Decision ID: 20114893-e6fb-46b7-8d53-391b127c8d07
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968 und Mutter eines Kindes (Jahrgang 2008), war zuletzt von
2012
bis
Dezember 2018
als
Büroangestellte bei der
Y._
tätig.
Unter Hinweis auf eine
Ganglionentfernung
am Handgelenk sowie eine Sehnenscheidenentzündung meldete sie sich am 2
2.
Mai 2019 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5/1-8
Ziff.
5.4,
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwer
bliche Situation ab und zog
die Akten de
s Krankentaggeldversicherers bei
(
Urk.
9/13-14).
Am 1
9.
Februar 2020 teilte sie der Versicherten mit, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
9/18).
Nach durgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/20,
Urk.
9/24,
Urk.
9/32)
,
in
welchem die Versicherte weitere medizinische Berichte zu den Akten reichte
(
Urk.
9/27-
31), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
August 2020 einen Anspruch auf IV-Leistungen (
Urk.
9/34 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
0.
September 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
August 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente auszurichten (S. 2
Ziff.
1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4.
November 2020 die Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Am
2
5.
Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin ihre Replik ein (
Urk.
12).
Die Duplik der Beschwerdegegnerin vom
3
0.
April 2021 (
Urk.
16
) wurde der Beschwerdeführeri
n am
4.
Mai
2021
zur K
enntnisnahme zugestellt (
Urk.
17
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
davon aus
,
die Beschwerden der Beschwerdeführerin
hätten
gemäss dem
vom Kranken
taggeldversicherer in Auftrag gegebenen
orthopädischen und psychiatrischen Gutachten medizinisch nicht objektiviert werden können. Im Rahmen der Handoperation habe eine Arbeitsunfähigkeit bestanden, welche nur vorüberge
hend gewesen sei (S. 1). Die Nackenschmerzen sowie die Gonarthrose seien bereits durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beurteilt worden. Aufgrund der Diagnose einer
Frozen
shoulder
bestünden zwar noch Einschränkungen für Über
kopfarbeiten, diese kämen in einer Tätigkeit als Sachbearbeiterin allerdings selten vor und hätten somit ebenfalls keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom
4.
No
vember 2020 (
Urk.
8) führte die Beschwer
degegnerin
aus,
die orthopädische Gutachterin
halte aufgrund ihrer Unter
suchungsbefunde einleuchtend fest, dass sich nur Einschränkungen für mittelschwere und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben und Tragen ergäben. Dabei handle es sich bei der bisherigen Tätigkeit als Sachbearbeiterin um eine angepasste Tätigkeit, welche die Beschwerdeführerin auch in Zukunft ausüben könne
(S. 2). Auch aus psychiatrischer Sicht sei ein invalidisierender Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht ausgewiesen (S. 3).
In der Duplik vom 3
0.
April 2021 hielt sie an ihrer Sichtweise, wonach kein dauerhafter beziehungsweise invalidisierender Gesundheitsschaden mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei
, fest. Daran ändere auch der
mit der Replik
von der Beschwerdeführerin eingereichte medizinische Bericht nichts (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend (
Urk.
1),
das Gutachten von
Dr.
Z._
sei nicht verwertbar. Die
Abklärungen seien ohne Beachtung der vorhandenen Berichte oder bildgebenden Untersuchungen erfolgt (S. 5). Des Weiteren seien ihre Rücken- und Nackenbeschwerden anhand des MRI ausge
wiesen
(S. 7). Der RAD-Arzt habe ferner keine Ausführungen zur Gonarthrose gemacht (S. 8). Sie leide an starken Schmerzen, welche objektivier
bar seien. Diese würden wahrscheinlich durch eine Schmerzverarbeitungsstörung noch verstärkt, aber sicher nicht durch eine somatoforme Schmerzstörung. Auch von einer Symptomausweitung könne deshalb nicht die Rede sein (S. 9).
Gerade bei einer PC-Tätigkeit sei der Einsatz der Hände unausweichlich. Die
angefoch
tene
Verfügung verkenne den Sachverhalt und sei zu früh ergangen (S. 10).
In ihrer Replik vom 2
5.
Februar 2021 (
Urk.
14) hielt sie fest,
die
Diagnosestellung sei unvollständig.
Am
2
5.
September 2020
sei
eine weitere Operation an drei Fingern der li
nken Hand notwendig gewesen
und im März 2021
solle
nun auch noch die re
chte Hand operiert werden
(S. 2). Allein aus handchirurgischer Sicht sei sie
zu
100
%
arbeitsunfähig (S. 4).
Mit den Beeinträchtigungen an beiden Händen und den damit verbundenen Schmerzen und Operationen sei sie weder in ihrer bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig (S. 7).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat und ob der medizinische Sachverhalt diesbezüglich rechtsgenüglich abgeklärt wurde.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Praktische Ärztin, stellte in ihrem Bericht vom 2
6.
Mai 2019 (
Urk.
9/13/64-66) die folgenden Diagnosen (
Ziff.
3):
-
Schmerzverarbeitungsstörung
-
bei Status nach Ringbandspaltung
Dig
I rechts bei:
-
diskreter Reizung des Musculus
adductor
pollicis, der Sehnenscheide des Musculus
flexor
pollicis longus und der darüber liegenden Subkutis palmar. Kein Hinweis auf Phlegmone oder Osteomyelitis (MRI vom 1
2.
Februar 2019)
-
Sta
tus nach
Ganglionex
z
ision
am linken
Handgelenk im Januar 2019
-
Status nach Cortison-Infiltration ohne klinischen Erfolg im Dezember 2018
-
Verdacht auf Anpassungsstörung
-
Differen
t
ialdiagnose (DD) Münchhausen-Syndrom
-
leichtgradige Gonarthrose beidseitig bei:
-
anamnestisch Status nach Autounfall mit Frakturen beider Beine in den 90er Jahren
-
monatelanger Spitalaufenthalt und mehrjährige Arbeitsunfähigkeit
-
Rehaaufenthalt
in
B._
-
posttraumatisch
residuelle
Frozen
Shoulder
links mit/bei:
-
Status nach Schulterkontusion im Frühjahr 2017
Die Patientin habe im Dezember 2018 angefangen, sich mehrfach notfallmässig bei verschiedenen Handchirurgen vorzustellen, weil sie unerträglich
e
Schmerzen in der rechten und linken Hand verspürt habe. Auf Drängen der Patientin hätten daraufhin zwei Operationen an den Händen stattgefunden. An der linken Hand sei ein Ganglion entfernt worden und rechts
sei
eine Ringbandspaltung bei leichter Tendovaginitis
stenosans
der Daumenstrecksehne erfolgt. Trotz gutem Ergebnis der Operationen
sei es weiterhin zu Schmerzexaz
erbationen gekommen, vor allem in
beiden Kniegelenken, aber auch im linken Schultergelenk und erneut in den Händen. Die Patientin sei auch diesmal der Meinung, dass ihr nur mit weiteren Operationen geholfen werden könne. Die klinischen Befunde der Knie
gelenke (leichte Arthrose) und des linken Schultergelenks (
Frozen
Shoulder
) hätten keine Operationsindikation ergeben. Bereits im Februar 2019 sei eine psychische Erkrankung (Verdacht auf Anpassungss
törung, DD Münchhausen-Syndrom),
zumindest aber eine Schmerzverarbeitungsstörung diag
nostiziert worden (
Ziff.
1). Die Patientin
beschreibe unerträgliche Schmerzen an verschie
denen Gelenken und habe bis vor kurzem den Wunsch geäussert, an all diesen Gelenken operiert zu werden, da ihr nur dies helfen könne (
Ziff.
2). Die Arbeits
unfähigkeit beziehe sich auf alle Arbeiten und Tätigkeiten, da die Ursache der Beschwerden psychosomatisch sei und nichts mit der Schwere der Tätigkeit zu tun habe (
Ziff.
7).
3.2
3.2
.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, und
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
, erstatteten
im Auftrag des Krankentaggeldver
sicherers
am 1
0.
Januar 2020 ein
bidisziplinäres
Gutachten (
Urk.
9/14/6-41).
Sie stützten sich auf die ihnen über
lassenen Akten (
Urk.
9/14/1-31 S. 2-6
Ziff.
2
,
Urk.
9/14/34-41 S. 1-2
), die Angaben d
er Beschwerdeführerin (
Urk.
9/14/1-31
S. 6-14
Ziff.
3
,
Urk.
9/14/34-41 S. 2-4
) und ihre am
6.
Januar 2020
in den Diszipli
nen
Psychiatrie
(
Urk.
9/14/1-31
) und Orthopädie (
Urk.
9/14/34-41
)
erhobenen Befunde.
3.2.2
Im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
9/14/
6
-31)
wurden die folgenden
Diagno
sen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt
(
S. 18
Ziff.
4.2
):
-
maximal grenzwertig leichtgradige depressiv gefärbte Reaktion / Anpas
sungsstörung auf chronische Schmerzproblematik (ICD-10 F43.21)
-
akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge
DD histrionische Persönlichkeitsstörung (
Hysterie mit Belle
indifférence
;
ICD-10 F60.40)
-
somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung mit psychischen und körper
lichen Faktoren
(ICD-10 F45.41)
-
auffallendes passives Coping mit selbstlimitierendem Schon- und Vermei
dungsverhalten
-
chronisches Schmerzsyndrom mit Symptomausweitung von subjektiven Schmerzen im Bereich beider Hände, Finger, Ellbogen, Schultern, Wirbel
säule, Knie etc., die zumindest zum Teil kein
somatische
Korrelat finden
B
ezüglich der beschriebenen körperlichen Symptome
bestehe
eine typische somatoforme Symptomausweitung mit ständig noch mehr fluktuierenden und
immer wieder neuen Symptomen an verschiedensten Orten im Körper, welche von der Explorandin alle als «Entzündungen» derselben Grundproblematik gedeutet würden. Dementsprechend habe sie ein subjektiv festgefügtes Krankheitsmodell, welches objektiv aber offenbar kein somatisch
es Korrelat finde (S. 15). Die präsentierten und beschriebenen Körpersymptome würden nicht anatomischen Grenzen folgen und bei der Symptompräsentation aggravierend und voller Widersprüche und Inkonsistenzen wirken
. Dies erfolge
jedoch nicht im Sinne einer bewussten Simulation bezie
hungsweise erfundener körperlicher
Beschwerden wie bei einem Münchhausen Syndrom, sondern eher im Sinne einer hysterischen /
histrionischen Störung
(S. 19).
Im affektiven Rapport bleibe die Explorandin während der ganzen Untersuchung nur schwer spür- und fassbar und
zeige sich
auch hier sehr sprunghaft und widersprüchlich. Zudem sei der subjektiv beklagte starke Leidensdruck affektiv überhaupt nicht spürbar, sondern werde im Gegenteil beim Schildern der eigenen «gelegentlichen Traurigkeit über den negativen Heilungsverlauf» sogar mit einem strahlenden Lächeln erzählt.
Die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der nur geringfügigen depressiv gefärbten affektiven Problematik nur geringfügig eingeschränkt (maximal
10-20
%
). Mittels der empfohlenen leichten pflanzlichen
Psychopharma
katherapie
sowie dem pflanzlichen
Redormin
zum Schlafen dürfte sehr rasch eine affektive Beruhigung eintreten
, sodass die Explorandin aus psychiatrischer Sicht bald wieder zu 100
%
leistungs- und arbeitsfähig sein werde. Objektiv sei aus versicherungstechnischer Perspektive die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (nach Anpassung der
Psychopharmakatherapie
) innert weniger (maximal
3-4) Wochen zu 100
%
gegeben (S. 20).
Ferner sei aufgrund der vorliegenden verschiedenen psychiatrischen Diagnosen eine fachärztlich psychotherapeutische Behandlung und Begleitung empfohlen. Die Explorandin müsse unbedingt den Zusammenhang zwischen ihren (subjektiven) Schmerzsymptomen und ihrer Schmerzverarbeitungsstörung auf dem Hintergrund ihrer histrionischen Persön
lichkeitszüge verstehen lernen und ihr Krankheitsmodell entsprechend korrigie
ren. Psychiatrisch im Vordergrund stehe diesbezüglich eine somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung mit psychischen und körperlichen Faktoren. Ein relativ bewusstseinsnahes simulatives Verhalten à la Münchhausen-Syndrom könne differen
t
ialdiagnostisch nicht vollkommen ausgeschlossen werden und sei nicht ganz von der Hand zu weisen. Dies müsse im weiteren Verlauf beobachtet und differen
t
ialdiagnostisch abgeklärt werden (S. 21).
Psychiatrischerseits
liege keine wesentliche Gesundheitsschädigung von Krankheitswert vor, aktuell maximal im Bereich von 10-20
%
. Jedoch liege eine komplexe somatoforme und histrionische Problematik vor, die nur durch eine
begleitende fachärztliche Psychotherapie angegangen werden könne (bei einem Psychiater sowie begleitet vom Schmerztherapeuten
Dr.
D._
; S. 23
Ziff.
7). Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit derzeit maximal 10-20
%
eingeschränkt. Der von der orthopädischen Gutachterin vorgeschlagene sofortige Arbeitsbeginn (initial 3, dann 4 Stunden und schlussendlich wieder ein volles Pensum innert 6 Wochen) könne auch aus psychiatrischer Sicht unterstützt werden, sei therapeutisch sinnvoll, zweckmässig, wirksam und auch zumutbar
(S. 24
Ziff.
8).
3.2
.3
In orthopädischer Hinsicht (
Urk.
9/14/34-41)
wurden die folgenden Diagnosen gestellt (S. 6):
-
deutliche Zeichen von Selbstlimitierung
-
Fehlstatik der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz, muskulärer Hartspann und verschmächtigte Rumpfmuskulatur
-
a
ktuell Beschwerden
nuchal
-
k
ein nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit
-
b
eidseits verkürzte
Ischiokruralmuskulatur
ohne Dehnungsschmerzen
-
Status nach O
peration
der
rechte
n
Hand im Februar 2019 (Ringbandspal
tung Digitus I)
-
Status nach O
peration
der
linke
n
Hand mit Entfernung eines Ganglions dorsal
-
f
reie Funktionen beider Hände, erhaltene grobe Kraft im Spitzgriff
-
Status nach Autounfall vor mehr als 30 Jahren mit Frakturen der Beine mit mehrfacher operativer Versorgung
-
Beinlängendifferenz links mit 1.5 cm ausgeglichen
-
Gonarthrosen beidseits bekannt, Status nach Meniskus-Operationen
-
schlanker Habitus
Aus orthopädischer Sicht soll
e eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung in Rücksprache mit der Ergotherapie erfolgen und zwecks allgemeiner Kräftigung
eine
MTT (Medizinische Trainingstherapie) verordnet werden.
Bei diversen Beschwerden ergebe
sich Behandlungsbedarf, es soll
e jedoch eine rasche Rück
kehr an den Arbeitsplatz angestrebt werden.
Ab sofort sei eine Reintegration in den Arbeitsprozess mit 3 Stunden an fünf Tagen pro Woche möglich, mit Steige
rung um 1 Stunde pro Arbeitstag nach 2 Wochen und Steigerung auf ein regulä
res Pensum nach weiteren 2 Wochen
(S. 7)
.
Einschränkungen ergäben sich nur für mittelschwere und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben und Tragen. Bei der jetzt ausgeführten Tätigkeit in der Administration handle es sich um eine angepasste Tätigkeit,
welch
e die Versicherte auch in Zukunft verrichten könne (S. 8).
3.3
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
nahm am 1
5.
April 2020 Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
9/19 S. 3-5). Di
e
ab 1
7.
Dezember 2018 laufend attestierte Arbeitsunfähigkeit beruhe nicht auf objek
tivierbaren Untersuchungsbefunden.
Psychiatrischerseits
werde eine Arbeitsun
fähigkeit von 10-20
%
attestiert, welche mit adäquater Therapie innerhalb von
6 Wochen auf 0
%
Arbeitsunfähigkeit zurückgehe.
Orthopädischerseits
bestehe im Rahmen der Handoperationen von Dezember 2018 bis Mai 2019 eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung und eine Anpassung der psychiatrischen Medikation lasse eine Arbeitsun
fähigkeit von 0
%
innert 6 Wochen erwarten (S. 4).
In seiner Stellungnahme vom 2
3.
Juli 2020 (
Urk.
9/33 S. 2-3) hielt er fest, die im MRI der
HWS und BWS (Hals
-
und Brustwirbelsäule) vom 1
4.
Januar 2020 (vgl.
Urk.
9/28) dargestellten Degenerationen würde
n
nicht das alterstypische Mass übersteigen. Sie könnten die in der Diagnoseliste des RAD angefü
hrten Nacken
schmerzen erklären, hätten jedoch keinen
Einfluss auf die Arbeit
sfähigkeit als Sachbearbeiterin.
Bei der
residuellen
Frozen
shoulder
(vgl.
Urk.
9/30
) werde noch eine Bewegungseinschränkung der Schulter dokumentiert. Für Überkopfarbeiten hätten wohl noch Einschränkungen bestanden, diese kämen in einer Tätigkeit als Sachbearbeiterin jedoch allenfalls selten vor und hätten somit keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3).
4
.
4.1
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurd
en weitere Arztberichte (
Urk.
3/4,
Urk.
1
4 S. 9-10
) eingereicht.
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind,
die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich der genannten Berichte erfüllt, weshalb sie grundsätzlich zu berücksichtigen sind.
4.2
Die
Ärzte der Universitätsklinik
F._
hielten im Bericht
vom
1.
September
2020 (
Urk.
3/4) die
folgenden Diagnosen fest
(S. 1):
-
schmerzhafte C6 und C7 Radikulopathie rechts mit/bei:
-
hochgradiger
osteodis
k
ogener
Foramenstenosen
C5/6 und C6/7 rechts
-
leichtgradige
r
Foramenstenosen
C4/5 beidseitig sowie C5/6 und C6/7
-
posttraumatisch
residuelle
Frozen
Shoulder
links mit/bei:
-
Status nach Schulterkontusion im Frühjahr 2017
-
anamnestisch
Tenosynovitis
Dig
I, II, III Hand rechts und links
Die Patientin stelle sich zur Verlaufskontrolle nach Nervenwurzelblock C6 rechts und C7 rechts am
2.
Juli 2020 im Rahmen der Sprechstunde vor. Sie
berichte
über eine deutliche Besserung der radikulären Beschwerdesymptomatik im rechten Arm. Sie spüre gelegentlich ausstrahlende Schmerzen am rechten Oberarm seitlich, die nun jedoch gut erträglich seien. Die Beweglichkeit im Nackenbereich habe sich zudem auch verbessert (S. 1). Klinisch-neurologisch zeige sich ein sensibles Ausfallsyndrom des
Nervus
ulnaris
rechts bei bereits vordiagnostizierter Neuropathie des
Nervus
ulnaris
am Ellenbogen rechts. Weiterhin zeige sich kein sicheres sensomotorisches Ausfallsyndrom C6/7 rechts
. Die Dermatom-SEP C6 seien beidseits unauffällig. Ebenso
zeigten
sich keine akuten oder chronischen
Denervierungszeichen
im
Myotom
C6 und C7 rechts. Zusammenfassend zeige sich der radikuläre Schmerz nach der Infiltration C6/7 rechts deutlich rückläufig. Es zeige sich insgesamt ein erfreulicher Verlauf 6 Wochen postinterventionell nach Nervenwurzelblock C6 rechts und C7 rechts. Die Patientin spüre im Moment nur sehr wenige Schmerzen am rechten Oberarm seitlich. Neurophysiologisch zeige sich kein Hinweis für ein radikuläres
Ausfallsyndom
C6/C7 rechts. Aktuell leide die Patientin an sehr starken Schmerzen in beiden Händen und in
den
Digg
.
I, II und III beidseitig bei bekannten
Tenosynovitiden
. Sie wünsche gerne eine Dritt
meinung bei den hausinternen Handchirurgen. Eine weitere Verlaufskontrolle in
dieser
Sprechstunde sei nicht geplant (S. 2).
4.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, stellte im Bericht vom
8.
Januar 2021 (
Urk.
14 S. 9-10) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Status nach A1-Ringband-Spaltung und Synovektomie Strahl I-III links am 2
5.
September 2020
-
rezidivierende Tendovaginitis
stenosans
A1-RB I bis III beidseits
-
Status nach A1-Ringbandspaltung und
Tenosynovektomie
Dig
I rechts vom 2
6.
Februar 2019
-
Sulcus
ulnaris
Syndrom rechts ausgeprägter als links
-
Epikondylitis
humeri
radialis
beidseits
Die Patientin zeige soweit eine gutartige weitere Entwicklung. Die Restbeschwer
den n
ä
hmen weiterhin ab, mit zunehmender Belastbarkeit bei aber noch deutlicher Restschwellung, vor allem über Strahl III rechtsseitig. Lokal bestünden noch Verhärtungen über der A1-Ringbandspaltung III linksseitig bei ansonsten weichen, indolenten Narbenverhältnissen. Ein kompletter Faustschluss sowie eine gute Extension der Langfinger seien möglich. Es bestünden keine Hinweise auf ein CRPS (
komplexes regionales Schmerzsyndrom
) und aktuell auch keine Sensi
bilitätsstörungen
(S. 9)
. Es zeige sich weiterhin eine gutartige Entwicklung. Die Rehabilitation postoperativ sei insgesamt etwas protrahiert, was nach der Entwicklung auf der rechten Seite zu erwarten gewesen sei
. Hier werde die nächste klinische Verlaufskontrolle in zwei Monaten stattfinden mit weiterer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis dahin (S. 10).
5.
5.1
Da
s
bidisziplinäre
Gutachten vom Januar 2020
zuhanden des Krankentagg
eld
versicherers (vorstehend E. 3.2
) beruht auf den notwendigen psychiatrischen und orthopädischen Un
tersuchungen und erging in Kenntnis der
Vorakten
sowie unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden.
Die
Gutachter
verfügen über den entsprechenden Facharzttitel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin befähigt
.
Zudem
leuchtet
das Gutachten
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinisc
hen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerun
gen.
Damit erfüllt
es
die praxisgemässen Kriterien an ein beweiskräfti
ges Gutachten (vorstehend E. 1.4
) vollumfänglich.
5.2
In somatischer Hinsicht
stellte
Dr.
Z._
insbesondere eine Fehlstatik der Wirbelsäule, eine Haltungsinsuffizienz, einen muskulären Hartspann, eine verschmächtigte Rumpfmuskulatur, einen Status nach Operation der rechten Hand
nach einer Ringbandspaltung des Digitus I
und der linken Hand nach Entfernung eines Ganglions dorsal, einen Status nach Autounfa
ll vor mehr als
30 Jahren,
Gonarthrosen beidseits bei Status nach Meniskus-Operationen
sowie deutliche Zeichen von Selbstlimitierung fest
(vorstehend E. 3.2.3
)
.
Gestützt auf eine
eingehende klinische Untersuchung und in Würdigung der
Vorakten
gelangte sie in nachvollziehbarer Weise zum Schluss, dass sich
in Anbetracht der ausgewiesenen Befunde
Einschränkungen für mittelschwere und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben und Tragen erg
ä
ben.
Sie hielt
sodann explizit fest, dass
bei den diversen Besc
hwerden Behandlungsbedarf bestehe
, es sollte jedoch eine rasche Rückkehr an den Arbeitsplatz angestrebt werden.
Als Behandlungsmassnahmen in orthopädischer Hinsicht erachtete sie eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung in Rücksprache mit der Ergotherapie
und zwecks allgemeiner Kräftigung eine MTT als angezeigt. Entsprechend erweist sich die von ihr attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit in der Administration, welche das Belastungsprofil vollumfänglich berücksich
tigt, als schlüssig begründet.
5.3
Auch aus
den Berichten der behandelnden Ärzte
ergibt sich in somatischer Hinsicht
keine langandauernde Arbeitsunfähigkeit
.
D
ie Ärzte der
Klinik H._
erachteten i
m
Bericht vo
m April 2019 (
Urk.
9/13/71-72
)
d
ie geklagten enormen S
chmerzen im Zusammenhang mit den leichtgradig medialen Gonarthrosen nicht allein im Rahmen aktivierter Arthrosen erklärbar. Im Gespräch mit der Beschwerdeführerin habe sich herausgestellt, dass sie seit einigen Monaten unter einer allgemeinen ausgeprägten Schmerzempfind
lichkeit leide. Daher gingen sie bei den damals im Vordergrund stehenden Knie
beschwerden von einer Schmerzverselbständigung im Sinne einer Verarbeitungs
störung aus. Des Weiteren erach
teten
sie einen möglichst raschen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt
als
sehr wichtig, um einer
Schmerzchronifizierung
entgegenzuwirken
(S. 1)
.
Hinsichtlich der posttraumatisch
residuellen
Frozen
Shoulder
links bei Status nach Schulterkontusion im Frühjahr 2017 wurde im Bericht der Ärzte der Universitätsklinik
F._
vom März 2019 (
Urk.
9/30
) ein zufriedenstellender Verlauf mit gutem Ansprechen au
f die Infiltration festgehal
ten.
Des Weiteren
wurde ausge
führt
, dass die Patientin bezüglich der Schmerzen der linken Schulter
aktuell kompensiert sei (S. 1). Eine
wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
ergibt sich aus diesem Bericht somit nicht.
Im Übrigen wurde eine solche
durch die behandelnden Ärzte der
F._
auch nicht attestiert.
Hinsichtlich der Handbeschwerden wurde bereits im Austrittsbericht vom Februar 2019 über die Hospitalisation vom
9.
bis 1
4.
Februar 2019 (
Urk.
9/13/67-69)
festgehalten, dass sich bei subjektiv starken Schmerzen einzig eine minime Schwellung des rechten Daumens mit
Druckdolenz
über der Sehne des Musculus
adductor
pollicis ohne Schwellung der gesamten Hand oder Zeichen einer Hyper
ämie zeigten. Im Gespräch habe die Patientin ununterbrochen auf die möglichst rasche Operation der Hand gedrängt und habe stark verunsichert gewirkt, sobald die
se
in Frage gestellt worden sei
. Es hätten sich aufgrund der Sozial-Anamnese sodann Hinweise auf eine Anpassungsstörung gezeigt, differen
t
ialdiagnostisch müsste jedoch auch ein Münchhausen-Syndrom in Erwägung gezogen werden
(S. 2)
.
Auch
Dr.
A._
führte
im Beric
ht vom Mai 2019 (vorstehend E. 3.1
)
aus
, dass die Operationen auf Drängen der Patientin stattgefunden hätten. Ferner habe sie den Wunsch geäussert, an allen schmerzhaften Gelenken operiert zu werden.
Die Ursache der Beschwerden erachtete sie als psychosomatisch, weshalb sich die Arbeitsunfähigkeit auf alle Arbeiten beziehe und nichts mit der Schwere der Tätigkeit zu tun habe.
Ent
sprechend lässt sich die von
Dr.
A._
attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht ausschliesslich auf ein somatisches Korrelat zurückfüh
ren.
Ferner diagnostizierten
sowohl
Dr.
A._
als auch
Dr.
G._
eine Schmerzverarbeitungsstörung
(v
orstehend E. 3.1
,
Urk.
9/27,
Urk.
9/31
).
Im Bericht vom
Januar
2020 (
Urk.
9/27)
diagnostizierte
Dr.
G._
insbeson
dere
ein
Sulcus
ulnaris
S
yndrom rechts und nannte
als Befunde eine lokal leichte Sensibilitätsverminderung im Klein- und Ringfinger rechtsseitig, bei positivem
Elbow
flexion
-Test und leichtem Tinel-Phänomen im
Sulcus
ulnaris
rechts, keine Veränderungen an der Loge de
Guyon
, keine Tinel-Phänomene des
Nervus
medianus rechts und keine intrinsischen oder extrinsischen Atrophien. Die letzt
malige Infiltrationsbehandlung habe eine deutliche Entlastung der Hand ergeben
(S. 1)
. Im Bericht vom
Mai 2020 (
Urk.
9/31
)
stellte er eine deutliche
Entschärfung
der Beschwerden
nach Infiltration des
Sulcus
ulnaris
fest. In Anbetracht der
genannten
Befunde
sowie des
positiven
Heilverlaufs
lässt sich
die von ihm
über einen längeren Zeitraum
attesti
erte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
somit
nicht nachvollziehen
.
In
Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften
ist ferner
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
5.4
Auch
die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten
weiteren
Berichte
vermögen
die schlüssigen Beurteilungen durch
Dr.
Z._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Die
Ärzte
der Universitätsklinik
F._
hielten im Bericht vom Septem
ber 2020
(vorstehend E. 4.2
)
fest, dass sich insgesamt ein erfreulicher Verlauf
6 Wochen postinterventionell nach Nervenwurzelblock C6 rechts und C7 rechts zeige und der radikuläre Schmerz nach der Infiltration deutlich rückläufig sei.
Die Patientin spüre im Moment nur sehr wenige Schmerzen am rechten Oberarm seitlich
.
Ferner habe sich neurophysiologisch kein Hinweis für ein radikuläres Ausfallsyndrom gezeigt und es sei keine weitere Verlaufskontrolle geplant.
Die Patientin leide aktu
ell an sehr starken Schmerzen an
beiden Händen.
Diesbezüg
lich wünsche sie sich eine Drittmeinung beim hausinternen Handchirurgen.
Eine Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit den
nuchalen
Beschwerden ergibt sich aus dem Bericht somit nicht.
Dem Bericht von
Dr.
G._
vom Januar 2021 (vorstehend E. 4.3
) ist zu entnehmen, dass am 2
5.
September 2020 eine A1-Ringband-Spaltung und Synovektomie Strahl I-III links stattgefunden habe. Er hielt fest, dass die Patientin eine gutartige weitere Entwicklung zeige. Lokal bestünden noch Verhärtungen über der A1-Ringbandspaltung III linksseitig bei ansonsten weichen, indolenten Narbenverhältnissen.
Ein kompletter Faustschluss sowie
eine gute Extension der Langfinger sei möglich. Es bestünde
n keine Hinweise auf ein CRPS
und keine Sensibilitätsstörungen.
A
ufgrund des von
Dr.
G._
festgestellten gutartigen Verlaufs sowie des im Zusammenhang mit der Operation weitgehend unauffälli
gen klinischen Befundes
erweist sich eine über den üblichen postoperativen Heilungsprozess hinausgehende Arbeitsunfähigkeit
somit
als nicht nachvollzieh
bar
.
Des Weiteren wäre nicht ersichtlich, inwiefern
sich
nach der Ringbad-Spaltung und Synovektomie
auch in einer dem Leiden optimalen angepassten Tätigkeit
eine
langandauernde
Arbeitsunfähigkeit ergeben würde
.
5.5
Nach dem Gesagten ist auf die Beurteilung durch
Dr.
Z._
abzustellen. In somatischer Hinsicht ist
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit in der Administration
ausgewiesen.
Einschränkungen ergeben sich lediglich für m
ittelschwere
und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben
und Tragen
.
Demzufolge ist die Beschwerdeführerin auch
im Haushaltsbereich
nicht eingeschränkt
.
6.
6.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
(E. 7.2;
vgl. vorstehend E. 1.3
;
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Aus dem
psychiatrischen Gutachten von
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.2.2
)
ergeben sich die notwendigen Hinweise, welche eine Prüfung anhand der einsch
lägigen Indikatoren ermöglichen (vgl.
(Urteile des Bundesgerichts 9C_289/2018 vom 1
1.
Dezember 2018 E. 6 und 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.2).
6.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche
Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.3
Hinsichtlich
des Komplexes «Gesundheitsschädigung»
lassen sich dem psycho
pathologischen Befund im psychiatrischen Teilgutachten keine Hinweise auf kognitive oder mnestische Funktionsstörungen entnehmen
.
Die von der Beschwerdeführerin subjektiv berichtete gelegentliche Bedrückung und Traurig
keit angesichts der Schmerzen und des negativen Heilungsverlaufs wa
ren im affektiven Rapport
nicht spürbar.
In der Hamilto
n Depressionsskala erreichte die
Beschwerdeführerin
maximal 15 Punkte, was grenzwertig einer leichtgradigen Depression entsprechen würde, jedoch teilweise in Widerspruch zu der klinischen Symptomatik steht, die nur gelegentlich leichtgradige depressive Symptome zeigte
(
Urk.
9/14/1-31 S. 16-17)
.
Ferner wurde anlässlich der Begutachtung eine grosse Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung der Beschwerden und objektiven Befunden festgestellt, was sich in Anbetracht der im orthopädischen Teilgutachten festgestellten leichten Einsc
hränkungen (vgl. vorstehend E. 5.5
) als schlüssig erweist. Diesbezüglich legte der Gutachter
nachvollziehbar dar, dass
die von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen nicht hinreichend durch die in somatischer Hinsicht fachärztlich erhobenen Befunde erklärt werden können
(vgl.
(
Urk.
9/14/1-31
S. 15, S. 19-21
)
.
Des Weiteren gingen auch
Dr.
A._
und
Dr.
G._
von
eine
r
Schmerzverarbeitungsstörung
aus
(vorstehend E. 3.1 und E. 4.3
).
Der Gutachter gelangte
unter Berücksichtigung sämtlicher Befunde
nachvollzieh
bar
zum Schluss, dass maximal eine grenzwertig leichtgradige, mehrheitlich subklinische, depressiv gefärbte
Reaktion /
Anpassungsstörung, verbunden mit einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung, auf dem Hintergrund einer Persönlichk
eit mi
t histrionischen Zügen vorliegt.
Er
erachtete die Beschwerde
führerin aufgrund der nur leicht depressiv gefärbten affektiven Problematik lediglich geringfügig eingeschränkt (maximal 10-20
%
), wobei mittels der empfohlenen leic
hten pflanzlichen Psychopharmak
o
therapie die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht innert weniger (maximal 3-4) Wochen wieder zu 100
%
gegeben ist
(
Urk.
9/14/1-31 S. 20, S. 24-25)
.
Insgesamt ist somit von einer
äusserst
geringen
Ausprägung der diagno
serelevanten Befunde auszugehen.
6.4
In Bezug auf den Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
» ist festzuhalten
,
dass
die Beschwerdeführerin die vom Gutachter empfohlene
psychiatrische Behandlung
bis anhin nicht
in Anspruch genommen
hat
und auch der auferlegten Schadenminderungspflicht durch den Krankentag
geldversicherer
nicht nachgekommen
ist
(vgl.
Urk.
9/17
).
6.5
Im «sozialen Kontext» zeigt sich ein intaktes familiäres und freundschaftliches Netz
werk mit häufiger Kontaktpflege
.
Anlässlich der Begutachtung gab die Beschwerdeführerin an,
dass alles deutlich besser sei.
Zum Teil fühle sie sich etwas depressiv, aber dann gebe sie sich wieder einen Ruck und e
s gehe ihr sofort wieder besser.
Sie schaue täglich, dass sie aus dem Haus komme, vor allem auch mit der Tochter,
besuche aber auch ihre Familie
oder treffe sich mit Freunden. Sie mache häufig mit Bekannten etwas ab, gehe spazieren oder abends in ein Restaurant.
Den Haushalt übernehme ihr Mann und zum Teil auch ihre Tochter. Sie selbst mache aufgrund der Handbeschwerden nur noch ganz leichte Haus
haltsarbeiten.
Sie müsse
vieles meiden, damit es nicht schlimmer werde
(vgl.
(
Urk.
9/14/1-31
S. 12-14
)
.
Diesbezüglich ging
der Gutachter
von
ein
em
auffallenden passiven
Coping mit selbstlimitierendem
Schon- und Vermeidungs
verhalten
aus
, was sich
i
n Anbetracht der in somatischer Hinsicht
lediglich für
mittelschwere und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben und Tragen
festgestellten Einschränkungen als nachvollziehbar erweist.
Aus
den
Angaben
der Beschwerdeführerin
lässt sich schliessen, dass
sie
über Ressourcen verfügt, ihre Freizeit zu gestalten, Beziehungen zu Freunden und Verwandten zu pflegen und ihren Alltag zu bewältigen, wobei sie im Haushalt von ihrem Mann und ihrer Tochter Unterstützung erhält.
Eine
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
im Sinne der beweisrechtlich ausschlaggebenden Kategorie der «Konsistenz» ist vorliegend
somit
nicht ausgewiesen.
6.6
Zusammenfassend ist in Anbetracht der geprüften Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung festzuhalten, dass mit Blick auf die lediglich
sehr
geringe diagnos
tische Ausprägun
g,
die zeitnahe Therapierbarkeit mittels pflanzlicher Psychopharmaka
, das Aktivitätenniveau der
Beschwerdeführ
erin
sowie
die
vorhandenen Inkonsistenzen
keine
funktionelle Leistungseinschränkung
in psychiatrischer Hinsicht im Erwerbs- und Aufgabenbereich
ausgewiesen ist.
Im Übrigen ergäbe sich auch bei eine
r 10-20
%
Leistungsminderung
k
ein für einen Rentenanspruch
relevanter Invali
ditätsgrad (vgl. vorstehend E. 1.2
).
Da die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nach dem Gesagten weder in der ange
stammten noch in einer angepassten Tätigkeit während einer relevanten Dauer gesundheitsbedingt
massgeblic
h
eingeschränkt war, ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
eine Invalidenrente
verneinte.
6.7
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r Beschwerdeführerin aufzuerlegen.