Decision ID: 6ac5602e-c8e1-43cb-b563-1577bded9a3f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
war vom 15. No
vember 201
1 (Eintragung
) bis
zur Löschung
am 21. August 2015
als
ein
zige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
Z._
im Handelsregister eingetragen
.
Vom
21. August 2015 bis am 28. September 2016
(Löschung der Gesellschaft)
war
Y._
,
Ehemann von
X._
,
als
einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der
Z._
im Handelsregister eingetra
gen
. Die Gesellschaft wurde in Anwendung von Art.
155 der Handels
registerver
ordnung (
HRegV
) von Amtes wegen
gelöscht
, da sie keine Geschäfts
tätigkeit mehr aufwies, über keine verwertbaren Aktiven mehr verfügte und kein Interesse an der Aufrechterhaltung der Eintragung geltend gemacht wurde
(
Urk. 10/407/2-3
). Die Gesellschaft war
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, Aus
gleichskasse, als beitrags
pflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen.
Die
Ausgleichs
kasse
erwirkte
in Betreibungen ge
gen die Gesellschaft für ausste
hende Lohnbei
träge
diverse
Verlustscheine
(Urk. 10/269, Urk. 10/271, Urk. 10/273, Urk. 10/275, Urk. 10/277, Urk. 10/279, Urk. 10/347-348, Urk. 10/350, 10/352, Urk. 10/354, Urk. 10/356, Urk. 10/358, Urk. 10/360, Urk. 10/362, Urk. 10/364-376)
. Mit Ver
fügung
vom 10. April 2017
wurde
X._
als
Solidarhafterin
nebst
Y._
verpflichtet, der Ausgleichskasse Schadenersatz für ent
gangene Beiträge von Fr. 31'341.70 zu leisten (Urk. 10/407/4-6). Die von
Y._
im Namen seiner Ehefrau
erhobene Einsprache vom 20. Mai 2017 (Urk. 10/411, Urk. 10/416) wurde mit Entscheid vom 6. September 2017 teilweise gutgeheissen und die Schadenersatzsumme wurde auf Fr. 26'030.20 reduziert (Urk. 2
/1
[=
Urk. 10/417]).
2.
Dagegen erhob
Y._
mit Eingabe vom 12. Oktober 2017 (zur Post gegeben am 16. Oktober 2017) im Namen seiner Ehefrau Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei vollumfänglich aufzuheben und seine Ehefrau sei von einer Schadenersatzpflicht zu befreien. Nach Ansetzung einer Nachfrist (Urk. 4) reichte
X._
mit Eingabe vom 21. Oktober 2017 (Urk. 6) die erforderliche Vertretungsvollmacht, lautend auf
Y._
, ein (Urk. 7).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. November 2017 (Urk. 9) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Replicando
hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 12. Januar 2018 an ihrem Antrag fest (Urk. 13). Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 22. Februar 2018 ebenfalls an ihrem Antrag fest (Urk. 15), was der Beschwerde
führerin mit Verfügung vom 23. Februar 2018 angezeigt wurde (Urk. 16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Miss
ach
tung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so können nach ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts subsidiär gegebenenfalls die verantwortli
c
hen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b = AHI 1997 S. 208 E. 5b, 122 V 65 E. 4a, 119 V 401 E. 2, je mit Hinweisen).
Haben mehrere Arbeit
geber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschul
de
ten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a mit Hinweisen). Dies trifft im zweiten Fall dann zu, wenn die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeit
gebers nicht mehr im Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden können (BGE 123 V 12 E. 5b, 112 V 156 E. 2; ZAK 1990 S. 287 E. 3b/
aa
).
Eine solche tatsächliche
Uneinbringlichkeit
und damit ein Schaden liegt vor, wenn die Ausgleichskasse in der gegen den Arbeitgeber eingeleiteten Betreibung auf Pfändung vollständig zu Verlust gekommen ist. Der Pfändungsverlustschein gemäss Art. 115 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 149 des Bundesge
setzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG), welcher den Schaden grund
sätzlich und in
masslicher
Hinsicht fest umschreibt, manifestiert, dass der Arbeitgeber seine Beitragspflicht nicht erfüllt hat und damit
realistischerweise
auch der Schaden
er
satzpflicht nach Art. 52 Abs. 1 AHVG nicht nachkommen kann. Deshalb steht vom Zeitpunkt der Ausstellung des Pfändungsverlustscheines an einer Belangung der subsidiär haft
baren Organe nichts im Wege. In diesem Moment hat die Aus
gleichskasse auch Kenntnis des Schadens, was die zweijährige Verjährungsfrist nach Art. 52 Abs. 3 AHVG in Gang setzt (BGE 113 V 256; SVR 2000 AHV Nr. 8; ZAK 1991 S. 125, 1988 S. 300).
2.3
Gemäss Beitragsübersicht und Konto-Auszug vom 4. April 2017 – welche die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren zusammen mit den Kassenakten (Urk. 10/1-423) eingereicht hat – bezahlte die Gesellschaft Lohnbeiträge (inkl. Neben
kosten) im Umfang von total Fr. 41'740.65 nicht (Urk. 10/407/7
-8 und Urk. 10/407/20-28
).
Dieser Betrag ist aufgrund der Kassenakten ausgewiesen und wird von der Beschwerdeführerin in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten.
Mit Verfügung vom 10. April 2017 verpflichtete die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zur Leistung von Schadenersatz im
Betrag von Fr. 31'341.70, da letztere
am 21. August 2015 als Gesellschafterin und Geschäftsführerin zurückgetreten sei und sich der massgebende Schaden daher reduziere (Urk. 10/407/4-6; vgl. den Konto-Auszug vom 4. April 2017 betreffend die Zeit vom 1. Januar 2012 bis 3. September 2015 [Urk. 10/407/9-16]).
Mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom
6. September 2017 reduzierte die Beschwerdegegnerin die Schadenersatzsumme gegenüber der Beschwerdeführerin auf Fr. 26'030.2
0.
Dabei er
wog
sie
,
anlässlich der Arbeitgeberkontrolle sei ange
geben worden, im Jahr 2016 seien keine Löhne mehr ausgerichtet worden, Ver
sehentlich
seien dennoch
Akontobeiträge
für die Periode von Januar bis Septem
ber 2016 gebucht worden. Diese Beiträge in der Höhe von Fr. 7'135.20 seien daher von der
gesamten
Schadenssumme
von Fr. 41'740.65
abzuziehen. Die Beschwer
deführerin sei
sodann
am 21. August 2015 aus der Gesellschaft ausgetreten; die Dispositionsbefugnis sei demzufolge spätestens in diesem Zeitpunkt entfallen. Sie hafte daher nicht für die
nach
diesem Zeitpunkt in Rechnung gestellten Beiträge, Betreibungskosten, Verzugszinsen und Mahngebühren von gesamthaft Fr. 8'575.2
5.
Vor diesem Hintergrund reduziere sich die Schadenersatzforderung von Fr. 41'740.65 um Fr. 7'135.20 und Fr. 8'575.25 auf Fr. 26'030.20 (Urk. 10/417/2
=
Urk.
2/1 S. 2
).
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der
Verordnung über die Alters- und
Hinter
lassen
enversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Den Kassenakten kann entnommen werden, dass die Gesellschaft ihren Pflichten als Arbeitgeberin in mehrfacher Hinsicht nicht nachgekommen ist und damit
öffentlichrechtliche
Vorschriften missachtet hat. Bezüglich des vorliegend interessieren
den Zeitraums bis
21. August 2015
ist aktenkundig, dass die Gesell
schaft
wiederholt für die Bezahlung der
Akontobeiträge
gemahnt und betrieben werden musste und dass letztlich Beiträge im Umfang von Fr. 26'030.20
unbe
zahlt
blieben
(
vgl. E. 2.3 vorstehend).
Auch hielt die Gesellschaft die elemen
tarsten Regeln des Rechnungswesens nich
t ein, denn es wurde
nie
eine Buchhal
tung geführt
. Dies räumte der Ehemann der Beschwerdeführerin anlässlich der am 26. Februar 2016 durchgeführten Arbeitgeberkontrolle ein (vgl.
den
entspre
chenden
Bericht vom
26. Februar 2016 [
Urk.
10/300/1
]
).
Dies ist grundsätzlich als grobfahrlässiges Verhalten der
Organe
der Gesellschaft
zu qualifizieren
.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, wel
che das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.
1.
2
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer
GmbH
wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
4.
1.
3
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person über
tragen wurden (BGE 108 V
199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitge
hend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwal
tungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.
1.
4
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlangen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorg
faltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E.
2a, S. 620 E.
3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.5
Die Organhaftung aus Art. 52 AHVG besteht nicht für Beitragsforderungen, die nach der Publikation der Löschung der Organstellung der betreffenden Person im Handelsregister fällig werden, weil die betreffende Person im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht mehr Organ ist. Für die vor der Publikation fälligen Beitragsfor
derungen haftet das Organ, wenn es durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässige Handlung beziehungsweise Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge im Zeit
punkt der Fälligkeit nicht bezahlt werden konnten. Ein Ver
schulden des Organs kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlun
gen oder Unterlassungen die Geschäftsführung massgeblich zu beeinflussen. Das ist faktisch längstens bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der Fall (BGE 126 V 61 E. 4a, 123 V 172 E. 3a).
4.2
4.2
.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog im Wesentlichen
, die Beschwerdeführerin sei erst am 21. August 2015
als Geschäftsführerin der Gesellschaft zurückgetreten, bis dahin sei sie deren formelles Organ gewesen. Exkulpationsgründe lägen keine vor (Urk. 10/417/1-5).
4.2
.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor, sie habe bereits ab Mitte 2014 keinerlei Funktion in der Gesellschaft mehr innegehabt und keine Tätigkeit für die Gesellschaft mehr ausgeübt, weder als Geschäftsführerin noch in einer anderen Funktion, da sie als Mutter der damals sechsmonatigen Tochter und als Hausfrau gar keine Zeit mehr dazu gehabt habe. Dementsprechend sei sie von ihrem Ehemann auch nicht mehr mit Details zum Geschäftsgang informiert wor
den. Es gebe keine Verpflichtung, tatsächliche Verantwortlichkeiten im Handels
register unverzüglich einzutragen. Die Beschwerdeführerin treffe kein Verschul
den für die finanzielle Misere oder die Schieflage der Gesellschaft. Auch die Ver
antwortlichkeiten für sämtliche Firmenbelange seien ihrem Ehemann oblegen. Die Löhne seien reduziert worden, um die Gesellschaft zu retten.
Die immer schlechter werdende Finanzlage und die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft seien ausschliesslich auf äussere, nicht beeinflussbare Faktoren zurückzuführen gewesen (Urk. 1 und Urk. 6).
4.2
.3
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Beschwerdeantwort vom 29. November 2017 fest, es sei richtig, dass für das Ende der Organstellung auf das Datum des tat
sächlichen Ausscheidens abzustellen sei. Der Zeitpunkt der Löschung im Handels
register sei dabei nur ein – wenn auch gewichtiges – Indiz. Lägen die beiden Zeit
punkte allerdings auseinander, so müsse die Loslösung von der Unter
nehmung beweismässig erstellt sein. Dies sei vorliegend nicht der Fall (Urk. 9).
4.2
.4
Die Beschwerdeführerin machte in der Replik vom 12. Januar 2018 geltend, die Beschwerdegegnerin könne nicht beweisen, dass sie ein Verschulden treffe. Sie gehe nur von allgemeinen Annahmen und Behauptungen aus. Sie (die Beschwer
de
führerin) habe keine geschäftliche Verantwortung für die Gesellschaft über
nehmen können. Sie habe eine komplizierte Schwangerschaft gehabt und ab der Geburt der Tochter am 19. Dezember 2013 habe sie sich alleine
und praktisch ohne Hilfe um
diese sowie den Haushalt kümmern müssen. Auch um ihre eigene Gesundheit sei es nicht gut bestellt gewesen, weshalb sie da auch sämtliche Belange der Gesellschaft an ihren Ehemann abgegeben habe. Dass dabei Forma
li
täten wie der Eintrag ins Handelsregister nicht die höchste Dringlich
keitsstufe gehabt hätten, sei eigentlich nachvollziehbar. Die Beschwerde müsse zudem präzisiert werden. Es sei zwar richtig, dass sie ab Mitte 2014 keinerlei Funktionen mehr für die Gesellschaft ausgeübt habe. Aber der effektive Zeitpunkt der Über
gabe aller Verfügungsg
ewalt und sämtlicher Befugnisse
habe bereits früher statt
gefunden – spätestens im Januar 2014, also einen Monat nach der Geburt der Tochter. Danach habe sie bis Mitte 2014 lediglich noch ein paar repräsentative «Auftritte»
für die Gesellschaft gehabt
(Urk. 13).
4.3
Bei der Gesellschaft handelte
es sich um ein kleines Unternehmen mit zwei Angestellten, der Beschwerdeführerin
selbst
sowie ihrem Ehemann
.
Das vorge
se
hene Kerngeschäft der Gesellschaft betraf die Vermittlung von Profi-Fussball
spielern (Urk. 6).
Die Beschwerdeführerin trat gemäss Handelsregister
eintrag
am 21. August 2015 als Geschäftsführerin der Gesellschaft zurück.
Darauf ist abzustellen, denn e
in früheres Ausscheiden
vermochte die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft darzu
tun. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bis Ende Juni 2015 noch einen Lohn bezog und dass dieser Lohn ab dem Jahr 2014 deutlich höher ausfiel als derjenige des Ehemannes
(vgl. Urk. 10/184/2-3 und Urk. 10/297)
. Dies widerspricht der Darstellung der Beschwerdeführerin, sie habe ab Mitte 2014 keinerlei Funktionen mehr für die Gesellschaft ausgeübt, ab Januar 2014 lediglich noch im Sinne repräsentativer «Auftritte» (E. 4.2.4). Abgesehen davon war die Beschwerdeführerin
bis zu ihrem Rücktritt am 21. August 2015
als einzige Geschäftsführerin der Gesellschaft im Handelsregister eingetragen.
M
it ihrem
Rücktritt erfolgte
gemäss Handelsregister
der nahtlose Übergang
der Geschäftsführungsbefugn
is auf den
Ehemann. Diese zeitliche Abfolge spricht gegen ein früheres Austreten der Beschwerdeführerin aus der Geschäftsführung,
hätte
der Gesellschaft
doch
ansonsten
eines der vorgeschriebenen Organe
gefehlt
(Organisationsmangel)
.
Es vermag sodann nicht zu überzeugen, dass die Beschwerdeführerin keine Kenntnisse vom Geschäftsgang gehabt haben soll. Sie und ihr Ehemann waren
wie bereits erwähnt
-
die einzigen Angestellten der Gesellschaft und in der Beschwerde brachte
die Beschwerdeführerin
selbst vor: «Entgegen Ihren Aus
führungen hatten wir bereits mehrere Male infolge des schlechten Geschäfts
ganges der Firma unsere Lohnbezüge reduziert und alles dafür getan, die Firma nicht zu belasten bzw. zu retten» (Urk. 6 S.
2). Die Lohnreduktionen waren zwi
schen den Ehegatten somit abgesprochen, was die Kenntnis der Beschwerde
führerin über den Geschäftsgang voraussetzt.
Im Übrigen begründen weder eine Mutterschaft noch eine Tätigkeit im Haushalt ein Unvermögen, die Tätigkeit als Geschäftsführerin wahrzunehmen. Längerdauernde gesundheitliche Schwierig
keiten der Beschwerdeführerin, welche ihr eine Tätigkeit als Geschäftsführerin verunmöglicht hätten, wurden nicht belegt. Aus den Akten ergeben sich lediglich kurzfristige Ausfälle (vgl. z.B. Urk. 10/103/2 und Urk. 10/109).
4.4
Als Fazit ist somit Folgendes festzuhalten: Dass die Beschwerdeführerin die Geschäftsführertätigkeit faktisch vor dem 21. August 2015 aufgegeben hätte, ist nicht
erwiesen. Für die Zeit ihrer Geschäftsführertätigkeit vermag sie sich sodann nicht zu exkulpieren.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Miss
ach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103
V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Der Kausalzusammenhang ist zu bejahen, e
in Mitverschulden der Beschwerde
gegnerin besteht nicht.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.