Decision ID: 36dfc4e4-d893-4dc8-a278-108c15d1ddeb
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1977 und
von Beruf Servicefachangestellter,
arbeitete
ab
1.
Mai 2001
vollzeitlich
als Servicemitarbeiter Zug bei den
Y._
. Am 1.
April 2006 kündigte er
diese
Anstellung per
Ende
Dezember 2006
mit der Begründung
,
er
sei
mit den
Y._
als Arbeitgeber nicht mehr zufrieden
und
wolle
sich selbständig machen
(Urk. 13/14/9).
Nachdem
er die
Führung eines eigenen Restaurants
(Urk. 13/33/11)
nach
wenigen Monaten
aufgegeben hatte
, bezog
X._
vom
9.
Juli 2007
bis Ende Januar 2009
Taggelder der Arbeitslosenversicherung bei
eine
r
Vermittlungs
fähigkeit
von 100
% (
Urk. 2/3,
Urk.
13/8,
Urk.
13/12,
Urk.
13/33).
Am 19.
Januar 2009 meldete er sich wegen verschiedener gesundheitlicher
Beeinträchtigungen
(POS,
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung
[
ADHS
]
, Depressionen, Aggressionen, Verdacht auf
Asperger
-Syndrom, ständige Nacken- und Rückenschmerzen, Neurodermitis) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
13/1). Die IV-Stelle Basel-Stadt sprach
ihm
mit
unangefochten
in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom 25.
August 2011 (
Urk.
13/54)
rückwirkend ab 1. Juli 2009
eine halbe Rente
basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 53
% zu.
In der Folge
ersuchte
X._
die
Pensionskasse
Y._
wie
auch
die
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
um Ausrichtung von Invalidenleistungen
aus beruflicher Vorsorge
,
was diese
mit Schreiben vom 16.
September und 7.
Oktober 2011
(Urk. 2/
5-
6) ablehnten
.
2.
Am
6. August 2013 erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwältin Suzanne
Davet
,
Klage gegen die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
mit folgendem Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2)
:
Es sei die Beklagte zur Ausrichtung einer
Dreiviertelsrente
, eventualiter einer halben Rente aus beruflicher Vorsorge ab 01.08.2009, zuzüglich 5 % Zins ab Klageanhebung, zu verpflichten.
Unter
Kostenfolge zu Lasten der Beklagten.
Eventualiter sei dem Kläger die unentgeltliche Rechtspflege mit der Unter
zeichneten als
Rechtsbeiständin
zu bewilligen.
Ergänzend ersuchte
X._
a
m 13. August 2013 (Urk. 4) um Beiladung der Pensionskasse
Y._
zum Verfahren.
Nachdem sich die
Stiftung Auffangeinrichtung BVG innert
der mit Verfügung vom 22. August 2013 (Urk. 5; zugestellt am 27. August 2013, Urk. 6 S. 1)
Frist
nicht
zur Klage hatte
vernehmen
lasse
n
, wurden
a
m 8. Oktober 2013 (Urk. 10) die Akten der Invalidenversicherung
(Urk. 13)
beigezogen.
Sowohl der Kläger, dessen Gesuch um Bestellung von Rechtsanwältin Suzanne
Davet
als unent
geltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren mit Verfügung vom 8. November 2013 (Urk. 14) stattgegeben worden war, als auch die Beklagte verzichteten auf eine diesbe
zügliche Stellungnahme (Urk. 16,
Urk. 19).
Mit Eingabe vom
10.
April 2014 (Ur
k.
26)
ersuchte die am 31. Januar 2014 (Urk. 22) zum Prozess beigeladene Pensionskasse
Y._
um Gutheissung der Klage, eventualiter um Feststellung, dass sie gegenüber dem Kläger nicht
leis
tungspflichtig
sei.
Dies wurde den Parteien am 16.
April 2014 (
Urk.
28) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf Invalidenleistungen haben nach Art. 23
lit
. a
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge (BVG)
Perso
nen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Die obligatorische Versicherung beginnt gemäss Art. 10 Abs. 1 BVG mit dem Antritt des Arbeitsverhältnisses, für Bezüger von Tag
geldern der Arbeitslosenversicherung mit dem Tag, für den erstmals eine Arbeitslosenentschädigung ausgerichtet wird.
1.2
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von der
jenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher
die
a
nspreche
nde Person
bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, ange
schlossen war (Art. 23
lit
. a BVG). Die Leistungspflicht setzt einen engen sach
lichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen der während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestandenen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leis
tungsvermögen im bisherigen Beru
f von zumindest 20 %
; BGE 136 V 65 E. 3.1; 134 V 20 E. 3.2.2;
Bundesgerichtsurteil 9C_127/2008 vom 1
1.
August 2008 E. 2.3 mit Hinweisen, in:
SVR 2008 BVG Nr. 34 S.
143
) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1). Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit
geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Er
werbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2). Die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1; zum Ganzen vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_326/2014
vom 28.
September 2014 E. 6.1 f.).
1.3
Für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23
lit
. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich; sie ist relevant, wenn sie mindestens 20 % b
eträgt und sich auf das Arbeits
ver
hältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_18/2009 vom 7. April 2009 E. 3.2.1 und 9C_772/2007 vom 26. Februar 2008 E. 3.2).
1.4
Nach der Rechtsprechung bedarf es hinsichtlich des Eintritts der
berufsvorsorge
rechtlich
relevanten Arbeitsunfähigkeit eines hinreichend klaren Nachweises, der nicht durch spekulative Annahmen und Überlegungen ersetzt werden kann, sondern nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit zu erfolgen hat (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hin
weisen).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Klagebegründung aus (Urk. 1 S. 10 ff.), während der Dauer der Anstellung bei den
Y._
und der anschliessenden selbständigen Er
werbstätigkeit habe keine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % vorgelegen. Insbesondere habe das angeborene ADHS nicht zu einer solchen geführt. Eine relevante Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit sei erst später, während des Be
zugs von Arbeitslosentaggeldern respektive der Dauer des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten, bedingt durch eine hinzugekommene Depression eingetreten. Massgebend sei dabei – mit der IV-Stelle – (f
rühestens) der 21. August 2007
.
2.2
Während sich die Beklagte
im vorliegenden Verfahren
nicht vernehmen liess (vgl. Sachverhalt Ziff. 2),
pflichtete
die Beigeladene
dem klägerischen
Stand
punkt
bei
. Ergänzend
hielt
sie fest, dass nach Beendigung des
Vorsorgeverhält
nisses
per 31. Januar 2007
eine
voll
e
A
rbeits- und
E
rwerbsfähig
keit vorgelegen habe
und ab 9. Juli 2007
ein Bezug von
Arbeitslosenentschädigung bei einem Vermittlungsgrad vo
n 100 %
erfolgt sei
. Insofern wäre
– so die Beigeladene –
zumindest der zeitliche Zusammenhang zur später eingetretenen Invalidität als weitere Voraussetzung für den Anspruch auf Invalidenleistungen unterbrochen
worden
(Urk. 26 S. 3 ff.).
3.
3.1
Vorwegzuschicken ist, dass über den Anspruch des Klägers gegenüber der Bei
geladenen auf Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge nicht zu be
finden ist (BGE 130 V 501 E. 1).
Insofern erweist sich
deren
Eventualbegehren (Urk.
26 S. 2) als unzulässig.
3.2
Streitig und zu prüfen ist einzig eine allfällige
Leistungspflicht der Beklagten, bei welcher der Kläger vom 9. Juli 2007 bis Ende Januar 2009
(Urk. 2/3, Urk. 13/8, Urk. 13/12, Urk. 13/33; vgl. auch Urk. 1 S. 3 Ziff. 6)
– respektive unter Berücksichtigung der einmonatigen Nachdeckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG bis Ende Februar 2009 – als Bezüger von Taggeldern der Arbeits
losenversicherung unter anderem für das Invaliditätsrisiko Vorsorgeschutz ge
noss (zur Versicherungsdeckung als arbeitslose Person vgl. Art. 2 Abs. 3 und Art. 10 Abs. 1
lit
. d BVG sowie Verordnung über die obligatorische berufliche Vorsorge von arbeitslosen Personen).
3.3
Dabei besteht
unstreitig
keine Bindungswirkung (vgl. BGE 130 V 270 E. 3.1 f.) an die von der IV-Stelle
im Rahmen ihres Rentenentscheid
s
getroffenen Fest
stellungen. Nebst dem vom Kläger (Urk. 1 S. 12 Ziff. 24) angeführten Umstand des fehlenden Einbezugs der Beklagten in das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren (
vgl.
Vo
rbescheid vom 9. Dezember 2010 [
Urk.13/35
] und
Verfügung vom 25. August 2011 [
Urk. 13/54
]
) fällt
in diesem Zusammenhang
ins Gewicht, dass die Rente der Invalidenversicherung aufgrund einer verspäteten Anmel
dung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG
ab 1. Juli 2009
ausgerichtet wurde (
vgl.
Mitteilung Beschluss der IV-Stelle vom 23. Februar 2011
[
Urk. 13/38/2
]
).
Legte die IV-Stelle den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf einen Zeitpunkt (hier:
21.
August 2007)
hin fest
, welcher ab dem Leistung
sgesuch
(hier: 19. Januar 2009
[
Urk.
13/1
]
)
an gerechnet weiter als sechs Monate zurückliegt, besteht
nach der
Rechtsprechung keine Bindungswirkung der Vorsorgeeinrichtung an die Feststellungen der IV-Organe (Urteil des Bundesgerichts 9C_620/2012 vom 16. Oktober 2012 E. 2.4 mit Hinweisen, in: SVR 2013 BVG Nr. 17 S. 67). Ent
sprechend ist vorliegend die strittige Frage des Eintritts der
leistungsauslösen
den
Arbeitsunfähigkeit frei zu prüfen.
4
.
4
.
1
Die den Kläger
erstmals
vom 19. November 2004 bis 13. Juli 2005 (vgl. dazu Urk. 13/19 S. 2 Ziff. 1.2) behandelnde
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für
Psy
chiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte
i
n ihre
m
Bericht vom
13.
Januar 2005
(Urk. 13/16/3-4)
an den ärztlichen Dienst
der
Y._
ein
ADHS
mit Persis
tenz im E
rwachsenenalter (ICD-19 F90.0), welche
die
Arbeits- und Leistungs
fähigkeit
grundsätzlich nicht einschränke
. Da
jedoch
die Unmöglichkeit der Einhaltung eines regelmässigen Tag-Nacht-Rhythmus zu einer deutlichen Ver
stärkung der ADHS-Symptome
(Impulsivität, Hyperaktivität, Affektlabilität, emotionale Überreagibilität)
führen könne, empfehle sie einen Einsatz
des Klä
gers
ausschliesslich im Tagdienst
und
mit gleichbleibenden Arbeitszeiten.
Am 10. Juli 2007 (Urk. 13/4/1)
hielt Dr.
Z._
i
m
„Ä
rztlichen Zeugnis
zur Vorlage beim
Arbeitsamt“
bei unveränderter
Diagnose
fest, a
us psychiatrischer Sicht sei bei der künftigen Stellensuche aufgrund des Störungsbildes (
Auf
merksamkeitsstörungen
, Überaktivität, Affektlabilität, emotionale
Überreagibi
lität
, Desorganisation und Impulsivität) von einer Anstellung in einem Restau
rant (Kellner etc.) abzuraten.
4.
2
Ab
21. August 2007
liess sich der Kläger d
urch den in der Praxis von Dr. med.
A._
,
Spezialarzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie
, delegiert arbeitenden
lic
.
phil.
B._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
, behandeln. Dieser
führte im Bericht vom 1. Dezember 2008
(Urk. 13/4/4-
5) aus,
es werde vermu
tet, dass
komorbid
zum ADHS des Erwachsenenalters eine
bisher nicht diagnos
tizierte Entwicklungsstör
ung (
Asperger
-Syndrom) bestehe, wobei der Kläger auf dem
freien Arbeitsmarkt in einem gut strukturierten und sozial wenig belasten
den Umfeld arbeitsfähig
sei
(vgl. auch die
Arztzeugnisse
vom 8. Januar und 8. Februar 2008 zuhanden der Arbeitslosenversicherung mit Bejahung der
Ver
mittlungsfähigkeit
für eine solche Tätigkeit
[
Urk. 13/4/2-
3
],
vgl. auch Bericht von Dr.
A._
vom 11. Mai 2009
[
Urk. 13/18
]
).
4
.
3
Im B
ericht des Spitals
C._
vom 8. Juli 2008 (Urk. 13/23/7) betreffend die nächtliche Notfallkonsultation vom selben Datum wurde anamnestisch festge
halten, der Kläger sei wegen einer s
eit dem Abend akut aufgetretenen depressi
v
en Episode vorstellig geworden. Er habe angegeben,
dass er
seit Jahren unter Depressionen
leide
, jedoch nie eine derartig starke depressive Gefühlsstimmung erlebt habe wie am Tag der ambulanten Vorstellung. Die nun akut aufgetretene Depression führe er auf private Sorgen und
Probleme mit seinem Lebenspartner und seinen Haustieren zurück
.
4
.4
Der den Kläger ab 27. November 2008 behandelnde
Dr. med.
D._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
diagnostizierte im
Bericht vom 20. März 2009 (Urk. 13/17/1-7)
eine Anpassungsstörung, ein ADHS im Erwachsenenalter (
ICD-10
F90.0) und einen Verdacht auf eine
akzentuierte Persönlichkeit (Diffe
rentialdiagnose
:
Asperger
-Syndrom), bestehend seit der Kindheit beziehungs
weise seit Jahren. Er attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für eine diesen
Leiden angepasste Tätigkeit und vermerkte, er habe keine Hinweise auf mani
feste depressive Inhalte erhoben.
4
.
5
Am 15. Juni 2009 nahm der Kläger die
fachärztliche
Behandlung bei Dr.
Z._
wieder auf. Im
Bericht vom 9. Juli 2009 (Urk. 13/19)
diagnostizierte diese
eine rezidivierende depressive Störung, derzeit schwere Episode (ICD-10 F33.2), bestehend seit mindestens 2007, und ein ADHS mit Persistenz im Erwachsenen
alter (ICD-10 F90.0), bestehend seit der Geburt
.
Seit dem 15. Juni 2009 sei der Kläger in der angestammten Tätigkeit als Servicefachangestellter und generell auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig; empfohlen werde eine „betreute IV-Arbeitsstelle“.
4
.6
Der v
om 16. Februar bis 12. Mai 2009
mit dem Kläger befasste
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte
im
Bericht vom
24
.
/2
5.
Oktober 2009
(Urk. 13/24) auf seinem Fachgebiet eine
Anpas
sungsstö
rung
mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (
ICD-10
F43.25),
eine h
yperkinetische Störung des Sozialverhaltens (
ICD-10
F90.1), vorwiegend Zwangs
handlungen (
ICD-10
F42.1) seit Jahren
respektive seit der Kindheit
.
Eine verlässliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
könne er
nicht ab
ge
ben.
4
.7
Die Gutachter der
F._
nannten
in der von der IV-Stelle veranlassten Expertise
vom 17. März 2010 (Urk. 13/30)
als Diagnosen
mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit
ein
ADHS im Erwachse
nenalter (ICD-10 F90)
und
eine r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1)
. Sodann vermuteten sie eine
anankastische
(zwan
g
hafte) Persönlichkeitsstörung (Differentialdiagnose
Zwangsstörung
;
ICD.10 F42), wogegen sich d
er
Verdacht auf
Asperger
-Syndrom
in der Untersuchung nicht bestätigt
habe
(S. 1
1 f.
).
Sie gingen davon aus, dass der Kläger als Service-Mit
ar
beiter im Zug nicht arbeitsfähig sei, zumal bereits
die Ausbildung zum Ser
vice-Mitarbeiter in der Gastronomie und
die Ausübung der Tätigkeit bei den
Y._
nur mit starken Einschränkungen und Unterstützung des Arbeitgebers möglich ge
wesen sei.
Quantitativ sei ihm eine 50%ige Arbeitstätigkeit in einem entspre
chend gestalteten Arbeitsumfeld zumutbar.
Durch die
Interaktionsprob
leme
bei der Arbeit, welche durch das ADHS begründbar seien, den
Arbeits
platzverlust
und
schliesslich
das Scheitern mit dem eigenen Restaurant sei es zu einer de
pressiven Entwicklung gekommen, worunter die Arbeitsfähigkeit
abge
nommen habe (S. 12-14).
4
.
8
Auf Anfrage
der Rechtsvertreterin des Klägers führte Dr.
Z._
a
m
1. Feb
ru
ar 2012
aus
(Urk. 2/7)
, sie
habe
beim Kläger eine anhaltende Arbeits
unfähig
keit von 100
% ab 15. Juni 2009 festgestellt
, jedoch zu keinem Zeit
punkt eine
solche von 40 oder 20 % bescheinigt
. Insbesondere habe vor Mitte Juni 2009 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Aus der Veranla
gung eine
s
ADHS
lasse sich
keine grundsätzliche
Arbeitsunfähigkeit von 20 % ab
leiten.
Allerdings könnten
k
omorbide
Störungen wie depressive Erkrankun
gen zu einer Arbeitsunfähigkeit führen. Dies sei
auch beim Kläger
der Fall ge
wesen
. Ab zirka 2007 sei es zu depressiven Episoden gekommen,
welche zu
nächst im ambulan
ten Rahmen unter Einsatz antidepressiver Medikation hätten behandelt werden können. Ab 2009 habe dann eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestan
den.
Es
könne nicht davon ausgegangen werden, dass allein ex
terne Faktoren wie
Interaktionsprobleme am Arbeitsplatz und Verlust desselben
zur depressiven Symptomatik geführt hätten
. Bei Menschen mit der Veranla
gung eine
s
ADHS führten häufig neurobiologische Veränderungen zum Aus
bruch depressiver Episo
den.
Ergänzend erklärte Dr.
Z._
am 10. Juni 2013 (Urk. 2/11) zuhanden der Rechtsvertreterin des Klägers, in der Zeit von
Mitte Juli
2005 bis
Mitte
Juni 2009
sei eine Behandlung aufgrund von Problemen mit der Kostenübernahme durch den Krankenversicherer nicht möglich gewesen, der Kläger habe sie jedoch regel
mässig über den
Verlauf seiner Erkrankung unterrichtet. Längere depressive Epi
soden seien ab zirka 2007 aufgetreten; in den Jahren zuvor hätten kurzzeitige Stimmungstiefs bestanden, die jedoch nicht den Kriterien einer depressiven Episode
entsprochen hätten
.
5.
5.
1
Es steht aufgrund der Akten fest und ist unbestritten, dass das beim Kläger
dia
gnostizierte
ADHS mit
Persistenz im Erwachsenenalter
für sich alleine
ohne massgeblichen Einfluss auf das berufliche Leistungsvermögen blieb und erst ein später
hinzu
getretenes
psychisches
Leiden
in Form einer Depression
zur Ar
beits
unfähigkeit und schliesslich zur Invalidität führte
(Urk.
1 S.
12 f. Ziff. 25 f.
und S.
14 Ziff.
31
, Urk. 26 S. 4 f. Ziff. 3-6
).
Die Angabe der
F._
-Gutachter
(vgl. E. 4.7 hiervor)
, wonach aufgrund des ADHS bereits im Rahmen der Ausbildung zum Service-Mitarbeiter und der anschliessenden Arbeitstätigkeit bei den
Y._
keine „normale Arbeitsfähigkeit“ vorgelegen habe (Urk. 13/30 S. 12 Mitte),
steht im Widerspruch zur effektiven arbeitsrechtlichen Situation und der
Bericht
e
der
langjährig mit dem Kläger befassten Fachärztin Dr.
Z._
(vgl. E. 4.1 und E. 4.8 hier
vor). Sie
überzeugt daher nicht und
vermag nicht zu einer anderen Beurteilung zu führen.
5
.2
D
er Kläger
will
den Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit (frühestens) auf den 2
1. August 2007 terminiert haben
,
da er sich
zu diesem Zeitpunkt
wegen
zunehmender psychischer Belastung zu
lic
. phil.
B._
in Behandlung be
geben und dieser Symptome geschildert habe, die auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hindeuteten (Urk. 1 S. 13 f. Ziff. 28 f.).
Diesem Ansinnen kann nicht stattgegeben werden.
In diesem Zusammenhang ist nicht e
ntscheidend, ab welchem Zeitpunkt sich ein pathologisches Geschehen zu entwickeln begann, sondern wann dieses eine Schwere erreichte, welche eine länger dauernde und erhebliche Arbeitsunfähigkeit begründete
(Urteil des Bun
desgerichts B
30/05 vom 16. Oktober 2006 E. 4.2).
Es liegt keine
echtzeitliche
(fach-)
ärztliche Einschätzung vor, welche dem Kläger während der Dauer des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten
ein
schliess
lich
Nachdeckungsfrist, mithin für die Zeit vom
9. Juli 2007 bis Ende Januar 2009
,
eine
durch eine Depression bedingte
Arbeitsunfähigkeit bescheini
gen würde
.
L
ic
. phil.
B._
und Dr.
A._
(vgl. E. 4.2 hiervor),
interpre
tier
ten die
festgestellten
Symptome im Wesentlichen im Rahmen des ADHS und eine
s
Verdacht
s
auf eine Entwicklungsstörung (
Asperger
-Syndrom),
welcher sich
in der Folge
allerdings
nicht erhärtete. Immerhin bewarb sich der Kläger im Sommer 2007 als Tramführer be
i den G._
, wofür er indes im Rahmen einer vertrauensärztlichen Untersuchung aus körperlichen Gründen (Bluthockdruck, Auffälligkeiten im EKG) als ungeeignet erachtet
wurde
(vgl. Bericht von Dr.
med.
H._
, Innere Medizin
, vom 28. September 2007 [Urk. 13/23/8]).
Sodann
konnte der ab Ende November 2008 behandelnde Dr.
D._
(vgl. E. 4.
4
hiervor) ebenfalls keine Hinweise auf manifeste depres
sive Inhalte feststellen, was durch die Angaben im Bericht des Spitals
C._
vom 8. Juli 2008 (vgl. E. 4.3 hiervor) nicht in
Frage
gestellt
wird.
Vor diesem Hinter
grund erscheint
es als nachvollziehbar und überzeugend, wenn die lang
jährig
behandelnde
und insbesondere auch
von
Mitte Juli 2005
bis
Mitte Juni 2009 mit dem Kläger
in Kontakt stehende
Fachärztin Dr.
Z._
(vgl. E. 4.8 hier
vor)
ausführte
, eine relevante Arbeitsunfähigkeit sei
– trotz zuweilen aufge
tre
tener depressiver Episoden –
erst ab dem 15. Juni 2009 ausgewiesen.
5.3
Zusammengefasst fehlt es am Eintritt einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses mit der Be
klag
ten.
Dementsprechend
besteht ihrerseits keine Leistungspflicht
, was zur Abwei
sung der Klage führt.
6.
6.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Klägers, Advokatin S
uzanne
Davet
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
6.2
M
it Honorarnote vom 6. August 2013 (Urk. 2/15)
machte Advokatin Suzanne
Davet
einen
Aufwand von
16.68
Stunden
zu einem gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 200.-- sowie
Barauslagen
in der Höhe
von Fr. 60.50
entsprechend einem Gesamthonorar von Fr. 3‘668.20 inklusive Mehrwertsteuer geltend. Dieser Auf
wand erscheint für das vorliegende Klageverfahren als angemessen, weshalb
die unentgeltliche Rechtsvertreterin
in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.