Decision ID: f1e3bd79-ec16-547a-b999-c88237568837
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus B._, Distrikt Jaffna (Nordprovinz), suchte am 23. Juni
2021 in der Schweiz um Asyl nach.
Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Ostschweiz zugewie-
sen und am 15. Juli 2021 vertieft zu seinen Asylgründen gemäss Art. 29
AsylG angehört. Am 23. Juli 2021 wurde er dem erweiterten Verfahren zu-
geteilt. Am 1. September 2021 fand eine ergänzende Anhörung durch ein
männliches Befragungsteam statt.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel-
tend, gegenüber der Autowerkstatt seines Vaters – in der er schon als
Schüler seit 2005 seinem Vater behilflich gewesen sei und ab 2012 als La-
ckierer gearbeitet habe – habe sich eine Basis der LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) befunden. Von 2004/2005 bis 2009 habe sein Vater diesen
dabei geholfen, Geld und Wertgegenstände wie Gold und Schmuck in
Fahrzeugen zu verstecken. Er habe damals als kleiner Junge seinem Vater
in der Werkstatt geholfen. Angehörige der LTTE hätten die fraglichen Fahr-
zeuge dann durch die Kontrollposten der sri-lankischen Sicherheitskräfte
in andere, von den LTTE kontrollierten Gebieten gefahren. Das Geld und
die Wertgegenstände seien an den jeweiligen Zielorten beispielsweise zum
Waffenkauf aus dem Ausland verwendet worden. Weder er noch sein Vater
hätten jemals Einzelheiten über diese Transporte und den Verbleib der in
den Fahrzeugen versteckten Gegenständen erfahren. Nach dem Ende des
Bürgerkriegs habe sich die sri-lankische Armee im Jahre 2009 bei Bewoh-
nern seines Dorfes über seine Familie erkundigt und 2010 seinen Vater ein
erstes Mal einvernommen unter dem Vorwurf, während des Krieges Auf-
träge für die LTTE ausgeführt zu haben und im Besitz von Beträgen der
LTTE in Millionenhöhe zu sein. Auch sei ihm vorgehalten worden, zu wis-
sen, wo die LTTE Geld und Schmuck verstecken würde. Sein Vater sei
wiederholt einvernommen, geschlagen und mit dem Tod bedroht worden,
wobei man auch ihn, den Beschwerdeführer, im Jahr 2010 einmal verhört
habe, nachdem er wohl von den Behörden in der Garage seines Vaters
gesehen worden sei. Am 1. März 2013 sei sein Vater aufgrund von gesund-
heitlichen Komplikationen wegen erlittener Folterungen durch die Behör-
den verstorben. Er selbst sei zwischen 2014 und 2016 wiederholt von den
Sicherheitsbehörden Zuhause festgenommen und unter Anwendung von
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Schlägen und auch sexueller Misshandlung (Rektale Penetration mit ei-
nem länglichen Gegenstand) einvernommen worden, um von ihm die Ver-
stecke der LTTE in Erfahrung zu bringen. Die Behörden hätten ihm vorge-
halten, dass sein Vater ihm diese zu Lebzeiten verraten habe. Es habe sich
um illegale Handlungen der Sicherheitsbehörden gehandelt, welche sich
auf diese Weise das Geld und die Wertgegenstände der LTTE hätten an-
eignen wollen. Er habe es nicht gewagt, sich in irgendeiner Weise gegen
das behördliche Vorgehen zur Wehr zu setzen. Im Anschluss an die be-
sagten Vorfälle von 2015 habe er hospitalisiert und wegen der schweren
Verletzung seines Afters operiert werden müssen. Aufgrund der Bedro-
hungslage sei er im November 2017 legal in die C._ gereist, wo er
mit einer Arbeitsbewilligung als Reinigungskraft tätig gewesen sei. Er habe
durch die Einreichung von Visagesuchen vergeblich versucht, von dort le-
gal nach Europa zu gelangen. Während seiner Landesabwesenheit hätten
sich die Behörden wiederholt bei seiner Mutter nach seinem Verbleib er-
kundigt. Nach Ablauf seiner für D._ geltenden Arbeitsbewilligung
sei er im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgeflogen und zu seiner Mutter
und zu seiner Schwester zurückgekehrt. Er habe begonnen, für seinen
«Onkel» – eigentlich ein Cousin seiner Mutter – auf dem Bau zu arbeiten.
In der Folge sei er im April und im Oktober 2019 erneut zum versteckten
Geld befragt worden, obwohl er stets beteuert habe, nichts über die Ver-
stecke zu wissen. Nach Bestechung eines Polizeibeamten durch seine
Mutter und seinen Onkel im Oktober 2019 sei er freigelassen worden. Sei-
nem Onkel sei zugetragen worden, dass das CID seine baldige Verhaftung
beabsichtigen könnte, weshalb er sich bis zu seiner endgültigen Ausreise
überwiegend bei seiner Schwester aufgehalten habe. Er sei mithilfe eines
Schleppers, der alles organisiert habe, von E._ nach F._ ge-
flogen. Am Flughafen von Colombo sei er dem Schlepper gefolgt, der die
Reisepapiere auf sich gehabt habe. Er wisse nicht, was mit seinem per-
sönlichen Reisepass, welchen er bereits im April oder Mai 2019 dem
Schlepper übergeben habe, geschehen sei. Nach einem einmonatigen
Aufenthalt in Moskau sei er in die G._ gefahren, wo er eineinhalb
Jahre in einer unterirdischen Unterkunft gelebt habe. Danach sei er mit ei-
nem Auto durch ihm unbekannte Länder gefahren worden und sei schliess-
lich am 22. Juni 2021 illegal in die Schweiz eingereist.
C.
In gesundheitlicher Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, an Hä-
morrhoiden und wiederkehrenden Blutungen zu leiden. Er habe auch Be-
schwerden an seinem rechten Fuss. Psychisch gehe es ihm zwar gut und
er habe noch nie Psychopharmaka eingenommen, wünsche jedoch eine
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psychiatrische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Die Rechtsvertretung
beantragte anlässlich der Anhörung und der ergänzenden Anhörung eine
Abklärung des Gesundheitszustandes ihres Mandanten gemäss Istanbul-
Protokoll.
D.
Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte
der Beschwerdeführer eine Identitätskarte im Original und eine Geburtsur-
kunde in Kopie, Kopien der Todesurkunde seines Vaters, eines Arztberich-
tes (ihn selber betreffend) sowie einer Klage seiner Mutter bei der Human
Rights Organization ein.
E.
Mit Schreiben vom 6. September 2021 wurde der Beschwerdeführer zur
Einreichung der anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 1. September
2021 in Aussicht gestellten Beweismittel bis zum 30. September 2021 auf-
gefordert. Diese Frist wurde antragsgemäss bis zum 7. Oktober 2021 er-
streckt. Im Weiteren wurde dem Beschwerdeführer innert gleicher Frist Ge-
legenheit gegeben, zu einem Widerspruch in den Akten Stellung zu neh-
men.
F.
Mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 reichte die Rechtsvertretung die Origi-
nale der unter Punkt D aufgeführten Kopien sowie eine Publikation von
SWISSLEX in Kopie ein.
G.
Mit Entscheid vom 14. Oktober 2021 (Eröffnung am 19. Oktober 2021) wies
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 23. Juni 2021 we-
gen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ab und ordnete die Wegweisung und
deren Vollzug an.
H.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. November 2021 erhob der
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Ent-
scheid Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung
beantragt. Eventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Unzulässigkeit
beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in
der Schweiz aufzunehmen, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
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wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung ersucht.
I.
Mit Schreiben vom 19. November 2021 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
J.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 reichte die Rechtsvertretung ein als «Do-
kument des Polizeihauptquartiers Colombo» bezeichnetes Beweismittel,
datiert auf den 15. November 2021, ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32
VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersu-
chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz
sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme
im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bun-
desverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Da es
sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, ist
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen (Art. 114a Abs. 2
AsylG).
Seite 6
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das SEM erachtete die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als
nicht glaubhaft.
3.2 Es führte aus, dass die Angaben des Beschwerdeführers in mehreren
Punkten der allgemeinen Erfahrung oder Logik des Handelns widerspre-
chen würden.
So sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
Bürgerkriegsendes erst fünfzehn Jahre und nie Mitglied der LTTE gewesen
sei. Auch sein Vater sei kein LTTE-Mitglied und auch nicht in Rehabilitati-
onshaft gewesen, sondern habe lediglich mit den LTTE sympathisiert. Da-
her erscheine es bereits fragwürdig, ob die Sicherheitsbehörden überhaupt
davon ausgegangen seien, dass die LTTE den Vater des Beschwerdefüh-
rers über die erwähnten "Geld- und Schmuck-Verstecke" informiert hätten;
geschweige denn den Beschwerdeführer selbst, der zum entsprechenden
Zeitpunkt noch erst ein minderjähriges Kind war. Schliesslich habe der Be-
schwerdeführer auch nicht plausibel erklären können, weshalb die Behör-
den die Vorgänge in der Garage angeblich beobachtet, aber die dort vor-
bereiteten Fahrzeuge offenbar nicht bei ihrer Fahrt verfolgt und angehalten
hätten. Im Weiteren erscheine auch die Überzeugung der Behörden, dass
die geschmuggelten Wertsachen in Verstecken gelagert beziehungsweise
auch heute noch versteckt seien, fragwürdig. Der Beschwerdeführer habe
schliesslich angegeben, dass das Geld für den Eigenbedarf der LTTE, zum
Beispiel für den Waffenkauf, verwendet worden sei. Demnach wäre heute
nicht einfach von der Existenz solcher Verstecke auszugehen. Dabei über-
rasche, dass die Behörden trotz des Verdachts, dass der Vater Geld ver-
steckt habe, das Elternhaus des Beschwerdeführers nie durchsucht und
auch keine anderen Familienangehörige oder Angestellte der Werkstatt
einvernommen hätten. Der Erklärungsversuch, wonach der Vater des Be-
schwerdeführers keine engen Kontakte zur Verwandtschaft gepflegt habe,
vermöge das Versäumnis der Behörden nicht zu erklären. Im Weiteren er-
scheine auch die Überzeugung der Behörden, dass die geschmuggelten
Wertsachen in Verstecken gelagert beziehungsweise auch heute noch ver-
steckt seien, fragwürdig. Der Beschwerdeführer habe schliesslich angege-
ben, dass das Geld für den Eigenbedarf der LTTE, zum Beispiel für den
Seite 7
Waffenkauf, verwendet worden sei. Demnach wäre heute nicht einfach von
der Existenz solcher Verstecke auszugehen. Es sei auch nicht nachvoll-
ziehbar, dass die Behörden nach dem Bürgerkrieg im Mai 2009 nicht sofort
gehandelt hätten, um die Verstecke ausfindig zu machen. Das Vorgehen
der Behörden, stattdessen den Vater des Beschwerdeführers immer wie-
der erfolglos zu den Verstecken zu befragen, sei realitätsfremd. Schliess-
lich habe der Beschwerdeführer auch nicht schlüssig zu erklären vermocht,
weshalb er nicht bereits nach den angeblichen Misshandlungen im Jahre
2015 seinen Heimatort verlassen habe und innerhalb des Landes umgezo-
gen sei, zumal er diese Misshandlungen als seine schlimmsten bezeichnet
habe.
Anhand der erfassten Visa-Gesuchen bei den (...), (...) und (...) Behörden
stehe im Weiteren fest, dass sich der Beschwerdeführer zumindest wäh-
rend eines nicht näher bestimmten Zeitraumes von 2018 bis 2019 in den
C._ aufgehalten habe. Indes bleibe die Rückkehr des Beschwerde-
führers nach Sri Lanka im Februar 2019 und der dortige Aufenthalt bis zur
endgültigen Ausreise am 7. Januar 2020 unbelegt. Auch den Ablauf der
Arbeitserlaubnis in Dubai sei vom Beschwerdeführer nicht dokumentiert
worden. Es sei hinsichtlich der angeblichen Rückkehr nach Sri Lanka im
Februar 2019 ohnehin beachtenswert, dass der Beschwerdeführer legal
eingereist sei, weshalb eine damalige behördliche Suche nach ihm ausge-
schlossen werden könne. Im Übrigen sei bemerkenswert, dass der Be-
schwerdeführer trotz massiver Probleme mit den Behörden vor der Aus-
reise und angeblicher Suche nach ihm während seiner Landesabwesen-
heit dennoch in sein Heimatdorf zurückgekehrt sei. Entsprechenden Fra-
gen und Vorbehalten habe der Beschwerdeführer nichts Nachvollziehbares
entgegnen können. So habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, nie-
manden ausserhalb Kopays zu kennen, obschon er sehr wohl Angehörige
ausserhalb dieser Ortschaft habe. Schliesslich habe der Beschwerdeführer
seine Rückkehr damit erklärt, dass er von der Normalisierung der Situation
ausgegangen sei (vgl. A33 F20-F21).
3.3 Im Weiteren habe der Beschwerdeführer im Verlauf des Verfahrens zu
wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht.
So habe er anlässlich der ersten Anhörung von insgesamt vier Festnahmen
im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 berichtet, indessen im Rahmen der
zweiten Anhörung von lediglich drei Festnahmen gesprochen. Auf entspre-
chenden Vorbehalt habe der Beschwerdeführer erklärt, beim vierten Mal
habe es sich bloss um eine Befragung anlässlich einer Personenkontrolle
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gehandelt (vgl. A33 F150-152). Diese Erklärung sei aktenwidrig, habe der
Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung jedes Mal davon gesprochen,
mitgenommen und festgesetzt worden zu sein, und zwar für jeweils zwei,
sechs, acht und zwei bis drei Tage (vgl. A22 F47 und F51). Im Weiteren
habe der Beschwerdeführer, abweichend von der Angabe anlässlich der
Anhörung, wonach die Behörden ihn im April 2019 sechs Tage lang festge-
halten hätten, im Rahmen der ergänzenden Anhörung geltend gemacht, im
April 2019 am gleichen Tag der Festnahme wieder freigelassen worden zu
sein. Auf Vorhalt habe der Beschwerdeführer lediglich letztere Angabe be-
kräftigt (vgl. A22 F54 sowie A33 F34 und F156). Schliesslich habe der Be-
schwerdeführer anlässlich der Anhörung angegeben, im Oktober 2019 an
einen ihm unbekannten Ort gebracht worden zu sein, indessen im Rahmen
der ergänzenden Anhörung geltend gemacht, im Oktober 2019 in das Po-
lizeigebäude in H._ und dort in ein jeweils anderes Gebäude ge-
bracht worden zu sein. Den entsprechenden Vorhalt habe er nicht über-
zeugend entkräften können (vgl. A33 F36-38 und F157-158). Die genann-
ten Ungereimtheiten habe der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 7.
Oktober 2021 unaufgefordert wiederaufgenommen und sich erneut dar-
über geäussert, ohne allerdings diese auflösen zu können (vgl. A39, S. 2).
Das SEM habe den Beschwerdeführer zudem nach der ergänzenden An-
hörung aufgefordert, schriftlich zum Umstand Stellung zu nehmen, dass er
seine Verletzung am rechten Fuss im Dublin-Gespräch auf Misshandlun-
gen im Jahre 2016 zurückgeführt habe, während er diese anlässlich der
ergänzenden Anhörung mit seiner letzten Verhaftung im Oktober 2019 in
Verbindung gebracht habe (vgl. A15; S. 2 sowie A33, F36). Der Beschwer-
deführer habe als Erklärungsversuch nur erklärt, es handle sich nicht um
eine, sondern um verschiedene Fussverletzungen; es scheine, als ob die
verschiedenen Verletzungen nicht auseinandergehalten worden seien (vgl.
A39, S. 3f). Diese Erklärung vermöge nicht zu überzeugen, habe der Be-
schwerdeführer vorher nie von verschiedenen Fussverletzungen gespro-
chen.
Für weitere, weniger gravierende Ungereimtheiten in den Aussagen des
Beschwerdeführers sei an dieser Stelle auf die jeweiligen Vorbehalte des
SEM sowie die Stellungnahmen des Beschwerdeführers in der Eingabe
vom 7. Oktober 2021 zu verweisen (vgl. A33 F153-155 sowie A39, S. 2f).
3.4 Im Weiteren seien zentrale Vorbringen in wesentlichen Punkten unbe-
stimmt und wenig detailliert ausgefallen und damit nicht hinreichend be-
gründet worden.
Seite 9
So sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, die Antworten auf
Fragen zu den durchlebten Einvernahmen und Haftzeiten in hinreichend
substantiierter Weise zu beantworten. Der Beschwerdeführer habe sich auf
einfache Dialoge und die Misshandlungen fokussiert, ohne dabei jedoch
erlebnisgeprägte Einzelheiten oder persönlich gefärbte Erinnerungen wie-
derzugeben (vgl. A33 F33, F36, F39-42 und F46). Auch seine Schilderun-
gen über die angeblichen sexuellen Übergriffe im Jahre 2015 seien sche-
matisch und rudimentär ausgefallen (vgl. A33 F124-130). Demgegenüber
habe der Beschwerdeführer ausführlich über seine Wunde im Rektalbe-
reich, deren Folgewirkungen und Behandlung gesprochen (vgl. A22 F50),
deren Vorhandensein vom SEM nicht bestritten werde. Darüber hinaus
seien die Angaben hinsichtlich der angeblichen Aufträge für die LTTE un-
ergiebig ausgefallen (vgl. A33 F78-79 und F93-96). Zwar seien die Schil-
derungen im Rahmen der freien Rede rein quantitativ betrachtet lange aus-
gefallen, jedoch mangle es ihnen an Aussagequalität und typischen Merk-
malen (Realkennzeichen) wie Detailreichtum, die Beschreibungen von
Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und zeitliche Verknüpfung
der erzählten Ereignisse sowie die Schilderungen von nebensächlichen
und ausgefallenen Einzelheiten, die normalerweise die Erzählungen von
erlebten Begebenheiten prägten.
3.5 Die eingereichten Beweismittel seien zur Stützung des flüchtlingsrecht-
lich relevanten Sachverhalts untauglich.
Dem Totenschein des Vaters des Beschwerdeführers sei als Ursache sei-
nes Todes lediglich zu entnehmen, dass dieser an einer Leberkrankheit
(«liver disease») gestorben sei (Beweismittel 6). Dies lasse keine Rück-
schlüsse auf die vom Beschwerdeführer beschriebenen Hintergründe des
Ablebens seines Vaters zu (Eintritt des Todes als Folge von angeblich er-
littenen Verletzungen durch Folter). Dasselbe lasse sich auch über den In-
halt des den Beschwerdeführer betreffenden ärztlichen Zeugnisses sagen
(Beweismittel 7). Die erwähnte Behandlung von Hämorrhoiden bezie-
hungsweise einer Operation liessen nicht auf die vom Beschwerdeführer
angegebenen Ursachen folgern. Schliesslich müsse die Klage der Mutter
des Beschwerdeführers bei der Human Rights Organization als reines Par-
tei- und Gefälligkeitsschreiben taxiert werden, das zudem erst eineinhalb
Jahre nach der Ausreise des Beschwerdeführers, am 13. Juli 2021, ver-
fasst worden sei (Beweismittel 5). Zudem sei die Tatsache, dass sich die
Mutter des Beschwerdeführers angeblich erstmals im März 2021 an die
genannte Organisation gewandt habe, angesichts der geltend gemachten
Bedrohungslage in Sri Lanka äusserst fragwürdig (vgl. hierzu auch A33 F
Seite 10
67-69). Dies gelte umso mehr, als kein Sinn hinter dem Ersuchen der Mut-
ter des Beschwerdeführers an die Organisation zu erkennen sei, ihren
Sohn von einer lebensbedrohlichen Situation («death risky situation») zu
bewahren, nachdem dieser das Land bereits verlassen habe.
3.6 Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen bestehe auch keine
Veranlassung, dem Antrag der Rechtsvertretung auf eine Abklärung ge-
mäss Instanbul-Protokoll zu entsprechen. Auch der nachgereichten Publi-
kation von SWISSLEX (Beweismittel 12) sei im vorliegenden Fall keine
weitere Bedeutung beizumessen.
3.7 Wie vorgängig ausgeführt, seien die Verfolgungsvorbringen vor der
Ausreise als nicht glaubhaft zu erachten. Es gelte zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht
vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe.
Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei diese Prü-
fung anhand sogenannter Risikofaktoren (Referenzurteil des BVGer E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1). Wie bereits vorstehend erwähnt,
habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können, vor seiner
Ausreise flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt gewesen zu sein. Vielmehr sei der Beschwerdeführer bis Oktober
2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch
insgesamt sechs Jahre in seinem Heimatsstaat gelebt. Allfällige, im Zeit-
punkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfol-
gungsinteresse auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht
ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr nach Sri
Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Diesbezüglich
seien auch die kleinen Narben am rechten Fussgelenk unerheblich. Auch
die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg
von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen.
Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der ge-
nannten Präsidentschaftswahlen sei ein persönlicher Bezug der asylsu-
chenden Person zu diesem Ergebnis beziehungsweise dessen Folgen; ein
solcher sei vorliegend nicht aufgezeigt worden. Ebenso fehle ein persönli-
cher Bezug des Beschwerdeführers zu den am 21. April 2019 verübten
Terroranschlägen in Sri Lanka als auch zur Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019. Somit bestehe keine begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
und sein Asylgesuch sei abzulehnen.
Seite 11
4.
4.1 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, die erste Anhörung (A22)
sei mangelhaft durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer sei nicht we-
niger als zehn Mal unterbrochen worden (vgl. A22 F39-43, F45, F52-53),
darunter mehrere Male, in denen er sich «im freien Bericht befunden
habe». Auch sei er mehrfach gebeten worden, sich kürzer zu halten (vgl.
A22 F46, F51). Mit insgesamt zehn Unterbrechungen sei durch das SEM
eine Atmosphäre geschaffen worden, welche der freien und gründlichen
Sachverhaltsforschung zuwidergelaufen sei.
4.2 Einleitend habe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung mit
dem Hinweis darauf, dass weder der Vater des Beschwerdeführers noch
dieser selbst Mitglieder der LTTE gewesen seien, es als unglaubhaft er-
achtet, dass die LTTE dem Vater des Beschwerdeführers Informationen
über die Verstecke hätten zukommen lassen. Dem sei zu entgegnen, dass
der Vater engen und der Beschwerdeführer trotz seines jungen Alters guten
Kontakt zur Mitgliedern der LTTE gehabt hätten. Weitere Ausführungen
habe das SEM wiederholt unterbunden. Im Weiteren habe es das SEM
aufgrund der fehlenden Mitgliedschaft zu den LTTE als nicht nachvollzieh-
bar erachtet, dass die Sicherheitskräfte von der Kenntnis des Beschwer-
deführers beziehungsweise seines Vaters von den erwähnten Verstecken
ausgegangen seien. Hierzu sei festzuhalten, dass der Vater immerhin mit
den LTTE sympathisiert, Steuern bezahlt und mit diesen einen vertrauten
Umgang gepflegt habe. Auch habe es das SEM als nicht nachvollziehbar
erachtet, dass die sri-lankischen Sicherheitsbehörden von einem Informa-
tionsaustausch zwischen dem Vater des Beschwerdeführers und seinem
Sohn ausgegangen seien. Indessen sei zu berücksichtigen, dass der Be-
schwerdeführer als einziger Sohn viele Stunden in der Werkstatt seines
Vaters verbracht habe. Im Weiteren habe es das SEM als unglaubhaft er-
achtet, dass die präparierten Autos ohne Kontrollen und Nachverfolgung in
die von den LTTE kontrollierten Gebieten hätten entkommen können. In-
dessen hätten weder der Beschwerdeführer noch die Vorinstanz sichere
Kenntnis darüber, ob die Autos effektiv verfolgt worden seien. Es sei dem-
nach zumindest nicht auszuschliessen, dass entsprechende behördliche
Bemühungen stattgefunden hätten. Im Weiteren habe das SEM die An-
nahme der Behörden, dass die geschmuggelten Wertsachen (immer noch)
in Verstecken gelagert seien, als fraglich erachtet. Es bestünden indessen
einige Gründe, warum die Behörden von noch bestehenden Verstecken
hätten ausgehen können. So erscheine es durchaus möglich, dass die
LTTE die Gelder für künftige Projekte ansammelten oder darauf warteten,
diese zu einem späteren Zeitpunkt unauffällig auszugeben. Im Weiteren
Seite 12
hätten die sri-lankischen Sicherheitsbehörden das Elternhaus des Be-
schwerdeführers nicht durchsucht, da es sich bei dem vermuteten Vermö-
gen um ein solches in millionenfacher Höhe gehandelt habe und die Be-
hörden deshalb nicht davon ausgegangen seien, dass sich ein solches Ver-
mögen im Haus befinden würde. Da es sich um ein kleines Haus handle,
hätten die Behörden wohl ohne gründliche Durchsuchung feststellen kön-
nen, dass dort keine grösseren Vermögenswerte versteckt seien. Die Ver-
wandten des Beschwerdeführers (Mutter, Schwestern, Onkel) seien von
den Behörden nicht befragt worden, weil diese nichts mit der Werkstatt zu
tun gehabt hätten, zudem seien die Schwestern bereits verheiratet und leb-
ten nicht mehr in der Umgebung. Mit dem Rest der Verwandtschaft pflege
die Familie des Beschwerdeführers kaum Kontakt. Entgegen der Auffas-
sung der Vorinstanz sei es durchaus plausibel, dass die Behörden den Be-
schwerdeführer über einen langen Zeitraum immer wieder wegen der Ver-
stecke der LTTE einvernommen hätten, obwohl dieser immer wieder zu
verstehen gegeben habe, nichts zu wissen, seien die Verstecke doch ge-
rade nicht entdeckt worden, weshalb die sri-lankischen Behörden ein fort-
laufendes Interesse am Beschwerdeführer gehabt hätten. Ausserdem
habe in Sri Lanka 30 Jahre lang Krieg geherrscht, welcher einen tiefen
Graben und ein tiefes Misstrauen zwischen den Ethnien hinterlassen habe.
Wie aus der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom
12. Januar 2021 hervorgehe, würden auch Personen, welche verdächtigt
würden, eine auch nur schwache Verbindung zur LTTE zu haben, entführt
und gefoltert. Ebenfalls sei der SFH-Länderanalyse sowie dem Bericht des
International Truth and Justice Project (ITJP) zu entnehmen, dass die Pra-
xis der «White-Van-Abductions» tamilischer Personen auch nach dem
Ende des bewaffneten Konfliktes fortgeführt worden sei. Demnach müsse
der Argumentation der Vorinstanz, wonach die Behörden bereits nach Bür-
gerkriegsende schnellmöglich und mit Nachdruck dem Verdacht hätten
nachgehen müssen, widersprochen werden. Das behördliche Verhalten wi-
derspreche nicht der allgemeinen Erfahrung. Aus der Länderanalyse der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe gehe vielmehr hervor, dass «Angehörige
staatlicher Sicherheitskräfte und des Militärs in Sri Lanka Personen entfüh-
ren, illegal in Haft halten, foltern und anschliessend gegen Lösegeldzah-
lungen wieder freilassen» würden. Im Weiteren gebe es Gründe, warum
der Beschwerdeführer nach den erlittenen Misshandlungen im Jahre 2015
B._ nicht verlassen habe, um innerhalb des Landes einen Fluchtort
zu finden. Es gelte zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer noch
sehr jung gewesen sei und seine Arbeit als Maurer bei seinem Onkel nicht
habe aufgeben wollen. Er habe die Familie finanzieren und die Ausbildung
seiner jüngeren Schwester bezahlen müssen (vgl. A33 F137). Sein Umfeld
Seite 13
habe sich in seinem Heimatort befunden und gerade nach der erlittenen
Folter erscheine es nachvollziehbar, sich bei vertrauten Familienangehöri-
gen aufzuhalten, die ihm eine mentale Unterstützung hätten sein können.
Im Weiteren treffe es, wie vom SEM behauptet, nicht zu, dass der Be-
schwerdeführer nach seinem Aufenthalt in den C._ im Jahre 2019
legal nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Die Vorinstanz verweise zwar auf
A22 F20-21 (meine dabei wohl A33 F20-F21), unterlasse es aber, die da-
rauffolgende Frage zu berücksichtigen. So habe der Beschwerdeführer auf
die Frage, ob es Probleme bei der Einreise gegeben habe, angegeben,
dass er angehalten worden sei und 50'000 Rupien hätte zahlen müssen.
Bei dieser Summe habe es sich um ein Bestechungsgeld gehandelt, da
der Beschwerdeführer weniger als diese 50'000 Rupien, nämlich 200 Euro,
bezahlt habe, womit nicht die genaue Höhe, sondern eine Bezahlung ins-
gesamt entscheidend gewesen sei, was eine übliche Einreisegebühr aus-
schliesse. Dies sei sodann mit der nachfolgenden Frage der Vorinstanz
auch richtig festgestellt worden (vgl. A33 F23). Dies habe die Vorinstanz
indessen in ihrem Entscheid nicht mehr berücksichtigt. Es sei somit entge-
gen der Auffassung des SEM nicht darauf zu schliessen, dass der Be-
schwerdeführer nicht behördlich gesucht worden wäre. Vermutungsweise
handle es sich bei den Einvernahmen des Beschwerdeführers durch die
Sicherheitskräfte nicht um offizielle, behördlich angeordnete Massnahmen.
Der weitere Umstand, dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr
im Jahre 2019 erneut nach B._ zurückgekehrt sei, liege darin be-
gründet, dass die Visa-Gesuche bei verschiedenen europäischen Behör-
den allesamt abgelehnt worden seien. Ausserdem habe der Beschwerde-
führer auf eine Normalisierung der Situation mit den Sicherheitskräften in
seiner Heimat gehofft (vgl. A33 F56). Entgegen der Auffassung des SEM
sei diese Aussage vereinbar mit dem Visumsgesuch bei der (...) in
I._ vom 30. Januar 2019, habe der Beschwerdeführer doch jegliche
Möglichkeit wahrzunehmen versucht, um nicht nach Sri Lanka zurückkeh-
ren zu müssen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer mit dem Ablauf
der Arbeitsbewilligung in Dubai auch seine finanzielle Selbstständigkeit
eingebüsst.
4.3 Sodann habe die Vorinstanz auf einzelne widersprüchliche Aussagen
hingewiesen. So habe sie festgehalten, dass der Beschwerdeführer bei der
ersten Anhörung von vier, im Rahmen der ergänzenden Anhörung von nur
noch drei Festnahmen gesprochen habe. Dabei handle es sich um einen
marginalen Unterschied, auch liege der Sachverhalt länger zurück. Einen
weiteren Widerspruch habe das SEM darin gesehen, dass der Beschwer-
deführer anlässlich der Anhörung angegeben habe, im April 2019 sechs
Seite 14
Tage festgehalten worden zu sein, und davon abweichend im Rahmen der
Anhörung geltend gemacht habe, am selben Tag freigelassen worden zu
sein. Indessen sei betreffend Haftdauer kein Widerspruch ersichtlich. Wäh-
rend der ersten Anhörung habe der Beschwerdeführer die Haftdauer vom
Oktober 2019 genannt, im Rahmen der ergänzenden Anhörung sei er nur
noch zur Dauer im April 2019 befragt worden. Das seien zwei unterschied-
liche Sachverhaltselemente, die das SEM vermischt habe. Der Vorwurf sei
entschieden zurückzuweisen. Im Weiteren habe das SEM in der angefoch-
tenen Verfügung darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während
der ersten Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wo er im Oktober
2019 eingesperrt worden sei, während er anlässlich der ergänzenden An-
hörung angegeben habe, sowohl im April 2019 als auch im Oktober 2019
im Polizeigebäude in H._ festgehalten worden zu sein. Dieser an-
gebliche Widerspruch müsse indes im Kontext der ersten Befragung ge-
deutet werden. Wie angesprochen, sei der Beschwerdeführer anlässlich
der ersten Befragung immer wieder unterbrochen worden. Daher habe er
sich auf kurze Antworten beschränkt. Er habe, da es bei der Hinfahrt dunkel
gewesen sei, erst bei der Freilassung beziehungsweise bei der Ankunft er-
kannt, dass man ihn bereits im April 2019 von diesem Ort freigelassen
habe. Auf Nachfrage, weshalb er nicht bereits während der Anhörung er-
wähnt habe, in Jaffna festgehalten worden zu sein, habe der Beschwerde-
führer angegeben, eventuell nervös gewesen zu sein. Insgesamt bestün-
den keine gravierenden Widersprüche.
4.4 Die Vorinstanz habe die Schilderung der Asylvorbringen als insgesamt
oberflächlich erachtet. Dies treffe nicht zu, habe der Beschwerdeführer
doch in seinen Ausführungen zahlreiche Realkennzeichen verwendet (statt
vieler: A22 F45).
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien die eingereichten Beweis-
mittel geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Hin-
sichtlich des Vorwurfs des SEM, es sei nicht nachvollziehbar, warum die
Mutter des Beschwerdeführers angesichts der jahrelangen Bedrohungs-
lage erst im Jahre 2021 die Klage erhoben habe, sei darauf hinzuweisen,
dass diese, nachdem sie bereits ihren Ehemann aufgrund von Folterungen
verloren habe, ihren Sohn mit einer solchen Klage habe schützen wollen,
mit deren Einreichung indessen noch zugewartet habe, bis sich der Be-
schwerdeführer an einem sicheren Ort im Ausland befunden habe. Zum
Nachweis der Fussverletzung des Beschwerdeführers werde mit der Be-
schwerde eine entsprechende Röntgenaufnahme eingereicht.
Seite 15
4.5 Aus den genannten Gründen habe der Beschwerdeführer den Sach-
verhalt glaubhaft dargetan. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in-
haftiert worden sei, sei als risikoerhöhend zu berücksichtigen (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8). Die Tatsache,
dass ihm von behördlicher Seite Nachteile zugefügt worden seien, sei asyl-
relevant und schliesse eine innerstaatliche Fluchtalternative aus. Der Be-
schwerdeführer sei sexuell missbraucht und Opfer von körperlicher Gewalt
geworden, weshalb objektive Gründe für das Vorhandensein einer ausge-
prägten subjektiven Furcht vorlägen.
5.
5.1 Wie obenstehend erwähnt wird in der Beschwerde geltend gemacht,
die erste Anhörung (A22) sei mangelhaft durchgeführt worden. Der Be-
schwerdeführer sei nicht weniger als zehn Mal unterbrochen worden (vgl.
A22 F39-43, F45, F52-53), darunter mehrere Male, in denen er sich «im
freien Bericht befunden habe», und er sei mehrfach gebeten worden, sich
kürzer zu halten (vgl. A22 F46, F51). Mit dieser Vorgehensweise habe die
Vorinstanz eine Atmosphäre geschaffen, welche eine umfassende Sach-
verhaltsfeststellung erschwert, wenn nicht verhindert habe. Mit dieser Ar-
gumentation wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Unter-
suchungsgrundsatzes gerügt. Diese Rügen erweisen sich als unbegrün-
det.
5.1.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-
sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte
Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen,
sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-
fahrensrecht, 3. Aufl. 2021).
Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn die angefochtene Ver-
fügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt (KÖLZ/IHÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, 3. Aufl., Rz. 456) und zusätz-
liche Abklärungen sind dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par-
teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
Anlass besteht.
Seite 16
5.1.2 Aus dem Anhörungsprotokoll ergibt sich, dass die befragende Person
den Beschwerdeführer einleitend darüber in Kenntnis setzte, dass er ihn
bei der Darlegung der Asylgründe unterbrechen könne, wenn dessen Aus-
sagen für den Asylentscheid unwesentlich seien; sollten nicht alle wesent-
lichen Informationen erhoben werden können, werde ein zweiter Befra-
gungstermin angesetzt werden. Im Weiteren wurde der Beschwerdeführer
dazu aufgefordert, «ganz kurz zu erzählen, warum er den Heimatstaat
habe verlassen müssen, aber dabei alle Gründe zu nennen». In der Folge
wurde der Beschwerdeführer bei seiner freien Rede mit der Begründung
unterbrochen, im Moment gehe es nur darum, einen Überblick über die
Ausreisegründe zu erhalten. In der Folge wurde der Beschwerdeführer mit
dem Hinweis, später darauf zurückzukommen, mehrere Male unterbro-
chen, wenn dieser die einzelnen Asylgründe zu detailliert zu schildern ver-
suchte. Tatsächlich erhielt der Beschwerdeführer, nachdem sich die befra-
gende Person durch gezielte Fragen offenbar einen ersten Überblick über
die Asylgründe verschafft hatte, Gelegenheit, seine Asylgründe zu schil-
dern. Die befragende Person unterbrach den Beschwerdeführer im Verlauf
der freien Rede einmal mit der Bitte, «sich über die Dinge, die seinem Vater
geschehen seien, etwas kürzer zu fassen», und an anderer Stelle mit dem
Hinweis, er werde nochmals zu einer Anhörung eingeladen, «es gehe im
Moment nur darum, grob zusammenfassend zu wissen, was passiert sei».
Ein anderes Mal wurde der Beschwerdeführer in seiner ansonsten freien
Rede von der befragenden Person unterbrochen, um eine klärende Nach-
frage zu stellen. Am Ende der Befragung wies die anwesende Rechtsver-
tretung darauf hin, dass der Beschwerdeführer oft unterbrochen worden
sei und er seine Asylvorbringen nicht frei und vollständig habe erzählen
können. Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer dazu aufge-
fordert wurde, als erstes nur einen kurzen Überblick seiner gesamten Asyl-
gründe zu geben. Da sich der Beschwerdeführer in seiner freien Rede im-
mer wieder in Details verlor, erscheint es nicht unangemessen, dass die
befragende Person diesen, wo nötig, unterbrach. Der Beschwerdeführer
erhielt denn auch in der Folge Gelegenheit, seine Asylgründe ausführlich
zu schildern mit dem Vorbehalt, dass es Ziel dieser ersten Anhörung sei,
sich einen groben Überblick über die Asylgründe zu verschaffen, und er in
einer ergänzenden Anhörung nochmals ausführlicher über seine Asyl-
gründe befragt werden würde. Auch in Berücksichtigung der Tatsache,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen der nachfolgenden ergänzenden
Anhörung tatsächlich hinreichend Gelegenheit erhielt, seine Asylgründe
detaillierter zu schildern, ist festzuhalten, dass weder eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs noch eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung vor-
liegt.
Seite 17
5.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die geltend gemachten
Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als nicht glaubhaft erach-
tet.
5.2.1 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches
im Wesentlichen geltend, nach dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009
habe die sri-lankische Armee seinen Vater von 2010 bis zu dessen Tod am
1. März 2013 unter dem Vorwurf, im Besitz von Beträgen der LTTE in Mil-
lionenhöhe zu sein und zu wissen, wo dieses Geld und Schmuck versteck-
ten, wiederholt einvernommen, gefoltert und mit dem Tod bedroht. Auch
ihn, den Beschwerdeführer, habe man im Jahr 2010 ein erstes Mal, und
zwischen 2014 und 2016 mehrere Male unter Anwendung von Schlägen
und auch sexueller Misshandlung einvernommen, um von ihm die Verste-
cke der LTTE (welche sein Vater ihm zu Lebzeiten verraten habe) in Erfah-
rung zu bringen. Aufgrund der Bedrohungslage sei er im November 2017
legal in die C._ gereist, wo er sich mit einer Arbeitsbewilligung auf-
gehalten und durch die Einreichung von Visagesuchen vergeblich versucht
habe, von dort legal nach Europa zu gelangen. Während seiner Landesab-
wesenheit hätten sich die Behörden wiederholt bei seiner Mutter nach sei-
nem Verbleib erkundigt. Nach Ablauf seiner für Dubai geltenden Arbeitsbe-
willigung sei er im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgeflogen und zu
seiner Mutter und zu seiner Schwester zurückgekehrt, wo er im April und
im Oktober 2019 erneut zum versteckten Geld befragt worden sei, obwohl
er stets beteuert habe, nichts über die Verstecke zu wissen. Nach Beste-
chung eines Polizeibeamten durch seine Mutter und seinen Onkel im Ok-
tober 2019 sei er freigelassen worden und ausgereist.
5.2.2 Das angeblich jahrelang andauernde behördliche Interesse an sei-
nem Vater und ihm selbst begründete der Beschwerdeführer stets damit,
dass sich gegenüber der Autowerkstatt seines Vaters eine grosse Basis
der LTTE befunden habe und sein Vater diesen von 2004/2005 bis 2009
dabei geholfen habe, Geld und Wertgegenstände wie Gold und Schmuck
in Fahrzeugen zu verstecken, welche dann von Angehörigen der LTTE
durch die Kontrollposten der sri-lankischen Sicherheitskräfte in andere, von
den LTTE kontrollierte Gebiete gefahren worden seien.
5.2.3 Indessen vermochte der Beschwerdeführer nicht plausibel darzule-
gen, aus welchen Gründen sein Vater (der wie der Beschwerdeführer nie
ein Mitglied der LTTE gewesen war) und er selbst unter den genannten
steten Verdacht der Behörden geraten sein sollten.
Seite 18
In diesem Zusammenhang ist besonders beachtlich, dass der Beschwer-
deführer zu Beginn der angeblichen Unterstützungsleistungen der LTTE
durch seinen Vater im Jahre 2005 erst zehn Jahre alt und somit bloss ein
kleines Kind war. Daher erscheint nicht nachvollziehbar, warum die Behör-
den davon ausgehen sollten, dass der Beschwerdeführer als damals noch
kleines Kind Kenntnis von den Verstecken der LTTE haben sollte, wo sich
angeblich Millionenbeträge befanden. Aus diesem Grund erscheint auch
die erste Festnahme des damals erst fünfzehn Jahre alten Beschwerde-
führers im Jahre 2010 sehr unwahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher er-
scheint das Vorgehen der Behörden, den Beschwerdeführer über einen
längeren Zeitraum und unter Anwendung massiver Gewalt immer wieder
nach den Verstecken der LTTE zu befragen, obwohl bereits der in der Zwi-
schenzeit verstorbene Vater des Beschwerdeführers stets beteuert hatte,
nichts von den Verstecken zu wissen. Die (auch in der Beschwerde) gel-
tend gemachte Tatsache, dass der Vater des Beschwerdeführers mit den
LTTE sympathisiert und mit diesen einen vertrauten Umgang gepflegt
habe, vermag den Verdacht der Behörden, der Vater des Beschwerdefüh-
rers habe Kenntnis von Verstecken der LTTE und bewahre selbst grosse
Geldbeträge bei sich auf, realistischerweise nicht zu begründen. Es er-
scheint wenig plausibel, dass die LTTE einem einfachen Automechaniker
ohne weiteren Bezug zu ihnen Verstecke anvertrauen, wo angeblich Milli-
onenbeträge lagerten. Noch unwahrscheinlicher ist, dass sodann der Be-
schwerdeführer selbst, als damals noch kleines Kind in solche Geheim-
nisse eingeweiht worden sein sollte. Die Behauptung, die Behörde sei jah-
relang davon ausgegangen, er habe Kenntnis von solchen Verstecken, er-
scheint realitätsfern. Selbst, wenn die Behörden, wie behauptet, die Vor-
kommnisse in der Garage beobachtet hätten, ist nicht nachvollziehbar, wa-
rum sie aufgrund dieser blossen Beobachtungen zur festen Überzeugung
gelangt sein sollten, dass der Vater des Beschwerdeführers genaue Kennt-
nis von den Verstecken der LTTE habe, geschweige denn der noch sehr
junge Beschwerdeführer. In diesem Zusammenhang ist mit dem SEM fest-
zustellen, dass ohnehin nicht nachvollziehbar erscheint, dass die Behör-
den, hätten sie die Vorkommnisse in der Garage tatsächlich beobachtet,
die präparierten Fahrzeuge in der Folge an den Kontrollposten der Armee
nicht hätten abfangen können. Der Erklärungsversucht in der Beschwerde,
wonach weder der Beschwerdeführer noch das SEM davon Kenntnis hät-
ten, ob solche Nachverfolgungen nicht vielleicht doch tatsächlich stattge-
funden hätten, vermag nicht zu überzeugen. So ist davon auszugehen,
dass die LTTE, wären ihre Fahrzeuge von den Behörden abgefangen, kon-
trolliert und konfisziert worden, ihre Vorgehensweise geändert hätten. Im
Seite 19
Weiteren vermögen die Erklärungen in der Beschwerde, wonach die Be-
hörden das Elternhaus des Beschwerdeführers nicht durchsucht hätten, da
es sich beim vermuteten Vermögen um ein solches in Millionenhöhe handle
beziehungsweise das Haus so klein sei, dass eine gründliche Durchsu-
chung nicht nötig gewesen wäre, die unterlassene Hausdurchsuchung
nicht plausibel zu erklären. Es ist mit dem SEM festzuhalten, dass die be-
hördliche Vorgehensweise, trotz angeblich jahrelang andauerndem Inte-
resse am Beschwerdeführer dessen Verwandten nie in die Ermittlungs-
handlungen einzubeziehen, realitätsfremd erscheint. Die Entgegnungen in
der Beschwerde, wonach diese nicht befragt worden seien, weil sie nichts
mit der Garage zu tun gehabt hätten und zudem die Schwestern nicht mehr
in der Umgebung lebten, vermögen nicht zu überzeugen. Darüber hinaus
konnte der Beschwerdeführer nicht plausibel erklären, warum er nach den
erlittenen Misshandlungen im Jahr 2015 seinen Heimatort B._ nicht
schon damals verlassen hat, um temporär an einem anderen Ort in Sri
Lanka sicherer zu leben. Die Hinweise in der Beschwerde auf sein jugend-
liches Alter und seine Erwerbsmöglichkeit am Heimatort stellen durchaus
Gründe für ein Bleiben dar, vermögen indessen die offenbar gehegte
Furcht vor weiterer Folter nicht aufzuwiegen.
Die (unter Bezugnahme auf entsprechende Berichte) in der Beschwerde
gemachten Ausführungen zur allgemeinen Gefährdungssituation von Ta-
milen in Sri Lanka, welche auch nach Ende des Bürgerkrieges weiterhin
bestehe, vermögen bereits wegen fehlendem Sachzusammenhang mit
den Vorbringen des Beschwerdeführers nichts an der Einschätzung zu än-
dern. Auch die eingereichten Beweismittel sind, wie das SEM zutreffend
festgehalten hat, zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen nicht ge-
eignet. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zu bestätigen-
den vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, auf die in der Be-
schwerde nur bezüglich der von der Mutter des Beschwerdeführers bei der
Human Rights Organization eingereichten Klage eingegangen wird. Mit der
Behauptung, wonach die Mutter des Beschwerdeführers, die ihren Sohn
mit einer solchen Klage habe schützen wollen, mit deren Einreichung in-
dessen noch zugewartet habe, bis sich der Beschwerdeführer an einem
sicheren Ort im Ausland befunden habe, vermag nicht plausibel erklärt zu
werden, warum diese angesichts der jahrelangen Bedrohungslage erst im
Jahre 2021 die Klage eingereicht hat und dies wohlgemerkt zudem zu ei-
nem Zeitpunkt, zu dem sich der Beschwerdeführer bereits längst ins Aus-
land begeben hatte und damit gar nicht mehr unmittelbar bedroht war. An-
geblich im Zusammenhang mit der genannten Klage der Mutter bei der
Seite 20
Human Rights Organization vom 13. Juli 2021 wurde auf Beschwerde-
ebene ein als «(...)» bezeichnetes Bestätigungsschreiben vom 15. Novem-
ber 2021 nachgereicht. Vorab ist festzuhalten, dass dieses Dokument kei-
nerlei Sicherheitsmerkmale aufweist und somit sehr einfach fälschbar ist.
Bereits vor diesem Hintergrund kann diesem lediglich ein eingeschränkter
Beweiswert zuerkannt werden. Zusätzlich kommt in casu erschwerend
hinzu, dass das betreffende Dokument auch mehrere inhaltliche Unstim-
migkeiten und Auffälligkeiten aufweist. Vorab fällt auf, dass das Schreiben
keinerlei Einleitung enthält und weder ersichtlich ist aus welchem Grund
diese Ausführungen überhaupt hätten gemacht werden sollen, noch auf-
grund wessen Anfrage dies erfolgte, noch an wen dieses Dokument über-
haupt gerichtet ist. Das Schreiben stellt vielmehr eine ohne erkennbaren
Grund getätigte simple Auflistung angeblicher Einzelgeschehnisse dar.
Hierbei sticht ins Auge, dass diese Auflistung in sehr auffallender Weise
sich an die Behauptungen des Beschwerdeführers anlehnt, daneben aber
keinerlei weitere Sachangaben, Details oder sachdienliche Zusatzaspekte
enthält, wie sie in einem in realiter erfolgten polizeilichen Schreiben eigent-
lich zu erwarten gewesen wären. Auch die sprachliche Ausprägung er-
scheint für ein offizielles polizeiliches Schreiben eher ungeeignet und wirkt
ganz im Gegenteil sogar auffallend laienhaft. Zusätzlich kommt hinzu, dass
einige inhaltliche Aspekte dieses Schreibens nicht realitätsnah sind und in
einem authentischen polizeilichen Schreiben kaum je so enthalten wären.
So wird beispielsweise preisgegeben, welche Polizeieinheiten angeblich
mit der Verhaftung des Beschwerdeführers beauftragt worden sein sollen
und dass der Beschwerdeführer umgehend verhaftet würde, sollte er ge-
fasst werden. Gleichzeitig wird angegeben, diese Information sei auch der
Mutter des Beschwerdeführers an deren Privatadresse zugestellt worden.
Dieses Vorgehen erscheint lebensfremd. Der Zweck einer Ausschreibung
zur Verhaftung besteht darin, dass eine gesuchte Person rasch aufgegrif-
fen und verhaftet werden kann. Eine polizeiliche Mitteilung an die Angehö-
rigen des Gesuchten, dass dieser zur Verhaftung ausgeschrieben worden
sei, würde indes gerade bewirken, dass dieser frühzeitig gewarnt ist und
sich dadurch problemlos einer Verhaftung entziehen könnte. Es ist daher
kaum anzunehmen, dass die Polizei die von ihr geplante Verhaftung gleich
selber aktiv dadurch verhindert, indem sie die Angehörigen des Gesuchten
über die Gefahr einer Verhaftung selber vorinformiert. Rein zur Vollständig-
keit sei an dieser Stelle ergänzend erwähnt, dass auch der Briefkopf des
Schreibens vom 15. November 2021 Anlass zu gewissen Zweifeln gibt. Die
Telefon- und Faxnummern der Polizeieinheiten der sri-lankischen Polizei
können online der Homepage der sri-lankischen Polizei entnommen wer-
den. Die im Schreiben vom 15. November 2021 aufgeführte Fax-Nummer
Seite 21
kann hierbei der (...) zugeordnet werden. Die im Briefkopf des Schreibens
vom 15. November 2021 ebenfalls aufgeführte Telefonnummer korrespon-
diert demgegenüber aber nicht mit der online ersichtlichen Telefonnummer
dieser Einheit (vgl. Angaben unter: Functional Division (police.lk). Der Um-
stand, dass in einem offiziellen Schreiben die Telefon- und Fax-Nummern
nicht der gleichen Polizeieinheit zugeordnet werden können, erscheint da-
her zumindest ungewöhnlich. Angesichts der fraglichen Beschaffenheit,
der fraglichen Herkunft und des fraglichen Inhalts des Schreibens vom 15.
November 2021 ist vor dem Hintergrund der ohnehin bereits bestehenden
Unglaubhaftigkeit der Vorbringen die Beweiskraft des genannten Bestäti-
gungsschreibens als bloss gering einzustufen. Mit der Beschwerde wurde
schliesslich zum Nachweis der Fussverletzung des Beschwerdeführers
eine entsprechende Röntgenaufnahme eingereicht, ohne anzugeben, in-
wiefern der Beschwerdeführer damit etwas zu seinen Gunsten ableiten
können sollte.
5.2.4 Der Eindruck, dass es sich bei den genannten Vorbringen um ein of-
fensichtliches Konstrukt handelt, wird durch weitere Unglaubhaftigkeitsele-
mente bestätigt. So hat der Beschwerdeführer, wie das SEM in der ange-
fochtenen Verfügung zutreffend ausführte, anlässlich der Anhörung von
insgesamt vier Festnahmen im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 berich-
tet, indessen im Rahmen der Anhörung von lediglich drei Festnahmen ge-
sprochen. In der Beschwerde wurde hierzu bloss entgegnet, dass es sich
um einen marginalen Unterschied handle und «der Sachverhalt länger zu-
rückliege». Im Weiteren hat das SEM in der angefochtenen Verfügung zu
Recht darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während der ersten
Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wo er im Oktober 2019 ein-
gesperrt worden sei, während er anlässlich der ergänzenden Anhörung an-
gegeben habe, sowohl im April 2019 als auch im Oktober 2019 im Polizei-
gebäude in H._ festgehalten worden zu sein. Die Argumentation in
der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer, da es bei der Hinfahrt
dunkel gewesen sei und er erst bei der Freilassung beziehungsweise bei
der Ankunft erkannt habe, dass er bereits im April 2019 von diesem Ort
freigelassen worden sei, vermag nicht zu erklären, warum er nicht bereits
während der Anhörung erwähnt hat, in Jaffna festgehalten worden zu sein.
5.2.5 Im Weiteren trifft es zu, dass die Schilderungen des Beschwerdefüh-
rers in wesentlichen Punkten substanzarm ausgefallen sind. Eine Durch-
sicht des Protokolls der ergänzenden Anhörung bestätigt die Einschätzung
des SEM, dass sich der Beschwerdeführer bei Fragen zu den Einvernah-
Seite 22
men und Haftbedingungen auf einfache Dialoge und die angeblichen Miss-
handlungen fokussiert hat, ohne dabei erlebnisgeprägte Einzelheiten oder
persönlich gefärbte Erinnerungen wiederzugeben. Auch die Schilderungen
über die angeblichen sexuellen Übergriffe im Jahre 2015 erwecken nicht
den Eindruck von selbst Erlebtem, sondern sind schematisch und rudimen-
tär ausgefallen. Die vom SEM angegebenen Protokollstellen geben diesen
Eindruck zutreffend wieder (vgl. A33 F33, F36, F39-42 und F46, F124-130).
Es fällt insbesondere auf, dass die Schilderungen im Rahmen der freien
Rede zwar lange, aber nicht ausführlich ausgefallen sind (kaum Realkenn-
zeichen wie Beschreibungen von Emotionen und Gedankengängen). Der
Eindruck, dass sich der Beschwerdeführer bewusst auf immer die gleichen
oder ähnlichen Sachverhaltselemente bezieht, vermag in der Beschwerde
mit dem Hinweis auf einzelne Protokollstellen nicht entkräftet werden, sind
doch in den zitierten einzelnen Aussagen kaum Realkennzeichen vorhan-
den (z.B. «Sie riefen meinen Vater mit seinem Decknamen J._»,
«Mein Vater hat diese Sachen unter dem Sitz..] versteckt.» Ebenso wenig
trifft es zu, dass die allgemein gehaltenen Aussagen «Ich habe auch mei-
nem Vater oft abgeraten, solche Arbeit [...] zu erledigen, aber Vater ist einer
anderen Meinung gewesen. [...] Ich habe meinen Vater auch mehrmals ge-
warnt. [...] Wir müssen mit Konsequenzen rechnen», wie in der Be-
schwerde behauptet, Ausdruck von vom Beschwerdeführer benannten in-
neren Konflikten sind. Auch die Beschreibung des Beschwerdeführers sei-
ner Peiniger «Diese Leute von den Sicherheitskräften sind sehr korpulent.
Sie sind sehr kräftig», sind entgegen der Auffassung in der Beschwerde
keineswegs detailliert ausgefallen. Bei dieser klaren Aktenlage hat das
SEM zu Recht die Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens nach
Istanbul-Protokoll verneint. Entsprechendes erschiene ohnehin nur dann
angebracht, wenn sich die betroffenen Vorbringen überhaupt wider-
spruchslos und nachvollziehbar in das übrige Sachgeschehen einbetten
liessen. Eine solche Ausgangslage liegt aber in casu angesichts der zahl-
reichen Unstimmigkeiten gerade offenkundig nicht vor.
5.2.6 Hinzu kommt, dass, wie vom SEM zutreffend erkannt, nicht feststeht,
ob der Beschwerdeführer nach seinem Aufenthalt in den C._ tat-
sächlich im Februar 2019 nach Sri Lanka zurückgekehrt ist. Die Rückkehr
nach Sri Lanka und der dortige Aufenthalt bis zur endgültigen Ausreise am
7. Januar 2020 blieb unbelegt. Auch den Ablauf der Arbeitserlaubnis in
D._ hat der Beschwerdeführer nicht dokumentiert. Im Weiteren
wies das SEM darauf hin, dass der Beschwerdeführer offensichtlich legal
nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, weshalb eine damalige behördliche Su-
Seite 23
che nach ihm ausgeschlossen werden könne. In der Beschwerde wird be-
stritten, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2019 legal nach Sri Lanka
zurückgekehrt sei. Der Beschwerdeführer habe auf die Frage, ob es Prob-
leme bei der Einreise gegeben habe, angegeben, dass er angehalten wor-
den sei und 50'000 Rupien hätte zahlen müssen. Bei dieser Summe habe
es sich um ein Bestechungsgeld gehandelt, da der Beschwerdeführer we-
niger als diese 50'000 Rupien bezahlt habe, womit nicht die genaue Höhe,
sondern eine Bezahlung insgesamt entscheidend gewesen sei, was eine
übliche Einreisegebühr ausschliesse. Dies sei sodann mit der nachfolgen-
den Frage der Vorinstanz auch richtig festgestellt worden (vgl. A33 F23).
Aus dem Protokoll der ergänzenden Anhörung ergibt sich, dass der Be-
schwerdeführer ausdrücklich angab, mit seinem Reisepass legal nach Sri
Lanka eingereist zu sein (vgl. A33 F22). Er ergänzte auf Nachfrage, ob es
am Flughafen bei der Einreise zu irgendwelchen Problemen gekommen
sei (vgl. A33 F23), dass er als grenzpolizeiliche Massnahme befragt wor-
den sei. Die Immigrationsbehörden hätten von ihm wissen wollen, warum
er in den C._ gewesen sei und was er dort getan habe (vgl. A33
F23). Er sei aufgefordert worden, 50'000 Rupien zu bezahlen, worauf er
nach Zahlung von 200 Euro habe einreisen können. In der Beschwerde
wird nun geltend gemacht, dass es sich bei der Zahlung dieser Geldsumme
um ein Bestechungsgeld gehandelt habe, da der Beschwerdeführer mit der
Zahlung von 200 Euro umgerechnet weniger als 50'000 Rupien entrichtet
habe, was eine übliche Einreisegebühr ausschliesse. Der Beschwerdefüh-
rer habe denn auch die Frage, ob es sich hierbei um ein Schmiergeld ge-
handelt habe, bejaht (vgl. A33 F24). Hierzu ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer zwar anscheinend erst nach Zahlung eines Schmiergeldes
einreisen konnte, die Immigrationsbehörden indessen offenbar keinerlei
Kenntnis von einer behördlichen Suche nach ihm hatten. Aufgrund der
strengen Kontrollen im Flughafen in Colombo ist daher von einer fehlenden
behördlichen Suche nach dem Beschwerdeführer auszugehen, was ein
weiteres Indiz für eine fehlende Gefährdungssituation darstellt.
Weiter kommt hinzu, dass der Umstand, dass der Beschwerdeführer ohne
zwingende Gründe wieder freiwillig nach Sri Lanka zurückkehrte und mit
seinem eigene Reisepass über den gut kontrollierten Flughafen Colombo
einreiste, auch entschieden gegen eine subjektive Verfolgungsfurcht
spricht.
5.3 Aus den genannten Gründen ist es dem Beschwerdeführer nicht ge-
lungen, eine Verfolgung im Heimatstaat glaubhaft darzulegen. Das Vorlie-
gen der Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise ist zu verneinen.
Seite 24
5.4 Es bestehen vorliegend keine Risikofaktoren (vgl. zu diesen Faktoren
das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2 [als Refe-
renzurteil publiziert]), bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer konnte nicht glaub-
haft machen, nach Kriegsende die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Be-
hörden auf sich gezogen zu haben. Aufgrund des fehlenden Risikoprofils
ist daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein wird.
5.5 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an
Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsi-
denten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter sei-
nem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015
Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahl-
reiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten
begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministersof state/20191127174753/,
abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minder-
heiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Über-
wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Die Neuwahlen haben
im August 2020 stattgefunden; Rajapaksas Partei ist siegreich daraus her-
vorgegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
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durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights
Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020).
Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorste-
henden Erwägungen ergibt, nicht ersichtlich.
5.6 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
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unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR
0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Be-
schwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So
weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutet,
zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Mass-
nahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenann-
ten background check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr eine Gefährdung drohen würde.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts
der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom
25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-
nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich
zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als
Referenzurteil publiziert) auch für das Vanni-Gebiet gilt.
Da SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit,
dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch individuelle Faktoren
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gegen die Zumutbarkeit sprächen. Der Beschwerdeführer stamme aus der
Nordprovinz (B._, Stadt H._) und verfüge dort über ein trag-
fähiges Beziehungsnetz (Mutter, Schwestern), eine gesicherte Wohnsitua-
tion und (auch in Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation [Hämor-
rhoiden, Fussbeschwerden]) die Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nach-
zugehen. Im Weiteren sei hinsichtlich des geäusserten Wunsches des Be-
schwerdeführers, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben, auf die
vorhandenen psychotherapeutischen Strukturen im Norden Sri Lankas,
insbesondere in der Stadt H._, zu verweisen. Diese Ansicht erweist
sich als zutreffend. In der Beschwerde werden keine Argumente vorge-
bracht, welche nicht schon Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens
gewesen wären.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug ist möglich.
7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Zur Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wird
in der Rechtsmitteleingabe die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung inklusive Rechtsverbeiständung beantragt.
Vorliegend haben sich die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos er-
wiesen. Aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung des K._
vom 4. November 2021 (vgl. Beilage 9 zur Beschwerdeeingabe) ist von der
prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, weshalb
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die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt sind.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist gutzu-
heissen. Auf die der Auferlegung der Verfahrenskosten ist deshalb zu ver-
zichten. Das Gesuch, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten, ist mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden.
9.2 Damit ist gestützt auf Art. 102m AsylG auch das Gesuch um unentgelt-
liche Rechtsverbeiständung gutzuheissen.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch wurde vom Gericht bisher noch
nicht instruktionsweise behandelt; es ist mit dem vorliegenden Urteil gutzu-
heissen. Die Rechtsvertreterin, MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin, Rechts-
beratungsstelle für Asylsuchende Aargau, 5001 Aarau, ist als amtliche
Rechtsbeiständin einzusetzen, nachdem sie die entsprechenden persönli-
chen Voraussetzungen gemäss Art. 102m AsylG erfüllt.
Der von der Rechtsvertreterin geleistete Vertretungsaufwand ist mithin un-
ter dem Titel des amtlichen Honorars zu entschädigen. Mit der Beschwer-
deeingabe wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb der Vertretungs-
aufwand vom Gericht zu schätzen ist. Gestützt auf die in Betracht zu zie-
henden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist das amtliche Honorar
zulasten der Gerichtskasse auf insgesamt Fr. 1‘200.- (inkl. Mehrwertsteuer
und Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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