seitens des Arbeitgebers
erforderlich ist, kann nicht gesagt werden, dass eine Arbeitsgelegenheit nur
unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle
daher von vornherein ausgeschlossen erscheint. Vielmehr umfasst der
ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also
Arbeitsangebote, bei denen invalide Personen mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Insofern
stehen der Beschwerdeführerin nach Ansicht des Gerichts auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt gerade noch genügend Einsatzmöglichkeiten
in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen, womit die Verwertbarkeit der
(Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu bejahen ist.
8.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können persönliche und
berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung
Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben, weshalb ein auf höchstens 25 %
- 37 -
begrenzter Leidensabzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu
ermittelnden Invalideneinkommen vorgenommen werden kann, soweit
anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende
Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (Urteile des
Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1, 9C_787/2018,
9C_795/2018 vom 19. Juli 2019 E.6.2; BGE 146 V 16 E.4.1, BGE 135 V
297 E.5.2). Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist der Einfluss aller
in Betracht fallender Merkmale auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen und insgesamt, wie erwähnt, auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (Urteile des Bundesgerichts
9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1, 9C_787/2018, 9C_795/2018
vom 19. Juli 2019 E.6.2; BGE 135 V 297 E.5.2, BGE 134 V 322 E.5.2,
BGE 126 V 75 E.5b/bb-cc).
8.2.1. Ein leidensbedingter Abzug kommt nicht generell und in jedem Fall zur
Anwendung. Ein Abzug soll nicht automatisch (Urteil des Bundesgerichts
9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1), sondern dann erfolgen, wenn
im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person
wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender Merkmale ihre
gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
verwerten kann (Urteile des Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August
2020 E.7.1.1, 9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2, 9C_549/2018
vom 20. Februar 2019 E.4.1; BGE 135 V 297 E.5.2). Die Rechtsprechung
gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen,
wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen einer körperlich leichten
Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (Urteil des
- 38 -
Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1; BGE 126 V 75
E.5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung
der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_283/2020
vom 17. August 2020 E.7.1.1; BGE 146 V 16 E. 4.1). Praxisgemäss werden
keine separat quantifizierten Abzüge je für die massgeblichen Kriterien
vorgenommen und addiert, sondern vielmehr der Abzug gesamthaft
geschätzt (Urteile des Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August 2020
E.7.1.1, 8C_536/2019 vom 26. September 2019 E.5.2.2 f.; BGE 126 V 75
E.5b/bb).
8.2.2. Im vorliegenden Fall wurde der verminderten psychischen Belastbarkeit
der Beschwerdeführerin zwar in quantitativer Hinsicht mit der auf 40 %
reduzierten (Rest-)Arbeitsfähigkeit Rechnung getragen. Wenn die
Beschwerdegegnerin nun daraus schliesst, es sei kein Leidensabzug
vorzunehmen, übersieht sie, dass die Beschwerdeführerin auch über die
Verrichtung körperlich leichter und einfacher Tätigkeiten
(Kompetenzniveau 1) hinaus massgeblich in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist. So ist sie aufgrund der diagnostizierten
Autismusspektrumstörung aus gutachterlicher Sicht zusätzlich
insbesondere auf ein wohlwollendes Umfeld angewiesen, in dem auf die
krankheitsbedingten Einschränkungen Rücksicht genommen wird. Die
Beschwerdeführerin benötigt gemäss Gutachter Rückzugsmöglichkeiten,
wiederkehrende Abläufe, wenig Kundenkontakte und sollte Zeit- und
Leistungsdruck vermeiden (vgl. psychiatrisches Gerichtsgutachten S. 82
und 89). Zudem wurde auch im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen
bzw. der absolvierten Praktika stets betont, dass Anpassungen am
Arbeitsplatz notwendig seien und die Beschwerdeführerin z.B. klare
- 39 -
Strukturen und schrittweise Anweisungen, eine wohlwollende
Unterstützung und Begleitung seitens des Arbeitgebers sowie Impulse von
aussen benötige, an einem ruhigen und reizarmen Arbeitsplatz arbeiten
müsse, nur klar umrissene Arbeiten erledigen könne, ein langsames
Arbeitstempo aufweise, in der zwischenmenschlichen Kommunikation
eingeschränkt sowie in gewissen Situationen blockiert bzw. unsicher und
auf die Entwicklung von Strategien zur Bewältigung von Schwierigkeiten
während des Arbeitsalltags angewiesen sei (vgl. dazu z.B.
Abschlussbericht D._ vom 3. Juni 2015 [IV-act. 141], Bericht H._
Gartencenter vom 16. Mai 2016 [IV-act. 173 S. 31], Schreiben
Buchhandlung I._ vom 31. Mai 2016 [IV-act. 173 S. 33], Protokoll
Standortbestimmung vom 1. Februar 2018 [betreffend Einsatz im G._;
IV-act. 246], Abschlussbericht des G._ vom 4. Juni 2018 [IV-act. 275],
Praktikumsbericht J._ GmbH vom 18. November 2016 [eingereicht mit
Schreiben vom 27. Mai 2020, Pli Korrespondenz/D.10]).
Überdies ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bisher keine
beruflichen Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln konnte, auf die
sie in einer Verweistätigkeit zurückgreifen könnte. Vielmehr absolvierte sie
eine dreijährige Lehre im geschützten Rahmen (zuvor erfolgte auch die
Beschulung im geschützten Rahmen), bevor sie einige, relativ kurze
Praktikumseinsätze leistete und an beruflichen Massnahmen im
geschützten Umfeld teilnahm. Insgesamt erscheinen die funktionellen
Einschränkungen der Beschwerdeführerin daher nicht ohne Weiteres mit
den gewöhnlichen betrieblichen Anforderungen vereinbar, weshalb sich
nach Ansicht des Gerichts ein Leidensabzug von insgesamt 15 % als
angemessen erweist.
8.3. Gemäss Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG wird für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
- 40 -
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte,
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; vgl. BGE 142 V 290 E.4, BGE 130 V 343 E.3.4.2,
BGE 128 V 29 E.1). Der Einkommensvergleich hat in der Weise zu
erfolgen, dass Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus
der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V
343 E.3.4.2, BGE 128 V 29 E.1).
8.3.1. Das Valideneinkommen bestimmt sich vorliegend unbestrittenermassen
nach Art. 26 Abs. 1 IVV. Demnach entspricht das als Nichtinvalide
erzielbare Erwerbseinkommen einer versicherten Person, die wegen der
Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnte,
den folgenden nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich
aktualisierten Medianwertes gemäss LSE:
Nach Vollendung von ...
Altersjahren
Vor Vollendung von ...
Altersjahren
Prozentsatz
21 70
21 25 80
25 30 90
30 100
Das Valideneinkommen betrug bzw. beträgt:
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 317 vom 17. Oktober 2012:
Fr. 53'900.-- per 2013 (die Beschwerdeführerin wurde im Juli 2013 18
Jahre alt)
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 329 vom 18. Dezember 2014:
- 41 -
Fr. 57'750.-- per 2015 (die Beschwerdeführerin wurde im Juli 2015
20 Jahre alt)
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 329 vom 18. Dezember 2014:
Fr. 57'750.-- bzw. Fr. 66'000.-- per 2016 (die Beschwerdeführerin
wurde im Juli 2016 21 Jahre alt, womit der anzuwendende Prozentsatz
ab diesem Zeitpunkt auf 80 % stieg)
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 354 vom 7. Oktober 2016:
Fr. 65'200.-- per 2017 (die Beschwerdeführerin wurde im Juli 2017 22
Jahre alt)
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 378 vom 31. Oktober 2018:
Fr. 66'400.-- per 2019 (die Beschwerdeführerin wurde im Juli 2019 24
Jahre alt)
- gemäss IV-Rundschreiben Nr. 393 vom 15. November 2019:
Fr. 66'800.-- bzw. Fr. 75'150.-- (die Beschwerdeführerin wurde im Juli
2020 25 Jahre alt, womit der anzuwendende Prozentsatz auf 90 %
stieg)
8.3.2. Das Invalideneinkommen bemisst sich nach der Tabelle TA 1 der LSE,
Totalwert Frauen. Bei Annahme einer 40%igen (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt (x 0.4) und einem Leidensabzug von 15 %
(x 0.85) resultieren im vorliegend anwendbaren Kompetenzniveau 1,
umgerechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7
Stunden und aufindexiert (gemäss der Tabelle T1.93 Nominallohnindex:
2013: 1.007; 2015: 1.004; 2016: --; 2017: 1.004; 2018: 1.005; 2019: 1.01;
2020: 1.01) folgende Beträge per:
- 2013: Fr. 17'612.40 (LSE 2012: Fr. 4'112.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.007 x
0.4 x 0.85)
- 2015: Fr. 18'381.07 (LSE 2014: Fr. 4'300.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.004 x
0.4 x 0.85)
- 42 -
- 2016: Fr. 18'557.58 (LSE 2016: Fr. 4'363.-- : 40 x 41.7 x 12 x 0.4 x
0.85)
- 2017: Fr. 18'631.81 (LSE 2016: Fr. 4'363.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.004 x
0.4 x 0.85)
- 2019: Fr. 18'912.22 (LSE 2016 [LSE 2018 im Verfügungszeitpunkt
noch nicht veröffentlicht]: Fr. 4'363.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.004 x 1.005
x 1.01 x 0.4 x 0.85)
- 2020: Fr. 19'101.35 (LSE 2016 [LSE 2018 im Verfügungszeitpunkt
noch nicht veröffentlicht]: Fr. 4'363.-- : 40 x 41.7 x 12 x 1.004 x 1.005
x 1.01 x 1.01 x 0.4 x 0.85)
8.3.3. Durch Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens
ergeben sich in Anwendung der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs (vgl. Erwägung 8.3) folgende Invaliditätsgrade für
folgende Zeitabschnitte (unter Berücksichtigung der erfolgten
Taggeldausrichtung [vgl. dazu Erwägung 6.4 sowie die entsprechenden
Invaliditätsbemessungen für die Jahre 2013, 2015, 2016, 2019 und 2020 in
der Beilage zum Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 8. Oktober
2020]; vgl. zudem zur Rundung BGE 130 V 121 E.3.2):
- per 2013: 67.32 % (= [Fr. 53'900.-- - Fr. 17'612.40] x 100 : Fr. 53'900.-
-), womit für den Monat August 2013 bei einem gerundeten
Invaliditätsgrad von 67 % ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
besteht,
- per 2015: 68.17 % (= [Fr. 57'750.-- - Fr. 18'381.07] x 100 : Fr. 57'750.-
-), womit ab August 2015 bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von
68 % ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besteht,
- per 2016: 67.86 % (= [Fr. 57'750.-- - Fr. 18'557.58] x 100 : Fr. 57'750.-
-), womit bis Juni 2016 bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von
68 % ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besteht, bzw. 71.88 % (=
- 43 -
[Fr. 66'000.-- - Fr. 18'557.58] x 100 : Fr. 66'000.--), womit ab Juli 2016
bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von 72 % ein Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente besteht,
- per 2017: 71.42 % (= [Fr. 65'200.-- - Fr. 18'631.81] x 100 : Fr. 65'200.-
-), womit per Januar 2017 bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von
71 % ebenfalls ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht,
- per 2019: 71.51 % (= [Fr. 66'400.-- - Fr. 18'912.22] x 100 : Fr. 66'400.-
-), womit ab Januar 2019 bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von
72 % ebenfalls ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht,
- per 2020: 71.40 % (= [Fr. 66'800.-- - Fr. 19'101.35] x 100 : Fr. 66'800.-
-) bzw. 74.58 % (= [Fr. 75'150.-- - Fr. 19'101.35] x 100 : Fr. 75'150.--),
womit ab Januar 2020 bei einem gerundeten Invaliditätsgrad von 71 %
bzw. 75 % ebenfalls ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
besteht.
8.4. Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Beschwerde
gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 10. Dezember 2019
(Bf-act. 2, IV-act. 327) aufzuheben ist. Der Beschwerdeführerin sind
folgende Invalidenrenten zuzusprechen: eine Dreiviertelsrente für den
Monat August 2013 (Invaliditätsgrad 67 %) und für die Zeit ab August 2015
(Invaliditätsgrad 68 %) bis Juni 2016 (Invaliditätsgrad 68 %) sowie eine
ganze Invalidenrente ab Juli 2016 (Invaliditätsgrad 72 %) bis Januar 2017
(Invaliditätsgrad 71 %) sowie ab Januar 2019 (Invaliditätsgrad 72 %;
Januar bis Juni 2020 Invaliditätsgrad 71 %; ab Juli 2020 Invaliditätsgrad
75 %).
9. Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin, dass die Kosten für die
Einholung der fachmedizinischen Stellungnahme von Dr. med. K._
vom 29. Januar 2020 (Bf-act. 3) gestützt auf Art. 45 ATSG der
Beschwerdegegnerin zu überbinden seien. Darüber hinaus stellt sich auch
- 44 -
die Frage, wer für die Kosten des seitens des Gerichts angeordneten
psychiatrischen Gerichtsgutachtens von Dr. med. L._ vom
24. September 2020 aufzukommen hat.
9.1. Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die
Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat (Satz 1).
Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten
dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs
unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener
Leistungen bilden (Satz 2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
hat der Versicherungsträger die Kosten eines von einer versicherten
Person veranlassten Gutachtens dann zu übernehmen, wenn sich der
medizinische Sachverhalt erst aufgrund des neu beigebrachten
Untersuchungsergebnisses schlüssig feststellen lässt und dem So-
zialversicherer insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes obliegenden Pflicht zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung vorzuwerfen ist (vgl. u.a. Urteile des
Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. September 2019 E.8 und
8C_200/2018 vom 7. August 2018 E.8). In BGE 143 V 269 hat das
Bundesgericht ferner ausgeführt, Art. 45 Abs. 1 ATSG stelle auch eine
genügende gesetzliche Grundlage für die allfällige Auferlegung der Kosten
eines Gerichtsgutachtens an den Versicherungsträger dar (E.6.2.1). In
BGE 139 V 496 stellte es für den Bereich der Invalidenversicherung
Kriterien auf, die bei der Beurteilung der Frage zu berücksichtigen sind, ob
die Kosten eines Gerichtsgutachtens dem Grundsatz nach der Verwaltung
auferlegt werden können (E.4.4). Demnach muss ein Zusammenhang
bestehen zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung
und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, was das
Bundesgericht für verschiedene Konstellationen verdeutlichte. Wenn die
Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre
- 45 -
Auffassung auf objektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse
einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der
Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht
gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (BGE 143 V
269 E.3.3, BGE 140 V 70 E.6.1).
9.2. Das Gericht ist vorliegend der Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin nach
Eingang des Urteils S 17 4 vom 6. Februar 2018 ihrer Pflicht zur Abklärung
des medizinischen Sachverhalts in rechtsgenüglicher Weise
nachgekommen und ihr deshalb keine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes vorzuwerfen ist (vgl. Erwägung 5.1).
9.2.1. Dies gilt einerseits in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin mit der
Beschwerde eingereichte fachmedizinische Stellungnahme von Dr. med.
K._ vom 29. Januar 2020 (Bf-act. 3). Die Beschwerdegegnerin war
den Vorgaben des Verwaltungsgerichts im erwähnten Urteil gefolgt, indem
sie bei med. pract. E._ eine ausführliche Ergänzung (IV-act. 293) zu
deren ursprünglichem Gutachten vom 7. April 2016 (IV-act. 160) einholte.
Damit war der medizinische Sachverhalt schlüssig festgestellt, woran die
neu seitens der Beschwerdeführerin beigebrachte Stellungnahme von
Dr. med. K._ vom 29. Januar 2020 (Bf-act. 3) nichts zu ändern
vermochte. Im Übrigen versäumte es die Beschwerdeführerin, die
angefallenen Kosten auszuweisen und eine entsprechende Rechnung
einzureichen. Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für eine
entsprechende Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin nicht
erfüllt.
9.2.2. Andererseits ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin nicht dafür
einzustehen hat, dass das streitberufene Gericht im Rahmen der
Beweiswürdigung den von ihr eingeholten ergänzenden Ausführungen von
- 46 -
med. pract. E._ (IV-act. 293) nicht folgte, sondern die Einholung eines
psychiatrischen Gerichtsgutachtens anordnete. Folglich sind auch die
Kosten des seitens des Gerichts angeordneten psychiatrischen
Gutachtens von Dr. med. L._ nicht der Beschwerdegegnerin zu
überbinden. Vielmehr sind die Kosten des Gerichtsgutachtens von
Fr. 3'950.-- gemäss Rechnung von Dr. med. L._ vom 24. September
2020 in Beachtung der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
10. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren, in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG, bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG), wobei
die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt werden.
10.1. Vorliegend legt das Gericht die Kosten für das Verfahren auf Fr. 700.-- fest.
Diese gehen zu Lasten der unterliegenden Beschwerdegegnerin.
10.2. Die obsiegende Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten; diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Die
konkrete Bemessung der Parteientschädigung für das kantonale Verfahren
ist im Übrigen dem kantonalen Recht überlassen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_30/2014 vom 6. Mai 2014 E.2.2).
10.2.1. Ausgangspunkt für die Kostenübernahme der Rechtsvertretung bilden die
Honorarnoten der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, mit denen ein
Honorar von insgesamt von Fr. 3'816.-- geltend gemacht wird. Mit
- 47 -
Honorarnote vom 6. April 2020 (Stand vor Einholung des psychiatrischen
Gerichtsgutachtens) stellte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
einen Aufwand von Fr. 2'396.10 in Rechnung (bestehend aus 13.5 Stunden
à Fr. 160.-- [Fr. 2'160.--] zzgl. 3% Spesenpauschale [Fr. 64.80] und 7.7%
MWSt [Fr. 171.30]). Mit Schreiben vom 13. November 2020 wurde sie
aufgefordert, dem Gericht eine ergänzte Honorarnote einzureichen, worauf
sie am 17. November 2020 (Stand nach Erstattung des psychiatrischen
Gerichtsgutachtens vom 24. September 2020) eine Honorarnote über
Fr. 1'419.90 (bestehend aus 8 Stunden Zeitaufwand à Fr. 160.-- [Fr. 1'280.-
-] zzgl. 3 % Spesenpauschale [Fr. 38.40] und 7.7 % MWSt [Fr. 101.50]) für
die seit Mai 2020 getätigten Bemühungen ins Recht legte. Dem Gericht
erscheint der ausgewiesene Aufwand und das sich (in Anwendung des
Stundenansatzes von Fr. 160.-- für Hilfsorganisationen oder
Rechtsschutzversicherungen [vgl. dazu PVG 2010 Nr. 31 und Nr. 32; Urteil
des Verwaltungsgerichts S 16 138 vom 10. Oktober 2017 E.3c]) ergebende
Gesamthonorar von Fr. 3'816.-- angesichts der Bedeutung und der
Schwierigkeit der Streitsache als angemessen. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin wird folglich verpflichtet, der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung in der genannten Höhe auszurichten.
- 48 -