Decision ID: 0497ecda-24aa-447b-8f13-b9f9a80ba3fd
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976, meldete sich am 12. Februar 2009 unter dem Namen
Y._
sowie unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm nach Auferlegung einer Schaden
min
d
erungspflicht im Sinne einer fachärztlich-psychiatrischen Behandlung (Urk. 7/
47) mit Verfügung vom 27. Juni 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. September 2010
(Urk. 7/71; Urk. 7/57) und mit Verfügung vom 18. August 2011 einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung leichten Grades ab 1. September 2010 zu (Urk. 7/76; Urk. 7/73).
Am
29. April 2013
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rent
enanspruch sei unverändert (Urk. 7/86) und bestätigte mit Mitteilung vom 2. Oktober 2013
auch
den unveränderten Anspruch auf Hilflosenentschädigung (Urk. 7/90).
1.2
Nach Eingang eines am 13. Juni
2014 ausgefüllte
n Revisionsfragebogens (Urk. 7
/98)
gab
die IV-Stelle unter anderem
eine Observation des Versicherten in Auftrag
(Urk. 7/113)
, die in der Zeit vom
10. Juni bis 5. August 2015 stattfand.
Gestützt auf die Ermittlungsergebnisse (vgl. Ermittlungsbericht vom 28
.
Septem
ber 2015, Urk. 7/114) und der persönlichen Besprechung mit dem Versicherten (Besprechungsprotokoll vom 1. März 2016, Urk. 7/116) sistierte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. April 2016 (Urk. 7/130) die Invalidenrente und die
Hilflosen
entschädigung
per Ende März 201
6.
Sodann gab sie ein psychiatrisches Gut
achten bei Dr. med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, in Auftrag, das am 20. Dezember 2016 erstattet wurde (
Urk. 7/169). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/
190; Urk. 7/193
; Urk. 7/198) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Januar 2018 die Rente rückwirkend per 31. August 2015 ein (Urk. 7/201 = Urk. 2).
2.
2.1
Der Versicherte erhob am
16. Februar 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
22. Januar 2018 (Urk. 2
) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm rückwirkend
(seit der Sistierung)
per 1. April 2016 weiterhin eine volle (richtig: ganze) Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26. März 2018 (Urk. 6)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
30. April 2018
zur Kenntnis geb
racht (Urk. 12)
.
Im Rahmen der Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit reichte der Beschwer
deführer am 13. Juni 2018 (vgl. Urk. 15) zwei weitere medizinische Berichte ein (Urk. 16/1-2).
Mit Gerichtsverfügung vom
23. Juli 2018 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bew
il
ligt und der Beschwerdegeg
nerin die
Eingabe
des Beschwerdeführers
samt Beila
gen zugestellt (Urk. 17).
Die in der Folge vom Beschwerdeführer mit
Eingaben vom 24. Juli (Urk. 18) und
15. August 2018 (Urk. 22) zusätzlich eingereichte
n
medizinische
n
Berichte (Urk. 19; Urk. 23) wurden jeweils der Gegenpartei zur Kenntnis zugestellt (Urk.
20; Urk. 24).
2.2
Am 14. September 2018 erhob der Versicherte zudem Beschwerde gegen die Ver
fügung betreffend
Hilflosenentschädigung
vom 8. August 2018
, mit welcher nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 25/6/203-204) der Anspruch auf
Hilf
losenentschädigung
rückwirkend per 31. August 2015
aufgehoben wurde
(
Urk. 25/6/217 =
Urk. 25/2) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihm sei weiterhin Hilflosenentschädigung auszurichten (Urk. 25/1). Dieses Verfahren wurde unter der Prozessnummer IV. 2018.00789 angelegt.
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober
2018 (Urk. 25/5) beantragte die Be
schwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 25. Oktober
2018 (Urk. 26) wurde der Prozess Nr. IV.2018
.00789
mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2018.00205 vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben. Gleichzeitig wurde dem Beschwerde
führer die Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht.
2.3
Mit Eingabe
n
vom 17. Dezember 2018 (Urk. 28)
und 3. Januar 2019 (Urk. 32)
liess der Beschwerdeführer dem Gericht unter anderem
weitere
medizinische Bericht
e
(Urk. 29
; Urk. 33
) zukommen. Dies
e
wurde
n
der Beschwerdegegnerin am 19. Dezem
ber 2018
(Urk. 31) bzw. am 7. Januar 2019 (Urk. 34)
zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgeh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
de
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Gemäss
Art. 42 Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz un
d gewöhnlichem Aufenthalt (Art.
13 ATSG) in
der Schweiz, die hilflos (Art.
9 ATSG) sind, An
spruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persön
lichen Überwachung
bedarf (Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische
Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art.
38
der Verordnung über die Invalidenver
siche
rung
,
IVV)
. Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E.
3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
—
Ankleiden, Auskleiden;
—
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
—
Essen;
—
Körperpflege;
—
Verrichtung der Notdurft;
—
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der rentenaufhebenden Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass
es
dem Beschwerdeführer
gemäss Gutachten in erster Linie immer wieder an Motivation fehle. Es lägen diverse erhebliche invaliditätsfremde Fakto
ren vor und auch der Gutachter vermöge eine Aggravation anlässlich seiner Be
gutachtung nicht
auszuschliessen
. Die bisherige Therapie sei nicht lege artis erfolgt. Eine Suchtbehandlung sowie eine Psychotherapie oder gar eine störungs
spezifische Psychotherapie fänden nicht statt.
Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte hohe Leidensdruck müsse angezweifelt werden. Darüber hinaus seien die berichteten Traumata nicht geeignet, eine posttraumatische Belastungs
stö
rung zu verursachen. Es fehle an einer ausreichend detaillierten Schilderung dieser Symptome sowie der sie auslösenden Ereignisse. Im
beweismässig
verwert
baren
Observationsbericht zeige sich zudem, dass der Beschwerdeführer durchaus über ein gewisses Funktionsniveau verfüge. Namentlich verfüge er über zahl
rei
chere soziale Kontakte als von ihm selbst angegeben.
Dass eine posttraumatische Störung vorhanden sei, sei somit weder durch das Gutachten noch durch das mittels Observation ermittelte Verhalten in rechtsgenügender Weise belegt. Die übrigen Diagnosen stellten keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar, zu
mal bis anhin keine adäquate Behandlung erfolgt sei.
Dass der Beschwerdeführer zwar hinsichtlich Besorgung seines Haushaltes, de
r Gestaltung seiner Freizeit sowie in seinen
soziale
n
Aktivitäten über ein ordentliches Funktionsniveau ver
füge, aber aufgrund seiner Beschwerden in der
Arbeitswelt nicht bestehen könne, sei nicht nachvollziehbar.
Es sei somit davon auszugehen, dass sich der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers seit spätestens Ende
der
Observation im August 2015 verbessert habe und daher die Rente rückwirkend per 31. August 2015 eingestellt werde (S. 2
f.
).
Bezüglic
h Hilflosenentschädigung (Urk. 25/2
) erwog die Beschwerdegegnerin, aus medizinischer Sicht
sowie gestützt auf die Observation
habe sich der Gesundheits
zustand seit spätestens Ende der Observation (August 2015) verbessert und daher seien die Voraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung nicht mehr gegeben (S. 2
).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1),
aufgrund der fachmedizinischen Einschätzung von Gutachter Dr.
Z._
vermöge das Ergebnis der durchgeführten Observation keine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu belegen, weshalb die Rentenaufhebung gestützt darauf nicht gerechtfertigt sei
. Zudem sei die Zulässigkeit der erfolgten Observation äusserst fraglich (S. 5 oben). Dr.
Z._
komme
zum eindeutigen Schluss, dass
– selbst bei vollständiger Cannabis- und Benzodia
ze
pin-Abstinenz – eine Arbeitsfähigkeit selbst für eine Hilfstätigkeit bei der Spitex nicht gegeben wäre, dies aufgrund der schweren Depression und der posttraumatischen Belastungsstörung. Auch bestätige das Gut
achten, dass der Gesundheitszustand im Wesentlichen demjenigen entspreche, welcher im Jahre 2009 festgestellt worden sei (S. 5 f.).
Hinsichtlich der Thera
piefähigkeit habe der Gutachter festgehalten, dass eine Therapieadhärenz zumin
dest in Bezug auf eine psychopharmakologische Behandlung vorhanden scheine. Zudem fände eine Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen bei Frau Dr.
A._
statt (S. 6 Mitte).
Bezüglich Hilflosenentschädigung erwog der Beschwerdeführer (Urk. 25/1), dass sich die knappe Begründung der Beschwerdegegnerin auf dieselben Abklärungs
ergebnisse stütze, wie dies im Zusammenhang mit der Rentenaufhebung der Fall sei, weshalb das bereits hinsichtlich der Rentenaufhebung Vorgebrachte gelte (S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist zum einen, ob die revisionsweise
rückwirkende
Auf
hebung der zugesprochenen Invalidenrente rechtens ist,
wobei namentlich zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wesentlich verbessert respektive sich die für die Invaliditätsbemessung
massgebende
Arbeits
fähigkeit verändert hat,
und zum anderen, ob der Beschwerdeführer
weiterhin
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hat.
3.
3.1
Die ursprüngliche Rentenzusprache stützte sich im Wesentlichen
(vgl. Feststel
lungsblatt
für den Beschluss, Urk. 7/46
)
auf
da
s Gutachten von Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. März 2010 (Urk. 7/39/5-31). Dieser diagnostizierte beim Beschwerdeführer eine post
traumatische Belastungsstörung (PTBS, ICD-10 F43.1) mit Erstdiagnose 2009 und eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.9) mit in der Vergangenheit mehreren abgrenzbaren leichten bis maximal mittelschweren depressiven Episo
den sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und ängstlich-dependenten Zügen bei Selbstwertproblematik (ICD-10 F61.0), besteh
end seit der Adoleszenz (S. 16 Ziff. 4.1).
Er erachtete den Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Spitexhilfe rückwirkend ab September 2009 und auch bis auf Weiteres als vollständig arbeitsunfähig. In der Haushaltstätigkeit liege die Arbeitsfähigkeit bei 50 %, was auch dadurch unterstrichen werde, dass der Beschwerdeführer den alltäglichen Anforderungen in der Haushaltstätigkeit, aber auch hinsichtlich seiner Selbstfürsorge und –versorgung nur noch bedingt gewachsen sei und Hilfe benötige (S. 18 f. Ziff. 5.1). Auch in einer angepassten Tätigkeit sei gemäss Gutachter so gut wie keine restliche Arbeitsfähigkeit vor
handen (S. 19 Ziff. 5.2).
3.2
A
us d
em Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene vom 27. Mai 2011 (Urk. 7/64) geht hervor,
dass
der
Beschwerdeführer seit September 2009 (analog Rente
nverfahren
) aufgrund seiner psychischen Krankheit auf regel
mässige Hilfeleistungen Dritter (psychiatrische Spitex, Betreuer Asylkoordination, Familie) angewiesen sei. Diese – auf S. 3 f. näher ausgeführten - Hilfeleistungen würden durchschnittlich zwei Stunden pro Woche betragen, weshalb die An
spruchs
voraussetzungen für lebenspraktische Begleitung im Sinne des Gesetzes erfüllt seien (S. 3). Nach Ablauf der einjährigen Wartezeit, also September 2010, entstehe somit Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades (S. 5).
3.3
Den Verlauf nach der Rentenzusprechung betreffend liegen die Kurzaustritts
berichte der
C._
vom
26. September
2012
(Urk. 7/108/9-10), vom 21. Dezember 2012 (Urk. 7/108/7-8),
vom 30.
September 2013 (Urk. 7/108/5-6)
und vom 7. April 2014 (Urk. 7/108/3-4
) vor, in
welchen über diverse stationäre
Behandlungen des Beschwerdeführers bei Diagnosen einer PTBS (ICD-10 F43.1), einer mittel- bis
schweregradig
rezidivie
renden
depressiven Störung
sowie
schädlichen
Gebrauch von
Cannabinoiden
(ICD-10 F12.1) berichtet wurde.
4.
4.1
Im vorliegenden Revisionsverfahren sind die folgenden relevanten medizinischen Berichte aktenkundig:
4.2
Vom 22. bis 28. Juni 2014 wurde der Beschwerdeführer mit ähnlicher Sympto
matik wie im Frühjahr 2014 wegen eines Konfliktes in Zusammenhang mit seiner Herkunft und der aktuellen Partnerschaft bei der
C._
hospitalisiert. Im Kurz
aus
trittsbericht vom 15. Juli 2014 (Urk. 7/108/1-2) wurde von den Ärzten als Diag
nose eine mittel- bis schweregradige depressive Episode mit intermit
tie
ren
den (synthymen) Halluzinationen bei rezidivierender Störung (ICD-10 F33.1), eine
PTBS (ICD-10 F43.1) sowie ein schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden (ICD-10
F12.1) genannt (S. 1).
4.3
Die Ärzte des
D._
berichteten der Be
schwer
degegnerin am 27. Oktober 2014 (Urk. 7/104/6-9). Sie nannten die folgen
den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
PTBS (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Untergewicht (ICD-10 F50.8)
-
psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide: schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.21)
-
Status nach Medikamentenabhängigkeit
-
Störung durch Tabak (ICD-10 F17.25)
Sie führten aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 25. September 2009 bei ihnen in Behandlung (S. 1 Ziff. 1.2). Er sei in seinen kognitiven Funktionen (Aufmerksamkeit, Konzentrations- und Merkfähigkeit) deutlich eingeschränkt. Z
usätzlich leide er unter innerer
Anspannung,
Unruhe sowie starke
n Ängsten und Halluzinationen. D
ie Symptome würden durch die pharmakologische Behandlung teilweise gemindert (S. 2 f. Ziff. 1.6).
Der Beschwerdeführer habe seine letzte Beschäftigung im geschützten Rahmen gehabt, wo er in einer Versandabteilung tätig gewesen sei. Diese Art Beschäftigung sei ihm zumutbar. Für den freien Arbeits
markt bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch in einer ange
passten Tätigkeit. Es gelte, die Belastbarkeit wiederaufzubauen, weshalb er mit zwei Stunden pro Tag einsteigen solle (S. 3 Ziff. 1.7).
Die Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt falle angesichts des protrahierten Verlaufs, der Schwere der
Störung sowie der Veränderung in der Persönlichkeit des Beschwerdeführers ungünstig aus
(S. 4 Ziff. 1.9).
4.4
Dr.
Z._
erstattete der Beschwerdeg
eg
nerin am 20. Dezember 2016 ein psychia
trisches Gutachten (Urk. 7/169; bzw. mit angepasstem
/korrigiertem
Namen vom 4. Januar 2017; Urk. 7/172).
Er nannte gestützt auf die ihm zur Verfügung gestellten Akten, d
i
e Observationsergebnisse und
seine eigene
Untersuchung des Beschwerdeführers am 10. August 2016 (S. 2) die folgenden Diagnosen mit Aus
wirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 43 f. Ziff. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere Episode (ICD-10 F33.2)
-
PTBS (ICD-10 F43.1); DD: komplexe posttraumatische Belastungsstörung
-
Verdacht auf Persönlichkeitsstörung, kombiniert mit emotional instabilen, dependenten und ängstlichen Zügen (ICD-10 F61.0)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. S. 44 Ziff. 2) nannte der Gutachter eine Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.2) und eine
Benzo
diazepinabhängigkeit
(ICD-10 F13.25).
Dr.
Z._
führte aus, anhand des Querschnittsbefundes und der Eigenangaben zeigten sich ein depressives Syndrom sowie Symptome einer PTBS (S. 31 am Schluss). Anhaltspunkte für eine Schizophrenie oder Psychose aus dem schizo
phrenen Formkreis lägen nicht vor (S. 32). Die vom Beschwer
deführer beschrie
benen Symptome
passten zu einer PTBS. Naturgemäss seien in einer gutachter
lichen Situation die Angaben über frühere Traumata nicht überprüfbar. Die vom Beschwerdeführer selbst beschriebene Symptomatik decke sich jedoch weitest
gehend mi
t den
im Gutachten von 2009 bei Dr.
B._
gemachten Angaben. Es gebe hier keine Abweichungen (S. 32 f.).
Die berichteten Traumata seien geeignet, eine PTBS zu verursachen.
Nehme man die berichteten Traumata in der Kindheit und Jugend als gegeben hin, so handle es sich nicht um ein singuläres
Ereignis,
sondern um mehrere, zum Teil Serien von Ereignissen, so dass es aus diagnostischer Sicht gerechtfertigt sei, hier die Diagnose einer kom
plexen posttraumatischen Belastungsstörung zu stellen. Auch wenn dies nicht mit
einer eigenen ICD-10-Ziffer versehen sei, könne damit zum Ausdruck ge
bracht werden, dass zum einen eine Abfolge oder Serie von Traumata stattge
fun
den habe, zum anderen weiche das klinische Bild einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung in Teilen von dem einer PTBS, die durch ein singuläres Ereignis ausgelöst
werde
, ab (S. 34). Weiter vorliegend sei ein depressives Syn
drom
. Anhand der Aktenlage lasse sich die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung stellen mit
fluktuierender
Ausprägung unterschiedlicher Pha
senlängen, die sich im Einzelnen nicht mehr im Detail rekonstruieren liessen (S. 34 Mitte). Weiterhin sei beim Beschwerdeführer die Diagnose einer Per
sön
lichkeitsstörung zu diskutieren, hierbei teile er die Einschätzung von Dr.
B._
, dass beim Beschwerdeführer emotional instabile Züge und ängstlich dependente Züge vorlägen (S. 34 am Schluss).
In jedem Fall seien sehr auffällige Persönlichkeitszüge vorhanden, die zu relevanten funktionalen Ein
schrän
kungen führten (S. 35).
Hinsichtlich der
(früheren)
Standardindikatoren
gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339
des Bundesamtes für Gesundheit (BSV;
S. 38 ff.) hielt der Gutachter fest, es lägen diverse invaliditätsfremde Faktoren vor in Form einer geringen Schulbildung, Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und ausgeprägte
r
Konflikte durch sein coming out als Homosexueller und daraus resultierender Trennung von der Ehefrau
sowie Geheimhaltung gegenüber der Familie (S. 38 f. Ziff. 3). Eine Aggravation könne nicht ausgeschlossen werden, jedoch seien diverse Angaben nicht überprüfbar (S. 39 Ziff. 4).
Hinsichtlich des Suchtleidens sei davon auszugehen, dass eine PTBS zur Cannabisabhängigkeit geführt habe im Sinne einer sekundären Sucht (S. 40 Ziff. 5). Als persönliche Ressource sei einzig die – nach Angaben des Beschwerdeführers – vorhandene stabile Partnerschaft zu nennen. Anhand der Eigen
anamnese sei ein zumindest teilweiser sozialer Rückzug plausibel (S. 40 f. Ziff. 8).
Zur Wechselwirkung der Diagnosen wurde ausgeführt, dass eine Depression, vor allem mit posttraumatischer Symptomatik zu Symptomen führe, die offensichtlich vom Beschwerdeführer mit Cannabis- und
Be
nzodiazepin
kon
sum
unterdrückt wü
rden. Die Suchtmittel wirkten sich wiederum negativ funk
tionell aus und führten zu einer Minderung von Antrieb, Energie und Motivation (S. 44 f. Ziff. 4). Die bisherige Therapie sei nicht lege artis erfolgt, da keine störungsspezifische Psychotherapie stattfinde
bei fehlender Motivation des Be
schwer
deführers
(S. 45 Ziff. 1).
Hinsichtlich der Konsistenz gebe es sowohl im eigenen Gutachten als auch demjenigen von Dr.
B._
keine Dis
kre
panzen (S. 48 Ziff. 1). In seiner früheren Tätigkeit als
Hilfsarbeiter bei der Spitex seien zweistündige Tätigkeiten aufgrund der Einschränkungen durch die Canna
bis- und Benzodiazepinabhängigkeit und der damit verknüpften Unzuver
lässig
keit in Kombination mit der bei einer solchen Tätigkeit wahrscheinlich vorhan
denen Exposition gegenüber Suchtmitteln
. Selbst bei vollständiger Abstinenz von Cannabis und Benzodiazepinen wäre derzeit aufgrund der schweren Depression und der PTBS keine Arbeitsfähigkeit für eine Hilfstätigkeit bei der Spitex gegeben (S. 50). In einer angepassten Tätigkeit im geschützten Rahmen
wären bei Moti
vation des Beschwerdeführers zwei bis maximal vier Stunden täglich möglich, wobei Haushaltstätigkeiten vollschichtig möglich seien (S. 51 oben).
Zur Frage der revisionsrelevanten Gesundheitsveränderung führte der Gutachter aus, der Grad der Arbeitsunfähigkeit habe sich seit der letzten Revision nicht rele
vant verändert (S. 51 Mitte).
Der Gesundheitszustand sei im Wesentlichen
gleich
geblieben
, mit tendenzieller Verschlechterung (S. 54).
Zum Observations
material hielt Dr.
Z._
fest, dieses sei – näher ausgeführt - im Wesentlichen mit den Eigenangaben des Beschwerdeführers vereinbar (S. 52 oben). Ebenso seien seine Angaben anlässlich des Standortgespräches vom 1. März
2016 (vgl. Urk.
7/116
) plausibel mit dem Observationsmaterial und den Eigenangaben. Im Observationsmaterial sei der Beschwerdeführer zu sehe
n, wie er alleine das Haus verla
ss
e
, einkauf
e
, mit Bekannten
spreche
. Dies entspreche auch dem klinischen Eindruck im Gutachten (S. 51 f.). Darüber hinaus könnten – näher ausgeführt – in den Observationsunterlagen die konkreten psychischen Einschränkungen des Beschwerdeführers nicht erkannt werden. Dies habe jedoch nichts mit dem Be
schwerdeführer an sich, sondern der Natur der Erkrankung zu tun. Die Symptome einer PTBS seien durch eine Observation nicht zu fassen (S. 53).
4.5
RAD
-Arzt Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie
, erachtete in seiner Stellungnahme vom 10. Februar 2017 das Gutachten für umfassend, schlüssig und nachvollziehbar. Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt bei vorliegend ungünstiger Prognose für berufliche Massnahmen (Urk. 7/188 S. 8 f.).
4.6
Mit Bericht der Ärzte vom
F._
vom 17. August 2017 (Urk. 7/187) wurde
beim Beschwerdeführer über eine HIV-Infektion seit
Juni 2017 und deren
medikamentöse Behandlung berichtet (S. 1 f.).
4.7
4.7.1
Nach Verfügungserlass (Urk. 2) liess sich der Beschwerdeführer v
om 27. März bis 12. April 2018 in der
C._
stationär
behandeln. Mit Austrittsbericht vom 27. April 2018 (Urk. 16/1) nannten die Ärzte als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3),
eine kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung
mit abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61.0), eine PTBS (ICD-10 F43.1), psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (ICD-10 F12.2) sowie eine nicht näher bezeichnete HIV-Krankheit (S. 1).
Nach Angaben der Ärzte habe sich der Beschwerdeführer freiwillig zur Krisen
intervention im Rahmen einer seit Jahren bestehenden, wiederkehrenden depres
siven Symptomatik mit akustischen Halluzinationen (imperative und abwertende Stimme) begeben (S. 2 oben). Der Beschwerdeführer habe beim Eintritt ein starkes Leiden unter den abwertenden, kommentierenden Stimmen, welche sich insbe
son
dere in Anspannungszuständen verstärkten, beschrieben (S. 2 unten). Im Ver
lauf des Aufenthaltes habe sich eine Aufhellung der Stimmung und ein
e Reduk
tion der Stimmen gezeigt
. Die persistierende, teils verstärkte depressive Sympto
matik sei vor allem im Zusammenhang zu strukturellen Beeinträchtigungen und Aufrechterhaltung der traumaspezifischen Symptomatik durch wiederkehrende Paarkonflikte und fehlende Tagesstruktur
zu sehen. Eine
traumaspezifische
Be
hand
lung sei indiziert
. Für
einen
Cannabiskonsum während der Behandlung ergäben sich keine Hinweise
(S. 2 f.).
4
.7.2
Vier Tage nach seiner Selbstentlassung aus der
C._
begab sich der Beschwer
deführer erneut in stationäre Behandlung, die vom 16. bis 19. April 2018 dauerte. Bei bekannten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 4.7.1) berichteten die Ärzte der
C._
davon, dass der Beschwerdeführer anlässlich seines letzten Aufenthaltes die Station wegen starker Unruhe verlassen habe, obwohl sein Befinden sich zu jenem Zeitpunkt noch nicht gebessert habe. Auch während dieses Aufenthaltes habe sich der Beschwerdeführer regelmässig wegen starker Unruhe und belastendem Gedankenkreisen an das Team gewandt. A
ufgewachsen in einem Umfeld mit
wenig Akzeptanz ihm gegenüber habe er
psychische und physische Gewalter
fahrungen im Elternhaus erlebt. Der Beschwerdeführer sei in kaum verändertem Zustand in die alten Verhältnisse ausgetreten (S. 2).
4.7.3
Nach durchgeführtem Vorgespräch (vgl. Urk. 19) liess sich der Beschwerdeführer in der
C._
vom 10. Augst bis 6. November 2018
stationär
behandeln.
Mit Aus
trittsbericht vom 22. November 2018 (Urk. 33) nannten die Ärzte die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
komplexe PTBS (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und ängstlich-ver
mei
denden Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: Abhängig
keits
syndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.2)
-
asymptomatische HIV-Infektion
Die Ärzte führten aus,
der Beschwerdeführer habe wiederholt und andauernd innerfamiliäre psychische und körperliche Gewalt erfahren. Er sei Zeuge von sexueller Gewalt an der Schwester und Opfer wiederholter, ausserfamiliärer sexueller Gewalt im Alter von 9 Jahren geworden. Seit seiner
Kindheit leide er an einer komplexen PTBS mit Symptomen in allen Clustern, welche sich im Laufe der Jahre chronifiziert habe. Zudem sei aufgrund der interaktionellen Beobach
tungen durch das Behandlungsteam die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
mit abhängigen und ängstlich-vermeidenden Anteilen gestellt
worden
. Die Sym
p
tomatik könne in diesen Bereichen nicht alleine durch das vielfältige Be
schwer
debild einer komplexen PTBS erklärt werden. Weiter bestehe eine rezidivierende depressive Störung mit bedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit, Ermüdbarkeit und starkem sozialem Rückzug. Die psychotisch anmutenden, kommentierenden Stimmen würden als dissoziatives Stimmenhören ausgehend von kritischen, ab
wertenden und täterimitierenden Persönlichkeitsanteilen interpretiert. Die grosse Anzahl sozialer, rechtlicher, finanzieller und beziehungsassozierter Probleme würden den Beschwerdeführer derzeit so schwer belasten, dass die psychothe
rapeutische Behandlung nur ansatzweise greifen könne. Längerfristig seien weitere traumatherapeutische Interventionen empfehlenswert, jedoch erst, wenn die oben genannten «Nebenbaustellen» bestmöglich bearbeitet und entschärft werden könnten
(S. 4).
5.
5.1
Gemäss dem Ermittlungsbericht der
G._
vom 28. September 2015 wurde der Beschwerdeführer in der Zeit vom 10. Juni bis 5. August 2015 an fünf Tagen observiert (Urk. 7/114 S. 1 und S. 10 Ziff. 5).
5.2
Im Nachgang zum Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofs für Menschen
rechte vom 18. Oktober 2016 hat das Bu
ndesgericht in BGE 143 I 377 E.
4 erkannt, dass es auch in der Invalidenversicherung an einer genügenden gesetz
lichen Grundlage fehle, welche die verdeckte Überwachung umfassend klar und detailliert regle. Daraus folgt, dass die Observation des Beschwerdeführers zwi
schen Juni und Dezember 2015 an sich recht
s
widrig, das
heisst
in Verletzung von Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten beziehungsweise Art. 13 der Bundesverfassung erfolgte. Für die Verwertbarkeit eines derart rechtswidrig erlangten Beweises soll - in Anlehnung ans eidge
nössische Straf- und Zivilverfahrensrecht
sowie die meisten kantonalen Verfah
rens
ordnungen - hauptsächlich die Abwägung zwischen privaten und öffent
li
chen
Interessen ma
ssgebend sein (BGE 143 I 377 E.
5.1.1).
Im Sozialversicherungsrecht ist wohl nur insoweit von einem absoluten Verwer
tungsverbot auszugehen, als es sich um Beweismaterial handelt, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I 377 E. 5.1.3).
5.3
Es
ist darauf hinzuweisen, dass keine ständige Observierung erfolgte,
sondern nur
jeweils an einem Tag im Juni und August sowie an drei Tagen im Juli
2015
.
Der Beschwerdeführer wurde zudem jeweils im Freien
, in den öffentlichen Verkehrs
mitteln
und in frei zugänglichen
Verkaufsg
eschäftslokal
e
n
aufgenommen. Durch die insgesamt
fünf
Observationen ist es jedenfalls zu keinem schwereren Eingriff in die grundrechtliche Position des Beschwerdeführers gekommen. Stellt man diesem Aspekt das erhebliche und gewichtige öffentliche Interesse an der Ver
hinderung von Versicherungsmissbrauch entgegen, ergibt sich, dass die vorlie
genden Observationsergebnisse
(inklusive Fotodokumentation und Videoaufnah
men)
in die Beweiswürdigung miteinbezogen werden können (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_
262/2017 vom 15. November 2017 E.
4.2).
Der Verwertbarkeit steht somit nichts entgegen. Unter diesen Umständen ist es auch nicht zu beanstanden, dass
der Gutachter Dr.
Z._
die Observations
ergebnisse – nebst zahlreichen weiteren Aspekten – in
seine
Beu
rteilung
mitein
fliessen
liess
.
6.
6.1
Die hier zu prüfende Einstellung der 2011 zugesprochenen und 2013 bestätigten ganzen Rente setzt voraus, dass eine wesentliche Änderung – mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
–
nachgewiesen ist und diesbezüglich nicht eine lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachver
haltes vorliegt (vgl. vorstehend E. 1.
3
).
6.2.
In somatischer Hinsicht liegen beim Beschwerdeführer seit jeher keine relevanten Einschränkungen vor.
Neu hinzugekommen ist seit Juni 2017 die Diagnose einer HIV-Infektion, welche von den Ärzten medikamentös behandelt wird und alleine betrachtet aus somatischer Sicht derzeit keine Arbeitsunfähigkeit nach sich zieht (vgl. vorstehend E. 4.6).
Gestützt auf die Akten liegt
demzufolge
beim Beschwer
deführer eine
ausschliessliche psychische Erkrankung mit daraus
resultierender gesundheitlicher
Einschränkung vor.
6.3
6.3
.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte
Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Jan
uar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6.
3
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.4
Die heute massgebende Rechts
prechung (vgl. vorstehend E. 6.3
.1) existierte im Zeitpunkt, als das Gutachten von Dr.
Z._
erstattet wurde (Ende 2016)
,
noch nicht, weshalb sich der Gutachter noch nicht direkt an ihr orientieren konnte
,
er
hielt
sich
jedoch an das damals gebräuchliche Raster gemäss BSV-Rundschreiben Nr. 339
. Es ist deshalb zu prüfen, ob dennoch eine schlüssige Beurteilung im Sinne des strukturierten Beweisverfahrens möglich ist (vgl. vorstehend E.
6.3.2
).
6.5
Zum Komplex der Gesundheitsschädigung wurden im Gutachten
(Urk. 7/169)
substantiierte Feststellungen getroffen, dies insbesondere zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (
S. 28 ff.
), zum Behandlungsverlauf und
allfälligen Komorbiditäten (S.
4 ff. Ziff. I; S.
38
ff.
). Dazu zu zählen sind auch die Dar
legungen hinsichtlich der Funktionsstörungen, die sich aus den diagnostizierten Leiden ergeben (S.
30 ff. Ziff. IV
). Sodann wurden Persönlichkeitsfaktoren und pers
önliche Ressourcen beleuchtet (S. 40
f. Ziff. 8, S. 42 Ziff. 5
) und zum sozialen
Kontext dargelegt, dass ein solcher nahezu inexistent erscheine (S.
22 f.; S. 41 ff. Ziff. II
). Dass die Ausführungen betreffend Konsistenz (S.
47 ff. Ziff. V
) eher knapp erscheinen, liegt daran, dass das Aktivitätenniveau in allen vergleichbaren Lebensbereichen offensichtlich gleichmässig eingeschränkt erscheint, worüber hinaus wenig zu sagen bleibt, während der hier ebenfalls relevante Leidensdruck durch die seit
September 2009
stattfindende Behandlung durch
die Ärzte des
D._
(vgl. vorstehend E. 4.3)
und die nach Verfügungserlass durchgeführten stationä
ren Behandlungen in der
C._
(vgl. vorstehend E. 4.7.1-3)
hinlänglich
dokumen
tiert ist.
6.6
Das Gutachten
von Dr.
Z._
genügt somit sowohl den herkömmlichen (
vgl. vor
stehend E. 1.5
) als auch den heute nachträglich zur Anwendung kommenden
Anforderungen eines strukturierten Beweisverfahrens. Auch seitens des RAD wa
ren keine Mängel
des Gutachtens ersichtlich (vgl. vorstehend E. 4.5
).
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchsgrundlage lassen sich mithin anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob die medizinische Beurteilung die massgebenden normativen Rahmenbedingungen respektiert hat und das Leis
tungs
vermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt wurde (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach im Ergebnis zu bejahen.
Demensprechend besteht keine Veranlassung, die im Gutachten attestierte und
vom RAD bestätigte
vollständige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
im 1. Arbeits
markt
bei
ungünstiger Prognose für berufliche Massnahmen
ausser Betracht zu lassen
(vgl. vorstehend E. 4.5).
Dass ein invalidisierender Gesundheitsschaden auch unter der geltenden Rechtsprec
hung zu verneinen sei, weil
die gutachterlich gestellte Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung nicht ausgewiesen sei,
die Therapiebemühung
en
ungenügend sei
en
, angeblich ein hohes Aktivitäts
niveau im Freizeitbereich bestehe, und der Beschwerdeführer über einen unein
geschränkten Tage
sablauf verfüge
, mithin ein ordentliches Funktionsniveau aus
ge
wiesen sei
(Urk. 7/189 S. 3 f.; Urk. 7/200 S. 1 f.
), zielt am zentralen Punkt des
strukturierten Beweisverfahrens, wonach Defizite und Ressourcen abzuwägen sind
, vorbei und ist als Ausdruck einer in dieser Form nicht mehr zulässigen juris
tischen Parallelüberprüfung (vgl. BGE 141 V 281 E.
5.2.3 und 143 V 418 E.
6) nicht geeignet, zu einem anderen Schluss zu führen.
Dies gilt umso mehr, als die nach Verfügungserlass
(zur rechtlichen Berücksichtigung von Sachverhaltsän
de
rungen nach Verfügungserlass vgl.
BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b)
ergangenen medizinischen Berichte über stationäre Aufenthalte des Beschwer
de
führers gerade das Gegenteil beweisen
(vgl. vorstehend E. 4.7.1-3).
Ausserdem vermag die Beschwerdegegnerin den Widerspruch nicht aufzulösen, weshalb die fachärztlich festgestellte Diagnose der PTBS nunmehr nicht mehr geltend soll, obwohl diese bereits anlässlich der Rentenzusprache 2009 diagnostiziert (vgl. vor
stehend E. 3.1) und seither von allen Ärzten bestätigt wurde
, zumal die beschwerdegegnerische Feststellung vom Rechtsdienst alleine und ohne Einbezug des RAD oder einer anderen medizinischen Fachperson getroffen wurde.
6.7
Gutachter
Z._
wies explizit drauf hin, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten Rentenrevision nicht
wesentlich
verändert hat
. Eher habe er sich tendenziell verschlechtert (vgl. vorstehend E. 4.4)
. Etwas A
nde
res lässt sich auch nicht aus den übrigen im Wesentlichen übereinstimmenden Arztberichten
(vgl. vorstehend E. 3.1; E. 4.2 f.)
sowie auch
nicht
aus der Stellungnahme des RAD
(vgl. vorstehend E. 4.5)
ableiten.
Eine Divergenz in der medizinischen Aktenlage zur psychischen Erkrankung des Beschwerdeführers ist damit nicht erstellt.
Auch die Ergebnisse der durchgeführten Observation vermögen keinen Zweifel
am Gutachten
zu wecken
und auf eine
revisionsrechtlich relevante
Verbesserung
des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers schliessen.
So erachtete Dr.
Z._
als Facharzt
das Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich der Obser
vierung für vereinbar mit
der
psychischen Erkrankung und wies darüber hinaus darauf hin, dass
in den Observationsunterlagen die konkreten psychischen Einschränkungen nicht erkennbar seien (vgl. vorstehend E. 4.4).
6
.8
Nach dem Gesagten liegt ein im Wesentlichen gleich gebliebener medizinischer Sachverhalt vor
und diesbezüglich somit
kein Revisionsgrund im S
inne von Art. 17 Art. 1 ATSG
.
Auch gibt es in erwerblicher Hinsicht keine Veränderungen seit der letzten Rentenprüfung
beziehungsweise seit der
erstmaligen
Renten
zu
sprache
(vgl. Urk. 7/
188 S. 1 f.)
.
Die
Einstellung
der bisher ausgerichteten ganzen Rente erweist sich aus diesem Grund als unzulässig.
Somit ist die angefochtene Verfügung
vom 22. Januar 2018
in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde
aufzuheben und
es ist
festzustellen
, dass
der Be
schwerdeführer
seit 1. September 2015 beziehungsweise seit der Rentensistierung ab 1. April 2016
weiterhin
Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Gleich zu v
erfahren ist auch mit der Verfügung vom 8. August 2018 (Urk. 25/2)
betreffend die rückwirkende Einstellung der Hilflosenentschädigung per 31. August
201
5.
Auch hier begründete die Beschwerdegegnerin den Wegfall der gesetzlichen Voraussetzungen (vgl. vorstehend E. 1.6) mit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit spätestens Ende der Observa
tion im August 2015
, was – wie vorhin dargelegt –
nicht
zutreffend
ist. Die Verfügung vom 8. August 2018 ist demzufolge aufzuheben mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer ab 1. September 2015
beziehungsweise seit
der Sistierung ab
1. April 2016
weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades hat.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten
gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
7.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter machte mit Honorarnoten vom 17. Dezember 2018 (Urk. 30/1-2) einen Aufwand von (7 + 1
.66
=) 8
.66 Stunden und Baraus
lagen von (
59.10 +
7.80 =) Fr. 66.90 geltend, womit er beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) mit Fr. 2'125.80 (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) von der Beschwerdegegnerin zu entschä
digen ist.