Decision ID: ab1165ff-95cd-5bf6-ad8f-79dc8a453d18
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1956 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) reichte nach einer
seit 11. August 2012 zunächst teilweisen und ab 24. September 2012 vollen
Arbeitsunfähigkeit am 12. November 2012 ein Meldeformular zur Früherfassung bei den
Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden (damals noch: Ausgleichskasse und IV-
Stelle Appenzell Ausserrhoden, nachfolgend: Vorinstanz) ein (IV-act. 1).
B. Beim Erstgespräch vom 20. November 2012 berichtete die Beschwerdeführerin, sie habe
im November 2010 einen Nervenzusammenbruch erlitten und sei seither in psychiatrischer
Behandlung. Wegen der Arbeitslast und dem Druck am Arbeitsplatz im Wohnheim Bellevue
der Stiftung Waldheim sei sie bereits im Sommer 2012 krankheitshalber ausgefallen; nach
einer vorübergehenden Wiederaufnahme der Arbeit sei sie nun seit September 2012 zu
100% krankgeschrieben. Der Arbeitgeber habe ihr inzwischen gekündigt (IV-act. 3).
C. Mit Mitteilung vom 13. Juni 2013 gewährte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin Beratung
und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 34), nachdem der RAD nach Einholung der
aktuellen medizinischen Unterlagen davon ausging, dass bei der seit 2010 rezidivierend
unter psychischen Beeinträchtigungen leidenden Beschwerdeführerin körperlich keine
schwerwiegenden Einschränkungen vorhanden seien und es unter diesen Umständen
versicherungsmedizinisch angezeigt sei, Eingliederungsbemühungen zu prüfen (IV-act. 29).
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D. Nach gescheiterten Eingliederungsversuchen (vgl. dazu RAD-Berichte IV-act. 56, 77, 99
und 100) wurde im Rahmen der Rentenprüfung eine Begutachtung der Beschwerdeführerin
bei der SMAG AG eingeleitet. Am 30. Mai 2016 wurde der Vorinstanz das psychiatrisch-
rheumatologische Gutachten zugestellt (IV-act. 111). Die Gutachter diagnostizierten als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (IV-act. 111, S. 11). Während in der bisherigen Tätigkeit
keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, betrage die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit 50-60%. Aus psychiatrischer Sicht geeignet seien überwiegend sachorientierte,
gut strukturierte Tätigkeiten ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit
(IV-act. 111, S. 12).
E. Nach ergänzenden Abklärungen bei den behandelnden Ärzten zur Aktualisierung des
medizinischen Dossiers kam Dr. C_ vom RAD im Bericht vom 27. Oktober 2016 zum
Schluss, auf das bidisziplinäre Gutachten der SMAG AG könne abgestellt werden; somit sei
die Beschwerdeführerin zwischen 50% und 60% arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit.
Als adaptierte Tätigkeiten würden alle Tätigkeiten ohne besondere psychische Belastung,
ohne Betreuungs- und Führungsfunktionen, ohne überdurchschnittlichen Zeit- und
Leistungsdruck, sowie ohne überdurchschnittliche Anforderungen an die
Durchhaltefähigkeit, Flexibilität/Umstellfähigkeit, Selbstbehauptungs-, Kontaktfähigkeit und
Fähigkeit zur Strukturierung von Aufgaben gehören (IV-act. 121). Gestützt auf diese
abschliessende medizinische Einschätzung teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
mit Vorbescheid vom 12. Januar 2017 mit, dass bei einem Invaliditätsgrad von 34% kein
Rentenanspruch bestehe (IV-act. 122). Nach Einwand der Beschwerdeführerin vom 26.
Januar 2017 (IV-act. 125) hielt die Vorinstanz mit Verfügung vom 17. Februar 2017 am
rentenabweisenden Bescheid fest (IV-act. 126).
F. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin erhobene Beschwerde
ans Obergericht (act. 1). Mit Einzelrichterverfügung vom 23. März 2017 wurde der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung durch RA B_
gewährt (act. 4). Mit Vernehmlassung vom 27. März 2017 (act. 5) verlangte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde, worauf die Beschwerdeführerin mit Replik vom 19. April
2017 (act. 8) unverändert an ihren Rechtsbegehren festhielt. Mit Duplik vom 4. Mai 2017
(act. 10) hielt die Vorinstanz ihrerseits am Antrag auf Beschwerdeabweisung fest. Nachdem
keine der Parteien eine mündliche Verhandlung verlangte, wurde die Sache am 16. Januar
2018 in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend
beraten und darüber entschieden. Die Beschwerde wurde abgewiesen. Dem Begehren der
Beschwerdeführerin gemäss Schreiben vom 22. Januar 2018 entsprechend, wird das Urteil
hiermit mit schriftlicher Begründung eröffnet.
Seite 4
G. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten der
Beschwerdeführerin als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf
die Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60
Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
b. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn
sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine
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halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens
zu 40% invalid sind.
c. Zwischen den Parteien umstritten ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
Während die Vorinstanz der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 34% zuerkannt hat, geht die
Beschwerdeführerin davon aus, bei der gutachterlich auf 40-50% festgelegten
Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf eine Invalidenrente zu haben; es könne vom Gesetzgeber
doch nicht gewollt sein, dass bei einer Arbeitsunfähigkeit in diesem Ausmass selbst eine
Teilrente abgelehnt werde.
2.2.
a. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (sog. Valideneinkommen). Das Ausmass der Invalidität ist somit durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Die einer Person medizinisch attestierte
Arbeitsunfähigkeit kann daher nicht direkt dem Invaliditätsgrad dieser Person gleichgesetzt
werden, sondern beim Invaliditätsgrad handelt es sich um eine rechnerische Grösse, bei
der die medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit für die Ermittlung des der Berechnung zu
Grunde gelegten Invalideneinkommens eine Rolle spielt.
b. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität
nach Artikel 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich, namentlich
im Haushalt, tätig, so wird für die Bemessung der Invalidität in dieser Tätigkeit darauf
abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (vgl.
Art. 28a IVG). Übte jedoch eine versicherte Person ohne Aufgabenbereich im
Gesundheitsfall eine Teilzeiterwerbstätigkeit aus, so ist die Einschränkung im erwerblichen
Bereich proportional - im Umfang des hypothetisch-erwerblichen Teilzeitpensums - zu
berücksichtigen (BGE 142 V 290).
c. Die Beschwerdeführerin erachtet sowohl die Festlegung des Valideneinkommens als
auch die Festlegung des Invalideneinkommens durch die Vorinstanz als falsch. Wie es sich
damit verhält, wird nachfolgend geprüft.
Seite 6
2.3
Die Vorinstanz hat den Invaliditätsgrad der zuletzt in einem Teilzeitpensum tätigen
Beschwerdeführerin durch einen reinen Einkommensvergleich festgelegt und auf eine
Haushaltsabklärung verzichtet. Das bei der Berechnung des Invaliditätsgrads von der
Vorinstanz angenommene Valideneinkommen beträgt Fr. 44‘522.--.
a. Dass die Beschwerdeführerin zuletzt nicht in einem Vollzeitpensum, sondern lediglich in
einem Pensum von 80% arbeitete, führt mangels eines konkreten Aufgabenbereichs
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zur Anwendung der gemischten
Methode bei der Invaliditätsbemessung. Eine versicherte Person, welche im
Gesundheitsfall ihr wirtschaftliches Potential nicht voll ausnützt, indem sie zwar in der Lage
wäre, voll erwerbstätig zu sein, sich aber für eine Teilzeitstelle entscheidet, begnügt sich
freiwillig mit einem Teilzeitlohn. Dass ihr Erwerbseinkommen vermindert ist, stellt die Folge
ihrer Wahl dar (BGE 142 V 290, E. 7). Das von der Vorinstanz bei der Invaliditätsgrad-
Berechnung verwendete Valideneinkommen entspricht richtigerweise dem zuletzt von der
Beschwerdeführerin bei der Stiftung Waldheim erzielten Einkommen (vgl. IV-act. 19), ohne
dass dieses auf ein volles Pensum hochzurechnen wäre. Im konkreten Fall, wo die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihre Arbeitskraft, nachdem kein Aufgabenbereich
(etwa mit Betreuungsaufgaben gegenüber eigenen Kindern) ersichtlich ist, in einem
Vollzeitpensum hätte verwerten können, ist nach ständiger Rechtsprechung der nicht
verwertete Teil der Erwerbsfähigkeit nicht versichert. Eine Abklärung im Haushaltsbereich
ist nicht erforderlich.
b. Was den Hinweis der Vorinstanz in der Vernehmlassung betrifft, wonach die
Beschwerdeführerin überdies in ihrem Alltag ohnehin nicht eingeschränkt sei, was sich
namentlich darin zeige, dass sie fast täglich ihre Enkel betreue, so mutet es in der Tat
seltsam an, wie die Vorinstanz solche Behauptungen machen kann, nachdem die
Beschwerdeführerin offenbar gar keine Enkel hat. Die von der Vorinstanz im Rahmen der
Vernehmlassung abgegebene Begründung ist diesbezüglich unverständlich. Im Resultat
erweist sich zwar aus den dargelegten Gründen der von der Vorinstanz vorgenommene
reine Einkommensvergleich mit dem Valideneinkommen im Betrag von Fr. 44‘522.-- als
richtig. Trotzdem bleibt anzumerken, dass es wünschenswert wäre, die Vorinstanz würde
bei der Behandlung von Einsprachen und im gerichtlichen Schriftenwechsel im Rahmen
einer Beschwerde den konkreten Einzelfall mit der gebotenen Sorgfalt prüfen, anstatt, wie
in der Duplik eingeräumt wird, aus „Versehen“ unzutreffende Sachverhaltselemente
anzuführen. Dass die Beschwerdeführerin, die Anspruch auf eine konkrete Beurteilung und
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damit auf ihre Situation passende Begründung der Berechnung des Invaliditätsgrads hat,
kein Verständnis für solche Versehen aufzubringen vermag, ist nachvollziehbar.
c. Die Beschwerdeführerin rügt, dass bei der Berechnung des Invaliditätsgrads keine
Einkommensparallelisierung, welche auf Seiten des Valideneinkommens durch eine
entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens erreicht werden kann,
vorgenommen worden sei. Eine sog. Einkommensparallelisierung ist dann vorzunehmen,
wenn jemand aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. Schulbildung, fehlende berufliche
Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen bezieht. Diesem
Umstand ist bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die betreffende Person sich aus freien Stücken
mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen sollte (vgl. dazu BGE 135 V 297,
E. 5.1, m.w.H.).
Die Beschwerdeführerin verdiente bei der Stiftung Waldheim zuletzt ein Jahreseinkommen
im Betrag von Fr. 44‘522.-- im Rahmen eines 80%-Pensums. Dieser Lohn erweist sich bei
näherer Betrachtung nicht als unterdurchschnittlich: So beträgt der durchschnittliche
Jahreslohn für anforderungsmässig vergleichbare Tätigkeiten gemäss LSE 2010, TA1,
Frauen, Niveau 4, Fr. 50‘700.--, entsprechend einem Vollzeitpensum. Bei Anpassung auf
die übliche Wochenarbeitszeit und Indexierung per 2011 resultiert gestützt auf diesen
Tabellenwert ein durchschnittliches Jahreseinkommen von weniger als Fr. 53‘400.--.
Gemäss Lohncheck (vgl. https://www.lohncheck.ch/gehalt/Pflegehelfer+SRK) liegt der
aktuelle branchenübliche Durchschnittslohn einer Pflegehelferin SRK bei Fr. 3‘790.-- pro
Monat, was ein durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 45‘480.-- ergibt. Umgerechnet
auf ein Vollzeitpensum betrug das Einkommen der Beschwerdeführerin bei der Stiftung
Waldheim im Jahr 2011 dagegen rund Fr. 55‘650.--. Somit besteht im vorliegenden Fall
kein Anlass für eine Einkommensparallelisierung bei der Berechnung des Invaliditätsgrads
der Beschwerdeführerin. Die Vorinstanz hat das Valideneinkommen zu Recht mit dem von
der Beschwerdeführerin zuletzt verdienten Jahreseinkommen im Betrag von Fr. 44‘522.--
gleichgesetzt, ohne dass eine Parallelisierung angezeigt wäre.
2.4
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads ging die Vorinstanz von einem Invalideneinkommen
der Beschwerdeführerin im Betrag von Fr. 29‘340.-- aus. Dieses Invalideneinkommen
basiert auf der Annahme, dass der Beschwerdeführerin die Erzielung eines dem LSE-
Tabellenlohn (LSE 2010, TA1, Niveau 4, Frauen) entsprechenden Einkommens (angepasst
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an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit und die Lohnentwicklung) im Umfang
eines Teilpensums weiterhin möglich ist.
a. Dass der Beschwerdeführerin weiterhin ein Teilzeitpensum zugemutet werden kann,
ergibt sich aus dem SMAB-Gutachten, welches als Basis zur Ermittlung des
Invalideneinkommens diente: Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die
Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden
können. Die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich
eine fachärztliche, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems
abgestützte Diagnose voraus (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2013 vom
24. Juni 2014, E. 3.1.1, m.w.H.). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_125/2016
vom 4. November 2016, E. 2.1.1, m.w.H.). Das SMAB-Gutachten erfüllt diese
Anforderungen, weshalb ihm volle Beweiskraft zukommt, nachdem nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_278/2016 vom 22. Juli 2016, E.
3.2.2, m.w.H.). Die nach dem Eingang des Gutachtens von der Vorinstanz eingeleiteten
ergänzenden Abklärungen ergaben, dass die im Gutachten erwähnte tagesklinische
psychiatrische Behandlung schliesslich nicht in der Form stattfand, wie der Gutachter
meinte (vgl. IV-act. 111, S. 13 f.; IV-act. 121). Somit kamen keine neuen Elemente hinzu,
die etwas an der überzeugenden gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
geändert hätten. Die Vorinstanz hat zur Ermittlung des Invalideneinkommens zu Recht auf
die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im SMAB-Gutachten abgestellt, was
von der Beschwerdeführerin auch nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird.
b. Allerdings argumentiert die Beschwerdeführerin, bei einem von Medizinern ungenau
ermittelten Arbeitsfähigkeitsgrad - im vorliegenden Fall 50-60% - sei bei der Berechnung
des Invaliditätsgrades auf die niedrigste Arbeitsfähigkeit innerhalb dieser Bandbreite
abzustellen. Würde dieser Auffassung gefolgt, wäre im vorliegenden Fall bei der
Festlegung des Invalideneinkommens also eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
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von 50% zu berücksichtigen und nicht der Mittelwert von 55%, den die Vorinstanz
verwendet hat.
Die Bedeutung einer Bandbreite, mit der ein Gutachter die Arbeitsfähigkeit beziffert, ist
unter Berücksichtigung des jeweiligen Gesamtzusammenhangs zu ermitteln. So ist
denkbar, dass es nach Auffassung des Experten in der Macht des Versicherten liegt, das
Maximum der angegebenen Arbeitsfähigkeit umzusetzen. Diesfalls ist für die
Anspruchsbeurteilung vom höchsten angegebenen Wert auszugehen. Die Bandbreite kann
aber auch eine Grössenordnung im Sinne eines Rahmens darstellen, innerhalb dessen der
Gutachter die obere Grenze als eher zu hoch, die untere als eher zu niedrig ansieht. In
dieser Konstellation rechtfertigt es sich in der Regel, vom Mittelwert auszugehen (Urteil des
Bundesgerichts I 865/05 vom 15. Dezember 2006, E. 6.3).
Die Gutachter haben die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit 50-60% in einer
adaptierten Tätigkeit angegeben, ohne dass aus ihrer Einschätzung abgeleitet werden
könnte, eine volle Ausschöpfung dieser Arbeitsfähigkeit sei allein vom Willen und Einsatz
der Beschwerdeführerin abhängig. Die von der Vorinstanz in der Vernehmlassung
vertretene Ansicht, die gutachterliche Bandbreite sei einzig auf das „beschwerdebetonte
Aggravations-Verhalten“ der Beschwerdeführerin zurückzuführen, weshalb es vertretbar
wäre, bei der Festlegung des Invalideneinkommens von einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auszugehen, findet im Gutachten keinerlei Stütze. Die Gutachter
wiesen vielmehr lediglich darauf hin, dass die Diagnostik etwas erschwert gewesen sei, da
die Beschwerdeführerin relativ beschwerdebetont sei und sich Inkonsistenten in der
Beschwerdeschilderung gezeigt hätten; ebenfalls sei eine gewisse Aggravation festgestellt
worden (IV-act. 111, S. 29). Die nach Ansicht der Gutachter durchaus deutlich ausgeprägte
depressive Symptomatik und die gestützt darauf gestellte Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung erfolgte ausdrücklich nach Abzug der festgestellten Aggravation. Der
sinngemässe Vorwurf der Vorinstanz an die Beschwerdeführerin in der Vernehmlassung,
sie habe die „Ungenauigkeit“ der medizinischen Arbeitsunfähigkeitseinschätzung durch ihr
Verhalten selbst verschuldet, ist fehl am Platz. Überdies ist die Angabe einer gewissen
Bandbreite für eine medizinische Arbeitsunfähigkeitseinschätzung durchaus üblich, da es in
den meisten Fällen aus medizinischer Sicht gar nicht möglich ist, eine exakte,
prozentgenaue Schätzung abzugeben. Wird stattdessen für die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit eine gewisse Bandbreite abgegeben, ist für die Ermittlung des
Invalideneinkommens daher im Regelfall auf den Mittelwert abzustellen. So können
Rechtsungleichheiten vermieden werden, die aus der Art der Bezifferung resultieren
(Urteile des Bundesgerichts I 87/05 vom 15. Juni 2005, E. 3.5; 9C_193/2009 vom 20.
August 2009, E. 1.3.1).
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Im Resultat ist somit das Vorgehen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung, bei der
Festlegung des Invalideneinkommens von einer 55%-igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auszugehen, nicht zu beanstanden. Praxis- und
rechtsprechungsgemäss ist in Fällen wie dem vorliegenden auf den Mittelwert der
geschätzten Bandbreite zwischen 50-60% abzustellen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin besteht kein Anlass, von einem tieferen Wert von 50% auszugehen,
genau so wenig, wie es angezeigt wäre, den Maximalwert von 60% der Berechnung des
Invalideneinkommens zu Grunde zu legen, wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung
geltend macht.
c. Das Argument der Beschwerdeführerin, invalidenlohnmindernde Faktoren seien
kumulativ zu berücksichtigen, weshalb bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ein
Leidensabzug vorzunehmen sei, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen: Wird das
Invalideneinkommen auf der Grundlage statistischer Durchschnittswerte ermittelt, soll mit
dem sog. Leidensabzug der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und
berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die
verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_898/2015 vom 7. April 2016, E. 3.1, m.w.H.). Mit Blick auf das (niedrigste)
Kompetenzniveau, das bei der Festlegung des Invalideneinkommens der
Beschwerdeführerin berücksichtigt wurde, spielen weder das Alter noch fehlende
Dienstjahre eine entscheidende Rolle für die potentielle Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Urteil des Bundesgerichts 9C_200/2017 vom 14.
November 2017, E. 4.5 und 4.6, m.w.H.). Das von den Gutachtern als adaptiert
beschriebene Tätigkeitsprofil der Beschwerdeführerin - nämlich überwiegend
sachorientierte, gut strukturierte Tätigkeiten ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale
Belastbarkeit (vgl. IV-act. 111, S. 12 und 31) - und damit einhergehend die
leidensbedingten Einschränkungen wurden ausserdem bereits bei der Wahl des
Kompetenzniveaus ausreichend berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt diverse diesem Anforderungs- und Belastungsprofil der
Beschwerdeführerin entsprechende Hilfsarbeiten vorhanden sind, so dass sich die Frage
nach einem zusätzlichen Leidensabzug nicht stellt. Während Aufenthaltskategorie oder
Nationalität bei der Beschwerdeführerin, die Schweizerin ist, zum Vornherein keinen Grund
für einen Leidensabzug darstellen können, bedeutet auch der der Beschwerdeführerin
zumutbare Beschäftigungsgrad von 50-60% nicht, dass ein zusätzlicher Abzug angebracht
Seite 11
wäre. Eine Teilzeitbeschäftigung im Rahmen von der Beschwerdeführerin aus
medizinischer Sicht weiterhin möglichen 50-60% wirkt sich im Vergleich zu einer
Vollzeitbeschäftigung nicht lohnmindernd, sondern bei Frauen sogar eher lohnerhöhend
aus (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 9C_845/2014 vom 25. Februar 2015, E. 5.2;
9C_72/2017 vom 19. Juli 2017, E. 4.3; je m.w.H.). Damit kommt weder ein Teilzeit- noch
ein Leidensabzug in Frage.
Immerhin bleibt auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die von der Vorinstanz am
Schluss der Vernehmlassung angeführten, von der Beschwerdeführerin zu Recht
weitgehend als sachfremd bezeichneten Gründe, weshalb es gerechtfertigt sein soll,
„sämtliche Variablen zu Ungunsten der Versicherten auszulegen“, allesamt nicht dazu
führen könnten, einen Leidensabzug zu verweigern, wenn die Voraussetzungen für einen
solchen gegeben wären. Eine - aus welchen Gründen auch immer - erfolglos gebliebene
Arbeitsvermittlung, ein Psychiaterwechsel - aus welchen Gründen auch immer dieser
erfolgte -, sowie die konkrete Ausgestaltung einer von der behandelnden Psychiaterin als
„tagesklinisch“ bezeichneten Behandlung spielen keine Rolle für die Prüfung der
(rechtlichen) Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Leidensabzug zu gewähren ist oder
nicht, genauso wenig wie die in der Duplik in diesem Zusammenhang angeführte
Aggravation.
2.5
Damit ist im Resultat - aber nicht mit der von der Vorinstanz vorgebrachten Begründung,
sondern aus den aus obigen Erwägungen hervorgehenden Überlegungen - der Schluss der
Vorinstanz, bei der Beschwerdeführerin liege bei einem Valideneinkommen im Betrag von
Fr. 44‘522.-- und einem Invalideneinkommen im Betrag von Fr. 29‘340.-- kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad vor, zu bestätigen. Die leistungsabweisende
Verfügung ist zu Recht erfolgt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Vorliegend ist
der unterliegenden Beschwerdeführerin eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- aufzuerlegen,
die jedoch wegen der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege vorläufig auf die
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Staatskasse zu nehmen ist, unter Vorbehalt der Nachforderung für den Fall günstigerer
wirtschaftlicher Verhältnisse.
3.2.
Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind keine Parteientschädigungen auszurichten, da
die Beschwerdeführerin unterliegt (Art. 61 lit. g ATSG e contrario i.V.m. Art. 1 IVG) und da
die obsiegende IV-Stelle eine staatliche Einrichtung ist (Art. 61 lit. g ATSG e contrario; UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 199 f. zu Art. 61 ATSG).
Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch B_ gewährt
wurde, ist diesem jedoch zulasten der Staatskasse eine Entschädigung auszurichten. Im
Verfahren vor Obergericht in Sozialversicherungssachen wird die Entschädigung pauschal
bemessen (Art. 13 Abs. 1 lit. c Anwaltstarif, bGS 145.53). Das Honorar des unentgeltlichen
Rechtsvertreters richtet sich zwar grundsätzlich nach dem notwendigen Zeitaufwand, darf
aber nicht höher sein als das pauschal zu bemessende Honorar (Art. 23 Abs. 1 und 24 Abs.
2 Anwaltstarif). Eine Kostennote liegt nicht vor. B_ wird unter diesen Umständen die in
gleichartigen Fällen übliche Pauschalentschädigung im Betrag von Fr. 2‘250.-- gewährt,
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer. Mit dieser Entschädigung ist der notwendige
Aufwand des unentgeltlichen Rechtsvertreters im vorliegenden Beschwerdeverfahren in
angemessener Weise abgegolten. Auch diese Zahlung zu Lasten der Staatskasse erfolgt
unter ausdrücklichem Vorbehalt der Rückforderung bei der Beschwerdeführerin für den Fall
günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
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