Decision ID: aefa33af-18a1-44a1-afea-88716c6e30f6
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene
X._
war zuletzt
ab
dem
1.
Mai 2011 in einem
gerundet 32
%
- beziehungsweise ab 1
0.
Dezember 2012 23
%
-Pensum
als
Küchenhilfe im Café
J._
angestellt
. Am 1
5.
Juli 2013
meldete sie sich unter Hinweis auf
Schmerzen in beiden Händen, Armen, Hüften, Knien und Füssen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1
und
Urk.
7/8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen,
veranlasste eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom 1
0.
Oktober 2014; Urk. 7/26) und
liess die Versicherte
durch
die
Y._
AG
polydisziplinär
(allge
meininternistisch, psychiatrisch, rheumatologisch)
begutachten (Expertise vom
2.
August 2016; Urk. 7/58
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/67
und
Urk.
7/73
) wies sie das
Leistungs
begehren
mit Verfügung vom 6.
April 2017
(Urk. 2) ab.
2.
Da
gegen erhob die Versicherte am 1
5.
Mai 2017
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom
6.
April 2017
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihr ab Januar 2014 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei diese zu verpflichten sei, ein neues polydis
ziplinäres Gutachten einzuholen und auch die Fachbereiche Neurologie und Neu
ropsychologie zu begutachten
(S. 2)
.
Dazu legte sie mehrere Berichte auf (Urk. 3/6-11)
.
Am
7.
Juni 2017
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was der Beschw
erdeführerin mit Verfügung vom
9.
Juni 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Mit Eingabe vom 2
3.
Juni 2017 (
Urk.
9) reichte die Beschwerdeführerin
einen Bericht
(
Urk.
10) nach.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend
der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zu
nächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgaben
bereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Ad
dierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
6.
April 2017
(Urk. 2) damit, dass
die in den Berichten genannten Diagnosen erst zusammen mit der invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten privaten Situation eine Arbeitsunfähigkeit ergäben. Unter ausreichender Therapie seien sie zudem behandelbar. Am Gutachten werde festgehalten.
Von einem Lei
den, welches zu einer langandauernden Arbeitsunfähigkeit führe, könne nicht ausgegangen werden (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden
. Aufgrund
ihrer
kognitiven Beeinträchtigungen hätten anlässlich der Begutachtung auch die Fachbereiche Neurologie und Neuropsychologie abgeklärt werden müssen. Bei
der behandelnden Psychiaterin sei nie ein Bericht eingeholt worden, ebenso we
nig bei ihrer Hausärztin
(S. 7
f.). Das eingeholte Gutachten sei - aus näher darge
legten Gründen - nicht beweiskräftig. Es werde zudem bestritten, dass die ermit
telte Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ausschliesslich durch psychosoziale Faktore
n verursacht worden sei (S. 8-1
4
).
Gutachter
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Innere Medizin FMH und
Chefarzt der
Y._
AG
,
werde
als
sowohl in fachlicher als auch
in
persönlicher Hinsicht unqualifiziert
er Experte
abgelehnt
(S. 11 f.).
Weitere me
dizinische Abklärungen seien unerlässlich und es sei eine Neubegutachtung zu veranlassen. Aus den bisherigen Akten gehe eine ununterbrochene Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
hervor, weshalb sie nach dem bisherigen Abklärungsstand Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 14).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, führte in seinem Be
richt vom
9.
Dezember 2013 (
Urk.
7/12) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
-
Arthralgien Hände beidseits, Differentialdiagnose
Insertionstendinopathien
-
Röntgen Hände beidseits 2
2.
Mai 2013: Minime PIP Fingerpolyarthrose und
Rhizarthrose
beidseits, ansonsten altersentsprechend
-
MR beider Hände vom 3
1.
Mai 2013: altersentsprechend, keine relevanten Arthrosen / Arthritiden
-
Zervikobrachialgie
beidseits
-
Röntgen Halswirbelsäule 2
2.
Mai 2013: Initial
Spondylarthrosen
C5/6 und C6/7 beidseits, ansonsten altersentsprechend
-
Anamnestisch
sonographisch
normale Schulter- und Ellbogen-Befunde rechts (11/
20
12)
-
Anamnestisch neurologische Untersuchung 12/
20
12 ohne Korrelat, Herr Dr.
B._
-
ausgeprägte
myofasziale
Schmerzen
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
beidseits
-
Fibromyalgiesyndrom
, Erstmanifestation 08/
20
13
-
08/
20
13 sämtliche Fibromyalgie Tenderpoints positiv
Dazu hielt er fest,
aus rheumatologischer Sicht seien die Einschränkungen
ge
ringgradig
, massgeblich sei das
Fibromyalgiesyndrom
wahrscheinlich an
den Symptomen ursächlich beteiligt, weswegen eine psychiatrische Beurteilung indi
ziert wäre. Eine Arbeitsunfähigkeit sei von ihm weder attestiert noch thematisiert worden. Aus rein rheumatologischer Sicht beständen für eine behinderungsange
passte Tätigkeit (leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeiten) keine Ein
schränkungen (S. 2).
3.2
Dr.
med.
C._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in seinem undatier
ten Bericht (Versanddatum 2
4.
Februar 2014) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Mittelgradige depressive Episode (
„larvierte Depression“) mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), bestehend seit mindestens 2012
Zudem hielt er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), schleichend aufgetreten etwa 2011/2012
Dazu führte er aus,
die Beschwerdeführerin stehe seit dem 1
4.
Dezember 2013 in seiner integrierten psychiatrischen Behandlung, dies mit 2-4 Sitzungen monat
lich.
Vordergründig sei sie vor allem durch das seit einiger Zeit bestehende Schmerzsyndrom eingeschränkt. Die Hauptproblematik liege jedoch eher in einer seit längerem bestehenden schleichenden depressiven Entwicklung, welche auf den ersten Blick schwierig zu entdecken und diagnostizieren sei, gerade auch weil eine deutliche Dissimulationstendenz bestehe. Die Depressivität äussere sich in ausgeprägten Überforderungsgefühlen, im Gefühl der
Erschöpftheit
, in fehlenden Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, Rückzugstendenz, Scham, Schuld und Insuf
fizienzgefühlen. Mit der Erledigung ihrer persönlichen, administrativen, finanzi
ellen und familiären Angelegenheiten stosse sie an die Grenzen ihrer Belastbar
keit.
3.3
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt, und
Dr.
phil.
E._
, Leitende Psychologin, vom Sanatorium
F._
, wo sich die Beschwerdeführerin vom 2
5.
November bis 19. Dezember 2014 in stationär-psychiatrischer Behandlung befand, führten im Austrittsbericht vom 2
3.
Dezember 2014 (
Urk.
7/33) folgende Hauptdiagnose auf
(S. 1)
:
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Zudem stellten sie folgende Nebendiagnose
(S. 1)
:
-
Fibromyalgie
Dazu hielten sie fest,
zu Beginn der Behandlung sei es ihr
schwergefallen
, die Diagnose Depression anzunehmen, da sie diese
mit Eigenschaften
wie Faulheit und Schwäche in Verbindung gebracht habe. Die depressiven Symptome wie An
triebslosigkeit, Motivationslosigkeit sowie Freudlosigkeit habe sie
zeitlich
in Be
ziehung mit dem Ausbruch ihrer Fibromyalgie gestellt. Seither habe ihr Bewe
gungsradius kontinuierlich abgenommen und den Sport, den sie vor dem Aus
bruch der Fibromyalgie getrieben habe, habe sie schmerzbedingt nicht mehr aus
üben können. Die fehlende körperliche Betätigung sowie das Gefühl, auf H
i
lfe
von anderen angewiesen zu sein, hätten bei ihr depressive Beschwerden ausge
löst, welche durch den sozialen Rückzug noch verstärkt worden seien. Im Rahmen der Therapie hätten diese aufrechterhaltenden Mechanismen gemeinsam mit der Beschwerdeführerin erarbeitet werden können, was es ihr letztlich möglich ge
macht habe, die Diagnose Depression für sich anzunehmen. Sie sei nach vier Wo
chen in deutlich besserer Grundstimmung ausgetreten (S. 2 f.).
3.4
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte
am 2. Dezember 2015 aus (
Urk.
7/41), die Beschwerdeführerin
stehe
seit dem 1
6.
April 2015 in ihrer Behandlung. Es bestehe ein das körperliche und psycho
soziale Funktionsniveau erheblich beeinträchtigendes komplexes Störungsbild, welches ihr Alltagsleben und ihre Erwerbstätigkeit massiv einschränke bezie
hungsweise verunmögliche (S. 1). Ein im Zusammenhang mit den kognitiven Be
einträchtigungen durchgeführtes MRI des Schädels inklusive MR-Angiographie habe eine unspezifische
posteriore
parietale Atrophie ergeben, ansonsten hätten keine Hinweise auf einen Morbus Alzheimer oder eine
frontotemporale
Demenz bestanden. Bei weiterer Zunahme der kognitiven Symptomatik sei eine Verlaufs
kontrolle in einem Jahr empfohlen worden. Hinweise für eine vaskuläre
Leu
kencephalopathie
oder einen ischämischen Infarkt hätten nicht bestanden. The
rapeutisch werde eine wirksame antidepressive Psychopharmakotherapie durch eine hohe
Suszeptibilität
für unerwünschte Arzneimittelwirkungen erschwert. Insbesondere aufgrund der hochdosierten zentral wirksamen Schmerztherapie be
ständen hierbei auch relevante Interaktionen, die eine geeignete Medikation er
schweren würden
(S. 2)
. Zur angemessenen Beurteilung des Funktionsniveaus werde eine psychiatrisch-rheumatologische Begutachtung empfohlen
(S. 3
).
3.5
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Rheumatologie FMH, med.
pract
.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
Z._
von der
Y._
AG, stell
ten in ihrem Gutachten vom
2.
August 2016 (
Urk.
7/59) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
41
):
-
Somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst) (ICD-10 F41.0)
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S.
41
):
-
Multilokuläres
Ganzkörperschmerzsyndrom ohne anatomisch erklärbares Kor
relat
-
Migräne ohne Aura
-
Anamnestisch Asthma bronchiale mit/bei:
-
aktuell normaler Lungenfunktionsprüfung
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z59)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse, Tod der kleinen Schwester, Drogenabhängigkeit der m
ittleren Schwester (ICD-10 Z61)
Dazu führten sie aus,
a
us allgemein-medizinischer Sicht
sei die Beschwerdefüh
rerin
für alle bisherigen Tätigkeitsbereiche als zu 100
%
arbeits
fähig zu beurtei
len (S. 44 f.).
Bei der rheumatologischen Untersuchung finde sich
eine
diskrete Fehlhaltung der
Brustwirbelsäule
mit tiefreichender akzentuierter Brustkyphose und
einem
leich
te
n
Schultertiefstand rechts bei absolut freier W
irbelsäulenbeweg
lichkeit. Diese Befunde
würden
die praktisch ubiquitären Schmerzen der
Beschwerdeführerin
nicht
erklären
. Im Dezember 2015
habe sie
vermutlich ein
Lumboischialgiesyn
drom
durchgemacht, wobei heute als Restbefund noch ein leichtes Taubheitsge
fühl am lateralen rechten
Fuss bestehe
, welches sie aber funktionell nicht ein
schränk
e
. Die Gelenke
würden sich
durchwegs frei und schmerzlos
bewegen
und keinerlei Defizite
zeigen
. Die ubiquitären Schmerzen
periartikulär
an den Gelen
ken, aber auch im Bereiche der Muskulatur und der brennende Schmerz der Haut und der Kopfhaut
seien
Ausdruck eines Ganzkörperschmerzsyndroms ohne ei
gentliches anatomi
sches Korrelat. A
usgeschlossen
sei
ein entzündlich rheumati
sches Geschehen, eine beginnende Kollagenose, aber auch eine
Myopathie
. Dem
entsprechend
sei
die
Beschwerdeführerin
in ihrer zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als Küchenhilfe aus rein rheumatologi
scher Sicht bei fehlenden Defiziten im Bereiche der
Gelenke und der Wirbelsäule sowie der Muskulatur
100%ig arbeitsfähig
(
S. 45)
.
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration
hätten
sich keine der Basissymptome einer depressiven Episode
gefunden
.
Die Beschwerdeführerin
berichte
nur über
eine schmerzbedingte Antriebsvermin
derung und eine erhöhte Tagesmüdigkeit, was allerdings aufgrund der massiven Schlafstörung (Angst vor dem Einschlafen) nicht weiter verwunder
e
. Leichtere depressive Verstimmungen und Ängste
kämen
sowohl bei der „somatoformen Schmerzstörung" als auch bei der „Neurasthenie" vor.
Bei einer Neurasthenie könne auch der Schlaf gestört sein. Ebenso kämen Freudlosigkeit und abnehmendes körperliches Wohlbefinden sowie muskuläre und andere Schmerzen vor.
Sie
schildere
die typischerweise bei einer „Panikat
tacke" auftretenden Symptome wie wiederkehrende Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken
würden, des
halb nicht vorhersehbar
seien und etwa einmal wöchentlich
aufträten
.
Bei den
generalisierten Ganzkörperschmerzen
handle
es
sich um einen Weichteilschmerz, der sich wie „Brennn
esseln" anfühle. Insgesamt fühle
sie sich in ihrer Haut sehr unwohl. Dies ha
be
im Verlauf dazu geführt, dass sie zu Hause immer weniger ihren Haushaltstätigkeiten nachgehen
könne
und sich inzwischen hilflos, wertlos
und nutzlos
wie ein Pflegefall fühle
.
Sie habe ehemalig Sport getrieben, traue sich nunmehr
aber
kaum noch
vor die Tür und
überlasse
auch die Spaziergänge mit dem Hund dem Ehemann oder der Tochter. Ihren Haushalt
könne
sie jedoch mit Pausen erledigen
,
sie könne die Wohnung putzen,
allabendlich
eine warme Mahl
zeit zubereiten und
aktuell sogar für den Ehemann Diät
kochen
, da dieser sich kürzlich einer Gallenblasenoperation
habe
unterziehen
müssen
.
Sie
sei
auch im
stande Auto zu fahren
, habe
aber Mühe, sich in fremder Umgebung zu orientie
ren. Der innerpsychische Konflikt, welcher der „somatoformen Schmerzstörung" zugrunde lieg
e
,
sei
möglicherweise
in unverarbeiteten Verlusterleb
nissen begrün
det
(frühe
r
Tod der kleinen Schwester,
Abhandenkommen der noch lebenden an
deren Schwester infolge
schwerer
Drogenabhängigkeit, Trennung vom
jahrelang durch sie betreuten Sohn der Schwester). Diesen für sie
traumatisierende
n Erfah
rungen
habe
sie jahrelang unter stetiger Aktivität, auch in sportlicher Hinsicht, und vielfältigen Lebensaufgaben wie auch freudiger Arbeitstätigkeit entkommen
können
. So
habe sie
entsprechende Gefühle gar nicht wahr
genommen
, sodass sich schliesslich bei „relativer Ruhe" ein generalisiertes Schmerzsyndrom ent
wi
ckelt habe
, für das keine somatische Grundlage
habe
gefunden werden
können
. Die einzelnen Diagnosen
würden
für sich genommen nicht zu eine
r psychiatrisch begründbaren Ar
beitsunfähigkeit
führen
. Das Zusammenspiel führ
e
jedoch a
uf dem Boden der biografisch be
dingten Ver
l
usterlebnisse (psychosoziale Faktoren) ohne psychosomatisch fundierte (zunächst stationäre) und suffiziente Behand
lung aus r
ein psychiatrischer Sicht zu ei
ner Arbeitsunfähigkeit von 30
%
. Nach einer entsprechenden ausreichend intensiven und lang andauernden Behandlung
sei
davon auszuge
h
en, dass
wieder
eine
100%ige
Arbeitsfä
higkeit
erl
angt werden
könne (S. 45-47).
Retrospektiv
sei die Beschwerdeführerin
seit Beginn ihrer Krankschreibung
im Dezember 2013 bis zur Aufnah
me der regelmässigen psychiatrisch-psychothera
peutische
n
Behandlung bei
Dr.
G._
am 1
6.
April 2
015 mehrheitlich zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
.
Spätestens ab Oktober 2015 (also
sechs
Monate nach Behandlungsbeginn) hätte dank der Psychotherapie, welche laut
der Be
schwerdeführerin
subjektiv auch wirksam gewesen sei, wieder eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit hergestellt
worden sein
müssen. Aufgrund der aktuellen Sympto
matik
könne
heute noch von einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, welche sich unter Therapie
wohl weiter steigern lasse
.
Zu
letzt
sei sie in einem Café
in einem 40
%
-Pensum tätig
gewesen
. Bezogen auf ein Vollzeitpensum
sei ihr
diese Tätigkeit aus interdisziplinärer Sicht zu 70
%
zumu
t
bar. Die Haushaltsabklärung von
Oktober 2014
habe eine Einschrän
kung im Haushaltsbereich von ebenfalls knapp 30
%
(28,5
%
)
ergeben
. Dies
sei
aufgrund
der aktu
el
len Befunde immer noch nachvollziehbar und plausibel. Auch in einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren Verweistätigkeit
sei sie m
e
dizinisch-theoretisch zu 70
%
arbeitsfähig (S. 47 f.).
3.6
Dr.
med.
B._
, Neurologie FMH,
führte in seinem Bericht vom 2
7.
April 2017 (
Urk.
3/7) folgende Diagnosen auf:
-
Status nach u
n
klarer prolongierter Episode mit Amnesie/Verwirrtheitsepisode Mitte Februar 2017
-
aktuell keine sicheren
Anhaltspunkte für eine zugrundeliegende organisch-neurologische Ursache
-
leichtgradige kognitive Defizite (vermehrte Vergesslichkeit, Konzentrations
störungen)
-
am ehesten im Rahmen einer depressiven Stimmungslage
Dazu hielt er fest,
für die aktuell beklagten leichtgradigen kognitiven Defizite ergäben sich keine Hinweise auf eine zugrundeliegende organisch-neurologische Ursache. Auch die prolongierte Episode mit Amnesie (Blackout) bleibe ätiologisch unklar. Aktuell ergäben sich keine Hinweise auf ein zugrundeliegendes epilepti
sches Geschehen. Bei der EEG-Untersuchung zeige sich eine normale Grundakti
vität, zusätzlich eine unspezifische (
bifrontotemporal
-betonte) Funktionsstörung ohne Nachweis epilepsieverdächtiger Potentiale. In der klinisch-neurologischen Untersuchung fänden sich keine Auffälligkeiten. Auch bei der neuropsychologi
schen Exploration ergäben sich keine Hinweise auf eine relevante Beeinträchti
gung der kognitiven Funktionen. Die beklagten kognitiven Defizite seien am ehesten im Rahmen der bekannten Depression (depressive Stimmungslage) zu in
terpretieren.
Bei der aktuellen MRI-Untersuchung ergäben sich keine Hinweise auf eine neurodegenerative Erkrankung, insbesondere nicht auf einen Morbus Alzheimer oder eine
f
rontotemporale
Demenz. Von neurologischer Seite bestehe derzeit kein dringender weiterer Abklärungsbedarf. Sollten sich allerdings ähnli
che Episoden (Amnesie, Verwirrtheit) wiederholen, müsse erneut ein epileptisches Geschehen ausgeschlossen werden.
4.
4.
1
In Bezug auf die Qualifikation der Beschwerdeführerin ging die Beschwerdegeg
nerin von einer 32%igen Erwerbstätigkeit sowie einer 68%igen Tätigkeit im Auf
gabenbereich aus. Die Beschwerdeführerin machte hingegen eine 100%ige Er
werbstätigkeit im Gesundheitsfall geltend (
Urk.
1 S. 10).
4.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE
144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V
334
E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b
).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
4.3
Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 1
0.
Oktober 2014 (Urk. 7/26) gab die Be
schwerdeführerin zu Protokoll, bei guter Gesundheit würde sie einer 80-100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen (S. 4). Dazu ist jedoch festzuhalten, dass sie seit ihrer Einreise in die Schweiz im August 2006 nie in einem solchen Pensum erwerbstätig war (vgl.
Urk.
7/7). Ab Mai 2011
arbeitete sie mit
einem
knapp 32
%-Pensum im Café
J._
(
Urk.
7/8), zu diesem Zeitpunkt war ihre Gesundheit
noch nicht beeinträchtigt. Dass sie eine zusätzliche Teilzeitstelle oder eine andere
Arbeit
mit einem höheren Pensum gesucht hätte, wurde von ihr weder belegt, noch vermochte sie weitere
diesbezügliche
Angaben zu machen. Vielmehr gab ihr ehemaliger Arbeitgeber auf entsprechende
Anfrage der
Beschwerdegegnerin
hin an, sie habe nie ein Interesse gezeigt, mehr Arbeiten/Stunden zu übernehmen oder ihr Tätigkeitsfeld auszuweiten, auch nicht, als ihr dies offeriert worden sei. Die Möglichkeit, Überstunden zu machen, habe sie nicht wahrgenommen und auch nie kommuniziert, dass sie beispielsweise aus finanziellen Gründen mehr würde arbeiten wollen (
Urk.
7/26/5). Ihre beiden Töchter waren bei Aufnahme der Tätigkeit im Café
J._
17 und 20 Jahre alt
,
eine Unterstützungsbedürftigkeit
,
welche gegen eine höhere als
die
32
%ige Erwerbstätigkeit gesprochen hätte, be
stand damit
seit Längerem
nicht mehr.
Dennoch hat die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum nicht erhöht.
Sie
ist seit 1990 verheiratet, ihr Ehemann erzielt ein E
inkommen von
Fr.
5'787.60 (Urk.
7/26/4 und
Urk.
7/1/1).
Anlässlich der Begut
achtung gab
sie
an, um keine finanziellen Sorgen zu haben, würden sie eigentlich die zuvor verdienten F
r.
1'200.-- brauchen (Urk. 7/58 S.
33), vom Erfordernis eines höheren Einkommens und
damit einhergehend
der Notwendigkeit eines hö
heren Arbeitspensums war nicht die Rede.
Die
behauptete
100%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
ist zusammengefasst nicht nachvollziehbar. Vielmehr legen die Summe der einzelnen Aspekte der er
werblichen Umstände der Beschwerdeführerin nahe, dass sie bei intakter Gesund
heit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer ausserhäuslichen Erwerbstätig
keit im Umfang von 32 % nachgegangen wäre. Ausschlaggebend ist
ihre Erwerbs
biografie, gemäss welcher sie bei
Ausbruch
der gesundheitlichen
Beschwerden
be
reits während mehreren Jahren aus nicht medizinischen Gründen nicht oder le
diglich in einem tiefen Teilzeitpensum erwerbstätig war.
Sie
ist
somit
als zu 32 % erwerbs- und zu 68 % im Haushalt tätig zu qualifizieren.
Die 28.5%ige Einschrän
kung im Aufg
abenbereich (vgl. Urk.
7/26/9) ist ausgewiesen und nicht bestritten.
4.4
Bei einer Gewichtung des Aufgabenbereichs zu 68
%
und einer dabei bestehenden Einschränkung von 28.5
%
ergibt
sich
ein
diesbezüglicher
Teilinvaliditätsgrad von 19.38
%
. Damit die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invali
denversicherung hätte, wäre im Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von
min
destens
20.12
%
(39.5-19.38)
erforderlich beziehungsweise
bei einer Gewichtung zu 32
%
eine Arbeitsfähigkeit von
weniger als 11.88
%
(
0.32
x[
100-
{
20.12/0.32
}
])
in der angestammten Tätigkeit
(vgl.
bis 3
1.
Dezember 2017 gültige Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemisch
ten Methode
E. 1.3
hievor
)
.
Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.
5.
5.1
Das polydisziplinäre Gutachten der
Y._
AG vom
2.
August 2016 (E. 3.5
hievor
) beruht auf den erforderlichen allgemeininternistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorak
ten erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuch
tend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Sie zeigten auf, dass
sie
aus allgemeininternistischer Sicht nicht in
der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei und - bei fehlenden De
fiziten im Bereiche der Gelenke,
der Wirbelsäule sowie der Muskulatur - auch aus rheumatologischer Sicht in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bestehe.
Sie wiesen auf ein im Dezember 2015 durchgemachtes
Lumboischialgiesyndrom
hin, welches
die Beschwerdeführerin
aber funktionell nicht einschränke
,
und schlossen
ein
entzündlich rheumatisches Geschehen, eine beginnende Kollagenose
oder
eine
Myopathie
aus
.
Die Gutachter verneinten eine Depression und legten dar, dass eine leichtere depressive Verstimmung und Ängste auch bei einer somatoformen Schmerzstörung beziehungsweise einer Neurasthenie vorkämen, ebenso Freudlo
sigkeit, abnehmendes körperliches Wohlbefinden sowie muskuläre und andere Schmerzen.
Sie hielten unverarbeitete Verlusterlebnisse fest, welche der somato
formen Schmerzstörung zugrunde lägen
,
und führten aus, dass diese zusammen mit den
weiteren psychiatrischen
Diagnosen zu einer
Einschränkung der
Arbeits
fähigkeit
führen würden.
Die Gutach
ter gelangten so
dann zum ausführlich be
gründeten Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in der an
gestammten Tätigkeit nicht eingeschränkt ist,
aus
psychiatrischer
Sicht hingegen von Dezember 2013 bis April 2015 eine 100%ige, anschliessend bis Oktober 2015 eine 50%ige und seit August 2016 eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestand.
Das Gutachten entspricht damit de
n rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4
hievor
).
5.2
5.2.1
Die Beschwerdeführerin kritisierte das Gutachten in
verschiedener
Hinsicht.
Dazu ist i
n Bezug auf ihre Ablehnung von Gutachter
Dr.
Z._
(
Urk.
1 S. 11 f.)
vorab festzuhalten,
dass sich d
as
Bundesgericht bereits mehrmals mit der Frage der Be
fangenheit von
Dr.
Z._
zu befassen hatte. Im Entscheid 9C_970/2012 vom 23. April 2013 E. 4.3.2 erwog es, das
Dr.
Z._
zur Last gelegte Verhalten be
treffe eine Begutachtung, die 2007 stattgefunden habe, somit fast fünf Jahre zu
rückliege und überdies eine andere versicherte Person betreffe. Selbst wenn
Dr.
Z._
einmal Jahre zuvor entgegen seinen Angaben im Hauptgutachten seine Gesamtbeurteilung ohne vorherige Rücksprache und ausdrückliches Einver
ständnis mit einem Teilgutachter, der keine pathologischen Befunde erhoben habe, vorgenommen haben sollte, vermöge dies nicht rund fünf Jahre später noch objektiv den Anschein von Befangenheit zu wecken. Für diese Annahme bedürfe es vielmehr anderer, die konkrete Begutachtung betreffende Umstände. Solche sind vorliegend
aber
weder in fachlicher noch in persönlicher Hinsicht ausgewie
sen.
Dass die Gutachter abwertend über die Beschwerdeführerin gesprochen hät
ten (
Urk.
1 S. 5)
,
lässt sich dem Gutachten ebenso wenig entnehmen wie
Hinweise auf eine
sonst
irgendwie geartete Voreingenommenh
eit. Vielmehr erweist sich
das Gutachten und insbesondere die Wiedergabe der Ausführungen der Be
schwerdeführerin a
ls objektiv und auch respektvoll abgefasst.
Hinweise darauf, dass das Gutachten unsorgfältig und nicht lege
artis
erstellt worden wäre, ergeben sich keine.
Von einer diesbezüglichen Befragung der Beschwerdeführerin - wie von ihr beantragt (Urk. 1 S. 5) - sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu
verzichten ist.
5.2.2
Die Beschwerdeführerin brachte weiter vor, die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärungspflicht verletzt. So
hätten
d
en Gutachtern unter anderem die Unterla
gen bezüglich des im November 2015 erlittenen
Lumbovertebralsyndroms
nicht vorgelegen (
Urk.
1
S. 9). Entgegen ihren Ausführungen wurde
dieses
von den Gutachtern jedoch berücksichtigt.
Dr.
H._
führte diesbezüglich aus, es bestehe als Restbefund noch ein leichtes Taubheitsgefühl am lateralen rechten Fuss, wel
ches sie aber funktionell nicht einschränke (E. 3.5
hievor
). Den Gutachtern lagen zudem die
aktuellen
radiologischen Befunde der Hals-, Lenden- und Brustwirbel
säule sowie der rechten Schulter vom 3
0.
März 2016 vor (vgl. Urk.
7/58 S.
24) und es ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse sie aus dem Bericht der SOS-Ärzte vom 1
8.
November 2015 (
Urk.
7/72/3) sowie der Physiotherapie
verordnung
vom
1
8.
Januar 2016 (Urk. 7/72/4 f.) hätten gewinnen können. Wei
ter hätte
n
gemäss
der
Beschwerdeführerin
bei der behandelnden Psychiaterin ein
Standard- sowie ein
Verlaufsbericht eingeholt werden müssen (
Urk.
1 S. 8).
Dr.
G._
äusserte sich jedoch mit Bericht vom 2. Dezember 2015 (E. 3.4
hie
vor
) umfassend zu
m
Gesundheitszustand und erachtete eine Erwerbstätigkeit als nicht möglich. Auf das Einholen eines Formular- oder Verlaufsberichtes konnte damit verzichtet werden. Dass
Dr.
G._
im Bericht keine Diagnosen aufführte, ändert daran nichts,
kommt es doch invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose an, sondern
vor allem
darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1).
Dies gilt auch in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin kritisierte Diagnosestellung im Gutachten (vgl.
Urk.
1 S. 12 f.). Entgegen ihren Vorbringen (vgl.
Urk.
1 S. 13) ging Gutachterin med.
pract
.
I._
zudem nicht von einer durchgehend 70%igen Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht aus, sondern erachtete diese als
von Dezember 2013 bis
April 2015
zu 100
%
, anschliessend
bis im Oktober 2015
zu 50
%
und seit der Begutachtung
im August 2016
zu 30
%
eingeschrä
nkt (E.
5
.1
hievor
).
Es ist
somit
auch nicht zu beanstanden, dass sie auf die - während der 100%igen Arbeitsun
fähigkeitsphase erfolgte -
stationäre Behandlung im Sanatorium
F._
(E. 3.
3
hievor
) im November/Dezember 2014
nicht weiter einging.
Dasselbe gilt für die Behandlung in der
K._
im August 2014, welche die Beschwerdeführerin
ohnehin nach
dem Eintrittsge
spräch
wieder
abgebrochen hatte (vgl. Urk.
7/
72/9).
Inwiefern ein Bericht der Hausärztin (vgl.
Urk.
1 S. 8) etwas am Gutachten geändert hätte,
wurde von der Beschwerdeführerin nicht ausgeführt.
Eine Verletzung der Abklärungspflicht ist
nach dem Gesagten
nicht auszumachen.
5.2.3
Gemäss dem behandelnden Neurologen
Dr.
B._
hätten sich bei der
klinisch-neurologischen Untersuchung keine Auffälligkeiten gefunden
, ebenso wenig
Hin
weise auf eine relevante Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen
bei der neu
ropsychologischen Exploration beziehungsweise
auf eine neurodegenerative Er
krankung
bei der aktuellen MRI-Untersuchung. Aus neurologischer Sicht erach
tete er weitere Abklärungen als
nicht
erforderlich (E. 3.
6
hievor
). Weshalb
in An
betracht dieser
Umstände eine zusätzliche neurologische sowie neuropsychiatri
sche Begutachtung erforderlich gewesen wäre (vgl.
Urk.
1 S. 7 f.), ist damit nicht ersichtlich, zumal bereits zuvor auch die behandelnde Psychiaterin keine ausge
prägten kognitiven Symptome beobachten konnte (
Urk.
3/8/3).
5.2.4
Die Beschwerdeführerin machte verschiedene Fehler in den biografischen Anga
ben geltend (
Urk.
1 S. 8 f.), doch sind diese einerseits für die Einschätzung der Gutachter nicht ausschlaggebend und ist andererseits nicht ersichtlich, inwiefern ihre Berichtigungen
an dieser etwas
geändert hätten.
Auf psychosoziale Faktoren wies bereits der behandelnde
Dr.
C._
hin (vgl.
Urk.
7/65/5
mit Hinweis auf
Urk.
7/
21) und
die Gutachter erachteten eine vorübergehend 100-50%ige und weiterhin 30%ige Arbeitsunfähigkeit
dennoch
als ausgewiesen.
Es kann
somit
keine Rede davon sein, dass die Gutachter teilweise bewusst unwahre Angaben gemacht hätten, um ihre Einschränkungen in der Alltagsgestaltung zu verharm
losen oder die biographischen Angaben zu ihren Ungunsten zu verdrehen (
Urk.
1 S. 10 f.).
5.3
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen damit nichts an der Be
weiskraft des Gutachtens zu ändern. Auf dieses ist vielmehr
abzustellen
und auf die beantragte Neubegutachtung
(
Urk.
1 S. 2)
zu verzichten
.
Zu prüfen
bleibt je
doch
die
von den
Gutachter
n attestierte
Arbeitsfähigkei
t aus psychischen Grün
den von 0
%
von Dezember 2013
bis
April 2015 mit an
schliessender Steigerung auf 50
% bis Oktober 2015 und weiterer Steigerung auf 70
%
bis August 2016.
6
.
6.
1
Gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich ge
forderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
anschliessende
juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Or
gane der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall
gemäss
der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsan
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten ha
ben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprü
fung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli
Kieser
[Hrsg.], Sozial
versicherungsrechtstagung 2016, S. 142 Ziff. 3.3.3), sondern im Rahmen der Be
weiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizi
nisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Ur
teil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entschei
dend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Stö
rung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus ju
ristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
mass
geblichen
Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht ge
leistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
6
.
2
6
.
2
.1
Beeinträchtigungen der psy
chischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschä
den eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
6
.
2.
2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
6
.
3
6
.
3
.1
Was den K
omplex
„Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2).
Die
Beschwerdeführer
in
leidet
gemäss
den Gutachtern sowie ihrer behandelnden Psychiaterin an verschiedenen psychi
schen Störungen
.
Es liegen
aber
auch
gewichtige
psych
osoziale
Belastungsf
akto
ren (
vorübergehende Krebse
rkrankung Ehemann, Drogensucht Schwester, finan
zielle Probleme)
vor, welche rechtlich keine Invalidität zu begründen mögen.
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagno
serele
vanten Befunde damit als höchstens mittelgradig ausgeprägt.
6.3
.
2
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resis
tenz
“ nahm
die Beschwerdeführerin
erstmals im
Dezember 2013
eine psychiatri
sche Behandlung in Anspruch
. Ihr Gesundheitszustand scheint sich seither nicht
verändert
zu haben, doch war einerseits ihre Compliance nicht immer gut (vgl.
Urk.
7/58 S. 53 sowie Abbruch der Behandlung durch Dr. med. Han, Psychoso
matische und Psychosoziale Medizin SAPPM, nachdem die Beschwerdeführerin nur unzuverlässig mitgearbeitet habe,
Urk.
3/10 S. 2) und sind andererseits die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. So empfahlen die Gutachter eine psychosomatisch orientierte stationäre Behandlung, eine Behandlung der Verlusterlebnisse sowie eine adäquate
Therapie
der Panikstörung
. Von einer Be
handlungsresistenz kann
damit
noch längst nicht gesprochen werden.
6.3
.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Als „Komorbiditäten“ zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen sind
vorlie
gend
mit den
verschiedenartigen
psychischen Beschwerden
ausgewiesen.
6.3
.4
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgen
des:
Die Beschwerdeführerin ist seit 1990 ver
heiratet
und führt mit ihrem Ehe
mann seit Jahrzehnten eine stabile, tragfähige Beziehung (
Urk.
7/1 S. 1 und
Urk.
3/8 S. 1). Sie
hat zwei erwachsene Töchter, wovon die Ältere
bei ihnen wohnt und sie im Haushalt unterstützt.
Durch
ihre
Einbettung in die Familie
und die ihr
obliegenden
Aufgaben
erhält
sie
eine Tagesstruktur. Trotz
des von ihr geschilder
ten
sozialen Rückzugs enthält
ihr
Lebenskontext damit bestätigende, sich poten
ziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren. Hinweise auf eine auffäl
lige Persönlichkeitsstruktur, welche negative Auswirkungen auf das Leistungs
vermögen hätte, bestehen keine.
6.3
.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
[Hrsg.], Das
indikatorenorientierte
Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt
der Indikator „
gleich
mässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonsti
gen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur gel
tend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Das Aktivitätsniveau de
r
Beschwerdeführer
in
ist deutlich eingeschränkt
. Sie
hat jedoch eine Tagesstruktur, vermag
mit Pausen
wenigstens
einen
Teil des Haus
halts zu
erledigen
, kocht
jeden
Abend
für ihren Ehemann und isst mit diesem.
Ansonsten
sitzt oder liegt sie überwiegend im Wohnzimmer und liest zwischen
durch etwas
.
E
ine
gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus
verglichen mit
der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit von
100
%
ist damit nicht
erstellt
.
6.3
.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25
Rz
60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht
spre
chung, S. 129) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt wer
den (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
derung. Inkon
sistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend ge
machte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesund
heitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin
steht seit
Dezember 2013
in psychiatrischer B
ehandlung
,
doch unterbrach sie diese Ende 2014 und wechselte erst mehrere Monate später auf entsprechende Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin im April 2015 zu
Dr.
G._
(vgl.
Urk.
7/34 und
Urk.
7/36-37). Auch eine Behandlung in der
K._
brach sie bereits nach dem Eintrittsgespräch wieder ab (vgl. Urk. 7/72/9). Im April 2017 brach zudem
Dr.
L._
die bei ihr begonnene
Therapie
wegen unzuverlässiger Mitarbeit der Beschwerdeführerin wieder ab (
Urk.
3/10 S. 2). Die Behandlung bei
Dr.
C._
fand ein- bis viermal pro Monat statt (E. 3.2
hievor
und
Urk.
7/26 S. 3), diejenige bei
Dr.
G._
alle zwei Wochen (
Urk.
7/58 S. 17 und
Urk.
7/73 S. 5). Bislang
erfolgte
eine rund dreiwöchige stationäre psychiatrische Behandlung
(E.
3.
3
hievor
),
nicht aber
eine psychosomatisch orientierte stationäre
oder
eine adäquate Behandlung der Panikstörung mit entsprechender pharmakologischer Therapie.
In Anbetracht der geltend gemachten ausgeprägten Beschwerden kann bei einer solch
en
Behandlungsintensität nicht von einem ausgewiesenen Leidens
druck gesprochen werden.
Die
Beschwerdeführer
in hat sich
zudem nie nachweis
lich um Eingliederungsmassnahmen bemüht. Eingliederungsanamnestisch ist da
mit kein Leidensdruck ausgewiesen.
6.3
.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die
massgeblichen
Indi
katoren eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche
wenigs
tens vorübergehend zur An
erkennung
einer
für eine
Rentenzusprache
erforderli
chen
Arbeitsunfähigkeit
von über 85
%
(vgl. dazu E. 4.
4
hievor
)
aus psychischer Sicht führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Es erübrigt sich damit, auf den von den Gutachtern dargelegten Verlauf der Ar
beitsunfähigkeit ab Dezember 2013 (E.
5.1
hievor
) weiter einzugehen.
6.4
Der massgebliche Beurteilungszeitraum umfasst lediglich die Zeit bis zum ver
fü
gungsweisen Abschluss des Verwaltungsverfahrens am
6.
April 2017 (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Am 1
5.
Mai 2017 machte die Beschwerdeführerin
bei der Beschwer
degegnerin
eine Verschlechterung geltend
, wies auf den Beginn einer stationären Behandlung am
7.
Mai 2017 hin
und ersuchte um Sistierung des Verfahrens bis zum
Gerichtsentscheid
in vorliegender Sache
(Urk.
7/85). Der am 23. Juni 2017
im Beschwerdeverfahren
eingereichte Austrittsbericht des
M._
vom 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
9 und
Urk.
10) ist damit
vorliegend
nicht zu be
rücksichtigen, sondern wird von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der
bereits erfolgten
Neuanmeldung zu prüfen sein.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 1’000.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.