Decision ID: 0e692e6e-cf49-4cf3-b5c3-fd293c7aa862
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977,
Mutter von drei Kindern (geboren 2009, 2012 und
2014),
meldete sich am 1
1.
April 2019 beim Regionalen Arbeitsvermittlungs
zentrum (RAV)
Z._
zur Arbeitsvermittlung (
Urk.
8/6) und beantragte am 2
3.
April 2019
bei der
Unia
Arbeitslosenkasse
Arbeitslosen
entschädigung ab dem
1.
April 2019 (
Urk.
8/7).
Mit Kassenverfügung vom
4.
September 2019 verneinte die
Unia
Arbeitslosenkasse einen Anspruch der Versicherten auf Arbeitslosenent
schädigung
,
da der erforderliche Mindestverdienst
von monatlich
Fr.
500.--
nicht erreicht sei (Urk.
8/34). Die dagegen von der Versicherten am 2
6.
September 2019 erhobene
Einsprache
(
Urk.
8/36) wies die
Unia
Arbeitsl
osenkasse mit Entscheid vom 14.
November 2019 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
6.
Dezember 2019 Beschwerde und bean
tragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ein Anspruch auf Ar
beitslosentag
gelder anzuerkennen (
Urk.
1
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Besc
hwerdeantwort vom
3.
Januar 2020
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
7), was der Besc
hwerdeführerin am
8.
Januar 2020
angezeigt wurde (Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die ver
si
cherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung,
AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der Rahmenfrist nach Art. 9 Abs. 3 AVIG während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die
versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Ge
sichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. e in Verbindung mit
Art.
13
Abs.
1 AVIG ist grundsätzlich einzig die Ausübung einer beitragspflich
tigen Beschäftigung während der geforderten Dauer von zwölf Beitragsmonaten. Diese Tätigkeit muss genügend überprüfbar sein. Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung kommt dabei nach dem Gesagten nicht der Sinn einer selbständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kriti
schen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung ei
ner beitragspflichtigen Beschäftigung. Soweit eine solche Beschäftigung nachge
wiesen, der exakte ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben ist, hat eine Kor
rektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2013 vom 2
5.
Juni 2013 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 444 E. 3.2.3).
1.2
Nach der Rechtsprechung ist die Ausübung einer an sich beitragspflichtigen Be
schäftigung nur Beitragszeiten bildend, wenn und soweit
hiefür
effektiv ein Lohn ausbezahlt wird. Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlung sol
len und können Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden. Als Beweis für den tatsächli
chen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein auf den Namen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin lautendes Post- oder Bank
konto. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen und Auskünfte von ehemaligen Mitarbeitern (allenfalls in Form von Zeugenaussagen) in Betracht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlung bilden Arbeitgeberbescheini
gungen, vom Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin unterzeichnete Lohnabrech
nungen und Steuererklärungen sowie Eintragungen im individuellen Konto (BGE 131 V 444 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit ei
nes bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
die Angaben zur Anstellung der Beschwerdeführerin beim
A._
, der von deren Schwager betrieben werde, widersprüchlich seien.
Gemäss Arbeitge
berbescheinigung sei
d
ie Beschwerdeführerin
ab dem
1.
März 2018
als Hilfsa
r
beiterin,
gemäss Arbeitsvertrag
aber
als Ver
einswirtin
angestellt gewesen. Per 3
1.
März 2019 sei ihr die Stelle aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden. Der Monatslohn von
Fr.
5'200.--
solle
dabei
bar ausbezahlt worden
sein
. Als Be
lege für den tatsächlichen Lohnfluss seien unterschriebene Lohnabrechnungen eingereicht worden, welche
allerdings
alle erst nach Beendigung des Arbeitsver
hältnisses am
2
5.
Juni 2019 ausgestellt worden seien.
Weiter sei anzumerken, dass
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
bis zum
7.
Oktober 2019 keine Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet worden seien und auch keine Beleg
e für Beiträge an eine
Pensionskas
se vorliegen wür
den.
Kontoausz
üge oder ähnliches, aus welchen
Einzahlungen der jeweiligen Lohnsumme hervorgehen würden, seien
ebenfalls
nicht eingereicht worden. Auf
grund der gesamten Umstände seien die geltend gemachten Lohnbezüge nicht mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit nachgewiesen.
Vielmehr könne ein Miss
brauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sei
e
n, nicht ausgeschlossen werden
(
Urk.
2 S. 3
).
2.2
Die Beschwerdeführerin m
achte demgegenüber geltend,
sie
habe
als Arbeitneh
merin
keinen Einfluss
darauf
gehabt
, dass die Arbeitgeberin die Lohnabrechnun
gen erst im Juni 2019
er
stellt
,
die Sozialversicherungsbeiträge
nicht bezah
l
t
und die verlangten Unterlagen nicht eingereicht
habe.
Für die Zeit ihrer Beschäfti
gung gebe es Lohnjournale, die von
der
B._
, der externen Buch
halterin des
A._
s,
erstellt worden seien.
Die Beschwerdeführerin sei im
A._
flexibel eingesetzt worden und im Bereich Reinigung und Service tätig gewesen. Der Vorwurf, dass keine Pensionskassenbeiträge bezahlt worden seien, sei zwar korrekt. Dies sei im Arbeitsvertrag aber auch nicht ver
einbart worden (auch wenn dies nicht zulässig sei).
Der
T
reuhänder des
A._
s
habe – in
Übereinstimmung mit der
Beschwerdeführerin - bestätigt
, dass die Löhne jewei
ls
bar ausbezahlt worden seien.
D
ie
Sozi
alversicherungsbei
träge
würden
bei der Ausgleichskasse
nachbezahlt.
Zudem sei darauf hinzuwei
sen, dass die
Beschwerdeführerin das
Einkommen beim
A._
in der Steuererklärung 2018
vollumfänglich deklariert habe.
Aus den Beilagen zur
Steu
ererklärung
gehe hervor
, dass diverse grössere Einzahlungen auf die privaten Konten der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes
erfolgt
seien. Es
sei daher anzunehmen
,
dass die bar ausbezahlten Löhne Ende Jahr auf die
se
Konten der Familie einbezahlt worden seien
. Das einbezahlte Geld übersteige den Erlös des Landverkaufs in der Türkei. Der Lohnfluss sei somit nachgewiesen (
Urk.
1 Be
gründung
Rz
. 3 ff.
).
3.
3.1
Vorliegend sind
mehrere
Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten gegeben
, welche ernsthafte Zweifel daran wecken, dass die Beschwerdeführerin
im
Zeitraum vom
1.
März 2018 bis zum 3
1.
März 2019 tatsächlich in einem 100%-Pensum beim
A._
(
Urk.
8/3)
, der von ihrem Schwager betrieben wird
(
Urk.
1 Be
gründung
Rz
. 3
)
,
tätig war.
3.2
Dem prozessorientierten Beratungsprotokoll ist zu entnehmen, dass
die Be
schwerdeführerin anlässlich des
Gespräch
s
mit dem RAV-Berater vom 25.
April 2019 im Beisein
eines Übersetzers
an
gegeben habe
, sie habe
bei
m
A._
jeweils von 7.00
bis
16.00 Uhr im Service gearbeitet. Ihre Tätigkeit
en
habe sie dabei
nicht wirklich
beschreiben können
(
Urk.
8/10).
Gemäss Webseite ist
der
A._
jedoch von Montag bis Donnerstag erst ab 14.00
Uhr
(bis 00.00 Uhr) und von Freitag bis Sonntag ab 12.00 Uhr (bis 00.00 bzw. 02.00 Uhr) geöff
net (
Urk.
3/5).
Im
Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens br
achte die Beschwerdeführerin
nun
vor
, sie sei im
A._
nicht nur im Service, sondern
auch im Bereich Reinigung
tätig gewesen (
Urk.
1 Begründung
Rz
. 5
).
Selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, erscheint es indes eher unwahrschein
lich
, dass sie täglich
fünf
bis sieben Stunden
Reinigungsarbeiten geleistet hat, bevor der
Club jeweils
öffnete.
Im Weiteren
geht aus
den
am 2
5.
Juni 2019
nachträglich
erstellten
Lohnabrech
nungen des
A._
s von März 2018 bis März 2019
hervor
, dass der Loh
n von netto
Fr.
4'601.30
bar bezogen worden sei (
Urk.
8/18).
Auch bei einer Barauszahlung des Lohnes ist
aber
davon auszugehen, dass die
Beschwerdefüh
rerin
jeweils
zumindest einen Teil davon
auf
ein Konto
einbezahlt
hätte
.
Solche
regelmässige
n
Gutschriftsanzeigen
sind aus
den
im
v
orliegenden Beschwerdever
fahren
ins Recht gelegten Konto
auszügen, welche das Ehepaar
den Steuerbehör
den als Beilagen zur Steuererkl
ärung 2018 einreichte
,
jedoch
nicht ersichtlich (
Urk.
3/6
;
im
Verwaltungs
- und
Einsprache
verfahren
hatte die Beschwerdeführe
rin der Beschwerdegegnerin trotz entsprechender Aufforderung
en
keine Bank- und Postkontoauszüge einge
reicht; vgl.
Urk.
8/17
und
Urk.
8/39
).
Dass
es sich bei der
Einzahlung von
Fr.
90'000.-- vom
1
5.
Oktober 2018 auf d
as Postk
onto Nr.
«...»
oder
jener
von Fr.
35'000.-- vom
7.
Dezember 2018 auf das ZKB-Sparkonto Nr.
«...»
um den Lohn der Besch
werdeführerin
han
deln soll
, erscheint sodann wenig plausibel.
Der Umstand, d
ass
der
behauptete
Lohn
der Ausgleichskasse
zwecks Abrechnung der Sozialv
ersicherungsbeiträge (AHV/IV/EO
) nacht
räglich
gemeldet wurde (Urk.
8/33
), die Beschwerdeführerin das
betreffende
Einkommen in der
(erst) am 1
0.
September 2019 ausgefüllten
Steuererklärung 2018
deklarier
te (
Urk.
3/6
), der Schwager eine Arbeitgeberbe
scheinigung und
einen entsprechenden Lohnaus
weis
ausstellte
(
Urk.
8/3 und
Urk.
3/6
) und
die Lohnzahlungen
in den
Kumula
tivjournal
en
de
r
B._
von 2018 und 2019
(
Urk.
8/4
)
aufgelistet
wurden,
vermag
eine
n tatsächlichen Lohnfluss
schliesslich
nicht zu beweisen.
3.3
Geeignete Belege für eine
tatsächlich erfolgte Lohnzahl
u
ng liegen demzufolge nicht vor.
Die
Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der
behaupteten Dauer von 13
Monaten
ist
damit
nicht nachgewiesen.
Aber selbst wenn eine solche Beschäftigung vorliegend als nachgewiesen erachtet werden könnte, liesse sich die Lohnhöhe aufgrund der unbelegten Barauszahlungen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermit
teln. Die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe hat rechtsprechungsgemäss zur Folge, dass sich ein versicherter Verdienst im Sinne von
Art.
23
Abs.
1 AVIG nicht hinreichend zuverlässig festlegen lässt, was ebenfalls zur Verneinung eines Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung führt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_75/2013 vom 2
5.
Juni 2013 E. 3.5, 8C_749/2018 vom 28. Februar 2019 E. 5.4, 8C_297/2019 vom 29. August 2019 E. 6.1 in Verbindung mit E. 7).
Von
allfällige
n weiteren
Beweismassnahmen
sind sodann
keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Be
weiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
Dass die Be
schwerdegeg
nerin
am 1
4.
November 2019
den
angefochtenen
Einsp
racheentscheid
erliess
(
Urk.
2)
,
nachd
em sie mit Schreiben vom
1.
und vom 2
4.
Oktober 2
019
(
Urk.
8/
40 und
Urk.
8/
46) vom
Schwager der Beschwerdeführerin
vergeblich weitere Anga
ben verlangt hatte,
stellt
– entgegen
dem Vorbringen
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 Begründung
Rz
. 7 ff.
)
- keine Verletzung des in
Art.
43
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts statuierten Untersuchungsgrundsatzes dar.
4.
Der angefochtene Entscheid, mit welchem ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung verneint wurde, erweist sich demnach als rech
tens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.