Decision ID: b4792c98-eca9-5532-bd30-69d42622a6e1
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 26. August 2009 an die Schwei-
zerische Botschaft in Colombo suchte die Beschwerdeführerin für sich
und ihre vier minderjährigen Kinder in der Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin aus, sie und ihre Familie sei von Jaffna ins Wanni-Gebiet vertrieben worden. Ihr  sei verhaftet worden, weil er früher bei der „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) aktiv gewesen sei. Er sei gezwungen worden, ehemalige Mitglieder der LTTE zu identifizieren. Ihr Leben und  ihrer Kinder sei in Gefahr.
B. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2009 fragte die Schweizerische Ver-
tretung die Beschwerdeführerin an, ob sie zu einem Interview nach
Colombo reisen könne, und ersuchte sie gleichzeitig, schriftlich darzu-
legen, von wem sie bedroht werde.
C. Innert der angesetzten Frist erklärte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 7. Oktober 2009 (Eingang Schweizerische Botschaft: 10. November 2009), sie könne nach Colombo reisen. Weiter führte sie aus, sie werde von der srilankischen Armee bedroht.
D. Mit Schreiben vom 31. Oktober 2009 (Eingang Schweizerische : 4. November 2009) teilte die Beschwerdeführerin mit, sie halte sich in Colombo auf.
E. Am 30. November 2009 fand die Anhörung zu den Asylgründen durch die Schweizerische Botschaft in Colombo statt. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei tamilischer Ethnie und stamme ursprünglich aus Jaffna. Ihr Ehemann sei bis zum Eingreifen der „Indian Peace Keeping Force“ im Jahre 1998 aktives Mitglied der LTTE gewesen. Im Jahre 2007 sei ihr Gatte von der LTTE  worden. Ihre Familie sei mehrmals innerhalb des Wanni- vertrieben worden und habe sich bis zum Kriegsende dort auf - gehalten. Am 20. Mai 2009 sei sie im F._ Camp von ihrem
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Ehemann getrennt worden, welcher sich der Armee ergeben habe und sich seither in Haft befinde. Sie und die Kinder seien in der Folge ins G._ IDP-Camp überführt worden, in welchem sich Angehörige von inhaftierten mutmasslichen LTTE- Kämpfern aufhalten würden.
Weiter führte die Beschwerdeführerin aus, ihre Schwester sei im Jahre 1990 der LTTE beigetreten. Im Jahre 2004 habe ihre Schwester sie letztmals besucht. Seither habe sie keine Nachricht mehr von ihr. Im Camp in F._ habe sie Bekanntschaft mit einer jungen Frau . Eines Tages sei die Frau plötzlich verschwunden. Bewohner des Camps hätten vermutet, dass es sich bei der Frau um ihre Schwester handeln würde. Deshalb sei sie mehrmals vom Criminal Investigation Department (CID) zum Verbleib ihrer Schwester befragt worden. Diese Befragungen hätten vor ihrem Zelt und im Beisein ihrer Nachbarn stattgefunden. Am 22. September 2009 habe sie, dank der Bezahlung von Geldern durch ihren Vater, aus dem Camp fliehen können. Sie habe sich mit ihrem Vater und den Kindern zu ihren Schwiegereltern nach H._ begeben. Seither sei sie zweimal nach Colombo gereist, das erste Mal, um ihren Reisepass zu holen, das zweite Mal zur Befragung. Beide Male sei sie mit dem Zug gereist. An den Checkpoints sei ihre Identitätskarte registriert worden und in den Lodges hätten die Besitzer eine Kopie ihrer Identitätskarte gemacht.
Als Folge ihrer Flucht aus dem Camp befürchte sich nun, von den Behörden gesucht und erneut über den Verbleib ihrer Schwester  zu werden.
F. Mit Schreiben vom 4. Dezember 2009 überwies die Schweizerische
Vertretung dem BFM das Befragungsprotokoll vom 30. November
2009.
G. Mit Verfügung vom 15. Februar 2010 verweigerte das BFM der Be-
schwerdeführerin und ihren Kindern die Einreise in die Schweiz und
lehnte das Asylgesuch ab.
H. Mit undatierter Eingabe (Poststempel: 15. März 2010) an das Bundes-
verwaltungsgericht (Eingang: 22. März 2010) beantragte die Be-
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schwerdeführerin sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen
Verfügung.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Der Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung steht mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Da die Be-
weislast für die Zustellung an die Partei der eröffnenden Behörde ob-
liegt (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 61), ist zugunsten der Beschwerdeführerin davon auszu-
gehen, dass die am 22. März 2009 beim Bundesverwaltungsgericht
eingegangene Beschwerde rechtzeitig erfolgt ist.
1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz , ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legiti -
miert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. 37 VGG und
Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
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3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet.
4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
4.2 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen,
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft
machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zu-
gemutet werden kann. Glaubhaft machen heisst, wenn die Behörde ihr
Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben
hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder
verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art.
52 Abs. 2 AsylG).
4.3 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden
die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zu-
gemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben
oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3
AsylG kann das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement
(EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die
Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare
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Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach
Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe.
4.4 Bei diesem Entscheid gelten restriktive Voraussetzungen für die
Erteilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im
Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur
Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen
Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Mög-
lichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche so-
wie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglich-
keiten in Betracht zu ziehen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2., S.
131 ff.; die dort akzentuierte Praxis hat nach bloss redaktionellen
Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie
vor Gültigkeit).
5. 5.1 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Be-
schwerdeführerin weise kein politisches Profil auf und sei nie Mitglied
einer militanten Organisation gewesen. Sie sei zwar vom CID befragt
worden, dies aber nur, weil dieses ihre Schwester suchen würde.
Sodann sei die Beschwerdeführerin nie bedroht und es seien ihr auch
keine konkreten Vorwürfe gemacht worden. Zu den Befragungen sei
sie nicht abgeführt worden, diese hätten vielmehr im Camp und unter
Beisein anderer Bewohner stattgefunden. Ferner sei die Beschwerde-
führerin seit ihrem Weggang aus dem Camp am 22. September 2009
zweimal von H._ nach Colombo gereist. Bei den Kontrollen sei
jeweils ihre Identitätskarte registriert worden. Ebenso setze der Be-
such von Lodges in Colombo den Besitz gültiger Papiere voraus.
Weiter habe sich die Beschwerdeführerin ohne Schwierigkeiten einen
Reispass ausstellen lassen können und diesen in Colombo abgeholt.
Hätten die Behörden oder mit diesen zusammenarbeitende
Gruppierungen die Absicht, die Beschwerdeführerin zu verfolgen, wäre
es ihr nicht möglich gewesen, unbehelligt die Checkpoints zu
passieren, den Reisepass abzuholen und sich in Lodges registrieren
zu lassen. Schliesslich sei die Beschwerdeführerin während ihres
Aufenthalts bei den Schwiegereltern von den Behörden nicht behelligt
worden. Zwar habe die Beschwerdeführerin eine Hausdurchsuchung
geltend gemacht, diese jedoch als routinemässige Kontrolle quali-
fiziert. Hätten die Behörden tatsächlich ein ernsthaftes Interesse an
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der Beschwerdeführerin, hätten sie sie längst belangen können. An
dieser Feststellung ändere auch der Umstand nichts, dass die Be-
schwerdeführerin das IDP-Camp angeblich unerlaubt und gegen Be-
zahlung verlassen habe. Die Regierung erlaube Binnenflüchtlingen
seit dem 1. Dezember 2009, die Auffanglager zu verlassen. Sollte die
Beschwerdeführerin für die Aufnahme in einem anderen Lager oder
aus anderen Gründen einen Entlassungsschein benötigen, dürfte ein
solcher beschaffbar sein.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe führt die Beschwerdeführerin aus, ihr
Leben in Sri Lanka sei ungewiss. Sie und ihre Kinder hätten keinen
Wohnsitz und keinen Zufluchtsort. Weil sie aus dem Lager geflüchtet
sei, könne sie sich bei den Behörden nicht melden.
5.3 Vorweg ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin mit
ihren vier Kindern in einer schwierigen Situation befindet. Eine
schwierige Lebenssituation und insoweit humanitäre Überlegungen
stellen indes keinen Grund für die Bewilligung zur Einreise in die
Schweiz und damit einen Grund zur Anerkennung als Flüchtling dar.
Sodann hat bereits das BFM in der angefochtenen Verfügung fest-
gestellt, dass die geltend gemachten Vorbringen der Beschwerde-
führerin nicht einreise- und damit auch nicht asylrelevant sind. Die
Beschwerdeführerin weist offensichtlich kein politisches Profil auf und
hat keine konkreten Benachteiligungen im Sinne von Art. 3 AsylG er-
litten. Vielmehr passierte sie auf ihren zwei Reisen im Herbst 2009
nach Colombo mehrere Checkpoints ohne Probleme und konnte sich
ebenso problemlos in den Lodges in Colombo registrieren lassen.
Hätten die heimatlichen Behörden ein effektives Interesse an ihrer
Person, hätten sie hinreichend Gelegenheit gehabt, die Beschwerde-
führerin festzunehmen, namentlich anlässlich des Passierens der
Checkpoints oder beim Abholen des Reisepasses in Colombo.
Insoweit hat sich die Beschwerdeführerin nach ihrer Flucht aus dem
Camp bereits an die Behörden gewendet, mithin entbehren ihre dies-
bezüglich in der Rechtsmitteleingabe geäusserten Befürchtungen der
Grundlage. Sodann lebt die Beschwerdeführerin seit Herbst 2009 zu-
sammen mit ihrem Vater und den Kindern bei ihren Schwiegereltern
und wurde während dieser Zeit, abgesehen von einer routinemässigen
Kontrolle, von den heimatlichen Behörden nicht belangt. Um weitere
Wiederholungen zu vermeiden, kann vorliegend vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
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werden. Der Beschwerdeführerin ist es somit nicht gelungen, eine aktuelle und unmittelbare Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG  konkrete Hinweise auf eine künftige, asylrelevante  und eine damit einhergehende, begründete Verfolgungsfurcht darzulegen. Damit ist der Beschwerdeführerin ein weiterer Verbleib in ihrem Heimatland zumutbar.
6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte und nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Aufgrund der  Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren  einzugehen, da sie am festgestellten Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt.
7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist daher abzuweisen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus  Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
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