Decision ID: 3b791a9b-53fd-5008-9b66-d209da80194e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 29. September 2019 in der Schweiz um
Asyl nach. Auf dem gleichentags ausgefüllten Personalienblatt gab er an,
er sei am (...) geboren.
B.
Anlässlich der Erstbefragung im Bundesasylzentrum B._ vom
11. Oktober 2019 gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er sei afghani-
scher Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie und am (...) in C._
(Provinz D._) geboren. Wie sein Geburtsdatum im afghanischen
Kalender laute, wisse er nicht. Er habe dieses auf den in Europa geltenden
Kalender umgerechnet, dann aber vergessen. Er sei (... Jahre alt. Als er 5
oder 6 Jahre alt gewesen sei, sei seine Familie nach E._ gezogen.
Im Alter von 6 Jahren sei ihm im Hinblick auf die Einschulung eine Tazkira
ausgestellt worden. Auf dieser sei das besagte Geburtsdatum vermerkt ge-
wesen. Er habe die Tazkira auf dem Weg von Pakistan in den Iran verloren.
Er sei damals von seiner Familie getrennt worden, als sie auf unterschied-
liche Fahrzeuge verteilt worden seien. Er sei mit 6 Jahren in E._
eingeschult worden und habe die Schule nach etwa vier Jahren, mit 9 oder
10 Jahren, abgebrochen. Dies sei vor ungefähr 5 Jahren gewesen. Die Ko-
ranschule habe er erst kurz vor der Ausreise verlassen. Er könne gut lesen,
aber weder schreiben noch rechnen. Im Alter von 14 Jahren sei er aus Af-
ghanistan ausgereist. An das Ausreisedatum könne er sich nicht erinnern.
Einen Monat vor der Ausreise sei sein Vater bei einem Überfall getötet und
er verletzt worden. Er sei über Pakistan und den Iran in die Türkei gereist,
wo er mehrere Monate gearbeitet habe, und dann via F._, wo ihm
die Fingerabdrücke genommen worden seien, Serbien und Österreich in
die Schweiz gelangt. Wenn er an das Erlebte denke, bekomme er Kopf-
schmerzen. Zudem schmerze sein linker Arm infolge von Knochenbrüchen
am Handgelenk und Unterarm. Den Aufenthaltsort seiner Mutter und seiner
(...)( Geschwister kenne er nicht. Er wisse nicht, ob sie noch am Leben
seien. In E._ lebe noch eine verheiratete Tante väterlicherseits. Er
habe diese tags zuvor telefonisch kontaktiert und gebeten, ihm ein Aus-
weispapier zukommen zu lassen.
Dem Beschwerdeführer wurde am Ende der Befragung mitgeteilt, dass auf-
grund seiner Angaben nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob er
minderjährig sei respektive wie alt er sei, und dass er voraussichtlich zu
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einer medizinischen Altersabklärung geschickt werde. Ihm wurde der Ab-
lauf der ärztlichen Untersuchung erklärt.
C.
Ein vom SEM beim Institut für Rechtsmedizin am (...) in Auftrag gegebenes
Altersgutachten vom 31. Oktober 2019 ergab, dass der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt der Untersuchung am 24. Oktober 2019 das (...). Lebens-
jahr sicher vollendet habe; eine Vollendung des 18. Lebensjahrs könne
nicht mit Sicherheit belegt werden.
D.
Mit Schreiben vom 9. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer beim
SEM eine Tazkira ein. Das Dokument sei ihm von seiner Tante väterlicher-
seits aus E._ zugesandt worden. Die Tazkira nenne als Geburtsda-
tum den (...) (afghanischer Kalender); dies entspreche dem (...). Das Do-
kument sei am (...) ausgestellt worden und vermerke, dass er zu diesem
Zeitpunkt (...) Jahre alt gewesen sei. Da das in der Tazkira genannte Ge-
burtsdatum von dem bisher angegebenen Datum um zwei Tage abweiche,
ersuche er um entsprechende Änderung des Geburtsdatums im ZEMIS auf
den (...).
E.
Am 14. Februar 2020 verwies das SEM das Asylgesuch des Beschwerde-
führers ins erweiterte Verfahren und es teilte den Beschwerdeführer dem
Kanton B._ zu.
F.
Am 1. April 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, dass es be-
absichtige, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) anzupassen. Es
führte hierzu aus, das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Alter sei
weder glaubhaft gemacht noch belegt. Abklärungen hätten ergeben, dass
er bereits in F._ um Asyl ersucht und dabei den (...) als Geburtsda-
tum genannt habe. Seine Angaben zu den persönlichen Daten anlässlich
der Erstbefragung seien ungenau geblieben. Laut dem Altersgutachten
vom 31. Oktober 2019 habe er am 24. Oktober 2019 das (...). Lebensjahr
mit Sicherheit vollendet. Es gewährte dem Beschwerdeführer eine Frist zur
Stellungnahme bis zum 21. April 2020.
G.
Mit Schreiben vom 17. April 2020 reichte der Beschwerdeführer durch die
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(...) B._ eine Stellungnahme ein und erklärte sich mit der beabsich-
tigten Datenänderung nicht einverstanden. Auch wenn Tazkiras ein gerin-
ger Beweiswert beigemessen werde, sei das von ihm eingereichte Doku-
ment als Indiz zu würdigen. Es handle sich dabei um eine Tazkira, die seine
Tante über die in E._ hinterlegten Ausstellungsdaten der letzten
Tazkira erneut habe ausstellen lassen können. Bei der Befragung von un-
begleiteten minderjährigen Asylsuchenden sei ein Klima des Vertrauens zu
schaffen und die befragende Person müsse sich um eine wohlwollende
und neutrale Haltung bemühen. Das Verhalten des Befragers bei der Erst-
befragung vom 11. Oktober 2019 sei wenig kindgerecht gewesen. Statt
ihm, der aufgrund der Fluchterlebnisse und des Verlusts der Familie emo-
tional schwer belastet sei, den Sinn und Zweck der Fragen sachlich zu er-
läutern, habe der Befrager wenig Empathie gezeigt und die Antworten als
"frech" eingestuft. Auch sei es zu Verständigungsschwierigkeiten mit der
Übersetzerin gekommen. So habe es bei der Umrechnung des Geburtsda-
tums Diskussionen zwischen ihm und der Dolmetscherin gegeben. Seine
psychische Gesundheitssituation sei prekär, und er benötige die sozialpä-
dagogische und psychologische Unterstützung in den MNA-Strukturen. Er
habe in F._ kein Asylgesuch gestellt und dort nicht den (...) als Ge-
burtsdatum genannt. Er sei in F._ zur Abgabe der Fingerabdrücke
gezwungen worden. Er habe dort sein Alter angegeben, aber nicht gese-
hen, wie dieses erfasst worden sei. Im Rahmen der Erstbefragung habe er
kongruente Angaben zu seinem Alter gemacht und das genannte Geburts-
datum vom 3. September 2004 weiche nur zwei Tage von dem auf der
Tazkira eingetragenen Datum ab. Es sei daher fraglich, ob die Anordnung
eines Altersgutachtens rechtmässig gewesen sei. Im Übrigen sei das Al-
tersgutachten von seiner Minderjährigkeit Ende Oktober 2019 ausgegan-
gen und es sei nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage das SEM da-
von ausgehe, dass er zwei Monate später volljährig geworden sein soll. Im
ZEMIS sei das wahrscheinlichste Datum einzutragen. Sollte nicht der (...)
als Geburtsdatum eingetragen werden, beantrage er die Eintragung des
(...). Bei Annahme seiner Volljährigkeit müsste er aus dem geschützten
Rahmen der MNA-Strukturen austreten und auf die psychologische und
sozialpädagogische Unterstützung verzichten.
H.
Am 30. April 2020 änderte das SEM das Geburtsdatum des Beschwerde-
führers im ZEMIS auf den (...). Es versah den Eintrag mit einem Bestrei-
tungsvermerk.
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I.
Mit elektronischer Nachricht vom 12. Juni 2020 ersuchte der Beschwerde-
führer durch die (...) beim SEM um Annullierung der Altersänderung im
ZEMIS, eventualiter um Erlass einer anfechtbaren Verfügung.
J.
J.a Mit Verfügung vom 30. Juni 2020 – eröffnet am 2. Juli 2020 – lehnte
das SEM das Gesuch um Berichtigung der Personendaten ab, und stellte
fest, dass die den Beschwerdeführer betreffenden Personendaten im
ZEMIS wie bisher lauten würden (d. h. geboren am [...]).
J.b Zur Begründung führte es an, nachdem es das Geburtsdatum des Be-
schwerdeführers im ZEMIS am 30. April 2020 abgeändert habe, sei die
elektronische Nachricht der (...) vom 12. Juni 2020 sinngemäss als Ge-
such um Datenänderung im ZEMIS entgegenzunehmen. Weil Zweifel an
dem vom Beschwerdeführer angegebenen Alter von (...) Jahren bestan-
den hätten, habe das SEM ein Altersgutachten in Auftrag gegeben und ein
Informationsbegehren an F._, wo der Beschwerdeführer vor seiner
Einreise in die Schweiz am (...) um Asyl ersucht habe, gestellt. Angesichts
der Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers und des Fehlens von
Identitätsdokumenten im damaligen Zeitpunkt sei, entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers, nicht von einer fehlenden Rechtsgrundlage für die
Einholung eines Altersgutachtens auszugehen. Im Sinne einer Gesamt-
würdigung sei abzuwägen gewesen, welches das wahrscheinlichste Alter
sei. Der Beschwerdeführer habe unterschiedliche Angaben zu seinem Ge-
burtsdatum gemacht ([...] respektive [...] [F._] beziehungsweise ...
[Tazkira]). Er bestreite zwar, in F._ um Asyl ersucht und dort das
besagte Geburtsdatum angegeben zu haben. Es sei jedoch nicht ersicht-
lich, aus welchem Grund die G._ Behörden ein Asylverfahren eröff-
net und dabei irgendein Alter registriert haben sollten. In Bezug auf die ge-
äusserte Kritik an der Erstbefragung sei auf die Mitwirkungspflicht der asyl-
suchenden Person hinzuweisen. Der Beschwerdeführer sei nicht gewillt
gewesen, die ihm gestellten Fragen zu beantworten und habe sich gegen-
über der Dolmetscherin abschätzig verhalten, was eine Unterbrechung der
Befragung habe nötig erscheinen lassen. Nach einem kurzen Gespräch
habe sich die Situation aber entspannt und auch der anwesende Rechts-
vertreter habe während der Befragung nichts zu beanstanden gehabt. Die
psychische Gesundheitssituation habe keinen Zusammenhang mit der
Feststellung des Alters des Beschwerdeführers. Der nachgereichten
Tazkira komme nur wenig Beweiswert zu. Solche Dokumente seien leicht
käuflich erwerbbar und manipulierbar. Das Ergebnis des Altersgutachtens
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– vollendetes (...). Altersjahr im Oktober 2019 – sei nicht mit einem Ge-
burtsjahr von (...) vereinbar. Eine Änderung des Geburtsdatums habe auf
das wahrscheinlichste Datum zu erfolgen. Aufgrund der unpräzisen Aussa-
gen des Beschwerdeführers zu seinem Lebenslauf und des fehlenden Be-
weiswerts der nachgereichten Tazkira sowie auf der Basis des Altersgut-
achtens sei zu schliessen, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit im Jahr 2020 das (...). Lebensjahr vollendet habe. Es
sei üblich, den (...) als Geburtstag zu wählen, wenn, wie vorliegend, das
Geburtsdatum nicht exakt bestimmt werden könne. Es sei deshalb der
1. Januar 2002 als Geburtstag des Beschwerdeführers gesetzt worden.
K.
K.a Dagegen erhob der Beschwerdeführer durch den rubrizierten Rechts-
vertreter (Vollmacht vom 7. Juli 2020) mit Eingabe vom 8. Juli 2020 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung vom 30. Juni 2020 und um Rückweisung der
Sache zur Neubegründung, eventualiter um Feststellung, dass er noch
nicht volljährig sei, und um Änderung des Geburtsdatums im ZEMIS vom
(...) auf den (...). In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er zudem um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
K.b Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, das SEM habe
in der angefochtenen Verfügung die Stellungnahme der (...) vom 17. April
2020, auf die er vollumfänglich verweise, unberücksichtigt gelassen, ja
nicht einmal erwähnt, und damit seine Gegenargumente nicht gehört. Die
Sache sei deshalb wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs zur Neube-
gründung an das SEM zurückzuweisen. In dasselbe Muster passe, dass
das SEM auf das Ersuchen vom 9. Januar 2020 um Änderung des Ge-
burtsdatums auf den (...) nie reagiert habe. Im Nachhinein erweise sich
das ihm am 1. April 2020 gewährte rechtliche Gehör als Alibi-Übung. Even-
tuell habe die Person, die ihn am 11. Oktober 2019 befragt und auch die
angefochtene Verfügung erlassen habe, einen persönlichen Groll gegen
ihn entwickelt. Der Hinweis in der angefochtenen Verfügung auf die Stim-
mung bei der Erstbefragung, wonach er laut Ansicht des Befragers nicht
gewillt gewesen sei, Fragen zu beantworten, deute darauf hin. Dem Befra-
gungsprotokoll sei zu entnehmen, dass sowohl er als auch der Befrager
emotional gewesen seien. Er habe sich aber nicht abschätzig verhalten.
Obwohl mit der Vorlage der Tazkira am 9. Januar 2020 alle Beweismittel
vorgelegen hätten, sei ein halbes Jahr vergangen, ohne dass sein Alter
rechtskräftig bestimmt worden sei. Es sei offensichtlich, dass das SEM auf
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Zeit spiele, zumal das Asylgesuch ins erweiterte Verfahren verwiesen wor-
den sei und noch nicht einmal die Anhörung zu den Asylgründen stattge-
funden habe. Das angegebene Geburtsdatum vom (...) stimme ziemlich
genau mit dem auf der Tazkira vermerkten Geburtsdatum vom (...) überein.
Die Abweichung von zwei Tagen lasse sich mit der Umrechnung der Daten
erklären. Das von den G._ Behörden festgehaltene Geburtsdatum
(...) könne keine Rolle spielen. Bei der Registrierung Asylsuchender wür-
den leicht Fehler passieren und es sei unklar, wie es zu dem Eintrag in
F._ gekommen sei. Im Altersgutachten vom 31. Oktober 2019 habe
der Gutachter den Zusatz angebracht, dass das angegebene Alter von
(...) Jahren und einem Monat aufgrund der forensischen Altersschätzung
nicht zutreffen könne. Es sei aber nicht Sache eines Gutachters, sich un-
gefragt zur Glaubwürdigkeit einer asylsuchenden Person zu äussern. Das
chronologische Alter eines Menschen habe nur bedingt etwas mit seinem
biologischen Alter zu tun. Er sei seiner altersgemässen körperlichen Ent-
wicklung einen Schritt voraus. Im Übrigen sei er auch gemäss dem Gut-
achten vom 31. Oktober 2019 noch nicht volljährig. Die Änderung des Ge-
burtsdatums im ZEMIS auf den (...) sei daher nicht logisch und auch nicht
mit dem Kindswohl vereinbar. Im ZEMIS sei das wahrscheinlichste Ge-
burtsdatum einzutragen und dies sei der (...).
L.
Am 9. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der
Beschwerde.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Juli 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie
die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
N.
Am 29. Juli 2020 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen Asyl-
gründen an.
O.
Mit Eingabe vom 30. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Be-
schwerdeergänzung ein. Er wies darauf hin, dass die am Vortag erfolgte
Anhörung nicht von derselben Person erfolgt sei, welche die Erstbefragung
durchgeführt und die Abänderung des Geburtsdatums im ZEMIS veran-
lasst habe. Sollte die Person, welche die Erstbefragung durchgeführt habe,
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einen negativen Asylentscheid fällen, würde er dies nicht akzeptieren. Bei
der Anhörung sei ihm beschieden worden, dass er als volljährig erachtet
werde, auch wenn das Beschwerdeverfahren betreffend des ZEMIS-Ein-
trags noch hängig sei; für die Erfragung der Asylgründe sei es nicht rele-
vant, ob die asylsuchende Person voll- oder minderjährig sei. Diese Ansicht
erstaune. Theoretisch habe er laut dem Altersgutachten vom 31. Oktober
2019 Ende Oktober 2020 das (...). Altersjahr vollendet. Dies sei aber spe-
kulativ und es wäre nicht seriös, sich auf ein fast ein Jahr altes Gutachten
zu stützen, zumal niemand wissen könne, wie er sich seither biologisch
entwickelt habe. Bei Minderjährigkeit sei ein Wegweisungsvollzug nach Af-
ghanistan ausgeschlossen, bei Volljährigkeit könnte das SEM hingegen
eine Wegweisung nach E._ in Betracht ziehen. Angesichts der lan-
gen Dauer des Asylverfahrens vermute er, dass dies der Plan des SEM sei.
P.
Die Eingabe vom 30. Juli 2020 wurde dem SEM am 3. August 2020 im
Nachgang zur Einladung zur Vernehmlassung zur Kenntnisnahme zuge-
stellt.
Q.
Mit Verfügung vom 17. August 2020 stellte das SEM fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asyl-
gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug
der Wegweisung erachtete es indes als unzumutbar, weshalb es die vor-
läufige Aufnahme des Beschwerdeführers verfügte.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
R.
In seiner Vernehmlassung vom 25. August 2020 führte das SEM aus, die
Stellungnahme der (...) sei in der Verfügung vom 30. Juni 2020 gewürdigt
worden. Zwar sei nicht auf jedes einzelne Argument detailliert eingegangen
worden, dies gebiete der Grundsatz des rechtlichen Gehörs aber auch
nicht. Es könne nicht Sache der Asylbehörden sein, das Altersgutachten,
das von medizinischen Fachpersonen nach wissenschaftlichen Standards
erstellt worden sei und auf mehreren Einzeluntersuchungen basiere, inhalt-
lich in Frage zu stellen. Das eingereichte Duplikat der Tazkira sei nicht als
gefälscht erachtet worden, sondern diesem Dokument sei ein verminderter
Beweiswert zugesprochen worden. Die Unterstellung, das SEM versuche
auf Zeit zu spielen, werde zurückgewiesen. Aufgrund des Zeitablaufs und
der gesetzlichen Fristen sei es angezeigt gewesen, das Asylgesuch am
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14. Februar 2020 dem erweiterten Verfahren zuzuweisen. Das SEM sei
aber dennoch bestrebt gewesen, das Asylverfahren so rasch wie möglich
einem Entscheid zuzuführen. Es habe denn auch mit Verfügung vom
17. August 2020 über das Asylgesuch befunden. Dabei hätten die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht unabhängig
von seinem Alter beurteilt werden können. Da aus dem Protokoll der Erst-
befragung hervorgegangen sei, dass ein Vollzug der Wegweisung nicht in
Frage kommen würde, habe es das SEM als prozessökonomisch erachtet,
den Beschwerdeführer bereits zu seinen Fluchtgründen anzuhören. Dem
Umstand, dass dem vorliegenden Beschwerdeverfahren aufschiebende
Wirkung zukomme, sei dahingehend Rechnung getragen worden, dass in
der Anhörung – auch wenn der Beschwerdeführer aus Sicht des SEM als
volljährig betrachtet werde – die Grundsätze und Empfehlungen befolgt
worden seien, die bei der Anhörung einer minderjährigen Person gelten
würden. Die Rechtsvertretung habe denn auch nicht moniert, dass die An-
hörungsatmosphäre inadäquat gewesen sei.
S.
Am 8. September 2020 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerde-
führer die Vernehmlassung zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, dazu
bis zum 23. September 2020 eine Replik einzureichen.
T.
In seiner Replik vom 11. September 2020 entgegnete der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen, die Vernehmlassung sei von einer Person verfasst
worden, die zuvor nicht am Verfahren beteiligt gewesen sei und somit kei-
nen persönlichen Eindruck von ihm habe. Hinsichtlich des Altersgutachten
sei dem SEM insofern Recht zu geben, als die wissenschaftlichen Fakten
nicht in Frage gestellt werden könnten. Das SEM wäre aber gehalten, die
persönliche Einschätzung des Gutachters betreffend die Glaubwürdigkeit
der Altersangabe mit Vorsicht zu geniessen. Das Altersgutachten komme
nicht zum Schluss, dass er volljährig sei. Im Übrigen sollte dieses im heu-
tigen Zeitpunkt nicht mehr verwendet werden. Eine interne Überlastung
des SEM könne nicht als Grund für die lange Verfahrensdauer genügen.
Bei der Erstbefragung sei ihm nicht zugesichert worden, dass ein Wegwei-
sungsvollzug ausgeschlossen sei. Auch sei er nicht wie eine minderjährige
Person, sondern wie ein "junger Erwachsener" angehört worden. Er sei
dankbar, dass nach der Anhörung rasch über sein Asylgesuch entschieden
und er vorläufig aufgenommen worden sei. Er erachte das im ZEMIS ein-
getragene Geburtsdatum aber nach wie vor als nicht rechtens.
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U.
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
Arztbericht vom 16. Oktober 2020 zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG, die von einer Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d
VGG erlassen wurde. Da keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor-
liegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig (Art. 31 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer war am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und
ist als Adressat der angefochtenen Verfügung beschwert, weshalb er zur
Beschwerde legitimiert ist (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet der Berichti-
gung von Personendaten im ZEMIS mit uneingeschränkter Kognition. Es
überprüft die angefochtene Verfügung somit auf die Verletzung von Bun-
desrecht, die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts sowie auf die Unangemessenheit hin (Art. 49 VwVG).
3.
3.1 Vorab ist die verfahrensrechtliche Rüge des Beschwerdeführers zu
prüfen, das SEM habe die Begründungspflicht und damit sein rechtliches
Gehör verletzt, indem es die Stellungnahme der Zentralstelle MNA vom
17. April 2020 in der angefochtenen Verfügung nicht berücksichtigt habe.
3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
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äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung der Verfügung muss so ab-
gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überle-
gungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die
Vorinstanz bei der Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich aus-
drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen
(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
3.3 Die besagte Rüge des Beschwerdeführers geht fehl. Entgegen seiner
Behauptung hat das SEM die am 21. April 2020 bei ihm eingegangene
Stellungnahme der (...) vom 17. April 2020 explizit erwähnt (vgl. S. 1 der
vorinstanzlichen Verfügung) und sich inhaltlich damit in einer der Begrün-
dungspflicht genügenden Art und Weise auseinandergesetzt (vgl. S. 2 der
vorinstanzlichen Verfügung [Ausführungen zu den Rügen betreffend den
Beweiswert der Tazkira, des Befragungsklimas, der Relevanz der psychi-
schen Gesundheitssituation, der Altersangabe in F._, des Altersgut-
achtens und der Rechtsgrundlage hierzu]). Eine Gehörsverletzung liegt da-
mit nicht vor. Ob der Einschätzung des SEM zuzustimmen ist, ist nunmehr
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens.
3.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neube-
gründung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Rückwei-
sungsantrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513;
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Seite 12
ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
4.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein
absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. die Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts [BVGer] A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.2
und A-4313/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 3.2, je m.w.H.; vgl. ferner Ur-
teil des Bundesgerichts [BGer] 1C_224/2014 vom 25. September 2014
E. 3.1). Die ZEMIS-Verordnung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrück-
lich vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
4.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundesbe-
hörde hat im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbei-
teten Personendaten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1; vgl. Urteile des BVGer
A-4313/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 3.2 und A-1732/2015 vom
13. Juli 2015 E. 4.2). Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG
gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkennt-
nisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; un-
umstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem Be-
richtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist aber gemäss Art. 13
Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwirken (vgl.
zum Ganzen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015
E. 3.3, A-2291/2015 vom 17. August 2015 E. 4.3 und A-3555/2013 vom
26. März 2014 E. 3.3, je m.w.H.). Die materielle Beweislast, also die Folgen
der Beweislosigkeit, trägt aber grundsätzlich die Behörde, wenn sie wie
vorliegend im Bereich der Eingriffsverwaltung tätig ist (vgl. Urteil des
BVGer A-4035/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 4.3). In Bezug auf auslän-
dische Identitätsdokumente ist ferner Folgendes zu beachten: Amtliche Do-
kumente ausländischer Staaten, deren Zweck es ist, die Identität ihres In-
habers nachzuweisen, gelten nicht als öffentliche Urkunden im Sinne von
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Art. 9 des Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210), weshalb ihnen nicht ohne
Weiteres ein erhöhter Beweiswert zukommt und sie wie andere Urkunden
einer freien Beweiswürdigung zu unterziehen sind (vgl. Urteile des BVGer
A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.3 und A-7822/2015 vom 25. Feb-
ruar 2016 E. 3.3., je m.w.H.; vgl. Urteile des BGer 6B_394/2009 vom
27. Juli 2009 E. 1.1 und 5A.3/2007 vom 27. Februar 2007 E. 2).
4.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-
fasste Herkunft, den Namen und die Geburtsdaten. In solchen Fällen über-
wiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzu-
treffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Art. 25 Abs. 2 DSG
sieht deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewie-
sen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten
ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bishe-
rigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten anschlies-
send mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals eingetra-
genen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen
sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umge-
kehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als
wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese
zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über dessen
Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu ent-
scheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum Gan-
zen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.4,
A-3555/2013 vom 26. März 2014 E. 3.4 und A-181/2013 vom 5. November
2013 E. 7.1, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des BGer 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 3.2).
5.
5.1 Vorliegend obliegt es demnach grundsätzlich dem SEM zu beweisen,
dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum (...) korrekt ist. Der
Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm geltend
gemachte Geburtsdatum (...) richtig beziehungsweise zumindest wahr-
scheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm mithin eine höhere Glaub-
würdigkeit zukommt als dem Eintrag (vgl. Urteil des BVGer A-3051/2018
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vom 12. März 2019 E. 5.5). Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis, ist
dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, dessen
Richtigkeit wahrscheinlicher ist.
5.2 Im Asylverfahrens ist das Geburtsdatum – der allgemeinen asylrechtli-
chen Beweisregel folgend – von der asylsuchenden Person zumindest
glaubhaft zu machen. Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer Ge-
samtwürdigung zu befinden. Anders verhält es sich im datenschutzrechtli-
chen Verfahren betreffend die Berichtigung von Personendaten im ZEMIS.
Hier wird verlangt, dass die wahrscheinlichsten – also überwiegend wahr-
scheinlichen – Personendaten eingetragen werden.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsda-
tum nicht wahrscheinlicher ist als dasjenige, welches im ZEMIS mit Bestrei-
tungsvermerk eingetragen ist.
6.2 Der Beschwerdeführer gab auf dem am 29. September 2019 ausgefüll-
ten Personalienblatt den (...9 als Geburtsdatum an und das SEM trug die-
ses Datum entsprechend als Geburtsdatum des Beschwerdeführers im
ZEMIS ein. Bei der Erstbefragung vom 11. Oktober 2019 gab der Be-
schwerdeführer an, (...) Jahre alt zu sein und das Geburtsdatum vom (...)
in einer ihm im Alter von 6 Jahren ausgestellten Tazkira gesehen zu haben;
das Dokument habe er unterwegs verloren. Dem SEM ist zuzustimmen,
dass der Beschwerdeführer bei der Erstbefragung nur vage Angaben zu
seinem Alter und seinem Lebenslauf hat machen können. Es ist nicht ein-
leuchtend, weshalb er sein Alter nicht im afghanischen, sondern nur im eu-
ropäischen Kalender hat angeben können, während er gleichzeitig aus-
sagte, die Daten vom einen in den anderen Kalender umgerechnet zu ha-
ben. Auch den Zeitpunkt des Schulabbruchs und sein damaliges Alter ver-
mochte er nur vage anzugeben. Des Weiteren war er nicht in der Lage,
genaue Angaben zum Alter der Eltern und Geschwister zu machen. Für die
Annahme, dass es ihm bei der Erstbefragung aufgrund eines nicht ange-
messenen Befragungsklimas verunmöglicht gewesen wäre, seinen Le-
benslauf darzulegen, bestehen keine konkreten Anhaltspunkte. Dem ent-
sprechenden Befragungsprotokoll lassen sich auch keine Hinweise ent-
nehmen, dass es aufgrund erheblicher Verständigungsschwierigkeiten zu
Übersetzungsfehlern gekommen wäre. Gemäss Art. 17 Abs. 3bis AsylG
(SR 142.31) kann das SEM nach Ermessen ein medizinisches Altersgut-
achten veranlassen. Dass das SEM angesichts der vagen Aussagen des
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Beschwerdeführers zu seinem Lebenslauf und des (damaligen) Nichtvor-
handenseins eines Ausweisdokuments ein Altersgutachten eingeholt hat,
ist nicht zu beanstanden. Das medizinische Gutachten zur Altersschätzung
vom 31. Oktober 2019 ergab, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der
Untersuchung vom 24. Oktober 2019 das (...). Altersjahr mit Sicherheit
vollendet hat. Des Weiteren ergaben Abklärungen des SEM bei den
G._ Behörden, dass der Beschwerdeführer am (...) in F._
ein Asylgesuch gestellt hat und dort mit einem von der hiesigen Angabe
abweichenden Geburtsdatum (...) verzeichnet ist. Am 9. Januar 2020
reichte der Beschwerdeführer eine Tazkira mit einem wiederum anderen
Geburtsdatum (...) ein. In der Folge änderte das SEM am 30. April 2020
den Eintrag des Geburtstagsdatums im ZEMIS auf den (...) (mit Bestrei-
tungsvermerk).
6.3 Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Geburtsdatum sind
widersprüchlich ([...] [Personalienblatt, Erstbefragung] respektive [...]
[F._] beziehungsweise [...] [Tazkira]). Der Einwand des Beschwer-
deführers, in F._ kein Asylgesuch gestellt und dort auch nicht das
von den G._ Behörden registrierte Geburtsdatum angegeben zu
haben, vermag nicht zu überzeugen. Zudem ist es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen, sein Geburtsdatum anhand rechtsgenüglicher Identitätsdo-
kumente zu belegen. Afghanische Tazkira gelten nicht als fälschungssicher
und ihnen kommt deshalb gemäss geltender Rechtsprechung nur ein ver-
minderter Beweiswert zu. Auch bei Vorliegen des Originals besteht die
Möglichkeit, dass die darin enthaltenen zeitlichen Angaben über das Ge-
burtsdatum nicht dem wirklichen Alter entsprechen (vgl. BVGE 2019 I/6
E. 6.2, 2013/30 E. 4.2.2). Ein Dokument wie das vorliegende vermag somit
nur eine geringe Beweiskraft zu entfalten. Der Beweiswert wird zusätzlich
dadurch gemindert, als dass es sich dabei lediglich um eine Neuausstel-
lung, mithin ein Duplikat, handelt. Für die Echtheit des vorliegenden Doku-
ments besteht denn auch keine Gewähr, zumal nicht erstellt ist, wie es zu
dessen Ausstellung in Afghanistan Mitte Januar 2019 (...) gekommen ist,
hat der Beschwerdeführer laut seinen Angaben bei der Erstbefragung vom
11. Oktober 2019 seine Tante in E._ doch erst tags zuvor, das heisst
am 10. Oktober 2019, um die entsprechende Ausstellung gebeten. Auch
die exakte Angabe des Geburtsdatums ist bei einer Tazkira ungewöhnlich
(vgl. bspw. Urteile des BVGer D-5096/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 3.2.1,
E-1942/2019 vom 3. Juni 2019 E. 5.4, E-1454/2018 vom 9. Mai 2018
E. 7.4). Dass der Beschwerdeführer am (...) geboren wurde, vermag er mit
diesem Dokument nicht zu belegen.
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6.4 Die im Institut für Rechtsmedizin des (...) am 31. Oktober 2019 erfolgte
Begutachtung des Beschwerdeführers folgte den Empfehlungen der Ar-
beitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik der Deutschen Gesell-
schaft für Rechtsmedizin. Nebst der körperlichen Untersuchung des Be-
schwerdeführers wurden ein Röntgenbild der rechten Hand, CT-Aufnah-
men der Schlüsselbeine und eine Panoramaschichtaufnahme des Gebis-
ses begutachtet. Zusammenfassend gelangte der Gutachter zum Schluss,
dass die Untersuchungsergebnisse aus rechtsmedizinischer Sicht keine
Hinweise auf eine relevante Entwicklungsstörung des Beschwerdeführers
ergäben. Anhand der Befunde habe der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der Untersuchung vom 24. Oktober 2019 das (...). Altersjahr sicher vollen-
det. Dem Altersgutachten vom 31. Oktober 2019, das nach wissenschaftli-
chen Kriterien erstellt wurde und auf mehreren Einzeluntersuchungen ba-
siert, wodurch die Aussagekraft bedeutend erhöht wird, ist eine erhebliche
Beweiskraft beizumessen (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1, 6.3-6.5). Dem Ein-
wand des Beschwerdeführers, dass das besagte Altersgutachten im heuti-
gen Zeitpunkt nicht mehr als relevant zu erachten sei, kann nicht gefolgt
werden. Im ZEMIS soll, wie zuvor ausgeführt, das wahrscheinlichste Ge-
burtsdatum eingetragen werden, wenn das tatsächliche – wie vorliegend –
nicht feststeht. Laut dem Altersgutachten vom 31. Oktober 2019 ist es si-
cher, dass der Beschwerdeführer am 24. Oktober 2019 das (...). Lebens-
jahr vollendet hat. Dies ist mit dem vom Beschwerdeführer angegebenen
Geburtsjahr von (...) nicht vereinbar. Vielmehr ist von einem Geburtsjahr
von (...) auszugehen. Das SEM setzte das Geburtsdatum dementspre-
chend auf den (...) fest, was im Zeitpunkt der Untersuchung vom 24. Ok-
tober 2019 dem Alter von (...) Jahren entspricht. Die Wahl des 1. Januars
als Geburtstag ist üblich, wenn das Geburtsdatum einer im ZEMIS einzu-
tragenden Person nicht exakt bestimmt werden kann.
6.5 Nach dem Gesagten konnte weder das SEM noch der Beschwerdefüh-
rer die Richtigkeit des jeweils behaupteten Geburtsdatums des Letzteren
nachweisen. Insgesamt erscheint das vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Geburtsdatum vom (...) aber nicht als wahrscheinlicher als dasje-
nige, welches im ZEMIS eingetragen ist (...). Daran ändert auch der Um-
stand nichts, dass der aktuell im ZEMIS eingetragene fiktive Geburtstag
(im Gegensatz zum Geburtsjahr) des Beschwerdeführers und damit des-
sen Geburtsdatum mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht korrekt ist. Viel-
mehr lässt sich dies in Fällen, bei denen das Geburtsdatum der betroffenen
Person unbekannt ist und stattdessen praxisgemäss der 1. Januar als fik-
tiver Geburtstag erfasst wird, nicht vermeiden (vgl. Urteil des BVGer A-
7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 5.4 m.w.H.). Der bestehende ZEMIS-
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Eintrag ist daher unverändert zu belassen; den Bestreitungsvermerk hat
das SEM bereits angebracht. Die weiteren Beschwerdevorbringen sind
nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, weshalb
nicht weiter darauf einzugehen ist.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49
VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm aber mit
Zwischenverfügung vom 20. Juli 2020 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kostenerhebung
abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass er nicht mehr bedürftig wäre.
9.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) be-
kanntzugeben.
(Dispositiv nächste Seite)
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