Decision ID: f5cb2159-2c3c-4c56-9c2a-60216e8a6b2e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Schreiben vom 22. Dezember 2021 richtete die zuständige niederlän-
dische Behörde (Belastingdienst/Central Liaison Office Almelo, nachfol-
gend: BD) gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom 26. Februar 2010 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich der
Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der
Steuern vom Einkommen (SR 0.672.963.6; nachfolgend: DBA CH-NL) ein
Amtshilfeersuchen betreffend A._ (nachfolgend: Gesuchstellerin)
an die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV (nachfolgend auch: Vo-
rinstanz).
B.
Nach Durchführung eines innerstaatlichen Verfahrens gewährte die Vor-
instanz mit zwei Schlussverfügungen vom 7. März 2022 die Amtshilfe be-
treffend die Gesuchstellerin. Diese Schlussverfügungen wurden der Ge-
suchstellerin und der B._-Stiftung, deren potentielle Begünstigte die
Gesuchstellerin ist, je individuell eröffnet.
C.
Die B._-Stiftung (nachfolgend: Beschwerdeführerin im Verfahren
[Nummer]) erhob am 7. April 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht gegen die ihr eröffnete Schlussverfügung vom 7. März 2022. Die
gegenüber der Gesuchstellerin eröffnete Schlussverfügung vom 7. März
2022 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D.
Mit Schreiben vom 20. Juni 2022 stellt die Gesuchstellerin ein «Gesuch um
Zustellung einer Abschrift der Klageschrift samt Beilagen und Ansetzung
einer Frist zur Beschwerdeantwort respektive Stellungnahme» im Zusam-
menhang mit dem Verfahren (Nummer). Mit Schreiben vom 6. Juli 2022
konkretisiert die Gesuchstellerin ihr Gesuch auf Anfrage des Bundesver-
waltungsgerichts fristgerecht und ersucht um Zustellung der Beschwerde-
schrift im Zusammenhang mit dem Verfahren (Nummer) unter Ansetzung
einer Frist für die Stellung von Rechtsbegehren als mögliche Gegenpartei
im besagten Beschwerdeverfahren.
E.
Mit Eingabe vom 4. August 2022 lässt sich die Beschwerdeführerin im Ver-
fahren (Nummer) zur Frage vernehmen, ob die Gesuchstellerin im eben-
genannten Beschwerdeverfahren Gegenpartei sein kann. Sie hält dafür,
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dass der Gesuchstellerin in jenem Beschwerdeverfahren keine solche Par-
teistellung zukommen könne.
F.
Mit Eingabe vom 16. August 2022 hält die Gesuchstellerin an ihrem Ge-
such fest.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in ihren Eingaben
und die Akten wird – sofern dies für den Entscheid wesentlich ist – im Rah-
men der folgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des BD ge-
stützt auf Art. 26 DBA CH-NL zugrunde. Die Durchführung der mit diesem
Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem Steuer-
amtshilfegesetz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1
Abs. 1 Bst. a StAhiG). Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen
des DBA CH-NL.
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwal-
tungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch die Schlussverfü-
gungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe in Steuersa-
chen (Art. 32 VGG e contrario und Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG), womit
seine Zuständigkeit zur Beurteilung der im Hauptverfahren angefochtenen
Schlussverfügung gegeben ist. Das Verfahren vor Bundesverwaltungsge-
richt richtet sich nach dem VwVG soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 19 Abs. 5 StAhiG).
2.
Streitgegenstand des Hauptverfahrens (Nummer) bildet die Frage, ob und
in welchem Umfang Amtshilfe betreffend das Ersuchen des BD (vgl. Sach-
verhalt Bst. A) zu leisten ist. Im vorliegenden Nebenverfahren ist über den
Antrag der Gesuchstellerin auf Gewährung von Parteirechten, in concreto
um Zustellung der Beschwerdeschrift im Zusammenhang mit dem Verfah-
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ren (Nummer) unter Ansetzung einer Frist für die Stellung von Rechtsbe-
gehren als mögliche Gegenpartei im besagten Beschwerdeverfahren, zu
befinden.
3.
Als Parteien gelten im Bundesverwaltungsverfahren gemäss Art. 6 VwVG
alle Personen, deren Rechte oder Pflichten die Verfügung berühren soll,
sowie andere Personen, Organisationen oder Behörden, denen ein
Rechtsmittel gegen die Verfügung zusteht.
3.1 Massgebend für die Parteistellung in einem gerichtlichen Verfahren
sind grundsätzlich die Vorschriften über die Beschwerdelegitimation
(BGE 133 V 188 E. 4.2, 124 V 393 E. 2a). Art. 19 Abs. 2 StAhiG sieht vor,
dass die betroffene Person sowie weitere Personen unter den Vorausset-
zungen von Art. 48 VwVG zur Beschwerde berechtigt sind. Nach Art. 48
Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde legitimiert, wer vor der Vorinstanz am
Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten
hat (a), durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist (b) und
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (c).
Der Beschwerdeführer muss durch den angefochtenen Entscheid stärker
als jedermann betroffen sein und in einer besonderen, beachtenswerten,
nahen Beziehung zur Streitsache stehen. Ob die besondere Beziehungs-
nähe gegeben ist, muss jeweils unter Berücksichtigung der Umstände des
Einzelfalls entschieden werden. Ein schutzwürdiges Interesse besteht im
praktischen Nutzen, der sich ergibt, wenn eine Partei mit ihrem Anliegen
obsiegt und dadurch ihre tatsächliche oder rechtliche Situation unmittelbar
beeinflusst werden kann (statt vieler: BGE 141 II 14 E. 4.4, 140 II 214
E. 2.1, je mit Hinweisen). Die Partei muss durch ihre Anträge einen dro-
henden materiellen oder ideellen Nachteil abwenden können. Das Erfor-
dernis des schutzwürdigen Interesses soll sicherstellen, dass nur jenen
Personen Parteistellung gewährt wird, denen durch den zu erlassenden
Entscheid ein materieller oder ideeller Nachteil droht (zum Ganzen: Urteil
des BGer 2C_417/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
3.2 Ein schutzwürdiges Interesse ist nicht nur für die Beschwerdelegitima-
tion, sondern generell für die Gewährung von Parteirechten Voraussetzung
(BVGE 2012/9 E. 4.5). Dies hat insbesondere auch für allfällige Gegenpar-
teien und andere Beteiligte im Sinne von Art. 57 Abs. 1 VwVG zu gelten.
Das schutzwürdige Interesse einer Gegenpartei in einem Beschwerdever-
fahren liegt darin, dass ihr die Änderung der angefochtenen Verfügung
bzw. deren Aufhebung einen materiellen oder ideellen Nachteil verursacht
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oder sie eines Vorteils beraubt. Die Möglichkeit zur Beteiligung an einem
Gerichtsverfahren als Gegenpartei ist daher insbesondere für Personen in
Betracht zu ziehen, die zur Beschwerdeerhebung berechtigt wären, wenn
der Entscheid der Vorinstanz nicht zu ihren Gunsten ausgefallen wäre
(vgl. BGE 135 II 384 E. 1.2.1, 131 II 253 E. 1.2; GRÉGORY BOVEY, in: Aubry
Girardin/Donzallaz/Denys/Bovey/Frésard [Hrsg.], Commentaire de la LTF,
3. Aufl. 2022, Art. 102 N 24).
3.3 Für ein Amtshilfeverfahren bedeutet dies, dass eine betroffene Person,
die sich in einem Beschwerdeverfahren als Gegenpartei in das Verfahren
einbringen möchte, durch Teilnahme am Verfahren einen ihr drohenden
materiellen oder ideellen Nachteil vermeiden wollen und bestenfalls kön-
nen muss. Dieser Nachteil muss sich aus der Änderung des Umfangs der
zu übermittelnden Informationen oder der Abweisung des Amtshilfeersu-
chens ergeben. Da eine (Teil-)Gutheissung eines ausländischen Amtshil-
feersuchens bzw. die Informationsübermittlung grundsätzlich die Persön-
lichkeitsrechte der betroffenen Person tangiert, ist umgekehrt bei einer Ab-
weisung eines Amtshilfeersuchens kein drohender Nachteil für die be-
troffene Person zu vermuten. Zwar kann eine betroffene Person unter Um-
ständen ein Interesse an einem zügigen Datenaustausch haben, zum Bei-
spiel, damit eine ausländische Steuerprüfung zeitnah beendet werden
kann (SARAH DAHINDEN, in: Zweifel/Beusch/Oesterhelt [Hrsg.], Kommentar
zum schweizerischen Steuerrecht, Amtshilfe, 2020, § 12 N 125), doch sind
solche Interessen von der potentiellen Gegenpartei darzutun oder müssen
sich solche Interessen aus den Akten ergeben. Im Gegensatz etwa zum
Submissionsrecht existiert im Amtshilfeverfahren jedenfalls keine notwen-
dige Gegenpartei (zum Submissionsrecht statt vieler: BGE 143 II 425 E. 7;
Urteil des BGer 2C_920/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3).
4.
4.1 Die Gesuchstellerin ist als formell betroffene Person des hier zugrun-
deliegenden Amtshilfeverfahrens (Art. 3 Bst. a StAhiG; Sachverhalt Bst. A)
ohne Weiteres besonders berührt im Sinne von Art. 48 Abs. 1 Bst. b VwVG.
Auch die Voraussetzung der Teilnahme am Verfahren der Vorinstanz im
Sinne von Art. 48 Abs. 1 Bst. a VwVG ist erfüllt. Fraglich ist, ob die Gesuch-
stellerin ein schutzwürdiges Interesse am Ausgang des Verfahrens (Num-
mer) hat bzw. ob der Gesuchstellerin je nach Ausgang eben dieses Verfah-
rens ein tatsächlicher oder rechtlicher Nachteil droht.
4.2 Hinsichtlich ihres Gesuchs um Zustellung der Beschwerdeschrift und
Ansetzung einer Frist für die Stellung von Rechtsbegehren und somit für
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die Beteiligung als Gegenpartei im Verfahren (Nummer) macht die Gesuch-
stellerin kein schutzwürdiges Interesse geltend. Vielmehr scheint sie ihre
Legitimation zur Teilnahme als Gegenpartei direkt aus dem Umstand ab-
zuleiten, dass sie als formell betroffene Person des hier zugrundeliegenden
Amtshilfeverfahrens zur Beschwerde legitimiert sei.
4.3
4.3.1 Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Zum einen hat das Bun-
desgericht in einem kürzlich ergangenen Urteil entschieden, dass eine Per-
son, die gegen eine an sie ordnungsgemäss eröffnete Schlussverfügung
nicht fristgerecht Beschwerde führt, gegen dieselbe Schlussverfügung, die
zu einem späteren Zeitpunkt einer anderen Person eröffnet wurde, nicht
Beschwerde erheben kann (Urteil des BGer 2C_772/2021 und
2C_773/2021 vom 8. November 2022 E. 9.5.2 und E. 9.5.4 f.). Zum ande-
ren muss, wie oben ausgeführt (E. 3.2), auch eine Gegenpartei ein schutz-
würdiges Interesse am Ausgang des Beschwerdeverfahrens haben, wobei
ein solches Interesse bei einer betroffenen Person in einem Amtshilfever-
fahren insb. bei Abweisung eines Amtshilfeersuchens nicht zu vermuten ist
(E. 3.3). Da die Gesuchstellerin gerade keine Beschwerde gegen die ihr
eröffnete Schlussverfügung ergriffen hat, kann sie sich nicht auf Art. 19
Abs. 2 StAhiG abstützen. Vielmehr muss sie im vorliegenden Fall, bei wel-
chem sie gerade keine Beschwerde erhebt und sich somit nicht gegen den
Informationsaustausch stellt, dartun, dass sie durch ihre Teilnahme am Ver-
fahren (Nummer) bestenfalls einen drohenden Nachteil abwenden könnte,
welcher mit einer (Teil-)Gutheissung der Beschwerde einhergehen würde.
Da die Beschwerdeführerin in ihren Eingaben vor Bundesverwaltungsge-
richt gerade kein schutzwürdiges Interesse am Beitritt als Gegenpartei dar-
tut, ist nachfolgend weiter zu prüfen, ob sich ein solches aus den vo-
rinstanzlichen Akten ergibt.
4.3.2 Die Gesuchstellerin wurde mit Schreiben vom 8. Februar 2022 er-
sucht, der Vorinstanz eine allfällige Zustimmung zur beabsichtigten Über-
mittlung der Informationen an den BD im Rahmen des vereinfachten Ver-
fahrens im Sinne von Art. 16 StAhiG schriftlich zu bestätigen. Indem sie
diesem Ersuchen nicht nachgekommen ist, hat sie zumindest im Verfahren
der Vorinstanz kein Interesse an einem zügigen Datenaustausch gezeigt
(vgl. E. 3.3). Vielmehr ging die Gesuchstellerin nach eigenen Angaben da-
von aus, «dass die ESTV nach Ablauf der Rechtsmittelfrist die Verfügung
vollstrecken und an den Belastingdienst die ersuchten Informationen über-
mitteln wird». Das vorliegend zu beurteilende Gesuch der Gesuchstellerin,
worin sie nun «um Ansetzung einer Frist zur Stellung von begründeten
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Rechtsbegehren [ersucht], um sich als Gegenpartei am Beschwerdever-
fahren [Nummer] zu beteiligen», erscheint im Lichte ihres ursprünglich
nicht zustimmenden Verhaltens vor der Vorinstanz letztlich als treuwidrig.
Die im Amtshilfeersuchen des BD erwähnte Steuerselbstanzeige der Ge-
suchstellerin (Gesuchsbeilage 3, S. 3) vermag an dieser Einschätzung
nichts zu ändern. Ausserdem steht es der Gesuchstellerin jederzeit frei, die
sie betreffenden Informationen, über die sie selbst verfügt oder verfügen
kann, eigenständig an den BD weiterzuleiten. Auch aus den restlichen vo-
rinstanzlichen Akten sind keine Umstände ersichtlich, welche ihrerseits auf
ein schutzwürdiges Interesse an der Übermittlung der (im zugrundeliegen-
den Beschwerdeverfahren [Nummer]) ersuchten Informationen schliessen
lassen. Entsprechend kann auch aus den vorinstanzlichen Akten kein sol-
ches Interesse abgeleitet werden.
4.4 Da die Gesuchstellerin vorliegend weder ein schutzwürdiges Interesse
am Ausgang des Verfahren (Nummer) geltend macht noch sich ein solches
aus den vorinstanzlichen Akten ergibt, erfüllt die Gesuchstellerin die Vo-
raussetzungen für den Eintritt in das Verfahren (Nummer) als Mitbeteiligte
bzw. Gegenpartei nicht. Der Gesuchstellerin kommt somit im Verfahren
(Nummer) keine Parteistellung zu.
4.5 Aufgrund der fehlenden Parteistellung steht der Gesuchstellerin kein
Anspruch auf Akteneinsicht im Verfahren (Nummer) zu. Das eingangs er-
wähnte Gesuch der Gesuchstellerin ist dementsprechend abzuweisen.
Folglich ist auf die restlichen Vorbringen der Gesuchstellerin nicht weiter
einzugehen.
5.
5.1 Ausgangsgemäss hat die Gesuchstellerin die auf Fr. 500.-- festzuset-
zenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
5.2 Es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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