Decision ID: 69bfabcc-8921-4aa2-9eec-1d12744f9673
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war zuletzt bis 2014
bei drei verschiedenen Arbeit
gebern
als Raumpflegerin tätig (Urk. 6/2
, Urk. 6/7/3
). Unter Angabe einer HWS Distorsion nach einem Unfall am 1
7.
Oktober 2014 (vgl. Urk. 6/4/317) mel
dete
sie
sich am
2
2.
Februar 2016
zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 6/
2
). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Züric
h, IV-Stelle, klärte die medizinischen und erwerblich-beruf
lichen Verhältnisse ab und zog die
Akten der Suva und des
zuständigen
Krankentaggeld
versicherers bei (Urk. 6/
4,
Urk.
6/8-9,
Urk.
6/11,
Urk. 6/27,
Urk.
6/41
, Urk. 6/51, Urk. 6/52
). Am
16
.
September
2016 teilte sie
der
Versicherten mit, dass be
rufliche Eingliede
rungs
massnahmen nicht angezeigt seien und über den Rentenanspruch eine separate Verfügung ergehen werde (Urk. 6/
25
).
Am
1
6.
September 2016 erlitt die Versi
cherte einen weiteren Unfall
, welcher der Suva am 24. Februar 2017 gemeldet wurde
(
Urk.
6/41).
D
ie
Krankentaggeldversicherung
gab
bei der Y._
ein
bidiszi
plinäres
Gutachten in Auf
trag, welches am
21
.
November
2016 erstattet wurde (Urk. 6/52
/2-37). Mit Vor
be
scheid vom
9
. April 201
8 (Urk. 6/45
) stellte
die IV-Stelle
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nachdem gegen den Vorbescheid Einwand erho
ben
wo
rde
n war
(Urk. 6/
48 und
Urk.
6/54
), verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
20
.
September
201
8
(Urk. 2) den Anspruch auf eine Invalidenrente
bezieh
ungsweise wies das Leistungsbegehren ab
.
2.
Gegen die Verfügung vom
20
.
September
2018
erhob
die
Versicherte am
22
.
Okto
ber
201
8
Beschwerde
(Urk. 1 S. 2 f.)
und beantragte
,
die Verfügung der Beschwerdegegnerin
sei
aufzuheben
(1.), der Beschwerdeführerin sei spätestens ab dem
1.
August 2016 eine ganze IV-Rente auszurichten (2.), eventualiter sei ein neutrales, umfassendes, polydisziplinäres Gutachten unter Beachtung der neuen Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 in Auftrag zu geben (3.),
subeventualiter
sei der Beschwerdeführerin der Anspruch auf berufliche Einglie
derungsmassnahmen zuzusprechen (4.), alles unter Kosten- und Entschädi
gungs
folgen zzgl. MwSt. zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
22
.
November
201
8
(Urk. 5) auf Abweisung der
Beschwerde, was der
Beschwerde
führer
in
am
29
.
November
201
8
unter Auffor
de
rung zur Einreichung weiterer Akten
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Die
von der Beschwerdeführerin daraufhin eingereichten Berichte wurden der Be
schwe
r
degegnerin zugestellt (vgl. Urk.
8, 9/1-3 und 10). Am 24.
Januar
2020 reichte die
Beschwerdeführerin auf Aufforderung des Gerichts einen weiteren Bericht nach (Urk. 12 und 13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Nach der Rechtsprechung kann eine bei einem Unfall erlittene Verletzung im Bereich von Halswirbelsäule (HWS) und Kopf auch ohne organisch nachweisbare (d.h. objektivierbare) Funktionsausfälle zu länger dauernden, die Arbeits- und
Er
werbsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden führen. Derartige Verletz
ung
en
sind gemäss Rechtsprechung durch ein komplexes und vielschichtiges Beschwer
debild mit eng ineinander verwobenen, einer Differenzierung kaum zugänglichen Beschwerden physischer und psychischer Natur gekennzeichnet. Diese mit Bezug auf die obligatorische Unfallversicherung - und dabei insbesondere hinsichtlich der adäquaten Kausalität zwischen Unfall und Gesundheitsschaden - entwickelten Grundsätze sind auch für die Invalidenversicherung massgebend. Auch hier kann eine spezifische HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare Funktions
aus
fälle mit dem für derartige Verletzungen typischen, komplexen und vielschich
tigen Beschwerdebild die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen (BGE 136 V 279 E. 3.1).
1.2.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
(IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.3
G
emäss der Rechtsprechung
ist bei
fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte
n
somatoforme
n
Schmerzstörung
en
und vergleichbare
n
psychosomatische
n
Leiden
, wozu auch
spezifische und u
nfalladäquate HWS-Verletzungen (Schleudertrauma)
ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
gehören (vgl.
BGE 136 V 279
),
anhand von
Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen, indem gleichermassen den äusse
re
n Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zu
lässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge
sund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
ka
to
ren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiege
nder Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142 V 106 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2017 vom 28. Februar 2018 E. 6.3).
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Ände
rung der Rechtsprechung).
1.2.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei
psychosomatischen Leiden und
psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE
143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
die angefochtene Verfügung (
Urk.
2)
damit, die Diagnose eines HWS-Distorsionstraumas
habe
keine dauerhafte Auswirku
ng auf die
Arbeitsfähigkeit
. In den Arztberichten aus dem Jahr 2016 werde von den gleichen Symptomen berichtet und die Beschwerden seien
seither
unverändert. Bei den Untersuchungen von 2016 hätten keine körperlichen oder psychischen Ursachen der geklagten Symptome objektiviert werden können. Damals hätten keine gesundheitlichen Einschränkungen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit bestanden.
Da aktuell über dieselben Beschwerden geklagt werde
wie im Jahre 201
6,
könne davon ausgegangen werden, dass auch
aktuell
keine Ein
schrän
kungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorhanden seien. Auf die medizinischen Unterlagen aus dem Jahr 2016 könne vollumfänglich abgestützt werden.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt
e
sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
11), dass anhand der
Vorakten
erstellt sei, dass sie seit dem Unfall vom
17. Oktober
2014
unfallbedingt zu 100
%
erwerbsunfähig sei. Der zweite Unfall vo
m 1
6.
September 2016 habe zur Exazerbation des Schmerzleidens geführt. Die Suva und die Krankentaggeldversicherung hätten ebenfalls die 100
%
ige Erwerbs
unfähigkeit anerkannt, da diese doch nahtlos bis zum 3
0.
Juni 2018, und somit während mehr als dreieinhalb Jahren Taggelder ausgerichtet hätten. Eine lang
andauernde Krankheit liege nachweislich vor. Die Beschwerdegegnerin habe bis heute keine eigenen medizinischen Untersuchungen durchgeführt. Auch die Suva habe lediglich rudimentäre Abklärungen durchgeführt. Die von der Krankentag
geld
versicherung bei der
Y._
in Auftrag gegebenen Gutachten seien wertlos, da diese MEDAS nicht neutral sei und die neue Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 nicht berücksichtigt worden sei. Aufgrund de
s
komplexen Krankheitsbildes
hätte
die Beschwerdegegnerin zwingend ein neutrales, um
fas
sen
des, polydisziplinäres Gutachten, welches die Kriterien von BGE 141 V 281 erfülle, in Auftrag geben müssen (S. 12).
Der medizinische Sachverhalt sei von der Beschwerdegegnerin offensichtlich nicht umfassend überprüft worden, wes
halb gegen die Untersuchungsmaxime gemäss
Art.
43 ATSG verstossen worden sei
(S. 13)
. Da bei der Beschwerdeführerin der IV-Grad
bei weit über 20
%
liege, habe die
se
mindestens Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (S. 14).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie FMH, hielt in seinem Arztbericht vom 2
7.
Februar 2015
(
Urk.
9/1)
als Diagnosen ein posttraumatisches,
cervico-cepha
les
und
lumbales Schmerzsyndrom bei Status nach
Heckauffahrkollision
mit
Beschleunigungstrauma der HWS sowie Prellung der LWS
fest (S. 1)
. Im Status bestehe eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule mit
palpatorisch
verdickter und
druckdolenter
Nacken- und Schultermuskulatur. Neu
rologische Ausfälle würden keine bestehen, so dass eine Schädigung am Nerven
system nicht anzunehmen sei. Die geklagten Schwindel dürften zervikal bedingt sein und somit eine weitere Folge des HWS-Traumas
(S. 2)
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin Innere Medizin und Rheumatologie FMH, nannte in ihrem Bericht vom 1
7.
September 2015
(
Urk.
9/2)
die
folgende Diagnose:
-
St. n. HWS-Distorsion am 17.10.2014
-
Persistierend verminderte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächt
nis
störungen
-
Persistierende Kopfschmerzen und
zerviko-thorakovertebrales
bis
spon
dy
logenes
Schmerzsyndrom
Dazu führte sie aus, dass der Verlauf elf Monate nach der HWS-Distorsion bei geringer Geschwindigkei
t und ohne initial strukturelle
Verletzungen ungewöhn
lich sei. Es sei anamnestisch zwar über längere Zeit Physiotherapie erfolgt, aber offenbar keine Erfassung der Begleitprobleme und keine Rehabilitationsversuche, obwohl die Arbeitswiederaufnahme mehrfach gescheitert sei. Zum jetzigen Zeit
punkt seien sowohl Funktionsstörungen wie muskuläre Befunde
erhebbar
. Zur Quantifizierung der neuropsychologischen Problematik sei sie,
Dr.
A._
, nicht qualifiziert
(S. 2)
.
3.3
Die bei der
B._
tätigen Ärzte,
Dr.
med
C._
, Assistenzärztin Arbeitsorientierte Rehabilitation
,
und
Dr.
med.
D._
, Facharzt Physika
li
sche Medizin und Rehabilitation FMH, nannten in ihrem Bericht vom 2
0.
Okto
ber 2015 (
Urk.
6/4/38-50) folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
HWS-Distorsion QTF II
-
23.01.2015 MRI HWS: Normales
Myelon
, keine Spinalkanalstenose, keine Neurokompression
-
23.03.2015 MRI Schädel: Kein Nachweis einer frische
re
n oder alten
residuellen
traumatischen Läsion. Venöses Angiom
fronto
-temporal rechts. Empty-
Sella
. Ansonsten unauffälliges Schädel-MRT
-
27.02.2015
Zerebrovaskuläre
Doppeluntersuchung und
Dublex
-Sono
graphie mit Farbkodierung: Normale extra- und
transkranielle
Karotis- und Vertebralis-Dopplersonographie. Keine Hinweise für trau
matische Gefä
s
sschäden
-
27.02.2015 EEG-Befund: In begrenzender Norm mit leichter unspezi
fischer Allgemeinveränderung der Grundaktivität. Kein Herd abgrenz
b
ar, keine Epilepsie verdächtigen
Potenziale
-
Zervikobrachiales
Syndrom rechts
-
Kopfschmerzen
-
BWS-Kontusion
-
23.04.2015 MRI BWS sagittal und axial,
koronal
nativ und nach i. v. KM-Gabe: Unauffälliges MRT der BWS. Kein Nachweis einer trau
matischen Läsion
Des Weiteren
berichteten die Ärzte, dass beim
durchgeführte
n
Assessment für die aktiven und passiven Therapiemassnahmen ein mässiger Zugang gefunden werden konnte. Die Beschwerdeführerin habe eine mässige Leistungsbereitschaft gezeigt. Die minimale Performance sei nicht erreicht worden (S. 4).
Hinsichtlich der Konsistenz hielten sie fest, das eine Diskrepanz zwischen dem Fehlen einer relevanten klinischen Problematik im Bereich Hand oder Vorderarm und der sc
hlechten Handkraft links besteh
e. Ausserdem bestehe eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angegebenen Einschränkungen im Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit (PACT-Test) und den beobachteten funktionellen Fähigkeiten. Die Selbsteinschätzung sei erheblich zu tief gewesen. Die Angabe von starken Schmerzen entspreche nicht dem kaum leidenden Ein
druck, den die Beschwerdeführerin während den Aktivitäten vermittelt habe. Es liege auch eine neurologisch nicht plausible sensorische Störung vor (S. 12).
Unter den beschriebenen Therapieempfehlungen und i
m Hinblick auf den bisherigen Ver
lauf und die heutigen Resultate spreche nicht
s
gegen einen baldigen Arbeits
versuch (S. 5).
3.4
In seiner
Aktenbeurteilung
vom
2
5.
Februar 2016 (
Urk.
6/4/7-12)
führte
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie sowie Kreisarzt, zunächst die
vorhandenen Berichte auf
.
Zu den von Dr.
F._
initial festgehaltenen Schmerzen in der Kreuzregion
hielt er insbesondere fest, dass es extrem unwahrscheinlich sei, dass die durch den Sitz gut geschützte LWS bei einem Auffahrunfall mit niedriger Geschwindig
keit eine Verletzung erleiden würde. Dies sei selbst bei höheren Geschwin
dig
keiten aufgrund der genannten Schutzwirkung des Sitzes unwahrscheinlich (S.
4). Beim Unfall seien weder bildgeben
d
unfallbedingte strukturelle Läsionen aufge
tre
ten noch fachärztlich neurologisch nachweisbare neurogene Verletzungen (S.
5). Aus rein
traumatologisch
-/somatischer Sicht sei anlässlich der Auffahrun
falles vom 1
7.
Oktober 2014 keine unfallbedingte strukturelle Läsion erfolgt und es sei von einem Status quo sine mit Datum des MRI der BWS vom 2
3.
April 2015 auszugehen. Die weiterhin geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin seien aus
traumatologisch
-/somatischer Sicht somit nicht nachvollziehbar und es sei anzunehmen, dass diese im Rahmen einer Symptomausweitung zu sehen seien. Aus somatischer Sicht ergebe sich somit kein
Ansatzpunkt für weitere unfall
ur
sächliche therapeutische Bemühungen. Bei fehlendem Ansatzpunkt könne zum
einen kein therapeutisches Regime vorgeschlagen werden und zum anderen könne
nicht erwartet werden, dass durch jedwede somatisch orientierte Therapie noch eine Verbesserung auftreten werde (S. 6).
Die Suva stellte daraufhin die Ver
si
cherungsleistungen per 15. April 2016 ein (Urk. 6/11/38-39; vgl. auch Urk. 6/23).
3.5
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im undatierten, im Februar 2017 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach HWS-Distorsion am 17. Okto
ber 2014 mit chronischen Schmerzen und mit
zerviko
-thorakalem Schmerzsyn
drom sowie eine Depression und Schlafstörungen an (Urk. 6/27/1-5 S. 1; vgl. auch Urk. 6/14). Die letzte Kontrolle habe am 30. Juni 2016 stattgefunden und seit Juni 2016 sei keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert worden. Er denke, dass mit einer Wiederaufnahme beziehungsweise einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (Urk. 6/27/3).
3.6
3.6.1
Dr.
med.
H._
, Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, Spor
t
medizin SGSM, Manuelle Medizin SAMM und
Interventionelles
Schmerz
mana
gement SSIPM sowie
Dr.
med.
I._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
erstatteten
gestützt auf ihre Untersuchungen vom 22. September 2016
am 21. November 2016 ein
bidi
sziplinäres
Gutachten (
Urk.
6/52
/2-37).
3.6.2
Dr.
H._
gab in seinem rheumatologischen Teilgutachten
(
Urk.
6/52/2-26)
an,
die Beschwerdeführerin habe Beschwerden im zervikalen Bereich,
interscapulär
und den rechten Arm betreffend sowie auch die Brustregion rechts, den Hals ven
tral und zum Gesicht hinaufziehend angegeben. Zudem habe
sie
am Beckenkamm rechts Beschwerden beklagt. Weiterhin habe sie Beschwerden im Bereich der
Gelenke der unteren Extremität und der Hände mit Empfin
d
en eines Anschwellens
beklagt.
In der Untersuchung habe sich kein behinderungsrelevanter Befund objektivieren lassen. Die Schmerzangaben seien durchgehend nicht konsistent gewesen (bei Ablenkung nicht auslösbar) und objektive Störungsbefunde seien nicht zu erheben gewesen, v. a. habe die spontane Mobilität frei und ungehindert imponiert (S. 16). Die Anamnese spreche zudem für eine Selbständigkeit und Selbstversorgung sowie eine rege familiäre Aktivität (Betreuung der Kinder des Bruders), was mit einer namhaften somatischen Einschränkung nicht in Einklang zu bringen sei. Auch führe die Beschwerdeführerin
wieder einen PKW. Eine rheu
matologische Erkrankung im Sinne einer autoimmun-vermittelten Pathologie oder einer anderen
ossären
,
arthrogenen
oder
myogenen
sowie auch einer
liga
mentären
Erkrankung sei nicht evident. Zeichen einer unfallbedingten struktu
rellen Schädigung würden nicht vorliegen und seien auch aktenkundig bereits verneint worden. Das Unfallereignis sei ohne jeden Anhalt für eine namhafte struk
turelle spinale Läsion einhergegangen, dies sowohl in den radiologischen Vorbefunden als auch in den vorbeschriebenen klinischen Untersuchungen, die nicht über subjektive Schmerzangaben und weitere Klagen hinausgehen würden. Der Unfallhergang spreche zudem eher f
ür ein Bagatell-Unfallgeschehen. D
ie Beschwerdeführerin habe die Fahrt fortsetzen können. Die seinerzeit bildmorpho
logisch beschriebene Steilstellung der HWS sei ohne wesentlichen ei
genständigen Krankheitswert (S.
17). Hinzuweisen bleibe auf die deutliche Diskrepanz zwischen reklamierter aktueller Schmerzintensität und dem nicht schmerzgeplagten klini
schen Eindruck sowie der freien spontanen Mobilität der Beschwerdeführerin. Die positiven
Waddell-Signs
spräch
en für eine bewusstseinsnahe demonstrative
Be
schwerdepräsentation
. Entsprechende Befunde hätten sich auch im Bericht der
B._
gefunden.
Für die zuletzt ausgeübte sowie jedwede vergleichbare Tätigkeit oder eine andere Arbeit des allgemeinen Arbeitsmarktes bestehe somit aus rheuma-orthopädischer Sicht eine 100
%
ige Arbeitsfähigkeit, dies per sofort geltend (S. 17).
3.6.3
In seinem psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
6/52/
27-37) hielt
Dr.
I._
fest, die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Begutachtung
angegeben
, dass sie keine Depression habe. Sie könne lachen und sich freuen, fühle sich nicht traurig oder niedergeschlagen. Angst oder innere Unruhe würden nicht bestehen, auch fühle sie sich nicht dünnhäutig und empfindlich. Sie mache sich Sorgen bezüglich der Gesundheit und der Zukunft. Grübeln oder Gedankenreisen habe die Beschwer
de
führerin verneint (S. 2).
Die Beschwerdeführerin habe vorrangig über ein diffus verteiltes unspezifisches Schmerzsyndrom mit erheblicher aktueller Ausprägung berichtet. Schmerzasso
zi
iert seien vegetative Beeinträchtigungen, Gesundheitssorgen und vermindertes
Konzentrationsvermögen berichtet worden. Eine erhebliche psychische Beein
träc
h
tigung sei nicht reklamiert worden und sei auch in der vertiefenden Exploration nicht herauszuarbeiten gewesen. Im AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund würden keine namhaften Auffälligkeiten bestehen, insbesondere seien Stimmung, Antrieb und affektive Schwingungsfähigkeit unbeeinträchtigt. Ein depressives
Syndrom sei nicht zu diagnostizieren. Auch für eine anderweitige psy
chiatrische Erkrankung seien keine Anhaltspunkte zu finden: eine Angst- oder Zwangserkrankung, Persönlichkeitsstörung oder Suchterkrankung,
Traumafolge
störung
oder andere psychiatrische Erkrankung würden nicht vorliegen.
Eine somatoforme Schmerzstörung sei ebenfalls nicht zu diagnostizieren: ein den Schmerzen zugrundeliegender erheblicher seelischer oder psychosozialer Konflikt sei nicht herauszuarbeiten, eine ICD-10-konforme Diagnose-Konstellation sei somit nicht gegeben (S. 7).
Die Beschwerdeführerin habe nicht namhaft schmerzgeplagt gewirkt, was diskre
pant zur anamnestisch reklamierten hohen Schmerzintensität stehe.
Dies spreche für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden (S. 8 und
S.
10).
Die Beschwerdeführerin stehe in ambulanter psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Eine regelmässige Psychophar
maka
-
Einnahme werde verneint. Eine psychiatrische Therapie-Indikation sei aus Sicht des Gutachters auch nicht zu erk
ennen (S. 8).
Eine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit vor und aus psychiatrischer Sicht bestehe somit vollschichtige Arbeitsfähigkeit in der angestammten/letzten sowie jedweder vergleichbaren oder auch einer anderen Tätigkeit des allgemeinen Arbeits
markts (Pensum und Rendement 100
%
), dies per sofort geltend (S. 8
f.
).
3.6.4
Krankentaggeldversicherung sah daraufhin die die Einstellung der Taggelder per 19. Dezember 2016 vor (Urk. 6/41/51).
3.7
Dr.
med. univ.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
bei welcher die Beschwerdeführerin seit März 2017 in Behandlung steht,
hielt
in ihrem
B
ericht vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
9/3)
als Diagnosen eine Anpassungs
störung mit Angst und Depression (ICD-10: F43.22) mit/bei St. n. Verkehrsunfall 2014 und 2016 mit anschliessendem HWS-Distorsionstrauma sowie eine somato
forme Schmerzstörung (ICD-10: F
45.4) fest (S. 2).
Das psychische Zustandsbild werde durch chronische Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen, persistierende Schwindelattacken und Tagesmüdigkeit bei minimalen Belastungen sowie Angstzustände (Zukunfts- und Existenzängste) er
gänzt, welche zu weiteren Verunsicherungen und Einschränkungen in der Adap
tion und D
urchhaltefähigkeit führt
. Die Beschwerdeführerin habe über Gedan
kenkreisen um ihre aktuelle Situation und die Zukunft berichtet sowie Sorgen und Ängste in Bezug
auf weitere Arbeitsmöglichkeiten geäussert. Sie sei gele
gentlich auch gereizt, traurig und innerlich angespannt (S. 1).
Des Weiteren
führte
Dr.
J._
aus
, dass die Schmerzen möglicherweise als Ergeb
nis einer psychogenen Entwicklung und demnach als Symptom eines
intra
psy
chischen Konfliktes einzuordnen
seien
, dies bedeute, der Schmerz habe die Funk
tion einer klinischen Manifestation eines Konfliktes und könne nur über dieses Symptom exprimiert werden (S. 2).
Es sei davon auszugehen, dass der Autounfall und der Verlust der Arbeit als hohe Bel
a
stung erlebt worden seien.
Dazu
komme auch die soziale Situation der Be
schwerdeführerin, welche fast 40 Jahre alt sei, noch immer bei den Eltern wohne, nie verheiratet gewesen sei und keine Kinder habe. Gemäss
Dr.
J._
ist
dies aus kulturellen Gründen für die Beschwerdeführerin sehr belastend und dadurch würden auch die Schmerzen
als hohe Belastung erlebt
(S. 2).
3.
8
Dr.
med.
K._
, Fachärztin Neurologie FMH, nannte in ihrem Arztbericht vom
6.
April 2018 (
Urk.
13
) folgende Diagnosen:
-
Chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei Status nach HWS-Dis
tor
sion QTF II am 17.10.2014 sowie BWS-Kontusion am 23.04.2015 mit/
bei:
-
MRI HWS: Streckhaltung der HWS. Ausschluss einer relevanten Diskuspathologie oder über das Altersmass hinausgehenden degenera
tiven Veränderungen (19.02.2018)
-
Chronifizierte
Migräne ohne Aura
-
Verdacht auf Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (Paracetamol, Ibuprofen)
-
Intermittierende Sensibilitätsstörungen in den median versorgten Fingern mit/bei:
-
Ausschluss eines Carpaltunnelsyndroms rechts
-
Am ehesten
pseudoradikuläre
Beschwerden
Bei der Beschwerdeführerin zeige sich ein typisches
chronifiziertes
Störungsbild nach einem HWS-Distorsionstrauma mit
Zervikobrachi
algie
und
Zervikozephal
gien
. Bez
üglich der
Zervikalgien
würden sich typischerweise lokale Verspann
ungen der Nackenmuskulatur sowie
druck
d
olente
Triggerpunkte
finden lassen. Klinisch und radiologisch fänden sich keine Anhaltspunkte für eine
radikuläre
Kompression. Die Sensibilitätsstörungen in den median versorgten Fingern seien für ein Carpaltunnelsyndrom recht suggestiv, zumal das
Tinel
-Phänomen und der
Phalen
-Test bei der Beschwerdeführerin rechtsbetont positiv gewesen seien. Die elektrophysiologische Untersuchung sei allerdings völlig normal. So sei allenfalls von
einem subklinischen CTS oder einer
pseudoradikulären
Problematik auszu
gehen. Die Kopfschmerzen seien anhand der Semiologie eher
migränös
. Die hohe Kopfschmerzfrequenz werde durch den chronischen Schmerzmittelübergebrauch aufrechterhalten (S. 2).
Dr.
K._
schlug eine Reduktion des Schmerzmittelgebrauchs, den gezielten Einsatz von
Triptanen
sowie den Einsatz von
Botolinumtoxin
, welches eine wirk
same und gut verträgliche Methode bei Migräne sei
,
vor
.
Bei letzterem
bestehe
häufig
eine Wirksamkeit bei
chronifizierten
Zervikalgien
nach HWS-Distorsions
trauma (S. 2).
4.
4.1
Hinsichtlich der rentenabweisenden Verfügung vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
2) steht zunächst in Frage, ob zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das
bidisziplinäre
Gutachten der
Y._
vom 2
1.
November 2016 (vgl. E. 3.6
hiervor) abgestellt werden kann.
4.2
Das eingeholte Gutachten wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt und beruht grundsätzlich auf den erforderlichen Untersuchungen. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge ein
leuchtend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhal
ten der Beschwerdeführerin auseinander. Weder im rheumatologischen noch im psychiatrischen Teilgutachten konnten Diagnosen mit wesentlicher Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit beschrieben werden.
Dr.
H._
berichtete
in seinem
rheumatologischen Teilgutachten ausführlich,
welche
Beschwerden die Beschwer
de
führerin
zugab
und
überprüfte diese bei seiner klinischen Untersuchung (Urk.
6/52/2-37 S. 3 f., S. 9 ff.). Dabei
zeigte er Widersprüche zwischen den An
gaben der Beschwerdeführerin und dem von ihm festgestellten Gesundheits
zu
stand anlässlich der Begutachtung auf.
So hielt er unter anderem fest, dass die Sitzbelastung während der 40-minütigen
Amneseerhebung
beschwerdefrei tole
riert wurde und die Transfers sehr dynamisch durchgeführt worden seien. Er habe keinen Schonsitz, Schongang oder Schonhaltung
eruieren
können. Auch sei die Wendebewegung des Kopfes und Rumpfes während der
Amneseerhebung
normal, spontan und frei erfolg
t
(S. 9 f.; vgl. auch vorne E. 3.6.2)
.
Dr.
H._
begründet schliesslich nachvollziehbar, weshalb er keinen Anhalt für eine rheumatologische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen konnte.
Auch das psychiatrische Teilgutachten von
Dr.
I._
befasst
e
sich mit den geklagten Be
schwerden und überprüft
e
diese auf ihr Bestehen. So
kam
Dr.
I._
nachvoll
ziehbar zum Schluss, dass im erhobenen
psychiatrischen Befund keine namhaften Auffälligkeiten
bestanden
und insbesondere Stimmung, Antrieb und die affektive Schwingungsfähigkeit unbeeinträchtigt
waren
. Er stellt
e
zudem fest, dass weder ein depressives Syndrom, noch eine Angst- oder Zwangserkrankung, Persönlich
keitsstörung, Suchterkrankung,
Traumafolgestörung
oder eine andere psychia
tri
sche Erkrankung diagnostiziert werden konnte. Er diskutierte ausserdem die
Mög
lichkeit
einer somatoformen Schmerzstörung und er
klärte, dass diese mangels eines
den Schmerzen zugrundeliegenden erheblichen seelischen oder psychoso
zialen Konflikt
s
nicht
als gegeben betrachtet werden kö
nn
e
(S. 33)
.
Die im Gut
achten beschriebenen Feststellungen sind schlüssig und
überzeugend
.
4
.3
Die Beschwerdeführerin brachte
i
n ihrer Beschwerde (Urk. 1 S. 7 f.
) vor, Gut
achten der
Y._
sei
en wegen
Voreingenommenheit von vorneherein
nicht beweistauglich.
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss
trauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Das Misstrauen muss
dabei i
n objek
tiver
Weise als begründet erscheinen
(
vgl.
BGE 132 V 93 E. 7.1, 120 V 357 E. 3)
.
Vorliegend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche eine mangelnde Neutra
lität und damit
Ausstandsgründe
von Dr.
H._
oder Dr.
I._
zu begründen vermöchten. Konkrete Hinweise für eine Befangenheit wurden auch von der Be
schwerdeführerin nicht dargetan. Soweit der
Y._
unter Hinweis auf zwei kantonale Gerichtsentscheide und eine Sendung des Kassensturzes pauschal eine Voreingenommenheit vorgehalten und deren Gutachten jeglicher Beweiswert ab
ge
sprochen wird, so ist darauf hinzuweisen, dass nur Gutachter, nicht jedoch die medizinischen Abklärungsstellen als solche befangen sein können. Statistischen Daten zu einzelnen Gutachterstellen kommt im Hinblick auf die Frage der Be
fangenheit der einzelnen Gutachter keine Relevanz zu (Urteil des Bundesgerichts 9C_19/2017 vom 30. März 2017 E. 5.1). Das Bundesgericht hat zudem Hinweise für eine - auch vorliegend zu berücksichtigende - Befangenheit des ebenfalls mit
unterzeichnenden medizinischen Leiters der
Y._
, Prof. Dr. med.
L._
, Fach
arzt für Neurologie, verneint (Urteil des Bundesgerichts 9C_19/2017 vom 30. März
2017 E. 5.2 f.
)
.
4.4
4.4.1
Gestützt auf das überzeugende und in Übereinstimmung mit den Vorberichten (vgl. E. 3.3-3.5) stehende Gutachten der
Y._
vom 21. November 2016 war im
Gutachtenszeitpunkt von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszu
gehen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass sich der zweite Auffahrunfall vom 16. September 2016 vor den dem Gutachten zugrundeliegenden Untersuchungen vom 22. September 2016 zugetragen hat. Allfällige durch den zweiten Unfall bedingte Beschwerden und Befunde waren somit bereits berücksichtigt worden, auch wenn die Beschwerdeführerin den zweiten Unfall bei den Untersuchungen nicht erwähnt hat (vgl. Urk. 6/52/2-26 und 6/52/27-37 S. 30). Die Ärzte gingen nicht von einem
typischen
,
komplexen und vielschichtigen
Beschwerdebild, wie es nach HWS-Traumen
ohne organisch nachweisbare
Verletzungen auftreten kann, aus. Bei attestierter 100%iger Arbeitsfähigkeit ist sodann ein
strukturiertes Beweisverfahren
ohnehin grundsätzlich
obsolet
(Urteil des Bundesgerichts 9C_319/2017 vom 15. Februar 2018 E. 2.5)
.
Das Gutachten der
Y._
datiert vom 21. November 2016 und die leis
tungs
ablehnende Verfügung vom 20. September 2018. Damit ist im Hinblick auf den Einwand der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe keine eigenen Untersuchungen vorgenommen und die späteren Arztberichte seien unberück
sichtigt geblieben, zu prüfen
,
ob ergänzende Abklärungen erforderlich machen.
4.4.2
Im
rheumatologischen T
eilgutachten
vom 2
1.
November 2016 (vgl. E. 3.6.2 hier
vor) wu
rden Beschwerden in der Nackenregion beidseits und der
interscapulären
Region mit Ausstrahlung über das Schulterblatt
rechts in den Oberarm rechts sowohl rückwärtig als auch vorne, beides etwa bis zum El
lenbogen festgehalten. Weiter wu
rden Beschwerden über dem Beckenkamm rechts, im Bereich der Brustmuskulatur rechts und der vorderen Halsregion, teils auch im Bereich der Wangen beidseits und der Stirn beidseits, Atembeschwerden, Druck und Brennen über den Augen, Schwindel, Schmerzen im Nacken, Schlaflosigkeit, Konzentra
tionsabnahme, Schmerzen in den Gelenken (Hüfte, Knie, Fuss- und Sprung
ge
lenke sowie Hand- und Fingergelenke), Müdigkeit und Erschöpfung
angegeben
(
Urk.
6/52/2-26 S. 2 f.).
Diskrepant zu diesen Schmerzangaben war kein behinderungsrelevanter Befund zu objektivieren (S.
17).
Im neusten den Akten zugrundeliegenden Bericht von
Dr.
K._
vom
6.
April 2018 (vgl. E. 3.8 hiervor) werden Schmerzen im Hals und Nackenbereich, ausstrahlend in die Schultern und Arme, gelegentlich bis in die Finger sowie in den Rücken genannt. Weiter
werden Parästhesien in den
Fing
ern, Kopfschmerzen, Lärmempfindlichkeit, Konzentrations- und Aufmerk
sam
keitsstörungen sowie Schlafstörungen angegeben (S. 1).
Ausser
endgradigen
Be
wegungseinschränkungen der HWS, lokalen
Verspannungen der Nackenmusku
latur und
druckdolenten
Triggerpunkten
konnten keine Befunde erhoben werden. Hinsichtlich der neu diagnostizierten
chronifizierten
Migräne ohne Aura wurde der Verdacht auf ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz geäussert (S. 1 f.).
Von einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes ist aufgrund dieses Berichts vom 6. April 2018 nicht auszugehen. Eine Arbeits- oder Erwerbsun
fähigkeit ergibt sich daraus sodann nicht. Aufgrund der im Wesentlichen über
einstimmenden geklagten Beschwerden und Befunde behält die Einschätzung der Ärzte der
Y._
ihre Gültigkeit.
Ebenfalls keine (relevante) Veränderung ergibt sich aus dem Bericht von Dr. med.
M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, welcher am 1. März 2017 von einer nur subjektiv eingeschränkten Kopfbeweglichkeit und einem ansonsten unauffälligen neurologischen Befund berichtet hatte (Urk. 6/41/35). Seine haus
ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsatteste (Urk. 6/41/35, 6/41/39, 6/41/58) vermögen die auf umfassender Untersuchung erfolgte Beurteilung der Ärzte der
Y._
von vorneherein nicht in Frage zu stellen.
4.4.3
Dr.
J._
diagnostizierte in ihrem Bericht vom 22. Februar 2018 (E. 3.7) eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression (ICD-10: F43.22) und eine soma
to
forme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Ob damit von einer Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes seit der im September 2016 erfolgten Unter
suchung auszugehen ist, oder ob Dr.
J._
den Gesundheitszustand anders als
Dr.
I._
beurteilt, kann offenbleiben. Denn eine Einschränkung der Arbeits
fähig
keit attestierte Dr.
J._
nicht, soweit ersichtlich auch nicht gegenüber der Suva, dem für den zweiten Unfall massgeblichen Unfallversicherer (vgl. Urk. 6/41/33, 6/41/58).
Die uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit stimmt denn auch mit dem Ergebnis einer
kursorischen
Indikatorenprüfung
überein. Die psychopathologischen Befunde wa
ren nur gering ausgeprägt; gemäss Dr.
J._
war die Beschwerdeführerin etwa nu
r
gelegentlich gereizt, traurig und innerlich angespannt (Urk. 9/3). Am 23. Mai 201
7 hatte sie gegenüber der Aussendienstmitarbeiterin der Suva
(Urk. 6/41/37-41
S.
4
)
– wie gegenüber Dr.
I._
(Urk. 6/52/27-37 S. 2) - noch angegeben, sie habe keine «Depression». Die Therapie diene nur dem Umgang mit der Schmerzsi
tua
tion. Auch die weiterhin geltend gemachten Nacken-, Rücken- und Kopf
schmer
zen und der Schwindel können nicht von sehr erheblicher Ausprägung sein.
So berichtete die Beschwerdeführerin
beim
Gespräch
vom 23.
Mai 2017 beispiels
weise, sie
könne
den
Kopf nicht korrekt drehen
,
habe
Mühe die Arme hoch zu halten und
leide
unter Schwindel (S. 3). Im
B
ericht von Dr.
J._
lassen sich ebenfalls äusserst limitierende Beschwerden wie Schwindelattacken finden (Urk.
9/3 S. 1). Im Gespräch mit der Suva gab die Beschwerdeführerin hingegen an, weiterhin Auto zu fahren (S. 2). Auch im Rahmen der Begutachtung
hatte
die Beschwerdeführerin an
gegeben
, ihr Auto problemlos führen zu können (Urk.
6/52/2-26 S.
4 und Urk.
6/52/27-37 S.
4). Es ist nicht nachvollziehbar, in
wie
fern die Beschwerdeführerin kaum in der Lage sein soll sich ohne Unterbruch die Zähne zu putzen oder zu Essen (Urk. 6/41/37-41 S. 3), beim Autofahren aber keinerlei hindernde Beschwerden zu haben scheint. Eine aktive und sichere Teilnahme am Strassenverkehr ist mit den vorgebrachten Beschwerden nicht ver
einbar.
Bei der Beschwerdeführerin ist auch darüber hinaus von einem weit
gehend erhaltenen
Aktivitätenniveau
auszugehen.
Im
Gutachten der
Y._
wurde ein
uneingeschränktes soziales Dasein beschrieben. Im Tagesablauf der Be
schwerdeführerin wir
d so das Führen des Haushalts, das Spazieren gehen, das V
ersorgen der Kinder des Bruders,
das Lesen und Freunde t
reffen aufgeführt (
Urk.
6/52/2-26 S. 4 und Urk. 6/52/27-37 S. 4
).
Dass sich insoweit etwas geändert hätte, wurde beschwerdeweise nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus dem Bericht von Dr.
J._
vom 22. Februar 2018 (Urk. 9/3).
Anlass für ergänzende Abklärungen besteht damit nicht. Auch vom ergänzenden
Beizug
der Suva-Akten kann abgesehen werden, da davon - auch angesichts der
der Beschwerdeführerin eingeräumten Möglichkeit, die Akten zu vervollstän
di
gen
, - keine
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind
(antizipierte Beweis
würdigung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Deze
mber 2006 E. 2.2 mit Hinweisen).
4.5
Zusammenfassend ist g
estützt auf das
Y._
-
Gutachten und die Vorberichte von der vollständigen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit
mindestens
Frühjahr 2016 auszugehen. Ein Rentenanspruch ab 1. August 2016
bei der am 22.
Februar
2016 erfolgten Anmeldung fällt somit
ausser Betracht.
Die Beschwer
de
gegnerin hat somit einen Rentenanspruch zu Recht verneint.
Über den Anspruch auf berufliche Massnahmen war am 16. September 2016
vor
ab entschieden worden (Urk. 6/25). Entgegen dem Wortlaut der Verfügung bilden
sie somit nicht Anfechtungsgegenstand. Der Beschwerdeführerin ist es unbe
nom
men, sich bezüglich beruflicher Massnahmen erneut anzumelden. Soweit solche vorliegend beantragt werden, ist auf die Beschwerde jedoch nicht einzutreten.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.