Decision ID: 0c81692d-b89a-4f90-9ac8-7702c253b5fb
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 22. Juni 2020 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Sie gab dabei
an, sie leide seit Januar 2020 an wiederkehrenden Depressionen, Schlafstörungen und
habe Schwierigkeiten, allein zu sein. Sie verfüge über keine Ausbildung und sei schon
immer als Hausfrau tätig gewesen (act. G 5.1/1).
A.a.
Mit Mitteilung vom 1. Juli 2020 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten, dass keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien, da sie nach eigenen Angaben
ausschliesslich als Hausfrau tätig sei (act. G 5.1/8).
A.b.
Im ärztlichen Bericht vom 26. August 2020 diagnostizierte der behandelnde
Psychiater Dr. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine schwere
depressive Episode (ICD-10: F32.2). Aufgrund ihrer Erkrankung sei der Versicherten
seit ca. 10 Jahren keine Erwerbstätigkeit mehr möglich (act. G 5.1/12).
A.c.
Am 12. Januar 2021 reichte die Versicherte den teilweise ausgefüllten Fragebogen
zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt bei der IV-Stelle ein. Sie
machte geltend, aufgrund von Schwindelanfällen und psychischer Belastung sei sie im
Haushalt schwer eingeschränkt. Schwindelanfälle träten insbesondere auf, wenn sie
sich bücken oder in die Höhe schauen müsse. Einzig Kochen und Bügeln sei ihr ohne
Hilfe möglich. Bei allen übrigen Tätigkeiten im Haushalt sei sie auf die Unterstützung
ihres Ehemanns angewiesen (act. G 5.1/23).
A.d.
Die IV-Stelle forderte die Versicherte mit Schreiben vom 15. Januar 2021 auf, die
fehlenden Abschnitte des Fragebogens zu ergänzen (act. G 5.1/24). Die Versicherte
reichte die ergänzten Unterlagen am 22. Januar 2021 der IV-Stelle ein. Erläuternd
A.e.
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brachte sie insbesondere vor, ihr Mann sei Scheren- und Messerschleifer. Sie begleite
ihn jeweils, um nicht allein zu Hause bleiben zu müssen (act. G 5.1/26).
Der Hausarzt Dr. C._ gab im Arztbericht vom 11. Februar 2021 an, die
Versicherte leide an einer Dyselektrolytämie bei profuser Emesis, Neuritis vestibularis
links, einem erstmaligen tonischen epileptischen Anfall am 3. Juli 2020,
gastroösophagealer Refluxkrankheit sowie an einer mittelgradigen depressiven Störung
mit Verdacht auf eine Angststörung. Im Haushalt sei sie nicht wesentlich eingeschränkt
(act. G 5.1/31-9). Dr. B._ beschrieb die Versicherte als leichtgradig depressiv
herabgestimmt. Sie sei affektiv gut auslenkbar und schwingungsfähig. Seit 9. August
2019 bestehe eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1). Ihr sei 4-5
Stunden pro Tag eine Tätigkeit zumutbar (Arztbericht vom 11. März 2021;
act. G 5.1/34-4 f.).
A.f.
Die IV-Stelle gab zur Klärung der medizinischen Diagnosen und deren Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ein polydisziplinäres Gutachten beim Begutachtungszentrum
Basel-Land (BEGAZ), Binningen, in Auftrag (allgemeininternistisches Gutachten, Dr.
med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin; psychiatrisches Gutachten, Dr.
med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; neurologisches Gutachten,
Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie; Schreiben vom 21. April und 17. Mai 2021,
act. G 5.1/36 und 42). Die Gutachter stellten bei der Versicherten als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen erstmaligen unprovozierten tonischen
epileptischen Anfall unklarer Ätiologie (ICD-10: G40.6), eine leichte Gangataxie mit
Unsicherheit im Blindstrichgang (ICD-10: R26.0) sowie eine depressive Störung
leichtgradigen Ausmasses (ICD-10: F32.0); als Differentialdiagnose wurde eine
dysthyme Störung diagnostiziert (ICD-10: F34.1). Im Konsens wurde festgehalten, es
liege eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor. Aufgrund der
Gangtaxie mit Unsicherheiten im Blindstrichgang und des epileptischen Anfalls seien
jedoch Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie Arbeiten mit erhöhter Verletzungs- und
Absturzgefahr sowie an gefährlichen Maschinen zu vermeiden. Ansonsten seien jedoch
körperliche, administrative und organisatorische Arbeiten in einer adaptierten Tätigkeit
ganztags möglich. Haushaltstätigkeiten könnten ebenfalls vollumfänglich verrichtet
werden (Gutachten vom 19. September 2021; act. G 5.1/58-8 ff.).
A.g.
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Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) nahm am 8. Oktober 2021 Stellung zum
Gutachten. Er hielt fest, das Gutachten des BEGAZ entspreche im Wesentlichen den
geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien und könne für die Beurteilung des
Sachverhalts herangezogen werden. Die vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit sei aus seiner Sicht plausibel und nachvollziehbar (act. G 5.1/62).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 20. Oktober 2021 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Sie führte aus, dass die Versicherte auch
ohne gesundheitliche Einschränkungen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde und
sich vollumfänglich dem Aufgabenbereich Haushalt widmen würde. Gestützt auf das
Gutachten bestehe bei adaptierter Tätigkeit (keine Arbeit auf Leitern oder Gerüsten
sowie an gefährlichen Maschinen) im Haushaltsbereich keine Einschränkung
(act. G 5.1/65).
A.i.
Die Versicherte erhob am 5. November 2021 Einwand gegen den Vorbescheid vom
20. Oktober 2021. Sie reichte ein Attest ihres behandelnden Psychiaters Dr. B._ ein,
welcher ihr im Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2021 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigte (act. G 5.1/68). Dr. C._ reichte am 25. November
2021 einen Bericht ein, in welchem er eine Dyselektrolytämie bei profunder Emesis
sowie eine Neuritis vestibularis links diagnostizierte. Die Beschwerden seien eine
rezidivierende Übelkeit sowie persistierender Schwindel, wodurch eine deutlich
reduzierte Leistungsfähigkeit bestehe. Initial sei es wiederholt zu Hospitalisationen
gekommen. Der Gesundheitszustand habe sich jedoch mittlerweile einigermassen
stabilisiert (act. G 5.1/70). Dr. B._ hielt im Schreiben vom 3. Dezember 2021 fest, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Aufgrund von
Panikattacken (ICD 10: F41.0) und einer schwergradig chronifizierten rezidivierenden
depressiven Störung (ICD 10: F33.2) sei sie schwerstgradig eingeschränkt. Jegliche
Arbeit sei der Versicherten unmöglich, da sie bereits bei einfachen Haushaltsarbeiten
unterstützt werden müsse (act. G 5.1/73).
A.j.
Der RAD nahm am 15. Februar 2022 Stellung zu den eingereichten Akten. Er hielt
fest, durch die eingereichten Arztberichte seien keine neuen medizinischen
Sachverhalte oder Diagnosen vorgebracht worden, welche nicht bereits im Gutachten
A.k.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/15
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B.
erwähnt bzw. diskutiert worden seien, weshalb an der Beurteilung im polydisziplinären
Gutachten festgehalten werden könne (act. G 5.1/90).
Mit Verfügung vom 11. März 2022 lehnte die IV-Stelle das Gesuch um
Invalidenrente ab. Zur Begründung verwies die IV-Stelle auf die Stellungnahme des
RAD. Es würden keine neuen medizinischen Sachverhalte vorgebracht, welche nicht
bereits im Gutachten erwähnt bzw. diskutiert worden seien. In der Haushaltsführung
bestünden lediglich qualitative Einschränkungen, welche sich nur sporadisch auf die
Alltagstätigkeit auswirken würden (z.B. beim Fenster putzen). Im Haushalt resultiere
deshalb keine wesentliche anrechenbare Einschränkung und somit ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad (act. G 5.1/91).
A.l.
Am 29. März 2022 legte die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. März 2022 ein. Sie beantragt sinngemäss,
die Verfügung sei aufzuheben und ihr sei eine IV-Rente zuzusprechen. Sie bemängelt,
dass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) davon ausgehe, dass bei ihr
keine Einschränkungen im Haushaltsbereich vorliegen würden. Dies sei jedoch gar nie
erstellt worden, da keine Haushaltsabklärung durchgeführt worden sei. Die Tätigkeit im
Haushalt sei falsch beurteilt worden. Aufgrund von Schwindelanfällen, welche mit der
diagnostizierten Epilepsie in Verbindung stünden, sei es ihr nicht möglich, den Haushalt
selbständig zu führen. Ausserdem werde vorgebracht, dass sie die medizinischen
Therapiemassnahmen nicht ausschöpfe. Aufgrund ihrer früheren
Betäubungsmittelabhängigkeit sei ihr jedoch die Einnahme von Antidepressiva
aufgrund des Rückfallrisikos nicht zumutbar, was eine Therapie verunmögliche
(act. G 1).
B.a.
Die IV-Stelle hiess das Gesuch um Akteneinsicht vom 30. März 2022
(act. G 5.1/95) gut und stellte der Beschwerdeführerin die Akten in elektronischer Form
mit Schreiben vom 12. April 2022 zu (act. G 5.1/99).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Sie verwies auf die Akten, gemäss welchen erstellt
sei, dass die Beschwerdeführerin im Haushalt tätig sei und auch ohne gesundheitlichen
B.c.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Einschränkungen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Das polydisziplinäre
BEGAZ-Gutachten entspreche den Anforderungen der Rechtsprechung. Auch auf die
abweichenden Einschätzungen durch die behandelnden Ärzte sei im Gutachten
eingegangen worden. Die im Einwandverfahren nachgereichten Unterlagen des
behandelnden Psychiaters Dr. B._ vermöchten keine Zweifel an der Schlüssigkeit der
gutachterlichen Einschätzung zu erwecken. Dem Gutachten komme deshalb voller
Beweiswert zu. Es sei zutreffend, dass keine Abklärung bei der Beschwerdeführerin
Zuhause durchgeführt worden sei. Aus dem Gutachten gehe jedoch klar hervor, dass
die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit im Haushalt nur geringfügig eingeschränkt sei.
Ein Rentenanspruch könne deshalb auch ohne Haushaltsabklärung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit verneint werden (act. G 5).
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 11. März 2022
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0 %
verneint. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
1.1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. Die vorliegend angefochtene
Verfügung datiert vom 11. März 2022. In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 144 V 210 E. 4.3.1).
Demnach sind die Bestimmungen in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung
anwendbar, da die angefochtene Verfügung einen noch unter Geltung des alten Rechts
entstandenen Rentenanspruch zum Gegenstand hat (vgl. auch Kreisschreiben über
Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], Rz 9101).
1.2.
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Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 IVG). Invalidität ist die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet
werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Bei einem Invaliditätsgrad unter
40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente.
1.4.
Gemäss Art. 28a IVG erfolgt die Invaliditätsbemessung nach drei verschiedenen
Methoden, nämlich nach der allgemeinen Methode des reinen Einkommensvergleichs
für erwerbstätige versicherte Personen (Art. 16 ATSG), nach der spezifischen Methode
(dem reinen Betätigungsvergleich) für nicht erwerbstätige Personen und nach der
gemischten Methode für versicherte Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil
im Aufgabenbereich tätig sind.
1.5.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 351 E. 3a). Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der
1.6.
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2.
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei
Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren
nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Die funktionellen Folgen der
Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ zu erfassen und quantitativ
einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind in der
Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert
werden, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und
anderseits in jener der Konsistenz.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.7.
Es ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif erstellt ist. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das
polydisziplinäre BEGAZ-Gutachten, gemäss welchem keine Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit bzw. im Haushalt besteht. Hingegen macht die Beschwerdeführerin
geltend, dass sie aufgrund ihrer Schwindelanfälle nicht in der Lage sei, den Haushalt zu
erledigen.
2.1.
Vorweg ist festzuhalten, dass rechtsprechungsgemäss den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen ist, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020, E. 4.1). Ebenfalls ist bei der
Würdigung der medizinischen Aktenlage der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Dies gilt für Hausärzte
wie auch für spezialärztliche behandelnde Medizinalpersonen (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Mai 2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1). Die unterschiedliche Natur
von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen
und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
2.2.
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anderslautenden Einschätzungen gelangen. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv
feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu
führen (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts vom 17. Februar 2021,
8C_783/2020, E. 5.2 und vom 25. August 2021, 8C_277/2021., E. 3).
Im Einzelnen hielt der Facharzt für allgemeine Medizin fest, die Beschwerdeführerin
habe angegeben, sie leide seit dem epileptischen Anfall im Juni (richtig: Juli) 2020 unter
Schwindel. Die Ursachen für den epileptischen Anfall seien bis jetzt unklar. Der
Sachverständige leitete aus der Untersuchung keine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ab (vgl. act. G 5.1/59-10).
2.3.
Gegenüber dem psychiatrische Fachgutachter erklärte die Beschwerdeführerin, sie
habe sich eigentlich wegen psychischen Probleme bei der IV gemeldet. Sie habe
insbesondere Mühe mit dem Alleinsein. Tageweise fehle ihr die Kraft und Energie etwas
zu tun, dann gehe es ihr wieder besser. Manchmal sei sie nicht in der Lage, Freude zu
empfinden, aber auch dies gehe wieder vorüber. Sie leide zudem unter
Schlafstörungen und könne deshalb nicht richtig durchschlafen. Deswegen habe sie
auch Rückenprobleme (act. G 5.1/60-3 f.). An Befunden hielt der Gutachter unter
anderem fest, die Explorandin habe während der Begutachtung bewusstseinsklar und
allseits orientiert gewirkt, es hätten sich im Gespräch keine Hinweise auf kognitive
Schwierigkeiten finden lassen (act. G 5.1/60-8). Zusammenfassend könne festgehalten
werden, dass die Beschwerdeführerin seit dem Tod ihres ersten Ehemannes unter
affektiv wechselnden Zuständen leide. Es könne lediglich eine leichtgradig depressive
Störung festgestellt werden. Eine dauerhafte gedrückte Stimmung bzw. eine
dauerhafte Beeinträchtigung der Freude oder ausgesprochener Interessensverlust
bestehe nicht, weshalb eine schwergradige depressive Störung, wie sie durch
Dr. B._ diagnostiziert worden sei (vgl. act. G 5.1/12), ausgeschlossen werden könne.
Die Schwindelgefühle seien zudem teilweise durch den psychischen Zustand im
Rahmen einer Somatisierungstendenz überlagert (act. G 5.1/60-9 f.). Der psychiatrische
Gutachter kam unter Berücksichtigung der Standardindikatoren zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Hausfrau vollumfänglich verrichten könne. Auch in
einer Erwerbstätigkeit lasse sich keine relevante Leistungseinschränkung begründen.
Eine klar strukturierte Tätigkeit ohne Übernahme von Verantwortung und ohne
Zeitdruck sei ihr möglich.
2.4.
Der Gutachter der Neurologie legte dar, die Beschwerdeführerin habe am 4. Juli
(richtig: 3. Juli) 2020 einen epileptischen Anfall angegeben. Seit dem Anfall leide sie an
einem Trümmelgefühl, welches dauerhaft vorhanden sei; es nehme zu, wenn sie sich
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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zu schnell mit dem Kopf nach oben oder unten bewege. Sie habe deshalb Mühe beim
Treppenauf- oder abgehen. Die Fenster könne sie ebenfalls nicht mehr reinigen. Der
Gutachter hielt fest, dass keine Anzeichen für einen pathologischen Nystagmus
vorlägen. Er diagnostizierte eine leichte Gangataxie mit Unsicherheit im Blindstrichgang
sowie einen erstmalig unprovozierten epileptischen Anfall unklarer Ätiologie am 4. Juli
(richtig: 3. Juli) 2020. Seit diesem Anfall seien keine weiteren epileptischen Anfälle mehr
verzeichnet worden. Aufgrund der Gangataxie und des epileptischen Anfalls seien
Arbeiten auf Leitern und Gerüsten bzw. Arbeiten mit Absturzgefahr und an gefährlichen
Maschinen zu vermeiden. Sonstige körperliche, administrative und organisatorische
Tätigkeiten seien jedoch ganztags möglich (act. G 5.1/61-21).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BEGAZ-Gutachten in Kenntnis der
Vorakten erstellt wurde. Die Gutachter untersuchten die Beschwerdeführerin persönlich
und berücksichtigten nebst den klinischen Befunden die geklagten Beschwerden. So
prüfte der neurologische Gutachter mittels verschiedener Tests die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Schwindelanfälle (Hörtest, Frenzelbrille, Dix-Hallpike
Lagerungsprobe etc.; act. G 5.1/61-15). Entgegen ihrer Angaben konnte der Schwindel
aber nicht objektiviert werden. Die Gutachten sind somit umfassend und die
medizinische Beurteilung inklusive die Ausführungen zu den Standardindikatoren
einleuchtend; namentlich ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung sowohl im Erwerb als auch
im Haushalt nachvollziehbar begründet.
2.6.
Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, die im Gutachten vorgebrachten
Therapiemöglichkeiten seien falsch eingeschätzt worden, da sie infolge ihrer früheren
Benziodiazepinabhängigkeit keine Medikamente und somit auch keine Antidepressiva
einnehmen könne (vgl. act. G 1), vermag nichts an der Schlüssigkeit des Gutachtens zu
ändern. Der psychiatrische Gutachter wies lediglich darauf hin, dass die ambulante
psychiatrische Therapie in grosszügig bemessenen Abständen durchgeführt werde. Er
empfahl, eine konsequente antidepressive Therapie durchzuführen. Dabei handelt es
sich um eine blosse Therapieempfehlung, welche die Beschwerdeführerin mit ihrem
Behandler besprechen kann. So schlug die RAD-Ärztin auch vor, diese Empfehlungen
dem psychiatrischen Behandler zur Kenntnis zu bringen (act. G 5.1/62-2 und 67).
Folglich steht es der Beschwerdeführerin unter Rücksprache mit ihrem Behandler frei,
wie sie sich therapieren lassen will. Des Weiteren haben die vom psychiatrischen
Gutachter abgegebenen Therapieempfehlungen keinen Einfluss auf die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit.
2.7.
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3.
Dr. C._ und Dr. B._ reichten nach der Erstellung des Gutachtens weitere
Arztberichte sowie zusätzliche medizinische Unterlagen ein. Es ist deshalb zu prüfen,
ob am Gutachten festgehalten werden kann oder ob allenfalls bis Verfügungserlass
noch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten ist.
3.1.
Dr. C._ diagnostiziert mit Arztbericht vom 25. November 2021 bei der
Beschwerdeführerin eine persistierende Dyselektrolytämie, welche eine hochdosierte
Substituierung und regelmässige Laborkontrollen erfordere. Die Folge dieser
Erkrankung sei eine rezidivierende Übelkeit und ein persistierender Schwindel.
Insgesamt bestehe eine deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit. Der
Gesundheitszustand habe sich jedoch einigermassen stabilisiert (act. G 5.1/70).
3.2.
Der Arztbericht sowie die eingereichten Unterlagen beruhen auf denselben
medizinischen Grundlagen, die den Gutachtern bereits vorgelegen haben. Die
Diagnose einer Dyselektrolytämie (i.c. Hypokaliämie und Magnesiummangel) wurde
bereits durch das Kantonsspital St. Gallen und das Spital G._ gestellt (vgl.
act. G 5.1/10 und 13) und war den Gutachtern damit bekannt (vgl. act. G 5.1/55). Neue
oder abweichende Diagnosen und damit einhergehende funktionelle Einschränkungen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ergeben sich durch die neu eingereichten Akten
nicht (vgl. act. G 5.1/82, 83, 84, 87, 89 f.).
3.3.
Dr. B._ hat mit Schreiben vom 3. Dezember 2021 ebenfalls einen weiteren
Arztbericht eingereicht. Darin macht er eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit Januar 2019 geltend. Seit 2019
leide die Beschwerdeführerin unter einer mittlerweile schweren rezidivierenden
depressiven Störung, welche sich im Laufe der Zeit verschlechtert und chronifiziert
habe. Zudem leide sie an schwersten Ein- und Durchschlafstörungen. Er stellte deshalb
die Diagnose einer schwergradig chronifizierten rezividierenden depressiven Störung
(ICD-10: F33.2) sowie von Panikattacken (ICD-10: F41.0). Aus psychiatrischer Sicht sei
von keiner Erwerbsfähigkeit auszugehen. Bereits in ihrem Alltag sei die
Beschwerdeführerin schwerstgradig eingeschränkt und müsse selbst bei einfachen
Haushaltsarbeiten unterstützt werden. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei nicht
von einer Erwerbsfähigkeit auszugehen (act. G 5.1/73).
3.4.
Bezüglich der Einschätzung von Dr. B._ ist festzuhalten, dass er eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands bereits seit Januar 2019 – somit vor
Erstellung des Gutachtens vom 19. September 2021 – annimmt und neu eine
schwergradige Depression diagnostiziert. Im ersten ärztlichen Bericht vom 26. August
3.5.
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4.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Versicherte als ausschliesslich im Haushalt tätig
qualifiziert werden kann und ob sie in dieser Tätigkeit eingeschränkt ist.
2020 ging Dr. B._ dazumal ebenfalls von einer schweren depressiven Episode aus
(vgl. act. G 5.1/12). Allerdings hielt er im Arztbericht vom 11. März 2021 wiederum fest,
dass die Beschwerdeführerin an einer mittelgradigen depressiven Episode leide
(act. G 5.1/34). Diese Diagnose sei im August 2019 gestellt worden. Die Befunde
beschrieb er gar als leichtgradig. Die von Dr. B._ beschriebenen Befunde
entsprechen mehrheitlich den kurze Zeit später erhobenen Befunden beim Untersuch
vom 8. Oktober 2020 im Psychiatrie-Zentrum H._ (act. G 5.1/83). Dabei ging die
Oberärztin davon aus, dass die rezidivierende depressive Störung gegenwärtig unter
Medikation remittiert sei. Zu den Arztberichten von Dr. B._ nahm auch der
psychiatrische Gutachter Stellung und wies auf die Unstimmigkeit zwischen Befunden
und Diagnose in Dr. B._s Bericht hin (act. G 5.1/60-9). Der Gutachter erläuterte, dass
bei einer schweren Depression intensive Therapiemassnahmen nötig gewesen wären,
eventuell eine Hospitalisation. Zu einer solchen kam es allerdings nie. Weiter bemerkt
der Gutachter, dass im Arztbericht vom 11. März 2021 zwar eine mittelgradig
depressive Episode angegeben werde, die beschriebenen Befunde der
Beschwerdeführerin jedoch höchstens einer leichten depressiven Episode entsprechen
würden (act. G.5.1/60-9). Hervorzuheben ist, dass der Bericht von Dr. B._ vom
31. Dezember 2021 keine erkennbare objektive Konsistenz- und Ressourcenprüfung
enthält. Er geht gar davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Alltag schwerstgradig
eingeschränkt ist. Dies entspricht nicht den Angaben der Beschwerdeführerin im
Gutachten, wonach sie durchaus Haushaltsarbeiten verrichten und kochen könne (vgl.
act. G 5.1/59-8, 60-4 sowie 61-13). Die Beschwerdeführerin macht zudem geltend, die
Einschränkungen im Haushalt seien primär auf die Schwindelanfälle zurückzuführen
(vgl. act. G 5.1/23-6).
Somit kann der RAD-Ärztin gefolgt werden, dass die nachträglich eingegangenen
medizinischen Berichte des Hausarztes und des behandelnden Psychiaters keine
wesentlichen Aspekte aufzeigen würden, welche von den Gutachtern nicht
berücksichtigt worden wären. Daher vermögen sie keine ernsthaften Zweifel an den
Ergebnissen der Begutachtung zu wecken. Dem polydisziplinären Gutachten kommt
somit voller Beweiswert zu.
3.6.
Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort zu Recht ausführt, dürfte
die Beschwerdeführerin die Frage nach der Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche
4.1.
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Einschränkung im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt nicht richtig verstanden haben (vgl. act. G 5.1/23). Ihre Angabe, dass sie
wegen Krankheit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde, ist somit nicht verbindlich.
Aus dem IK-Auszug und auch ihren eigenen Angaben (vgl. act. G 5.1/5 und 59-7) geht
hervor, dass sie seit dem Jahr 1982 keine Berufstätigkeit mehr ausübte. Allerdings
erscheint auch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht ausgeschlossen. Denn
entscheidend für die Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit einer versicherten
Person im Gesundheitsfall bzw. die Methodenwahl ist die gesamte persönliche,
familiäre, berufliche und soziale Situation (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni
2019, 9C_161/2019, E. 5.2). Die Beschwerdeführerin hat keine Betreuungspflichten und
verfügt über keine Ausbildung, weshalb sie lediglich Hilfsarbeiten erledigen könnte und
somit für die selbständige Finanzierung des Lebensbedarfs auf ein Vollpensum
angewiesen wäre. Zudem sind die finanziellen Verhältnisse bescheiden (IV-Rente
Ehegatte, Ergänzungsleistungsbezug, Schulden). Indessen spielt die Methodenwahl
(Voll-/Teilerwerb, nur Aufgabenbereich bzw. Haushalt) keine Rolle, wie sich aus den
nachfolgenden Erwägungen ergibt. Denn gutachterlich ist erstellt, dass bei der
Beschwerdeführerin bis auf die Adaptionskriterien weder im Erwerb noch im Haushalt
eine relevante Einschränkung besteht.
So ergäbe sich auch aus dem Einkommensvergleich kein rentenbegründender
(40%) Invaliditätsgrad. Denn aufgrund der langjährigen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
und der fehlenden Ausbildung der Beschwerdeführerin wäre beim Valideneinkommen
der Tabellenlohn (Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für
Statistik (BFS), Kompetenzniveau 1, Frauen) massgebend. Derselbe Tabellenlohn ist für
das Invalideneinkommen heranzuziehen, da die Beschwerdeführerin zurzeit nicht
erwerbstätig ist. Somit könnte ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1). Dabei
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter
Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
10. April 2017, 9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis; zum Tabellenlohnabzug vgl.
BGE 126 V 75). Da bei der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit besteht und auch kein Grund für einen Tabellenlohnabzug ersichtlich
ist, würde die Beschwerdeführerin keine Erwerbseinbusse erleiden.
4.2.
Auch im Haushalt ist die Beschwerdeführerin nicht massgeblich eingeschränkt.
Der psychiatrische Gutachter hielt diese Tätigkeit aufgrund des psychischen Zustandes
für vollumfänglich zumutbar. Zum selben Schluss gelangte der neurologische
Gutachter. Er hielt fest, dass bis auf das Vermeiden von Arbeiten auf Leitern und
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Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass bei der Beschwerdeführerin
unabhängig von der Methodenwahl sowohl in einer Betätigung im Haushalt wie auch
im Erwerb eine volle Arbeitsfähigkeit besteht und somit keine rentenbegründende
Einschränkung vorliegt. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als korrekt.
Gerüsten bzw. Arbeiten mit Absturzgefahr die Beschwerdeführerin sämtliche
Haushaltstätigkeiten ausüben könne (vgl. E. 2.4 und 2.5). Entgegen den Vorbringen der
Beschwerdeführerin musste auch keine Haushaltsabklärung vor Ort durchgeführt
werden. Denn gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann auf eine
Haushaltsabklärung verzichtet werden, wenn die medizinische Aktenlage eindeutig ist
(Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG),
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, N 174 zu Art. 28a
mit Verweis auf Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2010, 9C_103/2010), was
vorliegend der Fall ist. Den Gutachtern stand der Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt, aus welchem sich die Wohnverhältnisse (Anzahl
Zimmer, Anzahl Personen im Haushalt, technische Hilfsmittel usw.) ergaben, zur
Verfügung (vgl. act. G 5.1/55). Auch im Begutachtungsprozess wurde die
Beschwerdeführerin nochmals zu ihren Wohnverhältnissen und ihrem Tagesablauf
befragt (vgl. act. G 5.1/59-8 und act. G 5.1/60-4). Die Gutachter nahmen abschliessend
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit spezifisch zur Einschränkung im
Haushaltsbereich Stellung und erachteten die Beschwerdeführerin für nicht
eingeschränkt. Sie mussten sich in Hinblick auf das klare medizinische
Zumutbarkeitsprofil der Beschwerdeführerin nicht zu jedem Tätigkeitsbereich im
Haushalt gesondert äussern (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2010,
9C_103/2010, E. 2.2), denn die Sachverständigen konnten den Tätigkeitsbereich
aufgrund der Unterlagen der Beschwerdeführerin realistisch einschätzen und in ihrer
Beurteilung miteinziehen. Eine zusätzliche Haushaltsabklärung hätte mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auch nicht zu neuen Erkenntnissen geführt. Aus dem Fragebogen
geht zwar hervor, dass die Beschwerdeführerin sich im Haushaltsbereich als sehr
eingeschränkt wahrnimmt. Sie gibt an, die einzigen Tätigkeiten, welche sie ohne die
Hilfe ihres Ehemanns erledigen könne, seien Kochen und Bügeln. Es ist jedoch
aufgrund der medizinischen Akten nicht davon auszugehen, dass die für die
Haushaltsabklärung zuständige Fachperson diese Angaben unkritisch übernommen
hätte. Im Übrigen müsste eine versicherte Person, die wegen ihrer Behinderung
gewisse Haushaltsarbeiten nur noch mühsam und mit höherem Zeitaufwand erledigen
können, in erster Linie ihre Arbeit einteilen (BGE 133 V 504, E. 4.2).
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