Decision ID: 5bb61e34-9897-4f96-a443-b70f2f0df377
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 6. November 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass er anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 18. November 2022 geltend
machte, er sei vom 5. Mai 2022 bis am 4. November 2022 in Serbien ge-
wesen, wobei er in einem Lastwagen von Deutschland nach Serbien ge-
reist und ebenso von dort in die Schweiz gekommen sei, jedoch in keinem
Land registriert worden sei,
dass er am 25. November 2022 eine Hotelbestätigung bezüglich Aufenthalt
in Serbien vom 4. Mai 2022 bis am 4. November 2022 einreichte,
dass das SEM mit Verfügung vom 6. Dezember 2022 – eröffnet am 7. De-
zember 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach
Deutschland anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. Dezember 2022 durch
den rubrizierten Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuwei-
sen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten und ein nati-
onales Asylverfahren durchzuführen, eventualiter sei die Sache zur rechts-
genüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen,
dass in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, es sei auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und es sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen die
aufschiebende Wirkung zu erteilen sowie das Beschwerdeverfahren sei
auf Deutsch zu führen,
dass er vier Einkaufsbelege aus Serbien, datierend vom 24. Mai 2022 bis
zum 26. August 2022 zu den Akten reichte,
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dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
13. Dezember 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um ein solches Rechtsmittel handelt,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs auszugehen ist,
zumal sich das SEM mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe
sich während drei Monaten in Serbien aufgehalten und damit der potenti-
ellen Zuständigkeit Deutschlands, auseinandergesetzt hat (vgl. S. 3 der
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angefochtenen Verfügung), wobei es seinen Entscheid eingehend begrün-
det hat und es angesichts der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers
auch nicht gehalten war, weitere Abklärungen zu treffen,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 29. April 2022 in Deutschland ein
Asylgesuch eingereicht hatte,
dass das SEM die deutschen Behörden am 30. November 2022 um Wie-
deraufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 i.V.m. Art. 18
Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO ersuchte,
dass die deutschen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 2. Dezem-
ber 2022 explizit zustimmten,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Deutschlands somit gegeben ist,
dass auch sein Vorbringen bezüglich längerem Aufenthalt in Serbien nichts
daran zu ändern vermag,
dass unter Berücksichtigung seiner widersprüchlichen Aussagen – er habe
die Türkei am 10. Oktober 2022 verlassen und sei am 6. November 2022
in die Schweiz eingereist (vgl. Questionnaire Europa), beziehungsweise er
sei nach seiner Registrierung in Deutschland drei Monate (vgl. Dublin-Ge-
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spräch vom 18. November 2022) beziehungsweise sechs Monate (vgl. Ho-
telbestätigung) in Serbien gewesen – nicht davon auszugehen ist, dass er
sich in Serbien aufgehalten hat,
dass daran auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermö-
gen,
dass der Beweiswert der Hotelbestätigung, die zwar grundsätzlich als Indiz
gilt (vgl. Anhang 2 der Durchführungsverordnung [EU] Nr. 118/2014 der
Kommission vom 30. Januar 2014, Verzeichnis B), als gering einzustufen
ist und der Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht erklärt hat, wie er sich
einen angeblich sechsmonatigen Hotelaufenthalt hätte leisten können,
dass auch die im Original eingereichten Einkaufsbelege seinen Aufenthalt
nicht zu belegen vermögen, zumal diese auch einfach käuflich zu erwerben
sind und daraus nicht hervorgeht, wer die Einkäufe getätigt hat,
dass somit keine Übertragung der Zuständigkeit auf die Schweiz nach
Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO vorliegt,
dass weiter betreffend die anlässlich des Dublin-Gesprächs getätigte Aus-
sage, er habe in der Schweiz – einer unabhängigen Nation – ein Asylge-
such stellen wollen, zu entgegnen ist, dass die Dublin-III-VO den Schutz-
suchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber
auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass es sodann keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und
die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Deutschland wiesen syste-
mische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-
III-VO auf,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
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dass der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen, er sei in Deutschland
aufgehalten worden, er habe dort keine Antwort erhalten, er vertraue
Deutschland nicht und er habe einen Cousin in der Schweiz, implizit die
Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 fordert,
dass Deutschland Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Deutschland werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die deutschen Behörden würden sich weigern ihn wieder aufzu-
nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
dass Deutschland ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsys-
tem ist und der Beschwerdeführer bei der zuständigen Stelle Beschwerde
einreichen könnte, sollte er sich ungerecht oder rechtswidrig behandelt füh-
len,
dass der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise für die Annahme
dargetan hat, Deutschland würde ihm die minimalen Lebensbedingungen
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vorenthalten, und er nötigenfalls die ihm zustehenden Aufnahmebedingun-
gen ebenfalls auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnah-
merichtlinie),
dass der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass sich sein Cousin in
der Schweiz aufhält, nichts zu seinen Gunsten ableiten kann, zumal dieser
kein Familienangehöriger im Sinne von Art. 2 Bst. g i.V.m. Art. 9 Dublin-III-
VO ist,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Deutschland angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren antragsgemäss auf Deutsch durchgeführt
wurde,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung so-
wie auf Verzicht eines Kostenvorschusses als gegenstandslos erweist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab-
zuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Vorausset-
zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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