Decision ID: 97915a55-856e-47d7-b158-1e7b2bdccce8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin 2 gemeinsam mit ihrem Sohn – dem Be-
schwerdeführer 3 – am 4. September 2020 und der Beschwerdeführer 1
am 23. September 2020 in der Schweiz erstmals ein Asylgesuch stellten,
dass ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac ergab, dass
die Beschwerdeführenden am 19. August 2020 in Österreich um Asyl er-
sucht hatten,
dass die österreichischen Behörden dem Aufnahmeersuchen des SEM
vom 6. November 2020 am 9. November 2020 zustimmten,
dass das SEM mit Verfügung vom 9. November 2020 in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Be-
schwerdeführenden nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz in den
für sie zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Österreich anordnete und sie auf-
forderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist
zu verlassen,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 18. November 2020 da-
gegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5777/2020 vom 24. No-
vember 2020 die Beschwerde abwies,
dass die Beschwerdeführenden am 11. Dezember 2020 als verschwunden
gemeldet wurden, woraufhin die Überstellungsfrist gemäss Art. 29 Abs. 2
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO)
auf 18 Monate verlängert wurde,
dass sie sich am 12. April 2021 im Rückkehrzentrum (RKZ) E._ er-
neut anmeldeten,
dass sie mit Eingabe vom 19. April 2021 die Vorinstanz erneut um Durch-
führung eines nationalen Asylverfahrens ersuchten,
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dass das SEM die Eingabe der Beschwerdeführenden als Wiedererwä-
gungsgesuch entgegennahm und sie mit Zwischenverfügung vom 28. April
2021 unter Androhung des Nichteintretens aufforderte, einen Gebühren-
vorschuss zu leisten,
dass das SEM mit Verfügung vom 14. Mai 2021 auf ihr Gesuch vom
19. April 2021 aufgrund des nicht geleisteten Gebührenvorschusses nicht
eintrat,
dass am (...) 2021 die Beschwerdeführerin 4 in der Schweiz zur Welt kam,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 6. Dezember 2021 die
Vorinstanz erneut um Durchführung eines nationalen Asylverfahrens er-
suchten,
dass das SEM die Eingabe der Beschwerdeführenden als Widererwä-
gungsgesuch entgegennahm und sie mit Zwischenverfügung vom 14. De-
zember 2021 unter Androhung des Nichteintretens aufforderte, einen Ge-
bührenvorschuss zu leisten,
dass der Beschwerdeführer 1 am 16. Dezember 2021 allein nach Öster-
reich überstellt wurde, nachdem der Beschwerdeführer 3 nicht auffindbar
gewesen war,
dass das SEM, nachdem die Beschwerdeführenden den ihnen auferlegten
Gebührenvorschuss fristgerecht bezahlt hatten, ihr Gesuch vom 6. Dezem-
ber 2021 mit Verfügung vom 22. Dezember 2021 abwies und die Zustän-
digkeit Österreichs zur Durchführung eines Asylverfahrens bestätigte,
dass der Beschwerdeführer 1 gleichentags – am 22. Dezember 2021 – er-
neut in die Schweiz einreiste,
dass das Migrationsamt des Kantons F._ dem SEM am 25. Dezem-
ber 2021 mitteilte, der Beschwerdeführer 1 halte sich ohne Aufenthaltsre-
gelung in der Schweiz auf,
dass das SEM mit Wegweisungsverfügung vom 10. Januar 2022 die Weg-
weisung des Beschwerdeführers 1 gestützt auf Art. 64a Abs. 1 AIG
(SR 142.20) anordnete und die Zuständigkeit Österreichs für das weitere
Verfahren bestätigte,
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dass die Beschwerdeführenden am 10. Januar 2022 erneut untertauchten,
woraufhin am 24. Januar 2022 die Überstellungsfrist gemäss Art. 29 Abs. 2
Dublin-III-VO auf 18 Monate verlängert wurde,
dass die Beschwerdeführenden sich am 24. Mai 2022 im RKZ G._
anmeldeten,
dass sie das SEM mit Eingabe vom 15. Juni 2022 erneut um Durchführung
eines nationalen Asylverfahrens mit der Begründung ersuchten, die Über-
stellungsfrist gemäss Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO sei abgelaufen,
dass ein erneuter Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac
ergab, dass die Beschwerdeführenden – nebst dem Asylgesuch am
19. November 2020 in Österreich – am 14. Januar 2022 auch in Deutsch-
land ein Asylgesuch gestellt hatten,
dass das SEM mit Schreiben vom 27. Juni 2022 den Beschwerdeführen-
den das rechtliche Gehör zur beabsichtigen Wegweisung nach Deutsch-
land oder Österreich gewährte,
dass die österreichischen Behörden am 1. Juli 2022 der Überstellung der
Beschwerdeführenden nach Österreich zustimmten,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 4. Juli 2022 zur beab-
sichtigen Überstellung nach Deutschland oder Österreich Stellung nah-
men,
dass das SEM die Eingabe vom 15. Juni 2022 als Mehrfachgesuch entge-
gennahm, mit Verfügung vom 11. Juli 2022 in Anwendung von Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG darauf nicht eintrat und die Wegweisung der Beschwer-
deführenden nach Österreich anordnete,
dass die Beschwerdeführenden mit als «Wiedererwägungsgesuch» be-
zeichneter Eingabe vom 15. Juli 2022 gegen diesen Entscheid beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde erhoben und sinngemäss beantrag-
ten, die Verfügung des SEM sei zu überprüfen und der Vollzug der Weg-
weisung sei auszusetzen,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3095/2022 vom 9. August
2022 auf die Beschwerde nicht eintrat, weil der Kostenvorschuss nicht be-
zahlt worden war,
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dass die Beschwerdeführenden am 4. Oktober 2022 nach Österreich über-
stellt wurden, sie jedoch am 11. Oktober 2022 erneut in die Schweiz ein-
reisten und sich anschliessend im RKZ G._ aufhielten,
dass ihnen im RKZ G._ im Rahmen der Befragung vom 26. Oktober
2022 das rechtliche Gehör zur möglichen Zuständigkeit Österreichs für das
weitere Verfahren gewährt wurde,
dass das Migrationsamt des Kantons F._ dem SEM am 3. Novem-
ber 2022 die Einreise und den illegalen Aufenthalt der Beschwerdeführen-
den anzeigte,
dass ein weiterer Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank
Eurodac ergab, dass die Beschwerdeführenden am 4. Oktober 2022 – am
Tag der letztmaligen Überstellung – in Österreich ein Asylgesuch gestellt
hatten,
dass das SEM die österreichischen Behörden am 4. November 2022 ge-
stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Wiederaufnahme der Be-
schwerdeführenden ersuchte,
dass das SEM den österreichischen Behörden mit Schreiben vom 21. No-
vember 2022 mitteilte, sie – die österreichischen Behörden – hätten das
Ersuchen innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Fristen un-
beantwortet gelassen, womit sie dem Wiederaufnahmegesuch implizit zu-
gestimmt hätten,
dass das SEM mit Wegweisungsverfügung vom 23. November 2022 die
Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Österreich gestützt auf
Art. 64a Abs. 1 AIG anordnete und verfügte, sie hätten die Schweiz spä-
testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 2. Dezember 2022 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben und dabei sinngemäss
beantragten, es sei die Zuständigkeit der Schweiz zur Durchführung eines
nationalen Asylverfahrens festzustellen,
dass einzig die Beschwerdeführerin 2, nicht aber der Beschwerdeführer 1,
die Beschwerdeschrift unterzeichnet hat,
dass die vorinstanzlichen Akten am 5. Dezember 2022 elektronisch vorla-
gen,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem über Beschwerden ge-
gen Verfügungen des SEM entscheidet, wobei das Gericht im Bereich der
Wegweisung aufgrund der Dublin-Assoziierungsabkommen (Art. 64a AIG)
endgültig entscheidet (vgl. Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31-33 VGG und
Art. 83 Bst. c Ziff. 4 BGG),
dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem
VwVG richtet, soweit das VGG oder die Spezialgesetzgebung – vorliegend
das AIG – nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG richten,
dass der vorliegende Entscheid gemäss Art. 21 Abs. 1 VGG in der Beset-
zung von drei Richtern beziehungsweise Richterinnen ergeht,
dass sich aus den vorliegenden Umständen und insbesondere aus der
Stellungnahme anlässlich der Gehörsgewährung vom 26. Oktober 2022
(vgl. SEM-eAkte [...]-5/3) trotz fehlender Unterzeichnung der Beschwerde
durch den Beschwerdeführer 1 auf dessen eindeutige Willensäusserung
auf Bevollmächtigung durch seine Ehefrau, die Beschwerdeführerin 2,
schliessen lässt (vgl. Urteil des BVGer A-6432/2012 vom 28. März 2013
E. 2.1.3),
dass die Beschwerdeführenden somit genügend legitimiert sind (Art. 48
Abs. 1 VwVG) und ihre Eingabe frist- und formgerecht erfolgt ist (Art. 64a
Abs. 2 AIG; Art. 52 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist,
dass sich die angefochtene Verfügung nicht auf die asylrechtliche Zustän-
digkeitsnorm zur Durchführung eines Asyl- und Wegweisungsverfahrens
(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), sondern die ausländerrechtliche Wegwei-
sungsbestimmung aufgrund der Dublin-Assoziierungsabkommen (Art. 64a
Abs. 1 AIG) stützt,
dass dementsprechend die Frage, ob die Schweiz für die Durchführung
eines nationalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig ist, nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist,
dass somit einzig die Frage zu klären ist, ob das SEM zu Recht die Weg-
weisung der Beschwerdeführenden nach Österreich verfügt hat,
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dass sich die Beschwerde – soweit darauf einzutreten ist – als offensicht-
lich unbegründet erweist, weshalb gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG
(e contrario) auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass eine Wegweisungsverfügung gemäss Art. 64a Abs. 1 AIG den illega-
len Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz und die Zuständigkeit
eines anderen, an das Dublin-Assoziierungsabkommen gebundenen Staa-
tes für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens voraus-
setzt,
dass die Beschwerdeführenden in der Schweiz weder über eine auslän-
derrechtliche Anwesenheitsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen verfügen und sich somit hierzulande illegal aufhalten,
dass die österreichischen Behörden das Gesuch des SEM um Wiederauf-
nahme der Beschwerdeführenden vom 4. November 2022 innert der in
Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Fristen unbeantwortet liessen,
womit sie ihre Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens implizit anerkannten,
dass nach dem Gesagten die Voraussetzungen für eine Wegweisung nach
Österreich in Anwendung von Art. 64a Abs. 1 AIG gegeben sind, womit das
SEM die Wegweisung zu Recht angeordnet hat,
dass zu prüfen bleibt, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse im
Sinne von Art. 83 Abs. 1–4 AIG entgegenstehen, da das SEM eine vorläu-
fige Aufnahme von ausländischen Personen anzuordnen hat, wenn sich
der Wegweisungsvollzug als nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht mög-
lich erweist (Art. 83 Abs. 1 AIG),
dass Österreich Signatarstaat der EMRK (SR 0.101), des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105),
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) und des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und Österreich seinen diesbezüglichen völkerrechtli-
chen Verpflichtungen nachkommt,
dass im Weiteren davon ausgegangen werden darf, Österreich anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
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des internationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass mit Blick darauf ohne weiteres von der Zulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzuges ausgegangen werden darf (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass den Akten zudem keine konkreten Hinweise zu entnehmen sind, die
auf die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Österreich
schliessen lassen, weshalb sich dieser auch als zumutbar erweist,
dass das Vorbringen der Beschwerdeführenden, Österreich sei kein geeig-
neter Ort für afghanische Flüchtlinge, diese Einschätzung nicht zu erschüt-
tern vermag,
dass schliesslich der Vollzug der Wegweisung nach Österreich auch ohne
weiteres möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AIG),
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt und angemes-
sen ist (Art. 49 VwVG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen sind (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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