Decision ID: 02b03b0d-cc38-41a8-9731-4d8da65d3d65
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene X._, bis September 2011 mit einem Pensum von 100 % als Mitarbeiterin „Abt. Kleberei“ bei der Y._ AG tätig (Urk. 8/11 Ziff. 2.1 und Ziff. 2.7), meldete sich am 7. Oktober 2011 unter Hinweis auf eine Depression, Rückenprobleme, einen Tennis
ellen
bogen, einen hohen Blutdruck und Asthma bei der Invaliden
versi
che
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse ab und wies das Rentenbegehren im Wesentlichen gestützt auf ein
vom Krankentaggeldversicherer veranlasstes rheumatologisches und psychia
trisches Gutachten (Urk. 8/14/12-20, Urk. 8/15/2-10, Urk. 8/16 S. 3-4 und Urk. 8/34 S. 2-3) mit Hinweis auf das Fehlen eines versicherungsrelevanten Gesundheitsschadens mit Verfügung vom 22. November 2012 (Urk. 8/35) ab. Der Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am 28. März 2014 ersuchte die Versicherte unter Beilage neuer Arztberichte
(Urk. 8/37) um Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 8/38). Die IV-Stelle
holte den Bericht der Frauenklinik Z._ (Frauenklinik, Urk. 8/41/1-5) ein und veranlasste eine Begutachtung bei Dr. med. A._, FMH
Innere Medizin und Rheumaerkrankungen (Expertise vom 29. September 2014,
Urk. 8/47/1-20) und Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Expertise vom 29. September 2014, Urk. 8/47/28-44; vgl. auch interdis
zipli
näre Beurteilung vom 29. September 2014, Urk. 8/47/26-27). Mit Vorbe
scheid
vom 2. Dezember 2014 (Urk. 8/50) stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte Einwand (Urk. 8/51
, Urk. 8/54, Urk. 8/57 und Urk. 8/64/6-7) erhob und weitere Arztberichte
(Urk. 8/64/1-5) einreichte, welche die IV-Stelle den Gutachtern
Dres
.
B._
und A._ zur Stellungnahme (Urk. 8/68 und Urk. 8/69/1-3) zustellte. Am 22. Juni 2015 äusserte sich die Versicherte zu den
Stellungnahmen der Gutachter (Urk. 8/71) und reichte tags darauf das Schreiben von Dr. med. C._, Facharzt FMH für Magen-Darm-Krankheiten, vom 1. Juni 2015 ein (Urk. 8/72), worauf die IV-Stelle beim genannten Arzt einen entsprechenden Bericht (Urk. 8/76/7-8) einholte. Mit Verfügung vom 29. September 2015 (Urk. 2) verneinte die IV-Stelle unter Hinweis auf einen fehlenden
versiche
rungsrelevanten
Gesundheitsschaden erneut den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 28. Oktober 2015 Beschwerde (Urk. 1) und
beantragte, die Verfügung vom 29. September 2015 sei aufzuheben und ihr eine
ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die angefochtene Ver
fügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine
poly
dis
ziplinäre
Abklärung durchzuführen, worauf neu zu entscheiden sei (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Dezember 2015 (Urk. 7) schloss die
Be
schwer
degegnerin
auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 8. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Mit
Replik
vom
27. Januar
2016
(Urk. 1
1
) hielt die
Beschwerdeführerin
an den
beschwerd
e
weise
gestellten Anträgen fest
.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 14), was der Beschwerdeführerin am 10. Februar 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
ben
de ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es
beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Pro
zess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweis
wertes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person ausein
ander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizi
ni
schen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende
Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beant
wor
tung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; der
selbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2
) damit, dass bei der Beschwerdeführerin kein invalidisierender
Ge
sundheitsschaden
vorliege, welcher eine dauerhafte oder über eine längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit hervorrufe (S. 2). In ihrer
Beschwer
de
antwort
wies die Beschwerdegegnerin sodann darauf hin, dass das Gutachten der
Dres
. A._ und B._ in jeglicher Hinsicht die vom Bundesgericht für ein beweistaugliches Gutachten geforderten Kriterien erfülle und insbeson
dere auch im Lichte der neuen bundesgerichtlichen Schmerzrechtsprechung überzeuge (Urk. 7).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, sie sei sowohl aufgrund ihrer somatischen wie auch psychischen Beschwerden voll arbeitsunfähig. Die Beschwerdegegnerin habe sich bei ihrem Entscheid auf das mangelhafte respektive nicht schlüssige Gutachten der
Dres
. A._ und B._ abgestützt. Zudem seien die Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur sehr ober
flächlich geprüft worden. Entsprechend sei eine polydisziplinäre Begut
ach
tung in Auftrag zu geben, um die somatischen und psychischen Be
schwerden anhand der neuen bundesgerichtlichen Kriterien beurteilen zu können (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3, S. 3 Ziff. 3 ff. und S. 5 sowie Urk. 11 S. 2 f.).
2.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die
Verwaltung
– wie vorliegend -
auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren grundsätzlich zu prüfen, ob im Sinne von
Art. 17
ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des
Inva
li
ditätsgrades
eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Nachdem in der ursprünglichen Verfügung vom 22. November 2012 (Urk. 8/35) ein Renten
anspruch unter Hinweis auf einen fehlenden versicherungsrelevanten
Gesundheitsschaden verneint worden ist, ist vorliegend zu prüfen, ob im Zeit
punkt der Verfügung vom 29. September 2015 (Urk. 2) nunmehr ein inva
li
disierender Gesundheitsschaden vorliegt.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Ver
fügung vom 29. September 2015 (Urk. 2) im Wesentlichen auf die Ein
schätzung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 21. Juli 2015 (Urk. 8/80 S. 4) respektive vom 17. Oktober 2014 (Urk. 8/49 S. 3 f.), welcher seinerseits auf das Gutachten der
Dres
. A._ und B._ vom 29. September 2014 (Urk. 8/47/1-20 und Urk. 8/47/28-44) sowie auf deren ergänzende Aus
führungen vom 30. Mai 2015 (Urk. 8/68) und 1. Juni 2015 (Urk. 8/69/1-3) abstellte.
3.2
3.2.1
Dr.
A._
notierte in seinem Gutachten vom 29. September 2014 (Urk. 8/47/1-20
)
folgende (interdisziplinäre) Diagnosen (S. 8):
-
mit langdauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
depressive Episode, seit Frühjahr 2014 leichtgradige Episode und familiäre Schwierigkeiten, gebessert gemäss psychosomatisch-psychiatrischer Begutachtung von Dr. B._
-
chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
primäres Fibromyalgie-Syndrom
-
nicht
dermatombezogene
Hyposensibilität für ausschliesslich taktile Reize im Bereich der Aussenseite des ganzen linken Beines und Fusses bei allseits normalem Lage- und Vibrationssinn
-
betont im Bereich der unteren im Vergleich zur oberen Körperhälfte
-
betont im Bereich der linken im Vergleich zur rechten Körperhälfte
-
Panalgie
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke
-
multiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Schmerzen im Brustkorb und Bauch, Druck im Brustkorb, Kopfschmerzen, Kältegefühl und Einschlafen des linken Beines,
ungerichtete
Steh- und Gehunsicherheit
-
lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
-
Details siehe I.B) Persönliche Anamnese
-
07/11 Facettengelenksinfiltration von LWK5/SWK1
-
04.10.12 Facettengelenksinfiltration von LWK5/SWK1 beidseits und
periradikuläre
Infiltration der Wurzel L5 links und des ISG-Gelenkes links
-
28.02.13
transpedikuläre
Spondylodese
LWK5/SWK1 beidseits mit
CosmicMIA
-
Adipositas mit Body-Mass-Index von 34,9 kg/m2
-
gestörte
Gluconeogenese
-
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
-
siehe auch Angaben zu I.B) Persönliche Anamnese
-
arterielle Hypertonie, bekannt seit 1993
-
Kopfschmerzen und Migräne seit 1993
-
chronische venöse Insuffizienz der Beine
-
rezidivierendes Asthma bronchiale
Dr. A._ führte aus, dass die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Beschwerden seit Jahren auf auch nicht somatisch und seit spätestens 2010 auf vordergründig nicht mehr somatisch abstützbare Beschwerden hinwiesen. Während der klinischen Untersuchung habe sie eine schmerzvermittelnde Mimik und
Gestik entwickelt, im Rahmen derer zwei der fünf
Waddell
-Zeichen, als Hinweise auf nicht organisch-abstützbare Beschwerden, demon
striert worden seien. Die Beschwerdeführerin habe diffuse Druckschmerzen sowie sämtliche Bewegungen der Gelenke als schmerzhaft geschildert. Diese Mimik und Gestik könne er vordergründig nicht mit einem bekannten somatisch-pathologischen Krankheitsbild begründen (S. 9).
Der Gutachter hielt weiter fest, er könne die von der Beschwerdeführerin geklagte nicht
dermatombezogene
Hyposensibilität ausschliesslich für taktile Reize im Bereich der Aussenseite des ganzen linken Beines und Fusses nicht auf ein bekanntes somatisch-rheumatologisches Krankheitsbild abstützen.
Die Beschwerdeführerin habe ferner diffuse Druckschmerzen geschildert, welche
er vordergründig nicht auf ein bekanntes somatisch-pathologisches Krankheitsbild abstützen könne. Möglich sei, dass sich seit 2009/2010 ein
primäres Fibromyalgie-Syndrom entwickelt habe, wobei primäre Formen dieses
Syndroms – im Gegensatz zu sekundären Formen – zumeist nicht somatisch abstützbar seien und er keine Hinweise auf ein sekundäres Syn
drom gefunden habe (S. 9 f.).
Im Weiteren führte Dr. A._ aus, er könne an den oberen Extremitäten, abge
stützt auf objektivierbare Befunde, keine relevanten somatisch-patholo
gi
schen
Befunde und keine Hinweise auf eine funktionelle Einschränkung objek
ti
vieren (S. 11). Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Schmer
zen im Bereich der Wirbelsäule würden sodann auf vordergründig nicht somatisch
abstützbare Beschwerden hinweisen. Die Palpation der paravertebralen Weich
teile sei von der Beschwerdeführerin als schmerzhaft beschrieben worden,
ohne dass er einen korrelierenden Weichteilbefund habe objektivieren können
. Anamnestisch und klinisch bestünden keine Hinweise auf ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom, einen symptomatisch engen Spinalkanal, einen Nervendehnungsschmerz oder auf eine Irritation/Kompression des Gefäss-Nervenbündels. Im Austrittsbericht vom 7. März 2013 (vgl. Urk. 8/47/23-24) sei erwähnt worden, dass die Operation wegen therapierefraktärer Schmerzen geplant worden sei, wobei damals keine Hinweise auf ein
radikuläres
Aus
fall
syndrom
genannt worden seien. Dies bedeute, dass bei unspezifischen Rückenbeschwerden, die vordergründig
nicht somatisch abstützbar gewesen seien, und ohne Hinweis auf ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom eine Operation durchgeführt worden sei. Die radiologisch-pathologischen Befunde der ganzen Wirbelsäule dokumentierten zwar altersentsprechende zervikal
leichtgradige degenerative Veränderungen, gingen aber nicht mit einer
Bew
e
gungseinschränkung
einher. Hinsichtlich der Brustwirbel- und
Lendenwirbel
säule
zeige sich je eine leichtgradige Skoliose, welche indessen derart diskret ausprägt seien, dass sie klinisch nicht objektivierbar seien (S. 12 f.). Betref
fend die unteren Extremitäten wies Dr. A._ darauf hin, dass die Beweg
lichkeit der Hüftgelenke beidseits frei sei und die Kniegelenke unauffällig seien, wobei er insbesondere die Diagnose einer Gonarthrose nicht bestätigen könne (S. 13).
Der Gutachter hielt ferner fest, dass er allgemeininternistisch – abgesehen von der Adipositas – keinen relevanten somatisch-pathologischen Befund objek
tivieren könne. Gewichtsreduzierende Massnahmen seien aus medizini
scher Sicht indiziert und in der Umsetzung auch zumutbar (S. 13 f.).
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin angegebenen multiplen Beschwer
den seit 2009/2010 (Schlafstörungen, Müdigkeit, Schmerzen im Brustkorb und Bauch, Druck im Brustkorb, Kopfschmerzen, Kältegefühl und Einschlafen des linken Beines und
ungerichtete
Steh- und Gehunsicherheiten) könne er
keine korrelierenden somatisch-pathologischen Befunde objektivieren, w
eshalb er an funktionelle Beschwerden denke (S. 14).
Dr. A._ hielt weiter fest, dass die Arbeitsfähigkeit aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht zu keinem Zeitpunkt anhaltend eingeschränkt ge
wesen sei. Im Zusammenhang mit der am 28. Februar 2013 durchgeführten Rückenoperation resultiere eine zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, bei grosszügiger Auslegung, von maximal zwei bis drei Monaten. Für
Haus
haltsarbeiten
mit einem leicht bis mittelgradig körperlich belastenden
Arbeits
profil
könne ebenfalls keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formu
liert werden (S. 14-17 und S. 18; vgl. auch Urk. 8/47/26-27 S. 1).
Der Gutachter wies schliesslich darauf hin, dass die Prognose aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht als gut zu beurteilen sei. Ungünstig sei hingegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin, nach langan
haltender beruflicher Arbeitsabstinenz wieder beruflich tätig werde. Diesbe
züg
lich seien, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt, die
krank
heitsfremden
Faktoren wie die länger anhaltende berufliche
Arbeitsab
stinenz
, die begrenzten Deutschkenntnisse, die limitierte Berufsbildung, das Alter der Beschwerdeführerin, die ungünstige Arbeitsmarktsituation und die möglicherweise limitierte Motivation massgebend ursächlich (Urk. 8/47/1-20, S. 18 und S. 19).
3.2.2
Dr. B._ führte in seinem Gutachten vom 29. September 2014 (Urk. 8/47/28-44) folgende Diagnosen auf (S. 9):
-
mit anhaltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
depressive Episode, seit Frühjahr 2014 leichtgradige Episode (ICD-10 F32.0)
-
familiäre Schwierigkeiten, gebessert (ICD-10 Z63)
Der Gutachter führte aus, dass es der Beschwerdeführerin bis 2010 allgemein gut gegangen sei, auch psychisch, wobei sie Mühe gehabt habe, den Tod ihrer Mutter (August 2009) zu verarbeiten. Sie sei in eine starke Trauer geraten und von dritter Seite seien akzentuierte Persönlichkeitszüge fest
ge
stellt worden. Dies möge zutreffen, allerdings sei die Mutter nun gestorben und in Bezug auf andere Personen zeige die Beschwerdeführerin kein Ab
häng
igkeitsverhältnis. Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich nicht diagnos
tizieren.
Im Jahr 2009 respektive 2010 sei es zu mehreren Lebensproblemen
(Kündigung, starke Schmerzen, heftige Eheprobleme) gekommen. Es sei anzu
nehmen, dass aufgrund dieser Schwierigkeiten zuerst eine depressive Reak
tion entstanden sei. Da sich diese nach zwei Jahren nicht zurückgebildet habe, müsse ab Sommer 2012 von einer depressiven Episode ausgegangen
werden. Dabei sei es auch zu mittelgradigen depressiven Episoden gekom
m
en, was während der
Hospitalisation
der Fall gewesen sei. Dazwischen bezieh
ungsweise seit der zweiten
Hospitalisation
sei die depressive Episode nur leichtgradig ausgeprägt gewesen. Die Beschwerdeführerin habe eine regel
mässige Tagesstruktur, fahre Auto, sei in der Lage, drei- bis viermal pro Jahr Ferien im Heimatland
Serbien
zu verbringen, und habe die sozialen Kontakte auch nicht abgebrochen. Der aktuelle Befund (10. September 2014) sei nicht auffällig. Die Beschwerdeführerin sei etwas „gedrückt“ und traurig, nicht aber deutlich verstimmt. Sie zeige keine unbegründeten Ängste, es bestünden allerdings hypochondrische Befürchtungen, welche zum psychosomatischen Krankheitsbild gehörten. Die Beschwerdeführerin lasse sich psychiatrisch behandeln, was genügend sei, ihre medikamentöse Compliance sei indessen nicht vollumfänglich ausreichend (S. 10).
Bezüglich psychische Komorbidität hielt Dr. B._ fest, dass es gemäss der ICD-10 bei den chronischen Schmerzstörungen in der Regel zu Ver
stimmungen und Ängsten komme und diese Problematik also bereits in der Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung enthalten sei und
nicht als eigenständige psychische Komorbidität aufgefasst werden könne. Di
e Schmerzkrankheit sei zirka 2010 entstanden, zuerst mit Rücken
schmer
zen, später seien andere schmerzende Körperteile dazugekommen. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin stellten die Schmerzen ihr Hauptproblem dar. Da sie am 10. September 2014 auf die Schmerzen fixiert sei, hypo
chon
drische Befürchtungen
hege und eine Schmerzausdehnung zeige, könne eine anhaltende Schmerzstörung diagnostiziert werden. Die Schmerzen bildeten zudem den Hauptfokus des Interesses der Beschwerdeführerin. Es bestünden sodann ungünstige krankheitsfremde Faktoren wie eine längere Phase von Arbeitsuntätigkeit und eine mässige sprachliche Integration (S. 11).
Dr. B._ wies weiter darauf hin, es bestehe keine anhaltende schwere psychische Komorbidität, abgesehen von den beiden
Hospitalisationen
, wäh
rend denen eine mittelgradige psychische Komorbidität bestanden habe. Dr. A._ habe sodann keine rheumatologischen Befunde festgestellt, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einschränkten. Im Weiteren sei
die soziale Integration erhalten geblieben und die prämorbide Persönlich
keits
struktur nicht auffällig. Die Schmerzproblematik sei progredient und
chro
ni
fiziert
. Damit treffe eines der Kriterien, damit eine somatoforme
Schmerz
störung
zu einer langdauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe, zu, dies jedoch nicht in einem derartigen Ausmass, dass die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Zu dieser Beurteilung führe insbesondere die Tatsache, dass keine schwere und anhaltende psychische Komorbidität bestehe. Sodann sei die Prognose nicht ungünstig (S. 11-12).
Der Gutachter bemerkte sodann, dass keine körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen bestünden, da die Beschwerdeführerin die Schmerzen in der Regel überwinden könne, weil keine relevante psychische Komorbidität vorliege. Entsprechend existierten keine Beeinträchtigungen betreffend ihre bisherige Tätigkeit. Die Funktionen seien teilweise eingestellt und die Belastbarkeit herabgesetzt, wobei vor allem ungünstige
krank
heits
fremde
Faktoren als Ursache vorlägen (S. 12). Die Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei in vollem Ausmass zumutbar. Eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von über 20 % habe erstmals im Dezember 2011 bestanden. Bis März 2012 sei es bei einer zirka 30%igen
Einschränkung geblieben. Von April 2012 bis Februar 2014 sei keine relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit vorhanden gewesen. Während der zweiten
Hospitalisation
sei eine vorübergehende Einschränkung von ungefähr 30 % entstanden (S. 13). Die Arbeitsfähigkeit sei bis Februar 2014 auf hohem Niveau geblieben, habe sich aber dann vorübergehend auf 70 % reduziert, um dann ab zirka März 2014 wieder uneingeschränkt zu sein (S. 15). Seither bestehe keine Einschränkung mehr. Dr. B._ wies weiter darauf hin, dass eine genügende medikamen
töse Compliance dazu führen würde, dass keine Rückfälle mehr eintreten würden (S. 13). Die Beschwerdeführerin könne ähnliche Arbeiten wie früher ausüben, wobei sie zu Beginn aber Erholungsmöglichkeiten erhalten sollte. Hoher Stress, Verletzungsgefahr und Ähnliches seien zu Beginn zu ver
meiden. Die Beschwerdeführerin könne Hilfsarbeiten ausüben (S. 15).
3.2.3
In ihrer interdisziplinären Beurteilung vom 29. September 2014 (Urk. 8/47/26-27
) wiesen die Gutachter darauf hin, dass in interdisziplinärer Hinsicht zu keinem Zeitpunkt eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestätigt werden könne (S. 2).
3.3
3.3.1
In seiner Stellungnahme vom 30. Mai 2015 hielt Dr. B._ fest, dass er aufgrund des Berichts der Frauenklinik vom 2. Juni 2014 (vgl. Urk. 8/41/1-4) davon ausgehe, dass nach dem Klinikaustritt aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Aus dem Bericht sei ersichtlich, dass es der Beschwerdeführerin nach der Entlassung psychisch deutlich besser gegangen sei, die Schmerzen im Vordergrund gestanden seien und eine
Reevaluation
nur aus somatischen Gründen vorgeschlagen worden sei. Im Weiteren hielt er fest, dass sozialpraktisch gesehen während
Hospita
li
sationen
in der Regel eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden
müsse. An seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe sich insofern eine Änderung eingestellt, als dass vom
15. März bis 11. April 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden und anschliessend keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vorgelegen habe (Urk. 8/68 S. 2 f.).
3.3.2
Mit Bezug auf den Notfallbericht des Stadtspitals E._ vom 19. Februar 2015 (vgl. Urk. 8/64/1-2) wies Dr. A._ am 1. Juni 2015 darauf hin, dass er bezüglich der darin erwähnten Brustkorbbeschwerden respektive dem Muskelhartspann im Bereich der Brustwirbelsäule und des Schulter
gürtels keine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die von der
Beschwerdeführerin früher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten begründen könne
(Urk. 8/69/1-3 S. 1 f.). Im Zusammenhang mit dem Schreiben von Dr. med. F._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, vom 13. März 2015 (vgl. Urk. 8/64/3-5) hielt der Gutachter fest, dass ersterer einen radiologisch-patho
logischen Befund mit Beschwerden gleichsetze, was seines Erachtens nicht zulässig sei. Im Weiteren gehe Dr. F._ nicht im Detail auf das Gutachten ein und diskutiere weder das chronisch generalisierte
Schmerz
syndrom
, welches bereits Jahre vor der Rückenoperation bestanden habe, noch
die von der Beschwerdeführerin geschilderte Schmerzfluktuation von maxi
mal 3 Punkten auf der visuellen Analog-Skala (Minimum 0, Maximum 10), welche weniger Punkten entspreche, als der Placebo-Effekt auf der visuellen Analog-Skala ausmache. Aus den Angaben im Bericht von Dr. F._ würden sich keine neuen Aspekte im Vergleich zur gutachterlichen Ein
schätz
ung vom 29. September 2014 ergeben (Urk. 8/69/1-2 S. 2-3).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass die Gutachten der
Dres
. A._ und B._ (vgl. E. 3.2) den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise entspricht. So sind sie für die streitigen Belange umfassend, geben sie doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit. Sie beruhen sodann auf den
notwendigen
Untersuchungen in rheumatologischer und psychiatrischer Fach
richtung. Die Gutachter berücksichtigen detailliert die geklagten Beschwer
den und setzen sich damit auseinander (Urk. 8/47/1-20 S. 2 sowie S. 9 ff. und Urk. 8/47/28-44 S. 5 ff. sowie S. 9 ff.). Die Expertisen wurden sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben (Urk. 8/47/1-20 S. 5-7 und Urk. 8/47/28-44 S. 2-5), wobei sich die Gutachter zur Krankheitsentwicklung
äusserten und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahmen (Urk. 8/47/1-2
0 S. 14-17). Sie setzen sich insbesondere mit abweichenden Diagnosen in ande
ren Arztberichten auseinander und würdigten diese in nachvollziehbarer Weise (Urk. 8/47/28-44 S. 16-17). Schliesslich leuchten die Gutachten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in den Expertisen sind begründet.
In diesem Sinn legte Dr. A._ schlüssig dar, dass die von der Beschwer
deführerin geklagten Schmerzen seit spätestens 2010 auf vordergründig nicht mehr somatisch abstützbare Beschwerden hinweisen und die Arbeitsfähigkeit aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht zu keinem Zeitpunkt anhaltend eingeschränkt gewesen ist (Urk. 8/47/1-20 S. 9 und S. 18). In psychiatrischer Hinsicht beschrieb Dr. B._ einleuchtend, dass keine
Persönlichkeits
störung
vorliegt, und dass ab Sommer 2012 von einer depressiven Episode
ausgegangen werden muss, wobei es während den
Hospitalisationen
zu mittel
gradigen depressiven Episoden kam und die Episoden zwischen den statio
nären Behandlungen respektive seit dem letzten Klinikaufenthalt leichtgradig ausgeprägt waren. Dr. B._ legte zudem schlüssig dar, dass seit zirka 2010 eine somatoforme Schmerzstörung vorliegt (Urk. 8/47/28-44 S. 10 und S. 11).
4.2
An dieser Beurteilung vermögen die im Nachgang an die Gutachten ver
fassten Arztberichte nichts zu ändern. Dem Bericht des Stadtspitals E._
betreffend die ambulante
Behandlung vom 19. Februar 2015 (Urk. 8/64/1-2
) sind keine Hinweise auf allfällige Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen. Entsprechend verneinte auch Dr. A._ in seiner Stellungnahme vom 1. Juni 2015 (vgl. E. 3.3.2) unter Hinweis auf den im Bericht erwähnten Muskelhartspann der Brustwirbelsäule respektive die darin aufgeführte
Myogelose
der Schultergürtelmuskulatur das Vorliegen einer anhaltenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Dr. F._ beschränkte sich in seiner Stellungnahme vom 13. März 2015 betreffend Operationsindikation auf den Hinweis, dass
Spondylodese
-Opera
tionen entgegen der Auffassung von Dr. A._ (vgl. Urk. 8/47/1-20 S. 12) nicht
vordergründig wegen
radikulären
Reiz- und Ausfallsyndromen - deren Fe
hlen er nicht in Frage stellte - durchgeführt würden, und die Beschwerdeführerin an einer
Osteochondrose
L5/S1 mit
Foramenstenosen
L5/S1 beidseits gelitten und damit sehr wohl somatisch abstützbare Beschwerden gehabt habe (Urk. 8/64/3-5 S. 2). Der Gutachter Dr. A._ begründete demgegenüber in ein
gehender Weise über 11⁄2 Seiten, weshalb sich die
Wirbelsäulen
beschwer
den
durch keinen somatisch-pathologischen Befund objektivieren lassen (Urk. 8/
47/1-2 S. 12-13). Abgesehen davon ist die Frage nach der
Opera
tions
indikation
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht ausschlaggebend,
und ist vorliegend vielmehr wesentlich, ob die genannten Beschwerden ei
nem somatisch-pathologischen Befund entsprechen. Im Weiteren fand die Opera
tion mehr als 11⁄2 Jahre vor der Erstattung des Gutachtens von Dr. A._ statt. Im Übrigen
ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde
– wie auch operierende -
Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
recht
liche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
In seinem Bericht vom 13. Juli 2015 (Urk. 8/76/7) wies Dr. C._ schliess
lich auf eine „normale Gastroskopie“ respektive einen normalen Befund hin.
5.
5.1
Die begutachtenden Ärzte sind in Anwendung der bisherigen Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen zum Ergebnis gelangt, dass die somatoforme Schmerzstörung der Beschwerdeführerin als überwindbar zu gelten habe und sie ab März 2014 zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 8/47/28-44 S. 11-12, S. 13 und S. 15). Die Beschwerdeführerin machte
diesbezüglich
geltend, die im Zusammenhang mit den somatoformen Schmerzstörungen vom Bundesgericht neu entwickelten K
riterien seien in den Gutachten
nur sehr oberflächlich
geprüft beziehungsweise lapidar abgewiesen worden, und die Beschwerdegegnerin müsse verpflichtet werden, ein strukturiertes
Beweis
verfahren
gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung durchzu
führen (Urk. 1 S. 2 und S. 5 f.). In diesem Zusammenhang ist zu berücksich
ti
gen, dass bereits vor der mit BGE 141 V 281 erfolgten
Rechtspre
chungs
änderung
(vgl. nachfolgend E. 5.2) eingeholte Gutachten gemäss Bundes
gericht nicht per se ihren Beweiswert verlieren.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls entscheidend, ob eine schlüssige Beur
teilung im Lichte
der
vom Bundesgericht genannten
Indikatoren möglich ist o
der
nicht
(BGE 141 V 281 E. 8).
5.2
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung
zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sc
he Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und anschliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die
Invaliditäts
be
messung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu be
rücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der
Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturiertes Beweisverfahren ersetzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte
Zumutbar
keits
prüfung
bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beachtliche Standardindikatoren. Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen
Komor
bidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht
und Medizin wirken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zusam
men. Im Grunde konkretisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die
materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleic
h
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung
leistungshin
dern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspoten
zia
len
(Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
5.3
5.3.1
Was den Komplex „Gesundheitsschädigung“ respektive den Indikator der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ betrifft, klagte die Be
schwer
deführerin über permanente Schmerzen am ganzen Körper. Je nach
Schmerz
intensität
sei das Berühren des ganzen Körpers schmerzhaft und es bestünden
ungerichtete
Steh- und Gehunsicherheiten, wobei sie auch schon bewusstlos geworden und zu Boden gefallen sei. Auf der visuellen Analog-Skala (Mini
mum 0, Maximum 10) gab die Beschwerdeführerin die Intensität der Schmer
zen mit 7-10
an (Urk. 8/47/1-20 S. 2). Dr. A._ hielt hierzu fest, die Be
schwerdeführerin schildere diffuse Druckschmerzen und beschreibe sämtliche Bewegungen der Gelenke als schmerzhaft, unabhängig davon, ob ein jeweils untersuchtes Gelenk in belasteter oder entlasteter Körperhaltung untersucht werde (S. 9). In psychiatrischer Hinsicht ging Dr. B._ von einer leicht
gradigen depressiven Episode aus, wobei die Beschwerdeführerin zwar etwas
„gedrückt“ und traurig, nicht aber deutlich verstimmt erscheine (Urk. 8/47/28-
44 S. 10). Die Beschwerdeführerin gab zudem an, dass sich das Verhalten ihres Mannes in den letzten ein bis zwei Jahren vor der Begutachtung gebessert habe, was dazu beigetragen habe, dass es ihr psychisch besser gehe (S. 6). Seit dem Klinikaustritt im Frühjahr 2014 gehe es ihr sodann psychisch „ordentlich“ und sie fühle sich kaum noch depressiv (S. 7). Vor diesem Hintergrund ist nicht von ausgeprägten diagnoserelevanten Befunden auszu
gehen.
5.3.2
Bezüglich des Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg“ ist zu be
rücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin bisher zweimal (vom 16. Dezem
b
er 2011 bis 1. März 2012 und vom 15. März bis 11. April 2014) in der Frauen
klinik stationär behandelt worden ist (Urk. 8/30/5-13 S. 1 und Urk. 8/41/1-4 Ziff. 1.3). Ab Herbst 2010 unterzog sie sich einer psychiatrischen Therapie, welche gemäss ihren Angaben in der gutachterlichen Untersuchung etwa einmal monatlich stattfand. Die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der Replik erwähnte wöchentliche psychiatrische Behandlung (Urk. 11 S. 3) ist indessen nicht ausgewiesen. Zusätzlich wurden Gespräche mit einer Psychologin geführt und die Beschwerdeführerin nahm Antidepressiva ein (Urk. 8/28-44 S. 6). Im Februar 2013 unterzog sie sich einer Rückenoperation (Urk. 8/37/5-6). Des Weiteren wurden mehrere Gelenksinfiltrationen im
Wir
bel
säulenbereich
sowie physiotherapeutische Behandlungen durchgeführt und
die Beschwerdeführerin
nahm schmerz- und entzündungshemmende Medi
ka
mente ein (Urk. 8/47/1-20 S. 2 f.). Dr. A._ verwies auf medikamentöse
Be
handlungsvarianten
sowie weitere Therapiemassnahmen (gewichtsreduzierende
Massnahmen, aktivierende Bewegungsübungen, Einsatz von Einlagen), hielt aber gleichzeitig fest, dass er aufgrund des therapierefraktären
Beschwer
de
verlaufs
und der seit 2009/2010 durchgeführten somatisch ansetzenden
The
ra
pieformen
Mühe habe, entsprechende Massnahmen zu formulieren, von dene
n er eine markante Beschwerdelinderung erwarte (S. 19). Dr. B._ wies sodann darauf hin, dass eine genügende medikamentöse Compliance den Eintritt von Rückfällen verhindern würde (Urk. 8/47/28-44 S. 10 und S. 13). Vor diesem Hintergrund ist eine gewisse Behandlungsresistenz zu erkennen.
5.3.3
Als „Komorbiditäten“ sind lediglich krankheitswertige Störungen
zu berück
sichtigen, welchen eine eigenständige invalidisierende Bedeutung zukommt.
Die von Dr. B._ diagnostizierte
leichtgradige depressive Episode
(vgl. Urk. 8/47/28-44 S. 9)
vermag keine solche zu begründen
, kommen doch ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als psychische Komorbiditäten nur schwere und therapeutisch nicht (mehr) angehbare psychische Krankheiten in Betracht (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4.2; Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016, S. 27).
Wie erwähnt, geht es der Beschwer
deführerin zudem gemäss eigenen Angaben seit dem zweiten
Klinikauf
ent
halt
„ordentlich“ und sie fühlt sich kaum noch depressiv (Urk. 8/47/28-44 S. 7). Des Weiteren fehlt es an einem gravierenden körperlichen Leiden, zumal Dr. A._ lediglich von altersentsprechenden zervikal degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, einer leichtgradigen Skoliose der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie einer nicht leistungseinschränkenden Adipositas spricht (Urk. 8/47/1-20 S. 12 f. und S. 18).
5.3.4
Beim Komplex „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes: Die Beschwerdeführerin stammt aus
Serbien
, wo sie eine Ausbildung als Verkäuferin abschloss. Sie ist seit 1983 verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Ehemann, ihrer Tochter sowie deren Ehegatten in der gemeinsamen Wohnung. Die Beschwerdeführerin berichtete von schwie
rigen Eheverhältnissen, wobei das Jahr 2007 besonders schlimm gewesen und sie von ihrem Ehemann erheblich verletzt worden sei, sich dessen Ver
halten aber in den ein bis zwei Jahren vor Erstattung des Gutachtens gebessert habe. Die familiäre Situation beschrieb sie als zufriedenstellend und wies darauf hin, dass sie sich gesellschaftlich zwar etwas zurückgezogen habe, sie aber noch über einige gute Kolleginnen verfüge und der familiäre Rückhalt sehr wichtig sei. Die Beschwerdeführerin steht um 7 Uhr auf, nimmt das Frühstück ein und geht regelmässig in der Umgebung spazieren. Sie besucht das Einkaufszentrum, fährt gelegentlich Auto und benutzt die öffent
lichen Verkehrsmittel (Urk. 8/47/1-20 S. 3 f.). Damit verfügt sie über intakte persönliche und soziale Ressourcen.
5.3.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Be
zügen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Michael E.
Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016
,
S.
28
ff.)
zielt
d
er Indikator „
gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei
Nichter
werbs
tätigen
im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebens
bereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist
, wobei das
Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen
ist
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Beschwerdeführerin sieht sich nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Ihre Tagesaktivitäten (vgl. E. 5.3.4) entsprechen indessen nicht der von ihr geltend gemachten 100%igen Arbeitsunfähigkeit. Betreffend die Unterstützung der Familienangehörigen bei den Haushaltsarbeiten wies die Beschwerdeführerin sodann darauf hin, dass das gemeinsame Wohnen mit
der Tochter und dem Schwiegersohn den Vorteil habe, dass sie sich „schonen
“ könne. Davon, dass ihr diese Arbeiten aufgrund ihrer Beschwerden un
mög
lich sind, war indessen nicht die Rede. Im Weiteren ist die Beschwerde
führerin in der Lage drei- bis viermal pro Jahr mit dem Flugzeug nach
Serbien
zu reisen, wo sie jeweils für zwei Wochen bleibt (Urk. 8/47/1-20 S. 7). Damit zeigen sich in der Alltagsgestaltung inklusive Freizeit keine ausgeprägten Einschränkungen.
5.3.6
Im Rahmen des
Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck“
(zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier,
Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016
, S. 25
Rz
60)
weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Aus
mass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernach
lässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und
Eingliede
rungserfolg
oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte
Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin nimmt wie dargelegt schmerz- und entzündungs
hemmende Medikamente (Urk. 8/47/1-20 S. 3) sowie Antidepressiva ein, wobe
i im psychiatrischen Bereich die medikamentöse Compliance nicht genügend ist. Eine psychiatrische Behandlung findet sodann im Abstand von ungefähr vier Wochen statt (Urk. 8/47/28-44 S. 6 und S. 10). Dies deutet auf einen nicht besonders ausgeprägten beziehungsweise ausgewiesenen Leidensdruck hin.
5.3.7
Bei gesamthafter Betrachtung über
die
massgeblichen
Indikatoren ist eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer
Invalidität führen könnte
, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
9
00.-- festzule
gen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.