Decision ID: 6820dddd-7a21-4905-96b1-8c6a7cd5b6eb
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961
,
zuletzt in einem Pensum von 70 % als Mit
arbeiterin Rechnungswesen tätig (vgl. Urk. 6/26/1-2),
meldete sich im Februar 2009 erstmals
unter Hinweis auf
Arthrose
im Nacken, an der Schulter, Händen, Hüften und Füssen
sowie Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
6
/12
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
3. Februar 2010
bei einem Invaliditätsgrad von
33 %
(abgerundet von 33.18 %)
eine
n
Rente
nanspruch
(Urk.
6/53
).
1.2
Mit
Schreiben vom 22. Februar 2010 machte die Versicherte eine Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes geltend (Urk. 6/57, vgl. auch Urk. 6/54-55).
Nachdem die IV-Stelle diverse Arztberichte ein
geholt hatte
(Urk. 6/65
67
)
,
verneinte sie
mit Verfügung vom 1. Oktober 2010
wiederum einen Rentenanspruch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von rund 33 % (auf
gerundet von 32.78 %; Urk. 6/86).
1.3
Am 2. Mai 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/87). D
ie IV-Stelle
zog
unter anderem bei
m Krankentaggeldversicherer Akten bei (Urk. 6/96, Urk. 6/114) und holte diverse Arztberichte ein. Mit Schreiben vom 8. Januar 2015 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine Schadenminderungspflicht (Durchführung einer psychiatrischen Behandlung, Urk. 6/120).
Gleichentags erliess die IV-Stelle den Vorbescheid,
in
welchem sie einen invalidisierenden Gesundheitsschaden verneinte (Urk. 6/121).
Daran hielt sie auf den
Einwand
hin
(Urk. 6/122, Urk. 6/127) nach Einholung weiterer Arzt
berichte mit Verfügung vom 15. Juni 2016 (Urk. 6/155 = Urk. 2)
fest
.
2.
Die Versicherte erhob am
9. August 2016
Beschwerde gegen die Verfügung vom
15. Juni 2016
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr eine ganze Rente auszurichten. Eventuell sei durch das Gericht ein psychiatrisches Gutachten einzuholen und hernach über den Rentenanspruch zu entscheiden (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8. September 2016 (Urk. 5
) die Abweisung der Beschwerde
, wobei sie auf eine eigentliche Stellung
nahme verzichtete und auf die Akten verwies
. Dies wurde der Beschwerdeführe
rin am
13. September 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerde
verfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Renten
anspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
die Beschwerdeführerin leide an verschiedenen Schmerzsyndromen (S. 1). Aus somatischer Sicht sei von keiner wesentlichen Veränderung des Gesund
heitszustandes auszugehen.
Aus den Berichten des behandelnden Rheumato
logen gehe hervor, dass es zu keine
r Verschlechterung gekommen sei. E
ine ent
zündliche Grunderkrankung
sei auszuschliessen
und in einer ange
passten Tätigkeit
sei
eine Arbeitsfähigkeit
von mindestens 50 % möglich
. Sodann habe der Rheumatologe auch angegeben, dass „in erster Linie in der Schmerz
distan
zierung vor allen Dingen aus dem Bereich der Psychopharmaka-Therapie einem Facharzt für Psychiatrie zu überlassen sei” (S. 2 Mitte). Die Beschwerde
führerin möchte keine fachpsychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen und lehne diese ab (S. 2 unten). Aufgrund der Unterlagen sei weiterhin von einer nachvollziehbaren Qualifikation als Erwerbstätige im 80 %-Pensum auszugehen (S. 2 f.). Nach einer Gesamtwürdigung
aller Einschränkungen und Ressourcen
komme man zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin über die für den Umgang mit Schmerzen notwendigen Ressourcen verfüge. Es sei ihr trotz ihren psychiatrischen Beschwerden zumutbar
,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Folglich bestehe aus psychiatrischer Sicht kein Gesundheitsschaden (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt (Urk. 1),
im Vergleich zur früheren Rentenprüfung, bei welcher von einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 80 % und
einer Haushaltstätigkeit von 20
% ausgegangen worden sei, sei nun von einem Statuswechsel auszugehen: Im November 2013 habe sie bei der
Y._
eine Stelle als Geschäfts
führerin in einem 100 %-Pensum angetreten. Im Gesundheitsfall wäre sie nach wie vor in einem Vollzeitpensum tätig. Der Invaliditätsgrad sei somit neu nach der allgemeinen Methode zu berechnen. Bereits damit liege ein beachtlicher Revisionsgrund vor (S. 6 Ziff. 17).
Sodann habe sich auch der Gesundheitszustand in anspruchsr
elevanter Weise verschlechtert.
Selbst der Regionale Ärztliche
Dienst (RAD) gehe von einer Exaz
erbation der Schmerzstörung aus. Dr.
Z._
habe ihr aufgrund neu hinzu
gekommener beziehungsweise sich verstärkter Gesundheitsschäden nicht mehr eine 50%ige, sondern eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2014 attestiert (S. 7 Ziff. 23
). Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass sich die Beschwerdeführerin einer fachpsychiatrischen Begutachtung und Behandlung entziehe, sei haltlos. Dies habe sie auch in der Vergangenheit bewiesen, indem sie sich einer Psychopharmaka-Therapie unterzogen habe. Demgegenüber habe es allerdings die Beschwerdegegnerin versäumt, eine fachmedizinische Beur
teilung in Form eines Gutachtens in Auftrag zu geben (S. 8 Ziff. 28).
Sodann machte die Beschwerdeführerin geltend, es müsse zuerst eine fach
ärztliche Diagnose
gestellt
werden, bevor über die Frage entschieden werden könne, ob eine Schmerzstörung invalidisierend sei oder nicht. Es sei akten
kundig, dass sie seit Jahren an einer larvierten depressiven Symptomatik leide (S. 10 Ziff. 35).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht das Vorliegen eines Revisionsgrundes verneinte.
Für die Prüfung, ob eine gesundheitliche Verschlechterung vorliegt, sind die Verhältnisse
im Zeitpunkt der Verfügung vom 3. Februar
2010 (Urk. 6/
53
), wel
che die
einzige eingehende
materielle Überprüfung darstellt (vgl. Sachverhalt E.
1.2), mit den Verhältnissen im Zeitpunkt der angefocht
enen Verfügung vom 15.
Juni 2016 (Urk. 2) zu vergleichen.
Entgegen der Ansicht der Beschwerde
führerin basierte die rentenablehnende Verfügung vom 1. Oktober 2010
(Urk.
6/86)
auf keiner umfassenden Prüfung. Einerseits wurden lediglich zwei
Formu
lar
berichte, ein Bericht von Dr.
A._
(Urk. 6/65/2-4)
und ein Ver
laufs
bericht der Hausärztin
(Urk. 6/67/2-4)
,
eingeholt. Der Bericht der Haus
ärztin enthielt sodann nur rudimentäre Angaben und verwies insbesondere bezüglich Diagno
sestellung auf den Bericht von Dr.
A._
. Andererseits wurde kein neuer Einkommensvergleich durchgeführt, sondern diesbezüglich au
f die früher erho
benen
Daten verwiesen (
vgl. Feststellungsblatt vom 17.
Juni 2010, Urk. 6/74/3 unten
, vgl. auch Urk. 6/85/2
unten
).
3.
3.1
Der rentenabweisende Entscheid der Beschwerdegegnerin
vom 3
.
Februar
2010
(Urk. 6/53)
basierte auf folgenden Arztberichten:
Am 9. Januar 2009 fand am
B._
in der Psychiatri
schen Poliklinik ein Abklärungsgespräch statt (Urk. 6/23/3-5). Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte aus, bei der Beschwerdeführerin liege ein chronisches Schmerzsyndrom mit Betonung der Schmerzen im Bereich der Hüften, Hände sowie der
Halswirbelsäule (
HWS
)
vor. Zum Teil scheine die Symptomatik im Rahmen einer entzündlichen rheumati
schen Erkrankung erklärbar. Zusätzlich f
i
nde sich aber eine erhebliche Exazer
bation der Schmerzsymptomatik seit der Kündigung ihres Arbeitsplatzes vor zwei Jahren. Von psychischer Seite finde sich eine höchstens mittelgradige depressive Symptomatik mit Antriebslosigkeit und depressiver Verstimmung, welche möglicherweise zusätzlich zu einer Verschlimmerung der Schmerz
sympto
matik beitrage (S. 1 oben).
Dr.
C._
diagnostizierte eine leichte bis mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1; S. 1 Mitte).
Aufgrund der Gesamtsituation erscheine ihm eine Behandlung in einem inter
disziplinären Schmerzprogramm
indiziert
mit dem Ziel, sowohl die rheuma
tologische Symptomatik als auch die psychiatrische S
ymptomatik gezielt zu behandeln
(S. 1 unten). Die Arbeitsfähigkeit betrage aus psychiatrischer Sicht momentan 50 % (S. 2).
Die Beschwerdeführerin habe anfänglich betont, dass ihre Schmerzen nicht psychisch bedingt seien. Im Verlaufe des Gesprächs sei sie jedoch mit einer psychiatrischen Abklärung sehr wohl einverstanden gewesen und habe sich eine umfassende Beurteilung ihrer aktuellen Situation gewünscht (S. 3 oben).
3.2
Im Bericht vom 17. Februar 2009 (Urk. 6/18) stellte die Hausärztin der Beschwerde
führerin, Dr. med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
leichte bis mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1)
-
Polyarthralgien mit Morgensteifigkeit der PP- weniger DIP- und MTP
Gelenke sowie klinisch Tenosynovitis de Quervain
-
chronisches zervikovertebrales Syndrom
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann
t
e Dr.
D._
eine mässig ausgeprägte linksbetonte vorwiegend zentrale Coxarthrose beidseits, differentialdiagnostisch (DD) im Rahmen einer entzündlich rheumatischen Erkrankung.
Aktuell klage die Beschwerdeführerin über ein chronisches Schmerzsyndrom mit Betonung der Schmerzen im Bereich der Hüften, Hände sowie der HWS. Zum Teil scheine die Symptomatik im Rahmen einer entzündlichen rheuma
tischen Erkrankung erklärbar. Zusätzlich find
e sich aber eine erhebliche Exaz
er
bation der Schmerzsymptomatik seit der Kündigung ihres Arbeitsplatzes vor zwei Jahren. Von psychischer Seite her finde sich eine höchstens mittelgradige depressive Symptomatik mit Antriebslosigkeit und depressiver Verstimmung, welche möglicherweise zusätzlich zu einer Verschlimmerung der Schmerzsymp
tomatik beitrage (Ziff. 1.4 Mitte).
Eine medikamentöse antidepressive Behandlung lehne die Beschwerdeführerin ab. Geplant wäre eine Psychotherapie (Ziff. 1.5).
Aufgrund der Schmerzen in den Fingergelenken sei sie als Sachbearbeiterin in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Dr.
D._
attestierte eine 50%ige Arbeitsunfä
higkeit, wobei sie anfügte, dass die Beschwerdeführerin
zurzeit
auch arbeitslos sei und zu
m
jetzigen Zeitpunkt nicht arbeite (Ziff. 1.7
; vgl. auch Bericht von Dr.
D._
vom 3. November 2008, Urk. 6/26/10-11
).
3.3
Dem Bericht vom 19. März 2009 (Urk. 6/23/1-2
; vgl. auch Bericht vom 11. De
zember 2008, Urk. 6/26/8-9
) des
B._
, Rheumaklinik und Institut für Phy
sikalische Medizin,
betreffend die ambula
nte Behandlung zwischen dem 28.
Oktober 2008 und dem 28. Februar 2009
sind folgende Diagnosen zu ent
nehmen (S. 1 Mitte):
-
linksbetonte, vorwiegend zentrale Coxarthrosen beidseits
-
Differenzialdiagnose (
DD
)
im Rahmen einer entzündlichen rheuma
tischen Erkrankung
-
Polyarthral
gien mit Morgensteifigkeit (PIP,
DIP, MTP sowie klinisch Tenosynovitis de Quervain)
-
radiologisch Fingerpolyarthrosen der Endgelenke (DD im Rahmen einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung)
-
chronisches zervikovertebrales Syndrom
-
degenerative Veränderungen der unteren HWS
-
leichte bis mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1)
PD Dr. med.
E._
, Facharzt für Rheumatologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte aus, es würden aktuell i
n Bezug auf eine
entzündlich rheuma
tische Erkrankung
keine sicheren Anhaltspunkte bestehen. Bei laborchemisch leichter Entzündungsreaktion sowie erhöhten antinukleären Antikörper und Anti-CCP könne eine solche jedoch nicht sicher ausgeschlossen werden (S. 1 unten).
Aufgrund der durch verschiedene strukturelle Probleme verursachten Gesund
heitsstörung, verstärkt durch die psychiatrische Komorbidität, sei eine Steige
rung der 50%igen Arbeitsfähigkeit wenig wahrscheinlich. Auch unter Annahme einer grundsätzlichen Verbesserung aus rein psychiatrischer Sicht sei aus inter
disziplinärer Sicht nicht davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit nam
haft verbessern werde (S. 2 Mitte).
3.4
Mit Bericht vom 18. März 2009
(Urk.
6/26
/6-7)
attestierte Dr.
D._
der Beschwerdeführerin ab 1. März 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 8). Derzeit nehme die Beschwerdeführerin keine Medikamente. Eine medikamentöse Behandlung sei aus Sicht von Dr.
D._
dringend empfohlen (Ziff. 7).
3.5
Die Beschwerdeführerin befand sich g
emäss Bericht vom 20. April 2009 (Urk. 6/28) von Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, zwischen April und Juli 2008 bei ihm in Behandlung (Ziff. 1.2). Sie habe über zunehmende Erschöpfung und fehlende Belastbarkeit sowie gastrointesti
nale Beschwerden geklagt (Ziff. 1.4). Als Diagnose nannte Dr.
F._
eine soma
toforme Schmerzstörung des Gastrointestinaltraktes (ICD
10 F45.31) sowie eine akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0; Ziff. 1.1).
Für die Zeit der Behand
lungsdauer attestierte er der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (Ziff. 1.6). Im Juli 2008 habe sie sich seiner therapeutischen Be
gleit
ung ent
zogen (Ziff. 1.11).
3.6
Am 30. April 2009 erstattete Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, ein Gutachten im Auftrag der Kranken
taggeldversicherung (Urk.
6/35/10-15
).
Die Beschwerdeführerin habe gegenüber dem Gutachter angegeben, sie leide an Schmerzen in den Hüften, im Nacken wie auch in den Fingergelenken. Seit
A
nfang 2009 habe sie zudem Schmerzen in den Knien, Schultern, Füssen und den Ellbogen. Die Schmerzen seien dauer
haft vorhanden und würden beim Abliegen oder bei Bewegung nicht bessern. Bei körperlich belastenden Tätigkeiten wie beispielsweise beim Staubsaugen habe sie verstärkte Schmerzen (S. 3 Mitte).
Beim klinischen Befund wurden Druckdolenzen über den
ganzen Körper verteilt
, Schmerzen bei allen Bewegungen der HWS, eine Schwellung am Handgelenk rechts bei im Übrigen nor
malen Bewegungsausmassen der Hand- und Fingergelenke beidseits, Flexions
schmerzen des V. Fingergrundgelenkes rechts, ausgezeichnete Bewe
gungs
ausmasse der Hüften beidseits mit jedoch Angabe von Schmerzen bei allen Bewegungs
tests in der Leistengegend beidseits festgehalten (S. 3 f.).
Dr.
G._
stellte folgende Diagnosen (S. 5 Ziff. 1):
-
chronisches
z
ervikospondylogenes Syndrom bei leichten degenerativen Veränderungen der HWS
-
Schulterschmerzen beidseits bei diskreter Tendinitis calcarea der Supra
spinatussehne beidseits
-
beginnende
Omarthrose
links
-
AC-Gelenksarthrosen beidseits (manifest rechts im klinischen Untersuch)
-
Verdacht auf Handgelenksganglion rechts mit echofreier Raumforderung über dem Scaphoid rechts ausgehend vom proximalen Radiocarpal
gelenk
-
diskrete radiologische Zeichen beginnender Coxarthrosen beidseits ohne eindeutiges klinisches Korrelat
-
Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich Dr.
G._
wie folgt: De
r
Beschwerde
führerin sei jederzeit eine leichte bis mittelschwere manuelle Tätigkeit zumutbar und selbstverständlich jede anderweitige Bürotätigkeit (S. 6 Ziff. 6).
Ihr
müsse klargemacht werden, dass
die
organischen Befunde nicht für die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit ausreichen würden. Was die psychiatrische Seite anbe
lange, sei dies Sache eines Psychiaters, die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen (Ziff. 4).
3.7
Mit ärztlichem Zeugnis vom 29. April 2009 attestierte Dr.
D._
der Beschwerdeführerin
weiterhin
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für Mai 2009
(Urk. 6/29).
3.8
Aus der Stellung
nahme
des Arztes des Regionalen Ärztlichen Dienstes des
RAD vom 3. Juni 2009
geht hervor, dass bei der Beschwerdeführerin eine gesund
heitliche Störung im Sinne einer teils entzündlichen Polyarthrose vorliege, wel
che sich funktionell auf Lastenhandhabung und überwiegend stehende oder gehende Arbeiten auswirke. Zudem sei von einem erhöhten Erholungsbedarf in der zweiten Schichthälfte auszugehen. Die endgültige Diagnose stehe trotz umfassender Abklärungen noch aus. Empfohlen werde eine psychiatrische Mit
behandlung (Schadenminderungspflicht). Aus diesen zwei Gründen könne nicht von einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen werden.
Sodann bestehe offenbar Einäugigkeit, was jedoch ohne Auswirkung auf die aktuell gültige Arbeitsfähigkeit sei.
Versicherungsmedizinisch liege seit April
2008 ein Gesundheitsschaden
vor mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % und seit 1. September 2008 von 50 % in der bisherigen Tätigkeit. Diese sei als der gesundheitlichen Störung angepasst zu betrachten. Wegen
der Instabilität des Gesundheitsschadens sei eine Neubeurtei
lung in zwölf Monaten empfohlen (Urk. 6/42/5 Mitte).
3.9
Am 12. August 2009 verfasste PD Dr.
E._
eine Stellungnahme zuhanden des Krankentaggeldversicherer
s der Beschwerdeführerin. Dieser
ist zu ent
nehmen, dass sich aus medizinischer Sicht gegenüber dem Bericht vom 19. März 2009
(vorstehend E. 3.3)
keine relevanten Veränderungen ergeben haben (Urk. 6/35/7 unten).
Mit ärztlichen Zeugnissen vom 7. Juli 2009 attestierte er der Beschwerdeführe
rin
vom 1. Juni bis 30. September 2009 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/33
-
34).
3.10
Vom 20. September bis 10. Oktober 2009 befand sich die Beschwerdeführerin
zur Rehabilitation
in der
H._
(Austrittsbericht vom 19. Oktober 2009, Urk. 6/65/5-7; vgl. auch den im Zeitpunkt der Verfügung vom 3. Februar 2010 bei den Akten liegende
Kurzbericht vom 10. Oktober 2009, Urk. 6/39/2).
Sie sei bei folgenden Diagnosen zur Rehabilitation zugewiesen worden (S. 1):
-
zentrale Coxarthrose beidseits (links mehr als rechts)
-
mit/bei plötzlichem Kraftverlust und Stolperstürzen
-
DD: im Rahmen einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung
-
Fingerpolyarthrosen der Endgelenke beidseits
-
DD: im Rahmen einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung
-
Polyarthralgien obere Extremität (PIP, DIP und MP) sowie klinisch Tenosynovitis de Quervain
-
chronisches Zervikovertebralsyndrom
-
degenerative Veränderungen distale HWS
-
intermittierende Herzrhythmusstörungen in Ruhe
-
kardiologisch keine Auffälligkeiten, seit zirka 20 Jahren Einnahme von Inderal 10 mg
Die Beschwerdeführerin sei
während des Rehabilitationsaufenthaltes
motiviert und kooperativ gewesen und habe die Therapien immer regelmässig besucht. Sie verfüge bereits über einige Strategien im Umgang mit Schmerz und wisse diese anzuwenden. In der Sport- und Physiotherapie habe sie sich körperlich rekondi
tionieren können und habe ihre Hüftgelenksstabilität verbessern sowie Kraft und Ausdauer steigern können.
Es habe eine Belastungssteigerung erreicht wer
den können (S. 2 Mitte).
Die Weiterführung der Psychotherapie im ambulanten Rahmen sei nicht zwin
gend nötig, und auch die Beschwerdeführerin sehe derzeit hierfür keinen Bedarf. In jedem Fall sei jedoch zu empfehlen, regelmässige Kontrollen bei einem Rheumatologen durchzuführen (S. 3).
Während der Zeit des Rehabilitationsaufenthaltes wurde der Beschwerdeführerin von den Ärzten der
H._
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit attestiert (S. 3).
3.
11
Dr.
D._
bescheinigte der Beschwerdeführerin vom 11. Oktober bis 1. November 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und vom 2. November bis 1. Dezember 2009 (Urk.
6/46
) sowie vom 1. bis 31. Januar 2010 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/
50
).
4.
4.1
Seit der r
entenablehnenden Verfügung vom 3
.
Februar
2010 kamen im Wesent
lichen folgende Arztberichte neu zu den Akten:
Dr. med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation, nannte im Bericht vom 21. Februar 2010 (Urk.
6/65
/2-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Coxarthrose beidseits
-
noduläre
Polyarthrose
-
Omar
throse links
-
periartikuläre
Schulterverkalkungen
-
Panvertebralsyndrom, vorübergehend lumboradikuläres Syndrom L4 links, jetzt weitgehend verbessert
-
Depressionen
-
Status nach Nervenzusammenbruch
Die Befundaufnahme habe ein Ganglion am rechten Handgelenk, schmerzhaft eingeschränkte HWS und Lendenwirbelsäule (LWS) sowie Hüften, einen Bewe
gungsschmerz in den Sc
hultern,
einen Patellarsehnenreflex (
PSR
)
links abge
schwächt und
einen umgekehrten Lasègue links positiv gezeigt. Die Schmerzin
tensität nach der visuellen Ana
logskala (VAS) sei bei 73/88/73
mm einzuordnen gewesen (Ziff. 1.4).
Aufgrund der verschiedenen Arthrosen, hinter welchen ver
mutungsweise auch eine systemische Gelenkerkrankung liegen könnte, welche bisher aber nicht gefunden werden konnte, sowie der rezidivierenden Depressi
on sei die bisherige Tätigkeit
beeinträchtigt
aufgrund eingeschränkter physi
scher und psychischer Leistungsfähigkeit (Ziff. 1.7). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6).
4
.2
Im Bericht vom 31. März 2010 (Urk. 6/67/2-4) verwies die Hausärzt
in Dr.
D._
bezüglich Diagnosen auf den Bericht von Dr.
A._
(Ziff. 1.1).
Auf
grund der Schmerzen sei die Beschwerdeführerin in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt (Ziff. 1.7). Ab 1. Februar 2010 attestierte Dr.
D._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, wobei sie darauf hinwies, dass die Beschwerde
führerin seit
her
auch arbeitslos sei (Ziff. 1.6).
In diversen Arztzeugnissen - und teilweise in nachträglicher Abänderung frühe
rer Zeugnisse, in welchen sie
noch eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte -
bescheinigte
Dr.
D._
der Beschwerdeführerin vom 1. März bis 31. Oktober 2010 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/66+71+73+77+81-84).
4.3
Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 29. September 2010 fest, die Rheumatologie des
B._
und die Hausärztin würden sich übereinstimmend für eine Arbeitsfähigkeit von 50 % aussprechen. Dies sei durch die nachgereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse bestätigt. Es ergebe sich keine divergierende Bemessung der Arbeitsfähigkeit und somit kein erweiterter Abklärungsbedarf. Ohne neue gesundheitliche Elemente könne auf die bisherigen Stellungnahmen verwiesen werden
(Urk. 6/85/2
; vgl. auch Stellungnahme RAD vom 16. Juni 2010, Urk. 6/74/2-3
)
.
4.4
Gegenüber Dr. med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, welcher am 10. Juni 2014 zuhanden des Krankentaggeldversicherers ein Gutachten erstattete (Urk.
6/96/3-13
), gab die Beschwerdeführerin an
,
sie leide derzeit an Schmerzen im Bereich der gesamten HWS. Ausserdem habe sie Schmerzen an beiden Schulter-, Ellbogen- und Handgelenken. Beim Laufen seien die Hüften massiv schmerzhaft, das linke Knie schmerze massiv, nachdem es operiert worden sei, und sie habe auch
an
beiden Fussgelenken
seit etwa zwei Jahren
massive Schmerzen
(Urk. 6/96/4 Ziff. 2). Dr.
Z._
führte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit auf (Urk. 6/96/10 unten):
-
Polyarthrose mit Polyarthritis
-
chronisches Schmerzsyndrom
-
Nervenwurzelreizsymptomatik an der HWS
-
Nervenwurzelreizsymptomatik an der LWS
-
chronisches LWS-Syndrom
-
Fibromyalgie
-
Depression (unbehandelt)
Sodann nannte er als weitere Diagnosen einen Zustand nach Arthoskopie links mit rezidivierender Schwellneigung, Hallux rigidus rechts und links, Tendinitis der Supra- und Infraspinatussehne rechtes und linkes Schultergelenk, Epicondy
litis radialis und ulnaris am rechten und linken Ellbogengelenk, ISG
Blockierung rechts und links mit Neuritis (Urk. 6/96/10 Mitte).
Die subjektiv beklagten Beschwerden seien klinisch und radiologisch genaues
tens objektivierbar. Es zeige sich im Verlauf ein schweres chronisches Schmerz
syndrom gekoppelt m
it einer larvierten Depression. Derzeit liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf ihre bisherige Tätigkeit als stellvertre
tende Geschäftsführerin mit Arbeitspensum von 45 Stunden pro Woche vor
(vgl. dazu Urk. 6/118/1-6)
. Nach erfolgreicher Behandlung des chronischen Schmerz
syndroms und der Depression sei ein 80 %-Pensum zumutbar
(Urk. 6/96/10-11 Ziff. 4 ff.).
4.5
Am 28. April 2014 wurde in der
I._
ein MRI der linken sowie der rechten Hand durchgeführt (Urk.
6/100
). Beidseits sei kein Nachweis einer Synovitis oder Tenosynovitis und somit kein Nachweis einer aktiven Ent
zündung vorhanden. Es fänden sich jedoch an beiden Hän
den mehrere kleine intraossäre Z
ysten/Erosionen, welche auf einen Status nach einer abgelaufenen Arthritis hinweisen könnten (S. 2).
4.6
Der neu behandelnde (vgl. Urk. 6/110)
Dr. med.
J._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, führte im Bericht vom 18. Sep
tember 2014 (Urk.
6/105
) aus, nach Beginn der beruflichen Tätigkeit hätten die Beschwerden
der Beschwerdeführerin
vor allem an den Händen zugenommen und sie habe schmerzhafte Schwellungen an beiden Händen geschildert. Klinisch wie auch mittels Szintigraphie und mittels MRI hätten keine Synovitiden objektiviert werden können
. Die bildgebend erhobenen zahl
reichen zystischen Veränderungen an verschiedenen Mittelhandknochen seien un
spezi
fisch, wobei für eine zu diskutierende Calciumpyrophosphaterkrankung keine weite
ren Argumente zu erkennen seien. Ebenfalls müsse wegen der zuletzt wieder progredienten Achillessehnenschmerzen differentialdiagnostisch an eine entzündliche Genese gedacht werden (DD: Spondylarthritis; S. 1 unten).
Unabhängig davon seien mechanisch-statisch bedingte Beschwerden am links
seitigen Knie und an der rechtsseitigen Hüfte zu finden. Weiter bestehe eine Haltungsinsuffizienz seitens des Rumpfes.
Das Gesamtbild werde auch durch eine chronische Schmerzstörung begleitet, welche schon vor Jahren unter anderem im Rahmen der depressiven Störung aufgeführt worden sei. Ausgehend von der Krankengeschichte sei diese Proble
matik zwischenzeitlich weniger vordergründig gewesen und die Beschwerde
führerin habe im Jahr 2013 eine berufliche Tätigkeit aufnehmen können
(vgl.
dazu Urk. 6/118/1-6)
. Unter den bei der Tätigkeit zunehmenden Schmerzen an beiden Händen scheine die Schmerzstörung ebenfalls eine Exazerbation erfahren zu haben (S. 2).
Dr.
J._
stellte
im Wesentlichen
folgende Diagnosen
(S. 1 Mitte):
-
Polyarthralgien im Rahmen von Polyarthrosen
-
chronisches zerviko- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom
-
chronisches Schmerzbild
4.7
Aufgrund der Kniebeschwerden links stellte sich die Beschwerdeführerin bei Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, vor (Bericht vom 17. November 2014, Urk.
6/141
/5-6). Dr.
K._
hielt eine mediale femorotibiale und femoro
patelläre Gonarthrose links, einen Status nach arthroskopischer Teilmeniskus
resektion posteromedial und Knorpelglättung am medialen Femurcondylus links im September 2013 und eine Coxarthrose beidseits fest (S. 1 oben). Aufgrund der Beschwerden bei Gon
arthrose links behandelte Dr.
K._
das Knie mittels Infiltration, da eine Meniskusnachresektion nur sehr unwahrscheinlich zu einer Besserung führen würde (S. 2).
4.8
Am 6. März 2015 erfolgte in der
I._
eine Verlaufsunter
suchung mittels MRI beider Hände. Im Vergleich zur Voruntersuchung (vorste
hend E. 4.5) hätten sich an beiden Händen degenerative Veränderungen erge
ben. Entzündliche Veränderungen wurden verneint (Urk. 6/134/2).
4.9
Dr. med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheu
matologie, führte im Bericht vom 11. Januar 2016 (Urk.
6/136
) aus, in der klini
schen Untersuchung habe eine deutliche Überbeweglichkeit festgehalten werden können (S. 1 unten). Die generalisierten Beschwerden seien zusammengefasst
am ehesten auf ein Hyperlaxizitätssyndrom zurückzuführen.
Die Kriterien dazu seien hinreichend erfüllt (S. 2 Mitte).
Zum Ausschluss einer entzündlichen G
runderkrankung und rheumatischen
Ursache der Beschwerden nahm Dr.
L._
nochmals eine L
aboruntersuchung vor (vgl. Urk. 6/136/2 unten
). Wie er mit Bericht vom 25. Januar 2016
(Urk. 6/143/1-2)
darlegte, hätten sich im Rahmen der durchgeführten Untersu
chung keine relevante
n
Aktivitä
tsparameter gezeigt
.
Im Gespräch habe die Beschwerdeführerin ausführlich dargelegt, welche Belastungsmomente sie schon seit der Kindheit immer wieder habe aushalten müssen (S. 1 unten).
Sodann hielt
Dr.
L._
fest,
eine
Möglichkeit zur Schmerzdistanzierung
sehe er in erster Linie mittels
co-ana
lge
tischer Behandlung
, insbesondere aus dem
Bereich der Psychopharmaka.
Das Myotonolytikum Sirdalud neh
m
e
sie bereits. Da sie aber auch beim letzten Versuch einer Psychopharmakatherapie mit aus
geprägten unerwünschten Nebenwirkungen reagiert habe, müsse dies letztlich einem Facharzt für Psychiatrie überlassen werden (S. 2).
4.10
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin gab
Dr.
L._
mit Schreiben vom 1. Februar 2016 (Urk. 6/142) an, er habe
die Anamnese der Beschwerdeführ
erin nicht vertieft erhoben, weshalb er zur Frage der Arbeitsfähigkeit keine seriöse Antwort geben könne. Unter Hinweis auf darauf, dass er keine vertiefte Befra
gung vorgenommen habe und daher die Arbeitsfähigkeit nicht seriös genug beurteilen könne, führte er gleichwohl aus, aus rein somatischen Gründen sei in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit mit Ausschluss vorgehaltener Kör
perposition wie vorgeneigtes Stehen und Sitzen eine Arbeitsfähigkeit von im Minimum 50 % möglich.
4.11
Seit dem 17. April 2015 ist die Beschwerdeführerin bei Dr.
med.
M._
, praktischer Arzt, in Behandlung (Bericht vom 1. März 2016, Urk.
6/145
/1-5).
Unter anderem finde bei ihm eine psychosomatische Gesprächs
therapie statt (Ziff. 1.5). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte Dr.
M._
ein Hyperlaxizitässyndrom (Ziff. 1.1). Die Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit könne er nicht beurteilen (Ziff. 1.7). Seit Behandlungsbeginn sei keine Arbeits
t
ä
t
igkeit bekannt (Ziff. 1.6).
5.
5.1
5.1.1
Aufgrund der Aktenlage
ist
ausgewiesen
, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2009
B
eschwerden in Nacken/HWS, Schultern, Händen, Hüften und Knien beklagt. Die Beschwerden
scheinen nach ärztlicher Sicht eine
entzündliche Genese
zu haben
(vgl. insbesondere vorstehend E. 3.2-3, E. 3.10, E. 4.1, E. 4.4 und E. 4.6)
.
Anfang 2016 kam Dr.
L._
jedoch zum Schluss, aufgrund der aktuellen Laboruntersuchungen könne eine entzündliche Grunderkrankung aus
geschlossen werden, da die Untersuchung keine relevanten Aktivitätsparameter gezeigt habe (vorstehend E. 4.9). E
r diagnostizierte ein Hyperlaxiz
itätssyndrom und stellte damit erstmals eine von den übrigen Ärzten abweichende Diagnose.
Auch bezüglich den
objektivierbaren Befunde
n
an beiden Händen konnte mit
tels Verlaufsuntersuchung eine entzündliche Veränderung ausgeschlossen wer
den (vorstehend E. 4.8).
G
estützt auf die
seit der rentenablehnenden Verfügung vom 3. Februar 2010
verfassten
Arztberichte
ist
ersichtlich
, dass
neu
ein Teil der
B
eschwerden auf objektivierbare Befunde zurückzuführen ist.
Dr.
Z._
hielt fest, die subjektiv beklagten Beschwerden seien klinisch und radiologisch objektivierbar (vorste
hend E. 4.4).
Aus dem Bericht von Dr.
J._
geht hervor, dass am linken Knie und der rechten Hüfte mechanisch-statisch bedingte Beschwerden zu finden sind.
Überdies
wurden an beiden Händen bildgebend zahlreiche zystische Ver
änderungen nachgewiesen, die jedoch diagnostisch nicht klar einzuordnen waren (vorstehend E. 4.6).
Die Beschwerdegegnerin
ging von einem reinen syn
dromalen Beschwerdebild ohne nachweisebare organische Grundlage aus (vgl.
Urk. 2 S. 1 f.). Damit
liess
sie
die
zumi
ndest teilweise objektivierbaren
Ursachen für die Schmerzen weitgehend ausser
Betracht,
was aufgrund der Akten
lage nicht angeht.
5.1.2
Eine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung wurde
letztmals
im Juni 2014 von Dr.
Z._
vorgenommen
(vorstehend E. 4.4)
.
Dr.
L._
beurteilte die Arbeitsfähigkeit basierend auf seinen Untersuchungen im Januar 2016 zwar mit 50 %, hielt dazu jedoch explizit fest, er könne mangels vertiefter Anamneseerhebung keine seriöse Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vornehmen (vorstehend E. 4.10).
Aufgrund der seit der letzten materiellen Überprüfung
neu
erhobenen objekti
vierbaren Befunde kann ohne aktuelle ärztliche Beurteilung der Einschränkun
gen und des Arbeitsfähigkeitsgrades nicht
ohne weiteres
darauf geschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand aus somatischer Sicht als unverändert präsentiert.
Wenn
es
im
Übrigen
so wäre, dass sich aus somatischer Sicht keine Veränderung ergeben hätte, wie die Beschwerdegegnerin festhielt (Urk. 2 S. 2
oben), dürfte sie nicht von einer aus somatischer Sicht zumutbaren Arbeitsfä
higkeit von 80 % a
usgehen (vgl. Urk. 2 S. 3 oben).
Denn mit Verfügung vom 3. Februar 2010 (Urk. 6/53)
- wie auch in der Verfügung vom 1. Oktober 2010 (Urk. 6/86) -
hi
elt
sie
aufgrund des Gesundheitsschadens der Beschwerdeführe
rin eine Arbeitsfähigkeit von
lediglich
50 % in einer leidensangepassten Tätig
keit für zumutbar.
5.2
5.2
.1
Im Rahmen der erstmaligen materiellen Prüfung des Rentenanspruches nannte Dr.
F._
in seinem Bericht vom 20. April 2009 eine somatoforme Schmerzstö
rung des Gastrointestinaltraktes sowie eine akute Belastungsreaktion (vorste
hend E. 3.5). Seit der rentenablehnenden Verfügung vom 3. Februar 2010 erfolgte - soweit aktenkundig - keine fachpsychiatrische Untersuchung. Dies, obwohl seitens der
Rheumatologen
auf eine möglicherweise vorliegende psychi
sche Problematik hingewiesen wurde (vorstehend E. 4.6 und E. 4.9; vgl.
auch E. 4.1 mit Hinweis auf psychisch eingeschränkte Leistungsfähigkeit).
5.
2
.2
Mit Schreiben vom 8. Januar 2015 mahnte die Beschwerdegegnerin die Beschwer
deführerin an ihre Schadenminderungspflicht und forderte sie auf, sich einer regelmässigen fachpsychiatrischen Behandlung,
einer
psychopharma
ko
logischen Therapie nach Vorgabe des Behandlers sowie einer intensiven schmerz
therapeutischen Behandlung zu unterziehen (Urk. 6/120). Die Beschwer
de
führerin setzte diese Auflage gestützt auf ihre Angaben vom 15. November 2015 zu den behandelnden Ärzten allerdings nicht um und unterzog sich keiner fachpsychiatrischen Behandlung (Urk. 6/133).
Gegenüber der Beschwerdegegne
rin gab sie am 6. April 2015 an, sie habe ihre Psyche „selber auf Vordermann gebracht mit ihrem Glauben” (Urk. 6/147
). Am nächsten Tag meldete sich die Beschwerdeführerin erneut telefonisch bei der Beschwerdegegnerin und legte unter anderem ihre Schmerzproblematik dar. Sie verstehe nicht, was die Schmerzen mit der Psyche zu tun haben sollen. Die Beschwerdegegnerin hielt in der Telefonnotiz fest, sie seien so ve
rblieben, dass sie prüfen werde
, ob eine fachpsychiatrische Behandlung nach wie vor nötig sei. Falls ja, werde sich die Beschwerdegegnerin nochmals bei ihr melden, falls nein, werde ihr Dossier wei
ter geprüft (
Telefonnotiz vom 7. April 2016, Urk. 6/148).
In der Folge ergab
die
interne Rücksprache vom 11. April 2016 mit dem RAD, dass an der Schadenminderungspflicht nicht festzuhalten sei (Feststellungsblatt vom 15. Juni 2016, Urk. 6/154/4-5).
5.2
.3
D
as vorliegende Beschwerdebild
mit einer anhaltenden chronischen Schmerz
problematik, welche nur teilweise objektivierbar ist
,
erfordert
eine fach
psychiatrische Beurteilung.
Mangels Vorliegen
s
eines aktuellen fachpsychiatri
schen Berichtes lässt sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht beurteilen.
Da an der Schadenminderungspflicht nicht festgehalten wurde, geht es nicht an, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerde
führerin in der angefochtenen Verfügung vorwirft, sie lehne eine fachpsychiatrische Behandlung ab
(Urk. 2 S. 2 unten). Ebenfalls ist es nicht haltbar, dass die Beschwerdegegnerin
ohne eine fachpsychiatrische
Beurteilung
als Grund
lage
eine Ü
berwindbarkeitsprüfung (vgl. U
rk. 6/119/5-7) respektive eine „
Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und Ressourcen
”
(Urk. 2 S. 3 oben)
vornahm
.
Die
s gilt umso mehr, als die geprüften
Försterkriterien
nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht mehr einschlägig sind. Recht
sprechungsgemäss sind nunmehr grundsätzlich sämtliche psychische Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (BGE 143 V 418). Die aufliegenden medizinischen Akten befassen sich nicht mit den massgebenden Indikatoren. Sie erlauben daher keine abschliessende Beurteilung der Frage, ob in psychiatrischer Hinsicht ein invali
disierendes Leiden vorliegt, weshalb die Akten entsprechend zu ergänzen sind.
5.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich sodann auf den Standpunkt, es sei von einem
Statuswechsel
auszugehen. In den früheren Verfügungen sei die Beschwerde
gegnerin von einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 80
% und einer Haushaltstätigkeit von 20
% ausgegangen. Nun habe sie aber im November 2013 eine Vollzeitstelle angetreten und sie wäre heute im Gesundheitsfa
lle auch weiterhin in einem 100
%-Pensum tätig
(vorstehend E. 2.2)
.
Dem Arbeitgeberbericht ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom
1.
November
2013
bis
31. März 2014 (letzter Arbeitstag 31.
Dezember 2013
)
in einem Vollzeitpensum
tätig war
, wobei sie Tätigkeiten im Service und im Büro ausgeübt habe (Urk. 6/118/1-5 Ziff. 2.1 und Ziff. 5)
. Der Arbeitgeber kündigte den Arbeitsvertrag
wegen
ihrer Krankheit
(Ziff. 2)
.
Aufgrund dieser letzten Tätigkeit
im Vollzeitpensum
ist ein Statuswechsel
von einer teilerwerbstätigen
zu einer vollerwerbstätigen Versicherten nicht auszu
schliessen. Im Rahmen der neuen Entscheidfindung wird die Beschwerdegegne
rin dazu weitere Abklärungen vorzunehmen haben.
5.4
Zusammenfassen
d
ist die m
edizinische Aktenlage
sowohl in somatischer wie auch psychiatrischer Hinsicht ungenügend
. Sodann
ist
es
durchaus möglich, dass
die Beschwerdeführerin neu als Vollerwerbstätige einzustufen und dem
nach
von einem Statuswechsel auszugehen
wäre
.
Nach dem Gesagten lässt sich die Frage, ob eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditäts
grades eingetreten ist, nicht beurteilen, weshalb die Sache zur Vornahme weite
rer Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen ist.
In diesem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 54 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3
)
.
In Anwendung
obiger
Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegen
d auf Fr.
2'700.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.