Decision ID: 80d0a39b-55a3-45a9-8194-624fa596481e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968,
verheiratet, Mutter eines
2004 geborenen
Soh
nes,
reiste im Jahre 2003 au
s
Y._
in die Schweiz ein
(
Urk.
13/2/1
-2)
. Am 1
0.
Januar 2012
(Eingangsdatum)
meldete sie sich unter Hinweis auf
eine
seit Juli 2007 bestehende mittelschwere depressive Episode mit Angst und Panikattacken bei familiären und finanziellen Be
lastun
gen, rezidivierenden Gastritiden, arterieller Hypertonie und chronisch rezidivierenden Lumbalgien (
Urk.
13/2/4) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
13/2
, Urk. 13/8
).
Die IV-Stelle führte am 1
2.
Januar 2012 ein Ressourcengespräch mit dem Ehemann von
X._
(
Urk.
13/4) und tätigte Abklärungen in be
ruflich-erwerblicher (
Urk.
13/6) und medizinischer (
Urk.
13/7
,
Urk.
13/9
) Hin
sicht.
Mit Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2012 kündigte die IV-Stelle
X._
die Abweisung
ihres
Leistungsbegehren
s
an (Urk. 13/1
2
). Dagegen er
hob
X._
mit Schreiben vom
1
9.
Juli 2012 Einwand (Urk. 13/13). Nach dessen Prüfung ver
fügte die IV-Stelle
a
m 1
5.
August 2012 wie vorbeschieden die Abweisung des Leistungsbegehrens (
Urk.
2).
Mit Eingabe vom 2
2.
August 2012 ergänzte der von
X._
zwischenzeitlich
(
9.
August 2012,
Urk.
13/17)
manda
tierte Rechtsver
treter deren Einwand (
Urk.
13/16).
Die IV-Stelle
teilte
dem Rechtsvertr
eter
der Beschwerdeführerin
mit Schreiben vom
5.
September 2012
mit
, dass sie bereits am 1
5.
August 2012 eine Verfügung erlassen habe (
Urk.
13/19).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. August 2012
führte
X._
am 1
4.
September 2012 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die Sache zur weiteren Abklä
rung und Neuverfügung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte die Be
schwerdeführerin den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege und Bestellung von Rechtsanwalt Hermann Rüegg zu ihrem unent
geltli
chen Rechtsbeistand (
Urk.
1 S. 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Dezember 2012 Abweisung der Beschwerde (Urk. 11, unter Beilage der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes [RAD] vom
7.
November 2012 [
Urk.
12/1] und von Dr. med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3
0.
November 2012 [
Urk.
12/2] sowie ihrer Akten [
Urk.
13/1-20]
)
.
Mit Gerichtsverfügung vom 17. Dezember 2012 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Hermann Rüegg, Rüti ZH, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt. Ferner wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 14). Die
Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom
6.
April 2013 an ihren Anträgen fest (
Urk.
18).
Am 29. April 2013 erklärte die Beschwerdegegnerin Verzicht auf Duplik (Urk. 22), wovon die Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 30. April 2013 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 23).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin, die
Beschwerdegegnerin habe die angefochtene Verfügung vom 1
5.
August 2012 (
Urk.
2) vor Ablauf der Frist zur Erhebung
eines Einwandes
gegen den Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2012 (
Urk.
13/12) erlassen und bemängelt sinngemäss, sie
habe
keine Möglichkeit gehabt, bis zum Ablauf dieser
Frist
ihre bereits erfolgte
Eingabe zu ergänzen (
Urk.
1 S. 2).
1.2
Gemäss
Art.
57a
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
teilt die IV-S
telle
der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG).
Sie kann
innerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände zum Vorbescheid vor
bringen (
Art.
73
ter
Abs.
1 der
Verordnung
über die Invalidenversicherung [
IVV
]
)
. Ist die Abklärung der Verhältnisse abgeschlossen, so
beschliesst
die IV-Stelle über die Leistungsbegehren (
Art.
74
Abs.
1 IVV). Die Begründung des Beschlusses hat sich mit den für den Beschluss relevanten Einwänden zum Vorbescheid der Parteien aus
einanderzusetzen (
Art.
74
Abs.
2 IVV).
Das
formlose
Vorbescheidverfahren
im Sinne von
Art.
57a IVG
dient
in Verwaltungsverfahren, in welchen keine
Einsprachemöglichkeit
besteht,
der
Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs
(vgl. dazu auch
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfas
sung, BV)
be
reits vor Erlass der Verfügung; dies im Interesse einer verbesserten Akze
ptanz bei den Betroffenen
.
E
ine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt
vor, wenn die IV-Stelle verfügt, bevor die der versicherten Person gesetzte Frist, sich zum Vor
be
scheid zu
äussern
, abgelaufen ist (
Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2012 vom 1
9.
September 2012 E. 3.
1
mit weiteren
Hinweisen
).
Nach der
bundesge
richtlichen
Recht
sprechung liegt beispielsweise eine schwere Verlet
zung des rechtlichen Gehörs vor, wenn eine versicherte Person
– welche zuerst in einem Schreiben selber Einwände gegen den Vorbescheid der IV-Stelle erho
ben hatte –
die Verwaltung im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
innert der angesetzten Frist um Fristerstreckung ersucht, um sich über den zwischenzeit
lich beige
zogenen Rechts
vertreter nochmals, nun fach
kundig vertreten, ver
nehmen zu lassen
,
und die Verwaltung auf das Gesuch nicht eingeht und dessen ungeachtet die Verfügung erlässt (Urteil
des Bundes
gerichts I 459/02
vom 2
9.
Oktober 2002).
Nach der Rechtsprechung kann eine
–
nicht besonders schwerwiegende
–
Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
de
instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechts
lage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leer
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132
V
387 E. 5.1 mit Hinweis).
1.3
Mit Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2012 stellte die Beschwerdegegnerin der Be
schwer
deführerin die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
13
/1
2
)
. Dag
egen erhob die Beschwerdeführerin mit vom 19. Juli
datieren
dem, am 2
6.
Juli 2012 eingegangenem Schreiben
Einwand (Urk. 13/13
, Aktenverzeichnis
). Mit Schreiben vom
30. Juli 2012 bestätigte die Be
schwerdegegnerin der Beschwerdeführerin den Erhalt des Einwands
und teilte ihr mit, dass sie diesen prüfen werde
(Urk. 13/14). Am 15. August 2012 erging die angefochtene Verfügung (Urk. 2). Der Rechtsvertreter der
Beschwerde
führerin
wandte sich mit Eingabe vom 22. August 2012 an die Beschwerdegegnerin
,
ersuchte um Zustel
lung der voll
ständigen Akten zur Einsicht und
führte auch
aus,
der Einwand der Be
schwerdeführerin werde mit folgender Be
gründung ergänzt: Es treffe nicht zu, dass bei ihr seit dem 2
5.
Lebensjahr psy
chische Erkrankungen bestünden und sie mit dem Gesundheitsschaden in die Schweiz eingereist sei (
Urk.
13/16).
Diese Eingabe vom 22. August 2012 (Urk. 13/16) ist an sich
,
unter Berücksichti
gung des Fristenstillstands gemäss Art. 38 Abs. 4 ATSG,
noch innert der
Einwandfrist
erfolgt
.
Indes
durfte
die Be
schwerdegegnerin
davon ausgehen, dass die Beschwerde
führerin sich mit
ihre
r
Ein
gabe
vom 19. Juli 2012 (Urk. 13/13)
abschliessend zum Vorbescheid
geäussert
hatte. Die Beschwerdeführerin kün
digte darin
weder
die Mandatierung eines Rechts
vertreters, welcher sich
noch
ergänzend zum Vorbescheid vom 28. Juni 2012 (Urk. 13/1
2
) äussern werde,
noch
die Einreichung von Arztberichten an, sondern schloss mit der Bemer
kung, dass sie (nun) den Bericht der Beschwerdegegnerin erwarte
(
Urk.
13/13).
Es bestand daher kein
Anhalt
dafür, dass
sich die Beschwerdeführerin kurz vor A
blauf der Frist
zum
Vorbescheid
noch ein
mal vernehmen lassen
wollte, und das Verfahren schien abgeschlossen
. Der Um
stand, dass die Beschwerdegegnerin nach Prüfung des Einwandes
der Beschwerde
führerin
vom 19. Juli (Urk. 13/13)
bereits am 1
5.
August 2012 eine Verfügung erliess, stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
Im Übrigen wären – selbst wenn eine
leichte
Gehörsverletzung bejaht würde –, die Voraussetzungen zur Heilung dieser Gehörsverletzung
ge
geben, da
das hiesige Gericht über volle Kognition verfügt (
Art.
61
lit
.
c und d ATSG) und eine Rückweisung zur
ergänzenden
Einwandbegründung
im
Vorbescheid
verfahrens
ein
en
formalis
tische
n
Le
e
rlauf dar
stellen würde
.
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist
,
ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine Invali
denrente
hat.
2.2
In der
a
ngefochtenen Verfügung vom 1
5.
August 2012 führte die Beschwerdegegnerin aus, die medizinischen
Abklärungen hätten ergeben, dass die Be
schwerdeführerin sei
t
ihrem 2
5.
Lebensjahr an
einer
psychischen Erkrankung auf
grund verschiedener psychosozialer Ursachen leide (mangelnde Sprach
kennt
nisse, Familie, finanzielle Sorgen), mit welcher sie im September 2003 in die Schweiz eingereist sei. Eine davon unabhängige Erkrankung sei nicht ausge
wiesen
(
Urk.
2 S. 2).
Überdies führte die Beschwerdegegnerin aus, gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 3
0.
November 2012 sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Be
schwerde
führerin bereits in Y._
wegen Panikstörungen und einer de
pressiven Episode im Rahmen der rezidivierenden Störung zumindest vorüber
gehend eingeschränkt gewesen sei. Bei den aktuellen Beschwerden sei ebenfalls
über
wiegend wahr
scheinlich, dass es sich nicht um eine neue psychische Störung handle, sondern nur um eine andere Ausprägung der bereits be
stehenden Angst- und depressi
ven Störung. Somi
t sei der rentenspezifische Ver
sicherungs
fall eingetreten, bevor die ges
etzlichen Anspruchsvoraussetzun
gen hätten erfüllt sein können (
Urk.
11 S. 1).
2.3
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, sie habe zwar in
Y._
nach dem Suizid eines Bruders
an
eine
r
Panikstörung
,
jedoch
an keiner der im
Rahmen der Ab
klärungen der Beschwerdegegnerin festge
stellten Gesundheitsstörungen gelitten
. Sie
sei als Schneiderin arbeitsfähig gewesen. Es sei daher von der Beschwerdegegnerin zu prüfen, welche Auswirkungen die in der Schweiz hinzuge
kommenen Gesundheitsstörungen hätten (
Urk.
1 S. 3).
Sie
sei
im Jahr
2003 beschwerdefrei in die Schweiz eingereist
. Sie
habe erst
ab 2004 an verschie
denen Krankheiten gelitten, wovon nur die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F33.11) bzw. die mittelschwere depressive Episode mit rezidivierend
en
Angst- und Panikattacken mehrere Jahre vor ihrer Einreise in die Schweiz auf
getreten seien, bei ihrer Einreise in die Schweiz aber keine Auswirkungen mehr gehabt hätten. Alle anderen in der Schweiz gestellten Diagnosen seien vor der Einreise in die Schweiz nie vorhanden gewesen. Weder nach der schweizeri
schen Gesetzge
bung noch nach dem Abkommen zwischen der Schweiz und
Y._
über
s
oziale Sicherheit sei es von Belang, ob die Beschwerdeführerin vor ihrer Einreise in die Schweiz unter einer Krankheit gelitten habe und arbeitsunfähig gewesen sei (
Urk.
18 S. 2).
3.
3.1
Gemäss
Art.
10
Abs.
1
des Abkommens zwischen der Schweiz und
Y._
über soziale Sicherheit
haben Staatsangehörige
von Y._
unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch auf die ordentliche
n
Renten der schweizerischen Invalidenversicherung. Vorbehal
ten bleiben die – vorliegend nicht einschlägigen –
Abs.
2 und 3 von
Art.
10 dieses Abkommens.
3.2
Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente haben Versicherte, die bei
Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Bei
träge geleistet haben (Art. 36 Abs. 1
IVG
, in der seit
1.
Januar 2008 geltenden Fassung). Bis zum Inkrafttreten der
5.
IV-Revision hatten Anspruch auf ordentliche Rente die rentenberechtigten Versicherten, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vol
len Jahres Beiträge geleistet hatten.
3.
3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 2
0.
Altersjahr gelten als inva
lid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG).
3.4
Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (leistungsspezifischer Invaliditätseintritt). Der Eintritt der rentenbegründenden Invalidität bestimmt sich nach Art. 8 Abs. 1 ATSG in Ver
bindung mit Art. 28 IVG (E. 2.3 und E. 2.4). Nach der Rechtsprechung des Bun
desgerichts ist für den Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität die Entstehung des Rentenanspruches entscheidend (BGE 137 V 417 E. 2.2.1 mit Hinweis auf ZAK 1974 S. 253).
Die anspruchsbegründende Invalidität tritt gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG dann ein, wenn die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann (
lit
. a), die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen ist (
lit
. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) ist (
lit
. c).
4.
4.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt
:
4.2
Wegen Zittern und Unwohlsein, einmaliger Diarrhoe und auch Erbrechen
nach einem Flug
begab sich die Beschwerdeführerin am
7.
November
2009 ins Spital
A._
, wo Panikattacken mit
Hyperventilation
und Gastritis diagnostiziert wurden. Die Beschwerdeführerin konnte am selben Tag in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (
Urk.
13/7/6).
4.
3
B._
, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie FMH, stellte nach der Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 1
6.
Februar 2011 die Diagnose beidseitiges Carpaltunnelsyndrom, rechts ausgeprägter als links (
Urk.
13/7/7).
4.
4
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, in dessen Behandlung sich die Beschwerdeführerin seit Mai 2008 befindet,
diagnostizierte im Arztbericht vom 2
5.
Januar 2012 eine mittelschwere depressive Episode mit rezidivierenden Angst- und Panikattacken, eine arterielle Hypertonie, genera
li
sierte
mus
c
ul
o
skeletale
Schmerzen, different
ialdiagnostisch (DD:)
Fibromyal
gie
sowie rezidivierende Gastritiden (
Urk.
13/7/9). Es bestehe vor allem eine psy
chische
Einschränkung. Die Depression sei sicherlich bedingt durch die erschwerte Situation in der Schweiz (ungenügende Deutschkenntnisse, finan
zi
elle Belastung). Sie klage auch über Schlaf-, Konzentrations- sowie Ge
dächt
nisstörungen. Aus diesem Grund könne sie sicher keiner externen Arbeit nach
gehen (
Urk.
13/7/10).
4.5
4.5.1
Dem
Beiblatt zum
Arztbericht von
Dr.
Z._
vom 3
0.
Januar 2012
sind die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F33.11), Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0)
zu entnehmen (
Urk.
13/9/5)
.
Dr.
Z._
attestierte der Beschwerdeführerin eine seit De
zember 2011 (Beginn der Behandlung bei Dr.
Z._
,
Urk.
13/9/1) beste
hende 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Schneiderin (
Urk.
13/9/2).
Im Beiblatt zum
Arztbericht führt
Dr.
Z._
weiter aus,
bei der Beschwerdeführerin sei es
im Alter von 25 Jahren nach dem Suizid eines Bruders zu einer ersten Manifestation einer massiven Panikstörung gekommen. Nach einer Besserung der Symptomatik
habe sich
nach vier Jahren ihr psychische
r
Zustand
wiederholt verschlechtert.
Die Be
schwerdeführerin sei als 33-jährige in die Schweiz
einge
reist
. Die Panik
störungen seien ein Jahr nach der Einreise in die Schweiz wieder aufgetreten, damals sei eine psychiatrische Behandlung erfolgt (
Urk.
13/9/5).
D
ie Beschwerdeführerin leide an multiplen psychia
trischen Beschwerden. Eine familiäre Belastung sei bekannt (ein Bruder sei schwer depressiv, Suizid eines anderen Bruders und des Neffen). Diese Be
schwerden hätten zu einer man
geln
den Integration in der Schweiz geführt. Die Beschwerdeführerin sei hier nie einer Arbeit nachgegangen. Seit etwa drei Jahren sei eine massive Ver
schlech
terung ihres Zustandes eingetreten
. S
ie sei teilweise nicht in der Lage
,
das Haus zu verlassen oder einer gewissen Tages
struktur nachzugehen. Hinzu kämen die schwierigen familiären Verhältnisse, wie die Minderbegabung des Kindes und die Krankheiten des Ehe
mannes (
Urk.
13/9/6).
4.5.2
In ihrer Stellungnahme vom 3
0.
November 2012 führt
e
Dr.
Z._
aus, bei der Beschwerdeführerin
best
ünden
seit 1994 eine Angsterkrankung, eine Depres
sion und eine
Somatisierungsstörung
. Die Beschwerdeführerin leide so, dass sie nur mit Mühe ihren häuslichen und mütterlichen Pflichten nachgehen könne. Sie sei seit geraumer Zeit zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
12/2).
Dr.
Z._
hielt i
n ihrer
vom Rechtsvertreter eingeholten
Stellung
nahme vom
4.
März 2013
fest
, im Alter von 25 Jahren sei bei der Beschwerdeführerin die erste Erkrankung (Angst, Panik und wahr
schein
lich Depression) erfolgt, wel
che seitdem besonders bei Belastungen immer wiederkehre. Weil angesichts der Famili
en
anamnese eine
erhebliche genetische Belastung anzunehmen sei, müsse bei psychosozialen Belastungs
situationen
bei der Beschwerdeführerin mit psy
chischen Dekompen
sationen gerechnet
werden
. Bei der aktuellen Erkrankung, welche zur IV-Anmeldung geführt habe, sei dies eben
falls der Fall gewesen. Ob es sich
bei
diese
r
Situation um eine neue „psychiatrische Erkrankung“ oder eine „andere Ausprä
gung“ der berei
ts
bestehenden Störung handle
,
sei eine Interpretationsfrage (
Urk.
19/2).
5.
5.1
Den
Arztberichten sind keine
somatischen
Gesundheitsstörung
en
der Beschwer
deführerin
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
oder
die
Tätigkeit im Haushalt
zu entnehmen. Zu prüfen bleibt, ob die psychische Gesundheitsstörung
der Be
schwerdeführerin
bereits bei der Einreise in die Schweiz
im September 2003
in anspruchsrelevanter Weise be
standen hat. War die Beschwerde
führerin bei der Einreise in die Schweiz bereits invalid, wovon die Beschwerdegegnerin ausgeht, kann sie die erforderliche Beitragszeit bis zum Eintritt der Invalidität nicht erfüllt habe
n
und der Anspruch auf eine ordentliche Invaliden
rente ist, ohne dass deren weitere Voraussetzungen noch zu prüfen wären, zu verneinen (
vgl.
Urteil des Bundesge
richts 8C_808/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 5).
5.2
Aufgrund des Arztberichtes von Dr.
Z._
vom 3
0.
Januar 2012 und deren weiteren Stellungnahmen
ist davon auszugehen, dass die rezidivierende depressive Störung, Panikstörung und
Somatisierungsstörung
der Beschwerde
führerin
bereits in Y._
bestanden (vgl. insbesondere die Stellungnahme vom 3
0.
November 2012,
Urk.
12/2)
und die
Beschwerde
führerin schon bei der Einreise in der Schweiz
in ihrer Arbeits
fähigkeit
einschränkten, weist Dr.
Z._
doch darauf hin, dass diese Beschwerden zu einer mangelnden Inte
gra
tion geführt hätten, wobei
sie
an
fügte
, dass die Beschwer
de
führerin in der Schweiz nie einer Arbeit nachge
gangen sei (
Urk.
13/9/6).
In ihrer Stellung
nahme vom 3
0.
November 2012 hält Dr.
Z._
fest, dass bei der Beschwerdeführerin seit 1994 eine Angsterkrankung, eine De
pression und eine
Somatisierungsstörung
bestünden, welche sie auch bei ihrer Tätigkeit im Haus
halt einschränke
n würden
(
Urk.
12/2).
Gemäss dem Arztbericht von Dr.
Z._
vom 3
0.
Januar 2012 ha
t
t
e
die Be
schwerdeführerin auch während der Schwangerschaft – die Beschwerde
führerin reiste am 1
5.
September 2003 in die Schweiz ein (
Urk.
13/2/1) und gebar am 2
5.
Mai 2004 (
Urk.
13/3/5) ihren Sohn – „viele psychische und körperliche Beschwerden“ (
Urk.
13/9/5). Gestützt auf diese Angaben der behandelnden Psychiaterin ist daher davon auszugehen, dass die psychische Gesundheitsstörung bereits bei
der Einreise in die Schweiz
die Arbeitsfähigkeit
in anspruchs
relevanter Weise
beeinträchtigte. Daran vermögen ihre Vorbringen nichts zu ändern.
Sie bestreitet nicht,
schon in Y._
unter
eine
r
Panikstörung
und Depression
gelitten zu haben
(Urk. 1 S. 3,
Urk.
18 S. 2,
vgl. Urk. 13/4/2)
,
macht jedoch geltend
, sie sei in Y._
noch
als Schneide
rin arbeits
fähig gewesen
. Dr.
Z._
führte in ihrer Stellungnahme
vom 3
0.
November 2012
auf
,
dass
die Besch
werdeführerin von 1994 bis 1996
in einer Schule als Putzfrau und
Abwartshilfe
und zwischen
1996 und 2002 in einer Textilfabrik gearbeitet
habe
(
Urk.
12/2).
Es liegen jedoch keine Angaben oder gar einen Nachweis ü
ber Dauer und Umfang der in Y._
ausgeführ
ten Erwerbstätigkeiten vor, weshalb dadurch nicht dargetan ist, dass die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig einreiste. Auch wenn der Ehemann anläss
lich des Ressourcengesprächs vom 12. Januar 2012 betonte, die Beschwerde
führerin sei bei ihrer Einreise seitens der Panikattacken beschwerdefrei gewesen (Urk. 13/4/2), so widersprechen seine Ausführungen denjenigen von Dr.
Z._
, wonach seit der Einreise in die Schweiz eine Integration in den Arbeitsmarkt nicht möglich gewesen und sie unter diversen Beschwerden bei nicht einfacher Schwangerschaft gelitten habe, die sie auch im Aufgabenbereich Haushalt eingeschränkt hätten. Diese Angaben sind glaubhafter und stärker zu gewichten. Immerhin war die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz nie erwerbstätig, obwohl ihr Ehemann (ebenfalls) arbeitsunfähig sein soll und die Familie auf Sozialhilfe angewiesen ist.
5.3
Die angefochtene
Verfügung vom 1
5.
August 2012
(
Urk.
2)
erweist sich
damit
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2012 wurde der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Hermann Rüegg, Rüti ZH, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt (
Urk.
14).
6
.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ents
prechend dem Ausgang des Verfah
rens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge Ge
währung der unent
geltlichen Prozessführung einst
weilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
6.3
Mit
Honorarnote
vom 1
1
.
Mai 2013
(Urk. 25) machte Rechtsanwalt Hermann Rüegg
ein Honorar von Fr.
2
'
216
.
15
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) geltend.
Er
bezifferte
seinen
Aufwand
auf i
nsgesamt
7
,
98
Stunden (
be
i einem Stunden
ansatz von
Fr.
250.--, zuzüglich Barauslagen für
Porti
von
Fr.
57.-- und Mehr
wertsteuer von
Fr.
164.15
).
Unter Zugrundelegung des anwendbaren
Stundenansatz
es
für die unent
geltliche Rechtsvertretung durch freiberufliche Rechtsan
wälte
von
Fr. 200.--, zuzüglich Mehrwertsteuer (
Randacher
, in: Gesetz über das Sozialversicherungs
gericht des Kantons Zürich, 2. Aufl., 2009, N 10 zu § 16
GSVGer
)
, ist
die Entschädigung
für den unentgeltlichen Rechtsvertreter
daher
auf Fr.
1‘785.25
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) fest
zulegen.
6.4
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.