Decision ID: b82a5d41-7536-4545-b9fc-ee7626bc13bc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
hat sich ergeben:
I.
A war Studierender eines Programms für "quereinsteigende" angehende Lehrpersonen ("Quest") an der Pädagogischen Hochschule Zürich und als "Quest-Studierender im Vikariatsstatus" angestellt.
Am 11. Februar 2014 kündigte das Volksschulamt
des Kantons Zürich
das Anstellungsverhältnis per 21. Februar 2014. Mit
Verfügung vom 26.
März 2014
bestätigte es diese Kündigung
.
II.
A.
Hiergegen rekurrierte A mit am 28. April 2014 bei der Bildungsdirektion eingegangenem Schreiben. Als Anschrift gab er dabei eine Adresse in einer deutschen Grossstadt an.
Am 29. April 2014 erklärte eine Mitarbeiterin de
s Rechtsdiensts des Generalsekretariats der
Bildungsdirektion
A
telefonisch, er habe im Rahmen des von ihm angestrengten Verfahrens eine Zustelladresse in der Schweiz anzugeben.
Diesbezüglich führten A und die erwähnte
Mitarbeiterin
vom
7. bis
zum
16. Mai 2014
einen
E-Mail-Verkehr.
Mit eingeschriebenem Brief vom 30.
Mai 2014 forderte die Bildungsdirektion
A
auf,
ihr
innert einer Frist von zehn Tagen ab Erhalt eine Zustelladresse in der Schweiz mitzuteilen
, und wies ihn darauf hin,
dass diese Aufforderung
im Unterlassungsfall
auf diplomatischem Weg zugestellt werde
n würde
. Dieses Schreiben nahm
A
am 3. Juni 2014 in Empfang.
B.
Da er sich daraufhin nicht meldete, setzte die Bildungsdirektion ihm mit verfahrensleitender Verfügung vom 27. Juni 2014 eine 20-tägige Frist ab Zustellung, um ihr schriftlich ein Zustelldomizil in der Schweiz oder aber einen Vertreter hierzulande zu bezeichnen, und verband dies mit der Androhung des Nichteintretens auf seinen Rekurs im Unterlassungsfall. Diese Verfügung wurde A auf diplomatischem Weg zugestellt; am 7. August 2014 nahm er sie in Empfang.
Am 14.
August 2014 gab
A
der Mitarbeiterin der Bildungsdirektion per E-Mail an, er habe eine Postumleitung eingerichtet
. F
ortan könne "
die
Anschrift von Zürich" verwendet werden
;
die Post leite
"dies
dann weiter
"
.
C.
In der Folge verfügte die Bildungsdirektion, auf den Rekurs von A nicht einzutreten, wovon dieser am 26. September 2014 eher zufällig erfuhr.
III.
Mit an die Bildungsdirektion adressiertem Schreiben vom 25. Oktober 2014 –
mit einer Zürcher Adresse
im Briefkopf
– erhob
A
"Rekurs" gegen diese Verfügung. Di
e Bildungsdirektion
leitete das Schreiben zur Behandlung an das
Verwaltungsgericht
weiter.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 29. Oktober 2014 forderte das Verwaltungsgericht
A
zur Einreichung einer mit seiner
Originalu
nterschrift versehenen Kopie der Beschwerdeschrift
auf
. Dieser Aufforderung kam
A innert gesetzter Frist
nach.
Das Volk
sschulamt
beantragte am 10.
November 2014 die Abweisung der Beschwerde, verzichtete im Weiteren jedoch auf eine Stellungnahme. Die Bildungsdirektion liess sich am 13.
November 2014 unter Verweis insbesondere auf den angefochtenen Entscheid mit dem
Schluss
auf Abweisung der Beschwerde
(soweit darauf einzutreten sei)
vernehmen.
Die Kammer

Considerations:
erwägt:
1.
1.1
Gemäss § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) prüft das Verwaltungsgericht seine Zuständigkeit von Amts wegen. Diese ist unter anderem betreffend erstinstanzliche Rekursentscheide einer Direktion etwa über personalrechtliche Anordnungen eines Amts gegeben (§§ 41–44 in Verbindung mit §§ 19 Abs. 1 lit. a und Abs.
3 Satz 1, 19a
sowie 19b Abs. 2 lit. b Ziff. 1 VRG).
Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Der Beschwerdeführer verlangt die Aufhebung der Kündigung. Als Streitwert gelten diesfalls grundsätzlich die Bruttobesoldungsansprüche ab dem Zeitpunkt der Kündigung bis zu demjenigen der Hängigkeit des Verfahrens zuzüglich Ansprüchen bis zur nächstmöglichen Auflösung des Dienstverhältnisses (vgl. Kaspar Plüss
in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014,
§ 65a N. 23 ff., insbesondere N. 31 ff.). Die irrtümlich an die Vorinstanz adressierte Beschwerde ging bei jener am 26. Oktober 2014 ein. Sollte es tatsächlich zulässig sein, die für Vikarinnen und Vikare geltenden Bestimmungen und folglich auch die dreitätige Kündigungsfrist gemäss § 26 Abs. 2 Satz 1 des Lehrpersonalgesetzes vom 10. Mai 1999 (LS 412.31) auch auf Quest-Studierende anzuwenden – wie dies der Beschwerdegegner vorliegend tat –, wäre eine Kündigung nach der Beschwerdeerhebung frühestens per Ende Oktober 2014 zulässig gewesen und würden folglich mehr als acht Monatslöhne im Streit stehen. Diesfalls wäre ohne weiteres davon auszugehen, dass der Streitwert Fr. 20'000.- übersteigt. Dies gälte im Übrigen auch dann, wenn das Anstellungsverhältnis des Beschwerdeführers von vornherein bis Ende Schuljahr bzw. Mitte Juli 2014 befristet gewesen wäre.
Die Angelegenheit fällt folglich kraft § 38 Abs. 1 und § 38b Abs. 1 lit. c e contrario VRG in die Zuständigkeit der Kammer.
2.
Die Vorinstanz ist auf den Rekurs nicht eingetreten, weil der Beschwerdeführer innert ihm gesetzter Frist keine Zustelladresse in der Schweiz genannt habe.
2.1
Gemäss § 6b Abs. 1 VRG haben Verfahrensbeteiligte mit Sitz oder Wohnsitz im Ausland ein Zustellungsdomizil oder einen Vertreter in der Schweiz anzugeben. Kommen die Beteiligten dieser Aufforderung innert angemessener Frist nicht nach, so kann die Verwaltungsbehörde entweder Zustellungen durch amtliche Veröffentlichungen ersetzen oder auf die Eingabe nicht eintreten.
Die Säumnisfolge des Nichteintretens stellt eine einschneidende Sanktion dar und muss daher im konkreten Fall als verhältnismässig erscheinen. Dies trifft etwa dann zu, wenn sich der auf seine Pflichten hingewiesene ausländische Adressat ohne sachlichen Grund weigert, in der Schweiz ein Zustelldomizil oder eine Vertretung anzugeben (Kaspar Plüss
,
§ 6b N. 23).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt in seiner als "Rekurs" bezeichneten
und zunächst an die Vorinstanz gerichteten Eingabe vom 25. Oktober 2014
vor, er habe
in seiner E-Mail vom
14.
August
2014
und damit innerhalb der gesetzten Frist "direkt" der Mitarbeiterin der Bildungsdirektion
–
mit
dieser
hatte er zuvor schon
(telefonisch und über E-Mail)
Kontakt gehabt
–
gemeldet, dass seine Zürcher Adresse verwendet werden könne. Darauf habe sie nicht reagiert. Im Nachhinein halte sie nun fest, sie habe
diese Adresse gar nicht; sie habe
sich sehr wohl darum bemüht, diese Anschrift bei der Bildungsdirektion und beim Volksschulamt zu
erhalten, welche die
Ad
resse
jedoch auch nicht gehabt
hätten
.
Die Vorinstanz macht geltend, sie habe sich an das im Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz
empfohlene Vorgehen gehalten, indem sie den
Beschwerdeführer zunäch
st informell und ohne Androhung von Säumnisfolgen
bezüglich
einer
Zustelladresse angefragt
und erst nach drei erfolglosen Versuchen die Aufforderung mit Fristansetzung in Verfügungsform und unter Androhung des Nichteintretens erlassen habe. In der
auf diplomatischem Weg zugestellten
Verfügung vom 27. Juni 2014 sei
sodann
ausdrücklich eine schriftliche Antwort verlangt und der Beschwerdeführer darauf hingewiesen worden, dass die
se
einer schweizerischen Vertretung oder der
schweizerischen
Post übergeben werden müsse. Deshalb habe sie sich nicht veranlasst gesehen, auf die E-Mail des Beschwerdeführers vom 14. August 2014 zu reagieren.
2.3
Auf das bezüglich der fehlenden Zustelladresse in der Schweiz mit der Mitarbeiterin der
Vorinstanz
geführte Telefongespräch vom 29. April 2014 hin meldete sich der
Beschwerdeführer
am 7. Mai 2014 – wie vereinbart per E-Mail – bei dieser. Sie antwortete ihm am 8. und erneut am 16. Mai 2014 ebenfalls auf diesem Weg, wobei sie ihn namentlich bat, bis zum 22. Mai 2014 eine Zustelladresse zu nennen.
Der Beschwerdeführer
hatte
sich
damit
nicht
etwa von vornherein geweigert, solches zu tun
, sich jedoch nach von ihm offen
sichtlich
für
praktikabler
gehaltenen
Möglichkeiten
erkundigt, ihm behördliche Akte zukommen zu lasse
n; von
der Mitarbeiterin
wurde er indes
darauf hingewiesen, dass lediglich die in § 6b Abs. 1 VRG genannten
Möglichkeiten
bestünden.
Bis zum erwähnten Datum vom 22. Mai 2014 reagierte er allerdings nicht.
Nachdem der Beschwerdeführer auch auf das Einschreiben der Vorinstanz vom 30. Mai 2014 (mit der Aufforderung, innert zehn Tagen ab Erhalt eine Zustelladresse zu bezeichnen) nicht reagiert hatte, stellte diese ihm auf diplomatischen Weg ihre Verfügung vom 27. Juni 2014 mit
der Aufforderung zur Bezeichnung einer Zustelladresse in der Schweiz innert einer Frist von
zwanzig
Tagen ab Empfang
zu.
Der Beschwerdeführer
nahm die Verfügung am
7.
August 2014 an seinem ausländischen Wohnsitz in Empfan
g
.
In seiner E-Mail
14. August 2014
forderte
er d
ie
Mitarbeiterin der
Vorinstanz
, mit
der
er zuvor schon
per E-Mail
Kontakt gehabt hatte, auf, "fortan die Anschrift von Zürich" zu verwenden
;
"die Post leitet dies dann weiter".
2.4
Die Vorinstanz
hält
im angefochtenen
Entscheid
fest, ihr sei keine Anschrift von Zürich bekannt. Obwohl
die
dem Verwaltungsgericht eingereichten
vorinstanzlichen
Akten
in der Tat
keine
Hinweise auf eine
Anschrift des Beschwerdeführers
in Zürich enthalten
, ist davon auszugehen, dass
er
sehr wohl
über eine solche verfügte
. Jedenfalls
dürfte
er während seiner Anstellung an
einer
Schule
im Kanton Zürich kaum aus einer deutschen Grossstadt
angereist
sein
, um Unterricht zu erteilen. Es ist daher davon auszugehen, dass
der Beschwerdegegner
sehr wohl über eine andere
, jedenfalls zu einem früheren Zeitpunkt gültige
Adresse des Beschwerdeführers
verfügte, sich eine solche in dessen Dossier daher hätte finden lassen.
Wie eine Notiz der Mitarbeiterin der Vorinstanz ebenso wie deren Vernehmlassung deutlich machen, hat allerdings die Vorinstanz wohl auch nach der E-Mail des Beschwerdeführers vom 14. August 2014 – wenn überhaupt – lediglich in den ihr vorliegenden Akten nach einer Schweizer bzw. Zürcher Adresse gesucht, mithin im
Personalstammblatt
(
mit Stand 18.
Juli 2014
) und in der
ursprüngliche
n
Verfügung des Beschwerdegegners vom 26. März 2014
. Beide Dokumente enthalten bereits die Adresse des Beschwerdeführers in der deutschen Grossstadt, ebenso danach die Rekursschrift.
Der Beschwerdeführer, ein juristischer Laie, ging
nach
seiner E-Mail vom 14. August
2014
davon aus, dass er mit der
Mitteilung
, man dürfe seine Zürcher Adresse
verwenden
, seiner Pflicht zur Bezeichnung einer Zustelladresse nac
hgekommen sei
. Auch wenn die
elektronische
Kommunikation keine schriftliche
darstellt
, so versteht sich dies für einen Laien
heutzutage
nicht zwingend von selbst.
Beim
Beschwerdeführer
hatte
zudem aufgrund des Umstands, dass er zuvor mehrmals mit der Vorinstanz auf diesem Weg kommuniziert hatte
und von dieser zunächst auch auf diesem Weg gebeten worden war, eine Zustelladresse zu bezeichnen
,
sehr wohl der Eindruck entstehen können
, dass die elektronische Form
der Kommunikation grundsätzlich
genüge
(was sie für die Vorinstanz ja auch getan hätte, wäre der Beschwerdeführer der Bitte zu jenem Zeitpunkt nachgekommen). Davon hatte er umso mehr ausgehen können, als auch in der Verfügung vom 27. Juni 2014 nicht etwa eine
unterzeichnete Eingabe verlangt worden war
(wie dies nachmals beispielsweise für die Beschwerdeschrift der Fall war [vgl. oben III Abs. 2])
.
Mit dem Hinweis auf seine Zürcher Adresse sowie darauf, dass er eine Postumleitung eingerichtet habe, gab der Beschwerdeführer
jedenfalls
zu erkennen, dass er sich nicht
etwa
weigere, eine Zustelladresse zu nennen.
Einen Grund, daran zu zweifeln
, dass er
tatsächlich
eine solche Postumleitung eingerichtet hatte
, gab und gibt es nicht.
Jedenfalls durfte der Beschwerdeführer, als er nach dem Absenden dieser E-Mail
von der Vorinstanz nichts mehr hörte, in guten Treuen davon ausgehen, dass
damit
die
Angelegenheit "
erledigt
" sei bzw. er die Frist gewahrt habe
und die Vorinstanz nun über
die von ihr verlangte
Zustelladresse verfüge.
2.5
Der in Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (SR 101) verankerte allgemeine Grundsatz von Treu und Glauben
gebietet ein loyales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr und
richtet sich an Behörden wie Privat
e. Für den Bereich des öffentlichen Rechts bedeutet er, dass Behörden und Private in ihren Rechtsbeziehungen aufeinander Rücksicht zu nehmen haben
(
Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. A., Zürich/St.
Gallen 2010, Rz.
622 ff.
).
Vor dem Hintergrund des Dargelegten hätte sich die
Vorinstanz
im Anschluss an die
E-Mail
d
es
Beschwerdeführer
s nochmals
an
diesen wenden, bei ihm bezüglich der in Frage stehenden Zürcher Adresse nachfragen und ihn darauf hinweisen müssen, dass diese Form der Mitteilung in Anbetracht der Verfügung vom 27. Juni 2014 nicht (mehr) genüge. Mit dem ohne weiteres gefällten Nichteintretensentscheid jedenfalls verletzte sie den Grundsatz von Treu und Glauben.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, d
er Rekursentscheid
aufzuheben und die Angelegenheit
zur materiellen Behandlung
an
die Vorinstanz zurückzuweisen
.
4.
Da
vor dem Hintergrund vorstehender Ausführungen davon auszugehen ist, dass d
er Streitwert
auch
Fr.
30'000.- übersteigt
(vgl. oben 1.2)
, besteht für die Parteien keine
Kostenfreiheit
(§ 65a Abs.
3 VRG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem
Beschwerdegegner
aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG).
5.
Die Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht ist gegen den vorliegenden Entscheid zulässig, sofern der Streitwert mehr als Fr. 15'000.- beträgt (Art. 85 Abs. 1 lit. b e contrario des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Hiervon ist nach dem Gesagten auszugehen (vgl. oben 1.2).
Letztinstanzliche kantonale Rückweisungsentscheide sind als Zwischenentscheide im Sinn von Art. 93 BGG zu qualifizieren (BGE 138 I 143 E. 1.2, 133 V 477 E. 4.2; Felix Uhlmann, Basler Kommentar, 2011, Art. 90 BGG N. 9 Abs. 2; Hansjörg Seiler/Nicolas von Werdt/Andreas Güngerich, Bundesgerichtsgesetz, Bern 2007, Art. 90 N. 9, Art. 93 N. 2). Sie sind daher vor Bundesgericht nur direkt anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (lit. a) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (lit. b).