Decision ID: fb7ccd76-f65f-5e29-a9b7-3d1737ddb885
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. Die Beschwerdeführerin – eine Äthiopierin, welche die letzten Jahre in Eritrea verbrachte und auch die eritreische Staatsbürgerschaft  – verliess Eritrea ihren ersten Angaben zufolge im Jahre 2007 zusammen mit ihren minderjährigen Kindern. Sie sei danach via  und Libyen nach Italien gelangt und schliesslich am 4. August 2008 in die Schweiz eingereist, wo sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch stellte. Am 11. August 2008 wurde die Beschwerdeführerin im EVZ Kreuzlingen  zu ihren Asylgründen befragt. Bei den folgenden Abklärungen stellte sich heraus, dass die Beschwerdeführerin bereits am 13.  2006 mit ihren damals drei Kindern an der Schweizer Grenze – von Italien herkommend - aufgegriffen und nach Italien  worden war.
B. Am 19. September 2008 stimmten die italienischen Behörden dem vom BFM gestellten Gesuch um Rückübernahme der  und ihrer Kinder zu.
C. Am 29. September 2008 wurde die Beschwerdeführerin vom BFM zu ihren Asylgründen direkt angehört, wobei ihr auch das rechtliche  zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien gewährt wurde.
Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen Folgendes geltend: Als sie im Jahre 2007 mit ihrem jüngsten Kind im ersten Monat schwanger gewesen sei, sei ihr  verschwunden. In der Folge sei sie ständig von der Polizei nach dem Verbleib ihres Ehemannes gefragt worden. Zudem sei sie  worden, eine Geldstrafe zu zahlen, andernfalls drohe ihr . Auch wegen ihrer äthiopischen Herkunft sei sie stets von  Seiten schikaniert und bedroht worden. Aus diesen Gründen habe sie schliesslich Eritrea verlassen.
Bezüglich ihrer drohenden Rückschiebung nach Italien gab die  an, dass sie dort in baufälligen Gebäuden  habe, da sie keine Unterkunft erhalten habe.
Seite 2
E-6643/2008
D. Am 6. Oktober 2008 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche  zu ihrer versuchten Einreise in die Schweiz vom 13. August 2006 gewährt. Bei dieser Befragung gab die Beschwerdeführerin an, bereits seit 2003 in Italien gewesen zu sein. Sie habe dort ein Asylgesuch  und eine Aufenthaltsbewilligung für ein Jahr erhalten. In der  habe man nichts weiter für sie unternommen. Aufgrund ihrer  Situation in Italien sei sie deshalb in die Schweiz . Ihr Ehemann halte sich in Italien auf.
E. Mit Verfügung vom 9. Oktober 2008 – der Beschwerdeführerin  gleichentags ausgehändigt und ihrer Rechtsvertreterin am 14.  2008 eröffnet – trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den  an. Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass der Bundesrat Italien als sicheren Drittstaat bezeichnet habe, die  sich vor ihrer Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten hätten und die italienischen Behörden einer  zugestimmt hätten. Es würden auch keine Angehörige der  in der Schweiz leben und auch sonst keine , zu denen die Beschwerdeführenden eine enge Beziehung hätten. Die Flüchtlingseigenschaft trete zudem nicht offensichtlich , da die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten  in Eritrea zu einem Zeitpunkt stattgefunden hätten, als sie sich bereits in Italien aufgehalten habe. Zudem habe die  in den beiden Befragungen den Sachverhalt nicht  wiedergegeben. Es bestünden auch keine Hinweise darauf, dass in Italien kein effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 AsylG bestehe.
F. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2008 reichte die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde beim  gegen die Verfügung des BM ein. Sie beantragte dabei die  des vorinstanzlichen Entscheids und eine Rückweisung des Asylgesuchs an die Vorinstanz zur materiellen Prüfung. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und den  Asyl zu gewähren. Zumindest jedoch sei die Unzulässigkeit
Seite 3
E-6643/2008
des Wegweisungsvollzuges festzustellen, und die Beschwerde- führenden seien in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die unentgeltliche Rechtspflege und den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen aufgeführt, dass Italien für die Beschwerdeführenden nicht weiter als sicherer Drittstaat bezeichnet werden könne. Sie hätten dort ohne jegliche staatliche Hilfe in totaler Verelendung auf der Strasse gelebt. Da ihr Aufenthalt in Italien zudem zeitlich begrenzt gewesen sei, müssten sie auch mit einer  nach Eritrea rechnen.
G. Die vorinstanzlichen Akten trafen am 22. Oktober 2008 und 28.  2008 (per Faxkopie) beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in  Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die  sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur  der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist .
Seite 4
E-6643/2008
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die  des Schriftenwechsels verzichtet.
4. 4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu  (Art. 32-35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der  grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Sofern die  den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, enthält sie sich demnach einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. Entscheidungen und  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.).
Soweit die Beschwerdeführenden die Gewährung von Asyl , ist auf ihr Rechtsbegehren nicht einzutreten.
4.2 Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben.
Italien wurde am 14. Dezember 2007 vom Bundesrat als sicherer  bezeichnet. Die Beschwerdeführenden haben sich gemäss ihren
Seite 5
E-6643/2008
eigenen Aussagen vor ihrer Einreise in die Schweiz seit dem Jahr 2003 in Italien aufgehalten.
4.3 Nach Art. 34 Abs. 3 AsylG findet die Bestimmung von Abs. 2 dieses Artikels keine Anwendung, wenn Personen, zu denen die  Person enge Beziehungen hat, oder nahe Angehörige in der Schweiz leben (Bst. a), die asylsuchende Person offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt (Bst. b) oder Hinweise darauf bestehen, dass im Drittstatt kein effektiver Schutz vor  nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Bst. c).
Im Ergebnis ist der Vorinstanz Recht zu geben, wenn sie die  der Beschwerdeführenden bezüglich der Vorfälle im Heimatstaat zur Erfüllung der von Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG geforderten  der Flüchtlingseigenschaft als nicht geeignet betrachtet. Die Beschwerdeführerin gab lediglich in unsubstanziierter und  Weise an, in ihrer Heimat bedrängt und schikaniert worden zu sein. Zudem gab die Beschwerdeführerin an, ihre Probleme hätten nach dem Verschwinden ihres Ehemannes im Jahre 2007 begonnen. Zu dieser Zeit war sie jedoch bereits in Italien, wo sich gemäss ihren Aussagen auch ihr Ehemann aufhält (vgl. A 26, S. 1). Die  der Beschwerdeführenden ist demnach nicht offensichtlich erfüllt.
Die Beschwerdeführenden haben in der Schweiz keine nahen  oder andere Personen, zu denen sie eine enge Beziehung . Es bestehen auch keine Hinweise darauf, dass in Italien kein  Schutz vor Rückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG .
Zusammenfassend ist demnach festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist.
5. 5.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die  aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
Vorliegend hat der Kanton den Beschwerdeführenden keine  erteilt und es besteht kein Anspruch auf Erteilung ei-
Seite 6
E-6643/2008
ner solchen (EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde.
5.2 Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  [AuG, SR 142.20].
5.3 Eine Wegweisung der Beschwerdeführenden ist gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG im vorliegenden Verfahren nur im Hinblick auf Italien zu prüfen, weshalb die Ausführungen der Rechtsvertreterin zu einem  Wegweisungsvollzug nach Eritrea nicht geprüft werden , da sie nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden.
5.4 Italien ist ein sicherer Drittstaat gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG und hat der Rückübernahme der Beschwerdeführenden zugestimmt. Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb vorliegend in Beachtung der massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, da die Beschwerdeführenden in einen Drittstaat reisen können, in dem sie Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden.
5.5 Vorliegend weisen weder die in Italien herrschende allgemeine Lage noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Italien hin. Das  der Beschwerdeführerin, ihre Lage in Italien sei katastrophal, kann nicht gehört werden. Es ist Aufgabe der Beschwerdeführenden, sich in Italien selbst um ein geordnetes Verfahren zu kümmern und  Verfahrensdefizite sind direkt im italienischen Asylverfahren zu rügen. Der Vollzug der Wegweisung nach Italien ist somit auch  (Art. 83 Abs. 4 AuG).
5.6 Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Italien auch möglich, da mit der zugesicherten Rückübernahme
Seite 7
E-6643/2008
durch die italienischen Behörden keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG).
5.7 Die Vorinstanz prüfte zwar in ihrer Verfügung die Wegweisung der  nach Italien, verfügte jedoch im Dispositiv  lediglich die Wegweisung aus der Schweiz und deren , ohne entsprechende Präzisierungen festzuhalten.
In der vorliegenden Fallkonstellation ist nur eine Wegweisung der  nach Italien im Sinne obiger Ausführungen , zumutbar und möglich.
Nach dem Gesagten ist der von der Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung nach Italien zu bestätigen. Ein Wegweisungsvollzug in andere Länder, namentlich nach Eritrea oder Äthiopien, ist  auszuschliessen.
6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf  ist.
7. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist , da die Begehren – wie sich aus den vorliegenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die  Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen  nicht erfüllt sind. Mit Ergehen des vorliegenden Urteils ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  geworden.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf  Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21.  2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]).
Seite 8
E-6643/2008