Decision ID: d9d5066c-49d9-52bc-ad68-e201aa23fbee
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer 1 verliess den Iran gemäss seinen Angaben
Anfang 2016 mit seinem Kind (Beschwerdeführer 2) und gelangte über den
Irak, die Türkei, Griechenland und weitere Staaten am 29. Oktober 2016 in
die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte.
A.b Am 8. November 2016 wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum
C._ die Befragung des Beschwerdeführers 1 zur Person (BzP)
durchgeführt.
Er machte dabei im Wesentlichen geltend, er sei kurdischer Ethnie und
stamme aus D._ in der Provinz Kordestan. Er habe seine Kindheit
in E._ und in D._ verbracht. Zuletzt habe er in E._
gelebt. Er habe nur kurz das erste Schuljahr besucht und später seinen
Lebensunterhalt mit verschiedenen Tätigkeiten (...) und als (...) bestritten;
zuletzt habe er (...). Im Jahr (...) habe er geheiratet, er sei aber seit dem
Jahr (...) geschieden.
Er stamme aus einer kommunistischen Familie. Die Mutter sei unter der
Folter des iranischen Geheimdiensts Ettelaat gestorben, ein Bruder sei am
Galgen hingerichtet worden und der Vater werde bis heute immer wieder
inhaftiert. Er (Beschwerdeführer) sei ebenfalls wiederholt in Haft gewesen.
Beim ersten Mal sei er am Rand einer Demonstration mitgenommen wor-
den. Ein weiteres Mal habe ihn die Ettelaat (...) Monate festgehalten und
gefoltert; der Grund dafür sei ihm letztlich bis heute nicht genau bekannt.
Später sei er wiederholt für drei, vier oder sechs Monate wegen Schmug-
geltätigkeiten inhaftiert worden. Er sei zudem beschuldigt worden, Flyer
einer Oppositionsgruppe verteilt zu haben. Schliesslich hätten die Behör-
den von seinen Tätigkeiten für die Kommunisten erfahren und ihn des-
wegen zu Hause aufgesucht.
A.c Am 14. Dezember 2016 beendete das SEM ein zuvor angehobenes
Dublin-Zuständigkeitsverfahren und teilte dem Beschwerdeführer 1 mit, es
werde das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchgeführt.
A.d Am 5. September 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer 1 ein-
gehend zu seinen Asylgründen an.
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Dabei gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen zu Protokoll, er habe
eine schwierige Ehe geführt. Bei der Trennung habe seine Ex-Frau viel
Geld verlangt; er sei wegen der Mitgift ins Gefängnis gekommen und habe
ihr das Haus überschreiben müssen. Sie habe sich zudem geweigert, das
gemeinsame Kind weiter zu betreuen. Die Ex-Frau habe einmal eine Kiste
mit Publikationen und einem Mobiltelefon von ihm geöffnet und so von sei-
nen heimlichen Tätigkeiten für die Komala (Marxistisch-Leninistische Liga)
erfahren; er habe für diese Organisation Publikationen verteilt, Parolen an
die Wände geschrieben, die Partei mit Informationen versorgt und den Pe-
schmerga mit dem Motorrad verschiedene Dinge gebracht. Als sein Vater
die von der Ex-Frau entdeckten Gegenstände habe holen wollen, habe
diese ihn (Beschwerdeführer) bereits bei der Polizei denunziert gehabt. Der
Vater habe ihn telefonisch gewarnt und er (Beschwerdeführer) habe sich
mit seinem Sohn sofort ausser Landes begeben. Nach sechs bis sieben
Monaten im Irak sei er in die Schweiz gereist. Nach der Ausreise aus dem
Iran habe der Ettelaat ihn mehrfach zu Hause gesucht. Er habe im Iran
ausserdem einen oppositionellen Facebook-Account betrieben, und er ver-
öffentliche auch von der Schweiz aus regelmässig auf Facebook politische
Inhalte insbesondere über Verräter in der Stadt E._.
A.e Der Beschwerdeführer reichte Kopien einer iranischen Identitätskarte
und einer Shenasnameh, eine Liste mit Verurteilungen und Kopien von vier
Gerichtsdokumenten zu den erstinstanzlichen Akten.
B.
Mit (am Folgetag eröffneter) Verfügung vom 9. Oktober 2019 stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Wegweisungsvollzug an.
C.
C.a Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführer, handelnd
durch ihren Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht am 11. No-
vember 2019 eine Beschwerde ein. Sie beantragten die vollumfängliche
Aufhebung der Verfügung vom 9. Oktober 2019, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls.
C.b In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung einschliesslich Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbei-
stands.
E-5956/2019
Seite 4
C.c Mit der Beschwerde wurden zu den Akten gereicht: Verschiedene
Unterlagen von den Instagram- und Facebook-Profilen des Beschwerde-
führers 1 mit entsprechenden Beiträgen, der Facebook-Beitrag eines irani-
schen Beamten, ein Facebook-Eintrag betreffend den Halbbruder, Foto-
grafien einer Demonstration vom (...) 2019, den Internet-Link zum Bericht
und zu den Fotografien, Fotografien der Schwester als bewaffnete
Komala-Kämpferin, ein Schreiben der "Representation of Komala Abroad",
ein Bericht der an der Anhörung vom 5. September 2018 mitwirkenden
Hilfswerkvertretung, der Leistungsausweis eines Arbeitseinsatzes, ein Re-
ferenzschreiben, ein Kindergartenbericht des Sohnes, die Bestätigung des
Sozialhilfebezugs und eine provisorische Honorarnote.
D.
Der Instruktionsrichter bestätigte am 13. November 2019 den Eingang der
Beschwerde und stellte fest, die Beschwerdeführer könnten den Ausgang
des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
E.
Am 2. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer 1 zum Beleg seiner
exilpolitischen Aktivitäten mehrere neue Facebook-Beiträge zu den Akten.
F.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 stellte der Instruktionsrichter fest,
die Beschwerdeführer könnten den Ausgang des Beschwerdeverfahrens
definitiv in der Schweiz abwarten. Er hiess die Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe eines unentgeltlichen
Rechtsbeistands gut und setzte Rechtsanwalt Urs Ebnöther als amtlichen
Rechtsvertreter ein. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde
verzichtet. Mit gleicher Verfügung wurde das SEM zum Einreichen einer
Vernehmlassung eingeladen.
G.
G.a Die Vorinstanz reichte am 20. Dezember 2019 ihre Stellungnahme zu
den Akten.
G.b Mit Verfügung vom 30. Dezember 2019 wurde dem Beschwerdefüh-
rer 1 die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht und ihm
Frist zur Einreichung einer Replik gesetzt.
G.c Der Beschwerdeführer liess am 13. Januar 2020 seine ausführlichen
Gegenäusserungen unter Beilegen verschiedener weiterer Unterlagen
(zwei Instagram-Beiträge, Bilder einer exilpolitischen Veranstaltung vom
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Seite 5
(...) 2019, Ausdrucke derselben Aufnahmen in den sozialen Medien und
als Standbilder eine Berichterstattung einer Fernsehsendung "IranTV",
Ausdrucke von Bildern von exilpolitischen Aktivitäten auf www. [...]) sowie
eine aktualisierte Honorarnote zu den Akten reichen.
G.d Am 28. Februar, 22. Mai und 8. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer
weitere Unterlagen betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten in der
Schweiz nachreichen. Den beiden letzten Eingaben wurden jeweils aktua-
lisierte Honorarnoten beigelegt.
G.e Am 5. August 2020 sowie am 3. September 2020 liess der Beschwer-
deführer zusätzliche Unterlagen zu seinem in den sozialen Medien geführ-
ten politischen Engagement einreichen. Er führte aus, mit dieser Auswahl
aktueller Beiträge werde verdeutlicht, dass er häufig und regelmässig in
seinem Namen das iranische Regime massiv kritisiere, Menschenrechts-
verletzungen anprangere, seine ablehnende Haltung gegen das Regime
kundtue und immer wieder aktuelle und kontroverse Themen anspreche
und sich entsprechend exponiere.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 6
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zudem fest, dass Personen, die Gründe geltend
machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind
und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Her-
kunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, keine
Flüchtlinge seien. Diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetz-
geber jedoch durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der
Geltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention / FK, SR 0.142.30) relativiert.
3.3 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
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Seite 7
wurden (sogenannte subjektive Nachfluchtgründe). Eine Person, die sub-
jektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat begründeten Anlass zur
Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat
und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevan-
ter Weise im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.1).
3.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz bezweifelte in der angefochtenen Verfügung die Glaub-
haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers 1. Seine Angaben zur
Haft, nachdem er am Rande einer Demonstration gefilmt worden sein
wolle, seien inkonsistent und widersprüchlich ausgefallen. Ungeachtet des-
sen sei festzuhalten, dass sich die beiden geltend gemachten Inhaftierun-
gen vor der Eheschliessung und demnach mehrere Jahre vor der Ausreise
ereignet hätten, womit ein Kausalzusammenhang nicht ohne Weiteres an-
zunehmen wäre. Dass die Ehefrau die politischen Tätigkeiten des Be-
schwerdeführers entdeckt und den iranischen Behörden angezeigt haben
solle, sei zweifelhaft. Weiter seien die angeblichen politischen Tätigkeiten
wenig detailliert respektive anschaulich, unsubstanziiert und nicht nachvoll-
ziehbar beschrieben worden. Insgesamt würden die Angaben den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit – auch in Berücksichtigung der vorgeleg-
ten Beweismittel – nicht standhalten.
4.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, wegen Schmuggel-
aktivitäten inhaftiert gewesen zu sein, vermöchten diese Schilderungen,
ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit, keine Asylrelevanz zu entfalten.
4.3 Soweit er auf das politische Profil seiner Familie hinweise, sei auch
diesbezüglich anzumerken, dass er sich dabei auf bereits lange zurück-
liegende Ereignisse beziehe. Er habe keine konkreten Massnahmen vor-
gebracht, die er aufgrund politischer Aktivitäten von Familienmitgliedern er-
litten habe. Auch sonst, namentlich nach Sichten der Akten der Schwester
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(N [...]), bestünden keine konkreten Hinweise auf eine Reflexverfolgung.
Der Vater, der gemäss Angaben des Beschwerdeführers weiterhin regel-
mässig von den iranischen Behörden festgenommen werde, lebe nach wie
vor in E._. Es sei nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer
wegen des politischen Profils der Familie bei einer Rückkehr asyl-relevante
Nachteile erleiden müsste.
4.4 Insgesamt würden die Vorbringen weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG noch denjenigen an die
Glaubhaftigkeit im Sinn von Art. 7 AsylG standhalten. Die Asylgesuche des
Beschwerdeführers und seines Kindes seien deshalb abzulehnen.
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wird einleitend der Sachverhalt dargelegt und
dann ausgeführt, die Argumentation der Vorinstanz halte einer eingehen-
den Prüfung nicht stand. Der Sachverhalt und die Fluchtgründe seien von
einiger Komplexität und ihre Darstellung verlange entsprechend ein gewis-
ses Mass an erzählerischem Geschick. Der Beschwerdeführer 1 habe
praktisch keine Schulbildung und könne nicht gut lesen und schreiben.
Dies sei bei der Würdigung der komplexen Vorbringen und der "Aussage-
technik" des Beschwerdeführers zu berücksichtigen.
5.2 Dieser sei aufgrund seiner Herkunft und der familiären Erlebnisse früh
politisiert worden. Er sei seinerseits bei der Komala und für diese Partei
über Jahre in vielerlei Hinsicht aktiv gewesen. So habe er heimlich Parolen
und Slogans an Wände geschrieben, Spitzel und Spione fotografiert und
diese Aufnahmen der Partei gegeben. Weiter habe er die Peshmerga in
den Bergen nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Informationen
versorgt. Sodann sei er in den sozialen Medien politisch aktiv gewesen;
er habe den Facebook-Account "(...)" betrieben, in diesem das Verhalten
der Polizei dokumentiert und Verbrechen der Behörden publik gemacht. Er
habe in regelmässigem Kontakt und im Austausch mit anderen Mitgliedern
gestanden – zuerst via Mobiltelefonie, später über Facebook. Bereits vor
Bekanntwerden dieses regimekritischen Engagements sei er in den Fokus
der iranischen Behörden geraten. Er sei mehrfach inhaftiert worden, das
erste Mal, als er am Rande einer Demonstration – an der er selber gar nicht
teilgenommen habe – zufällig gefilmt worden sei. Er sei zu (...) Jahren und
(...) Monaten Haft verurteilt worden und habe davon (...) Jahre und (...)
Monate verbüsst. Später sei er fälschlicherweise im Zusammenhang mit
der Tötung eines Soldaten verdächtigt und inhaftiert worden. Hierbei sei er
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Seite 9
in Teheran dem "Ettelaat von F._", einer Folterabteilung des Ettel-
aats, zugeführt worden. Jede Nacht sei er aus der Zelle geholt, der Ermor-
dung des Soldaten beschuldigt, geschlagen und gefoltert worden. Dabei
sei er auch wiederholt nach dem Verbleib seiner Schwester, einer
Peshmerga-Kämpferin im Irak, befragt worden. Vier Monate später
– nachdem inzwischen mit der identischen Waffe ein weiterer Soldat getö-
tet worden sei – sei man endlich vom Tötungsvorwurf gegen ihn abgekom-
men, habe ihn jedoch wegen Schmuggel-Aktivitäten und weiteren konstru-
ierten Anschuldigungen noch zwei Monate im Gefängnis behalten. Er sei
wegen der Schmuggeltätigkeiten insgesamt dreimal inhaftiert worden, das
letzte Mal sei ihm auch die illegale Ausreise vorgeworfen worden.
5.3 Ausschlaggebend für die Flucht sei letztlich das Auffliegen seines poli-
tischen Engagements gewesen. Verantwortlich dafür sei seine Ex-Frau ge-
wesen, die ihn bei den Behörden denunziert habe. Diese Ehe sei ursprüng-
lich durch ein iranisches Gericht angeordnet worden, nachdem die Frau
durch seine Verführung eine entsprechende Zwangssituation bewusst her-
beigeführt habe. Es habe sich später herausgestellt, dass diese Frau eine
völlig konträre politische Anschauung habe und aus einer regimetreuen
Familie stamme. Im Rahmen des Scheidungsverfahrens sei ihm erlaubt
worden, seine persönlichen Sachen zu Hause zu holen. Da er dies nicht
selbst habe machen dürfen, habe der Vater dies für ihn erledigen wollen.
Jedoch habe die Ex-Frau die sich in einer Box befindenden Sachen
– Gegenstände, die sein politisches Engagement offensichtlich gemacht
hätten – geöffnet und der Polizei alles verraten. Der Vater habe umgehend
den Sohn informiert, der E._ sofort mit seinem Sohn verlassen
habe.
5.4 Der Beschwerdeführer 1 führe sein politisches Engagement in der
Schweiz fort und poste regelmässig Fotos und Texte von Verrätern, die in
E._ leben würden. Auf diesem Weg könne er die Komala warnen.
Er führe je zwei Accounts bei Facebook und Instagram, je einen für politi-
sche und einen für private Zwecke. Alle diese Accounts würden unter sei-
nem echten Namen laufen. Der Facebook-Account sei während seines
Aufenthalts in der Schweiz schon zweimal gehackt worden. Neben diesem
Engagement in den sozialen Medien nehme er an Demonstrationen und
Kundgebungen teil, beispielsweise am (...) 2019 in G._ aus Anlass
einer Ausstellung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) zum
Thema Menschenrechte im Iran. Zusammen mit seinem Sohn habe er vor
dem (...) protestiert. Sodann belege die Bestätigung der "Representation
of Komala Abroad" seine Mitgliedschaft und politische Tätigkeit im Iran.
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Seite 10
6.
6.1 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie
erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr
in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter
Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und
subjektiven Nachfluchtgründen. Erstere liegen vor, wenn äussere Um-
stände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen
konnte, zur drohenden Verfolgung führen; in solchen Fällen ist die Flücht-
lingseigenschaft der von Verfolgung bedrohten Person festzustellen und
ihr Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine
asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine
Verfolgung zu befürchten hat; in diesen Fällen wird die Flüchtlingseigen-
schaft festgestellt, jedoch kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE
2010/44 E. 3.5 m.w.H.).
6.2
6.2.1 Asylrelevante Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG können sich aus ei-
ner sogenannten Reflexverfolgung ergeben, nämlich dann, wenn sich Ver-
folgungsmassnahmen abgesehen von der primär betroffenen Person auch
auf Familienangehörige und Verwandte erstrecken (zum Begriff der
Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225 m.w.H.). Gemäss kon-
stanter Praxis besteht die Gefahr, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden,
namentlich in Situationen, in denen nach einem flüchtigen Familienmitglied
gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand
mit dem Gesuchten in engem Kontakt steht; dieses Risiko erhöht sich,
wenn ein nicht unbedeutendes politisches Engagement seitens des Reflex-
verfolgten für illegale politische Organisationen hinzukommt (vgl. bereits
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3.h S. 48; und zur Reflexverfolgung im irani-
schen Kontext zuletzt die Urteile BVGer D-3323/2019 vom 24. Juni 2020
E. 8.3 sowie D-3325/2019 vom 10. Juni 2020 E. 7.3).
6.2.2 Der Beschwerdeführer 1 hat in diesem Zusammenhang in der BzP
ausgeführt, er stamme aus einer exponierten kommunistischen Familie.
Seine Mutter sei unter der Folter des Ettelaats gestorben, ein Bruder sei
von den Behörden exekutiert worden und einer Schwester sei wegen ihres
politischen Engagements in der Schweiz Asyl gewährt worden (vgl. A6/11
F/A 7.01). In der Anhörung führte er dazu eingehender aus, sein alter Vater
habe in seinem Leben viel leiden müssen. Er werde immer wieder verhaftet
und habe insgesamt (...) Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht.
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Seite 11
Der Vater sei seinerzeit Peshmerga der Komala gewesen, habe Kämpfer
der Komala daheim empfangen und die Partei unterstützt. Man habe ihn
im Gefängnis gefoltert, und er sei mit Säure verbrannt worden. Einmal sei
ein Todesurteil gegen ihn ausgesprochen worden, und der Vater habe ihm
später erzählt, dass er "hingerichtet" worden sei. Der Bruder, hingegen, sei
als Peshmerga der Komala tatsächlich exekutiert worden. Über das ge-
naue Schicksal der Mutter habe der Vater nie reden wollen; er (Beschwer-
deführer 1) habe aber erfahren, dass sie unter der Folter des Ettelaats ge-
storben sei. Ein Halbbruder sei noch heute im Irak als Peshmerga für die
Komala aktiv und seine in der Schweiz lebende Schwester sei ebenfalls
viele Jahre lang bei der Komala aktiv gewesen (vgl. A15/27 F/A11, 18, 50,
97 und 121).
6.2.3 Diese Aussagen werden durch die protokollierten Schilderungen der
Schwester des Beschwerdeführers 1 bestätigt (beigezogenes Dossier
N [...]). Diese hat namentlich übereinstimmend die politischen Aktivitäten
der ganzen Familie und die daraus resultierende massive Verfolgung ihres
Vaters und die Exekution ihres damals (...)-jährigen Bruders geschildert.
Bestätigt wird durch ihre Angaben auch, dass die Mutter verstorben ist. Zu-
sätzlich gab sie an, das Genick ihres Vaters sei bei einem Hinrichtungsver-
such verletzt worden und das iranische Regime habe neben ihrem Bruder
auch drei Onkel väterlicherseits wegen ihrer Verbindung zur Komala exe-
kutiert. Sie sei wie eine Waise aufgewachsen und habe letztlich gar keine
andere Wahl gehabt als sich als jugendliche Kämpferin den Peschmerga
anzuschliessen und (...) zu gehen (vgl. N [...] A3 S. 3 ff. und A13 ad Q1,
Q8, Q10 ff., Q19 ff. sowie Q25 ff.).
Der internen Begründung des positiven Asylentscheids des damaligen
Bundesamts für Migration (BFM; heute SEM) ist zu entnehmen, dass die
Ausführungen der Schwester zu ihrer familiären Situation und zum eigenen
politischen Engagement als kohärent, klar und glaubhaft eingeschätzt wur-
den (vgl. N [...], A21 S. 3).
6.2.4 Die Vorinstanz hat den familiären Hintergrund des Beschwerdefüh-
rers und damit seine Herkunft aus einer politisch exponierten Familie zu-
nächst nicht in Frage gestellt und ihre Erwägungen in diesem Sinn formu-
liert. Hinsichtlich der Frage, ob er aufgrund der regimekritischen Aktivitäten
seiner Familienangehörigen, namentlich der in der Schweiz lebenden
Schwester, im Iran von Reflexverfolgung bedroht war respektive wäre, hat
sich das SEM in der angefochtenen Verfügung in der Folge auf die Fest-
E-5956/2019
Seite 12
stellung beschränkt, die diesbezüglichen Schilderungen des Beschwerde-
führers 1 würden vor allem zeitlich länger zurückliegende Ereignisse be-
treffen. Er habe keine konkreten Hinweise auf eine Reflexverfolgung vor-
gebracht, und dem Dossier der Schwester sei solches ebenfalls nicht zu
entnehmen. Zudem lebe insbesondere der Vater nach wie vor im Iran und
wolle offenbar nicht ausreisen. Die erforderliche vertiefte inhaltliche Ausei-
nandersetzung insbesondere mit der Frage, ob der Beschwerdeführer be-
gründete Furcht habe, in der Form von Reflexverfolgung asylrelevanten
Nachteilen ausgesetzt zu werden, ist der angefochtenen Verfügung nicht
zu entnehmen. Zudem erweisen sich die Erwägungen der Vorinstanz be-
züglich der Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zu einer politischen Fa-
milie auch als unklar und verwirrend, wenn sie schreibt, "Indes haben Sie
keine konkreten Massnahmen vorgebracht, die Sie aufgrund der angebli-
chen politischen Aktivitäten der Familie erlitten hätten." (angefochtene Ver-
fügung S. 7, Hervorhebung BVGer). Mit dieser Erwägung werden in Bezug
auf die Beurteilung der Reflexverfolgung des Beschwerdeführers die poli-
tischen Aktivitäten der Familienangehörigen nunmehr offenbar in Frage ge-
stellt (obwohl das SEM bei der Behandlung des Asylgesuchs der Schwes-
ter diesbezüglich von kohärenten und glaubhaften Angaben ausgegangen
war).
6.2.5 Wie oben festgehalten, werden die Angaben des Beschwerdeführers
durch die Schwester bestätigt. Dabei hat namentlich der Vater als ehemals
aktives Mitglied der Komala zahlreiche Inhaftierungen und Misshandlun-
gen erlebt, die offenbar zu schweren und nachhaltigen Gesundheitsschä-
den geführt haben. Aus der Tatsache, dass der Vater den Iran dennoch
bisher nicht verlassen hat, dürfte sich bei objektiver Betrachtung für die
Beurteilung des Asylgesuchs seines Sohnes kaum etwas Relevantes ab-
leiten lassen, zumal das Verbleiben im Heimatland auch den körperlichen
Folgen der wiederholten Misshandlungen, dem Alter oder dem Familien-
sinn geschuldet sein dürfte (der Beschwerdeführer hat in diesem Zusam-
menhang nachvollziehbar angegeben, der Vater könne nicht ausreisen,
weil er sich um viele Kinder – offenbar Halbgeschwister des Beschwerde-
führers 1 – kümmern müsse; vgl. A15/27 F/A18).
6.2.6 Das Gericht kommt vorliegend zum Schluss, dass der Sachverhalt
vorab in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Zugehö-
rigkeit zu einer politisch ausserordentlich exponierten Familie ungenügend
abgeklärt worden ist.
E-5956/2019
Seite 13
6.3
6.3.1 In einem ersten Schritt wird deshalb die geltend gemachte Herkunft
aus einer politisch exponierten Familie zu verifizieren sein. Falls sich die-
ses Vorbringen bestätigen lässt, werden die Auswirkungen dieses Sach-
verhaltselements auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend ge-
machten (Vor-) Fluchtgründe des Beschwerdeführers zu beurteilen sein.
6.3.2 Den vom Beschwerdeführer eingereichten iranischen Gerichtsdoku-
menten (vgl. A17 Beweismittel Nr. 4) hat das SEM pauschal jeden Beweis-
wert abgesprochen, weil es sich um Kopien von Fotografien handle, deren
Authentizität "nicht [...] untersucht werden" könne (vgl. Verfügung vom
9. Oktober 2019 S. 6). Diese Argumentation ist umso weniger nachvoll-
ziehbar als bei den Akten bisher keine Übersetzungen dieser potenziell re-
levant erscheinenden Beweismittel liegen. Die Dokumente werden in ge-
eigneter Weise einer inhaltlichen Authentizitätsprüfung zu unterziehen
sein.
6.3.3 Falls diese Abklärungen noch nicht zur Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers führen, wird in einem nächsten Schritt
die Frage der begründeten Furcht vor zukünftiger Reflexverfolgung ein-
lässlich zu prüfen sein. In diesem Zusammenhang wird auch zu beurteilen
sein, ob die heimatlichen Behörden mutmasslich Kenntnis vom Aufent-
haltsort seiner Schwester haben, ob nach dieser im Iran gefahndet wird
und ob der iranische Geheimdienst davon ausgehen wird, dass die beiden
Geschwister in der Schweiz in engem Kontakt stehen; solche Faktoren sind
– neben einem nicht unbedeutenden eigenen politischen Engagement der
reflexverfolgten Person – gemäss langjähriger Praxis geeignet, das
Risiko einer solchen Anschlussverfolgung zu erhöhen (vgl. bereits Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3.h S. 48 und statt vieler etwa das Urteil BVGer
E-2631/2019 vom 15. Oktober 2020 E. 5.3 m.w.H.).
6.3.4 Sollte nach diesem Schritt die Flüchtlingseigenschaft weiterhin nicht
festzustellen sein, wäre das vom Beschwerdeführer geltend gemachte exil-
politische Engagement für regimefeindliche Organisationen einlässlich zu
würdigen (vgl. namentlich die Replik vom 13. Januar 2020 und die seithe-
rigen ergänzenden Eingaben vom 28. Februar, 22. Mai, 8. Juli, 5. August,
und 3. September 2020). Falls sich dieses Exilengagement als authentisch
erweisen sollte, wäre die Exponiertheit des Beschwerdeführers zu prüfen
E-5956/2019
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und in diesem Zusammenhang auch in Betracht zu ziehen, dass der Be-
schwerdeführer in den sozialen Medien unter eigenem Namen aufzutreten
scheint.
7.
7.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Vorliegend hat die Vorinstanz den
rechtserheblichen Sachverhalt ungenügend erstellt. Die Behebung dieses
formellen Mangels verlangt nach umfangreichen weiteren Abklärungen der
oben (vgl. E. 6.3) aufgeworfenen Fragen, die nicht auf Beschwerdeebene
vorgenommen werden können.
7.2 Die Verfügung vom 9. Oktober 2019 ist damit aufzuheben und die Sa-
che ist im Sinne der Erwägungen zur vollständigen Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Dem Beschwerdeführer 1 ist eine Entschädigung für die ihm erwach-
senen notwendigen und verhältnismässig hohen Vertretungskosten zuzu-
sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). In der aufdatierten Honorarnote des amt-
lichen Rechtsbeistands vom 3. September 2020 wurden rund 14 Honorar-
stunden ausgewiesen. Dieser Zeitaufwand ist den Umständen des (zwei-
fellos überdurchschnittlich komplexen) Verfahrens nicht ganz angemessen
und ist auf 12 Stunden zu kürzen. Zudem ist nach Durchsicht der Be-
schwerdeakten festzustellen, dass jede einzelne Eingabe der Rechtsver-
tretung von der Substitutin des beigeordneten amtlichen Anwalts unter-
zeichnet worden ist. Der amtliche Rechtsvertreter trug zwar die Prozess-
verantwortung, trat aber (mit Ausnahme der Beschwerdebeilagen 1 und 2:
Vollmacht und Substitutionsvollmacht) – im ganzen Verfahren gar nie er-
kennbar in Erscheinung. Die Substitutin, welche nur den Titel einer BLaw
trägt, hat mit der von ihr unterzeichneten Eingabe vom 3. September 2020
"meine aktualisierte Kostennote" zu den Akten gereicht. Unter diesen Um-
ständen ist bei der Berechnung der Entschädigung im konkreten Verfahren
nicht der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 300.– sondern ein sol-
cher von Fr. 200.– anzuwenden (Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom
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21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2).
Die vom SEM zu leistende Parteientschädigung ist demnach auf insgesamt
Fr. 2720.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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