Decision ID: 82e30288-bb68-4b61-8745-ef3b4a40c770
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die im Jahre
2014
geborene
X._
leidet seit Geburt an einer genera
lisierten Epilepsie unklarer Ursache sowie an einer globalen Entwicklungsstörung. Sie reiste am 1
2.
Februar 2020 aus Syrien in die Schweiz ein und meldete sich im Zusammenhang mit den bestehenden Beschwerden am
2.
Juli 2020 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug
einer
Hilf
losenentschädigung an (
Urk.
7/2). Diese klärte in der Folge den Sachverhalt vor Ort ab (Abklärungsbericht vom 2
7.
November 2020,
Urk.
7/30). Mit Vorbescheid vom
3.
Dezember 2020 stellte die IV-Stelle die Ausrichtung einer Entschädigung
wegen mittlerer Hilflosigkeit
ab
1.
Februar 2020
in Aussicht (
Urk.
7/31) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
4.
Februar 2021 fest (
Urk.
7/45 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am
8.
April 2021 Beschwerde und beantragte, es sei
en
der
Versicherten
eine Hilflosenentschädigung
wegen Hilf
losig
keit
schweren Grades sowie ein Intensivpflegezuschlag zuzusprechen. Weiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der
Vertreterin der Versicherten
mit Verfügung vom 1
0.
Mai 2021 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des
Bun
desgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenent
schä
digung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen
einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dau
ernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung; IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverricht
ungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
•
Ankleiden, Auskleiden;
•
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
•
Essen;
•
Körperpflege;
•
Verrichtung der Notdurft;
•
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Ab
gabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.3
Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
Dauernd im Sinne von
Art.
9 ATSG hat nicht die Bedeutung von «rund um die Uhr», sondern ist als Gegensatz zu vorübergehend zu verstehen (BGE 107 V 136; ZAK 1990 S. 46 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts I 431/05 vom 13. Oktober 2005 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4
Für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird die Hilflosenentschädigung gemäss Art. 42
ter
Abs. 3 IVG um einen Intensivpflege
zuschlag erhöht. D
er monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem inva
lidi
tätsbedingten Betreuungsaufwand von mindestens 8 Stunden pro Tag 100
%
,
bei einem solchen von m
indestens 6 Stunden pro Tag 70 %
und bei einem solchen von mindestens 4 Stunden pro Tag 40
%
des Höchstbetrages der Altersrente nach Artikel 34
Abs.
3 und 5
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassen
en
versicherung
(AHVG)
. Der Zuschlag berechnet sich pro Tag.
Gemäss Art. 39 IVV ist als Betreuung der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters anrechenbar. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medi
zi
nische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs. 2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden ange
rechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Abs. 3).
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch Rz
.
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV,
KSIH, gültig ab 1. Januar 2015
, Stand 1. Januar 2021
).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Dia
gnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswir
kungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizini
schen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die An
gaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliess
lich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Ent
scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit
unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
gestützt auf die Abklärung vor Ort davon auszugehen sei, die
Versicherte
weise
in fünf Bereichen eine Hilflosigkeit auf. Im Bereich Aufstehen, Absitzen, Abliegen bestehe keine Hilflosigkeit. Bezüglich der nächtlichen Ruhestörungen würden keine ärztlichen Berichte vorliegen, zudem seien auch keine therapeutischen Schritte eingeleitet worden, sodass eine deutlich über der Norm liegende Betreu
ung oder Zuwendung nicht ausgewiesen sei. Zutreffend sei, dass die
Versicherte
überwacht werden müsse; eine besonders intensive Überwachung sei demgegen
über nicht nötig (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der
Versicherten
im Wesentlichen geltend, dass
auch im Bereich Aufstehen, Absitzen, Abliegen von einer ständigen Präsenz und Kontrolle und damit von einem regelmässigen erheblichen Hilfebedarf aus
zu
gehen sei. Eine Hilfsbedürftigkeit sei dabei auch gegeben, wenn eine versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber aus
führen könne, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn sie sich selber überlassen wäre (
Urk.
1 S.
6 f.
). Weiter sei auch bezüglich der Einschlafrituale sowie der Schlafstörungen von einem erheblichen Mehrauf
wand auszugehen
, sodass insgesamt von einer Hilflosigkeit schweren Grades aus
zugehen sei (S. 8 f.). Aufgrund des fehlenden Gefahrenbewusstseins sowie der immer wiederkehrenden totalen Absenzen sei in der Betreuung eine überdurch
schnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige Interventionsbereitschaft gefor
dert,
sodass die Voraussetzungen für einen Intensivpflegezuschlag erfüllt seien (S. 11).
3.
3.1
Die für den Bericht des
Kinderspitals A._
vom 2
7.
Oktober 2020 verantwort
lichen Fachärzte gingen von den folgenden Diagnosen
aus
:
-
Guanidinoacetat
-Methyltransferase (GAMT)
Defizien
z
(Kreatin Stoff
wechsel), ED 06/2020
-
Fehlender
Kreatinpeak
in der MRI Spektroskop
i
e vom
8.
Juni 2020
-
Erhöhtes
Guanidinoacetat
im Urin und Plasma, erniedrigtes Kreatin
-
Globale Entwicklungsstörung, fehlende expressive Sprache
-
Unklares Hörvermögen
-
Cerebrale
Bewegungsstörung
-
Generalisierte Epilepsie (EM ca. 2015); Serien von generalisierten tonisch-klonische
n
Anfällen im Rahmen von Fieber und zuletzt bei Medikamentenauslassung am
1.
Mai 2020; atypische Absenzen seit 2019
;
Levetira
c
etam
seit 2015,
Ethosuximid
seit 05/2020
-
Substitution mit Kreatin und
Ornithin
seit Mitte 06/2020
-
Status nach SHT ca. 05/2019 (Libanon)
-
Anamnestisch mehrere kleine Hirnblutungen
-
cMRI
vom
8.
Juni 2020: oberflächliche Blut
ungs
residuen links frontal und rechts parietal
Die
Versicherte
leide an einer schweren Entwicklungsstörung mit stark einge
schränkten Kommunikationsmöglichkeiten sowie autistische
n
Verhaltens
weisen; es bestehe ein steter Betreuungs- und Unterstützungsbedarf bei allen Alltags
akti
vitäten.
Durch die Substitution von Kreatin und
Ornithin
sei eine Stabili
sie
rung
des Entwicklungsdefizits und womöglich der Epilepsie zu erwarten (
Urk.
7/21 S. 5-7
).
3.2
Die Abklärungsperson der IV-Stelle führte in ihrem Abklärungsbericht v
om 2
7.
November 2020 aus, dass die notwendige Unterstützung im Bereich An- und Auskleiden seit März 2017 (3 Jahre) nicht mehr altersentsprechend und ein Mehr
aufwand von 20 min anzurechnen sei. Im Bereich Aufstehen, Absitzen, A
bliegen könne aufgrund des erlernten freien Gehens ab Juni 2016 von einer Selbstän
dig
keit ausgegangen werden. Im Bereich Essen weise die
Versicherte
eine deutliche Retardierung auf, dieser Bereich sei ab 18 Monaten und damit per September 2015 anzuerkennen. Aufgrund der familienüblichen Präsenz am Tisch ergebe sich kein Mehraufwand. Bei der Körperpflege sei von einem nicht altersentsprechen
den Mehraufwand in der Höhe von 17 min auszugehen. Bezüglich der Verrich
tung der Notdurft
sei das Tragen von Windeln nicht mehr altersentsprechend
,
was ab März 2017 (3 Jahre) zur Anrechnung eines Mehraufwandes in der Höhe von 35 min führe. Der Bereich Fortbewegung könne per März 2019 aufgrund der Retardierung im Bereich Kommunikation anerkannt werden. Aufgrund der Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen sei weiter von einem Mehraufwand von 5 min pro Tag auszugehen, was zu einem anrechenbaren Mehraufwand in der Höhe von
insgesamt
77 min führe. Weiter benötige die
Versicherte
ab März 2018 eine nicht altersentsprechende Überwachung, welche mit 2 Stunden pro Tag zu berücksichtigen sei und zu einem Gesamtmehraufwand von 3 Stunden und 17 M
inuten führe (
Urk.
7/30).
3.3
B._
, Fachleitung
C._
Heilpädagogische Schule der
Stadt D._
, führte in seinem Bericht vom
2.
Februar 2021 aus, da
ss bei der
Versicherten
für das
Hinsetzen, Aufstehen, sich ins Bett legen oder vom Bett aufstehen verbale Aufforderungen stets nötig seien, meistens kombiniert mit Gebärden. Sie sei bei diesen Handlungen stark auf aktive Begleitung angewiesen, da sie diese nicht alleine ausführen könne.
Weiter sei
en
bei der
Versicherten
eine überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit sowie eine ständige Interventionsbereitschaft erforderlich, weshalb in der Schul
e eine 1 zu 1 Betreuung bestehe. Die Betreuungsperson müsse sich permanent in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten, da sie an Epilepsie leide und unter anderem
noch kein Verständnis für Gefahren habe; ebenso sei di
e 1 zu 1 Betreuung wichtig
, da
sie ansonsten weglaufen würde
(
Urk.
7/43).
4.
4.1
Unbestritten und durch die Ausführungen im Abklärungsbericht erstellt ist vorlie
gend, dass die
Versicherte
in den Bereichen An- und Auskleiden, Essen, Körper
pflege, Verrichten der Notdurft sowie bei der Fortbewegung
regelmässig in erheb
licher Weise auf d
ie Hilfe Dritter angewiesen ist; weiter bedarf sie der per
sön
lichen Überwachung (vgl.
Urk.
7/30).
Eingehend zu prüfen bleibt dabei, wie es sich im Bereich Aufstehen, Absitzen und Abliegen verhält und ob ein Intensivpflegezuschlag auszurichten ist.
4.2
Für die Hilfsbedürftigkeit in einer Lebensverrichtung mit mehreren Teilfunktio
nen ist
nicht verlangt, dass die versi
cherte Person bei allen od
er bei der Mehrzahl dieser Teil
funktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr genügt es, wenn sie bei einer dieser Teilfunktionen r
egelmässig in erhebli
cher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist (BGE 117 V 146
E. 2
).
Indirekte Hilfe von Drittpersonen ist dabei gegeben, wenn eine versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funk
tions
mässig selber ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_809/2015 vom 1
0.
August 2016 E. 5.1.1 mit weiteren Hinweisen).
Im Rahmen der Abklärung vor Ort konnte die Fachperson feststellen, dass die
Ver
sicherte
beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen selbständig ist (Urk. 7/30 S. 2)
.
Anzumerken ist dabei, dass verbale Aufforderungen sich hinzusetzen oder auf
zustehen, sich ins Bett zu legen oder vom Bett aufzustehen nicht als erheblich eingestuft werden, sofern die Handlung nicht aktiv begleitet werden muss (
KSIH
Rz. 8016.1). Bei der
Versicherten
ist von stark eingeschränkten Kommunikations
möglichkeiten auszugehen (
Urk.
7/21 S. 6); sie spreche bis heute nicht und die Eltern hätten den Eindruck, dass ihre Tochter sie nicht verstehe
(
Urk.
7/30 S. 4).
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ausführungen von Herrn
B._
, dass die
Versicherte
bei diesen Handlungen stark auf eine aktive Begleitung ange
wiesen ist, ohne weiteres nachvollziehbar.
Es erscheint überwiegend wahrschein
lich, dass allein mit verbalen Aufforderungen die fraglichen Handlungen nicht ausgeführt werden.
Aufgrund des Alters des Kindes ist dabei
auch in diesem Bereich
von einem regelmässigen und erheblichen M
ehraufwand auszugehen.
Damit ist die
Versicherte
nun in allen Bereich regelmässig und erheblich auf Dritthilfe angewiesen; da sie zudem der persönlichen Überwachung bedarf, ist ab
dem
1.
Februar 2020 ein Leistungsanspruch bei schwerer Hilflosigkeit ausgewie
sen
(E. 1.3)
.
4.3
Bezüglich des Überwachungsaufwand
es
stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf eine telefonische Auskunft von Herrn
B._
vom 2
7.
Novem
ber 2020 (
Urk.
7/44 S. 2,
Urk.
7/30 S. 1).
Eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene mündliche bezie
hungsweise telefonische Auskunft stellt nur insoweit ein zulässiges und taugli
ches Beweismittel dar, als damit bloss Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden. Sind aber Auskünfte zu wesentlichen Punkten des rechtserheblichen Sachverhaltes einzuholen, kommt grundsätzlich nur die Form einer schriftlichen Anfrage und Auskunft in Betracht. Werden Auskunfts
personen zu wichtigen
tatbeständlichen
Punkten dennoch mündlich befragt, ist eine Einvernahme durchzuführen und darüber ein Protokoll aufzunehmen. In der Regel ist dem Betroffenen überdies Gelegenheit zu geben, der Einvernahme bei
zuwohnen (BGE 117 V 282).
Die von der Beschwerdegegnerin festgehaltenen mündlichen Auskünfte von Herrn
B._
zum anfallenden Überwachungsaufwand stellen bei der Beurteilung des Intensivpflegezuschlags ein entscheidendes Beweismittel dar. Vor diesem Hinter
grund vermag allein die schriftliche Stellungnahme vom
2.
Februar
2021
(Urk. 7/43
)
die Beweisanforderungen zu erfüllen.
Aufgrund der von Herrn
B._
in seinem Bericht vom
2.
Februar 2021 gemachten Ausführungen sowie der Tat
sache, dass die verbale Kommunikation mit der
Versicherten
kaum möglich ist, muss von einer besonders intensiven persönlichen Überwachung ausgegangen werden (vgl. auch KSIH Rz. 8079). Dies führt zu einer Anrechnung einer täglichen Betreuungszeit von 4 Stunden
(E. 1.4)
.
Hinsichtlich des geltend gemachten Aufwandes im Zusammenhang mit dem Ein- und Durchschlafen ist anzumerken, dass Schlafrituale
grundsätzlich
keine Hilf
losigkeit begründen. Der in der Nacht anfallende Betreuungsaufwand ist bei der persönlichen Überwachung anzurechnen (KSIH Rz. 8016.2, Rz. 8017).
Nachdem
nun ohnehin von einer besonders intensiven persönlichen Überwachung ausge
gangen wird, sind die geltend gemachten Aufwände in diesem Rahmen bereits abgegolten, was im Bereich Aufstehen, Absitzen, Abliegen nicht zur Anrechnung eines weitergehenden Aufwands führt. Die Beschwerdegegnerin wies zudem zu Recht darauf hin, dass die geltend gemachten Schlafstörungen bislang nicht fach
ärztlich dokumentiert sind (vgl.
Urk.
7/44 S. 2).
Insgesamt ergibt sich damit ein Mehraufwand in der Höhe von 5 Stunden und 17 Minuten. Dazu kommt ein geringer Mehraufwand aufgrund der Begleittätigkeiten beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen. Dabei ist nur die Hilfstätigkeit im eigent
lich Sinn anzurechnen, eine nachfolgende Kontrolle, ob die
Versicherte
bei
spiels
weise auch im Bett bleibt, wird von der intensiven persönlichen Überwachung abgegolten. Selb
st wenn man grosszügig von einem
täglichen Mehraufwand von 30 min ausginge
, würde der Gesamtaufwand die weitere anspruchsrelevante Schwelle von 6 Stunden nicht übersteigen. Vor diesem Hintergrund ist ein An
spruch auf einen Intensivpflegezuschlag bei einem
invaliditätsbedingten Betreu
ungsaufwand
von mindestens 4
,
aber weniger als 6 Stunden ausgewiesen.
4.4
Zusammenfassend führt dies in Gutheissung der Beschwerde zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie zur Feststellung, dass die
Versicherte
ab dem
1.
Februar 2020 einen Anspruch auf Leistungen bei schwerer Hilflosigkeit sowie auf einen Intensivpflegezuschlag bei einem
invaliditätsbedingten Betreuungsauf
wand
von mindestens 4
,
aber weniger als 6 Stunden hat.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch betreffend Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gegenstandslos.