Decision ID: 967b8d0b-0a71-47d4-bd43-1d8d71138f19
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
,
ohne Ausbildung, meldete sich
am
30. August 2005 unter Hinweis auf eine schwere Störung der Persönlichkeit bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Am 1
3
. November 2008 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, de
r
Versi
cherten
ab 1. September 2004 verfügungsweise eine halbe Invalidenrente
(Inva
liditätsgrad 50 %)
zu (Urk. 7/63), welche am 22. Juli 2010 bestätigt wurde (Urk. 7/90).
Mit Verfügung vom 8. April 2015 (Urk. 7/181) wurde die bisherige halbe Invalidenrente per Ende Mai 2015 aufgehoben (Invaliditätsgrad 24 %).
Am 14.
September 2015 meldete sich die Versicherte bei der Invaliden
ver
sicherung erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/187)
, worauf
ihr
die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. September 2016 (Urk. 7/23
0
) ab 1. Juni 2015 abermals eine halbe Rente (Invaliditätsgrad 50 %
, Urk. 7/226) zusprach
.
Im
Mai 2018 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein (Urk. 7/249) und nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor.
Am 6. März 2019 meldete sich die
Versicherte
bei der Invalidenversicherung
zwecks
beruflicher Massnahmen an
(Urk. 7/267)
, wobei die IV-Stelle am 6. August 2019 eine entsprechende Kostenübernahme
ablehnte
(Urk. 7/283)
.
Mit Vorbescheid vom 13. Mai 2020 (Urk. 7/295) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ein
stellung der Rente in Aussicht, wogegen letztere am 23. Mai 2020 Einwand (Urk. 7/296
, Urk. 7/312
)
erhob
.
Am 17. Oktober 2020 stellte die IV-Stelle die bis
herige halbe Rente per Ende November 2020 verfügungsweise ein (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
am 10. November 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
unter Auflage des Berichts
von
Dr.
Y._
, Facharzt für psychische Gesundheit und Krankheiten am
K
ranken
h
aus
Z._
in der Türkei
,
vom 10. November 2020
(Urk. 3/1)
sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 17. Oktober 202
0.
Mit Beschwerdeantwort vom
28. Dezember 2020 (Urk. 6) ver
zichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Stellungnahm
e, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
29. Dezember 2020
(Urk. 8)
zur
Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der
Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfme
thoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der all
gemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
wal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den
praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen
-
zu denen die RAD
Berichte gehören
nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit,
dass es bei
d
e
r
Beschwerdeführer
in
gemäss der RAD-Einschätzung
durch die
Geschlechtsangleichung zu einer psychischen Entlastung gekommen sei. Aus psychiatrischer Sicht sei nicht mit einer erheblichen depressiven und Angst
symptomatik und dem damit einhergehenden Leidensdruck zu rechnen. D
ie
Beschwerdeführer
in
habe keine psychiatrische Unter
stützung
beansprucht und seit November 2018 nur drei psychologische Beh
andlungstermine wahrge
nommen.
Ihre Antriebs- und Reisefähigkeit sei gegeben, da s
ie
in der Lage
sei
, eine Weiterbildung im Ausland zu
absolvieren.
Insgesamt sei e
ine dauerhafte Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
seit Oktober 2019
nicht mehr anzunehmen, wes
halb de
r
Beschwerdeführer
in
eine Arbeitstätigkeit in einem Pensum von 100 % zumutbar sei und
k
ein Anspruch mehr auf Leistungen
der Invalidenversicherung bestehe und die bisherige halbe Rente
deshalb
aufzuheben
sei (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass sie
bis anhin nicht nur wegen
einer
Identitätsstörung/Gender
dysphorie
in psychischer Behandlung
gewesen
sei, sondern auch wegen einer chronischen Depre
ssion verbunden mit einer sozialen P
hobie, Angst- und Panikstörungen sowie Stimmungsschwankungen
(S. 1)
.
Die Geschlechtsangleichung
habe sie zwar belastet
, die entsprechende
n
Operationen hätten aber nicht
ausgereicht
, um ihre depressive Lage zu verbessern
, dies auch deshalb, weil Transsexualismus keine psychische Krankheit sei
.
Betreffend psychiatrische/psychologische Unter
stützung hielt d
ie
Beschwerdeführer
in
fest, dass
sie
in
entsprechender
Behand
lung gewesen sei und nach dem Hinschied von Psychologin
lic.
phil.
A._
die
Therapie
bei
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie
, Dr.
med.
C._
und Psychologin
MSc
D._
fortges
etzt habe. In der Türkei habe sie
regelmässig Sitzungen bei Dr.
Y._
und
nehme
nach wie vor Antidepressiva. Ihre
Angst
zustände
hätten sich
zwischenzeitlich verschlechtert
, wobei
die soziale Phobie gleichgeblieben sei. Auch
die depressiven Zustände h
ätten sich aufgrund der
Covid
-
Pandemie verschlimmert und sie habe die Stimmungsschwankungen nicht unter Kontrolle. Sie habe
sich in der Wohnung
ihrer Schwester
in der Türkei
isoliert und traue sich nicht mehr
,
diese zu verlassen
, weshalb sie – die Beschwer
deführerin – bisher auch nicht in der Lage gewesen sei, in die Schweiz zu reisen
. Anders als von der Beschwerdegegnerin angenommen, bestehe keine Arbeitsfä
higkeit von 100
%
(S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom
6.
September 2016
, die auf umfassenden medizinischen und erwerblichen Abklärungen beruhte, in einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Ausmass
(vgl. dazu E. 1.4 hie
r
vor) verändert hat.
Im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
lag
e
ine rezidivierende depressive Störung im Rahmen einer Persönlichkeits- und/oder Genderproblema
tik
beziehungsweise eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit einer Arbeits
un
fähigkeit von 50
%
vor
(
Urk.
7/217 S. 2 und 4,
Urk.
7/225
S. 2).
3.
3.1
Nach Durchführung einer langfristigen geschlechtsangleichenden Hormon
therapie sowie einer beidseitigen
Mammaaugmentation
im Februar 2016 wurde am 2
6.
Oktober 2018 bei Vorliegen einer Genderdysphorie im Sinne einer Mann-zu-Frau-Transsexualität eine geschlechtsangleichende Operation
durchgeführt
(
Urk.
7/265/11-16
).
3.
2
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie, führte in ihrer Stellungnahme vom 23. März 2020
(Urk. 7/292/5-6
)
aus,
dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem letzten Ent
scheid vom 28. Juli 2016
gebessert habe
. E
s sei eine Geschlechtsdysphorie im Sinne eines Mann-zu-Frau-Transsexualismus (ICD-10 F64.0) diagnostiziert worden. Im Rahmen der Transition sei
en
geschlechtsangleichende Operationen sowie eine Hormonsubstitution erfolgt. Dabei könne davon ausgegangen werden, dass es durch die Geschlechtsangleichung zu einer psychischen
Entlastung gekommen sei. Eine Notwendigkeit/
ein
Leidensdruck für eine psychiatrische Behandlung werde nicht mehr gesehen. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, eine Weiterbildung im Ausland zu
organisieren und durchzuführen. Insgesamt
sei eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit Oktober 2019
nicht mehr anzunehmen.
3.
3
Die Psychologin
D._
stellte in ihrem Bericht v
om 27. Juli 2020 (Urk. 7/312
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2) mit:
-
psychische
n
und Verhaltensstörungen durch Alkohol: schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1)
-
soziale
r Phobie (ICD-10 F40.1
)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Genderd
ysphorie (Mann-zu-Frau; DSM-V: 302.85)
Die Psychologin
führte aus
, dass sie im November 2018 von der Beschwerde
führerin kontaktiert worden sei und dass im Nachgang zum entsprechenden Erst
gespräch aufgrund des Beginns einer Ausbildung in der Türkei nur noch drei weitere Termine stattgefunden hätten. Anlässlich des Erstgesprächs habe die Beschwerdeführerin ihre sozialphobischen Probleme sowie ihren sozialen Rück
zug formuliert (S. 1).
Aufgrund der
Covid
-Pandemie und des rigorosen Lockdowns in der Türkei hätten sich bei der Beschwerdeführerin erneut massive affektive Probleme und Panik
attacken gezeigt und sie habe sich aus Angst vor Ansteckung in ihrem Zimmer eingeschlossen und sogar den Kontakt zur Familie ihrer Schwester gemieden (S. 1). Der psychische Zustand der Beschwerdeführerin sei aktuell als kritisch ein
zustufen und
es
ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine psychische Besserung (S. 2).
3.
4
Gemäss Aktennotiz des zuständigen Kundenberaters
der Beschwerdegegnerin
vom 10. August 2020 (Urk. 7/314/3)
habe
die RAD-Ärztin
Dr.
E._
im Rahmen einer Besprechung festgehalten
, dass aus psychischer Sicht nicht mit einer erheblichen depressiven und Angstsymptomatik und dem damit einher
gehenden Leidensdruck zu rechnen sei. Die Beschwerdeführerin habe keine psychiatrische Unterstützung beansprucht und
seit November 2018
nur drei psychologische Behandlungstermine in Anspruch genommen
. Sie habe zudem selbständig eine Reise in eine andere Stadt inklusive eine Ausbildung über mehrere Monate organisieren können. Im Übrigen beziehe sich die Psychologin
D._
(
im Schreiben vom 27. Juli 2020,
vgl. E. 3.3
)
auf die subjektiven Anga
ben der Beschwerdeführerin.
3.
5
In dem
von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichten
Bericht
vom 10. November 2020
(Urk. 3/1)
, hielt Dr.
Y._
fest, dass er
die Beschwerdeführerin
seit dem 17. Juni 2020 regelmässig im Zusammenhang mit der Diagnose einer depressiven Störung behandle.
Die Beschwerdeführerin zeige keine Reaktion auf die Behandlung mit Duloxetin 120 mg, wes
halb die Behand
lung mit
Bupropio
n
300 mg u
nd
Aripiprozal
5 mg eingeleitet
worden sei, wobei eine Wirkungsdauer von acht Wochen erwartet werde.
Die Psychotherapie werde weiterhin fortgeführt
, wobei
davon auszugehen
sei
, dass die Depression nicht nur mit Problemen der se
xuellen Identität zusammenhänge
, sondern auch mit unter
schiedlichen Geschlechtsbezi
e
hungen sowie familiären und beruflichen Proble
men
.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Krankheit noch nicht in der Lage, zu arbeiten.
4.
4.1
Die RAD-Ärztin
Dr.
E._
, welche die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht hat,
bejahte eine Verbesserung des Gesundheitszustands
ab
Oktober 2019 unter Hinweis darauf, dass
davon ausgegangen werden könne, dass es durch
die am 26. Oktober 2018 durchgeführte Geschlechtsangleichung zu einer psychi
schen Entlastung gekommen sei
.
Entsprechend sei nicht mit einer
erheblichen depressiven und Angstsymptomatik zu rechnen. Die Beschwerde
führerin sei zudem in der Lage, eine Ausbildung im Ausland zu absolvieren und habe seit November 2018 lediglich drei psychologische Behandlungstermine in Anspruch genommen (vgl. E. 3.
2
und E. 3.
4
).
4.2
Dr.
E._
beschränkte sich in ihrer
Einschätzung
auf den pauschalen Hin
weis, dass
aufgrund der
Geschlechtsangleichung
von einer
psychischen Ent
lastung
ausgegangen werden könne
und deshalb namentlich nicht mit einer erheblichen depressiven und Angstsymptomatik zu rechnen sei.
Zwar erscheint eine solche Entwicklung als möglich, ob und in welchem Umfang sie tatsächlich eingetreten ist, wurde jedoch fachärztlich nicht untersucht.
A
ufgrund des
blossen
Umstands, dass eine Geschlechtsangleichung durchg
eführt wurde,
kann
nicht
unbesehen auf
eine erhebliche
Verbesserung
der
im Zusammenhang mit der
Rentenzusprache
vom
6. September 2016 (Urk. 7/235)
relevanten
depressiven Symptomatik
(vgl. Urk. 7/217/2, Urk. 7/217/4, Urk. 7/223 S.
2
; vorstehend E. 2.3
)
geschlossen werden. Im Weiteren äusserte si
ch
Dr.
E._
nicht zur
Diagnose der kombin
ierten Persönlichkeitsstörung,
welche die genannte
Rentenzusprache
gemäss
der Einschätzung
der
damals involvierten RAD-Ärztin
begründete (Urk. 7/225/2).
Auch hier gilt, dass gestützt auf die erfolgte Geschlechts
angleichung
nicht automatisch und ohne jegliche Begründung
von einem Weg
fall
respektive einer Remission
der Persönlichkeitsstörung ausgegangen werden
kann. In den Berichten der Psychologin
D._
und
von
Dr.
Y._
bestehen sodann
Anhaltspunkte
für das Vorliegen einer
von
der Genderd
ysphorie unab
hängigen depressiven Störung, eines Alkoholabusus, einer sozialen Phobie sowie einer Panikstörung
während
der im Zusammenhang mit dem Erlass der ange
fochtenen Verfügung relevanten Zeitperiode
(vgl. E. 3.
3
und E. 3.
5
).
An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass im Zusammenhang mit der
Rentenzusprache
vom 6. September 2016 (Urk. 7/235)
die damals
beteiligte
RAD
Ärztin
eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin nach drei bis
sechs Monaten nach erfolgter Geschlechtsangleichung
empfohlen
hatt
e (Urk. 7/217/3
4
).
Mit Bezug auf die
Frage nach der psychiatrischen/psychologischen Behandlung der Beschwerdeführerin
ab
November 2018
ist darauf hinzuweisen, dass
sie
gemäss dem Bericht von Dr.
Y._
seit dem 17. Juni 2020 in der Türkei in regelmässiger
psychotherapeutischer
Behandlung
stand
und sich zudem einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva unterzog
(vgl. E. 3.
5
).
Am 10.
Sep
tember 2019 respektive
am 21.
Januar 2
020 gab die Beschwerdeführerin
zudem
an,
dass sie in der Türkei bei einem Arzt in
Behandlung
sei
(Urk. 7/287) respektive sie telefonisch durch ihren
ehemaligen
Arzt
D
r.
C._
betreut worden sei
(Urk. 7/291).
Das Gesagte steht im Widerspruch zu den Ausführungen der RAD
Ärztin, wonach sich die Beschwerdeführerin keiner psychiatrischen Therapie unterzogen
respektive seit November 2018 lediglich drei psychologische Behandlungstermine wahrgenommen
habe.
Im Zusammenhang mit der von der Beschwerdeführerin in der Türkei absolvier
ten Ausbildung ist Folgendes festzuhalten:
I
hren Angaben
zufolge dauerte
die Schulung in
Naildesign
im
Februar 2020 vier Tage,
jeweils
von
10 bis 15 Uhr. Die Ausbildung
in medizinischer Kosmetik
habe im März 2020 begonnen
, wobei der
Unterricht einmal pro Woche
von 10 bis 15
Uhr
stattgefunden habe
und
aufgrund der
Covid
-
Pandemie
nach dreimaligem Unterricht eingestellt respektive nur noch online fortgesetzt worden
sei.
A
ufgrund ihres Gesundheitszustands
habe die Beschwerdeführerin
nicht mehr regelmässig teilnehmen
können
respektive für eine bestimmte Zeit pausieren müssen (Urk. 1 S. 1).
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die von der Beschwerdeführerin in
der
Türkei absolvier
ten/begonnenen
Ausbildung
en
nur einen kurzen Zeitr
aum
von
wenigen
Tagen
respektive Wochen
mit maximal
5
Stunden Unterrichtszeit pro Tag beziehungs
weise pro Woche umfassten
. Allein aufgrund der Aufnahme der Ausbildung lässt sich damit nicht auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands schliessen, umso mehr als sie vom Umfang her mit der im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
ange
nommenen Arbeitsfähigkeit von 50
%
im Einklang steht
.
4.3
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid betreffend Renteneinstellung nicht auf die Einschätzung ihrer RAD-Ärztin abstützen (vgl.
E. 1.4). In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Stellung
nahmen, welche bezüglich des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerde
führerin ein abschliessendes Bild betreffend Arbeitsfähigkeit ergeben würden.
Im Bericht von Dr.
Y._
(vgl.
E. 3.4) fehlt es
nicht nur
an einer Herleitung der darin diagnostizierten depressiven Störung
, sondern auch
an
jegliche
r
Begründung für die von ihm postulierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten
. Der Bericht der Psychologin
D._
(vgl. E.
3.1) wurde nicht von einem Psychiater
/einer Psychiaterin
verfasst und es mangelt auch hier an einer objekti
ven Herleitung der entsprechenden Diagnosen sowie jeglichen
Ausführungen
betreffend Arbeitsfähigkeit. Gleiches gilt mit Bezug auf die Berichte
des Haus
arztes
Dr.
med.
F._
, FMH Allgemein
e
Innere Medizin, vom 4. Dezember 2018 (Urk. 7/261) und der Ärzte des Universitätsspitals
G._
vom 7. November 2016, 23. Mai 2017, 29. Oktober 2018 un
d 5. November 2018 (Urk. 7/265/3
-16), welche allesamt nicht von einer in Psychiatrie spezialisierten Arztperson verfasst
worden sind und
-
abgesehen vom Bericht des Hausarztes -
nicht den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin betreffen
und keine Angaben betreffend Arbeitsfähigkeit enthalten
.
4.4
Im Lichte der obigen Erwägungen
bestehen
zwar
Anhaltspunkte für eine Verän
derung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin,
eine Verbesserung
seit
Erlass der Rentenverfügung vom 6. September 2016 (Urk. 7/235)
ist jedoch
nicht
mit dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrsch
einlichkeit
ausgewiesen
.
Damit ist die
angefochtene Verfügung vom 17. Oktober 2020 (Urk
. 2) aufzuheben und die Sache zwecks medizinischer Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie über die Rentenfrage neu zu entscheiden haben
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und, da die Rück
wei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (
BGE 137 V 57 E. 2.2
), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).