Decision ID: 319ab0dc-3866-5ed1-a4a1-3d408b7e6cae
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie,
gelangte eigenen Angaben zufolge am 12. April 2017 in die Schweiz, wo er
gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um
Asyl nachsuchte. Am 27. April 2017 wurde er zu seiner Person, zum Rei-
seweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur
Person [BzP]) und am 29. Juni 2018 eingehend angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
er stamme aus C._, Distrikt al-Malikiya. Zwischen 2009 bezie-
hungsweise 2010 und 2013 habe er in Damaskus als (...) gearbeitet und
nebenbei (...) gelernt. In Damaskus sei er einmal festgehalten und aufge-
fordert worden, in seine Heimatregion zurückzukehren und ein Militärbüch-
lein ausstellen zu lassen. Da es das Rekrutierungszentrum in Derik zu die-
ser Zeit nicht mehr gegeben habe, habe er zur Ausstellung seines Militär-
büchleins nach Qamishli gemusst. Im Februar 2014 sei er in den Militär-
dienst einberufen worden, wobei er bis zum 20. Februar 2014 hätte einrü-
cken müssen. Er sei aber bei seinen Eltern zu Hause geblieben, es sei ihm
sehr schwer gefallen, diese zu verlassen. Ende Februar sei bei seinen El-
tern nach ihm gesucht worden, er habe sich zu diesem Zeitpunkt bei einem
Freund aufgehalten. Nach dieser Aufforderung sei er nicht mehr nach
Hause gegangen, sondern habe sich versteckt gehalten bis sein Vater
seine Ausreise organisiert habe. Anfang März 2014 sei er in den Nordirak
gereist, wo er sich beinahe zwei Jahre in einem Flüchtlingscamp in
D._ aufgehalten habe. Dieses habe er schliesslich in Richtung Tür-
kei verlassen, um dann über Griechenland in die Schweiz zu reisen. Nach
seiner Ausreise sei sein Vater zweimal über den Dorfvorsteher aufgefordert
worden, sich in Qamishli zu melden und zu erklären, warum der Beschwer-
deführer nicht ins Militär eingerückt sei. Der Vater sei diesen Aufforderun-
gen nachgekommen und habe erklärt, er wisse nicht, wo sein Sohn sei.
Ansonsten habe seine Ausreise für seine Familie keine Konsequenzen ge-
habt.
Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte, seinen Führerausweis,
sein Militärbüchlein sowie eine Einberufung zum Militärdienst ein.
B.
Mit Verfügung vom 5. Februar 2020 – eröffnet am 8. Februar 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
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Schweiz an. Aufgrund Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde
die vorläufige Aufnahme verfügt. Die vorinstanzliche Verfügung wurde in
französischer Sprache erlassen, das Dispositiv wurde auf Deutsch über-
setzt.
C.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. März 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung, die Gutheissung des Asylgesuchs, even-
tualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie in prozessualer
Hinsicht die Führung des Beschwerdeverfahrens in deutscher Sprache und
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf Er-
hebung eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte er eine Fürsor-
gebestätigung vom 27. Februar 2020 zu den Akten.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2020 stellte die Instruktionsrichterin
den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfahrens
fest. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut und verzichtete auf Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Ferner setzte sie der Vorinstanz Frist zur Vernehmlassung.
E.
Mit Entscheid vom 1. April 2020 hob die Vorinstanz die Verfügung vom
5. Februar 2020 auf und verfügte neu. Dabei stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch
werde abgelehnt und ordnete die Wegweisung an. Da deren Vollzug zurzeit
nicht zulässig sei, werde ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz er-
teilt.
F.
Am 8. Juli 2020 erhielt der Beschwerdeführer Gelegenheit, innert Frist all-
fällige Bemerkungen zur neuen Verfügung der Vorinstanz anzubringen so-
wie entsprechende Beweismittel einzureichen. Am 23. Juli 2020 reichte der
Beschwerdeführer seine Stellungnahme fristgerecht ein.
G.
Am 3. August 2020 liess die Instruktionsrichterin der Vorinstanz ein Doppel
der Stellungnahme des Beschwerdeführers zukommen und setzte ihr Frist
zur Einreichung einer zweiten Vernehmlassung. Dabei verwies sie explizit
darauf, dass der Beschwerdeführer geltend mache, kein Französisch zu
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verstehen und forderte die Vorinstanz auf, sich zu allfälligen Korrektivmass-
nahmen zu äussern.
H.
Mit Vernehmlassung vom 13. August 2020 hielt die Vorinstanz vollumfäng-
lich an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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1.5 Das Beschwerdeverfahren wurde antragsgemäss in deutscher Spra-
che geführt.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 In ihrer ersten Verfügung vom 5. Februar 2020 begründete die
Vorinstanz die Abweisung des Asylgesuchs im Wesentlichen damit, die
Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. So seien sie in
wichtigen Punkten zu wenig detailliert ausgefallen und würden der allge-
meinen Logik widersprechen. Die eingereichten Beweismittel würden so-
dann nur über einen sehr geringen Beweiswert verfügen, da bekannt sei,
dass in Syrien jedes Dokument käuflich erworben werden könne. Ferner
würden Nachteile aufgrund von Krieg oder einer Situation allgemeiner Ge-
walt, wie sie zurzeit in Syrien herrschen, keine asylrelevante Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Nachdem diese Verfügung durch den
Entscheid am 1. April 2020 aufgehoben wurde, ist auf nähere Ausführun-
gen an dieser Stelle zu verzichten.
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Die Vorinstanz begründet die französische Sprache ihrer Verfügung bei ei-
nem Wohnsitz des Beschwerdeführers im Kanton E._ und der bis-
herigen Verfahrensführung in Deutsch damit, in der Regel würden Verfü-
gungen in der Landessprache des Wohnsitzes des Beschwerdeführers er-
lassen, gemäss Art. 16 Abs. 3 AsylG seien Ausnahmen aber möglich. Vor-
liegend sei eine solche Ausnahme gemacht worden, da dies für eine effizi-
ente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich sei. Aufgrund der
grossen Anzahl von Asylgesuchen in den Jahren 2015 und 2016 seien
viele Gesuche mit Eingangsdatum vor dem 1. März 2019 beim SEM hän-
gig, Ende August 2019 habe deren Zahl ungefähr 8'000 betragen. Da die
Eingänge nun wieder zurückgegangen seien, habe das Eidgenössische
Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) dem SEM Frist bis Herbst 2020 ge-
setzt, um diese altrechtlichen Verfahren zu erledigen. Da diese Gesuche
nicht proportional auf die drei Sprachregionen verteilt seien, erlasse das
SEM in solchen Fällen Entscheide in französischer oder Italienischer Spra-
che in Verfahren von Asylsuchenden mit Wohnsitz in deutschsprachigen
Kantonen. Diese Massnahme werde nur provisorisch, bis zur Erledigung
der altrechtlichen Verfahren im Herbst 2020 angewandt. Das Dispositiv
fasse die Verfügung zusammen und werde für das bessere Verständnis auf
Deutsch übersetzt.
4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen dar, der Entscheid der Vorinstanz beruhe auf Mutmassungen und
Spekulationen. Entgegen deren Behauptungen seien seine Aussagen kon-
sistent und widerspruchfrei. Das SEM habe bei der Prüfung die Sorgfalts-
pflicht verletzt. Er sei in den Militärdienst einberufen worden und habe sich
diesem nur durch Flucht entziehen können. Nach einem Wehrdiensteinzug
werde man zur Haft ausgeschrieben, gesucht und in Abwesenheit verur-
teilt. Wäre er vor seiner Ausreise entdeckt worden, wäre er ins Gefängnis
gekommen und womöglich gefoltert worden. Die syrischen Gefängnisse
seien berüchtigt, viele würden den Aufenthalt dort nicht überleben. Er habe
sich dem Militärdienst bewusst und aus politischer Überzeugung entzogen.
Als Dienstverweigerer werde ihm von den syrischen Behörden eine regie-
rungsfeindliche Haltung unterstellt. Bei einer Rückkehr würde er streng be-
straft, wobei diese Strafen ein hohes Mass an Brutalität aufweisen würden.
Damit habe er begründete Furcht, bei einer Rückkehr nach Syrien ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden und
erfülle die Flüchtlingseigenschaft. Im Weiteren enthält die Beschwerde
Ausführungen zur aktuellen Situation in Syrien, insbesondere zu der in den
kurdischen Gebieten, unter Hinweis auf entsprechende Berichte. So sei die
syrische Regierung offiziell in die kurdischen Gebiete zurückgekehrt und
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die Suche nach Deserteuren und Wehrdienstpflichtigen sei seither intensi-
viert worden. Dies werde vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UN-
HCR) bestätigt. Er habe den engen Kausalzusammenhang zwischen sei-
ner Flucht und der Verfolgung überzeugend dargestellt. Schliesslich wird
auf verschiedene Verfahren von syrischen Staatsangehörigen verwiesen,
bei denen die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft festgestellt habe, bei-
spielsweise aufgrund illegaler Ausreise. Asylsuchende aus Syrien im
dienst- und reservepflichtigen Alter seien vom SEM vorläufig als Flücht-
linge aufgenommen worden. Der Grundsatz der Rechtsgleichheit gebiete,
dass auch er, der Beschwerdeführer, als Flüchtling anzuerkennen sei.
4.3 Das SEM begründet seine (zweite) Verfügung im Wesentlichen damit,
Nachteile aufgrund von Krieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt wür-
den keine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen.
Syrien befinde sich momentan in einem solchen Zustand. Die allgemeine
Unsicherheit, die das Land beherrsche, sei eine Konsequenz davon und
betreffe alle Menschen im Land. Daraus könne der Beschwerdeführer
keine asylrelevante Verfolgung ableiten. Dieser mache ferner geltend, in
den Militärdienst einberufen worden und nicht erschienen zu sein, also den
Dienst verweigert zu haben. Desertion alleine könne die Flüchtlingseigen-
schaft nicht begründen. Dies sei nur der Fall, wenn die betroffene Person
als Folge der Desertion aufgrund von Motiven gemäss Art. 3 AsylG erheb-
liche Nachteile zu befürchten habe. Aus den konsultierten Quellen ergebe
sich aber, dass die syrische Regierung nicht allen Deserteuren oder Re-
fraktären eine regierungsfeindliche Haltung unterstelle. Jedoch würde die-
ses Verhalten als Parteinahme für die Opposition wahrgenommen und ent-
sprechend bestraft. Von einer asylrelevanten Verfolgung wegen Desertion
oder Refraktion könne nur ausgegangen werden, wenn die betroffene Per-
son eine zusätzliche Gefährdung aufweise. Im Fall des Beschwerdeführers
sei kein spezielles Risiko ersichtlich, aus welchem sich ein politisches Profil
ableiten liesse. Den Akten liessen sich keine politischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers entnehmen. Auch könne er aus der Tatsache, dass sein
Bruder im (...) eine B-Bewilligung erhalten habe, nichts ableiten. Der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft somit nicht. Seine Vor-
bringen würden keine asylrelevante Verfolgung darstellen, weshalb darauf
verzichtet werden könne, diese auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen.
Gleichzeitig stellte das SEM fest, dass nicht ausgeschlossen werden
könne, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr einer gegen Art. 3
EMRK verstossende Strafe ausgesetzt sein könnte. Dies sei beim Weg-
weisungsvollzug zu berücksichtigen.
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4.4 In seiner Stellungnahme erklärte der Beschwerdeführer, er fühle sich
benachteiligt, weil das SEM den neuen Asylentscheid wiederum in franzö-
sischer Sprache verfasst habe, obwohl er nicht rechtlich vertreten sei und
kein Wort Französisch verstehe. Ferner führte er im Wesentlichen aus, das
syrische Regime führe weiterhin Rekrutierungen durch. Zwischen März
2016 und März 2017 seien die Kontrollen an den Checkpoints zur Identifi-
zierung von Wehrdienstverweigerern intensiviert worden. Auch das UN-
HCR stelle eine Intensivierung der Massnahmen für den Einzug von Rek-
ruten und Reservisten der syrischen Regierung fest. Syrische Männer
müssten sich nach Erreichen des wehrpflichtigen Alters bei ihren lokalen
Rekrutierungsbüros melden. Würden sie aufgegriffen, drohe ihnen eine Be-
strafung gemäss Militärgesetz. Der Beschwerdeführer verwies diesbezüg-
lich auf die Auskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom
18. Januar 2018, Syrien: Vorgehen der syrischen Armee bei der Rekrutie-
rung. Weiter führte der Beschwerdeführer aus, Wehrdienstverweigerer kur-
discher Ethnie seien stärker gefährdet als andere, da Kurden dem syri-
schen Staat nicht als treu und loyal gelten würden. Die Vorinstanz habe
sich zudem in ihrem Entscheid nicht zur Verhältnismässigkeit der drohen-
den Strafmassnahmen geäussert, sondern diese Frage lediglich in hypo-
thetisch-spekulativer Weise im Rahmen der Zulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs geprüft. Es sei davon auszugehen, dass bei Wehrdienstver-
weigerern, Reservisten und Deserteuren ein Risikoprofil vorliege, das die
Flüchtlingseigenschaft rechtfertige. Schliesslich habe eine Recherche im
Juli 2020 durch eine Vertrauensperson ergeben, dass der Beschwerdefüh-
rer in Syrien behördlich registriert und zur Haft ausgeschrieben worden sei
und gesucht werde. Diese Information sei allerdings nur in mündlicher
Form erhältlich. Er habe somit seine Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen
oder zumindest glaubhaft gemacht und sei als Flüchtling anzuerkennen.
5.
5.1 Gemäss Art. 54 VwVG geht die Behandlung der Sache, die Gegen-
stand der mit Beschwerde angefochtenen Verfügung bildet, mit Einreichen
der Beschwerde auf die Beschwerdeinstanz über. Dieses Prinzip des De-
volutiveffekts des Rechtsmittels erfährt insofern eine Ausnahme, als die
Vorinstanz gestützt auf Art. 58 Abs. 1 VwVG die angefochtene Verfügung
bis zu ihrer Vernehmlassung an die Beschwerdeinstanz in Wiedererwä-
gung ziehen kann. Art. 58 VwVG schwächt die Devolutivwirkung der Ver-
waltungsbeschwerde somit ab. Die Bestimmung ist deshalb restriktiv, im
Zweifel zu Gunsten des Devolutiveffekts, auszulegen. Eine Einschränkung
der Devolutivwirkung ist lediglich im Interesse einer raschen und ökonomi-
schen Erledigung des Streitgegenstandes gerechtfertigt (vgl. PFLEIDERER,
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in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsver-
fahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 3 zu Art. 58 VwVG). Der neue, lite pen-
dente erlassene Entscheid gilt durch die bereits erhobene Beschwerde ge-
gen die ursprüngliche Verfügung stets als mitangefochten (a.a.O. Art. 58
Rz 46.). Die Beschwerdeinstanz hat die Behandlung der Beschwerde fort-
zusetzen, soweit diese durch die – im Rahmen der Vernehmlassung erlas-
sene – neue Verfügung der Vorinstanz nicht gegenstandlos geworden ist
(vgl. Art. 58 Abs. 3 VwVG). Nach der Rechtsprechung beendet eine lite
pendente erlassene Verfügung den Streit nur insoweit, als sie den Anträ-
gen der beschwerdeführenden Partei entspricht. Soweit diesen nicht statt-
gegeben wurde, besteht der Rechtsstreit weiter. Diesfalls muss die Be-
schwerdeinstanz auf die Sache eintreten, ohne dass die Beschwerdefüh-
renden die zweite Verfügung anzufechten brauchen (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts P 66/01 vom 17. Januar 2003 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
Das SEM hat seine ursprüngliche Verfügung im Rahmen des Schriften-
wechsels aufgehoben und einen neuen Entscheid erlassen. Das Dispositiv
der neuen Verfügung ist – bis auf Ziff. 4, in welcher die Unzulässigkeit des
Vollzugs festgestellt wurde, in der alten Verfügung die Unzumutbarkeit –
identisch mit jenem der alten Verfügung, jedoch unterscheiden sich die Be-
gründungen: in der ersten Verfügung wird das Asylgesuch des Beschwer-
deführers aufgrund der mangelnden Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ab-
gewiesen, in der zweiten wird der negative Entscheid mit mangelnder Asyl-
relevanz begründet. Die Vorinstanz hat somit keinem der Beschwerdean-
träge stattgegeben, weshalb der Rechtsstreit weiterbesteht und keine neue
Anfechtung der Verfügung von Seiten des Beschwerdeführers notwendig
ist. Es ist nicht klar, weshalb das SEM an Stelle einer Vernehmlassung eine
neue Verfügung erlassen hat. Ob eine Einschränkung des Devolutiveffekts
in der vorliegenden Konstellation gerechtfertigt ist – zumal nicht ersichtlich
ist, inwiefern die neue Verfügung im Interesse einer raschen und ökonomi-
schen Erledigung des Streitgegenstandes liegen sollte, sondern dieses e-
her zu verkomplizieren scheint – ist zumindest fraglich, insbesondere vor
dem Hintergrund des Wechsels der Verfahrenssprache. Aufgrund der fol-
genden Erwägung beziehungsweise des Ausgangs des Verfahrens wird
auf nähere Ausführungen an dieser Stelle indessen verzichtet.
6.
Im Folgenden ist zu klären, ob die Abweichung des SEM vom Grundsatz,
Verfügungen in der am Wohnsitz des Beschwerdeführers gesprochenen
Sprache zu verfassen, vorliegend die Verfahrensrechte des Beschwerde-
führers verletzt hat.
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6.1 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 12. April 2017 gestellt.
Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E. 1.3) – das zu diesem
Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
6.2 Art. 16 AsylG enthält die Umsetzung von Art. 70 BV und Art. 33a VwVG
für den Asylbereich und stellt damit eine lex specialis zu Art. 33a VwVG
dar. Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Oktober 2016)
werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der Sprache
eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist. Das SEM
kann gemäss Abs. 3 ausnahmsweise davon abweichen, wenn die asylsu-
chende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter einer
anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksichtigung der
Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für eine effi-
ziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b); oder
die asylsuchende Person in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum di-
rekt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zugewie-
sen wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision am
1. Februar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden. Bis zu diesem
Zeitpunkt waren die Bestimmungen zu einer möglichen Abweichung der
Wohnsitzregel auf Verordnungsstufe (aArt. 4 der der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) geregelt.
6.3 Die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat sich
mit dieser Verordnungsbestimmung zur Verfahrenssprache und deren
Rechtmässigkeit auseinandergesetzt. In einem Grundsatzentscheid (Ent-
scheide und Mitteilungen der ARK [EMARK 2004 Nr. 29]), hielt sie fest, es
sei in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung
in der Sprache erlassen werde, die am Wohnsitz der asylsuchenden Per-
son Amtssprache sei. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen
seien begrenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fai-
ren Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung könne
ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig
im Gegenzug geeignete Korrektivmassnahmen getroffen würden, die das
Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess ge-
währleisten. Eine der möglichen Korrektivmassnahmen bestehe in der
mündlichen Übersetzung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz
in eine der beschwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit
die Vorinstanz keine geeigneten Korrektivmassnahmen ergriffen habe und
auch im Beschwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachhole, obwohl aus
der Beschwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht
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genügend verstanden habe, sei die angefochtene Verfügung grundsätzlich
zu kassieren, sofern der Beschwerdeführer nicht von einem professionel-
len Rechtvertreter vertreten werde. Die Kassation der angefochtenen Ver-
fügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen-
dende Verfahrenssprache verletzt wurden, komme demgegenüber grund-
sätzlich nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Be-
schwerdeverfahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten
werde. Die Vorinstanz könne in einem solchen Fall zur Leistung einer Ent-
schädigung verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der un-
terliegenden Partei entstünden, um diesen Mangel zu beheben (E. 7 ff.).
Die Anwendung dieser Rechtsprechung rechtfertigt sich vorliegend nach
wie vor, zumal die Verordnungsbestimmungen zum 1. Februar 2014 wort-
getreu in den vorliegend anwendbaren aArt. 16 Abs. 2 Bst. b AsylG über-
nommen wurden. Die mit der jüngsten Asylgesetzesrevision vorgenom-
mene Neuformulierung von Art. 16 AsylG bildet vorliegend nicht Gegen-
stand der Betrachtung.
6.4 Art. 52 VwVG regelt die Anforderungen an Inhalt und Form der Be-
schwerdeschrift. Der Beschwerdeführer hat darzulegen, weshalb er die an-
gefochtene Verfügung beanstandet; er begründet auf diese Weise sein
Rechtsbegehren. Er führt an, welche tatbeständlichen und rechtlichen Er-
wägungen und sich daraus ergebenden Anordnungen der Vorinstanz nach
seiner Auffassung unrichtig oder nicht stichhaltig sind. Die Beschwerde-
gründe sind das Gegenstück zur Kognition der angerufenen Rechtsmittel-
behörde. Soweit der Beschwerdeführer folglich die Rechtswidrigkeit der
angefochtenen Verfügung geltend machen will, muss er wenigstens implizit
den Grund der Rechtswidrigkeit beziehungsweise die angeblich missach-
tete oder falsch angewendete Rechtsnorm nennen. Die Begründung muss
zumindest sachbezogen sein und sich mit den Erwägungen der Vorinstanz
auseinandersetzen. Eine inhaltliche Bezugnahme auf die Argumentation
der angefochtenen Verfügung ist daher unerlässlich. Der Beschwerdefüh-
rer muss erkenntlich darlegen, aus welchen Gründen und in welchen Punk-
ten er die Erwägungen der Vorinstanz als unrichtig oder nicht stichhaltig
erachtet. Hierbei wird grundsätzlich bei der Begründung der Eingabe eines
Laien ein weniger strenger Massstab angewendet als bei derjenigen eines
Rechtsvertreters (SEETHALER/PORTMANN in: Waldmann/Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz.
62 ff. zu Art. 52 VwVG).
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6.5 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton E._ und
damit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht
(vgl. [...]). Es wäre mithin der Erlass einer Verfügung in deutscher Sprache
die Regel gewesen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner Verfü-
gung auf eine Situation, welche es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst.
b AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als
der am Wohnort gesprochenen, vorliegend in der französischen Sprache,
zu erlassen. Weiter wurde festgehalten, dass es sich um eine vorüberge-
hende Massnahme handle, die dem zügigen Abbau der bei der Vorinstanz
noch pendenten altrechtlichen Verfahren diene. Als Korrektivmassnahme
wurde das Dispositiv der Verfügung in die deutsche Sprache übersetzt.
Eine Übersetzung der Verfügung erfolgte nicht. Wie vorstehend abgehan-
delt (vgl. E. 5), hat das SEM anstelle einer Vernehmlassung eine neue Ver-
fügung erlassen. Auch diese ist in Französisch erfolgt, wobei betreffend
Verfahrenssprache der gleiche Textbaustein wie bei der ersten Verfügung
verwendet wurde. Zusätzliche Ausführungen zur Verfahrenssprache oder
zu allfälligen Korrektivmassnahmen enthält die zweite Verfügung nicht.
Auch anlässlich der in der Folge eingereichten Vernehmlassung äusserte
sich die Vorinstanz nicht zur Verfahrenssprache und auch nicht zu mögli-
chen Korrektivmassnahmen, obschon sie von der Instruktionsrichterin ex-
plizit dazu aufgefordert worden war.
6.5.1 Das SEM beruft sich auf die in Art. 16 Abs. 3 Bst. b AsylG erwähnte
Ausnahme, also darauf, der Erlass der vorliegenden Verfügung in franzö-
sischer Sprache sei unter Berücksichtigung der Personalsituation vorüber-
gehend für eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforder-
lich. Diese Massnahme sei zeitlich begrenzt und diene der Erreichung des
vom EJPD gesetzten Ziels des Altfallabbaus bis Herbst 2020. Dabei ist
festzuhalten, dass sich das SEM nicht zur zahlenmässigen Dimension ge-
äussert hat; es ist von 8'000 altrechtlichen Verfahren die Rede, die Verfü-
gung enthält aber keine Informationen darüber, wie viele dieser 8'000 Ver-
fahren von der Massnahme betroffen sind. Ob vorliegend von einer «aus-
nahmsweisen» Anwendung von Art. 16 Abs. 2 AsylG ausgegangen werden
kann, ist deshalb schwer einzuschätzen. Diese Frage kann jedoch im Hin-
blick auf die folgenden Erwägungen und den Ausgang des Verfahrens of-
fengelassen werden.
6.5.2 Ferner legt die Vorinstanz dar, das Dispositiv fasse das Wesentliche
der Verfügung zusammen und werde deshalb auf Deutsch übersetzt.
Rechtlich verbindlich sei allerdings der Haupttext auf Französisch. Es stellt
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sich die Frage, ob die Übersetzung des Dispositivs eine genügende Kor-
rektivmassnahme im Sinne der oben genannten Rechtsprechung darstellt.
EMARK 2004 Nr. 29 erwähnt als eine der möglichen Korrektivmassnahmen
die mündliche Übersetzung der ergangenen Verfügung durch die Vo-
rinstanz in eine der beschwerdeführenden Person verständliche Sprache.
In diesem Zusammenhang ist auf die Botschaft zur Änderung des Asylge-
setzes vom 26. Mai 2010, BBl 2010 4456, 4487 zu verweisen, in welcher
der Bundesrat zur Implementierung der Vorschriften zur Verfahrensspra-
che aus aArt. 4 AsylV1 in aArt. 16 AsylG Folgendes formulierte: "Es ist wei-
terhin gewährleistet, dass die Betroffenen nach Erhalt einer Verfügung oder
Zwischenverfügung ihre Verfahrensrechte wahrnehmen können. So stellt
das BFM in der Praxis bereits heute auf Verlangen der Betroffenen sicher,
dass eine Übersetzung in die am Wohnort gesprochene Sprache vorge-
nommen wird, wenn ein Asylentscheid ausnahmsweise in einer anderen
Amtssprache eröffnet wurde."
Die Aussage in der vorinstanzlichen Verfügung, das Dispositiv fasse das
Wesentliche der Verfügung zusammen, weshalb nur dieses zu übersetzen
sei, verbindlich bleibe aber der französische Text, erscheint in sich als wi-
dersprüchlich. Gerade aus dem vorliegendem Verfahren wird sodann klar
ersichtlich, dass das Dispositiv das Wesentliche der Verfügung nicht in ge-
nügender Weise zusammenfasst, hat das SEM doch zwei Verfügungen mit
beinahe identischem Dispositiv, jedoch völlig anders gelagerter Begrün-
dung verfasst. Das Dispositiv ermöglichte dem Beschwerdeführer zwar die
fristgerechte Beschwerdeerhebung unter Stellen der relevanten Rechtsbe-
gehren, allerdings wird ihm die Beschwerdebegründung in unzulässiger
Weise erschwert, wenn er die Begründung der Verfügung nicht versteht.
Zwar enthält die vorliegende Beschwerde neben den Begehren auch eine
Begründung. Allerdings lässt die Begründung der Beschwerde Zweifel da-
ran aufkommen, ob der Inhalt der Verfügung verstanden wurde. Die Be-
schwerdebegründung scheint eher – zumindest grösstenteils – als Pau-
schalbegründung von einer anderen Beschwerde übernommen worden zu
sein. So setzt sich die Beschwerdebegründung ausführlich mit der Asylre-
levanz der Vorbringen des Beschwerdeführers und der Situation in seinem
Heimatland auseinander. Die Auseinandersetzung mit den in der vo-
rinstanzlichen Verfügung festgehaltenen Unglaubhaftigkeitselementen er-
schöpft sich jedoch im Wesentlichen in einem Satz auf S. 2-3 der Be-
schwerde sowie einem Absatz auf S. 6, wobei auch diese Ausführungen
sehr allgemein gehalten sind und keine inhaltliche Bezugnahme aufwei-
sen. Ferner wird in der Beschwerde beispielsweise angeführt, die Ausfüh-
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rungen der Vorinstanz zu den kurdischen Gebieten seien falsch (vgl. Be-
schwerde S. 8), obwohl die vorinstanzliche Verfügung vom 5. Februar 2020
keine solchen Ausführungen enthält. Die Beschwerdebegründung lässt so-
mit eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Argumentation der ange-
fochtenen Verfügung in wesentlichen Aspekten vermissen. Es ist nahelie-
gend, dass sich diese Tatsache mit der Sprache der Verfügung begründen
lässt, insbesondere da der Beschwerdeführer beantragt, das Beschwerde-
verfahren sei auf Deutsch zu führen. So machte der Beschwerdeführer so-
wohl in der Beschwerde wie auch in seiner Stellungnahme geltend, er
könne nur Deutsch lesen und verstehen, er verstehe kein Wort Franzö-
sisch. Er fühle sich durch die zwei in französischer Sprache verfassten Ver-
fügungen der Vorinstanz benachteiligt. Auch die zweite Eingabe des Be-
schwerdeführers, seine Stellungnahme zur neuen Verfügung des SEM,
lässt eine spezifische Auseinandersetzung mit der vorinstanzlichen Be-
gründung vermissen. Sie setzt sich im Wesentlichen mit allgemeinen An-
gaben zur Situation im Heimatland auseinander und verweist darauf, die
Wehrdienstverweigerung sei durch den Beschwerdeführer glaubhaft ge-
macht worden. Es wird darin nicht in Bezug auf den Inhalt der Verfügung,
nämlich, dass Desertion allein keine asylrelevante Verfolgung zu begrün-
den vermag und im Falle des Beschwerdeführers kein spezielles Risiko
beziehungsweise keine zusätzliche Gefährdung ersichtlich sei, argumen-
tiert.
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der französischen Sprache der vorinstanzlichen Verfügung deren
Begründung nicht genügend verstanden hat, um sich effektiv dagegen zur
Wehr zu setzen. Dabei ist seine Situation zu berücksichtigen. Der Be-
schwerdeführer hielt sich zum Zeitpunkt der Verfügung bereits seit fast drei
Jahren in der Schweiz auf, wobei er sich immer im deutschsprachigen Ge-
biet und ab Zuweisung am 16. Mai 2017 im Kanton E._ aufhielt.
Das Ergehen einer Verfügung in französischer Sprache – nachdem das
bisherige Verfahren durchgehend auf Deutsch geführt worden war – kam
für ihn unerwartet. Bereits in der Beschwerde machte er geltend, kein Fran-
zösisch zu verstehen und bat um Führen des Beschwerdeverfahrens in
deutscher Sprache. Dennoch erliess die Vorinstanz eine zweite Verfügung
auf Französisch. Auf die beiden Aufforderungen der Instruktionsrichterin,
sich zum Umstand der wohnsitzfremden Sprache sowie zu möglichen Kor-
rektivmassnahmen zu äussern, reagierte die Vorinstanz nicht. Der Be-
schwerdeführer war sodann in keinem Zeitpunkt juristisch vertreten. Vor
diesem Hintergrund ist die von der Vorinstanz angewandte Korrektivmass-
nahme – namentlich die Übersetzung des Dispositivs – im vorliegenden
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Fall eines nicht vertretenen Beschwerdeführers als nicht genügend im
Sinne der Praxis von EMARK 2004 Nr. 29 zu erkennen. Die fehlende Über-
setzung der Begründung der Verfügung hat dem Beschwerdeführer eine
inhaltliche Erwiderung auf die Argumentation der Vorinstanz verunmöglicht
und ihm in unzulässiger Weise erschwert, seine Beschwerderechte in zu-
mutbarer Weise auszuüben.
7.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Das Bundesverwaltungsgericht stellt
vorliegend fest, dass die Voraussetzungen für ein Abweichen von der Re-
gel, die Verfügung in der Amtssprache des Zuteilungskantons zu erlassen
(Art. 16 AsylG), der unter E. 6.3 genannten und nach wie vor gültigen
EMARK-Rechtsprechung nicht erfüllt sind. Der Beschwerdeführer ist nicht
von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten und der französischen
Sprache nicht mächtig (vgl. Gesuch auf Führen des Beschwerdeverfah-
rens auf Deutsch und Vorwurf der Benachteiligung in seiner Stellung-
nahme). Die von der Vorinstanz angewandte Korrektivmassnahme genügt
den Anforderungen der genannten Rechtsprechung nicht. Das SEM hat
sodann von der Möglichkeit, auf Vernehmlassungsstufe geeignete Korrek-
tivmassnahmen zu ergreifen, nicht Gebrauch gemacht, sondern es dem
Beschwerdeführer mit Erlassen einer neuen Verfügung mit einer ganz an-
deren Begründung, erneut in französischer Sprache, weiter erschwert,
seine Rechte wahrzunehmen. Unter den vorliegenden Umständen und im
Hinblick darauf, dass Art. 16 AsylG auf verfassungsrechtlichen Prinzipien
beruht, fällt eine Heilung durch das Gericht ausser Betracht. Das Verfahren
ist deshalb zur korrekten Bearbeitung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset-
zung mit den in reformatorischer Hinsicht gestellten Rechtsbegehren.
Die Vernehmlassung vom 13. August 2020 wird dem Beschwerdeführer mit
vorliegendem Urteil zur Kenntnisnahme zugestellt. Aufgrund des Verfah-
rensausgangs entsteht ihm dadurch kein Nachteil.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demzufolge im
Sinne der Erwägungen gutzuheissen. Die vorinstanzliche Verfügung ist
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wegen Verletzung der Verfahrensvorschrift von Art. 16 Abs. 2 AsylG aufzu-
heben und die Sache zur korrekten Durchführung des Verfahrens und
neuer Entscheidung ans SEM zurückzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG), wobei das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Instruktionsverfügung vom 18. März 2020 gutge-
heissen wurde.
10.
Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen, dem nicht vertretenen Be-
schwerdeführer seien verhältnismässig hohe Kosten entstanden, weshalb
keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 7 Abs. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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