Decision ID: 4696f603-8cbf-5726-bee3-7aaed8d4aca5
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ litt an einer hemiplegischen Migräne rechts mit einer Aphasie, an einer
komplex-partiellen Epilepsie, an einer Lernbehinderung sowie an einer
Gerinnungsstörung (vgl. IV-act. 68) und erhielt deshalb von Geburt an verschiedene
medizinische Massnahmen von der Invalidenversicherung. Im April 2001 hielt ein
Berufsberater der IV-Stelle fest (IV-act. 84), die verschiedenen Schwierigkeiten des
Versicherten hätten sich zwar in den vergangenen Jahren wesentlich vermindert,
bestünden aber noch immer in einem Umfang, der eine erstmalige berufliche
Ausbildung in der freien Wirtschaft verunmögliche. Der Versicherte sei deshalb
gezwungen, seine Ausbildung in einem geschützten Rahmen zu absolvieren. Eine in
der Folge begonnene erstmalige berufliche Ausbildung zum angelernten
Metallbearbeiter musste vorzeitig abgebrochen werden (IV-act. 93). Im April 2002
wurde dem Versicherten eine erstmalige berufliche Ausbildung zum angelernten
Holzbearbeiter in einem anderen Betrieb zugesprochen (IV-act. 95). Im Juni 2004
konnte er die Anlehre zum Holzbearbeiter erfolgreich abschliessen (IV-act. 121).
A.a.
Da der Ausbildungsbetrieb eine Tätigkeit des Versicherten in der freien Wirtschaft
als unrealistisch erachtet hatte und da es dem Versicherten auch nicht gelungen war, in
der freien Wirtschaft Fuss zu fassen, empfahl der IV-Berufsberater im Dezember 2004
eine dreimonatige berufliche Abklärung (IV-act. 123). Der mit dieser Abklärung
beauftragte Betrieb berichtete am 20. April 2005 (IV-act. 142), dem Versicherten sei es
im Bereich der Montagearbeiten wegen zwischenmenschlicher Probleme nicht
gelungen, die Arbeiten fachlich richtig auszuführen. Im Bereich der maschinellen
Holzbearbeitung seien vermehrte kleine Flüchtigkeitsfehler aufgefallen. Allgemein sei
der Versicherte sehr schnell von sehr vielen Sachen überaus begeistert gewesen. Er
habe jeweils rasch alles nur Mögliche darüber erfahren wollen, sich damit aber total
überfordert. Er habe Schwierigkeiten gezeigt, sich an gewisse Anstands- und
A.b.
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Arbeitsregelungen zu halten. Seine Arbeitsweise habe stark variiert. Ihm gezeigte
Arbeitsschritte habe er einfach von sich aus abgeändert. Er habe grosse Mühe gezeigt,
sich an Regeln und Vorgaben zu halten. Er habe sein Können überschätzt. Für ihn sei
alles machbar gewesen und er habe geglaubt, dass er jede Arbeit ausführen könne.
Sein Arbeitsplatz sei jeweils sehr chaotisch gewesen. Nur unter dauernder Begleitung
habe er sich über eine längere Zeit konzentrieren können. Sein grösstes Handicap sei
gewesen, dass er sich nur mit einem grossen Aufwand in ein System habe einbinden
lassen. Er habe sich oft in einer endlosen Diskussion verloren, die für ihn und für die
anderen Beteiligten frustran verlaufen sei. Der Versicherte sei auf einen Arbeitsplatz in
einem geschützten Rahmen angewiesen. Der angemessene Lohn für seine
Arbeitsleistung betrage 800 Franken pro Monat. Die IV-Stelle verglich diesen Betrag mit
dem im Art. 26 IVV vorgesehenen Valideneinkommen für eine frühinvalide Person, was
einen Invaliditätsgrad von 80 Prozent ergab (IV-act. 153). Mit einer Verfügung vom 10.
November 2005 sprach sie dem Versicherten rückwirkend ab dem 1. August 2004 eine
ganze Rente zu (IV-act. 162).
In den Jahren 2006–2012 war der Versicherte zeitweise als Hilfsarbeiter tätig (vgl.
IV-act. 201 und 216 f.). Im Rahmen eines im Dezember 2011 eingeleiteten
Rentenüberprüfungsverfahrens gab ein Temporärvermittlungsunternehmen im März
2012 an (IV-act. 225), der Versicherte werde seit September 2011 als
Schreinerpraktiker eingesetzt. Der Stundenlohn betrage 29 Franken. Im Mai 2012
gingen der IV-Stelle die monatlichen Lohnabrechnungen zu (IV-act. 235). Eine
Sachbearbeiterin notierte, gemäss diesen Lohnabrechnungen habe der Versicherte in
den Monaten Dezember 2011 bis und mit April 2012 durchschnittlich 4’644.50 Franken
pro Monat verdient (IV-act. 237). Mit einem Vorbescheid vom 19. Juni 2012 teilte die
IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe,
weil neu ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von lediglich noch 20
Prozent vorliege (IV-act. 240). Nachdem der Versicherte telefonisch mitgeteilt hatte,
dass er seine Arbeitsstelle aus wirtschaftlichen Gründen verloren habe (IV-act. 241),
erliess die IV-Stelle am 31. Juli 2012 eine den Vorbescheid vom 19. Juni 2012
„ersetzende“ Mitteilung, mit der sie dem Versicherten bekannt gab, dass er weiterhin
einen Anspruch auf die bisherige ganze Rente habe (IV-act. 245).
A.c.
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Bei einer Vorsprache auf der AHV/IV-Zweigstelle im Februar 2014 erweckte der
Versicherte offenbar den Eindruck, er sei wieder erwerbstätig (vgl. IV-act. 247), weshalb
die IV-Stelle von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfahren eröffnete (IV-act. 248). Am
11. März 2014 wurde der Versicherte von einem Sachbearbeiter der IV-Stelle befragt
(IV-act. 253). Er gab an, sein Gesundheitszustand sei eigentlich immer unverändert
geblieben. Er habe versucht, sich weiterzubilden; er habe eine CAD-Ausbildung mit
einem Zertifikat abgeschlossen. Zudem habe er sich Arbeitsstellen gesucht und Geld
verdient. Dabei habe sich gezeigt, dass er repetitive Arbeiten speditiv, andere Arbeiten
aber nicht ohne Flüchtigkeitsfehler und nur mit einer gewissen Verlangsamung
verrichten könne. Seit September 2013 sei er wieder erwerbstätig. Auch im Juli und
August 2013 habe er für drei Wochen arbeiten können. Er würde sich gerne aus der
Abhängigkeit von der Invalidenversicherung lösen, etwas Eigenes aufbauen und die
Invalidenversicherung beraten, wie man Versicherte in den Institutionen besser
motivieren und in den Erwerbsprozess eingliedern könne. Am 10. April 2014 berichtete
Dr. med. B._ (IV-act. 261), der Versicherte könne auf Dauer nicht in der freien
Wirtschaft erwerbstätig sein, da er aufgrund seiner Gesundheitsbeeinträchtigung im
Umgang zu kompliziert sei. Ein Arbeitgeber müsste eine psychotherapeutische
Begleitung erhalten, um den Versicherten über eine längere Zeit erfolgreich
beschäftigen zu können. Im geschützten Rahmen sei der Versicherte aber als Schreiner
uneingeschränkt arbeitsfähig. Am 24. April 2014 berichtete der Psychiater Dr. med.
C._ (IV-act. 266), der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Offenbar
habe der an sich äusserst arbeitswillige Versicherte in den vergangenen Jahren an allen
Arbeitsstellen Mühe gehabt, weil er langsam gearbeitet und Schwierigkeiten mit dem
Erlernen von Neuem gehabt habe und immer wieder in Autoritätskonflikte mit den
Vorgesetzten verwickelt gewesen sei. Er neige zur Selbstüberschätzung, er habe
eigene Ansichten über die Organisation, den Sinn und den Zweck seiner Arbeit und er
sei vom Charakter her zwanghaft veranlagt. Deshalb habe er nur bei speziell
wohlwollenden, verständnisvollen und äusserst toleranten Vorgesetzten jeweils
vorübergehend einer Beschäftigung nachgehen können. Eine langdauernde
Festanstellung sei ausgeschlossen. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
notierte am 23. Februar 2015 (IV-act. 295), das Hauptproblem des Versicherten
bestehe in einer Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und einer
offensichtlichen Selbstüberschätzung. Ein Arbeitgeber habe angegeben, dass der Lohn
A.d.
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des Versicherten angesichts der Verlangsamung, der notwendigen Anleitung und
Überwachung sowie der mangelnden Teamfähigkeit nicht mehr als 2’000 Franken
betragen könne. Diese Einschätzung erscheine als realistisch. Am 21. April 2015 fand
eine Besprechung zwischen dem Versicherten, einem Vertreter der IV-Stelle und einem
Vertreter der EL-Durchführungsstelle statt (vgl. IV-act. 302). Der Vertreter der IV-Stelle
wies den Versicherten darauf hin, dass man eine angemessene Lösung zum Umgang
mit den schwankenden Erwerbseinkommen finden wolle. Durchschnittlich habe der
Lohn in den vergangenen Jahren etwa 35’000 Franken pro Jahr betragen. Im Vergleich
zum Valideneinkommen gemäss dem Art. 26 Abs. 1 IVV resultiere ein Invaliditätsgrad
von über 50 Prozent. Wenn man die bisherige ganze auf eine halbe Rente herabsetze,
habe man die tatsächlich erzielten Einkommen im bisherigen Rahmen angemessen
berücksichtigt. Der Versicherte werde zugleich von der Pflicht befreit, jede Veränderung
seiner Einkommensverhältnisse zu melden; er müsste sich erst wieder melden, wenn er
über mindestens zwölf Monate hinweg ein jährliches Bruttoeinkommen von mindestens
45’000 Franken erzielt hätte. Der Versicherte stellte sich auf den Standpunkt (IV-act.
303), dass die tatsächlich erhaltenen Löhne tiefer gewesen seien. Er erachte eine
Dreiviertelsrente als angemessen. Das „System“ bestrafe ihn für seinen Einsatz in den
vergangenen Jahren. Gestützt auf Lohnausweise und Lohnabrechnungen, die der
Versicherte in der Folge eingereicht hatte (vgl. IV-act. 305 ff.) errechnete ein Mitarbeiter
der IV-Stelle im Juni 2015 für die Zeit zwischen April 2011 und November 2014 einen
durchschnittlichen „theoretischen“ Jahreslohn von 26’685 Franken (IV-act. 307). Er hielt
fest, in der Zeit zwischen Juli 2011 und August 2012 habe der Versicherte 55’503
Franken verdient, was einem „klar rentenausschliessenden“ Jahreslohn von 51’029
Franken entspreche. Die übrigen tiefen Jahreseinkommen fänden ihren Grund darin,
dass der Versicherte nur auf Abruf gearbeitet und folglich immer wieder zeitweise
arbeitslos gewesen sei. Die Lohnbasis sei aber so hoch gewesen, dass der Versicherte
bei einer Vollbeschäftigung einen Jahreslohn von über 50’000 Franken hätte erzielen
können. In erster Linie sei also nicht die Leistungsfähigkeit des Versicherten limitierend,
sondern vielmehr das Risiko, dass dieser arbeitslos werde. Dieses Risiko sei aber nicht
so hoch, dass davon ausgegangen werden müsste, der Versicherte könne nur noch in
einem geschützten Rahmen arbeiten. Insgesamt sei es folglich gerechtfertigt, von
einem durchschnittlichen Invalideneinkommen von 35’000 Franken auszugehen und
die laufende Rente auf eine halbe Rente herabzusetzen. Mit einem Vorbescheid vom 9.
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Juni 2015 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die geplante
Rentenherabsetzung (IV-act. 309). Am 12. Juni 2015 teilte der Versicherte telefonisch
mit (IV-act. 310), dass er mit der vorgesehenen Verfügung nicht einverstanden sei. Er
werde schriftlich Einwände gegen den Vorbescheid erheben. Bei der IV-Stelle ging
dann allerdings keine entsprechende Eingabe ein. Mit einer Verfügung vom 4. August
2015 setzte sie die laufende ganze Rente mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2015 auf eine
halbe Rente herab (IV-act. 313). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
Im März 2016 beantragte der Versicherte eine Rentenerhöhung (IV-act. 315). Er
machte geltend, der Grad seiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit habe sich
erhöht. Seine letzte längerfristige Anstellung bis etwa September 2012 sei ein
Glücksfall gewesen, der sich nicht wiederholt habe. Zwischenzeitlich habe er teilweise
temporär und teilweise für Bekannte, die seine Arbeitskraft eigentlich gar nicht benötigt
hätten, arbeiten können. Nun fehle ihm aber die Kraft dafür. Die IV-Stelle forderte den
Versicherten am 1. April 2016 auf, eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 4.
August 2015 glaubhaft zu machen (IV-act. 316). Sie drohte ihm an, dass sie andernfalls
nicht auf sein Revisionsgesuch eintreten werde. Der Versicherte wandte am 6. April
2016 ein (IV-act. 317), er könne die Aufforderung der IV-Stelle nicht nachvollziehen. Die
relevanten Fakten seien ihr doch bestens bekannt. Er habe schon im Zuge der
Rentenherabsetzung darauf hingewiesen, dass er die ständige Arbeitssuche auf Dauer
nicht vertragen werde. Nun sei eingetreten, was er damals bereits befürchtet und der
IV-Stelle erklärt habe. Am 19. Juni 2016 berichtete Dr. C._ (IV-act. 323), der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit dem Jahr 2014 verschlechtert.
Neu sei eine organische Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren. Diese zeige sich in
einem ausgeprägten Misstrauen und in einer hartnäckigen, für Aussenstehende nicht
nachvollziehbaren Eigenlogik des Versicherten, die teilweise an Grössenideen erinnere.
Zudem sei eine auffällige Veränderung der Sprachproduktion und des Redeflusses
eingetreten. Der Versicherte spreche sehr umständlich, zeige ein zähflüssiges Denken
und habe eine hartnäckige Art, Themen zu diskutieren. Am 22. August 2016 notierte Dr.
med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die Auswirkungen der
organischen Persönlichkeitsstörung seien gemäss den Ausführungen von Dr. C._
mittlerweile ausgeprägter, worin eine Veränderung des Gesundheitszustandes des
A.e.
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Versicherten zu erblicken sei; aus medizinisch-theoretischer Sicht sei der Versicherte
nicht arbeitsfähig (IV-act. 326).
Mit einer Verfügung vom 21. November 2016 trat die IV-Stelle nicht auf das
Revisionsgesuch ein (IV-act. 332). Zur Begründung führte sie an, die von Dr. C._
beschriebenen Veränderungen des Gesundheitszustandes seien nicht so ausgeprägt,
dass sie die in der Verfügung vom 4. August 2015 berücksichtigten Schwankungen
übersteigen würden. Der Umstand, dass sich der Versicherte kürzlich um einen Sitz im
Stadtparlament beworben habe, zeige, dass er sich immer noch einiges zutraue. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine gegen diese Verfügung
erhobene Beschwerde mit einem Entscheid vom 20. September 2019 ab (IV 2017/11;
vgl. IV-act. 347). Zur Begründung führte es aus, die Verfügung vom 4. August 2015
basiere ganz offensichtlich nicht auf dem realen Sachverhalt, sondern auf einer
erheblich vom realen Sachverhalt abweichenden Sachverhaltsfiktion, mit der die IV-
Stelle unterstellt habe, dass es dem Beschwerdeführer zumutbar sei, sich immer
wieder neu um Arbeitsstellen zu bewerben, die er dann aber immer schon nach kurzer
Zeit wieder verlieren müsse. Diese Fiktion sei zwar offenkundig unzulässig, die
Verfügung vom 4. August 2015 sei aber mitsamt der darin enthaltenen
Sachverhaltsfiktion unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen und damit
verbindlich geworden. Deshalb sei für die Beantwortung der Frage nach einer
relevanten Sachverhaltsveränderung nur massgebend, ob sich nach dem 4. August
2015 etwas an jenen Tatsachen geändert habe, auf denen die von der IV-Stelle
aufgestellte Fiktion der Fähigkeit des Versicherten, auf dem freien Arbeitsmarkt ein
durchschnittliches Erwerbseinkommen von 35’000 Franken erzielen zu können, beruhe.
In den im Bericht von Dr. C._ vom 19. Juni 2016 erwähnten Veränderungen des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers könne keine Sachverhaltsveränderung
erblickt werden, die die der Verfügung vom 4. August 2015 zugrunde gelegte Fiktion
„zum Einsturz bringe“. Das Bundesgericht hob diesen Entscheid mit einem Urteil vom
25. Februar 2020 auf (8C_735/2019; vgl. IV-act. 356). Zur Begründung führte es an, mit
der von Dr. C._ neu genannten Diagnose einer organischen Persönlichkeitsstörung
sei eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht, die ein Eintreten auf
das Rentenrevisionsbegehren erfordere.
A.f.
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B.
Auf eine Anfrage der IV-Stelle hin teilte Dr. med. B._, der den Versicherten bis
zum Frühjahr 2019 hausärztlich betreut hatte, am 9. Juli 2020 mit, in den letzten Jahren
habe sich nichts verändert; der Versicherte sei auf dem freien Arbeitsmarkt nicht
arbeitsfähig, weshalb er weiterhin eine ganze Rente benötige (IV-act. 373–4). Am 10.
Juli 2020 hielt Dr. C._ fest (IV-act. 374–3 f.), bezüglich der Frage nach dem Zeitpunkt,
in dem die organische Persönlichkeitsstörung aufgetreten sei, müsse er seine
Einschätzung revidieren. Die organische Persönlichkeitsstörung bestehe nämlich schon
seit der Kindheit. Am 27. August 2020 notierte die RAD-Ärztin Dr. E._, aus den
Berichten von Dr. B._ und Dr. C._ gehe eindeutig hervor, dass sich der
medizinische Sachverhalt seit dem 4. August 2015 nicht relevant verändert habe (IV-
act. 375). Mit einem Vorbescheid vom 2. Oktober 2020 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines Rentenrevisionsbegehrens mangels
einer relevanten Sachverhaltsveränderung vorsehe (IV-act. 380). Dagegen liess der
Versicherte am 30. Oktober 2020 einwenden (IV-act. 386), da die Frage nach einer
anspruchsrelevanten Veränderung des Sachverhaltes zu bejahen sei, müsse der
Invaliditätsgrad nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nun auf der Grundlage
eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhaltes neu und ohne Bindung an
frühere Invaliditätsschätzungen ermittelt werden. In diesem Zusammenhang sei
insbesondere die bisherige Annahme der IV-Stelle, der Versicherte könne einen Lohn
von 35’000 Franken erzielen, einer nochmaligen sorgfältigen und ganzheitlichen
Beurteilung zu unterziehen. Der von Dr. C._ genannte Diagnosezeitpunkt sei
irrelevant, denn massgebend seien die Auswirkungen der Diagnose, die sich laut Dr.
C._ in den letzten Jahren verstärkt hätten. Auch bezüglich der erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustandes habe sich der Sachverhalt massgeblich
verändert: Der Versicherte habe in den Jahren 2015–2019 Einnahmen erzielt, die weit
unter 35’000 Franken pro Jahr gelegen hätten. Mit einer Verfügung vom 24. November
2020 wies die IV-Stelle das Rentenrevisionsbegehren des Versicherten ab (IV-act. 388).
A.g.
Am 8. Januar 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. November 2020 erheben (act. G 1.1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur
B.a.
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Berechnung des Invaliditätsgrades und zur Festsetzung der Invalidenrente sowie
eventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Einholung
eines polydisziplinären Gutachtens, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung führte er aus, der RAD-Arzt Dr. D._ habe bereits im August 2016
gestützt auf den Bericht von Dr. C._ vom 19. Juni 2016 eindeutig eine relevante
Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers bejaht. Diese
Schlussfolgerung habe er nicht auf die neu gestellte Diagnose, sondern auf die von Dr.
C._ beschriebenen Veränderungen hinsichtlich des klinischen Befundes gestützt.
Auch die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens hätten sich verändert,
denn der Beschwerdeführer habe in den Jahren 2015–2019 nur noch sehr tiefe
Einkommen erzielen können. Ein Probezeitbericht einer geschützten Einrichtung vom
13. Mai 2019 belege, dass der Beschwerdeführer nicht einmal in einem geschützten
Rahmen eine Leistungsfähigkeit erreichen könne, die es ihm erlauben würde, einen
Lohn von 35’000 Franken zu erzielen. Zusammenfassend liege sehr wohl ein wesentlich
veränderter Sachverhalt vor, der zu einer Rentenrevision berechtige. Aufgrund der
geltenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei der Invaliditätsgrad deshalb auf der
Grundlage eines richtig und vollständig ermittelten Sachverhaltes neu und ohne
Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. April 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, in medizinischer Hinsicht sei
keine relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten. Die von Dr. C._ beschriebenen
Auswirkungen der organischen Persönlichkeitsstörung seien vom
Rechtsdienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin bereits bei jenen Gesprächen
beobachtet worden, die der Verfügung vom 4. August 2015 vorausgegangen seien. Die
tiefen Einkommen der letzten Jahre stellten ebenfalls keinen Revisionsgrund dar, da die
Verfügung vom 4. August 2015 die Schwankungen der Erwerbseinkommen ja bereits
vorwegnehme. Der Beschwerdeführer habe übrigens in einem Telefongespräch Ende
2018 ausdrücklich die Beibehaltung dieses Regimes gewünscht.
B.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 8).B.c.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 24. November 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das
Verwaltungsverfahren hat sich um die Frage nach einer Revision (Art. 17 Abs. 1 ATSG)
der laufenden, am 4. August 2015 letztmals revisionsweise angepassten Invalidenrente
als Folge einer Sachverhaltsveränderung gedreht. In diesem Beschwerdeverfahren ist
deshalb ausschliesslich zu prüfen, ob nach dem 4. August 2015 eine für den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers relevante Sachverhaltsveränderung
eingetreten ist.
2.
Obwohl das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 (in
dem es sich allerdings nicht mit der Besonderheit des vorliegenden Falles befasst hat)
die Beschwerdegegnerin angehalten hat, auf das Revisionsbegehren des
Beschwerdeführers einzutreten und den massgebenden Sachverhalt zu ermitteln, hat
die Beschwerdegegnerin praktisch keine Abklärungen durchgeführt. Sie hat lediglich
die beiden behandelnden Ärzte aufgefordert, einige Fragen zu beantworten. Die
eigentliche Frage, was es mit der von Dr. C._ erwähnten Zunahme der Beschwerden
in den vergangenen Jahren auf sich habe, ist dabei unbeantwortet geblieben. Die RAD-
Ärztin Dr. E._ hat nach der Durchsicht der beiden Berichte der behandelnden Ärzte
behauptet, der massgebende Sachverhalt sei unverändert geblieben, was aber nicht
überzeugt, weil die Akten keine detaillierte Beschreibung des massgebenden
objektiven klinischen Befundes enthalten. Den Akten lässt sich nicht entnehmen, an
welchen objektiven Einschränkungen der Beschwerdeführer genau leidet und wie sich
diese objektiven Einschränkungen auf seine Arbeitsfähigkeit auswirken. Damit erweist
sich der aktuelle medizinische Sachverhalt als (weiterhin) weitgehend unbekannt. Die
angefochtene Verfügung ist folglich in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43
Abs. 1 ATSG) ergangen, weshalb sie als rechtswidrig aufgehoben werden muss. Da es
nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein kann, ein grobes Versäumnis der
Beschwerdegegnerin bezüglich ihrer ureigensten Aufgabe, der Sachverhaltsabklärung,
zu beheben, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird ein
Administrativgutachten einholen, wobei es die Sache ihres RAD sein wird zu
bestimmen, welche Disziplinen das entsprechende Gutachten beinhalten soll.
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3.
Dieser Verfahrensausgang gilt rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Obsiegen
des Beschwerdeführers. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als deutlich unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil der
massgebende Sachverhalt dem Rechtsvertreter bereits bestens bekannt gewesen ist.
Die Parteientschädigung ist deshalb auf 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen.