Decision ID: 7e56367e-1297-563c-b5c3-29c94f3a5b4e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Anlässlich einer Personenkontrolle wurde die Beschwerdeführerin (eine
1986 geborene algerische Staatsangehörige) am 4. März 2019 in Zürich
wegen Verdachts auf rechtswidrigen Aufenthalt sowie Handel mit Betäu-
bungsmitteln angehalten und festgenommen (Akten des Migrationsamtes
des Kantons Zürich [ZH-act.] 1/1 ff.). Bei der gleichentags durchgeführten
Hausdurchsuchung am Wohnsitz ihres Partners (eines Landsmannes mit
Niederlassungsbewilligung) in (...) konnten rund 69 Gramm illegales Mari-
huana und 1'040 Gramm Haschisch sowie Verpackungsmaterial und eine
Waage sichergestellt werden (Polizeirapporte vom 4./5. März 2019 [ZH-
act. 7/18 ff.]). Am 5. März 2019 gewährte die Stadtpolizei Zürich der Be-
schwerdeführerin rechtliches Gehör zur allfälligen Verhängung einer Fern-
haltemassnahme und deren Ausschreibung im Schengener Informations-
system (SIS II) zur Einreiseverweigerung im ganzen Schengen-Raum (ZH-
act. 6/16 f.).
B.
Mit Strafbefehl vom 5. März 2019 verurteilte die Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat die Beschwerdeführerin wegen rechtswidrigen Aufenthalts (Over-
stay von 31 Tagen) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. b AIG (SR 142.20) zu
einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie zu einer
Busse von Fr. 300.– (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 5). Das Strafverfah-
ren betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz stellte
die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat am 14. März 2019 ein (ZH-
act. 17/47 f.). Sowohl der Strafbefehl wie auch die Einstellungsverfügung
blieben unangefochten und erwuchsen in Rechtskraft.
C.
Am 6. März 2019 erliess das Migrationsamt des Kantons Zürich eine Weg-
weisungsverfügung. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefordert, die
Schweiz bis zum 13. März 2019 zu verlassen (ZH-act. 12/38 f.). Ebenfalls
am 6. März 2019 hob die Flughafenpolizei Zürich das vom 13. April 2017
bis zum 12. April 2022 und für multiple Einreisen gültige Schengen-Visum
der Beschwerdeführerin auf (ZH-act. 14/41 f.). Nach eigenen Angaben
kehrte sie im März 2019 selbständig nach Algerien zurück.
D.
Ebenfalls am 6. März 2019 verfügte das Staatssekretariat für Migration
SEM über die Beschwerdeführerin ein zweijähriges Einreiseverbot, veran-
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lasste dessen Ausschreibung zur Einreiseverweigerung im SIS II und ent-
zog einer allfälligen Beschwerde vorsorglich die aufschiebende Wirkung
(SEM-act. 2).
E.
Gegen das Einreiseverbot gelangte die Beschwerdeführerin am 5. April
2019 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, dieses ersatzlos
aufzuheben (eventualiter gestützt auf Art. 67 Abs. 5 AIG) (Akten des Bun-
desverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
F.
Am 8. März 2019 stellten die Beschwerdeführerin und ihr Partner beim Zi-
vilstandsamt der Stadt (...) ein Gesuch um Ehevorbereitung (BVGer-act. 1,
Beilage 9). Diese Behörde hielt auf einer gleichentags ausgestellten Be-
stätigung fest, dass der Nachweis über einen rechtmässigen Aufenthalt
fehle und Zivilstandspapiere nachgereicht werden müssten (ZH-
act. 29/116).
G.
Am 16. Mai 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin bei der Schweizeri-
schen Vertretung in Algier um Ausstellung eines nationalen Visums zwecks
Vorbereitung der Heirat mit ihrem Partner (ZH-act. 20/52 ff.). Dazu übergab
sie diverse Formulare und Dokumente (ZH-act. 20/67 ff.).
H.
Die Vorinstanz liess sich am 11. Juli 2019 zur Beschwerde vernehmen und
beantragte deren Abweisung (BVGer-act. 10).
I.
In einer Replik vom 2. Oktober 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren und deren Begründung fest (BVGer-act. 19).
J.
Die Vorinstanz ihrerseits erneuerte in einer Duplik vom 22. Oktober 2019
ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 21).
K.
In einem Schreiben vom 28. Oktober 2019 wies das Migrationsamt des
Kantons Zürich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung einer
Einreisebewilligung zur Vorbereitung der Heirat vom 16. Mai 2019 ab; dies
mit der Begründung, dass gemäss einer Mitteilung des Zivilstandesamts
der Stadt (...) ein Heiratshindernis bestehe und deshalb auf das Gesuch
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Seite 4
um Einleitung eines Ehevorbereitungsverfahrens nicht eingetreten worden
sei (ZH-act. 61/185).
L.
Von dem ihr am 31. Oktober 2019 im Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht eingeräumten Recht zur Einreichung einer Triplik machte die
Beschwerdeführerin keinen Gebrauch (BVGer-act. 22).
M.
Am 6. April 2020 stellte die Beschwerdeführerin beim Migrationsamt des
Kantons Zürich erneut ein Gesuch um Erteilung einer Einreisebewilligung
(ZH-act. 81/222). Dieses Gesuch wurde von der angegangenen Behörde
am 29. Juni 2020 aufgrund fehlender Mitwirkung bei der Dokumentenvor-
lage als gegenstandslos abgeschrieben (ZH-act. 87/239).
N.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen der Vorinstanz, die gestützt auf Art. 67 AIG ein Einreiseverbot zum
Gegenstand haben (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG und Art. 112 Abs. 1
AIG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
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lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt des Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2; 2011/43 E. 6.1).
3.
3.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a in Verbindung mit Art. 67 Abs. 3 AIG kann
die Vorinstanz für die Dauer von höchstens fünf Jahren gegen ausländi-
sche Personen ein Einreiseverbot verfügen, wenn sie gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben
oder diese gefährden. Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG liegt unter anderem vor,
wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet
werden (Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Wider-
handlungen gegen Normen des Ausländerrechts fallen ohne weiteres unter
diese Begriffsbestimmung.
3.2 Die Beschwerdeführerin war im Besitze eines von den französischen
Behörden ausgestellten, vom 13. April 2017 bis zum 12. April 2022 gültigen
Schengen-Visums Typ C, das sie für multiple Einreisen und einen Aufent-
halt von maximal 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen im
Schengen-Raum berechtigte (ZH-act. 16/45 f.; vgl. dazu Art. 10 f. des
Schengener Durchführungsübereinkommens, SDÜ, Abl. L 239/19 vom
22.09.2000; Art. 24 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der
Gemeinschaft [Visakodex, Abl. L 243/1 vom 15.09.2009]; Art. 8 Abs. 1 der
Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Visumerteilung
[VEV, SR 142.204] i.V.m. Anhang I der Verordnung [EU] 2018/1806 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Auf-
stellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige bei Überschrei-
ten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der
Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht be-
freit sind [Kodifizierter Text] [ABl. L 303/39 vom 28.11.2018]).
3.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, sich vom 17. August 2018 bis
zum 10. Oktober 2018, vom 11. November 2018 bis zum 2. Dezember
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2018 und vom 31. Dezember 2018 bis zum 4. März 2019 im Schengen-
Raum aufgehalten zu haben. Sie stellt auch nicht in Abrede, sich damit
innerhalb der letzten 180 Tage vor ihrer Anhaltung 31 Tage zu lange im
Schengen-Raum aufgehalten zu haben.
3.4
3.4.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich in diesem Zusammenhang auf
einen Irrtum. Sie habe die Dauer des maximal zulässigen Aufenthalts
fälschlicherweise ab dem Zeitpunkt der Ausstellung des Visums errechnet.
Es sei nie ihre Absicht gewesen, die entsprechenden Vorschriften zu miss-
achten.
3.4.2 Mit rechtskräftigem Strafbefehl vom 5. März 2019 verurteilte die
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat die Beschwerdeführerin zu einer be-
dingten Geldstrafe sowie zu einer Busse. Daraus ist zu schliessen, dass
die Staatsanwaltschaft von einem vorsätzlichen Verstoss der Beschwerde-
führerin gegen Art. 115 Abs. 1 Bst. b AIG ausging, zumal bei fahrlässiger
Begehung lediglich die Verhängung einer Busse in Frage gekommen wäre
(vgl. Art. 115 Abs. 3 AIG).
3.4.3 Von den tatsächlichen Feststellungen eines rechtskräftigen Strafer-
kenntnisses weicht das Bundesverwaltungsgericht nicht ohne Not ab. Es
entfernt sich sodann auch nicht von der rechtlichen Qualifikation, sofern
diese von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt (BGE 139
II 95 E. 3.2; 136 II 447 E. 3.1; 124 II 103 E. 1c; Urteil des BVGer
F-2040/2019 vom 19. März 2020 E. 3.2).
3.4.4 Vorliegend besteht kein Anlass, von der rechtskräftigen Erkenntnis
der Strafjustiz eines vorsätzlichen Verstosses der Beschwerdeführerin ge-
gen ausländerrechtliche Bestimmungen abzuweichen. Die Beschwerde-
führerin ist gemäss eigenem Bekunden Anwältin und verfügte im Zeitpunkt
ihrer Anhaltung schon seit fast zwei Jahren über ein Schengen-Visum
Typ C, von dem sie für Reisen in den Schengen-Raum mehrfach Gebrauch
gemacht hatte. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass ihr die
Aufenthaltsbestimmungen für den Schengen-Raum hinreichend bekannt
waren. Dass sie sich bei ihrer gegenteiligen Behauptung auf eine Erklärung
eines französischen Konsulats berufen will, kann jedenfalls so nicht über-
zeugen.
3.4.5 Unbesehen davon stünde – wie bereits erwähnt – auch die fahrläs-
sige Missachtung einschlägiger ausländerrechtlicher Bestimmungen unter
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Seite 7
Strafandrohung. Unkenntnis oder Fehlinterpretation der Einreise- und Auf-
enthaltsvorschriften stellen denn auch in aller Regel keinen hinreichenden
Grund für das Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar. Es genügt,
wenn der ausländischen Person eine Sorgfaltspflichtverletzung zugerech-
net werden kann. Vorliegend hätte es der Beschwerdeführerin oblegen,
sich rechtzeitig bei einer zuständigen schweizerischen Behörde über be-
stehende Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit den ausländerrecht-
lichen Vorschriften ins Bild zu setzen (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer
F-5266/2019 vom 16. Juni 2020 E. 3.1; F-2040/2019 E. 3.2).
3.5 Mit der Missachtung zentraler ausländerrechtlicher Vorschriften hat die
Beschwerdeführerin den Fernhaltegrund von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG ge-
setzt. Sie geht fehl in der Annahme, zu keinem Zeitpunkt die öffentliche
Sicherheit und Ordnung gefährdet zu haben. Dass die Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung ausser der strafrechtlichen Verurteilung der Be-
schwerdeführerin auch den Fernhaltegrund von Art. 67 Abs. 2 Bst. c AIG
(Anordnung von Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft)
anführte, bleibt vorliegend ohne Relevanz. Darauf ist nicht näher einzuge-
hen.
4.
Zu prüfen ist weiter, ob das angefochtene Einreiseverbot als solches und
in seiner Dauer in pflichtgemässer Ermessensausübung angeordnet wurde
und vor dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit standhält. Erforderlich ist
eine einzelfallbezogene Interessenabwägung unter Berücksichtigung
sämtlicher wesentlicher Umstände. Ausgangspunkt der Überlegungen bil-
den die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Beson-
derheiten des ordnungswidrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse
der Beschwerdeführerin und das von ihr ausgehende, zukünftige Gefähr-
dungspotenzial (Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 96 AIG; BGE 139 II 121 6.5.1;
BVGE 2017 VII/2 E. 4.5; 2016/33 E. 9; 2014/20 E. 8.1).
4.1
4.1.1 Der Verstoss der Beschwerdeführerin gegen ausländerrechtliche
Bestimmungen wiegt mit einem Overstay von 31 Tagen objektiv nicht leicht.
Der Einhaltung zentraler ausländerrechtlicher Normen kommt eine hohe
Bedeutung zu, geht es doch darum, eine funktionierende Rechtsordnung
gewährleisten zu können. Entsprechend ist die ausländerrechtliche Ord-
nung durch eine konsequente Massnahmenpraxis zu schützen (BVGE
2014/20 E. 8.2; Urteil des BVGer F-5785/2019 vom 30. April 2020 E. 7.2).
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Seite 8
Vorliegend besteht daher bereits aus generalpräventiven Gründen ein ge-
wichtiges Interesse an einer zeitlich befristeten Fernhaltung der Beschwer-
deführerin. Das Einreisereiseverbot erscheint jedoch auch aus spezialprä-
ventiven Gründen als angezeigt, um die Beschwerdeführerin zu ermahnen,
bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise in die Schweiz nach Ablauf
des Einreiseverbots die geltenden ausländerrechtlichen Vorschriften ein-
zuhalten.
4.1.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Verhängung eines Ein-
reiseverbots sei nicht erforderlich, weil von ihr inskünftig keine Gefahr für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen werde, kann ihr nicht bei-
gepflichtet werden. Schon die Begehung einer Straftat an sich bildet ein
gewichtiges Indiz dafür, dass die ausländische Person erneut gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen könnte (BVGE 2017 VII/2
E. 4.4).
4.2
4.2.1 An persönlichen Interessen, für Einreisen in die Schweiz über die Vi-
sums-Pflicht (vgl. dazu oben E. 3.2) hinaus keinen zusätzlichen Restriktio-
nen unterworfen zu werden, beruft sich die Beschwerdeführerin auf die Be-
ziehung zu ihrem hier lebenden Partner. Sie gibt an, diesen im August 2018
kennen gelernt zu haben, mit ihm verlobt zu sein und ihn im Herbst 2018
nach islamischem Recht geheiratet zu haben. Nun beabsichtigten sie,
auch nach schweizerischem Recht zu heiraten.
4.2.2 Belege für eine Heirat der Beschwerdeführerin mit ihrem Partner
nach islamischem Recht finden sich in den Akten nicht. Vielmehr liegt die-
sen die Beschwerdeführerin betreffend eine von der Beschwerdeführerin
edierte Ledigkeitsbescheinigung der algerischen Behörden vom 4. April
2019 bei (ZH-act. 20/74). Diesbezüglich hielt die Beschwerdeführerin in ei-
nem am 18. November 2019 und damit während des Beschwerdeverfah-
rens an die Vorinstanz gerichteten Schreiben fest, dass es sich um eine
"informelle Heirat" handle, die nirgends registriert oder dokumentiert sei
und die in der Schweiz nicht anerkannt werden könne (SEM-act.; unpagi-
niert). Es ist deshalb und mit Blick auf die Dauer und das lediglich sporadi-
sche Zusammenleben zu bezweifeln, dass die Beziehung der Beschwer-
deführerin zu ihrem Partner hinreichend nahe und intensiv ist, um in den
Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV zu fallen (vgl.
BGE 144 II 1 E. 6.1; 144 I 266 E. 2.5; 135 I 143 E. 3.1; 110 Ib 201 E. 2a).
Die Beschwerdeführerin kann sich jedoch schon deshalb nicht auf das
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berufen, weil es ihr und
http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VII/2
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ihrem Partner zumutbar ist, die Beziehung ausserhalb des Schengen-
Raums, namentlich in Algerien, zu führen (BGE 143 I 21 E. 5.1; 139 I 330
E. 2.1; 135 I 143 E. 2.2). Sie führt selber aus, ihr Partner sei trotz seiner
Vollzeitstelle seit Erlass des Einreiseverbots bereits "zahlreiche Male nach
Algerien gereist", um sie zu besuchen.
4.2.3 Die dauerhafte Verwirklichung eines Beziehungslebens scheitert in-
des nicht etwa an der Fernhaltemassnahme, sondern vor allem am fehlen-
den Aufenthaltsrecht der Beschwerdeführerin in der Schweiz (BVGE
2014/20 E. 8.3.4). Es kann ihr zugemutet werden, während beschränkter
Zeit die Kontakte zu ihrem Partner auf andere Weise als durch Einreise in
die Schweiz zu pflegen. Darüber hinaus besteht für sie grundsätzlich die
Möglichkeit, bei Vorliegen zwingender Gründe eine zeitweilige Suspension
der angeordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5
AIG, vgl. BVGE 2014/20 E. 8.3.4; 2013/4 E. 7.4.3).
4.2.4 Das in Art. 14 BV verankerte Recht auf Eingehung einer Ehe und
Gründung einer Familie wird durch das angefochtene Einreiseverbot nicht
berührt. Es vermittelt keinen Anspruch auf Zusammenleben (BGE 131 II
265 E. 5; Urteile des BVGer C-3025/2015 vom 16. Februar 2016 E. 6.2.1;
C-7086/2014 vom 14. Oktober 2015 E. 5.2.1).
4.3 Die privaten Interessen der Beschwerdeführerin vermögen somit we-
der einen Verzicht auf das Einreiseverbot noch eine Reduktion in dessen
Dauer zu rechtfertigen. In umfassender Abwägung der vorliegend involvier-
ten Interessen erscheint das auf zwei Jahre befristete Einreiseverbot so-
wohl vom Grundsatz her, als auch in Bezug auf seine Dauer als verhältnis-
mässig. Die Dauer entspricht ausserdem der Praxis in vergleichbaren Fäl-
len (vgl. Urteile des BVGer F-1184/2017 vom 12. Juni 2019 E. 6.5;
F-7166/2018 vom 1. Mai 2019 E. 4.3; F-3002/2016 vom 10. Juli 2017 E. 5.4
m.w.H.; C-4395/2015 vom 23. Februar 2016 E. 5.4; C-2438/2014 vom
14. November 2014 E. 6.5).
5.
Ins Leere zielt der Eventualantrag der Beschwerdeführerin, das Einreise-
verbot sei gestützt auf Art. 67 Abs. 5 AIG aus nach dem Erlass der Fern-
haltemassnahme eingetretenen Gründen endgültig aufzuheben. Diesbe-
züglich ist sie darauf hinzuweisen, dass einerseits das Bundesverwal-
tungsgericht ohnehin auf die Sachlage zum Zeitpunkt des Entscheides ab-
stellt (vgl. oben E. 2) und dass andererseits Art. 67 Abs. 5 AIG in seinem
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Anwendungsbereich zu Lasten des Betroffenen einen engeren Entschei-
dungsspielraum offen lässt, als die bei Anordnung eines Einreiseverbots
gestützt auf Art. 67 Abs. 2 AIG gebotene Interessenabwägung (vgl. dazu
Urteil des BVGer F-6220/2016 vom 17. Mai 2018 E. 5.2 m.w.H.; MARC SPE-
SCHA, in Marc Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar zum Migrationsrecht,
5. Aufl. 2019, Art. 67 AIG N. 19 ff.). Die im Beschwerdeverfahren in Aus-
sicht gestellte Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz hat die Beschwerde-
führerin bis heute nicht erhalten. Andere, nach Verfügungserlass eingetre-
tene Sachverhalte, die für die Aufhebung des Einreiseverbots sprechen
würden, sind weder aus den Akten ersichtlich, noch werden solche geltend
gemacht.
6.
Verhältnismässig, zur Wahrung der Interessen der Gesamtheit aller Schen-
gen-Staaten notwendig und nicht zu beanstanden ist schliesslich die Aus-
schreibung des Einreiseverbots im Schengener Informationssystem, hat
die Beschwerdeführerin doch gegen zentrale ausländerrechtliche Bestim-
mungen verstossen (vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 der Verordnung [EG]
Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. De-
zember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation [SIS II]
[SIS-II-VO, Abl. L 381/4 vom 28.12.2006]).
7.
Die angefochtene Verfügung verletzt Bundesrecht nicht. Insbesondere ist
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin eine Ermessensunter-
schreitung der Vorinstanz nicht auszumachen (Art. 49 VwVG). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Partei-
entschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
9.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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