Decision ID: e7904249-b767-400d-9f37-e3412237aef4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 3. Dezember 2018 in die Schweiz ein,
wo er am nächsten Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
B._ um Asyl nachsuchte. Am 11. Dezember 2018 wurde er dort zu
seiner Identität, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen be-
fragt (Befragung zur Person, BzP).
A.b Gemäss Treffer im Eurodac-System hatte der Beschwerdeführer am
14. Januar 2016 in Deutschland einen Asylantrag gestellt, wo ihm am (...)
Schutz gewährt worden sei.
A.c Die deutschen Behörden erklärten am 10. Januar 2019 auf Nachfrage
des SEM, dass sie für die Durchführung des Asylverfahrens nicht zuständig
seien. Bei der Darstellung im Eurodac handle es sich um einen Fehler.
Nachdem der Beschwerdeführer ausgereist sei, sei sein Asylverfahren im
(...) eingestellt worden. Eine Schutzgewährung liege nicht vor.
A.d Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2019 beendete das SEM das
eingeleitete Dublin-Verfahren und teilte dem Beschwerdeführer mit, dass
sein Asylgesuch in der Schweiz geprüft werde.
A.e Anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen vom 19. November 2019
machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei ethnischer Perser und stamme ursprünglich aus C._, Provinz
D._. Zuletzt habe er in C._ beziehungsweise in F._
gelebt. Er habe an der E._ Universität in C._ Finanzwesen
studiert, das Studium aber im 4. Trimester abgebrochen. Nebenbei habe
er in seinem eigenen Friseursalon gearbeitet.
Ein Kunde, welcher zugleich ein Freund gewesen sei, habe ihn überzeugt,
die Hauskirche in F._ zu besuchen, da es ihm (dem Beschwerde-
führer) zum damaligen Zeitpunkt wegen seiner verschollenen Verlobten
schlecht gegangen sei. Er sei etwa fünf oder sechs Mal dorthin gegangen.
Eines nachts seien bei einer Versammlung seine Freunde festgenommen
worden. Er selbst habe fliehen können. Aus Angst von seinen Freunden
verraten zu werden, sei er etwa im (...) oder (...) 2015 aus dem Iran aus-
gereist. Er sei nach Deutschland gereist, wo er ein Asylgesuch gestellt
habe. Er habe das Gefühl gehabt, die deutschen Behörden würden ihn auf-
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nehmen, obwohl er kein Interview gehabt und keinen Asylentscheid erhal-
ten habe. Er sei im Iran beziehungsweise in Deutschland beziehungsweise
anlässlich seiner Taufe in der Schweiz zum Christentum konvertiert.
Etwa im (...) oder (...) 2016 sei er, in Absprache mit den deutschen Behör-
den und dem iranischen Konsulat, in den Iran gereist, weil sein Vater Herz-
probleme gehabt habe. Er habe ein Dokument und 400 oder 500 Euro für
die Rückreise erhalten. Bei seiner Ankunft am Flughafen Khomeini sei er
von der Sepah (Iranische Revolutionsgarde; Anmerkung des Gerichts)
festgenommen worden. Er sei anschliessend in einen Raum gebracht und
dort befragt worden. Ihm seien 250 Euro, die er bei sich gehabt habe, ab-
genommen worden. Dann sei ihm etwas über den Kopf geworfen, er fest-
gebunden und mit dem Auto in ein Gefängnis gebracht worden. Dort sei er
geschlagen und schlecht behandelt worden. Zudem sei er sexuell bedrängt
worden. Er sei sieben beziehungsweise acht oder neun Tage im Gefängnis
gewesen. Dann sei er gefesselt in einem Feld in der Nähe von Teheran
freigelassen worden. Ein älterer Jäger habe ihn aufgefunden und ihm ge-
holfen, seine Mutter telefonisch zu erreichen. Diese habe ihm Geld ge-
schickt und er sei nach G._ beziehungsweise H._ gegan-
gen. Anschliessend habe er den Iran verlassen und sei über die Türkei,
Griechenland, Mazedonien, Serbien und Italien in die Schweiz gereist. Ei-
gentlich habe er nach Deutschland gehen wollen, aber Polizisten hätten
ihn im Zug festgenommen.
Er habe keine gesundheitlichen Beschwerden beziehungsweise leide er an
Schlafstörungen, was ihm Stress verursache. Er gehe einmal im Monat zu
einem Psychotherapeuten. Er konsumiere Medikamente, wenn es ihm
schlecht gehe.
A.f Der Beschwerdeführer reichte seine Melli-Karte (iranische Identitäts-
karte; Anmerkung des Gerichts), seinen Führerschein und sein Friseurdip-
lom, je in Kopie, sowie eine Taufurkunde der L._ vom 27. Januar
2019 zu den Akten.
B.
B.a Das SEM stellte mit Schreiben vom 16. April 2020 mehrere Widersprü-
che in den Aussagen des Beschwerdeführers fest und gewährte ihm dazu
das rechtliche Gehör.
B.b Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 30. April 2020 seiner da-
malige Rechtsvertreterin Stellung nehmen.
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C.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 18. Mai 2020 fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab.
Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den
Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe vom 17. Juni 2020 (Datum Poststempel: 18. Juni 2020) erhob
der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des SEM sei aufzuhe-
ben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und es sei Asyl zu
gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzu-
lässig, unzumutbar und unmöglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme
anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses zu verzichten und es sei ein amtlicher Rechtsbeistand einzu-
setzen. Eventuell sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Fürsorgebestä-
tigung vom 12. Juni 2020, ein Artikel «Iran: Verhaftungen in Hauskirchen»
vom 17. September 2015, eine Fotografie seines provisorischen deut-
schen Ausweises vom 27. Oktober 2015, eine Kopie seiner deutschen Auf-
enthaltsgenehmigung, die ablehnende Antwort der deutschen Behörden
auf das Dublin-Gesuch vom 10. Januar 2019, zwei Referenzschreiben von
I._ vom 9. Juni 2020 beziehungsweise von J._ vom 28. Mai
2020, eine Fotografie der Einladung zum Beratungsgespräch bei der AWO
(deutscher Wohlfahrtsverband; Anmerkung des Gerichts) vom 13. Juli
(2016; Anmerkung des Gerichts), eine Kopie der Grenzübertrittsbescheini-
gung des Landkreises K._ vom 16. August 2016, ein Auszug aus
dem Buch mit dem Titel «Wenn das Unfassbare geschieht – vom Umgang
mit seelischen Traumatisierungen» und ein Interview mit der Psychologin
Jenny Baron, bei.
E.
Am 2. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer den Rücklaufschein der
Grenzübertrittsbescheinigung vom 18. August 2016 nach.
F.
F.a Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2020 hiess die damals zuständige
Instruktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung sowie um amtliche Rechtsverbeiständung gut, und verzichtete
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antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Sie forderte
den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Rechtsvertretung zu bezeich-
nen. Zudem wurde das SEM eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung
einzureichen.
F.b Mit Eingabe vom 22. Juli 2020 ersuchte die rubrizierte Rechtsvertrete-
rin unter Vorlage einer (unter anderen) auf ihre Person lautenden Vollmacht
des Beschwerdeführers vom 21. Juli 2020 um Einsetzung als amtlicher
Rechtsbeistand.
F.c Die Vorinstanz liess sich nach einer bewilligten Fristerstreckung mit
Eingabe vom 13. August 2020 zur Beschwerde vernehmen. Dabei hielt sie
vollumfänglich an ihren Erwägungen fest.
G.
Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom
31. August 2020 replizieren. Mit der Replik wurden eine Kopie eines wei-
teren Referenzschreibens von J._ und weiteren Unterstützern vom
22. August 2020, eine Medienmitteilung von kath.ch mit dem Titel «Iran:
Neue Verhaftungswelle gegen Christen» und eine Honorarnote der
Rechtsvertreterin vom 31. August 2020 eingereicht.
H.
Mit persönlicher Eingabe vom 6. März 2021 (Datum Poststempel) erklärte
der Beschwerdeführer, er habe infolge seiner Heirat am 26. Februar 2021
eine neue Wohnadresse.
I.
I.a Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2021 forderte die damalige In-
struktionsrichterin den Beschwerdeführer auf, innert Frist bei der zuständi-
gen kantonalen Behörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewil-
ligung einzureichen und das Bundesverwaltungsgericht über die Gesuchs-
einreichung und über das weitere Verfahren in Kenntnis zu setzen. Gleich-
zeitig lud sie den Beschwerdeführer ein, sich innert Frist zur Frage eines
allfälligen Beschwerderückzuges zu äussern.
I.b Der Beschwerdeführer liess am 7. April 2021 durch seine Rechtsvertre-
terin mitteilen, er habe in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung B erhal-
ten. Er halte an seiner Beschwerde bezüglich der Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft und der Gewährung von Asyl fest. Seiner Eingabe lag eine
Kopie der entsprechenden Bewilligung bei.
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Seite 6
J.
Am 28. Juni 2021 liess der Beschwerdeführer eine Kopie seines Strafre-
gisterauszuges vom 15. Juni 2021 einreichen, als Beleg, dass er sich in
der Schweiz in strafrechtlicher Hinsicht nichts habe zu Schulden kommen
lassen.
K.
Aus organisatorischen Gründen wurde der Vorsitz im Beschwerdeverfah-
ren am 17. November 2021 auf Richter Walter Lang übertragen.
L.
L.a Der Beschwerdeführer liess am 17. Dezember 2021 um baldigen Ab-
schluss seines Beschwerdeverfahrens ersuchen oder nach dem Verfah-
rensstand fragen. Die lange Wartezeit sei für ihn sehr belastend.
L.b Der Instruktionsrichter beantwortete die Verfahrensstandanfrage am
21. Dezember 2021 und teilte dem Beschwerdeführer gleichzeitig den
Wechsel des Vorsitzes im Beschwerdeverfahren mit.
L.c Eine weitere Verfahrensstandanfrage vom 11. Juli 2022 beantwortete
der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 15. Juli 2022.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor dem SEM teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz hat der Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung auch nicht entzogen (Art. 55. Abs. 2
VwVG). Der eventualiter gestellte Antrag, die aufschiebende Wirkung sei
wiederherzustellen, erweist sich mithin als gegenstandslos.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Entschei-
den dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
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3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine
Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub-
jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls,
unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-
setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen,
die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
4.
4.1 Das SEM führt in ihrem ablehnenden Asylentscheid an, die Vorbringen
des Beschwerdeführers würden den Anforderungen gemäss Art. 7 AsylG
nicht genügen, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
Im Einzelnen hält es fest, der Beschwerdeführer mache geltend, er sei zum
Christentum konvertiert und deswegen bei seiner Rückkehr von Deutsch-
land in den Iran von der Sepah festgenommen und misshandelt worden.
Er habe im Verlaufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten (Identitäts-
karte; letzter Wohnort im Iran; Wohndauer in F._; Zeitpunkt der ers-
ten Flucht nach Deutschland; Zeitpunkt und Ort der Konversion zum Chris-
tentum; Ort seiner Taufe; Zeitpunkt der Rückkehr aus Deutschland; Höhe
der weggenommenen Euros durch die Sepah; Essen während Gefangen-
schaft; Antworten auf Vorwürfe der Sepah während Gefangenschaft) wi-
dersprüchliche Angaben gemacht. Der Beschwerdeführer habe sich häufig
in allgemeiner Weise geäussert und mit stereotypen und vagen Erzählun-
gen (Ausreise nach Freilassung; Geschehnisse während sieben, acht oder
neun Hafttagen; Auslebung christlichen Glaubens nach Ausreise) abge-
lenkt.
Der Beschwerdeführer habe angegeben, er sei im (...) oder (...) 2015 nach
Deutschland gereist und habe sich dort etwa zehn oder elf Monate aufge-
halten, ehe er wieder in den Iran gereist sei. Er habe Ende (...) 2015 ein
Asylgesuch in Deutschland gestellt, habe aber weder ein Interview gehabt
noch einen Asylentscheid erhalten. Die Überprüfung der Eurodac-Daten-
bank habe ergeben, dass er am (...) in Deutschland ein Asylgesuch gestellt
und ihm am (...) Schutz gewährt worden sei. Ihm sei in der BzP bereits
vorgehalten worden, weshalb ihm die deutschen Behörden Schutz gewährt
hätten, wenn sie gewusst hätten, dass er 2016 in den Iran zurückgekehrt
sei. Er habe lediglich mit einer Rückfrage geantwortet. In der Anhörung sei
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Seite 9
er darauf angesprochen worden, wie es möglich sei, dass er diesen
Schutzstatus erhalten habe, obwohl er zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr
in Deutschland gewesen sei. Er habe angegeben, dass er selbst über-
rascht sei, er wisse nicht warum. Er halte weiterhin daran fest, keinen Asyl-
entscheid erhalten zu haben. Diese Tatsachen würden die Vermutung na-
helegen, dass er im (...) oder (...) 2016 gar nicht in den Iran zurückgekehrt
sei, sondern sich gerade zu dieser Zeit in Deutschland aufgehalten habe.
Der Beschwerdeführer habe eine Taufurkunde der L._ zu den Akten
gereicht. Diese Urkunde vermöge an seinen unglaubhaften Ausführungen
zur Bekehrung zum Christentum nichts zu ändern. Dieses Beweismittel sei
untauglich, da es den geltend gemachten Sachverhalt nicht habe glaubhaft
machen können.
4.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, dass an der Anhörung
das Gesprächsthema mehrmals gewechselt worden sei. Dies habe den
Beschwerdeführer verwirrt und verunsichert, weshalb sich daraus kein
schlüssiger Bericht ergeben habe. Aus diesem Grund lege er seine Flucht-
geschichte nochmals dar:
Vor seiner ersten Flucht habe er teilzeitlich bei seinen Eltern in C._
gelebt, aber in F._ gearbeitet und gelebt. Er sei über einige Jahre
hin- und hergependelt. Einmal habe er für sechs Monate mit einem Freund
eine Wohnung in F._ gemietet. Diese Adresse habe er als Wohnort
angegeben. Er habe sich im Iran dem christlichen Glauben zugewandt.
Dies sei eine Freikirche in privaten Räumen (Hauskirche) gewesen. In
F._ wie im Iran gebe es keine offizielle Taufe. Nach circa 5-6 Besu-
chen in Hauskirchen sei die Revolutionsgarde Sepah zu diesem grossen
Anwesen gekommen und er habe gesehen wie seine Freunde verhaftet
worden seien. Aus Angst sei er nach M._ geflüchtet und aus dem
Iran ausgereist. Über verschiedene Länder habe er Deutschland im (...)
2015 erreicht. Einen Monat später habe er seinen provisorischen Ausweis
bekommen, in welchem als Religion «Islam» gestanden sei. Dies hätten
die Behörden von sich aus eingetragen, weil zu jenem Zeitpunkt sehr viele
Flüchtlinge gleichzeitig in Deutschland eingetroffen seien. Er sei nicht nach
seiner Religion gefragt worden. Nach drei bis vier Monaten habe er sein
erstes Interview gehabt und am (...) habe er den definitiven Ausweis (Auf-
enthaltsbewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens) erhalten.
Im (...) 2016 sei es seinem Vater sehr schlecht gegangen. Dieser habe
einen Herzschrittmacher bekommen. Er (der Beschwerdeführer) habe zu
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seiner Familie zurückwollen, weil er sie sehr liebe. Er habe gehofft, dass
die iranische Regierung ihm vergeben habe. Vom iranischen Konsulat
habe er eine Bescheinigung erhalten, dass er Iraner sei. Mit diesem Doku-
ment sei er gereist. Den deutschen Ausweis habe das Sozialamt zurück-
genommen. Er sei am (...) 2016 im Flugzeug zurückgereist und um
ca. 10 Uhr nachts im Iran (M._) angekommen. Nach dem Zoll habe
er direkt mit in ein Zimmer gehen müssen. Die Sepah habe ihn ausgefragt,
was er in Deutschland gemacht habe, warum er dorthin gegangen sei, ob
er nun bei seinem Vater bleiben möchte. Ihm sei vorgeworfen worden, dass
er an religiösen Veranstaltungen mit anderen Personen teilgenommen
habe. Da habe er gewusst, dass ihn sein Freund in F._ verraten
habe. Er (der Beschwerdeführer) sei verhaftet und mitgenommen worden.
Sie seien circa 10-15 Minuten mit dem Auto gefahren. Ihm seien die Augen
verbunden worden. Dort angekommen, sei er in eine Zelle gebracht wor-
den. Ein oder zwei Tage habe er nur ein bisschen Brot und wenig Wasser
mit Geschmack (nasser Weizen) als Suppe erhalten. Er sei diese Tage al-
leine in der Zelle gewesen. Bei einem Schlag auf den Kopf sei er an die
Wand gestossen und habe sich den Schädel gebrochen. Ihm sei gesagt
worden, dies sei kein Problem und er sei nicht ins Spital gebracht worden.
Dann sei er mit verbundenen Augen und mit Kabelbindern gefesselt mit
dem Auto weggebracht worden. Er wisse nicht, ob die Fahrt zwei oder drei
Stunden gedauert habe, dort angekommen, sei er wieder geschlagen wor-
den. Er sei mit jeweils zwei Kabelbindern an Händen und Füssen gefesselt
worden und seine Augen seien verbunden gewesen. Nach vielen Stunden
sei ein älterer Mann, ein Jäger, gekommen und habe ihn gefragt, was ihm
zugestossen sei. Nachdem er diesem von sich erzählt habe, auch davon,
dass er wegen seines Glaubens gefangen worden sei, habe der Jäger ihn
in sein Haus mitgenommen und ihn mit Salben versorgt. Er (der Beschwer-
deführer) habe seine Mutter anrufen dürfen. Er habe grosse Angst gehabt
und sei nicht zu seinem Vater ins Krankenhaus gefahren. Er sei zu einem
Bekannten seiner Familie nach N._ gefahren, von wo er über meh-
rere Länder in die Schweiz gekommen sei.
Er habe verschiedene Ereignisse in seinem Leben als Konversion zum
Christentum bezeichnet. Für ihn seien es Etappen in seinem Christsein.
Nach dem Verlust seiner Verlobten im Iran seien die Teilnahmen an christ-
lichen Versammlungen in der Hauskirche seine ersten persönlichen Erleb-
nisse mit dem christlichen Gott gewesen. In Deutschland habe er einen
weiteren iranischen Christen (O._) kennengelernt. Dieser habe bei
ihm in der Unterkunft in P._ gewohnt und sei viele Jahre Priester im
Q._ und in der R._ gewesen. Er (der Beschwerdeführer) sei
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von diesem mit zehn weiteren Iranern in einem Fluss getauft worden. Es
habe eine kleine Zeremonie, aber keinen Taufschein gegeben. Deshalb
habe er diesen wichtigen Schritt an der Anhörung auch als Konversion be-
zeichnet. Während seines Aufenthalts im Asylzentrum habe er sich in der
L._, einer pfingstlichen Freikirche, nach einer Taufvorbereitung
nochmals taufen lassen, einerseits um seinen Glauben an Jesus Christus
zu vertiefen und zu bestätigen, andererseits um endlich eine schriftliche
Urkunde seiner Konversion zu haben. Von (...) bis (...) (...) habe er einen
Glaubenskurs für Menschen aus dem Orient (in Farsi) besucht und zurzeit
nehme er an einem Jüngerschaftskurs teil, wo er lerne, wie der christliche
Glaube im Alltag gelebt werde. Die Frage an der BzP, welcher Konfession
er angehöre, habe er nicht beantworten können, denn bei den iranischen
Hauskirchen gebe es nicht verschiedene Konfessionen. Es sei ihm nie da-
rauf angekommen, ob eine christliche Gemeinde reformiert, katholisch
oder freikirchlich sei; ihm sei es um die Zugehörigkeit zu Jesus Christus
gegangen. Die Übersetzerin habe auch gemeint, er müsse nicht alles ge-
nau sagen, er habe später dafür Zeit. Auf der Flucht habe er die Kirche am
jeweiligen Ort, meistens katholische besucht. In Deutschland und in der
Schweiz seien es Freikirchen gewesen.
Es werde von der Vorinstanz angezweifelt, dass er im Sommer 2016 in den
Iran zurückgekehrt sei. Er habe in der BzP von einer Rückkehr im (...) oder
(...) 2016 gesprochen und auch bei der Stellungnahme gesagt, dass ihm
in der Aufregung ein Fehler unterlaufen sei. Die Vorinstanz hätte die Mög-
lichkeit und die Pflicht gehabt, nachzuforschen, wer die Hilfsorganisation
gewesen sei und bei den deutschen Behörden die entsprechenden Doku-
mente zu verlangen. Die deutschen Behörden hätten ihm rund drei Tage
vor seiner Abreise 500 Euro Rückkehrgeld gegeben. Er sei meistens im
Heim gewesen, aber natürlich habe er sich Kleinigkeiten gekauft. Ebenso
habe er Geschenke (T-Shirts, Jacke, Memory-Karten, Esswaren und Ge-
tränke, für jedes Familienmitglied ein kleines Geschenk etc.) gekauft. So
seien noch 250 Euro geblieben, die ihm bei der Ankunft in M._ von
den Sepah abgenommen worden seien. Im Iran sei es wichtig, dass je-
mand Geschenke mitbringe, wenn er nach längerer Abwesenheit nach
Hause komme.
Seine Aussage an der Anhörung, er habe im Iran nur trockenes Brot be-
kommen, sei nicht im Zusammenhang mit dem Essen im Gefängnis ge-
standen, sondern im Zusammenhang mit seiner Angst, im Iran zu bleiben.
Er habe einen Vergleich gemacht, wie er in Deutschland gut respektive im
Iran schlecht behandelt worden sei. Über das Essen im Gefängnis sei erst
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Seite 12
später gesprochen worden. In einer solch lebensbedrohlichen Extremsitu-
ation könne man sich nicht an alles erinnern, da das Überleben im Vorder-
grund stehe. Er habe der Sepah jeweils die Antwort gegeben, welche seine
Überlebenschancen im Moment am meisten verbessert habe. Da komme
es unweigerlich zu widersprüchlichen Äusserungen. Er sei direkt nach der
Freilassung ausgereist, weil er Angst gehabt habe, das nächste Mal getötet
zu werden. Seine Mutter habe ihm am Telefon gesagt, dass sein Vater nicht
mehr in Lebensgefahr sei und dass er lieber weggehen solle als nach
Hause zu kommen.
Im Asylentscheid werde erwähnt, dass er zahlreiche Strafdelikte begangen
habe. Er sei etliche Male verdächtigt worden, aber durch Zeugenaussagen
jeweils entlastet und als unschuldig befunden worden.
In der Zwischenzeit habe die Sepah dreimal im Geschäft seines Bruders
nach ihm gesucht. Die Sepah arbeite nur mündlich; es gebe keine Doku-
mente über diese Vorfälle. Nicht nur die Sepah könnte ihm etwas antun,
auch andere Personen, die wissen würden, dass er Christ sei, und etwas
gegen ihn hätten.
4.3 Das SEM hält in ihrer Vernehmlassung fest, dass die erneute, ausführ-
lichere Darstellung der Asylgründe durch den Beschwerdeführer als nach-
geschoben erachtet werde. Somit seien diese Erklärungen/Ausführungen
wenig überzeugend. Er habe sowohl während seiner Anhörung als auch
während der Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs die Möglichkeit ge-
habt, Widersprüche aufzuheben, was ihm jedoch nicht gelungen sei.
Die Rückreise in den Iran am (...) 2016 gelte mit den neu eingereichten
Beweismitteln als bestätigt. Entscheidend sei jedoch, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen sei, glaubhaft zu machen, dass er nach sei-
ner Rückkehr von den iranischen Behörden in Haft genommen worden sei.
Sollte es überhaupt zu einer Festnahme gekommen sein, so sei es durch-
aus denkbar, dass er zu seinem Aufenthalt in Deutschland befragt worden
sei. Der Beilage 10 der Beschwerde sei zu entnehmen, dass er von den
deutschen Behörden aufgefordert worden sei, Deutschland zu verlassen,
er mithin nicht – wie er selbst behauptet habe – freiwillig in den Iran gereist
sei, mit der Absicht, seinen kranken Vater zu besuchen. Zudem sei aus
dieser Beilage ersichtlich, dass der Beschwerdeführer insgesamt 700 Euro
(Reisebei- und Starthilfe) bei seiner Rückkehr von den deutschen Behör-
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den erhalten habe und nicht wie behauptet, 400 oder 500 Euro. Trotz Ne-
bensächlichkeit zeige es nochmals die Widersprüchlichkeit seiner Aussa-
gen auf.
Die eingereichten Referenzschreiben seien von der Vorinstanz zur Kennt-
nis genommen worden, dennoch würden die Widersprüche und Unge-
reimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Aufenthalt
nach der Rückreise im (...) 2016 in den Iran überwiegen. Bei den Inhalten
der Schreiben handle es sich um sehr subjektive Wahrnehmungen, die
auch durch Kommunikationsschwierigkeiten oder Gutgläubigkeit stark in
eine Richtung verzerrt sein könnten. Zudem könne nicht ausgeschlossen
werden, dass es sich dabei auch um Gefälligkeitsschreiben handle. Des-
wegen werde diesen nicht eine allzu hohe Beweiskraft beigemessen. Die
inneren Beweggründe für die Kirchenbesuche des Beschwerdeführers
würden weiterhin stark angezweifelt.
4.4 In der Replik wird geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer seine
Sicht der Dinge noch einmal dargelegt habe, da er sich von der Vorinstanz
missverstanden gefühlt habe. Eine gewisse Skepsis seinerseits sei ver-
ständlich, habe er doch stets beteuert, nach seinem Aufenthalt in Deutsch-
land zurück in den Iran gereist zu sein. Die Vorinstanz unterstelle ihm, er
sei nicht freiwillig aus Deutschland ausgereist. Diesbezüglich sei festzuhal-
ten, dass sich die Akten widersprechen würden. Im Dublin-Dokument
(act. A25) sei vermerkt, dass er noch während des laufenden Asylverfah-
rens ausgereist sei und somit nicht zur Ausreise aufgefordert worden sei.
Die Vorinstanz habe damit die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers
falsch eingeschätzt. Anstatt zu den grundlegenden Irrtümern Stellung zu
nehmen, beschäftige sie sich in der Vernehmlassung mit nebensächlichen
Details, wie dem exakten Betrag der Rückkehrhilfe. Mit der bewiesenen
Rückreise und der damit wiederhergestellten Glaubwürdigkeit würden
auch die von ihm vorgebrachten Angriffe und Bedrohungen wieder glaub-
haft. Er beteuere, dass auch am heutigen Tag noch entsprechende Narben
an seinem Körper zu erkennen seien und er gerne bereit sei, diese ärztlich
begutachten zu lassen. Zudem sei aufgezeigt, dass er durch sein Trauma,
bei der Befragung unter grossem Stress gestanden habe.
In Bezug auf die Konversion zum Christentum bezweifle die Vorinstanz die
Aussagekraft des Referenzschreibens der christlichen Gemeinde
S._. Mit der Replik lasse er deshalb ein neues, ausführlicheres
Schreiben einreichen. Die aufrichtige spirituelle Auseinandersetzung mit
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dem Christentum stütze denn auch die Glaubhaftigkeit bezüglich der vor-
gebrachten Angriffe und Bedrohungen.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass das SEM im Ergebnis zutreffend feststellt, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen
gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen. Auf die betreffenden Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung und in der Vernehmlassung (vgl. die Zusam-
menfassung in E. 4.1 und 4.3) kann mit den nachfolgenden Ergänzungen
verwiesen werden. Die diesbezüglich im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens erhobenen Einwände und die eingereichten Beweismittel führen zu
keiner anderen Betrachtungsweise.
5.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Rückreise nach Deutschland am (...)
2016 – wie von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zutreffend festge-
halten wird – aufgrund der eingereichten Beweismittel (Rücklaufschein der
Grenzübertrittsbescheinigung vom (...) 2016; vgl. Bst. E) bewiesen ist.
Durch die entsprechende Urkunde belegt ist ferner, dass der Beschwerde-
führer sich (...) in der L._ hat taufen lassen.
5.3
5.3.1 Hingegen halten die Ausführungen des Beschwerdeführers hinsicht-
lich seiner Konversion zum Christentum und die in diesem Zusammenhang
geltend gemachten Behelligungen der iranischen Behörden nach seiner
Rückkehr aus Deutschland in den wesentlichen Punkten den Anforderun-
gen an das reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens nicht stand.
5.3.2 So vermochte der Beschwerdeführer seine Hinwendung zum Chris-
tentum – dem Auslöser für die geltend gemachten Probleme – auch auf
(mehrfache) Nachfrage hin nicht hinreichend zu präzisieren (vgl. SEM-
act. A38/19 F126 ff.). Beispielsweise gab er an der BzP vom 11. Dezember
2018 an, er wisse nicht, welcher christlichen Richtung oder Kirche er bei-
getreten sei. Das Christentum sei ihm ganz neu und er kenne sich damit
nicht aus (vgl. SEM-act. A9/15 Ziff. 1.13). Hinsichtlich des Zeitpunkts seiner
Konversion zum Christentum machte er zudem widersprüchliche Angaben.
Einerseits erklärte er, er habe vor seiner Ausreise aus Deutschland zum
Christentum konvertiert. Auf Nachfrage erklärte er hingegen, er habe im
(...)/(...) 2015 zum ersten Mal eine Hauskirche besucht, Ende (...) 2015,
mithin im Iran, sei er konvertiert (vgl. SEM-act. A9/15 Ziff. 7.02). Zu Beginn
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der Anhörung führte er wiederum aus, er habe eine Zeit lang in Deutsch-
land gelebt und habe dort zum Christentum konvertiert (vgl. SEM-
act. A38/19 F17). Am Ende der Anhörung gab er auf Nachfrage hingegen
an, er sei schon konvertiert, als er im Iran bei diesen Versammlungen ge-
wesen sei, er sei aber erst jetzt getauft worden (vgl. SEM-act. A38/19
F125 f.). In der Stellungnahme vom 30. April 2020 wird dazu erklärt, der
Beschwerdeführer habe bereits im Iran christliche Freunde gehabt. Er habe
auch an christlichen Versammlungen teilgenommen. Nach der Ausreise
aus dem Iran, habe er sich taufen lassen. Da er sich im Iran mit dem Chris-
tentum beschäftigt und an den jeweiligen Versammlungen teilgenommen
habe, habe er in der BzP angegeben, er habe bereits im Iran konvertiert.
Da die Konversion zum Christentum jedoch in engem Zusammenhang mit
der Taufe stehe, habe er sich nach der Ausreise aus dem Iran taufen las-
sen. Aufgrund dessen habe er in der Anhörung angegeben, die Konversion
habe erst nach der Ausreise aus dem Iran stattgefunden (vgl. SEM-
act. A43/3 Ziff. 3). In der Beschwerde wird sodann erstmals geltend ge-
macht, der Beschwerdeführer habe in Deutschland einen iranischen Chris-
ten kennengelernt. Dieser sei viele Jahre Priester im Q._ und in der
R._ gewesen und habe ihn sowie zehn weitere Iraner in einem
Fluss getauft. Es habe eine kleine Zeremonie gegeben. Diese Taufe sei
eine wichtige Etappe auf seinem Weg als Christ gewesen, weshalb er sie
an der Anhörung als Konversion bezeichnet habe (vgl. Beschwerde,
Ziff. 1.2.1 S. 6). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
im Rahmen der Befragungen vom 11. Dezember 2018 und vom 19. No-
vember 2019 die angeblich in Deutschland erfolgte Taufe mit keinem Wort
erwähnte, sondern unter Bezugnahme auf die eingereichte Taufurkunde
der L._ vom (...) zu Protokoll gab, er sei in einer Kirche in
B._ getauft worden (vgl. SEM-act. A38/19 F126 und F135). Die erst-
mals in der Beschwerde erfolgten Angaben zu der angeblich in Deutsch-
land erfolgten Taufe erscheinen deshalb als nachgeschoben, zumal der
Beschwerdeführer nicht erklärt, weshalb er diese Taufe weder in den Be-
fragungen erwähnte und in der Stellungnahme vom 30. April 2020 lediglich
erwähnte, er habe sich nach der Ausreise aus dem Iran taufen lassen, ohne
zu präzisierte, von welcher Ausreise und von welcher Taufe die Rede sei
(vgl. SEM-act. A43/3 Ziff. 3). Es entsteht vor diesem Hintergrund unweiger-
lich der Eindruck, der Beschwerdeführer passe seine Angaben zur Konver-
sion und zu der damit verbundenen Taufe situativ an, um seine diesbezüg-
lichen Vorbringen in einem asylrechtlich vermeintlich relevanten Licht er-
scheinen zu lassen. Im Übrigen fällt auf, dass der Beschwerdeführer auf
die explizite Frage, alle ausgeübten christlichen Aktivitäten im Iran zu nen-
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nen, lapidar erklärte, er habe sich mit Freunden in den Hauskirchen getrof-
fen, um sogleich die Gegenfrage zu stellen, "Was möchten Sie noch wis-
sen?" (vgl. SEM-act. A38/19 F144). Erlebnisgeprägte Schilderungen hin-
sichtlich der Aktivitäten bei den Versammlungen in den Hauskirchen und
insbesondere über die dortige Gefangennahme seiner Kollegen, welche
angeblich der Grund für seine erste Ausreise aus dem Iran gewesen sein
soll, fehlen hingegen weitgehend (vgl. SEM-act. A38/19 F71).
Zu den weiteren vom Beschwerdeführer vorgebrachten Fluchtgründen
(Gefangennahme und Gefangenschaft durch die Sepah) ist vorweg festzu-
halten, dass zwar denkbar ist, dass der Beschwerdeführer bei der Einreise
in den Iran im (...) 2016 am Flughafen im Rahmen der Einreisekontrollen
von den Behörden zu seinem Aufenthalt in Deutschland befragt worden ist.
Was sich danach aber genau abgespielt hat, lässt sich aufgrund seiner un-
stimmigen Angaben nicht genau eruieren. Diesbezüglich kann vorweg auf
die Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer-
den. So soll er gemäss seinen Angaben bei der Anhörung nach der Fest-
nahme am Flughafen in einem Auto ein bis zwei Stunden gefahren worden
sein (vgl. SEM-act. A38/19 F92). In der Beschwerde ist hingegen von einer
10-15-minütigen Fahrt die Rede (vgl. Beschwerde, Ziff. 1.1 S. 4). An der
Anhörung erklärte er, einer der Wächter habe die Absicht gehabt, ihn zu
vergewaltigen (vgl. SEM-act. A38/19 F85), was in der Beschwerde wiede-
rum gänzlich unerwähnt bleibt, wohingegen in der Beschwerde davon die
Rede ist, er sei einmal bei einem Schlag auf den Kopf so heftig an die Wand
gestossen, dass er sich den Schädel gebrochen habe (vgl. Beschwerde,
Ziff. 1.1 S. 4) – ein Vorfall, den er zuvor so nie erwähnte. Gleich verhält es
sich mit dem Essen während seiner angeblichen Gefangenschaft. Wäh-
rend der Anhörung berichtete er zunächst davon, er habe nur ein trockenes
Stück Brot erhalten (vgl. SEM-act. A38/19 F79: «Die dort haben mir nicht
einmal etwas zum Essen gegeben, nur ein trockenes Stück Brot.»), wohin-
gegen im weiteren Verlauf der Anhörung von einer Suppe, Wasser mit ein
bisschen Getreide die Rede war (vgl. SEM-act. A38/19 F92). Die in der
Beschwerde vorgebrachte Erklärung, seine erste – zitierte – Aussage
stehe nicht im Zusammenhang mit dem Essen im Gefängnis, sondern mit
seiner Angst, im Iran zu bleiben und er habe lediglich einen Vergleich zwi-
schen Deutschland und Iran gemacht, kann nicht gefolgt werden. Sie wirkt
lebensfremd.
5.3.3 Die in der Beschwerde vertretene Ansicht, das SEM habe an der An-
hörung das Gesprächsthema mehrmals gewechselt, was den Beschwer-
deführer verwirrt habe, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern,
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zumal er auch auf mehrere Nachfragen hin keine klärenden Angaben zu
machen vermochte und nach ausführlicher Rückübersetzung (inklusive ei-
ner Anmerkung seinerseits) das Protokoll mit seiner Unterschrift als richtig
bestätigte (vgl. SEM-act. A38/19 S. 18).
5.3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner erneuten Ausreise aus dem Iran be-
stehende oder drohende asylrechtlich relevante Gefährdung aufgrund ei-
ner angeblichen bereits im Iran beziehungsweise während seines Aufent-
halts in Deutschland erfolgten Konversion zum Christentum nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Ebenso wenig vermag er glaubhaft
zu machen, dass er nach seiner Rückkehr in den Iran von der Sepah we-
gen einer angeblich erfolgten Konversion in Gewahrsam genommen
wurde. Daran vermag auch die in der Beschwerde erstmals erwähnte drei-
malige Suche durch die Sepah im Geschäft seines Bruders (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 2, S. 10) nichts zu ändern, da auch sie als nachgeschobene
Schutzbehauptung erscheint.
5.4
5.4.1 Hinsichtlich der in L._ am (...) erfolgte Taufe des Beschwer-
deführers und seiner damit verbundenen Konversion zum Christentum ist
das Folgende festzuhalten:
5.4.2 Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchen-
den im Ausland ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die
christliche Überzeugung der Person im Einzelfall, soweit möglich, einer nä-
heren Überprüfung zu unterziehen. Allein der Übertritt vom muslimischen
Glauben zum Christentum im Ausland führt grundsätzlich zu keiner (indivi-
duellen) staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensaus-
übung vermag gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante Mass-
nahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und nach aussen sicht-
bar praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss,
dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar mis-
sionierende Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Von einer
Verfolgung durch den iranischen Staat ist erst dann auszugehen, wenn der
Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten be-
kannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Re-
gime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im
Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaf-
tigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für
die betroffene Person in Betracht gezogen werden (vgl. zum Ganzen
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BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f., Urteile des BVGer E-2047/2020 vom 23. August
2022 E. 6.2.4 und D-666/201 vom 29. Juni 2022 E. 7.4).
5.4.3 Wie das SEM zutreffend festgehalten hat, ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer nicht aus einer überzeugten inneren Motiva-
tion heraus oder aus einem Zugehörigkeitsgefühl zur christlichen Glau-
bensgemeinschaft die Kirche besuchte und sich hat taufen lassen. Es kann
diesbezüglich vorweg auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden (vgl. a.a.O. S. 7). Mit Blick auf die zahlreichen auswei-
chenden und kurzen Angaben, etwa in Bezug darauf, welche Kirchen er
auf seiner Flucht nach Europa besucht hat, wo er Weihnachten anlässlich
seiner Flucht gefeiert und welchen christlichen Namen er nach seiner Taufe
erhalten habe (vgl. SEM-act. A38/19 F126 ff.), sowie der nachgeschobe-
nen Behauptung, er habe sich bereits in Deutschland taufen lassen, erge-
ben sich trotz der eingereichten Taufurkunde der L._ und der Refe-
renzschreiben erhebliche Zweifel, dass der Beschwerdeführer tatsächlich
nach intensiver Beschäftigung mit dem Christentum und aus innerer Über-
zeugung konvertierte. Untermauert wird dieser Eindruck etwa auch
dadurch, dass der Beschwerdeführer den in der Beschwerde erwähnten
von ihm angeblich von (...) bis (...) besuchten Glaubenskurs für Menschen
aus dem Orient in Farsi in S._ (vgl. Beschwerde Ziff. 1.2.1 S. 6), an
der Anhörung vom 19. November 2019 mit keinem Wort zu sprechen kam.
Auffällig ist weiter auch, dass in der Beschwerde zwar betont wird, dass
der Beschwerdeführer sich in der L._ habe taufen lassen, "um end-
lich eine schriftliche Urkunde seiner Konversion zu haben" (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 1.2.1, S. 6). Die in der Taufurkunde enthaltende Schreib-
weise seines Nachnamens weicht indessen von der von ihm im Asylver-
fahren verwendeten ab ("T._" statt "U._"). Selbst wenn dies
auf einem Versehen bei der Ausstellung der Urkunde beruhen sollte, er-
staunt doch, dass der Beschwerdeführer dies, angesichts der Bedeutung,
die er der Taufurkunde selbst beimisst, nicht bemerkt oder jedenfalls nicht
hat berichtigen lassen. Auch dies spricht nicht dafür, dass er sich aus inne-
rer Überzeugung dem Christentum zugewandt hat. Ungeachtet dessen
geht aus den Aussagen des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Ver-
fahren, seinen Ausführungen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens und
den eingereichten Beweismitteln auch nicht hervor, dass er sich in der Aus-
übung des christlichen Glaubens erheblich exponiert oder gar missionari-
sche Tätigkeiten ausübt. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszuge-
hen, dass die iranischen Behörden infolge der christlichen Glaubensaus-
übung – sofern sie davon denn überhaupt Kenntnis erlangt haben, was
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Seite 19
nicht wahrscheinlich ist – ein Interesse an einer Verfolgung des Beschwer-
deführers haben könnten.
5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder Vor- noch Nachflucht-
gründe ersichtlich sind. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abge-
lehnt.
6.
6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG). Eine Ausnahme von der Regel liegt unter anderem
dann vor, wenn die asylsuchende Person über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) oder einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen verfügt (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, Entscheidungen und Mitteilun-
gen der [ehemaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
2001 Nr. 21 E. 9.a).
6.2 Der Beschwerdeführer hat am 26. Februar 2021 die Schweizerin
V._ geheiratet. Das kantonale Migrationsamt teilte mit Schreiben
vom 6. April 2021 mit, dass er am (...) die Aufenthaltsbewilligung B erhal-
ten habe. Dadurch ist die vom SEM verfügte Wegweisung aus der Schweiz
sowie die Anordnung des Vollzugs (Ziffern 3 bis 6 des Dispositivs der Ver-
fügung vom 18. März 2020) als dahingefallen zu betrachten, da diese An-
ordnungen gegenüber der kantonalen Aufenthaltsbewilligung keinen Be-
stand haben können. Die Beschwerde ist demnach, soweit beantragt wird,
es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumut-
bar und unmöglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, als
gegenstandslos geworden abzuschreiben (vgl. zum Ganzen BVGE
2013/37 E. 4.4, EMARK 2001 Nr. 21 E. 11.c).
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, so-
weit beantragt wird, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und
es sei Asyl zu gewähren. Im Übrigen ist sie als gegenstandslos geworden
abzuschreiben.
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Seite 20
8.
8.1 Bei diesem Verfahrensausgang ist von einem Obsiegen des Beschwer-
deführers zur Hälfte auszugehen, womit er die Verfahrenskosten zur Hälfte
zu tragen hätte (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 8. Juli 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt
wurde, und den Akten nicht zu entnehmen ist, dass er zwischenzeitlich
nicht mehr bedürftig wäre, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Der Beschwerdeführer ist weiter im Umfang seines Obsiegens – hier
also zur Hälfte – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschä-
digen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Die Rechtsvertreterin reichte
mit der Replik vom 31. August 2020 eine Honorarnote in der Höhe von ins-
gesamt Fr. 1’069.– zu den Akten. Der zeitliche Aufwand von 5 Stunden er-
scheint angemessen. Die Auslagen werden in der Honorarnote zwar ledig-
lich pauschal mit Fr. 20.– ausgewiesen; sie erweisen sich indes für das
Verfahren ebenfalls als angemessen, weshalb auf die Nachforderung einer
spezifizierten Auflistung (das Bundesverwaltungsgericht erstattet praxisge-
mäss keine Pauschalen, sondern nur die effektiven Auslagen) verzichtet
werden kann.
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–11
VGKE) ist das SEM demnach anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung zur Hälfte, mithin von (gerundet) Fr. 535.– auszurich-
ten.
8.3 Nachdem das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung mit Verfü-
gung vom 8. Juli 2020 gutgeheissen worden ist und die die rubrizierte
Rechtsvertreterin unter Vorlage einer (unter anderen) auf ihre Person lau-
tenden Vollmacht des Beschwerdeführers vom 21. Juli 2020 mit Eingabe
vom 22. Juli 2020 um Einsetzung als amtlicher Rechtsverbeistand er-
suchte, ist ihm Frau lic. iur. Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin
beizuordnen (vgl. aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). Sie ist im Umfang des
Unterliegens – hier also zur Hälfte – für ihren Aufwand unbesehen des Aus-
gangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig
war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Bei amtlicher Rechtsvertretung
durch nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter beträgt der Stundenan-
satz praxisgemäss Fr. 100.– bis Fr. 150.–. Der in der Kostennote vom
31. August 2021 ausgewiesene Stundenansatz ist entsprechend zu kür-
zen. Nach dem vorstehend Ausgeführten zu den Auslagen (vgl. E. 8.2) ist
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zulasten der Gerichtskasse zur Hälfte ein amtliches Honorar von (gerun-
det) Fr. 410.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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