Decision ID: 34dfac5a-4261-4571-bc21-7d8491e8540f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1976 geborene
X._
bezog
ab dem
1.
Mai 2004 wegen einer Hämo
philie A, schwere Form mit
Arthropatien
OSG beidseits und rezidivierenden Gelenksblutungen vor allem am Ellbogen sowie einer chronischen Hepatitis C Genotyp 1 mit mässig erhöhten Transaminasen eine
Viertelsrente
der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung (Urk. 7/120,
Urk.
7/109,
Urk.
7/110, Urk.
7/77). Mit Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, vom 10.
M
ai
2010 (
Urk.
7/197,
Urk.
7/175) wurde die Rente mit Wirkung ab
1.
Januar 2005 auf eine halbe und mit Verfü
gung vom 3
1.
Oktober 2012 (Urk.
7/227,
Urk.
7/219) mit Wirkung ab
1.
April 2012 auf eine ganze Rente erhöht.
Nachdem die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
November 2012 (
Urk.
7/230) einen Anspruch des Versicherten auf eine
Hilflosenentschädigung
verneint hatte, bean
tragte er am 1
1.
Juli 2017 (
Eingangsdatum gemäss Aktenverzeichnis;
Urk.
7/242) erneut eine
Hilflosenentschädigung
. Nach Vornahme einer Abklärung beim Ver
sicherten zu Hause (
Urk.
7/260
) sprach die IV-Stelle dem Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/2
53;
Urk.
7/263) mit Verfügung vom 1
6.
Oktober 2017 mit Wirkung ab
1.
Juli 2016 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit zu (
Urk.
7/267). Die vom Versicherten da
gegen erhobene Be
schwerde (Urk.
7/277/3-17) hiess das hiesige Gericht mit
Urteil vom 2
8.
März 2018 (Urk.
7/287)
in dem Sinne gut,
dass die angefochtene Verfügung vom 1
6.
Oktober 2017 insoweit aufgehoben wurde, als sie einen Anspruch auf eine über eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit hinausgehende
Hilflosenent
schädigung
verneint
,
und es wurde die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit diese die Auswirkungen des neu diagnostizierten Diabetes mellitus fach
ärztlich beurteilen lässt und hernach – allenfalls nach einer weiteren Abklärung vor Ort – über den Leistungsanspruch des Versicherten neu entscheidet.
1.2
In der Folge
führte die IV-Stelle eine
erneute
Abklärung beim Versicherten zu
H
ause durch (
Urk.
7/317),
holte
Berichte
von
Dr.
med.
Y._
, Fach
arzt FMH für I
nnere Medizin, speziell Onkologie/Hämatologie, (Bericht
e vom 2
5.
Juni 2018,
Urk.
7/298
, und vom
4.
September 2018,
Urk.
7/307
)
und von Dr.
med.
Z._
, Oberärztin, Universitätsspital
A._
, Zentrum für Hä
matologie und Onkologie
,
(Bericht vom
3.
Dezember 2018,
Urk.
7/311 und
Urk.
7/312)
ein und zog von
der Krankenversicherung des Versicherten eine Zu
sammenstellung
der
Medikamentenbez
üge
der Jahre 2016, 2017 und 2018 bei (
Urk.
7/301,
Urk.
7/302)
. Mit Vorbescheid vom
3.
April 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, die
Hilflosenentsc
hädigung
nicht zu erhöhen (Urk.
7/314). Nachdem der Versicherte am 3
1.
Juli 2019 Einwand erhoben hatte
(
Urk.
7/325)
,
verfügte die IV-Stelle am
1.
Oktob
er 2019 wie vorbeschieden (Urk.
7/328 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am
6.
November 2019
unter Beilage je eines Be
richts von
Dr.
Z._
(Bericht vom
3.
Oktober 2019,
Urk.
3/3) und von Dr.
Y._
(Bericht vom
9.
Juli 2019,
Urk.
3/4)
Beschwerde erheben und mit Wirkung ab
1.
Juli 2016
die Ausrichtung
eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades
beantragen
, eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zur Feststellung des Sachverhaltes anzuweisen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Be
schwerdeantwort vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9.
Dezember 2019 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Ge
sundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversi
cherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung an
gewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über
die Invali
denversicherung, IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1
.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1
.3
Gemäss Abs. 2
von
Art.
37 IVV
gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV ist eine Zunahme der Hilflosigkeit zu berücksichti
gen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Art. 29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
2.
Das hiesige Gericht bestätigte mit Urteil vom 2
8.
März 2018 (
Urk.
7/287), dass der Beschwerdeführer ab
1.
Juli 2016 minde
s
tens Anspruch auf eine
Entschädi
gung für eine
Hilflosigkeit leichten Grades hat. Das Gericht erachtete die
dauernde Hilfsbedürftigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen
Ankleiden/Auskleiden und Körperpflege
sowie den Bedarf an ständiger und besonders aufwendiger
Pflege a
ls ausgewiesen. Diese Beurteilung wird von den Parteien zu Recht nicht infrag
e gestellt (
Urk.
1 und
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer macht
geltend, dass er
zusätzlich
auch
i
n
den
alltäglichen Lebensverrichtungen
Essen, Aufstehen/Ab
sitzen/Abliegen
und
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktauf
nahme
auf die regelmässige und erhebliche
Hilfe Dritter angewiesen
sei
und daher Anspruch auf eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit
habe
(
Urk.
1 S. 4)
.
3.
3.1
Zur Prüfung, ob der Beschwerdeführer neben den Lebensverrichtungen Anklei
den/Auskleiden und Körperpflege in weiteren Lebensverrichtungen auf dauernde Hilfe angewiesen ist, sind insbesondere die folgenden
Berichte
relevant:
3.2
Dr.
Y._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 2
5.
Juni
2018 (
Urk.
7/298) als Diagnosen:
-
Hämophilie A, schwere Form, Faktor VIII Aktivität weniger als 1
%
-
invalidisierende
Arthropathien
OSG beidseits, Ellbogen nach wieder
holten Gelenkblutungen
-
Bedarfsbehandlung mit
K
ogenate
-
chronische Hepatitis C Genotyp I, Erstdiagnose Mai 2003
-
leicht erhöhte Transaminasen
-
therapienaiv, Transmissionsstatus unklar
-
Status nach Hepatitis B Infektion
-
Therapie mit
Epc
lus
a
ab 1
0.
Februar 2018 (Gastroenterologie
A._
)
-
Diabetes mellitus, wahrscheinlich Typ II, Erstdiagnose November 2017
-
Therapie mit
Metfin
500 mg
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich insofern verschlechtert, als durc
h
di
e wiederholten Gelenk
blutungen
die Gelenksschäden und die Gehbe
hinderungen zugenommen hätten.
Es seien keine funktionell bedingten Einschränkungen in den Lebensverrichtun
gen Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitze
n/Abliegen, Essen, Körperpflege und
Notdurft vorhanden. Die Fortbewegung sei wegen OSG-Arthrose beidseits leicht eingeschränkt. Der Beschwerdeführer benötige keine Hilfeleistungen beim selbständigen Wohnen.
Er
sei auch auf
keine Unterstützung oder Begleitung bei der Kontaktpflege ausserhalb der Wohnung
angewiesen. Eine
Isolation von der Aussenwelt
liege nicht
vor. Der Beschwerdeführer benötige
jedoch
eine Intervall
behandlung seiner Häm
ophilie bei Blutungszeichen.
3.3
Im Rahmen
der Abklärung für
Hilflosenentschädigung
beim Beschwerdeführer zu Hause vom 1
1.
Juli 2018
(
Urk.
7/317/2-6)
ergab sich betreffend die
alltägliche
L
e
bensverricht
ung Aufstehen/Absitzen/Abliegen, dass der Beschwerdeführer
am
Abklärungstag
nur mit Mühe
selber
vom
tiefliegenden Sofa aufstehen konnte. Er habe Schmerzen im rechten Knie. Die Ehefrau des Beschwerdeführers stützte ihn beim Aufstehen vom Sofa. Der Beschwerdeführer erklärte, dass er an besseren Tagen selber aufstehen könne. Die Hilfe sei in diesem Ber
eich
noch nicht regel
mässig.
Hinsichtlich der
alltäglichen
Lebensverrichtung Essen erklärte der Beschwerde
führer, dass er selten in beiden Armen so eingeschränkt sei, dass er nicht selber Essen beziehungsweise Nahrungsmittel zerkleinern könne. Er könne mehrheitlich mit einer Hand die Nahrungsmittel zu Munde führen. Wenn er starke Schmerzen beziehungsweise eine Einblutung i
n einem Gelenk an einem Arm hab
e, müsse ihm seine Ehefrau die Nahrungsmittel zerkleinern. Der Beschwerdeführer führte aus, dass die Dritthilfe noch nicht regelmässig und erheblich sei. Oft schaffe er es auch, die Nahrungsmittel mit der Gabel zu zerkleinern. Wenn es sowie
so
zäher
e
, harte Nahrungsmittel seien, zerkleinere seine Ehefrau
sein Essen
im Voraus.
Zur all
täglichen
Lebensverrichtung
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kon
taktaufnahme
führte der Beschwerdeführer aus, dass er bei
Einblutungen
in
den
Knien,
den
Fussgelenken oder
der
Hüfte bei der Fortbewegung vermehrt einge
schränkt sei. In solchen Phasen könne es sein, dass er bis zu einer Woche nicht alleine ausser Haus gehen könne. Wenn die Gelenke nicht zu stark geschwollen seien und er weniger Schmerzen habe, könne er sich selber Fortbewegen bzw. Autofahren. Die Dritthilfe sei un
regelmässig. Wenn es ihm besser
gehe, könne er alleine ausser Haus. Es sei ihm wichtig, dass er täglich nach draussen könne. Er könne s
elber soziale Kontakte pflegen und seine
Termine planen und organisie
ren.
Hin und wieder begleite er auch die Kinder
in die Schule oder hole sie von
dort
ab.
3.
4
Mit Bericht vom
4.
September 2018
(
Urk.
7/307
)
teilte
Dr.
Y._
der Be
schwerdegegnerin mit, er müsse seinen Bericht vom 2
5.
Juni 2018 korrigieren. Er habe geschrieben
gehabt
, dass keine funktionell bedingten Einschränkungen vor
lägen. Die genaue Anamnese-Erhebung ergebe jedoch, dass der Beschwerdeführer bei
m
Ankleiden/Auskleiden und beim Duschen wegen seiner Gelenksarthrose
und
den
Gelenkschmerzen sehr wohl auf die Hilfe seiner Ehefrau angewiesen sei. In
sofern bestehe eine Hilflosigkeit
.
3.
5
Dr.
Z._
erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
3.
Dezember 2018 (
Urk.
7/311 und
Urk.
7/312), es seien funktionelle Einschränkungen in den sechs Lebensverrichtungen vorhanden. Der Beschwerdeführer benötige Hilfe beim selbständigen Wohnen. Er könne sich schon im Alltag nicht mit den lebenswich
tigen Handhabungen versorgen. Er könne sich kaum alleine
A
n
- und
Ausziehen, Rasieren, Essen etc. Auch
die
Verabreichung von Gerinnungspräparaten sei nicht
selbständig möglich.
Bei
der Kontaktpflege ausserhalb der Wohnung benötige der Beschwerdeführer
ebenfalls
Unterstützung oder Begleitung.
Auch b
eim Tragen oder Transportieren von Einkäufen und beim Treppen
steigen
sei er auf Hilfe an
gewiesen
.
Z
udem könne er
längere Strecken nicht alleine zurücklegen
und sei auf
dauernde Pflege angewiesen
.
Eine Isolation von der Aussenwelt liege
jedoch
nicht vor. Dauernder persönlicher Überwachung bedürfe er
ebenfalls
nicht.
Es sei seit 2012 zu einer deutlichen Verschlechterung der
Hämophilie
-A
rthropa
thie
gekommen. Der Beschwerdeführer leide an einer schweren Hämophilie A, die in den ersten Lebensjahren nicht adäquat behandelt worden sei. Daher bestehe aktu
e
ll eine schwere Hämophilie
-
Ar
thropathie
beider Ellbogen, beider oberer Sprunggelenke, rechts mehr als links, sowie des rechten Knies. Es sei in den letz
ten drei Jahren weiterhin zu einer Verschlechter
ung der Hämophilie
-
A
rthropathie
gekommen, da eine konsequente Prophyla
x
e durch den Beschwerdeführer nicht selber habe verabreicht werden können. Er sei hierbei auf die Hilfe anderer Per
sonen wie seiner Frau oder eines ambulanten Pflegedienstes angewiesen. Vor allem die ausgeprägte
Ellbogenarthropathie
mache eine Selbstverabreichung un
möglich.
Die Prognose werde sich in de
n
nächsten Jahren nicht deutlich verbes
sern. Es sei möglich, durch eine konsequente Verabreichung von eventuell länge
r wirksamen Faktor-VIII-Präpara
te
n
die Blutungsfrequenz zu senken.
An d
er be
reits bestehenden Hämophil
e-
Arthropathie
werde sich in näherer Zeit wenig än
dern. Es werde eine Abnahme der Blutungsereignisse durch das Behandlungsre
gime angestrebt. Aktuell gestalte sich allerdings die Substitution schwierig, da der Beschwerdeführer allergische Reaktionen auf ein
halb
wertszeitverlängertes
Präparat gezeigt habe
. Prinzipiell gelte, dass durch eine Optimierung der Prophy
laxe die Blutungsereignisse gesenkt werden soll
t
en. Im Fall des Beschwerdefüh
rers sei dies jedoch sehr schwierig.
3.6
Dr.
Y._
erklärte mit Bericht
an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
vom
9.
Juli 2019 (
Urk.
3/4)
,
i
n Phasen einer akuten Blutung sei
der Beschwerde
führer
auf Hilfe seiner Ehefrau bezüglich Ankleiden/Auskleiden und selten auch
bezüglich
Körperpflege angewiesen. Beim selbständigen Wohnen sei er auf keine Hilfeleistung angewiesen, ebenso
wenig bei der Kontaktpflege ausserhalb der Wohnung.
Eine
Isolation von der Aussenwelt
liege nicht
vor.
3.7
Dr.
Z._
nannte mit Bericht an
Dr.
Y._
vom
3.
Oktober 2019 (Urk.
3/3) als Diagnosen:
-
schwere Hämophilie A, Restfaktoraktivität weniger als 1
%
(
Ref
50-200)
-
on
demand
Therapie
Kovaltry
-
a
usgeprägte Hämophile-
Arthropathie
der Ellbogen, OSG rechts mehr als l
ink
s und Knie rechts (
target
joint
)
-
Diabetes mellitus Typ 2, medikamentös behandelt
-
arterielle Hypertonie
-
medikamentös behandelt
E
s zeige sich aktuell eine äusserst schlechte Situation mit wiederholten
Gelenk
einblutungen
und chronisch aktivierter Hämophilie-
Arthropathie
. Der Beschwer
deführer sei
dadurch im
täglichen Leben äussert eingeschränkt
. Sie
hät
ten noch
mals versucht, ihm klar
z
u
machen, dass eine Therapieumstellung im Sinne der Durch
führung einer konsequenten Prophyla
x
e der beste Weg zu einer Besserung der Gesamtsituation wäre. Sie hätten daher mit dem B
eschwerdeführer bespro
chen, dass er zunächst eine intensive Faktorgabe, jeden zweiten Tag 2000 IE
Kovaltry
i.v.
, begleitet von einer antiphlogistischen Therapie mit
Celebrex
durch
führen solle. Im weiteren Verlauf wäre die Umstellung auf ein
halbwertszeitver
längertes
Produkt sinnvoll, damit höhere Talspiegel angestrebt werden könnten, um weiter Mikroblutungen zu verhindern.
4.
4.1
Da wie dargelegt (E. 2) feststeht, dass der
Beschwerdeführer
in den alltäglichen Lebensverrichtungen
Ankleiden/Auskleiden und Körperpflege
d
a
uernd auf Hilfe angewiesen ist und er
unbestrittener- (
Urk.
1 und
Urk.
2) und
ausgewiesenermas
sen
(vgl. insbesondere
Urk.
7/317/3)
in der Lebensverrichtung Verrichtung der Notdurft
nicht auf Hilfe angewiesen ist,
gilt es
hinsichtlich des strittigen An
spruchs auf eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit
zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer in den
alltäglichen Lebensverrichtungen Aufste
hen/Ab
sit
zen/
Ab
liegen
,
Essen und/oder
Fortbewegung
in relevanter Weise hilfs
bedürftig ist
.
4.
2
Bei der alltäglichen Lebensverrichtung Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kon
taktaufnahme besteht Hilflosigkeit, wenn sich die versicherte Person auch mit einem Hilfsmittel nicht mehr allein im oder ausser Haus fortbewegen kann oder wenn sie keine gesellschaftlichen Kontakte pflegen kann (
Kreisscheiben über In
validität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSI
H, gültig ab 1.
Januar 2015, Stand
1.
Januar 2018
,
Rz
. 8022). Der Beschwerdeführer erklärte im Rahmen der Abk
lärung bei ihm zu Hause vom 11.
Juli 2018, dass er nur unregelmässig auf Hilfe angewiesen sei (E. 3.3
). Mit seiner Beschwerde vom 6.
November 2019 machte er eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend, wobei er insbesondere unter Verweis auf den Bericht von
Dr.
Y._
vom 1
1.
Juli 2018 (E. 3.6) eine erhebliche Gehbehinderung
anführte
(vgl.
Urk.
1 S. 5). Dass der Be
schwerdeführer zumindest intermittierend in der Gehfähigkeit eingeschränkt ist, steht fest, und wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht in Abrede gestellt
(
Urk.
7/317/4). Es ergibt sich aber weder aus seinen Ausführungen noch den Ak
ten, dass er au
ch unter Verwendung zumutbarer
Hilfsmittel regelmässig und in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. So führte denn auch
Dr.
Y._
in seinem Bericht vom
9.
Juli 2019 (E. 3.6) an, dass der Beschwer
deführer für die Kontaktpflege ausserhalb der Wohnung nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen sei. Nachdem sich auch aus den übrigen Akten, insbesondere auch dem Bericht von
Dr.
Z._
vom
3.
Oktober 2019 (E. 3.7), keine regelmässig
e
und erhebliche Hilfsbedürftigkeit betreffend die Fortbewegung bzw. Pflege ge
sellschaftlicher Kontakte ergibt (vgl.
KSIH
Rz
. 8025 f.), ist die Hilfsbedürftigkeit in der alltäglichen Lebensverrichtung Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kon
taktaufnahme zu verneinen.
4.
3
Hinsichtlich der
alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/
Abliegen
macht
e
der Beschwerdeführer eine Hilflosigkeit seit Juli 2018 geltend (
Urk.
1 S.
6). Er begründete diese im Wesentlichen mit den seit Juli 2018 täglich vor
hande
nen Kniebeschwerden. Wie sich aus dem Abk
l
ärungsbericht betreffend die Ab
klärung vom 1
1.
Juli 2018 ergibt, benötigte der Beschwerdeführer – nur
–
beim Aufstehen vom Sofa Hilfe
(E. 3.2;
Urk.
7/317/2)
. Die Hilfe Dritter beim Aufstehen von niederen Sitzflächen (auf welche die versicherte Person nicht angewiesen ist), vom Boden oder beim Einsteigen in ein Auto ist jedoch nicht erheblich und all
täglich
(
KSIH
Rz
. 8016 mit Hinweisen). Dass der Beschwerdeführer auch beim Aufstehen von einer «normalen» Sitzfläche auf Hilfe angewiesen wäre, ergibt sich weder aus se
i
nen Ausführungen (
Urk.
1 S. 6) noch aus den Akten (vgl. E. 3). Eine Hilfsbedürftigkeit in der a
lltäglichen Lebensverrichtung Aufste
hen/Absit
zen/
Ab
liegen
ist daher ebenfalls zu verneinen
.
4.4
Der Beschwerdeführer erklärte anlässlich der Haushaltsabklärung vom 11.
Juli
2018, dass er beim Essen noch nicht erheblich und regelmässig auf Dritthilfe an
gewiesen sei (E. 3.3). Auch
Dr.
Y._
verneinte in seinen Berichten vom 2
5.
Juni 2018 (E. 3.2) und vom
4.
September 2018 (E. 3.4) eine Hilfsbedürftigkeit des Beschwerdeführers beim Essen.
Dr.
Z._
führte in ihrem Bericht vom
3.
Dezember 2018 (E. 3.5) zwar eine Hilfsbedürftigkeit beim Essen an, aus ihrem Bericht ergeben sich jedoch keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer dauerhaft und erheblich beim Essen auf Hilfe Dritter angewiesen wäre. Der Um
stand, dass zähere und harte Nahrungsmittel generell von der Ehefrau des Be
schwerdeführers im Voraus zerkleinert werden (E. 3.3), bedeutet nämlich nicht, dass der Beschwerdeführer in der alltäglichen Lebensverrichtung Essen regelmäs
sig in erheblicher Weise auf Hilfe Dritter angewiesen ist, werden solche Speisen doch nicht täglich gegessen (KSIH
Rz
. 8018 mit Verweis auf das Urteil des Bun
desgerichts 8C_30/2010 vom
8.
April 2010).
Beschwerdeweise machte der Beschwerdeführer eine Verschlechterung seines Ge
sundheitszustandes geltend. Aus dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 3. Oktober 2019 (E. 3.7) ergibt sich tatsächlich
, dass sein Gesundheitszustand
im Berichts
zeitpunkt äusserst schlecht war. Wie die Angaben des Beschwerdeführers anläss
lich der Abklärung vom 1
1.
Juli 2018 jedoch zeigen (
Urk.
7/317), war bzw. ist sein Gesundheitszustand seit jeher schwankend. Aus einer allfälligen im Berichts
zeitpunkt bestehenden schlechten Gesundheitssituation kann daher nicht ohne Weiteres auf eine ohne wesentliche Unterbrechung andauernde Verschlechterung (vgl. E. 1.4) geschlossen werden. So hat denn auch
Dr.
Y._
im Juli 2019 noch keine Hilfsbedürftigkeit beim Essen angeführt (E. 3.6). Nachdem sich zudem weder aus den Ausführungen in der Beschwerde (
Urk.
1) noch aus dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 3. Oktober 2019 (E. 3.7) ergibt, dass die anfangs Oktober 2019 vorliegende negative Gesundheitssituation über längere Zeit angedauert hat bzw. andauern wird, ist eine relevante Zunahme der Hilfsbedürftigkeit in der all
täglichen Lebensverrichtung Essen zu verneinen. Anzufügen bleibt, dass selbst die Bejahung einer Hilfsbedürftigkeit in der alltäglichen Lebensverrichtung Essen keinen Anspruch auf eine
Hilflos
en
entschädigung
mittleren Grades gemäss
Art.
37
Abs.
2
lit
. a IVV begründen würde, weshalb
von vornherein
kein Anlass besteht, weitere
Abklärungen vorzunehmen.
4.5
Nachdem der Beschwerdeführer
weder dauern
der persönlicher Überwachung be
darf
(vgl.
Art.
37
Abs.
2
lit
. b IVV)
noch dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist
(vgl.
Art.
37
Abs.
2
lit
. c IVV)
, steht fest, dass er – lediglich – Anspruch auf eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit hat.
5.
Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet und ist abzu
weisen.
6.
D
ie Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens de
m
un
terliegenden Beschwerde
führer
aufzuerlegen.