Decision ID: 94ded595-6222-57bd-be72-70aea603c734
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 31. März 2010 in der Schweiz um Asyl
nach. Mit Verfügung vom 5. Oktober 2015 stellte das SEM fest, er erfülle
die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Das Bundes-
verwaltungsgericht wies eine gegen diesen Entscheid gerichtete Be-
schwerde mit Urteil D-7330/2015 vom 10. Januar 2017 ab.
B.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein
Wiedererwägungsgesuch ein, welches von der Vorinstanz mit Verfügung
vom 6. Februar 2018 abgewiesen wurde. Die dagegen erhobene Be-
schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-1508/2018 vom
12. April 2018 ab.
C.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 17. August 2018 ein zwei-
tes Wiedererwägungsgesuch ein. Das SEM wies dieses mit Verfügung vom
27. September 2018 erneut ab. Eine gegen diesen Entscheid gerichtete
Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6188/2018
vom 14. November 2018 abgewiesen.
D.
Mit Eingabe seines neu mandatierten Rechtsvertreters vom 22. Juni 2020
liess der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein drittes Wiedererwä-
gungsgesuch einreichen. Darin beantragte er insbesondere die Anordnung
einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit und/oder Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs. Der Eingabe lagen – neben einer Voll-
macht – ein Arztzeugnis von B._ (Psychiatrische Dienste der ...)
vom 28. Mai 2020, eine Einladung zum Gespräch beim (...) vom 15. Mai
2020, Terminkarten für die Psychiatrischen Dienste in C._ sowie
zahlreiche ärztliche Zeugnisse aus den Jahren 2018, 2019 und 2020 bei,
in welchen dem Beschwerdeführer mehrheitlich Arbeitsunfähigkeit, teil-
weise auch Reiseunfähigkeit, attestiert wird.
E.
Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 29. Juni 2020 trat das SEM auf
das Wiedererwägungsgesuch vom 22. Juni 2020 nicht ein und stellte fest,
die Verfügung vom 5. Oktober 2015 sei rechtskräftig und vollstreckbar. Zu-
dem wies es das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten ab, erhob eine
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Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– und hielt fest, einer allfälligen Be-
schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
6. Juli 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen
Entscheid und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und das SEM sei einzuladen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutre-
ten. Zudem sei ihm im Rahmen einer vorläufigen Massnahme der Aufent-
halt in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens zu gestatten. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er weiter um Verzicht auf die Erhebung
von Kosten sowie Gewährung der partiellen unentgeltlichen Rechtspflege.
G.
Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug der Wegweisung mit superpro-
visorischer Massnahme vom 7. Juli 2020 per sofort einstweilen aus.
H.
Die Akten des vorliegenden Wiederwägungsgesuchs lagen dem Gericht
am 7. Juli 2020 in elektronischer Form vor.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen respektive darum, dass der Be-
schwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
darf, wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.
5.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM
ablehnt, ein Gesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, ist die Be-
urteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage
beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch nicht eingetreten
ist.
6.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert
30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und
begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
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blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (sogenanntes
"qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch").
7.
7.1 Zur Begründung seines Wiedererwägungsgesuchs brachte der Be-
schwerdeführer vor, dass sich sein psychischer Gesundheitszustand er-
heblich verschlechtert habe und ein nachgewiesenes Suizidrisiko bestehe.
Er habe sich mehrfach stationär behandeln lassen müssen, zuletzt vom
(...) April 2020 bis am (...) Mai 2020, verbunden mit einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis am 31. Mai 2020. Verschiedene Kontrollen
und Folgemassnahmen seien beabsichtigt. Es handle sich bei ihm um eine
psychisch kranke Person, welche im Heimatstaat keine Angehörigen habe.
Entsprechend habe er niemanden, der ihn empfangen könnte, und seine
Beeinträchtigungen würden es ihm nicht erlauben, Personen wiederzuer-
kennen sowie seine Situation kohärent darzulegen. Zudem verliere er oft
das Gedächtnis und verstehe nicht, was mit ihm geschehe. Der behan-
delnde Spezialist habe klar zum Ausdruck gebracht, dass seine Traumati-
sierung eine regelmässige und spezifische Behandlung erforderlich ma-
che. Von einem medizinischen Standpunkt aus müsse die Behandlung in
der Schweiz erfolgen. Unter diesen Umständen sei es absolut unzulässig,
ihn in ein Flugzeug zu setzen und auszuschaffen. Der Vollzug der Wegwei-
sung verstiesse vorliegend offensichtlich gegen Art. 3 EMRK sowie gegen
die Folterkonvention, da dies eine unmenschliche Behandlung darstellen
würde.
Zudem erweise sich der Wegweisungsvollzug als unzumutbar. Er sei schi-
zophren, habe seinen Vater verloren und seine Mutter sei alt und krank.
Die im Heimatstaat verbliebene Ehefrau verfüge über keinerlei Ressourcen
und seine Schwester befinde sich in einem Flüchtlingscamp in Indien.
Seine einzige Unterstützung sei der Bruder, welcher sich legal in der
Schweiz aufhalte. Angesichts seiner suizidalen Tendenzen sei die Fortset-
zung der psychotherapeutischen Behandlung absolut notwendig, um sei-
nen Gesundheitszustand zu erhalten. Dies wäre bei einer Rückkehr in den
Heimatstaat jedoch illusorisch, da er dort weder über ein soziales noch
über ein familiäres Beziehungsnetz verfüge und auch keine materielle Un-
terstützung habe. Entsprechend wäre er im Fall der Rückkehr einer kon-
kreten Gefährdung sowie grossen Risiken bezüglich seines Lebens und
seiner körperlichen Integrität ausgesetzt.
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7.2 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung vom 29. Juni 2020 aus, dass
Wiedererwägungsgesuche gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG schriftlich und
begründet einzureichen seien. Sowohl das SEM als auch das Bundesver-
waltungsgericht hätten sich schon mehrfach mit der gesundheitlichen Situ-
ation des Beschwerdeführers auseinandergesetzt, wobei diesbezüglich
insbesondere auf das Urteil D-6188/2018 vom 14. November 2018 zu ver-
weisen sei. Weiter sei festzustellen, dass Sri Lanka hinsichtlich der medi-
zinischen Versorgung grosse Fortschritte gemacht habe und über zahlrei-
che Spitäler mit psychiatrischen Abteilungen sowie Kliniken für die ambu-
lante Behandlung von psychisch kranken Personen verfüge. Die geltend
gemachten gesundheitlichen Probleme könnten somit auch im Heimatstaat
behandelt werden. Der Umstand, dass dort keine dem schweizerischen
Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich sei, führe nicht
zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Hinsichtlich des allfälligen
Beziehungsnetzes in Sri Lanka könne sodann auf das Urteil D-7330/2015
vom 10. Januar 2017 hingewiesen werden. Darin sei festgestellt worden,
dass die Aufenthaltsumstände des Beschwerdeführers vor der Einreise in
die Schweiz unklar seien. Das Wiedererwägungsgesuch erweise sich da-
her als nicht gehörig begründet, weshalb darauf gestützt auf Art. 111b
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten werde.
7.3 In seiner Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer dar, dass er
das Wiedererwägungsgesuch aufgrund einer Verschlechterung seines Ge-
sundheitszustands eingereicht habe. Namentlich sei er vom 1. bis zum
31. Mai 2020 für arbeitsunfähig erklärt worden. Dennoch habe das SEM
das Gesuch als unbegründet eingeschätzt. Da aber weder das SEM noch
das Bundesverwaltungsgericht seine neue Hospitalisierung beurteilt hät-
ten, sei die angefochtene Verfügung aufzuheben.
8.
8.1 Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, dass die Verschlech-
terung seines gesundheitlichen Zustands eine nachträglich eingetretene
erhebliche Veränderung der Sachlage darstelle. Diesbezüglich ist festzu-
halten, dass bereits das zweite Wiedererwägungsgesuch vom 17. August
2018 im Wesentlichen mit einer Verschlechterung des Gesundheitszu-
stands begründet worden war. In jenem Verfahren erwog das Bundesver-
waltungsgericht, dass keine relevante Veränderung des Gesundheitszu-
stands vorliege. Vielmehr seien die geltend gemachten psychischen Be-
schwerden bereits im Rahmen des ersten Wiedererwägungsverfahrens
vorgetragen und vom Gericht im Urteil D-1508/2018 gewürdigt worden. Die
diagnostizierte (...) stehe in einem Zusammenhang mit dem drohenden
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Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka und eine solche könne weder unter
dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG (SR. 142.20) noch unter jenem von
Art. 3 EMRK ein Vollzugshindernis darstellen. Zudem sei eine psychiatri-
sche Behandlung auch in Sri Lanka möglich (vgl. Urteil des BVGer D-
6188/2018 vom 14. November 2018 E. 9).
8.2 Mit dem Wiedererwägungsgesuch vom 22. Juni 2020 wurden verschie-
dene ärztliche Zeugnisse eingereicht, welchen sich entnehmen lässt, dass
der Beschwerdeführer über längere Zeit für arbeitsunfähig erklärt worden
war. Mehrere der vorgelegten Bescheinigungen sind jedoch bereits vor
dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. November 2018 ent-
standen. Neben Belegen für die Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2018 befindet
sich darunter auch ein Zeugnis, das dem Beschwerdeführer für den Zeit-
raum vom 8. Mai 2018 bis zum 16. Juli 2018 Reiseunfähigkeit attestiert.
Diese Unterlagen aus dem Jahr 2018 sind jedoch nicht geeignet, eine
nachträglich veränderte Sachlage nachzuweisen, weshalb darin kein Wie-
dererwägungsgrund zu erkennen ist.
8.3 Der Beschwerdeführer legte verschiedene weitere Arztzeugnisse vor,
aus welchen hervorgeht, dass er fast während des gesamten Jahres 2019
für arbeitsunfähig erklärt worden war. Zudem ist den ärztlichen Berichten
zu entnehmen, dass er sich – neben der Hospitalisierung vom (...) April
2020 bis zum (...) Mai 2020 – auch ab dem (...) Januar 2020 im Spital
aufgehalten hat (vgl. Ärztliches Zeugnis vom 18. Februar 2020). Aus den
vorgelegten Unterlagen geht jedoch nicht hervor, dass seit dem Urteil
D-6188/2018 eine wiedererwägungsrechtlich relevante Verschlechterung
seines Gesundheitszustandes eingetreten wäre. Vielmehr wurde er in den
Jahren 2019 und 2020 – wie bereits im vorangehenden Jahr – ver-
schiedentlich für arbeitsunfähig erklärt und musste sich im Laufe dieses
Jahres erneut stationär behandeln lassen. Eine solche stationäre Behand-
lung war auch bereits ab Mai 2018 erforderlich, offenbar über mehrere Mo-
nate hinweg (vgl. entsprechende Berichte der Psychiatrischen Dienste der
(...) vom 23. Mai 2018 sowie 17. und 18. September 2018, Akten SEM B20,
C6 und C7). Nach der erneuten Hospitalisierung im April/Mai 2020 scheint
der Beschwerdeführer nun in ambulanter psychiatrischer Betreuung zu
sein. Jedenfalls lässt die eingereichte Einladung zu einem Gesprächster-
min beim (...) vom 15. Mai 2020 darauf schliessen, dass nach dem jüngs-
ten stationären Aufenthalt zukünftig eine ambulante Behandlung vorgese-
hen ist. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass es sich bei den ge-
sundheitlichen Problemen des Beschwerdeführers um einen anhaltenden
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Zustand handelt, welcher schon seit dem Frühjahr 2018 in dieser Form be-
steht und entsprechend im Entscheid D-6188/2018 vom Bundesverwal-
tungsgericht beurteilt wurde. Demgegenüber ist entgegen der im Wieder-
erwägungsgesuch vertretenen Auffassung aus den ärztlichen Unterlagen
gerade nicht ersichtlich, dass seither eine Verschlechterung des Gesund-
heitszustands eingetreten wäre.
8.4 Sodann ist allein im Umstand, dass – wie bereits im Jahr 2018 – kürz-
lich erneut eine stationäre Behandlung des Beschwerdeführers erforderlich
wurde, kein Grund für eine Wiedererwägung zu erblicken. Vielmehr hätte
der Beschwerdeführer substanziiert dartun und mit Beweismitteln belegen
müssen, dass sein Gesundheitszustand nun, anders als bei der letzten Be-
urteilung durch das Bundesverwaltungsgericht, ein Wegweisungsvollzugs-
hindernis darstellt. Er beschränkte sich jedoch darauf, seine anhaltende
Krankheit respektive die ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit sowie den jüngs-
ten Spitalaufenthalt als Wiedererwägungsgründe anzuführen. Auf Be-
schwerdeebene wurde einzig gerügt, das SEM habe die letzte Hospitali-
sierung nicht berücksichtigt und das Gesuch zu Unrecht als unbegründet
eingestuft. Damit verkennt der Beschwerdeführer, dass die stationäre Be-
handlung für sich genommen keinen Wiedererwägungsgrund darstellt.
Dies wäre nur dann der Fall, wenn mit dieser eine massgebliche und an-
haltende Verschlechterung des Gesundheitszustands einherginge, welche
zur Annahme eines Wegweisungsvollzugshindernisses führen würde. An-
gesichts der Tatsache, dass er nach zwei Wochen wieder aus dem Spital
entlassen und für eine ambulante Therapie aufgeboten wurde, ist davon
aber nicht auszugehen. Insgesamt hat der Beschwerdeführer somit nicht
ausreichend dargetan, inwiefern sich die Sachlage respektive sein Ge-
sundheitszustand seit der letzten Beurteilung durch die zuständigen Be-
hörden in einer Art und Weise verändert hätte, welche eine Wiedererwä-
gung der rechtskräftigen Verfügung der Vorinstanz rechtfertigen könnte.
8.5 Ergänzend ist festzuhalten, dass es sich beim Vorbringen, der Be-
schwerdeführer sei schizophren, erkenne niemanden und könne seine Si-
tuation nicht kohärent darlegen (vgl. Wiedererwägungsgesuch vom
22. Juni 2020, S. 3 und 7), um unbelegte Behauptungen handelt, die in den
vorgelegten Arztzeugnissen keine Stütze finden. Ein detaillierter Bericht,
dem sich die angebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ent-
nehmen liesse, wurde bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vorgelegt. Es er-
scheint nicht notwendig, einen solchen Bericht abzuwarten respektive ein-
zufordern. Vielmehr wäre es dem rechtlich vertretenen Beschwerdeführer
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Seite 9
– dessen Spitalaufenthalt am (...) Mai 2020 endete und der sich seit län-
gerer Zeit ununterbrochen in ärztlicher Behandlung zu befinden scheint –
ohne weiteres zumutbar gewesen, von sich aus im Rahmen seiner Mitwir-
kungspflicht einen entsprechenden Bericht einzureichen.
8.6 Hinsichtlich des angeblich fehlenden Beziehungsnetzes des Be-
schwerdeführers im Heimatstaat wies das SEM zu Recht darauf hin, dass
seine Aufenthaltsumstände vor der Einreise in die Schweiz unklar seien
(vgl. Urteil D-7330/2015 vom 10. Januar 2017 E. 8.2). Auch diesbezüglich
wurde im Wiedererwägungsgesuch weder eine Veränderung der Sachlage
substanziiert vorgebracht noch belegt. Folglich ist auch darin kein Grund
für eine Wiedererwägung zu sehen.
8.7 Schliesslich ist festzuhalten, dass sich das Bundesverwaltungsgericht
im Urteil D-6188/2018 bereits mit dem geltend gemachten Suizidrisiko aus-
einandergesetzt hat. Diesbezüglich wurde erwogen, dass einer allfälligen
Suizidalität des Beschwerdeführers im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
Rechnung zu tragen sei. Es entspreche der konstanten Praxis, dass von
einem Wegweisungsvollzug nicht Abstand zu nehmen sei, wenn Massnah-
men zur Verhütung von deren Umsetzung getroffen werden könnten. Der
Vollzug sei vorliegend unter Einbezug der ärztlichen Betreuung sorgfältig
vorzubereiten und der Beschwerdeführer sei nötigenfalls ärztlich zu beglei-
ten. Im Sinne einer Erstversorgung könnten ihm allenfalls erforderliche Me-
dikamente mitgegeben werden (vgl. Urteil D-6188/2018 E. 9). Weder aus
dem Wiedererwägungsgesuch vom 22. Juni 2020 noch aus den vorgeleg-
ten Beweismitteln sind konkrete Gründe ersichtlich, welche zum heutigen
Zeitpunkt eine andere Einschätzung rechtfertigen könnten.
8.8 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Vorinstanz das Wieder-
erwägungsgesuch zu Recht als unzureichend begründet eingestuft hat und
folglich gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht
darauf eingetreten ist.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Die mit superprovisorischer Massnahme vom 7. Juli 2020 angeordnete
einstweilige Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung fällt mit dem vorlie-
genden Urteil dahin.
10.
10.1 Angesichts der obenstehenden Erwägungen erweisen sich die ge-
stellten Rechtsbegehren als aussichtslos. Die Voraussetzungen für die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG sind daher nicht erfüllt und das entsprechende Gesuch ist abzuwei-
sen.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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