Decision ID: 42eee54c-1b4a-53e0-bc1d-1c2002320f7a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 30. März 2020 lehnte das SEM das (erste) Asylgesuch
des Beschwerdeführers vom 8. September 2017 ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.
B.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil E-2294/2020 vom 24. September 2020 ab.
C.
Mit als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichneter Eingabe vom 3. Dezem-
ber 2020 an das SEM machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-
tend, er habe sein Engagement für die Anliegen der Tamilen während sei-
nes Aufenthaltes in der Schweiz weitergeführt und würde auf Facebook,
Instagram und weiteren sozialen Medien Artikel über Menschenrechtsver-
letzungen, verschwundene Soldaten und Zivilisten sowie über tamilische
Veranstaltungen publizieren. In letzter Zeit sei sein Facebook-Account
mehrfach gesperrt worden.
Anfang November 2020 habe er zudem von seiner Familie erfahren, dass
sein Vater im Sommer 2020 erneut schriftlich vom CID (Criminal Investiga-
tion Departement) vorgeladen worden sei und Informationen über ihn (den
Beschwerdeführer) habe preisgeben müssen.
Die politische Lage in Sri Lanka habe sich nach den Präsidentschaftswah-
len im November 2019 und dem Wahlsieg von Gotabaya Rajapaksa be-
sonders verschlechtert. Es herrsche eine Kultur der Überwachung. Die sri-
lankische Regierung habe die Meinungsäusserungsfreiheit drastisch ein-
geschränkt. Gestützt auf das Anti-Terrorgesetz und die darauf gestützten
Notstandsbestimmungen würden willkürlich Menschen festgenommen und
ohne jegliche Kontakte nach aussen und ohne Verfahren in Haft gehalten.
Der Beschwerdeführer befürchte daher, aufgrund seines früheren Engage-
ments für die Anliegen der Tamilen via TNA (Tamil National Alliance) sowie
seines politischen Engagements in der Schweiz gezielt Verfolgungsmass-
nahmen seitens der sri-lankischen Behörden ausgesetzt zu werden.
Ausserdem befinde er sich (...) nach wie vor in medizinischer Behandlung.
Trotz aller Vorsichtsmassnahmen habe er sich zudem Ende 2020 mit CO-
VID-19 infiziert. (...). Er sei für (...) ans Spitalzentrum B._ überwie-
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sen worden. Auch leide er nach wie vor unter Depressionen und Kopf-
schmerzen und werde aufgrund von Stimmungsschwankungen und Sui-
zidgedanken weiterhin psychiatrisch behandelt. Diesbezüglich sei gemäss
Auskunft der behandelnden Psychiaterin keine Änderung eingetreten.
Zur Stützung der Vorbringen reichte er als Beweismittel eine behördliche
Vorladung durch das CID vom 9. Juni 2020 (im Original, mit englischspra-
chiger Übersetzung), die DHL-Versandtüte (im Original), Meldungen von
Facebook betreffend Nutzungseinschränkungen (Ausdrucke), einen La-
borbericht vom 20. Oktober 2020 betreffend COVID-19 Infizierung (in Ko-
pie), einen hausärztlichen Bericht vom 21. Dezember 2020 (in Kopie) und
einen Bericht des Spitalzentrums B._, (...), vom 17. Dezember
2020 zu den Akten.
D.
Mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 teilte das SEM dem Beschwerde-
führer mit, die eingereichte behördliche Vorladung durch das CID vom
9. Juni 2020 sei amtsintern überprüft worden, und gewährte ihm zum we-
sentlichen Inhalt des Befunds das rechtliche Gehör.
Mit Schreiben vom 6. Januar 2021 reichte er eine Stellungnahme ein.
E.
Mit Verfügung vom 15. Januar 2021 qualifizierte das SEM die vom Be-
schwerdeführer als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe vom
3. Dezember 2020 insgesamt als Mehrfachgesuch. Es stellte fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Mehr-
fachgesuch vom 3. Dezember 2020 ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.
Zur Begründung der Verfügung führte das SEM aus, den Angaben des Be-
schwerdeführers zu den in den verschiedenen sozialen Medien geteilten
Artikeln oder zum Zeitrahmen und Umfang seiner Aktivitäten seien keine
Details zu entnehmen, weshalb diese als unsubstanziiert und vage zu be-
zeichnen seien. Es falle ausserdem auf, dass er während des erstinstanz-
lichen Verfahrens weder beim SEM noch beim Bundesverwaltungsgericht
politische Tätigkeiten geltend gemacht habe, so dass nicht ohne Weiteres
von einem langanhaltenden und intensiven politischen Engagement aus-
gegangen werden könne. Der Umstand, dass sein Facebook-Account
mehrfach gesperrt oder eingeschränkt worden sei, vermöge ebenso wenig
ein substanzielles exilpolitisches Engagement nachzuweisen. Facebook
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sperre Konten, wenn Inhalte gepostet würden, die gegen die Nutzungsbe-
dingungen verstossen würden, ein falscher Name verwendet oder eine fal-
sche Identität vorgetäuscht werde, wiederholt Handlungen durchgeführt
würden, die gegen die Gemeinschaftsstandards verstossen würden und
daher nicht zulässig seien oder wenn andere Personen zum Zweck von
Belästigung, Werbung, Reklame oder anderem nicht erlaubtem Verhalten
kontaktiert würden (https://dede.facebook.com/help/IÖ3873106370583;
abgerufen am 14. Januar 2020). Aus der Sperrung seines Kontos lasse
sich demnach nicht schliessen, dass ihm seitens der srilankischen Behör-
den ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des ta-
milischen Separatismus zugeschrieben werden könnte. Auf den einge-
reichten Ausdrucken sei zudem zu erkennen, dass er sich auf ein Face-
book-Benutzerkonto mit dem Namen «C._» beziehe. Es sei dem-
nach nicht ersichtlich, inwiefern allfällige Beiträge auf diesem Konto über-
haupt auf ihn zurückgeführt werden könnten. Insgesamt sei demnach nicht
davon auszugehen, dass er in seinem Heimatstaat künftig einer flüchtlings-
relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre.
Der Beschwerdeführer bringe weiter vor, sein Vater sei im Sommer 2020
erneut vorgeladen worden und habe Informationen über ihn preisgeben
müssen. Zunächst sei darauf hingewiesen, dass im Urteil des BVGer
E-2294/2020 vom 24. September 2020 die Erwägungen des SEM zur
Glaubhaftigkeit der von ihm vorgebrachten Verfolgung in Sri Lanka gestützt
worden seien (E. 10.1). Eine interne Dokumentenanalyse der von ihm ein-
gereichten Vorladung des CID vom 9. Juni 2020 zuhanden seines Vaters
habe ergeben, dass das eingereichte Schreiben nicht dem gesetzlich vor-
gesehenen Formular für eine Vorladung durch die sri-lankische Polizei ent-
spreche. Zudem sei der Briefkopf im Vergleich zu authentischem Ver-
gleichsmaterial der sri-lankischen Polizei unvollständig. Das Dokument
werde daher als gefälscht erachtet. Vor diesem Hintergrund sei auf die Prü-
fung allfälliger inhaltlicher Fälschungsmerkmale verzichtet worden.
Im Rahmen seiner Stellungnahme vom 6. Januar 2021 habe der Be-
schwerdeführer ausgeführt, dass sein Vater dieses Dokument von den sri-
lankischen Behörden erhalten und ihm weitergeschickt habe. Er halte das
Dokument für echt und könne beim besten Willen nichts über die Unvoll-
ständigkeit sagen. Er wolle die schweizerischen Behörden nicht mit einem
falschen Dokument in die Irre führen. Sein Vater werde seinetwegen immer
wieder belästigt und verhört. Er (der Beschwerdeführer) werde wegen sei-
ner politischen Aktivitäten als Terrorist betrachtet und sollte bestraft wer-
den. Er habe enorme Angst davor, nach Sri Lanka zurückzukehren, da ihm
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dort eine Verfolgungsmassnahme mit unfairem Verhalten und menschen-
unwürdigen Handlungen drohe. Das SEM hielt in seiner Verfügung fest,
diese Ausführungen vermöchten die Fälschungsmerkmale offensichtlich
nicht zu erklären und seien als blosse Behauptungen zu bezeichnen, die
im Weiteren unbelegt geblieben seien. Er vermöge damit die Einschätzung
bezüglich der Dokumentenüberprüfung nicht umzustossen. Ergänzend sei
anzumerken, dass seine Ausführungen zur Vorladung seines Vaters äus-
serst knapp ausgefallen seien (Akte 1082840-7/20, S. 3, 2. Abschnitt). Ins-
besondere erstaune der Umstand, dass in keiner Art und Weise ausgeführt
worden sei, welche Informationen sein Vater den sri-lankischen Behörden
über ihn habe preisgeben müssen. Es erscheine auch nicht plausibel, dass
seine Angehörigen ihn nicht zeitnah über diese Vorladung hätten informiert
haben sollen, sondern er erst davon erfahren habe, als er selber im No-
vember 2020 mit seinen Eltern in Kontakt getreten sei – zumal er sich im
Juni 2020 noch im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt befunden habe und eine solche (falls glaubhafte) Information dessen
Ausgang hätte beeinflussen können.
Insofern er auf die Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom Novem-
ber 2019 verweise, sei angemerkt, dass sich das Bundesverwaltungsge-
richt in seinem Urteil E-2294/2020 vom 24. September 2020 bereits dazu
geäussert habe (E. 10.2.1 f.). Es sei vollumfänglich auf die diesbezüglichen
Erwägungen zu verweisen. Das eingereichte Schreiben vermöge demnach
die frühere Einschätzung des SEM nicht umzustossen.
Auch in Bezug auf seine psychische Erkrankung sei auf die Einschätzung
im Urteil des BVGer E-2294/2020 zu verweisen, wonach die Infrastruktur
für die Behandlung psychischer Leiden in Sri Lanka vorhanden sei
(E. 13.3.3, mit Verweis auf das Urteil des BVGer D-7355/2016 vom
11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.). Im vorliegenden Gesuch gebe der Be-
schwerdeführer an, seine Psychiaterin könne lediglich die früheren ärztli-
chen Berichte und Diagnosen bestätigen (Akte 1082840-7/20, S. 4, obers-
ter Abschnitt). Da diese zum Zeitpunkt des Urteils bereits vorgelegen hät-
ten, sei vollumfänglich auf die Einschätzung des SEM im Rahmen der Ver-
nehmlassung und die diesbezüglichen Erwägungen des Bundesverwal-
tungsgerichts zu verweisen.
Bezüglich der geltend gemachten Infizierung des Beschwerdeführers mit
dem COVID-19 Virus sei dem ärztlichen Bericht seiner Hausärztin vom
21. Dezember 2020 zu entnehmen, dass er nicht habe hospitalisiert wer-
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den müssen und zurzeit noch Müdigkeit und körperliche Schwäche beste-
hen würden. Er gebe zudem an, (...). Hierzu führte das SEM aus, zwar
könnten diese Beschwerden im Alltag eine gewisse Einschränkung bedeu-
ten, es sei aber nicht davon auszugehen, dass er deswegen in seinem Hei-
matland in eine medizinische Notlage geraten würde. So lasse sich dem
Arztbericht entnehmen, dass sein Allgemeinzustand gut sei und keine Zei-
chen für eingeschränkte körperliche oder geistige Funktion bestehen wür-
den. Aktuell nehme er keine regelmässigen Arzttermine wahr und es gebe
keine Angaben zu einer medikamentösen Therapie. Indes sei er wegen
mehrerer Episoden von (...) für (...) ans Spitalzentrum B._ über-
wiesen worden. Es gelte herauszufinden, ob (...). Die Untersuchung sei für
Januar 2021 geplant. Im ärztlichen Bericht des Spitalzentrums B._
vom 17. Dezember 2020 sei diesbezüglich festgehalten, dass (...) beurteilt
werde. Im Juli 2020 hätten sich weder (...) noch (...) Hinweise auf eine
akute Infektion (...). Vorgeschlagen werde lediglich eine (...) Verlaufskon-
trolle im Januar 2021, danach eine weitere (...) nach sechs Monaten. Be-
reits im hausärztlichen Bericht vom 21. Dezember 2020 sei die Frage auf-
geworfen worden, ob eine (...) auch in Sri Lanka möglich sei. Dabei handle
es sich um eine Standarduntersuchung. Die derzeit geltenden provisori-
schen Richtlinien für die klinische Behandlung von COVID-19 des sri-lan-
kischen Gesundheitsministeriums würden festhalten, dass für (...). Es
könne demnach davon ausgegangen werden, dass (...) zumindest in grös-
seren Spitälern in Sri Lanka möglich seien.
Es sei an dieser Stelle auch darauf verwiesen, dass das Bundesverwal-
tungsgericht gemäss seinem Urteil E- 2294/2020 in seiner Rechtsprechung
wiederholt von der Behandelbarkeit (...) in Sri Lanka ausgegangen sei, ins-
besondere – wie vorliegend – bei günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen.
Das SEM verweise auch auf das Urteil E- 3371/2018 vom 9. Juli 2018 E.
5.3.7, wonach im Norden Sri Lankas das Jaffna Teaching Hospital und das
Northern Central Hospital zur Behandlung offenstehen würden (E. 5.3.7).
Spezialisten für (...) seien vorhanden (vgl. medizinisches Consulting vom
24. April 2018, S. 2 f.). Es könne demnach an dieser Stelle darauf verzichtet
werden, die definitiven Ergebnisse der Untersuchung am Spitalzentrum
B._ abzuwarten.
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 17. Februar 2021 beantragte der Beschwer-
deführer durch seine Rechtsvertreterin, der Entscheid des SEM vom
15. Januar 2021 sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft fest-
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zustellen und ihm politisches Asyl gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) zu ge-
währen. Es seien die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzuges
der Wegweisung aus der Schweiz festzustellen und er sei im Sinne von
Art. 84 AIG (SR 142.20) vorläufig aufzunehmen. Es sei die aufschiebende
Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen. Es sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren und ein Kostenvorschuss zu erlassen.
Mit der Beschwerde wurden als Beweismittel insbesondere ein als von den
sri-lankischen Behörden ausgestellte Vorladung vom 12. Januar 2021 be-
zeichnetes Dokument im Original mit dessen Übersetzung samt Zustellum-
schlag, zudem ein Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 und ein Stel-
lungspapier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Februar
2021 sowie eine Terminvereinbarung auf den 30. März 2021 im Spital
B._ zu den Akten gereicht.
Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen vorgebracht, ge-
gen die vom SEM in der angefochtenen Verfügung vertretenen Meinung,
die exil-politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers würden keine flücht-
lingsrelevante Verfolgung in seiner Heimat verursachen und er werde künf-
tig nicht ernsthaften Nachteilen ausgesetzt, müsse protestiert werden, weil
durch die jetzige Regierung ein politisches Klima von Überwachung und
Straflosigkeit (der Verfolger) herrsche. Der neuste Bericht der UNO vom
27. Januar 2021 würde die Angaben des Beschwerdeführers wohl bestäti-
gen. Der UNO-Bericht hebe die zunehmende Militarisierung der zivilen Re-
gierungsfunktionen, die Aufhebung wichtiger verfassungsmässiger Schutz-
massnahmen, die politische Behinderung der Rechenschaftspflicht, eine
ausgrenzende Rhetorik, die Einschüchterung der Zivilgesellschaft und die
Anwendung von Anti-Terror-Gesetzen hervor. Die SFH habe in ihrer Mittei-
lung vom 5. Februar 2021 das SEM aufgefordert, die Entwicklungen in Sri
Lanka erneut zu analysieren und demgemäss die Asylpraxis auszusetzen.
Die SFH empfehle dem SEM, auf Rückführungen von abgewiesenen Asyl-
suchenden nach Sri Lanka zu verzichten.
Im Weiteren bezeichne das SEM die eingereichte behördliche Vorladung
als gefälscht. Wie bereits in der Stellungnahme erwähnt, habe der Vater
des Beschwerdeführers diese Vorladung von den Behörden erhalten und
diese sei auch so dem SEM weitergegeben worden. Weder der Beschwer-
deführer noch sein Vater würden über Kenntnisse verfügen, was für ge-
setzliche Formulare die Behörden verwenden würden. Ausserdem sei dem
Vater des Beschwerdeführers nicht bewusst gewesen, dass er seinen
Sohn sofort über diese Vorladung hätte informieren müssen. Wie aus den
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Akten bekannt sei, sei der Beschwerdeführer krebskrank und bei unregel-
mässigen telefonischen Gesprächen sei es hauptsächlich um sein Befin-
den und um seine Genesung gegangen. Als sein Vater gehört habe, dass
der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen und wahrscheinlich nach Sri
Lanka zurückkehren müsse, habe er über die Vorladung und die damit ver-
bundene asylrelevante Verfolgung gesprochen. Sein Vater habe erneut
eine Vorladung erhalten, welche mit der Beschwerdeeingabe im Original
eingereicht werde. Auf Veranlassung der Rechtsvertreterin habe der Vater
des Beschwerdeführers auch den Briefumschlag der erhaltenen Vorladung
mitgeschickt, um die Echtheit und Korrektheit der eingereichten Beweis-
mittel zu beweisen. Der Brief sei vom Hauptpolizeiquartier Colombo (Kri-
minalabteilung) nach Jaffna eingeschrieben geschickt worden. Obwohl es
ein grosses Risiko für den Vater des Beschwerdeführers gewesen sei, dass
sein Eil- Brief von den sri-lankischen Behörden kontrolliert und die Unter-
lagen beschlagnahmt und er zur Rechenschaft gezogen würde, habe er
das für seinen Sohn gemacht, um zu beweisen, dass er in der Tat diese
Vorladung von sri-lankischen Behörden erhalten habe. Wenn dem SEM ein
solcher Versand oder die Formulare noch nicht bekannt seien, heisse es
noch lange nicht, dass es sich um ein gefälschtes Dokument handle. An-
scheinend gehe die derzeitige Regierung neue Wege und mit neuen Mitteln
vor, um ihre Gegner zum Schweigen zu bringen oder zur Verantwortung zu
ziehen. Gemäss dem Schreiben verlange die Kriminalpolizei vom Vater des
Beschwerdeführers über den Beschwerdeführer (dessen Name im Schrei-
ben genannt sei) um einige Aufklärungen. Er solle ihn den Behörden aus-
liefern. Wie bereits im Gesuch vom 3. Dezember 2020 erwähnt, schlafe der
Vater seit Langem nicht immer zu Hause und verstecke sich hier und dort.
Die Mutter des Beschwerdeführers sei aufgrund des unerträglichen Drucks
und aufgrund der anhaltenden Diskriminierung und Belästigungen durch
die Behörden sowie der Abwesenheit ihres Ehemannes schwer krank ge-
worden und habe hospitalisiert werden müssen. Der Beschwerdeführer
mache sich grosse Sorge und die Hilflosigkeit bringe ihn physisch und psy-
chisch um. Angesichts der bisherig erwähnten Angaben, der alten und mit
der Beschwerde eingereichten behördlichen Vorladung sowie des neuen
Berichts der UNO seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers, gezielt
von den sri-lankischen Behörden gesucht und flüchtlingsrelevanten Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt zu werden, objektiv betrachtet, nachvoll-
ziehbar und real. Dem Beschwerdeführer drohe bei einer allfälligen Rück-
kehr in seine Heimat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit inhaftiert und
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden. Da er die behördliche Vorla-
dung der Anti-Terror Abteilung nicht befolge, den Behörden bereits akten-
kundig sei, das Land ohne gültigen Reisepass verlassen und im Ausland
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einen Asylantrag sowie sich politisch engagiert habe, würden ihm mit Si-
cherheit eine Festnahme mit einem unfairen und menschenrechtsverlet-
zenden Verfahren sowie eine unverhältnismässige Strafe drohen. Aufgrund
dieser Sachlage sei der Beschwerdeführer der Meinung, dass er in Sri
Lanka in Lebensgefahr schwebe, weshalb der Vollzug der Wegweisung
aufgrund landes- und völkerrechtlichen Bestimmungen unzulässig und er
in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei.
Wie bereits erwähnt und aus den Akten bekannt sei, sei der Beschwerde-
führer unter medizinischer Behandlung und Kontrolle. Aufgrund seines Zu-
stands gehöre er zu Risiko-Patienten und Gruppen, welche extra hygieni-
sche Umgebung benötigen würden. Nach der Infizierung mit dem Covid-
19 Virus leide er (...). Die medizinischen Untersuchungen hätten die Ursa-
che noch nicht festlegen können. Der Beschwerdeführer habe für Ende
März 2021 einen weiteren Abklärungs- und Kontrolltermin erhalten. Somit
sei aus humanitären Gründen, aus Gründen der herrschenden Epidemie
von Covid-19 und aus medizinische Gründen eine allfällige Rückkehr nach
Sri Lanka mit nicht wiedergutzumachenden Nachteilen für den Beschwer-
deführer verbunden. Dadurch sei der Vollzug der Wegweisung technisch
und medizinisch nicht zumutbar.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2021 wurde die Prüfung der Ge-
suche um Erlass eines Kostenvorschusses und um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt angesetzt. Der Be-
schwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist eine Bestätigung seiner
Prozessbedürftigkeit nachzureichen.
Die Vorinstanz wurde eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung einzu-
reichen.
H.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 10. März 2021 eine Bestä-
tigung vom 3. März 2021 bezüglich seiner Fürsorgeabhängigkeit bezie-
hungsweise des Bezuges der Nothilfe zu den Akten.
I.
Mit Vernehmlassung vom 24. März 2021 bezog das SEM zur Beschwerde-
sache und namentlich zum vom Beschwerdeführer als Beweismittel einge-
reichten Dokument Stellung.
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Das SEM teilte mit, die auf Beschwerdeebene neu eingereichte Vorladung
sei einer internen Dokumentenanalyse durch eine Fachperson unterzogen
worden, die in ihrem Consulting zum Ergebnis gekommen sei, dass meh-
rere Elemente gegen die Authentizität des Beweismittels sprechen würden.
Die Vorladung sei nicht mittels des vorgesehenen Formulars ausgefertigt
worden. Der Briefkopf des Schreibens stimme nicht exakt mit dem verbürg-
ten Vergleichsmaterial überein. Der Absender des Schreibens sei unklar.
Die Unterschrift stamme von einer Person, die dafür nicht autorisiert sei.
Es bestünden inhaltliche Unstimmigkeiten, beispielsweise betreffend die
angeführten Gesetzesartikel. Aufgrund der vielen Unstimmigkeiten sei das
eingereichte Schreiben als gefälscht zu erachten. An dieser Einschätzung
vermöge auch der eingereichte Übermittlungsumschlag nichts zu ändern.
Dass der Vater des Beschwerdeführers seit Langem nicht mehr zuhause
schlafe und sich versteckt halten müsse, stelle ausserdem eine reine Be-
hauptung dar, die in keiner Art und Weise belegt worden sei. Dasselbe
gelte für die angebliche Hospitalisierung der Mutter. Es erwecke im Übrigen
erhebliches Erstaunen, dass in der Beschwerde erstmals geltend gemacht
worden sei, der Vater des Beschwerdeführers müsse sich seit Langem ver-
steckt halten. Diese Behauptung sei als nachgeschoben zu bezeichnen.
In Bezug auf den Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 sei anzumerken,
dass es sich dabei um eine allgemeine Einschätzung der Lage handle, der
keine konkreten Angaben in Bezug auf den Beschwerdeführer zu entneh-
men seien. Auch wenn eine Akzentuierung der Gefährdungslage für Per-
sonen mit einem bestimmten Risikoprofil möglich erscheine, bestehe zum
heutigen Zeitpunkt kein Grund zur Annahme, seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka wären ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsge-
fahr ausgesetzt. Ein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Prä-
sidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen sei
aufgrund der Akten indes nicht zu erkennen.
Der auf Vernehmlassungsstufe eingereichten Terminvereinbarung mit dem
Spitalzentrum B._ lasse sich zudem lediglich entnehmen, dass am
30. März 2021 eine Nachkontrolle vorgesehen sei. Es bestünden gestützt
darauf keine Hinweise, dass sich der Befund seit dem ärztlichen Bericht
vom 17. Dezember 2020 geändert hätte.
J.
Mit Verfügung vom 6. April 2021 räumte das Bundesverwaltungsgericht
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dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, zur Vernehmlassung des SEM
innert Frist Stellung zu nehmen.
K.
In der Replik vom 20. April 2021 wurde im Wesentlichen vorgebracht, das
SEM betrachte wie gewöhnlich die eingereichten behördlichen Dokumente
als gefälscht. Es sei zu betonen, dass die Vorgehensweise des SEM
schwer zu verstehen sei. Es wolle immer, dass die Asylsuchenden ihre Ein-
gaben mit Dokumenten belegen würden, was an und für sich einleuchtend
sei, es bezeichne dann aber oft die eingereichten Dokumente als gefälscht.
Und wenn man eine Angabe ohne Belege vorlege, stemple das SEM dies
als pure Behauptung ab. Der Beschwerdeführer habe über die Hospitali-
sierung seiner Mutter genug Dokumente, aber nicht genug Geld für deren
Übersetzung. Andererseits kenne man die Reaktion des SEM in solchen
Fällen ziemlich gut, nämlich, dass das SEM behaupten würde, «die Hospi-
talisierung der Mutter sind keine Hinweise auf eine Verfolgung des Be-
schwerdeführers». Trotzdem würden die ärztlichen Berichte eingereicht. In
Bezug auf die Situation des Vaters des Beschwerdeführers sei dasselbe
anzumerken. Einerseits könne der Vater keine behördlichen Dokumente
zum Nachweis beschaffen, dass er auf der Flucht sei und sich verstecke.
Andererseits sei ein Schreiben von Freunden oder Verwandten, welche ihn
beherbergen würden, für das SEM ein Gefälligkeitsschreiben und damit
kein Beweis. Darüber hinaus sei über die unangenehme Situation des Va-
ters des Beschwerdeführers im Wiedererwägungsgesuch berichtet wor-
den, weil diese Tatsache dem Beschwerdeführer erst nach dem rechtskräf-
tigen Asylentscheid bekannt geworden sei. Deshalb sei die Argumentation
des SEM unverständlich, diese Behauptung sei als nachgeschoben zu be-
zeichnen.
Gemäss Ansicht der Beschwerdepartei übersehe das SEM oder ziehe
nicht in Betracht, dass möglicherweise von Zeit zu Zeit die Zuständigkeiten
neu geregelt und entsprechend neue Formulare mit neuen Bezeichnungen
aber auch Abweichungen vom «exakt verbürgten Vergleichsmaterial» er-
stellt werden könnten. Aus der Vernehmlassung sei die Kompetenz der be-
auftragten Fachperson nicht belegt, und auch nicht, wie diese zur Meinung
gekommen sei, die Vorladung sei nicht authentisch. Dass die Fachperson
denjenigen, der das Vorladungsformular unterschrieben habe, nicht kenne
und genau wisse, dass dieser dafür nicht autorisiert sei, lasse viele Fragen
und Zweifel offen. Dazu sei auch sehr fraglich, ob die Fachperson direkte
Kontakte und Zugang zu den sri-lankischen Behörden und ihren Formula-
ren habe, das heisse, das Vertrauen der Regierung habe beziehungsweise
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Seite 12
ein regierungstreuer Anhänger sei, und das Dokument für die Schweizer
Asylbehörden unparteiisch und unabhängig überprüfe. Es stelle sich die
Frage, ob die Fachperson ein Spion im Auftrag des SEM oder der sri-lan-
kischen Regierung sei. Im Weiteren sei die Aussage betreffend inhaltliche
Unstimmigkeiten pauschal und nicht belegt. Somit könne es dem Be-
schwerdeführer nicht zur Last gelegt werden, wenn vielleicht der Verfasser
der Vorladung dafür nicht legitimiert gewesen sei. Der Vater habe diese
Vorladung per Post erhalten. Der Absender sei auf dem Briefumschlag klar
lesbar. Weshalb das SEM beziehungsweise seine Fachperson dies nicht
lesen könne, sei verwirrend.
Es sei erstaunlich, wie das SEM die Tatsachen, dass der Beschwerdefüh-
rer (...) gehabt habe, an Covid-19 infiziert gewesen sei und erneut (...),
interpretiere. Wenn es auch der grösste Wunsch des Beschwerdeführers
sei, wieder ganz gesund zu werden und zu bleiben, sei sein physischer und
psychischer Zustand nicht stabil und dieser könne sich schnell ändern be-
ziehungsweise verschlechtern. Es liege auf die Hand, dass erst nach ab-
geschlossenen Untersuchungen von Ende März 2021 ein ärztlicher Bericht
vorliegen werde. Es seien weitere Untersuchungen ([...]) vorgesehen, da
die Ursache (...) (noch) nicht festgestellt worden sei. Deshalb sei, solange
kein solcher Bericht vorliege, die Behauptung des SEM, es lägen keine
Hinweise vor, dass sich der Befund seit dem ärztlichen Bericht vom 17.
Dezember geändert hätte, unnötig und voreingenommen.
In Bezug auf die politische veränderte Situation in Sri Lanka müsse noch-
mals betont werden – wie bereits im Wiedererwägungsgesuch dargelegt
und weiter in der Beschwerde mit dem neuen Bericht vorgelegt –, dass der
Beschwerdeführer sein politisches Engagement aus der Schweiz weiter
fortführe. Er sei mehrmals aus dem Facebook ausgesperrt worden. Mit an-
deren Worten sei der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Behörden
als eine Gefahr für die innere Sicherheit abgestempelt, seine Propaganda
gegen die sri-lankische Regierung verhindert und sein Vater seinetwegen
zur Rechenschaft gezogen worden. Damit bestehe eine konkrete Gefahr
an Leib und Leben.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2021 stellte die Instruktionsrichterin
des Bundesverwaltungsgerichts fest, unter Berücksichtigung und Gewich-
tung der entscheidwesentlichen Aspekte würden die Beschwerdebegehren
als aussichtslos erscheinen, womit es an den materiellen Voraussetzungen
zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65
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Seite 13
Abs. 1 VwVG fehle. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wurden ab-
gewiesen und der Beschwerdeführer wurde angehalten, innert Frist einen
Kostenvorschuss von Fr. 1'100.– zu leisten.
M.
Der Kostenvorschuss wurde innert Frist geleistet.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel – endgültig. (Art. 105 AsylG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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4.
Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung behandelte das SEM die als
«Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe vom 3. Dezember 2020
insgesamt als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG. Ge-
genstand der Prüfung unter dem Titel des Mehrfachgesuches ist die Frage,
ob sich seit dem Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020
neue Sachverhalte ergeben haben und neue Beweismittel entstanden
sind, welche zur Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers führen
können. Die Qualifikation als Mehrfachgesuch ist vorliegend demnach in-
sofern zutreffend, als der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund sei-
nes nach dem ergangenen Beschwerdeurteil weitergeführten Engage-
ments für die Anliegen der Tamilen auf verschiedenen sozialen Medien und
der in letzter Zeit mehrfachen Sperrung seines Facebook-Accounts sei er
flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen in seinem Heimatland ausge-
setzt. Auch die Frage, ob sich die politische Situation im Heimatland nach
dem besagten Urteil derart akzentuiert haben sollte, dass ihn persönlich
objektiven Nachfluchtgründe treffen könnten, ist unter dem Aspekt des
Mehrfachgesuches zu prüfen. Soweit der Beschwerdeführer hingegen gel-
tend macht, sein Vater sei im Sommer 2020 erneut schriftlich vom CID vor-
geladen worden und habe Informationen über ihn (den Beschwerdeführer)
preisgeben müssen, und er hierzu ein vom 9. Juni 2020 datiertes Beweis-
mittel präsentiert, handelt es sich um einen vor dem 24. September 2020
betreffenden Sachverhalt und um ein vor diesem Urteilszeitpunkt entstan-
denes Beweismittel. Richtigerweise wäre dieses Beweismittel demnach re-
visionsweise zu prüfen gewesen (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG). Die Revision
hat der rechtlich vertretene Beschwerdeführer jedoch nicht beantragt. Dar-
über hinaus ist festzustellen, dass auch eine Revisionsprüfung zu keinem
anderen Ergebnis betreffend die Erheblichkeit des Beweismittels geführt
haben dürfte, als zu dem auch das SEM im Rahmen der Prüfung in der
angefochtenen Verfügung gelangte, nämlich dass es sich bei dem Doku-
ment um eine Fälschung handle, welches die Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen nicht zu verwerfen vermag. Wie nachstehend auszu-
führen ist, teilt das Bundesverwaltungsgericht diese Einschätzung vollum-
fänglich.
5.
5.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
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Seite 15
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken.
5.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe), unabhängig davon, ob die Nach-
fluchtgründe missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden.
Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nach-
weisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Ist eine Gefährdung demgegenüber auf-
grund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die
der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte, entstanden, liegen objek-
tive Nachfluchtgründe vor (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.).
5.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
Das SEM ist mit der Verfügung vom 15. Januar 2021 mit überzeugender
Begründung zur Erkenntnis gelangt, der Beschwerdeführer erfülle die
Flüchtlingseigenschaft nicht und hat das Mehrfachgesuch vom 3. Dezem-
ber 2020 zu Recht abgewiesen.
6.1 Eine interne Dokumentenanalyse des SEM ergab, dass die vom Be-
schwerdeführer eingereichte Vorladung des CID vom 9. Juni 2020 zuhan-
den seines Vaters nicht dem gesetzlich vorgesehenen Formular für eine
Vorladung durch die sri-lankische Polizei entspreche und zudem der Brief-
kopf im Vergleich zu authentischem Vergleichsmaterial der sri-lankischen
Polizei unvollständig sei, weshalb das SEM das Dokument als gefälscht
erachtete. Auch die neu auf Beschwerdeebene vom 12. Januar 2021 da-
tierte eingereichte Vorladung wurde aufgrund einer internen Dokumen-
tenanalyse erneut als gefälschtes Dokument erkannt. Für das Gericht er-
geben sich keine Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit der Prü-
fungsergebnisse der Dokumente sprechen könnten. Weder die Einwände
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/44
E-700/2021
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in der Beschwerde noch in der Replik erscheinen tauglich, die Dokumente
nicht als Fälschungen zu erkennen. Damit ist offensichtlich, dass der Be-
schwerdeführer aus dem entsprechenden Vorbringen keine flüchtlings-
rechtlich relevanten Nachteile abzuleiten vermag.
6.2 Das SEM ist namentlich auch offenkundig zur nicht zu beanstanden
Einschätzung gelangt, dass der Beschwerdeführer kein substantielles exil-
politisches Engagement nachzuweisen vermochte. Um unnötig Wiederho-
lungen zu vermeiden, kann vollumfänglich auf die entsprechenden Ausfüh-
rungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Entgeg-
nungen des Beschwerdeführers vermögen nicht zu überzeugen. Das SEM
hat demnach zutreffend darauf geschlossen, dass hinsichtlich der diesbe-
züglichen Vorbringen insgesamt nicht davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer in seinem Heimatstaat künftig einer flüchtlingsrelevanten
Verfolgung ausgesetzt wäre. Daran vermögen selbstredend der in allge-
meiner Form gehaltene Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 und das
Stellungspapier der SFH vom 5. Februar 2021 nichts zu ändern.
6.3 Es sind auch aus keinen anderen Gründen hinreichende Anhaltspunkte
gegeben, der Beschwerdeführer wäre künftig in seinem Heimatland mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen
ausgesetzt. Es sind keine Aspekte ersichtlich, dass sich die Situation des
Beschwerdeführers diesbezüglich seit dem mit dem Urteil des BVGer
E-2294/2020 vom 24. September 2020 abgeschlossenen ordentlichen
Asylverfahren in massgeblicher Hinsicht geändert hätte. Mit der Eingabe
des Mehrfachgesuches und den Vorbringen und Entgegnungen auf Be-
schwerdeebene wird nicht ansatzweise dargetan, dass sich die persönli-
che Situation des Beschwerdeführers im Hinblick auf die allgemeine politi-
sche Lage in Sri Lanka seit dem Erlass des Urteils des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 24. September 2020 in einer Art und Weise verändert
hätte, welche sich konkret in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise auf ihn
ausgewirkt hätte.
6.4 Es gilt festzuhalten, dass entgegen der im Beschwerdeverfahren ver-
tretenen Sichtweise, der Beschwerdeführer müsste befürchten, künftig in
seinem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich
relevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden, aus objektiver Sicht vernünf-
tigerweise offenkundig nicht begründet ist. Die entsprechenden Erklä-
rungsversuche in der Beschwerde erscheinen nicht tauglich, den in flücht-
lingsrechtlicher Hinsicht nicht erfolgversprechenden Sachschilderungen
massgebliches Gewicht zu verleihen.
E-700/2021
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6.5 Insgesamt ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung
oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als
Flüchtling anzuerkennen ist. Das SEM hat das Mehrfachgesuch somit zu
Recht abgelehnt.
7.
7.1
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet
mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung und es
sind keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
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renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch-
liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-
men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep-
tember 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine kon-
kreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen
zu befürchten, die über einen sogenannten „Backgroundcheck“ (Befragung
und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden
oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls
zutreffend bejaht. Ihre Schlussfolgerungen sind nicht zu beanstanden. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Diese Einschätzung gilt
auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation.
Bezüglich der individuellen Verhältnisse des Beschwerdeführers in seinem
Heimatland sind keine neuen massgeblichen Aspekte ersichtlich, die sich
seit dem Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020 ergeben
hätten.
Auch in medizinischer Hinsicht besteht kein Vollzugshindernis. Das SEM
hat sich in der angefochtenen Verfügung ausführlich mit den aktuell geltend
gemachten gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers ausei-
nandergesetzt. Es befand aufgrund eigener gewonnener Erkenntnisse und
aufgrund der entsprechenden Rechtsprechung zu Recht, dass die Krank-
heitsbilder, an denen der Beschwerdeführer leidet, in Sri Lanka adäquat
behandelt werden können. Wie das SEM in antizipierter Beweiswürdigung
zutreffend feststellte, konnte es darauf verzichten, die definitiven Ergeb-
nisse der Untersuchung am Spitalzentrum B._ abzuwarten. Das
Gleiche gilt für das Gericht. Zudem ist mit Vormerk festzuhalten, dass der
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Beschwerdeführer bis dato keinen aktuellen ärztlichen Bericht zu den Ak-
ten reichte. Eine entsprechende Nachreichung wäre im Rahmen seiner Mit-
wirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG) ohne Weiteres zu erwarten ge-
wesen, falls er aus der offenbar Ende März 2021 angesetzten Untersu-
chung im Spitalzentrum etwas Massgebliches für das vorliegende Verfah-
ren hätte ableiten wollen und können. Die entsprechende Untätigkeit be-
züglich der Mitwirkungspflicht ist insbesondere aus dem Umstand aber we-
nig nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer in der Replikschrift dem
SEM vorwirft, seine Argumentation sei "unnötig und voreingenommen", so-
lange die Ergebnisse des ärztlichen Berichts der Untersuchung von Ende
März 2021 nicht vorliege.
In Würdigung der massgeblichen Aspekte ist darauf zu schliessen, dass
sich der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit
hoher Wahrscheinlichkeit einer lebensbedrohlichen Verschlechterung sei-
nes Gesundheitszustandes ausgesetzt sehen müsste. Vielmehr kann er
mit der Möglichkeit rechnen, sich einer fachärztlichen Behandlung seines
Krankheitsbildes anzuvertrauen. Dies wird ihm auch ermöglichen, ein,
wenn auch mit Einschränkungen, nicht unerträgliches Leben zu führen, wie
es auch aktuell der Fall ist.
Von einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne des Ge-
setzes und der Rechtsprechung kann bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land nicht ausgegangen werden. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl
in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist möglich.
8.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Even-
tualbegehren ist abzuweisen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), zumal das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
abgewiesen wurde. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist
zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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