Decision ID: 0e138cc7-5531-42e1-93c6-420177363cca
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 31. Mai 2022 in der Schweiz um
Asyl und wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region F._
zugewiesen. Am 9. Juni 2022 wurden die Personalien des Beschwerdefüh-
rers und von B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) aufgenom-
men (Personalienaufnahme; PA). Am 13. Oktober 2022 (Beschwerdefüh-
rer) beziehungsweise 3. November 2022 (Beschwerdeführerin) wurden sie
sodann vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Auf die Anhörung der drei
minderjährigen Kinder wurde angesichts des jungen Alters verzichtet.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs führten die Beschwerdeführenden aus,
nordmazedonische Staatsangehörige türkischer Ethnie zu sein und zuletzt
in G._, H._, gewohnt zu haben, wo sie im (...)anbau tätig
gewesen seien. Der Beschwerdeführer führte aus, Polizisten hätten am
(...) 2019 in einer nicht fertig gestellten Baute ohne Fenster auf dem Grund-
stück einen Beutel mit 237 Gramm Marihuana gefunden, woraufhin er auf
der Polizeistation H._ verhört worden sei und seine Fingerabdrücke
habe abgeben müssen. Er habe stets seine Unschuld beteuert und sich
jeden Montag bei der Polizei in H._ melden müssen. Währenddes-
sen seien im Dorf über ihn und seine Familie Gerüchte verbreitet worden.
Im (...) 2020 beziehungsweise im März 2021 sei er wegen unerlaubter Her-
stellung und dem Umsatz von Betäubungsmitteln gemäss Art. 215 Abs. 1
des Strafgesetzbuches erst- und zweitinstanzlich verurteilt worden; im (...)
2021 sei auch seine Beschwerde vom obersten Gericht in Skopje abge-
wiesen worden, womit die Strafe von einem Jahr Freiheitsentzug rechts-
kräftig geworden sei. Verteidigt worden sei er von einem Rechtsvertreter,
welcher sein Bruder N. ihm vermittelt habe. Verschiedene Personen hätten
gewusst, dass nicht er, sondern sein Bruder N. der Täter gewesen sei.
Letzterer sei eine bekannte Persönlichkeit, habe dubiose Geschäfte ge-
führt und sei politisch aktiv gewesen; seit 2020 befinde sich der Bruder in
Haft und verbüsse eine mehrjährige Haftstrafe wegen Betäubungsmittel-
delikten. Nachdem auch eine daktyloskopische Analyse gezeigt habe, dass
der Bruder N. für die Tat verantwortlich sei, habe er, der Beschwerdeführer,
eine Revision beim obersten Gericht eingereicht. Dieses habe aber das
Gutachten nicht berücksichtigt und das Revisionsgesuch am (...) 2022 ab-
gewiesen, woraufhin ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden sei. Um
einer Festnahme zu entgehen sei er am 26. Mai 2022 in die Schweiz ge-
reist; seine Familie habe das Heimatland am 28. Mai 2022 verlassen. Diese
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Vorbringen wurden von der Beschwerdeführerin an ihrer Anhörung bestä-
tigt, wobei sie zudem anführte, sie finde keine Erwerbstätigkeit, weil sie
aufgrund ihres muslimischen Glaubens ein Kopftuch trage.
Zum medizinischen Sachverhalt machte der Beschwerdeführer geltend, an
Depression zu leiden, weswegen er bereits in seiner Heimat behandelt
worden sei. Sein Sohn würde an Kryptorchismus (Hodenhochstand) lei-
den, die Beschwerdeführerin an Kopfschmerzen und Blutarmut.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden
einen daktyloskopischen Bericht, der die Unschuld des Beschwerdeführers
beweisen soll, die Ablehnung seines Revisionsgesuchs, einen Haftbefehl
und einen Arztbericht, die Depression des Beschwerdeführers sowie den
Kryptorchismus des Sohnes betreffend, zu den Akten.
B.
Die Vorinstanz unterbreitete der zugewiesenen Rechtsvertretung der Be-
schwerdeführenden am 10. November 2022 den Entwurf des ablehnenden
Asylentscheids zur Stellungnahme.
C.
Die Beschwerdeführenden liessen mit Schreiben vom 11. November 2022
Stellung zum Entscheidentwurf nehmen und erklärten sich mit diesem nicht
einverstanden.
D.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 14. November 2022 verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, wies ihr
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Wegweisungsvollzug an.
E.
Die zugewiesene Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden legte das
Mandat am 14. November 2022 nieder.
F.
Mit Beschwerde vom 21. November 2022 an das Bundesverwaltungsge-
richt ersuchten die Beschwerdeführenden um Aufhebung der Verfügung
und Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung; eventualiter um
Gewährung des Asyls unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, sub-
eventualiter um Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässig-
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keit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. In prozessua-
ler Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
22. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG
[SR 142.31]).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb
das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Das Gesuch um Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz zur Neu-
beurteilung ist abzuweisen, da in der Beschwerde keine Gründe geltend
gemacht werden, welche eine Rückweisung im Sinne eines kassatorischen
Entscheids rechtfertigen würden und solche auch aus den Akten nicht er-
sichtlich sind.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen damit, dass Nordmazedonien ein sogenanntes «Safe Country» im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG sei und sich aus den vorgetragenen
Asylgründen keine objektiven Anhaltspunkte ergeben würden, welche eine
Verfolgung gemäss der asylrechtlichen Praxis erkennen lassen würden.
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Insbesondere sei der Beschwerdeführer nicht konkret von den nordmaze-
donischen Behörden behelligt worden, zumal das gegen ihn laufende
Strafverfahren einem rechtsstaatlich legitimen Zweck diene. Seinen Aus-
führungen sei ebenso wenig zu entnehmen, dass die Strafe aus einem der
in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe deutlich höher ausfallen würde
oder unverhältnismässig streng sei. Aus dem Urteil der nordmazedoni-
schen Justizbehörden lasse sich keine politisch motivierte Verfolgung ab-
leiten. Die Beurteilung, ob es sich dabei um ein Fehlurteil handle, liege
nicht bei den Schweizerischen Behörden. Auch die Ergänzungen in der
Stellungnahme vom 11. November 2022 zum Entscheidentwurf, wonach
dem Beschwerdeführer eine Freiheitsstrafe drohe, das drei Jahre dau-
ernde Strafverfahren für die Familie belastend gewesen sei, dem Ruf der
Familie geschadet habe und der Verweis, dass Nordmazedonien unter gra-
vierender Korruption leide, würden an dieser Einschätzung nichts zu än-
dern vermögen.
6.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei in
seinem Heimatstaat zu Unrecht verurteilt worden. Die ihm vorgeworfene
Tat sei eigentlich von seinem Bruder begangen worden; dieser sei jedoch
wegen seines Einflusses und seiner politischen Einstellung keiner Strafver-
folgung ausgesetzt worden, sondern habe die Tat auf ihn, den Beschwer-
deführer, abgewälzt. Die verbreitete Korruption in Nordmazedonien habe
verhindert, dass der Beschwerdeführer seine Unschuld habe beweisen
können. Der Ruf der Familie sei aufgrund des Strafverfahrens beschädigt
worden. Bei einer Rückkehr müsse der Beschwerdeführer eine ungerecht-
fertigte Haftstrafe von bis zu vier Jahren antreten, die ihn aufgrund der
schlechten Haftbedingungen auch gesundheitlich schädigen könnte und
überdies für seine Familie sehr belastend wäre.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten – in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz – zum Schluss, dass die Vorbringen
der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft nicht standzuhalten vermögen. Auf die betreffenden Ausführungen
in der angefochtenen Verfügung (Verfügung des SEM vom 14. November
2022, S. 3 ff.) kann zu Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich
verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene führen zu kei-
ner anderen Betrachtungsweise.
7.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, hat der Bundesrat Nordmaze-
donien als verfolgungssicheren Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a
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AsylG bezeichnet (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung eines Staates als
«Safe Country» beinhaltet die Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrecht-
lich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der behördliche
Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es handelt sich da-
bei um eine relative Verfolgungssicherheit. Im Einzelfall kann die besagte
Regelvermutung somit aufgrund konkreter und substanziierter Hinweise
umgestossen werden, wobei die Beweislast des Gegenteils der asylsu-
chenden Person obliegt (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.4.3).
7.3 Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihren Vorbringen die vorge-
nannte Regelvermutung (Fehlen staatlicher Verfolgung und Gewährleis-
tung von Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung in Nordmazedonien) offen-
sichtlich nicht umzustossen. Konkrete Anhaltspunkte für eine objektiv be-
gründete Furcht vor einer Verfolgung der Beschwerdeführenden asylbe-
achtlichen Ausmasses im Sinne von Art. 3 AsylG durch staatliche Vertreter
liegen aufgrund der Aktenlage nicht vor.
7.4 Mit der Vorinstanz ist insbesondere festzustellen, dass die gegen den
Beschwerdeführer ergriffenen behördlichen Massnahmen im Zusammen-
hang mit der Untersuchung eines mutmasslichen Drogenbesitzes nicht aus
einem Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG erfolgten und keinen Politmalus dar-
stellen.
7.4.1 Von einem Politmalus wäre vorliegend auszugehen, wenn die staat-
lichen Behörden nicht nur die gemeinrechtliche Straftat ahnden würden,
sondern die Strafe aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe
deutlich höher als bei anderen ausfallen würde (relativer Malus) oder un-
verhältnismässig streng wäre und in keinem Verhältnis zum kriminellen Un-
recht stehen würde (absoluter Malus). Ebenso wäre von einem Politmalus
auszugehen, wenn die staatlichen Behörden eine Strafnorm nur als Vor-
wand benutzen würden, um eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu
begehen, oder dem Beschwerdeführer eine Straftat untergeschoben
würde, das Strafverfahren rechtsstaatlichen Ansprüchen nicht genügen
würde oder bei der Strafverbüssung die Verletzung fundamentaler Men-
schenrechte drohen würde und diese Illegitimität auf einer flüchtlingsrecht-
lich relevanten Motivation beruht (vgl. zum Politmalus BVGE 2014/21
E. 5.3).
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7.4.2 Davon ist vorliegend nicht auszugehen. Die nordmazedonischen Be-
hörden verfolgen mit dem durchlaufenen Strafverfahren offensichtlich ei-
nen rechtsstaatlich legitimen Zweck. Dem Beschwerdeführer wurde so-
dann auch der Zugang zu den Rechtsmitteln im Strafverfahren nicht ver-
wehrt. Das ausgesprochene Strafe von einem Jahr Haft scheint sodann im
Verhältnis zum Tatvorwurf nicht illegitim. Dem Beschwerdeführer ist es so-
dann nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass ihm aus den in Art. 3
AsylG genannten Gründen eine Straftat untergeschoben wurde. Der Ver-
weis auf seinen angeblich einflussreichen Bruder N. ist bereits deshalb un-
tauglich, weil dieser gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers seit
zwei Jahren selbst eine Haftstrafe wegen der Begehung von Drogendelik-
ten verbüsst, sein politischer Einfluss auf die Strafverfolgungsbehörden
mithin von vornherein gering scheint. Weder die allgemeine Feststellung,
dass in Nordmazedonien Korruption weit verbreitet sei, noch die einge-
reichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung etwas zu ändern.
Ebenso ist der nicht weiter substanziierte Verweis der Beschwerdeführen-
den auf Diskriminierungen wegen ihres muslimischen Glaubens nicht ge-
eignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.
7.5 Die Vorinstanz hat demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
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der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
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EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
In Nordmazedonien herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner
Gewalt. Sodann stehen die von den Beschwerdeführenden geltend ge-
machten gesundheitlichen Beschwerden (Depression des Beschwerdefüh-
rers, Hodenhochstand des Sohnes, Kopfschmerzen und Blutarmut der Be-
schwerdeführerin) einer Wegweisung nicht entgegen, da Nordmazedonien
über ein funktionierendes Gesundheitswesen verfügt und folglich von einer
adäquaten Behandlungsmöglichkeit auszugehen ist. So ist den Akten bei-
spielsweise zu entnehmen, dass ihre Gesundheitsbeschwerden jeweils be-
reits in ihrem Heimatstaat behandelt worden sind (vgl. SEM-Akten [...]-
35/18 F79 ff.; [...]-36/10 F72). Sonstige Umstände, welche den Vollzug als
unzumutbar erscheinen lassen würden, sind aus den Akten nicht ersicht-
lich, zumal sie insbesondere über eine gesicherte Wohnsituation sowie
durch ihre Tätigkeit auf den eigenen (...)feldern über ein gesichertes Ein-
kommen verfügen. Die Einwände, die Beschwerdeführerin würde aufgrund
ihres Kopftuches keine Anstellung finden und der Ruf der Familie sei auf-
grund des Strafverfahrens geschädigt, können mithin nicht gehört werden.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]), zumal das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wegen der
Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen ist.
11.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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