Decision ID: 00b6821d-b8f4-46c6-a1bb-2777d29a1747
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. Das Tiefbauamt Graubünden (TBA) schrieb im Februar 2020 Baumeister-
und Belagsarbeiten "B._, Strassenkorrektion C._ – D._" im
offenen Verfahren im Binnenmarktbereich auf der Ausschreibungsplattform
simap.ch und im Kantonsamtsblatt aus.
2. Innert Eingabefrist gingen die Offerten von zwei Anbietern ein. Anlässlich
der Offertöffnung am 24. März 2020 ergab sich folgendes Bild:
1. A._ AG CHF 2'427'231.35 2. E._ AG CHF 1'890'496.60
Das Angebot der E._ AG stellte sich als unvollständig heraus
(fehlendes Bauprogramm für das Jahr 2021 sowie weitere fehlende
Angaben im technischen Bericht), weshalb die Offerte für ungültig erklärt
werden musste. Die A._ AG als einzig verbleibende Anbieterin lag mit
ihrer Offerte hingegen über dem internen Kostenvoranschlag.
3. Vor diesem Hintergrund brach das Departement für Infrastruktur, Energie
und Mobilität Graubünden (DIEM) mit Verfügung vom 29. April 2020 das
Submissionsverfahren ab und ordnete eine Neuausschreibung an.
4. Dagegen liess die A._ AG (Beschwerdeführerin) am 11. Mai 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben.
Darin beantragte sie kostenfällig die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Erteilung des Zuschlags gemäss ihrem Angebot an sich
selber, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Vergabe der
ausgeschriebenen Arbeiten an die Beschwerdeführerin zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht verlangte sie die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung; weiter seien der Vorinstanz jegliche Handlungen zur
Wiederholung des Vergabeverfahrens und Neuausschreibung des
Auftrags bis zum rechtskräftigen Abschluss des vorliegenden Verfahrens
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zu untersagen. Ihre Beschwerde begründet die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen damit, dass ein wichtiger Grund für einen Verfahrensabbruch
nur bei einer erheblichen Kostenüberschreitung zulässig sei. Die
Vergabebehörde habe der Beschwerdeführerin indes auf ihre Anfrage am
7. Mai 2020 hin Einsicht in ihren Kostenvoranschlag verweigert, sodass sie
die angebliche Kostenüberschreitung gar nicht kenne und ihr nichts
Anderes übriggeblieben sei, als zur Wahrung ihrer Rechte die vorliegende
Beschwerde einzureichen. Es sei Sache der Vorinstanz, den wichtigen
Grund bzw. die Erheblichkeit der Mehrkostendifferenz nachzuweisen.
5. Das DIEM (Beschwerdegegner) beantragt in seiner Vernehmlassung vom
8. Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolge gemäss
Gesetz. Der Beschwerdegegner räumt ein, die Einsicht in seine
Kostenschätzung verweigert zu haben. Das Dokument sei vertraulich; wer
die vom Kanton gerade noch akzeptierten Einheitspreise kenne, habe in
künftigen Vergabeverfahren einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die
von der Beschwerdeführerin eingereichte Offerte liege um 12% über der
Kalkulation des Beschwerdegegners und 28.4% über dem Angebot der
ausgeschlossenen Anbieterin. Ein Vergabeverfahren könne abgebrochen
und wiederholt werden, wenn die eingereichten Angebote keinen
wirksamen Wettbewerb garantierten.
6. Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 hiess der Instruktionsrichter die vom
Beschwerdegegner beantragte Beschränkung der Akteneinsicht gut (keine
Einsicht in die detaillierte Kalkulation des Kostenvoranschlages) und liess
die Bekanntgabe der Gesamtsumme genügen.
7. In ihrer Replik vom 29. Juni 2020 vertieft die Beschwerdeführerin ihren
Standpunkt; sie bemängelt insbesondere, dass die Kalkulation des
Beschwerdegegners gemäss Datum erst nach der Offertöffnung erstellt
worden sei und damit gar kein Kostenvoranschlag für das ausgeschriebene
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Projekt sei. Ausserdem betrage die effektive Differenz zwischen ihrem
Angebot und der Kalkulation des Beschwerdegegners bloss 7.5% oder
allenfalls 9.7%. Das Abstellen auf eine für ungültig befundene Offerte für
die Berechnung einer Preisdifferenz sei zudem unbehelflich. Weiter treffe
auch der Vorwurf des Beschwerdegegners nicht zu, es herrsche in der
Region kein wirksamer Wettbewerb.
8. Der Beschwerdegegner entgegnet in seiner Duplik vom 10. August 2020,
dass die von der Beschwerdeführerin angeführte 'Kalkulation' das Datum
vom 16. April 2020 trage, weil an diesem Tag der Vergleich der
eingereichten Offerten mit der Kostenschätzung vorgenommen worden sei.
Diese 'Kalkulation' basiere aber auf einem vom TBA berechneten
Leistungsverzeichnis vom 27. Februar 2020, was ebenfalls aus Beilage 6
ersichtlich sei, welche dem Gericht eingereicht wurde. Die
Kostenschätzung vom 27. Februar 2020 basiere auf den Marktpreisen von
Projekten auf der B._ der Jahre 2018 und 2019. Die Differenz
zwischen Kostenschätzung und Offerte der Beschwerdeführerin betrage
12.2%, allenfalls 9.9%. Das Angebot der anderen Anbieterin sei nicht an
der Kalkulation gescheitert, sondern an nicht unterschriftlich bestätigten
Terminen und dem unvollständigen Bauprogramm. Deshalb könne aus
diesem erheblich günstigeren Angebot sogar geschlossen werden, dass
die Kostenschätzung des Beschwerdegegners grosszügig gewesen sei.
Vor diesem Hintergrund wäre es stossend, eine Überschreitung der
Kostenschätzung des Beschwerdegegners von 12.2% bzw. 9.9% als für
einen Abbruch ungenügend anzusehen.
9. Am 24. August 2020 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zur Duplik des
Beschwerdegegners. Sie geht dabei von einer unerheblichen Abweichung
von 4.8%, allenfalls 9.9% aus, welche nicht zum Abbruch eines
Vergabeverfahrens berechtige. Dass in der Region entgegen der Aussage
des Beschwerdegegners Konkurrenz herrsche, belegt die
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Beschwerdeführerin mit der Einlage von 27 Offertöffnungsprotokollen aus
den Jahren 2015 – 2020. Sie habe dabei jeweils keine Kenntnisse vom
Kostenvoranschlag des Beschwerdegegners gehabt. Somit sei es vom
Beschwerdegegner abwegig zu behaupten, es bestehe in einer angeblich
wettbewerbsschwachen Region ein Anreiz, erhöhte Angebote
einzureichen.
Gleichentags legt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin seine
Honorarnote ins Recht.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung vom 29. April 2020, worin
der Beschwerdegegner den Abbruch und die Neuausschreibung der
öffentlich ausgeschriebenen Baumeister- und Belagsarbeiten für eine
Strassenkorrektion an einem Streckenabschnitt an der B._ vornahm.
Damit konnte sich die Beschwerdeführerin nicht einverstanden erklären,
weshalb sie dagegen am 11. Mai 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erhob und die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie die Erteilung des Auftrags gemäss ihrem Angebot über
CHF 2'427'231.35 an sich selbst beantragte; eventualiter ersuchte sie um
Rückweisung der Sache in den Beschwerdegegner zur Vergabe der
ausgeschriebenen Arbeiten an die Beschwerdeführerin. Es geht hier somit
um die Rechtmässigkeit des Abbruchentscheids.
1.2. Die strittige Auftragsvergabe untersteht unbestritten dem öffentlichen
Beschaffungsrecht. Konkret kommen die Interkantonale Vereinbarung über
das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB; SR 172.056.5 [BR 803.510])
sowie das Submissionsgesetz für den Kanton Graubünden (SubG; BR
803.300) mit zugehöriger Submissionsverordnung (SubV; BR 803.310) zur
Anwendung. Das vorliegende Verfahren vor Verwaltungsgericht richtet sich
nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
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1.3. An der eingereichten Beschwerde gibt es weder bezüglich ihrer Form (=
Erfordernis an Rechtsschriften nach Art. 38 VRG [Rechtsbegehren;
Sachverhalt; Begründung]) noch bezüglich der Wahrung der 10-tägigen
Rügefrist nach Art. 15 Abs. 2 IVöB und Art. 26 Abs. 1 SubG etwas
auszusetzen, zumal das Ziel der Beschwerde materiell klar erkennbar ist
und die Rechtsschrift vom 11. Mai 2020 gegen die Verfügung vom 29. April
2020 auch innert gesetzlicher Anfechtungsfrist erfolgt ist. Die Beschwerde
ist daher frist- und formgerecht eingereicht worden.
1.4. Nach Art. 15 Abs. 1 IVöB (Beschwerde an unabhängige kantonale Instanz
zulässig) bzw. Art. 25 Abs. 2 lit. d SubG (Beschwerde an das
Verwaltungsgericht) kann namentlich gegen den Abbruch eines
Vergabeverfahrens Beschwerde erhoben werden. Die örtliche und
sachliche Zuständigkeit des angerufenen Verwaltungsgerichts ist damit
gegeben, da es um die Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung
geht.
1.5. Zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist
legitimiert, wer durch die strittige Verfügung berührt und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 50 VRG). Die
Legitimation ist gegeben, wenn die Beschwerdeführerin als nicht
berücksichtigte Bewerberin eine reelle Chance hat, bei Gutheissung ihres
Rechtsmittels den Zuschlag zu erhalten; ob dies zutrifft, ist aufgrund der
Begehren und Rügen der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Im konkreten
Fall ist die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin als einzige
Anbieterin mit einem gültigen Angebot zu bejahen, verlangt sie doch die
Auftragsvergabe an sich selber zum offerierten Preis und hätte daher den
Zuschlag erhalten, wenn nicht der Abbruch des Vergabeverfahrens verfügt
worden wäre.
2.1. In materieller Hinsicht haben die Kantonalen Ausführungsbestimmungen
nach Art. 13 lit. i IVöB zu gewährleisten, dass der Abbruch und die
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Wiederholung des Vergabeverfahrens auf wichtige Gründe beschränkt ist.
Nach Art. 24 Abs. 2 SubG kann der Auftraggeber das Verfahren aus
wichtigen Gründen abbrechen. Das streitberufene Verwaltungsgericht hat
sich in jüngster Vergangenheit gleich in mehreren Urteilen zur Frage des
(Verfahrens-) Abbruchs, Teilabbruchs und zur nachträglichen Änderung
des Leistungsumfangs oder Projektänderungen ausführlich geäussert.
Im Urteil (VGU) U 20 20 vom 19. Mai 2020 hielt es in E.2.2. folgendes fest:
Gemäss Art. 24 Abs. 1 SubG kann der Zuschlag aus wichtigen Gründen, insbesondere unter den Voraussetzungen von Art. 22 (Aufzählung Ausschlussgründe lit. a-m) widerrufen werden. Der Auftraggeber kann das Verfahren aus wichtigen Gründen abbrechen (Art. 24 Abs. 2 SubG). Das Verfahren kann wiederholt werden, wenn namentlich u.a. eine wesentliche Änderung der nachgefragten Leistung erforderlich wird (Art. 24 Abs. 3 lit. d). Zwar ist es möglich, anhand neuer Erkenntnisse einen Abbruch oder Teilabbruch vorzunehmen. Die Voraussetzungen dafür sind aber, insbesondere wegen des bestehenden Missbrauchspotentials, nicht leichthin zu bejahen. Abbruch und Wiederholung eines Vergabeverfahrens dürfen deshalb nur aus wichtigen Gründen erfolgen (Art. 13 lit. i IVöB) (vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz 830, S. 368 – Zulässigkeit eines Teilabbruchs). Das Submissionsrecht vermag generell die Vergabebehörde nicht zu zwingen, eine konkrete Beschaffung vorzunehmen, wenn diese – auch nach erfolgter Ausschreibung des Beschaffungsgeschäfts – zum Schluss kommt, auf die Durchführung des Geschäfts verzichten zu wollen (keine Kontrahierungspflicht aus dem Vergaberecht). Der Verzicht auf das Beschaffungsgeschäft muss aber im öffentlichen Interesse liegen und darf somit nicht ohne triftigen Grund erfolgen. Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben ergibt sich sodann, dass die im öffentlichen Interesse liegenden Gründe für den Abbruch des Vergabeverfahrens für die Auftragsgeberin im Zeitpunkt der Ausschreibung des Auftrags bzw. der weiteren Forderungen an die Submittenten nicht vorhersehbar gewesen sein durften (vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz 793, S. 351).
In den Urteilen (VGU) U 20 22 und 20 23, beide vom 24. August 2020, ging
es jeweils um einen Verfahrensabbruch infolge Projektänderungen.
Im entschiedenen Fall U 20 104, mit Urteil vom 12. Januar 2021, wurde erst
kürzlich ein Vergabeverfahren wegen Kostenüberschreitung bzw.
mangelhaftem Wettbewerb abgebrochen und dazu in E.2.4. was folgt
festgehalten:
"Zur Zulässigkeit des Verfahrensabbruchs hat sich zudem das Bundesverwaltungsgericht im Urteil (BVGer) B-5608/2017 vom 5. April 2018 E. 2.4 dahingehend geäussert, dass eine Vergabestelle generell ein Vergabeverfahren abbrechen darf, wenn sachliche Gründe dieses Vorgehen rechtfertigen und damit nicht die gezielte Diskriminierung von Bewerbern beabsichtigt ist. Bereits im Urteil (BVGer) B-1772/2014 vom 21. Oktober 2014 E.3.1-3.5 und 3.8.6, bezog das Bundesverwaltungsgericht zur Thematik Stellung, wonach jedes durchgeführte Vergabeverfahren grundsätzlich unter dem Vorbehalt eines jederzeitigen Abbruchs steht, zumal die Ausschreibung kein Versprechen auf einen (privatrechtlichen) Vertragsabschluss beinhaltet, sondern (immerhin) die Chance auf eine Teilnahme an einem fairen Vergabeverfahren, in welchem der Auftraggeber einen ernsthaften,
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sorgfältigen und regelkonformen Entscheid in Aussicht stellt (SUTER, a.a.O., Rz. 112 ff., 125 und 137; MARTIN BEYELER, Der Geltungsanspruch des Vergaberechts, Rz. 1164, 1168, 2768). Nach dem Bundesverwaltungsgericht muss ein Abbruch aus sachlichem Grund erfolgen, also der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Beschaffung, dem Schutz des Vergabewettbewerbs oder der Korrektur von Fehlern dienen. Zudem darf er nicht diskriminierend bzw. missbräuchlich sein, namentlich darf damit nicht die Verhinderung der Zuschlagserteilung an eine bestimmte Unternehmung angestrebt werden. Zur Missbrauchsprävention sind an die Substantiierung der Abbruchbegründung erhöhte Anforderungen zu stellen. Zwingende Gründe sind dagegen für einen Abbruch nicht vorausgesetzt; bei Vorliegen von sachlichen Gründen geniesst die Vergabestelle Ermessen im Entscheid, ob sie abbrechen will. Neben den Situationen, in denen ein Abbruch im Ermessen der Vergabestelle liegt, gibt es allerdings auch jene, in denen ein Abbruch rechtlich unumgänglich ist. Ein sachlicher Grund kann insbesondere in nicht untergeordneten Projektanpassungen liegen, die aufgrund des Zeitablaufs vorgenommen werden sollen."
Im Lichte dieser Vorgaben ist auch der strittige Entscheid zu beurteilen.
2.2. Die Beschwerdeführerin räumt ein, dass eine Kostenüberschreitung zwar
als wichtiger Grund für einen Verfahrensabbruch angeführt werden kann;
allerdings sei dies nur dann möglich, wenn die Kostenüberschreitung
mindestens 25% betrage und gleichzeitig die Kostenerwartung des
Auftraggebers auf seriösen Abklärungen beruhe, sachlich haltbar und
objektiv begründbar sei (Verweis auf Entscheid VGer ZH, Entscheid
VB.2000 vom 31. Januar 2002). Sie errechnet dann – basierend auf ihrer
Nettoangebots-summe von CHF 2'427'231.35 – eine
Kostenüberschreitung von bloss rund 9.9%. Nach Korrektur der Position
'Baustelleneinrichtung' beim Kostenvoranschlag des Beschwerdegegners
komme man sogar auf eine Differenz von nur noch 4.8%. Auf die für
ungültig befundene Offerte der anderen Anbieterin könne nicht abgestellt
werden, weil diese nicht in der Lage gewesen wäre, den Auftrag zum
Angebotspreis auszuführen (fehlende/unvollständige Angaben betr. NPK-
Positionen und Ausbildung von Personal, mangelhaftes Bauprogramm,
nicht nachvollziehbare Baustellenerschliessung und –installation etc.).
Dass der Angebotspreis der ausgeschlossenen Anbieterin unrealistisch
sei, zeige sich auch daran, dass dieser massiv unter dem
Kostenvoranschlag des Beschwerdegegners liege, den dieser immerhin
aufgrund der Marktpreise 2018 und 2019 erstellt habe.
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2.3. Der Beschwerdegegner stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass die
von der Beschwerdeführerin eingereichte Offerte mit einer
Angebotssumme von CHF 2'476'766.70 (ohne Skonto von 2%) rund CHF
219'000.-- bzw. 12% über der Kalkulation des Beschwerdegegners liege.
Sein Kostenvoranschlag gehe von den Markpreisen für Arbeiten an der
B._ in den Jahren 2018 und 2019 aus, bei denen Transportdistanzen,
Materialbezug, Deponiemöglichkeiten, Zollformalitäten und
Personalspesen bereits eingerechnet seien – soweit die
Beschwerdeführerin die Preisdifferenz mit solchen Positionen zu
begründen versuche, sei dies unbehelflich. Ebenso sei die Kalkulation
unter dem Blickwinkel einer komplizierten Baustelle in schwierigem
Gelände eingepreist, ebenso wie die auf der B._ geltende
Gewichtslimite von 18 t und einer Fahrzeugbreite von max. 2.3 m.
Insgesamt seien somit im Kostenvoranschlag sämtliche Parameter
einkalkuliert, welche eher zu höheren Preisen führten. Vergleiche man die
Offerte der Beschwerdeführerin mit derjenigen der anderen,
ausgeschlossenen Anbieterin, stelle man eine Preisdifferenz von CHF
536'734.75 bzw. 28.4% fest. Dieses andere Angebot weise zwar formale
Fehler auf, hingegen sei es hinsichtlich der Preise vollständig und deshalb
vergleichbar. Die Offerte der ausgeschlossenen Anbieterin zeige, dass der
Kostenvoranschlag des Beschwerdegegners eher grosszügig berechnet
gewesen sei. Vor diesem Hintergrund sei es stossend, wenn eine
Überschreitung von 12.2% bzw. 9.9% nicht für einen Abbruch des
Vergabeverfahrens ausreichen würde. Ein Vergabeverfahren müsse
abgebrochen und wiederholt werden können, auch wenn eine Abweichung
vom Kostenvoranschlag von weniger als 25% vorliege. Eine fixe Grenze
könnten die Anbieter zu ihren Gunsten nutzen, während dem
Beschwerdegegner die Hände gebunden wären. Ihm sei es nicht
zuzumuten, einen Abbruch erst bei gewissen Mindestabweichung vom
Kostenvoranschlag zu verfügen, da sich dies negativ auf den
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wirtschaftlichen Umgang mit öffentlichen Geldern auswirken würde,
insbesondere wenn eine Weiterführung des Vergabeverfahrens zur Folge
hätte, dass kein wirksamer Wettbewerb garantiert werden könnte.
2.4.1. Es liegen Gerichtsentscheide aus verschiedenen Kantonen vor, welche
sich bei Vorliegen eines Verfahrensabbruchs wegen Kostenüberschreitung
mit der zahlenmässigen Schwelle für die Zulässigkeit eines Abbruchs
auseinandergesetzt haben. Die kantonalen Gerichte beurteilten die Grenze
für die Annahme der Erheblichkeit unterschiedlich. Die Abweichungen
bewegten sich von 10% (Kanton St. Gallen) bis 40% (Kanton Zürich). Das
Bundesgericht hat selbst bisher keine bestimmte Grenze festgelegt (Urteil
des Bundesgerichts 2P.34/2007 vom 8. Mai 2007 E.6.3). Die jeweiligen
Kostenüberschreitungen wurden in der Praxis nicht als fixe Limiten
qualifiziert, bei deren Unterschreitung ein wichtiger Grund verneint worden
wäre (SG GVP 2007 Nr. 44 E.2.3; vgl. zur kantonalen Praxis auch die
Aufzählung in der Beschwerde S. 3f. der Beschwerdeführerin). Eine solch
starre zahlenmässige Festsetzung in Prozenten ist indessen nicht
zielführend, zumindest dann nicht, wenn – wie hier – nur ein (gültiges)
Angebot vorliegt; weil es dann am Wettbewerb mangelt, was durchaus
Ursache für die Kostenüberschreitung sein kann und somit per se bereits
als sachlicher Grund für einen Verfahrensabbruch ausreicht. Solange mit
einem Abbruch keine Diskriminierung des Anbieters einhergeht, muss es
im Ermessen der Vergabebehörde verbleiben, einen wirksamen
Wettbewerb herstellen zu dürfen.
2.4.2. Auch nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH)
ist es zulässig, ein Vergabeverfahren abzubrechen, weil in diesem nur ein
einziges (bewertungsfähiges) Angebot vorliegt (EuGH C-440/13 vom 11.
Dezember 2014, Croce Amica One Italia, Rn. 25–37). Gleich entschied der
EuGH bereits im Urteil C-27/98 vom 16. September 1999, Metalmeccanica
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Fracasso, Rn. 34 (siehe MARTIN BEYELER in: Vergaberechtliche Entscheide
2014/2015 Rz 333 f.).
2.4.3. Für den vorliegenden Fall erübrigt sich somit die Prüfung bzw.
Entscheidung, ob ein Verfahrensabbruch bei einer Kostenüberschreitung
von 5%, 10%, 18% oder vielleicht 25% zulässig ist oder nicht. Vielmehr
rechtfertigen auch geringfügige Überschreitungen eines
Kostenvoranschlages oder eines Kreditrahmens einen Verfahrensabbruch,
da die Vergabestelle vergaberechtlich nicht nur zu einer erheblichen,
sondern genau gleich auch zu einer geringfügigen Überschreitung des
Betrags, den diese zu zahlen in der Lage und gewillt ist, nicht gezwungen
werden kann (BEYELER, Vergaberechtliche Entscheide 2018/2019 Rz 331
f.). Dies gilt umso mehr, wenn zur Überschreitung des
Kostenvoranschlages noch das Fehlen eines wirksamen Wettbewerbs
hinzutritt - wie im vorliegenden Fall.
2.4.4. Eine von der Frage der Zulässigkeit des Abbruchs eines
Vergabeverfahrens strikte zu trennende Frage ist, ob der Vergabestelle im
Zusammenhang mit dem zum Abbruch führenden Grund ein Mangel an
Sorgfalt vorzuwerfen ist; dies kann etwa der Fall sein, wenn sie die Kosten
nicht sorgfältig kalkuliert hat. Eine derartige Sorgfaltspflichtverletzung
spielte nur – aber immerhin – in Bezug auf eine allfällige
Schadenersatzpflicht der abbrechenden Vergabebehörde eine Rolle (BGE
134 II 194 E. 2.3.; ZUFFEREY/BEYELER/SCHERLER, Aktuelles Vergaberecht
2020, Rz 69 S. 303 f.).
2.4.5. Im vorliegenden Fall halten die Kostenannahmen des Beschwerdegegners
einer nachträglichen Überprüfung bezüglich Vollständigkeit und Sorgfalt
stand, zumal die Preise auf den spezifischen kostenrelevanten Faktoren
von Baustellen auf derselben Strasse der Jahre 2018 und 2019 beruhen,
in denen Transportdistanzen, Materialbezug, Deponiemöglichkeiten,
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Zollformalitäten und Personalspesen bereits eingepreist sind; auch weitere
preisrelevante Parameter wie etwa die auf der betreffenden Strasse
geltende Gewichtslimite von 18 t und den Fahrzeugbreiten von max. 2.3 m
hat der Beschwerdegegner einkalkuliert. Somit ist nicht erkennbar, dass
dieser ein Verfahren eingeleitet hätte, das aufgrund einer unrichtig
hergestellten Kostenschätzung zum Vorhinein dem Abbruch geweiht war,
weil Angebote zu solch tiefen Kosten vernünftigerweise nicht hätten
erwartet werden dürfen. Entsprechend gibt es keinerlei Anzeichen für eine
mögliche Culpa-Haftung (vgl. dazu vorstehend E.2.4.4.) des
Beschwerdegegners.
2.5. Der angefochtene Entscheid (Verfügung) vom 29. April 2020 ist demnach
rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde vom 11. Mai 2020 führt.
3.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Vorliegend ging
es in der Sache um Baumeisterarbeiten in der Höhe von rund CHF 2.425
Mio., für die sich die Beschwerdeführerin den Zuschlag erstreiten wollte.
Unter Berücksichtigung der jüngsten Urteile betreffend Abbruch (VGU U 20
22: Baumeisterarbeiten rund CHF 973'000.--; Staatsgebühr CHF 4'000.--;
VGU U 20 23: Baumeisterarbeiten rund CHF 925'000.--; Staatsgebühr CHF
4'000.--; VGU U 20 104: Baunebengewerbe rund CHF 193'000.--;
Staatsgebühr CHF 2'000.--) erachtet das Gericht hier eine Staatsgebühr
von CHF 6'000.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) für angemessen und
gerechtfertigt. Darin ist berücksichtigt, dass der Beschwerdegegner
zunächst den Kostenvoranschlag nicht bekannt gegeben hat; als er dies
aber tat, hielt die Beschwerdeführerin trotzdem an ihrer Beschwerde fest –
weshalb darauf einzutreten und die Beschwerde materiell vom Gericht zu
entscheiden war.
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3.2. Aussergerichtlich steht dem Beschwerdegegner gestützt auf Art. 78 Abs. 2
VRG keine Parteientschädigung zu, da er lediglich in seinem amtlichen
Wirkungskreis obsiegt hat.
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