Decision ID: 63a100db-2af7-58fb-bf7e-2a7d814312ea
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zu Folge seinen Heimat-
staat Eritrea am 25. November 2013 illegal. Er sei zu Fuss in den Sudan
gelaufen und habe sich über zwei Jahre in Kassala aufgehalten, bevor er
von Ägypten über das Mittelmeer nach Italien gelangt sei, wo er am 5. Juli
2016 ein Asylgesuch gestellt hat.
B.
Im Rahmen des Relocation-Programms erteilte das SEM dem Beschwer-
deführer eine Einreisebewilligung in die Schweiz, wo er am 6. April 2017
im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Bern ein Asylge-
such einreichte.
C.
Anlässlich seiner Befragung zur Person (BzP) vom 20. April 2017 brachte
der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er stamme aus dem Dorf
B._ ([...] B._), welches sich in der Nähe der Stadt
C._ in der Zoba D._ befinde. Er habe die Schule nicht be-
sucht, sei jedoch ein Jahr lang in die Koranschule gegangen. Er sei in Erit-
rea Hirte gewesen und habe sich um das Vieh seiner Familie gekümmert.
Eines Tages habe die örtliche Verwaltung behauptet, dass das Vieh der
Viehhüter die Ernte gefressen habe, obwohl diese sich nicht in der Nähe
aufgehalten hätten. Die lokalen Behörden hätten entschieden, die Viehhü-
ter zu verhaften und seien zum Weideplatz gekommen. Einige seien fest-
genommen worden, ihm sei es jedoch gelungen zu fliehen und er habe in
der Folge Eritrea illegal verlassen. Ausserdem sei er in seiner Bewegungs-
freiheit eingeschränkt gewesen, da es immer wieder Razzien gegeben
habe.
D.
Am 19. Dezember 2017 wurde er gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) ver-
tieft zu seinen Asylgründen befragt. Dabei machte er im Wesentlichen gel-
tend, es habe in seiner Ortschaft viele Razzien gegeben und er habe Angst
gehabt, festgenommen zu werden. Er habe sich häufig mit den Tieren in
der Einöde aufgehalten. Eines Tages seien die Polizisten in die Einöde ge-
kommen, um Schulabbrecher ohne gültige Papiere festzunehmen. Er habe
die Polizisten schon von Weitem gesehen und sei weggerannt. Ihm sei be-
wusst geworden, dass er nicht in Frieden leben könne und keine Perspek-
tive habe, weshalb er sich entschieden habe, Eritrea zu verlassen. Er habe
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seine Tiere in der Einöde zurückgelassen und habe sich gleich im An-
schluss zu Fuss in Richtung Sudan aufgemacht.
Er reichte Kopien der Identitätskarten seiner Eltern zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 3. März 2020 – eröffnet am 5. März 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz
weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
Es begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, er habe sich im
Laufe seines Asylverfahrens zu wesentlichen Punkten widersprochen, ins-
besondere habe er widersprüchliche Aussagen zu der drohenden Verhaf-
tung, welche ihn zur Ausreise in den Sudan bewogen habe, gemacht, wes-
halb seine Vorbringen nicht glaubhaft seien. Da er Eritrea noch als Minder-
jähriger verlassen habe, sei er damals noch nicht im dienstpflichtigen Alter
gewesen, weshalb er bei einer Rückkehr keine asylbeachtlichen Benach-
teiligungen zu erleiden habe. Die illegale Ausreise an sich vermöge ge-
mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts keine ernsthaften
Nachteile gemäss Art. 3 AsylG mit sich zu ziehen. Hinsichtlich des Weg-
weisungsvollzugs seien – auch unter Berücksichtigung einer möglichen
drohenden Einziehung in den Nationaldienst – weder Anhaltspunkte für
eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK noch für ein weiteres Vollzugs-
hindernis ersichtlich.
F.
Mit Eingabe vom 10. März 2020 liess der Beschwerdeführer die Verfügung
des SEM vom 3. März 2020 anfechten und beantragte, diese sei aufzuhe-
ben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu ge-
währen, eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon eine
vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm ein amtlicher Rechtsbei-
stand zu bestellen, eventualiter sei die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde wiederherzustellen.
Er begründete die Rechtsmitteleingabe dahingehend, dass er bei einer
Rückkehr nach Eritrea entweder unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert
oder für lange Zeit in den Militärdienst eingezogen werde. Die Behörden
hätten sich zwischenzeitlich bei seiner Familie nach ihm erkundigt, weshalb
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er Angst habe, nach Eritrea zurückzukehren. Ausserdem sei es für ihn un-
zumutbar, nach Eritrea zurückzukehren. Er habe sich in der Schweiz gut
eingelebt und hätte in der Schweiz eine Zukunft, während er in Eritrea von
seiner Familie abhängig wäre, deren Einkommen kaum ausreiche, um alle
zu ernähren. Überdies sei auch ein Leben im Militärdienst unzumutbar.
G.
Am 12. März 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be-
schwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des
Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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1.4 Die Beschwerde hat von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
(Art. 55 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerde wurde in der angefochtenen Ver-
fügung die aufschiebende Wirkung nicht entzogen, weshalb auf das Even-
tualbegehren (Beschwerdebegehren Ziff. 5) um Wiederherstellung der auf-
schiebenden Wirkung nicht einzutreten ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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5.
5.1 Das SEM führte in seiner ablehnenden Verfügung aus, der Beschwer-
deführer habe die Ereignisse, welche sich am Weideplatz zugetragen hät-
ten und zu seiner unmittelbaren Flucht geführt hätten, in der BzP und der
Anhörung unterschiedlich beschrieben. In der BzP habe er ausgeführt, der
Zugriff der Behörden auf die Hirten sei erfolgt, da die lokale Verwaltung
diese für die Schäden an den Ernten durch ihr Vieh verantwortlich gemacht
habe. In der Anhörung habe er indes vorgebracht, die Festnahme von jun-
gen Viehhütern sei in Zusammenhang mit einer Razzia gegenüber Schul-
abbrechern, die über keine gültigen Papiere verfügt hätten, gestanden. Auf
die unterschiedlichen Angaben angesprochen habe er entgegnet, er habe
in der BzP nicht gesagt, dass Leute verhaftet worden seien. Im Weiteren
habe er erwidert, er habe auch in der Anhörung die Schäden an der Ernte
als Grund für den Zugriff der Behörden auf die Hirten erwähnt. Es könne
sich auch um ein Missverständnis der dolmetschenden Person in der BzP
gehandelt haben. Die Erklärungsversuche würden indes nicht überzeugen,
da aus dem Protokoll der Anhörung nicht hervorgehe, dass er diesen
Grund der Verhaftung in der Anhörung genannt habe; auch seien keine
Bemerkungen der dolmetschenden Person oder der Hilfswerkvertretung zu
diesem Punkt notiert. Es handle sich um eine reine Parteiaussage, dass er
in der Anhörung Ernteschäden als Grund für die fragliche Festnahme er-
wähnt habe. Er habe sich somit in einem zentralen Punkt seiner Ausreise-
begründung widersprochen. Hinzukommend seien seine Schilderungen
der Ereignisse, welche zur Flucht geführt hätten, auch auf Nachfrage nur
sehr knapp und unverbindlich ausgefallen. Insbesondere falle in Bezug auf
die Struktur seiner freien Erzählung in der Anhörung auf, dass seine Dar-
legung zu den Asylgründen nur wenige Zeilen einnehme, während seine
Schilderung über seine Ausreise über eine Seite umfasse. Somit würden
seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht standhalten.
Im Zeitpunkt seiner illegalen Ausreise sei er höchstens [minderjährig] alt
und somit nicht im dienstpflichtigen Alter gewesen. Gemäss dem Koordi-
nationsurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Januar 2017
(D-7989/2015) sei nicht davon auszugehen, dass sich eritreische Staats-
angehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimat-
staates konfrontiert sehen würden, die bezüglich ihrer Intensität und der
politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3
Abs. 2 AsylG darstellen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche ihn in
den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen
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lassen könnten, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Er habe eine Gefähr-
dungslage vor der Ausreise nicht glaubhaft darlegen können. Persönlichen
Behördenkontakt habe er auch keinen geltend gemacht, sondern habe
ausgeführt, einer Razzia auf einem Weideplatz entkommen zu sein. Ferner
sei er im Zeitpunkt der Ausreise noch minderjährig gewesen und habe sich
somit durch die illegale Ausreise keiner Pflicht gegenüber dem Staat ent-
zogen. Die geltend gemachte illegale Ausreise vermöge somit keine Furcht
vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen. Seine Vor-
bringen würden somit insgesamt weder den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG genügen. Auch die Akten des Relocation-Programms ver-
möchten nichts an dieser Einschätzung zu ändern, da ihm damals keine
vertieften Fragen zu seinen Ausreisegründen gestellt worden seien.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerde im Wesentli-
chen, er habe grosse Angst vor einer Rückkehr nach Eritrea, da er davon
ausgehen müsse, dass er verhaftet werde. Die Behörden hätten sich zwi-
schenzeitlich bei seiner Familie nach ihm erkundigt. Er werde bei einer
Rückkehr entweder unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert oder ihm
drohe ein langjähriger Militärdienst, weshalb er nicht zurückkehren könne.
6.
6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundeverwaltungsgericht zum
Ergebnis, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers zu Recht verneint und das Asylgesuch zu Recht abgewiesen hat.
Die vorinstanzlichen Erwägungen sind insgesamt zu bestätigen.
6.2 In der angefochtenen Verfügung wird einlässlich und mit zutreffender
Begründung dargelegt, weshalb die Fluchtgründe des Beschwerdeführers
widersprüchlich und unglaubhaft ausgefallen sind. Das SEM hat korrekt
ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in der BzP angab, die Polizei sei
zum Weideplatz gekommen, da die Behörden den Viehhütern vorgeworfen
hätten, ihr Vieh habe die Ernte gefressen (SEM Akte A3, Ziff. 7.01 und
7.02). In der Anhörung führte er hingegen aus, es habe sich um eine Razzia
gehandelt, mit dem Ziel, Schulabbrecher ohne gültige Ausweispapiere zu
verhaften (SEM Akten A10, F74, F76, F80). Er gab zwar auch an der BzP
an, es hätten öfter Razzien stattgefunden. Die Soldaten hätten junge Men-
schen, welche mit einem Schülerausweis hätten nachweisen können, dass
sie noch zur Schule gehen würden, nicht mitgenommen, sondern nur die-
jenige ohne Ausweispapiere (SEM Akte A3, Ziff. 7.02). Seine widersprüch-
liche Darstellung zu seinem unmittelbaren Ausreisegrund konnte er jedoch
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auf Nachfrage des SEM nicht überzeugend auflösen und es leuchtet nicht
ein, weshalb er den an der BzP vorgebrachten wesentlichen Ausreise-
grund, namentlich den Vorwurf der Beschädigung der Ernte, an der Anhö-
rung nicht mehr genannt hat (SEM Akte A10, F131-F134). Um Wiederho-
lungen zu vermeiden, kann auf die diesbezüglichen Erwägungen des SEM
verwiesen werden.
Im Übrigen hat das SEM korrekt drauf hingewiesen, dass es einen Bruch
in seinem Erzählstil gibt, was ein weiteres Indiz für die Unglaubhaftigkeit
seiner Fluchtgründe darstellt. Auf die Frage des SEM, weshalb er in der
Schweiz Asyl beantrage, hat er seine Fluchtgründe nur in wenigen, knap-
pen Sätzen und ohne erlebnisgeprägte Merkmale geschildert, während er
über seine illegale Ausreise darauffolgend ausführlich und detailliert berich-
tet hat (SEM Akte A10, F74). Auch auf Nachfragen des SEM zu seinen
Fluchtgründen blieben seine Antworten weitgehend unsubstantiiert und
liessen Realkennzeichen vermissen (a.a.O., F77 bis F83).
Er konnte somit eine bereits eingetretene Verfolgung in Eritrea im Sinne
des Asylgesetzes nicht glaubhaft machen.
6.3 Auch sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, wonach er begrün-
dete Furcht hätte, bei einer Rückkehr nach Eritrea mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt zu werden. Der
Beschwerdeführer gab an, nie von den eritreischen Behörden bezüglich
seines Militärdienstes kontaktiert worden zu sein und kein Aufgebot für den
Militärdienst erhalten zu haben (vgl. SEM Akte A10, F93f.). In der Be-
schwerde brachte er zwar vor, die Behörden hätten sich in der Zwischen-
zeit bei seinen Eltern nach ihm erkundigt. Nähere Einzelheiten zu dem Be-
such wurden indes nicht ausgeführt und auch der Grund des Besuches bei
seinen Eltern bleibt unklar. Die blosse Möglichkeit oder gar Wahrschein-
lichkeit einer künftigen Einziehung in den Militärdienst vermag mangels ei-
ner gemäss Art. 3 AsylG relevanten Verfolgungsmotivation keine Asylrele-
vanz zu begründen. Ferner sind keinerlei Anhaltspunkte dafür ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer, welcher vor seiner Ausreise nie in konkretem
Kontakt mit der eritreischen Militärverwaltung gestanden habe, bei einer
Rückkehr nach Eritrea als Dienstverweigerer eingestuft und von den erit-
reischen Behörden entsprechend behandelt werden könnte (vgl. hierzu
EMARK 2006 Nr. 3 und die vom Bundesverwaltungsgericht weiterverfolgte
Rechtsprechung, beispielsweise bestätigt im Urteil des BVGer
E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1).
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6.4 Gemäss aktueller Praxis des Gerichts kann auch allein aufgrund einer
illegalen Ausreise keine begründete Furcht vor asylrechtlich beachtlicher
Verfolgung angenommen werden (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.6–5.1). Für die Begründung der
Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedarf es neben der illega-
len Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche die asylsuchende
Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-
scheinen lassen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-
folgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O., E. 5.1). Vorliegend sind neben
der illegalen Ausreise keine solchen Anknüpfungspunkte ersichtlich. Daher
ist der vom Beschwerdeführer vorgebrachten illegalen Ausreise aus sei-
nem Heimatstaat praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz bei-
zumessen.
6.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und mit zutref-
fender Begründung sein Asylgesuch abgelehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer wie oben darge-
legt keine Flüchtlingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschie-
bungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher
nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach
den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen
(Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf
niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder
Behandlung unterworfen werden.
8.2.1 Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers erscheint seine in der
Beschwerde geäusserte Befürchtung, bei einer Rückkehr in den National-
dienst eingezogen zu werden, als plausibel (vgl. zur eritreischen Muste-
rungspraxis auch das Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017,
E. 13.2–13.4, sowie BVGE 2018 VI/4 E. 5.1).
8.2.2 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen-
der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal-
tungsgericht in einem Grundsatzurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018
VI/4).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsar-
beitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der
Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3
EMRK) geprüft und bejaht (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1). Es kann auf die
Ausführungen im genannten Urteil verwiesen werden. Vorliegend ist nicht
ersichtlich, weshalb im Falle des Beschwerdeführers eine allfällige Einzie-
hung in den Nationaldienst diese Bestimmungen verletzen sollte. Das SEM
hat somit in seiner Verfügung korrekt darauf hingewiesen, dass eine dro-
hende Einberufung in den eritreischen Nationaldienst vorliegend der Zu-
lässigkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Eritrea nicht entgegensteht.
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Seite 11
8.2.3 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Wegweisungsvollzug
ist folglich als zulässig zu betrachten.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst führt
mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur
Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss
Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2).
8.3.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei-
nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor
schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation,
der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der
Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon-
flikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende
individuelle Faktoren indes nicht mehr zwingende Voraussetzung für die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil D-2311/2016
vom 17. August 2017 E. 16 f.).
8.3.3 Vorliegend sind – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – keine Hin-
weise ersichtlich, wonach der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine
existenzielle Notlage geraten könnte. Es handelt sich bei ihm um einen
jungen, gesunden und arbeitsfähigen Mann, zwar ohne Schulbildung, je-
doch mit Arbeitserfahrung als Hirte. Er hat sich über Jahre hinweg um das
Vieh seiner Eltern gekümmert und gemäss seinen Aussagen hätten seine
Eltern sehr gut von der Viehzucht leben können (SEM Akte A3,
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Seite 12
Ziff. 1.17.05). Seine Eltern und Geschwister befinden sich in Eritrea und es
kann angenommen werden, dass sein familiäres Beziehungsnetz ihn bei
einer Rückkehr bei der Wiedereingliederung unterstützen kann.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh-
rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht aber praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entgegen. Es ob-
liegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
10.
10.1 Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, womit die kumulativen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG
nicht erfüllt sind. Mangels Erfüllung der Voraussetzung von Art. 65 Abs. 1
VwVG ist das Gesuch um amtliche Verbeiständung im Sinne von aArt.
110a AsylG ebenfalls abzuweisen.
10.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
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festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).