Decision ID: 5cb1bb37-41b8-53c4-9066-d9619f40b8e3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das SEM mit Verfügung vom 9. August 2019 das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers, seiner Ehefrau und den gemeinsamen Kindern vom
18. August 2016 ablehnte, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und
den Vollzug der Wegweisung anordnete,
dass das SEM am 20. August 2019 eine weitere, in Bezug auf den Aus-
gang des Verfahrens gleichlautende Verfügung allein die Ehefrau der in-
zwischen getrenntlebenden Eheleute betreffend erliess, welche die Verfü-
gung vom 9. August 2019, soweit sich diese auf die Ehefrau bezog, er-
setzte,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4583/2019 vom 20. April
2020 die vom Beschwerdeführer am 10. September 2019 gegen die Ver-
fügung vom 9. August 2019 erhobene, auf den Wegweisungsvollzug be-
schränkte Beschwerde (vgl. a.a.O. E. 1.5) guthiess, die Dispositivziffern
vier und fünf der Verfügung vom 9. August 2019 aufhob und die Sache im
Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückwies,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4709/2019 vom 20. April
2020 die von der Ehefrau mittels ihrer Rechtsvertreterin am 13. September
2019 gegen die Verfügung vom 20. August 2019 erhobene Beschwerde
ebenfalls guthiess, die Verfügung vom 20. August 2019 aufhob und die Sa-
che im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückwies,
dass das SEM mit Verfügung vom 30. Oktober 2020 den Beschwerdefüh-
rer betreffend feststellte, der Vollzug der Wegweisung sei zumutbar, und
festhielt, der Beschwerdeführer müsse die Schweiz bis am 25. Dezember
2020 verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter Zwang in sei-
nen Heimatstaat zurückgeführt werden könne, wobei es ihn darauf hinwies,
falls die angesetzte Ausreisefrist wegen der ausserordentlichen Lage auf-
grund des Coronavirus nicht ausreiche, damit er seiner Ausreisepflicht
nachkommen könne, stehe es ihm frei, beim SEM vor Ablauf der Frist
schriftlich und begründet um Fristerstreckung zu ersuchen,
dass das SEM schliesslich den Kanton B._ mit dem Vollzug der
Wegweisung beauftragte,
dass das SEM mit (separater) ebenfalls vom 30. Oktober 2020 datierender
Verfügung die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers betreffend
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feststellte, sie und ihre Kinder würden die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
füllen und ihre Asylgesuche ablehnte, und sie und die Kinder aus der
Schweiz wegwies,
dass es weiter festhielt, sie und ihre Kinder seien verpflichtet, das Staatge-
biet der Schweiz sowie den Schengen-Raum bis am 25. Dezember 2020
zu verlassen, dies zur Rückreise in ihren Heimatstaat oder zur Weiterreise
in ein Land, das sich ausserhalb des Schengen-Raumes befinde und in
dem sie und die Kinder aufgenommen würden,
dass sodann darauf hingewiesen wurde, falls sie und ihre Kinder ihrer Ver-
pflichtung nicht innert Frist nachkommen würden, könne die Wegweisung
unter Zwang vollzogen werden, wobei das SEM anmerkte, falls die ange-
setzte Ausreisefrist wegen der ausserordentlichen Lage aufgrund des
Coronavirus nicht ausreiche, damit sie ihrer Ausreisepflicht nachkommen
könnten, stehe es ihnen frei, beim SEM vor Ablauf der Frist schriftlich und
begründet um Fristerstreckung zu ersuchen,
dass das SEM schliesslich den Kanton B._ mit dem Vollzug der
Wegweisung beauftragte,
dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit einer als "zweites
Asylgesuch" bezeichneten Eingabe vom 2. November 2020 ans SEM ge-
langte und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer und seinen Kindern
aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe gestützt auf Art. 54 AsylG (SR
142.31) in Verbindung mit Art. 3 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuzuer-
kennen und ihnen die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge zu gewähren,
eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegeweisung des Be-
schwerdeführers und seiner Kinder unzulässig oder unzumutbar sei,
dass zudem beantragt wurde, der Beschwerdeführer sei zwecks ausführli-
cher Darlegung der exilpolitischen Tätigkeiten vom SEM zusätzlich anzu-
hören,
dass das SEM die Eingabe vom 2. November 2020 mit Schreiben vom
18. November 2020 dem Bundesverwaltungsgericht zur weiteren Behand-
lung überwies,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. Dezember 2020 handelnd
durch seinen Rechtsvertreter gegen die Verfügung vom 30. Oktober 2020
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben liess und bean-
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tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerde-
führer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige
Aufnahme im Sinne von Art. 83 AIG (SR 142.20) zu erteilen
dass ferner beantragt wurde, das Beschwerdeverfahren des Beschwerde-
führers sei mit demjenigen seiner Kinder C._, D._ und
E._ (N [...]) zu koordinieren,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt wurde, es sei dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten,
dass die Ehefrau mittels Eingabe ihrer Rechtvertreterin vom 2. Dezember
2020 gegen die sie und die Kinder betreffende Verfügung des SEM vom
30. Oktober 2020 beim Bundesverwaltungsgericht ebenfalls Beschwerde
erheben liess (Verfahrensnummer D-6101/2020; Anm. des Gerichts),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG),
dass am 1. März 2019 eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten ist
(AS 2016 3101) und für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht gilt
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG) und somit auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde einzutreten ist (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
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dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie
nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens gemäss den
Rechtsbegehren die Frage bildet, ob das SEM den Vollzug der Wegwei-
sung zu Recht angeordnet hat oder ob – entsprechend den Rechtsbegeh-
ren – infolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige
Aufnahme anzuordnen ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht das Bundesrecht von Amtes wegen
anwendet und gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden ist, mithin die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen kann,
dass in der Eingabe ans SEM vom 2. November 2020 subjektive Nach-
fluchtgründe infolge exilpolitischer Aktivitäten geltend gemacht werden,
aufgrund derer der Beschwerdeführer erneut um Schutz vor Verfolgung
nachsucht,
dass das SEM in seinem Schreiben vom 18. November 2020 ausführt, in
der Eingabe vom 2. November 2020 werde geltend gemacht, der Be-
schwerdeführer habe bereits im ordentlichen Verfahren vorgebracht, dass
er auf Facebook fünf oder sechs politische Beiträge zu Themen wie Kor-
ruption der Regierung, regionalen Diskriminierungen und Ungleichheiten
selbst verfasst und gepostet habe,
dass er seit März 2020 bei (...) als Journalist aktiv sei und bisher sieben
Sendungsbeiträge mit direkt oder indirekt politischem Inhalt als Moderator
produziert und über (...) ausgestrahlt habe,
dass er aufgrund dessen von seinem Cousin und Schwager, der für den
Geheimdienst arbeite, bedroht worden sei,
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dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 2. November 2020 auf
Sendungsbeiträge vom 8., 22., 30. März, vom 19. Mai, 13. Juli, 19. August
und vom 1. September 2020 verweise und Fotos, die ihn bei der Arbeit für
den Sender (...) zeigen, sowie Screenshots von zwei Nachrichten seines
Cousins eingereicht habe,
dass damit auf die Neubeurteilung eines Sachverhalts abgezielt werde,
welcher bislang beim Bundesverwaltungsgericht zwar nicht geltend ge-
macht worden sei, zum Urteilszeitpunkt jedoch schon teilweise bestanden
habe,
dass zudem die Verfügungen betreffend den Beschwerdeführer hinsicht-
lich den Wegweisungsvollzug sowie betreffend die Kinder hinsichtlich die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl sowie den Wegweisungsvollzug noch
nicht in Rechtskraft erwachsen seien,
dass deshalb aus verfahrensökonomischen Gründen die Eingabe mit den
gesamten bereits bestehenden Verfahrensakten dem Bundeverwaltungs-
gericht zur weiteren Behandlung überwiesen werde,
dass aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4583/2019 vom
20. April 2020 hervorgeht, dass sich die gegen die Verfügung des SEM
vom 9. August 2019 gerichtete Beschwerde vom 10. September 2019 auf
den Wegweisungsvollzug beschränkte und die angefochtene Verfügung
hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung in
Rechtskraft erwachsen sei (vgl. a.a.O. E. 1.5),
dass sich das Bundesverwaltungsgericht mithin in seinem Urteil nicht mit
der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung be-
fasste, weil diese nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildeten,
dass sich die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Prüfung
neuer Tatsachen oder Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG im Rahmen eines Revisionsgesuches nur ergeben kann, wenn Tat-
sachen oder Beweismittel geltend gemacht werden, die sich auf Sachver-
halte beziehen, welche Streitgegenstand des in Revision zu ziehenden Ur-
teils bildeten,
dass die nunmehr geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten und das
damit in der Eingabe vom 2. November 2020 primär verbundene Begehren
auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft mithin von vornherein nicht
Gegenstand eines Revisionsverfahrens gegen das Urteil D-4583/2019
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vom 20. April 2020 bilden können, ungeachtet dessen, dass die geltend
gemachten Aktivitäten teilweise vor dem Urteil datieren, da die Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft nicht Streitgegenstand des dem Urteil das
Urteil D-4583/2019 vom 20. April 2020 zugrunde liegenden Beschwerde-
verfahrens bildete,
dass die Beurteilung des Gesuchs vom 2. November 2020 demnach nicht
in die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts, sondern in diejenige
des SEM fällt, und dieses zu prüfen hat, ob und allenfalls in welchem Ver-
fahren die geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerde-
führers erstinstanzlich materiell zu behandeln sind,
dass eine Person, die in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, sich bis
zum Abschluss des Verfahrens in der Schweiz aufhalten darf (Art. 42
AsylG),
dass die in der Verfügung vom 9. August 2019 verfügte Wegweisung und
der in der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2020 angeordnete
Vollzug der Wegweisung infolge des durch Art. 42 AsylG begründeten Auf-
enthaltsrechts des Beschwerdeführers keinen Bestand haben können,
dass demnach die Beschwerde vom 1. Dezember 2020 gutzuheissen ist,
soweit darin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird,
die Verfügung vom 30. Oktober 2020 aufzuheben, die an das Bundesver-
waltungsgericht überwiesene Eingabe des Beschwerdeführers vom 2. No-
vember 2020 dem SEM zu retournieren und dieses anzuweisen ist, die da-
rin enthaltenen Begehren zu behandeln,
dass gleichzeitig festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer berechtigt
ist, sich bis zum Abschluss des zweiten Asylverfahrens in der Schweiz auf-
zuhalten,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),
dass dem Beschwerdeführer als obsiegende Partei für die ihm im Be-
schwerdeverfahren erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschä-
digung zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2] ist,
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dass gestützt auf die Angabe in der Beschwerde und die in Betracht zu
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) dem Beschwerdeführer
eine Parteientschädigung – wie in der Beschwerde geltend gemacht – in
der Höhe von total Fr. 210.– auszurichten ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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