Decision ID: 9b9d9aeb-55d6-51b1-b0bc-0ef04ef015eb
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. Am östlichen Siedlungsrand der Gemeinde A_ befindet sich auf der Parzelle Nr. 301 ein
Schützenhaus mit einer 300m Schiessanlage. Der dazugehörige Scheibenstand liegt
südöstlich auf der Parzelle Nr. 344 in der Landwirtschaftszone im Weiler D_. Auf dieser
Anlage führt die Feldschützengesellschaft B_ Schiessübungen im Sinne von Art. 4 der
Verordnung über das Schiesswesen ausser Dienst (Schiessverordnung, SR 512.31) durch.
Gemäss Homepage der Feldschützengesellschaft B_ wird die Schiessanlage zudem für
das sportliche Schiessen genutzt.
B. Nachdem Messungen ergeben hatten, dass bei insgesamt sieben Liegenschaften in der
Umgebung der Anlage die Immissionsgrenzwerte nicht eingehalten waren, genehmigte der
Gemeinderat A_ mit Beschluss vom 14. Februar 1997 ein Sanierungsprogramm. Weil bei
drei Wohnhäusern trotz der geplanten baulichen und betrieblichen Massnahmen noch
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immer mit einer Überschreitung des Immissionsgrenzwertes zu rechnen war, kam der
Gemeinderat zum Schluss, dass eine Sanierung im Bereich dieser Gebäude nur mit
unverhältnismässigen Betriebseinschränkungen und Kosten möglich sei. Deshalb gewährte
er der Feldschützengesellschaft B_ hinsichtlich der betreffenden drei Gebäude
Erleichterungen von der Sanierungspflicht. Der Beschluss vom 14. Februar 1997 enthielt
folgende Auflagen:
a. Es werden maximal 16 Schiesshalbtage pro Jahr bewilligt. Darin sind folgenden
Schiessen enthalten: Obligatorisches Bundesprogramm, Feldschiessen,
Vereinstrainings, Vorübungen zu Bundesübungen, Wettkämpfe, Jungschützenkurse.
Vereinsübungen und Jungschützenkurse sind möglichst zu kombinieren.
b. Die Schiessen sind nach Möglichkeit montags bis freitags sowie samstagvormittags
durchzuführen.
c. Die Schusszahl insgesamt darf jährlich 24‘000 nicht überschreiten.
d. Am Anfang jedes Jahres hat die Feldschützengesellschaft B_ dem Gemeinderat
jeweils einen chronologisch aufgebauten Schiessplan zuzustellen, welcher vom
Präsidenten der Hoch- und Tiefbaukommission kontrolliert wird. Anschliessend erhalten
die betroffenen Grundeigentümer je ein Exemplar des Schiessplans.
e. Ausserordentliche Schiessen (unvorhergesehene Trainings, militärische Schiessen
etc.) sind auf das Minimum zu beschränken und müssen dem Präsidenten der Hoch-
und Tiefbaukommission 5 Tage im Voraus gemeldet werden, so dass die Betroffenen
mindesten 2 Tage im Voraus informiert werden können.
Diese Sanierungserleichterung wurde letztinstanzlich vom damaligen Verwaltungsgericht
des Kanton Appenzell Ausserrhoden (heute: Obergericht) mit Urteil vom 24. Juni 1998
bestätigt, für welches keine schriftliche Begründung vorliegt.
C. Mit Eingabe vom 11. August 2016 ersuchte die Feldschützengesellschaft B_ den
Gemeinderat A_ um die Bewilligung zur Durchführung des 12. Kantonalen
Schützenfests. Mit Beschluss vom 22. November 2016 bewilligte der Gemeinderat A_
die Durchführung des Kantonalschützenfestes unter Auflagen. Nach der Gewährung des
rechtlichen Gehörs wurde der Beschluss am 20. April 2017 der Feldschützengesellschaft
nochmals in Form einer rechtkräftigen Verfügung eröffnet. Dabei wurden folgende Auflagen
verfügt:
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1. Der Gemeinderat ist mit der Durchführung des Kantonalen Schützenfestes 2019 im
Stand C_ im Grundsatz einverstanden.
2. Die Schiesszeiten des kantonalen Schützenfestes sind vollumfänglich in die
maximalen 16 Schiesshalbtage gemäss Sanierungsprogramm Lärmschutz der 300m
Schiessanlage einzurechnen.
3. Damit im Jahr 2019 ausser dem Kantonalen Schützenfest ein Vereins-Schiessbetrieb
möglich ist, können die Schiesszeiten des Kantonalen Schützenfestes in den Jahren
2018, 2019 und 2020 kompensiert werden. Ende 2020 muss die zusätzliche Schiesszeit
des Kantonalen Schützenfestes 2019 kompensiert sein.
4. Die Kompensationslösung steht unter dem Vorbehalt, dass die drei
Liegenschaftsbesitzer, welche mit Erleichterungen nach Lärmschutz-Verordnung leben
müssen, dieser zustimmen.
5. Die Liegenschaftsbesitzer gem. Pt. 4 werden zusammen mit dem Schiessplan 2017
über die vorgesehene Regelung des Kantonalen Schützenfestes informiert.
D. Gegen diesen Beschluss erhob die Feldschützengesellschaft B_ mit Eingabe vom 8. Mai
2017 beim Departement Bau und Volkswirtschaft Rekurs mit dem Antrag, die Auflagen in
der Bewilligung vom 22. November 2016 vollumfänglich zu streichen. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass Kantonalschützenfeste nicht zu den
Schiesshalbtagen gehören. Unter „Wettkämpfe“ würden deklarierte kantonale Anlässe
fallen, welche einen Wiederholzyklus von weniger als drei Jahren hätten. Im Übrigen sei in
der lärmtechnischen Sanierung von 1996/97 nirgends von Kompensation die Rede. Durch
die Kompensation sei es nicht mehr möglich, einen Vereinsbetrieb aufrecht zu erhalten und
die Sicherheit könnte nicht mehr gewährleistet werden.
E. Mit Entscheid vom 6. Dezember 2017 hiess das Departement Bau und Volkswirtschaft den
Rekurs unter Aufhebung der in den Ziff. 2, 3 und 4 des angefochtenen Beschlusses
formulierten Auflagen gut.
F. Gegen diesen Entscheid liess der Gemeinderat A_ (im Folgenden: Beschwerdeführer),
vertreten durch RA AA_, mit Eingabe vom 8. Januar 2018 beim Obergericht Beschwerde
mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren erheben.
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G. Mit Schreiben vom 1. und 7. Februar 2018 liessen sich die Feldschützengesellschaft B_
(im Folgenden: Beschwerdegegnerin) und das Departement Bau und Volkswirtschaft (im
Folgenden: Vorinstanz) mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur Beschwerde
vernehmen.
H. Mit Eingabe vom 2. März 2018 reichte der Beschwerdeführer unter Aufrechterhaltung der
Anträge eine Replik ein, wozu sich die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz mit Duplik
vom 21. März 2018 bzw. 27. März 2018 ebenfalls unter Aufrechterhaltung der Anträge
vernehmen liessen. Darauf folgten weitere Eingaben der Beschwerdegegnerin vom 19.
April und 8. Mai 2018 und der Beschwerdeführerin vom 23. April 2018.
I. Auf Eröffnung des Urteildispositivs hin verlangten die Beschwerdegegnerin, die Vorinstanz
und der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. September, 11. September und 13.
September 2018 eine Begründung des Urteils.
J. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen ergibt,
dass das Obergericht nach Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1) zur Behandlung der Beschwerde gegen den Rekursentscheid der Vor-
instanz zuständig ist und die Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind.
Art. 50 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 100)
gewährleistet die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom,
wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder
teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche
Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf die
Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorschriften beziehen oder einen
entsprechenden Spielraum bei der Anwendung kantonalen oder eidgenössischen Rechts
betreffen. Der Schutz der Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem ganzen
Aufgabengebiet, sondern lediglich im streitigen Bereich voraus. Im Einzelnen ergibt sich der
Umfang der kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Bereich
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anwendbaren kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (BGE 141 I 36 E. 5.2 S. 42 f.
mit Hinweisen). Nach Art. 32 Abs. 2 i. V. m. Art. 59 VRPG steht das Beschwerderecht den
Gemeinden im Weiteren zur Wahrung eigener öffentlicher Interessen zu. Soweit es um
immissionsschutzrechtliche Fragen geht, besteht für die Legitimation von Gemeinden
zudem eine Spezialnorm: Art. 57 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (USG, SR
814.01) sieht für Gemeinden ein Beschwerderecht gegen Verfügungen in Anwendung
dieses Gesetze vor, sofern sie dadurch berührt werden und ein schutzwürdiges Interesse
an der Aufhebung oder Änderung haben.
Im vorliegenden Fall ist die Gemeinde A_ als Vollzugsbehörde der
Lärmschutzbestimmungen in ihren hoheitlichen Befugnissen betroffen (vgl. Art. 31 des
Umwelt- und Gewässerschutzgesetzes, UGsG, bGS 814.0). Zudem verfolgt sie mit der
Begrenzung der Schiesszeiten Schutzanliegen der Anwohner vor zusätzlichen
Lärmimmissionen. Dadurch ist sie in ihrem Aufgabenbereich berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Gemäss Art.
18 Abs. 3 lit. e des Gemeindegesetzes (bGS 151.11) und Art. 16 lit. m der
Gemeindeordnung der Gemeinde A_ wahrt und vertritt der Gemeinderat die Interessen
der Gemeinde nach aussen. Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Beim Obergericht können mit Beschwerde in Verwaltungssachen grundsätzlich nur
Rechtsverletzungen (inbegriffen Ermessensmissbrauch, Ermessensüberschreitung und -
unterschreitung) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
gerügt werden (Art. 56 VRPG). Das Obergericht hat darüber hinaus volle
Überprüfungsbefugnis, soweit dies im Gesetz vorgesehen ist oder wenn sein Entscheid an
eine Bundesinstanz mit unbeschränkter Überprüfungsbefugnis weitergezogen werden
kann. Ein Weiterzug an eine Bundesinstanz mit voller Kognition, welche auch die
Ermessenskontrolle umfasst, ist vorliegend nicht gegeben. Da eine volle Überprüfung auch
nicht anderweitig gesetzlich vorgesehen ist, bleibt die Kognition des Obergerichts
vorliegend auf die Rechts- und Sachverhaltskontrolle beschränkt.
3.
3.1 Gemäss Gesuch der Beschwerdegegnerin vom 11. August 2016 soll das
12. Kantonalschützenfest im Jahr 2019 zehn Tage dauern, wobei die Organisation und die
Zuständigkeiten dem 11. Kantonalschützenfest, welches ebenfalls in C_ abgehalten
worden sei, entsprechen soll. Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid in E. 2a fest,
dass die Durchführung des 12. Kantonalschützenfestes zusammen mit dem ordentlichen
Vereinsbetrieb nicht mit der Vorgabe vereinbar sei, wonach pro Jahr maximal 16
Schiesshalbtage zulässig seien. Deshalb sei zunächst zu prüfen, ob eine zusätzliche
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Erleichterung von der Sanierungspflicht möglich sei. Mit Verweis auf BGE 119 Ib 463 E. 7
und unter Bezugnahme auf eigene Archivdaten kam die Vorinstanz in E. 2d zum Schluss,
dass alle Anlagen im Kanton Appenzell Ausserrhoden Grenzwertüberschreitungen
aufweisen würden, womit es faktisch unmöglich sei, im Kanton das geplante
Wettkampfschiessen zu veranstalten. Um eine unverhältnismässige Betriebseinschränkung
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 USG und Art. 14 Abs. 1 lit. a der Lärmschutz-Verordnung (LSV,
SR 814.41) zu vermeiden, könnten daher grundsätzlich Erleichterungen zugestanden
werden. Eine Sanierungserleichterung sei deshalb in Bezug auf das Kantonalschützenfest
möglich. Für die Frage, ob und unter welchen Bedingungen private Wettkämpfe zulässig
seien, sei die aktuelle (neuste) Rechtsprechung des Bundesgerichts massgebend, welche
sich zwischenzeitlich geändert habe. Damit könne die Gemeinde nichts aus den Auflagen
der Verfügung vom 17. Februar 1997 bzw. aus dem Rekursentscheid des Regierungsrates
vom 14. Oktober 1997 ableiten.
3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass das seinerzeitige Zulassen des 11.
Kantonalschützenfestes keinerlei präjudizierende Wirkung für den jetzt zur Diskussion
stehenden Entscheid betreffend 12. Kantonalschützenfest habe. Auszugehen sei einzig von
der Verfügung vom 17. Februar 1997, mit welcher für den generellen Betrieb der
Beschwerdegegnerin Sanierungserleichterungen mit Auflagen gewährt worden seien. Zu
den 16 bewilligten Schiesshalbtagen im Jahr gehörten explizit auch Wettkämpfe. Ein
Kantonalschützenfest sei als Wettkampf gemäss Auflage lit. a zu taxieren und falle
eindeutig nicht unter „ausserordentliche Schiessen“ gemäss lit. d. Beim vorliegend zur
Diskussion stehenden kantonalen Schützenfest gehe es nicht um ein militärisches
Schiessen ausser Dienst, sondern um einen privaten sportlichen Anlass. Die
Bundesgerichtspraxis bezüglich Sanierungserleichterungen bei militärischen Schiessen sei
irrelevant. Erleichterungen im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a LSV seien für private
Wettkämpfe nur in absoluten Ausnahmefällen zu gewähren. In BGE 119 Ib 463 E. 7 werde
klar zum Ausdruck gebracht, dass das Gewähren von Erleichterungen im Rahmen von
Lärmsanierungen keinen Freipass für unbegrenzte Zeit darstelle, sondern dass betroffene
Schiessanlagen künftig weitere Massnahmen ergreifen müssten, um die
Lärmbelastungssituation zu verbessern. Die Vorinstanz stelle offensichtlich auf Archivdaten
ab, die dem Beschwerdeführer nicht zur Stellungnahme zur Verfügung gestellt worden
seien, womit dessen rechtliches Gehör verletzt worden sei. Für das 12.
Kantonalschützenfest hätten nicht weniger als neun Gemeinden die Teilnahme zugesichert,
dies auch unter Einbezug der St. Galler Anlage Breitfeld. Seit dem Jahr 1997 sei aufgrund
der Armeereform die Zahl der Schiesspflichtigen verringert worden. Logische Folge müsse
sein, dass für militärische Schiessen ausser Dienst weniger Schiesshalbtage benötigt
würden als 1997. Indem die Vorinstanz den genannten BGE 119 Ib 463 auf den
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vorliegenden Fall übertrage, ohne auf die Detaillierungen einzugehen, interpretiere sie Art.
14 Abs. 1 lit. a LSV falsch und begehe eine Rechtsverletzung. Die Rechtspraxis habe sich
gerade nicht entscheidend verändert.
3.3 Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen u.a. ein, dass es sich bei der ganzen Thematik
ihres Erachtens um ein rein persönliches Problem des jetzigen Gemeindepräsidenten
handle.
4. Art. 74 Abs. 2 BV verpflichtet den Bund, dafür zu sorgen, dass schädliche oder lästige
Einwirkungen auf Mensch und Umwelt vermieden werden. Dieses verfassungsrechtlich
stipulierte Vorsorgeprinzip wird durch Art. 1 Abs. 2 USG dahingehend präzisiert, dass
Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, im Sinne der Vorsorge frühzeitig
begrenzt werden. Einwirkungen sind u.a. Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und
Strahlen, die durch den Bau und Betrieb von Anlagen erzeugt werden (Art. 7 Abs. 1 USG).
Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen werden durch Massnahmen bei
der Quelle begrenzt (Art. 11 Abs. 1 USG). Nach Art. 11 Abs. 2 USG sind Emissionen im
Rahmen der Vorsorge unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu
begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wenn
feststeht oder zu erwarten ist, dass Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind Emissionsbegrenzungen zu
verschärfen (Art. 11 Abs. 3 USG). Für die Beurteilung der schädlichen oder lästigen
Einwirkungen legt der Bundesrat durch Verordnung Immissionsgrenzwerte fest (Art. 13
Abs. 1 USG).
Die Immissionsgrenzwerte für Lärm und Erschütterungen sind so festzulegen, dass nach
dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die
Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (Art. 15 USG). Die
Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen werden aufgrund von vier verschiedenen
Lärmempfindlichkeitsstufen beurteilt (Art. 43 LSV). In der Landwirtschaftszone gilt gemäss
Art. 15 des Baureglements der Gemeinde A_ (BauR), i.V. m. Art. 43 Abs. 1 lit. c. LSV die
Empfindlichkeitsstufe III mit einem Immissionsgrenzwert von 65 dB(A). Wie die
Lärmimmissionen aus ortsfesten Anlagen zu ermitteln, zu berechnen und einzustufen sind,
ist in den Anhängen zur LSV festgelegt. Die Anhänge 3-9 legen Belastungsgrenzwerte für
verschiedene Arten ortsfester Anlagen fest. Dazu gehören die Immissionsgrenzwerte (Art.
13 und 15 USG), die darunter liegenden Planungswerte (Art. 23 USG) und die darüber
liegenden Alarmwerte (Art. 19 USG). Für zivile Schiessanlagen ist der Anhang 7 LSV
massgebend.
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Die immissionsschutzrechtliche Sanierungspflicht kommt zum Tragen, wenn bestehende
Anlagen die massgeblichen Grenzwerte nicht einhalten oder dem Vorsorgegrundsatz nicht
entsprechen (Art. 16 USG). Diese Anlagen müssen soweit saniert werden, als dies
technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und dass die
Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden (Art. 13 Abs. 2 LSV). Wäre eine
Sanierung im Einzelfall unverhältnismässig, gewähren die Behörden Erleichterungen.
Dabei darf jedoch der Alarmwert für Lärmimmissionen nicht überschritten werden (Art. 17
Abs. 1 und 2 USG). Nach Art. 14 Abs. 1 LSV gewährt die Vollzugsbehörde Erleichterungen,
soweit die Sanierung unverhältnismässige Betriebseinschränkungen oder Kosten
verursachen würde oder überwiegende Interessen entgegenstehen; hierzu sind auch
Interessen der Gesamtverteidigung zu zählen (lit. b). Die Alarmwerte dürfen jedoch bei
privaten, nicht konzessionierten Anlagen nicht überschritten werden (Art. 14 Abs. 2 LSV).
Die zivilen Schiessanlagen gelten als öffentlich, soweit auf diesen Schiessübungen nach
den Art. 62 und 63 des Militärgesetzes durchgeführt werden (Anhang 7 Ziff. 1 Abs. 3 LSV).
4.1 Es ist unbestritten, dass die Schiessanlage C_ den Vorschriften des
Umweltschutzgesetzes und der Lärmschutzverordnung nicht genügt. So werden trotz
durchgeführter Sanierungsmassnahmen bei drei Wohnhäusern in der Umgebung der
Anlage die Immissionsgrenzwerte um 1 bis 6 dB(A) überschritten, beim Wohnhaus Assek.
Nr. 61 auf der Parzelle Nr. 603 sogar um 15 dB(A) (act. 7/20), womit bei diesem gemäss
Anhang 7 Ziff. 2 LSV auch der Alarmwert nicht eingehalten ist. Das Bundesgericht hat in
konstanter Rechtsprechung mehrmals festgehalten, dass an der Sicherstellung des der
Landesverteidigung dienenden Schiessens und insbesondere an der Durchführung der
Bundesschiessübungen ein gewichtiges öffentliches Interesse besteht. Zur Erfüllung der
obligatorischen Schiesspflicht sind deshalb Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte
unter Gewährung entsprechender Sanierungserleichterungen grundsätzlich hinzunehmen
(BGE 133 II 181 E. 7.1; BGE 119 Ib 463 E. 5b-d). Dagegen liegen die rein zivilen,
sportlichen Schiessen nicht im öffentlichen Interesse, weshalb diesbezüglich
Sanierungserleichterungen gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b LSV von Vornherein ausser
Betracht fallen. Insoweit sind die Betreiber der betreffenden Anlage verpflichtet, entweder
die Schiessanlagen baulich zu sanieren oder den privaten Schiessbetrieb nach Massgabe
des regulären Sanierungsziels einzuschränken (GRIFFEL/RAUSCH, Kommentar zum
Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Aufl., 2011, N. 5 zu Art. 17 USG).
Erleichterungen im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a LSV sind vom Bundesgericht für
sportliche Wettkampfschiessen lediglich in einem einzigen Fall zugebilligt worden, weil sich
die Verlegung der Schiessveranstaltungen auf eine andere Anlage als zu jener Zeit nicht
möglich erwies und dem Kanton vor Ablauf der in Art. 17 Abs. 3 LSV festgelegten
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Sanierungsfrist genügend Zeit verblieb, um gemeinsam mit den Gemeinden nach besseren
Sanierungslösungen zu suchen (vgl. BGE 119 Ib 463 E. 7 und 8).
4.2 Es steht fest, dass es sich beim Kantonalschützenfest um einen privaten sportlichen
Schiessanlass handelt, womit vorliegend Art. 14 Abs. 1 lit. b LSV nicht zur Anwendung
kommt. Für die Gewährung zusätzlicher Erleichterungen müssen daher die
Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 USG und Art. 14 Abs. 1 lit. a LSV erfüllt sein. Dabei
handelt es sich um eine Ausnahmebewilligung, weshalb sie restriktiv zu handhaben ist und
nur in Sonderfällen erfolgen darf (Urteil des Bundesgerichts 1C_45/2010 vom 9. September
2010 E. 2.1).
Der vorinstanzliche Entscheid stützt sich auf den erwähnten BGE 119 Ib 463 aus dem
Kanton Zug ab, gemäss welchem sich die Rechtspraxis geändert habe. Vorab gilt es
festzuhalten, dass dieser Entscheid vom 15. Dezember 1993 datiert, womit entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht von der „neusten“ Rechtsprechung gesprochen werden
kann (vgl. diesbezüglich z.B. BGE 133 II 181 E. 7.1, wo auf die bisherige Praxis verwiesen
wird). Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Zuger-Entscheid im Jahr 1997, als die
geltenden Sanierungserleichterungen gewährt wurden, bereits den damals dafür
zuständigen Bewilligungs- und Rechtsmittelinstanzen bekannt gewesen sein dürfte.
Die Vorinstanz gibt in Ziff. 2d des angefochtenen Entscheids an, dass in Bezug auf alle
300m Schiessanlagen im Kanton Appenzell Ausserrhoden im Rahmen der Sanierung
Erleichterungen gewährt werden mussten und dass keine aktive 300m Schiessanlage die
Immissionsgrenzwerte einzuhalten vermag. In der Vernehmlassung vom 7. Februar 2018
hat sie dies mit einer Auflistung aller kantonaler 300m Schiessanlagen dokumentiert. Da
dem Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren keine Gelegenheit gewährt wurde,
sich zu diesen Archivdaten zu äussern, ist die gerügte Gehörsverletzung zu bejahen. Im
Weiteren ist zu bemängeln, dass aus der betreffenden Zusammenstellung weder das
Ausmass der jeweiligen Immissionsüberschreitungen noch das Datum der gewährten
Erleichterungen hervorgeht. Insbesondere kommt darin nicht zum Ausdruck, ob bei der
strittigen Schiessanlage in C_ und den anderen kantonalen Schiessanlagen die
Armeereform aus dem Jahr 2004 (Armee XXI), welche die Dauer der Militärdienstpflicht
massiv herabgesetzt und damit die Zahl der Schiesspflichtigen erheblich reduziert hat (vgl.
Art. 13 des Bundesgesetzes über die Armee und die Militärverwaltung, Militärgesetz, MG,
SR 510.10).), nachträglich berücksichtigt wurde. Je nach Sachlage könnte es durchaus
sein, dass bewilligte Erleichterungen nachträglich angepasst bzw. gewährte
Schiesshalbtage reduziert werden könnten, was sich entsprechend auf die jeweiligen
Beurteilungspegel und die Belastungsgrenzwerte (vgl. Anhang 7 LSV) auswirken würde.
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Gemäss Art. 18 Abs. 2 USG sind die Vollzugsbehörden verpflichtet, Erleichterungen
einzuschränken oder zu widerrufen, wenn sich die Umstände, welche zu den
Sanierungserleichterungen geführt haben, wesentlich ändern (GRIFFEL/RAUSCH, a.a.O., Rn
9 zu Art. 17 USG). Infolgedessen vermag die im Beschwerdeverfahren eingereichte
Zusammenstellung der kantonalen 300m Schiessanlagen nicht zu belegen, dass die
Durchführung des Kantonalschützenfestes momentan in keiner Gemeinde des Kantons
möglich wäre, zumal offenbar auch die St. Galler Anlage Breitfeld als Austragungsort
vorgesehen ist, bei welcher keine Grenzwertüberschreitungen aktenkundig sind. Bei der
strittigen Anlage in C_ kommt im Weiteren erschwerend hinzu, dass die Nutzung der
Schiessanlage beim Gebäude Assek. Nr. 61 zu einer Überschreitung der Alarmwerte führt,
obwohl diese grundsätzlich zwingend einzuhalten sind (Art. 17 Abs. 2 USG). Sie haben nur
keine Gültigkeit, soweit ausserdienstliche Schiessübungen nach den Art. 62 und 63 des
Militärgesetzes durchgeführt werden (Anhang 7 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2 LSV), was beim
geplanten Sportschützenfest nicht der Fall ist.
Die Vorinstanz verkennt im Weiteren, dass in BGE 119 Ib 463 lediglich Erleichterungen für
Wettkampfschiessen gewährt wurden, welche im Rahmen des reduzierten
Schiessprogramms enthalten waren und soweit hierfür insgesamt 14 1⁄2 Schiesshalbtage
ausreichten. Zudem war die entsprechende Bewilligung im Sinne von Art. 17 Abs. 3 LSV
bis Ende 2000 befristet (vgl. E. 8a). Insofern kann dieser Ausnahmefall keinesfalls als
Präjudiz zur Durchführung eines 10-tägigen privaten Schützenfests mit 17 zusätzlichen
Schiesshalbtagen bzw. einer Verdoppelung der bewilligten Schiesshalbtage dienen. Im
Übrigen lassen sich den Akten keine Belege entnehmen, wonach die Beschwerdegegnerin
zur Aufrechterhaltung ihres Schiessbetriebs auf die Durchführung des
Kantonalschützenfests angewiesen wäre, bzw. durch einen Verzicht als Austragungsort der
Weiterbetrieb der Anlage in Frage gestellt würde. Insofern sind keine unverhältnismässigen
Betriebseinschränkungen im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a LSV ersichtlich, womit die
Bewilligung im Lichte der gesetzlichen Bestimmungen und der Rechtspraxis vom
Beschwerdeführer durchaus hätte verweigert werden können. In Anbetracht dieser
Rechtslage kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin keineswegs nur von
einem persönlichen Problem des Gemeindepräsidenten gesprochen werden, welcher sich
beim Beschluss des Beschwerdeführers vom 20. April 2017 im Ausstand befand.
5 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann eine Bewilligung auch ohne
ausdrückliche gesetzliche Grundlage mit einer Nebenbestimmung (Auflage oder
Bedingung) versehen werden, wenn die Bewilligung aufgrund der gesetzlichen
Bestimmungen verweigert werden könnte (Urteil des Bundesgerichts 1C_476/2016 vom 9.
März 2017 E. 2.6; BGE 121 II 88 E. 3a). Nebenbestimmungen müssen jedoch wie jedes
Seite 12
staatliche Handeln mit dem Grundsatz von Treu und Glauben im Einklang stehen (Art. 5
Abs. 3 und Art. 9 BV). Zudem dürfen Nebenbestimmungen einer Verfügung nicht
sachfremd sein und sie dürfen dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht
entgegenstehen (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016,
Rn 926 ff.). Im Folgenden gilt es demnach zu prüfen, ob die von der Vorinstanz
aufgehobenen Auflagen (Ziff. 2-4 des Beschlusses des Beschwerdeführers vom 20. April
2017) diesen Voraussetzungen zu entsprechen vermögen.
6.
6.1 Die Vorinstanz führt in Ziff. 3b des angefochtenen Entscheid aus, der Beschwerdeführer
habe im Entscheid vom 17. Februar 1997 festgehalten, dass eine weitere Reduktion der
Schiesshalbtage die normalen Aktivitäten des Vereins übermässig einschränken und eine
sinnvolle Ausübung des Schiesssports in Frage stellen würde. Wenn nun eine
Kompensation vorgeschrieben werde, stehe dies im klaren Widerspruch zu dieser früheren
Verfügung. Das Verhalten des Beschwerdeführers verstosse gegen den in Art. 5 Abs. 3
und Art. 9 BV statuierten Grundsatz von Treu und Glauben. Die Privaten sollten sich
demnach auf eine Verfügung oder einen Entscheid der Verwaltungsbehörde verlassen
können, sei es doch gerade die Funktion solcher Verwaltungsakte, den Privaten Klarheit
über ihre Rechte und Pflichte zu verschaffen. Zu berücksichtigen sei zudem die ebenfalls
von der Bundesverfassung garantierte Vereinigungsfreiheit, welche Vereine vor
ungerechtfertigten Eingriffen schütze (Art. 23 BV).
6.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass es in der Verfügung vom 14. Februar
1997 um den generellen Betrieb der Schiessanlage gegangen sei und dass in den Auflagen
klar unterschieden worden sei zwischen Schiessen, welche in den maximal 16
Schiesshalbtagen pro Jahr enthalten seien (Auflage lit. a) und ausserordentlichen
Schiessen (lit. d). Kantonalschützenfeste gehörten zu den privaten sportlichen
Schiessanlässen, die nichts anderes als Wettkämpfe im Sinne von Auflage lit. a darstellten.
Es stehe somit gerade in keinem Widerspruch, wenn der Beschwerdeführer bezüglich des
12. Kantonalschützenfestes erwogen habe, dass das Schiessen dieser Veranstaltung in die
bewilligten 16 Schiesshalbtage falle. Geradezu willkürlich sei der Vorwurf, das Verhalten
des Beschwerdeführers verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben. Die
Auflagen würden vom Beschwerdeführer korrekt auf den vorliegend konkreten Fall
angewendet und der Beschwerdegegnerin werde mit der Möglichkeit, die vom kantonalen
Schützenfest konsumierten Schiesshalbtage im Verlaufe von drei Jahren zu kompensieren,
eine Erleichterung gewährt. Der Beschwerdegegnerin verblieben in diesen drei Jahren je
10 Schiesshalbtage, die für die militärischen und übrigen Schiessen ausreichten.
Seite 13
6.3 Voranzustellen gilt es, dass es der Beschwerdegegnerin freisteht, auf die Durchführung des
12. Kantonalschützenfestes zu verzichten, womit die verfügte Kompensation mit den
gewährten Schiesshalbtagen schon von Vornherein nicht als nachträgliche
Schlechterstellung zu qualifizieren ist. Im Weiteren ist nochmals auf die Armeereduktion
2004 hinzuweisen, weshalb allenfalls gegenwärtig nicht mehr alle im Jahr 1997 gewährten
Schiesshalbtage für den Schiessbetrieb der Beschwerdegegnerin erforderlich sind.
Entscheidend ist vorliegend jedoch, dass angesichts der bereits im Jahr 1997 geltenden
Rechtspraxis davon auszugehen ist, dass sich die Sanierungserleichterung vom 17.
Februar 1997 nur auf Schiessübungen und Ausbildungskurse im Interesse der
Landesverteidigung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 der Schiessverordnung beschränkte. Dies
lässt sich auch aus der Berechnung der Schiesshalbtage durch den eidgenössischen
Schiessoffizier ableiten (act. 7/17-18), auf die in der betreffenden Verfügung ausdrücklich
Bezug genommen wurde und welche sich auf die identische Bestimmung in Art. 3 der
aufgehobenen Schiessordnung von 1991 stützte. Gemäss Art. 4 Abs. 1 der
Schiessverordnung gelten als Schiessübungen und Ausbildungskurse im Interesse der
Landesverteidigung:
a. die Bundesübungen: 1. Obligatorische Programme 25 m, 50 m und 300 m, 2. Feldschiessen 25 m, 50 m und 300 m;
b. die freiwilligen Schiessübungen: 1.Vereinstrainings, Schiesswettkämpfe und Vorübungen zu den Bundesübungen. Nach Massgabe der Grösse der Schiessanlage, der Anzahl sie benützenden Schützen, der Mitgliederzahl der darauf trainierenden Schiessvereine sowie der Lärmbelastung kann ausgegangen werden von jährlich: – sieben Schiesshalbtagen für die Vereinstrainings und die Schiesswettkämpfe – vier Schiesshalbtagen für die Vorübungen zu den Bundesübungen,
2. Schiesswettkämpfe der militärischen Verbände und Vereine;
c. die Schiesskurse: 1. Schützenmeisterkurse, 2. Jungschützenleiterkurse, 3. Schützenmeister- und Jungschützenleiter-Wiederholungskurse, 4. Jungschützenkurse, 5. Nachschiesskurse, 6. Verbliebenenkurse.
Unter die in Ziff. 6a der Sanierungserleichterung vom 14. Februar 1997 erwähnten
Wettkämpfe können daher keine mehrtägigen zivilen Sportschiessen fallen, sondern nur
Wettkämpfe im Interesse der Landesverteidigung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 der
Schiessverordnung, welche schon der Bundesrat zusammen mit den Vereinstrainings auf
sieben Schiesshalbtage begrenzt hat. In E. 4 des Rekursentscheids vom 14. Oktober 1997
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(act. 7/21) hat der Regierungsrat zudem unmissverständlich verdeutlicht, dass für private
Sportschiessen keine Sanierungserleichterungen in Anspruch genommen werden können
und solche Anlässe nicht als ausserordentliche Schiessen bewilligt werden dürfen. Daher
lässt sich Ziff. 6e der Sanierungserleichterung vom 14. Februar 1997 nur als
Ausnahmebestimmung von der Anzeigepflicht (Ziff. 4d) interpretieren, welche
einzelfallweise Abweichungen vom anfangs des Jahres einzureichenden Schiessplan
erlaubt. Keinesfalls dient Ziff. 6e jedoch als Freipass, um die in Ziff. 6a gewährte Anzahl der
Schiesshalbtage durch ausserordentliche private Sportschiessen beliebig zu erhöhen,
wobei ein 10-tägiges Schützenfest, welches schon lange im Voraus bekannt und geplant
ist, ohnehin nicht als „ausserordentliches“ (unvorhergesehenes) Schiessen qualifiziert
werden könnte.
Damit steht fest, dass die im Jahr 1997 gewährten Erleichterungen keine privaten
Wettkämpfe, welche nicht im Interesse der Landesverteidigung stehen, zulassen, was auch
im Einklang mit der in Ziff. 4.1 aufgezeigten Rechtsprechung steht. Die Ausweitung des
Schiessbetriebs auf das Kantonalschützenfest führt daher nicht zu einer Einschränkung
sondern vielmehr zu einer weitergehenden Sanierungserleichterung als sie in der
Verfügung vom 17. Februar 1997 gewährt wurde. In Anbetracht dieser Umstände kann von
einem Verstoss gegen Treu und Glauben oder das Verhältnismässigkeitsprinzip keine
Rede sein. Eine Verletzung der Vereinigungsfreiheit ist ebenfalls nicht ersichtlich, wobei die
Vorinstanz diese These im angefochtenen Entscheid auch nicht begründet. Im Übrigen ist
mit dem Beschwerdeführer darin übereinzugehen, dass das seinerzeitige Zulassen des
11. Kantonalschützenfestes keinerlei präjudizierende Wirkung für das geplante 12.
Kantonalschützenfest hat, zumal diesbezüglich keine Akten vorliegen.
7.
7.1 Die Vorinstanz hält in Ziff. 3c des angefochtenen Entscheids fest, dass für die Beurteilung
von Lärmemissionen ziviler Schiessanlagen Anhang 7 der LSV massgebend sei. Dessen
Ziffer 321 Abs. 2 besage, dass bei der Erhebung der Schiesshalbtage und der Anzahl
Schüsse alle Schiessen berücksichtigt würden, die innerhalb von drei Jahren regelmässig
stattfänden. Während sich Ziff. 321 auf die Berechnung der Pegelkorrektur beziehe, gelte
dasselbe Prinzip auch für die Berechnung des Beurteilungspegels Lr nach Ziff. 31 des
Anhangs 7. Für ausserordentliche Schiessen, die während einer Beurteilungsperiode von
drei Jahren nicht regelmässig stattfänden, könne unter Berücksichtigung der definierten
Werte Mj und Mi die Berechnungsformel nicht angewendet werden bzw. ergebe die
Berechnungsformel keine gültigen Werte. Unabhängig davon, ob es sich um gleichartige
oder unterschiedliche Veranstaltungen handle, würden Schützenfeste und andere
ausserordentliche Schiessen nur dann bei der Beurteilung nach Anhang 7 berücksichtigt,
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wenn sie während der Beurteilungsphase von drei Jahren regelmässig stattfänden.
Einmalige Anlässe flössen damit grundsätzlich nicht in die Beurteilung nach Anhang 7 ein.
Gemäss Auskunft des Bundesamtes für Umwelt handle es sich beim Kantonalschützenfest
um einen einmaligen Anlass. Damit stehe fest, dass die im Zusammenhang mit dem
Kantonalschützenfest 2019 benötigten Schiesshalbtage weder angerechnet noch
kompensiert werden müssten. Gleiches gelte auch in Bezug auf die Anzahl abgegebener
Schüsse, welche ebenfalls nicht in das zulässige Kontingent einzubeziehen seien.
7.2 Der Beschwerdeführer hält dagegen, dass es im Anhang 7 zur LSV ab Ziff. 31 darum gehe,
welche Belastungsgrenzwerte bei zivilen Schiessanlagen gälten und wie Beurteilungspegel
(mit Pegelkorrektur) zu berechnen seien. Resultat dieser Berechnungen sei, ob
regelmässig stattfindende Schiessen die Belastungsgrenzwerte einhielten oder nicht. Aus
dem Umstand, dass nicht regelmässig stattfindende Schiessen nicht in die Berechnungen
nach Anhang 7 einflössen, folge jedoch nicht, dass diese bei der Beurteilung von
Erleichterungen nicht an die zugelassenen Schiesshalbtage angerechnet werden dürften.
7.3 Als Mass für die Störungswirkung des beurteilten Lärms verwendet die LSV vorwiegend
den Beurteilungspegel Lr (Art. 38 LSV), der in dB(A) ausgedrückt wird. Dieser setzt sich
zusammen aus dem (gemessenen oder errechneten) Schallpegel und einer oder mehreren
Pegelkorrekturen, welche die relative Lästigkeit der Geräusche kennzeichnen (ROBERT
WOLF in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2003, Rn 18 zu den Vorbemerkungen zu
den Art. 19 – 25 USG). Mit der Pegelkorrektur wird je nach grösserer oder geringerer
Störwirkung ein Malus oder Bonus zum Beurteilungspegel addiert. (BEATRICE WAGNER
PFEIFER, Umweltrecht, Allgemeine Grundlagen, 2017, Rn. 461). Beim Schiesslärm wird mit
dem Einzelschusspegel operiert. Der mittlere Einzelschusspegel Li ist das über die
Schusszahlen gewichtete energetische Mittel des energetisch gemittelten
Einzelschusspegels Lj eines Waffen- bzw. Munitionstyps. Zum Einzelschusspegel kommt
eine Pegelkorrektur hinzu, welche auf die Zahl der Schiesshalbtage im Durchschnitt von
drei Jahren abstellt (Anhang 7 Ziff. 321 LSV).
Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin gehen davon aus, dass aufgrund von Anhang
7 LSV die im Zusammenhang mit dem Kantonalschützenfest 2019 benötigten
Schiesshalbtage weder angerechnet noch kompensiert werden müssten. Dieser Annahme
steht zum einen Art. 12 Abs. 1 lit. c USG entgegen, wo ausdrücklich Betriebsvorschriften
zur Einschränkung von Emissionen vorgesehen sind. Zum anderen werden gemäss
Anhang 7 Ziff. 321 LSV Schiessen, welche nicht innerhalb von drei Jahren regelmässig
stattfinden, nur bei der Berechnung der Pegelkorrektur nicht berücksichtigt, welche auf die
Intensität des Schiessbetriebs explizit Bezug nimmt. Dies bedeutet nach Auffassung des
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Obergerichts lediglich, dass einmalige Schiessen zu keiner Verschlechterung der
Pegelkorrektur führen, was jedoch keine Auswirkungen auf die geltenden
Belastungsgrenzwerte hat. Selbst wenn die Auffassung der Vorinstanz zutreffen würde,
dass die Belastungsgrenzwerte von Anhang 7 für solche Anlässe nicht gelten würden,
wären die Lärmimmissionen gemäss Art. 40 Abs. 3 LSV nach Art. 15 USG unter
Berücksichtigung von Art. 19 und 23 USG zu beurteilen (PETER HÄNNI, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl., 2016, S. 383).
Aus Anhang 7 Ziff. 3 LSV kann jedoch keinesfalls abgeleitet werden, dass
Schiessveranstaltungen, welche nicht innerhalb von drei Jahren regelmässig stattfinden,
keinen Lärm verursachen bzw. dass diese in lärmvorbelasteten Gebieten einfach
hingenommen bzw. nicht angerechnet werden müssten. Andernfalls müssten bei der
vorliegenden Schiessanlage, welche nicht einmal den Alarmwert einhält, auch
mehrmonatige Schützenfeste mit unlimitierter Schusszahl kompensationslos zugelassen
werden, welche bspw. regelmässig innerhalb von 5 Jahren stattfinden. Eine solche
Auslegung von Anhang 7 Ziff. 3 LSV würde dem Vorsorgeprinzip klar entgegenstehen und
wäre damit verfassungswidrig.
8. Infolgedessen kommt das Obergericht zum Schluss, dass die in den Ziff. 2 und 3 des
Entscheids vom 20. April 2017 verfügten Auflagen mit dem übergeordneten Recht im
Einklang stehen. Daher hat die Vorinstanz diese zu Unrecht aufgehoben. Die Beschwerde
ist somit in diesem Punkt gutzuheissen.
9. Die Vorinstanz hat auch Ziff. 4 des Entscheids des Beschwerdeführers vom 20. April 2017
aufgehoben, weil die Auflage, wonach die Zustimmung der Betroffenen erfolgen müsse,
sachfremd und damit nicht geeignet zur Zielerreichung sei. In diesem Punkt ist ihr
zuzustimmen, da der Vollzug der Lärmschutzbestimmungen der Vollzugsbehörde und
damit dem Beschwerdeführer obliegt und eine Bewilligung nicht von der Zustimmung der
Betroffenen abhängig gemacht werden kann. Im Weiteren dürfte es fraglich sein, ob die
Betroffenen ohne verbindlichen Entscheid der Bewilligungsbehörde freiwillig ihre
Zustimmung erteilen. Insofern erweist sich diese Auflage als sachfremd bzw. nicht als
rechtskonform. Der Beschwerdeführer bestreitet den vorinstanzlichen Entscheid in diesem
Punkt auch nicht, womit die Beschwerde diesbezüglich abzuweisen ist.
Da die Bewilligung der Durchführung des Kantonalschützenfestes als
Sanierungserleichterung zu qualifizieren ist, wird der Beschwerdeführer jedoch nicht umhin
kommen, die Betroffenen im Vorfeld in geeigneter Weise über die Durchführung des
Kantonalschützenfestes zu informieren und diesen vorgängig das rechtliche Gehör zu
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gewähren bzw. eine Einsprachemöglichkeit einzuräumen. Dabei sind unter Umständen
nicht nur die lärmvorbelasteten sondern auch andere Anwohner der Schiessanlage
miteinzubeziehen (vgl. BGE 117 Ib 20 E. 3; BGE 110 Ib 99). Können allfällige Einsprachen
nicht auf dem Weg der Verständigung geklärt werden, sind diese mittels begründetem
Einspracheentscheid zu erledigen, wobei der Beschluss vom 20. April 2017 grundsätzlich
zu überdenken wäre. Im Falle einer Verständigung müssten die verfügten Kompensationen
angesichts der Dauer des Rechtsmittelverfahrens unter Umständen angepasst werden.
10. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Beschwerde aus den genannten Gründen im
Sinne des Eventualantrags gutzuheissen ist. Dementsprechend ist der Entscheid der
Vorinstanz vom 6. Dezember 2017 mehrheitlich aufzuheben und der Beschluss des
Beschwerdeführers vom 20. April 2017 mit Ausnahme der in Ziff. 4 verfügten Auflage
(Zustimmung der Betroffenen) zu bestätigen.
11. Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Verwaltungsgericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder
auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. In Anwendung von Art. 53 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 3 sowie Art. 22 Abs. 1 VRPG werden dem Kanton den
Gemeinden keine Verfahrenskosten auferlegt. Da ihre Eingaben im Beschwerdeverfahren
nur mit einem geringen Bearbeitungsaufwand verbunden waren, wird auch bei der
Beschwerdegegnerin auf die Erhebung einer Entscheidgebühr verzichtet (Art. 22 Abs. 4
VRPG). Auf die Zusprechung einer Parteientschädigung zugunsten des mehrheitlich
obsiegenden Beschwerdeführers besteht kein Anspruch (Art. 24 Abs. 3 lit. a VRPG).
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