Decision ID: e9d8e4c4-4918-53e0-8f3a-e62769e0e346
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 21. Dezember 2016 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im
Wesentlichen vor, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Eth-
nie aus der (...) und habe im Jahr 1996 die (...) abgeschlossen und ab dem
Jahr 2002 als (...), später als (...) für die Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) gearbeitet. Nach Ende des Bürgerkriegs sei er als Angehöriger der
(...) identifiziert und in Rehabilitationshaft genommen worden. Am 5. Juni
2011 sei er aus der Rehabilitationshaft enlassen worden, doch hätten ihn
das Criminal Investigation Department (CID) und die Terrorism Investiga-
tion Division (TID) weiterhin verdächtigt, mit den LTTE zu kollaborieren.
Anfangs Oktober 2014 hätte er sich beim CID melden müssen. Da er dieser
Vorladung nicht nachgekommen sei, hätten ihn Angehörige der TID in sei-
nem Haus festnehmen wollen. Einer Aufforderung, sich in Colombo zu mel-
den, sei er ebenfalls nicht nachgekommen. In der Folge sei er mehrmals
zu Hause gesucht worden. Er sei jedoch untergetaucht und habe Sri Lanka
schliesslich am 26. September 2016 legal mit seinem Reisepass auf dem
Luftweg verlassen.
A.b Mit Verfügung vom 18. November 2019 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug an.
A.c Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil D-6714/2019 vom 21. Mai 2021 abgewiesen.
B.
B.a Am 1. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer durch den rubrizierten
Rechtsvertreter beim SEM ein zweites Asylgesuch (Mehrfachgesuch) ein.
Dabei machte er im Wesentlichen geltend, am 15. Mai 2021 hätten Ange-
hörige des CID sein Haus in B._ (Nordprovinz) durchsucht und
seine Frau sowie seine drei Kinder mitgenommen. Man hätte sie bedroht
und beschuldigt, er – der Beschwerdeführer – führe mit ehemaligen LTTE-
Kollegen in der Schweiz die Bestrebungen zum Wiederaufbau der LTTE in
Sri Lanka fort. Am 18. Mai 2021 sei sein Haus ein weiteres Mal durchsucht
worden. Wie auch den beigelegten Unterlagen entnommen werden könne,
sei er ein namhafter LTTE-Aktivist und Führer junger Tamilen in der
Schweiz. So unterstütze er etwa den auf der Suchliste der sri-lankischen
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Behörden stehenden (...) und arbeite mit weiteren Personen und Organi-
sationen zusammen, welche von den heimatlichen Behörden als terroris-
tisch eingestuft würden. Auch würde er in seinem Zuteilungskanton Leute
für die tamilische Sache mobilisieren, nehme an Versammlungen und De-
monstrationen teil und helfe bei deren Organisation. Überdies äussere er
sich öffentlich und im Internet regimekritisch. Mithin sei er kein blosser Mit-
läufer, sondern ein "Leader" und als solcher eine konkrete Bedrohung in
den Augen der sri-lankischen Behörden. Bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka würden ihm aufgrund seiner Vorfluchtgründe und seiner exilpoliti-
schen Tätigkeiten flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile entstehen.
Schliesslich leide er nach wie vor unter gesundheitlichen, insbesondere
unter psychischen Problemen.
B.b Mit Verfügung vom 14. Juli 2021 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Mehrfachgesuch
vom 1. Juli 2021 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete
den Vollzug an, erhob eine Gebühr und lehnte den in der Eingabe vom
1. Juli 2021 enthaltenen Antrag auf Durchführung einer Anhörung und all-
fälliger weiterer Instruktionsmassnahmen ab.
B.c Das Bundesverwaltungsgericht trat mit Urteil D-3825/2021 vom
1. September 2021 auf die am 27. August 2021 verspätet eingereichte Be-
schwerde nicht ein.
C.
Mit einer neuen, wiederum als Mehrfachgesuch bezeichneten Eingabe
vom 8. Oktober 2021 brachte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter im Wesentlichen vor, er sei in der Schweiz politisch aktiv und zum
Kadermitglied des Swiss Tamil Coordinating Committee (STCC) befördert
worden. Die Demonstration vom (...) in C._ sei von ihm organisiert
worden, und er sei deren Anführer gewesen, was auf den eingereichten
Fotos anhand seiner Bekleidung (schwarze Hose und weisses Hemd mit
LTTE-Logo), welche sich stark von derjenigen der übrigen Demonstrations-
teilnehmer unterscheide, klar zu erkennen sei. Aufgrund seiner LTTE-Ver-
gangenheit und seines Engagements für die STCC werde er vom sri-lanki-
schen Staat als separatistischer Akteur, der die LTTE im Ausland wieder-
beleben wolle, betrachtet. Im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka müsste
er mit einer Haftstrafe von 20 Jahren rechnen. Im Übrigen würde auch
seine Gesundheit eine Rückkehr nicht zulassen.
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Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er verschiedene Fotos und – auf
einem USB-Stick – Filmaufnahmen betreffend seine Demonstrationsteil-
nahme in C._ sowie dem Internet entnommene Berichte zur aktu-
ellen Lage in Sri Lanka zu den Akten.
D.
D.a Das SEM wies die zuständige Behörde des Kantons D._ am
15. Oktober 2021 an, einstweilen von Vollzugshandlungen abzusehen und
Vorbereitungshandlungen inklusive Papierbeschaffung zu sistieren.
D.b Mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 – eröffnet am 28. Dezember
2021 – trat das SEM auf das Mehrfachgesuch vom 8. Oktober 2021 nicht
ein und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
sowie den Vollzug an. Ausserdem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.– und
lehnte den auch in der Eingabe vom 8. Oktober 2021 gestellten Antrag auf
weitergehende Instruktionsmassnahmen ab.
E.
Der Beschwerdeführer erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe
vom 3. Januar 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen
die vorinstanzliche Verfügung vom 20. Dezember 2021. Dabei beantragte
er deren Aufhebung und die Rückweisung an die Vorinstanz zum materiel-
len Entscheid. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei
festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebenden Wirkung zukomme,
es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Zur Stützung der in der Beschwerdeschrift enthaltenen Ausführungen liess
der Beschwerdeführer mehrere Bilder, die ihn bei der Teilnahme an tamili-
schen Veranstaltungen in der Schweiz zeigen, zu den Akten geben.
F.
Mit Schreiben vom 4. Januar 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
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und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten.
1.3 Im Rahmen eines Mehrfachgesuchs gemäss Art. 111c AsylG kommt
der Beschwerde grundsätzlich die aufschiebende Wirkung zu (vgl. auch
Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 26. Mai 2010, BBl 2010
4455, 4505), und die Vorinstanz hat diese auch nicht entzogen. Auf den
Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung ist nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Prüfungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
die Frage, ob das SEM gemäss Art. 111c Abs. 1 Satz 1 AsylG zu Recht auf
das Mehrfachgesuch vom 8. Oktober 2021 nicht eingetreten ist. Das Bun-
desverwaltungsgericht enthält sich, sofern es den Nichteintretensentscheid
als unrechtmässig erachtet, einer selbständigen Prüfung; es hebt die an-
gefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.).
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4.2 Im Wegweisungs- und Vollzugspunkt hat die Vorinstanz eine materielle
Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
5.
5.1 Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des
Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, haben gemäss
Art. 111c Abs. 1 AsylG schriftlich und begründet zu erfolgen. Ausreichend
begründet ist ein Gesuch, wenn die Behörde in der Lage ist, über das Ge-
such zu entscheiden, auch ohne dass sie die gesuchstellende Person vor-
her anhört.
5.2 Kommt eine asylsuchende Person im Rahmen eines Mehrfachgesuchs
ihrer Begründungspflicht offensichtlich nicht nach, hat die Behörde auch in
Verfahren, in denen nicht ohnehin schon die speziellen Voraussetzungen
der Art. 31a Abs. 1–3 AsylG vorliegen, die Möglichkeit, auf das Gesuch ge-
stützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutre-
ten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7.1).
6.
6.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids hielt die Vorinstanz
fest, bereits im Asylentscheid vom 18. November 2019 und im BVGer-Urteil
vom 21. Mai 2021 sei festgestellt worden, beim Beschwerdeführer würden
keine risikobegründenden Faktoren vorliegen beziehungsweise es seien
keine hinreichenden Hinweise dafür ersichtlich, dass er aufgrund einer tat-
sächlichen oder bloss unterstellten Verbindung zu den LTTE ins Visier der
sri-lankischen Behörden geraten könnte. Dabei wies sie darauf hin, dass
der Beschwerdeführer seine exilpolitischen Tätigkeiten bereits anlässlich
einer Replik vom 8. Februar 2021 geltend gemacht habe und das BVGer
im Urteil vom 21. Mai 2021 zum Schluss gekommen sei, der Beschwerde-
führer habe lediglich als Mitläufer an Demonstrationen teilgenommen, wo-
bei eine solche exilpolitische Tätigkeit die Schwelle der objektiv begründe-
ten Furcht vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG nicht erreiche. Wie in
der SEM-Verfügung vom 14. Juli 2021 festgestellt worden sei, sei auch
nicht ersichtlich, inwiefern sich das exilpolitische Profil des Beschwerde-
führers seit dem BVGer-Urteil vom 2021 in entscheidender Weise verän-
dert haben könnte. Der Beschwerdeführer sei auf den mit dem Mehrfach-
gesuch vom 1. Juli 2021 eingereichten Fotos lediglich als Teilnehmer an
Gedenk- und Kundgebungsveranstaltungen zu sehen, und auch der Um-
stand, dass er E._ kennen würde, vermöge sein politisches Profil
nicht zu schärfen. Zudem seien die Vorbringen, für den (...) von E._
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tätig gewesen zu sein und Kundgebungen mitorganisiert zu haben, nicht
erwiesen.
Die Eingabe vom 11. Oktober 2021 sei erneut mit den bereits bekannten
politischen Aktivitäten begründet worden, ohne diese zu belegen. Ferner
sei angefügt worden, der Beschwerdeführer habe die Kundgebungen vom
(...) in C._ sowohl organisiert als auch begleitet. Die eingereichten
Fotografien und Videoaufnahmen der Demonstrationsteilnahmen ver-
möchten zwar dessen Vernetzung in der tamilischen Gemeinschaft zu un-
termauern, taugten aber nicht als Nachweis dafür, dass der Beschwerde-
führer ein hoher Exponent der sri-lankischen Diaspora sei, welcher von den
heimatlichen Behörden als Gefahr für den Einheitsstaat Sri Lanka wahrge-
nommen würde. Vom alleinigen Umstand, dass er in Anwesenheit mitunter
exponierter Persönlichkeiten auf Fotos zu sehen sei, sei noch keine Ge-
fährdung seiner Person in Sri Lanka abzuleiten. Die Vorbringen, er sei ein
Kadermitglied des STCC und habe die Kundgebung vom (...) in C._
organisiert, seien nicht ansatzweise belegt und als reine Behauptungen zu
qualifizieren; letztlich vermöge er einzig nachzuweisen, dass er an dieser
Veranstaltung präsent gewesen sei. Daran vermöchten auch die weiter ein-
gereichten Internetauszüge mit Bildern nichts zu ändern, zumal der Be-
schwerdeführer diese in keinen erkennbaren Zusammenhang mit seiner
Person gestellt habe.
Das SEM wies im Weiteren darauf hin, der Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers habe in verschiedenen anderen Verfahren nahezu analog gel-
tend gemacht, tamilische Gesuchstellende seien der rechte Arm von Expo-
nenten der STCC oder der Tamil Youth Organization (TYO), wobei die "Be-
lege" dafür sich in einigen wenigen Fotos erschöpften. Eigentliche Beweis-
mittel, welche ein nachhaltiges, ernsthaftes und herausragendes exilpoliti-
sches Profil untermauern würden, seien dabei allerdings nie ins Recht ge-
legt worden.
Zusammenfassend sei es dem Beschwerdeführer mit seiner Eingabe nicht
gelungen, gehörig zu begründen, dass er aufgrund seines Profils sowie
seiner exilpolitischen Tätigkeiten in Sri Lanka als separatistisch gesinnte
Person, welche die LTTE im Ausland wiederzubeleben versuche, gesucht
würde.
6.2 In der Beschwerde (vgl. S. 2–4) wird – wie bereits im Mehrfachgesuch
vom 8. Oktober 2021 – darauf hingewiesen, dass das von E._ an-
geführte STCC von den sri-lankischen Behörden als terroristisch eingestuft
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worden sei. Sodann wird geltend gemacht, die vom Beschwerdeführer zu-
sammen mit der Eingabe vom 11. Oktober 2021 eingereichten Fotografien
belegten, dass er als nationales Kadermitglied faktisch den Rang eines Mi-
nisters in der LTTE-Exilregierung einnehme. Damit sei sein neues Asylge-
such sehr wohl ausreichend begründet worden. Das SEM habe jedoch die
neue Tatsache, dass der Beschwerdeführer STCC-Vertreter seines Kan-
tons (in welcher Funktion er für die Einnahmen und die Mobilisierung von
Mitgliedern für Kundgebungen zuständig sei) und damit Kadermitglied des
STCC geworden sei, nicht berücksichtigt und dadurch den erheblichen
Sachverhalt unvollständig und ungenau festgestellt beziehungsweise sei-
nen Anspruch auf rechtliches Gehör beziehungsweise seine Begründungs-
pflicht verletzt (vgl. Beschwerde S. 4–6).
7.
7.1 Soweit in der Beschwerdeschrift formelle Rügen erhoben werden, sind
diese vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung herbeizuführen.
7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
7.3 Aus den Akten ergeben sich indes keinerlei Hinweise, dass das SEM
das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt oder seine Pflicht zur
richtigen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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nicht ausreichend wahrgenommen hat. Entgegen der Darstellung in der
Beschwerde hat sich die Vorinstanz mit der Frage des subjektiven Nach-
fluchtgrundes auseinandergesetzt. Ebenso wenig ist ersichtlich, welche
Beweismittel das SEM nicht beachtet haben soll. Die auf Seite 4 der Be-
schwerde erwähnte, angebliche Bestätigung, dass es sich beim Beschwer-
deführer um den STCC-Verantwortlichen seines Kantons handle, ist nicht
aktenkundig. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die vom
SEM gezogenen Schlüsse nicht teilt, vermag keine ungenügende oder un-
richtige Abklärung oder Feststellung des Sachverhalts zu begründen. Die
in der Beschwerdeschrift angebrachte, nicht näher begründete Kritik richtet
sich im Kern nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz,
sondern gegen die rechtliche Würdigung der Vorbringen. Sodann hat die
Vorinstanz nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert auf-
gezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess, und dem Be-
schwerdeführer dadurch die sachgerechte Anfechtung der Verfügung vom
20. Dezember 2021 ermöglicht. Dass der Beschwerdeführer beziehungs-
weise dessen Rechtsvertreter die vom SEM gezogenen Schlüsse nicht
teilt, stellt ebenfalls keine Verletzung der Begründungspflicht dar.
7.4 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet, weshalb keine
Veranlassung besteht, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben
und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen
zu bestätigen sind. Wie vom SEM zutreffend festgestellt wurde, ist das Er-
fordernis einer (materiell) ausreichenden Begründung im Sinne von
Art. 111c AsylG vorliegend als nicht erfüllt zu erachten erachten (vgl. zum
Nichteintretensgrund der mangelhaften Begründung BVGE 2014/39 E. 7).
Wie nachfolgend aufgezeigt, vermag die vom Beschwerdeführer ange-
führte Begründung inhaltlich nicht zu überzeugen beziehungsweise ist sie
als nicht ausreichend im Sinne der erhöhten Anforderungen an die Begrün-
dung eines Mehrfachgesuchs zu qualifizieren. Zur Vermeidung von Wie-
derholungen kann vollumfänglich auf die vorinstanzliche Verfügung verwie-
sen werden (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. IV sowie Zusammenfassung
oben E. 6.1).
8.2 Nicht nur die als Beilage zur Eingabe vom 8. Oktober 2021 eingereich-
ten Fotos und Videoaufnahmen, sondern auch die zusammen mit der Be-
schwerdeschrift zu den Akten gegebenen Bilder sind nicht geeignet zu be-
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legen, dass sich der Beschwerdeführer bei der Teilnahme an Veranstaltun-
gen in der Schweiz in besonderer, qualifizierter Weise aus der Masse der
Teilnehmer abgehoben hat. So ist er auf den anlässlich der Kundgebung in
C._ vom (...) aufgenommenen Videoaufnehmen nicht eindeutig –
und erst recht nicht als führende Persönlichkeit – erkennbar, zumal – an-
ders als von ihm behauptet – zahlreiche Männer bei dem Anlass ein weis-
ses Hemd und schwarze Hosen trugen. Sodann erstaunt, dass lediglich
auf Fotos, welche den Beschwerdeführer allein (mithin nicht mit anderen
Teilnehmern) zeigen, erkennbar ist, dass das von ihm getragene Hemd mit
dem LTTE-Logo versehen ist; auf allen anderen Bildern trägt der Be-
schwerdeführer über dem Hemd eine Jacke. Dasselbe gilt auch für die auf
Beschwerdeebene eingereichten, angeblich bei einer Veranstaltung in
F._ am (...) und anlässlich des "(...)" in G._ am (...) aufge-
nommenen Fotos. Aus keinen der Bilder ergibt sich, dass der Beschwer-
deführer bei den von ihm besuchten Veranstaltungen eine besondere Rolle
gespielt haben könnte.
Sodann vermochte der Beschwerdeführer auch die angeblichen Verbin-
dungen zu E._und die behauptete Beförderung zum STCC-Kader-
mitglied in keiner Weise zu belegen.
In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die sri-lanki-
schen Behörden blosse "Mitläufer" an Massenveranstaltungen sehr wohl
als solche identifizieren können und diese denn auch nicht als Gefahr
wahrnehmen (vgl. dazu Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
14. Juli 2016 E. 8.5.4). In Anbetracht dessen vermag auch der Umstand
nichts zu ändern, dass in sri-lankischen Medien über die Kundgebungen
und Anlässe in der Schweiz berichtet worden sein soll.
8.3 Nachdem der Beschwerdeführer den erhöhten Anforderungen an die
Begründungspflicht nicht nachgekommen ist, ist das SEM zu Recht auf das
Mehrfachgesuch vom 8. Oktober 2021 in Anwendung von Art. 111c Abs. 1
AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
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Seite 11
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
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Seite 12
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). An der im Urteil D-6714/2019 vom 21. Mai 2021 getroffenen Ein-
schätzung zur Zulässigkeit ist weiterhin festzuhalten. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen und der Beschwer-
deführer weist seinerseits keine individuellen Merkmale auf, welche eine
Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Der Vollzug der Wegwei-
sung erweist sich damit als zulässig
10.3
10.3.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzu-
mutbar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat-
oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all-
gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. Wird
eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83
Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des
Beschwerdeführers mit Verweis auf das seine Person betreffende
Urteil D-6714/2019 vom 21. Mai 2021, in welchem sich das Gericht mit der
Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, namentlich auch der
individuellen Situation des Beschwerdeführers auseinandersetzte, bejaht.
Die entsprechenden Ausführungen (E. 9.3), auf welche an dieser Stelle
verwiesen werden kann, erweisen sich weiterhin als gültig, zumal weder
dem Mehrfachgesuch vom 8. Oktober 2021 noch der Beschwerde vom
3. Januar 2022 konkrete und glaubhafte Hinweise auf das Bestehen von
(neuen, insbesondere auch medizinischen) Wegweisungsvollzugshinder-
nissen entnommen werden können.
D-25/2022
Seite 13
10.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
ist schliesslich möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83
Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung
gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE
2008/34 E. 12).
Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam-
menhang mit der Coronavirus-Pandemie stellen – gemäss aktuellem
Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-
gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. statt
vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
12.
12.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegenstandslos.
12.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da sich die in der Be-
schwerde gestellten Begehren als zum vornherein aussichtslos erwiesen
haben.
12.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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D-25/2022
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