Decision ID: 0caa0538-8d79-5585-af39-e89b290b59ed
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer / Gesuchsteller (nachfolgend: Beschwerdeführer)
reiste am 31. Mai 2016 in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um
Asyl.
Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 10. Juni 2016 und der
Anhörung zu den Asylgründen vom 21. August 2018 machte er im Wesent-
lichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie
und habe bis 2002 in Colombo gelebt. Danach sei er mit seiner Familie
nach B._, Jaffna, gezogen, wo er bis im November 2014 gelebt
habe. Er habe im Jahre 2010 die Schule (A-Level) abgeschlossen und
nach einem (...)kurs von 2012–2014 in der (...) in Jaffna gearbeitet. Von
Ende 2014 bis zu seiner Ausreise im Juli 2015 habe er bei einem Bekann-
ten in C._ gelebt. Seine Eltern seien verstorben; sein Bruder habe
sich 2006 beziehungsweise 2008 den LTTE (Liberation Tigers of Tamil
Eelam) angeschlossen und sei seither verschwunden. Ebenso sei sein Va-
ter Mitglied der LTTE gewesen und sei im Jahre 2003 beziehungsweise
2006 zurückgekehrt. Im Jahre 2006 sei dieser von Mitarbeitern des CID
(Criminal Investigation Departement) mitgenommen und geschlagen wor-
den und habe in der Folge einen Herzinfarkt erlitten. Der Beschwerdeführer
selbst sei wegen seines Bruders und Vaters in den Jahren 2008 und 2013
vom CID mitgenommen, inhaftiert, befragt und geschlagen worden und je-
weils nach eineinhalb bis vier Tagen wieder freigekommen. Im August 2013
habe er ausserdem einer Menschenrechtsorganisation Information zukom-
men lassen und in der Folge weitere Probleme mit dem CID gehabt. So-
dann sei er Mitglied einer Studentenorganisation gewesen, habe in den
Jahren 2012–2014 an Protestkundgebungen teilgenommen und im März
2014 N. kennengelernt. Dieser habe ihn im Mai 2014 besucht und ihm er-
zählt, dass er gesucht werde, woraufhin er, der Beschwerdeführer, ihm
während ein bis zwei Monaten Unterschlupf gewährt habe. Im November
2014 sei N. vor seinem eigenen Haus in D._ erschossen worden.
Die Behörden hätten ausserdem im Mai 2015 sein Haus durchsucht und
dabei LTTE-Flugblätter, Flaggen und Bilder beschlagnahmt. Nach diesem
Vorfall sei er ausgereist. Letztmals sei im Jahre 2016 nach ihm gesucht
worden.
B.
Mit Verfügung vom 27. November 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
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schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Das SEM begrün-
dete seinen Asylentscheid im Wesentlichen mit der Unglaubhaftigkeit der
Kernvorbringen des Beschwerdeführers.
C.
Mit Eingabe vom 28. Dezember 2018 liess der Beschwerdeführer den Ent-
scheid der Vorinstanz beim Bundesverwaltungsgericht anfechten. Er bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung
von Asyl, eventualiter seien die Ziffern 4 und 5 der Verfügung aufzuheben
und er sei vorläufig aufzunehmen.
D.
Mit Urteil E-7436/2018 vom 15. November 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde ab. Das Gericht schloss sich der vorinstanz-
lichen Einschätzung an, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers
in zentralen Punkten widersprüchlich und unplausibel ausgefallen und da-
mit unglaubhaft seien. Der Entscheid des SEM vom 27. November 2018
ist damit in Rechtskraft erwachsen.
E.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2019 stellte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz ein Asylgesuch, respektive Mehrfachgesuch, eventualiter Wie-
dererwägungsgesuch. Zu dessen Begründung machte er nebst den ur-
sprünglichen Asylgründen geltend, dass sich die Sicherheitslage seit der
Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten am 16. November 2019
massiv verschlechtert habe. Rajapaksa habe in seiner Wahlkampagne die
schonungslose Beseitigung verdächtiger Personen in den Mittelpunkt ge-
stellt und die neue Regierung würde auch zehn Jahre nach Ende des Krie-
ges bisher unentdeckte Personen mit LTTE-Verbindungen verfolgen. Im
Weiteren sei der Vollzug der Wegweisung unzulässig und unzumutbar, weil
er der neuen Regierung als Unterstützer der LTTE bekannt sei und damit
riskieren würde, bei der Einreise inhaftiert und gefoltert zu werden.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er Medienberichte im Zu-
sammenhang mit der neuen Präsidentschaft Sri Lankas, ein Schreiben von
ihm an das SEM mit deutscher Übersetzung sowie Fotos von gefolterten
Personen zu den Akten.
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F.
Ein vom SEM am 13. Januar 2020 geforderter Gebührenvorschuss in Höhe
von Fr. 600.– wurde fristgerecht geleistet.
G.
Das SEM nahm die Eingabe des Beschwerdeführers als einfaches Wie-
dererwägungsgesuch entgegen und lehnte dieses mit Verfügung vom
28. Mai 2020 – eröffnet am 29. Mai 2020 – ab, erklärte seine Verfügung
vom 27. November 2018 als rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Ge-
bühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine
aufschiebende Wirkung zukomme.
H.
Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom
28. Mai 2020 und beantragte deren Aufhebung und die Gewährung von
Asyl unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft. Eventualiter sei die
Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und er sei vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Subeven-
tualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen und als Mehrfachgesuch zu behandeln. In formeller Hinsicht bean-
tragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und
der zuständige Kanton sei anzuweisen, den Wegweisungsvollzug auszu-
setzen.
Mit der Beschwerde wurden verschiedene Dokumente (in Kopie, nicht
übersetzt) sowie ein Schreiben des Zivilstandsamts E._ betreffend
Ehevorbereitung und Ziviltrauung vom 5. Juni 2020 eingereicht.
I.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 30. Juni 2020 setzte die Instruk-
tionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2020 setzte die Instruktionsrichterin
dem Beschwerdeführer Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses in der
Höhe von Fr. 1500.–.
K.
Der Kostenvorschuss wurde am 13. Juli 2020 fristgerecht eingezahlt.
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Seite 5
L.
Mit Schreiben vom 13. Juli 2020 ersuchte das Zivilstandsamt E._
um Einsichtnahme in die Asylakten des Beschwerdeführers zur Weiterfüh-
rung des Ehevorbereitungsverfahrens. Die Akten wurden dem Zivilstands-
amt gleichentags zugestellt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist ausserdem zuständig für die Revi-
sion von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt
hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde hinsichtlich des Beschwerdever-
fahrens auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Mit vorliegendem Direktentscheid wird der Antrag auf Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos.
5.
5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
5.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage in
Bezug auf Vollzugshindernisse (sogenanntes einfaches Wiedererwä-
gungsgesuch). Werden nachträglich erhebliche Gründe in Bezug auf die
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen, handelt es sich um
ein Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG (vgl. BVGE 2014/39
E. 4.5 m.w.H.).
5.3 Das BVGer zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121–123
BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Gemäss Art. 123
Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn
die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder ent-
scheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht bei-
bringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
6.
6.1 Ihren Entscheid begründete die Vorinstanz damit, dass sich aus der
vorgebrachten Verschärfung der Lage in Sri Lanka keine Gefährdung für
den Beschwerdeführer nachweisen lasse, zumal auch bereits das Bundes-
verwaltungsgericht im Verfahren E-7436/2018 zum Schluss gekommen
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sei, dass seine Vorbringen unglaubhaft seien. Die eingereichten Medien-
berichte hätten zudem keinen Bezug zum Beschwerdeführer und würden
sich bloss auf die allgemeine Lage in Sri Lanka beziehen. Ausserdem wür-
den die Fotos der gefolterten Personen keine Verbindung zum Beschwer-
deführer aufweisen. In seinem Schreiben an die Vorinstanz wiederhole er
schliesslich die bereits im Rahmen des ersten Asylgesuchs geäusserten
Vorbringen. Zusammenfassend würden keine Gründe vorliegen, welche
die Rechtskraft der Verfügung vom 27. November 2018 beseitigen könn-
ten.
6.2 Der Beschwerdeführer rügte zunächst, dass das SEM sein Gesuch
vom 5. Dezember 2019 als Mehrfachgesuch hätte qualifizieren müssen
und diese falsche Qualifizierung eine Gehörsverletzung darstelle. Ebenso
sei eine Gehörsverletzung nach Art. 29 VwVG darin zu erblicken, dass das
SEM auf das Vorbringen bezüglich individuellen Bezugs zur veränderten
Gefährdungslage nicht eingetreten sei (Beschwerde S. 2 und 6).
In materieller Hinsicht machte er geltend, dass durchaus ein Bezug zwi-
schen den jüngsten Veränderungen in Sri Lanka und seiner Person be-
stehe. Seiner Tante in Sri Lanka sei es überdies gelungen, offizielle Doku-
mente hinsichtlich seines Falls namentlich betreffend seine Verfolgung
durch das CID wegen seiner Nähe zu den LTTE zu erhalten. Da er den
gerichtlichen Vorladungen nicht gefolgt sei, habe das Gericht in F._
in den Jahren 2014 bis 2020 Haftbefehle gegen ihn ausgestellt, die nun
zusammen mit Notizen als Kopie vorgelegt würden. Der letzte Haftbefehl
stamme vom 7. Januar 2020. Durch diese Dokumente sei erwiesen, dass
die Behörden noch immer ein Interesse an ihm hätten. Mit Verweis auf die
Erfahrungen eines geflüchteten sri-lankischen Journalisten, auf verschie-
dene Berichte von Nicht-Regierungsorganisationen, die festhalten würden,
dass Journalisten und andere Medienschaffende Einschüchterungen und
Überwachungen durch den Staat ausgesetzt seien sowie auf Entscheide
des Bundesverwaltungsgerichts hielt der Beschwerdeführer ferner fest,
dass sein Fall zwingend erneut untersucht werden müsse. Die Massnah-
men gegen tamilische Verdächtige würden eine massive Gefahr für ihn be-
deuten, wenn er in seinen Heimatstaat zurückkehren müsste. Er habe aus-
serdem seine Vorbringen auch anhand der neu eingereichten Unterlagen
glaubhaft machen können.
Des Weiteren sei er mit einer Schweizer Bürgerin verlobt und es sei ein
Ehevorbereitungsverfahren eingeleitet worden. Seiner Verlobten sei es
nicht zuzumuten, in Sri Lanka zu wohnen.
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Seite 8
7.
7.1 Die erhobene formelle Rüge der Gehörsverletzung (Beschwerde S. 2
und 6) ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnte, eine Kas-
sation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34
E. 4.2; KÖLZ ALFRED/HÄNER ISABELLE/BERTSCHI MARTIN, Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043 ff., m.w.H.).
7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die
Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheid-
findung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich
die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
7.3 Die formelle Rüge der Verfahrenspflichtverletzung geht vorliegend fehl.
Weder ist eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachver-
halts feststellbar noch die Verletzung der Begründungspflicht festzustellen.
Das SEM hat den Sachverhalt, wie er im ausserordentlichen Rechtsmittel
vorgebracht wurde, in seinen Entscheid aufgenommen und der materiellen
Würdigung zugrunde gelegt. Sofern geltend gemacht wird, das SEM sei
auf die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner individuellen Gefähr-
dungslage nicht eingetreten, geht diese Rüge ebenfalls fehl. Dieser Aspekt
war Inhalt der materiellen Beurteilung, indem festgehalten wurde, dass ein
persönliches Gefährdungsprofil vom Beschwerdeführer nicht dargetan
werde. Der Umstand, dass das SEM aus sachlichen Gründen zu einer an-
deren Einschätzung gelangt als vom Beschwerdeführer erwartet, ist als in-
haltliche Kritik am Entscheid zu verstehen und bildet Gegenstand der nach-
folgenden materiellen Erwägungen.
7.4 Was die Qualifizierung der Eingabe des Beschwerdeführers als Wie-
dererwägungsgesuch anbelangt, ist diesbezüglich ebenso wenig eine Ver-
fahrenspflichtverletzung festzustellen. Die Qualifizierung von Eingaben ist
teilweise schwierig, was sich vorliegend auch daran zeigt, dass der dama-
lige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Gesuch selbst sämtliche
zur Verfügung stehenden ausserordentlichen Rechtsmittel anrief. Das
SEM hat im angefochtenen Entscheid nachvollziehbar begründet, warum
es die Eingabe als Wiedererwägungsgesuch anhand nimmt. Es führte aus,
da sich die einzigen, nicht bereits im ordentlichen Asylverfahren abgehan-
delten Punkte in der Eingabe vom 5. Dezember 2019 auf die Situation in
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Seite 9
Sri Lanka nach der Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 bezie-
hen würden, sei das Gesuch als einfaches Wiedererwägungsgesuch im
Sinne von Art. 111b AsyIG zu qualifizieren. Die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachte veränderte allgemeine Lage in Sri Lanka könne höchstens
für den Wegweisungspunkt im Sinne eines allfälligen neuen Wegweisungs-
vollzugshindernisses von Belang sein. Verwiesen wurde in diesem Zusam-
menhang zudem darauf, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer neu
eingereichten Beweismitteln einzig um Zeitungsartikel zu den sri-lanki-
schen Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 und der Präsident-
schaft des neu gewählten Präsidenten Gotabaya Rajapaksa handle und
um Fotos von unbekannten Personen. Die Qualifikation als Wiedererwä-
gungsgesuch ist vorliegend nicht zu beanstanden, da der Beschwerdefüh-
rer keine konkreten flüchtlingsrechtlich relevanten Gründe geltend machte,
die nach dem Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens eingetreten sind.
7.5 Da sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen besteht keine
Veranlassung, die Sache aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
8.
8.1 Nach einer Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die vorinstanzlichen Erwägungen zu bestätigen sind.
Auf diese ist vorab zu verweisen (vgl. E. 6.1 hiervor).
8.2 Der Beschwerdeführer beruft sich in seinem schriftlichen Gesuch auf
die jüngsten politischen Entwicklungen in seinem Heimatstaat und eine da-
raus für ihn resultierenden Verfolgungsgefahr, wobei er die bereits im Rah-
men des ordentlichen Asyl- und Asylbeschwerdeverfahrens dargelegten
Asylgründe wiederholt. Diese Vorbringen wurden jedoch sowohl von der
Vorinstanz als auch vom Bundesverwaltungsgericht abschliessend gewür-
digt und für unglaubhaft befunden, weswegen sich an dieser Stelle eine
erneute Prüfung erübrigt. Das ausserordentliche Verfahren dient nicht
dazu, Entscheide einer nochmaligen Beurteilung durch ein anderes
Spruchgremium zu unterziehen.
8.3 An dieser Einschätzung vermag der Machtwechsel vom 16. November
2019 nichts zu ändern. Es kann diesbezüglich auf die Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts nach diesem Machtwechsel und seinen Fol-
gen verwiesen werden (u.a. Ausführungen im Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGer] E-2464/2020 vom 23. Juli 2020 E. 9.1, m.w.H.).
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Seite 10
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka be-
wusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of
«Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen
Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen wie die tamilische Minderheit kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Es bedarf nach wie vor einer
individuellen und konkreten Gefährdungslage. Im vorliegenden Fall wurde
kein konkreter und persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsi-
dentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen geltend
gemacht. Auch den im vorinstanzlichen Verfahren vom Beschwerdeführer
eingereichten Medienartikeln und Fotos fehlt es an einem persönlichen Be-
zug.
8.4 Bezüglich der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs
der Wegweisung kann vollumfänglich auf die Ausführungen im Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-7436/2018 vom 15. November 2019 verwie-
sen werden. An diesen Einschätzungen vermögen weder der Regierungs-
wechsel vom November 2019 noch die seither veränderte Lage in Sri
Lanka etwas zu ändern.
8.5 Hinsichtlich der Wegweisung ist ergänzend festzuhalten, dass das vor-
liegend unsubstantiiert geltend gemachte Ehevorbereitungsverfahren ge-
mäss Praxis keinen Anspruch auf dauerhaften Verbleib in der Schweiz zu
begründen vermag (vgl. u.a. Urteile des BVGer E-5348/2017 vom 28. März
2019 E. 5.2; E-3422/2018 vom 27. Juni 2018 E. 7.3, m.w.H.). Der Be-
schwerdeführer macht keine Ausführungen darüber, ob es sich bei der
Partnerschaft um eine tatsächliche, gelebte und gefestigte Beziehung han-
delt. Die Meldung der Heiratspläne erfolgte erst auf Beschwerdeebene im
Juni 2020. Selbst im Gesuch vom 5. Dezember 2019 wurde die Beziehung
mit keinem Wort erwähnt. Es kann daher nicht von einer dauerhaften und
gefestigten, mithin eheähnlichen Beziehung ausgegangen werden, aus
welcher der Beschwerdeführer einen Aufenthaltsanspruch ableiten könnte.
Dem Beschwerdeführer ist es jedoch unbenommen, ein Gesuch auf Ertei-
lung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung des Ehe-
schlusses bei den hierfür zuständigen kantonalen Behörden zu stellen (vgl.
Urteil des BVGer D-6304/2018 vom 12. Dezember 2018).
E-3313/2020
Seite 11
8.6 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, Gründe dar-
zulegen, die zu einer Wiedererwägung des vorinstanzlichen Entscheids
vom 27. November 2018 führen könnten. Folglich hat das SEM das Wie-
dererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen und zutreffend festgestellt,
dass die Verfügung vom 27. November 2018 rechtskräftig und vollstreck-
bar ist.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer bringt erstmals auf Beschwerdeebene vor,
seine Tante habe in seinem Heimatstaat Dokumente beschaffen können,
die seine Fluchtgründe bestätigen würden. Weil er den gerichtlichen Vorla-
dungen nicht gefolgt sei, habe das Gericht in F._ Haftbefehle in den
Jahren 2014 bis 2020 ausgestellt. Diese Haftbefehle habe er zusammen
mit Notizen als Kopien der Beschwerde beigelegt. Der neuste Haftbefehl
stamme vom 7. Januar 2020 und beweise, dass die Behörden weiterhin
ein Interesse an ihm hätten.
9.2 Die Dokumente wurden lediglich als Kopien und nicht übersetzt einge-
reicht. Eine Übersetzung wurde vom Beschwerdeführer in der Beschwerde
zwar in Aussicht gestellt, entsprechendes ist beim Bundesverwaltungsge-
richt jedoch nicht eingegangen. Sämtliche Kopien tragen einen Stempel
des «District Magistrate Court F._» vom 20. Mai 2020 und weisen,
soweit aufgrund der schlechten Qualität dieser Kopien lesbar, unterschied-
liche Datierungen auf, die vom 3. Dezember 2014 bis zum 20. Mai 2020
reichen.
9.3 Soweit der Beschwerdeführer Dokumente einreicht, die vor dem Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts E-7436/2018 vom 15. November 2019
entstanden sind, macht er sinngemäss Revisionsgründe im Sinne von
Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG (neue erhebliche Beweismittel) geltend, welche
mittels eines Revisionsgesuchs beim Bundesverwaltungsgericht anzubrin-
gen sind. Das Gericht nimmt die Beschwerde vom 29. Juni 2020, die der
Beschwerdeführer ohne Rechtsvertretung als Laie einreichte, unter diesem
Aspekt als Revisionsgesuch gegen das Beschwerdeurteil des Bundesver-
waltungsgerichts E-7436/2018 vom 15. November 2019 entgegen.
9.4 Der Revision nicht zugänglich sind diejenigen Tatsachen und Beweis-
mittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG, die von der ersuchenden
Partei bei genügender Sorgfalt bereits in das frühere Verfahren hätten ein-
gebracht werden können (vgl. Art. 46 VGG sowie OBERHOLZER NIKLAUS,
in: Bundesgerichtsgesetz, Handkommentar, 2. Aufl. 2015, Art. 123 BGG
E-3313/2020
Seite 12
N. 8 S. 663). Die entschuldbaren Gründe für das verspätete Vorbringen
müssen objektiver Natur sein. Entschuldbar heisst, dass es für den Ge-
suchsteller bei aller Umsicht unmöglich gewesen sein muss, die Tatsache
oder das Beweismittel rechtzeitig beizubringen (vgl. VOCK DOMINIK in: Bun-
desgerichtsgesetz, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 123 BGG N. 4
S. 640; vgl. aber zur Rechtsprechung entschuldbarer Gründe für die ver-
spätete Geltendmachung BVGE 2013/22 E. 11.3.3, BVGE 2009/51 E. 4.2.3
m.H.).
9.5 Die nachträglich erfahrenen beziehungsweise aufgefundenen Tatsa-
chen und Beweismittel müssen revisionsrechtlich erheblich sein. Dies ist
dann der Fall, wenn sie geeignet sind, die tatbestandliche Grundlage des
Entscheides zu ändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu ei-
nem anderen, für die gesuchstellende Person günstigeren Ergebnis zu füh-
ren.
9.6 Ungeachtet der Frage, ob die vorliegenden Dokumente rechtzeitig im
Sinne der revisionsrechtlichen Bestimmungen eingereicht wurden und wie
diese im Falle der Verspätung unter dem Aspekt völkerrechtlicher Vollzugs-
hindernisse zu beurteilen wären, lässt sich feststellen, dass sie von vorn-
herein nicht revisionsrechtlich erheblich sind. Weder aus den Dokumenten
selbst noch aus der Beschwerdeschrift wird klar, welchen Inhalt sie haben
sollen und ob sie sich tatsächlich auf den Beschwerdeführer respektive
Gesuchsteller beziehen. Der blosse Hinweis in der Beschwerde, es handle
sich um Haftbefehle und Notizen aus den Jahren 2014 bis 2020 genügt
den erhöhten Anforderungen, die im ausserordentlichen Rechtsmittelver-
fahren generell zu stellen sind, nicht. Wesentlich ist aber vor allem, dass
die Dokumente lediglich in Kopie eingereicht wurden und eine sehr
schlechte Qualität aufweisen. Schon aufgrund dessen und der damit ein-
hergehenden leichten Manipulierbarkeit der Beweismittel ist ihnen die Be-
weistauglichkeit abzusprechen. Es fehlt auch ein Zustellcouvert und ein
Beleg, wie der Beschwerdeführer in den Besitz der Unterlagen gekommen
sei. Hinzu kommt, dass die Beweismittel auch im Kontext mit dem Asylvor-
bringen des Beschwerdeführers im ordentlichen Verfahren nicht zu beste-
hen vermögen. Der Beschwerdeführer hat beispielsweise im ordentlichen
Asylverfahren nie geltend gemacht, im Jahr 2014, als er sich noch im Hei-
matstaat aufgehalten habe, per Haftbefehl von den Behörden gesucht wor-
den zu sein. Mehrere der eingereichten Dokumente, darunter ein «Haftbe-
fehl» weisen jedoch die Datierung «3. Dezember 2014» auf.
E-3313/2020
Seite 13
9.7 Das (sinngemässe) Revisionsgesuch erweist sich mithin als unbegrün-
det.
10.
Soweit die Dokumente nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-7436/2018 vom 15. November 2019 datieren, sind diese der Revision
nicht zugänglich. Auf eine Überweisung an die Vorinstanz wird jedoch ver-
zichtet, zumal im Rechtsmittel keine konkretisierenden Ausführungen ge-
macht wurden.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Das sinngemässe Gesuch um Revision des Urteils des Bundesverwal-
tungsgerichts E-7436/2018 vom 15. November 2019 ist aus den dargeleg-
ten Gründen ebenfalls abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Die Kosten sind we-
gen der offensichtlichen Aussichtslosigkeit der Rechtsmittel auf Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG). Dabei ist zur Begleichung
der Verfahrenskosten der in selber Höhe geleistete Kostenvorschuss zu
verwenden.
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E-3313/2020
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