Decision ID: cd4695f5-21c1-4b6d-8f34-70de2b931b76
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975,
stammt aus
Palästina
und ist
seit 2013 Schweizer Bürger
.
Er absolvierte i
n Saudi-
Arabien
die obligatorische Schule
und
erlernte
in Jordanien
den Beruf des
Elektriker
s
/Elektromonteurs
, welche
r
Tätig
keit
(wie auch der
jenigen eines Schweissers
)
er
bis zu seiner Einr
e
ise in die S
chw
e
i
z im Jahr 2000
nachging (vgl.
Urk.
10/11 und
Urk.
10/18/31)
. In der S
chw
e
i
z
arbeitete
er zunächst als Hotel-Rezeptionist und ab 2
006 wiederum als Elektromonteur
;
ab
2008
übte er
mit seiner Einz
elfirma Y._
eine selbständige
Erwerbstä
t
igkeit als Allrounder
im Bereich Bau aus
und war
ab 2009
im Rahmen
der Z._
GmbH
tätig.
Nach einem längeren Au
fen
t
h
alt in Jordanien
(2013 – 2015)
reiste er im Jahr
2015 wiederum in die Schweiz ein, wo er seither
nicht mehr erwerbstätig war
und
Leistungen der
S
ozialhilfe bezieht
.
Mit Gesuch vom 2
6.
November 2020
meldete sich
X._
unter Hin
weis auf
seit dem Jahr 2013 bestehende Rückenschmerzen, «
Hinternha
ltz
Schmer
zen»
(wohl: Nackenschmerzen)
, Arthrose im linken Fuss und in beiden Knien bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum
Leistungs
bezug an (Urk.
10/11)
.
Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in erwerblicher Hinsicht
(IK-Auszug, Urk.
10/14)
und holte bei den behandelnden Ärzten/Institutionen medizinische Berichte ein
(Urk. 10/18, Urk.
10/20). Mit Mitteilung vom 22.
Juni 2021 hielt
sie
fest, dass
aufgrund des Gesundheitszustandes
des Versicherten
keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (Urk.
10/32).
Nach Einholung von
weitere
n
medizinischen Unterlagen (Urk.
10/36, Urk.
10/38,
Urk.
10/41)
und
Vorlage der
Akten
an
ihren
Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD;
Urk.
10/44
/5 ff.
)
verneinte
die IV-Stelle
nach Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
(
Urk.
10/45
-46) mit
V
erfügung vom 2.
November 2021
mangels Vor
liegens eines IV-relevanten Gesundheitsschadens
einen
Anspruch
des Ver
sicherten
auf IV-Leistungen
(Berufliche Eingliederungsmassnahmen, Invaliden
rente;
Urk.
2).
2
.
Dagegen erhob X._
hierorts
mit Eingabe vom 2.
Dezember 2021 Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei die Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom 2. November 2021 aufzuheben (1.), es sei dem Beschwerdeführer spätestens ab dem
1.
Mai 2021 eine angemessene IV-Rente zuzusprechen (2.), eventualiter sei dem Beschwerdeführer der Anspruch auf Eingliederungs
massnahmen (insbesondere Umschulung) zu gewähren (3.)
,
subeventualiter
sei
ein neutrales polydisziplinäres Guta
chten anzuordnen (4.), es sei Rechtsanwalt
Figi
als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen und die unentgeltliche
Prozessführung
zu bewilligen (5.), alles unter
Kosten- und Entschädigu
ngsfolgen zzgl. M
ehrwertsteuer
zu Lasten d
er Beschwerdegegnerin (6.; Urk.
1 S. 2).
Mit Eingabe vom 3
0.
Dezemb
er 2021 reichte X._
das
ausgefüllte
Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
samt Beilagen ins Recht (
Urk.
6
-8). Die
Beschwerdegegnerin
stellte mit Vernehmlassung vom 21.
Januar 2022 Antrag auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
9), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. Januar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen
aus, es liege keine IV-relevante gesundheitliche Beein
trächtigung vor. Gemäss
ihrem
RAD lägen vorwiegend IV-fremde Faktoren vor, welche nicht berücksichtigt werden könnten (
dekonditionierte
Konstitution, Gemütszustand/Motivation). Die diagnostizierte depressive Episode begründe keine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung. Dem Beschwerdeführer sei so
wohl die zuletzt ausgeübte wie auch jegliche angepasste Tätigkeit im V
ollpensum zumutbar
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen zur H
auptsache vorbringen, die im Recht
liegenden
Akten bestätigten, dass
er
zu 100
% erwerb
s
unfähig sei. Die Teilnahme an der A
rbeitsintegration vom
3.
Februar bis 2
8.
Februar 2020
(bzw.
wohl:
deren Ergebnisse)
untermauere
die vollständige Erwerbsunfähigkeit. Da sich der Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe, bestehe Anspruch auf eine ganze
Rente, jedenfalls
auf
Massnahmen
der be
ruflichen Eingliederung, insbesondere auf
Umschulung
(
Urk.
1).
3.
In den Akten finden sich im Wesentlichen die folgenden
medizinischen und beruflich-erwerblichen
Unterlagen:
3.1
Im Sprechstundenbericht der
Universitätsklinik
A._
,
Chiropraktische
Medizin,
vom 17.
April 2018
,
stellten die verantwortlich zeichnenden Fachärzte die folgenden Diagnosen:
1.
Chronisches
lumbosakrospondylogenes
Schmerzsyndrom,
mit/bei
-
Beidseitige
r
Spondylolyse
L5/S1
mit min
imaler
Anteroli
s
thesis
-
Discusprotrusion
L5/S1 mit fraglic
hem Kontakt zur L5-
Nervenwurzel links
-
Dysfunktionen beider ISG, rechtsbetont sowie L5/S1 linksbetont
-
Adipositas und muskulärer Insuffizienz
-
Myoten
din
otische
n
Veränderungen der Paravertebral- und
Gluteal
muskulatur
beidseits
2.
OSG-A
rthrose links
3.
Femoropatelläres
Sy
nd
rom rechts
4.
Arterielle Hypertonie
In ihrer Beurteilung führ
t
en
die Ärzte
im Wesentlichen aus, der
Beschwerdeführer
leide
an einem chronischen
lumbosakrospondylogenen
Schmerzsyndrom bei bekannter
Spondylolyse
L5/S1 sowie
myofaszialen
Begleiterscheinungen der paravertebralen und
glutealen
Muskulatur sowie Dysfunktionen beider ISGs, rechts beschwerdeführend. Es sei ausserdem eine ausgeprägte muskuläre Insuf
fizienz der
Abdominalmuskulatur
festzustellen. Der Fokus liege auf der Behandlung der segmentalen und
myofaszialen
Befunde mittels
chiropraktischer
Manipulation u
nd muskulär
detoni
sierender
Massnahmen.
Angaben zur Arbeits
fähigkeit machten sie nicht
(
Urk.
10/21
)
.
3.2
Im Bericht der
B._
, vom 27.
Februar 2020,
wo der Beschwerdeführer vom
3.
bis zum
2
8.
Februar 2020 im Rahmen einer
arbeitsintegrativen Massnahme
im Fachbereich Büro im Umfang v
on 45
% beschäftigt war, hielten die zuständigen
Fachpersonen
schlussfolgernd
fest, aus gesundheitlichen Gründen seien gegenwärtig keine Integrations
massnahmen möglich. Es habe sich gezeigt, dass selbst
die
Bürotätigkeit
zu
45
% in der B
asisbeschäftig
ung für den
Beschwerdeführer
nur schwer zu bewältigen
gewesen sei
. Neben der Notwendigkeit, abwechselnd zu stehen und zu sitzen, kämpfe
er
mit K
onzentrationsschwierig
keiten, da er stark damit beschäftigt sei, keine falschen
Bewegungen auszuführen und die passende Körperh
altung ein
zu
nehmen. Eine IV-Anmeldung werde empfohlen.
Z
u prüfen
sei zudem
,
ob alle medizinischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschö
p
ft seien.
Auch sei zu klären
,
ob es überhaupt eine angepasste Arbeit
gebe
bzw
.
ob
ein
e
Arbeitsfähig
keit gegeben sei (
Urk.
10/18/
31
f
f
.
, insb. S
.
34
f.
)
.
3.3
H
ausarzt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Innere Medizin FMH, s
tellte in seinem Bericht vom 1.
März 2021 an die IV-Stelle
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
die
nämlichen Diagnosen wie die
Ärzte der Universitätsk
linik
A._
im Bericht vom 17. April 2018
(E. 3.1)
, zusätzlich diagnos
t
i
zierte er
eine
Adi
positas BMI 40 (126 kg,
177 cm, 7/2018)
sowie eine
Pollakisurie
(seit 2018)
; als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte er
eine arterielle Hype
r
tonie,
eine
Refluxerkrankung
sowie einen Vitamin
B12-Mangel.
Er führte im Wesentlichen aus, se
it Jahren stünden tieflumbale Rückenprobleme im Vordergrund, die durch die
Spondylo
l
yse
von L5 mit
Spondylolisthesis
L5/S1 erklärt werden k
önnten. D
ie Hyperlordose, die Adipositas, die muskuläre Schwäche und die
arthrotischen
Veränderungen verstärkten die lumbalen Beschwerden. Versuche, Gewicht abzunehmen, seien in den vergangenen Jahren gescheitert.
Dr.
C._
verneinte
jeglic
h
e
Arbeitsfähigkeit
. Z
ur Prognose
führte
er
im Wesentlichen aus, er verweise auf
den Bericht der B._
vom 2
7.
Februar 202
0.
V
on Integrationsmassnahmen
sei damals
ab
geraten worden, da der Versicherte aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen auch mit leichten Bürotätigkeiten überfordert gewesen sei. Mittelfristig sei daher eine Arb
eitsaufnahme kaum möglich (Urk.
10/18
/1 ff.
).
3.
4
Med.
pract
.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin und Pädiatrie,
nannte
in seinem Bericht an die IV-Stelle vom 9.
April 2021 neben den bekannten
Leiden
unter «
Diagnosen
»
einen
depressive
n
Zustand bei schweren psychosoz
ialen Ver
hältnissen sowie
einen
soziale
n
Rückzug.
Der
Beschwerdeführer
befinde sich bei E._
in delegierter Psychotherapie.
Zur A
rbeits
fähigkeit führte med.
pract
.
D._
im Wesentlichen aus,
wegen der chronischen somatischen Befunde
seien leichte angepasste Tätigkeiten
schwierig. Von der psychischen Seite her sei der Versicherte für eine leichte angepasste Tätigkeit minimal einsetzbar. Die IV-Stelle werde gebeten herauszufinden, wieviel genau der Patient für leichte angepasste Tätigkeiten einsetzbar sei. Da sich der Zustand verschlechtere
,
habe er den
Beschwerdeführer
in die Klinik
A._
überwiesen (
Urk.
10/20).
3.5
Lic
. phi
l.
E._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, nannte in seinem Formularbericht vom 2
4.
Juni 2021
an die IV-Stelle
die
folgende
n
am 1
5.
März 2021 gestellten
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
chronische sekundäre
muskuloskelettale
Schmerzen (ICD-11 MG 30.31)
: starke Schmerzen, starker Leidensdruck und starke schmerzbedingte Ein
schränkungen
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Adipositas
(ICD-10 E66.9)
und muskuläre Insuffizienz
-
Sonstige Probleme mit Bezug auf die Lebensbewältigung (ICD-10 Z87.3): übermässige psychosoziale Belastungen
:
Einschränkung von Aktivitäten durch Behinderung (ICD-10 Z73.8): Kran
k
heiten des Muskel-Skelett-Systems (ICD-10 Z82.6): Arthrose (ICD-10
M15)
.
Der
Beschwerdeführer
sei durch starke Schmerzen und Bemühungen um Ver
meidung falscher Haltungen und Bewegungen sehr absorbiert. Er beschreibe auch Symptome erhöhter Sensitivität und vegetativer Dysregulation wie hyperaktiv
e Blase, Spannungskopfschmerzen und
chronische Müdigkeit. Sein Schlaf sei ober
flächlich, nicht erholsam und er erwache frühmorgens. Er fühle sich schnell erschöpft und habe dann Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und Auffassungs
vermögen, könne Erzählungen nicht mehr folgen, sei besonders lärmempfindlich und emotional reizbar, leicht aggressiv und ungeduldig.
Zur Arbeitsfähigkeit
gab
lic
. phil
.
E._
an, weder die angestammte noch eine angepasste Tätigkeit seien noch zumutbar. Aufgrund der sich verschlechternden Symptomatik bestehe für die Eingliederung eine schlechte P
rognose (
Urk.
10/36).
3.6
Der verantwortlich zeichnende (Assistenz-)Arzt der Universitätsklinik
A._
,
Wirbelsäulenzentrum,
med.
pract
.
F._
,
st
ellte im Bericht vom 28. Juni 2021 im W
esentlichen die gleichen Diagnosen wie
die Ärzte
im
Sprechstundenbericht der Universitätsklinik
A._
,
Chiropraktische
Medizin
,
vom
1
7.
April 2018
(E.
3.1
hiervor)
;
zusätzlich diagnostizierte er eine A
diposita
s
permagna
mit/bei arterieller Hypertonie
. Er gab an, der
Beschwerdeführer
leide aktenanamnestisch seit über zehn Jahren an lumbalen Schmerzen, vor ca
.
4-5 Jahren sei erstmalig eine
Spondylolyse
radiologisch diagnostiziert worden. Daraufhin seien mehrere Schmerzbehandlungen durch die interne Chiropraktik erfolgt. Am 3.
Juni 2021
sei der Patient
das erste Mal
in der Wirbelsäulen
sprechstunde vorstellig geworden aufgrund einer akuten Exazerbation der lumbalen Beschwerden rechtsseitig. H
ierbei hätten ein in
it
ial angefertigte
s Rönt
gen sowie eine MRI-
Bildgebung vom
3.
Juni
2021
stationäre Verhältnisse der
Spondylolyse
mit
Anterolisthesis
L5/S1 sowie mässiger
Foramenstenose
nach
weisen können
(
Ziff.
2.1
)
. Zur Arbeitsfähigkeit gab
med.
pract
.
F._
an, diese sei aktenanamnestisch schwierig einzuschätzen, die
Spondylolyse
und die
Anterolisthesis
seien sicherlich
pathomorphologisch
vorhanden. Generell könne die bisherige
(
u.a
.
körperlich strenge und stark rückenbelastende
Tätigke
it
,
vgl.
Ziff.
3.3 des Berichts
)
nicht abschliessend eingeschätzt werden
,
bis die Diagnostik abgeschlossen sei
(
Ziff.
4.1
)
.
Bei
langjährigem Rücke
nleiden müsste eine An
passung mit
rückenschonende
n
Arbeiten erfolgen. Es sollten dabei keine schweren Lasten mehr gehoben und auf eine gute Rückenergonomie geachtet werden. Eine normale Arbeitsdauer sei durchaus denkbar, jedoch akten
anamnestisch schwer einzuschätzen
(4.2)
. Auch eine P
rog
nose sei schw
ie
rig zu treffen, jedoch sei bei mehrjährigem Le
id
en an
der Wirbelsäule der arbeits
intensive Beruf des Elektrikers sicher nicht beschwerdelindernd. Eine definitive Prognose könne erst gestellt werden, wenn die primäre Diagnostik abgeschlossen und die vorgeschlagene Anbindung an die hausinterne Rheumat
ologie erfolgt seien (
Urk.
10/38; vgl. auch
Urk.
10/40
).
Im Bericht der Universitätsklinik
A._
, Rheumatologie und Physikalische Medizin, vom 2
6.
Juli 2021, diagnostizierte der verantwortlich zeichnende Assistenzarzt ein chronisch anmutendes
lumbo
- bis
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom sowie eine symptomat
ische OSG-
Arthrose links. Die Arbeits
fähigkeit sowie deren Prognose
seien nicht
beurteilbar (Urk.
10/41).
3.
7.
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Innere Medizin, vom RAD, hielt in seiner
Stellungnahme vom 26.
August 2021 fest, aufgrund der spezialärztlichen Berichte (speziell aktuell Orthopädie
A._
und Physikalische Medizin
A._
) ergäben sich keine klaren Befunde, welche allfällige Einschränkungen genau bezeichnen könnten. Der Befund einer
Spondylolyse
und
Diskusprotrusion
sowie
OSG
–Arthrose links könnte
für eine körperliche Schwerarbeit einschränkend sein, so
dass die I
ntegratio
nsmassnahme mit Büroarbeit sinnvoll erscheine. Eine depressive Episode sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden. Zur T
ätigkeit
als Elektriker gab er an, die Akten enthielten keine Befunde
,
welche die T
ätigke
i
t
grundsätzlich unmöglich machten.
Bezüglich angepasster Tätigkeit überzeuge die Begründung mit Konzentrationsmängeln bei der Büroarbeit
im Rahmen der Integrationsmassnahme
nicht; in den Akten fänden sich keine Befunde, welche eine Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
unmöglich machten. Zusammen
gefasst fänden sich in den medizinischen Akten der letzten 5-10 Jahre keine Befunde
,
welche gegen eine Arbeitsfähigkeit sprechen würden. Die
peradipöse
,
dekonditionierte
Konstitution und der Gemütszustand (Motivation?) seien kei
ne IV-relevanten Faktoren (Urk.
10/44/
6).
4.
4.1
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sach
verständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut
achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Die IV-Stelle legte der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen die
Stellung
nahme
ihres RAD-
Arztes
Dr.
G._
vom 2
6.
August 2021
zugrunde,
in welcher dieser
aufgrund der Akten
keine
Befunde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
festgestellt hat
.
Jedoch
bestehen in somatischer Hinsicht
insbesondere
mit Blick auf die
Beri
c
hte
der Uni
v
ersitätsklini
k
A._
durchaus
Gesundheitsschäden
mit
möglicher Auswirkung auf die
Arbeitsf
ä
h
igkeit
, wovon um
so mehr auszugehen ist
,
als
der
für
den Bericht
des
Wirbelsäulenzentrum
s der Klinik
A._
vom
28. Juni 2021
verantwor
t
l
ich
ze
i
chnen
d
e
Arzt
med.
pract
.
F._
– auch wenn er keine prozentgenauen Angaben zur Arbeitsfähigkeit z
u machen vermoch
te - unter Hinweis auf die diagnostizierte
Spondylolyse
und
Anterolisthesis
jedenfalls
eine A
np
assung
der bisherigen körperlich
en
Tätigkeit
mit rückenschonenderen Tätig
keiten
als
angezeigt
sah
.
Vor
diesem Hintergrund sowie
aufgrund
des Umstandes
,
wonach
selb
s
t
die
Spezialisten
der Universitäts
k
linik
A._
, welche den Beschwerdeführer
pers
ö
nlich
untersucht hatten,
sich
bis zum Abschluss der Diag
n
o
s
t
ik
nicht
in
der Lage
sahen
,
die
Arbeits
fäh
igkeit
zuverlässig zu beurteilen
,
überzeugt daher nicht, wenn
Dr.
G._
zu
m
-
rein aktenbasierten
-
Schluss gelangt, es bestehe sowohl als Elektriker als auch in einer angepassten Tätigkeit
e
ine
uneingeschränkte
Arbeitsfähigkei
t
.
D
ies gilt um
so mehr
,
als
Dr.
G._
selber ausgeführt hatte, dass der Befund einer
Spondylolyse
und
Diskusprotrusion
sowie OSG–Arthrose links für eine körper
liche Schwerarbeit einschränkend sein könne und die Integrationsmassnahme mit Büroarbeit sinnvoll erscheine
.
M
it
diesen
Ausführungen
ist
die ohne
nachvoll
ziehbare
Begründung
attestierte
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
auch
als Elektriker
nicht ohne Weiteres
zu
vereinbar
en
.
Eine überzeugendere Begründung wäre
jedoch
umso erforderlicher gewesen
, als die
medizinisch-theoretische Ein
schätzung
von Dr.
G._
auch
im offenkundigen
Gegensatz
zu den
Ergebnissen der
Eingliederungsbemühungen
der
B._
im Bericht vom 27.
Februa
r 2020 steht, wonach
der Beschwerdeführer
-
trotz guter Motivat
i
on
-
selbst
i
n
einer angepassten leichten
Tätigkeit
nicht
in der Lage war, e
ine
Leistung
s
fähigk
ei
t
von
auch nur
45
% zu erbringen
(vgl.
Urk.
10/18/34 ff.)
.
Aber auch
soweit
RAD-
Arzt
Dr.
G._
–
ohne
über eine Spezialisierung auf dem Gebiet
der Psychiatrie und Psychother
a
p
ie
zu verfügen
(vgl. auch www.medregom.admin.ch)
– g
e
stützt auf die vorliegenden Akten einen
invalidenversicherungsrechtlich
r
elevanten
psychischen
Gesundheitsschaden
von Vorneherein
ver
n
ei
n
t, überzeug
t
dies
nicht.
So
stehen
beim Beschwerdeführer
mit dem
diagnostizierten «depressiven Zustand»
(med.
pract
.
D._
)
bzw.
ins
besondere
der
diagnostizierten
mittelgradigen bis schweren
depr
essiven E
pi
sode
sowie
der
chronischen Schmerzstörung
(
lic
. phil.
E._
)
eigentliche
psychi
a
trische Lei
d
en im Raum
, bezüglich welcher
sich aus
den Akten
ergibt
,
dass
sie psychopharmakologisch
(
Eszitaloprom
) und
seit Mitte März 2021 bei
lic
. phil.
E._
psychotherapeutisch
behandelt werden
(vgl. zu beidem
Urk.
10/36/2-3). Dies
e Angaben
hätte
n
- zumal
die
Diagnosestellung
insbesondere
bei
lic
. phil.
E._
auf einer objektiven Befundaufnahme
beruht
(vgl.
Urk.
10/36/3
Ziff.
2.4
)
-
jedenfalls
zu weiteren Abklärungen führen müssen
.
E
ine fragliche (
wohl:
Arbeits
-
)
Motiv
a
ti
on
,
wie
von
RAD-
Arzt
Dr.
G._
an
ge
deutet,
lässt sich
den Akten
im Übrigen
nicht
entnehmen
,
wurde d
em Beschwerdeführer
i
m Bericht der B._
vom 27. Februar 2020
doch
gegenteils
ein einwandfreies Arbeitsv
e
rhalten und gute Motivation
attestiert
(vgl.
Urk.
10/18/35
)
.
Insgesamt bestehen
damit aber
zumindest
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Fest
st
ellung
bzw
.
Beurteilung
von
Dr.
G._
, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann
(vgl.
E.
4.2
)
.
4.3
4.3.1
Ebenso
wenig kann
allerdings
auf die
Einschätzungen
von
Dr.
C._
und
med.
pract
.
D._
ab
g
estellt werden
, beruht deren
Beurteilung
doch
im W
ese
ntlichen auf dem
Bericht der
B._
vom 27. Februar 2020
und den darin enthaltenen
nichtärztlichen Schlussfolgerungen
, was
im vorliegenden Zusammenhang
für die
rechts
genügliche
Festlegung der Arbeitsfähigkeit
bzw. der Invalidität
nicht genügt
.
Auch soweit
lic
. phil.
E._
eine
gänzliche Arbeits
- bzw. Erwerbs
unfähigkeit
(auch)
aus psychische
n
Gründen
attestiert
,
genügt dies
beweisrechtlich
nicht
,
was schon daher gilt, als
für die ver
lässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der Regel psychiatrische Fachärzte beizu
ziehen sind (
vgl.
E. 1.2 hiervor, vgl. auch
BGE 130 V 352 E. 2.2.3
)
.
I
n Bezug auf Berichte von
b
ehandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften
ist überdies
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
, weshalb im Streitfall eine
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Fach
personen kaum je in Frage kommt
(
vgl.
BGE 135 V 46
5 E.
4.5).
Da der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht genügend abgeklärt
sind
,
drängt sich
eine Begutachtung des B
eschwerdeführers auf
.
4.3.2
Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin bei der Einholung eines ent
sprechenden Gutachtens
den
bundesgerichtlichen
Vorgaben
Rechnung zu tragen hat, so
insbesondere zum strukturierten Beweisverfahren
bei psychischen Erkrankungen
(
vgl.
BGE 143 V 418
)
und zur Berücksichtigung von Adipositas bei der Beurteilung von invalidenversicherungsrechtlichen Leistungen.
Zwar bewirkt Adipositas nach der Rechtsprechung grundsätzlich keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität, wenn sie nicht körperliche oder geistige Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichts
abnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit bzw. der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat. Die Adipositas ist unter Berück
sichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles mithin dann als invalidisierend zu betrachten, wenn sie für sich allein weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden voraus
sichtlich keine rentenbegründenden Auswirkungen mehr auf die Leistungsfähig
keit im Beruf oder im Aufgabenbereich hat (vgl. statt vieler Urteil des Bundes
gerichts 8C_496/2012 E. 2.2
m.w.H
.).
Um den bundesgerichtlichen Beweisanforderungen
zu genügen
(vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts I 53/00 vom 1
4.
Juli 2000 E. 4a)
,
muss ein Gutachten im hier
interessierenden Zusammenhang damit insbesondere die Fragen beantworten nach
-
der Arbeitsfähigkeit und den zumutbaren Arbeitsleistungen unter Berück
sichtigung aller somatischen und psychischen Erkrankungen einschliess
lich der Adipositas ohne Gewichtsreduktion, weiter nach
-
dem Mass der zumutbaren Gewichtsreduktion und der dafür erforderlichen Zeitspanne, ferner nach
-
der hierfür und für eine nachfolgende Gewichtsstabilisierung geeigneten Behandlungsmethode sowie nach
-
der Arbeitsfähigkeit und den zumutbaren Arbeitsleistunge
n während der für die zumutbare
Gewichtsreduktion erforderlichen Zeitspanne.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine Rente nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur verweigert werden darf, wenn sich schlüssig ergibt, dass eine versicherte Person trotz ihres Übergewichtes in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht in rentenbegründendem Ausmass beeinträchtigt ist oder dies jedenfalls nach einer zumutbaren Gewichtsreduktion nicht mehr der Fall wäre. Falls sich hingegen ergibt, dass die versicherte Person aufgrund ihres Übergewichtes nur bis zum Ab
schluss einer zumutbaren Gewichtsreduktion in rentenbegründendem Ausmass invalid ist, wären das Mass und der Beginn der ihr
diesfalls
bis zu diesem Zeit
punkt zustehenden, befristeten Rente entsprechend der gutachterlichen Beurteilung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit bis zur Durchführung einer geeigneten Gewichtsreduktion festzusetzen (Urtei
l des Bundesgerichts I 53/00
vom 1
4.
Juli 2000
E.
4b
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts I 745/06 vom 2
1.
März 2007 E. 3.2
).
4.4
Zusammengefasst ist die
angefochtene
Verfügung vo
m
2.
November 2021
somit
aufzuheben und
die Sache
zur Vornahme
von
rechtsgenüglichen
Ab
k
lärungen
(Begutachtung)
und anschliessendem
neu
erlichen Entscheid über die Lei
s
t
ungs
ansprüche des Beschwerdeführers (berufliche Massnahmen, Rente)
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
heissen
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die Rückweisung
der
Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich.
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche
–
eine Kostennote
wurde nicht
eingereicht (vgl.
Urk.
11) -
in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
ermessensweise
auf Fr.
2‘400
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege und unentgeltlichen Rechtsvertretung gegenstandslos.