Decision ID: 3009d52f-19ae-5a29-9eb0-af6469e6db43
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Der 1966 geborene A_ war seit Juni 1997 beim Hotel C_ als Sous Chef angestellt und
bei der B_ Versicherungen AG (nachfolgend: B_) obligatorisch unfallversichert, als er
am 26. Juli 1997 einen Motorradunfall erlitt (act. 8.1/A1). Die medizinische Erstversorgung
fand im Kantonsspital St. Gallen statt, wo eine Commotio Cerebri, eine nicht dislozierte
Acetabulum-Fraktur rechts (Fissur) sowie eine Commotio spinalis diagnostiziert wurde
(act. 8.2/M2). Die B_ kam für die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus.
B. Vom 29. Oktober 1997 bis 26. November 1997 hielt sich A_ stationär in der Klinik Valens
auf (act. 8.2/M40). Im Juli 1998 nahm Dr. med. D_, Facharzt FMH Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Rorschach, eine Arthroskopie und
mediale Teilmeniskektomie am linken Knie vor (act. 8.2/M12). Es folgten zahlreiche weitere
Behandlungen zunächst des linken Knies und später auch des rechten Knies und vom 7.
Oktober 2008 bis 22. Januar 2009 ein Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon (act. 8.2/M58).
Am 4. Februar 2010 erstattete die MEDAS Ostschweiz, St. Gallen, der B_ das in Auftrag
gegebene polydisziplinäre medizinische Gutachten (act. 8.2/M74).
C. Mit Verfügung vom 10. Juli 2012 sprach die B_ A_ eine Integritätsentschädigung von
Fr. 9‘720.--, basierend auf einem Beeinträchtigungsgrad von 10%, zu (act. 8.1/A191). Am
24. Mai 2016 verfügte die B_, dass für das rechte Knie keine Leistungspflicht bestehe,
dass die Höhe der bleibenden Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit infolge der
Knieverletzung links auf 20% festgelegt werde, dass ab 1. Februar 2014 Anspruch auf eine
monatliche Invalidenrente in Höhe von Fr. 841.95 bestehe und dass ab Juli 2015 unter
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Vorbehalt von Rückfällen und Spätfolgen kein Anspruch mehr auf Heilungskosten bestehe
(act. 8.1/A219). Dagegen liess A_ am 21. Juni 2016 Einsprache erheben (act. 8.1/A224).
D. Mit Schreiben vom 20. März 2017 kündigte die B_ A_ eine reformatio in peius an (act.
8.1/A231). Am 28. April 2017 liess er hierzu Stellung nehmen (act. 8.1/A233). Mit
Einspracheentscheid vom 23. Mai 2017 hob die B_ ihre Verfügung vom 24. Mai 2016 auf
und wies den Anspruch auf Versicherungsleistungen ab dem 1. Juli 2017 ab
(act. 8.1/A234).
E. Am 29. Mai 2017 liess A_ beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden Beschwerde mit
den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben (act. 1). In der Beschwerdeantwort vom
11. Oktober 2017 beantragte die B_ die Abweisung der Beschwerde sowie den Entzug
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (act. 7). Am 15. November 2017 liess A_
die Replik einreichen (act. 15). Der Einzelrichter des Obergerichts trat mit Entscheid vom
14. November 2017 (Verfahren Nr. ERV 17 52) auf das Gesuch der B_ um Entzug der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nicht ein (act. 16). Die Duplik der B_ ging am
8. Dezember 2017 ein (act. 18).
F. Auf die Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den
medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März
1981 über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Seite 4
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. 2.1
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt grundsätzlich
das Vorliegen eines Berufsunfalls, eines Nichtberufsunfalls oder einer Berufskrankheit
voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein-
wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod
zur Folge hat (Art. 4 ATSG).
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat zudem Anspruch
auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
2.2
Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt nebst anderem
einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und E. 3.2).
2.2.1
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne de-
ren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei-
chen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend
dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedin-
gungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat,
der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die einge-
tretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, BGE 119 V 335 E. 1, BGE
118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürli-
cher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber im Beschwerdefall das Ge-
richt im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan-
spruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, BGE 119 V 335 E. 1, BGE 118 V 286 E. 1b, je mit
Hinweisen).
Seite 5
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Formel "post hoc, ergo propter hoc", wonach eine
gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, wenn sie nach
diesem aufgetreten ist, nicht zur Anwendung kommt (Urteil des Bundesgerichts
8C_355/2018 vom 29. Juni 2018 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 119 V 335 E. 2b/bb).
2.2.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang be-
steht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfol-
ges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbei-
zuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt er-
scheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, BGE 125 V 456 E. 5a).
Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Be-
reich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.3
Der leistungsbegründende Kausalzusammenhang muss mit dem Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_819/2016
vom 4. August 2017 E. 3.2.1). Während bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang über-
haupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für
einen behaupteten Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens des Status quo sine
(oder allenfalls des Status quo ante) der Unfallversicherer (Urteile des Bundesgerichts
8C_187/2017 vom 11. August 2017 E. 2.2 und 8C_819/2016 vom 4. August 2017 E. 3.2.1
und E. 4.3).
Wenn sich der Unfallversicherer über seine ursprüngliche Leistungspflicht geirrt hat, d.h.
der Ansicht ist, dass er gar nie leistungspflichtig geworden sei und die bisherigen Leistun-
gen (Heilbehandlung und Taggelder) zu Unrecht ausgerichtet worden seien, erübrigt sich
der Nachweis eines Dahinfallens einer – fälschlicherweise – faktisch anerkannten Unfall-
kausalität. Vielmehr trägt der Unfallversicherer die Beweislast darlegen zu können, dass –
trotz seiner anfänglichen Leistungsausrichtung – ein natürlicher Kausalzusammenhang
zwischen Unfallereignis und Verletzungen oder Beschwerden gar nie bestanden hatte.
Kann der Unfallversicherer diesen Nachweis nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
Seite 6
erbringen, bleibt seine anfänglich (faktisch) bejahte Leistungspflicht bestehen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_819/2016 vom 4. August 2017 E. 6.1, vgl. zum Ganzen: MICHAEL E.
MEIER, Beweislastverteilung bei Entstehung und Wegfall der natürlichen Kausalität für Heil-
behandlung und Taggelder in der Unfallversicherung, SZS 2017 S. 658ff).
Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt,
die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweis-
regel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Un-
tersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln,
der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteile
des Bundesgerichts 8C_819/206 vom 4. August 2017 E. 3.2.3 und 8C_187/2017 vom
11. August 2017 E. 2.2, je mit Hinweis auf BGE 138 V 218 E. 6).
2.4
Bei Taggeldern und Heilbehandlung handelt es sich nicht um Dauerleistungen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_187/2017 vom 11. August 2017 E. 2.3). Der Unfallversicherer hat die
Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeld anerkannte Leis-
tungspflicht mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne Berufung auf den Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen mit der Begründung, ein
versichertes Ereignis liege – bei richtiger Betrachtungsweise – gar nicht vor (Urteile des
Bundesgerichts 8C_33/2018 vom 14. Juni 2018 E. 2.2 und 8C_487/2017 vom 9. November
2017 E. 3.3.1, je mit Hinweis auf BGE 130 V 380 E. 2.3.1).
3. 3.1
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer im Juli 1997 einen Motorradunfall erlitten hat.
Nicht streitig ist weiter, dass die Vorinstanz Versicherungsleistungen für das linke Knie er-
bracht hat. Nicht einig sind sich die Parteien hinsichtlich der Frage, ob die Vorinstanz auch
Versicherungsleistungen für das rechte Knie erbracht hat. Umstritten und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer über die von der Vorinstanz verfügte Leistungseinstellung ab 1. Juli
2017 hinaus weiterhin Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat.
Dabei ist insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz zur Recht den Kausalzusammenhang
zwischen den Kniebeschwerden im rechten (vgl. E. 4) und linken (vgl. E. 5) Knie zum im
Juli 1997 erlittenen Motorradunfall verneint hat.
Seite 7
3.2
Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, es liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor,
da im Einspracheentscheid zur Frage, ob am rechten Knie der status quo sine im Zeitpunkt
des MEDAS-Gutachtens erreicht worden sei, keine Stellung genommen worden sei (act. 1-
10/14). Im Gutachten seien die bestehenden Schmerzen und Einschränkungen am rechten
Knie mehrfach beschrieben worden, ohne dass die Gutachter dabei ausgeführt hätten, es
handle sich um einen krankhaften Zustand oder rein degenerative Veränderungen (act. 1-
10/14). Der Unfall stelle in Bezug auf das rechte Knie zumindest eine Teilursache dar
(act. 1-11/14). Die Vorinstanz habe Heilbehandlungskosten am rechten Knie übernommen
und damit die Unfallkausalität bejaht, weshalb sie den Nachweis erbringen müsse, dass die
nunmehr bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallkausal seien (act. 1-11/4). Initial hät-
ten diverse Einschränkungen am rechten Bein bestanden und auch allein aufgrund des
Unfallhergangs und –mechanik sei eine initiale Schädigung des rechten Knies überwiegend
wahrscheinlich (act. 15-4/8). In Bezug auf das linke Knie bestehe aufgrund der Aktenlage,
insbesondere dem voll beweiskräftigen MEDAS-Gutachten, welches von den Vorinstanz
nicht in Zweifel gezogen worden sei, dem Bejahen der Leistungspflicht während 19 Jahren
und der Verfügung vom 10. Juli 2012, in welchem die Vorinstanz die Unfallkausalität ein
weiteres Mal anerkannt habe, kein Zweifel, dass die Schädigung des linken Knies über-
wiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 26. Juli 1997 zurückzuführen sei (act.
1-10/14). Allein aufgrund des Unfallhergangs – gemäss Unfallrapport sei er von der linken
Seite angefahren worden – und der Unfallmechanik sei eine initiale Schädigung des linken
Knies überwiegend wahrscheinlich (act. 15-4/8). Die Vorinstanz habe bei der Bejahung der
Leistungspflicht nicht auf Dr. med. E_ und Dr. med. D_ abgestellt, sondern externe
Experten – die Schulthess Klinik und die MEDAS – beigezogen, welche die Leistungspflicht
immer wieder bejaht hätten (act. 15-6f/8). Es obliege der Vorinstanz mittels eines
schlüssigen medizinischen Gutachtens, welches das MEDAS-Gutachten wiederlege,
nachzuweisen, dass die Leistungspflicht weggefallen sei (act. 15-7/8).
3.3
Die Vorinstanz stellt sich hingegen auf den Standpunkt, bezüglich des rechten Knies trage
der Beschwerdeführer die Beweislast für die ursprüngliche Begründung der Kausalität. Sie
habe dafür niemals Leistungen erbracht und eine Leistungspflicht weder explizit noch kon-
kludent anerkannt (act. 7-7/14). In den Akten fänden sich keinerlei Hinweise, welche für
eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität sprächen. Sodann seien keine Brücken-
symptome dokumentiert (act. 7-9/14). Die behauptete Unfallkausalität werde ohnehin ledig-
lich im Rahmen des Möglichen explizit erwähnt. Die Beschwerden am rechten Knie bestän-
den bestenfalls – wenn überhaupt – möglicherweise in einem natürlichen Kausalzusam-
menhang mit dem Ereignis vom 26. Juli 1997 (act. 18). Auch in Bezug auf das linke Knie
Seite 8
vertritt die Vorinstanz die Auffassung, dass der Beschwerdeführer die Beweislast für die
Kausalität trage, da die Unfallkausalität bei genauerer Betrachtung gar nie bestanden habe
(act. 7/8-14). Dr. med. E_, Dr. med. D_ und das MEDAS-Gutachten hätten sich –
wenn überhaupt – ohne schlüssige medizinische Begründung zur Unfallkausalität
geäussert. Durch die aufgeführten Berichte liessen sich auch keine Brückensymptome
belegen (act. 7-10f/14). Wäre das linke Knie beim Unfall verletzt worden, wären
Beschwerden sofort oder zumindest zeitnah aufgetreten (act. 18).
4. 4.1
In Bezug auf das rechte Knie liegen folgende massgebenden medizinischen Unterlagen
vor:
4.1.1
Im Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen, vom 11. August
1997 über die Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 26. Juli bis 1. August 1997
wurde in der Anamnese dargelegt, dass der Beschwerdeführer am 26. Juli 1997 einen Töff-
Unfall erlitten habe. Er habe beginnend ein gefühlloses rechtes Bein gehabt und im rechten
Bein ein vollständiger Sensibilitätsausfall. Am rechten Bein sei eine deutliche, diffuse
Kraftminderung aller Kennmuskeln festgestellt worden. Im Verlauf wurde ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer am 1. August 1997 in gutem allgemeinem und lokalem Zustand, an
zwei Gehstöcken mit einer antalgischen Teilbelastung wegen Schmerzen im rechten Hüft-
bereich entlassen worden sei (act. 8.2/M2).
4.1.2
Im Zwischenbericht von Dr. med. E_, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin,
Rorschach, vom 1. Oktober 1997, führte er zum Verlauf aus, dass der Beschwerdeführer
einen unsicheren, ataktischen Gang bei deutlicher Quadrizepsschwäche rechts zeige: er
könne mit dem rechten Bein keinen Tritt besteigen (act. 8.2/M3). Im Bericht vom 31.
Oktober 1997 wies Dr. med. E_ auf die immer noch bestehende Schwäche und
Unsicherheit im rechten Bein hin, welche seit dem 3. Oktober 1997 zweimal zu Stürzen
geführt habe und den Beschwerdeführer an längerem Stehen oder Gehen hindere (act.
8.2/M5).
4.1.3
Dr. med. F_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Klinik für Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen, wies im
Kontrollbericht vom 10. Oktober 1997 auf die Aussage des Beschwerdeführers hin, welcher
über geringer werdende Hüftschmerzen in letzter Zeit berichtete, aber über eine immer
Seite 9
noch bestehende Schwäche und Unsicherheit im rechten Bein. Klinisch fände sich ein
leicht hinkendes Gangbild, leichte Schwäche im Fuss rechts (act. 8.2/M6).
4.1.4
Im Austrittsbericht der Klinik Valens vom 10. Dezember 1997 über den stationären Aufent-
halt des Beschwerdeführers vom 29. Oktober 1997 bis 26. November 1997 wurde erwähnt,
dass es seit 1. Oktober 1997 zu einer progredienten Beschwerdezunahme mit einer dis-
kreten Hemiparese rechts und einer Gangunsicherheit gekommen sei. Im Verlauf der Hos-
pitalisation sei es zu einer Rückbildung der Symptomatik gekommen und bei Austritt be-
stehe lediglich noch eine leichtgradige Fussheberschwäche rechts. In der Zusammenfas-
sung der Krankengeschichte wurde ausgeführt, dass nach anfänglicher beinbetonter Tetra-
parese mit rechtsbetonten Sensibilitätsstörungen sich diese Beschwerden rasch zurückge-
bildet hätten. Anfangs Oktober seien erneut Gleichgewichtsstörungen mit einer Falltendenz
nach rechts aufgetreten, zudem eine Schwäche am Fussheber rechts. Diese seien be-
lastungsabhängig gewesen und seien in Verbindung mit nicht radikulär vereinbaren Sensi-
bilitätsstörungen im Sinne eines Taubheitsgefühls rechts aufgetreten. Die Sensibilitäts-
störungen hätten sich hauptsächlich im medialen Unterschenkelbereich und im gesamten
Fuss manifestiert. Im Austrittsbericht der Physiotherapie wurde berichtet, dass der Be-
schwerdeführer noch eine Gangunsicherheit zeige, vor allem in Folge seiner gesamten
schwächeren rechten Seite und einer Fussheberschwäche rechts, wegen der er auch
schon 4 – 5 mal gestürzt sei (act. 8.2/M40).
4.1.5
Anlässlich eine Telefonats vom 4. Juli 2007 mit der Vorinstanz berichtete der Beschwerde-
führer, dass er sich vor rund 2 – 3 Tagen das rechte Bein verdreht habe (act. 8.1/A91).
4.1.6
Gemäss dem Bericht von Dr. med. G_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädie am Rosenberg, St. Gallen, vom 3.
September 2007 berichtete der Beschwerdeführer anlässlich einer Untersuchung am 28.
August 2007 von einem vor einigen Wochen stattgefundenen Sturzereignis. Dies aufgrund
einer Schwäche im linken Kniegelenk, wobei er sich damals ein Hämatom am rechten Fuss
zugezogen habe. In der Folge habe das rechte Kniegelenk erneut mehrmals nochmals
nachgegeben (act. 8.2/M43).
4.1.7
Im Bericht vom 27. Februar 2008 gab Dr. med. G_ die Aussage des Beschwerdeführers
wieder, wonach sich die Situation erneut etwas gebessert habe. In letzter Zeit seien auch
Seite 10
Schmerzen rechts aufgetreten mit Hauptlokalisation an der Knieaussenseite, dies vor allem
beim Stehen mit durchgestrecktem Bein, ebenfalls beim Treppen steigen (act. 8.2/M45). Im
Bericht vom 28. März 2008 gab Dr. med. G_ erneut an, dass der Beschwerdeführer in
letzter Zeit über zunehmende Beschwerden rechts klage. Eine am 10. März 2008
durchgeführte MRI-Untersuchung des rechten Kniegelenks (vgl. act. 8.2/M48) zeige eine
laterale Meniscuspathologie mit Rupturen im Vorderhornbereich, eine Chondropathie und
wahrscheinlich Chondrokalzinose im lateralen Kompartiment, eine Chondropathie Grad II
im medialen Kompartiment, eine leichtgradige Hoffahypertrophie. Es stelle sich die Frage
nach einer Arthroskopie des rechten Kniegelenks, einem arthrokopischen Debridement
(act. 8.2/M46). Der beratende Arzt der Vorinstanz, Dr. med. H_, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, legte dar, dass aufgrund der Aktenangaben die rechtsseitigen
Kniegelenksbeschwerden ohne Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 1997
beständen (act. 8.2/M50).
4.1.8
Im Bericht vom 4. März 2015 stellte Dr. med. G_ in Bezug auf das rechte Knie die
folgenden Diagnosen: initiale Varusgonarthrose, laterale Meniskuspathologie im
Vorderhornbereich und Chondrokalzinose. Er führte aus, dass seit drei Wochen vermehrt
Beschwerden beständen (act. 8.2/M91).
4.1.9
Am 24. März 2015 meldete sich der Beschwerdeführer telefonisch bei der Vorinstanz und
teilte mit, er habe aufgrund der Fehlbelastung – herrührend vom unfallbedingt geschädigten
linken Knie – vermehrt Kniebeschwerden rechts. Dr. med. G_ habe einen
Meniskusschaden festgestellt und er müsse am 21. April 2015 in die Klinik zur Operation
eintreten. Er müsse aber eingestehen, dass wohl eher Krankheitsfolgen vorlägen
(act. 8.1/A197).
4.1.10
Dr. med. J_, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie Rosenberg, St. Gallen, gab im Bericht vom
19. November 2015 an, der Beschwerdeführer habe am 4. November 2015 beim Arbeiten
ein Kniegelenksdistorsionstrauma rechts erlitten. Seither klage er über zunehmende
Schmerzen sowie Schwellung des rechten Kniegelenks (act. 8.2/M94).
4.2
Gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten ist in Bezug auf das rechte Knie zusam-
menfassend festzuhalten, dass unmittelbar nach dem Verkehrsunfall vom 26. Juli 1997
Seite 11
unter anderem eine nicht dislozierte Acetabulum-Fraktur rechts diagnostiziert wurde (act.
8.2/M1). In der Folge klagte der Beschwerdeführer gemäss Bericht des Hausarztes Dr.
med. E_ über eine deutliche Quadrizepsschwäche rechts (act. 8.2/M3). Im darauf
folgenden weiteren Verlauf standen jedoch Beschwerden im linken Knie im Mittelpunkt. Im
Juli 2007 – mithin rund 10 Jahre nach dem Motorradunfall – erfolgte offenbar ein Verdrehen
des rechten Beines (act. 8.1/A91 und act. 8.2/M43). Kniebeschwerden rechts traten dann
erneut im Februar 2015 – mithin rund 18 Jahre nach dem Motorradunfall – auf (act.
8.1/A197 und act. 8.2/M92).
Aus den Akten ergibt sich sodann in Bezug auf die Frage der Unfallkausalität, dass – ge-
mäss Aussage des Beschwerdeführers vom 28. Mai 2008 – Dr. med. G_ der Meinung
sei, die vorgesehene Kniearthroskopie sei krankheitsbedingt (act. 8.1/A106). Der beratende
Arzt der Vorinstanz, Dr. med. H_, war im Juni 2008 der Ansicht, dass die rechtsseitigen
Kniegelenksbeschwerden ohne Kausalzusammenhang mit dem 1997 erlittenen Unfall
ständen. Im polydisziplinären medizinischen Gutachten der MEDAS vom 4. Februar 2010
wurde in Beantwortung der gutachterlichen Fragen zusammenfassend aus somatisch-
orthopädischer Sicht festgehalten, dass eine Beeinträchtigung des rechten Kniegelenks
aufgrund einer vorübergehenden Überlastung möglich sei, wobei die oben angegebenen
anamnestischen Angaben zu berücksichtigen und geeignet seien, Ver-
schleisserscheinungen an Kniegelenken zu erwirken (jahrelanger Hochleistungssport) (act.
8.2/M47-S. 42). Im Telefonat vom 25. März 2015 mit der Vorinstanz gestand der Be-
schwerdeführer ein, dass wohl eher Krankheitsfolgen vorlägen bezüglich seiner Kniebe-
schwerden rechts (act. 8.1/A197).
4.3
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegt im Umstand, dass im Einspracheent-
scheid der Vorinstanz nicht darauf eingegangen wurde, ob am rechten Knie der status quo
sine im Zeitpunkt des MEDAS-Gutachtens erreichten worden sei, keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs. Stützt die Vorinstanz doch ihre Argumentation darauf ab, dass die erst
zehn Jahre nach dem Ereignis erstmals erwähnten rechtsseitigen Kniebeschwerden eine
Schädigung, welche auf den Verkehrsunfall vom 26. Juli 1997 zurückzuführen sei, nicht
rechtsgenüglich zu beweisen vermögen (act. 2.1). Der Ansicht des Beschwerdeführers
kann gestützt auf die vorliegenden Akten auch insofern nicht gefolgt werden, als die
Vorinstanz die Leistungspflicht in Bezug auf das rechte Knie nie anerkannt hat.
Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlich-
keitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen. Bei Beweislosigkeit fällt der
Seite 12
Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus. Werden durch einen Unfall Beschwerden
verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis verursachten
Schaden, spätere Gesundheitsstörungen dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome
gegeben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010 E. 2.3 mit Hin-
weisen).
Aufgrund des grossen zeitlichen Abstands zwischen dem Motorradunfall vom 7. Juli 1997
und dem Auftreten von Beschwerden im Kniegelenk rechts – mithin rund 10 Jahre be-
ziehungsweise rund 18 Jahre - sind gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
strenge Anforderungen an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusam-
menhangs zu stellen. In den ärztlichen Berichten sind hierzu – mit Ausnahme im MEDAS-
Gutachten – keine differenzierten begründeten Aussagen vorhanden. Und selbst im
MEDAS-Gutachten wird unter Verweis auf die früheren sportlichen Höchstleistungen ledig-
lich die Möglichkeit der Beeinträchtigung des rechten Kniegelenks aufgrund einer vorüber-
gehenden Überlastung erwähnt. Brückensymptome sind sodann keine dokumentiert. Die
Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang trägt der Beschwerdeführer. In den
Akten finden sich jedoch entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keinerlei Hinweise,
welche für eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität sprächen. Somit hat die
Vorinstanz die Leistungspflicht in Bezug auf das rechte Knie zu Recht verneint.
5. 5.1
Vorauszuschicken ist, dass aufgrund der oben erwähnten Rechtsprechung (vgl. E. 2.4) das
Zurückkommen der Vorinstanz auf die Leistungsanerkennung – unbeachtlich des Zeitab-
laufs – zulässig ist, macht doch die Vorinstanz geltend, bei genauerer Betrachtung habe
eine Unfallkausalität gar nie bestanden. Sodann kann entgegen der Ansicht des Beschwer-
deführers die Unfallversicherung trotz zugesprochener Integritätsentschädigung die Aus-
richtung weitergehender Leistungen, insbesondere einer Invalidenrente, mangels rechts-
genüglicher Kausalität ablehnen (Urteile des Bundesgerichts 8C_162/2009 vom 28. August
2009 E. 3.2 und 8C_22/2010 vom 28. September 2010 E. 4.1).
5.2
In Bezug auf das linke Knie zeigen die massgebenden medizinischen Unterlagen das fol-
gende Bild:
5.2.1
Im Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen, vom 11. August
1997 über die Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 26. Juli bis 1. August 1997
wurde in der Anamnese dargelegt, dass der Beschwerdeführer am 26. Juli 1997 einen Töff-
Seite 13
Unfall erlitten habe. Er habe links eine diffuse Hyposensibiltät mit erhaltener Motorik gehabt
(act. 8.2/M2).
5.2.2
Im Bericht vom 24. Juni 1998 diagnostizierte Dr. med. D_ eine Meniskusläsion links. Der
Beschwerdeführer leide seit einigen Wochen an belastungsabhängigen Schmerzen in der
Kniekehle links (act. 8.2/M13). Gemäss dem Operationsbericht vom 7. Juli 1998 wurde eine
Arthroskopie und mediale Teilmeniskektomie durchgeführt. (act. 8.2/M12).
5.2.3
Dr. med. E_ diagnostizierte im ärztlichen Verlaufsbericht vom 29 Juli 1998 eine mediale
Meniskusläsion links und attestierte einen problemlosen postoperativen Verlauf (act.
8.2/M11).
5.2.4
Im ärztlichen Verlaufsbericht vom 14. August 1998 an die Vorinstanz führte Dr. med. E_
unter dem Titel Verlauf aus, dass er betreffs Kausalität Meniskusläsion Unfall zwei Kopien
des operierenden Orthopäden Dr. med. D_ zusende. Aus diesen Unterlagen gehe, wie
ihm scheine, hervor, dass die Meniskusläsion im Zusammenhang stehe mit dem Unfall vom
26. Juli 1997 (act. 8.2/M13).
5.2.5
Dr. med. E_ berichtete im Verlaufsbericht vom 1. September 1998, dass am 17. Juli
1998 der Abschluss der Behandlung gewesen und keine Beschwerden am Knie vorhanden
gewesen sei (act. 8.2/M15).
5.2.6
Dr. med. D_ erwähnte im Verlaufsbericht vom 9. November 1998 einen problemlosen
postoperativen Verlauf. Anlässlich der letzten Kontrolle am 1. September 1998 hätten noch
gelegentliche Restschmerzen lateral im linken Kniegelenk bestanden. Klinisch liege eine
Quadrizeptsatrophie links, leichter Erguss, vor. Zudem erwähnte er, dass der
Beschwerdeführer nicht mehr zur Nachkontrolle erschienen sei, sodass die Behandlung
nun als abgeschlossen betrachtet werden könne (act. 8.2/M16).
5.2.7
Im Verlaufsbericht vom 4. Juni 1999 erwähnte Dr. med. D_ persistierende
Belastungsschmerzen in der linken Kniekehle, wenig Erguss, angedeutet positive Menis-
kuszeichen bei sonst unauffälligem Befund (act. 8.2/M17). Am 2. Juli 1999 wurde eine
Seite 14
Kernspintomographie des linken Knie durchgeführt (act. 8.2/M18). Im Bericht vom
11. August 1999 wies Dr. med. D_ auf trotz Physiotherapie unveränderte Beschwerden
hin. Ausser einem angedeutet positivem Meniskuszeichen sowie einem diskreten Erguss
unauffälliges Kniegelenk (act. 8.2/M19). Der bisherige Verlauf und gegenwärtige Zustand
blieb gemäss ärztlichem Verlaufsbericht vom 26. Oktober 1999 unverändert, wobei der
Abschluss der Behandlung am 20. August 1999 stattgefunden habe (act. 8.2/M20).
5.2.8
Dr. med. K_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie am Rosenberg, diagnostizierte im Bericht vom
28. August 2000 Restbeschwerden bei Zustand nach partieller medialer Meniscectomie
links und empfahl eine nochmalige Arthroskopie (act. 8.2/M23).
5.2.9
Dr. med. E_ stellte im Verlaufsbericht vom 21. Februar 2001 die aktuelle Diagnose einer
Arthroskopie und Shaving, mediale Teilmeniscektomie, offene Patellazentrierung am 18.
Dezember 2000 bei Läsion des medialen Restmeniskus links. Er habe den
Beschwerdeführer im Dezember 2000 und Januar 2001 mehrmals gesehen, er klage noch
über Schmerzen im Bereich des lateralen Gelenkspaltes des linken Knies (act. 8.2/M24).
5.2.10
Im ärztlichen Verlaufsbericht vom 22. März 2001 attestierte Dr. med. D_ dem
Beschwerdeführer einen problemlosen postoperativen Verlauf. Anlässlich der letzten
Kontrolluntersuchung sei er zufrieden gewesen, ausser einer leichten Quadrizepsatrophie
links unauffälliges Kniegelenk (act. 8.2/M25).
5.2.11
Im Kostengutsprachegesuch vom 25. Februar 2004 berichtet Dr. med. D_, dass der
Beschwerdeführer über persistierende belastungsabhängige Schmerzen im linken Knie
klage (act. 8.2/M27). Im Verlaufsbericht vom 11. März 2004 sowie vom 11. August 2004
über die Konsultation vom 24. Februar 2004 berichtet er über seit 3 Monate zunehmende
dorso-mediale belastungsabhängige Schmerzen des Beschwerdeführers im linken
Kniegelenk. Seit der Konsultation habe er den Beschwerdeführer nicht mehr gesehen (act.
8.2/M28 und act. 8.2/M29).
Seite 15
5.2.12
Dr. med. L_, Facharzt orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-
gungsapparates, Kantonales Spital Rorschach, wies im Bericht über das Konsilium vom
3. August 2005 darauf hin, dass seit einiger Zeit wieder vermehrte Beschwerden mit medial
wie lateral lokalisierten Schmerzen, Blockierungsphänomen und auch zeitweilige Schwel-
lungen am linken Knie aufträten. Er habe dem Beschwerdeführer eine gelegentliche er-
neute Arthroskopie des linken Kniegelenkes vorgeschlagen (act. 8.2/M31). Am 23. Februar
2006 wurde im Kantonalen Spital Rorschach am linken Knie eine Arthroskopie durchgeführt
(act. 8.2/M33). In der Sprechstunde vom 6. April 2006 wurden deutlich regrediente Be-
schwerden bei allerdings noch mässiggradigen Restbeschwerden festgestellt (act.
8.2/M34). Dr. med. E_ erwähnte im Verlaufsbericht vom 25. April 2006, dass seit 6
Monaten zunehmende Beschwerden im linken Kniegelenkt aufgetreten seien (act.
8.2/M35).
5.2.13
Im Bericht von Dr. med. M_, Facharzt FMH orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, Kantonales Spital Rorschach, über die ambulante Sprechstunde
vom 4. September 2006 wird darauf hingewiesen, dass seit einiger Zeit zunehmende
Beschwerden mit einem Knacken im linken Kniegelenk aufgetreten seien (act. 8.2/M37).
Am 11. September 2006 wurde im Kantonalen Spital Rorschach am linken Knie eine
Arthroskopie, ausgiebige Spülung und Knorpelglättung durchgeführt (act. 8.2/M38).
5.2.14
Anlässlich der Besprechung zwischen dem Beschwerdeführer und dessen Anwalt mit der
Vorinstanz machte ersterer geltend, er habe erstmals in der Klinik Valens – dort hielt er sich
vom 29. Oktober bis 26. November 1997 auf – Schmerzen im linken Knie gespürt. Da die
anderen Beschwerden im Vordergrund gestanden seien, habe man dem linken Knie vorerst
gar keine Beachtung geschenkt (act. 8.1/A60).
5.2.15
Im Bericht der Schulthess Klinik über die Konsultation vom 25. Januar 2007 gaben die
beiden Fachärzte FMH orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa-
rates, Dr. med. N_ und Dr. med. O_, an, die erhobenen Befunde seien vorwiegend
wahrscheinlich in natürlichem kausalem Zusammenhang zum Unfall vom 26. Juli 1997 (act.
8.2/M39).
Seite 16
5.2.16
Im Bericht vom 28. März 2008 erwähnte Dr. med. G_, dass die Situation seitens des
linken Kniegelenkes unverändert sei (act. 8.2/M46). Im Bericht vom 8. Mai 2008 machte er
geltend, der Beschwerdeführer habe im Anschluss an seinen Motorradunfall nach einer
Latenzzeit von Monaten über linksseitige Kniegelenksbeschwerden geklagt. Er habe den
Beschwerdeführer am 13. April 2007 erstmals untersucht und auffallend sei ein massives
linksseitiges Hinken, bei insgesamt reizlosem gut beweglichem Kniegelenk (act. 8.2/M41).
5.2.17
Am 27. Mai 2009 berichtete Dr. med. G_ über weiterhin bestehende Beschwerden, links
ausgeprägter als rechts (act. 8.2/M62). Im Bericht vom 5. November 2009 gab er an, der
Beschwerdeführer verspüre in letzter Zeit vermehrt Beschwerden (act. 8.2/M71).
5.2.18
Im polydisziplinären medizinischen Gutachten der MEDAS vom 4. Februar 2010 wurde
ausgeführt, nach wiederholten operativen Eingriffen zeige sich das linke Kniegelenk ohne
Erguss oder Kapselschwellung. Es bestehe ein retropatellares Knorpelreiben bei endgradig
eingeschränkter Beugefähigkeit. Das MRI vom 24. November 2009 zeige linksseitig dege-
nerative Veränderungen im Kniegelenk, es seien Zeichen einer Chondropathie feststellbar.
Der klinische Befund sei mit dem MRI-Befund korrelierbar, nicht nachvollziehbar seien das
Ausmass und die Intensität der vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden (act.
8.2/M74-S. 40f). In Bezug auf die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs wurde
ausgeführt, dass zusammenfassend aus somatisch-orthopädischer Sicht festzuhalten sei,
dass das Ereignis vom 26. Juli 1997 als eine entscheidende Teilursache beziehungsweise
als alleinige Ursache der Beschwerden des linken Kniegelenks gesehen werde. Der Be-
schwerdeführer berichte, dass er einige Wochen nach dem Unfall vom 26. Juli 1997 ein
Wegknicken des linken Beines unterhalb des Kniegelenks verspürt habe (act. 8.2/M74-
S. 42).
5.2.19
Im Bericht vom 17. November 2010 gab Dr. med. G_ an, der Beschwerdeführer verspüre
in letzter Zeit wiederum verstärkt Beschwerden (act. 8.2/M79). Am 7. Juni 2012 berichtete
er über eine insgesamt doch gebesserte Situation, nachdem der Beschwerdeführer eine C
Ti Brace trage (act. 8.2/M86).
Seite 17
5.2.20
Dr. med. G_ berichtete am 1. Juli 2013, der Beschwerdeführer verspüre in letzter Zeit
zunehmend Beschwerden beidseitig an der Knieinnenseite (act. 8.2/M87). Im Bericht von
26. Juni 2014 wies er auf eine in letzter Zeit nicht wesentlich geänderte Situation hin (act.
8.2/M90). Am 29. September 2016 berichtete Dr. med. G_ über weiterhin bestehende
beidseitige Kniegelenksschmerzen, wobei eine MRI-Untersuchung des linken Kniegelenks
geplant sei (act. 8.2/M97). Im Verlaufsbericht vom 6. Oktober 2016 wies Dr. med. G_ auf
die eher zunehmenden Beschwerden durch die relative Immobilisierung des linken
Kniegelenks hin (act. 8.2/M98). Am 25. November 2016 berichtete er über weiterhin
bestehende beidseitige Kniegelenksbeschwerden beidseitig, links ausgeprägter als rechts
(act. 8.2/M99).
5.2.21
Am 13. Februar 2017 telefonierte der Beschwerdeführer der Vorinstanz und teilte mit, das
linke Knie bereite ihm momentan Probleme (act. 8.1/A228).
5.3
Da die Vorinstanz unbestrittenermassen für das linke Knie Versicherungsleistungen er-
bracht hat, obliegt es ihr nachzuweisen, dass für die weiterhin geklagten Beschwerden
richtigerweise gar nie eine Unfallkausalität bestanden hat. Denn der Unfallversicherer darf
seine Leistungen pro futuro – vorliegend aufgrund des Einspracheentscheides vom 23. Mai
2017 ab dem 1. Juli 2017 – nur einstellen, wenn er die originär fehlende Unfallkausalität
materiellrechtlich begründen und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen kann
(vgl. E. 2.3).
Gemäss den medizinischen Akten sind erstmals durch den Bericht vom 24. Juni 1998 von
Dr. med. D_ an den behandelnden Hausarzt Dr. med. E_ – mithin rund 11 Monate
nach dem Verkehrsunfall – Schmerzen in der linken Kniekehle dokumentiert. Unmittelbar
nach dem Unfall wurde im Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St.
Gallen, vom 11. August 1997 in der Anamnese lediglich festgehalten, dass der
Beschwerdeführer links eine diffuse Hyposensibiltät mit erhaltener Motorik habe (act.
8.2/M2). Der Beschwerdeführer gibt zwar an, er habe erstmals in der Klinik Valens – und
damit 3 Monate nach dem Verkehrsunfall – Schmerzen im linken Knie verspürt, aber da die
anderen Beschwerden in Bezug auf die Behandlung im Vordergrund gestanden seien,
habe man dem linken Knie vorerst gar keine Beachtung geschenkt (act. 8.1/A60). Im
Austrittsbericht der Klinik Valens über den stationären Aufenthalt vom 29. Oktober 1997 bis
26. November 1997 werden keine Beschwerden im linken Knie erwähnt, vielmehr ist von
einer deutlichen Besserung der rechtsseitigen Beschwerden die Rede (act. 8.2/M40). Im
Seite 18
MEDAS-Gutachten vom 4. Februar 2010 wird erwähnt, dass der Beschwerdeführer
berichtet, einige Wochen nach dem Unfall ein Wegknicken des linken Beines unterhalb des
Kniegelenks verspürt zu haben (act. 8.2/M74-S. 43). Mit Blick auf die vollständige
Krankengeschichte kann der Beschwerdeführer somit die von ihm sinngemäss geltend
gemachten Brückensymptome, welche in der Praxis gestützt auf ärztliche Aussagen beur-
teilt werden, nicht nachweisen (Urteile des Bundesgerichts 8C_234/2012 vom 26. Juli 2012
E. 4, mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_314/2012 vom 25. Mai 2012 E. 3.2,
und 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010 E. 5.1.2).
Aus den Akten ergibt sich in Bezug auf die Frage der Unfallkausalität, dass Dr. med. E_
im ärztlichen Zwischenbericht vom 14. August 1998 gerichtet an die Vorinstanz ausführte:
„Betreffs Kausalität Meniskusläsion Unfall sende ich 2 Kopien des operierenden
Orthopäden Dr. D_. Aus diesen Unterlagen geht, wie mir scheint hervor, dass die
Meniskusläsion im Zusammenhang steht mit dem Unfall vom 26. Juli 1997“ (act. 8.2/M13).
Den erwähnten Berichten von Dr. med. D_ lässt sich hingegen zur Frage der Kausalität
nichts entnehmen (act. 8.2/M13). Im Bericht der Schulthess Klinik über die Konsultation
vom 25. Januar 2007 gaben Dr. med. N_ und Dr. med. O_ an, die erhobenen Befunde
seien vorwiegend wahrscheinlich in natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 26.
Juli 1997 (act. 8.2/M39). Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 4. Februar 2010
wurde im Teil über die Beantwortung der gutachterlichen Fragen zum natürlichen
Kausalzusammenhang ausgeführt, dass zusammenfassend aus somatisch-orthopädischer
Sicht festzuhalten sei, dass das Ereignis vom 26. Juli 1997 als eine entscheidende
Teilursache beziehungsweise als Ursache der Beschwerden des linken Kniegelenkes
gesehen werde (act. 8.2/M74-S. 42).
Aufgrund der medizinischen Akten ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten,
dass der behandelnde Hausarzt Dr. med. E_ im rund 12 Monate nach dem Unfall
ergangenen ärztlichen Zwischenbericht lediglich seine persönliche Vermutung in Bezug auf
die Kausalität äussert, angeblich basierend auf den Berichten von Dr. med. D_. Letzterer
äusserte sich in den erwähnten Berichten jedoch nicht zur Kausalität. Die Ärzte der
Schulthess Klinik erwähnten sodann – rund 9 1⁄2 Jahre nach dem Verkehrsunfall – nur eine
vorwiegend wahrscheinliche Kausalität. Und das rund 12 1⁄2 Jahre nach dem Motorradunfall
verfasste MEDAS-Gutachten stellte eine Kausalität fest, ohne diese aber irgendwie zu
begründen. Insofern ist in Würdigung der medizinischen Aktenlage der Auffassung der
Vorinstanz zuzustimmen, wonach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für die geklagten
Beschwerden am linken Knie gar nie eine Unfallkausalität bestand.
Seite 19
6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der Akten in Bezug auf das rechte und
das linke Knie nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusam-
menhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall vom 26. Juli 1997 festgestellt werden
kann. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
7. 7.1
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 UVG).
7.2
Der im Hauptverfahren obsiegenden SUVA ist keine Parteientschädigung auszurichten
(BGE 126 V 143 E. 4). Die Vorinstanz hat jedoch aus dem Verfahren betreffend Entzug der
aufschiebenden Wirkung (act. 16, Verfahren Nr. ERV 17 52) dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten, weil auf das Gesuch nicht eingetreten wurde und die
Kosten jener Verfügung praxisgemäss bei der Hauptsache verblieben. Die Vorinstanz hat
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 336.95 (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) – basierend auf einem Honorar von Fr. 300.-- plus 4% Barauslagen
plus 8% Mehrwertsteuer – zu bezahlen.
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