Decision ID: f7f92283-3ab4-479a-8e3f-9a8eb20e829d
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1976 geborene
X._
war bei der
Y._
AG in einem 80 %-Pensum angestellt und
durch die
Arbeitgeberin
obligatorisch bei der Suva gegen Unfälle versichert,
als sie am 2. Januar 2021 bei einer holprigen
Schlittelfahrt
eine Stauchung des Nackens verspürte
(Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 7. Januar 2021 [Urk. 7/1]).
Die erstbehandelnde Ärztin bei
Praxis Z._
diagnostizierte
im Bericht vom
10. Februar 2021 über die Behandlung vom
3. Januar 2021 aufgrund des erho
benen Befundes (Druckschmerz im Nackenbereich und frontal rechts, kein Nystagmus, keine Sehstörungen) ein akutes
zervik
obrachiales
Syndrom nach ei
nem Trauma (Urk. 7/19).
Da die Versicherte am darauffolgenden Tag
stärkste
Schmerzen
im
kraniozervikalen
Übergang
verspürte,
begab
sie
sich
notfallmässig in ärztliche Behandlung
im Spital
A._
; dort wurde
eine akute
Dissektion
der
a
rteria
vertebralis rechts (am ehesten traumatisch bedingt)
diagnostiziert, und
die Versicherte
blieb
bis am 6. Januar 2021 hospitalisiert (Urk. 7/17).
In der Folge attestierten ihr die behandelnden Ärzte bis am 17. Januar 2021 eine volle, danach bis Ende März 2021 eine teilweise Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18, Urk. 7/27, Urk. 7/32-33).
Mit Schreiben vom 31. März 2021 verneinte die Suva eine Leis
tungspflicht, da weder der Unfallbegriff erfüllt sei noch eine unfallähnliche Kör
perschädigung vorliege (Urk. 7/28).
Mit Verfügung vom 23. April 2021 hielt sie daran fest (Urk. 7/43)
. Die von der Versicherten dagegen
erhobene Einsprache vom 2
7. Mai 2021 (Urk. 7/46) wies die Suva
mit Entscheid vom 1. September 2021 ab (Urk. 2 [= Urk. 7/49]).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 30. September 2021 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die
Zusprache
von Leistungen gemäss UVG
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. No
vember 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. November 2021 an
gezeigt wurde (Urk. 8). Mit Eingab
e vom 8. April 2022 äusserte
sich
die Beschwerdeführerin
erneut zur Sache (Urk. 11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Bei den Körperschädigungen gemäss Abs. 2 handelt es sich um a)
Knochenbrü
che;
b
)
Verrenkungen von Gelenken;
c)
Meniskusrisse;
d)
Muskelrisse;
e)
Muskel
zerrungen;
f)
Sehnenrisse;
g) Bandläsionen und h)
Trommelfellverletzungen.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktor
s, sondern nur auf diesen selbst
. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwir
kungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Kasuistik zu vergleichbaren Fällen, beim Schlitteln habe das Befahren von Wellen und Mulden mit entsprechenden, mehr oder weniger heftigen Schlägen auf den Körper
,
nicht als unüblich zu gelten. Dass ein solcher für diesen Lebensbereich üblicher Vorgang unerwartete und unge
wöhnlich schwere Auswirkungen nach sich gezogen habe, ändere an der Qualifi
kation des Vorganges selbst nichts. Für einen Sturz, ein Anschlagen oder Ähnli
ches fänden sich keine Anhaltspunkte. Somit könne das Merkmal der Ungewöhn
lichkeit des äusseren Faktors nicht bejaht werden. Der Unfallbegriff sei nicht erfüllt. Da es sich beim Ereignis vom 2. Januar 2021 nicht um einen Unfall im Rechtssinne gehandelt habe, bestehe gegenüber der Beschwerdegegnerin kein Anspruch auf Versicherungsleistungen. Dies gelte unabhängig davon, ob zwi
schen dem Ereignis und dem Gesundheitszustand ein Kausalzusammenhang be
stehe. Deshalb vermöge die Bejahung eines solchen Kausalzusammenhangs durch das Spital
A._
in der Stellungnahme vom 18. Mai 2021 nichts zu ändern. Des Weiteren liege keine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vor.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor,
die plötzliche und unvorher
sehbare äussere Einwirkung sei gemäss ihren bisherigen Angaben und Beschrei
bungen und auch gemäss den ärztlichen Begründungen offensichtlich gegeben. Auch wenn keine Listenverletzung vorliege, habe es sich beim Ereignis vom 2. Ja
nuar 2021 eindeutig um einen Unfall gehandelt (Urk. 1). In der Eingabe vom 8. April 2022 ergänzte die Beschwerdeführerin, bei ihr sei weder eine Abnützung noch eine Erkrankung vorbestehend gewesen. Die Liste in Art. 6 Abs. 2 UVG sei überdies unvollständig und gehöre per G
esetzesänderung erweitert (Urk. 11).
3.
3.1
In der Schadenmeldung vom 7. Januar 2021 wurde zum Unfallhergang festge
halten: «Starker Aufprall beim Schlitteln in tiefen Mulden am Ende der Schlitten
bahn -> Stauchung (?) im Nacken oder wegen ungewolltem ‘Schanzensprung’
-> starker Schlag (?) in den Nacken» (Urk. 7/1/2).
3.2
Im
«
Fragebogen zum Unfallhergang
»
hielt die Beschwerdeführerin am 19. Januar 2021 fest, am Ende der
Schlittelbahn
hätten sich tiefe Mulden und Buckel befun
den. Sie sei mehrmals in die Mulden hineingestaucht worden. Dabei habe sie ge
rufen: «
Sch
...e, ob das gut geht»
und sich gedacht, jetzt werde sie zu
alt
fürs Schlitteln. Sie habe einen S
toss im
Genick verspürt. Sie glaube, es sei auch noch ein kleiner (harmloser?) Schanzensprung erfolgt. Es sei am Schluss alles recht wild gewesen, während es davor recht gemütlich gewesen sei (Urk. 7/12).
4.
4.1
Ob die Beschwerdeführerin die ausgewiesene
Dissektion
der
arteria
vertebralis (Urk. 7/8) durch die
zum Schluss turbulente Schlitten
fahrt vom 2. Januar 2021 erlitten hat, ist entgegen
ihrer eigenen
Ansicht
sowie derjenigen
der Ärzte des Spitals
A._
im Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 18. Mai 2021 (Urk. 7/45) nicht von R
elevanz, sofern
der Unfallbegriff nicht erfüllt ist.
Wie be
reits
vorstehend erwähnt (E. 1.3) und
von der Beschwerdegegnerin festgehalten (E. 2.1),
bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
n
ach der Recht
sprechung nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Belang für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ist somit, ob
der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich gezogen hat
, wie dies hier wohl der Fall gewesen sein dürfte.
Die Beschwerdegegnerin hat die reichhaltige Kasuistik zum Begriff des ungewöhnlichen äusseren Faktors im angefochtenen Entscheid
zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 E. 1.3 und E.
2.2.1), darauf wird vollumfänglich verwiesen.
4.2
Mulden und Dellen
beziehungsweise Buckel
sind auf einer
S
chlittel
bahn
nichts Ungewöhnliches, insbesondere nicht am Ende derselben, wo die Fahrt mit den F
üssen gebremst
und der Schnee dadurch an einigen Stellen abgetragen und an anderen aufgeschichtet wird
.
Durch die Verdichtung des Schnees wird der Unter
grund zuweilen auch hart. Dass es beim Überfahren solcher Stellen zu Schlägen
auf die Wirbelsäule
kommt, sprengt den Rahmen eines beim Schlittenfahren üb
lichen Vorgangs nicht,
sondern gehört klarerweis
e zum einer Schlittenfahrt in
hä
renten Risiko,
weshalb es am ungewöhnlichen äusseren Faktor mangelt. Das Ereignis vom
2. Januar 2021 erfüllt den rechtlichen Unfallbegriff von Art. 4 ATSG somit nicht.
4.3
Die von der Beschwerdeführerin erlittene Verletzung
kann sodann nicht unter eine der in Art. 6 Abs. 2 UVG aufgeführten Listenverletzungen
(E. 1.1)
subsumiert werden, was Kreisärztin Dr. med.
B._
, Fachärztin für Chirurgie, in ihrer Stellungnahme vom 16. April 2021 (Urk. 7/41)
zutreffend festhie
lt. Die Liste
in Art. 6 Abs. 2 UVG
ist
überdies
abschliessend (vgl. BGE
146 V 51
E. 7.3 mit Hinweisen in Verbindung mit E. 8).
Dass keine Listenverletzung vorliegt, stellt d
ie Beschwerdeführerin
denn auch
nicht in A
brede. S
ie
regt jedoch an, die Liste mittels Gesetzesänderung anzupas
sen.
Es sei daher der Hinweis erlaubt, dass d
as Gericht das geltende Recht anzu
wenden
hat
und nicht für Gesetzesänderungen zuständig
ist
.
5.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
als rech
tens, womit die Beschwerde abzuweisen ist.