Decision ID: 01f212d1-d1ba-52b0-98b8-48c341dbd796
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschwerdeführenden, alle iraki-
sche Staatsangehörige kurdischer Ethnie, aus der Provinz Dohuk (Auto-
nome Region Kurdistans ([ARK]) stammend, am 17. Oktober 2017, res-
pektive am 25. Oktober 2017 ihr Heimatland. Am 8. Mai 2018 reisten sie in
die Schweiz ein und stellten am darauffolgenden Tag ein Asylgesuch.
Am 18. Mai 2018 wurden die Beschwerdeführerin und der Beschwerde-
führer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in F._ zur
Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt
(Befragung zur Person [BzP]). Am 6. September 2018 fanden die An-
hörungen zu den Asylgründen statt. Am 23. Oktober 2018 wurde die
Anhörung des Beschwerdeführers fortgesetzt.
B.
B.a Die Beschwerdeführerin brachte im Wesentlichen vor, sie sei Analpha-
betin, habe 2011 geheiratet und habe nach der Eheschliessung in
G._ gelebt. Ihre Eltern würden in H._ leben. Zwei ihrer neun
Geschwister würden die Eltern finanziell unterstützen, wobei einer ihrer
Brüder bei den Peshmerga und der andere Verkehrspolizist sei. Sie selber
habe im Irak keine Probleme gehabt, sondern sei wegen denjenigen ihres
Ehemannes (des Beschwerdeführers) ausgereist. Auch habe sie erst in der
Schweiz von seinen Problemen, welche er im Irak gehabt habe, erfahren,
wobei er ihr lediglich erzählt habe, dass er Schwierigkeiten mit der Regie-
rung habe. Sie selber habe in der letzten Zeit vor der Ausreise bemerkt,
dass er äusserst nervös gewesen sei, und er sie sowie die Kinder kaum
mehr aus dem Haus gelassen habe. Eines Tages sei er nicht mehr von der
Arbeit nach Hause gekommen. Da habe sie ihn telefonisch kontaktiert und
er habe ihr erklärt, dass er aus dem Irak ausgereist sei und sich nun in der
Türkei befinde. Ungefähr zwei Wochen später sei sie ihm mit den Kindern
nachgereist.
Nach ihrer Ausreise habe sie von ihren Schwiegereltern erfahren, dass die
Polizei gemeinsam mit den Asaysesh nach ihrem Ehemann gesucht habe.
Zudem sei es zu zwei Hausdurchsuchungen gekommen.
B.b Der Beschwerdeführer legte dar, er habe bis zu seiner Ausreise in
G._ gelebt. Nach seinem Maturaabschluss habe er im November
2012 eine Ausbildung als Polizist angefangen und in der Folge in der
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«(...)abteilung» bei den Behörden in H._ gearbeitet. Er habe seine
Arbeit gerne ausgeübt, habe anfangs jedoch nicht an sehr vielen Einsätzen
teilgenommen. Als der Islamische Staat (IS) in dieser Gegend gewütet
habe, habe er geholfen, die zahlreichen Flüchtlinge zu versorgen. Nach-
dem er drei Jahre in dieser Funktion bei der Polizei gearbeitet habe, seien
ihm neue Aufgaben zugeteilt worden. Er habe den Grad des «Arif» erhal-
ten. Ab 2017 habe er unter anderem Personen festnehmen müssen, ohne
dass gerichtliche Anordnungen gegen diese vorgelegen hätten. Diese Auf-
träge seien inoffiziell durch die Partei «Parti» (Demokratische Partei Kur-
distans, kurdisch: Partiya Demokrata Kurdistanê; [PDK]) erteilt worden, da
diese überall in Kurdistan das Sagen habe und auch die Justiz teilweise
kontrolliere. Er habe sehr unter diesen Ungerechtigkeiten gelitten, seine
Arbeit jedoch weiterhin ausgeführt. Manchmal seien er und seine Arbeits-
kollegen von den Verhafteten bedroht worden. All dies habe dazu geführt,
dass er sich psychisch schlecht gefühlt habe. Im Oktober 2017 sei ihm auf-
getragen worden, eine Person, welche er gekannt habe, festzunehmen.
Obwohl er gewusst habe, dass es nicht erlaubt sei, sich einem Befehl der
Vorgesetzten zu widersetzen, habe er den Befehl verweigert und sei in der
Folge für drei Tage in Einzelhaft genommen worden. Nachdem er beteuert
habe, künftig alle Befehle zu befolgen, sei er freigelassen worden. Danach
habe er seine Arbeit wieder aufgenommen und hätte kurz darauf erneut
eine Person, die ihm persönlich bekannt war, festnehmen müssen, was er
jedoch wiederum verweigert habe. Diesmal sei er unmittelbar nach der Be-
fehlsverweigerung geflohen und mit seinem Pass in die Türkei ausgereist.
Von Istanbul aus habe er seine Familie informiert.
Nach seiner Ausreise habe er erfahren, dass ein Haftbefehl gegen ihn aus-
gestellt worden und es zu Hausdurchsuchungen gekommen sei. Er fürchte
sich nicht nur vor der Polizei, welche nach ihm suche, sondern auch vor
der Partei, welche eigentlich die extralegalen Verhaftungen angeordnet
habe. Zudem habe er erfahren, dass der Haftbefehl an allen Checkpoints
publiziert worden sei. Anlässlich einer Hausdurchsuchung sei seinem Va-
ter der Haftbefehl ausgehändigt worden. Zudem sei es insgesamt zu drei
respektive vier Hausdurchsuchungen in seinem Haus und im Haus seiner
Eltern gekommen.
Dem Gesuch wurden Kopien des Abiturzeugnisses, des Führerscheins und
des Berufsausweises (als Polizist) des Beschwerdeführers, sowie der Na-
tionalitätenkarten der Beschwerdeführenden, der Identitätskarten, eine Ko-
pie des Ehevertrages vom 30. Juni 2011 sowie eine Kopie der Registrie-
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rungskarte beigelegt. Weiter liegt dem Gesuch eine Kopie eines Haftbe-
fehls – datiert vom 20. Oktober 2017 – gegen den Beschwerdeführer sowie
ein Operationsbericht den Sohn C._ betreffend vom 4. Juli 2017
bei.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführenden wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 – eröffnet am 22. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug.
D.
Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
19. Juni 2020 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an
und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und ihnen
sei Asyl zu gewähren. Als Eventualantrag stellten sie das Begehren, sie
seien als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen oder es sei die vorläufige Auf-
nahme wegen Unzulässigkeit anzuordnen. Als weiteres Eventualbegehren
beantragten sie, die Sache sei zwecks weiterer Sachverhaltsabklärungen
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei der Beschwerde-
führer ergänzend zu den Asylgründen anzuhören. In prozessualer Hinsicht
ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragten
sie, dass das Beschwerdeverfahren in deutscher Sprache zu führen sei.
Der Beschwerde wurden verschiedene Beweismittel beigefügt (Beilagen
3 bis 11).
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2020 wurde auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet und festgestellt, dass über den Antrag um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Der Be-
schwerdeführer wurde zur Einreichung einer Unterstützungserklärung auf-
gefordert. Antragsgemäss wurde das Verfahren in deutscher Sprache auf-
genommen und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen.
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F.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Eingabe vom 30. Juni 2020 eine
Fürsorgebestätigung – datiert vom 16. Juni 2020 – ein.
G.
Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2020 in
französischer Sprache zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Be-
weismitteln und hielt im Übrigen an ihren Erwägungen fest.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juli 2020 wurde das Gesuch um unent-
geltliche Prozessführung gutgeheissen und den Beschwerdeführenden die
Möglichkeit zur Replik gewährt.
I.
Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 29. Juli 2020.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
behandeln sind, da sie geeignet sein könnten, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken. Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entschei-
det das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese
ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück.
3.2
3.2.1 In der Beschwerde wurde kritisiert, die vorinstanzliche Verfügung
hätte in deutscher Sprache verfasst werden müssen, da die Beschwerde-
führenden im deutschsprachigen Kanton I._ leben würden. Zudem
seien bereits die Protokolle auf Deutsch verfasst worden. Sodann sei der
Rechtsvertreter nur der deutschen Sprache mächtig.
3.2.2 Die Vorinstanz berief sich hinsichtlich der Verfahrenssprache auf
aArt. 16 Abs. 2 AsylG, wonach grundsätzlich Verfügungen und Zwischen-
verfügungen des SEM in der Sprache eröffnet werden, welche am Wohnort
der asylsuchenden Person verwendet werde und verwies gleichzeitig auf
Abs. 3 desselben Artikels, worin von diesem Grundsatz abgewichen wer-
den könne. Vorliegend sei eine solche Ausnahme gemacht worden, weil
dies für eine fristgerechte Erledigung der Gesuche erforderlich sei. Auf-
grund der zahlreichen Asylgesuche der Jahre 2015 und 2016 seien noch
viele Gesuche mit Eingangsdatum vor dem 1. März 2019 beim SEM hängig
und das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) habe dem
SEM Frist bis Herbst 2020 gesetzt, um die altrechtlichen Verfahren zu er-
ledigen. Da diese Gesuche nicht proportional auf die drei Sprachregionen
verteilt seien, würden in solchen Fällen, gestützt auf die Ausnahmerege-
lung von Art. 3 Abs. 3 AsylG, Entscheide in französischer oder italienischer
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Sprache in Verfahren von Asylsuchenden mit Wohnsitz in deutschsprachi-
gen Kantonen gefällt. Diese Massnahme werde nur provisorisch, bis im
Herbst 2020, angewandt. Das Dispositiv fasse die Verfügung zusammen
und sei vorliegend für das bessere Verständnis auf Deutsch übersetzt wor-
den.
3.2.3 Basierend auf aArt. 16 Abs. 2 AsylG, welcher vorliegend anwendbar
ist (vgl. E 1.3), werden Verfügungen und Zwischenverfügungen des SEM
in derjenigen Sprache eröffnet, welche am Wohnort der asylsuchenden
Person gesprochen wird. Die Beschwerdeführenden haben ihren Wohnsitz
im Kanton I._ und damit in einem Gebiet, welches der deutschen
Amtssprache untersteht. Es wäre mithin der Erlass einer Verfügung in deut-
scher Sprache die Regel gewesen. Ausnahmen von diesem Grundsatz ge-
mäss aArt. 16 Abs. 3 Bst. b AsylG sind möglich, wenn dies unter Berück-
sichtigung der Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorüberge-
hend für eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich
ist. Das Gericht erachtet die Anwendung der Ausnahmeregel vorliegend
insofern als grundsätzlich legitim, als der Verkürzung der Verfahrensdauer
im Asylverfahren ein besonders grosses Gewicht beigemessen wird und
auch im Interesse der Asylsuchenden liegt. Insofern ist der möglichst effi-
ziente Ressourceneinsatz durch aArt. 16 Abs. 3 AsylG abgedeckt, zumal
es sich nur um eine vorübergehende Massnahme bezüglich einer begrenz-
ten Zahl von Verfahren handelte.
3.2.4 Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen sind begrenzt
durch das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fairen Prozess
(Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung kann daher aus-
nahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig im
Gegenzug geeignete Korrektivmassnahmen getroffen werden, die das
Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess ge-
währleisten. Sofern die Vorinstanz keine geeigneten Korrektivmassnah-
men ergriffen hat, kann die Kassation der Verfügung angezeigt sein, es sei
denn, die beschwerdeführende Person sei im Beschwerdeverfahren von
einem professionellen Rechtsvertreter vertreten. Die Vorinstanz kann in ei-
nem solchen Fall aber zur Leistung einer Entschädigung verpflichtet wer-
den für allfällige nützliche Auslagen, die der unterliegenden Partei entste-
hen, um diesen Mangel zu beheben (vgl. Entscheide und Mitteilungen der
ARK [EMARK 2004 Nr. 29 E. 7 ff.], Urteile des BVGer E-5882/2019 vom
2. März 2020 E. 6 ff., E-3640/2020 vom 29. Januar 2021 E. 4.5 ff.).
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3.2.5 In den auf Französisch gehaltenen Erklärungen zum Erfordernis effi-
zienter und fristgerechter Erledigungen von Asylgesuchen wurde darauf
hingewiesen, dass das Verfügungsdispositiv das Wesentlichste des Ent-
scheids zusammenfasse und der besseren Verständlichkeit halber auf
Deutsch übersetzt worden sei. Vom SEM nicht übersetzt wurden jedoch
die Begründung und auch die Rechtsmittelbelehrung. Ob das vom SEM
gewählte Vorgehen, namentlich die gewählte Korrektivmassnahme gene-
rell als ausreichend anzusehen ist, um den in Art. 29a BV und Art. 13
EMRK garantierten Anspruch auf effektiven Rechtsschutz genügend Rech-
nung zu tragen, kann hier jedoch offenbleiben. Den Beschwerdeführenden
war es offensichtlich mit Hilfe des von ihnen mandatierten Rechtsvertreters
möglich, die angefochtene Verfügung zu verstehen und eine in jeder Hin-
sicht rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen, die sich mit allen Aspek-
ten der vorinstanzlichen Verfügung einlässlich auseinandergesetzt hat. Die
Beschwerde wurde auch fristgerecht erhoben. Aufgrund der Replik wird so-
dann ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden die auch Vernehmlas-
sungsantwort vollumfänglich verstanden haben. Durch das Vorgehen der
Vorinstanz wurde in diesem Punkt das rechtliche Gehör deshalb nicht ver-
letzt. Auch liegt deswegen für die Beschwerdeführenden noch keine Ein-
schränkung ihres Rechtsschutzes vor. Es wird denn auch in keiner Weise
ausgeführt, worin die geltend gemachten Nachteile bestehen würden und
auch angefallene Mehrkosten wurden nicht geltend gemacht.
3.3 Im Übrigen beantragen die Beschwerdeführenden eine Rückweisung
des Verfahrens an die Vorinstanz zur weiteren Feststellung des Sachver-
haltes beziehungsweise zur erneuten Befragung. Begründet wird dies im
Wesentlichen damit, dass die Vorinstanz zu Unrecht von der Unglaubhaf-
tigkeit der Vorbringen ausgegangen sei. Auch dieser Antrag ist jedoch zu-
rückzuweisen, zumal die Beschwerdeführenden eingehend zu den Flucht-
gründen befragt worden waren und der Sachverhalt als genügend erstellt
zu erkennen ist. Ob die Schlüsse der Vorinstanz zu Recht erfolgten, ist im
Rahmen der materiellen Prüfung des angefochtenen Entscheides zu klä-
ren.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung argumentierte die Vorinstanz, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers würden Ungereimtheiten sowie Wider-
sprüche aufweisen und somit den Anforderungen an die Glaubhaftma-
chung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen. Bereits seine Schilderung,
er sei nach einer zweimonatigen Ausbildung als Polizist eingestellt worden,
erscheine nicht realistisch. Ebenso unglaubhaft sei, dass er während sei-
ner fünfjährigen Tätigkeit bei der Polizei in der Abteilung «(...)» Einsätze
an nur zwei Demonstrationen gehabt habe. Weiter erscheine es unvorstell-
bar, dass er trotz dem Tragen einer Dienstwaffe niemals in deren Benut-
zung ausgebildet worden sei. Ferner habe er sich widersprochen, indem er
anlässlich der BzP dargelegt habe, bereits am ersten Arbeitstag nach sei-
ner Haftentlassung aufgefordert geworden zu sein, erneut eine Person zu
verhaften und am nächsten Tag die Flucht ergriffen habe. Während der
Anhörung hingegen habe er erklärt, am ersten Arbeitstag eine Person ver-
haftet zu haben, um erst am darauffolgenden Tag die Verhaftung einer ihm
bekannten Personen zu verweigern und zu fliehen. Sodann habe er einmal
ausgesagt, bereits einen Tag nach seiner Haftentlassung seine Arbeit er-
neut aufgenommen zu haben, um später zu erklären, zuerst vier freie Tage
vor seinem erneuten Einsatz gehabt zu haben. Auch auf Nachfrage habe
er diese Widersprüche nicht aufzulösen vermocht. Zudem sei es nicht
nachvollziehbar, weshalb er unmittelbar nach der ersten Verweigerung,
eine Verhaftung ohne Haftbefehl durchzuführen, inhaftiert worden sei und
man ihn bei der zweiten Verweigerung habe konsequenzlos alleine auf
dem Posten zurückgelassen. Hätten ihn die Behörden tatsächlich sanktio-
nieren und ihn hart bestrafen wollen, hätte dies unmittelbar nach seiner
(zweiten) Befehlsverweigerung geschehen müssen. Sodann habe er sich
widersprochen, indem er einmal darlegte, es sei je zwei Mal in seinem
Haus und im Haus seines Vaters nach ihm gesucht worden, um später zu
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erklären, er sei insgesamt drei Mal gesucht worden. Anzufügen bleibe,
dass die Beschwerdeführerin nie erwähnt habe, von den Behörden aufge-
sucht worden zu sein, wohingegen der Beschwerdeführer erklärt habe,
beim einzigen behördlichen Besuch in seinem Haus sei seine Ehefrau an-
wesend gewesen.
Der eingereichten Kopie des Haftbefehls käme kein Beweiswert zu, zumal
Kopien nicht auf Fälschungsmerkmale hin überprüft werden könnten und
leicht fälschbar seien. Überdies erstaune es, dass der Haftbefehl nicht auf
seinen Namen, sondern auf den seines Grossvaters ausgestellt worden
sei, ebenso wie die Tatsache, dass es sich beim 20. Oktober 2017 um ei-
nen Freitag, also einen muslimischen Feiertag, an welchem die Gerichte
normalerweise nicht arbeiten würden, gehandelt habe. Das SEM gehe da-
von aus, dass es sich beim Haftbefehl um eine Art Gefälligkeitsschreiben
handle. An den weiteren Beweismitteln werde nicht gezweifelt. Hingegen
sei zu erwähnen, dass die Kopie des eingereichten Polizeiausweises seine
Arbeitsbiographie nicht eindeutig zu belegen vermöge. Schliesslich sei
festzustellen, dass er aufgrund der Befehlsverweigerung seine Sorgfalts-
pflichten verletzt habe, wäre er tatsächlich Polizist gewesen. Es erstaune,
dass er während fünf Jahren seine Aufträge stets erfüllt habe, nur um sich
zu weigern einzugreifen, als es zwei Bekannte betroffen haben soll. Über-
dies sei es nicht nachvollziehbar, weshalb er sich vor seiner Flucht nicht
zuerst bemüht habe, eine andere Lösung wie etwa eine Versetzung anzu-
streben oder eine Kündigung einzureichen. Schliesslich hätte er als poten-
tieller Deserteur, welcher im Visier der irakischen Behörden gestanden
habe, es nicht riskiert, mit seinem eigenen Pass auszureisen. Abschlies-
send sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine eigenen Asyl-
gründe habe, sondern wegen den Problemen ihres Ehemannes ausgereist
sei.
5.2 In der Beschwerde wurde kritisiert, die Vorinstanz habe sich in ihrer
Begründung auf Hypothesen und Mutmassungen und nicht auf objektive
Tatsachen abgestützt und sei dadurch zu keinem korrekten Entscheid ge-
langt. Die Behauptungen im Asylentscheid seien pauschal und nicht geeig-
net, weshalb die Sorgfaltspflicht verletzt worden sei. Die vorinstanzlichen
Argumente seien – unter Berücksichtigung des soziokulturellen Kontexts –
nicht nachvollziehbar. Zudem seien asylrelevante Tatsachen übersehen
und im Entscheid nicht berücksichtigt worden. Weiter wurde moniert, die
Diskrepanzen zwischen der BzP und der Anhörung, als auch diese zwi-
schen der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdeführer seien minim
und es sei zu keinen krassen Widersprüchen gekommen. Dabei sei auch
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zu beachten, dass die BzP zu kurz gewesen und er mehrmals unterbro-
chen worden sei. Der Beschwerdeführer habe seine Fluchtgründe detail-
liert, glaubhaft sowie mit zahlreichen Realkennzeichen und Nebensächlich-
keiten versehen, darlegen können. Auch seien seine Aussagen konsistent
und widerspruchsfrei. Aufgrund der Ereignisse sei er in seinem Heimatland
als Befehlsverweigerer und politischer Gegner registriert und deshalb an
Leib und Leben gefährdet. Der Beschwerdeführer habe begründete Furcht,
erneut inhaftiert und in der Folge misshandelt sowie gefoltert zu werden.
Hinsichtlich seiner Polizeiausbildung sei festzuhalten, dass er nicht umfas-
send und vertieft dazu befragt worden sei. Ausserdem könne weder die
schulische noch die berufliche Ausbildung in der ARK mit derjenigen in der
Schweiz verglichen werden. Bei seiner Ausbildung habe es sich vielmehr
um einen Kurs gehandelt und nicht um eine akademische Ausbildung. Die
beigelegte CD beinhalte einen Fernsehbericht, auf welchem die dortigen
Ausbildungen bei der Polizei veranschaulicht und die Aussagen des Be-
schwerdeführers bestätigt würden (Beilage 5). Sodann könne den beige-
legten Fotos entnommen werden, dass er tatsächlich als Polizist tätig ge-
wesen sei (Beilagen 3, 4, 6, 7). Ausserdem habe er nachvollziehbar und
ehrlich den Umgang mit den Waffen dargelegt. Er habe tatsächlich keine
diesbezügliche offizielle Anleitung zum Gebrauch erhalten. Das Benutzen
einer Waffe in seiner Herkunftsregion hätte eine Stammesfehde auslösen
können, weshalb er diese nie benutzt habe. Zudem hätte er bei Verlust
seiner Dienstwaffe eine äusserst hohe Busse zahlen und die Waffe erset-
zen müssen.
Hinsichtlich dem Vorhalt der Vorinstanz, das Datum des ausgestellten Haft-
befehls sei ein Feiertag gewesen, sei entgegenzuhalten, dass die Gerichte
– wie diejenigen in der Schweiz – auch an Feiertagen arbeiten würden,
wenn es die Dringlichkeit erfordere. Zudem habe er an den Anhörungen
den Namen des Arbeitskollegen, von welchem er den gegen ihn ausge-
stellten Haftbefehl erfahren habe, angegeben. Im beigelegten Video wür-
den dieser und ein anderer Arbeitskollege die Richtigkeit dieses Sachver-
halts bestätigen. Eine Übersetzung der Videobotschaft werde nachge-
reicht. Sodann könnten die Aussagen sowie die Identitäten seiner beiden
Arbeitskollegen leicht überprüft werden, da die Kopien deren Dienstaus-
weise als weitere Beweismittel beigelegt worden seien (Beilage 8 und 9).
Ferner habe er den Grund, weshalb er seine Dienstwaffe und den Dienst-
ausweis bei seiner Flucht im Fahrzeug liegengelassen habe, überzeugend
und nachvollziehbar dargelegt. Sein Vater und sein Onkel hätten anlässlich
seines Amtsantritts dafür gebürgt, das er (der Beschwerdeführer) sich für
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15 Dienstjahre sowie für die Rückgabe der Dienstwaffe und des Dienstaus-
weises verpflichten würde. Er habe seinen Verwandten keine weiteren
Probleme bescheren wollen. Seine Ausreise, welche er überzeugend und
detailliert beschrieben habe, sei nachvollziehbar, zumal er über einen Pass
und über ein gültiges Visum für die Türkei verfügt habe. Dies könne anhand
der eingereichten Passkopien inklusive dem damals gültigen Visum belegt
werden (Beilage 10). Zudem sei zu erwähnen, dass gesuchte Personen
nicht unmittelbar im Zentralsystem ausgeschrieben würden. Sodann sei es
schlüssig, dass sein Vorgesetzter nach der zweiten Befehlsverweigerung
keine unmittelbaren Konsequenzen in die Wege geleitet habe, zumal die
Verhaftung der anderen Person prioritär gewesen sei.
Schliesslich sei es bekannt, dass die Demokratische Partei Kurdistans die
alleinige Macht in H._ und J._ habe. Bereits ein Parteimit-
glied mit wenig Verantwortung verfüge über viel Macht und könne über das
Schicksal von Menschen entscheiden. Dies könne auch willkürliche Ver-
haftungen zur Folge haben, eine unabhängige Justiz gebe es nicht. Er-
schwerend käme hinzu, dass sein Vorgesetzter inzwischen den Rang als
Major erreicht habe und zudem der Demokratischen Partei Kurdistans an-
gehöre (Beilage 11).
5.3 Die Vorinstanz äusserte sich in der Vernehmlassung zu den auf Be-
schwerdeebene eingereichten Fotos dahingehend, dass diese das Vorhan-
densein einer begründeten Furcht vor einer Verfolgung nicht belegen könn-
ten, respektive er damit seine dargelegten Probleme als Polizist nicht
glaubhaft machen könne. Sodann erstaune es, dass erst zwei Jahre nach
dem Einreichen der Asylgesuche die Kopien der Pässe der Beschwerde-
führenden hätten eingereicht werden können. Einerseits blieben die ge-
nauen Umstände, wie sie zu den Passkopien gekommen seien, unklar. An-
derseits hätte der Beschwerdeführer in der BzP erklärt, ihre Pässe seien
ihnen vom Schlepper abgenommen worden und er wisse nicht, was da-
nach mit diesen geschehen sei. Da er wesentliche Tatsachen im Zusam-
menhang mit den Pässen verschwiegen habe, sei davon auszugehen,
dass er auch hinsichtlich der anderen Vorbringen Wesentliches verschwie-
gen habe.
5.4 In der Replik wurde eingewendet, es sei nicht klar, auf welchen Metho-
den der Beweiswürdigung und der Glaubhaftigkeitsprüfung sich der vor-
instanzliche Entscheid stütze. Sehr oft baue die Vorinstanz ihre Praxis auf
Mutmassungen, weshalb ihre Einschätzungen falsch seien. Es sei in der
Vernehmlassung lediglich Bezug auf die Kopien der Pässe genommen
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worden, die übrigen Beweismittel seien unkommentiert geblieben, obwohl
diese die Asylvorbringen untermauern würden. Die Beschwerdeführenden
hätten ihre Identität belegen können, diese sei von der Vorinstanz auch nie
in Zweifel gezogen worden. Im Zeitpunkt der Anhörung sei unklar gewesen,
was mit den Reisepässen geschehen sei, dies dürfe ihnen nicht zur Last
gelegt und behauptet werden, Tatsachen seien verschleiert worden. So
habe der Schlepper nach Erhalt des gesamten Geldes die Originalpässe
einem Bekannten in der Türkei übergegeben und dieser habe sie einem
anderen Bekannten weitergeleitet, damit die Pässe den Eltern des Be-
schwerdeführers zurückgebracht würden. Dies habe jedoch lange gedau-
ert. Zudem sei eine Zustellung per Post äusserst schwierig, da diese von
den Behörden kontrolliert werde, weshalb lediglich die Kopien vorliegen
würden. Abschliessend sei zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer in
seinem Heimatland ein erfülltes Leben gehabt und er deshalb keinen
Grund habe, seine Fluchtgründe falsch darzustellen.
6.
6.1 Es ist im Folgenden zu prüfen, ob die Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden glaubhaft einzustufen sind und den Anforderungen an Art. 7 AsylG
entsprechen.
6.2 Die Vorinstanz zweifelte in ihrer Verfügung im Grundsatz an der Tätig-
keit des Beschwerdeführers als Polizist, dies mit der Begründung, es er-
scheine nicht nachvollziehbar, dass seine Ausbildung lediglich zwei Mo-
nate gedauert habe, er nie in den Umgang mit Waffen eingeführt worden
sei und während seiner fünfjährigen Arbeitstätigkeit lediglich an zwei Kund-
gebungen für Ordnung gesorgt habe, obwohl er der Abteilung «(...)» zuge-
teilt gewesen sei. Der vorinstanzlichen Einschätzung kann insofern nicht
gefolgt werden. Zwar muten auch dem Gericht die nur zweimaligen Eins-
ätze an einer Demonstration und die fehlende Ausbildung bezüglich der
Schusswaffe eher seltsam an. Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz
erscheint es aber nicht abwegig, dass seine Ausbildung lediglich zwei Mo-
nate dauerte, wobei – unter Berücksichtigung der soziokulturellen Ver-
schiedenheiten – Ausbildungen verschiedener Staaten nicht zwingend mit-
einander verglichen werden können. Insbesondere lassen aber die zahlrei-
chen Fotos, auf welchen der Beschwerdeführer in Uniform, inklusive
Schusswaffe, und an verschiedenen Einsätzen gut als Sicherheitskraft er-
kennbar ist, keine Zweifel aufkommen, dass er im Irak als Polizist gearbei-
tet hat. Für die Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen sprechen auch seine
ausführlichen persönlichen Überlegungen in der freien Rede über seine
Arbeit, seine Motivation und die Belastung, Personen verhaften zu müssen
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Seite 14
(vgl. act. A32/17, F27-33, F36). In den Ausführungen finden sich zahlreiche
Details und Realkennzeichen, wie direkte Rede oder emotionale Betroffen-
heit. Weiter kommt das Gericht zum Schluss, dass auch die Schilderungen
des Beschwerdeführers zu seiner dreitägigen Haft und deren Hergang
durch Detailreichtum, persönliche Reflexion, Erlebnisorientiertheit und Re-
alkennzeichen, wie dem Erwähnen von nebensächlichen Begebenheiten,
auffallen (vgl. act. A32/17, F36 [S. 8], F61, F64, F67-69, F71; A33/17, F10).
Aus seinen Schilderungen geht jedoch deutlich hervor, dass er in Haft kor-
rekt behandelt wurde (vgl. act. A32/17, F36, F61).
6.3 Unstimmigkeiten hat die Vorinstanz allerdings zu Recht darin erkannt,
dass der Beschwerdeführer sich in Bezug auf die Geschehnisse nach der
ersten Haft widerspricht. So steht im Protokoll der BzP «...Dann wurde ich
(aus der Haft) entlassen und habe wieder angefangen zu arbeiten. Am
1. Arbeitstag haben sie mich wieder zwingen wollen, ihren Befehlen zu ge-
horchen. Ich wusste, dass sich nichts verändert. Ich ging nach Hause und
am nächsten Tag flüchtete ich.» (vgl. act. A12/12, F7.01). Aus dieser Dar-
stellung lässt sich zwar nicht gänzlich ausschliessen, dass zwischen der
Haft und dem 1. Arbeitstag turnusgemäss vier freie Tage lagen. Sie steht
aber der Aussage entgegen, dass er vom Arbeitsplatz aus direkt geflüchtet
ist. Auch hat die Vorinstanz zu Recht als zweifelhaft erachtet, dass die
zweite Befehlsverweigerung zunächst keine Konsequenzen gehabt haben
und der Beschwerdeführer ohne weitere Vorkehrungen in der Polizeizent-
rale zurückgelassen worden sein soll. Dies lässt sich nur schwer mit der
ersten unmittelbaren Inhaftierung in Einklang bringen. Zudem ist der Vor-
instanz beizupflichten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, die
Widersprüche bezüglich der Hausdurchsuchungen schlüssig aufzulösen
und es bleibt unklar, weshalb er einmal ausführte, es sei zu zwei Haus-
durchsuchungen in seinem Haus gekommen und zu zwei im Haus seines
Vaters (vgl. act. A32/17, F13), um während der Fortsetzung der Anhörung
zu schildern, es habe insgesamt deren drei gegeben (vgl. act. A33/17, F15,
F39). Vor allem lässt sich in diesem Zusammenhang nicht erklären, wes-
halb die Beschwerdeführerin mit keinem Wort erwähnte, dass es in ihrem
Haus zu einer Hausdurchsuchung oder auch nur zu einem Kontakt mit Si-
cherheitskräften gekommen ist, obwohl der Beschwerdeführer von einer
Hausdurchsuchung in ihrer Anwesenheit sprach. Sie liess protokollieren,
dass die Polizei und die Assayesh erst nach ihrer Ausreise zweimal das
Haus des Schwiegervaters durchsucht hätten (vgl. act. A31/11, F15, F17),
jedoch geht aus ihrer Aussage nicht hervor, dass es zu einer Hausdurch-
suchung oder einem Behördenkontakt in ihrer Anwesenheit gekommen ist.
Wäre es zu einem solchen Vorfall gekommen, wäre mit Sicherheit davon
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Seite 15
auszugehen, dass sie darüber berichtet hätte, zumal sie gefragt worden
war, ob nach der Flucht ihres Ehemannes noch etwas vorgefallen sei (vgl.
act. A31/17, F41-42).
6.4 Es ist denn auch in keiner Weise erklärbar, weshalb die Polizeikräfte
derart lange – die Beschwerdeführerin sei ca. zwei Wochen nach dem Be-
schwerdeführer ausgereist (vgl. act. A31/17, F40) – mit einer Suche nach
dem Beschwerdeführer bei ihm zu Hause zugewartet haben sollten, wäre
er tatsächlich aufgrund des Vorwurfs der Befehlsverweigerung und des
Fernbleibens vom Dienst beschuldigt worden und wäre tatsächlich drei
Tage nach seiner Flucht ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden. Unter
den geltend gemachten Umständen wäre vielmehr zu erwarten gewesen,
dass unmittelbar nach Kenntnis seiner Abwesenheit eine Suche bei ihm zu
Hause stattgefunden hätte. Die Unkenntnis der Ehefrau über eine Suche
nach ihm und auch die Gründe für seine Schwierigkeiten lassen sich in
diesem Sinne in keiner Weise mit den angeblich fluchtauslösenden Ereig-
nissen in Einklang bringen. Auch ist nicht nachvollziehbar, dass die Suche
nach ihm vor allem im Haus des Vaters stattgefunden haben soll und das
Haus des Beschwerdeführers verschont worden sein soll. Dass die Behör-
den dabei auch sämtliche Dokumenten den Beschwerdeführer betreffend
zurückgelassen haben sollen, ist ebenso wenig nachvollziehbar. Der Ein-
wand, die Behörden hätten nur nach ihm gesucht, hätten ihn nur beim Vater
vermutet und seien an den Dokumenten nicht interessiert gewesen, ver-
mag dabei nicht zu überzeugen. Schliesslich erachtet es das Gericht auch
als klar überzogen, wenn der Beschwerdeführer geltend macht, er sei auf-
grund seiner zweimaligen Weigerung, Parteigegner zu verhaften, sogar in
der Türkei nicht in Sicherheit gewesen, weil die Partei die Möglichkeit hätte,
ihn auch dort zu erreichen.
6.5 Diese Zweifel lassen sich auch nicht durch die eingereichten Beweis-
mittel ausräumen. Zwar ist zur Schreibweise der Namen auf dem Haftbe-
fehl Folgendes zu erwähnen: Gemäss Landinfo und dem Immigration and
Refugee Board of Canada (IRB) werden auf irakischen (Identitäts-) Doku-
menten der Vorname des Trägers, gefolgt vom Vornamen des Vaters und
demjenigen des Großvaters väterlicherseits aufgeführt. Der Familienname
(laqab) erscheint nicht zwingend. (vgl. https ://www.ecoi.net/de/doku-
ment/1034025.html; https://www.refworld.org /pdfi d/5385bba1af4.pdf
[Punkt 5.1.1], beide abgerufen am 7. Juni 2021). Bei näherer Betrachtung
des auf dem Haftbefehl aufgeführten Namens fällt auf, dass es sich genau
um das erwähnte Namenskonstrukt handelt und zuerst der Name des Be-
schwerdeführers (Nizar), gefolgt vom demjenigen seines Vaters (Kurshid)
https://www.ecoi.net/de/dokument/1034025.html https://www.ecoi.net/de/dokument/1034025.html
D-3177/2020
Seite 16
und dem des Grossvaters (Omar) erwähnt wird, wobei diese Angaben den-
jenigen aus den Akten, respektive der Übersetzung der Identitätskarte ent-
sprechen. Dieselbe Schreibart befindet sich im Übrigen auch auf seinem
Polizeiausweis und dem Ehevertrag. Hingegen ist der Vorinstanz Recht zu
geben, dass es nicht schlüssig erscheint, weshalb der Haftbefehl an einem
Feiertag hätte ausgestellt werden sollen. Zwar ist nicht auszuschliessen,
dass irakische Gerichte bei Dringlichkeit oder wenn Gefahr im Verzug ist,
auch an Feiertagen arbeiten. Vorliegend ist es jedoch nicht ersichtlich, in-
wiefern seine Befehlsverweigerung und sein unerlaubtes Fernbleiben vom
Dienst eine solche Dringlichkeit hervorrufen sollte, um die Ausstellung ei-
nes Haftbefehls an einem Freitag zu rechtfertigen, zumal der Haftbefehl
offenbar erst drei Tage nach seiner Ausreise ausgestellt wurde. Von Gefäl-
ligkeit ist angesichts der Unglaubhaftigkeitselemente auch bezüglich der
eingereichten Videobotschaften seiner ehemaligen Arbeitskollegen auszu-
gehen. Insgesamt sind die beiden Botschaften nicht geeignet, die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachte Verfolgung nachzuweisen.
6.6 Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass in Irak verschiedenen
Quellen zufolge die Möglichkeit besteht, den Polizeidienst zu quittieren, zu-
mal auch die Anstellungsverträge grundsätzlich befristet seien (vgl. Lifos
(Migrationsverekt), Anställning och avslutande av tjänst i peshmergan [An-
stellung und Beendigung des Dienstes in den Peschmerga], 30. Juni 2017,
https://lifos.migrationsverket.se/dokument?documentAttachmentId=44856
; Wozniak, Jesse [West Virginia University], Policing Iraq: Legitimacy, De-
mocracy, and Empire in a Developing State, 2021 [S. 118-119], beide
abgerufen am 21. Juni 2021). Wäre der Beschwerdeführer also tatsächlich
während Monaten unter einem derart grossen Leidensdruck gestanden,
weil er zu unrechtmässigen Verhaftungen aufgefordert worden sei, lässt
sich nicht erklären, weshalb er nicht Alternativen, wie die Versetzung oder
den Austritt in Betracht gezogen hat.
6.7 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Arbeit
des Beschwerdeführers als Polizist zwar glaubhaft ist und auch nicht aus-
geschlossen werden kann, dass er sich wenige Tage in Haft befunden
habe. Eine solche vermöchte jedoch als wenig intensive Disziplinarmass-
nahme keine asylrechtliche Relevanz zu entfalten. Im Übrigen ist von ei-
nem Konstrukt der fluchtauslösenden Ereignisse auszugehen, zumal ihm
nicht geglaubt werden kann, dass es zu einer erneuten Befehlsverweige-
rung oder zu Hausdurchsuchungen wegen ihm gekommen ist und er per
Haftbefehl gesucht wurde. Damit hat die Vorinstanz zur Recht erkannt,
dass der Beschwerdeführer eine asylrechtlich relevante Verfolgung nicht
https://lifos.migrationsverket.se/dokument?documentAttachmentId=44856
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glaubhaft machen konnte. Die Beschwerdeführerin hat ihrerseits keine ei-
genen Fluchtgründe geltend gemacht.
6.8 Die Beschwerdeführenden erfüllen damit die Flüchtlingseigenschaft
gemäss den Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG aus den vorerwähn-
ten Gründen nicht, weshalb die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft zu
Recht verneinte und ihre Asylgesuche ablehnte.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
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ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen (vgl. E. 6.6), kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde-
führenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.), was vorliegend nicht gelungen ist (vgl. E. 6.4 und
6.5). Daran vermag auch die glaubhaft gemachte Tätigkeit als Polizist
nichts zu ändern, zumal angesichts der Unglaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Fluchtgründe unklar geblieben ist, inwiefern der Beschwerdefüh-
rer Dienstpflichten verletzt haben könnte. Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in der Autonomen Region Kurdistan – woher die Beschwer-
deführenden stammen – lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Bereits in BVGE 2008/5 hatte das
Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass der Vollzug der Wegweisung
eines Kurden in dieses Gebiet nicht generell unzulässig sei und hat diese
Einschätzung seither beibehalten (vgl. etwa das Urteil des BVGer E-
5757/2017 vom 13. Juli 2020 E. 8.2.4). Nach dem Gesagten ist der Vollzug
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der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Gemäss ständiger Praxis stellt sich die Sicherheits- als auch die Men-
schenrechtslage in den kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil
und Suleimania) im Verhältnis zum restlichen Irak relativ gut dar. Ein Weg-
weisungsvollzug in die kurdischen Provinzen ist demnach dann zumutbar,
wenn die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt, oder
eine längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Ver-
wandtschaft oder Bekanntenkreis) oder aber über Beziehungen zu den
herrschenden Parteien verfügt (vgl. E. 7.5, insbesondere E. 7.5.1 und
7.5.8, bestätigt im Urteil des BVGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015
E. 7.4.5 [als Referenzurteil publiziert]; vgl. auch Urteil des BVGer E-
5412/2017 vom 30. April 2020 E. 7.3.2 m.w.H; E-5964/2018 vom 11. Sep-
tember 2020, D-6846/2018 vom 8. Februar 2021). An dieser Einschätzung,
welche jeweils auf die aktuell herrschende Lage fokussiert, ändert auch
das am 25. September 2017 in der ARK durchgeführte Referendum nichts,
in dem offenbar eine Mehrheit der Kurden für die Unabhängigkeit vom Irak
votierte. Den begünstigenden individuellen Faktoren – insbesondere den-
jenigen eines tragfähigen familiären Beziehungsnetzes – ist angesichts der
Belastung der behördlichen Infrastrukturen durch im Irak intern Vertriebene
(Internally Displaced Persons [IDPs]) gleichwohl ein besonderes Gewicht
beizumessen (vgl. E. 7.4.5 und aktuell etwa das Urteil des BVGer E-
5757/2017 vom 13. Juli 2020 E. 8.3.2).
8.3.3 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder stammen aus G._
in der Provinz Dohuk und lebten bis zu ihrer Ausreise in einem eigenen
Haushalt. Die Eltern und mehrere Geschwister beider Beschwerdeführen-
den leben in H._ in derselben Provinz. Der Beschwerdeführer ver-
fügt über einen Maturaabschluss und hat fünf Jahre Berufserfahrung als
Polizist, wobei er kurz vor seiner Ausreise befördert worden war und den
Grad eines Arifs erlangte (vgl. act. A11/11, F3.01; A12/12, F2.01, F3.01,
D-3177/2020
Seite 20
F1.17.04). Zwar gab die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP an, ge-
sundheitliche Probleme zu haben sowie sich ständig krank zu fühlen (vgl.
act. A11/11, F8.02). Dieser Zustand dürfte sich jedoch in der Folge gebes-
sert haben, geht doch weder aus den Akten noch aus der Beschwerde-
schrift hervor, dass sie sich deshalb in einer medizinischen Behandlung
befindet oder sie auf spezielle Medikamente angewiesen ist. Auch die (...)
des Sohnes C._, welche am 4. Juli 2018 operiert worden war,
scheint gut verheilt zu sein, zumal aufgrund der Aktenlage nichts Gegen-
teiliges anzunehmen ist. Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung festhielt,
handelt es sich bei den Beschwerdeführenden um junge und gesunde Per-
sonen mit einem umfangreichen familiären Netz und sie können mit dem
moralischen und materiellen Beistand der Familie rechnen. Dank dem gu-
ten Schulabschluss und der mehrjährigen Berufserfahrung des Beschwer-
deführers im Irak ist von einer erfolgreichen Reintegration im Heimatland
auszugehen. Die Kinder der Beschwerdeführenden sind zum Zeitpunkt des
Urteils des Bundesverwaltungsgerichts acht, sechs und knapp drei Jahre
alt und leben seit drei Jahren in der Schweiz. Aufgrund ihres Alters sind die
Hauptbezugspersonen nach wie vor ihre Eltern. Eine Verwurzelung der
Kinder in der Schweiz ist nicht anzunehmen. Insgesamt ist auch unter Be-
achtung des Kindswohls davon auszugehen, dass der Vollzug der Weg-
weisung zumutbar ist.
8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements
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Seite 21
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 14. Juli 2020 das Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung gutgeheissen wurde und weiterhin von der Bedürftigkeit der Be-
schwerdeführenden auszugehen ist, werden keine Verfahrenskosten auf-
erlegt.
(Dispositiv nächste Seite)
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