Decision ID: 28e44fd4-4c9b-4fac-ace6-f3b9975f44eb
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt (gekürzt) :
X. und Y. leben mit ihren Kindern in St. Gallen. Gegen ihre Veranlagung erhoben sie
Einsprache mit dem Antrag, es seien zusätzliche Kosten der Ausbildung der Kinder
zum Tennisprofi von je Fr. 13'000.-- zum Abzug zuzulassen sowie für ein Kind einen
Kinderabzug von Fr. 6'800.-- zu gewähren. Das kantonale Steueramt hiess die
Einsprache teilweise gut und gewährte einen weiteren Kinderabzug von Fr. 6'800.--.
Gegen den Einsprache-Entscheid erhoben X. und Y. Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, ihr ursprüngliches Begehren betreffend
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den Abzug der Ausbildungskosten sei gutzuheissen. Mit Schreiben vom 15. Juni 2011
beantragten sie zudem sinngemäss, die Kosten für den Musikunterricht ihrer Kinder
von Fr. 10'000.-- zum Abzug zuzulassen.
Mit Vernehmlassung vom 22. August 2011 beantragte das kantonale Steueramt die
teilweise Gutheissung des Rekurses, sofern die Voraussetzungen betreffend die
Abzugsfähigkeit der im Rekursverfahren vorgebrachten Ausbildungskosten (Musik)
erfüllt sein sollten. Zur vorinstanzlichen Vernehmlassung nahmen X. und Y. mit Eingabe
vom 15. September 2011 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,

Considerations:
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen (gekürzt):
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurs-kommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Neue Begehren sind zulässig (vgl. Art. 46 Abs. 3 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Der Rekurs
hat einen Antrag zu enthalten (vgl. Art. 48 Abs. 1 VRP). Der Antrag ist ein formelles
Gültigkeitserfordernis. Fehlt er oder wird er nicht innert der angesetzten Frist
nachgereicht, kann auf das Rechtsmittel nicht eingetreten werden (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., N 920; GVP 1985 Nr. 50). Anders als im
Einspracheverfahren genügt es nicht, lediglich ein Rechtsmittel einzulegen, ohne
Angabe, was mit dem Anfechtungsobjekt zu geschehen habe (vgl. Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. Gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S.
394 f.; Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach (Hrsg.), Kommentar zum Interkantonalen
Steuerrecht, Basel 2011, § 43 N 18). Trotz fehlender Bindung an die Parteianträge (vgl.
Art. 56 Abs. 1 VRP bzw. Art. 196 Abs. 2 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt:
StG) bleibt die Verwaltungsrekurskommission an den Sachverhalt, den die
angefochtene Verfügung beschlägt, in der Weise gebunden, als dieser
verfahrensbestimmend bleibt und eine umfassende, aufsichtsmässige Nachkontrolle
der Veranlagungsverfügung nicht möglich ist. Die Parteien sind an die
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Veranlagungsverfügung gebunden und können vor der kantonalen Rekursinstanz
nichts verlangen, was nicht Gegenstand der angefochtenen Veranlagungsverfügung ist
(vgl. T. Meister, Rechtsmittelsystem der Steuerharmonisierung, Bern/Stuttgart/Wien
1995, S. 183 f.). Zwar können die Parteien gemäss Art. 19 Abs. 1 VRP bis zum
Abschluss des Verfahrens neue Begehren stellen und sich auf neue Tatsachen,
Beweismittel und Vorschriften berufen, aber im Rekursverfahren sind die
Besonderheiten des Rechtsmittelverfahrens zu beachten. Nach Ablauf der
Rechtsmittelfrist kann das Rechtsbegehren nicht unbesehen erweitert werden. Nur
wenn die Rechtsmittelinstanz Frist für eine Ergänzung des Rechtsbegehrens ansetzt,
ist eine solche möglich. Dies ist vorliegend nicht geschehen.
Die Rekurseingabe vom 15. Mai 2011 (Datum des Poststempels: 23. Mai 2011) ist –
unter Berücksichtigung des Stillstands der Fristen vom siebten Tag vor bis und mit
dem siebten Tag nach Ostern (Art. 30 Abs. 1 VRP i.V.m. Art. 145 Abs. 1 lit. a der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt: ZPO) – rechtzeitig
eingereicht worden. Die Eingabe erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 StG; Art. 48 VRP), weshalb darauf
einzutreten ist.
Die Eingabe vom 15. Juni 2011 betreffend den Kosten des Musikunterrichts erfolgte
nach Ablauf der Rekursfrist. Sie enthält einen Antrag, welcher im Einspracheverfahren
noch nicht gestellt worden ist. Dass die Vorinstanz auf den Antrag einging, ändert
daran nichts. Die Rekurrenten wurden zudem darauf hingewiesen, dass der Entscheid
über das Eintreten dem Gericht obliegt. Auf den entsprechenden Antrag ist daher nicht
einzutreten.
2.- Zu prüfen ist, ob die Rekurrenten die für die Tennisausbildung getätigten Auslagen
bei der Einkommenssteuerveranlagung für das Jahr 2008 abziehen können.
a) Die Rekurrenten machen geltend, ihre Kinder würden im Rahmen der Vorgaben von
Swiss Tennis für Kaderangehörige ausgebildet. Die Ausbildung gliedere sich in Einzel-,
Gruppen und Konditionstrainings. Ausserdem besuchten die Kinder in allen Schulferien
zusätzlich Trainingslager. Der Trainingsaufwand betrage rund zwanzig Stunden pro
Woche und werde durch mindestens sechzig Turniere ergänzt. ... Der Aufwand gehe
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weit über allgemeine sportliche Betätigungen hinaus; er diene vielmehr dem Ziel, eine
Profi-Sportkarriere zu erreichen.
Die Vorinstanz hält entgegen, die Kinder befänden sich in der schulischen
Erstausbildung. Dabei stellten Kosten für die allgemeine sportliche Betätigung
grundsätzlich keine abzugsfähigen Ausgaben dar. Bei den vorgebrachten
Tennisaktivitäten handle es sich nicht um eine systematische Ausbildung und die
aufgewendete Zeit sprenge den Rahmen eines intensiv betriebenen Hobbys nicht. Nur
eine restriktive Beurteilung stelle sicher, dass nicht private Lebenshaltungskosten den
anrechenbaren Ausbildungskosten zugerechnet werden.
b) Gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG (Fassung II. Nachtrag zum StG, nGS 42-73)
können vom Reineinkommen höchstens weitere Fr. 13'000.-- für Ausbildungskosten für
jedes unter der elterlichen Sorge oder Obhut des Steuerpflichtigen stehende oder
volljährige Kind, das in der schulischen oder beruflichen Ausbildung steht, abgezogen
werden, soweit sie der Steuerpflichtige selber trägt und sie Fr. 2'000.-- übersteigen. In
der ursprünglichen Fassung war der zusätzliche Abzug lediglich bei auswärtiger
Ausbildung möglich. Beim II. Nachtrag ging es dabei darum, diese Bestimmung wieder
einzufügen (vgl. Kantonale Abstimmungsbroschüre vom 24. September 2006, S. 21,
abrufbar auf http://www.abstimmungen.sg.ch), wobei ursprünglich ein weiterer Abzug
lediglich bei auswärtiger Ausbildung möglich war. Die zur Abstimmung vorgelegte
Fassung wurde dahingehend abgeändert, dass ein zusätzlicher Abzug nicht nur bei
auswärtiger Ausbildung gestattet wird (vgl. Antrag CVP-, FDP-, GRÜ- und SVP-
Fraktion vom 20. Februar 2006 sowie Ergebnis der 1. Lesung des Kantonsrates vom
21. Februar 2006, abrufbar auf http://www.ratsinfo.sg.ch unter Nr. 22.05.12). Da es
sich aber um eine "Wiedereinführung" dieser Bestimmung handelt, kann nicht davon
ausgegangen werden, der Gesetzgeber habe anlässlich der Revision den Begriff
"Ausbildungskosten" weiter fassen wollen als bisher. Es ist daher von einer restriktiven
Auslegung auszugehen.
Zur schulischen Ausbildung zählen die obligatorischen Schuljahre, das freiwillige
zehnte Schuljahr sowie die Mittelschulen. Als berufliche Ausbildung gelten alle
Ausbildungsgänge, welche der Erlernung eines Berufs dienen, wie Berufsschule,
Berufslehre, Anlehre, Berufsmittelschule, Fachhochschule, Universität usw. Die
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berufliche Ausbildung dient dazu, in erster Linie die Erstausbildung abzuschliessen. Die
Erstausbildung ist dann als abgeschlossen zu betrachten, wenn ein Abschluss erlangt
wird, der für die Ausübung eines bestimmten Berufs erforderlich ist und somit die
Aufnahme einer angemessenen beruflichen Tätigkeit erlaubt, wie z.B. ein
Lehrabschluss, eidg. Fachausweis, eidg. Diplom oder Hochschulabschluss (vgl. StB 48
Nr. 1 Ziff. 2.6; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl.
2009, N 40 zu Art. 213 DBG). Ausbildungskosten sind Auslagen, die der Erlernung
eines Berufs dienen; vorausgesetzt wird dabei ein innerer Zusammenhang im Sinne der
Berufsvorbereitung. In erster Linie gehören dazu die Kosten der Grund- oder
Allgemeinausbildung. Ausbildungskosten umfassen die üblichen Auslagen für
Schulgelder, Lehrmittel, Prüfungsgebühren, gezielten Spezialunterricht (z.B. im
musischen, sprachlichen, kulturellen oder sportlichen Bereich), Drucklegung von
Dissertationen, Exkursionen, Fahrkosten, Unterkunft und notwendige Mehrkosten der
auswärtigen Verpflegung (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 161 f.; StB 48
Nr. 1 Ziff. 2.7). Es muss sich demnach um Ausbildungskosten im engeren Sinn
handeln. Aufwendungen für Musik- und Sportunterricht sind nur abzugsfähig, wenn sie
zu entsprechenden Ausbildungen oder Berufen führen, wie Musiklehrer, Turn- oder
Skilehrer, musische Maturität mit Musik statt Zeichnen usw. Kosten der freiwilligen
Sport- oder Musikausbildung sind dagegen nicht abzugsfähige Ausbildungskosten,
sondern werden als Einkommensverwendung im Sinn der Lebenshaltung betrachtet.
Eine solche Auslegung hat den Vorteil, dass sie eine klare Abgrenzung erlaubt und
damit eine rechtsgleiche Behandlung der steuerpflichtigen Personen erleichtert. Würde
der Begriff "Ausbildung" weiter verstanden, wäre keine klare Abgrenzung zu
Freizeitaktivitäten bzw. zu Spiel und Sport mehr möglich (vgl. Die neue Steuerpraxis
49/1995, 159 ff.; Leuch/Kästli, Praxis-Kommentar zum Berner Steuergesetz, Bern/Muri
2006, S. 348).
c) Als unbestritten gelten kann, dass es sich bei der Tennisausbildung nicht um eine
schulische Ausbildung handelt. Es fragt sich jedoch, ob die anfallenden Auslagen als
berufsbedingte Ausbildungskosten vom Reineinkommen abgezogen werden können.
... Alle Kinder befanden sich in der Steuerperiode 2008 noch in der obligatorischen
Grundschule. In dieser Zeit können grundsätzlich keine beruflichen Ausbildungskosten
anfallen. Weiter wird durch den Tennisunterricht als solchen kein Abschluss erreicht,
der für die Ausübung eines Berufs notwendig wäre, auch wenn sicherlich die
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Fertigkeiten und Techniken trainiert werden. Wohl steht es den Eltern frei, ihre Kinder
an einer Privatschule mit beispielsweise musischem oder sportlichem Schwerpunkt
studieren zu lassen. Die daraus resultierenden Zusatzkosten stellen jedoch
Lebenshaltungskosten dar, die steuersystematisch nicht zum Abzug berechtigen. Eine
Privilegierung der Eltern, die sich für eine leistungsbezogene Grundausbildung
entscheiden, käme vielmehr einer ungerechtfertigten Besserstellung gleich (vgl.
Stellungnahme des Bundesrats vom 18. August 2010 zur Motion "Steuerabzug für
leistungssportbezogene Grundausbildung, Fundstelle in Curia Vista unter Nr. 10.3441).
Selbst wenn es nicht ausgeschlossen ist, dass eines der Kinder Tennisprofi wird,
könnten die dadurch anfallenden Kosten nicht in Abzug gebracht werden, da keine
klare Abgrenzung zur Freizeitbeschäftigung möglich ist. Hinzu kommt, dass
Profisportler kein Beruf darstellt, der im Rahmen einer Ausbildung erlernt wird.
d) Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von den
Rekurrenten zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu verrechnen.