Decision ID: a5db9849-c8b5-564d-8462-23330284d59b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ (nachfolgend: A._) bezweckt gemäss Handels-
registereintrag den Bau und Betrieb (Beschreibung) (nachfolgend:
B._) in (Ort).
A.b Die C._ hat im Jahre 1996 der A._ für den Bau von
B._ (nachfolgend: B._-Gebäude) ein unentgeltliches Bau-
recht eingeräumt. In der Folge errichtete die A._ das B._-
Gebäude.
A.c Die A._ ist Eigentümerin des B._-Gebäudes. Sie ist für
die Bewirtschaftung des Gebäudes und dessen Instandsetzung verant-
wortlich und hält 62.2% der Aktien an der D._ (nachfolgend:
D._ oder Tochtergesellschaft). Bei Letzterer handelt es sich um die
Betreibergesellschaft von B._, die von der A._ auch mit den
Wartungs- und Instandsetzungsaufgaben des B._-Gebäudes be-
traut worden ist.
B.
B.a Die A._ war vom 1. August 1998 bis zum 31. Dezember 2003
im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen eingetragen.
B.b Die C._ richtet der A._ seit jeher verschiedene Beiträge
aus. Diese Beiträge waren vorerst für den Bau des B._-Gebäudes
bestimmt. Später wurden sie als jährliche Beiträge ausgerichtet. Die mehr-
wertsteuerliche Qualifikation der laufenden Beiträge wurde in der Vergan-
genheit mehrfach geändert und führte schliesslich zur Entlassung der
A._ aus der Mehrwertsteuerpflicht per 31. Dezember 2003.
B.c Die A._ hatte während der Dauer der Eintragung im Mehrwert-
steuerregister Vorsteuerabzüge auf Bauleistungen für das B._-Ge-
bäude geltend gemacht, mithin die Vorsteuern auf den Baukosten für die
Erstellung des B._-Gebäudes zurückgefordert.
B.d Anlässlich der Entlassung aus der Steuerpflicht wurden die Bauleis-
tungen eigenverbrauchsbesteuert. Mit anderen Worten, es wurden die zu-
vor geltend gemachten Vorsteuerabzüge im Rahmen der Eigenver-
brauchsbesteuerung «nachgefordert». Die Vorsteuerabzüge auf den Bau-
leistungen wurden hierbei in einem ersten Schritt im Umfang von 83.26%
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gekürzt, weil die A._ Subventionen für den Bau des B._-Ge-
bäudes erhalten hatte. In einem zweiten Schritt erfolgte eine weitere Kor-
rektur im Umfang von 10.36% bzw. 10.33% des Vorsteueranspruchs we-
gen gemischter Verwendung.
C.
C.a Vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2014 war die A._ erneut
im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen eingetragen. Seit dem
1. Januar 2015 ist die A._ Mitglied einer Mehrwertsteuergruppe.
C.b Anlass für die Wiedereintragung war, dass die ESTV bei der
D._ im Jahre 2011 eine Mehrwertsteuerkontrolle durchgeführt
hatte.
Dabei war ein Streit entbrannt über die mehrwertsteuerlichen Konsequen-
zen des nachfolgenden Sachverhalts:
Mit öffentlich beurkundetem Baurechtsvertrag vom (Datum) hatte die
C._ der A._ ein selbstständiges und dauerndes Baurecht
eingeräumt und die A._ ermächtigt, auf dem Baurechtsgrundstück
das B._-Gebäude mit der dafür erforderlichen Infrastruktur zu er-
stellen.
Im Hinblick darauf, dass die A._ mit der Erstellung und dem Betrieb
des (Betrieb) in (Ort) eine Aufgabe im öffentlichen Interesse wahrnimmt,
verzichtete die C._ auf die Entrichtung eines Baurechtszinses.
Die A._ hatte sich anlässlich der Einräumung des Baurechts ferner
auch obligatorisch verpflichtet, der C._ und (von dieser bezeichne-
ten) Dritten die Konzertsäle an einer bestimmten Anzahl von Tagen zur Ver-
fügung zu stellen. Dafür sollte die C._ der A._ einen jährli-
chen Betrag bezahlen. Dem Baurechtsvertrag entsprechend erliess (Legis-
lative) am (Datum) ein «Reglement [...]».
Am 25. Juni 2001 schlossen die A._ und die D._ einen
Pachtvertrag ab. In der Folge blieb die D._ die Pacht weitgehend
schuldig.
Wegen finanzieller Schwierigkeiten kam es im Jahre 2004 zu einer Umfi-
nanzierung und Neuregelung der Beiträge an die A._. Es wurde
zwischen C._ und der A._ eine (weitere) Subventionsver-
einbarung getroffen.
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Anlässlich der MWST-Kontrolle bei der D._ war die ESTV zum
Schluss gekommen, dass die A._ der C._ eine Dienstleis-
tung erbringe, indem sie ihr die Konzertsäle zur Verfügung stelle. Folge-
richtig seien die entrichteten Beträge im Zusammenhang mit der Nutzung
von B._ durch C._ (und durch von ihr bezeichnete Dritte) ein
Dienstleistungsentgelt. Entsprechend erbringe auch die D._ der
A._ eine Dienstleistung, wenn die D._ die Nutzung der Kon-
zertsäle durch C._ bzw. die Dritten dulde. Des Weiteren habe die
A._ der D._ eine Spende zukommen lassen, indem sie auf
den Pachtzins verzichtet habe. Dies ziehe eine Vorsteuerabzugskürzung
nach sich.
C.c In der Folge ersuchte die A._ um Wiedereintragung ins MWST-
Register.
C.d Später (zwischen dem 23. April 2012 und 20. Februar 2015) reichte die
A._ die MWST-Abrechnungen für die Jahre 2011 bis 2014 ein, wo-
bei sie per 1. Januar 2011 auf den vormaligen Baukosten für die Erstellung
des B._-Gebäudes eine sog. Einlageentsteuerung geltend machte.
Hierbei sowie bei den weiteren MWST-Abrechnungen kalkulierte sie Vor-
steuerabzugskürzungen infolge des Erhalts von Subventionen.
C.e Der Streit wurde schliesslich durch das Bundesverwaltungsgericht mit
den beiden Urteilen im Verfahren A-6831/2013 und im Verfahren
A-6828/2013, je vom 8. Juli 2015, dahingehend entschieden, dass sich
C._ ein zeitweiliges Nutzungsrecht an den Konzertsälen vorbehal-
ten habe, weshalb insoweit kein Leistungsverhältnis vorliege (Urteil des
BVGer A-6831/2013 vom 8. Juli 2015 E. 4.2.5 ff. [1. Quartal 2010 –
4. Quartal 2010]; Urteil des BVGer A-6828/2013 vom 8. Juli 2015 E. 4.2.5
ff. [1. Quartal 2006 – 4. Quartal 2009]).
Ferner stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die A._ der
D._ eine unentgeltliche Leistung unter Nahestehenden erbringe,
soweit sie der Letzteren das Gebäude kostenlos zur Verfügung stelle (Ur-
teile des BVGer A-6831/2013 vom 8. Juli 2015 E. 4.2.7, A-6828/2013 vom
8. Juli 2015 E. 4.3.5).
C.f In Anlehnung an diese beiden Urteile kam die ESTV zum Schluss, dass
mit Bezug auf die Nutzung des B._-Gebäudes C._ kein
Leistungsverhältnis bestehe. Infolgedessen seien die von C._ im
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Zusammenhang mit der Nutzung an die A._ entrichteten Beträge
als Subventionen zu betrachten (Schreiben der ESTV vom 7. Juni 2016).
Mit Bezug auf den Verzicht auf den Pachtzins und die daraus resultierende
unentgeltliche Leistung unter Nahestehenden folgerte die ESTV, dass es
sich hierbei um eine steuerausgenommene Immobilienvermietung handle.
Diese ziehe eine Korrektur des Vorsteuerabzugs nach sich (Schreiben der
ESTV vom 27. September 2016).
C.g Im Rahmen eines Meinungsaustauschs mit der ESTV reichte die
A._ korrigierte MWST-Abrechnungen ein (Eingabe der damaligen
Vertreterin der A._ vom 15. Dezember 2016). Hierbei enthielt die
MWST-Korrekturabrechnung für das 1. Quartal 2011 neben einer Vorsteu-
erabzugskürzung wegen Subventionen etc. auch eine Vorsteuerabzugs-
korrektur wegen gemischter Verwendung.
D.
D.a Nach weiterer Korrespondenz zwischen der ESTV und der damaligen
Vertreterin der A._ über diverse Punkte führte die ESTV im August
2017 bei der A._ eine Mehrwertsteuerkontrolle durch über den Zeit-
raum vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2014.
D.b Mit Ergänzungsabrechnung Nr. (Nummer) vom 10. November 2017
forderte die ESTV Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 1'368'542.- nach.
Diese Steuernachforderung resultierte zum einen aus einer Nachbelastung
von Mehrwertsteuern, zum anderen aus erheblichen Vorsteuerabzugskor-
rekturen. Letztere wiederum bestanden im Wesentlichen in einer Korrektur
und Kürzung der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Einlage-
entsteuerung per 1. Januar 2011 sowie in einer Korrektur und Kürzung des
Vorsteuerabzugs wegen gemischter Verwendung, wobei die ESTV auch
die Vorsteuern auf den (Eingangs-)leistungen für die Dachsanierung
(Schadensbehebung) kürzte.
E.
Am 9. Januar 2018 erstattete die ESTV der A._ Fr. 307'939.29. Es
handelte sich hierbei um die Auszahlung des Vorsteuerguthabens gemäss
der Einschätzungsmitteilung Nr. (Nummer) (Fr. 50'158.- [2011] +
Fr. 13'446.- [2012] + Fr. 12'283.- [2013] – Fr. 1'332.- [2014] – Fr. 1.- [Run-
dungsdifferenz]) sowie um die Rückvergütung von unter Vorbehalt bezahl-
ten Mehrwertsteuern (Fr. 141'80210 [Zahlungseingang: 4. Juli 2013] +
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Fr. 62'326.70 [Zahlungseingang: 15. Juli 2014] + Fr. 29'256.40 [Zahlungs-
eingang: 25. März 2015]). Diese letztere Rückvergütung erfolgte gestützt
auf die beiden vorerwähnten Urteile des Bundesverwaltungsgerichts, weil
die Beschwerdeführerin auf den Nutzungsrechten von C._ und von
jener bezeichnete Dritten Zahlungen unter Vorbehalt geleistet hatte (vgl.
Verfügung vom 25. September 2018 A. Tatsachen Ziff. 7).
F.
Nach weiterer umfangreicher Korrespondenz wies die ESTV mit Verfügung
vom 25. September 2018 sämtliche von der A._ gegen die Ein-
schätzungsmitteilung Nr. (Nummer) vom 10. November 2017 erhobenen
Einwände ab und bestätigte die Steuernachforderung für die Steuerperio-
den 2011 bis 2014 (Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2014)
in der Höhe von Fr. 1'368'542.-. Ferner sprach sie einen Vergütungszins
zu.
G.
Dagegen liess die A._ mit Schreiben vom 25. Oktober 2018 Ein-
sprache erheben und mit Eingabe vom 21. März 2019 präzisieren. Das
Einspracheverfahren wurde mit Einspracheentscheid vom 17. Dezember
2019 abgeschlossen. Hierbei nahm die ESTV im Umfang von Fr. 16'000.-
eine sog. reformatio in peius vor und erhöhte die nachgeforderte Mehrwert-
steuer auf Fr. 1'384'542.-. Des Weiteren korrigierte sie den Vergütungszins.
Die zusätzliche Aufrechnung war darin begründet, dass die A._ von
C._ Tourismusabgaben eingefordert und darauf MWST erhoben
hatte, diese in der Folge aber der ESTV nicht abgeliefert hat.
H.
Mit Beschwerde vom 31. Januar 2020 gelangt die A._ (nachfolgend
auch: Beschwerdeführerin) an das Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragt im Wesentlichen, den Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2019
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und die Steuernach-
forderung neu festzusetzen. Sie ergänzt diesen Hauptantrag mit weiteren
tabellarisch zusammengestellten Eventual-, Subeventual- und Subsube-
ventualanträgen zum einen zur Einlageentsteuerung per 1. Januar 2011
und zum anderen zu den Vorsteuerabzugskorrekturen und Vorsteuerab-
zugskürzungen im Rahmen der Einlageentsteuerung sowie auch für die
weiteren kontrollierten Steuerperioden.
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Zusammengefasst wehrt sich die Beschwerdeführerin gegen die von der
ESTV verwendeten Quoten für die Berechnung der Vorsteuerabzugskor-
rekturen und der Vorsteuerabzugskürzungen bei der Einlageentsteuerung
per 1. Januar 2011 und bei der Ermittlung der übrigen Vorsteueransprüche
für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2014.
I.
Die ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) beantragt mit Vernehmlassung
vom 2. April 2020 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zulas-
ten der Beschwerdeführerin.
Sie verweist hierzu vorab auf ihre im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 17. Dezember 2019 wiedergegebenen Ausführungen.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
nachfolgend soweit eingegangen, als sie für den vorliegenden Entscheid
wesentlich sind.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt hier nicht vor. Die angefochtene
Verfügung stellt eine solche im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Die Vorinstanz
ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Das Bundesverwaltungs-
gericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung
und hat ein Interesse an deren Abänderung. Sie ist damit zur Beschwerde-
erhebung berechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
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Seite 8
1.4 Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22a Abs. 1 Bst. c und Art. 20 Abs. 1
VwVG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
2.2 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den unter
Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die richti-
gen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als
den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es
überzeugt ist (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a).
3.
3.1 Am 1. Januar 2010 sind das Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009
(MWSTG, SR 641.20) und die Mehrwertsteuerverordnung vom 27. Novem-
ber 2009 (MWSTV, SR 641.201) in Kraft getreten. In materieller Hinsicht
bleiben die bisherigen Vorschriften auf alle während ihrer Geltungsdauer
eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwend-
bar (Art. 112 Abs. 1 und 2 MWSTG).
Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt untersteht – soweit er die
Mehrwertsteuerforderung und den Vorsteueranspruch für die Zeit vom
1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2014 betrifft – dem am 1. Januar 2010 in
Kraft getretenen MWSTG sowie der dazugehörigen MWSTV.
3.2 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System
der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteuer; Art. 130
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 1 Abs. 1 MWSTG). Der Mehrwertsteuer
unterliegen unter anderem die im Inland durch steuerpflichtige Personen
gegen Entgelt erbrachten Leistungen, soweit dieses Gesetz keine Aus-
nahme vorsieht (Inlandsteuer; Art. 1 Abs. 2 Bst. a und Art. 18 Abs. 1
MWSTG). Die Erhebung erfolgt unter anderem nach dem Grundsatz der
Wettbewerbsneutralität (Art. 1 Abs. 3 Bst. a MWSTG; siehe auch Art. 21
Abs. 5 MWSTG; BVGE 2008/63 E. 4.4.2.1; ausführlich: Urteil des BVGer
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Seite 9
A-5786/2018 vom 27. Mai 2020 E. 2.2.2 mit Hinweis [angefochten vor
BGer]).
3.3 Als Leistung gilt die Einräumung eines verbrauchsfähigen wirtschaftli-
chen Wertes an eine Drittperson in Erwartung eines Entgelts (Art. 3 Bst. c
MWSTG). Die Leistung umfasst als Oberbegriff sowohl Lieferungen (vgl.
Art. 3 Bst. d MWSTG) als auch Dienstleistungen (vgl. Art. 3 Bst. e MWSTG;
vgl. Botschaft vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer,
BBl 2008 6885 ff., 6939; Urteil des BVGer A-1436/2020 vom 22. September
2020 E. 2.2 [angefochten vor BGer]).
3.4
3.4.1 Eine Leistung, die von der Steuer ausgenommen ist und für deren
Versteuerung nicht nach Art. 22 MWSTG optiert wird, ist nicht steuerbar
(Art. 21 Abs. 1 MWSTG).
3.4.2 Die aus der Überlassung von Grundstücken und Grundstücksteilen
zum Gebrauch oder zur Nutzung erzielten Umsätze sind grundsätzlich von
der Steuer ausgenommen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 21 Teilsatz 1 MWSTG). Eine
Grundstücksvermietung im Sinne dieser Steuerausnahme liegt vor, wenn
der Vermieter dem Mieter ein Gebäude oder einen Gebäudeteil zum Ge-
brauch überlässt (vgl. Urteil des BVGer A-7749/2016 vom 17. August 2017
E. 2.2 [Entscheid bestätigt durch das Urteil des BGer 2C_809/2017 vom
23. April 2019]).
3.4.3 Laut Art. 22 Abs. 1 MWSTG kann die steuerpflichtige Person unter
Vorbehalt von Art. 22 Abs. 2 MWSTG von der Steuer ausgenommene Leis-
tungen durch offenen Ausweis der Steuer oder durch Deklaration in der
Abrechnung versteuern (objektive Option oder Option im objektiven Sinn;
BGE 140 II 495 E. 2.2.2; Urteil des BVGer A-7749/2016 vom 17. August
2017 E. 2.3.1 ff. [Entscheid bestätigt durch das Urteil des BGer
2C_809/2017 vom 23. April 2019]). Eine Option ist jedoch namentlich aus-
geschlossen, für Vermietungen zu Wohnzwecken (Art. 22 Abs. 2 Bst. b
MWSTG).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat eine Option durch offe-
nen Ausweis in der «Debitorenrechnung» zu erfolgen (BGE 140 II 495
E. 3.2.5 und 3.4 ff.).
A-642/2020
Seite 10
3.5
3.5.1 Mangels Leistung gelten Subventionen und andere öffentlich-rechtli-
che Beiträge nicht als Entgelt, auch wenn sie gestützt auf einen Leistungs-
auftrag oder eine Programmvereinbarung gemäss art. 46 Abs. 2 BV aus-
gerichtet werden (Art. 18 Abs. 2 Bst. a MWSTG).
3.5.2 Die gleiche Betrachtungsweise gilt auch für Gelder, die Kur- und Ver-
kehrsvereine ausschliesslich aus öffentlich-rechtlichen Tourismusabgaben
erhalten und die sie im Auftrag von Gemeinwesen zugunsten der Allge-
meinheit einsetzen (Art. 18 Abs. 2 Bst. b MWSTG).
3.6
3.6.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 und 3 MWSTG kann die steuerpflichtige Per-
son unter Vorbehalt von Art. 29 und 33 MWSTG Vorsteuern im Rahmen
ihrer unternehmerischen Tätigkeit abziehen, sofern sie nachweist, dass sie
die Vorsteuern bezahlt hat.
3.6.2 Kein Anspruch auf Vorsteuerabzug besteht bei Leistungen und bei
der Einfuhr von Gegenständen, die für die Erbringung von Leistungen, die
von der Steuer ausgenommen sind und für deren Versteuerung nicht op-
tiert wurde, verwendet werden (Art. 29 Abs. 1 MWSTG).
3.6.3 Subventionen führen zu einer verhältnismässigen Kürzung des Vor-
steuerabzugs (vgl. Art. 33 Abs. 2 MWSTG).
3.6.4
3.6.4.1 Sind die Voraussetzungen des Vorsteuerabzuges zum Zeitpunkt
des Leistungsempfanges nicht gegeben, treten sie jedoch später ein, kann
der Vorsteuerabzug gemäss Art. 32 MWSTG bei Eintritt der Voraussetzun-
gen nachgeholt werden (TOBIAS FELIX ROHNER, Der nachträgliche Vorsteu-
erabzug [Einlageentsteuerung] im schweizerischen MWSTG und nach der
6. MwSt.-Richtlinie der EU, 2007, S. 109 f.; vgl. dazu auch: DANIEL RIEDO,
Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von
den entsprechenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, 1999,
S. 273 ff.). Gemäss Art. 32 Abs. 1 MWSTG müssen dafür die Kriterien des
Vorsteuerabzugsrechts (Art. 28 ff. MWSTG) erfüllt sein; gegebenenfalls
kann der Vorsteuerabzug in derjenigen Abrechnungsperiode vorgenom-
men werden, in der die Voraussetzungen hierfür eingetreten sind (Urteile
des BVGer A-4090/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 6.1, A-1382/2015
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Seite 11
vom 11. August 2015 E. 8.1.1 [Entscheid bestätigt durch das BGer mit Ur-
teil 2C_773/2016 vom 17. September 2015]).
3.6.4.2 Nach Art. 113 Abs. 2 MWSTG gelten die Bestimmungen über die
Einlageentsteuerung nach Art. 32 MWSTG auch für Leistungen, für die vor
dem Inkrafttreten des MWSTG (also vor dem 1. Januar 2010) kein An-
spruch auf Vorsteuerabzug gegeben war. Sog. Eingangsleistungen, wel-
che vor Inkrafttreten des MWSTG bezogen worden sind und für welche
kein Vorsteuerabzugsrecht bestand, können demnach zum Vorsteuerab-
zug unter dem neuem Recht berechtigen, falls die Voraussetzungen für die
Einlageentsteuerung erfüllt sind (vgl. BGE 142 II 488 E. 2.3.7; Urteile des
BVGer A-4090/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 6.2, A-1382/2015 vom
11. August 2015 E. 8.1.2 [Entscheid bestätigt durch das BGer mit Urteil
2C_773/2016 vom 17. September 2015], A-5534/2013 vom 5. November
2014 E. 2.6; BAUMGARTNER et al., Vom alten zum neuen Mehrwertsteuer-
gesetz, 2010, § 13 N 12).
3.6.4.3 Gemäss Art. 165 Bst. a MWSTV sind die Bestimmungen über die
Einlageentsteuerung jedoch nicht anwendbar bei nicht als Entgelt gelten-
den Mittelzuflüssen (Art. 18 Abs. 2 MWSTG), die mit dem Inkrafttreten des
neuen Rechts nach Art. 33 Abs. 1 MWSTG nicht mehr zu einer Kürzung
des Vorsteuerabzugs führen (i.d.R. Spenden).
Das Bundesverwaltungsgericht hat mit rechtskräftigem Urteil A-1382/2015
vom 11. August 2015 und ausführlicher Begründung (vgl. daselbst
E. 9.6.2.2 f.) Art. 165 Bst. a MWSTV als gesetzeskonform betrachtet und
festgehalten, dass das MWSTG für die in dieser Verordnungsvorschrift ge-
nannten Fälle (gemäss Art. 113 Abs. 2 MWSTG e contrario) keine Einlage-
entsteuerung vorsieht.
3.6.5
3.6.5.1 Verwendet der Steuerpflichtige Gegenstände, Teile davon oder
Dienstleistungen innerhalb seiner unternehmerischen Tätigkeit sowohl für
Leistungen, die zum Vorsteuerabzug berechtigen, als auch für Leistungen,
die vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen sind, muss er den Vorsteuerab-
zug nach dem Verhältnis der Verwendung korrigieren (vgl. Art. 30 Abs. 1
MWSTG; sog. Vorsteuerabzugskorrektur). Eine detaillierte Regelung zum
Vorgehen bei der entsprechenden Korrektur lässt sich dem Gesetz nicht
entnehmen (vgl. Urteile des BVGer A-2740/2018 vom 15. April 2019 E. 4.1,
A-5757/2015 vom 19. Februar 2016 E. 3.4.3; BÉATRICE BLUM, in: Zwei-
fel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen
A-642/2020
Seite 12
Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, 2015 [nachfolgend:
MWSTG Kommentar], Art. 30 N 9; CAMENZIND et al., Handbuch zum
Mehrstersteuergesetz [MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 1737). Die annäh-
rungsweise Ermittlung der massgebenden Faktoren muss jedoch jeden-
falls sachgerecht erfolgen (vgl. Art. 68 Abs. 1 MWSTV sowie Urteil des
BGer 2C_264/2014 vom 17. August 2015 E. 2.2.5). Als sachgerecht erach-
tet wird «jede Anwendung einer oder mehrerer Methoden, die den Grund-
satz der Erhebungswirtschaftlichkeit berücksichtigt, betriebswirtschaftlich
nachvollziehbar ist und die Vorsteuern nach Massgabe der Verwendung für
eine bestimmte Tätigkeit zuteilt» (Art. 68 Abs. 2 MWSTV; zum Ganzen: Ur-
teil des BVGer A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.4.2).
3.6.5.2 Die Korrektur des Vorsteuerabzuges kann gemäss Art. 65 MWSTV
berechnet werden nach dem effektiven Verwendungszweck (Bst. a der Be-
stimmung), anhand von Pauschalmethoden mit von der ESTV festgelegten
Pauschalen (Bst. b der Bestimmung) oder gestützt auf eigene Berechnun-
gen (Bst. c der Bestimmung). Stützt die steuerpflichtige Person die Korrek-
tur des Vorsteuerabzugs auf eigene Berechnungen, hat sie gemäss Art. 67
MWSTV die Sachverhalte, die ihren Berechnungen zugrunde liegen, um-
fassend zu belegen sowie eine Plausibilitätsprüfung durchzuführen.
3.6.5.3 Bei der effektiven Methode (Art. 65 Bst. a MWSTV) wird die Kor-
rektur entsprechend dem Verhältnis der effektiven Verwendung vorgenom-
men. Die ESTV versteht hierunter gemäss ihrer Praxis namentlich die so-
genannte 3-Topf-Methode. Demnach werden die Vorsteuern soweit wie
möglich direkt zugeordnet; die nicht direkt zuordenbaren Aufwendungen
werden nach betrieblich motivierten Schlüsseln umgelegt. Als Aufteilungs-
schlüssel kommen beispielsweise Umsätze oder Quadrat- bzw. Kubikme-
ter bei Liegenschaften in Frage (MWST-Info 09 Vorsteuerabzug und Vor-
steuerabzugskorrekturen [fortan: MWST-Info 09], Ziff. 4.2 und 4.5.1; vgl.
zur 3-Topf-Methode auch die nachfolgende E. 3.6.5.4; zum Ganzen: Urteil
des BVGer A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.4.2.1).
3.6.5.4 Nach der bereits oben erwähnten 3-Topf-Methode sind sämtliche
Vorsteuern in drei Töpfe aufzuteilen. Vorsteuern, die Tätigkeiten zugeord-
net werden können, die vollumfänglich zum Vorsteuerabzug berechtigen,
gehören in den Topf A, während Vorsteuern, die nicht zum Vorsteuerabzug
berechtigenden Tätigkeiten zuordenbar sind, dem Topf B zuzuweisen sind.
Vorsteuern, die weder Topf A noch Topf B zugeordnet werden können, son-
dern gemischt verwendet werden, sind dem Topf C zuzuordnen. Die sich
A-642/2020
Seite 13
in Topf C befindlichen Vorsteuern werden sodann nach einem oder mehre-
ren Schlüsseln korrigiert, welche auf betrieblich-objektiven Kriterien beru-
hen (z.B. Fläche, Volumen, Umsätze, Arbeitszeit des Personals, Lohn-
summe, Bruttogewinne; vgl. zur 3-Topf-Methode: Urteile des BVGer
A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.4.2.3, A-212/2008 vom 15. Juni
2010 E. 2.3.1).
Bei der Methode Umsatzschlüssel wird hingegen auf eine Direktzuteilung
der Vorsteuern (in die Töpfe A und B) verzichtet und die Vorsteuerabzugs-
korrektur auf sämtlichen Aufwendungen und Investitionen entsprechend
der Zusammensetzung des massgebenden Gesamtumsatzes vorgenom-
men (vgl. zum Ganzen: MWST-Info 09, Ziff. 4.5 und Anhang, Ziff. 11.1 ff.;
CAMENZIND et al., a.a.O., Rz. 1737 ff.; Urteil des BVGer A-6253/2018 vom
10. Dezember 2019 E. 2.4.2.3).
3.6.5.5 Bei den eigenen Berechnungen (Art. 65 Bst. c MWSTV) kommt
nach der Praxis der ESTV namentlich die 3-Topf-Methode in verschiede-
nen Varianten oder die Anwendung der Methode Umsatzschlüssel (eben-
falls in verschiedenen Varianten) in Frage (Urteil des BVGer A-6253/2018
vom 10. Dezember 2019 E. 2.4.2.3).
3.6.5.6 Da die schweizerische Regelung keine Korrekturmethode verbind-
lich vorschreibt, hat die Unternehmung eine umfassende Wahlfreiheit. Da-
mit ist jede Methode zulässig, sofern sie für die konkrete steuerpflichtige
Person als sachgerecht bezeichnet werden kann (Art. 68 Abs. 1 MWSTV;
Urteil des BVGer A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 2.4.2;
CAMENZIND et al., a.a.O., Rz. 1739; DIEGO CLAVADETSCHER, in: MWSTG
Kommentar, Art. 30 N 27).
3.6.5.7 Hat demgegenüber die ESTV eine Vorsteuerabzugskorrektur bei-
spielsweise vorzunehmen, weil der Steuerpflichtige eine solche unterlas-
sen hat, steht ihr bei der Wahl der anzuwendenden Methode ein weiter
Ermessensspielraum zu. Vom Gericht ist nur zu prüfen, ob die gewählte
Methode sachgerecht ist und ob sich die Verwaltung bei der vorgenomme-
nen Vorsteuerabzugskorrektur innerhalb ihres Ermessensspielraums be-
wegt hat (vgl. Urteil des BVGer A-1382/2015 vom 11. August 2015 E. 7).
Insbesondere setzt das Gericht nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle
des Ermessens der ESTV. Ist eine Vorsteuerabzugskorrektur durch die
ESTV zu Recht erfolgt und erscheint diese nicht bereits im Rahmen der
durch das Bundesverwaltungsgericht mit der gebotenen Zurückhaltung
vorzunehmenden Prüfung als pflichtwidrig, obliegt es der steuerpflichtigen
A-642/2020
Seite 14
Person, darzutun und nachzuweisen, dass die vorgenommene Korrektur
offensichtlich nicht sachgerecht ist (Urteil des BVGer A-2740/2018 vom
15. April 2019 E. 4.1).
3.6.6 Art. 75 MWSTV umschreibt bei Subventionen im Sinne von Art. 18
Abs. 2 Bst. a – c MWSTG die Vorsteuerabzugskürzung für drei
verschiedene Fallkonstellationen. Nach Abs. 1 der Bestimmung hat die
Vorsteuerabzugskürzung zu unterbleiben, wenn die erhaltenen Mittel
einem Tätigkeitsbereich zuzuordnen sind, für den entweder keine
Vorsteuer anfällt oder sie nicht geltend gemacht werden kann. Andernfalls
ist die Vorsteuer anteilsmässig zu kürzen (vgl. Art. 75 Abs. 2 MWSTV).
Erfolgt die Subvention im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Bst. a – c MWSTG zur
Deckung eines Betriebsdefizits, so ist die Vorsteuer im Verhältnis zwischen
ihr und dem Gesamtumsatz ohne Mehrwertsteuer zu kürzen (vgl. Art. 75
Abs. 3 MWSTV).
3.6.7 Nach der Rechtsprechung zum vorrevidierten Mehrwertsteuerrecht
hat die Kürzung des Vorsteuerabzugs in jedem Fall «sachgerecht» zu er-
folgen und muss «den tatsächlichen Verhältnissen des Einzelfalls soweit
als möglich entsprechen» (vgl. u.a. Urteil des BVGer A-6898/2014 vom
21. Mai 2015 E. 2.7.1). Dieser Grundsatz gilt auch für die Vorsteuerabzugs-
kürzung nach Art. 33 Abs. 2 MWSTG (Urteil des BVGer A-2599/2015 vom
19. Oktober 2015 E. 3.2.2).
3.7 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach dem
Selbstveranlagungsprinzip. Der Steuerpflichtige stellt dabei eigenständig
fest, ob er die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht (Art. 10 und
66 MWSTG) erfüllt, ermittelt die Steuerforderung selber (Art. 71 MWSTG)
und begleicht diese innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode (Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Das Selbstveranlagungsprinzip bedeutet
somit, dass der Leistungserbringer selbst für die Feststellung der Mehr-
wertsteuerpflicht bzw. -forderung verantwortlich ist (vgl. BGE 140 II 202
E. 5.4; Urteile des BVGer A-1418/2018 vom 24. April 2019 E. 2.2,
A-2788/2018 vom 27. September 2018 E. 2.6, A-3574/2013 vom 18. No-
vember 2014 E. 6.5; nichts daran ändert, dass neuere deutschsprachige
Bundesgerichtsentscheide von «modifizierter Selbstveranlagung» spre-
chen [BGE 144 I 340 E. 2.2.1, mit Hinweisen]; Urteil des BVGer
A-4610/2019 vom 11. März 2020 E. 2.1.2).
A-642/2020
Seite 15
4.
4.1 Im vorliegenden Fall anerkennt die Beschwerdeführerin vor Bundes-
verwaltungsgericht die Aufrechnung von Umsätzen in der Steuerperiode
2011 sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuerforderung in der Steuerperi-
ode 2014. Strittig sind somit nur noch die Korrektur (inkl. Einlageentsteue-
rung) und Kürzung des Vorsteuerabzugs in den Steuerperioden 2011 bis
2014.
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführerin machte in der Mehrwertsteuerabrechnung
für das 1. Quartal 2011 vom 23. April 2012 per 1. Januar 2011 Vorsteuern
aus Einlageentsteuerung in der Höhe von Fr. 1'874'132.- geltend. Sie
kürzte hierbei die anlässlich der Eigenverbrauchsbesteuerung per 31. De-
zember 2003 abgerechneten Baukosten für das B._-Gebäude we-
gen erhaltener Subventionen um 65.20%. Den daraus resultierenden Rest-
wert bereinigte sie altersbedingt.
In der Korrekturabrechnung für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. [recte:
30.] September 2011 berücksichtige sie neben den Baukosten bis zum
Jahr 2003 auch weitere Investitionen für die Jahre 2005 bis 2010. Hierbei
kürzte sie die bis im Jahre 2003 aufgelaufenen Baukosten neu um 83.26%
und bereinigte sie altersbedingt. Die zusätzlich für die Jahre 2005 bis 2010
geltend gemachten Investitionen kürzte sie dagegen um 100%. Letztlich
reduzierte sie die aus der Einlageentsteuerung zu berücksichtigenden Vor-
steuern auf Fr. 901'477.-.
4.2.2 Die Vorinstanz korrigierte die aus der Einlageentsteuerung zu be-
rücksichtigenden Vorsteuern in der Einschätzungsmitteilung vom 10. No-
vember 2017 in einem ersten Schritt wegen vereinnahmter Subventionen
um 83.26% und bereinigte den Restwert altersbedingt. In einem zweiten
Schritt korrigierte sie die einlageentsteuerten Aufwendungen wegen ge-
mischter Verwendung nochmals um 94.34%, sodass noch ein Betrag von
Fr. 51'024.- verblieb. In der Folge bestätigte sie diesen Betrag sowohl in
der Verfügung vom 25. September 2018 als auch im Einspracheentscheid
vom 17. Dezember 2019.
4.2.3 Die Beschwerdeführerin verlangt vor Bundesverwaltungsgericht,
dass die bis zum 31. Dezember 2003 angefallenen Baukosten lediglich um
65.20% zu kürzen sind. Sie begründet dies im Wesentlichen damit, dass
sie für den Bau von B._ neben Subventionen auch Spenden erhal-
ten habe. Diese seien im Jahre 2003 nach dem damals anwendbaren
A-642/2020
Seite 16
Recht bei der Berechnung der Kürzungsquote zu berücksichtigen gewe-
sen. Demgegenüber seien sie im Jahre 2011 nicht mehr zu berücksichti-
gen, weil nach dem im Jahre 2011 geltenden Recht Spenden keine Vor-
steuerabzugskürzung mehr nach sich ziehen würden. Art. 165 MWSTV, der
für altrechtliche Spenden weiterhin die Vorsteuerabzugskürzung vorsehe,
entbehre einer gesetzlichen Grundlage und führe zu einer Ungleichbe-
handlung. Im Urteil des BVGer A-1382/2015 vom 11. August 2015 habe
das Bundesveraltungsgericht eine zu enge wörtliche Auslegung vorgenom-
men, welche von der Literatur mit gewichtigen Gegenargumenten kritisiert
werde. Die Beschwerdeführerin verweist hierzu auf den Kommentar zum
Mehrwertsteuergesetz (RALPH IMSTEPF, MWSTG Kommentar, Art. 113
N 15 ff.). Sie führt diesbezüglich weiter aus, weder Art. 113 Abs. 2 MWSTG
noch Art. 32 MWSTG würden eine rückwirkende Einschränkung vorsehen.
Gemäss Umkehrschluss zu Art. 112 Abs. 1 MWSTG sei bei neuen Sach-
verhalten, nämlich die Einlageentsteuerung, ausschliesslich das neue
Recht massgebend. Sie führt hierzu weiter aus, «durch die Anwendung des
neuen Rechts auf Einlageentsteuerungen soll vielmehr eine Gleichbehand-
lung von zwei Sachverhalten stattfinden, nämlich der Vorsteuerabzug unter
dem neuen Recht, das Spenden nicht als die Vorsteuer kürzend betrachtet,
und im Vergleich dazu die Einlageentsteuerung von Vorsteuer, die zwar
unter dem alten Recht angefallen ist, aber trotzdem den gleichen anlässlich
der Einlageentsteuerung geltenden ‹neuen› Bedingungen des Vorsteuer-
abzugs unterliegen soll». Weiter argumentiert die Beschwerdeführerin, bei
Unternehmen, die neu in die Steuerpflicht eintreten würden, aber noch un-
ter dem Regime des vorrevidierten Mehrwertsteuerrechts Spenden erhal-
ten hätten, erfolge nämlich keine Kürzung wegen Objektssubventionen.
Dies müsse auch bei einem Wiedereintritt in die Steuerpflicht gelten, wie
er bei ihr (der Beschwerdeführerin) vorliege.
4.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht sieht trotz der von der Beschwerde-
führerin geäusserten Kritik an seiner im Urteil A-1382/2015 vom 11. August
2015 geäusserten Auffassung keinen überzeugenden Grund, von seiner
bisherigen Rechtsprechung abzuweichen. Im Übrigen hat sich das Bun-
desverwaltungsgericht im damaligen Urteil im Wesentlichen bereits mit der
von der Beschwerdeführerin angeführten Lehrmeinung und sinngemäss
mit ihrer Argumentation auseinandergesetzt. Darauf ist zu verweisen
(siehe E. 3.6.4.3).
Demzufolge ist mit der Vorinstanz bei der Einlageentsteuerung per 1. Ja-
nuar 2011 in einem ersten Schritt eine Kürzung von 83.26% vorzunehmen
A-642/2020
Seite 17
(wegen objektbezogener Subventionen und Spenden für den Bau von
B._), welche alsdann altersbedingt zu bereinigen sind.
4.3
4.3.1 Die Beschwerdeführerin wendet sich ferner gegen den von der Vor-
instanz verwendeten Schlüssel für die zusätzliche Korrektur und Kürzung
der Vorsteuern bei der Einlageentsteuerung per 1. Januar 2011 (2. Schritt,
laufende Nutzung und Subventionen) sowie gegen die nämliche Korrektur
und Kürzung der übrigen in den Steuerperioden 2011 bis 2014 geltend ge-
machten Vorsteuerabzüge.
4.3.2 Wie bereits ausgeführt hat die ESTV im Anschluss an die Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts A-6831/2013 und A-6828/2013, beide vom
8. Juli 2015, festgestellt, dass die Beschwerdeführerin gegenüber ihrer
Tochtergesellschaft eine Leistung unter Nahestehenden erbringe, indem
sie auf die Erhebung von Pachtzinsen für die Nutzung des B._-Ge-
bäudes verzichte. Die ESTV beziffert diesen Vorteil annäherungsweise auf
Fr. 500'000.- pro Jahr. Die ESTV betrachtet diese Leistung als steueraus-
genommene Immobilienvermietung, welche grundsätzlich eine Vorsteuer-
abzugskorrektur wegen gemischter Verwendung nach sich zieht.
Die ESTV hat hierfür nach ihrer Darstellung die Methode (eigene Berech-
nungen) gemäss Ziff. 4.5.2 im Teil II der MWST-Info 09 «Vorsteuerabzug
und Vorsteuerkorrekturen» (MI 09, https://www.gate.estv.admin.ch/mwst-
webpublikationen/public/pages/taxInfos/tableOfContent.xhtml?publicatio-
nId=1014743, abgerufen am 16. Dezember 2020) angewendet und den
Vorsteuerabzug mittels Umsatzschlüssel korrigiert. Hierbei hat sie die Vor-
steuerabzüge auf allen jährlichen Aufwendungen und Investitionen ent-
sprechend der Zusammensetzung des massgeblichen Gesamtumsatzes
korrigiert. Mit anderen Worten hat sie die Vorsteuerabzüge für die ge-
mischte Verwendung im Verhältnis der steuerbaren und ausgenommenen
Umsätze zum Gesamtumsatz gekürzt.
Gleichzeitig hat die ESTV wegen der von der Beschwerdeführerin jährlich
vereinnahmten Subventionen eine Vorsteuerabzugskürzung vorgenom-
men. Diese erfolgte im Verhältnis der Subventionen zum Gesamtumsatz.
Rechnerisch hat die ESTV die Korrektur und Kürzung in einem einzigen
Schritt vorgenommen, d.h. einen kombinierten Umsatzschlüssel angewen-
det. Hierbei hat sie den ausgenommenen Immobilienvermietungsumsatz
A-642/2020
Seite 18
und die Subventionen zusammen ins Verhältnis zum Gesamtumsatz ge-
setzt. Dies ergibt für das Jahr 2011 eine Korrektur/Kürzung von 94.34%,
für 2012 eine solche von 91.67%, für 2013 eine solche von 91.93% und für
2014 eine solche von 92.84% (vgl. zur Berechnung: Verfügung vom
25. September 2018, II Materielles Ziff. 2.1.1). In der Folge hat sie die Vor-
steuerabzüge auf den gesamten laufenden Aufwänden und Investitionen
entsprechend gekürzt.
4.3.3
4.3.3.1 Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang vorab
geltend, die ESTV habe zu Unrecht ihr eigenes Ermessen anstelle desje-
nigen der Beschwerdeführerin gesetzt. Sie habe die Rechtmässigkeit einer
Korrektur des Vorsteuerabzugs stets bestritten.
4.3.3.2 Die Vorinstanz hält dem entgegen, dass die Beschwerdeführerin
– abgesehen von dem unter Ziff. 415 in der Korrekturabrechnung Q1/2011
ausgewiesenen Betrag von Fr. 64.60 – weder in den ursprünglich einge-
reichten (ordentlichen MWST-Abrechnungen) noch in den nachgereichten
Korrekturabrechnungen Vorsteuerabzugskorrekturen infolge gemischter
Verwendung vorgenommen habe. Sinngemäss führt die Vorinstanz weiter
aus, dass sie aufgrund der vorerwähnten Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts und entsprechend wegen der ausgenommenen Umsätze von Am-
tes wegen eine Korrektur habe vornehmen müssen, weshalb ihr bei der
Wahl der Methode ein weites Ermessen zugestanden habe. Ausserdem sei
nicht ersichtlich, welche andere Vorsteuerabzugskorrekturmethode (nebst
dem vorliegend angewendeten Umsatzschlüssel) sachgerechter sein
könnte. Die von ihr berücksichtigten fiktiven ausgenommenen Umsätze
aus Immobilienvermietung seien sodann strikt von den effektiv verein-
nahmten Subventionen zu trennen.
4.3.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht äussert sich hierzu wie folgt: Die
Beschwerdeführerin hat in den von ihr eingereichten Mehrwertsteuerab-
rechnungen (bzw. Korrekturabrechnungen) lediglich im Jahre 2011 eine
geringfügige Vorsteuerabzugskorrektur vorgenommen. Indessen hat sie
stets eine Vorsteuerabzugskürzung wegen erhaltenen Subventionen vor-
genommen.
Die ESTV hat für beide vorgenommenen Anpassungen eine andere Be-
trachtungsweise angewendet. Diese Änderung fusst jedoch letztlich zwei-
felsfrei in der Umsetzung der Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-6831/2013 und A-6828/2013, je vom 8. Juli 2015, wozu die Vorinstanz
A-642/2020
Seite 19
verpflichtet war. Damit hat die ESTV keinesfalls in rechtswidriger Weise ihr
eigenes Ermessen anstelle desjenigen der Beschwerdeführerin gesetzt.
4.3.4
4.3.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hält mit Bezug auf die erfolgte Kor-
rektur des Vorsteuerabzugs ergänzend fest, dass die Beschwerdeführerin
durch die Überlassung des B._-Gebäudes an ihre Tochtergesell-
schaft, dieser gegenüber eine Leistung erbracht hat. Da es sich hierbei in
mehrwertsteuerlicher Hinsicht um eine von der Steuer ausgenommene
Leistung handelt, ist eine Korrektur der Vorsteuerabzüge vorzunehmen,
soweit die entsprechenden Leistungen sowohl für steuerbare wie auch für
ausgenommene Tätigkeiten verwendet wurden. Der Umstand, dass die
ausgenommenen Leistungen im vorliegenden Fall unentgeltlich erbracht
worden sind, spielt hierbei – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
– keine Rolle.
Ausserdem erweist sich die vorinstanzliche Berechnung der Vorsteuerab-
zugskorrektur aufgrund der Immobilienvermietung ohne Weiteres als sach-
gerecht und als innerhalb ihres Ermessensspielraums ausgeübt (vgl.
E. 4.3.2). Der Beschwerdeführerin gelingt der Nachweis nicht, dass die
Korrektur der Vorinstanz offensichtlich nicht sachgerecht ist.
4.3.4.2 Die Beschwerdeführerin erachtet es weiter als gerechtfertigt,
gleichwohl auf eine Vorsteuerabzugskorrektur zu verzichten, weil
C._ infolge des Pachtzinsausfalls die Subventionszahlungen habe
erhöhen müssen. Damit sei zumindest ein Teil der Subventionen als Preis-
auffüllung zu betrachten. Würden sowohl eine Vorsteuerabzugskorrektur
als auch eine Vorsteuerabzugskürzung vorgenommen, werde der gleiche
Sachverhalt letztlich zweimal besteuert.
4.3.4.3 Soweit die Beschwerdeführerin sich auf eine sog. Preisauffüllung
durch die öffentliche Hand beruft, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Denn eine solche gilt nach der insoweit ohne Weiteres rechtmäs-
sigen Praxis der ESTV ebenfalls als Subvention (vgl. hierzu: MWST-Bran-
chen-Info Nr. 19, MBI 19, Ziff. 5.2.1; https://www.gate.estv.admin.ch/mwst-
webpublikationen/public/pages/sectorInfos/tableOfContent.xhtml?publica-
tionId=1004706, abgerufen am 16. Dezember 2020).
Die Beschwerdeführerin hat sodann – entgegen ihren Vorbringen – nicht
rechtsgenüglich für diese Leistung optiert. Denn es sind unbestrittenermas-
A-642/2020
Seite 20
sen keine Belege ausgestellt worden, worin die Mehrwertsteuer offen aus-
gewiesen worden wäre (zum Erfordernis des offenen Ausweises vgl.
E. 3.4.3).
Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass – soweit sich die
Beschwerdeführerin sinngemäss darauf berufen wollte – eine «stille Ver-
steuerung» des Umsatzes aus der Liegenschaftsleistung in der vorliegen-
den Konstellation ebenfalls nicht zulässig wäre.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin wird der gleiche Sachverhalt
auch nicht zweimal vorsteuerlich korrigiert bzw. gekürzt und damit letztlich
nicht zweimal «besteuert». Vielmehr liegt der eine «Steuervorteil» der Be-
schwerdeführerin darin, dass sie auf der Vermietungsleistung keine Mehr-
wertsteuer abzuführen hatte. Dieser «Steuervorteil» ist bei den hierauf gel-
tend gemachten Vorsteuerabzügen auszugleichen. Der zweite «Steuervor-
teil» der Beschwerdeführerin resultiert daraus, dass sie diese «Umsatzein-
busse» nicht selbst zu tragen hat, sondern letztlich über Subventionen aus-
geglichen erhält. Auch dieser «Steuervorteil» ist vorsteuerlich auszuglei-
chen. Demzufolge hat im hier zu beurteilenden Fall sowohl eine Korrektur
des Vorsteuerabzugs als auch eine Kürzung desselben zu erfolgen.
4.3.5
4.3.5.1 Die Parteien sind sich sodann uneins, ob die von der
Beschwerdeführerin jährlich vereinnahmten Subventionen objektbezogen
sind (Ansicht der Beschwerdeführerin) oder als Subventionen zur Deckung
eines Betriebsdefizits (Ansicht der Vorinstanz) zu betrachten sind.
Entsprechend unterscheidet die Beschwerdeführerin zwischen
Aufwendungen und Investitionen für das B._-Gebäude und
allgemeinen Kosten. Für erstere ist ihrer Ansicht nach der Vorsteuerabzug
vollumfänglich zu verweigern. Für letztere gemäss einem
Umsatzschlüssel, den sie jedoch abweichend von der Vorinstanz kalkuliert.
4.3.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält hierzu fest, dass die Tätigkeit
der Beschwerdeführerin vorab in der Bewirtschaftung ihrer einzigen Immo-
bilie, dem B._-Gebäude, besteht. Sie verfügt damit über einen Im-
mobilienbetrieb. Die weiteren (gemäss Handelsregister vorgesehenen) Tä-
tigkeiten, nämlich (Beschrieb) hat sie an ihre Tochtergesellschaft übertra-
gen. Damit einhergehend erzielt die Beschwerdeführerin einen ausgenom-
menen Umsatz aus der Überlassung des B._-Gebäudes an ihre
Tochterunternehmung in der Höhe von Fr. 500'000.-. Diese Einkünfte aus
der Vermietung sind ohne weiteres dem Immobilienbetrieb zuzurechnen.
A-642/2020
Seite 21
Ferner erzielt die Beschwerdeführerin jährlich einen steuerbaren Umsatz
aus der Überlassung der Veranstaltungstechnik im Betrag von Fr. 300'000.-
sowie in den Jahren 2012 bis 2014 steuerbare Umsätze, welche in den
Akten unter der Bezeichnung (Beschrieb) geführt werden. Es liegen keine
Anhaltspunkte dafür vor, dass letztere beiden Umsätze innerhalb eines ei-
genständigen Betriebsteils der Beschwerdeführerin erwirtschaftet worden
wären. Beide Arten von Umsätzen sind vielmehr dem Immobilienbetrieb
zuzurechnen.
Unter den gegebenen Umständen kann daher mit Bezug auf die laufenden
Beiträge von C._ etc. nicht von objektbezogenen Subventionen
ausgegangen werden, sondern liegen vielmehr Subventionen zur Deckung
eines Betriebsdefizits der Immobilienbewirtschaftung durch die Beschwer-
deführerin vor (vgl. hierzu auch: Urteil des BVGer A-460/2019 vom 9. März
2020 E. 10.2.3 [insoweit bestätigt durch Urteil des BGer 2C_356/2020 vom
21. Oktober 2020 E. 10, insbesondere E. 10.2]).
4.3.6 Damit ist in einem nächsten Schritt auf die Einwände der Beschwer-
deführerin mit Bezug auf den (für beide Formen des Vorsteuerausgleichs
auf den laufenden jährlichen Aufwänden und Investitionen) verwendeten
(kombinierten) Umsatzschlüssel einzugehen.
4.3.6.1 Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang vor Bun-
desverwaltungsgericht geltend, für die Berechnung des Gesamtumsatzes
seien auch die Umsätze ihrer Tochtergesellschaft einzurechnen.
4.3.6.2 Die Vorinstanz hält den von der Beschwerdeführerin gewünschten
Kürzungsschlüssel aufgrund der konsolidierten Umsätze der A._
und der D._ für nicht gerechtfertigt und hält diesbezüglich an ihren
früheren Ausführungen fest (Vernehmlassung Ziff. 1.1.3).
4.3.6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hält hierzu Folgendes fest:
Die Beschwerdeführerin hat den (Beschrieb), an ihre Tochtergesellschaft
ausgelagert. Soweit sich die Beschwerdeführerin auf Art. 10 MWSTG und
den darin statuierten Grundsatz der «Einheit» berufen wollte, unterlässt sie
eine Unterscheidung zwischen dem Begriff des Unternehmensträgers und
der Unternehmung. Damit gilt ein zivilrechtlich eigenständiges Rechtssub-
jekt grundsätzlich auch bei der Mehrwertsteuer als eigener Unternehmens-
träger (CLAUDIO FISCHER, MWSTG Kommentar, Art. 10 N 68). Durchbro-
chen wird dieser Grundsatz zwar im grenzüberschreitenden Bereich durch
das Dual-Entity-Prinzp (FISCHER, MWSTG Kommentar, Art. 10 N. 70) oder
A-642/2020
Seite 22
auch im Falle einer Steuerumgehung. Für beides fehlt es vorliegend jedoch
an Anhaltspunkten.
Das schweizerische Rechtssystem betrachtet den Konzern nicht als recht-
liche Gesamtheit. Auch hat das MWSTG mit Art. 13 eine separate Norm
geschaffen für die gemeinsame mehrwertsteuerliche Erfassung einer
Mehrheit von Unternehmensträgern (sog. Gruppenbesteuerung). Unter
diesen Umständen bleibt für eine weite Interpretation von Art. 10 MWSTG
und damit auch für eine wirtschaftliche Betrachtungsweise – wie das die
Beschwerdeführerin postuliert – kein Raum. An diesem Ergebnis ändert
nichts, dass die Beschwerdeführerin seit 2015 Mitglied einer solchen Mehr-
wertsteuergruppe ist, denn zu entscheiden ist hier über die Jahre 2011 bis
2014 (vgl. E. 3.1).
Auch soweit die Beschwerdeführerin die wirtschaftliche Betrachtungsweise
lediglich im Rahmen einer Vorsteuerabzugskorrektur bzw. -kürzung für je-
den einzelnen Unternehmensträger angewendet haben will, bleibt unter
den gegebenen Umständen kein Raum. Zum einen hat die Beschwerde-
führerin mit der Ausgliederung von (Beschrieb) eine unternehmerische Ent-
scheidung für eine getrennte Behandlung dieser Unternehmen und Berei-
che getroffen, die grundsätzlich auch im Mehrwertsteuerrecht zu beachten
ist. Zum andern liegen verschiedene Betriebe vor, nämlich auf Stufe der
Muttergesellschaft ein Immobilienbetrieb und auf Stufe der Tochtergesell-
schaft ein (Beschrieb). Eine Gleichbehandlung dieser Betriebe auf der
Stufe der Vorsteuerabzugskürzung erscheint auch deshalb nicht sachge-
recht, weil die Subventionen lediglich der Beschwerdeführerin ausgerichtet
worden sind und weil sie in der hier zu beurteilenden Konstellation einzig
dem Immobilienbetrieb der Beschwerdeführerin zuzurechnen sind (vgl.
oben E. 4.3.5.2).
Infolgedessen ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin von ei-
ner konsolidierten Umsatzbetrachtung abzusehen.
A-642/2020
Seite 23
4.4
4.4.1 Die ESTV hat sodann auf den Aufwänden, die auf die Sanierung des
Dachs des B._-Gebäudes entfallen, die Vorsteuerabzüge gekürzt.
4.4.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass die Vorsteuerab-
züge auf diesen Aufwänden nicht zu kürzen seien, weil sie im massgebli-
chen Zeitraum lediglich objektmässige Subventionen zum Betrieb und Un-
terhalt des B._-Gebäudes erhalten habe.
4.4.3 Dazu hat sich das Bundesverwaltungsgericht bereits oben stehend
unter E. 4.3.5.2 im gegenteiligen Sinn geäussert.
4.4.4 Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, dass ein Teil der
Subventionen für die Einlage in den Erneuerungsfonds verwendet worden
sei. Diesbezüglich sei noch kein Endkonsum finanziert worden bzw. erfolgt.
Gleichwohl sei die Kürzung des Vorsteuerabzugs unter Berücksichtigung
der gesamten Subventionen vorgenommen worden. Damit dürfe die Finan-
zierung der Dachsanierung in den Jahren 2011 bis 2014 über den Erneue-
rungsfonds nicht nochmals eine Kürzung des Vorsteuerabzugs nach sich
ziehen. Der Nachweis, dass die Kosten über eine Entnahme aus dem Er-
neuerungsfonds finanziert worden seien, könne einzig durch Einsicht in die
Bücher der Beschwerdeführerin erbracht werden.
Auch soweit die Kosten für die Dachsanierung durch ein Darlehen der
D._ an sie (die Beschwerdeführerin) finanziert worden seien,
müsse eine Kürzung der Vorsteuerabzüge unterbleiben. Insoweit würden
nämlich die Subventionen entlastet. Im Zeitpunkt der Verwendung des Dar-
lehens habe sie (die Beschwerdeführerin) Anspruch auf den vollen Vor-
steuerabzug, weil sie ausserhalb der fiktiven Umsätze aus dem Ausfall der
Pachtzinsen ausschliesslich steuerbare Umsätze erzielt habe. Sie habe für
die Rückzahlung des Darlehens nicht auf die Subventionen zurückgreifen
müssen, weil hierfür möglicherweise auch die Entschädigungen für die Be-
nützung der Veranstaltungstechnik hätten verwendet werden können.
4.4.5 Die Vorinstanz widerspricht dieser Auffassung und hält ergänzend
fest, dass eine Kürzung auch dann vorzunehmen wäre, wenn von objekt-
bezogenen Subventionen auszugehen wäre. Diesfalls müsste der Kür-
zungsschlüssel gemäss Ziff. 1.3.2 der MWST-Info 05 «Subventionen und
Spenden» (MI 05, https://www.gate.estv.admin.ch/mwst-webpublikatio-
nen/public/pages/taxInfos/tableOfContent.xhtml?publicationId=1000283,
abgerufen am 16. Dezember 2020) ermittelt werden, indem sämtliche zur
https://www.gate.estv.admin.ch/mwst-webpublikationen/public/pages/taxInfos/tableOfContent.xhtml?publicationId=1000283 https://www.gate.estv.admin.ch/mwst-webpublikationen/public/pages/taxInfos/tableOfContent.xhtml?publicationId=1000283
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Finanzierung der Dachsanierung verwendeten Subventionen (unabhängig
vom Zeitpunkt der Ausrichtung) sowie das erwähnte Darlehen (im Umfang,
in welchem dieses mittels Subventionen getilgt wurde) ins Verhältnis zu
den Dachsanierungskosten zu setzen wäre.
4.4.6 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Ansicht der Beschwerdefüh-
rerin aus folgenden Gründen nicht:
Die Beschwerdeführerin hat das B._-Gebäude schon vor Jahren
erstellt. Indessen wurden einige Jahre nach der Fertigstellung grössere
Schäden am Dach festgestellt, die ab dem Jahre 2011 behoben wurden. In
der Folge entbrannte über die Tragung der Sanierungskosten ein Rechts-
streit. Ob dieser zwischenzeitlich rechtskräftig erledigt ist, lässt sich den
Akten nicht entnehmen. Zumindest im Zeitpunkt der Sanierung hatte die
Beschwerdeführerin für die anfallenden Sanierungskosten aufzukommen.
Damit hatte sie im damaligen Zeitpunkt Anspruch auf die Erstattung der
Vorsteuern gemäss den allgemeinen Voraussetzungen.
In der hier zu beurteilenden Konstellation sind die laufenden jährlichen
Subventionen als sog. Betriebssubventionen zu betrachten (vgl. obenste-
hend E. 3.6.6 und 4.3.5.2).
Ob die Beschwerdeführerin die Sanierungskosten aus laufenden oder zu-
rückgestellten früheren Subventionen finanziert hat, erweist sich als irrele-
vant. Entscheidend ist vielmehr, dass die Beschwerdeführerin im vorlie-
gend massgeblichen Zeitraum Betriebssubventionen vereinnahmt hat. Da-
mit ist von Gesetzes wegen eine laufende Kürzung des Vorsteueran-
spruchs vorzunehmen. Eine zweifache Kürzung erfolgt nicht, denn es lie-
gen zwei verschiedene Sachverhalte vor: Einerseits die früher vereinnahm-
ten Subventionen, die Anlass zur Kürzung der damaligen Vorsteuern ga-
ben, und andererseits die laufenden Subventionen, die aktuell Anlass zu
einer entsprechenden Kürzung geben. Aus den gleichen Gründen ist es
auch unerheblich, ob die Sanierungskosten über ein Darlehen finanziert
worden sind. Im Zeitpunkt als die vorsteuerbelasteten Sanierungskosten
angefallen sind, hat die Beschwerdeführerin offenkundig Subventionen (für
ihren Immobilienbetrieb) vereinnahmt.
4.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass sämtliche Anträge der Beschwer-
deführerin abzuweisen und sämtliche Einwände zu verwerfen sind. Dem-
zufolge ist auch die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
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5.
Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf CHF 30'000.- festzu-
setzen sind, der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario).