Decision ID: a7a39999-154a-4d04-ba3d-22aa6a9bc1eb
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein ethnischer B._ aus C._ –
suchte am (...) um Asyl in der Schweiz nach. In der Folge wurde er dem
Bundesasylzentrum (BAZ) der Region D._ zugewiesen.
A.b Das SEM führte am 8. August 2022 mit dem Beschwerdeführer eine
Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA) durch und hörte
ihn am 15. September 2022 vertieft zu seinen Asylgründen an.
Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er habe bis zu seiner Ausreise in
C._ gelebt und bis zur (...) Klasse die Schule besucht. Nach dem
Tod seines (Nennung Verwandter) sei er in einer (Nennung Geschäft) tätig
gewesen, um die Familie zu ernähren. Sein (Nennung Verwandter) sei vor
vielen Jahren Mitglied der E._ gewesen und habe deswegen seine
Waffe zuhause aufbewahrt. Sein (Nennung Verwandter) habe in F._
mit (Nennung Tätigkeit) und mit den dortigen M._ Beziehungen ge-
pflegt. Wegen dieser Beziehungen hätten die Taliban seinem (Nennung
Verwandter) vorgeworfen, ein Spion zu sein, und ihn vor (Nennung Zeit-
punkt) umgebracht. Dabei sei auch sein (Nennung Verwandter) von den
Taliban getötet worden. Ungefähr (Nennung Zeitpunkt) hätten die Taliban
begonnen, die Häuser in ihrer Wohngegend zu durchsuchen. Um die Um-
gebung zu kontrollieren, hätten sie Wachen aufgestellt. Sein Nachbar
G._ habe sich vor den Taliban verstecken müssen. Seine Mutter
habe G._ bei ihnen zuhause Zuflucht gewährt, worauf sich
G._ in (Nennung Örtlichkeit) versteckt habe. Am nächsten Tag sei
ihr Haus von den Taliban durchsucht und dabei G._ und die Waffe
seines (Nennung Verwandter) gefunden worden. Die Taliban hätten
G._ und die Waffe mitgenommen und seiner Mutter gesagt, dass
sie das männliche Familienoberhaupt ausfindig machen würden. Seine
Mutter habe ihn am Arbeitsplatz angerufen und gewarnt, er solle nicht mehr
nach Hause kommen. Als männliches Oberhaupt der Familie "gehöre" ihm
die gefundene Waffe seines (Nennung Verwandter), weshalb die Taliban
ihn verdächtigten würden, ein Spion zu sein oder für die Regierung gear-
beitet zu haben. Ausserdem hätten sie Probleme mit den B._ und
würden einen Vorwand suchen. Nach dem Telefonat mit seiner Mutter habe
er seine Kleider bei der Arbeit gewechselt und sei direkt von der nächsten
Busstation über H._ aus Afghanistan ausgereist. Während seines
Aufenthalts in I._ habe ihm seine Mutter mitgeteilt, dass er von den
Taliban erneut zuhause gesucht worden sei. Seine Mutter habe einen
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Drohbrief mit dem Befehl seiner Festnahme erhalten. Sein (Nennung Ver-
wandter) habe ihm ein Foto dieses Drohbriefes auf sein Handy geschickt.
In J._ hätten ihm Polizisten aber sein Handy weggenommen. Seine
Mutter und sein etwa (...)-jähriger (Nennung Verwandter) würden sich nun
in K._ bei seiner (Nennung Verwandte) aufhalten.
A.c Am 27. September 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdefüh-
rer einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Be-
schwerdeführer äusserte sich dazu am 28. September 2022.
B.
Mit Verfügung vom 29. September 2022 – gleichentags eröffnet – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, nahm
den Beschwerdeführer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs in der Schweiz vorläufig auf. Ferner wies es den Beschwerdefüh-
rer dem Kanton L._ zu, beauftragte diesen mit der Umsetzung der
vorläufigen Aufnahme und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen die
Kantonszuweisung komme keine aufschiebende Wirkung zu.
C.
Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 28. Ok-
tober 2022 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt, es seien die
Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das
SEM sei anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersucht er um unent-
geltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
D.
Am 31. Oktober 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-
schwerdeführer den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
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1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Verordnung über
Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Co-
vid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass sich das SEM bei der Prüfung der
Glaubhaftigkeit damit begnügt habe, den Fokus auf die Geschehnisse
nach seiner Ausreise zu legen. Es habe weder die fluchtrelevanten Vor-
fälle, bei denen er selbst anwesend gewesen sei (mithin seine Vorflucht-
gründe) einer Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen noch seine persönliche
Glaubwürdigkeit gewürdigt.
Nachdem die Vorinstanz die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers res-
pektive die Geschehnisse vor seiner Ausreise nicht in Frage gestellt, diese
mithin als glaubhaft erachtet hat, erübrigte sich in diesem Zusammenhang
eine (weitergehende) Prüfung unter dem Aspekt der Glaubhaftigkeit oder
ein Eingehen auf die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Soweit der
Beschwerdeführer Argumente für seine Glaubwürdigkeit im Zusammen-
hang mit seinem Verhalten im Allgemeinen (Befolgen der Mitwirkungs-
pflicht) und seinen Aussagen betreffend die Ereignisse nach seiner Aus-
reise anführt (vgl. Beschwerdeschrift S. 6, 3. Abschnitt), ist anzumerken,
dass das SEM nicht gehalten ist, sich in denjenigen Fällen, in welchen wie
vorliegend die Mitwirkungspflichten eingehalten werden – was die überwie-
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gende Mehrheit aller Fälle betrifft –, standardmässig jeweils zur persönli-
chen Glaubwürdigkeit zu äussern. Sodann hat das SEM die Aussagen des
Beschwerdeführers zu Geschehnissen nach seiner Ausreise – entgegen
der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – teilweise als widersprüchlich
erachtet (vgl. SEM act. 1182779-22/13 [nachfolgend: act. 13], S. 6, letzter
Abschnitt). Der Beschwerdeführer vermag demnach aus dieser Rüge
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
4.2 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht, mithin des rechtlichen Gehörs. Er macht geltend, dass die
Vorinstanz seine Ausführungen in der Stellungnahme vom 28. September
2022 zur Glaubhaftigkeit in ihrer Begründung nicht mitberücksichtigt habe.
So habe er beispielsweise in seiner Stellungnahme erklärt, dass sein (Nen-
nung Verwandter) das Foto des Drohbriefes aus Sicherheitsgründen ge-
löscht habe. Trotzdem habe das SEM diesbezüglich festgehalten, es wäre
ihm möglich gewesen, dieses Foto noch einmal von seinem (Nennung Ver-
wandter) erhältlich zu machen und so den Drohbrief als Beweismittel ab-
zugeben.
Der Vorwurf einer Verletzung der Begründungspflicht erweist sich als un-
begründet. In der angefochtenen Verfügung hat das SEM nachvollziehbar
und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Über-
legungen es sich leiten liess, so auch gerade mit Blick auf die Möglichkeit
der Beibringung eines Beweismittels im Zusammenhang mit dem besagten
Drohbrief. Es hat sich auch mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1; BGE 143 III 65 E. 5.2). Der blosse Umstand, dass der
Beschwerdeführer die Auffassung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung
der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Zudem war es dem
Beschwerdeführer möglich, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanz-
lichen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorliegende Be-
schwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2; 126
I 97 E. 2b).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung an, es sei nicht aus-
zuschliessen, dass es kurz nach der Machtübernahme der Taliban zu
Hausdurchsuchungen gekommen sei, um regierungsnahe Personen auf-
zuspüren. Der Beschwerdeführer habe jedoch bis zum Moment der Haus-
durchsuchung weder direkten Kontakt zu den Taliban noch Schwierigkeiten
mit denselben gehabt. Laut seinen Angaben hätten die Taliban alle Häuser
in der Umgebung durchsucht, was nicht einer gezielten sondern einer will-
kürlichen Kontrolle gleiche. Sein Vorbringen, er sei ins Visier der Taliban
geraten, weil seine Familie einen benachbarten (Nennung Person) bei sich
versteckt habe, stelle eine blosse Vermutung dar. Er habe nicht überzeu-
gend darlegen können, dass die Taliban deswegen an ihm überaus inte-
ressiert gewesen wären. Zur Befürchtung, wegen des Funds der Waffe sei-
nes (Nennung Verwandter) und dessen ehemaligen Tätigkeiten verfolgt zu
werden, sei festzuhalten, dass Familienangehörige von missliebigen Per-
sonen von Übergriffen betroffen sein könnten. Ein systematisches Vorge-
hen der Taliban in diesem Zusammenhang sei jedoch nicht erkennbar. Das
Bestehen einer begründeten Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Reflexverfolgung sei deshalb nur bei Vorliegen von besonderen Um-
ständen gegeben. Dies sei hier nicht der Fall. Der Beschwerdeführer habe
selber bestätigt, dass weder er noch seine Familie aufgrund der früheren
Zugehörigkeit seines (Nennung Verwandter) zur E._ und dessen
Beziehungen zu den M._ in all den Jahren jemals Probleme mit den
Taliban gehabt habe. Aus der Tötung seines (Nennung Verwandter) und
(Nennung Verwandter) lasse sich keine gezielte, flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung seiner Person ableiten, zumal nicht ersichtlich sei, dass
die Taliban ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse an seiner Fest-
nahme hätten. Vielmehr sei er lediglich kurzerhand in den Fokus der Tali-
ban geraten, weil seine Familie G._ versteckt gehalten und die Ta-
liban dabei die Waffen seines (Nennung Verwandter) vorgefunden hätten.
Ferner sei nicht von einer Kollektivverfolgung der Volksgruppe der
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B._ durch Dritte oder den Taliban auszugehen. Die Befürchtung ei-
nes allfälligen Spionagevorwurfs seitens der Taliban erweise sich als
blosse Mutmassung, da eine direkte Verbindung zu einer möglichen Tätig-
keit als Spion oder für die Regierung objektiv nicht ersichtlich sei. Aus sei-
nen Ausführungen könne davon ausgegangen werden, dass die Taliban bis
vor dem Ereignis der Hausdurchsuchung nichts von seiner Person gewusst
hätten. Insgesamt sei ein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban am
Beschwerdeführers zu verneinen.
Sodann vermöchten die Aussagen, wonach er nach seiner Ausreise von
den Taliban gezielt gesucht und ein Drohbrief nach Hause zugestellt wor-
den sei, infolge vager und unsubstanziierter Angaben nicht zu überzeugen.
Die Ausführungen in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf liessen
keine andere Einschätzung zu. Bezüglich der gerügten Einschätzung der
Glaubhaftigkeit sei festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer die Gelegen-
heit eingeräumt worden sei, Stellung zum später vorgebrachten Drohbrief
zu nehmen. Ausserdem würden seine Angaben über seine Bedrohungssi-
tuation praktisch ausschliesslich auf einem Telefongespräch mit seiner
Mutter beruhen. Praxisgemäss vermöchten Auskünfte von Drittpersonen
für sich alleine keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung zu be-
gründen (mit Verweis auf das Urteil des BVGer E-801/2015 vom 6. Oktober
2017 E. 3.7).
6.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Rechtsmitteleingabe, seine
Aussagen zu den fluchtrelevanten Vorfällen seien substanziiert, schlüssig
und plausibel ausgefallen. Bei den Aussagen zum Zeitpunkt, wann seine
Familie C._ verlassen habe, handle es sich nicht um einen Wider-
spruch. Wohl sei einzuräumen, dass er es nicht genau wisse. Gründe dafür
seien der Umstand, dass er sich nach seiner Flucht nur telefonisch mit sei-
nen Angehörigen habe unterhalten können und ihm das Wissen um das
Wohlbefinden und die Sicherheit seiner Familie viel wichtiger gewesen sei.
Zudem könne unter Beachtung der schwierigen interkulturellen Kommuni-
kation "eine Weile" durchaus (Nennung Dauer) bedeuten. Sodann habe die
Vorinstanz die einzelnen Anhaltspunkte, die ihm ein Gefährdungsprofil ver-
leihen würden, isoliert beurteilt. Da seine Familie wegen seines (Nennung
Verwandter) bereits einmal ins Visier der Taliban geraten sei, müsse dies
vor dem Hintergrund der weiteren Geschehnisse (Verstecken des flüchti-
gen Nachbars G._; Auffinden der Waffe[n] seines (Nennung Ver-
wandter)) als risikoschärfend erachtet werden. Daher sei auch irrelevant,
dass er vor der Hausdurchsuchung der Taliban seit dem Tod seines (Nen-
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nung Verwandter) und seines älteren (Nennung Verwandter) keine Prob-
leme gehabt habe. Seine subjektive Furcht (Angst vor dem Vorwurf der
Spionage) sei auch objektiv begründet, da ihn die Taliban als männliches
Familienoberhaupt hätten ausfindig machen wollen und er aus deren Sicht
für das Verstecken eines Oppositionellen sowie das Halten von Waffen ver-
antwortlich gewesen sei. Zudem sei ein Drohbrief ausgehändigt worden
und seine Mutter und sein (Nennung Verwandter) hätten C._ da-
raufhin verlassen. Vor dem Hintergrund des entsprechenden Länderkon-
textes hätte das SEM zum Schluss kommen müssen, dass hinreichende
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung seiner Person vorhanden
seien. Weiter sei seine Zugehörigkeit zur Ethnie der B._ ein weite-
res Indiz, dass er aus Sicht der Taliban für einen Oppositionellen gehalten
werde.
7.
7.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen
der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-
motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die
geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 2007/31
E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor
künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrach-
tungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der glei-
chen Lage Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Be-
trachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das
Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer be-
reits (staatlichen) Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive
Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50
E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H).
7.2 Nicht jede Drohung durch die Taliban ist – mit Blick auf das allfällige
Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung – als asylrele-
vant im Sinne des Art. 3 AsylG zu erachten. Die Drohungen müssen gezielt
gegen den Beschwerdeführer gerichtet sein und eine asylrelevante Inten-
sität aufweisen, was das SEM in der angefochtenen Verfügung im Resultat
zu Recht verneint hat. Die geltend gemachten Bedrohungen durch die Ta-
liban sind angesichts des – auch bei Wahrunterstellung der Vorbringen –
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doch sehr geringen Profils des Beschwerdeführers nicht hinreichend inten-
siv und konkret, als hieraus eine begründete Furcht vor künftiger Verfol-
gung abgeleitet werden könnte. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die
Taliban, nachdem sie den Angaben zufolge im Haus der Familie eine Waffe
respektive die Waffen des (Nennung Verwandter) gefunden haben, darauf
geschlossen hätten, der im damaligen Zeitpunkt erst rund (...)-jährige Be-
schwerdeführer habe sich an einem Kampf gegen sie in seiner Herkunfts-
region beteiligt oder sei als Spion oder für die Regierung tätig gewesen,
weshalb sie nun versuchen würden, seiner habhaft zu werden. Das Glei-
che gilt auch für den Umstand, dass die Mutter im Haus einen flüchtigen
(Nennung Person) versteckt haben soll. Soweit der Beschwerdeführer in
diesem Zusammenhang wiederholt auf den seiner Ansicht nach risiko-
schärfenden Umstand verweist, dass seine Familie wegen seines (Nen-
nung Verwandter) bereits einmal im Visier der Taliban gestanden sei, ver-
mag er daraus nichts zu seinen Gunsten herzuleiten. So wäre – diesem
Argument folgend – vielmehr anzunehmen, dass die Taliban über die Ge-
schichte seiner Familie im Bilde gewesen wären und die beschlagnahmte
Waffe – nachdem G._ verneint habe, deren Besitzer zu sein (vgl.
SEM act. 1182779-18/15 [nachfolgend: act. 18], F28) – seinem (Nennung
Verwandter) und nicht ihm selber zugeordnet hätten. Ohnehin ist, wie die
Vorinstanz zutreffend erörterte, davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer den Taliban bis zur erwähnten Hausdurchsuchung nicht bekannt
war, nachdem er bis dahin weder jemals direkten Kontakt mit ihnen hatte
noch in seiner Nachbarschaft irgendwelche Schwierigkeiten aufgetreten
waren (vgl. act. 18, F59; F78). Aus den Akten ist denn auch nicht ersicht-
lich, dass die Taliban als Folge der Hausdurchsuchung Anstalten getroffen
hätten, den Beschwerdeführer an seinem Ausbildungs- und Arbeitsplatz
aufzusuchen oder auch nur seine Mutter zu fragen, wo er sich aktuell auf-
halte, was für sie ohne grossen Aufwand zu bewerkstelligen gewesen wäre
und auch nahegelegen hätte, wäre der Beschwerdeführer tatsächlich im
Visier der Taliban gestanden. Indem sie seiner Mutter lediglich gesagt ha-
ben sollen, sie wollten das männliche Familienoberhaupt ausfindig machen
(vgl. act. 18, F29) respektive sie müsse ihren Sohn den Taliban aushändi-
gen (vgl. act. 18, F53), räumten sie aber seiner Familie faktisch die Mög-
lichkeit ein, ihn zu warnen und sich rechtzeitig vor einer allfälligen Ergrei-
fung in Sicherheit zu bringen. Der Beschwerdeführer brachte auf konkrete
Nachfrage nach der Motivation der Taliban, ihn zu ergreifen, bloss in pau-
schaler Weise vor, weil er das männliche Familienoberhaupt gewesen sei
(vgl. act. 18, F54). Sodann will der Beschwerdeführer von der Hausdurch-
suchung der Taliban und deren Nachfrage nach seiner Person (vor seiner
Ausreise) sowie deren Suche nach ihm und der Abgabe eines Drohbriefes
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(nach seiner Ausreise) ausschliesslich über das Telefon von seiner Mutter
erfahren haben. Jedoch reicht der Umstand, dass eine Person von Dritt-
personen erfährt, dass sie gesucht wird, für sich alleine nicht aus, eine be-
gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu belegen (vgl. Urteil des
BVGer E-801/2015 vom 6. Oktober 2017 E. 3.7 m.w.H.). Im Weiteren blie-
ben die Ausführungen des Beschwerdeführers zur angeblichen Suche
nach ihm nach seiner Ausreise und der Abgabe eines Drohbriefs vage und
unsubstanziiert. Die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen in diesem Punkt
sind zu bestätigen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf die
Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden kann (vgl.
act. 22, S. 6). Der Beschwerdeführer vermag auf Beschwerdeebene die
widersprüchlichen Angaben zum Zeitpunkt, wann seine Familie C._
verlassen habe, nicht überzeugend zu erklären, zumal er auch bei einem
bloss telefonischen Kontakt die entsprechenden Informationen von seiner
Familie hätte erhältlich machen können. Wenig überzeugend bleibt auch
der Hinweis, dass ihm das Wissen um das Wohlbefinden seiner Familie
viel wichtiger gewesen sei, als Informationen über eine mögliche Verfol-
gung seiner Person zu erhalten. Sodann vermochte er die tatsächliche Zu-
stellung des besagten Drohbriefs weder zu belegen noch hat er Bemühun-
gen offengelegt, diesen (wieder) erhältlich zu machen.
7.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, auch seine Zugehörigkeit
zur Ethnie der B._ lasse ihn aus der Sicht der Taliban als Oppositi-
onellen erscheinen, ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situ-
ation der B._ in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban
schwierig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts ist indessen nach wie vor nicht von einer Kollektivver-
folgung von B._ in Afghanistan auszugehen (vgl. Urteil des BVGer
E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die blosse Zugehörigkeit zur
Ethnie der B._ ist daher auch unter Berücksichtigung der aktuellen
Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausreichend, um zur Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft zu führen. Aus dem allgemein gehaltenen Hin-
weis des Beschwerdeführers, es bestehe seitens der Taliban eine lange
Feindseligkeit gegen die B._ und die (...) Konfessionen, weshalb
sie Probleme mit den B._ hätten und einen Vorwand suchen wür-
den (vgl. act. 18, F76), lässt sich auch kein konkretes Verfolgungsinteresse
der Taliban an seiner Person herleiten. Ebenso lassen die Ausführungen
auf Beschwerdeebene nicht auf eine Verfolgungsfurcht aufgrund der Eth-
nie schliessen.
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7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrecht-
lich relevante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht
zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigen-
schaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.2 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-
fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz
vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der
weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – nicht, da diese Vollzugshinder-
nisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegwei-
sung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erlass des
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
10.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als
aussichtslos zu erachten. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG ist daher ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürf-
tigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Ver-
fahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs.
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1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
(Dispositiv nächste Seite)
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