Decision ID: 081c5c11-3ad0-4b39-8602-e33adedc5f3a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 28. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende
(EB UMA) vom 24. Juni 2022 und der Anhörung vom 15. Juli 2022 führte
er im Wesentlichen aus, er sei afghanischer Staatsangehöriger hazarischer
Ethnie und stamme aus B._ im Distrikt Qarabagh in der Provinz
Ghazni, wo er bis zur achten Klasse die Schule besucht habe. Es habe vor
seiner Ausreise aus Afghanistan einen Streit um Ländereien zwischen den
Bewohnern seines Dorfes und den Paschtunen gegeben, bei dem er je-
doch keine Rolle gehabt habe. Im Allgemeinen seien die Paschtunen ge-
gen die Hazara und zu jeder Gräueltat fähig, namentlich nähmen sie sie
mit und folterten oder töteten sie. Inzwischen seien die Paschtunen an der
Macht und verlangten von den Hazara auch mehr Steuern als von ihren
eigenen Leuten. In Bezug auf das ihm persönlich Widerfahrene gab er an,
er habe mit seinem Bruder ein Geschäft für Handyzubehör geführt, in dem
er jeden Tag nach der Schule gearbeitet habe. Einmal hätten drei
paschtunische Jungen bei ihm Filme gekauft. Auf dem Nachhauseweg
seien diese von den Taliban kontrolliert und gefragt worden, woher sie die
Filme auf ihren Mobiltelefonen hätten, worauf sie seinen Namen angege-
ben hätten. In der Folge habe er nach Ladenschluss am Nachmittag von
seinem Nachbar erfahren, dass die Taliban am Mittag zum Bazar gekom-
men seien und nach ihm gesucht hätten. Dabei hätten sie ihn «Kafir» ge-
nannt und ihn beschuldigt, mit den Filmen die westliche Kultur zu verbrei-
ten. Sein Nachbar habe ihm gesagt, er solle nicht mehr zurück zu seinem
Geschäft, da er sonst mitgenommen würde. Aus Angst sei er deshalb noch
am selben Abend nach C._ und am nächsten Tag schliesslich nach
D._ gereist, wo sich zu jenem Zeitpunkt sein Bruder aufgehalten
habe. Zusammen hätten sie entschieden, Afghanistan zu verlassen und in
den Iran zu reisen. Unterwegs sei er unter ungeklärten Umständen von
seinem Bruder getrennt worden und deshalb alleine im Iran angekommen,
von wo aus er über die Türkei, Italien und Frankreich in die Schweiz gelangt
sei.
C.
Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren eine Tazkara
in Kopie zu den Akten.
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D.
Am 22. Juli 2022 wurde dem Beschwerdeführer der Entscheidentwurf des
Staatssekretariats für Migration (SEM) zur Stellungnahme unterbreitet. Mit
Schreiben vom 25. Juli 2022 reichte der durch seine – mit Vollmacht vom
13. Juni 2022 mandatierte – Rechtsvertretung handelnde Beschwerdefüh-
rer eine entsprechende Stellungnahme sowie das Foto eines Drohbriefs
ein.
E.
Mit Verfügung vom 26. Juli 2022 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte das
Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2), verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz (Dispositivziffer 3), ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an (Dispositivziffern 4
und 5), wies den Beschwerdeführer dem Kanton E._ zu und beauf-
tragte diesen mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme (Dispositivziffer
6), stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Kantonszuweisung
habe keine aufschiebende Wirkung und der Ausgang einer allfälligen Be-
schwerde müsse im Zuweisungskanton abgewartet werden (Dispositivzif-
fer 7).
F.
Mit Eingabe vom 25. August 2022 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es seien die Zif-
fern 1 bis 3 der Verfügung des SEM vom 26. Juli 2022 aufzuheben, die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter
sei die Verfügung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh-
ren, insbesondere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzu-
sehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Ver-
fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
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Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwer-
deverfahrens.
3.
3.1 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
E-3700/2022
Seite 5
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen nicht stand, da er nicht in der Lage gewesen sei, die
geltend gemachten Vorbringen detailliert beziehungsweise erlebnisbasiert
zu schildern; überdies lägen Widersprüche vor. Namentlich habe er keine
konkreten Angaben zu den in Frage stehenden Filmen machen können
und zum Sortiment seines Geschäfts sowie zur Abgabe der Filme wider-
sprüchliche Angaben getätigt. Die Schilderungen der Geschehnisse vor
der Ausreise seien zudem kurz und ohne Details ausgefallen, obwohl der
Beschwerdeführer mehrmals aufgefordert worden sei, das Erlebte ausführ-
lich und Schritt für Schritt darzulegen. Insbesondere auch das Gespräch
mit seinem Nachbarn, in dem er von der Kontrolle der Taliban erfahren
habe, liesse Details vermissen, die bei selbst erlebten Vorkommnissen zu
erwarten wären. Auch die Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf
seine Reaktion und Gedankengänge beim Erhalt dieser Nachricht seien
einsilbig und unsubstantiiert ausgefallen und auch den Angaben zu den
Gesprächen mit seiner Mutter und seinem Bruder fehle die zu erwartende
Substanz, wobei sich beispielsweise an seinen Schilderungen zur Ausreise
zeige, dass er grundsätzlich in der Lage wäre, qualitativ hochwertige Aus-
sagen zu machen. Insgesamt fehlten über den gesamten Verlauf der An-
hörung qualitativ hochstehende Äusserungen zur persönlichen Betroffen-
heit. Verschärfend käme hinzu, dass weitere Aspekte des Kerngeschehens
Unstimmigkeiten enthielten, indem der Beschwerdeführer beispielsweise
zuerst angab, nach seiner Ausreise sei nichts Relevantes mehr passiert,
andererseits im Folgenden ausführte, die Taliban seien mehrmals bei sei-
ner Mutter vorbeigekommen und hätten ihr auch einen Drohbrief über-
reicht. Insgesamt liessen die Aussagen nur den Schluss zu, die Vorbringen
könnten sich nicht wie geschildert abgespielt haben. Aktuell bestünden so-
dann auch keine hinreichenden Hinweise dafür, dass der Beschwerdefüh-
rer einer Personengruppe angehöre, die aufgrund bestimmter Merkmale
von den Taliban ganz grundsätzlich verfolgt werde. Mit Verweis auf die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts reiche die alleinige Zu-
gehörigkeit zur Ethnie der Hazara jedenfalls nicht aus, um ein Risikoprofil
zu begründen. Insgesamt hielten somit die Vorbringen des Beschwerde-
führers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG, noch den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art.
7 AsylG stand.
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5.2 Der Beschwerdeführer stellt dem insbesondere entgegen, sein junges
Alter von sechzehn Jahren sei nicht genügend berücksichtigt worden. Un-
begleitete minderjährige Asylsuchende tendierten dazu, auf Fragen zur je-
weils gleichen Situation ihre Aussagen zu wiederholen, um keine Fehler zu
machen. Die Vorinstanz habe genau hierauf abgezielt und wiederholt Fra-
gen zum gleichen Sachverhalt gestellt, um in der Folge den gemachten
Aussagen die Substanz abzusprechen. Seine Aussagen anlässlich der An-
hörungen ergäben ein plausibles und widerspruchsfreies Bild. Insbeson-
dere der Argumentation der Vorinstanz, er habe auf die Frage nach den
vertriebenen Filmen keine konkreten Informationen, sondern nur allge-
meine Antworten geliefert, sei entgegenzuhalten, dass minderjährige Asyl-
suchenden von der Rechtsvertretung im Sinne einer kindgerechten Vorbe-
reitung jeweils nur auf die ihnen bevorstehende Befragung vorbereitet wür-
den und eine umfangreiche Vorbereitung zu einer Befragung zu den Asyl-
gründen erst nach der Erstbefragung stattfinde, weshalb ihnen allfällige
fehlende Angaben in der Erstbefragung nicht zur Last gelegt werden könn-
ten. Die Vorinstanz lasse ausser Acht, dass er sich nicht gewohnt sei, so
viel zu sprechen und zu erzählen, weshalb nicht erwartet werden dürfe, er
könne den hohen Erwartungen der Vorinstanz bezüglich des Aussagever-
haltens gerecht werden. In Bezug auf die Argumentation der Vorinstanz,
es sei ihm in Bezug auf seine Fluchtschilderung indessen gelungen, seine
Reaktion und Gedankengänge zu schildern, gälte es festzuhalten, dass
diese Ereignisse weniger lange zurücklägen und präsenter seien. Der so-
dann von der Vorinstanz vorgebrachte Widerspruch in Bezug auf allfällige
Vorkommnisse nach seiner Ausreise könne ihm ebenfalls nicht zur Last
gelegt werden, da es sich nicht um einen Widerspruch handle, sondern er
lediglich auf konkrete Nachfragen detailliertere Angaben gemacht habe.
Aufgrund der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen seien diese auf die Asylre-
levanz zu prüfen, die vorliegend gegeben sei: Er werde von den Taliban
beschuldigt, die westliche Kultur zu verbreiten und deshalb von diesen ver-
folgt. Seit der Machtübernahme der Taliban gäbe es keine innerstaatliche
Schutzalternative, weshalb er nur die Möglichkeit gehabt habe, sich vor
den Taliban zu verstecken und einem unerträglichen psychischen Druck
ausgesetzt zu sein oder getötet zu werden. Es gelte hinzuzufügen, dass
die Hazara in Afghanistan seit jeher unterdrückt worden seien, was sich
seit der Machtübernahme der Taliban noch verstärkt habe, jedoch von der
Vorinstanz nicht ausreichend gewichtet worden sei. Dies gelte auch für den
Aspekt der Reflexverfolgung und der Zwangsrekrutierung. Zusammenfas-
send zeige sich, dass seine Vorbringen glaubhaft seien und ihm ein geziel-
ter ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG drohe.
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6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, die vorab zu be-
urteilen sind, da diese zu einer Kassation der vorinstanzlichen Verfügung
führen können.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
6.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
6.4 Sofern unter Verweis auf das Urteil des BVGer E-3902/2019 vom
22. Oktober 2019 geltend gemacht wird, der Beschwerdeführer hätte in der
Erstbefragung nicht zu den Asylgründen befragt werden dürfen, wird ver-
kannt, dass das Gesetz in Art. 26 Abs. 3 AsylG, welcher mithin auch auf
minderjährige Asylsuchende anwendbar ist (vgl. Urteil des BVGer E-
3902/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 7.3), im Rahmen einer summarischen
Befragung zur Person während der Vorbereitungsphase explizit auch eine
summarische Befragung zu den Gründen, aus denen die gesuchstellende
Person ihr Land verlassen hat, vorsieht. Es kann somit – ungeachtet des
Umstands, ob vor der Anhörung zu den Asylgründen nochmals eine ver-
tiefte Vorbereitung stattfindet – von der zugeteilten Rechtsvertretung er-
wartet werden, dass sie im Rahmen ihres Mandats die minderjährigen
Asylsuchenden auch auf diesen Aspekt der Erstbefragung vorbereitet. Im
zitierten Urteil handelte es sich denn auch um eine wesentlich andere
Sachlage, bei der die Erstbefragung einer minderjährigen Gesuchstellerin
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während ihres Verlaufs von der Vorinstanz in eine Anhörung nach Art. 29
AsylG umgewandelt bzw. durch eine solche ersetzt worden war (vgl. Urteil
des BVGer E-3902/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 5) und die mithin nicht
mit dem vorliegenden Fall vergleichbar ist.
6.5 Was sodann die Vorbringen betreffend die Befragungen beziehungs-
weise die Befragungstechnik anbelangt, gehen diese ebenfalls ins Leere.
Die Befragungen wurden korrekt durchgeführt, die Befragungstechnik ist
nicht zu beanstanden und auch im Lichte der Minderjährigkeit des Be-
schwerdeführers als angemessen einzustufen. Ihm wurde anlässlich der
Anhörung die Möglichkeit gegeben, sich sowohl frei zu äussern als auch
Vertiefungsfragen zu beantworten. Dem Umstand, dass der Beschwerde-
führer im Rahmen der ausführlichen Darlegung seiner Asylgründe wieder-
holt zur weiteren Erläuterung einer Antwort, der Klärung einer Frage oder
insbesondere bei abschweifendem Aussageverhalten zu genaueren Aus-
sagen eingeladen wurde, lässt nicht auf eine unangemessene Befragungs-
situation – auch im Hinblick auf das Alter des Beschwerdeführers – schlies-
sen. Im Übrigen wird dies in der Beschwerde auch nicht weiter ausgeführt.
Mithin bestehen auch aus dieser Sicht keine stichhaltigen Gründe, von ei-
nem unkorrekten respektive unvollständigen Sachverhalt auszugehen.
6.6 Soweit der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene mit einem Satz
vorbringt, die Vorinstanz habe es unterlassen, den Aspekt der Reflexver-
folgung sowie der Zwangsrekrutierung zu berücksichtigen (vgl. Be-
schwerde S. 9 Pt. 14), bleiben diese Punkte gänzlich unsubstantiiert, wes-
halb auf sie nicht näher einzugehen ist. Entgegen dem weiteren Beschwer-
devorbringen, die Vorinstanz habe bezüglich der Situation der Hazara
keine Abklärungen getätigt, enthält die vorinstanzliche Verfügung auch
ausreichende diesbezügliche Erwägungen.
6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass den Akten keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs zu entnehmen ist und der Sachverhalt ausreichend
festgestellt wurde. Die Ausführungen des Beschwerdeführers tangieren
davon abgesehen denn auch im Wesentlichen materielle und nicht formelle
Aspekte. Die formellen Rügen erweisen sich daher insgesamt als unbe-
gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aufzuheben und
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
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den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht
standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen ist.
7.2 Die protokollierten Vorbringen hinterlassen auch nach Ansicht des Ge-
richts gesamthaft einen unsubstanziierten und stereotypen Eindruck; ihnen
ist aus diesem Grund die Glaubhaftigkeit abzusprechen. Namentlich war
der Beschwerdeführer nicht in der Lage, Angaben zu den in seinem Ge-
schäft vertriebenen Filmen zu machen. Dies wäre – unabhängig seines Al-
ters – indes zu erwarten gewesen, hat er doch selbst ausgesagt, sein Bru-
der sei zwar derjenige, der sich mit Computern und den Filmen besser aus-
kannte, er habe jedoch den Kunden die Ausschnitte und Fotos aus den
Filmen auf seinem Handy gezeigt (SEM-Akte [...]). Es ist als widersprüch-
lich einzustufen, wenn der Beschwerdeführer einerseits erklärt, sie hätten
den Kunden jeweils Ausschnitte von den Filmen gezeigt, die diese, wenn
ihnen der Film gefallen habe, gekauft hätten, andererseits als einzige In-
formation zu den Filmen angeben kann, es habe sich um «unterschiedli-
che» Filme gehandelt (SEM-Akte [...]) und auch keinerlei Angaben zu den
an die drei paschtunischen Jungen abgegebenen Filme machen konnte,
obwohl er diese alleine in Abwesenheit seines Bruders verkauft habe. Dies
überrascht umso mehr, als dass der Beschwerdeführer angegeben hat,
sein Dorf habe zu jenem Zeitpunkt bereits Probleme mit den benachbarten
Paschtunen gehabt, die im Allgemeinen gegen die Hazara seien (SEM-
Akte [...]). Es wäre mithin zu erwarten gewesen, der Beschwerdeführer
hätte beim Verkauf von Filmen an sie eine gewisse Vorsicht walten lassen,
zumal zu jenem Zeitpunkt die Taliban bereits an der Macht gewesen seien
(SEM-Akte [...]). Auch der Umstand, dass sein Bruder der (Haupt-)Verant-
wortliche des Geschäfts gewesen sei, ist nach dem Gesagten nicht geeig-
net, sein angebliches Unwissen zu rechtfertigen, zumal er selbst angege-
ben hat, sie beide hätten das Geschäft geführt und er offensichtlich – wie
am in Frage stehenden Tag – tageweise auch alleine für den Laden zu-
ständig war (SEM-Akte [...]). Die entsprechenden Erklärungsversuche in
den Anhörungen und in der Beschwerde vermögen nicht zu überzeugen.
Namentlich ist der Vorinstanz im Weiteren darin beizupflichten, dass auch
Widersprüche in Bezug auf das Sortiment seines Geschäfts (vgl. SEM-Akte
[...]), die Abgabeart der Filme als Teil des Sortiments (vgl. SEM-Akte [...];
SEM-Akte [...]) sowie angebliche Vorkommnisse nach seiner Ausreise vor-
liegen (vgl. SEM-Akte [...]; SEM-Akte [...]). Im Übrigen fällt auf, dass der
Beschwerdeführer seine Reaktionen und Gedankengänge, die schliesslich
direkt zu seiner Ausreise geführt haben, nur knapp und ohne signifikante
Details wiedergegeben hat, wobei um Wiederholungen zu vermeiden auf
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die entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung der
Vorinstanz zu verweisen ist. Sofern auf Beschwerdeebene vorgebracht
wird, der Beschwerdeführer könne sich verständlicherweise an weiter zu-
rückliegende Ereignisse weniger gut erinnern, überzeugt dies nicht, da ei-
nerseits auch die Bedeutung der jeweiligen Ereignisse zu gewichten ist und
andererseits beispielsweise die Trennung von seinem Bruder direkt nach
der Abreise erfolgte. Die Rechtsmitteleingabe ist nicht geeignet, zu einer
anderen Einschätzung zu gelangen, da sie lediglich an der Glaubhaftigkeit
der gemachten Aussagen festhält, indem sie im Übrigen entweder das be-
reits bei den Befragungen Dargelegte wiederholt oder die von der Vo-
rinstanz aufgeführten Ungereimtheiten nicht nachvollziehbar zu erklären
vermag.
7.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Zugehörigkeit zur
Ethnie der Hazara könnte bereits eine Furcht vor zukünftiger Verfolgung in
Afghanistan begründen, ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die
Situation der Hazara in Afghanistan schwierig präsentieren kann. Indes
kann nicht von einer Kollektivverfolgung der genannten Personengruppe
ausgegangen werden. Das SEM hat zu Recht festgehalten, dass keine An-
zeichen dafür vorliegen würden, dass die Hazara alleine wegen ihrer Eth-
nie einer gezielten Verfolgung unterlägen. An dieser Einschätzung ist auch
nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 festzuhalten, da
derzeit keine Informationen vorliegen, die darauf hindeuten, dass die Ha-
zara als Volksgruppe in genereller Art von asylrechtlich relevanter Verfol-
gung bedroht sind (vgl. Urteil des BVGer D-3385/2017 vom 20. Oktober
2021 E. 5.1).
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, einen glaubhaften beziehungsweise flüchtlingsrechtlich
bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der Vorinstanz,
dieser erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dementsprechend zu be-
stätigen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. Nach
dem Gesagten besteht auch kein Anlass zur Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz, weshalb das Eventualbegehren ebenfalls abzuweisen ist.
10.
10.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. In der Beschwerde-
schrift wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
verlangt. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die gestell-
ten Begehren als zum vornherein aussichtslos zu erachten sind. Damit ist
eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht
gegeben, weshalb das entsprechende Gesuch abzulehnen ist.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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