Decision ID: 94cba447-cee6-44c4-9564-48d3e57c59d6
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führt gegen A. (fortan: Beschwer-
deführer) eine Strafuntersuchung wegen schwerer, evt. versuchter schwe-
rer Körperverletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB, evt. i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB)
sowie wegen Raufhandels (Art. 133 Abs. 1 StGB).
2.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2022 ordnete die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau die Erstellung eines DNA-Profils des Beschwerdeführers an.
3.
3.1.
Mit Eingabe vom 6. Juli 2022 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde ge-
gen die ihm am 29. Juni 2022 zugestellte Verfügung vom 21. Juni 2022 und
beantragte:
" 1. Die vorliegende Beschwerde sei gutzuheissen, weshalb die Anordnung zur Erstellung eines DNA-Profils vom 21. Juni 2022 aufzuheben sei sowie  bereits mittels DNA-Profil erhobene Daten des Beschwerdeführers umgehend zu löschen und allenfalls noch vorhandene WSA-Proben  zu vernichten sind.
2. Ohne Kosten-, jedoch unter Entschädigungsfolgen zu Gunsten von A.
Eventualiter, dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnende als unentgeltliche Vertreter ."
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2022 beantragte die Staatsanwalt-
schaft Lenzburg-Aarau die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
3.3.
Am 31. August 2022 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Beschwer-
deantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. August 2022
und hielt an den Beschwerdeanträgen fest.
3.4.
Mit Eingabe vom 5. September 2022 reichte die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau die Ergebnisse der DNA-Analyse ein, nachdem sie mit Verfü-
gung vom 1. September 2022 durch die Verfahrensleiterin hierzu aufgefor-
dert wurde.
- 3 -

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft sind mit
Beschwerde anfechtbar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Beschwerdeaus-
schlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen nicht vor. Damit ist die Be-
schwerde zulässig. Nachdem die Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind
und zu keinen Bemerkungen Anlass geben, ist auf die frist- und formge-
rechte Beschwerde einzutreten.
2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte zur Begründung der ange-
fochtenen Verfügung an, dass sich am 29. Mai 2022 auf dem Bahnhofplatz
in Aarau eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen ereignet
habe, wobei sich ein Beteiligter, C., aufgrund eines eingesetzten Messers
erhebliche Gesichtsverletzungen zugezogen habe. Der Beschwerdeführer
sei an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen. Es habe ein Messer be-
schlagnahmt werden können. Die DNA-Profilerstellung sei zwecks Spu-
renabgleichs notwendig. Insbesondere sei zu überprüfen, ob auf dem be-
schlagnahmten Messer DNA-Spuren des Beschwerdeführers vorhanden
seien oder nicht. Der Grundrechtseingriff sei gering, bei den zu untersu-
chenden Delikten handle es sich um erhebliche Straftaten und es seien
keine milderen Massnahmen zur Klärung der Sachlage vorhanden. Soweit
sich der Tatverdacht entkräfte, seien die Erfassungsdaten und das DNA-
Profil entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu löschen.
2.2.
Der Beschwerdeführer macht mit Beschwerde im Wesentlichen geltend,
dass die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau in der angefochtenen Verfü-
gung nicht begründe, weshalb die Probeentnahme zur Klärung der Anlass-
tat notwendig sei bzw. der Klärung des in der Anordnung geschilderten ver-
muteten Sachverhalts beitragen könne. Vielmehr solle die DNA-Probe
zwecks "Spurenabgleichs" herhalten, um auf diese Weise erst einen allfäl-
lig hinreichend begründeten Tatverdacht zu liefern. Sinnvollerweise sei erst
festzustellen, ob sich an dem aufgefundenen Messer Blutspuren befänden.
Wenn diese Prüfung negativ ausfalle, könne das aufgefundene Messer
nicht als Tatwaffe eingesetzt worden sein. Selbst wenn am Messer aber
Blutspuren aufgefunden würden, sei kein hinreichender Tatverdacht gege-
ben. Auf den Videoaufnahmen sei nicht zu erkennen, dass ein Messer bei
der Rauferei eingesetzt worden sei. Es werde darüber hinaus nicht ausge-
führt, welche DNA-Spuren am Tatort gefunden worden seien und mit dem
Profil des Beschwerdeführers verglichen werden müssten. Die Erstellung
eines DNA-Profils sei für die Strafuntersuchung zwecklos und unnötig, weil
unbestritten scheine, dass sich der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des zur
- 4 -
Diskussion stehenden Vorfalls in gewisser/enger Nähe befunden habe und
er habe sich überdies in denselben Räumlichkeiten wie der Besitzer des
Messers aufgehalten. Es sei davon auszugehen, dass sich die – dem Be-
schwerdeführer bekannten Personen – am fraglichen Abend mittels Hand-
schlag und Umarmungen begrüsst hätten. Daher könne sich DNA-Material
des Beschwerdeführers auf den Besitzer des Messers übertragen haben.
Es sei längst bekannt und durch Studien belegt, dass in rund 40% der Fälle
DNA-Spuren aufgrund von Übertragung auf das untersuchte Objekt ge-
kommen seien. Deshalb trage eine DNA-Analyse nichts zur Abklärung des
Vorfalls bei. Betreffend "weiterer, möglicher Taten" bzw. die rechtliche Zu-
lässigkeit eines DNA-Profils zu diesem Zweck mache die Staatsanwalt-
schaft Lenzburg-Aarau keine Ausführungen, womit sie nicht davon aus-
gehe, dass es überhaupt weitere Taten abzuklären gebe. Es bestünden
keine erheblichen Anhaltspunkte dafür, dass zur Aufklärung einer vergan-
genen oder zukünftigen Delinquenz die Erstellung eines DNA-Profils nötig
sei. Die Anordnung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau sei nicht recht-
mässig, eventualiter unverhältnismässig.
2.3.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verweist mit Beschwerdeantwort
zunächst auf die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons
Aargau vom 2. Juni 2022 betreffend den Mitbeschuldigten D.. Zum Zeit-
punkt der Anordnung der DNA-Probe habe ein hinreichender Tatverdacht
vorgelegen, welcher sich auf den Straftatbestand des Raufhandels bezo-
gen habe und auf den vorhandenen Videoaufnahmen und dem festgestell-
ten Signalement basiert habe. Wie der angefochtenen Verfügung entnom-
men werden könne, diene die Anordnung der DNA-Probe dem Spurenab-
gleich. In der Hauptsache sei es der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau
darum gegangen, den gegen den Mitbeschuldigten D. bestehenden Tat-
verdacht betreffend den Tatvorwurf der schweren Körperverletzung abzu-
klären. Nur mit der Anordnung der DNA-Probe habe ein weiterer Hinweis
auf den Messerführer gewonnen werden können.
2.4.
Der Beschwerdeführer bringt in seiner Stellungnahme vom 31. August
2022 vor, dass die Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau eine neue Begründung enthalte. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau verletze damit das Begründungserfordernis, welches sie nun unzu-
lässigerweise im Nachgang zu heilen versuche. Es zeige sich aber, dass
auch mit der nachgeschobenen Begründung die Rechts- und Sachlage
nicht anders zu beurteilen sei. Es sei offensichtlich, dass das erstellte DNA-
Profil zwecks Spurenabgleich nichts zur Wahrheitsfindung beitragen
könne. Am 9. August 2022 habe die Befragung des Hauptbeschuldigten
(D.) stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt sei die Analyse bereits durchge-
führt worden und die Ergebnisse hätten vorgelegen. Im Rahmen der Befra-
gung seien dem anwesenden Verteidiger des Hauptbeschuldigten und dem
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Verteidiger des Beschwerdeführers die DNA-Analyse-Ergebnisse vorge-
legt worden. Aus der Analyse ergebe sich, dass nicht nur das Messer, son-
dern auch ein Seitenschneider analysiert worden sei. In der Anordnung zur
Erstellung eines DNA-Profils habe es die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau versäumt, den Seitenschneider zu erwähnen. Es zeige sich weiter,
dass die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau bzw. die Polizei die Gegen-
stände vorgängig auf Blutanhaftungen untersucht habe und diese Tests
negativ ausgefallen seien. Dadurch ergebe sich, dass eine nachfolgende,
weitere DNA-Analyse weder gerechtfertigt noch zweckmässig gewesen
sei, da diese Analyse offensichtlich nichts Neues zur Sachverhaltsermitt-
lung habe beitragen können.
3.
3.1.
Der Beschwerdeführer beanstandet mit Stellungnahme vom 31. August
2022 eine mangelhafte Begründung der angefochtenen Verfügung und so-
mit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, womit diese Rüge vorab zu
behandeln ist. In der Anordnung zur Erstellung eines DNA-Profils habe es
die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zudem versäumt, den Seiten-
schneider zu erwähnen (vgl. E. 2.4. hiervor).
3.2.
Ist eine Zwangsmassnahme schriftlich anzuordnen und ist sie nicht geheim
zu halten, so wird den direkt betroffenen Personen gegen Empfangsbestä-
tigung eine Kopie des Befehls und eines allfälligen Vollzugsprotokolls über-
geben (Art. 199 StPO). Die Behörde ist verpflichtet, ihre Entscheide zu be-
gründen, damit der Betroffene sie verstehen und seine Beschwerderechte
ausüben kann. Sie muss daher mindestens kurz die Gründe nennen, die
sie geleitet haben und auf die sie ihre Entscheidung gestützt hat, damit der
Betroffene den Umfang des Entscheids einschätzen und in voller Kenntnis
der Sachlage anfechten kann. Sie ist jedoch nicht verpflichtet, alle von den
Parteien vorgebrachten Tatsachen, Beweise und Einwände darzulegen
und zu diskutieren, sondern kann sich stattdessen auf die Prüfung der für
den Ausgang der Streitigkeit entscheidenden Fragen beschränken. Bei
zeitlicher Dringlichkeit darf die Begründung auch sehr kurz ausfallen (vgl.
SVEN ZIMMERLIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 3. Aufl. 2020, N. 1 zu Art. 199 StPO).
3.3.
Der angefochtenen Verfügung vom 21. Juni 2022 ist zu entnehmen, wel-
cher Sachverhalt dem Tatvorwurf zu Grunde liegt und welche Straftatbe-
stände dem Beschwerdeführer zur Last gelegt werden (vgl. E. 2.1. hiervor).
Der Beschwerdeführer wurde folglich in zeitlicher und sachlicher Hinsicht
darüber in Kenntnis gesetzt, was ihm vorgeworfen wird. Da der Beschwer-
deführer anlässlich seiner Einvernahme vom 31. Mai 2022 mit den belas-
tenden Videoaufnahmen der Auseinandersetzung konfrontiert wurde,
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musste ihm aufgrund der Feststellung "Der Beschuldigte war an dieser
Auseinandersetzung beteiligt" ohne weiteres klar sein, worauf sich der hin-
reichende Tatverdacht stützte, zumal er sich auf den belastenden Video-
aufnahmen der Auseinandersetzung selber identifizierte (vgl. Einvernahme
vom 31. Mai 2022, Frage 105). Weiter führte die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau in der angefochtenen Verfügung an, dass ein Spurenabgleich
vorzunehmen und insbesondere zu prüfen sei, ob auf dem beschlagnahm-
ten Messer DNA-Spuren des Beschwerdeführers vorhanden seien, womit
die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau auch dargelegt hat, aus welchem
Grund die Probeentnahme notwendig war, nämlich um eine mögliche Tat-
waffe mit dem DNA-Profil des Beschwerdeführers abzugleichen. Wie sich
schliesslich aus der vorliegenden Beschwerde ergibt, war es dem Be-
schwerdeführer ohne weiteres möglich, den Umfang der Verfügung einzu-
schätzen und in voller Kenntnis der Sachlage anzufechten, womit vorlie-
gend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ersichtlich ist.
Dass gemäss Bericht der Kantonspolizei Aargau vom 24. Juni 2022 auch
ein Seitenschneider des Beschwerdeführers ausgewertet wurde, trifft zu,
ist aber nicht Prozessthema des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Ge-
genstand des Beschwerdeverfahrens ist ausschliesslich die angefochtene
Verfügung vom 21. Juni 2022 und somit die Frage, ob die gesetzlichen Vo-
raussetzungen für die Anordnung zur Erstellung eines DNA-Profils vorla-
gen, wobei hierfür nicht von Bedeutung ist, ob nebst dem in der angefoch-
tenen Verfügung aufgeführten Messer im Nachgang noch weitere Gegen-
stände auf Spuren untersucht wurden.
4.
Gemäss Art. 197 Abs. 1 StPO können Zwangsmassnahmen (Art. 196–298
StPO) nur ergriffen werden, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind, ein hin-
reichender Tatverdacht vorliegt, die damit angestrebten Ziele nicht durch
mildere Massnahmen erreicht werden können und die Bedeutung der Straf-
tat die Zwangsmassnahme rechtfertigt. Hinweise auf eine strafbare Hand-
lung müssen erheblich und konkreter Natur sein, um einen hinreichenden
Tatverdacht begründen zu können (BGE 141 IV 87 E. 1.3.1).
Zur Aufklärung eines Verbrechens oder eines Vergehens kann von der be-
schuldigten Person eine Probe genommen und ein DNA-Profil erstellt wer-
den (Art. 255 Abs. 1 lit. a StPO). Auch von anderen Personen, insbeson-
dere Opfern oder Tatortberechtigten, kann ein DNA-Profil erstellt werden,
soweit es notwendig ist, um von ihnen stammendes biologisches Material
von jenem der beschuldigten Person zu unterscheiden (Art. 255 Abs. 1 lit. b
StPO). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommen die Pro-
benahme und Erstellung eines DNA-Profils gemäss Art. 255 Abs. 1 StPO
nicht nur in Betracht zur Aufklärung jenes Delikts, welches dazu Anlass ge-
geben hat, oder zur Zuordnung von bereits begangenen und den Strafver-
folgungsbehörden bekannten Delikten. Wie aus Art. 259 StPO i.V.m. Art. 1
- 7 -
Abs. 2 lit. a DNA-Profil-Gesetz (SR 363) hervorgeht, muss die Erstellung
eines DNA-Profils es auch erlauben, den Täter von Delikten zu identifizie-
ren, die den Strafverfolgungsbehörden noch unbekannt sind. Dabei kann
es sich um vergangene oder künftige Delikte handeln. Das DNA-Profil kann
so Irrtümer bei der Identifikation einer Person und die Verdächtigung Un-
schuldiger verhindern. Es kann auch präventiv wirken und damit zum
Schutz Dritter beitragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_387/2021 vom
19. Mai 2022 E. 3.2).
Die Aufklärung vergangener und die Verhinderung zukünftiger Straftaten
mittels erkennungsdienstlicher Massnahmen liegen im öffentlichen Inte-
resse. Sowohl die erkennungsdienstliche Erfassung als auch die DNA-Pro-
filerstellung sind zudem grundsätzlich geeignet, zur Aufklärung von bereits
begangenen oder künftigen Delikten beizutragen, sofern DNA-Spuren bzw.
Fingerabdrücke sichergestellt werden können, anhand welcher der Täter
identifiziert werden könnte. Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt je-
doch weiter, dass eine behördliche Massnahme für das Erreichen des im
öffentlichen oder im privaten Interesse liegenden Zieles nicht nur geeignet,
sondern auch erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der
Schwere der Grundrechtseinschränkung als zumutbar erweist. Es muss
eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation vorliegen. Überdies ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Erstellung eines DNA-Profils, das
nicht der Aufklärung der Anlass dazu gebenden Straftaten eines laufenden
Strafverfahrens dient, nur dann verhältnismässig, wenn erhebliche und
konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Beschuldigte in andere
– auch künftige – Delikte verwickelt sein könnte. Dabei muss es sich um
Delikte von einer gewissen Schwere handeln (vgl. BGE 147 I 372 E. 4.2).
5.
5.1.
Dem Beschwerdeführer wird in der angefochtenen Verfügung vorgeworfen,
sich am 29. Mai 2022 zwischen 23:14 Uhr und 23:25 Uhr auf dem Bahn-
hofplatz in Aarau an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt zu
haben, wobei er sich der schweren, eventualiter der versuchten schweren
Körperverletzung sowie des Raufhandels schuldig gemachten haben
könnte.
Die Auseinandersetzung wurde durch Videokameras aufgezeichnet. Auf
den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie sich C. und zwei weitere Personen
auf dem Bahnhofplatz miteinander unterhalten. Darauffolgend kommen
zwei Männer (mutmasslich der Beschwerdeführer und D.) hinzu und ver-
setzen sowohl C. wie auch einem seiner Begleiter zunächst einen Schlag
in Richtung Kopf. Nachdem sich ein weiterer (dritter) Mann ebenfalls an der
Auseinandersetzung gegen C. und seinen Begleiter beteiligt, erfolgen wei-
tere (teils gegenseitige) Schläge und Fusstritte, wobei C. zu Boden geht
- 8 -
und auch in dieser (wehrlosen) Position weiter mit Schlägen und Fusstritten
traktiert wird (vgl. Videoaufnahmen Bahnhofplatz Aarau bei den Akten).
Kurze Zeit nach der Auseinandersetzung und Alarmierung der Polizei, traf
diese in einem Hotelzimmer in unmittelbarer Tatortnähe auf den Beschwer-
deführer, D. sowie eine männliche und eine weibliche Person, wobei der
Beschwerdeführer, D. und die dritte männliche Person dem Signalement
der mutmasslichen Täterschaft der Auseinandersetzung entsprachen
(vgl. Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 30. Mai 2022, S. 2). Dass der
Beschwerdeführer auf den Videoaufnahmen – als Teilnehmer der gewalt-
tätigen Auseinandersetzung – zu erkennen ist, steht ausser Frage. So iden-
tifizierte er sich auf den Videoaufnahmen selber (vgl. Einvernahme vom
31. Mai 2022, Frage 105), obschon er im Übrigen mehrheitlich angab, sich
nicht an den Vorfall erinnern zu können. Auch mit Beschwerde bestreitet
der Beschwerdeführer seine Beteiligung an der Auseinandersetzung nicht
explizit, sondern führt aus, dass die Erstellung eines DNA-Profils zwecklos
und unnötig sei, weil unbestritten scheine, "dass sich der Beschwerdefüh-
rer im Zeitpunkt des zur Diskussion stehenden Vorfalls in gewisser/enger
Nähe befunden hat – der Beschwerdeführer hielt sich überdies in densel-
ben Räumlichkeiten wie der Besitzer des Messers auf" (vgl. Beschwerde,
Ziff. 13). Zum jetzigen Zeitpunkt liegt nach dem Gesagten jedenfalls ohne
Weiteres ein hinreichender Tatverdacht vor, dass sich der Beschwerdefüh-
rer am 29. Mai 2022 an der gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligte
und sich damit des Raufhandels schuldigt gemacht haben könnte.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist bei der jetzigen Sachlage
auch von einem hinreichenden Tatverdacht bezüglich eines Messereinsat-
zes auszugehen. Ausweislich der Akten ist erstellt, dass C. bei der Ausei-
nandersetzung eine ca. 6 cm lange, tief verlaufende Schnittwunde im Ge-
sicht davongetragen hat, welche naheliegenderweise durch einen messer-
ähnlichen Gegenstand herbeigeführt worden sein muss (vgl. Rapport der
Kantonspolizei Aargau vom 30. Mai 2022, S. 2; Bilderdokumentation der
Kantonspolizei Aargau vom 31. Mai 2022), zumal E. bereits bei der telefo-
nischen Alarmierung gegenüber der Polizei angab, dass es zu einem "Streit
mit Messer" auf dem Bahnhofplatz gekommen sei (vgl. Rapport der Kan-
tonspolizei Aargau vom 30. Mai 2022, S. 2). Weiter steht fest, dass im Ho-
telzimmer, in welchem sich der Beschwerdeführer nach der Auseinander-
setzung mit drei weiteren Personen aufgehalten hatte, eine Messerklinge
sichergestellt wurde (vgl. Rapport Hausdurchsuchung der Kantonspolizei
Aargau vom 30. Mai 2022, S. 3 und S. 4). Soweit sich der Beschwerdefüh-
rer zur Entkräftung des Tatverdachts hinsichtlich des Messereinsatzes auf
die Videoaufnahmen stützt, indem er geltend macht, es sei darauf zu er-
kennen, dass während der Rauferei kein Messer eingesetzt worden sei
(vgl. Beschwerde, Ziff. 10), kann ihm nicht gefolgt werden. Den Videoauf-
nahmen ist nicht zweifelsfrei zu entnehmen, ob bei der Auseinanderset-
zung ein Messer oder ähnliches eingesetzt wurde, zumal (mutmasslich) der
- 9 -
Beschwerdeführer und D. zeitweise die Sicht – auf den am Boden liegen-
den C. – verdecken, während sie ihn mit Schlägen und Fusstritten traktie-
ren. Schliesslich erscheinen die Schlagbewegungen, mutmasslich ausge-
führt durch den Beschwerdeführer und D., ungewöhnlich, da sie mehrheit-
lich die Hand geschlossen halten und die Schlagbewegung viel eher einer
typischen Stichbewegung entspricht. Nach dem Gesagten ist zurzeit jeden-
falls davon auszugehen, dass anlässlich der Auseinandersetzung ein Mes-
ser (oder messerähnlicher Gegenstand) eingesetzt worden war, wodurch
C. eine ca. 6 cm lange, tief verlaufende Schnittwunde erlitt. Hinzukommend
wurde C. mutmasslich durch den Beschwerdeführer und D. mit Schlägen
und Fusstritten gegen den Kopf bzw. in Kopfrichtung traktiert, obschon er
bereits wehrlos auf dem Boden lag, womit naturgemäss ebenfalls erhebli-
che Verletzungen in Kauf genommen werden.
Bei dieser Sach- und Faktenlage bestehen zurzeit erhebliche und konkrete
Hinweise, welche für die Täterschaft des Beschwerdeführers bezüglich des
Vorfalls vom 29. Mai 2022 sprechen, wobei es vertretbar erscheint, die vor-
geworfenen Handlungen des Beschwerdeführers als Raufhandel bzw. (ver-
suchte) schwere Körperverletzung zu qualifizieren.
5.2.
Für die Klärung der Täterschaft ist u.a. die Auswertung von DNA-Spuren
auf dem Messer (oder auf ähnlichen Gegenständen) dienlich. Die Erstel-
lung des DNA-Profils ist daher für die Klärung der Täterschaft geeignet und
erforderlich, zumal auf diese Weise eine Verbindung vom (mutmasslichen)
Täter zur möglichen Tatwaffe hergestellt oder ausgeschlossen werden
kann. Weshalb die mögliche Tatwaffe zunächst auf Blutspuren des Opfers
hätte überprüft werden müssen, wie dies der Beschwerdeführer geltend
macht, ist nicht ersichtlich (vgl. Beschwerde, Ziff. 9; Stellungnahme, Ziff. 7).
Nebst dem Umstand, dass die Blutspuren vor der Beschlagnahme hätten
abgewischt werden können, kann der Einsatz eines Messers auch mittels
Identifizierung durch eine beteiligte Person oder einen Zeugen erfolgen,
womit es nicht zwingend eines Blutnachweises des Opfers bedarf, um den
Einsatz der möglichen Tatwaffe zu belegen. Welche gleichermassen er-
folgsversprechenden Untersuchungsmassnahmen zur Verfügung stünden,
ist nicht ersichtlich, zumal sich der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aus-
sagen nicht mehr an den Vorfall erinnern kann. Auch aufgrund der Video-
aufnahmen kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden, ob ein scharfer Ge-
genstand zu den Verletzungen von C. geführt hat und wer hierfür verant-
wortlich ist, womit die Erstellung eines DNA-Profils entgegen dem Be-
schwerdeführer vorliegend weder "zwecklos" noch "unnötig" ist (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 13). Dass die Möglichkeit einer Übertragung von DNA-Spu-
ren besteht, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 13 ff.), mag durchaus zutreffen. Würde man der Argumen-
tation des Beschwerdeführers folgen, wären kaum noch Fälle denkbar, in
- 10 -
welchen die Erstellung eines DNA-Profils überhaupt zulässig wäre. Der Be-
schwerdeführer verkennt in diesem Zusammenhang, dass die Auswertung
und Analyse der DNA-Spuren den forensischen Fachpersonen obliegt,
während das Sachgericht schlussendlich über die Beweiskraft der analy-
sierten Spuren zu befinden hat. Vorliegend stellt die Auswertung der DNA-
Spuren jedenfalls ein erforderliches und geeignetes Mittel für die Klärung
der Täterschaft dar, welches durchaus auch zur Entlastung des Beschwer-
deführers beitragen kann. Ob es sich schlussendlich um einen "Tatbeweis"
handelt oder nicht (Beschwerde, Ziff. 14), wird im Falle der Anklageerhe-
bung das Sachgericht zu entscheiden haben.
Die Zwangsmassnahmen sind angesichts der dem Beschwerdeführer zur
Last gelegten Vorwürfe, wobei es sich zum jetzigen Kenntnisstand um
schwerwiegende Gewalttaten handelt, durchaus verhältnismässig, zumal
sie entsprechend den gesetzlichen Vorgaben wieder gelöscht werden,
wenn sich der Tatverdacht nicht erhärten sollte. Die übrigen Voraussetzun-
gen für deren Anordnung sind damit ebenfalls erfüllt.
6.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung der Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau vom 21. Juni 2022 nicht zu beanstanden, womit die Be-
schwerde abzuweisen ist.
7.
7.1.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss dem mit sei-
ner Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO).
7.2.
Soweit der Beschwerdeführer mit seinem Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege um die Befreiung von Verfahrenskosten ersucht, gilt Folgen-
des:
Abgesehen von den Regelungen zur amtlichen Verteidigung sieht die StPO
die unentgeltliche Rechtspflege nur zugunsten der Privatklägerschaft für
die Durchsetzung von mit der Straftat konnexen privatrechtlichen Ansprü-
chen vor (GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 136
StPO). Ebenso wenig hat der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 29 Abs. 3
BV Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, nachdem es unter dem Ge-
sichtspunkt des verfassungsmässig garantierten Minimalanspruchs von
Art. 29 Abs. 3 BV allein darauf ankommt, dass einer bedürftigen Partei der
Zugang zum Gericht nicht infolge ihrer Bedürftigkeit verwehrt oder er-
schwert ist (BGE 110 Ia 87 E. 4). Im Urteil 1B_203/2015 vom 1. Juli 2015,
E. 6.2, bestätigte das Bundesgericht seine konstante Praxis, dass sich aus
- 11 -
Art. 29 Abs. 3 BV kein Anspruch von (aktuell) mittellosen Rechtsuchenden
auf definitive Befreiung von selber verursachten Verfahrenskosten ergibt.
Finanziell bedürftige Rechtsuchende haben im Rahmen der unentgeltli-
chen Prozessführung lediglich Anspruch auf Befreiung von der Kostenvor-
schussobliegenheit (vgl. BGE 122 I 322 E. 2c, 110 Ia 87 E. 4, 99 Ia 437
E. 2; Urteil des Bundesgerichts 1B_372/2014 vom 8. April 2015 E. 4.6). Im
Gegensatz zur unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft, die
auch die Befreiung von den Verfahrenskosten umfasst (Art. 136 Abs. 2 lit. b
StPO), beschränkt sich jene für die beschuldigte Person gemäss Urteil des
Bundesgerichts 6B_758/2013 vom 11. November 2013, E. 3.2, auf die Bei-
ordnung einer amtlichen Verteidigung (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO).
Vom Beschwerdeführer wurde kein Kostenvorschuss verlangt. Als Be-
schuldigter hat er keinen Anspruch auf Befreiung von den Verfahrenskos-
ten. Nach der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts hat er dem-
nach keinen Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege.
8.
Die Entschädigung seines amtlichen Verteidigers für dieses Beschwerde-
verfahren ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen
Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2 StPO).