Decision ID: dd26f1de-bc79-59a8-a725-1035754bbf46
Year: 2020
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. A. _ ist Grundeigentümer der Parzelle Nr. 0001, Grundbuch B. _, welche mit
dem Wohnhaus Assek. Nr. 0002 überbaut ist. Die Parzelle befindet sich etwa je zur Hälfte
in der Wohnzone W1 (nördlicher Teil) und in einer Grünzone (südlicher Teil), deren
Zweckbestimmung im geltenden Zonenplan (noch) nicht bezeichnet ist. Das Wohnhaus
Assek. Nr. 0002 liegt in der Zone W1 mit Ausnahme der Südhälfte des westlichen
angebauten Sitzplatzes, welche sich in der Grünzone befindet. Die Parzelle Nr. 0001 wird
von einer kommunalen Aussichtsschutzzone überlagert. Die Parzellengrenze verläuft im
westlichen Bereich in der Mitte eines Seitenarms der E. _, welche in diesem Bereich
nicht ausparzelliert ist. C. _ sind Grundeigentümer der benachbarten Parzelle Nr.
0003 mit dem Wohnhaus Assek. Nr. 0004, welche östlich in der erwähnten Strassenmitte
direkt an die Parzelle Nr. 0001 anstösst.
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B. Mit Beschluss vom 5. Juli 2017 (act. 9.I.1a) bewilligte die Baubewilligungskommission B.
_ ein Baugesuch von A. _. Gleichzeitig wies die Baubewilligungs-kommission
eine gegen das Baugesuch gerichtete Einsprache von C. _ ab. Gegenstand des
Gesuchs sind u.a. die Entfernung eines alten Öltanks, sowie der Abbruch und Ersatz des
überdachten Sitzplatzes auf der Westseite des Wohnhauses Assek. Nr. 0002. Gemäss den
Baugesuchsakten (act. 9.I.7/1) ist geplant, den Sitzplatzan-bau neu rechtwinklig zur
Westfassade des Wohnhauses zu erstellen, wodurch sich dieser im Vergleich zum
bestehenden Sitzplatzanbau leicht nach Südosten in die Grünzone verschiebt. Zudem soll
der Anbau auf das Niveau des Erdgeschosses des Wohnhauses angehoben werden, womit
dessen First um 1.25 m höher als der First des bestehenden Sitzplatzanbaus zu liegen
kommt.
C. Gegen diesen Entscheid erhoben C. _ mit Eingabe vom 28. Juli 2017 (act. 9.I.1)
beim Departement Bau und Volkswirtschaft Rekurs u.a. mit dem Antrag, den Bau- und
Einspracheentscheid aufzuheben und die Baubewilligung für den Sitzplatzanbau zu
verweigern.
D. Mit Entscheid vom 9. Mai 2018 (act. 9.I.12) verneinte das Departement Bau und Volkswirt-
schaft die Rekurslegitimation von C. _, worauf es auf den Rekurs nicht eintrat.
E. Gegen diesen Entscheid erhoben C. _ mit Eingabe vom 11. Juni 2018 (act. 9.I.13)
Beschwerde beim Obergericht von Appenzell Ausserrhoden u.a. mit dem Antrag, den
Rekursentscheid aufzuheben. Mit Urteil vom 20. Dezember 2018 (act. 9.I.31) bejahte das
Obergericht die Legitimation von C. _ , hob den angefochtenen Rekursentscheid auf
und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zur materiellen Beurteilung an das
Departement Bau und Volkswirtschaft zurück.
F. Mit Entscheid vom 28. Mai 2019 (act. 2.4) hiess das Departement Bau und Volkswirtschaft
den Rekurs von C. _ gut. Gleichzeitig hob es den Bau- und Einspracheentscheid der
Baubewilligungskommission B. _ vom 5. Juli 2017 auf.
G. Gegen diesen Entscheid liess A. _ (im Folgenden: Beschwerdeführer), vertreten
durch RA AA. _, mit Eingabe vom 2. Juli 2019 (act. 1) Beschwerde beim Obergericht
von Appenzell Ausserrhoden erheben, wobei er die eingangs erwähnten Rechtsbegehren
stellte.
H. Mit Schreiben vom 7. August 2019 (act. 6) und 8. August 2019 (act. 8) liessen sich das De-
partement Bau und Volkswirtschaft (im Folgenden: Vorinstanz) sowie C. _ (im
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Folgenden: Beschwerdegegner) mit dem eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur Be-
schwerde vernehmen. Mit Schreiben vom 26. August 2019 (act. 11) nahm die
Baubewilligungskommission B. _ (im Folgenden: Vorvorinstanz), vertreten durch RA
BB. _, Stellung zur Beschwerde, ohne einen konkreten Antrag zu stellen.
I. Mit Eingabe vom 26. September 2019 (act. 13) liess der Beschwerdeführer unter
Aufrechterhaltung der Anträge eine Replik einreichen, wozu sich die Beschwerdegegner mit
Duplik vom 21. Oktober 2019 (act. 15) vernehmen liessen.
J. Nach Abschluss des Schriftenwechsels wurde die Streitsache traktandiert und an der Sit-
zung der vierten Abteilung des Obergerichts vom 23. Januar 2020 beraten. Das Urteil
wurde den Parteien im Dispositiv eröffnet (act. 16).
K. Auf Eröffnung des Urteildispositivs hin verlangte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom
3. Februar 2020 (act. 18) eine Begründung des Urteils. Damit sind die Voraussetzungen für
die nach Ziff. 4 des Dispositivs in Aussicht gestellte Reduktion der Entscheidgebühr nicht
gegeben.
L. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen
näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen ergibt,
dass das Obergericht nach Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1) zur Behandlung der Beschwerde gegen den Rekursentscheid der
Vorinstanz zuständig ist und die Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind. Der Beschwerde-
führer ist als Adressat des angefochtenen Entscheides und Beteiligter am vorinstanzlichen
Verfahren formell beschwert. Als Gesuchsteller und Grundeigentümer der Parzelle Nr. 0001
ist er durch die Aufhebung der durch die Vorvorinstanz erteilten Baubewilligung in eigenen
schutzwürdigen Interessen berührt und zur Beschwerde legitimiert. Auf seine Beschwerde
ist einzutreten.
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
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des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den Sach-
verhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der Angemessen-
heit ist dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario). Rechtsfragen
unterstehen dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen (iura novit curia),
welcher bedeutet, dass das Gericht an die Rechtsauffassungen der Verfahrensbeteiligten
nicht gebunden ist; auch nicht an die von ihnen nach Massgabe des kantonalen Verfah-
rensrechts form- und fristgerecht vorgetragenen Rechtsbehauptungen (BGE 133 V 196
E.1.4). Die Entscheidbehörde ist im Rahmen der Rechtsanwendung dazu verpflichtet, auf
den festgestellten Sachverhalt jenen Rechtsatz anzuwenden, den sie als den zutreffenden
ansieht, und ihm die Auslegung zu geben, von der sie - unter Berücksichtigung von Recht-
sprechung und Lehre - überzeugt ist (KASPAR PLÜSS, in: Alain Griffel (Hrsg.), Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 166 zu § 7 VRG;
BGE 130 V 253 E. 3.5).
3. Der Beschwerdeführer offeriert in der Replik als Beweismittel einen Augenschein. Der Ent-
scheid, ob ein solcher angeordnet wird, steht im pflichtgemässen Ermessen der mit der Sa-
che befassten Behörde. Eine Pflicht zur Durchführung eines Augenscheins besteht nur
dann, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise nicht ermittelt werden können
(Urteil des Bundesgerichts 1C_192 vom 8. November 2010 E. 3.3). Ein Augenschein ist
dann geboten, wenn die tatsächlichen Verhältnisse unklar sind und anzunehmen ist, die
Parteien vermöchten durch ihre Darlegungen an Ort und Stelle Wesentliches zur Erhellung
der sachlichen Grundlage des Rechtstreits beizutragen. Der Verzicht auf die Durchführung
eines Augenscheins ist zulässig, wenn die Akten eine hinreichende Entscheidgrundlage
darstellen (KASPAR PLÜSS, in: Alain Griffel [Hrsg.] Kommentar zum Verwaltungsrechtspfle-
gegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 79 zu § 7 VRG).
Im vorliegenden Fall ergeben sich die entscheidrelevanten Verhältnisse ohne weiteres aus
den Planunterlagen. Deshalb lassen sich die Fragen, welche die vorliegende Angelegen-
heit aufwirft, ohne einen Augenschein beantworten, zumal es sich dabei weitgehend um
Rechtsfragen handelt. Die Durchführung eines Augenscheins erübrigt sich deshalb.
4.
4.1 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die Grünzone im
Jahr 1995 basierend auf dem alten Gesetz über die Einführung des Bundesgesetzes über
die Raumplanung (EG zum RPG) erlassen worden sei. Gemäss Art. 123 Abs. 2 des Geset-
zes über die Raumplanung und das Baurecht (Baugesetz, BauG, bGS 721.1) blieben
Richt-, Schutz- und Nutzungspläne, die vor Inkrafttreten des aktuell gültigen Baugesetzes
genehmigt worden sind, bis zu ihrer Anpassung in Kraft. Bisher sei der Zweck der
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Grünzone in der Gemeinde B. _ nicht im Zonenplan bezeichnet worden, weshalb sich
die Prüfung der Zonenkonformität nach Art. 34 Abs. 1 EG zum RPG richte. Mangels
unmittelbarer funktioneller Beziehung zwischen der altrechtlichen Grünzone und dem
geplanten Sitzplatz sei dessen Zonenkonformität zu verneinen.
4.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass mit dem Inkrafttreten des neuen
Baugesetzes am 1. Januar 2004 das EG zum RPG integral aufgehoben worden sei. Die
Zonenarten und deren Zwecksetzungen würden sich seither aus den Art. 19-36 BauG er-
geben, für die Grünzone sei Art. 28 BauG massgebend. Die Gemeinde B. _ sei der
Verpflichtung, die genaue Zweckbestimmung der Grünzone im Zonenplan nach Art. 28
Abs. 2 BauG zu bezeichnen nach 15 Jahren noch immer nicht nachgekommen. 15 Jahre
entsprächen in der Raumplanung dem Planungshorizont eines Zonenplans. Diese Haltung
widerspreche dem Legalitätsprinzip. Die Zweckbestimmung der hier massgeblichen
Grünzone sei deshalb direkt aus Art. 28 BauG und nach den konkreten Umständen zu er-
mitteln. Die Grünzone im Bereich der Parzelle Nr. 0001 könne einzig dem Aussichtsschutz
im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. a BauG dienen. Damit stehe der Zonenzweck der Grünzone
fest. Die Aussicht sei durch das Wohnhaus des Beschwerdeführers und das grosse Ge-
bäude auf der Parzelle Nr. 0002 bereits eingeschränkt. Weder der bestehende Sitzplatzan-
bau noch der geplante Ersatzbau schränkten die Aussicht nach B. _ zusätzlich ein.
Als Kleinbaute sei der geplante Ersatzbau für den bestehenden Sitzplatz gestützt auf Art.
28 Abs. 3 BauG zulässig bzw. zonenkonform. Das Beharren auf der formellen Bestimmung
des Zonenzwecks im Zonenplan B. _ käme im vorliegenden Fall überspitztem
Formalismus gleich.
4.3 Die Beschwerdegegner machen dagegen geltend, dass der in der Grünzone liegende Teil
der „Ersatzbaute“ sehr wohl zonenfremd sei. Der Beschwerdeführer verkenne, dass die
Stimmbürger/Innen von B. _ die Zonenplanrevision und die damit verbundene
Reduktion der Grünzone auf dem Grundstück des Beschwerdeführers am 24. November
2013 abgelehnt hätten. Demzufolge müsse die Zonenkonformität nach dem EG zum RPG
beurteilt werden.
4.4 Das Obergericht hatte im Urteil O4V 12 8 vom 27. Februar 2013 ein ebenfalls in der
Grünzone etwa 200 m von der Parzelle Nr. 0001 entfernt liegendes Bauvorhaben zu beur-
teilen. Dabei kam es in Ziff. 2.1 der Erwägungen zum Schluss, dass durch das am
1. Januar 2004 in Kraft getretene BauG zwar das EG zum RPG aufgehoben worden sei.
Als Übergangsregelung bestimme aber Art. 123 Abs. 2 BauG, dass vor dem Inkrafttreten
dieses Gesetzes genehmigte Richt-, Schutz- und Nutzungspläne bis zu ihrer Anpassung in
Kraft blieben. Der Rückgriff auf Art. 34 EG zum RPG sei sachgerecht, hätten doch im Ge-
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nehmigungszeitpunkt der nach Art. 123 Abs. 2 BauG massgebende Zonenplan und diese
Zonenvorschrift eine Regelungseinheit gebildet, auf die man für die strittige Grünzonen zu-
rückgreifen müsse, da die differenzierten neurechtlichen Zonenvorschriften ohne vorgän-
gige Zonenplanrevision nicht anwendbar seien.
Auch nach dem aktuellen Aktenstand liegen in B. _ weder die nach Art. 28 Abs. 2
BauG erforderliche differenzierte Zweckbestimmung der Grünzonen noch die zwingend
erforderliche Zuweisung der Grünzonen ins Bau- oder Nichtbaugebiet in einer nach Art. 50
Abs. 1 BauG rechtskräftig genehmigten Fassung vor. Im Weiteren gilt es festzuhalten, dass
die Stimmberechtigten im Jahr 2013 die Ortsplanrevision abgelehnt haben, womit derzeit
nicht vorhersehbar ist, in welcher Zone die Parzelle Nr. 0001 im revidierten Zonenplan zu
liegen kommt. Würde diesbezüglich im vorliegenden Fall einfach auf die Zweckbestimmung
von Art. 28 Abs. lit. a BauG abgestellt, wäre dies einerseits als unzulässige Vorwirkung
(BGE 125 II 278 E. 3b) und andererseits als unzulässiger Eingriff in die
Gemeindeautonomie zu qualifizieren. Von überspitztem Formalismus kann insofern keine
Rede sein. Damit bleibt es auch im vorliegenden Fall dabei, dass nach Art. 123 Abs. 2
BauG für die strittige Grünzone auf den 1995 genehmigten Zonenplan und auf die im
Genehmigungszeitpunkt (1995) noch geltende Zonenvorschrift in Art. 34 EG zum RPG
abzustellen ist, zumal Art. 123 Abs. 2 BauG im revidierten BauG keine Änderungen
erfahren hat. Infolgedessen ist Art. 28 Abs. 3 BauG (Kleinbauten) nicht anwendbar, da sich
diese Norm auf einen festgelegten Zweck im Zonenplan bezieht.
4.5 Nach Art. 34 EG zum RPG gehören Grünzonen formell zwar zu den Bauzonen, umfassen
aber Gebiete, "die nicht überbaut werden dürfen. Sie dienen dem Aussichtsschutz und der
Erholung sowie der Gliederung des Orts- und Landschaftsbildes." Nach Abs. 2 dieser kan-
tonalen Zonenvorschrift sind Bauten und Anlagen zulässig, soweit der Zweck der Zone sie
erfordert. Mit dieser Zweckbestimmung der Grünzone ist der geplante Sitzplatzanbau nicht
zu vereinbaren, soweit dieser in die Grünzone zu liegen kommt, da dieser weder für den
Aussichtsschutz, die Erholung noch die Gliederung des Orts- und Landschaftsbildes erfor-
derlich ist. Ob dadurch die bestehende Aussicht zusätzlich beeinträchtigt wird oder nicht,
spielt vorliegend keine Rolle, sind doch in Art. 34 EG zum RPG im Gegensatz zu Art. 28
Abs. 3 BauG keine Ausnahmen für Kleinbauten vorgesehen. Somit fehlt dem geplanten
Sitzplatzanbau die unmittelbare erforderliche funktionelle Beziehung zum Ort ihrer Errich-
tung in der Grünzone nach Art. 34 Abs. 2 EG zum RPG, womit dieser in der Grünzone nicht
als zonenkonform zu qualifizieren ist. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob das Bauvorhaben
aufgrund der Bestandesgarantie bewilligt werden kann.
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5. Gemäss Art. 94 Abs. 1 BauG ist der Weiterbestand, der Unterhalt und die zeitgemässe
Erneuerung bestehender Bauten, die der Nutzungsordnung oder den Bauvorschriften nicht
entsprechen, gewährleistet. Eine Zweckänderung oder eine angemessene Erweiterung
kann bei Bauten gemäss Abs. 1 gewährt werden, wenn: a) die Bauten ursprünglich
rechtmässig erstellt wurden, b) der Widerspruch zum geltenden Recht nicht wesentlich
verstärkt wird; c) keine wesentlichen öffentlichen Interessen verletzt werden (Art. 94 Abs. 2
BauG). Der Wiederaufbau im früheren Umfang von Bauten gemäss Abs. 1, die durch
Elementargewalt, Feuer und Explosion zerstört wurden, ist innert fünf Jahren seit dem
zerstörenden Ereignis zulässig, wenn dadurch nicht wesentliche öffentliche oder
nachbarliche Interessen verletzt werden. Unter denselben Bedingungen zulässig ist der
freiwillige Abbruch und Wiederaufbau (Art. 94 Abs. 3 BauG).
5.1 Die Vorinstanz vertritt im angefochtenen Entscheid die Auffassung, dass das Bauvorhaben
zu einer Verstärkung der Rechtswidrigkeit führe, da der geplante Sitzplatz in südlicher
Richtung weiter als der bestehende Anbau in die altrechtliche Grünzone zu liegen käme.
Daran vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass der geplante Sitzplatz in Rich-
tung Westen kürzer als der bestehende Anbau sein solle. Schliesslich lasse sich aus der
Bestandesgarantie keine Kompensation von zonenwidrigen (Teil-)Bauten ableiten. Weiter
solle der geplante Sitzplatz gemäss den Baugesuchsunterlagen im Vergleich zur bestehen-
den Anbaute um 1.25 m erhöht werden, was auch zu einer Verstärkung der Rechtswidrig-
keit führen würde. Zudem wäre die Baubewilligung auch unter dem Titel des freiwilligen
Wiederaufbaus nicht möglich, weil das Gesetz nur den Wiederaufbau im früheren Umfang
vorsehe.
5.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass der Ersatzbau eine um 0.25 m2 oder
knapp 2% grössere Grundfläche als der bestehende Sitzplatz aufweise. Die Grundfläche
der bestehenden Baute und des Ersatzbaus seien damit nahezu gleich gross. Die Dachflä-
che sei um 0.30 m2 grösser als jene der bestehenden Baute. Zu berücksichtigen sei aller-
dings, dass die Satteldächer beider Bauten aufgrund ihrer Dachneigung vom D. _
aus nicht in ihrer gesamten Fläche wahrgenommen werden könnten. In südlicher Richtung
beanspruche der Ersatzbau einen geringfügigen Spickel zusätzlicher Grünzone; gegen
Westen werde dagegen eine kleine Fläche Grünzone freigegeben. Von einer wesentlichen
Verstärkung der Rechtswidrigkeit könne damit nicht gesprochen werden. Die Anbaute
werde insgesamt höher gesetzt, um den Fussboden an das Niveau des Erdgeschosses der
Hauptbaute anzupassen. Die Höherlegung der Ersatzbaute beeinträchtige die Aussicht auf
B. _ nicht zusätzlich. Es stehe fest, dass der Bauherr für die Sanierung der
Abwasserleitung und die Entfernung des seit langem ausser Betrieb gesetzten erdverlegten
Öltanks den bestehenden Sitzplatz beseitigen müsse. Dass er den Ersatzbau an das
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Niveau des Erdgeschosses anpassen wolle, sei nachvollziehbar. Zudem würden keine
nachbarlichen und öffentlichen Interessen verletzt. Bei der E. _ handle es sich um
eine Privatstrasse, welche nicht der Strassengesetzgebung unterstehe. Damit sei weder
der Strassenabstand nach Art. 58 des Strassengesetzes (StrG, bGS 731.11) noch nach
Art. 21 des kommunalen Baureglements (BauR) einzuhalten. Der reduzierte
Strassenabstand für unbewohnbare Kleinbauten gemäss Art. 59 Abs. 1 StrG wäre durch
den Ersatzbau eingehalten. Der Abstand des Ersatzbaus werde zudem durch den
rechtwinkligen Anbau an die Hauptfassade des Wohnhauses vergrössert.
5.3 Die Beschwerdegegner machen geltend, dass auch die vertikale Ausdehnung
miteinzubeziehen sei. Die bestehende Baute werde um 1.25 m erhöht, womit der Rahmen
der Bestandesgarantie gesprengt werde. Der bestehende Sitzplatz weise lediglich ein
Volumen von rund 23 - 25 m3 auf, während das Ersatzgebäude auf rund 48 m3 vergrössert
werde. Durch die Unterschreitung des Strassenabstandes würden die nachbarlichen
Interessen der Beschwerdegegner tangiert werden. Im Weiteren läge keine akute
Gewässer- und Umweltgefährdung vor, welche eine Entfernung des Öltanks erfordern
würde. Dessen Entfernung sei auch ohne Abbruch des bestehenden Sitzplatzes möglich.
5.4 Aus den Baugesuchsakten (act. 9.I.7/1) geht hervor, dass der bestehende Sitzplatzanbau
abgebrochen und rechtwinklig an die Westfassade versetzt durch einen neuen überdachten
Sitzplatz ersetzt werden soll. Die Bausubstanz und Konstruktion des bestehenden Sitz-
platzanbaus bleibt damit nicht erhalten, sondern wird vollständig beseitigt und durch einen
Neubau ausgetauscht. Damit handelt es sich beim zu beurteilenden Projekt nicht um den
Unterhalt oder eine Erneuerung des bestehenden Sitzplatzanbaus im Sinne von Art. 94
Abs. 1 BauG. Da der geplante Sitzplatz die bisherige Gestalt des bestehenden Anbaus
nicht mehr erkennen lässt und dieser vielmehr vollständig abgebrochen wird, liegt auch
keine angemessene Erweiterung im Sinne von Art. 94 Abs. 2 BauG vor. Demzufolge fällt
das Bauvorhaben unter die Bestimmung von Art. 94 Abs. 3 BauG (freiwilliger Abbruch und
Wiederaufbau). Gemäss dem klaren Wortlaut von Art. 94 Abs. 2 Satz 1 BauG ist der Wie-
deraufbau beim freiwilligen Abbruch - wie auch bei Elementarereignissen - nur im früheren
Umfang zulässig, soweit dadurch nicht wesentliche öffentliche oder nachbarliche Interessen
verletzt werden. Die Baugesuchsakten verdeutlichen, dass der neue Sitzplatzanbau wegen
der Erhöhung von 1.25 m und des dadurch beinahe verdoppelten Volumens den Umfang
des bestehenden Anbaus deutlich überschreitet. Dieser Umstand steht der Bestandesga-
rantie nach Art. 94 Abs. 3 BauG klar entgegen.
5.5 Im Weiteren gilt es festzuhalten, dass es sich mangels aktenkundiger Widmung (Art. 2 Abs.
2 StrG) und fehlender Aufnahme ins Strassenverzeichnis (Art. 8 Abs. 3 StrG) beim nicht
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abparzellierten Seitenarm der E. _ westlich des Bauvorhabens um eine Privatstrasse
handelt. Demzufolge ist im vorliegenden Fall der privilegierte Strassenabstand für
Kleinbauten nach Art. 59 Abs. 1 StrG nicht anwendbar. Mangels anderslautender Vorschrift
gilt für Privatstrassen hingegen nach wie vor der Abstand von 5 m zur Strassenlinie (Art. 21
Abs. 1 BauR), wie dies auch die Vorvorinstanz in Ziff. 2.9 des Bau- und Ein-
spracheentscheids vom 10. Juli 2017 zutreffend zum Ausdruck bringt. Dieser Abstand wird
bereits durch den bestehenden Sitzplatz nicht eingehalten und auch durch den neu ge-
planten erhöhten Sitzplatzanbau auf der ganzen Länge um rund 2 m unterschritten. Zudem
nimmt das Bauvorhaben die Grünzone durch die südliche Verschiebung um einen zusätzli-
chen Meter in Anspruch (vgl. Grundrissplan, act. 9.I.7/1). Aufgrund der zusätzlichen Bean-
spruchung der Grünzone, der Erhöhung des Wohnkomforts, welcher mit dem Zweck der
altrechtlichen Grünzone ebenfalls nicht vereinbar ist und der geplanten Erhöhung im Be-
reich des unterschrittenen reglementarischen Strassenabstands und der Grünzone, ist die
Ansicht der Vorinstanz nicht zu beanstanden, dass auch die Verstärkung des Widerspruchs
zum geltenden Recht als wesentlich zu qualifizieren ist. Daran ändert auch der Umstand
nichts, dass der Strassenabstand durch den rechtwinkligen Anbau teilweise leicht vergrös-
sert werden sollte, da eine Verstärkung der Rechtswidrigkeit in einem bestimmten Punkt
nicht ohne Weiteres durch eine Verbesserung in einem anderen Punkt kompensiert werden
kann (Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 5. Aufl. 2020, N. 4 zu
Art. 3). Damit würde das Bauvorhaben auch den Rahmen der Bestandesgarantie sprengen,
wenn dieses nicht als Neubau sondern als Erweiterung im Sinne von Art. 94 Abs. 2 BauG
einzustufen wäre.
5.6 Infolgedessen steht fest, dass der geplante Sitzplatzanbau weder die Voraussetzungen
nach Art. 94 Abs. 2 BauG noch diejenigen nach Art. 94 Abs. 3 BauG erfüllt, womit er nicht
aufgrund der Bestandesgarantie bewilligt werden kann.
6.
6.1 Die Vorinstanz verneint im Weiteren, dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilli-
gung gegeben seien. Der geplante Sitzplatz erfordere keine bestimmte besondere Form
oder Stellung in der geplanten Ausführung. Es sei in der Aufhebung der erteilten Baubewil-
ligung auch keine unzumutbare Benachteiligung des Beschwerdeführers zu erkennen, da
dieser bereits über einen Sitzplatz verfüge. Ausserdem werde damit auch keine dem öffent-
lichen Interesse bedeutend bessere Überbauung erzielt. Der Beschwerdeführer vertritt
demgegenüber die Ansicht, dass keine Ausnahmebewilligung erforderlich sei, jedoch
müsse der bestehende Sitzplatz aus Gründen der Wohnhygiene sowie des Umweltschut-
zes beseitigt werden. Die Beschwerdegegner bestreiten das Vorliegen von Ausnahmegrün-
den.
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6.2 Für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung müsste eine der Voraussetzungen von Art.
118 Abs.1 lit. a-c BauG erfüllt sein, wobei - soweit ersichtlich - im vorliegenden Fall nur eine
Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 118 Abs. 1 lit. b BauG in Frage käme. Demzufolge
kann eine Ausnahmebewilligung erteilt werden, wenn unter den gegebenen Verhältnissen
die Einhaltung der bestehenden Vorschriften die Bauherrschaft in unzumutbarer Weise be-
nachteiligen würde und öffentliche Interessen der Ausnahmebewilligung nicht entgegenste-
hen. Eine Ausnahmebewilligung bezweckt, im Einzelfall Härten und offensichtliche Un-
zweckmässigkeiten, d.h. offensichtlich ungewollte Wirkungen zu beseitigen, die mit dem
Erlass der Regel nicht beabsichtigt waren. Die ausserordentlichen Verhältnisse müssen
grundsätzlich objektiver Art und baurechtlicher Natur (z.B. Form und Lage der Parzelle,
technische Situation) und nicht in den persönlichen Verhältnissen von Bauwilligen begrün-
det sein (Urteil VB.2005.00334 des Verwaltungsgerichts Zürich vom 17. November 2005 E.
4.2). Die Ausnahmebewilligung darf nicht eingesetzt werden, um generelle Gründe zu
berücksichtigen, die sich praktisch immer anführen liessen, weil auf diesem Wege das
Gesetz selber abgeändert würde (BGE 117 Ia 141 E. 4). Rein wirtschaftliche Gründe oder
eine optimale Ausnützung des Grundstücks stellen für sich allein keine Ausnahmegründe
dar (BGE 107 Ia 214 E. 5). Mit der Ausnahmebewilligung dürfen sodann keine öffentlichen
Interessen verletzt werde. Die mit der Grundregel verfolgten öffentlichen Interessen sind mit
den entgegenstehenden privaten Interessen des Gesuchstellers abzuwägen (BGE 114 Ib
190 E. 5).
6.3 Solche ausserordentlichen Verhältnisse sind vorliegend keine erkennbar und werden vom
Beschwerdeführer auch nicht vorgebracht. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb es
nicht zumutbar sein sollte, den bestehenden Sitzplatz abzubrechen - sofern der zu entfer-
nende Öltank überhaupt dessen Abbruch erfordert -, den Öltank darauf zu entfernen und
den Sitzplatz anschliessende im bisherigen Umfang wiederherzustellen. Im Übrigen werden
durch das Bauvorhaben aufgrund der Verletzung des Strassenabstands und der zusätzli-
chen Beanspruchung der Grünzone auch wesentliche öffentliche Interessen verletzt. Die
Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung sind somit ebenfalls nicht gegeben.
7. Insgesamt ergibt sich aus den Erwägungen, dass der Entscheid der Vorinstanz, mit wel-
chem die erteilte Baubewilligung für das strittige Bauvorhaben aufgehoben wurde, nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. Somit kann darauf verzichtet wer-
den, zu prüfen, ob dem Bauvorhaben auch noch andere Bauvorschriften entgegenstehen,
zumal die betreffenden Rügen im vorinstanzlichen Entscheid nicht behandelt wurden.
8. Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Obergericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf des-
sen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Dem Beschwerdeführer ist ausgangsgemäss eine
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Entscheidgebühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 2‘000.-- als angemessen er-
scheint (Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen [bGS 233.2]). Der
Kostenvorschuss von Fr. 2‘000.-- wird angerechnet. Auf die Zusprechung einer Parteient-
schädigung zugunsten der obsiegenden Beschwerdegegner wird mangels Antrags ver-
zichtet (Art. 59 i.V.m. Art. 24 Abs. 1 lit. a VRPG e contrario).
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