Decision ID: 267ccff4-df24-4879-8620-b6f79a0c6016
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, besuchte
nach dem Sprachheilkindergarten von
April 1988 bis Juli 1999
mit den von der Invalidenversicherung
gewährten Sonderschu
lmassnahmen die Schule Y._ in Z._
(vgl.
Urk.
9
/1/15;
Urk.
9
/1/22;
Urk.
9/139
/43;
Urk.
9/139
/50;
Urk.
9/139
/60-65).
Am 2
6.
April 1999 meldete er sich unter Hinweis auf seit der Geburt bestehende Konzentrations
schwierigkeiten bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug als Erwachsener an (
Urk.
9/1/9-14). Die Sozialversicherungen Appenzell Ausser
rhoden, IV-Stelle, erteilten dem Versicherten nach getätigten Abklärungen Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung in Form einer
An
lehre
zum Industrielackierer (vgl. Mitteilung vom 2
9.
Juni 1999,
Urk.
9
/1/7). Diese Ausbildung schloss der Versicherte am
8.
August 2001 erfolgreich ab
(
Urk.
9
/5).
Mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
9/9) sprach die IV-Stelle dem Ver
sicherten sodann bei einem Invaliditätsgrad von 75
%
eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab dem
1.
August 2001 zu.
Mit Mitteilungen vom 1
7.
Oktober 2003 (
Urk.
9/15), 2
0.
November 2006 (
Urk.
9/19) sowie 1
4.
Januar 2010 (
Urk.
9/23) wurde der Anspruch auf die bis
herige Invalidenrente bestätigt.
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 2
6.
März 2015 (
Urk.
9/38) tätigte die nun zuständige IV-Stelle des Kantons Zürich medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und veranlasste insbesondere eine neuropsychologische Begut
achtung, über welche am
9.
Februar 2017 berichtet wurde (
Urk.
9/66). Auch ver
anlasste sie ein psychiatrisches Gutachten, welches am 3
0.
Mai 2017 und er
gänzend am
2.
August 2017 erstattet wurde (
Urk.
9/72;
Urk.
9/75). Mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
9/90) hob die IV-Stelle die bisherige Invalidenrente des Versicherten auf.
Die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
6.
August 2019 (Verfahren Nr. IV.2018.00278,
Urk.
9
/143
) in dem Sinne gut, als die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgte
r
Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
1.3
In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen
und veranlasste ins
be
sondere eine neuropsychologisch
-psychiatrische Begutachtung des Ver
sicherten, über welche am 1
6.
und 1
7.
März 2020 berichtet wurde (
Urk.
9/161-162).
Dem Versicherten wurde sodann
Unterstützung bei der beruflichen Ein
gliederung geboten, wobei die Eingliederungsmassnahmen an die IV-Stelle der Sozial
versicherungen Appenzell Ausserrhoden delegiert wurden (vgl. Schreiben vom
2
3.
Februar 2021,
Urk.
9/175). Mit Mitteilung vom
1.
Juni 2021 (
Urk.
9/181) wur
den die IV-Eingliederungs-Dienstleistungen abgeschlossen.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/190;
Urk.
9/
193;
Urk.
9/197) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
Dezember 2021 (
Urk.
9
/201 =
Urk.
2) die ursprünglich
rentenzusprechende Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 wieder
erwägungsweise auf und stellte die bisher ausgerichtete ganze Invalidenrente ein.
2.
Der Versicherte erhob am 2
6.
Januar 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Dezember 2021 (
Urk.
2) und beantragte
, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin die bisherige Invalidenrente auszurichten. Eventuell sei die Streitsache
für weitere
Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Mai 2022 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2022 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergle
ich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Ver
fügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zu
gesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchs
prüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertret
barer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtig
keit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit der (substituierten) Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368
E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
R
n
77 zu Art. 30–31).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Renteneinstellung damit,
dass die Invalidenrente gestützt auf eine dürftige medizinische Aktenlage zugesprochen worden sei. Eine ärztliche Einschätzung zur möglichen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt habe nicht vorgelegen. Die Rentenverfügung vom 2
2.
Oktober 2001 habe sich demnach auf eine ungenügende medizinische Akten
lage abgestützt, weshalb diese wiedererwägungsweise aufgehoben werde. Im An
schluss an das Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
6.
August 2019 sei eine psychiatrisch-neuropsychologische Begutachtung
erfolgt
. Aus medizinischer Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit seit
dem Jahr
2001 eine Arbeits
fähigkeit von 60
%
. In einer angepassten Tätigkeit sei seit
dem Jahr
2001 eine volle Arbeitsfähigkeit ausgewiesen.
Für die Wiedereingliederung in den Arbeits
markt seien dem Beschwerdeführer berufliche Eingliederungsmassnahmen zu
gesprochen worden. Nach Vornahme des Einkommensvergleichs, wobei er als zu 80
%
Erwerbstätiger und zu 20
%
im Haushalt Tätiger zu qualifizieren sei, resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 14
%
. Es bestehe folglich kein Rentenanspruch mehr (vgl.
Urk.
2 S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt,
es seien weder die Voraussetzungen
für eine Rentenrevision
noch
für eine Wiedererwägung
erfüllt.
D
ie medizinische Aktenlage
sei
im ursprünglichen Ver
fügungszeitpunkt
zwar eher dünn gewesen
, doch sei die Grundproblematik be
reits damals erfasst worden. Auch
das aktuelle Gutachten bestätige
, dass das komplexe psychiatrische Beschwerdebild bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen
Renten
zusprache
bestanden habe.
Auf dieses Gutachten dürfe jedoch nicht ab
gestellt werden, wie die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
A._
schlüssig er
klärt habe. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes liege nicht vor. Ausser
dem habe er die Invalidenrente im ursprünglichen Verfügungs
zeitpunkt zu Recht
erhalten. Daher sei ihm die Invalidenrente weiter auszurichten.
Selbst wenn wider Erwarten die Voraussetzungen der Wiedererwägung gegeben sein sollten,
dürfe
– wie
Dr.
A._
aufgezeigt habe -
nicht auf das aktuelle Gutachten abge
stellt werden. Aufgrund der Einwände von
Dr.
A._
und da gemäss dem Gutachter noch
gar
kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen habe, hätte die Beschwerdegegnerin zwingend eine Verlaufs
begutachtung
anordnen
müssen. Hierfür wäre die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (vgl.
Urk.
1 S. 2, S. 7 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die ursprüngliche
Rentenzusprache
zweifellos un
richtig und die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente rechtens war.
3.
3.1
Mit Urteil vom 1
6.
August 2019 (Verfahren Nr. IV.2018.00278,
Urk.
9/143) hielt das hiesige Gericht unter anderem fest, dass anlässlich der rentenzusprechenden
Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
9/9)
einzig
die folgenden medizinischen Berichte vor
lagen (vgl. Erwägungen 3.2-3.3 des genannten Urteils)
:
«3.2
Med.
pract
. B._
, praktische Ärztin, informierte mit Schreiben vom 6. Januar 1997 (
Urk.
9/139
/42) über die zunehmend schwersten aggressiven Ausbrüche des Beschwerdeführers, welche er in keiner Weise kontrollieren könne. Ausserhalb dieser Anfälle sei er überangepasst. Es zeige sich das Bild eines Jugendlichen mit den Residuen einer frühen Hirnschädigung, in erster Linie
Wahrnehmungsstörung, hauptsächlich im Bereich Körperschema und Raumorien
tierung. Neben der oberflächlichen äusseren Anpassung und teilweise auch recht ansprechenden schulischen Leistungen kämen schwerste Ängste (Vernichtungs- und Existenzängste) zur Darstellung sowie ein
Überschwemmtwerden
von Emotionen und nur sehr wenig Verarbeitungsmöglichkeiten.
3.3
Mit Bericht vom 17. Juni 1997 (
Urk.
9/139
/34-39) diagnostizierten die Ärzte des
C._
eine emotionale Störung mit aggressiver und sozialer Ver
haltensstörung und Ängsten sowie Lernbehinderung bei Vorliegen einer hirnfunktionellen Störung (Geburtsgebrechen) mit grenzwertiger intellektueller Leistungsfähigkeit und Selbstwertstörung (S. 2 Ziff. 3). Eine emotionale Störung mit Verhaltensstörung sei eine häufige Folge
erscheinung von Geburtsgebrechen. Die Frage, ob ein Geburtsgebrechen Ziffer 403 oder 404 vorliege, sei schwierig zu beantworten. Für das Vor
liegen einer hirnfunktionellen Störung sprächen typische Symptome wie
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Störungen in mehreren Wahr
nehmungsbereichen, im Antrieb sowie im Kontakt und die Befunde der psychophysiologischen Messungen. Es sei anzunehmen, dass der Beschwerdeführer zusätzlich eine deutliche Leistungshemmung im Rahmen seiner emotionalen Störung habe, sodass seine Schulleistungen nicht seine wirkliche Intelligenz widerspiegeln würden (S. 5). Der Gesund
heitszustand wirke sich auf den Schulbesuch aus. So habe der Beschwerdeführer bereits den Sprachheilkindergarten besucht und gehe seit der 1. Klasse in die Heilpädagogische Schule. In allen Fächern sei er leistungsmässig schwach. Er könne sich schlecht konzentrieren. Seine berufliche Ausbildung und Eingliederun
g sei derzeit gefährdet (S. 3
).»
3.2
Des Weiteren erachtete das hiesige Gericht m
it Urteil
vom 1
6.
August 2019 (Ver
fahren Nr. IV.2018.00278,
Urk.
9/143)
die damals
im Zusammenhang mit der rentenaufhebenden Verfüg
ung vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
9/90
)
vorhandenen Arztberichte als nicht genügend für eine abschliessende Beurteilung der gesund
heitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, weshalb eine Wiedergabe dieser Berichte vorliegend entbehrlich ist.
Als Begründung hier
für hielt das hiesige Gericht
im Wesentlichen
Folgendes fest (
vgl. Erwägung
en
5
.1-5.3
des genannten Urteils):
«
5.1
Der Vergleich des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Zeit
punkt der rentenzusprechenden Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 (...) mit jenem bei Rentenaufhebung am 1
5.
Februar 2018 (...) erweist sich infolge der damaligen dürftigen Aktenlage bereits als schwierig.
So wurde das Vorliegen einer emotionalen Störung mit aggressiver und sozialer Ver
haltensstörung und Ängsten sowie Lernbehinderung bei Vorliegen einer hirnfunktionellen Störung (Geburtsgebrechen) mit grenzwertiger intellektueller Leistungsfähigkeit und Selbstwertstörung und damit ein Geburtsgebrechen von den Ärzten des
C._
zwar bestätigt (...). Von der Invaliden
versicherung wurde ein Geburtsgebrechen nach Lage der Akten in der Folge indessen nicht anerkannt (...). Auffallend ist ausserdem, dass zum Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
keine ärztliche Ein
schätzung zur möglichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeitsmarkt vorlag. Die Beschwerdegegnerin ging zwar nach Ab
schluss der
Anlehre
als Industrielackierer von Anfang an von keiner auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbaren Arbeitsfähigkeit aus und be
trachtete den Beschwerdeführer als Frühinvaliden, entsprechend nahm sie auch den Einkommensvergleich vor. Dies nach Lage der Akten aller
dings einzig gestützt auf einen Bericht des Berufsberaters, wonach der
Beschwerdeführer keine Anstellung in der freien Wirtschaft habe finden können und auch in der freien Wirtschaft den gleichen Lohn wie in der Ausbildungsstätte erzielen würde (...).
5.2
Die erfolgten Abklärungen zum aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erlauben schliesslich keinen Vergleich zur damaligen Situation. (...)
Es fehlt demnach insgesamt an einer verlässlichen Grund
lage, weshalb der medizinische Sachverhalt weiterhin unklar bleibt. (...)
5.3
Anhand der vorhandenen Akten kann eine Verbesserung des Gesundheits
zu
standes beziehungsweise allenfalls eine Angewöhnung/Anpassung an die Behinde
rung (...) allerdings auch nicht ausgeschlossen werden.
(...)
Ob und in welchem Ausmass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers tatsächlich verbessert hat, lässt sich anhand der vorhandenen Akten nicht abschliessend beurteilen. Unter diesen Umständen erweisen sich weitere Abklärungen als unerlässlich. Sollte sich danach eine renten
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes herausstellen, wären bei vorliegend bereits über 15-jährigem Rentenbezug Eingliederungs
massnahmen (...) vorzunehmen, (...
).
»
4.
4.1
Im Nachgang zum
genannten
Urteil sind die folgenden medizinischen Berichte aktenkundig:
4.2
Mit Bericht vom
4.
September 2019 (
Urk.
9/149/6-7)
und unter Hinweis auf die erfolgte neuropsychologische Untersuchung (vgl. Bericht vom 2
8.
August 2019,
Urk.
9/149/8-14)
diagnostizierte
Dr.
med. D._
, Facharzt für Neuro
logie,
Reha E._
, eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70) sowie eine leichte bis mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung, eine Störung der Impulskontrolle (ICD-10 F63.0) und eine
seit der Kindheit bestehende
Autismus-Spektrum-Störung (ICD-10 F98.0). Insbesondere hätten sich bei sehr raschem Arbeitstempo eine deutlich erhöhte Fehleranfälligkeit,
eine
Perseverationsneigung,
eine
reduzierte Lern- und
Erinnerungsleistung,
eine
räumlich-konstruktive Leistungsminderung sowie exekutive und logisch schluss
folgernde Beeinträchtigungen g
ezeigt. Aufgrund der verhaltens
neurologischen Auffälligkeiten und der psychologisch dokumentierten Funktionsstörungen sei ein erfolgreiches Bestehen im ersten Arbeitsmarkt mittel- und längerfristig sehr unwahrscheinlich (S. 1 f.).
4.3
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
9/149/1-4) an, dass sie den Beschwerdeführer seit dem 2
4.
November 2017 behandle (S. 2
Ziff.
3.1)
,
und als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Autismus-Spektrum-Störung seit der Kindheit (ICD-10 F98.0)
sowie eine Störung der Impulskontrolle (ICD-10 F63.0) diagnostizieren könne (S. 1
Ziff.
1.2). Der Beschwerdeführer arbeite als ungelernter Mitarbeiter zwei bis maximal drei Stunden tageweise und unregelmässig im Imbissladen seiner Mutter. Dies sei eine Beschäftigungs
therapie. Eine verwertbare Arbeitsfähigkeit liege nicht vor (S. 2
Ziff.
2.1).
4.4
Am 1
7.
März 2020 erstatteten die Guta
chter der F._
ihr neuropsychologisch
-psychiatrisches Gutachten (
Urk.
9/162
; vgl. auch
Urk.
9/161
)
. Dabei nannten sie folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 60
Ziff.
6.3):
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0)
-
leichte kognitive Störung (ICD-10 F06.7)
Als
Diagnose
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führten sie eine
Bord
erline
intellectual
functioning
/
Lernbehinderung (ICD-10 F78) auf (S. 60
Ziff.
6.3).
In der Untersuchung hätten sich eine unterdurchschnittliche Intelligenz (Gesamt-IQ 76, Verbal-IQ 80, Nonverbal-IQ 76), eine leichte bis mittelgradige Hirnfunktionsstörung mit Beeinträchtigung
en
in
attentionalen
, mnestischen und exekutiven Funktionen sowie Fragebogen- und befundbasiert klare Hinweise auf eine deutliche Aufmerksamkeitsschwäche im Sinne eines ADHS gezeigt.
Das ADHS sei unbehandelt. Beim Beschwerdeführer sei von einer Reduktion der psychischen Resilienz auszugehen. Auch wenn die damalige Aktenlage dürftig gewesen sei, sei davon auszugehen, dass er mit Handicaps auf die Welt ge
kommen sei. Im hiesigen Untersuch habe ein Durchschnitts-IQ von 76 bestimmt werden können. Dieses Ergebnis entspreche auch den IQ-Messungen in der Kind
heit. Die Kriterien einer leichten Intelligenzminderung gemäss ICD-10 seien damit nicht erfüllt.
D
er Beschwerde
führer zeige
zudem
bei allen Testverfahren, bei denen Menschen mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum Mühe hätten, überwiegend alterskonforme Resultate. Auch in der Kommunikation während d
er Untersuchung zeige er keine A
utismus-typischen Einschränkungen.
D
as Ver
ständnis für soziale Zusammenhänge sowohl in Bezug auf andere Personen wie auch in Bezug auf die eigene Person
sei
weitg
ehend alterskonform.
Eine Autis
mus-Spektrum-Störung liege nicht vor.
Es liege
auch
keine emotional-im
pulsive Persönlichkeitsstörung vor, sondern die impulsive Aggressivität sei mit hoher Wahrscheinlichkeit als Merkmal des ADHS einzustufen.
Der Beschwerde
führer könne durchaus Gefühle für Mitmenschen entwickeln. Er zeige sogar für
sorgliche
Gefühle gegenüber seiner Tochter.
Hinsichtlich
der therapeutischen Massnahmen
habe sich der Beschwerdeführer
bisher
compliant
verhalten. Das private Aktivitätsniveau sei deutlich eingeschränkt. Ein Leidensdruck sei aus
gewiesen. Es bestünden keine Hinweise auf einen aktuellen oder chronischen Ge
brauch suchterzeugender Substanzen. Aktuell bestünden auch keine depressiven Symptome. Eine soziokulturelle Eingliederungsproblematik sei nicht gegeben. In der Betrachtung der Standardindikatoren lägen diverse psychosoziale Belastungen vor, welche
die Psychopathologie
jedoch nicht direkt bedingen wür
den (
S. 49 ff., S. 63 ff.
Ziff.
7.2).
Es ergäben sich keine Hinweise auf
Verdeutlichung
, Aggravation oder Simulation. Auch im neuropsychologischen Zusatzuntersuch sei die Symptom
validierung unauffällig gewesen und die erhobenen Ergebnisse könnten als valide betrachtet werden. Es bestünden keine Inkonsistenzen zwischen den Angaben des Beschwerdeführers im psychiatrischen Untersuch und den Aufzeichnungen im Aktenmaterial. Die vom Beschwerdeführer beschriebenen Schwierigkeiten seien medizinisch klar objektivierbar (S. 65
Ziff.
7.3).
Der Beschwerdeführer leide an Störungen von Krankheitswert. Es bestehe aktuell ein
mässiggradiger
Gesund
heitsschaden,
welcher
bezüglic
h des bisher unbehandelten ADHS besserungsfähig sei. Aufgrund der Anamnese und den testpsychologischen Untersuchungen
sei davon auszugehen, dass das ADHS bereits in der Kindheit vorgelegen habe.
Gesamthaft sei von einem instabilen psychischen Gesundheitszustand auszu
gehen, da die Auswirkungen des bisher nicht diagnostizierten ADHS behandel- und besserbar erscheinen
würden
. Die Fähigkeitsstörungen infolge der anderen psychiatrischen Erkrankungen seien
dagegen
nicht besserbar. Alle Störungsbilder hätten zum Referenzzeitpunkt im Jahr 2001 bereits vorgelegen. Es handle sich um eine andere Bewertung desselben medizinischen Störungsbildes (S. 65 ff.
Ziff.
7.4).
Die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit sei aktuell nicht hinreichend bestimmbar, da die psychiatrischen Störungen des Beschwerdeführers unter
einander interferieren
würden
und medizinisch-theoretisch nicht seriös ein
schätzbar sei, wie stark sich das Zustandsbild nach
einer
adäquaten Behandlung des ADHS bessere. Eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes sei nicht eingetreten. Es bestehe ein im Wesentlichen unveränderter Gesundheits
zustand. Aktuell (nicht mittel- und langfristig) lägen seit dem Referenzzeitpunkt im Jahr 2001 die genannten Fähigkeitsstörungen weitgehend unverändert vor. Es sei von einer 60%igen Arbeitsfähi
gkeit
im angestammten Beruf als Lackierer
unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarkts auszugehen. Dies decke sich mit
der Einschätzung des Vorgutachters, nicht jedoch mit der Arbeitsfähigkeits
einschätzung, welche zu einer Vollberentung geführt habe. Die arbeitspraktischen Beobachtungen im Verlauf hätten die damalige Fehleinsc
hätzung aufgezeigt. Durch eine
leitliniengerechte Behandlung des ADHS sei innert nützlicher Zeit zu
dem eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 bis 100
%
möglich. In einer an
gepassten Tätigkeit bestehe bereits aktuell eine Arbeitsfähigkeit
von 100
%
. Diese Einschätzung liege seit dem Jahr 2001 vor
. Die aktuell ausgeführte Tätigkeit im Imbiss sei nicht als leidensgerecht einzustufen
(S. 69
Ziff.
8).
Die Aufgaben
stellungen müssten den intellektuell/neurokognitiven Voraussetzungen an
ge
passt sein. Sinnvoll wäre es, wenn der Beschwerdeführer nach klaren Vorgaben einfache Tätigkeiten mit konkreten Arbeitsmaterialien jeweils sequenziell nach
einander ausüben und die Stärken, welche er in der visuellen Wahrnehmung und bei visuell-konstruktiven Aufgabenstellungen in der aktuellen neuro
psycho
logischen Untersuchung
zeige, beruflich verwerten könn
e. Zu vermeiden seien komplexere und abstraktere Aufgaben, welche selbständiges Planen und Organisieren von Abläufen erfordern würden. Auch zu vermeiden seien Tätig
keiten, welche hohe Anforderungen an kulturtechnische Fähigkeiten erfordern würden (
S. 67).
4.5
Mit Stellungnahme vom 2
1.
April 2020 erachtete
Dr.
med. G._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), das Gutachten
als schlüssig und nachvollziehbar. Es sei ein Gesundheitsschaden vor
handen,
welcher
die Arbeitsfähigkeit mittel- und langfristig einschränke. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) so
wie eine leichte kognitive Störung (ICD-10 F06.7). In der angestammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2001 zu 60
%
arbeitsfähig. In einer an
gepassten Tätigkeit sei seit dem Jahr 2001 eine vollständige Arbeitsfähigkeit aus
gewiesen. Die Aufgabenstellungen müssten den intellektuell/neurokognitiven Voraussetzungen angepasst sein. Sinnvoll wäre es, wenn der Beschwerdeführer nach klaren Vorgaben einfache Tätigkeiten mit konkreten Arbeitsmaterialien je
weils sequenziell nacheinander ausüben und die Stärken, welche er in der visuellen Wahrnehmung und bei visuell-konstruktiven Aufgabenstellungen in der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung zeige, beruflich verwerten könne. Zu vermeiden seien komplexere und abstraktere Aufgaben, welche selbständiges Planen und Organisieren von Abläufen erfordern würden. Auch zu vermeiden seien Tätigkeiten, welche hohe Anforderungen an kulturtechnische Fähigkeiten erfordern würden. Durch
eine
leitliniengerechte Behandlung des
ADHS sei innert nützlicher Zeit zudem eine Steigerung der Arbeit
sfähigkeit (an
gestammt) auf 80
bis 100
%
möglich (
Urk.
9/189 S. 3 f.).
4.6
Am
9.
Oktober 2021 nahm
Dr.
A._
Stellung zum Gutachten (
Urk.
3 =
Urk.
9/195). Als Diagnosen erwähnte sie eine dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2), eine Autismus-Spektrum-Störung seit der Kindheit (ICD-10 F98.0) sowie eine Störung der Impulskontrolle (ICD-10 F63.0). Im langjährigen Behandlungsverlauf liege beim Beschwerdeführer vordergründig eine antisoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) vor.
Zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und den herrschenden sozialen Normen bestehe eine er
heb
liche Diskrepanz bis hin zu einem Konflikt mit den gesellschaftlichen Normen und Regeln (S. 1). Der Beschwerdeführer leide schon seit der Kindheit unter Geburtsgebrechen – heilpädagogisch Intelligenzminderung. Er arbeite als un
gelernter Mitarbeiter zwe
i bis maximal drei Stunden tage
weise im Imbissladen seiner Mutter. Hierbei handle es sich um eine höchst angepasste Beschäftigungs
therapie, jedoch um keine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Rein versicherungs
medizinisch theoretisch könnte der Beschwerdeführer eine maximal 50%ige Arbeitsunfähigkeit künftig erreichen, beachte man seine Diagnose
n
, medizinischen Einschränkungen und den langjährigen Krankheits- und Behandlungsverlauf. Es bestünden deutliche Einschränkungen in d
er Gestaltung im Arbeitsprozess. E
ine vielfache Rolle würden psychosoziale Faktoren spielen (S. 3
Ziff.
4). Krankheitsfremde Faktoren würden keine ungünstige Rolle im Behandlungs- und Heilverlauf spielen. Die gesamte Lebenslage sei nicht optimal (S. 3
Ziff.
5). Die logopädischen Frühfö
rderungen und sein auffälliges Verhalten in der Kindheit sprächen für ein komplexes, langjähriges, psyc
hiatrisches Krank
heitsbild und
ein rentenrelevantes Geburtsgebrechen.
Trotz der anamnestischen Auffälligkeiten, dem langjährigen Krankheits- und Behandlungsverlauf sowie der beschriebenen und erhobenen Befunde ordne der Gutachter das Störungsbild nicht störungsspezifisch einer dissozialen Persönlichkeitsstörung zu. Es scheine, dass sich der Gutachter nicht bemüht habe,
das Krankheitsbild in seiner Ganzheit
zu erfassen, sondern einzelne Symptome überschneidend diversen Diagnosen zu
geordnet habe (S. 4 f.
Ziff.
6).
4.7
Mit RAD-Stellungnahme vom
8.
Dezember 2021 hielt
Dr.
G._
fest, dass im März 2020 eine umfangreiche gutachterliche Beurteilung auf psychiatrischem und neuropsychologischem Fachgebiet erfolgt sei. Im
Einwandschreiben
von
Dr.
A._
werde derselbe medizinische Sachverhalt anders beurteilt. Auf das Gutachten
der
F._
vom März 2020 könne abgestellt werden (
Urk.
9/199 S. 3).
5.
5.1
Zunächst ist im Lichte der Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der Renten
zusprechung zu prüfen, ob die damalige
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab dem
1.
August 2001
als zweifellos unrichtig ei
nzustufen ist (vorstehend E. 1.6
).
5.2
Aus medizinischer Sicht lagen bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
lediglich zwei ärztliche Berichte
vor, nämlich jeweils ein Bericht
von med.
pract
.
B._
sowie
ein solcher
von den Ärzten des
C._
(vorstehend E. 3.1).
Die Ärzte nahmen dabei keine
rlei
Einschätzung zur möglichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeitsmarkt vor, wie dies das hiesige Gericht bereits mit Urteil vom 1
6.
August 2019 (Verfahren Nr. IV.2018.00278,
Urk.
9/143)
erkannte
. Die Beschwerdegegnerin ging zwar nach Abschluss der
Anlehre
als Industrielackierer von Anfang an von keiner auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbaren Arbeits
fähigkeit aus und betrachtete den Beschwerdeführer als Frühinvaliden, ent
sprechend nahm sie auch den Einkommensvergleich vor. Dies nach Lage der Akten allerdings einzig gestützt auf einen Bericht des Berufsberaters, wonach der Beschwerdeführer keine Anstellung in der freien Wirtschaft habe finden können und auch in der freien Wirtschaft den gleichen Lohn wie in der Ausbildungsstätte erzielen würde (vgl. Erwägung 5.1 des genannten Urteils
; vgl. Schlussbericht Berufsberatung vom
7.
August 2001 in
Urk.
9/2
; vgl. auch Protokoll in
Urk.
9/26 S. 1
f.
«Eintrag vom
7.
August 2001»
)
.
Diese
r
Beurteilung
lag keine medizinische Einschätzung zugrunde.
I
m Rahmen der in den Jahren 2003, 2006 und 2010 durchgeführten Revisionsverfahren wurde
sodann in medizinischer Hinsicht
je
weils nur
ein Verlaufsb
ericht
des Hausarztes
Dr.
med. H._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin, eingeholt
(
Urk.
9/13;
Urk.
9/17;
Urk.
9/22
). Eine Beurteilung der
zumutbaren
Arbeitsfähigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt
erfolgte
dabei
wiederum nicht
, zumal es sich bei
Dr.
H._
auch nicht um einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
und damit um einen fach
kundigen Arzt für das
beim Beschwerdeführer
vorhandene Leiden
handelt
. Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeits
fähigkeit beruhende
Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die ent
sprechende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn (vgl.
etwa
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_453/2021 vom
6.
Oktober 2021 E. 2.1; 9C_1014/2008
vom 1
4.
April 2009
E. 3.2.2
und 9C_562/2008 vom
3.
November 2008 E. 6.2.1
).
5.3
Nach dem Gesagten
lag im Zeitpunkt der
rentenzusprechenden Verfügung
keine medizinische Einschätzung zur möglichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers auf dem ersten Arbeitsmarkt vor
. Die
Zusprache
einer gan
zen Invaliden
r
ente gemäss Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
9/9)
ist damit als zweifellos
unrichtig einzustufen. Da es eine Dauerleistung betrifft, ist die Berichtigung von erheblic
her Bedeutung (vorstehend E. 1.6
).
Der Umstand, dass die
Renten
zusprache
– ohne materielle Prüfung - wiederholt bestätigt worden ist, steht der Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenverfügung nicht entgegen.
Ein wiedererwägungsweises Rückkommen auf eine zweifellos unrichtige Verfügung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG ist
schliesslich
auch mehr als zehn Jahre nach deren Erlass zulässig (BGE 140 V 514 Regeste a; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_680/2017 vom 7. Mai 2018 E. 4.1 und 8C_394/2017 vom 8. August 2017 E. 2.2).
6.
6.1
Sind im Wiedererwägungsverfahren gemäss
Art.
53
Abs.
2 ATSG die Wieder
erwägungsvoraussetzungen erfüllt, ist auf die entsprechende Entscheidung zurückzukommen, und es ist unter Berücksichtigung der massgebenden Um
stände ein neuer Entscheid zu fällen. Mit anderen Worten ist der Rentenanspruch ex
nunc
et pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung in allen seinen Teilen neu
zu beurteilen (
BGE 144 I 103 E. 4.4.1, 140 V 514 E. 5.2
).
6.2
Hierzu
erfolgte eine
eingehende
Begutachtung
des Beschwerdeführers
durch die Gutachter der
F._
(vorstehend E. 4.4
) mit den notwendigen Untersuchungen in psychiatrischer Hinsicht mit ausf
ührlicher Befundaufnahme (vgl.
Urk.
9/162 S. 45 ff.
Ziff.
4
) und ergänzender neuropsychologischer Testu
ng (vgl.
Urk.
9/162 S. 49 ff.; vgl. auch
Urk.
9/161
). Das in Kenntnis und in
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(vgl.
Urk.
9/162 S. 7 ff.
Ziff.
2, S. 53
f
f. und S. 57 f.)
erstellte Gutachten erweist sich als umfassend, wobei auch d
ie geklagten Beschwerden (vgl.
Urk.
9/162 S. 41 f.
) in angemessener Weise berücksichtigt wurden. Die gesund
heit
lichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers wurden umfassend sowie in nachvollziehbarer und schlüssiger Weise dargelegt.
Sodann wurde schlüssig und nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb weder eine Minderintelligenz noch eine Persönlichkeitsstörung oder eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen, wie dies die behande
lnden Ärzte diagnostizierten
(vgl.
Urk.
9/162 S. 51 f., S. 59
, S. 63 f.
).
Ausserdem haben die Gutachter ihre Arbeitsfähigkeitseinschätzung unter Be
achtung der erhobenen Befunde sowie im Kontext mit den Belastungsfaktoren und Ressourcen
unter Beachtung der Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 1.4)
hinreichend begründet (vgl.
Urk.
9/162 S. 64 ff.
)
und anhand des Belastungs
profils dargelegt, wie sich die Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt
.
Die gutachterliche Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte
Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gut
achter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen ein
schätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beein
trächtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumutbarkeits
beurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechts
anwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmen
bedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen.
Die gutachterliche Schlussfolgerung, wonach
d
er Beschwerdeführer in der an
gestammten Tätigkeit seit dem Jahr 2001
unverändert
zu 60
%
und in einer an
gepassten Tätigkeit in Beachtung des Belastungsprofils seit diesem Zeit
punkt so
gar vollständig arbeitsfähig ist
(vgl.
Urk.
9/162 S. 68 f.
Ziff.
8
), vermag demnach vollumfänglich
zu überzeugen. D
as Gutachten
erfüllt
somit
die An
forderungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.
7)
in jeglicher Hin
sicht
, weshalb – der RAD-Stellungnahme folgend (vorstehend E. 4.
5, E. 4.7
) – darauf abzustellen ist.
6.3
Daran vermögen die Berichte von
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.2) sowie
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.3, E. 4.6) nichts zu ändern.
So wurde gut
achter
lich
in
schlüssig
er
und nachvollziehbar
er Weise
aufgezeigt, weshalb weder
eine
Minderintelligenz noch eine Persönlichkeitsstörung oder eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen (vgl.
Urk.
9/162 S. 51 f., S. 59, S. 63 f.).
Anlässlich der aktuellen neuropsychologischen Testung hat sich – wie bereits bei der Testung in der Kindheit des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
9
/139/29-30
) - ein Gesamt-IQ von 76 gezeigt, was nach dem zur Anwendung gelangenden Klassifikations
system ICD-10 keiner Intelligenzminderung (IQ unter 69; vgl. ICD-10 F70) ent
spricht. Die in den Jahren 2017 und 2019 ermittelten Werte von 62 respektive 64 können demgegenüber nicht übernommen werden,
war die Beschwerde
validierung bei diesen Testungen im Gegensatz zur aktuellen Untersuchung
je
weils
auffällig
(vgl.
Urk.
9/66 S. 8 f.
;
Urk.
9/149/8-14 S. 3 f.
;
Urk.
9/162 S. 51
).
Sodann
haben
klinisch typische Symptome einer Autismus-Spektrum-Störung
– verminderter Augenkontakt, eingeschränkte Mimik und Gestik, monotone Prosodie, Mühe vage Informationen oder Witze zu verstehen -
nicht gefunden werden
können
(vgl.
Urk.
9/162 S. 52, S. 59).
Die impulsive Aggressivität wurde
von den Gutachtern
s
chliesslich
in überzeugender Weise
als Teilsymptom des ADHS gedeutet und nicht im Sinne einer emotional-instabilen Persönlichkeits
störung
. Der Beschwerdeführer könne sein aggressives Verhalten durchaus reflektieren und in
letzter Konsequenz noch steuern. Auch könne er durchaus Gefühle für Mitmenschen entwickeln
(vgl.
Urk.
9/162 S. 63
f.
). Diesbezüglich fällt
zudem
auf, dass
Dr.
A._
in ihrem letzten Bericht vom Oktober 2021 eine dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) als
im langjährigen Behandlungsverlauf
vordergründig beim Beschwerdeführer erachtete (vgl.
Urk.
9/195 S. 1), eine solche
in ihrem früheren Bericht vom Dezember 2019
allerdings
bei den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
noch
gar
nicht aufgeführt hat
(vgl.
Urk.
9/149/1-
4 S. 1
).
Zweifel an der Beweiskraft des Gut
achtens ergeben sich
nicht bereits daraus, dass die behandelnden Ärzte die Arbeitsfähigkeit vorliegend unterschiedlich einschätzten (Urteil des Bundes
gerichts 9C_89/2020 vom 1
8.
Juni 2020 E. 4.6).
Daher und im Hinblick auf die
ausgesprochene
Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag
(BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E. 4)
vermag die abweichende Einschätzung von
Dr.
D._
und
Dr.
A._
keine Zweifel an der schlüssigen und nachvollziehbaren gutachterlichen B
eurteilung aufkommen zu lassen.
6.4
Soweit der Beschwerdeführer bemängelt
e
,
dass
aufgrund des
im
Gutachten
erwähnten
noch
in
stabilen Gesundheitszustandes zwingend eine Verlaufs
begutachtung
hätte
eingeholt werden müssen (vgl.
Urk.
1 S. 9), erweist sich dieses Vorbringen als nicht stichhaltig. So trifft es zwar zu, dass die Gutachter infolge des bisher unbehandelten ADHS einen noch instabilen
psychischen
G
esundheits
zustand festhielten (vgl.
Urk.
9/162 S. 66). Entsprechend konnten sie die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit
in der
angestammten
Tätigkeit
noch
nicht hin
reichend bestimmen, da sich nicht seriös
einschätzen liesse
, wie star
k sich das Zustandsbild nach einer
adäquaten Behandlung des ADHS bessere. Dies
er Um
stand
ändert allerdings nichts daran, dass die aktuelle Arbeitsfähigkeit bereits hinreichend bestimmt werden konnte und in einer angepassten Tätigkeit
bereits
seit dem Jahr 2001
eine vollständige Arbeitsfähigkeit vorlag (vgl.
Urk.
9/162 S.
69
Ziff.
8
).
Gestützt hierauf nahm die Beschwerdegegnerin denn auch den Ein
kommensvergleich vor und ermittelte
bereits
einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad. Dass nach Einleitung
einer adäquaten
Behandlung des ADHS allenfalls in der
angestammten
Tätigkeit noch eine
allfällig
höhere Arbeitsfähig
keit resultieren könnte, ist für die vorliegende Rentenbeurteilung
demnach
un
wesentlich,
ist nach
der gutachterlichen
Beurteilung einzig noch eine weitere Ver
besserung absehbar. I
m Sinne
antizipierter Beweiswürdigung (BGE 122 V 157 E. 1d)
kann
daher
auf eine Verlaufsbegutachtung
verzichtet werden.
6.5
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gestützt auf das beweiskräftige Gutachten der
F._
in der angestammten Tätigkeit seit dem Jahr 2001 zu 60
%
arbeitsfähig ist. In einer angepassten Tätigkeit in
Beachtung des Belastungsprofils
besteht seit diesem Zeitpunkt dagegen bereits eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit.
7.
7.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
7.2
Hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation (
vgl.
Art.
28a IVG; BGE 144 I 28 E. 2.2-2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3.b
) stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Aussage des Beschwerdeführers, wonach
er am Montag jeweils seine Tochter betreue und da
her
an diesem Tag keine
berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden könnten (vgl.
Urk.
9/189 S. 5 unten), und erachtete den Beschwerdeführer
als zu 80
%
Erwerbstätigen und zu 20
%
im Haushalt Tätigen
(vgl.
Urk.
2 S. 3 oben). Diese E
inschätzung ist aufgrund d
er
getätigten Aussage nachvollziehbar und wird vom Beschwerdeführer im Übrigen
beschwerdeweise
auch nicht bestritten, weshalb
dieser
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als zu 80
%
Erwerbstätiger und zu 20
%
im Hausha
lt Tätiger zu qualifizieren ist.
7.3
I
m Rahmen der Ermittlung der Einschränkung im Erwerbsbereich
qualifizierte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
sodann
als Frühinvaliden gemäss
Art.
26
Abs.
1
a
IVV
, was zu Recht unbestritten blieb. Entsprechend bemass sie das hypothetische
Valideneinkommen
gemäss den nach Alter abgestuften Prozent
sätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstruktur
erhebung
(LSE)
des Bundesamtes für Statistik. Im Jahr 2021 lag der aktualisierte Medianwert bei
Fr.
83'500.--
(vgl. IV-Rundschreiben
Nr. 403
vom
1
7.
November 2020
).
Der Beschwerdeführer ist über 30 Jahre alt, womit ein Prozentsatz von 100
%
massgeblich ist.
Das hypothetische
Valideneinkommen
beträgt demnach
Fr.
83'500.--.
7.4
Das
hypothetische
Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerde
gegnerin – i
n Beachtung der Rechtsprechung (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
)
– gestützt auf die
LSE-
Tabellenlöhne
, wobei sie auf den Zentralwert der Löhne für Männer in der untersten Kategorie in sämt
lichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
ab
stellte
, welcher im Jahr 2018
Fr.
5'417.-- betrug (LSE 2018, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1), und diesen der durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2021 sowie der Nominallohn
entwicklung anpasste
(vgl.
Urk.
2 S. 3;
Urk.
9/188)
. Dies
es Vor
gehen
ist angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer zwar stundenweise
im Imbiss seiner Mutter aushilft, diese Tätigkeit allerdings als nicht leidens
an
gepasst angesehen wird und er in einer behinderungsangepassten Tätigkeit als vollständig arbeits
fähig gilt
(vgl.
Urk.
9/162 S. 69
Ziff.
8)
, nicht zu beanstanden.
Gründe für einen allfälligen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75) sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht geltend gemacht. Demnach ist auf das von der Beschwerdegegnerin
zutreffend
ermittelte hypothetische Invaliden
ein
kommen
in der Höhe
von
Fr.
69'475.-- abzustellen.
7.5
Wird das
Valideneinkommen
von
Fr.
83'500.-- dem Invalideneinkommen von
Fr.
69'475.-- gegenübergestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
14'
025.
-
.
Dies kommt einer Einschränkung von 16.79
%
gleich. Bei der vorliegend mass
gebenden Gewichtung des Erwerbsbereichs mit 80
%
ergibt dies somit einen Teilinvaliditätsgrad von gerundet 13
%
(16.79
%
x 0.80).
Da sich selbst bei einer vollständigen Einschränkung im Haushaltsbereich (100
%
x 0.20 = Teilinvaliditätsgrad von 20
%
) kein rentenbegründender Gesamt
invaliditätsgrad ergäbe, ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
vorliegend
auf eine Abklärung der Einschränkung im Haushalt verzichtet hat
(vgl.
Urk.
2 S. 3;
Urk.
9/189 S. 6 unten)
. Der Vollständigkeit halber bleibt dennoch zu erwähnen, dass der
alleinstehende
Beschwerdeführer ohne Weiteres in der Lage ist, jeweils am Montag seine kleine Tochter alleine zu betreuen
(vgl.
Urk.
9/189 S. 5 unten
), womit keine relevante Einschränkung im Haushaltsbereich
anzu
nehmen
ist
.
7.6
I
n Nachachtung des Urteils des hiesigen Gerichts vom
1
6.
August 2019 (Ver
fahren Nr. IV.2018.00278,
Urk.
9/143)
bot die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde
führer
schliesslich
Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung an und wies ihn
dabei
ausdrücklich auf
seine
Mitwirkungspflicht hin
(
vgl.
Urk.
9/171
)
.
Nach
dem d
er Beschwerdeführer
die Bereitschaftserklärung unter
schrieben hatte
(
Urk.
9/173)
,
delegierte
die Beschwerdegegnerin
die beruflichen Eingliederungs
massnahmen an
die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausser
rhoden (
vgl. Schreiben vom 2
3.
Februar 2021,
Urk.
9/175). Die
geplanten Ein
gliederungsmass
nahmen konnten in der Folge
allerdings
nicht durchgeführt wer
den,
da
fest
gestellt wurde, dass der Erhalt der Rente das oberste Ziel
des Beschwerdeführers
sei und nicht die berufliche Eingliederung. So äusserte er sich anlässlich des Erst
gesprächs mit dem Job Coach etwa dahingehend, dass er sich eine Erwerbstätig
keit
nur unter der Bedingung
vorstellen könne, dass er seine Rente zurückerhalte (vgl.
Urk.
9/176;
Urk.
9/179;
Urk.
9/182 S. 6 ff.;
Urk.
9/183 S. 1 f.
;
Urk.
9/185 S. 1 ff.;
Urk.
9/186
). Demnach
hat die Beschwerdegegnerin die Eingliederungs
massnahmen mit
Mitteilung vom
1.
Juni 2021 (
Urk.
9/181
) zu
Recht eingestellt. Dies wurde vom Beschwerdeführer
im Übrigen
auch nicht be
anstandet.
7.7
Nach dem Gesagten hob die Beschwerdegegnerin die Rente des Beschwerde
führers zu Recht
auf.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.