Decision ID: e0380709-dd15-57c1-a1ef-043a05898370
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer 1, ein 1970 geborener kosovarischer Staatsange-
höriger, stellte 1990 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz, welchem kein
Erfolg beschieden war. 1991 gelangte er deshalb nach Deutschland, wo
sich seine Familie und seine spätere Ehefrau, die 1975 geborene Be-
schwerdeführerin 2 (ebenfalls kosovarische Staatsangehörige) aufhielten.
1999 wurde der Beschwerdeführer 1 in Deutschland wegen schweren Rau-
bes und Diebstahls zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und –
nach Verbüssung eines Teils der Strafe – im Februar 2002 in sein Heimat-
land ausgeschafft.
B.
Am 10. Mai 2002 ersuchte der Beschwerdeführer 1, diesmal mit seiner
Ehefrau (der Beschwerdeführerin 2) und zwei 1994 beziehungsweise 1996
geborenen gemeinsamen Töchtern, erneut um Asyl in der Schweiz. Das
damalige Bundesamt für Flüchtlinge BFM wies die Gesuchstellenden am
28. Mai 2002 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Wallis zu (Ak-
ten der Vorinstanz, Asylverfahren [SEM-B-act.] 5). Ihr Asylgesuch wies das
BFM am 2. Juli 2002 ab, verneinte eine Flüchtlingseigenschaft und wies
sie aus der Schweiz weg (SEM-B-act. 15). Einen dagegen erhobenen Re-
kurs hiess die Schweizerische Asylrekurskommission am 20. Dezember
2006 teilweise gut (vgl. SEM-B-act. 27), woraufhin die Frage der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs in den Kosovo lange Zeit umstritten
blieb. Mit Verfügung vom 21. März 2014 ordnete die Vorinstanz letztlich die
vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden infolge Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs an. Mit der Umsetzung der vorläufigen Auf-
nahme wurde der Kanton Wallis beauftragt (SEM-B-act. 79). Die ältere der
beiden Töchter der Beschwerdeführenden gelangte 2013 durch Heirat mit
einem Schweizerbürger zu einer Aufenthaltsbewilligung im Kanton Wallis.
C.
Ein erstes Gesuch um Wechsel vom Kanton Wallis in den Kanton Bern
wies das BFM am 8. Juni 2010 ab, nachdem die Beschwerdeführenden
einzig berufliche Gründe (Stellenantritt des Beschwerdeführers 1 im Kan-
ton Bern) für einen Wechsel geltend gemacht hatten und der Kanton Bern
die Zustimmung zum Kantonswechsel verweigert hatte (SEM-B-act. 46).
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D.
Mit einem weiteren Gesuch vom 17. August 2016 beantragten die Be-
schwerdeführenden, vom Kanton Wallis in den Kanton Zürich wechseln zu-
können, weil die im Kanton Wallis aufenthaltsberechtigte (und von ihrem
Ehemann offenbar geschiedene oder zumindest getrennte) ältere Tochter
mit dem 2012 geborenen Enkelkind dort Wohnsitz nehmen wollte. Das
Kantonswechselgesuch beschied die Vorinstanz in einer Verfügung vom
15. März 2017 wiederum negativ. Dabei verneinte sie unter anderem ein
behauptetes Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Enkelkind und den
Beschwerdeführenden. Der Kanton Zürich hatte einem Kantonswechsel
nicht zugestimmt (Akten der Vorinstanz, Kantonswechselverfahren [SEM-
C-act.] 10).
E.
Mit einer Eingabe vom 14. Januar 2020 ersuchten die Beschwerdeführen-
den bei der Vorinstanz erneut um Bewilligung eines Kantonswechsels;
diesmal wieder vom Kanton Wallis in den Kanton Bern. Als Grund gaben
sie an, der Beschwerdeführer 1 werde per 1. Februar 2020 im Kanton Bern
eine unbefristete Stelle als Elektriker antreten. Der Arbeitsweg dorthin sei
weit und kostenaufwändig (Akten der Vorinstanz, Kantonswechselverfah-
ren [SEM-act.] 1). Der Kanton Bern verweigerte am 11. Februar 2020 die
Zustimmung zu einem Wechsel (SEM-act. 3).
Die Vorinstanz stellte den Beschwerdeführenden in einem Schreiben vom
1. April 2020 die Abweisung ihres Kantonswechselgesuches in Aussicht
und gab ihnen Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen (SEM-act. 4). Diese
Möglichkeit nahmen die Beschwerdeführenden mit einer Eingabe vom
16. Juni 2020 wahr. Sie wiesen unter anderem darauf hin, dass sie finan-
ziell auf eigenen Füssen stünden und seit acht Jahren keine Sozialhilfe
mehr bezogen hätten. Der Beschwerdeführer 1 arbeite unter der Woche
ganztags im Kanton Bern und sei kaum zuhause. Die Töchter lebten inzwi-
schen beide im Kanton Zürich, weitere Verwandte und Bekannte im Kanton
Bern. Die Beschwerdeführerin 2 vereinsame zunehmend in ihrer Wohnung
im Kanton Wallis. Sie leide an psychischen und physischen Erkrankungen,
weshalb ihr ein Leben fernab von ihrer Familie und ohne jegliche Unter-
stützung nicht zumutbar sei (SEM-act. 9).
F.
Mit Verfügung vom 6. August 2020 wies die Vorinstanz das Gesuch der
Beschwerdeführenden vom 14. Januar 2020 um Bewilligung eines Kan-
tonswechsels vom Kanton Wallis in den Kanton Bern ab (SEM-act. 12).
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G.
Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 7. Septem-
ber 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten,
der Entscheid des SEM vom 6. August 2020 sei vollumfänglich aufzuheben
und ihnen sei der Wechsel in den Kanton Bern zu bewilligen (Akten des
Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
H.
Die Vorinstanz liess sich am 23. November 2020 vernehmen und bean-
tragte die Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 5).
I.
Am 10. Dezember 2020 wies das Bundesverwaltungsgericht ein Gesuch
der Beschwerdeführenden vom 7. September 2020 um einstweilige Zutei-
lung an den Kanton Bern für die Dauer des Verfahrens ab (BVGer-act. 6).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Gesuch um Bewilligung eines Kantons-
wechsels von vorläufig aufgenommenen Personen zum Gegenstand ha-
ben, unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht
(Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Entscheide über den Kantonswechsel können gemäss Art. 85 Abs. 4
AIG nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletzten den
Grundsatz der Einheit der Familie (BVGE 2009/54 E. 1.3.1; 2008/47 E. 1.2,
E. 1.3.2 und E. 1.3.3; Urteile des BVGer F-4921/2020 vom 3. Februar 2021
E. 1.3; F-4450/2019 vom 15. Juli 2020 E. 3.2). Die Beschwerdeführenden
rügen in vertretbarer Weise eine Verletzung dieses Grundsatzes und be-
antragen die Zuweisung in den Kanton Bern. Da sie zudem als Adressaten
der angefochtenen Verfügung zur Erhebung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ist auf die im Übrigen auch frist- und formge-
rechte Beschwerde einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines
Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Die Vorinstanz verfügt den Kantonswechsel einer vorläufig aufgenomme-
nen Person bei einem Anspruch auf Einheit der Familie oder bei einer
schwerwiegenden Gefährdung der gesuchstellenden oder anderer Perso-
nen. Liegen keine solchen Gründe vor, ist die Zustimmung beider betroffe-
nen Kantone zum Kantonswechsel erforderlich (Art. 21 der Verordnung
vom 11. August 1999 über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie
der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281] i.V.m. Art. 22 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Vorbehalten sind vor-
läufig aufgenommene Flüchtlinge, die im gleichen Umfang einen Anspruch
auf Kantonswechsel haben, wie er einer niedergelassenen Person gestützt
auf Art. 37 Abs. 3 AIG zusteht (BVGE 2012/2 E. 5.2.3).
4.
Den Beschwerdeführenden wurde die Flüchtlingseigenschaft nicht zuer-
kannt. Der Kanton Bern lehnte den beantragten Kantonswechsel am
11. Februar 2020 ab. Gegen den am 6. August 2020 verweigerten Wechsel
in den Kanton Bern ist daher einzig die Rüge einer Verletzung des Grund-
satzes der Einheit der Familie zulässig (vgl. oben E. 1.3). Soweit die Be-
schwerdeführenden nunmehr beide geltend machen, Arbeitsplätze im Kan-
ton Bern zu haben, sind sie damit nicht zu hören. Rein berufliche Gründe,
respektive die Möglichkeit einer Verkürzung des Arbeitsweges sind keine
rechtlich zulässigen Kriterien für einen Kantonswechsel vorläufig aufge-
nommener Personen (Art. 21 VVWAL i.V.m. Art. 22 Abs. 2 AsylV 1; vgl.
dazu aber Botschaft zur Änderung des AIG vom 26. August 2020 [Ein-
schränkungen für Reisen ins Ausland und Anpassungen des Status der
vorläufigen Aufnahme], in: BBl 2020 7457, sowie E-Art. 85b Abs. 3 AIG, in:
BBl 2020 7513).
5.
5.1 Die Beschwerdeführenden monieren des Weiteren eine Verletzung des
Grundsatzes der Einheit der Familie. Sie machen geltend, bei ihren beiden
im Kanton Zürich lebenden Töchtern handle es sich um die einzigen nahen
Familienmitglieder sowie die einzigen Bezugspersonen der Beschwerde-
führerin 2 in der Schweiz. Ein Zuzugsgesuch für den Kanton Zürich wäre
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jedoch weniger dienlich gewesen, da sie zwischen dem Wohnort im Kanton
Zürich und dem Arbeitsort im Kanton Bern dann wieder hätten pendeln
müssen, was in ihrem Alter eine zu grosse Belastung sei. Die Abgeschie-
denheit, in der die Beschwerdeführerin 2 im Kanton Wallis lebe, sei ursäch-
lich für ihre depressive Problematik. Eine Behandlung im Kanton Wallis
könne nicht von Erfolg sein, wenn ihre Einsamkeit als Ursache der psychi-
schen Gesundheitsbeeinträchtigung nicht behoben werde. Im Weiteren
hätten sie in (...) eine Vielzahl von Verwandten. Die regelmässigen Kon-
takte zu diesen würden der Beschwerdeführerin 2 helfen, sich aus der De-
pression zu befreien (BVGer-act. 1).
5.2 Der Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 21 VVWAL in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 entspricht dem Schutzbereich von
Art. 8 EMRK (BVGE 2008/47 E. 4.1; Urteile des BVGer F-2081/2020 vom
11. September 2020 E. 5.2; F-4450/2019 E. 4.2; F-3835/2018 vom
22. Februar 2019 E. 2.4). Neben der eigentlichen Kernfamilie, das heisst
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern, fallen
auch andere familiäre Verhältnisse in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK,
sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung be-
steht. Indizien für das Bestehen solcher Beziehungen sind das Zusammen-
leben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit, spe-
ziell enge familiäre Bande, regelmässige Kontakte oder die Übernahme
von Verantwortung für eine andere Person. Bei hinreichender Intensität
sind auch Beziehungen zwischen nahen Verwandten, namentlich solchen
von erwachsenen Kindern zu ihren Eltern oder unter Geschwistern wesent-
lich. In diesem Fall setzt die Berufung auf Art. 8 Abs. 1 EMRK aber voraus,
dass sich die ausländische Person in einem besonderen, über die norma-
len affektiven Bindungen hinausgehenden Abhängigkeitsverhältnis zum
nahen Verwandten befindet. Besondere Elemente der Abhängigkeit kön-
nen sich unabhängig vom Alter namentlich aus besonderen Betreuungs-
oder Pflegebedürfnissen wie bei körperlichen oder geistigen Behinderun-
gen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1;
137 I 154 E. 3.4.2; 135 I 143 E. 3.1; 120 Ib 257 E. 1e; 115 Ib 1 E. 2c; Urteile
des EGMR 65550/13 Belli und Arquier-Martinez gegen Schweiz vom
11. Dezember 2018 § 65; 39051/03 Emonet und andere gegen Schweiz
vom 13. Dezember 2007 § 35 f.; JENS MEYER-LADEWIG/MARTIN NETTES-
HEIM, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], Handkommentar
EMRK, 4. Aufl. 2017, Art. 8 N. 57 und N. 61). Die betroffene Person muss
für die Bewältigung des täglichen Lebens auf fremde Hilfe einer in der
Schweiz lebenden Person angewiesen sein. Eine lediglich moralische Un-
terstützung genügt dabei nicht, um ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne
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der Rechtsprechung zu begründen (Urteil des BGer 2C_339/2019 vom
14. November 2019 E. 3.5; BVGE 2008/47 E. 4.1.1 f.; Urteile des BVGer
F-4426/2018 vom 9. August 2018; C-3538/2016 vom 20. Juni 2016 E. 5.3;
C-2686/2016 vom 30. Mai 2016 E. 4; Urteil des EGMR 23887/16 I.M. ge-
gen Schweiz vom 9. April 2019 § 62; CHRISTOPH GRABENWARTER/KATHA-
RINA PABEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 7. Aufl. 2021, § 22
Rz. 18).
5.3 Aus einem bei den Akten liegenden Austrittsbericht des Spitals (...)
vom 18. Februar 2014 geht unter anderem hervor, dass die Beschwerde-
führerin 2 an einer Adipositas per magna leidet. Als Nebendiagnosen wur-
den eine Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse), eine Depression
sowie Bluthochdruck gestellt. Am 20. August 2013, respektive am 12. Au-
gust 2015 diagnostizierte der Hausarzt einen Diabetes mellitus sowie eine
endogene Depression und am 18. November 2015 hielt er fest, für die Be-
schwerdeführerin 2 sei es aus gesundheitlichen Gründen (Tagesstruktur
und Arbeitsaufgabe Kinderbetreuung) wichtig, am Ort ihrer älteren Tochter
zu leben (SEM-act. 9). An aktuelleren medizinischen Unterlagen findet sich
in den Akten lediglich noch eine – an eine Adresse der Beschwerdeführe-
rin 2 im Kanton Bern gerichtete – ärztliche "Krankheitsbestätigung" vom
15. Mai 2020, womit der Hausarzt bescheinigte, die Beschwerdeführerin 2
sei krank und auf diverse Medikamente angewiesen (SEM-act. 9).
5.4 Auch seitens der Vorinstanz wird nicht in Abrede gestellt, dass zwi-
schen der Beschwerdeführerin 2 und ihren beiden erwachsenen Töchtern
im Kanton Zürich ein enges und tatsächlich gelebtes Verhältnis besteht.
Selbst wenn die Töchter für die Beschwerdeführerin 2 aber mit Ausnahme
des Ehemannes einzigen Bezugspersonen in der Schweiz sind und zwi-
schen ihnen eine besondere emotionale Bindung besteht, liegt damit noch
kein von Art. 8 EMRK erfasstes Beziehungsverhältnis vor (vgl. oben
E. 5.2). Die Beschwerdeführerin 2 lebt seit Jahren nicht mehr mit den Töch-
tern zusammen und auch eine wirtschaftliche Verflechtung zwischen ihnen
ist nicht auszumachen.
5.5 Für die Bewältigung ihres Alltages ist die Beschwerdeführerin 2 nicht
auf die Hilfe der Töchter angewiesen. So bringen die Beschwerdeführen-
den denn auch selbst vor, die Beschwerdeführerin 2 benötige "keine Un-
terstützung durch ihre Familienmitglieder per se", sondern deren generelle
Erreichbarkeit und Fürsorge sowie soziale Kontakte. Der medizinisch-ge-
sundheitliche Aspekt, nämlich dass die Beschwerdeführerin 2 aufgrund ih-
rer psychischen Beeinträchtigung auf enge Bezugspersonen angewiesen
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ist, die sie in schwierigen Phasen auffangen und stärken können, leuchtet
insoweit zwar ein. Vorliegend ist jedoch zu beachten, dass die Töchter nicht
etwa im Kanton Bern, sondern im Kanton Zürich wohnen. Die Fahrzeit zu
ihnen würde mit dem Fahrzeug auch bei Wohnsitznahme im Kanton Bern
noch eineinhalb Stunden betragen. Die Unterstützung durch die Töchter
bei einem Zuzug der Beschwerdeführenden in den Kanton Bern kann da-
her trotz kürzerer Anreisezeiten weder in physischer, noch in psychischer
Hinsicht substantiell verbessert werden. Bei dieser verbleibenden geogra-
fischen Distanz sind die Töchter nicht in der Lage, eine relevante Hilfe im
Alltag der Beschwerdeführerin 2 zu erbringen. Somit spricht bereits die ver-
bleibende Entfernung der Wohnorte gegen das Vorliegen besonderer Ele-
mente eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen der Beschwerdeführe-
rin 2 und ihren Töchtern.
5.6 Was die potenziell häufigeren Kontakte zu Verwandten im Kanton Bern
anbetrifft, so erscheint es nicht als ausgeschlossen, dass diese einer Sta-
bilisierung und Genesung der psychischen Gesundheit der Beschwerde-
führerin 2 zuträglich sein können (vgl. dazu auch Bericht [...] vom 17. Ja-
nuar 2011 [SEM-B-act. 54]). Weder weisen die Beschwerdeführenden aber
Art und Intensität der verwandtschaftlichen Beziehungen im Kanton Bern
näher aus, noch sind die aktuellen Gesundheitsprobleme der Beschwerde-
führerin 2 hinreichend belegt. Immerhin machen die Beschwerdeführenden
geltend, die Beschwerdeführerin 2 habe im Kanton Bern eine Arbeitsstelle,
was klar gegen erhebliche gesundheitliche Probleme spricht. Unabhängig
davon stellen soziale und verwandtschaftliche Kontakte in einem anderen
Kanton, die sich positiv auf die psychische Gesundheit einer Person aus-
wirken, höchstens aus medizinischer Sicht Gründe für einen Kantonswech-
sel dar. Damit die verwandtschaftlichen Beziehungen aber anspruchsrele-
vant vom Grundsatz der Einheit der Familie erfasst werden, müssten zu-
sätzlich zu einer hinreichend intensiven Beziehung auch Elemente eines
Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne einer Notwendigkeit persönlicher Hil-
festellung im Alltag gegeben sein (vgl. oben E. 5.2). Intensive Beziehun-
gen, geschweige denn ein solches Abhängigkeitsverhältnis zu Personen
im Kanton Bern werden von den Beschwerdeführenden jedoch weder be-
hauptet, noch sind solche überhaupt ersichtlich.
6.
Somit können sich die Beschwerdeführenden für einen Wechsel in den
Kanton Bern nicht auf den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von
Art. 21 VVWAL in Verbindung mit Art. 22 Abs. 2 AsylV 1, beziehungsweise
Art. 8 EMRK, berufen. Eine Verhältnismässigkeitsprüfung erübrigt sich,
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nachdem die Rügegründe eingeschränkt sind und der Grundsatz der Ein-
heit der Familie vorliegend nicht tangiert wird. Zu Recht hat die Vorinstanz
das Kantonswechselgesuch vom 14. Januar 2020 abgewiesen. Die ange-
fochtene Verfügung ist zu schützen und die Beschwerde abzuweisen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Par-
teientschädigung steht ihnen nicht zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
8.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Angele-
genheit endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 6 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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