Decision ID: 885c82c6-ff8d-4c26-a4b9-f8e3e8e054d9
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Am 1
8.
Januar 2012 und 1
6.
Februar 2012
(Urk. 6/1 und Urk. 6/4)
überwies die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG namens und im Auftrag der
Sammelstif
tung
Vita die Freizügigkeitsleistung
des 1963 geborenen
X._
im Betrag von
insgesamt
Fr. 160'345.75 an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
(nachfolgend: Stiftung
; Empfangsbestätigung vom 7. März 2012, Urk. 6/5
)
. Die Überweisung erfolgte, weil der Versicherte
nach dem
Dienstaustritt
per 30.
September 2009 keine vollständigen Angaben betreffend die Verwendung der Freizügi
gkeitsleistung gemacht hatte
.
Auf Antrag des Versicherten vom 1
2.
Juni 2013 hin
(Urk. 6/9)
überwies die Stif
tung das Freizügigkeitsguthaben am 2
5.
Juni 2013 weiter an die
Freizügig
keitsstiftung
der
Y._
(Urk. 6/9-10).
1.2
Am
4.
März 2015
gelangte der Versicherte an die Stiftung mit dem Ansinnen, er möchte mit Erreichen des Rentenalters statt des Kapitals ein
e
Rente beziehen (Urk. 6/11).
In der Folge
lehnte die Stiftung die Aufnahme in die freiwillige Altersvorsorge ab. Eine Einigung ergab sich in der nachfolgenden Korrespon
denz nicht (vgl. Urk. 6/12-20).
2.
Mit Eingabe vom 1
1.
September 2015 erhob
X._
Klage gegen die Stiftung Auffangeinrichtung mit dem
sinngemässen Antrag, er sei in die frei
willige Weiterführung der Altersvorsorge aufzunehmen (Urk. 1).
Mit
Klageant
wort
vom 2
1.
Oktober 2015 ersuchte die Stiftung um Abweisung der Klage (Urk. 5). Mit Zustellung der Klageantwort gab das Gericht dem Kläger Gelegen
heit, die Klage zurückzuziehen (Verfügung vom 1
2.
November 2015, Urk. 7). Mit Eingabe vom 2
3.
November 2015 beantragte der Kläger,
eventualiter
sei die
Klage auf die Sammelstiftung Vita "umzupolen".
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger
reichte dem Gericht zwar die unterschriebene Rückzugserklärung ein, äusserte sich aber gleichzeitig dahingehend, dass er
auf keinen Fall auf die Rente verzichten
möchte und
die Klage
deshalb
eventuell gegen die
Sammel
stiftung
Vita zu führen
sei (Urk. 8)
.
E
ine Rückzugserklärung
darf
nicht mit Vor
behalten oder Bedingungen belastet sein
(
Leumann
Liebster
, in: Suter-
Somm
/
Hasenböhler
/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil
prozessor
dnung [ZPO],
2.
Aufl. 2013, N.19
zu Art. 241 ZPO)
. Da diese Voraus
setzung vorliegend nicht erfüllt ist, ist die Sache materiell zu beurteilen.
1.2
Der für den Fall einer erfolglosen Klage gegen die Beklagte eventualiter bean
tragte Parteiwechsel zur Sammelstiftung Vita
ist nicht zulässig. Die Vorausset
zungen gemäss
Art.
83 Abs. 4 der Zivilprozessordnung [ZPO]; anwendbar gemäss § 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, [
GSVGer
]) sind vorliegend nicht erfüllt. Für den eingeklagten Streitgegenstand (Aufnahme in die freiwillige Altersvorsorge
der Beklagten
)
fehlte es der Sammelstiftung Vita an der
Sachlegitimation. Abgesehen davon kann
ohne Weiteres
davon aus
gegangen werden, dass die Sammelstiftung Vita einer
Übernahme der
Beklag
tenrolle
nicht zustimmen würde (vgl. zum Ganzen
Schwander
, Kommentar zur ZPO,
a.a.O.
,
N.
36 zu Art. 83 Abs. 4 ZPO).
2.
Strittig
und
zu prüfen ist, ob die Beklagte dem Kläger die Aufnahme in die freiwil
lige
Versicherung zu Recht verweigert hat.
2.1
Scheidet eine versicherte Person
aus der obligatorisc
hen Versicherung aus, so kann sie
die Vorsorge oder bloss die Altersvorsorge im bisherigen Umfang bei derselben Vorsorgeeinrichtung, wenn deren Reglement dies zulässt, oder bei der Auffangeinrichtung weiterführen (
Art.
47
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge,
BVG).
2.2
Das Vorsorgereglement der Beklagten
(Vorsorgeplan WO) sieht in Art.
1 vor, dass Arbeitnehmer, welche aus der obligatorischen Vorsorge ausscheiden, ihre Vorsorge gemäss
Art.
47
BVG
weiterführen können. In Art.
2 wird festgehalten, dass die Vorsorge an dem Tag beginnt, an dem die versicherte Person aus der obligatorischen Vorsorge ausscheidet, frühestens jedoch mit dem Eingang der Anmeldung bei der Stiftung (Urk. 6/21).
3.
3.1
Die Beklagte
begründet ihre
Ablehnung des klägerischen Antrages
mit der verspä
teten
Anmeldung
. I
ndem das Gesetz den Ausdruck "weiterführen" ver
wende
,
werde davon ausgegangen, dass nur eine nahtlose Weiterversicherung möglich sei, nicht aber ein Eintritt nach einem längeren Unterbruch.
Kulanter
weise
gewähre sie zur Anmeldung eine Frist von 90 Tagen seit Austritt aus der obligatorischen Vorsorge
. Diese Frist habe der Kläger bei Weitem verpasst.
Demgegenüber macht der Kläger geltend, er sei von keiner Seite über die Möglich
keit der Weiterführung der Versicherung informiert worden.
Erst im April 2015 habe er von Dritter Seite davon erfahren und daraufhin den Antrag auf Aufnahme in die Versicherung gestellt (Urk. 1).
3.2
Der in Art. 47 Abs. 1 BVG verwendete Ausdruck "weiterführen"
lässt grundsätz
lich keinen Unterbruch des Versicherungsverhältnisses zu. Das ergibt sich auch daraus, dass in der Regel - falls die entsprechenden Reglemente dies vorsehen - die Weiterversicherung bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung erfolgt.
Nur für den Fall, dass dies bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung nicht möglich ist, übernimmt die Beklagte die betroffenen Versicherten.
Die in
Art.
47 BVG statu
ierte Möglichkeit der Weiterversicherung ohne Erwerbstätigkeit
stellt einen Ausnahmetatbestand
zur Regel
dar,
wonach der obligatorischen beruflichen Vorsorge nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bzw. für die Risiken Tod und Invalidität auch Arbeitslose unterstellt sind (
Art.
2 BVG).
Als
Ausnahmetat
bestand
ist die Bestimmung
restrikti
v auszulegen
.
Der jederzeitige Eintritt in
die
freiwillige Versicherung bei der
Beklagte
n
wäre mit der Zweckbestimmung des Art. 47 BVG nicht vereinbar.
3.3
Die Frist von 90 Tagen, innert welcher gemäss Praxis der Beklagten die Anmel
dung für die Weiterführung der Altersvorsorge zu erfolgen hat, findet sich we
der im Gesetz noch im Reglement. Sie wird einzig auf der Internetseite der Be
klagten sowie auf de
m
Anmeldefragebogen kommuniziert (Urk. 6/23-24). Da indes, wie vorstehend
dargelegt
, eine Weiterversicherung nahtlos zu erfolgen hat, liegt es auf der Hand, dass die Anmeldung vorzunehmen ist, bevor ein Unterbruch eingetreten ist. Damit ist hinreichend definiert, bis wann eine Anmeldung vorzunehmen ist. Dass die Beklagte eine 90tägige Frist gewährt, ist eine Kulanz und hat
plausible
praktische Gründe (Urk.
5 S. 4
).
3.4
Der Kläger trat per 3
0.
September 2009 aus der bisherigen Vorsorgeeinrichtung aus (Urk. 6/4). Da
er
seiner Obliegenheit, der Vorsorgeeinrichtung zu melden, wohin seine
Freizügigkeit
sleistung überwiesen werden soll (
Art.
4 Abs. 1 des Freizügigkeitsgesetzes
,
FZG) offenbar nicht nachkam, überwies
die Zürich Ver
sicherungs-Gesellschaft AG die Freizügigkeitsleistung nach zwei Jahren (Art. 4 Abs. 2 FZG) an die Beklagte. Es mutet in diesem Zusammenhang etwas seltsam
an, dass sich der
Kläger
während zweier Jahre nicht um die Verwendung seiner Freizügigkeitsleistung kümmerte, wenn ihm doch die Möglichkeit des
Rentenbe
zugs
derart zentral war (vgl. Urk. 8).
3.5
Nach dem Gesagten ist die Anmeldung
zur freiwilligen Weiterführung der
Alters
vorsorge
bei der
Beklagten
vom
April 2015 jedenfalls verspätet und von der Klägerin zu Recht abgewiesen worden.
4.
Im Übrigen wirft der Kläger der Beklagten zu Unrecht vor, ihn anlässlich der Überweisung seiner Freizügigkeitsleistung im Januar 2012 nicht über die frei
willige Altersvorsorge orientiert zu haben (vgl. Urk. 1). Als sie durch die Über
weisung der Freizügigkeitsleistung Kenntnis
vom Austritt des Klägers aus der obligatorischen Vorsorge
erhielt, war die Frist zur Anmeldung längst abgelau
fen.
Es mag zutreffen, dass der Kläger von seinem bisherigen Arbeitgeber
bzw.
der
früheren
Vorsorgeeinrichtung nicht über die
Möglichkeit der Weiterversiche
rung bei der Beklagten informiert
worden ist
.
Allfällige Ansprüche infolge unterlassener Auskunft
gegenüber dem
bisherigen Arbeitgeber bzw. der frühe
ren Vorsorgeeinrichtung
bilden
indessen
nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. vorstehend E. 1.2).