Decision ID: 14ff694f-0b2e-401c-ac1f-11360435fe5f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1968 und Mutter dreier erwachsener Kinder, war vom 1. Oktober 2001 bis 30. Juni 2016 bei der Y._ AG als Client Service
Assistant
tätig, wobei der letzte Arbeitstag der 18. November 2015 war (Urk. 6/24). Unter Hinweis auf diverse somatische und psychische Beschwerden meldete sich die Versicherte am 19. Februar 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 6/14) und holte bei Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. A._, Facharzt für Rheumatologie, ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am 12. April 2017 (bzw. korrigiert am 27. Juni 2017) erstattet wurde (Urk. 6/51; Urk. 6/55).
Nach durgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/58; Urk. 6/60; Urk. 6/63) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. November 2017 einen Rentenan
spruch (Urk. 6/66 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 20. Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr spätestens ab dem 1. September 2016 eine ganze IV-Rente auszurichten, even
tuell sei ein umfassendes polydisziplinäres Gutachten einzuholen und subeven
tuell seien ihr Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2018 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 20. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (Urk. 2) damit, dass das ein
geholte Gutachten den Anforderungen genüge. Sämtliche Erkrankungen seien medizinisch behandelbar. Für etwaige Eingliederungsmassnahmen müsse die Beschwerdeführerin motiviert sein und sich arbeitsfähig fühlen, was nicht der Fall sei (S. 1 f.).
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 5) ergänzte die Beschwerdegegnerin, dass bei der
bidisziplinären
Untersuchung in den Fachrichtungen Psychiatrie und Rheuma
to
logie eine Fibromyalgie, eine chronische Müdigkeit mit Hinweis auf eine Erschöpfungs
symptomatik, eine leichtgradige depressive Episode ohne somati
sches Syndrom sowie eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden seien (S. 1). Die durchgeführte Ressourcenprüfung habe ergeben, dass Ressourcen vorhanden seien, kein sozialer Rückzug zu erkennen sei und ausserdem ver
schiedene Inkonsistenzen festgestellt worden seien. Ebenso fehle es an einem erheblichen Leidensdruck. Der Beschwerdeführerin stünden Behandlungs- bzw. Therapieoptionen offen. Eine langandauernde, IV-relevante Erkrankung liege damit nicht vor (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), das eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten überzeuge aus – näher dargelegten – Gründen nicht (S. 10 ff.). Die Therapierfähigkeit sei kein Ausschlussgrund für die Entstehung eines Rentenanspruches. Gestützt auf die medizinischen Akten sei sie seit dem 21. September 2015 vollständig erwerbsunfähig, weshalb sie nach Ablauf des Wartejahres ab dem 1. September 2016 Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 13). Selbst bei Berücksichtigung des schwer verständlichen
bidisziplinären
Gutachtens hätte sie unter Gewährung eines 15%igen Leidensabzugs Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(S. 13 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerde
gegnerin den Sachverhalt in genügender Weise abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, berich
tete der Beschwerdegegnerin am 16. März 2016 (Urk. 6/20/6-8). Er nannte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein rezidivierendes pan
vertebrales Syndrom bei leichter Fehlform der Wirbelsäule und degenerativen Veränderungen mit generalisiertem weichteilrheumatischen Syndrom sowie ein
femoro
-patellares Schmerzsyndrom rechts. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom rechts sowie eine Tendovaginitis
stenosans
Dig
. III rechts (Ziff. 1.1).
Er habe die Beschwerdeführerin von August 1993 bis September 2015 behandelt (Ziff. 1.2). Anamnestisch bestünden seit 1993 leicht progrediente, anfänglich lumbale, in der Folge panvertebrale Rückenschmerzen mit allmählicher Ent
wick
lung eines generalisierten weichteilrheumatischen Syndroms. 14 der klassischen Fibromyalgie-Druckpunkte seien schmerzhaft (Ziff. 1.4). Es bestehe eine einge
schränkte Beweglichkeit im Bereiche der Wirbelsäule. Die Schmerzen verstärkten sich bei Flexion und beim Heben von Lasten (Ziff. 1.7). Seit dem 25. September 2015 bestehe bis auf Weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). In einer behinderungsangepassten Tätigkeit, mithin für eine leichte körperliche Arbeit im Wechsel von Sitzen und Stehen und ohne Heben von Lasten, liege die Arbeitsfä
higkeit medizinisch theoretisch bei 60 % (Ziff. 1.7).
3.2
Fachpsychologin
lic.
phil. C._ nahm mit Bericht vom 6. April 2016 (Urk. 6/23) Stellung zu den Fragen der IV-Stelle. Sie führte aus, die Beschwerde
führerin leide an einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) auf
dem
Hintergrund einer langandauernden Überlastungssituation mit Erschöpfungszustand
und einer akzentuierten Persönlichkeit mit perfektionisti
schen, anankastischen und selbstunsicheren Zügen sowie an einem Fibromyal
giesyndrom (Ziff. 1).
3.3
Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete der Beschwerdegegnerin am 21. Juli 2016 (Urk. 6/29). Er nannte als Diagnosen eine Erschöpfungsdepression, eine fragliche Fibromyalgie, ein chroni
sches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom sowie ein chronisches
lumbospon
dylogenes
Syndrom. Er führte aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe ein chro
nifiziertes panvertebrales Schmerzsyndrom, möglicherweise eine Fibromyalgie. Daneben bestehe eine depressive Entwicklung bei chronischer psychosozialer Belastungssituation. Von der bislang in der Klinik E._ durchgeführten ambulanten Physiotherapie habe die Beschwerdeführerin nicht profitiert. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin arbeitsunfähig. Er sei der Meinung, dass ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik durchgeführt wer
den müsste, damit die Beschwerdeführerin klar beurteilt werden und ein Fort
schritt erreicht werden könne (S. 1).
3.4
Die Beschwerdeführerin war vom 22. August bis 30. September 2016 in der Klinik F._ hospitalisiert. Die Ärzte diagnostizierten im Austrittsbericht vom 17. Oktober 2016 (Urk. 6/34) eine chronifizierte generalisierte Schmerzstörung im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine mittel
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit akzentuierten Persönlichkeitszü
gen (S. 1 oben). Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin sei bei chronischen ausgedehnten Schmerzen, Schlafstörung mit Erschöpfung und Depression von ihrem Hausarzt zugewiesen worden. Sie sei im September 2015 krankgeschrieben worden und habe die Kündigung per Juli 2016 erhalten. Ihr Ehemann sei an einer
Psoriasisartritis
erkrankt und IV-Bezüger. Vor einigen Monaten habe die Beschwerdeführerin eine psychotherapeutische Behandlung bei Frau C._ begonnen. Sie sei im multimodalen Therapieprogramm mit Einzelpsycho
therapie, Psychoedukation zum Thema chronischer Schmerz in der Gruppe, Sozialberatung, Kreativtherapien und angepasster Bewegungstherapie, behandelt worden.
In der Bewegungstherapie habe sich bei Eintritt eine deutliche Dekonditionierung gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe regelmässig am Bewegungsprogramm teil
genommen und sich so im Verlauf der Gehtests gesteigert. In der Sozialberatung sei die Situation mit der Invalidenversicherung besprochen worden. Die Beschwerdeführerin wünsche längerfristig berufliche Massnahmen durch die IV (S. 2). In den zehn Einzelgesprächen sei ihre Tendenz zur Überanpassung und Ängstlichkeit thematisiert worden. Es sei ihr im Verlauf gelungen, in Ansätzen ihr Verhalten und Denken zu reflektieren. Insgesamt habe sie den Aufenthalt doch als sehr positiv bewertet. Sie habe sich mehr bewegt, sei körperlich besser belast
bar, nehme ihren Körper besser wahr, der Schlaf sei etwas besser geworden und sie sei zu sich selbst und zur Ruhe gekommen. In der psychometrischen Testung ergäben sich keine grossen Veränderungen. Für die Dauer des Klinikaufenthaltes habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 3).
3.5
Am 12. April 2017 (Urk. 6/51 beziehungsweise korrigiert Urk. 6/55) erstatteten Dr. Z._ und Dr. A._ ein
bidisziplinäres
Gutachten gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin am 14. (psychiatrisch) und 28. Februar 2017 (rheumatologisch). In der Konsensbeurteilung nannten sie die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 47 Ziff. 1.1):
-
generalisierendes nicht näher spezifizierbares weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom
-
erfüllte Kriterien mit für eine Fibromyalgie 18 von 18 positiven Tender
points und multiplen Kontrollpunkten
-
im Sinne einer generalisierten
Allodynie
-
ohne somatisch-strukturelles Weichteilkorrelat
-
chronische Müdigkeit mit Hinweis für eine Erschöpfungssymptomatik bei gestörtem Durchschlaf DD:
Chronic
Fatigue-Syndrom
-
leichtgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.0)
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), Ausprägung eher mittel
gra
dig
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gut
ach
ter mehrsegmentale, zum Teil fortgeschrittene
Chondrosen
und
Osteo
chondro
sen
mit degenerativ bedingter Streckhaltung zwischen Halswirbelkörper (HWK) 4 und 7 sowie eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD
10 F43.21) bis Juli 2016 (S. 47 f. Ziff. 1.2).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin wirke introver
tiert und bereits bei geringen Anforderungen überfordert. Nebst einem reduzier
ten Selbstvertrauen fänden sich eine ausgeprägte Gewissenhaftigkeit und Zuver
lässigkeit (S. 14 unten). Die Beschwerdeführerin gebe selber an, sie hätte erhebliche Probleme mit dem Antrieb. Andererseits könne sie in den Urlaub fahren, Grillfeste arrangieren und innerhalb der Familie funktionieren. Der Tagesablauf sei jedoch von einer erheblichen Antriebslosigkeit geprägt. Des Wei
teren könne in der Untersuchungssituation die Aufmerksamkeit gelenkt werden und es fände sich eine geringgradige Beeinträchtigung in der strukturierten Erfassung des Gedächtnisses (S. 15). Die Beschwerdeführerin wirke gering schwingungsfähig und affektiv eingeschränkt. Es komme zur situationsunange
passten Zurückhaltung und Überängstlichkeit. Es liege eine
schwerstgradige
Beeinträchtigung der Selbstwahrnehmung vor, da die Beschwerdeführerin sich aktuell nur noch als Schmerz definiere (S. 16). Die Beschwerdeführerin gebe an, sie sei aufgrund der fehlenden Leistungsfähigkeit in der letzten Arbeitsstelle ent
lassen worden. Im Gegensatz hierzu gebe sie jedoch eine erhebliche psychosoziale Belastungssituation nach der Umwandlung und dem sogenannten Outsourcing der eigenen Arbeitsstelle an. Aktuell fänden sich jedoch ab etwa Juli 2016 keine solchen Belastungssituationen mehr. Hingegen fänden sich - näher ausgeführt - Hinweise auf eine Aggravation der Symptome (S. 17). In der Untersuchungssitu
ation seien Einschränkungen bezüglich Merkfähigkeit aufgefallen, die jedoch im Gesamtkontext nicht einzuordnen seien. Insgesamt fänden sich jedoch nur geringe Störungen kognitiver Funktionen. Es bestünden Symptome einer leichten depressiven Erkrankung, die etwa ab Februar 2016 zu diagnostizieren sei. Auch ein somatisches Syndrom sei aktuell nicht darstellbar. In den Akten und in den anamnestischen Angaben fänden sich genügend Anhaltspunkte, dass eine leicht
gradige bis mittelgradige depressive Erkrankung ab Juli 2016 diagnostizierbar sei. Ebenfalls sei ab Juli 2016 ausreichend sicher eine somatoforme Schmerzstö
rung mittelgradiger Ausprägung zu diagnostizieren (S. 23 oben). Innerhalb der Aktenlage fänden sich verschiedene Hinweise auf die Überforderungssituationen der Beschwerdeführerin, die sie nur mittels Schmerzsymptomatik lösen könne. Auch innerhalb der Untersuchungssituation selber fänden sich immer wieder Hin
weise, dass die Beschwerdeführerin per se überfordert mit dem Stellen eigener Ansprüche sei. Es fänden sich somit einerseits hohe emotionale Konflikte und psychosoziale Probleme (S. 23 unten). Als komorbide Erkrankung sei eine leicht
gradig ausgeprägte depressive Erkrankung zu nennen. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin komme es nicht zur sozialen Isolation (S. 24 oben).
Der rheumatologische Gutachter hielt fest, der pathologische Befund entspreche einer generalisierenden
Weichteilmissempfindung
, die er nicht näher spezifi
zieren könne, mit multiplen Tenderpoints an oberer und unterer Extremität und pan-/paravertebral betont im Bereiche der Schultergürtelregion und hochpara
thorakal, jedoch ohne strukturelles Korrelat. Es bestehe eine segmental freie Beweglichkeit des Achsenskelettes und der peripheren Gelenke, ohne reprodu
zierbare schmerzauslösende oder pathologische Bewegungsausschläge. Der Befund entspreche einer generalisierenden
Weichteildruckdolenz
im Sinne einer generalisierenden Fibromyalgie oder
Allodynie
(S. 41).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wurde von den Gutachtern ausgeführt, bezogen auf ein volles Pensum bestehe aus rheumatologischer Sicht für eine leichte bis zeitweise wechselbelastende, selten mittelschwere Tätigkeit und jede andere ähn
liche Verweistätigkeit eine bleibende 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die 20%ige ver
bleibende Arbeitsunfähigkeit diene dazu, die Ruhepausen einhalten zu können (S. 51 oben). Aus psychiatrischer Sicht und basierend auf der leichten bis teilweise mittelgradigen depressiven Erkrankung und der mittelgradigen somatoformen Störung sei in der angestammten und angepassten Tätigkeit von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 51 Mitte). Da die psychiatrische Symptomatik die orthopädische miteinschliesse und ab Juli 2016 auszusprechen sei, resultiere in der Gesamtbeurteilung ab diesem Datum eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit (Urk. 6/55 korrigierte S. 51 unten). In einer angepassten Tätigkeit (leichte bis zeitweise wechselbelastende, selten mittelschwere Tätigkeit) und jede andere ähnliche Verweistätigkeit bestehe eine 40%ige Arbeitsunfähig
keit beziehungsweise 60%ige Arbeitsfähigkeit (S. 52 Mitte). Unter Berücksichti
gung der empfohlenen therapeutischen Möglichkeiten (stationäre Therapie, anti
depressive Medikation; vgl. S. 50), welche von der Beschwerdeführerin aktuell abgelehnt würden, sei von einer erheblichen weiteren Besserung auszugehen. Die Therapiemassnahmen seien sinnvoll und zumutbar. Innerhalb einer Frist von zwei Jahren bestehe die Möglichkeit einer deutlichen Verbesserung zwischen 10 und 30 % (S. 52 Mitte).
3.6
Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), erachtete in seiner Stellungnahme vom 26. April 2017 (Urk. 6/56 S. 4-6) die Befunde und Diagnosen des eingeholten
bidisziplinären
Gutachtens (vgl. vor
stehend E. 3.5) als plausibel und nachvollziehbar. Er legte das Belastungsprofil wie folgt fest: Leichte bis zeitweise wechselbelastende, selten mittelschwere Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von schweren Gewichten, ohne kalte und feuchte Exposition (S. 5). Bezüglich einer künftigen Veränderung des Gesund
heitszustandes der Beschwerdeführerin führte er aus, eine Verbesserung sei unter entsprechenden Therapiemassnahmen innerhalb von zwei Jahren im Umfang von 10 bis 30 % zu erwarten. Es werde eine Weiterführung der stationären Therapie dringend empfohlen, ebenso die Weiterführung der begonnenen therapeutischen Schritte (pharmakotherapeutisch, Sport- und Entspannungstherapie, verhaltens
therapeutische Schritte). Vor Juli 2016 sei nicht von einer IV-relevanten Arbeits
unfähigkeit auszugehen (S. 6). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wurde mit ergän
zender Stellungnahme vom 3. Juli 2017 (Urk. 6/56 S. 7-8) ausgeführt, in der bisherigen Tätigkeit als Archivmitarbeiterin bestehe seit Juli 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, in einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil ab Juli 2016 eine solche von 40 % (S. 7).
3.7
Gestützt auf das psychiatrische (Teil-)Gutachten nahm die Beschwerdegegnerin eine Ressourcenprüfung (vgl. vorstehend E. 1.2) vor (Urk. 6/56 S. 7-10). Hinsicht
lich des funktionellen Schweregrads wurde die Ausprägung der diagnoserelevan
ten Befunde als überwiegend leichtgradig erachtet.
4.
4.1
Der psychiatrische Gutachter Dr.
Z._
ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und der rheumatologische Gutachter Dr. A._
Facharzt für Innere Medizin, speziell Rheumatologie,
so dass
beide Ärzte
zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
grundsätzlich befähigt
sind
. Das
bidis
ziplinäre
Gutachten (
vgl. vorstehend E. 3.5
) erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden
der
Beschwer
deführer
in
. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) erstellt und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das Gutachten
grundsätzlich
die
praxis
gemässen
Kriterien an ein beweiskräftiges G
utachten (vgl. vorstehend E. 1.4
).
4.2
Die Gutachter diagnostizierten ein generalisierendes, nicht näher spezifizierbares, weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom, eine mittelgradige somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine leichtgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.00). Sie attestierten der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine solche von 40 % in einer Verweistätigkeit (vgl. vorstehend E. 3.5).
Die Beschwerdeführerin leidet somit unter keinen invalidisierenden somatischen Erkrankungen beziehungsweise gemäss Diagnose von Dr. A._ an einem gene
ralisierenden, nicht näher spezifizierbaren,
weichteilrheumatologischen
Schmerz
syndrom in Form einer Fibromyalgie beziehungsweise somatoformen Schmerz
störung (vgl. vorstehend E. 3.5). Dabei handelt es sich indes nicht um organisch feststellbare Befunde, sondern um psychische Erkrankungen beziehungsweise psychosomatische Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3), was gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung nicht aus somatischer, sondern aus psychiatrischer Sicht zu überprüfen ist (vgl. nachstehend E. 4.3.1).
Es ist nachfolgend aus rechtlicher Sicht zu beurteilen, ob aufgrund der
somato
formen Schmerzstörung und der depressiven
Erkrankung, gegenwärtig
leichtgra
dig
, ohne somatische
s
Syndrom, eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
4.3
4.3.1
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art. 8 ZGB
) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nach
weis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Ein
schränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumut
bar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblichkeit, Unheilbarkeit und Dauerhaftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch ausserhalb der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann (BGE 139 V 547 E. 8.1 und E. 9.4, BGE 140 V 290 E. 3.3.1).
Den unklaren Beschwerden ist eigen, dass mittels klinischer psychiatrischer Untersuchungen weder Pathologie noch Ätiologie erklärbar sind (BGE 139 V 457 E. 9.4). Gemäss der seit BGE 130 V 352 geltenden Rechtsprechung genügt die Diagnose eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren Beschwerdebildes ohne organische Grundlage und die allein darauf gestützte medizinische Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht zum Nachweis einer rentenbegründenden Invalidi
tät.
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den Voraus
setzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und ver
gleichbare psychosomatische Leiden eine Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert (BGE 141 V 574 E. 3.4). Es erfolgte damit nicht eine Änderung der Voraussetzungen für den Leistungsanspruch, sondern die Schaffung neuer Standardindikatoren für dessen Beurteilung und eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens (BGE 141 V 281 E. 3.6 und E. 6, BGE 141 V 585 E. 5.3). Unverändert ist auch in Zukunft dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge der objektivierten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen „Validi
tät“ der die materielle Beweislast tragenden versicherten Person auszugehen ist (BGE
141 V 281 E. 3.7.2 unter Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 8.1, BGE 141 V 585 E. 5.3).
Zwar hatten die Ärztinnen und Ärzte bereits vor der Praxisänderung gemäss BGE
141 V 281 ihre Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in wel
chen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist (BGE 140 V 193 E. 3.2, BGE 139 V 547 E. 9.2.1). Die diesbezüglichen Anforderungen hat das Bundesge
richt aber nunmehr in BGE 141 V 281 konkretisiert. Aus den medi
zinischen Unterlagen muss genauer als bisher ersichtlich sein, welche funk
tionellen Aus
fälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheits
schäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnose
relevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter Zumut
barkeitsbeurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, trägt weiterhin die materiell beweislastbelastete ver
sicherte Person die Folgen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und ver
gleichbare Leiden können somit eine Invalidität begründen, sofern funk
tionelle Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwie
gender Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Ausmass nachgewie
sen sind (BGE 141 V 281 E. 6, BGE 141 V 574 E. 4.2).
4.3.2
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizi
nischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orien
tieren; die Gutachter im Idealfall
gemäss
der entsprechend formulierten Frage
stellung. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztli
chen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfä
higkeit
schliessen
lassen. Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (
Art. 7 Abs. 2 ATSG
). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach
Massgabe
des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach
BGE 141 V 281
kann somit der Beweis für eine lang andau
ernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen
Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt
(BGE 144 V 50 E. 4.3 mit Hinweisen).
4.3.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.3.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5. März 2018 E. 7.4).
4.3.5
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten
-
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
-
eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und
-
dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
4.4
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass
bei der
Beschwerdeführer
in
diverse Einschränkungen bestehen, die im Rahmen der psychiatrisc
hen Begut
achtung durch Dr. Z._
anhand des Instruments ICF APP 1 eruiert worden sind. So sind
das Selbstvertrauen
, die Funktionen der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses sowie
die Funktionen des Denkens der Beschwerdeführerin leicht
gradig beziehungsweise geringgradig beeinträchtigt. Ebenso bestehen in
den Funktionen der psych
ischen Energie und des Antriebs sowie in den emotionalen Funktionen eine leichte Einschränkung. Hingegen besteht in der Selbstwahr
nehmung und Zeitwahrnehmung eine
schwerstgradige
Beein
trächtigung.
In
der psychischen Stabilität sowie in höheren kognitiven Funktionen ist die Beschwer
deführerin hingegen nicht eingeschränkt (vgl. Urk. 6/51 S. 14 ff. Ziff. 1.2
). Es
bestanden
zwar psychosoziale Faktoren, namentlich
nach der Umwandlung und dem sogenannten Outsourcing der Arbeitsstelle, jedoch ab Juli 2016 gab es keine Belastungssituationen mehr (vgl. Urk. 6/51 S. 17 Ziff. 1.4).
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
re
sistenz
ist festzuhalten, dass sich
die Beschwerdeführerin
seit
2015
in psycho
therapeutischer Behandlung befindet
, aktuell einmal wöchentlich,
und eine
antidepressive Medikation erhalten, diese aber jedoch selbständig abgesetzt hat
(vgl. Urk. 6/51 S. 20 Ziff. II.1.4
).
Dr. Z._
legte sodann dar, dass eine antidepressive Medikation
regelmässig
einzunehmen sei
und darüber hinaus auch Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie und Entspannungstherapie eine Besserung der Arbeitsfähigkeit innerhalb von zwei Jahren zu bewirken vermögen (Urk. 6/51 S. 30 Ziff. V.4).
In Bezug auf die Komorbidität ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin an einer leichtgradigen depressiven Episode ohne somatisch
e
s
Syndrom
und
an
einer mittelgradig ausgeprägten somatoformen Schmerzstörung sowie an einem gene
ralisierenden, nicht näher spezifizierbaren, weichteilrheumatischen Schmerz
syn
drom
leidet. Weitere Komorbiditäten sind nicht ersichtlich.
Zum Komplex Persönlichkeit
und zum sozialen Kontext
ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin
gemäss
eigenen Angaben
nur über geringe
persönliche Ressourcen verfügt, zumal auch ihr Ehemann selber IV-berentet ist und es in der Beziehung zur gegenseitigen Verstärkung und zu wenigen persönlichen Ressour
cen kommt (Urk. 6/51 S. 18 Ziff. I.8). Hingegen erledigen beide Ehegatten gemeinsam den Haushalt und gehen einkaufen. Zusätzlich gehen sie in den Urlaub ins eigene Haus in Kroatien, pflegen Kontakt mit Tochter und Sohn, wel
cher noch zu Hause lebt, jedoch aktuell Militärdienst leistet (Urk. 6/51 S. 21 f. Ziff. II.2.1 f.).
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts der
gleich
mässigen
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebens
bereichen ist festzuhalten, dass
erhebliche Diskrepanzen vorliegen. Die Beschwer
deführerin sieht sich zu 100 % arbeitsunfähig, eine Wiederaufnahme der Arbeit als nicht vorstellbar. Ebenso fänden aus ihrer Sicht keinerlei soziale Aktivitäten statt. Demgegenüber pflegt die Beschwerdeführerin Kontakt mit ihrer Tochter, kann die Verwandtschaft zu Besuch empfangen und Grillfeste durch
führen sowie in die Ferien fahren. Ebenso kann sie ihren
Haushalt selber ver
sorgen, einkaufen
gehen und bürokratische Anforderungen des Alltages erledigen (Urk. 6/51 S. 29 Ziff. V.2)
.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungs
anam
nestisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist
schliesslich
festzuhalten, dass sich
die Beschwerdeführerin
seit
2015
in
gegenwärtig einmal wöchentlicher
psycho
thera
peut
ischer Behandlung befindet und
die
verschriebenen
antidepressiven Medika
mente
nicht
einnimmt (
Urk. 6/51 S. 10 oben; S. 20 Ziff. II.1.4
).
Nach der Recht
sprechung ist
die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, in aller Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenminderung (Urteile des Bundesge
richts 8C_625/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3.4.1, U 510/05 vom 20. März 2007 E. 3.3 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1 mit Hinweisen, in: SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19).
Dr.
H._
war
sodann der Ansicht, dass die antidepressive Medikation
regelmässig
einzunehmen sei
und dass mit einer adäquaten therapeu
tischen Betreuung von einer weiteren Verbesserung der Arbeitsfähigkeit inner
halb von zwei Jahren um zirka 10-30 % ausgegangen werden könne (Urk. 6/51 S. 30 Ziff. V.4 f.)
.
Mit anderen Worten werden die therapeutischen Optionen von der Beschwerdeführerin nicht ausgeschöpft, was bei zumindest nicht vollständig vorliegender Therapieadhärenz auf keinen beziehungsweise nur geringen krank
heitsbedingten Leidensdruck
schliessen
lässt.
Auch
äusserte
der psychiatrische Gutachter Erstaunen darüber, dass die Beschwerde
führerin angesichts der geltend gemachten starken Schmerzen keinerlei Schmerzmittel einnimmt. Dies sei im gesamten bisherigen Unter
su
chungs
zeitraum von somatoformen Störungen bislang nicht vorge
kommen. Er erachtete die Nichteinnahme von Schmerzmitteln als ungewöhnlich. Darüber hin
aus wies er darauf hin, dass die Beschwerdeführerin teilweise vergessen habe, Schonhaltungen einzunehmen. Bei Ablenkung oder Konfrontation konnte eine normale Körperhaltung und eine normale Gestik ausgeführt werden (Urk. 6/51 S.
23 Ziff. III.1)
.
Schliesslich
stellte der Gutachter Dr. Z._ auch Hinweise auf eine Aggravation der Symptome fest, so zum Beispiel bezüglich Merkfähigkeit und hinsichtlich sozialer Kontakte (Urk. 6/51 S. 17 Ziff. I.4).
4.5
Zusammenfassend konnte anhand der Indikatoren keine
funktionelle
n
Aus
wir
kungen der mittelgradig ausge
prägten somatoformen Schmerzstörung und der leichten depressiven
Episode
-
unter Berücksichtigung der nicht besonders schwe
ren diagnoserelevanten Befunde, des vorhandenen Aktivitätsniveaus
, der Aggra
vation der Symptome
und des behandlungsanamnestisch nicht ausge
wiesenen Leidensdruckes
- schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt werden
.
D
ie Prüfung der
massgeblichen
Beweisthemen
hat
im Rahmen
der
umfassenden Betrachtung
k
ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Kon
sistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit
ge
zeigt.
Damit wurde
der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit
nicht
geleistet
und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person aus
wirkt
(vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3 mit Hinweisen).
Damit ist
aus psychiatrischer Sicht
nicht
auf die von Dr. Z._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 40 % für angepasste Tätigkeiten
a
bzustellen
.
Vielmehr ist von einer seit Juli 2016 beste
henden 100%igen Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen.
4.6
Soweit die Beschwerdeführerin das Gutachten mit dem Hinweis kritisiert, das
bidisziplinäre
Gutachten sei in Verletzung von BGE 141 V 281 ohne
Indikatoren
prüfung
vorgenommen worden (Urk. 1 S. 11), ist anzumerken, dass
die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren
(vgl. vorstehend E. 4.3.5)
. Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht, was vorliegend gemäss den vorstehenden Ausführungen zutreffend ist.
Ebenso wenig vermag auch die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. G._ (vgl. vorstehend E. 3.6) etwas an der medizinischen Feststellung zu ändern, da er lediglich die Verwertbarkeit des Gutachtens bejahte und das Belastungsprofil fest
legte. Hingegen ist er kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, weshalb seine Einschätzung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin nicht gehört werden kann.
5.
5.1
Aufgrund dieser Erwägungen zur Schwere des Leidens und zu dessen Konsistenz lässt sich im Ergebnis nicht beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Rentenprüfung zum Schluss gelangte, eine anspruchsrelevante Arbeits
unfähigkeit sei entgegen der Einschätzung der
bidisziplinären
Gutachter sowie den übrigen behandelnden Ärzten
zu verneinen. Mithin hat sie zu Recht erkannt, dass die Voraussetzungen von Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind.
5.2
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich ein Einkommensvergleich.
Selbst wenn auf die rheumatologische Einschätzung von Dr. A._ abgestellt werden würde, welcher eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit für zusätzliche Ruhepau
sen attestierte (vgl. vorstehend E. 3.5) sowie unter Berücksichtigung des vom RAD festgelegten Belastungsprofils (leichte bis zeitweise wechselbelastende, selten mittelschwere Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von schweren Gewichten, ohne kalte und feuchte Exposition, vgl. vorstehend E. 3.6), wäre der Schwellen
wert für die Ausrichtung einer Rente gestützt auf die – unbesehen übernommenen - Zahlen der Beschwerdeführerin nicht erreicht. Ausgehend von einem ermittelten
Valideneinkommen
im Jahr 2016 von rund Fr. 66‘632.-- und einem gestützt auf die Tabellenlöhne der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung (LSE 2014, Tabelle T_1b, Ziff. 96)
veranschlagten Invalideneinkommen von Fr. 46‘130.-- (vgl. Urk. 1 S. 14), würde
ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad von rund 31 % resultieren. Ein Abzug vom Tabellen
lohn wäre bei dieser Konstellation, da bereits in der 20%igen Einschrän
kung enthalten, trotz gegenteiliger Meinung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 14 f.), nicht angebracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. Sep
tember 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
5.3
Schliesslich rügt die
Beschwerdeführer
in
, die Vorinstanz habe den Anspruch auf berufliche Massnahmen zu Unrecht
verneint
(Urk. 1 S. 17 f. Ziff. 8).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen setzt einen Eingliederungswillen beziehungsweise eine Eingliederungsfähigkeit voraus. Fehlt es daran, so entfällt der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_569/2015 vom 17. Februar 2016 E. 5.1 mit Hinweisen). Gemäss den Aus
führungen der Gutachter (vgl. vorstehend E. 3.5) erachtet sich die Beschwer
de
führerin als vollständig arbeitsunfähig, sieht sich nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und verfügt weder über den Willen noch über die Motivation zur Aufnahme einer solchen. In Anbetracht dessen ist nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen verneint hat.
Zwar mögen berufliche Massnahmen auch bezwecken,
sub
jektive Eingliederungshindernisse im Sinne einer Krankheitsüberzeugung zu beseitigen. Es bedarf
indessen auch diesfalls eines Eingliederungswillens bzw. einer entsprechenden Motivation der
versicherten Person. Sollte
die
Beschwerde
führer
in
ihre
Haltung geändert haben und an einer
Eingliederungs
massnahme ernsthaft teilnehmen wollen, kann
sie sich bei Erfüllung der übrigen Voraus
setzung bei
der IV-Stelle erneut anmelden,
welche darüber neu zu verfügen hätte (
BGE 130 V 64
E.
2).
6.
Nach dem Gesagten erweist sich die Verfügung als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzuerlegen.