Decision ID: ca7f57c9-1257-4e6a-9a13-0bf89b46e384
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die 1967 geborene, zuletzt als Mitarbeiterin im Postdienst tätig gewesene
Beschwerdeführerin meldete sich am 15. Mai 2015 aufgrund eines Burnout
bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche In-
tegration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die
Beschwerdegegnerin klärte in der Folge die medizinische, berufliche und
persönliche Situation der Beschwerdeführerin ab und gewährte ihr berufli-
che Massnahmen (Frühintervention; Beratung und Unterstützung), welche
sie am 10. Oktober 2016 abschloss, weil die Beschwerdeführerin die Prä-
senzzeit nicht steigern konnte und krankgeschrieben wurde. Zur Beurtei-
lung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin liess die Be-
schwerdegegnerin die Beschwerdeführerin psychiatrisch begutachten
(Gutachten von Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 6. Februar 2018). In der Folge verneinte sie mit Verfügung vom 26.
Juli 2018 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Die dagegen er-
hobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Urteil
VBE.2018.673 vom 22. Mai 2019 teilweise gut, hob die Verfügung auf und
wies die Sache zu weiteren Abklärungen und zur anschliessenden Neuver-
fügung an die Beschwerdegegnerin zurück.
1.2.
In der Folge aktualisierte die Beschwerdegegnerin die medizinischen Akten
und liess die Beschwerdeführerin auf Empfehlung des Regionalen Ärztli-
chen Dienstes (RAD) bidisziplinär (psychiatrisch/neurologisch) begutach-
ten (Gutachten der Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG,
St. Gallen [SMAB], vom 6. Januar 2021). Daraufhin sprach die Beschwer-
degegnerin der Beschwerdeführerin am 24. Februar 2021 die Durchfüh-
rung einer Arbeitsgewöhnungsmassnahme (Arbeitstraining) zu, welche sie
aufgrund fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit der Beschwerde-
führerin nicht durchführte und daraufhin einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen mit Verfügung vom 31. Mai 2021 verneinte. Weiter stellte sie
der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 6. April 2021 ab dem 1. Ja-
nuar 2016 die Zusprache einer ganzen Rente und ab dem 1. April 2021
einer Viertelsrente in Aussicht. Unter Berücksichtigung der dagegen am
7. Mai 2021 erhobenen Einwände hielt die Beschwerdegegnerin mit Verfü-
gung vom 26. August 2021 an ihrem Vorbescheid fest.
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 26. August 2021 erhob die Beschwerdeführerin
mit Eingaben vom 24. respektive 27. September 2021 fristgerecht Be-
schwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
- 3 -
"1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 26. August 2021 .
2. 2.1 Es sei der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zu sprechen.
2.2 Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die  zurückzuweisen.
3. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu  und der unterzeichnende als ihr unentgeltlicher Vertreter einzusetzen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Gleichzeitig stellte die Beschwerdeführerin einen Antrag auf Durchführung
einer mündlichen Verhandlung gestützt auf Art. 6 EMRK.
2.2.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 29. September 2021 wurde der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu ihrem
unentgeltlichen Vertreter MLaw Elias Hörhager, Rechtsanwalt, Schöftland,
ernannt.
2.3.
Mit Vernehmlassung vom 7. Oktober 2021 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.
2.4.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. Oktober 2021 wurde die be-
rufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren beige-
laden und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, worauf diese mit
Schreiben vom 26. Oktober 2021 verzichtete.
2.5.
Am 23. Februar 2022 wurde die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen,
dass das Versicherungsgericht die Durchführung einer öffentlichen Ver-
handlung als entbehrlich erachtet und sie wurde um Mitteilung gebeten, ob
sie unter diesen Umständen an der beantragten Verhandlung festhalte. Mit
Eingabe vom 24. Februar 2022 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die
Durchführung einer öffentlichen Verhandlung.
- 4 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig ist die per 1. April 2021 erfolgte Herabstufung der ganzen auf eine
Viertelsrente. Der Umstand, dass Umfang und allenfalls Dauer des Ren-
tenanspruchs über den verfügungsweise geregelten Zeitraum hinweg vari-
ieren, ist allerdings praxisgemäss unter anfechtungs- und streitgegen-
ständlichem Gesichtspunkt belanglos. Wird nur die Abstufung oder die Be-
fristung der Leistungen angefochten, wird damit die gerichtliche Überprü-
fungsbefugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritten geblie-
bene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_453/2020 vom 20. November 2020 E. 3.1 mit
Hinweisen). Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdegegnerin der Be-
schwerdeführerin mit Verfügung vom 26. August 2021 (Vernehmlassungs-
beilage [VB] 188) zu Recht ab dem 1. Januar 2016 eine ganze Rente und
ab dem 1. April 2021 eine Viertelsrente zugesprochen hat.
2.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in
medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das bidisziplinäre SMAB-Gut-
achten vom 6. Januar 2021 der Dres. med. D., Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Neurologie, und E., Facharzt für Neurologie. Die
Gutachter stellten die folgenden Diagnosen (VB 167.1 S. 6):
"Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depres-
sive Episode (ICD-10: F33.1) 2. Dysthymia (F 34.1)
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): 1. Abhängigkeit von Zolpidem (ICD-10: F13.2) 2. Episodische Spannungskopfschmerzen 3. Chronische Insomnie 4. Wahrscheinlicher phobischer Attackenschwindel 5. Status nach Epilepsie in der Kindheit 6. Kleine rechts frontale cerebrale Läsion, DD postischämisch DD nied-
riggradige Neoplasie 7. obstruktives Schlafapnoesyndrom mittelschweren Grades".
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere ausschliesslich auf psy-
chiatrischem Fachgebiet aus einer anhaltenden und objektivierbaren Stö-
rung der Affektivität in Form einer depressiven Symptomatik, verbunden mit
einer Antriebsminderung, Ängsten, Insuffizienzgefühlen und Einschränkun-
gen des Durchhaltevermögens (VB 167.1 S. 9). In der bisherigen sowie in
einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, welche
spätestens seit der Begutachtung durch Dr. med. C. vom 6. Februar 2018
bestehe, wobei allerdings entsprechende Wiedereingliederungsmassnah-
men Voraussetzung zur Realisierung dieser Arbeitsfähigkeit seien. Zuvor
- 5 -
sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem 19. Januar 2015 auszu-
gehen (VB 167.1 S. 8 f.).
3.
3.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
3.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-
lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-
chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
3.3.
Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des SMAB-Gutachtens vom
6. Januar 2021 fachärztlich umfassend untersucht. Es wurden ferner ei-
gene Zusatzuntersuchungen durchgeführt (schlafmedizinische Untersu-
chung sowie Bestimmung des Medikamentenspiegels; vgl. VB 167.4
S. 12 ff., S. 21). Dabei beurteilten die Gutachter die medizinischen Zusam-
menhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis der Vorakten
(VB 167.2 S. 1 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden
einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten
Schlussfolgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert
im Sinne vorstehender Kriterien zu.
4.
4.1.
Die Beschwerdeführerin bringt unter Hinweis auf den Bericht ihrer Psychi-
aterin Dr. med. F. vom 17. März 2020 (VB 147) im Wesentlichen vor, sie
ziehe sich immer mehr sozial zurück und ihr Antrieb sei zunehmend gemin-
dert. Dies widerspreche der gutachterlichen Einschätzung, wonach die
Rede von adäquaten sozialen Kompetenzen sei. Zudem seien die Gutach-
ter auf die Ausführungen von Dr. med. F. gar nicht eingegangen (Be-
schwerde S. 6 f.).
Zum Tagesablauf führte die Beschwerdeführerin gegenüber dem psychiat-
rischen Gutachter aus, dass sie oft zu Hause sei und nur gelegentlich,
- 6 -
meistens alleine, spazieren gehe und im Haushalt nur mit ihrem Freund
gemeinsam koche, was sie auch ganz gerne tue. Es gäbe einen Gewürz-
garten, den sie mit ihrem Freund gestalte. Darüber hinausgehende Hobbies
habe sie jedoch nicht. Sie hätte gerne einen Hund, wobei der damit verbun-
dene Versorgungsaufwand allerdings so gross sei, dass sie sich dies im
Moment nicht zutraue. Es gäbe einen festen Freundes- und Bekannten-
kreis, in dem man regelmässige soziale Kontakte pflege. Zur Herkunftsfa-
milie habe sie die Kontakte verloren. So habe sie den Kontakt zur älteren
Schwester abgebrochen, weil diese im Zusammenhang mit ihrer Erkran-
kung so belehrend aufgetreten sei, dass sie ihre Ratschläge nicht mehr
habe hören wollen (VB 167.3 S. 6). Der Gutachter schloss daraus nachvoll-
ziehbar, dass die Beschwerdeführerin über eine ausreichende Affektsteu-
erung verfüge, auch wenn unterschwellig eine erhöhte Affektlabilität be-
stehe. Die Selbstwertregulation sei im Sinne einer negativen Bewertung der
eigenen Ressourcen beeinträchtigt bei einer gleichzeitigen Tendenz zur
Regression. Gleichwohl würden Restressourcen wie eine stabile Bindungs-
und Beziehungsfähigkeit vorliegen und die soziale Kommunikationsfähig-
keit sowie die Fähigkeit, den Alltag auf einem begrenzten Aktivitätsniveau
autonom zu gestalten, seien erhalten. Demnach seien zumindest befriedi-
gende soziale Kompetenzen gegeben, die auch darin ersichtlich würden,
als ein relevanter sozialer Rückzug nicht benannt werden könne (VB 167.3
S. 16 f.). Zudem stellte der psychiatrische Gutachter – wie Dr. med. F.
(VB 147 S. 1) – ebenfalls ein reduziertes Antriebsniveau der Beschwerde-
führerin fest (VB 167.3 S. 8). Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zu-
sammenhang bemängelt, dass die Gutachter das Umfeld nie befragt hätten
(Beschwerde S. 7 f.), ist zu beachten, dass die Notwendigkeit der Einho-
lung einer Fremdanamnese in erster Linie eine Frage des medizinischen
Ermessens ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_794/2017 vom
27. März 2018 E. 4.2.1 mit Hinweisen). Dass die Gutachter auf die Einho-
lung von Auskünften von Drittpersonen verzichteten, ist demnach nicht zu
beanstanden.
Wesentliche Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben wären (vgl. hierzu statt vieler: Urteil des Bundesge-
richts 8C_60/2020 vom 8. April 2020 E. 3.2 mit Hinweisen), liegen somit
nicht vor. Ebenfalls nicht zu bemängeln ist, dass der psychiatrische Gut-
achter sich nicht vertieft mit dem Bericht von Dr. med. F. auseinanderge-
setzt hat, da es im Ermessen des Gutachters liegt, ob und welche Berichte
gegebenenfalls in der Expertise erwähnt und diskutiert werden. Entschei-
dend ist, dass dem Gutachter sämtliche Unterlagen zur Verfügung standen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 2018 E. 4.4),
was hier der Fall war (VB 167.2 S. 7).
- 7 -
4.2.
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, der Gutachter habe nicht begrün-
det, weshalb die diagnostizierte Abhängigkeit von Zolpidem nicht von Be-
deutung sei (Beschwerde S. 8).
Anlässlich der gutachterlichen Laboruntersuchung wurde ein tiefer Wert un-
ter dem Referenzbereich festgestellt (vgl. VB 167.4 S. 21). Auch die Be-
schwerdeführerin bestätigt, dass sie Zolpidem stets im ärztlich verschrie-
benen Ausmass einnimmt (vgl. Beschwerde S. 8; VB 167.5 S. 9). Der psy-
chiatrische Gutachter ging folglich zu Recht davon aus, dass lediglich eine
Niedrigdosisabhängigkeit bestehe (zur Niedrigdosisabhängigkeit: Diese ist
eine Sonderform der Arzneimittelabhängigkeit, die ohne Dosissteigerung
der Substanz verläuft; vgl. hierzu Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Auflage 2017, S. 157). Ebenfalls nachvollziehbar ist, dass er deshalb
eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneinte, stellte er doch keinerlei
Nebenwirkungen oder aus der Einnahme von Zolpidem resultierende ge-
sundheitliche Beeinträchtigungen fest. Ohnehin ist auch ausweislich der
weiteren medizinischen Akten nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführe-
rin Zolpidem in einer höheren als von den behandelnden Ärzten verschrie-
benen Dosierung einnehmen respektive sich die regelmässige Einnahme
auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde.
Der psychiatrische Gutachter hat sich zudem in überzeugender Weise und
– entgegen des entsprechenden Vorbringens der Beschwerdeführerin (Be-
schwerde S. 8) – unter Berücksichtigung der Indikatoren gemäss BGE 141
V 281 zu den Auswirkungen der psychiatrischen Erkrankungen geäussert
(vgl. VB 167.3 S. 12 f.). Dabei hat er insbesondere auch einleuchtend auf
die bei der Beschwerdeführerin vorhandenen Ressourcen hingewiesen
(vgl. VB 167.3 S. 13, 16 f.).
4.3.
Soweit die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Gutachter keine kon-
kreten beruflichen Eingliederungsmassnahmen, mit welchen sich die Ar-
beitsfähigkeit steigern liesse, genannt hätten (Beschwerde S. 9), ist darauf
hinzuweisen, dass deren Bestimmung Sache der IV-Stelle ist (vgl. Art. 57
Abs. 1 lit. f IVG). Im Übrigen scheint dies ohnehin nicht von Relevanz, ist
die Beschwerdeführerin doch der Ansicht, dass sie an sämtlichen Mass-
nahmen nicht teilnehmen könne (vgl. VB 174; 175). Zudem führten die Gut-
achter auch nicht aus, dass sich die Arbeitsfähigkeit durch entsprechende
berufliche Massnahmen steigern liesse, sondern diese seien Vorausset-
zung zur Realisierung der 50%igen Arbeitsfähigkeit (vgl. VB 167.1 S. 9).
4.4.
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, die Gutachter hätten
nicht näher ausgeführt, wie eine angepasste Tätigkeit aussehen solle (Be-
- 8 -
schwerde S. 9). Die Gutachter legten jedoch durchaus dar, welche Tätig-
keiten der Beschwerdeführerin zumutbar wären: So führten sie aus, dass
die Beschwerdeführerin einfache Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck
mit klar vorgegebenen Handlungsabläufen, ohne Publikumsverkehr und
ohne besonderen Verantwortungsbereich bewältigen könne. Die Mitarbeit
in einem Team sei möglich (VB 167.1 S. 7). Die der Beschwerdeführerin
noch zumutbaren Tätigkeiten sind demnach genügend konkret umschrie-
ben.
4.5.
Zusammenfassend sind keine konkreten Indizien ersichtlich, die gegen die
Zuverlässigkeit des SMAB-Gutachtens vom 6. Januar 2021 sprechen, so-
dass darauf abzustellen ist (Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit, vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181). Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hin-
tergrund als vollständig abgeklärt, weshalb in antizipierter Beweiswürdi-
gung auf weitere Abklärungen (Rechtsbegehren Ziff. 2.2) zu verzichten ist
(vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69, 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f.). Für die bishe-
rige sowie angepasste Tätigkeiten ist ab Januar 2015 von einer 100%igen
und ab dem Gutachten von Dr. med. C. vom 6. Februar 2018 (vgl.
VB 105.1 S. 2) – unter Vorbehalt der Durchführung beruflicher Wiederein-
gliederungsmassnahmen – von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszuge-
hen (vgl. VB 167.1 S. 8 f.).
5.
5.1.
Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, sie sei ihrer Mitwirkung an
den Eingliederungsmassnahmen in entschuldbarer Weise nicht nachge-
kommen, weshalb das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, unzulässig sei (Beschwerde S. 10).
Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführerin am 19. Januar
2021 mit, dass sie bereit sei, eine Angewöhnungszeit (Arbeitstraining) von
sechs Monaten in eine geeignete Tätigkeit zu finanzieren. Die Beschwer-
deführerin habe schriftlich zu bestätigen, dass sie bei einer solchen beruf-
lichen Eingliederungsmassnahme vorbehaltlos mitwirken werde. Falls in-
nerhalb der gesetzten Frist keine Antwort eintreffe oder die Massnahme
ohne stichhaltige Gründe abgelehnt werde, werde der Anspruch auf eine
berufliche Angewöhnungszeit abgewiesen und bezüglich der Bemessung
der Rente auf die medizinisch-theoretisch festgestellte Arbeitsfähigkeit von
50 % abgestellt (VB 168 S. 1). Die Beschwerdeführerin erklärte sich am
15. Februar 2021 vorbehaltlos zur Mitwirkung bereit (VB 171 S. 2). Anläss-
lich der erstmaligen Kontaktaufnahme der Eingliederungsberaterin vom
12. März 2021 hielt sie jedoch fest, sie könne an keinem Eingliederungs-
programm teilnehmen; sie habe Schlafstörungen und ihr Partner sei krebs-
- 9 -
krank, sie könne auf gar keinen Fall arbeiten (VB 174), was ihr Rechtsver-
treter schliesslich bestätigte (VB 176 S. 1 f.). Die Beschwerdegegnerin
schloss deshalb den Eingliederungsprozess am 23. März 2021 bereits wie-
der ab (VB 175). Die im Anschluss erlassene Verfügung vom 31. Mai 2021
betreffend die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen er-
wuchs sodann unangefochten in Rechtskraft (VB 183). Da die Eingliede-
rungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben war, war
vor der Herabsetzung der Rente auch kein Mahn- und Bedenkzeitverfah-
ren nach Art. 21 Abs. 4 ATSG durchzuführen (Urteile des Bundesgerichts
8C_480/2018 vom 26. November 2018 E. 7.3; 8C_311/2018 vom 16. No-
vember 2018 E. 5.5). Die Beschwerdegegnerin ging deshalb bei der Be-
messung der Invalidität per 1. April 2021 zu Recht von einer 50%igen Ar-
beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus.
5.2.
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang gel-
tend, sie habe gar keine Möglichkeit mehr, ihre Mitwirkungspflicht zu erfül-
len, da ihr Anspruch auf ein Arbeitstraining rechtskräftig abgewiesen wor-
den sei (Beschwerde S. 10). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass es
der Beschwerdeführerin unbenommen ist, ein neues Gesuch um berufliche
Massnahmen bei der Beschwerdegegnerin zu stellen, sollte sie zu einer
Mitwirkung bereit sein.
6.
6.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Tätigkeit in der Poststelle des
regionalen Elektrizitätswerkes sei eine absolute Nischentätigkeit gewesen.
Zudem habe sie die Sonderschule besucht und lediglich eine Anlehre ge-
macht. Es sei daher von einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
auszugehen (Beschwerde S. 12).
6.2.
Die Frage der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit beurteilt sich be-
zogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 und Art. 16
Abs. 1 ATSG), wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_910/2015 vom 19. Mai 2016 E. 4.2.1 mit
Hinweisen, in: SVR 2016 IV Nr. 58 S. 190). Der ausgeglichene Arbeits-
markt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die kon-
krete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von den feh-
lenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeig-
nete Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 134 V 64 E. 4.2.1 S. 70 f. mit Hinwei-
sen). Er ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen
Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer ver-
schiedenster Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276). Das gilt sowohl
- 10 -
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Vorausset-
zungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabei ist nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vor-
kehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objekti-
ven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1, publ. in:
SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203; Urteil des Bundesgerichts 8C_117/2018 vom
31. August 2018 E. 2.2.2, mit Hinweis, auch zum Folgenden). Der ausge-
glichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze,
also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozi-
alen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Ur-
teil des Bundesgerichts 9C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1). Von ei-
ner Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen werden,
wenn die zumutbare Tätigkeit nunmehr in so eingeschränkter Form möglich
ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle
daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (Urteile des Bundesge-
richts 9C_312/2017 vom 18. Mai 2018 E. 6.3; 8C_403/2017 vom 25. Au-
gust 2017 E. 5.4 je mit Hinweisen).
6.3.
Gemäss dem beweiskräftigen SMAB-Gutachten vom 6. Januar 2021 ist die
Beschwerdeführerin in einfachen Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck
mit klar vorgegebenen Handlungsabläufen, ohne Publikumsverkehr und
ohne besonderen Verantwortungsbereich zu 50 % arbeitsfähig. Die Mitar-
beit in einem Team sei möglich (VB 167.1 S. 7, 9). Das Belastungsprofil
einer der Beschwerdeführerin noch zumutbaren angepassten Tätigkeit ist
folglich nicht derart eingeschränkt, dass anzunehmen wäre, dass der aus-
geglichene Arbeitsmarkt keine entsprechende Stelle kennen würde. Aus
den Angaben ihrer ehemaligen Arbeitgeberin geht schliesslich auch nicht
hervor, dass die Tätigkeit eine "absolute Nischentätigkeit" dargestellt hätte:
So stellte diese mittlere Anforderungen an die Konzentration/Aufmerksam-
keit, das Durchhaltevermögen, die Sorgfalt und das Auffassungsvermögen
(VB 11.1 S. 7). Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin gibt es
in den Akten sodann keine Anhaltspunkte dafür, dass sie in ihrer Anpas-
sungs- und Umstellungsfähigkeit massgeblich beeinträchtigt sein könnte,
kann sie hinsichtlich der denkbaren Verweistätigkeiten doch von ihrer lang-
jährigen Tätigkeit als Postmitarbeiterin profitieren und damit den Umstel-
lungs- und Einarbeitungsaufwand minimal halten (vgl. etwa Urteile des
Bundesgerichts 8C_133/2018 vom 26. Juni 2018 E. 4; 9C_312/2017 vom
18. Mai 2018 E. 6.3). Weiter erlaubt auch die verbleibende Erwerbsdauer
der 1967 geborenen Beschwerdeführerin rechtsprechungsgemäss, eine
neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die
Arbeit auszuüben (Urteile des Bundesgerichts 8C_687/2018 vom 18. April
2019 E. 4.2; 8C_77/2019 vom 8. März 2019 E. 3.2.3; 9C_677/2016 vom
- 11 -
7. März 2017 E. 4.3). In Würdigung aller Umstände ist von der Verwertbar-
keit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen.
7.
7.1.
Soweit die Beschwerdeführerin aufgrund "ergonomischer Einschränkun-
gen" einen leidensbedingten Abzug von 25 % vom Invalideneinkommen
fordert (Beschwerde S. 12), ist festzuhalten, dass ausweislich des beweis-
kräftigen SMAB-Gutachtens vom 6. Januar 2021 aus neurologischer Sicht
sämtliche Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind und
auch keine Anpassung der Tätigkeit erfordern (vgl. VB 167.4 S. 9). Die Be-
schwerdegegnerin hat folglich zu Recht keinen Abzug vom Invalidenein-
kommen vorgenommen.
7.2.
Die von der Beschwerdegegnerin ermittelten Vergleichseinkommen per
1. April 2021 werden im Weiteren von der rechtskundig vertretenen Be-
schwerdeführerin nicht gerügt (zum Rügeprinzip vgl. BGE 119 V 347 E. 1a
S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110 V 48 E. 4a S. 53) und es sind den Akten
keine relevanten Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach der von der Be-
schwerdegegnerin darauf gestützt vorgenommene Einkommensvergleich
nicht im Wesentlichen korrekt wäre. Die Verfügung vom 26. August 2021
erweist sich demnach als rechtens.
8.
8.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
8.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-
merken.
8.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter
wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-
rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein
(Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG).
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8.4.
Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-
gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten
Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.