Decision ID: 2d90bf0a-88e3-440b-be7a-2467354a84b5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 19
79
,
war zuletzt seit dem
3.
November 2014 in der
Y._
AG
,
Z._
,
al
s Produktions-Mitarbeiter tätig, wobei der letzte effektive Arbeitstag am 1
3.
Mai 2018 war
(
Urk.
11/17
,
Urk.
11/39
Ziff.
2.1-2
), und meldete sich am 1
8.
Mai 2018 unter Hinweis auf seit Februar 2016 bestehende Ellbogenschmerzen (
Epicondylitis
radialis
) und eine im Oktober 2013 erfolgte Handoperation
bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug
an (Urk.
11
/1
8
Ziff. 6.1-2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die beruflich-erwerbliche und die medizinis
che Situation ab, zog die Akten
der Suva
(
Urk.
11/35
,
Urk.
11/43
,
Urk.
11/48
)
bei und veranlasste bei der
MEDAS A._
ein
interdisziplinäres
Gutachten, welches am
5.
August
2020 (
Urk.
11
/
80)
erstattet wurde.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/87
; Urk.
11/88
,
Urk.
11/92
) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
2.
März 2021 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
April 2021 gegen die Verfügung vom 1
2.
März 2021 (
Urk.
2) Beschwerde und beantragte, es sei
en
ihm eine ganze Rente der Invali
denversicherung sowie berufliche Massnahmen
zuzusprechen
. Für den Fall, dass der Gerichtentscheid erst nach seiner Aussteuerung aus der Arbeitslosenkasse erfolgen sollte, sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Juni 2021 beantragte die IV-Stelle die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer am
1.
Juli 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abstellt
(BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes ü
ber die Invalidenversicherung; IVG
).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass gemäss dem Gutachten der
MEDAS A._
beim Beschwerdeführer zwar diverse Krank
heitsbilder vorlägen, welche sich jedoch nicht auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit auswirkten. Lediglich nach der Operation habe eine kurzfristige Arbeitsunfähig
keit bestanden. Sämtliche Tätigkeiten seien ihm deshalb weiterhin zumutbar
,
und er könne ein rentenaus
s
chliessendes Einkommen erzielen. Die im Einsprachever
fahren eingegangenen medizinischen Berichte brächten aus rheumatologischer Sicht keine neuen, unbekannten medizinischen Tatsachen hervor, die am Ergebnis des Gutachtens zweifeln liessen. Die Ausführungen der Psychologin seien aus versicherungsmedizinischer Sicht eine andere Beurteilung derselben medizinischen
Tatsachen. Berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt
,
und der Beschwerdeführer könne sich ans Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) wenden (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass auf das Gutachten vom
5.
August 2020 nicht abgestellt werden könne, insbesondere nicht auf das rheumatologische Teilgutachten. So habe sein behandelnder Arzt ausgeführt, dass die Rheumatologin nicht mit seinem K
rankheitsbild vertraut
sei
. Sein chronifiziertes Schmerzsyndrom sei nicht gewürdigt worden
(S.
4
Ziff.
1
, S. 6
Ziff.
3
). Auch habe sein behandelnder Arzt ausgeführt, dass im gesamten Behandlungszeitraum keine Inkonsistenzen aufgefallen und sein hoher Leiden
s
druck und sein Verhalten absolut glaubwürdig seien (S. 5 Mitte). Er sei auf Dauer in hohem Masse in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
,
und selbst in einer leichten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 20
%
bis 40
%
(S. 5 unten). Auch seine behandelnde Psychologin sei mit dem teilpsychiatrischen Gutachten nicht einverstanden (S. 5
Ziff.
2).
Es sei auf die Einschätzung durch die behandelnden Ärzte abzustellen und ihm folglich eine ganze Invalidenrente auszurichten (S. 6
Ziff.
3). Sollte es sein Gesundheitszustand erlauben, sei er daran interessiert, an beruflichen Massnahmen, insbesondere an einem Belastbarkeits- und Aufbautraining teilzunehmen (S. 6
Ziff.
4)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
3.
3.
1
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Neurochirurgie,
C._
,
stellte in seinem Bericht vom
3
1.
Januar 2019
(
Urk.
11/43/7-8)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach ventraler Diskektomie C5/6 mit mikrochirurgische
n
Foraminotomien
beidseits sowie Cage Spondylodese am 1
3.
Dezember
2018 wegen
For
a
m
enstenosen
-
Epicondylitis
Dr.
B._
führte aus, dass er den Patienten am 3
0.
Januar 2019 untersucht habe. Er habe berichtet, noch starke Nackenschmerzen
zu
habe
n sowie
Ausstrah
lungen in die Arme
und an den
bekannten Ellbogenschmerzen beidseits
zu leiden
. Manchmal würden auch d
er
linken Zeige- und Mittelfinger einschlafen
,
und er müsse weiterhin starke Schmerzmittel nehmen
(S. 1 Mitte)
.
Dr.
B._
hielt fest, dass d
ie radiologische Untersuchung der
Halswirbelsäule (
HWS
)
vom 3
0.
Januar 2019 eine perfekte Stellung des Implantates C5/6 ohne Lockerung und eine leichte
Osteochondrose
C4/5 gezeigt
habe
.
Es sei im Moment schwer zu erklären
, dass beim Patienten
weiterhin ein starkes
Cervicalsyndrom
auch noch mit einer Brachialgie links
bestehe
.
Auf jeden Fall dürfe
er
sich wieder normal belasten
und sollte jetzt in die Physiotherapie gehen (S. 1 unten).
Die Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
sei bis zum 1
5.
März 2019 verlängert worden (S. 2 oben).
3.
2
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt, Klinik für Rheumatologie,
E._
,
stellte in seinem Bericht vom
6.
November 2019 (
Urk.
11/57/1-3)
in der Hauptsache folgende Diagnosen (
Ziff.
1.2):
-
chronifiziertes, ausgeprägt funktionell einschränkendes
zervikovertebra
les
und
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
-
Status nach
Epicondylitis
radialis
humeri
beidseits (E
rstmanifestation; E
M 2016)
-
mittelgradige depressive Episode
-
Vitamin D-Mangel
Dr.
D._
führte aus, dass der
Beschwerdeführer
im Rahmen seiner letzten Vorstellung am 1
6.
Oktober 2019 unverändert ausgeprägte Schmerzen zervikal mit Ausstrahlung über die Schultergelenke, zum Teil bis zu den Fingern, zur oberen
Brustwirbelsäule (
BWS
)
und über den oberen Anteil der Postapertur verlaufend beschrieben habe, dies unabhängig von Belastung. Die maximale Schlafdauer betrage ohne Unterbrechung zwei Stunden. Klinisch zeige sich eine fixiert gehaltene HWS mit massiv eingeschränkter Beweglichkeit sowie ein ausgeprä
gter Druckschmerz im Schulter-/
Nackenbereich (
Ziff.
1.3). Bei der bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiter in einer Bäckerei sei die Leistungsfähigkeit aufgehoben, ebenso in einer angepassten Tätigkeit (
Ziff.
2.1). Der Patient sei familiär durch die Mitbetreuung von zwei Kindern im Alter von drei und fünf Jahren
belastet
während den Zeiten, in denen die Ehefrau berufstätig sei. Ansonsten
hätten
im Rahmen der umfassenden psychologischen Evaluation keine weiteren Belastungsfaktoren eruiert werden
können
. Der Patient befinde sich in einem harmonischen Umfeld (
Ziff.
4.4).
3.
3
Am
5.
August 2020 erstatteten
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere M
edizin,
und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie,
MEDAS A._
,
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste interdis
ziplinäre Gutachten (
Urk.
11/80).
In ihrer Gesamtbeurteilung konnten die Gutachter keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Produk
tionsmitarbeiter in einer Bäckerei
)
stellen (S. 8
Ziff.
4.2). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein leichtes sensibles
Sulcus
-
Ulnaris
-Syndrom links, ohne motorische Mitbeteiligung, ein unspezifisches
Zervikalsyndrom
,
zervikospondylogener
Schmerz
,
und eine
nichtauthentische Symptompräsentation im Sinne eines
aggravatorischen
Verhalte
n
s und negativer Antwortverzerrung
, eine Polypharmazie, Hinweise für eine
Medikamentenincom
pliance
, eine wahrscheinlich pharmatoxisch bedingte leichte Leberwerterhöhung, Hinweise für eine medikamentös behandelte chronische Refluxkrankheit, eine mäss
ige Adipositas
und eine Dyslipidämie
.
Hinweise für eine entzündliche rheumatische Systemerkrankung oder das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung wurden verneint
(S. 8 f.
Ziff.
4.2).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, dass die Angaben des Beschwerdeführers nicht hinreichend konsistent und nicht plausibel seien. Es könne nur die medizinisch theoretische Arbeitsfähigkeit bewertet werden. Selbst wenn angesichts des Status nach HWS-Operation im Dezember 2018 geringe Restbeschwerden bestehen sollten, so sei die ursprünglich angestammte Tätigkeit (Produktionsmitarbeiter Bäckerei) als körperlich eher leicht zu bewerten. Es seien Gewicht
e
von gelegentlich 5 kg bis
allenfalls
8 kg zu bewegen und ansonste
n
nur leichte manuelle Verrichtungen gefordert gewesen. Es ergäben sich somit keine objektivierbaren Pathologien, welche eine Wieder
aufnahme der Arbeitstätigkeit verhindern sollten. Entsprechend gelte die Arbeits
fähigkeit retrospektiv spätestens etwa drei Monate nach der Operation (Dezember 2018) als wieder gegeben, für zumindest eine leidensadaptierte Tätigkeit, sehr wahrscheinlich sogar für die angestammte Tätigkeit (S. 11
Ziff.
4.7). Mindestens in einer leidensadaptierten Tätigkeit gelte eine ganztägige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungsminderung. Dies gelte gleichermassen auch dur
ch
gängig retrospektiv, mit Ausnahme der peri-/postoperativen Zeiten für maximal drei Monate nach der Operation im
Dezember 2018 (S. 11
Ziff.
4.8).
Die Gutachter führten zusammen
fassend aus, dass erhebliche Inkonsistenzen bestünden. Es sei in der Gesamtschau mindestens von einer erheblichen Aggravation (im Verhalten als auch mit nega
tiver An
t
wortverzerrung) auszugehen
.
Die
Angaben
des Beschwerdeführers
über eine so gänzlich alle Arbeitstätigkeiten verhindernde Beschwerdesymptomatik könnten nicht objektiviert werden. Es dürfe aber auf erhebliche extern
e
Anreize, so auch einen fortgesetzten Taggeldbezug
,
hingewiesen werden. Er versorge die Kinder und den Haushalt und fahre Auto, währen
d
die Frau nun Nachtschichten arbeite
(S. 10
f.
Ziff.
4.6)
.
3.
4
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates,
Regionaler Ärztlicher Dienst
(
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom 1
1.
August 2020 (
Urk.
11/84/7-8)
aus, dass das umfangreiche Gutachten
beweiswertig und darauf
abzustellen sei
. Spätestens drei Monate nach der HWS-Operation am 1
3.
Dezember 2018, das heisse also ab 1
4.
März 2019
,
bestehe eine ganztägige Arbeitsfähigkeit von 100
%
für eine leidensangepasste Tätigkeit, wahrscheinlich aber auch für die bisherige Tätigkeit.
3.
5
Dr.
D._
stellte
in seinem
Bericht
vom 2
7.
November 2020 (
Urk.
11/91/
1-2)
in der Hauptsache
folgende Diagnosen (S. 2 Mitte):
-
chronifiziertes, ausgeprägt funktionell einschränkendes
zervikovertebra
les
und
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
-
unter bisherigem Krankheitsverlauf als sekundär anzusehende
mittel
gradige depressive Episode mit Beginn einer SNRI-Therapie mit Cymbalta im Mai 2019 und T
rittico im Juni 2019
Dr.
D._
hielt fest
,
dass
sich
der Beschwerdeführer
bei ihm
seit dem
3.
Dezember 2018 in vier- bis sechswöchigen A
bständen in ambulanter Behand
lung befinde. Infolge
Schmerzchronifizierung
,
verbunden mit ausgeprägter Funktionseinschränkung unter der erfolgten operativen und konservativen Therapie, sei der Patient
frühzeitig an die in
seiner
Abteilung tätige Psychologin
K._
überwiesen worden
.
Ihm sei
der Patient mit seiner P
roblematik bestens vertraut,
und alle postoperativen therapeutischen Massnahmen und erweiterten Abklärungen
seien
von ihm i
nitiiert und koordiniert worden. Ebenso seien
sämtliche Analgetika und Opiate seit nahezu zwei Jah
ren durch ihn rezep
t
iert worden
.
Im gesamten Zeitraum seien weder durch ihn noch durch die mitinvolvierten Fachdisziplinen Inkonsistenzen hinsichtlich der Beschwerden oder Funktionseinschränkungen des Patienten aufgefallen. Der Beschwerdeführer habe anhaltend die gleichen Beschwerden und Symptome präsentiert und sei in seinem Verhalten absolut glaubwürdig (S. 1 Mitte).
Der Patient leide
sicher
seit zwei Jahren unter
einer chronifizierten Schmerz
störung
mit dem Vollbild einer
Schmerzsensitivierung
(S. 1 unten). Alle Lebens
bereiche des Beschwerdeführers seien davon betroffen mit massiven Konsequen
zen auch für die Ehefrau und die eigenen Kinder.
Dr.
D._
führte aus, er halte es für zynisch, dass der neurologische Gutachter dem Beschwerdeführer noch einen sekundären Kran
kheitsgewinn unterstellen wolle (S. 2 oben).
Er erfahre auch durch
leichte körperliche Tätigkeiten sowie psychische Stressoren nachvollziehbar eine relevante Schmerzverstärkung
und sei
hinsichtlich seiner beruflichen Leistungsfähigkeit/Arbeitsfähigkeit in hohem Masse und vermutlich auf Dauer eingeschränkt.
Dr.
D._
führte aus, dass er
den Beschwerdefüh
rer in einer leichten Tätigkeit
für
maximal 20
%
bis 40
%
arbeitsfähig
halte
. Zu vermeiden seien insbesondere eine Haltungskonstanz, Hebe- und Tragebelastun
gen, Überkopfarbeiten und Zeitdruck. Ein Arbeitsversuch in diesem Pensum müsse überwacht und evaluiert werden, dies umso mehr, als der Patient unter mehrfacher Medikation von Analgetika und Psychopharmaka stehe (S. 2 unten).
3.
6
Dipl. Psych.
K._
, Klinische Psychologin,
Abteilung für Rheumato
logie,
E._
, stellte in ihrem Bericht vom
4.
Dezember
2020 (
Urk.
11/91/3-9) folgende Diagnosen (S. 5 unten):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.
4
) bei
-
familiärer Belastungssituation
-
dysfunktionaler Emotionsverarbeitung und emotionalen Konflikten
-
mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
-
psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F11.2), iatrogen
D
ipl. Psych.
K._
führte aus, das
s
der
Beschwerdeführer seit März 2019 in stützender psychotherapeutischer Behandlung stehe
(S. 2 Mitte)
.
Er
nehme die wöchentlichen Psychotherapie-Termine bis heute absolut zuverlässig wa
h
r (S. 4 unten).
Im Rahmen der ambulanten und psychologischen Behandlung sei kein Grund dafür ersichtlich, die medikamentöse Compliance des Beschwerdeführers anzuzweifeln (S. 6 Mitte). Sein Leistungsvermögen
sei
stark eingeschränkt
,
und er sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in einer Gross
bäckerei nicht mehr einsetzbar. Aus psychologischer Sicht wäre momentan eine 20%ige angepasste Tätigkeit, verteilt auf Nachmittage in körperlich leichter, wechselbelastender Tätigkeit und der Möglichkeit zu kurzen Pausen möglich (S.
6 unten f.).
Anlass für die Zuweisung seien eine
Schmerzsensitivierung
im Bereich von Nacken, Schultergürtel und Arm links mit Ausweitungstendenz und stark reduzierter Bewegungs- und Belastungstoleranz,
eine anhaltende
Arbeitsunfähig
keit und die diesbezügliche Sorge des Patienten, d
er schmerz
bedingte Schlafman
gel und seine
Hilflosigkeit im Umgang mit Schmerzen
gewesen
. Auf der psycho
sozialen Seite sei eine Selbstüberforderungstendenz de
s
Beschwerdeführers bei der Betreuung seiner Kinde
r beobachtet worden
.
Die initialen Psychotherapieziele hätten in der Erarbeitung eines biopsychosozialen Schmerzmodells und in der Anwendung von aktiven Selbsthilfe- und Selbstfürsorgestrategien bestanden. So habe der Beschwerdeführer Ablenkung von leichten bis mässigen Schmerzen gefunden zunächst durch den Gang in den geliebten Garten und die Verrichtung leichter Gartenarbeiten sowie durch Besuche von ehemaligen Kollegen. Bei starken Schmerzen habe er mehrheitlich auf naturnahe En
t
spannungsimagina
tionen angesprochen (S. 2 Mitte).
Leider hätten sich im weiteren Verlauf eine Schmerzgeneralisierung und -ausweitung nicht aufhalten lassen
. Als Auslöser komme die Kündigung vom Juni 2019 durch den Arbeitgeber in Betracht.
Auch die enttäuschte Hoffnung auf ein schmerzfreieres Leben durch medizinische ambulante und stationäre Behandlungen hätten ihren Teil zur Progression beige
tragen
(S. 2 unten)
.
Die Schmerzqualität
habe
einen quälende
re
n, elektrisierenden oder
messerstich
artigen Charakter bekommen, und liege morgens bei VAS 8-10 und reduziere sich gegen Mittag auf V
A
S 6 (S. 3 oben).
Die durch die Erkrankung des Beschwerdeführers zunehmend belastete Ehefrau habe im Frühjahr 2020 selber eine dreimonatige Phase mit Erschöpfung und mehrfach geäusserten Suizidgedanken
durchlebt
, welche mittlerweile remittiert sei.
Zur beiderseitigen Entlastung würden die Kinder vermehrt in Tagesstätten untergebracht und eine aufsuchende Elternhilfe organisiert.
Schliesslich habe die Ehefrau
des Beschwerdeführers
den mutigen Schritt getan, die vom Beschwerde
führer vermittelte Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Um sie zu entlasten
,
habe
er sie zum Arbeitsplatz
transportiert
, was er aufgrund der schmerz- und medikations
bedingten Einschränkungen unter Angst getan habe (S. 3 Mitte).
Seitdem der Ehefrau Corona-bedingt im Herbst 2020 gekündigt worden und sie zuhause sei, fühle sich der Beschwerdeführer durch ihr inzwischen verstärktes Familien
management und durch ihr empathischeres Schmerzverständnis entlastet. Darin könnte ein aufrechterhaltender Faktor der chronischen Schmerzstörung zu sehen sein. Seit der He
i
rat werde er im
F
amiliären so stark beansprucht, dass er sich zuhause kaum Ruhe verschaffen könne und in de
r Anwendung von Entspan
nungsimag
inationen gestört werde (S. 3 unten). Die als Hausfrau tätige Ehefrau habe Probleme mit der kulturellen Integration und der Sprache gehabt. Dies habe zu einer Selbstüberforderung des Beschwerdeführers geführt bei seinem Versuch, die innerfamiliären Belastungen aus eigener Kraft zu kompensieren (S.
4 oben).
3.7
Dr.
J._
und
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, RAD, führten in ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Februar
und vom 1
1.
März 2021
(
Urk.
11/96/2-
3
) aus, das
s
aus versicherungsmedizinisch-somatischer Sicht von rheumatologischer Seite keine neuen oder bislang unbekannten, organisch-strukturellen, medizinischen Tatsachen vorgebracht würden, welche am Ergebnis der Begutachtung zweifeln liessen und eine erneute Begutachtung erfordern würden. Die psychologischen Ausführungen seien aus versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht als eine andere Beurteilung derselben medizinischen Tatsachen zu beurteilen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
ging gestützt auf das
Gutachten der
MEDAS A._
vom
5.
August 2020
(vorstehend E. 3.
3
) davon aus, dass beim Beschwerdeführe
r
kein aus in
validenversicherungsrechtlicher
Sicht relevanter Gesundheitsschaden ausg
ewiesen sei (vorstehend E. 2.1), dies nach Vorlage des Gutachtens an die RAD-Ärzte
Dr.
J._
und
Dr.
L._
(vorstehend E. 3.4 und E. 3.7).
4.2
Das
MEDAS A._
-
Gutachten vom
5.
August 2020
(vorstehend E. 3.3)
erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorstehend E. 1.
5
)
ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchun
gen, berücksichtigt
auch die geklagten Beschwerden
sowie das Verhalten des Be
schwerdeführers und wurde
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben.
Darüber
hinaus leuchtet es auch in der
Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Sc
hlussfolgerungen. Dies betrifft auch
die Feststel
lungen betreffend da
s
aggravatorische
Verhalten
des Beschwerdeführers.
Die Gutachter kamen zum Schluss,
dass retrospektiv spätestens drei Monate nach der im Dezember 2018 erfolgten Operation die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers wieder
gegeben gewesen sei, für zumindest eine leidensadaptierte Tätigkeit und sehr wahrscheinlich sogar für die angestammte Tätigkeit
(vorstehend E. 3.3)
.
4.
3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädi
gung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erheb
liche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen). Wann ein verdeut
lichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des Bundesgerichts
8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1
mit Hinweisen).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die klassifikato
rischen Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der
Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2, Urteil des Bundesgerichts
8C_165/2021 vom 2. Juli
2021 E.
4.2.1
mit Hinweisen).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 6.1 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
4.
4
Insbesondere
Dr.
F._
legte in seinem neurologischen Teilgutachten detailliert dar, aufgrund welcher Faktoren er auf eine Beschwerdeaggravation des Beschwerdeführers schloss. Namentlich geht aus dem Gutachte
n
hervor, dass der Beschwerdeführer ausführte, dass
bereits das Hochheben einer Kaffeetasse seine
24 Stunden vorhandenen
Schmerzen verstärke, er seinen Köper nicht im Griff habe und sic
h aufgrund der Schmerzen nicht k
onzentrieren könne. Se
l
bst im Sitzen brauche er ein Nackenkissen.
Er könne
eventuell
eine halbe Stunde
s
itzen, wenn er zum Beispiel mit der eigenen Hand den Nacken stütze (
Urk.
11/80/36-56 S. 8 oben
). Gleichzeitig
führte
er jedoch
aus,
um 4:30 Uhr auf
zu
steh
en
um seine Frau, die Nachtschicht arbeite, in der Bäckerei, welche 7 km entfernt sei, mit dem Auto abzuholen
; um 05:00 Uhr gingen sie ins Bett und seine Frau stehe um 7:30 auf, um die Kinder parat zu machen
(
Urk.
11/80/36-56 S. 9 oben
).
Dr.
F._
qualifizierte die
angegebene Schmerzstärke und die Bewegungs
einschränkungen
als erheblich diskrepant
und mit der Fahreignung nicht vereinbar
(
Urk.
11/80/36-56 S. 15 oben
).
Auch wies
Dr.
F._
darauf hin,
dass d
er
vom Beschwerdeführer angegebene
Schmerzausprägung mit VAS 8/10 ein freundliches, vielfach lächelndes Ausdruckverhalten entgegengestanden habe. Affektive und auch vegetative Schmerzkorrelate für eine solch hochska
lierte Schmerzsymptomatik seien nicht erkennbar und die starr gehaltene HWS-Position aus objektiv neurologischer Sicht nicht erklärbar gewesen. Die vor
Dr.
F._
vorgenommene Einnahme von Lyrica und
Novalgin
bezeichnete dieser als demonstrativ wirkend (
Urk.
11/80/36-56 S. 10
Ziff.
4.1
).
Darauf hinzu
weisen ist, dass die durchgeführte Medikamentenspiegelkontrolle nur sehr geringe oder sogar fehlende Wirkstoffspiegel der angegebenen Analgetika und psychopharmakologischen Med
ikamente ergab und
trotz der ausdrücklichen Bestätigung einer täglichen Medikamenteneinnahme (
Urk.
11/80/36-56 S. 10
Ziff.
4.1)
daher nicht
von einer regelmässigen
Medikamenteneinnahme
in der angegebenen Höhe ausgegangen werden konnte (
Urk.
11/80/36-56 S. 12 Mitte,
Urk.
11/80/
16 und
Urk.
11/80/
17-
18
).
Weiter konnte
Dr.
F._
im Rahmen seiner Untersuchung bei vom Beschwerdeführer demonstrierter massiv fixierter Haltung der HWS keinen Muskelhartspann objektivieren.
Dr.
F._
beschrieb sowohl die
Trapeziusmuskulatur
als auch die paravertebrale zervikale Muskulatur als weich und verschieblich sowohl im Stehen und umso mehr im Liegen. Er verneinte klar das Vorliegen eines pathologischen Muskelhartspannes oder gar von Myogelosen. Er konnte auch keine
Druckdolenz
in der operierten HWS-Etage feststellen (
Urk.
11/80/36-56 S. 11 Mitte, S. 15 Mitte).
Daraus s
chloss
Dr.
F._
, dass es sich bei der Limitierung der HWS-Beweglichkeit um eine Selbstlimitierung handle (
Urk.
11/80/36-56 S. 16
Ziff.
7.1 unten)
.
Dass
Dr.
F._
in der Gesamtschau die vom Beschwerdeführer auch gegenüber der rheumatologischen Teilgutachterin
Dr.
G._
angegebenen Schmerzstärke VAS 8/10 (
Urk.
11/80/57-69 S. 5
Ziff.
3.2 Mitte) als unglaubwürdig taxierte (
Urk.
11/80/36-56 S. 15 Mitte), erweist sich als nachvollziehbar.
Wie
Dr.
F._
zu Recht bemerkte, sprich
t
auch für eine Aggravation der Beschwerden, dass sämtliche angewandte Behandlungsmethoden bereits bei der
Epicondylitis
-Symptomatik laut den Angaben des Beschwerdeführers keine Besserung erbrachten (
Urk.
11/80/36-56 S. 16
Ziff.
7.1, S. 17 oben).
Diskrepanzen zwischen dem
Beschwerdevortrag und dem Tagesablauf sowie zwischen Beschwerdevortrag und den im Blutspiegel angegebenen Medikamenten bestä
tigte auch der psychiatrische Teilgutachter
Dr.
I._
(
Urk.
11/80/93-104 S. 11
Ziff.
7.3).
Anzumerken ist, dass bereits
Dr.
B._
in seinem Bericht vom 3
1.
Januar 2019 (vorstehend E. 3.1) die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden nach Untersuchung vom 3
0.
Januar 2019 und bildgebender Kontrolle nicht nachvoll
ziehen konnte und ausführte, dass sich der Beschwerdeführer wieder normal belasten sollte.
4.5
An der Schlüssigkeit des
MEDAS A._
-
Gutachtens
vermögen
, wie die RAD-Ärzte
Dr.
J._
und
Dr.
L._
in ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Februar und 1
1.
März 2021 (vorstehend E. 3.7) festhielten,
auch die Ausführungen de
s
behandelnden
Arzte
s
Dr.
D._
vom 2
7.
November 2020 (
vorstehend
E. 3.
5
)
und der Psychologin
K._
vom
4.
Dezember 2020 (vorstehend E. 3.
6
)
nichts zu ändern.
Hinsichtlich
ihrer
Ausführungen gilt es zu berücksichtigen, dass
ihre
auf
trags
rechtliche
Vertrauensstellung
zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss, weshalb hier eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung
ihre
r Berichte angebracht ist (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Abgesehen davon gründete die von
Dr.
D._
und der Psychologin
K._
erfolgte Einschätzung der lediglich noch vorhandenen geringen
respektive aufgehobenen
Leistungsfähig
keit des Beschwerdeführers
im Wesentlichen darin, dass sie auf
seine
subjektiven Schmerzangaben abstellten
(vgl. vorstehend E. 3.2)
,
währendem
die Gutachter der
MEDAS A._
diesbezüglich
von einer Beschwerdeaggravation ausgingen.
Explizit führte
Dr.
F._
zu den Berichten
des
E._
und dem
Reha
bericht
M._
(vgl.
Urk.
11/57/4-10)
aus, dass die Inkonsistenzen nicht hinreichend abgeklärt worden seien, obgleich in der Bildgebung keine Ursachen mehr für das geltend gemachte Störungsbild erkennbar gewesen seien
und krank
heitsfremde Aspekte wie externale Anreize nicht in die Bewertung miteinbezogen worden seien
(
Urk.
11/80/36-56 S. 18 unten
, S. 19
Ziff.
7.2).
Diese Einschätzung
teilte
auch die rheumatologische Teilgutachterin
Dr.
G._
(
Urk.
11/80/57-69
S. 11
Ziff.
7.5).
In ihrer zum Gutachten der
MEDAS A._
geübten Kritik blendeten sowohl
Dr.
D._
als auch die Psychologin
K._
die in der durchgeführten Medikamente
nspiegelkontrolle
offensichtlich
unzureichende bis gar nicht erfolgte Medikamenteneinnahme sowohl hinsichtlich der Analgetika als auch hinsichtlich der Psychopharmaka
und
die weiteren von den Gutachtern
der
MEDAS A._
festgestellten
Inkonsistenzen vollständig aus.
Namentlich scheitert die von der
Psychologin
K._
diagnostizierte psychische und Verhaltens
störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F11.2) bereits daran,
dass der
Medikamentenspiegel von Oxycodon sowohl anlässlich der Laborunter
suchung vom 2
5.
Mai 2020 als auch vom 1
8.
Juni 2020 nur in Spuren nachweis
bar war (vgl.
Urk.
11/80/93-104 S. 9 f.).
Eine konkrete Stellungnahme hierzu unterblieb
,
und die behandelnden Fachpersonen führten dagegen lediglich aus,
dass der Beschwerdeführer und
seine
invalidisierenden Schmerzen
glaubwürdig seien
.
Den Ausführungen von Dipl. Psych.
K._
in ihrem Bericht vom
4.
Dezem
ber 2020, wonach der Beschwerdeführer bis heute die einmal wöchentlichen Psychotherapietermine regelmässig wahrnehme, stehen dessen Äusserungen anlässlich der
psychiatrischen
Begutachtung
durch
Dr.
I._
entgegen
,
wo
der Beschwerdeführer am Explorationsdatum vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
11/80/93-104 S. 1)
angegeben hat
, dass die letzte Behandlung
bei Dipl. Psych.
K._
am 1
8.
Februar 2020 stattgefunden habe
und der nächste Termin übermorgen sei (
Urk.
11/80/93-104
S. 8 oben
). Demnach
kann von eine
r
regelmässigen psycho
therapeutische
n
Behandlung
nicht die Rede sein. Sofern sich diese Regelmässig
keit der psychotherapeutischen Behandlung erst in Anbetracht
des sich abzeich
nenden negativen
Rentenbescheides (
Urk.
11/
87
) eins
tellte, ist dies ebenfalls als i
nkonsistent zu werten
(
vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_885/2015 vom 1
3.
Januar 2016 E. 2, BGE 141 V 281 E. 4.4.2
).
Indem die Gutachter der
MEDAS A._
die sehr hohe Schmerzangabe des Beschwerdeführers mit VAS 8/10 als unglaubwürdig und sein Verhalten mit der fixierten HWS im Rahmen einer Selbstlimitierung sahen, erklärt sich auch, weshalb
sie in ihrem
Gutachter weder die Diagnosen von
Dr.
D._
noch jene
der Psychologin
K._
stützen konnten. Zur nicht fachärztlich erfolg
ten Diagnostik der Psychologin
K._
bleibt unabhängig vom v
orliegenden Ausschlussgrund einer Aggravation anzumerken, dass
sich die von
ihr
genannten Gründe für den Beginn und die Aufrechterhaltung der anhaltenden somatofor
men Schmerzstörung (ICD-10
F45.4
), namentlich die im Juni 201
9
erfolgte Kündigung der Arbeitsstelle und eine familiäre Belastungssituation, mit Blick auf die übrigen Angaben des Beschwerdeführers in den Akten als
zu wenig ausge
prägt erweisen. So
wird doch für diese Diagnose gefordert, dass die emotionalen Konflikte oder psychosozialen Probleme schwerwiegend genug sind, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu gelten (vgl. klinisch-diagnostische Leit
linien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesund
heitsorganisation, ICD-10 Kapital V [F],
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg., 10. überarbeitete Auflage, Bern 2015 S. 233)
.
Was seine Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in einer Bäckerei anbelangt, ersuchte der Beschwerdeführer bereits knapp zwei Monate nach geltend gemachter Arbeitsunfähigkeit im Mai 2018 (
Urk.
11/20) und damit weit vor der Kündigung
per Ende Juni 2019 (
Urk.
11/48/15)
um eine finanzielle Unterstützung bei der Weiterbildung zum Busfahrer (
Urk.
11/22
Ziff.
7-8),
und
der Betriebsleiter der Arbeitgeberin
teilte ihm nach erfolgter Kündigung
auch mit, dass er sich wieder mel
den könne, sobald es ihm besser
gehe (
Urk.
11/48/4-6 S. 2 oben).
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer als anstrengend empfundenen Kinder
betreu
ung geht aus dem Gutachten der
MEDAS A._
hervor, dass
ein grosser Teil der Kinderbetreuung durch seine in der Nacht arbeitende Ehefrau vorgenommen
wird
, von welcher er auch Unterstützung erfährt
, sowie durch Kindergarten und Kindertagesstätte
(
Urk.
11/
36-56
S. 9 Mitte
)
.
Dr.
D._
beschrieb in seinem Bericht
vom
6.
November 2019 (vorstehend E. 3.
2
)
im Übrigen
ein harmonische
s Umfeld des Beschwerdeführers.
Eine psychosoziale Überlastungssituation
,
welche geeignet wäre, eine tiefgreifende psychische Störung zu begründen, lässt sich
damit
nicht nachvollziehen.
4.6
Aufgrund des Gesagten
ist gestützt auf da
s beweiskräftige Gutachten de
r
MEDAS A._
vom
5.
August
2020
davon auszugehen, dass
ein Aggravationsverhalten
vorlieg
end das Beschwerdebild dominiert
und
kein rechtserheblicher invalidisie
render Gesundheitsschaden vorliegt.
Der Beschwerdeführer ist damit
in seiner angestammten und in jeder anderen
adaptierten Hilfsarbeitertätigkeit uneinge
schränkt arbeitsfähig, mit einem dreimonatigen Unterbruch nach de
r im Dezem
ber 2018 erfolgten Op
era
t
ion
. Damit resultiert kein rentenanspruchsbegründender Invaliditätsgrad.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- fes
tzulegen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
5.2
Zu prüfen ist nachfolgend der Anspruch de
s
Beschwerdeführer
s
auf unentgelt
liche Prozessführung.
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzun
gen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung erfüllt, wenn der Prozess
unter anderem
nicht aussichtslos
und
die Partei bedürftig ist (Art. 29 Abs. 3
der Bundesverfassung,
BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 1
1.
Januar 2021 E. 1).
5.3
Bedürftig ist eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28 lit. a
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
,
in Verbin
dung mit Art. 119
der Zivilprozessordnung;
ZPO) eingereicht wird (BGE 120 Ia 179 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 9C_423/2017 vom 10. Juli 2017 E. 2.1), oder – bei seither eingetretenen Veränderungen – auch in demjenigen der Entscheid
findung (BGE 108 V 265 E. 4). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 115 Ia 193 E. 3a, 108
Ia
9 E. 3).
5.4
Aus dem v
om
Beschwerdeführer
ausgefüllten „Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit“ (Urk.
7
),
sowie de
n
eingereichten Unterlagen (
Urk.
8/1-7
)
e
rgibt sich folgendes Bild seiner
wirtschaftlichen
Lage
:
Der Beschwerdeführer wie auch seine Ehefrau verfügen
mit dem
Bezug von Arbeitslosentaggelder über monatliche Einkünfte von insgesamt
Fr.
6'506.-- (
Urk.
7 S. 3).
5.5
Die Auslagen belaufen sich auf Fr. 1‘700.-- für den Grundbetrag
für
ein Ehepaar zuzüglich jeweils
Fr.
400.-- für die beiden Kinder im Alter unter zehn Jahren
und
Fr.
1'12
6
.--
für die Miete
. Nach Abzug der Prämienverbilligung (
Urk.
8/1/3) zu berücksichtigen sind
Krankengrundversicherungsprämien von insgesamt rund Fr. 750.- (Urk. 8/5),
ungedeckte Gesundheitskosten im Umfang von insgesamt
Fr.
284.--
, nicht belegte spezielle Schulkosten im Umfang von
Fr.
332.-- und Auslagen für die Kinderbetreuung im Umfang von
Fr.
100.--
(vgl.
Urk.
7 S. 4).
Nicht zu berücksichtigen sind die
vom
Beschwerdeführer nicht weiter belegten
Schuldzinsen für Kredite/Darlehen im Umfang von
Fr.
16.-- pro Monat sowie monatlich zu bezahlende
Steuerschulden, zumal aus
den
eingereichten Unter
lagen nicht hervorgeht, ob diese auch effektiv abbezahlt werden.
Zusammen
fassend ergeben sich damit Auslagen von Fr.
5’092
.-- pro Monat.
5.6
Es stehen somit Einkünfte von
Fr.
6'506.--
Ausgaben von Fr.
5'092
.-- gegenüber. Wird davon der gerichtsübliche Freibetrag für
ein Ehepaar und zwei Kinder von insgesamt
Fr. 800.--
abgezogen, verbleibt weiter
hin ein Einnahmenüberschuss von
Fr.
614
.-- pro Monat
. D
er Beschwerdeführer
ist damit in der Lage, die anfallenden Gerichtskosten - allenfalls in Ratenzahlungen - innerhalb eines Jahres selbst zu begleichen. Die finanzielle Bedürftigkeit ist folglich nicht ausge
wiesen.
Dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich hätte Sozialhilfe beziehen müssen, wurde nicht
belegt
(vgl.
Urk.
1 S. 6
Ziff.
IV).
Es erübrigt sich deshalb, das Vorliegen der übrigen Voraussetzungen zur Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtspflege zu prüfen. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung vom
21
.
April
20
21
(Urk.
1 S. 2) ist damit
abzuweisen.