Decision ID: 063ebc06-f63b-5381-a644-1aad970ab2a5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 21. September 2015 in der Schweiz
um Asyl. Nach einer Erstregistrierung wurde er am 15. März 2016 und am
16. August 2018 vertieft zu seinen Asylgründen angehört.
Zur Begründung seines Gesuchs brachte er vor, er sei arabischer Syrer
ismailitischens Glauben und stamme aus B._, Provinz Hama. 2004
bis 2006 habe er den obligatorischen Militärdienst absolviert. Danach habe
er in B._ und zwischenzeitlich auch im C._ (2008 bis 2013)
als (...) gearbeitet. Am (...) 2012 sei er aufgrund einer Zeichnung von Bas-
har AI-Assad auf seinem Facebook-Konto vom Staatssicherheitsdienst für
einen Tag festgehalten und nach der Entfernung der Zeichnung wieder frei-
gelassen worden. Zudem habe er bis zum Jahr 2012 während Familienbe-
suchen einige Male an Demonstrationen teilgenommen, deswegen aber
keine Probleme bekommen. Während eines Heimatbesuchs habe ihn im
(...) 2013 ein Polizist telefonisch über ein Aufgebot für den Reservedienst
informiert. In B._ würden aufgrund eines tödlichen Vorfalls Aufge-
bote an als Regimegegner verdächtigte Personen per Telefon erfolgen. Er
habe darauf nicht reagiert und weitergearbeitet, das Land aber nicht mehr
verlassen und Kontrollposten vermieden. Ab Mai 2015 habe der syrische
Sicherheitsdienst einige Male Hausdurchsuchungen bei ihm durchgeführt
und nach ihm gefragt. Er vermute, dies habe mit dem Aufgebot zum Re-
servedienst zu tun. Bei der ersten Durchsuchung sei er nicht vor Ort gewe-
sen, sondern bei seinem Bruder. Danach sei er nicht mehr nach Hause
zurückgekehrt, sondern habe jeweils bei seinem Bruder, seinen Schwes-
tern oder Kollegen übernachtet, ohne dort aufgesucht zu werden. Schliess-
lich sei er mithilfe eines (...) am (...) 2015 aus Syrien in den C._
ausgereist und später weiter in die Schweiz. Nach der Ausreise in den
C._ sei der Sicherheitsdienst noch zweimal bei ihm zu Hause ge-
wesen, bis sein Bruder ihn in Anwesenheit von Sicherheitsleuten angeru-
fen habe. In der Folge hätten die Hausdurchsuchungen aufgehört.
Mit dem Gesuch reichte der Beschwerdeführer seine nationale Identitäts-
karte, seinen Pass, sein Militärdienstbüchlein, eine Militärdienstquittung
sowie jeweils eine Bestätigung über die Beendigung des Militärdienstes,
über seine Religion und seinen Beruf ein.
B.
Mit Verfügung vom 30. April 2019 – eröffnet am 1. Mai 2019 – verneinte
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das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte des-
sen Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an.
Zugleich nahm es ihn wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in
der Schweiz vorläufig auf.
C.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 30. Mai 2019 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei in den Ziffern
1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei seine Flücht-
lingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung von Rechtsanwalt Bernhard Jüsi als amtlichen
Rechtsbeistand. Mit der Beschwerdeschrift reichte er – neben der Voll-
macht und Substitutionsvollmacht sowie einer Kopie des Asylentscheids –
einen Facebook-Auszug mit einer Zeichnung, seinen Arbeitsvertrag, eine
Lohnabrechnung, eine Rechnung seiner Krankenversicherung, eine Rech-
nung der Schweizerischen Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehab-
gabe sowie seinen Mietvertrag zu den Akten.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2019 forderte die Instruktionsrichterin
den Beschwerdeführer auf, innert Frist das beigelegte Formular «Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege» ausgefüllt und mit weiteren nötigen Be-
weismitteln versehen einzureichen. Zugleich wies sie darauf hin, bei unge-
nutzter Frist werde über die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung
und amtliche Rechtsverbeiständung aufgrund der Akten entschieden.
E.
Mit Schreiben vom 18. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer das aus-
gefüllte Formular zusammen mit Tickets des öffentlichen Nahverkehrs und
einer Zweimonatsabrechnung der Krankenversicherung ein.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2019 wies die Instruktionsrichterin die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsverbei-
ständung ab und forderte den Beschwerdeführer zur Zahlung eines Kos-
tenvorschusses bis am 11. Juli 2019 – unter Androhung des Nichteintretens
im Unterlassensfall – auf.
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G.
Der einverlangte Kostenvorschuss wurde am 1. Juli 2019 geleistet.
H.
Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2019 nahm das SEM zur Beschwerde
Stellung.
I.
Der Beschwerdeführer replizierte am 30. Juli 2019 und reichte zwei Face-
book-Beiträge vom 19. August 2014 und 4. Januar 2015, jeweils mit Über-
setzung, sowie eine Honorarnote zu den Akten.
J.
Mit Schreiben vom 26. November 2020 reichte die Rechtsvertretung ein
Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR
142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten; für
das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-
gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und der
Beschwerdeführer ist beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Das SEM ordnete in der Verfügung vom 30. April 2019 die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz wegen Unzulässigkeit des
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Wegweisungsvollzugs an (Dispositivpunkte 4 bis 6). Der Beschwerdefüh-
rer hat die Verfügung allein in den Dispositivpunkten 1 bis 3 angefochten.
Vorliegend erübrigen sich mithin Erwägungen zum Vollzug der Wegwei-
sung.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM zweifelte in seinem Entscheid mit Verweis auf die recht aus-
führlichen Schilderungen des Beschwerdeführers dessen militärische
Grundausbildung und den Erhalt des Dienstbüchleins nicht an, erachtete
aber seine Einberufung in den aktiven Reservedienst durch die syrische
Armee als unglaubhaft. Es erscheine wenig plausibel, dass die Polizei
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durch das syrische Militär beauftragt werde, Personen anzurufen und per-
sönlich zum Reservedienst aufzufordern. Auch habe der Beschwerdefüh-
rer auf Nachfrage bestätigt, dass Aufgebote für den Reservedienst über
Medien wie Radio und Fernsehen erfolgten. Zudem habe er überra-
schenderweise nie – wie in Syrien üblich – ein schriftliches Aufgebot erhal-
ten. Genauso erstaune, dass er als angeblich regimekritisch eingestufte
Person telefonisch vorgeladen worden sein solle, ohne dass danach wei-
tere behördliche Schritte gegen ihn eingeleitet worden seien. Immerhin
habe er nicht weiter auf das Aufgebot reagiert und bis Mai 2015 unbehelligt
weiterarbeiten können. Unklar sei auch, weshalb nur Loyalisten ein schrift-
liches Aufgebot erhielten, während Regimekritiker telefonisch aufgeboten
würden. Sodann sei schwer zu verstehen, dass der Beschwerdeführer bis
heute (Datum des Entscheids) die Absicht der Behörden hinter den Haus-
durchsuchungen nicht kennen wolle. Er habe Syrien zu einem Zeitpunkt
verlassen, als ihm lediglich durch Hörensagen bekannt gewesen sei, dass
er gesucht werde. Dies vermöge für sich keine begründete Furcht vor zu-
künftiger Verfolgung zu belegen (mit Hinweis auf BVGer-Urteil E-801/2015
vom 6. Oktober 2017 E. 3.7). Des Weiteren sei ein Strukturbruch in der
freien Rede zu den nur kurz erwähnten Asylgründen und den ausführlichen
Schilderungen zur Ausreise ersichtlich. Ferner habe er in den Anhörungen
widersprüchliche Angaben zur Anzahl der Hausdurchsuchungen gemacht
(erste Anhörung: vier, fünf; zweite Anhörung: vergessen) und die Abwei-
chungen auf Vorhalt nicht erklären können. Überdies begründeten allfällige
Strafmassnahmen gegen den Beschwerdeführer wegen Verstosses gegen
Ausreisbestimmungen keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. Unab-
hängig davon, ob die Vorbringen zu den politischen Aktivitäten als glaub-
haft zu erachten seien, sei zum einen nicht davon auszugehen, dass er
aufgrund eines einzelnen Facebook-Eintrags als Oppositioneller in den Fo-
kus der Behörden geraten sei. Zum anderen sei er bei den Demonstratio-
nen nicht identifiziert worden und ihm seien keine Nachteile aus der Teil-
nahme erwachsen.
5.2 In seiner Beschwerdeschrift wiederholte der Beschwerdeführer zu-
nächst seine Asylvorbringen. Weiter brachte er an, das SEM habe seine
widersprüchliche Aussage zum üblicherweise schriftlich erfolgenden Auf-
gebot in den Reservedienst nicht mit Quellen belegt und selbst auf die wei-
tere Möglichkeit des Aufgebots über öffentliche Aufrufe verwiesen. Das te-
lefonische Aufgebot in seinem Fall sei zudem äusserst plausibel, seien die
Behörden doch nach einem tödlichen Vorfall vorsichtiger geworden (mit
Hinweis auf A9 F116). Gemäss Länderberichten – auf die weitergehend
verwiesen wurde – sei für die Benachrichtigung über die Aushebung die
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lokale Polizei zuständig und variiere die Art der Aushebung von Region zu
Region; ein telefonisches Aufgebot komme danach ebenso in Betracht.
Weiter sei mit Verweis auf Länderberichte plausibel, dass er nach dem Auf-
gebot zunächst nicht, aber dann später im Jahr 2015 gesucht worden sei.
Die Hälfte der Reservisten habe sich demnach laut Schätzungen nicht
beim Militär gemeldet, sich versteckt und Checkpoints gemieden. Ende
2014 seien dann Razzien intensiviert worden, um sich dem Dienst entzie-
hende Reservisten zu finden. Zum Grund der Hausdurchsuchungen sei auf
das willkürliche Vorgehen der syrischen Behörden zu verweisen und da-
rauf, dass es diverse Sicherheitsbehörden gebe, welche nicht immer koor-
diniert arbeiteten. Die hinter ihrem Handeln stehende Motivlage sei für die
betroffene Person schwer zu verstehen. Es könne danach gut sein, dass
er wegen des Aufgebots zum Reservedienst oder wegen regierungskriti-
scher Beiträge, welche er nach seiner Inhaftierung 2012 gelegentlich noch
auf Facebook veröffentlicht habe, gesucht worden sei. Die Schilderungen
zum Aufgebot und zur Suche nach ihm seien sodann in sich schlüssig, wi-
derspruchsfrei, detailliert und mit Realkennzeichen versehen (mit Hinweis
auf A9 F99 und F15 F53 sowie A9 F83). Sein Fall unterscheide sich weiter
von der Konstellation im zitierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-801/2015 vom 6. Oktober 2015, seien doch verschiedene Familienange-
hörige bei einem konkreten Vorfall – der Hausdurchsuchung – daheim ge-
wesen und hätten ihm anschliessend vom Besuch der Behörden und ihrer
Suche nach ihm berichtet. Weiter erstaune es nicht, dass er weniger De-
tails darüber habe erzählen können, zumal er nicht selbst dabei gewesen
sei. Ferner hätten die Hausdurchsuchungen sowie das telefonische Aufge-
bot wohl insgesamt weniger lange gedauert als die zwölfstündige Ausreise.
Unter Berücksichtigung dieser Unterschiede sei der Erzählstil in den Schil-
derungen ähnlich detailliert und mit Realkennzeichen versehen. Es sei
auch kein Widerspruch in der Anzahl der Hausdurchsuchungen erkennbar.
Die erste Anhörung sei nicht einmal ein Jahr, die zweit ungefähr vier Jahre
nach den Ereignissen erfolgt; es könne gut sein, dass er sich anfangs noch
besser an die Vorfälle habe erinnern können. Zudem habe er bereits bei
der ersten Anhörung angegeben, nicht zu wissen, wie viele Durchsuchun-
gen es gegeben habe.
Das SEM habe sich nicht zur Glaubhaftigkeit seiner Angaben zur Demons-
trationsteilnahme, der regimekritischen Zeichnung und der eintägigen Haft
geäussert. Diese seien widerspruchsfrei, plausibel und erlebnisbasiert aus-
gefallen (mit Hinweis auf A9 F133, F71-72). Namentlich die gelöschte
Zeichnung existiere zwar nicht mehr; er könne aber nun die andere in der
Anhörung erwähnte Zeichnung mit dem Spruch «Gott, Syrien, Freiheit und
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sonst nichts», einem Slogan der syrischen Revolution, einreichen. Das
SEM gehe demnach von einem aktenwidrigen Sachverhalt aus, wenn es
nur auf einen einzelnen regimekritischen Facebook-Eintrag abstelle. Über-
dies habe es unterlassen, ihn nach weiteren politischen Kommentaren zu
fragen, welche er seither gepostet habe. Dies könne ihm nicht zum Nachteil
gereichen. Seine Inhaftierung im Jahr 2012 zeige abgesehen davon, dass
ein einzelner Beitrag sehr wohl geeignet sei, ein veritables Interesse der
syrischen Behörden zu erwecken. Das SEM habe sodann keine Anhalts-
punkte dafür, dass er bei den Demonstrationen nicht identifiziert worden
sei. Immerhin nähmen daran regelmässig Sicherheitsmitarbeitende in Zivil
sowie regimetreue Zivilpersonen teil. Es sei davon auszugehen, dass er
aufgrund seiner Facebook-Aktivitäten und seiner Haft bei den Sicherheits-
behörden als politisch aktiv und auf einer sogenannten «Schwarzen Liste»
vermerkt sei, welche bei der Wiedereinreise überprüft werde. Auch dass
telefonische Aufgebot und die Hausdurchsuchungen zeugten von seiner
Einstufung als politisch Oppositioneller. Seine Zugehörigkeit zur religiösen
Minderheit der Ismailiten verschärfe die Situation zusätzlich; dies sei vom
SEM gänzlich unberücksichtigt geblieben. Gemäss Rechtsprechungspra-
xis – die näher dargelegt wurde – sei vorliegend ein einzelfallspezifisches
Risikoprofil gegeben. Anders als im zitierten Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts E-2463/2018 vom 12. September 2018 sei er den Behörden be-
reits als politisch oppositionell eingestellt bekannt, habe einen Tag in Haft
verbracht und an Demonstrationen teilgenommen sowie weitere Kommen-
tare und Beiträge auf Facebook gepostet. Mit Blick auf die Rechtsprechung
und diverse Länderberichte – welche weitergehend zitiert wurden – müsse
er bei einer Rückkehr mit seiner sofortigen Verhaftung und als Wehrdienst-
verweigerer mit politischem Risikoprofil mit einer unverhältnismässig ho-
hen (Haft-)Strafe, wenn nicht gar einer Exekution rechnen. Bei einer
zwangsweisen Einberufung in den Militärdienst wäre er darüber hinaus ge-
zwungen, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu bege-
hen. Selbst wenn ihm wider Erwarten die Einberufung in den aktiven Re-
servedienst und die Hausdurchsuchungen nicht geglaubt würden, müsste
er aufgrund seines Risikoprofils und der illegalen Ausreise als Reservist mit
einer asylrelevanten Verfolgung rechnen. Schliesslich sei er illegal ausge-
reist, habe einen Asylantrag im Ausland gestellt und sich auch nach seiner
Ausreise aus Syrien auf Facebook kritisch zum syrischen Regime und der
Lage in Syrien geäussert. Damit seien jedenfalls subjektive Nachflucht-
gründe gegeben.
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5.3 In der Vernehmlassung merkte das SEM zur unterschiedlichen Art und
Weise der Einberufung in den syrischen Militärdienst an, der Beschwerde-
führer habe weder einen Marschbefehl noch eine Reservistenkarte einge-
reicht, obschon zumindest Letztere durchaus zu erwarten gewesen wäre.
Seine Erläuterungen zum telefonischen Aufgebot als eine Sicherheits-
massnahme der Behörden seien nicht plausibel, müsse doch davon aus-
gegangen werden, dass gerade oppositionell eingestellte Personen schrift-
liche Einberufungen erhalten, was genauso der Sicherheit einzelner Beam-
ter diene. Die zweite in der Anhörung erwähnte Zeichnung habe der Staats-
sicherheitsdienst offensichtlich als nicht regimekritisch eingestuft, ansons-
ten sie ebenfalls vom Facebook-Profil gelöscht worden wäre. Sie sei dem-
nach nicht geeignet, das politische Profil des Beschwerdeführers zu schär-
fen. Ferner obliege es ihm im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht, weitere
Facebook-Ausdrucke nachzureichen, falls er solche – wie in der Beschwer-
deschrift erwähnt – tatsächlich veröffentlicht habe. Insgesamt sei das poli-
tische Profil trotz des einmaligen und kurzzeitigen Kontakts mit dem Si-
cherheitsdienst im Jahre 2012 als zu niederschwellig zu erachten, als dass
sich daraus ein zusätzliches Gefährdungsindiz ergebe. Selbst bei einer tat-
sächlich erfolgten und offiziellen Einberufung in den Reservedienst wäre er
keiner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt.
5.4 In seiner Replik begrüsste der Beschwerdeführer das explizite Aner-
kenntnis des SEM, dass auch telefonische Einberufungen durchaus mög-
lich seien. Im Weiteren verkenne es, dass die Zustellung einer schriftlichen
Einberufung in Syrien zwangsweise das persönliche Erscheinen eines Be-
amten bei der einzuberufenden Person bedinge. Es gebe dort keine Mög-
lichkeit, einen Brief von einem Postboten in einen am Haus der einzuberu-
fenden Person befestigten Briefkasten zu deponieren; der syrische Post-
dienst sei nicht derart ausgebaut (mit Hinweis auf Zeitungsartikel). Er selbst
habe keinen Briefkasten an seinem Haus gehabt; einen Postboten habe es
in B._ nicht gegeben. Dass er seine Reservistenkarte verloren
habe, ändere nichts an seinen diesbezüglichen glaubhaften Schilderun-
gen. Ausserdem enthalte das eingereichte Militärdienstbüchlein Angaben
zu seinem Reservistenstatus und seiner Reservistennummer, weshalb das
Fehlen der Reservistenkarte unerheblich sei. Die zweite Zeichnung sei ver-
mutlich nicht gelöscht worden, weil er sie auf einem zweiten Facebook-
Profil veröffentlicht habe. Der mit der Löschung beauftragte Beamte habe
Letztere zu diesem Zeitpunkt wohlmöglich noch nicht gesehen. Abgesehen
davon sei es ihm nicht möglich, das genaue Handeln der syrischen Behör-
den zu kennen und zu wissen, warum die zweite Zeichnung nicht gelöscht
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worden sei. Jedenfalls könne daraus nicht auf eine fehlende regimekriti-
sche Einstufung geschlossen werden, zumal die Zeichnung eindeutig re-
gimekritisch zu verstehen sei. Mit ihrer Einreichung untermauere er aus-
serdem seine geschilderten Ereignisse. Den zwei nachgereichten, öffent-
lich abrufbaren Facebook-Einträgen könne zudem explizit eine regimekri-
tische Haltung entnommen werden. Sie dürften schon für sich genommen
ausreichen, dass er verfolgt und daheim nach ihm gesucht würde.
5.5 Im Schreiben vom 26. November 2020 führte die Rechtsvertretung un-
ter Hinweis auf das Urteil des EuGH C-238/2019 vom 19. November 2020
aus, nach Auffassung des Gerichtshofs bestehe eine starke Vermutung,
dass die syrischen Behörden illegal ausgereiste Deserteure und Refraktäre
als feindliche Personen betrachteten. Jeder Einzelfall müsse daher sehr
sorgfältig geprüft werden. Zudem sei die Verweigerung während des Krie-
ges angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit für Kriegsverbrechen durch
Gewissensgründe gerechtfertigt und damit flüchtlingsrechtlich relevant.
6.
Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nach-
zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.2 Der Beschwerdeführer macht zur Hauptsache eine drohende Verfol-
gung aufgrund seiner Weigerung zum Einzug in den Reservedienst gel-
tend.
6.2.1 Voranzustellen ist, dass praxisgemäss eine Wehrdienstverweigerung
oder Desertion für sich alleine die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begrün-
den vermag, sondern nur, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Im syrischen Kon-
text wird dies dann angenommen, wenn die Dienstverweigerung als Aus-
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druck der Regimefeindlichkeit aufgefasst wird, das heisst, dass die dro-
hende Strafe nicht allein der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen würde,
sondern damit zu rechnen ist, dass der Beschwerdeführer als politischer
Gegner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft
würde (a.a.O. E. 6.7.3; vgl. ferner BVGer-Referenzurteil E-2188/2019 vom
30. Juni 2020 E. 5.1 und 5.3 [erster Absatz]). An dieser Rechtsprechungs-
praxis vermag auch das auf Beschwerdeebene erwähnte Urteil des EuGH
(C-238/2019) – ungeachtet der Frage seiner Rechtswirkung für die
Schweiz – nichts zu ändern.
6.2.2 Vorliegend sind bereits Zweifel an der behaupteten drohenden Ein-
berufung des Beschwerdeführers in den Reservedienst der syrischen Ar-
mee anzubringen. Dabei ist nicht vollkommen auszuschliessen, dass die
Einberufung in der Wohngegend des Beschwerdeführers telefonisch durch
einen Polizisten erfolgte, weshalb sich weitere Ausführungen zu den dies-
bezüglichen Vorbringen auf Beschwerdeebene erübrigen. Den Akten sind
auch nähere Schilderungen zum Aufgebot per Telefon zu entnehmen (vgl.
etwa A9 F99 ff.). Auffällig ist aber bereits, dass der Beschwerdeführer ein
so relevantes Ereignis ungeachtet des Hinweises, sich nicht so gut erin-
nern zu können, zeitlich sehr unterschiedlich einordnete (erste Anhörung:
etwa 15 Tage nach Rückkehr, A9 F95; zweite Anhörung: zirka ein oder zwei
Tage danach, A15 F58). Wie nachfolgend weiter dargelegt (vgl. E. 6.2.5),
ist zudem nicht davon auszugehen, dass er als Oppositioneller angesehen
wurde, bei welchem eine derartige Vorsichtsmassnahme überhaupt hätte
zum Tragen kommen müssen. Mit der Vorinstanz im syrischen Kontext ist
daher durchaus fraglich, weshalb seine Aushebung nicht über die Medien
erfolgt sein soll, noch dazu, da frühere Kollegen aus dem Militär zur glei-
chen Zeit ausgehoben worden seien, was für eine generelle Einberufung
spricht. Die Antwort des Beschwerdeführers auf die Nachfrage zur Einbe-
rufung über Radio oder Fernsehen fiel eher ausweichend aus (vgl. A9
F119). So erscheint wenig plausibel, dass er über immerhin fast zwei Jahre
die Medien nicht verfolgt haben soll. Die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers zur Einberufung werden auch durch seine weiteren Angaben erschüt-
tert. So hat er selbst vorgebracht, bis 2015, also nahezu zwei Jahre, nicht
aufgrund des Aufgebots von den Behörden behelligt worden zu sein und
auch keine Vorsichtsmassnahmen getroffen zu haben (vgl. A9 F108 ff.).
Dass viele einberufene Reservisten sich dem Militärdienst in dieser Zeit
entzogen, wird dabei nicht per se in Abrede gestellt. Wie die vom Be-
schwerdeführer selbst zitierten Länderberichten (vgl. Beschwerde S. 6)
aber nahelegen, gestaltete es sich gleichwohl schwierig, einem Aufgebot
nicht nachzukommen und nicht belangt zu werden. Zudem erscheint es mit
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Blick auf die erwähnte intensivierte Suche nach Reservisten ab 2014 (vgl.
Beschwerde S. 7) fraglich, dass und warum der Beschwerdeführer bis weit
in das Jahr 2015 weiterhin nicht in das Visier der Behörden geraten sein
soll oder nicht zumindest von weitergehenden Vorsichtsmassnahmen dies-
bezüglich berichtete. Hinzukommt, dass er in der Zwischenzeit seinen
Pass ausstellen liess, ohne dass es dabei zu Problemen mit den Behörden
gekommen sei. Es überzeugt nicht, dass er das Risiko eingegangen sein
will, sich an die Behörden zu wenden und mit einer Einberufung rechnen
zu müssen, zumal er nicht im Vornherein davon ausgehen durfte, den zu-
ständigen Beamten bestechen zu können. Er selbst erwähnte darüber hin-
aus den Fall eines Nachbarn, welcher im Stadthaus festgenommen und in
den Reservedienst eingezogen worden sei (vgl. A15 F87).
6.2.3 Des Weiteren ist festzuhalten, dass die Ausführungen zu den Haus-
durchsuchungen wenig detailliert ausfielen, was nicht allein auf den Um-
stand zurückgeführt werden kann, dass der Beschwerdeführer nicht anwe-
send gewesen sei. Selbst dann wären weitergehende Angaben zur zeitli-
chen Einordnung und zum näheren Ablauf zu erwarten gewesen oder zu-
mindest, dass er sich weitergehend darüber erkundigte. Dies gilt insbeson-
dere angesichts des Umstands, dass die Durchsuchungen den Anlass zur
Ausreise gegeben haben sollen. Auch die Angaben zur Anzahl der Haus-
durchsuchungen erscheinen unklar, wobei unter Berücksichtigung des Zei-
tablaufs nicht unbedingt ein Widerspruch ersichtlich wird. Dennoch stellt
sich die Frage, warum der Beschwerdeführer sich gerade an die fluchtaus-
lösenden Ereignisse so wenig erinnern mag. Insoweit sieht das Gericht
ebenfalls ein auffälliges Missverhältnis in der Erzähldichte, einschliesslich
in der zweiten Anhörung, welches nicht allein mit der direkten Wiedergabe
und solcher vom Hörensagen oder dem Zeitraum begründet werden kann,
über den berichtet wurde. Ferner räumt der Beschwerdeführer selbst ein,
dass er sich hinsichtlich des Grundes der Durchsuchungen nur auf Vermu-
tungen stützte, weshalb eine Einberufung ein möglicher, aber nicht der ein-
zige Anlass sein kann. Die Verweise in der Beschwerdeschrift auf das will-
kürliche Vorgehen von Behörden vermögen nicht zu verfangen.
6.2.4 Die bei der Vorinstanz eingereichten Beweismittel sind nicht geeig-
net, die Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers zur Einberufung
und Suche nach ihm auszuräumen. Das Militärbüchlein ebenso wie die Mi-
litärdienstquittung und -bestätigung können nur die Ableistung des Militär-
dienstes bestätigen, welche weder vom SEM noch vom Gericht angezwei-
felt wird. Zu Recht hat das SEM in seiner Vernehmlassung auf das Fehlen
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der Reservistenkarte verwiesen. Dass diese verloren gegangen sei, ist an-
gesichts der vorerwähnten Zweifel an den Vorbringen zur drohenden Ein-
berufung als Schutzbehauptung zu werten und vermag auch insoweit nicht
zu überzeugen, als der Beschwerdeführer die weiteren Dokumente im Zu-
sammenhang mit seinem Militärdienst sehr wohl vorlegen konnte.
Schliesslich verfängt der Hinweis in der Replik nicht, das Vorliegen einer
Reservistenkarte sei mit Blick auf die Daten im Militärbüchlein zur Eintei-
lung in den Reservedienstes unerheblich. Diesen Angaben ist gerade nicht
zu entnehmen, ob und wann der Beschwerdeführer für den Reservedienst
aufgeboten wurde.
6.2.5 Abgesehen von vorstehenden Erwägungen ist im Weiteren nicht als
überwiegend wahrscheinlich zu erachten, dass der Beschwerdeführer vor
seiner Ausreise einem Politmalus ausgesetzt war oder bei einer Rückkehr
ausgesetzt würde. Auch unter der Annahme, er habe bis in das Jahr 2012
an Demonstrationen teilgenommen und sei wegen einer regimekritischen
Zeichnung für einen Tag festgehalten worden, ist mit der Vorinstanz – auf
deren Erwägungen hier verwiesen sei – einig zu gehen, dass diese Vor-
bringen nicht auf ein politisches Risikoprofil des Beschwerdeführers
schliessen lassen, welches ihn in den Fokus der Behörden rücken liess
oder bei einer Rückkehr rücken würde. Immerhin wurde der Beschwerde-
führer nur kurzzeitig im Zusammenhang mit der Zeichnung festgehalten
und noch am selben Tag wieder aus der Haft entlassen, ohne dass er in
der Folge durch die Behörden behelligt wurde. Hinweise darauf, dass er
bei Demonstrationen identifiziert worden wäre, ergeben sich aus den Akten
keine. Die erwähnten Hausdurchsuchungen sind im Sinne vorstehender
Erwägungen (vgl. E. 6.2.3) nicht als glaubhaft zu erachten. Überdies
brachte der Beschwerdeführer nur eine Vermutung und diese auch erst auf
Beschwerdeebene an (vgl. dazu A9 F84), die Hausdurchsuchungen könn-
ten ebenso im Zusammenhang mit seinen politischen Beiträgen erfolgt
sein. Dieses Vorbringen erscheint aber nachgeschoben und insgesamt un-
glaubhaft.
Hinsichtlich der zweiten Zeichnung trifft es im Weiteren zwar zu, dass der
Beschwerdeführer in der Anhörung von mehreren Zeichnungen sprach.
Hier ist jedoch ebenfalls der Vorinstanz beizupflichten, dass die Behörden
diese offensichtlich nicht als erheblich erachteten. Die Einwände auf Be-
schwerdeebene, wonach die zweite Zeichnung auf einem weiteren Face-
book-Account des Beschwerdeführers publiziert wurde und der zuständige
Beamte sie wahrscheinlich bei der Löschung der ersten nicht sah, stehen
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im Widerspruch zu den Aussagen in den Anhörungen. Der Beschwerde-
führer führte zu den Zeichnungen ausdrücklich aus, eine sei gelöscht und
die andere bestehen gelassen worden (vgl. A9 F71 ff.). Dass die Behörden
diese Zeichnung nicht gesehen haben sollen, weil sie auf einem anderen
Konto war, wird dabei an keiner Stelle erwähnt. Die diesbezüglichen Be-
schwerdevorbringen müssen insoweit als nachgeschoben und unglaubhaft
erachtet werden. Schliesslich vermögen auch die Facebook-Einträge vom
19. August 2014 und 4. Januar 2015 nichts am mangelnden politischen
Profil des Beschwerdeführers zu ändern, zumal als äusserst fragwürdig er-
scheint, dass der Beschwerdeführer diese gepostet haben will, als er sich
noch in Syrien aufhielt, dies jedoch im Rahmen der Anhörungen nicht er-
wähnt hat und diese gar erst auf Replikebene einreichte. Im Übrigen gibt
es auch keine Hinweise darauf, diese seien von den Behörden entdeckt
worden. Überdies ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer im Rah-
men seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) oblegen hätte, bereits im vor-
instanzlichen Verfahren weitere politische Beiträge von sich aus einzu-
reichen.
6.2.6 Auch im Hinblick auf seine Zugehörigkeit zur ismailitischen Glau-
bensgemeinschaft ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer asylrelevanten Massnahmen im Zusammenhang mit einer Einberufung
in den Militärdienst ausgesetzt wäre. So hat er weder entsprechenden Be-
helligungen während seiner Wehrdienstzeit dargelegt, noch sind seinen
Ausführungen darüber hinaus Hinweise zu entnehmen, dass er aufgrund
seines Glaubens bei einer Einberufung oder darüber hinaus weiterge-
hende Sanktionen zu gewärtigen hätte (vgl. stattdessen A15 F115).
6.2.7 Gesamthaft ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bis zu sei-
ner definitiven Ausreise keine gegen ihn gerichteten Massnahmen zur
Durchsetzung des Reservedienstes und kein politisches Profil glaubhaft
gemacht hat.
7.
Soweit er eine begründete Furcht vor Verfolgung bei einer Rückkehr in den
Heimatstaat aufgrund seiner illegalen Ausreise, der Asylantragsstellung in
der Schweiz sowie regimekritischer Beiträge nach seiner Ausreise behaup-
tet, macht er subjektive Nachfluchtgründe geltend. Solche können zwar
grundsätzlich die Flüchtlingseigenschaft begründen, führen aber zum Asyl-
ausschluss (vgl. Art. 3 Abs. 4, Art. 54 AsylG).
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7.1 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf Be-
schwerdeebene zwar geltend machte, auch nach seiner Ausreise regime-
kritische Beiträge und Kommentare auf Facebook gepostet zu haben, je-
doch keine entsprechenden Nachweise für die Zeit nach der Ausreise ein-
reichte (für die zwei weiteren Facebook-Einträge vgl. oben E. 6.2.5). Auch
darüber hinaus geht aus den Akten nicht hervor, dass er sich seither exil-
politisch betätigt hat.
7.2 Die Vorinstanz hat im Weiteren die illegale Ausreise des Beschwerde-
führers aus Syrien nicht explizit in Zweifel gezogen. Das Gericht sieht hier
zwar gewisse Unklarheiten und hält fest, dass die Stempel in seinem Pass
einen regulären Grenzübertritt im behaupteten Ausreisezeitraum nahele-
gen. Zudem brachte der Beschwerdeführer selbst an, nicht vollkommen il-
legal ausgereist zu sein (vgl. A15 F78). Soweit er in diesem Zusammen-
hang aber Sanktionen des syrischen Regimes wegen seiner Refraktion
vom Reservedienst geltend macht, kann auf obenstehende Erwägungen
zum praxisgemäss erforderlichen Politmalus verwiesen werden (vgl.
E. 6.2). Ein solcher ist in casu nicht ersichtlich.
7.3 Auch hinsichtlich der – noch dazu erst auf Beschwerdeebene – geltend
gemachten Furcht vor einer Verfolgung bei Rückkehr nach Syrien aufgrund
Asylantragstellung im Ausland nach illegaler Ausreise kann nicht davon
ausgegangen werden, diese genüge für die Annahme einer flüchtlingsrele-
vanten Verfolgung. Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-4051/2011 vom 8. Juli 2013, auf welches in der Beschwerdeschrift Be-
zug genommen wird, äusserte sich das Gericht zur Asylantragstellung als
Akt der Opposition im Kontext der Überwachung von syrischen Oppositio-
nellen im Ausland (vgl. a.a.O. E. 7.3 ff.). Nach dem zuvor Gesagten ist ge-
rade nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer über ein Profil verfügt,
aufgrund dessen er vom syrischen Regime als regimekritische Person
überwacht würde und bei einer Rückkehr flüchtlingsrelevante Nachteile be-
fürchten müsste.
8.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss den Voraussetzungen
von Art. 3 und 7 AsylG aus den vorerwähnten Gründen – einschliesslich im
Hinblick auf subjektive Nachfluchtgründe – nicht erfüllt, weshalb die Vo-
rinstanz die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneinte und sein Asylge-
such ablehnte.
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9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der am 1. Juli 2019 in gleicher Höhe geleistete Kostenvor-
schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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