Decision ID: ef730fb1-2a25-4de5-80c4-a3cbbbc43863
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979, war seit Januar 2014 bei der
Y._
AG als Anlagenbauer angestellt, als er sich am 1
9.
Februar 2014 am rechten Handgelenk verletzte (
Urk.
9/12/82). Am
3.
November 2014 meldete er sich aufgrund dieses Unfalls bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/7). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Unfallversicherung Suva bei.
Diese stellte ihre Leistungen mit Verfügung vom
3.
Oktober 2014 per
1.
Oktober 2014 ein (
Urk.
9/13/
9-
10).
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
9/111) bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab
1.
Mai 2015 eine ganze Rente sowie Kinderrenten zu.
Nach Abschluss einer
im November 2017 eingeleitete
n
Revision (
Urk.
9/123)
hob die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/170;
Urk.
9/171,
Urk.
9/179;
Urk.
9/183) die bisher ausgerichtete ganze Rente mit Ver
fügung vom 1
5.
Mai 2020 auf (
Urk.
9/197 =
Urk.
2).
2.
Am 1
8.
Juni 2020 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
Mai 2020 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung und die Weiteraus
richtung der invalidenversicherungsrechtlichen Leistungen (
Urk.
1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
September 2020 (
Urk.
8) beantragte die Beschwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1
2.
November 2020 (
Urk.
15) wurden antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsvertretung bewilligt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Der Beschwerdeführer
hielt mit Replik vom
9.
Februar 2021 (
Urk.
24) an seinen Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
28), was dem Beschwerdeführer am
4.
Mai 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
29).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten
Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtspre
chung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4
)
.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Die Abklärungen hätten ergeben, dass keine psychiatrische Erkrankung vorliege, die die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränke (S. 1). Aus somatischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der
Renten
zusprache
verbessert. Die Schmerzmitteleinnahme sei deutlich reduziert worden und die früher beschriebenen Hinweise auf ein
Complex
Regional Pain Syndrome (CRPS) lägen nicht mehr vor. Die angestammte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit mit einem näher umschriebenen Belastungsprofil bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
, womit sich ein Invaliditätsgrad von 20
%
ergebe (S. 2). Aus näher dargelegten Gründen lägen Hinweise auf einen verstärkten mechanischen Gebrauch vor, weshalb aus medizinischer Sicht eine funktionelle Verbesserung der rechten Unterarmhandregion ausgewiesen sei (S.
3).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
8) machte die Beschwerdegegnerin geltend, der Beschwerdeführer fahre Auto und Fahrrad und es sei wenig überzeugend, dass er dies einhändig tue, vielmehr sei von einem Gebrauch
der rechten Hand
als Hilfs
hand auszugehen. Weiter reiche er nun die rechte Hand zur Begrüssung (S.
2). Die Beschwerdegegnerin nannte sodann weitere Gründe für eine Verbesserung (S.
3). Zudem liege der Vorbehalt einer späteren revisionsweisen Neuverfügung vor
, und es sei deshalb nicht ausgeschlossen, zu einem späteren Zeitpunkt eine ein
gehendere Abklärung der Sache vorzunehmen und über den laufenden Leistungs
anspruch revisionsweise neu zu befinden. Weiter liege die Festlegung einer Arbeitsunfähigkeit von 20
%
im Rahmen der Rechtsprechung, die bei der Ermittlung des Invalideneinkommens mittels Tabellenlöhnen der Erschwernis bei faktischer
Einhändigkeit
Rechnung trage (S. 4).
Im Übrigen ergebe sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer seiner Ehefrau sehr viel im Haushalt helfe (
Urk.
16).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen (
Urk.
1), es liege kein Revisionsgrund vor und es werde unzulässigerweise bei unverändertem Gesund
heitszustand eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen (S.
2). Aus handchirurgischer Sicht sei die Situation unverändert (S. 7). Er nehme nach wie vor hohe Dosen an Schmerzmitteln ein (S. 8).
Weder Diagnose noch Befunde hätten sich geändert (S. 9), und die Beurteilung durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst
(
RAD
)
genüge nicht (S. 10). Er könne die rechte Hand auch nicht als Hilfs
hand einsetzen (S. 11).
Replizierend (
Urk.
24) hielt der Beschwerdeführer an seinen Ausführungen fest.
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Rentenaufhebung und damit die Frage, ob seit Erlass der rentenzusprechenden
Verfügung vom 1
0.
Februar 2017
(
Urk.
9/111)
eine anspruchsrelevante Verbesserung eingetreten und ein Revisionsgrund zu bejahen ist.
3.
3.1
Der Zusprache einer ganzen Rente ab Mai 2015 (
Urk.
9/111) lagen die folgenden medizinischen Akten zugrunde.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnosti
zierte mit Bericht vom 1
6.
Mai 2014 (
Urk.
9/12/56) eine Distorsion des rechten Handgelenks
bei degenerativen Veränderungen. Der Beschwerdeführer habe sich am 1
9.
Februar 2014 bei der Arbeit das rechte Handgelenk verdreht. Bildgebend sei keine ossäre Läsion festgestellt worden.
3.3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Handchirurgie, stellte mit Bericht vom 2
0.
Mai 2014 (
Urk.
9/12/54) folgende Diagnosen:
-
Distorsion Handgelenk rechts am 1
9.
Februar 2014
-
Degeneration des
trianguläre
n
fibrokartilaginäre
n
Komplex
es (
TFCC
)
, des
Lunatums
und des
Triquetrums
-
radiocarpales
Ganglion
-
Tendovaginitis des Extensor
carpi
ulnaris
und des Flexor pollicis longus
Es hätten sich schwere chronische Sehnenscheidenentzündungen gefunden, jedoch nicht mehr das im MRI festgestellte (vgl.
Urk.
9/12/52) palmare Hand
ge
lenksganglion. Es bestehe jedoch ein kleines dorsales Handgelenks
ganglion an typischer Stelle. Die Behandlung bestehe primär in einer langfristigen Arbeits
pause und lokalen Massnahmen. Von der Chirurgie sei keine Hilfe zu erwarten.
3.4
Mit Bericht vom 1
2.
September 2014 (
Urk.
9/12/11) führte
Dr.
Z._
bei unver
änderten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 3.
2
) aus, der Patient klage immer noch
über bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen im rechten Handgelenk. Verschiedene Arbeitsversuche seien wegen vermehrter Schmerzen misslungen. Der Patient könne bis heute und auch in Zukunft keine schweren Arbeiten mit der rechten Hand mehr ausführen. Er sollte für leichte körperliche Arbeit umge
schult werden, allenfalls sei sogar eine Versteifung des rechten Handgelenks not
wendig. Es sei mit einer bleibenden verminderten Belastbarkeit des rechten Hand
gelenks zu rechnen.
Mit einem weiteren Beric
ht vom
8.
Dezember 2014 (
Urk.
9
/13/6) hielt
Dr.
Z._
fest, der Beschwerdeführer habe trotz Antirheumatika und langem Tragen einer Handgelenksschiene seine Arbeit nicht mehr aufnehmen können. Es bleibe eine
verminderte Belastbarkeit des rechten Handgelenks, der Beschwerdeführer könne seinen angestammten Beruf für unbestimmte Zeit nicht mehr ausüben. Aufgrund der Diagnose und des Verlaufs sei eine rasche Umschulung auf eine Tätigkeit, die nicht schweres Heben und Tragen und keine repetitiven Bewegungen im rechten Handgelenk, vor allem gegen Widerstand, erfordere
, angezeigt
.
Am 2
7.
März 2015 (
Urk.
9
/23/5) führte
Dr.
Z._
aus, voraussichtlich sei später eine leichte Tätigkeit möglich, die weder schweres Heben noch Tragen noch viel Krafteinsatz mit der rechten Hand erfordere, wobei noch keine Zeiträume ange
geben werden könnten.
3.5
Die Ärzte des Kantonsspitals
B._
, Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie, stellten mit Be
richt vom
1.
April 2015 (
Urk.
9
/35) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Chondromalazie
II bis III°
Lunatum
,
Triquetum
, Fossa
lunata
, Dege
ne
ration des TFCC
mit multiplen Einrissen und Erosionen Handgelenk rechts
Handgelenk und Hand seien leicht geschwollen
. Die Fingerbeweglichkeit sei in Extension uneingeschränkt, in Flexion betrage der
Finkerkuppenhohlabstand
1 cm. Es bestehe eine
Druckdolenz
über dem gesamten Handgelenk. Der Patient nehme während des Gespräches eine extreme Schonhaltung der Hand ein (S. 1). Er beklage weiterhin starke Schmerzen trotz Therapie. Es bestehe bereits eine Schonhaltung mit resultierenden Beschwerden in der Schulter und im rechts
seitigen Nackenbereich. Eine Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben. Geplant sei eine
Handgelenksdener
vation
und empfohlen eine regelmässige ergotherapeuti
sche Beübung (S. 2).
Am
2
1.
Mai
2015 wurde eine vollständige
Denervation
des rechten Handgelenks durchgeführt (
Urk.
9/38).
3.6
Dr.
med.
C._
,
B._
, führte mit Bericht vom
8.
Juli 2015 (
Urk.
9/41) aus, dass insbesondere die intensive Hyperalgesie der Haut im Bereich des streck
seitigen Handgelenks, des Handrückens und der dorsalen Finger weder mit einer Gelenkpathologie noch mit postoperativen Zuständen nach der
Denervation
erklärbar seien. Die Physio- und Ergotherapie hätten zu einer weiteren Ver
besse
rung des Bewegungsausmasses im Bereich des Schultergürtels und des Ellbogens geführt, so dass auch hier eine gewisse Schmerz- und Beschwerde
reduktion fest
zustellen seien. Die rechte Hand werde nach wie vor nicht eingesetzt. Es würden jedoch Versuche unternommen
, vereinzelte Manipula
tionen mit der Hand durch
zuführen, wie beispielsweise das Halten einer Zigarette. Auch die psychosoziale Situation sei angesprochen worden. Hier zeigten sich auch erhebliche Belastungs
situationen durch die nunmehr lange Arbeitsun
fähigkeit. Die Schmerztherapie solle unbedingt fortgesetzt werden. Hier wäre die Einbindung eines Psychologen oder
Psychiaters sicher hilfreich, da der Verdacht naheliege, dass ein gewisses Mass der Beschwerden im Sinne einer Schmerzverarbeitungsstörung zu werten sei. Hinweise auf das Vorliegen eines CRPS fänden sich nicht. Derzeit sei an einen Arbeitseinsatz nicht zu denken. Aufgrund der Anamnese sei auch mittelfristig ohne erhebliche Veränderungen der Befunde kein Erreichen der Arbeitsfähigkeit abzusehen (S. 2).
3.7
Dr.
C._
nahm am 1
7.
September 2015 (
Urk.
9/60/4-5) erneut Stellung und hielt fest, dem Patienten sei erneut eindringlich die Notwendigkeit der Schmerzthera
pie sowie der psychologischen beziehungsweise psychiatrischen Mitbehandlung erklärt worden. Er wolle sich nun noch einmal um einen Termin bei der Schmerztherapie bemühen.
Es sei abzusehen, dass er in seinem angestammten Beruf nie wieder arbeiten werde. Auch die Ausübung einer anderen körperlichen Tätigkeit erscheine aussichtslos. Als letzte Möglichkeit sei eine stationäre Thera
pie durchzuführen. Sollten sich auch dann keine wesentlichen Fortschritte zeigen, so wäre von einem derzeitigen Endzustand auszugehen (S. 2).
3.8
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
hielt mit Bericht vom 1
4.
Dezember 2015 (
Urk.
9/64/8-10) über die gleichentags durchgeführte Untersuchung fest, es sei beim Entkleiden erkennbar, dass der Versicherte den rechten Arm weitestgehend funktionell ausschliesse. Beim Ankleiden sei der Armeinsatz rechts deutlich besser. Atrophien der Muskulatur am Ober- und Unterarm seien nicht erkennbar. Farbe und Behaarung der Arme seien symmetrisch und normal. In der Hohlhand finde sich weder rechts noch links eine nennenswerte
Beschwielung
. Es bestehe eine Schwellung des Handrückens und in geringerem Umfang auch der Lang
finger rechts, zum Teil bedingt durch die schnürende Bandage. Im Seitenvergleich sei keine nennenswerte Temperaturdifferenz tastbar (S. 2).
Bei der funktionellen Prüfung der Beweglichkeit zeige der Versicherte nur geringe Bewegungen in allen Langfingern.
Die Beweglichkeit des rechten Handgelenks passiv sei um die Hälfte eingeschränkt. Bei der Beweglichkeitsprüfung entstehe ein hörbares Knacken mit Schmerzangabe. Eine aktive
Bewegung werde kaum gezeigt. Bei der Prüfung der Beweglichkeit des Ellenbogens und der Schulterge
lenke spanne der Versicherte aktiv dagegen, schlussendlich lasse sich jedoch eine fast uneingeschränkte Beweglichkeit im Ellenbogengelenk und im rechten Schultergelenk objektivieren. Die linke obere Gliedmasse sei in allen Gelenken frei beweglich (S. 2 unten f.).
Aktuell sei die rechte Hand des Versicherten funktionell schwerwiegend beein
trächtigt. Ob es sich hierbei um einen
residuellen
Zustand eines CRPS handle, lasse sich nicht sicher beurteilen (S. 3).
3.9
Dr.
med.
E._
, Chefarzt an der Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie,
B._
, hielt am 1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
9/64/4) fest, er könne die Beschwerden des Patienten letztendlich nicht wirklich einordnen. Auch der Leidensdruck sei nicht klar einzuordnen. Daneben seien auch die Gebrauchs
spuren, die der Beschwerdeführer als
Kratzspuren abtue, irritierend. Eine stationä
re Rehabilitation hätte sowohl diagnostische als auch therapeutische Ansätze und sei aus seiner Sicht die einzige Möglichkeit, die Situation besser einschätzen zu können und vielleicht zu verbessern.
3.10
Mit Bericht vom 2
6.
Januar 2016 (
Urk.
9/70) stellte
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie, folgende Diagnosen (S. 1):
-
distal betonte Brachialgie rechts bei Arbeitsunfall mit forcierter
Suppina
tion
Vorderarm/Hand rechts am 1
9.
Februar 2014
-
leichtes rechtsbetontes K
arpaltunnelsyndrom beidseits
-
Spannungskopfschmerz mit muskulärer
cervicaler
Komponente
Es lasse sich bei nur wenig ergiebiger klinisch-neurologischer Untersuchung elektrodiagnostisch beidseits ein leichtes
Karpaltunneltunnelsydnrom
nachwei
sen. Es bestehe kein Hinweis für eine motorisch axonale Komponente und zusammen mit den übrigen klinischen Befunden entsprechend kein Hinweis für einen neurogenen Hintergrund der Handschwäche rechts. Es sei davon auszuge
hen, dass das Schmerzsyndrom nur zu einem (wahrscheinlich eher kleineren Teil) durch diese periphere fokale Neuropathie bedingt sei. Das leichte sens
Sulcus
Ulnaris
Syndrom rechts scheine nicht symptomatisch zu sein. Hinweise für andere für das Schmerzsyndrom wesentliche periphere Neuropathien bestünden klinisch nicht, ebenso nicht für ein zentral-neurologisches Problem. Dazu sei aber zu bemerken, dass die lange Einnahme von kurzwirksamen Schmerzmitteln wahr
scheinlich zu einem Analgetika-induzierten Schmerzanteil geführt habe.
Hin
weise für ein
CRPS bestünden klinisch nicht (S. 3).
3.11
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie,
RAD, berichtete am 1
2.
Ok
tober 2016 über die Untersuchung vom 1
1.
Oktober 2016 (
Urk.
9/80) und stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
Schulter-Arm-Syndrom rechts mit und bei
-
Fehlhaltung der rechten Hand
-
anhaltende Handgelenksschmerzen rechts mit und bei
-
ausgeprägten degenerativen Veränderungen im Bereich des rechten Handgelenks mit
Chondromalazie
II. bis III
.
Grades im Bereich des
Lunatums
,
Triquetrum
und der Fossa
lunatia
-
Degeneration des TFCC mit multiplen Einrissen und Erosionen
-
Status nach vollständiger
Denervation
rechtes Handgelenk am 2
1.
Mai 2015
-
Status nach Handgelenksarthroskopie
-
fehlende Greiffunktion der rechten Hand bei Rechtshändigkeit
-
Sensibilitätsverlust der rechten Hand
Ein zudem bestehendes leichtes rechts betontes Karpaltunnelsyndrom habe keine Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8).
Der Beschwerdeführer berichte, dass er mit der Hand nichts machen könne. Selbst das Fleisch müsse ihm seine Ehefrau kleinschneiden (S. 2 unten).
Zum Befund hielt
Dr.
G._
fest, es finde sich um das rechte Handgelenk eine Orthese mit freigelassenem Daumen und Finger. Die Bewegung des rechten Handgelenks sei dadurch vollständig eingeschränkt. Die Bandage werde aus
schliesslich mit der linken Hand abgenommen und wieder angelegt. Die rechte Hand entspreche in etwa dem Bild einer Schwurhand mit leichter Abspreizung des Daumens und leichter Beugestellung der Finger DII bis DIII. Auch die Finger DIV und DV fänden sich in leichter Beugestellung. Eine weitere aktive Streckung wie auch Beugung der Finger und des Daumens sei nicht möglich. Finger und Daumen könnten
nicht bewegt werden. Es seien nur minimale Wackel
bewe
gungen möglich. Die Hand werde in einem rechten Winkel an den Körper ange
legt. Die Hand werde aufgrund fehlender Beweglichkeit mit rechts nicht gegeben, obwohl der Beschwerdeführer Rechtshänder sei. Das Auskleiden erfolge unter ausschliesslicher Benutzung der linken Hand, die rechte Hand werde nicht benutzt, auch nicht für einfache Hilfestellungen. Die Hautverhältnisse seien unauffällig, es fänden sich keine Kratz- oder Gebrauchsspuren. Die rechte Hand sei nicht überwärmt und schwitze nicht (S. 3).
Es bestehe ein massiver Druck- und Bewegungsschmerz. Hinweise auf einen Morbus Sudeck fänden sich nicht. Im Bereich der gesamten rechten Hand bis zum proximalen Unterarm bestehe keine Sensibilität, aber trotzdem eine anhaltende Schmerzproblematik. Die Reflexe seien auslösbar. Die Hand werde auch beim Schreiben nicht benutzt, es erfolge kein Greifen. Der Spitzgriff oder Schlüsselgriff sei nicht möglich. Eine
Beschwielung
der Hand sei nicht feststellbar, allerdings bestehe kein Unterschied in der Umfangmessung im Vergleich zur linken Hand und zum linken Oberarm. Die grobe Kraft sei nicht prüfbar und der Faustschluss wie auch Griffvariationen seien nicht möglich (S. 5).
Die Hände seien nicht
beschwielt
(S. 6).
In der bisherigen Tätigkeit als Schweisser und Apparatebauer sei der Beschwer
deführer seit dem 1
9.
Februar 2014 nicht mehr arbeitsfähig. Aus versicherungs
medizinischer Sicht bestehe bei Schädigung der Halswirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und
Transportieren von Lasten, für Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, mit Schlag- und Vibrationsbelastungen des Schultergürtels, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Mittel
schwere und schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere solche mit über
wiegender Belastung des rechten Handgelenks und mit erhöhten Anforderungen an die Kraft der rechten Hand sowie mit Kälte
/Nässe- Exposition
,
sollten ver
mieden werden. Körperlich leichte angepasste Tätigkeiten mit Wechselbelastung ohne erhöhte Anforderungen an die Kraft und Haltefunktion der rechten Hand, daher auch ohne Besteigen von Leitern oder Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten und ohne Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen am rechten Handgelenk, ohne repetitive Beanspruchung der rechten Hand und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmotorische Geschick der rechten Hand aufgrund der Funktionslosigkeit wie auch der ausgeprägten Schmerzhaftigkeit
seien
seit dem 1
9.
Februar 2014 bei Rechtshändigkeit nicht zumutbar. Die rechte Hand sei auch als unterstützende Hand nicht zu gebrauchen. Autofahren sei nur mit Automatik-Getriebe möglich. Allerdings sollte eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik noch erreicht werden, gegebenenfalls durch stationäre Rehabilitationsmass
nahmen, Schmerz
ambulanz,
Stellatum
-Blockaden und Psychotherapie. Nach Durch
führung dieser Massnahmen sei eine erneute medizinische Stellungnahme zu empfehlen (S. 9).
Dr.
G._
hielt am 3
1.
Oktober 201
6
(
Urk.
9/84) fest, es bestehe auch in angepassten Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit. Die rechte Hand sei nahezu funktionslos, zudem bestehe eine erhebliche Schmerzsymptomatik.
3.12
Gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.11) sprach die
Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
1
0.
Februar 2017 (
Urk.
9/111) bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab
1.
Mai 2015 eine ganze Rente zu
(vgl.
Urk.
9/86/8-9)
.
4.
4.1
Die Ärzte der Klinik für Neurologie am
B._
hielten mit Bericht vom 2
2.
Septem
ber 2017 (
Urk.
9/145/9-10) fest, es handle sich klinisch-anamnestisch am ehesten um eine fixierte Dystonie der rechten Hand, die im Rahmen eines sekundären CRPS aufgetreten sei. Ob es sich um eine «psychogene» Dystonie/über
lagerte Symptomatik oder eine «somatische» Dystonie handle, sei nur schwer zu unter
scheiden und könne auch mittels Elektromyografie nicht bewiesen werden. Da unter Narkose keine Kontrakturen festgestellt worden seien, sei es insgesamt eher unwahrscheinlich, dass die dystone Haltung tatsächlich permanent vorliege. Es zeigten sich keine Hinweise auf innervationsbezogene Paresen, Sensibilitäts
störungen oder eine Spastik. Es werde eine Behandlung mit Botox vorgenommen (S. 2).
4.2
Mit einem weiteren Bericht vom 1
4.
November 2017 (
Urk.
9/145/14-15) hielten die Ärzte des
B._
fest, die Beweglichkeit der Finger der rechten Hand habe sich zwar unter
Botolinumtoxin
etwas verbessert, die Brauchbarkeit der Hand im Alltag allerdings nicht. Auch bezüglich der Schmerzen habe sich keine Besserung eingestellt. Diese schienen die wesentliche Ursache für die hochgradige Funk
tionseinschränkung der rechten Hand darzustellen. Ob initial die Diagnose
kriterien eines CRPS erfüllt gewesen seien, könne aus den Unterlagen nicht schlüssig entnommen werden. Aktuell fänden sich keine atrophen Verände
rungen der rechten Hand, auch seien radiologisch keine fleckigen Entkalkungen
der knöchernen Strukturen beschrieben. Es seien weitere Abklärungen vorgesehen (S. 2).
4.3
Die Ärzte des
B._
stellten mit Bericht vom 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
9/145/12-13) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf CRPS I rechter Arm
-
Klinik (
7.
Februar 2018): Schmerzbedingte Minderinnervation der rechten Hand, Angabe einer Hypästhesie des gesamten rechten Unter
armes und aller Finger
-
Elektroneuromyographie (ENMG;
7.
Februar 2018): normale moto
rische und sensible Neurographie
N.
medianus und
N.
ulnaris
beidseits inklusive F-Wellen, auf EMG verzichtet
-
ausgeprägte Schonhaltung rechtes Handgelenk bei ausgeprägten Handge
lenksschmerzen rechts mit und bei
-
ausgeprägten degenerativen Veränderungen im Bereich des rechten Handgelenks mit
Chondromalazie
Grad II-III im Bereich des
Lunatum
,
Triquetrum
und der Fossa
lunata
-
Degeneration des TFCC mit multiplen Einrissen und Erosionen
-
Status nach vollständiger
Denervation
Handgelenk rechts
-
MR Handgelenk rechts vom 1
1.
Februar 2016: kein Knochen
marks
ödem, interossäres Ganglion im Os
scaphoideum
,
Regredienz
Mehrskle
rosierungen
proximaler Abschnitt Os
triquetrum
; vorbestehende feine Signaltonalteration Os
lunatum
, Gelenksganglion dorsal zwischen
Scaphoid
und Radius unverändert
Der neurologische Status habe weiterhin eine sehr kräftige kleine Hand
musku
latur und keine Atrophien ergeben. Die Budapest-Kriterien für ein CRPS seien gemäss Unterlagen im Februar 2017 erfüllt gewesen. Gemäss der aktuellen Elektroneuromyographie handle es sich dabei um ein CRPS vom Typ I. Eine neu
rologische/periphere Nervenläsion lasse sich in der aktuellen Neurographie nicht feststellen; die Schmerzsymptomatik bedinge die mangelnde Innovation an der rechten Hand bei Kraftprüfung (S. 2).
Am 2
4.
April 2018 (
Urk.
9/145/7-8) hielten die Ärzte des
B._
fest, die Botox-Behandlung erscheine als einzige Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer aus der fixierten Haltung der rechten Hand herauskomme.
Auffällig sei eine fehlende Atrophie der Handmuskulatur trotz chronischer Minderbewegung seit 4 Jahren. Der Beschwerdeführer gebe an, dass er auch zu Hause mit der Hand nichts machen könne (S. 2).
4.4
Am 2
4.
Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
G._
und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tolo
gie, Schwerpunkt Handchirurgie, RAD, untersucht.
In ihrem Bericht vom 2
6.
Februar 2019 (
Urk.
9/150) stellten die Ärzte folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10):
-
anhaltende komplette Funktionseinschränkung der rechten Hand mit anhaltender Schmerzsymptomatik mit und bei
-
vollständiger Funktionslosigkeit der rechten Hand unklarer Genese bei Rechtshändigkeit
-
Status nach vollständiger
Denervation
des rechten Handgelenks am 2
1.
Mai 2015
-
Status nach Handgelenksarthroskopie rechts am
2.
Februar 2015
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Verdacht auf beginnende Innenmeniskusläsion rechtes Kniegelenk
-
Überlastungsreaktion der Halswirbelsäule bei anhaltender Fehlhaltung der rechten Hand/oberen Extremität
-
ohne neurologische Beteiligung der Halswirbelsäule (HWS)
In den Arztberichten aus dem Jahr 2017 werde die Diagnose eines CRPS gestellt. Es werde ein unauffälliges Hautkolorit beschrieben. Es liege eine Schwellung der gesamten rechten Hand vor sowie eine Hyperalgesie
ulnarseitig
distaler Unterarm.
Es sei ein leicht vermehrtes Schwitzen an der Handinnenfläche sowie eine fixierte Stellung im rechten Handgelenk gegeben (Bericht
B._
vom 2
0.
September 2017). Die bildgebende Untersuchung des rechten Handgelenks vom 1
1.
Februar 2016 zeige kein Knochenmarksödem, was auch gegen das Vorliegen eines CRPS spreche. Damit seien die Budapester Kriterien für CRPS nicht eindeutig erfüllt (S.
11).
Bei der aktuellen Untersuchung biete sich ein ähnlicher Befund wie im Oktober 2016 sowie in den Berichten von 201
7.
Es würden jedoch etliche Diskrepanzen auffallen, die medizinisch nicht zu erklären seien. So werde vom Beschwerde
führer ein starker Schmerz in der rechten Hand angegeben, die Schmerztherapie sei jedoch marginal. Es bestünden keine
Dystrophiezeichen
. So seien die Finger der rechten Hand kaum geschwollen und es lägen keine Veränderungen des Nagelwachstums und des Papillarmusters vor. Der Beschwerdeführer gebe starke Schmerzen in der rechten Hand sowie im rechten Unterarm an, bei der passiven Überprüfung der Sehnenaktion am rechten Arm durch kräftigen Druck auf die Unterarmmuskulatur werde jedoch kein Schmerz angegeben. Die rechte Hand werde seit knapp 5 Jahren nicht eingesetzt. Trotzdem seien die Umfangmasse des rechten Oberarms und des rechten Unterarmes stärker
ausgeprägt als die auf der linken Seite. Die Messung der Temperatur beider Hände ergebe keine Differenzen. Diese Befunde erfüllten die Budapester Kriterien nicht und sprächen gegen das Vorliegen eines CRPS. Bei der Untersuchung werde eine komplette Funktions
losigkeit der rechten Hand vorgeführt. Eine medizinische Erklärung für diesen Befund habe nicht gefunden werden können. Ob eine psychiatrische Erkrankung einer Rolle spiele, müsse noch geklärt werden (S. 11).
In der angestammten Tätigkeit bestehe seit 1
9.
Februar 2014 keine Arbeits
fähig
keit. Es bestünden Einschränkungen für mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere solche mit überwiegender Belastung des rechten Hand
gelenks und mit erhöhten Anforderungen an die Kraft der rechten Hand, die Funktion und Fein- sowie Grobmotorik der Finger rechts sowie mit Kälte- und Nässeexposition (S. 11).
Aus versicherungsmedizinischer Sicht müsse der Beschwerdeführer als
Einhänder
links betrachtet werden. Zumutbar seien körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechselbelastung ohne den Einsatz der rechten Hand, auch ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten sowie ohne Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen am rechten Handgelenk, ohne repetitive Bean
spruchung der rechten Hand und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmoto
rische Geschick der rechten Hand. Aufgrund der Funktionslosigkeit wie auch der ausgeprägten Schmerzhaftigkeit seien solche Tätigkeiten seit dem 2
4.
Januar 2019
zu 80
%
zumutbar. Die Arbeitsunfähigkeit von 20
%
sei den funktionellen Einschränkungen bei
Einhändigkeit
geschuldet (S. 12).
Im Vergleich mit der RAD-Untersuchung vom 1
1.
Oktober 2016 sei die Schmerz
mitteleinnahme deutlich reduziert worden. Damals habe der Beschwerde
führer angegeben, Panadol, Voltaren und
Novalgin
einzunehmen. Aktuell werde nur die Einnahme von Ibuprofen angegeben. Dies spreche für die Reduzierung des Leidensdrucks, auch wenn der Beschwerdeführer erhebliche Schmerzen angebe. Es bestehe aktuell der Eindruck einer wenn überhaupt nur geringen Schmerz
haftigkeit der rechten Hand. Auch die in den Berichten aus dem Jahr 2017 beschriebenen Hinweise auf ein CRPS lägen jetzt nicht mehr vor; die Tempe
ratur beider Hände sei seitengleich. Der Gesundheitszustand habe sich verbessert (S.
12).
Der Beschwerdeführer fahre mit einem
Auto mit Automatikgetriebe
etwa 10'000 km
im Jahr, zuletzt in den Kosovo. Er fahre auch Velo
(S. 3).
4.5
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
9.
August 2019 sein nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der
Anmanese
und Durchführung einer eigenen Untersuchung verfasstes Gut
achten (
Urk.
9/167) und diagnostizierte einen Verdacht einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4; S. 38).
Während der Befragung sei keine Schonhaltung des rechten Arms ersichtlich gewesen. Der Beschwerdeführer habe seinen rechten Unter- und Oberarm unein
geschränkt bewegt (S. 18 unten). Er habe den rechten Arm während seiner Erzählungen rasch bewegt und sich mit der linken Hand wiederholt den rechten Unterarm und die rechten Finger gekratzt (S. 19 unten
; S. 27 unten
). Er berichte, ein automatikgeschaltetes Auto zu benutzen, welches er einhändig lenken könne. Dieses benutze er für Reisen, um die Eltern oder seine Schwester zu besuchen oder für den Einkauf (S. 25). Er habe das Abnehmen der Schiene demonstriert,
wobei keinerlei Schmerzreaktionen zu beobachten gewesen seien. Er habe seinen rechten Arm auf die Sofastütze gelegt, wobei die Finger nicht bewegungslos gewesen seien, sondern leichte Spontanbewegungen gezeigt hätten (S. 26).
Dr.
I._
hielt fest, es bestehe eine Diskrepanz zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und dem Verhalten in der Untersuchungssituation.
De
r
Beschwerdeführer
beschreibe seinen Alltag im Sinne einer weitgehenden Invalidi
sierung durch Funktionsverlust der dominanten rechten Hand und durch subjek
tiv geäusserte Beschwerden. Während der Untersuchungssituation habe er kein konsistentes Schonverhalten der rechten Hand und des rechten Arms gezeigt und habe sich gegenüber den geäusserten Schmerzen auffällig indifferent gezeigt. Es
bestehe ein Missverhältnis zwischen der subjektiv geschilderten Beschwerde
intensität und der Vagheit der Symptombeschreibung. Der Beschwerdeführer habe seine Beschwerden mit Betonung vorgetragen (Schmerz, vollständiger Funktionsverlust der rechten Hand), sei aber gleichzeitig vage geblieben bei der Beschreibung wichtiger Alltagsfunktionen (einhändiges Lenken des Automaten, einhändige Körperpflege, einhändiges An- und Auskleiden). Zudem sei nach mehrjähriger, ausschliesslich linkshändiger Tätigkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
beispielsweise gelernt haben sollte, mit der linken Hand ein Formular auszufüllen; eine Fähigkeit, welche er aktuell verneint habe. Ein
konsistentes Bild der verbleibenden Funktionsfähigkeit im Alltag sei demnach nicht zu erheben (S. 28).
Die Schilderung des Krankheitsverlaufs sei unpräzise gewesen und habe insbe
sondere keinerlei Differenzierung in der Beschreibung der Befindlichkeit und der Beschwerden beinhaltet, welche stets maximal beschrieben worden seien. Der Beschwerdeführer habe dabei entweder auf seit Jahren gleichbleibende Beschwer
den (Schmerz und Funktionsverlust) der rechten Hand hingewiesen, ohne zu erwartende natürliche Fluktuationen der Beschwerdewahrnehmung zu erwähnen und auch ohne Hinweise anzunehmender Effekte einer während Jahren stetig eskalierender Schmerzbehandlung. Die Frage nach dem Vorliegen eines CRPS scheine nach wie vor unklar zu sein. Zwar sei diese nicht dem Fachbereich Psychiatrie zuzuordnen, dennoch sei sie von Bedeutung, weil die psychiatrische Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung durch ein bestätigtes CRPS einen Ausschluss erfahre. Stünden neuropathische Schmerzen im Vordergrund, so sei demnach eine solche Störung unwahrscheinlich.
Könne andererseits eine neuro
pathische Schmerzgenese ausgeschlossen werden und stellten sich die geäusser
ten Schmerzen nachvollziehbar dar, so werde die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung wahrscheinlich. Ungeachtet der diagnostischen Einordnung sei bei persistierenden Schmerzen von einem erheblichen Leidensdruck und konse
kutiv von einer Inanspruchnahme von Gesundheits
diensten auszugehen. Wäh
rend der Untersuchung sei beim Beschwerdeführer kein Leidensdruck ersichtlich gewesen. Eine Inanspruchnahme unterschiedlicher Gesundheitsdienste scheine im frühen Behandlungsverlauf zwar stattgefunden zu haben, stelle sich aber heute nur noch unbedeutend dar. So sei gegenwärtig beispielsweise weder eine konse
quente hausärztliche noch eine konsequente psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung zu dokumentieren (S. 29).
Über das psychosoziale Funktionsniveau im Alltag liessen sich keine ver
lässli
chen Angaben machen. Der Beschwerdeführer schildere seine Tages
routine vor
wiegend
durch den familiär festgelegten Aktivitätsrhyt
h
mus, ohne dabei
aber konkrete funktionelle Auswirkungen seiner de facto
Einhändigkeit
vorzutragen (S. 29 unten).
Der Beschwerdeführer habe zur Begrüssung die rechte Hand ohne den üblichen Händedruck gereicht (S. 31).
In der Gesamtbeurteilung der Aktivität und Teilhabe lasse sich aus psychiatrischer Sicht keine relevante zeitlich überdauernde Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit begründen, da ausser einer selbst deklarierten Funktionslosigkeit und Schmerz
haftigkeit der rechten dominanten Hand keine psychiatrischen Beeinträchti
gungen erkennbar seien. Selbst unter Annahme einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung lasse sich bei Abwesenheit eines CRPS ein vollständiger oder für eine Leistungserbringung in der angestammten Tätigkeit ausreichender Rückgang der aktuellen Beschwerden im Zuge einer aktivierungsbasierten, störungsspezifi
schen Behandlung erwarten (S. 38).
Nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess seien keine konsequenten Wiedereingliederungsbemühungen dokumentiert, was nicht nachvollziehbar sei. Beispielsweise würden durch den Beschwerdeführer keinerlei Bemühungen unternommen, in anderen Tätigkeiten aktiv zu werden. Auch finde kein zu erwartendes Training der linken Hand zwecks Funktionsübernahme dominanter Funktionen statt. Die Beschwerdevalidierung zeige ein Bild mit Inkonsistenzen. Die aktuelle gesundheitliche und soziale Situation werde vom Beschwerdeführer einzig durch die Schmerzen und die Funktionslosigkeit der rechten Hand als ein
schränkend beschrieben. Es liege eine subjektive Beschwerdeausweitung (Schulter- und Kopfschmerzen) mit partieller Schonung vor. Auffallend und weg
leitend stelle sich zudem der Umstand dar, dass der Beschwerdeführer den Effekt sämtlicher therapeutischer medikamentöser und nicht-medikamentöser Interven
tionen während Jahren ohne Differenzierung als gleichermassen wirkungslos beschrieben habe (S. 41).
Es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits
fähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit (S.
47).
4.6
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Chirurgie und Handchirurgie, hielt mit Bericht vom 2
7.
November 2019 (
Urk.
9/182) fest, für den Beschwerdeführer seien subjektiv die Beschwerden seit Jahren unverändert, und so offensichtlich auch die Klinik. Es finde sich in den Akten kein Hinweis darauf, dass sich diese in irgendeiner Form geändert oder gar gebessert hätte. Dass der Beschwerdeführer aktuell keine Analgetika einnehme, steh
e
in keinem Zusammenhang zur Klinik, er sei aber nicht austherapiert. Eine trophische Störung sei nicht ausgeschlossen. Neben dem anhaltenden Schmerz, der durch den ursprünglichen Mechanismus nicht erklärbar sei, zeige der Beschwerdeführer eine Hyperalgesie, eine diffuse Schwellung der
gesamten Hand und eine reduzierte Beweglichkeit, weshalb der Verneinung eines CRPS nicht zuzustimmen sei.
Es sollten dieselben Kriterien bezüglich der Berentung gelten wie 2016, ungeachtet der erschwerten Objekti
vierbarkeit der Beschwerden (S. 2).
4.7
Dazu hielt
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, RAD, am 1
5.
April 2020 (
Urk.
9/194/5) fest,
Dr.
J._
berichte, dass an der rechten Hand offenbar keine Bewegung stattgefunden habe, jedoch passiv teilweise eine volle Fingerbewegung durch die Untersucherin möglich gewesen sei. Weiterhin sei das rechte Handgelenk schmerzbedingt als nicht untersuchbar geschildert, jedoch gleichermassen eine rechts ausgeprägtere Vorderarmmuskulatur beschrieben worden. Dies erscheine aus biomechanischen Überlegungen als sehr widersprüchlich. Denn bei vorgetragener langer Schmerzschonung der Hand sollte eher eine
Verschmächtigung
der rechten Unterarmmuskulatur zu erwarten sein.
Habe
die Umfangsdifferenz am rechten Unterarm 2016 noch minus 0.5 cm
,
betragen, sei
2019 an gleicher Messstelle ein Umfangsplus rechts von 1 cm fest
gestellt worden. Eine derartige Volumenzunahme der Unterarmmuskeln sei nur über einen stärkeren Gebrauch zu erklären. Auch habe der Schmerzmittelkonsum im Vergleich zu 2016 abgenommen. Somit zeige sich eine funktionelle Verbesse
rung.
5.
5.1
Vor Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom
1
0.
Februar 2017 (
Urk.
9/111)
wurden vereinzelte Diskrepanzen beobachtet.
Dr.
C._
hielt fest
, dass insbesondere die intensive Hyper
algesie der Haut im Bereich des streckseitigen Handgelenks, des Handrückens und der dorsalen Finger weder mit einer Gelenk
pathologie noch mit postoperativen Zuständen nach der
Denervation
erklärbar seien (vgl. vorstehend E. 3.6). Kreisarzt
Dr.
D._
wies darauf hin, dass der Beschwerdeführer den rechten Arm beim Auskleiden weitgehend ausschliesse, jedoch beim Ankleiden deutlich besser einsetze.
Athrophien
der Muskulatur am Ober- und Unterarm seien nicht erkennbar
. Bei der Prüfung der Beweglichkeit des Ellbogens und der Schultergelenke spanne der Beschwerdeführer aktiv dage
gen, es habe sich aber schlussendlich eine fast uneingeschränkte Beweglichkeit im rechten Ellbogen- und Schultergelenk objektivieren lassen (vgl.
vorstehend E.
3.8).
Dr.
E._
stellte Gebrauchsspuren fest und konnte die Beschwerden und den Leidensdruck nicht wirklich einordnen (vgl. vorstehend E.
3.9).
Dr.
F._
konnte keine genügende neurologische Erklärung für die Einschränkungen finden (vgl. vorstehend E. 3.10).
RAD-Arzt
Dr.
G._
erachtete den Beschwerde
führer trotz dieser Feststellungen
aufgrund seiner eigenen Untersuchung als sowohl in angepassten als auch in der angestammten Tätigkeit als nicht mehr arbeitsfähig
(vgl. vorstehend E. 3.10)
. Letzteres ist nicht in Frage zu stellen. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten fällt jedoch auf, dass
Dr.
G._
einerseits ein Belastungsprofil angab, dessen Formulierung mindestens eine Teil-Arbeitsfähigkeit erwarten liesse - was die Beschwerde
gegnerin zur entsprechenden Nachfrage veranlasst haben dürfte (vgl.
Urk.
8/84) -, und dass er
andererseits
die Frage einer Arbeitsfähigkeit bei funktioneller
Ein
armigkeit
nicht thematisierte. Dies erscheint umso weniger nachvollziehbar, als der Beschwerdeführer abgesehen von der Beeinträchtigung der rechten Hand an keinen wesentlichen zusätzlichen Einschränkungen litt.
Eine offensichtliche Unrichtigkeit seiner Beurteilung lässt sich jedoch aufgrund der damals doch vor
handenen Beeinträchtigung wohl nicht bejahen.
5.2
Aus den im Rahmen des Revisionsverfahrens eingeholten Arztberichten erhellt jedoch, dass sich
die wie dargelegt
bereits früher vorhandenen Hinweise auf eine mögliche Verbesserung und Angewöhnung bestätigt haben. So hielten die Ärzte der Klinik für Neurologie am
B._
fest, es sei, da unter Narkose keine Kon
trakturen festgestellt worden seien, insgesamt eher unwahrscheinlich, dass die dystone Haltung tatsächlich permanent vorliege. Es zeigten sich
keine Hinweise auf innervationsbezogene Paresen, Sensibilitätsstörungen oder eine Spastik (vgl.
vorstehend E. 4.1). Atrophe Veränderungen der rechten Hand wurden nicht fest
gestellt (vgl. vorstehend E. 4.2),
die kleine Handmuskulatur wurde als sehr kräftig und ohne Atrophien beschrieben. Dass eine Atrophie trotz chronischer Minder
bewegung seit vier Jahren fehle, sei auffällig (vorstehend E. 4.3). Eine
Atrophie und damit
fehlende Reduktion der Muskelmasse lässt sich nur mit
einem
Gebrauch erklären.
5.3
Dies wurde von
Dr.
G._
und
Dr.
H._
(vgl. vorstehend E. 4.4) bestä
tigt. Zwar habe sich ein ähnlicher Befund wie früher gezeigt, aber es seien erheb
liche Diskrepanzen
vorhanden: K
eine
Dystrophiezeichen
, marginale Schmerzthe
rapie, Angabe starker Schmerzen, jedoch keine Schmerzangabe bei der passiven Überprüfung der Sehnenaktion am rechten Arm. Der Gebrauch der rechten Hand und des rechten Arms zeigte sich
nach Feststellung der Ärzte
deutlich an der rechts stärker ausgeprägten Umfangmasse. Dies lässt sich mit der demonstrierten Funktionslosigkeit nicht vereinbaren. Zudem ist es nicht vorstellbar, dass der Beschwerdeführer sein Auto einzig mit der linken Hand bedient und steuert und so Tausende Kilometer, beispielsweise in den Kosovo, fährt. Entgegen seiner Darstellung (vgl.
Urk.
24 S. 2
Ziff.
3) ist auch bei einem Automatikgetriebe
der Einsatz der rechten Hand
nicht nur
für
die Bedienung des Schalthebels - was
im Übrigen
ebenfalls einen kräftigen Griff und einen gewissen Kraftaufwand erfor
dert - und des Scheibenwischers erforderlich, sondern es muss gewährleistet sein, dass das Steuerrad beidhändig gehalten werden kann. Insbesondere bei Gefahrensituationen kann ein blosses Auflegen auf das Lenkrad nicht genügen. Bei einer tatsächlichen funktionellen
Einhändigkeit
wäre die Fahrfähigkeit an sich in Frage zu stellen beziehungsweise
abklären zu lassen. Ebenso ist nicht ersichtlich, wie der Beschwerdeführer einhändig mit dem Velo bremsen oder um eine Kurve fahren können sollte. Dass der Beschwerdeführer offensichtlich auch fähig ist, Haushaltarbeit zu verrichten (vgl.
Urk.
17), bestätigt den zu vermuten
den erheblichen Gebrauch der rechten Hand.
5.4
Schliesslich stellte auch
Dr.
I._
(vgl. vorstehend E. 4.5) erhebliche Diskre
panzen fest. Es sei keine Schonhaltung des rechten Arms ersichtlich gewesen und der Beschwerdeführer habe seinen rechten Arm rasch bewegt, die Finger seien nicht bewegungslos gewesen, sondern hätten nach Auflage des rechten Arms auf der Sofalehne leichte Spontanbewegungen gezeigt. Im Gegensatz dazu hielt der Beschwerdeführer seinen Arm anlässlich der Untersuchung durch
Dr.
G._
und
Dr.
H._
in einem rechten Winkel am Körper und hielt die Finger
unbe
weglich (vgl.
Urk.
9/150 S. 4
). Bei
Dr.
I._
zeigte der Beschwerdeführer kein konsequentes Schonverhalten und eine auffällige Indifferenz
gegenüber den geäusserten Schmerzen.
Dr.
I._
wies darauf hin, dass bei mehrjähriger aus
schliesslich linkshändiger Tätigkeit davon auszugehen wäre, dass der Beschwer
deführer gewisse Fähigkeiten «umgelernt» hätte, was jedoch nicht der Fall ist.
Auch dies lässt auf eine Funktionstüchtigkeit der rechten Hand schliessen.
5.5
Dass
Dr.
H._
und
Dr.
G._
von einer Verbesserung ausgingen und nun eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 80
%
als zumutbar erachteten, ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Ihre Beurteilung vermag keine Zweifel zu wecken. Ob ein CRPS ausgewiesen
ist oder nicht, ist unerheblich.
Eine revisionsbegründende Änderung kann nach der Rechtsprechung des Bun
desgerichts auch gegeben sein, wenn sich ein Leiden bei gleicher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat oder wenn es der versicherten Person gelungen ist, sich besser an das Leiden anzupassen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 und 6.3.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_339/2015 vom 25. August 2015 E. 3.1 und 9C_330/2014 vom 2
3.
Juli 2014 E. 5.2, je mit Hinweisen).
Dies ist vorliegend zu bejahen.
An diesem Ergebnis vermag die Beurteilung durch
Dr.
J._
(vgl. vors
tehend E.
4.6) nichts zu ändern:
Dr.
J._
stellte dabei nicht auf objektive Überlegungen, sondern auf die Darstellung des Beschwerdeführers ab. Dass sie der Ansicht war, es sollten
ungeachtet der erschwerten Objektivierbarkeit der Beschwerden dieselben Kriterien bezüglich der Berentung gelten wie 2016, lässt auf ein fehlendes Verständnis versicherungsre
chtlicher Kriterien schliessen, weshalb ihr Bericht den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.4) nicht genügt.
5.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass ein Revisionsgrund ausgewiesen ist.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
6.2
Die Beschwerdegegnerin ermittelte ausgehend von Tabellenlöhnen einen Invali
ditätsgrad von 20
%
(vgl.
Urk.
9/168;
Urk.
2).
Einen Leidensabzug gewährte sie nicht. Dies ist nicht zu beanstanden, denn es besteht nach dem Gesagten weder eine funktionelle
Einarmigkeit
noch eine vollständige Funktionslosigkeit der rechten Hand. Weitere Gründe für einen Abzug werden nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich.
6.3
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- a
nzusetzen und
ausgangsgemäss
dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen,
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
7.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der
Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Nachdem Rechtsanwalt
Dr.
Walter Keller
keine Honorarnote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen (vgl.
Urk.
15 Dispositiv-Ziffer 1
). In Berücksichtigung der vorstehend genannten Kriterien ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Dr.
Walter Keller
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise auf Fr. 2‘8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
7
.3
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.