Decision ID: 3afd4efd-6675-4c87-8999-5e2f164890f1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1988 geborene
X._
war ab dem
1.
Mai 2015 als Klavier
lehrer
an der Schule Y._
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert (
Urk.
12
/1
).
Gemäss Bericht vom 1. Oktober 2020 von
Dr.
rer
. nat. Z._
bemerkte der Versicherte bei der Mitwirkung an einer Opernauf
führung
Anfangs April 2019
Schwierigkeiten beim Klavierspiel (
Urk.
12/6 S.
5-6
). Nachdem
er
mit dem Klavierspiel pausiert hatte, zeigten sich die Probleme anlässlich
einer intensiven Übungsphase für einen wichtigen Auftritt im Oktober 2020 progredient schlimmer. Am 12.
November 2020 wurde der Versicherte durch den Neurologen
Dr.
med. A._
untersucht, welcher eine beid
seitige Musikerdystonie
diagnostizierte
(
Urk.
12/6)
.
In der Folge zeigte
X._
mit Schadenmeldung vom 1
8.
November 2020 der Suva das Vor
liegen einer Berufskrankheit an (
Urk.
12/1).
Mit Verfügung vom 12.
Januar 2021
(
Urk.
12/25)
, bestätigt mit
Einspracheentscheid
vom 1
4.
April 2021, verneinte die Suva das Vorliegen einer Berufskrankheit
und
einen in diesem Zusammenhang geltend gemachten
Anspruch auf Versicherungsleistungen
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
2.
Mai 2021 Beschwerde und bean
tragte
in Aufhebung des angefochtenen Entscheids
die ungekürzte Ausrichtung von Versicherungsleistungen ab
dem
Zeitpunkt der Unfallmeldung. Eventualiter
sei der
Einspracheentscheid
aufzuheben und nach vollständiger Sachverhaltsfest
stellung neu über die Sache zu entscheiden (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
11), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2021 (
Urk.
13) angezeigt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich,
im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten Versiche
rungsleistungen gewährt.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi
alversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Nach Art. 9 Abs. 1 UVG gelten als Berufskrankheiten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen. Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
hat er im Anhang I zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Nach der Rechtsprechung ist eine «vorwiegende» Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle anderen mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_22/2019 vom 24. September 2019 E. 8.2.2.1 mit Hinweis)
. «Ausschliessliche» Verursachung hingegen meint praktisch 100 % des ursächlichen Anteils der schä
digenden Stoffe oder bestimmten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis).
Als Berufskrankheiten gelten nach Art. 9 Abs. 2 UVG auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Diese Generalklausel bezweckt, allfällige Lücken zu schliessen, die dadurch entstehen könnten, dass die
bundesrätliche
Liste gemäss Anhang I zur UVV entweder einen schädigenden Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krankheit nicht aufführt, die durch die Arbeit verursacht wurde. Nach der Rechtsprechung ist die Vorausset
zung des «ausschliesslichen oder stark überwiegenden» Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG erfüllt, wenn die Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist (BGE 119 V 200 E. 2b mit Hinweis). Dabei sind an die Annahme einer Berufskrankheit relativ strenge Anforderungen zu stellen. Verlangt wird, dass die versicherte
Person
für eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausgesetzt ist. Die einmalige gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig mit der Berufsausübung eintritt, genügt nicht. Für die Beurteilung der Exposition (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte ausgeübte Berufstätigkeit zu berücksichtigen (BGE 126 V 183 E. 2b mit Hinweisen
; Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2012 vom 15. April 2013 E. 2
).
Soweit nichts
anderes
bestimmt ist, sind gemäss Art. 9 Abs. 3 UVG Berufskrank
heiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gelten als
ausgebrochen, sobald die betroffene Person erstmals ärztlicher Behandlung bedarf oder arbeitsunfähig ist.
1.4
1.4.1
Für den so qualifizierten Kausalzusammenhang trägt die versicherte Person die Beweislast, wenn ein solcher Zusammenhang trotz pflichtgemässer Abklärung des Sachverhalts (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) nicht bewiesen werden kann (vgl. RKUV 1988 Nr. U 61 S. 450 f. E. 1b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts U 557/06 vom
4.
Oktober 2007 E. 2
; zum im
Sozialversicherungsprozess
geltenden Unter
suchungsgrundsatz vgl. auch Art.
61
lit
. c ATSG; BGE 138 V 218 E. 6
mit Hin
weisen
).
Es gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 35
3 E.
5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_420/2007 vom 2
9.
Januar 2008 E. 5 und E. 5.3)
.
1
.4.2
Eine Umkehr der Beweislast tritt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur ausnahmsweise dann ein, wenn eine Partei einen Beweis aus Gründen nicht erbringen kann, welche nicht von ihr, sondern von der Behörde zu verantworten sind (BGE 92 I 253 E. 3, 138 V 218 E. 8.1.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid dafür,
die
Diagnose einer fokalen Dystonie beider Hände als Folge des Klavierspiels sei unbestritten. Indessen sei der Beschwerdeführer für die Übungsstunden, welche bis zum Abschluss des Klavierstudiums angefallen seien, nicht UVG-versichert gewesen, weshalb diese Stunden keinen UVG-versicherten Ursachenanteil darstellten. Dass
die
Ausbildung Voraussetzung für eine Anstellung sei, ändere hieran nichts.
Was das - neben der Anstellung als Klarvierlehrer - für eine selbständige Konzert
tätigkeit zweifellos notwendige immense Übungspensum anbelange, so sei dieses
ebenso
als nicht UVG-versicherter Ursachenanteil
zu
betrachten
. Schliesslich kämen auch im Freizeitbereich nicht UVG-versicherte K
la
vierspielstunden hinzu. Zusammenfassend sei damit von weit über 20'000 nicht UVG-versicherten Klavierübungsstunden auszugehen, womit es ausgeschlossen sei, dass
der UVG-versicherten beruflichen Tätigkeit als Klavierlehrer
mit überwiegender Wahr
scheinlic
hkeit ein Ursachenanteil von 75
% für die diagnostizierte fokale Dysto
nie zugeordnet werden könne. Ein Anspruch auf Versicherungsleistungen aufgrund von Berufskrankheit bestehe damit nicht (
Urk.
2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer insbesondere entgegen,
für einen qualitativ guten Instrumentalunterricht sei es unabdingbar, dass Instrumentallehrpersonen wie
er
ihr Instrument selbst auf einem hohen Niveau spielen könnten. Bereits um dieses hohe Niveau zu erreichen, aber auch um dieses aufrecht zu erhalten, sei intensives Üben unverzichtbar. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sei intensives Üben nicht nur Voraussetzung für eine Anstellung als
Instrumental
lehrperson,
sondern sei auch im Stellenprofil dieses Berufes enthalten und damit Inhalt des Arbeitsvertrages.
Ferner werde von einer Instrumentallehrperson an einer Mittelschule erwartet, dass sie öffentlich auftrete. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach die während der Ausbildung getätigten Übungs
stunden nicht UVG-versicherten Ursachenanteil darstellten, sei nicht nachvoll
ziehbar, sei diese Ausbildung doch Voraussetzung für die Anstellung als Instru
mentallehrperson an einer Mittelschule. Sodann sei er nicht während der Ausbil
dung erkrankt; vielmehr sei die hinreichende Ursache dafür erst über die lang
jährige, in zeitlicher Hinsicht über das Studium hinausgehende und sich mit der beruflichen Tätigkeit deckende
n
Übungstätigkeit gesetzt worden.
Schliesslich müsse eine Instrumentallehrperson - unabhängig von einer allfälligen Konzert
tätigkeit - mehrere Stunden täglich, durchschnittlich fünf Stunden, üben, um die Anforderungen an diesen Beruf zu erfüllen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin beschränke sich die Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht auf das Erteilen von verbalen Anweisungen mit wenigen praktischen Beispielen während des Unterrichts, zumal es sich bei seinen beiden Arbeitgeberinnen um höhere Bildungseinrichtungen mit professionellem Musikunterricht handle.
Ent
sprechend werde er nicht nur für die tatsächlichen Unterrichtsstunden, sondern auch für das ausserhalb des Unterrichts notwendige intensive Üben entschädigt
, was sich denn auch darin zeigte, dass sein Pensum von 15.5 W
ochenstunden einem
Pensum von 67 Stellenprozenten entspreche
.
Zusammen
fassend
sei
damit
die
bei ihm diagnostizierte
Dystonie zumindest stark überwie
gend von seiner Tätigkeit als Instrumentallehrperson verursacht worden, weshalb die Beschwer
degegnerin gestützt auf
Art.
9
Abs.
2 UVG Leistungen ab dem Zeit
punkt der Meldung durch den Beschwerdeführer zu erbringen habe (Urk. 1).
3.
3.1
Es steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer weder an den Folgen eines versicherten U
nfalls (
Art.
6
Abs.
2 UVG) noch
an einer unfallähnlichen
Körperschädigung (
Art.
6
Abs.
2
UVG
) oder an einer Berufskrankheit gemäss
Art.
9
Abs.
1 UVG in Verbindung mit dem Anhang 1 zur UVV leidet. In Betracht
fällt als Anspruchsgrundlage daher einzig
Art.
9
Abs.
2 UVG, wonach als Berufs
krankheiten auch andere Krankheiten gelten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend
- mithin zumindest zu 75
%
-
durch berufliche Tätig
keit verursacht worden sind (E. 1.3).
3.2
Am
1.
Oktober 2020
(
Urk.
12/6 S.
5-6)
erklärte
Dr.
rer
. nat
.
Z._
, die vom Beschwerdeführer erstmals im April 2019 bemerkten Schwierigkeiten mit der linken Hand am Klavier
seien völlig kompatibel mit eine
r klassischen Musi
kerdystonie. An der rechten Hand deuteten die
in den letzten vier bis fünf Wochen gezeigten Symptome auf eine noch im Anfangsstadium befindliche Problematik
hin
, die aber noch ein unklares Bild ergebe.
Das Konzertieren könne in diesem Zustand nicht erfolgen, weshalb der Beschwerdeführer auf seinen für Oktober geplanten Auftritt verzichte. Das Unterrichten und Dirigieren seien indessen in keiner Weise beeinträchtigt und könnten damit fortgesetzt werden. Sofern die Diagnose aus neurologischer Sicht bestätigt und andere Ursachen ausgeschlossen
würden
, übernehme er die Behandlung des Beschwerdeführers mittels
Sensory
Motor
Retuning
.
3.3
Gemäss Bericht des Neurologen
Dr.
A._
vom 1
2.
November 2020 (
Urk.
12/6
S.
1-4
) besteht beim Beschwerdeführer eine beidseitige Musikerdystonie, deren Erstmanifestation hinsichtlich der linken Hand im Jahr 2019, beziehungsweise betreffend die rechte Hand im September 2020 war. Der Arzt hielt fest, auf der linken Seite bestehe eine relativ klassische Flexionsdystonie des D3 mit kompen
satorischer Extension des Zei
gefingers. Die Beschwerden seien
typisch sofort beim Pianospiel einsetzend, zusätzlich auch bei Tätigkeiten wie Tastatur schrei
ben. Auf der rechten Seite bestehe ein diskreterer Befund einer unkontrollierbaren Adduktion des Ringfinger
s
über den Mittelfinger, ebenfalls ausschliesslich beim Pianospiel.
Eine Kompressionsneuropathie, eine
radikuläre
Reizsymptomatik, eine andere extrapyramidale Erkrankung oder eine
entzündlich-demyelini
sie
rende
Erkrankung habe sich nicht finden lassen. Mittels medikamentöser Therapie lasse sich eine Heilung der Dystonie nicht erreichen, weshalb er die Behandlung bei
Dr.
Z._
e
mpfehle. Schliesslich hielt Dr.
A._
fest, es sei etwas aussergewöhnlich
-
aber die Diagnose nicht ausschliessend
-,
dass auf beiden Seiten eine fokale, handlungsspezifische Dystonie vorliege. Auch aus diesem Grund sollte bis zum Therapiebeginn keine Zeit verloren gehen.
Da die Dystonie in einem relativ frühen Stadium stehe, erachte er die Prognose als güns
tig. Aus neurologischer Sicht sei die Dystonie als Berufskrankheit zu qualifizieren.
3.4
Mit ärztlicher Beurteilung vom
4.
Januar 2021 (
Urk.
12/14) hielt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin, speziell Manuelle Medizin,
Abteilung Arbeitsmedizin der Beschwerdegegnerin,
fest, an der Diagnose der
fokalen D
ystonie sei nicht zu zweifeln. G
emäss Schadenmeldung UVG arbeite der Beschwerdeführer als Klavierlehrer an einer Mittelschule, dies in einem Umfang von 15.5 Stunden pro Woche. Diese Tätigkeit umfasse unter anderem das Spielen mit Schülern sowie auch, wie im Bericht des Neurologen vermerkt, das Dirigieren.
Daneben sei der junge Pianist auch in anderem Rahmen tätig gewesen; im Bericht von
Dr.
Z._
seien eine Mitwirkung an einer Opern
aufführung, bei welcher der Beschwerdeführer erstmals Beschwerden bemerkt habe, sowie das intensive Üben (täglich drei bis vier St
unden) für sein Debüt in der Philharmonie C._
mit CD-Produktion erwähnt.
Hinsichtlich Zusammenhang
s
zwischen den Beschwerden und der beruflichen Tätigkeit
erklärte
Dr.
B._
, die fokale Dystonie sei durch das intensive Klavier
spiel
en
verursacht worden. Es sei bekannt, dass sich eine solche Musiker-Dystonie häufig erstmals während oder nach einer Karriere-Phase, die geprägt sei von intensiviertem Üben aufgrund einer Aufstiegsmöglichkeit oder Konzertserie
, manifestiere
; generell manifestiere sich die Dystonie des professionellen I
nstru
mental
musikers zumeist während oder nach einer Phase intensiven Übens. Eine solche Situation habe beim Beschwerdeführer als Folge seiner selbständigen, neben der Anstellung als Lehrer ausgeübten Tätigkeit vorgelegen.
Damit sei es überwiegend wahrscheinlich, dass die Dystonie durch diese Tätigkeit verursacht worden sei.
Hinsichtlich der Tätigkeit des
Beschwerdeführer
s
als
Fachlehrer an der
Schule
Y._
führte
Dr.
B._
aus, der Beschwerde
führer sei
mit einem vertraglichen Beschäftigungsgrad von 68
%
(entsprechend 15.5 Stunden pro Woche bei einer betriebsüblichen Vollarbeitszeit von 23 Stun
den pro Woche)
angestellt
; die von ihm geklagten Beschwerden seien nicht als Folge dieser Tätigkeit zu betrachten (
Urk.
12/13).
An dieser Beurteilung hielt
Dr.
B._
mit Stellungnahme vom 1
1.
Januar 2021 fest (
Urk.
12/22).
3.5
Mit Schreiben vom 2
9.
Januar 2021 (
Urk.
12/31
S. 20
) legte der Rektor der
Schule
Y._
dar, für einen qualitativ guten Instru
mentalunterreicht sei es unabdingbar, dass die Instrumentallehrer ihr Instrument selbst auf einem hohen Niveau spielen könnten, wofür regelmässiges Üben zwin
gend sei. Zudem werde auch erwartet, dass die Instrumentallehrpersonen öffent
lich auftreten würd
en. Der Beschwerdeführer betreu
e auch Musikerinnen und Musiker aus der Kunst- und Sportklasse, die teilweise bei ihm Klarvierunterricht hätten und sehr weit fortgeschritten seien. Ihr Unterricht erfordere eine ausge
zeichnete Beherrsc
hung
des Instruments seitens der
Instrumentallehrperson. Ohne intensi
ves eigenes Üben sei ein Unterr
ichten
diese
r
Schülerinnen und Schüler nicht möglich.
3.6
Am
2.
Februar 2021 (
Urk.
12/31
S. 21
)
hielt die für die
Studienga
ngsleitung
Bachelor
of
Arts
de
r Fachhochschule D._
Zuständige schrift
lich fest, der Beschwerdeführer unterrichte als Dozent auf Bachelor- und Master
stufe das Pflichtfach «Klavier» seit dem Herbstsemester 2020/21 mit grossem Erfolg. Seine Aufgabe bestehe vor allem darin, den Studierenden eine solide Klaviertechnik und einen eigenständigen, künstlerischen Ausdruck auf dem Klavier zu vermitteln, damit sie befähigt würden, das Klavierspiel sowohl während des Studiums als auch im späteren Beruf als Arbeitsinstrument einzu
setzen. Diese Aufgabe, gepaart mit hohen Anforderung
en, die die Fachhochschule
an ihre exzellenten Lehrer stelle, verlange, dass sich der Beschwerdeführer künstlerisch und musikalisch ständig auf höchstem Niveau befinde.
Dies wiede
rum be
din
ge
eine stete, uneingeschränkte Übungstätigkeit am Instrument und eine fortdauernde aktive Konzerttätigkeit als Pianist.
4.
4.1
Unter den Parteien ist unbestritten, dass die Erkrankung der fokalen, handlungs
spezifischen Dystonie vom
intensiven
Klavierspiel des Beschwerdeführers herrührt. Ebenso steht ausser Frage, dass die Prävalenz der fokalen, aufgaben
spezifischen Dystonie bei professionellen Instrumentalmusikern um ein Viel
faches höher liegt als die Prävalenz
dystoner
Symptome bei der nicht-exponierten Normalbevölkerung (vgl. Wissenschaftliche Begründung für die Berufskrankheit «Fokale Dystonie als Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Instrumental
musikern durch feinmotorische Tätigkeit hoher Intensität», Bekanntmachung des Deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, 1.7.2016,
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufs
krankheiten/pdf/Begruendung-Fokale-Dystonie.pdf?_blob=publicationFile&v
_
=4
, besucht am 11.2.2022).
Dass
Dr.
A._
die Erkrankung aus neurolo
gischer Sicht als Berufskrankheit qualifizierte (E. 3.3), ist
damit
zwar nachvoll
ziehbar
und deckt sich insoweit mit der Einschätzung durch
Dr.
B._
, welcher das inten
sive Klavier
spielen als Ursache der Erkrankung bezeichnete (E. 3.4).
Indessen
bleibt
zu klären, ob die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Erkran
kung zu mindestens 75
%
durch die
- versicherte -
berufliche Tätigkeit verursacht wurde, wobei die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser von der Recht
sprechung als «Generalklausel» bezeichneten Anspruchsgrundlage an relativ strenge Beweis
an
forderungen gebunden ist. Verlangt wird, dass der Versicherte
für eine gewisse Dauer einem typischen Beruf
srisiko ausgesetzt ist (E. 1.3)
; mithin ist nachfolgend zu prüfen, ob der Nachweis des qualifizierten Kausalzusammen
hangs auch im Einzel
fall gelingt (vgl. BGE 126 V 183
E. 4.c am Schluss).
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer legte dar, er habe von 2008 bis 2015 sein Klavierstudium absolviert, wobei er von 2008 bis 2011 an d
er Hochschule E._
den Bachelor
of
Music, von 2011 bis 2013 ebenfalls an d
er Hochschule E._
den Master in Musikpädagogik (Voraussetzung für eine Instrumental
lehrtätigkeit) und von 2013 bis 2015 das
P
erforman
ce
Diploma
an der Schule F._ in den
USA (
künstlerisch
es E
xzellenzstudium) absol
viert habe. Während des Bachelorstudiums habe er jeweils vier bis fünf Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche, während des Masters in Musikpädagogik und des Performance
Diploma
jeweils sieben bis acht Stunden täglich, sieben Tage die Woche, geübt.
Zusammengerechnet übersteige seine kumulative Übungsdauer während der Ausbildung damit 10'000 Stunden, wobei zu beachten sei, dass dem Eintritt ins Bachelorstudium bereits intensives Üben vorangegangen sei
. Seit dem Frühjahr 2015 arbeite er nunmehr als Instrumentallehrperson für Klavier an der
Schule
Y._
, wo er bis Ende Herbstsemester 2020/2021 mit einem Pensum von rund 67
%
angestellt gewesen sei. Per Februar 2021 habe er
dieses
Pensum auf rund 30
%
reduziert und
sei
seit dem Herbst
semester 2020/21 zudem mit einem Pensum von rund 50
%
als Dozent für das Pflichtfach Klavier an der
Fachhochschule D._
tätig
(
Urk.
1 S. 2
-3
).
4.2.2
Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdegegnerin gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer eine kumulative Übungsdauer von weit über 10'000 Stunden aufweist (
Urk.
1 S. 6,
Urk.
2 S. 6). Hinsichtlich der Leistungspflicht eines Unfallversicherers im Zusammenhang mit Berufskrankheiten ist darauf hinzu
weisen, dass die Einwirkung des gefährlichen Stoffes oder die Verrichtung der krankmachenden Arbeit, kurzum die Exposition (Gefährdung), nicht weniger wichtig als der Ausbruch der Krankheit ist. Die Leistungspflicht hängt somit vom Umstand ab, ob die von der Krankheit betroffene Person während der vorwiegen
den Exposition versichert war. Die Versicherung wirkt somit beim Erkrankten über das Ende seines
Versichertseins
hinaus, wenn die Krankheit erst später aus
bricht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_383/2019 vom
5.
September 2019 E. 4.1.2 mit Hinweisen). So hat
etwa
das ehemalige Eidgenössische Versicherung
s
gericht
mit Urteil U 20/04 vom 1
7.
Januar 2005 festge
halten
, der durch Asbest
staub an einem malignen
Pleuramesotheliom
erkrankte Versicherte habe zum massge
benden Zeitpunkt der Asbestexposition im Jahr 1963 nicht in einem dem
Versi
cherungsobligatorium
unterstehenden Betrieb gearbeitet, weshalb eine Leistungs
pflicht der für die Schliessung von Versicherungslücken im Rahmen des
Obliga
toriums
zuständigen Ersatzkasse UVG von Vorneherein entfalle (E. 3.4).
4.2.3
Aus den Akten ergeben sich weder Hinweise dafür noch wird vom Beschwerde
führer behauptet, dass er vor seiner Anstellung bei der
Schule
Y._
als Arbeitnehmer der obligatorischen Unfallversicherung unterstand. Damit fällt
für die Beantwortung der Frage, ob der Beschwerdeführer während der für die Erkrankung notwendigen Exposition versichert war,
einzig der bei der
Schule
Y._
als Arbeitnehmer ab dem
1.
Mai 2015 (
Urk.
12/1) UVG-versicherte Zeitraum in Betracht. Für eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin müsste demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
(E. 1.4.1)
feststehen, dass die kumulative Exposition des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Beschäftigung als Instrumentallehrperson bis zum Ausbruch der fokalen Dystonie stark überwiegend in die Versicherungs
zeit bei der Beschwerdegegnerin
fiel
.
Gemäss der Dokumentation Wissenschaftliche Begründung für die Berufskrank
heit «Fokale Dystonie als Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Instru
mentalmusikern durch feinmotorische Tätigkeit hoher Intensität» (
a.o.O
.
,
E. 4.1), welche auf retrospektiven Datenanalysen basiert (S. 4),
liegt die Mehrzahl der Erkrankten im Bereich einer 5stelligen (>10'000) kumulativen Exposition in Stun
den nach dem 1
8.
Lebensjahr, zumindest im Bereich einer höheren vierstelligen kumulativen Exposition in Stunden nach dem 1
8.
Lebensjahr (< 5'000 Stunden). Diese Stundenzahl gilt als Annäherung an die erforderliche Dauer der versi
cherten Tätigkeit. Diese abgeleitete Stundenzahl entspricht in der Regel als Orientierung dem Mass der kumulativen Stundenzahl unter versicherter Tätigkeit (S. 20-21).
Hinsichtlich der Instrumenten-spezifischen Häufigkeit des
Auftretens der Musi
kerdystonie
- einem besonders hohen Risiko für Dystonien sind laut der Studie Spieler von Zupfinstrumenten sowie Blech- und Holzbläser
ausgesetzt
(S
.
4) -
streute bei Klavierspieler
n
die kumulative Stundenzahl des Klavierspielens nach dem 1
8.
Lebensjahr bis zum Erkrankungsbeginn zwischen 5'500 und 11'220 (Rosenkranz et al. [2009]) respektive zwischen 6'210 und 26'672 Stunden (
Granert
et al. [2011], S. 20).
Gestützt hierauf wäre mithin der Nachweis des qualifizierten Kausalzusammen
hangs gegeben, wenn die kumulative Stundenzahl während der UVG-Versicherungsdauer mindestens 75
%
der kumulativen Stundenzahl
, wie sie
bei der Mehrzahl der Erkrankten
belegt ist
(
>
10'000 Stunden)
,
betragen würde. Das ist, wie nachfolgend zu zeigen ist, nicht der Fall.
4.2.4
Der Beschwerdeführer war ab
1.
Mai 2015 als Musiklehrer bei der
Schule
Y._
mit einem Pensum von 67
%
angestellt. B
is zum
Ausbruch der fokalen Dystonie
im September 2020 (
Urk.
12/6 S.
5-6)
-
eine Berufskrankheit
gilt als ausgebrochen, sobald sie erstmals ärztlich behandelt wird oder eine Arbeitsunfähigkeit bewirkt (
Art.
9
Abs.
3 UVG) - war der Beschwerde
führer damit während fünfeinhalb Jahren bei der Beschwerdegegnerin obliga
torisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheit versichert.
Es ist
ohne weiteres plausibel
, dass der Beschwerdeführer für seine Tätigkeit
als Instrumen
tallehrperson sein künstlerisches N
iveau aufrechterhalten will und muss. Dass er hierfür aber täglich fünf Stunden aufwenden will (E. 2.2), ist
wenig
glaubhaft. So führte
Dr.
Z._
aus, der Beschwerdeführer habe im Rahmen einer intensiven Übungsphase für ein Konzert/CD-Projekt täglich drei bis vier Stunden Klavier gespielt (
Urk.
12/6 S. 5). Dass der Beschwerdeführer ausserhalb eines für ihn so wichtigen Auftritts (vgl. den zitierten Bericht von
Dr.
Z._
) noch weitaus mehr üben will,
ist
nicht nachvollziehbar, zumal er seinen
eigenen Angaben zufolge im Rahmen des Bachelorstudiums täglich vier bis fünf Stunden
fürs Üben aufwendete
(E. 4.2.1).
Es kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer
bloss
für ein
P
ensum von 67
%
, entsprechend 15.5 Wochenstunden, angestellt und damit auch UVG-versichert ist
beziehungsweise war (
E. 4.2.1)
.
Für seine freiberufliche Tätig
keit (
Urk.
12/27 S
.
16)
ausserhalb seines Pensums als Arbeitnehmer
besteht unbestrittenerm
assen keine obligatorische Versicherungsdeckung.
Unter Berück
sichtigung dessen, dass im Rahmen seiner Lehrtätigkeit kein intensives Klavier
spiel vor Ort vorausgesetzt wird (vgl. E. 3.2, wonach das Unterrichten durch die fokale Dystonie in keiner Weise beeinträchtigt ist; vgl. auch E. 3.6, wo festge
halten wird, der Beschwerdeführer unterrichte das Pflichtfach Klavier mit gros
sem Erfolg)
,
das
arbeitsvertragliche
Pensum von 15.5 bezahlten Wochenstunden über den Unterricht vor Ort hinaus
gewiss
auch
einige
Vorbereitungszeit umfasst, wäre - verglichen mit
einer
Normalarbeitszeit
von 42.5 Wochenstunden
von
aller
höchstens 13
zusätzlich
versicherten
Wochenstunden (42.5 x 0.67 - 15.5)
auszugehen
und darüber hinaus geleistete Übungsstunden klarerweise der selb
ständigen Tätigkeit als Pianist zuzuordnen (vgl.
Urk.
12/27 S. 36).
Im fraglichen Zeitraum (
1.
Mai 2015 bis September 2020) von fünfeinhalb Jahren beliefe sich
damit die kumulative Exposition auf höchstens
knapp
3'500
Stunden (13 x 48 x 5.5= 3'
432
). Dabei ist
zu berücksichtigen, dass
der Beschwerdeführer
noch
wäh
rend einer gewissen Zeit
eine Übungspause einlegte
(vgl.
Urk.
12/6 S
.
5-6)
, womit die kumulative Exposition geringer ausfiele
.
Damit
ist die für das Auftreten einer Musikerdyst
oni
e notwendige kumulative Exposition (vgl. E. 4.2.3) bei Weitem nicht erreicht.
Hieran vermag nichts zu ändern, dass die vom Beschwer
deführer durchlaufene Ausbildung mit intensivem Klavierspiel Voraussetzung für eine
Anstellung als Instrumentallehrperson bildete (E. 2.2)
; der Verzicht auf das Erfor
dernis des
Versichertseins
während der vorwiegenden Exposition
würde
dem V
ersicher
ungsprinzip
grundlegend widersprechen (8C_383/2019 E. 4.1.2).
Infol
gedessen würden auch ergänzende Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer fordert (
Urk.
1 S. 5), zu keinem anderen Ergebnis führen, weshalb darauf verzich
tet werden kann.
4.3
Zusammengefasst mangelt es an der Versicherungsdeckung während der
vorwie
genden (kumulativen) Exposition
, womit der Nachweis des qualifizierten Kausal
zusammenhangs nicht geleistet ist
. Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus Berufskrankheit besteht damit nicht. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.