Decision ID: b0b17a7a-0a3a-5390-b92b-6f41dc9d553a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 21. März 2018 und 22. Dezember
2019 in den B._ um Asyl nach. Am 17. Februar 2020 reiste sie in
die Schweiz ein und suchte am 25. Februar 2020 um Asyl nach. Am 2. März
2020 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. Dabei gab die Beschwer-
deführerin an, ihr Freund, C._ (N [...]), lebe in der Schweiz.
A.b Die Vorinstanz führte am 4. März 2020 das persönliche Gespräch ge-
mäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend Dublin-III-VO) mit der Beschwerdeführerin durch. Gleichzeitig ge-
währte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zur
Zuständigkeit der B._ oder D._ für die Durchführung des
Asylverfahrens. Dabei gab die Beschwerdeführerin im Wesentlichen an, ihr
erstes Asylgesuch in den B._ sei abgelehnt worden; das zweite sei
noch hängig. In D._ seien ihre Fingerabdrücke gelöscht worden.
Sie sei in die Schweiz gereist, da sie ihren Freund heiraten wolle.
B.
Am 27. Februar 2020 ersuchte die Vorinstanz die B._ Behörden um
Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 18 Abs. 1
Bst. d Dublin-III-VO.
C.
Am 28. Februar 2020 bevollmächtigte die Beschwerdeführerin die ihr zu-
gewiesene Rechtsvertretung.
D.
Vom 8. bis zum 9. März 2020 galt die Beschwerdeführerin als unbekannten
Aufenthalts.
E.
Die B._ Behörden stimmten dem Gesuch um Übernahme der Be-
schwerdeführerin am 9. März 2020 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-
III-VO zu.
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F.
F.a Mit Verfügung vom 10. März 2020 trat die Vorinstanz auf das Asylge-
such der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie in den für sie zuständigen
Dublin-Mitgliedstaat (B._) weg, forderte sie auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und beauftragte den zustän-
digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig händigte die
Vorinstanz der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss
Aktenverzeichnis aus und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme
keine aufschiebende Wirkung zu.
F.b Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
G.
Vom 13. März 2020 bis zum 17. März 2020 galt die Beschwerdeführerin
als unbekannten Aufenthalts.
H.
Am 17. März 2020 legte die der Beschwerdeführerin zugewiesene Rechts-
vertretung ihr Mandat nieder.
I.
Vom 20. März 2020 bis zum 24. März 2020, vom 17. April 2020 bis zum
20. April 2020 und vom 24. April 2020 bis zum 29. April 2020 galt die Be-
schwerdeführerin wiederum als unbekannten Aufenthalts.
J.
Am 1. Mai 2020 lehnte die Vorinstanz das Gesuch der Beschwerdeführerin
auf Gewährung einer Privatunterkunft vom 23. April 2020 ab.
K.
Vom 8. Mai 2020 bis zum 15. Mai 2020 und vom 20. Mai 2020 bis zum
16. Juni 2020 galt die Beschwerdeführerin wiederum als unbekannten Auf-
enthalts.
L.
Am 27. Mai 2020 teilte die Vorinstanz den B._ Behörden mit, die
Überstellung könne nicht innert der sechsmonatigen Frist erfolgen, da die
Beschwerdeführerin untergetaucht sei, und ersuchte deshalb um Verlän-
gerung der Überstellungsfrist auf 18 Monate gemäss Art. 29 Abs. 2 Dublin-
III-VO.
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Seite 4
M.
Am 7. Juni 2020 haben sich die Beschwerdeführerin und ihr Freund religiös
getraut.
N.
Die Beschwerdeführerin galt vom 21. Juni 2020 bis zum 23. Juni 2020, vom
28. Juni 2020 bis zum 29. Juni 2020, vom 5. Juli 2020 bis zum 9. Juli 2020,
vom 10. Juli 2020 bis zum 13. Juli 2020, vom 17. Juli 2020 bis zum 21. Juli
2020, vom 23. Juli 2020 bis zum 26. Juli 2020, vom 28. Juli 2020 bis zum
3. August 2020, vom 9. August 2020 bis zum 10. August 2020, vom
12. August 2020 bis zum 16. August 2020 und vom 26. August 2020 bis
zum 27. August 2020 als unbekannten Aufenthalts.
O.
O.a Mit Eingabe vom 13. August 2020 reichte die Beschwerdeführerin bei
der Vorinstanz ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom
10. März 2020 ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend,
sie erwarte ein Kind von ihrem religiös angetrauten Ehemann.
O.b Mit Verfügung vom 31. August 2020 lehnte die Vorinstanz das Wieder-
erwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 10. März 2020 für
rechtskräftig und vollstreckbar. Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskos-
ten wies sie ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und hielt fest, einer allfäl-
ligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
P.
Am 2. September 2020 reichte der religiös angetraute Ehemann der Be-
schwerdeführerin bei der Vorinstanz ein Gesuch um Einbezug in seine vor-
läufige Aufnahme gestützt auf Art. 85 Abs. 7 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG, SR 142.20)
ein.
Q.
Vom 4. September 2020 bis zum 10. September 2020 und vom 11. Sep-
tember 2020 bis zum 21. September 2020 galt die Beschwerdeführerin er-
neut als unbekannten Aufenthalts.
R.
Mit Schreiben vom 11. September 2020 erkundigte sich die Beschwerde-
führerin nach dem Stand des Verfahrens. Die Vorinstanz antwortete am
28. September 2020.
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Seite 5
S.
S.a Mit Verfügung vom 1. Oktober 2020 lehnte die Vorinstanz das Gesuch
des religiös angetrauten Ehemanns um Einbezug der Beschwerdeführerin
in dessen vorläufige Aufnahme ab.
S.b Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
T.
T.a Mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin
die Vorinstanz um eine anfechtbare Verfügung betreffend Verlängerung der
Überstellungsfrist auf 18 Monate.
T.b Mit Verfügung vom 16. November 2020 stellte die Vorinstanz fest, die
Zuständigkeit zur Prüfung des Asylgesuchs sei nicht auf die Schweiz über-
gegangen und die Überstellungsfrist in die B._ bestehe bis zum
9. September 2021.
U.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom
16. November 2020 sei aufzuheben und auf das Asylgesuch sei einzutre-
ten. Prozessual sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewäh-
ren und der Vollzug der Wegweisung sei zu sistieren. Weiter sei ihr die
unentgeltliche Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses, und die amtliche Verbeiständung zu gewähren.
Als Beweismittel gab sie eine Bestätigung des Spitals E._ vom
8. Dezember 2020 betreffend ihre Schwangerschaft zu den Akten.
V.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2020 stellte die Instruktions-
richterin fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Gewährung der amtli-
chen Verbeiständung ab und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
W.
In der Vernehmlassung vom 28. Dezember 2020 hielt die Vorinstanz an
ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
E-6320/2020
Seite 6

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung des SEM, mit der
festgestellt wird, dass die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens nicht auf die Schweiz übergegangen sei. Die Ver-
fügung beantwortet das entsprechende Feststellungsbegehren der Be-
schwerdeführerin vom 27. Oktober 2020.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 50
und 52 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vor-
instanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi-
timiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der
nachfolgenden Erwägung – einzutreten.
1.4 Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschie-
bende Wirkung zu und diese wurde von der Vorinstanz auch nicht entzogen
(Art. 55 VwVG). Auf den Antrag um Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde ist deshalb – wie bereits in der Zwischenverfügung
vom 18. Dezember 2020 festgestellt – nicht einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung in
Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG).
3.
Die Frist zur Überstellung der Beschwerdeführerin in die B._ lief
ursprünglich am 10. September 2020 ab (Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO). Zu-
folge ihres zeitweisen unbekannten Aufenthaltsorts verlängerte die Vor-
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instanz gestützt auf Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO die Frist auf 18 Monate bis
zum 9. September 2021. Gegenstand der nachfolgenden Prüfung ist somit
ausschliesslich die Frage, ob die vorgenannte Verlängerung der Überstel-
lungsfrist rechtskonform vorgenommen wurde.
4.
4.1 Die Bestimmungen zur Überstellungsfrist in der Dublin-III-VO haben
den Charakter von Normen, die "self-executing" sind (vgl. BVGE 2015/19),
weshalb sich die Beschwerdeführerin auf eine Verletzung von Art. 29
Abs. 2 Dublin-III-VO berufen kann.
4.2 Wird die Überstellung nicht innerhalb der in Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO
vorgesehenen Frist von sechs Monaten durchgeführt, ist der zuständige
Mitgliedstaat nicht mehr zur Aufnahme oder Wiederaufnahme der asylsu-
chenden Person verpflichtet und die Zuständigkeit geht auf den ersuchen-
den Mitgliedstaat über. Die Überstellungsfrist kann höchstens auf ein Jahr
verlängert werden, wenn die Überstellung aufgrund der Inhaftierung der
betreffenden Person nicht erfolgen konnte, oder höchstens auf achtzehn
Monate, wenn die Person flüchtig ist (Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.3 Unter den Begriff „flüchtig“ sind alle Sachverhalte zu subsumieren, in
denen die asylsuchende Person aus von ihr zu vertretenden Gründen für
die Behörden des Staats, der die Überstellung durchführen will, nicht auf-
findbar ist oder sonst wie das Verfahren absichtlich behindert. Ist die Per-
son einmal flüchtig, kann eine Verlängerung bis zur Maximalfrist erfolgen
(vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, Wien/
Graz 2014, K12 zu Art. 29).
In Bezug auf das Kriterium „flüchtig sein“ ist insbesondere auf Art. 14 Abs. 2
Bst. b AsylG zu verweisen, gemäss welchem der Aufenthaltsort einer aus-
ländischen Person den Behörden stets bekannt zu sein hat. Der Gesetz-
geber wollte asylsuchende Personen mit Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG davon
abhalten, während oder nach dem Asylverfahren unterzutauchen (vgl. PE-
TER NIDERÖST, Sans-Papiers in der Schweiz, in: Ausländerrecht, 2. Aufl.,
2009, Rz. 9.38). Die besagte Bestimmung ist mit Blick auf Art. 8 AsylG zu
sehen, der asylsuchenden Personen eine Reihe von Mitwirkungspflichten
auferlegt. So sind diese unter anderem verpflichtet, sich den Behörden von
Bund und Kantonen zur Verfügung zu halten und ihre Adresse sowie jede
Änderung der nach dem kantonalen Recht zuständigen Behörde des Kan-
tons oder der Gemeinde (kantonale Behörde) sofort mitzuteilen (Art. 8
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Abs. 3 AsylG). Dem Erfordernis von Art. 8 Abs. 3 AsylG ist nicht entspro-
chen, wenn die mit dem Vollzug des Asylrechts betraute Behörde den Auf-
enthaltsort der betreffenden Person nicht kennt und diese Unkenntnis auf
eine dieser Person zurechenbare Verletzung der Mitwirkungspflicht zurück-
zuführen ist. Ob die zuständige Behörde durch mehr oder weniger umfang-
reiche Ermittlungen den Aufenthaltsort der betreffenden Person hätte in Er-
fahrung bringen können, ist grundsätzlich ohne Relevanz. Nicht relevant ist
grundsätzlich auch, ob andere als mit dem Vollzug direkt betraute Behör-
den Informationen über den Aufenthalt der betreffenden Person hatten.
Ebenso wenig von Bedeutung ist schliesslich, ob die asylsuchende Person
durchgehend oder vorübergehend nicht auffindbar gewesen ist. Aus-
schlaggebend ist die Pflicht der asylsuchenden Person, für die Behörden
effektiv erreichbar zu sein und eine allfällige Abwesenheit zu melden (vgl.
zum Ganzen Urteil F-4207/2020 des BVGer vom 31. August 2020, E. 6.2.).
Bereits die Abwesenheit von lediglich wenigen Tagen kann dazu führen,
dass eine Verlängerung der Überstellungsfrist durch die Vorinstanz ge-
rechtfertigt ist (vgl. hierzu Urteil E-3154/2018 des BVGer vom 21. Juni
2018, E. 4.1.)
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Zuständigkeit zur Prüfung des Asylgesuchs sei nicht auf die Schweiz
übergegangen.
Überstellungen im Dublin-Verfahren hätten, unter Vorbehalt der Verlänge-
rung wegen Inhaftierung oder Flucht, innerhalb von sechs Monaten zu er-
folgen, andernfalls gehe die Zuständigkeit gemäss Art. 29 Dublin-III-VO an
den ersuchenden Mitgliedstaat über. Die Beschwerdeführerin sei regel-
mässig für mehrere Tage unentschuldigt ihrer zugewiesenen Unterkunft
ferngeblieben und somit nicht im Sinne der Rechtsprechung effektiv er-
reichbar gewesen. Ihre wiederholten, unentschuldigten Abwesenheiten
hätten dazu geführt, dass die Überstellungsfrist in die B._ gemäss
Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO auf 18 Monate verlängert worden sei. Auch
nach Verlängerung der Überstellungsfrist am 27. Mai 2020 sei sie mehr-
mals über mehrere Tage hinweg unentschuldigt von ihrer Unterkunft abwe-
send und somit für die Behörden nicht erreichbar gewesen. Dies zeige sich
auch darin, dass sie das Schreiben vom 28. September 2020 nicht erhalten
habe und noch in ihrem Schreiben vom 27. Oktober 2020 als Absender die
Adresse von F._ angegeben habe, obwohl sie schon seit längerer
Zeit offiziell in G._ gemeldet und untergebracht sei.
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Seite 9
5.2 In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin geltend, die
Verlängerung der Überstellungsfrist sei zu Unrecht erfolgt. Sie sei einzig
wegen ihres Freundes in die Schweiz gereist und dessen Adresse sei den
Behörden bekannt. Demnach sei auch ihr Aufenthaltsort den Behörden im-
mer bekannt gewesen. Sie erwarte ein Kind von ihrem Freund und habe in
den B._ kein Beziehungsnetz.
5.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, die Beschwerdefüh-
rerin habe sich wiederholt unentschuldigt nicht in der ihr zugewiesenen Un-
terkunft aufgehalten, was durch die zahlreichen Abwesenheitsmeldungen
dokumentiert sei. Auch nachdem das Gesuch um Gewährung der Privat-
unterkunft abgelehnt worden sei, sei die Beschwerdeführerin immer wieder
für mehrere Tage oder Wochen abwesend von der ihr zugewiesenen Un-
terkunft gewesen oder habe sich dort erst mit einem oder zwei Tagen Ver-
spätung aus dem Wochenende zurückgemeldet. Dass sich die Beschwer-
deführerin den Behörden nicht zur Verfügung gestellt habe, zeige sich auch
darin, dass sie sowohl das Schreiben vom 28. September 2020 als auch
die Verfügung vom 16. November 2020 nicht innerhalb der achttägigen Ab-
holfrist abgeholt habe. Bezüglich des Vorbringens, sie sei von ihrem reli-
giös angetrauten Ehemann schwanger, könne auf die Ausführungen in den
Verfügungen vom 10. März 2020 und 31. August 2020 verwiesen werden.
Es stehe der Beschwerdeführerin und ihrem religiös angetrauten Ehemann
nach Ablauf der dreijährigen Wartefrist eine Nachzugsfrist von fünf Jahren
offen, um ein erneutes Gesuch um Familienzusammenführung zu stellen.
6.
6.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass sich die Beschwerdeführerin gleich
mehrfach unerlaubterweise nicht in der ihr zugewiesenen Unterkunft auf-
gehalten hat (vgl. Sachverhalt). Eine Person, welche die Schweiz verlas-
sen muss, ist grundsätzlich zwar nicht verpflichtet, sich ausschliesslich an
dem ihr zugewiesenen Wohnort aufzuhalten. Tagsüber sind Aktivitäten (Ar-
beiten, Sport, Besuche) möglich und erlaubt. Ansonsten aber hat sie sich
in der ihr zugewiesenen Unterkunft aufzuhalten, insbesondere nachts. Dies
war bei der Beschwerdeführerin offensichtlich nicht nur einmal, sondern
regelmässig und über Tage hinweg nicht der Fall. Die jeweiligen Abwesen-
heitszeiten sind als erheblich zu bezeichnen. Die Beschwerdeführerin hat
sich zwischen März 2020 und bis zur Verlängerung der Überstellungsfrist
am 27. Mai 2020 regelmässig nicht in der ihr zugewiesenen Unterkunft auf-
gehalten, mithin war ihr Aufenthaltsort den Behörden nicht bekannt und war
sie für diese nicht auffindbar. Mit ihren Abwesenheiten verunmöglichte oder
verhinderte die Beschwerdeführerin die Überstellung in die B._ und
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Seite 10
verletzte damit die ihr obliegende Mitwirkungspflicht. Auch nachdem die
Überstellungfrist am 27. Mai 2020 auf 18 Monate verlängert wurde, hielt
sich die Beschwerdeführerin wiederum regelmässig nicht in der ihr zuge-
wiesenen Unterkunft auf. Dass sie den Behörden nicht zur Verfügung ge-
standen hat, wird durch die Tatsachen untermauert, dass die Vorinstanz ihr
die Post mehrfach zustellen musste und sich die Beschwerdeführerin auch
nach Ablehnung des Gesuchs um Gewährung der Privatunterkunft am
1. Mai 2020 wiederholt nicht in der ihr zugewiesenen Unterkunft aufhielt.
Im Übrigen wäre es für die Beschwerdeführerin ein Leichtes gewesen, ihrer
Mitwirkungspflicht nachzukommen und Abwesenheiten korrekt zu melden.
Als unbehelflich erweist sich sodann das Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin, sie habe sich jeweils bei ihrem Freund aufgehalten, womit ihr Aufent-
haltsort den Behörden bekannt gewesen sei. Es ist nicht von Belang, ob
die zuständige Behörde den Aufenthaltsort der betreffenden Person hätte
in Erfahrung bringen können. Ausschlaggebend ist alleine die Pflicht der
asylsuchenden Person, für die Behörden effektiv erreichbar zu sein und
eine allfällige Abwesenheit zu melden (vgl. E. 4.3).
6.2 Die Voraussetzungen für die Verlängerung der Überstellungsfrist auf
18 Monate im Sinne von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO waren demnach am
27. Mai 2020 erfüllt. Die Beschwerdeführerin kann sich nicht auf einen Ab-
lauf der Überstellungsfrist beziehungsweise eine Verfristung berufen. Die
Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs der Beschwerdeführe-
rin ist nicht von den B._ auf die Schweiz übergegangen. Auf die
Ausführungen der Beschwerdeführerin betreffend ihre Schwangerschaft
und das fehlende Beziehungsnetz in den B._ ist demnach nicht wei-
ter einzugehen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Verfügung vom 16. Novem-
ber 2020 zu bestätigen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenverfügung
vom 18. Dezember 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu er-
heben.
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