Decision ID: 493102f7-bba8-47cc-978e-2e92530ff5a2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war zuletzt
von
Mai 2006
bis Februar 2013
als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst im
Z._
in einem Pensum von 80
%
tätig (
Urk.
7/9
,
Urk.
7/58
).
Unter Hi
nweis auf Gelenk
schmerzen sowie
psychische
Leiden meldete sie sich am
5.
Mai 2011 bei der
Invalidenversicherung zu
m
Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Die
Sozialversiche
rung
s
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerb
liche Situation (
Urk.
7/6,
Urk.
7/8-9,
Urk.
7/11,
Urk.
7/14) ab und zog
die im Auf
trag der Vorsorgeeinrichtung erstellten vertrauensärztlichen Gutachten (
Urk.
7/25,
Urk.
7/27) bei
.
Am
1
8.
Oktober 2011 (
Urk.
7/20) teilte
die IV-Stelle
der Ver
si
cher
ten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmass
nahmen möglich seien.
1.2
Mit Vorbescheid vom 1
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/35) stellte die IV-Stelle der Ver
sicherten die Verneinung des Anspruches auf eine Invalidenrente in Aussicht. Da
gegen erhob die Versicherte am
6.
Juni
(
Urk.
7/37),
5.
Juli (
Urk.
7/42) sowie
2
1.
August 2012 (
Urk.
7/49) Einwände und reichte neue Arztberichte zu den Akten (
Urk.
7/40-41,
Urk.
7/48). Die
IV-Stelle zog daraufhin
ein
neue
s
im Auf
trag
de
r Vorsorgeeinrichtung erstellte
s
vert
rauensärztliche
s
Gutachten (
Urk.
7/46) bei
und tätige weitere Abklärungen der erwerblichen und medizini
schen Situation (
Urk.
7/57-59).
Am
6.
Februar 2013 erliess die IV-Stelle sodann
einen weiteren Vor
bescheid
(
Urk.
7/63), wogegen die Versicherte wiederum Einwände erhob
(
Urk.
7/64,
Urk.
7/71-73). Die IV-Stelle veranlasste daraufhin ein psychia
trisches
Gutachten, welches am 2
5.
September 2013 erstattet wurde (
Urk.
7/81), holte weite
re Arztberichte (
Urk.
7/79,
Urk.
7/83) ein und forderte die Versicherte zur Stel
l
ungnahme auf (
Urk.
7/88)
. Nachdem die Versicherte ihre Stellungnahme (
Urk.
7/92-93) einreichte, hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
März 2014 (
Urk.
7/95 =
Urk.
2) an ihrem Vorbescheid vom
6.
Februar 2013 fest und ver
neinte einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 2
5.
April 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
März 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter seien medizinische und berufliche Abklärun
gen vorzunehmen (
Urk.
1 S. 2). Nachdem d
ie IV-Stelle mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Mai 2014 (
Urk.
6) die Abweisung d
er Beschwerde beantragte, wurde die Pensionskasse der Beschwerdeführerin, die BVK
Perso
nal
vorsorge
des Kantons Zürich (BVK), zum Prozess beigeladen. Die BVK nahm mit Schreiben vom
6.
August 2014 Stellung (
Urk.
9), was den Verfahrensbetei
ligten am
7.
August 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hin
weisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Er
kran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und
sozio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss
eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
han
den
sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren
, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sie
render psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad
seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen
verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E.
3.2
mit Hinwei
sen
).
1.4
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer De
pression und selbst mittelgradige depressive Episoden
regelmässig
nicht als von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depres
sio
n im Sinne eines verselbst
ändigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der be
troffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden
Schmerz
proble
ma
tik
zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinwei
sen
; vgl. auch U
rteil
9C_856/2013 vom 8.
Oktober 2014
E. 5.1.2
).
Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Stö
rung nicht schlechthin
auszuschliessen
, indes bedingt deren Annahme, dass es
sich nicht
bloss
um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um
ein selbst
ändiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves
Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie be
folgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (
Urteil des Bun
des
ge
richts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2 mit Hinweisen).
1.5
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch an
lässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nicht
erwerbstätig
einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen
Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungs
vergleich
,
gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch,
das heisst
ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
1.6
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die
Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der un
ent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Er
werbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter ande
rem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Per
son ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerb
lichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die In
validität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgaben
be
reich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die
Gesamtin
va
lidität
aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 90
%
einer Erwerbstätigkeit nach
ging
e
und 10
%
auf den Aufgabenbereich entfie
le
n
. Nach Ablauf der Wartezeit sei der
Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin nicht
mehr zumutbar. Aus ärztlicher Sicht sei ihr jedoch eine leichte,
wechsel
belas
tende
Tätigkeit, meist sitzend, ruhig und geordnet, ohne Lastenheben und ohne Kunde
nkontakt
seit Dezember 2010 zu 80
%
zumutbar. Im März 2012 habe sich
der Gesundheitszustand infolge eines Verkehrsunfalles vorübergehend ver
schlech
tert. Die ärztlichen Berichte und Gutachten würden nach
Mehrfach
ver
letzungen
von einem erfreulichen Rehabilitationsverlauf berichten. Die gut
ach
terlich ausgewiesene Anpassungsstörung sei von vorübergehender Natur und so
mit nicht IV-relevant. Eine allfällige Einschränkung im Haushalt sei nicht er
mittelt worden, da diese nicht rentenrelevant wäre (S. 2).
Da der
Invaliditäts
grad
unter 40
%
liege, bestehe kein Rentenanspruch (S. 3).
Gegenüber den vorgebrachten Einwänden
der Beschwerdeführerin
brachte sie vor,
dass die 50%ige Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich auf die
psychiatrische
Diagnose der
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sode mit somatischen Symptomen seit der Erkrankung des Sohnes, zurück
zu
führen sei. Aus rechtlicher Sicht bestünden überwiegend psychosoziale
Be
lastungsfaktoren
. Würden diese wegfallen, läge maximal eine leichte depressive
Episode vor. Ein IV-relevanter Gesundheitsschaden sei somit nicht ausgewiesen (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1)
, die Schlussfolgerungen der Beschwerdegegnerin seien aufgrund der Akten nicht nachvollziehbar.
Der Verkehrsunfall habe gemäss dem behandelnden Rheuma
to
logen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
genommen
. Auch die Psyche habe stark
unter dem Unfall gelitten. Die
se
lebensbedrohliche Situation könne durch
aus eine posttraumatische Belastungsstörung verursachen. Sie könne seither nicht mehr Autofahren, habe Flashbacks sowie Albträume, eine vermehrte Ängstlich
keit, einen Vermeidungscharakter sowie
Konzentrationsschwierigkei
ten
und
Kon
trollverlust
.
Der erfreuliche Rehabilitationsverlauf beziehe sich aus den formu
lierten Rehabilitationszielen, unter anderem das sichere und selbstän
dige Gehen an zwei Unterarmstöcken unter adäquater Einhaltung der
Teilbe
lastung
. Es gehe nicht an und widerspreche den Akten, daraus abzuleiten, dass es ihr wieder gut
gehe
und sich der Gesundheitszustand infolge des Verkehrs
unfalles nur vorüber
gehend verschlechtert habe
(S. 4 f.).
Weiter sei die Anpassungsstörung nicht nur vorübergehender Natur gewesen,
son
dern habe sich zu einer mittelgradigen depressiven Episode entwickelt. Es be
stünden keine einzelnen Phasen, so dass im Grunde genommen eine rezi
di
vie
rende depressive Störung nur zur Diskussion
habe
gestellt werden
können
(S.
5 f.).
Es sei nicht nachvollziehbar und aktenwidrig, wie die Beschwerdegegnerin zum
Schluss komme, dass sie zu 80
%
arbeitsfähig sei.
Der
Regionale Ärztliche Dienst
(
RAD
)
erachte das Gutachten von
Dr.
A._
als schlüssig und nachvoll
ziehbar, womit er einer zumindest 50%igen Arbeitsunfähigkeit zustimme (S. 6).
Schliesslich führte
die Beschwerdeführerin
aus, es handle sich nicht um eine
somatoforme
Schmerzstörung. Durch die chronischen Schmerzen, die im Zu
sam
menhang mit den Verletzungen und Operationen entstanden seien, habe sich die depressive Antriebs- und Stimmungslage verselbständigt. Es
bestünden auch
nicht nur psychosoziale und soziokulturelle Faktoren. Die jetzige Krankheit gehöre zum Krankheitsbild einer affektiven Störung und sei deswe
gen nicht mit Willens
anstrengung überwindbar (S. 6).
Es sei daher sowohl aus rheumato
lo
gischer wie auch psychischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 80
%
aus
zugehen, zumindest jedoch von 50
%
gemäss dem Gutachten von
Dr.
A._
(S. 7).
2.3
Die Beigeladene
teilte in ihrer Stellungnahme (
Urk.
9) mit, dass die Beschwerde
führerin seit
dem
1.
Oktober 2011 Anspruch auf eine Teilberufsinvalidenrente habe und verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (S. 2).
2.4
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, erstattete sein vertrauensärztliches Gutachten zuhanden der Beigeladenen am
7.
April 2011
(
Urk.
7/25/2-12) u
nd diagnostizierte eine mittelgradige
depressive Episode
(ICD-10 F32.1), ein chronisch
es
z
ervikospondylogenes
Syndrom, ein chronisches
lum
bospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderungen der Wirbel
säule sowie eine Gonarthrose beidseits linksbetont (S. 7). Voraussichtlich be
stehe für weitere 6 bis 8 Monate eine volle Arbeitsunfähigkeit, wobei nach die
ser Zeit eine Nachuntersuchung sinnvoll erscheine. Der weitere Verlauf sei noch un
ge
wiss. Zur Berufsfähigkeit könne noch nicht Stellung bezogen werden (
S.
9). Zur
zeit seien berufliche
Massnahmen
nicht
sinnvoll (S. 10).
3.2
Dr.
med.
C._
, praktische Ärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie, gab mit Bericht vom 2
7.
Juni 2011 (
Urk.
7/11) an, dass sie die Be
schwerdeführerin seit dem 1
7.
Dezember 2010 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und
nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
Ziff.
1.1):
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
m
etabolisches Syndrom (Hypertonie, Adipositas, Depression)
c
hronisches Lumbago
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führte
sie Störungen im Zusammenhang mit der Menopause
auf
(
S. 1
Ziff.
1.1).
Dr.
C._
gab an,
die Prognose
sei noch nicht absehbar
. Aktuell rechne sie aufgrund der depressiven Entwicklung und den Wechseljahren bei massiver emotionaler Belastung wegen der schweren Krankheit ihres Sohnes kaum mit einer raschen Besserung (S. 2
Ziff.
1.4). Die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft sei der Beschwerdeführerin
nicht mehr zumutbar (S. 2
Ziff.
1.6-7). Aus rein psychiatrischer Sicht sei hinge
ge
n eine behinderungsangepasste Tätigkeit ab sofort in einem Pensum von 30
%
in einem 70%igen Belastungsprofil möglich (S. 3
Ziff.
1.7).
3.
3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie,
gab
mit Bericht vom
5.
Juli 2011 (
Urk.
7/14)
an, dass er die Be
schwerdeführerin seit Januar 2006 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und führte fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1
Ziff.
1.1):
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei
Osteochrondrose
L1-L5 und
Spondylarthrose
L5-S1, DH L3/4 links, bestehend seit 2010
chronische Depression, bestehend seit 2010
chronische
Periarthropathia
humeroscapularis
(
PHS
)
vom SSP-Typ rechts,
bestehend seit 2011
chronisch
e
Epic
ondylopathia
humeri
lateralis
et
medialis
, rechts mehr als links
, bestehend
seit 2010
Gonarthrose beidseits, bestehend seit 2010
arterielle Hypertonie, bestehend seit 2011
Die Prognose sei ungünstig (S.
2
Ziff.
1.4). Es bestehe eine verminderte Be
lastbar
keit der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie der rechten Schulter, der
Vor
der
arme
und der Kniegelenke sowie psychische Einschränkungen. Aufgrund dieser Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin zur Hälfte arbeitsunfähig. Die bis
herige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar (S. 2
Ziff.
1.7).
3.4
Am 2
0.
Januar 2012 erstattete
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin und für Rheumatologie, sein vertrauensärztliches Gut
ach
ten zuhanden der Beigeladenen (
Urk.
7/27/2-18).
Dr.
E._
führte die nach
folgend gekürzt angeführten Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
hig
keit
auf (S.
16
):
panvertebrales Schmerzsyndrom
PHS
tendopathica
beidseits
Periarthropathia
genu
beidseits
Verdacht auf beginnendes Karpaltunnelsyndrom beidseits
klinisch mögliche
Tarsaltunnelsymptomatik
Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung bei Diagnosen 1 bis 5
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Adi
po
si
tas Klasse I, ein klinischer Verdacht auf beginnende periphere
Polyneu
ro
pathie
sowie
otitis
externa
beidse
its, links mehr als rechts (S. 16
).
Die Präsen
ta
tion der Symptomatik sowie zahlreiche Inkonsistenzen im Verlauf der Unter
su
chung
würden auf eine die somatischen Beschwerden überlagernde
Schmerz
ver
arbei
tungs
störung
hinweisen, die durch die ungünstigen
Kofaktoren
des psy
choso
zialen Umfeldes
überlagert würden (S. 14). Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungskraft bezogen auf einen 100%igen Einsatz noch in einem Pensum von 30 bis 40
%
zumutbar, sodass die Beschwerdeführerin zu 65
%
berufsunfähig sei. In einer angepassten körperlich leichten wirbelsäulenadaptierten Tätigkeit ohne Über
belastung der Kniegelenke oder der Schultergelenke sei ihr ein Pensum von 80
%
zumutbar, wobei sich die Minderung gegenüber einem vollen Pensum aus einem vermehr
ten Pausenbedarf begründen lasse. Die Realisierbarkeit dieser Einschätzung anhand der somatischen Befunde werde durch ungünstige
Kofaktoren
des psy
cho
sozialen Umfelds beeinflusst
. Die Führung des eigenen Haushaltes sei mit Möglichkeit der Unterstützung durch Ehemann und Schwie
gertöchter in belas
ten
den Arbeiten und freier Einteilbarkeit derselben aus rein rheumatologischer Sicht nicht nachhaltig limitiert
(S. 15 f.).
3.5
Die Ärzte des
F._
informierten mit B
erichten vom 2.,
4.
und 1
0.
April 2012 (
Urk.
7/83) über die erfolgten Operationen aufgrund eines Unfalles
in
G._
,
bei dem die Beschwerdeführerin als Fussgänge
rin von einem Auto erfasst
wor
den
sei,
und stellten als Diagnose
n
einen inkompletten Berstungsbruch
Lenden
wirbel
körper
(
LWK
)
1, eine Unterschenkelfraktur rechts sowie ein Schädel-Hirntrauma.
3.
6
Zur stationären Rehabilitation
nach besagtem Unfall
befand sich die Beschwer
deführerin vom 1
8.
April bis zum 1
5.
Mai 2012 in der
H._
,
I._
. Die Ärzte
führten im
Austrittsbericht vom 2
3.
Mai 2012 (
Urk.
7/40)
die nachfolgend gekürzt angeführten Diagnosen auf (S. 1):
Mehrfachverletzung bei Ve
rkehrsunfall vom 2
3.
März 2012
mit
i
nstabile
r
LWK
I Berstungsfraktur
m
ehrfragmentäre
r
proximale
r
Unterschenkelfraktur rechts
Schädel-Hirn-Trauma
Kontusion Ellenbogen rechts, Hand links
a
rterielle
r
Hypertonie
a
namnestisch Status nach depressiver Episode
Die Ärzte gaben an, dass ein erfreulicher Rehabilitationsverlauf bestanden habe, wobei sämtliche Ziele hätten erreicht werden können. Bei Austritt sei die Be
schwerdeführerin in den Aktivitäten des täglichen Lebens selbständig
gewesen
. Fremdanamnestisch
habe
sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin psychisch deutlich Mühe habe
,
das Unfalltrauma zu verarbeiten. Sie habe wiederkehrende Albträume bezüglich des Unfalles sowie eine vermehrte Sturzangst im Alltag beschrieben. Die Beschwerdeführerin sei psychologisch mitbetreut worden. Eine ausgedehnte Gesprächsführung sei
allerdings
aufgrund der schlechten
Deutsch
kenntnisse
nicht möglich gewesen. Die Ärzte empfahlen die weitere psycholo
gische Betreuung bei Verdacht
auf
eine
posttraumatische Belast
ungsstörung. Schliesslich führten sie aus, dass eine Arbeitsunfähigkeit bis
zum
3.
Juli 2012 bereits durch den Operateur ausgestellt worden sei
(S. 2).
3.7
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie, erstattete sein vertrauensärztliches psychiatrisches Gutachten zuhan
de
n der Beigeladenen am 3
0.
Juni 2012 (
Urk.
7/46) und
führte die folgen
den Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 23):
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21), seit 2
9.
September 2010
s
chlicht strukturierte Persönlichkeit mit selbstunsicheren und vermeiden
den Zügen, dysfunktionales
Coping
im Sinne einer
Schmerzverarbei
tungsstörung
bei psychosozialer Belastung (ICD-10 Z73.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er
einen nicht insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ II, eine arterielle Hypertonie sowie Spannungskopfschmerzen au
f
(S. 23).
Sodann verwies er sowohl bei den Diag
no
sen mit als auch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auch
auf die von
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.4) aufgeführten Befunde (S. 23).
Dr.
J._
führte aus, d
ie Beschwerdeführerin sei in der Zeit vor der jetzigen Krankheitsentwicklung (ab September 2010) recht gesund gewesen. Die Kriegsereignisse scheine sie weitgehend, wenn auch nicht völlig unversehrt,
überstanden zu haben. Es fänden sich keine „harten“ und intersubjektiv ver
wert
baren Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Das klinische Bild
sei zwar stark depressiv gefärbt, zwingende Hinweise auf eine genuine-de
pressi
ve
Episode hätten aber auch nicht gefunden werden können (S. 21).
Dr.
J._
führte weiter aus, dass es aufgrund der
schweren Schick
salsschläge
zu
Recht zu der von
Dr.
E._
vermuteten
Schmerzverarbei
tungs
störung
gekommen sei.
Dem Gutachten von
Dr.
E._
wie auch dem ge
mein
samen
Konsensusgespräch
sei zu entnehmen, dass bei der Beschwerde
führerin aber tatsächlich ein Gesundheitsschaden auf orthopädisch-rheumatolo
gischem
Fachgebiet bestehe, aus dem sich eine beträchtliche Minderung der Ar
beits
fähig
keit ableiten lasse. Damit sei das Ausmass dieser Störung doch so er
heblich, dass die Diagnose einer „
somatoformen
Schmerzstörung“ besser nicht gestellt werde, obwohl das Schmerzerleben auch in der Präsentation der Be
schwerden eine beträchtliche Dominanz habe und nich
t alle geklagten Defizite daraus
ableitbar seien
. Es handle sich also doch um eine
Schmerzverarbei
tungsstörung
, die sich in Verbindung mit der Persönlichkeitsorganisation der Beschwerde
füh
rerin bei der Diagnose einer längeren depressiven Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung entwickelt habe, wobei auch psychosoziale
Belastungsfak
to
ren
mitgewirkt hätten
(S. 22).
Als psychosoziale Belastungsfaktoren führte er die sc
hwere Erkrankung des Sohnes,
den
Verlust der Arbeitsstelle
,
einen
Mann
, der bereits eine IV-Rente be
ziehe, die unsichere berufliche Zukunft, die beträchtlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin trotz Einreise in die Schweiz im Jahr 1994 immer noch nicht hinreichend gut integriert sei
, auf
. Die beschriebenen psychosozialen Parameter seien als Auslöser und Verstärker der Symptomatik und der daraus resultierenden Minderung der Leistungsfähig
keit anzusehen,
jedoch würde
diese in erster Linie aus den diagnostisch abgebil
deten Störungen
resultieren
.
Diese Konstellation habe
zur erheblichen Arbeits
unfähigkeit beigetragen, die vom klinischen Schweregrad her und den
Behand
lungsmöglichkeiten
zwar als vorübergehend, aber doch als beträchtlich und län
ger anhaltend aufzufassen sei. Der psychi
sche
Gesundheitsschaden dürfte sich aller Voraussicht nach im Laufe der Zeit, insbesondere bei hinreichend lange fortgeführter und suffizienter Behandlung, signifikant verbessern
(S. 23 f.).
Es sei keine bleibende
Arbeitsunfähigkeit zu erwarten
.
Es könne zurzeit noch nicht abgeschätzt werden, in welchem Zeitrahmen eine Verbesserung erreicht werden könne (S. 27
f.).
Ab September 2010 resultiere für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit wie auch für
eine entsprechend leidensangepasste Tätigkeit e
ine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
.
Nicht berücksichtigt seien
dabei
die Einschränkungen
des
rheumatolo
gisch-ortho
pädischen
Fachgebiet
s
. Die psychiatrischen Defizite seien prinzipiell im Laufe der Zeit und unterstützt durch eine geeignete Behandlung verbesser
bar,
idealiter
könne sogar
wieder
das Leistungsniveau vor Beginn des
Gesund
heitsschadens
erreicht werden. Bei der psychiatrischen Störung handle es sich also um ein der
zeit zwar beträchtliches, aber doch als vorübergehend anzuse
hendes, einer adä
quaten Behandlung kausal zugängliches Krankheitsbild (S.
26).
Die 70%ige Arbeits
unfähigkeit gehe nicht auf die psychosozialen Parameter zurück, sondern
sei der Anpassungsstörung mit dem damit verknüpften depres
siven
Zustands
bild
geschuldet (S. 30). Die
medizinalfremden
Einflüsse seien bei der Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit bereits berücksichtigt worden (S. 31).
Die Beschwerdeführerin habe im Wesentlichen bislang alle ihr zumutbaren Mass
nahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes wahrgenommen (S.
31). Die
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei
Dr.
C._
sei an
gemessen und müsse fortgesetzt werden. Unterstützt werden könne dies durch die Weiter
führung der schon eingerichteten Psychopharmakotherapie, wobei bezüglich der Dosierung noch Spielraum bestehe (S. 27).
3.
8
Mit Schreiben vom 2
0.
August 2012 (
Urk.
7/48) gab
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.2
)
an, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Reini
gungskraft zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Seit dem Unfall vom 2
3.
März 20
1
2 sei sie auch
in
eine
r
angepasste
n
Tätigkeit zu 100
%
arbe
itsunfähig. Vor dem Un
fall sei sie
seit Februar 2010
aus rein psychiatrischer Sicht
zu 30
%
arbeitsfähig gewesen mit einem 70%igen Belastungsprofil. Der Unfall habe aber Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt.
Zusätzlich zu den
im Gutachten von
Dr.
E._
aufgeführten Diagnosen leide die Beschwerdeführerin an einer post
traumati
schen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie an einer mittel
gra
digen depressi
ven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11).
3.9
Dr.
E._
(vorstehend E.
3.4
) beantwortete mit Schreiben vom 2
8.
Septem
ber
2012 (
Urk.
7/53/4-5) die von der Beigeladenen gestellten
Zu
satzfragen
zum Gut
achten. Dabei führte er aus, dass
mit den empfohlenen Massnahmen theoretisch
eine Verb
esserung
möglich
sei. Er gehe jedoch davon aus, dass das
Rehabili
tationspotenzial
insgesamt gering sei, so dass die Be
schwerdeführerin auch mit erfolgreich durchgeführten Therapien limitiert bleibe.
Dr.
E._
kommt zum Schluss, dass zumindest für die nächsten 2 Jahre eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50
%
(eines Pensums von 100
%
) in einer mittelschwer belastenden Putztätigkeit somatisch begründbar ausge
wiesen erscheine. Die Prognose bezüg
lich Steiger
ung
der 65%igen Arbeitsunfä
higkeit erscheine in Anbetracht der Gesamtsituation schlecht. Eine dauerhaft bleibende Berufsunfähigkeit von 65
%
erscheine aber noch nicht zwingend aus
gewiesen (S. 2).
3.10
Dr.
D._
(vorstehend E.
3.
3
)
bestätigte mit Bericht vom 2
6.
November 201
2 (
Urk.
7/57/1-4) die bereits gestellten Diagnosen und erwähnte zusätzlich ein
Poly
trauma
am 2
3.
März 2012 sowie eine posttraumatische
Belastungsstö
rung
(S.
1
Ziff.
1.1). Auch hielt er an seiner Einschätzung bezüglich der Ar
beits
fähig
keit fest (S. 2 f.
Ziff.
1.6-7).
3.11
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD,
nahm
mit Stellungnahme vom
6.
Dezember 2012 von der Anpassungsstörung Kenntnis. Diese sei allerdings nur vorübergehender Natur. Der aktuelle Bericht des Haus
arztes lasse befundmässig keine Beurteilung der Unfallfolgen zu. Insgesamt sei der unfallbedingte Gesundheitsschaden weiterhin instabil und damit auch die Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. In einer leidensangepassten leichten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 80
%
arbeitsfähig, wobei diese wechselbelastend, meist sitzend, ohne Lastenheben, ruhig und geordnet, ohne Kundenkontakt, sein müsse (
Urk.
7/61 S. 4 f.).
3.12
Dr.
D._
(vorstehend E.
3.
3
) führte mit Schreiben vom 1
1.
März
2013 (
Urk.
7/72/2) aus, dass sich
der sogenannte „erfreuliche
Rehabilitations
verlauf
“ auf das Erreichen einer minimalen Selbständigkeit in den Aktivitäten des täg
lichen Lebens und nicht auf eine mögliche Arbeitsfähigkeit beziehe. Es handle sich um einen bleibenden Schaden sowohl im Bereich der Wirbelsäule, des Unter
schenkels als auch psychisch.
Letztes im Sinne einer posttraumati
schen Belastungsstörung. Aufgrund der rheumatologischen Diagnosen sei eine maxi
male Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit von 20 bis 30
%
gegeben.
3.13
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.2
)
bestätigte mit Bericht vom 1
3.
September 2013 (
Urk.
7/79) die bisher gestell
ten Diagnosen (S.
1. Ziff.
1.1)
. Die Prognose sei
schlecht.
Aufgrund der affektiven Störung und starken Schmerzen, die als Fol
ge
n
des Unfalls zu betrachten seien, sei die Beschwerdeführerin nicht im
stande, aus
dem
Teufelskreis von Schmerzen, Depression, Erschöpfung und Müdigkeit herauszukommen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass durch Psy
chotherapie
eine Verb
esserung
erreicht werden könne
(S. 3
Ziff.
1.4). Die bishe
rige Tätigkeit als Reinigungskraft sei
der Beschwerdeführerin
nicht mehr zu
mutbar. Eine
be
hinderungsangepasste
Tätigkeit sei
ihr
seit dem 2
7.
Juni 2011 zu 3 Stunden (30
%
)
mit einem 70%igen Belastungsprofil
zumutbar
(S. 4
Ziff.
1.7).
3.14
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt,
Klinik
L._
, erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der
Be
schwer
degegnerin
am
2
5.
September 2013 (
Urk.
7/81) und diagnostizierte eine rezidi
vie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit so
mati
schem
Syndrom (ICD-10 F33.11)
,
als Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähig
keit (S. 9).
Die testpsychologischen Befunde der
Fremdbeurteilungs
skalen
zur Einschätzung des Schweregrades einer Depression (Hamilton-De
pression-Skala, HAMD) und zur quantitativen Einschätzung depressiver Patien
ten (Montgomery
Asberg
Depression
Scale
, MADRS) würden auf eine mittel
schwere depressive
Symp
tomatik hinweisen. Aufgrund des
Fremdbeurteilungs
instruments
zur Be
schrei
bung, Operationalisierung und Quantifizierung von
Fä
higkeitsstörungen
im
Kontext psychischer Störungen (Mini-ICF-APP) könne von vorwiegend mittel
schweren Funktionseinschränku
ngen ausgegangen wer
den (S. 8).
Im Gutachten von
Dr.
J._
sei festgehalten worden, dass es sich bei der psychischen Störung um ein derzeit zwar beträchtliches, aber doch als vorübergehend anzusehendes, einer adäquaten Behandlung kausal zugängliches
Krankheitsbild handle.
Dr.
A._
führte hierzu aus, dass die Beschwerdeführe
rin
seit Januar 2012 in regelmässiger ambulanter psychiatrisch-psychothera
peuti
scher Behandlung stehe, es aber trotzdem zu keiner Rückbildung der de
pressi
ven Symptome gekommen sei (S. 9).
Dr.
A._
führte weiter aus
, d
ie Beschwerdeführerin habe während der
Schil
derung des
Unfalls
objektiv weder vegetative Symptome noch eine
Ver
mei
dungshaltung
aufgewiesen, so dass eine posttraumatische Belastungsstörung oder
eine sonstige Reaktion auf schwere Belastungen definitiv ausgeschlossen werden
könne.
Gegenwärtig sei eine mittelgradige depre
ssive Symptomatik fest
zu
stel
len.
B
ei einer bereits vorhandenen depressiven Symptomatik in mindes
tens mittel
gradigem Ausmass seit Herbst 2010 könne nicht mehr von einer
An
passungs
störung
, sondern von der Entwicklung einer depressiven Störung aus
gegangen werden (S. 9).
Schliesslich gab
Dr.
A._
an
, die Beschwerdeführerin
sei
sowohl in der bishe
rigen Tätigkeit als auch in einer adaptierten Tätigkeit seit September 2010 zu
50
%
arbeitsfähig, wobei
sie
für Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit, mit sehr hohen Anforderungen an die geistige Fle
xibilität und Schnelligkeit sowie Nachtarbeit nicht geeignet sei. Es könne von einer
Teilchronifizierung
der depressiven Symptomatik sowie
von einer
anhal
tend redu
zierten
psychische
n
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin ausgegang
en
werde
n.
E
ine weitere Verbesserung der 50%igen Arbeitsfähigkeit
durch t
hera
peutische
Massnahmen sei nicht mehr zu erwarten
. Unter konsequenter Weiter
führung der etablierten therapeutischen Massnahmen sei aber
von
der Erhaltun
g
der 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die attestierte 50%ige Arbeitsun
fähig
keit sei ausschliesslich auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzu
füh
ren (S. 10).
3.15
Der RAD-Arzt
Dr.
K._
(vorstehend E. 3.11)
erachtete
das Gutachten von
Dr.
A._
mit Stellungnahme vom
1.
Oktober 2013 als vollständig und schlüssig.
Die Beschwerdeführerin sei demnach in jeglicher Tätigkeit seit September 2010 zu 50
%
arbeitsunfähig
, wobei es sich
angepasst für die ver
bleibende Arbeitsfähigkeit
um einfache, ruhige und ge
ordnete Tätigkeiten ohne vorwiegenden Kundenkontakt handeln solle
.
Er emp
fahl die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht im Sinne einer nachhalti
gen fachärztlichen Psycho-
und Pharmakotherapie, aber nur zur Erhaltung der Restarbeitsfähigkeit (
Urk.
7/94
S. 3).
In Bezug auf das Belastungsprofil betreffend die somatischen
Einschränkungen verwies er auf
seine Stellungnahme vom
6.
Dezember 2012
(vorstehend E. 3.11)
. Danach müsse es sich um leichte, wechselbelastende Tätigkeiten, meist sitzend, ohne Lastenheben, ruhig und geordn
et, ohne Kundenkontakt handeln.
3.16
Dr.
C._
(v
o
rstehend E.
3.2
)
gab mit Schreiben
vom 2
0.
Dezember 2013 (
Urk.
7/92)
an, sie sei mit den im Gutachten von
Dr.
A._
gestellten Diag
no
sen
nur teilweise einverstanden.
Die Diagnose
einer
rezidivie
rende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem Syndrom, sei nicht
nur klinisch sondern auch testpsychologisch objekti
viert. Allerdings sei durch d
ie lebensbedrohliche Situation des schweren Auto
unfalles
eine posttrau
ma
ti
sche Belastungsstörung ausgewiesen (S. 1). Bei der Beschwerdeführerin bestehe noch immer ein Vermeidungsverhalten,
eine
ver
minderte Konzentration,
eine
negative Sicht der Welt, Schlafstörungen mit Albträumen, Ärger auf den
Unfall
verursacher
sowie
ein
Kontrollverlust.
Dr.
C._
hielt schliesslich an ihrer vor
herigen
Einschätzung (vorstehend E.
3.13
) der Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit fest (S. 2).
3.17
Mit erneuter Stellungnahme vom 1
3.
Februar
2014 (
Urk.
7/94 S.
5) führte
Dr.
K._
(vorstehend E.
3.
11
) aus, dass keine neuen Diagnosen ausge
wiesen
wür
den, welche leistungsspezifisch relevant wären. Auch eine posttrau
matische Belastungsstörung, ohne erfüllte
Foerstersche
Kriterien, wäre nicht re
levant. Andererseits sei aber auch bei der gutachterlich ausgewiesenen rezidi
vierenden depressiven Störung aus rein medizinischer Sicht die Überwindbarkeit nicht zu prüfen. Denn wie der Gutachter nachvollziehbar ausführe, seien die
psychokog
ni
tiven
Funktionen anhaltend eingeschränkt.
4.
4.
1
In somatischer Hinsicht ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin – bereits vor dem Verkehrsunfall im März 2012 - in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft weitgehend eingeschränkt
war
. Dies lässt sich insbesondere
dem
schlüssigen und nachvollziehbaren
Gutachten von
Dr.
E._
entneh
men
.
Dr.
E._
gab allerdings
ebenfalls
an, dass die Präsentation der Sympto
ma
tik sowie zahlreiche Inkonsistenzen im Verlauf der Untersuchung auf eine die
somatischen Beschwerden überlagernde Schmerzverarbeitungsstörung hinwei
sen
würden, die durch die ungünstigen
Kofaktoren
des psychosozialen Umfeldes über
lagert würden
.
In einer körperlich leichten
wirbelsäulenadaptier
ten
Tätig
keit, ohne Überbelastung der Kniegelenke oder der Schultergelenke, sei die Beschwerdeführerin zu 80
%
arbeitsfähig,
wobei sich die Minderung gegen
über
einem vollen Pensum aus einem vermehrten Pausenbedarf begründen lasse (vor
stehend E.
3.4).
Das Belastungsprofil
von
Dr.
E._
berücksichtigt
dabei
säm
t
liche von der Beschwerdeführerin
geklagten
Beschwerden
.
Der Verkehrsu
nfall vom März 2012 führte
zwar
zu einer vorübergehenden Ver
schlechterung mit stationärer Rehabilitation, ein bleibender
eigenständiger
Ge
sundheitsschaden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit lässt sich den Akten
allerdings nicht
entnehmen
. Der Beschwerde
führerin ist zwar in dem Sinne zuzustimmen, dass sich der im Austrittsbericht erwähnte erfreuliche Rehabilitationsverlauf auf
die Rehabilitationsziele bezog,
allerdings erwähnten die Ärzte
auch
keinen bleibenden
Gesundheitsschaden. Der
Operateur
bescheinigte
le
diglich
eine Arbeitsunfähigkeit
für zirka 2 Monate
(vgl.
Urk.
7/40 S.
2). Dies
er Umstand
wird dadurch plausibilisiert, dass
Dr.
A._
in seinem psychi
atrischen Gutachten – in Kenntnis des Unfalles und des be
sagten
Austrittsbe
richtes
aus der
Klinik H._
(vgl.
Urk.
7/81 S. 3) – die Not
wendigkeit einer
nochmaligen
Untersuchung in einer ander
en Fachdisziplin nicht
erwähnte
.
Aus den
Berichten von
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.10, E. 3.12) ist
schliesslich
nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin in einer adap
tier
ten
Tätigkeit bei Beachtung des Belastungsprofils von
Dr.
E._
, so insbe
son
dere
meist sitzend, mehr eingeschränkt sein soll
als vor dem Unfall
.
Indem er ferner
psychiatrische Diag
nosen stellte, bewegte er sich ausserhalb seines Fachgebietes der Allgemeinen Inneren Medizin und der Rheumatologie, was Zweifel an der Beweiskr
aft
seiner Berichte aufkommen lässt.
Zudem ist der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
gen, dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte aufgrund ihrer
auftrags
rechtlichen
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc)
.
Nach dem Gesagten ist d
er Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht
eine
be
hinderungsangepasste
Tätigkeit
zu 80
%
zumutbar
, wobei es sich um eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit, meist sitzend, ohne Lastenheben, ruhig und geord
net
sowie ohne Kundenkontakt handeln muss. Dieser Beurteilung schloss sich
im Übrigen
auch der R
AD
-Arzt
Dr.
K._
an (vorstehend E. 3.11
, E. 3.15
).
4.
2
Zur Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes ist auf das Gutachten von
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.
14
) abzustellen. Bei
Dr.
A._
handelt es sich um einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, so dass
sich
das Gut
achten
für
die zu
beurteilende
n
Fragen
als
umfassend
erweist
.
Er berücksichtigte die geklagten Beschwerden und das Verhalten der Beschwerdeführerin und
er
stellte das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
, wozu er auch Stellung nahm
.
So setzte er sich
insbesondere mit den Berichten von
Dr.
C._
auseinander und erklärte, weshalb entgegen ihrer Beurteilung eine posttraumatische
Belas
tungsstörung
nicht ausgewiesen sei
und weshalb es sich nicht mehr um
eine
An
passungsstörung
, sondern um
eine
rezidivierende depressive Störung handle
.
Die gegenwärtig
mittelgradige Episode wies er durch verschiedene
Fremdbeur
teilungsskalen
nach.
Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Ge
sundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet.
Das Gut
achten erfüllt damit die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E
.
1.8
) voll
um
fäng
lich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
Demgemäss ist vorliegend als einzige
psychiatrische
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode mit s
omatischem Syndrom, ausgewiesen.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf die Ausführungen von
Dr.
C._
geltend macht,
es läge seit dem Verkehrsunfall eine posttraumatische
Belas
tungs
störung
vor (
vorstehend E. 2.2
), so ist ihr entgegenzuhalten, dass
für die Anerkennung einer posttraumatischen Belastungsstörung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung verlangt wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom 1
5.
November 2012 E.
4.3)
und folglich nicht einzig auf die subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin
abgestellt werden kann.
Ergänzend ist darauf
hinzuweisen, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater
daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschie
de
ne
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu res
pek
tie
ren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Daher und unter Beach
tung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungs
auftrag
kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder
Gerichts
expertise
stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh
men,
wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Ein
schätz
ung
en gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhalten (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom
5.
März 2009 E. 5.1).
Dem
zufolge
lassen die Ausführungen von
Dr.
C._
keine
be
gründeten
Zweifel
an der
schlüssigen
Beurteilung von
Dr.
A._
aufkommen.
4.
4
Das weitere Vorbringen der Beschwerdeführerin, es liege nur eine mittelgradige
de
pressive Episode und nicht eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, vor (
Urk.
1 S. 5)
,
ist inso
weit
unbehelflich
, als bei einer rezidivierenden depressiven Störung im Gegen
satz zu
einer depressiven Episode eher von einer ungünstigen Prognose in Be
zug auf die
Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auszugehen ist und
dies
inso
weit
der Beschwerdeführerin zugute kommt (vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_484/2012
vom 2
6.
April 2
013 E.
4.3.2.2).
Eine rezidivierende depres
sive Stö
rung ist durch wiederholte depres
sive Episoden charakterisiert
, wobei die einzel
nen
Episoden zwischen drei und zwölf Monaten dauern. Die Besserung zwi
schen den einzelnen Episoden ist dabei im Allgemeinen vollständig, wobei nur
eine Minderheit von Patienten eine anhaltende Depression entwickelt, für welche
allerdings ebenfalls die Kategorie F33 (rezidivierende depressive Stö
rung) ver
wen
det werden sollte (Klinisch-diagnostische Leitlinien der Internatio
nalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9.
Auflage, Bern 2014, S.
177).
Aufgrund dessen kommen keine begründeten Zweifel an der Klassifi
zie
rung von
Dr.
A._
auf.
4
.
5
Der Argumentation der Beschwerdegegnerin,
die psychischen Beeinträchtigun
gen der Beschwerdeführerin fänden ihre Erklärung ausschliesslich in der Er
kran
kung des Sohnes
und es liege somit kein IV-relevanter Gesundheitsschaden
vor
(vorstehend E.
2.1),
ist allerdings entgeg
en
zu halten
,
dass auch wenn die seit
Jahren vorhandenen ausgeprägten psychosozialen Belastungsfaktoren bei der Ent
stehung und Aufrechterhaltung des depressiven Beschwerdebildes der Be
schwer
deführerin mitverantwortlich sein mögen, klar ein verselbständigter psy
chia
trischer Gesundheitsschaden vorliegt.
So führte insbesondere
Dr.
J._
deutlich aus, dass zwar psychosoziale Belastungsfaktoren vorlägen, die Symptomatik jedoch in erster Linie aus den diagnostisch abgebil
deten Störung
en resultiere und die festgestellte Arbeitsunfähigkeit nicht auf die psychoso
zia
len Parameter zurückgehe (vorstehend E. 3.8). Auch
Dr.
A._
gab an, dass es sich um ein psychisches Leiden mit Krankheitswer
t handle (vorste
hend E. 3.14).
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin erweist
sich demge
mäss als
akten
widrig
und es kann ihr in Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vorstehend E. 1.3) nicht gefolgt werden.
4.
6
Es ist
indessen stets eine objektive Betrachtung des
Forderbaren
vorzunehmen (vorstehend E.
1.1-2), wobei mittelschwere
psychische Störungen aus dem de
pressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gelten
(
vorste
hend
E. 1.4
). Ein Rentenanspruch kann
grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare therapeutische
und andere schadenmindernde Vorkehren nicht aus
geschöpft werden. Solange durch
eine tatsächlich realisierbare Veränderung der
für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine we
sent
liche Verbesserung des
(psychischen) Gesundheitszustandes und damit
der da
durch eingeschränkten Ar
beitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invali
di
sierender Gesundheit
sscha
den im Sinne des Gesetzes vor
. Allerdings bedingt
deren Annahme, dass es sich nicht
bloss
um eine Begleiterscheinung einer
Schmerz
kr
ankheit
, sondern um ein selbst
ändiges, vom psychogenen
Schmerz
syndrom
losgelöstes depressives Leiden handelt
(
Urteil
e
des Bundesge
richts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2
und
9C_947/2012 vom 19. Juni 2013 E.
3.2.2
mit Hinweis). Dies folgt aus dem Grundsatz der
Selbsteingliede
rungs
- und Scha
den
minderungspflicht.
Wurde anlässlich der gutachterlichen Beurteilung durch
Dr.
J._
noch festgehalten, dass es sich bei der psychischen Störung um ein derzeit zwar beträchtliches, aber doch als vorübergehend anzusehendes, einer adäquaten Be
handlung kausal zugängliches Krankheitsbild handle (vorstehend E.
3.7), so führte
Dr.
A._
diesbezüglich aus, dass die Beschwerdeführerin seit d
er
Be
gutachtung im Jahr 2012 durch
Dr.
J._
in
regelmässiger
ambu
lanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung stehe, es allerdings trotz
dem nicht zu einer Rückbildung der depressiven Symptome gekommen sei
. Eine weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei auch unter den therapeuti
schen
Massnahmen
mittelfristig nicht mehr zu erwarten
(vorstehend E.
3.14).
Dieser An
sicht schloss sich
auch
der RAD-Arzt
Dr.
K._
an, indem er als
Scha
den
minderungspflicht
eine nachhaltige fachärztliche Psycho- und
Pharmakko
the
rapie
empfahl, indessen nur zur Erhaltung der
vorhandenen
Restarbeitsfä
higkeit
(vorstehend E.
3.15).
Daneben
führte
Dr.
K._
explizit aus, dass
bei der gut
ach
terlich ausgewiesenen rezidivierenden depressiven Störung die
Über
windbar
keit
nicht zu prüfen sei, da die psychokognitiven Funktionen anhaltend einge
schränkt
seien (vorstehend E. 3.17). Nach dem Gesagten ist vorliegend ein invalidi
sieren
der
Gesundheitsschaden zu bejahen.
4.
7
Zusammenfassend ist
festzuhalten,
dass der Beschwerdeführerin aus somati
scher
Sicht eine adaptierte Tätigkeit zu 80
%
zumutbar ist, wobei diese leicht, wechsel
belastend, meist sitzend, ohne Lastenheben, ruhig und geordnet sowie ohne
Kun
denkontakt
sein soll. I
n psychischer Hinsicht
ist
sowohl in Bezug auf die Diagnosen wie auch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das
Gutachten von
Dr.
A._
– dem sich insbesondere auch der RAD-Arzt
Dr.
K._
anschloss – abzustellen und somit insbesondere ab September 2010 von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit in jeg
licher Tätigkeit
auszugehen
, wobei die Beschwer
deführerin für Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die psy
chische Belastbarkeit, mit sehr hohen Anforderungen an die geistige Flexibilität und Schnelligkeit sowie Nachtarbeit nicht geeignet ist.
Eine
Kumulation der einzelnen
attestierten Arbeitsunfähigkeiten erscheint bei Berücksichtigung der jeweiligen Belastungsprofile und der Tatsache, dass die
psychischen Beschwerden klar im Vordergrund stehen,
hingegen nicht ange
zeigt.
Es ist demzufolge davon auszugehen, dass die
in den somatischen Beschwerden begründete 20%ige Arbeitsunfähigkeit in der 50%igen Arbeitsunfähigkeit auf
grund der psychischen Beschwerden aufgeht.
Für die
nachfolgende
Prüfung der Auswirkungen der Einschränkungen und so
mit für die Bemessung des
Invalidi
täts
grades
ist nach dem Gesagten
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit der Be
schwerdeführerin in einer adaptierten Tätig
keit auszugehen, wobei sowohl das somatische als auch das psychische
Belas
tungsprofil
zu berücksichtigen sind.
5
.
5
.1
Es bleibt damit die Prüfung der Auswirkungen dieser Einschränkungen vorzu
nehmen. Vorliegend gelangt unbestrittenermassen die gemischte Methode zur An
wendung, wobei die Beschwerdeführerin als zu 90
%
Erwerbstätige und zu
10
%
im Aufgabenbereich Tätige zu qualifizieren ist (
Urk.
2 S.
2), was ange
sicht
s der Erwerbsbiographie und familiären Situation der Beschwerdeführerin als plau
sibel erscheint und im Weiteren auch nicht bestritten wurde.
5.2
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2011, abzustellen (BGE 129 V 222 E. 4.3.1).
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
(
Urk.
2 S. 2) stützte sich die
Be
schwe
r
degegnerin
auf den Durchschnitt der im Auszug
des
individuellen Konto
s
(IK-Auszug) ausgewiesenen Einkommen der Jahre 2008 bis 2010 und errechnete unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung ein hypotheti
sches
Vali
den
einkommen
im Jahr 2011 von
Fr.
46‘764.--.
Dieses Einkommen ist
aufgrund
der Akten (
Urk.
7/6,
Urk.
7/32)
nicht zu beanstanden und wird von der Be
schwe
r
deführerin auch nicht bestritten, so dass sich weitere Ausführun
gen hierzu erübrigen.
Das Invalideneinkommen ermittelte
die Beschwerdegegnerin
– in Beachtung der geltenden Rechtsprechung (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis) -
gestü
tzt auf die Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE), wobei sie auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen
Wirt
schaftszeigen
des privaten Sektors abstellte
.
Das im Jahr 2010 von Frauen im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug pro Monat
Fr.
4‘225.
--
(LSE 2010, S. 26,
Tabellengruppe
TA1, Total, Ni
veau 4). Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2010 von 41.6 Stunden und der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2011 in der Höhe
von 1.0
%
angepasst
, ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund
Fr.
26‘628.-- für das Jahr 2011 bei
der verbliebenen
50%igen Arbeitsfä
hig
keit (
Fr.
4‘225.-- : 40 x 41.6 x 12 x 1.010 x 0.50).
Entgegen den Ausführun
gen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S.
2)
ist
bei der Berechnung des
Invaliden
ein
kommens
angesichts der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, dem aus medizini
scher
Sicht gegebenen Anforderungsprofil sowie dem Alter der Beschwerdefüh
rerin ein
be
hinderungsbedingter
Abzug vom Tabellenlohn
gerechtfertigt
, wobei vorlie
gend
ein solcher von 10
%
als angemessen erscheint. Damit
ergibt sich
ein hypothe
ti
sches Invalideneinkommen in der Höhe von rund
Fr.
23‘965.-- (
Fr.
26‘628.-- x 0.9).
Die daraus resultierende Erwerbseinbusse von
Fr.
22
‘
799
.-- (
Fr.
46‘
764.-- -
Fr.
23‘965
.--) kommt einer Einschränkung von rund
48.8
%
gleich. Bei der vor
liegend massgebenden Gewichtung des Erwerbsbereichs mit 90
%
ergibt dies somit einen Teilinvaliditätsgrad von
43.92
%
(4
8.8
%
x 0.90)
.
5
.
3
In Bezug auf eine allfällige Einschränkung im Aufgabenbereich verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
die Einholung eines Haushaltsberichts, da diese nicht rentenrelevant wäre (vorstehend E.
2.1). Vorliegend äusserte sich einzig
Dr.
E._
zu einer allfälligen Einschränkung im Haushalt, wobei er aus
führte, dass die Führung des eigenen Haushaltes mit Möglichkeit der Unterstüt
zung durch Ehemann und Schwiegertöchter in belastenden Arbeiten und freier Einteilbarkeit derselben aus rein rheumatologischer Sicht nicht nachhaltig limi
tiert sei (vorstehend E. 3.4).
Dies erscheint insoweit nachvollziehbar, als bei der
Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten die
Schaden
minderungspflicht
von erheblicher Relevanz und die versicherte Person insbe
son
dere verpflichtet ist, ihre Arbeit einzuteilen und im üblichem Umfang die Mit
hilfe von Familienmitgliedern in Anspruch zu nehmen (BGE 133 V 504 E. 4.2).
Selbst die Beschwerdeführerin machte keine Ausführungen zu einer allfäl
ligen Einschränkung im Haushalt. Da auch bei einer Einschränkung in
einzel
nen
Teil
bereichen des Aufgabenbereichs kein höherer Rentenanspruch
entstehen
würde, kann
vorliegend
auf die Einholung eines Haushaltsberichts
verzich
tet werden, w
es
halb
demzufolge von keiner Einschränkung im Aufgabenbereich auszugehen
ist
.
5
.
4
Nach Addition der Teilinvaliditätsgrade im Erwerbs- und im Haushaltsbereich resultiert
ein Gesamtinvaliditätsgrad von
gerundet
44
%
(43.92
%
+ 0
%
= 43.92
%
). Bei diesem Ergebnis steht der Beschwerdeführerin somit
eine
Vier
telsrent
e
der Invalidenversicherung zu
. Der
Rentenanspruch
besteht
gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG vor
liegend ab dem
1.
November 2011.
Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang
des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Ausgangsgemäss steht der obsiegenden
Beschwerdeführer
in
eine
Prozessent
schädigung
zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgerichts (
GSVGer
) -
ohne Rücksicht auf den Streitwert
-
nac
h der Bedeutung der Streitsache,
nach d
er Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
zu bemessen
ist
.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim
bis Ende 2014
für die in einer Rechtsschutzversicherung tätigen Juristen
gerichts
üb
lichen
Stundenansatz von
Fr.
170.-- ist die Prozessen
tschädigung vorliegend auf
Fr.
1‘500
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.