Decision ID: f7376668-e74c-497b-ae94-0e322af97103
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, war seit 1. Februar 2008 als Sachbearbeiter bei der
Y._
AG tätig (Urk.
6/31
/1-2 Ziff. 2.1 und Ziff. 2.7). Im Nebenerwerb arbeitete er seit 2004 bei der
Z._
AG (heute:
A._
AG; Urk. 6
/6/1-2, Urk.
6/22
/64-67, Urk.
6/22
/71-72, Urk.
6/24
/1).
Am 14. Dezember 2009 erlitt
X._
einen Verkehrsunfall und zog sich dabei eine Distorsion der Halswirbelsäule zu (vgl. Unfallmeldung Urk.
6/22
/72). Wegen hernach anhaltender Arbeitsunfähigkeit meldete er sich am 6. November 2010 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
6/20
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Unfallversicherers (Urk.
6/22
/1-283) bei und nahm medizinische (Urk.
6/23
/1-5, Urk.
6/26-28
) und berufliche Unterlagen (Urk.
6/31
) sowie den Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk.
6/24-25
) zu den Akten.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2011 stellte der Unfallversicherer, die AXA Winterthur, auf diesen Zeitpunkt hin die Unfalltaggelder ein (Urk.
6/30
), wogegen der Versicherte am 14. März 2011 Einsprache erhob (Urk.
6/70
). Nach
dem das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
AG aufgelöst worden war (Urk.
6/31
/12), bezog der Versicherte ab 2. März 2011 Leis
tungen der Arbeitslosenversicherung bei einer Vermittlungs
fähigkeit von 100 % (Urk.
6/33-34
).
1.2
Am 22. Juli 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zur Abklärung seines Leistungsanspruches eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung not
wendig sei (Urk.
6/40
), die durch das
I
n
stitut B._
durchgeführt werde, und hielt auch nach Widerspruch des Versicherten (Urk.
6/46
und Urk.
6/48
) mit Schreiben vom 8. Dezember 2011 an der Gut
achterstelle fest (Urk.
6/53
). Der Versicherte gelangte in der Folge ans hiesige Gericht (Urk.
6/56
/6-11), das die Beschwerde mit Urteil vom 8. Mai 2012 mit Blick auf die in BGE 137 V 210 genannten höchstrichterlichen Vorgaben bei der Gutach
tenszuteilung in dem Sinne guthiess, dass es die angefochtene Zwischen
verfü
gung vom 8. Dezember 2011 aufhob und die Sache an die IV
Stelle zur rechtmässigen Durchführung des Verwaltungsverfa
hrens zurückwies (Ver
fah
rens
num
mer IV.2012.00085, Urk.
6/59
).
1.3
In der Folge fand eine interdisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS
C._
des
Ospedale
Regionale
D._
statt (vgl. das Gutachten vom 10. Mai 2013, Urk.
6/85
/1-33). Mit Vor
bescheid vom 19. September 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk.
6/88
). Dagegen erhob der Versicherte am 30. September 2013 mit Hilfe seiner Hausärztin Einwände (Urk.
6/95
), welche der
damalige Rechts
vertreter Rechtsanwalt Dr. Domenico
Acocella
mit seiner Eingabe vom 21. Okto
ber 2013 (Urk.
6/98
) und einer Stellungnahme der behan
delnden Neurochirurgin (Urk.
6/104
) ergänzte. Die IV
Stelle nahm Rück
sprache mit ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD, Urk.
6/112
S. 2 ff.) und legte der
MEDAS den Einwand und die Arztberichte zur Stellungnahme vor
(Urk.
6/109-110
). Mit Verfügung vom 27. März 2014 lehnte sie das Leistungs
begehren noch vor Eingang der Stellung
nahme der MEDAS (Urk.
6/116
, Schreib
en vom 7. April 2014) ab (Urk. 6/113
). Das hiesige Gericht wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 1
9.
November 2015
ab
(
Verfahrensnummer IV.2014.00494, Urk.
6/139). Mit Urteil 9C_30/2016 vom 7. Juni 2016 (Urk. 6/142) hiess das Bundesgericht die dagegen erhobene Beschwerde ebenfalls ab.
1.5
Am 1
0.
Oktober 2017 (
Urk.
6/146) meldete sich der Versicherte unter Hinweis
auf eine Wirbelsäulenprothese, neurologische Schädigungen, Epilepsie und Weiteres erneut zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle tätigte medizinische Abklärungen
und veranlasste am 2
5.
Januar 2018 (
Urk.
6/162) eine polydisziplinäre Begutach
tung, welche durch das Zentrum
E._
der Medizinischen Abklärungsstelle MEDAS
F._
durchgeführt wurde (vgl. Expertise vom
9.
Juli 2018;
Urk.
6/177 und ergänzende Stellungnahme vom 27. August 2018;
Urk.
6/179).
Daraufhin verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/181 und Urk. 6/185) mit Verfügung vom 1. April 2019 einen Leistungs
anspruch (Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
7.
Mai 2019 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte,
die Verfügung vom
1.
April 2019 sei vollumfänglich aufzuheben (1.), die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten die gesetzlichen Ver
sicherungsleistungen auszurichten (2.), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (3.). Mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2019 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 17. Juni 2019 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
1.
4
.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.
4
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die rentenabweisende Verfügung vom 1. April 2019 (
Urk.
2
S. 1 f.
) damit, dass die vorliegenden Befunde bereits im früheren Gutachten vom 1
0.
Mai 2013 erwähnt worden seien. Das neue Gutach
ten habe lediglich eine andere Beurteilung mit gleichem Sachverhalt
vorgenom
men
. Es liege keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor. Ein Revisi
onsgrund könne somit verneint werden und es bestehe weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
5), die neuen Gutachter vom
E._
-Gutachten hätten die Zusatzfrage nach einer wesentlichen Veränderung seit Erlass der Verfügung vom 2
7.
März 2014 explizit bejaht. Die aus Vorbescheid und Verfügung ersichtliche Auffassung der Beschwerdegegnerin, es handle sich um eine revisionsrechtlich unbeachtliche Neubeurteilung
,
sei somit offensichtlich unzutreffend. Demnach habe die Beschwerdegegnerin einen Lohnvergleich auf Grundlage der im
E._
-Gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeit vorzunehmen. Die Erwerbseinbusse sei rentenre
levant und der Versicherte habe Anspruch auf berufliche Massnahmen.
2.3
Strittig ist vorliegend der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Dabei ist zunächst zu prüfen, ob sich die aktuellen gesundheitlichen Verhältnisse ver
schlechtert haben. Vergleichszeitpunkt für eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers bildet die mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
9.
November 2015 (
Urk.
6/139) und des Bundesgerichts mit Urteil 9C_30/2016 vom 7. Juni 2016 (Urk. 6/
142) geschützte rentenverneinende
Verfü
gung vom 27. März 2014 (Urk. 6/113).
3.
3.1
Die medizinischen Unterlagen, auf welchen die Rentenabweisung vom 27. März
2014
(Urk. 6/113)
fusste, insbesondere das damals beigezogene
-
beweiswertige
-
C._-Gutachten
(Urk. 6/85/1-33
) wurden im Urteil
vom 19. November 2016
des hiesigen Gerichts folgendermassen dargestellt (Urk.
6/139
E. 4.1
):
3.2
Die Gutachter der MEDAS
C._
stellten in ihrer Expertise in den Fachgebieten allgemeine Innere Medizin (Dr. med.
G._
,
specialista
FMH in
medicina
interna
), Neurologie und Neuropsychologie (Dr. med.
H._
,
specialista
FMH in
neurologia
e
neuropsicologia
) und Psychiatrie (Dr. med.
I._
, FMH
psichi
atria
e
psicoterapia
) vom 10. Mai 2013 (Urk.
6/85
/1-33) die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26):
-
somatoformes undifferenziertes Syndrom (ICD-10 F45.1)
-
hochgradige
senso
-neurale Schwerhörigkeit links weniger als rechts
Zudem gaben sie die folgenden Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit an:
-
Status nach
otitismedia
in der Kindheit
-
Status nach inguinaler
Hernienoperation
1993
-
Status nach Meniskusoperation 1995
-
Status nach Varikozelen Operation 1998
-
Status nach
Epididymektomie
links 2003
-
Status nach
Septumplastik
2009
-
chronische Spannungskopfschmerzen Dezember 2009
-
Rhonchopathie
im Dezember 2009
-
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom leichten Grades Februar 2010
-
Restless-
Legs
-Syndrom Februar 2010
-
Allergie gegen nicht steroidale Antirheumatika im April 2010
-
Verdacht auf arterielle Hypertonie
-
Status nach Urininkontinenz im Jahre 2010
-
erektyle
Disfunktion
unter Pharmakotherapie
Die Gutachter stellten in ihrer Gesamtbeurteilung fest, der Versicherte sei global aus medizinisch-theoretischer Sicht in seinem angestammten Beruf als Bank
mit
arbeiter sowie in jeglicher Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig. Die Arbeits
unfähig
keit begründe sich allein durch die psychiatrische Diagnose (S. 30 f.).
Aus neurologischer Sicht seien während der Untersuchung keine eindeutigen Pathologien zu erheben gewesen. Die neuropsychologische Testung habe eben
falls eine gute Leistungsfähigkeit ergeben, so dass vom Gesichtspunkt dieser beiden Fachgebiete aus eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 30).
Die Gutachter gaben weiter an, aus psychiatrischer Sicht stelle sich die Diagnose eines somatoformen undifferenzierten Syndroms. Bezüglich der Försterkriterien sei zu sagen, dass der Versicherte unter somatischen Begleiterkrankungen leide. Er sei zervikal
diskektomiert
worden und weise altersentsprechende degene
rative Veränderungen am Bewegungsapparat auf. Es handle sich um einen länge
ren Krankheitsverlauf, der vor drei Jahren anlässlich eines Unfalls begonnen habe. Seither sei es nie zu einer längerfristigen Remission gekommen. Das Unfallereig
nis habe so zu einem sozialen Rückzug geführt und insbesondere den Lebensstil des Beschwerdeführers schwerwiegend verändert. Es sei aber nicht zu einer totalen Isolierung gekommen, weil es ihm gelinge, regelmässig Kontakte zu Freunden aufrecht zu erhalten und er während dieser Zeit in der Lage gewesen sei, eine neue partnerschaftliche Beziehung aufzubauen. Er habe seine sozialen Interakti
onen klar redimensioniert, dies auch aus finanziellen Gründen und weil er nicht mehr arbeite. Im Prinzip flüchte der Beschwer
deführer in seine Krankheit. Er habe die somatoforme Schmerzstörung ent
wickelt, um sein Unwohlsein auszu
drücken. Der Beschwerdeführer habe die vorgeschlagenen und verschriebenen Behandlun
gen durchgeführt. Seine Bin
dung an die Psychotherapie sowie Psychopharmako
therapie sei jedoch zu niedrig, zu unbefriedigend und von zu kurzer Zeitdauer gewesen, um
ein positives Ergebnis erzielen zu können (S. 31 und Urk.
6/85
/43-44 S. 2). Ins
besondere der deutliche soziale Rückzug und die Veränderungen in seinem grundsätzlichen Verhalten würden eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit recht
fertigen (S. 30 f.).
Der Beschwerdeführer sei extrem auf die Analyse der körperlichen Symptome fixiert und suche weiterhin eine somatische Erklärung. Dies führe zu einer funk
tionellen Arbeitseinschränkung durch eine partielle Limitation der psychi
schen Ressourcen. Es fehle ihm deshalb an Engagement, seine Position zu verbessern und es manifestiere sich ausserdem ein gewisses Desinteresse und eine Apathie. Er brauche zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt eine psychiatrische thera
peutische Begleitung. Eine Arbeitseingliederung hätte einen therapeutischen Effekt und könne die Restarbeitsfähigkeit des Bes
chwerde
führers stimulieren (S.
31).
Die Gutachter gaben zudem an, wegen der bekannten Minderung der Hörleistung habe der Beschwerdeführer Schwierigkeiten, in lärmiger Umgebung tätig zu sein. Er könne Gespräche in normaler Lautstärke führen, wenn keine Maskierungsge
räusche vorhanden seien (S. 32).
Was den zeitlichen Verlauf betrifft, gaben die Gutachter an, die Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem Unfall. Der Beschwerdeführer sei für die Periode der Diskekto
mie zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab dem Zeitpunkt des Gutachtens sei er in seiner angestammten Tätigkeit und in jeglicher anderen Tätigkeit wieder zu 50 % eingliederbar (S. 32).
3.3
Das Bundesgericht erwog
in seinem Urteil vom
1
8.
Mai
2016 (
Urk.
6/142
E. 4.1
)
hierzu,
hinsichtlich des psychosomatischen Leidens werde ein stimmiges Gesamt
bild vorausgesetzt, das auf eine nicht angehbare funktionelle Behinderung schliessen lasse. Diesbezüglich habe das hiesige Gericht die Widersprüche zwischen den geltend gemachten Einschränkungen und den medizinischen Beur
teilungen einbezogen und zu Recht berücksichtigt, dass der regelmässige Tages
ablauf und das Alltagsverha
lten des Beschwerdeführers, das
keine schweren invalidisierenden Einschränkungen erkennen lasse, nicht mit der von der psychi
atrischen Gutachterin
Dr.
I._
attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit zu vereinbaren seien. Die Schlussfolgerung, wonach das Verhalten des Beschwerde
führers aufgrund der bewusstseinsnahen Selbstlimitierung kein konsistentes Bild zeige, stütze sich auf die massgeblichen Umstände und sei bundesrechtskonform. Schon vor diesem Hintergrund sei ein invalidisierender psychischer Gesundheits
sch
aden ohne Weiteres zu verneinen.
4.
4.1
Die leistungsabweisende
angefochtene
Verfügung vom 1. April 2019 (Urk. 2) basiert auf den folgenden medizinischen Unterlagen:
4.2
Dr.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Dr.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
Dr.
L._
, Facharzt für Orthopä
die und Handchirurgie FMH,
Dr.
M._
, Facharzt für Neurologie FMH,
lic.
phil.
N._
, Fachpsychologie für Neuropsychologie FSP,
hielten in ihrem
E._
-Gutachten (MEDAS
F._
) vom
9.
Juli 2019 (
Urk.
6/177) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(S. 8)
:
-
Somatisierungsstörung F45.0
-
m
it aktuell im Vordergrund
stehender
Schmerzproblematik F45.4
-
m
it buntem Beschwerdebild (insbesondere dissoziative Symptomatik)
-
n
ach Heckauffahrkol
lision mit stumpfem Thoraxtrauma
, stumpf
em Wir
belsäulentrauma
und möglicher Commotio spinalis am 14.12.2009
-
m
it chronifiziertem
cervical
-betontem panvertebralem,
cervicocephalem
und bilateralem
brachialem Schmerzsyndrom
-
o
hne radikuläre Reiz- und Ausfallsymptome an oberen und unteren Extremitäten
-
b
ei mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen der Halswirbel
säule mit
Discopathien
C2/C3, C4/C5 und C6/C7, ohne Stenosierung des
cervicalen
Spinalkanals bzw. Zeichen einer Myelopathie (MRT HWS vom 06.12.2017,
O._
)
-
n
ach ventraler Mikrodiscektomie C6/C7 mit
intercorporeller
Spondylo
dese C6/C7 mit Cage am 06.01.2013
-
n
ach ventraler Mikrodiscektomie C3/C4 beidseits, Entfernung von Osteophyten C3/C4,
Foraminotomie
C3/C4 beidseits und Stabilisation mittels Diskusprothese am 21.09.2013
-
o
hne relevante degenerative
bzw.
diskogene
Veränderungen der Brust
wirbelsäule, ohne
Stenoisierung
des thorakalen Spinalkanals
bzw.
Hinweise auf eine Kompromittierung des
Myelons
(MRT BWS vom 06.12.2017,
O._
)
-
b
ei bilateralen
Spondyloarthrosen
L4/L5 ohne relevante
Discopathie
, ohne Einengung des lumbalen Spinalkanals bzw. Hinweise auf eine Kompromittierung neurogener Strukturen (MRT LWS vom 15.01.2010, MRT LWS vom 15.01.2012)
-
Sensibles
Hemisyndrom
rechts ohne objektiv fassbare Befunde im Sinne einer zentralnervösen
bzw.
einer spinalen Läsion
-
Klagen über erektile Dysfunktion und Blasenfunktionsstörung mit Inkon
tinenz, Pollakisurie und Nykturie
-
Bei unauffälligen neurophysi
ologischen Befunden ohne Nachweis einer peripheren
bzw.
einer zentr
alen
Afferenzstörung
sowie eines
Denerva
tionsprozesses
im Bereiche der
Sphinktermuskulatur
-
Klagen über Schwindelbeschwerden ohne klinische Zeichen einer vestibulären
Funktionsstörung
-
Rezidivierende Bewusstseinsstörungen unklarer Ätiologie
-
DD: dissoziativ/epileptisch
-
Schwerhörigkeit rechtsbetont
-
Beginnende mediale Gonarthrose rechts bei Status nach partieller Menis
kektomie medial rechts 1995 und Status nach zweiter Knieoperation rechts (Art und Datum unbekannt)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie folgende Diagnosen auf (S. 9):
-
Obstruktives Schlafapnoesyndrom leichten Grades, Restless-
Legs
-Syndrom
-
Status nach
Inguinalhernienoperation
-
Status nach Varikozelen-Operation 1998
-
Status nach
Epididymektomie
links 2003
-
Status nach
Septumplastik
2009
Die Gutachter führten sodann aus, es bestehe ein komplexes Beschwerdebild. Die funktionellen Auswirkungen würden sich wesentlich aufgrund des psychischen Leidens ergeben und der Beschwerdeführer
werde in Anlehnung an die Mini/
CF APP wesentlich in seiner Widerstands- und Durchhaltefähigkeit eingeschränkt sein. Darüber hinaus bestünden Einschränkung in der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Flexibilität und Umstellfähigkeit sowie in der Entscheidung
s
- und Urteilsfähigkeit. Nach eigener Angabe bestehe auch eine erhebliche Einschränkung in der Proaktivität und in Spontanaktivitäten. Auf
grund der Hörstörung bestehe auch eine Einschränkung in der Konversation, wobei eine solche in ruhiger Umgebung, wie sie im Rahmen der Begutachtung bestanden habe, nicht wesentlich aufgefallen sei. Die Beurteilung des Schwere
grades der funktionellen Auswirkungen sei aufgrund des komplexen Beschwer
debildes erheblich erschwert. Es würden sich somatoforme/dissoziative Elemente mit medizinisch nicht erklärbaren Beeinträchtigungen mischen. Rein somatisch bestehe aufgrund struktureller Befunde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme körperlich andauernder schwereren Tätigkeiten mit Zwangshal
tung
en
der Halswirbelsäule und repetitivem Heben von schweren Lasten über 15kg
und regelmässigen Über-Kopf-Arbeiten. Auch seien Arbeiten auf Leitern und Gerüsten mit Sturzgefahr aufgrund der Bewusstseinsstörungen - ungeachtet ihrer Grundlage - nicht geeignet. Eher ungünstig seien längere Gehstrecken auf unebenem Gelände aufgrund der beginnenden Kniearthrose rechts. Arbeiten in lärmiger Umgebung oder mit hohen Anforderungen an das Gehör seien ebenfalls nicht zumutbar (S. 9 f.).
Es
hätten sich keine sicheren Hinweise auf das Vorliegen prämorbider relevanter Persönlichkeitsfaktoren im Sinne einer psychischen Störung finden lasse
n
. Postuliert werden könnte
n
allenfalls akzentuierte Pe
rsönlichkeitszüge im Sinne des n
arzisstischen
,
erheblich leistungsorientierten Verhaltens. Soweit
eruierbar
, sei der Beschwerdeführer durch seine berufliche Tätigkeit prämorbid belastet, jeden
falls habe bereits vor Dezember 2009 eine entsprechende Behandlung wegen Stress am Arbeitsplatz verbunden mit Insomnie und Angabe von Mobbing statt
gefunden. Aufgrund des aktuell regressiven Verhalten
s
seien die Ressourcen des Beschwerdeführers beschränkt, theoretisch verfüge er sowohl über gute Kennt
nisse beruflicher Natur als auch über leistungsorientierte Züge. Es hätten sich innere wie auch äussere Inkonsistenzen finden lassen. Die Berichte des Beschwer
deführers über «epileptische Manifestationen» seit dem Unfallereignis vom Dezember 2009 würden nicht den Angaben des Zentrums
P._
entsprechen, wonach sich die «Bewusstseinsverluste» mit unwillkürlichem Urinabgang erstmals vor ca. zwei Monaten manifestiert hätten. Entgegen den Angaben des Beschwerdeführers, welcher eine Mastdarmstörung verneine, beschreibe die Urologin
Dr.
Q._
eine Störung der Sexual- und Mastdarm
funktion, welche angesichts der Koinzidenz ihres Auftretens als Argument für den kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom Dezember 2009 gewertet werde. Inkonsistenzen hätten sich im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung im Sinne dieses wechselhaften affektiven Zustandsbildes ergeben, nicht einer schweren depressiven Störung entsprechend, im Vergleich zum vom Beschwerdeführer ausgefüllten BDI (Beck Depressionsinventar) sowie dem Abbruch der neuropsychologischen Untersuchung nach einer Stunde wegen Kon
zentrationsproblemen, wobei der Beschwerdeführer im Rahmen der psychiatri
schen Untersuchung
ohne weiteres während zwei Stunden aufmerksam und
mit
durchaus wechselnder Vigilanz dem Untersuchungsablauf habe folgen können. Schliesslich sei die erhebliche Diskrepanz zwischen ausgeprägten, vielfältigen Beschwerden und spärlich objektiv fassbaren Befunden bemerkenswert. Auch im Labor hätten sich gegenüber den Angaben der Medikamenteneinnahme (teil
weise) Inkonsistenzen gezeigt (S. 10 f.).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als Angestellter gesamthaft zu 50
%
einsetzbar. Einschränkend würden sich das Schmerzerleben und die somatoforme Sympto
matik auswirken. Es bestehe ein vermindertes Rendement im Rahmen dieser 50%igen Arbeitsfähigkeit, indem der Beschwerdeführer langsamer arbeiten werde und vermehrt Pausen benötige
(zeitlich vollschichtige Präsenz)
. Die vom Beschwerdeführer postulierte vollschichtige Arbeitsunfähigkeit in dieser Tätigkeit sei medizinisch heute nicht begründbar. In einer körperlich leichten, intellektuell
nicht anspruchsvollen Tätigkeit unter Berücksichtigung der oben aus somatischer Sicht beschriebenen Einschränkungen und ohne hohe Arbeitsdichte, ohne hohe Arbeitsspitzen, bestehe eine zeitlich vollschichtige Arbeitsfähigkeit mit einem eingeschränkten Rendement von 30
%
, sodass eine 70%ige Arbeitsfähigkeit resultiere (S. 11 f.).
Hinsichtlich der Frage nach der Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit Erlass der Verfügung vom 2
7.
März 2014 gaben die Experten an, seit der Beurteilung durch die MEDAS
D._
habe der Beschwerdeführer zwei
Diskushernienoperationen
an der Halswirbelsäule über sich ergehen lassen müssen, welche keine wesentliche Veränderung des geklagten Schmerzsyndroms bedingt hätten. Subjektiv klage der Beschwerdeführer seither über vermehrte Schmerzen. Objektiv würde sich kein Korrelat für diese vom Beschwerdeführer beklagte Verschlechterung finden lassen. Neu sei aufgrund der beschriebenen Bewusstseinsstörung ein epileptisches Geschehen nicht mit Sicher
heit auszuschliessen. Der Beschwerdeführer werde derzeit mit
Lamictal
antikon
vulsiv behandelt, wobei aufgrund der vorliegenden Befunde eine
epileptologische
Abklärung und Beurteilung durch eine spezialisierte Institu
tion angezeigt sei. Dagegen konnten die Gutachter aufgrund der sich im Rahmen der Begutachtung zei
genden klinischen
Symptomatik keine wesentliche Verschlechte
rung/Veränderung des Gesundheitszustandes aufgrund dieser möglichen Epilep
sie feststellen
. Der psychische Verlauf habe sich seit 2013 weiter chronifiziert und fixiert, sodass heute nicht mehr eine undifferenzierte Somatisierungsstörung
(
F45.1
)
, sondern eine Somatisierungsstörung per se (F 45.0) mit im Vordergrund stehender Schmerzstörung (F 45.4) habe diagnostiziert werden müssen. Im Rah
men der Somatisierungsstörung seien wechselhafte affektive Beeinträchtigungen ohne weiteres begründbar. Es habe nicht die Diagnose einer schweren depressiven Störung gestellt werden können, obwohl vom Beschwerdeführer diesbezüglich erhebliche Symptome beklagt worden seien. Die affektive Situation werde insge
samt im Rahmen der somatoformen und dissoziativen Störung subsumiert. Eine vorübergehende affektive Dekompensation im Sinne einer schweren depressiven Episode sei dabei nicht ausgeschlossen, heute aber nicht vorhanden
(S. 13
f.
).
4.3
Die
Rückfragen der Beschwerdegegnerin
vom 1
8.
Juli 2018 (Urk. 6/178)
beant
worteten
die Gutachter
am
2
7.
August 2018 (Urk. 6/179). Zur Diskrepanz, dass
im psychiatrischen Teil des Gutachtens für die angestammte Tätigkeit eine voll
schichtige Arbeitsunfähigkeit und für die leidensadaptierte Tätigkeit eine solche von 50
%
festgestellt
werde,
i
m interdisziplinären Konsens die angestammte Tätigkeit dann
aber
mit 50
%
und eine angepasste mit
70
%
Arbeitsfähigkeit bewertet werde, führten sie aus, di
e Arbeitsfähigkeit i
m
psychiatrischen Teilgut
achten sei
tatsächlich
anders beurteilt, als sie dann im Rahmen der Konsenskon
ferenz definitiv festgelegt worden sei. Die Diskrepanz resultiere aus den an der Konsenskonferenz zusätzlich vorhandenen Informationen, beispielsweise dem Abbruch der neuropsychologischen Untersuchung, den
ausführlich
diskutierten somatischen und psychiatrischen Befunden ebenso wie der Diskussion der Diskrepanzen, so dass aus psychiatrischer Sicht unter Berücksichtigung dieser zusä
t
zlichen Informationen die Arbeitsfähigkeit revidiert worden sei.
Gültig sei die Beurteilung der Konsenskonferenz (S. 1 f.).
Die Beschwerdegegnerin fand wei
ter die Feststellung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit in der Konsenskonferenz missverständlich, was sie zu weiteren Fragen veranlasste. Dazu wird in Beantwortung derselben ausgeführt, in
der bisherigen Tätigkeit als Angestellter sei der Beschwerdeführer gesamthaft zu 50
%
einsetzbar. Diese gesamte 50%ige Arbeitsfähigkeit werde weiter spezifiziert: Für die gesamthafte 50%ige Arbeitsfähigkeit sei das Schmerzerleben und die somatoforme Sympto
matik einschränkend, es habe (deswegen) ein vermindertes Rendement im Rahmen dieser 50%igen Arbeitsfähigkeit bestanden, womit gemeint gewesen sei, dass die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung des verminderten Rendements bei 50
%
liege. Entsprechend sei
ja
auch die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auf 70 % (Rendement Einschränkung von 30
%
bei vollschichtiger zeit
licher Arbeitsfähigkeit) festgelegt worden
(S. 2).
Hinsichtlich der Verschlechte
rung des Gesundheitszustands seit Erlass der Verfü
gung vom 2
7.
März 2014 hiel
ten d
ie
Gutachter schliesslich
fest, dass die Veränderung des Gesundheitszustan
des nur nach Aktenlage retrospektiv festgestellt werden könne. Der Beschwerde
führer habe im Januar und im Herbst 2013 zweimal an der Halswirbelsäule operiert werden müssen und habe insbesondere nach der zweiten Operation über eine Verschlechterung seines Gesund
heitszustandes geklagt. Sie gingen
daher davon aus, dass es ab Herbst 2013 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszu
standes gekommen sei (S. 2 f.).
4.4
Dr.
R._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische C
hirurgie und Traumatologie vom r
egional
en ä
rztlichen Dienst (RAD) hielt in seiner
versicherungsmedizini
schen Beurteilung
vom 13
. September 2018 (
Urk.
7/180 S. 8
) fest,
die Arbeitsfä
higkeit sei aufgrund eines psychosomatischen Leidens eingeschränkt. Die ange
stammte Tätigkeit sei zu 50 % und eine angepasste zu 70
%
zumutbar. Als Zeitpunkt der relevanten Gesundheitsverschlechterung werde die zweite Halswir
bel
säulenoperation im September 2013 angegeben. Da die bundesgerichtlich bestä
tig
te IV-Verfügung am 2
7.
März 2014
erlassen worden sei, müsse davon ausge
gangen werden, dass der Gesundheitszustand unverändert sei und nur anders
beurteilt werde. Ein zusätzliches Indiz für eine Beurteilung des gleichen Sach
ver
haltes liefere das Gutachten des
Ospedale
Redionale
D._
vom 1
0.
Mai 201
3.
Auch dort werde die Arbeitsfähigkeit mit 50
%
beurteilt. Mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit könne im Vergleich mit dem aktuellen Gutachten sogar eine Erhöhung festgestellt werden.
Aus medizi
nischer Sicht könne dem Gutachten gefolgt werden.
5.
5.1
Das polydisziplinäre
E._
-Gutacht
en vom 9. Juli 2018 (vgl. E. 4.2
hiervor) beruht auf den erforderlichen psychiatrischen, allgemeininternistischen, orthopädischen, neurologischen und neuropsychologischen Untersuchungen und wurde in Kennt
nis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
(S. 17 ff.) erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers
(S. 6 ff., S. 39 ff., S. 47 ff., S. 57 ff., S. 81 ff., S. 99 f.)
ausei
nander. Sie zeigten auf, dass rein somatisch aufgrund struktureller Befunde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme körperlich andauernder schwereren Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Halswirbelsäule
,
von
repetiti
vem Heben von schweren Las
t
en über 15kg
und
regelmässigen Über-Kopf-Arbei
ten bestehen. Auch sind Arbeiten auf Leitern und Gerüsten mit Sturzgefahr aufgrund der Bewusstseinsstörungen für den Beschwerdeführer nicht geeignet. Eher ungünstig sind zudem längere Gehstrecken auf unebenem Gelände aufgrund der beginnenden Kniearthrose rechts. Arbeiten in lärmiger Umgebung oder mit hohen Anforderungen an das Gehör werden dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht zugemutet
(
S.
9-10). Die medizinischen Zusammenhänge wurden einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerungen überzeugen. Auch die Einschätzung der gesamthaften 50%igen Arbeitsunfähigkeit wurde insbesondere mit der ergänzen
den Stellungnahme vom 27. August 2018 (vgl. E. 4.3 hiervor) schlüssig dargelegt. Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungs
gemäss
en Anforderungen an eine beweis
kräftige medizinische E
ntscheidungs
vorlage (vgl. E. 1.5
hiervor).
5.2
Die aus somatischer Sicht von den
E._
-Gutachtern genannten Befunde lagen bereits der ersten leistungsabweisenden Verfügung
vom 2
7.
März 2013
zu Grunde
, womit eine Verschlechterung des Gesundheitszustands aus somatischer Sicht entfällt.
Psychiatrisch hat der Beschwerdeführer anlässlich der Begutach
tung ein buntes Symptombild gezeigt, welches sich somatisch nicht hat begrün
den lassen. Auch die beklagten kognitiven Einschränkungen konnten im Rahmen der klinischen psychiatrischen Untersuchung nicht wirklich objektiviert werden und es zeigte sich
ein wechselhaftes Zustandsbild
(vgl.
Urk.
6/177 S. 7).
Im Gutachten wird hinsichtlich der Verschlechterung ausgeführt, der psychische Verlauf habe sich seit 2013 weiter chronifiziert und fixiert, so dass nicht mehr eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (F 45.1)
,
sondern eine Somatisie
rungsstörung per se (F 45.0) mit im Vordergr
und stehender Schmerzstörung (F
45.4) vorliegt.
Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachter Dr.
J._
beinhal
tet der Diagnosewechsel die Chronifizierung des Leidens, welche zwischenzeitlich eingetreten ist. Es handelt sich insgesamt um einen fluktuierenden affektiven Verlauf im Rahmen der diagnostizierten somatoformen Störung (
Urk.
6/177 S. 95).
Dass im aktuellen
E._
-Gutachten nunmehr von einer Somatisierungsstö
rung per se ausgegangen wird, ist unter Einbezug des zeitlichen Aspekts nach
vollziehbar. Wie vom
psychiatrischen
Gutachter ausdrücklich festgehalten, ist die Chronifizierung der Somatisierungsstörung ausschlaggebend für den Diagnose
wechsel, womit jedoch nicht
zwangsläufig
von einer
Verschlechterung
auszuge
hen ist
.
Vielmehr ist auf die geklagten Beschwerden und die funktionelle Einschränkung abzustellen.
Diesbezüglich ist
anzumerken, dass bereits im frühe
ren
C._
-Gutachten vom 1
0.
Mai 2013 (vgl. E. 3.1 hiervor)
beschrieb
en wurde, der Beschwerdeführer
habe die somatoforme Schmerzstörung entwickelt, um sein Unwohlsein auszudrücken. Er habe sich auf die Analyse der körperlichen Symp
tome fixiert und nach einer somatischen Erklärung gesucht. Dies führ
t
e zu einer funktionellen Arbeitseinschränkung durch eine partielle Limitation der psychi
schen Ressourcen. Es
hatte
sich zudem ein gewisses Desinteresse und eine Apathie manifestiert (
Urk.
6/85 S. 31). Auch im
E._
-Gutachten
wurde
unter anderem aufgeführt, der Beschwerdegegner
habe angegeben
,
erheblich in seiner Wider
stands- und Durchhaltefähigkeit, in Proaktivitäten, Planung und Strukturierung, Flexibilität, Umstellfähigkeit, Entscheidung
s
- und Urteilfähigkeit eingeschränkt zu sein
(
Urk.
6/177 S. 9). Eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu
standes lässt sich
aus den dargelegten Beschwerden
nicht erkennen.
Die von den
E._
-Gutachtern bejahte
Verschlechterung des Gesundheitszustands
beruht zudem vollumfänglich auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers. D
er Beschwerdeführer
hat im Jahr 2013
zwei Operationen an der Halswirbelsäule durchführen lassen, welche zu keiner Veränderung des Schmerzsyndroms geführt haben. Subjektiv klagt
e
der Beschwerdeführer seither jedoch vermehrt über Schmerzen, obwohl sich objektiv kein Korrelat für diese vom Beschwerdeführer beklagte Verschlechterung finden
liess
(
Urk.
6/177 S. 13). Insbesondere aufgrund dieser Klagen gingen die
E._
-Gutachter davon aus, dass sich der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers sei
t
Herbst 2013
(
2.
Operation)
verschlechtert hat
(
Urk.
6/179 S. 2 f.).
Es zeigt sich
jedoch
bei Erlass der angefochtenen Verfügung eine
im Vergleich zum März 201
4
weitgehend unveränderte psychische Sympto
matik, standen doch beim Beschwerdeführer in beiden Fällen die gleichen Beschwerden im Vordergrund, welche sich aufgrund des zeitlichen Aspekts ledig
lich chronifiziert haben.
Es sind seit März 2014
insbesondere keine
namhaften
Beschwerden hinzugetreten, die sich nachweislich längerfristig auf die Arbeitsfä
higkeit auswirken.
Im Übrigen wurde auch das vorhandene Leistungspotenzial beziehungsweise die Arbeitsfähigkeit gleich beurteilt. Sowo
hl im
C._
-Gutachten (vgl. E. 3.2
) als auch im
E._
-Gutachten (vgl. E. 4.
2
) wurde die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
(bzw. für eine angepasste Tätigkeit im
E._
-Gutachten sog
ar auf 70
%
erhöht [E. 4.3];
vgl. auch E. 4.4)
festgelegt. Der Diagnosewechsel aufgrund der Chronifizierung des Leidens hatte somit gemäss Einschätzung der Gutachter keinen Einfluss auf die mögliche Leistungsfähigkeit.
Die im wesentlichen unveränderte Symptomatik wurde zwar von den
E._
-Gutachtern in Bezug auf die Diagnose negativer interpretiert als damals durch die
B._
-Gutachter. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers handelt es sich hierbei lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung bei im Wesentlichen gleichgebliebener Befundlage, was im Rahmen der hier zu beurteilenden Neuan
meldung nicht beachtlich ist (vgl. Urteil 8C_133/2013 vom 29. Mai 2013 E. 4.1).
5.3
Gegen eine Verschlechterung des Gesundheitszustands sprechen sodann die beschriebenen Inkonsistenzen und der bisherige Therapieverlauf.
Demnach erga
ben sich im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung Inkonsistenzen im Sinne des wechselhaften affektiven Zustandsbildes, welches keiner schweren depressi
ven Störung entspricht, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Des Weite
ren hat der Beschwerdeführer die neuropsychologische Untersuchung nach einer Stunde wegen Konzentr
ationsproblemen abgebrochen
, konnte der psy
chiatri
schen Untersuchung
aber
ohne W
eiteres während zwei Stunden aufmerksam und mit durchaus wechselnder Vigilanz folgen. Schliesslich wird im Gutachten die Diskrepanz zwischen den ausgeprägten, vielfältigen Beschwerden und den spär
lich objektiv fassbaren Befunden als bemerkenswert bezeichnet (
Urk.
6/177 S. 11). Auch der psychiatrische Gutachter gab an, dass es ohne Weiteres plausibel sei, dass auch dissoziative Elemente eine Rolle spielen und eine bewusstseinsnahe Ausgestaltung nicht ausgeschlossen werden könne (S. 92). Eine klare Diskrepanz ist auch bei der Medikamenteneinnahme festzustellen. Demnach gab der Beschwerdeführer an, regelmässig
Ketalgin
(Methadon) einzunehmen, was im Serum jedoch nicht nachgewiesen werden konnte, bei der angegebenen regelmässigen Einnahme hingegen zu erwarten gewesen wäre (S. 93). Auch die
Abstände der Psychotherapie
von
wöchentlich
respektive 14-tägig (S. 86)
spre
chen nicht für eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands
respektive einen erhöhten Leidensdruck
, wäre doch bei den durch den Beschwerdeführer geschil
derten Beschwerden und geltend gemachtem
verschlimmertem
Gesundheitsz
u
stand eine Intensivierung der Therapie zu erwarten.
Somit ist bei der nicht konsequenten Medikamenteneinnahme und dem aktuellen Behandlungsrhythmus behandlungsanamnestisch von einem unverändert geringen Leidensdruck auszu
gehen.
5
.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Veränderung des Gesundheitszu
standes mit Relevanz
für
die Arbeitsfähigkeit
seit der Verfügung vom März 2014
nicht ausgewiesen ist. Die Durchführung eines Einkommensvergleichs, wie vom Beschwerdeführer gefordert (Urk. 1 S.
6
), hat somit zu entfallen.
Die angefochtene Verfügung vom
1.
April 2019
(
Urk.
2) erweist sich demzufolge als rechtens, was
zur Abweisung der Beschwerde
führt
.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.