Decision ID: c5037433-5487-5d29-afc0-59a14411c5f2
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 28. August 2016 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 12. September
2016 angab, er sei ethnischer Tadschike, stamme aus der Provinz
B._ und sei im Kleinkindalter mit seiner Familie nach Kabul gezogen,
wo er bis zu seiner Ausreise wohnhaft gewesen sei,
dass er beruflich Musikaufnahmen für Mobiltelefone programmiert und Af-
ghanistan wegen der unsicheren Sicherheitslage verlassen habe (Selbst-
mordattentat in unmittelbarer Nähe seines Arbeitsplatzes, abendliche
Raubüberfälle durch vermummte Personen),
dass er anlässlich der Anhörung vom 6. Juli 2017 geltend machte, neben
seiner Tätigkeit am Computer sei er als Supervisor beim Gesundheitsamt
tätig und im Rahmen von Impfprojekten unterwegs gewesen, wobei er von
ungebildeten Leuten unter dem Vorwurf, mit den Ausländern zusammen-
zuarbeiten und den Kindern Gift zu spritzen, bedroht worden sei,
dass Ende des Jahres 2015 bei einem Selbstmordattentat in unmittelbarer
Nähe seines Arbeitsplatzes sein Laptop mit dem ihm vertrauten Material
seiner Kunden (Fotos und Dateien) verschwunden sei,
dass in der Folge einige Kunden sehr erbost über den Verlust gewesen
seien und er kurz nach dem Attentat von einer Gruppe von Männern – ver-
mutlich Taliban – beschuldigt worden sei, Fotos weiblicher Familienange-
höriger im Internet veröffentlicht zu haben,
dass er unter Gewaltanwendung dazu aufgefordert worden sei, die Bilder
zu löschen, worauf er bis zu seiner Ausreise im Verborgenen gelebt habe,
dass ein Tag vor seiner Ausreise sein Bruder verschwunden und vermutlich
entführt oder getötet worden sei,
dass das SEM mit Verfügung vom 28. Juli 2017 das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers vom 28. August 2016 abwies, dessen Wegweisung aus
der Schweiz anordnete und den Vollzug als zulässig, zumutbar und mög-
lich erachtete,
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dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4871/2017 vom 6. August
2018 die gegen den Entscheid des SEM vom 28. Juli 2017 erhobene Be-
schwerde abwies, womit dieser in Rechtskraft erwuchs,
dass es dabei in Bestätigung der vorinstanzlichen Ausführungen die erst-
mals anlässlich der Anhörung geltend gemachten Vorbringen, vermutungs-
weise von Taliban bedroht worden zu sein, als nicht glaubhaft erachtete,
dass es auch die weiteren Vorbringen in der Replik, seine Eltern und Ge-
schwister seien von seinen angeblichen Verfolgern bedroht worden und
hätten deshalb fliehen müssen, in Zweifel zog,
dass der Beschwerdeführer mit als Mehrfachgesuch beziehungsweise
Wiedererwägungsgesuch bezeichneter Eingabe vom 24. Januar 2019
mehrere Dokumente samt Übersetzung einreichte (zwei Drohbriefe der Ta-
liban vom 19. Juni 2017 [im Original] und vom 1. April 2018 [in Kopie], zwei
offenbar undatierte behördliche Bestätigungsschreiben im Original und in
Kopie, Fotografie, Referenzschreiben) und um Wiedererwägung des ab-
lehnenden Asylentscheides ersuchte,
dass das SEM mit Entscheid vom 25. Februar 2019 (Eröffnung am 26. Feb-
ruar 2019) diese Eingabe als Wiedererwägungsgesuch entgegennahm
und abwies, seine Verfügung vom 28. Juli 2017 als rechtskräftig und voll-
streckbar erklärte und eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– erhob,
dass es im Weiteren feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine
aufschiebende Wirkung zu,
dass der Beschwerdeführer mit auf den 11. März 2019 datierter, zuhanden
der schweizerischen Post am 13. März 2019 aufgegebener Eingabe an das
Bundesverwaltungsgericht gegen diese Verfügung Beschwerde erhob, wo-
bei er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Erteilung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde im Sinne einer vorsorglichen Massnahme und
unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG er-
suchte,
dass der zuständige Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom
18. März 2019 den Vollzug der Wegweisung provisorisch aussetzte,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht gilt (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass in Anwendung von Art. 111 Abs. 1 AsylG auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet wurde,
dass sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet erweist und im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),
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dass das Wiedererwägungsverfahren im Asylrecht spezialgesetzlich gere-
gelt ist (Art. 111b ff. AsylG) und ein entsprechendes Gesuch dem SEM in-
nert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen ist,
dass sich im Übrigen das Verfahren nach den revisionsrechtlichen Bestim-
mungen von Art. 66–68 VwVG (aArt. 111b Abs. 1 AsylG) richtet,
dass das Wiederwägungsgesuch in seiner praktisch relevantesten Form
die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung aufgrund einer
nachträglich eingetretenen erheblichen Veränderung der Sachlage be-
zweckt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 21 E. 1 S. 202 ff.) und gemäss herr-
schender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts aus Art. 29 BV
unter bestimmten Voraussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch
auf Wiedererwägung abgeleitet wird (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f.
m.w.H.),
dass danach auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten ist, wenn sich
der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid be-
ziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechts-
mittelinstanz in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüng-
liche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretenen Veränderungen
der Sachlage anzupassen ist,
dass, falls die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb oder ein ein-
geleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid ab-
geschlossen wurde, auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiederer-
wägung begründen (zum sogenannten «qualifizierten Wiedererwägungs-
gesuch» vgl. etwa EMARK 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. m.w.H.),
dass ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung Beweismittel geprüft
werden können, die erst nach einem materiellen Beschwerdeentscheid des
Bundesverwaltungsgerichts entstanden sind und daher revisionsrechtlich
nicht von Relevanz sein können (vgl. BVGE 2013/22 E. 12.3),
dass der Beschwerdeführer zum Nachweis der im Beschwerdeverfahren
unbewiesen gebliebenen Tatsache der Bedrohungen durch Taliban und die
daraus folgende Flucht (auch seiner Familienangehörigen nach seiner ei-
genen Ausreise) zwei Drohbriefe vom 19. Juni 2017 und vom 1. April 2018
sowie zwei behördliche Bestätigungsschreiben, deren Datierung sich nicht
aus der miteingereichten Übersetzung ergibt, einreichte,
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dass hinsichtlich der Drohbriefe vom 19. Juni 2017 und vom 1. April 2018
festzuhalten ist, dass diese nachweislich noch vor dem materiellen Be-
schwerdeentscheid vom 6. August 2018 stammen und es sich somit um
nachträglich entdeckte Beweismittel, also eigentlich um einen Revisions-
grund, handelt,
dass die Frage, ob das SEM unter diesen Umständen gehalten gewesen
wäre, die Eingabe vom 24. Januar 2019 vorab dem Bundesverwaltungs-
gericht zur Behandlung unter revisionsrechtlichen Aspekten zu überwei-
sen, indessen offengelassen werden kann, da, wie nachstehend aufge-
zeigt, die genannten Drohbriefe wie ebenso die behördlichen Bestäti-
gungsschreiben unbekannten Datums nicht geeignet sind, zu einem für
den Beschwerdeführer günstigeren Entscheid zu führen,
dass folglich keine neuen entscheidenden Beweismittel im Sinne des Re-
visionsgrundes von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vorliegen (vgl. MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl. 2013, S. 307 f. Rz. 5.51),
dass die Beweiskraft der nur teils im Original vorhandenen Beweismittel
(Drohbriefe, Bestätigungsschreiben) aufgrund ihrer fraglichen Beschaffen-
heit (fehlende Nasstempel, teils Stempel unleserlich) vor dem Hintergrund
der offensichtlichen Unglaubhaftigkeit als gering einzustufen ist, zumal
nicht einsehbar ist, weshalb sich die Taliban erst Jahre nach der Ausreise
des Beschwerdeführers schriftlich an diesen wenden sollten,
dass auch völlig unklar bleibt, wie der Beschwerdeführer in den Besitz des
Schreibens gekommen sein soll,
dass unabhängig von der Frage der Authentizität die eingereichten behörd-
lichen Bestätigungsschreiben lediglich die Aussagen von Drittpersonen
wiedergeben und daher nicht geeignet sind, den geltend gemachten Inhalt
zu belegen,
dass aus der eingereichten Fotografie, welche den verstorbenen Onkel des
Beschwerdeführers zeigen soll, mangels erforderlicher Angaben im Wie-
dererwägungsgesuch nicht hervorgeht, inwiefern diese der Stützung der
Vorbringen des Beschwerdeführers dienen könnte,
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dass aufgrund der geringen Beweiskraft der eingereichten Beweismittel
entgegen der Auffassung in der Beschwerde kein Anlass für das SEM be-
stand, weitere Sachverhaltsabklärungen zu tätigen,
dass sich die übrigen Argumente in der Beschwerde in blossen Behaup-
tungen und einer Wiederholung der bereits im Rahmen des vorangegan-
gen Asylverfahrens geltend gemachten Vorbringen erschöpfen,
dass aufgrund der Tatsache, dass sich die Angaben, wonach seine Familie
aus Kabul in die umliegenden Berge geflohen sei und er mit ihr keinen
Kontakt mehr habe, bereits im Rahmen des vorangehenden Asylverfah-
rens als unglaubhaft erwiesen hatten und vom Beschwerdeführer auch in
seinem Wiedererwägungsgesuch nicht nachgewiesen werden konnten,
auch im jetzigen Zeitpunkt aufgrund begünstigender Umstände von der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers nach Kabul
auszugehen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig oder vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie auf
Erlass des Kostenvorschusses mit dem Entscheid in der Hauptsache ge-
genstandslos werden,
dass die Beschwerde im Zeitpunkt der Einreichung als aussichtslos er-
schien, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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