Decision ID: 2b63dea7-5887-42f5-9896-9f4b385e95ed
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 7. Juli 2022 in der Schweiz um Asyl.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank ("Eurodac")
ergab, dass sie bereits am 21. März 2022 in Österreich ein Asylgesuch
eingereicht hatte.
Anlässlich der Befragung vom 26. Juli 2022 wurde der Beschwerdeführerin
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Österreich gewährt, welches grund-
sätzlich für die Behandlung ihres Asylgesuchs zuständig sei (vgl. Verord-
nung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist [nachfolgend: Dublin-III-VO]). Die grund-
sätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde von der Beschwer-
deführerin bestritten. Sie machte geltend, sie habe in Österreich kein Asyl-
gesuch stellen wollen, sondern sei gezwungen worden, ihre Fingerabdrü-
cke abzugeben. Einen Asylentscheid habe sie nicht erhalten. Sie habe die
Türkei verlassen, weil sie vor ihren Verwandten habe flüchten müssen. Ein
Cousin habe seine Frau getötet und sie habe ein ähnliches familiäres Prob-
lem. Nach fünf Tagen in Österreich habe sie einen Cousin gesehen und
deshalb sofort ausreisen müssen. In Österreich würden Verwandte von ihr
leben, weshalb sie dort nicht sicher sei. Sie sei danach nach Serbien ge-
reist, wo sie ungefähr 100 Tage geblieben sei. Gesundheitlich gehe es ihr
nicht gut, sie könne aber noch nicht mit einem Psychiater sprechen, son-
dern müsse sich erst etwas erholen. Sie habe Asthma und könne stress-
bedingt in der Nacht nicht schlafen.
Als Beweismittel reichte sie eine Reservationsbestätigung von Boo-
king.com ein für eine Unterkunft in Serbien vom 29. März bis zum 4. Juli
2022.
B.
Am 8. August 2022 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden um
Rückübernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO. Mit Antwort vom 19. August 2022 lehnten Letztere das Ge-
such mit der Begründung ab, der geltend gemachte Aufenthalt in Serbien
werde als plausibel erachtet. Gleichentags remonstrierte die Vorinstanz
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und legte einen weiteren Auszug von Booking.com bei, woraus eine abge-
schlossene Buchung für eine Unterkunft in Serbien für den Zeitraum vom
28. Mai bis zum 7. Juni 2022 ersichtlich sei. Die österreichischen Behörden
hiessen daraufhin das Übernahmegesuch am 26. August 2022 gut.
C.
Mit Verfügung vom 29. August 2022 (eröffnet tags darauf) trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-
such der Beschwerdeführerin nicht ein und verfügte die Überstellung nach
Österreich, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung ihres Asyl-
gesuchs zuständig sei. Gleichzeitig ordnete das SEM den Vollzug der Weg-
weisung an und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
D.
Mit Eingabe vom 30. August 2022 zeigte die vormalige Rechtsvertreterin
die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
E.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 6. September
2022 beantragte die Beschwerdeführerin, die vorinstanzliche Verfügung
sei aufzuheben und auf ihr Asylgesuch sei einzutreten. Es sei festzustellen,
dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei. Even-
tualiter sei die Souveränitätsklausel anzuwenden. In prozessualer Hinsicht
beantragte sie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde sowie der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.
Am 7. September 2022 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug
der Überstellung nach Österreich gestützt auf Art. 56 VwVG superproviso-
risch aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
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formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt
(vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
4.
Die Beschwerdeführerin macht auf Beschwerdeebene im Wesentlichen
geltend, sie habe sich 97 Tage in Serbien aufgehalten und damit den Dub-
lin-Raum für mehr als drei Monate verlassen. Die Vorinstanz stütze sich
auf eine Bestätigung von Booking.com. Dabei handle es sich aber lediglich
um eine Online-Reservation. Sie habe die Unterkunft in Serbien kontaktiert
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und aufgefordert, ihren Aufenthalt zu bestätigen. Dieses Beweismittel
werde sie nachreichen. In Österreich lebe ein Cousin von ihr, allerdings
unter einem anderen Namen. Deshalb könne sie die österreichischen Be-
hörden nicht über die Gefahr, die von ihm ausgehe, informieren. Sie sei
auch schon in der Türkei bedroht worden und die türkischen Behörden hät-
ten ihr mitgeteilt, sie nicht langfristig schützen zu können. Aus diesem
Grund habe sie sich in der Türkei im Jahr 2021 mittels einer grossen Menge
B._ selbst umbringen wollen und sei danach zwölf Tage im Spital
gewesen.
5.
5.1 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
eine antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-
nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO).
Diese Verpflichtung erlischt, wenn die gesuchstellende oder eine andere
Person gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c oder d das Herrschaftsgebiet der Mit-
gliedstaaten während einer Dauer von mindestens drei Monaten verlassen
hat, ausser die Person verfüge über einen durch den zuständigen Mitglied-
staat ausgestellten Aufenthaltstitel (vgl. Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.2 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass sie am 21. März 2022 in Österreich ein Asyl-
gesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die dortigen Behör-
den am 8. August 2022 um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin ge-
stützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Diese stimmten nach einer Remonstration
der Vorinstanz vom 23. August 2022 dem Gesuch um Übernahme am
26. August 2022 zu.
Die Beschwerdeführerin bestreitet, in Österreich ein Asylgesuch einge-
reicht zu haben; sie sei gezwungen worden, ihre Fingerabdrücke abzuge-
ben. Überdies macht sie geltend, sie habe sich mehr als drei Monate aus-
serhalb des Herrschaftsgebietes der Mitgliedstaaten der Dublin-III-VO auf-
gehalten, weshalb die Zuständigkeit Österreichs erloschen und die
Schweiz für die Prüfung ihres Asylgesuchs zuständig sei.
Die Vorinstanz stützt sich zutreffend auf den Auszug von Booking.com, wo-
rin eine abgeschlossene Buchung für den Zeitraum vom 28. Mai bis zum
7. Juni 2022 ersichtlich ist. Die von der Beschwerdeführerin eingereichte
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Reservationsbestätigung vom 29. März bis 4. Juli 2022 wurde demnach
abgeändert und die Buchungsdauer verkürzt. Auf Beschwerdeebene
macht sie geltend, bei der von der Vorinstanz geprüften Seite handle es
sich lediglich um eine Online-Reservation. Sie habe die Unterkunft kontak-
tiert und warte auf weitere Beweismittel. Auf dem in den vorinstanzlichen
Akten liegenden Auszug von Booking.com ist aber klar ersichtlich, für wel-
che Zeitdauer die Buchung in der Unterkunft in Serbien erfolgte und die
Buchung ist als abgeschlossen vermerkt. Unerheblich ist dabei, dass es
sich bei Booking.com um eine Online-Plattform handelt. Die Beschwerde-
führerin stellte sodann bereits bei der Vorinstanz in Aussicht, weitere Be-
weismittel für ihren Aufenthalt in Serbien beizubringen, ohne dass sie die-
ser Ankündigung nachgekommen wäre. Es erübrigt sich daher, ihr Frist für
die Nachreichung von Beweismitteln einzuräumen. Es ist ihr zusammen-
fassend nicht gelungen, einen mehr als dreimonatigen Aufenthalt aus-
serhalb des Herrschaftsgebiets der Mitgliedstaaten der Dublin-III-VO
glaubhaft darzulegen.
Nachdem die Einreichung des Asylgesuchs von den österreichischen Be-
hörden bestätigt wurde, ist die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs
somit gegeben.
6.
6.1 Erweist es sich als unmöglich, eine antragstellende Person in den zu-
nächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es we-
sentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Antragstellende in diesem Mitgliedstaat syste-
mische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-
rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-
gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-
zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden
kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund
der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten
Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so
wird der die Zuständigkeit prüfende Staat der zuständige Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
6.2 Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Österreich ist sodann ein Rechtsstaat und die Be-
schwerdeführerin hat sich bei Problemen mit ihren Verwandten an die zu-
ständigen Behörden zu wenden. Unter diesen Umständen ist die Anwen-
dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-
eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig
wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist
der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
7.2 Die Beschwerdeführerin hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die österreichischen Behörden würden sich weigern, sie wieder auf-
zunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung
der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen Wie erwähnt, bestehen keine
Hinweise darauf, dass Österreich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen
aus der EMRK, der FoK und der FK sowie dem Zusatzprotokoll der FK
nicht nachkommt. Der Beschwerdeführerin steht es nach erfolgter Über-
stellung offen, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den asyl-
rechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten.
7.3 Auf Beschwerdeebene macht die Beschwerdeführerin keine aktuellen
gesundheitlichen Probleme mehr geltend. Ihr Suizidversuch fand noch in
der Türkei statt und aus den Akten sind keine gravierenden gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen ersichtlich (vgl. SEM-Akten act. 1181285-27 bis
29). Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die Schweiz
nicht zum Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichtet ist.
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Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.4 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel-
raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter die-
sem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine
Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Un-
terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des-
halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Da
sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilli-
gung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18
E. 5.2 m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 7. Sep-
tember 2022 verfügte Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos geworden.
11.
11.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Be-
schwerdeführerin abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehen-
den Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist, und es daher an einer
gesetzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
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über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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