Decision ID: f5a3b9b8-8a91-5cb3-98e3-5b84a7bd9e96
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Afghanistan eigenen Angaben zufolge un-
gefähr im (...) 2019 und gelangte am (...) Februar 2020 in die Schweiz, wo
er am 4. Februar 2020 um Asyl nachsuchte. Nach seiner Zuweisung in das
Bundesasylzentrum (BAZ) Region C._ fand am 10. Februar 2020
die Personalienaufnahme (PA; Protokoll in den SEM-Akten act. 1061556-
9/10, nachfolgend act. 9/10) statt. Am 14. April 2020 wurde er zu seinen
Asylgründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten act.
1061556-17/20, nachfolgend act. 17/20).
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, er sei afghanischer
Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie aus dem Dorf D._, wo er
bis zu seiner Ausreise im (...) 2019 zusammen mit seiner Familie gelebt
habe. Er sei bis zur (...) Klasse in die Schule gegangen und habe danach
in (...) gearbeitet. Daneben habe er seinem Vater in der (...) geholfen und
verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet, um seine Familie zu unterstützen.
(...) habe er seine Ehefrau geheiratet. Im (...) oder (...) 2019 sei sein Vater
in der Nacht von Angehörigen der Taliban-Miliz aufgesucht und unter
Zwang dazu aufgefordert worden, einen verletzten Kampfgenossen in (...)
zu behandeln. Nachdem seine Ehefrau ihn geweckt und über den Vorfall
informiert habe, sei er seinem Vater gefolgt und habe von einem sicheren
Versteck aus beobachten können, wie ein Fahrzeugkonvoi mit bewaffneten
Regierungssoldaten bei (...) erschienen sei. Daraufhin habe es ein Gefecht
gegeben, das bis zum Morgengrauen gedauert habe. Nach dem Gefecht
sei er zur zerstörten (...) zurückgekehrt und habe den Leichnam seines
Vaters vorgefunden. Sein Vater sei gleich danach im Beisein zahlreicher
Dorfbewohner beerdigt worden. Nach diesem Vorfall habe es für ihn und
seine Familie keine Ruhe mehr gegeben. Ein bei der nationalen Sicher-
heitsbehörde in E._ tätiger Cousin seines Vaters habe ihm telefo-
nisch mitgeteilt, die afghanischen Sicherheitsorgane beabsichtigten auf-
grund des nächtlichen Vorfalls, ihn als Kollaborateur der Taliban zu verhaf-
ten. Er habe diese Warnung ernst genommen und sei noch in derselben
Nacht mit Hilfe seines Cousins F._ heimlich zu dessen Wohnort in
der Stadt G._ gegangen. Unmittelbar darauf hätten Sicherheits-
kräfte seine Familie aufgesucht, das Haus durchsucht und sich nach sei-
nem Verbleib erkundigt. In der darauffolgenden Nacht habe er seine Ehe-
frau und Kinder vorübergehend in Sicherheit bringen können. Kurze Zeit
später seien auch Leute der Taliban-Miliz zuhause vorbeigekommen und
hätten ihm von seiner allein zurückgebliebenen Mutter ausrichten lassen,
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er müsse bei ihnen innert Frist vorstellig werden. Er werde verdächtigt, die
Behörden während der nächtlichen Schiesserei über den Vorfall informiert
zu haben und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Aufgrund dieser Ereignisse
hätten er und seine Frau sich zur Ausreise entschlossen. Das Asylgesuch
der Ehefrau und (...) älteren Kinder vom (...) wurde mit in Rechtskraft er-
wachsener Verfügung des SEM vom 28. November 2019 abgelehnt und
der Vollzug der Wegweisung zufolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufgeschoben.
Der Beschwerdeführer reichte bei der Anhörung ein Foto von einem Brief
der Taliban an ihn zu den Akten, in dem ihm gemäss Übersetzung mitgeteilt
wird, durch seine Meldung bei den Behörden seien Taliban-Mitglieder ge-
tötet worden. Er werde deshalb aufgefordert, sich bei ihnen auf dem Stütz-
punkt zu melden und seine Unschuld zu beweisen. Im Unterlassungsfall
werde er erwischt und streng verurteilt (act. 17/19 F164).
B.
Am 17. April 2020 teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, aufgrund der
aktuellen landesweiten Notstandssituation könne im gegenwärtigen Zeit-
punkt über das Asylgesuch ihres Mandanten nicht entschieden werden.
Das Asylgesuch werde fortan gestützt auf Art. 26d AsylG (SR 142.31) im
erweiterten Verfahren behandelt. Der Beschwerdeführer wurde in der
Folge dem Kanton H._ zugewiesen.
C.
Mit Eingabe vom 20. Mai 2020 zeigte die neue Rechtsvertretung dem SEM
ihre Mandatsübernahme an und reichte eine Vollmacht gleichen Datums
ein.
D.
Am (...) wurde die Tochter des Beschwerdeführers in der Schweiz geboren.
E.
Mit am 10. August 2020 eröffneter Verfügung vom 7. August 2020 stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Den Vollzug der Wegweisung schob es zufolge Unzumutbar-
keit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers
vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu ge-
nügen. Insbesondere werde nicht in Abrede gestellt, dass sein Vater als
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Bewohner von D._ im Zuge der Kriegswirren dazu angehalten wor-
den sei, verletzte Angehörige er Taliban-Miliz medizinisch zu behandeln.
Dadurch sei er mit dem Dilemma konfrontiert gewesen, einerseits den Ta-
liban zu helfen und andererseits aus Sicherheitsgründen nicht mit ihnen in
Verbindung gebracht zu werden. Die geschilderten Probleme liessen den
Schluss zu, dass es sich nicht um individuell-persönliche und gezielte
Nachstellungen gegen ihn respektive seinen Vater gehandelt habe. Seinen
Aussagen lasse sich entnehmen, dass die Regierungstruppen und die Ta-
liban im Zuge der vorherrschenden chaotischen Kriegssituation in Afgha-
nistan in jener Nacht zufällig aneinandergeraten seien und der Vater sowie
der Beschwerdeführer mit seiner Familie dadurch willkürlich geschädigt
worden seien.
Der Beschwerdeführer charakterisiere die Zufälligkeit seiner Erlebnisse an-
schaulich, wenn er berichte, sein Vater sei als unbeteiligter Zivilist und et-
was exponierterer (...), aber nicht als Mitglied oder Sympathisant der Tali-
ban genötigt worden, einem verletzen Angehörigen der Taliban zu helfen.
Er habe die Geschehnisse in jener Nacht häufig nur mosaikartig, vage und
meist aus der Perspektive von Drittpersonen geschildert. Er habe die Be-
teiligten persönlich nicht gesehen und die Situation aus sicherer Entfer-
nung respektive vom Dach seines Hauses aus beobachtet, nachdem er
von seiner Ehefrau geweckt worden sei. Von den Besuchen zuhause habe
er von seiner Mutter erfahren. Er bringe damit deutlich zum Ausdruck, dass
die Taliban nur deshalb zu ihnen gekommen seien, weil seine Familie in
(...) verfügt habe. Ansonsten habe er keine anderen Gründe für die Nach-
stellungen seitens der Sicherheitskräfte und Taliban genannt. Er habe viel-
mehr unterstrichen, viele Jahre lang keine Probleme mit den Taliban oder
mit den Regierungsbehörden gehabt zu haben. Ebenso dürfe nicht ausser
Acht gelassen werden, dass I._, der Cousin seines Vaters und Mit-
arbeiter der nationalen Sicherheitsbehörde, sofort an ihn gelangt sei und
beteuert habe, er wisse von seiner Unschuld. Letztlich gelte es anzufügen,
dass er von den Geschehnissen jener Nacht nur indirekt als Sohn seines
Vaters betroffen gewesen und selber in keiner Weise aktiv geworden sei.
Er bringe nicht vor, von der misslichen lokalen Sicherheitslage in einem
höheren Ausmass betroffen gewesen zu sein als der übrige Teil der Bevöl-
kerung. Die geschilderten Ereignisse seien in ihrer Brutalität geprägt von
einer ausgesprochenen Willkür und mangelnder Gezieltheit. Es handle
sich um tragische Ausprägungen der allgemein in Afghanistan vorherr-
schenden Kriegswirren. Eine gezielt gegen den Beschwerdeführer gerich-
tete asylrechtlich relevante Verfolgung liege somit nicht vor.
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Vor diesem Hintergrund erübrige es sich grundsätzlich, auf allfällige Un-
glaubhaftigkeitselemente in den Darlegungen einzugehen. Trotzdem sei in
Kürze darauf hingewiesen, dass seine Schilderungen in Bezug auf die
Schiesserei und die Besuche der Regierungstruppen sowie der Taliban-
Miliz zuhause nicht die zu erwartende Substanz, den Detailreichtum und
Realkennzeichen aufweisen würden. Zudem sei er wiederholt auf Allge-
meinschauplätze ausgewichen oder habe pauschale und oberflächliche
Aussagen wiederholt, anstatt präziser auf persönlich Erlebtes einzugehen.
Dies, obwohl ihm an der Anhörung seitens des Fachspezialisten und seiner
Rechtsvertretung wiederholt die Gelegenheit eingeräumt worden sei, seine
Schilderungen zu präzisieren respektive nachvollziehbar darzulegen. In
der Konsequenz gehe nur ansatzweise hervor, ob er das Geschilderte –
zumindest in den von ihm dargelegten Einzelheiten – tatsächlich so erlebt
habe.
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 9. September 2020 gelangte der Beschwer-
deführer durch seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht.
Er beantragt unter Aufhebung dieser Verfügung die Feststellung seiner
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht beantragt er unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die
Bestellung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Als Bei-
lagen liess er verschiedene Dokumente (Kopien der Vollmacht und der an-
gefochtenen Verfügung, Fotokopie des bereits beim SEM eingereichten
Briefes der Taliban an ihn, Unterstützungsbestätigung vom 8. Septem-
ber 2020 und Honorarnote vom 9. September 2020) einreichen.
Auf die Begründung der Rechtsbegehren und die eingereichten Beweis-
mittel wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
G.
Am 11. September 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin der Rechtsver-
treterin den Eingang der Beschwerde und verfügte, der Beschwerdeführer
könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht können gemäss dieser Bestimmung die
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschrei-
tung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige-
nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und
zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu
können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf-
klärung und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-
recht der Parteien dar. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs beinhaltet,
dass die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffe-
nen sorgfältig sowie ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berück-
sichtigt werden (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Zudem müssen die angebotenen
Beweismittel abgenommen werden, wenn sie zur Abklärung des Sachver-
halts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grund-
sätzliche Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbringen des
Rechtssuchenden zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35
Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, die für den
Entscheid bedeutsam sind (vgl. BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter dieser Norm aufgelisteten
Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.2 Vorliegend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bei der Anhörung
vom 9. April 2020 ein Beweismittel einreichte (Fotokopie eines Briefes der
Taliban an ihn). Der Übersetzung des Dolmetschers kann entnommen wer-
den, dass er vom militärischen Taliban-Verantwortlichen der Provinz
J._ darüber informiert wird, dass durch seine Meldung bei den af-
ghanischen Behörden Taliban-Mitglieder getötet worden seien. Er müsse
sich auf dem Stützpunkt melden, um seine Unschuld zu beweisen. Wenn
er dies nicht tue, werde er erwischt und streng bestraft. Es sei besser, wenn
er selber komme, um sich zu erklären. Dazu wurde im Anhörungsprotokoll
der Vermerk angebracht, das Beweismittel werde zu den Akten genommen
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(vgl. act. 17/19 F164). Eine Durchsicht des Aktenverzeichnisses ergibt in-
dessen, dass dieses Beweismittel keinen Eingang in die Akten gefunden
hat. In der angefochtenen Verfügung wird der eingereichte Brief der Taliban
an den Beschwerdeführer weder erwähnt noch findet eine Auseinanderset-
zung mit diesem Beweismittel statt. Zudem wird im Sachverhalt offensicht-
lich tatsachenwidrig ausgeführt, der Beschwerdeführer habe keine Doku-
mente oder Beweismittel zu den Akten gereicht. Damit hat das SEM das
zur Abklärung des Sachverhalts eingereichte und nicht von vornherein un-
tauglich erscheinende Beweismittel nicht abgenommen.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz dadurch, dass
sie den Brief der Taliban an den Beschwerdeführer als grundsätzlich taug-
lich erscheinendes Beweismittel nicht abgenommen hat, ein für den Ent-
scheid relevantes Sachverhaltselement in ihrer Verfügung nicht berück-
sichtigt hat. Der Sachverhalt ist somit unvollständig respektive unrichtig
festgestellt worden. Gleichzeitig hat das SEM das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers verletzt.
5.
5.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht. Einer Kassation und Rückweisung
kommt unter Umständen auch die Funktion zu, die Vorinstanz auf ihre ver-
fahrensrechtlichen Pflichten aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2012/21
E. 5).
5.2 Es kann nicht Aufgabe des Gerichts sein, das vom SEM nicht abge-
nommene Beweismittel zu prüfen und eine solch grundlegende Frage zum
Sachverhalt als erste Instanz zu klären. Darüber hinaus fällt ins Gewicht,
dass die Partei eine Instanz verlöre, wenn das Gericht die Grundlagen des
rechtserheblichen Sachverhalts nicht nur ergänzen, sondern gleichsam
wie eine erste Instanz erheben würde. Das Bundesverwaltungsgericht hat
demnach von eigenen Sachverhaltsfeststellungen, die über eine blosse Er-
gänzung und Erwahrung des rechtserheblichen Sachverhalts hinausrei-
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chen, abzusehen (BVGE 2012/21 E. 5; ferner Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1511/2018 vom 1. Mai 2018 E. 4.2, E-4220/2015 vom
7. Dezember 2017 E. 6.2 und E-1254/2015 E. 5.2 vom 9. November 2017).
Die Vorinstanz wird deshalb angewiesen, das vom Beschwerdeführer bei
der Anhörung vom 9. April 2020 eingereichte Beweismittel zu prüfen und
gestützt darauf erneut zu entscheiden. Das Ergebnis dieser Prüfung hat
sie in ihrem Entscheid festzuhalten.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde im Sinne der Erwägungen gut-
zuheissen. Die Verfügung vom 7. August 2020 ist aufzuheben und die Sa-
che zur vollständigen sowie richtigen Feststellung des Sachverhaltes, zur
anschliessenden Neubeurteilung und zu neuem Entscheid an das SEM zu-
rückzuweisen.
6.2 Angesichts der Rückweisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt es
sich, auf die Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie eben-
falls Gegenstand des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfah-
rens sein werden und die Vorinstanz sich damit zu befassen haben wird.
7.
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses hinfällig.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit der Antrag auf Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos
wird.
8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Antrag
auf amtliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 102m Abs. 1 AsylG
wird somit hinfällig. Der in der Kostennote vom 9. September 2020 geltend
gemachte zeitliche Aufwand von acht Stunden zu einem Stundenansatz
von Fr. 200.– ist um 0.25 Stunden zu kürzen, zumal es sich beim Erstellen
der Honorarnote um nicht gesondert zu entschädigende Kanzleiarbeit han-
delt. Spesen sind gemäss Art. 11 Abs. 1 VGKE aufgrund der tatsächlichen
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Kosten auszuzahlen. Die geltend gemachte Spesenpauschale von Fr. 50.–
ist somit nicht zu vergüten, zumal keine besonderen Verhältnisse vorliegen,
die die Auszahlung eines Pauschalbetrags rechtfertigen würden
(vgl. Art. 11 Abs. 3 VGKE). Da die Rechtsvertreterin nicht mehrwertsteuer-
pflichtig ist, ist kein Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE geschuldet. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-
sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und die Praxis in Vergleichsfällen ist dem
Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von
insgesamt Fr. 1550.– zuzusprechen.
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