Decision ID: 1f6d74cf-ea97-487c-9ea7-48d73993998c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 28. November 2005 wegen Atemnot und Asthma zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er hatte zuletzt als CNC-Mechaniker gearbeitet.
Die Stelle war ihm per Ende November 2005 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt
worden. Der letzte Arbeitstag sei der 10. Mai 2005 gewesen. Weder der
Arbeitsvermittler noch die Arbeitgeberin seien bei Stellenantritt über die Krankheit
informiert worden. Trotz des Wissens um die Krankheit habe der Versicherte
bereitstehende Schutzmasken nicht getragen und stark geraucht (vgl. Fragebogen für
den Arbeitgeber vom 6. Januar 2006, IV-act. 15). Der Versicherte wurde am 28. Juni
2007 von RAD-Arzt Dr. med. B._, Facharzt u.a. für Innere Medizin und Pneumologie,
und am 3. Juli 2007 von RAD-Ärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, untersucht. Sie diagnostizierten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01), eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), einen Verdacht auf
Spannungskopfschmerz (ICD-10: G44.2) und schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz
(ICD-10: G44.4), einen schädlichen multiplen Substanzgebrauch (ICD-10: F19.1), einen
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeit mit impulsiven Zügen sowie ein Asthma
bronchiale (ICD-10: J45.0). Gesamthaft resultiere für eine leidensangepasste Tätigkeit
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Im Vordergrund der Leistungsbeeinträchtigung seien die
Einschränkungen psychischer Art (interdisziplinärer RAD-Untersuchungsbericht vom
29. August 2007, IV-act. 60; siehe auch die RAD-Stellungnahme vom 30. August 2007,
IV-act. 61). Mit Verfügung vom 3. September 2008 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. Mai 2006 eine halbe Rente zu (IV-act. 85). Die dagegen
A.a.
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erhobene Beschwerde vom 3. Oktober 2008 (IV-act. 90-2 ff.) hiess das
Versicherungsgericht teilweise gut. Es hob die Verfügung vom 3. September 2008 auf
und wies die Sache zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens (Wiederaufnahme
der Eingliederungsbemühungen und gegebenenfalls weitere medizinische Abklärung)
an die Beschwerdegegnerin zurück. Falls sich die Eingliederung aus Gründen der
Arbeitsunfähigkeit nicht möglich erweise, habe die IV-Stelle über den definitiven
Rentenanspruch zu befinden (Entscheid vom 2. Juli 2010, IV 2008/430, IV-act. 99).
Vom 4. April bis 20. Mai 2011 nahm der Versicherte im D._ an einem
Belastbarkeitstraining teil. Während der gesamten Zeit des Belastbarkeitstrainings
seien gesundheitliche Themen und die Einschränkungen, die der Versicherte durch sie
erfahren habe, im Vordergrund gestanden. Sie hätten «eine stabile Erreichung und
kontinuierliche Erweiterung der Präsenzzeiten sowie den Aufbau der Arbeitsfähigkeit»
verhindert. Sie schienen zudem zu verhindern, dass der Versicherte für sich eine
berufliche Perspektive entwickeln könne (Schlussbericht des D._ vom 26. Mai 2011,
IV-act. 125; zu den Taggeldleistungen während der Integrationsmassnahme siehe
Verfügung vom 13. Januar 2012, IV-act. 136).
A.b.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 12. September, 3., 11. und
17. Oktober 2012 polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch,
dermatologisch und pneumologisch) in der SMAB AG begutachtet. Die SMAB-
Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine Agoraphobie
mit Panikstörung (ICD-10: F40.01), eine rezidivierende depressive Störung, leichte bis
mittelgradige depressive Episode, und ein Asthma bronchiale. Die bisherige Tätigkeit
als Mechaniker mit Exposition zu den das Asthma verschlimmernden Reizstoffen sei
dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge
der Versicherte über eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 12. Dezember 2012,
IV-act. 153). RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt u.a. für Psychiatrie, vertrat in der
Stellungnahme vom 16. Januar 2013 den Standpunkt, das SMAB-Gutachten erfülle die
versicherungsmedizinischen Anforderungen in vollem Umfang, so dass hierauf
uneingeschränkt abgestellt werden könne. Berufliche Massnahmen seien aufgrund der
Vorerfahrungen mit dem Versicherten und der auch gegenüber den Gutachtern
geäusserten hohen Selbstlimitierung nicht erfolgreich. Es sei von einer nicht weiter zu
steigernden Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 154). In der Mitteilung vom
A.c.
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28. Oktober 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um weitere berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 167).
Am 6. Januar 2014 erhielt die IV-Stelle einen internen Hinweis, dass Umstände
bestünden, die den Gesundheitsschaden des Versicherten in Frage stellen würden (IV-
act. 171; zu den Internetrecherchen, aus denen die Tätigkeit des Versicherten für eine
regionale Fachstelle Integration hervorgeht, siehe IV-act. 172). Anlässlich des
Standortgesprächs vom 6. März 2014 befragte F._, Mitarbeiter der IV-Stelle, den
Versicherten zu seinen Leiden, seinem Alltag und seiner Tätigkeit für die Fachstelle
Integration. Der Versicherte erklärte u.a., er übe die Tätigkeit für die Fachstelle seit
anfangs 2012 aus. Es handle sich um ein Pensum von 12 bis 14 % (IV-act. 178).
Nachdem die IV-Stelle weitere Informationen des Arbeitgebers des Versicherten
eingeholt hatte (siehe die Telefonnotiz vom 10. April 2014, IV-act. 185, und den
ausgefüllten Fragebogen Arbeitgebende vom 17. April 2014, IV-act. 188), teilte sie dem
Versicherten am 17. Juni 2014 mit, die Rentenleistungen würden gestützt auf das Urteil
des Versicherungsgerichts vom 2. Juli 2010 per sofort eingestellt. Aufgrund der neuen
Erkenntnisse bestünden begründete Zweifel am rechtmässigen Bezug der Rente. Nach
der Durchführung von weiteren Abklärungen werde er einen neuen Vorbescheid
erhalten (IV-act. 203).
A.d.
Am 22., 27. und 30. April 2015 sowie am 7. und 13. Mai 2015 wurde der
Versicherte im Auftrag der IV-Stelle polydisziplinär (allgemein-internistisch,
rheumatologisch, psychiatrisch, dermatologisch und pneumologisch) im BEGAZ
Begutachtungszentrum Basel-Landschaft untersucht. Die BEGAZ-Gutachter stellten
folgende Diagnosen: eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1), eine mögliche Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01)
und ein Asthma bronchiale. Gesamtmedizinisch sei – in Übereinstimmung mit den
Vorgutachten – eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit zu
attestieren. Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten sie dem Versicherten
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Gesamtgutachten vom 4. Juni 2015, IV-act. 231,
insbesondere IV-act. 237-57 ff.). Dr. med. G._, Mitarbeiterin IV-Stelle, gelangte in der
Stellungnahme vom 7. Juli 2015 zum Schluss, auf das BEGAZ-Gutachten könne
vollumfänglich abgestellt werden. Es sei aus medizinischer Sicht nicht anfechtbar (IV-
act. 239).
A.e.
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Am 1. Oktober 2015 erhielt die IV-Stelle die Beurteilung von Dr. med. H._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Arzt der AXA Winterthur,
vom 9. September 2015. H._ vertrat darin die Auffassung, der psychiatrische Teil des
BEGAZ-Gutachtens sei «völlig ungenügend» (fremd-act. 7-2 ff.). Daraufhin hielt
Dr. G._ in der Stellungnahme vom 19. Oktober 2015 fest, es erscheine in dieser
insgesamt unklaren Situation mit drei unterschiedlichen fachärztlichen Einschätzungen
der psychischen Problematik zielführend, weitere Abklärungen durchzuführen. Eine
erneute Begutachtung dränge sich auf. Doch werde auch der neue Gutachter seine
Einschätzung auf die subjektiven Angaben des Versicherten stützen müssen. «Eine
vorausgehende Observation könnte wertvolle Hinweise auf das tatsächlich vorliegende
Funktionsniveau liefern. Diese neuen Erkenntnisse könnten durchaus zur Erleichterung
der erneuten Einschätzung beitragen» (IV-act. 246). Im Auftrag der IV-Stelle wurde der
Versicherte im Zeitraum vom 2. November 2015 bis 15. Januar 2016 durch den
Ermittlungs- und Observationsdienst I._ überwacht (Ermittlungsbericht vom
6. Februar 2016, IV-act. 251; separate DVD, act. G 9.5).
A.f.
Das nachfolgende weitere Standortgespräch mit F._ vom 23. März 2016 brach
der Versicherte ab. Da es um eine Überwachung gehe, würde er das gerne zunächst
mit seinem Anwalt besprechen (IV-act. 258). Am 4. Mai 2016 fand ein neuerliches
Standortgespräch statt, an dem nebst F._ und dem Versicherten auch dessen
Rechtsvertreter teilnahm (IV-act. 270; siehe auch die Aktennotiz vom 9. Mai 2016, IV-
act. 274).
A.g.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2016 ordnete die IV-Stelle an, der
Versicherte habe sich einer psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen. Dessen
Gesuch um Entfernung des Observationsmaterials wies es ab (IV-act. 284). Die
dagegen erhobene Beschwerde vom 15. August 2016 (IV-act. 288-2 ff.) hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 24. März 2017, IV 2016/264, gut. Es hob die
angefochtene Zwischenverfügung auf, verpflichtete die IV-Stelle, zunächst die BEGAZ-
Sachverständigen mit der Kritik von H._ zu konfrontieren und das
Observationsmaterial aus den Akten zu entfernen (IV-act. 304). Die IV-Stelle erhob
dagegen am 18. Mai 2017 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (IV-
act. 307), die das Bundesgericht am 6. Oktober 2017 guthiess. Es hob die
A.h.
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Anordnungen des Versicherungsgerichts auf und befand «[...] die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen vom 14. Juni 2016 wird bestätigt» (IV-act. 311).
Vom 5. bis 31. Oktober 2017 befand sich der Versicherte zur stationären
Behandlung in der Psychiatrie J._, nachdem er zuvor vom 30. September bis
5. Oktober 2017 wegen rezidivierender Dyspnoeattacken im Spital K._ hospitalisiert
war (siehe hierzu den Austrittsbericht vom 6. Oktober 2017, IV-act. 339). Die in der
Psychiatrie J._ behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten u.a. eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode: Mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11) sowie Störungen durch Sedativa oder
Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom: Mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10:
F13.24). Als Differenzial- bzw. Verdachtsdiagnosen erwähnten sie eine Panikstörung
(episodisch paroxysmale Angst; ICD-10: F41.0) und eine schizoaffektive Störung,
gegenwärtig depressiv (ICD-10: F25.1). Bei Austritt am 31. Oktober 2017 hielten sie
den Versicherten «zu 0 % arbeitsfähig» (IV-act. 322). Gleichentags trat er zur weiteren
stationären Behandlung in die Psychiatrische Klinik L._ ein (siehe hierzu den Bericht
der dort behandelnden medizinischen Fachpersonen vom 21. November 2017, IV-
act. 323, worin sie dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigten). Der seit Oktober 2012 behandelnde med. pract. M._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 30. November 2017, das schwere
depressive Zustandsbild habe sich chronifiziert. Der Versicherte werde weiter zu 100 %
arbeitsunfähig bleiben (IV-act. 324). Im Austrittsbericht vom 12. Februar 2018 machten
die medizinischen Fachpersonen der Klinik L._ Angaben zur vom 31. Oktober bis
23. Dezember 2017 erfolgten stationären Behandlung. Für den Zeitraum der
stationären Behandlung bescheinigten sie dem Versicherten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Längerfristig sei von einer deutlich eingeschränkten Arbeits- und
Leistungsfähigkeit auszugehen (IV-act. 341). Vom 29. Januar bis 1. Juni 2018 nahm der
Versicherte eine teilstationäre Behandlung im Psychiatrie-Zentrum N._ zur Therapie
der diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung in Anspruch. Die dort
behandelnden medizinischen Fachpersonen bescheinigten dem Versicherten für
körperliche Tätigkeiten mit erhöhten psychischen Anforderungen eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 352-2 ff.).
A.i.
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Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten die Sachverständigen der MediCore (Bad
Ragaz) AG am 29. September 2019 ein polydisziplinäres (allgemeininternistisches,
rheumatologisches, psychiatrisches und pneumologisches) Gutachten. Als einziges
Leiden, dem sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen, diagnostizierten
sie ein Berufsasthma (Ginastufe 5, Erstdiagnose 1991). Des Weiteren erhoben sie
folgende Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit absprachen:
solide pulmonale Rundherde, psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol,
schädlicher Gebrauch, DD Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.1), psychische und
Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10:
F13.2; «Rückschluss aus Eigenangabe über Medikamenteneinnahme, nicht
labortechnisch bestätigt»), eine Adipositas, anamnestische plaqueförmige
Hautveränderungen am Rücken und einen unwahrscheinlichen aktenkundigen
Verdacht auf eine HLA-B27-negative periphere Spondylarthropathie. Aus pulmonaler
Sicht wurde dem Versicherten für die angestammte Tätigkeit als Polymechaniker bei
Staub- und Dampfexposition eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Die
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten schätzten die MediCore-
Sachverständigen auf 100 % (IV-act. 382). Dr. G._ würdigte das MediCore-
Gutachten und gelangte in der Stellungnahme vom 28. Oktober 2019 zur Ansicht,
sowohl das rheumatologische als auch das pneumologische Teilgutachten sei bezogen
auf den gesamten beurteilten Verlauf nachvollziehbar begründet. Demgegenüber sei
der gesundheitliche Längsverlauf im psychiatrischen Teilgutachten nicht genügend
skizziert worden. Diesbezüglich empfahl Dr. G._, Rückfragen an die psychiatrische
MediCore-Gutachterin, pract. med. O._, Fachärztin u.a. für Psychiatrie und
Psychotherapie, zu stellen (IV-act. 383). Am 13. Juni 2020 beantwortete diese die
Rückfragen der IV-Stelle vom 21. November 2019 (siehe hierzu IV-act. 385). Dr. G._
hielt die Beantwortung der Rückfragen für umfassend und überzeugend
(Stellungnahme vom 9. Juli 2020, IV-act. 390).
A.j.
Auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen 10%igen Invaliditätsgrad und stellte dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 12. August 2020 die Abweisung des Rentengesuchs
in Aussicht (IV-act. 391). Dagegen erhob der Versicherte am 14. September 2020
Einwand, worin er eine neutrale Begutachtung und eventualiter geeignete
A.k.
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B.
Eingliederungsmassnahmen beantragte. Zudem ersuchte er um Entfernung des
Observationsmaterials und sämtlicher sich darauf stützender Gutachten aus den Akten
(IV-act. 393). Die IV-Stelle wies das Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung vom
9. November 2020 ab (IV-act. 396).
Gegen die Verfügung vom 9. November 2020 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 10. Dezember 2020. Darin beantragt der Beschwerdeführer deren
Aufhebung und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Er machte geltend, das MediCore-Gutachten sei nicht
beweiskräftig (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 31. März 2021 änderte der
Beschwerdeführer seine bisherigen Anträge dahingehend, dass ihm eine halbe Rente
ab Mai 2006 «zu bestätigen» sei. Für die Zeit vom 30. September 2017 bis zum
23. Dezember 2017 sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung und Neuentscheidung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Ermittlungs- und Überwachungsbericht
sowie der Bericht von H._ seien aus den Akten zu entfernen. Zur Begründung bringt
der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, das MediCore-Gutachten sei nicht
beweiskräftig. Zudem sei der Wechsel unter den MediCore-Sachverständigen ohne
Mitteilung an ihn (den Beschwerdeführer) erfolgt, wodurch sein Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt worden sei (act. G 7). Mit der Beschwerdeergänzung reicht
der Beschwerdeführer weitere medizinische Berichte ein (act. G 7.3 ff.).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2021
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Sie macht
hauptsächlich geltend, das Bundesgericht habe über die Verwertbarkeit des
Observationsmaterials bereits rechtskräftig entschieden, weshalb auf den Antrag um
dessen Entfernung nicht einzutreten sei. Im Rahmen der Bekanntgabe der
medizinischen Sachverständigen sei der Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör nicht verletzt worden. Die Beschwerdegegnerin hält die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit und deren Verlauf für beweiskräftig und führt bezüglich der vom
Beschwerdeführer von Mai 2006 bis Juni 2014 bezogenen halben Rente aus, beim
aktuellen Aktenstand komme aufgrund des Verjährungseintritts eine Rückforderung der
B.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist das Rentengesuch
des Beschwerdeführers vom 28. November 2005. Bezüglich der für einen
Rentenanspruch massgebenden rechtlichen Grundlagen kann auf die Darstellung im
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 2. Juli 2010, IV 2008/430, E. 1 und E. 2.1 (IV-
act. 99-8 f.), verwiesen werden.
zu Unrecht erbrachten Leistungen nicht in Frage. Für diese Periode mache der
Beschwerdeführer keinen höheren Anspruch geltend. Damit sei er durch die heutige
Verneinung eines Rentenanspruchs für die genannte Periode gar nicht beschwert, so
dass auf eine Bestimmung der Arbeitsfähigkeit verzichtet werden könne. Die vom
Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte würden erst den
nach dem Verfügungserlass eingetretenen Sachverhalt betreffen, weshalb sie im
Beschwerdeverfahren unbeachtlich seien. Sie seien nicht geeignet, die
Überzeugungskraft des MediCore-Gutachtens zu schmälern (act. G 9).
Am 31. Mai 2021 entspricht das Versicherungsgericht dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Verfahren vor Versicherungsgericht unter Anrechnung des bereits an den
Rechtsvertreter geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1'000.-- (act. G 10).
B.c.
In der Replik vom 6. September 2021 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 16).
B.d.
Die IV-Stelle teilt am 11. Oktober 2021 den Verzicht auf eine Duplik mit (act. G 18).B.e.
Soweit die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf den Verjährungseintritt geltend
macht, eine Rückforderung der an den Beschwerdeführer im Zeitraum von Mai 2006
bis Juni 2014 ausgerichteten halben Rente komme nicht in Frage, weshalb es ihm für
die genannte Periode an einer Beschwer fehle (act. G 9, III. Rz 9), kann ihr nicht gefolgt
werden. Denn das Versicherungsgericht hat von Amtes wegen den gesamten vom
Rentengesuch erfassten Zeitraum hinsichtlich eines Rentenanspruchs sowie dessen
Höhe zu prüfen und ist dabei nicht an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 61 lit. c
1.1.
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und lit. d des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Soweit dem Beschwerdeführer im
genannten Zeitraum keine höhere als eine halbe Rente zugesprochen wurde, ist er
folglich im Sinn von Art. 59 ATSG berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
einer umfassenden gerichtlichen Überprüfung auch des diese Periode betreffenden
Rentenanspruchs. Lediglich der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten,
womit seine Präzisierung, es sei ihm «insbesondere» eine halbe Rente ab «Mai 2006 bis
auf Weiteres» zuzusprechen (act. G 7, Ziff. 1 des Antrags), lediglich als Mindestvariante
des auf die «gesetzlichen Leistungen» abzielenden Hauptantrags erscheint.
Demgegenüber vertritt die Beschwerdegegnerin zutreffend die Auffassung, dass
bezüglich der Verwertbarkeit des Observationsmaterials eine res iudicata besteht (act.
G 9, III. Rz 1). Im Dispositiv Ziff. 1 des Urteils vom 6. Oktober 2017 bestätigte das
Bundesgericht die (Zwischen-)Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 14. Juni 2016
(IV-act. 311-9; zur Zwischenverfügung und deren Inhalt siehe IV-act. 284-2) und wies
folglich bei bejahter Verwertbarkeit des Observationsmaterials (siehe hierzu E. 5.4 des
bundesgerichtlichen Urteils, IV-act. 311-7 f.) das Gesuch um Bereinigung der Akten
verbindlich und rechtskräftig (Art. 61 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht
[BGG; SR 173.110]) ab. Da es sich bei der res iudicata bzw. einer abgeurteilten Sache
um eine negative Eintretensvoraussetzung handelt (Urteil des Bundesgerichts vom
12. Dezember 2016, 9C_527/2016, E. 2.1), ist auf den neuerlich gestellten Antrag des
Beschwerdeführers auf Entfernung des Observationsmaterials (act. G 7, Antrag Ziff. 3)
nicht einzutreten.
1.2.
Anderes gilt betreffend den Antrag des Beschwerdeführers (act. G 7) um
Entfernung des Berichts von H._ vom 9. September 2015 (siehe hierzu fremd-
act. 7-2 ff.). Zwar wies das Versicherungsgericht den bereits im Beschwerdeverfahren
IV 2016/264 erhobenen identischen Antrag ab (Entscheid vom 24. März 2017,
IV 2016/264, E. 2.4, IV-act. 304-8). Zu beachten ist allerdings, dass das Bundesgericht
diesen Entscheid bis auf die darin angeordnete Vereinigung mit dem
Beschwerdeverfahren IV 2016/231 aufhob (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober
2017, 8C_349/2017, IV-act. 311) und keine Anordnungen bezüglich der vor der
Begutachtung ergangenen Beweise, insbesondere des Berichts von H._ vom
9. September 2015, traf (siehe E. 5.4 des bundesgerichtlichen Urteils, IV-act. 311-8,
worin lediglich die Verwertbarkeit von diversen nach der Observation ergangenen
medizinischen Akten festgestellt worden war). Damit besteht keine abgeurteilte Sache
betreffend die Verwertbarkeit des Berichts von H._, weshalb auf den Antrag um
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/18
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2.
Nachfolgend ist zu beurteilen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt ist.
Die Beschwerdegegnerin stützt die angefochtene Verfügung auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der MediCore-Sachverständigen (IV-act. 396). Der
Beschwerdeführer hält hauptsächlich die Beurteilung der psychiatrischen MediCore-
Gutachterin nicht für beweiskräftig.
dessen Entfernung einzutreten ist. Das Versicherungsgericht hat bereits in E. 2.4 des
Entscheids vom 24. März 2017, IV 2016/264 (IV-act. 304-8), dargelegt, dass keine
Gründe vorliegen, die für eine Unverwertbarkeit des Berichts von H._ sprechen
würden. Darauf ist zu verweisen und nicht zurückzukommen, zumal der
Beschwerdeführer seinen Antrag um Entfernung bzw. eine Unverwertbarkeit gar nicht
näher begründet. Vielmehr bringt er lediglich Gründe vor, welche die Beurteilung von
H._ aus seiner Sicht als nicht beweiskräftig erscheinen lassen (act. G 7, II. Rz 12).
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs
auf rechtliches Gehör. Er bringt vor, es habe ein Gutachterwechsel ohne vorgängige
Mitteilung stattgefunden (act. G 7, III. Rz 43 ff.). Zwar war dem Beschwerdeführer
ursprünglich am 2. Mai 2019 ein teilweiser anderer Personenkreis von
Sachverständigen der MediCore AG mitgeteilt worden (IV-act. 374). Allerdings
orientierte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer mit einer A-Post plus-
Sendung vom 12. Juni 2019 über den zwischenzeitlich vorgesehenen
Sachverständigenwechsel. Die neu mit der psychiatrischen Begutachtung betraute
pract. med. O._ war in der Mitteilung vom 2. Mai 2019 übrigens bereits als
allgemeininternistische Sachverständige bekannt gegeben worden (IV-act. 374). Über
den Wechsel in der Person des pneumologischen Gutachters wurde ebenfalls orientiert
und dem Beschwerdeführer wurde die Gelegenheit zur Erhebung von Einwendungen
eingeräumt (IV-act. 380), die unbenützt verstrich. Zusätzlich wies die MediCore AG den
Beschwerdeführer nochmals in der Einladung zur medizinischen Abklärung vom
14. Juni 2019 auf den Sachverständigenwechsel hin (IV-act. 381). Unter diesen
Umständen ist eine Gehörsverletzung nicht erkennbar. Anzufügen bleibt, dass der
Beschwerdeführer keine Einwendungen gegen die am Gutachten beteiligten MediCore-
Sachverständigen vorbrachte bzw. vorbringt und solche auch nicht ersichtlich sind
(insbesondere gehen solche auch nicht aus dem vom Beschwerdeführer erwähnten
[act. G 7, III. Rz 43], nicht näher begründeten Einwand vom 14. September 2020
hervor, IV-act. 393-2 am Schluss).
2.1.
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Aufgabe der medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und insbesondere zur Frage Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261
E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob
er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachpersonen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.2.
Bezüglich des vom Beschwerdeführer beklagten psychischen Leidensbilds gilt es
das Folgende zu beachten: Bei psychischen oder psychosomatischen
Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, da sich die Beurteilung
dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten –
mangels zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die
Angaben der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an
einer eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist
die umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung
sowie -präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
2.3.
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Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Gegen die Beweiskraft des psychiatrischen Teils des MediCore-Gutachtens führt
der Beschwerdeführer verschiedene, davon abweichende psychiatrische
Einschätzungen ins Feld.
2.4.
Bei der Beweiswürdigung dieser psychiatrischen Beurteilungen ist von
Bedeutung, dass sie – anders als das psychiatrische MediCore-Teilgutachten – keine
umfassende Konsistenz- und Ressourcenprüfung enthalten (siehe vorstehende E. 2.3)
und insbesondere ohne Kenntnis des Observationsmaterials ergangen sind (zur
Auffassung des Bundesgerichts, dass eine ärztliche Beurteilung der
Observationsergebnisse im vorliegenden Fall unumgänglich sei, siehe die
Ausführungen im Urteil vom 6. Oktober 2017, 8C_349/2017, E. 6, IV-act. 311-8). Dies
gilt namentlich für die vom Beschwerdeführer erwähnte Beurteilung des
psychiatrischen SMAB-Gutachters vom 27. September 2012 (IV-act. 153-40 ff.),
demgegenüber der Beschwerdeführer im Übrigen erwähnte, nicht mehr Auto zu fahren
(IV-act. 153-43), und folglich ein insoweit unzutreffendes Funktionsprofil angab. Trotz
bereits damals bestehender Inkonsistenzen («Die gezeigten Bewegungsabläufe zur
Darstellung der Schmerzen kontrastieren in ihrer Beweglichkeit deutlich zum
angegebenen Schmerzniveau», IV-act. 153-46 oben), fehlt es an einer objektiv-
kritischen Diskussion dieser Diskrepanzen. Eine solche wäre umso angezeigter
2.4.1.
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gewesen, als bereits damals eine «amotivationale Haltung» und eine tiefe
Selbsteinschätzung («vollständig invalidisiert») festgestellt wurden (IV-act. 153-47). Die
vom psychiatrischen SMAB-Gutachter vorgenommene Beurteilung der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist daher nicht geeignet, eine aus objektiver Sicht
nicht überwindbare Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG
zu belegen, und das psychiatrische MediCore-Teilgutachten in Zweifel zu ziehen. Das
Gleiche gilt hinsichtlich der Beurteilung des psychiatrischen BEGAZ-Gutachters, der
ebenfalls keine objektiv-kritische Ressourcen- und Konsistenzbeurteilung vornahm.
Hinzu kommt, dass dieser mit einer Verlaufsbeurteilung betraut war und sich mangels
gesundheitlicher Veränderungen der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
SMAB-Gutachter anschloss (IV-act. 234-10). Die vom psychiatrischen BEGAZ-
Gutachter konkret erwähnten Beeinträchtigungen bei einzelnen Funktionsfähigkeiten
wurden bloss als «geringe Einschränkungen» bzw. eine «eine Einschränkung in
leichtem Ausmass durch die affektive Störung» qualifiziert (IV-act. 234-9), womit die
von ihm «immer noch» bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten (IV-act. 234-10) nicht überzeugend erscheint. Anzufügen bleibt, dass das
Bundesgericht anstelle einer Konfrontation des psychiatrischen BEGAZ-Gutachters,
wie es das Versicherungsgericht anordnete (Entscheid vom 24. März 2017,
IV 2016/264, E. 2.4, IV-act. 304-8), eine Neubegutachtung für erforderlich hielt (E. 6 des
Urteils des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2017, 8C_349/2017, IV-act. 311-8 f.) und
folglich dem psychiatrischen BEGAZ-Gutachter keine überzeugende ergänzende
Einschätzung mehr zutraute. Der Vollständigkeit halber ist zu ergänzen, dass im Bericht
der Klinik L._ vom 23. Januar 2018 bei Austritt ein psychopathologischer Befund
beschrieben wurde, der bezüglich der Funktionalität des Beschwerdeführers (ebenfalls)
eher geringfügige Einschränkungen vermittelt: «Weiterhin Grübelneigung. Der
Gedankengang ist teilweise noch etwas umständlich. Für Wahn,
Wahrnehmungsstörungen und Ich-Störungen gibt es keinen Hinweis. Die
Grundstimmung ist etwas gebessert mit noch störenden Schwankungen. Antrieb
immer noch leicht gehemmt. Es fehle eine Zukunftsperspektive. Der Schlaf ist
zufriedenstellend». Der Beschwerdeführer «wirkt allgemein zufriedener. Kein Hinweis
für Selbst- oder Fremdgefährdung» (IV-act. 334-4 Mitte).
Zu beachten ist ausserdem, dass die psychiatrische MediCore-Gutachterin über
umfassende Voraktenkenntnisse verfügte (siehe IV-act. 382-25 ff. und IV-
act. 382-111 f.) und schlüssig darlegte, dass die früheren Beurteilungen mit der
Verhaltensweise des Beschwerdeführers (theatralische Selbstpräsentation; siehe hierzu
auch vorstehende E. 2.4.1), der Psychomotorik und dem emotionalen Ausdruck bereits
2.4.2.
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damals nicht zu vereinbaren gewesen seien (IV-act. 382-114 f.; zur von ihr auch
rückwirkend als hoch eingeschätzten psychischen Funktionalität siehe IV-act. 382-11
Mitte; zur «situationsadäquaten Psychomotorik» siehe auch den Bericht des
Psychiatrie-Zentrums N._ vom 4. Juni 2018, IV-act. 352-4 Mitte). Zudem legte die
psychiatrische MediCore-Gutachterin in der Stellungnahme vom 13. Juni 2020
detailliert dar, dass keine Agoraphobie mit Panikstörung beim Beschwerdeführer
vorliege (IV-act. 389-3 f.). Bereits der psychiatrische SMAB-Gutachter vermochte bei
der klinischen Untersuchung keine pathologischen Angstaffekte zu erkennen (IV-
act. 153-46 unten) und der psychiatrische BEGAZ-Gutachter diagnostizierte lediglich
eine «mögliche» Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.1; IV-act. 234-5 unten),
was dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht
genügt. Im Bericht des Psychiatrie-Zentrums N._ vom 4. Juni 2018 wurde ein Anhalt
für Ängste oder Zwänge ebenfalls verneint (IV-act. 352-4 Mitte). Demnach erweisen
sich auch die retrospektiven Feststellungen als überzeugend, auch wenn die
Gutachterin zu Recht anmerkte, dass diese mit Unsicherheiten behaftet sei. Sie legte
ihre Schlussfolgerungen jedoch nachvollziehbar dar. Es ist folglich davon auszugehen,
dass seit Dezember 2003 gar nie eine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (wie
dies auch Dr. G._ in ihrer abschliessenden Stellungnahme vom 9. Juli 2020 zu Recht
festhielt, IV-act. 390).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 7, III. Rz 39 und Rz 42;
siehe auch act. G 7, II. Rz 22) ergeben sich aus dem psychiatrischen MediCore-
Teilgutachten keine Hinweise auf eine Voreingenommenheit oder ein sonstwie
sachfremdes Vorgehen der Gutachterin. Es ist auch keine «tendenziöse» Beeinflussung
durch die Beschwerdegegnerin erkennbar. Dass die Beschwerdegegnerin im
Gutachtensauftrag u.a. auf Motivationsdefizite beim Beschwerdeführer hinwies («keine
echte Motivation», IV-act. 372), ist mit der Beurteilung des psychiatrischen SMAB-
Gutachters vereinbar («amotivationale Haltung»; IV-act. 153-47) und damit vorliegend
sachlich gerechtfertigt. Jedenfalls vermag allein in diesem Umstand kein Anschein der
Voreingenommenheit der psychiatrischen MediCore-Gutachterin erblickt werden.
2.4.3.
Bei der Würdigung des polydisziplinären MediCore-Gutachtens, insbesondere
des psychiatrischen Teils, fällt ins Gewicht, dass es nicht nur auf umfassender
Aktenkenntnis, sondern auch auf eingehenden Untersuchungen sowie einer
überzeugenden Ressourcen- und Konsistenzbeurteilung beruht. Es ist für die streitigen
Belange umfassend. Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
oder unzutreffend berücksichtigt worden wären, liegen nicht vor. Unter
Berücksichtigung des den MediCore-Sachverständigen zustehenden Ermessens bei
2.4.4.
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3.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten resultiert kein
rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad von 40 %, wie aus dem von der
der Interpretation des Leidensbilds und der Schätzung der Arbeitsfähigkeit sowie deren
Verlaufs (vgl. hierzu BGE 145 V 365 E. 4.1.2) erscheinen die von ihnen gezogenen
Schlüsse plausibel. Namentlich die psychiatrische Gutachterin wies nachvollziehbar
darauf hin, dass weniger ein Faktor allein entscheidend sei, sondern eher die Summe
der Inkonsistenzen, zu welchen Stellung genommen werde (IV-act. 382-116). Die
Ergebnisse enthalten deshalb die erforderliche «Gesamtschau». Die gutachterlich für
(ideal) leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit lässt sich
zudem auch insoweit mit der Beurteilung der medizinischen Fachpersonen des
Psychiatrie-Zentrums N._ vom 4. Juni 2018 vereinbaren, als diese eine
Arbeitsunfähigkeit – aufgrund der Belastungsabhängigkeit der psychischen Leiden (IV-
act. 352-3 oben) – ausdrücklich (bloss) für Tätigkeiten mit erhöhten psychischen
Anforderungen bescheinigten (IV-act. 352-3 Mitte). Gestützt auf die beweiskräftige
Beurteilung der MediCore-Sachverständigen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten quantitativ nicht (dauerhaft) eingeschränkt ist bzw. nie
war. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (siehe dessen Antrag Ziff. 1,
zweiter Absatz, act. G 7) vermag die stationäre Behandlung vom 30. September bis
23. Dezember 2017 (siehe vorstehende lit. A.i) allein schon aufgrund der zu kurzen
Dauer (zur für eine relevante Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit vorausgesetzten
dreimonatigen Mindestdauer siehe Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) keinen befristeten Rentenanspruch zu
begründen, weshalb sich hierzu Weiterungen, insbesondere zur Arbeitsunfähigkeit,
erübrigen. Bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am
9. November 2020 ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf eine nach der
Begutachtung in der MediCore AG eingetretene relevante gesundheitliche
Verschlechterung. Die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren gestützt auf
verschiedene medizinische Berichte (act. G 7.3 ff.) geltend gemachte Verschlechterung
seines Gesundheitszustands, hat ihre Ursache in der dem Beschwerdeführer im Verlauf
des Dezembers 2020 zur Kenntnis gebrachten schweren Erkrankung seiner Mutter
(siehe den Austrittsbericht der Psychiatrie J._ vom 12. Februar 2021, act. G 7.6, S. 2
oben) und beschlägt damit nicht den für die gerichtliche Überprüfung massgebenden
Sachverhalt bis zum Verfügungserlass (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2018,
9C_135/2018, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 132 V 220 E. 3.1.1), worauf die
Beschwerdegegnerin zutreffend hinweist (act. G 9, III. Rz 13).
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Beschwerdegegnerin durchgeführten, vom Beschwerdeführer an sich unbestritten
gebliebenen Einkommensvergleich hervorgeht, der einen Invaliditätsgrad von 10 %
ergab (siehe IV-act. 396-3; vgl. auch IV-act. 74). Daran würde auch die Gewährung des
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung höchstzulässigen Tabellenlohnabzugs
von 25 % (BGE 126 V 75) nichts ändern, womit die Frage, ob und gegebenenfalls in
welcher Höhe ein solcher zu gewähren sei, offenbleiben kann. Ein Rentenanspruch ist
seit der Anmeldung von November 2005 nie ausgewiesen. Eine Rückforderung der zu
Unrecht ausgerichteten Rentenleistungen steht aufgrund der Verjährung (vgl. Art. 25
Abs. 2 ATSG) nicht zur Diskussion. Weiterungen erübrigen sich deshalb.
4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 10) ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
keine Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen. Der
Beschwerdeführer hat dem Rechtsvertreter bereits einen Kostenvorschuss von
Fr. 1'000.-- geleistet (act. G 7.8 und act. G 10). Der Restbetrag von Fr. 3'000.-- ist um
einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70; vgl. den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 24. Oktober 2018, IV 2016/372, E. 7.2).
Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit
Fr. 2'400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.3.
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