Decision ID: 7603046a-dccd-5ea9-a99e-a6d460183467
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965,
war
seit
November 2001 als Kassiererin bei der
Y._
AG
(
Z._
)
angestellt
und
dadurch bei der
Zürich Versicherungs-Gesells
chaft
(nachfolgend: Zürich)
obligatorisch gegen die Fol
gen von Unfällen versichert, als sie
am
1
0.
Januar 2004 auf einer Eisfläche ausrutschte und stürzte (Unfallmeldung
vom
2
0.
Januar 2004,
Urk.
8/Z1
).
Der erstbehandelnde
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
den die Versichert
e am 1
2.
Januar 2004 aufsuchte,
diagnosti
zierte
eine Kontusion und eine Dis
torsion des linken Knies (Urk.
9
/ZM2).
Am
2
3.
Januar 2004
wurde
ein
MRI
des linken Knies
durchgeführt
, das
eine fortge
schrittene Degeneration sowie eine Fissur im
Hinterhorn
des medialen
Rest
meniskus
links
zeigte
(
Urk.
9
/ZM1)
.
Am
4.
Februar 2004 nahm
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Chirurgie FMH,
eine
arthroskopische
Teilmeniskektomie
und
Teilsynovektomie
medial vor
(Urk.
9
/ZM3)
.
Die
Zürich trat auf den Schaden ein und richtete der Versicherten Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen aus.
Da die Versicherte
nach dem Knieeingriff über Schmerzen am linken Arm und
an
der linken Schulter klagte
,
veranlasste
Dr.
A._
am
2.
Apr
il 2004 eine Duplex-Sonographie, bei der
eine subakute
Thrombophlebitis
der distalen
Vena
cephalica
des linken Armes
zu erkennen war
(
Urk.
9/ZM5). Das am
5.
April 2004
angefertigte MRI
der linken Schulter
zeigte sodann
eine Bursitis
sub
deltoidea
sowie Zeichen einer leichten Tendinitis der
Supraspina
tussehne
mit möglicher Fissur
.
Vermutet wurde zudem
eine
SLAP-Läsion Typ
II
(
Urk.
9
/ZM7)
. Am
3.
Mai 2004 nahm
Dr.
B._
eine Schultergelenksarth
roskopie und eine
Refixation
des Labrum
glenoidale
vor
(
Urk.
9
/
ZM
8).
Aufgrund
einer
Supraspi
natussehnenteilruptur
unterzog sich die Versicherte
am
2
4.
November 2004
einer
weiteren Operation der linken Schulter
bei
Dr.
B._
(
Urk.
9
/ZM18
).
Per
1.
Januar 2005 wurde ihr
von der Invalidenversicherung eine ganze Rente zugesprochen (
Urk.
1 S. 4).
In der Folge gab die Zürich bei PD
Dr.
med.
C._
, F
acharzt für
Orthopädische Chirurgie
FMH
, ein Gutachten in
Auftrag, welches dieser am 13.
Dezember 2005 erstellte (
Urk.
9/ZM37). Am
9.
Februar 2006
(
Urk.
9
/ZM43),
1
7.
Oktobe
r 2006 (
Urk.
9
/ZM67
) und
2
7.
März 2007 (
Urk.
9
/ZM86
)
folgten
drei
weitere
operative Eingriffe an
der linken Schulter
bei
PD
Dr.
C._
.
Daraufhin
beauftragte die Zürich
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für
Chirurgie FMH, mit der Erstellung eines Gutachtens (Ex
pertise vom 2
0.
Juni 2007, Urk.
9/ZM90
/1
).
Am 2
4.
Oktober 2008 schlug
die Versicherte
bei sich zu Hause
mit dem rechten Knie a
n
der
Tischbein
kante
an
(Schadenmeldung vom 2
8.
Dezember 2008, Urk.
10/Z
3)
.
Das
im Anschluss daran
veranlasste MRI zeigte
einen Zustand nach
Meniskektomie
sowie
subchondraler
Kn
orpelläsion und ansonsten keine Patho
logie
, weshalb
auf die Einleitung weiterer
Massnahmen
verzichtet wurde
(
Urk.
9/ZM122
).
Am 1
0.
Oktober 2009 erstatteten die Ärzte des
E._
im Auftrag der Zürich
ein interdisziplinäres MEDA
S-Gutachten
(
Urk.
9
/ZM137
; vgl. auch Stel
lungnahme von
E._
-Gutachter Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates FM
H, vom 2
3.
März 2010, Urk.
9/ZM141
).
Am 2
3.
Februar 2010 nahm
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie FMH,
einen neuerlichen
operativen
Eingriff an der linken
Schulter
vor (
Urk.
9
/ZM142).
Mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2010 stellte
die
Zürich die Leis
tungen
rückwirkend per 1.
November
200
9 ein und begründete dies damit, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen
den
Unfallereignis
sen vom 1
0.
Januar 2004 und 24.
Oktober 2008 und den persistierenden Beschwerden der Versicherten zu verneinen sei
(
Urk.
8/Z384)
. Dagegen erhob die Versicherte am 1
2.
Juli 2010 Einsprache (
Urk.
8/Z394), welche sie am 2
2.
Juli 2010 ergänzte (
Urk.
8/Z396).
In der Folge
beauftragte
die Zürich
Prof.
Dr.
med.
H._
,
Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates
FMH
,
mit der Erstellung eines Gutachtens (Expertise vom
2
5.
Juni
2012,
Urk.
9
/ZM164, vgl. auch Beantwortung der Zusatzfra
gen vom 29.
Oktober 2012
,
Urk.
9
/ZM165).
Mit
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Januar 2013 wies
die Zürich die Einsprache der Versicherten
ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler,
am 2
3.
Februar
2013 Beschwerde mit folgendem Rechts
begehren (
Urk.
1):
„
1.
Der Entscheid der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG vom 2
2.
Januar 2013
betreffend Abweisung der Einsprache vom 1
2.
Juli 2010 gegen die Verfügung vom
1
5.
Juni 2010 und die Verfügung vom 1
5.
Juni 2010 seien aufzuheben.
2.
Der Beschwerdeführerin seien weiterhin UVG-Leistungen auszurichten.
3.
Eventualiter sei über den Gesundheitszustand sowie die Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin und zur Unfallkausalität ihrer
Beschwerden zunächst ein neues, korrektes und unabhängiges medizinisches
Gutachten einzuholen.
4.
Das die Beschwerdeführerin betreffende Aktendossier der Invalidenversicherung
sei für dieses Verfahren vom Gericht bei der SVA Zürich beizuziehen.
5.
Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin sei im Rahmen eines zweiten
Schriftenwechsels Gelegenheit zu geben, die Beschwerdebegründung anhand der
Akten der Beschwerdegegnerin und des Aktendossiers der Invalidenversicherung
zu ergänzen.
6.
Der Beschwerdeführerin sei eine Parteientschädigung zuzusprechen.“
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
März 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Replik vom
3.
Mai 2013 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (
Urk.
17). Die Beschwerdegegnerin reichte innert der angesetzten Frist keine Duplik ein, was der Beschwerdeführe
rin am 1
8.
Juni 2013 angezeigt wurde (
Urk.
21).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den,
soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Die Leistungspflicht
eines Unfallversicherers gemäss
UVG
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
lei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Gemäss
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die
zweck
mässige
Behandlung der Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig (
Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicheru
ngsrechts), so steht ihr nach
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu.
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versi
cherten mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BG
E 125
V
351 E. 3a, 122 V 157 E.
1c).
2.
2.1
PD
Dr.
C._
erklärte in seinem Gutachten vom 1
3.
Dezember 2005, dass die Beschwerdeführerin am 1
0.
Januar 2004
auf die linke Schulter
gestürzt sei. Dabei habe sie
sich offensichtlich eine SLAP
-Läsion
Typ II
zugezogen, wel
che von
Dr.
B._
repariert worden sei
. Der weitere Verlauf sei unbefriedigend gewesen und habe im November 2004 eine zweite Operation erforderlich gemacht
, bei der
eine
Supraspinatussehnenruptur
arthroskopisch
behoben
wor
den
sei
.
Auch
in der Folge
habe sich die Situation nicht verbessert. Die Beschwerdeführerin habe im Bereich der linken Schulter bis heute starke Schmerzen und eine re
levante Funktionseinschränkung, welche
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 1
0.
Januar 2004 und allenfalls auch auf die im Anschluss durchgef
ührten Operation
en
zurückzuführen
sei
en
(
Urk.
9/ZM37/2
-6
).
2.2
Dr.
D._
legte in seinem Aktengutachten vom 2
0.
Juni 2007 dar, dass das aktu
elle erhebliche Defizit an der linken Schulter seinen Ursprung im Unfall vom 1
0.
Januar 2004 habe. Unfallfremde F
a
ktoren könne er nicht erkennen
(
Urk.
9/ZM90/2
).
2.3
Die Gutachter des
E._
führten
in ihrer Expertise vom 1
0.
Oktober 2009
aus
,
dass die Beschwerdeführerin am 2
0.
März 1996 wegen eines
Rotatoren
man
schettens
chadens
an der linken Schulter
operativ behandelt worden sei.
Damals seien
eine Arthroskopie mit Sanierungsmassnahmen wegen einer Schleimbeu
tel-Entzündung, einer oberflächliche
n Schädigung der
Supraspinatuss
ehne
sowie eines
Impingements
erfolgt
. Ohne konkreten Beweis sei
als Ursache hier
für ein etwa ein Jahr zuvor erlittener Sturz beim Skifahren
vermutet worden
. Die Dokumentation zum Unfall vom 1
0.
Januar 2004 habe ausschliesslich das linke Kniegelenk betroffen. B
ei der Befragung
habe die Beschwerdeführerin
angegeben
, sie habe sich
beim
Sturz
vom 1
0.
Januar 2004
nach vorn
auf das linke Knie
(v
gl.
Urk.
9/ZM137/29)
mit beiden Händen abgefangen und sei in der Endphase auf das
l
inke Ellbogengelenk geprallt. Es
sei
also
nicht
die Rede
von Schultergelenk gewesen
. U
m auf den Ell
b
ogen zu stossen, habe das Ell
bogen
gelenk zuvor gebeugt
werden müssen.
Eine Subluxation
(
bzw. SLAP-Läsion
)
könne aber nur b
ei ausgestrecktem Arm eintreten.
So würden M. Thomas und M.W.
Husse
in ihrem Artikel „SLAP-Läsion der Schulter, Ätiologie, Klassifika
tion, Diagnostik und Therapie“ berichten, dass unter and
erem ein Sturz auf den
im Ell
b
ogengelenk ausgestreckten und im Schultergelenk
leicht gebeugten und abgespreizten Arm zu einer Abscherung des
superioren
Labrum durch eine Kompression und Subluxation des
Humeruskopfes
nach
cranial
führen könne. Es komme dadurch eine reflektorische Anspannung des
Bizepsmuskels
beim Sturzvorgang zustande, die zum Einriss der Gelenklippe führen könne. Auch andere Ursachen könnten in Frage kommen (wie beispielsweise seltene anato
mische Varianten).
Weiter erklärten die Gutachter des
E._
, dass ei
ne Verlet
zung am Schultergelenk, die zu einer SLAP-Läsion führe, unmittelbar erhebliche Schmerzen zur Folge habe (und zwar am betroffen
en Schultergelenk und nicht
a
n anderen Gelenken des Körpers
)
. Es erscheine also undenkbar, dass am
1
0.
Januar 2004 tatsächlich eine derartige Verletzung de
s linken Schulterge
lenks eingetreten
sei. Es sei vielmehr anzunehmen, dass diese Art der struktu
rellen Veränderung zu einem früheren Zeitpunkt
passiert
sei. Denkbar sei eine derartige Verletzung beispielsweise durch ein ruckartiges heftiges Anheben eines schweren Gegenstandes. Nicht auszuschliessen sei auch, dass die Verlet
zung anlässlich der Operation von 1996 deswegen nicht habe erkannt werden können, weil das Ereignis möglicherweise ein Jahr zuvor eingetreten sei und sich die daraus ergebenden unmittelbaren Beschwerden im Laufe der folgenden Monate in ihrem Charakter verändert hätten
. Abgesehen von dem im Schulter-MRI vom
5.
April 2004 vermuteten Schädigungsbefund an der oberen Schulter
gelenklippe (SLAP-Läsion) seien eind
eutig nur solche Schädigungen am linken Schultergelenk festgestellt
worden, die auch zu jedem anderen Zeitpunkt und
ohne ein vorausgehendes Unfallereignis hätten gefunden werden können.
Die Beschwerdeführer sei ja 1996 bereits wegen gleichartiger beziehungsweise ähn
licher Befunde an diesem Gelenk operiert worden
(
Urk.
9/ZM137/50-53
). Die Gutachter des
E._
kamen zum Schluss, dass
ein überwiegend wahrscheinlicher oder möglicher Kausalzu
sammenhang zwischen dem
Unfall
vom 1
0.
Januar 2004
(
und
auch demjenigen vom
2
4.
Oktober 2008
)
und den noch vorhandenen Beschwerden an der li
nken Schulter zu verneinen sei
(
Urk.
9/ZM137/71
).
2.4
Dr.
G._
erklärte
in seiner Stellungnahme
vom 1
9.
November 2010
, dass gemäss allen untersuchenden Ärzten eine unfallkausale Problematik durch
den
Sturz auf den
gestreckten Arm mit Aufprall
auf
das linke
Ellb
ogengelenk
bestehe. Dadurch sei es zu einer axialen Belastung
gleno-humeral
mit Kraftvektor nach oben gekommen, was eine sehr typische unfallkausale Kraft sei, die zu einer SLAP-Läsion Typ II bis IV führen könne. Dass dabei sofort Schmerzen auftreten würden, sei rein hypothetisch. Diese Verletzung entspreche nämlich nicht einer
Rot
atorenmanschettenruptur
, für welche
dies zutreffen würde. Durch das Tragen von Gehstöcken nach der Knieoperation könne eine solche Verletzung jedoch durch rezidivierende axiale Belastungen und Da
uerbelastungen axial zu Symp
tomen führen
und dadurch
zu ei
ner Schmer
z
haftigkeit, die dann in den Abklä
rung
en dokumentiert werden könnte
. Das Gutachten des
E._
sei von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegeben und sorgfältig erstellt worden. Be
im Durchlesen
habe er
jedoch
schwer den
Eindruck, dass es sich auch um ein Gefälligkeitsgutachten handle (
Urk.
9/ZM153).
2.5
Prof.
H._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 2
5.
Juni 2012 ein chroni
sches Schulterschmerzsyndrom rechts
(richtig: links)
, primär ohne klares pathologisch/anatomisches Su
bstrat;
aktuell bei liegender
Hum
eruskopfpro
these
, Status nach
Supraspinatusreinsertion
und
Aufrichteosteotomie
des
Acro
mions
.
Er wies darauf hin, dass die im Jahr 1996, im Alter von 31 Jahren erfolgte
subacromiale
Dekompression eine ungewöhnliche Behandlung sei, ins
besondere bei fehlendem Nachweis einer
Rotatorenmanschettenruptur
. Es könne zumindest postuliert werden, dass die damalige Symptomatik im Wesentlichen durch eine
Hyperlaxität
bedingt gewesen sei.
Die Abklärung der linksseitigen Schulterbeschwerden mittels MR
I
(am
5.
April 2004)
habe letztlich keinen rele
vanten Befund ergeben. Es sei zu beachten, dass eine
leichtgradige
Tendinopa
thie
der
Rotatorenmanschette
durchaus im Rah
men einer
vorbestehenden
Pathologie (
Hyperlaxität
) habe
bestehen können. Be
züglich der vermeintlichen SLAP-Läsion Typ II
bes
t
ehe aus heutiger Sicht eine erhebliche diagnostisc
he Unsicherheit. Diese Läsionen seien in früheren
Jahren viel zu häufig diagnost
i
ziert worden. Sie würden in der
überwiegenden Anzahl der Fälle ein
er normalen Variante entsprechen. Ganz besonders bei Gelenk-laxen Menschen sei das
cra
niale
Labrum typischerweise hypertroph und locker mit dem
Glenoidrand
ver
bunden.
Ohne den intraoperativen
arthroskopischen
Befund könne letztlich nicht gesagt werden, ob es sich um eine reelle SLAP-Läsion oder um eine falsch-positive Bewertung gehandelt habe.
SLAP-Läsionen würden typischer
weise bei Wurfbewegungen und bei raschen Rotationsbewegungen des
elevier
ten
Armes
im Sinne von plötzlich einschiessen
den Schmerzen symptomatisch. Der in den Akten beschriebene
Grundschmerzpegel, welcher auch bei
adduzier
tem
Arm persistiere und allenfalls während der Nacht anhalte, entspreche nicht eine
r
SLAP-
Läsion-
Symptomatik, sondern einem entzündlichen Schmerzmuster, welches in der Regel auf der Grundlage einer
Tendinopathie
der
Rotatoren
manschette
und di
fferentialdiagnostisch
einer
kapsulären
Bewegungseinschrän
kung
(
Frozen
shoulder
) entstehe.
Die vorhandenen gesundheitlichen Beein
trächtigungen seien
(somit)
eher unwahrscheinlich auf den Unfall vom 1
0.
Januar 2004 und sicher nicht auf den Unfall vom 2
4.
Oktober 2008 zurück
zuführen
(
Urk.
9/ZM164/6-9
).
3.
3.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
der vorliegend relevante medizinische Sach
verhalt von der Beschwerdegegnerin umfassend abgeklärt wurde und zudem auch das von der IV-Stelle des Kantons
I._
eingeholte Gutachten des
J._
,
K._
, vom
9.
Mai 2008 (
Urk.
9/ZM117a) akten
kundig ist. Es ist daher nicht erforderlich, sämtliche
weiteren
Akten
der Invali
denversicherung beizuziehen.
3.2
PD
Dr.
C._
(
Urk.
9/ZM37/7
),
Dr.
D._
(
Urk.
9/ZM90/1/3
), die Gutachter des
E._
(
Urk.
9/ZM137/75
),
Dr.
G._
(Urk. 9/ZM153/2
)
und
Prof.
H._
(
Urk.
9/ZM164/11
)
sind sich insofern einig
, als alle davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Beschwerden an der linken Schulter
, die sich trotz mehrmaliger operativer Behandlung
ab Mai 2004
verschlimmerten,
in ihrer angestammten Tätigkeit als Kassi
ererin
seit längerem zumindest
erheblich eingeschränkt
ist.
Anderweitige Beschwerden, die im Zeitpunkt der
Leistungs
einstellung
per
1.
November 2009 noch bestanden
und einen
Anspruch der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin begründen könnten, wurden
von ihr
nicht geltend gemacht und sind aus den vorliegenden Akten auch nicht ersichtlich (vgl.
Urk.
9/ZM117a/15).
3.3
Nach der Bundesgerichtspraxis ist es dem Unfallversicherer – wie die
Beschwerde
gegnerin
zutreffend darlegte (
Urk.
7
Rz
. 10) - durchaus unbenom
men, zunächst im Rahmen einer formlosen Deckungsanerkennung Leistungen wie Heilbehandlung und Taggelder zu erbringen und diese nach einer einge
henden Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen (Unfalltatbestand, Kausalität) bei entsprechendem Untersuchungsergebnis
ohne Berufung auf den
Rückkom
menstitel
der Wiedererwägung oder der pro
zessualen Revision „
ex
nunc
et pro
futuro
“ – das
heisst
unter Verzicht auf eine Rückforderung der bisher gewährten Versicherungsleistungen - einzustellen (BGE 130 V 380).
Zu
prüfen ist
daher
zunächst
,
ob
zwischen den
Unfällen
vom 10.
Januar 2004
und
2
4.
Oktober 2008
und
den
Beschwerden an der linken Schulter
der Beschwerdeführerin
ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ob
dies
bejaht werden kann
, ist
nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu beurteilen
. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Lei
stungs
anspruchs
nicht (vgl. E. 1.2
).
3.4
Aufgrund der vorliegenden Akten steht
fest, dass bei der Beschwerdeführerin im März
1996
an der linken Schulter eine
arthroskopische
subacromiale
Dekom
pression bei einem
Impingement
-Syndrom durchgeführt wurde. Die Beschwer
den wurden damals im Nachhinein mit einem
im Jahr
1995 erlittenen Skiunfall in Zusammenhang gebracht. Nach der Arthroskopie normalisierte sich die Schulterfunktion (
vgl.
Urk.
9/ZM164/
4).
Was den genauen Unfallhergang vom 1
0.
Januar 2004 betrifft, liegen unterschied
liche Darstellungen
der Gutachter des
E._
und
Dr.
G._
vor. Während die Gutachter des
E._
aufgrund der Schilderung
en
der Beschwerde
führerin zum Schluss
kamen, dass ihr linker Ellbogen beim
Aufprall in der End
phase des Sturzes
habe
gebeugt sein müssen (und deshalb keine SLAP-Läsion habe eintreten können, vgl. E.
2.3
), gab
Dr.
G._
an, dass
sie
auf den gestreck
ten Arm gefallen sei (vgl. E.
2.4
).
Welche dieser beiden Versionen richtig ist, lässt
sich nicht
abschliessend
klären
.
Zudem ist zwischen den Gutachtern des
E._
(vgl. E. 2.3) und Prof.
H._
(vgl. E. 2.5) zum einen und
Dr.
G._
(vgl.
E.
2.4) zum anderen auch umstritten,
ob eine SLAP-Läsion Typ II unmittelbar erhebliche Schmerzen hervorgerufen hätte.
Unklar ist
sodann
auch
die
tatsäch
liche
Diagnose vom
5.
April 200
4.
So wurde im Beric
ht der
L._
vom 5.
April 2004 lediglich ein Verdacht auf eine SLAP-Läsion Typ II
diagnos
tiziert
(
Urk.
9
/ZM7). Prof.
H._
bezweifelte
, dass damals eine
SLAP-Läsion
gegeben war
und wies diesbezüglich unter anderem auf die atypische Sympto
matik der Beschwerdeführerin – den
Grundschmerzpegel, welcher auch bei
adduziertem
Arm persistiere und allenfalls
während der Nacht anhalte – hin (vgl. E. 2.5). Dies blieb
zumindest
unwidersprochen.
Fest s
teht
demgegenüber
, dass
aus den vorliegenden
medizinischen
Akten nicht hervor
geht
, dass
die
Beschwerdeführerin
nach dem Unfallereignis vom 10.
Januar 2004
über Schulterbeschwerden links geklagt hätte
.
Dr.
A._
, der die Bes
chwerdeführerin
am 1
2.
Januar 2004
erstmals untersucht hatte
,
hielt
in seinem Bericht vom 2
6.
Januar 2004
einzig fest, dass sie
sich beim Sturz auf einer Eisfläche eine
Kontusion und eine
Distorsion des linken Knies
zugezogen habe
(
Urk.
9/ZM2).
Im nach der
Knieo
peration vom
4.
Februar 2004
verfassten
Eintrag
von
Dr.
B._
vom 2
4.
Februar 2004
war ebenfalls keine Rede von Schulterbeschwerden links
(
Urk.
9/ZM155/3)
– und auch im
Bericht von Dr.
A._
vom
8.
März 2004
nicht
(
Urk.
9/ZM4).
Zum ersten Mal
erwähnt wurden die Schmerzen im Bereich der linken Schulter
erst
im Eintrag von Dr.
B._
vom
1
2.
März 2004
(
Urk.
9/ZM155/3). Das a
m 5.
Apri
l 2004 durch
geführte MRI zeigte
dann – nebst dem
erwähnten
Verdacht auf eine
SLAP-Läsion Typ II -
eine Bursitis
subdeltoidea
sowie Zeichen einer leichten Tendini
tis der
Supraspin
atussehne
mit möglicher Fissur
(
Urk.
9/ZM7).
Prof.
H._
erklärte dazu, dass eine
leichtgradige
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
durchaus im Rahmen einer vorbestehenden Patholog
ie (
Hyperlaxität
) habe bestehen können
(vgl.
E. 2.5
).
Die Gutachter des
E._
legten dar, dass diese Schädigungen
auch zu jedem anderen Zeitpunkt und ohne ein vorausgehendes Unfallereignis hätten gefunden werden können
(vgl. E. 2.3)
.
Ärztliche
Stellung
nahmen
, die dem widerspr
echen würden, liegen nicht vor.
3.5
Zusammenfassend ist
somit festzuhalten,
dass
bei der
Beschwerdeführerin
eine langjährige
Anamnese der linken Schulter
besteht
(die erste Operation fand 1996 statt)
und dass möglicherweise eine vorbestehende
Hyperlaxität
gegeben ist.
H
insichtlich des
genauen
Unfallherganges vom 1
0.
Januar 2004
und
der
tatsächlichen Diagnose
vom
5.
April 2004
bestehen trotz mehrerer fachärztli
cher Begutachtungen
erhebliche
Unklarheiten
, die
nicht ausgeräumt
werden können
.
Weiter steht fest
, dass die Schulterbeschwerden links
in den ärztlichen
Unterlagen erst
mehr als
zwei Monate nach dem Unfall
ereignis vom 1
0.
Januar 2004
Erwähnung fanden.
Der von den
Gut
achter
n
des
E._
und Prof.
H._
gezogene Schluss
,
dass ein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammen
hang zwischen dem Unfall vom 1
0.
Januar 2004 und den Beschwerden an der linken Schulter der Beschwerdeführerin zu verneinen sei,
ist
deshalb plausibel und einleuchtend.
3.6
Die Einschätzungen von
PD
Dr.
C._
,
Dr.
D._
und
Dr.
G._
, die das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwis
chen dem Unfallereignis vom
10.
Januar 2004 und den in der Folge aufgetretenen Schulterbeschwerden bejahten,
vermögen
die
Beurteilung der Gutachter des
E._
und Prof.
H._
nicht in Zweifel zu ziehen.
So haben weder
PD
Dr.
C._
(vgl. E. 2.1
)
noch
Dr.
D._
(vgl. E. 2.2)
begründet dargetan, weshalb sie
zum Schluss kam
en
, dass die Schulterbeschwerden auf den Unfall vom 1
0.
J
anuar 2004 zurückzu
führen seien.
Dr.
G._
war
- wie die Beschwerdegegnerin
geltend machte (
Urk.
2 S. 3)
–
im
Mai/Juni
2005
anscheinend
noch der Auffassung, dass die Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 1
0.
Januar 2004
und der
später dokumen
tierten Schulterproblematik wahrscheinlich nicht gegeben
sei (Urk.
9/ZM25 und
Urk.
9/ZM29
)
.
Daraufhin
wurde er zum
behandelnden
Ar
zt der Beschwerdefüh
rerin und widerrief
die
damalige Einschätzung
in seiner Stellungnahme vom
5.
Februar 2013
, dies allerdings ohne überzeugende Begründung
.
Er stellte
im Wesentlichen
nämlich
einfach fest
, dass es sich um einen posttraumatischen Schaden handle
(
Urk.
9/ZM167).
3.7
Dass die Beschwerden an der linken Schulter auf das Unfallereignis vom
24.
Oktober 2008
zurückzuführen wären
, bei der die Beschwerdeführerin mit dem rechten Knie an einem Tischbein anschlug, wurde
von keinem der
invol
vierten Ärzte
behauptet
und ist off
ensichtlich zu verneinen.
Schliesslich
ist
vor
liegend
auch kein bestimmtes weiteres, von der Beschwerdegegnerin versicher
tes Unfallereignis, das für die Schulterbeschwerden links kausal sein könnte, ersichtlich.
4.
Gemäss
Art.
6
Abs.
3 UVG hat die Versicherung ihre Leistungen für Schädigun
gen zu erbringen, die der versicherten Person bei der Heilbehandlung (
Art.
10 UVG) zugefügt werden.
Da es sich bei den insgesamt sechs Operationen an
der
linken
Sch
ulter der Beschwerdeführerin ab Mai 2004 nicht um Heilbehandlun
gen handelt, die nach
dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auf ein von der Beschwerdegegnerin versichertes Unfallereignis zurückzuführen sind, hat die Beschwerdegegnerin für
die bei diesen Operationen
allenfalls erlit
tene
n
Schädigungen auch keine Leistungen zu erbringen.
Ein ärztlicher Behandlungsfehler kann bei Behandlungen, für welche der Unfall
versicherer
nicht leistungspflichtig ist, im Übrigen dann den Unfallbegriff erfüllen, wenn es sich um grobe und ausserordentliche Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar um absichtliche Schädigungen handelt
(
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungs
recht
, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Aufl. 2012, S. 32). Auch
wenn die zahlreichen operativen Eingriff
e
an der linken Schulter leider nicht den gewünschten Erfolg brachten und
gemäss
Prof.
H._
eine schonendere,
zurückhaltendere
Behandlung eine richtungsgebende Verschlechterung der Beschwerden möglicherweise hätte verhindern können
(
Urk.
9/ZM165/3)
,
ist vorliegend eine grobe ärztliche Pflichtwidrigkeit im genannten Sinne nicht aus
gewiesen (und wurde auch von keinem der involvierten Ärzte behauptet). Auch in diesem Zusammenhang ist ein Anspruch der Beschwerdeführerin daher zu verneinen.
5.
Die
Beschwerdeführerin
hat dementsprechend
keinen Anspruch auf weitere Leis
tungen der Beschwerdegegnerin. Der
Einspracheentscheid
vo
m 2
2.
Januar 2013 erweist sich
somit
als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.