Decision ID: 9fd9fc6c-6b65-4140-ae73-dd69d89871e9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 196
3
,
verheiratet und Mutter eines 2004 geborenen Sohnes
(Urk.
7
/
3
/1,
Urk. 7/3/2-3
)
, absolvierte im Jahr 1986 eine Ausbildung zur diplo
mierten Sozialpädagogin HF (Urk. 7/3/5)
.
Im Jahr 1995
erlangte
sie
das Diplom Psychologin FH
(
Urk. 7/2/2, Urk. 7/3/5)
und
im Jahr 2005
das Diplom
zur Fachpsychologin SABP in Kinder- und Jugendpsychologie (Urk.
7/2/3).
Sie arbei
tete seit dem
1.
Januar 2006
in einem 70%-Pensum als
Schul
psychologi
n
beim Schulpsychologischen Dienst des
Kantons Y._
, Regio
nal
stelle Z._
(
Urk. 7/3/6
, Urk. 7/8/1-2
)
. Am
1
4.
Oktober 2019 (Eingangs
datum)
meldete sich
X._
unter Hinweis auf gesundheitliche Beein
trächtigungen
nach einer am 24. Mai 2019 erlittenen
subcapitalen
Humerus
fraktur
(Urk. 7/
3
/
6
)
bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (Urk. 7/3, Urk. 7/5).
Die IV-Stelle
holte
den Auszug aus dem Individu
ellen Konto (IK) vom 28. Oktober 2019
(
Urk. 7/6)
und den Arbeit
geberbericht des Schulpsychologischen Dienst
es
des
Kantons Y._, Regional
stelle Z._
,
vom
8.
November 2019
(Urk. 7/8)
sowie
den Sprech
stunden
be
richt von Dr.
med. A._
, leitender Arzt Orthopädie,
Schulter- und Ellen
bogen
chirur
gie
,
Klinik
B._
, vom 1
4.
Oktober 2019
(
Urk.
7/7)
und den Arztbericht von
Dr.
med. C._, Oberarzt, und D._
, Assistenzarzt, Klinik für Traumato
logie
, Universitätsspital E._
, vom
7.
November 2019
(
Urk.
7/9)
ein
.
Die IV-Stelle
zog
überdies die
Akten
der
Unfallversicherung
,
der AGV
Aargauische Gebäudeversicherung
/Kantonale Unfallversicherung
(
nachfol
gend: AGV
;
Urk.
7/16
)
, mit der orthopädischen Beur
teilung von Prof.
Dr.
med. F._
,
MBA,
Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vom 1
8.
November 2019
(Urk. 7/
16/21-43
)
bei
. Am 1
3.
Febru
ar 2020 teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit, dass sie ihm Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen in Form von Anpassungen am Arbeitsplatz die Kosten für eine Computermaus mit Hand
gelenks
stütze übernehme (
Urk.
7/22/1).
Alsdann übernahm die IV-Stelle am 1
7.
Sep
tember 2020 die Kosten für die Anpassung des Arbeitsplatzes durch Instal
lation eines Diktierprogramms mit Tischmikrophon (
Urk.
7/29/2,
Urk.
7/30) samt
vorgängige
r
Abklärung und
der
Schulung der Versicherten
an
diesem Hilfsmittel
(
Urk.
7/24,
Urk.
7/30)
.
Sie führte zudem eine Eingliederungsberatung durch
(Urk. 7/33).
Am 23. September 2020
teilte sie der Versicherten
mit, dass sie die Frühinterventionsmassnahme Arbeitsplatzerhalt erfolgreich ab
geschlossen habe (
Urk.
7/32).
Damit war die
Ver
sicherte nicht einverstanden
und
ersuchte die IV-Stelle
mit Eingabe
n
vom 9.
und 21.
Oktober 2020
, ihre Abklärungen fortzusetzen und vorerst noch nicht über die Rentenfrage zu entscheiden (
Urk.
7/36
, Urk. 7/38
).
Sollte an der Mitteilung vom 23. September 2020 festgehalten werden
,
werde
die
Zustellung einer beschwerde
fähigen Verfügung verlangt (Urk. 7/38).
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2020 stellte
die Versicherte der IV-Stelle den Bericht zur MR-
Arthrographie
der rechten Schulter
vom 23. September 2020 (Urk. 7/39/1-2) und den Sprechstundenbericht von Dr.
A._
vom 12. Oktober 2020 (Urk. 7/39/3-4) zu (Urk. 7/40).
D
ie IV-Stelle
hielt
in ihrem Schreiben vom 1
2.
November 2020 fest, dass es aus ihrer Sicht betreffend Arbeits
platzerhalt aktuell keine weiteren Hand
lungs
möglich
kei
ten gebe. Sie werde die Rentenprüfung fortsetzen. Falls
weiterhin
ein
«
einspra
che
fähige
r
»
Vorbescheid
ver
langt werde, werde um Mitteilung bis zum 2
6.
Novem
ber 2020 gebeten (
Urk.
7/41).
In der Folge ging bei der IV-Stelle kein entspre
chendes G
esuch der Versicherten ein (Aktenverzeichnis zu
Urk.
7/1-60)
.
Bei ihren weiteren Sach
verhalts
abklärun
gen zog die IV-Stelle insbesondere die aktuellen
Akten der Unfallversicherung (Urk. 7/35
Urk. 7/44
)
bei
.
Mit Vorbescheid vom
22
.
Januar
20
21
kündigte die IV-Stelle
X._
an, dass sie
ihr
Gesuch um Aus
r
ichtung einer Invaliden
rente ab
weisen werde (
Urk. 7/46
). Dagegen erhob die Ver
sicherte am
17
.
Februar
2020
Einwand (Urk.
7
/
55
). Nach Prüfung dieser Ein
gabe (vgl. Urk.
7
/
56
) wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren der Versicherten
mit Verfügung vom 6. April 2021
wie vor
beschieden
ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am
6.
Mai
2021 Beschwerde (Urk. 1).
Sie
bean
tragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
6. April 2021 seien ihr
die
gesamten
gesetzlichen
vorgesehenen
Leistungen
der Invaliden
ver
siche
rung,
insbesondere eine im Ausmass noch zu bestimmende Invalidenrente zuzu
spre
che
n. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer Abklärungen zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
2.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4
. Juni 2021 Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
, unter Beilage der IV-Akten, Urk
. 6/1-
60
)
, was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom 7. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Mit der angefochtenen Verfügung vom 6. Juni 2021 (Urk. 2) verneinte die Be
schwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invaliden
rente. Strittig und zu prüfen ist, ob dieser Entscheid rechtens ist.
1.2
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung im Wesentlichen aus, sie gehe gesamthaft davon aus, dass die gesundheitliche Einschränkung der Beschwerde
führerin keine längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit zur Folge gehabt habe.
Ab Mitte August 2020 sei die Beschwerdeführerin wieder zu 55 % arbeitsfähig gewesen, was bei einem Erwerbsanteil von 70 % einen Invaliditätsgrad von
(ge
wichtet)
32 % ergeben würde. Um einen anspruchserheblichen Invaliditätsgrad von 40 % zu erreichen, müsste
im Haushaltbereich
ein
Invaliditätsgrad
von min
destens 27 % vorliegen, was aufgrund der vorliegenden Unterlagen eher unrealis
tisch sei
(Urk. 2 S. 2).
1.3
Die Beschwerdeführerin hält dem
zusammengefasst
entgegen, dass aufgrund der noch nicht defini
tiv abgeschlossenen Schulungsmassnahmen zur Benutzung der Software zur Spracheingabe noch nicht abzusehen sei, in welchem Ausmass diese eine lang
fristige Berufstätigkeit in der angestammten Tätigkeit ermöglichen wür
den. Es sei deshalb noch zu früh, um eine Rentenprüfung mit IV-Grad-Be
rech
nung vorzu
nehmen. Analog zur Durchführung von Eingliederungs
mass
nah
men müsse dies auch für Schulungsmassnahmen, welche von der IV zur Be
nutzung von Hilfs
mit
teln gewährt würden
,
gelten.
Es komme hinzu, dass noch
kein
stabile
r
Gesundheitszustand und - wie Dr.
G._
im
Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis vom 29. April 2021 festgehalten habe - weiterhin eine teilweise Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die Unfallversicherung habe den Fall noch nicht abgeschlossen, was noto
risch für einen noch instabilen Gesundheitszustand sei.
Alsdann sei zu be
rück
sichtigen, dass a
n ihrer Schulter eine Nekrose diagnostiziert worden
sei
. Sollte sich diese ausbreiten, wäre allenfalls sogar der Ersatz durch ein künstliches Schultergelenk erforderlich. Auch dies hätte vermutlich erhebliche Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit (Urk. 1 S. 4).
Sofern damals keine Eingliederungs
massnahmen mehr angezeigt gewesen wären, hätte
ihr die Beschwerdegegnerin ab Mai 2020 eine im Ausmass noch zu bestimmende Invalidenrente zusprechen
müssen
. Dabei
hätten
die Einschränkungen im Haushalt
bereich
vorgängig
eben
falls
noch
abge
klär
t werd
en
müssen
(Urk. 1 S. 5).
2.
2
.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind - vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwend
bar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert wer
den.
2
.2
2.
2
.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
2
.2
Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinander
folgenden Tagen voll arbeitsfähig war
(
Art.
29
ter
IVV).
2.2.3
Die Arbeitsunfähigkeit gemäss
Art.
29
Abs.
1
lit
. b IVG
entspricht bei Erwerbs
tätigen der medizinisch festgestellten Einschränkung im bisherigen Beruf
(BGE 130 V 97 E. 3.2)
.
Die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Aufgaben
bereich ist - analog zur Arbeitsunfähigkeit bei Erwerbs
tätigen - auf der
Basis medizinischer Stellungnahmen zu beurteilen. Daraus sollte hervorgehen, ab wann und inwieweit die versicherte Person in ihrer Arbeits
fähigkeit (definiert als funktionelles Leistungsvermögen) im Haushaltsbereich eingeschränkt war
(BGE 130 V 97 E. 3.
3.3
)
.
Wäre die versicherte Person ohne Gesundheitsschaden teil
weise erwerbstätig und daneben im Haushalt beschäftigt, gelangt die gemischte Methode nach
Art.
27
bis
IVV
zur Anwendung. Die für den Rentenbeginn mass
ge
bende Arbeitsunfähigkeit ist - wiederum entsprechend der Bezugnahme in
Art.
29
Abs.
1
lit
. b IVG
auf den
«
Rentenanspruch nach Artikel 28
»
, welcher auch die im Rahmen der gemischten Methode ermittelte Invalidität erfasst - in analoger Weise festzulegen. Dies bedeutet, dass für den erwerblichen Anteil die Arbeits
unfähig
keit im bisherigen Beruf und für den Anteil der Tätigkeit im Aufga
ben
bereich die diesbezügliche Arbeitsunfähigkeit zu ermitteln ist, wobei die medizi
nischen Stel
lungnahmen als Grundlage dienen. Die resultierenden Werte sind entsprechend der Invaliditäts
bemessung nach der spezifischen Methode mit dem auf den jeweiligen Bereich entfallenden Prozentsatz zu gewichten und anschlies
send zu addieren. Dadurch ergibt sich die für die Bestimmung des Rentenbeginns gemäss
Art.
29
Abs.
1
lit
. b IVG
massgebende Arbeitsunfähigkeit
(BGE 130 V 97 E. 3.4)
.
2.3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von
teilerwerbstä
-
tigen
Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbs
tä
tig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht inva
lid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäfti
gungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Inva
liditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der pro
zen
tuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Ver
gleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad
nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
2.4
2.4.1
Wie festgehalten (E. 2.2.1) ist für die Entstehung des Rentenanspruchs gemäss Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG vorausgesetzt, dass die versicherte Person nach Ablauf des Wartejahres mindestens 40
%
invalid (
Art.
8 ATSG) ist
.
2.4.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4.3
Für die Entstehung des Rentenanspruchs nicht massgebend ist, wie lange die nach Ablauf des Wartejahrs verbleibende Erwerbsunfähigkeit andauert
; auch eine ver
bleibende Erwerbsunfähigkeit von nur kurzer Zeit vermag einen Rentenanspruch auszulösen (
Rz
2021
des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab
1.
Januar 2015
, Stand 1. Januar 2021,
mit
Hinweis auf ZAK 1963 S. 141
).
Laut
Rz
2221 des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invali
den
versicherung (KSIR,
gültig ab
1.
Januar 2022)
kann auch
eine verbleibende Er
werbsunfähigkeit von nur einem Tag
genügen
.
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht ver
bindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesan
wen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.4.4
In seinem Kommentar zu
Art.
8 ATSG hielt
UELI KIESER
fest
, dass es das Gesetz offenlasse, wie das Kriterium
der längere Zeit
dauernden Erwerbsunfähigkeit zu verstehen sei. Es sei
daher
auf die einzel
gesetzliche Regelung abzustellen,
wenn das Kriterium
der länger
e
Zeit
dauernde
n
Einschränkung zu konkretisieren sei. In der IV
liege beim Rentenanspruch eine «längere Zeit» bei einer Zeitspanne von
einem Jahr vor, welche als «Wartefrist» zu bestehen sei (
Kieser
, ATSG-Kom
mentar,
4.
Aufl., 2020, N 17 zu
Art.
8 ATSG unter Hinweis auf
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG und BGE 127 V 298).
2.
5
2
.
5
.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei,
das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen
, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbe
sondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
ge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2
.
5
.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
set
zungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
.
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
–
ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leis
tungs
an
spruch zu entscheiden haben - den medizinischen Sachverhalt zusammenzu
fassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdi
gen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
3
.
3
.
1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
der Beschwerdegegnerin lediglich die ab dem 29. Oktober 2019 datierenden Akten der AGV (ab Akten-Nummer 52) übermittelt wurden (vgl. Urk. 7/15, Urk. 7/16).
Dem Austrittsbericht der Klin
ik für Traumatologie des E._
vom
5.
Juni 2019 sind
laut Aktenzusammenfassung von Prof.
F._
die folgenden Diagnosen zu entnehmen (
Urk.
7/16/24):
-
Subcapitale
Humerusfraktur
rechts nach Sto
l
persturz am 2
4.
Mai 2019 mit/bei
-
Operation vom 2
7.
Mai 2019: Status nach 3-Loch-3.5-PHILOS,
Allo
graft-Implantation
(17x20x30mm/Medtronic), 3x
FiberWire-Refixa
tion
RM
Humerus
rechts vom 2
7.
Mai 2019
-
Kontusion Ellenbogen rechts nach Sto
l
persturz am 2
4.
Mai 2019
Die Ärzte des E._
attestierten der Beschwerdeführerin
vom 2
4.
Mai bis 2
3.
Juni 2019
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/16/26)
.
3
.2
Im Bericht vom
16. Juli 2019
attestierten die Ärzte des E._
laut Aktenzu
sam
menfassung von Prof.
F._
für die Zeitperiode vom
9.
bis 2
6.
Jul
i 2019 eine
5
0%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/16/28)
.
3
.3
In seinem ärztlichen Zwischenbericht
zuhanden der Unfallversicherung vom 2
1.
August
2019
führte
der
damalige
Hausarzt der Beschwerdeführerin
(
Urk.
7/3/7
)
,
Dr.
med.
H._
,
Allgemeine Innere Medizin FMH
,
laut Akten
zusammenfassung von Prof.
F._
die
Diag
nose
subcapitale
Humerusfraktur
rechts nach Sturz am 2
4.
Mai 2019 mit opera
tiver Sanierung
auf
.
Es liege
ein ver
zögerter Verlauf, insbeson
dere mit Bezug auf die Schmerz
symp
tomatik, die Schulter
beweglichkeit und die Arbeitsfähigkeit, vor. Es bestehe immer noch eine
100%ige Arbeitsun
fähigkeit, die sich vor allem durch die spezielle Arbeitssitua
tion begründe. Die Beschwerdeführerin dürfe nicht Auto fahren, was bedeute, dass ihr ein drei
stündiger Arbeitsweg ohne Auto nicht zuzumuten sei. Die Be
schwerde
führerin arbeite als Psychotherapeutin. Sie führe 90-minütige Gespräche mit Hand
notizen und könne diese im Moment nicht schreiben. Sie habe auch Schmerzen nachts und erwache alle 2 bis 3 Stunden (
Urk.
7/16/28).
3
.
4
Die Ärzte des E._
gaben
laut Aktenzusammenfassung von Prof.
F._
in ihrem Bericht vom 2
9.
August 2019 die Befunde der bildgebenden Untersuchung (Schulter rechts
ap
. und Neer) vom 2
0.
August 2019 wie folgt wieder: «Verglichen mit Voruntersuchung vom 09.07.2019 stationärer Befund bei
St.n
. platten
osteo
synthetisch versorgter subkapitaler
Humerusfraktur
rechts. Regelrechte Stellungs
verhältnisse. Frakturspalt weiterhin gut abgrenzbar.
Inaktivitätsosteopenie
.»
D
urch
den Hausarzt
sei der Beschwerdeführerin
bis auf weiteres
eine Arbeits
un
fähigkeit von
100
%
attestiert worden (
Urk.
7/16/30).
3
.5
Dem Bericht zur elektrodiagnostischen Untersuchung,
von
Dr.
med. I._
, Oberarzt Neurologie,
Klinik für Plastisch
e Chirurgie und Handchirurgie, E._
,
vom 1
9.
September 2019
sind
laut Aktenzusammenfassung von Prof.
F._
die folgenden Diagnosen
zu entnehmen
(
Urk.
7/16/30):
-
Posttraumatische Irritation des
Nervus
(N.)
radialis
rechts am proximalen Oberarm im Rahmen (einer) 3-Segmentfraktur am proximalen
Humerus
rechts vom 2
4.
Mai 2019
-
Status nach 3-Loch-3.5-PHILOS,
Allograft
-Implantation, 3x
Fiber
Wire-Refixation
RM
Humerus
rechts vom 2
7.
Mai 2019
-
Axonale
Läsion der
Ramus
super
f
icialis
-Faszikel rechts
-
Leichte Parese distale PIN-versorgte Muskulatur
In der Beurteilung wurde festgehalten
, es
sei davon auszugehen, dass es i
m Rahme
n des Traumas vom 2
4.
Mai 2019 zu einer
Radialis
-Irritation am Oberarm rechts gekommen sei. Es würden neuropat
h
ische
Miss
s
ensationen
im Versorgungs
gebiet
des
Ramus
superficialis
persistieren.
Neurographisch könne der Nerv auf der rechten betroffenen Seite nur mit einem minimalen
kleina
m
plitudi
g
en
Poten
zial abgeleitet werden. Auf der linken Seite liege ein Normalbefund vor
. Im Nadel-EMG zeige sich der Befund einer leichten
axonalen
Schädigung der distalen
PIN
-versorgten Muskulatur im chronischen Stadium ohne jegliche Zeichen einer aku
ten neurogenen Schädigung. Prognostisch sei zu erwarten, dass es mit
der
Rein
nervation
nach distal im weiteren Verlauf auch zu einer
Regredienz
der neuro
pathischen Schmerzen kommen werde (
Urk.
7/16/31).
3
.
6
In seinem
an den Hausarzt gerichteten
Bericht vom 2
9.
Oktober
2019 stellte
Dr.
C._
(
Klinik für Traumatologie,
E._
)
die folgenden Diag
nosen (
Urk.
7
/16/2
; vgl. auch
Urk.
7/16/33
):
-
Verheilende 3-Segment-Fraktur der proximalen
Humerusfraktur
rechts (dominant) vom 2
4.
Mai 2019 mit/bei
-
Status nach 3-Loch-3.5-PHILOS,
Allograft
-Implantation (17x20x30mm/Medtronic), 3x
FiberWire-Refixation
RM
Humerus
rechts vom 2
7.
Mai 2019
-
Verdacht auf
Capsulitis
/
Frozen
shoulder
rechts
nach offener Reposition mit innerer Fixierung (ORIF)
am 2
7.
Mai 2019
-
Hyposensibilität im Versorgungsgebiet des
N.
medianus
rechts
Dazu hielt
er fest, dass radiologisch (CT Oberarm rechts nativ vom
8.
Oktober 2019
, vgl.
Urk.
7/16/4
) eine zunehmende konsolidierte Fraktur bestehe. Von den etwas überstehenden Schrauben am proximalen
Humerus
medial seien keine Be
schwerden zu erwarten. Die Beschwerden/Schmerzen der
Capsulitis
/
Frozen
shoul
der
seien bereits deutlich
regredient
, insbesondere habe die Beschwerde
führerin in Ruhe mittlerweile keine Schmerzen mehr
. Die Beschwerdeführerin
sei
über den langen Verlauf, der bei einer
Frozen
shoulder
zu erwarten sei, auf
geklärt worden
. Diesbezüglich werde auch die (Unfall-)Versicherung um eine gewisse Geduld ge
beten. Eine Verlaufskontrolle werde in rund fünf Monaten als vorge
zogene Jahre
s
kontrolle geplant. In der Zwischenzeit werde der Hausarzt gebeten mit der Be
schwerdeführerin die Arbeitsunfähigkeit periodisch zu überprüfen (
Urk.
7/16/3).
3
.7
Der Orthopäde
Dr.
A._
stellte im Sprechstundenbericht vom
1
4.
Oktober 2019
die Diagnose
:
Schulter rechts, dominant: Status nach
ORIF
einer proximalen
Humerusfraktur
am 2
7.
Mai 2019 im E._
mit/bei einer elektrophysiologisch veri
fizierten, leichten
axonalen
Schä
digung der PIN-
versorgten Muskulatur. Als Nebendiagose führte er einen Status nach konservativ behandelt
er Radiuskopf
fraktur rechts an
(Urk. 7/7
/3
).
In seiner Beurteilung führte
Dr.
A._
aus, dass sich fünf Monate nach der
Operation noch eine relevante Einschränkung der aktiven und passiven Beweg
li
ch
keit zeige. Dies interpretiere er als Ausdruck einer entzündeten und ge
schrump
f
ten Kapsel. Computertomographisch
bestünden
keine besorgniser
regen
den Zu
stände, die eine Re-Operation zum jetzigen Zeitpunkt notwendig machen würden. Er empfehle sicherlich den Spontanverlauf abzu
warten und die Physio
therapie im
schmerzarmen Bereich fortzusetzen.
Die Material
ent
fernung und
Arthrolyse
würde
er
frühestens
ein Jahr postoperativ diskutieren. Er habe Volta
ren
retard
rezeptiert (Urk. 7/7/3)
.
3
.
8
Die Ärzte des E._
stellten im Arztbericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom 7. November 2019
die folgenden Diagnosen
mit Aus
wir
kungen auf die Arbeits
fähigkeit
(Urk. 7/9/2):
-
Verheilende 3-Segment-Fraktur der proximalen
Humerusfraktur
rechts (dominant) vom 2
4.
Mai 2019 mit/bei
-
Status nach 3-Loch-3.5-PHILOS,
Allograft
-Implantation (17x20x30mm/Medtronic), 3x
FiberWire-Refixation
RM
Humerus
rechts vom 2
7.
Mai 2019
-
Verdacht auf
Cap
s
ulitis
/
Frozen
shoulder
rechts nach ORIF am 2
7.
Mai 2019
-
Hyposensibilität im Versorgungsgebiet des
N.
medianus
rechts
Auf die Frage nach dem Verlauf der bisher attestierten Arbeitsunfähigkeit ant
worteten sie, dass die
A
rbeitsunf
ähigkeit durch den Hausarzt beurteilt werde (
Urk.
7/9/1).
D
ie Frage, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin bei Aufga
ben im Haushalt eingeschränkt sei,
könnten sie
nicht beantworten (
Urk.
7/9/3).
3
.9
3
.9.1
Prof.
F._
stellte in seinem Gutachten vom 18. November 2019
die folgende Diagnose
(Urk. 7/
16/39
)
:
Deutliche aktive und passive Bewegungseinschränkungen mit Schmerzen bei
end
gradiger
Bewegung Schulter rechts bei/mit:
-
Capulitis
/
Frozen
shoulder
-
Hyposensibilität im Versorgungsgebiet des
N.
medianus
rechts
-
Status nach verheilende
r
3-Segment-Fraktur der proximalen
Humerus
fraktur
rechts (dominant) vom 2
4.
Mai 2019
-
Status nach 3-Loch-3.5-PHILOS,
Allograft
-Implantation (17x20x30mm/Medtronic), 3x
FiberWire-Refixation
RM
Humerus
rechts vom 2
7.
Mai 2019
3
.9.2
Gemäss Prof.
F._
bestand folgende
Einschränkung der Belastung des rech
ten Armes:
K
eine Bewe
gungs
ausschläge über 70° Abduktion / 70° Flexion, kein Tragen/Heben von Gewichten über 1 kg, keine repetitiv manuelle und daue
rhaft feinmotorische Tätigkeit (
Urk. 7/16/41)
.
3.9.3
In seiner Beurteilung führte Prof.
F._
aus, dass die Beschwerdeführerin über ein Sturzereignis mit proximaler
Humerusfraktur
und nachfolgender osteo
syn
thetischer Versorgung berichtet habe. Sie habe von Anbeginn über starke Schmerzen
berichtet
, diese seien nie richtig besser geworden. Die Schmerzen
hätten über die Zeit sogar noch zugenommen. Sie sei neurologisch abgeklärt worden
. Man habe Zusatzuntersuchungen vorgenommen. Zuletzt sei die Diag
nose einer
F
r
ozen
shoulder
gestellt worden. Die Schmerzen würden
nach Angaben der
Beschwerdeführerin
jetzt langsam sistieren. Die Neuraltherapie habe sehr gute Dienste geleistet. Die Physiotherapie habe die Beschwerdelinderung unterstützt. Jetzt habe sie in Ruhe kaum noch bis keine Beschwerden mehr. Unter Belastung
würde es einige Zeit gehen. Teilweise gebe es gute Tage, teilweise gebe es schlechte
Tage. Insgesamt würde sich alles lindern und alles besser werden.
A
us fachortho
pädischer Sicht
zeige sich
hier das Bild einer posttraumatischen
Frozen
shoulder
mit der typischen Entwicklung der Kapsel
reak
tion bei persistierenden post
opera
tiven Beschwerden und nach
folgender verän
derten Kollagenbildung
. Eine
F
r
ozen
shoulder
führe
an
fänglich zu Schmer
zen. Sie bleibe
nachfolgend
jedoch
durch eine schmerzarme bis schmerzlose Bewegungseinschränkung klinisch
unauffällig. Die Beschwerdeführerin befinde sich momentan im Übergangsbe
reich zwischen schmerzhafter
Frozen
shoulder
zur nicht mehr schmerzhaften
F
r
ozen
shoulder
mit persistierender Bewegungsein
schränkung. In dieser Zeit wür
den natur
gege
ben die Schmerzmittel reduziert,
teil
weise bestehe nachfolgend kein Schmerz
mittelbedarf mehr. Die Physiotherapie solle regelmässig durchge
führt werden. E
s
solle daran gearbeitet werden, die Schulterbeweglichkeit sukzes
sive zu erweitern und die Kraft zu erhalten. Die Physiotherapie dürfe in diesem Moment, wenn unterschwellig durchgeführt und die Schulter nicht mehr im aku
ten Stadium sei, durchaus zwei- bis dreimal die Woche vorgenommen werden. In der Regel sei dann die Neuraltherapie nicht mehr zielführend. Die
Einsteifungsphase
könne dauerhaft persistieren und die Schulter gar nicht mehr frei geben. In der Regel verbessere sich die Situation aber über die Zeit, manchmal mit zwei- bis drei
jährigen Verläufen. Teilweise aber auch früher. Nachfolgend sei die Beweglichkeit dann meist dauerhaft
endgradig
ein
geschränkt. Eine Bewegungs
fähigkeit von
140° +/- 20° Abduktion/Flexion sei aber durchaus die Regel (
Urk.
7/16/40).
3
.9.
4
Zu den beruflichen Massnahmen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führte
Prof.
F._
aus
, dass eine Arbeitsplatzadaption zur Schreibbelastungs
ver
minderung sinnvoll sei. Die (von der Beschwerdeführerin als Schulpsycho
login) geführten Abklärungsgespräche sollten über ein Diktiergerät aufgenom
men werden und betriebsintern geschrieben werden, so dass die Beschwer
deführerin diese später nur noch editieren müsse. Allenfalls könne eine Spracherkennungs
software installiert werden. Dies
erscheine
im Sinne einer früheren Reintegration der Beschwerdeführerin
sinnvoll
(
Urk.
7/16/42).
3
.9.
5
Prof.
F._
hielt sodann
fest, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit im schulpsychologischen Dienst nach Adaptation des Arbeitsplatzes arbeitsfähig sei.
Die Belastungen im schulpsychologischen Dienst bei der Bera
tung und bei den Abklärungsge
s
prächen
seien der rechten oberen Extremität zu
mutbar.
Wenn der Arbeitsplatz wie beschrieben
angepasst
worden sei, sei
auf dem
Boden der aktuellen klinischen Situation eine stufenweise Belastungs
steige
rung (25
%
von 70
%
letzte November
-
Woche, 50
%
von 70
%
erste Dezember
-
Woche, 75
%
von 70
%
zweite Dezember
-
Woche, 100
%
von 70
%
dritte Dezem
ber
-
Woche) gut denkbar (
Urk.
7/16/41).
3
.10
Der beratende Arzt der AGV
,
Dr.
med. J._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
hielt in seiner Stellungnahme vom
9.
Februar 2020 fest, dass von der Fortführung der Physiotherapie noch eine wesentliche Verbes
serung
erwartet
werden könne
. Der Verlauf müsse weiter kontrolliert werden. Auch solle eine neurologische Verlaufskontrolle
ein
Jahr nach dem Unfall erfol
gen, um die
Rein
n
er
v
ation
zu beurteilen
(
Urk. 7/35/33
).
3
.11
Dr.
med. K._
, lei
tender Arzt, und med.
pract
. L._
, Assistenzar
zt, Klinik für Traumatologie, E._
,
führten
am
14.
Mai 2020 aus, dass sie die Be
schwer
deführerin
anlässlich
der
klinisch-radiologischen Verlaufskontrolle ein Jahr
post
operativ gesehen hätten (
Urk. 7/35/67
). Klinisch zeige
sich weiter
hin eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit im Seiten
ver
gleich sowie eine punkt
förmige
Druckdolenz
über dem medialen
Humerus
schaft
. Radiologisch fän
den sich keinerlei Hinweise auf eine sekundäre Disloka
tion bei intakt einliegen
dem
Osteosynthesematerial
. Die Beschwerdeführerin wünsche aufgrund ihrer Schmer
zen
eine Entfernung ihrer Platte. Ihr sei mitgeteilt worden, dass ein Verschwinden der Schmerzen
medialseitig
nicht garantiert werden könne. Die Beschwerde
füh
rer
in
habe sich dennoch für eine
Osteosynthesematerial
entfernung
entschieden (
Urk.
7/35/68).
3
.1
2
Dr.
J._
hielt am 2
1.
Mai 2020 fest, dass die Metallentfernung durchgeführt werden könne. Der Zusammenhang der Beschwerden und dem Metall sei wahr
scheinlich kleiner als sich die Beschwerdeführerin denke. Es werde wieder für ein weiteres Jahr eine intensive Physiotherapie brauchen
,
bis die Beweglichkeit nor
malisiert sei. Zudem seien neurologische Kontrolluntersuchungen notwendig, um die Nervenregeneration zu verfolgen, eventuell für weitere zwei Jahre (
Urk.
7/35/72).
3
.1
3
Im Operationsbericht Traumatologie vom 2
9.
Mai 2020
betreffend
Osteosynthese
materialentfernung
am 27. Mai 2020
führte
Dr.
K._
aus, dass sich die neuropathischen Läsionen postoperativ
(nach der Operation im Mai 2019)
konti
nuierlich verbessert hätten. Aktuell, ein Jahr nach dem Unfall, zeige sich eine komplett konsolidierte
Humerusfraktur
. Die Beschwerdeführerin klage jedoch zusätzlich noch über leichte Irritationen an der Innenseite des Oberarms. Zu
sätzlich leide sie an einer Bewegungseinschränkung, vor allem der Vorwärts- und
der Lateralelevation. Ellenbogengelenk und Handgelenk seien problemlos mobili
sierbar. Durch die ent
standene
Arthrofibrose
am rechten Schultergelenk habe sich
diese Bewegungs
limitation
aggraviert
. Der Beschwerdeführerin sei erklärt worden
, dass eine allfällige
Arthrolyse
der extrinsischen Verwachsungen zu einer kleinen Verbes
serung der Beweglichkeit führen würde. Die alleinige
Osteosynthese
mate
rial
ent
fernung
(OSME)
habe nicht denselben Effekt. Bezüglich der neuropathi
schen Beschwer
de
symptomatik würde eine Metallentfernung nichts bewirken (
Urk.
7/35/86).
3
.14
Dem
Austrittsbericht
des
E._
vom 29. Mai 2020
ist zu entnehmen, dass die Operation im Sinne einer Entfernung der PHILOS-Platte mit externer
Arthrolyse
am rechten Schultergelenk am 2
7.
Mai 2020 komplikationslos habe durchgeführt
werden können. Der postoperative Verlauf habe sich unauffällig gestaltet
. Mit Hilfe
der Physiotherapie und unter Basisanalgesie habe eine rasche Mobilisation erfol
gen könne. Die Beschwerdeführerin sei am 2
9.
Mai 2020 in gutem Allge
mein
befinden in die Häuslichkeit entlassen worden (
Urk. 7/35/8
4). Der Beschwer
de
führerin wurde für die Zeitperiode vom 27. Mai bis 7. Juni 2020 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert (
Urk. 7/35/84
).
3
.1
5
Im
Bericht
vom 1
7.
Juli
2020
zur klinisch-radiologischen Verlaufskontrolle 6
Wochen postoperativ (nach OSME) hielten
Dr.
K._
und med.
pract
. M._
fest, dass sich klinisch ein erfreulicher Verlauf mit einer deutlichen Besserung der Beweglichkeit und beschwerdearmer Beschwerdeführerin gezeigt habe. Konven
tionell-radiologisch habe sich ein regelrechter Befund
gefunden
. Belastung und Mobilisation seien frei erlaubt. Sie würden die Fortführung der Physio
therapie
empfehlen. Es seien keine weiteren Kontrollen in ihrer Sprechstunde geplant (Urk. 7/35/126).
3
.1
6
Am 6. August 2020 informierte die
Beschwerdeführerin
die
AGV,
dass sie gemäss Beurteilung der H
ausärztin - Dr. med.
G._
, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin FMH (vgl. Urk. 3) - ab 10. August 2020 zu 55 % arbeits
fähig sei. Am
2
5.
August 2020 teilte
sie
mit, dass
es vorerst
bei der bescheinigten Arbeitsfähigkeit von 55
%
bleibe
. Sie habe nach wie vor im
Innenarm
im oberen Bereich Schmerzen. Auch die Schulter bereite ihr noch Schmerzen. Der Bewe
gungsumfang nehme weiter zu, jedoch dann auch die Bes
chwerden
. Die Physio
therapeutin tippe
auf
eine Sehnen
verletzung beziehungsweise, dass eine Sehne verklebt sei. Auch die Nerven
schädigung sei noch nicht ausgeheilt. Sie
habe
nach wie vor Gefühlsstörungen in den Fingern.
Die nächste Beurteilung der Arbeits
fähig
keit finde am 2
1.
Septem
ber 2020 statt. Falls die Beschwerden dann immer noch in dieser Art vorhanden seien, schlage ihrer Hausärztin eine MRI-Unter
suchung vor (
Urk.
7/35/132).
3
.1
7
Dr.
med. N._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der AGV, hielt in seiner Stellungnahme vom 2
8.
August 2020 fest, dass eine
Arthro
-MRI-Untersuchung medizinisch sinn
voll sei
,
einerseits
zum Ausschluss von allfälligen Läsionen der
Rotatoren
man
schette
, anderseits zur Beurteilung des Ausmasses der Kapselveränderung bei posttraumatischer
F
r
ozen
Shoulder
. Das Ergebnis der MRI-Untersuchung könnte Hinweise zur Planung der weiteren Behandlung geben (
Urk.
7/35/135)
.
3
.1
8
Bei der
von PD
Dr.
med. univ. O._
, leitender
Arzt, Bilddiagnostik P._, E._
,
befundeten
MR-
Arthrographie
der rechten Schulter vom 2
3.
September 2020
fand sich ein
dekonfigu
r
ierter
Humeruskopf
mit alten Schrau
benka
nälen sowie subkortikalen kranial bis
glenoidal
reichenden, linearen
Signal
veränderungen im Sinne einer partiellen Kopfnekrose, eine deutliche
Ten
do
pathie
der langen
Bicepssehene
,
ein
axilärer
Reccesus
deutlich verschmälert und eine haptisch erschwerte Resistenz bei Kontr
a
stmittelinjektion im Rahmen
der
Arthro
fibrose
, eine leichte Atrophie sämtlicher
Rotatorenmanschetten
muskeln
und ge
ri
nge fettige Infiltration (
Goutal
lier
1)
sowie
mässiggradige
degenerative AC-Ge
lenksveränderungen
(
Urk.
7/39/1-2)
.
3
.1
9
Dr.
A._
hielt in seinem
Sprechstundenbericht
vom 1
2.
Oktober 2020
fest, dass er der Beschwerdeführerin anhand der MRI-Bilder die kleinen
Nekroseareale
dargelegt habe. Er habe ihr aber gleichzeitig auch empfohlen, diese nicht in den Vordergrund zu rücken. Er denke nicht, dass eine akute Gefährdung der Gelenk
fläche vorliege. Diese sei sowohl radiologisch als auch MR-tomographisch intakt, ein eigentlicher Einbruch derselben sei nicht vorhanden.
Er empfehle im Rahmen der Physiotherapie die Beweglichkeit
glenohumeral
und
scapulothorakal
weiter
hin anzugehen und die Verspannungen zu bekämpfen. Da die
Bizepssehne
intra
artikulär noch abgrenzbar sei, könnte bei unerfreulichem weiteren Verlauf auch eine einmalige intraartikuläre
Kortisoninfiltration
probatoris
ch versucht werden. Diese Infil
tration würde gleichzeitig aber ein gewisse
s
Nekroserisiko
beinhalten, was angesichts des MRIs natürlich seine grosse Zurückhaltung gegen
über einer solchen Spritze erkläre. Vorerst sei der Spontanverlauf unter Fort
setzung der Phy
siotherapie
abzuwarten
. Aktuell sei die Beschwerdeführerin von
Dr.
G._
bezogen auf ein Pensum von 70
%
zu 30
%
a
rbeitsunfähig geschrieben
(
Urk.
7/39/4)
.
3
.
20
Dr.
G._
attestierte der Beschwerdeführerin mit ihrem Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis vom 2
9.
April 2021 für die Zeitperiode vom
1.
bis 3
0.
Mai 2021 eine 15
%
ige
Arbeitsunfähigkeit
(
=
85
%
arbeitsfähig von insgesamt 70
%
Arbeits
pen
sum,
Urk.
3).
4.
4.1
4.1.1
Die Anmeldung der Beschwerdeführerin zum Leistungsbezug bei der Beschwerde
gegnerin erfolgte aufgrund der seit dem Unfall vom 24. Mai 2019 bestehenden Gesundheitsstörungen
(Urk. 7/3/6).
A
us den
vorliegenden
medizinischen Akten
ist
bezüglich Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
nach
diesem Unfaller
eig
nis
F
olgendes
zu
entnehmen
:
Nach der Versorgung der bei diesem Ereig
nis erlittenen
Humerusfraktur
attestierten die Ärzte der Klinik für Traumato
logie des E._
der Beschwerdeführerin zunächst für die
Zeitperiode
vom 2
4.
Mai bis 2
3.
Juni 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (E.
3
.1)
und danach
für die Zeit
periode
vom
9.
bis 2
6.
Juli 2019 eine 50%ige Arbeits
fähigkeit (E.
3
.2). Die wei
tere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
erfolgte durch den
damaligen Hausarzt
der Be
schwerdeführer
in
, den Allgemeinmediziner
Dr.
H._
(E.
3
.8).
Obwoh
l die behandelnden Ärzte des E._
die Frage der Beschwerdegegnerin nach dem Verlauf der Arbeits
unfähigkeit in ihrem Bericht vom
7.
November 2019 nicht beantwortet und stattdessen auf den Hausarzt verwiesen haben (Urk. 7/9/1), holte die Be
schwerde
gegnerin bei
Dr.
H._
keinen Bericht ein. Die einzigen Angaben zur Arbeitsun
fähigkeit der Beschwerdeführerin in der Zeitperiode ab 2
6.
Juli 2019 (E.
3.2)
bis zur Untersuchung der Beschwerde
führerin
durch Prof.
F._
vom 12.
November 2019 (
Urk.
7/16/21)
sind dessen Zusammenfassung des ärztlichen
Zwischenberichts von
Dr.
H._
zuhanden der Unfallversicherung
vom 21.
August
2019 zu entnehmen (vgl. Urk. 7/16/28-29).
Demnach attestierte
Dr.
H._
weiter
hin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
, insbesondere mit der
Begründung, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der körperliche Einschrän
kungen
k
ein Fahrzeug lenken
könne und
ein dreistündiger
Arbeitsweg unzumutbar
sei
(E. 3.3).
Der
Gut
achte
r
Prof.
F._
äusserte sich nicht zur zurückliegenden Arbeitsunfähigkeit und
erachtete nach erfolgter Anpassung des Arbeitsplatzes (prognostisch) eine stufen
weise Steigerung der Arbeitsfähigkeit
ab der letzten Novemberwoche 2019 als möglich.
Gemäss seiner Beurteilung hätte die Beschwerdeführerin ihr bishe
riges 70%-Pensum als Schulpsychologin - unter Berücksichtigung der
empfohle
nen
Anpas
sung des Arbeitsplatzes beziehungsweise der Arbeits
organisation
(E.
3.9.4) - medizinisch-theoretisch in der dritten Woche des Dezem
ber 2019 wieder
erreichen können (E. 3.9.
5
).
Für die unmittelbare Folgezeit liegen keine Arztbe
richte bei den IV-Akten. Die Unfall
versicherung erbrachte aber
bis zum 6. Januar 2020 weiterhin Taggeldleistungen für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und anschliessend für eine Teilarbeitsunfähigkeit von 66 % (ab 7. Januar
2020) respek
tive 59 % (vom 17. März bis zur erneuten Operation am 26. Mai
2020;
Urk. 7/44/33).
Alsdann
wurde der Beschwerdeführerin
nach der
Osteosynthese
material
ent
fernung
für die Zeitperiode vom 27. Mai bis 7. Juni
2020
eine
100%
ige
Arbeitsun
fähigkeit
attestiert
(E. 3.14). Die Behandlung im E._
war
nach
der post
operativen Verlaufs
kontrolle vom 7. Juli
2020 abgeschlossen (Urk. 7/35/125-126).
Belastung und Mobilisation waren der Beschwerde
füh
rerin wieder frei erlaubt (E.
3.15).
4.
1.
2
Aufgrund der vorliegenden Akten lässt sich nicht beurteilen, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin seit dem 24. Mai 2019
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 6. April 2021
in der Arbeitsfähigkeit jeweils eingeschränkt war.
Weshalb die Beschwerdegegnerin keine versicherungsmedizinische Beurteilung
des RAD eingeholt hat, ist nicht nachvollziehbar
, obliegt es doch primär dem RAD, eine Würdigung der medizinischen Akten vorzunehmen und die
funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten
zu beurteilen (E. 2.5.2)
.
4.1.3
D
ie Beschwerdeführerin
ist
sodann
auch im Aufgabenbereich tätig. Sie ist ver
heiratet und Mutter eines 2004 geborenen Sohnes (Urk. 7/3/2-3). Gegenüber Prof.
F._
gab
sie
an, dass sie im Haushalt koche, das Bad und das WC putze, aufräume, «den Männern hinterher räume», Wäsche zusammenlege und kleinere Einkäufe mache. Der Mann würde «alles, wo sie nicht
hinkomme,»
erledigen. Er beteilige sich an der Hausarbeit und über
nehme «die schweren Teile». Er wische, nehme den Boden auf, sauge Staub, koche und erledige die grösseren Einkäufe (Urk. 7/16/37).
Die von Prof.
F._
fest
gestellte
Einschränkung der Belastung des rech
ten Armes (
E. 3.9.2
)
lässt auf eine
funktionelle Einschränkung im Haus
halt
bereich schliessen. Dies ist von der Beschwerdegegnerin bislang ebenfalls nicht abgeklärt worden.
4.2
Aufgrund der unbestritten geblieben sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation
der Beschwerdeführerin als Teilerwerbstätige (70
%
Erwerbstätigkeit / 30
%
Hau
s
halt)
müsste zur Beantwortung der Frage, ob
sie
ab dem 24.
Mai 2019 (erstmalige Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall vom
selben Tag
) das Wartejahr (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) bestanden hat
,
sowohl
deren
Arbeits
fähigkeit im
bisherigen Beruf als Schulpsychologin
als auch ihre
funktionelle
Leistungs
fähigkeit im Haushaltsbereich
bekannt sein
(E. 2.2.3)
. Beides lässt sich - wie auf
gezeigt - anhand der von der Beschwerdegegnerin bislang beige
zo
genen Unterlagen nicht schlüssig festlegen.
Wie dem Feststellungsblatt vom 2
2.
Januar 2021 entnommen werden kann, ging
der Sachbearbeiter der
Beschwer
degegnerin vor dem Erlass des Vorbescheids vom selben Tag
davon aus, dass das Wartejahr per Mai 2020 erfüllt gewesen sei. Er hielt weiter fest, dass zu diesem Zeitpunkt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente ausgewiesen gewesen sei, weil die Ein
schränkung im von ihr ausgeübten 70%-Pensum
59% betragen habe, womit ein
Invaliditätsgrad 41
%
resultieren würde
. Es würde aber höchs
tens vom Mai bis August 2020 ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehen. Weil dies nicht langfristig sei
, sei das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abzuweisen (
Urk.
7/45/3).
Diese Auffassung ist
falsch, denn bei einem bestandenen Wartejahr liesse sich ein Rentenanspruch der B
eschwerdeführerin - bei Vorliegen der gesetz
lichen Voraussetzungen
- nicht damit verneinen, dass dieser
nur
für eine kurze
Zeit bestehe
(E. 2.4).
Die Beschwerdegegnerin wird daher
, nach Vervollständigung ihrer Akten,
in Zu
sammenarbeit mit dem
RAD die erforderlichen Abklärungen zur Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in Beruf und Haushalt
seit dem 24. Mai 2019
vorzunehmen haben.
Sofern die Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG erfüllt sind, wird sie zudem zu prüfen haben, ob nach Ablauf des Wartejahres eine anspruchserhebliche Invalidität vorlag.
5.
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Abklärungen im Sinne der Erwägungen durchführt und danach über einen möglichen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfügt.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
b
is
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges
Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind
.
6.2
D
ie
vertretene Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf eine Prozess
ent
schä
digung, welche
nach
pflichtgemässe
m
Ermessen auf
Fr.
1‘500.-- (inkl. Baraus
lagen und
MWSt
) festzusetzen ist.