Decision ID: efd533ba-ea9f-4a4b-8338-06f7cc87af4d
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ besitzt ein lebenslängliches (unentgeltliches) Wohnrecht an der
Liegenschaft B._ in C._. Der Steuerwert der genannten
Liegenschaft gemäss amtlicher Schätzung vom 25. November 2015
beträgt CHF 215'000.00. In der Steuererklärung 2020 deklarierte er
demgegenüber einen Steuerwert von CHF 116'813.00. Bei der Eröffnung
der definitiven Veranlagungsverfügung 2020 am 3. Dezember 2021 wurde
die Liegenschaft vollumfänglich bei ihm besteuert.
2. Dagegen erhob A._ am 6. Januar 2022 Einsprache mit der
Begründung, dass ein Wohnrecht an Wert verliere. So sei es zu jenem
Zeitpunkt ca. CHF 100'000.00 Wert.
3. Mit Einspracheentscheid vom 11. Mai 2022 wies die Steuerverwaltung die
Einsprache ab mit der Begründung, dass ein Wohnrecht nicht an Wert
verliere.
4. Dagegen reichte A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 8. Juni
2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein mit dem Antrag, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
das Wohnrecht zum Restwert einzuschätzen. Zur Begründung berief er
sich auf die Praxis des Kantons Luzern, wonach das Wohnrecht zum
Restwert besteuert werde, sowie auf das Gleichheitsgebot, dem zufolge
zwischen Eigentum und Wohnrecht zu unterscheiden sei: Im Gegensatz
zum Eigentum verliere das Wohnrecht jedes Jahr an Wert bis es bei
seinem Tod nichts mehr wert sei.
5. In der Vernehmlassung vom 28. Juni 2022 beantragte die
Steuerverwaltung (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde.
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Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 11. Mai 2022
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuer des Jahres 2020. Einzig zu
beurteilen ist die vermögenssteuerliche Behandlung des Wohnrechts, und
zwar ob die Besteuerung des Vermögenssteuerwertes der
wohnrechtsbelasteten Liegenschaft in der Höhe von CHF 215'000.00 beim
Wohnrechtsberechtigten Beschwerdeführer zu Recht erfolgt ist.
2. Der Streitwert beläuft sich für die Kantons- und Gemeindesteuer auf
CHF 340.00 (Steuerbetrag für das Vermögen), weshalb der Einzelrichter
über die vorliegende Beschwerde entscheidet (vgl. Art. 43 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]).
3.1. Gemäss Art. 54 Abs. 2 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden
(StG; BR 720.000) wird Vermögen, auf dem eine Nutzniessung oder ein
Wohnrecht lasten, dem Nutzniesser beziehungsweise
Wohnrechtsberechtigten zugerechnet, wenn dafür kein periodisches
Entgelt geleistet wird (vgl. auch Art. 13 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
[Steuerharmonisierungsgesetz, StHG; SR 642.14]). Als Steuerwert der
Grundstücke gilt der Verkehrswert unter angemessener Berücksichtigung
des Ertrages und der Ertragsfähigkeit (Art. 56 Abs. 1 StG).
3.2. Unbestritten ist, dass das anlässlich der Grundstücksübertragung 2013
begründete Wohnrecht unentgeltlich eingeräumt wurde und dieses somit
sowohl beim Einkommen als auch beim Vermögen beim
Wohnrechtsberechtigten Beschwerdeführer besteuert wird. Strittig ist
hingegen die Berechnungsgrundlage für die Vermögenssteuer.
3.3. Im Kanton Graubünden wird das Wohnrecht für die (hier strittige)
Vermögenssteuer der Nutzniessung gleichgestellt (vgl. Praxisfestlegung
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Steuerverwaltung Graubünden, Einkommens- und
Vermögensbesteuerung von Wohnrechten, 2020, S. 1). Entsprechend der
Regelung bei Nutzniessungsrechten ist deshalb, wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, der volle Vermögenssteuerwert
des wohnrechtsbelasteten Vermögensobjekts zu besteuern und nicht nur
der kapitalisierte (Ertrags-)Wert des Wohnrechts (vgl. DZAMKO-
LOCHER/TEUSCHER in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum StHG, 3.
Aufl. 2017, Art. 13 N 24). Auch das klare Wortlaut von Art. 54 Abs. 2 StG
spricht von Zurechnung des "Vermögens" und nicht des kapitalisierten
Wertes, wie es etwa bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer der Fall
ist (vgl. Art. 111 Abs. 2 StG).
3.4. Auf die hier ohnehin nicht einschlägige Praxis des Kantons Luzern
bezüglich der Erbschafts- und Schenkungssteuer scheint sich der
Beschwerdeführer zu beziehen, wenn er auf die Berechnung des Barwerts
im Kanton Luzern hinweist. Nebenbei sei bemerkt, dass im Kanton Luzern
der Steuerwert für eine mit einem Wohnrecht belastete Liegenschaft
gemäss entsprechender Weisung zur Vermögenssteuer (vgl. § 48 Abs. 1
des Steuergesetzes des Kantons Luzern) 100 % des Katasterwertes
beträgt.
3.5. Im vorliegenden Fall beträgt der Steuerwert des betreffenden
Wohnhauses gestützt auf die amtliche Schätzung vom 25. November
2015 CHF 215'000.00 entsprechend dem Mittel aus zweifachem
Ertragswert (CHF 160'000.00) und einfachem Verkehrswert (CHF
325'000.00) (vgl. Art. 56 Abs. 2 StG). Diese Berechnung wird vom
Beschwerdeführer auch nicht bestreitet.
3.6. Soweit der Beschwerdeführer schliesslich eine Ungleichbehandlung in der
Tatsache erblickt, dass betreffend den Vermögenssteuerwert keine
Unterscheidung zwischen Eigentum und Wohnrecht gemacht wird, kann
ihm nicht gefolgt werden.
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3.6.1. Ein Entscheid verletzt das in Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV; SR
101) verankerte Gleichheitsgebot, wenn er rechtliche Unterscheidungen
trifft, für die ein vernünftiger Grund in den tatsächlichen Verhältnissen nicht
ersichtlich ist, oder Unterscheidungen unterlässt, die sich aufgrund der
Verhältnisse aufdrängen, wenn also Gleiches nicht nach Massgabe seiner
Gleichheit gleich und Ungleiches nicht nach Massgabe seiner Ungleichheit
ungleich behandelt wird. Vorausgesetzt ist, dass sich die ungerechtfertigte
Gleich- bzw. Ungleichbehandlung auf eine wesentliche Tatsache bezieht
(BGE 131 I 394 E. 4.2 m.H.).
3.6.2. Mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass das dingliche
Wohnrecht dem Berechtigten die uneingeschränkte Befugnis zum
Gebrauch der Wohnung verleiht. Das dingliche Wohnrecht verschafft ihm
eine Stellung, die in ihren Auswirkungen jener des Eigentümers
gleichkommt (vgl. DZAMKO-LOCHER/TEUSCHER, a.a.O., Art. 13 N 29 m.H.).
Es ist somit nicht zu beanstanden, wenn beim unentgeltlich eingeräumten
Wohnrecht die wohnrechtsbelastete Liegenschaft bei der
wohnrechtsberechtigten Person zu ihrem Vermögenssteuerwert besteuert
wird. Ein Verstoss gegen das Gleichheitsgebot liegt somit nicht vor.
4. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Der
angefochtene Einspracheentscheid und damit die betreffende
Veranlagungsverfügung 2020 ist somit zu bestätigen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten des unterliegenden Beschwerdeführers.
Die Staatsgebühr wird im Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 500.00
festgesetzt. Der Beschwerdegegnerin wird entsprechend dem Grundsatz
in Art. 78 Abs. 2 VRG keine Parteientschädigung zugesprochen.
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