Decision ID: 49b13089-4b06-4a44-becd-5cdbfeabc480
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1973, war vor seiner Arbeitslosigkeit als B._ tätig.
Am 26. August 2019 meldete er einen Anspruch auf
Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang vom 100 % ab selbigem
Datum an.
2. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 lehnte die Arbeitslosenkasse
Graubünden (nachfolgend Arbeitslosenkasse) den Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung ab, da A._ die erforderliche Beitragszeit
nicht erfüllt habe und der Nachweis eines Lohnbezuges für die Jahre 2017
bis 2019 fehle.
3. Gegen diese Verfügung der Arbeitslosenkasse erhob A._ am 16.
Oktober 2019 Einsprache. Zur Begründung brachte er vor, dass er seit
September 2017 für die C._ GmbH tätig gewesen sei und dafür
bezahlt worden sei. Diese Tätigkeit sei von der SVA Graubünden
rückwirkend als Festanstellung eingeordnet worden und zwar vom
September 2017 bis einschliesslich April 2019. Daher sei zweifelsfrei
erwiesen, dass er in den vergangenen 24 Monaten mehr als 12 Monate
einer beitragspflichtigen Festanstellung nachgegangen sei und einen
Anspruch auf Entschädigung aus der Arbeitslosenkasse besitze. Dass die
C._ GmbH bisher nicht mitwirke, könne ihm nicht nachteilig
vorgehalten werden. Er habe die C._ GmbH für ausstehende
Zahlungen und sogar wegen der Ausstellung eines Arbeitszeugnisses
gerichtlich in Anspruch nehmen müssen. Auch gegenüber der SVA
Graubünden wirke die C._ GmbH ebenso wenig mit. Ersatzweise
habe er Kontoauszüge bis September des Vorjahres und alle
Abrechnungen vorgelegt, die sich mit den Bescheiden der SVA
Graubünden deckten. Es könne also keine Rede davon sein, dass der
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Lohnfluss nicht belegt wäre. Er habe alles getan, was ihm möglich und
zumutbar gewesen sei. Zudem habe die SVA Graubünden am 20. Juni
2019 auf eine beitragspflichtige Beschäftigung in Festanstellung erkannt,
weshalb die zuvor als selbständig erfasste Tätigkeit rückwirkend als
unselbständige Tätigkeit gelte. Da die hier angefochtene Verfügung vom
15. Oktober 2019 diesem rechtskräftigen Entscheid diametral
entgegenstehe, sei sie zu berichtigen.
4. Mit Entscheid vom 15. Februar 2021 wies das Amt für Industrie, Gewerbe
und Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA) die Einsprache von A._
ab. Zu prüfen sei vorliegend, ob der Einsprecher während der Rahmenfrist
für die Beitragszeit, also vom 26. August 2017 bis zum 25. August 2019
während mindestens 12 Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung
ausgeübt habe. Bis zum heutigen Datum liege für diesen Zeitraum nur
gerade eine Arbeitgeberbescheinigung vor. Diese bestätige dem
Einsprecher eine beitragspflichtige Beschäftigung vom 1. September 2018
bis 31. Dezember 2018. Dem Auszug aus dem individuellen Konto der
AHV-Ausgleichskasse sei zu entnehmen, dass in der Zwischenzeit auch
für die Monate Januar und Februar 2019 eine beitragspflichtige
Beschäftigung abgerechnet wurde. Zusätzliche beitragspflichtige
Beschäftigungen seien dem individuellen Kontoauszug der AHV nicht zu
entnehmen. Damit stehe fest, dass der Einsprecher im relevanten Zeitraum
nur gerade sechs Monate einer beitragspflichtigen Beschäftigung
nachweisen könne. Damit erweise sich die angefochtene Verfügung als
rechtens. Die dagegen erhobene Einsprache sei abzuweisen.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 18. Februar
2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit
dem (sinngemässen) Begehren um Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids und Zusprechung des beantragten
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Arbeitslosentaggeldes. Er habe mit mehr als 12 Monaten Beitragszeit in
den vergangenen 24 Monaten Anspruch auf Taggelder aus der
Arbeitslosenversicherung, weshalb der willkürliche Entscheid des KIGA zu
berichtigen sei.
6. Mit Stellungnahme vom 12. März 2021 beantragte das KIGA (nachfolgend
Beschwerdegegner) dem Gericht die Abweisung der Beschwerde unter
gesetzlicher Kostenfolge. Anknüpfend an die Begründung im
angefochtenen Einspracheentscheid hielt der Beschwerdegegner erneut
fest, der Beschwerdeführer habe laut Auszug aus dem individuellen Konto
der AHV-Ausgleichskasse im relevanten Zeitraum vom 26. August 2017 bis
zum 25. August 2019 für die Beitragsbemessung insgesamt sechs Monate
für die C._ GmbH in St. Moritz gearbeitet, womit die nötige Beitragszeit
von 12 Monaten innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist nicht erreicht und
der Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld zu Recht verneint
worden sei.
7. Ein weiterer Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.
Auf die zusätzlichen Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 15. Februar 2021,
womit er die Einsprache des Beschwerdeführers gegen die Verfügung
vom 15. Oktober 2019 abwies und damit das Begehren des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ablehnte. Nach Art. 1
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Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m.
Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR
837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als
kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100).
1.2. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur
Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b
ATSG) ist daher einzutreten.
1.3. Gemäss Ingress von Art. 61 ATSG i.V.m. Art. 43 Abs. 3 lit. b VRG
entscheidet das Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn ein Rechtsmittel offensichtlich unzulässig oder offensichtlich
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begründet
oder unbegründet ist.
1.4. Inhaltlich umstritten und demnach zu prüfen ist, ob die Ablehnung des
Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung zu Recht erfolgt ist.
2. Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat laut Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG,
wer unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der
Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür
vorgesehenen Rahmenfrist während mindestens 12 Monaten eine
beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Für
den Leistungsbezug und für die Beitragszeit gelten, sofern das Gesetz
nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen (Art. 9 Abs. 1 AVIG).
Nach Art. 9 Abs. 2 AVIG beginnt die Rahmenfrist für den Leistungsbezug
mit dem ersten Tag, für den sämtliche Leistungsvoraussetzungen erfüllt
sind. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem
Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG). Als Beitragsmonat zählt jeder volle
Kalendermonat, in dem der Versicherte beitragspflichtig ist (Art. 11 Abs. 1
AVIV).
2.1. Zunächst gilt es, auf die vom Beschwerdeführer für seinen Standpunkt ins
Recht gelegten Anlagen zu seiner Einsprache vom 16. Oktober 2019
Bezug zu nehmen (vgl. Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 6): Es
handelt sich dabei im Wesentlichen um Belege und Nachweise über
Akontobeiträge für Selbständigerwerbende mit provisorischen
Verfügungen für das Jahr 2017 (September bis Dezember), 2018 (ganzes
Jahr) und 2019 (ganzes Jahr), welche für die Arbeitslosenversicherung
jedoch nicht relevant sind, da die Arbeitslosenversicherung einzig die
Arbeitslosigkeit von unselbständig erwerbenden Arbeitnehmern versichert
(vgl. Art. 8 und Art. 10 AVIG). Auch der Einspracheentscheid der AHV-
Ausgleichskasse vom 20. Juni 2019, welcher die
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sozialversicherungsrechtliche Stellung als unselbständigerwerbende
Person betreffend Tätigkeit im Bereich Kundenakquise gegenüber der
C._ GmbH bestätigt, vermag nicht zu beweisen, dass der
Beschwerdeführer seiner Beitragspflicht im erforderlichen Rahmen
nachgekommen wäre. Gleiches gilt für die im Recht liegenden
betreibungs- und schlichtungsbehördlichen Akten, die eine
Auseinandersetzung mit der C._ GmbH betreffen.
2.2. Die dem angefochtenen Einspracheentscheid zugrundeliegende
Verfügung vom 15. Oktober 2019 verneinte den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung (ALE) nebst der Nichterfüllung der Beitragszeit
auch, weil der Nachweis eines Lohnbezuges nicht vorlag, womit keine
beitragspflichtige Beschäftigung anerkannt wurde (Bg-act. 1).
2.3. Als beitragspflichtig für die Arbeitslosenversicherung gilt, wer nach dem
Gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR
831.10) für Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist
(Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG). Gemäss Praxis über die
Arbeitslosenentschädigung [AVIG-Praxis ALE], gültig ab 1. Januar 2022,
Herausgeber Staatssekretariat für Wirtschaft [SECO], Rz. B144 ist neben
der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung erforderlich, dass
der vereinbarte Lohn auch tatsächlich ausbezahlt worden ist. Obwohl es
sich beim Erfordernis des tatsächlichen Lohnbezuges nicht um eine
Anspruchsvoraussetzung handelt, kommt diesem doch entscheidende
Bedeutung bei der Anerkennung einer beitragspflichtigen Beschäftigung
zu. Für Personen, die vor der Anmeldung zum Bezug von ALE keine
arbeitgeberähnliche Stellung innehatten, gelingt der Nachweis des
Lohnbezuges und damit der beitragspflichtigen Beschäftigung in der Regel
mittels Arbeitgeberbescheinigungen und Lohnabrechnungen. Nicht
entscheidend ist hingegen, ob der Arbeitgeber die
Sozialversicherungsbeiträge tatsächlich an die Ausgleichskasse
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überwiesen hat (AVIG-Praxis ALE Rz. B145; KUPFER BUCHER,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., 2019, S. 59).
2.4. Konkret liegt für den Zeitraum der zweijährigen Rahmenfrist vom 26.
August 2017 bis 25. August 2019 nur eine einzige (undatierte)
Arbeitgeberbescheinigung für den viermonatigen Zeitraum vom 1.
September 2018 bis 31. Dezember 2018 der C._ GmbH im Recht
(Bg-act. 7). Diese Bescheinigung wurde gemäss Beschwerdegegner am
29. November 2019 im Rahmen des Einspracheverfahrens eingereicht
(vgl. Beschwerdeantwort Sachverhalt Ziff. 3 S. 3). Ein tatsächlicher
Lohnbezug des Beschwerdeführers ist nicht belegt, weder durch
Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin C._ GmbH noch durch
Auszüge von Lohnkonti des Beschwerdeführers. Dennoch wurden die vier
Monate September bis Dezember 2018 vom Beschwerdegegner als
Beitragszeit anerkannt. Selbst wenn man die im Auszug aus dem
individuellen Konto der AHV-Ausgleichskasse vom 17. März 2020
aufgeführten weiteren zwei Monate Januar und Februar 2019 (Bg-act. 2)
berücksichtigt – wofür keine Arbeitgeberbescheinigung und weder eine
Lohnabrechnung noch ein Lohnkontoauszug im Recht liegt –, kommt der
Beschwerdeführer auf sechs Beitragsmonate innerhalb der zweijährigen
Rahmenfrist, was noch immer nicht für einen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung reicht, sind doch 12 Beitragsmonate innerhalb
der zweijährigen Rahmenfrist erforderlich (vgl. Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 13
Abs. 1 AVIG).
2.5. Erfüllt ein Versicherter die Beitragszeit nicht, ist zu prüfen, ob er von der
Beitragspflicht befreit war aus Gründen wie Umschulung, Aus- und
Weiterbildung, Krankheit, Unfall, etc. (Art. 14 Abs. 1 AVIG). Solche Gründe
werden vorliegendenfalls nicht geltend gemacht und es findet sich auch
kein Hinweis darauf.
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2.6. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er in den vergangenen
24 Monaten mehr als 12 Monate Beitragszeit aufweise, ist aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht aufgrund der Aktenlage nicht
im Ansatz belegt. Die Verneinung des Anspruchs auf
Arbeitslosenentschädigung ist somit rechtskonform und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 15. Februar 2021 nicht zu beanstanden.
2.7. Die Beschwerde ist offensichtlich unbegründet und damit abzuweisen.
3.1. Nach Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen
Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht
bei solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich
mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Da das
AVIG keine Kostenpflicht statuiert und Mutwilligkeit oder Leichtsinn nicht
vorliegen, sind dem Beschwerdeführer keine Kosten aufzuerlegen.
3.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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