Decision ID: 66f47c9f-31ea-4d6d-9714-131872737956
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, ist gelernter K
och. Sein letztes Arbeitsverhältnis wurde per 14. August 2019 aufgelöst (Urk. 9/1, Urk. 9/3/3). Am 28. November 2019 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf psychische Probleme bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (Urk. 9/1). Diese tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und teilte dem Versicherten am 13. Mai 2020 mit, dass keine Eingliederungsmassnah
men möglich seien (Urk.
9/3, Urk. 9/7, Urk. 9/9, Urk. 9/13). Nach weiteren medi
zinischen Abklärungen auferlegte sie dem Versicherten mit Mitteilung vom
1. September 2021 eine
Mitwirkungspflicht im Sinne einer
Durchführung eines
sechsmonatigen
Alkoholentzugs
bei mindestens zweiwöchentlicher
psychiat
risch-suchtmedizinischer Begleitung (U
rk. 9
/45; Urk. 9/17, Urk. 9/33-34,
Urk. 9/
42, Urk. 9/44). Mit Vorbescheid vom 23. November 2021 stellte sie die Abwe
i
sung des Leistungsbegehrens in
Aussicht, da der Versicherte nicht alkoholabsti
nent sei und e
r somit seiner Mitwirkungs
pflicht nicht nachkomme (Urk. 9/53). Mit Verfügung vom 18. Januar 2022 verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 17. Februar 2022 Beschwerde und beantragte, die angefoc
htene Verfügung sei
aufzuheben und die Beschwer
degegne
rin sei zu verpflichten, ihm
IV-Leistungen, namentlich eine Rente, zuzu
sprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 1 S. 2)
.
Auf Aufforderung des Gerichts reich
te er
weitere Unterlagen zu seiner Bedürftigkeit ein
(Urk. 5, Urk. 10-12).
Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
1. April 2022 auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 8), was dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Ferner stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), vorliegend somit bis
zum 18
. Januar 2022.
Hinsichtlich der
Prüfung
der Leistungspflicht
ist
ein Sachverhalt zu beurteilen, der in zeitlicher Hinsicht sowohl vor wie nach den am 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Änderungen vom 19. Juni 2020 (Weiterentwicklung der IV) zu Rechts
folgen führt. Soweit mangels Relevanz nichts anderes vermerkt, werden nachfol
ge
nd der Einfachheit halber
die gesetzlichen Bestimmungen in der neuen, ab
1. Januar 2022 geltenden Fassung zitiert.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
2.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2.2
Mit BGE 145 V 215
liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsum
stö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge
sund
heitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen des
halb
keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psy
chischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitt
eln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhän
gig
keitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person aus
wirkt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn f
ür eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
.
b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E.
7).
2.3
2.3.1
Nach Art. 21 Abs. 4 ATSG können Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden, wenn sich eine versicherte Person einer zumut
baren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben entzieht oder widersetzt, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglichkeit verspricht, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesund
heit darstellen, sind nicht zumutbar. Diese Bestimmung ist im Bereich der Invali
denversicherung anwendbar (Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG). Zusätzlich verpflichtet Art. 7 Abs. 1
respektive Art. 7b Abs. 1
IVG die anspruchs
berechtigten Personen unter Hinweis auf die Rechtsfolgen gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG, die Durchführung aller Massnahmen, die zur Eingliederung ins Erwerbs
leben getroffen werden, zu erleichtern (Urteil des Bundesgerichts I 824/06 vom 13. März 2007 E. 2.2). Gemäss Art. 7a IVG gilt jede Massnahme als zumutbar, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Mass
nah
men, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind.
2.3.2
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, die gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers seien in erster Linie durch dessen unkontrollierten Alkoholkonsum verursacht. Es sei davon aus
zugehen, dass der Beschwerdeführer bei Abstinenz seiner bisherigen Arbeit als Koch in vollem Pensum nachgehen könnte.
Mit Schreiben vom 1. September 2021 sei ihm deshalb eine entsprechende Massnahme auferlegt worden. Der Beschwer
deführer befinde sich nun zwar in einer psy
chiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung, die er alle
zwei bis drei Wochen wahrnehme.
Eine kontrollierte Abs
tinenz finde jedoch nicht statt. Damit komme der Beschwerdeführer seiner Mit
wirkungspflicht nicht nach. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass dies auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen sei. Der Beschwerdeführer sei daher so zu stellen, als ob er seiner Mitwirkungspflicht nachkäme. Damit sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Koch auszugehen
(Urk. 2).
3.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor, seit der Änderung der Rechtspre
chung zu den Suchterkrankungen mit BGE 145 V 215 seien Abhängigkeitssyn
drome gleich wie alle anderen psychischen Erkrankungen zu behandeln.
Im vorliegenden Fall sei
das Vorliegen eines
Gesundheitsschaden
s bei ihm
unbestritten. Laut den behandelnden Ärzten der
Klinik Y._
führe seine Suchterkrankung dazu, dass er aktuell bloss in einem geschützten Rahmen zu
50 % arbeitsfähig sei, was einer vollen Arbeitsunfähigkeit gleichzusetzen sei. Die Beschwerdegegnerin hätte daher nach Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens eine Invaliden
rente sprechen müssen. Es stehe ihr natürlich frei, eine
Rentenzusprache
mit einer Auflage zu verbinden. Dabei sei jedoch zu beachten, dass nur Massnahmen verlangt werden könnten, die zumutbar seien und einen positiven Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erwarten liessen. Die Frage der Zumutbarkeit und Zweckmäs
sigkeit einer Alkoholabstinenz habe die Beschwer
degegnerin jedoch nicht geprüft. Im Falle des Beschwerdeführers sei fraglich, ob er überhaupt die notwen
dige Krankheitseinsicht aufbringe
n
könn
e, damit eine Entzugstherapie
er
folgreich sein könne (Urk. 1).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht ohne weiterführende
n
Abklärungen anhand der vorliegenden Akten beurteilte und verneinte.
4.2
Die Beschwerdegegnerin forderte den Beschwerdeführer
mit Schreiben vom
1. September 2021 im Sinne einer
der
Abklärung des Gesundheitsschadens vorge
lagerten Mitwirkungspflicht
(gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG)
zu einer sechsmona
tigen Alkoholabstinenz bei mindestens zweiwöchentlicher psychiatrisc
h-suchtmedizinischer Begleitung
auf.
Sie setzte dem Beschwerdeführer Frist bis zum
30. September 2021, damit er mitteile, wo er die erwähnte Massnahme durch
führe. Mit der Aufforderung verband sie die
Androhung eines Entscheids aufgrund der Akten oder
eines
Nichteintreten
s
(Urk. 9/45)
.
Nachdem sich der Beschwerdeführer innert der ihm angesetzten Frist nicht hatte verlaut
en lassen und die weiteren
Abklärungen der Beschwerdegegnerin ergeben hatten, dass sich der Beschwerde
führer keinem Alkoholentzug
unterzog, fällte sie
androhungs
gemäss einen Sach
entscheid aufgrund der Akten (Urk. 2), mithin ohne detaillierte, weiterführende Abklärung des Leistungsanspruchs.
4.3
Mit ihrem Vorgehen hat die Beschwerdegegnerin die mit dem bundesgericht
lichen Leitentscheid BGE 145 V 215 geänderte Rechtsprechung bei Suchterkran
kungen ignoriert.
Die bisherige Rechtsprechung zu den primären
Suchterkran
kungen bejahte grund
sätzlich die Möglichkeit der Anordnung einer Entzugs
behandlung unter dem Titel der Abklärungsmassnahme, wo es darum
ging, die erwerblichen Aus
wirkungen einer - invaliditätsfremden - primären Abhängigkeit von denjenigen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens abzugrenzen (vgl. Urteil de
s Bundes
gerichts 9C_370/2013 vom 22. November 2013
E. 4.2). Nach geänderter Recht
sprechung sind auch primäre Abhä
ngigkeiten von psychotropen Sub
stanzen als - potenziell - invalidisierende Gesundheits
s
chäden abzuklären
. Wie bei den sekundären Suchtgeschehen ist demnach neu auch bei primären Abhängigkeitssyndromen die Anordnung einer Entzugsbe
handlung im Vorfeld einer Begutachtung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklärungs
verfahren nicht statthaft, würde damit doch die Qualifikation des Sucht
geschehens und seiner erwerblichen Auswirkungen als zum vornherein invalidenversicherungsrechtlich irrelevant u
nd deshalb auszuscheiden vorweg
ge
nommen.
Demgegenüber darf eine En
tzugsbehandlung als Behandlungsmass
nahme - sofern im konkreten Fall zumutbar - un
verändert jederzeit zur Schaden
min
derung
angeordnet werd
en (BGE 145 V 215 E. 8.2,
Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
4.4
Die hier mit Schreiben der IV-Stelle
vom 1. September 2021 (Urk. 9/45)
mitge
teilte Auflage zur Alkoholabstinenz und psychiatris
ch-psychotherapeutischen Behand
lung hätte somit allein als medizinische Behandlungsmassnahme ges
tützt auf die Schadenminderungs
pflicht (Art. 7 und 7b Abs. 1 IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG) erfolgen dürfen. Da die Beschwerdegegnerin diese Anordnung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklärungsverfahren
und
die Leistungsprüfung schliesslich ohne Weiterungen aufgrund
der Akten vornahm, war das Vor
gehen im Lichte der neuesten Rechtsp
rechung nicht zulässig
.
5.
Unzulässig ist auch die Begründung zur verfügten Abweisung des Leistungs
be
gehrens, bei welcher die Beschwerdegegnerin ausgehend von einer Alkohol
absti
nenz auf das F
ehlen einer
relevanten Gesundheitsschädigung schloss (Urk. 2). Denn die grundsätzliche Behandelbarkeit einer Gesundheitsbeeinträchtigung in der Invalidenversicherung schliesst einen Anspruch nicht per se aus (
BGE 143 V 409 E. 4.4, BGE 127 V 294 E. 4b).
Vorliegend lassen die aufliegenden Akten keine abschliessende Beurteilung eines allfälligen Leistungsanspruchs des Beschwerde
führers zu
.
Die Ärzte der Psychiatrischen Universitätsklinik
Z._
_
, wo sich der Beschwerde
führer vom 3. September bis 23. November 2019 stationär aufgehalten hatte, diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
psychische und Verhal
tensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: sonstige psychische und Verhaltensstö
rungen, kognitive Defizite (ICD-10 D10.8) und eine alkoholische L
eberzirrhose. Sie führten aus, dass die Arbeitsfähigkeit
von der Aufrechterhaltung der Alko
holabstinenz abhänge. Nähere Angaben dazu vermochten sie jedoch nicht zu machen (Bericht vom 1. April 2020, Urk. 9/7)
, weshalb
gestützt auf diesen Bericht keine
rechtsgenügliche
Bestimmung der Arbeitsfähigkeit möglich ist. Gleich verhält es sich mit dem Bericht der
Hausärztin Dr. med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 6. Juli 2020, da diese auf die
E
inschätzung der Ärzte der
Klinik Z._
verwies
, wobei sie darüber hinaus festhielt, dass von Seiten der Leberzirrhose eine leichte körperliche Tätigkeit zumutbar sei
(
Urk. 9/1
7/7-9).
Die Ärzte der
Klinik Y._
, wo der Beschwerdeführer vom 16. April bis
1. Juni 2021 stationär behandelt wurde und seit 2. Juni 2021 in ambulanter Be
handlung ist,
gingen
im Bericht vom 27. September 2021
von psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2), einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0), leichten kognitiven Störungen am ehesten im Rahmen des Abhängigkeitssyndroms, einer Leberzirrhose Child B, einem Status nach Lues Stadium II, einer arteriellen Hypertonie, einem essentiel
len Tremor, eine
r chronischen Diarrhoe und einer
erosiven
Bulbitis
duodeni
aus
. Sie betonten, dass keine Abstin
enzkontrolle durchgeführt werde
. Der Beschwer
deführer mache keinen Alkoholentzug und sei nicht abstinent. Sie hielten die Ausübung einer Tätigkeit in einem geschützten Arbeitsplatz oder in einer ange
passten Tätigkeit bis zur vier Stunden im Tag für möglich (Urk. 9/48; vgl. auch
Urk. 9/42/1-6, Urk. 9/44
)
. Dazu ist festzuhalten, dass unklar ist, was nun gilt, da eine Arbeitsfähigkeit an einem geschützten Arbeitsplatz einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht gleichzusetzen ist.
Im Lichte dieser Erwägungen ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen ungeklärt, weshalb die Sache zu weiteren
Abklärungen an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen ist. Anzumerken ist, dass wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen
(grundsätzlich)
ein strukturiertes Beweisverfahren zu erfolgen hat (B
GE 145 V 215). Schliesslich wird
zu prüfen sein, ob eine Schaden
minderungspflicht aufzuerlegen, zumutbar und verhältnismässig ist.
6.
Nach dem Gesagten kann bei gegebener Akten- und Rechtslage nicht abschlies
send über die Fragen eines allfälligen Anspruchs des Beschwerdeführers auf Leis
tungen der Invalidenversicherung entschieden werden. Die angefochtene Verfü
gung vom
18. Januar 2022
(Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zu neuem Entscheid zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde folglich gutzuheissen.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Be
schwerdeführer eine
Prozessentschädigung zu bezahlen
.
Diese ist gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
)
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsie
gens zu bemessen und vorliegend auf Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
7.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der u
nent
geltlichen Rechtspflege
gegenstandslos.