Decision ID: dc9b31d7-3de4-5d02-9851-00443d6dd9f2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (...) März
2016 und gelangte auf dem Luftweg nach B._. Von dort reiste er
über den Iran und die Türkei nach Griechenland, bevor er zu Fuss sowie
mit dem Auto verschiedene weitere Länder passierte und schliesslich am
15. November 2016 die Schweiz erreichte. Gleichentags stellte er im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum C._ ein Asylgesuch, woraufhin er
am 24. November 2016 im Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) zu
seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie summarisch zu sei-
nen Asylgründen befragt wurde. Am 19. August 2019 hörte ihn das SEM
einlässlich an.
B.
B.a Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er sei in D._ ge-
boren und habe zuletzt mit seiner Familie in E._ (F._, Nord-
provinz) gelebt. Er habe die Schule bis zur elften Klasse besucht und diese
im (...) mit einem O-Level abgeschlossen. Danach habe er als (...) sowie
von 2012 bis 2014 als (...) für die Firma (...) gearbeitet. Als er im Jahr 2009
– ebenso wie andere Leute auch – aus dem Vanni-Gebiet stammende Per-
sonen unterstützt habe, habe er erstmals Probleme mit der Armee erhal-
ten. Diese habe versucht, durch Einschüchterungen solche Unterstüt-
zungsleistungen zu verbieten, weshalb es zu Protesten gegen die Armee
gekommen sei. Zu einem späteren Zeitpunkt habe die Bevölkerung erneut
gegen das Militär protestiert, weil dessen Präsenz entgegen den Verspre-
chungen der Regierung nicht abgebaut worden sei. Auch an diesen Pro-
testen habe er teilgenommen. Im Juni 2012 sei er aufgrund seiner Arbeits-
tätigkeit nach G._ gegangen, als dort eine Person erschossen wor-
den sei. In diesem Zusammenhang sei er vom Criminal Investigation De-
partment (CID) festgenommen und für neun Tage inhaftiert worden. Dabei
hätten sie ihn zur getöteten Person befragt, ihn geschlagen und mit einem
spitzigen Gegenstand aus Eisen verletzt. Danach hätten sie ihn freigelas-
sen. Weiter habe er sich politisch engagiert und bei den Wahlen von 2013
einen Kandidaten der Tamil National Alliance (TNA) unterstützt, indem er
Plakate aufgehängt und Flugblätter verteilt habe. Zudem habe er sich im
Jahr 2014 mit dem (...)verein gegen die Ansiedlung von Singhalesen ge-
wehrt, welche mit ihren Geschäften die lokale Bevölkerung konkurrenziert
hätten. Die betreffenden Demonstrationen seien von zwei Personen na-
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mens H._ und I._ – die Verbindungen zu den Liberation Ti-
gers of Tamil Eelam (LTTE) gehabt hätten – organisiert worden. Wegen
diesen Protesten sei er wiederum vom CID verhaftet, einige Tage lang fest-
gehalten und unter Schlägen befragt worden. Als H._ im Sommer
2015 umgebracht worden sei, habe er erneut an deswegen stattfindenden
Protesten teilgenommen. Schliesslich sei I._, mit dem er eng be-
freundet gewesen sei, am (...) 2016 ebenfalls getötet worden. Einige Tage
später, am (...) 2016, habe ihn das CID zu Hause gesucht, als er sich ge-
rade auf dem Sportplatz aufgehalten habe. Seine Schwester sei zu ihm
gekommen und habe ihn darüber informiert, wobei sie ihm auf Anweisung
ihrer Mutter mitgeteilt habe, dass er sich verstecken solle. Da er dieselben
Tätigkeiten wie H._ und I._ ausgeübt habe, sei er in Lebens-
gefahr gewesen. Er sei daher zu Verwandten nach J._ gegangen
und dann ausgereist. Am (...) Mai 2018 hätten Angehörige des CID bei
seiner Mutter nach ihm gefragt.
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte
und seinen Führerschein im Original, seinen Geburtsschein (Kopie), ein
Arbeitszeugnis der Firma (...) vom 16. Februar 2017 und eine Bestätigung
von K._ betreffend das Engagement für die TNA vom 5. August
2018 zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 – eröffnet am 20. Dezember 2019
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg
und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe vom 17. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch seine Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene
Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und ihm sei in der Schweiz Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Auf-
nahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeistän-
din in der Person der unterzeichnenden Rechtsvertreterin.
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E.
Die Instruktionsrichterin hielt mit Verfügung vom 28. Januar 2020 fest, der
Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw Cora Dubach als amt-
liche Rechtsbeiständin bei.
F.
Das SEM liess sich mit Schreiben vom 12. Februar 2020 zur Beschwerde
vom 17. Januar 2020 vernehmen.
G.
Der Beschwerdeführer reichte durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe
vom 1. April 2020 eine Replik zu den Akten.
H.
Am 17. Juni 2020 heiratete der Beschwerdeführer eine Landsfrau, welche
in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen worden war.
I.
Aufgrund der Eheschliessung sowie eines vom Beschwerdeführer beim
SEM eingereichten Gesuchs um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
seiner Ehefrau wurde die Vorinstanz vom Bundesverwaltungsgericht mit
Zwischenverfügung vom 24. Februar 2021 eingeladen, sich erneut verneh-
men zu lassen.
J.
Mit Verfügung vom 26. März 2021 zog das SEM seine Verfügung vom
18. Dezember 2019 teilweise in Wiedererwägung. Es hob deren Disposi-
tivziffern 1, 4 und 5 auf und stellte fest, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft erfülle. Aufgrund der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs wurde eine vorläufige Aufnahme angeordnet.
K.
Die Instruktionsrichterin lud den Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund
mit Zwischenverfügung vom 7. April 2021 ein, dem Gericht mitzuteilen, ob
er seine Beschwerde zurückziehe. Innerhalb der angesetzten Frist ging
keine Stellungnahme ein, weshalb davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer vollumfänglich an seinen Rechtsbegehren festhält.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
1.5 Nachdem die Vorinstanz mit Verfügung vom 26. März 2021 den Be-
schwerdeführer in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau einbezog und
ihn vorläufig in der Schweiz aufnahm, ist vorliegend nur noch die Frage zu
beurteilen, ob er die originäre Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren ist. Soweit in der Beschwerde hingegen (even-
tualiter) die Feststellung der Unzulässigkeit, allenfalls Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs und die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme be-
antragt wird, ist diese gegenstandslos geworden.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, dass der Be-
schwerdeführer kein Profil aufweise, welches zu flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Massnahmen durch die sri-lankischen Behörden führen könnte.
Beim Vorfall in G._ sei er offenbar festgenommen worden, weil er
im Zusammenhang mit einem Mordfall verdächtigt worden sei. Die anderen
Festnahmen seien wegen Tätigkeiten erfolgt, die er gemeinsam mit ande-
ren Personen ausgeübt habe. Dabei habe er jedoch nie eine exponierte
Position eingenommen und er sei jeweils nach wenigen Tagen wieder ent-
lassen worden. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass er deswegen
noch weitere Probleme zu erwarten gehabt hätte. Auch die geltend ge-
machte Suche des CID am (...) 2016 sei nicht als Massnahme von flücht-
lingsrelevanter Intensität einzustufen. Die vom Beschwerdeführer geäus-
serte Befürchtung, er sei nach der Ermordung von H._ und
I._ ebenfalls in Lebensgefahr gewesen, weil er mit diesen zusam-
men gewesen sei, sei nicht nachvollziehbar. Die beiden hätten seinen An-
gaben zufolge die Demonstrationen gegen singhalesische (...) organisiert
und zudem Verbindungen zu den LTTE gehabt. Er selbst habe dagegen
weder eine besondere Funktion bei den Demonstrationen eingenommen
noch habe er Verbindungen zu den LTTE. Die Kundgebungen hätten im
Jahr 2014 stattgefunden und er habe keine weiteren gemeinsamen Tätig-
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keiten mit H._ und I._ geltend gemacht. Es sei nicht ersicht-
lich, weshalb er deswegen zwei Jahre später noch hätte Probleme bekom-
men sollen. Nach dem Besuch des CID im (...) 2016 habe es bis zu seiner
Ausreise keine Massnahmen seitens der Behörden gegeben. Später sei
sein Bruder einmal wegen ihm vorgeladen worden und zwei Jahre nach
der Ausreise habe man bei seiner Familie nach ihm gefragt. Zusammen-
fassend gebe es keinen Grund für die Annahme, dass er wegen der geltend
gemachten Ereignisse mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft mit einer Verfolgung in flüchtlingsrelevantem Ausmass hätte
rechnen müssen. Seine Vorbringen erwiesen sich daher als nicht asylrele-
vant. Vor diesem Hintergrund erübrige es sich, auf deren Glaubhaftigkeit
einzugehen. Es sei jedoch anzumerken, dass die Schilderungen einige Un-
stimmigkeiten und Widersprüche enthielten – etwa zur Reihenfolge, Datie-
rung und Dauer der verschiedenen Festnahmen – sowie eher unsubstan-
ziiert ausgefallen seien.
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde darauf hingewiesen, dass sich die
Vorinstanz zwar nicht im Detail zur Glaubhaftigkeit der Schilderungen des
Beschwerdeführers äussere, gleichzeitig aber anmerke, es bestünden ver-
schiedene Ungereimtheiten. Da sie diesbezüglich keine Beispiele nenne,
könne darauf nicht vertieft eingegangen werden. Es sei jedoch festzuhal-
ten, dass er die Vorfälle bei der Anhörung auf Nachfrage hin noch einmal
zusammenfassend habe darlegen können und seine Angaben im Wesent-
lichen mit jenen der BzP übereinstimmten. Seine Vorbringen erwiesen sich
als glaubhaft. Er sei von den heimatlichen Behörden mehrmals festgenom-
men, misshandelt und inhaftiert worden, weil er an Protestveranstaltungen
gegen staatliche Einrichtungen teilgenommen habe und weil vermutet wor-
den sei, dass er aufgrund seiner Freundschaft zu den LTTE nahestehen-
den Personen Kenntnisse von Waffenverstecken habe. Zwei dieser
Freunde seien vom CID getötet worden, weshalb seine Furcht vor weiterer
Verfolgung nachvollziehbar sei. Die Vorinstanz sei der Ansicht, dass er
über kein genügend exponiertes Profil verfüge, um flüchtlingsrechtlich re-
levante Massnahmen von Seiten der Behörden auszulösen. Mit dieser Auf-
fassung verkenne sie die allgemeine Menschenrechtslage in Sri Lanka. Es
sei keine exponierte Stellung erforderlich, um als Tamile ins Visier der Be-
hörden zu geraten. Die Militarisierung im Norden und Osten Sri Lankas
halte unvermindert an und stelle für die Bevölkerung ein zentrales Hinder-
nis für die Rückkehr zu einem normalen Leben dar. Da nicht davon auszu-
gehen sei, dass er nach seiner Flucht in Vergessenheit geraten sei, müsse
es als äusserst wahrscheinlich angesehen werden, dass er bei einer Rück-
kehr vom CID aufgespürt und erneut inhaftiert würde. Als Tamile aus dem
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Norden geriete er – auch ohne tatsächliche Verbindungen zu den LTTE –
bereits bei der Wiedereinreise nach Sri Lanka systematisch ins Visier der
Sicherheitskräfte. Da er mit einem temporären Reisedokument zurückkeh-
ren müsste, würde er durch die Einreisebehörde sowie die Kriminalpolizei
einer Personenüberprüfung unterzogen, wobei bereits aufgrund seiner
Herkunft und seiner Ethnie der Verdacht bestünde, dass er den LTTE na-
hestehe. Nach dem Regierungswechsel in Sri Lanka sei zu befürchten,
dass die Behörden noch härter gegen Tamilen vorgingen und dies auch
abgewiesene Asylsuchende, die aus der Schweiz zurückgeschafft würden,
zu spüren bekämen. Dabei könne nicht ausgeschlossen werden, dass
ihnen Folter, Inhaftierung und andere unmenschliche Behandlungen droh-
ten. Im Fall des Beschwerdeführers komme hinzu, dass er dem Regime
bereits vor seiner Ausreise durch die Teilnahme an Demonstrationen auf-
gefallen sei. Damit habe er sich politisch exponiert und es bestehe eine
erhöhte Gefahr, dass er erneut asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt
würde. Er sei mehrmals festgenommen und in Haft schwer misshandelt
worden. Zudem habe er erlebt, dass zwei seiner Freunde wegen regime-
kritischer Protestaktionen getötet worden seien. Seine subjektive Furcht
vor Verfolgungsmassnahmen erscheine daher objektiv nachvollziehbar
und begründet, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfülle.
4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerdefüh-
rer habe einzig im Zusammenhang mit der Festnahme in G._ gel-
tend gemacht, dass er nach Waffenverstecken gefragt worden sei. Es stelle
eine unbelegte Vermutung dar, dass er auch wegen seiner Kontakte zu
I._ und H._ hätte verdächtigt werden können, Kenntnis von
Waffenverstecken zu haben. In der Beschwerdeschrift werde zudem aus-
geführt, dass er die in G._ ermordete Person gekannt habe, was er
im Rahmen der Anhörung nie erwähnt habe. Sodann seien bereits im Asyl-
entscheid Vorbehalte zur Glaubhaftigkeit angebracht worden. Er habe sich
insbesondere unterschiedlich zur Frage geäussert, ob die Behörden –
nachdem er nach J._ gegangen sei – vor seiner Ausreise nochmal
nach ihm gesucht hätten. Weiter falle auf, dass er das angebliche letzte
Ereignis, das zum Ausreiseentschluss geführt habe, ebenso wie die da-
rauffolgende Zeit bis zum Verlassen des Landes nur sehr oberflächlich be-
schrieben habe. Insbesondere lege er keine persönlichen Gedanken und
Gespräche mit Familienmitgliedern über die Situation oder deren Einschät-
zung dazu dar. Als vage seien auch die Angaben zu seinem Profil in den
Augen der sri-lankischen Regierung sowie seiner konkreten Bedrohung zu
erachten.
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Seite 9
4.4 In der Replik wurde einleitend klargestellt, dass es sich beim in
G._ ermordeten Mann um ein (...) gehandelt habe, welches der Be-
schwerdeführer von seiner Arbeit als (...) gekannt habe. Es treffe zu, dass
er nur bei der Festnahme im Jahr 2012 nach Waffenverstecken gefragt
worden sei, während sich die Behörden bei den späteren Befragungen ins-
besondere nach den Aktivitäten von H._ erkundigt hätten. Er sei
aber sowohl mit H._ als auch mit I._, die beide den LTTE
nahegestanden hätten und im Jahr 2014 mit ihm eine Demonstration orga-
nisiert und durchgeführt hätten, befreundet gewesen. Bereits aus diesem
Grund sei er für die Regierung verdächtig gewesen, weshalb er befürchtet
habe, dass er ebenfalls ermordet werden könnte. Weiter sei festzuhalten,
dass er gar nicht zum weiteren Verlauf der Geschehnisse nach dem (...)
2016 gefragt worden sei. Vielmehr habe sich die Vorinstanz lediglich da-
nach erkundigt, was nach der Ausreise geschehen sei. Schliesslich liege
es in der Natur der Sache, dass er hinsichtlich seines eigenen Profils nur
Vermutungen anstellen könne. Er habe dargelegt, dass er wegen seiner
Freundschaft zu zwei Personen, die den LTTE nahegestanden hätten, be-
fragt worden sei und wohl deswegen hätte verhaftet werden sollen. Er sei
davon ausgegangen, dass die Behörden von ihm Informationen zu diesen
hätten erlangen wollen, was in Sri Lanka als Motiv für eine Verhaftung aus-
reiche. Soweit die Vorinstanz bemängle, dass er seine persönlichen Ge-
fühle und Gedanken nicht mitgeteilt habe, gelte es festzuhalten, dass er
nicht danach gefragt worden sei.
5.
5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Nachteile von bestimmter
Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfol-
gungsmotive zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.
m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist
aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen
hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein,
die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung her-
vorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Be-
troffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleich-
baren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjek-
tive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je
m.w.H).
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5.2 Der Beschwerdeführer erhielt im Jahr 2009, als er zusammen mit an-
deren Personen aus dem Vanni-Gebiet ankommende Leute unterstützt
habe, zum ersten Mal Probleme mit den Behörden. Die Armee habe sie
deswegen vorgeladen und eingeschüchtert, damit sie dies in Zukunft un-
terliessen. Die Angelegenheit sei damit erledigt gewesen (vgl. A14, F43).
Rund drei Jahre später sei es wegen der anhaltenden Armeepräsenz – die
Soldaten hätten auch begonnen, einheimische Frauen zu schikanieren –
zu Protesten gekommen. Sie seien in diesem Zusammenhang zuerst ge-
meinsam, dann je einzeln zur Armee gerufen worden. Dort hätten die Si-
cherheitskräfte mit ihnen geredet und schliesslich gedroht, wenn sie weiter
protestierten, würden schärfere Massnahmen ergriffen (vgl. A14, F43 und
F58). Der Beschwerdeführer nahm an diesen Protesten gegen die Armee
offenbar zusammen mit weiteren Dorfbewohnern teil, wobei er zu keinem
Zeitpunkt geltend machte, dass er dabei eine führende Rolle eingenom-
men habe. Die Armee scheint sich darauf beschränkt zu haben, die teil-
nehmenden Personen vorzuladen, sie zu befragen und mit Konsequenzen
zu drohen, wenn sie nicht mit den Unterstützungsleistungen respektive
Protesten aufhörten. Es kam jedoch in der Folge nie zu weiteren Massnah-
men von Seiten der Armee, obwohl die Bevölkerung nach Angaben des
Beschwerdeführers weiterhin verlangt habe, dass das Militär von ihrem Ort
abgezogen werde.
5.3 Weiter berichtete der Beschwerdeführer, dass er im Juni 2012 aufgrund
seiner Arbeitstätigkeit für die (...) mit dem Bus nach G._ gegangen
sei. Weil dort gerade zu jenem Zeitpunkt eine Person ermordet worden sei,
habe ihn das CID nach seiner Ankunft aufgegriffen und mitgenommen. An
einem unbekannten Ort hätten sie ihn neun Tage lang festgehalten und
befragt, wobei er geschlagen und mit einem Gegenstand aus Eisen verletzt
worden sei (vgl. A14, F43). Im Zuge dieser Verhöre sei er gefragt worden,
ob er das Opfer gekannt und dieses getötet habe. Zudem sei er auch zu
verschiedenen anderen Personen sowie zu seinen Kenntnissen über Waf-
fenverstecke befragt worden (vgl. A14, F61). Schliesslich hätten sie ihn ge-
hen lassen und gesagt, wenn es nochmal so ein Problem gebe, dann
werde er nicht mehr freigelassen (vgl. A14, F63). Es ergaben sich für den
Beschwerdeführer aber keine weiteren Konsequenzen aus diesem Ereig-
nis und er machte auch nicht geltend, dass ihm dieser Vorfall bei späteren
Befragungen erneut vorgehalten worden wäre.
5.4 Sodann brachte der Beschwerdeführer vor, dass er sich im Hinblick auf
die Provincial Council Wahlen von 2013 für die TNA engagiert habe
(vgl. A7, Ziff. 7.01). Dabei habe er den Kandidaten K._ unterstützt,
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Seite 11
Plakate aufgehängt und Flugblätter verteilt (vgl. A14, F36 ff.). Er führte je-
doch keine weitergehenden Tätigkeiten für die Partei aus und konnte auch
keine näheren Angaben zu dieser oder zu deren Politik machen (vgl. A7,
Ziff. 7.02). Bei der BzP erklärte er, dass er im Zusammenhang mit den
Wahlen 2013 einmal mitgenommen, aber noch in derselben Nacht freige-
lassen worden sei (vgl. A7, Ziff. 7.01). Die politischen Tätigkeiten des Be-
schwerdeführers erweisen sich als sehr niederschwellig und erfolgten für
die legale, im Parlament vertretene TNA. Er machte nicht geltend, dass er
sich auch nach 2013 noch für die TNA engagiert hätte oder später aufgrund
seiner damaligen Aktivitäten mit den Behörden Probleme erhalten hätte.
5.5 Im Jahr 2014 habe der (...)verein beschlossen, gemeinsam gegen in
ihren Ortschaften angesiedelte Singhalesen vorzugehen. Bei diesen Pro-
testen habe der Beschwerdeführer I._ und H._ kennenge-
lernt, welche die Demonstrationen gegen die singhalesischen (...) organi-
siert hätten (vgl. A7, Ziff. 7.01 und A14, F58). Er sei wegen diesen Protes-
ten vom CID ein weiteres Mal mitgenommen und mehrere Tage lang be-
fragt sowie geschlagen worden (vgl. A14, F43). In der Folge scheint es
wieder für eine längere Zeit ruhig gewesen zu sein, bevor im (...) 2015
H._ und im (...) 2016 I._ getötet worden seien. Der Be-
schwerdeführer geht davon aus, dass er insbesondere nach dem Tod sei-
nes engen Freundes I._ ebenfalls in Lebensgefahr gewesen sei. Es
ist jedoch festzuhalten, dass I._ – ebenso wie H._ – nicht
nur den LTTE nahestand, sondern sich auch "in die Politik eingemischt"
hatte (vgl. A14, F44). Zwar hat sich der Beschwerdeführer gemeinsam mit
H._ und I._ im Jahr 2014 an den Protesten gegen singhale-
sische (...) beteiligt. Die Organisation der Demonstrationen erfolgte aber
durch die letzteren beiden (vgl. A7, Ziff. 7.01), während er selbst als einfa-
cher Teilnehmer dabei war. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers
geht hervor, dass er nach dem Tod von I._ offenbar in erster Linie
damit rechnete, dass die Behörden von ihm Informationen über diesen ha-
ben wollten (A14, F46 und F52 f.). Es wird jedoch nicht klar, weshalb er
davon ausging, dass mit ihm dasselbe geschehe wie mit H._ und
I._ Diese verfügten über Verbindungen zu den LTTE, während we-
der der Beschwerdeführer noch jemand aus seiner Familie dieser Gruppie-
rung nahestand (vgl. A14, F55 ff.). Es lassen sich den Akten keine konkre-
ten Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass er von den Behörden nicht nur
für eine weitere Befragung mitgenommen und in der Folge umgehend wie-
der entlassen worden wäre, wie dies bereits früher der Fall war. Sein Profil
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ist in keiner Weise mit jenem von zwei LTTE-nahen Personen zu verglei-
chen, welche sich aktiv in der Politik engagiert und Demonstrationen orga-
nisiert haben.
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der
Vergangenheit zwar verschiedentlich Probleme mit den Behörden hatte. Er
nahm mehrmals zusammen mit anderen Personen an Protesten respektive
Demonstrationen teil und wurde von der Armee und dem CID deswegen
befragt und eingeschüchtert. Dabei wurde er aber jeweils nach relativ kur-
zer Zeit wieder freigelassen mit der Anweisung, in Zukunft solche Aktivitä-
ten zu unterlassen. Obwohl er dieser Aufforderung nicht nachgekommen
ist, kam es zu keinen weitergehenden Massnahmen gegen seine Person.
Die geltend gemachten Befragungen sind dabei nicht als ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu werten, da es ihnen an der erforderlichen
Intensität fehlt. Als gravierender Vorfall ist einzig die neuntägige Haft im
Jahr 2012 zu werten, als der Beschwerdeführer in G._ als Tatver-
dächtiger in einem Mordfall festgenommen und misshandelt wurde. Der
Verdacht liess sich offenbar nicht erhärten und er wurde anschliessend
wieder freigelassen. Es ergaben sich für ihn keine weiteren Konsequenzen
und die Ausreise erfolge erst mehrere Jahre später, weshalb dieses Ereig-
nis nicht als kausal für die Flucht angesehen werden kann. An seinem
Wohnort wurde der Beschwerdeführer in der Zeit zwischen 2009 und der
Ausreise im Jahr 2016 von den Behörden etwa fünf Mal kurzzeitig festge-
halten und befragt. Seine politischen Aktivitäten beschränkten sich auf die
Unterstützung eines TNA-Politikers bei den Wahlen von 2013 sowie die
gelegentliche Teilnahme an Protesten. Er weist weder ein besonderes Pro-
fil auf noch nahm er je eine tragende Rolle bei Demonstrationen ein. Dies
unterscheidet ihn erheblich von seinen Freunden H._ und
I._, die beide den LTTE nahestanden und sich politisch stärker ex-
poniert haben. Die von ihm erlittenen Behelligungen von Seiten der Behör-
den reichen mangels Intensität nicht aus, um zur Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft zu führen. Es sind auch keine massgeblichen Hinweise
dafür ersichtlich, dass er im Zeitpunkt der Ausreise mit weitergehenden
Verfolgungshandlungen zu rechnen gehabt hätte. Selbst wenn das CID zu
Hause nach ihm gesucht hat, lässt sich daraus noch nicht ableiten, dass
für ihn eine Lebensgefahr bestanden hätte. Gerade vor dem Hintergrund,
dass er bereits zu früheren Zeitpunkten befragt, aber stets zeitnah wieder
entlassen worden war, ist nicht nachvollziehbar, weshalb er dieses Mal gra-
vierendere Massnahmen zu befürchten gehabt hätte. Seine subjektive
Furcht, dass ihm dasselbe Schicksal wie seinen beiden getöteten Freun-
den gedroht hätte, erscheint aus objektiver Sicht nicht begründet. Die vom
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Beschwerdeführer vorgebrachten Fluchtgründe erweisen sich daher nicht
als asylrelevant. Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, näher auf die
Glaubhaftigkeit der Vorbringen einzugehen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei
der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-
teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-
kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten "Stop-List" und
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da-
bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stel-
len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lan-
kischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederauf-
leben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor-
liegt (Urteil E-1866/2015 E. 8).
6.2 Vorliegend kam der Beschwerdeführer zwar über mehrere Jahre hin-
weg mit den heimatlichen Sicherheitsbehörden in Kontakt. Abgesehen von
einem Vorfall im Jahr 2012, bei welchem er zu Unrecht als Verdächtiger in
einem Mordfall festgehalten wurde, erlitt er nie erhebliche Nachteile im
Sinne des Asylgesetzes. Er war in einem geringen Ausmass politisch aktiv,
tätigte aber nur niederschwellige Unterstützungsleistungen bei den Wahlen
von 2013 und war als einfacher Teilnehmer bei Protestkundgebungen da-
bei. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er aufgrund seines Engagements
in den Fokus der Behörden geraten und als überzeugter Unterstützer des
tamilischen Separatismus wahrgenommen worden wäre, sind jedoch nicht
ersichtlich. Der Beschwerdeführer verfügt zudem weder über eigene Ver-
bindungen zu den LTTE noch waren Familienangehörige von ihm für diese
aktiv (vgl. A14, F56 f.). Nach seiner Ausreise sei einmal sein Bruder sowie
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im Mai 2018 seine Mutter vom CID nach ihm gefragt worden (vgl. A14,
F48 f.). Selbst wenn dies zutreffen sollte, lässt sich daraus kein besonders
grosses Interesse der Behörden an seiner Person erkennen und es kann
nicht davon ausgegangen werden, dass er sich auf einer Liste von gesuch-
ten Personen ("Stop-List") befindet und befürchten müsste, direkt bei der
Einreise am Flughafen festgenommen zu werden. Weiter machte der Be-
schwerdeführer nicht geltend, dass er sich in der Schweiz exilpolitisch be-
tätigt hätte und aus diesem Grund ins Visier der heimatlichen Behörden
geraten wäre. Sodann stammt er aus der Nordprovinz, ist tamilischer Eth-
nie und verfügt nicht über einen eigenen Pass, weshalb er mit einem tem-
porären Reisedokument zurückkehren müsste. Diese schwach risikobe-
gründenden Faktoren erscheinen jedoch nicht geeignet, sein Profil in ei-
nem Ausmass zu schärfen, dass er in den Augen des sri-lankischen Re-
gimes als Gefahr für den Einheitsstaat Sri Lanka angesehen würde und
befürchten müsste, im Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne von
Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
6.3 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka. Die letzten Präsidentschaftswahlen und daran anknüpfende Er-
eignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stellen (vgl. dazu
im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März 2020 E. 6.2).
Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur
Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen.
Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung entstanden ist
aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf
die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. dazu BVGE
2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen demnach nicht vor. Es sind auch sonst keine
Hinweise dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im aktuellen politi-
schen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden ge-
raten wäre und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hätte.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden
nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht hat. Er erfüllt die origi-
näre Flüchtlingseigenschaft deshalb nicht und das SEM hat sein Asylge-
such zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
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an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Voraussetzungen für die (vorfrageweise) Prüfung der Frage,
ob auf die Anordnung der Wegweisung aufgrund eines potenziellen An-
spruchs auf eine kantonale Aufenthaltsbewilligung zu verzichten ist, sind
vorliegend offensichtlich nicht erfüllt (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Weitere
Ausführungen dazu erübrigen sich somit und es ist festzustellen, dass die
Wegweisung zu Recht angeordnet wurde. Nachdem der Beschwerdefüh-
rer mit Verfügung des SEM vom 26. März 2021 wiedererwägungsweise in
der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, ist die Beschwerde in Bezug
auf den Vollzug der Wegweisung als gegenstandslos geworden abzu-
schreiben.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist folglich ab-
zuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben
ist.
10.
10.1 Die unterliegende Partei hat in der Regel die Kosten des Verfahrens
zu tragen. Unterliegt sie nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten er-
mässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens
werden die Verfahrenskosten aufgrund der Sachlage vor dem Eintritt des
Erledigungsgrunds festgelegt, sofern die Gegenstandslosigkeit – wie vor-
liegend – ohne prozessuales Zutun der Parteien erfolgte (Art. 5 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.2 Der Beschwerdeführer ist bezüglich seines Antrags auf Asylgewäh-
rung und Aufhebung der Wegweisung unterlegen. Hinsichtlich der Anord-
nung des Wegweisungsvollzugs wurde das Verfahren gegenstandslos,
weshalb in diesem Punkt die Prozessaussichten im Rahmen einer summa-
rischen Prüfung zu beurteilen sind. Aufgrund der Aktenlage vor Eintritt der
Gegenstandslosigkeit ist vorliegend nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer mit seinem Antrag auf Verzicht auf den Wegweisungsvoll-
zug respektive Gewährung einer vorläufigen Aufnahme durchgedrungen
wäre. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist der
Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka für Angehörige der tamilischen
Ethnie grundsätzlich zulässig (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 12.2 f.). Es gelang
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dem Beschwerdeführer – unter Hinweis auf die Erwägungen zum Asyl-
punkt und zur Zuerkennung der originären Flüchtlingseigenschaft – nicht,
eine konkrete Gefahr ("real risk") für eine ihm drohende Folter oder un-
menschliche Behandlung im Fall einer Rückkehr glaubhaft zu machen.
Weiter ist der Wegweisungsvollzug an seinen Herkunftsort (Distrikt
F._) generell als zumutbar zu erachten. Zudem sind keine individu-
ellen Gründe ersichtlich, welche den Vollzug als unzumutbar erscheinen
liessen, zumal der Beschwerdeführer vor der Ausreise bei den Eltern lebte,
im Heimatstaat über verschiedene Verwandte verfügt und berufstätig war.
Es ist folglich davon auszugehen, dass die Beschwerde im Vollzugspunkt
mutmasslich abgewiesen worden wäre.
10.3 Da der Beschwerdeführer somit vollumfänglich als unterliegend anzu-
sehen ist, wären ihm grundsätzlich die Kosten des Verfahrens aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf die Erhebung von Kosten ist indessen an-
gesichts der mit Verfügung vom 28. Januar 2020 gewährten unentgeltli-
chen Prozessführung zu verzichten.
10.4 Mit derselben Verfügung wurde die rubrizierte Rechtsvertreterin dem
Beschwerdeführer als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet, weshalb ihr
ein amtliches Honorar auszurichten ist. Die Rechtsvertreterin reichte mit
der Beschwerdeeingabe vom 17. Januar 2020 eine Kostennote ein, in wel-
cher sie einen zeitlichen Aufwand von zwölf Stunden à Fr. 150.– sowie Aus-
lagen in Höhe von Fr. 137.– (Dossiereröffnungspauschale, Dolmetscher-
kosten, Porto) geltend machte, insgesamt Fr. 1'937.–. Der zeitliche Auf-
wand erscheint angemessen, wobei der Rechtsvertreterin für die weiteren
Eingaben im Rahmen des Beschwerdeverfahrens zwei zusätzliche Stun-
den zu vergüten sind. Nicht zu berücksichtigen ist indessen die Dossierer-
öffnungspauschale von Fr. 50.–. Das amtliche Honorar der Rechtsvertrete-
rin ist somit auf insgesamt Fr. 2'187.– (14 Stunden à Fr. 150.– und Fr. 87.–
Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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