Decision ID: 80862735-b53a-5e63-bade-e544882a2c1a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (Beschwerdeführer), ein syrischer Staatsangehöriger kurdi-
scher Ethnie, gelangte am 5. Dezember 2015 in die Schweiz, wo er am
gleichen Tag um Asyl ersuchte.
B.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM, Vorinstanz) befragte den Be-
schwerdeführer am 16. Dezember 2015 summarisch (Protokoll in
SEM-Akte A5) und hörte ihn am 29. September 2017 ausführlich zu seinen
Asylgründen an (Protokoll in SEM-Akte A21).
C.
Mit Verfügung vom 3. November 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und wies ihn aus der Schweiz weg (Dispositivziffern 1-3). Gleich-
zeitig stellte sie fest, da der Vollzug seiner Wegweisung zurzeit nicht zu-
mutbar sei, werde er vorläufig aufgenommen (Dispositivziffer 4).
D.
Am 5. Dezember 2017 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz. Er bean-
tragt die Aufhebung der Verfügung in den Dispositivziffern 1 bis 3, die Fest-
stellung, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und die Gewährung von
Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Dezember 2017 forderte das Bundesver-
waltungsgericht den Beschwerdeführer unter Androhung des Nichteintre-
tens im Unterlassungsfall auf, innert Frist entweder eine Fürsorgebestäti-
gung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss einzuzahlen.
F.
Am 12. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-
gung ein.
E-6889/2017
Seite 3

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG
[in der Fassung vom 1. Oktober 2016], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde im Asylbereich können die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers und, gegebenenfalls, die Gewährung von Asyl. Wird kein
Asyl gewährt ist zudem die Wegweisung zu prüfen.
3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
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0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten
muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt
zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen
Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils
m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind
über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus
so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-
male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-
bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andau-
ernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen
Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsu-
chenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2010/9
E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
3.3 Art. 3 Abs. 3 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die wegen Wehr-
dienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind
oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden,
keine Flüchtlinge seien. Diese einschränkende Bestimmung wurde vom
Gesetzgeber jedoch durch den ausdrücklichen Hinweis auf den – rechts-
dogmatisch selbstverständlichen – Vorbehalt der Geltung des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) relativiert. Entsprechend ist die Rechtsprechung betreffend
Wehrdienstverweigerung und Desertion – wonach eine Wehrdienstverwei-
gerung oder Desertion nicht allein, sondern nur dann die Flüchtlingseigen-
schaft zu begründen vermag, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist –, weiterhin gültig (vgl. BVGE 2015/3
E. 5.7.1, 5.7.2 und 5.9 m.w.H.).
3.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft
gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma-
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chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis-
mass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbrin-
gen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht
von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr
hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für
die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die
Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen,
die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-
lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-
fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3
AsylG).
Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im Rah-
men eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Realkenn-
zeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Differen-
zierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive verfälsch-
ten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, desto grös-
ser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem Erleben be-
ruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Person und die
Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichtigen. Zu den
Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsistenz, die un-
geordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der quantitative
Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wiedergabe von Ge-
sprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserungen der eige-
nen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken sowie die Schil-
derung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkeiten, unver-
standenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vorgängen
(vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre
Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL
LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in:
AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3
E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.).
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4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe in Syrien im Dorf
B._, Provinz C._, und später gelebt. Ende 2010 habe er ein
Militäraufgebot erhalten und im (...) 2011 sei er rekrutiert worden. Nach der
militärischen Ausbildung sei er zum Maschinengewehrschützen ausgebil-
det und Ende 2011 nach D._ versetzt worden. Er habe nie aktiv an
Kampfhandlungen teilgenommen, sondern sich immer geweigert, den
Schiessbefehlen seiner Vorgesetzten Folge zu leisten. Er habe bei jedem
Einsatz so getan, als ob er auf Zivilisten schiessen würde, jedoch immer in
die Luft geschossen. Deswegen sei er von seinen Vorgesetzten mehrmals
ermahnt und geschlagen worden. Schliesslich sei ihm ein Militärprozess
angedroht worden. Daraufhin habe er Angst bekommen und sei im Mai o-
der Juni 2014 desertiert und habe Syrien verlassen. Später sei er noch
zweimal nach Syrien zurückgekehrt, bevor er definitiv ausgereist sei. Auf-
grund seiner Desertion gelte er in Syrien als Verräter.
4.2 Die Vorinstanz bezweifelt in der angefochtenen Verfügung nicht, dass
der Beschwerdeführer für die syrische Armee rekrutiert wurde und hält es
auch für denkbar, dass er nach seiner Ausbildung zum Soldaten regulär
Dienst leistete. Hingegen geht sie davon aus, dass der Beschwerdeführer
regulär aus der Armee entlassen wurde, da seine Ausführungen, wonach
er aus der Armee desertiert sei, nicht überzeugend seien. Seine diesbe-
züglichen Aussagen seien äusserst vage, unverbindlich und oberflächlich.
Seine Angaben zum Militärdienst und dem ihm zugewiesenen Aufgaben-
bereich seien ebenfalls nicht überzeugend. Seine Ausführungen im Zu-
sammenhang mit seiner Weigerung, Schiessbefehle auszuführen, seien
gänzlich unlogisch. Dass die für Ihre Brutalität bekannte syrische Armee
sein Fehlverhalten lediglich mit Schlägen geahndet und ihm einen Militär-
prozess bloss angedroht habe, sei nicht nur unlogisch, sondern widerspre-
che jeglicher Erfahrung. Auch aufgrund der eingereichten Dokumente
könne nicht davon ausgegangen werden, dass er in einer Spezialeinheit
gedient habe und desertiert sei. Seine Vorbringen bezüglich Desertion
seien deshalb insgesamt nicht glaubhaft.
Die Vorinstanz führt zudem aus, selbst wenn von einer Desertion auszuge-
hen wäre, würde der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
füllen, da keine Anhaltspunkte dafür zu erblicken seien, dass er sich als
tatsächlicher oder vermeintlicher Regimegegner offenbart habe.
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Seite 7
5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei bei einer Rückkehr nach
Syrien in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise bedroht, da er aus der syri-
schen Armee desertiert sei.
5.2
5.2.1 Zu prüfen ist vorab, inwiefern die Vorbringen des Beschwerdeführers
durch seine Aussagen und die von ihm eingereichten Beweismittel als
glaubhaft gemacht angesehen werden können.
5.2.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers dazu, welche Aufgaben er in
seinen über zweieinhalb Jahren Dienst in der syrischen Armee zu erfüllen
hatte, sind nicht sehr substantiiert und wenig detailreich (SEM-Akte A21
F136 ff.). Immerhin machte er jedoch im Rahmen der summarischen Be-
fragung relativ ausführliche Angaben zu gewissen Erlebnissen während
seiner Zeit in der syrischen Armee. Diese betreffen insbesondere mehrere
potentielle Kriegsverbrechen, deren Zeuge er geworden sei (SEM-Akte A5
S. 8). Diese Aussagen des Beschwerdeführers lassen es, wie die
Vorinstanz zu Recht ausführt, tatsächlich möglich erscheinen, dass der Be-
schwerdeführer in der syrischen Armee diente. Dabei bleibt jedoch zumin-
dest offen, zu welchem Zeitpunkt dies gegebenenfalls der Fall war, da der
Beschwerdeführer keinerlei Belege für den Zeitpunkt seines Dienstes ein-
reichte.
5.2.3 Nicht glaubhaft ist hingegen das Vorbringen des Beschwerdeführers,
er habe in einer Spezialeinheit gedient (SEM-Akte A21 F136). Seine Anga-
ben dazu, was eine Spezialeinheit ausmache, und seine – spärlichen –
Aussagen dazu, welche Aufgaben er in der Armee ausgeführt habe
(SEM-Akte A21 F137 ff.), lassen nicht darauf schliessen, dass er in einer
besonders hervorgehobenen Einheit Dienst tat.
5.2.4 Nicht glaubhaft ist zudem die Behauptung des Beschwerdeführers,
er sei aus der syrischen Armee desertiert.
So blieben seine Ausführungen dazu, wie er die syrische Armee konkret
verlassen habe, ausweichend, oberflächlich und teilweise widersprüchlich.
Bezüglich des Datums seiner Desertion antwortete er unbestimmt und aus-
weichend, dies sei im (...) 2014 gewesen (SEM-Akte A21 F34, F110 ff.).
Gefragt, wie er es geschafft habe, zu desertieren, antwortete er zuerst
mehrmals nicht oder ausweichend und führte schliesslich lediglich aus, es
sei mitten in der Nacht gewesen (SEM-Akte A21 F117–121). Er wiederholte
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mehrmals, er sei circa um ein Uhr in der Nacht desertiert, durch ein Gebiet
gegangen, in dem es Bäume gegeben habe, und das Auto sei auf einer
Landstrasse gefahren (SEM-Akte A21 F65 ff. und F125). Auch danach ge-
fragt, wie sein letzter Tag im Militär verlaufen sei, machte er keine konkre-
ten Angaben (SEM-Akte A21 F122 ff.). Der Beschwerdeführer hält seine
Aussagen zur angeblichen Desertion durchgehend unverbindlich; seine
Angaben sind oberflächlich und arm an Details. Insbesondere in Anbe-
tracht des Umstands, dass er durchaus in der Lage ist, ausführlich über
Erlebnisse zu erzählen (vgl. z.B. seine Aussagen zu den potentiellen
Kriegsverbrechen, SEM-Akte A5 S. 8), erscheinen seine Angaben zum Ab-
lauf seiner Desertion damit wenig glaubhaft. Zudem sind auch seine Aus-
sagen bezüglich eines Freundes, mit dem er zusammen geflohen sei, vage
und unverbindlich. In der summarischen Befragung hatte der Beschwerde-
führer angegeben, er sei zusammen mit einem Freund desertiert, der ihm
dies vorgeschlagen habe, und der auch alles organisiert habe, weil er be-
reits Kontakt zur Freien Syrischen Armee (FSA) gehabt habe (SEM-Akte
A5 S. 7). In der Anhörung erwähnte der Beschwerdeführer den angebli-
chen Kontakt zur FSA hingegen nicht, auch nicht auf mehrmalige Nach-
frage hin. Auf den Hinweis, in der summarischen Befragung habe er einen
Kontakt zur FSA erwähnt, sagte er aus, er habe erst nach der Flucht erfah-
ren, dass weitere Personen, die sich ihnen unterwegs angeschlossen hät-
ten, Angehörige der FSA gewesen seien, die von den Verwandten des
Freundes beauftragt worden seien, ihnen zu helfen (SEM-Akte A21 F129).
Kurz zuvor hatte er demgegenüber noch ausgesagt, nur sein Freund habe
ihm geholfen (SEM-Akte A21 F126), weshalb diese Erklärung nachgescho-
ben und wenig glaubhaft erscheint. Schliesslich sagte der Beschwerdefüh-
rer auch zu seiner Ausreise aus Syrien nach der angeblichen Desertion
nichts Substantielles, sondern führte lediglich aus, die Ausreise sei schwie-
rig gewesen, ohne dies jedoch auf Nachfrage hin zu konkretisieren
(SEM-Akte A21 F63 ff.).
Zudem erscheint es, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, nicht nachvoll-
ziehbar, dass der Beschwerdeführer zweieinhalb Jahre lang in der syri-
schen Armee diente, gleichzeitig jedoch regelmässig Schiessbefehle miss-
achtete (vgl. SEM-Akte A5 S. 7 und SEM-Akte A21 F144 ff.). Dass der Be-
schwerdeführer während seines Einsatzes in D._ in den Jahren
2012 bis 2014 regelmässig Schiessbefehle verweigerte, oder absichtlich
nicht auf den Gegner, sondern über diesen hinweg schoss, ohne dass er
dafür gravierende Probleme mit seinen Vorgesetzten oder der Militärpolizei
bekam, erscheint unwahrscheinlich. Entsprechend erscheint auch das Vor-
bringen, nach zweieinhalb Jahren sei ihm plötzlich mit einem Militärprozess
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gedroht worden, worauf er desertiert sei (SEM-Akte A21 F121), wenig
glaubhaft.
Auch vermag der vom Beschwerdeführer in Kopie eingereichte Ausweis
nichts zur Glaubhaftigkeit seiner angeblichen Desertion beizutragen. In der
summarischen Befragung hatte der Beschwerdeführer seinen zivilen Pass
abgegeben und angegeben, er habe keine weiteren Ausweise, weder zivile
noch militärische (SEM-Akte A5 S. 5). Später gelangte die Vorinstanz über
den Wohnkanton des Beschwerdeführers in den Besitz der Kopie eines
Ausweises des Beschwerdeführers. In der Anhörung gab der Beschwerde-
führer an, es handle sich dabei um einen Militärausweis und führte aus,
das Original sei beim Militär (SEM-Akte A21 F8 und F13 f.). Der Ausweis
ist jedoch mit «Polizeiausweis» angeschrieben (SEM-Akte A21 F157 ff.).
Die Erklärung des Beschwerdeführers dafür – sie hätten diese Ausweise
bekommen, als sie in den Städten für Sicherheit gesorgt hätten, es handle
sich nur um einen provisorischen Ausweis – erscheint nachgeschoben.
Entsprechend trägt der in Kopie eingereichte Ausweis nichts zur Glaubhaf-
tigkeit seiner Desertion bei. Das gleiche gilt für die metallene Erkennungs-
marke, die er einreichte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs – wie vom
Beschwerdeführer gerügt – stellen die diesbezüglichen Ausführungen der
Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung im Übrigen schon deshalb
nicht dar, weil sie sich ausführlich mit den Beweismitteln auseinander-
setzte, und es sich bei der Beweiswürdigung nicht um einen Aspekt des
rechtlichen Gehörs handelt (vgl. Urteil des BVGer E-3602/2017 vom
16. Januar 2020 E. 3.3.4).
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer, nachdem
er im Mai 2014 aus Syrien ausgereist war, wieder in sein Heimatland zu-
rückkehrte. In der summarischen Befragung machte er geltend, er habe im
Mai 2015 seine Mutter treffen wollen und sei weniger als einen Monat ge-
blieben (SEM-Akte A5 S. 5). In der Anhörung gab er demgegenüber an, er
habe seine Mutter Ende 2014 in E._ getroffen (SEM-Akte A21 F39)
respektive «Ende 2014 beziehungsweise Januar 2015» (SEM-Akte A21
F81). Er gab in der Anhörung auch an, er sei nur einmal nach Syrien zu-
rückgekehrt, für circa 20 Tage, und er sei nach seiner Desertion im Mai
2014 nicht lange in der Türkei geblieben (SEM-Akte A21 F77 ff.). Auf den
zeitlichen Widerspruch in seinen Aussagen angesprochen, sagte der Be-
schwerdeführer dann jedoch, er sei zweimal nach Syrien zurückgekehrt
(SEM-Akte A21 F91). Die Aussagen dazu, wann und unter welchen Um-
ständen der Beschwerdeführer nach Syrien zurückkehrte, erweisen sich
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damit als vage und teilweise widersprüchlich. Klar erscheint jedoch zumin-
dest, dass der Beschwerdeführer nach seiner angeblichen Desertion im
(...) 2014 und der Ausreise in die Türkei mindestens zweimal nach Syrien
zurückkehrte und sich dabei ungefähr 20 respektive 7 Tage dort aufhielt.
Die wiederholte Rückkehr des Beschwerdeführers nach Syrien ohne zwin-
genden Grund lässt nicht darauf schliessen, dass er Angst vor den Konse-
quenzen einer Desertion hatte, was aufgrund des allgemein bekannten
harten Vorgehens des syrischen Militärs gegen Deserteure ebenfalls deut-
lich gegen die Glaubhaftigkeit seiner angeblichen Desertion spricht.
5.2.5 Damit sind den Aussagen des Beschwerdeführers und den vorliegen-
den Beweismitteln keine glaubhaften Angaben dafür zu entnehmen, wann
und unter welchen Umständen der Beschwerdeführer die Armee verliess.
Seine Ausführungen zur angeblichen Desertion sind insgesamt so ober-
flächlich, widersprüchlich und unverbindlich, dass sie nicht als glaubhaft
angesehen werden können. Entlassungen aus der syrischen Armee kom-
men zwar seit cira 2011 nur noch selten vor (vgl. z.B. Finnisch Immigration
Service, Fact-Finding Mission Report, Syria: Military Service, National De-
fense Forces, Armed Groups Supporting Syrian Regime and Armed Oppo-
sition, 23. August 2016, S. 12 <https://coi.easo.europa.eu/administra-
tion/finland/PLib/Report_Military-Service_-Final.pdf>, abgerufen am
7.4.2020). Trotzdem kann alleine deshalb vorliegend nicht davon ausge-
gangen werden, dass der Beschwerdeführer aus der syrischen Armee de-
sertierte. Sollte er tatsächlich in der Armee gedient haben, ist vielmehr da-
von auszugehen, dass er aus der Armee entlassen wurde, eventuell bereits
zu einem früheren Zeitpunkt.
5.3 Da nach dem Gesagten nicht davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer, wie von ihm behauptet, aus der syrischen Armee deser-
tierte, ist diesbezüglich auch nicht von einer Gefährdung in flüchtlingsrecht-
lich erheblicher Weise im Fall einer Rückkehr nach Syrien auszugehen.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer, selbst wenn
seine Desertion aus der syrischen Armee glaubhaft gemacht wäre, gemäss
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bei einer Rückkehr nach
Syrien nicht ohne Weiteres einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung
ausgesetzt wäre. Die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte gehen zwar
seit Ausbruch des Konflikts im März 2011 mit grösster Brutalität und Rück-
sichtslosigkeit gegen tatsächliche und vermeintliche Regimegegner vor
(BVGE 2015/3 E. 6.7.2). Trotzdem werden gemäss Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts Dienstverweigerer und Deserteure vom staat-
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Seite 11
lichen Regime in Syrien nur dann als Unterstützer einer gegnerischen Kon-
fliktpartei angesehen, wenn sie in der Vergangenheit bereits als Regime-
gegner aufgefallen sind; nur unter diesen Umständen ist mithin von einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung bei einer Rückkehr auszugehen
(BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Der Beschwerdeführer macht, wie die Vorinstanz
zurecht ausführt, nicht geltend, er sei in der Vergangenheit in Syrien als
Regimegegner aufgefallen. Weder den vorinstanzlichen Akten noch den
Beschwerdeakten können Hinweise darauf entnommen werden, dass er
sich in Syrien politisch in irgendeiner Weise exponiert hätte oder exponiert
gewesen wäre.
5.4 Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer bei einer Rückkehr nach Syrien einer flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Verfolgung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer erfüllt die Flücht-
lingseigenschaft damit nicht, weshalb ihm auch kein Asyl zu gewähren ist.
6.
Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, so
verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; sie berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie.
Der Beschwerdeführer verfügt namentlich weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, jeweils m.w.H.).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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