Decision ID: 93644a93-41b7-5596-a439-a93c52a24a3f
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt und Erwägungen:
1.
1.1 Die A._ AG erhob mit Eingabe vom 8. April 2016 (Poststempel: 9.4.2016) bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (StRK) Rekurs und Beschwerde gegen die Einspracheverfügungen der Steuerverwaltung des Kantons Bern (nachfolgend: Steuerverwaltung) vom 8. März 2016 betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die direkte Bundessteuer 2012. Die StRK trat mit Entscheiden vom 2. Juni 2016 auf die Rechtsmittel wegen Verspätung nicht ein.
1.2 Dagegen hat die A._ AG (nachfolgend: ) am 8. Juli 2016 Verwaltungsgerichtsbeschwerden . Sie beantragt die Aufhebung der angefochtenen Entscheide und die Rückweisung der Sache an die StRK. Die StRK beantragt mit  vom 2. August 2016 die Abweisung der Beschwerden. Die  hat sich mit Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2016 zur Sache geäussert, jedoch auf einen Antrag verzichtet.
2.
2.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 145 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11]  Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Rekurs- und Beschwerdeverfahren teilgenommen, ist durch die angefochtenen Entscheide besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 201 Abs. 2 StG sowie Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 140 Abs. 1 DBG). Auf die form- und fristgerecht eingereichten Be-
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schwerden ist einzutreten. Das Verwaltungsgericht überprüft die  Entscheide auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG). Die  der Streitsache fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2.2 Die Einspracheverfügungen der Steuerverwaltung datieren vom 8. März 2016 (Akten StRK pag. 71-74). Es ist streitig, wann diese der  rechtsgültig eröffnet wurden. Die StRK hält im  Entscheid fest, die technischen Abläufe des Versands seien bei der Steuerverwaltung so organisiert, dass die Verfügungen in der Regel ein paar Tage vor dem aufgedruckten Datum mit Normalpost verschickt , so dass sie der steuerpflichtigen Person spätestens am Tag nach dem aufgedruckten Datum zugingen. Daraus schloss sie, die Zustellung sei spätestens am 9. März 2016 erfolgt, weshalb die 30-tägige Rechtsmittelfrist am Freitag 8. April 2016 geendet habe. Die erst am 9. April 2016 der Post übergebenen Rechtsmitteleingaben der Beschwerdeführerin seien daher verspätet (angefochtene Entscheide E. 2.2). Zur Frage der Fristwahrung hatte die StRK der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör gewährt (Akten StRK pag. 79). Diese liess sich, vertreten durch den Treuhänder B._, mit Eingabe vom 18. April 2016 vernehmen (Akten StRK pag. 90 f.), wobei sie die Zustellung der Einspracheverfügungen am 9. März 2016 nicht in Abrede stellte. Vielmehr machte der Treuhänder , er sei vom 4. bis 8. April 2016 krank und deshalb nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig zu handeln. Er ersuchte sinngemäss um  der Rechtsmittelfrist, was die StRK indes ablehnte (angefochtener Entscheid E. 2.3 ff.). In den Verwaltungsgerichtsbeschwerden macht die neu anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin nunmehr geltend, die  seien fälschlicherweise direkt an die  bzw. die Adresse des einzelzeichnungsberechtigten Verwaltungsrats C._ geschickt worden und nicht an den angeblich bereits im  bevollmächtigten Treuhänder B._. C._ habe den Entscheid erst am 11. März 2016 in Empfang nehmen können, da ein Postumleitungsauftrag bestanden habe und er zudem am 9. und 10. März 2016 in Zürich gewesen sei. Aus der mangelhaften Eröffnung
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dürfe der Beschwerdeführerin kein Rechtsnachteil erwachsen ( S. 3).
2.3 Zur Frage der Vertretung ergibt sich was folgt:
2.3.1 Die steuerpflichtige Person kann sich vor den mit dem Vollzug des Gesetzes betrauten Behörden vertreten lassen, soweit ihre persönliche Mitwirkung nicht notwendig ist (Art. 160 Abs. 1 StG und Art. 117 Abs. 1 DBG; vgl. auch Art. 15 Abs. 1 VRPG). Ein gültiges Vertretungsverhältnis ist Verfahrens- bzw. Prozessvoraussetzung (Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 51 N. 6 und 12); es besteht jedoch kein Vertretungszwang. Im Veranlagungsverfahren und im  vor der StRK sind auch Personen ohne Anwaltspatent als vertragliche Vertreterinnen oder Vertreter zugelassen (Art. 160 Abs. 3 StG; vgl. auch Art. 117 Abs. 2 Satz 1 DBG). Vertragliche Vertreterinnen oder Vertreter haben sich nach Art. 160 Abs. 4 StG und Art. 117 Abs. 2 Satz 2 auf  durch schriftliche Vollmacht auszuweisen. Ob die Behörde eine Vollmacht verlangen will, liegt in ihrem Ermessen (Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2008, § 7 N. 6). Sie darf sich auf eine sich aus den Umständen ergebende Ermächtigung (Anscheinsvollmacht) verlassen, muss es aber nicht. Dies ändert nichts daran, dass auf Seiten der Partei grundsätzlich eine gesetzliche  besteht, eine schriftliche Vollmacht einzureichen, wenn die Behörde eine solche verlangt (vgl. zum Ganzen BVR 2015 S. 301 E. 2.2).
2.3.2 Den unpaginierten Akten der Steuerverwaltung lässt sich dazu  entnehmen: Die Beschwerdeführerin hat in der Steuererklärung betreffend das Jahr 2012 weder eine Vertretung angegeben noch eine Vollmacht ausgestellt. Die Einsprachen vom 9. Oktober 2015 gegen die definitiven Veranlagungen für das Steuerjahr 2012 wurden durch den  B._ verfasst; er stellte in Aussicht, eine schriftliche  der Beschwerdeführerin nachzureichen. Eine solche findet sich  nicht in den Akten der Steuerverwaltung, weshalb davon auszugehen ist, dass der Ankündigung nicht nachgelebt wurde. Die Steuerverwaltung ihrerseits hat die Vollmacht nicht nachverlangt. Die «Empfangsbestätigung Einsprache» vom 16. Oktober 2015 sowie die Einspracheverfügungen vom
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8. März 2016 wurden nicht an den Treuhänder, sondern an die Adresse von C._ geschickt.
2.3.3 Die Steuerverwaltung hat die vom Treuhänder verfassten  vom 9. Oktober 2015 an die Hand genommen und materiell geprüft. Sie hat damit jedenfalls im Zeitpunkt der Rechtsmitteleingaben eine  genügen lassen. Dass sie die Einspracheverfügungen vom 8. März 2016 dann aber der Beschwerdeführerin direkt eröffnet hat, ist mit Blick auf die konkreten Umstände nicht zu beanstanden: Die  konnte sich nicht darauf verlassen, dass das Mandat im  noch andauerte. Weder der Treuhänder noch die  haben nämlich beanstandet, dass die  der Einsprachen vom 16. Oktober 2015 der Beschwerdeführerin zugestellt wurde. Da es die Beschwerdeführerin und der Treuhänder  haben, für Klarheit zu sorgen und insbesondere die in Aussicht gestellte Vertretungsvollmacht nicht nachreichten, mussten sie aufgrund ihrer Nachlässigkeit damit rechnen, dass auch die Einspracheverfügungen der Beschwerdeführerin direkt zugestellt würden. Ein Eröffnungsmangel ist daher zu verneinen.
2.4 Weiter ist zu prüfen, wann die Einspracheverfügungen der  zugestellt bzw. eröffnet worden sind. Die  hat mit Eingangsbestätigung vom 11. April 2016 festgehalten, sie gehe davon aus, die Einspracheverfügungen seien «am 9. März 2016 zugestellt [worden]», weshalb die Rechtsmittelfrist am 8. April 2016  habe (Akten StRK pag. 79). Diese Sachverhaltsdarstellung wurde von der Beschwerdeführerin bzw. ihrem Vertreter bei der  mit keinem Wort bestritten (vgl. Eingabe vom 18.4.2016 [Akten StRK pag. 90-91]). Vielmehr lässt sich aus den dortigen Ausführungen  zu den Öffnungszeiten der Poststelle «Postparc» in Bern (S. 2 der  vom 18.4.2016) schliessen, dass auch der Treuhänder davon , die Rechtsmittelfrist habe spätestens am 8. April 2016 geendet, er sich aber bezüglich der Öffnungszeiten der Poststelle täuschte. Dass hier zudem ein «Missverständnis» zwischen B._ und C._ bestanden habe und Letzterer seinen Vertreter nicht explizit über das Empfangsdatum der Einspracheverfügungen informiert habe (Verwaltungs-
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gerichtsbeschwerden S. 4), ist wenig glaubhaft. C._ ist als  Verwaltungsratsmitglied der  eine in Geschäftsangelegenheiten erfahrene Person; B._ vertritt als Treuhänder Klientinnen und Klienten in Rechtsmittelverfahren. Spätestens bei der Gehörsgewährung zur Fristwahrung musste beiden bewusst sein, dass auch den Umständen im Zusammenhang mit der  des Fristenlaufs entscheidende Bedeutung zukommt, weshalb sie sich dazu geäussert hätten, wären sie mit der diesbezüglichen Darstellung der StRK nicht einverstanden gewesen. – Die durch keinerlei Belege  Behauptungen der Beschwerdeführerin, wonach C._ aus verschiedenen Gründen (Postumleitung; Abwesenheit) die Einspracheverfügungen erst am 11. März 2016 habe in Empfang nehmen können (vgl. vorne E. 2.2), erweisen sich zudem als aktenwidrig: In den Akten der Steuerrekurskommission befindet sich eine Erklärung, gemäss welcher C._ den Treuhänder B._ unter anderem zur Vertretung «i. S. Steuerrekurs gegen den Einspracheentscheid vom 8.3.2016» bevollmächtigt. Diese Vollmacht datiert vom 8. März 2016 (Akten StRK pag. 2). Auch daraus ist zu schliessen, dass die  C._ bzw. der Beschwerdeführerin nicht wie behauptet erst am 11. März 2016 zugegangen sind. Ob die Zustellung der gegebenenfalls vordatierten Verfügungen (vgl. vorne E. 2.2) wie sich aus den Akten schliessen lässt bereits am 8. März oder wie von der StRK und dem  B._ angenommen erst am 9. März erfolgt ist, braucht nicht abschliessend geklärt zu werden. In beiden Fällen sind der dagegen erhobene Rekurs und die dagegen erhobene Beschwerde (Postaufgabe: 9.4.2016) verspätet. Daran ändert auch nichts, dass dem Treuhänder  nicht bekannt war, dass er die Rechtsmittel am 8. April 2016 auch nach Schalterschluss unter Beobachtung einer Zeugin oder eines Zeugen in einen Briefkasten hätte einwerfen können (vgl.  S. 4).
2.5 Soweit die Beschwerdeführerin auch vor Verwaltungsgericht eine krankheitsbedingte Verhinderung des Treuhänders B._ als Grund für eine Fristwiederherstellung nach Art. 43 Abs. 2 VRPG geltend machen will (Verwaltungsgerichtsbeschwerden S. 4 unten), kann auf die angefochtenen Entscheide verwiesen werden, denen nichts Substantielles
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entgegengehalten wird. Die Steuerrekurskommission hat in E. 2.3 ff. der angefochtenen Entscheide die Frage umfassend geprüft. Dem ist nichts beizufügen.
2.6 Die Beschwerden erweisen sich damit als unbegründet und sind abzuweisen. Die Beschwerdeführerin wird bei diesem Ausgang der  kostenpflichtig (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 Abs. 1 DBG). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 3 und Art. 104 Abs. 3 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG und Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20.Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR172.021]).

Considerations: