Decision ID: b889ecf0-b251-4226-93cc-255d888ddaf4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Schreiben vom 13. Februar 2020 richtete die Swedish Tax Agency,
Unit for International Cooperation (nachfolgend: STA) ein Amtshilfeersu-
chen betreffend A._ (nachfolgend: betroffene Person) an die Eidge-
nössische Steuerverwaltung (ESTV). Darin ersuchte sie um die folgenden
Informationen für den Zeitraum vom (...) bis (...):
For all accounts in B._ in the name of C._ Ltd (either alone or jointly
with others) including but not restricted to account number [...] and any ac-
counts in the name of A._ (either alone or jointly with others):
1. Account opening form(s) (incl. Form A/T or other documents assessing the
beneficial ownership) and forms showing signatories to account(s).
2. Copies of complete bank statements, including currency accounts and
bank card accounts.
3. Copies of any instructions received by the bank in any form, including letter,
email or fax from the account holder(s)/beneficial owner(s) or any other
person acting on the account holder(s)/beneficial owner(s) behalf or in-
struction or authority, requesting any payments or transfers to be made
from the account(s).
A.b Die STA führte in Bezug auf den Sachverhalt aus, es laufe eine Unter-
suchung betreffend das ausländische Einkommen der betroffenen Person
für den Zeitraum vom (...) bis (...). Diese habe ihren steuerlichen Wohnsitz
in Schweden und sei dort uneingeschränkt steuerpflichtig. Es bestünde ein
starker Verdacht, wonach sie im relevanten Zeitraum ausländische Ein-
künfte erzielt habe, welche nicht deklariert worden seien. Sie, die STA,
habe von einer anonymen Quelle Informationen erhalten, wonach die be-
troffene Person nicht deklarierte Vermögenswerte an die C._ Ltd.
(nachfolgend: Gesellschaft) mit Sitz in (...) überwiesen habe. Sie habe von
genannter Quelle ein Dokument erhalten, welches zeige, dass die Gesell-
schaft über ein Bankkonto bei der B._ (nachfolgend: B._ Bank)
verfüge. Aus einem Gerichtsurteil betreffend die Gesellschaft aus dem Jahr
(...) gehe hervor, dass mehrmals Gelder von britischen Banken via die Ge-
sellschaft auf ein schwedisches Treuhandkonto der betroffenen Person
überwiesen worden seien. Die Untersuchung habe zudem erbracht, dass
die betroffene Person Besitzerin mehrerer ausländischer Gesellschaften
sei; darunter die vorliegend in Frage stehende Gesellschaft, welche auch
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in den Panama Papers erwähnt worden sei. Die Gesellschaft sei im Jahr
(...) aus dem Register gelöscht worden.
Die STA führt weiter aus, sie habe die betroffene Person aufgefordert, In-
formationen zu ihren ausländischen Gesellschaften und diesbezüglichen
Einkünften sowie zu sämtlichen ausländischen Bankkonten von ihr oder
ihren Gesellschaften einzureichen. Die betroffene Person habe ihr mitge-
teilt, dass sie als Zahnarzt und Forscher tätig gewesen sei und ein Zahn-
implantat entwickelt habe, dessen Patent sie später verkauft habe. Auch
habe sie Immobilien- und Aktiengeschäfte getätigt. Die betroffene Person
habe bestätigt, wirtschaftlich Berechtigte der Gesellschaft zu sein, welche
(...) in ihrem Auftrag auf (...) gegründet worden sei. Die Gesellschaft habe
Bankkonten in verschiedenen Ländern, darunter in der Schweiz, eröffnet
und es hätten Überweisungen stattgefunden. Wegen Meinungsverschie-
denheiten mit früheren Geschäftspartnern habe sie Schwierigkeiten, die
geforderten Unterlagen zu den Akten zu reichen.
Sie, die STA, habe trotz mehrfacher Aufforderungen nicht alle Informatio-
nen und Unterlagen der betroffenen Person erhalten. Sie habe alle mögli-
chen Mittel ausgeschöpft, um in Schweden an die für eine korrekte Fest-
setzung der geschuldeten Einkommenssteuern notwendigen Informatio-
nen zu gelangen.
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 1. April 2020 forderte die ESTV die B._
Bank dazu auf, ihr die ersuchten Informationen innerhalb von 10 Kalender-
tagen ab Erhalt des Schreibens zuzustellen. Gleichzeitig ersuchte sie die
B._ Bank, die im Ausland ansässige betroffene Person mittels beige-
legten Informationsschreibens über das laufende Amtshilfeverfahren zu in-
formieren und diese aufzufordern, eine zur Zustellung bevollmächtigte Per-
son oder eine Adresse in der Schweiz zu bezeichnen.
B.b Mit E-Mail vom 8. April 2020 übermittelte die B._ Bank die ersuch-
ten Informationen an die ESTV. Auf telefonische Rückfrage der ESTV hin
erklärte sie, dass das Informationsschreiben an die letztbekannte Korres-
pondenzadresse der Gesellschaft übermittelt worden sei. Diese laute auf
die D._ SA in (...). Das Informationsschreiben sei nicht an die be-
troffene Person geschickt worden, da die B._ Bank keine Beziehun-
gen zur betroffenen Person unterhalte und auch nie eine Beziehung zu
dieser unterhalten habe.
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B.c Am 20. April 2020 nahm die D._ SA telefonisch mit der ESTV Kon-
takt auf. Gemäss Absprache mit der ESTV übermittelte sie am 24. April
2020 ein auf den 22. April 2020 datiertes Informationsschreiben der ESTV
an die betroffene Person.
B.d Am 18. Mai 2020 erhielt die betroffene Person das Informationsschrei-
ben der ESTV zugestellt. Innert der angesetzten Frist von 10 Tagen ab Er-
halt des Schreibens wurde keine zur Zustellung bevollmächtigte Person
oder Adresse in der Schweiz bezeichnet.
C.
Mit Schlussverfügung vom 23. Juni 2020 entschied die ESTV, der STA in
Bezug auf die betroffene Person Amtshilfe zu leisten (Dispositiv-Ziffer 1).
Die Dispositiv-Ziffer 1 und die Rechtsmittelbelehrung wurden am
23. Juni 2020 im Bundesblatt eröffnet.
D.
Mit Beschwerde vom 23. Juli 2020 beantragt die betroffene Person (nach-
folgend: Beschwerdeführer), vertreten durch ihre Anwälte, beim Bundes-
verwaltungsgericht die Aufhebung der Schlussverfügung vom 23. Juni
2020. Die Sache sei an die ESTV zurückzuweisen und diese zu verpflich-
ten, ihm (dem Beschwerdeführer) die Möglichkeit zur Akteneinsicht und
Einreichung einer Stellungnahme vor Erlass einer neuen Schlussverfü-
gung zu gewähren. Eventualiter sei ihm im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens vollumfänglich Einsicht in die Akten der ESTV und die Möglichkeit
zur Einreichung einer Stellungnahme zur Zulässigkeit der beabsichtigten
Übermittlung der Unterlagen an die STA zu gewähren; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV.
E.
Mit Schreiben vom 28. Juli 2020 und E-Mail vom 5. August 2020 gewährte
die ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) dem Beschwerdeführer Akten-
einsicht.
F.
Mit als «Stellungnahme (als Nachtrag zur Beschwerde vom 23. Juli 2020)»
bezeichneter Eingabe vom 28. August 2020 wiederholt der Beschwerde-
führer die Anträge auf Aufhebung der Verfügung vom 23. Juni 2020 und
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Amtshilfe
auf das Ersuchen der STA vom 13. Februar 2020 wegen Verletzung des
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Subsidiaritätsprinzips und wegen Vorliegens einer unzulässigen Beweis-
ausforschung zu verweigern.
G.
Mit Vernehmlassung vom 18. September 2020 beantragt die ESTV, «die
Beschwerde vom 23. Juli 2020 inkl. Nachtrag zur Beschwerde vom 28. Au-
gust 2020» sei kostenpflichtig abzuweisen.
Auf die konkreten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – soweit
entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der STA ge-
stützt auf das Abkommen vom 7. Mai 1965 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und dem Königreich Schweden zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und
vom Vermögen (SR 0.672.971.41, nachfolgend: DBA CH-SE) zugrunde.
Die Durchführung der mit diesem Abkommen vereinbarten Bestimmungen
richtet sich nach dem Bundesgesetz vom 28. September 2012 über die in-
ternationale Amtshilfe in Steuersachen (Steueramtshilfegesetz, StAhiG,
SR 651.1). Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen des im vor-
liegenden Fall anwendbaren DBA CH-SE (Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die Amtshilfe gestützt auf
das DBA CH-SE zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 – 33
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsge-
richt [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]). Das Verfahren vor
diesem Gericht richtet sich dabei nach dem Bundesgesetz vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensge-
setz, VwVG, SR 172.021) soweit das VGG oder das StAhiG nichts anderes
bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit ge-
geben.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men und ist mit Blick auf die ihn betreffenden, nach der angefochtenen
Schlussverfügung an die STA zu übermittelnden Informationen materiell
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beschwert. Er ist damit und als Adressat der angefochtenen Verfügung zur
Beschwerdeführung berechtigt (vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m. Art. 48
Abs. 1 VwVG).
1.4 Mit Beschwerde vom 23. Juli 2020 wurde der vorinstanzliche Entscheid
vollumfänglich angefochten. Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht
eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Ab. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist demnach einzutreten.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
2.
Mit seinem Hauptantrag beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung
der angefochtenen Schlussverfügung und die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz. Er sei nicht korrekt über das gegen ihn laufende Amtshilfe-
verfahren informiert worden und habe daher nicht am vorinstanzlichen Ver-
fahren teilnehmen können, womit sein Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
letzt sei.
2.1
2.1.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs. Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstel-
lung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Be-
troffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern,
erhebliche Beweise beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-
ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 140 I 99
E. 3.4; 135 II 286 E. 5.1). Voraussetzung des Äusserungsrechts sind ge-
nügende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin-
ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge
und Grundlagen vorweg orientiert zu werden (BGE 141 I 60 E. 3.3; 140 I
99 E. 3.4). Wie weit dieses Recht geht, lässt sich nicht generell, sondern
nur unter Würdigung der konkreten Umstände beurteilen (BGE 135 I 279
E. 2.3; 111 Ia 273 E. 2b). Entscheidend ist, ob dem Betroffenen ermöglicht
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wurde, seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (BGE 144 I 11
E. 5.3 mit weiteren Hinweisen; Urteil des BGer 2C_807/2015 vom 18. Ok-
tober 2016 E. 2.2.1).
2.1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Dessen Ver-
letzung führt in der Regel ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be-
schwerde in der Sache zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids
(BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.2). Rechtsprechungsgemäss kann
eine nicht schwerwiegende Verletzung jedoch als geheilt gelten, wenn die
verletzte Partei die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern, die – wie in Amtshilfeverfahren das Bundesverwaltungsgericht
(vgl. Art. 49 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 5 StAhiG) – über eine umfassende
Kognition verfügt (BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.3.2).
2.1.3 Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör wird im
StAhiG u.a. durch Art. 14 StAhiG konkretisiert, wonach die ESTV verpflich-
tet ist, die betroffene Person über die wesentlichen Teile des Amtshilfeer-
suchens zu informieren (BGE 145 II 119 E. 4.2. und 7.2; Urteil des BGer
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3.2). Wenn eine betroffene und damit
zur Beschwerde berechtigte Person im Ausland ansässig ist, ersucht die
ESTV die Informationsinhaberin oder den Informationsinhaber, diese Per-
son aufzufordern, in der Schweiz eine zur Zustellung bevollmächtigte Per-
son zu bezeichnen (vgl. Art. 14 Abs. 3 StAhiG). Die Information über den
Weg der Informationsinhaberin beruht auf der Erwartung, dass diese alles
Notwendige unternimmt, um die betroffene Person über ein laufendes
Amtshilfeverfahren zu informieren (Urteil des BGer 2C_54/2014 vom
2. Juni 2014 E. 3.3). Die ESTV kann die im Ausland ansässige beschwer-
deberechtigte Person auch direkt informieren, wenn es zulässig ist, Schrift-
stücke im betreffenden Staat durch die Post zuzustellen (Art. 14 Abs. 4
Bst. a StAhiG) oder die ersuchende Behörde diesem Vorgehen im Einzel-
fall ausdrücklich zustimmt (Art. 14 Abs. 4 Bst. b StAhiG). Kann eine be-
schwerdeberechtigte Person nicht erreicht werden, so informiert die ESTV
sie auf dem Weg der ersuchenden Behörde oder durch Veröffentlichung im
Bundesblatt über das Ersuchen; die ESTV fordert die beschwerdeberech-
tigte Person auf, eine zur Zustellung bevollmächtigte Person zu bezeich-
nen. Sie setzt hierfür eine Frist von zehn Tagen (Art. 14 Abs. 5 StAhiG). Die
beiden in Art. 14 Abs. 5 StAhiG vorgesehenen alternativen Zustellungs-
möglichkeiten (Veröffentlichung im Bundesblatt oder Information über die
ersuchende Behörde) sind gegenüber der direkten Information nach Art. 14
Abs. 4 StAhiG subsidiär (BGE 145 II 119 E. 7.2). Kommt Art. 14 Abs. 5
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StAhiG zur Anwendung, kann die ESTV zwischen den genannten Zustel-
lungsmöglichkeiten auswählen (BGE 145 II 119 E. 7.2.2).
2.1.4 Gemäss einem allgemeinen Rechtsgrundsatz darf den Parteien aus
mangelhafter Eröffnung einer Verfügung kein Nachteil entstehen (Art. 38
VwVG, BGE 144 II 401 E. 3.1). Nach der Rechtsprechung ist nicht jede
mangelhafte Eröffnung schlechthin nichtig (vgl. BGE 132 I 249 E. 6). Aus
dem Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung keine
Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten
Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangel-
hafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht (BGE 122 I 97
E. 3.aa; 111 V 149 E. 4.c; BVGE 2009/43 E. 1.1.7). Ausschlaggebend ist,
ob die betroffene Partei im Einzelfall durch den gerügten Eröffnungsmangel
tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist (BGE 144 II
401 E. 3.1; 111 V 149 E. 4.c). Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage
ist der auch in diesem prozessualen Bereich geltende Grundsatz von Treu
und Glauben, an welchem die Berufung auf Formmängel in jedem Fall ihre
Grenze findet (BGE 122 I 97 E. 3.aa; 111 V 149 E. 4.c).
2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, es habe vorliegend keine ge-
setzliche Grundlage für die Übermittlung des Informationsschreibens vom
22. April 2020 über die D._ SA an ihn (den Beschwerdeführer) bestan-
den. Informationsinhaberin gemäss Art. 14 Abs. 3 StAhiG sei die B._
Bank gewesen. Die Vorinstanz sei zudem befugt gewesen, ihm die Schrift-
stücke direkt per Post zuzustellen. Dass die Zustellung nicht direkt per
Post, sondern über die D._ SA erfolgt sei habe dazu geführt, dass er
den offiziellen Charakter des Schreibens und folglich dessen Wichtigkeit
nicht wahrgenommen habe. Dies habe wiederum dazu geführt, dass er
keine in der Schweiz zur Zustellung bevollmächtigte Person bezeichnet
habe und seine Rechte im Amtshilfeverfahren vor der Vorinstanz nicht
habe wahren können.
2.3 Die Vorinstanz hält dagegen, sie sei gemäss Art. 14 Abs. 3 StAhiG be-
fugt gewesen, das Informationsschreiben über die Informationsinhaberin,
d.h. die B._ Bank, zuzustellen. Dabei sei es nicht erforderlich, dass
die Zustellung direkt durch diese zu erfolgen habe. Entscheidend sei, dass
das Informationsschreiben dem Beschwerdeführer zugestellt wurde und
dass dieser folglich Kenntnis vom Amtshilfeverfahren hatte. Der offizielle
Charakter des Amtshilfeschreibens sei unter anderem durch den Briefkopf
inkl. Wappen der Schweizerischen Eidgenossenschaft erkennbar gewe-
sen.
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2.4 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 18. Mai
2020 das Informationsschreiben der ESTV zugestellt erhalten hat
(vgl. Sachverhalt Bst. B.d). Die Frage, ob gemäss Art. 14 Abs. 3 StAhiG ein
Informationsschreiben direkt durch die Informationsinhaberin zu erfolgen
hat, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht, oder ob es übereinstim-
mend mit der Auffassung der Vorinstanz auch indirekt, d.h. über eine Dritt-
person, übermittelt werden kann, kann vorliegend offenbleiben. Dem Be-
schwerdeführer ist nämlich durch die so erfolgte Zustellung kein Nachteil
entstanden (vgl. oben E. 2.1.4). Zweck der Informationspflicht gemäss
Art. 14 Abs. 1 StAhiG ist es, dass die betroffene Person über den Eingang
des Amtshilfegesuchs orientiert wird, sofern darauf eingetreten wird (Urteil
des BGer 2C_112/2015 vom 27. August 2015 E. 4.3 m.w.H.). Dieser Zweck
wurde vorliegend mit der Zustellung des Informationsschreibens am
18. Mai 2020 erreicht. Der Beschwerdeführer verfügte über die volle, ge-
mäss Art. 14 Abs. 3 StAhiG angesetzte Frist von 10 Tagen ab Zustellung
des Informationsschreibens, um der ESTV eine zur Zustellung bevollmäch-
tigte Person oder Adresse in der Schweiz zu bezeichnen. Insoweit als der
Beschwerdeführer ausführt, er habe infolge der Zustellung durch die
D._ SA den offiziellen Charakter des Schreibens nicht erkannt, ist ihm
nicht zu folgen. Zum einen weist die ESTV in der Vernehmlassung zu Recht
darauf hin, dass das Informationsschreiben vom 22. April 2020 aufgrund
des Briefkopfs und des Wappens unschwer als offizielles Schreiben zu er-
kennen war. Dass der Beschwerdeführer fortgeschrittenen Alters ist und
das Schreiben in englischer Sprache verfasst war, ist in diesem Zusam-
menhang nicht ausschlaggebend. Denn, wie bereits erwähnt, war der offi-
zielle Charakter des Schreibens erkennbar. Es war ausserdem persönlich
an ihn gerichtet (siehe Adresskopf und Anrede), enthielt Angaben zur Kon-
taktperson mit Name, Adresse, Telefon und E-Mail, was auch ohne Fremd-
sprachenkenntnisse verständlich ist, und war handschriftlich unterzeichnet.
Das Schreiben nannte in der Betreffzeile die «Swiss Confederation» sowie
das «Kingdom of Sweden» und im Eingangssatz explizit die C._ Ltd
(in Grossbuchstaben), überdies enthielt es mehrere Hinweise auf Geset-
zesartikel. Somit musste dem Beschwerdeführer auch trotz fehlender
Sprachkenntnisse klar sein, dass das Schreiben von gewisser Wichtigkeit
sein könnte. Zudem enthielt das Schreiben auf der dritten Seite einen Ab-
schnitt zum selber ausfüllen, was impliziert, dass möglicherweise vom
Empfänger ein aktives Tun erwartet wird; auch dies war unschwer auch
ohne Fremdsprachkenntnisse verständlich. Vom Beschwerdeführer hätte
aufgrund der vorgängigen geschäftlichen Beziehungen zur Gesellschaft
daher erwartet werden dürfen, dass er bei Unklarheiten wenigstens eine
Rückfrage an den Absender stellt. Es oblag nach der Zustellung somit ihm,
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Seite 10
auf das Schreiben der ESTV zu reagieren, um seine Parteirechte zu wah-
ren. Er hatte nach der Zustellung ausreichend Gelegenheit, seine aus dem
Gehörsanspruch fliessenden Mitwirkungsrechte vollumfänglich wahrzu-
nehmen. Zum andern wäre das Schreiben auch bei einer «direkten» Über-
mittlung über die B._ Bank nicht von der ESTV direkt zugestellt wor-
den. Eine direkte Information der betroffenen Person nach Massgabe von
Art. 14 Abs. 4 StAhiG erfolgt nur dann, wenn das gemäss Art. 14 Abs. 3
StAhiG an die Informationsinhaberin gestellte Ersuchen zu keinem Erfolg
führt und der Anspruch auf rechtliches Gehör anderweitig gewahrt werden
muss (vgl. BGE 145 II 119 E. 6.2 und 7). Es ist somit nicht ersichtlich, dass
die «indirekte» Zustellung des Informationsschreibens über die D._
SA dem Beschwerdeführer vorliegend zu irgendeinem Nachteil gereichte.
2.5 Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in Bezug auf die Art und
Weise der Information des Beschwerdeführers dessen rechtliches Gehör
nicht verletzt hat.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Akteneinsicht und zur Stellungnahme vor Erlass einer
neuen Schlussverfügung. Zudem beantragt er für den Fall, dass die
Schlussverfügung nicht gemäss dem Hauptantrag aufgehoben und die Sa-
che an die Vorinstanz zurückgewiesen werde, es sei ihm im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens vollumfänglich Einsicht in die Akten der ESTV und
die Möglichkeit zur Einreichung einer Stellungnahme zur Zulässigkeit der
beabsichtigten Übermittlung der Unterlagen an die STA zu gewähren.
3.2 Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
28. Juli 2020 und E-Mail vom 5. August 2020 Akteneinsicht (vgl. Sachver-
halt Bst. E). Mit Eingabe vom 28. August 2020 nahm der Beschwerdefüh-
rer ausführlich zur Zulässigkeit der angeordneten Amtshilfe Stellung (vgl.
Sachverhalt Bst. F). Mit Vernehmlassung vom 18. September 2020 liess
sich die Vorinstanz zu den diesbezüglichen Ausführungen des Beschwer-
deführers verlauten (vgl. Sachverhalt Bst. G).
3.3 Da dem Beschwerdeführer vollumfänglich Akteneinsicht gewährt
wurde und er dazu Stellung nehmen konnte, ist der Antrag auf Rückwei-
sung an die Vorinstanz abzuweisen. Zudem ist der mit Beschwerde vom
23. Juli 2020 gestellte Eventualantrag des Beschwerdeführers gegen-
standslos geworden.
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Seite 11
4.
Im nächsten Schritt ist zu prüfen, ob vorliegend die Voraussetzungen für
die Gewährung der Amtshilfe erfüllt sind. Dazu wird zunächst auf die
staatsvertragliche Grundlage für das Amtshilfeersuchen eingegangen
(E. 4.1). Anschliessend werden die Rügen des Beschwerdeführers geprüft.
Dieser macht geltend, dass die angefochtene Schlussverfügung das Sub-
sidiaritätsprinzip verletze (E. 4.2) und eine unzulässige Beweisausfor-
schung darstelle (E. 4.3).
4.1
4.1.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steu-
ersachen gegenüber Schweden sind die Amtshilfeklausel von Art. 27 DBA
CH-SE und die dazu vereinbarte Ziff. 4 des Protokolls zum DBA CH-SE,
welche seit dem 5. August 2012 in Kraft sind (vgl. Art. XIV des Protokolls
vom 28. Februar 2011 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und dem Königreich Schweden zur Änderung des Abkommens zur Vermei-
dung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkom-
men und vom Vermögen [AS 2012 4155 ff.; nachfolgend: Änderungsproto-
koll]). Diese sind auf das streitbetroffene Amtshilfeersuchen vom 13. Feb-
ruar 2020, mit welchem um Informationen betreffend den Zeitraum vom
(...) bis (...) ersucht wird, anwendbar (vgl. Art. XV Ziff. 2 Bst. d des Ände-
rungsprotokolls). Sie entsprechen im Wortlaut weitgehend Art. 26 des Mus-
terabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) zur Vermeidung von Doppelbesteuerung von Einkom-
men und Vermögen (vgl. Botschaft vom 31. August 2011 zur Genehmigung
eines Protokolls zur Änderung des Doppelbesteuerungsabkommens zwi-
schen der Schweiz und Schweden, BBl 2011 7155, 7165).
4.1.2 Gemäss Art. 27 Abs. 1 DBA CH-SE tauschen die zuständigen Behör-
den der Vertragsstaaten die Informationen aus, die zur Durchführung des
Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen
Rechts betreffend Steuern jeder Art und Bezeichnung, die für Rechnung
der Vertragsstaaten, ihrer politischen Unterabteilungen oder ihrer lokalen
Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich sind, soweit die
diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen wider-
spricht.
4.1.3 In Ziff. 4 Bst. c des Protokolls zum DBA CH-SE sind die Angaben
aufgeführt, welche die Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der
Stellung eines Amtshilfeersuchens zu liefern haben (Art. 6 Abs. 2 StAhiG
ist aufgrund der in Ziff. 4 Bst. c des Protokolls zum DBA CH-SE statuierten
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Seite 12
Regelung nicht einschlägig, soweit er strengere Anforderungen aufstellt
[Art. 1 Abs. 2 StAhiG; vgl. BGE 142 II 218 E. 3.4; 142 II 161 E. 2.1.4; Urteile
des BVGer A-1450/2021 vom 3. Mai 2022 E. 2.2; A-4603/2019 vom
17. August 2020 E. 2.2]). Das vorliegende Amtshilfeersuchen enthält diese
verlangten Angaben, was im Übrigen nicht in Frage gestellt wird.
4.2
4.2.1 Gemäss Ziff. 4 Bst. a des Protokolls zum DBA CH-SE besteht Ein-
vernehmen darüber, dass der ersuchende Vertragsstaat ein Begehren um
Austausch von Informationen erst dann stellt, wenn er zur Beschaffung der
Informationen alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehe-
nen üblichen Mittel ausgeschöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnis-
mässigen Schwierigkeiten verbunden ist. Dabei handelt es sich um das
sogenannte Subsidiaritätsprinzip (vgl. dazu BGE 144 II 206 E. 3.3 mit Hin-
weisen).
4.2.2 Gemäss Art. 26 des Wiener Übereinkommens über das Recht der
Verträge vom 23. Mai 1969 (SR 0.111) bindet ein rechtskräftiger Vertrag
die Vertragsparteien und ist von ihnen nach Treu und Glauben zu erfüllen.
Daraus folgt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Amtshilfe
in Steuersachen, dass prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdar-
stellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrecht-
liches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4; 143 II 224 E. 6.3, je mit
weiteren Hinweisen). Angewandt auf das Subsidiaritätsprinzip bedeutet
dies, dass kein Anlass besteht, an einer von der ersuchenden Behörde ab-
gegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller üblichen innerstaatlichen
Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liege ein gegen die Einhaltung des Sub-
sidiaritätsprinzips sprechendes sowie ein ernsthafte Zweifel an der Richtig-
keit der Erklärung begründendes konkretes Element vor (vgl. BGE 144 II
206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-2175/2021 vom 22. September 2021
E. 2.5.2; A-5034/2020 vom 7. Mai 2021 E. 2.5.2).
4.2.3 Was unter den «üblichen Mitteln» zu verstehen ist, wird im DBA CH-
SE nicht weiter definiert. Aus der Auslegung der fraglichen Bestimmung
nach völkerrechtlichen Regeln ergibt sich, dass nicht das Ausschöpfen
«sämtlicher» möglicher Mittel verlangt wird (vgl. dazu statt vieler: Urteil des
BVGer A-4414/2014 vom 8. Dezember 2014 E. 3.1.1). Vielmehr kann ein
Mittel als nicht mehr als «üblich» bezeichnet werden, wenn es dem ersu-
chenden Staat – im Vergleich zu einem Amtshilfeersuchen – einen unver-
hältnismässigen Aufwand verursachen würde oder wenn die Erfolgschan-
cen als sehr gering einzuschätzen sind. Dem ersuchenden Staat wird somit
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eine gewisse Freiheit belassen, um zu entscheiden, in welchem Zeitpunkt
er ein Amtshilfeersuchen stellen möchte. Dass es der ersuchenden Be-
hörde möglich wäre, eine betroffene Person mittels Zwangsmassnahmen
zur Herausgabe der Informationen aufzufordern, führt nicht dazu, dass
(noch) kein Amtshilfeersuchen gestellt werden darf, insbesondere dann,
wenn die Person gemäss dem anwendbaren Recht zur Einreichung aller
wesentlichen Unterlagen verpflichtet ist (vgl. Urteil des BVGer A-4414/2014
vom 8. Dezember 2014 E. 4.2.5). Es kann einem Staat auch nicht verwehrt
werden, mit dem Steuerpflichtigen weiter in Kontakt zu bleiben bzw. diesen
zu befragen, auch wenn bereits ein Amtshilfegesuch gestellt wurde (Urteil
des BVGer A-3716/2015 vom 16. Februar 2016 E. 5.2.2).
4.2.4 Der Beschwerdeführer macht vorliegend geltend, die STA habe ihn
nur ein einziges Mal auf schriftlichem Weg, nämlich mit Schreiben vom
20. März 2019, dazu aufgefordert, verschiedene Informationen und Konto-
auszüge einzureichen. Er habe die STA mit Schreiben vom 19. Juni 2019
darüber informiert, dass er dabei sei, die ersuchten Antworten und Doku-
mente aufzutreiben. Mit Schreiben vom 9. Oktober und 31. Oktober 2019
habe er weitere Informationen und Unterlagen betreffend Sachverhalte in
Schweden eingereicht und der STA mitgeteilt, dass er sich bewusst sei,
dass er noch nicht alle angeforderten Unterlagen aus dem Ausland gelie-
fert habe und dies sobald als möglich nachholen werde. Sein Rechtsver-
treter in Schweden stehe auch weiterhin in regelmässigem telefonischem
Kontakt mit der STA. Aus dem Schriftenverkehr mit der STA gehe hervor,
dass er mit der STA kooperierte und bemüht war, die angeforderten Unter-
lagen einzureichen. Als lediglich wirtschaftlich Berechtigter der Gesell-
schaft habe er mehr Zeit benötigt, um die ersuchten Unterlagen einzu-
reichen. Die STA habe ihm diesbezüglich nie eine Mahnung zukommen
lassen oder eine letzte Frist zur Einreichung der Unterlagen angesetzt. Da-
mit habe die STA die üblichen Mittel zur Beschaffung der ersuchten Unter-
lagen bei weitem nicht ausgeschöpft. Angesichts der kooperativen Haltung
sei es der STA zumutbar gewesen, ihm eine Mahnung mit einer letztmali-
gen Frist zur Einreichung der ausstehenden Unterlagen zuzustellen, bevor
sie das Amtshilfeersuchen stellte.
4.2.5 Die Vorinstanz hält dagegen, die STA habe erklärt, alle üblichen In-
formationsquellen ausgeschöpft zu haben. Für sie habe vorliegend kein
Anlass für Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage bestanden. Auch die
Ausführungen des Beschwerdeführers vermöchten nichts daran zu än-
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dern. Die Schriftwechsel zeigten vielmehr, dass die STA dem Beschwerde-
führer genügend Zeit gelassen habe, um die entsprechenden Informatio-
nen im internen Steuerverfahren zu übermitteln.
4.2.6 Vorliegend besteht aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprin-
zips (vgl. oben E. 4.2.2) grundsätzlich kein Anlass, an der Erklärung der
STA zu zweifeln, wonach sie alle möglichen Mittel ausgeschöpft habe, um
die notwendigen Informationen in Schweden aufzutreiben (vgl. Sachver-
halt Bst. A.b). Der vom Beschwerdeführer zu den Akten gereichte Schrif-
tenwechsel zwischen dem Beschwerdeführer bzw. dessen Rechtsvertreter
in Schweden und der STA ist zudem nicht geeignet, um ernsthafte Zweifel
an der Richtigkeit dieser Erklärung zu begründen. Gemäss der vom Be-
schwerdeführer eingereichten Übersetzung des Schreibens der STA vom
20. März 2019 wurde dem Beschwerdeführer eine erste Frist bis zum
23. April 2019 angesetzt, um die geforderten Informationen einzureichen.
Wie dem ebenfalls in Übersetzung zu den Akten gereichten Schreiben des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 31. Oktober 2019 zu ent-
nehmen ist, wurde dem Beschwerdeführer anschliessend eine weitere
Frist bis am 31. Oktober 2019 eingeräumt («He is requested to provide an
answer on October 31 at the latest»). Ob diese Fristansetzung tatsächlich
mündlich erfolgte, wie der Beschwerdeführer geltend macht (Stellung-
nahme des Beschwerdeführers vom 28. August 2020, Ziff. 13), lässt sich
gestützt auf die Akten nicht erkennen. Tatsache ist jedoch, dass das Amts-
hilfeersuchen der STA erst am 13. Februar 2020 und somit mehrere Mo-
nate nach Verstreichen dieser Frist und rund elf Monate nach der ersten
Aufforderung erfolgte. Die Schlussfolgerung der STA, wonach sie sämtli-
che Mittel ausgeschöpft habe, um in Schweden an die geforderten Infor-
mationen zu gelangen, ist vor diesem Hintergrund nicht zu bezweifeln (vgl.
Urteile des BVGer A-7413/2018 vom 8. Oktober 2020 E. 10.4; A-1146/2019
vom 6. September 2019 E. 5.2.1; A-5647/2017 vom 2. August 2018
E. 4.3.3). Kommt hinzu, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
mit Stellungnahme vom 31. Oktober 2019 selbst einräumte, dass dieser
aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit früheren Geschäftspartnern
Schwierigkeiten habe, gewisser Unterlagen habhaft zu werden (vgl. Bei-
lage 17 zur Stellungnahme vom 28. August 2020, Ziff. 1). Die STA hatte
damit keinen Anlass davon auszugehen, dass die Ansetzung einer weite-
ren Frist oder das Aussprechen einer Mahnung zum gewünschten Erfolg
führen würde. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ändert
auch die Tatsache, dass sein Rechtsvertreter in Schweden weiterhin in
Kontakt mit der STA steht nichts an diesem Ergebnis (vgl. oben E. 4.2.3).
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4.2.7 Dem Beschwerdeführer gelingt es nach dem Gesagten nicht, die Er-
klärung der STA in Zweifel zu ziehen, weshalb in Anwendung des völker-
rechtlichen Vertrauensprinzips davon auszugehen ist, dass die STA alle in
ihrem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel aus-
geschöpft hat. Somit ist das Subsidiaritätsprinzip vorliegend eingehalten.
4.3
4.3.1 Gemäss Ziff. 4 Bst. b des Protokolls zum DBA CH-SE besteht Ein-
vernehmen darüber, dass der Zweck der Verweisung (in Art. 27 Abs. 1 DBA
CH-SE) auf Informationen, die voraussichtlich erheblich sind, darin be-
steht, einen möglichst weitgehenden Informationsaustausch in Steuerbe-
langen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben, «fishing
expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, deren Er-
heblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuerpflichti-
gen Person unwahrscheinlich ist.
4.3.2 Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Unterlagen oder
Auskünften bezieht sich auf die Erhebung der Steuer durch den ersuchen-
den Staat (BGE 141 II 436 E. 4.4.3). Sie muss sich bereits aus dem Amts-
hilfegesuch ergeben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2; 141 II 436 E. 4.4.3; Ur-
teil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.4.3, je mit Hinwei-
sen). Würde dies nicht verlangt, könnten Ersuchen aufs Geratewohl ge-
stellt werden («fishing expedition») und die ersuchte Behörde müsste die
Unterlagen auch dann zur Verfügung stellen, wenn sie erst nach deren Er-
hebung deren voraussichtliche Erheblichkeit feststellen würde. Dem «vor-
aussichtlich» kommt somit eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen bezieht
es sich darauf, dass der ersuchende Staat die Erheblichkeit voraussehen
und diese dem Amtshilfegesuch zu entnehmen sein muss, wobei im Ein-
klang mit dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip (vgl. oben E. 4.2.2) ver-
mutet wird, dass der ersuchende Staat nach Treu und Glauben handelt.
Zum anderen sind nur solche Informationen zu übermitteln, die voraus-
sichtlich erheblich sind (vgl. zum Ganzen statt vieler: BGE 143 II 185
E. 3.3.2 mit Hinweisen).
4.3.3 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt,
wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit be-
steht, dass sich die angefragten Angaben als erheblich erweisen werden
(BGE 144 II 206 E. 4.3; 143 II 185 E. 3.3.2). Hingegen spielt es keine Rolle,
wenn sich – einmal beschafft – herausstellt, dass die Informationen nicht
relevant sind. Es liegt nicht am ersuchten Staat, ein Ersuchen oder die
Übermittlung von Auskünften zu verweigern, weil er der Meinung ist, es
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fehle an der Erheblichkeit der Anfrage oder der dieser zugrundeliegenden
Überprüfung. Die ersuchte Behörde hat somit nicht zu entscheiden, ob der
im Amtshilfegesuch dargestellte Sachverhalt gänzlich der Realität ent-
spricht, sondern muss nur überprüfen, ob die ersuchten Informationen ei-
nen Bezug zu diesem Sachverhalt haben und ob sie möglicherweise dazu
geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu werden (BGE 144
II 29 E. 4.2.2; 143 II 185 E. 3.3.2; 142 II 161 E. 2.1 ff.). Der ersuchte Staat
kann Auskünfte daher nur verweigern, wenn ein Zusammenhang zwischen
den verlangten Angaben und der Untersuchung wenig wahrscheinlich bzw.
unwahrscheinlich erscheint (BGE 143 II 185 E. 3.3.2; 141 II 436 E. 4.4.3).
Die Beurteilung der voraussichtlichen Erheblichkeit der Informationen
kommt demnach in erster Linie dem ersuchenden Staat zu. Der Begriff (der
voraussichtlichen Erheblichkeit) bildet dabei eine nicht sehr hohe Hürde für
ein Amtshilfeersuchen (BGE 143 II 185 E. 3.3.2; 142 II 161 E. 2.1.1).
4.3.4 Soweit die Behörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den
massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet
werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun.
Dies wäre mit dem Sinn und Zweck der Amtshilfe (wie mit jenem der
Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1;
BVGE 2011/14 E. 2; statt vieler: Urteil des BVGer A-4144/2018 vom
28. Mai 2019 E. 2.1.7). Daher verlangt die Rechtsprechung von der ersu-
chenden Behörde nicht den strikten Beweis des Sachverhalts, sondern sie
muss nur (aber immerhin) hinreichende Verdachtsmomente für dessen
Vorliegen dartun (BGE 139 II 451 E. 2.1 und E. 2.2.1; 139 II 404 E. 7.2.2;
Urteil des BVGer A-4144/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.1.7).
4.3.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, dem Amtshilfeersuchen vom
13. Februar 2020 lägen keine hinreichenden Verdachtsmomente zu-
grunde, wonach er in den Jahren (...) bis (...) Einkommen von der Gesell-
schaft bezogen habe. Der STA läge lediglich ein Urteil aus dem Jahr (...)
vor, gemäss welchem er Einkommen von der Gesellschaft bezogen habe.
Dieses könne sich aber zwangsläufig nur auf den Zeitraum vor (...) bezie-
hen. Das Amtshilfeersuchen sei demnach als «fishing expedition» zu qua-
lifizieren und die ESTV habe gestützt auf Art. 7 Bst. a StAHiG nicht darauf
eintreten dürfen.
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4.3.6 Die Beurteilung der voraussichtlichen Erheblichkeit der Informationen
kommt in erster Linie dem ersuchenden Staat zu (vgl. oben E. 4.3.3). Vor-
liegend ist ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der
Untersuchung klar gegeben: Es ist unbestritten, dass der Beschwerdefüh-
rer in Schweden im Sinne des Abkommens steuerpflichtig ist. Es ist eben-
falls unbestritten, dass er wirtschaftlich Berechtigter der Gesellschaft ist
und dass der STA ein Urteil aus dem Jahr (...) vorliegt, wonach in der Ver-
gangenheit Überweisungen vom Konto der Gesellschaft auf ein Konto in
Schweden getätigt wurden, über welches der Beschwerdeführer verfügen
konnte. Wie die Vorinstanz zutreffend in der Vernehmlassung vom
18. September 2020 ausführt, scheint es damit zumindest nicht ausge-
schlossen, dass solche Zahlungen möglicherweise auch in den nachfol-
genden Jahren stattgefunden haben könnten. Damit besteht eine vernünf-
tige Möglichkeit, dass sich die angefragten Informationen für die Steuerer-
hebung in Schweden als erheblich erweisen. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ist es dabei nicht erforderlich, dass die STA über kon-
krete Informationen über in diesen Jahren erfolgte Zahlungen verfügt
(vgl. oben E. 4.3.4). Die Vorinstanz hat in ihrer Schlussverfügung somit
richtigerweise festgestellt, dass die ersuchten Informationen für die kor-
rekte Erhebung der Einkommenssteuer des Beschwerdeführers voraus-
sichtlich erheblich sind.
4.4 Nach dem Gesagten ist die Amtshilfeverpflichtung der Schweiz im vor-
liegenden Fall gegeben. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit
sie nicht gegenstandslos geworden ist.
5.
5.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 5'000.–
festzulegen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in
gleicher Höhe ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
5.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
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