Decision ID: 12d7042f-a970-4ad1-8cd0-53940a391549
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, hat
die Lehre zur
De
tailhandelsangestellten absolviert
und war danach in diesem Beruf wie auch als Sachbearbeiterin Admi
nistration und im Rechnungswesen in verschiedenen Unternehmen tätig.
Ab
dem 2
0.
Januar 2014
arbeitete sie
vollzeitlich
bei der Z._
AG als Disponentin
(
Urk.
11/21)
.
Diese
Anstellung
verlor
sie per 3
0.
November
2014
, nachdem sie seit 24. Ju
li 2014 vollständig krankgesc
hrieben und von 27. August bis
zum
20. September
2014 zur psychosomatischen Rehabilitation
in der Klinik A._
hospitalisiert
gewesen
war (Urk.
11/9/5 ff
.
).
Mit Gesuch vom 15.
Dezember 2014 meldete sich
X._
unter Hin
weis auf seit 2002 bestehende Depressionen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk.
11/3)
. Die IV-Stelle
tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und führte – nachdem
sich
die Versicherte vom
9. September bis zum 17.
November 2015 in der i
ntegrier
ten Psychiatrie B._
zur
stationären (Urk. 11/39)
und
vom 22.
J
anuar bis zum 2
0.
Mai 2016 zur
teilstationären
tagesklinischen
(Urk.
11/53)
Behandlung
aufgehalten
hatte
–
verschiedene Eingliederungsmass
nahmen durch (
Potentialabklärung bei
C._
vom 17. Oktober bis 11. November 2016 [Urk. 11/55 und Urk. 11/64], Arbeitstraining im Bürozentrum bei
C._
vom 3. Januar bis 30. Juni
2017 [Urk. 11/66
und U
rk
.
11/82
] sowie ein Arbeitstraining im 1. Arbeitsmarkt bei der
D._
vom 3. Juli bis
zum
31. Dezember 2017 [Urk. 11/87 und Urk. 11/104]); ebenfalls er
teilte sie Kostengutsprache für ein externes Coaching (Urk. 1
1
/77
).
Am 2
7.
März 2018 nahm die Versicherte eine
bis 3
0.
Juni 2018
befriste
te
Tätigkeit bei der
D._
im Umfang von 50
% auf (
Urk.
11/119/7).
Nach Einholung eines weiteren Berichts beim behandelnden Psychiater
(
Urk.
11
/107)
veranlasste
die IV-Stelle
eine psychiatrische Begutachtung der Ver
sicherten
d
u
r
ch
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
(Expertise vom
2.
Juli 2018
, Urk.
11
/115
)
. Gestützt auf die so getätigten Abklärungen
verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 26.
Oktober 20
1
8 einen Anspruch auf IV-Leistungen (
Urk.
11/
124
).
Dagegen erhob
die Vers
i
c
herte am
22.
November 2018
Beschwerde
(Urk.
11/128
)
,
welche
das hie
sige Gericht mit Urteil vom 19.
Februar 2020 in dem Sinne gut
hiess
, als es
die Sache
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
im Sinne der Erwägungen
(unter anderem
zwecks
Vornahme von ergänzenden medizinischen Abklärungen
,
insbesondere
z
ur Klar
stellung
der
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
)
zu neuer Verfügung an die IV-Stelle zurückwies
(Urk.
11/135
; Prozess Nr. IV.2018.01030
).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge bei
m behandelnden Psychiater
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
wie auch
bei
der Hausär
z
t
in
Dr.
med.
G._
, Fachärztin
für I
nnere Medizin FMH, Berichte ein (U
rk.
11/148 und U
rk.
11/150)
. In der Folge
tätigte
die IV-Stelle
Rückfragen
beim Gutachter
Dr.
E._
(vgl. Stellungnahme von
Dr.
E._
vom 14.
Mai 2021;
Urk.
11/154). Gestützt auf die so
erfolgten
Abklärungen verneinte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
28.
Oktober 2021 abermals
den Anspruc
h auf eine Invali
denrente (Urk.
11/159)
. Daran hielt sie
nach
Einwand vom
29. November 2021 (U
rk.
11/166)
mit Verfügung vom
8.
Dezember 2021 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 2
1.
Januar 2022 (
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung vom
8.
Dezember 2021 aufzuheben (1.), es sei der Versicherten eine halbe Rente zuzusprechen (2.), even
tualiter sei ein Gerichtsgutachten zu erstellen (3.)
,
unter Kosten- und Entschädi
gungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin; dies ausdrücklich auch im Falle einer Abweisung der Beschwerde (4.), sowie es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (5.;
Urk.
1 S. 1).
Die IV-Stelle bean
t
ragte mit Vernehmlassung vom 2.
März 2022 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10). Mit Eingabe vom 1
5.
März
2022 zog die Beschwerdeführerin ihren Antrag um unentgeltliche Rechtspflege (Prozessführung) zurück (
Urk.
12).
D
ie Ver
nehmlassung vom
2.
März 2022
wurde ihr mit Verfügung vom 1
6.
März 2022
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die
angefochtene
Verfügung zur Hauptsache damit
, sie habe
die ihr
mit
U
rteil vom 19. Februar 2020 aufgetragenen Abklärun
gen durchgeführt. In somatischer Hinsicht hätten aus hausärztlicher Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsf
ähigkeit gestellt werden können; die Hausärztin bestätige explizit, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht somatisch bedingt sei.
Aus psychiatrischer Sicht könne
nach erfolgter Rückfrage beim Gutachter
weiterhin von einer
durchschnittlichen
Arbeitsfähigkeit von 70
% ausgegangen werden, welche
retrospektiv mit überw
iegender Wahrscheinlichkeit seit 2014 gegeben sei. Bei einer
durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit von 30
%
vermöge kein Rentenanspruch zu entstehen (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt zur Hauptsache geltend machen, dass
die Herleitung der 70%igen Arbeitsfähigkeit durch den Gutach
t
er
nach wie vor nicht nachvoll
ziehbar sei
. A
uch
stehe sie
mit der Beurteilung
des behandelnden Psychiaters
nicht
in Einklang, welcher
weder mit der Diagnosestellung noch der Arbeits
fähigkeitseinschätzung
einverstanden sei. Schliesslich sei der im Rückwei
sungs
ent
scheid verlangte Einkommensvergleich nicht vorgenommen worden
bzw. habe die IV-Stelle faktisch einen Prozentvergleich angestellt
. Da in der angefochtenen Verfügung nicht auf die zentralen Aspekte im
E
inwand eingegangen und die B
eschwerdeführerin infolge Verletzung des rechtlichen Gehörs zur Beschwerde gezwungen worden sei, habe die Beschwerdegegnerin
die
Kosten de
s Verfahrens unabhängig von des
s
e
n
A
usgang
zu tragen
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Vorweg zu prüfen ist die
Rüge der
Verletzung des rechtlichen Gehörs.
3.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen. Die aus dem An
spruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliessende Begründungs
pflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungsweise der Ver
siche
rungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begrün
dung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Ent
scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Über
legungen genannt werden, von denen sich das Gericht respektive der Versi
che
rungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
3.3
Zum Vorbringen der
Beschwerdeführerin,
wonach
die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht auf
das im Einwand getätigte zentrale
Vorbrin
gen – gemäss welchem
die Arbeitsfähigkeitsschätzung durch
Dr.
E._
nicht na
chvollziehbar sei
(vgl.
Urk.
11/166) -
eingegangen sei
,
ist zu bemerken, dass
die
entsprechenden
Ausführungen
in der Verfügung
vom
8.
Dezember 2021
zwar
kurz
ausgefallen sind.
Allerdings
ging
die
Beschwerdegegnerin
durchaus darauf ein,
wobei
sie
insoweit (nochmals)
auf die in der angefochtenen Verfügun
g wie
dergegebene
Herleitung der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
durch
Dr.
E._
ver
wies.
Daher und
da
die
im Einwand getätigten
Vorbringen
ihrerseits
ebenfalls
kurz aus
gefallen sind -
sie
beschränkten
sich im Wesentlichen darauf, die Logik dieser Herleitung
zu bestreiten
(namentlich des zugrundeliegenden Konsenses, wonach eine 50%
ige
Arbeitsfähigkeit einer vierstündigen Leistungserbringung pro
Tag
entspreche
)
-
und die Beschwerdeführerin im Übrigen durchaus in der Lage war,
die Verfügung
vom
8.
Dezember 2021
sachgerecht an
zu
fechten
,
wurde der
Begründungspflicht Genüge getan.
4
.
4
.1
Die medizinischen und beruflich-erwerblichen Akten, wie sie dem Urteil des hie
sigen Gerichts vom 1
9.
Februar 2020 zugrunde lagen,
sowie die Ausführungen des
hiesigen
Gerichts, die zur
Aufhebung der damals angefochtenen Verfügung
vom 26.
Oktober 2018
führten,
werden vorliegend nicht erneut wiedergegeben. Diesbezüglich wird auf die Erwägungen
in
Ziff.
3
und
Ziff.
4 des Urteils
vom 1
9.
Februar 2020
verwiesen (
Urk.
11/
135/6
ff.).
Im Nachgang zum Urteil vom 19. Februar 2020 fanden zur Hauptsache die fol
genden Berichte Eingang in die Akten:
4
.2
Der
behandelnde
Psychiater
Dr.
F._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 7
.
September
2020 eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermei
denden, unsicheren
und
dependenten
Anteilen (ICD-10 F61) sowie eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1).
Seit der Berichterstattung im Januar 2018 sei der Zustand stationär. Er gab im W
esentli
chen an, der psychische Zustand habe sich nicht verbessert, die Beschwerdefüh
rerin leide weiterhin an Stimmungsti
efs, Antriebsstörung,
Anhedonie
und
Kon
zentrationsstörungen, die sich vor allem bei der
A
rbeit zeigten und immer wieder nach Erholungspausen verlangten. A
nfang 2020 habe die Beschw
erdeführerin bei der Firma H._
eine Arbeitsstelle gefunden. Der Anstellungs
grad betrage 50
%. D
amit sei die Patientin bereits an der absoluten B
elastungs
grenze,
i
nsbesondere auch dadurch
,
dass die Arbeitsbelastung nicht auf die ganze W
oche verteilt werden könne. D
ie Patientin brauche enorm lange Erholungszeit und sei nach einem Arbeitseinsatz die nächsten 36 Stunden nicht einmal mehr in der Lage
,
die Routine zu bewältigen.
Während der Arbeit an einem Tag müsse sie immer wieder Pausen einlegen, dies insbesondere nach Einsatz von einem halben Tag.
Sowohl in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Ar
beitsfä
h
i
gkeit von 50
%, wo
bei sie mit einem Einsatz von 4 Stunden
pro Tag definitiv an die B
elastungsgrenze komme
. Am deutlich reduzierten Gesund
heitszustand werde sich längerfristig
nichts mehr ändern. Die Behandlungsstra
tegie habe zum Ziel
,
eine weitere Verschlechterung und weitere langwierige sta
tionäre Behandlungen zu verhindern (
Urk.
11/148).
4
.3
Hausärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH,
diagnostizierte in ihrem Bericht vom
1.
Oktober 2020 an die IV-Stelle mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende Depression und eine Persön
lichkeitsstörung,
bezüglich
welcher
D
iag
n
o
sen
sie
auf die Berichte von
Dr.
F._
verwies. Als Diagnosen ohne Auswir
k
ung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine
orthostatische
H
ypo
ton
i
e, ein
Zervikobrachialsyndrom
bei Status nach
Dis
kus
her
nienoperat
i
on
und muskulärer
Dysbalance
.
Ihrer Ansicht nach
sei eine Wie
der
eingliederung bei
chronifiziertem
Leiden nicht möglich, wobei diesbezüg
lich die psychiatrische Beurteilung massgebend sei. Es sei klarzustellen, dass die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit nicht somatisch bedingt sei (
Urk.
11/
150
/7
ff.
).
4
.4
I
n Nachachtung des Urteils des hiesigen Gerichts vom 1
9.
Februar
2020
tätigte die Beschwerdegegnerin
Rückfrage
n
beim psychiatrischen Gutachter
Dr.
E._
(
1.
Bitte äussern S
ie sich explizit und ausführlich zu den Kritikpunkten im SVG Urteil vom 1
9.
Februar 202
0. 2.
Bitte bewerten Sie unter Berücksichtigung der vorliegenden Akten
die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit (Angabe bitte in Prozent von Hundert, für die angepasste Tätigkeit bitte Angabe eines Belastungsprofils) im Längsschnitt seit 2014
;
Urk.
11/154 S. 2
)
.
In seiner Stellungnahme vom
1
4.
Mai 2021 (
Urk.
11/154
)
führte
Dr.
E._
im Wesentlichen aus,
das Gutachten halte fest, dass gemäss Angaben der Exploran
din zum Zeitpunkt der Begutachtung eine stabile Leistungserbringung in einer Administrativtätigkeit entsprechend einem Pensum von 50
%
(21 Wochen
stunden)
bestehe
; dabei sei
entscheidend
,
dass die Beschwerdeführerin nicht ausschliesslich halbtags
,
sondern
am
Mittwoch auch ganztags arbeite. I
n
dem 21
Wochenstunden berücksichtig
t
worden seien (die Beschwerdeführerin arbeite montags, donnerstags und freitags halbtags, mittwochs ganztags und
am
Diens
tag arbeite sie nicht), sei
im Gutachten ein
effektives P
ensum von
50
%
doku
mentiert
(S.
3)
.
Im
Rahmen der Beurteilung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit
sei
die Durchhaltefähigkeit besonders zu berücksichtigen.
Gemäss Konsens
werde e
ine Arbeitsfähigkeit
von 50 %
als 4-
stündige
L
eistungserbringung pro Wochen
tag definiert
(mit gleicher oder höherer Anwesenheitszeit)
. Sei es einer Person möglich, an einem Wochentag 8 normproduktive Arbeitsstunden zu leisten
,
kön
ne die Durchhaltefähigkeit nicht in gle
icher Weise beeinträchtigt sein. Da
ran
ändere nichts
, dass im Falle der Beschwerdeführerin am T
ag vor der Leistungser
bringung
(dienstags) keine Arbeit verrichtet und a
m Tag danach (Donnerstag) ein 4-
s
tündiges Pensum absolviert werde. Das Gutachten vom
2.
Juli 2018 sei unter Berücksichtigung der damals zur Verfügung stehenden Informationen zur Ein
schätzung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit gelangt unter der Annahme einer leichten funktionellen B
eeinträchtigung
,
welche einer Reduktion der
L
eistungs
fähigkeit von 30
% entspreche. Die Arbeitsfähigkeit sei gemäss diesem vorgege
benen Algorithmus hergeleitet worden; es sei zudem darauf hingewiesen worden,
dass eine 70%ige Arbeitsfähigkeit mit täglich rund 5-6 normproduktiven Stunden gleichzusetzen sei
(S. 4)
.
Soweit die Durchführungsstelle
C._
bereits im Rahmen des absolvierten
50
%
Pensums
von einer überschrittenen Belastungsgrenze ausgegangen sei, hielt
Dr.
E._
i
m W
esentlichen fest,
dass -
da Arbeitsleistungen grundsätzlich mit einer Anstrengung, Ermüdung oder Erschöpfung einhergingen
-
diese Argu
mentation zur Folge hätte, dass die Leistungsfähigkeit einer
arbeitnehmenden
Person stets unterhalb der effektiv erbrachten Arbeitsleistung liegen müsste. Der
Ab
schlus
sbericht von
C._
vom 17. September
2016 stelle sich alsdann in Abgleich zur Selbstbeurteilung der Beschwerdeführerin vom 18. Mai 2018 inkon
sistent dar, habe die Beschwerdeführerin doch ihre Arbeit als Unterforderung bezeichnet und erwähnt, dass bei der Aufgabenzuteilung tendenziell zu viel Rücksicht auf sie genommen worden sei; da sie zu wenig Arbeit gehabt habe, habe sie ihre Bewerbungen teilweise während der Arbeitszeit statt zuhause geschrieben
(S. 4)
.
Weiter hielt
Dr.
E._
fest, das (angestammt
e) Tätigkeitsprofil bei der
D._
sei
im Gutachten
vom
2.
Juli 2018
detailliert beschrieben worden
,
wobei darauf hin
gewiesen worden sei, dass dieses optimal angepasst sei
. Damit enthalte es auch Angaben zu einer Verweistätigkeit
. Diese könnte als
klar strukturierte und durch Vorgesetzte persönlich geführte
,
aus
führende Administrativtätigkeit umschrieben werden (S. 5)
.
Zum zeitlichen Verlauf seit
dem 2
4.
Juli
2014 hielt
Dr.
E._
fest, die akten
kundige
Arbeitsunfähigkeit von 100
% lasse sich retrospektiv nicht na
c
h
vollziehen.
Eine frühere Teilarbeitsfähigkeit sei überwiegend wahrscheinlich.
Aus
zu
klammern seien die Zeitintervalle der stationären und teilstationären Behandlun
gen
,
während welcher eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der praktischen Behandlungsdur
chführung nachvollziehbar sei. Die Attestierung einer 100%i
gen Arbeitsunfähigkeit seit
dem
2
4.
Juli 2014 scheine vorrangig au
f der subjektiven Beschwerdesch
i
l
derung der Beschwerdeführerin mit starker Gewichtung der eige
nen
D
efizite zu basieren und weniger auf objektiven Verhaltensmerkmalen (Leis
tungserbringung im Alltag). U
ngeachtet der di
a
gnos
tischen Unterschiede stellten sich die aktenkundigen Beschwerden im Zeitverlauf im Wesentlichen überein
stimmend mit den anamnestischen Angaben der Beschwer
deführerin vom 1
8.
Mai 2018 da
r (unterschiedliche Beurteilung
der gl
ei
chen mediz
inischen Sach
lage)
. Daraus sei zu folger
n, dass retrospektiv ab dem 24.
Juli 2014 mit überwie
gender W
ahrscheinlichk
eit eine tägliche Leistungs
erbringung von rund 5-6 Stun
den in optimal ang
e
passter T
ätigke
i
t
zumutbar
(gewesen) sei
(S.
5
).
Zu den Ausführungen von
Dr.
F._
im Bericht
vom
7.
September 2020 führte
Dr.
E._
aus, es würden die nämlichen Diagnosen erhoben wie bereits
in des
sen
Bericht vo
n
1
8.
Januar 2018 dargelegt. Bemerkenswert sei, dass eine mittel
gradige Depression
nurmehr
während Jahren in unveränderter Weise beschrieben werde und somit das Definitionskriterium der
Episodi
k
vermissen lasse. Seit dem
1.
März 2020 sei die Beschwerdeführerin in einem Pensum von
50
% angestellt
(Administration)
. Die medikamentöse Verordnung stelle sich im Wesentlichen unverändert dar. Erneut sei anzumerken
,
dass der dargelegte psychopathologi
sche Befund vorwiegend subjektive B
eschwerdeang
aben enthalte. Kon
k
r
ete Angaben zur Fremdbeurteilung fehlten
. Die 50
%
ige Arbeitsunfähigkeit werde durch die subjektive Leistungsintoleranz der Explorandin begründet, eine funkti
one
lle Herleitung fe
hle (S. 6)
4
.5
In dem im vorliegenden Beschwerdeverfahren aufgelegten
Schreiben
vom 10. Januar
2022 (U
rk. 3/5) führte der behandelnde
Psychiater
Dr.
F._
im Wesentlichen
aus, er stimme teilweise mit den D
iagnosen des Gutachters überein. Dies betreffe die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F.33). Jedoch sei er der Meinung
,
dass nicht eine A
k
zentuierung, sondern eine Störung der Persönlichkeit gegeben sei, welche
D
iagno
se auch während des mehrmonatigen A
uf
enthalts in der
B._
gestellt worden sei. Die K
rit
erien einer Persönlichkeitsstörung hätten sich seit Jahren deutlich manifestiert (Ziff.2). Entgegen der unsachlichen Aussage des Gutacht
er
s seien die Kriterien gemäss ICD
10 F33
erfüllt (
Ziff.
3). Dass die medikamentöse Behandlung sich im Wesent
lichen unverändert darstelle, sei eine Feststellung die so richtig sei, jedoch für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit ein Nebenproblem. Wie der Gutachter
feststelle
,
habe sich die M
edikation nicht nachteilig auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt; um die Arbeitsfäh
i
gkeit im Rahmen von 50
% zu erhalten, sei sowohl der Einsatz als auch der Abbau von Benzodiazepinen selbstver
st
ändlich immer ein Thema (
Ziff.
4). Er
,
Dr.
F._
,
gehe weiterhin von einer Arbeits
fä
higkeit von 50
%
aus (
Ziff.
6). Das vom Gutachter angestellte Konstru
k
t
(
Anm
: Herleitung der Arbeits
fähigkeit)
gehe an der Lebensrealität vieler Patienten vorbei. Bei der Beschwer
deführerin könne man klar feststellen,
dass
ein voller Arbeitstag mit Sicherheit über i
hre Belastungsgrenze hinausgehe. D
ass sie das
überstehen könne, beruhe darauf
,
dass sie eine sehr
lange Erholungszeit brauche
;
ohne
vorgängige und nachfolgende Erholungszeit käme
es mit ganz grosser Wahrscheinlichkeit zu einer schweren Ausprägung der Grunderkrankung.
Auch sei klar zwischen Anwesenheit und
L
e
istungserbringung
zu
unterscheiden;
im Rahmen der Integra
tion habe sich gezeigt, dass die Beschw
e
rdeführerin am Nachmittag keine wirkli
che Leistung erbringe (
Ziff.
7). Schliesslich könne man von einem normalen
beruflichen Werdegang kaum sprechen, habe die Beschwerdeführerin in den letz
ten 15 Jahren doch immer wieder Phasen gehabt
,
in denen sie nicht oder nur teilweise habe arbeiten können
. I
n den letzten 5 Jahren
sei die Lei
stungserbrin
gung
stark eingeschränkt; auch von einem normalen Tagesablauf könne man aufgrund der langen Erholungszeiten nicht sprechen. Das Argument, dass sie, wenn
e
s gut g
e
he
,
zweimal pro Woche Sport im Fitnesszentrum mache und einen Garten bestelle
,
könne nicht als Argument genommen werden, dass sie normalen Freizeitakti
vitäten nachgeht (
Ziff.
9). Wie auch bereits im letzten Bericht ausge
führt, sei im letzten halben Jahr eher eine Verschlechterung festzustellen, die Beschwerdeführerin erwarte seit Monaten
,
dass sie ihre Stelle verliere. Nun sei der Beschwerdeführeri
n
ihre Stelle vor Weihnachten gekündigt worden, was zu einer Krisensituation und psychischer Verschlechterung mit akuter Suizidalität geführt habe (
Ziff.
10).
5
.
5
.1
Aus dem
Bericht von Hausärztin
Dr.
G._
vom
1.
Oktober 2020
(E. 4
.3)
geht
hervor und ist soweit
ersichtlich unstreitig, dass aus somatischer
Sicht
kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Ar
beits
f
ä
higkeit besteht, sondern
das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin
allein aus
psychischen Gründen
eingeschränkt ist.
Nach wie vor s
treitig
ist
hingegen
der Grad der
Arbeits
(
un
)
fä
hig
keit
aus psychiatrischer Sicht
und dabei insbesondere
die Frage
, ob auf das nun mittels
Stellungnahme vom
1
4.
Mai
2021
ergänzte Gutachten von
Dr.
E._
vom
2.
Juli 2018
abgestellt werden kann.
5
.2
D
ie Ausführungen von
Dr.
E._
in seiner Stellungnahme vom
1
4.
Mai 2021
klären die
im Urteil vom 19.
Februar 2020
aufgezeigten
Unklarheiten
und
ergän
zen das Guta
c
hten
vom
2.
Juli 2018
,
wo
erforderlich
(vgl. E. 4
des Urteils vom 1
9.
Februar 2020
)
. Insbesondere
ergibt sich
aus
den
Au
s
führungen
von
Dr.
E._
nun
nachvollziehbar
, dass er
in seiner Expertise
- da
bezüglich der zuletzt im Jahr 2018 bei
der
D._
ausgeübten Tätigkeit
von einer 21-
Stunden
woche ausgehend
–
seinen
Überlegungen ein
(korrektes)
Pensum
von 50
%
zugrunde gelegt hat
.
Auch
erläutert
er die
im Urteil vom
19.
Februar 2020
auf
geworfene Frage,
wie er
vor dem Hintergrund
des
bei der
D._
ausgeübten Pen
sums von 50
% auf eine
Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 70
% geschlossen hat
, schlüssig
. So kann
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 1 S. 2 f.)
nun
nachvollzogen werden, dass
v
or dem Hintergrund
des einmal
wöchentlich
absolvierten
ga
nztägigen
Pensums
die Leistungsfähigkeit der Be
schwer
deführerin
verglichen mit
derjenigen
einer Person, welche
ausschliess
lich
halbtägig
e
Arbeitsleistungen
zu erbringen
ver
mag,
infolge höherer Durch
halte
fähigkeit
(
leicht
)
höher liegt
.
D
es W
eiteren
nahm
Dr.
E._
zur
Arbeitsfä
higkeit in einer Ve
rweistäti
gkeit
nachvollziehbar
St
ellung
,
wobei er darauf hin
w
ies, dass – da das
«
angestammte
»
Profil
bei der
D._
optimal leidensangepasst
sei
– dieses Profil auch einer Ve
rweistätigkeit
entspreche
, welche er als
klar struk
turierte
und durch Vorgesetzte persönlich geführte, ausführende Administrativ
tätigkeit
um
schrieb
. Schliesslich äusserte sich
Dr.
E._
auch begründet zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit 201
4.
G
estützt auf
die entsprechenden
Ausfüh
rungen
kann
davon aus
gegangen werden,
dass – bis auf die Zeitintervalle der stationären und
tagesklinischen
Behandlungen
,
für welche
er
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit
«
aufgrund der praktischen Behandlungsdurchführung
»
als plausibel erachtet
-
retrospektiv ab dem 24.
Juli
2014 mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit eine tägliche Leistungserbringung von rund 5-6 Stunden in opti
mal angepasster Tätigkeit zumutbar war.
5
.3
Soweit
die Beschwerdeführerin
dar
auf
hinweisen lässt, dass der behandelnde Psychiater
Dr.
F._
abweichende
Diagnosen
stellt
(insbes. Persönlichkei
tsstö
rung statt –
a
kzent
u
ierung
)
,
verkennt
sie
, dass
für die Belange der Invaliden
versiche
rung nicht (allein) die Diagnosestellung entscheidend ist
,
sondern viel
mehr die Auswirkungen der fachärzt
li
c
h festgestellten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2021 vom
9.
April
2021
E. 5.2
).
Dar
über hinaus
hatte
Dr.
E._
eine
Persönlichkeits
störung
in
seiner
Expertise
aber auch
nachvollziehbar
begründet
ausgeschlossen
,
wies er
doch
wiederholt (vgl. Gutachten etwa S. 18 und S. 38
und S. 46
)
darauf hin, dass
die bis zum Ende des fünften Le
bensjahrzehnts gesch
i
l
derte, mehr
heitlich unauffällige Berufs- und B
eziehungsbiographie
die Diagnose einer Per
sön
lichkeitsstörung nicht zulasse,
was
mit Blick auf den beruflichen Werdegang der Beschwerdeführerin (vgl. dazu Gutachten S.
24 ff.) sowie
vor dem H
inte
rgrund der diagnostischen Leitlinien
der ICD-10-Klassifikation
aus Sicht des medizi
nischen Laien
schlüssig erscheint
(vgl. einleitenden Kommentar
und diagnosti
sche Leitlinien
zu F60 wonach - unter anderen Voraussetzungen
-
für die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung
voraus
gesetzt ist, dass
die Störung
in der
Jugend
oder Adoleszenz
begonnen haben
muss
)
.
Dass bei der Beschwerdeführerin in den letzten 15 Jahren immer wieder Phasen ganzer oder teilweiser Arbeitsun
fähigkeit vorgelegen hätten, wie
Dr.
F._
ausführt, stellt die
gutachterliche
Diagnose mithin
nicht
in Frage
.
S
oweit
die Beschwerdeführerin
alsdann
auf die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
von
Dr.
F._
(von 50
%)
verweist
,
ist auch dies nicht geeignet, die gutachter
liche Beurteilung entscheidend in Zweifel zu ziehen. So weist d
ie
m
edizinische Folgenabschätzung
an sich
eine
hohe Variabilität auf
und
trägt
gerade im psy
chiatrischen Bereich una
usweichlich Ermessenszüge
(BGE 145 V 361 E.4.1.2)
,
weshalb
die psychiatrische Exploration
dem
begutachtenden Psychiater bzw. der begutachtenden Psychiat
e
rin
praktisch immer einen gewissen Spielraum
eröffnet
,
innerhalb dessen verschiedene medizi
nisch-psychiat
rische Interpretationen mög
lich
, zulässig und zu respektie
ren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (
vgl
.
statt vieler etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_154/2022 vom 1
9.
Mai 2022 E. 3.3.1 mit Hinweisen
)
,
was vorliegend im Ergebnis zutrifft
.
Die
von
Dr.
F._
postulierte
Arbeitsfähigkeit von 50
%
steht
der Einschätzung
von
Dr.
E._
(Arbeitsfähigkeit
von 70
%
angestammt und angepasst
)
des
weiteren
nicht diametral entg
e
gen
,
was umso mehr gilt, als
es
mit Blick auf die Einschät
zung
von behandelnden (Fach-)Ärzten
auch der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen
gilt
, dass
diese
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher
zu
guns
ten
ihrer
Patienten
aussagen dürften (vgl. dazu statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_164/2021 vom
3.
Mai 2021 E.
3.2.1
mit Hinweisen
)
.
D
ass
ein voller Arbeitstag über
die
Belastungsgrenze
der Beschwerdeführerin
hinausgehe
,
wie
Dr.
F._
in
seinem Schreiben vom 1
0.
Januar
2022 (
Ziff.
4.5 hiervor)
ebenfalls
festhält
,
ist alsdann unbestritten, ist
der Beschwerdeführerin
doch
auch
gemäss der Einschätzung
von
Dr.
E._
k
ein voller Arbeitstag
zumutbar
, sondern
lediglich
eine
tägliche Leistungserbrin
gung von rund 5-6 Stunden in optimal angepasster Tätigkeit
.
Darauf hinzuweisen ist
schliesslich
aber
auch
, dass es die
unterschiedliche Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
nicht zu
lässt
, ein Administrativ
gutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn behandelnde Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelan
gen. Dabei bleiben Fälle vorbehalten, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese Ärzte wichtige Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
(
vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts
9C_34/2019 vom 2
5.
April 2019
E.
4.1
)
. Solche Aspekte
sind nicht ersichtlich
. Namentlich hatte
Dr.
E._
seine Beurteilung in Kenntnis
der
medizinischen
Vorakten
und
insbesondere unter Berücksichti
gung
sowie
unter Bezugnahme auf
die
durchgeführten Eing
liederungsmassnah
men abgegeben
(vgl.
etwa
Urk.
11/115 S.
18 und S.
25 und
Urk.
11/154
S
. 4). Ebenfalls
hatte er
sich mit den
bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärzt
lichen Einschätzung
namentlich
des behandelnden
Dr.
F._
auseinanderge
setzt
.
Insge
s
a
m
t vermögen
die Vorbringen
in der Be
schwerde den Beweiswert der
nun
mittels Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2021 ergänzten
Expertise
von
Dr.
E._
vom
2. Juli 2018
nicht
in Frage zu stellen
.
Vielmehr erfüllt diese nun die rech
t
sprechungsgemässen Anforderungen
an
eine beweiswertige
ä
rztlich
e Expertise
.
Daher und da im vorliegend massgebenden Zeitraum (
bis zum Ergehen der ange
fochtenen
Verwaltungsv
erfügung vom
8.
Dezember 2021
; vgl. dazu
BGE 121 V 362
E. 1b
)
auch
keine
wesentliche
Verschlechterung
seit der Begutachtung vom
1
8.
Mai
2018
(
Urk.
11/115 S. 7)
geltend ge
macht wird
(vgl. aber E. 5.6
hienach
)
,
kann
auf das
ergänzte
Gutachten von
Dr.
E._
vom 2.
Juli 2018
(einschliess
lich Stellungnahme vom
1
4.
Mai 2021
)
abgestellt werden
.
5.4
Gestützt darauf ist daher
mit dem im So
zialversicherungs
recht massgeblichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt,
dass die Beschwerde
führerin
an einer
rezidivierenden depressiven Störung
mit leichten bis maxim
al mittelgradigen Episoden (ICD
-10 F. 33.1) sowie an einer emotional-instabilen Persönl
ichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z
73.1) leidet
und bei ihr die Verdachts
diagnose auf eine emotionale Vernachlässigung während der Kindheit (ICD-10: Z 62.4) und eine frühere akute Belastungsreaktion (ICD-10: F 43.0) besteht
(vgl.
Urk.
11/115 S. 38)
. Ebens
o ist
gestützt auf die Ausführungen von
Dr.
E._
davon aus
zugehen, dass
seit Juli 2014
in der angestammten
Tätigkeit
(
als
Büro
fachkraft)
wie auch einer leidensangepassten Tätigkeit
(klar strukturierte und durch Vorgesetzte persönlich geführte
,
ausführende Administrativtätigkeit ent
sprechend ihrer Vorbildung und Berufserfahrung)
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestand
bzw
.
besteht
.
Einzig s
oweit
Dr.
E._
für die Zeit der stationären
und teilstationären
Aufenthalte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit «aufgrund der praktischen Behandlungsdurchführung» als nachvollziehbar bezeichnet,
ist aus rechtlichen Überlegungen davon abzugehen. Denn
nachdem
sich bezogen auf diese Zeiträume
weder den Ausführungen von
Dr.
E._
noch
den ent
spre
chenden (Austritts-)Berichten der
jeweils
behandelnden Institutionen
(vgl. Urk. 11/9, Urk.
11/39 und
Urk.
11/
53
)
Hinweise auf ein
e
massive Verschlechte
rung des
Krankheitsgeschehen
s entnehmen lassen, liegt insoweit die Attestierung einer
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit
aus formalen
Überlegungen
(«zur
Behand
lungsdurchführung
»)
auf der Hand
, was
jedoch
allein
keine invalidenversiche
rungsrechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermag
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_303/2018 vom 3
0.
August 2018 E. 4.2).
Damit ist davon auszugehen
, dass
- aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht -
auch in den fraglichen
Zeitabschnitten
keine
Arbeitsunfähigkeit von über 30 % bestand.
Bei dieser Sachlage erweist sich
m
it
Blick auf das unter E. 5.5 Auszuführende
die Durchführung eines strukt
urierten Beweisverfahrens (vgl. E. 1.3 hiervor)
als ent
behrlich, da eine
grössere
Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte auch
aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren kann (vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts 8C_137/2019 vom 27. Mai 2019 E. 6.7)
.
5
.5
Ist gestützt auf das
(
mittels Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2021
ergänzte
)
Gutach
ten
von
Dr.
E._
vom 2.
Juli 2018
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass bei
der Beschwerdeführerin
seit
Juli 2014
eine
Arbeitsunfähigkeit von
30 %
bestand, konnte
jedoch
im vorliegenden Beurtei
lungszeitraum
mangels
einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von
mindes
tens
40
%
das W
artejahr
nach
Art.
28
Abs.
1 IVG
nicht
ablaufen
, womit
– wie die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu Recht feststellte
– von Vorneherein
kein Rentenanspruch
entstand
(vgl. E. 1.4 hiervor)
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
6
.
Wie erwähnt
(E. 5.3 hiervor)
ist im vorliegenden Zusammenhang
lediglich
d
er Sachverhalt zu beurteilen
, wie er sich bis zum Verfügungszeitpunkt (hier:
8.
Dezember 2021
; U
rk.
2
) entwickelt hat (
BGE 121 V 362
E. 1b).
Soweit
Dr.
F._
in seinem Schreiben vom 10. Januar 2022
ausführt
, der Beschwerde
führerin sei
vor Weihnachten
2021
(
nämlich
am
9.
Dezember 2021; vgl.
Urk.
3/3)
die Stelle gekündigt worden, was zu einer Krisensituation und
zu einer
psychi
schen
Verschlechterung mit akuter Suizidalität geführt habe
(vgl. E.
4.5
hiervor)
,
betrifft dies
es Vorbringen
ausserhalb des
vorliegend massgebenden
Beurteilungs
zeitraums
liegende
Umstände
, welche vorliegend
nicht zu berücksichtigen sind
.
E
ine allfällig
wesentliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
wäre
daher
gegebenenfalls
im Rahmen einer Neuanmeldung
bei der IV-Stelle
geltend zu machen.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens
sind
sie de
r
unterliegenden Beschwerdefüh
rerin aufzuerlegen.
Eine ausnahmsweise Kostenauflage an die obsiegende Beschwerdegegnerin – wie von der Beschwerdeführerin beantragt (
Urk.
1 S. 1) – steht mangels Verletzung des rechtlichen Gehörs (E. 3.3) nunmehr
ausser
Diskus
sion.