Decision ID: 8c659042-b82c-54de-8487-f023d88b7b88
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 reisten am 26. Oktober 2016 bzw. am
30. November 2016 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staa-
ten ein und ersuchten am 26. Februar 2017 erstmals um Asyl in der
Schweiz. Am (...) 2017 wurde die erste Tochter (Beschwerdeführerin 3) in
der Schweiz geboren. Gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wurden die Beschwerdeführenden
1 - 3 am 28. September 2017 zur Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens von der Schweiz nach Italien überstellt (Akten der
Vorinstanz [SEM-act.] 15 f., 56 und 61 [gemäss Aktenverzeichnis vom
31. Oktober 2017]).
B.
Am 22. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer 1 von der Kantonspolizei
E._ angehalten und einvernommen. Dabei ergab sich, dass die Fa-
milie – diesmal mit der zwischenzeitlich am (...) 2018 geborenen zweiten
Tochter (Beschwerdeführerin 4) – am 19. Juni 2020 erneut illegal in die
Schweiz eingereist war. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der «Euro-
dac»-Datenbank ergab, dass sie zuletzt am 10. Oktober 2017 in Italien ein
Asylgesuch gestellt hatte (SEM-act. 4 [hier wie auch im Folgenden gemäss
Aktenverzeichnis vom 10. Dezember 2020]). Im Rahmen des daraufhin
eingeleiteten Dublin-Wegweisungsverfahrens gewährte die Migrationsbe-
hörde des Kantons E._ den Beschwerdeführenden am 22. bzw.
23. Juni 2020 rechtliches Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-
rung eines Asyl- und Wegweisungsverfahrens sowie zur Wegweisung in
diesen Dublin-Mitgliedstaat. Am 21. Juli 2020 ersuchte die Vorinstanz die
italienischen Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden
gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (SEM-act. 5 und 8).
C.
Am 31. August 2020 (Datum Postaufgabe) ersuchten die Beschwerdefüh-
renden zum zweiten Mal um Asyl in der Schweiz (SEM-act. 11). Die Vor-
instanz nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c
AsylG (SR 142.31) entgegen.
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D.
Mit Schreiben vom 4. September 2020 gewährte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführenden rechtliches Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten
Nichteintretensentscheid sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitglied-
staat (SEM-act. 14).
E.
Die Beschwerdeführenden nahmen mit Eingabe vom 30. September 2020
zur geplanten Überstellung nach Italien schriftlich Stellung. Dabei führten
sie aus, ihnen sei zwar nach der Wegweisung aus der Schweiz in Italien
eine «Permesso di Sogiorno – casi speciali» ausgestellt worden. Diese vo-
rübergehende Bewilligung laufe allerdings grundsätzlich nach zwei Jahren
– in ihrem Fall im Oktober 2020 – aus, wenn bis dahin kein Arbeitsvertrag
vorgewiesen werden könnte. Nachdem sie für ein Jahr in einem Flücht-
lingslager untergekommen seien, hätten sie dieses im August 2019 wieder
verlassen müssen. Trotz der Unterstützung der Campleitung sei es ihnen
nicht gelungen, eine Anstellung zu finden. Daraufhin hätten sie zu viert in
einer Einzimmerwohnung gehaust, weil sie sich aufgrund der befristeten
Bewilligung nicht für eine grössere Wohnung hätten anmelden dürfen. Da
die ihnen ausgestellte Bewilligung zudem nicht erneuerbar sei, drohe ihnen
bei einer Rückkehr nach Italien die Ausschaffung in ihre Herkunftsländer.
Zudem würden sie alle an gesundheitlichen Problemen leiden. Deren Be-
handlung sei ihnen in Italien verwehrt geblieben, was sie schliesslich dazu
bewogen habe, in die Schweiz zurückzukehren. Zu den Akten gereicht
wurde ein Arztbericht vom (...) 2020 sowie ein Rezept des Spitals
F._ vom (...) 2020 (SEM-act. 18 und 11). Mit Schreiben vom 8. Ok-
tober 2020 übermittelten die Beschwerdeführenden der Vorinstanz sodann
eine Ergänzung der schriftlichen Stellungnahme inklusive Arztbericht vom
(...) 2020 sowie am 16. Oktober 2020 und am 24. November ärztliche Be-
richte in Bezug auf die beiden Töchter (SEM-act. 22 f. und 27).
F.
Die italienischen Behörden liessen das Wiederaufnahmegesuch der Vor-
instanz innert der Frist von Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO unbeantwortet. Sie
stimmten dem Ersuchen jedoch am 5. Oktober 2020 nachträglich zu
(SEM-act. 19).
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G.
Mit Verfügung vom 1. Dezember 2020 (eröffnet am 3. Dezember 2020) trat
die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asyl-
gesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz nach Italien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz
auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende auf-
schiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton E._ mit dem
Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 28).
H.
Mit Beschwerde vom 9. Dezember 2020 gelangten die Beschwerdeführen-
den an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die vorinstanzli-
che Verfügung sei aufzuheben und ein Asylverfahren in der Schweiz durch-
zuführen, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie
um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie der
unentgeltlichen Rechtspflege (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer-act.] 1).
I.
Am 10. Dezember 2020 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in
elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den
Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(BVGer-act. 2).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die Be-
schwerdeführenden sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen
ist – als offensichtlich begründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung
eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln
ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Wie bereits erwähnt hatten die Beschwerdeführenden
am 10. Oktober 2017 in Italien Asylgesuche gestellt. Das SEM ersuchte die
italienischen Behörden am 21. Juli 2020 um Wiederaufnahme der Be-
schwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Mit der
unterbliebenen Äusserung dazu haben die italienischen Behörden ihre Zu-
ständigkeit stillschweigend anerkannt (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO) und
nachfolgend, mittels Mitteilung vom 5. Oktober 2020, auch bestätigt. Dem-
zufolge ist von einem nach wie vor pendenten Asylverfahren in diesem
Dublin-Mitgliedsstaat auszugehen. Entgegen den Vorbringen der Be-
schwerdeführenden, wonach ihnen in Italien der Zugang zum Asylverfah-
ren aufgrund einer ausgelaufenen Bewilligung nicht garantiert sei, deutet
nichts darauf hin, dass Italien den Grundsatz des Non-Refoulement miss-
achten und sie zwingen könnte, in ein Land auszureisen, in welchem sie
einer Gefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt wären, oder in
dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführenden ist
somit gegeben.
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3.2 Weiter strittig und nachfolgend zu klären ist jedoch, ob vorliegend hin-
reichend konkrete Garantien für eine adäquate, familiengerechte Unter-
bringung der Beschwerdeführenden in Italien vorliegen und damit der im
Nachgang zum Erlass des sog. «Salvini-Dekrets» entwickelten Rechtspre-
chung Nachachtung verschafft wird respektive ob die Vorinstanz eine
rechtsgenügliche Prüfung der Ausübung des Selbsteintrittsrechts nach
Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vorgenom-
men hat.
4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist im als Referenzurteil publizierten Ur-
teil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 zum Ergebnis gekommen, dass
die vonseiten Italiens mittels Formular «Nucleo familiare» abgegebene Zu-
sicherung einer adäquaten Unterkunft seit Inkraftsetzung des sog. Salvini-
Dektrets nicht als Garantie für die Zuweisung einer adäquaten, familienge-
rechten Unterbringung ausreicht. Es verweist dabei auf seine im Zusam-
menhang mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-
rechte (EGMR) i.S. Tarakhel gegen Schweiz ergangene Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2015/4 E. 4.3 und 2016/2 E. 4.3) und hält fest, dass sich die
Situation in Italien seit dem Erlass des sog. Salvini-Dekrets geändert habe.
Gemäss dem Rundschreiben vom 8. Januar 2019, welches Italien an die
übrigen Dublin-Staaten versandt habe, würden fortan alle asylsuchenden
Personen (mithin auch jene, die im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach
Italien überstellt worden seien) in den Erstaufnahmezentren oder in den
Notaufnahmezentren («Centri di accoglienza straordinari» [CAS]) unterge-
bracht (vgl. Urteil E-962/2019 E. 6.2.8). Obwohl im erwähnten Rundschrei-
ben versichert werde, dass in den Erstaufnahme- und Notaufnahmezen-
tren die Einheit der Familie und der Schutz von Minderjährigen gewährleis-
tet sei, könne im blossen Verweis auf dieses Rundschreiben keine hinrei-
chend konkrete Garantie im Sinne der Tarakhel-Rechtsprechung erblickt
werden; es sei genauer zu überprüfen, ob es sich bei der in Italien zuge-
wiesenen Unterkunft um eine familiengerechte Unterbringung handle und
ob der Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung gewährleistet sei
(vgl. Urteil E-962/2019 E. 8.3.3). Weder ein Verweis auf das Rundschrei-
ben vom 8. Januar 2019 noch die Bestätigung, dass in den Erstaufnahme-
und Notaufnahmezentren Räume für Familien reserviert seien, vermöchten
den Anforderungen zu genügen. Das SEM sei daher gehalten, weiterge-
hende Zusicherungen einzuholen. Ohne detaillierte und verlässliche Infor-
mationen betreffend die Unterbringungsverhältnisse, den Schutz der Ein-
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heit der Familie und die Gewährleistung der nötigen medizinischen Versor-
gung im Einzelfall sei eine Überstellung nicht zulässig, weil damit das Ri-
siko einer Verletzung von Art. 3 EMRK einhergehe (vgl. Urteil E-962/2019
E. 8.3.4)
4.2 Vorliegend erachtet die Vorinstanz eine Überstellung der Beschwerde-
führenden nach Italien als zulässig. Die italienischen Behörden hätten be-
reits im Februar 2020 Massnahmen ergriffen, um die Qualität der Aufnah-
mebedingungen und der in den Zentren angebotenen Dienstleistungen
landesweit zu vereinheitlichen. Am 24. April 2020 hätten sie der Schweiz
eine Liste mit Aufnahmeeinrichtungen für asylsuchende Familien übermit-
telt. In diesen Einrichtungen würden Familien untergebracht, die im Dublin-
Verfahren überstellt würden. Die in der Liste aufgeführten Zentren seien in
der Regel klein und ausschliesslich für die Aufnahme von Familien und al-
leinstehenden Frauen vorgesehen. Des Weiteren sei am 22. Oktober 2020
ein neues Dekret (Nr. 130 vom 21. Oktober 2020) für die Dauer von 60
Tagen in Kraft getreten. Es handle sich dabei um eine Modifikation des
sog. Salvini-Dekrets, mit der einige zuvor abgeschaffte Dienstleistungen
wiedereingeführt würden. Das italienische Parlament müsse dieses in der
genannten Zeit in ein Gesetz umwandeln. Schliesslich hätten die italieni-
schen Behörden die Beschwerdeführenden in ihrer Mitteilung vom 5. Ok-
tober 2020 (Formular «Nucleo familiare») explizit namentlich erwähnt. Es
sei daher von deren adäquater Unterbringung in Italien auszugehen. Auch
lägen keine Hinweise vor, wonach der Zugang zu notwendiger medizini-
scher Behandlung in Italien nicht gewährleistet wäre.
4.3 Die Beschwerdeführenden wenden dagegen in ihrer Rechtsmittelein-
gabe vom 9. Dezember 2020 im Wesentlichen ein, es lägen seitens der
italienischen Behörden keine hinreichend konkreten Garantien dafür vor,
dass sie nach einer Überstellung eine familiengerechte Unterbringung er-
halten würden. Zudem seien in der Schweiz noch medizinische Abklärun-
gen ausstehend.
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass der Einwand der Beschwerdeführenden betreffend ungenü-
gender Zusicherungen seitens Italiens berechtigt ist. Massgeblich für die
Beurteilung ist die Situation im heutigen Zeitpunkt. Das vom SEM erwähnte
Gesetzesdekret Nr. 130/2020 zur Modifikation zentraler Bestimmungen
des sog. Salvini-Dekrets wurde zwar zwischenzeitlich am 18. Dezember
2020 durch das italienische Parlament verabschiedet und ist am 20. De-
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zember 2020 definitiv in Kraft getreten. Derzeit noch unbekannt ist aller-
dings die künftige Umsetzung dieser Gesetzesänderungen durch die itali-
enischen Behörden. Mangels Kenntnis der neuen Praxis wendet das Bun-
desverwaltungsgericht demzufolge zum heutigen Zeitpunkt nach wie vor
die im Urteil E-962/2019 entwickelte Rechtsprechung an. Die von der Vor-
instanz exemplarisch aufgeführten Verbesserungsmassnahmen, welche
die italienischen Behörden seit Februar 2020 für die Unterbringung von
Asylsuchenden vorgenommen hätten, vermögen daran noch nichts zu än-
dern (vgl. auch Urteile des BVGer D-6060/2020 vom 14. Dezember 2020
E. 4.4.4; D-5952/2020 vom 4. Dezember 2020 E. 5.4; F-4872/2020 vom
5. November 2020 E. 4.2).
4.5 Das SEM ist daher nach wie vor gehalten, weitergehende Zusicherun-
gen von den italienischen Behörden einzuholen. Die seitens Italiens mittels
Formular «Nucleo familiare» vom 5. Oktober 2020 erfolgte Anerkennung
der Beschwerdeführenden als Familieneinheit und die abgegebene Zusi-
cherung ihrer Unterbringung in einem Aufnahmezentrum gemäss der Auf-
listung vom 24. April 2020 und im Sinne des Rundschreibens vom 8. Ja-
nuar 2019 vermag angesichts des vorstehend dargelegten Hintergrunds
zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu genügen. Allein der Verweis auf eine Liste
mit Unterkünften, die den Bedürfnissen von Familien generell gerecht wür-
den, stellt keine hinreichende Garantie im Sinne der Tarakhel-Rechtspre-
chung dar. Es kann daher im heutigen Zeitpunkt nicht von einer rechts-
genüglichen Abklärung des Sachverhalts im Hinblick auf die Anwendung
der Souveränitätsklausel gesprochen werden. Das SEM hätte auf den vor-
liegenden Einzelfall bezogen prüfen müssen, ob es in Würdigung der kon-
kreten Umstände tatsächlich angezeigt ist, auf den Selbsteintritt zu verzich-
ten.
4.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachver-
halt im Hinblick auf die Anwendung der Souveränitätsklausel nicht rechts-
genüglich abgeklärt hat und ihrer Pflicht zur Ermessensausübung nicht
nachgekommen ist.
5.
Die Beschwerde erweist sich demnach als offensichtlich begründet. Sie ist
gutzuheissen, die Verfügung vom 1. Dezember 2020 ist aufzuheben und
die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
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6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG). Den vertretenen Beschwerdeführenden ist ange-
sichts ihres Obsiegens gestützt auf Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der
Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Man-
gels Kostennote ist die Entschädigung vorliegend von Amtes wegen und
aufgrund der Akten pauschal auf Fr. 800.– festzusetzen (Art. 8 ff. VGKE;
Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erweisen sich
folglich als gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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