Decision ID: 2f3529e7-52d8-5266-a070-9a6bc2ad0c26
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 21. September 2017 in der Schweiz
um Asyl nach.
Sie brachte im Wesentlichen vor, sie sei eritreische Staatsangehörige tigri-
nischer Ethnie und stamme aus B._. Nach Abschluss der (...)
Schulklasse sei sie im Jahr (...) für die militärische Grundausbildung nach
Sawa beordert worden. Dort sei sie von ihrem Vorgesetzten immer wieder
grundlos bestraft und schliesslich kurz vor der Vereidigungsfeier vergewal-
tigt worden. Aufgrund ihrer schlechten psychischen Verfassung habe man
sie in eine psychiatrische Klinik nach B._ gebracht. Sie habe gute
Maturanoten gehabt und hätte gern ein Studium respektive eine Berufs-
ausbildung absolviert. Dies sei ihr jedoch verwehrt worden. Stattdessen sei
sie 2007 respektive 2009 in den Nationaldienst nach C._ und später
nach D._ geschickt worden. Auch dort habe sie wieder Probleme
mit dem Vorgesetzten bekommen; als sie sich geweigert habe, mit ihm Sex
zu haben, sei sie geschlagen worden. Weil man ihr Fluchtabsichten unter-
stellt habe, sei sie inhaftiert worden. Die Soldatin, die sie jeweils zum Toi-
lettengang begleitet habe, habe zugesagt, ihr bei der Flucht zu helfen und
mitzukommen. Respektive die besagte Soldatin habe ihr weder Fluchthilfe
zugesagt noch zu verstehen gegeben, mitzukommen. Nach zehnmonati-
ger Haft sei ihr Ende 2014 die Flucht aus D._ gelungen. Sie habe
sich zu Fuss und ohne Verpflegung an die sudanesische Grenze begeben
und Eritrea illegal verlassen. Mit finanzieller Unterstützung eines in den
E._ lebenden (Verwandten) habe sie sich bis Mitte 2017 im Sudan
aufgehalten. Danach sei sie über die Türkei und den Balkan in die Schweiz
gelangt. Ihr Vater sei als einfacher Soldat im Militärdienst. Ihre Mutter
komme mit dem (...) für den Lebensunterhalt auf. Sie habe drei Schwes-
tern; zwei würden Militärdienst leisten und die dritte lebe im Sudan. Bei
einer Rückkehr nach Eritrea fürchte sie sich vor einer erneuten Inhaftie-
rung.
B.
Mit Verfügung vom 9. November 2018 stellte das SEM fest, dass die Be-
schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an.
Es führte an, die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermöchten den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) und
jenen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu genügen.
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Die dargelegte Flucht aus dem Militärgefängnis in D._ und damit
aus dem Nationaldienst sei unglaubhaft. Den geschilderten Erlebnissen
während der militärischen Ausbildung in Sawa fehle es mangels zeitlichen
Kausalzusammenhangs zur erst Ende 2014 erfolgten Ausreise an asyl-
rechtlicher Relevanz. Die illegale Ausreise aus Eritrea vermöge allein keine
Furcht vor künftiger Verfolgung zu begründen und zusätzliche Anknüp-
fungspunkte, die zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr
führen würden, lägen nicht vor. Der Wegweisungsvollzug sei als zulässig,
zumutbar und möglich zu erachten. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der An-
gaben zum bereits geleisteten Nationaldienst und der Flucht aus der Mili-
tärhaft könne nicht von einer tatsächlichen und unmittelbaren Gefahr einer
Einberufung der Beschwerdeführerin in den Nationaldienst ausgegangen
werden. Im Übrigen würde selbst eine glaubhaft gemachte drohende Ein-
berufung der Zulässigkeit des Vollzugs nicht entgegenstehen. Der Weg-
weisungsvollzug nach Eritrea sei auch nicht generell unzumutbar und indi-
viduelle Gründe, die auf eine existenzielle Bedrohung der Beschwerdefüh-
rerin schliessen lassen würden, seien nicht aktenkundig. Die Beschwerde-
führerin sei jung und gesund und verfüge mit ihrer Schulbildung und den
Verwandten (arbeitstätige Mutter in B._, Geschwister in Eritrea und
im Sudan, unterstützender (Verwandter) in den E._) über eine Ba-
sis und ein Beziehungsnetz, das sie bei der Rückkehr unterstützen könne.
C.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 13. Dezember
2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Sie hielt an ihren Fluchtvorbringen fest und machte hinsichtlich des Weg-
weisungsvollzugs im Wesentlichen geltend, ihr würden in Eritrea aufgrund
der Desertion aus dem Nationaldienst ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 und 4 EMRK drohen. Ihre Mutter sei schon alt und habe gesundheit-
liche Probleme. Darüber hinaus habe die Mutter wegen eines Brands ihre
Arbeitsstelle verloren, weswegen die Familie zwischenzeitlich in einen fi-
nanziellen Engpass geraten sei. Ihr Vater befinde sich in einem Militärge-
fängnis und die eine Schwester, die in der militärischen Ausbildung in Sawa
gewesen sei, sei mittlerweile verschwunden. Zur Schwester im Sudan
habe sie keinen Kontakt. Auch wenn sie über eine (...) Schulbildung ver-
füge, habe sie keine Chance, in Eritrea eine Ausbildung zu machen. Als
Vergewaltigungsopfer komme sie auch nicht als Ehefrau in Frage. Sie habe
daher im Heimatland weder berufliche noch private Perspektiven. Zudem
leide sie aufgrund der erlittenen Misshandlungen unter Albträumen, Schlaf-
störungen und Kopfschmerzen. Sie sei in psychiatrischer Behandlung. Es
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werde von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ausgegan-
gen (Bericht der [...] vom 11. Dezember 2017, mit Begleitschreiben vom
3. Dezember 2018).
D.
Mit Urteil D-7084/2018 vom 1. Februar 2019 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde ab.
Das Gericht stellte fest, dass das SEM das Vorliegen von Vorflucht- und
Nachfluchtgründen zu Recht verneint habe. Der Wegweisungsvollzug sei
als durchführbar zu erachten. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte für
die Annahme vor, die Beschwerdeführerin müsste bei einer Rückkehr nach
Eritrea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder
Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Ihre
Befürchtung, bei einer Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen zu wer-
den, erscheine aufgrund ihres Alters zwar nicht gänzlich unplausibel, je-
doch stehe Art. 4 Abs. 1 EMRK (Verbot der Sklaverei und Leibeigenschaft)
dem Vollzug auch bei anstehender Einziehung nicht entgegen. Auch sei
nicht davon auszugehen, es bestehe während des eritreischen National-
diensts generell das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK (Verbot der Zwangs- oder Pflichtarbeit) oder des Verbots von
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
gemäss Art. 3 EMRK. Auch die problematische allgemeine Menschen-
rechtssituation in Eritrea lasse den Wegweisungsvollzug zum heutigen
Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Bei der Beschwerdeführerin
handle es sich um eine junge Frau mit (...) Schulbildung und einem Netz
verwandtschaftlicher Beziehungen im Heimatstaat (Eltern, Geschwister).
Das nachträgliche Vorbringen, die Mutter habe wegen eines Brands die
Arbeit verloren und die Familie sei deswegen in einen finanziellen Engpass
geraten, sei eine unbelegte Parteibehauptung. Besondere individuelle Um-
stände, aufgrund derer von einer existenziellen Bedrohung der Beschwer-
deführerin bei einer Rückkehr nach Eritrea ausgegangen werden müsste,
seien den Akten nicht zu entnehmen. Daran vermöge ihre psychische Si-
tuation nichts zu ändern. Gemäss ärztlichem Bericht vom 11. Dezember
2017 bestehe der Verdacht auf eine PTBS. Aus dem Bericht gehe aber
nicht hervor, dass die Beschwerdeführerin auf eine engmaschige psychiat-
rische und medizinische Betreuung angewiesen wäre. Es bestehe kein An-
lass für Eigen- oder Fremdgefährdung und die Beschwerdeführerin habe
Suizidalität glaubhaft verneint. Die Fortsetzung der Behandlung erfolge,
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soweit ersichtlich, rein medikamentös. Aus den diagnostizierten Beein-
trächtigungen könne nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdefüh-
rerin bei einer Rückkehr nach Eritrea mangels einer notwendigen medizi-
nischen Behandlung einer akuten Lebensgefahr ausgesetzt wäre. Zudem
würden in Eritrea gewisse Möglichkeiten zur Behandlung psychischer Er-
krankungen bestehen; namentlich in B._, wo die Beschwerdeführe-
rin bereits hospitalisiert gewesen sei. Zwar sei der Zugang zu psychiatri-
scher Behandlung mangels ausreichenden Fachpersonals erschwert, je-
doch sei nicht massgebend, ob die medizinische Versorgung im Heimat-
staat den in der Schweiz vorhandenen Standards entspreche. Es bestehe
auch die Möglichkeit medizinischer Rückkehrhilfe und die Beschwerdefüh-
rerin könne einen Medikamentenstock aus der Schweiz mitnehmen. Aus-
gehend von intakten Familienverhältnissen und der zu erwartenden Über-
nahme von Verantwortung und Sorge durch die Kernfamilie und weitere
Verwandte sei davon auszugehen, dass trotz der psychischen Beschwer-
den kein Vollzugshindernis vorliege.
E.
Mit Eingabe vom 30. August 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin beim
SEM um wiedererwägungsweise Feststellung der Unzulässigkeit und Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der vorläufi-
gen Aufnahme. Zudem beantragte sie die Befreiung von der Bezahlung
von Verfahrenskosten.
Sie brachte unter Verweis auf einen ärztlichen Bericht der (...) vom 22. Au-
gust 2019 vor, ihr Gesundheitszustand habe sich nach Erlass des Be-
schwerdeurteils vom 1. Februar 2019 drastisch verschlechtert. Es sei eine
PTBS mit depressiver Symptomatik diagnostiziert worden, die von Erleb-
nissen im Heimatland herrühren würde (sexueller Missbrauch, Inhaftie-
rung). Psychosoziale Belastung aufgrund negativer familiärer Entwicklun-
gen (Inhaftierung des Vaters, unbekannter Aufenthalt einer Schwester,
Hospitalisierung der Mutter) habe zu einer Verschlechterung der depressi-
ven Verstimmung geführt. Zwar werde ihr psychischer Zustand aktuell als
stabil beschrieben, jedoch leide sie weiterhin unter Konzentrations-, Ge-
dächtnis- und Schlafstörungen und es sei davon auszugehen, dass sie von
einer muttersprachlichen traumaspezifischen Behandlung profitieren
würde. In Eritrea würde sich ihr psychischer Zustand mit grosser Wahr-
scheinlichkeit stark verschlechtern. Im Asylentscheid vom 9. November
2018 sei von einem intakten familiären Beziehungsnetz ausgegangen wor-
den. Ihre Mutter habe jedoch aufgrund eines Brands nicht nur die Arbeits-
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stelle verloren, sondern befinde sich wegen einer Erkrankung nun im Spi-
tal. Ihr Vater sei in Haft und der Verbleib der verschwundenen Schwester
sei ihr nach wie vor nicht bekannt. Angesichts der hohen Wahrscheinlich-
keit eines erneuten Einzugs in den Militärdienst müsse sie bei einer Rück-
kehr nach Eritrea mit sexueller Gewalt rechnen. Laut einem Bericht der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 13. Februar 2018 ("Eritrea:
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen") und einem Rapport des UNO-Son-
derberichterstatters für Eritrea vom 13. Mai 2014 sei sexuelle Gewalt im
eritreischen Militär- und Nationaldienst weit verbreitet. Der Wegweisungs-
vollzug würde somit gegen Art. 3 EMRK und Art. 3 FoK verstossen und sei
daher unzulässig. Aufgrund ihres Gesundheitszustands und des Fehlens
eines tragfähigen Beziehungsnetzes sei der Vollzug auch unzumutbar. An-
ders als im Beschwerdeurteil vom 1. Februar 2019 angenommen, sei sie
nicht nur auf eine medikamentöse, sondern auch auf eine traumaspezifi-
sche oder zumindest psychotherapeutische Behandlung angewiesen. Eine
solche wäre in Eritrea nicht möglich. Gemäss einem Bericht der SFH vom
3. Juli 2019 ("Eritrea: Gesundheitsversorgung") sei das eritreische Ge-
sundheitswesen mangelhaft und psychische Erkrankungen könnten nur in
einem Spital in B._ behandelt werden. Es könne daher nicht davon
ausgegangen werden, dass sie Zugang zu psychologischer Behandlung
hätte und die nötigen Medikamente erhalten würde. Von ihrer Kernfamilie
sei weder finanzielle noch pflegerische Unterstützung zu erwarten, und
mangels Berufserfahrung sei nicht vorstellbar, dass sie finanziell auf eige-
nen Füssen stehen könnte. Im Übrigen würde ihr Gesundheitszustand es
ihr verunmöglichen, einer Arbeit nachzugehen.
F.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2019 – eröffnet am 7. Oktober 2019 – wies
das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab. Es erklärte die Verfügung vom
9. November 2018 als rechtskräftig und vollstreckbar, wies das Gesuch um
Erlass der Verfahrenskosten ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und
stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wir-
kung zukomme.
Es führte an, von einer konkreten Gefährdung aus medizinischen Gründen
sei nur auszugehen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im
Heimatland nicht zur Verfügung stehe und die Rückkehr der betroffenen
Person zu einer raschen und lebensbedrohenden Situation führen würde.
Aus dem Arztbericht vom 22. August 2019, der eine PTBS diagnostiziere,
gehe weder eine konkrete medikamentöse noch therapeutische Behand-
lung der Beschwerdeführerin hervor. Folglich sei auch keine drastische
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Veränderung ihres Gesundheitszustands ersichtlich. Aus den diagnosti-
zierten Beeinträchtigungen könne sodann nicht geschlossen werden, dass
die Beschwerdeführerin in Eritrea mangels notwendiger medizinischer Be-
handlung einer akuten Lebensgefahr ausgesetzt wäre. Zudem würden in
Eritrea Möglichkeiten zur Behandlung psychischer Krankheiten bestehen.
Die Beschwerdeführerin sei dort bereits wegen einer psychischen Erkran-
kung behandelt worden und es könne davon ausgegangen werden, dass
sie sich bei einer allfälligen Verschlechterung ihres Zustands wieder in das
gleiche Spital begeben könne. Das Vorbringen, die Mutter sei nun hospita-
lisiert, sei eine unbelegte Parteibehauptung. Im Übrigen habe sich das
Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 1. Februar 2019 bereits
mit den Fragen der Zumutbarkeit des Vollzugs in Anbetracht der gesund-
heitlichen und familiären Situation der Beschwerdeführerin (Verdacht auf
PTBS; nur Mutter vor Ort) sowie der Zulässigkeit des Vollzugs auseinan-
dergesetzt. Angesichts der Aussichtslosigkeit der Begehren sei das Ge-
such um Kostenerlass abzuweisen und eine Gebühr zu erheben.
G.
Mit Eingabe vom 5. November 2019 erhob die Beschwerdeführerin durch
den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 4. Ok-
tober 2019 und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme ersucht wurde.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde sowie – unter Verweis auf eine Bestätigung der
Unterstützung durch Nothilfe vom 18. Oktober 2019 – um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
Zur Begründung brachte sie – in Ergänzung zur Begründung des Wieder-
erwägungsgesuches – im Wesentlichen vor, In einem ergänzenden Schrei-
ben der (...) vom 16. Oktober 2019 werde dargelegt, dass eine ambulante
integrierte psychiatrische Behandlung stattfinde, sie sich im Prozess der
medikamentösen Einstellung befinde (Medikamentenauflistung), eine
traumafokussierte Behandlung bisher nicht aufgenommen worden sei,
aber angezeigt wäre, und bei einer Rückkehr nach Eritrea die Gefahr einer
Dekompensation bestehe. Hinsichtlich des fehlenden familiären Netzes
habe sie zwischenzeitlich verschiedene Fotoaufnahmen erhalten. Auf ei-
nem Bild sei das bei dem Brand zerstörte Geschäft der Mutter zu sehen,
auf einem anderen ein Zettel an der Geschäftstür, wonach der Laden durch
das "(...)" geschlossen worden sei. Es sei ihr nicht möglich gewesen, diese
Fotos bereits im Asylverfahren beizubringen, da die Mutter nach dem
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Brand gesundheitsbedingt ins Spital eingeliefert worden sei und die Auf-
nahmen erst später hätten gemacht werden können. Die Fotoaufnahme
eines ärztlichen Berichts des (...) vom 1. November 2019 belege den Spi-
talaufenthalt der Mutter (Diagnose: [...]). Sie hielt daran fest, der Wegwei-
sungsvollzug sei wegen drohender Verletzung von Art. 3 EMRK und Art. 3
FoK infolge des Risikos sexueller Gewalt im Militärdienst als unzulässig zu
erachten. Zudem würde sie bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund ihrer
Erkrankung und des Fehlens eines familiären Netzes in eine Notlage gera-
ten, weshalb der Vollzug auch als unzumutbar zu erachten sei. Zwar sei
sie im Jahr (...) in der medizinischen Institution "(...)" in B._ aufge-
nommen worden, aber angesichts der prekären gesundheitlichen Versor-
gungslage in Eritrea könne nicht ohne Weiteres davon ausgegangen wer-
den, dass sie bei Bedarf erneut einen Behandlungsplatz erhalten würde.
Auch stehe nicht fest, ob sie (...) eine ihren damaligen Erlebnissen ent-
sprechende adäquate Therapie habe machen können oder künftig eine sol-
che machen könnte, zumal sexualisierte Gewalt in Eritrea ein Tabuthema
sei, wie der SFH-Bericht vom 13. Februar 2018 ("Eritrea: Sexualisierte Ge-
walt gegen Frauen") zeige. Verschiedene Quellen würden von einem Fach-
personalmangel in Eritrea und stark eingeschränktem Zugang zu psychiat-
rischer Behandlung sprechen. Auch werde von ausgestorbenen oder an-
gesichts von Unterfinanzierung verwahrlosten Spitälern berichtet. Im Übri-
gen dürfte es ihr mangels Berufsbildung und -erfahrung kaum möglich sein,
in Eritrea ein genügendes Einkommen zu erzielen, um für die benötigte
Behandlung und die Medikamente aufzukommen. Ihre Familie könnte sie
hierbei nicht unterstützen. Im Juli 2019 habe die Mutter ein Schreiben ihrer
Bank erhalten, wonach ihr künftig Überweisungen von ihrem Bankkonto
verboten seien. Der Grund dafür sei ihr nicht bekannt. Die Mutter gehe da-
von aus, dass das Verbot in Zusammenhang mit der Flucht der Tochter
stehe. Jedenfalls sei das besagte Schreiben als Hinweis für die finanziell
angespannte Situation der Mutter zu werten.
Sie reichte folgende Beweismittel ein: Arztbericht vom 22. August 2019 und
Ergänzung dazu vom 16. Oktober 2019 sowie Fotoaufnahmen, die das Ge-
schäft der Mutter, einen Zettel an der Geschäftstür vom 18. Juli 2019 (mit
Übersetzung), ein die Mutter betreffendes Arztzeugnis vom 1. November
2019 (in Englisch) und ein Schreiben der Haus- und Geschäftsbank an die
Mutter vom 19. Juli 2019 (mit Übersetzung) zeigen würden.
H.
Am 6. November 2019 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Weg-
weisung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus.
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Seite 9
I.
Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2019 erteilte die Instruktions-
richterin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung hiess sie gut und verzichtete
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie ab. Schliesslich lud sie
die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
J.
In der innert erstreckter Frist verfassten Vernehmlassung vom 5. Dezem-
ber 2019 beantragte das SEM die Abweisung der Beschwerde. Der ergän-
zende Bericht zur psychiatrischen Situation der Beschwerdeführerin, der
Medikamente aufführe, die noch eingestellt würden, vermöge an den Er-
wägungen in der Verfügung vom 4. Oktober 2019, in der die PTBS und
deren Behandlungsmöglichkeiten in Eritrea bereits behandelt worden
seien, nichts zu ändern. Zudem sei auch nach der Nachreichung von foto-
grafierten Dokumente weiterhin von tragfähigen Familienverhältnissen
auszugehen. Bei den besagten Dokumenten handle es sich nicht um Ori-
ginale, so dass deren Authentizität nicht beurteilt werden könne. Zudem
seien Dokumente dieser Art leicht herstell- beziehungsweise fälschbar und
hätten daher kaum Beweiswert. Im Übrigen würden die Fotos eines Siegels
und einer versiegelten Tür mit zerstörtem Mobiliar keine Rückschlüsse auf
den von der Beschwerdeführerin geschilderten Sachverhalt zulassen, und
dem medizinischen Zertifikat der Mutter sei kein Hinweis auf eine Hospita-
lisierung zu entnehmen. Auch stehe der Befund (...) in Widerspruch zur
Angabe der Beschwerdeführerin, die Mutter sei aufgrund des Brands
schwer erkrankt. Aufgrund der Aktenlage sei im Übrigen davon auszuge-
hen, dass die Beschwerdeführerin noch über weitere familiäre und soziale
Verbindungen verfüge, die eine Reintegration in Eritrea begünstigen wür-
den.
K.
Die Instruktionsrichterin liess der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung
am 11. Dezember 2019 zukommen und räumte ihr Gelegenheit ein, bis
zum 27. Dezember 2019 eine Replik einzureichen. Die Frist wurde in der
Folge auf entsprechendes Ersuchen der Beschwerdeführerin hin bis zum
7. Januar 2020 erstreckt.
L.
In ihrer Replik vom 7. Januar 2020 entgegnete die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen, der ergänzende Arztbericht vom 16. Oktober 2019 zeige die
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Medikation auf. Zudem werde auf die aus medizinischer Sicht eigentlich
angezeigte Traumatherapie und die Gefahr einer Dekompensation bei ei-
ner Wegweisung hingewiesen. Angesichts der katastrophalen Situation in
Bezug auf die Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen in
Eritrea sei davon auszugehen, dass ihre Gesundheit bei einer Rückkehr
akut gefährdet wäre. Mittlerweile liege ihr das Original des die Mutter be-
treffenden Arztzeugnisses vom 1. November 2019 vor; eine Bekannte
habe es von Äthiopien aus erhalten und ihr in die Schweiz schicken kön-
nen. Aus dem Dokument gehe hervor, dass ihre Mutter zurzeit stationär
behandelt werde. Einen Zusammenhang zwischen dem Brand und den ge-
sundheitlichen Problemen der Mutter habe sie nicht behauptet. Von intak-
ten Familienverhältnissen könne angesichts der wirtschaftlichen Probleme
der Mutter nicht gesprochen werden. Nebst der arbeitslosen Mutter, dem
inhaftierten Vater und der verschwundenen Schwester lägen keine familiä-
ren und sozialen Verbindungen zu Eritrea vor.
M.
Mit Eingabe vom 27. Januar 2020 erklärte die Beschwerdeführerin, sie sei
weiterhin bemüht, das Original des Schreibens der Haus- und Geschäfts-
bank der Mutter vom 19. Juli 2019 beizubringen. Dies sollte ihr in spätes-
tens eineinhalb bis zwei Monaten möglich sein und sie bitte darum, die
entsprechende Nachreichung abzuwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrunds schriftlich
und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach
den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VWVG (Art. 111b
Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (vgl. zum so-
genannten „qualifizierten Wiedererwägungsgesuch“ BVGE 2013/22 E. 5.4
m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Tatsachen
und Beweismittel abstützen, die erst nach Abschluss eines Beschwerde-
verfahrens entstanden sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei
der Vorinstanz einzubringen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a
[letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22). Nach Art. 66 Abs. 2 VwVG liegen Re-
visionsgründe unter anderem dann vor, wenn eine Partei neue erhebliche
Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (Bst. a). Neue Beweismittel im
Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen entweder den Beweis für
neue erhebliche Tatsachen oder den Beweis für Tatsachen erbringen kön-
nen, deren Existenz oder Eigenschaften im Beschwerdeverfahren respek-
tive im Asylverfahren vor dem SEM zum Nachteil der beschwerdeführen-
den Person unbewiesen geblieben sind.
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Seite 12
3.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere
nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wie-
der infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln
zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1). Gründe, die bereits im Zeitpunkt
des ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können nicht als
Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (Art. 66 Abs. 3 VwVG).
3.4 Das SEM hat den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs vom 30. August 2019,
das sich hauptsächlich auf einen erst nach Abschluss des Beschwerdever-
fahrens D-7084/2018 entstandenen Arztbericht vom 22. August 2019
stützt, nicht in Abrede gestellt und ist darauf eingetreten. Im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ist somit zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon
ausgegangen ist, dass die neuen Vorbringen und Beweismittel der Be-
schwerdeführerin die Sachlage nicht derart verändern, als dass sie den
Vollzug der Wegweisung undurchführbar machen würden. Für die Beurtei-
lung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist praxisgemäss der
sich im Urteilszeitpunkt präsentierende Sachverhalt massgebend.
4.
4.1 Dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Wegweisungsvollzug sei
nun als unzulässig zu erachten, weil bei einer allfälligen Einberufung in den
Militär- oder Nationaldienst bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund des
dortigen Risikos sexueller Gewalt eine Verletzung von Art. 3 EMRK und
Art. 3 FoK drohe, fehlt es an der wiedererwägungsrechtlichen Neuheit. Es
ist diesbezüglich auf die Ausführungen zur Zulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs im Beschwerdeurteil D-7084/2018 vom 1. Februar 2019 zu ver-
weisen, wonach nicht davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin
bei einer Rückkehr nach Eritrea – selbst bei einem Einzug in den Militär-
oder Nationaldienst – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3
EMRK oder der FoK verbotene Behandlung zu befürchten hätte (vgl. Be-
schwerdeurteil vom 1. Februar 2019 E. 8.2-8.6; sodann auch BVGE 2018
VI/4 E. 6.2.3-6.2.5, wonach Dienstleistende in Eritrea nicht mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit dem ernsthaften Risiko ausgesetzt sind, Misshand-
lungen oder sexuelle Übergriffe zu erleiden).
4.2 In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hat
das Bundesverwaltungsgericht im Beschwerdeurteil vom 1. Februar 2019
festgestellt, dass die damaligen gesundheitlichen Beschwerden der Be-
schwerdeführerin (vgl. Bericht der [...] vom 11. Dezember 2017 und ergän-
zendes Schreiben derselben vom 3. Dezember 2018 [Diagnose: Verdacht
D-5827/2019
Seite 13
auf PTBS; Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit; nach Erst-
konsultation vom 7. Dezember 2017 im Jahr 2018 sechs Konsultationen;
Medikation) dem Vollzug nicht entgegenstehen, und auch sonst keine indi-
viduellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs sprechen. Im Wie-
dererwägungsgesuch vom 30. August 2019 macht die Beschwerdeführerin
nun geltend, der Vollzug sei angesichts der zwischenzeitlich effektiv diag-
nostizierten PTBS und des Wegfalls eines tragfähigen Beziehungsnetzes
infolge verschlechterter finanzieller Situation der Familie in Eritrea unzu-
mutbar geworden.
4.2.1 Die von der Beschwerdeführerin wiedererwägungsweise geltend ge-
machte PTBS ist nicht gänzlich neu, sondern war – in Form des Verdachts
einer PTBS – bereits Gegenstand des ordentlichen Beschwerdeverfah-
rens. Die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde im Be-
schwerdeurteil vom 1. Februar 2019 unter diesem Gesichtspunkt geprüft
und die Gefahr einer akuten Lebensgefahr mangels einer notwendigen me-
dizinischen Behandlung bei einer Rückkehr der Beschwerdeführerin nach
Eritrea verneint. Weiter wurde die grundsätzliche Behandelbarkeit psychi-
scher Erkrankungen in Eritrea festgestellt und auf die Möglichkeit der me-
dizinischen Rückkehrhilfe hingewiesen. Mit dem Vorbringen, es sei nun ef-
fektiv eine PTBS diagnostiziert worden, vermag die Beschwerdeführerin
keine veränderte Sachlage zu begründen, die eine von der bisherigen Be-
urteilung abweichende Würdigung der Frage der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs zulassen würde, zumal die bisherige Beurteilung – wie
aufgezeigt – eine mögliche PTBS bereits umfasste.
Es gilt daran zu erinnern, dass aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG
(SR 142.20) geschlossen werden kann, wenn eine absolut notwendige me-
dizinische Behandlung im Heimatland schlicht nicht zur Verfügung steht
und die fehlende Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr
zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustands, zur Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person
führt, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat
eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische
Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52
E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Von einer sol-
chen, den Wegweisungsvollzug unzumutbar machenden existenziellen
medizinischen Notlage ist vorliegend aufgrund der Aktenlage weiterhin
nicht auszugehen. Nach dem zuvor bereits bestehenden Verdacht auf eine
PTBS, wurde bei der Beschwerdeführerin laut dem Bericht der (...) vom
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22. August 2019 eine PTBS mit depressiver Symptomatik und damit zu-
sammenhängenden Beschwerden wie Schlaf- und Konzentrationsstörun-
gen sowie Kopfschmerzen diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin werde
weiterhin medikamentös behandelt und es finde eine ambulante integrierte
psychiatrische Behandlung statt (vgl. ergänzendes Schreiben der [...] vom
16. Oktober 2019). Die Beschwerdeführerin wird somit in der Schweiz seit
längerer Zeit (Erstkonsultation erfolgt am 7. Dezember 2017) fachärztlich
ambulant betreut und medikamentös behandelt, und sie wird im besagten
Arztbericht vom 22. August 2019 als psychisch stabil bezeichnet; Selbst-
oder Fremdgefährdung bestehe nicht. Dass es seither zu einer Verschlech-
terung der gesundheitlichen Situation respektive zu einer Akzentuierung
der Symptomatik gekommen wäre, wurde im Beschwerdeverfahren nicht
geltend gemacht. Hinsichtlich des Einwands der Beschwerdeführerin, die
Behandlung der PTBS müsse weiterhin in der Schweiz erfolgen, ist darauf
hinzuweisen, dass die Beurteilung der Durchführbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs – wie die Fragen der Flüchtlingseigenschaft und der Gewäh-
rung des Asyls – eine Rechtsfrage ist, deren Beantwortung Aufgabe der
entscheidenden Behörde ist. Der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) anerkennt grundsätzlich keinen Anspruch auf Verbleib in
einem Konventionsstaat, um weiterhin in den Genuss medizinischer Unter-
stützung zu kommen (vgl. Urteil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Vereinigtes
Königreich). Wie im Beschwerdeurteil vom 1. Februar 2019 bereits festge-
halten, geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass psychische
Erkrankungen in Eritrea grundsätzlich behandelbar sind (vgl. hierzu bspw.
auch das Urteil des BVGer D-5898/16 vom 12. Februar 2020 E. 9.1.3 und
E. 9.2.2 [Bejahung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs nach Eritrea bei einer Person mit komplexer PTBS]). Auch wenn
der Zugang zu psychiatrischer Behandlung in Eritrea mangels ausreichen-
den Fachpersonals erschwert ist und Einbussen des Betreuungsstandards
im Vergleich mit der Schweiz zweifelslos nicht in Abrede zu stellen sind,
vermag dies nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu füh-
ren. Es kann vorliegend weiterhin nicht geschlossen werden, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Eritrea mangels einer notwen-
digen medizinischen (Weiter-)Behandlung einer akuten Lebensgefahr aus-
gesetzt wäre. Bezüglich des Einwands fehlender Mittel zur Finanzierung
entsprechender Medikamente und Therapien ist – erneut – auf die Mög-
lichkeit spezifischer medizinischer Rückkehrhilfe hinzuweisen (Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG). Diese kann durch Mitgabe benötigter Medikamente
oder auch in Form von Beiträgen zur Durchführung einer Behandlung oder
der Ausrichtung einer Pauschale für medizinische Leistungen gewährt wer-
den. Schliesslich ist dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei
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der Vollzugsorganisation mit einer angemessenen Vorbereitung Rechnung
zu tragen. Im Übrigen ist zu beachten, dass die Beurteilung des vorliegen-
den Verfahrens für den Fall einer freiwilligen Rückkehr gilt (vgl. in diesem
Zusammenhang BVGE 2018 VI/4 E. 6.1.7). Es ist zwar nachvollziehbar,
dass der negative Ausgang des Asylverfahrens und die damit verbundene
Zukunftsangst eine grosse Belastung für die Beschwerdeführerin darstel-
len, aber aus der bestehenden Aktenlage lassen sich weiterhin keine me-
dizinischen Gründe ableiten, die gegen die Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs sprechen würden.
4.2.2 Den gänzlichen Wegfall tragfähiger sozialer Beziehungen und Kon-
takte aufgrund einer verschlechterten finanziellen Situation ihrer Familie in
Eritrea vermag die Beschwerdeführerin mit den auf Beschwerdeebene ein-
gereichten Dokumenten nicht zu belegen. Aus den Fotoaufnahmen eines
Raumes mit kaputtem Mobiliar und eines Zettels, gemäss welchem ein
nicht genanntes Objekt durch das (...) der Region (...) am 18. Juli 2019
geschlossen worden sei, lassen sich keinerlei Rückschlüsse auf die betref-
fenden Örtlichkeiten ziehen. Den geltend gemachten Verlust des Arbeits-
platzes der Mutter vermögen diese Aufnahmen jedenfalls nicht zu belegen,
zumal ein Zusammenhang zwischen dem von der Beschwerdeführerin be-
reits in der Rechtsmitteleingabe im ordentlichen Beschwerdeverfahren
vom 13. Dezember 2018 vorgebrachten Brand an der Arbeitsstätte der
Mutter und dem erst vom 18. Juli 2019 datierenden Schreiben über eine
Objektschliessung nicht erkennbar ist. Hinsichtlich der in der Eingabe vom
27. Januar 2020 angekündigten Nachreichung des Originals des Schrei-
bens der Haus- und Geschäftsbank an die Mutter vom 19. Juli 2019, wo-
nach es der Mutter untersagt sei, Geld von ihrem Konto bei dieser Bank zu
überweisen, ist festzustellen, dass das Original bis dato nicht eingereicht
wurde. Die Beschwerdeführerin trägt die diesbezügliche Substanziierungs-
last. Ein weiteres Zuwarten ist nicht angezeigt, zumal in antizipierender Be-
weiswürdigung festzustellen ist, dass auch das Originaldokument kein
Wegweisungshindernis zu belegen vermöchte. Diesem Dokument, das
weder einen Briefkopf trägt noch die Adresse der Empfängerin oder das
betreffende Bankkonto nennt, kommt auch bei Vorlage des Originals nur
ein äusserst geringer Beweiswert zu. Die effektiven finanziellen Verhält-
nisse der Familie der Beschwerdeführerin vermag dieses Dokument nicht
zu belegen, geht daraus doch beispielsweise nicht hervor, dass es sich bei
dem besagten Konto um das einzige Bankkonto der Familie handeln
würde. Die vorgelegten Beweismittel vermögen auch nicht zu belegen,
dass die Mutter der Beschwerdeführerin seit 2018 keinerlei Einkommen
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generieren würde oder es ihr aus gesundheitlichen Gründen künftig gänz-
lich verunmöglicht wäre, einer Arbeit nachzugehen. Aus dem Arztzeugnis
vom 1. November 2019 geht lediglich hervor, dass die Mutter der Be-
schwerdeführerin unter Schmerzen in den (...) leide (Diagnose: [...]) und
im damaligen Zeitpunkt "currently under followup" im (...) gewesen sei. Je-
denfalls vermögen die Einwände der Beschwerdeführerin, die Familie lebe
nun in ärmlichen Verhältnissen und es wäre für sie schwierig, eine Arbeits-
stelle zu finden, nicht gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs zu sprechen.
Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass allfällige wirt-
schaftliche Reintegrationsschwierigkeiten dem Vollzug nicht entgegenzu-
stehen vermögen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten,
von den die ansässige Bevölkerung betroffen ist (bspw. Mangel an Arbeits-
plätzen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen vermögen
(vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Dass die Beschwerdeführerin bei einer
Rückkehr nach Eritrea nicht mehr auf eine Unterbringungsmöglichkeit bei
ihrer in B._ wohnhaften Mutter und damit über eine Anlaufstelle im
Heimatland zählen könnte, wird weder vorgebracht noch aus den einge-
reichten Beweismitteln ersichtlich. Nebst der einen Schwester, die ver-
schwunden sei, und der Schwester im Sudan verfügt die Beschwerdefüh-
rerin eigenen Angaben auch noch über eine dritte, in Eritrea lebende
Schwester. Soziale und unterstützende Anknüpfungspunkte (finanzielle
Hilfe durch den (Verwandten) in den E._ erfolgt) sind somit nach
wie vor erkennbar.
4.2.3 Ohne die Schwierigkeiten bei einer Rückkehr zu verkennen, ist somit
weiterhin nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin würde bei ei-
ner Rückkehr in ihr Heimatland aus individuellen Gründen wirtschaftlicher,
sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine ihre Existenz gefährdende Si-
tuation geraten, die als konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4
AIG zu werten wäre.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die von der Beschwerdefüh-
rerin im Wiedererwägungs- und vorliegenden Beschwerdeverfahren vorge-
legten Dokumente und ihre diesbezüglichen Vorbringen keine veränderte
Sachlage zu begründen vermögen, die eine von der bisherigen Beurteilung
abweichende Würdigung der Frage der Durchführbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs zulassen würde. Sie sind nicht geeignet, zu einer Anpas-
sung der Verfügung des SEM vom 9. November 2018 zu führen. Das SEM
hat das Wiedererwägungsgesuch vom 30. August 2019 zu Recht abge-
lehnt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr aber mit
Zwischenverfügung vom 13. November 2019 die unentgeltliche Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kosten-
erhebung abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass die Beschwerdefüh-
rerin nicht mehr bedürftig wäre.
(Dispositiv nächste Seite)
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