Decision ID: 3996a480-54a5-4805-817e-25c97e554465
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1976, verheiratet, Mutter zweier 2002 und 2005 geborener Kinder (Urk. 10/3/1-2), war von 1997 bis 2006 als angelernte Hilfs
kraft in der Uhrenindustrie tätig (Urk. 10/16, Urk. 10/63/7, Urk. 10/133/10). Am 6. Dezember 2007 meldete sie sich unter Hinweis auf seit rund zwei Jahren bestehende Schmerzen, eine andauernde chronische Depression, eine Angst- und Panikstörung sowie die postnatalen Komplikationen im Jahr 2005 (Damm
riss, In
kontinenz etc.) bei der IV-Stelle Bern zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3/6). Die IV-Stelle Bern holte bei ihren Abklä
rungen insbesondere das Gutachten von Dr. med. Z._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. März 2011 (Urk. 10/63) ein. Hernach wies sie das Rentenbegehren mit Ver
fügung vom 27. September 2011 ab (Urk. 10/73). Die dagegen von X._ am 31. Oktober 2011 erhobene Beschwerde (Urk. 10/87/7-14) hiess das Verwal
tungsgericht des Kantons Bern mit Urteil vom 22. Februar 2012 gut und sprach ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 27. Sep
tem
ber 2011 rück
wirkend vom 1. Januar 2008 bis 30. November 2010 eine ganze Rente und mit Wirkung ab 1. Dezember 2010 eine Viertelsrente zu (Urk. 10/93). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Nachdem die Versicherte ihren Wohnsitz in den Kanton Zürich verlegt hatte, überwies die IV-Stelle Bern deren Dossier an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (vgl. Urk. 10/77). Im Zuge eines im Mai 2013 von Amtes wegen einge
leiteten Rentenrevisionsverfahrens (vgl. Urk. 10/118) gab die IV-Stelle nament
lich das Gut
achten von Dr. med. A._, FMH Psy
chia
trie und Psycho
therapie, vom 14. Juli 2014 (Urk. 10/133) in Auftrag. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren hob die IV-Stelle die bisherige Viertels
rente von X._ mit Ver
fügung vom 31. August 2015 auf Ende des der Ver
fügungszustellung folgenden Monats auf (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob X._ am 2. Oktober 2015 durch Rechtsanwalt Marino Di Rocco Beschwerde und liess beantragen:
„
1.
Es sei die Verfügung vom 31. August 2015 aufzuheben.
2.
Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuer
ken
nen.
3.
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten einen unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bestellen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg
ne
rin.“
Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2015 beantragte die Beschwerdegeg
nerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten [Urk. 10/1
161]).
2.2
Mit Beschluss vom 25. November 2015 wurde der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsanwalt Marino Di Rocco als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren be
stellt. Zudem wurde ihr Gesuch vom 2. Oktober 2015 um Wiederherstellung der auf
schiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen (Urk. 12).
Mit demselben Beschluss wurde den Parteien Frist angesetzt, um allfällige Ablehnungsgründe gegen die vom Gericht in Aussicht genommene Gutachterin, Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zu nennen sowie Änderungen und Ergänzungen zur Fragestellung des Gerichts zu beantra
gen (Urk. 12).
Die Beschwerdegegnerin erklärte mit Eingabe vom 14. Dezember 2015, dass sie keine Einwände gegen die Gutachterin habe und auf Änderungs- und Ergän
zungsanträge zur Fragestellung des Gerichts verzichte (Urk. 15). Die Beschwer
deführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.
In der Folge ordnete das Gericht mit Beschluss vom 18. Januar 2016 ein psy
chiatrisches Gutachten an und beauftragte Dr. B._ mit der Durchfüh
rung (Urk. 16). Dr. B._ er
stattete ihr Gutachten am 11. Juli 2016 (Urk. 21).
Mit Gerichtsverfügung vom 28. Juli 2016 (Urk. 23) wurde den Verfahrensbetei
ligten Frist angesetzt, um zum Gutachten von Dr. B._ vom 11. Juli 2016 (Urk. 21) Stellung zu nehmen. Weder die Beschwerdeführerin noch die Be
schwerdegegnerin reichten eine Stellungnahme ein.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Ände
rung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerb
lichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchs
erhebli
chen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konfor
mer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kennt
nis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nach
voll
ziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht aus
zuräumende Un
sicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4.2
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stel
len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner ge
rechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutach
tens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine sol
che vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schluss
fol
gerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
2.
Zu prüfen ist, ob sich seit dem rechtskräftigen Urteil des Verwaltungsgericht des Kantons Bern vom 22. Februar 2012, mit welchem der Beschwerdeführerin rück
wirkend vom 1. Januar 2008 bis 30. November 2010 eine ganze Rente und mit Wirkung ab 1. Dezember 2010 eine Viertelsrente zugesprochen wurde (Urk. 10/93), und der jetzt angefochtenen Verfügung vom 31. August 2015 (Urk. 2) der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und/oder dessen erwerbliche Auswirkungen derart wesentlich verändert haben, dass ihr ab 1. No
vember 2015 (erster Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats, vgl. Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invaliden
versi
che
rung [IVV]) keine Viertelsrente mehr zusteht.
3.
3.1
Dr. B._ stellte im Gutachten vom 11. Juli 2016 die Diagnosen rezidi
vierende depressive Störung, aktuell mittelschwere Episode, an der Grenze zu schwer ausgeprägt, mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), differential
diagnostisch postpartal und reaktiv sowie akzentuierte zwang
hafte Persönlich
keitszüge (ICD-10: Z73.1) [Urk. 21 S. 25-26].
3.2
Sie führte in ihrer Beurteilung aus, dass mehrere Gegebenheiten vorlägen, die als (Co-)Faktoren für die Entwicklung einer psychischen Störung gelten: lebens
geschichtliche, für psychische Erkrankungen prädisponierende Faktoren seien das traumatische Trennungserlebnis und anhaltende Gewalterfahrung in der Kinder
zeit, aber auch wiederholt erlebte Konstellationen mit Sanktionierung bei Autonomiebestrebungen beziehungsweise -wünschen. Die Beschwer
deführerin reagiere darauf mit Anpassung und Unter
ordnung, sich da
raus ergebene unbe
wusste innerpsychische Konflikte könnten depressionsfördernd sein. Es gebe zu
dem eine vorbestehende und weiter anhal
tende Belastung durch die Erkrankung des Ehemannes, die klinisch bedeutsame Störung sei postpartal aufgetreten, mithin in einer somatisch und psychisch besonders vulnerablen Phase, die durch traumatische Geburtserlebnisse und -verletzungen - ein weiteres proble
matisches life-event - noch verkompliziert worden sei (Urk. 21 S. 24).
Dr. B._ hielt weiter fest, dass der 2007 vom Hausarzt konsiliarisch zu
gezogene, dann auch behandelnde Psychiater eine ausgeprägte Angst- und Panikstörung mit erheblicher depressiver Symptomatik genannt habe. Im Jahr 2009 werde bei einer tagesklinischen Psychiatrischen Therapie eine mittelgra
dige bis schwere depressive Episode und im gleichen Jahr nach einer mehr als zwei
monatigen stationären Behandlung in der Y._ Psychiatrischen Univer
sitäts
klinik eine Anpassungsstörung mit de
pressiver Reaktion infolge Erkran
kung des Ehemannes beurteilt (Urk. 21 S. 24). Zur Schwere der aufgeführten depressiven Symptome würden keine Angaben gemacht, allerdings sei eine phasen
prophy
laktische Behandlung begonnen worden. Die stationäre Behand
lung habe zwei Monaten gedauert, was doch für eine Ausprägung und Dauer der Symptomatik spreche, die über eine Anpassungsstörung hinausgehe (Urk. 21 S. 24-25). Diese Behandlung sei von der Beschwerdeführerin wegen der Kinder abge
brochen worden (Urk. 21 S. 24). Im Gutachten von Dr. Z._ vom 24. März 2011 (Unter
suchung von August 2010) werde eine zunächst reaktive, dann eine länger dauernde depres
sive Störung beurteilt. Später sei dann seitens Behandler die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit mindestens mittel
gra
digen Episoden angeführt worden. Im Gutachten von Dr. A._ vom 14. Juli 2014 werde ebenfalls ein „schwer depressiver Eindruck“ genannt und die Diag
nose chronisch rezidivierende depressiven Episoden, mittelgradig bis schwer mit somatischen Synd
rom gestellt. Bei nun mehrjähriger Dauer der Erkrankung mit Phasen von leichter bis zeitweiser schwerer Ausprä
gung ohne zwischenzeitliche Remission sei die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelschwere Episode, an der Grenze zu schwer ausgeprägt, mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.11), differentialdiag
nostisch postpartal und reaktiv (Urk. 21 S. 25) zu stellen. Die Angstsymptomatik mit Panikattacken sei im Rah
men der depressiven Störung zu beurteilen, da letztere symptomatisch ganz im Vordergrund stehe (Urk. 21 S. 25). Zwang
hafte Persönlichkeitszüge, die als sol
che keine Krankheitsbedeutung haben, könnten im Rahmen von depressiven Störungen und Angststörungen - im Sinn eines Versuchs, eine labile Situation zu kontrollieren - verstärkt auftreten. Bei der Beschwerdeführerin lägen akzen
tuierte zwanghafte Persönlichkeitszüge vor, welche ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien (Urk. 21 S. 26).
3.3
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hielt Dr. B._ fest, dass aus versicherungspsychiatrischer Sicht phasenweise eine Teilarbeitsfähigkeit im Umfang von ca. 50 % bei einer mög
li
chen Präsenzzeit von maximal 6 Stunden täglich mit eingeschränkter Leistungs
fähigkeit aufgrund Erschöpfbarkeit und Verminderung von Aufmerksamkeit und Konzentration bestehe. Die Arbeits
fähigkeit könne aber bei einem Ver
lauf mit wechselnd schwerer depres
siver Symptomatik nicht über einen mittel- bis längerfristigen Zeitraum aufrechter
halten werden, so dass insgesamt eine mindestens 70%ige Arbeitsun
fähigkeit resultiere. Dazu bestehe das Risiko einer Verschlechterung des Gesundheitszu
standes unter den Bedingungen im ersten Arbeitsmarkt (Urk. 21 S. 30).
4.
4.1
Unbestrittenermassen sind bei der Beschwerdeführerin die Auswirkungen von deren psychischen Gesundheitsstörung zu beurteilen und die kognitiven Ein
schränkungen (Urk. 1 S. 8; vgl. Bericht der C._ AG, Psychiatrie
zentrum D._, vom 16. Oktober 2014 [Urk. 10/162]) sind gemäss Dr. B._ im Zusammenhang mit dieser psychischen Gesundheitsstörung zu sehen (Urk. 21 S. 29). Da das vom Gericht eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr. B._ vom 11. Juli 2016 keine Widersprüche enthält und keine psy
chiatrischen Fachmeinungen vor
liegen, welche die Schlüssigkeit dieses Gutach
tens in Zweifel ziehen könnten, kommt der Expertise von Dr. B._ vol
ler Beweiswert zu (E. 1.4.2 vor
stehend; Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2014 vom 6. Februar 2015 E. 2.2). In ihrem Gutachten führte Dr. B._ aus, dass, nachdem der Grad der Depression 2011 leicht bis mittel
schwer ange
geben worden sei, er aktuell mittel bis schwer sei, insofern sei es mithin zu einer Ver
schlechterung gekommen. Insgesamt sei, bei einem Verlauf von über neun Jahren, eine Chronifizierung zu konstatieren, mit wechselhafter Ausprä
gung der Schwere der depressiven Symp
tomatik und affektiven Dekompensatio
nen bei bereits objektiv eher geringen Belastungen (Urk. 21 S. 29). Mit Dr. B._ ist somit von einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu
standes der Beschwerde
führerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache auszu
gehen.
4.2
Zur Frage, ab wann es zur Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zu
standes der Beschwerdeführerin gekommen sei, ist dem Gutachten von Dr. B._ zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in der aktuellen Unter
su
chung im Vergleich zur Untersuchung vom August 2010 (Gutachten von Dr. Z._ vom 24. März 2011 [Urk. 10/63]) sowohl affektiv als auch kognitiv schwerer beeinträchtigt gewesen sei. Sodann werde eine deutliche Beein
träch
ti
gung kognitiver Funktionen, die sich gut im Rahmen der depressiven Störung erklären liesse, auch im Be
richt der neuropsychologischen Untersuchung im Psychiatriezentrum D._ der C._ AG vom 16. Oktober 2014 (Urk. 10/162) sowie klinisch ebenfalls im Gutachten von Dr. A._ vom 14. Juli 2014 (Urk. 10/133) beschrieben (Urk. 21 S. 29). Hierzu ist festzuhalten, dass Dr. E._ die Beschwerdeführerin am 20. und 25. Juni sowie 11. Juli 2014 untersuchte (Urk. 10/133/2). Auf dessen Gutachten vom 14. Juli 2014 kann indes nicht abgestellt werden, da es in mehrfacher Hinsicht mangelhaft und daher nicht beweiskräftig ist (vgl. Verfügung vom 25. November 2015 [Urk. 12 S. 3]). Die neuropsychologischen Untersuchungen im Psychiatriezentrum D._ der C._ AG fanden am 9. und 19. September 2014 statt (Urk. 10/162/1), womit gestützt auf die Be
urteilung von Dr. B._ von einer Verschlechterung des psychischen Ge
sundheitszustandes der Beschwerde
führerin ab September 2014 auszugehen ist. Mit Dr. B._ ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt aus versiche
rungs
psychiatrischer Sicht zu 70 % arbeitsunfähig war (E. 3.3).
5.
5.1
In Anwendung von Art. 88a Abs. 2 IVV, wonach eine Rentenerhöhung erst dann erfolgen kann, wenn die Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird, und Art. 88
bis
Abs. 1 IVV ist die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ab 1. November 2015 zu berücksichtigen.
5.2
Beim Einkommensvergleich ist vom Valideneinkommen 2010 gemäss Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Februar 2012 von Fr. 57‘839.-- auszugehen (Urk. 10/93/14), was, bereinigt um die Nominallohnentwick
lung/Frauen (2010: 127.4, 2015: 132.7; vgl. Bundesamt für Statistik Tabelle T1.93: Nominallohnindex 1993-2010, Nominallohnindex 2011-2015), zu einem hypothetischen Valideneinkommen 2015 von Fr. 60‘245.-- führt.
5.3
Hinsichtlich des Invalideneinkommens stellte das Verwaltungsgericht des Kan
tons Bern auf lohnstatistische Angaben (Schweizerische Lohnstrukturerhe
bung [LSE] des Bundesamtes für Statistik 2008, TA1, Total aller Wirt
schafts
zweige, Frauen, Anforderungsniveau 4) ab (Urk. 10/93/15). Gestützt da
rauf re
sultierte ein Invalideneinkommen 2010 von Fr. 52‘990.-- (100%-Pen
sum). Unter Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung/Frauen (2010: 127.4, 2015: 132.7; vgl. Bundesamt für Statistik Tabelle T1.93: Nominallohnin
dex 1993-2010, Nominal
lohnindex 2011-2015) ergibt sich ein hypothetisches Invali
den
einkommen 2015 von Fr. 55‘194.-- (100%-Pensum) beziehungsweise von Fr. 16‘558.-- im der Beschwerdeführerin gemäss Dr. B._ noch zu
mut
baren 30 %-Pensum (vgl. E. 3.3 vorstehend).
5.4
Beim Einkommensvergleich (Valideneinkommen 2015: Fr. 60‘245.--, Invaliden
einkommen 2015: Fr. 16‘558.--) beträgt die Erwerbseinbusse Fr. 43‘687.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet 73 % entspricht. Damit hat die Be
schwer
de
führerin ab 1. November 2015 Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente (vgl. E. 1.2).
6.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 31. August 2015 (Urk. 2) aufzu
he
ben und - zu Gunsten der Beschwerdeführerin (Art. 61 lit. d ATSG) - festzu
halten, dass sie ab 1. November 2015 Anspruch auf eine höhere Rente als eine bisherige Viertelsrente, nämlich auf eine ganze In
validenrente, hat.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Da das von der Beschwerdegegnerin eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr. A._ vom 14. Juli 2014 (Urk. 10/133) den Anforderungen an den Beweis
wert von Gutachten (vgl. hierzu namentlich: BGE 125 V 351 E. 3a) nicht genügte (vgl. Verfügung vom 25. November 2015 [Urk. 12 S. 3]), war es nötig, das Gerichtsgutachten durch Dr.
B._ vom 11. Juli 2016 (Urk. 21) ein
zu
holen. Die
Kosten für dieses Gutachten in der Höhe von Fr.
3'500.-- (Urk.
22) sind daher der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG; Art.
78 Abs. 3 IVV; BGE 137 V 210 E. 4.4.2, 139 V 496 E. 4.4).
7.3
Mit Beschluss vom 25. November 2015 wurde der Beschwerdeführerin Rechts
anwalt Marino Di Rocco als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt (Urk. 12 S. 5).
Die von der Beschwerdegegnerin zu ent
rich
tende Prozessentschädigung ist nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem vollständigen Obsiegen der Beschwerde
führerin auf Fr. 1‘700.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bemessen und dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Marino
Di Rocco, zuzusprechen.