Decision ID: 3893a916-0f0f-4f1b-a11d-95f6a0e7c8cc
Year: 2004
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Glaubhaftmachung einer erheblichen Sachverhaltsveränderung genüge es
nicht, dass in einem neuen Bericht der bereits bekannte, im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenverfügung gegebene Sachverhalt anders bewertet
werde. Vielmehr bedürfe es neuer Elemente tatsächlicher Natur, die nach der
ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten und zu dem damals gegebenen
Sachverhalt hinzugekommen seien oder diesen wesentlich verändert hätten.
Es müsse eine Änderung des IV-Grades um mindestens 40% glaubhaft
gemacht werden, damit Anspruch auf Eintreten bestehe. Diese
Voraussetzungen würden mit den neuen Diagnosen Spreizfuss und
Hyperlipidämie nicht erfüllt, zumal diese nicht geeignet seien, die
Restarbeitsfähigkeit zu beschränken. Eine wesentliche Verschlechterung der
Arbeitsfähigkeit seit dem 29. Mai 2002 könne ausgeschlossen werden,
weshalb der Einspracheentscheid zu Recht ergangen sei.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig
geprüft werden kann, ob die IV-Stelle zu Recht auf die Neuanmeldung nicht
eingetreten ist. Der materielle Antrag auf Zusprechung einer halben IV-Rente
(Ziff. 2 des Rechtsbegehrens) kann hingegen im vorliegenden Verfahren nicht
beurteilt werden (EVG Urteil vom 21. Januar 2003, I 425/02; BGE 109 V 120
Erw. 1), weshalb auf die Beschwerde diesbezüglich nicht eingetreten werden
kann.
2. a) Nach der Rechtsprechung ist bei einer Neuanmeldung nach rechtskräftiger
Verweigerung einer Verweigerung einer Rente wegen eines zu geringen
Invaliditätsgrades (Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV) in analoger Weise wie bei einem
Revisionsfall nach Art. 41 IVG vorzugehen (BGE 117 V 198 Erw. 3a). Nach
dieser Bestimmung ist die Rente für die Zukunft entsprechend zu erhöhen,
herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Grad der Invalidität in einer
für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Dies trifft insbesondere bei einer
wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes zu (BGE 113 V 275
Erw. 1a mit Hinweisen; 112 V 372 Erw. 2b und 390 Erw. 1b). Ob eine
Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch einen Vergleich des
Sachverhaltes, wie er sich im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung
bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung
(BGE 125 V 369 Erw. 2 mit Hinweis). Dabei obliegt es der versicherten
Person, die massgebliche Tatsachenänderung, aufgrund welcher sie die
Anpassung der Rente verlangt, glaubhaft zu machen. Der
Untersuchungsgrundsatz, wonach Verwaltung und Gericht von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhaltes zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (BGE 130 V 68 Erw. 5.2.5;
125 V 195 Erw. 2; 122 V 158 Erw. 1a je mit Hinweisen; Zum Beweismass des
„Glaubhaftmachens“: EVG Urteil vom 16. Oktober 2003, I 249/1 Erw. 5.2;
Urteil vom 1. Dezember 2003, I 465/03 Erw. 3.2.2 und 3.2.3; SVR 2003 IV Nr.
25 S. 77 Erw. 2.2 und 2.3; 2002 IV Nr. 10 S. 26 Erw. 1c/aa). Liegt ein neuer
Bericht eines Facharztes vor, auf dessen Unterlagen die Verwaltung und das
Gericht für die Invaliditätsbemessung angewiesen sind, genügt es für das
Vorliegen einer erheblichen Sachverhaltsänderung nicht, dass im fragliche
Bericht der bereits bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung gegebene Sachverhalt anders bewertet wird und daraus
andere Schlussfolgerungen gezogen werden als im früheren
Verwaltungsverfahren. Vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher
Natur, die nach der ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten und zu dem
damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen sind oder diesen verändert
haben (EVG Urteil I 82/04 vom 30. Juli 2004 mit Hinweis).
b) Im Lichte des Dargelegten ist zu prüfen, ob es dem Beschwerdeführer
gelungen ist, glaubhaft zu machen, dass die tatsächlichen Verhältnisse im
Zeitraum vom 29. Mai 2002 (Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung)
bis zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids am 10. Februar
2004 in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verändert haben. -
In der ursprünglichen Rentenverfügung vom 29. Mai 2002 stellte die
Vorinstanz bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes im Wesentlichen
auf einen zu Handen der IV erstellten Bericht von Dr. med. ..., Facharzt FMH
für Innere Medizin spez. Rheumatologie, ..., vom 26. Februar 2002 ab. In
diesem wurde unter Bezugnahme auf frühere Behandlungen ein
chronifiziertes lumbovertebrales Schmerzsyndrom (unspezifisch), ein cervico-
radikuläres Reizsyndroms C7 Ii bei DH 6/7 sowie eine Chondropathia patellae
re diagnostiziert. In jenem Bericht hielt der Arzt weiter fest, dass der
Gesundheitszustand des Versicherten stationär sei. Im bisherigen
Tätigkeitsbereich als selbständigerwerbender Maler sei er zu 75 %
arbeitsunfähig, im administrativen Bereich bestehe aber noch eine
weitgehende Arbeitsfähigkeit. Bereits in einem separaten Arztbericht (datiert
vom 19. Februar 2002) zu Handen des Versicherten hatte der Arzt zur
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten die gleichen Angaben gemacht.
Ausserdem führte er noch aus, dass sich die Arbeitsunfähigkeit klar verringern
würde, wenn man davon ausgehen würde, dass der Versicherte rein im
administrativen Bereich arbeiten könnte. Bei einer rein administrativen Arbeit
im eigenen Betrieb, wo der Versicherte seine Arbeitszeit an die eigene
Invalidität anpassen könnte, dürfte medizinisch theoretisch von einer
Arbeitsfähigkeit von ca. 6 Stunden pro Tag ausgegangen werden. Im
Angestelltenverhältnis, wo wahrscheinlich die Bedingungen weniger optimal
wären, dürfte sich die Arbeitsfähigkeit auf ca. 4 - 5 Stunden pro Tag bei
reduzierter Leistungsfähigkeit von 20 - 30 % vermindern. Der ursprünglichen
Rentenverfügung lag hinsichtlich der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten
sodann noch ein detaillierter Bericht der BEFAS Horw vor. Diesem kann ohne
weiteres entnommen werden, dass der versicherte in der freien Wirtschaft und
im eigenen Betrieb in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ca. 35
Stunden pro Woche arbeiten könne. In der Funktion als Geschäftsführer
(angestellt oder selbständig) könne er - freie Arbeits- und Zeiteinteilung
vorausgesetzt - ein Wochenpensum von 35 Stunden erfüllen (Tätigkeiten wie:
Offerten und Rechnungen erstellen, Vor- und Nachkalkulationen,
Ausmessarbeiten, Akquisition und Kundenbetreuung). In der Folge verneinte
die IV-Stelle am 29. Mai 2002 einen Rentenanspruch mangels
leistungsbegründender Invalidität.
c) In dem der Neuanmeldung zugrunde liegenden Bericht des Hausarztes
werden im Vergleich zu den tatsächlichen Verhältnissen im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenverfügung - mit Ausnahme der Diagnosen Spreizfuss
und Hyperlipidämie - keine neuen Diagnosen gestellt. Wie die Vorinstanz zu
Recht geltend macht, wurden die IV-rechtlich relevanten Gebrechen bereits
vor Erlass der abschlägigen Verfügung vom 29. Mai 2002 diagnostiziert und
es wurde bereits damals festgestellt, dass sie eine Leistungsverminderung
von rund 17% in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit bewirken würden,
was letztlich zur Folge hatte, dass von einem IV-Grad von weit unter 40 %
auszugehen war. Der neue ärztliche Bericht vom 12. Juni 2003 lässt nun aber
keine erhebliche (objektive) Vergrösserung dieser Leiden erkennen. Vielmehr
wird vermutungsweise lediglich eine prozentual-niedrigere Beurteilung der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten
Tätigkeit angegeben, heisst es doch darin „... in der jetzigen Situation dürfte
allerdings auch eine mehr administrative Tätigkeit z.B. in der Betriebsführung
eines Malergeschäfts klar eingeschränkt sein in einem Ausmass von
mindestens 50%.“ Auch wenn sich eine Veränderung der Restarbeitsfähigkeit
auch ohne Änderung des Gesundheitszustandes ergeben kann, kann der
Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. weil es sich
dabei in der Regel nämlich um geringfügige Änderungen handelt, weswegen
bei solchen Entwicklungen dem Kriterium der Erheblichkeit auch eine
besondere Bedeutung zukommt (Kieser, Kommentar ATSG, Rz 11 zu Art. 17).
In der IV kann – wie bereits mehrfach ausgeführt – lediglich durch eine
wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes ein Wechsel des
Rentenanspruchs bewirkt werden. Vorliegend wäre dies dann der Fall, wenn
sich aufgrund der Änderung ein IV-Grad von mindestens 40% ergäbe. Eine
solche (wesentliche) Änderung kann nun aber im konkreten (IV-Grad gemäss
ursprünglicher Verfügung: 17%) aufgrund der vorliegenden (bisherigen und
neuen) Diagnosen bei weitem nicht glaubhaft gemacht werden. Dies umso
weniger, als überhaupt nicht ersichtlich ist, inwiefern sich die neuen gestellten
Diagnosen (Spreizfuss und Hyperlipidämie) in IV-rechtlich relevanter Art und
Weise negativ auf die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken
bzw. diese einschränken könnten.
d) Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass aufgrund des Berichtes des
Hausarztes (und der darin bestätigten bisherigen und neuen Diagnosen) nicht
auf eine rentenrelevante wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitsschadens im fraglichen Zeitraum (29. Mai 2002 bis 10. Februar
2004) geschlossen werden kann. Die Vorinstanz ist somit zu Recht auf die
Neuanmeldung nicht eingetreten und die Beschwerde daher vollumfänglich
abzuweisen.
3. a) Gerichtskosten werden keine erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. a ATSG und Art. 11 der
grossrätlichen Verordnung über das Verfahren in
Sozialversicherungsstreitsachen kostenlos ist.
b) Dem Beschwerdeführer kann für das vorliegende Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Verbeiständung gewährt werden, weil seine Bedürftigkeit
aufgrund der eingereichten Unterlagen (u.a. aktuelle
Steuerveranlagungsverfügungen) aktenkundig ist, die Beschwerde auch nicht
als aussichtslos zu bezeichnen und die Vertretung durch einen Rechtsanwalt
geboten war (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen).
Dabei steht der Einsetzung von Rechtsanwalt ... als Rechtsbeistand nichts
entgegen. Der Beschwerdeführer wird indessen ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass er - falls sich seine Einkommens- und
Vermögensverhältnisse verbessern - dem Kanton Graubünden die Kosten für
die Verbeiständung zu erstatten hat.
c) Eine aussergerichtliche Entschädigung steht der obsiegenden Vorinstanz
praxisgemäss nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).