Decision ID: cfa65759-98c2-5e7c-a5a9-619fed9efc59
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der zuständige Dienst der niederländischen Steuerbehörde (Belasting-
dienst/Central Liaison Office Almelo; nachfolgend: BD) ersuchte die Eidge-
nössische Steuerverwaltung (ESTV) mit Schreiben vom 29. August 2018
bezüglich die Gesellschaft A._ für den Zeitraum vom 1. Januar
2014 bis zum 31. Dezember 2017 um diverse Informationen.
Der BD führte im Ersuchen aus, dass die niederländische Finanzverwal-
tung die Finanzierungsstruktur innerhalb der vorgenannten Gesellschaft
prüfe. Die betroffene Gesellschaft bezwecke den Bau von Schiffen (gröss-
tenteils Binnenschiffe, auch Küstenfahrzeuge und seltener Fahrgast-
schiffe). Zwei deutsche Gesellschaften (...) seien jeweils zur Hälfte Inha-
berinnen der fraglichen Gesellschaft. Deren Leitung erfolge durch die deut-
schen Geschäftsführer bzw. Großanteilseigner dieser deutschen Gesell-
schaften. Die betroffene Gesellschaft selbst sei Holdinggesellschaft der
(...), die ebenfalls Schiffe baue. Die Schiffswerft erleide erhebliche Verluste
und habe kaum Besitztümer, bestehe jedoch trotzdem weiter, wobei sie
von mehreren Parteien finanziert werde, zum einen von einem Stahlliefe-
rungsunternehmen und zum anderen von den schweizerischen Gesell-
schaften C._ AG und B._ AG, wobei Letztere Darlehen in
der Höhe von (...) Mio. Euro (2014) und (...) Mio. Euro (2015) gewährt
habe, obschon kaum Sicherheiten vorlägen; es bestehe ein Hypotheken-
recht an den Schiffen, welches das eingegangene Risiko jedoch nicht de-
cke. Die Darlehen würden sich sodann nicht verringern: Sobald eine
Schuld getilgt werde, würde der Bau der nächsten Schiffe finanziert wer-
den. In den vergangenen Jahren hätten die Abschlussprüfer keine Bestäti-
gungsvermerke zu den Jahresabschlüssen erteilt, da die steuerliche Zu-
verlässigkeit von verschiedenen Finanzgeschäften mit den verbundenen
Parteien nicht bestätigt wurde. Die involvierten schweizerischen Gesell-
schaften scheinen wegen des negativen Vermögens in der Höhe von ins-
gesamt (...) Mio. Euro im Jahr 2014 und (...) Mio. Euro im Jahr 2015 er-
hebliche Risiken zu tragen. Aufgrund dieser Umstände, insbesondere we-
gen der Höhe der Darlehen, der geringen Sicherheiten und der kontinuier-
lichen Verlustträchtigkeit hege der BD Zweifel an der geschäftlichen Natur
der von der schweizerischen der niederländischen Gesellschaft gewährten
Darlehen. Die entsprechenden schriftlichen Verträge wurden dem Ersu-
chen beigelegt.
i
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Zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen und der Durchführung der
Körperschaftsbesteuerung der Gesellschaft A._ mit Sitz in den Nie-
derlanden sei es wichtig, sich einen Überblick über die möglichen Bezie-
hungen zwischen den involvierten niederländischen, deutschen und
schweizerischen Gesellschaften sowie den geschäftsführenden Aktionä-
ren zu verschaffen. Es werde daher insbesondere um folgende Informatio-
nen ersucht:
«(...)
8. Auf welche Weise haben die B._ AG (...) die Gelddarlehen an
die Gesellschaft A._ finanziert?
a. Von wem stammt das Geld, das der Gesellschaft A._ zur
Verfügung gestellt wird?
b. Wann haben die B._ AG (...) die Verfügung über die
Gelder bekommen?
c. Unter welchen Bedingungen haben die B._ AG (...) die
Gelder bekommen?
d. Welche Sicherheiten wurden geleistet?
Gerne Übermittlung der entsprechenden Belege.
(...)
11. Gibt es finanzielle Beziehungen zwischen der B._ AG (...) und
einer der nachfolgenden Gesellschaften:
(...)
Gerne Übermittlung der spezifizierten Aufstellung und der entsprechenden
Belege.»
B.
In der Folge ersuchte die ESTV die B._ AG sowie die Steuerver-
waltung des Kantons (...) mit Verfügungen vom 13. September 2018, ihr
die vom BD verlangten Informationen zu übermitteln und Erstere zusätz-
lich, die im Ausland ansässige betroffenen Person, A._, über das
Amtshilfeverfahren zu informieren und sie aufzufordern, eine zur Zustel-
lung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen.
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Seite 4
Die Steuerverwaltung des Kantons (...) kam der Aufforderung der ESTV
fristgerecht nach.
Die B._ AG reichte der ESTV die gewünschten Informationen zu-
nächst teilweise und schliesslich vollständig ein und informierte die
A._ am 20. September 2018 über das sie betreffende Amtshilfever-
fahren.
C.
Die ESTV informierte die A._ und die B._ AG mit separaten
Schreiben vom 19. November 2018 über das Amtshilfeersuchen des BD
und über die beabsichtigte Informationsübermittlung. Mit Eingabe vom
26. November 2018 nahm die A._ Stellung und wurde mit E-Mail
vom 10. Dezember 2018 von der ESTV über den weiteren Verfahrensab-
lauf informiert.
D.
Mit Schlussverfügung vom 8. Januar 2019 leistete die ESTV Amtshilfe be-
treffend die Gesellschaft A._ und erklärte, dem BD die gewünsch-
ten, von der B._ AG und der Steuerverwaltung des Kantons (...)
edierten Informationen (vgl. dazu vorne Sachverhalt Bst. A), in welchen
auch die B._ AG selbst betreffende Daten enthalten sind, zu über-
mitteln. Dabei wurden nicht amtshilfefähige Informationen, welche nicht
ausgesondert werden konnten, geschwärzt. Weiter machte die ESTV den
BD darauf aufmerksam, dass die übermittelten Informationen gemäss
Art. 26 Abs. 2 des einschlägigen Abkommens vom 26. Februar 2010 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich der
Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der
Steuern vom Einkommen (DBA CH-NL, SR 0.672.963.61) nur einge-
schränkt und gemäss den entsprechenden Geheimhaltungsbestimmungen
verwendet werden dürften.
E.
Gegen diese Verfügung erheben die A._ und die B._ AG
(nachfolgend: Beschwerdeführerinnen oder Beschwerdeführerin 1 und 2)
mit Eingabe vom 8. Februar 2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungsge-
richt und beantragen, die Ziffern 8 und 11 in der zweiten Dispositiv-Ziffer
der Schlussverfügung der ESTV (nachfolgend: Vorinstanz) seien aufzuhe-
ben bzw. anzupassen.
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In formeller Hinsicht beantragen sie, der Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen, auch derjenigen im Verfahren gegen die
C._ AG mit Sitz in (...).
F.
Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerdeführerinnen mit Zwi-
schenverfügung vom 13. Februar 2019 darauf hin, dass ihrer Beschwerde
von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (Dispositiv-Zif-
fer 1), ohne sich zum von den Beschwerdeführerinnen erwähnte Verfahren
betreffend die vorliegend nicht verfahrensbeteiligte C._ AG zu äus-
sern.
G.
Mit Vernehmlassung vom 12. März 2019 beantragt die Vorinstanz die kos-
tenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
H.
Auf die Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen
Dokumente wird – sofern entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des BD ge-
stützt auf Art. 26 Abs. 1 DBA CH-NL zugrunde. Die Durchführung der
mit diesem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach
dem Steueramtshilfegesetz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1;
vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG und Art. 24 StAhiG e contrario).
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwal-
tungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch die Schlussverfü-
gungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 32 VGG e
contrario und Art. 19 Abs. 1 und Abs. 5 StAhiG), womit seine Zuständigkeit
zur Beurteilung des angefochtenen Entscheids zu bejahen ist.
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1.3 Die Beschwerdeführerinnen sind als vom Amtshilfeersuchen be-
troffene bzw. beschwerdeberechtigte Personen und Verfügungsadressatin-
nen im Sinne von Art. 48 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StAhiG durch den an-
gefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Änderung, so dass sie zur Beschwerde berechtigt
sind.
1.4 Somit ist auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 5
StAhiG; vgl. jedoch hinten E. 4.5.1).
2.
Mit dem Beschwerdeantrag wird der Streitgegenstand im bundesverwal-
tungsgerichtlichen Verfahren bestimmt. Die Beschwerdeführerinnen legen
mit ihrem Begehren fest, in welche Richtung und inwiefern sie das strittige
Rechtsverhältnis überprüfen lassen wollen. Insoweit die vorinstanzliche
Verfügung nicht angefochten wird, erwächst sie in Rechtskraft (MOSER ET
AL., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 2.213).
3.
3.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer-
sachen gegenüber den Niederlanden ist Art. 26 DBA CH-NL, welcher im
Wortlaut weitgehend Art. 26 des Musterabkommens der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vermeidung
von Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen entspricht (vgl.
Botschaft vom 25. August 2010 zur Genehmigung eines Doppelbesteue-
rungsabkommens zwischen der Schweiz und den Niederlanden, BBl 2010
5787, 5800 zu Art. 26). Gemäss dessen Abs. 1 tauschen die zuständigen
Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen
aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder
Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend für Rechnung der
Vertragsstaaten, ihrer politischen Unterabteilungen oder lokalen Körper-
schaften erhobenen Steuern jeder Art und Bezeichnung voraussichtlich er-
heblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht
dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch ist dabei weder
durch den persönlichen Geltungsbereich nach Art. 1 noch durch die unter
das Abkommen fallenden Steuern nach Art. 2 eingeschränkt.
In diesem Zusammenhang hält das Protokoll zum DBA CH-NL in Ziff. XVI
Bst. c Folgendes fest: Der Zweck der Verweisung auf Informationen, die
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voraussichtlich erheblich sind, besteht darin, einen möglichst weit gehen-
den Informationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den
Vertragsstaaten zu erlauben, "fishing expeditions" zu betreiben oder Infor-
mationen anzufordern, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange
einer bestimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist.
3.2
3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29
E. 4.2.2, BGE 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil
des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begrün-
dung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern,
wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der
im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich er-
scheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, BGE 141 II 436 E. 4.4.3
mit weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März
2020 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussichtli-
chen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Organi-
sation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Vermei-
dung der Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen). In letzte-
rem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informati-
onen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden
dürfen (statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3
mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt
dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der Informationen herausstellt,
dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit.
in Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2).
3.2.2 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
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erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er-
geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A-140/2019 vom
13. Mai 2019 E. 3.1.2, je mit Hinweisen). Soweit die Behörden des ersu-
chenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzu-
legen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lücken-
los und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der
Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und Un-
terlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln geblie-
bene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtsprechung
von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis des Sachverhalts
zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen
Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A-140/2019 vom 13. Mai
2019 E. 3.1.2 mit Hinweisen).
3.3 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht so-
dann grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklä-
rungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprin-
zip; vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.4
mit weiteren Hinweisen).
4.
4.1 Die formellen Anforderungen im Einzelnen, welche an ein Amtshilfe-
gesuch gestellt werden und die im angehängten Protokoll zum DBA CH-
NL in Ziff. XVI Bst. b und in der am 31. Oktober 2011 abgeschlossenen und
gleichentags in Kraft getretenen Verständigungsvereinbarung über die
Auslegung dieser Ziffer aufgeführt sind (AS 2012 4079, vgl. insbesondere
den 3. Absatz und zum Zusammenspiel des DBA CH-NL inkl. Protokoll und
der Verständigungsvereinbarung im Rahmen der Auslegung vgl. BGE 143
II 136 E. 5.3.1 f.), sind vorliegend erfüllt und werden von den Beschwerde-
führerinnen auch nicht in Frage gestellt.
Ebenso wenig wird die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen, welche unter
abkommensrechtlichen Gesichtspunkten genügend detailliert verfasst ist
(vgl. dazu vorne Sachverhalt Bst. A), bemängelt. Vielmehr richtet sich ihre
Beschwerde einzig gegen die Übermittlung der Informationen gemäss Dis-
positiv-Ziffer 2 Ziff. 8 und 11 (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A), womit sich der
Streitgegenstand darauf beschränkt (vgl. auch vorne E. 2).
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4.2
4.2.1 In der Antwort zur vorerwähnten Ziff. 8 wird ausgeführt, dass der Be-
schwerdeführerin 2 nach eigenen Angaben die Mittel für das gewährte Dar-
lehen an die Beschwerdeführerin 1 von folgenden Firmen zur Verfügung
gestellt wurden: D._, E._ GmbH und C._ AG. Weiter
wird festgehalten, dass der Geldfluss ab 2010 erfolgt sei, wobei keine se-
paraten Bedingungen ausgehandelt und auch keinerlei Sicherheiten ver-
langt wurden. Im Übrigen wird auf diverse von der Steuerverwaltung des
Kantons (...) eingereichten und zur Übermittlung vorgesehenen Jahresab-
schlüsse der Beschwerdeführerin 2 verwiesen.
Zur fraglichen Ziff. 11 gedenkt die Vorinstanz die Angaben der Beschwer-
deführerin 2 weiterzuleiten, wonach diese zu den aufgeführten Gesell-
schaften (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A) – mit Ausnahme der deutschen
D._ – keinerlei finanzielle Beziehungen habe. Diese deutsche Ge-
sellschaft habe der Beschwerdeführerin 2 Mittel für die Finanzierung des
Darlehens an die Beschwerdeführerin 1 zur Verfügung gestellt, wobei der
Saldo per 31. Dezember 2017 CHF (...) betrage.
4.2.2 Die Beschwerdeführerinnen erachten diese Auskünfte als über die
konkrete Frage hinausgehend: Im Ersuchen werde nur danach gefragt, ob
Geschäftsbeziehungen existierten und nicht, welcher Art diese seien und
ebenso wenig werde um die Bezifferung von Geldflüssen ersucht. Zudem
habe die Höhe des Darlehens der D._ keinerlei Relevanz für das
die Beschwerdeführerin 1 betreffende Amtshilfeverfahren. Demzufolge sei
sie den niederländischen Behörden auch nicht mitzuteilen. Die Geschäfts-
beziehung zur D._ mit Sitz in Deutschland könne im Grundsatz of-
fengelegt werden. Die vorgenannte Gesellschaft unterhalte zwar Ge-
schäftsbeziehungen in die Niederlanden, werde jedoch in Deutschland be-
steuert. Die beiden anderen Darlehensgeberinnen sollten sodann nicht na-
mentlich erwähnt werden, da das Interesse an der Vertraulichkeit der Ge-
schäftsbeziehung bzw. die Geheimhaltung von betriebsinternen Informati-
onen und Steuergeheimnissen als vorrangig vor demjenigen an der Offen-
legung der Verhältnisse gegenüber der niederländischen Steuerverwaltung
zu betrachten sei.
Sie beantragen, die Antwort solle stattdessen wie folgt formuliert werden:
«Die Finanzierung der Darlehen erfolgte durch Gesellschaften, welche ih-
ren Sitz nicht in den Niederlanden haben. Der Steuerverwaltung des Kan-
tons (...) sowie der ESTV sind die Namen der Darlehensgeber und die
Höhe der Darlehen bekannt.»
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4.3 Der BD fragt nicht nur nach den finanziellen Beziehungen zwischen
der Beschwerdeführerin 2 und diversen Gesellschaften, sondern ersucht
explizit auch um die Übermittlung spezifizierter Aufstellungen und entspre-
chender Belege (vgl. Sachverhalt Bst. A). Demnach kann nicht davon aus-
gegangen werden, dass die Vorinstanz mehr oder zusätzliche Informatio-
nen übermitteln möchte, als erbeten wurden.
4.4 Art. 26 Abs. 1 und 2 DBA CH-NL sind zwar keinesfalls so auszulegen,
als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, Informationen zu erteilen, die ein
Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein
Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre
public widerspräche (Art. 26 Abs. 3 Bst. c DBA CH-NL). Der abkommens-
rechtliche Geheimnisbegriff ist jedoch nicht zu weitgehend auszulegen, an-
sonsten wäre der vorgesehene Informationstausch unwirksam. Finanzin-
formationen, inkl. Bücher und Aufzeichnungen, stellen ihrer Natur nach re-
gelmässig keine solchen Geheimnisse dar, zumindest solange z.B. keine
urheberrechtlich geschützten Formeln für die Herstellung von Produkten
preisgegeben oder andere geistige Eigentumsrechte tangiert werden (Mo-
del Tax Convention on Income and on Capital [Condensed Version], OECD
2017, Commentary on Art. 26, II, Paragraph 3, Ziff. 19 und 19.2), was vor-
liegend nicht der Fall ist (vgl. statt vieler auch Urteil des BVGer
A-5741/2017, A-5741/2017 vom 29. Juni 2018 E. 6.4.3 mit Hinweisen, be-
stätigt mit Urteil des BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 gesamte E. 7).
4.5
4.5.1 Insofern die Beschwerdeführerinnen aus anderen Gründen beantra-
gen sollten, die Identität weiterer, in den zur Übermittlung vorgesehenen
Akten erscheinenden Drittfirmen sei nicht preiszugeben, wären sie dazu
nicht legitimiert und wäre demnach in diesem Umfang nicht auf die Be-
schwerde einzutreten (vgl. Urteil des BVGer A-6854/2019 vom 3. März
2020 E. 1.3.2). Im Rahmen der von Amtes wegen vorzunehmenden Prü-
fung der materiellen Voraussetzungen der Gewährung der Amtshilfe – ins-
besondere mit Blick auf die die Beschwerdeführerin 2 als beschwerdebe-
rechtigte Drittperson betreffende Übermittlung von Informationen – ist den-
noch auf die in diesem Zusammenhang relevanten datenschutzrechtlichen
Aspekte einzugehen. Diese sind in Art. 4 Abs. 3 StAHiG wie folgt geregelt:
Die Übermittlung von Informationen zu nicht betroffenen Personen ist un-
zulässig, wenn diese Informationen für die Beurteilung der Steuersituation
der betroffenen Person nicht voraussichtlich relevant sind oder wenn be-
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rechtigte Interessen von nicht betroffenen Personen das Interesse der er-
suchenden Seite an der Übermittlung der Informationen überwiegen (zur
voraussichtlichen Erheblichkeit von Informationen vgl. vorne E. 3.2).
4.5.2 Durch Art. 4 Abs. 3 StAhiG sollen Personen geschützt werden, die
nichts mit dem im Amtshilfeersuchen geschilderten Sachverhalt zu tun ha-
ben, deren Namen also rein zufällig in den weiterzuleitenden Dokumenten
auftauchen ("fruit d'un pur hasard"; zur Auslegung von Art. 4 Abs. 3 StAhiG
vgl. auch Urteil des BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 E. 3.1; Botschaft
des Bundesrates vom 5. Juni 2015 zur Genehmigung des Übereinkom-
mens des Europarats und der OECD über die gegenseitige Amtshilfe in
Steuersachen und zu seiner Umsetzung [Änderung des Steueramtshilfe-
gesetzes] BBl 2015 5585 ff., 5623 und statt vieler Urteil des BVGer
A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen).
4.5.3 Zusammenfassend ist die Übermittlung von Informationen zu nicht
betroffenen Personen nicht zulässig, ausser die Informationen sind mit
Blick auf den vom ersuchenden Staat verfolgten Steuerzweck voraussicht-
lich erheblich und ihre Aushändigung verhältnismässig im Sinne, dass eine
Schwärzung dieser Informationen das Amtshilfeersuchen wertlos machen
würde. Der Name eines Dritten kann somit in den zu übermittelnden Un-
terlagen belassen werden, wenn dies geeignet ist, die steuerliche Situation
der vom Amtshilfeersuchen betroffenen Person zu erhellen (vgl. statt vieler
BGE 144 II 29 E. 4.2.3 sowie Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März
2020 E. 4.2.4, je mit Hinweisen).
4.5.4 Wird die Anonymisierung von Daten einzelner Personen verlangt,
die in der Amtshilfeverpflichtung an sich unterliegenden Unterlagen enthal-
ten sind, genügt es grundsätzlich nicht, pauschal vorzubringen, bei den in
diesen Unterlagen erwähnten Personen handle es sich um unbeteiligte
Dritte. Vielmehr ist nach der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-
chung in solchen Konstellationen in Bezug auf jedes einzelne Aktenstück,
das von der Übermittlung ausgeschlossen werden soll, anzugeben und im
Einzelnen darzulegen, weshalb es im ausländischen Verfahren nicht er-
heblich sein kann (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom
3. März 2020 E. 4.2.5 mit weiteren Hinweisen).
4.5.5 Der BD ersucht mit Schreiben vom 29. August 2018 wie erwähnt ex-
plizit um die Übermittlung sämtlicher Belege im Zusammenhang mit der
Finanzierung der fraglichen Darlehen an die Beschwerdeführerin 1 als be-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_690%2F2015&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29
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troffene Person und in Bezug auf die finanziellen Beziehungen der Be-
schwerdeführerin 2 als Darlehensgeberin zu diversen weiteren Gesell-
schaften (vgl. vorne E. 4.3 und Sachverhalt Bst. A).
Der BD legt nachvollziehbar dar, dass es ist für die steuerliche Würdigung
der finanziellen Situation der betroffenen Person relevant ist, sich einen
Überblick über die möglichen Beziehungen zwischen den involvierten nie-
derländischen, deutschen und schweizerischen Gesellschaften sowie den
geschäftsführenden Aktionären zu verschaffen. Die ersuchten Informatio-
nen sind voraussichtlich erheblich, um die Verbindungen zwischen den
Darlehensgeberinnen untereinander und mit der Darlehensnehmerin sowie
allgemein das gesamte Gesellschaftskonstrukt in den Niederlanden und
damit die geschäftsmässige Begründetheit der strittigen Geldflüsse nach-
vollziehen zu können. Damit sind diese Informationen – auch die Höhe der
transferierten Geldsummen sowie die Finanzierung der Darlehen – letztlich
voraussichtlich relevant, um die betroffene Person in den Niederlanden
korrekt besteuern zu können.
4.5.6 Es ist sodann weder erkennbar noch wird geltend gemacht, dass die
fraglichen Gesellschaften in den im Rahmen des strittigen Amtshilfeersu-
chens zur Übermittlung vorgesehenen Dokumenten bloss zufällig auftau-
chen. Vielmehr bilden sie Teil des Sachverhalts, der Gegenstand der Un-
tersuchung gegen die betroffene Person, die Beschwerdeführerin 1, ist. Die
Identität der Darlehensgeberinnen sowie Belege von finanziellen Transak-
tionen wie Bilanzen, Buchungskonten, Motivationen betreffend die Darle-
hensgewährung und damit auch die Höhe gewährter Darlehen, um deren
Ermittlung der BD explizit ersucht (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A und
E. 4.3), erweisen sich wie erwähnt als voraussichtlich erheblich zur Unter-
suchung der steuerrechtlichen Situation der betroffenen Person, insbeson-
dere zur Überprüfung der geschäftlichen Natur der gewährten Darlehen. In
diesem Zusammenhang nicht von Belang ist, dass gewisse Gesellschaf-
ten, so auch die Beschwerdeführerin 2, nicht in den Niederlanden domizi-
liert und folglich nicht dort steuerpflichtig sind. Die sie betreffenden Infor-
mationen dienen dennoch der Überprüfung der steuerrechtlichen Situation
der in den Niederlanden steuerpflichtigen Beschwerdeführerin 1 und deren
Übermittlung ist damit im abkommensrechtlichen Sinn notwendig (vgl.
vorne E. 4.5.2 f. und statt vieler auch Urteil des BVGer A-1348/2019 vom
3. März 2020 E. 4.2.9).
Art. 4 Abs. 3 StAhiG steht somit der vorgesehenen Übermittlung von In-
formationen bezüglich Drittgesellschaften nicht entgegen, weil diese Daten
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für den geltend gemachten Steuerzweck voraussichtlich erheblich sind und
ihre Bekanntgabe demnach erforderlich ist; d.h. ihre Aussonderung,
Schwärzung oder anderweitige Unkenntlichmachung würde den Zweck
des Amtshilfeersuchens vereiteln (vgl. vorne E. 4.2.3 und auch Urteil des
BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). Eine Weiterlei-
tung der fraglichen Informationen erscheint im Übrigen mit Art. 4 Abs. 3
StAhiG vereinbar, selbst wenn berechtigte Geheimhaltungsinteressen von
im Sinne dieser Vorschrift nicht betroffenen Personen angenommen wür-
den. Da nach dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip (vgl. dazu vorne E.
3.3) davon ausgegangen werden kann, dass sich die niederländischen Be-
hörden an das Spezialitätsprinzip halten (vgl. dazu statt vieler ausführlich
Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.5.1 und zur konkre-
ten Formulierung in der vorinstanzlichen Verfügung, wonach die übermit-
telten Informationen nach Art. 26 Abs. 2 DBA CH-NL nur eingeschränkt und
gemäss den entsprechenden Geheimhaltungsbestimmungen verwendet
werden dürften, vorne Sachverhalt Bst. D), würden allfällige Geheimhal-
tungsinteressen das Interesse des ersuchenden Staats an der Übermitt-
lung der strittigen Unterlagen nicht überwiegen.
Folglich ist die vorinstanzliche Vorgehensweise nicht zu beanstanden, der
Antrag der Beschwerdeführerinnen unbegründet und ihre Beschwerde ab-
zuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 5'000.– festzusetzen und den Beschwer-
deführerinnen ausgangsgemäss unter solidarischer Haftung je zur Hälfte
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2, 4 und 6a des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kosten-
vorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Partei-
entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7
Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
6.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen
nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG
A-704/2019
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handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, ent-
scheidet das Bundesgericht.