Decision ID: c4847fe4-ec1e-40f7-800b-bfd640d56dfa
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1976 geborene
X._
reiste am 26. Januar 1985 aus
Y._
in die Schweiz ein und schloss 1995 eine Ausbildung zum Automonteur ab (Urk. 6/2).
Seit
Dezember 1997
litt
der Versicherte an einer persistierenden chro
nischen
Proteinurie
im
nephrotischen
Bereich, welche seit dem
15. D
ezember 2009 d
ialysepf
lichtig war; die
Nierenallotransplantation
erfolgte am 25. März 2010 (Urk. 6/32/3). Im Zusammenhang mit den
nephrologischen
Problemen mel
dete sich der Versicherte am 12. Juni 2015 erstmals bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2). Mangels IV-relevante
n
Gesundheitsschaden
s
wies diese das Leistungsbegehren mit Verfü
gung vom 7. Dezember 2015 ab (Urk. 6/19).
1.2
Am 19. April 2017 unterzog sich der Versicherte infolge seit Dezember 2016 be
stehender Beschwerden einer Meniskus-Teilresektion
am rechten Knie
(Urk.
6/32/2,
Urk.
6/43/2)
; die erneute Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am 20. September 2017 (Urk. 6/31). Mit Verfügung vom 21. September 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wegen fehlender Mitwirkung des Versicher
ten gestützt auf die Akten
wiederum ab (Urk. 6/59
, vgl. auch Urk. 6/57/4
).
1.3
Am 12. Juli 2019 meldete sich der Versicherte ein weiteres Mal bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/63). Diese holte in der Folge Bericht
e
der behan
delnden Fachärzte ein (Urk
.
6/73
-
74, Urk. 6/79, Urk. 6/81) und hielt m
it Mittei
lung vom 9. März 2020 fest, dass aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien (Urk. 6/75). Mit Vorbescheid vom 15. Juni 2021 stellte die IV-Stelle – ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 38 %
–
die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 6/84) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
11. Oktober 2021 fest (Urk. 6/93 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am 27. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei ein aktueller Arztbericht des behandelnden Psychiaters sowie ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten einzuholen; dem Beschwerdeführer sei eine Prozessentschädigung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2021 beantragte die Beschwerdegeg
nerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 8. Dezember 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
in einer leichten bis mittschweren Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen sei, wobei der Beschwerdeführer ein Jahreseinkommen von Fr. 34'223.05 erzielen könnte. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 55'136.25 führe dies zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 38 % (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass aufgrund der psychischen Erkrankung von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit auszugehen sei. Selbst wenn der Beschwerdeführer zu 50 % arbeits
fähig wäre, hätte dies einen Anspruch auf eine Rente zur Folge, da die Beschwer
degegnerin die Vergleichseinkommen falsch festgelegt habe (Urk. 1 S. 4). Der von med.
pract
.
Z._
gestellten Diagnose könne nicht einfach die Erheblichkeit und Dauerhaftigkeit abgesprochen werden, weiter seien die Ausführungen des
Nephrologen
, Dr. med.
A._
, fachfremd (S. 5).
Schliesslich stelle es eine will
kürliche Beweiswürdigung dar, wenn die RAD-Psychiaterin im Rahmen des Tele
fonats vom 30. September 2021 einfach davon ausgegangen sei, dass auch die neue
depressive
Episode (mittels lei
tliniengerechter Beha
ndlung) remittieren werde (S. 6). Bezüglich des
Valideneinkommens
sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer bei seiner Arbeitsstelle im Jahr 2016 krankheitsbedingt keinen normalen Lohn mehr habe erzielen können, so dass auf diesen nicht abgestellt werden könne (S. 7). Nachdem der Beschwerdeführer schon seit Jahren gesund
heitlich stark angeschlagen gewesen sei, müsse das
Valideneinkommen
anhand eines Tabellenwertes ermittelt werden
; das Invalideneinkommen sei
unter Berück
sichtigung eines leidensbedingten Abzuges
zu ermitteln
(S. 8). Sofern gestützt auf den Bericht von med.
pract
.
Z._
noch keine
ganze Rente zugesprochen werde
, sei ein unabhängiges Gutachten einzuholen (S. 9).
2.3
Unbestritten und aktenmässig erstellt ist, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 12. Juli 2019 eingetreten und zu Recht von einer revisionsrechtlich relevanten Verschlechterung des Gesundheits
zustandes ausgegangen ist, weshalb
der Rentenanspruch im Folgenden allseitig und ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu prüfen ist (E. 1.3).
3.
3.1
Med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnosti
zierte in seinem Bericht vom 17. Februar 2020 eine mittelgradig
e
depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei Status nach Nierentransplantation rechts, Lebend
spende am 25. März 2010
, metabolischem Syndrom mit Adipositas Grad I, Diabetes mellitus Typ 2, arterielle
r
Hypertonie,
gastroösophageale
r
Refluxkrank
heit
sowie Status nach Meniskusteilresektion.
Der Beschwerdeführer stehe bei ihm seit dem 21. November 2019 in regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, aktuell mit einer Frequenz von einer Sitzung pro Woche; zudem bestehe eine medikamentöse Behandlung. Eine Rückkehr in die angestammte Tätigkeit als Automechaniker sei aufgrund des aktuellen Beschwerdebildes nicht möglich. Der Beschwerdeführer sei auch durch die Depression und die Ängste noch sehr eingeschränkt, beides bedürfe noch weiterer Behandlung, weshalb eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt schwierig sei. Aktuell sei sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 6/74).
3.2
Dr. med.
A._
, leitender Arzt am Institut für Nephrologie des Stadtspitals
B._
, ging in seinem Bericht vom 9. Juli 2020 von den folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus:
-
Status nach Nierentransplantation
iliacal
rechts am 25. März 2010 mit eingeschränkter Nierenfunktion
-
Metabolisches Syndrom mit Adipositas Grad I und einem
posttransplan
täre
n
Diabetes mellitus Typ II, ED 09/2015 unter Insulintherapie
-
Arterielle Hypertonie mit einer 4er-Kombinationstherapie
-
Gastro-ösophageale
Refluxkrankheit
mit Dauermedikation mit
Pantozol
-
Mittelschwere Depression wegen psychosozialer Belastungssituation m
i
t Beginn einer Psychotherapie, Gesprächstherapie seit 11/2019
-
Status nach Meniskusteilresektion rechts wegen Riss am
Hinterhorn
am 19. April 2017
In einer körperlich leichten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen; die Leistungsfähigkeit sei aufgrund der körperlichen und psychi
schen Belastbarkeit reduziert (Urk. 6/79
/7-12
).
3.3
Dr. med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, regionaler ärztlicher Dienst
(RAD), ging
in ihrer Stellungnahme vom 3. November 2020
unter Bezugnahme auf den Bericht von Dr.
A._
vom 9. Juli 2020 von den folgenden Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus:
-
Status nach Nierentransplantation
iliacal
rechts am 25. März 2010 mit eingeschränkter Nierenfunktion
-
Metabolisches Syndrom mit Adipositas Grad I und einem
posttransplan
tären
Diabetes mellitus Typ II, ED 09/2015 unter Insulintherapie
In einer angepassten Tätigkeit sei seit ca. 11/2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Die arterielle Hypertonie sei gut eingestellt, die Psyche stabil und gut, hinsichtlich des Knies rechts würden keine Beschwerden mehr bestehen. Im Verlauf der psychiatrischen Behandlung
habe
sich eine deutliche Besserung der Psyche sowie der Lebenseinstellung eingestellt. Zudem fehle es einer depres
siven Episode an der Dauerhaftigkeit, sodass aus psychiatrischer Sicht kein dau
erhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (Urk. 6/83 S.
4-6).
3.4
In seinem Schreiben vom 3. August 2021 führte
med.
pract
.
Z._
aus, dass
es in der Zeit von August 2020 bis zum 27. Juli 2021 zu einem Unterbruch der Behandlung gekommen sei, da der Beschwerdeführer aufgrund der transplan
tierten Niere Angst gehabt habe, sich mit Covid-19 anzustecken. Diagnostisch sei von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sode (ICD-10 F33.1)
,
auszugehen. Wie schon im Bericht vom 17. Februar
2020 erwähnt
,
sei der Beschwerdeführer aufgrund der depressiven Störung nach wie vor stark eingeschränkt und es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % auf dem gesamten ersten Arbeitsmarkt (Urk. 6/88).
3.5
Am 30. September 2021 äusserte sich Dr.
C._
telefonisch dahingehend, dass bei einer neuen Episode davon auszugehen sei, dass die vorherige Episode vorübergehend remittiert sei. Entsprechend sei zu erwarten, dass
auch
die
neue Episode mittels leitliniengerechter Behandlung remittieren werde
. In Bezug auf den neu eingereichten
Bericht
von
med.
pract
.
Z._
könne
aus psychiatri
scher Sicht
weiterhin
von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(Urk. 6/91 S. 2).
4.
4.1
In psychischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin in ihrer Einschätzung der Sachlage insbesondere auf die Beurteilung von Dr.
C._
vom RAD.
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvoll
ziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverstän
diger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
Auch wenn es
covidbedingt
zu einem Unterbruch der Behandlung gekommen ist, lässt sich dem Bericht von
med.
pract
.
Z._
vom 3. August 2021 gegenüber seiner Einschätzung vom 17. Februar 2020 keine wesentliche Besserung des psy
chischen Zustandes entnehmen. Die von Dr.
C._
in ihrer Einschätzung vom 3. November 2020 erwähnte deutliche Besserung der Psyche sowie der Lebenseinstellung kann vor diesem Hintergrund nicht nachvollzogen werden, zumal es sich bei der RAD-Einschätzung lediglich um eine Aktenbeurteilung handelt.
Bezüglich der telefonischen Stellungnahme vom 30. September
2021 ist zudem anzumerken, dass eine
formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festge
haltene mündliche beziehungsweise telefonische Auskunft
rechtsprechungsge
mäss
nur insoweit ein zulässiges und taugliches Beweismittel darstellt, als damit bloss Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden. Sind aber Auskünfte zu wesentlichen Punkten des rechtserheblichen Sachverhal
tes einzuholen, kommt grundsätzlich nur die Form einer schriftlichen Anfrage und Auskunft in Betracht
(BGE 117 V 282 E. 4c
; vgl. auch
Urteil des Bundesge
richts 8C_177/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 5.3.4 mit Hinweis auf BGE
130
II 473 E. 4.2)
.
Da es sich bei der Einschätzung der psychischen Leistungsfähigkeit im vorliegenden Verfahren um einen zentralen Aspekt handelt, ist die telefoni
sche Stellungnahme beweisrechtlich nicht verwertbar.
Hinsichtlich der Dauerhaf
tigkeit der depressiven Erkrankung ist zudem auf die Tatsache hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer seit November 2019 in fachärztlicher Behandlung steht und sowohl medikamentös als auch mittels Ge
sprächstherapie behandelt wird.
Insgesamt bestehe
n
zumindest geringe Zweifel an der versicherungsinternen Ein
schätzung, sodass sich eine
versicherungsexterne
Begutachtung aufdrängt.
4.2
Weiterer Abklärungsbedarf besteht auch in somatischer Hinsicht. Die Beschwer
degegnerin stützt sich dabei im Wesentlichen auf den Bericht von Dr.
A._
vom 9. Juli 2020.
Bei der attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit bleibt
indes
unklar, ob dies eine Gesamteinschätzung darstellt oder
ob diese Einschätzung
allein au
s
nephrologischer
Sicht erfolgt ist
. Die Diagnoseliste sowie die Formu
lierung, dass die Arbeitsfähigkeit auch durch die psychische Belastbarkeit redu
ziert sei, legen dabei den Schluss nahe, dass auch Überlegungen zum psychischen Zustand in die Beurteilung eingeflossen sind. Eine solche Beurteilung wäre fach
fremd und würde zudem der fachspezifischen Einschätzung von med.
pract
.
Z._
widersprechen.
4.3
Der Vollständigkeit halber ist entsprechend den Ausführungen des Vertreters des Beschwerdeführers darauf hinzuweisen, dass die Festsetzung des
Valideneinkom
men
s
anhand des per 2016 erzielten Einkommens problematisch erscheint, zumal keine fundierten Auskünfte seitens des Arbeitgebers eingeholt worden sind
(Soziallohn). Aufgrund der medizinischen Unterlagen erscheint es dabei ohne weiteres nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2016 aufgrund seiner multiplen Erkrankungen nicht mehr uneingeschränkt leistungsfähig war. Selbst wenn man von dem
im Jahr
2016
erzielten
Jahreseinkommen ausginge, würde sich die
Frage einer
Parallelisierung der Vergleichseinkommen stellen, da
wohl
von einem deutlich unterdurchschnittlichen Einkommen auszugehen wäre, wie dies schon der errechnete Invaliditätsgrad von 38 % bei einer anerkannten Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 50 % nahelegt.
4.4
Insgesamt erscheint es angezeigt
,
den Beschwerdeführer polydisziplinär begut
achten zu lassen, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, was zur Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung vom 11. Oktober 2021 führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr. 2'0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.