Decision ID: 114a65c0-d9ac-5498-9769-4ec9a05f351a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste legal, unter Verwendung seines mit einem
Schengen-Visum für die Schweiz versehenen ägyptischen Reisepasses,
am 8. Juli 2021 in die Schweiz. Er stellte – vor Ablauf des Schengenvisums
am 5. Oktober 2021 – am 27. September 2021 in der Schweiz ein Asylge-
such und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich zuge-
teilt. Die Personalienaufnahme (PA) fand am 6. Oktober 2021 statt
(vgl. Akte 1110409-12).
B.
Die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung reichte am
19. November 2021 folgende Arztberichte ein:
- Ärztlicher Kurzbericht des (...) vom 4. Oktober 2021, wonach der Be-
schwerdeführer psychisch stark belastet sei und an einer (...)beein-
trächtigung leide;
- Konsultationsberichte des (...) B._ vom 26. Oktober, 29. Okto-
ber und 12. November 2021, in welchen die Diagnosen: «unklare CRP-
und BSG-Erhöhung», DD Polymyalgia rheumatica; DD beginnende
Bronchitis; HWS-LWS Syndrom, Eisenmangel, Vitamin D- Mangel so-
wie depressive Stimmung festgehalten wurden. Aus den Berichten geht
weiter hervor, dass der Beschwerdeführer nicht zum Psychiater und
keine Medikamente in Tablettenform einnehmen wolle.
C.
Am 22. November 2021 wurden die folgenden Beweismittel nachgereicht:
- Lebenslauf des Beschwerdeführers inklusive Link auf seinen aktuellen
elektronischen Blog, auf welchem eine Auswahl seiner (...) aufgeführt
sei;
- drei Schreiben vom 7., 9. und 14. Februar 2021 mit Ausführungen zu
den künstlerischen Tätigkeiten, die Zusammenarbeit und die Verfol-
gungssituation des Beschwerdeführers;
- Artikel der Deutschen (...) vom 3. November 2019;
- Internetauszüge vom 2. Oktober betreffend (...);
- Bericht «Quarterly Report on the State of Freedom of Expression in
Egypt».
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D.
Eingangs der Anhörung vom 24. November 2021 weigerte sich der Be-
schwerdeführer, in seiner Muttersprache Ägyptisch (vgl. Personalienblatt;
SEM-Akte A1) befragt zu werden und insistierte, auf Englisch angehört zu
werden, was auch von seiner Rechtsvertretung gefordert wurde (vgl. A17,
Einleitung, S. 1). In der Folge wurde er von der zuständigen Befragerin
darauf hingewiesen, dass seine Asylvorbringen genau analysiert würden;
es sei jeweils besser, in der Muttersprache befragt zu werden. Hierauf gab
der Beschwerdeführer nochmals zu Protokoll, er wolle auf Englisch befragt
werden. Die bis dahin protokollierten Angaben wurden dem Beschwerde-
führer auf Arabisch rückübersetzt und die bisherige Anhörung abgebro-
chen.
E.
Mit Schreiben vom 6. Dezember 2021 wurde ein Konsultationsbericht der
(...) in B._ vom 25. November 2021 eingereicht.
Im genannten Bericht wird dieselbe Diagnose gestellt wie in den bisher
eingereichten Arztberichten der (...) (vgl. Sachverhalt oben, Bst. B). Weiter
wird ausgeführt, dass aus ärztlicher Sicht eine Cortison-Therapie empfoh-
len werde, der Beschwerdeführer diese Behandlung aber ablehne.
F.
Die neu angesetzte Anhörung wurde am 13. Dezember 2021 in englischer
Sprache durchgeführt.
Eingangs dieser Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, es
gehe ihm gesundheitlich nicht gut. Er fühle sich müde vom «Camp». Er sei
in Kontakt mit einer Klinik, folge deren Richtlinien, habe aber eigene Me-
thoden, um sich zu heilen, indem er meditiere und (...) mache.
Zu seinen persönlichen Verhältnissen trug er im Wesentlichen vor, er sei
ägyptischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie, ledig und konfessions-
los. Er sei in Alexandria geboren, wo er vor der Ausreise zuletzt gelebt
habe. Nach Abschluss der Sekundarschule habe er elf Jahre an der Fakul-
tät für (...) studiert und dabei von 2006 bis 2008 als «Freelancer» am Mi-
nisterium (...) gearbeitet. Er habe das (...)studium nicht abgeschlossen,
weil er sonst Militärdienst hätte leisten müssen.
Im Jahr 2001 habe er mit der (...) angefangen, erst ab 2005 habe er davon
gelebt. Zwischen 2007 und 2011 sei er anlässlich von (...)festivals mehr-
mals im Ausland gewesen, unter anderem in Europa und der Schweiz. Im
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Juli 2011 sei er von Kairo nach Zürich gereist und habe anschliessend am
«(...)»-Programm in Genf teilgenommen. Die Reise sei von einer Stiftung
finanziert worden. Von 2015 und 2019 habe er auch in C._ gelebt.
Zwischen 2017 und 2019 habe er in einer (...)gruppe mitgewirkt. Sein letz-
tes (...)projekt habe er im Jahr 2019 verwirklicht.
Zu seinen Asylgründen trug er vor, seit zehn Jahren laufe ein «Freezing-
Programm» gegen ihn, weshalb er sich in seinen Rechten beschnitten ge-
fühlt habe. Weil er jüdische Wurzeln habe, politisch links stehe und an der
2011er-Revolution teilgenommen habe, sei er auf einer Todesliste ver-
schiedener religiöser und politischer Gruppen aufgeführt.
Er habe in den sozialen Medien mehrere Beiträge veröffentlicht. Anfangs
Oktober 2019 sei er beim Betreten eines Cafés festgenommen und in ein
Gefängnis geführt und bis am 21. Oktober 2019 in Alexandria und Kairo
inhaftiert worden. Er habe immer wieder Repressalien der ägyptischen Be-
hörden erlebt; diese hätten Beschimpfungen durch Nachbarn veranlasst,
die er in seiner Wohnung wahrgenommen habe. Man habe ihm im Jahr
2012 eine Schizophrenie-Diagnose gestellt, worauf er Medikamente einge-
nommen habe. Im Jahr 2018 sei er vom Bruder und Schwager in eine psy-
chiatrische Klinik eingewiesen worden, wo er zehn Tage geblieben sei.
Diese Einweisung sei Bestandteil des «Freezing-Programms» gewesen.
Nachdem seitens der Befragerin und der Dolmetscherin mangelnde (eng-
lische) Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers festgestellt wurden,
wurde die Befragung unterbrochen und das bisherig Protokollierte rück-
übersetzt. Anschliessend wurde die Anhörung fortgesetzt.
Der Beschwerdeführer trug weiter vor, er sei zusammen mit 25 Personen
in einer Gefängniszelle untergebracht worden. Die anderen Insassen hät-
ten versucht, ihn zum Beten zu veranlassen und Informationen, namentlich
über seine ausländischen Kontakte, zu bekommen. Er habe am Gerichts-
verfahren, bei welchem er anwaltlich vertreten worden sei, nicht aussagen
müssen und es gebe keine Anklageschrift oder sonstigen Dokumente über
den noch «offenen» Prozess. Er sei ohne Auflagen aus dem Gefängnis
entlassen worden, sei aber dauernd observiert worden.
Wegen des genannten «Freezing-Programms» habe er seit zehn Jahren
seine (...) nicht ausführen, an öffentlichen Orten nicht auftreten und kein
Bankkonto eröffnen können. Während dieser «Freezing»-Periode, im Jahr
2017, sei ihm seitens des Ministeriums (...) indessen eine Auszeichnung
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sowie ein Geldpreis verliehen worden. Er sei zensiert worden und habe
seine (...) können. Christliche und muslimische Gruppen hätten ihn der
Spionage verdächtigt und Fehlinformationen über ihn verbreitet. Die Mus-
lime hätten ihn zum Gebet aufgefordert, die Christen hätten ihm vorgewor-
fen, Islamist zu sein. Er sei ständig in Gefahr gewesen, getötet zu werden.
Auf seinen Reisen von Alexandria nach Kairo habe er stets aufpassen müs-
sen, auf der Strasse nicht überfahren zu werden.
Von 2012 bis 2017 habe er keinen Reisepass besessen und habe das Land
nicht verlassen können, da er für den Passantrag eine Bestätigung der Ar-
mee hätte vorweisen müssen. Die «(...)» habe ihn unterstützt, ihn als
«(...)» betrachtet, Rechtsschutz gewährt und das Geld (3'600 $) für die
Papierbeschaffung zur Verfügung gestellt. Man habe auch am Anfang der
Pandemie Druck auf ihn ausgeübt, damit er das Haus nicht verlasse. Er
habe anonyme Anrufe und «geräuschvolle Zeichen» bekommen.
Er sei auf dem Weg zur Schweizer Botschaft zwecks Papierbeschaffung
und auf der Fahrt zum Flughafen schikaniert worden respektive habe ne-
gative Schwingungen («bad vibes») und schlechte «Soundtracks» gespürt.
Man habe ihn nicht in das Flugzeug einsteigen lassen; er hätte dazu einen
Corona-Test machen und den Flugplatz verlassen müssen. Den um zwei
Tage verschobenen Flug habe er dann antreten können.
Er habe der Menschenrechtsorganisation in Ägypten und ihren Vertretern
nicht vertraut. Auch in der Unterkunft in der Schweiz habe er den Eindruck,
dass es Leute gebe, die ihn beobachten würden. Als (...), (...) und Aktivist
sei er in einer schwierigen Situation. Auch sein Laptop und sein Telefon
seien Angriffsziele. Seine Familie sei ebenfalls in Gefahr. Man habe ihn
unter Druck gesetzt, seine eigene Schwester zu vergewaltigen und seinen
Bruder umzubringen.
G.
Am 20. Dezember 2021 wurde dem Beschwerdeführer der Entwurf des
Asylentscheides des SEM zur Stellungnahme unterbreitet.
H.
Die Rechtsvertretung reichte am 21. Dezember 2021 eine entsprechende
Stellungnahme ein, worin sie ausführte, aus welchen Gründen der Be-
schwerdeführer mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei.
I.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 22. Dezember 2021 lehnte das
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SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mangels Asylrelevanz ab,
ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an und verfügte den Weg-
weisungsvollzug.
J.
Am 22. Dezember 2021 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM
mit, dass das Mandatsverhältnis mit dem Beschwerdeführer beendet sei.
K.
Mit Eingabe 20. Januar 2022 (Postaufgabe) reiche der Beschwerdeführer
in eigenem Namen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und
beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; er sei als Flücht-
ling anzuerkennen und sein Asylgesuch sei gutzuheissen; eventualiter sei
er vorläufig aufzunehmen; subeventualiter sei die Sache zur weiteren Ab-
klärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde
die unentgeltliche Rechtspflege und der Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses beantragt.
Der Beschwerdeeingabe wurde ein Bericht des Spitals D._ vom
1. Januar 2022 beigelegt. In diesem Bericht wurden die Diagnosen «Frag-
licher epileptischer Anfall (DD Synkope, DD psychisch), Psychische Belas-
tungssituation nach Tortur, Depressive Stimmung, Eisenmangel und Vita-
min-D-Mangel» gestellt.
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 21. Januar 2022 bestätigte das Bundesver-
waltungsgericht den Eingang der Beschwerde und hielt fest, dass der Be-
schwerdeführer den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz
abwarten könne.
M.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
21. Januar 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach
Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von be-
stimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
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die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Im Weiteren braucht es einen sogenannten zeitlichen und
materiellen Kausalzusammenhang zwischen den letzten flüchtlingsrecht-
lich relevanten nachteiligen Erlebnissen und der Ausreise, ausser es be-
stehe aus anderen Gründen eine begründete Furcht vor künftiger Verfol-
gung (BVGE 2010/57 E. 2.4 und 3.2).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, die Vorbringen
des Beschwerdeführers erfüllten die Anforderungen an die Asylrelevanz
nicht. Die von ihm genannten Schikanen, namentlich das Gerede der Leute
in der Nachbarschaft, die Telefonanrufe durch Unbekannte und die Verzö-
gerungen bei der Ausstellung seiner Reiseunterlagen könnten nicht als
Verfolgungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes gewertet werden.
Dasselbe gelte für den Umstand, dass er sich keinen Reisepass habe aus-
stellen lassen können, da er sonst in den Militärdienst eingezogen worden
wäre.
Dass seine Inhaftierung von Ende September bis Ende Oktober 2019 ein
belastendes Ereignis gewesen sei, werde nicht bezweifelt. Aus seinen
Schilderungen gehe jedoch nicht hervor, dass er nach seiner Haftentlas-
sung einer Bedrohung oder Verfolgung ausgesetzt gewesen sei. Der Um-
stand, dass rund neun Wochen nach seiner Haftentlassung, am 17. De-
zember 2019, ein neuer ägyptischer Reisepass für ihn ausgestellt worden
sei, lege nahe, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht einer staatlichen
Verfolgung ausgesetzt gewesen sei oder im Fokus der Behörden gestan-
den habe. Seine Ausreise aus dem Heimatland sei problemlos erfolgt. Die
Pflicht zum Nachweis eines Covid-Tests bei der Ausreise sei nicht als Schi-
kane gegen seine Person zu werten. Zwischen der Inhaftierung und der
erst 20 Monate später erfolgten Ausreise gebe es keinen kausalen Zusam-
menhang. Die Inhaftierung im September 2019 sei somit flüchtlingsrecht-
lich nicht relevant, woran die diesbezüglich eingereichten Beweismittel
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nicht zu ändern vermöchten. Auch die vom Beschwerdeführer veröffent-
lichten Beiträge auf Facebook im Zeitraum zwischen Oktober 2020 und
Februar 2021 hätten keine Konsequenzen für diesen nach sich gezogen,
nachdem er Ägypten problemlos habe verlassen können.
Es sei zwar bedauerlich, dass er seine Arbeit als (...) nicht im gewünschten
Ausmass habe frei ausüben können. Die vorgetragenen Benachteiligun-
gen bei der Ausübung seines Berufes seien jedoch nicht asylrelevant, da
es diesen an der geforderten Intensität mangle, um einen unerträglichen
psychischen Druck zu bewirken. Aus den Schilderungen gehe nicht hervor,
dass die Berufsausübung verunmöglicht worden sei.
In der Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 21. Dezember 2021 seien
keine neuen Schikanen vorgetragen worden, die aus objektiver Sicht tat-
sächlich mit einer behördlichen Verfolgung in Verbindung gebracht werden
könnten. Es seien keine neuen Tatsachen oder Beweismittel deponiert wor-
den, die zu einer anderen Einschätzung führen würden.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug zulässig, zumutbar und möglich,
wozu insbesondere auf das familiäre Beziehungsnetz verwiesen wurde.
Die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers falle bei der Prüfung
der Wegweisung nicht ins Gewicht, da er auch in der Schweiz eine psychi-
sche oder schulmedizinische Behandlung ablehne. Im Weiteren habe die-
ser angegeben, dass ihm im Jahr 2012 (im Heimatland) eine Schizophre-
nie diagnostiziert worden sei und seine Familienangehörigen ihn im Jahr
2018 in eine Klinik eingewiesen hätten. Bei einer allfälligen Verschlechte-
rung des Gesundheitszustands sei davon auszugehen, dass er auch in
Alexandria oder Kairo eine angemessene Behandlung erhalten würde.
5.2 In der Beschwerde wurde vorgetragen, die Vorinstanz sei ihrer Unter-
suchungspflicht und der Pflicht zur Sachverhaltsabklärung nur ungenü-
gend nachgekommen. Der Beschwerdeführer habe insbesondere zu Be-
ginn der Anhörung Hinweise auf politische Verfolgungsmassnahmen in
Ägypten gegeben. Er habe auch gesundheitliche Probleme vorgetragen
und mehrere Arztberichte dazu eingereicht. Es seien ihm keine entspre-
chenden Rückfragen gestellt worden. Es habe während der Anhörung auch
Verständnisprobleme gegeben. Ihm sei zwar die Möglichkeit gegeben wor-
den, die Anhörung in seiner Muttersprache durchzuführen, und er sei auf
die potentiellen Nachteile einer Befragung in Englisch hingewiesen wor-
den. Das SEM hätte aber das Möglichste tun müssen, um ihn zu verstehen.
Er habe die falsche Behandlung seiner attestierten Schizophrenie und die
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Verfolgung durch Muslime aufgrund seiner jüdischen Wurzeln geltend ge-
macht, sei jedoch hierzu nicht befragt worden.
Er habe darauf verwiesen, dass er aufgrund seiner (...) und systemkriti-
schen Tätigkeiten verfolgt und ohne triftige Gründe inhaftiert worden sei.
Das SEM habe diese Vorbringen zu Unrecht als nicht asylrelevant einge-
stuft. Die eingereichten Beweismittel würden aufzeigen, dass in Ägypten
die Rechte von politischen Aktivisten und (...) stark eingeschränkt würden.
Seit der 2014 erfolgten Wahl von General Abd al-Fattah as-Sisi zum Präsi-
denten habe sich die Menschenrechtslage stetig verschlechtert. Es finde
zwar keine systematische und gezielte staatliche Verfolgung von sämtli-
chen Systemkritikern und (...) statt, Ägypten verfüge jedoch über keine
funktionierende Schutzinfrastruktur. Er hätte nicht mit staatlichem Schutz
rechnen können, wenn er die ihm zugefügten Verfolgungshandlungen bei
den Behörden zur Anzeige gebracht hätte.
Er leide an einem unerträglichen psychischen Druck. Durch seine Arbeit
als (...) könne er nicht oder nur beschränkt seine Arbeit ausführen. Nach
seiner Entlassung aus der Haft sei er völlig traumatisiert gewesen und habe
sich nicht mehr aus dem Haus getraut. Dieser Druck sei so gross, dass er
darauf verzichtet habe, die Anhörung in seiner Muttersprache abzuhalten.
Aufgrund der Diskriminierungen seiner Person und seiner Erkrankung an
Schizophrenie sei es ihm nicht zumutbar, ins Heimatland zurückzukehren.
Es sei ihm ein Anliegen, in der Schweiz eine möglichst umfassende medi-
zinische Behandlung in Anspruch zu nehmen.
6.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie im Falle ihrer Berechtigung geeignet wären,
eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
6.1 Zunächst wird gerügt, während der Anhörung habe es Verständnis-
probleme gegeben (vgl. Beschwerde, Ziffer 4).
6.1.1 Die erste Anhörung vom 24. November 2021 wurde zunächst in der
ägyptischen Muttersprache des Beschwerdeführers durchgeführt. Weil die-
ser den ausdrücklichen Wunsch äusserte, in Englisch angehört zu werden,
wurde diese Anhörung abgebrochen. Der Beschwerdeführer wurde dabei
ausdrücklich auf die möglichen Nachteile hingewiesen, die bei der Anhö-
rung in einer anderen als der Muttersprache entstehen könnten. Trotzdem
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bestand er auf die Durchführung einer Anhörung in Englisch (vgl. A17, Ant-
wort 1). In der Folge wurde eine neue Anhörung angesetzt, welche am
13. Dezember 2021 stattfand und in Englisch durchgeführt wurde
(vgl. A19).
6.1.2 In dieser Anhörung war der Beschwerdeführer ohne Weiteres in der
Lage, sich zu seinen Asylgründen zu äussern. Entgegen den Behauptun-
gen in der Rechtsmitteleingabe wurde ihm einlässlich Gelegenheit gege-
ben, die Gründe für seine Ausreise und für sein Asylgesuch darzulegen.
Mit seinem Wunsch, die Anhörung nicht in seiner Muttersprache, sondern
in Englisch durchführen zu lassen, und der Tatsache, dass er die Richtig-
keit der entsprechenden Anhörungsprotokolle mit seiner Unterschrift be-
stätigt hat (vgl. Akten A17 und A19), muss sich der Beschwerdeführer be-
haften lassen. Zudem legt er in der Rechtsmitteleingabe nicht konkret dar,
zu welchen sprachlichen Missverständnissen es bei der Anhörung gekom-
men sei, und präzisiert auch nicht, welche seiner Angaben falsch protokol-
liert worden sein sollen.
6.1.3 Es wurden keine stichhaltigen Gründe vorgetragen, die indizieren
würden, dass das Anhörungsprotokoll nicht oder nur unter Vorbehalt für die
Beurteilung des vorliegenden Asylverfahrens beizuziehen und mitzube-
rücksichtigen wäre.
6.2 Der Beschwerdeführer moniert weiter, der rechtserhebliche Sachver-
halt sei nicht hinreichend erstellt worden.
6.2.1 Das Vorbringen, es seien ihm keine Rückfragen zur geltend gemach-
ten Verfolgung und zu seinen gesundheitlichen Problemen gestellt worden
(vgl. Ziffern 1 und 2 der Beschwerde) findet im Anhörungsprotokoll keine
Stütze. Anlässlich der Anhörung vom 13. Dezember 2021 wurde er in Frage
6 explizit aufgefordert, sich zu allfälligen gesundheitlichen Beschwerden zu
äussern, worauf er zu Protokoll gab, er habe «ein paar Probleme»; er sei
in Kontakt mit der Klinik und folge zwar deren Richtlinien, habe aber eigene
Methoden wie Meditation und das (...). Es trifft auch nicht zu, dass ihm zu
dem angeblich gegen ihn bestehenden «Freezing-Programm» keine Rück-
fragen gestellt worden seien. In Antwort 89 der Anhörung wurde er explizit
aufgefordert, nochmals zu definieren, was er mit dem bereits in Antwort 54
angesprochenen «Freezing-Programm» respektive mit «Freezing-Peri-
ode» gemeint habe, und er gab entsprechende Ausführungen zu Protokoll.
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6.2.2 Auch der Vorhalt, es sei auf seine Vorbringen bezüglich der – angeb-
lich falschen – Behandlung seiner attestierten Schizophrenie und zur Ver-
folgung durch Muslime nicht genügend eingegangen worden, ist unberech-
tigt. In Antwort 65 deponierte er, man habe bei ihm «über seine Familie»
die Diagnose einer Schizophrenie gestellt und er habe entsprechende Me-
dikamente erhalten. Er gab weiter an, sein Bruder und Schwager hätten
ihn in eine Klinik eingewiesen und seien dort für seine alltäglichen Bedürf-
nisse aufgekommen. Hierauf wurde nachgefragt, ob der Beschwerdeführer
den Eindruck habe, dass seine Angehörigen «auch unter dieser Decke ste-
cken» würden, worauf er zu Protokoll gab, in ihren Augen sei er «ein biss-
chen verrückt und ein Revolutionär». Auch in den Fragen 94 ff. wurde dem
Beschwerdeführer im sachlich gebotenen Umfang Gelegenheit einge-
räumt, sich zur vorgebrachten Verfolgung durch muslimische und christli-
che Gruppierungen zu äussern.
6.3 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det. Das Bundesverwaltungsgericht stellt keine Verletzungen von Verfah-
rensgrundsätzen fest. Der Sachverhalt wurde nach dem Gesagten korrekt
und vollständig erstellt. Es besteht kein Anlass, die Verfügung aus formel-
len Gründen aufzuheben. Das entsprechende auf eine Kassation lautende
Rechtsbegehren 4 ist deshalb abzuweisen.
Auf die rechtliche Prüfung der vorgetragenen Asylvorbringen ist in den
nachstehenden Erwägungen weiter einzugehen.
7.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend begründet, wes-
halb die geltend gemachten Schikanen und die erlittene 27-tägige Inhaftie-
rung flüchtlingsrechtlich nicht relevant sind.
7.1 Die vorgetragenen Unannehmlichkeiten, namentlich das Gerede über
ihn in der Nachbarschaft, die Telefonanrufe durch Unbekannte und die Ver-
zögerungen vor der geplanten Ausreise weisen weder die vom Asylgesetz
geforderte Intensität noch Hinweise auf einen flüchtlingsrechtlichen Kon-
nex auf. Die vom Beschwerdeführer wahrgenommenen Gespräche der
Nachbarn und die anonymen Anrufe sind auch zu wenig spezifisch, um als
flüchtlingsrechtlich motivierte Nachteile gewertet zu werden. Er gab zwar
an, die Nachbarn seien bei ihrem schikanösen Gerede von den staatlichen
Sicherheitsbehörden instruiert worden (vgl. A19, Antwort 63 und 64). Diese
Angabe beruht indessen auf blossen Mutmassungen und stützt sich nicht
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auf konkrete Vorfälle oder stichhaltige Informationen darüber, inwiefern die
staatlichen Behörden in diese Vorkommnisse hätten involviert sein sollen.
7.2 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer vor seinem Abflug angehal-
ten worden sein soll, sich einem Covid-Test zu unterziehen, basiert eben-
falls nicht auf einem asylbeachtlichen Motiv, sondern liegt in den Massnah-
men gegen die weltweit herrschende Corona-Pandemie begründet.
7.3 Die im Herbst 2019 erlittene 27-tägige Inhaftierung des Beschwerde-
führers in den Haftanstalten von Alexandria und Kairo wurden vom SEM
nicht in Frage gestellt. Auch das Bundesverwaltungsgericht hat keine Ver-
anlassung, am Wahrheitsgehalt des Gefängnisaufenthalts zu zweifeln. Der
Beschwerdeführer hat jedoch nicht geltend gemacht, dass ihm nach der
Entlassung aus der Haft, anlässlich welcher sein Laptop und sein Mobilte-
lefon beschlagnahmt worden seien, konkrete Nachteile erwachsen wären.
Er gab vielmehr zu Protokoll, er sei vorbehaltslos und somit ohne Auflagen
aus der Haft entlassen worden (vgl. A19, Antwort 86). Hinzu kommt, dass
ihm am 17. Dezember 2019, rund neun Wochen nach der Haftentlassung,
ein ägyptischer Reisepass ausgestellt wurde. Im Weiteren konnte er sein
Heimatland ohne Probleme auf legalem Weg verlassen. Wenn er im be-
haupteten Ausmass von den ägyptischen Behörden verfolgt worden wäre,
wäre es ihm kaum gelungen, sich Reisepapiere zu beschaffen und prob-
lemlos über den Flughafen in Kairo auszureisen. Wie das SEM zudem zu-
treffend festgestellt hat, besteht zwischen seiner Inhaftierung im Herbst
2019 und der im Juli 2021 erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers aus
Ägypten kein hinreichender sachlicher und zeitlicher Kausalzusammen-
hang.
Die vom Beschwerdeführer erlittene Inhaftierung entfaltet nach dem Ge-
sagten und in Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Einschätzung
keine Asylrelevanz. Hieran vermögen auch die diesbezüglich eingereichten
Beweismittel nichts zu ändern.
7.4 Dasselbe gilt – wie die Vorinstanz zutreffend ausführt – auch für die
zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 entfalteten Aktivitäten auf Face-
book. Diese hatten keine Konsequenzen für den Beschwerdeführer und
hinderten ihn nicht an seiner legalen Ausreise im Juli 2021.
7.5 Die vom Beschwerdeführer behauptete Verfolgung beruht im Wesent-
lichen auf blossen Mutmassungen. Er hat abgesehen von der knapp vier-
wöchigen Inhaftierung keine gegen seine Person gerichteten behördliche
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Massnahmen geltend gemacht. Der Umstand, dass er auf dem Weg zur
Schweizer Botschaft respektive zum Flughafen «negative Schwingungen»
gespürt haben will, vermag nicht eine mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit gegen seine Person gerichtete Verfolgung darzutun.
7.6 Im Übrigen spricht auch die Tatsache, dass ihm seinen Angaben zu-
folge von einer staatlichen Behörde, dem Ministerium (...), im Jahr 2017
eine Auszeichnung sowie ein Preis für sein (...) verliehen wurde (A19, Ant-
wort 88), gegen die behauptete Verfolgung wegen seiner beruflichen Tä-
tigkeit. Es kann aus dem gleichen Grund auch nicht davon ausgegangen
werden, dass er aus anderen Motiven, namentlich wegen politisch misslie-
bigen Tätigkeiten, ins Visier der ägyptischen Behörden geraten sein sollte.
7.7 Andere Asylvorbringen hat der Beschwerdeführer nicht geltend ge-
macht. Zusammenfassend ergibt sich, dass es ihm nicht gelungen ist, dar-
zulegen, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit asylrelevanten
Nachteilen ausgesetzt worden ist oder solche künftig befürchten müsste.
Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht und mit zutreffender Begründung
abgewiesen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Ägypten dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
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als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt.
9.4.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche
eine Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. So verfügt der Be-
schwerdeführer über eine Sekundarschulausbildung. Er hat anschliessend
mehrere Jahre lang an der Fakultät (...) studiert und gleichzeitig als (...) für
ein staatliches Ministerium gearbeitet. Er hat nach wie vor enge Familien-
angehörige in Ägypten (vgl. A19, Fragen 20-24 und 31).
Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbar-
keit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehand-
lung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Ge-
sundheitszustands nach sich zöge. Diese Schwelle ist vorliegend nicht er-
reicht. Der Beschwerdeführer leidet gemäss eigenen Angaben an psychi-
schen Schwierigkeiten; bei ihm soll bereits im Heimatland im Jahr 2012
eine Schizophrenie attestiert worden sein (vgl. A19, Antwort 65). Auch aus
den in der Schweiz erstellten Arztberichten gehen Hinweise auf psychische
Beeinträchtigungen hervor. Der Beschwerdeführer hat es jedoch abge-
lehnt, sich in der Schweiz psychisch oder physisch schulmedizinisch be-
handeln zu lassen. Er hat ausdrücklich den Wunsch geäussert, nicht von
einem Psychiater behandelt zu werden, und die ihm ärztlich empfohlene
Medikation abgelehnt (vgl. Sachverhalt oben, Bst. B und E).
Nachdem der Beschwerdeführer angab, sich im Heimatland bereits 2018
in einer Klinik aufgehalten zu haben, ist davon auszugehen, dass er im
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Falle einer allfälligen Verschlechterung seines physischen oder psychi-
schen Gesundheitszustandes auch in Alexandria oder in Kairo eine ange-
messene Behandlung in Anspruch nehmen könnte.
Nach dem Gesagten erweist sich der Wegweisungsvollzug als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Rechtsbegehren – ex
ante betrachtet – vorliegend nicht als aussichtslos zu bezeichnen sind und
aufgrund der Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszuge-
hen ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen. Es sind demnach keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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