Decision ID: 46d553ec-6877-4831-bdd8-ff9020ec6043
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954, war vom
1.
April 2010 bis 3
0.
November 2012 als Versich
erungsberaterin bei der A._
AG beschäftigt und damit bei der Helsana Unfall AG gegen Unfälle versichert (
Urk.
1 S. 3). Am 2
6.
Dezember 2010 stürzte sie auf Glatteis und fiel auf den Hinterkopf (
Urk.
9/3). Die erstbehandelnden Ärzte des Universitätsspitals
B._
diagnostizierten einen Verdacht auf Entwicklung eines
postcommotionellen
Syndroms bei Zu
stand nach Commotio cerebri und entliessen die Versicherte am Folgetag (Bericht vom 2
7.
Dezember 2010,
Urk.
10/5/2). Die Helsana Unfall AG trat auf den Scha
den ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Anschliessend erfolgten eine stationäre Behandlung vom
3.
bis
4.
Januar 2011 in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
B._
(
Urk.
10/3) und vom 1
9.
Januar bis 1
5.
Februar 2011 ein Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik
C._
(
Urk.
10/20/4). Im Verlauf wurde eine
Insertions
tendi
n
opathie
und Partialruptur der Glutaeus
minimus
Sehne festgestellt (Bericht der Ärzte der
Klinik
D._
vom
8.
Dezember 2011,
Urk.
10/28).
1.2
Am
7.
November 2011 hatte die Versicherte wiederum einen Unfall erlitten, als sie zu Fuss eine Parkschranke passierte, welche schloss und sie am Hinterkopf traf (
Urk.
9/20). Die Ärzte diagnostizierten einen Verdacht auf eine erneute Com
motio cerebri (
Urk.
10/33/2).
1.3
Am 2
4.
März 2012 erlitt die Versicherte einen dritten Unfall, als sie
in
der
Ikea
auf dem feuchten Kundenweg im Verkaufsraum ausrutschte und auf den linken Ellenbogen sowie die linke Hüfte fiel (
Urk.
9/31). Dabei zog sie sich eine Kontu
sion des linken Beckens/der linken Hüfte zu (
Urk.
10/38).
1.4
Vom 1
0.
bis 3
0.
April 2012 erfolgte ein weiterer Aufenthalt in der Klinik
C._
(
Urk.
10/36) zur Rehabilitation der beim ersten Unfall erlittenen Schä
digungen. Nach weiteren Behandlungen und anhaltend attestierter Arbeitsunfä
higkeit holte die Helsana
Unfall AG
das Gutachten der
Medas
E._
vom
2.
Februar 2015 (
Urk.
10/96) ein.
In der Folge stürzte die Versicherte im Februar 2015
erneut und verletzte sich an der linken Schulter (
Urk.
1 S. 5 f.). Die Helsana
Unfall AG
verfügte am 2
5.
Februar 2016 (
Urk.
9/135) die Leistungseinstellung per 2
8.
Februar 2015 unter Verneinung weiterer Leistungsansprüche. Die dagegen am 1
8.
März 2015 (
Urk.
9/138) erhobene und am 1
1.
Mai 2015 (
Urk.
9/141) sowie
1.
Juni 2015 (
Urk.
9/143) ergänzte Einsprache wies sie mit Entscheid vom 1
5.
Ok
tober 2015 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
6.
November 2015 (
Urk.
1) Beschwerde mit den Anträgen, es sei der
Einspracheentscheid
vom 1
5.
Oktober 2015 aufzuheben und in der Folge seien
ihr
die Leistungen gemäss UVG über den 2
8.
Februar 2015 hinaus zu gewähren; eventuell sei ein polydisziplinäres Gutachten betreffend Ar
beitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
und Kausalität zu den Unfällen vom 2
6.
Dezember 2010,
7.
November 2011 und 2
4.
März 2012 in den Disziplinen Or
thopädie, Neurologie, Neuropsychologie, Psychiatrie und
Oto
-
Rhino
-Laryngolo
gie zu veranlassen (S. 2). Die Helsana
Unfall AG
schloss am 3
0.
Dezember 2015 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde und äusserte sich am 1
8.
Januar 2016 (
Urk.
13) erneut. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
16 und
Urk.
23), wobei die Helsana
Unfall AG
elektronische Akten von zwei am 1
2.
Mai und 1
7.
Oktober 2016 neu erlitte
nen Unfällen auflegte (
Urk.
24). Hierzu nahm
en
die Versicherte am 2
0.
September 2017 (
Urk.
29) und die Helsana
Unfall AG
am
8.
Dezember 2017 (
Urk.
30) Stel
lung, welche neue Akten auflegte (
Urk.
31/1-3). Am 2
9.
Dezember 2017 (
Urk.
34) und 1
6.
Februar 2018 (
Urk.
36) nahmen die Parteien erneut Stellung, was ihnen am 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
37) wechselseitig zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem
1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
D
i
e hier zu beurteilende
n
Unf
ä
ll
e
ha
ben
sich
in den Jahren 2010 bis 2012
ereig
net, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete die Leistungseinstellung per 2
8.
Februar 2015 damit, gemäss polydisziplinärem Gutachten bestünden aus rheumatologi
scher Sicht keine objektivierbaren Befunde, die eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründen würden. Aus
otorhinolaryngologischer
Sicht hätten sich ebenfalls keine objektivierbaren Hinweise für eine zentrale oder periphere ves
tibuläre Funktionsstörung gefunden. Aus neurologischer Sicht leide die
Be
schwerdeführerin
an wechselhaften Kopfschmerzen und Schwindelbeschwerden ohne fassbare neurogene Ursache (
Urk.
2 S. 11). Die Kausalität der drei Unfälle sei nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen (S. 18).
2.2
Die
Beschwerdeführerin
kritisierte das
Medas
-Gutachten in verschiedener Hin
sicht und mass diesem keinen Beweiswert zu (
Urk.
1 S. 11 ff.). Sollte von einer fehlenden somatischen Grundlage beziehungsweise einer fehlenden Objektivier
barkeit der gesundheitlichen Einschränkungen ausgegangen werden, wäre die Kausalität aufgrund der „HWS-Praxis“ zu prüfen und zu bejahen (
Urk.
16 S.
5
ff.).
3.
3.1
Die erstbehandelnden Ärzte des
B._
, Klinik für Unfallchirurgie, diagnostizierten mit Bericht vom 2
7.
Dezember 2010 (
Urk.
10/5/2) einen Verdacht auf Entwick
lung eines
postcommotionellen
Syndroms bei Zustand nach Commotio cerebri. Sie beschrieben eine Bewusstlosigkeit sowie eine retrograde A
mn
esie für das Sturzereignis bei Glasgow-
Coma
-
Scale
(
GCS
) 15 bei Eintritt am 2
6.
Dezember 201
0.
Die Ärzte führten aus, Computertomographien des Schädels sowie der Hals
wirbelsäule (HWS), Thorax
und
Abdomen hätten keine
ossären
Verletzungen und keine
parenchymatösen
Läsionen gezeigt. Nach Ausschluss einer Fraktur, Organ
läsion oder
intracraniellen
Blutung sei die stationäre Aufnahme erfolgt. Nach un
auffälliger Überwachung, im Verlauf gebesserten Kopfschmerzen und gebesserter Schwindelsymptomatik sei die Entlassung nach Hause erfolgt.
3.2
3.2.1
Dr.
F._
, leitender Arzt an der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
B._
, wo die
Beschwerdeführerin
auf Zuweisung des Unfallchirurgen vom
3.
bis
4.
Januar 2011 hospitalisiert gewesen war, schilderte mit Austrittsbericht vom
5.
Januar 2011 (
Urk.
10/3) eine
anterograde
Amnesie vom Unfall bis zur Einlieferung in die Klinik, wobei bereits im Rettungswagen und auf dem Weg vereinzelte Episoden erinnerlich seien. Unmittelbar nach dem
Sturz habe eine Bewusstlosigkeit unklarer Dauer bestanden. Auf der Station der Unfallchirurgie habe die
Beschwerdeführerin
erstmalig Schwindel bemerkt. Zu
sätzlich habe eine Gangunsicherheit bestanden.
Dr.
F._
diagnostizierte einen Zustand nach Schädelhirntrauma mit Gehirnerschütterung, einen posttrau
matischen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel, einen Zustand nach Migräne ohne Aura sowie einen Verdacht auf eine posttraumatische vestibuläre Migräne (
Urk.
10/3).
Die klinische Untersuchung – so der Arzt – habe einen gutartigen Lagerungs
schwindel bei
Kanalolithiasis
des rechten und hinteren linken
posterioren
Bogen
ganges ergeben, welcher eindeutig posttraumatisch aufgetreten sei. Durch wie
derholte Lagerungsmanöver habe der Lagerungsschwindel vollständig beseitigt werden können. Dennoch hätten weiterhin eine Gangunsicherheit sowie eine Fallneigung bestanden. Ein MRI zum Ausschluss einer zentralen Läsion (wegen
ungekreuzter
Doppelbilder und einer sensiblen
Hemisymptomatik
) habe keine Auffälligkeiten gezeigt.
Eine peripher-vestibuläre Funktionsstörung schloss
Dr.
F._
mit grosser Wahrscheinlichkeit aus. Dennoch gehe er angesichts der neu aufgetre
te
nen pan
tonalen leichten Hörstörung links von einer
Contusio
labyrinthi
aus.
3.2.2
Im Bericht vom 1
8.
März 2011 (
Urk.
10/9) über die Nachkontrolle vom
2.
März 2011 hielt
Dr.
F._
fest, eine Schädigung der
Otolithenorgane
(Schwin
del) sei nicht nachweisbar. Bei unauffälligem MR und unauffälligen vestibulären Tests komme eine höchstwahrscheinlich posttraumatisch ausgelöste vestibuläre Migräne in Betracht.
3.2.3
Im Bericht vom
2.
September 2011 (
Urk.
10/19) über die Konsultation vom 3
1.
August 2011 erwähnte
Dr.
F._
ergänzend eine geklagte, seit dem Sturz bestehende Störung bei Bewegung des rechten Beines, welches bei wieder
holter Bewegung auch mit Hüftschmerzen verbunden sei.
3.3
Die Ärzte der
Klinik
D._
, welche die Hüftproblematik mittels MRI-Bildgebung abgeklärt hatten, diagnostizierten im Bericht vom
8.
Dezember 2011 (
Urk.
10/28) persistierende Hüftbeschwerden rechts bei schwerer
Insertions
tendi
n
opathie
und Partialruptur der Glutaeus minimus
-
Sehne sowie Reizung der Bursa
trochanterica
und eine leichte
Coxarthrose
rechts. Sie empfahlen eine ope
rative Revision der Sehnenansätze.
3.4
Dr.
G._
beschrieb mit Bericht vom 1
0.
Juli 2012 (
Urk.
10/46) auf Wunsch der
Beschwerdeführerin
die Folgen des Unfalls vom
7.
November 2011 im Sinne von Sehschwierigkeiten und Müdigkeit.
3.5
Dr.
H._
, Spezialärztin für Neurologie FMH, welche die
Beschwerdeführe
rin
konsiliarisch untersucht hatte, diagnostizierte mit Bericht vom 1
9.
Juli 2012 (
Urk.
10/49) ein leichtes
Sulcus
-
Ulnaris
-Syndrom links nach Prellung des Ellen
bogens am 2
4.
März 201
2.
Sie berichtete von einer traumatischen Auslösung des Syndroms.
3.6
Dr.
I._
, Neurologie FMH, führte in seinem Bericht vom 2
9.
Januar 2013 (
Urk.
10/66) über die neurologische Verlaufskontrolle aus, es bestehe wei
terhin die Gleichgewichtsproblematik seit dem ersten Unfall im Dezember 2010, zu der seit dem zweiten Unfall vom November 2011 noch ungeklärte, eher diffuse Sehstörungen hinzugekommen seien. Ätiologisch hätten diese nicht zugeordnet werden können. Offenbar seien nun auch erhebliche psychoreaktive Störungen dazugekommen, sicher gehörten die aufgetretenen Zuckungen (und wahrschein
lich auch ein Teil der Gleichgewichtsstörungen) dazu.
3.7
3.7.1
Im Gutachten der
Medas
E._
vom
2.
Februar 2015 (
Urk.
10/96), wel
ches auf Teilgutachten in den Fachgebieten Rheumatologie, Hals-, Nasen-, Oh
renerkrankungen und Neurologie basiert, beschrieben die Ärzte (S. 49 f.), dass sämtliche beteiligen Gutachter durch ihre Untersuchungen keine objektivierbaren Befunde hätten erheben können, welche die Arbeitsfähigkeit als Versicherungs
fachfrau einschränken würden.
Eine nennenswerte zentrale Gleichgewichtsstörung liege nicht vor, auf jeden Fall nicht in einem Grade, welcher die Arbeitsfähigkeit einschränke.
Kognitive Einschränkungen bestünden nicht, die intellektuellen Fähigkeiten der
Beschwerdeführerin
seien voll intakt. Eine neuropsychologische Testung habe die
Beschwerdeführerin
am Vortag aus diffusen Gründen abgesagt. Auf einen zwei
ten Termin sei verzichtet worden, da die
Beschwerdeführerin
unterdessen ihre intakten kognitiven Fähigkeiten gezeigt habe und da keine volle Kooperation bei den Untersuchungen festgestellt worden sei. Im beigezogenen neuropsychologi
schen Bericht von
J._
, Fachpsychologin für Klinische Psychologie FSP, Klinik
K._
, vom
6.
April 2015 habe sich ein Mischbild von Beschwer
den gezeigt. Die
Beschwerdeführerin
biete ein Mischbild aus affektiver und kog
nitiver Leistungsminderung, wie es im Rahmen von
postkommotionellen
und Schmerzsyndromen häufig beobachtet werde. Im Vordergrund stehe eine erheb
lich reduzierte Belastbarkeit, begleitet von Reizbarkeit und depressiver Verstim
mung, wobei sie persönlichkeitsbedingt trotz auftretender Körpersymptome (Zu
ckungen) offenbar immer wieder zur Selbstüberforderung neige. Im kognitiven Bereich seien ein deutlich herabgesetztes Arbeitstempo, eine beeinträchtigte
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung mit eingeschränkter Informationsauf
nahmekapazität sowie mit rasch einsetzender Ermüdung feststellbar. Eine eigent
liche Gedächtnisstörung liege nicht vor, doch bestehe eine Lern- und Gedächt
nisschwäche, wie sie für depressiv Verstimmte typisch sei. Gemäss den
Medas
-Gutachtern hätten die meisten hier zitierten Einschränkungen bei der klinischen Beobachtung nicht mehr vorgelegen.
In psychiatrischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, die Persönlichkeitsauffäl
ligkeiten der
Beschwerdeführerin
liessen am ehesten an eine Persönlichkeitsstö
rung denken. Eine unfallbedingte Persönlichkeitsänderung könne angesichts feh
lender Hirnschädigung und eindeutig fehlender Depression nicht diagnostiziert werden. Eine Persönlichkeitsstörung könne vorliegen, diese müsste definitions
gemäss schon seit der Adoleszenz bestanden haben. Der in den Akten im Jahre 2008 belegte Versuch, ein Krankheitsattest zu erlangen mit Vorgabe ähnlicher Beschwerden, wie sie heute geklagt würden, könnte ein Hinweis in Richtung Per
sönlichkeitsstörung sein. Die
Beschwerdeführerin
habe aber andererseits auch be
legt, dass sie durch diese in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. Denn sie habe ja in den neun Monaten vor dem ersten Unfall ein volles Arbeitspensum als Versicherungsfrau mit gutem Einkommen erzielen können.
3.7.2
Die Gutachter stellten keine Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zu
mutbaren Arbeitsfähigkeit. Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, nannten sie folgende Diagnosen (S. 50):
-
Status nach Schädel-Hirn-Trauma (MTBI) bei Sturz am 2
6.
Dezember 2010 und Status nach Schädelprellung (Schlag durch Schranke) am 1
1.
November 2011
-
wechselhafte Kopfschmerzen, wahrscheinlich multifaktoriell (teils posttrau
matisch, teils
migräniform
)
-
wechselhafte Schwindelbeschwerden, wahrscheinlich multifaktoriell ohne fassbare neurogene Ursache
-
Status nach unfallbedingtem benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel
-
Chronifiziertes
zervikales Schmerzsyndrom
myofaszialer
Prägung, beidseits, linksbetont mit und bei initialer Segmentdegeneration C4/5, C5/6 sowie
mäs
siggradig
C6/7
-
Chronifiziertes
thorakolumbales
Schmerzsyndrom
myofaszialer
Prägung, rechtsbetont mit/bei fortgeschrittener
Osteochondrose
L5/S1 und
Spondylarthrosen
L4-S1
-
Myoart
hropathie
beidseits bei
kraniom
andibulärer
Dysfunktion
-
Zustand nach Unfall vom 2
4.
März 2012 mit Sturz und Kontusion des linken Ellenbogens und der linken Hüfte
-
aktenkundig posttraumatisches
Kubitaltunnel
-Syndrom links (
Sulcus-Ulnaris-Snydrom
)
-
Status nach Partialruptur der Glutaeus minimus-Sehne sowie Reizung der Bursa
trochanterica
3.7.3
Zur Kausalität hielten die Ärzte fest (S. 51 f.), bei den ersten beiden Unfällen handle es sich um solche, bei welchen direkt der Kopf, indirekt auch die Halswir
belsäule beteiligt gewesen seien. Es seien heute nicht mehr eindeutig direkte kog
nitive, psychische, neurologische Einschränkungen aus diesen Unfällen her mehr
eruierbar
. Höchstens mit dem Grade der Möglichkeit könnte man einen Teil der Schwindelbeschwerden diesen Unfällen zuordnen.
Beim Unfall vom 2
6.
März 2012 handle es sich um ein Sturzereignis auf die linke Körperseite mit Ellbogen- und Hüftverletzungen. Es lägen Residuen vor, die al
lenfalls aus diesem Unfall aufgefasst werden könnten, aber höchstens mit dem Grade der Möglichkeit.
3.8
I
m
neuropsychologischen Konsilium vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
10/98/3) führte
L._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, aus, bei sonst unauf
fälligen kognitiven Leistungen zeigten sich leichte bis mittelschwere Auffällig
keiten bei Aufmerksamkeits- und bei verbalen Gedächtnisanforderungen, im Sprachausdruck und bei der psychomentalen Dauerbelastbarkeit. Die Befunde könnten als leichte kognitive Störung eingeordnet werden. Bezüglich Ätiologie sei darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdeführerin
bis zum Schädelhirntrauma mit
Contusio
labyrinthi
am 2
6.
Dezember 2010 alle kognitiven Anforderungen in ihrem Beruf als Versicherungsberaterin zu bewältigen in der Lage gewesen sei (S.
6).
Mit den vorliegenden kognitiven Störungen könne die
Beschwerdeführerin
die komplexen Anforderungen ihrer angestammten beruflichen Tätigkeit nicht mehr bewältigen. Zumutbar wäre ihr eine Arbeitstätigkeit mit einfacheren kognitiven Anforderungen (S. 6 f.).
4.
4.1
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin
im Zeit
punkt der Leistungseinstellung per 2
8.
Februar 2015 an verschiedenen Beschwer
den litt. Die
Medas
-Gutachter nannten Kopfschmerzen, Schwindelbeschwerden, ein zervikales Schmerzsyndrom, ein
thorakolumbales
Schmerzsyndrom
myofaszialer
Prägung, eine
Myoarthropathie
beidseits, ein
Sulcus-Ulnaris-Snydrom
so
wie einen Status nach Partialruptur der Glutaeus minimus-Sehne (E. 3.7.2). In neurops
ychologischer Hinsicht ging L._
von einer leichten kogniti
ven
Störung aus
(E. 3.8)
. Daneben thematisierte die
Beschwerdeführerin
das Vor
liegen von Hüftbeschwerden (
Urk.
1 S. 17).
4.2
Vorwegzuschicken ist, dass die beim neuerlichen Sturz im Februar 2015 zugezo
genen Schulterverletzungen nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bil
den. Die
Beschwerdeführerin
war zu jenem Zeitpunkt nicht mehr bei der
A._
AG tätig und demgemäss auch nicht mehr bei der
Beschwerde
gegnerin
versichert. Entsprechend reichte sie auch keine Unfallmeldung ein.
4.3
4.3.1
Organisch ausgewiesen ist vorweg der Status nach Partialruptur der Glutaeus minimus-Sehne. Hierzu führte der begutachtende Rheumatologe aus, er habe keine muskuläre Atrophie der Gesäss- und Oberschenkelmuskulatur und auch keine Hinweise für eine
Glutealinsuffizienz
gefunden. Das Gangbild sei von der
Be
schwerdeführerin
einzig durch die angegebenen Schwindelsensationen mit der damit verbundenen Gangunsicherheit als gestört gezeigt worden ohne diesbezüg
lich typische
Hinkmuster
(
Urk.
10/96 S. 44).
Dr.
F._
kritisierte diese Einschätzung mit der Begründung, dass keine objektiven Parameter verwendet worden seien (
Urk.
9/141/3 S. 2).
Auch wenn es sich vorweg um eine klinische Einschätzung handelt, ist doch nicht erkennbar, inwiefern sich die Schädigung – bei bekannter Klinik - nach über vier Jahren noch auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Bürotätigkeit auswir
ken sollte, nachdem sich die Problematik unter
chiropraktischer
Therapie bereits Anfang 2013 gebessert gezeigt hatte (Bericht von
Dr.
I._
vom 2
9.
Januar 2013 S. 3). Die Knochenstrukturen zeigten sich beim aktuellen Röntgen sodann altersentsprechend ohne wesentliche
Coxarthrosezeichen
(
Urk.
10/96/2).
Die nach Erlass des
Einspracheentscheids
eingeleiteten Untersuchungen zeig
t
en beidseits
Insertionstendinopathien
der
Gluteus
minum
-
Sehn
en
mit assoziie
r
ten kleinen
ossären
Ausrissfragmenten am
Tochanter
major
. Die Gelenke zeigten sich nur minimal degeneriert und ohne Nekrose (Bericht
der Klinik
M._
vom
9.
O
k
t
ober 2015,
Urk.
3/4). Als Therapie wurde eine operative Sanierung thema
tisiert, angesichts des Aufwandes aber nicht uneingeschränkt empfohlen (Bericht der
Klinik
N._
vom 1
3.
Oktober 2015,
Urk.
3/5). Eine Arbeitsunfähigkeit wurde
dabei
nicht erwähnt.
4.3.2
In Bezug auf das
Sulcus
-
Ulnaris
-Syndrom verwies der begutachtende Rheumato
loge auf eine seitengleiche und unauffällige
Trophik
(unter anderem der Arme/Hände) ohne relevante Umfangsdifferenzen (
Urk.
10/96 S. 44).
Die Be
schwerdeführerin berichtete anlässlich der Begutachtung nicht von Problemen
mit dem Ellenbogen (
Urk.
10/96 S. 33 f.). Bei der Untersuchung des Bewegungs
apparates zeigten sich keine funktionellen Ellenbogenbeschwerden (
Urk.
10/96 S.
38), indes berichtete sie über eine Sensibilitätsstörung inklusive der zwei
ulnaren
Finger sowie eine Gefühlsverminderung in allen Finge
r
spitzen (
Urk.
10/96 S. 39). Dies führt indes nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (
Urk.
10/96 S. 40), was angesichts der diskret geschilderten Problematik plausibel erscheint.
4.3.3
Inwiefern die
Myoarthropathie
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte, ist nicht ersichtlich. Soweit
sich
die Beschwerdeführerin diese Schädigung beim Un
fall mit der Garagen-Schranke zugezogen hat und damit erst überhaupt relevant wäre, zeigte sich bei der gutachterlichen Untersuchung ein diskret bogenförmiges Ausweichen nach rechts, kein Knacken im Kiefergelen
k
bei nur geringen
Dolenzen
bei Palpation (
Urk.
10/96 S. 39). Eine Arbeitsunfähigkeit als kaufmännische Angestellte ist nicht ersichtlich.
4.3.4
Zu den Rückenbeschwerden (
zervikales
und
thorakolumbales
Schmerzsyndrom
) ist zu bemerken, dass
diese degenerativer Art
sind und eine Unfallkausalität nicht erkennbar ist. Die Gutachter
erkannten
klinisch und bildgebend keine strukturel
len Veränderungen, die unfalltypisch sind. Im Vordergrund standen weitgehend altersentsprechende degenerative Veränderungen im mittleren und unteren HWS-Abschnitt ohne beschleunigte Progredienz im bildgebenden Verlauf (
Urk.
10/96 S. 44). Auch echtzeitlich (jeweils nach den Unfällen) hatten sich keine entspre
chenden Pathologien erhärten lassen
(E. 3.1,
Urk.
10/64 S. 2 oben)
.
4.3.5
Auch
die
Schwindelbeschwerden
konnten nicht bildgebend nachgewiesen wer
den.
Dr.
F._
thematisierte hierzu am
5.
Mai 2014 (
Urk.
9/141/3) als Grund für die Schwindelbeschwerden einen übermässigen Verlust von
Otokonien
bei noch intakten Haarzellen (im Ohr). Er schloss sich der Beurteilung der Gut
achter insofern an, dass aufgrund der normalen Testbefunde die Rezeptorzellen in den Gleichgewichtsorganen beidseits intakt seien. Er bemängelte indessen, dass der
Otokonieverlust
(mithin eine somatische Ursache) im Gutachten nicht disku
tiert worden sei (S. 1).
Hierzu ist anzumerken, dass
Dr.
F._
nach seiner selber zitierten Aus
sage im Gutachten (
Urk.
10/96 S. 24
und
Urk.
10/9
) ausgeführt hatte, dass der isolierte Verlust von
Otokonien
als eigenständige Erkrankung bisher nicht be
schrieben worden sei, also auf einer Hypothese beruhe, welche erst noch wissen
schaftlich nachgewiesen werden müsse.
Nach der Rechtsprechung kann v
on organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfol
gen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparati
ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (
Urteil des Bundesge
richts 8C_123/2018 vom 1
8.
September 2018 E. 4.1.1 mit Hinweisen
).
Dies ist vorliegend
unbestrittenermassen
nicht der Fall. Eine organische Genese der Schwindelsymptomatik ist daher lediglich möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich.
Anzumerken bleibt, dass auch die echtzeitlichen Abklärungen keine Schädigung der
Otolithenorgane
gezeigt hatten (E. 3.2.2) und alle appara
tiven Gleichgewichtsuntersuchungen (im Januar 2011) unauffällig waren (
Urk.
10/19 S. 2).
4.3.6
Unbestrittenermassen finde
n
sich in den Akten auch kein
e
Hinweis
e
auf eine or
ganische Genese der Kopfschmerzen
und des später erwähnten Zitterns
. Alle dies
bezüglichen Abklärungen
blieben ohne bildgebend darstellbares Resultat.
4.3.7
Betreffend Knieproblematik rechts schilderten die Gutachter ergussfreie, band
stabile Verhältnisse und eine seitengleich unauffällige Bewegungsamplitude. Rein klinisch schlossen sie eine relevante Kniepathologie aus (
Urk.
10/96 S. 44).
Die behandelnde Ärztin für Orthopädie
O._
berichtete am
9.
November 2014 (
Urk.
10/93) von einem während der gutachterlichen Untersuchung erlittenen Un
fall, als die Beschwerdeführerin auf den Boden gestürzt sei und sich eine Distor
sion des rechten Kniegelenkes zugezogen habe. Unter Therapie seien die Schmer
zen fast vollständig vergangen, der
Einbeinstand
mit
Armhilfe
möglich. Bei dieser Ausgangslage und dem
F
ehlen widersprechender Arztberichte ist eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit nicht ersichtlich.
4.4
Damit ergibt sich, dass die drei relevanten Unfälle zu keinen organisch nachweis
baren, bleibenden Schädigungen führten, welche über den 2
8.
Februar 2015 hin
aus Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestamm
ten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte haben.
5.
5.1
5.1.1
Zu prüfen bleibt die Kausalität der ausgewiesenen Pathologien, namentlich der Schwindelproblematik
, der Kopfschmerzen
und der neuropsychologischen Ein
schränkungen.
Diese wurden von den behandelnden Ärzten als posttraumatisch nach erlittener milder traumatischer Hirnverletzung interpretiert.
Hierzu ergibt sich, dass die nach dem ersten Unfall
(Sturz auf Kopf)
erstbehan
delnden Ärzte eine Commotio cerebri diagnostizierten (E. 3.1). Bei Klinikeintritt zeigte sich ein
GCS
von 15 und die Ärzte hielten fest, dass – nach retrograder Amnesie – bereits im Rettungswagen und auf dem Weg vereinzelte Episoden er
innerlich seien (
Urk.
10/3).
Von einer
Contusio
(statt Commotio)
labyrinthi
war erstmals im Bericht des
B._
(
Dr.
F._
) vom
5.
Januar 2011 (
Urk.
10/3) die Rede. Dies aufgrund der neu aufgetretenen pantonalen leichten Hörstörung links.
Beim zweiten Unfall (Garagen-Schranke) verspürte die Beschwerdeführerin ledig
lich Schwindel und Übelkeit. Sie erlitt eine Prellmarke am Kopf und wegen eines pathologischen Armhalteversuches mit Absinken des Armes, Doppelbildern und Fallneigung erfolgte die weitere Diagnostik, welche bildgebend unauffällig blieb. Die behandelnde Orthopädin
O._
schloss auf ein Schädel-Hirn-Trauma (
Urk.
10/64 S. 2).
Beim dritten Unfall (Ausrutschen in
der Ikea
) war der Kopf nicht beteiligt.
5.1.2
Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose
einer milden trau
matischen Hirnverletzung
entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinsstörung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus. Anderseits darf die Störung nicht mit einer Bewusstlosig
keit von mehr als 30 Minuten, einem Schweregrad nach der
GCS
von 13 bis 15 nach 30 Minuten oder einer posttraumatischen Amnesie von mehr als 24 Stunden verbunden sein (
Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2007 vom 1
5.
Mai 2008 E. 7.2 mit Hinweisen
).
Gemäss
Rechtsprechung genügt ein Schädel-Hirntrauma, welches höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri - nicht im Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri - erreicht, grundsätzlich nicht für die Anwendu
ng der Schleudertrauma-Praxis.
Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell reversib
ler neurologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der Verletzung einhergeht. Der Verletzte hat oft eine Amnesie für die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neu
rologischen Auffälligkeiten. Die
Contusio
cerebri ist eine fokale Gewaltanwen
dung auf das zerebrale Gewebe, die mit kleinen
parenchymatösen
Blutungen oder einem lokalen Ödem einhergeht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2016 vom 1
8.
April 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
5.1.3
Die Beschwerdeführerin zeigte bei Klinikeintritt einen
GCS
von 15,
st
rukturelle
Veränderungen oder Mikroblutungen im Gehirn wurden nicht gefunden.
Damit ist ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin im Sinne der Rechtsprechung
eine
Contusio
cerebri bzw.
labyrinthi
erlitt
.
Der adäquate Kausalzusammenhang ist som
it
nicht nach den Regeln der Schleudertraum-Praxis zu prüfen, sondern nach denjenigen für psychogene Fehlentwicklungen nach Unfall
gemäss
BGE
115 V 133 (
vgl. oben erwähntes
Urteil des Bundesgerichts
8C_75/2016 vom 1
8.
April 2016 E. 4.2).
5.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Um
stände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwieri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den
objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
;
RKUV
2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
5.
3
Zwischen den Parteien herrscht Einigkeit, dass es sich bei dem vorliegend im Vordergrund stehenden ersten Unfall um einen mittschweren im Grenzbereich zu
den
leichten Unfällen handelt (
Urk.
2
Ziff.
10 und
Urk.
16 S. 6
Ziff.
15). Dies ist angesichts der Rechtsprechung, welche ähnliche Konstellationen entsprechend fasst, nicht zu beanstanden (
so etwa Urteile des Eidgenössischen Versicherungs
gerichts
U 344/02 vom 10. Oktober 2003
und U 59/04 vom
9.
September 2005).
Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit dann zu bejahen, wenn vier
der
massgeblichen
Kriterien
(oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt wä
ren
(Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2016 vom 1
4.
Juni 2017 E. 6.1
mit Hin
weisen
).
5.4
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass je
dem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann
. I
m Rahmen dieses Kriteriums wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2018 vom 2
2.
August 2018 E. 6.3 mit Hinweisen).
Besonders dramatische Begleitum
stände sind vorliegend
nicht ersichtlich
. D
i
e
Unfälle
war
en
objektiv betrachtet auch nicht besonders eindrücklich.
Am heftigsten zeigte sich noch der erste Unfall mit Sturz auf den Hinterkopf, doch war auch diesem nichts Spezielles eigen, die Beschwerdeführer
in
stürzte einfach rückwärts.
Beim ersten Unfall
erlitt die Beschwerdeführerin eine
Commotio cerebri ohne wei
tergehende nachweisbare somatische Pathologien im Kopfbereich. Dabei handelt es sich nicht um eine schwere Verletzung oder eine
solche besonderer Art
im Sinne der Rechtsprechung. Auch die Sehnenverletzung in der Hüfte fällt nicht in diese Kategorie. Beim zweiten Unfall zog sich die Beschwerdeführerin eine Prell
marke am Kopf zu und es wurde gar nur der Verdacht auf eine Commotio cerebri gestellt. Beim dritten Unfall erlitt die Beschwerdeführerin schliesslich eine Prel
lung des Ellenbogens mit
leichte
m
Sulcus
-
Ulnaris
-Syndrom
. Auch dies stellt keine schwere Verletzung dar.
Besondere Umstände sind nicht ersichtlich. Sodann
liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die relativ geringe
n
Gesundheitsschädigun
g
en
geeignet wäre
n
, psychische Fehlentwicklungen auszulösen
In den Akten finden sich keine Hinweise für eine ärztliche Fehlbehandlung, einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen
.
Die somatischen Verletzungen heilten
– mit Ausnahme der Hüfte, welche nicht saniert wurde, aber auch keine Arbeitsunfähigkeit verursacht -
zeitgerecht ab.
Die Beschwerdeführe
rin war
trotzdem
lange und an verschiedenen Orten in Behandlung, dabei ging es jedoch im Wesentlichen um die
Kopfschmerz- und
Schwindelproblematik
so
wie die neuropsychologischen Auffälligkeiten. Die
se
werden indes
rechtspre
chungsgemäss
nicht in die Prüfung mit einbezogen
(
BGE 134 V 109
E. 2.1).
Anzeichen von körperlichen Dauerschmerzen sind vorliegend nicht ersichtlich.
Die somatisch begründbaren Beschwerden in Hüfte und Ellenbogen klangen zeit
gerecht ab und die Kopfschmerzen werden – da nicht organisch nachweisbar – nicht in die Prüfung mit einbezogen.
Der
Beschwerdeführerin wurde
schliesslich
seit dem ersten Unfall durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit attestiert, doch basierte diese auf ihren subjektiven An
gaben respektive auf der geklagten Schwindelsymptomatik,
welche nicht objek
tivierbar ist
.
Das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist deshalb ebenfalls nicht gegeben.
5.5
Nach dem Gesagten ist keines der erforderlichen Kriterien erfüllt, womit der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen den organisch nicht hinreichend nach
weisbaren Beschwerden und de
n drei
Unf
ä
ll
en
zu verneinen ist.
Demgemäss
kann
offen bleiben
, ob die natürliche Kausalität gegeben ist. Der Beschwerdeführerin stehen nach dem 2
8.
Februar 2015 keine Leistungen der Beschwerdegegnerin mehr zu, erreichen doch auch die organisch bedingten Einschränkungen
unbe
strittenermassen
kein leistungsbegründendes Niveau. Der angefochtene
Ein
spracheentscheid
erweist sich
demgemäss
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.