Decision ID: 41e49170-a823-4cbd-9b03-74a1e79ec7e3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1966
, Mutter von
zwei Kindern
(Jahrgang
1999 und 2003
),
ist seit November 2008 Hausfrau und betreibt als Nebenbeschäfti
gung
(
sofern ein Projekt vorhanden ist
)
ein
„
Panel für Esswaren
“
(Urk. 7/3/4 Ziff. 5.4 f.).
Unter Hinweis auf
Seh
beschwerden
und Schlafstörungen
meldete sich
die Versicherte
am
10. August 2015
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (Urk.
7/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab.
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/11
; Urk.
7/15
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6. Mai 2016
einen Rentenanspruch (Urk.
7/18
= Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
7. Juni 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
6. Mai 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Sache zur ergänzenden Abklärung und Neuverfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
12. Juli 2016
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
20. Juli
2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zuge
mutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass keine gesundheitliche Beeinträchti
gung vorliege, welche eine Invalidität respektive eine Einschränkung im bis
herigen Tätigkeitsbereich (Haushalt) begründen würde (S. 1 unten). Eine Abklä
rung der Qualifikation sei hinfällig, da keine gesundheitlichen Leiden ausge
wiesen seien (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe ergänzende medizinische Abklärungen sowie Abklärungen zur Statusfrage durchzuführen (S. 2 oben). Die psychischen Stö
run
gen seien nicht durch psychosoziale Faktoren verursacht, sondern es sei umge
kehrt: Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hätten zu psychosozialen Prob
lemen geführt (S.
4 Ziff.
10). Sie leide seit Jahren unter einer rezidi
vie
renden depressiven Störung mit wechselnder Ausprägung sowie unter ängst
lich
/
vermeidenden Persönlichkeitszügen und zunehmender Soziophobie sowie massiven Schlafstörungen (Ziff.
11). Die Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht von einer nicht-organischen Ursache der Sehstörung ausgegangen. Bei ihr liege nachgewiesenermassen eine Sehstörung in Form von Doppelbildern bei
links
betonter
Esopherie
vor. Die Operation der Augenmuskeln habe nur kurzzeitig eine Verbesserung gebracht. Derzeit seien weit
ere Abklärungen im Gange (Ziff.
12).
Sodann sei sie zu Unrecht zu 100 % als Hausfrau qualifiziert worden. Nach der gerichtlichen Trennung vom Ehemann wäre sie bei guter Gesundheit nur schon aus finanzieller Notwendigkeit heraus auf jeden Fall wieder erwerbstätig.
Da ihre Kinder bereits 9 und 12 (richtig: 13 und 17) Jahre alt seien, wäre sie min
destens im Rahmen eines 60 bis 80%igen Pensums erwerbstätig (
S. 5
Ziff.
13).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausging, es seien keine Leiden ausgewiesen, welche einen Anspruch auf invalidenver
sicherungsrechtliche Leistungen begründen würden.
3.
3.1
Am 12. März 2009 wurde bei der Beschwerdeführerin aufgrund
von
Doppel
bilder
n
unklarer Genese teilweise mit Kopfdruck bei Status nach
Mening
okokken-Meningitis
1994, Status nach peripherer
Fascialisparese
links und substituierter Hyperthyreose ein MRI des Schädels durchgeführt (Bericht vom 12. März 2009, Urk. 7/9/6).
Es konnten vier punktförmige
hyperintense
Läsionen frontal und parietal links nachgewiesen werden. Ansonsten zeige sich ein regelrechte
cortico-medulläre
Differenzierung und eine altersentsprechende Darstellung des
Hirn
parenchyms
.
3.2
Aufgrund der Doppelbild-Problematik, welche trotz dem Tragen einer
Pris
menbrille
(wieder) vorliegen würde
, stellte sich die Beschwerdeführerin im November 2009 und Januar 2010 drei Mal zur Abklärung in der
Memoryklinik
des Sa
natoriums
Y._
vor (Bericht vom 9. März 2010, Urk. 7/9/12-15). Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1
Mitte
):
-
Verdacht auf leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit
sozio
phobischen
Zügen
-
Doppelbilder bei linksbetonter
Esopherie
-
Zustand nach
Meningokokkenmeningitis
September 1994
-
Status nach schwerer
Peritonsillitis
Juni 2006
-
Hypothyreose, derzeit substituiert (Erstdiagnose, ED, Februar 2003)
Ein Anhalt für eine dementielle Entwicklung würde nicht bestehen. Ebenfalls seien keine neuropsychologischen Auffälligkeiten
evaluierbar
.
Nebst der Doppelbildproblematik gab die Beschwerdeführerin an, sie schlafe sehr wenig (neun Stunden pro Woche), sie sei von Kieferschmerzen geplagt und habe aufgrund der Schilddrüsenproblematik in kurzer Zeit 20 kg zugenommen. Ihre Stimmung sei gut (S. 1 f.).
An die Doppelbilder habe sie sich gewöhnt. Sie gehe viel schwimmen und fahre trotz
Visuseinschränkung
Ski. Den Haushalt könne sie problemlos verrichten, sie brauche einfach mehr Zeit dafür als früher (S. 2 oben).
3.3
Am 15. März 2012 erfolgte eine Operation beider Augen in der Augenklinik des
Z._
, wobei eine Resektion des
Musculus
rectus
lateralis
3.5 mm beidseits durchgeführt wurde (Urk. 7/14). Es wurden folgende Di
agnosen gestellt:
-
dekompensierende
Esophorie
für die Ferne
-
Esopherie
für die Nähe
-
Differentialdiagnose (DD): diskrete
Abduzensparese
beidseits
-
DD: diskrete Abduktionseinschränkung beidseits bei Verdacht auf Hypothyreose
-
Myopie und
Asigmatismus
beidseits, beginnende
Presbyopie
3.4
Dr.
med.
A._
stellte mit Bericht vom 23. August 2015 folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33); aktuell unter psycho
sozia
ler Belastungssituation
-
Hypothyreose, substituiert
-
Adipositas
-
Doppelbilder
Die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an Doppelbildern, Schlafstörungen und Ängsten. Unter psychosozialer Belastungssituation sei es zur Exazerbation mit Stimmungstief und gleichzeitig (wechselnd) innerer Unruhe und
Ange
triebenheit
gekommen (Ziff. 1.4).
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 16. Juli 2015 (Behandlungsbeginn; Ziff. 1.2 und 1.6).
3.5
Auf Einweisung von
Dr.
A._
wurde
die Beschwerdeführerin v
om 8. September bis 9. Oktober 2015 zur psychiatrischen Behandlung im Kantonsspital
B._
hospitalisiert (Austrittsbericht vom 12. Oktober 2015, Urk. 7/9/10-11).
Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung: sonstige Organe und Systeme (Sehstörung; ICD-10 F45.38)
-
akzentuierte
(ängstlich-vermeidende) Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
Im Rahmen der stationären Behandlung
sei
die Beschwerdeführerin, welche in
den ersten Tagen einen verwirrten und rastlosen Eindruck
ge
macht
habe
(S. 1 unten), wieder zur Ruhe
ge
kommen und habe selbstsicher und mit
wieder
ge
wonnener Kontrollüberzeugung ins häusliche Umfeld entlassen werden können (S. 2).
3.6
Der behandelnde Hausarzt der Beschwerdeführerin, med.
pract
.
C._
, stellte
mit Bericht vom 15. Dezember 2015 (Urk. 7/9/1-5)
im Wesentlichen dieselben bereits genannten Diagnosen (Ziff. 1.1).
Er führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren an Schlaf- und Seh
störungen leide.
Seit Anfang 2014 sei die Diplopie dermassen störend, dass die Beschwerde
führerin im täglichen Haushaltsa
lltag, beim Autofahren sowie am PC und TV Mühe habe, sich zu konzentrieren. Zusätzlich seien vermehrt
innerfami
liäre
Spannungen aufgetreten mit den pubertierenden Töchtern und dem Ehe
mann, was zu dessen Auszug geführt habe (Ziff. 1.4).
Seit zirka Januar 2014 bestehe eine „100/50%ige“ Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin sei hauptsächlich eingeschränkt durch die Doppelbilder, die sie bei der PC-Arbeit wegen erschwerter Konzentration behinder
n würden. Aussagen zur zumutbaren Arbeitstätigkeit und -fähigkeit müssten daher durch einen
Augenarzt erfolgen
(Ziff. 1.7).
3.7
Am 19. Mai 2016 stellte sich die Beschwerdeführerin erneut in der Augenklinik des
Z._
vor (Urk. 3/4). Ein Jahr nach der Operation im Jahr 2012 habe der
Schielwinkel in die Ferne wieder deutlich zugenommen. Eine
Prismenbrille
habe sie nie anfertigen lassen, da dies für sie nicht in Frage komme.
Aufgrund des Befundes sei eine zweite Operation nötig.
Da nach der letzten Operation eine relativ rasche Winkelvergrösserung habe beobachtet werden können und aufgrund der Klage über immer wieder entzündete Augen sei man aus
augen
ärztlicher Sicht sehr zurückhaltend mit einer zweiten Operation.
Die Beschwerdeführerin werde daher an
Dr.
med.
D._
überwiesen
zur
Beratung bezüglich
einer eventuellen minimalinvasiven Strabismus-Operation (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Aktenlage von einem fehlenden invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden aus. Aus diesem
Grund erachtete sie auch die weitere Abklärung der Qualifikation der Beschwer
de
führerin als Hausfrau oder (Teil-)Erwerbstätige für nicht notwendig.
4.2
Aufgrund der in Erwägung 3 aufgeführten Arztberichte ist belegt, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung, Schlafstörungen und einer Sehproblematik mit Doppelbildern leidet. Letzteres erforderte im
März 2012 eine Operation beider Augen.
Der weitere Verlauf seit der Operation ist nicht dokumentiert, gemäss Bericht der Augen
klinik des
Z._
vom Mai 2016 sei es jedoch nach einer anfänglichen Besserung bereits nach einem Jahr wieder zu einer Verschlechterung gekommen
und aktuell wäre eine zweite Operation nötig
(vorstehend E. 3.7). Der Hausarzt der Beschwerdeführerin führte aus, seit anfangs 2014 sei die Sehproblematik ein
schränkend bei der Verrichtung der Haushaltsarbeiten sowie für Tätigkeiten am Computer (vorstehend E. 3.6). Anhand der vorhandenen Arztberichte ist zwar ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer nicht genauer doku
mentierten
Visuseinschränkung
einen Leidensdruck hat und
sich in ärztliche Behandlung begibt.
Es ist aber weder abgeklärt worden
, welche konkreten Ein
schränkungen die Beschwerdeführerin aufgrund der Augenproblematik hat, noch ob ein allenfalls noch nicht ausgeschöpftes
Therapiepotential besteht (Hinweis auf das Tragen einer
Prismenbrille
und allenfalls weitere operative Behandlungsmöglichkeiten
, vorstehend E. 3.7
; vgl. aber auch
vorstehend E. 3.2 mit Hinweisen auf
die erfolglose Anwendung einer
Prismenbrille
).
Ebenfalls fehlt es an einer aktuellen ausführlichen Befundaufnahme.
4.3
Die Doppelbildproblematik wird von der Beschwerdeführerin über die
letzten
Jahre zunehmend als einschränkend beschrieben: Im Jahr 2010 konnte sie nach eigenen Angaben noch Skifahren und den Haushalt zwar langsamer aber
ansonsten problemlos verrichten (vorstehend E. 3.2). Seit anfangs 2014
ist sie je
doch
nach eigenen Angaben zunehmend ein
geschränkt
in der
Haus
halt
tätigkeit
, beim Autofahren sowie beim Arbeiten am Computer (vorstehend E. 3.6).
Sodann stehen wei
tere Abklärungen und allenfalls
ein operativer Eingriff an (vorstehend E. 3.7).
Trotz der Empfehlung des Hausarztes med.
pract
.
C._
hat die Beschwerdegegnerin keine Beurteilung von einem Augen
spezialisten eingeholt.
4.4
Schliesslich sind den Akten aber auch Hinweise zu entnehmen, dass die
Sehprob
lematik
allenfalls psychisch bedingt sein könnte: Im Austrittsbericht des Kantonsspital
B._
wurde eine
somatoforme
autonome Funktionsstörung diagnostiziert (vorstehend E. 3.5).
Sodann wurde mehrfach eine rezidivierende de
pressive Störung sowie eine Schlafstörung diagnostiziert
und die Beschwerde
führerin begab sich
erstmals im Herbst 2015
(vorstehend E. 3.5
;
ein weiteres Mal kurz nach Verfügungs
erlass Ende Mai 2016, vgl.
Urk. 1 S. 4 Ziff. 9)
in stationäre psychiatrische Behandlung.
Ebenfalls mehrfach wurde auf das Vorliegen einer psychosozialen Problematik (familiäre Situation) hingewiesen.
In den Ak
ten fehlt aber sowohl eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus
fachpsychiatri
scher
Sicht als auch eine Auseinandersetzung mit der psycho
sozialen Proble
matik.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass d
as
klinische
Beschwerde
bild
nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden
psychosozialen
Faktoren herrühren, bestehen
darf
, sondern
es
muss davon
psychiatrisch zu unterscheidende Befunde umfassen, beispielsweise eine von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren
psychischen Leidenszustand. Wo im Wesentlichen nur Befunde zu erheben sind, welche in den psychosozialen und
soziokulturellen
Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer
Ge
sundheitsschaden
gegeben. Allerdings ist eine festgestellte psychische Er
kran
kung, welche eine andauernde und erhebliche Erwerbsunfähigkeit bewirkt, rele
vant und nicht deshalb invaliditätsfremd, weil sie auf psychosoziale Faktoren zurückgeführt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2007 vom 19. Juni
2008 E.
3.3.2
).
Auch in dieser Hinsicht wurde
der Gesund
heits
zustand der
Beschwerdeführerin ungenügend abgeklärt.
4.5
Nach dem Gesagten
kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin zum jetzigen Zeitpunkt ein allenfalls anspruchsrelevanter invalidisierender
Gesund
heitsschaden
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen wer
den.
5.
5.1
Sodann erweist sich d
ie
vorliegende Aktenlage
nicht nur in Bezug auf den medizi
nischen Sachverhalt, sondern auch hinsichtlich der Statusfrage
für die abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs
als unzulänglich:
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anläss
lich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichts
punkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Mass
gabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische An
nahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27
der Verord
nung über die Invalidenversicherung, IVV
) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten
und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu be
rücksichtigen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
5.2
Sofern die Beschwerdefüh
rerin tatsächlich zu 100 % als Hausfrau
- aber auch im Fall der Einstufung als Teilerwerbstätige -
zu qualifizieren wäre, wäre auf
grund der Sehproblematik eine Haushaltsabklärung durchzuführen.
Weiter
ist
aufgrund des Alters ihrer beiden Kinder (Jahrgang 1999 und 2003) und der mit der Trennung vom Ehemann
(vgl. Urk. 7/16)
veränderten familiären Situation
nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheits
falle
eine
höherprozentige
(Teil)Erwerbstätigkeit aufnehmen müsste
, was sie selbst auch geltend machte (vgl. Urk. 7/15,
sowie vorstehend E. 2.2
)
.
Mit diesen Vorbringen hat sich die Beschwerdegegnerin im Rahmen der weiteren Abklä
rungen auseinanderzusetzen.
5.3
Zusammenfassend ist
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Besch
werdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese nach ergänzender
Abklärung
in medizinischer und erwerblicher Hinsicht
eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
.
Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 54 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3
)
.
In Anwendung
obiger
Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegen
d
auf Fr.
2‘0
00.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und
ausgangs
gemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.