Decision ID: 721f20e0-b949-41bb-b045-2a9b788d6b43
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
B._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich im Mai 2001 zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 135). Am 16. Januar 2002 verfügte die IV-Stelle des Kantons
St.Gallens bei einem IV-Grad von 56% die Zusprache einer halben Invalidenrente (IV-
act. 129). Neben der ordentlichen Invalidenrente wurde der Versicherten mit Wirkung
ab dem 1. Juli 2001 unter anderem eine ordentliche Kinderrente (zur Rente der Mutter)
für die Tochter C._ zugesprochen, wobei die Auszahlung an die Versicherte durch die
Ausgleichskasse des Kantons D._ erfolgte (IV-act. 129-2).
A.a.
Am 26. Mai 2010 verfügte die IV-Stelle bei einem IV-Grad von 72% eine Erhöhung
der Invalidenrente ab dem 1. März 2009 auf eine ganze Rente (IV-act. 70). Die
Auszahlung der ganzen Invalidenrente und der entsprechenden Kinderrente für die
Tochter C._ erfolgte weiterhin an die Versicherte.
A.b.
Am 11. Juni 2019 ersuchte die Ausgleichskasse des Kantons D._ die
Versicherte, ihr einen Nachweis über die Ausbildung ihrer Tochter, die im Juli 2019
volljährig werde, zukommen zu lassen (IV-act. 50). Die Versicherte reichte am 23. Juni
2019 der Ausgleichskasse Unterlagen ein, die bestätigten, dass ihre Tochter bis zum
13. August 2020 die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ besuchen werde (IV-act.
48 f.).
A.c.
Am 28. August 2019 teilte das zuständige Kreisgericht der IV-Stelle St.Gallen mit,
dass zwischen der Versicherten und ihrem Ehemann ein Scheidungsverfahren hängig
sei (IV-act. 45). Am 2. Januar 2020 ersuchte der Vater unter Beilage des
Scheidungsurteils vom 20. Dezember 2019 um die Auszahlung der Kinderrente für
C._ auf sein Konto (IV-act. 39).
A.d.
Am 17. Februar 2020 teilte die Ausgleichskasse des Kantons D._ der
Ausgleichskasse des Kantons St.Gallen mit, die Kinderrente für C._ werde dem Vater
ausbezahlt (IV-act. 26).
A.e.
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St.Galler Gerichte
Am 2. Juli 2020 wies die IV-Stelle des Kantons St.Gallen den Vater A._ darauf
hin, dass die an ihn ausbezahlte Kinderrente seiner Tochter C._ im August 2020
aufgrund der Beendigung der Ausbildung eingestellt werde (IV-act. 22). Bei einer
Änderung in der Ausbildungssituation ersuche sie um die Zustellung eines aktuellen
Ausbildungsnachweises. Am 23. Juli 2020 reichte der Vater A._ eine Bestätigung der
Z._ AG ein, laut der die Tochter C._ ab dem 14. September 2020 bis zum 17.
September 2023 in Vollzeit die höhere Fachschule Pflege (Ausbildung diplomierte Y._
HF) absolvieren wollte (IV-act. 21).
A.f.
Am 8. Juli 2021 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle, der Vater A._ habe
telefonisch mitgeteilt, dass seine Tochter C._ ihre Ausbildung abgebrochen habe und
dass er die entsprechenden Unterlagen per Mail zusenden werde (IV-act. 17). Am 13.
Juli 2021 notierte die Sachbearbeiterin, dass sie keine Unterlagen vom Vater erhalten
habe und daher direkt bei der Z._ AG anfragen werde. Am 13. Juli 2021 fragte die
Sachbearbeiterin die Z._ AG an, per wann C._ die Ausbildung abgebrochen habe
(IV-act. 16). Die Z._ AG teilte der IV-Stelle am 14. Juli 2021 mit (IV-act. 15), das Spital
E._ habe sie am 2. Juli 2021 darüber informiert, dass C._ ihren Praktikumsplatz
gekündigt habe. C._ sei darüber informiert worden, dass sie auch den
Ausbildungsvertrag beim Z._ schriftlich kündigen müsse; dies sei bis dato nicht
geschehen. Am 9. August 2021 gab der Vater A._ in einer Mail gegenüber der
Sachbearbeiterin der IV-Stelle an (IV-act. 13), er habe bereits am 23. Juni 2021 eine E-
Mail gesendet, in der er den Ausbildungsabbruch seiner Tochter erwähnt habe. Weiter
habe er darin gebeten, ihm nur noch die zustehenden Kinderrenten für C._
auszuzahlen. Dem Mail war unter anderem eine Arbeitsbestätigung des Spitals E._
vom 31. Mai 2021 angehängt, laut der C._ vom 14. September 2020 bis 31. Mai 2021
eine vollzeitige Beschäftigung als Y._ HF in Ausbildung ausgeübt hatte (IV-act. 14).
Am 25. August 2021 antwortete die Sachbearbeiterin der IV-Stelle dem Vater A._ per
Mail (IV-act. 12), dass sie seine Mail vom 23. Juni 2021 nicht erhalten habe; sie teilte
ihm mit, dass aufgrund des Ausbildungsabbruchs per 31. Mai 2021 die Kinderrente nur
bis Mai 2021 ausgerichtet werde. Die Verfügung betreffend die Rückforderung der zu
viel ausbezahlten Leistungen von Juni bis August 2021 werde in den nächsten Tagen
ergehen. Am 25. August 2021 verfügte die IV-Stelle eine "Rückforderung" an den Vater
A._ für die bis zum 31. August 2021 an ihn ausgerichtete Kinderrente der Tochter
A.g.
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B.
C._ im Betrag von Fr. 1'992.-- (IV-act. 9). Sie führte aus, dass aufgrund des
Ausbildungsabbruchs per 31. Mai 2021 die Voraussetzungen zur Ausrichtung der
Kinderrente nicht mehr erfüllt gewesen seien und die Leistung deshalb per Mai 2021
eingestellt werde (Art. 25 Abs. 5 AHVG). Die zu Unrecht ausbezahlten Kinderrenten von
Juni 2021 bis August 2021 fordere sie daher zurück. Der Vater A._ teilte der
Sachbearbeiterin der IV-Stelle am 25. August 2021 erneut mit (IV-act. 8-1), dass es ihn
überrasche, dass sie die Mail nicht erhalten habe, obwohl er diese an dieselbe
Mailadresse gesendet habe. Dass er diesen Fehler ausbügeln müsse, finde er nicht fair.
Er sei davon ausgegangen, dass ihm die Zahlung vom Juni 2021 noch zustehe. Die
Sachbearbeiterin antwortete gleichentags, sie habe die E-Mail vom 23. Juni 2021 nicht
erhalten. Da bei einem Ausbildungsabbruch eine schriftliche Bestätigung mit dem
genauen Datum des Abbruchs benötigt werde, sei die Kinderrente noch nicht
eingestellt und die Rückforderungsverfügung erst mit heutigem Datum erstellt worden.
Am 1. September 2021 erhob der Vater A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. August 2021 (act. G 1). Zur Begründung
führte er aus, er habe der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) bereits am 23.
Juni 2021 telefonisch mitgeteilt, dass seine Tochter C._(für welche er die Kinderrente
zur Invalidenrente seiner geschiedenen Ehefrau/der Versicherten ausbezahlt bekomme)
die Ausbildung per 31. Mai 2021 beendet habe und dass ihm nur noch die ihm
zustehenden Kinderrenten für die Tochter C._ ausbezahlt werden sollten. Am selben
Tag habe er eine Mail an die Sachbearbeiterin der IV-Stelle gesendet. Er habe sich
keine Gedanken gemacht, als er die Kinderrente weiterhin ausbezahlt erhalten habe. Er
beantrage, dass auf die zurückgeforderte Summe verzichtet werde.
B.a.
Am 7. September 2021 ersuchte die verfahrensleitende Versicherungsrichterin den
Beschwerdeführer darum (act. G 3), klarzustellen, ob er gegen die Rückforderung als
solche (Bestand und Höhe) Beschwerde beim Versicherungsgericht erheben möchte
oder ob er um den Erlass der Rückforderung (Verzicht auf Rückzahlung) ersuche. Über
letzteres müsse zuerst die Beschwerdegegnerin eine Verfügung erlassen; der Erlass
der Rückforderung bilde nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 25.
August 2021. Sofern das Begehren auf Erlass der Rückforderung ziele, sei dieses bei
B.b.
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der Sozialversicherungsanstalt zu stellen, welche zuerst darüber verfügen müsse. Am
13. September 2021 reichte der Beschwerdeführer erneut ein Schreiben ein (act. G 4),
in welchem er ergänzend zur Beschwerde beantragte, auf die Summe von Fr. 1'328.--
sei zu verzichten; im Übrigen ist das Schreiben übereinstimmend mit der
Beschwerdeschrift vom 1. September 2021. Am 16. September 2021 erklärte der
Beschwerdeführer der verfahrensleitenden Versicherungsrichterin telefonisch (act. G 6),
es gehe ihm natürlich um einen Erlass der Rückforderung. Daneben bestreite er aber
auch die Höhe der Rückforderung. Er habe die Kinderrente nur für zwei Monate und
nicht für drei Monate zu viel erhalten. Die fallführende Versicherungsrichterin erklärte
dem Beschwerdeführer daraufhin, dass er damit die Rückforderung in der Höhe
bestreite, weshalb seine Eingaben als Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung
vom 25. August 2021 entgegengenommen werde.
In einer Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie aus, die
Kinderrente sei zu Recht per 31. Mai 2021 eingestellt worden, da die Tochter des
Beschwerdeführers die Ausbildung im Mai 2021 beendet habe. Die Renten von Juni bis
August 2021 seien dem Beschwerdeführer zu Unrecht ausgerichtet worden, weshalb
sie gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG grundsätzlich zurückzuerstatten seien. Bei den
Vorbringen des Beschwerdeführers handle es sich grundsätzlich um Argumente für ein
Erlassgesuch, welches erst nach der rechtskräftigen Feststellung der Rückforderung
beurteilt werde (Art. 4 Abs. 4 ATSV). Sie werde das Erlassgesuch des
Beschwerdeführers nach dem rechtskräftigen Abschluss dieses Beschwerdeverfahrens
von Amtes wegen beurteilen.
B.c.
In einer Replik vom 15. November 2021 erläuterte der Beschwerdeführer (act. G
10), dass er die Rente vom Juni 2021 für jene vom Mai 2021 erachtet habe. Er bitte
aber um einen Erlass des zurückgeforderten Betrages.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. November 2021 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 12).
B.e.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Vorab ist die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführer überhaupt zur vorliegenden
Beschwerde berechtigt gewesen ist. Zur Beschwerde ist gemäss Art. 59 ATSG
berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung [...] berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Nach konstanter
Praxis ist die Beschwerdebefugnis zu bejahen, wenn ein praktisches oder rechtliches
Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung geltend gemacht werden
kann. Ferner wird verlangt, dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene
Verfügung stärker als jedermann betroffen ist und in einer besonderen,
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Vollständig revidierte Auflage 2020, N 9 f. zu Art. 59). Der
Beschwerdeführer ist Drittauszahlungsberechtigter der Kinderrente für seine Tochter
C._ gewesen. Die Kinderrente ist daher jeweils auf sein Konto überwiesen worden.
Die angefochtene Verfügung vom 25. August 2021 richtet sich formell an den
Beschwerdeführer. In der Verfügung hat die Beschwerdegegnerin unter anderem (vgl.
dazu die nachfolgenden Erwägungen) entschieden, dass der Beschwerdeführer zu viel
ausgerichtete Kinderrenten zurückzuerstatten hat, womit der Beschwerdeführer auch
materiell betroffen ist. Daher hat er bereits aus rein finanzieller Sicht ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Denn die Rechtskraft der angefochtenen
Verfügung bzw. deren Durchsetzung würde dazu führen, dass das Vermögen des
Beschwerdeführers geschmälert würde. Damit ist er offensichtlich zur
Beschwerdeerhebung gegen die an ihn gerichtete Verfügung vom 25. August 2021
legitimiert.
2.
Die verfahrensleitende Richterin hat den Beschwerdeführer angefragt, ob er die
Rückforderung an sich bestreite oder/und auch einen Erlass der zurückgeforderten
Kinderrenten beantrage, da auf eine lediglich auf den Erlass gerichtete Beschwerde
nicht eingetreten werden könne. Gemäss Art. 4 Abs. 4 ATSV kann ein Erlassgesuch
erst nach dem Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung eingereicht
werden. Da die Verfügung vom 25. August 2021 (unter anderem) eine
Rückforderungsverfügung beinhaltet und diese noch nicht in Rechtskraft getreten ist,
kann damit ein allfälliges Erlassgesuch (noch) nicht behandelt werden. In einem
Telefonat vom 16. September 2021 hat der Beschwerdeführer der verfahrensleitenden
Richterin mitgeteilt, dass er die Rückforderung in der Höhe bestreite, daneben gehe es
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ihm aber natürlich auch um den Erlass der Rückforderung. In der Replik vom 15.
November 2021 hat er anschliessend nochmals ausdrücklich darum gebeten, den
"Betrag zu erlassen" (act. G 10). Auf den den Erlass für die Rückforderung der
ausbezahlten Kinderrenten für C._ vom 1. Juni 2021 bis 31. August 2021
betreffenden Teil des Beschwerdebegehrens kann nicht eingetreten werden, da die
Beschwerdegegnerin darüber im Sinne von Art. 4 Abs. 5 ATSV noch nicht verfügt hat.
Im Weiteren gilt es demnach den Antrag bezüglich die Rückforderung der Kinderrenten
für C._ vom 1. Juni 2021 bis 31. August 2021 betreffenden Teil der Beschwerde zu
prüfen.
3.
Bei der Verfügung vom 25. August 2021 handelt es sich wie nachfolgend
aufgezeigt wird um eine im Wortlaut lückenhafte Verfügung, die neben der
Rückerstattung auch die revisionsweise Renteneinstellung der Kinderrente regelt.
Ihrem Wortlaut gemäss ordnet die angefochtene Verfügung vom 25. August 2021
nämlich nur die Rückerstattung der zwischen Juni 2021 und August 2021 für C._
ausgerichteten Kinderrentenleistungen an. Würde man ihren Wortlaut ernst nehmen,
wäre die Verfügung vom 25. August 2021 rechtswidrig, da sie der Verfügung vom 26.
Mai 2010 widersprechen würde, mit der der Versicherten mit Wirkung am 1. März 2009
unter anderem eine Kinderrente für C._ zugesprochen worden war. Diese Verfügung
ist − bis zum 25. August 2021 (vgl. dazu die nachstehenden Ausführungen) − nie
aufgehoben, ersetzt oder revidiert worden, so dass kein unrechtmässiger
Leistungsbezug vorliegen und damit keine Rückerstattungspflicht bestehen könnte. Mit
der Verfügung vom 25. August 2021 muss − ihrem Sinn und Zweck entsprechend − die
Verfügung vom 26. Mai 2010 betreffend die Kinderrente für C._ mit Wirkung per 1.
Juni 2021 aufgehoben und durch die Verneinung eines Kinderrentenanspruchs für
C._ ersetzt worden sein. Bei richtiger Interpretation würde also für die Zeit ab 1. Juni
2021 bis 31. August 2021 ein unrechtmässiger Leistungsbezug im Sinne von Art. 25
Abs. 1 Satz 1 ATSG vorliegen, so dass der Beschwerdeführer, welcher Dritt
auszahlungsberechtigter der Kinderrenten ist, rückerstattungspflichtig wäre. Die
angefochtene Verfügung vom 25. August 2021 muss also auch eine Korrektur der
Verfügung vom 26. Mai 2010 beinhalten. Die Ausbildungsbeendigung per 31. Mai 2021
von C._ stellt eine nachträgliche Veränderung des anspruchserheblichen
Sachverhalts dar, welche in das Anwendungsgebiet der Revision fällt (Art. 17 ATSG).
3.1.
Nachstehend wird daher eine Interpretation von Art. 17 Abs. 1 und Abs. 2 ATSG
vorzunehmen sein. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird eine Invalidenrente erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad des Rentenbezügers
3.2.
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4.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin die Kinderrente für C._ zu Recht
rückwirkend eingestellt hat. Gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV erfolgt die Einstellung
nämlich auf den ersten Tag des zweiten auf die Verfügung folgenden Monats. Das wäre
im vorliegenden Fall auf den 1. Oktober 2021 gewesen. Eine auf den (in der
Vergangenheit liegenden) Eintritt der anspruchserheblichen Sachverhaltsveränderung
erfolgende und damit rückwirkende Aufhebung ist gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV
erheblich ändert. Im vorliegenden Fall besteht die Sachverhaltsveränderung nicht in
einer Verminderung des Invaliditätsgrades des Beschwerdeführers, sondern in der
Beendigung der Ausbildung von C._. Nimmt man den Wortlaut des Art. 17 Abs. 1
ATSG ernst, kann diese Bestimmung nicht die gesetzliche Grundlage für die Aufhebung
der Kinderrente per 31. Mai 2021 sein. Gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG muss auch jede
andere Dauerleistung aufgehoben werden, wenn sich der ihr zugrundeliegende
Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Diese Bestimmung bezieht sich auf
Art. 17 Abs. 1 ATSG, d.h. sie betrifft alle Dauerleistungen mit Ausnahme der
Invalidenrenten. Da die Kinderrente ihrem Sinn und Zweck nach nur ein Zuschlag zur
Invalidenrente ist, kann sie nicht unter den Begriff der anderen Dauerleistung
subsumiert werden. Art. 17 Abs. 2 ATSG ist also auf den vorliegenden Sachverhalt
ebenfalls nicht anwendbar. Die – gesetzgebungstechnisch unsinnige – Aufteilung des
Revisionstatbestandes auf die Invalidenrente auf der einen Seite und alle anderen
Dauerleistungen auf der anderen Seite hat also dazu geführt, dass der Wortlaut des Art.
17 Abs. 1 und 2 ATSG nicht alle revisionsrechtlich relevanten
Sachverhaltsveränderungen abdeckt. Da dies ganz offenkundig nicht die Absicht des
historischen Gesetzgebers gewesen ist, da sich die Nichtrevidierbarkeit einer einzelnen
Art von Dauerleistung, nämlich der Kinderrente zur Invalidenrente, im bestehenden
verwaltungsverfahrensrechtlichen System nicht rechtfertigen lässt, da der Sinn und
Zweck des Art. 17 ATSG darin besteht sicherzustellen, dass jede laufende
Dauerleistung jederzeit den materiellrechtlichen Vorgaben entspricht, und da ein
Ausschluss der Kinderrente von der Revidierbarkeit vor dem
Gleichbehandlungsgrundsatz nicht zu bestehen vermöchte, kann die richtige
Interpretation des Art. 17 Abs. 1 ATSG nur darin bestehen, dass entgegen dem
Gesetzeswortlaut auch die Kinderrente zur Invalidenrente revidierbar ist, wenn sich der
anspruchsbegründende Sachverhalt massgebend ändert (vgl. dazu auch den
Entscheid IV 2014/391, Erw. 3.1 vom 18. Juni 2015 des Versicherungsgerichtes des
Kantons St.Gallens). Da C._ unbestrittenermassen im Mai 2021 ihre Ausbildung
beendet hat, hat die Beschwerdegegnerin die laufende Kinderrente also grundsätzlich
zu Recht revisionsweise eingestellt.
bis
bis
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nur möglich, wenn der Leistungsbezüger seiner zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist. Gemäss Art. 77 IVV ist jede für den Leistungsanspruch wesentliche
Änderung unverzüglich zu melden. Die Beendigung der Ausbildung von C._ ist eine
leistungserhebliche Veränderung gewesen und hat somit der Pflicht zur unverzüglichen
Meldung unterlegen. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, dass er die
Beschwerdegegnerin am 23. Juni 2021 sowohl telefonisch als auch per Mail über die
Ausbildungsbeendigung seiner Tochter C._ orientiert habe. Gemäss den Unterlagen
der Beschwerdegegnerin hat das erwähnte Telefonat jedoch erst am 8. Juli 2021
stattgefunden (IV-act. 17). Eine Mail des Beschwerdeführers vom 23. Juni 2021 sei
zudem nie bei der Beschwerdegegnerin eingegangen (IV-act. 8-1 und 12). Aufgrund
des früheren Schriftenverkehrs (vgl. bspw. IV-act. 22-2 und 25) hat der
Beschwerdeführer gewusst, dass eine Ausbildungsbeendigung unverzüglich zu melden
ist, dass die Auszahlung der Kinderrente auf die Dauer der Ausbildung des
entsprechenden Kindes beschränkt ist und dass unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten sind. So ist er zuvor auch von der Beschwerdegegnerin am 2. Juli
2020 aufgefordert worden, Ausbildungsbelege seiner Tochter C._ einzureichen mit
dem Hinweis, dass ohne die Belege die Kinderrente eingestellt werde. Deshalb muss
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer um die Ursache der Rückforderung bzw. um die
Bedeutung des Endes der Ausbildung gewusst hat. Bei Aufwendung gebührender
Sorgfalt hätte der Beschwerdeführer das Ausbildungsende von C._ also unverzüglich
melden können. C._ hat ihre Ausbildung per 31. Mai 2021 beendet. Wann konkret die
Meldung im vorliegenden Fall erfolgt ist, am 23. Juni 2021 oder am 4. Juli 2021, kann
offen bleiben, da in beiden Zeitpunkten die Meldung bereits verspätet gewesen wäre,
da gemäss Art. 77 IVV eine unverzügliche, also eine Meldung binnen maximal sechs bis
sieben Tagen ab Kenntnisnahme (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_434/2015 vom 28.
August 2015 E. 2 über die Bedeutung von "unverzüglich"), notwendig gewesen wäre
um die Meldepflicht nicht zu verletzen. Die Tochter C._ hat spätestens per 31. Mai
2021 entschieden, ihre Ausbildung abzubrechen. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit hat sie jedoch bereits einige Zeit vorher über ihren Abbruch
entschieden, sodass bei einer rechtzeitigen Orientierung ihres Vaters dieser eine
sofortige Mitteilung an die Beschwerdegegnerin noch vor der Auszahlung der
Kinderrente für den Monat Juni hätte machen können. Eine schriftliche Bestätigung ist
entgegen den Äusserungen der Beschwerdegegnerin in ihrem Mail vom 25. August
2021 nicht nötig für die Einstellung der Rente; diese nachträglich einzuholen genügt.
Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV angewendet,
d.h. sie ist befugt gewesen, die Kinderrente für C._ rückwirkend einzustellen und die
nach dem 31. Mai 2021 im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG zu Unrecht
bis
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ausgerichteten Rentenleistungen zurückzufordern. Die Rückforderung erweist sich
ebenso betraglich als korrekt. Damit ist die Beschwerde betreffend die Rückerstattung
der vom 1. Juni bis 31. August 2021 an den Beschwerdeführer ausbezahlten
Kinderrente für C._ abzuweisen.
5.
Gemäss der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen werden in einem
Verfahren betreffend eine Rückforderung keine Gerichtskosten erhoben, da eine Rück
forderung praxisgemäss nicht unter die IV-Leistungen nach Art. 69 Abs. 1 IVG fällt.