Decision ID: d31de884-e3b7-428e-93e0-57a66d811fb2
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
5. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab und holte verschiedene
Arztberichte ein. Ausserdem liess sie A._ bei der MediCore AG
polydisziplinär (Allgemeine Innere Medizin, Kardiologie, Neurologie,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Pneumologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie) begutachten. In ihrem
Gutachten vom 12. Dezember 2019 (Explorationen im Mai/Juni 2019)
stellten die Gutachter der MediCore AG folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: emphysembetonte Pneumopathie
bei medizinisch-theoretischer Ateminvalidität von 66.6 % bis 100 %,
verbleibende Bewegungseinschränkung der linken Schulter bei Status
nach linksseitiger Schulterarthroskopie mit offener Supraspinatussehnen-
Refixation, Bizepstenotenotomie und Akromioplastik am 2. Februar 2015,
verbleibende Bewegungseinschränkung der HWS bei Status nach
Dekompression in den Segmenten C5/6 und C4/5 mit Diskektomie und
Fusion, rezidivierendes LWS-Syndrom nach Dekompression im Segment
L3/4 links und lateraler Nukleotomie am 14. August 2012 sowie
verbleibende endgradige Beugeeinschränkung bei Status nach
Implantation einer linksseitigen Kniegelenks-Totalendoprothese. Darüber
hinaus führten sie unter anderem folgende Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit auf: Zustand nach Non-Stemi am 13. Mai 2017 mit
akut koronarer Angiographie gleichentags und Stenting sowie rekoronar
Angiographie und erneutem Stenting, rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert, sowie Status nach rechtsseitiger Supraspinatus-
und Subscapularissehnen-Refixation am 26. Februar 2018 ohne
verbliebene Funktionseinschränkung. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
gelangten sie zu folgendem Schluss: Wegen der pneumologischen
Befunde sei die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe allerdings eine Arbeitsfähigkeit von 75 %.
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6. Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, stellte in seiner
Abschlussbeurteilung vom 20. Januar 2019 auf das Gutachten der
MediCore AG ab und erachtete A._ in einer Verweistätigkeit (d.h. einer
körperlich leichten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten in
Schulterhöhe, ohne rückenbelastende und kniebelastende
Zwangshaltungen) zu 75 % arbeitsfähig.
7. Mit Vorbescheid vom 20. Januar 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (kein Anspruch auf eine
Invalidenrente). Nach dagegen erhobenem Einwand vom 10. Februar 2020
verfügte die IV-Stelle mit Datum vom 18. März 2020 wie vorbeschieden und
verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad
von 35.5 %.
8. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 29. April
2020 (Poststempel) Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Er stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Es sei die Verfügung der IV-Stelle vom 18. März 2020 aufzuheben und es sei ihm mindestens eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab dem 22. August 2017 (unter Berücksichtigung allfälliger Wartefristen) zuzusprechen.
2. Eventuell sei die Verfügung der IV-Stelle vom 18. März 2020 aufzuheben und die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der IV-Stelle und unter Gewähren der unentgeltlichen Rechtspflege und - verbeiständung."
Begründend führte er im Wesentlichen aus, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der letzten Verfügung vom 9. November 2016
verschlechtert habe und eine im Vergleich zur gutachterlichen
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Arbeitsfähigkeits-Einschätzung von 75 % tiefere Arbeitsfähigkeit vorliege.
Ausserdem gebiete es der Grundsatz der rechtsgleichen Behandlung, dass
der Tabellenlohn sowohl aufgrund seiner eingeschränkten
Leistungsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht als auch aufgrund seines
eingeschränkten funktionellen Leistungsvermögens gekürzt werde. Zudem
sei ihm ein Leidensabzug von 15 % zu gewähren.
9. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Mai 2020 (Eingang) beantragte die IV-
Stelle die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf die
angefochtene Verfügung vom 18. März 2020.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 18. März 2020, worin das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen wurde (kein
Anspruch auf eine Invalidenrente). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch
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sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der Beschwerdeführer ist
Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er durch die
angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist demnach zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2.1.1. Der Antrag des Beschwerdeführers um Neubeurteilung seines Anspruchs
auf eine Invalidenrente ging während des noch hängigen
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens S 16 155 im August 2017 bei der IV-
Stelle ein. Nachdem sowohl das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden als auch das Bundesgericht seine Beschwerden abgewiesen
hatten, nahm die IV-Stelle den Antrag vom August 2017 als Neuanmeldung
entgegen und prüfte, ob der Beschwerdeführer ab dem 1. Februar 2018,
d.h. sechs Monate nach der Neuanmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG,
einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat (vgl. zum Ganzen IV-act. 255
S. 1).
2.1.2. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde nichts gegen die
Entgegennahme seines Antrags vom August 2017 als Neuanmeldung vor.
Vielmehr prüft er seinerseits, ob ein Neuanmelde- bzw. ein Revisionsgrund
im Sinne einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands vorliegt.
Sein Rechtsbegehren im Hauptstandpunkt lautet, es sei ihm "mindestens
eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 22. August 2017 (unter
Berücksichtigung allfälliger Wartefristen)" zuzusprechen. Dies konkretisiert
er in seiner Begründung sodann dahingehend, dass ihm "mindestens eine
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Viertelinvalidenrente mit Wirkung ab 1. Februar 2018 (unbefristet)
zuzusprechen" sei. Insofern besteht somit Einigkeit darüber, dass der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem 1. Februar 2018 zu
prüfen ist, was denn auch Art. 29 Abs. 1 IVG entspricht (vgl. ferner zum
Wartejahr IV-act. 256 S. 20).
2.2.1. Am Streitgegenstand vorbei zielt das Vorbringen des Beschwerdeführers,
wonach er entgegen der RAD-Beurteilung vom 22. Dezember 2015 [recte:
wohl 12. November 2015] der Auffassung sei, dass die
unbestrittenermassen vorhandenen psychischen Beschwerden das
funktionelle Leistungsvermögen beeinträchtigten, weshalb er vorsorglich
um Einholung einer gerichtlichen Expertise ersuche. Die auf der genannten
RAD-Abschlussbeurteilung vom 12. November 2015 (vgl. IV-act. 153
S. 17) basierende Verfügung vom 9. November 2016 (vgl. IV-act. 151 S. 3)
wurde bereits rechtskräftig beurteilt und bildet nicht Thema des
vorliegenden Verfahrens.
2.2.2. Als unbehelflich erweist sich des Weiteren das Vorbringen des
Beschwerdeführers, wonach sich seine Leistungsfähigkeit im
angestammten Beruf im Vergleich zur Situation im Zeitpunkt der Verfügung
vom 9. November 2016, wo noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im
bisherigen Beruf festgestellt worden sei, um 50 % (d.h. auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %) verschlechtert habe. Abgesehen davon,
dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung für die Bemessung des
Invalideneinkommens ohnehin auf die Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit abgestellt hat, übersieht der Beschwerdeführer, dass die IV-Stelle
auf seine Neuanmeldung eingetreten ist und insbesondere mit der
Einholung des polydisziplinären Gutachtens der MediCore AG vom
12. Dezember 2019 den Rentenanspruch des Beschwerdeführers in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend geprüft hat (vgl. BGE 141
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V 9). Es erübrigt sich daher, wie vom Beschwerdeführer vorgenommen,
das Vorliegen eines Neuanmelde- bzw. Revisionsgrunds (vgl. dazu Urteil
des Bundesgerichts 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2.2) zu prüfen.
2.3. Nach dem Gesagten ist somit streitig und zu prüfen, ob die IV-Stelle das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen resp.
den Anspruch auf eine Invalidenrente (ab dem 1. Februar 2018) zu Recht
verneint hat. Umstritten ist dabei die (Rest-)Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätigkeit sowie die
Bemessung des Invalideneinkommens.
3. Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte von vornherein nur
dann, wenn sie zu mindestens 40 % invalid sind (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.1. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4
Abs. 1 IVG). Zur Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen,
wobei eine Erwerbsunfähigkeit zudem nur vorliegt, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Keine Beeinträchtigungen
der Gesundheit stellen soziokulturelle Schwierigkeiten mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit sowie psychosoziale Faktoren dar.
Invaliditätsfremde Faktoren sind darüber hinaus auch Aggravation und
Simulation (vgl. zum Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 7 Rz. 22 ff.; siehe bezüglich Aggravation und
ähnlicher Erscheinungen auch BGE 141 V 281 E.2.2.1 f., 140 V 193 E.3.3).
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3.2. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der
Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der
Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 144 I 21 E.2.1, 142 V 290 E.4, 141 V 15
E.3.2, 128 V 29 E.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_225/2019 vom
11. September 2019 E.2).
4.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des
Arztes besteht darin, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu
erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt
seine originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und das im Streitfall
angerufene Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgeabschätzung der
erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit
kommt dem Arzt jedoch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu.
Vielmehr gibt er eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus
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seiner Sicht so substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen
Auskünfte bilden sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet
werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
4.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V
351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
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Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
4.2.2. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
- 13 -
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom
25. August 2011 E.5.3).
4.2.3. Bei einer psychiatrischen Exploration ist nach der Rechtsprechung zudem
zu beachten, dass diese von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei
erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch
immer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte
lege artis vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder
an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_4/2015 vom 5. Mai 2015 E.3.2).
5. Vorliegend stellt sich die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht auf die
Beurteilungen im Gutachten der MediCore AG vom 12. Dezember 2019
(Explorationen im Mai/Juni 2019) abgestellt hat oder ob konkrete Indizien
gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen, sodass von der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer adaptierten Tätigkeit (d.h. körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeit) für den hier massgebenden Zeitraum
ab Februar 2018 abzuweichen wäre.
6.1. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts erfüllt das MediCore-
Gutachten vom 12. Dezember 2019 die von der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts
gestellten Anforderungen, weshalb ihm Beweiskraft zukommt. Das
Gutachten beruht auf eigenen Untersuchungen und berücksichtigt die vom
Beschwerdeführer geklagten und aktenkundigen Beschwerden (vgl. IV-
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act. 246 S. 5; vgl. ferner bspw. zum psychiatrischen Teilgutachten [IV-
act. 246 S. 35 ff.], orthopädischen Teilgutachten [IV-act. 246 S. 59 f.] und
pneumologischen Teilgutachten [IV-act. 246 S. 80 f.]). Die Beurteilung
erfolgte in Kenntnis der medizinischen Vorakten, einschliesslich der
wesentlichen, vom Beschwerdeführer aufgeführten Arztberichte der
behandelnden Fachpersonen (vgl. IV-act. 246 S. 23 ff.; vgl. ferner IV-
act. 246 S. 77 ff. und S. 96 ff.), und die Schlussfolgerungen wurden
gestützt auf die eigenen klinischen Untersuchungen sowie die erhobenen
Laborbefunde getroffen (vgl. zum psychiatrischen Teilgutachten [IV-
act. 246 S. 44 ff.], orthopädischen Teilgutachten [IV-act. 246 S. 62 ff.],
pneumologischen Teilgutachten [IV-act. 246 S. 84 ff.], neurologischen
Teilgutachten [IV-act. 246 S. 103 f.] und kardiologischen Teilgutachten [IV-
act. 246 S. 111]). Zudem ist das Gutachten für die streitigen Belange
umfassend.
6.2. Die MediCore-Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit: emphysembetonte Pneumopathie bei medizinisch-
theoretischer Ateminvalidität von 66.6 % bis 100 %, verbleibende
Bewegungseinschränkung der linken Schuler bei Status nach linksseitiger
Schulterarthroskopie mit offener Supraspinatussehnen-Refixation,
Bizepstenotenotomie und Akromioplastik am 2. Februar 2015,
verbleibende Bewegungseinschränkung der HWS bei Status nach
Dekompression in den Segmenten C5/6 und C4/5 mit Diskektomie und
Fusion, rezidivierendes LWS-Syndrom nach Dekompression im Segment
L3/4 links und lateraler Nukleotomie am 14. August 2012 sowie
verbleibende endgradige Beugeeinschränkung bei Status nach
Implantation einer linksseitigen Kniegelenks-Totalendoprothese. Zudem
stellten sie unter anderem folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit: Zustand nach Non-Stemi am 13. Mai 2017 mit akut
koronarer Angiographie gleichentags und Stenting sowie rekoronar
Angiographie und erneutem Stenting, rezidivierende depressive Störung,
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gegenwärtig remittiert, sowie Status nach rechtsseitiger Supraspinatus-
und Subscapularissehnen-Refixation am 26. Februar 2018 ohne
verbleibende Funktionseinschränkung (vgl. IV-act. 246 S. 6 f.).
6.2.1. Dazu führten sie in der Konsensbeurteilung folgendes aus: In der aktuellen
orthopädisch-traumatologischen Untersuchung zeigten sich nahezu
identische Befunde zu jenen aus der rheumatologischen RAD-Abklärung
vom 16. Oktober 2015. Abweichend von den damalig formulierten
Diagnosen sei seither eine operative Behandlung an der rechten Schulter
erfolgt. Der Heilungsprozess in diesem anatomischen Bereich sei gut
verlaufen und ohne Funktionsbeeinträchtigungen ausgeheilt. Ausserdem
sei am linken Kniegelenk im Januar 2017 eine Totalendoprothese
eingesetzt worden. Dieser Eingriff habe zu einer Reduktion der
Kniegelenksschmerzen geführt. Verblieben sei eine endgradige
Beugeeinschränkung des linken Kniegelenks. Eine negative Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit habe durch beide Eingriffe nicht stattgefunden. Eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands sei aus orthopädischer Sicht
nicht eingetreten. Auf neurologischem Fachgebiet werde die Behandlung
bei Myokardinfarkt und beschriebener transienter ischämischer Attacke im
Jahr 2017 gewürdigt. Diesbezüglich seien keine spürbaren Folgen
entstanden. Gemäss Aktenunterlagen seien keine akuten
Parenchymläsionen festgestellt worden; nebenbefundlich hätten sich
kleinere mikrovaskuläre Veränderungen gezeigt. Die mögliche radikuläre
Beteiligung links, a.e. von S1 DD L5 stehe nicht im Vordergrund des
Beschwerdebildes. Auch bestehe keine typische Claudicatio-Symptomatik.
Neurologisch bedingte funktionelle Einschränkungen lägen nicht vor. Die
kardiologische gutachterliche Beurteilung bescheinige eine insgesamt gute
linksventrikuläre Funktion sowie eine 60%ige Leistungsfähigkeit. Diese
könne mit Trainingsmangel erklärt werden und sei verbesserungsfähig.
Daraus resultiere eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht liessen sich keine erheblichen Feststellungen
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benennen. Das Vorliegen einer aktiven depressiven Störung oder andere
psychiatrische Krankheitsbilder seien auszuschliessen, eine Symptomatik
werde denn auch vom Begutachteten kaum beschrieben. Diagnostisch sei
von einer remittierten depressiven Störung auszugehen. Aus
pneumologischer Sicht habe die Interpretation der Spiroergometrie eine
erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestätigt. Das gesicherte
Lungenemphysem werde mit langjährigem Nikotinkonsum begründet. Der
Begutachtete sei allerdings extrem wenig symptomatisch. Die Befunde
bestätigten jedoch die aufgehobene Arbeitsfähigkeit in angestammter
Tätigkeit (Mitarbeiter Betriebsunterhalt und Hauswirtschaft/Wohnen). In
Berücksichtigung aller gemachten Befunde, welche sich in verschiedenen,
teilweise erheblichen Einschränkungen objektivieren liessen, sei die
angestammte Tätigkeit wegen der pneumologischen Befunde nicht mehr
ausführbar. In einer adaptierten Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 75 %
(weiterhin; vgl. IV-act. 139 S. 18 und S. 21, IV-act. 140 S. 3 und IV-act. 151
S. 2; vgl. auch IV-act. 255 S. 2 oben) gegeben. Aufgrund der multiplen
Beschwerden am Bewegungsapparat seien vermehrte Pausen in einer
Grössenordnung von zwei Stunden täglich zuzubilligen, was in der
reduzierten Arbeitsfähigkeit berücksichtigt sei (vgl. IV-act. 246 S. 5 ff.).
6.2.2. Diese Ausführungen zur Beurteilung der medizinischen Situation sind
einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum
Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeits-Einschätzung
nachvollziehbar begründet. Die Gutachter setzten sich denn auch mit den
vorbefundlichen Feststellungen der behandelnden Ärzte auseinander und
zeigten gegebenenfalls auf, weshalb sie eine andere Ansicht vertreten. So
führte beispielsweise Dr. med. E._ in seinem orthopädischen
Teilgutachten aus, der behandelnde Orthopäde Dr. med. F._ teile in
seinem Bericht vom 14. November 2018 mit, dass dem Beschwerdeführer
die Tätigkeit als Zimmermann sowie im Betriebsunterhalt nicht mehr
zuzumuten sei (begrenztes Gehen auf Treppen und kein Einnehmen einer
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knienden Position). Aus gutachterlicher Sicht bestehe bezüglich dieser
Einschränkungen Einvernehmen, jedoch werde in der Tätigkeit als
Hauswart eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % weiterhin gesehen, da eine
wesentliche Verschlechterung (bei unveränderter linksseitiger
Kniegelenksbeweglichkeit) nicht eingeschätzt werde. Weiter führte er aus,
dass sich die Funktionsstörungen im Bereich der linken Schulter, des linken
Kniegelenks und der HWS aufgrund der aktuellen Befunderhebung
objektivieren liessen. Die Beschwerden im Bereich der LWS hingegen
liessen sich bezüglich ihrer Massivität nur teilweise nachvollziehen. Seit der
RAD-Begutachtung vom 16. Oktober 2015 sei eine operative Behandlung
der rechten Schulter (am 26. Februar 2018; wobei davon auszugehen ist,
dass die Operation lediglich zu einer vorübergehenden Verschlechterung
des Gesundheitszustands bzw. Arbeitsunfähigkeit führte [vgl. etwa IV-
act. 246 S. 71]) sowie des linken Kniegelenks (am 30. Januar 2017)
durchgeführt worden. Die Funktion der rechten Schulter sei wieder
vollständig schmerzfrei hergestellt worden. Nach Implantation der
linksseitigen Kniegelenkstotalendoprothese seien die Beschwerden bei
erhaltener Kniegelenksfunktion reduziert worden. Insgesamt könne von
einem unveränderten Gesundheitszustand im Bereich des
Bewegungsapparates ausgegangen werden. Diese Einschätzung werde
unter anderem durch das Aktivitätenniveau im Tagesprofil belegt (vgl. IV-
act. 246 S. 69 f.). Auch pract. med. C._ gelangte in ihrem
psychiatrischen Teilgutachten zum Schluss, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der RAD-Begutachtung
vom 16. Oktober 2015 (anlässlich derer keine psychiatrische Diagnose mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurde, vgl. IV-act. 139 S. 7)
aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht nicht verschlechtert habe. Auch
wenn der Tod des Bruders nachvollziehbarerweise zu einer vorübergehend
tangierten Befindlichkeit geführt habe, so sei nicht von einer
gesundheitlichen Störung auszugehen gewesen (vgl. IV-act. 246 S. 53).
Zudem hielt sie fest, dass in Berücksichtigung der durchgeführten
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Behandlung mit Antidepressivum (vgl. IV-act. 246 S. 37 und S. 47 oben)
die Diagnose einer vollständig remittierten leichten depressiven Episode
gestellt werden könne (vgl. IV-act. 246 S. 47 unten). Aus psychiatrischer
Sicht hätten (allerdings) keine längerdauernden Absenzen bzw.
Arbeitsunfähigkeiten bestanden (vgl. IV-act. 246 S. 52).
6.2.3. Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde lediglich pauschal
vorbringt, seines Erachtens bestehe eine tiefere Arbeitsfähigkeit, vermag
er das MediCore-Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen. Dieses beruht auf
umfassenden Untersuchungen und berücksichtigt die vorhandenen
somatischen Beeinträchtigungen. Insofern und vor dem Hintergrund
dessen, dass bereits am 11. November 2015 eine EFL durchgeführt
worden war (vgl. IV-act. 140) und aus gutachterlicher Sicht hinsichtlich des
Bewegungsapparates ein unveränderter Gesundheitszustand vorliegt (vgl.
IV-act. 246 S. 70), erübrigt es sich denn auch, die vom Beschwerdeführer
offerierte EFL durchzuführen. Die Gutachter trafen die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit in Kenntnis der vorhandenen
somatischen Beeinträchtigungen bzw. letztere sind darin eingeflossen.
Dies gilt auch mit Blick auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach
seine Arbeitseffizienz bzw. sein Arbeitstempo aufgrund der Notwendigkeit
regelmässiger Pausen eingeschränkt sei, führte dies doch zu einer
Reduktion der Arbeitsfähigkeits-Einschätzung in leidensadaptierter
Tätigkeit auf 75 % (vgl. IV-act. 246 S. 8 und im Speziellen das
orthopädische Teilgutachten [IV-act. 246 S. 71]). Soweit der
Beschwerdeführer schliesslich rügt, dass sich die IV-Stelle nicht mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Mehrfachdiagnose (vgl. statt
vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_713/2015 vom 9. Februar 2016)
auseinandergesetzt habe, so ist ihm entgegenzuhalten, dass er diesen
Einwand im Verfahren vor der IV-Stelle nicht erhoben hatte (vgl. IV-
act. 253). Da darüber hinaus im MediCore-Gutachten vom 12. Dezember
2019 sämtliche Befunde erhoben und sowohl in den Teilgutachten als auch
- 19 -
in der Konsensbeurteilung gewürdigt worden sind, kann darauf abgestellt
werden.
6.3. Somit ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht
geeignet sind, den Beweiswert des MediCore-Gutachtens mit seinen
Feststellungen zum hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. Februar 2018
zu schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle auf
die im Gutachten attestierte 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit abstellte. Vor diesem Hintergrund kann auf die vom
Beschwerdeführer beantragten Beweisvorkehren verzichtet werden, zumal
das streitberufene Gericht seine Überzeugung aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise gebildet hat und es annehmen kann, dass diese
Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3).
7. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob das Invalideneinkommen korrekt
bemessen wurde.
7.1. Die IV-Stelle stützte sich bei der Bemessung des Invalideneinkommens auf
die Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 für
Tätigkeiten auf dem Kompetenzniveau 1 im privaten Sektor für Männer,
wobei umgerechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden und aufindexiert auf das Jahr 2019 bei einer Arbeitsfähigkeit
von 75 % ein Invalideneinkommen von CHF 51'313.80 (= CHF 5'340.-- x
12 : 40 x 41.7 x 1.003995 x 1.01 x 1.01 x 0.75) resultierte. Der
Beschwerdeführer macht nun im Wesentlichen geltend, dass das unter
Heranziehung der LSE berechnete Invalideneinkommen gestützt auf das
Gebot der rechtsgleichen Behandlung nicht nur wegen seiner
eingeschränkten Leistungsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht, sondern auch
- 20 -
aufgrund der konkret vorhandenen Einschränkung des funktionellen
Leistungsvermögens zu kürzen sei. Zudem sei ihm namentlich aufgrund
seiner fehlenden Berufserfahrung in einer Verweistätigkeit, der langen
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, seines Alters sowie der nunmehr
offenstehenden Teilzeittätigkeiten ein Leidensabzug von 15 % zu
gewähren. Im Ergebnis resultiere daraus ein Invaliditätsgrad von über
40 %, womit zumindest ein Anspruch auf eine unbefristete Viertelsrente
bestehe.
7.2.1. Ein leidensbedingter Abzug kommt auch bei Heranziehen der LSE zur
Bestimmung des Invalideneinkommens nicht generell und in jedem Fall zur
Anwendung. Ein Abzug soll nicht automatisch, sondern dann erfolgen,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte
Person wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender
Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem
Erfolg verwerten kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2019 vom
2. September 2019 E.4.2 m.H.a. BGE 126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa).
Praxisgemäss soll mit dem Abzug vom Tabellenlohn der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale,
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2017 vom 11. Juli 2017 E.3.1 m.H.a.
BGE 135 V 297 E.5.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019
vom 8. Oktober 2019 E.3.1 m.w.H.).
- 21 -
7.2.2. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014
vom 22. Januar 2015 E.4.1.1 m.w.H.). Praxisgemäss werden keine separat
quantifizierten Abzüge je für die massgeblichen Kriterien vorgenommen
und addiert, sondern vielmehr der Abzug gesamthaft geschätzt (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_536/2019 vom 26. September 2019 E.5.2.2 f.).
7.3.1. Im vorliegenden Fall wurde die verminderte Belastbarkeit des Stütz- und
Bewegungsapparats in qualitativer Hinsicht bei der Festlegung des
Belastungsprofils einer adaptierten Tätigkeit (d.h. leichte,
wechselbelastende Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten in
Schulterhöhe, ohne rückenbelastende und kniebelastende
Zwangshaltungen) berücksichtigt (vgl. insbesondere IV-act. 246 S. 71).
Zudem wurde in zeitlicher Hinsicht dem mit den multiplen Beschwerden
begründeten erhöhten Pausenbedarf durch die um 25 % reduzierte
Leistungsfähigkeit (d.h. Arbeitsfähigkeit von 75 %) Rechnung getragen
(vgl. insbesondere IV-act. 246 S. 71). Soweit der Beschwerdeführer einen
Abzug mit dem Verweis auf die Einschränkungen des funktionellen
Leistungsvermögens geltend macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass die
sich aus medizinischer Sicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden
körperlichen Limitierungen, welche bereits beim Belastungsprofil
berücksichtigt worden sind, nicht nochmals – als abzugsrelevant –
herangezogen werden dürfen. Dies käme einer unzulässigen doppelten
Anrechnung derselben Gesichtspunkte gleich (vgl. vorstehende
Erwägung 7.2.2). Es bestehen denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass
- 22 -
die gesundheitlichen Einschränkungen nicht bereits vollumfänglich in die
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter
Tätigkeit miteinbezogen worden wären. Zudem verkennt der
Beschwerdeführer, dass der Umstand allein, dass nur mehr leichte
Arbeiten zumutbar sind, keinen zusätzlichen Leidensabzug rechtfertigt,
weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von
leichten Tätigkeiten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2017
vom 14. Mai 2018 E.5.2.2.2 m.w.H.). Darin ist entgegen seiner Auffassung
kein Verstoss gegen das Gebot der rechtsgleichen Behandlung zu
erblicken. Im Übrigen übersieht der Beschwerdeführer dabei, dass bei ihm
eben gerade nicht der ungekürzte Tabellenlohn, sondern ein um 25 %
reduzierter Tabellenlohn angerechnet wurde.
7.3.2. Dem Beschwerdeführer kann des Weiteren nicht gefolgt werden, soweit er
geltend macht, es fehle ihm in einer adaptierten Tätigkeit an
Berufserfahrung. Vielmehr kann er die im Rahmen seiner Ausbildung zum
Zimmermann erlernten Fertigkeiten sowie die anlässlich seiner diversen
beruflichen Tätigkeiten gewonnene Berufserfahrung (als Berufsagoge bzw.
Mitarbeiter Betriebsunterhalt und Hauswirtschaft/Wohnen) im Rahmen
einer Verweistätigkeit nutzbar machen; auch lange Einarbeitungszeiten
dürften dementsprechend wegfallen. Da die funktionellen Einschränkungen
des Beschwerdeführers mit den gewöhnlichen betrieblichen
Anforderungen im Kompetenzniveau 1 vereinbar sind, leuchtet auch nicht
ein, inwiefern der Beschwerdeführer im Vergleich zu anderen
Arbeitnehmern eine deutlich höhere Krankheitsanfälligkeit aufweisen sollte.
Auch zeitigen die im MediCore-Gutachten festgestellten
Beeinträchtigungen aus pneumologischer Sicht keine über das
orthopädisch-traumatologische Belastungsprofil hinausgehenden
Einschränkungen in einer adaptierten Tätigkeit (vgl. IV-act. 246 S. 8).
- 23 -
Zudem ist mit der IV-Stelle festzuhalten (vgl. dazu Vernehmlassung der IV-
Stelle vom 18. Januar 2017 im Verfahren S 16 155), dass der
deutschsprachige Beschwerdeführer mit Schweizer Bürgerrecht und
ausgewiesenen Schul- und Berufskenntnissen im Kompetenzniveau 1
durchaus auch über gewisse Wettbewerbsvorteile verfügt. Insofern ist eine
Benachteiligung aufgrund der (zum Teil selbstverschuldeten) langen
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt zu relativieren. Ein Abzug aufgrund des
Alters wurde schon im Urteil 9C_367/2018 vom 20. August 2018 E.3.5 bei
dem damals bereits über 50-jährigen Beschwerdeführer vom
Bundesgericht abschlägig beurteilt, weshalb auch vorliegend kein solcher
gewährt werden kann. Ausserdem werden Hilfsarbeiten (wie sie hier im
Fokus stehen) nach der Rechtsprechung grundsätzlich altersunabhängig
nachgefragt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_130/2019 vom
5. September 2019 E.3.2 m.w.H.). Soweit der Beschwerdeführer ferner
geltend macht, es sei ihm aufgrund der nunmehr möglichen Teilzeitarbeit
ein Leidensabzug zu gewähren, kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr
geht aus dem MediCore-Gutachten vom 12. Dezember 2019 hervor, dass
die um 25 % reduzierte Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit mit der
Summe aller skelettalen Beeinträchtigungen begründet wird (vgl. IV-
act. 246 S. 8). Im orthopädischen Teilgutachten wird die adaptierte
Tätigkeit sodann weiter präzisiert, wobei ausdrücklich ausgeführt wird,
dass leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten, ohne
Arbeiten in Schulterhöhe sowie ohne rücken- bzw. kniebelastende
Zwangshaltungen während acht Stunden möglich sind, indes ein
vermehrter Pausenbedarf von ca. zwei Stunden besteht, was eine
Arbeitsfähigkeit von 75 % ergebe (vgl. IV-act. 246 S. 71). Insofern kann bei
der ausgewiesenen ganztags zumutbaren adaptierten Tätigkeit bei
reduziertem Rendement pro Zeiteinheit kein Abzug aufgrund des
Beschäftigungsgrads erfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_211/2018 vom 8. Mai 2018 E.4.4).
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8. Im Ergebnis resultiert bei einem unbestritten gebliebenen
Valideneinkommen von CHF 79'560.55 und einem Invalideneinkommen
von CHF 51'313.80 (zur Berechnung vgl. vorstehende Erwägung 7.1) ein
Invaliditätsgrad von gerundet 36 %, womit ein Anspruch auf eine
Invalidenrente entfällt. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet,
weshalb sie abzuweisen ist.
9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen
der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher
Aufwand entstanden ist, rechtfertigt es sich, die Kosten auf CHF 700.--
festzulegen. Diese sind vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen
(vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Der obsiegenden IV-Stelle steht kein Anspruch
auf eine aussergerichtliche Parteientschädigung zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG
e contrario).
10.1. Zu prüfen bleibt, ob das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege gutzuheissen ist, das heisst, ob die Kosten von CHF 700.-- in
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung von der Gerichtskasse zu
übernehmen sind und auch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
durch die Gerichtskasse zu entschädigen ist.
10.2. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
- 25 -
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Diese Regelung wird für das
sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren in Art. 61 lit. f ATSG
und Art. 76 VRG konkretisiert.
10.2.1. Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen geht hervor,
dass seine monatlichen Ausgaben die monatlichen Einnahmen von
CHF 1'152.-- klar übersteigen, zumal sich bereits der Grundbetrag eines
Ehepaars auf CHF 2'040.-- (CHF 1'700.-- samt Zuschlag von 20 %) beläuft.
Die Bedürftigkeit ist damit ausgewiesen. Zwar ist unbewegliches
Vermögen, d.h. eine Liegenschaft vorhanden. Diese ist allerdings derart
hoch belehnt, dass eine Aufstockung der Hypothek schwierig erscheint und
auch ein Verkauf der Liegenschaft in Würdigung der konkreten Umstände
unverhältnismässig wäre. Da die vorliegende Streitsache darüber hinaus
nicht aussichtslos erschien, sind die Kosten von CHF 700.-- in Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung (vorläufig) von der Gerichtskasse zu
übernehmen.
10.2.2. Neben der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers und der fehlenden
Aussichtslosigkeit der Streitsache ist vorliegend auch die Notwendigkeit
einer fachkundigen Rechtsvertretung zu bejahen, weshalb der
Beschwerdeführer Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand hat.
Der beschwerdeführerische Rechtsvertreter machte in seiner Eingabe vom
13. Mai 2020 insgesamt einen Aufwand von CHF 2'229.85 geltend
(5.6667 h à CHF 360.-- [CHF 2'040.--] zzgl. Auslagen von CHF 189.85).
Gemäss Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars
der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV;
BR 310.250) beträgt der Honoraransatz für den berechtigten Aufwand im
Rahmen der bewilligten unentgeltlichen Vertretung allerdings nur
CHF 200.-- pro Stunde. Insgesamt ist somit eine Entschädigung von
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CHF 1'257.25 (5.6667 h à CHF 200.-- [CHF 1'133.35] zzgl. 3 %
Spesenpauschale [CHF 34.--] und 7.7 % MWST [CHF 89.90])
angemessen. Diese Kosten sind in Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (vorläufig) von der Gerichtskasse zu übernehmen.