Decision ID: cf984d06-d0f1-55e1-b7a3-0471fc7b73fa
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Der Vater der Kinder B._ und C._, D._, Eritrea, reiste
am 8. Dezember 2008 in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asyl-
gesuch. Mit Verfügung vom 12. Februar 2010 stellte das damalige Bundes-
amt für Migration (BFM, heute SEM) seine Flüchtlingseigenschaft im Sinne
von Art. 3 AsylG (SR 142.31) fest und gewährte ihm Asyl.
B.
Am (...) 2015 wurde in E._ gemäss den äthiopischen Gesetzesbe-
stimmungenmit die Ehe zwischen der Beschwerdeführerin und dem Kin-
desvater geschlossen.
C.
Die Beschwerdeführerin reiste am (...) Januar 2016 in die Schweiz ein. Sie
ist im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung B.
D.
Am (...) wurde das gemeinsame Kind B._ geboren.
II.
E.
Ein erstes am 14. Dezember 2017 gestelltes Gesuch um Einbezug der
Tochter B._ in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl ihres Vaters
wurde vom SEM mit Verfügung vom 5. Oktober 2018 abgewiesen. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
F.
Am (...) wurde das Kind C._ geboren.
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III.
G.
Mit Eingabe der Rechtsvertretung vom 28. Mai 2019 liess die Kindsmutter
ein Gesuch um Einbezug der Kinder B._ und C._ in die
Flüchtlingseigenschaft des Kindsvaters stellen. In der Beilage wurde ein
Bestätigungsschreiben der äthiopischen Botschaft in Genf vom (...) einge-
reicht.
H.
Mit Verfügung vom 11. Juli 2019 wies das SEM das Gesuch um Einbezug
der Kinder B._ und C._ in die Flüchtlingseigenschaft ihres
Vaters ab.
I.
Mit Eingabe vom 7. August 2019 erhob die Beschwerdeführerin Be-
schwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung und beantragte, diese sei
aufzuheben, die Kinder B._ und C._ seien in die Flüchtlings-
eigenschaft ihres Vaters einzubeziehen und es sei ihnen in der Schweiz
Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Beiordnung ihres Rechtsver-
treters als unentgeltlicher Rechtsbeistand ersucht.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2019 forderte der Instruktionsrich-
ter die Beschwerdeführerin auf, innert Frist ihre Mittellosigkeit zu belegen,
stellte fest, dass über die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde, und ver-
zichtete vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleich-
zeitig wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
K.
In ihrer Vernehmlassung vom 30. August 2019 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
3. September 2019 zur Kenntnis gebracht.
L.
Mit Eingabe vom 6. September 2019 reichte die Beschwerdeführerin innert
verlängerter Frist eine Unterstützungsbestätigung des Sozialdienstes der
Gemeinde F._ zu den Akten.
E-3994/2019
Seite 4
M.
Mit Instruktionsverfügung vom 17. Oktober 2019 hiess der Instruktionsrich-
ter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG gut und verzichtete definitiv auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von
Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der Ausführungen in der nach-
folgenden Erwägung 3 – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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Seite 5
3.
In der Beschwerdeeingabe vom 7. August 2019 wird beantragt, die "Be-
schwerdeführer" seien in die Flüchtlingseigenschaft des Kindsvaters/Ehe-
mannes (D._) einzubeziehen und im Rubrum der Eingabe werden
als Beschwerdeführer die Kindesmutter (A._) sowie die Kinder
B._ und C._ genannt. In den Erwägungen wird explizit aus-
geführt, dass auch die Kindesmutter in die Flüchtlingseigenschaft des
Kindsvaters einzubeziehen sei. In der Eingabe vom 28. Mai 2019 an die
Vorinstanz war jedoch nur um Einbezug der Kinder B._ und
C._ ersucht worden, und dementsprechend bezog sich die ange-
fochtene Verfügung des SEM vom 11. Juli 2019 explizit nur auf diese bei-
den Personen. Hieraus folgt, dass auch im vorliegenden Beschwerdever-
fahren nur ein Einbezug der Kinder zu prüfen ist und kein Raum für eine
Prüfung der Frage eines Einbezugs von A._ in die Flüchtlingseigen-
schaft ihres Ehemannes besteht. Ein diesbezügliches Begehren wäre in
einer separaten Eingabe an die hierfür zuständige Vorinstanz zu richten.
Soweit sich die Eingabe vom 7. August 2019 inhaltlich auf A._ be-
zieht, ist darauf nach dem Gesagten nicht einzutreten. Hingegen verbleibt
die Kindesmutter Partei im Beschwerdeverfahren, soweit sie als gesetzli-
che Vertreterin ihrer beiden Kinder auftritt und deren Rechte geltend macht.
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, die Ehe zwischen der
Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann beziehungsweise Kindesvater
sei in E._, Äthiopien, gemäss den äthiopischen Gesetzesbestim-
mungen geschlossen worden. Demnach wäre es dem Kindesvater grund-
sätzlich möglich, die äthiopische Staatsangehörigkeit zu erlangen; auch die
einzubeziehenden Kinder könnten die äthiopische Staatsangehörigkeit er-
werben. Gemäss dem äthiopischen Staatsangehörigkeitsgesetz vom De-
zember 2003 habe jede Person mit mindestens einem äthiopischen Eltern-
teil Anspruch auf diese. Demnach sei es der Familie der Beschwerdefüh-
rerin möglich und zumutbar, sich in Äthiopien niederzulassen. Wegwei-
sungshindernisse betreffend dieses Land seien nicht auszumachen. Dem-
zufolge würden besondere Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 3 AsylG
vorliegen, die gegen eine Gewährung des Familienasyls sprechen würden.
Die mit der Eingabe vom 29. Mai 2019 eingereichte Bestätigung der äthio-
pischen Botschaft vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Sie
sage weder zu der Staatangehörigkeit der Kinder und zu deren Anspruch
auf äthiopische Reisedokumente etwas aus noch zur Möglichkeit oder Zu-
mutbarkeit einer Wohnsitznahme in Äthiopien. Die Kinder seien zwar im
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zentralen Migrationssystem (ZEMIS) als Staatsangehörige Eritreas regis-
triert, doch sei gemäss Zivilstandsregister ihre Staatsangehörigkeit unge-
klärt. Da die Voraussetzungen für einen Einbezug der Kinder der Be-
schwerdeführerin nicht gegeben seien, könne offengelassen werden, ob
eine für den Einbezug erforderlich schützenswerte Gemeinschaft zwischen
den Kindern und den getrennt von ihnen lebenden Kindesvater bestehe.
4.2 Zur Begründung der Beschwerdeeingabe wurde ausgeführt, der Ein-
bezug eines Kindes in die Flüchtlingseigenschaft eines Elternteils entspre-
che gemäss der gesetzlichen Konzeption dem Regelfall; das Absehen von
einem Einbezug aufgrund besonderer Umstände, sei als Ausnahmeklausel
zu versstehen, die restriktiv auszulegen sei. Die Kinder der Beschwerde-
führerin hätten einen eritreischen Vater und seien in der Schweiz als erit-
reische Staatsangehörige registriert, weshalb davon auszugehen sei, dass
sie tatsächlich diese Staatsangehörigkeit besitzen würden. Ein Erwerb der
äthiopischen Staatsangehörigkeit dürfte ihnen nicht möglich sein. Die äthi-
opischen Behörden seien in der Praxis nicht gewillt, Personen eritreischer
Herkunft die Staatsangehörigkeit zuzuerkennen. Zudem seien die Kinder
in der Schweiz geboren und hätten nie in Äthiopien gelebt, weshalb es
ihnen nicht möglich sein werde, Dokumente zum Beleg ihrer äthiopischen
Staatsangehörigkeit beziehungsweise Herkunft zu beschaffen. Vor diesem
Hintergrund rechtfertige es sich nicht, sie aufgrund der bloss hypotheti-
schen Möglichkeit des Erwerbs der Staatsangehörigkeit der Mutter nicht in
die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters, dessen Nationalität sie bereits hät-
ten, einzubeziehen. Es liege daher in casu kein besonderer Umstand im
Sinne von Art. 51 Abs. 3 AsylG vor.
5.
5.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. In der Schweiz ge-
borene Kinder von Flüchtlingen werden gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG auch
als Flüchtlinge anerkannt, sofern wiederum keine besonderen Umstände
dagegen sprechen.
5.2 Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung
entgegenstehende "besondere Umstände" sind beispielsweise anzuneh-
men, wenn das Familienmitglied Bürger eines anderen Staates als der
Flüchtling ist und die Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der
Flüchtling seinen Status derivativ erworben hatte, oder wenn das Familien-
leben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist,
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dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammen-
zuleben. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft bedingt zudem, dass
die anspruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat ver-
lassen hat (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/32 E. 5.1). Massgeblicher Zeit-
punkt für die Prüfung der übrigen Voraussetzungen für den Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft ist nicht der Zeitpunkt der Gesuchstellung, sondern
derjenige des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheids (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2002 Nr. 20 E. 5a S. 167).
6.
6.1 Im vorliegenden Fall gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prü-
fung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz den Sachverhalt ungenü-
gend abgeklärt hat und der ihr obliegenden Begründungspflicht nicht ge-
bührend nachgekommen ist. Aufgrund der in den Akten vorhandenen In-
formationen ist es dem Bundesverwaltungsgericht insgesamt nicht mög-
lich, einen begründeten Entscheid in der Sache zu fällen.
6.2 Zunächst ist festzustellen, dass die Kindesverhältnisse von B._
und C._ zum Kindsvater, dessen Flüchtlingseigenschaft rechtskräf-
tig anerkannt ist, unbestritten sind. Fest stehen im Weiteren aufgrund der
eingereichten Dokumente die Staatsangehörigkeiten des Kindsvaters (Erit-
rea) sowie der Mutter (Äthiopien).
6.3 In Bezug auf die Staatsangehörigkeit der beiden Kinder ist Folgendes
festzustellen:
6.3.1 B._ und C._ sind in der Schweiz zur Welt gekommen
und gemäss Zivilstandsregister Eritreer. Weitere Dokumente, welche sich
über ihre Staatsangehörigkeit aussprechen würden, sind in den Akten nicht
zu finden.
6.3.2 Gemäss eritreischer Staatsangehörigkeitsverordnung erwirbt jede
Person mit einem eritreischen Elternteil die eritreische Staatsangehörigkeit
durch Geburt (vgl. Gazette of Eritrean Laws, Ziff. 2 Art. 1 Eritrean Nationa-
lity Proclamation [No. 21/1992]). Entsprechend der genannten Verordnung
ist die doppelte Staatsangehörigkeit zulässig (vgl. ebenda, Ziff. 2 Art. 5 und
zum Ganzen das Urteil des BVGer E-4528/2018 vom 29. Juli 2019 E. 8.8).
6.3.3 In dem im Dezember 2003 verabschiedeten äthiopischen Staatsan-
gehörigkeitsgesetz (Ethiopian Nationality Law Proclamation No. 378/2003)
wurde der Grundsatz schriftlich verbrieft, dass jede Person mit mindestens
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einem äthiopischen Elternteil Anspruch auf die äthiopische Staatsangehö-
rigkeit hat. Allerdings akzeptieren die äthiopischen Behörden die doppelte
Staatsbürgerschaft nicht. Das äthiopische Nationalitätengesetz von 2003
erwähnt, dass äthiopische Staatsangehörige, welche freiwillig eine andere
Nationalität annehmen, aus äthiopischer Behördensicht dadurch die äthio-
pische Staatangehörigkeit aufgeben (Art. 20 Abs. 1). Bei äthiopischen
Staatsangehörigen, welche durch einen ausländischen Elternteil oder die
Geburt im Ausland eine andere Staatsangehörigkeit erwerben, wird von ei-
nem freiwilligen Verzicht auf die äthiopische Staatsangehörigkeit ausge-
gangen, ausser es werde ausdrücklich der Wille zur Beibehaltung dersel-
ben unter Verzicht auf die andere Staatsangehörigkeit erklärt (Art. 20
Abs. 2). Hat ein Äthiopier ohne eigenes Zutun von Gesetzes wegen aus
andern Gründen eine andere Staatsangehörigkeit erworben, wird davon
ausgegangen, er habe freiwillig auf seine äthiopische Staatsangehörigkeit
verzichtet, sofern er die sich aus der erworbenen Staatsangehörigkeit er-
gebenden Rechte ausübt oder nicht innerhalb eines Jahres den Willen er-
klärt, durch Verzicht auf die andere Staatsangehörigkeit die äthiopische
Staatsbürgerschaft beibehalten zu wollen (Art. 20 Abs. 3; vgl. zum Ganzen
das Urteil des BVGer E-1047/2017 vom 13. Dezember 2018 E. 5.2).
6.3.4 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Kinder
B._ und C._ aufgrund ihrer Geburt als Kinder eines eritrei-
schen Elternteils (Vater) die eritreische Staatsbürgerschaft erworben ha-
ben. Die eingereichte Bestätigung der äthiopischen Botschaft vom (...)
lässt nicht den Schluss zu, dass die Kinder der Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf Anerkennung als äthiopische Staatsangehörige haben. In
dieser wird lediglich festgestellt, dass die Kinder derzeit die Voraussetzun-
gen für die Ausstellung von äthiopischen Reisepapieren nicht erfüllen, weil
ihre äthiopische Staatsangehörigkeit nicht erstellt sei. Dies schliesst aber
eine mögliche Anerkennung als äthiopische Staatsbürger im Falle der Bei-
bringung der erforderlichen Belege respektive Erklärungen nicht aus. Dem-
nach kann davon ausgegangen werden, dass die Kinder der Beschwerde-
führerin angesichts der äthiopischen Staatsangehörigkeit ihrer Mutter
diese Staatsangehörigkeit ebenfalls erwerben könnten, unter der Voraus-
setzung, dass sie den Willen zum Verzicht auf ihre eritreische Staatsbür-
gerschaft erklären würden. Ihr Anspruch auf Anerkennung als äthiopische
Staatsangehörige ist also im heutigen Zeitpunkt hypothetischer Natur.
6.3.5 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wi-
derspricht es indessen dem Gebot einer restriktiven Auslegung der Aus-
nahmeklausel "besondere Umstände" den Einbezug eines Kindes in die
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Flüchtlingseigenschaft und das Asyl eines Elternteils mit derselben Staats-
angehörigkeit zu verweigern, nur weil eine bloss hypothetische Möglichkeit
besteht, dass das Kind auch eine andere Staatsangehörigkeit erwerben
könnte (vgl. Urteile des BVGer E-1683/2013 vom 21. April 2015 E. 7.3.3;
D-4376/2017 vom 4. April 2019 E. 4.4 f.). Demnach kann im Umstand, dass
die Kinder der Beschwerdeführerin allenfalls die Voraussetzungen zur An-
erkennung als äthiopische Staatsangehörige erfüllen, kein besonderer
Grund erblickt werden, der einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
ihres Vaters gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG entgegensteht.
6.3.6 Offengelassen werden kann bei diesem Zwischenergebnis die Frage,
ob der Kindesvater aufgrund der Heirat mit einer äthiopischen Staatsange-
hörigen die Möglichkeit des Erwerbs dieser Staatsangehörigkeit und die
Wohnsitznahme zusammen mit seinen Angehörigen in Äthiopien offen-
steht.
6.4 Grundgedanke des Familienasyls ist es, der gesamten Familie eines
Flüchtlings einen einheitlichen Rechtsstatus zu gewährleisten (vgl. EMARK
2002 Nr. 20 E. 4.b S. 165). Dies setzt aber ein Zusammenleben des den
Einbezug beantragenden Kindes mit dem Elternteil, welchem die Flücht-
lingseigenschaft originär zuerkannt wurde, voraus. Daher kann ein einem
Einbezug in das Familienasyl entgegenstehender besonderer Grund vor-
liegen, wenn die familiäre Verbindung aufgelöst und erkennbar ist, dass die
Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben
(vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE SFH [Hrsg.], Handbuch zum
Asyl- und Wegweisungsverfahren, 2. Aufl. 2015 S. 462; BVGE 2012/32
E. 5.1, zudem Urteile BVGer E-846/2014 vom 11. August 2014 E. 7.2,
D-1219/2012 vom 19. März 2012 S. 3 und E-6309/2006 vom 3. September
2007 E. 3; EMARK 2002/20 E. 4.b und 2000 Nr. 22, S. 202 ff.).
Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass der Kindsvater seit (...) 2018
getrennt von der Kindsmutter und den Kindern lebt. Nähere Informationen
dazu, inwieweit im heutigen Zeitpunkt eine gelebte und schützenswerte
Beziehung zwischen dem Kindsvater und den einzubeziehenden Kindern
besteht, ergeben sich aus den Akten nicht. Diese Frage wurde von der Vor-
instanz nicht abgeklärt, sondern explizit offengelassen, da schon aus an-
dern Gründen die Voraussetzungen für einen Einbezug gemäss Art. 51
Abs. 3 AsylG nicht gegeben seien (vgl. Verfügung des SEM vom 11. Juli
2019 S. 3). Diese Argumentation erweist sich angesichts der obigen Erwä-
gungen (E. 6.3) als unzutreffend.
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Seite 10
6.5 Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz die
sich voraussichtlich als entscheidrelevant erweisende Frage der aktuellen
Beziehung zwischen dem Vater und den Kindern nicht abgeklärt und ge-
würdigt hat.
6.6 Zusammenfassend stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass der
rechtserhebliche Sachverhalt vom SEM nicht korrekt und vollständig fest-
gestellt worden ist.
6.7 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Da sich vorliegend die notwendige
Entscheidungsreife nicht mit geringem Aufwand herstellen lässt, erscheint
es sachgerecht, das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit
das SEM die nötigen Abklärungen vornimmt und diese im Rahmen eines
neuen beschwerdefähigen Entscheids einer rechtlichen Würdigung unter-
zieht (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 225 f. Rz. 3.194).
6.8 Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen, soweit die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung beantragt worden ist. Die Verfügung vom 11. Juli
2019 ist aufzuheben und die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1
VwVG zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsermittlung und zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.
Der vertretenen Beschwerdeführerin ist sodann angesichts ihres Obsie-
gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde
keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung wird
in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung
der massgeblichen Bemessungsfaktoren demnach von Amtes wegen auf
insgesamt Fr. 450.– (inkl. Auslagen) festgelegt.
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