Decision ID: 2bd65dd6-90e7-5914-9e4e-40257c69fe90
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 12. Oktober 2016. Am 16. Oktober 2016 reiste er in die Schweiz
ein und suchte am folgenden Tag um Asyl nach. Am 25. Oktober 2016 fand
die Befragung zur Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwer-
deführer am 29. Oktober 2018 einlässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, er sei tamilischer
Ethnie und stamme aus B._, Distrikt Jaffna, Nordprovinz. Dort
wohnten seine Eltern und (...) Geschwister. Ein Bruder lebe in der Schweiz
(C._, N [...]). Seiner Familie gehe es finanziell gut. Die Schule habe
er (...) Jahre lang besucht. Einen Abschluss habe er nicht erworben. Bis
im Jahr (...) habe er mit seiner Familie einen (...) betrieben. Danach sei er
als (...) und (...) tätig gewesen.
Zu seinen Asylgründen führte er aus, am (...) 2007 sei er im (...) der Fami-
lie von unbekannten Personen, vermutlich Armeeangehörige, angeschos-
sen und im (...) getroffen worden. Er sei schwer verletzt und (...) Mal im
Spital in D._ operiert worden. Nach (...) Wochen sei er aus dem
Spital entlassen worden und habe ein normales Leben führen können. Der
Schuss habe seinem Bruder C._, welcher habe fliehen können, ge-
golten. Dieser habe früher mit (...), weshalb die Behörden davon ausge-
gangen seien, er habe Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Ee-
alam (LTTE).
Im Jahr 2012, 2013 oder 2014 sei er erstmals vom Criminal Investigation
Department (CID) zu Hause aufgesucht und befragt worden. Sie hätten
wissen wollen, wie er verletzt worden sei und ob er Verbindungen zu den
LTTE gehabt habe. Zudem hätten sie ihm Fragen zu seinem Bruder
C._ gestellt. Er vermute, dass er von Leuten aus dem Dorf denun-
ziert worden sei. Weder er selbst noch sein Bruder hätten etwas mit den
LTTE zu tun gehabt. In der Folge habe er sich versteckt gehalten und mehr-
mals den Wohnort gewechselt.
Als er am (...) 2013 respektive (...) 2015 nach einer Untersuchung im Spital
auf dem Weg nach Hause gewesen sei, sei er von zwei unbekannten Per-
sonen mitgenommen worden. Er sei in einem dunklen Zimmer eingesperrt
und mehrmals an der Stelle, wo er operiert worden sei, geschlagen wor-
den. Aufgrund der Verletzungen sei ihm vorgeworfen worden, Mitglied der
LTTE gewesen zu sein. Zudem hätten sie seinen Bruder verhaften wollen,
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welcher sich zu jenem Zeitpunkt aber bereits in der Schweiz aufgehalten
habe. Nach (...) oder (...) Tagen sei er freigelassen worden. Er sei zirka
sieben Mal zu Hause aufgesucht worden; das letzte Mal (...) oder (...) Mo-
nate vor der Ausreise. Im Oktober 2016 habe er Sri Lanka schliesslich mit
seinem eigenen Pass verlassen. Nach seiner Ausreise sei er einmal bei
seiner Mutter gesucht worden.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte, einen
Führerausweis – beides im Original – und medizinische Unterlagen aus Sri
Lanka zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 22. August 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den
zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 30. September 2019 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung des
SEM vom 22. August 2019 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzu-
lässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Subeventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Einwilligungserklärung
seines Bruders, ein Schreiben der «Human Rights Commission of Sri
Lanka» vom 18. Oktober 2015, ein Schreiben einer Polizeistation in
D._ vom 24. Oktober 2015, zwei Kurzberichte von Ärzten vom 24.
Juni 2014 und 30. März 2016, einen undatierten Bericht eines Kranken-
hauses in D._, Fotos von Narben und diverse Zeitungsartikel zu
den Akten.
D.
D.a Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2019 forderte die Instruktions-
richterin den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 750.– zu bezahlen.
D.b Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer fristgerecht nach.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
5.
Die Akten des Bruders des Beschwerdeführers, C._ (N [...]), wur-
den antragsgemäss beigezogen.
6.
6.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich eine Verletzung des
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Untersuchungsgrundsatzes, der Begründungspflicht sowie eine unvoll-
ständige und unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; 135 II 286
E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert
die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu
prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 2; 136 I 184 E. 2.2.1).
6.3 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
6.4 Der Beschwerdeführer rügt in mehrfacher Hinsicht eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes.
6.4.1 Die Vorinstanz habe die Asylakten seines Bruders nicht umfassend
berücksichtigt und nicht als Verweisdossier beigezogen. Im Dossier seines
Bruders befänden sich medizinische Originalakten, die ihn selbst betreffen
würden. Diese Beweismittel seien zur Würdigung des Sachverhalts nicht
herangezogen worden. Zudem begründe die Vorinstanz nicht, weshalb sie
die beiden Fälle trotz ähnlicher Gefährdungslage unterschiedlich beurteile.
Die Vorinstanz hat im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung ausdrück-
lich festgehalten, dass sie zur Beurteilung des vorliegenden Falles die Ak-
ten des Bruders (N [...]) beigezogen hat. Zudem hat sie erwähnt, der Be-
schwerdeführer habe als Beweismittel medizinische Unterlagen zu den Ak-
ten gegeben. Im Dossier des Bruders befinden sich mehrere ärztliche Be-
richte, welche die Behandlung einer vom Beschwerdeführer erlittenen
Schussverletzung belegen. In den Akten des Beschwerdeführers befindet
sich sodann eine Kopie eines dieser Dokumente. Da die Vorinstanz die
Schussverletzung nicht in Abrede gestellt hat, erübrigte sich eine weiterge-
hende Auseinandersetzung mit den medizinischen Unterlagen.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang eine Verletzung
der Begründungspflicht rügt, ist festzustellen, dass die Vorinstanz aus-
führte, der Bruder des Beschwerdeführers sei am (...) 2015 als Flüchtling
anerkannt und ihm sei Asyl gewährt worden. In den Erwägungen gelangte
sie indes zum Schluss, der Beschwerdeführer habe keine begründete
Furcht vor Verfolgung aufgrund der behördlichen Suche nach seinem Bru-
der. Die Frage, ob die Vorinstanz die Gefährdungslage des Beschwerde-
führers und diejenige seines Bruders zu Recht unterschiedlich beurteilt hat,
betrifft nicht die Begründungspflicht, sondern die materielle Würdigung.
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder der Begründungs-
pflicht liegt nicht vor.
6.4.2 Eine weitere Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erblickt der
Beschwerdeführer darin, dass seine Narben nicht berücksichtigt worden
seien, obwohl diese gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtspre-
chung als Risikofaktor gelten würden.
Vorab ist nochmals festzuhalten, dass die Vorinstanz die Schussverletzun-
gen und damit die Narben am Körper des Beschwerdeführers nicht in
Frage gestellt hat. Entsprechend waren auch keine weiteren Abklärungen
seitens der Vorinstanz notwendig. Sodann hat die Vorinstanz entgegen den
Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe bei der Prüfung der Risikofakto-
ren die Schussverletzungen des Beschwerdeführers erwähnt. Weitere Nar-
ben hat er nicht geltend gemacht. Ob die Vorinstanz das Vorliegen von
Risikofaktoren zu Recht verneint hat, ist indes nicht eine Frage der Sach-
verhaltsfeststellung, sondern der materiellen Würdigung.
6.4.3 Ferner beanstandet der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe in
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes bei der Würdigung seiner Ge-
fährdungslage die aktuelle sicherheitspolitische Lage infolge der Osteran-
schläge und die bevorstehenden Wahlen nicht berücksichtigt.
Die Vorinstanz hielt im Sachverhalt alle wesentlichen Sachverhaltsele-
mente fest und würdigte die Ausführungen des Beschwerdeführers vor
dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka. Alleine der Umstand,
dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis einer anderen Linie folgt, als vom
Beschwerdeführer vertreten, und sie aus sachlichen Gründen auch zu ei-
ner anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Be-
schwerdeführer verlangt, stellt keine ungenügende Sachverhaltsfeststel-
lung dar.
E-5069/2019
Seite 7
6.4.4 Insgesamt ist festzuhalten, dass keine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes vorliegt und der rechtserhebliche Sachverhalt von der
Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt wurde. Soweit sich die Kritik
des Beschwerdeführers auf die Beweiswürdigung bezieht, ist in den nach-
folgenden Erwägungen darauf einzugehen.
6.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der diesbe-
zügliche Antrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
8.
8.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
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Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, im Jahr 2007 angeschossen
und Jahre später von den Behörden gesucht worden zu sein. Er habe je-
doch nicht plausibel darlegen können, weshalb ihn Mitarbeiter des CID erst
nach vielen Jahren aufsuchen und nach dem Ursprung seiner Verletzun-
gen befragen sollten. Als Erklärung habe er angegeben, Leute aus dem
Dorf hätten ihn denunziert. Wer und weshalb ihn jemand denunziert haben
sollte, habe er aber nicht ausführen können. Zudem habe er sich zum Zeit-
punkt der erstmaligen behördlichen Suche unvereinbar geäussert. In der
BzP im Oktober 2016 habe er angegeben, dies sei vor zirka vier Jahren
gewesen. Anlässlich der Anhörung habe er zunächst ausgeführt, er habe
es vergessen. Es sei im Jahr 2013 oder 2014 gewesen. An anderer Stelle
habe er angegeben, es sei im Jahr 2012 oder 2013 erstmals gesucht wor-
den. Diese unterschiedlichen Angaben seien nicht nachvollziehbar, zumal
er die behördlichen Suchen als Ausreisegrund vorgebracht habe. Ferner
habe er nicht erklären können, wie es möglich gewesen sei, von den Be-
hörden jahrelang gesucht zu werden und einer Arbeitstätigkeit nachzuge-
hen, ohne jemals aufgefunden worden zu sein.
Sodann habe sich der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der einmaligen be-
hördlichen Mitnahme widersprüchlich geäussert. In der BzP habe er ange-
geben, er sei auf dem Weg ins Krankenhaus mitgenommen worden. Im
freien Bericht der Anhörung habe er ausgeführt, dies sei am (...) 2013 ge-
schehen. An anderer Stelle in der Anhörung habe er zu Protokoll gegeben,
er sei am (...) 2015 von zwei Personen in Zivil angehalten worden. Auf den
Widerspruch bezüglich des Jahres angesprochen, habe er diesen nicht
auflösen können, sondern beteuert, im Jahr 2015 mitgenommen worden
zu sein. Zudem sei die Schilderung seiner Mitnahme substanzlos und ohne
Realkennzeichen ausgefallen. Er habe lediglich angegeben, er sei in ein
Fahrzeug gezerrt und während (...) oder (...) Tagen in einem dunklen Zim-
mer eingesperrt worden, wo er nach seinem Bruder befragt und geschla-
gen worden sei. Er habe auch nicht darlegen können, wieso er freigelassen
worden sei, zumal man ihn aufgefordert habe, seinen Bruder an die Behör-
den «auszuliefern». Dieser habe sich zu jener Zeit allerdings bereits in der
Schweiz aufgehalten.
Insgesamt habe der Beschwerdeführer aufgrund der substanzlosen, wider-
sprüchlichen und unplausiblen Aussagen nicht glaubhaft machen können,
von den Behörden nach einer erlittenen Schussverletzung gesucht und
mitgenommen worden zu sein. Demnach sei unwahrscheinlich, dass er
nach der Ausreise bei seiner Mutter aufgesucht worden sei. An dieser
Schlussfolgerung würde auch die Schussverletzung nichts ändern, zumal
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Seite 9
er ausgeführt habe, der Schuss im Jahr 2007 habe nicht ihm gegolten. Eine
nachfolgende Verfolgung werde damit jedenfalls nicht belegt.
Betreffend allfällige Risikofaktoren führte die Vorinstanz aus, allein die Be-
fragung am Flughafen durch die Behörden bei einer Rückkehr und die Er-
öffnung eines allfälligen Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stelle
keine asylrelevante Massnahme dar. Der Beschwerdeführer habe auch
nicht glaubhaft machen können, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr habe er nach
Kriegsende noch sieben Jahre bis im Oktober 2016 in Sri Lanka gelebt.
Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten
folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der Behörden auszulösen. Die
Schussverletzung allein sei nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu
begründen. Auch die behördliche Suche nach dem Bruder vermöge keine
begründete Furcht vor Verfolgung herbeizuführen, zumal der Bruder zwei
Jahre vor dem Beschwerdeführer ausgereist sei und Letzterer nicht habe
glaubhaft machen können, wegen seines Bruders verfolgt worden zu sein.
8.2 In der Rechtsmitteleingabe hält der Beschwerdeführer an der Glaub-
haftigkeit und Asylrelevanz seiner Vorbringen fest und rügt damit eine Ver-
letzung von Art. 7 und Art. 3 AsylG. Er habe anlässlich der Anhörung gel-
tend gemacht, an Erinnerungsschwierigkeit und Gedächtnisverlust zu lei-
den. Gerade die Tatsache, dass er offen zugebe, sich nicht an die Daten
und Anzahl der behördlichen Suchen zu erinnern, untermaure die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen. Zudem sei bekannt, dass traumatisierte Per-
sonen nicht in der Lage seien, mehrere Jahre zurückliegende Gescheh-
nisse detailliert und chronologisch wiederzugeben. Nichtdestotrotz habe er
die Vorfälle mit Details versehen und substanzreich beschreiben können.
Er habe ausgeführt, dass die Täter Armeeangehörige gewesen seien und
er verdächtigt werde, die LTTE unterstützt zu haben. Bei einer Rückkehr
würde er erneut ins Visier der Behörden geraten. Schliesslich habe sich die
Sicherheitslage seit den Osteranschlägen massiv verschlechtert und Prä-
sidentschaftswahlen würden unmittelbar bevorstehen.
9.
9.1 Zunächst ist auf das Vorbringen einzugehen, wonach sich der Be-
schwerdeführer infolge einer Traumatisierung, Gedächtnisverlusts und Er-
innerungsschwierigkeiten nicht an Daten und Jahre zurückliegende Ereig-
nisse erinnern könne. Dazu ist festzuhalten, dass er in Verletzung seiner
Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) weder im vorinstanzlichen Verfahren
noch auf Beschwerdeebene, in welchem er anwaltlich vertreten ist, ein
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Arztzeugnis eingereicht hat, welches eine psychische Erkrankung oder
eine allfällige Traumatisierung bestätigen würde. Anlässlich der Anhörung
gab er sodann auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand lediglich
an, er sei vor zirka acht Monaten wegen (...)beschwerden infolge der
Schussverletzung bei einem Arzt gewesen. Derzeit sei er nicht in ärztlicher
Behandlung und nehme auch keine Medikamente (vgl. SEM-Akten A12/14
F3 ff.). Dem Protokoll der Anhörung lassen sich sodann keine Anhalts-
punkte entnehmen, wonach er nicht in der Lage gewesen sein sollte, der
Anhörung zu folgen und die Fragen zu beantworten. Auch die zur Durch-
führung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung hat
nichts Entsprechendes festgehalten und keine Einwände gegen das Pro-
tokoll erhoben. Der Beschwerdeführer hat sich demnach bei seinen Aus-
sagen behaften zu lassen.
9.2 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz so-
dann die erlittene Schussverletzung nicht in Abrede gestellt, zumal diese
durch zahlreiche medizinische Berichte belegt ist. Der Beschwerdeführer
gab aber selbst an, die Kugel habe nicht ihm, sondern seinem Bruder ge-
golten. Sodann führte die Vorinstanz zutreffend aus, der Beschwerdeführer
habe nicht glaubhaft machen können, nach der erlittenen Schussverlet-
zung wiederholt von den Behörden aufgesucht, nach seinem Bruder sowie
der Herkunft seiner Verletzung befragt worden zu sein. Insbesondere ist
festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt und der An-
zahl der behördlichen Suchen unvereinbar geäussert hat. Zudem fiel seine
Schilderung zur angeblichen Mitnahme im (...) 2015 substanzlos und ohne
persönliche Betroffenheit aus (vgl. SEM-Akten A12/14 F45 ff.). Mit der Vo-
rinstanz ist sodann festzustellen, dass nicht nachvollziehbar erscheint,
weshalb die Behörden den Beschwerdeführer nach wenigen Tagen freige-
lassen haben sollen, obwohl er deren Aufforderung, seinen Bruder «aus-
zuliefern», nicht nachgekommen ist. Ferner hat der Beschwerdeführer Sri
Lanka mit seinem eigenen Reisepass verlassen (vgl. SEM-Akten A5/12
Ziff. 4.02), was kaum möglich gewesen wäre, wenn die Behörden tatsäch-
lich ein Interesse an ihm gehabt hätten. Weitergehend kann, um Wieder-
holungen zu vermeiden, vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
9.3 Das Schreiben der «Human Rights Commission of Sri Lanka» vom
18. Oktober 2015 und die Bestätigung einer Polizeistation in D._
vom 24. Oktober 2015 sind schliesslich nicht geeignet, die vorgebrachte
Verfolgung glaubhaft zu machen. Beide Dokumente bestätigen zwar die
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Aussagen der Mutter des Beschwerdeführers, können aber den Inhalt die-
ser Aussagen nicht belegen.
9.4 Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, eine asylrecht-
lich relevante Gefährdung im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka
glaubhaft zu machen.
10.
10.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben
und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri-
sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit-
reichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsäch-
lich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden
bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und
so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten
Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Na-
men in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop List" vermerkt seien
und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen
Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-
muteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-
lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt
hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
10.2 Wie vorstehend dargelegt, ist es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen glaubhaft zu machen, dass zum Zeitpunkt seiner Ausreise ein ernst-
haftes behördliches Interesse an seiner Person bestanden hat oder er des-
halb zu einem früheren Zeitpunkt einmal ernsthaft im Fokus der Behörden
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Seite 12
war. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass er die Auf-
merksamkeit der sri-lankischen Behörden auf sich gezogen hat und Gefahr
laufen könnte, von den heimatlichen Behörden der Wiederbelebung des
tamilischen Separatismus verdächtigt zu werden. Daran vermögen die
Narben aufgrund der Schussverletzung, das Fehlen ordentlicher Identitäts-
papiere bei der Einreise in Sri Lanka und eine zwangsweise respektive
durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rück-
führung in dieses Land nichts zu ändern. Auch die Einreichung eines Asyl-
gesuchs in der Schweiz und die rund fünfjährige Landesabwesenheit be-
gründen keine flüchtlingsrechtlich relevante Furcht vor einer Verfolgung.
Schliesslich teilt das Gericht die vorinstanzliche Auffassung, aus den Akten
des Bruders ergebe sich unter den vorliegenden Umständen keine Verfol-
gungsfurcht für den Beschwerdeführer.
10.3 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
vorliegend namentlich die Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. Novem-
ber 2019 zum Präsidenten von Sri Lanka sowie die nachfolgenden Ent-
wicklungen entscheidend sind (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri
Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; The Gu-
ardian, Gotabaya Rajapaksa elected president of Sri Lanka, 17.11.2019,
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/1 7/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 6. Juli
2021). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder
Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal
Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und
Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen
zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. ANI, Sri Lanka:
35 including President's brother Chamal Rajapksa sworn in as ministers of
state, 27.11.2019, https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-in-
cluding-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-
state20191127174753/, abgerufen am 6. Juli 2021). Die mit der absoluten
Mehrheit gewonnene 16. Parlamentswahl vom 5. August 2020 verstärkt
die Machtfülle der Brüder Rajapaksa noch weiter (vgl. Stiftung für Wissen-
schaft und Politik [SWP] Aktuell, Nr. 69, September 2020: Politischer Um-
bruch in Sri Lanka; https://www.swp-berlin.org/10.18449/2020A69/; abge-
rufen am 6. Juli 2021). Gotabaya Rajapaksa, der während der Präsident-
schaft seines älteren Bruder Mahinda Rajapaksa (2005 bis 2015) Verteidi-
gungssekretär war, wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Jour-
nalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem
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wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsver-
brechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen
(vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka,
14.01.2020).
10.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil
ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Es gibt
aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und den seitherigen
Entwicklungen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hintergrund vorste-
hender Erwägungen für den Beschwerdeführer nicht ersichtlich.
10.5 Schliesslich sind weder die im Beschwerdeverfahren eingereichten
Zeitungsartikel noch die in der Rechtsmitteleingabe erwähnten Publikatio-
nen geeignet, an der Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers
etwas zu ändern. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Dokumente, wel-
che die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschrei-
ben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ab-
leiten.
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
11.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
E-5069/2019
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12.
12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
12.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
12.3
12.3.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung finde und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar seien. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom
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15. Juli 2016 E. 12.2 f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksich-
tigung der seither ergangenen politischen Entwicklungen in Sri Lanka fest-
zuhalten.
12.3.2 Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, bei einer
Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden
in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, beste-
hen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
hätte, die über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist
zulässig.
12.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
12.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019 sowie die Präsidentschaftswahlen
vom November 2019 und die seitherigen Entwicklungen (vgl. E. 10.3)
nichts zu ändern.
12.4.2 Der Beschwerdeführer lebte zuletzt im Dorf B._, Distrikt
Jaffna, Nordprovinz, wo er mit seinen Eltern und drei Geschwistern über
ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine Wohnmöglichkeit verfügt. Er hat
(...) Jahre die Schule besucht. Zuletzt war er in seinem Heimatland als (...)
und (...) tätig. Es ist demnach davon auszugehen, dass er sich angesichts
dieser Berufserfahrung auch in wirtschaftlicher Sicht wird integrieren kön-
nen. Sodann lebt ein Bruder des Beschwerdeführers in der Schweiz, wel-
cher ihn allenfalls zu Beginn finanziell unterstützen kann. Es ist somit nicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Weg-
weisung erweist sich als zumutbar.
E-5069/2019
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12.5 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Identitätskarte und es obliegt
ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine
Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl.
Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Voll-
zug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2
AIG).
12.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
14.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur
Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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