Decision ID: 5bba3c95-9705-4873-b0f1-29ec16197fcc
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem 1955
geborenen
X._
mit Verfügung vom
17
.
Oktober
2001
(Urk. 9/17, Urk. 9/38
)
rück
wir
kend per 1. November 1999 bei einem auf 67
%
festgelegten
In
validitäts
grad
eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zu
. In
der Folge wurde die ganze Rente
im Jahr
2003 bei
einem Invaliditätsgrad von 100
% (Urk. 9/44) bestätigt
.
1.2
Im Dezember
2008
(Urk. 9/45/1)
hob die
IV-
Stelle ein weiteres amtliches
Ren
tenrevisionsverfahren
an. Da der eingeholte Bericht des Hausarztes (Urk. 9/49) zu
wenig aufschlussreich war, wurde eine Be
gutachtung durch die
Ab
k
lä
rungs
stelle
Y._
angeordnet (Urk. 9/52). Da sich der Ver
sicher
te den vorgesehenen medizinischen Untersu
chungen trotz mehrfacher Mahnung und (zweimalig) eingeräumter Bedenkzeit nicht unterzog (Urk. 9/54,
Urk. 9/56-
57,
Urk. 9/61-
62,
Urk.
9/64)
,
wurde die bis
her ausge
richtete Rente mit Verfügung vom 28. September 2010 per Ende des der Zu
stellung der Verfügung folgenden Monats (d.h. per Ende Oktober 2010) einge
stellt (Urk. 9/68). In der Folge - offenbar nachdem das
Renten
betreffnis
für den Monat November 2010 nicht mehr ausbezahlt worden war - meldete
sich der Versicherte bei der IV-
Stelle; mit Schreiben vom 11. November 2010 er
klärte er, künftig seinen
Mit
wirkungspflichten
nachzukommen, und
ersuchte
um Wiederher
stellung seines
Rentenanspruches (Urk. 9/69). Mit Verfügung vom 14. Dezember 2010 wurde die
Verfügung vom 28. September 2010, mit welcher die Rente ein
gestellt worden war, wiedererwägungsweise aufgehoben (Urk. 9/71), so dass die zuvor ausge
richtete Invalidenrente ohne Unterbruch weiter ausbezahlt wurde (vgl. Urk. 9/70 und 9/85). Am 20. Dezember 2010 wurde eine Begutachtung des Versicherten durch die Abklärungsstelle
Z._
des
A._
angeordnet (Urk. 9/72-
73).
Gestützt auf das am 27. Mai 2011 erstattete und mit Schreiben vom 27. Juni
2011 ergänzte Gutachten (Urk. 9/86 und 9/88)
stellte die IV-
Stelle dem Ver
si
cherten mit Vor
bescheid vom 13. Juli 2011 in Aussicht, die bisher ausge
rich
tete Invalidenrente per Ende des der Zustellung der Verfügung folgen
de
n Monats aufzuheben (Urk. 9/92-
93). Da der Beschwerdeführer innert ange
setzter Frist keine Ein
wände erhob, wurde die bisher ausgerichtete ganze Rente der Inva
liden
versi
cherung schliesslich mit Verfügung vom 4. Oktober 2011 per Ende
November 2011 aufgehoben (U
rk. 2
). Nachdem anfangs Dezember 2011 kein
Ren
tenbetreffnis
mehr ausbezahlt worden war, erkundigte sich der Versi
cherte in der Woche vom 5. bis 9. Dezem
ber 2011 telefonisch bei der IV-
Stelle nach dem Verbleib der monatlichen Rentenzahlung. Die zuständige Sachbear
beiterin
teilte ihm mit, die Rente sei mit einer im Oktober 2011 zugestellten Verfügung aufgehoben worden; am 12. Dezember 2011 beauftragte
X._
Rechtsan
wältin Sigg
Bonazzi
mit der Wahrung seiner Interessen in diesem Zu
sammen
hang (Urk. 9/98). Gleichentags gelangte diese
an die IV-
Stelle, ersuchte um Ein
sicht in die Verfahrensakten und erklärte, ihr Mandant habe keine Verfü
gung erhalten, mit welcher die zuvor ausge
richtete Rente aufgehoben worden wäre (Urk. 9/97). Die am 28. Dezember 2011 ver
sandten Verfahrensakten (Urk. 9/99) gingen am 4. Januar 2012 bei Rechts
anwältin Sigg-
Bonazzi
ein (Urk.
1 S.
3,
Urk.
3/5).
2.
Gegen die rentenaufhebende Verfügung vom 4. Oktober 2011
erhob der Ver
sicherte mit Eingabe vom 2. Februar 2012 (Urk. 1) Be
schwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm
wei
terhin eine Rente auszurichten.
Neben seinem materiellen Antrag beantragte er i
n
prozessualer Hinsicht, es sei ein
zweiter Schriftenwechsel
an
zu
ordnen und ihm die unent
gelt
liche Prozessführung zu gew
ähren und in
der Per
son von Rechtsanwältin Sigg
Bonazzi
eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu bestellen
(Urk. 1).
Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 (
Urk.
11) reichte er sodann das Formular zur Abklärung der
prozessualen Bedürftigkeit (Urk. 12) sowie drei Belege (Urk. 13/1-3) zur Sub
stan
tiierung seines Armenrechtsgesuchs ein.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. März 2012 (Urk. 8)
hatte
die IV-Stelle auf Ab
wei
sung der Beschwerde
geschlossen und ausgeführt
, die ursprüngliche
Zu
sprache
einer ganzen Rente im Jahr 2001 sei als zweifellos unrichtig zu quali
fizieren und die Einstel
lung der Rente daher mit einer Wiedererwägung der
ren
ten
zu
sprechenden
Ver
fügung zu begründen; trotz seines Alters sei dem Ver
sicherten eine
Selbstein
gliederung
zumutbar (Urk. 8). Mit
Gerichts
verfügung vom
25. Juli 2012 (Urk. 14) wurde das Gesuch des Beschwerdeführers vom
2.
Februar 2012 um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechts
vertretung
ab
gewies
en.
Ferner
wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet,
damit der Be
schwerdeführer zur von der Beschwerdegegnerin geltend gemach
ten
Motiv
sub
stitution
sowie zur Rechtzei
tigkeit der Beschwerde Stellung
nehmen
kön
ne.
Mit Replik vom 5. Oktober 2012 (Urk. 18) hielt der Beschwerdeführer an seinen
be
schwerdeweise
gestellten
Anträgen unverändert fest.
Mit Eingabe vom 15. No
vember 2012 (Urk. 21) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stel
lung
nahme (Duplik)
, was der Beschwerdeführerin am 19. November 2012 (Urk. 22) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
60
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
ist eine Beschwerde
innerhalb v
o
n 30 Tagen nach
der Eröffnung des
Einspracheentscheides
oder der Verfügung, gegen welche eine
Einsprache ausgeschlossen ist, einzureichen.
1.2
Praxisgemäss
obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zu
stellung eines Entscheids grundsätzlich der Verwaltung (BGE 124 V 402 E. 2a,
BGE
103 V 65 E. 2a). Der Sozialversicherungsprozess wird von der
Unter
su
chungs
maxime
beherrscht, weshalb es sich dabei nicht um eine subjektive
Be
weis
führungs
last
handelt (
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches), son
dern in der Regel nur um eine sogenannte objektive Beweislast in dem Sinne, dass im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweis).
Bezüglich Tatsachen, welche für die Zustellung von Entscheiden erheblich sind, gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Allerdings bedingt dies in der Regel die
Entscheideröffnung
mit eingeschriebenem Brief; denn nach der Rechtsprechung vermag die Verwaltung den Wahrscheinlichkeitsbeweis für die
Entscheidzustellung
nicht durch den
blossen
Hinweis auf den üblichen ad
min
istrativen Ablauf zu erbringen (BG
E 121 V 6 f. E
. 3b; vgl. ZAK 1984 S. 124 E
. 1b). Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung
uneinge
schriebener
Sendungen bestritten, muss im Zweifel auf die Darstellung des Empfängers ab
gestellt werden (BGE 124 V 402 E. 2a,
BGE
103 V 66 E. 2a).
1.3
Der Beschwerdeführer führte
beschwerde
weise
und
replicando
aus, er bestreite, die Verfügung vom 4. Oktober 2011 je erhalten zu haben. Nachdem anfangs Dezember 2011 kein
Rentenbetreffnis
mehr ausbezahlt worden
sei
, habe er sich in der Woche vom 5. bis 9. Dezember 2011 telefonisch bei der IV-Stelle nach dem Verbleib der monat
lichen Rentenzahlung erkundigt.
Die zuständige Sach
bearbeiterin habe ihm mitgeteilt, die Rente sei mit einer im Oktober 2011 zuge
stellten Verfügung aufgehoben worden; am 12. Dezember 2011 habe er Rechts
an
wältin Sigg
Bonazzi
mit der Wahrung seiner Interessen in diesem Zusammen
hang beauftragt (Urk. 9/98). Diese sei dann noch gleichentags an die IV-Stelle gelangt, und habe um Einsicht in die Verfahrensakten ersucht und erklärt, dass er keine Verfü
gung erhalten habe, mit welcher die zuvor ausge
richtete Rente aufgehoben worden sei (Urk. 9/97). Die am 28. Dezember 2011 ver
sandten
Ver
fahrensakten
(Urk. 9/99) seien am 4. Januar 2012 bei Rechts
anwältin Sigg
Bo
nazzi
eingegangen (Urk. 1 S. 3, Urk. 3/5)
, weshalb die Eingabe innert Frist er
folgt sei.
Die Beschwerdegegnerin
liess
sich weder zur Tatsache noch zum Datum der Zu
stel
lung vernehmen (Urk. 8, Urk. 21)
.
1.4
Mit Blick darauf, dass die Tatsache der Zustellung umstritten ist und kein
Zu
stellungnachweis
der Verfügung vom 4. Oktober 2011 vorliegt,
vermag die
Be
schwerde
gegnerin
den Nachweis nicht zu er
bringen, dass die Verfügung dem
Be
schwerdeführer tatsächlich zugestellt wurde. Demzufolge ist mit dem Be
schwer
de
führer davon auszugehen, dass diese
r
erst mit dem Schreiben der
Be
schwerde
gegnerin
vom
28. Dezember 2011
(Urk.
3/5
; Eingangsdatum am
4
. Ja
nu
ar 2012
) Kenntnis von der Ver
fügung vom
4
. Oktober 2011
er
halten hat. Die Eingabe vom
2. Februar 2012 (Urk. 2)
erfolgte daher
innert der dreissig
tägi
gen Rechtsmittelfrist, weshalb auf die Beschwerde
einzutreten
ist
.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerb
lichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in sei
nen
Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts
9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3)
. Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkung
en eines im Wesentlichen un
ver
ändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
ons
grund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeit
liche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bil
den die letzte rechts
kräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder
welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit
rechtskon
former
Sach
verhalts
ab
klärung
, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung be
ruht
(BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
3
.
3
.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete die Einstellung der Rente
zunächst
damit, dass
de
m
Beschwerdeführer
(
nun
)
eine
be
hinderungs
angepasste
mittelschwere Tätig
keit (vgl. dazu Belastungsprofil, Urk. 2 S. 2) ganztags zumutbar sei
und er unter Berücksichtigung einer 20%igen Einschränkung aufgrund
eines ver
mehr
ten Pausenbedarf
es
und
einer reduzierten Leistungsfähigkeit bei
einem lang
sa
meren Arbeitstempo
noch zu
80
%
arbeitsfähig sei.
Mittels
Einkom
mens
ver
gleich
s
resultiere
ein
Invaliditätsgrad
von 20
%
,
weshalb kein Rentenanspruch mehr bestehe (Urk. 2).
In der Vernehmlassung vom 1
2.
März 2012 (Urk. 8) ging sie demgegenüber davon aus, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zufolge zweifel
loser Unrichtigkeit in Wiedererwägung zu ziehen und die bisher ausge
richtete Rente deswegen einzustellen sei. Ferner hielt sie dafür, dass vorliegend
keine Eingliederungsmassnahmen hätten durchgeführt werden müssen
,
da
da
von
auszugehen sei, dass dem Beschwerdeführer die Selbsteingliederung ge
ling
en werde.
3
.2
Demgegenüber stellte
sich d
e
r Beschwerdeführer
auf den Standpunkt,
bei der Be
urteilung durch das
Z._
handle es sich einzig um eine neue Beurteilung ei
nes
u
nveränderten Gesundheitszustandes.
Für eine wiedererwägungsweise
Aufhebung
der ursprünglichen Rente bestehe ebenfalls kein Raum, da die
Be
schwerde
geg
ne
rin
den Sachverhalt damals detailliert und umfassend durch ih
ren medizini
sche
n Dienst habe beurteilen und abklären lassen.
4
.
4
.1
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine
medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem
Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Meyer, Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum IVG, 2. Auflage, S. 383). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer me
di
zinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechen
der
Ein
kommensvergleich
(mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorge
nomm
en werden kann. In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Recht
sprech
ung
dennoch nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausge
wiesener Leistungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zu
gesprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es
können im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medi
zinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen
Leis
tungs
entfaltung
entgegen stehen, wenn aus den Akten einwand
frei hervorgeht,
dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durch
führung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigen
anstrengung
der
versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesge
richts 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom
26. April 2011 dahingehend präzisiert, dass die revisions- oder
wiedererwä
gungs
weise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Perso
nen
, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Verwaltung zuvor die Not
wendigkeit von Eingliederungsmassnahmen geprüft hat (E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass diese Personen aufgrund ihres fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden lang
jährigen
Arbeitsab
sti
nenz
in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbständig wieder einzugliedern. Die Übernahme der beiden
Abgrenzungskriterien bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffenen einen
Besitz
standsanspruch
geltend machen können. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin
zugestanden, dass die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (vgl. erwähn
tes Urteil 9C_228/2010 E. 3.5).
4
.2
Nach der
Rentenzusprache
mit Verfügung vom
1
7.
Oktober 2001
(rückwir
kend pe
r 1.
November 1999; Urk. 9/17, Urk. 9/38
) ist
der im Januar 1955
geborene Be
schwerdeführer
keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen (Urk. 9/4
5)
. Im Zeitpunkt der Einstellung der
Rente war
er
mehr als 5
6
Jahre alt und be
zog seit
fast
1
2
Jahren eine ganze Invalidenrente.
Er
fällt damit unter den vom Bundes
ge
richt besonders geschützten
Bezügerkreis
.
4
.3
Es ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin vor der Renteneinstellung die
Frage der Zumutbarkeit der Selb
steingliederung geprüft oder dem
Be
schwer
de
führer
diesbezüglich genügend Hilfeleistungen angeboten hätte.
D
amit
ist
den bundesgerichtlich geforderten Voraussetzungen zur Aufhebung von
langjährigen Renten nicht Genüge getan. Vielmehr muss sich die
Beschwerde
gegnerin
vor der Herabsetzung oder Aufhebung der Invali
denrente vergewiss
ern
,
ob sich ein medizinisch-theoretisches Leistungsvermö
gen ohne Weiteres in einem
entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür eine
erwerbs
bezogene
Abklärung (der Eignung,
Belastungsfähig
keit
, usw.) und/oder die Durch
führung von beruflichen Eingliederungsmass
nahmen im Rechtssinne erfor
derlich ist. Dieser Prüfungsschritt zeitigt dort keine administrativen Weite
rung
en, wo
die gegenüber der Eingliederung vorrangige Selbsteingliederung direkt zur rentenausschliessenden
arbeitsmarktlichen
Ver
wertbarkeit des Leistungs
ver
mögens führt
(vgl. hierzu das erstmals in der Beschwerdeantwort erwähnte Vor
bringen, Urk. 8)
. Das ist namentlich der Fall, wenn bisher schon eine erhebliche
Restarbeitsfähigkeit bestand, so dass der
an
spruchserhebliche
Zugewinn an Leis
tungsfähigkeit kaum zusätzlichen
Einglie
derungsbedarf
nach sich zieht, vor allem
wenn das hinzugewonnene Leistungs
vermögen in einer Tätigkeit verwertet wer
den
kann, welche die versicherte Person bereits ausübt oder unmittelbar wieder
aus
üben könnte (Urteil des Bun
desgerichts 9C_163/2009 vom 10. September 2010
E. 4.2.2 mit Hinweisen). Gleiches gilt, wenn es sich bei der versicherten Per
son um eine agile, gewandte und im gesellschaftlichen Leben integrierte
Person handelt, sodass objektiv ei
ner Selbsteingliederung (trotz fortge
schritte
nen
Alters) nichts entgegensteht (Urteil des Bundesgerichts 9C_68/2011 vom 16. Mai 2011 E. 3.3).
Davon kann vorliegend keine Rede sein.
D
e
r Beschwerdeführer
hat jahrelang eine
ganze Invalidenrente bezogen und derweil keine Erwerbstätigkeit ausgeübt.
Er
verfügt über eine Schulbildung von gerade
acht
Jahren, hat keinen Beruf er
lernt und war vor Eintritt der langjährigen Invalidität
zuletzt als
Lager
mitar
beiter
im Möbelverkauf und zuvor im Gartenbau tätig
(Urk. 9/
4
Ziff.
6.3, Urk.
9/
6
und
Urk. 9/7/5
)
. Die Ausübung
seiner zu
letzt ausge
übten Tätigkeit als
Lagermitar
bei
ter
ist ihm
aber aufgrund
seiner
gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr
mög
lich (Urk. 9/
86
S.
18
).
D
e
r Be
schwerde
führer
kann daher nicht auf eine – und
sei es auch weit zurückliegende - gefestigte und unter den heute herr
schenden Ver
hältnissen aktualisierbare berufliche Erfahrung zurückgreifen, die für die
Selbst
eingliederung
nützlich sein könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_768
/2009 vom 10. September 2010 E.
4.2).
Damit liegt eine erhebliche
inva
liditätsbedingte
arbeitsmarktliche
Des
integration auf der Hand.
I
n den Akten
finden sich auch
keine
An
haltspunkte
dafür
, dass es sich bei
ihm
um eine agile und gewandte Person handelt, die die medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Wege der Selbsteingliederung verwerten könnte.
4
.5
Nach dem Gesagten kann d
e
r
Beschwerdeführer
angesichts
seiner
jahrelangen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und der sich auf die Tätigkeiten als
Gartenar
beiter
und
Lager
mitarbeiter
(
Urk. 9/4
Ziff.
6.3, Urk. 9/6, Urk. 9/86
/
13
) beschrän
ken
den beruflichen Erfahrung auch bei einer attestierten
8
0%igen Arbeitsfähig
keit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit (Urk. 9/8
6
/
35 Ziff. 3
) nicht auf den
Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden. Damit ist die Renten
ein
stellung so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwerdegegnerin die Wieder
ein
gliederung nicht aktiv gefördert und
d
e
n Beschwerdeführer
nicht hinrei
chend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat. Dies führt im Er
gebnis zur Gutheissung der Beschwer
de mit der Feststel
lung, dass der Be
schwerde
führer
einstweilen weiterhin Anspruch auf die bishe
rige ganze Rente hat.
4
.6
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich die Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen
zur
Rentenrevision
beziehungsweise
Wiedererwägung.
5
.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung).
5
.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Nach
§
34
Abs.
3 des
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich fest
zu
setzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den
Streit
wert. Gemäss
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft stehenden Verord
nung
über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
Sozialversiche
rungs
ge
r
icht
(
GebV
SVGer
) wird namentlich für un
nöti
gen Aufwand kein Ersatz gewähr
t.
5.3
Die Rechts
vertreterin
des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Sigg
Bonazzi
, machte
mit Eingabe vom 1
8.
Dezember 2012 (Urk.
23/1-3) bei einem Zeit
auf
wand von 13.10 Stunden
à
Fr.
250.
-- pro Stunde sowie
Barauslagen in der Höhe von
Fr.
97.73
zuzüglich Mehrwertsteuer
einen Aufwand von
insgesamt Fr.
3‘660.65
geltend
.
Der geltend gemachte Aufwand erscheint der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht ange
mes
sen und kann deshalb nicht vollumfänglich
abgegolten werden. Dies gilt
insbesondere
für die verschiedenen
Kontakte mit dem Beschwerdeführer
(
telefonisch und brieflich
inklusive Besprechung) sowie die
gestellten
Fristerstreckung
s
gesuche
, welche sich
insgesamt auf
mehrere
Stunden summieren. Angesichts der zu studierenden
99
Aktenstüc
ke der Beschwerdegegnerin, der neu
nseitigen Rechtsschrift,
der drei
sei
tigen Replik
sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanw
ältin Sigg
Bonazzi
bei Anwendung des
gerichts
üblichen
Stundenansatzes von
Fr.
200.
--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘
300
.
--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.