Decision ID: 3df10af8-1c4b-51d2-b63b-1051ca1dcb31
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer 1 (geb. 1971), sri-lankischer Staatsangehöriger,
gelangte im Juli 2006 in die Schweiz und reichte ein Asylgesuch ein. Das
Asylgesuch wurde mit Verfügung der Vorinstanz vom 16. Mai 2008 abge-
wiesen und der Beschwerdeführer 1 in vollziehbarer Weise aus der
Schweiz weggewiesen. Dagegen gelangte der Beschwerdeführer 1
rechtsmittelweise an das Bundesverwaltungsgericht.
B.
Die Beschwerdeführerin 2 (geb. 1981), sri-lankische Staatsangehörige
und Ehefrau des Beschwerdeführers 1, reiste diesem im September 2008
in die Schweiz nach und ersuchte ebenfalls um Asyl. Die Vorinstanz lehn-
te mit Verfügung vom 16. Januar 2009 ihr Asylgesuch ab und erliess ge-
gen sie eine vollziehbare Wegweisung aus der Schweiz. Dagegen rekur-
rierte die Beschwerdeführerin 2 an das Bundesverwaltungsgericht.
C.
Während Hängigkeit der Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht kam am 23. Januar 2011 der Beschwerdeführer 3 als ge-
meinsames Kind der Beschwerdeführenden 1 und 2 auf die Welt. Es wur-
de in das Asylgesuch seiner Eltern einbezogen.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht vereinigte mit zwei Zwischenverfügungen
vom 20. Februar 2009 die Rechtsmittelverfahren der Beschwerdeführen-
den 1 und 2 und wies schliesslich mit Urteil vom 15. Juni 2011 beide Be-
schwerden vollumfänglich ab.
E.
Am 6. Juli 2011 gelangten die Beschwerdeführenden 1,2 und 3 an die
Migrationsbehörde ihres Wohnkantons Neuenburg und ersuchten um Er-
teilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Die kantonale Migrati-
onsbehörde leitete die Bewilligungssache am 7. September 2012 mit dem
Antrag auf Zustimmung an die Vorinstanz weiter.
F.
Während der Rechtshängigkeit des Zustimmungsverfahrens vor der Vor-
instanz wurde am 28. November 2012 mit dem Beschwerdeführer 4 das
zweite gemeinsame Kind der Beschwerdeführenden 1 und 2 geboren.
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G.
Nachdem den Beschwerdeführenden am 9. Oktober 2012 das rechtliche
Gehör gewährt worden war und diese davon am 12. November 2012
Gebrauch gemacht hatten, lehnte die Vorinstanz mit Verfügung vom
24. Januar 2013 ihre Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-
gung durch den Kanton Neuenburg ab.
H.
Gegen die vorgenannte Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am
27. Februar 2013 Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht ein mit
den folgenden Rechtsbegehren: Die angefochtene Verfügung sei aufzu-
heben, und den Beschwerdeführenden sei die vom Kanton beantragte
Aufenthaltsbewilligung zu gewähren. Eventualiter sei die Sache an die
Vorinstanz zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zu neuem Ent-
scheid zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten die Be-
schwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2013 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut. Es befreite
die Beschwerdeführenden von der Pflicht zur Bezahlung der Verfah-
renskosten und bestellte Fürsprecher Christian Wyss zu ihrem unent-
geltlichen Rechtsbeistand.
J.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 17. Mai 2013 auf
Abweisung der Beschwerde.
K.
Die Beschwerdeführenden halten in ihrer Replik vom 16. August 2013
und den gestellten Rechtsbegehren fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des BFM betreffend Zustimmung zur Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG unterliegen der Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art. 33
Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR
173.32]).
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1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich gemäss Art. 6 AsylG nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und dem Verwaltungsgerichts-
gesetz, soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt. Das Verwal-
tungsgerichtsgesetz seinerseits erklärt unter dem Vorbehalt einer eigenen
abweichenden Regelung die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes für anwendbar (Art. 37 VGG).
1.3 Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens kann nur sein, worüber die
Vorinstanz in Form einer Verfügung entschieden hat oder bei richtiger
Rechtsanwendung hätte entscheiden müssen. Im vorliegenden Fall ist es
die Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthalts-
bewilligung durch den Wohnkanton (vgl. Art. 14 Abs. 2 AsylG). Das
Rechtsbegehren auf direkte Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung erweist
sich daher als unzulässig. Anders verhält es sich mit dem darin implizit
enthaltenen Rechtsbegehren auf Zustimmungserteilung.
1.4 Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten der angefochtenen
Verfügung zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf ihre
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – soweit zulässig –
einzutreten (Art. 49 ff. VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG, Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht
wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an.
Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren
nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel-
tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend sind
grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse im Zeitpunkt des Entscheides
(vgl. BVGE 2011/43 E. 6.2).
3.
3.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des
BFM einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufent-
haltsbewilligung erteilen, wenn diese Person sich seit Einreichung des
Asylgesuches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), ihr
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Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war (Bst. b), wegen ihrer
fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall
vorliegt (Bst. c) und keine Widerrufsgründe nach Art. 62 des Ausländer-
gesetztes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) vorliegen (die letz-
tere Voraussetzung wurde mit der Änderung des Asylgesetzes vom
14. Dezember 2012, in Kraft seit 1. Februar 2014, eingefügt [AS 2013
4375, 5357]). Die Regelung des Art. 14 Abs. 2 AsylG bildet eine Ausnah-
me von dem in Abs. 1 derselben Bestimmung verankerten Grundsatz der
Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens, der die Durchführung eines aus-
länderrechtlichen Bewilligungsverfahrens von der Einreichung eines Asyl-
gesuchs bis zur Ausreise oder bis zur Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme verbietet, es sei denn, es bestehe ein Anspruch darauf. Sie
kommt unabhängig davon zur Anwendung, ob das Asylverfahren noch
rechtshängig oder bereits abgeschlossen ist.
3.2 Als abgewiesene Asylbewerber, die weder vorläufig aufgenommen
sind noch über einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
verfügen, müssen die Beschwerdeführenden den Grundsatz der Aus-
schliesslichkeit des Asylverfahrens nach Art. 14 Abs. 1 AsylG gegen sich
gelten lassen. Folge ist, dass die ausländerrechtliche Regelung ihres
Aufenthaltes in der Schweiz nur gestützt auf die Ausnahmeregelung von
Art. 14 Abs. 2 AsylG möglich ist. Die Voraussetzungen von Art. 14 Abs. 2
Bst. a und b AsylG erfüllen die Beschwerdeführer. Denn seit Einreichung
des Asylgesuchs im Jahr 2006 bzw. 2008 halten sie sich mehr als fünf
Jahre in der Schweiz auf, und ihr Aufenthaltsort war den Behörden immer
bekannt. Zu prüfen bleibt, ob bei ihnen nach Massgabe von Art. 14 Abs. 2
Bst. c AsylG "wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegen-
der persönlicher Härtefall" vorliegt.
3.3 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspricht
der unbestimmte Rechtsbegriff des "schwerwiegenden persönlichen Här-
tefalls" nach Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG weitgehend dem Härtefallbegriff
des Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG, der seinerseits auf der Vorgängerregelung
von Art. 13 Bst. f der Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begren-
zung der Zahl der Ausländer (BVO, AS 1986 1791) aufbaut. Die nament-
lich vom Bundesgericht zum Härtefallbegriff des Art. 13 Bst. f BVO entwi-
ckelte Rechtsprechung ist daher im Kontext von Art. 14 Abs. 2 Bst. c
AsylG weiterhin massgebend (vgl. dazu eingehend BVGE 2009/40 E. 5
mit Hinweisen). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist
es Aufgabe des BFM, in Ausübung seiner Zustimmungskompetenz das
Vorliegen eines Härtefalls frei, umfassend und ohne Bindung an die kan-
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tonalen Anträge zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-1591/2010 vom 31. Oktober 2011 E. 3.3 mit zahlreichen Hinweisen).
4.
4.1 In gleicher Weise wie im ordentlichen Ausländerrecht darf auch im
Anwendungsbereich des Asylgesetzes ein schwerwiegender persönlicher
Härtefall nicht leichthin angenommen werden. Erforderlich ist, dass sich
die ausländische Person in einer Notlage befindet. Das bedeutet, dass ih-
re Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am durchschnittlichen
Schicksal von ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage
gestellt sind bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie
mit schweren Nachteilen verbunden wäre. Entscheidend ist, ob die Auf-
gabe des Aufenthaltes in der Schweiz und die Rückkehr in das Herkunfts-
land die Existenz der ausländischen Person in gesteigertem Masse in
Frage stellen und mithin eine besondere Härte darstellen würde. Darüber
ist aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalles zu befinden. Be-
sonders wichtige Wertungsgesichtspunkte führt beispielhaft Art. 31 Abs. 1
der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) in Anlehnung an die Rechtspre-
chung zum altrechtlichen Härtefallbegriff von Art. 13 Bst. f BVO auf. Im
Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration (Bst. a), die
Respektierung der Rechtsordnung (Bst. b), die Familienverhältnisse (Bst.
c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirt-
schaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d), die Dauer der Anwe-
senheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und die Möglichkeit für
eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g).
4.2 Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die
Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer
persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite genügen eine lang-
dauernde Anwesenheit und die fortgeschrittene Integration sowie ein
klagloses Verhalten für sich allein betrachtet nicht, um einen schwerwie-
genden persönlichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausge-
setzt, dass die ausländische Person so enge Beziehungen zur Schweiz
unterhält, dass von ihr nicht verlangt werden kann, in einem anderen
Land – insbesondere in ihrem Heimatstaat – zu leben. Berufliche, freund-
schaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche die betroffene
Person während ihres Aufenthaltes in der Schweiz knüpfen konnte, ge-
nügen dieser Anforderung gewöhnlich nicht (vgl. BGE 130 II 39 E. 3 und
BVGE 2007/45 E. 4.2 je mit Hinweisen). Immerhin werden bei einer sehr
langen Aufenthaltsdauer weniger hohe Anforderungen an das Vorliegen
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besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittliche Integration
oder andere Faktoren, gestellt, welche die Rückkehr ins Heimatland als
ausgesprochen schwierig erscheinen lassen (vgl. BGE 124 II 110 E. 3;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-4306/2007 vom 11. Dezember
2009 E. 6.3).
4.3 Bei Härtefallgesuchen von Familien darf sodann die Situation der ein-
zelnen Mitglieder nicht isoliert betrachtet werden. Das Schicksal der Fa-
milie stellt eine Einheit dar, und es wäre schwierig, das Vorliegen eines
Härtefalles beispielsweise einzig für die Eltern oder nur für die Kinder an-
zunehmen (BVGE 2007/16 E. 5.3 S. 196). Besonderes Augenmerk ist
dabei den Kindern zu widmen. Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Übereinkom-
mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK; SR
0.107) ist das Kindeswohl bei allen Massnahmen, die Minderjährige
betreffen, ein Aspekt von vorrangiger Bedeutung (BGE 135 I 153 E.
2.2.2). Ungeachtet der umstrittenen Frage der unmittelbaren Anwendbar-
keit dieser Bestimmung ist das Kindeswohl zumindest im Rahmen einer
völkerrechtskonformen Auslegung des Landesrechts zu berücksichtigen
(vgl. Entscheid des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements
vom 19. November 1998, auszugsweise publiziert in Verwaltungspraxis
der Bundesbehörden [VPB] 63.13 E. 5d/bb mit Hinweisen; zur Frage der
Ansprüche gestützt auf die KRK vgl. BGE 126 II 377 E. 5d). Dem wird in
der Praxis insofern Rechnung getragen, als der fortgeschrittenen sozialen
und schulischen Integration von Kindern in der Schweiz regelmässig be-
sonderes Gewicht beigemessen wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts
2A.578/2005 vom 3. Februar 2006 und 2A.679/2006 vom 9. Februar
2007).
4.4 Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass die ausländerrechtliche Zulas-
sung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles nicht das
Ziel verfolgt, ausländische Personen gegen die Folgen eines Krieges
oder des Missbrauchs staatlicher Gewalt zu schützen. Dafür stehen die
Rechtsinstitute des Asyls oder der vorläufigen Aufnahme zur Verfügung
(BGE 123 II 125 E. 3, 119 Ib 33 E. 4b). Im vorliegenden rechtlichen Kon-
text sind ausschliesslich humanitäre Gesichtspunkte ausschlaggebend,
wobei im Zentrum der Überlegungen die Verankerung der ausländischen
Person in der Schweiz steht. Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG betont diesen
Umstand ausdrücklich, indem er verlangt, dass der Härtefall gerade we-
gen der fortgeschrittenen Integration in der Schweiz eintritt. Im Rahmen
einer Gesamtschau sind jedoch gemäss langjähriger Praxis auch der Ge-
sundheitszustand einer Person sowie die Möglichkeiten einer Wiederein-
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gliederung im Herkunftsland in die Beurteilung einzubeziehen (heute sind
diese von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst.
f und g VZAE positivrechtlich verankert). Das kann nicht losgelöst von
den persönlichen, familiären und ökonomischen Schwierigkeiten gesche-
hen, denen eine ausländische Person in ihrem Heimatland ausgesetzt
wäre (vgl. BGE 123 II 125 E. 3). Daraus ergibt sich eine gewisse Über-
schneidung von Gründen, die den Wegweisungsvollzug betreffen, und
solchen, die einen Härtefall (mit)begründen können. Dies ist nicht zu
vermeiden und in Kauf zu nehmen.
5.
Vor dem Hintergrund der erwähnten Beurteilungskriterien stellt sich die
vorliegende Streitsache wie folgt dar:
5.1 Der Beschwerdeführer 1 ist im Juli 2006 in die Schweiz gelangt. Sei-
ne Ehefrau, die Beschwerdeführerin 2, folgte ihm im September 2008.
Damit halten sich die Beschwerdeführer bis zum heutigen Zeitpunkt gut
siebeneinhalb bzw. fast fünfeinhalb Jahre im Land auf. Das ist ver-
gleichsweise kurz, wenn bedacht wird, dass Asylsuchende ohne An-
spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung überhaupt erst nach Ab-
lauf von fünf Jahren zum ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren zu-
gelassen werden, im Falle der Beschwerdeführenden das Asylverfahren
nach rund fünf bzw. drei Jahren rechtskräftig abgeschlossen wurde und
ihre weitere Anwesenheit auf einer blossen Duldung durch die kantonale
Migrationsbehörde beruht (vgl. im Gegensatz dazu die mit BGE 124 II 110
E. 3. begründete Kaynak-Rechtsprechung, die mit Blick auf die besonde-
re Situation asylsuchender Personen nach zehnjährigem Aufenthalt ohne
definitiven Asylentscheid von einem schwerwiegenden persönlichen Här-
tefall ausgeht, wenn die asylsuchende Person finanziell unabhängig, so-
zial und beruflich gut integriert ist und sich bis dahin klaglos verhalten hat,
und vorausgesetzt, dass die Dauer des Aufenthaltes nicht absichtlich
durch missbräuchliches Ergreifen von Rechtsmitteln verlängert wurde;
vgl. auch BGE 123 II 125 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 2A.542/2005
vom 11. November 2005 E. 3.2.1). Auf einen schwerwiegenden persönli-
chen Härtefall könnte daher nur beim Vorliegen ganz besonderer Um-
stände geschlossen werden. Insbesondere müssten die Beschwerdefüh-
renden auf eine weit überdurchschnittliche Integration zurückblicken kön-
nen.
5.2 Besondere Integrationsleistungen, die den Beschwerdeführenden ei-
ne Aufgabe des Aufenthaltes unzumutbar machten, sind weder ersichtlich
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Seite 9
noch werden sie geltend gemacht. Soweit die Beschwerdeführenden ih-
ren finanziellen Verpflichtungen nachkommen, den Lebensunterhalt ohne
Inanspruchnahme wirtschaftlicher Sozialhilfe aus dem Erwerbseinkom-
men des Beschwerdeführers 1 bestreiten, der als Arbeitnehmer (Kellner
in einem Gastronomiebetrieb) geschätzt wird, sie sich in einer Landes-
sprache verständigen können und die Rechtsordnung beachten, erfüllen
sie lediglich die allgemeinen Anforderungen an die Integration ausländi-
scher Personen (vgl. dazu Art. 4 AuG, Art. 62 Abs. 1 und Art. 77 Abs. 4
VZAE, Art. 4 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration
von Ausländerinnen und Ausländern [VIntA, SR 142.205]). Allerdings
weist die Beschwerdeführende 2 gemäss Antrag der kantonalen Migrati-
onsbehörde vom 7. September 2012 Integrationsdefizite auf und be-
schränken sich die soziokulturellen Beziehungen der Familie – soweit er-
kennbar – auf Kontakte zu den Behörden und am Arbeitsplatz. Die beiden
Kinder der Familie sind drei bzw. eineinviertel Jahre alt und können daher
selbst noch nichts zur Integration der Gesamtfamilie an ihrem Wohnort
beitragen. Nur der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die
Gesetzestreue des Beschwerdeführers 1 nicht über alle Zweifel erhaben
ist. Denn er wurde in Deutschland, wo er sich erfolglos um Asyl bemüht
hatte (was er zunächst den Schweizer Behörden verschwieg), mit Urteil
des Landgerichts Dresden vom 25. Mai 2001 wegen gewerbs- und ban-
denmässiger Schlepperei zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und
zehn Monaten verurteilt.
5.3 Das Hauptgewicht der Argumentation der Beschwerdeführenden liegt
denn auch nicht auf ihrer Situation hier in der Schweiz, sondern in den
Umständen, denen sie nach einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka
ausgesetzt wären. Sie weisen auf die prekäre Menschenrechtslage in ih-
rer Herkunftsregion Jaffna hin, ferner auf die Situation der über 100'000
tamilischen Rückkehrer, die teilweise in Flüchtlingslagern leben müssten,
sowie auf den Umstand, dass mit Ausnahme ihrer betagten, über 70 Jah-
re alten Eltern die ganze nähere Verwandtschaft in Europa lebe, ihnen
somit ein familiäres Auffangnetz fehle. Hauptsächlich jedoch berufen sie
sich auf die gesundheitliche Situation des am 28. November 2012 gebo-
renen Beschwerdeführers 4, der an einem angeborenen Herzfehler leide
und regelmässiger ärztlicher Kontrolle sowie einer überdurchschnittlichen
Betreuung durch die Eltern bedürfe. Die Sorge um das herzgeschwächte
Kind wirke sich auf die Reintegrationsaussichten aus. Zudem stelle sich
angesichts der medizinischen Infrastruktur in der Herkunftsregion Jaffna
die Frage, ob die notwendige ärztliche Versorgung der Herzschwäche in
der Herkunftsregion der Familie überhaupt sichergestellt sei. Das sei bis-
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her nicht abgeklärt worden. Es rechtfertige sich daher, die Angelegenheit
zur Abklärung der medizinischen Situation des Neugeborenen und zu
neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Als Beweismittel
reichen die Beschwerdeführenden eine vom 12. Februar 2013 datierte,
eher kurz gefasste ärztliche Bestätigung des Département médico-
chirurgical de pédiatrie, Lausanne, und eine allgemeine Elterninformation
derselben Stelle ein. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführende 4
wegen einer nicht näher bezeichneten "malformation cardiaque com-
plexe" nach seiner Geburt medizinische Behandlung in Anspruch habe
nehmen müssen, unter anderem einen am 4. Dezember 2012 durchge-
führten chirurgisch-kardiologischen Eingriff. Der Typ der Missbildung be-
dürfe einer lebenslangen medizinischen Begleitung, wobei auf lange Sicht
eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit einer erneuten chi-
rurgischen Intervention bestehe.
5.4 Den Beschwerdeführenden ist entgegenzuhalten, dass sie in ihrer
Rechtsmitteleingabe zwar weitere medizinische Dokumentation in Aus-
sicht stellten, diese jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ins Recht leg-
ten. Auch nachdem die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht dar-
auf hingewiesen hatte, dass der Informationsgehalt der ärztlichen Be-
stätigung vom 12. Februar 2013 es ihr nicht gestatte, auf Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zu schliessen, reagierten sie nicht mit einer
aussagekräftigeren Dokumentation. Stattdessen begnügten sie sich mit
der schwer verständlichen Bemerkung, der Hinweis der Vorinstanz, wo-
nach der Gesundheitszustand des Beschwerdeführenden 4 nicht mehr
derart alarmierend sei, dass eine Verpflanzung nach Sri Lanka unmittel-
bar menschenrechtswidrig wäre, sei nicht "direkt" widerlegbar. Weiter ist
festzustellen, dass die Beschwerdeführenden gemäss Antrag der kanto-
nalen Migrationsbehörde vom 7. September 2012 und entgegen ihrer un-
substantiierten Behauptung durchaus nahe Familienangehörige in Sri
Lanka haben. Der Beschwerdeführer 1 hat dort Eltern, eine Schwester
und drei Brüder, die Beschwerdeführerin 2 die Eltern, drei Schwestern
und einen Bruder. Sodann geht aus dem Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts vom 15. Juni 2011 in der Asylsache der Beschwerdeführenden
hervor, dass sie nach Colombo zurückkehren könnten, wo der Beschwer-
deführer 1 jahrelang gelebt habe und wo seine Eltern nach wie vor lebten.
Weshalb sich die Beschwerdeführenden entgegen den Feststellungen
des Bundesverwaltungsgerichts für den Fall ihrer Rückkehr in die Region
Jaffna begeben müssten, wird nicht in nachvollziehbarer Weise dargelegt.
Hauptsächlich aber wurde bereits weiter oben unter Ziff. 4.2 und 4.4 aus-
geführt, dass bei der Beurteilung eines schwerwiegenden persönlichen
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Härtefalles zwar auch die Umstände zu berücksichtigen sind, denen eine
ausländische Person in ihrem Heimatland nach einer Rückkehr dorthin
ausgesetzt wäre. Allerdings kommt solchen Elementen keine zentrale
Rolle zu. Der schwerwiegende persönliche Härtefall muss schwergewich-
tig darauf zurückzuführen sein, dass bestehende enge Beziehungen zur
Schweiz nicht mehr hier gelebt werden können. Das ist in der vorliegen-
den Streitsache eindeutig nicht der Fall. Leitet sich der schwerwiegende
persönliche Härtefall jedoch nicht primär daraus ab, dass die betroffene
ausländische Person enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, die sie
aufgeben müsste, sondern daraus, dass sie nach ihrer Rückkehr unzu-
mutbaren Lebensbedingungen in ihrem Herkunftsland ausgesetzt wäre,
bedarf sie nicht etwa einer ordentlichen ausländerrechtlichen Regelung
ihres Aufenthaltes gerade durch die Schweiz. Ihren Interessen wird hin-
reichend dadurch Rechnung getragen, dass auf den Vollzug der Wegwei-
sung solange verzichtet wird, als sie den beschriebenen schwierigen Le-
bensbedingungen am Herkunftsort ausgesetzt wäre. Hierzu dient die vor-
läufige Aufnahme gemäss Art. 83 AuG, über welche nicht im Rahmen des
vorliegenden Verfahrens zu befinden ist (vgl. dazu E. 7).
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Situation der Beschwerdeführen-
den nicht als schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 14
Abs. 2 Bst. c AsylG bewertet werden kann. Daraus folgt, dass die Vorin-
stanz mit der angefochtenen Verfügung ihre Zustimmung zur Erteilung ei-
ner Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG zu Recht verweigert
hat. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann.
7.
Der Vollständigkeit halber ist auf das Schreiben der Beschwerdeführen-
den vom 12. März 2014 einzugehen, mit dem diese auf eine Änderung
der Gerichtspraxis zur Wegweisung nach Sri Lanka verweisen, das Ge-
richt um eine erneute Konsultation der Vorinstanz ersuchen und die Mög-
lichkeit zur Diskussion stellen, das Rechtsmittelverfahren "ausser-
gerichtlich" durch die Erteilung einer vorläufigen Aufnahme zu beenden.
Einem solchen Vorgehen steht jedoch entgegen, dass die Wegweisung
aus der Schweiz und deren Vollzug nicht Gegenstand des Rechtsmittel-
verfahrens bilden. Dem Bundesverwaltungsgericht fehlt daher die funktio-
nelle Zuständigkeit, im Sinne der Beschwerdeführenden tätig zu werden.
Es bleibt den Beschwerdeführenden selbst überlassen, mit einem Ge-
such um Wiedererwägung der asylrechtlichen Wegweisung im Vollzugs-
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Seite 12
punkt bei der Vorinstanz vorstellig zu werden und in diesem Rahmen ei-
nen Antrag auf vorläufige Aufnahme zu stellen.
8.
Den Beschwerdeführenden wurde die unentgeltliche Rechtspflege mit
Befreiung von den Verfahrenskosten und Bestellung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistands gewährt (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG). Ihnen sind
daher trotz ihres Unterliegens (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen. Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand ist ferner
aus der Gerichtskasse eine Entschädigung für seine anwaltschaftlichen
Bemühungen auszurichten. Diese ist in Anwendung von Art. 14 sowie Art.
12 i.V.m. Art. 8 bis Art. 11 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) auf Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzu-
setzen. Die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands ist von
den Beschwerdeführenden zurückzuerstatten, sollten sie später zu hin-
reichenden Mitteln gelangen (Art. 65 Abs. 4 VwVG).
9.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
Dispositiv S. 13
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