Decision ID: 4fcebd99-de9a-5b56-8c4f-906b88552e2d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1962 geborene, schweizerische Staatsangehörige
A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) wurde mit
Wirkung ab 1. März 2006 in die freiwillige Alters-, Hinterlassenen- und In-
validenversicherung (nachfolgend: freiwillige Versicherung) aufgenommen
(vgl. Akten der Vorinstanz [act.] 1 S. 21 ff.).
A.b Der Versicherte reichte mit Eingabe vom 10. Januar 2018 seine Ein-
kommens- und Vermögenserklärung 2017 samt diversen Beilagen bei der
Vorinstanz ein (act. 69).
A.c Mit Schreiben vom 12. Februar 2018 ersuchte die Schweizerische
Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK oder Vorinstanz) bis 12. März 2018
folgende Dokumente/Informationen einzuschicken: alle Kontoauszüge in
der Schweiz und im Ausland per 31. Dezember 2017; gegebenenfalls eine
Kopie des Mietvertrages; eine schriftliche plausible Erklärung zur Bestrei-
tung des Lebensunterhalts; eine Bestätigung vom Verkauf der Aktien
(act. 78).
A.d Der Versicherte nahm dazu mit E-Mail vom 12. Februar 2018 Stellung
(act. 80).
A.e Mit Eingabe vom Februar 2018 (Eingang bei der SAK: 14. März 2018)
reichte der Versicherte seinen Mietvertrag vom 19. Januar 2016 ein
(act. 82).
A.f Mit Mahnung vom 17. April 2017 hielt die SAK fest, dass sie die schrift-
lich beim Versicherten angeforderten notwendigen Belege/Informationen
für die Festsetzung der Beiträge 2017 noch nicht erhalten habe. Ohne Ant-
wort des Versicherten innerhalb von 30 Tagen werde eine amtliche Verfü-
gung erstellt (act. 83).
A.g Die SAK setzte mit amtlicher Beitragsverfügung vom 22. Juni 2018 den
Beitrag für das Jahr 2017 auf Fr. 1'372.– zuzüglich 5 % Verwaltungskosten
von Fr. 68.60, insgesamt Fr. 1'440.60, fest (act. 84).
A.h Der Versicherte erhob mit Einschreiben vom 23. Juni 2018 (Eingang
bei der SAK am 3. Juli 2018) Einsprache gegen die Beitragsverfügung vom
22. Juni 2018 (act. 85).
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A.i Mit eingeschriebenem Brief vom 12. Oktober 2018 forderte die SAK
den Versicherten auf, bis zum 16. November 2018 folgende Belege einzu-
reichen:
- Kontoabschlüsse aller Ihrer Konten zum 31. Dezember 2017, soweit noch
nicht vorgelegt, also auch Abschlüsse ausländischer Konten
- Auszug Ihres Aktiendepots mit dem Aktienstand. Der letzte, uns vorlie-
gende Auszug stammt aus dem Jahre 2015. Da Sie nach eigenen Anga-
ben noch B._-Aktien halten, muss zumindest diesbezüglich ein De-
potauszug vorhanden sein.
- Kontoauszüge mit Kontobewegungen, die den Gegenwert der verkauften
Aktien beziehungsweise die Aktientransaktionen ausweisen.
- Falls obiges nicht vorhanden, andere Dokumente, welche die erfolgten
Aktienverkäufe und den hierfür erhaltenen Gegenwert nachweisen.
Weiter wies die SAK den Versicherten darauf hin, dass die handschriftlich
gemachten Angaben hierzu nicht ausreichend seien. Zudem bat sie den
Versicherten darzulegen, wie er seinen Lebensunterhalt bestreite. Sollten
die angeforderten Dokumente nicht innert Frist eingehen, werde aufgrund
der Akten entschieden und ein negativer Einspracheentscheid erlassen
(act. 90). Dieser Brief wurde zudem per E-Mail an den Versicherten gesen-
det (vgl. act. 91 S. 2).
A.j Der Versicherte sandte am 12. Oktober 2018 per E-Mail eine Bestäti-
gung über einen Domain-Verkauf vom 9. Januar 2017 sowie diverse Gut-
schriftsanzeigen aus dem Jahr 2017 (act. 91). Mit eingeschriebenem Brief
vom 16. Oktober 2018 reichte der Versicherte überdies seine Stellung-
nahme vom 12. Oktober 2018 ein (act. 92).
A.k Mit E-Mail vom 24. Oktober 2018 hielt die SAK fest, es würden nur
noch die Depotauszüge Stand 31. Dezember 2017 fehlen. Dann müsste
man in der Lage sein, den Vermögensstand konkret zu ermitteln. Die SAK
wies zudem darauf hin, ohne Nachweise müsse von einem hypothetisch
ermittelten Vermögen ausgegangen werden (act. 93).
A.l Mit E-Mail vom 25. Oktober 2018 sandte der Versicherte eine Stellung-
nahme sowie weitere Dokumente. In seiner Stellungnahme machte er ins-
besondere geltend, er habe keine börsenkotierten Aktien mehr. Die
100'000 B._-Aktien, die noch in seinem Besitz seien, seien nicht
börsenkotiert und hätten erst einen Steuerwert, wenn eine Dividende
fliesse oder seine Aktien aufgekauft würden. Eine Quittung habe die SAK
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in den Vorjahren gesehen. Diese bekomme er nicht jedes Jahr (act. 94
S. 4).
A.m In der Folge wies die SAK die Einsprache des Versicherten mit Ent-
scheid vom 17. Dezember 2018 ab. Zur Begründung führte sie an, der Ver-
sicherte habe nicht alle Nachweise wie gefordert eingereicht, so dass sein
Vermögen zum 31. Dezember 2017 nicht abschliessend habe festgestellt
werden können. Trotz mehrmaliger Aufforderung und Fristsetzungen sei er
nicht in der Lage gewesen, einen Auszug seines Aktiendepots zum 31. De-
zember 2017 beizulegen (act. 96).
B.
Mit Schreiben vom 27. Februar 2019 übermittelte die SAK dem Bundes-
verwaltungsgericht die bei ihr am 11. Januar 2019 eingegangene Be-
schwerde vom 3. Januar 2019. Der Beschwerdeführer beantragte sinnge-
mäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 17. Dezember 2018
(BVGer act. 1 f.).
C.
C.a Mit Brief vom 4. März 2019 wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis
auf Art. 11b VwVG gebeten, eine schweizerische Korrespondenzadresse
bekannt zu geben. Treffe bis zum 3. April 2019 keine Antwort ein, werde
eine förmliche Aufforderung auf dem konsularischen/diplomatischen Weg
zugestellt. Zudem wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis auf Art. 52
Abs. 1 VwVG gebeten, seine Beschwerde mit einer Originalunterschrift zu
versehen und nochmals einzureichen (BVGer act. 3).
C.b Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 29. März 2019 seine
Beschwerde samt Originalunterschrift erneut ein (BVGer act. 4).
C.c Mit Instruktionsverfügung vom 18. April 2019 wurde der Beschwerde-
führer aufgefordert, innert 30 Tagen nach Empfang dieser Verfügung ein
Zustelldomizil in der Schweiz anzugeben, andernfalls künftige Anordnung
und Entscheide im vorliegenden Verfahren durch Publikation im Bundes-
blatt eröffnet würden (BVGer act. 5). Diese Verfügung wurde dem Be-
schwerdeführer am 1. Mai 2019 durch die Schweizerische Botschaft in
Thailand zugestellt (BVGer act. 15).
C.d Mangels Bezeichnung einer Zustelladresse in der Schweiz wurden An-
ordnungen und Entscheide im vorliegenden Verfahren dem Beschwerde-
führer fortan durch Publikation im Bundesblatt eröffnet.
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D.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2019 die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Ein-
spracheentscheids vom 17. Dezember 2018 (BVGer act. 12).
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 7. Juni 2019 wurde der Schriftenwechsel
unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen abgeschlossen (BVGer
act. 13).
F.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Beweismittel ist, soweit erfor-
derlich, in den folgenden Erwägungen näher einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 85bis Abs. 1 AHVG
[SR 831.10]). Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Ein-
spracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung, womit er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59
ATSG [SR 830.1]). Die Beschwerde vom 3. Januar 2019 (Eingang bei der
Vorinstanz am 11. Januar 2019) wurde – unter Berücksichtigung des Fris-
tenstillstandes vom 18. Dezember bis und mit 2. Januar – frist- und form-
gerecht eingereicht, sodass auf sie einzutreten ist (Art. 38 Abs. 4 Bst. c, 60
ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet der
Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2018, mit welchem die Vorinstanz
den am 22. Juni 2018 verfügten Beitrag für das Jahr 2017 in Höhe von
Fr. 1'440.60 bestätigt hat.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist schweizerischer Staatsangehöriger und hat
seinen Wohnsitz in Thailand. Zwischen der Schweiz und Thailand besteht
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kein Sozialversicherungsabkommen. Die Festsetzung der Beiträge an die
freiwillige Versicherung richtet sich nach schweizerischem Recht.
3.2 Die Versicherten sind beitragspflichtig, solange sie eine Erwerbstätig-
keit ausüben. Für Nichterwerbstätige beginnt die Beitragspflicht am 1. Ja-
nuar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dauert bis zum Ende des
Monats, in welchem Frauen das 64. und Männer das 65. Altersjahr vollen-
det haben (Art. 3 Abs. 1 AHVG; vgl. auch Art. 13a Abs. 2 der Verordnung
über die freiwillige Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [SR
831.111, VFV]). Der Bundesrat erlässt ergänzende Vorschriften über die
freiwillige Versicherung und regelt unter anderem die Festsetzung und Er-
hebung der Beiträge (vgl. Art. 2 Abs. 6 AHVG).
3.3 Die Beiträge werden in Schweizer Franken für jedes Beitragsjahr fest-
gesetzt (Art. 14 Abs. 1 Satz 1 VFV). Massgebend ist bei erwerbstätigen
Versicherten das im Beitragsjahr tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen
und bei nicht erwerbstätigen Versicherten das im Beitragsjahr tatsächlich
erzielte Renteneinkommen und der Vermögensstand am 31. Dezember
(Art. 14 Abs. 2 Satz 1 VFV).
3.4 Die Versicherten haben der Ausgleichskasse innert 30 Tagen nach Ab-
lauf des Beitragsjahres die für die Beitragsfestsetzung erforderlichen An-
gaben zu liefern (Art. 14b Abs. 1 VFV). Die Ausgleichskasse setzt die für
das Beitragsjahr geschuldeten Beiträge spätestens bis zum 30. Juni des
Folgejahres mittels Verfügung fest (Art. 14b Abs. 2 erster Satz VFV).
3.5 Werden die nötigen Angaben zur Beitragsfestsetzung nicht fristgemäss
gemacht, so ist innert zweier Monate schriftlich unter Ansetzung einer
Nachfrist von 30 Tagen zu mahnen. Wird auch die Nachfirst nicht einge-
halten, so sind, falls bereits Beträge in der freiwilligen Versicherung ent-
richtet wurden, die geschuldeten Beiträge durch Veranlagungsverfügung
festzusetzen (Art. 17 Abs. 1 VFV). Der Ausgleichskasse muss bei der Bei-
tragsermittlung von Amtes wegen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu-
gestanden werden, besonders, wenn sie – namentlich für eine Veranla-
gung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 VFV – im Ausland operiert, wo sie über
eine beschränkte Abklärungsbefugnis verfügt. Dabei ist zu berücksichti-
gen, dass die Beitragsermittlung von Amtes wegen indirekt auch das Ziel
verfolgt, die Versicherten zu motivieren, ihren Pflichten nachzukommen,
weshalb eine entsprechende Beitragsbemessung streng und einschnei-
dend sein darf; eine schematische Erhöhung um jeweils 30 % wurde dabei
als zulässig erachtet (vgl. BGE 113 V 81 E. 5b).
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3.6 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz be-
herrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Be-
schwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversi-
cherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
Sachverhaltes genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die
Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie
von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdi-
gen (BGE 138 V 218 E. 6 m. H. auf 126 V 353 E. 5b und 125 V 193 E. 2).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Be-
weisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversiche-
rungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusam-
mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungs-
prozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur inso-
fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte
ableiten wollte. Die Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich
als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf-
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumin-
dest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(BGE 138 V 218 E. 6; Urteil des BGer 8C_448/2010 vom 19. November
2010 E. 4.1).
3.7 Es obliegt somit grundsätzlich der Vorinstanz, den Beweis der Tatsache
sowie des Zeitpunktes der Zustellung einer Verwaltungsverfügung zu er-
bringen (BGE 136 V 295 E. 5.9; 124 V 400 E. 2a; 103 V 63 E. 2a). Gleiches
gilt für die Zustellung einer Mahnung, da es auch hier grundsätzlich die
Vorinstanz ist, die Rechte daraus ableiten will. Der Beweis kann praktisch
vor allem mit einem förmlichen Zustellnachweis erbracht werden (vgl. Urteil
des BGer 9C_348/2009 vom 27. Oktober 2009 E. 2.1) und wird in der Re-
gel durch postalischen Versand der Verfügung gegen Empfangsbestäti-
gung erbracht (vgl. Urteil des BGer 9C_753/2007 vom 29. August 2008
E. 3 mit Hinweisen). Da die verfügende Behörde die materielle Beweislast
hinsichtlich der Zustellung sowie ihres Zeitpunktes trägt, ist im Zweifel
grundsätzlich auf die Darstellung des Empfängers abzustellen (BGE 124 V
400 E. 2a).
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Seite 8
4.
Vorliegend ist strittig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob die
Vorinstanz die Beiträge des Beschwerdeführers für das Jahr 2017 zu Recht
mittels amtlicher Veranlagung festgelegt hat.
4.1 Die Festsetzung der Beiträge aufgrund einer amtlichen Veranlagung
infolge ungenügender Angabe seitens des Versicherten setzt eine rechts-
konforme Durchführung des Mahnverfahrens gemäss Art. 17 Abs. 1 VFV
voraus.
4.2 Der Beschwerdeführer wurde zunächst mit Schreiben vom 12. Februar
2018 ersucht, bis zum 12. März 2018 weitere Unterlagen einzureichen.
Dieses Schreiben wurde mit normaler Post und mit E-Mail vom 12. Februar
2018 an den Beschwerdeführer versendet (act. 78 f.). Auf diese E-Mail ant-
wortete der Beschwerdeführer gleichentags (act. 80). Ferner reichte er ein-
zig eine Kopie seines Mietvertrags ein (act. 82).
4.3 In der Folge setzte die Vorinstanz mit Mahnung vom 17. April 2018 dem
Beschwerdeführer eine Nachfrist von 30 Tagen zur Einreichung der ange-
forderten notwendigen Belege/Informationen für die Festsetzung der Bei-
träge 2017. Für den Fall des ungenutzten Fristablaufs wurde ihm die Er-
stellung einer «amtlichen Verfügung» angedroht (act. 83). Unter Berück-
sichtigung eines im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Grund-
satzes, wonach schwere Rechtsnachteile – wozu auch eine amtliche Ver-
anlagung zählen kann – als Folge pflichtwidrigen Verhaltens nur dann Platz
greifen dürfen, wenn die versicherte Person vorgängig ausdrücklich und
unmissverständlich auf diese Rechtsfolge hingewiesen wurde (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 7/03 vom 31. August 2004
E. 5.3.2 mit weiteren Hinweisen), ist der knappe und als solches nicht ohne
Weiteres verständliche Hinweis der Vorinstanz es werde eine «amtliche
Verfügung erstellt» als ungenügend zu betrachten (vgl. Urteil des BVGer
C-4953/2017 vom 27. März 2019 E. 3.4.2).
4.4 Hinzu kommt, dass die Mahnung vom 17. April 2018 mit normaler Post
an den Beschwerdeführer versandt wurde (act. 83). Aus den Akten ist nicht
ersichtlich, ob der Beschwerdeführern Kenntnis von dieser Mahnung er-
langte. Insbesondere finden sich keinerlei Hinweise, dass die Mahnung
vom 17. April 2018 dem Beschwerdeführer – wie es wiederholt bei anderer
Korrespondenz der Fall gewesen ist – zusätzlich per E-Mail zur Kenntnis
gebracht wurde. Auch hat der Beschwerdeführer in seiner Korrespondenz
keinen Bezug auf diese Mahnung genommen. Es bleibt daher unklar, ob
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Seite 9
ihm dieses Mahnschreiben zugestellt wurde und er überhaupt Kenntnis
von der einzuhaltenden Frist zur Einreichung der verlangten Unterlagen
zwecks Berechnung des AHV/IV-Beitrags für 2017 hatte. Da die Zustellung
mittels normalem Briefversand (ohne Empfangsbestätigung) erfolgte, kann
kein Nachweis erbracht werden, ob der Brief dem Beschwerdeführer effek-
tiv zugestellt wurde. Ebenso gut möglich ist, dass das Schreiben nie ver-
sandt wurde oder nicht beim Beschwerdeführer ankam. Der Beschwerde-
führer hat denn auch wiederholt geltend gemacht, dass es seit Jahren im-
mer wieder zu Problemen bei der Postzustellung gekommen sei. Keiner
der vorliegend möglichen Tatbestände kann für sich beanspruchen, über-
wiegend wahrscheinlich zu sein. Da die Vorinstanz die Beweislast trägt,
wirkt sich die vorliegende Beweislosigkeit betreffend die Zustellung der
Mahnung vom 17. April 2018 zu ihren Ungunsten aus, mithin ist davon aus-
zugehen, dass die Mahnung dem Beschwerdeführer nicht zugestellt wor-
den ist.
4.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Vorinstanz das Mahn-
verfahren nach Art. 17 Abs. 1 VFV als Voraussetzung für die amtliche Ver-
anlagung nicht korrekt durchgeführt hat. Daran vermögen auch die im Rah-
men des Einspracheverfahrens seitens der Vorinstanz an den Beschwer-
deführer mit Brief vom 12. Oktober 2018 bzw. E-Mail vom 24. Oktober 2018
ergangenen Aufforderungen zur Einreichung der (noch) fehlenden Unter-
lagen nichts zu ändern. Denn die Verwaltung hat den rechtserheblichen
Sachverhalt vor Verfügungserlass abzuklären und darf diese Aufgabe nicht
ins Einspracheverfahren verlegen. Dazu gehört auch die Durchführung des
Mahnverfahrens nach Art. 17 Abs. 1 VFV (vgl. BGE 132 V 368 E. 4.1 und
6.2; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 42, Rz. 42 ff. und
46 f.).
4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beitragsverfügung vom
22. Juni 2018 zu Unrecht mittels amtlicher Veranlagung erfolgt ist und de-
ren Bestätigung im Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2018 nicht
rechtens ist. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen, als der ange-
fochtene Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2018 aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, damit diese nach Durch-
führung eines rechtskonformen Verwaltungsverfahrens eine neue Bei-
tragsverfügung für das Jahr 2017 erlasse.
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Seite 10
5.
5.1 Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),
so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
5.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Da dem obsie-
genden Beschwerdeführer, welcher nicht anwaltlich vertreten war, keine
verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, ist ihm keine Parteient-
schädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).