Decision ID: 3e290f8d-aaf3-4a7a-922d-bc22f99ed221
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ hat ihren Sitz in (Ort) und ist seit dem [Datum] im Handels-
register des Kantons (...) eingetragen. Sie bezweckt gemäss Handelsre-
gister unter anderem (Zweck).
B.
B.a Am 8. Januar 2018 erliess die Zollkreisdirektion Schaffhausen (nach-
folgend: ZKD Schaffhausen; heute: Zoll Nordost) gegenüber der
A._ AG eine Nachforderungsverfügung, mit welcher Abgaben im
Betrag von insgesamt Fr. 246'953.60 (Zoll Fr. 223'194.80, Mehrwertsteuer
Fr. 5'579.85 sowie Verzugszinsen Fr. 18'178.95) nacherhoben wurden.
Grund für die Nachforderung war, dass zwischen Mai 2012 und dem
23. März 2016 Olivenöl, welches die A._ AG zollbegünstigt aus Ita-
lien importiert hatte, nicht dem Verwendungsvorbehalt entsprechend ver-
wendet worden war. Die Nachforderung erfolgte gestützt auf Art. 12 des
Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht
(VStrR, SR 313.0).
B.b Eine gegen diese Nachforderungsverfügung erhobene Beschwerde
der A._ AG wurde von der Oberzolldirektion (nachfolgend: OZD) mit
Beschwerdeentscheid vom 20. Februar 2019 in Bezug auf die Verzugszin-
sen bzw. den Beginn des Zinsenlaufs teilweise gutgeheissen, im Übrigen
aber abgewiesen.
B.c Das Bundesverwaltungsgericht wies die gegen den Beschwerdeent-
scheid vom 20. Februar 2019 erhobene Beschwerde der A._ AG
mit Urteil A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 ab. Dieses Urteil erwuchs un-
angefochten in Rechtskraft.
C.
Am 16. Dezember 2020 richtete die A._ AG ein als «Gesuch um
Erlass von Zollabgaben» bezeichnetes Schreiben an die OZD. Darin be-
antragte sie, ihr sei «die Zollnachforderung im Betrag von CHF 246'953.60
(inkl. MWST und Verzugszins) sowie allfällig noch angewachsene Verzugs-
zinsen [...] ganz oder teilweise zu erlassen»; eventualiter sei ihr «die ra-
tenweise Zahlung der Nachforderung in monatlichen Raten zu
CHF 7'000.00 zu bewilligen unter gleichzeitigem Verzicht auf die Einforde-
rung von Verzugszins ab dem Zeitpunkt des Ablaufs der Zahlungsfrist am
30. September 2013 [sic]»; zudem sei «bis zum abschliessenden Ent-
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scheid über das Erlassgesuch darauf zu verzichten, den Nachforderungs-
betrag [(...) ihrem] ZAZ [zentralisiertes Abrechnungsverfahren des BAZG]
Konto zu belasten».
D.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2021 wies die Eidgenössische Zollverwal-
tung (EZV; seit 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit
[BAZG]; nachfolgend: EZV und im Zusammenhang mit den gesetzlichen
Bestimmungen auch BAZG) die Gesuche um Zollerlass und um Erlass der
Mehrwertsteuer ab.
Gleichzeitig hielt die EZV fest, dass den Angaben der A._ AG, unter
erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu leiden, gefolgt und auf die
Erhebung von Verzugszinsen verzichtet werden könne. Des Weiteren ver-
wies sie darauf, dass auf Gesuch hin mit dem zuständigen Zoll Nordost
eine Ratenzahlung vereinbart werden könne.
E.
Mit Eingabe vom 11. März 2021 erhebt die A._ AG (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie
beantragt den ganzen oder teilweisen Erlass der Nachforderung «der Zoll-
abgabe im Betrag von CHF 223'194.80 gemäss Verfügung der Zollkreisdi-
rektion Schaffhausen vom 8. Januar 2018»; eventualiter die Bewilligung
der Stundung, subeventualiter die Bewilligung der ratenweisen Zahlung
der Zollabgabe in monatlichen Raten zu Fr. 7'000.–; zudem sei bis zum
rechtskräftigen Entscheid über das Erlassgesuch darauf zu verzichten, den
Nachforderungsbetrag ihrem ZAZ Konto zu belasten; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
F.
Mit Vernehmlassung vom 3. Mai 2021 beantragt die EZV die kostenpflich-
tige Abweisung der Beschwerde.
G.
Mit Eingabe vom 21. Juni 2021 nimmt die Beschwerdeführerin zur Ver-
nehmlassung der EZV Stellung.
Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird – soweit ent-
scheidwesentlich – im Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Entscheide des BAZG betreffend den Erlass von Einfuhrabgaben (vgl.
Art. 59 der Zollverordnung des BAZG vom 4. April 2007 [ZV-BAZG,
SR 631.013]) können beim Bundesverwaltungsgericht angefochten wer-
den (Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32] in Verbindung mit
Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]). Das
Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach
den Vorschriften des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) (Art. 37 VGG). Die Beschwer-
deführerin ist durch die angefochtene Verfügung der EZV vom 8. Februar
2021 berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
(Art. 48 VwVG). Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegen-
stand des vorinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzes-
auslegung hätte sein sollen. Gegenstände, über welche die Vorinstanz
nicht entschieden hat und über die sie nicht zu entscheiden hatte, sind aus
Gründen der funktionellen Zuständigkeit durch die zweite Instanz nicht zu
beurteilen (BGE 133 II 35 E. 2; 117 Ib 114 E. 5b; BVGE 2010/12 E. 1.2.1;
Urteil des BVGer A-7798/2015 vom 19. Juli 2016 E. 1.2.1 m.w.H.). Was
Streitgegenstand ist, bestimmt sich nach dem angefochtenen Entscheid
und den Parteibegehren (BGE 142 I 155 E. 4.4.2; 136 II 457 E. 4.2;
133 II 35 E. 2; statt vieler: Urteil des BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar
2020 E. 1.3). Dieser darf im Laufe des Beschwerdeverfahrens einge-
schränkt, jedoch nicht erweitert oder qualitativ verändert werden (vgl.
BGE 142 I 155 E. 4.4.2; 131 II 200 E. 3.2).
1.2.1 Die Beschwerdeführerin beantragt mit Beschwerde vom 11. März
2021 lediglich den ganzen oder teilweisen Erlass der Nachforderung der
Zollabgabe im Betrag von Fr. 223'194.80 (siehe Sachverhalt Bst. E). Der
Erlass der geschuldeten Mehrwertsteuer in Höhe von Fr. 5'579.85 wird
nicht mehr gefordert und ist demnach nicht Streitgegenstand vor Bundes-
verwaltungsgericht.
Die Verzugszinsen in Höhe von Fr. 18'178.95 wurden der Beschwerde-
führerin mit Verfügung vom 8. Februar 2021 erlassen und sind ebenfalls
nicht Streitgegenstand (siehe Sachverhalt Bst. D).
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1.2.2 Die Beschwerdeführerin stellt das Eventualbegehren, es sei ihr die
Stundung der Zollabgaben zu bewilligen. Dieses Begehren war nicht Ge-
genstand des vorinstanzlichen Verfahrens und kann demnach auch nicht
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein. Folglich ist nicht auf die Be-
schwerde einzutreten, soweit damit die Stundung der Nachforderung be-
antragt wird.
1.2.3 Das Subeventualbegehren um Bewilligung der Ratenzahlung war
hingegen bereits Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens.
1.2.4 Mit der in E. 1.2.2 genannten Einschränkung ist auf die Beschwerde
einzutreten.
1.3 An dieser Stelle ist zunächst auf das in zeitlicher Hinsicht anwendbare
Recht einzugehen. Das Zollgesetz sowie die Zollverordnung vom 1. No-
vember 2006 (ZV, SR 631.01) sind am 1. Mai 2007 in Kraft getreten. Damit
sind sowohl die materiell- als auch die verfahrensrechtlichen Bestimmun-
gen dieser Erlasse im vorliegenden Fall grundsätzlich anzuwenden (vgl.
Urteile des BVGer A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 1.3; A-657/2016
vom 21. Dezember 2016 E. 1.4.1.1).
Das Zollgesetz wurde zwischenzeitlich einer Revision unterzogen
(AS 2016 2429) und die entsprechenden Änderungen – namentlich die hier
interessierende Einführung einer neuen Erlassmöglichkeit in Art. 86 Abs. 2
ZG – traten per 1. August 2016 in Kraft.
Nachdem diesbezüglich keine explizite übergangsrechtliche Regelung ge-
troffen wurde, gelten die allgemeinen intertemporalen Regeln (vgl.
BGE 143 V 446 E. 3.3; 130 V 445 E. 1.2.1). Diese besagen, dass in ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend sind, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung ha-
ben (vgl. BGE 144 II 273 E. 2.2.4; 130 V 1 E. 3.2), in materieller Hinsicht
dagegen die Rechtssätze, welche bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Sachverhalts Geltung hatten (vgl. BGE 146 V 364 E. 7.1;
130 V 445 E. 1.2.1; 129 V 1 E. 1.2; BVGE 2007/25 E. 3.1; Urteil des BVGer
A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 1.3).
Da es sich beim Steuererlass um ein Institut des materiellen Rechts
handelt (vgl. Urteil des BVGer A-1805/2012 vom 14. Mai 2012 E. 2
m.w.H.), ist somit dasjenige Recht anwendbar, welches zum Zeitpunkt des
relevanten Sachverhalts anwendbar war. Eine rückwirkende Anwendung
von Art. 86 Abs. 2 ZG auf Sachverhalte, welche sich vor dem 1. August
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2016 verwirklicht haben, ist nicht zulässig (vgl. zum Ganzen: Urteile des
BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.2.4.4; A-1780/2019
vom 6. Februar 2020 E. 1.3; A-657/2016 vom 21. Dezember 2016
E. 1.4.1.2).
Vorliegend hat sich der relevante Sachverhalt, d.h. die Einfuhr des Oliven-
öls bzw. die nicht dem Verwendungsvorbehalt entsprechende Verwen-
dung, zwischen Mai 2012 und dem 23. März 2016 zugetragen (vgl. Sach-
verhalt Bst. B.a). Art. 86 Abs. 2 ZG ist demnach vorliegend nicht anwend-
bar.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst sinngemäss eine Verletzung
ihres rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht ver-
letzt, indem sie sich in der angefochtenen Verfügung mit Verweisen auf
rechtliche Allgemeinheiten begnügt und nur eine schematische Begrün-
dung ohne Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls ge-
liefert habe (Beschwerde vom 11. März 2021 Rn. 20, 25). Die Vorinstanz
habe sich nicht mit ihren Erläuterungen, weshalb ausserordentliche
Gründe vorlägen, die die Zahlung als besondere Härte erscheinen liessen,
auseinandergesetzt. Auch könne dem Entscheid nicht entnommen werden,
wie die Vorinstanz den Begriff der aussergewöhnlichen Gründe auslegt
bzw. anwendet.
2.1.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [SR
101; nachfolgend: BV]) verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der be-
troffenen Person tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat
(BGE 141 V 557 E. 3.2.1; 134 I 83 E. 4.1; vgl. auch Art. 35 Abs. 1 VwVG).
Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten
einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich
widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich
der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und
ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann.
In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt wer-
den, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1; Urteil des BVGer A-6867/2015 vom
8. Februar 2016 E. 1.4 m.w.H.).
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2.1.2 Im angefochtenen Entscheid führt die Vorinstanz aus, dass eine
grosszügige Zulassung des Zollerlasses zu einer vom Gesetzgeber nicht
beabsichtigten Abschwächung der Rechtskraft von Zollentscheidungen
führen würde und dass das Vorliegen von aussergewöhnlichen Gründen
demnach nicht leichthin angenommen werden dürfe. Im vorliegenden Fall
lägen keine aussergewöhnlichen Gründe vor, da die Nachforderung durch
das Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 bestätigt worden
sei und sich die Argumente der Beschwerdeführerin gegen jenes Urteil
richteten.
Damit kann nachvollzogen werden, auf welche Gründe sich der ableh-
nende Entscheid der Vorinstanz stützt. Entgegen der Auffassung der Be-
schwerdeführerin war die Vorinstanz nicht verpflichtet, darzulegen, unter
welchen Umständen aussergewöhnliche Gründe zu bejahen wären, hat sie
sich doch mit dem konkreten Fall und nicht mit hypothetischen Konstellati-
onen auseinanderzusetzen. Die Vorinstanz hat demnach ihre Begrün-
dungspflicht nicht verletzt.
2.2 In prozessualer Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin den Beizug
der Akten aus dem Beschwerdeverfahren A-1497/2019 vor Bundesverwal-
tungsgericht, welches mit Urteil vom 7. Oktober 2020 abgeschlossen
wurde (Beschwerde vom 11. März 2021, Rn. 9).
2.2.1 Aus dem Gebot der Gewährung des rechtlichen Gehörs (Art. 29
Abs. 2 BV) folgt der Anspruch auf Abnahme der von einer Partei angebo-
tenen Beweise, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht of-
fensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 127 I 54 E. 2b mit Hinweisen).
Keine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor, wenn eine Behörde auf
die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil die so genannte an-
tizipierte Beweiswürdigung ergibt, dass die Beweisanträge eine nicht er-
hebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil
ihnen die Beweiseignung an sich abgeht oder die betreffende Tatsache
aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist und angenommen werden
kann, dass die Durchführung des Beweises im Ergebnis nichts ändern wird
(BGE 147 IV 534 E. 2.5.1; 144 II 427 E. 3.1.3; 136 I 229 E. 5.3; Urteil des
BVGer A-4263/2020 vom 5. Juli 2022 E. 3.7.4).
2.2.2 Die Beschwerdeführerin hat mit dem Erlassgesuch vom 16. Dezem-
ber 2020 umfangreiche Dokumente betreffend das Beschwerdeverfahren
A-1497/2019 zu den Akten gereicht (darunter Korrespondenz betreffend
die Verwendungsverpflichtung, Lieferscheine, das Feststellungsprotokoll
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Seite 8
der EZV vom 23. Juni 2016, die Nachforderungsverfügung vom 8. Januar
2018 und die Beschwerde vom 8. Februar 2018 an die OZD inkl. sämtlicher
Beilagen). Der Sachverhalt wurde zudem mit Urteil des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 erstellt. Damit sind sämtliche Tatsachen
aus den Akten bereits genügend ersichtlich. Der Antrag auf Beizug sämtli-
cher Akten aus dem Beschwerdeverfahren A-1497/2019 ist in antizipierter
Beweiswürdigung abzuweisen.
3.
Das Bundesverwaltungsgericht erläutert zunächst das Regime der Zoller-
leichterungen nach Art. 14 ZG (E. 4), das Verfahren für die Nachforderung
von Zollabgaben (E. 5) sowie die Voraussetzungen für einen Zollerlass
(E. 6). Anschliessend erfolgt die Anwendung dieser verschiedenen Bestim-
mungen im vorliegenden Fall (E. 7).
4.
4.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden,
sind grundsätzlich zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem
Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden
(Art. 7 ZG).
4.2 Das Zollverfahren wird vom Selbstdeklarationsprinzip bestimmt
(Art. 21, 25 und 26 ZG). Derjenige, der Waren ins Zollgebiet verbringt, ver-
bringen lässt oder sie danach übernimmt, hat die Waren unverzüglich und
unverändert der nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen (Art. 21 Abs. 1
ZG). Anmeldepflichtig ist u.a. die zuführungspflichtige Person (Art. 26
Bst. a ZG). Von den Anmeldepflichtigen wird die vollständige und richtige
Deklaration der Ware gefordert. Hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten werden
somit hohe Anforderungen gestellt (vgl. Art. 25 ZG; BGE 135 IV 217
E. 2.1.1 und 2.1.3; 112 IV 53 E. 1a; statt vieler: Urteile des BVGer
A-4667/2020, A-4679/2020 vom 10. November 2021 E. 3.7.1;
A-5688/2015 vom 11. September 2018 E. 3.4). Die Zollpflichtigen müssen
sich vorweg über die Zollpflicht sowie die jeweiligen Abfertigungsverfahren
informieren und die Waren entsprechend zur Veranlagung anmelden.
Unterlassen sie dies, haben sie dafür prinzipiell selber die Verantwortung
zu tragen.
4.3
4.3.1 Gemäss Art. 14 Abs. 1 ZG werden, wenn das ZTG dies vorsieht oder
wenn das Eidgenössische Finanzdepartement (nachfolgend: EFD) die im
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Seite 9
ZTG festgesetzten Zollansätze herabgesetzt hat, für bestimmte Verwen-
dungen von Waren tiefere Zollansätze angewendet («Zollerleichterungen
für Waren je nach Verwendungszweck»). Art. 14 Abs. 2 und 3 ZG regeln
die Voraussetzungen, unter welchen das EFD die Zollansätze herabsetzen
und in welchen Fällen die OZD die Ansätze anpassen darf. Wer veranlagte
Waren nachträglich zu Zwecken verwenden oder abgeben will, die höheren
Zollabgaben unterliegen, muss vorgängig eine neue Zollanmeldung einrei-
chen und die Differenz nachentrichten (Art. 14 Abs. 4 ZG). Wer veranlagte
Waren nachträglich zu Zwecken verwenden oder abgeben will, die tieferen
Zollabgaben unterliegen, kann in den Fällen und innerhalb der Fristen, die
das EFD vorsieht, die Differenz mit einem Rückerstattungsgesuch geltend
machen (Art. 14 Abs. 5 ZG).
Weitere Einzelheiten sind in der Zollverordnung vom 1. November 2006
(ZV, SR 631.01) sowie in der Verordnung des EFD vom 4. April 2007 über
Zollerleichterungen für Waren je nach Verwendungszweck (ZEV,
SR 631.012) geregelt. Nach Art. 51 Abs. 1 ZV muss, wer für eine be-
stimmte Verwendung von Waren einen reduzierten Zollansatz in Anspruch
nehmen will, vor der ersten Zollanmeldung bei der OZD eine entspre-
chende schriftliche Verwendungsverpflichtung hinterlegen. Daraufhin teilt
die OZD eine Verpflichtungsnummer zu (Art. 51 Abs. 2 ZV). Bei einer Ver-
wendungsverpflichtung handelt es sich um eine allgemein gültige Verpflich-
tung, eine Ware nur zu einem bestimmten Zweck zu verwenden, ohne Ein-
schränkung hinsichtlich der Menge und Herkunft der Ware sowie der Dauer
(Art. 2 Bst. c ZEV). Gemäss Art. 2 Bst. d ZEV gilt als zollbegünstigte Per-
son diejenige, welche für zollbegünstigte Waren eine Verwendungsver-
pflichtung hinterlegt hat, die von der OZD genehmigt ist (Ziff. 1), und dieje-
nige, welche eine mit einem Verwendungsvorbehalt versehene, unverän-
derte zollbegünstige Ware im Zollgebiet übernimmt (Ziff. 2).
4.3.2 Waren, die für einen bestimmten Zweck zu einem reduzierten Zollan-
satz veranlagt werden, müssen von der Person, welche die Verwendungs-
verpflichtung hinterlegt hat, zum darin genannten Zweck verwendet wer-
den oder von einem Dritten im Auftrag der Person, welche die Verwen-
dungsverpflichtung hinterlegt hat, zum darin genannten Zweck verwendet
werden (Art. 53 Abs. 1 Bst. a und b ZV). Sie können unverändert einem
Dritten zur Verwendung gemäss der entsprechenden Verwendungsver-
pflichtung weitergegeben werden. Die Person, welche die Ware weitergibt,
muss den Dritten über deren Verwendung in Kenntnis setzen (Art. 53
Abs. 2 ZV).
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Seite 10
Die Kontroll- und Sicherungsmassnahmen zur Einhaltung des Verwen-
dungszwecks sowie die Zollanmeldung und die Nachentrichtung oder
Rückerstattung von Zollabgaben bei der Änderung des Verwendungs-
zwecks nach Art. 14 Abs. 4 und 5 ZG delegiert die Zollverordnung an das
EFD (Art. 54 ZV). In Konkretisierung dieser Bestimmung regelt Art. 7 ZEV,
dass die zollbegünstigte Person dem BAZG auf Verlangen nachweisen
muss, dass sie die Waren der Verwendungsverpflichtung entsprechend
verwendet hat (Art. 7 ZEV). Zudem muss sie bei jeder Weitergabe von un-
veränderten Waren im Zollgebiet in den Verkaufs- und Lieferdokumenten
einen Verwendungsvorbehalt gemäss Anhang 2 anbringen (Art. 6 Abs. 2
Bst. b i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ZEV; zum Ganzen: Urteile des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.2.2; A-1051/2019 vom 31. August
2020 E. 2.1.6.2). Die spezifischen Verpflichtungen der aufgrund einer hin-
terlegten Verwendungsverpflichtung zollbegünstigten Person konkretisie-
ren das im Zollverfahren geltende Selbstdeklarationsprinzip (Urteil des
BVGer A-1687/2006 vom 18. Juni 2007 E. 2.3.2; vgl. auch oben E. 4.2).
5.
5.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a VStrR sind Abgaben nachzuentrichten,
wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzge-
bung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind.
Art. 12 Abs. 1 VStrR präzisiert, dass dies «ohne Rücksicht auf die Strafbar-
keit einer bestimmten Person (Hervorhebung durch das Gericht)» gilt. Die
Leistungspflicht im Sinne von Art. 12 VStrR hängt weder von einer straf-
rechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden oder gar der
Einleitung eines Strafverfahrens ab (BGE 106 Ib 218 E. 2c; Urteil des BGer
2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.1 mit Hinweisen). Vielmehr genügt
es, dass der durch die Nichterhebung der entsprechenden Abgabe ent-
standene unrechtmässige Vorteil auf einer objektiven Widerhandlung ge-
gen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes gründet (zum Ganzen statt
vieler: BGE 129 II 160 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli
2014 E. 3.2; Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2
mit weiteren Hinweisen).
Zu den gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR Nachleistungspflichtigen gehören
nach dem Gesetzeswortlaut insbesondere die «zur Zahlung der Abgabe
Verpflichteten», d.h. für die Zollabgaben jene Personen, welche dem Kreis
der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner gemäss Art. 70 ZG entsprechen.
Sie gelten ipso facto als durch die Nichtbezahlung der Abgabe bevorteilt
(Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3). Sie bleiben selbst
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Seite 11
dann leistungspflichtig, wenn sie nichts von der falschen bzw. fehlenden
Deklaration gewusst haben (BGE 107 Ib 198 E. 6c/d) und wenn sie selber
aus der Widerhandlung keinen persönlichen Nutzen gezogen haben (Urteil
des BGer 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.2; Urteil des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2; MICHAEL BEUSCH, in: Ko-
cher/Clavadetscher, [Hrsg.], Zollgesetz, 2009 [nachfolgend: Zollkommen-
tar], Art. 70 N 12). Sie gelten als direkt unrechtmässig bevorteilt, weil sie
die geschuldeten Abgaben infolge der Widerhandlung nicht entrichten
mussten. Der Genuss dieses Vorteils soll den Leistungspflichtigen mit dem
Institut der Nachleistungspflicht entzogen werden. Diese Personen – für
welche die gesetzliche Vermutung eines unrechtmässigen Vermögensvor-
teils gilt – haften solidarisch für den gesamten nicht erhobenen Abgabebe-
trag (Urteile des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3 und
2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.2; Urteil des BVGer A-1497/2019
vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2).
5.2 Zollschuldnerinnen oder Zollschuldner sind nach Art. 70 Abs. 2 ZG die
Personen, welche die Waren über die Zollgrenze bringen oder bringen las-
sen (Bst. a), die zur Zollanmeldung verpflichtet oder damit beauftragt sind
(Bst. b), und auf deren Rechnung die Waren ein- oder ausgeführt werden
(Bst. c). Unter Bst. a bzw. c fallen die eigentlichen Warenführenden, aber
auch diejenigen, welche als Auftraggeber rechtlich oder tatsächlich den
Warentransport veranlassen (Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli
2014 E. 3.4; Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2
m.w.H.).
6.
6.1
6.1.1 Der Erlass von Abgaben stellt einen einseitigen Verzicht des öffentli-
chen Gläubigers auf eine ihm kraft öffentlichen Rechts zustehende Forde-
rung dar (ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizeri-
schen Steuerrechts, 7. Aufl., 2016, S. 421; BEUSCH, Zollkommentar, Art. 86
N 1). Ein Erlass kann stets nur dann erfolgen, wenn die Veranlagung ab-
geschlossen ist und eine rechtskräftig festgesetzte Abgabe vorliegt. Folge-
richtig ist somit in den jeweiligen Erlassverfahren ausschliesslich zu prüfen,
ob die gesetzlich statuierten Erlassvoraussetzungen erfüllt sind. Nie kann
es in einem solchen Verfahren hingegen um die Revision der Veranlagung
sowie um die Begründetheit der Abgabeforderung als solche gehen (vgl.
Urteil des BGer 2A.556/2003 vom 9. Juni 2004 E. 3.3, in: Archiv für Schwei-
zerisches Abgaberecht [ASA] 74 S. 246 ff.; Urteile des BVGer A-1780/2019
vom 6. Februar 2020 E. 2.1; A-657/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 3.1).
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Die Erlassbehörde ist denn auch nicht befugt, die Veranlagung nachzuprü-
fen (BEUSCH, Zollkommentar, Art. 86 N 3).
6.1.2 Ein «gnadeweiser» Erlass bzw. eine «gnadeweise» Rückerstattung
über die gesetzlich geregelten Fälle hinaus kommt mit Blick auf die gesetz-
lich festgelegte, begrenzte Zahl der möglichen Erlass- bzw. Rückerstat-
tungsgründe (vgl. dazu nachfolgend E. 6.2 ff.) nicht in Betracht (Urteile des
BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.1.3; A-1780/2019 vom
6. Februar 2020 E. 2.2; A-657/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 3.2
m.w.H.).
6.1.3 Der Erlass von Zollabgaben im Speziellen richtet sich nach Art. 86
ZG. Steht nach Abschluss des Veranlagungsverfahrens die Zollschuld
rechtskräftig fest, besteht bei Vorliegen von einem der in dieser Bestim-
mung festgelegten Gründe Anspruch auf Erlass (vgl. zum fehlenden be-
hördlichen Ermessen bei erfüllten Voraussetzungen für einen Zollerlass Ur-
teil des BGer 2A.534/2005 vom 17. Februar 2006 E. 1.1 und 2.1; Urteile
des BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.1.2; A-1131/2017
vom 11. Januar 2018 E. 5.1; A-7798/2015 vom 19. Juli 2016 E. 3.2
m.w.H.).
6.2
6.2.1 Die Regelungen in Art. 86 Abs. 1 Bst. a und b ZG betreffen den Erlass
in Fällen, in welchen Waren ganz oder teilweise vernichtet oder auf amtli-
che Verfügung hin wieder ausgeführt wurden.
6.2.2 Im Weiteren kann gemäss Art. 86 Abs. 1 Bst. c ZG ein Zollbetrag er-
lassen werden, wenn eine Nachforderung mit Rücksicht auf besondere
Verhältnisse die Zollschuldnerin oder den Zollschuldner unverhältnismäs-
sig belasten würde. Bei der «Nachforderung» entsprechend dieser Bestim-
mung handelt es sich gemäss ständiger Rechtsprechung zwingend um
eine solche nach Art. 85 ZG. Dieser Artikel bestimmt, dass das BAZG den
geschuldeten Betrag nachfordern kann, wenn es irrtümlich eine von ihm zu
erhebende Zollabgabe nicht oder zu niedrig oder einen zurückerstatteten
Zollabgabenbetrag zu hoch festgesetzt hat. Liegt die Verantwortung für die
Falschberechnung nicht in diesem Sinn beim BAZG und erfolgt eine Nach-
forderung deswegen nicht nach Art. 85 ZG, sondern gestützt auf Art. 12
VStrR, findet Art. 86 Abs. 1 Bst. c ZG keine Anwendung (vgl. zum Ganzen:
BGE 94 I 475 E. 2; Urteile des BVGer A-6134/2019 vom 28. September
2022 E. 6.2.2; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.2; A-657/2016
vom 21. Dezember 2016 E. 4.1.2 m.w.H.).
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6.2.3 Sodann enthält Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG eine Härteklausel. Diese ist
als allgemeiner Auffangtatbestand konzipiert. Nach Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG
muss ein Zollnachlass auch in anderen Fällen gewährt werden, sofern aus-
sergewöhnliche Gründe, die nicht die Bemessung der Zollabgaben betref-
fen, die Zahlung als besondere Härte erscheinen liessen. Diese drei Vo-
raussetzungen - auf welche im Folgenden detailliert eingegangen
wird - müssen kumulativ erfüllt sein, damit einem Zollerlassgesuch stattge-
geben werden kann (vgl. Urteil des BGer 2A.534/2005 vom 17. Februar
2006 E. 2.1; Urteile des BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022
E. 6.2.3; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3; A-7798/2015 vom
19. Juli 2016 E. 3.5 m.w.H).
6.2.3.1 Erstens müssen gemäss Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG «aussergewöhn-
liche Gründe» vorliegen. Solche aussergewöhnlichen Gründe sind nach
der Rechtsprechung nicht leichthin anzunehmen. Denn eine grosszügige
Zulassung des Zollerlasses würde zu einer vom Gesetzgeber nicht be-
zweckten Abschwächung der Rechtskraft von Zollentscheidungen führen
(Urteil des BGer 2A.566/2003 vom 9. Juni 2004 E. 3.5, in: ASA 74
S. 246 ff.; BVGE 2015/24 E. 3.3.1 m.w.H.; Urteile des BVGer A-6134/2019
vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020
E. 3.1.3.1).
Nach der Rechtsprechung müssen diese aussergewöhnlichen Gründe
«mit Bezug auf das Zollverfahren» vorliegen (zumindest in der Regel, siehe
dazu der letzte Absatz dieser Erwägung hiernach; vgl. statt vieler: BVGE
2015/24 E. 3.3.1 m.w.H; Urteile des BVGer A-6134/2019 vom 28. Septem-
ber 2022 E. 6.2.3.1.1; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3.1;
A-3942/2014 vom 7. Juli 2015 E. 4.4).
In – restriktiv zu handhabenden – Ausnahmefällen können allerdings auch
die finanzielle Situation der Gesellschaft oder eine aktuelle konjunkturelle
Lage aussergewöhnliche Umstände begründen und einen (zumindest teil-
weisen) Erlass der Zollabgabe rechtfertigen (Urteile des BVGer
A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1.2; A-1780/2019 vom
6. Februar 2020 E. 3.1.3.1 m.w.H.; A-6898/2009 vom 29. April 2010
E. 2.4.2 sowie 3.3.3).
Weiter hat das Bundesverwaltungsgericht wiederholt festgehalten, dass
die Bestimmung nicht dazu dienen solle, die finanziellen Folgen früherer
(selbstverschuldeter) Fristversäumnisse bzw. von Pflichtverletzungen im
Veranlagungsverfahren wieder gut zu machen. Ein Versäumnis, welches
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mit entsprechender Vorbereitung und Instruktion hätte vermieden werden
können, sei nicht als aussergewöhnlich im Sinn dieser Bestimmung zu qua-
lifizieren (BVGE 2015/24 E. 3.3.1 m.w.H.; Urteile des BVGer A-6134/2019
vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1.3; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020
E. 3.1.3.1; A-657/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 4.1.3; A-7798/2015
vom 19. Juli 2016 E. 3.5.1). Mit anderen Worten ist gemäss der Recht-
sprechung vorausgesetzt, dass die ausserordentlichen Umstände nicht
dem Gesuchsteller zuzuschreiben sind (Urteil des BVGer A-6134/2019
vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1.3 und 8.2). Angesichts der hohen An-
forderungen an die Selbstdeklaration ist jedoch praktisch jedes Fehlverhal-
ten – zumindest soweit es im Unternehmen des Gesuchstellers
auftritt – als Verletzung seiner Sorgfaltspflicht zu betrachten (Urteil des
BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1.3; SONJA BOS-
SART MEIER / DOMINIQUE DA SILVA , Die Zollerlassgründe der «subjektiven
Unbilligkeit» im Zollgesetz, in: Ordre Romand des Experts Fiscaux Diplô-
més [Hrsg.], Au carrefour des contributions – Mélanges de droit fiscal en
l’honneur de Monsieur le Juge Pascal Mollard, 2020, S. 343). Ein Erlass
wäre aber immerhin dann denkbar, wenn das Fehlverhalten aufgrund der
Komplexität der fraglichen Verfahrensbestimmungen nachvollziehbar war
(Urteil des BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022 E. 6.2.3.1.3).
6.2.3.2 Die als Erlassgrund angerufenen aussergewöhnlichen Gründe dür-
fen zweitens nach dem Gesetzeswortlaut «nicht die Bemessung der Abga-
ben» betreffen. Ein Zollnachlass darf folglich nicht zur Korrektur der
Tarifierung und der angewendeten Zollansätze führen (BVGE 2015/24
E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-6134/2019 vom 28. September 2022
E. 6.2.3.2; A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3.2 m.w.H.). Nach der
Rechtsprechung steht die Bemessung der Abgaben insbesondere dann in
Frage, wenn es um die Einreihung der Waren unter die Tarifpositionen geht
(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-657/2016 vom 21. Dezember 2016
E. 4.1.3 m.w.H.). Wer ein Gesuch um Zollnachlass stellt, hat nachzuwei-
sen, dass die Gründe, das heisst die aussergewöhnlichen Verhältnisse,
ausserhalb der Bemessung der Abgaben liegen (Urteile des BVGer
A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3.2; A-657/2016 vom 21. Dezem-
ber 2016 E. 4.1.3, je m.w.H.).
6.2.3.3 Der Bezug der Abgabe muss drittens eine «besondere Härte» dar-
stellen. Dieses Kriterium betrifft die persönliche Lage der zahlungspflichti-
gen Person (BVGE 2015/24 E. 3.3.2 m.w.H.). Darunter ist das Miss-
verhältnis zwischen dem geschuldeten Betrag und der finanziellen Leis-
tungsfähigkeit der abgabepflichtigen Person zu verstehen (Urteil des
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BVGer A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3.3 m.w.H.). Die Härte
muss sich dabei aus der Erhebung des Zolls selbst ergeben (statt vieler:
Urteil des BVGer A-1780/2019 vom 6. Februar 2020 E. 3.1.3.3). Der Zoll-
erlass hat nicht die Aufgabe, finanzielle Schwierigkeiten zu lösen, welche
die Geschäftstätigkeit mit sich bringen kann, und insoweit das unterneh-
merische Risiko zu decken (statt vieler: Urteil des BVGer A-657/2016 vom
21. Dezember 2016 E. 4.1.3 m.w.H.).
7.
Vorliegend macht die Beschwerdeführerin geltend, die Vorinstanz habe ihr
Gesuch vom 16. Dezember 2020 um Erlass der nachgeforderten Zollab-
gabe zu Unrecht abgewiesen. Die Voraussetzungen für einen Zollerlass
gestützt auf Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG seien erfüllt. Sie habe demnach An-
spruch, einen vollständigen, eventuell einen Teilerlass, der Zollabgabe in
Höhe von Fr. 223'194.80 zu erhalten.
Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz die Voraus-
setzungen für den Erlass der Zollabgaben im angefochtenen Entscheid zu
Recht als nicht erfüllt erachtet hat.
7.1 Erlassgründe gemäss Art. 86 Abs. 1 Bst. a und b ZG liegen vorliegend
unbestrittenermassen nicht vor. Die Waren wurden weder ganz oder teil-
weise vernichtet noch auf amtliche Verfügung hin wieder ausgeführt (vgl.
oben E. 6.2.1).
Es liegt unbestrittenermassen auch keine Nachforderung aufgrund eines
Irrtums der EZV bei der Festsetzung der Zollabgaben i.S.v. Art. 85 ZG vor.
Der Erlassgrund von Art. 86 Abs. 1 Bst. c ZG ist daher nicht anwendbar
(vgl. oben E. 6.2.2).
7.2 Es bleibt zu klären, ob die seitens der Beschwerdeführerin geltend ge-
machten Umstände aussergewöhnliche Gründe gemäss Art. 86 Abs. 1
Bst. d ZG darstellen, welche den Bezug der Abgabe als besondere Härte
erscheinen lassen (vgl. oben E. 6.2.3).
7.2.1 Die Beschwerdeführerin legt im Wesentlichen dar, sie sei aufgrund
einer Widerhandlung gegen das Zollgesetz – die Nichteinhaltung der Ver-
wendungsverpflichtung für das importierte Olivenöl – nachleistungspflich-
tig geworden, für welche sie keinerlei Schuld trage und auf welche sie kei-
nen Einfluss gehabt habe. Vorliegend habe die Abnehmerin des von ihr
importierten Olivenöls, die B._ AG (vormals C._ AG, nach-
folgend: die Abnehmerin), die Verwendungsverpflichtung im Zeitraum vom
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Mai 2012 bis 23. März 2016 teilweise nicht eingehalten. Sie (die Beschwer-
deführerin) habe sich aktiv für die Einhaltung der Verwendungsverpflich-
tung durch die Abnehmerin eingesetzt und diese umfassend über die aus
der Verwendungsverpflichtung erwachsenden Verpflichtungen informiert.
An der eigentlichen Geschäftstätigkeit, die Anlass für den Verstoss gegen
die Verwendungsverpflichtung gab, sei sie nicht beteiligt gewesen. Auch
habe sie von der falschen Verwendung des Olivenöls nicht profitiert. Die
Abnehmerin, welche zum finanzstarken D._ gehöre, verfüge über
eine grosse Marktmacht und sie habe sämtliche Einsparungen aus der
Zollbegünstigung vollumfänglich an diese weitergegeben. Für sie (die Be-
schwerdeführerin) sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie selbst und nicht
die Abnehmerin in die Zahlungspflicht genommen wurde. Die zu bezah-
lende Nachforderung stehe in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Ge-
winn, den sie mit dem Verkauf des Olivenöls an die Abnehmerin erzielt
habe. Die Nachforderung würde ihre wirtschaftliche Existenz – gerade in
Zeiten der Corona-Pandemie – ernsthaft gefährden. Die nachgeforderte
Abgabe stehe in einem krassen Missverhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Tä-
tigkeit und zu ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit als (...). Erschwerend
komme hinzu, dass ein Regress auf die Abnehmerin faktisch ausgeschlos-
sen sei. Diese sei mit einem Umsatzanteil von (Prozent) ihre grösste Kun-
din und habe eine Beteiligung abgelehnt. Sie verfüge schlicht nicht über
die wirtschaftliche Kraft, ihre Regressforderung auf dem Gerichtsweg
durchzusetzen.
7.2.2 Zunächst ist festzuhalten, dass es bei einem Verfahren betreffend
Zollerlass nie um die Begründetheit der Abgabeforderung als solche gehen
kann (siehe oben E. 6.1). Insoweit als die Beschwerdeführerin sinngemäss
vorbringt, die Nachforderung hätte vielmehr gegenüber ihrer Abnehmerin
verfügt werden sollen (Beschwerde vom 11. März 2021 Rn. 8, 17, 28),
stösst sie somit ins Leere. Die gegenüber der Beschwerdeführerin geltend
gemachte Nachforderung ist rechtskräftig und deren Begründetheit kann
im Rahmen des Verfahrens betreffend Zollerlass nicht hinterfragt werden.
7.2.3 Gemäss der Rechtsprechung ist das Vorliegen von aussergewöhnli-
chen Gründen i.S.v. Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG unter anderem dann zu ver-
neinen, wenn mit dem Zollerlass die finanziellen Folgen früherer (selbst-
verschuldeter) Fristversäumnisse bzw. von Pflichtverletzungen im Veranla-
gungsverfahren wieder gut gemacht werden sollen (vgl. E. 6.2.3.1).
7.2.3.1 Vorliegend ergab sich die Nachleistungspflicht der Beschwerdefüh-
rerin aus Art. 12 VStrR (vgl. Sachverhalt Bst. B.a; Urteil des BVGer
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A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 4.3.2). Die Nachleistungspflicht ge-
mäss Art. 12 VStrR beruht auf einer objektiven Widerhandlung gegen die
Verwaltungsgesetzgebung des Bundes und erfordert als solche nicht, dass
die Widerhandlung durch die Nachleistungspflichtige selbst begangen
wurde oder dass dieser ein Verschulden hätte vorgeworfen werden können
(siehe oben E. 5.1). Demgemäss war für den Entscheid im Urteil
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 unerheblich, ob die Beschwerdeführe-
rin selbst eine Zollwiderhandlung begangen hatte oder ob diese (nur) der
Abnehmerin vorzuwerfen war (Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Ok-
tober 2020 E. 3.2.2). In einer solchen Konstellation kann folglich nicht ohne
weiteres von einem eigenen Verschulden der Beschwerdeführerin ausge-
gangen werden. Es rechtfertigt sich deshalb, das Vorliegen eines eigenen
Verschuldens vertieft zu prüfen (vgl. BOSSART MEIER / DA SILVA, a.a.O.,
S. 343).
7.2.3.1.1 Hinsichtlich des Sachverhalts ist dem Urteil des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 Folgendes zu entnehmen:
Die Beschwerdeführerin war im fraglichen Zeitraum im Besitz einer Ver-
wendungsverpflichtung, welche sie unter anderem berechtigte, pflanzliche
Fette und Öle zur industriellen Herstellung von Produkten der Tarifnum-
mer 2103.9000 zu importieren, zu verwenden oder zu diesem Verwen-
dungszweck im Inland weiter zu verkaufen. Gestützt auf diese Verwen-
dungsverpflichtung führte die Beschwerdeführerin insbesondere Olivenöl
der Tarifnummer 1509.1099 zum zollbegünstigten Ansatz von Fr. 1.00 je
100 kg brutto zwecks Weiterverkauf an die Restaurantkette der Abnehme-
rin ein (vgl. Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 Sachver-
halt Bst. B). Anlässlich einer Betriebsprüfung vom 15. März 2016 bei der
Beschwerdeführerin stellte die EZV fest, dass die Beschwerdeführerin ei-
nen Verwendungsvorbehalt für das Olivenöl zwar jeweils auf den Liefer-
scheinen an die Abnehmerin weitergegeben hatte, dass der dabei verwen-
dete Wortlaut allerdings nicht korrekt gewesen war. Nach einem diesbe-
züglichen Hinweis durch die EZV wurde der Wortlaut von der Beschwerde-
führerin korrigiert (vgl. Urteil des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober
2020, Sachverhalt Bst. C). Anlässlich von Betriebsprüfungen bei der Ab-
nehmerin wurde sodann festgestellt, dass Olivenöl, welches von der Be-
schwerdeführerin zollbegünstigt zur industriellen Herstellung von Produk-
ten der Tarifnummer 2103.9000 aus Italien importiert worden war, nicht
dem Verwendungsvorbehalt entsprechend verwendet wurde. Die konkrete
Art der Salatsaucenherstellung der Abnehmerin stellte keine «industrielle
Herstellung» dar und letztere hatte das Olivenöl teilweise auch effektiv
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Seite 18
nicht zur Salatsaucenherstellung, sondern zur Zubereitung von Pizzateig
oder scharfem Pizza-Öl, zum Anbraten von Fleisch und Fisch sowie gegen
das Verkleben von Pasta verwendet (vgl. Urteil des BVGer A-1497/2019
vom 7. Oktober 2020, Sachverhalt Bst. C). Weder die inkorrekte Wieder-
gabe des Verwendungsvorbehalts auf den Verkaufs- und Lieferdokumen-
ten noch der Verstoss der Abnehmerin gegen die Verwendungsverpflich-
tung wurden von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren
A-1497/2019 vor Bundesverwaltungsgericht bestritten (vgl. Urteil des
BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 3.1).
7.2.3.1.2 Als Inhaberin der Verwendungsverpflichtung war die Beschwer-
deführerin verpflichtet (vgl. E. 4.3.2; Art. 6 Abs. 2 Bst. b i.V.m. Art. 8 Abs. 1
ZEV), bei jeder Weitergabe der unveränderten zollbegünstigten Waren im
Zollgebiet in den Verkaufs- und Lieferdokumenten den von der Verordnung
verlangten Verwendungsvorbehalt anzubringen (siehe oben E. 4.3.2; An-
hang 2 der ZEV). Dieser Pflicht ist die Beschwerdeführerin vorliegend nicht
oder zumindest nicht vollständig nachgekommen, da der auf den Verkaufs-
und Lieferdokumenten angegebene Verwendungsvorbehalt nicht vollstän-
dig dem von Anhang 2 der ZEV verlangten Wortlaut entsprach. So ist dem
von der Beschwerdeführerin zu den Akten gereichten Lieferschein vom
7. Januar 2016, welcher im kontrollierten Zeitraum angebracht wurde, zu
entnehmen: Anstelle des Wortlauts «Die gelieferte Ware wurde zu einem
reduzierten Zollansatz eingeführt. Sie darf nur zur industriellen Herstellung
von Produkten der Tarifnummer 2103.9000 verwendet werden. (...)» wurde
der Wortlaut «Die gelieferte Ware wurde zu einem reduzierten Zollansatz
eingeführt. Sie darf nur zu dem Verwendungszweck, zu dem die Ware ver-
anlagt wurde (Weiterverarbeitung zur Salatsaucen, Pesto etc.) verwendet
werden (...)» gewählt. Es fehlte somit insbesondere der massgebende Hin-
weis darauf, dass die gelieferte Ware nur zur industriellen Herstellung von
Produkten der Tarifnummer 2103.9000 verwendet werden durfte. Dadurch
hat die Beschwerdeführerin die ihr als Inhaberin der Verwendungsver-
pflichtung obliegenden Mitwirkungs- und Sorgfaltspflichten missachtet
(siehe oben E. 4.3.2). Ob «eine wortgetreue Wiedergabe des Verwen-
dungsvorbehalts (...) an der zweckwidrigen Verwendung der Abnehmerin
nichts geändert» hätte, wie dies die Beschwerdeführerin geltend macht
(Beschwerde, Rn. 29), lässt sich naturgemäss nicht nachweisen. Dies
kann jedoch ohnehin dahingestellt bleiben. Die Beschwerdeführerin ist ih-
ren rechtlichen Pflichten als zollbegünstigte Person nicht nachgekommen
und kann sich daher nicht darauf berufen, sie treffe kein eigenes Verschul-
den an der erfolgten Missachtung der Verwendungsverpflichtung (vgl.
E. 4.3.1 i.f. zu Art. 2 Bst. d Ziff. 1 ZEV). Eine Gutheissung des Gesuchs um
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Zollerlass würde einer Wiedergutmachung der Pflichtverletzung der Be-
schwerdeführerin bei der Weitergabe der zollbegünstigten Waren gleich-
kommen, was nicht Sinn und Zweck eines Erlasses ist (vgl. Urteile des
BVGer A-657/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.1.3; A-593/2014 vom
27. Mai 2014 E. 3.2.1; A-5689/2011 vom 11. Juli 2012 E. 3.1.2).
7.2.3.2 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
ihren Pflichten als zollbegünstigte Person nicht nachgekommen ist und sie
sich damit nicht auf ein fehlendes Verschulden berufen kann. Es liegen so-
mit keine aussergewöhnlichen Gründe i.S.v. Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG vor.
7.2.4 Da die in Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG genannten Voraussetzungen für
einen Erlass (1. aussergewöhnliche Gründe; 2. die Gründe dürfen nicht die
Bemessung der Abgabe betreffen; 3. Besondere Härte) kumulativ gegeben
sein müssen (vgl. E. 6.2.3), erübrigt sich beim Fehlen bereits einer Voraus-
setzung die weitere Prüfung in Bezug auf die verbleibenden Voraussetzun-
gen. Es kann also bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass ein
Erlass der Zollabgaben gestützt auf Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG im vorliegen-
den Fall nicht in Frage kommt.
Zwar verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass die Begleichung
der fraglichen Nachforderung die Beschwerdeführerin finanziell empfind-
lich treffen kann. Das Gebot der rechtsgleichen Behandlung von Zollpflich-
tigen steht jedoch dem anbegehrten Zollerlass entgegen. Ein «gnade-
weiser» Erlass über die gesetzlich geregelten Fälle hinaus wäre auch in
vergleichbaren Fällen ausgeschlossen (vgl. E. 6.1.2; Urteil des BVGer
A-3942/2014 vom 7. Juli 2015 E. 5.5).
7.2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Voraus-
setzungen eines Zollerlasses zu Recht als nicht gegeben erachtet hat. Die
Beschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen.
8.
Als Subeventualbegehren beantragt die Beschwerdeführerin, die Abzah-
lung der Forderung in monatlichen Raten zu Fr. 7'000.- sei zu bewilligen.
Zudem sei bis zum rechtskräftigen Entscheid über das Erlassgesuch da-
rauf zu verzichten, den Nachforderungsbetrag ihrem ZAZ Konto zu belas-
ten.
8.1 Die Vorinstanz äusserte sich weder mit Verfügung vom 8. Februar 2021
noch mit Vernehmlassung vom 3. Mai 2021 zum Begehren der Beschwer-
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Seite 20
deführerin, wonach bis zum rechtskräftigen Entscheid über das Erlassge-
such darauf zu verzichten sei, den Nachforderungsbetrag deren ZAZ Konto
zu belasten. Der Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 21. Juni
2021 ist hierzu ebenfalls nichts zu entnehmen. Da sich aus den Akten keine
anderweitigen Hinweise ergeben, ist davon auszugehen, dass vorliegend
das ZAZ Konto der Beschwerdeführerin noch nicht belastet wurde. Damit
ist der diesbezügliche Antrag der Beschwerdeführerin hinfällig geworden.
8.2
8.2.1 Mit Bezug auf das Gesuch um Ratenzahlung hält die Vorinstanz mit
Verfügung vom 8. Februar 2021 fest, eine Ratenzahlung könne auf Gesuch
hin mit dem zuständigen Zoll Nordost vereinbart werden. In der Vernehm-
lassung präzisiert sie, dass anerkannt werde, dass die Nachforderung die
wirtschaftliche Existenz der Beschwerdeführerin belaste. Der Beschwerde-
führerin sei die Ratenzahlung «angeboten und der Zoll Nordost als zustän-
dige Instanz bezeichnet» worden (Vernehmlassung Rn. 11).
8.2.2 Gemäss Art. 73 Abs. 2 ZG regelt das EFD die Zahlungsweise der
Zollschuld und die Bedingungen für Zahlungserleichterungen. Es kann
Zahlungsfristen vorsehen. Gestützt darauf sieht Art. 16 Abs. 2 der Zollver-
ordnung des EFD (ZV-EFD, SR 631.011) vor, dass das BAZG auf Gesuch
hin Ratenzahlungen bewilligen kann, wenn die Zahlung der gesamten Zoll-
schuld aufgrund der Verhältnisse der Zollschuldnerin oder des Zollschuld-
ners zu erheblichen wirtschaftlichen oder sozialen Schwierigkeiten führen
würde.
8.2.3 Die Ausführungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung sind dahin-
gehend zu verstehen, dass die Vorinstanz das Gesuch um Bewilligung der
Ratenzahlung gutzuheissen beabsichtigt und die Beschwerdeführerin zur
Regelung der Einzelheiten bzw. zum Abschluss einer Zahlungsvereinba-
rung an den ihr untergeordneten Zoll Nordost verweist.
Dementsprechend ist das Gesuch um Abzahlung der Forderung in monat-
lichen Raten zuständigkeitshalber zur Festlegung der Einzelheiten an den
Zoll Nordost weiterzuleiten.
9.
Gesamthaft ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
10.1 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin als unter-
liegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Diese sind auf Fr. 6'000.–
A-1114/2021
Seite 21
festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleichem Umfang ein-
bezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu
verwenden.
10.2 Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Par-
teientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
11.
Dieses Urteil kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angele-
genheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 Bst. m des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG,
SR 173.110).
(Das Dispositiv befindet sich auf der folgenden Seite.)
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