Decision ID: 1a2bac43-44a3-473f-85c6-a9f24fd16c43
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Beschwerde vom 20. April 2021 gelangte die A._ AG (fortan:
Beschwerdeführerin) an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte, in
Aufhebung des Einspracheentscheids der ESTV vom 4. März 2021 in Sa-
chen Mehrwertsteuer betreffend die Steuerperioden 2012 bis 2016 sei eine
Korrektur von insgesamt CHF 733.20 vorzunehmen und darüber hinaus
festzustellen, dass sie für die streitbetroffenen Steuerperioden lediglich die
deklarierte Mehrwertsteuer schulde.
B.
Das Bundesverwaltungsgericht nahm die Beschwerde unter der Verfah-
rensnummer A-1838/2021 anhand und forderte die Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 29. April 2021 dazu auf, sich zur Frage der Rechtzeitig-
keit der Beschwerde zu äussern. Die Steuerpflichtige antwortete am 6. Mai
2021 dahingehend, dass ihr Rechtsvertreter am 6. März 2021 in den Besitz
des Einspracheentscheids gelangt sei. Die Beschwerde sei somit innerhalb
der gesetzlichen Frist erfolgt. Die ESTV beantragte in ihrer Vernehmlas-
sung vom 20. Mai 2021, auf die Beschwerde sei (infolge Fristversäumnis)
nicht einzutreten.
C.
Mit Urteil A-1838/2021 vom 8. Juni 2021 trat das Bundesverwaltungsge-
richt, handelnd durch Richter Keita Mutombo als Einzelrichter und Monique
Schnell Luchsinger als Gerichtsschreiberin, infolge Fristversäumnis im ein-
zelrichterlichen Verfahren nicht auf die Beschwerde ein.
D.
Mit Eingabe vom 7. Juli 2021 erhob die Beschwerdeführerin gegen das
Urteil des BVGer A-1838/2021 vom 8. Juni 2021 beim Bundesgericht Be-
schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und beantragte, in Auf-
hebung des angefochtenen Entscheids sei festzustellen, dass sie die Be-
schwerdefrist im vorinstanzlichen Verfahren gewahrt habe. Die Vorinstanz
sei anzuweisen, die Sache materiell an die Hand zu nehmen. Die Be-
schwerdeführerin rügte insbesondere, dass das Bundesverwaltungsge-
richt ihr verfassungsmässiges Individualrecht auf rechtliches Gehör verletzt
habe, indem es entschieden habe, ohne ihr die Vernehmlassung der ESTV
vom 20. Mai 2021 zuzustellen.
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E.
Mit Stellungnahme an das Bundesgericht vom 11. November 2021 räumte
das Bundesverwaltungsgericht ein, der Beschwerdeführerin die Vernehm-
lassung der ESTV vom 20. Mai 2021 irrtümlicherweise weder vor Erlass
des Urteils vom 8. Juni 2021 noch als Beilage zu diesem Urteil zugestellt
zu haben. Mit Urteil 2C_551/2021 vom 24. Januar 2022 hiess das Bundes-
gericht die Beschwerde gut, hob das Urteil A-1838/2021 des Bundesver-
waltungsgerichts 8. Juni 2021 auf und wies die Sache im Sinne der Erwä-
gungen an die Vorinstanz zurück. Im Rahmen der Erwägungen hielt das
Bundesgericht unter anderem fest, dass offenbleiben könne, ob eine «be-
sonders schwerwiegende Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör» im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorliege, denn ent-
scheidend sei hier einzig, dass es nicht Sache des Bundesgerichts sein
könne, den Sachverhalt abschliessend zu überprüfen, zumal ihm in diesem
Bereich keine volle Kognition zustehe. Darüber hinaus sei auch keine zeit-
liche Notwendigkeit ersichtlich, die zu einem unmittelbaren höchstrichterli-
chen Entscheid zu führen hätte. Mit Blick auf die zu klärenden Rechtsfra-
gen sollte es möglich sein, dass die Vorinstanz – nach erfolgter vollständi-
ger Gewährung des rechtlichen Gehörs – bald einen neuen Endentscheid
treffen könne (vgl. Urteil des BGer 2C_551/2021 vom 24. Januar 2022
E. 2.3.2).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2022 nahm das Bundesverwal-
tungsgericht – handelnd durch Richter Keita Mutombo als Instruktionsrich-
ter – das Verfahren unter der neuen Verfahrensnummer A-620/2022 wieder
auf und räumte der Beschwerdeführerin Gelegenheit ein, zur Vernehmlas-
sung der ESTV vom 20. Mai 2021 innert Frist Stellung zu nehmen.
G.
Nach mehrmaliger Fristerstreckung reichte die Beschwerdeführerin am
5. Mai 2022 eine Stellungnahme ein und hielt eingangs unter anderem fest,
dass an den Anträgen zur Beschwerde vom 20. April 2021 und deren Be-
gründung vollumfänglich festgehalten werde. Weiter stellte die Beschwer-
deführerin (fortan auch: Gesuchstellerin) unter anderem den Verfahrens-
antrag, «es sei im vorliegenden Verfahren ein unbefangener Bundesver-
waltungsrichter einzusetzen». Konkret sei Richter Keita Mutombo durch
eine unvoreingenommene Person, die unparteiisch an den Fall herangehe,
zu ersetzen.
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H.
Im Rahmen des hierauf neu eröffneten Ausstandsverfahrens A-1821/2022
forderte der Instruktionsrichter Richter Keita Mutombo dazu auf, zu den
vorgebrachten Ausstandsgründen Stellung zu nehmen.
I.
Am 18. Mai 2022 nahm Richter Keita Mutombo schriftlich zum Ausstands-
begehren der Beschwerdeführerin im Verfahren A-620/2022 Stellung und
schloss damit, dass beim Unterzeichnenden als Instruktionsrichter und vor-
sitzender Richter im Verfahren A-620/2022 weder eine objektive noch eine
subjektive Voreingenommenheit gegenüber der Gesuchstellerin vorliege.
J.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2022 wurde diese Stellungnahme den Verfah-
rensbeteiligten zugestellt.
K.
Auf die detaillierten Vorbringen der Gesuchstellerin und die Stellungnahme
der abgelehnten Gerichtsperson wird in den Erwägungen näher eingegan-
gen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Ge-
mäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern in sachlicher Hinsicht keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt und es sich bei der Vorinstanz um
eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG handelt. Diese Voraussetzungen
sind vorliegend erfüllt. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher im Haupt-
verfahren zuständig.
1.2 Im Rahmen des Hauptverfahrens ist das Bundesverwaltungsgericht
ebenfalls zur Beurteilung von Fragen formeller Natur und damit auch zum
Entscheid über Ausstandsbegehren zuständig (BVGE 2007/4 E. 1.1). Da-
bei gelten gemäss Art. 38 VGG die Bestimmungen des BGG über den Aus-
stand (Art. 34 ff. BGG) im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
sinngemäss (zum Ganzen: Zwischenentscheid des BVGer A-1184/2019
vom 23. April 2019 E. 1.2).
A-1821/2022
Seite 5
Nach dem Gesagten ist auf das form- und fristgerecht eingereichte Aus-
standsbegehren einzutreten (vgl. Art. 36 Abs. 1 BGG).
1.3 Bestreitet die Gerichtsperson, deren Ausstand verlangt wird, oder ein
Richter bzw. eine Richterin der Abteilung den Ausstandsgrund, so entschei-
det die Abteilung unter Ausschluss der betroffenen Gerichtsperson über
den Ausstand (Art. 37 Abs. 1 BGG). Diese Bestimmung äussert sich nicht
darüber, in welcher Besetzung der Entscheid über ein Ausstandsbegehren
zu ergehen hat. Die allgemeinen Bestimmungen zur Bildung der Spruch-
körper in Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht sehen in der Regel
die Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen vor (Art. 21 Abs. 1 und
Art. 24 VGG i.V.m. Art. 32 Abs. 1 VGR). Beim Entscheid über ein Aus-
standsbegehren handelt es sich zwar um einen Zwischenentscheid (vgl.
Art. 45 Abs. 1 VwVG bzw. Art. 92 Abs. 1 BGG). Da aber mit diesem Ent-
scheid abschliessend über das Vorliegen von Ausstandsgründen befunden
wird, erscheint es auch in diesen Fällen angebracht, den Spruchkörper ge-
mäss den allgemeinen Bestimmungen zu bilden. Entsprechend ist auch
über Ausstandsbegehren in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern
oder Richterinnen zu entscheiden. Über die Ausstandsfrage kann ohne An-
hörung der Gegenpartei entschieden werden (Art. 37 Abs. 2 BGG; zum
Ganzen: Zwischenentscheid des BVGer A-6185/2015 vom 1. Dezember
2015 E. 1.2).
2.
2.1 Jede Person hat nach Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK An-
spruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreinge-
nommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Um-
stände entschieden wird. Der Gesetzgeber hat diesen Anspruch in Art. 34
BGG für die Verfahren vor Bundesgericht und – entsprechend Art. 38 VGG
– vor Bundesverwaltungsgericht konkretisiert. Demnach treten Richterin-
nen und Richter sowie Gerichtsschreiberinnen und Gerichtsschreiber (Ge-
richtspersonen) in den Ausstand, wenn sie an der Sache ein persönliches
Interesse haben (Bst. a), in einer anderen Stellung in der gleichen Sache
tätig waren (Bst. b), mit Verfahrensbeteiligten in einer Ehe, eingetragenen
Partnerschaft oder dauernden Lebensgemeinschaft leben (Bst. c), mit die-
sen verwandt oder verschwägert sind (Bst. d) oder aus anderen Gründen
(Bst. e) befangen sein könnten. Die Bestimmungen von Art. 34 Abs. 1
Bst. b und e BGG, wonach in den Ausstand zu treten hat, wer bereits in der
gleichen Sache tätig war bzw. wer aus anderen Gründen befangen sein
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Seite 6
könnte, haben die Funktion eines Auffangtatbestandes (ANDRÉ MOSER/MI-
CHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.62).
Zur Ablehnung einer Gerichtsperson muss nicht deren tatsächliche Befan-
genheit nachgewiesen werden. Der Anschein der Befangenheit genügt. Ein
solcher Anschein besteht, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Be-
trachtungsweise geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit der Rich-
terin bzw. des Richters zu erwecken. Solche Umstände können namentlich
in einem bestimmten Verhalten der Gerichtsperson begründet sein. Auf das
bloss subjektive Empfinden einer Partei kann bei der entsprechenden Be-
urteilung allerdings nicht abgestellt werden. Das Misstrauen in die Unvor-
eingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erschei-
nen. Insgesamt muss gewährleistet sein, dass der Prozess aus Sicht aller
Beteiligten als offen erscheint (BGE 139 I 121 E. 5.1, BGE 138 I 1 E. 2.2,
BGE 136 I 207 E. 3.1 je mit Hinweisen; Urteil des BGer 2C_1124/2013 vom
1. Mai 2014 E. 2.2; vgl. zum Ganzen: Zwischenentscheid des BVGer
A-3077/2014 vom 21. Juli 2014 E. 2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
a.a.O., Rz. 3.62).
2.2 Der Anschein der Befangenheit kann durch unterschiedlichste Um-
stände und Gegebenheiten erweckt werden. Dazu können nach der Recht-
sprechung insbesondere vor oder während eines Prozesses abgegebene
Äusserungen eines Richters zählen, die den Schluss zulassen, dass sich
dieser bereits eine feste Meinung über den Ausgang des Verfahrens gebil-
det hat (BGE 134 I 238 E. 2.1; BREITENMOSER STEPHAN/SPORI FEDAIL MA-
RION, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwal-
tungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 10 Rz. 93).
2.3
2.3.1 Eine gewisse Besorgnis der Voreingenommenheit und damit Miss-
trauen in das Gericht kann bei den Parteien auch dann entstehen, wenn
einzelne Gerichtspersonen in einem früheren Verfahren mit der konkreten
Streitsache schon einmal befasst waren. In einem solchen Fall sogenann-
ter Vorbefassung stellt sich grundsätzlich die Frage, ob sich eine Gerichts-
person durch ihre Mitwirkung an früheren Entscheidungen in einzelnen
Punkten bereits in einem Mass festgelegt hat, das sie nicht mehr als un-
voreingenommen und dementsprechend das Verfahren nicht mehr als of-
fen erscheinen lässt (BGE 140 I 326 E. 5.1; Zwischenentscheid des BVGer
A-1184/2019 vom 23. April 2019 E. 2.3).
A-1821/2022
Seite 7
2.3.2 Nach Art. 34 Abs. 2 BGG stellt jedoch die Mitwirkung an einem frühe-
ren Verfahren für sich allein keinen Ausstandsgrund dar. Dies gilt auch für
Fälle, in welchen das Gericht aufgrund eines Rückweisungsentscheids des
Bundesgerichts über ein Verfahren ein zweites Mal zu befinden hat (MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.65). Es wird angenommen und er-
wartet, dass die Gerichtspersonen die Streitsache objektiv und unpartei-
isch behandeln und so die erforderliche Offenheit des Verfahrens gewähr-
leistet ist. Allein der Umstand, dass sich ein vorgesehener Spruchkörper
bereits mit der Sache befasst hat, führt mithin nicht dazu, dass die beteilig-
ten Gerichtspersonen unter dem Anschein der Befangenheit stehen. Hier-
für müssten weitere konkrete für die Befangenheit sprechende Gesichts-
punkte hinzutreten (statt vieler: BGE 142 III 732 E. 4.2.2; Urteil des BGer
5A_203/2017 vom 11. September 2017 E. 3; Zwischenentscheid des
BVGer A-6592/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3; vgl. ISABELLE HÄNER,
in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 34 N. 19;
REGINA KIENER, Richterliche Unabhängigkeit, 2001, S. 61, 67, 138 ff.; vgl.
auch MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.64).
2.3.3 Richterliche Verfahrensfehler oder auch ein möglicherweise falscher
materieller Entscheid können nur ausnahmsweise die Unabhängigkeit bzw.
die Unbefangenheit einer Gerichtsperson in Frage stellen. Dabei müssen
objektiv gerechtfertigte Gründe zur Annahme bestehen, dass sich in
Rechtsfehlern gleichzeitig eine Haltung manifestiert, die auf fehlender Dis-
tanz und Neutralität beruht. Die Annahme einer Befangenheit ist nur ge-
rechtfertigt, wenn besonders krasse Fehler oder wiederholte Irrtümer vor-
liegen, welche eine schwere Verletzung der richterlichen Pflichten darstel-
len und die auf eine Absicht der Benachteiligung einer Prozesspartei
schliessen lassen (BGE 125 I 119 E. 3e mit Hinweisen; Urteile des BGer
4A_208/2018 vom 22. August 2018 E. 2, 1B_203/2018 vom 18. Juni 2018
E. 2.1; vgl. auch Urteil des BVGer A-2142/2016 vom 9. September 2016
E. 6.4.2 mit Hinweisen; HÄNER, a.a.O., Art. 34 N. 19; vgl. ferner: BGE 141
IV 178 E. 3.2.3).
2.3.4 Zur Beantwortung der Frage, ob eine Gerichtsperson in einem kon-
kreten Fall vorbefasst ist, sind mehrere Kriterien zu beachten: Entschei-
dend ist in erster Linie, ob das Verfahren trotz deren nachgewiesenen bzw.
offenkundigen Vorbefassung bezüglich des konkreten Sachverhalts und
der konkreten Rechtsfragen als nach wie vor offen und nicht vorbestimmt
erscheint (Offenheit des Verfahrensausgangs). Dabei spielen wiederum
der Umfang des Entscheidungsspielraums bei der Beurteilung der sich in
den verschiedenen Verfahrensabschnitten stellenden Rechtsfragen sowie
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Seite 8
die Bedeutung der Entscheidungen auf den Fortgang des Verfahrens eine
Rolle. Weitere Elemente sind, unter welchen tatsächlichen und verfahrens-
rechtlichen Umständen sich die betroffene Amtsperson im früheren Zeit-
punkt mit der Sache befasste bzw. sich später befassen wird sowie welche
Fragen in den beiden Verfahrensabschnitten zu entscheiden sind und in-
wiefern sie sich ähnlich sind oder miteinander zusammenhängen (vgl. BGE
140 I 326 E. 5.1, 114 Ia 50 E. 3d; Zwischenentscheid des BVGer
A-1184/2019 vom 23. April 2019 E. 2.3.3; BREITENMOSER/SPORI FEDAIL,
a.a.O., Art. 10 Rz. 74).
3.
In der vorliegenden Sache ist streitig, ob Richter Keita Mutombo aufgrund
seiner Mitwirkung beim Urteil A-1838/2021 vom 8. Juni 2021 befangen ist
und dementsprechend für das Verfahren A-620/2022 in den Ausstand tre-
ten müsste.
3.1 Die Gesuchstellerin begründet ihr Ausstandsbegehren im Wesentli-
chen damit, dass im Verfahren A-1838/2021 ihr rechtliches Gehör in ele-
mentarer Art und Weise verletzt worden sei, indem ihr das Bundesverwal-
tungsgericht durch Keita Mutombo als Instruktionsrichter keine Gelegen-
heit gegeben habe, zur Vernehmlassung der Vorinstanz vom 20. Mai 2021
Stellung zu nehmen. Im Anschluss daran habe das Bundesverwaltungsge-
richt in seinem Urteil A-1838/2021 vom 8. Juni 2021, welches durch Keita
Mutombo als Einzelrichter gefällt worden sei, einseitig, das heisst nur ge-
stützt auf die Vorbringen der Vorinstanz, zu deren Gunsten entschieden.
Diese Vorgehensweise des Richters Keita Mutombo im Verfahren
A-1838/2021 sei – wie die Gesuchstellerin weiter ausführt – objektiv so zu
verstehen, dass für ihn im Verfahren bzw. im Urteil A-1838/2021 das Er-
gebnis des Prozesses bereits festgestanden habe. Damit sei ihr Anspruch
auf Beurteilung der vorliegenden Streitsache A-620/2022 durch eine unvor-
eingenommene Person, so dass der Ausgang des Verfahrens offen und
nicht vorbestimmt erscheine, nicht mehr garantiert.
3.2 In seiner Stellungnahme zum Ausstandsbegehren führte Richter Keita
Mutombo im Wesentlichen aus, im Verfahren A-1838/2021 habe er als Ein-
zelrichter über die Rechtzeitigkeit der Beschwerde zu Ungunsten der Ge-
suchstellerin entschieden, ohne die diesbezügliche Vernehmlassung der
Vorinstanz vorgängig der Gesuchstellerin zur Kenntnisnahme und für eine
allfällige Stellungnahme zuzustellen. Diese Unterlassung sei offensichtlich
aus reinem Versehen erfolgt.
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Seite 9
Demgegenüber müssten im Falle einer Ausstandspflicht wegen richterli-
chen Verfahrensfehlern oder eines falschen Entscheids in der Sache ob-
jektiv gerechtfertigte Gründe zur Annahme bestehen, dass sich in den
Rechtsfehlern gleichzeitig eine Haltung manifestiere, welche auf fehlende
Distanz und Neutralität hinweise (mit Verweis auf das Urteil des BGer
1B_60/2008 vom 4. Juni 2008 E. 4). Gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung sei dies nur dann anzunehmen, wenn besonders krasse oder
wiederholte Irrtümer vorliegen würden, die einer schweren Amtspflichtver-
letzung gleichkämen und sich einseitig zu Lasten einer der Prozesspar-
teien auswirken könnten (mit Verweis auf BGE 125 I 119 E. 3e, 115 Ia 400
E. 3b und 116 Ia 135 E. 3a sowie die Urteile des BGer 1B_60/2008 vom
4. Juni 2008 E. 4 und 5A_206/2008 vom 23. Mai 2008 E. 2.2). Davon könne
vorliegend mit Bezug auf das besagte irrtümliche Versäumnis nicht die
Rede sein, weshalb der erfolgte Verfahrensfehler nicht ausstandsbegrün-
dend wirke.
3.3 Zu Recht begründet vorliegend die Gesuchstellerin ihr Ausstandsbe-
gehren nicht allein damit, dass Richter Keita Mutombo in einem früheren,
sie betreffenden Entscheid in derselben Sache als Einzelrichter fungierte
(vgl. Sachverhalt), zumal dies nach dem klaren Gesetzeswortlaut und der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung per se keinen Ausstandsgrund bildet
(E. 2.3.2).
Vielmehr versucht die Gesuchstellerin durch Aufzählung zweier ihrer An-
sicht nach in jenem Verfahren begangener Rechtsverletzungen aufzuzei-
gen, dass Richter Keita Mutombo im hier zur Diskussion stehenden Ver-
fahren A-620/2022 nicht mehr als unbefangen und neutral erscheint. Die
Annahme einer Befangenheit würde vorliegend voraussetzen, dass im Ver-
fahren A-1838/2021 besonders krasse oder wiederholte Irrtümer begangen
wurden, die als schwere Verletzung der Richterpflichten zu qualifizieren
sind und die auf eine Absicht der Benachteiligung einer Prozesspartei
schliessen lassen (E. 2.3.3).
3.4
3.4.1 Unbestritten ist, dass Keita Mutombo im Verfahren A-1838/2021 als
Einzelrichter über die Rechtzeitigkeit der Beschwerde entschieden hat,
ohne die diesbezügliche Vernehmlassung der Vorinstanz vorgängig der
Gesuchstellerin zur Kenntnisnahme und für eine allfällige Stellungnahme
zugestellt zu haben.
A-1821/2022
Seite 10
3.4.2 Nicht gefolgt werden kann der Gesuchstellerin indes, wenn sie aus-
führt, das Urteil A-1838/2021 vom 8. Juni 2021 sei einseitig, das heisst nur
gestützt auf die Vorbringen der Vorinstanz, entschieden worden. Vielmehr
geht aus dem Urteil A-1838/2021 vom 8. Juni 2021 – insbesondere aus der
Erwägung 3 – eindeutig hervor, dass sich das Gericht bzw. der Einzelrichter
sehr wohl mit den Argumenten der Gesuchstellerin befasst hat. Die seitens
der Gesuchstellerin aufgeworfene Rechtsverletzung kann darin jedenfalls
nicht erblickt werden, auch wenn letztlich zu ihren Ungunsten entschieden
worden ist.
3.4.3 Dem Gesagten nach hat das Gericht zwar das rechtliche Gehör der
Gesuchstellerin verletzt, indem es ihr im Verfahren A-1838/2021 die Ver-
nehmlassung der Vorinstanz nicht zugestellt hat (vgl. Urteil des BGer
2C_551/2021 vom 24. Januar 2022 E. 2.3.2). Darin kann jedoch weder
eine krasse Verletzung der Richterpflichten erblickt werden noch wurden
im besagten Verfahren wiederholt solche Verfahrensfehler begangen. Ins-
besondere ist nicht ersichtlich, dass sich aus dem genannten Versehen
eine Haltung fehlender Distanz und Neutralität manifestieren würde
(E. 2.3.3). Vielmehr erscheint der Verfahrensausgang nach wie vor offen,
zumal der Gesuchstellerin inzwischen Gelegenheit eingeräumt wurde zur
Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung zu nehmen, womit das Gericht in
voller Kenntnis sämtlicher Stellungnahmen der Prozessparteien über den
Fall wird befinden können.
3.5 Insgesamt vermag die Gesuchstellerin in ihrer Eingabe nicht aufzuzei-
gen, inwiefern sich Richter Keita Mutombo im Verfahren A-1838/2021 in
einer Art festgelegt haben soll, dass er einer unvoreingenommenen Beur-
teilung der Sach- und Rechtslage im hier zur Diskussion stehenden Ver-
fahren A-620/2022 nicht mehr zugänglich sein sollte. Damit ist das Aus-
standsbegehren als unbegründet abzuweisen.
4.
Ausgangsgemäss hat die unterliegende Gesuchstellerin die Kosten für das
vorliegende Ausstandsverfahren zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese
sind auf CHF 800.- festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 und Abs. 4 bis Bst. a VwVG
i.V.m. Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die unterliegende Gesuchstellerin hat keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario).
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