Decision ID: 53ad5f6f-0d43-49c9-adca-9cfdffd4afa4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
am 25. Juni
1950 geborene
X._
ist
als
Mathematik-
Nachhilfe
lehrerin
selbständig erwerbend
bei einem Pensum von 80-90 %
. Am 1. Juli 2013 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
wegen seit April 2012 bestehenden Gleichgewichtsproblemen sowie Seh- und Schreibschwierigkeiten
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3
-4
).
In der Folge tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Am 12. September 2013 teilte die IV-Stelle
X._
mit, dass die Anspruchsvoraussetzungen für die
Zusprache
einer Rente erst ab Januar 2014 (6 Monate nach Eingang der Anmeldung, vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) geprüft würden (Urk. 7/15), woraufhin die Versicherte am 7. Oktober 2013 den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung verlangte (Urk. 7/19). Gegen
die entsprechende
Verfügung vom 16. Oktober 2013 (Urk. 7/20) er
hob
X._
am 9. November 2013 Beschwerde (Urk. 7/21/3-4). Mit Verfügung vom 17. Dezember 2013 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 16. Oktober 2013 wiedererwägungsweise auf (Urk. 7/25). Nach
dem im Rahmen der Beschwerdeantwort um Abschreibung des Verfahrens infolge Gegenstandslosigkeit ersucht worden war (Urk. 7/27), schrieb das hiesige Gericht mit Verfügung IV.2013.01025 vom 18. Dezember 2013 den Prozess als gegenstandslos geworden ab (Urk. 7/29).
In der Folge aktualisierte die IV-Stelle die medizinische Aktenlage. Mit Verfügung vom 12. Mai 2014 sprach die
Aus
gleichskasse
X._
ab 1. Ju
li 2014
eine Altersrente zu (Urk. 7/36).
Mit Vorbescheid vom 17. Juli 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/41), wogegen
sie
am 12. August
,
21. September
und
13. Oktober 2014 Einw
e
nd
ungen
erhob (Urk. 7/42, Urk. 7/49-50). Daraufhin tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen und liess die Versicherte dazu Stellung nehmen (Urk. 7/51-53). Am 18. Februar 2015 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
an (Urk. 7/54).
Nachdem entsprechende
Arztbe
richte
eingeholt wurden, teilte die IV-Stelle der Versicherten am
19. März 2015
mit, dass die Anspruchsvoraussetzungen erst nach Ablauf des Wartejahres im Juni 2015 geprüft würden (Urk. 7/64). Am 20. März 2015 verfügte die IV
Stelle die vorbeschiedene Abweisung des Rentengesuchs (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 2. Mai 2015 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente. Zudem ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter
Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-71), was der Beschwerdeführerin am 10.
Juni 2015 mitgeteilt wurde (Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin
begründet die Verneinung des Rentenanspruchs damit, dass die Beschwerdeführerin zwar seit dem 16. Juli 2013 in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei und ihr Rentenanspruch demnach ab 15. Juli 2014 (nach Ablauf des Wartejahres) entstanden wäre. Da sie seit dem 1. Juli 2014 aber eine ordentliche Altersrente der AHV beziehe, bestehe kein Rentenan
spruch.
Dabei werde aus versicherungsmedizinischer Sicht auf eine echtzeitliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgestellt.
1.2
Die Beschwerdeführerin
ist demgegenüber der Ansicht, dass sie bereits seit Januar 2013 zu 50 % und seit Juli 2013 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb sie schon seit Januar 2014 Anspruch auf eine Invalidenrente habe.
2.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt
(
verlangt
wird
eine Invaliden
rente vom
1. Januar bis 30. Juni 2014)
, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht).
3.
3.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Ein
kommensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
4.
4.1
Dr.
med.
Z._
, Ärztin für Neurologie FMH, bei welcher sich die Beschwerdeführerin seit dem 16. Mai 2012 in neurologischer Behandlung befin
det, nannte in ihrem Bericht vom 14. Juni 2013 (Urk. 7/13/8-9) zuhanden der Hausärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin, folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Progrediente Blickmotorik-Störung, Zeichen der
Disinhibition
und
postu
rale
Instabilität unklarer Ursache bei
Differentialdiagnose (
DD
)
neurode
gene
rativ
/
progressiven
supranukleären
Paralyse (PSP)
kein Hinweis für eine entzündliche, vaskuläre, paraneoplastische oder metabolische Erkrankung
des zentralen Nervensystems (ZNS)
kein Hinweis für eine
myasthene
Erkrankung, negative Auto-Antikör
per, kein Dekrement in der repetitiven Stimulation
Bei der Beschwerdeführerin bestehe seit Herbst 2011 eine langsam progrediente Symptomatik mit
ungerichtetem
Schwindel sowie einer Stand- und
Gangunsi
cherheit
. Klinisch-neurologisch habe sich innerhalb des letzten Jahres eine deutliche Zunahme der Blickmotorik-Störung mit initial isolierter Blickparese nach oben gezeigt, die sich im weiteren Verlauf zu einer fast vollständigen externen
Ophtalmoplegie
entwickelt habe.
Zudem beständen Zeichen der
Disin
hibition
und eine
posturale
Instabilität. Die bisher durchgeführte Zusatz
diagnostik (MRI des Kopfes mit MRA, elektrophysiologische Untersuchung, Labor- und
Liquordiagnostik
)
hätten keinen Hinweis für eine zu Grunde liegende entzündliche vaskuläre oder metabolische ZNS-Erkrankung, eine
neu
rodegenerative
Erkrankung oder neuromuskuläre Endplatte ergeben. Aufgrund des progredienten Krankheitsverlaufes mit Zeichen einer Affektion der langen Bahnen und nach Ausschluss einer symptomatischen Genese sei
eine
neurode
generative
Erkrankung im Sinn ei
n
er progressiven
supranukleären
Parese mög
lich. Da die Beschwerdeführerin und ihr Sohn eine Zweitmeinung gewollt hätten, erfolge eine Anmeldung in der Neurologischen Klinik des
B._
.
4.
2
Im Bericht der Klinik für Neurologie
des
B._
vom 30. August 2013 (Urk. 7/12) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein akinetisch-rigides extrapyramidal-motorisches Syndrom mit Blickmotorik-Störung seit 2011 gestellt. Differentialdiagnostisch stellte sich die Frage nach einer
PSP
. Als Nebendiagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit verblieb eine Osteoporose. Die Beschwerdeführerin sei am 16. Juli 2013 - auf Zuweisung durch
Dr.
Z._
zu
r neurologischen Zweitmeinung (S
. 8) - in ambulanter Behandlung gewesen. In ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Nachhilfelehrerin sei sie seit mindestens 16. Juli 2013 bis auf Weiteres (abhän
gig vom Ansprechen auf die Therapie) zu 100 % arbeitsunfähig. Bei Bestätigung der Verdachtsdiagnose PSP komme es zu einer progressiven Verschlechterung.
4.3
4.3.1
Dr.
med.
C._
, Allgemeine Medizin FMH, führte in seinem Bericht vom 8. September 2013 (Urk. 7/13
/1-4, unter Beilage diverser Berichte des
B._
und von
Dr.
Z._
, Urk. 7/13/5-19
) zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
akinetisch-rigides ext
rapyramidal-motorisches Syndrom, möglicherweise eine PSP an, wobei der
K
rankheitsbeginn im Jahre 2011 liege.
Dr.
C._
verweist hauptsächlich auf die fachärztlichen Berichte von
Dr.
Z._
und des
B._
. Der Beschwerde
führerin falle das Schreiben zunehmend schwer, es beständen Wortfindungs
störungen und das Konzentrationsvermögen sei reduziert. Sie sei langsamer geworden beim Lösen komplexer mathematischer Aufgaben. Die
Gangunsicher
heit
führe dazu, dass sie sich beim Gehen längerer Strecken an jemandem fest
halten müsse. Besondere Schwierigkeiten bereite das Treppensteigen, so müsse sie sich immer am Geländer festhalten. Die bisherige Tätigkeit als
Nachhilfe
lehrerin
sei der Beschwerdeführerin aufgrund dieser Einschränkungen nicht mehr zumutbar.
4.3
.2
Im Bericht vom 1. Januar 2014 (Urk. 7/28)
zuhanden der Beschwerdegegnerin hielt
Dr.
C._
fest, dass die neurologische Erkrankung der Beschwerde
führerin in den letzten Monaten leider einen progredienten Verlauf gezeigt habe. Neu sei eine
pseudobulbäre
Symptomatik mit Dysphagie und pathologi
schem Weinen aufgetreten. Weiterhin beständen rezidivierende Sturzereignisse, zuletzt am 20. Dezember 2013 mit Zuzug einer queren
Laterobasisfraktur
links sowie einer schmerzhaften Schulterkontusion links, weshalb eine
Kurzhospita
lisation
im Spital Bülach notwendig gewesen sei. Im Weiteren sei die 100%ige Arbeitsunfähigkeit gleich geblieben.
4.4
Die Klinik für Neurologie des
B._
führte in ihrem Bericht vom 17. März 2014 (Urk. 7/35) zuhanden der Beschwerdegegnerin ergänzend aus, dass die Prognose beim vorliegenden Verdacht auf ein neurodegeneratives Gebrechen mit progre
dientem Verlauf unklar sei und vor
allem vo
m
Ansprechen auf die
Ma
dopar
-Therapie abhängig sei, wobei die Beschwerdeführerin bisher schlecht darauf anspreche.
4.5
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
fanden fo
lgende weitere Berichte von Dr.
Z._
Eingang in die Akten:
4.5.1
Dr.
Z._
erwähnte mit Schreiben vom 11. September 2014 (
Urk.
7/45) i
m Rahmen des
Einwandverfahrens
, dass sich die Beschwerdeführerin seit April 2012 in ihrer Behandlung befinde und an einer rasch progredienten
neurodege
nerativen
Erkrankung (PSP) leide. Eine kausale Behandlung gebe es bislang leider nicht. Weiter stellte sie klar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erkrankung seit Beginn des Jahres 2013 in ihrem Beruf als selbständige Mathematik-Lehrerin maximal zu 50 % und spätestens seit dem 1. Juni 2013 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Arbeitsunfähigkeitszeugnisse seien während dieser Zeit nicht ausgestellt worden, da die Beschwerdeführerin selbständig tätig gewesen sei, allerdings nur noch mit einem kleinen Pensum von 20 %.
4.5.2
Im Bericht vom 19. November 2014 (Urk. 7/51) zuhanden der
Beschwerde
gegne
rin
stellte
Dr.
Z._
die Diagnose eines progredienten
hypo
kinetisch
rigi
den extrapyramidalen Syndroms mit Blickmotorik-Störung seit 2011 bei bestehen
der DD: neurodegenerativ/PSP. Die Beschwerdeführerin spre
che nicht auf die hochdosierte Therapie mit
Madopar
bis 1000 mg/die an. Aus
serdem beständen keine Hinweise für eine entzündliche, vaskuläre,
para
neoplastische
oder metabolische ZNS-Erkrankung. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit 30. April 2012 bei ihr in Behandlung, Die letzte Kontrolle habe am 20. Oktober 2014 stattgefunden. Es erfolge eine Mitbeurteilung durch die Klinik für Neurologie des
B._
, erstmalig am 16. Juli 201
3.
Es sei davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer Erkrankung seit Beginn des Jahres 2013 in ihrem Beruf als selbständige Mathematik-Lehrerin
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Ab Januar 2013 sei sie maximal zu 50
% und spätestens seit dem
1.
Juni 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Die Beschwer
deführerin sei durch die neurodegenerative Erkrankung in ihrer Beweglichkeit erheblich einge
schränkt. Die Einschränkungen bezögen sich sowohl auf die
Augenbe
weglichkeit
als auch auf das Gleichgewicht und somit die Steh- und
Geh
funktion
. Eine Verbesserung könne durch medizinische Massnahmen nicht erreicht werden. Es sei von einer weiteren Progredienz auszugehen.
Dr.
Z._
hielt in ihrem Schreiben vom 20. April 2015 (Urk. 3/2) zuhanden der Beschwerdegegnerin nochmals fest, dass sich die Beschwerdeführerin bereits seit April 2012 aufgrund einer progredienten neurodegenerativen Erkrankung in ihrer Behandlung befinde, ohne dass es dagegen einen kurativen
Behandlungs
ansatz
gebe. Bereits seit 2012 beständen neurologische Funktionsdefizite der Blickmotorik und des Gleichgewichtes, die sich kontinuierlich verschlechtert hätten. Ganz sicher sei die Arbeitsfähigkeit seit Beginn des Jahres 2013 beein
trächtigt, wie das in ihrem Bericht vom 19. November 2014 dargelegt worden sei. Ihr Versäumnis entsprechende Arbeitsunfähigkeitszeugnisse auszustellen, könnten nicht der Beschwerdeführerin angelastet werden. Die Beschwerde
führerin sei eine sehr bescheidende Frau, die nicht auf die Ausstellung eines solchen Zeugnisses gedrängt habe. Zu diesem Zeitpunkt sei sie auf
Stunden
lohnbasis
tätig gewesen.
Dies nun retrospektiv der Beschwerdeführerin anzu
lasten, halte sie für medizinisch und ethisch nicht für vertretbar.
5.
5
.1
Fraglich ist, wann der R
entenanspruch
der Beschwerdeführerin
entstanden
ist respektive wann die
Wartezeit begonnen
hat.
5
.2
Die Wartezeit im Sinne
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ein
getreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähig
keit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungs
vermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsaus
fälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umge
kehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Per
son tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (über
zeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
5.3
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 1. Juli 2013 wegen seit April 2012 bestehenden Gleichgewichtsproblemen sowie Seh- und Schreibschwierigkeiten bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3-4). In der Anmel
dung gab sie als Behandler nebst
Dr.
C._
als ihrem Hausarzt Dr.
Z._
als Fachärztin der Neurologie an.
M
it Schreiben vom 20. Juli 2013 (Urk. 7/10) gab die Beschwerdeführerin an, dass sie
vier Tage zuvor
in der neurologischen Poli
klinik des
B._
zur neurologischen Untersuchung war. Daraufhin holte die Beschwerdegegnerin bei der Klinik für Neurologie des
B._
und bei
Dr.
C._
einen Bericht ein (
Urk. 7/12-13), unterliess es aber einen solchen Bericht auch bei der behandelnden Neurologin
Dr.
Z._
einzuholen. Die Klinik für Neurologie des
B._
attestierte der Beschwerdeführerin ab
mindestens
16. Juli 2013 (
Datum
der ersten ambulanten Behandlung)
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
(vgl. Urk. 7/12 und Urk. 7/35)
. Wenn nun die Beschwerdegegnerin - gest
ützt auf die Einschätzung von
Dr.
med.
D._
, Facharzt Anästhesiologie FMH,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD, Urk. 7/46/3) - unbesehen dieses Datum
für die Festlegung des Beginns des Wartejahres übernimmt, verkennt sie, dass die Klinik für Neurologie des
B._
zur Einholung einer Zweitmeinung beigezogen wurde und sich die Beschwer
deführerin bereits seit April 2012 bei
Dr.
Z._
in fachärztlicher Behandlung befand.
Dr.
Z._
legte in ihren im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereichten Berichten vom 11. September 2014 (E. 4.5.1) und vom 19. November 2014 (vgl. E. 4.5.2) nachvollziehbar und überzeugend dar, dass aufgrund der (schwierig zu diagnostizierenden) neurodegenerativen Erkrankung eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit als selbständige Mathematik-Lehrerin bereits seit Januar 2013 zu
maximal (richtig wohl: minimal)
50 % und spätestens seit 1. Juni 2013 zu 100 % best
and
.
F
ür diesen Zeitraum
stellte
Dr.
Z._
aber
keine Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
aus. Angesichts des Umstandes, dass die Beschwer
de
führerin als
Selbständig
e
rwerbende
keine
Krankentaggeldversiche
rung
hatte (vgl. Urk. 7/9),
die Leistungen im Krankheitsfall erbracht hätte,
ist
ein solches Attest tatsächlich unnötig gewesen.
Die
Festlegung der 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2013
ist
aufgrund der dargelegten Einschränkun
gen
im Zusammenhang mit
den neurologischen Funktionsdefiziten
ohne Weiteres
nachvollziehbar. Da
Dr.
Z._
die Beschwerdeführerin zudem bereits seit April 2012 in regelmässigen Abständen neurologisch untersuchte und begleitete, handelt es sich bei der Festlegung der 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2013
respektive 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab spätestens 1. Juni 2013
nicht um eine
eigentliche
retrospektive Einschätzung, sondern ist als
echtzeit
lich
zu betrachten, da sie in den Behandlungszeitraum fällt.
Mit der aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht vorausgesetzten echtzeitlichen Beurteilung soll nur eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte
und nicht mehr nachvollziehbare
medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit
ausgeschlossen
werden.
A
us der Erfolgsrechnung der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/11)
ist
ersichtlich, dass die
Einnahmen der
Beschwerdeführerin bereits ab Sommer 2012
abnahmen, was mit der Beurteilung von
Dr.
Z._
kongruent geht,
dass ab Januar 2013 nur
noch
eine 50%ige Leistungsfähigkeit bestand.
5.4
Aufgrund der überzeugenden Angaben der behandelnden Neurologin
Dr.
Z._
und de
s
Umstand
s
, dass auch die Klinik für Neurologie des
B._
eine seit min
destens 16. Juli 2013 bestehende
vollständige
Arbeits
un
fähigkeit attestierte und
da
mit
ebenfalls
eine schon früher bestehende Einschränkung
der Arbeitsfähig
keit
implizierte, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bereits seit 1. Januar 2013 in jeglicher Tätigkeit zu
50
%
und ab 1. Juni 2013 zu 100 % ar
beitsunfähig
ist. Die Eröffnung der Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist folglich
auf
Januar 2013 festzusetzen und endete demnach
im Januar 2014.
6.
6.1
Im Weiteren ist zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
Festzuhalten ist, dass die
Beschwerdeführ
erin unbestrittenermassen als (N
ur-)
Erwerbstätige mit Teilzeitpensum von 80-90 % zu qualifizieren ist
.
Entspre
chend
kommt für die Invaliditätsbemessung der Einkommensvergleich zur Anwendung (vgl. Art. 16 ATSG).
6.2
Wie zuvor unter E. 5.4 festgestellt, war die Beschwerdeführerin seit Januar 2013 zu 50 % und spätestens ab 1. Juni 2013 zu 100 % sowohl in ihrer bisherigen Tätigkeit als selbständige Mathematik-Nachhilfelehrerin als auch in einer ange
passten Tätigkeit arbeitsunfähig. Demnach
war die Beschwerdeführerin am
1.
Januar 2014 während eines Jahres zu durchschnittlich über 70
%
arbeitsun
fähig gewesen und hat sie demnach
vom 1. Januar 2014 (nach Ablauf des Wartejahres, Art. 28
Abs.
1 lit. b IVG
, und 6 Monate
nach Anmeldung, Art. 29 IVG) bis 31. Juni 2014 (
Entstehung des Anspruchs auf eine Altersrente, Art. 30 IVG)
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen.
7
.
7
.1
Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 500.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
7
.2
Bei dieser Kostenfolge erweist sich das Gesuch um unentgeltliche
Prozess
führung
als gegenstandslos.