Decision ID: 2c2761e6-2773-4d4d-89e1-2fb22853f2ca
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1988,
wurde am 15. November 1996 durch seine Eltern unter Hinweis auf ein psychoorganisches Syndrom (POS) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 5/1).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische Situation ab und sprach dem Versicherten mit
Verfügung vom 8. April 1997
vom
13.
August 1996 bis
31.
August 2001 medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 404
gemäss dem Anhang zur Verord
nung über Geburtsgebr
e
chen (
GgV
-Anhang)
inklusive Ergotherapie zu (Urk. 5/6). Die medizinischen Massnahmen wurden mit Verfügung vom 6. Sep
tember 2001 bis
31. August 2004
verlängert (Urk. 5/10). Am 1. Dezember 2003 verfügte die IV-Stelle zusätzlich die Übernahme der Kosten für
die
ambu
lante Psychotherapie
im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Nr. 404
GgV
-Anhang
vom
21. Oktober
2003 bis 31. August 2004
(Urk. 5/30).
Mittels Verfügungen vom 27. Juni 2005 wurden die medizinischen Massnahmen und die Übernahme der Kosten für die ambulante Psychotherapie bis
31.
August 2006 verlängert (Urk. 5/35-36).
1.2
Der Versicherte meldete sich am 8. August 2008
erneut
bei der Invaliden
versiche
rung unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen Nr. 404
GgV
Anhang
zum Leistungsbezug an (Urk. 5/38). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und teilte dem Versicherten am 7. Dezember 2009 mit, dass sie
die Mehrkosten
der erstmaligen beruflichen Ausbildung – eine
Anlehre
als Bekleidungsgestalter bei einer Stiftung –
ab
10
.
August 2009 bis vorerst
9
.
August 2010 übernehme (Urk. 5/55).
Mittels Mitteilung vom 25. Mai 2010
verlängerte die IV-Stelle
die Kostenübernahme für die Mehrkosten der
Anlehre
bis zum 9. August 2011 (Urk. 5/63). Am 27. Oktober 2011 teilte die IV
-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Mehrkosten für das erste Lehrjahr der Ausbil
dung zum Bekleidungsgestalter bei einer Stiftung
vom
15. August 2011 bis vor
erst 14. August 2012 übernehme (Urk. 5/76).
Die IV-Stelle teilte dem Versicher
ten
sodann
am 24. April 2012 mit, dass
sie
die Mitteilung vom 27. Oktober 2011, mithin die Kostengutsprache für das erste Lehrjahr, per 16. März 2012 aufgehoben habe (Urk. 5/86),
da
der Versicherte seine Ausbildung abgebrochen ha
b
e (Urk. 5/83).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 5/90) sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. November 2012 dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab März 2012 zu (Urk. 5/104, vgl. Urk. 5/96).
1.3
Nach Eingang eines am 13. Juni 2013 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 5/111)
liess die IV-Stelle den Versicherten
durch den Regionalen Ärztli
chen Dienst (RAD)
psychiatrisch untersuchen (Urk. 5/122).
Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 5/126, Urk. 5/130)
, einer Potential
abklärung (Urk. 5/136) und einem
Belastbarkeitstraining (Urk. 5/147)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. März 2016 die bisher ausgerichtete
ganze
Rente auf (Urk. 5/155 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 14. April 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. März 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 1 Ziff. 1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2016 (Urk. 4) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1. Juni 2016 zur Kennt
nis gebracht (Urk. 6).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss
Art.
88a
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Auf
gabenbereich zu betätigen oder bei einer Verminderung der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder des Hilfebedarfs die
anspruchs
beeinflussende
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen wer
den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate
angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die hierzu not
wendige Prognose unterliegt dabei dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 7 E.
3c/
aa
mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist eine Rente bei Wegfall der Invalidität im Normalfall erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der anspruchserheblichen Veränderung aufzuheben (BGE 119 V 98 E. 4a, Urteil des Bundesgerichts I 569/06 vom 20. November 2006 E. 3.3).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsan
spruchs
. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärzt
lich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wir
kung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass eine Gesundheitsverbesserung vorliege. Die medizinische Untersu
chung durch den
RAD
vom 1.
Juli 2014 habe ergeben, dass dem Beschwerde
führer eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei (S. 2 oben). Gestützt darauf ermittelte die Beschwerdegegnerin einen nicht
rentenbe
gründenden
Invaliditätsgrad von 0 % (S. 2 Mitte).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (Urk. 1),
dass sich sein Gesundheitszustand seit der
Rentenzusprache
nicht verbessert habe und die Beschwerdegegnerin lediglich zu einer anderen Beurteilung desselben medizi
nischen Sachverhaltes
gekommen sei
(S. 2 oben).
2.3
Streitig ist die revisionsweise Aufhebung der bisher ausgerichteten
ganzen
Rente, wobei namentlich zu prüfen ist, ob
sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführer
s
wesentlich verbessert respektive sich die für die
Invaliditäts
bemessung
massgebende Arbeitsfähigkeit verändert hat.
Zu vergleichen ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 1. November 2012 mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfü
gung vom 11. März 2016 zugrunde liegt.
3.
3.1
Der rechtskräftigen
Leistungszusprache
vom 1. November 2012 (Urk. 5/104) lagen im Wesentlichen
die folgenden Berichte zugrunde.
3.2
Im Austrittsbericht der
Ärzte der
Z._
vom 14. Februar 2012 (Urk. 5/82
/1-4
), in welcher der Beschwerdeführer vom 17. Januar bis 3. Februar 2012 stationär behandelt wurde, wurde
n
sonstige nicht organische psychotisch
e
Störung
en
(ICD-10 F28)
diagnostiziert
(S. 1 Mitte). Der Eintritt sei freiwillig auf Zuweisung der ambulanten Psychiaterin zur diagnostischen Abklärung bei Verdacht auf Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis erfolgt (S.1 Mitte).
In Zusammenschau des klinischen Verlaufes und der diagnostischen Befunde seien eindeutige psychotische Symptome vorhanden. Als e
inziges
Erstrang
sympto
m
habe
der Beschwerdeführer Gedankeneingebung
geschildert
, die jedoch von geringer Ausprägung und fluktuierend sei. Daher seien zum jetzigen Zeitpunkt die Kriterien für eine Schizophrenie nicht erfüllt. Eine endgültige Diagnose werde erst im Verlauf möglich sein (S. 4 oben).
3.3
Med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 27. März 2012 (Urk. 5/88) aus, dass sie den Beschwerdeführer seit Ende 2011 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
sonstige nicht organis
che psychotische Störungen (ICD-
10 F28) seit Ado
leszenz
Auf
merksamkeitsdefizitstörung (ICD-
10 F90.0) seit Kindheit
Beim Beschwerdeführer bestehe eine anhaltend verminderte S
tresstoleranz und Belastbarkeit sowie eine
Beeinträchtigung der Konzentration und Ausdauer. Eine Arbeitstätigkeit sei grundsätzlich zumutbar, aktuell sei der Beschwerde
führer jedoch
in der bisherigen Tätigkeit
noch
zu
100 % arbeitsunfähig. Eine angepasste Tätigkeit sei ab sofort im Umfang von 30 % bis 50 % unter der Voraussetzung verminderter Anforderung hinsichtlich Konzentration, Gedächt
nis und Ausdauer möglich (Ziff. 1.7).
3.4
Med.
pract
.
B._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
–
psychotherapie
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellung
nahme vom 31.
Mai 2012 aus, dass ein Gesundheitsschaden ausgewiesen sei und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für
alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt seit Abbruch der Lehr
e
vorliege. Eine Arbeitsfähigkeit sei im geschützten Rahmen gegeben,
das
Ausmass wäre dem jeweiligen Gesundheits
zustand anzupassen (Urk. 5/89 S. 5).
4.
4.1
Der
Rentenaufhebung vom 11. März 2016 (Urk. 2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte zugrunde.
4.2
Med.
pract
.
C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
untersuchte den Beschwerdeführer am 1. Juli 2014 psychiatrisch und erstattete den
psychiatrische
n
Untersuchungsbericht am 2. Juli 2014 (Urk. 5/122)
. Die Untersuchung und die darauf folgende Beurteilung erfolgte
n
in Vorkenntnis der Aktenlage
(S. 1 Ziff. 1). Als Diagnose mit Auswirkung au
f die Arbeitsfähigkeit nannte med.
pract
.
C._
eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung
(F 90.0)
und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er
selbstunsichere Persönlichkeitszüge (Z73.1) sowie Cannabiskonsum
(S. 5 Ziff. 11
).
In der bisherigen Tätigkeit als angelernter Schneider bestehe eine Arbeitsunfähig
keit von 20 %.
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit würden Ein
schränkungen bestehen, namentlich eine reduzierte Aufmerksamkeit (Flüchtig
keitsfehler, Leistungsschwankungen, Schwierigkeiten mehrere Reize gleichzeitig zu bearbeiten).
In angepasster Tätigkeit bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, sofern es sich dabei um intakte sprachliche, visuell-räumliche und exekutive Funktionen handle und keine Arbeite
n
mit anhaltend
er hoher Konzentration
zu leisten seien
(S. 5 Ziff. 11
).
Die in der
Z._
2012 gesehene sonstige nicht organische psychotische Störung sei kaum noch zu sehen. Schon der Austrittsbericht der
Z._
habe einen Zusammenhang mit dem Drogenkonsum des Beschwerdeführers erwogen,
den der Beschwerdeführer damals geringer geschildert habe als heute. Seine heutige Angabe eines damals „enormen“ Konsums von Cannabis, zusätzlich LSD, Pilze etc. lasse es wahrscheinlich erscheinen, dass diese Drogen wesentlich die dama
ligen psychotischen Symptome bestimm
t
hätten
. Die früheren Verfolgungsideen am Arbeitsplatz und in Menschenmengen lägen nun kaum noch vor, zumal er seinen Cannabiskonsum deutlich verringert habe (S. 4 f. Ziff. 10).
4.3
Die Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurde im Auf
trag der Beschwerdegegnerin vom 27. Oktober bis 21. November 2014, jeweils vormittags,
im
D._
,
E._
Arbeitsintegration,
abgeklärt (Urk. 5/136).
Im Schlussbericht der
Potentialabklärung
wurde festgehalten
, dass eine Eingliederung des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt zur Zeit nicht möglich sei. Auch
eine berufliche Ausbildung sei aktuell noch verfrüht, sollte jedoch schrittweise als Prozess angegangen werden. Der Beschwerdeführer benötige primär Zeit, um seine gesundheitliche Situation mit Hilfe einer Psy
chotherapie zu stabilisieren und zu verbessern. Zudem müsse er seine diversen Problemfelder bereinigen. Insgesamt habe er sich auf den Integrationsprozess einlassen können und sei auf gutem Weg. Erfreulich sei, dass sowohl Ent
wicklung als auch Potential sichtbar seien und der Beschwerdeführer sehr moti
viert sei, weiter zu machen. Um ihn dabei zu unterstützen und den
Berufswahl
prozess
weiter voranzutreiben seien der Erhalt der Tagesstruktur und eine enge Begleitun
g/Coaching angezeigt (S. 4 Ziff. 5
).
Es werde ein Belastbarkeitstraining sowie eine Psychotherapie empfohlen (S. 5 Ziff. 6).
4.4
Vom 1. Dezembe
r 2014 bis 5
. März 2015 fand im
D._
,
E._
Arbeitsintegration,
jeweils vormittags ein Belastbarkeitstraining
, welches vor
zeitig abgebrochen wurde
, statt
(Urk. 5/147
,
vgl.
Urk. 5/149
).
Insgesamt war der Beschwerdeführer
in diesen drei Monaten 19 Tage krankheitshalber abwesend (S. 1 Ziff. 1). Im Schlussbericht des Belastbarkeitstrainings wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer in Teilbereichen gute Fortschritte gemacht habe. Seine Leistung und Tagesform seien jedoch stark schwankend gewesen. Aus diesen Gründen verfüge er über zu wenig Eingliederungspotential für eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt, eine Eingliederung im ersten Arbeitsmarkt erscheine zum jetzigen Zeitpunkt als unrealistisch. Das ursprünglich vorgesehene Auf
bautraining wäre somit nicht zielführend. Der Beschwerdeführer benötige mehr Zeit, um das Erreichte zu festigen sowie eine Arbeitsbeschäftigung mit enger Begleitung und ganz klaren Strukturen, um die erforderliche Stabilität und Konstanz zu erla
n
gen.
Es werde deshalb eine (befristete) Anschlusslösung mit entsprechender Tagesstruktur empfohlen. Da sich der Beschwerdeführer weiter
hin sehr motiviert zeige, sei eine erneute Überprüfung seiner Situation nach etwa einem Jahr Training im geschützten Rahmen angezeigt (S. 4 f. Ziff. 5).
Eine psychotherapeutische Begleitung sei weiterhin zwingend notwendig und es werde ein geschützter Arbeitsplatz beziehungsweise ein Integrationsarbeitsplatz empfohlen. Ausserdem solle der Beschwerdeführer die Unterstützung und Begleitung durch die Pro
Infirmis
wahrnehmen (S. 5 Ziff. 6).
Das Belastbarkeitstraining war ursprünglich bis am 13. März 2015 vorgesehen (Urk. 5/142 S. 1 oben). Anlässlich der Standortbestimmung vom 5. März 2015 wurde jedoch festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer von sich und seinen Problemen überfordert fühle und deshalb eine Weiterführung der
Integrations
mass
nahmen
nicht mehr angezeigt
sei
(Urk. 5/149, Urk. 5/150 S. 9 oben).
4.5
Med.
pract
.
A._
führte
in ihrem Bericht vom 27
. April 2015 (Urk. 5/152)
aus, dass sie den Beschwerdeführer seit November 2014, nach einem zweijähri
gen Unterbruch, wieder behandle (Ziff. 1.2, 1.4). Sie nannte folgende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
sonstige nichtorganische psychotische Störungen (ICD-10 F28) seit jungem Erwachsenenalter
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und paranoiden Anteile
n (ICD-10 F61.0)
Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ICD-10 F90.0) seit Kindheit
soziale Phobien (ICD-10 F40.1)
Herauslösen aus dem Elternhaus in der Kindheit (6
-
monatiger
Spital
aufenthalt
Osteomyelitis; ICD-10 Z61.1)
Im Rahmen der Rentenrevision im Oktober 2014 se
i
es erneut zu einem Versuch der beruflichen Wiederintegration mittels beruflichen Massnahmen im
D._
gekommen. Schon bald seien die Anforderungen im
Belastungs
training
zu hoch gewesen und das geplante Aufbautraining habe nicht einmal begonnen werden können, da
sich der Beschwerdeführer
durch die Leistungs
anforderungen unter enorme
m
Druck gefühlt habe und es zum Auftreten mani
fester psychotischer Symptome gekommen sei.
Der erneute
Cannabiskon
sum
habe sich zusä
tzlich negativ ausgewirkt, insbesondere hinsichtlich der bekannten Aufmerksamkeitsstörung. Es sei zum sozialen Rückzug mit Fernblei
ben und schliesslich Abbruch im März 2015 der mit positiver Einstellung begonnen Resozialisierung gekommen. Seit Abbruch der
Integrationsmass
nahmen
sei die Fortführung der Therapie für ihn nur sehr unregelmässig reali
sierbar. Die Medikation habe er gestoppt (Ziff. 1.4).
Beim Beschwerdeführer bestehe eine anhaltend verminderte Belastbarkeit, Aus
dauer und Anpassungsfähigkeit bei stark verminderter Stresstoleranz. Auch bestehe eine Überforderung im interpersonellen Bereich mit Rückzugsverhalten, Misstrauen und
Vermeidungsverhalten. Eine Tätigkeit sei grundsätzlich zumut
bar, bei aktuellem Gesundheitszustand jedoch nur in reduziertem Mass von 30 %
und in einem
geschützten Rahmen unter der Voraussetzung
stressredu
zierter
Bedingungen (Ziff. 1.7).
Die Weiterführung der ambulanten psychothera
peutisch-psychopharmakologischen Behandlung werde empfohlen, ergänzt durch soziotherapeutische Massnahmen (Ziff. 1.8).
4.6
Med.
pract
.
C._
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 17. Februar 2016 aus, dass in kritischer versicherungspsychiatrischer
Sicht der
D._
darin
nicht gefolgt werden könne, dass der Beschwerdeführer 19 Tage wegen Krank
heit gefehlt habe.
D._
weise mehrmals auf Vermeiden und Aufschieben der Arbeit hin. Mit Blick auf den Ber
icht von med.
pract
.
A._
müsse der erneute Cannabiskonsum hervorgehoben werden, der schon in der Vergangen
heit zu psychotischen Symptomen geführt habe. Die Cannabis-induzierten
Ve
r
folgungsgedanken
seien auch
der
D._
aufgefallen.
Die
beiden Berichte wür
den
keine neuen medizinischen Tatsachen enthalten.
Der Cannabiskonsum sei bedauerlich, aber nicht invaliditätsrelevant (Urk. 5/154/3).
5.
5.1
Der rechtskräftigen
Leistungszusprache
vom 1. November 2012 (Urk. 5/104) lag unter anderem der Austrittsbericht der
Ärzte der
Z._
v
on Februar
2012 zugrunde, in welchem
sonstige nicht organische psychotische Störung
en
diagnostiziert wurde
n
(vgl. vorstehend E. 3.2
). Im März 2012
diagnostizierte me
d.
pract
.
A._
ebenfalls
sonstige nicht organische psychotische Störungen seit Adoleszenz sowie eine
Aufmerksamkeitsdefizitstö
rung
seit Kindheit. Sie attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit. In einer angepassten Tätigkeit habe
eine
Arbeitsfähigkeit im Umfang von
30
% bis 50
% bestanden
(vgl. vorstehend E. 3.3).
Beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 11. März 2016 (Urk. 2)
s
tützte sich die Beschwerdegegnerin
auf
die durch
den
RAD-Arzt
C._
im Juli 2014 durchgeführte psychiatrische Untersuchung
. Im psychiatrischen Untersuchungs
bericht
wurden als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit selbstunsichere Persönlichkeitszüge sowie Cannabiskonsum genannt. Der RAD-Arzt attestierte dem Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als angelernter Schneider eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. In ange
passter Tätigkeit bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 4.2).
In seiner Stellungnahme vom Februar 2016 hob der RAD-Arzt den erneuten Cannabiskonsum des Beschwerdeführers hervor, der schon in der Ver
gangenheit zu psychotischen Symptomen geführt habe. Der Cannabiskonsum sei bedauerlich, aber nicht invaliditätsrelevant (vgl. vorstehend E. 4.6).
Die den Beschwerdeführer behandelnde Psychiaterin med.
pract
.
A._
diagnostizierte im April 2015 sonstige nichtorganische psychotische Störungen seit jungem Erwachsenenalter,
eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und paranoiden Anteilen,
eine
Aufmerksamkeitsdefizitstörung seit Kindheit, soziale Phobien und das Herauslösen aus dem Elternhaus in der Kind
heit (6
-
monatiger Spitalaufenthalt Osteomyelitis).
Hinsichtlich des
Can
nabis
konsums
hielt sie fest, dass sich der erneute Cannabiskonsum zusätzlich negativ ausgewirkt habe, insbesondere hinsichtlich der bekannten
Aufmerksam
keits
störung
.
Sie attestierte dem Beschwerdeführer eine 30%ige Arbeitsfähigkeit in einem geschützten Rahmen
(vgl. vorstehend E. 4.5). In den Schlussberichten der
Potential
abklärung
und
des Belastbarkeitstrainings wurde festgehalten, dass eine Eingliederung des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt zum jetzigen
Zeit
punkt nicht möglich beziehungsweise unrealistisch sei (vgl. vorstehend E. 4.3-4.4).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hob die bisherige
ganze
Rente bei einer Arbeits
unfähig
keit von 100 %
allein
gestützt auf die RAD-Untersuchung im Juli 2014 auf,
nach welcher von
einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ausgegangen
und neu eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
postuliert wurde
.
Der Bericht von med.
pract
.
A._
sowie die Schlussberichte der Potentialabklärung und des
Belastbarkeits
trainings
enthielten
hingegen
eine andere Beurteilung des Gesundheitszustan
des, insbesondere
wurde der
Beschwerdeführer als nicht zu 100 % arbeit
sfähig
in einer angepassten Tätigkeit
und
die Eingliederung des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt
als im Berichtszeitpunkt nicht
ralisierbar
erachtet
.
Die drei genannten
Berichte sind geeignet
,
zumindest geringe Zweifel an der Beur
teilung durch den RAD-Arzt zu wecken,
der v
on einer massiven Verbesserung der Arbeitsfähigkeit – nämlich von 0 % auf 100 % – ausgeht.
Demzufolge kann
für die Beurteilung des
Gesundheitszustandes und der
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers nicht auf den RAD-
Bericht abgestellt werden
(vgl. vorste
hend
E. 1.5).
Die Beschwerdegegnerin
wäre gehalten gewesen, auf geeignete Weise diese Zweifel auszuräumen, worauf sie jedoch verzichtet hat.
5.3
D
ie alleine mit der RAD-Beurteilung begründete revisionsweise Aufhebung der bisherigen ganzen Rente
kann somit
nicht bestätigt werden
, womit der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensauf
wand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise a
uf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.