Decision ID: d606f822-d4de-59d3-9180-ba2ada120ab2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am (...) Dezember 2019 in der Schweiz
um Asyl nach. Am (...) Dezember 2019 bevollmächtigten sie die ihnen zu-
gewiesene Rechtsvertretung. Die Personalienaufnahmen (PA) fanden am
23. Dezember 2019 statt.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 19. Dezember 2019 ergab, dass die Beschwerdefüh-
renden am (...) 2018 in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht haben
und ihnen dort am (...) 2019 internationaler Schutz gewährt wurde.
C.
Am 6. Januar 2020 wurden die Beschwerdeführenden in persönlichen Ge-
sprächen gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
angehört.
Anlässlich dieser Gespräche gaben die Beschwerdeführenden im Wesent-
lichen an, dass sie ungefähr (...) Jahre in Griechenland verbracht hätten.
Sie seien dort am (...) 2018 anlässlich eines Asylgesuchs registriert wor-
den und hätten am (...) 2019 eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Mit die-
sem Ausweis seien sie nach Mailand geflogen und danach weiter in die
Schweiz gereist. Ihre Identitätsdokumente hätten sie alle auf der Reise
nach Griechenland verloren, die griechische Aufenthaltsbewilligung hätten
sie im Taxi in Mailand liegen lassen.
Sie seien in Griechenland sehr schlecht behandelt worden. Die Beschwer-
deführerin sei im achten Monat schwanger gewesen und sei trotzdem ins
Gefängnis gesteckt worden. Als sie in den Wehen gelegen habe, habe ihr
niemand geholfen, bis sie bewusstlos geworden sei und die Polizei sie ins
Krankenhaus gebracht habe. Von den griechischen Behörden hätten sie
monatlich EUR 450.– für die fünfköpfige Familie erhalten. Nach der Schutz-
gewährung hätten sie das Camp verlassen müssen und zwei Monate spä-
ter keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten. Es seien mehrere Ver-
treter von humanitären Organisationen ins Camp gekommen. Diese hätten
sie gefragt, was sie brauchen würden und alles notiert, sich dann aber nie
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gemeldet. Nach Erhalt des Aufenthaltsstatus hätten sie noch drei Monate
im Camp bleiben dürfen, wo sie in einem Zelt gelebt und sich mit anderen
Familien zusammengeschlossen hätten, um Geld zu sparen. Sie seien alle
krank geworden. Für den Flug nach Mailand hätten sie sparen können, da
sie täglich etwas zu Essen erhalten und daher kaum Geld für Lebensmittel
ausgegeben hätten. Dem Beschwerdeführer gehe es psychisch sehr
schlecht, die Beschwerdeführerin machte keine gesundheitlichen Prob-
leme geltend, die einer Behandlung bedürften.
Dokumente zum Nachweis ihrer Identität reichten sie − bis auf eine grie-
chische Geburtsurkunde der jüngsten Tochter − keine ein, aber ein Schrei-
ben der griechischen Behörden, gemäss welchem Flüchtlinge mit einer
Aufenthaltsbewilligung das Camp verlassen müssten.
D.
Am 7. Januar 2020 reichte die Rechtsvertreterin beim SEM im Auftrag der
Beschwerdeführerenden einen USB-Stick mit diversen Videos und Fotos
betreffend die Lebensbedingungen in Griechenland zu den Akten.
Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungsrichtlinie) und das bilaterale
Abkommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung
der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit ir-
regulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) ersuchte
das SEM die griechischen Behörden mit Schreiben vom (...) 2020 um
Rückübernahme der Beschwerdeführenden.
Gleichentags stimmten die griechischen Behörden dem Rückübernahme-
ersuchen der Vorinstanz zu und bestätigten, dass die Beschwerdeführen-
den von Griechenland den subsidiären Schutzstatus erhalten haben und
über eine bis am (...) 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung verfügten.
E.
Mit Schreiben vom 17. und 21. Januar 2020 reichte die Rechtsvertreterin
beim SEM medizinische Akten betreffend die Beschwerdeführerin ein, wo-
nach sie unter (...) leide.
F.
Am 19. Februar 2020 gewährte das SEM den Beschwerdeführenden eine
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Frist zur Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs zu einem (allfälligen) Nicht-
eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG.
G.
In ihrer Stellungnahme vom 26. Februar 2020 führten die Beschwerdefüh-
renden zum geplanten Nichteintretensentscheid des SEM aus, sie hätten
rund (...) Jahre im Flüchtlingslager F._ in der Nähe von G._
gelebt. Die dortigen Lebensbedingungen würden von zahlreichen Hilfsor-
ganisationen als menschenunwürdig bezeichnet und die Zukunftsperspek-
tiven seien sehr schlecht. Selbst anerkannte Flüchtlinge und vorläufig auf-
genommene Personen seien gezwungen, in solchen Lagern zu leben. Ins-
besondere die medizinische Versorgung sei dort mangelhaft. Entspre-
chend hätten sie selbst für einfache medizinische Konsultationen stunden-
lang anstehen müssen. Die ganze Familie habe in einem Zelt in einem völ-
lig überfüllten Lager leben müssen. Häufig seien sie Zeugen von Gewalt
im Lager geworden. Ihnen sei mehrfach mitgeteilt worden, sie müssten das
Lager verlassen und sich selbst versorgen. Angesichts der kritischen Situ-
ation für Flüchtlinge in Griechenland sei von einem systematischen Staats-
versagen Griechenlands bei der Unterbringung und Versorgung von
Flüchtlingen auszugehen. Der griechische Staat sei angesichts der Men-
gen an zuströmenden Flüchtlingen überfordert und suche seit dem Regie-
rungswechsel im Juli 2019 Hilfe allein in der Anwendung neu geschaffener,
restriktiver Gesetze und Verordnungen. Die Überstellung nach Griechen-
land sei daher unzumutbar.
H.
Am 4. und 12. März 2020 reichte die Rechtsvertreterin beim SEM weitere
medizinische Berichte betreffend sämtliche Beschwerdeführende ein.
I.
Am 23. April 2020 händigte die Vorinstanz der Rechtsvertretung der Be-
schwerdeführenden den Entwurf der Verfügung zu den Asylgesuchen zur
Stellungnahme aus.
Ihren vorgesehenen Nichteintretensentscheid begründete sie damit, dass
im vorliegenden Fall zwar Anzeichen bestünden, dass die Beschwerdefüh-
rerenden die Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme im Sinne von Art.
83 AIG erfüllten, da sie in Griechenland subsidiären Schutz erhalten hätten.
Für ein allfälliges Ersuchen um Wiedererwägung des Asylentscheids sei
jedoch nicht die Schweiz, sondern Griechenland zuständig. Gemäss Art.
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25 Abs. 2 VwVG sei einem Begehren um Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft oder von Wegweisungshindernissen in den Heimat- oder Her-
kunftsstaat in der Schweiz nur dann zu entsprechen, wenn ein schutzwür-
diges Interesse nachgewiesen werde. Dieser Nachweis könne aber offen-
sichtlich nicht gelingen, wenn bereits ein Drittstaat einen Schutzstatus er-
teilt habe, wie es vorliegend der Fall sei. Die Beschwerdeführenden könn-
ten nach Griechenland zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verlet-
zung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürchten. Deshalb sei nicht auf
die Asylgesuche einzutreten.
Zur geltend gemachten Inhaftierung in Griechenland sei festzuhalten, dass
es den griechischen Behörden freistehe, Personen im Einklang mit der na-
tionalen Gesetzgebung und dem anwendbaren Völkerrecht zu inhaftieren.
Griechenland sei ein funktionierender Rechtsstaat. Die Beschwerdeführen-
den könnten somit – sollten sie sich ungerecht oder rechtswidrig behandelt
fühlen – bei der zuständigen Stelle Beschwerde einreichen.
Aus der Übersetzung des beigebrachten arabischen Dokuments des UN-
HCR-ESTIA-Programms gehe sinngemäss hervor, dass sie grundsätzlich
das Camp hätten verlassen müssen, der Ausstieg aus dem Programm aber
auf den (...) 2019 verschoben und die Bargeldunterstützung verlängert
worden sei, da es sich bei ihnen um eine Familie mit Kindern handle, wobei
Letztere in der Schule eingeschrieben worden seien. Ihnen seien folglich
staatliche Unterstützungsleistungen gewährt worden und die Beschwerde-
führerin habe bei der Geburt der jüngsten Tochter zumindest die nötigste
medizinische Versorgung erhalten. Das SEM verkenne nicht, dass die Le-
bensverhältnisse für Asylsuchende und Flüchtlinge in Griechenland derzeit
schwierig seien. Von einer allgemeinen Unzumutbarkeit der Wegweisung
nach Griechenland könne deswegen aber nicht ausgegangen werden, zu-
mal nachgewiesen sei, dass sie in Griechenland ein Asylverfahren durch-
laufen hätten und nun über einen Schutzstatus verfügten. In diesem Kon-
text sei zudem darauf hingewiesen, dass Griechenland die Richtlinie
2011/95/EU (sogenannte Qualifikationsrichtlinie), welche unter anderem
die Ansprüche von Personen mit subsidiärem Schutzstatus bestimme, um-
gesetzt habe. Dadurch hätten die Beschwerdeführenden notfalls entspre-
chende einklagbare Ansprüche. Sie seien gehalten, die ihnen zustehenden
Leistungen bei den griechischen Behörden geltend zu machen. Sollte Grie-
chenland seinen Verpflichtungen ihnen gegenüber nicht nachkommen,
stehe es ihnen offen, ihre Rechte gegenüber den griechischen Behörden
auf dem Rechtsweg geltend zu machen. Zudem bestünden neben staatli-
chen Strukturen, die primär existenzielle Bedürfnisse abdeckten, private
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und internationale Organisationen, an die sie sich in Griechenland wenden
könnten. Die in Griechenland im Allgemeinen schwierigen ökonomischen
Lebensbedingungen sowie die herrschende Wohnungsnot würden die
ganze Bevölkerung treffen und vermöchten die Zulässigkeit und die Zumut-
barkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Griechenland nicht zu widerle-
gen. Auch wenn die Lebensbedingungen in Griechenland nicht einfach
seien, würden keine Hinweise für die Annahme vorliegen, wonach ihnen
bei einer Rückkehr nach Griechenland eine unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive eine Notlage oder
Verelendung drohe. Auch im Übrigen stelle ein Vollzug der Wegweisung
nach Griechenland keine Verletzung der völkerrechtlichen Verpflichtungen
der Schweiz dar. Ausserdem stünden ihnen aufgrund der Schutzgewäh-
rung alle Rechte aus der Flüchtlingskonvention zu. Darüber hinaus handle
es sich bei Griechenland um einen Rechtsstaat, der über eine funktionie-
rende Polizei- und Justizbehörde verfüge, die sowohl als schutzwillig wie
auch als schutzfähig gelte. Schliesslich spreche ein Wegweisungsvollzug
auch nicht gegen das Kindeswohl. Das Bundesverwaltungsgericht habe in
letzter Zeit in mehreren Urteilen die Wegweisung von Familien mit flücht-
lingsrechtlichem Schutzstatus als zulässig und zumutbar qualifiziert. Bei
dieser Sachlage bestünde auch kein Anlass für die Einholung individueller
Garantien.
Betreffend die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme der Be-
schwerdeführenden sei darauf hinzuweisen, dass Griechenland gemäss
der Qualifikationsrichtlinie angemessene medizinische Versorgungsleis-
tungen erbringen könne und den Zugang zur notwendigen medizinischen
Behandlung gewährleiste. Das SEM trage ihrem aktuellen Gesundheitszu-
stand vor der Überstellung Rechnung, indem es die griechischen Behörden
darüber informiere, sollte sich dies zum gegebenem Zeitpunkt als notwen-
dig erweisen.
Eine Überstellung nach Griechenland vermöge vorliegend kein «real risk»
im Sinne von Art. 3 EMRK zu begründen. Dies werde gestärkt durch die
Tatsache, dass die oben beschriebenen Schilderungen betreffend ihre Si-
tuation in Griechenland überwiegend in allgemeiner Form gehalten seien
und weder ihnen noch ihrer Rechtsvertretung der Nachweis gelungen sei,
dass sie in Griechenland nicht von den garantierten Rechten für Personen
mit Schutzstatus profitieren könnten. Mithin sei es ihnen nicht gelungen,
die Regelvermutung, wonach ein Wegweisungsvollzug in den EU-Staat
Griechenland zumutbar sei, umzustossen.
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J.
In der Stellungnahme vom 24. April 2020 zum Entscheidentwurf führten die
Beschwerdeführenden im Wesentlichen aus, dass mehrere Familienmit-
glieder gesundheitliche Probleme hätten und auf medizinische Versorgung
angewiesen seien. Die Beschwerdeführerin leide an (...), die nicht weiter
untersucht worden seien. Zudem stehe bei ihr eine Operation an. Der me-
dizinische Sachverhalt der Familie sei nicht vollständig abgeklärt. Es
handle sich bei ihnen um vulnerable Personen, weshalb das SEM gehalten
sei, weitere Abklärungen zu tätigen und Garantien der griechischen Behör-
den einzuholen.
Ausserdem hätten sie ausführliche Angaben zu den menschenunwürdigen
Lebensbedingungen in Griechenland – insbesondere nach Erlangung des
subsidiären Schutzes – geltend gemacht, die einen Wegweisungsvollzug
als unzumutbar erscheinen liessen. Nach der Ausreise habe sich ihre Le-
benssituation gar verschlechtert. Im März 2020 sei ein Änderungsantrag
zum Asylgesetz des griechischen Ministeriums für Einwanderung und Asyl
verabschiedet worden (Art. 111 des griechischen Gesetzes mit der Nr.
4674/11.3.2020, welches Art. 114 des griechischen Gesetzes mit der Nr.
4636/2019 modifiziert habe [Quelle: griechisches Gesetzesblatt
53/A/11.3.2020]), der den Ausstieg aus dem Aufnahmeprogramm sowie die
Einstellung der Sach- und Geldleistungen für diejenigen festlege, die inter-
nationalen oder subsidiären Schutz erhalten hätten. Konkret würden die
Leistungen 30 Tage nach Eingang eines solchen positiven Asylentscheides
ausgesetzt, mit Ausnahme von Fällen unbegleiteter Minderjähriger. Durch
diese neue Gesetzeslage werde Personen mit subsidiärem Schutz die
Möglichkeit entzogen, ihr Recht auf Wohnung sowie auf Sach- und Geld-
leistungen gerichtlich geltend zu machen. Demzufolge sei die Schutzinfra-
struktur in Griechenland nicht gegeben. Bei einer allfälligen Rückkehr nach
Griechenland drohe ihnen folglich eine menschenrechtswidrige Behand-
lung gemäss Art. 25 Abs. 3 BV. Es sei demnach auf das Asylgesuch einzu-
treten.
Der Stellungnahme legte die Rechtsvertreterin einen entsprechenden Aus-
zug aus dem griechischen Gesetzesblatt 53/A/11.3.2020 mit deutscher
Übersetzung bei und verwies auf einen Bericht vom 8. März 2020 des
cnn.gr mit dem Titel "Schluss mit den Leistungen und der Unterbringung
von Flüchtlingen, die Asyl erhalten haben".
K.
Mit Verfügung vom 5. Mai 2020 – eröffnet am 7. Mai 2020 – trat die Vor-
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instanz gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf die Asylgesuche der
Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kan-
ton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte den Beschwerdefüh-
renden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
Sie hielt an ihrer Begründung fest und führte zur Stellungnahme der Be-
schwerdeführenden vom 24. April 2020 unter anderem aus, der beigelegte
Auszug des griechischen Gesetzesblattes beziehe sich auf das Unterstüt-
zungsprogramm ESTIA. Aus dem Ausstieg aus dem ESTIA-Programm
könnten die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ableiten, da es
sich um eine Folge des erhaltenen Schutzstatus handle. Mithin seien keine
Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt, welche eine Änderung des Stand-
punktes des SEM rechtfertigen könnten. Eine Rückfrage bei Medic Help
habe ausserdem ergeben, dass die (...) der Beschwerdeführerin wohl nicht
mehr so schlimm und eine Operation momentan nicht angedacht sei. We-
gen ihrer (...) habe sie sich nie am Schalter gemeldet und ihre jüngste
Tochter scheine wieder gesund zu sein. Sie hätten sich während mehrerer
Wochen im BAZ aufgehalten, dennoch sei kein akuter medizinischer Notfall
aktenkundig. Es könne deshalb zuverlässig festgestellt werden, dass auf-
grund der vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Berücksichtigung
der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht davon auszuge-
hen sei, dass die hohe Schwelle für eine drohende Verletzung von Art. 3
EMRK überschritten werde. Eine medizinische Notlage könne ausge-
schlossen werden. Das SEM verzichte daher auf weitere medizinische Ab-
klärungen.
L.
Mit Eingabe vom 13. Mai 2020 erhoben die Beschwerdeführenden Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, es sei die Ver-
fügung des SEM vom 5. Mai 2020 vollständig aufzuheben und das SEM
anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materi-
elles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die angefochtene Ver-
fügung vollständig aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Sach-
verhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne
einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugs-
behörden unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung abzusehen,
bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden
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Wirkung entschieden habe. Ausserdem sei ihnen die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten.
Mit der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung der Untersuchungs- und
Begründungspflicht gerügt, da die Vorinstanz weder dem Argument betref-
fend das neue Gesetz nachgegangen sei noch die beigefügten Dokumente
überprüft habe. Dies zeige sich an ihrer Annahme, wonach sich die neue
Gesetzgebung nur auf das Unterstützungsprogramm ESTIA beziehe. Das
Gesetz kenne nämlich keine Ausnahme betreffend die Unterkünfte und die
Leistungen, sondern lediglich betreffend eine bestimmte Personengruppe
(unbegleitete Minderjährige), die weiterhin unterstützt werde. Zwar räume
das neue Gesetz dem Minister für Migration und Asyl die Möglichkeit ein,
durch Beschluss besondere Kategorien von Begünstigten zu nennen, für
welche die Ausstiegsfrist verlängert oder die materiellen Empfangsbedin-
gungen gewährt werden könnten; insbesondere bei Personen, die an einer
schweren Krankheit leiden würden. Bis heute sei der Erlass eines solchen
Beschlusses jedoch nicht bekannt. Mangels einer Übergangsregelung sei
davon auszugehen, dass sie von der neuen Gesetzesregelung erfasst
seien. Das SEM habe folglich den Gesetzestext anhand des Internetbe-
richts von cnn.gr überprüft, obwohl dieser offensichtlich keine Rechtsquelle
darstelle und vor dem Inkrafttreten des Gesetzes (11. März 2020) veröf-
fentlicht (8. März 2020) worden sei. Der Bericht sei nur eingereicht worden,
um zu zeigen, dass die Medien vom Änderungsantrag berichtet hätten. Im
Bericht würden die gesetzlichen Neuerungen nur anhand des ESTIA-Pro-
gramms beschrieben, diese seien nicht nur darauf beschränkt. Ausserdem
gehe auch die Annahme fehl, dass sich die Beschwerdeführenden nicht
auf den Ausstieg aus dem ESTIA-Programm berufen könnten, weil der
Ausstieg als Folge des erhaltenen Schutzstatus betrachtet werde. Auch
das treffe nicht zu, da im Bericht erwähnt werde, dass das ESTIA-Pro-
gramm anerkannte Flüchtlinge unterstützt habe. Sowohl ESTIA als auch
HELIOS hätten staatliche Aufgaben wahrgenommen, indem sie bisher die
Sach- und Geldleistungen für Flüchtlinge verteilt hätten. Mit der neuen ge-
setzlichen Grundlage werde eben der Ausschluss aus diesen beiden Pro-
grammen beschlossen, was konkret heisse, dass ihnen sämtlich Sach- und
Geldleistungen verwehrt würden. Darüber hinaus sei die Annahme des
SEM, dass die in Griechenland allgemein schwierigen ökonomischen Le-
bensbedingungen sowie die herrschende Wohnungsnot die ganze Bevöl-
kerung treffe, nicht korrekt. Wenn das SEM den Gesetzestext überprüft
hätte, hätte es erkannt, dass es sich hierbei um eine unterschiedliche Be-
handlung von Personen mit internationalem und subsidiärem Schutz
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handle. Zudem sei die Gesetzesänderung auf den Platzmangel in den Un-
terkünften und nicht auf die allgemeine Wirtschaftslage zurückzuführen.
Das SEM habe den Bericht folglich unzureichend überprüft und den Sach-
verhalt unzureichend abgeklärt.
In Bezug auf die gesundheitliche Situation der Familienmitglieder sei anzu-
merken, dass die Vorinstanz von falschen Angaben beziehungsweise ei-
nem falschen Sachverhalt ausgehe. Zudem würdige die Vorinstanz die ak-
tenkundigen Arztberichte falsch. Sie habe einerseits die Angaben von Me-
dic Help, wonach die Beschwerdeführerin am Schalter nie (...) erwähnt
habe, wiedergegeben, aber andererseits den Arztbericht betreffend diese
Schmerzen in ihrem Entscheid erwähnt. Im Übrigen sei eine Operation am
(...) nicht deswegen nicht angedacht, weil dies nicht notwendig sei, son-
dern einerseits, weil die Spitäler derzeit nur Notfälle behandelten und an-
derseits, weil die zuständige Ärztin aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur
Corona-Risikogruppe nicht arbeite. Auch bezüglich der (...) habe Medic
Help falsche Angaben gemacht. Dieses Informationsfehlverhalten lasse
stark an der korrekten Führung des medizinischen Dossiers und somit der
korrekten Abklärung des entsprechenden Sachverhalts zweifeln. Auch die
gesundheitlichen Beschwerden der älteren Tochter seien nicht abgeklärt
worden. Aufgrund der offensichtlichen Vulnerabilität der Familie sei der
Wegweisungsvollzug solange unzumutbar, bis entsprechende Garantieren
der griechischen Behörden eingeholt worden seien. Ihre Überstellung
würde eine Gefahr im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtcharta und von
Art. 3 EMRK mit sich bringen.
Die Vorinstanz sei in einem ähnlichen Fall vom Bundesverwaltungsgericht
bereits dazu aufgefordert worden, sich zur Validität der mit der Beschwerde
gemachten Gesetzgebung in Griechenland, zum Anwendungsbereich der
neuen Gesetzeslage und zu deren rechtlichen Auswirkungen auf aner-
kannte Flüchtlinge in Griechenland zu äussern (vgl. E-2320/2020).
M.
Mit Instruktionsverfügung vom 15. Mai 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest, die Beschwer-
deführenden könnten den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der
Schweiz abwarten.
N.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2020 (Eingang 20. Mai 2020) informierte die
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Rechtsvertreterin das Bundesverwaltungsgericht über eine Notfallkonsul-
tation der älteren Tochter der Beschwerdeführerin aufgrund eines (...), der
bald operiert werden sollte. Den entsprechenden Arztbericht vom 15. Mai
2020 legte sie bei.
O.
Am 19. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgelt-
liche Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
P.
Mit Vernehmlassung vom 26. Mai 2020 hielt das SEM mit ergänzenden
Ausführungen an seinem Entscheid fest. Es wies erneut darauf hin, dass
anerkannte Flüchtlinge und Personen mit subsidiärem Schutz griechischen
Staatsangehörigen gleichgestellt seien und ihr Recht nötigenfalls einfor-
dern könnten. Der Ausschluss aus (zusätzlichen) Hilfsprogrammen für
Asylsuchende oder Personen mit internationalem Schutzstatus wie im vor-
liegenden Fall ESTIA (oder auch HELIOS) führe nicht dazu, dass den Be-
schwerdeführenden die ihnen gemäss der Richtlinie zustehenden minima-
len Lebensbedingungen vorenthalten oder sie einer existenziellen Notlage
ausgesetzt würden. Auch in der Schweiz müssten Personen, denen inter-
nationaler Schutz gewährt worden sei, die Asylstrukturen verlassen. Die
Beschwerdeführenden hätten bis anhin von den Behörden Unterstützungs-
leistungen erhalten; es dürfe inskünftig von ihnen erwartet werden, sich bei
Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die
erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Sie müss-
ten sich den Umstand, dass sie aus Griechenland ausgereist seien, an-
stelle sich (erneut) an die zuständigen Institutionen zu wenden, entgegen-
halten lassen. Des Weiteren stützten sich die Beschwerdeführenden auf
Berichte mit allgemeinem Charakter, welche in keinem direkten, kausalen
Zusammenhang mit ihrer individuellen Situation stünden. Das Bundesver-
waltungsgericht habe zudem in jüngster Zeit in mehreren Urteilen die Weg-
weisung von Familien mit flüchtlingsrechtlichem Schutzstatus als zulässig
und zumutbar qualifiziert. In Bezug auf die neue Rechts- und Sachlage in
Griechenland sei zu ergänzen, dass nicht davon ausgegangen werden
könne, dass Griechenland sich in einen Widerspruch zu seinen völker-
rechtlichen Verpflichtungen begeben werde. Gestützt auf Art. 34 EMRK
stehe zudem im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK der
Rechtsweg an den EGMR offen.
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Dem SEM sei sich bewusst, dass das Verwaltungs- respektive Asylverfah-
ren vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht werde, es sei dabei jedoch
nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachfor-
schungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen seien vielmehr nur dann
vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erschienen.
Die Beschwerdeführenden hielten sich seit dem (...) Dezember 2019 in der
Schweiz auf und hätten genügend Zeit gehabt, sich vor der Corona-Schutz-
verordnung an den Gesundheitsdienst zu wenden. Auch mit der Be-
schwerde seien keine weiteren medizinischen Akten eingereicht worden.
Es handle sich bei den Beschwerdeführenden nicht um schwer kranke Per-
sonen, bei denen eine ernsthafte Gefahr bestehe, dass sie bei einer Rück-
kehr nach Griechenland einer rapiden und irreversiblen Verschlechterung
ihres Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigen Leiden oder ei-
ner bedeutenden Verkürzung ihrer Lebenserwartung, ausgesetzt würden.
Vor diesem Hintergrund könne in antizipierter Beweiswürdigung darauf ver-
zichtet werden, allfällige noch ausstehende Abklärungen des Gesundheits-
zustandes der Beschwerdeführerin oder ihrer Tochter C._ abzuwar-
ten, zumal ihre Vorbringen nicht darauf schliessen liessen, dass die geltend
gemachten gesundheitlichen Probleme von einer derartigen Schwere wä-
ren, dass eine adäquate Behandelbarkeit im EU-Staat Griechenland nicht
gegeben wäre. Zuletzt sei darauf hinzuweisen, dass seit dem 27. April 2020
auch nicht dringliche Operationen in der Schweiz wieder durchgeführt wer-
den könnten. Weitere Abklärungen bezüglich der geltend gemachten ge-
sundheitlichen Probleme könnten gegebenenfalls auch im Rahmen der
Vollzugsplanung erfolgen.
Q.
In ihrer Replik vom 15. Juni 2020 machen die Beschwerdeführenden gel-
ten, sie hätten in ihrer Beschwerdeschrift deutlich aufgezeigt, dass sich die
tatsächliche Rechtslage in Griechenland mit der Einführung der neuen ge-
setzlichen Grundlage geändert habe. Es wäre zu erwarten gewesen, dass
die Vorinstanz mittels ihrer eigenen Länderanalyse untersuche, was die
Folgen für anerkannte Flüchtlinge und Personen mit subsidiärem Schutz
seien. Die Vorinstanz wiederhole sich in ihrer Vernehmlassung und gehe –
ohne Quellenangabe – davon aus, dass der Ausschluss das Programm
ESTIA betreffe und dieses neben der regulären Hilfe des Staates nur eine
zusätzliche Hilfe darstelle. Der Gesetzestext drücke aber klar aus, dass
sämtliche Leistungen für anerkannte Flüchtlinge sowie für Personen mit
Schutzstatus eingestellt würden. Dies betreffe die staatliche Leistung ge-
nauso wie die Programme von ESTIA. Dies bedeute für sie, dass sie dies
nicht einklagen und somit den Rechtsweg nicht bestreiten könnten. Da sie
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diese innerstaatlichen Instanzen nicht durchlaufen könnten, könne nicht
davon ausgegangen werden, dass ihnen der Rechtsweg an den EGMR
offenstehe. Aufgrund der neuen Gesetzeslage könne auch nicht ohne Wei-
teres auf ältere Urteile des Bundesverwaltungsgerichts und die Wegwei-
sungspraxis verwiesen werden. Es liessen sich weiterhin keine Bemühun-
gen der Vorinstanz erkennen, die neue rechtliche Lage zu analysieren.
Sie hätten überdies nicht drei Monate lang gewartet, um ihre gesundheitli-
chen Beschwerden geltend zu machen, sondern bereits am 15. Januar
2020 erstmals auf die Schmerzen der Beschwerdeführerin aufmerksam
gemacht. Sie hätten sich schliesslich an die Rechtsvertretung wenden
müssen, da sie keine weiteren Untersuchungen hätten machen lassen dür-
fen. Diese habe das SEM am 12. März 2020 über die (...) der Beschwer-
deführerin und deren älteren Tochter informiert. An der Notwendigkeit der
gebotenen Abklärungen ändere dabei auch die Tatsache nichts, dass ab
dem 13. März 2020 nur noch dringende medizinische Untersuchungen vor-
genommen worden seien. Diese Untersuchungspflicht der Vorinstanz
könne nicht ihnen und ihrer Rechtsvertretung übertragen werden, denn
beide hätten keine Handhabe, ärztliche Termine zu organisieren oder me-
dizinische Untersuchungen zu veranlassen. Somit könnten sie keine neuen
Arztberichte einreichen, solange die Vorinstanz keine weiteren Untersu-
chungen anordne. Wenn die Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung
darauf hinweise, dass seit dem 27. April 2020 auch nicht dringliche Opera-
tionen wieder durchgeführt werden könnten, so müsse die Frage an die
Vorinstanz gestellt werden, weshalb denn für die Beschwerdeführerin noch
keine Operation organisiert worden sei. Unter diesen Voraussetzungen
könne auch nicht beurteilt werden, um welche Krankheiten es sich handle
und ob die Behandelbarkeit dieser Krankheiten in Griechenland möglich
sei. Das SEM habe ausserdem den konkreten Zugang zur medizinischen
Versorgung in Griechenland nicht geprüft. Dieser sei auch durch die neue
Gesetzgebung betroffen. Es sei daher weiterhin daran festzuhalten, dass
das SEM den medizinischen Sachverhalt nicht genügend abgeklärt habe
und damit seine Untersuchungspflicht verletze.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.1 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des
Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorge-
nommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt.
2.3 Hinsichtlich des Verfahrensantrages, die aufschiebende Wirkung sei zu
erteilen, ist anzumerken, dass die Beschwerde von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung hat (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM einer allfälli-
gen Beschwerde diese aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat (Art. 55
Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag ist daher mangels Rechtsschutzinteresses
nicht einzutreten.
3.
3.1 Mit der Beschwerdeschrift wird gerügt, das SEM habe sich nicht genü-
gend mit der Bedeutung und den Auswirkungen der neuen Gesetzeslage
E-2508/2020
Seite 15
in Griechenland auf dort anerkannte Flüchtlinge auseinandergesetzt und
damit die Begründungs- sowie die Untersuchungspflicht verletzt. Diese
verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeig-
net wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl.
BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.2 Die Einhaltung des Untersuchungsgrundsatzes und die Nachachtung
der Begründungspflicht sind als aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
abgeleitete Teilaspekte getrennt zu prüfen.
3.2.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Gemäss
Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest
und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a-e aufgelisteten Be-
weismittel. Die Behörde hat von Amtes wegen für die richtige und vollstän-
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das
Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten
Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen
(BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht ver-
pflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen
anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzuneh-
men, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu
AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu
Art. 12).
3.2.2 Die Vorinstanz hat die von den Beschwerdeführenden im Rahmen
der Stellungnahme vom 26. Februar 2020 zum Entwurf der angefochtenen
Verfügung eingereichten Dokumente und Unterlagen als von den Be-
schwerdeführenden angebotene Beweismittel entgegengenommen und in
der angefochtenen Verfügung als entsprechend geltend gemachte Sach-
verhaltselemente explizit aufgenommen und in ihrem Kerngehalt zur Ent-
scheidfindung herangezogen. Im Weiteren hat sich das SEM zum Anwen-
dungsbereich der neuen Gesetzeslage und zu deren rechtlichen Auswir-
kungen auf anerkannte Flüchtlinge in Griechenland geäussert.
Die Vorinstanz hat die wesentlichen Ansprüche der Beschwerdeführenden
insbesondere gemäss der Qualifikationsrichtlinie dargelegt und die Sub-
sumption nach Massgabe der für die Zulässigkeitsfrage relevanten völker-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
E-2508/2020
Seite 16
rechtlichen Bestimmung in allgemeiner und individueller Hinsicht vorge-
nommen. Wenn das SEM im Übrigen auf bestehende Sicherheitsvermu-
tungen für Griechenland hinweist und die Beschwerdeführenden hinsicht-
lich der Durchsetzung von Ansprüchen insbesondere gemäss Qualifikati-
onsrichtlinie auf die Beschreitung von dort zur Verfügung stehenden Be-
hördengängen und Rechtswegen verweist, beinhaltet dies durchaus auch
die geforderte individuelle Komponente der Situation der Beschwerdefüh-
renden. Das SEM hatte, wie sich auch aufgrund nachstehender materieller
Beurteilung der Sache ergibt, keine objektive Veranlassung zur Vornahme
weiterer Untersuchungen und Feststellungen betreffend den Zugang der
Beschwerdeführenden zu den ihnen in Griechenland zustehenden Rech-
ten und beanspruchbaren Leistungen im Hinblick auf die Beurteilung der
Zulässigkeitsfrage unter dem Aspekt des im Rahmen von Art. 3 EMRK
massgeblichen «real risk».
Eine unvollständige Feststellung des Sachverhalts und eine Verletzung der
Untersuchungspflicht sind demnach nicht zu erkennen.
Das SEM tut seiner Begründungspflicht dann Genüge, wenn es im Rah-
men der Begründung die wesentlichen Überlegungen nennt, welche es sei-
nem Entscheid zugrunde legt. Die Vorinstanz hat in einer Gesamtwürdi-
gung nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich lei-
ten liess. Sie hat in der angefochtenen Verfügung auch dargelegt, aufgrund
welcher Überlegungen sie zum Schluss gekommen ist, dass die Voraus-
setzungen für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG erfüllt sind und der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich zu erachten ist. Das SEM ist demnach den Anforderungen
an die Begründungspflicht gerecht geworden. Ausserdem hat es sich auch
hinreichend mit der Bedeutung und den Auswirkungen der neuen Geset-
zeslage in Griechenland auf dort anerkannte Flüchtlinge auseinanderge-
setzt. Das SEM hat keine entscheidwesentlichen Aspekte unbeantwortet
gelassen.
3.3 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet. Es be-
steht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Gericht hat in der Sache
zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM in der Regel auf ein
Asylgesuch nicht ein, wenn der Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat
E-2508/2020
Seite 17
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem er sich
vorher aufgehalten hat.
Gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet der Bundesrat neben den
EU/EFTA-Staaten weitere Staaten, in denen nach seinen Feststellungen
effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be-
steht, als sichere Drittstaaten.
4.2 Griechenland ist ein EU-Staat und wurde durch den Bundesrat am
14. Dezember 2007 als sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG bezeichnet. Die Beschwerdeführenden haben sich vor der
Einreise in die Schweiz unbestrittenermassen in Griechenland aufgehalten
und dort ein Asylverfahren durchlaufen, es wurde ihnen der Flüchtlingssta-
tus zuerkannt und sie haben auch eine entsprechende Aufenthaltsbewilli-
gung erhalten. Die griechischen Behörden haben der Rückübernahme zu-
gestimmt.
4.3 Griechenland ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonven-
tion, FK; SR 0.142.30) und bietet grundsätzlich Gewähr für die korrekte
Durchführung von Asylverfahren. So haben denn auch die Beschwerdefüh-
renden nicht behauptet, ihr Asylverfahren in Griechenland sei fehlerhaft ge-
wesen beziehungsweise es würde ihnen dort als anerkannte Flüchtlinge
die Rückschiebung in den Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-
Verbots drohen. Ferner enthält die Beschwerde keine diesbezüglichen Ein-
wände, so dass das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG
zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten
ist (vgl. auch das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 3).
4.4 Die Beschwerdeführenden beantragen zwar die Aufhebung des Nicht-
eintretensentscheids und das Eintreten auf ihr Asylgesuch. In der Begrün-
dung finden sich indessen keine Argumente, die sachgerecht gegen die
erwähnten Nichteintretensvoraussetzungen gerichtet wären, sondern die
Beschwerde befasst sich inhaltlich ausschliesslich mit der Frage der Zu-
lässigkeit und der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Der Nichtein-
tretensentscheid als solcher ist daher als substanziell unbestritten zu be-
trachten. Das Rechtsbegehren auf Eintreten auf das Asylgesuch und
Durchführung eines materiellen Asylverfahrens ist demnach abzuweisen.
E-2508/2020
Seite 18
5.
5.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
5.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Der Bundesrat bezeichnet Heimat- oder Herkunftsstaaten oder Gebiete
dieser Staaten, in welche eine Rückkehr zumutbar ist. Kommen weg- oder
ausgewiesene Ausländerinnen und Ausländer aus einem dieser Staaten
oder aus einem Mitgliedstaat der EU oder der EFTA, so ist ein Vollzug der
Weg- oder Ausweisung in der Regel zumutbar (Art. 83 Abs. 5 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
E-2508/2020
Seite 19
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Das Gericht geht in konstanter Rechtsprechung grundsätzlich davon
aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK
sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301)
seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt.
Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zulässig-
keit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein Schutzstatus
verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss nur
unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Das Gericht anerkennt, dass
die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Dennoch ist ge-
mäss Rechtsprechung diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive einer
existenziellen Notlage auszugehen (so insb. Urteil des BVGer D-559/2020
vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]). Die Be-
schwerdeführenden machen im Wesentlichen geltend, seit der neuen Ge-
setzeslage vom März 2020 würde in Griechenland bereits anerkannten
Flüchtlingen die Möglichkeit entzogen, ihr Recht auf Wohnung sowie auf
Sach- und Geldleistungen gerichtlich geltend zu machen. Demzufolge sei
die Schutzinfrastruktur in Griechenland in einem derart hohen Masse ein-
geschränkt worden, dass − wie es insbesondere auch auf die Beschwer-
deführenden zutreffe − von einer Verletzung von Art. 3 EMRK auszugehen
sei. Dieser Einschätzung folgt das Gericht nicht. Es ist nicht zu erwarten,
dass die neue Gesetzeslage generell und bezüglich der Beschwerdefüh-
renden persönlich ein "real risk" bewirken würde, unweigerlich einer men-
schenrechtswidrigen Lebenssituation ausgesetzt zu werden. Wie das SEM
in Bezug auf die neue Rechts- und Sachlage in Griechenland zu Recht
ausführte, ist nicht davon auszugehen, dass Griechenland sich in einen
Widerspruch zu seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben wird.
Abgesehen davon kann etwa auf das Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts E-2714/2020 vom 9. Juni 2020 verwiesen werden, dem ebenfalls die
Vorbringen zur Beurteilung zugrunde lagen, in Griechenland hätten aner-
kannte Schutzberechtigte keinen Zugang zu Arbeit oder zu Sozialleistun-
gen, erhielten keinerlei Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung,
müssten gleich nach ihrer Anerkennung die Flüchtlingsunterkünfte verlas-
sen, weshalb ihnen die Obdachlosigkeit drohe und ihnen der Zugang zu
entsprechenden Leistungen durch überhöhte formelle Anforderungen illu-
sorisch gemacht würde. Zudem habe Griechenland seine Asylpolitik in
E-2508/2020
Seite 20
jüngster Zeit erneut verschärft, wovon auch die Ankündigung des Migrati-
onsministers, sämtliche finanzielle Unterstützung für anerkannte Flücht-
linge komplett einzustellen, zeuge (vgl. a.a.O. E. 5). Auch in diesem Urteil
ging das Gericht nicht davon aus, die bekannten Unzulänglichkeiten wür-
den in einer Weise auftreten, welche darauf schliessen liesse, Griechen-
land sei grundsätzlich nicht gewillt oder nicht fähig, Schutzberechtigten die
ihnen zustehenden Rechte und Ansprüche zu gewähren beziehungsweise
dass diese bei Bedarf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden
könnten (vgl. a.a.O. E. 7.3). Im Falle einer Verletzung der Garantien der
EMRK steht zudem gestützt auf Art. 34 EMRK letztlich nach wie vor der
Rechtsweg an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
offen (vgl. Urteil D-559/2020 a.a.O.). Die Beschwerdeführenden haben
nicht erwähnt, dass sie bei den griechischen Behörden um entsprechen-
den Schutz ersucht hätten. Ausserdem ist nicht ersichtlich, dass sie recht-
lich gegen eine Verweigerung von Unterstützungsleistungen vorgegangen
wären. Aufgrund der Akten liegen folglich keine hinreichenden Anhalts-
punkte dafür vor, dass für die Beschwerdeführenden persönlich ein "real
risk" bestehen würde, bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt zu werden. Die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus
nicht vorausschaubaren Gründen in eine derart missliche Lebenssituation
getrieben zu werden, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage
und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, ver-
mag die Schwelle zu einem entsprechenden "real risk" nicht zu überschrei-
ten.
6.2 Es ist zudem mit dem SEM festzuhalten, dass Griechenland ein
Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat
verfügt (vgl. Urteil D-559/2020 E. 9.2 m.w.H.; Urteil des BVGer
E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Wenn die Beschwerde-
führenden geltend machen, in Griechenland keine Sicherheit gehabt zu ha-
ben, können sie sich an die griechischen Behörden wenden und die erfor-
derliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Urteil
D-559/2020 E. 8.2 und 9.1).
6.3
6.3.1 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl.
Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Der Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen
E-2508/2020
Seite 21
Asylpolitik Griechenlands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, welche
periodisch zu überprüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), denn bisher auch
nicht zurückgekommen.
6.3.2 Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands
gegenüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer
Versorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich ins-
besondere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie aus der Flüchtlingskon-
vention ergeben. Es bestehen keine verdichteten Hinweise darauf, Grie-
chenland würde den Beschwerdeführenden dauerhaft die ihnen gemäss
der Richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten
und sie einer existenziellen Notlage aussetzen. Entgegen den Einwänden
der Beschwerdeführenden geht das Bundesverwaltungsgericht nach wie
vor davon aus, dass Personen mit Schutzstatus griechischen Bürgerinnen
und Bürgern in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den
öffentlichen Schulunterricht respektive mit anderen Ausländern und Aus-
länderinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewäh-
rung einer Unterkunft gleichgestellt sind (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstüt-
zungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zuständigen
Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Die
Schutzberechtigten können sich auf die Garantien in der Qualifikations-
richtlinie berufen, insbesondere die Regeln betreffend den Zugang von
Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27),
zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizini-
scher Versorgung (Art. 30). Es darf inskünftig von den Beschwerdeführen-
den erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen
Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem
Rechtsweg einzufordern. Hinsichtlich dem Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden auf Replikebene, diese könnten aufgrund der neuen Gesetzeslage
den Rechtsweg nicht bestreiten, ist darauf hinzuweisen, dass es sich dabei
um eine Parteibehauptung handelt, welche weder begründet noch belegt
wurde. Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Zugang zu innerstaatlichen
Instanzen nicht gewährt sein soll, zumal es sich bei Griechenland um einen
Rechtsstaat handelt, welcher an die Qualifikationsrichtlinie gebunden ist.
Auch wenn eine adäquate Eingliederung der Beschwerdeführenden in die
sozialen Strukturen Griechenlands als anerkannte Flüchtlinge mit nicht zu
verkennenden Erschwernissen verbunden ist, vermögen die Vorbringen
die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen.
6.3.3 Auch das Kindeswohl steht dem Wegweisungsvollzug nicht entge-
gen. Es liegen keine erhärteten Hinweise dafür vor, dass sich Griechenland
E-2508/2020
Seite 22
als Signatarstaat des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK SR 0.107) nicht an seine
entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde. Das Bun-
desverwaltungsgericht hat denn auch in mehreren Urteilen die Wegwei-
sung von Familien mit flüchtlingsrechtlichem Schutzstatus in Griechenland
als zulässig und zumutbar qualifiziert und entsprechende Nichteintretens-
und Wegweisungsverfügungen der Vorinstanz bestätigt (vgl. etwa Urteile
des BVGer D-2160/2020 vom 6. Mai 2020; E-2113/2020 vom 27. April
2020; E-6192/2019 vom 29. November 2019; D-5687/2019 vom 7. Novem-
ber 2019; E-3319/2019 vom 27. September 2019 sowie
E-2360/2019 vom 22. Mai 2019).
6.4 Hinsichtlich des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführenden ist
festzuhalten, dass gemäss Praxis des EGMR der Vollzug der Wegweisung
eines abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im
Einzelfall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann; hierfür sind
jedoch ganz aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Pa-
poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10 §183). Bei den
Beschwerdeführenden handelt es sich nicht um schwerkranke Personen,
bei denen die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei einer Rückschaffung
nach Griechenland einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigem
Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausge-
setzt wären (vgl. nachfolgend E. 7.3.2 f.). Ihre gesundheitlichen Probleme
erreichen nicht die erforderliche Schwere, um der Zulässigkeit oder der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenzustehen. Überdies ist die
medizinische Versorgung in Griechenland gewährleistet. Aus den Akten ist
zudem nicht ersichtlich, dass im heutigen Zeitpunkt dringende operative
Eingriffe nötig wären. Sollte sich hier eine Änderung ergeben, wird dies bei
der Vollzugsorganisation angemessen zu berücksichtigen sein.
6.5 Nach dem Ausgeführten erweisen sich die Vorbringen der Beschwer-
deführenden gegen den Wegweisungsvollzug sowohl unter dem Aspekt
der Zulässigkeit als auch der Zumutbarkeit als unbegründet. Auf die zahl-
reichen für den Entscheid nicht wesentlichen Vorbehalte und vertretenen
Sichtweisen in der Beschwerde und der Replik ist nicht im Einzelnen ein-
zugehen. Der Wegweisungsvollzug nach Griechenland stellt sich für die
Beschwerdeführenden nicht als unzulässig oder unzumutbar dar.
E-2508/2020
Seite 23
6.6
Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG mög-
lich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Beschwer-
deführenden ausdrücklich zugestimmt haben, sie dort über eine Aufent-
haltsbewilligung verfügen und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseun-
fähigkeit zu entnehmen sind.
7.
Zusammenfassend ist das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG zu Recht nicht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ein-
getreten, und ebenso zu Recht hat es den Wegweisungsvollzug dorthin als
zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet, weshalb die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen aber mit Zwi-
schenverfügung vom 19. Mai 2020 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde und seither keine Veränderung der finanziellen Lage ersicht-
lich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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