Decision ID: 1e16e863-fb50-5177-8025-d4a9d304b394
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der somalische Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben gemäss im
Jahr 2016 aus dem Heimatland aus und gelangte über Äthiopien, den Su-
dan, Libyen und Italien am 17. November 2019 in die Schweiz, wo er glei-
chentags ein Asylgesuch stellte. Am 28. November 2019 wurde er summa-
risch im (...) zu seiner Person befragt. Da das SEM Zweifel an der Alters-
angabe (...) hatte, wurde am 11. Dezember 2019 im Kantonsspital
B._ eine forensische Altersdiagnostik durchgeführt. Als Ergebnis
der Untersuchung wurde festgehalten, dass das angegebene Geburtsda-
tum zutreffen und eine Vollendung des 18. Lebensjahres nicht mit der er-
forderlichen Sicherheit belegt werden könne. Basierend auf den Ergebnis-
sen dieser Untersuchung wurde der Beschwerdeführer vom SEM im Fol-
genden als minderjährige Person betrachtet, weswegen ihm für das wei-
tere Verfahren eine Vertrauensperson zur Seite gestellt wurde. Die vertiefte
Anhörung gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) erfolgte am 30. Januar 2020.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei somalischer Staatsangehöriger und gehöre
der Clanfamilie C._, Clan D._, Subclan E._, an. Er
sei in F._ geboren und habe dort die Primarschule bis zur achten
Klasse besucht. Er habe bis zuletzt mit seinen Eltern und Geschwistern im
Distrikt G._ in F._ gelebt. Sein Vater habe für die Regierung
als Soldat gearbeitet.
Einige Monate vor der Ausreise seien bewaffnete Mitglieder der Al-
Shabaab abends nach Hause gekommen und hätten seinen Vater mitge-
nommen. Am nächsten Tag, als er mit zwei Freunden aus seinem Quartier
unterwegs gewesen sei, seien erneut ungefähr zehn bewaffnete AI-
Shabaab-Mitglieder aufgetaucht und hätten ihn und die beiden anderen
Jugendlichen in einem Pick-up mitgenommen und in ein Ausbildungslager
ausserhalb der Stadt gebracht. Er sei ungefähr fünf Monate in diesem La-
ger festgehalten und von den AI-Shabaab-Männern aufgefordert worden,
für sie zu kämpfen, was er verweigert habe. Daraufhin sei er geschlagen
worden. Dann sei das Lager von Soldaten angegriffen worden, und er habe
von dort fliehen können. Es sei ihm gelungen, nach Hause zurückzukeh-
ren. Er habe aber seine Familie nicht mehr vorgefunden und wisse nicht,
wo sie sich momentan aufhalte. Er habe ein paar Freunde getroffen, die
ausreisen wollten und ihn mitgenommen hätten. Mit Hilfe eines Schleppers
hätten sie Somalia in Richtung Äthiopien und Sudan verlassen. In Libyen
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sei er drei Jahre lang von einer Schlepperbande in Haft festgehalten und
misshandelt worden.
B.
Am 3. Februar 2020 führte eine sachverständige Person im Auftrag der
Fachstelle LINGUA ein Telefoninterview mit dem Beschwerdeführer durch.
Gestützt darauf wurde ein Gutachten erstellt.
C.
Am 4. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfah-
ren zugewiesen.
D.
Mit Schreiben vom 17. Februar 2020 gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Ergebnissen
der LINGUA-Analyse und gab ihm den Werdegang sowie die Qualifikation
der sachverständigen Person bekannt. Gleichzeitig informierte sie ihn über
die Möglichkeit, die Gesprächsaufzeichnung anzuhören, und gewährte ihm
eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahme.
Der Sachverständige sei nach einer Auswertung der Kenntnisse in den Be-
reichen Stammbaum, Geografie, Schulsystem und Speisen zum Schluss
gekommen, dass der Beschwerdeführer zwar seine Clanzugehörigkeit
habe nennen können, aber nicht gewusst habe, welchem Stamm seine
Mutter angehöre. Diese Wissenslücke sei für einen somalischen Jugendli-
chen seines Alters unerwartet. Auch habe er keinen der vier Nachbarquar-
tiere seines Heimat-Distrikts G._ aufzählen können. Zudem sei es
ungewöhnlich, dass er angeblich nie an den Strand gegangen sei und den
Namen des Strandes nicht kenne, da Kinder und Jugendliche in F._
ihre Freizeit typischerweise am Strand verbringen würden. Die Information,
dass er in der Schule keinen Unterricht in Somali besucht habe, stimme
nicht mit dem Bildungssystem überein, da überall in Somalia Somali als
Schulfach unterrichtet werde. Auch habe er bei einigen Wörtern aus dem
Alltag (Freizeit, Essensgerichte) Begriffe benutzt, die in F._ nicht
geläufig seien, sondern in den nördlichen Regionen benutzt würden. Mit
den aufgezeigten Wissens- und Erfahrungslücken sei bei einer einheimi-
schen Person seines Alters und dem angegebenen sozialen, ethnischen
Hintergrund nicht zu rechnen.
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Auch habe die linguistische Analyse der Sprech- und Sprachkompetenz
ergeben, dass er zwar fliessend Somali spreche, sein Dialekt in den Berei-
chen Phonologie und Syntax aber keine Gemeinsamkeiten mit dem in
F._ zu erwartenden H._-Dialekt aufweise, sondern sich viel-
mehr Übereinstimmungen mit den nördlichen Dialekten finden würden.
Aufgrund der linguistischen Analyse sei er sehr wahrscheinlich nicht wie
angegeben in F._ sozialisiert worden.
Insgesamt würden die mangelnden landeskundlich-kulturellen Kenntnisse
und die linguistische Analyse nicht die angegebene Herkunft aus
F._ glaubhaft machen. Die Hauptsozialisation in F._ sei als
zweifelhaft zu erachten.
E.
Am 6. März 2020 reichte die Rechtsvertretung eine Stellungnahme ein. In
dieser wurde entgegnet, es sei nicht ungewöhnlich, dass er nicht habe an-
geben können, welchem Clan seine Mutter angehöre, da die Clanzugehö-
rigkeit ausschliesslich über die Vaterlinie der Abstammungsgruppe vererbt
werde und Frauen im Clansystem praktisch keine Rolle spielten. Zudem
habe er angegeben, seine Mutter habe ihn früh verlassen, als er etwa (...)
Jahre alt gewesen sei. Da es ihm nicht erlaubt gewesen sei, an den Strand
zu gehen, habe er dort nicht seine Freizeit verbringen können, und es fehle
ihm daher auch das Wissen über den Namen des Strandes. Da er seine
Freizeit zu Hause habe verbringen müssen, kenne er auch keine Nachbar-
quartiere. Auch sei es durchaus glaubhaft, dass er angesichts des Zusam-
menbruchs des Bildungssystems in Somalia und des Fehlens eines ein-
heitlichen Lehrplans in den privaten und religiösen Schulen in seiner
Schule keinen eigentlichen Somali-Unterricht habe erfahren dürfen. Dass
er Wörter verwendet habe, die lediglich in nördlichen Gebieten des Landes
benutzt würden, und seine Sprache Übereinstimmungen mit dem nördli-
chen Dialekt aufweise, bedeute nicht, er sei im Norden anstatt wie ange-
geben in F._ sozialisiert worden. Schliesslich habe sich das auf den
nördlichen Dialekt gestützte Standardsomali landesweit verbreitet. Es sei
im Übrigen durchaus denkbar, dass ein Teil der Familie, vielleicht die Mut-
ter, aus einem nördlichen Teil Somalias stamme und gewisse sprachliche
Eigenheiten an die Kinder weitergegeben habe. Möglicherweise sei es
auch üblich gewesen, bestimmte, im Norden typische Speisen in der Fa-
milie zuzubereiten. Insgesamt könne durch das durchgeführte Telefoninter-
view die Herkunft aus F._ nicht zweifelsfrei ausgeschlossen wer-
den.
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Der Stellungnahme lagen Berichte zum Schul- und Bildungssystem in So-
malia bei.
F.
Mit Verfügung vom 17. April 2020 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
Der Beschwerdeführer habe angesichts der Ergebnisse der LINGUA-Ana-
lyse zu landeskundlich-kulturellen Kenntnissen und zur Sprech- und
Sprachkompetenz, auch unter Berücksichtigung der Argumente seiner
Stellungnahme, nicht glaubhaft machen können, von der Geburt bis zur
Ausreise in F._ sozialisiert worden zu sein. Es stehe angesichts der
unglaubhaften Herkunft aus F._ fest, dass seine Identität unglaub-
haft sei. Mit diesem Verhalten habe er nicht überzeugen können, des
Schutzes vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs.1 und 2 AsylG zu bedür-
fen. Zudem fehle dadurch die Basis für die geltend gemachten Asylgründe,
die Entführung durch die AI-Shabaab und fünfmonatige Haft. Ausserdem
seien die Schilderungen der Entführung, des Alltags im Lager und der
Flucht aus dem Lager substanzlos und es fehle an persönlichen Aspekten
des Erlebten. Er habe diese einschneidenden Ereignisse distanziert vorge-
bracht, wodurch der Eindruck entstehe, er habe die Verfolgung nicht selbst
erlebt. Die Asylgründe erwiesen sich daher als unglaubhaft.
Den Wegweisungsvollzug erachtete das SEM als zulässig, zumutbar und
möglich, da der Beschwerdeführer durch seine grobe Verletzung der Mit-
wirkungspflicht eine sinnvolle Prüfung der wahren Herkunft verunmöglicht
habe. Angesichts dessen, dass er unglaubhafte Angaben gemacht und
keine Identitätspapiere eingereicht habe, stehe seine Identität und Herkunft
nicht zweifelsfrei fest. Es sei demnach nicht möglich, sich in voller Kenntnis
der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse zum Vollzug der
Wegweisung, auch in Bezug auf die im Rahmen des Kindeswohles spezi-
fisch zu berücksichtigenden Aspekte, zu äussern. Es sei nicht Sache der
Asylbehörden, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen. Die Pflicht, an der Feststellung des
Sachverhaltes mitzuwirken, habe auch der Beschwerdeführer als unbeglei-
teter Minderjähriger. Bei pflichtwidriger Unterlassung habe er die Folgen
der Beweislosigkeit in Bezug auf die unter dem Aspekt des Kindeswohls
gegebenenfalls zu berücksichtigenden Tatsachen zu tragen. Somit sei im
vorliegenden Fall insbesondere auch zu berücksichtigen, dass er gemäss
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seinen Angaben (...) Jahre alt sein dürfte und eine nicht geringe Selbstän-
digkeit aufweise. Es sei somit vermutungsweise davon auszugehen, es
stünden einer Wegweisung in den bisherigen Aufenthaltsort keine Voll-
zugshindernisse entgegen.
G.
Mit Beschwerde seiner Rechtsvertreterin vom 22. Mai 2020 beantragte der
Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventu-
aliter sei die Sache zur Neubeurteilung sowie zur Durchführung einer er-
neuten LINGUA-Analyse an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventua-
liter sei nach Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung festzustellen, dass
der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und
es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Prozessual sei ihm die unent-
geltliche Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses, und die amtliche Verbeiständung mit der Unterzeichnen-
den zu gewähren.
In der Beschwerde wurde vorgebracht, die Vorinstanz habe das rechtliche
Gehör des Beschwerdeführers verletzt, indem sie seine Vorbringen nicht
gehört und nicht sorgfältig und ernsthaft geprüft habe, sondern sich bei der
Behauptung, die angegebenen Personalien sowie die Sozialisierung in
F._ seien als unglaubhaft zu erachten, ausschliesslich auf die am
3. Februar 2020 durchgeführte LINGUA-Analyse verlassen habe. Es sei
auch festzuhalten, dass das Gutachten zum Schluss komme, der Be-
schwerdeführer stamme tatsächlich aus Somalia. Das SEM habe sich auch
nicht richtig mit den Argumenten in der Stellungnahme auseinandergesetzt
und nicht berücksichtigt, dass er bei seiner Ausreise aus dem Heimatland
erst (...) Jahre alt gewesen sei. Auch die schwere Traumatisierung durch
die Erlebnisse im Heimatland und in Libyen sei von der Vorinstanz nicht
berücksichtigt worden. Überdies könne nicht nachvollzogen werden, wes-
halb der Sachverständige zu der Annahme komme, der Dialekt des Be-
schwerdeführers weise Gemeinsamkeiten mit dem nördlichen Dialekt auf.
Dieser Punkt könne daher nicht sachgerecht angefochten werden, weshalb
das rechtliche Gehör verletzt sei. Auch werde die ausreichende Qualifika-
tion des Sachverständigen bestritten, zumal Somali anscheinend nicht
seine Muttersprache sei und er einen grossen Altersunterscheid zum Be-
schwerdeführer aufweise, weshalb sich seine Sprache von der Jugend-
sprache des Beschwerdeführers unterscheiden könne. Der Beschwerde-
führer habe zudem detaillierte, präzise und konkrete Aussagen zu seiner
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Sozialisierung in F._ machen können, insbesondere im Hinblick da-
rauf, dass er lediglich bis zum Alter von 13 Jahren in F._ gelebt
habe. Der Vorwurf der Vorinstanz, er habe die Asylgründe substanzlos und
distanziert geschildert, sei nicht nachvollziehbar angesichts seines jungen
Alters und der Traumatisierung, die er durch die Entführung im Heimatland
und Freiheitsberaubung in Libyen erfahren habe. Die Vorinstanz habe es
unterlassen, das Asylgesuch unter diesen Aspekten zu prüfen. Auch wenn
sie sodann der Ansicht sei, er stamme aus dem Norden Somalias und nicht
aus F._, hätte sie die Vorbringen prüfen müssen. Der Beschwerde-
führer habe die Mitwirkungspflicht nicht verletzt und eine Prüfung seiner
wahren Herkunft sei im Rahmen der Prüfung der Zulässigkeit und Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzuges nicht verunmöglicht. Im Übrigen sei
festzuhalten, dass einem sehr jungen Minderjährigen aufgrund nicht klarer
und unvollständiger Darlegung der Asylgründe oder seiner Identität keine
Verletzung der Mitwirkung zulasten gelegt werden könne. Es sei unverhält-
nismässig, so hohe Anforderungen an ein Kind zu stellen, das eine jahre-
lange traumatische Flucht hinter sich habe und vorab von seiner Familie
getrennt worden sei. Auch stehe das Kindeswohl der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges entgegen, habe der Beschwerdeführer doch sein
gesamtes familiäres Beziehungsnetz verloren.
H.
Am 25. Mai 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 wurde das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses verzichtet. Zudem wurde das Gesuch um
amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen und MLaw Janine Hess,
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, als amtliche Rechtsbei-
ständin des Beschwerdeführers eingesetzt. Gleichzeitig wurde das SEM
zur Vernehmlassung eingeladen.
J.
Die Vernehmlassung vom 12. August 2020, in welcher das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen festhielt, wurde dem Beschwerdeführer am
18. August 2020 zur Kenntnis gebracht.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist, ausgehend vom angegebenen Geburtsda-
tum, nach seinen Angaben heute 17-jährig (zum Zeitpunkt der Beschwer-
deerhebung 16-jährig) und damit noch nicht volljährig. Den Akten sind in-
des keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die zu Zweifeln an seiner Urteils-
fähigkeit in Bezug auf das Einreichen des Asylgesuches, das Vortragen
seiner Asylvorbringen oder auf die Erhebung der Beschwerde Anlass ge-
ben würden. Infolgedessen ist von der Urteilsfähigkeit und damit von der
Prozessfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (vgl. auch Urteil des
BVGer D-770/2014 vom 17. Juni 2014 E. 2.1).
1.4 Die Beschwerde ist im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht wor-
den. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Vorab ist die formelle Rüge der Verletzung des Anspruches auf rechtli-
ches Gehör beziehungsweise der Verletzung des Untersuchungsgrundsat-
zes zu beurteilen, da diese allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Die Rechtsvertreterin rügt, das SEM habe die Asylvorbingen des Be-
schwerdeführers in der Verfügung unzureichend geprüft und den ent-
scheidrelevanten Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt, weil
es sich bei der Glaubhaftigkeitsprüfung ausschliesslich auf die LINGUA-
Abklärung, wonach eine Sozialisierung in F._ unglaubhaft sei, ge-
stützt und den Schluss gezogen habe, es fehle somit an der Basis der gel-
tend gemachten Asylgründe. Es hätte die Vorbringen sorgfältig und ernst-
haft prüfen müssen, auch unter Berücksichtigung der Minderjährigkeit und
erlebten Traumatisierung. Auch liege eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs durch die unzureichende Offenlegung der linguistischen Analyse des
LINGUA-Gutachtens vor.
3.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
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3.4 Es ist zunächst festzustellen, dass es sich bei der Rüge in der Be-
schwerde um eine Frage der Sachverhaltswürdigung und nicht der Verlet-
zung formeller Verfahrensgarantien handelt. So hat sich das SEM entge-
gen der Auffassung in der Beschwerde bei der Beurteilung der Glaubhaf-
tigkeit der Asylvorbringen zwar auf die LINGUA-Abklärungen gestützt und
festgehalten, dass die behauptete Verfolgung in F._ angesichts der
unglaubhaften Hauptsozialisation dort als unglaubhaft zu erachten sei.
Gleichzeitig würdigte es aber auch die Aussagen in den Befragungen zu
den Asylvorbringen, wenn auch lediglich in einem kurzen Abschnitt (vgl.
Verfügung S. 6). Auch mit den Argumenten der Stellungnahme zur LIN-
GUA-Abklärung hat es sich in der Verfügung – entgegen dem Vorbringen
des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 7) – sehr wohl auseinander-
gesetzt (vgl. Verfügung S. 5). Eine diesbezügliche Aufhebung und Rück-
weisung an die Vorinstanz rechtfertigt sich somit nicht. Auch in Bezug auf
die Bekanntgabe der Ergebnisse der linguistischen Analyse des LINGUA-
Gutachtens liegt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, da dem Be-
schwerdeführer gemäss der geltenden Praxis zu den diesbezüglichen we-
sentlichen Unstimmigkeiten das rechtliche Gehör gewährt wurde. Analyse-
berichte wie die vorliegende LINGUA-Evaluation werden nicht vollständig
offengelegt, da dem gewichtige öffentliche Interessen entgegenstehen (vgl.
u.a. Urteil des BVGer D-8113/2015 vom 26. März 2018 E. 4.1). Überdies
stand es dem Beschwerdeführer offen, sich die Gesprächsaufzeichnungen
anzuhören (vgl. Schreiben des SEM vom 17. Februar 2020).
3.5 Es liegt damit betreffend die Asylvorbringen weder eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes noch des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
D-2652/2020
Seite 11
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM hat sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylvor-
bringen auf die Ergebnisse der LINGUA-Abklärung gestützt, wonach die
Hauptsozialisierung des Beschwerdeführers nicht in F._, im Distrikt
G._, stattgefunden habe. Dies habe eine fehlende Glaubhaftigkeit
der Identitätsangaben zur Folge und führe zum einen zum Schluss, er be-
nötige keinen Schutz vor asylrelevanter Verfolgung, zum anderen, dass
den sich auf F._ beziehenden Asylvorbringen die Grundlage entzo-
gen sei. Zudem würdigte es auch die Aussagen des Beschwerdeführers in
den Befragungen und erachtete diese als unsubstantiiert, wobei die Aus-
sagequalität den Eindruck vermittle, er habe die Verfolgung nicht selbst er-
lebt.
5.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, die Aussagen hinsicht-
lich der Sozialisierung in F._ seien detailliert und präzise, ebenso
weise die Schilderung der Entführung durch die Al-Shabaab eine Vielzahl
von Realkennzeichen auf. Bei der Beurteilung der Aussagequalität habe
das SEM die Minderjährigkeit und Traumatisierung des Beschwerdeführers
ausser Acht gelassen.
6.
6.1 In Bezug auf die Identität und Herkunft des Beschwerdeführers ist Fol-
gendes auszuführen:
6.1.1 Die Fachstelle LINGUA führte eine Herkunftsanalyse durch. Dieser
sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die von der Rechtsprechung de-
finierten Mindeststandards (vgl. BVGE 2014/12) nicht eingehalten worden
wären. Entgegen der vom Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe
vertretenen Ansicht wurde seitens des LINGUA-Experten für die Einschät-
zung des sprachlichen Ausdrucks der geltend gemachten Minderjährigkeit
Rechnung getragen. Die Analyse ist ferner fundiert und mit einer überzeu-
genden sowie ausgewogenen Begründung versehen, die zu keinen Bean-
standungen Anlass gibt. Der Bericht erfüllt die inhaltlichen Qualitätsanfor-
derungen und aufgrund des Werdeganges, welcher dem Beschwerdefüh-
D-2652/2020
Seite 12
rer bekannt gegeben wurde, ist die Qualifikation der sachverständigen Per-
son nicht anzuzweifeln. Die vom Beschwerdeführer bemängelte Herkunft
und das Alter der sachverständigen Person sind für deren Qualifikation vor
dem Hintergrund der vorhandenen analyserelevanten Sprachkenntnisse
und Ausbildung unerheblich. Dem Fazit des Berichts, der Beschwerdefüh-
rer sei definitiv nicht im Distrikt G._ in F._, Südsomalia, so-
zialisiert worden, kommt daher erhebliches Gewicht zu. Die in der Stellung-
nahme zur LINGUA-Abklärung aufgeführten Argumente konnten sodann
nicht überzeugen, da sie weder die fehlenden Landeskenntnisse des Be-
schwerdeführers noch dessen sprachliche Besonderheiten zufriedenstel-
lend erklären konnten. Sie erscheinen vielmehr als Schutzbehauptungen.
Entgegen der Auffassung in der Beschwerdeschrift ging es in der LINGUA-
Analyse nicht um das Ergebnis, der Beschwerdeführer komme aus Soma-
lia. Gegenstand der LINGUA-Analyse war vielmehr die Frage der Soziali-
sation in F._. Darüber hinaus wurden keine weiteren Schlüsse ge-
zogen (vgl. Schreiben des SEM vom 17. Februar 2020 betreffend das
rechtliche Gehör zur LINGUA-Abklärung S. 1 f.).
6.1.2 Die Einschätzung, dass der Beschwerdeführer seine Herkunft ver-
schleiert, wird auch durch seine diesbezüglichen Aussagen in der Anhö-
rung verstärkt. So kennt er nicht nur den Stamm der Mutter nicht, sondern
kann auch die väterliche Linie der Abstammung nicht nennen (vgl. act. A23,
S. 7, F58-60). Auch vermag er in der Anhörung, wie im Telefoninterview,
sein Quartier und die Umgebung der nahegelegenen Schule nicht zu be-
schreiben. Die Argumentation in der Stellungnahme, das fehlende Wissen
zur Umgebung beruhe darauf, dass er seine Freizeit zu Hause habe ver-
bringen müssen, überzeugt schon deshalb nicht, weil sie seinen Verfol-
gungsvorbringen widerspricht. Er hatte geltend gemacht, er sei mit ande-
ren Jugendlichen auf der Strasse in der Nähe eines Hotels unterwegs auf
dem Weg nach Hause gewesen, als er entführt worden sei (vgl. act. A11,
S. 10). Er konnte mithin im Quartier, und nicht nur zu Hause, seine Freizeit
verbringen. Auffällig ist auch, dass er trotz der behaupteten Sozialisation in
F._ weder die Währung noch die Merkmale der Autokennzeichen
korrekt beschreiben kann (vgl. act. A23, S. 5-11, F33-107).
6.1.3 Die Angaben zu seiner Identität waren überdies in Bezug auf seine
Altersangaben widersprüchlich. So machte er in den Befragungen abwei-
chende Aussagen zu seinem Alter beziehungsweise dem Alter bei Schul-
besuch und Ausreise. Er will die Schule bereits mit drei Jahren begonnen
und dann acht Jahre lang besucht haben; mit elf Jahren habe er mit der
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Seite 13
Schule aufgehört (vgl. act. A11, S. 4 f.). Ausgehend von seinem Geburts-
datum (...) müsste er demnach bis (...) zur Schule gegangen sein. Im Jahr
2016 sei er ausgereist (vgl. act. A11, S. 8), mithin wäre er noch (...) Jahr
im Heimatland geblieben bis zur Ausreise. Zuerst kann er aber nicht sagen,
wieviel Zeit zwischen seinem letzten Schultag und der Ausreise vergangen
sei. Auf weitere Nachfrage sagt er dann aus, er sei nach Schulabschluss
noch (...) Jahre dort geblieben, bis er im Jahr 2016 ausgereist sei (vgl. act.
A11, S. 5). Wenn er die Schule mit elf Jahren abgeschlossen hätte (...) und
noch (..) Jahre lang geblieben sei, müsste er mit (...) Jahren im Jahr 2020
ausgereist sein. Wenn er aber 2016 ausgereist ist, müsste er nach seinem
angegebenen Geburtsdatum und Schuleintrittsalter mit (...) Jahren ausge-
reist sein. Später sagt er in der BzP aus, er sei mit (...) Jahren ausgereist,
es habe wohl noch (...) Jahr nach Schulende bis zur Ausreise gelegen (vgl.
act. A11, S. 8). Er wisse nicht, warum er vorher von (...) Jahren nach Schu-
lende bis zur Ausreise geredet habe (vgl. act. A11, S. 8). Erstaunlicher-
weise behauptet er dann in der Anhörung, er sei (...) Jahre alt gewesen bei
der Ausreise (vgl. act. A23, S. 4, F26), was mit dem angegebenen Geburts-
datum und Ausreisejahr sowie dem geltend gemachten dreijährigen Auf-
enthalt in Libyen nicht übereinstimmen kann. Später sagt er in der Anhö-
rung wiederum, er sei (...) Jahre alt gewesen, als er ausgereist sei (vgl.
act. A23, S. 10, F106).
6.1.4 In Würdigung der Akten gelangt das Gericht im Sinne einer gesamt-
haften Betrachtungsweise zum Schluss, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers, auch unter Berücksichtigung seines jungen Alters sowie
der möglicherweise traumatischen Erlebnisse auf der Flucht, hinsichtlich
seiner Herkunft als überwiegend unglaubhaft zu qualifizieren sind.
6.2 Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, ist den Asylvorbringen be-
reits dadurch die Grundlage entzogen, dass die Entführung durch die Al-
Shabaab Miliz in F._ angesichts der unglaubhaften Herkunft eben-
falls nicht geglaubt werden kann.
6.2.1 Davon abgesehen fielen die auf der Sozialisation in F._ beru-
henden Asylvorbringen nicht nur substanzlos aus, wie die Vorinstanz zu
Recht festgestellt hat, sondern auch teilweise widersprüchlich und reali-
tätsfern. So schilderte der Beschwerdeführer seine Festnahme nur pau-
schal, sie seien einfach festgehalten worden und man habe gewollt, dass
sie irgendwann für sie kämpften (vgl. act. A11, S. 10). Auch kann er nicht
zum Ausdruck bringen, was er bei der Mitnahme und Festhaltung gedacht
habe (vgl. act. A23, S. 12, F123). Schwer vorstellbar bleibt auch, wie sich
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zehn Al-Shabaab-Männer den Jugendlichen von hinten genähert und diese
auf offener Strasse in ein Auto gezwungen haben sollen, ohne dass dies
weiter aufgefallen sei (vgl. act. A23, S. 13, F132). Wenig anschaulich kann
er auch die Fahrt im Auto mit den zwei anderen Jugendlichen und die An-
kunft am Zielort sowie den Zielort selber beschreiben (vgl. act. A23, S. 14,
F140-146). Er vermag es nicht, den Tagesablauf während der Haft zu be-
schreiben (vgl. act. A23, S. F150, S. 15 f., F156), auch das Zimmer nicht,
obwohl er dort fünf Monate festgehalten worden sei (vgl. act. A23, S. 15,
F151). Undetailliert schildert er überdies den Angriff auf das Haus und wie
er habe fliehen können (vgl. act. A23, S. 15, F154). Im Gegensatz dazu
kann er über seine Haft in Libyen detaillierter und anschaulicher berichten
(vgl. act. A23, S. 18, F173).
Auch widerspricht er sich in Bezug auf die Frage, ob er noch Kontakt zu
seiner Familie nach der Flucht aus dem Lager gehabt habe. In der BzP
sagte er aus, er habe sie nicht mehr erreichen können, er sei aus Angst
nach der Flucht aus der Haft nicht mehr zu ihnen zurückgegangen (vgl.
act. A11, S. 11). In der Anhörung gab er demgegenüber zu Protokoll, er sei
nochmal nach Hause zurückgekehrt, seine Familie sei aber nicht mehr dort
gewesen, auch die Nachbarn seien alle weg gewesen (vgl. act. A23, S. 3,
F15, 20 f.). Es ist überdies schwer vorstellbar, dass er nichts unternommen
haben will, um seine Familie zu finden, als er sie nicht vorgefunden habe.
Es fragt sich, wieso er nicht beispielsweise seine Verwandten aus dem glei-
chen Quartier kontaktiert hat (vgl. act. A23, S. 4, F23, 25). Auch erscheint
es nicht realistisch, dass er seine Familie weder telefonisch noch über die
sozialen Medien habe erreichen können, auch seine Geschwister nicht
(vgl. act. A23, S. 2, F10 f.), und die Telefonnummern von Nachbarn nicht
kenne (vgl. act. A23, S3, F13). Schliesslich will er seine Freunde nicht auf
Facebook gefunden haben (vgl. act. A23, S. 3, F16).
6.2.2 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass ein solches Aussageverhal-
ten nicht darauf schliessen lässt, der Beschwerdeführer berichte über tat-
sächlich Erlebtes. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sind nicht
geeignet, zu einem anderen Schluss zu führen, zumal der Beschwerdefüh-
rer darin lediglich an der Glaubhaftigkeit seiner Herkunft aus F._
und seinen Asylgründen festhält.
6.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass es gemäss Art. 8 AsylG den Asylsu-
chenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem obliegt, ihre
Identität offenzulegen und Reisepapiere und Identitätsausweise abzuge-
ben. Der Beschwerdeführer hat bis zum heutigen Zeitpunkt keine Reise-
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oder Identitätspapiere zu den Akten gereicht, die es erlauben würden,
Rückschlüsse auf seine Identität zu geben (vgl. dazu Art. 1a Bst. a AsylV 1
[SR 142.311]).
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver-
folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch ab-
gelehnt hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Be-
schwerde näher einzugehen, da sie an der vorliegenden Würdigung des
Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG, Art. 32 AsylV 1; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
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AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Hei-
matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Des
Weiteren ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten
Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Hei-
matstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch
die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass das Bundesverwal-
tungsgericht selbst für F._ nicht von einer Situation allgemeiner Ge-
walt ausgeht (vgl. BVGE 2013/27). Ferner vermag der Beschwerdeführer
auch aus dem Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte
des Kindes (KRK, SR 0.107) nichts abzuleiten, was gegen die Zulässigkeit
seines Wegweisungsvollzugs sprechen würde.
8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Bei der Beurteilung der Zumut-
barkeit ist auch der Situation unbegleiteter minderjähriger Asylgesuchstel-
ler besondere Beachtung zu schenken (vgl. Art. 3 und Art. 12 KRK). Die
Vorinstanz ist verpflichtet, die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbunde-
nen Aspekte vertieft abzuklären und den individuellen Verhältnissen der
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betroffenen Person gebührend Rechnung zu tragen. Ausserdem hat sie
gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung einer unbegleiteten min-
derjährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem
Familienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung überge-
ben werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet. Diese kon-
kreten Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusicherungen ei-
ner geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden Verfügung
vom SEM vorzunehmen beziehungsweise einzuholen, damit sie einer ge-
richtlichen Prüfung offenstehen können (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 f.
m.w.H.).
Das SEM ist jedoch nur in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachver-
haltes verpflichtet, wie man dies vernünftigerweise von ihm erwarten kann.
Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflichten einge-
schränkt, die das Gesetz vorsieht. Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien,
an der Feststellung des Sachverhaltes in Verfahren mitzuwirken, die sie
durch ihr Begehren eingeleitet haben. Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mit-
wirkungspflicht für das Asylverfahren. Insbesondere verpflichtet Art. 8
Abs. 1 Bst. a AsylG Asylsuchende dazu, ihre Identität offenzulegen. Die
Identität einer Person ist eine Tatsache, die von den Behörden ohne die
Mitwirkung der Gesuchstellenden gar nicht oder nicht mit vernünftigem Auf-
wand festgestellt werden kann. Die Mitwirkungspflicht trifft grundsätzlich
auch unbegleitete minderjährige Asylsuchende, soweit diese dazu auf-
grund ihres Alters, ihrer Reife und ihrer Ausbildung in der Lage sind. Bei
der Beurteilung von Verletzungen der Mitwirkungspflicht sind die Umstände
des Einzelfalles zu beachten.
Damit bei unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden vom Vorliegen ei-
ner Betreuung ausgegangen werden kann, muss die Vorinstanz sich auf
festgestellte Tatsachen stützen, welche aus den Akten ersichtlich sind, an-
dernfalls müssen geeignete Abklärungen getroffen werden. Bei diesen Ab-
klärungen handelt es sich um notwendige Informationen zur Beurteilung
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Die Abklärungspflicht des
SEM wird einzig durch die Minderjährigkeit der betreffenden Person be-
gründet. Steht diese fest, kann auch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung entbinden abzuklären,
ob die unbegleitete minderjährige Person bei einer Rückkehr eine geeig-
nete Unterkunft erhält – sei dies bei Familienangehörigen oder, wenn dies-
bezüglich keine Informationen vorliegen oder dies nicht möglich ist, in einer
geeigneten Institution. Nur in Ausnahmefällen, in welchen das Ausmass
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der Mitwirkungspflichtverletzung eine Abklärung durch die Vorinstanz voll-
kommen verunmöglicht, da dieser jegliche Anhaltspunkte fehlen, kann
diese Abklärungspflicht erlöschen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn
sich die Person in Bezug auf ihre Nationalität und Herkunft so widerspricht,
dass weder Abklärungen betreffend die familiäre Situation möglich sind
noch eine geeignete Institution gesucht werden kann. Eine allfällige Verlet-
zung der Mitwirkungspflicht wird regelmässig – nach erfolgten Abklärungen
– bei der Beurteilung der Zumutbarkeit zum Tragen kommen (vgl. zum
Ganzen ausführlich Urteile des BVGer D-5411/2019 und D-5414/2019 vom
20. September 2021 je E. 11.5.2 m.w.H. [zur Publikation vorgesehen]).
8.3.2 Der Wegweisungsvollzug nach Somalia ist nur eingeschränkt zumut-
bar. Im grössten Teil Somalias (Landesteile Süd- und Zentralsomalia) herr-
schen seit längerer Zeit Verhältnisse, aufgrund welcher der Wegweisungs-
vollzug praxisgemäss generell – das heisst ungeachtet aller individueller
Umstände – als unzumutbar zu qualifizieren ist (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.3
m.w.H.).
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann sich der Vollzug von
Wegweisungen jedoch in die im Norden Somalias gelegenen Regionen
Somaliland oder Puntland bei Vorliegen begünstigender Umstände als zu-
mutbar erweisen (vgl. Referenzurteile BVGer E-591/2018 vom 29. Juli
2020 E. 9, insb. E. 9.3.5 [Somaliland] und E-6310/2017 vom 15. Januar
2020 E. 10 f., insb. E. 11.2.4 [Puntland]). Bei beiden Leitentscheiden wurde
die prekäre Gesundheitsversorgung sowie die generelle Verletzlichkeit von
Frauen und Kindern in diesen Regionen betont (vgl. BVGer E-591/2018
E. 9.3.4 [Somaliland] und E-6310/2017 E. 11.2.3 [Puntland]). Ein Vollzug
wird aber nicht als generell unzumutbar erachtet.
8.3.3 Vorliegend ist unumstritten, dass es sich beim Beschwerdeführer um
eine minderjährige Person somalischer Staatsangehörigkeit handelt. Die
durchgeführte LINGUA-Analyse ergab, dass die Muttersprache des Be-
schwerdeführers Somali ist; seine Sprache weist Übereinstimmungen mit
den nördlichen Dialekten Somalias auf. Eine sich daraus ergebende mög-
liche Herkunft aus dem Norden Somalias wurde aber vom SEM nicht weiter
abgeklärt. Die LINGUA-Analyse diente nur dazu, die Frage der Hauptsozi-
alisation in F._ zu klären, aber nicht den Herkunftsort des Be-
schwerdeführers ausfindig zu machen. Es bestehen somit Unstimmigkei-
ten hinsichtlich des genauen Herkunftsortes des Beschwerdeführers. Die
Vorinstanz erachtet es als unglaubhaft, dass er in F._ aufgewach-
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Seite 19
sen ist, während dieser auf seiner Herkunft aus F._ besteht. Zwei-
felhaft ist auch, ob seine gesamte Familie tatsächlich, wie von ihm behaup-
tet, verschwunden ist und er keinen Kontakt mehr zu ihr hat.
8.3.4 Wie in den dargelegten aktuellen Urteilen des Bundesverwaltungs-
gerichts (vgl. soeben E. 8.3.1) festgehalten wurde, wird die Abklärungs-
pflicht des SEM einzig durch die Minderjährigkeit der betreffenden Person
begründet. Steht diese – wie vorliegend – fest, kann auch eine Verletzung
der Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung
entbinden, die Unterbringungsmöglichkeit der um Asyl ersuchenden min-
derjährigen Person im Heimatstaat abzuklären. Mangels Einreichung von
Identitätsdokumenten und sonstigen Beweismitteln sowie angesichts der
unglaubhaften Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biografie dürfte
es sich zwar als schwierig erweisen abzuklären, ob und wo er in Somalia
– entgegen seinen Ausführungen – in ein familiäres Umfeld zurückgeführt
werden könnte. Jedoch sollten zumindest Abklärungen hinsichtlich einer
anderweitigen Unterbringung in seinem Heimatland beziehungsweise das
Einholen einer Übernahmezusicherung einer geeigneten somalischen In-
stitution möglich sein.
8.3.5 Nach dem Gesagten hat das SEM nicht geklärt, in wessen Obhut der
Beschwerdeführer beim angeordneten Wegweisungsvollzug in Somalia
übergeben werden kann und wie die Empfangnahme konkret vonstatten-
gehen soll. Es ist somit seinen durch die Rechtsprechung entwickelten Ver-
pflichtungen nicht nachgekommen und mithin den Anforderungen zur um-
fassenden Würdigung sämtlicher für das Kindeswohl relevanter Kriterien
nicht gerecht geworden.
9.
9.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. WEISSENBERGER/HIRZEL, Praxiskommentar Verwaltungsverfah-
rensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die in diesen Fällen
fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1).
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Seite 20
9.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen,
da die Erstellung des Sachverhalts bezüglich des Wegweisungsvollzuges
weiterer Abklärungen bedarf und die weiteren Untersuchungsmassnah-
men den Rahmen des Beschwerdeverfahrens sprengen würden.
10.
Die Beschwerde ist demnach betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asyl und
Wegweisung abzuweisen, im Wegweisungsvollzugspunkt aber gutzuheis-
sen. Die Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung ist aufzuheben
und das Verfahren ist diesbezüglich zur vollständigen und richtigen Sach-
verhaltsermittlung und Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wäre dem Beschwerdeführer
aufgrund seines teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Kosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indes mit Zwischenverfügung vom
11. Juni 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, ist von der
Kostenerhebung abzusehen.
11.2 Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – praxisge-
mäss hälftig – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädi-
gen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin reichte am 9. Okto-
ber 2020 eine Honorarnote ein, in welcher ein Stundenansatz von Fr. 250.–
veranschlagt wird und ein Zeitaufwand von 755 Minuten (versehentlich
wurden 710 Minuten errechnet), was nicht zu beanstanden ist. Zudem wur-
den Auslagen von Fr. 28.80 geltend gemacht. Demnach ist dem Beschwer-
deführer durch die Vorinstanz eine reduzierte Parteientschädigung in der
Höhe von insgesamt Fr. 1'587.30 (inkl. Auslagen) auszurichten.
11.3 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer als
amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet wurde, ist sie im Weiteren für ihren
Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahren zu entschädigen, soweit
dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Pra-
xisgemäss geht das Gericht bei amtlicher Vertretung von einem Stunden-
ansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen aus.
Folglich ist der Rechtsvertreterin für den weiteren Aufwand zulasten der
Gerichtskasse ein amtliches Honorar in Höhe von Fr. 958.20 (inklusive
Auslagen) auszurichten.
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