Decision ID: 55e6455a-a258-44c0-bb70-cd7581e90ec6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, war zuletzt seit Februar 1988 als Verwaltungs
rat der
Y._
AG tätig, wobei ihm unter anderem die Geschäftsleitung, der Ver
kauf, die Beratung und die Entwicklung oblagen und er von Anfang 2000 bis ins
Jahr 2010 auf
h
oher See
weilte
.
Mit bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(SVA)
, am 1
3.
Oktober 2010
eingegangener Eingabe
meldete er sich unter Hin
weis auf einen doppelten rezidivierenden Insult sowie ein offenes
Foramen
ovale
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 17/1). Die IV-Stelle holte daraufhin medizinische Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 17/5-9, Urk. 17/19, Urk. 17/21, Urk. 17/23, Urk. 17/32), nahm den Lebenslauf des Versi
cherten (Urk. 17/10) sowie E-Mails von ihm (Urk. 17/12, Urk. 17/20, Urk. 17/24) zu den Akten, liess den Arbeit
geberfragebogen ausfüllen (Urk. 17/13, Urk. 17/15), liess einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten erstellen (IK-Aus
zug; Urk. 17/16) und zog die Akten der Krankentaggeldversi
cherung bei (Urk. 17/17)
. Weiter
wurde
n
ein Ressourcengespräch durchgeführt (Urk. 17/27) und die Akten des BVG-Versicherers beigezogen (Urk. 17/30). Nachdem die IV-Stelle den Fall
ihrem
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt hatte
(Urk. 17/4),
stellte
sie
dem Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Okt
o
ber 2011 die Verneinung des Anspruchs auf eine Rente in Aussicht. Dies mit der Begründung, dass er seit Dezember 2010 wieder vollzeitlich mit einer Leistungs
einschränkung von 10 % arbeitsfähig sei (Urk. 17/35). Hiergegen erhob der Ver
sicherte Einwand (Urk. 17/36, Urk. 17/41, Urk. 17/43, Urk. 17/45) und reichte
zusätzlich
e Arztbe
richte ein (Urk. 17/46, Urk. 17/49, Urk. 17/54). Daraufhin holte die IV-Stelle beim behandelnden Neu
rologen weitere Informationen ein (Urk. 17/57-58) und gab
trotz der diesbe
züglichen Einwendungen des Versi
cher
ten betreffend die ausgewählten Fachge
biete (Urk. 17/71-75)
ein psy
chia
trisch-neuropsycholo
gisches Gut
achten in Auftrag, welches die psychiatrische K
linik
Z._
am 4. März 2013 erstattete (Urk. 17/84). Ge
stützt auf dieses Gutachten sowie auf die Stel
lungnahmen des RAD (vgl.
Urk. 17/88/5-6) wies die IV-Stelle das Rentenge
such mit Verfügung vom 29. April
2013 ab (Urk. 17/89).
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
mit Urteil IV.2013.00515 vom 25. November 2014 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen
- betreffend feinmotorische Einschränkungen
und Schwindel (vgl. Urk. 17/98/11-13
) -
, neu verfüge
(Urk.
17/98/13).
1.2
In Nachachtung dieses Urteils holte die IV-Stelle den Bericht des Hausarztes Dr. med.
A._
,
Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin,
vom Juli 2015
(Urk.
17/107) ein und gab daraufhin eine polydisziplinäre Begutachtung in Auf
trag
(Urk.
17/108
ff.). Am 3
0.
Dezember 2015 teilte der
Versicherte
indes mit, er könne die Termine nicht wahrnehmen, da er auf hoher See sei
(Urk.
17/117). Am 8. Januar 2016 verfasste die IV-Stelle eine letzte Aufforderung zur Bereitschafts
erklärung und Terminbestätigung, wobei sie auf die möglichen Säumnisfolgen hinwies
(Urk.
17/118). Der
Versicherte
teilte daraufhin mit, die neu angesetzten Termin würden ihm wegen Auslandaufenthalts nicht passen
(Urk.
17/119) und er sei nicht einverstanden mit den geplanten Untersuchungen
(Urk.
17/120). Mit Vorbescheid vom
1.
Februar 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung seines Leistungsbegehrens aufgrund von Verletzung der Mitwir
kungspflicht in Aussicht
(Urk.
17/124). Dagegen erhob der
Versicherte
am 1
5.
Februar 2016 Einwand
(Urk.
17/126). Die IV-Stelle liess einen aktuellen IK-Auszug erstellen
(Urk.
17/129) und der
Versicherte
reichte einen Bericht betref
fend die Operation seines rechten Auges vom 3
1.
März 2016 ein
(Urk.
17/131/2). Es folgten weitere Abklärungen bezüglich des Wohnsitzes des Versicherten
(Urk.
17/132-133
,
Urk.
17/138
).
Mit einem erneut ausgefüllten Anmeldeformular orientierte
der
Versicherte
die IV-Stelle am
6.
Dezember 2018
über
eine seit dem 1
4.
Mai 2018 bestehende vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit
, dies unter Hinweis auf
eine
n
Stolpersturz
im Mai 2018 und
auf
laufende
Behandlungen durch die Är
z
te des Zentrums für Paraplegie der Univer
s
itätsklinik
B._
und des
Onko
zentrums
der Klinik
C._
(Urk.
17/139).
Die IV-Stelle holte
erneut einen IK-Auszug (
Urk.
17/151) und
weitere
ärztliche
Berichte
e
in
(Urk.
17/148).
Nament
lich
Dr.
med.
D._
, Assistenzärztin in der Universitätsklinik
B._
, Zentrum für Paraplegie, berichtete a
m 2
3.
Januar 2019 über die Arbeits
fähigkeit und die Funktionsbeeinträchtigungen des
mittlerweile an einer inkom
pletten Paraplegie leidenden
Versicherten
(Urk.
17/153).
Die IV-Stelle nahm
ferner
Abklärungen
zum Erwerbsstatus
des Versicherten
vor
(Urk.
17/156 f.).
Mit
weiterem
Vorbescheid vom 7. Mai 2019 stellte
sie
dem Versicherten die Abwei
sung seines
Renten
begehrens in Aussicht
(Urk.
17/162). Dagegen erhob der
Ver
sicherte
am 3
0.
sowie am 3
1.
Mai 2019 Einwand
(Urk.
17/165
-166
).
Es folgten weitere Abklärungen bei der Ausgleichskasse in Bezug auf die Statusfrage
(Urk.
17/171). Am 2
1.
August 2019 verfügte die IV-Stelle
wie angekündigt
, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
(Urk.
17/174 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung vom
2
1.
August 2019
erhob der Versicherte am
17. Sep
tember 2019
Beschwerde
(
Urk.
1)
.
I
nnert angesetzter Nachfrist (vgl. Urk. 4 und 5)
stellte er mit Eingabe vom
2
4.
September 2019
die erforderlichen Anträge und begründete die Beschwerde (
Urk.
6).
Die Anträge lauten wie folgt:
E
s sei ihm rückwirkend
ab
1.
Mai 2010
eine Invalidenrente
zuzüglich Verzugszins von 5 % pro Jahr
auszurichten
,
die AHV-/IV-Beiträge
seien
bis zur Pensionierung durch die SVA zu übernehmen, die Invalidenrente sei per
1.
Juni 2018 zu erhöhen, die von der Krankenkasse nicht bezahlten Rehabilitationskosten seien zu überneh
men und die Arbeitnehmer- sowie die Arbeitgeber
b
eiträge seien vollständig zurückzubezahlen inklusive Verzugszins. Ferner sei er für die administrativen Unkosten des Verfahrens zu entschädigen (
Urk.
6 S. 1).
Zugleich reichte er diverse medizinische Berichte ein (
Urk.
8/2-14).
Am 5. November 2019 folgte eine wei
tere Eingabe des Beschwerdeführers (
Urk.
14). Die Beschwerdegegnerin verzich
tete am
7.
November 2019 auf das Einreichen einer Beschwerdeantwort (
Urk.
16).
Mit
Gerichtsverfügung vom 1
1.
November 2019 wurden die Eingabe
n
der jewei
ligen Gegenpartei zugestellt (
Urk.
18).
Am 2. Dezember 2019 meldete sich der Beschwerdeführer telefonisch beim
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
und reichte hernach wie angekündigt eine Kopie seiner Korrespondenz mit der
SVA ein (
Urk.
19 und 20).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
Der Beschwerdeführer ersucht in seiner Beschwerde sowohl um die Zuspr
e
ch
ung
einer Invalidenrente als auch um
die Gewährung
diverse
r
andere
r
Leistungen (insbesondere
die
Übernahme von AHV/IV-Beiträgen und von durch die Kran
kenkasse nicht
erstatte
te
n
Leistungen;
Urk.
6 S. 1)
.
In
ihrer
angefochtenen
Ver
fügung vom
2
1.
August 2019
(Urk. 2)
entschied
die IV-Stelle
indessen
im Rahmen ihrer Zuständigkeit
über den
Rentenan
spruch
des Beschwerdeführers
, sodass die
übrigen beantragten
Leistungen
vom Anfechtungsgegen
stand nicht erfasst
sind, wes
halb auf
die entsprechenden
Beschwerdeanträge
nicht ein
zu
treten
ist
.
3.
3.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
bemessung (
Art.
28a
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung;
IVG)
zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen wer
den (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
3.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
4.
4
.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich in der angefochtenen Verfügung
zusammen
gefasst
auf den Standpunkt,
die Gesamtumstände (nicht einbezahlte Beiträge, Abmeldung von der Schweiz, fehlendes Einkommen) würden nicht
dafür sprechen
, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Ersterkrankung im April 2010 in einem Arbeitsverhältnis gestanden habe. Vielmehr sei er seit seiner Abmeldung im Jahr 2000 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Privatier zu qualifizieren. Daher habe sie nur
zu prüfen, ob er beim Ausführen seiner Tätigkeit - des Segelns - gesundheitsbedingt erheblich eingeschränkt sei. Dies sei nicht der Fall, denn er sei weiterhin in der Lage, sein Segelschiff zu manövrieren, selbst im Rollstuhl. Er habe sich denn auch nach dem Infarkt im April 2010 zu einem gros
sen Teil auf seinem Segelschiff aufgehalten.
Ferner spreche
die ärztlicherseits attestierte Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
dafür, dass ihm das Segeln weiterhin möglich sei (
Urk.
2 S. 3).
4
.2
Der Beschwerdeführer schilderte in seiner Beschwerde vorerst seine gesundheit
lichen Beschwerden und Behandlungen und schloss daraus, dass er sich nicht vorsätzlich weiteren Abklärungen entzogen habe (
Urk.
6 S. 2-3). Sodann schil
derte er, dass er
sich Ende 1999 dazu entschlossen gehabt habe, die Schweiz zu verlassen und nicht mehr in der Schweiz oder für ein Schweizer
Unternehmen
gegen Lohn (in der Schweiz) zu arbeiten. Nachdem die SVA während der ersten paar Jahre einen Minimaltarif verrechnet habe, habe sie plötzlich ohne Informa
tion, Warnung oder Mahnung keine Rechnungen mehr zugesandt, weshalb er davon ausgegangen sei, er habe bereits genügend Beitragsgelder einbezahlt, um seinen Versicherungsschutz bis zur Pension hin zu gewährleisten
. Weiter brachte er vor, da er in der Schweiz Vermögenssteuern bezahlt habe, wären allfällig notwendige Angaben für die Beschwerdegegnerin verfügbar gewesen.
Bezüglich der Statusfrage führte er aus, Ende 2009 sei er von seiner ehemaligen Arbeit
geberin, der
Y._
AG, mit der wegfallenden Geschäftsführung konfrontiert worden. Aus zeitlichen Gründen habe er sich dafür entsch
i
eden, die Führung der
Y._
AG ab März 2010 vorübergehend nochmals zu übernehmen
.
Dement
sprechend sei er ab März 2010 als Arbeitnehmer der
Y._
AG bei der SVA gemeldet gewesen. Die Arbeit habe er indes wegen des am
4.
April 2010 erlittenen doppelten Hirnschlags niederlegen müssen.
Ferner hielt er fest, e
r sei seit Mitte Mai 2018
weder auf hoher See noch auf seiner Yacht gewesen und er könne nicht mehr selber
frei gehen
, was aber eine zwingende Voraussetzung für das sichere Manövrieren einer grossen Yacht auf hoher See sei
(
Urk.
6 S. 4).
5
.
Für die Beantwortung der Statusfrage ist massgebend, in welchem Pensum der Beschwerdeführer
hypothetisch erwerbstätig wäre
(vgl. vorstehende E. 3.2).
Gegen die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Qualifikation als Privatier wandte der Beschwerdeführer ein, er sei ab März 2010 wieder als Arbeitnehmer der
Y._
AG mit deren Führung betraut gewesen (
Urk.
6 S. 4).
Die Ausgleichskasse erhielt die Meldung des Wiedereintritts des Beschwerde
führers in
das Unternehmen
im August 2010, mithin nach Eintritt des Gesundheitsscha
dens im April 201
0.
Die Lohnsumme wurde gar erstmals im Dezember 2010 angepasst
(Urk.
17/
171/2-3
). Angesichts dessen steht
ein
Wiedereintritt des Beschwerdeführers als Arbeitnehmer in die
Y._
AG nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest
. E
s
lässt sich nicht ausschliessen, dass die Meldung von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst gewesen ist
. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer
in der Beschwerdeschrift einschränkend ausführte
, die Führung der
Y._
AG
Anfang 2010
nur
vorübergehend
-
«
bis endlich
valabler
Ersatz gefunden sei
»
-
nochmals übernommen zu haben (
Urk.
6 S. 4).
Wird von
dieser Darstellung ausgegangen, war e
ine dauerhafte Wiederaufnahme der Tätig
keit für die
Y._
AG
im vornherein
nicht beabsichtigt.
Somit
steht
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
ohne den Eintritt des Gesundheitsschadens voraussichtlich weiterhin und auf Dauer
wieder
für die
Y._
AG tätig gewesen wäre
.
Gemäss dem vom
Beschwerdeführer
eingereichten
Lebenslauf
war
er nach Been
digung seine
r mehr als zehnjährigen Tätigkeit für die
Y._
AG im Dezember 1999
ab
Januar 2000 «Commander»
auf der Segelyacht
«E._»
(
Urk.
17/10/1). Zu dieser Tätigkeit führte er aus, er sei an verschiedenen Orten unterwegs gewesen, primär im Mittelmeerraum. Dies auf der eigenen Yacht sowie auf fremden Yachten. Auf seiner Yacht habe er mit seiner Crew auch an interna
tionalen Regatten teilgenommen.
Zudem habe er sämtliche Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie Modifikationen an seiner Yacht - wo nötig unter
Beizug
von Dritten - selbst vorgenommen, beispielsweise an Motor, Generator, Klima
anlagen, Elektrik, Elektr
o
nik, Rigg etc.
In Tunesien habe er sich jeweils maximal 89 Tage lang aufgehalten, wobei die Aus
übung
einer bezahlten Arbeit dort als Besucher des Landes nicht statthaft sei
(
Urk.
17/157/3).
Vor dem Hintergrund dieser geschilderten Aktivitäten ist es nicht zu beanstanden,
dass die Beschwer
degegnerin den Beschwerdeführer als Privatier/Weltenbummler respektive als Nichterwerbstätigen ohne Aufgabenbereich
qualifiziert hat. In Übereinstimmung damit war der Beschwerdeführer
seit Januar 2000
bei der SVA als Nichterwerb
stätiger gemeldet
(Urk.
17/
151/3
,
Urk.
17/171/1
) und rechnete entsprechende Beiträge ab (
Urk.
17/151/3
).
Es ist mangels gegenteiliger Anhaltspunkte davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seinen Lebensstil im Gesundheitsfall nicht geändert hätte.
Dies gilt umso mehr, als sich der Beschwerdeführer trotz Eintritt des Gesundheitsscha
dens bis
mindestens
im Mai 2018 noch mehrheitlich auf seiner Yacht
aufgehalten hatte
(
vgl.
Urk.
17/
117,
Urk.
17/139/3,
Urk.
17/139/6
).
6.
Zu prüfen bleiben die Folgen der Qualifikation des Beschwerdeführers als Nicht
erwerbstätiger ohne Aufgabenbereich.
6.1
Laut dem Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherung
en
(BSV) über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH [in der ab 1.
Januar 2015 gültigen Fa
ssung, Stand am
1.
Januar 2018]) kommt die allge
meine Me
thode des Einkommensvergleichs auch zur Anwendung bei Versicher
ten, die zwar bei Eintritt ihres Gesundheitsschadens keine Erwerbstätigkeit ausübten, denen aber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemute
t wer
den könnte. Die Frage könne sich auch bei Privatiers und Pensionierten stellen
(
Rz
3012 mit Hinweis auf Urteil
des Bundesgerichts
9C_9/2013 vom 2
7.
März 2013
E. 2.4
).
6.2
Im erwähnten Urteil 9C_9/2013
vom 2
7.
März 2013
hatte das Bundesgericht zu beurteilen, ob auch bei Privatiers und vorzeitig Pensionierten zu prüfen sei, was die versicherte Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde, um die anwendbare In
validitäts
be
messungsmethode zu bestimmen. Das Bundesgericht stützte sich insbesondere auf
das
zwar nirgends p
ublizierte, jedoch in Fünferbesetzung ergangene
Urteil des
Bundesgerichts
I 59/75
vom 1
7.
September 1975
und führte dazu aus,
d
as
«
als grundsätzliches Erkenntnis zu verstehende Präjudiz
»
sei gestützt auf die Materialien zum IVG davon ausgegange
n, dass auch einem nicht aus in
validi
tätsbedingten Gründen vorzeitig pensionierten Versicherten (wegen einer nach der Pensionierung eingetretenen Arbeitsunfähigkeit) ein
e Inva
lidenrente zustehen könne. Massgebend sei nach diesem Urteil, ob der versicherten Person vor Eintritt der Invalid
ität theoretisch eine Erwerbstä
tigkeit zumutbar gewesen wäre. Diese Rechtsprechung sei mit Urteil
des Bundesgerichts
I 246/02 vom
7.
November 2003 ausdrücklich bestätigt worden (Urteil
des Bundesgerichts
9C_9/2013
vom 27. März 2013
E. 2.2). Weiter hielt das Bundesgericht fest, es bestehe kein hinreichender Grund, die hypothetische Betrachtungsweise (wie bei der sonstigen Beurteilung der Statusfrage) auch auf die Versichertengruppe der Privatiers und vorzeitig Pensionierten
auszudehnen, weil hier doch be
sondere Verhältnisse (bezüglich Lebensb
iografie) vorlägen. Zu einer Än
derung
bezie
hungsweise
Angleichung der Rechtsprechung bestehe aber auch mit Blick auf die ein
schlägige Verwaltungspraxis (
KSIH
Rz
3012
) kein Anlass. Da
keine Anhalts
punkte dafür vor
lägen, dass dem Versi
cherten ohne Gesundheitsbeeinträchtigung die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – iv-rechtlich
gesehen
– nicht zumutbar gewesen wäre,
sei der Invaliditäts
grad daher nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleich
s
zu bemessen (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_9/2013
vom 27. März 2013
E. 2.
4
).
Für die Be
stimmung des
Valideneinkommens
stützte sich die Praxis auf den früher erzielten Verdienst oder (subsidiär) auf statistische Durchschnittswerte (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
I 246/02
vom
7.
November 2003
E. 8.2).
6.3
Mit BGE 142 V 290
hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung gem
äss BGE 131 V 51 betreffend Ein
kommensvergleich bei teilerwerbstätigen Versicherten
ohne Aufgabenbe
reich präzisiert. Es hat namentlich erwogen, das versicherte Risiko in der Invalidenversicherung sei die Erwerbsinvalidi
tät, die von der effektiven, ge
sundheitlich bedingten Erwerbseinbusse abhänge. Dies entspreche der Ziel
setzung der Invalidenversicherung, die
wirtschaftlichen Folgen der In
validität zu mildern. Eine versicherte Person, welche im Gesundheitsfall ihr wirtschaft
liches Potential nicht voll ausnütze, indem sie zwar in der Lage wäre, voll erwerbstätig zu sein, sich aber für eine Teilzeitstelle entscheide, um mehr Freizeit zu haben, begnüge sich mit einem Teilzeitlohn und verzichte damit freiwillig auf einen Teil des Lohnes, den sie erzielen könnte, wenn sie vollerwerbstätig wäre. Dass ihr Erwerbseinkommen vermindert sei, stelle die Folge ihrer Wahl dar. Der nicht verwertete Teil ihrer Erwerbsfähigkeit sei damit nicht versichert. Aus diesen Über
legungen ergebe sich, dass eine teilerwerbstätige versicherte Person ohne Aufga
benbereich eine gesund
heitlich bedingte Erwerbsein
busse lediglich im Rahmen des versicherten Bereiches,
welcher dem (hy
pothetischen) Beschäf
tigungs
grad entspreche, erleide und deshalb auch nur in diesem Umfang ein Ausgleich statt
finden könne (BGE 142 V 290 E. 7.1 mit Hinweisen).
Nach der mit BGE 142 V 290 präzisierte
n Rechtsprechung ist bei teiler
werbstäti
gen Versicherten ohne Aufgab
enbereich die anhand der Einkom
mens
vergleichs
methode (
Art.
16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten erwerblichen Bereich
proportional
– im Umfang der hy
pothetischen Teilerwerbs
tätigkeit – zu berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad entspricht der proportionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich und kann damit den versicherten Bereich, welcher durch das hypothetische Teilzeitpensum definiert wird, nicht übersteigen. Denn andernfalls könnte ein das hypothetische erwerbliche Pensum übersteigender Invaliditätsgrad resultieren, womit indirekt
unzulässigerweise
eine Einschränkung in den weder Erwerbs- noch Aufgabenbereich darstellenden, nicht versicherten Freizei
takt
ivitäten mitabgegolten würde (BGE 142 V 290 E. 7.3).
6.4
Die Rechtsprechung gemäss BGE 142 V 290 hat zur Folge, dass bei Privatiers und vorzeitig Pensionierten
das
Valideneinkommen
– im Unter
s
chied zur bisherigen Praxis
– nicht mehr auf
grund des früher erzielten Verdienstes (oder gestützt auf statistische Durchschnittswerte
;
vgl. Urteil
des Bundesgerichts
I 246/02
vom 7. November 2003
E. 8.2)
festzulegen ist. Zwar hat das Bundesgericht in BGE 142 V 290 nicht auf die mit Urteil 9C_9/2013
vom 27. März 2013
bestätigte Recht
sprechung betreffend Privat
iers und vorzeitig Pensionierte
Bezug genommen. Die neue Rechtsprechung muss aber zweifellos auch für Personen gelten, die sich nicht nur teilweise, sondern vollstän
dig aus dem Erwerbsleben zurück
ziehen, um ihren Hobbys nachzugehen.
Thomas
Gächter
und
Michael E. Meier
bezeichnen
BGE 142 V 290 denn auch als
«
Änderung der Privatier-Rechtsprechung
»
(
Gächter
/Meier
, Rechtsprechung des Bundesgerichts im Bereich der Invalidenver
sicherung, in: SZS 3/2017, S. 289 ff.,
S.
311). Die Autoren stellen ein proble
matisches Verhältnis zum Grundsatz der Volksversicherung fest, welcher der Invalidenversicherung in
härent ist. Eine nichterwerbstä
tige Person, die zu 100
%
ihren
Hobbys nachgehen möchte und aus
schliesslich von ihrem Vermögen oder Drittei
nkünften lebe, verliere sämtlic
he Ansprüche gegenüber der
Invalidenver
sicherung
, obwohl sie beitragspflichtig sei (
Gächter
/Meier
, a.a.O., S.
315).
Obwohl auch
das Versicherungsgericht St. Gallen in
s
einem Entscheid
IV
2014/37
vom 1
9.
Juli 2016 E. 3.2.5
auf diese Problematik hinwies und
Kritik
übte
an BGE 142 V 290
,
bekräftigte das Bundesgericht mit
Urteil 9C_552/2016 vom
9.
März 2017 erneut, dass es nicht Sache der Invalidenversicherung sei, die Einbusse in einer Tätigkeit auszugleichen, welche im hypothetischen Gesundheitsfall nicht ausge
übt würde (
E. 4.2).
Diese Rechtsprechung behielt
das Bundesgericht
auch in der Folge bei (vgl. beispielsweise Urteile des Bundesgerichts 9C_823/2017 vom 18. September 2018 E. 3.2 und 8C_820/2018 vom 17. April 2019 E. 3.2 mit Hin
weisen).
6.
5
Beim Beschwerdeführer, der
im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrschein
lich
keit
weder ei
ne Erwerbtätigkeit noch eine Tä
tigkeit im Aufgabenbereich
ausüben würde
(vgl. vorstehende E. 5)
, kann
nach dem Gesagten keine renten
an
spruchserhebliche Invalidität bestehen. Bei diesem Ergebnis muss nicht geprüft werden, ob die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt
sind
. Die
IV-Stelle
hat
den
Anspruch auf eine Invalidenrente
demnach
zu Recht
verneint
, was zur Abweisung der Beschwerde führt,
soweit auf sie ein
zutreten ist.
7.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
800
.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.