Decision ID: b5e1a59b-628b-481e-8f3b-6f28a6c730ea
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, wohnhaft in B._, stellte am 6. September 2018 ein
Gesuch um Einbürgerung im ordentlichen Verfahren beim Amt für
Migration und Zivilrecht Graubünden (AFM). Nach Prüfung der formellen
Kriterien trat das AFM am 1. Februar 2019 auf das Gesuch ein und
überwies es an die Bürgergemeinde B._.
2. Am 1. Juli 2019 fand ein Gespräch zwischen A._ und einem Vertreter
des AFM statt. Thema dieses Gesprächs war ein rund zweistündiger
Vortrag von A._ an einer Veranstaltung am E._ im Juli 2018.
Diese Veranstaltung mit dem Titel "Überleben im Willkürstaat" war
Gegenstand eines Beitrages der O._ vom P._ sowie der
Q._ vom R._. Darin wurde gezeigt, wie zwei Reporter
des Recherchezentrums S._ mit versteckter Kamera an dieser
Veranstaltung teilnahmen. Die Reporter erkannten in der Veranstaltung
ein Treffen von Mitgliedern der sogenannten Reichsbürgerbewegung.
Organisiert wurde die Veranstaltung von D._
Ein Teil dieser Fernsehbeiträge widmete sich auch dem Vortrag von
A._ zum Thema "Vermögenssicherung im Ausland", welchen er
anlässlich dieser Veranstaltung hielt. Am Rande des Vortrages machte
A._ gemäss eigener Darstellung die Aussage, dass in L._
pro Tag über 100 Kinder ihren Eltern vom Staat weggenommen und zur
Adoption freigegeben würden; die Dunkelziffer sei seines Erachtens
allerdings höher als 80'000 im Jahr, er schätze sogar, dass sie in die
100'000 hineingehe. In den Jahren 2017/2018 sei es zu einer Zunahme
dieser Wegnahmen um 45 % gekommen, im Oktober 2018 sei dann die
Ehe für alle eingeführt worden; A._ stellte dann zur Diskussion, ob da
ein Zusammenhang bestehe. Zudem könnten auch Vermutungen
bezüglich mit Kindern durchgeführten "Ritualen" angestellt werden, wenn
diese nicht mehr zu ihren Eltern zurückgebracht würden. Im Anschluss an
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diese Veranstaltung wurde A._ von den Journalisten mit den
Aufnahmen konfrontiert und er erhielt die Möglichkeit, dazu Stellung zu
nehmen. Er distanzierte sich von der Reichsbürgerbewegung und gab an,
er sei davon ausgegangen, vor Unternehmern zu referieren. Hätte er
gewusst, dass es sich bei dieser Veranstaltung um ein Treffen von
Reichsbürgern handelte, wäre er dort nicht aufgetreten. Er empfinde es
aber als skandalös, dass man es als Verschwörungstheorie betrachte,
wenn man sich für das Wohl der betroffenen Kinder und Eltern einsetze.
3. Im Anschluss diverser Telefongespräche hielt das AFM am 5. September
2019 fest, es erachte die Integration von A._ hinsichtlich der
Respektierung der Werte der Bundesverfassung als zweifelhaft und stehe
der Beurteilung seines Einbürgerungsgesuchs eher ablehnend
gegenüber. A._ wehrte sich am 12. September 2019 gegen diese
Vorwürfe und legte dar, dass er die Werte der Bundesverfassung
selbstverständlich respektiere und hochschätze.
4. Die Geschehnisse rund um die Veranstaltung vom Juli 2018 veranlassten
das AFM zur Ausarbeitung eines Berichts über das umstrittene Verhältnis
von A._ zur Reichsbürgerbewegung. Darin kritisierte das AFM auch,
dass A._ im Hinblick auf die Mitwirkungspflicht seine Kontakte zu
Personen dieser Bewegung nicht von sich aus offengelegt habe. Das AFM
hielt im Bericht fest, dass A._ über verschiedene Kanäle mit
D._, dem Organisator der umstrittenen Veranstaltung am
E._, verbunden sei. D._ informierte sich zum einen bei
A._ über die Voraussetzungen einer Auswanderung, zum anderen
habe der von D._ präsidierte Verein F._ sein Domizil an
A._ Adresse in G._ gehabt. Es sei daher unglaubwürdig,
wenn A._ behaupte, er habe nichts über den Hintergrund von
D._ gewusst. Eine einfache Google-Suche hätte ausgereicht, um
diesen als Anhänger der Reichsbürgerbewegung zu identifizieren. Zudem
lasse die Webseite dieses Vereins keine Zweifel an dessen
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extremistischer Ausrichtung aufkommen. Es sei daher eine reine
Schutzbehauptung, dass A._ seine Adresse angeblich regelmässig
ohne weitere Recherchen als Domizil zur Verfügung stelle.
5. Sodann wird die Beziehung von A._ zu H._, einem weiteren
vermeintlichen Vertreter der Reichsbürgerbewegung, näher beleuchtet.
H._ gelte als Verschwörungstheoretiker und verbreite Ansichten,
welche auch von der Reichsbürgerbewegung vertreten werden würden
(systematische Fehlinformationen der Bevölkerung durch Politiker und
Medien, "BRD GmbH" etc.). H._ sei zudem Präsident des Vereins
I._ welcher eng mit dem von A._ präsidierten Verein
J._ zusammenarbeite. Diese beiden Vereine würden
verschiedene Veranstaltungen im Bereich Esoterik und
Verschwörungstheorien anbieten, welche sich hauptsächlich an Anhänger
der Reichsbürgerideologie wenden würden.
6. A._ nahm zu diesem Bericht Stellung und stritt die darin erhobenen
Vorwürfe ab. Seine Tätigkeiten im Verein J._ hätten nichts mit der
Reichsbürgerbewegung zu tun. Dieser Verein stehe zudem in keiner
Verbindung mit dem Verein I._ Er pflege seit 30 Jahren eine
Freundschaft zu H._, dieser sei aber weder in der Schweiz noch
in L._ jemals strafrechtlich in Erscheinung getreten. Wie jeder
mündige Bürger hinterfrage er den Staat und glaube nicht alles blind, was
von der Politik komme. Dies sei eine der höchsten und wichtigsten
Aufgaben eines jeden verantwortungsvollen Bürgers.
7. Der Bürgervorstand beriet das Einbürgerungsgesuch von A._
anlässlich seiner Sitzung vom 4. Februar 2020. Die Mehrheit der
Vorstandsmitglieder unterstützte seine Einbürgerung und hielt fest, dass
ihm keine konkreten Vorwürfe gemacht werden könnten, und dass er sich
als Einwohner ihrer Gemeinde nichts habe zu Schulden kommen lassen.
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Nach den Abklärungen des AFM verbleibe aber ein Gefühl der
Unsicherheit.
8. Die Abstimmung über das Einbürgerungsgesuch von A._ fand im
Rahmen der Bürgerversammlung vom 4. März 2020 statt. Dabei wurde
den Anwesenden der Beschluss des Bürgervorstandes zur Kenntnis
gebracht und A._ zur Einbürgerung empfohlen. Es wurde allerdings
angemerkt, dass aufgrund der Abklärungen ein Gefühl der Unsicherheit
beim Bürgervorstand verbleibe. An der besagten Bürgerversammlung
präsentierte der Bürgervorstand zudem den Bericht des AFM sowie ein
Empfehlungsschreiben eines Nachbarn von A._. Nachdem keine
weitere Diskussion gewünscht wurde, folgte eine schriftliche Abstimmung
über die Einbürgerung von A._. Die Bürgerversammlung lehnte seine
Einbürgerung mit 11 zu 5 Stimmen ab, bei zwei Enthaltungen.
9. Mit Schreiben vom 5. Mai 2020 orientierte die Bürgergemeinde A._
über die mutmasslichen Gründe des negativen
Einbürgerungsentscheides. Um definitiv Klarheit über die
Ablehnungsgründe zu erhalten, bot die Bürgergemeinde ihm an, die
Abstimmung zu wiederholen. Werde dies nicht gewünscht, werde sie eine
begründete Verfügung erlassen.
10. Da A._ am 12. Mai 2020 auf eine Wiederholung der Abstimmung
verzichtete, stellte die Bürgergemeinde ihm am 27. Mai 2020 einen
begründeten Entscheid zu. Darin wurde festgehalten, dass die
Einbürgerung aufgrund des Fernsehbeitrages vom Herbst 2018 und der
sich daraus ergebenden angeblichen Verbindungen zur
Reichsbürgerbewegung abgelehnt wurde. Die Bürgerversammlung habe
diese Begebenheiten als nicht mit den Grundwerten der
Bundesverfassung in Übereinstimmung bringend qualifiziert.
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11. Gegen diesen Entscheid erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 2. Juli 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Er beantragte darin die Aufhebung des
Einbürgerungsentscheids und die Anweisung der Gemeinde, ihm das
Gemeindebürgerrecht zu erteilen. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Bürgergemeinde B._ zurückzuweisen.
Dies, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.
Begründend führte er aus, dass er sämtliche Voraussetzungen für die
Einbürgerung erfülle und insbesondere die Werte der Bundesverfassung
respektiere. Diesbezüglich rügte er eine unrichtige
Sachverhaltsfeststellung. Ihm könne nicht nachgewiesen werden, dass er
Teil der Reichsbürgerbewegung sei oder deren Ideologie in einem im
Widerspruch mit der Bundesverfassung stehenden Masse teile. Der
Bericht des AFM sei willkürlich und basiere auf falschen Tatsachen.
Zudem habe die Bürgergemeinde formell gegen die Begründungspflicht
verstossen, indem der Antrag des Bürgervorstandes ohne vorgängige
Diskussion abgelehnt wurde.
12. Die Bürgergemeinde B._ (nachfolgend Bürgergemeinde) hielt in
ihrer Vernehmlassung vom 30. September 2020 fest, dass der Entscheid
der Bürgerversammlung nicht zu beanstanden sei. Aufgrund der Hinweise
auf die mutmassliche Verbindung zur Reichsbürgerbewegung und den
verbleibenden Zweifel beim Bürgervorstand sei klar, dass dies der Grund
für die Ablehnung des Einbürgerungsgesuchs gewesen sei. Für die
Beurteilung der Begründung könne nicht alleine darauf abgestellt werden,
ob eine Diskussion stattgefunden habe. Zudem sei der negative
Einbürgerungsentscheid auch materiell nicht zu beanstanden, da erstellt
sei, dass der Beschwerdeführer Auffassungen vertrete und auch verbreite,
die nicht mit der Bundesverfassung vereinbar seien.
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13. Der Beschwerdeführer hielt am 13. Oktober 2020 replicando an seinen
Anträgen fest und vertiefte seine bereits in der Beschwerde vorgebrachten
Argumente.
14. Die Bürgergemeinde verwies in ihrer Duplik vom 26. Oktober 2020 auf ihre
Vernehmlassung vom 30. September 2020 und verzichtete auf weitere
Ausführungen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 26 Abs. 2 des Bürgerrechtsgesetzes des Kantons
Graubünden (KBüG; BR 130.110) können Entscheide der
Bürgergemeinde mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht
weitergezogen werden. Mit dem Entscheid der Bürgergemeinde vom 27.
Mai 2020 liegt ein taugliches Beschwerdeobjekt vor und mit der Eingabe
der Beschwerde am 2. Juli 2020 wurde die 30-tägige Frist gewahrt. Als
Adressat des Einbürgerungsentscheides ist der Beschwerdeführer zudem
durch diesen berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung (vgl. Art. 50 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]).
2. Das kantonale Gericht, das ablehnende Entscheide über Einbürgerungen
beurteilt, hat gestützt auf die Rechtsweggarantie (Art. 29a der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR
101]) eine freie Überprüfung des Sachverhalts und der Rechtsanwendung
vorzunehmen. Es wahrt dabei den Gestaltungsbereich der unteren
Instanzen und Gemeinden. Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist
demnach nicht drauf beschränkt, keine offensichtlich rechtswidrigen oder
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willkürlichen Einbürgerungsentscheide zu dulden. Vielmehr prüft das
Verwaltungsgericht frei, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine
Einbürgerung erfüllt sind. Es beachtet bei der Prüfung der Rechtsfragen,
dass die Gemeinden im Rahmen ihrer Autonomie die im Gesetz
verwendeten unbestimmten Rechtsbegriffe selbständig anwenden.
Indessen muss das kantonale Gericht die Rechtsanwendung und
namentlich die Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe durch die
Gemeinde auf die Vereinbarkeit mit den einschlägigen Normen des
kantonalen Rechts und des Bundesrechts überprüfen. Die freie Prüfung
des Bundesgesetzes über das Schweizer Bürgerrecht (BüG; SR 141.0)
respektive des KBüG geht über eine Willkürprüfung hinaus, indem das
kantonale Gericht eine Verletzung dessen zu korrigieren hat und nicht nur
dann einschreitet, wenn der bei ihm angefochtene Entscheid im Ergebnis
offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz
krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerichtsgrundsatz
zuwiderläuft (zum Willkürbegriff vgl. BGE 135 V 2 E.1.3; 133 I 149 E.3.1;
131 I 467 E.3.1; je mit Hinweisen). Das zuständige kantonale Gericht darf
aber auch nicht mit Rücksicht auf die Gemeindeautonomie eine willkürfreie
Anwendung des BüG respektive des KBüG akzeptieren, wenn sich aus
diesen oder anderen Rechtssätzen ergibt, dass eine andere Lösung
vorzuziehen wäre (BGE 137 I 235 E.2.5.2).
3.1. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der in
Art. 29 BV statuierten Begründungspflicht, indem die Bürgerversammlung
ohne vorhergehende Diskussion den Antrag des Bürgervorstandes
ablehnte und der Präsident der Bürgergemeinde ihm erst im Nachhinein
eine schriftliche Begründung zustellte. Vorliegend stellt sich daher die
Frage, ob die im Rahmen der Bürgerversammlung vorgestellten Berichte
und erwähnten Zweifel an der Einbürgerungsfähigkeit des
Beschwerdeführers für eine rechtsgenügliche Begründung ausreichen.
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3.2. Das Bundesgericht hat sich schon des Öfteren mit der Begründungspflicht
im Einbürgerungsverfahren auseinandergesetzt. In Erwägung 4.2 seines
Urteils 1P.787/2006 vom 22. März 2007 hielt es dazu folgendes fest:
Es besteht keine feste Praxis, wie der Begründungspflicht im Einzelnen nachzukommen ist; es ergeben sich hierfür verschiedene Möglichkeiten, ohne dass sich das Bundesgericht auf eine spezifische Form festgelegt hätte (vgl. BGE 132 I 196 E. 3.1 S. 197). Es können unterschiedliche Konstellationen auseinandergehalten werden:
1) Bestätigt die Gemeindeversammlung einen ablehnenden Antrag des Gemeinderates, kann in der Regel und vorbehältlich abweichender Voten davon ausgegangen werden, dass die Gemeindeversammlung dem Antrag und seiner Begründung zustimmt und damit eine hinreichende Begründung des negativen Entscheides vorliegt (vgl. BGE 132 I 196 E. 3.1 S. 197, mit Hinweisen).
2) Bestätigt ein kommunales oder kantonales Parlament einen ablehnenden Antrag seiner Kommission nach eingehender Diskussion, ist gleichermassen auf Antrag und Voten abzustellen (BGE 132 I 167 E. 4).
3) Bei Urnenabstimmungen, mit denen Anträge der Exekutive auf Verweigerung der Einbürgerung bestätigt werden, kann gleichermassen davon ausgegangen werden, dass die Stimmberechtigten sich die Begründung der Exekutive zu Eigen machen und somit eine Begründung tatsächlich vorliegt.
4) Verweigert eine Gemeinde- oder Bürgerversammlung die Einbürgerung entgegen dem Antrag des Gemeinderates, wird sich die Begründung in erster Linie aus den Wortmeldungen ergeben müssen. Werden derart Gründe für die Ablehnung einer Einbürgerung genannt und über das Gesuch unmittelbar im Anschluss an die Diskussion abgestimmt, ist davon auszugehen, dass die ablehnenden Gründe von der Mehrheit der Abstimmenden mitgetragen werden; damit wird formal, d.h. unter dem Gesichtswinkel der Begründungspflicht, eine hinreichende Begründung vorliegen (BGE 130 I 140 E. 5.3.6 S. 154). Gleich dürfte es sich grundsätzlich verhalten, wenn formell über die Begründung des negativen Einbürgerungsentscheides abgestimmt wird. Findet demgegenüber keinerlei Diskussion statt, so fehlt grundsätzlich die erforderliche Begründung (BGE 132 I 196 E. 3 S. 197 ff.).
5) Werden Einbürgerungsgesuche entgegen den Anträgen in geheimer Urnenabstimmung verworfen, fehlt es systembedingt an einer Begründung (BGE 129 I 217 E. 3 S. 230, 129 I 232 E. 3.5 ff. S. 241 ff.).
Was das Nachschieben einer Begründung angeht, hat sich das
Bundesgericht unterschiedlich geäussert. In BGE 129 I 232 hielt es fest,
dass eine nachträgliche Begründung kaum möglich sei, während es in
BGE 132 I 196 öffentliche Diskussionen oder Presseartikel als Hinweise
auf Gründe für die Verweigerung nicht ausschloss. In BGE 132 I 167 stellte
das Bundesgericht auf eine Vernehmlassung einer Behörde als
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Begründung ab. Daraus ergibt sich, dass eine nachträgliche Präzisierung
der Begründung nicht auszuschliessen ist. Ob diese aber zulässig ist und
den Anforderungen von Art. 29 BV genügt, kann nicht abstrakt, sondern
lediglich aufgrund der konkreten Umstände entschieden werden (Urteil
des Bundesgerichts 1P.787/2006 vom 22. März 2007 E.4.3).
3.3. Vorliegend hat die Bürgergemeinde den Antrag des Bürgervorstandes auf
Einbürgerung des Beschwerdeführers abgelehnt. Wortmeldungen aus
dem Publikum gab es keine, sodass keine Diskussion über das Geschäft
stattfand. Dieser Vorgang darf für die Beurteilung, ob eine rechts-
genügliche Begründung vorliegt, aber nicht isoliert betrachtet werden,
sondern muss im Gesamtkontext der Bürgerversammlung gesehen
werden. Der Bürgerrat beantragte zwar die Gutheissung des
Einbürgerungsgesuchs, äusserte aber gleichzeitig auch seine Bedenken
aufgrund der angeblichen Verbindungen des Beschwerdeführers zur
Reichsbürgerbewegung. Er stand damit nicht vorbehaltlos hinter diesem
Geschäft. Zudem wurde an der Bürgerversammlung der Bericht des AFM
vorgestellt und damit auch dessen ablehnende Haltung kundgetan. Die
Ablehnung des Einbürgerungsgesuchs durch die Bürgerversammlung
kam somit nicht völlig unerwartet. Vielmehr kann davon ausgegangen
werden, dass die anwesenden Bürgerinnen und Bürger die negativen
Punkte schlicht anders gewichteten und daher zu einem anderen Resultat
als der Bürgervorstand kamen. Insgesamt besteht daher kein Zweifel
daran, dass die Bürgergemeinde das Einbürgerungsgesuch des
Beschwerdeführers aufgrund seiner angeblichen problematischen
Verbindungen zu Exponenten der Reichsbürgerbewegung ablehnte. Ob
solche Verbindungen tatsächlich bestehen, ist nachfolgend zu prüfen.
3.4 Das Vorgehen der Bürgergemeinde ist in formeller Hinsicht damit nicht zu
beanstanden.
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4.1. Gemäss Art. 11 BüG bzw. Art. 5 KBüG erfordert die Erteilung des
Bürgerrechts die erfolgreiche Integration des Bewerbers (lit. a) und seine
Vertrautheit mit den schweizerischen bzw. kantonalen und kommunalen
Lebensverhältnissen (lit. b). Zudem darf er keine Gefährdung für die innere
und äussere Sicherheit darstellen (lit. c). Strittig ist vorliegend die
erfolgreiche Integration des Beschwerdeführers, weshalb auf diese
Anforderung nachstehend vertieft einzugehen ist.
4.2. Die erfolgreiche Integration wird in Art. 12 BüG bzw. Art. 6 KBüG präzisiert.
Sie zeigt sich insbesondere auch in der Respektierung der Werte der
Bundesverfassung (lit. b). Dazu gehören nach Art. 5 der Verordnung über
das Schweizer Bürgerrecht (Bürgerrechtsverordnung, BüV; SR 141.01)
und Art. 12 der Verordnung zum Bürgerrechtsgesetz des Kantons
Graubünden (KBüV; BR 130.110) namentlich die rechtsstaatlichen
Prinzipien sowie die freiheitlich demokratische Grundordnung der Schweiz
(lit. a); die Grundrechte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau,
das Recht auf Leben, persönliche Freiheit und die Meinungsfreiheit (lit. b)
sowie die Pflicht zum Militär- oder zivilen Ersatzdienst und zum
Schulbesuch (lit. c).
4.3.1. Laut Botschaft zum BüG zeigt sich der fehlende Respekt gegenüber der
Bundesverfassung insbesondere im politischen oder religiösen
Extremismus. Unter politischem Extremismus werden diejenigen
politischen Richtungen verstanden, welche die Werte der freiheitlichen
Demokratie und des Rechtstaates ablehnen. Daher sollen Personen, die
sich beispielsweise einer Organisation mit extremer politischer
Ausrichtung angeschlossen haben und sich durch ihr Verhalten oder
Äusserungen zu deren Werten bekennen, wegen ungenügender
Integration von der Einbürgerung ausgeschlossen werden. Die Botschaft
betont allerdings auch, dass ein von der Mehrheit abweichendes, aber
grundrechtlich geschütztes Handeln, mit den Werten der
Bundesverfassung vereinbar ist und nicht zu Ungunsten der
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einbürgerungswilligen Person ausgelegt werden darf (Botschaft zur
Totalrevision des Bundesgesetzes über das Schweizer Bürgerrecht
[Bürgerrechtsgesetz, BüG], BBl 2011 2825, S. 2833 f.). Das
Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) hat sich in einem
Bericht ebenfalls zu diesen Fragen geäussert. Demnach weisen
Bekenntnisse und Verhalten von Bewerbern, welche den Grundrechten
widersprechen, zum Beispiel mangelnde Toleranz gegenüber
Minderheiten, – unabhängig von einer strafrechtlichen Relevanz – auf eine
ungenügende Integration hin (Eidgenössisches Justiz- und
Polizeidepartement, Erläuternder Bericht zum Entwurf zur Verordnung
zum Bürgerrechtsgesetz, 2016, S. 14 f.).
4.3.2. Auch die Überzeugungen der Reichsbürgerbewegung weisen politisch
extreme Tendenzen auf. Hier wird nämlich die Grenze einer legitimen –
und in einer Demokratie auch erwünschten – kritischen Haltung dem
Staat gegenüber überschritten. Bei solchen Weltanschauungen geht es
nicht mehr darum, staatliche Handlungen zu hinterfragen und seinen
Unmut über gewisse Vorgänge kundzutun, sondern es wird fundamental
an der Rechtmässigkeit sämtlicher staatlicher Handlungen gezweifelt.
Damit wird auch das demokratische System an sich, welches der
Ursprung der staatlichen Institutionen ist, in Frage gestellt. Dies führt
zuweilen so weit, dass Mitglieder dieser Bewegung keine rechtsstaatlich
legitim ergangenen Gesetze, Anordnungen, Urteile oder Sanktionen
akzeptieren. Mitunter vertreten Reichsbürger auch rechtsextreme und
antisemitische Ideologien. Solche Extrempositionen können nicht in
Einklang mit den Werten der Bundesverfassung gebracht werden.
4.4.1. Im vorliegenden Fall muss beurteilt werden, ob die Gesinnung und die
Verbindungen des Beschwerdeführers zur Reichsbürgerbewegung bzw.
zu Personen, welche dieser Bewegung nahestehen, ausreichen, um
wegen ungenügender Integration von der Einbürgerung ausgeschlossen
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zu werden; oder ob es sich hier um eine legitime politische
Weltanschauung handelt, die grundrechtlich geschützt ist.
4.4.2. Zunächst gilt es die Geschehnisse rund um das Treffen am E._
zu qualifizieren. Der Titel der Veranstaltung lautete "Überleben im
Willkürstaat". Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden laut den
Sendungen O._ und Q._ folgende sinngemässe
Äusserungen gemacht: bei der K._ handle es sich nicht um einen
eigenständigen Staat, sondern sie stehe unter Verwaltung der Be-
satzungsmächte; eine geheime Weltregierung ziehe im Hintergrund die
Fäden; L._ habe mit dem Zweiten Weltkrieg nichts zu tun,
sondern "Firmen" hätten dahintergesteckt. Zudem wurde an diesem
Anlass die sinngemässen Äusserungen gemacht, dass die Gaskammern
im Konzentrationslager Dachau erst nachträglich eingebaut worden seien
und die Bilder der KZ-Häftlinge in Wirklichkeit deutsche Soldaten zeigen
würden. Diese Aussagen sind klar als Geschichtsrevisionismus und
Leugnung des Holocaust zu qualifizieren und erinnern deutlich an die
Rhetorik und Weltanschauung der Reichsbürgerbewegung und
rechtsextremer Gruppierungen. Daran vermag auch die Tatsache nichts
zu ändern, dass es sich bei den Teilnehmern um Unternehmer oder
Freiberufler handelte, die regelmässig ihre Steuern bezahlen, wie dies
vom Beschwerdeführer geltend gemacht wird. Die
Reichsbürgerbewegung ist eine heterogene Bewegung von Personen, die
zwar eine gemeinsame Ideologie teilen, diese wird aber nicht von
jedermann bis in letzter Konsequenz auch nach aussen getragen. Dies
ändert aber nichts am verfassungsfeindlichen Charakter dieser Ideologie
und Weltanschauung; wobei im Zusammenhang mit der Leugnung des
Holocaust auch noch eine strafrechtlich relevante Komponente hinzutritt.
4.4.3. Der Beschwerdeführer behauptet nun, nichts vom problematischen Inhalt
dieser Veranstaltung gewusst zu haben. Er sei davon ausgegangen, dass
er einen Vortrag zu Steuer- und Vermögensfragen vor Unternehmern
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halte. Es habe für ihn keinerlei Anzeichen gegeben, dass es sich hier um
ein Treffen von Reichsbürgern gehandelt habe. Dies erscheint aus
mehreren Gründen unglaubwürdig. Der Beschwerdeführer gibt selbst zu,
dass er geschäftliche Beziehungen zum Veranstalter dieses Treffens,
D._, pflegte und es ist erstellt, dass ein von diesem präsidierter
Verein sein Domizil am Wohnsitz des Beschwerdeführers hatte. Bereits
bei einfachen Internetrecherchen nach D._ stösst man auf
diverse Seiten, auf welchen er seine Überzeugungen verbreitet. Wenn der
Beschwerdeführer sich nun, wie er selbst ausführt, stets über seine
Geschäftspartner und Veranstaltungen informiert, wusste er einerseits von
den Weltanschauungen von D._ und musste andererseits davon
ausgehen, dass an diesem Treffen Personen aus dem Dunstkreis des
Veranstalters und solche mit Nähe zur Reichsbürgerbewegung
teilnehmen. Ausserdem ist es unglaubwürdig, wenn der Beschwerdeführer
sich in einem gewöhnlichen Vortrag zu Steuer- und Vermögensfragen vor
Unternehmern wähnt, wenn die Veranstaltung unter dem Titel "Überleben
im Willkürstaat" steht, der dem Beschwerdeführer nicht entgangen sein
kann. Hinzu kommt, dass er im Rahmen dieser Veranstaltung selbst die
Aussage machte, dass in L._ jedes Jahr bis zu 100'000 Kinder
ihren Eltern weggenommen würden und einen Zusammenhang mit der
Einführung der Ehe für alle mit Möglichkeit zur Adoption von Kindern
suggerierte sowie die Vermutung äusserte, dass mit gewissen Kindern
auch "Rituale" durchgeführt werden könnten. Diese Überzeugungen
werden regelmässig auch von Vertretern der Reichsbürgerbewegung oder
anderer Gruppierungen verbreitet. Es erscheint wenig glaubwürdig, dass
er diese Aussage auch anlässlich eines gewöhnlichen Seminars zu
Steuer- und Vermögensfragen gemacht hätte – umgekehrt passt sie aber
gut zu einem Publikum, welches der Reichsbürgerbewegung nahesteht.
Immerhin sagt der Beschwerdeführer selbst, dass er solche Vorträge
primär zur Kundenakquisition halte. Vor einem neutralen Publikum,
welches die Ansichten der Reichsbürgerbewegung nicht teilt, dürfte eine
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solche Aussage allerdings auf wenig Verständnis stossen und gewiss
nicht zur Gewinnung neuer Kunden beitragen.
4.5.1. Im Weiteren müssen auch die Hintergründe des vom Beschwerdeführer
präsidierten Vereins J._ genauer betrachtet werden. Obwohl die
genauen Inhalte nur für Mitglieder sichtbar sind, kann anhand der
öffentlich zugänglichen Informationen auf die Ideologie des Vereins
geschlossen werden. So heisst es etwa:
"Die Akademie der J._ steht somit primär für Informationen und Wissenszugänge zu ganzheitlichen, teils verborgenen Hintergründen und für die Vermittlung von Wissen bezüglich des tatsächlichen Aufbaus der Welt, nebst ihren öffentlichen Strukturen und Ordnungen."
Diese Rhetorik legt den Schluss nahe, dass es sich hier um eine Plattform
handelt, um Theorien zu verbreiten, welche den staatlichen Institutionen
ihre Legitimität absprechen. Ebenso lässt sich auch eine Nähe zu den
Ansichten der Reichsbürgerbewegung nicht negieren. Die Überzeugung,
dass es eine geheime Weltregierung gibt, welche im Hintergrund die
Fäden zieht, ist typisch dafür. Dieser Verein arbeitet zudem eng mit dem
von H._ präsidierten Verein I._ zusammen und
organisiert gemeinsame Veranstaltungen, wie ein Blick auf die Webseite
der beiden Vereine zeigt. Die Behauptung, des Beschwerdeführers, dass
diese Vereine nichts miteinander zu tun hätten, ist daher
erwiesenermassen falsch.
4.5.2. Eine ähnliche Ausrichtung weist auch der Verein M._ auf, der
gemäss Website von der Lebenspartnerin des Beschwerdeführers
präsidiert wird und seinen Sitz ebenfalls in G._ hat. So heisst es
dort:
M._ setzt hier einen Kontrapunkt, denn es ist immer nur die Lüge, die geschützt wird; deswegen werden Gesetze erlassen, um die „freie“ Meinungsäusserung zu unterdrücken. Unser Verein bietet deshalb seinen Mitgliedern unter anderem die Möglichkeit, im Rahmen von internen Vereinsveranstaltungen, Seminaren etc., Referenten anzuhören, die ihren
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eigenen Standpunkt der Wahrheit vertreten. „Denn nur die Lüge braucht die Stütze einer Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht.“
4.5.3. In dieses Umfeld passt auch der Verein N._ mit dem der
Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben zusammenarbeitet. Dieser
Verein vertritt laut Informationen auf der Website des Vereins die Ansicht,
dass in L._ willkürlich Kinder ihren Eltern durch korrupte Beamte
weggenommen würden und spricht dabei von "Kinderklau". Dieser
Kinderhandel werde durch die Einführung der Ehe für alle noch verstärkt,
da die Nachfrage nach Kindern dadurch steige. Auch der
Beschwerdeführer warf an der Veranstaltung am E._ die Frage
auf, ob ein Zusammenhang zwischen der Inobhutnahme und der
Einführung der Ehe für alle bestehe.
4.6. Bei dieser Sachlage kann nicht in Abrede gestellt werden, dass der
Beschwerdeführer eine Nähe zu Personen aufweist, die fundamental an
der Rechtmässigkeit staatlicher Vorgänge zweifeln sowie die Legitimation
der Staatsgewalt in Frage stellen, und eine Sympathie für deren Haltung
mitbringt. Durch sein Präsidium beim Verein J._ und die
finanzielle Unterstützung des Vereins N._ trägt er zudem aktiv
dazu bei, dass solche Überzeugungen verbreitet werden.
4.7. Gestützt auf all diese Punkte ergibt sich zweifellos eine kritische Nähe des
Beschwerdeführers zu prominenten Figuren im Dunstkreis der
Reichsbürgerbewegung und seine Sympathie für deren Ansichten. Die
von der Reichsbürgerbewegung vertretenen Theorien und Ideologien
können dabei nicht als kompatibel mit der Schweizerischen
Bundesverfassung im Sinne des BüG bzw. des KBüG betrachtet werden.
Auch wenn der Beschwerdeführer sich ansonsten durch sein Engagement
in verschiedenen Vereinen und der Dorfgemeinschaft auszeichnet, ist die
Integration des Beschwerdeführers unter diesem Aspekt als ungenügend
zu qualifizieren. Die Bürgerversammlung hat das Gesuch des
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Beschwerdeführers folglich zu Recht abgelehnt. Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.
5. Bei diesem Verfahrensausgang gehen die Verfahrenskosten i.S.v. Art. 73
VRG zulasten des Beschwerdeführers. Die Staatsgebühr wird im Rahmen
von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 1'500.00 festgesetzt. Für die
Zusprechung einer Parteientschädigung an die Bürgergemeinde besteht
kein Anlass, da sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt hat (Art. 78
Abs. 2 VRG).