Decision ID: 5177bc64-9535-4c6c-afc6-edfa7120a9b8
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ wurde am 5. September 2011 im Auftrag der Taggeldversicherung
psychiatrisch von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic. phil. D._, Klinische Psychologin, begutachtet. Sie diagnostizierten eine
Zwangsstörung, vorwiegend Zwangshandlungen (ICD-10: F42.1), und bescheinigten ab
1. April 2010 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Gutachten vom 22. September 2011, IV-
act. 9.3). Am 2. November 2011 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons F._
wegen seit 1. April 2010 bestehender psychischer Beeinträchtigungen zum
Leistungsbezug an (IV-act. 2). Mit der Begründung, dass A._ seit dem 15. Oktober
2012 eine Festanstellung mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad im Verkauf
Innendienst der E._ AG, innehabe (zur Aussage von A._, lediglich mit einem
80%igen Pensum erwerbstätig gewesen zu sein, siehe IV-act. 117-40), schloss die IV-
Stelle des Kantons F._ die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom 19. August
2014 ab (IV-act. 64). Sie sprach ihm mit Verfügung vom 31. Januar 2015 für die Dauer
vom 1. Mai bis 31. Oktober 2012 eine halbe Rente zu (IV-act. 69).
A.a.
Die Anstellung bei der E._ AG kündigte A._ auf den 30. April 2017 (IV-act. 80-2
und S. 24 des Protokolls der IV-Stelle per 3. August 2021, act. G 8.8). Ab dem 15. Mai
2017 war er bei der B._ AG mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad angestellt (zum
von ihm nicht unterzeichneten Arbeitsvertrag vom 27. Februar 2017 siehe act. G 1.2),
und dadurch bei der B._ AG berufsvorsorgeversichert (zum Vorsorgereglement in der
ab 1. Januar 2017 gültigen Fassung siehe act. G 1.4). Der behandelnde Dr. med. G._,
Leitender Arzt beim Psychiatrischen Dienst H._, bescheinigte A._ am 25. August
A.b.
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2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit von 8. Juni bis 30. September 2017 (act.
G 1.12). Am 12. Dezember 2017 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle des
Kantons F._ zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 72-1). Im beigelegten Schreiben
vom 14. Dezember 2017 führte Dr. G._ aus, A._ sei nach einem für ihn
einschneidenden Erlebnis (plötzliche Entfremdung von sich selbst am 5. Mai 2017)
arbeitsunfähig geworden. Der Vorfall werde am ehesten einer Psychose zugeordnet
und diagnostisch bestehe ein Verdacht auf eine wahnhafte Störung mit depressiver
Ausprägung, mit Gefühl der Gefühllosigkeit und mit Identitätsstörung (ICD-10: F22.0;
IV-act. 72-2). Die seit 12. Februar 2018 behandelnde med. pract. I._, Oberärztin an
der Tagesklinik der Psychiatrischen Dienste H._, diagnostizierte eine schizoaffektive
Störung, gegenwärtig depressiv mit ausgeprägtem Wahn, Beeinflussungserlebnissen
sowie schwerer depressiver Symptomatik (ICD-10: F25.1). Differentialdiagnostisch sei
von einer Schizophrenie auszugehen. Zu vermerken sei, dass A._ seit Mitte Mai 2017
in ambulanter psychiatrischer Behandlung stehe. Damals sei auf dessen Wunsch keine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden, «da er es am damaligen Arbeitsplatz versuchen
wollte». Jedoch seien schon damals massive psychisch bedingte Einschränkungen
aufgefallen, sodass die Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit schon zum
damaligen Zeitpunkt gerechtfertigt wäre (IV-act. 104).
Im Auftrag der IV-Stelle des Kantons F._ erstattete Dr. med. K._, Facharzt u.a.
für Psychiatrie und Psychotherapie, am 4. Oktober 2018 ein psychiatrisches Gutachten
über A._ (einschliesslich einer psychologischen Abklärung). Er diagnostizierte als
Krankheit, die zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe, eine schizoaffektive
Störung gegenwärtig depressiv mit ausgeprägtem Wahn, Beeinflussungserlebnissen
sowie leicht- bis mittelgradiger depressiver Symptomatik (ICD-10: F25.1), DD:
Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, nicht näher bezeichnet (ICD-10:
F20.9). Die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit dem Erkrankungsbeginn (IV-act. 117,
insbesondere IV-act. 117-49 und -67; zur Stellungnahme von Dr. G._ vom
16. November 2018 zur gutachterlichen Beurteilung siehe IV-act. 126; zur vom
22. Januar bis 18. März 2019 erfolgten stationären psychiatrischen Behandlung in der
Privatklinik M._ vom 3. April 2019 siehe IV-act. 138). Die IV-Stelle des Kantons F._
ermittelte einen 100%igen Invaliditätsgrad und sprach A._ mit Verfügung vom
30. Oktober 2019 eine ganze Rente ab 1. Juni 2018 zu (IV-act. 144-2 ff.).
A.c.
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B.
Am 30. Januar 2020 ersuchte A._ die B._ um Prüfung eines Anspruchs auf
eine Invalidenrente (act. G 1.6). Diese verneinte im Schreiben vom 12. März 2020 sowie
in der weiteren Korrespondenz mit A._ einen Leistungsanspruch im Wesentlichen mit
der Begründung, dass der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, die zur Invalidität geführt
habe, nicht während des mit ihr bestehenden Vorsorgeverhältnisses eingetreten sei
(act. G 1.7 ff.).
A.d.
Am 7. Mai 2021 erhob A._ (nachfolgend: Kläger) Klage gegen die B._ AG
(nachfolgend: Beklagte). Er beantragte: 1. Die Beklagte sei zu verurteilen, ihm ab dem
1. Juni 2018 eine ganze Invalidenrente gemäss den gesetzlichen und
reglementarischen Bestimmungen, mindestens in der Höhe von Fr. 2'514.--
auszurichten, zuzüglich 5 % Zins ab dem 7. Mai 2021 für die bis zu diesem Zeitpunkt
fällig gewordenen Rentenbetreffnisse und für die Übrigen ab dem jeweiligen
Fälligkeitsdatum. 2. Die Beklagte sei zu verurteilen, dem Kläger ab dem 1. Mai 2020
eine «IV-Kinderrente» aus beruflicher Vorsorge gemäss den gesetzlichen und
reglementarischen Bestimmungen, mindestens in der Höhe von Fr. 503.--
auszurichten, zuzüglich 5 % Zins ab dem 7. Mai 2021 für die bis zu diesem Zeitpunkt
fällig gewordenen Rentenbetreffnisse und für die Übrigen ab dem jeweiligen
Fälligkeitsdatum; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
brachte er im Wesentlichen vor, dass die Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität
geführt habe, während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten eingetreten sei
(act. G 1).
B.a.
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 9. August 2021 die Abweisung
der Klage; unter Entschädigungsfolge. Sie vertrat den Standpunkt, dass die zur
Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit bereits vor dem Beginn des bei ihr versicherten
Vorsorgeverhältnisses eingetreten sei. Des Weiteren machte sie geltend, ein allfälliger
Verzugszins bestimme sich gemäss Reglement nach der Höhe des BVG-
Mindestzinssatzes. Darüber hinaus werde im Reglement ausdrücklich festgehalten,
dass bei rückwirkenden Rentenzahlungen kein Verzugszins geschuldet sei (act. G 8).
B.b.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Vorab zu prüfen ist die Frage, ob auf die Klage einzutreten ist. Für
berufsvorsorgerechtliche Klagen zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und
Anspruchsberechtigten bildet der Gerichtsstand der schweizerische Sitz oder Wohnsitz
der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs, bei dem die versicherte Person
angestellt wurde (Art. 73 Abs. 1 und Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40]). Die Beklagte hat
ihren Sitz im Kanton St. Gallen, womit der Gerichtsstand für die gegen sie erhobene
Klage im Kanton St. Gallen liegt. Die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen sowie die weiteren Eintretensvoraussetzungen sind denn auch
zu Recht von der Beklagten nicht bestritten worden. Auf die Klage ist einzutreten.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Klägers auf eine Invalidenrente und Kinderrente gegenüber der Beklagten.
In der Replik vom 5. November 2021 hielt der Kläger unverändert an der Klage fest
(act. G 15) und reichte weitere Unterlagen betreffend den Beginn der Arbeitsunfähigkeit
ein (act. G 15.1 ff.).
B.c.
Die Beklagte hielt in der Duplik vom 23. Februar 2022 vollumfänglich an der
beantragten Klageabweisung fest (act. G 21).
B.d.
Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im
Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren.
Entscheidend im Rahmen von Art. 23 BVG ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Mass
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Der Wegfall der Versicherteneigenschaft bildet keinen Erlöschungsgrund.
Umgekehrt entfällt im Anwendungsbereich von Art. 23 lit. a BVG die Leistungspflicht
einer Vorsorgeeinrichtung, wenn die massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor der
2.1.
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Entstehung des Versicherungsverhältnisses eingetreten ist (siehe zum Ganzen das
Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 3.1 mit Hinweisen).
Tragen verschiedene Gesundheitsschädigungen zur Invalidität bei, so ist hinsichtlich
jeder Gesundheitsschädigung gesondert zu prüfen, ob die jeweilige Arbeitsunfähigkeit
während der Dauer des Versicherungsverhältnisses mit der Vorsorgeeinrichtung
eingetreten ist (BGE 138 V 409 Regeste b; E. 6).
Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20 % betragen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.1 mit Hinweisen). Der Anspruch
auf Invalidenleistungen setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang
zwischen der während des andauernden Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der
Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestehenden Arbeitsunfähigkeit und der
allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. Der sachliche Konnex ist
gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im
Wesentlichen derselbe ist, wie er der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Die Annahme
eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während
längerer Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 22 E. 3.2 und E. 3.2.1). Bei der
Prüfung dieser Fragen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls zu
berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische
Beurteilung durch die medizinische Fachperson sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018,
9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Zu den für die Beurteilung des zeitlichen
Konnexes relevanten Umständen zählen ausserdem die in der Arbeitswelt nach aussen
in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte
Person über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder
der Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche
Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bedarf es zum rechtsgenüglichen Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen nicht
zwingend einer echtzeitlich attestierten Arbeitsunfähigkeit. Eine zuverlässige
Einschätzung des zeitlichen Zusammenhangs ist nur möglich, wenn die Entwicklung
gesamthaft betrachtet wird; wobei die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung
der Arbeitsfähigkeit möglich war, auch im Licht von erst später gewonnenen
2.2.
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3.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob die für die
Invalidität massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor der Entstehung des bei der
Beklagten versicherten Vorsorgeverhältnisses (vorliegend das Datum des
Arbeitsantritts, 15. Mai 2017 [act. G 1.2]; siehe Art. 10 Abs. 1 BVG und Art. 5 Abs. 1
des Vorsorgereglements der Beklagten, act. G 1.4) eingetreten ist. Bejahendenfalls
entfiele die Leistungspflicht der Beklagten.
Erkenntnissen zu beurteilen ist (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom
21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Eine Unterbrechung des
zeitlichen Konnexes ist dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine
Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
2.3.
Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass der von der IV-Stelle des Kantons F._
festgesetzte Rentenbeginn (1. Juni 2018, IV-act. 144) keine aussagekräftigen
Rückschlüsse auf den Eintritt der zur Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeit zulässt,
da aufgrund der erst am 12. Dezember 2017 erfolgten Wiederanmeldung (IV-act. 72)
ein allfälliger Eintritt der Arbeitsunfähigkeit vor Beginn des Vorsorgeverhältnisses der
Beklagten keinen früheren Anspruchsbeginn begründet hätte (Art. 29 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
3.1.
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass beim Kläger am 5. Mai 2017 eine
andauernde Veränderung seiner Psyche bzw. ein psychischer Gesundheitsschaden
auftrat. Dr. G._ berichtete am 14. Dezember 2017 von einem «einschneidenden
Erlebnis (plötzliche Entfremdung von sich selbst am 5.5.2017)», in dessen Folge der
Kläger arbeitsunfähig geworden sei (IV-act. 72-2; zur Bedeutung des Ereignisses vom
5. Mai 2017 für den Gesundheitsschaden siehe auch den Bericht von Dr. G._ vom
12. Januar 2018, IV-act. 78-4). Zudem ging Dr. G._ davon aus, dass bereits seit Mitte
April 2017 Krankheitsanzeichen bestanden hätten (IV-act. 78-5 oben). Sowohl
anlässlich der Begutachtung durch Dr. K._ (IV-act. 117-27 f.; «seitdem bin ich nicht
mehr ich, meine ganze Persönlichkeit ist gestorben.» und dieses Gefühl halte bis heute
an, IV-act. 117-28 oben; alle seine Emotionen seien genau am 5. Mai 2017 gestorben
3.2.
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und an dem Tag habe man ihm einfach alles im Leben genommen, IV-act. 117-33
unten) als auch im Rahmen der stationären Behandlung in der Privatklinik M._ (IV-
act. 138-3) rückte der Kläger bezüglich des Eintritts des Gesundheitsschadens
ebenfalls das Erlebnis vom 5. Mai 2017 ins Zentrum. Nichts anderes gilt bezüglich der
gegenüber der neuropsychologischen Expertin geschilderten Leidensentwicklung
(neuropsychologisches Teilgutachten vom 4. Oktober 2018, IV-act. 117-76). Vor
diesem Hintergrund ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
die Beeinträchtigung des psychischen Gesundheitszustands spätestens am 5. Mai
2017 auftrat und seither fortdauert.
Es sind keine überzeugenden medizinischen Gründe ersichtlich, die eine zeitliche
Verzögerung zwischen dem am 5. Mai 2017 eingetretenen psychischen
Gesundheitsschaden und der darauf zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit als
nachvollziehbar erscheinen lassen. Der rechtskundig vertretene Kläger bringt auch
nichts dergleichen vor (siehe etwa act. G 15, S. 4, letzter Abschnitt). Vielmehr hielt med.
pract. L._ im Bericht vom 27. Juni 2018 plausibel fest, dass der Kläger seit Mitte Mai
2017 in ambulanter psychiatrischer Behandlung stehe. Damals sei auf dessen Wunsch
keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden, da er es am damals eben erst
angetretenen Arbeitsplatz habe versuchen wollen. Jedoch seien schon damals
«massive Einschränkungen» aufgefallen, so dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
schon zum damaligen Zeitpunkt gerechtfertigt wäre (IV-act. 104-3). Zudem wies sie
darauf hin, dass der von ihr im Bericht vom 27. Juni 2018 wiedergegebene Befund
bereits damals bestanden habe («aufgrund der oben beschriebenen Symptomatik», IV-
act. 104-3 unten). In damit zu vereinbarender Weise bestätigte Dr. K._ ebenfalls,
dass die Arbeitsunfähigkeit «seit dem Erkrankungsbeginn» bestehe (IV-act. 117-67
oben), was von Dr. G._ in seiner ausführlichen Stellungnahme vom 16. November
2018 zur gutachterlichen Beurteilung nicht in Zweifel gezogen wurde (IV-act. 126).
3.3.
In Anbetracht der überzeugenden Einschätzungen von med. pract. L._ und
Dr. K._ (siehe vorstehende E. 3.3) vermag der Kläger aus den erst ab Juni 2017
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
3.4.
Die Latenz zwischen dem Eintritt des Gesundheitsschadens und den erst für die
Zeit ab Juni 2017 ausgestellten Arbeitsunfähigkeitszeugnissen lässt sich vorliegend
nicht mit objektiven medizinischen Gründen begründen, sondern liegt in den von med.
pract. L._ schlüssig dargestellten sozioökonomischen Überlegungen des vor Antritt
des Arbeitsverhältnisses stellenlosen Klägers begründet (IV-act. 104-3 unten). Dass
dieser im für die Beklagte bestimmten Personalstammblatt die uneingeschränkte
3.4.1.
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Erwerbsfähigkeit angab (act. G 15.3), ist deshalb in diesem Kontext und nicht als
Ausdruck der tatsächlichen gesundheitlichen Situation zu interpretieren, zumal eine
zwischenzeitliche Verbesserung des Gesundheitszustands nach dem 5. Mai 2017
weder geltend gemacht worden war noch erkennbar ist.
Die erst einige Jahre später ausgestellte, nicht näher begründete, insbesondere
sich nicht mit den davon abweichenden Vorakten (siehe hierzu vorstehende E. 3.2)
auseinandersetzende, «ärztliche Bestätigung» der Psychiatrischen Dienste H._ vom
21. September 2021 enthält keine überzeugende Beurteilung des Beginns der
Arbeitsunfähigkeit. Gründe, die auf eine zeitliche Latenz zwischen Eintritt des
Gesundheitsschadens und der Arbeitsunfähigkeit hinweisen könnten, gehen daraus
jedenfalls nicht hervor. Vielmehr ergibt sich, dass eine Erstkonsultation bereits am
11. Mai 2017 erfolgt sein soll, was jedenfalls auf einen damals bereits bestehenden
Leidensdruck und Gesundheitsschaden hinweist. Dass anlässlich dieser Konsultation
überhaupt keine (Teil-)Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden war, lag, wie bereits
erwähnt, in rein sozioökonomischen Überlegungen begründet (act. G 15.1; siehe
vorstehende E. 3.3). Ergänzend kann auf die weiteren zutreffenden Ausführungen der
Beklagten verwiesen werden (act. G 21, S. 5 letzter Abschnitt).
3.4.2.
Der Erstkontakt des Klägers mit Dr. G._ erfolgte erst am 14. Juni 2017 (act.
G 15.2) und nicht im vorliegend interessierenden Zeitraum in der ersten Hälfte des
Monats Mai 2017. Zudem ergriff Dr. G._ in der berufsvorsorgerechtlichen
Auseinandersetzung Partei zugunsten des Klägers (siehe hierzu seinen an die Beklagte
adressierten, per Einschreiben versandten Brief vom 30. März 2020, act. G 1.8), womit
bei der Würdigung seiner Beurteilung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde medizinische
Fachpersonen im Zweifelsfall eher zugunsten ihrer Patienten und Patientinnen
aussagen (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2022, 9C_528/2021,
E. 4.2 mit Hinweis u.a. auf BGE 135 V 465 E. 4.4). Von Bedeutung ist ausserdem, dass
sich aus den verschiedenen Stellungnahmen von Dr. G._ keine Hinweise ergeben,
die für ein zeitliches Auseinanderfallen des Beginns der Arbeitsunfähigkeit und des
Eintritts des Gesundheitsschadens am 5. Mai 2017 sprechen könnten. Im – bezüglich
Datumsangaben unsorgfältig abgefassten (siehe etwa «17.5.2018» [richtig wohl 12. Mai
2017] IV-act. 78-3 betreffend «Jetziges Leiden» und IV-act. 78-4 betreffend ärztlicher
Befund «vom 12.5.2018» [richtig wohl 12. Mai 2017]) – Bericht vom 12. Januar 2018
legte Dr. G._ der (erst) ab 8. Juni 2017 bescheinigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 78-5) im Wesentlichen den vor Beginn der Versicherungsdeckung bei der
Beklagten bestehenden ärztlichen Befund vom 12. Mai «2018» (richtig: 2017) zugrunde
3.4.3.
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4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Ausgangsgemäss hat der
Kläger keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die obsiegende Beklagte
beantragte ebenfalls die Ausrichtung einer Parteientschädigung (act. G 8). Als
Vorsorgeeinrichtung hat sie praxisgemäss keinen diesbezüglichen Anspruch, soweit –
wie vorliegend – die Prozessführung der Gegenpartei nicht als mutwillig oder
leichtsinnig zu bezeichnen ist (BGE 128 V 323). Ihr nicht näher begründeter Antrag auf
Ausrichtung einer Parteientschädigung («unter Entschädigungsfolgen») ist deshalb
abzuweisen.