Decision ID: 13bc4541-cfaf-4b41-91b4-e50a17f65385
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der Versicherte
X._
, geboren
am 23. September
1950, war seit 1999 als Monteur tätig und meldete sich am 4. Februar 2005 wegen
Hörproble
men
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug von Hörgeräten an (
Urk.
6/3), welche ihm mit Verfügung vom 18. November 2005
von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zugesprochen
wurden (
Urk.
6/9)
.
Am 24. Januar 2011 erging eine Kostengutsprache der IV-Stelle für zwei neue Hörgeräte (
Urk.
6/15). Am
2.
Oktober
2013 meldete der Versicherte sich wegen einer fehlenden Niere, einer Zuckerkrankheit und einem
bei einem Umfall erlittenen
Schleudertrauma zur beruflichen Integration beziehungsweise zum Rentenbezug an
(
Urk.
6/17
S. 1 oben und
Urk.
1 S. 3 unten
).
Die IV-Stelle nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor (
Urk.
6/25,
Urk.
6/26
,
Urk.
6/36/5-6
). Insbesondere zog sie die Akten der Schweizerischen
Unfallversi
cherungsanstalt
(Suva) bei (
Urk.
6/31).
Die Suva
stellte
ihre Leistung
en
mit Einspracheentscheid vom 8. Juli 2013
ein
mit der Begründung eines
fehlenden adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den Beschwerden und dem Unfall vom
2.
August 2012, bei welchem der Versicherte im Kosovo beim Duschen in der Badewanne gestü
r
zt
sei
(
Urk.
6/31/9).
Mit Vorbescheid vom 14. Februar 2014 stellte die IV-Stelle, ausgehend von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und einem Invaliditätsgrad von 15
%
, die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
6/38).
A
m 13. März 2014
liess der Versi
cherte
Einwand erheben (
Urk.
6/39).
Mit Verfügung vom 24. März 2014 ent
schied die IV-Stelle im
Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2
).
2.
Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt
Kaspar Gehring, am 6. Mai 2014 Beschwerde erheben. Er beantrag
t
e
die
Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung und die Zusprech
ung einer ganzen Invalidenrente,
e
ven
tualiter die Zusprechung von Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
1). In der Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2014 schloss die Beschwerdegegner
in auf Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
5). Mit Verfügung vom 11. Juni 2
01
4 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
7).
Mit Eingabe vom 9. Septem
ber 2014 liess der Versicherte die Replik erstatten (
Urk.
10) und mit Eingabe vom 26. September 2014 verzichtete die IV-Stelle auf das Erstatten einer Duplik (
Urk.
12).
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2014 wurde die Stiftung
Auffan
g
-
einrichtung BVG zum Prozess beigeladen (
Urk.
14), welche mit Eingabe vom
17. Dezember 2014 auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
15).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenrente [
IVG
]
).
1.3
Nach der seit BGE 133 V 549 aktuellen Rechtsprechung besteht für die Invaliden
versicherung keine Bindungswirkung an die Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung im Sinne von BGE 126 V 288.
Da einerseits weder
der
Inva
liditätsbemessung
der Invalidenversicherung noch derjenigen der Unfallversi
cherung Priorität zukomm
e
und andrerseits die Voraussetzungen für eine Rente in diesen Sozialversicherungszweigen trotz des grundsätzlich gleichen
Invalidi
tätsbegriffs
verschieden seien, besteht
gegenseitig
keine Bindungswirkung (BGE 133 V 549 E. 6.2). Das Bundesgericht schliesst in BGE 133 V 549 E. 6.4 jedoch nicht aus, dass die IV-Stellen oder im Beschwerdefall die kantonalen Gerichte die Unfallversicherungsakten beiziehen und unter anderem gestützt darauf den Invaliditätsgrad für den Bereich der Invalidenversicherung bestimmen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2007 vom 27. März 2008 E. 3.3).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art.
29
IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (
Abs.
1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an aus
bezahlt, in dem der R
entenanspruch entsteht (
Abs.
3)
.
Die Wartezeit im Sinne
von
Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheb
lich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998
S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E
. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte in der Verfügung vom 24. März 2014 insbesondere aus, die Invalidenversicherung stelle für den gleichen Gesundheitsschaden grundsätzlich auf den von der Unfallversicherung ermittelten Invaliditätsgrad ab. Es lägen keine unfallfremden Faktoren vor, welche sich erheblich auf die Erwerbsfähig
keit auswirkten. Während dem Versicherten die Ausübung der bisherigen Tätig
keit als Sockelleistenmonteur nur noch in eingeschränktem Leistungspensum zumutbar sei, seien angepasste Tätigkeiten bei vollem Leistungspensum zumut
bar.
Es ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 15
%
und somit
bestehe
kein Rentenanspruch. Die Suva habe die geklagten Beschwerden im Übrigen als organisch nicht hinreichend beweisbar beurteilt und deren Adäquanz verneint (
Urk.
2).
In der Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2014 beantragte die IV-Stelle die Abwei
sun
g der Beschwerde, wobei sie die angefochtene Verfügung
mit einer anderen rechtlichen Begründung im Sinne einer Substitution der Motive stützte. Die IV-Stelle führte aus, bei der diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung sowie bei der HWS-Distorsion ohne nachweisbare Funktionsausfälle bestehe die Vermutung, dass diese Beschwerden und ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien.
Die Voraussetzungen für einen Aus
nahmefall seien nicht erfüllt. Daher sei das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens im Rechtssinne zu verneinen und hätte gar kein
Einkom
mensvergleich
vorgenommen werden müssen (
Urk.
5)
2.2
Der Versicherte liess in der Beschwerde vom 6. Mai 2014 insbesondere geltend machen, dass er mit über 63 Jahren in einer Verweistätigkeit neu angelernt werden müsste. Aufgrund seines Alters, zusammen mit seinen Beschwerden sowie seiner fehlenden Ausbildung und
den
fehlenden erweiterten Berufskennt
nissen, werde
seine
Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt.
Es fehle folglich an einer wirtschaft
lich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit, weshalb eine vollständige Erwerbsunfä
higkeit vorliege, die Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründe. Bei der Annahme einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit bestehe ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
1).
In der Replik vom 9. September 2014 liess der Versicherte
vor allem
vorbringen, zur Abklärung eines psychischen Leidens wie einer Schmerzstörung sei ein psychiatrisches Gutachten nötig. Ein solches Gutachten, das sich mit der
soma
toformen
Schmerzstörung und den Ressourcen im Hinblick auf die massgebli
chen
sogenannten Foerster-K
riterien auseinandersetze, lieg
e
nicht vor. Ebenso wenig sei ein Gutachten zu der komplexen und vielschichtigen Problematik einer HWS-Verletzung erstellt worden. Zudem stelle sich vorliegend die Frage der Folgen einer Hirnverletzung,
auf welche
die angerufene
Überwindbarkeits
rechtsprechung
nicht anwendbar sei.
Die Unfallversicherung habe verschiedene Gesundheitsprobleme wie Diabetes, Hypotonie, Rückenbeschwerden aufgrund einer Diskushernie und
die Adipositas
aufgrund fehlender Unfallkausalität nicht abklären müssen, doch die IV-Stelle hätte dies tun müssen. Auch die erhebliche Schwerhörigkeit hätte in die Abklärungen einbezogen werden müssen, da hier ein medizinischer Zusammenhang mit der Gleichgewichtsfunktion bestehe.
D
ie Schulterbeschwerden seien
ebenfalls
ungenügend abgeklärt worden. Die Annahme
,
es bestehe kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Rechtssinne, beruhe auf ungenügender Grundlage und widerspreche der Aktenlage (
Urk.
10).
3.
3.1
Der
in deutscher Übersetzung vorliegende
Bericht d
er Klinik für Neurochirurgie der
Klinik Y._ im
Kosovo vom
14. August 2012 hielt fest, dass der Ver
sicherte
die Notfallabteilung
aufgrund von Kopfverletzungen als Folge eines Sturzes im Badezimmer aufgesucht habe. Der Versicherte habe einen
Bewusst
seinsverlust
erlitten und sich einige Male erbrechen müssen. Als Diagnose sei
en
eine
Contusio
Cerebri
h
e
rmorrhagica
reg
t
e
mporalis
lat
eralis
sinistra
und eine Rissquetschwunde
festzuhalten. Während des Aufenthaltes in der Klinik vom
2.
bis 6. August 2012 sei der Zustand des Versicherten gut gewesen und er sei in gutem Zustand nach Hause entlassen worden (
Urk.
6/24/1).
3.2
Im
Radiologiebefund
des Instituts Radiologie des Spitals
Z._
wurde
n
keine intrakranielle Pathologie, kein Hinweis
auf
eine ischämische Infarzierung, keine Blutungsresiduen, keine
tumoröse
Raumforderung und keine
Liquorzi
r
kulati
onsstörung
festgestellt. Es wurde eine Schleimhautschwellung in den N
asenne
benhöhlen
gefunden (
Urk.
6/31/52).
3.3
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, hielt am 18. September 2012 fest, aktuell beständen massivste Verspannungen und Schmerzen. In diesem Rahmen seien auch sogenannte Nackenschwindel vorhanden. Er habe keine Hinweise auf eine
Vestibulopathie
oder einen Lagerungsschwindel festgestellt.
Neuroangiologisch
habe er deutliche
atheromatöse
Veränderungen
festgestellt
, welche an sich
hämodynamisch
irrelevant, jedoch kontrollbedürftig seien (
Urk.
6/31/85).
3.4
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt am 7. Oktober 2013 fest, der Versicherte leide unter Schwindel sowie Kopf- und Schulterschmerzen. Es sei ein erfolgloser Arbeitsversuch durchgeführt wor
den und eine Arbeit sei auch in angepasster Tätigkeit nicht möglich (
Urk.
6/28).
Am 9. Oktober
2013
hielt er fest, bis heute liege keine Arbeitsfähigkeit vor und sei eine Arbeitstätigkeit trotz mehrmaliger Arbeitsversuche nicht möglich.
Auch längerfristig sehe er keine Arbeitsfähigkeit, der Versicherte klage nach wie vor über Schwindel und Schmerzen im Schultergürtelbereich
(
Urk.
6/25/5)
.
3.5
Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung
vom 24. März 2014
in medizinischer Hinsicht vor allem auf die Berichte der Rehaklinik
C._
, welche diese zuhanden der Suva verfasst
hatte
. Der Versicherte hielt sich
dort
vom 30. Januar bis 26. Februar 2013 stationär auf. Im psychiatrischen Bericht der Rehaklinik
C._
vom 26. Februar 2013
wurde festgehalten, beim Versi
cherten sei eine Störung aus dem
somatoformen
Störungskreis zu diagnostizie
ren. Aus psychiatrischer Sicht sei ein gestufter Wiedereinstieg in die Erwerbstä
tigkeit sicherlich sinnvoll. Eine längerfristige Einschränkung der Arbeitsfähig
keit
lasse
sich mit der diagnostizierten psychischen Störung jedoch nicht begründen (
Urk.
6/31/36-39).
Im Austrittsbericht der Rehaklinik
C._
vom 28. Februar 2013 wurden die Diagnosen einer wahrscheinlich
en
leichten traumatischen Hirnverletzung, einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1), eines schädlichen Gebrauchs von Analgetika (ICD-10 F55.2), eines Diabetes mellitus Typ II unter
oralen Antidiabetika
, einer arteriellen Hyperto
n
ie, eines Status nach
Nephrek
tomie
bei Nierentuberkulose, eines Status nach
Choleszystektomie
und von beidseitigen Hörgeräten gestellt. Es wurde festgehalten, infolge
Selbstlimitie
rung
hätten die zu erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belast
barkeit nicht erreicht werden können. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den geringfügigen objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Ab
klärung sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht nicht erklären. Die Beur
teilung der Zumutbarkeit stütze sich deshalb primär auf medizinisch-
theore
-
tische Überlegungen, unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den
Leis
tungstests
und im Behandlungsprogramm. Eine weitergehende Einschränkung der Belastbarkeit lasse sich medizinisch-theoretisch nicht begründen. In der bis
herigen Tätigkeit als Fussleistenmonteur bestehe ab dem 28. Februar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, wobei der Versicherte mit ganztägiger Arbeit eine
reduzierte Leistung erbringe. In körperlicher Hinsicht s
ei
dem Versicherten eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar. In kognitiver Hinsicht sei das Niveau der vorbestehende
n Arbeitstätigkeit zumutbar. A
bsturzgefährdende
Tätigkeiten seien zu vermeiden
. Es werde in beruflicher Hinsicht empfohlen, dass der Versichert
e
am gleichen Arbeitsplatz der bisherige
n
Tätigkeit mit redu
zierter Leistung nachgehe
. Im berufsorientierten Training sei ein langsames Arbeitstempo aufgefallen
, wobei im
Bereich der Qualität
bei
handwerklichen Aufgaben durchschnittliche Werte erreicht worden
seien
(
Urk.
6/31/40-43).
3.6
Am 19. Februar 2013 fand eine
otoneurologische
Untersuchung bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten und für Hals- und Gesichtschirurgie
bei
der Suva
, Abteilung Arbeitsmedizin,
statt. Sie hielt fest, das Gehör zeige eine beidseitige hochgradig kombinierte
krankheitsbe
dingte
Hörstörung, welche nicht in unfallkausalem Zusammenhang stehe. Es handle sich um eine erhebliche Schwerhörigkeit mit einem Hörverlust laut CPT-AMA Tabelle von rechts 90
%
und links 83
%
. Der
binaurale
Hörverlust betrage 173
%
.
Die Gleichgewichtsabklärungen attestierten dem Versicherten beidseits normal funktionierende periphere Gleichgewichtsorgane mit normaler Adaption und Latenz für die zentralen
vestibulären
Funktionen. Auffällige
Provokati
onsnystagmen
bei den Lagerungen
,
insbesondere in Kopfhängelage und bei den HWS-Rotationsmanövern im Liegen und Sitzen
,
seien Hinweise und Bestäti
gung für funktionelle
zervikogen
ausgelöste Schwindelbeschwerden und liessen sich im Rahmen des
zer
vi
kozephalen
Schmerzsyndroms erklären. Eventuell empfehle es sich, die HWS-Beschwerden noch weiter abzuklären
(
Urk.
6/31/48-51).
3.7
Dr.
med.
E._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in ihrer Stellung
nahme vom 5. Februar 2014 fest, die Suva-Untersuchungen hätten keine Anhaltspunkte für objektivierbare strukturelle Veränderungen ergeben, welche die noch vorliegenden Schmerzen und Schwindelsymptome erklären könnten. Es werde empfohlen
,
ab dem 20. August 2012 (wahrscheinlich seit dem
Unfall
datum
) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Nach dem Austritt aus der Rehaklinik, das heisse ab dem 28. Februar 2013
,
sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für die bish
erige Tätigkeit und eine ganztäg
ige Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit anzunehmen. Diese Arbeitsfähigkeit erscheine unter Optimierung der Schmerztherapie aus versicherungsmedizinischer Sicht umsetz
bar.
Es lägen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine unfallfremden Fak
toren vor und aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe seit Februar 2013 kein Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit längerfristig oder dauerhaft einschränke (
Urk.
6/36/5-6).
4.
4.1
Die Rehaklinik
C._
erhielt den Versicherten von der Suva zugewiesen, um seine Arbeitsfähigkeit abzuklären. Dabei gelangte sie zum Schluss, dass der Versicherte psychisch in seiner Arbeitsfähigkeit
nicht
eingeschränkt sei. Körper
lich sei er in der bisherigen Tätigkeit zu 50
%
in der Leistung eingeschränkt, während für angepasste leichte und mittelschwere Tätigkeiten keine Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit beständen (
Urk.
6/31/41).
Dr.
E._
hielt in
ihrer
auf den Akten basierenden
Stellungnahme vom
5. Februar 2014
(
Urk.
6/36/5-6)
einerseits fest, ab dem 28. Februar 2013, sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für die bisherige Tätigkeit und eine ganztä
g
ige Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit anzunehmen.
Andererseits führte
sie
in derselben Stellungnahme aus,
es bestehe
aus versicherungsmedizinischer Sicht seit Februar 2013 kein Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit längerfristig oder dauerhaft einschränke (
Urk.
6/36/5-6). Dies erscheint widersprüchlich.
Dr.
E._
stützte
sich
jedoch
auf die Ausführun
gen der Rehaklinik
C._
ab
,
ohne diese zu kritisieren
, weshalb
ihre
Stel
lungnahme
die Abklärungsergebnisse der Rehaklinik
C._
nicht in Zweifel zieht
.
4.2
Die IV-Stelle setzte sich in ihrer Beschwerdeantwort vom
10. Juni 2014
detail
liert mit der Überwindbarkeit von
somatoformen
Schmerzstörungen
und HWS-Distorsionen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
auseinander
(
Urk.
5)
. Allerdings ergibt sich aus den Berichten der Rehaklinik
C._
klar, dass die
diagnostizierte undifferenzierte
Somatisierungsstörung
richtigerweise als psychische Störung
berücksichtigt wurde. Der psychiatrische
Abklärungsbe
richt
der Rehaklinik
C._
gelangte
sodann
zum Schluss, dass diese psychische Störung die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
längerfristig
nicht einschränkt
e
(
Urk.
6/31/36-39).
Eine HWS-Distorsion wird in den Berichten der Rehaklinik
C._
als Diagnose
gar
nicht
aufgeführt
.
Als somatisch relevante Diagnosen listete die Rehaklinik
C._
eine wahr
scheinlich leichte traumatische Hirnverletzung, einen Diabetes mellitus, eine arterielle Hypertonie, einen Status nach
Nephrektomie
bei Nierentuberkulose, einen Status nach
Cholezystektomie
und beidseitige Hörgeräte auf (
Urk.
6/31/36). Weiter sind in den Akten
bereits vor dem Unfall
bestehende Rücken- und Kniebeschwerden thematisiert (
Urk.
6/24/3
).
Dr.
D._
hatte empfohlen, die HWS-Beschwerden eventuell noch weiter abzuklären. Beim Schwindel ging
sie
davon aus, dass dieser mit dem
zervikozephalen
Schmerzsyndrom zusammenhäng
e
(
Urk.
6/31/51).
Aufgrund
all
dieser körperlichen Beschwerden
wurde
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
von der Rehaklinik
C._
in seiner bisherigen
,
körperlich anstrengenden
Tätigkeit
als Sockelleistenmonteur insgesamt
als zu 50
%
ein
geschränkt eingeschätzt
(
Urk.
6/31/41)
.
Diese Einschätzung, welche nach
sorg
fältige
r
Abklärung während des stationären Aufenthaltes in der Rehaklinik
C._
erfolgte und
auch
die Ergebnisse von
berufsorientierte
m Training berücksichtigte
, verm
ag zu überzeugen.
4.3
Es stellt sich die Frage, ob die verbleibende Restarbeitsfähigkeit des Versicherten verwertbar ist.
Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die ver
bliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2012 vom 8. Januar 2013 E. 4.3).
Die Rechtsprechung hat das fortge
schrittene Alter, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor (AHI 1999
S. 240, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 29. August 2002 in Sachen S., O 97/00, E. 1.4 mit Hinweisen), als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit den weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die der versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr gefragt ist, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Für die Beurteilung der Verwertbarkeit der
Restar
beitsfähigkeit
bei vorgerücktem Alter ist auf den Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit der
(Teil-)
Erwerbsfähigkeit abzustellen (vgl.
BGE 138 V 457 E. 3.3-4). Massgeblich für di
e
medizinische Beurteilung ist
vorlie
gend
der Austrittsbericht der Rehaklinik
C._
vom 28. Februar 2013. Zu diesem Zeitpunkt war der Versicherte
gut
62
.
5 Jahre alt und daher nicht leicht vermittelbar.
Der Versichert
e
ist in einer angepassten leichten oder mittelschweren Tätigkeit
zwar
zu 100
%
arbeitsfähig.
Doch
die
verbleibende Aktivitätsdauer bis zum Eintritt ins AHV-Alter betrug
zum massgeblichen Zeitpunkt
nur noch
rund
zweieinhalb Jahre
und
er war
zuvor jahrelang als Sockelleistenmonteur tätig
gewesen
(
Urk.
6/3,
Urk.
6/24/3,
Urk.
6/26)
. Über eine Berufsausbildung oder anderweitige Berufserfahrung verfügt der Versicherte nicht
(
Urk.
6/17,
Urk.
6/26)
. Es ist also festzuhalten, dass diese Restarbeitsfähigkeit
im Bereich einer leichten oder mittelschweren Tätigkeit
nicht umsetzbar ist
, da es nicht realistisch erscheint, dass ein Arbeitgeber im ausgeglichenen Arbeitsmarkt die Einarbeitung eines 62.5 Jahre alten Versicherten mit verschiedenen gesundheit
lichen Beschwerden in ein neues Tätigkeitsgebiet auf sich nehmen würde
.
Weiter wurde dem Versicherten
eine
50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit attestiert, welche in einer halben Arbeitsleistung bei ganztägiger Arbeit
realisiert werden könne
. Der Versicherte war
zwar
in seiner bisherigen Tätigkeit
lange Jahre bei der
Firma F._
und einige Monate bei
der
Jaquet
Firma G._
tätig,
wobei
dieses
Arbeitsverhältnis
– gemäss einem Schreiben des Versicherten an die IV-Stelle vom 9. Oktober 2013 – gesundheitsbedingt
auf Ende September 2013
aufgelöst wurde
(
Urk.
6/23,
Urk.
6/26)
.
Doch mit
6
2
.5 Jahren ist es aufgrund der wenigen bis zur ordentlichen Pe
nsionierung verblei
benden Zeit von vornherein und auch für gesunde
Arbeitnehmende
nicht ein
fach, eine neue Stelle zu finden
.
Noch
schwieriger ist dies
in einer körperlich anstrengenden Tätigkeit
als Sockelleistenmonteur
an und für sich
, bei welcher das fortgeschrittene Alter
allein
sicherlich
ein Handicap darstellt.
Dieses Handi
cap vermag der Versicherte auch durch seine langjährige Erfahrung
in seiner bisherigen
Tätigkeit
nicht
zu kompensieren, da seine Leistungsfähigkeit
aus gesundheitlichen Gründen zur
Hälfte eingeschränkt ist
und
zusätzlich
weitere Erschwernisse, wie die Schwerhörigkeit
,
hinzukommen
.
Sowohl eine nur halbe Leistungsfähigkeit als auch
eine
starke Schwerhörigkeit erfordern ein nicht ohne
Weiteres
vorauszusetzendes Verständnis des Arbeitgebers und der übrigen Mit
arbeitenden.
D
er Versicherte
kann somit
auch seine
verbleibende
Restarbeitsfä
higkeit
in
seine
r
bisherige
n
Tätigkeit nicht verwerten
, da diese
auch in einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht nachgefragt
wäre, weshalb er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat
.
4.4
Es ist von einem Beginn der Wartezeit am
2.
August 201
2
(Unfalldatum) auszuge
hen
(
Urk.
6/31/59,
6/36/6)
.
Die Anmeldung bei der IV-Stelle erfolgte
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit am
2.
Oktober
2013
(
Urk.
6/17
S. 1 und
Urk.
1 S. 3 unten
)
.
Der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht daher ab dem 1. April 2014.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und dem Versicherten
ist
ab dem 1. April 2014 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen
.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss steht dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu, die gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berücksichtigung dieser Grunds
ätze auf
Fr.
2‘100.--
(inkl
.
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.