Decision ID: 9ff954e0-b983-4894-b3a7-c3242e5366ef
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1997, besuchte die Sekundarschule B und absolvierte im
Anschluss daran das 10. Schuljahr, welches er im Jahr 20
14 abschloss (Urk. 11/8
/14 f.)
. In der Folge fand er jedoch keine Lehrstelle
und
nahm auch sonst keine Erwerbstätigkeit auf
(Urk. 11/8/1). Am 17. Februar 2017 meldete er sich unter Hinweis auf eine psychische Krankheit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/1/4 und 6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
einen Bericht
de
s
Hausarztes Dr. med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, ein
(Urk. 11/6
)
. Am
11. Septem
ber 2017
teilte sie dem Versicherten
mit, es seien
zurzeit
keine Ein
gliederungsmassnahmen möglich, weshalb der Rentenanspruch geprüft werde (Urk. 11/12).
Danach führte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen durch und liess den Versicherten durch Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Gutachten vom 27. Februar 2020,
Urk. 11/42). Zudem holte sie eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD), Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, ein (Urk. 11/45/6). Mit Vorbescheid vom 4. Mai 2020 kündigte sie dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens an (Urk. 11/46). Dagegen erhob der Versicherte am
7. Mai 2020, ergänzt am 11. Juni 2020, Einwand (Urk. 11/47, Urk. 11/49). Am 2. September 2020 verfügte die IV-Stelle im ange
kündigten Sinne (Urk. 11/56 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
29. September 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 2. September 2020 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm rückwirkend ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt und für die Zukunft eine Rente der Invalidenversicherung sowie sämtliche weiteren Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnah
men, Taggelder, etc.) auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Ab
klärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1
S. 2). Seiner Beschwerde legte er einen Bericht des behandelnden
Dipl.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 21. September 2020 bei (Urk. 3). Mit Schreiben vom 12. Oktober 2020 kündigte der Beschwerdeführer sodann an, er werde am 13. Oktober 2020 in die
Klinik C._
eintreten (Urk. 5). Dies wurde der Beschwerdegegnerin am 13. Oktober 2020 mitgeteilt
(
Urk. 6).
A
m 26. Oktober
2020
reichte der Beschwerdeführer sodann
den Austrittsbericht
der
Klinik C._
vom 16. Oktober 2020 nach (Urk. 8 und Urk. 9/1-6). Die Beschwer
de
gegnerin schloss am 9. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10)
und verzichtete am 30. November 2020 auf eine Stellungnahme zum Austritts
bericht der
Klinik C._
(Urk. 14). Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1. Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, aufgrund der medizinischen Unterlagen liege eine Internetabhängigkeit mit Computerspielen vor. Diese Diagnose habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Somit bestehe keine Erkrankung, welche die Erwerbsfähigkeit beeinflusse. Für eine Lehre im ersten Arbeitsmarkt
entstünden
keine Mehrkosten. Die Voraussetzungen für Leis
tungen der Invalidenversicherung seien nicht erfüllt (Urk. 2 S. 1).
Der vom Be
schwerdeführer in Aussicht gestellte
stationäre Aufenthalt in der Klinik
C._
wäre
grundsätzlich
abgewartet worden,
zumal
bei einem stationären Aufenthalt in diesem Alter Diagnosen auftreten könnten, welche die Arbeitsfähigkeit dauer
haft einschränkten. Im Schreiben vom 25. Juni 2020 habe
jedoch
der Beschwer
deführer mitgeteilt, dass er weiterhin nicht angemeldet sei. Es ergäben sich
daher keine neuen Erkenntnisse
(Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
e
s könne nicht angehen, dass die Beschwerdegegnerin bei einem von ihr als «inhaltlich wenig überzeugende
n
Gutachten» einzig auf die Z-Diagnose abstelle
und daraus
folgere, dass kein Gesundheitsschaden bestehe, welcher die Arbeitsfähigkeit erheb
lich und dauerhaft einschränke. Dies, obschon der Gutachter selber zum Schluss komme, dass ihm
, dem Beschwerdeführer,
nach jahrelang fehlender Tagesstruktur sowie fehlender beruflicher Ausbildung und insbesondere unter Mitberück
sichti
gung der ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszüge seit der Anmeldung vom 20. Februar 2017 rückwirkend im Längsschnitt sowie gegenwärtig im Querschnitt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt oder im geschützten Rahmen attestiert werden könne.
Gemäss Gutachten
benötige er eine konsequente und intensive Gesprächspsychotherapie und gleichzeitig dringend berufliche Massnahmen im geschützten Rahmen.
Er habe somit Anspruch auf eine Rente. Allenfalls seien diesbezüglich aber noch weitere Abklärungen not
wendig, so beispielsweise
Rückfragen
an den Gutachter und Abklärungen in phy
sischer Hinsicht, weshalb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei. Zudem seien ihm vorgängig berufliche Massnahmen zu gewähren (
Urk.
1 S. 9).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort brachte die Beschwerdegegnerin ergänzend vor,
der RAD habe die im psychiatrischen Gutachten festgestellte Diagnose und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit für nicht überzeugend gehalten. Dieser Ein
schätzung sei nichts entgegenzuhalten. Es hätten keine auffälligen psychopatho
logischen Befunde erhoben werden können (Urk. 10 S. 1). Auch betreffend die Diagnose einer Internetabhängigkeit mit Computerspielen habe der RAD einen
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden zu Recht verneint
.
Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung sei vorliegend diskutiert worden, habe aber auch aufgrund eines fehlenden stationären Aufenthaltes mit längerer Beo
bachtungsdauer nicht bestätigt werden können. Sie habe sich danach erkundigt, ob eine stationäre Behandlung nun
in die Wege geleitet
worden sei. Nachdem dies verneint worden sei, könne ihr nicht angelastet werden, sie habe den Ent
scheid zu früh erlassen. Daran ändere auch nichts, dass der Beschwerdeführer sich mittlerweile (Oktober 2020) während drei Tagen stationär habe behandeln lassen.
Es stehe i
h
m grundsätzlich offen, ein neues Gesuch einzureichen (Urk. 10 S. 2).
2.4
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung und insbesondere, ob der medizinische Sachverhalt rechts
genügend abgeklärt ist.
3.
3.1
Mit Bericht vom 2. März 2017 notierte Dr.
Y._
als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
eine (fragliche)
Depression
, eine p
sychosoziale
Belastungsstörung
sowie eine mögliche Persönlichkeitsstörung (Urk. 11/6/6). Da
zu ergänzte er, der Beschwerdeführer sei erstmals im Jahr 2013 wegen Müdigkeit und Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei ihm gewesen. Die kör
perlichen Abklärungen hätten keine Pathologie ergeben. Es habe sich heraus
gestellt, dass die ganze Symptomatik psychischer Natur sei. In der Folge hätten sich depressive Züge bei auffallender Persönlichkeitsentwicklung gezeigt, so dass der Beschwerdeführer schon bald in eine psychologische Therapie bei Frau
D._
gegangen sei.
Diese Therapeutin sei dann leider pensioniert worden und eine Nachfolgerin habe nicht gefunden werden können. Der Beschwerdeführer habe keine Ausbildung gemacht, habe tagsüber fast immer geschlafen und sei in der Nacht vor allem am Computer gewesen. Erschwerend sei eine familiäre Be
lastungssituation mit einem
sehr
dominanten Vater hinzugekommen.
Mit zune
h
mendem Alter des Beschwerdeführers sei keine andere Lösung als eine psy
chia
trisch überwachte Tagesstruktur gesehen worden. Diese besuche der Be
schwerdeführer seit geraumer Zeit. Betreffend
die
psychiatrische
n
Diagnosen seien die Berichte der aktuell behandelnden Kollegen zu beachten (Urk. 11/6/8).
Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit verwies Dr.
Y._
ebenfalls auf den Psy
chiater (Urk. 11/10/13).
3.2
Am 21. September 2018 erstattete der behandelnde
Dipl.
med.
B._
seinen Bericht. Darin führte er als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Internetabhängigkeit mit Computerspielen (ICD-10 F63.8) sowie eine verzö
gerte Entwicklung der Persönlichkeit in der Adoleszenz auf. Es lägen Persön
lichkeitszüge mit ausgep
rägt vermeidend-zurückhaltenden und
unreif-abhän
gi
gen Symptomen vor, die das Ausmass einer Akzentuierung
überstiegen
. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung solle aufgrund des Alters des Beschwerde
führers und der seit Jahren bekannten verzögerten Entwicklung noch nicht abschliessend gestellt werden (Urk. 11/
2
0/1).
Der Beschwerdeführer wirke im Affekt teils abwesend, vordergründig sachlich und reagiere verlangsamt. Spürbar seien au
ch
seine Bedrücktheit und Ängst
lichkeit. Kognitiv seien keine Beeinträchtigungen feststellbar. Das Gedächtnis und das formale Denken seien intakt. Es bestünden keine psychotischen Symptome, kein wahnhaftes Erleben, keine suizidalen Gedanken
und
kein Substanzkonsum. Ferner bestünden eine erhöhte Ermüdbarkeit und eine eingeschränkte Leistungs
fähigkeit bei
einer
Tag-Nacht-Rhythmusstörung (Urk. 11/20/2).
Der Beschwerde
führer
zeige grundsätzlich eine kooperative Haltung in der Behandlung, soweit man ihn nicht überfordere. Eine stationäre Behandlung lehne er ab. Aufgrund des bisherigen Verlaufes mit nur langsamen Fortschritten müsse mit einer Entwick
lung von weiteren sehr vielen Monaten gerechnet werden
(Urk. 11/20/3)
.
Seit dem 24. Oktober 2016 bis heute und auf Weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen Berufsbereichen. Betreffend Eingliederungsmass
nah
men erklärte
Dipl.
med.
B._
, bisher sei es aufgrund der langsamen Ent
wick
lung noch nicht möglich gewesen, die Basisfähigkeiten für eine Lehre zu errei
chen. Der Beschwerdeführer habe eine deutlich reduzierte Belastbarkeit und kein Durchhaltevermögen. Einer Arbeitswelt jedwe
d
er Art sei er nicht gewachsen. Er werde Aufträge nur eigenwillig erfüllen. Er sei noch sehr in seiner kindlichen Welt verhaftet und flüchte vor der Erwachsenenwelt ins virtuelle Internet. Eine berufliche Reintegration würde zudem bereits am Arbeitsweg scheitern, den der Beschwerdeführer nicht selbständig bewältigen könne. Es bedürfe noch eines lang angelegten therapeutischen Vorgehens. Erst der weitere Verlauf werde die Mög
lichkeit einer beruflichen Wiedereingliederung aufzeigen (Urk. 11/20/3).
Am 19. Juli 2019 ergänzte
Dipl.
med.
B._
,
der Beschwerdeführer sei bis Ende
März 2019 in der Tagesklinik in Behandlung gewesen, seit dem 1. April 2019 bis heute sei er noch in ambulanter Behandlung. Die Symptome und das Verhalten seiner Persönlichkeit
mit ausgeprägt unreif-abhängigen und vermeidend-zurück
haltenden Zügen
hätten sich bis heute kaum merklich verändert. Erschwerend sei, dass der
Beschwerdeführer nur teilweise einsichtsfähig sei. Er habe eine Hospi
talisation mangels Krankheitseinsicht abgelehnt. Ob ein psychiatrischer Klinik
aufenthalt eine wesentliche Besserung der Persönlichkeitsstörung bringe, sei zudem eher fraglich. Eine ausgeprägt unreif-vermeidende Persönlichkeit brauche in der Regel sehr viele Monate bis Jahre zur Besserung. Klinikaufenthalte seien in der Regel nur kurzdauernd möglich. Die Arbeitsfähigkeit habe sich nicht ge
bessert. Der Beschwerdeführer sei anhaltend zu 100 % arbeitsunfähig
(
Urk.
11/25)
.
3.3
Am 27. Februar 2020 erstattete Dr.
Z._
sein psychiatrisches Gutachten. Darin nannte er als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit akzentuierte ängstlich-abhängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1). Demgegenüber sei die Internetabhängigkeit ohne leistungsmindernde Wirkung (Urk. 11/42/14).
Beim Beschwerdeführer seien, abgesehen von einer Ängstlichkeit und Selbst
un
sicherheit, keine weiteren psychopathologischen Merkmale vorhanden (Urk. 11/42/15)
. Die Gesamtpunktezahl der Montgomery-
Asberg
Depression
Scale
liege bei vier Punkten und deute auf keine depressive Symptomatik mit Krank
heitswert hin. In Anlehnung an das Mini-ICF-APP bestünde eine leichte Beein
trächtigung in der Fähigkeit zur Anpassung an Regel und Routine (Urk. 11/42/13). Demgegenüber seien die Flexibilität- und Umstellungsfähigkeit, die Entscheidungs- und Urteil
s
fähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbe
hauptungsfähigkeit, die Gruppenfähigkeit sowie die Fähigkeit zu Spontan
akti
vitäten mittelgradig beeinträchtigt. In den übrigen Aktivitäten (Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, Fähigkeit zur Anwendung von fach
lichen Kompetenzen, Kontaktfähigkeit zu Dritten, Fähigkeit zu familiären bezie
hungsweise intimen Beziehungen
, Fähigkeit zur Selbstpflege sowie Verkehrs
fähigkeit) bestünden keine Einschränkungen (Urk. 11/42/13 f.).
Ergänzend zu den anamnestischen Angaben über eine –
trotz verzögertem Tag-
Nacht-Rhythmus – zu
friedenstellende Schlafqualität, eine
erhaltene Tagesstruk
tur sowie
die
regelmässige Pflege der sozialen Kontakte im engeren Familienkreis, könne beim Beschwerdeführer gegenwärtig von keiner Störung aus dem affek
tiven Formenkreis ausgegangen werden
. Es
liege gegenwärtig weder eine Störung aus dem organischen noch aus dem psychotischen oder neurotischen Formenkreis inklusive soziophobischem Verhalten vor. Es könne jedoch seit seiner Kindheit
von akzentuierten ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszügen ausgegangen wer
den
. Allerdings gebe es gegenwärtig weder klinisch noch in Bezug auf sein Alter Hinweise auf den Ausbruch einer Persönlichkeitsstörung
(Urk. 11/42/15)
.
Nach jahrelang fehlender Tagesstruktur sowie fehlender beruflicher Ausbildung und insbesondere unter Mitberücksichtigung der ängstlich-abhängigen Persön
lichkeitszüge könne
dem Beschwerdeführer
rückwirkend im Längsschnitt sowie gegenwärtig im Querschnitt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Es müsse gleichzeitig festgehalten werden, dass weder die therapeutischen noch die beruflichen Massnahmen ausgeschöpft seien
(Urk. 11/42/15).
Der Beschwer
de
führer brauche in therapeutischer Hinsicht eine konsequente und intensive Gesprächspsychotherapie. Gleichzeitig brauche er dringend berufliche Massnah
men im geschützten Rahmen, initial im Sinne eines Belastbarkeitstrainings mit
anschliessendem Arbeitstraining und einer beruflichen Abklärung bezüglich einer allfälligen beruflichen Ausbildung (Urk. 11//42/15 f, Urk. 11/42/17 f.)
. Unter Kombination der vorgeschlagenen therapeutischen und beruflichen Massnahmen sei beim Beschwerdeführer mit der Herstellung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit inklusive einer 100%igen Ausbildungsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt auszugehen (Urk. 11/42/15 f.). Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig
keit bestehe seit dem 24. Oktober 2016 und somit auch seit der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin vom 20. Februar 201
7.
Der Beschwerdeführer sei für sämtliche Tätigkeiten auf dem freien Wirtschaftsmarkt oder im geschützten Rahmen zu 100 % arbeitsunfähig. Die Frage nach einer dem Leiden ideal ange
passten Tätigkeit könne erst im Rahmen der beruflichen Eingliederung im ge
schützten Rahmen beantwortet werden (Urk. 11/42/16).
Eine berufliche Eingliederung habe im Erwachsenenalter nie über längere Zeit stattgefunden, was initial vordergründig auf das soziophobische Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen sei
(Urk. 11/42/16 f.). Aus psychiatrischer Sicht könne die berufliche Eingliederung im geschützten Rahmen initial im Sinne eines Belastbarkeitstrainings (vorzugsweise nachmittags) jederzeit erfolgen.
Eine berufliche Eingliederung im geschützten Rahmen sei dem Beschwerdeführer medi
zinisch absolut zuzumuten. Es sei von einer sehr guten Prognose bezüglich der Wiederherstellung und Erhaltung einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Urk. 11/42/17).
3.4
Mit undatierter Stellungnahme erklärte
der
RAD-Arzt Dr.
A._
, das Gutachten sei mit Ausnahme der Diagnostik wenig überzeugend. Der Gutachter postuliere eine vollständige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Er begründe dies jedoch nicht, sondern behaupte,
die Aussage des Beschwerdeführers, er fühle sich
nicht arbeitsfähig, stimme mit den objektiven Befunden überein. Tatsächlich erhebe
der Gutachter aber einen wenig auffälligen psychopathologischen Befund. Eben
falls nicht überzeugend sei, dass bei der Durchführung von medizinischen Mass
nahmen und Eingliederungsmassnahmen eine günstige Prognose zu stellen sei bezüglich der
Wiederherstellung und Erhaltung einer vollen Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt. Der Gutachter habe zu dieser günstigen Prognose keine Angaben zur benötigten Zeit gemacht. Er – Dr.
A._
– empfehle, das weitere Vorgehen mit dem Rechtsdienst zu koordinieren (Urk. 11/45/6).
Am 1. April 2020 hielt die Fachexpertin der Beschwerdegegnerin fest, bei der Durchsicht des Gutachtens falle eine Z-Diagnose auf, die invalidenversiche
rungs
rechtlich keine Leistungen generieren könne. Dipl. med.
B._
gehe von einer Internetabhängigkeit mit Computerspielen (ICD-10 F63.8) aus. Diese Diagnose habe gemäss Gutachten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es bestehe kein
Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit erheblich und dauerhaft ein
schränke
(Urk. 11/45/7).
3.5
Am 21. September 2020 hielt
Dipl.
med.
B._
fest,
das
Grundleiden
des Beschwerdeführers
sei eine erheblich retardierte Entwicklung der Persönlichkeit mit ausgeprägt vermeidend-zurückhaltenden, abhängigen und sozialphobischen Symptomen sow
ie einer Tag-
Nacht-Umkehr mit Rückzug in virtuelle Welten (Computer-/Internetabhängigkeit). Die Grunderkrankung verursache eine einge
schrän
kte Krankheitseinsicht, die sich beim Beschwerdeführer mit Verweigerung oder Abbrüchen von Therapien zeigen könne. Er sei zu 100 % arbeitsunfähig und stehe deshalb bei der Beschwerdegegnerin in einem Verfahren. Der Verlauf zeige über die bisherigen Jahre eine sehr langsame Besserung. Eine stationäre Behand
lung, vorwiegend mit Gruppentherapie,
sei
eine Möglichkeit,
ihn noch intensiver zu behandeln und insbesondere die schwer eingeschränkten sozialen Fähigkeiten zu bessern.
Eine Hospitalisation
wäre
bisher eine massive Überforderung gewe
sen. Erst in den letzten Monaten habe der Beschwerdeführer eine etwas aufge
schlossenere Haltung bekommen. Der Zeitpunkt der Hospitalisation dürfe nicht zu früh erfolgen, ansonsten der Erfolg ausbliebe.
Zurzeit
sei aus medizinischer Sicht keineswegs sicher, ob er einen Klinikaufenthalt mit Gruppentherapie durch
halten werde. Am 21. September 2020 sei die Zuweisung in die
Klinik C._
veranlasst worden
(Urk. 3).
3.6
Dem Austrittsbericht der
Klinik C._
vom 1
6.
Oktober 2020
ist zu ent
nehmen, dass sich der Beschwerdeführer dort vom 1
3.
bis 16. Oktober 2020 in stationärer Behandlung befand. Die Behandler stellten die Diagnosen einer mittel
gradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1, Differentialdiagnose: Soziale Phobie,
atypischer Autismus), der sonstigen abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8) sowie der psychischen und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Schädlicher Gebrauch (ICD-10 F13.1). Als soma
tische Diagnosen nannten sie eine Anorexie
(Urk. 9/1 S. 1)
.
Dazu ergänzten sie,
der Beschwerdeführer habe sich bei Eintritt psychopa
tho
logisch formal gedanklich verlangsamt und blockiert, im Affekt abgeflacht, mit
einer herabgesetzten emotionalen Schwingungsfähigkeit, einem reduzierten Selbst
wert,
in
Antrieb und Psychomotorik
stark reduziert
,
einer Tag
-
Nacht-Umkehr sowi
e Ein- und Durchschlafstörungen
präsentiert.
E
r habe bereits kurz nach dem Eintritt geäussert, dass er sich auf der Station unwohl fühle. Er habe sich
mit den Anforderungen des Stationsalltags (Geräusche, Mitpatienten, Tages
struktur)
überfordert gefühlt und sich ablehnend gegenüber Vorschlägen zur besseren Integration gezeigt. Der durchgeführte Autismus-Spektrum-Quotient Self-rating Fragebogen habe eine Punktzahl v
o
n 31 (C
ut-off
:
26 Punkte) ergeben. Der Beschwerdeführer habe täglich den Austrittswunsch geäussert. Dieser sei nach Ausschluss von akuter Selbst- und Fremdgefährdung am 16. Oktober 2020 gewährt worden (Urk. 9/1 S. 3).
Zur weiteren Stabilisierung und Rückfallprophylaxe werde eine ambulante psy
chiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung empfohlen.
Sodann
werde eine weiterführende Abklärung bezüglich
einer
Autismus-Spektrum-Störung mit neuropsychologischer Untersuchung empfohlen. Diese habe während des kurzen stationären Aufenthalts nicht durchgeführt werden können. Schliesslich werde eine Anmeldung
in der Tagesklinik des
Z
entrum
s
E._
empfohlen
(Urk. 9/1 S. 3). Der Beschwerdeführer sei während des gesamten Aufenthaltes zu 100 % krankgeschrieben gewesen (Urk. 9/1 S. 4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat die Ansicht, das Gutachten von Dr.
Z._
sei hinsichtlich der festgestellten Diagnose sowie der daraus resultierenden voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit nicht schlüssig (Urk. 10 S. 1). Gestützt darauf ver
neinte sie das Vorliegen eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge
sundheitsschadens.
4.2
Dr.
Z._
attestierte dem Beschwerdeführer eine seit 24. Oktober 2016 beste
hende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (Urk. 11/42/16).
Diese begründete er
insbesondere
mit einer jahrelang fehlenden Tagesstruktur, einer fehlenden beruflichen Ausbildung und dem Vorliegen von ängstlich-abhängig
en
Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1, Urk. 11/42/15).
Eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit steht jedoch im Widerspruch zum anlässlich der Untersuchung erhobe
nen psychopathologischen Befund. Der Gutachter bemerkte
unter anderem
, der Beschwerdeführer weise abgesehen von seiner Ängstlichkeit und Selbstun
sicher
heit keine weiteren psychopathologischen Merkmale auf (Urk. 11/42/15). Anhand des Mini-ICF-APP zeigten sich
zudem
in rund der Hälfte der Aktivitäten keine
Einschränkungen, während dem in den anderen Aktivitäten grösstenteils mittel
gradige
, jedoch keine schweren
Einschränkungen festgehalten wurden (Urk. 11/42/1
3 f.).
Des
W
eiteren
erscheint
es
widersprüchlich
, dass der Beschwer
deführer auch für jegliche Tätigkeiten im geschützten Rahmen arbeitsunfähig sein soll,
der Gutachter aber gleichzeitig statuiert
e
, es könne
jederzeit eine berufliche Eingliederung erfolgen (Urk. 11/42/16 f.).
Das Gutachten enthält sodann massgebliche Hinweise auf das Vorliegen psy
chosozialer Belastungsfaktoren wie die seit Jahren fehlende Tagesstruktur und die fehlende berufliche Ausbildung
des Beschwerdeführers
(Urk. 11/42/15).
Psy
chosoziale Belastungsfaktoren
sind
jedoch
nur mittelbar invaliditätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditäts
fremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bun
desgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungs
medi
zinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Recht
sprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
Eine solche Differenzierung ist dem Gutachten von Dr.
Z._
nicht zu entnehmen. Mithin geht aus seinen Ausführungen nicht klar
hervor,
inwiefern
die
psychosozialen
Faktoren das
Krankheitsgeschehen
mitbestimmen, respektive,
wie hoch der Anteil an invaliditätsfremden Faktoren
bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
ist.
Eine Auseinandersetzung des Gutachters mit der diagnostizierten Internetab
hän
gigkeit fehlt gänzlich. Eine Befunderhebung dazu unterblieb genauso wie die Be
gründung, weshalb dieser Diagnose keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
zukommt.
Das
Bundesgericht
hat
zudem
in BGE 143 V 409 und 418 erkannt, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. E. 1.
3
).
Dies gilt auch für primäre Ab
hängigkeitssyndrome (BGE 145 V 215), wie sie mit der Internetabhängigkeit
im Raum stehen könnte
(
Urk.
11/20/3).
Eine
Indikatorenprüfung
wurde
bisher nicht vorgenommen und erweist sich auch gestützt auf
das Gutachten
als
nicht
mög
lich.
Denn diesem lassen sich keine
hinreichende
n
Angaben zur Beurteilung der Ressourcen aufgrund der systematisierten Indikatoren, namentlich
zum beweis
rechtlich
entscheidenden verhaltensbezogenen Aspekt der Konsistenz,
entnehmen
(BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das Gutachten von Dr.
Z._
namentlich in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht den rechtsprechungs
ge
mässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Expertise entspricht (vgl. E. 1.
4
), weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
Auch die anderen Be
richte
lassen keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu.
Dipl. med.
B._
begründete seine Einschätzung einer 100%igen Arbeits
un
fähig
keit wenig differenziert. Seine Beurteilung erweist sich überdies als wider
sprüch
lich, wenn er in seinem Bericht vom 19. Juli 2019 von einer Persönlichkeits
störung spricht (Urk. 11/25) und hernach am 21. September 2020
aber
von einer erheblich retardierten Entwicklung der Persönlichkeit (Urk. 3). Auf seine Ein
schät
zung kann daher ebenfalls nicht abgestellt werden. Der RAD nahm schliesslich überhaupt keine Beurteilung
der Leistungsfähigkeit
vor, sondern emp
fahl der Beschwerdegegnerin, sich mit dem Rechtsdienst zu koordinieren (Urk. 11/45/6).
Damit sprach sich der RAD – entgegen der Behauptung der Be
schwerdegegnerin (Urk. 10 S. 2) – nicht grundsätzlich gegen
einen invaliden
ver
sicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden
aus
.
4.3
Die Beschwerdegegnerin
ging
zudem
davon aus, dass während eines stationären Aufenthaltes Diagnosen
erhoben
werden könnten, welche die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkten (Urk. 2 S. 2
, Urk. 11/55/2
). Damit brachte
sie
selbst vor, dass sie den
entscheidwesentlichen
Sachverhalt
auch nach der psychiatrischen Begutachtung
offenbar als noch nicht re
chtsgenügend abgeklärt erachtet hatte
.
Sie verhielt sich widersprüchlich,
indem
sie einerseits davon ausging, der statio
näre Aufenthalt könne zur Klärung des Sachverhaltes beitragen,
es
jedoch
in der Folge
auch nach Rückmeldung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 25. Juni 2020 (Urk. 11/51) unterliess, abzuklären, weshalb der stationäre Aufent
halt noch nicht erfolgt war. Dipl. med.
B._
berichtete am 21. September 2020 diesbezüglich von einer
Überforderung und
mangelnden Krankheitseinsicht, die sich in der Verweigerung oder
in
Abbrüchen von Therapien
äussern könne (Urk. 3).
Dass weitere Abklärungen
allenfalls im stationären Setting
angebracht gewesen wären, zeigt insbesondere der Austrittsbericht der
Klinik C._
vom 16. Oktober 2020
(Urk. 9/1)
.
Dieser erging
kurz
nach Abschluss des Verwaltungs
verfahrens. Gestützt darauf lassen sich jedoch Rückschlüsse auf
die gesundheit
liche Situation bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
am 2. September 2020
tätigen
. Daher
ist er
vorliegend in die Entscheidfindung miteinzubeziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_235/2016 vom 26. Januar 2017 E. 4.2).
Die Behandler stellten
dort
immerhin
die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1, Differentialdiagnose: soziale Phobie, atypischer Autismus, Urk. 9/1 S. 1).
Zudem empfahlen sie eine weiterführende Abklärung betreffend eine Autismus-Spektrum-Störung mit neuropsychologischer Untersuchung, da diese während des kurzen stationären Aufenthaltes des Beschwerdeführers nicht habe durchgeführt werden können (Urk. 9/2 S
. 3).
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine abschliessen
de Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als unzureichend erweist.
Für eine
rechtsgenügende
Einschätzung des verbleibenden Leistungsvermögens ersche
i
n
en damit weitere Abklärungen
in psychischer Hinsicht
unumgänglich.
Dabei wird
sich
die Beschwerdegegnerin
auch
damit zu befassen
haben, ob
hinsichtlich des somatischen Gesundheitszustandes
weiterer Abklärungsbedarf besteht, zumal der Beschwerdeführer aufgrund von Beschwerden im rechten Bein bei seinem Haus
arzt in Behandlung ist (Urk. 11/42/9, Urk. 1 S. 9).
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen, dass g
emäss dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» Rentenleistungen erst dann allenfalls zur Ausrichtung
gelangen, wenn keine zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen
(mehr) in Betracht fallen. Der An
spruch auf eine Rente ist daher nicht zu prüfen und eine Rente kann nicht zuge
sprochen werden,
solange Eingliederungsmassnahmen in Betracht fallen können (Urteil des
Bundesgerichts 9C_108/2012 vom
5. Juni 2012 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Eine Invalidenrente soll also erst und nur dann zugesprochen werden, wenn die Möglichkeiten ausgeschöpft sind, welche
Eingliederungsmassnahmen
zur Verbesserung der gesundheitsbedingt beeinträchtigten Erwerbsfähigkeit bieten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_187/2015 vom 20. Mai 2015 E. 3.2.1, vgl. auch
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014
,
Rz
1 zu Art. 1a und
Rz
7 zu Art. 28). Je nach Ergebnis der
medizinischen Ab
klärung
ist daher nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen hat,
zu
mal auch Dr.
Z._
festhielt, er
benötige dringend berufliche Massnahmen im geschützten Rahmen, initial im Sinne eines Belastbarkeitstrainings mit anschliessendem Arbeitstraining und professioneller
beruflicher Abklärung bezüglich einer allfälligen Berufsausbildung (Urk. 11/42
/16).
Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben und
die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese
nach ergänzender Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und anschliessend über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzu
heissen.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
über
Leistungen der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt und vor
liegend auf Fr. 700.-- festgesetzt.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Pro
zessentschädigung ermessensweise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin
de
m Beschwerdeführer
eine Parteientschädigung in der Höhe
von
Fr.
2’300
.--
(inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.