Decision ID: 7c15dc56-840c-5af2-adc9-cce587d6d53f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 5. Oktober 2011 stellte das vormalige Bundesamt
für Flüchtlinge (BFM) fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche vom 11. Oktober 2010 ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug jedoch
wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
A.b Aufgrund der freiwilligen Rückkehr der Beschwerdeführenden nach
Serbien erlosch die vorläufige Aufnahme am 10. Oktober 2012 bezie-
hungsweise 9. November 2012.
A.c Auf das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführenden trat das BFM mit
Verfügung vom 11. April 2013 nicht ein, nachdem sie bereits kurz zuvor in
E._ ein Asylverfahren anhängig gemacht hatten. Die Verfügung er-
wuchs unangefochten in Rechtskraft und die Beschwerdeführenden wur-
den nach E._ überstellt.
A.d Am 5. April 2017 reisten die Beschwerdeführenden von F._ her-
kommend auf dem Luftweg in die Schweiz ein und reichten mit Eingabe
vom 9. April 2017 beim SEM ein Mehrfachgesuch ein. Zur Begründung
führten sie aus, der Beschwerdeführer werde wegen seiner albanischen
Ethnie in Serbien von Seiten der Behörden schikaniert. Nachdem sie im
(...) 20(...) von E._ nach Serbien ausgewiesen worden seien, sei
der Beschwerdeführer bei Ankunft am Flughafen G._ umgehend
durch die Behörden für (...) Tage in Haft gesetzt worden. Anlässlich eines
Besuches im Gefängnis habe die Beschwerdeführerin den Beschwerde-
führe in seiner Zelle fotografiert. Sie werde deshalb behördlich gesucht.
Nachdem sie daraufhin das Land verlassen und sich nach F._ be-
geben habe, hätten die Behörden den Eltern der Beschwerdeführerin mit-
geteilt, ihr würde eine Gefängnisstrafe von zwei bis fünf Jahren drohen,
unter anderem auch wegen zwei vorgeschobener Delikte, welche sie an-
geblich bereits im Sommer 20(...) begangen haben soll. Sodann hege der
Beschwerdeführer den Wunsch, mit seinem in der Schweiz lebenden (...)
in Kontakt zu treten. Ferner sei er stark suizidgefährdet und stosse als Al-
baner in seiner Heimat täglich auf Ablehnung und Hass, was er unter an-
derem auf die nach wie vor bestehenden politischen Spannungen zwi-
schen Kosovo und Serbien zurückführe. Die Beschwerdeführenden seien
mittellos und der serbische Staat würde ihnen keine Unterstützung gewäh-
ren, sondern sie bei einer Rückkehr ein weiteres Mal inhaftieren.
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Zusammen mit ihrer Eingabe reichten die Beschwerdeführenden einen
psychiatrischen Bericht des H._ vom 6. April 2017 betreffend den
Beschwerdeführer zu den Akten.
B.
Am 12. Mai 2017 stellte der I._ der Vorinstanz einen Bericht der
J._ vom 8. Mai 2017 betreffend den Beschwerdeführer zu.
C.
Am 15. Februar 2018 reichten die Beschwerdeführenden diverse Unterla-
gen betreffend die verstorbene (...) des Beschwerdeführers sowie diverse
Korrespondenzen zu den Akten. Mit weiterer Eingabe vom 18. Mai 2018
reichten sie eine Bestätigung der Sprachheilschule K_ betreffend
die Betreuung des Sohnes D_ bei der Vorinstanz ein.
D.
Mit Schreiben vom 10. Oktober 2018 forderte die Vorinstanz die Beschwer-
deführenden unter Ansetzung einer Nachfrist zur Verbesserung ihres
Mehrfachgesuches auf.
E.
Die Beschwerdeführenden ersuchten die Vorinstanz mit Schreiben vom
22. Oktober 2018 um Akteneinsicht, welche ihnen am 26. Oktober 2018
gewährt wurde.
F.
Mit Eingabe vom 7. November 2018 reichten die Beschwerdeführenden bei
der Vorinstanz die Verbesserung ihres Mehrfachgesuches ein. In der Ein-
gabe führten sie insbesondere aus, nach dem abschlägigen Entscheid der
deutschen Asylbehörden habe sich die Beschwerdeführerin zusammen mit
den Kindern im (...) 20(...) nach L._, Serbien, begeben. Da sie dort
nicht habe bleiben können, seien sie weiter nach F._ gereist, wo sie
in einem Asylzentrum in M_ untergekommen seien. Aufgrund sei-
ner gesundheitlichen Situation sei der Beschwerdeführer erst im August
oder September 20(...) aus E._ zu seiner Familie nach F._
gereist. Die Beschwerdeführenden seien etwa ein Jahr in M_ ge-
blieben. Der Beschwerdeführer und der ältere Sohn seien mit dem Ziel,
später die ganze Familie in die N._ nachzuziehen, für kurze Zeit
nach O._ gereist und im Februar 20(...) über G._,
P._, wieder nach M_, F._, zurückgekehrt. Da der
Reisepass des jüngsten Sohnes nicht mehr gültig gewesen sei, hätten sie
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sich zwecks Erneuerung wieder nach Serbien begeben. An der Grenze sei
der Beschwerdeführer von den serbischen Behörden im (...) 20(...) ohne
Angabe von Gründen verhaftet und in ein Gefängnis in Belgrad gebracht
worden. Nach (...) Wochen sei er entlassen worden. Die Behörden hätten
ihm mitgeteilt, dass die Verhaftung ein Versehen gewesen sei. Anlässlich
eines Besuches habe die Beschwerdeführerin Fotos vom Gefängnisauf-
enthalt des Beschwerdeführers gemacht. Als sie sich bereits wieder in der
Schweiz aufgehalten habe, sei sie von ihrer Mutter darüber informiert wor-
den, dass sich die Polizei bereits zwei Mal nach ihr, der Beschwerdeführe-
rin, erkundigt habe und sie gesucht werde. Die Beschwerdeführerin ver-
mute, dass die Gefängniskameras sie dabei aufgenommen hätten, wie sie
die Fotos gemacht habe. Die Polizei habe die Mutter nicht über den Fahn-
dungsgrund informiert. Nach der Erneuerung des Passes des jüngsten
Sohnes seien die Beschwerdeführenden am 5. April 2017 von F._
nach Q._ geflogen. Während des Fluges habe der Beschwerdefüh-
rer einen Suizidversuch unternommen. Wegen seiner albanischen Ethnie
werde er bereits sein ganzes Leben von der serbischen Polizei belästigt
und schikaniert, ohne Grund festgenommen und dann wieder freigelassen.
Die Beschwerdeführerin befürchte, dass sie bei ihrer Rückkehr ebenfalls
festgenommen würde, weil sie unerlaubterweise Fotos im Gefängnis ge-
macht habe. Auch werde sie in ihrer Heimat wegen ihrer Mischehe nicht
akzeptiert und sie – die Beschwerdeführenden – könnten sich in Serbien
kein ruhiges Leben aufbauen. Die Kinder würden sehr darunter leiden,
dass sich die Familie nirgends niederlassen könne. Die Beschwerdefüh-
renden würden sich in psychiatrischer Behandlung befinden. Sodann leide
der ältere Sohn an einer Entwicklungsstörung mit Wahrnehmungsschwä-
chen, Angstsymptomatik sowie Verhaltensstörung und benötige heilpäda-
gogische Begleitung. Zudem sei er Opfer eines sexuellen Übergriffes ge-
worden, weshalb er zusätzliche psychologische Hilfe benötige. Der jüngste
Sohn besuche eine Sprachheilschule und leide an einer neurologischen
Grunderkrankung sowie einer schweren Sprachbehinderung.
Zusammen mit der Eingabe reichten die Beschwerdeführenden ein anwalt-
liches Schreiben vom 27. August 2018 an die Jugendanwaltschaft
R._ betreffend Konstituierung des älteren Sohnes als Privatkläger
in einem Sexualstrafverfahren, eine Verfügung der Jugendanwaltschaft
R_ vom 20. September 2018 betreffend die Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege, einen Arztbericht des Spitals S._ vom 5.
Januar 2018 betreffend Gastroskopie der Beschwerdeführerin, einen Be-
fundbericht des (...) vom 4. Oktober 2018 betreffend die Beschwerdefüh-
rerin, ein ärztliches Attest von Dr. med. T._ vom 15. August 2017
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betreffend den älteren Sohn, einen Therapiebericht von lic. phil. U._
vom 5. November 2018 betreffend den älteren Sohn, eine Besuchsbestäti-
gung der Sprachheilschule K._ vom 26. Oktober 2018 betreffend
den jüngeren Sohn sowie am 12. November 2018 den Bericht des (...) vom
9. November 2018 betreffend den Behandlungsverlauf des Beschwerde-
führers zu den Akten.
G.
Mit Verfügung vom 16. November 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete den
Vollzug der Wegweisung an, erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–
und händigte die editionspflichtigen Akten aus.
H.
Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 28. Novem-
ber 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigen-
schaft anzuerkennen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der
Wegweisungsvollzug wegen Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit respektive
Unmöglichkeit auszusetzen und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewäh-
ren. Subeventualiter sei die Sache zur erneuten Sachverhaltsabklärung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner werde um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege, inklusive Verzicht auf einen Kostenvorschuss so-
wie um Gewährung der amtlichen Verbeiständung ersucht. Des Weiteren
wird sinngemäss beantragt, es sei zur Feststellung des Sachverhaltes eine
Botschaftsabklärung durchzuführen. Schliesslich seien die Beschwerde-
führenden durch das Gericht oder das SEM mündlich anzuhören.
Betreffend den älteren Sohn reichten die Beschwerdeführenden zusam-
men mit ihrer Eingabe den ausserordentlichen Schulbericht vom 23. No-
vember 2018, einen ärztlichen Bericht von Dr. med. V._ sowie lic.
phil. U._ vom 22. November 2018, den Aufnahmeantrag für die (...)
vom 17. Mai 2018, das Personalienblatt der (...) vom 28. März 2018, den
Fachbericht (...) vom 16. März 2018, den Entscheid der (...) vom 4. De-
zember 2017 betreffend anderweitige Schulung sowie den Fachbericht In-
tegrative Sonderschulung der (...) vom 29. November 2017 zu den Akten.
Betreffend den jüngeren Sohn reichten die Beschwerdeführenden die Mit-
teilung der Kostengutsprache für sonderpädagogische Massnahmen der
(...) vom 4. September 2018, den Bericht von Dr. med. W._, vom
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28 Oktober 2018, den Entscheid der (...) vom 4. Juni 2018 betreffend an-
derweitige Schulung, den Bericht der (...) vom 3. April 2018, den Bericht
des (...) vom 15. März 2018 sowie einen (...) vom 18. Dezember 2017 zu
den Akten.
I.
Am 4. Dezember 2018 reichten die Beschwerdeführerenden beim Gericht
eine Bestätigung vom 28. November 2018 zum Schulbesuch des jüngeren
Sohnes an der Sprachheilschule K._ sowie eine Fürsorgebestäti-
gung vom 9. November 2018 betreffend den Beschwerdeführer zu den Ak-
ten.
J.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember
2018 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner er-
suchte sie die Beschwerdeführenden, innert angesetzter Frist eine Rechts-
vertretung zu bezeichnen und zu bevollmächtigen, welche als amtlicher
Rechtsbeistand beigeordnet werden soll.
K.
Am 10. Dezember 2018 gaben die Beschwerdeführenden den Austrittsbe-
richt des (...) vom 8. Dezember 2018 betreffend den Beschwerdeführer zu
den Akten.
L.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 reichten die Beschwerdeführenden
beim Gericht die Vollmachten betreffend die von ihnen mandatierte Rechts-
vertretung vom 11. Dezember 2018 sowie den Bericht Indikationsgespräch
(...) vom 24. Oktober 2017 betreffend den älteren Sohn zu den Akten.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2019 setzte die Instruktionsrichte-
rin die von den Beschwerdeführenden mandatierte und bevollmächtigte
Rechtsvertretung als amtliche Rechtsbeiständin ein. Ferner lud sie die
Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
N.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 17. Januar 2019
sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Im Einzelnen äusserte sie
sich insbesondere zur medizinischen Grundversorgung in Serbien und der
möglichen Ausgestaltung der Ausreisemodalitäten. Die Vernehmlassung
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wurde den Beschwerdeführenden am 23. Januar 2019 zur Kenntnisnahme
zugestellt.
O.
Die Beschwerdeführenden reichten mit ihrem Schreiben vom 28. Februar
2019 den Austrittsbericht (...) vom 13. Februar 2019 betreffend den Be-
schwerdeführer zu den Akten. Weiter äusserten sie sich zur Vernehmlas-
sung der Vorinstanz.
P.
Mit Eingabe vom 9. Mai 2019 gaben die Beschwerdeführenden den Aus-
trittsbericht der (...) vom 25. März 2019 betreffend den älteren Sohn zu den
Akten.
Q.
Die Beschwerdeführenden stellten dem Gericht mit Schreiben vom 17. Juli
2019 die Verfügung betreffend Hilflosenentschädigung der IV-Stelle
X._ vom 6. Juni 2019 für den jüngeren Sohn, den dazugehörigen
Abschlussbericht vom 4. April 2019 sowie den Bericht von lic. phil.
U._ vom 8. Juli 2019 betreffend die Wohnsituation der Familie so-
wie deren Auswirkung auf die psychische Gesundheit des älteren Sohnes
zu.
R.
Mit Schreiben vom 7. August 2019 stellte der I._ dem Gericht die
Anordnung der provisorischen Auslieferungshaft des Bundesamtes für Jus-
tiz vom (...) 20(...) sowie den von der gleichen Amtsstelle erlassenen Aus-
lieferungshaftbefehl vom (...) 20(...), beide den Beschwerdeführer betref-
fend, zu.
S.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Schreiben vom 17. Oktober 2019
beim Gericht den Auslieferungsentscheid des Bundesamtes für Justiz vom
(...) 20(...) betreffend den Beschwerdeführer sowie die Kopie einer E-Mail
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Y._ vom 10. Oktober
2019 betreffend Eröffnung eines präventiven Kindesschutzverfahrens für
den älteren Sohn ein.
T.
Gemäss der dem Bundesverwaltungsgericht am 29. Januar 2020 durch die
Vorinstanz zugestellten Vollzugs- und Erledigungsmeldung des I._
vom 13. Januar 2020 wurde der Beschwerdeführer am (...) 20(...) an die
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(...) Behörden überstellt. Die Vorinstanz stellte dem Gericht in dieser An-
gelegenheit ferner die Arrestnotiz des Bundesamtes für Polizei (fedpol)
vom (...) 20(...), den Transportauftrag der Kantonspolizei X._ vom
(...) 20(...) sowie den Vollzugsbericht der Kantonspolizei Z._ vom
(...) 20(...) zu.
U.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 reichten die Beschwerdeführenden ein
Gesuch der (...) vom 6. Januar 2020 an die Gemeinde Y._ betref-
fend Sonderunterbringung des älteren Sohnes, ein dringendes Gesuch der
Gemeinde Y._ vom 10. Januar 2020 an den I._ betreffend
Sonderunterbringung der Beschwerdeführerin und der beiden Kinder, ei-
nen medizinischen Bericht von Dr. med. Aa._ vom 5. Februar 2020
betreffend die Beschwerdeführerin sowie eine E-Mail des (...) Strafvertei-
digers des Beschwerdeführers vom 20. Februar 2020 an die Rechtsvertre-
terin der Beschwerdeführenden zu den Akten. Ferner ersucht die Rechts-
vertreterin in der Eingabe um Entlassung aus dem amtlichen Mandat.
V.
Den Akten der Vorinstanz ist zu entnehmen, dass durch die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Bb._ am (...) 20(...) für die
beiden Kinder der Beschwerdeführenden eine Beistandschaft nach
Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB angeordnet wurde.
W.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Februar 2020 forderte die Instruktionsrich-
terin die Rechtsvertreterin dazu auf, ihr Gesuch um Entlassung aus dem
amtlichen Mandat innert Frist näher zu substantiieren.
X.
Das mit Schreiben vom 10. Februar 2020 gestellte Gesuch um Erstreckung
der Frist zur Substantiierung des Entlassungsgesuches wies die Instrukti-
onsrichterin mit Zwischenverfügung vom 12. März 2020 ab.
Y.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 reichten die Beschwerdeführenden den
Entscheid der KESB Bb._ vom (...) 20(...) betreffend die Anord-
nung einer Beistandschaft zu den Akten.
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Z.
Die Rechtsvertreterin machte in ihrer Eingabe vom 16. März 2020 ergän-
zende Ausführungen zu ihrem Gesuch um Entlassung aus dem amtlichen
Mandat.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-
renden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführen-
den rügen (teilweise sinngemäss) eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
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und des Untersuchungsgrundsatzes sowie eine unvollständige und unrich-
tige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
4.2 Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie könnten ihre vorge-
brachten Fluchtgründe nicht durch entsprechende Beweismittel belegen,
es wäre für das SEM jedoch ein Leichtes gewesen, eine Botschaftsabklä-
rung zu veranlassen. Damit rügen sie sinngemäss eine Verletzung des Un-
tersuchungsgrundsatzes und der Pflicht zur vollständigen und korrekten
Sachverhaltsabklärung.
Die im Verwaltungsverfahren geltende Untersuchungsmaxime (vgl. Art. 12
Abs. 1 VwVG) ist nicht so zu verstehen, dass die Behörden nach der Exis-
tenz sämtlicher von den Gesuchstellenden behaupteten Tatsachen zu for-
schen hätten. Insbesondere findet der Grundsatz seine Schranken in der
Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG; Art. 8 AsylG) sowie dem Erfordernis des
Glaubhaftmachens der Fluchtgründe durch die Gesuchstellenden
(Art. 7 AsylG). In casu kommt hinzu, dass es im Grundsatz an den Be-
schwerdeführenden liegt, die Vermutung des verfolgungssicheren Heimat-
staates (vgl. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG sowie E. 10 nachfolgend) umzu-
stossen.
Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den Un-
tersuchungsgrundsatz sowie die Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsab-
klärung verletzt haben soll und wird in der Rechtsmitteleingabe auch nicht
substantiiert dargelegt. Der Antrag auf Durchführung einer Botschaftsab-
klärung ist angesichts der gegebenen Spruchreife (vgl. auch nachfolgend)
abzulehnen.
Im Zusammenhang mit dem Antrag der Beschwerdeführenden auf erneute
Durchführung einer Anhörung ist darauf hinzuweisen, dass das durch
Mehrfachgesuch eingeleitete Verfahren grundsätzlich schriftlich geführt
wird und die Beschwerdeführenden ihre neuen Asylgründe im Mehrfach-
gesuch substantiiert darzutun haben (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Zudem
wurde ihnen durch die Vorinstanz Gelegenheit zur Verbesserung einge-
räumt. Da vorliegend der Sachverhalt genügend erstellt ist (vgl. auch nach-
folgend) erübrigt sich die Durchführung einer Anhörung. Der Antrag ist ab-
zulehnen.
Die erhobenen Rügen betreffend Verletzung von Verfahrensrechten erwei-
sen sich als unbegründet.
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4.3 Soweit die Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit dem Weg-
weisungsvollzug eine Verletzung der Begründungspflicht sowie der Pflicht
zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung rügen, sind diese Einwände nach-
folgend unter E. 10 ff. zu behandeln.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
6.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
Zur Begründung führt sie aus, die mit Eingabe vom 9. April 2017 gemach-
ten Schilderungen würden sich erheblich von den mit Eingabe vom 7. No-
vember 2018 gemachten Ausführungen zu den Fluchtgründen unterschei-
den. Es seien auffällige Widersprüche zum zeitlichen Ablauf festzustellen.
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Zudem würden die Vorbringen insgesamt vage, unsubstantiiert sowie kon-
struiert erscheinen und seien durch keine Beweismittel untermauert. Fer-
ner sei festzustellen, dass die Beschwerdeführenden in den vergangenen
Jahren wiederholt in ihr Heimatland ein- und ausgereist seien, für einen
ihrer Söhne einen neuen Pass hätten ausstellen lassen und sie das Land
schlussendlich legal verlassen hätten, was gegen eine Verfolgungsabsicht
der heimatlichen Behörden spreche. Sodann vermöchte der Hinweis des
Beschwerdeführers, er sei als Albaner in Serbien immer wieder behördli-
cher Schikane ausgesetzt, keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfal-
ten. Schliesslich handle es sich bei Serbien um einen verfolgungssicheren
Heimat- oder Herkunftsstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG.
7.
In ihrer Rechtsmitteleingabe vom 28. November 2018 machen die Be-
schwerdeführenden insbesondere geltend, sie hätten im Zusammenhang
mit ihrer Eingabe vom 9. April 2017 unter grossem Druck gestanden und
dem Beschwerdeführer sei es gesundheitlich nicht gut gegangen. Sie hät-
ten beim Verfassen der Eingabe die Hilfe einer Drittperson in Anspruch
nehmen müssen, weil es für sie schwierig gewesen sei, sich in einer
Fremdsprache zu äussern. Es sei ihnen heute bewusst, dass die in der
Eingabe vom 9. April 2017 enthaltenen Datenangaben keinen Sinn erge-
ben würden, was in der verbesserten Eingabe vom 7. November 2018 je-
doch korrigiert worden sei.
Der Beschwerdeführer habe seit seiner Kindheit, insbesondere aufgrund
seiner albanischen Ethnie, Diskriminierung und willkürliche Verhaftungen
ertragen müssen. Er sei über die Jahre mehrmals inhaftiert und während
der Haft geschlagen worden. Dies habe über die Jahre einen unerträgli-
chen psychischen Druck bewirkt, wovon auch seine zahlreichen Suizidver-
suche zeugen würden. Weiter werde ihre Mischehe in ihrer Heimat nicht
akzeptiert und die Beschwerdeführerin erwarte aufgrund der in der Haftan-
stalt gemachten Fotos eine unverhältnismässig hohe Strafe.
8.
8.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zurecht darauf hingewiesen, dass
Serbien durch den Bundesrat als verfolgungssicherer Staat ("Safe
Country") gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet wurde. Die Be-
zeichnung eines Landes als "Safe Country" beinhaltet die Regelvermu-
tung, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfindet und Schutz
vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Hierbei handelt es sich um
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Seite 13
eine relative Verfolgungssicherheit, welche im Einzelfall auf Grund konkre-
ter und substantiierter Hinweise umgestossen werden kann.
8.2 Die Vorinstanz hat die inhaltlichen Widersprüchlichkeiten der Eingaben
der Beschwerdeführenden bereits eingehend und ausführlich dargelegt.
Diese erklären die Inkohärenzen damit, dass sie im Vorfeld zu ihrem Mehr-
fachgesuch unter grossem Druck – unter anderem auch wegen der psychi-
schen Verfassung des Beschwerdeführers nach einem erneuten Suizidver-
such – gestanden hätten und beim Verfassen auf die Hilfe einer Drittperson
angewiesen gewesen wären. Mit der verbesserten Eingabe vom 7. No-
vember 2018 würden sie jedoch ein schlüssiges und kohärentes Bild der
Geschehensabläufe zeichnen.
Hierzu ist festzuhalten, dass der ursprünglichen Eingabe vom 9. April 2017,
welche in mehr oder weniger laienhaften – jedoch genügend verständli-
chem – Englisch abgefasst wurde, der behelfsmässige Charakter durchaus
anzusehen ist. Trotzdem enthält diese Eingabe eine zumindest grundsätz-
lich in sich stimmige Erzählung, weshalb nicht von vornherein und zwin-
gend davon auszugehen ist, die Widersprüche und Unstimmigkeiten zur
späteren Eingabe vom 7. November 2018 seien alleine auf die geltend ge-
machten persönlichen, zeitlichen und sprachlichen Schwierigkeiten beim
Erstellen der ersten Eingabe zurückzuführen.
Namentlich wird in der ersten Eingabe vom 9. April 2017 geltend gemacht,
die Polizei fahnde nach der Beschwerdeführerin, weil sie Fotos vom Ge-
fängnisaufenthalt des Beschwerdeführers gemacht habe und ihr zwei wei-
tere Delikte unterstellt würden. Sie müsse deshalb mit zwei bis fünf Jahren
Haft rechnen. In der Eingabe vom 7. November 2018 werden die ursprüng-
lichen Aussagen dann insofern stark relativiert, als vorgebracht wird, das
behördliche Interesse an der Person der Beschwerdeführerin sei vermut-
lich auf die gemachten Aufnahmen zurückzuführen, die Behörden hätten
den Grund für die Suche nach ihr jedoch nicht kommuniziert. Die in der
angeblich unter Zeitdruck entstandenen ersten Eingabe präzis dargelegten
Ursachen und möglichen Konsequenzen der behördlichen Suche erweisen
sich in der späteren Verbesserung nur noch als Vermutungen. Zu diesem
unvereinbaren Aussageverhalten kommt hinzu, dass bis heute weder die
behaupteten Fotografien noch ein Nachweis für eine behördliche Untersu-
chung gegen die Beschwerdeführerin vorgelegt wurden. Ausserdem wird
nicht nachvollziehbar erläutert, was der Beschwerdeführerin in den weite-
ren ihr angeblich unterstellten Delikten konkret zur Last gelegt wird. Auf-
grund der unsubstantiierten und widersprüchlichen Ausführungen ist – in
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Übereinstimmung mit der Vorinstanz – im Ergebnis nicht glaubhaft darge-
legt, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland behördlich gesucht
wird.
Der Beschwerdeführer seinerseits gibt als Fluchtgrund im Wesentlichen
an, er erlebe wegen seiner Zugehörigkeit zur albanischen Ethnie Diskrimi-
nierung und willkürliche Verhaftung. Konkret schildert er einen (...)wöchi-
gen Haftaufenthalt, welcher sich dann als behördliches Versehen heraus-
gestellt habe sowie eine Begegnung mit einem Polizisten, welcher ihm ge-
genüber eine tiefe Abneigung an den Tag gelegt haben soll. Dazu ist fest-
zuhalten, dass in Serbien ein rechtlicher Rahmen für den Schutz von Min-
derheiten besteht (vgl. das Gesetz über den Schutz der Rechte und Frei-
heiten nationaler Minderheiten aus dem Jahre 2002, das Antidiskriminie-
rungsgesetz aus dem Jahre 2009 sowie das Gesetz über nationale Min-
derheitenräte aus demselben Jahr; vgl. dazu Urteil des BVGer
D-4762/2009 vom 14. Dezember 2012 E. 5.3 f. m.w.H.). Auch wenn die
Umsetzung dieses gesetzlichen Rahmens anscheinend bis heute nicht in
jeder Hinsicht abgeschlossen ist und der Belgrader Regierung bisweilen
vorgeworfen wird, gegenüber der albanisch stämmigen Bevölkerung politi-
schen und wirtschaftlichen Druck auszuüben (vgl. BalkanInsight; Albani-
an's rights in Serbia must not be ignored; https://balkanin-
sight.com/2018/07/02/albanians-rights-in-serbia-must-not-be-ignored-06-
29-2018/, zuletzt besucht am 10. März 2020) ist die Schweizer Regierung
auf ihren Beschluss, Serbien in die Liste der "Safe Countries" aufzuneh-
men, bisher nicht zurückgekommen (vgl. auch Art. 6a Abs. 3 AsylG, wel-
cher eine periodische Prüfung der Beschlüsse vorsieht). Unabhängig von
allfälligen Mängel bei der Umsetzung des Minderheitenschutzes ist vorlie-
gend festzuhalten, dass die überwiegend sehr pauschalen Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine begründete Furcht vor flücht-
lingsrechtlich relevanter Verfolgung bei einer Rückkehr nach Serbien sub-
stantiiert darzulegen. Soweit er mit dem allgemeinen Hinweis auf erlittene
Haft und Diskriminierung auf Vorfälle verweisen sollte, welche sich vor Ok-
tober 2011 ereigneten, ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im Rahmen
des ersten Asylverfahrens in seiner Verfügung vom 5. Oktober 2011 fest-
hielt, die geschilderten Vorfälle vermöchten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen der Flüchtlingseigenschaft nicht standzuhalten. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft (vgl. Bst. A.a). Sodann
vermögen die beiden konkret dargelegten Vorfälle – versehentliche Inhaf-
tierung sowie Begegnung mit einem Polizisten – selbst bei Wahrheitsun-
terstellung keine flüchtlingsrechtlich relevante Intensität zu entfalten. Auf
E-6757/2018
Seite 15
die von der Vorinstanz festgestellten Widersprüche und die sich daraus er-
gebenden Zweifel an der Glaubhaftigkeit der durch nichts belegten Vorbrin-
gen betreffend den Gefängnisaufenthalt ist deshalb nicht vertieft einzuge-
hen. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden.
8.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelingt, die aus Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG fliessende Regelver-
mutung umzustossen. Die Vorinstanz hat im Ergebnis ihre Flüchtlingsei-
genschaft zu Recht verneint sowie ihre Asylgesuche abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.2 Betreffend den Beschwerdeführer ist vorab festzuhalten, dass dieser
auf Grundlage des Auslieferungsentscheides des Bundesamtes für Justiz
vom (...) 2019 per (...) 2019 an die (...) Behörden zwecks Durchführung
eines möglichen Strafverfahrens ausgeliefert wurde (vgl. Sachverhalt Bst.
R ff.). In Bezug auf ihn ist die Wegweisung nicht weiter zu prüfen und die
diesbezüglichen Dispositivziffern in der angefochtenen Verfügung – soweit
sie den Beschwerdeführer betreffen – sind aufzuheben (vgl. Art. 32 Abs. 1
Bst. b der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]
sowie Urteil des BVGer D-4985/2018 vom 6. November 2018 E. 3.3). Die
nachfolgende Prüfung beschränkt sich somit auf die Beschwerdeführerin
und ihre beiden Kinder.
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
E-6757/2018
Seite 16
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement (vgl. Art. 5
Abs. 1 AsylG sowie Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) nur Personen schützt,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der Grundsatz der Nichtrückschie-
bung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.
11.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
E-6757/2018
Seite 17
Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen so bildet
im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen weiteren Prü-
fungspunkt. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen
Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 KRK. Unter
dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände einzubeziehen und
zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen.
(vgl. ausführlich BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.).
11.2 Die allgemeine Lage in Serbien ist weder von Krieg, Bürgerkrieg noch
von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet und der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar. Der Bundesrat hat Serbien per 1. Januar
2018 denn auch als Heimat- oder Herkunftsstaat bezeichnet, in welchen
eine Rückkehr in der Regel zumutbar ist (vgl. Anhang 2 der Verordnung
über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Landesverweisung
von ausländischen Personen [VVWAL, SR 142.281]). Die Regelvermutung
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges kann durch konkrete und
substantiierte Hinweise umgestossen werden.
11.3 Die Beschwerdeführerin verfügt über einen (...) und eine (...)jährige
Ausbildung als (...) an einer (...). Ferner absolvierte sie einen (...) und war
als (...) tätig. Nebst ihrer Muttersprache hat sie mittlere Deutsch- und Eng-
lischkenntnisse (vgl. SEM-Akten A21/10 F51 f. und B8/12 N. 1.17.03 und
N. 5.02). In ihrem Heimatland leben ihre Mutter, der verheiratete Bruder
sowie ein verheirateter Sohn aus erster Ehe. Weiter leben dort gemäss
ihren Angaben zahlreiche Onkel und Tanten (vgl. a.a.O. A5/11 N. 12 und
B8/12 N. 3.01). Ferner hat die Beschwerdeführerin in ihrer Heimat eine
Freundin, bei welcher die Familie gemäss ihren Angaben "auch schon län-
gere Zeit" aufgenommen worden sei (vgl. a.a.O. B8/12). Laut ihren Anga-
ben besitzt ihre Mutter (...) Häuser sowie (...) Wohnungen. Der Vater – mit
welchem sie aufgrund ihrer Mischehe ein sehr schwieriges Verhältnis ge-
habt habe – sei mittlerweile verstorben (vgl. a.a.O. B8/12 N. 7.01 sowie
C10/15 S. 1).
Gemäss dem medizinischen Bericht von Dr. med. Aa._ vom 5. Feb-
ruar 2020 leide sie unter anderem an einer psychischen Belastungssitua-
tion, welche multifaktoriell bedingt sei und sich auch über körperliche Be-
schwerden äussere (vgl. Beilage 3 zu act. 17). Ferner hat sich die Be-
schwerdeführerin gemäss Eingabe vom 24. Februar 2020 vom Beschwer-
deführer getrennt und beabsichtige die Scheidung einzureichen (act. 17).
E-6757/2018
Seite 18
11.4 Die Kinder der Beschwerdeführenden halten sich seit demnächst drei
Jahren in der Schweiz auf. Im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens wurden
zahlreiche sie betreffende Beweismittel eingereicht.
11.4.1 Gemäss dem Austrittsbericht der (...) vom 25. März 2019 wurden
beim heute bald (...)jährigen C._ folgende Diagnosen gestellt: (...)
(ICD-10: [...]; Hauptdiagnose) (...), nicht näher bezeichnet (ICD-10: [...]),
(...), nicht näher bezeichnet (ICD-10: [...]), kombinierte umschriebene (...)
(ICD-10: [...]), (...) – (...) (ICD-10 [...]). Ferner wurde ein IQ von (...) (Test-
diagnostik: SON-R 2017) festgestellt. Zur Beurteilung wird ausgeführt, die
Auffälligkeiten dürften unter anderem durch die Migrationsgeschichte der
Familie und die schwere psychische Erkrankung des Beschwerdeführers
(Vater) beeinflusst sein. Darüber hinaus sei die Wohnsituation prekär und
C._ sei in der Kollektivunterkunft Opfer eines sexuellen Übergriffs
geworden. Weiter ergibt sich aufgrund der Akten, dass C._ gemäss
einer E-Mail der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Y._ vom
10. Oktober 2019 an die Rechtsvertreterin wegen Eigen- und Fremdgefähr-
dung vom Besuch der Sonderschule ausgeschlossen und ein präventives
Kindesschutzverfahren eröffnet werden musste. C._ benötige eine
1:1 Betreuung und es würden Abklärungen zur geeigneten Therapie und
zum Schulsetting laufen (Beilage 2 zu act. 13). Dem Entscheid der Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde Bb._ vom 25. Februar 2020, mit
welchem den Kindern ein Beistand bestellt wurde, ist weiter zu entnehmen,
der Ausschluss aus der Sonderschule im September 2019 sei unter ande-
rem aufgrund des aggressiven Verhaltens von C._ gegenüber Mit-
schülern und Lehrpersonen erfolgt, wobei es mutmasslich zu einem sexu-
ellen Übergriff zum Nachteil eines Jungen gekommen sei. Eine Anschluss-
lösung bestehe bis heute nicht. C._ halte sich seither ohne ange-
messene Betreuung und Beschulung in der Kollektivunterkunft auf. Es sei
ein ambulantes Setting mit einer Psychotherapie und medikamentösen Be-
handlung installiert worden. Mit der Therapie soll durch korrigierende Er-
fahrungen sowie dem Entwickeln von Strategien eine Verbesserung der
Situation bewirkt werden. Zudem sei aus ärztlicher Sicht für eine positive
Entwicklung zusätzlich eine kindeswohlentsprechende Wohnsituation, eine
geeignete Tagesstruktur sowie die Stärkung der Erziehungskompetenz der
Mutter zwingend notwendig (vgl. SEM-Akten, Entscheid der KESB
Bb._ vom 25. Februar 2020 S. 3/5).
11.4.2 Der heute (...) Jahre alte D._ leidet gemäss Diagnose vom
28. Oktober 2018 von Dr. med. W._, an einer (...) (schwerer Beein-
trächtigung der [...]) und einer (...). Er besucht seit dem (...) 20(...) die
E-6757/2018
Seite 19
Sprachheilschule K._ (vgl. act. 2). Gemäss Schreiben der Sprach-
heilschule K._ wurde diese Sonderbeschulung von der Gesund-
heits- und Fürsorgedirektion bis Ende Juli 2022 verfügt. Ferner erhält
D._ gemäss der Verfügung der Invalidenversicherung vom 6. Juni
2019 rückwirkend per (...) 20(...) eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit
mittleren Grades (vgl. Verfügung der Invalidenversicherung vom 6. Juni
2019; Beilage 2 zu act. 11). Laut Entscheid der KESB Bb._ vom 25.
Februar 2020 zeige D._ in der Sprachheilschule K._ ein auf-
fälliges, namentlich auch sexualisiertes Verhalten und zeige sich gegen-
über Mitschülern und Lehrpersonen aggressiv. Er sei in der Schule oft
müde sowie hungrig und leide an Harn- und Stuhlinkontinenz (vgl. SEM-
Akten, a.a.O. S. 3).
11.4.3 Im Entscheid der KESB Bb._ vom 25. Februar 2020 wird des
Weiteren ausgeführt, die gegenwärtigen Lebensverhältnisse würden aus
ärztlicher Sicht das Wohl und die Entwicklung der Kinder massiv gefähr-
den. Für C._ bestehe keine schulische Anschlusslösung und er
halte sich, bis er einen Platz einer Heilpädagogischen Schule erhalte, ohne
Tagesstruktur unter schwierigen Bedingungen in der Kollektivunterkunft
auf. Ferner lebten die Beschwerdeführerin und ihre Kinder mit einer ande-
ren dreiköpfigen Familie in einer Dreizimmerwohnung. C._ und
D._ würden die meiste Zeit im Zimmer verbringen. Es müsse drin-
gend für eine angemessene Wohnsituation gesorgt werden. Die Beschwer-
deführerin sei mit der Situation ihrer Kinder überfordert und insbesondere
von einer sozialpädagogischen Familienbegleitung in ihrer Erziehungsfä-
higkeit zu fördern. Sie sei nicht in der Lage, die erforderlichen Schritte
selbst zu veranlassen. Der Kindeswohlgefährdung sei Abhilfe zu schaffen
durch die Anordnung einer Beistandschaft, welche sie in der Erziehung der
Kinder unterstütze und für eine geeignete Wohnungssituation sowie Be-
schulung der Kinder sorge sowie die Entwicklung und das Wohl der Kinder
begleite und überwache (vgl. SEM-Akten, a.a.O. S. 3 f.).
11.5 Aufgrund der dargestellten Lebenssituation der Beschwerdeführen-
den, insbesondere angesichts des zu berücksichtigenden Kindeswohles,
ist nachfolgend – trotz der unter E. 11.2 beschriebenen Regelvermutung –
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Serbien durch das Ge-
richt eingehender zu prüfen.
11.5.1 Gemäss Länderbericht der Europäischen Kommission vom 2019
lag die Arbeitslosenquote in Serbien im Jahre 2018 bei 13.3%, wobei
Frauen zu derjenigen Gruppe gehören, welche besondere Schwierigkeiten
E-6757/2018
Seite 20
bei der Arbeitsmarktintegration zu gewärtigen haben. Es bestünden Defi-
zite bei der Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie bei
der Attraktivität von Teilzeitarbeit (vgl. European Commission, Serbia Re-
port 2019 vom 29. Mai 2019 S. 78 f., abrufbar unter https://ec.eu-
ropa.eu/neighbourhood-enlargement/sites/near/files/20190529-serbia-re-
port.pdf; zuletzt besucht am 10. März 2020).
Angesichts der Ausbildung der Beschwerdeführerin und der vorhandenen
sozialen Anknüpfungspunkte erscheint eine gesellschaftliche und wirt-
schaftliche Integration in ihrer Heimat trotz längerer Landesabwesenheit
und trotz angespannter Arbeitsmarktlage nicht als von vornherein ausge-
schlossen. Sodann verfügt Serbien über ein funktionierendes Gesund-
heitssystem (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-1083/2018 vom 22. Januar
2020 E. 10.4.4; vgl. auch Art. 18 Abs. 1 Bst. b VVWAL), welches unter an-
derem auch die ambulante und stationäre Betreuung psychischer Beein-
trächtigungen sicherstellt, weshalb die Beschwerdeführerin ihre psychi-
schen Belastungserscheinungen – welche aufgrund des bereits Ausgeführ-
ten zu einem erheblichen Teil auf ihre schwierige Lebenssituation als Asyl-
suchende in der Schweiz zurückzuführen sind – behandeln lassen kann.
Vorliegend tritt erschwerend die beschriebene Situation der beiden Kinder
hinzu, welche im Zusammenhang mit einem Wiedereintrittsversuch der Be-
schwerdeführerin in einen angespannten Arbeitsmarkt – in einem Land mit
einer Armutsquote von über 25% und knapp vorhandenen staatlichen Res-
sourcen in Bezug auf Arbeitsmarktintegration und sozialer Unterstützung
(vgl. den erwähnten Bericht der Europäischen Kommission S. 78 f.) – eine
erhebliche Zusatzbelastung darstellt. Zudem geht aus den Akten hervor –
insbesondere aufgrund der angeordneten Beistandschaft für ihre Kinder –
dass sie bereits mit den sich gegenwärtig stellenden Herausforderungen
überfordert ist.
11.5.2 Laut den aktenkundigen Berichten liegen bei beiden Kindern
schwere gesundheitliche Störungen vor und sind die attestierten Verhal-
tensauffälligkeiten der Kinder unter anderem auf ihre Migrationsgeschichte
und die häufigen Länderwechsel zurückzuführen. Es wird die Notwendig-
keit von stabilen Verhältnissen betont (vgl. Beschwerdebeilagen 2 und 7
sowie act. 2). Dies spricht grundsätzlich dafür, die Kinder in ihrem gewohn-
ten Umfeld und in den bestehenden Betreuungssettings in der Schweiz zu
belassen. Indes sind die beschriebenen Probleme auch auf die schwierige
Lebenssituation, welchen sie als Asylsuchende in der Schweiz ausgesetzt
E-6757/2018
Seite 21
sind, insbesondere die prekäre Wohnsituation, zurückzuführen (vgl.
E 11.4.6).
Die Mutter der Beschwerdeführerin besitzt in Serbien (...) Häuser, womit
im Heimatland, im Gegensatz zur momentanen Situation in der Schweiz,
eine angemessene Wohnsituation zur Verfügung stünde. Allerdings – und
dies ohne den Entscheid der zuständigen Instanzen vorgreifen zu wollen –
scheint es als wahrscheinlich, dass der prekären Wohnsituation der Be-
schwerdeführenden in der Schweiz aufgrund der behördlichen Intervention
(vgl. Gesuch auf Sonderunterbringung und Kostengutsprache der Ge-
meinde Y._ vom 10. Januar 2020 beim I._; Beilage 1 zu act.
17) demnächst Abhilfe geschafft wird. Somit ist festzuhalten, dass sich die
Wohnsituation der Beschwerdeführenden mit hoher Wahrscheinlichkeit in
jedem Fall verbessern wird und die sich bisher daraus ergebenden Prob-
leme entschärfen werden. Damit rückt bei der Beurteilung des Kindeswoh-
les der bereits erwähnte Aspekt der Notwendigkeit von stabilen Verhältnis-
sen für die Kinder erneut in den Vordergrund.
Der jüngere Sohn D._ besucht seit dem 13. August 2018 die
Sprachheilschule K._, wo er neben heilpädagogischer sowie logo-
pädischer Förderung aufgrund seiner beeinträchtigten Motorik auch ergo-
therapeutische Betreuung erhält. Die Sonderschulung wurde bis zum 31.
Juli 2020 verfügt (vgl. act. 2). Gemäss Abklärungsbericht Hilflosenentschä-
digung für minderjährige Versicherte der IV-Stelle X._ vom 4. April
2019 kann aufgrund des bestehenden Settings mittelfristig eine Verbesse-
rung erwartet werden. Eine Überprüfung des Hilflosigkeitsgrades wird im
Rahmen der Revision per 1. Juli 2020 erfolgen (vgl. Beilage 2 S. 4 f. zu act.
11).
Der ältere Bruder C._ befindet sich in einem ambulanten Setting
und medikamentöser Behandlung. Mit der Therapie soll durch korrigie-
rende Erfahrungen sowie dem Entwickeln von Strategien eine Verbesse-
rung der Situation bewirkt werden. Weiter sind Bestrebungen im Gange,
für ihn einen Platz in einer Heilpädagogischen Schule zu organisieren.
Ferner wurde den Kindern mit Entscheid der KESB Bb._ vom
25. Februar 2020 ein Beistand bestellt, welcher der Beschwerdeführerin in
Erziehungsfragen und der Kinderbetreuung zur Seite steht. Sodann soll die
Erziehungskompetenz der Mutter durch entsprechende Begleitung ge-
stärkt werden.
E-6757/2018
Seite 22
Mit Blick auf das Kindeswohl und der bereits dargelegten Notwendigkeit
stabiler Verhältnisse scheint es zum jetzigen Zeitpunkt nicht als angezeigt,
die beiden Kinder aus den bestehenden Settings zu nehmen und sie einem
neuen Umfeld zuzuführen. Auch mit Blick auf eine anzustrebende wirt-
schaftliche Reintegration der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland er-
scheint es zentral, dass sich die Entwicklung der Kinder – im Rahmen der
bestehenden Settings – so weit wie möglich stabilisieren kann. Wenn im-
mer möglich muss das mittelfristige Ziel der laufenden Bemühungen jedoch
sein, die Kinder und ihre Mutter soweit in ihrer Lebenskompetenz zu för-
dern, damit sie sich einer durchaus denkbaren Reintegration in ihrem Hei-
matland (vgl. E. 11.5.1) stellen können.
11.6 Aufgrund des Ausgeführten erscheint der Wegweisungsvollzug für die
Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder zum heutigen Zeitpunkt nicht
zumutbar und die Vorinstanz ist anzuweisen, sie in der Schweiz vorläufig
aufzunehmen (Art. 83 Abs. 1 und Abs. 4 AIG). Die Vorinstanz wird perio-
disch überprüfen, ob die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme
noch gegeben sind (Art. 84 Abs.1 AIG).
11.7 Ergänzend ist festzuhalten, dass zahlreiche der für das vorliegende
Urteil entscheidenden Faktoren im Zeitpunkt der Fällung des erstinstanzli-
chen Entscheides noch nicht entstanden beziehungsweise noch nicht ak-
tenkundig waren (z.B. die Zuführung des Beschwerdeführers an die (...)
Behörden, die Feststellung der mittleren Hilflosigkeit des jüngeren Sohnes
durch die IV, die Anordnung der Kindesschutzmassnahmen etc.). Die in
diesem Zusammenhang erhobenen Rügen der Verletzung der Begrün-
dungspflicht sowie der Verletzung der Pflicht zur sorgfältigen Sachverhalts-
abklärung erweisen sich deshalb als unbegründet.
12.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen. Die Dispositivziffern
4 bis 5 der Verfügung vom 16. November 2018 sind hinsichtlich der Be-
schwerdeführerin und ihrer Kinder aufzuheben und das SEM anzuweisen,
sie wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges in der Schweiz vor-
läufig aufzunehmen.
Betreffend den Beschwerdeführer ist über seine Wegweisung nicht zu ent-
scheiden und die Dispositivziffern 3 bis 5 der angefochtenen Verfügung
sind infolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben.
E-6757/2018
Seite 23
Ziffer 6 der angefochtenen Verfügung ist mit Wirkung für alle Beschwerde-
führenden aufzuheben.
13.
Das mit Eingabe vom 24. Februar 2020 gestellte Gesuch der Rechtsver-
treterin um Entlassung aus dem amtlichen Mandat wird mit vorliegendem
Entscheid gegenstandslos.
14.
14.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen
der Beschwerdeführenden auszugehen, weshalb sie die Verfahrenskosten
zur Hälfte zu tragen hätten (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indes wurde ihnen
mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2018 die unentgeltliche Prozess-
führung gewährt, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
14.2 Den Beschwerdeführenden ist angesichts des hälftigen Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine reduzierte Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Ange-
sichts der mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2018 gewährten un-
entgeltlichen Rechtsverbeiständung ist zudem eine Entschädigung nach
Art. 12 VGKE auszurichten.
Gemäss Kostennote vom 28. Februar 2019 wird ein Arbeitsaufwand von
insgesamt viereinhalb Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 180.– so-
wie eine Spesenpauschale von Fr. 50.– in Rechnung gestellt. Für die nach
dem 28. Februar 2019 beim Gericht eingereichten Eingaben lässt sich der
zeitliche Aufwand aufgrund der Akten abschätzen. Insgesamt ist dieser auf
sechs Stunden festzusetzen. Aufgrund der insgesamt neun beim Gericht
eingegangen Einschreibesendungen ist die Spesenpauschale von Fr. 50.–
plausibel.
Für das hälftige Obsiegen ist ein zeitlicher Aufwand von drei Stunden und
ein Stundenansatz von Fr. 180.– zu berücksichtigen. Die Entschädigung
beträgt insgesamt Fr. 610.00 (gerundet; inkl. hälftige Spesenpauschale so-
wie Mehrwertsteuerzuschlag) und ist den Beschwerdeführenden durch die
Vorinstanz auszurichten.
Für das amtliche Honorar ist von einem zeitlichen Aufwand von drei Stun-
den und einem Stundenansatz von 150.– (vgl. Zwischenverfügung vom
E-6757/2018
Seite 24
7. Dezember 2018) auszugehen. Das durch das Gericht zu entschädi-
gende Honorar beträgt insgesamt Fr. 512.00 (gerundet; inkl. hälftige Spe-
senpauschale sowie Mehrwertsteuerzuschlag).
(Dispositiv nächste Seite)
E-6757/2018
Seite 25