Decision ID: 2fddc9dd-ac45-4c62-815c-e3a4382c3beb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976, war vom
4.
Oktober 2010 bis 3
0.
Juli 2013 als Senior Manager in der Wirtschaftsprüfung bei
der
Y._
, angestellt (Urk. 6/17
Ziff.
2-3
). Am
3.
Oktober 2013 gründete er die
Z._
und
liess
sich selbst im Handels
re
gister des Kantons Zürich als Einzelver
waltungsrat eintragen (Urk. 6/
1/32-35,
Urk.
6/1/39
).
Am 2
5.
Juli 2014 meldete sich der Versicherte beim Regionalen
Arbeitsver
mittlungszentrum
(RAV) Zürich
Lagerstrasse
zur Arbeitsvermittlung
im Um
fang von 80
%
an (Urk. 6/16
) und stellte den Antrag auf
Arbeitslosenent
schäd
igung
ab demselben Tag (Urk. 6/15
Ziff.
2
).
Mit Verfügung vom 1
4.
November 2014 (
Urk.
6/
1/7-9
) verneinte die Arbeits
lo
senkasse des Kantons Zürich einen Anspruch des Versicherten auf
Arbeits
losenentschädigung
ab dem 2
5.
Juli 2014 infolge arbeitgeberähnlicher Stel
lun
g
und erklärte ihn
für die vom 2
5.
Juli bis 3
1.
Oktober 2014 ausbe
zahlte
Arbeitslosenentschädigung im Umfang von
Fr.
15‘783.70 für
rücker
statt
ung
s
pflichtig
. Die vom Versicherten am 3
0.
November 2014 erhobene Einsprache (
Urk.
6/
1/10-11
) wies die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit
Ein
spra
cheentscheid
vom 1
2.
Mai 2015 (
Urk.
6/
1/13-17
) ab.
Dies wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
7.
August 2015 im Verfahren Nr.
AL.2015.00135
bestätigt, indem die arbeitgeberähnliche Stellung des Versi
cherten bejaht
und damit ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ver
neint
wurde
(
Urk.
6/4 E. 3.3 und Dispositiv
Ziff.
1)
.
1.2
Das vom
Versicherte
n am 3
0.
November
2014
gestellte
Erlass
gesuch (
Urk.
6/
1/5
)
wies
das
Amt für Wirtschaft und Arbeit (
AWA
)
mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2015 (
Urk.
6/
1/1-4
) ab. Dagege
n erhob der
Versicherte am
3
0.
Oktober 2015 Einsprache (
Urk.
6/
2/5-6
), welch
e mit
Einspracheentscheid
vom 1
9.
Februar 2016
abgewiesen wurde
(
Urk.
6/
2/
1-
4
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
März 2016 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 1
9.
Februar 2016 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss
,
dieser sei aufzuheben und seine Gutgläubigkeit sei zu bestätigen
(
Urk.
1 S. 1 f.)
.
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
April 2016 beantragte das AWA die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer mit Gerichtsverfügung vom
7.
April 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Laut
Art.
95
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeits
losen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
richtet sich die Rück
forderung ausser in den Fällen nach
Art.
55 und
Art.
59c
bis
Abs.
4 AVIG nach
Art.
25
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozi
alver
sicherungsrechts
(ATSG)
. Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrecht
mässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vor
liegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung her
geleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend (
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
1.3
N
ach ständiger Rechtsprechung
liegt guter Glaube
nicht schon bei Unkennt
nis des
Rechtsman
gels
vor. Vielmehr darf sich der Leistungsempfänger nicht nur keiner böswil
ligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Folglich entfällt der gute Glaube von vornherein, wenn die zu Un
recht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist; anderseits kann sich die rückerstattungspflichtige
Person aber auf den guten Glauben beru
fen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur eine leichte Fahrlässig
keit darstellt
(
BGE 138 V 218 E. 4, 112 V 97
E. 2c
).
1.4
Gemäss
Art.
27
ATSG
sind die Versicherungsträger und
Durchführungs
organe
der einzelnen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereiches die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären (
Abs.
1). Jede Person hat Anspruch auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfüllen sind (
Abs.
2).
Nach Art. 19a der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversiche
rung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) klären die in Art. 76
Abs.
1
lit
. a-d AVIG genannten Durchführungsstellen die Versicherten über ihre Rechte und Pflichten auf, insbesondere über das Verfahren der Anmeldung und über die Pflicht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden und zu verkürzen (
Abs.
1). Die Kassen klären die Versicherten über die Rechte und Pflichten auf, die sich aus dem Aufgabenbereich der Kassen ergeben ([Art. 81 AVIG];
Abs.
2). Die kantonalen Amtsstellen und die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) klären die Versicherten über die Rechte und Pflichten auf, die sich aus den jeweiligen Aufgabenbereichen ergeben ([Art. 85 und 85b AVIG];
Abs.
3).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner verneint
e in seinem
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) den guten Glauben des Beschwerdeführers
hinsichtlich der zu viel ausbezahlte
n
Arbeitslosenentschädigung
.
Aufgrund seines Bildungsstandes sowie aufgrund seiner Berufserfahrung hätte es ihm bewusst sein müssen, dass er in einer
arbeitgeberähnlichen Stellung stehe und
er
somit kein
en
Anspruch auf
Ar
beits
losenentschädigung
habe
.
Der Beschwerdeführer habe die erste
Teil
frage
von Frage 28 des Antra
ges auf Arbeitslosene
ntschädigung falsch beant
wortet, obwohl es ihm nach Fähigkeit und dem nach Bildungsgrad zumutbaren
Mindestmass
an Sorgfalt hätte möglich sein müssen, die Frage korrekt zu beantworten.
Indem er dies unterlassen habe, habe er die Auskunfts- und Meldepflicht grobfahrlässig verletzt. Nachdem die Gutgläubigkeit zu ver
nein
en sei, könne die Frage nach der
grossen
H
ärte offen gelassen werden (S. 3 f.
Ziff.
4
).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend
, seine Gutgläubigkeit sei zu bestätigen. Er habe von Anfang an seine Er
werbsituation deklariert
,
und der Arbeitslosenkasse sei klar gewesen, dass er eine Teil
selbständigkeit ausgeübt habe.
Die Taggelder seien von Anfang an um das P
ensum der Teilselbständigkeit re
d
u
ziert worden (S. 1). Er habe sämt
liche Fragen zu seiner Erwerbssituation immer korrekt beantwortet
(S. 2)
.
3.
3.1
Strittig und
zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer betreffend den Bezug von Arbeitslosenentschädigung im Zeitraum von
Juli bis
Ende Oktober
2014
gut
gläubig war.
Diese Gutgläubigkeit bildet eine Voraussetzung für den allfälligen
Erlass
der Rückforderung
und
entfällt, wenn die zu Unrecht erfolgte
Leistungsausrich
tung
auf eine arglistige oder grobfahrlässige Melde- und
Auskunftspflicht
verletzung
zurückzuführen ist. Anderseits kann sich der
Rückerstattungs
pflichtige
auf den guten
Glaube
n berufen, wenn sein fehlerhaftes Verhalten nur eine leichte Fahrlässigkeit darstellt
(vgl. vo
rstehend E. 1.3
).
Praxisgemäss
ist zu unterscheiden zwischen dem guten
Glaube
n als fehlendem Unrechts
bewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten
Glaube
n
berufen kann oder ob er bei zumutbarer Aufmerk
samkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte er
kennen sollen (BGE 122 V 221
E. 3
).
3.2
Der Beschwerdegegner verneinte eine Gutgläubigkeit des Beschwerdeführers mit dem Hinweis auf seine berufliche Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer und auf sein Bildungsniveau. Insbesondere warf er ihm vor, die Frage 28
beim Antrag auf Arbeitslosenentschädigung
(vgl.
Urk.
6/
15
Ziff.
28)
falsch beantwortet
zu haben (vgl. vorstehend E. 2.1
).
Dieser Auffassung kann aber aus den nachfolgend zu erläuternden
Gründen nicht gefolgt werden. Bereits
im
Urteil vom 2
7.
August 2015
hielt das hiesige Gericht
fest, dass bei einer
Prüfung des Rückforderungsanspruches und des damit in Zusammenhang stehenden Erlassgesuches des Beschwerdeführers
zu beachten sein werde
, dass
er
von Anfang an se
ine Erwerbssituation deklariert
habe. Es wurde festgestellt, dass die Verwaltung
Kenntnis von der
Erwerbs
situation
des Beschwerdeführers
gehabt habe
,
und
sich
daher die Frage stel
len werde
, ob sie ihn im Rahmen von Art. 27
ATSG
ausreichend über die mit seinem Status als
Selbständigerwerbender
verbundenen Risiken hinsichtlich seines Le
istungsanspruchs aufgeklärt habe
(vgl.
Urk.
6/4 E. 4).
Letzteres ist
vorliegend
klar zu verneinen.
Aus dem prozessorientierten
Be
ratungsprotokoll
geht
zwar
hervor, dass
vermerkt wurde, dass
die
Teilselb
stän
digkeit
des Beschwerdeführers mit der Arbeitslosenkasse abgeklärt werde
n sollte (vgl.
Urk.
6/14/2), jedoch lässt sich eine
erfolgte
Aufklärung über die Situation des Beschwerdeführers als
Selbständigerwerbender
dem Protokoll
nicht entnehmen
. Dies wäre jedoch
vor dem Hintergrund von
Art.
27 ATSG
ohne weiteres
zu erwarten gewesen
(vgl. vorstehend E. 1.4)
.
Dass der Beschwerdeführer die Frage 28
des Antrags auf
Arbeitslosenent
schädigung
falsch beantwortet haben soll
, ist aus dem Verständnis der Frage hinaus nicht ersichtlich. So verneinte er allfällige Beteiligungen oder Ent
scheidungsbefugnisse hinsichtlich seiner Tätigkeit beim letzten Arbeitgeber
- worunter die
Y._
verstanden werden muss -
und bejahte
die zweite Teilfrage, an einem Betrieb beteiligt zu sein oder einem obersten betriebli
chen Entscheidungsgr
emium
anzugehören (vgl.
Urk.
6/15
Ziff.
28).
In Anbetracht
dessen
, dass der Beschwerdeführer seine selbständige
Teil
erwerbstätigkeit
von Anfang an deklariert hat
und offensichtlich eine ent
spre
chend Aufklärung
s
eitens der Verwaltung
nicht stattgefunden hat -
eine sol
che aber zu erwarten gewesen
wäre -
kann dem Beschwerdeführer selbst in Anbetracht seines
Bildungsniveaus
nur leichte Fahrlässigkeit hinsichtlich des Bezugs der Leistungen vorgeworfen werden. Er kann sich damit auf den guten Glauben berufen
(
vgl. vorstehend E. 1.3
).
3.3
Aufgrund des Gesagten ist davon auszugehen,
dass sich der Beschwerdefüh
rer hinsichtli
ch seiner Anspruchsberechtigung
im guten Glauben befand und die ihm
ausbezahlten
Taggelder gutgläubig entgegennahm. Demzufolge hat er den Betrag von
Fr.
15‘783.70
dann nicht zurückzuerstatten, wenn dies für ihn eine
grosse
Härte bedeuten würde. Diese zweite
Erlass
voraussetzung hat der Beschwerdegegner im angefochtenen
Einspracheentscheid
offen gelassen (
vgl. vorstehend E. 2.1), weshalb
die Sache an ihn zurückzuweisen
ist
, damit er die weitere Voraussetzung für den
Erlass
der Rückerstattung prüfe und hernach über das
Erlass
gesuch vom 3
0.
November 2014
(
Urk.
6/1/5)
neu entscheide.