Decision ID: 132e4171-9bb1-4d7d-86e5-5be3406895f5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 27. Januar 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Bei der Personalienaufnahme (PA; ZEMIS-Direkterfassung)
vom 2. Februar 2022 gab er an, er sei ein afghanischer Staatsangehöriger
aus der Provinz B._.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Zentral-
einheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 25. Februar 2020
in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hatte.
A.c Am 14. Februar 2022 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer in
Anwesenheit seiner zugewiesenen Rechtsvertretung ein persönliches Ge-
spräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO), durch.
Dabei gab er zu Protokoll, er habe Afghanistan 2019 verlassen und sei
Ende desselben Jahres in Griechenland eingetroffen, wo er ungefähr ein-
einhalb Jahre geblieben sei. Das dort gestellte Asylgesuch sei abgelehnt
worden. Seine Weiterreise habe ihn nach Serbien und Bosnien und Herze-
gowina geführt, wo er einige Monate geblieben sei. Er habe zehnmal ver-
sucht, die kroatische Grenze zu überqueren, sei indessen jeweils nach
Bosnien und Herzegowina zurückgewiesen worden. Man habe weder
seine Personalien auf- noch seine Fingerabdrücke abgenommen. Beim elf-
ten MaI sei ihm die Einreise nach Kroatien gelungen und er sei in die
Schweiz gereist. Zu gesundheitlichen Problemen befragt, erklärte der Be-
schwerdeführer, er leide unter einer Sonnen- und Hitzeallergie und habe
einen Hautauschlag an Beinen und Füssen, der Warzen gleiche, die man
herausoperieren müsste. Ansonsten sei er gesund.
A.d Das SEM stellte bei den griechischen Behörden am 22. Februar 2022
ein Auskunftsersuchen hinsichtlich des vom Beschwerdeführer in Grie-
chenland durchlaufenen Asylverfahrens. Am gleichen Tag ersuchte das
SEM die kroatischen Behörden um Auskunft, ob der Beschwerdeführer
ihnen bekannt sei.
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A.e Am 9. März 2022 teilten die griechischen Behörden dem SEM mit, dem
Beschwerdeführer sei in Griechenland am 28. September 2021 von der
Beschwerdeinstanz subsidiärer Schutz gewährt worden. Es sei ihm an-
schliessend eine Aufenthaltsbewilligung erteilt worden, die ihm nicht habe
ausgehändigt werden können.
A.f Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2022 teilte das SEM dem Be-
schwerdeführer mit, dass die Dublin-III-VO nicht anwendbar sei, da er in
Griechenland subsidiären Schutz erhalten habe. Die Schweiz würde das
Asylgesuch nicht prüfen und er müsste nach Griechenland zurückkehren.
Dem Beschwerdeführer wurde Frist zur Einreichung einer Stellungnahme
(rechtliches Gehör) gewährt.
A.g Am 16. März 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom
28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re-
gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen
mit irregulärem Aufenthalt um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
A.h Die kroatischen Behörden teilten dem SEM am 28. März 2022 mit, der
Beschwerdeführer sei in Kroatien nicht bekannt.
A.i Die zugewiesene Rechtsvertretung übergab dem SEM am 30. März
2022 einen den Beschwerdeführer betreffenden provisorischen Notfallbe-
richt des (...) vom 27. März 2022. Diagnostiziert wurde ein viraler Infekt der
oberen Atemwege (Differentialdiagnose Covid-19).
A.j Am 31. März 2022 reichte der Beschwerdeführer mittels seiner Rechts-
vertretung eine Stellungnahme zur Zwischenverfügung vom 16. März 2022
ein. Darin wurde beantragt, es sei von einer Wegweisung abzusehen und
der Beschwerdeführer sei vorläufig aufzunehmen.
A.k Die griechischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen
des SEM am 1. April 2022 zu und teilten mit, dass dem Beschwerdeführer,
am 28. September 2021 subsidiärer Schutz gewährt worden und seine am
folgenden Tag erteilte Aufenthaltsbewilligung bis am 28. September 2022
gültig sei. Die beiden Entscheidungen hätten ihm nicht eröffnet werden
können.
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A.l Mit Verfügung vom 20. Juli 2022 wies das SEM den Beschwerdeführer
für den Aufenthalt während des weiteren Asylverfahrens dem Kanton
C._ zu.
A.m Das SEM bat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Pflege der
(...) am 2. November 2022 um Auskunft über den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers.
A.n Am 4. November 2022 übermittelte das SEM dem Beschwerdeführer
einen Fragenkatalog hinsichtlich seines Aufenthalts in Griechenland nach
Gewährung des subsidiären Schutzes und gewährte ihm das rechtliche
Gehör zur Zuständigkeit Griechenlands sowie zum beabsichtigten Nicht-
eintretensentscheid und der Wegweisung in dieses Land.
A.o Die für die Pflege der (...) zuständige Fachperson informierte das SEM
am 21. November 2022 dahingehend, dass der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers gut/stabil sei. Seit dem 25. August 2022 sei er in der-
matologischer Behandlung. Er benötige ein Medikament zur Behandlung
seiner Warzen im Fussbereich.
A.p Das SEM erkundigte sich bei der zugewiesenen Rechtsvertretung am
22. November 2022, ob sie auf eine Stellungnahme zum Schreiben vom
4. November 2022 verzichten wolle.
A.q Die Rechtsvertretung stellte dem SEM am 24. November 2022 eine
Kopie der bereits am 21. November 2022 per Einschreiben aufgegebenen
Stellungnahme vom selben Tag zu. In dieser wurde die Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme beantragt, da eine Wegweisung nach Griechenland un-
zumutbar sei.
A.r Am 6. Dezember 2022 stellte das SEM dem Beschwerdeführer einen
Entscheidentwurf zu, zu dem er mittels der zugewiesenen Rechtsvertre-
tung am selben Tag Stellung nahm.
B.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 8. Dezember 2022 trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
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C.
Die zugewiesene Rechtsvertretung teilte dem SEM am 8. Dezember 2022
mit, sie lege ihr Mandat per sofort nieder.
D.
Mit Eingabe vom 15. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer durch
seine neu mandatierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht
gegen diesen Entscheid Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
8. Dezember 2022 sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei
anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter
seien spezifische Garantien von den griechischen Behörden einzuholen,
um eine angebrachte Unterbringung und medizinische Versorgung sicher-
zustellten. Es sei ihm zufolge Mittellosigkeit Kostenbefreiung zu gewähren
und auf einen Kostenvorschuss zu verzichten. Der Beschwerde sei auf-
schiebende Wirkung zu gewähren und es sei ein superprovisorischer Voll-
zugsstopp zu erlassen; die kantonalen Behörden seien entsprechend an-
zuweisen.
Der Beschwerde lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. S. 16 derselben).
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
16. Dezember 2022 den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – unter nachstehenden Vorbehalt –
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa-
chen aufschiebende Wirkung und das SEM hat der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf die An-
träge, der Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu gewähren und es sei
ein superprovisorischer Vollzugsstopp zu erlassen und die kantonalen Be-
hörden seien entsprechend anzuweisen, ist daher mangels Rechtsschutz-
interesses nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, es bestünden zwar An-
zeichen, dass der Beschwerdeführer die Bedingungen für eine vorläufige
Aufnahme nach Art. 83 AIG erfüllen würde, da er in Griechenland subsidi-
ären Schutz erhalten habe. Für ein allfälliges Ersuchen um Wiedererwä-
gung des Asylentscheides sei aber Griechenland zuständig. Gemäss
Art. 25 Abs. 2 VwVG sei einem Begehren um Feststellung der Flüchtlings-
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eigenschaft oder von Wegweisungshindernissen in den Heimat- oder Her-
kunftsstaat in der Schweiz nur dann zu entsprechen, wenn ein schutzwür-
diges Interesse nachgewiesen werde. Dies könne nicht gelingen, wenn be-
reits ein Drittstaat einen Schutzstatus erteilt habe. Er könne nach Griechen-
land zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Re-
foulement-Prinzips zu befürchten. Seine griechische Aufenthaltsbewilli-
gung sei zwar abgelaufen, Griechenland habe aber am 1. April 2022 seiner
Rückübernahme explizit zugestimmt und den zuerkannten subsidiären
Schutz bestätigt. Es sei ihm bei einer Rückkehr nach Griechenland auf der
Grundlage der nationalen Gesetzgebung und Regelungen unbenommen,
die Erneuerung seines Status und die Verlängerung der Aufenthaltsbewil-
ligung zu beantragen. Der Einwand der Rechtsvertretung in der Stellung-
nahme vom 6. Dezember 2022, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung sei nicht gesichert, vermöge diese Erwägungen nicht umzustossen.
Hinsichtlich der im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 21. November
2022 gemachten Aussagen sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer
Griechenland auf eigene Faust verlassen habe und für die griechischen
Behörden nicht mehr erreichbar gewesen sei, weshalb er diesen die ihm
als Schutzberechtigter gegenüber nicht gewährten Leistungen nicht pau-
schal vorhalten könne. Unterstützungsleistungen und weitere Rechte
müssten allenfalls auf dem Rechtsweg bei den zuständigen Behörden ein-
gefordert werden. Zudem stehe die Möglichkeit offen, sich an eine der vor
Ort tätigen Hilfsorganisationen zu wenden. Es sei nicht davon auszugehen,
dass eine Überstellung des Beschwerdeführers nach Griechenland gegen
Art. 3 EMRK verstosse. Das Bundesverwaltungsgericht habe in den Refe-
renzurteilen E-3427/2021, E-3431/2021 die bisherige Rechtsprechung be-
stätigt, wonach eine Überstellung nach Griechenland im Rahmen eines
Rückübernahmeverfahrens nicht grundsätzlich unzulässig sei. Es seien
somit keine Gründe ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr nach Griechen-
land in eine existenzbedrohende Lage gerate. Er könne sich bemühen, in
die vorhandenen Unterstützungsprogramme aufgenommen zu werden. Im
Übrigen stehe ihm der Weg an den Europäischen Gerichtshof für Men-
schenrechte (EGMR) offen. Bezüglich der geltend gemachten erlittenen
Gewalt durch Polizisten sei anzumerken, dass Griechenland ein Rechts-
staat sei, der über eine funktionierende Polizeibehörde verfüge, die als
schutzwillig und -fähig gelte. Bei befürchteten oder erlittenen Übergriffen
könne er sich an die zuständigen staatlichen Stellen wenden. Bezüglich
seiner Aussage, er vertraue den dortigen Behörden nicht, sei zu sagen,
dass es aufgrund beschränkter Ressourcen keinem Staat gelinge, alle Per-
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sonen, die sich auf seinem Territorium aufhielten, prophylaktisch vor allfäl-
ligen Straftaten zu schützen. Die entsprechenden Vorbringen bezögen sich
auf die Zeit vor der Gewährung des Schutzstatus. Da er durch die Schutz-
gewährung griechischen Staatsangehörigen gleichgestellt sei, könne er
daraus keine pauschale Verletzung der Verpflichtungen der griechischen
Behörden ihm gegenüber ableiten.
Bezüglich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme des Be-
schwerdeführers sei festzuhalten, dass die medizinische Versorgung in
Griechenland in allgemein- und fachmedizinischer Hinsicht inklusive psy-
chologischer und psychiatrischer Behandlungsmöglichkeiten für Personen
mit Schutzstatus auf Grundlage der Richtlinie 2011/95/EU (sog. Qualifika-
tionsrichtlinie) gewährleistet sei. Es sei davon auszugehen, dass eine adä-
quate Behandlung gegeben sei. Es sei ihm nötigenfalls unbenommen,
seine Rechte bei den griechischen Behörden gerichtlich geltend zu ma-
chen. Aufgrund der vorliegenden Berichte sei zu schliessen, dass keine
medizinische Notlage bestehe und sich sein Gesundheitszustand bei einer
Rückkehr nach Griechenland nicht drastisch verschlechtern werde. Den
Akten seien keine Hinweise auf lebensbedrohliche gesundheitliche Beein-
trächtigungen des Beschwerdeführers zu entnehmen. Es sei nicht auf eine
gesundheitliche Gefährdung zu schliessen, welche die Rückführung ge-
mäss ständiger Praxis als nicht zulässig oder nicht zumutbar erscheinen
lassen könnte. Die Reisefähigkeit werde kurz vor der Überstellung definitiv
beurteilt. Das SEM trage dem aktuellen Gesundheitszustand bei der Orga-
nisation der Überstellung Rechnung, indem es die griechischen Behörden
vor der Überstellung über seine gesundheitliche Verfassung und die not-
wendige medizinische Behandlung informiere und er medizinisch begleitet
werde, sollte sich dies als notwendig erweisen.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe
nach seiner Ankunft in Griechenland anfänglich in einer Unterkunft
D._ und später in einem Lager E._ gelebt. Die dortigen Zu-
stände seien menschenunwürdig gewesen. Er habe keine medizinische
Versorgung erhalten und NGOs, die solche hätten leisten wollen, seien von
den griechischen Behörden daran gehindert worden. Von einer Hilfsorga-
nisation habe er monatlich 65 oder 75 Euro erhalten. Da er gehofft habe,
in F._ eine bessere Situation anzutreffen, sei er dorthin gegangen.
Um ein Dach über dem Kopf zu haben, habe er sich in einem Camp ver-
steckt. Weil er bereits registriert worden sei, habe er sich in F._ nicht
nochmals registrieren lassen können. Er habe nicht erfahren, dass er auf
Beschwerdeebene subsidiären Schutz erhalten habe. Aufgrund fehlender
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Sprachkenntnisse habe er keine Arbeit gefunden, obwohl er sich oft darum
bemüht habe. Von den Behörden werde von Personen mit Schutzstatus
verlangt, dass sie Arbeit fänden, wobei sie indessen nicht unterstützt wür-
den. Somit wäre er auch mit Schutzstatus sich selber überlassen worden
und in eine existenzielle Notlage geraten.
Hinsichtlich seiner gesundheitlichen Probleme könne der Beschwerdefüh-
rer in der Schweiz regelmässig einen Hausarzt (recte: Hautarzt) aufsuchen;
allein im November 2022 habe er fünf Termine gehabt, was zeige, dass er
auf medizinische Behandlung angewiesen sei. Seine gesundheitlichen
Probleme seien noch nicht abschliessend diagnostiziert. Da er psychisch
sehr angeschlagen sei, möchte er einen Psychologen oder Psychiater auf-
suchen. Der neuste AIDA-Länderbericht (Asylum Information Database) of-
fenbare die unmenschlichen Lebensbedingungen, die Menschen mit
Schutzstatus in Griechenland wiederfänden, und beschreibe die Ver-
schlechterung der Situation seit Aufhebung der «Cash Assistance» und
weiterer Einschränkungen.
Bei einer Rückkehr erhielten Schutzberechtigte von den Behörden keine
Informationen und 30 Tage nach Schutzgewährung verlören sie ihre Unter-
kunft. Der Staat unterstütze sie nicht bei der Suche nach einer Wohnung.
Auch der Zugang zum Arbeitsmarkt gestalte sich schwierig. Für den Zu-
gang zu Sozialhilfe benötige man zahlreiche Dokumente, weshalb die We-
nigsten in der Lage seien, die Voraussetzungen zu deren Erhalt zu erfüllen.
Der Zugang zu Gesundheitsdiensten sei in der Praxis durch einen erhebli-
chen Mangel an Ressourcen und Kapazitäten behindert. Zudem bestün-
den administrative Hindernisse bei der Erteilung der Sozialversicherungs-
nummer. Wer über keine solche verfüge, habe keinen Zugang zur öffentli-
chen Gesundheitsversorgung. Psychologische und psychiatrische Ange-
bote fehlten für Schutzberechtigte gänzlich. Asylsuchende, die in Griechen-
land gewesen seien, wüssten über diese untragbare Situation Bescheid.
So sei es einem Asylsuchenden ergangen, der sich vor kurzem das Leben
genommen habe, nachdem entschieden worden sei, dass er nach Grie-
chenland zurückkehren müsse. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, wie
unmenschlich die Zustände in Griechenland für Rückkehrende seien.
Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) dürfe
ein Asylgesuch nicht einzig deshalb abgelehnt werden, weil bereits in ei-
nem anderen EU-Mitgliedstaat Schutz gewährt worden sei, falls die Person
eine drohende Verletzung von Art. 4 EU-Grundrechtecharta (GRC) bezie-
hungsweise Art. 3 EMRK geltend mache. Eine Verletzung von Art. 4 GRC
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sei erreicht, wenn die Gleichgültigkeit der Behörden eines Mitgliedstaats
zur Folge habe, dass eine unterstützungsbedürftige Person sich unabhän-
gig von ihrem Willen in einer Situation extremer Not befände, die es ihr
nicht ermögliche, ihre elementarsten Bedürfnisse zu befriedigen. Als be-
sonders schutzbedürftig gälten gemäss Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts Menschen, deren psychische oder physische Gesundheit
beeinträchtigt sei. Der Beschwerdeführer habe eine belastete Vergangen-
heit und leide an psychischen und physischen Problemen. Seine Hautprob-
leme seien dringend behandlungsbedürftig; in Griechenland habe er keine
medizinische Behandlung erhalten.
Aufgrund all dieser Umstände bestehe für den Beschwerdeführer die ernst-
hafte Gefahr, dass er in Griechenland in eine Situation extremer Armut ge-
raten und seine elementarsten Bedürfnisse nicht mehr befriedigen könnte,
weshalb eine Verletzung von Art. 4 GRC und Art. 3 EMRK zu bejahen sei.
Dies führe zur Rechtswidrigkeit des Nichteintretens auf das Asylgesuch.
Entgegen der Annahme des SEM sei davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer seine Aufenthaltsbewilligung in Griechenland nicht verlän-
gern könne. Es wäre ihm dort kein Schutz garantiert. Alles deute darauf
hin, dass die Behörden keine Bemühungen unternommen hätten, ihm mit-
zuteilen, dass er subsidiären Schutz erhalten habe. Es sei stossend, dass
das SEM ihm zumute, bei diesen den Status des subsidiären Schutzes zu
beantragen.
Vorliegend sei der medizinische Sachverhalt, der für die Qualifikation einer
besonders schutzbedürftigen Person relevant sei, nicht hinreichend abge-
klärt. Der Beschwerdeführer habe mehrfach auf seine physischen Be-
schwerden hingewiesen. Es seien mehrere Monate verstrichen, bis er zu
einem Arzt habe gehen können. Die medizinischen Abklärungen seien
noch nicht abgeschlossen und das Ausmass seiner gesundheitlichen Prob-
leme könne ohne fachkundige Untersuchung nicht beurteilt werden. Des-
halb sei die Sache an das SEM zurückzuweisen.
5.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche. Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG wurde deshalb auf die Durchführung eines Schriftenwechsels
verzichtet.
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Seite 11
6.
6.1 In formeller Hinsicht wird gerügt, der Sachverhalt zur gesundheitlichen
Verfassung des Beschwerdeführers sei nicht vollständig festgestellt wor-
den, weshalb das SEM seine Pflicht zur vollständigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts verletzt habe.
6.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl. BVGE
2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist nicht verpflichtet, zu jedem Sach-
verhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche
Abklärungen sind nur vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als
angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Ihre Grenze findet die Untersu-
chungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG).
6.3 Beim Dublin-Gespräch vom 14. Februar 2022 sagte der Beschwerde-
führer, er leide unter einer Sonnen- und Hitzeallergie und habe einen Haut-
ausschlag an Beinen und Füssen, der Warzen gleiche, die man herausope-
rieren müsste. Ansonsten sei er gesund (vgl. SEM-act. [...]-13/2 S. 1). Die
für die Pflege zuständige Fachperson der (...) teilte dem SEM am 21. No-
vember 2022 mit, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei
gut/stabil. Seit August 2022 sei er in dermatologischer Behandlung und be-
nötige ein Medikament zur Behandlung seiner Warzen im Fussbereich (vgl.
SEM-act. [...]-38/1). In einer E-Mail vom 15. Dezember 2022 schrieb er
seiner Rechtsvertretung, dass er zu einem Psychiater gehen müsse, da er
aufgrund von Angst und Stress nicht schlafen könne. Hinsichtlich der der-
matologischen Probleme des Beschwerdeführers, die sicherlich unange-
nehm sind, bedarf es keiner weiteren Abklärungen, da sie in Griechenland
weiterbehandelt werden können und für die Beurteilung der Durchführbar-
keit des Wegweisungsvollzugs irrelevant sind, zumal es sich nicht um eine
schwerwiegende Erkrankung handelt, die einem Vollzug entgegenstehen
könnte. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten psychischen Probleme dazu geführt
hätten, dass er von den ihn behandelnden Ärzten oder der Pflege an einen
Psychiater überwiesen wurde. Ernsthafte psychische Leiden, die eine fach-
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Seite 12
ärztliche Behandlung notwendig gemacht hätten, hätten in den medizini-
schen Akten Niederschlag gefunden. Von einer ungenügenden Sachver-
haltsfeststellung kann daher nicht ausgegangen werden.
6.4 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet, weshalb keine Veran-
lassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
an das SEM zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM auf ein Asylgesuch
nicht ein, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in dem sie
sich vorher aufgehalten hat.
7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG).
7.3 Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass
es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU)
um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG han-
delt. Mit Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden
sämtliche Länder der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation
(EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. Den vorinstanzlichen Akten ist
sodann zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland sub-
sidiärer Schutz gewährt worden ist und die griechischen Behörden seiner
Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt haben. Demnach sind die Vor-
aussetzungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch des Beschwer-
deführers zu Recht nicht eingetreten ist.
8.
8.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Das SEM hat die Wegweisung demnach zu Recht verfügt (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 13
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für
Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer
Notlage konkret gefährdet sind.
9.3
9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder
Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied-
rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohte.
Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunktionalen
Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existieren in
Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn auch die
Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor allem von
internationalen Akteuren in Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilgesell-
schaft erbracht und finanziert werden. Trotz dieser schwierigen Verhält-
nisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass schutzberech-
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tigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen Bedürf-
nisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass Rückkehrenden
keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für sie kein «real
risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht. An dieser Einschät-
zung vermag auch der auf Beschwerdeebene angerufene neuste Länder-
bericht der AIDA nichts zu ändern.
9.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(vgl. Referenzurteile E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022
E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegwei-
sung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Perso-
nen, wie zum Beispiel Personen, die an gesundheitlichen Problemen lei-
den, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O
E. 11.5.1).
9.3.3 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzu-
stossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die
Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzten, ihr nicht den not-
wendigen Schutz gewährten oder sie menschenunwürdigen Lebensum-
ständen aussetzten respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von in-
dividuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art
in eine existenzielle Notlage geriete (vgl. Referenzurteil E-3427/2021,
E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.4).
10.
10.1 Der Beschwerdeführer hat in Griechenland am 28. September 2021
subsidiären Schutz erhalten. Dieser dauert solange an, bis die Umstände,
die zu ihm geführt haben, weggefallen sind (vgl. Art. 16 Abs. 1 der Richtlinie
2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezem-
ber 2011 (sogenannte Qualifikationsrichtlinie). Zutreffend ist, dass seine
griechische Aufenthaltsbewilligung mittlerweile abgelaufen ist. Da die grie-
chischen Behörden sich bereit erklärten, ihn wiederaufzunehmen, ist da-
von auszugehen, dass eine Verlängerung seines Aufenthaltstitels problem-
los möglich ist (vgl. Urteil des BVGer D-3995/2022 vom 27. September
2022 E. 7.6.1 m.w.H.).
10.2 Hinsichtlich des Arguments des Beschwerdeführers, die griechischen
Behörden hätten sich nicht bemüht, ihm mitzuteilen, dass er subsidiären
Schutz erhalten habe, ist auf seine Angabe in der Beschwerde zu verwei-
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sen, dass er sich an seinem letzten Aufenthaltsort in F._ nicht an-
gemeldet hatte, weshalb es für die griechischen Behörden nicht möglich
war, ihn zu erreichen. Dies umso weniger, als er Griechenland ungefähr
einen Monat nach dem Beschwerdeentscheid, mit dem ihm der Schutzsta-
tus zuerkannt worden war, verliess (vgl. SEM-act. [...]-43/5 S. 2).
10.3 Bei Unterstützungsbedarf nach seiner Rückkehr nach Griechenland
sowie allfälligen Verfahrensverletzungen obläge es dem Beschwerdefüh-
rer, sich an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche
Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Aufgrund der Akten lie-
gen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Rückkehr
nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre, woran auch sein pauschaler Hinweis auf erlittene Polizeigewalt
nichts zu ändern vermag. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des
griechischen Aufnahmesystems kann die blosse Möglichkeit, in nicht ab-
sehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebens-
situation zu geraten, die hohe Schwelle zum «real risk» nicht erreichen,
womit sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig erweist.
10.4
10.4.1 Die Lebensbedingungen in Griechenland stellen für den Beschwer-
deführer zweifellos eine Herausforderung dar und eine adäquate Einglie-
derung in die dortigen sozialen Strukturen wird mit nicht zu verkennenden
Erschwernissen verbunden sein. Es liegen jedoch keine Hinweise für die
Annahme vor, er wäre nach einer Rückkehr einer existenziellen Notlage
ausgesetzt. Der Beschwerdeführer ist ein junger Mann, der bereits einein-
halb Jahre in Griechenland verbrachte. Aufgrund seines Schutzstatus hat
er Anspruch auf Erneuerung seiner Aufenthaltsbewilligung, womit er grund-
sätzlich Zugang zu Sozialleistungen, zum griechischen Arbeitsmarkt und
zur Gesundheitsversorgung hat. Diesbezüglich ist er griechischen Staats-
angehörigen gleichgestellt. Er wird, nicht zuletzt aufgrund seiner Englisch-
kenntnisse, in der Lage sein, sich bei Bedarf an die griechischen Behörden
oder auch an karitative Organisationen zu wenden. Seine Vorbringen ver-
mögen die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu er-
füllen respektive vermag er damit nicht die Legalvermutung umzustossen.
Obschon seine bisherigen Erlebnisse und seine Erkrankungen aus seiner
Sicht eine Rückkehr nach Griechenland verständlicherweise nicht als wün-
schenswert erscheinen lassen, vermögen sie entgegen seiner Auffassung
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keine besondere Verletzlichkeit im Sinne der aktuellen bundesverwaltungs-
gerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Referenzurteil E-3427/2021,
E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.5.3) zu begründen.
10.4.2 Wie bereits vorstehend erwogen, sind die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten physischen Beschwerden, wegen derer er sich derzeit
bei einem Hautarzt in Behandlung befindet, nicht von einer derartigen
Schwere, dass er bei einer Rückkehr nach Griechenland einer konkreten
Gefährdung im zu beachtenden Sinne ausgesetzt wäre. Die vorgebrachten
psychischen Leiden sind mangels entsprechender Anhaltspunkte nicht als
schwerwiegende Erkrankung im Sinne des neusten Referenzurteils einzu-
stufen, zumal sich schwere psychische Leiden in den vorliegenden Berich-
ten der (...) niedergeschlagen hätten. Beim Beschwerdeführer handelt es
sich somit nicht um eine besonders vulnerable Person, für die sich der Voll-
zug der Wegweisung grundsätzlich als unzumutbar erweisen würde. Man-
gels konkreter Hinweise ist davon auszugehen, dass seine gesundheitli-
chen Probleme bei Bedarf in Griechenland adäquat behandelt werden kön-
nen, zumal die medizinische Versorgung dort grundsätzlich gewährleistet
ist (vgl. Urteil des BVGer D-1383/2022 vom 31. März 2022 E. 6.6 m.w.H.).
10.4.3 Aufgrund des vorstehend Gesagten, ist der Subeventualantrag, es
seien spezifische Garantien von den griechischen Behörden einzuholen,
um eine angebrachte Unterbringung und medizinische Versorgung sicher-
zustellen, abzuweisen (vgl. Urteil des BVGer E-4232/2022 vom 11. Okto-
ber 2022 E. 8.4.2).
10.4.4 Dem Beschwerdeführer steht es offen, bei den zuständigen Behör-
den ein Gesuch um Rückkehrhilfe zu stellen. Er könnte damit zumindest
vorübergehend medizinische Rückkehrhilfe, beispielsweise in Form des
Mitgebens von Medikamenten oder der Übernahme von Kosten für not-
wendige Therapien, in Anspruch nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG,
Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
Allfälligen psychischen Problemen des Beschwerdeführers kann auch bei
den Vollzugsmodalitäten Rechnung getragen werden.
10.4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer unter Berück-
sichtigung der aktuellen Rechtsprechung nicht gelungen, die gesetzliche
Vermutung, der Wegweisungsvollzug nach Griechenland sei zumutbar, zu
widerlegen.
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10.4.6 Schliesslich ist von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs aus-
zugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit erklärt hat.
10.5 Zusammenfassend hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-
figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Es er-
übrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde einzugehen,
da sie an der Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf
diese einzutreten ist.
12.
Angesichts des direkten Entscheids in der Hauptsache wird das Gesuch
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
13.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65
Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entspre-
chend den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos erwiesen haben.
Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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