Decision ID: 6ff47eda-47f2-593b-a9d5-af98ca035819
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte in der Schweiz am 12. September 2011
um Asyl. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2014 lehnte das damals zustän-
dige Bundesamt für Migration (BFM) ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der
Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung – unter Ausschluss
des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China – an.
B.
Am 20. Dezember 2016 brachte die Beschwerdeführerin das Kind
B._ zur Welt.
C.
Eine gegen den Entscheid vom 8. Dezember 2014 erhobene Beschwerde
hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-162/2015 vom 31. August
2017 gut, soweit sie sich gegen den Vollzug der Wegweisung richtete; im
Übrigen wurde sie abgewiesen.
Es stellte in Übereinstimmung mit dem BFM fest, dass die Beschwerdefüh-
rerin über ihre Herkunft täuschende Angaben gemacht habe, weshalb die
Vorinstanz in Anwendung der in BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten
Rechtsprechung zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
rerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt habe. Indessen könne über die
Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs noch nicht ab-
schliessend befunden werden, da vorerst abzuklären sei, welche Auswir-
kungen sich aufgrund der familiären Situation der Beschwerdeführerin (An-
erkennung der Vaterschaft ihres Kindes B._ durch den in der
Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommenen C._ [N {...}]) für
ihren asyl- beziehungsweise aufenthaltsrechtlichen Status ergebe. Auf-
grund der Aktenlage sei unklar, ob eine Lebensgemeinschaft bestehe und
die Voraussetzungen des Einbezugs des gemeinsamen Kindes und der
Beschwerdeführerin in den Status des Kindsvaters gegeben seien. Diese
Abklärungen seien von der Vorinstanz vorzunehmen, womit der angeord-
nete Vollzug der Wegweisung aufzuheben und die Sache zur weiteren Prü-
fung unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK (beziehungsweise des Grundsat-
zes der Einheit der Familie) und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz
zurückzuweisen sei.
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D.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Mai 2018 ersuchte die Be-
schwerdeführerin für sich und ihr Kind um Einbezug in die Flüchtlingsei-
genschaft des Partners beziehungsweise des Vaters.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2018 hielt das SEM fest, dass es
zur Beurteilung des Gesuches um Einbezug des Kindes in die Flüchtlings-
eigenschaft des Vaters weitere Informationen benötige, und legte einen
entsprechenden Fragekatalog bei. Gleichzeitig wies es darauf hin, dass die
im abgeschlossenen Verfahren festgestellte Verletzung der Mitwirkungs-
pflicht durch die Beschwerdeführerin zur Folge habe, dass im Verfahren
nach Art. 51 Abs.1 AsylG (SR 142.31) die Beantwortung der Frage, ob die
Beschwerdeführerin ihre familiären Beziehungen in ihrem Heimatstaat o-
der in einem Drittstaat leben könne und damit besondere Umstände einem
Einbezug entgegenstünden, verunmöglicht werde. Die Rechtsfolge davon
sei die Ablehnung des Gesuchs um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
wegen Verunmöglichung der Prüfung, ob die diesbezüglichen Eintretens-
voraussetzungen gegeben seien. Eine Prüfung des Gesuchs um Einbezug
in die Flüchtlingseigenschaft sei hingegen möglich, wenn die Beschwerde-
führerin ihre effektive Herkunft offenlege. Somit erhalte die Beschwerde-
führerin Gelegenheit, dem SEM überprüfbare Angaben zu ihrem Lebens-
lauf zu machen. Sollte sie dieser Aufforderung innerhalb der angesetzten
Frist nicht nachkommen, werde das gestellte Gesuch gemäss Art. 51
AsylG abgelehnt werden müssen. Diesem Vorgehen liege der Gedanke
zugrunde, dass Personen, die ihre Mitwirkungspflicht verletzten, nicht bes-
sergestellt werden dürften als solche, die zu ihrer Herkunft wahre Angaben
machten und dadurch die Prüfung, ob die familiären Beziehungen im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat der nicht verfolgten Person gelebt werden könn-
ten, ermöglichten.
F.
Mit Eingaben vom 24. und 29. August 2018 wurden die vom SEM gestellten
Fragen bezüglich Familienleben beantwortet und Fotografien eingereicht.
G.
Mit Verfügung des SEM vom 11. September 2018 wurde das gemeinsame
Kind gestützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und in der
Schweiz vorläufig aufgenommen. Mit gleichentags erfolgtem Entscheid
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lehnte das SEM das entsprechende Gesuch der Beschwerdeführerin we-
gen Verletzung der Mitwirkungspflicht ab (Eröffnung am 12. September
2018).
H.
Mit Verfügung vom 21. September 2018 (Eröffnung 24. September 2018)
verneinte das SEM den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin
gemäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 8 EMRK auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht und ord-
nete den Vollzug der Wegweisung an.
I.
Gegen diese Entscheide erhob die Beschwerdeführerin mit Eingaben ihres
Rechtsvertreters vom 1. Oktober 2018 Beschwerde. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht wurde jeweils um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-
sucht. In der Beschwerde gegen den Wegweisungsvollzugsentscheid vom
21. September 2018 wurde zusätzlich die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2. VwVG in Verbindung mit
Art. 110a Abs. 1 AsylG beantragt.
K.
Mit Schreiben vom 5. Oktober 2018 bestätigte das Bundeverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerden.
L.
Am 26. November 2019 fand die Heirat der Beschwerdeführerin mit dem
Kindsvater statt.
M.
Mit Zwischenverfügungen vom 20. Dezember 2018 wurden die Beschwer-
deverfahren D-5588/2018 und D-5615/2018 vereinigt. Antragsgemäss
wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet mit dem Hin-
weis, über die weiteren Gesuche werde zu einem späteren Zeitpunkt ent-
schieden. Die Vorinstanz wurde zur Vernehmlassung eingeladen.
N.
In ihrer Vernehmlassung vom 24. Dezember 2018 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde.
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O.
Mit Replik vom 4. Januar 2019 nahm der Rechtsvertreter Stellung zur Ar-
gumentation der Vorinstanz.
P.
Mit Eingabe vom 26. Februar 2019 wurde ein Eheschein eingereicht und
mit Eingabe vom 10. Juni 2020 erkundigte sich der Rechtsvertreter nach
dem Stand des Verfahrens.
Q.
Mit Schreiben vom 23. Juli 2020 an die Rechtsvertretung stellte der zustän-
dige Instruktionsrichter einen baldigen Entscheid in Aussicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-
schwerdeführerin hat an den Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerden ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG.
3.
3.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung vom 11. September
2018 im Wesentlichen fest, dass das Asylgesuch der Beschwerdeführerin
abgelehnt worden sein, weil sie im Asylverfahren ihre geltend gemachte
Sozialisierung nicht habe glaubhaft machen können. Sie habe durch die
Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht sowohl eine Prüfung der Drittstaaten-
klausel als auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf ihren
effektiven Heimatstaat verunmöglicht. Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG wür-
den Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flücht-
linge anerkannt, wenn keine besonderen Umstände dagegensprächen. Ein
solcher Umstand werde insbesondere dann angenommen, wenn die fami-
liären Beziehungen im Heimat- oder Herkunftsstaat der nicht verfolgten
Person gelebt werden könnten und keine Vollzugshindernisse einer Weg-
weisung in diesen Staat entgegenstünden. Vorliegend könne dies jedoch
nur überprüft werden, wenn die Beschwerdeführerin ihre effektive Herkunft
offenlege. Es sei ihr deshalb mit Schreiben vom 8. August 2018 das recht-
liche Gehör gewährt und Gelegenheit gegeben worden, sich zu ihrer tat-
sächlichen Herkunft zu äussern. In seinen Stellungnahmen habe sich der
Rechtsvertreter lediglich zur Vater-Kind-Beziehung, jedoch nicht zur Ver-
letzung der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin geäussert. Dies sei
nicht nachvollziehbar, handle es sich doch beim Rechtsvertreter um eine
rechtskundige Person (lic. iur.). Durch ihre mangelnde Mitwirkung verun-
mögliche die Beschwerdeführerin somit eine Prüfung der Frage, ob es der
ganzen Familie rechtlich möglich sowie zulässig und zumutbar wäre, sich
in ihrem Heimat- respektive Herkunftsstaat niederzulassen. Unter diesen
Umständen rechtfertige es sich nicht, sie als Flüchtling anzuerkennen,
weshalb das Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Le-
benspartners abzulehnen sei.
3.2 In der Beschwerdeschrift machte der Rechtsvertreter geltend, er ver-
trete die Mandantin seit anfangs 2015 und habe im abgeschlossenen Asyl-
verfahren zur vorgeworfenen Mitwirkungspflichtverletzung der Beschwer-
deführerin im damaligen Beschwerdeverfahren alles gesagt. Daher habe
er sich nicht nochmals im jetzigen Verfahren dazu geäussert, zumal das
Bundesverwaltungsgericht in seinem kassatorischen Urteil D-162/15 vom
31. August 2017 wohl kaum eine nochmalige Überprüfung der Verletzung
der Mitwirkungspflicht, sondern vielmehr eine Abklärung der Frage, ob eine
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intakte Lebensgemeinschaft bestehe, beabsichtigt habe. Diese Abklärun-
gen habe das SEM vorgenommen, diese indessen in der Entscheidungs-
findung nicht berücksichtigt. Die Vorinstanz habe lediglich mit der gleichen
Begründung, wie sie die (originäre) Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführerin verneint habe (Mitwirkungspflichtverletzung) nun auch den Ein-
bezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Lebenspartners ausgeschlossen.
3.3 In ihrer Vernehmlassung hielt das SEM fest, es zweifle nicht an der
gelebten Beziehung der mittlerweile verheirateten Beschwerdeführerin mit
ihrem Ehepartner. Der Ablehnung des Einbezugs nach Art. 51 Abs. 1 AsylG
sowie die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung liege das Vorhanden-
sein von besonderen Umständen zugrunde. Mit der Verletzung der Mitwir-
kungspflicht verunmögliche die Beschwerdeführerin die Prüfung, ob die fa-
miliäre Beziehung im Heimat- oder Herkunftsstaat der nicht verfolgten Per-
son gelebt werden könne und keine Vollzugshindernisse in diesen Staat
bestünden.
3.4 In seiner Replik wies der Rechtsvertreter insbesondere nochmals auf
das Urteil D-162/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. August
2015 und die darin enthaltenen Vorgaben an das SEM hin.
4.
4.1 Im Urteil D-162/2015 vom 31. August 2017 hat das Bundesverwal-
tungsgericht festgestellt, dass unklar sei, ob eine Lebensgemeinschaft be-
stehe und die Voraussetzungen des Einbezugs des gemeinsamen Kindes
und der Beschwerdeführerin in den Status des Kindsvaters gegeben seien.
Es hob den angeordneten Vollzug der Wegweisung auf und wies die Sache
zur weiteren Prüfung unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK (beziehungsweise
des Grundsatzes der Einheit der Familie) und neuem Entscheid an das
SEM zurück. Die notwendigen Abklärungen hat das SEM in der Folge vor-
genommen und damit den Vorgaben des genannten Urteils gemäss ge-
handelt. Von einer bestehenden Lebensgemeinschaft ausgehend hat es in
der Folge mit Verfügung vom 11. September 2018 das gemeinsame Kind
gestützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt. Indessen lehnte
es mit gleichentags erfolgtem Entscheid das entsprechende Gesuch der
Beschwerdeführerin wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht – und damit
unabhängig von der Frage einer bestehenden Lebensgemeinschaft – ab,
wobei es zutreffend darauf verwies, dass die Bestimmungen von Art. 8
EMRK nicht ergänzend angewendet werden könnten, wenn die Vorausset-
zungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt
seien.
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4.2 Gemäss Art. 51 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und ihre
minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn
keine besonderen Umstände dagegensprechen. Diese Bestimmung ist
grundsätzlich auch anwendbar, wenn die in der Schweiz als Flüchtling an-
erkannte Person lediglich vorläufig aufgenommen wurde, sofern sich die
einzubeziehenden Angehörigen bereits in der Schweiz aufhalten (vgl. Urteil
des BVGer D-2557/2013 vom 26. November 2014 E. 5.5).
4.3 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen nur
dann ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt, wenn keine besonderen Um-
stände dagegensprechen. Dieses Kriterium dient gemäss ständiger Praxis
insbesondere dem Zweck, Missbräuche zu verhindern (vgl. Urteil des
BVGer E-1683/2013 vom 21. April 2015 E. 6.2.2 m.w.H.). In der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts wurde in verschiedenen Konstella-
tionen das Vorliegen von besonderen Umständen bejaht. So ist ein Einbe-
zug in die Flüchtlingseigenschaft namentlich dann ausgeschlossen, wenn
die in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Person ihre Flüchtlingseigen-
schaft selbst derivativ erworben hat, wenn die eheliche Gemeinschaft wäh-
rend einer längeren Zeit nicht mehr gelebt beziehungsweise aufgegeben
wurde oder wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzubeziehende Per-
son eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die als Flüchtling aner-
kannte Person und es der Familie an sich zumutbar und möglich wäre, statt
in der Schweiz auch in diesem anderen Land zu leben (vgl. BVGE 2012/32
E. 5.1). Soll der Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Ehepartners
aufgrund unterschiedlicher Nationalitäten verweigert werden, ist – in hypo-
thetischer Weise – zu prüfen, ob sich die ganze Familie gegebenenfalls im
Heimatland des nicht verfolgten Ehepartners niederlassen könnte (vgl. Ur-
teil des BVGer E-1683/2013 E. 6.2.4 m.w.H.). Der Einbezug des Ehegatten
in die Flüchtlingseigenschaft stellt gemäss der gesetzlichen Konzeption
von Art. 51 Abs. 1 AsylG den Regelfall dar. Das Bejahen besonderer Um-
stände, die einem Einbezug entgegenstehen, ist somit als Ausnahmeklau-
sel zu verstehen und entsprechend restriktiv auszulegen (vgl. Urteil des
BVGer D-696/2018 vom 28. Februar 2018 E. 6.2). Die Beweislast für das
Vorliegen besonderer Umstände liegt bei den Asylbehörden, wobei die be-
troffenen Personen eine Mitwirkungspflicht trifft (vgl. Urteil des BVGer
E-6677/2014 E. 4.5).
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Grundsatzurteil (vgl.
E-1813/2019 vom 1. Juli 2020) einen weiteren «besonderen Umstand» de-
finiert, welcher der Gewährung des Familienasyls entgegensteht. Wird das
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SEM an der Überprüfung gehindert, ob die um Familienasyl ersuchende
Person eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt als die ihres Familienan-
gehörigen, dem die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde, so kann dies
einen «besonderen Umstand» darstellen. Dies ist der Fall, wenn die asyl-
suchende Person ihre Mitwirkungspflichten im Verfahren betreffend Fami-
lienasyl schwer verletzt. Im Weiteren hat es festgehalten, dass das SEM
zwar die Tatsachen und Beweismittel des ersten, abgeschlossenen Verfah-
rens berücksichtigen könne, jedoch der gesuchstellenden Person im zwei-
ten Verfahren erneut die Möglichkeit geben müsse, sich zu diesen zu äus-
sern und allenfalls ihre ursprünglichen Aussagen zu ändern. Danach habe
das SEM die Gesamtheit der Aussagen der gesuchstellenden Person und
alle in den Akten vorhandene Beweismittel im Hinblick auf die Frage zu
würdigen, ob sie ihre Mitwirkungspflicht auch im Verfahren betreffend Fa-
milienasyl (schwer) verletzt habe. Diesen Pflichten ist das SEM im vorlie-
genden Fall mit der Neugewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Schreiben
vom 8. August 2018) und der nachfolgend vorgenommenen Neubeurtei-
lung unter Berücksichtigung der eingereichten Stellungnahmen nachge-
kommen.
4.5 Vorliegend steht die Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin nicht
fest. Das SEM lehnte ihr Asylgesuch mit Verfügung vom Verfügung vom
8. Dezember 2014 ab und führte dabei aus, es sei ihr nicht gelungen, ihre
Herkunft aus der Volksrepublik China glaubhaft zu machen. Da sie jedoch
unbestrittenermassen der tibetischen Ethnie angehöre, sei die Möglichkeit
nicht auszuschliessen, dass sie chinesische Staatsangehörige sei. Eine
nähere Überprüfung der Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin er-
weist sich jedoch als unmöglich, da sie in Verletzung ihrer Mitwirkungs-
pflicht weder Angaben zu ihrem tatsächlichen Herkunftsort noch zu einem
allfälligen Aufenthaltsrecht in einem Drittstaat oder einer anderen Staats-
angehörigkeit gemacht hat. Es lässt sich somit weder belegen noch aus-
schliessen, dass die Beschwerdeführerin chinesische Staatsangehörige
ist. Mit Blick auf die Feststellungen in BVGE 2014/12 E. 5.6–5.8 kann es
keineswegs als sicher erachtet werden, dass sie die Staatsangehörigkeit
von Indien oder Nepal besitzt und folglich eine andere Nationalität als ihr
Ehemann hat. Gemäss diesem Entscheid ist es für Exil-Tibeter in Nepal
und Indien unter engen Voraussetzungen möglich, die entsprechende
Staatsangehörigkeit zu erwerben; es müsse aber davon ausgegangen
werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeter
keine neue Staatsangehörigkeit erworben habe. Auch wenn angesichts der
Aktenlage davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin in Nepal
oder Indien und nicht in der Volksrepublik China sozialisiert wurde, ist damit
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noch nicht erwiesen, dass sie eine dieser Staatsangehörigkeiten erworben
hat.
Die Beschwerdeführerin vermochte zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens
Dokumente oder Unterlagen einzureichen, welche ihre Herkunft belegen
könnten. Der im Rahmen des abgeschlossenen Asylverfahrens durchge-
führten sprach- und länderkundlichen Herkunftsanalyse vom 11. November
2014 kommt erhöhter Beweiswert zu. Die Beschwerdeführerin hat, obwohl
vom SEM erneut dazu aufgefordert, im vorliegenden Verfahren keine wei-
teren Anstrengungen unternommen, ihre Herkunft zu belegen. Es ist von
einer schweren Mitwirkungspflichtverletzung seitens der Beschwerdefüh-
rerin auszugehen. Wie obenstehend dargelegt wurde, ist das Vorliegen von
besonderen Umständen grundsätzlich durch die Asylbehörde zu beweisen
und im Fall der Beweislosigkeit müsste zulasten der Vorinstanz entschie-
den werden. Dies führte im vorliegenden Fall jedoch dazu, dass die Be-
schwerdeführerin durch ihre unwahren Angaben und eine schwere Mitwir-
kungspflichtverletzung die Situation der Beweislosigkeit herbeiführen und
daraus einen Vorteil ziehen könnte. Durch ihr unkooperatives Verhalten
wird die Prüfung der Frage, ob sie und ihr Ehepartner eine unterschiedliche
Staatsangehörigkeit besitzen und ob sich die Familie hypothetisch im all-
fälligen tatsächlichen Heimatland der Beschwerdeführerin niederlassen
könnte, verunmöglicht. Damit würde die Beschwerdeführerin gegenüber
Personen, die ihre Herkunft offenlegen und bei denen eine entsprechende
Prüfung durchgeführt werden müsste, bevorzugt behandelt. Dieses Ergeb-
nis wäre als stossend zu bezeichnen. Unter diesen Umständen erweist es
sich zwar als unmöglich, in hypothetischer Weise zu prüfen, ob ein Leben
der gesamten Familie in einem Drittstaat, dessen Staatsangehörigkeit die
Beschwerdeführerin möglicherweise besitzt, realisierbar und zumutbar ist.
Es wäre aber stossend, wenn sich die Beschwerdeführerin durch das Ver-
schweigen erheblicher Tatsachen und durch widersprüchliche Angaben ge-
genüber den schweizerischen Behörden dieser Prüfung entziehen könnte
und dadurch gegenüber Gesuchstellenden, die ihrer Mitwirkungspflicht
nachkommen, bessergestellt würde.
4.6 Nach dem Gesagten ist vorliegend davon auszugehen, dass bei der
Beschwerdeführerin besondere Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 1
AsylG vorliegen, welche einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ih-
res Ehepartners entgegenstehen.
Es ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin jederzeit die Mög-
lichkeit hat, ihre tatsächliche Herkunft offenzulegen und in der Folge ein
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neues Gesuch um Familienzusammenführung zu stellen. Dieses könnte
von der Vorinstanz dann in Kenntnis aller relevanten Tatsachen geprüft
werden. Im Übrigen können, wie bereit festgehalten, im vorliegenden Ver-
fahren die Bestimmungen von Art. 8 EMRK nicht ergänzend angewandt
werden, wenn die Voraussetzungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51
Abs. 1 AsylG nicht erfüllt sind. Die Frage nach einem allfälligen Anspruch
auf Regelung des Aufenthalts der beschwerdeführenden Person in der
Schweiz als Ehepartner beziehungsweise Ehepartnerin hier aufenthaltsbe-
rechtigter Personen ist von der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde
gestützt auf Art. 44 AuG zu beurteilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 6 E. 5
S. 44 f.). Es bleibt der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann unbenom-
men, ein solches Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei der
zuständigen Behörde einzureichen. Diese Behörde ist bei der Prüfung ei-
nes entsprechenden Gesuchs insbesondere an die Bestimmung von Art. 8
EMRK gebunden.
4.7 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM das Gesuch
der Beschwerdeführerin um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres
Ehemannes zu Recht abgelehnt hat.
5.
Im Verfahren D-5615/2018 (Verfügung betreffend Wegweisungsvollzug) ist
festzustellen, dass das SEM mit Verfügung vom 21. September 2018 (Er-
öffnung 24. September 2018) in analoger Anwendung der Voraussetzun-
gen von Art. 51 Abs. 1 AsylG den grundsätzlichen Anspruch der Beschwer-
deführerin gemäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 8 EMRK auf Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht
zu Recht verneinte und den Vollzug der Wegweisung anordnete. In der Be-
schwerde werden keine Argumente vorgebracht, welche diese Einschät-
zung in Frage stellen.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen
Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG) und
auch sonst nicht zu beanstanden sind. Für eine Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz besteht kein Anlass. Die Beschwerden sind daher abzu-
weisen.
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7.1 Bei diesem Ausgang des (vereinigten) Verfahrens wären die Kosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen
sind die mit den Beschwerden gestellten Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG, da die Rechts-
begehren nicht zum Vornherein aussichtslos erschienen und der Nachweis
der Bedürftigkeit erbracht wurde, gutzuheissen. Somit sind keine Verfah-
renskosten zu erheben.
7.2 Im Verfahren betreffend Wegweisungsvollzug (D-5618/2018) wird an-
tragsgemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG zugesprochen und lic. iur. Dominik Löhrer,
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), 8048 Zürich, als amtli-
cher Rechtsbeistand eingesetzt.
Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht wurde. Indessen lässt
sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage zuverläs-
sig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden
kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massge-
benden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungs-
praxis in vergleichbaren Fällen wird zulasten der Gerichtskasse ein amtli-
ches Honorar von insgesamt Fr. 300.– (inkl. Auslagen und allfälliger Mehr-
wertsteuerzuschlag) zugesprochen.
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