Decision ID: a99d86ef-9731-5361-90d3-7d7acefd4e7c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie
aus B._, C. _ in der Nordprovinz, verliess sein Heimatland
gemäss eigenen Angaben am 26. November 2019 und reiste am 2. De-
zember 2019 in die Schweiz ein, wo er mit schriftlicher Eingabe seines da-
maligen Rechtsvertreters vom 24. Dezember 2019 sowie in persönlicher
Vorsprache am 14. Januar 2020 um Asyl nachsuchte.
B.
Am 16. Januar 2020 wurde eine unentgeltliche Rechtsvertretung bevoll-
mächtigt.
C.
Am 17. Januar 2020 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 18. Feb-
ruar 2020 die der Anhörung zu seinen Fluchtgründen statt. Dabei machte
er im Wesentlichen geltend, sein seit dem Jahr 2008 in der Schweiz woh-
nender Vater habe ihn stets finanziell unterstützt, er selbst habe nach des-
sen Ausreise bei seiner [Verwandten D._] gewohnt. Am (...) Juli
2016 sei die Polizei bei ihnen zu Hause vorbeigekommen und habe nach
seinem seit 2009 verschwunden [Verwandten E._] gesucht, der
Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) aufweise.
Da dieser nicht anwesend gewesen sei, sei er (der BF) selbst an dessen
Stelle festgenommen worden. Er sei auf den Polizeiposten F._ ge-
bracht worden und habe drei Tage dort verbringen müssen, bis er schliess-
lich freigelassen worden sei. Nach diesem Vorfall habe er aus Angst nicht
mehr zu Hause gewohnt, sondern stets seine Aufenthaltsorte gewechselt.
Wegen dieser Probleme hätten seine Freunde nichts mehr mit ihm zu tun
haben wollen, was ihn zu einem Suizidversuch getrieben habe. Er habe zu
diesem Zeitpunkt auch seine Schule abgebrochen. Am (...) April 2018 sei
er erneut von der Polizei festgenommen, zwei Tage festgehalten und dies-
mal geschlagen worden. Dank einer Lösegeldzahlung seiner [Verwandten
D._] sei er am (...) April 2018 wieder freigelassen worden, worauf
er sich am Folgetag wegen der erlittenen Verletzungen ins Spital begeben.
Nach diesem Vorfall habe er sich in den Ortschaften G._ und
H._ versteckt gehalten, bis er am (...) September 2018 aus Sri
Lanka ausgereist sei. Nach mehreren Monaten Aufenthalt in [Ausland] und
einiger Monate in [Ausland] sei er aus Ratlosigkeit über die Möglichkeit der
Weiterreise und aufgrund der Anweisung seines Vaters wieder nach Sri
Lanka zurückgekehrt. Bei der Einreise in Colombo habe er den Beamten
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60 Euro zahlen müssen, um den Flughafen verlassen zu können. Nach
ungefähr einem Monat Aufenthalt in Colombo sei er wieder ins Dorf zurück-
gekehrt, wo er am (...) November 2019 erneut von zwei als Polizisten ge-
kleideten Personen und sechs Personen in Zivil mit einem weissen Van
mitgenommen worden sei. Diesmal sei er in ein Haus gebracht, mit einem
Stock geschlagen und mit dem Tode bedroht worden. Er habe durch die
Schläge Verletzungen am (...) erlitten. Am Folgeabend habe die Person,
die ihm seine Mahlzeit in den Raum gebracht habe, in welchem er einge-
schlossen worden sei, vergessen, die Türe zu schliessen. Diese Gelegen-
heit zur Flucht habe er ergriffen und sich danach bei einem entfernten Ver-
wandten in der Ortschaft I._ versteckt, bis er mit Hilfe eines Schlep-
pers erneut ausgereist sei.
Als Beweismittel reichte er unter anderem folgende Dokumente zu den
Akten: seine sri-lankische Identitätskarte im Original, drei Rechnungen des
(...) Hospital in C._, Fotos seiner Hospitalisierung, einen medizini-
schen Bericht und ein Notizbuch des (...) Hospital, ein Foto seines [Ver-
wandten E._] in Uniform, ein Foto mit seiner Mutter und seinem [Ver-
wandten E._], ein Auszug aus dem Polizeibuch der Polizeistation
F._, ein Foto eines Dokumentes der Schweizerischen Botschaft in
Colombo, ein an seinen Rechtsvertreter gerichtetes Antwortschreiben des
SEM, ein «Diagnose-Ticket», ein Foto seiner Hand mit einer Perfusion, ein
Foto von ihm [im Ausland], Fotos von Verletzungen am (...) und (...), ein
Formular des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) für die
Familien von Verschwundenen, einen Brief seiner [Verwandten
D._] betreffend das Verschwinden [des Verwandten E._]
und ein Foto von ihr.
D.
Der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers erhielt am 26. Februar 2020
vom SEM die Gelegenheit, zum Entwurf des Entscheides Stellung zu neh-
men. Mit Schreiben vom 27. Februar 2020 wurde ausgeführt, dass der Be-
schwerdeführer an seinen Vorbringen festhalte.
E.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 – gleichentags eröffnet – verneinte
die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte
sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Wegweisungsvollzug.
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F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
10. März 2020 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragt er, das Gericht habe unverzüglich darzulegen, welche Gerichtsper-
sonen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut und ob diese
Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien, andernfalls die kon-
kreten objektiven Auswahlkriterien bekannt zu geben seien. Ferner sei die
angefochtene Verfügung wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör, eventualiter wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben
und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des voll-
ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neube-
urteilung an das SEM zurückzuweisen. In weiteren Eventualbegehren be-
antragt er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewäh-
rung von Asyl unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Fest-
stellung der Unzulässigkeit oder zumindest der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges. Sodann wurde darum ersucht, dem Beschwerdeführer
vollständige Einsicht in die vorinstanzlichen Akten zu gewähren. Insbeson-
dere sei ihm Einsicht in sein Gesuch um Erteilung eines humanitären Vi-
sums sowie die Akten seines Vaters zu gewähren. Nach Gewährung der
vollständigen Akteneinsicht sei ihm eine angemessene Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen.
Der Beschwerde wurden unter anderem folgende Unterlagen beigelegt:
Eine Erklärung des Vaters, wonach dieser mit der Offenlegung sämtlicher
ihn betreffender Asylakten im Verfahren seines Sohnes einverstanden sei,
datierend vom 9. März 2020; einen Bericht des International Truth and Jus-
tice Project vom 17. Oktober 2016; ein Executive Summary der 59th Ses-
sion des Anti-Folterkommittees der Vereinten Nationen mit dem Titel "Free-
dom from Torture Submission on Sri Lanka", datierend vom 12. Oktober
2016; eine zertifizierte Kopie des Handelsregisterauszug des Kanton
J._ betreffend die Einzelfirma seines Vaters, datierend vom 28. No-
vember 2019 (in Kopie); einen sri-lankischen Zeitungsartikel vom Juni
2013, ein vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erstellter Bericht
"Sri Lanka – Bericht zur aktuellen Lage", Stand 23. Januar 2020, samt zahl-
reicher Beilagen (auf CD inklusiv Beilagen als «Update» vom 26. Februar
2020; ausnahmslos öffentlich zugängliche Publikationen); eine Verfügung
des SEM vom 3. Dezember 2018 betreffend Einsicht in die Vollzugsakten
in einem anderen Verfahren (vom Rechtsvertreter mit Schwärzungen ver-
sehen) sowie eine anonymisierte E-Mail des SEM vom 6. November 2018
aus einem anderen Asylverfahren (ebenfalls mit Schwärzungen versehen).
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G.
Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2020 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten
und gab ihm die bereits eingesetzten Mitglieder des Spruchkörpers be-
kannt. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss Akten-
einsicht in gewisse Akten seines Asylverfahrens gewährt und zudem die
Vorinstanz angewiesen, das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdefüh-
rers betreffend Einsicht in die Asylakten seines Vaters und Einsicht in die
Akten betreffend sein humanitäres Visum zu behandeln. Dem Beschwer-
deführer wurde Gelegenheit eingeräumt, innert 15 Tagen ab Gewährung
der Akteneinsicht eine ergänzende Beschwerdebegründung einzureichen.
H.
Der Kostenvorschuss ging fristgerecht am 14. April 2020 ein.
I.
Am 9. April 2020 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer im Sinne der
Zwischenverfügung Akteneinsicht. Gemäss Rechtsvertreter wurden die
Akten ihm am 14. April 2020 zugestellt. Eine Kopie der vorinstanzlichen
Verfügung traf am 20. April 2020 beim Gericht ein.
J.
Mit Eingabe vom 29. April 2020 (Eingang beim Gericht am 30. April 2020)
reichte der Beschwerdeführer seine Beschwerdeergänzung ein.
Beilgelegt wurde ein vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erstellter
«Zusatzbericht Ländersituation Sri Lanka, 26. Februar - 10. April 2020" (auf
CD inklusive Beilagen; ausnahmslos öffentlich zugängliche Publikationen).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehältlich
nachfolgender Einschränkung, einzutreten.
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1.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai
2018 E. 4.3).
1.3 Der in der Zwischenverfügung vom 30. März 2020 bekanntgegebene
Spruchkörper wurde aufgrund der Abwesenheit der Zweitrichterin insofern
angepasst, als diese durch ihre ordentliche Stellvertreterin, Richterin Muriel
Beck Kadima, ersetzt wurde.
1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde wird gerügt, der Anspruch auf rechtliches Gehör,
inklusive Begründungspflicht sowie die Pflicht zur vollständigen und richti-
gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts seien verletzt worden.
Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie sich allenfalls dazu
eignen, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.
m.w.H.).
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen.
3.2.2 Die Abfassung der Begründung soll es der betroffenen Person er-
möglichen, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist,
wenn sich sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz
über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können; diesem Ge-
danken trägt die behördliche Begründungspflicht Rechnung. Die Begrün-
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dungsdichte als solche richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegen-
stand, den Verfahrensumständen und den Interessen der betroffenen Per-
son, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird
(vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und D-3159/2015 vom 29. August 2016
E. 3.1).
3.2.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspfle-ge des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3
3.3.1 Soweit der Beschwerdeführer eine nicht korrekte Gewährung der Ak-
teneinsicht (Einsicht in die Akten des Vaters, Einsicht in die Akten betref-
fend Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung eines humanitären Vi-
sums, mangelhafte Aktenordnung sowie Einsicht in eingereichte Beweis-
mittel) rügt (Beschwerde S. 7 ff.), und dabei den Antrag stellt, eine ange-
messene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen,
wurde dies bereits mit Verfügung vom 30. März 2020 behandelt; darauf
kann an dieser Stelle verwiesen werden.
3.3.2 In der Beschwerdeergänzung wird beantragt, es sei bekannt zu ge-
ben, unter welcher Aktennummer das Beweismittelverzeichnis erstellt wor-
den sei. In der Zwischenverfügung sei festgehalten worden, es seien die
Beweismittel "im Beweismittelverzeichnis der Vorakten aufgeführt" und
dem Beschwerdeführer sei vom Gericht direkt Einsicht in die entsprechen-
den Akten gewährt worden. Eine Rückweisung zwecks Neupaginierung sei
hingegen abgewiesen worden. Dieses Beweismittelverzeichnis sei ihm nur
in abgeschnittener Form zugestellt worden, zumal eine Spalte nicht voll-
ständig erkennbar sei. Es sei zudem nicht in den Akten aufgeführt. Im Ak-
tenverzeichnis sei an keiner Stelle ein Beweismittelverzeichnis oder eine
Akte mit dem Titel "Liste des moyens de preuve" vermerkt. Es gebe auch
keine standardisierte Fallnummer auf den Beweismitteln. Schliesslich sei
unklar, wann das Beweismittelverzeichnis erstellt worden sei und wo es bei
den Akten liege. Entweder hätten alle Beweismittel einzeln aufgeführt wer-
den müssen (was das SEM nur unvollständig getan habe) oder aber das
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Beweismittelverzeichnis hätte als Aktenstück im Aktenverzeichnis vermerkt
werden müssen (was das SEM unterlassen habe). Dass das dem Be-
schwerdeführer respektive seinem Rechtsvertreter zugestellte Beweismit-
telverzeichnis abgeschnitten gewesen sein soll, ist vom Beschwerdeführer
mit Beschwerdeergänzung nicht belegt, sondern lediglich behauptet wor-
den. Insbesondere wird auch nicht ersichtlich, inwiefern eine relevante Ver-
fahrenspflichtverletzung vorliegt. Die übrigen Beanstandungen sind unzu-
treffend, zumal das Beweismittelverzeichnis offensichtlich zum «enveloppe
du moyen de preuve» gehört, welches im Aktenverzeichnis unter der Num-
mer (...) aufgeführt ist, am 18. Februar 2020 erstellt und am 25. Februar
2020 paginiert wurde. Originale Beweismittel müssen praxisgemäss nicht
paginiert werden, zumal sich diese im Beweismittelcouvert mit jeweiliger
Beweisnummer befinden.
3.3.3 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht weiter, die Vor-
instanz habe ihre Abklärungspflicht verletzt, indem sie betreffend seinen
Gesundheitszustand keine weiteren Abklärungen getroffen habe bezie-
hungsweise kein fachärztliches Gutachten angeordnet habe (Beschwerde
S. 14). So habe der an der Anhörung anwesende Rechtsvertreter im be-
schleunigten Verfahren ausdrücklich gefordert, der gesundheitliche Zu-
stand des Beschwerdeführers sei von Amtes wegen abzuklären. Zudem
sei das Aussageverhalten des Beschwerdeführers während der Anhörung
aufgrund seiner psychischen Verfassung teilweise eingeschränkt gewe-
sen, weshalb er seine Fluchtgründe nicht in der nötigen Ausführlichkeit
habe darlegen können.
3.3.4 Aus den Akten ergibt sich, dass das SEM der gesundheitlichen Situ-
ation des Beschwerdeführers gebührend Rechnung getragen hat. So fan-
den die entsprechenden Vorbringen ([...]operation im Jahre 2018, Druck
auf der Brust, allgemein schlechte psychische Verfassung und Albträume)
Eingang in den Sachverhalt und wurden vom SEM bei der Prüfung der
Wegweisungsvollzugshindernisse berücksichtigt. Die beigeordnete
Rechtsvertretung hat im weiteren Verfahren namentlich in der Stellung-
nahme zum Entscheidentwurf keine mangelhafte Abklärung der medizini-
schen Situation moniert. Auch hinsichtlich des Vorbringens des Beschwer-
deführers zu seiner gesundheitlichen Situation in der Anhörung (act. A22
F67) haben sich nach Ansicht des Gerichts keine über die Anhörung hin-
ausgehenden Abklärungen aufgedrängt, zumal auch im Beschwerdever-
fahren diesbezüglich keine weiteren Sachverhaltselemente vorgetragen
werden. In Bezug auf das Vorbringen des Rechtsvertreters, es falle beim
Kontakt mit dem Beschwerdeführer auf, dass er psychische Probleme
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habe, ohne dies weiter zu spezifizieren, ist anzumerken, dass es dem Be-
schwerdeführer gestützt auf die Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) obliegt,
allfällige relevante Unterlagen im Verfahren einzureichen. Aus den Akten
ist schliesslich auch nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer sich wäh-
rend der Anhörung in einer Verfassung befand, welche ihn am sachgerech-
ten Vortrag seiner Asylgründe hinderte. Entsprechende Anmerkungen
hierzu wurden ebenfalls nicht von der anwesenden Rechtsvertretung an-
gebracht. Der Sachverhalt zum Gesundheitszustand gilt somit als rechts-
genüglich abgeklärt und die entsprechende Rüge erweist sich als unbe-
gründet.
3.3.5 Ferner rügt der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinen in-
dividuellen Asylgründen eine unvollständige und unrichtige Feststellung
des Sachverhalts in Bezug auf seine Fluchtgründe (Beschwerde S. 24 ff.).
Dies betreffe die LTTE-Verbindungen seines Vaters und seines [Verwand-
ten E._], aufgrund derer er einer Reflexverfolgung ausgesetzt sei,
das Profil seines Vaters (Beschwerdeergänzung S. 4, S. 8), den Reichtum
des Vaters, der eine Verfolgung des Beschwerdeführers in Sri Lanka nach
sich ziehe, die Aktualität des länderspezifischen Sachverhalts (betreffend
Zugehörigkeit zu einer bestimmten, sozialen Gruppe abgewiesener Asyl-
suchender und der Zugehörigkeit zur bestimmen sozialen Gruppe der ver-
meintlichen oder tatsächlichen LTTE-Unterstützer) sowie das Vorliegen
zwingender Gründe im Sinne einer Langzeittraumatisierung. Des Weiteren
beanstandet der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begründungs-
pflicht (Beschwerde S. 16 ff.) in Bezug auf seine eigenen LTTE-Verbindun-
gen (Reflexverfolgung wegen seines [Verwandten E._], Vaters und
allenfalls Cousins; Beschwerde S. 47, S. 55, Beschwerdeergänzung S. 4,
S. 8), seinen Gesundheitszustand, den Reichtum seiner Familie (Be-
schwerde S. 18 f.) sowie die Lageeinschätzung in der angefochtenen Ver-
fügung (Beschwerde S. 19 ff., S. 45 ff.). Schliesslich habe das SEM sinn-
gemäss eine falsche Beweiswürdigung vorgenommen. Indem es den Aus-
zug aus dem Polizeibuch der Polizeistation F._ ignoriere und statt-
dessen eine Glaubhaftigkeitsprüfung der diesbezüglichen Aussagen vor-
genommen habe, verletzte es den Grundsatz des Beweises vor Glaubhaf-
tigkeit. Es sei unzulässig dem Beweismittel pauschal den Beweiswert ab-
zusprechen, vielmehr hätte eine Echtheitsprüfung stattfinden müssen (Be-
schwerde S. 51 ff.). Schliesslich sei der Eintrag auch mittels einer Bot-
schaftsabklärung – entgegen der vorinstanzlichen Ansicht – überprüfbar.
Diese Auffassung wird vom Gericht nicht geteilt. Die Vorinstanz hat – wie
sich nachfolgend ergibt – den Sachverhalt genügend erstellt, insbesondere
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die Vorbringen des Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörung im
Sachverhalt aufgenommen. Ebenso hat es Bezug genommen auf die
schriftlichen Asylgesuchausführungen vom 24. Dezember 2019. Die Vor-
instanz hat sich eingehend mit den Vorbringen auseinandergesetzt, wo-
nach sowohl sein [Verwandter E._] als auch sein Vater der LTTE
angehört hätten und er von der sri-lankischen Polizei mehrmals in Haft ge-
nommen worden und mitunter geschlagen und bedroht worden sei.
Ebenso geht aus der Verfügung hervor, dass die Vorinstanz die (übrigen)
familiären Verbindungen des Beschwerdeführers ausreichend berücksich-
tigte. Sofern auf Beschwerdeebene nunmehr neue Aspekte aufgeführt wer-
den (Verfolgungsbefürchtungen im Zusammenhang mit dem angeblichen
Reichtum des Vaters in der Schweiz [Beschwerde S. 56], das Vorliegen
«zwingender Gründe» aufgrund einer Langzeittraumatisierung wegen Vor-
verfolgung [Beschwerde S. 2, 57]) ist keine Verletzung der Sachverhalts-
feststellung erkennbar.
3.3.6 Der Vorwurf der ungenügenden Sachverhaltsabklärung ist daher un-
begründet.
3.3.7 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers erhellt aus der Verfü-
gung, dass sich die Vorinstanz mit diesen Vorbringen in genügender Weise
auseinandergesetzt hat. So hat sie mit ausreichender Begründung festge-
halten, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ver-
neint und eine Rückkehr des Beschwerdeführers für zumutbar erachtet hat.
Weiter ging sie von einer Behandelbarkeit der gesundheitlichen Beschwer-
den des Beschwerdeführers in Sri Lanka aus und zitierte gleichwohl die
Quellen, auf die sich ihre Lagebeurteilung stützt. Dem Beschwerdeführer
war es – wie aus der Beschwerdeschrift hervorgeht – möglich, die Verfü-
gung sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
des Beschwerdeführers, inklusive Begründungspflicht, liegt somit nicht vor.
Dass der Beschwerdeführer die Erwägungen der Vorinstanz inhaltlich als
unzutreffend erachtet und mit der Lagebeurteilung, die diese ihrer Verfü-
gung zu Grunde legt, nicht einverstanden ist (vgl. hierzu ausführlich Be-
schwerde S. 19 ff, 30 ff.), beschlägt nicht die formelle Frage einer Gehörs-
verletzung, sondern ist eine materielle Frage.
3.3.8 Die Vorinstanz hat sich des Weiteren mit der aktuellen Lage in Sri
Lanka gebührend auseinandergesetzt und berücksichtigte die Osteran-
schläge vom 21. April 2019 sowie die Wahl des Präsidenten Gotabaya
Rajapaksa vom 16. November 2019 und deren Folgewirkungen. Allein der
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Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer an-
deren Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten und sie zu einer an-
deren materiellen Würdigung der Vorbringen (inklusive Risikoanalyse) ge-
langt als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine ungenü-
gende Sachverhaltsfeststellung.
3.3.9 Schliesslich sind aus den Akten auch keine Anzeichen dafür ersicht-
lich, dass die Vorinstanz Beweismittel falsch würdigte. Ein Beweismittel
kann die Glaubhaftigkeit von Vorbringen untermauern. Entscheidend ist
aber zum einen die Beweistauglichkeit eines Dokuments an sich und zum
anderen die Einbettung der Beweiswürdigung in den gesamten Kontext
des Vorbringens. Das SEM hat dies auch so gehandhabt. Ob zutreffend
der Beweiswert abgesprochen wurde, ist eine Frage der materiellen Beur-
teilung. Aus den entsprechenden Erwägungen des vorinstanzlichen Ent-
scheids ergibt sich, dass das SEM die vom Beschwerdeführer eingereich-
ten Beweismittel in die erfolgte Gesamtwürdigung einbettete (dazu einge-
hender unten E. 6.2 und 6.4). Da auch diese Rüge ins Leere greift, erübrigt
sich eine entsprechende Botschaftsabklärung.
3.4 Die formellen Rügen erweisen sich daher insgesamt als unbegründet,
weshalb keine Veranlassung besteht, die Verfügung aus formellen Grün-
den aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis-
anträge: Es sei sein Gesundheitszustand von Amtes wegen abzuklären
und es sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung weiterer Beweis-
mittel (Einreichung eines ärztlichen Gutachtens sowie weitere Unterlagen
betreffend seine LTTE-Verbindungen) anzusetzen.
4.2 Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich dazu nicht veranlasst. Der
Sachverhalt ist nach Ansicht des Gerichts rechtsgenüglich erstellt. In der
Beschwerde wird denn auch bisher nichts Konkretes geltend gemacht, was
zu einem anderen Schluss führen könnte. Der Untersuchungsgrundsatz
findet in der Mitwirkungspflicht der beschwerdeführenden Person seine
Grenzen (Art. 8 AsylG). Es wäre dem Beschwerdeführer oblegen, gesund-
heitliche Beeinträchtigungen zu substanziieren und entsprechende Be-
weismittel beizubringen. Gleiches gilt für die in Aussicht gestellten weiteren
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Beweismittel zur einen LTTE-Verbindungen. Dies umso mehr, als der Be-
schwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren eigene LTTE-Verbindungen
gar nicht vorgebracht hat.
4.3 Die Beweisanträge sind daher abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Gericht hat die Krite-
rien des Glaubhaftmachens wiederholt in publizierten Entscheiden um-
schrieben (vgl. beispielsweise BVGE 2013/11 E. 5.1, 2015/3 E. 6.5.1); hie-
rauf kann verwiesen werden.
6.
6.1 Die Vorinstanz stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den
Standpunkt, die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers seien un-
glaubhaft.
Sie hielt in ihrem ablehnenden Entscheid fest, hinsichtlich der Vorbringen
im Zusammenhang mit seinem [Verwandten E._] falle zunächst auf,
dass der Beschwerdeführer mit Ausnahme der Tatsache, jener sei während
des Krieges im Jahre 2009 verschwunden, nichts vorzubringen gewusst
habe. Dazu aufgefordert, zu präzisieren, weshalb die sri-lankische Polizei
im Jahre 2016 nach dem [Verwandten E._] gesucht habe, habe er
lediglich angeben können, Letzterer sei LTTE-Mitglied gewesen und die
Polizei habe nach mehreren Personen gesucht. Die Erklärung, «jemand
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habe die Polizei darüber informiert», dass der [Verwandte E._] im
Dorf sei, vermöge nicht zu überzeugen, zumal er dies offensichtlich erst in
Reaktion auf die gestellte Frage ergänzt habe. Auch seine Bekräftigung,
dass er zum Zeitpunkt des Verschwindens des [Verwandten E._]
noch klein gewesen sei, vermöge hinsichtlich der Substanzlosigkeit dieses
Kernvorbringens keine Abhilfe zu verschaffen. Gleich verhalte es sich bei
seiner angeblich erlittenen Inhaftnahme durch die sri-lankische Polizei am
(...) Juli 2016. Auch diesbezüglich zu einer detaillierteren Beschreibung
aufgefordert, habe der Beschwerdeführer sich mit leeren Floskeln und lü-
ckenhaften Erzählungen, die ohne signifikante Details ausgefallen seien,
geäussert. Wären die drei Tage Haft wirklich erlebt worden, wäre diesbe-
züglich eine spontanere und vielfältigere Berichterstattung zu erwarten ge-
wesen. Auch die Tatsache, dass seine Erklärungen teilweise nicht auf die
gestellte Frage Bezug genommen hätten, zeige, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht selbst Erfahrenes geschildert habe. Die Unsubstanziiertheit seiner
Vorbringen in den essentiellen Punkten stelle die Glaubhaftigkeit bereits
ernsthaft in Frage.
Diese Einschätzung werde durch Widersprüchlichkeiten und durch der all-
gemeinen Lebenserfahrung zuwiderlaufende Schilderungen im Zusam-
menhang mit seiner zweimaligen Ausreise bestätigt. Seinen Angaben zu-
folge sei er am 16. September 2018 mit einem [ausländischen] Pass aus
Sri Lanka ausgereist. Nach einer gewissen Zeit in [Ausland] sei er von sei-
nem Schlepper verlassen worden, worauf sein Vater ihn angewiesen habe,
nach Sri Lanka zurückzukehren. Daraufhin sei er am 15. August 2019 mit
einem von der sri-lankischen Botschaft ausgestellten sri-lankischen Pass
auf dem Luftweg von [Ausland] aus nach Sri Lanka zurückgekehrt. Vor dem
Hintergrund seiner geschilderten Probleme sei es zunächst nicht nachvoll-
ziehbar, dass er nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Es erscheine unplausi-
bel, dass ihn die sri-lankischen Behörden – hätten sie ihn tatsächlich ge-
sucht – auf diese Art hätten zurückkehren lassen. Daran ändere auch das
Vorbringen nichts, dass er sich mit einer Summe von 60 Euro am Flughafen
angeblich habe freikaufen können, zumal dies unglaubhaft erscheine.
Schliesslich sei er trotz der geltend gemachten Suche und Bedrohungen
durch die Polizei am (...) November 2019 legal mit seinem eigenen Pass
erneut aus Sri Lanka ausgereist. Auch diesbezüglich würden die nicht kon-
zisen Schilderungen über die Hilfe eines Schleppers nicht überzeugen.
Überdies sei es vor dem Hintergrund, dass die Behörden seinen im Jahre
2009 verschwundenen [Verwandten E._] mit dieser Hartnäckigkeit
E-1445/2020
Seite 14
suchten, nicht nachvollziehbar, dass er als einziges Familienmitglied be-
helligt worden sein soll. Die diesbezügliche Erklärung, er sei das einzige
männliche Familienmitglied, vermöge nicht zu überzeugen. Schliesslich sei
festzuhalten, dass die im schriftlichen Asylgesuch vom 24. Dezember 2019
angeführten Gründe von den in der Anhörung vorgebrachten Asylgründen
abweichen würden. An der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen würden
auch die eingereichten Beweise nichts ändern. Diesen sei keine zusätzli-
che Information zu entnehmen, die seine Aussagen unterstützen könnten.
Diese Dokumente könnten zudem keiner materiellen Prüfung unterzogen
werden, zumal diese leicht käuflich seien oder aber diverse (unerfüllte) for-
melle und inhaltliche Kriterien eine Analyse verunmöglichten. Im Lichte sei-
ner Ausführungen sei insgesamt davon auszugehen, dass diese Doku-
mente einzig dazu erstellt worden seien, dem Beschwerdeführer im Asyl-
verfahren zu dienen.
Er müsse auch nicht in begründeter Weise eine zukünftige Verfolgung bei
einer Rückkehr ins Heimatland befürchten. Die diesbezüglich gemäss Re-
ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil E-1866/2015 vom 15.
Juli 2016) zu prüfenden Risikofaktoren würden beim Beschwerdeführer
nicht vorliegen. Weder die allenfalls zu erwartende Befragung am Flugha-
fen bei der Rückkehr sei asylrelevant noch habe er glaubhaft gemacht, vor
seiner Ausreise in asylrelevanter Weise verfolgt worden zu sein, zumal er
nach dem Krieg noch 10 Jahre – bis zum 26. November 2019 – in Sri Lanka
gelebt habe. Auch unter dem neuen Präsidenten sei nicht von einer kol-
lektiven Verfolgung ganzer Volksgruppen auszugehen. Die eingereichten
Berichte zur Lage in Sri Lanka würden keinen persönlichen Bezug zum
Beschwerdeführer aufweisen und seien nicht geeignet, eine gegen ihn per-
sönlich gerichtete Verfolgung zu belegen. Die weiteren Beweismittel wür-
den zwar die berufliche und gesundheitliche Situation des [Verwandten
K._] dokumentieren, seien zum Beleg einer Verfolgung indes nicht
geeignet. Insgesamt lägen somit keine Verfolgungsgründe vor.
6.2 Auf Beschwerdeebene wird vom Beschwerdeführer neben der Bekräf-
tigung der Asylgründe zunächst ergänzend geltend gemacht, neben sei-
nem [Verwandten E._] und seinem Vater seien fast alle weiteren
Verwandten aufgrund von Verfolgung nach [Europa] geflohen und hätten
dort Asyl erhalten. Es würde versucht, diesbezüglich noch Beweismittel
nachzureichen. Dem [Verwandten E._] sei aufgrund seines Eintra-
ges in der Stop-List in Thailand vom UNHCR die Flüchtlingseigenschaft
zugesprochen worden (vgl. Beschwerdergänzung S. 7). Sodann wurde
E-1445/2020
Seite 15
ausgeführt, aufgrund der Tatsache, dass weder der Suizidversuch des Be-
schwerdeführers noch seine Festnahmen vom (...) April 2018 und vom (...)
November 2019 in die Glaubhaftigkeitsprüfung geflossen seien, sei zu
schliessen, dass besagte Sachverhaltselemente vom SEM als glaubhaft
erachtet worden seien, zumal der grösste Teil des Sachverhalts vom SEM
als unglaubhaft eingestuft worden sei. Der Auszug aus dem Polizeibuch
der Polizei F._ belege seine Festnahme am (...) Juli 2016 und somit
den Fakt, dass er aufgrund seines Vaters (dem in der Schweiz Schutz ge-
währt worden sei) Opfer einer Reflexverfolgung geworden sei (Beschwer-
deergänzung S. 7). Er habe zwar in der Anhörung stets die behördliche
Suche nach dem [Verwandten E._] hervorgehoben. Tatsächlich er-
gebe sich aber aus dem Auszug aus dem Information Book der Polizeista-
tion F._ vom (...) Juli 2016, dass er gemäss der sri-lankischen Po-
lizei aufgrund seines Vaters nicht seines [Verwandten E._] inhaftiert
worden sei. Für seine dreitägige Inhaftierung im Jahre 2016 existiere somit
ein objektives Beweismittel. Aus dem Umstand, dass Beweismittel in Sri
Lanka käuflich seien, dürfe nicht der Umkehrschluss gezogen werden,
dass auch das eingereichte Beweismittel eine Fälschung sei. So habe er
auch mit objektiven Beweismitteln belegt, dass nahe Angehörige von ihm
die LTTE unterstützt hätten (Foto seines [Verwandten E._] in LTTE-
Uniform). Auch würden die zahlreichen Spitalakten seine erlittenen Miss-
handlungen indirekt belegen (Beschwerdeergänzung S. 9). Anstatt dass
diese gewürdigt worden seien, sei das SEM aber in einer unbehilflichen
Glaubhaftigkeitsprüfung zum Schluss gekommen, die vom Beschwerde-
führer vorgebrachte Haft im Juli 2016 sowie die Verfolgungsmotivation der
sri-lankischen Behörden seien unglaubhaft unsubstanziiert ausgefallen.
Das SEM verkenne darüber hinaus, dass der Beschwerdeführer im Zeit-
punkt des Krieges erst neun Jahre alt gewesen sei, was erkläre, weshalb
er nicht detailliert über die Aktivitäten des [Verwandten E._] infor-
miert gewesen sei. Dieser habe selbst sehr wenig darüber berichtet.
Die Einreise nach Sri Lanka sei über Vermittlung durch die sri-lankische
Botschaft erfolgt, weshalb er sich bei der Einreise nach Sri Lanka nicht der
gewöhnlichen Überprüfung habe unterziehen müssen. Bei 60 Euro handle
es sich um mehr als einen durchschnittlichen sri-lankischen Jahreslohn,
weshalb dieses am Flughafen bezahlte Bestechungsgeld keine kleine
Summe sei. Auch sei es gemäss dem Verfolgungsmuster in Sri Lanka tat-
sächlich so, dass oft männliche Nachkommen ins Visier der Behörden ge-
langten, hier insbesondere, weil auch der Vater mit seinem Reichtum be-
langt werden solle. Was die Divergenzen seiner eigenen Asylgeschichte zu
der Eingabe seines ersten Rechtsvertreters anbelange, sei anzufügen,
E-1445/2020
Seite 16
dass er diesen nie gesehen habe und lediglich sein Vater mit diesem auf
Französisch (was er nicht verstehe) kommuniziert habe. Dass die Glaub-
haftigkeit vom SEM in Ermangelung von tatsächlichen Widersprüchen und
Unglaubhaftigkeitselementen deswegen verneint worden sei, sei nicht
überzeugend.
Er sei als Flüchtling anzuerkennen, weil er folgende Risikofaktoren erfülle:
Er habe eine Vielzahl von Verwandten, welche LTTE-Mitglieder gewesen
und nach dem Ende des sri-lankischen Bürgerkriegs verschwunden oder
ins Ausland geflüchtet seien: Seinen [Verwandten E._], der ein
langjähriges und hochrangiges LTTE-Mitglied gewesen sei, seinen Vater,
der die LTTE über Jahre unterstützt habe und deshalb unter dem Preven-
tion of Terrorism Act [PTA] von 2000 bis 2002 inhaftiert gewesen sei und
allenfalls Cousins. Er verfüge über keine gültigen Einreisepapiere. Durch
die Flucht des Vaters und dessen Reichtum sei er im Jahre 2016 ins Visier
der Behörden geraten und bei einer Rückkehr einer Reflexverfolgung aus-
gesetzt. Seit Ergehen des Referenzurteiles hätten sich diese Risikofakto-
ren vor dem Hintergrund der neuen Ausgangslage in Sri Lanka – insbeson-
dere nach der Wahl des neuen Präsidenten Rajapaksa vom 16. November
2019 – massiv verstärkt. Die bei ihm vorliegenden Risikofaktoren seien ku-
mulativ zu würdigen und dabei insbesondere die zwingenden Gründe im
Zusammenhang mit seiner Langzeittraumatisierung zu prüfen. Er sei auf-
grund seiner LTTE-Verbindungen innerhalb der Familie, dem Reichtum sei-
nes Vaters, seiner Flucht in die Schweiz, sowie seiner Rückkehr aus der
Schweiz – unter Berücksichtigung der neuen Sachverhaltselemente — bei
einer allfälligen Rückkehr an Leib, Leben und Freiheit gefährdet.
7.
7.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen
zu bestätigen sind. Die Asylvorbringen des Beschwerdeführers erweisen
sich als unglaubhaft.
7.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers in der Anhörung erweisen sich
als in wesentlichen Punkten unbsubstanziiert und lassen in den Kernpunk-
ten die für tatsächliche Gegebenheiten erforderlichen Details und Real-
kennzeichen vermissen.
7.2.1 So wusste der Beschwerdeführer praktisch nichts zu den Handlun-
gen des [Verwandten E._] beziehungsweise seiner Tätigkeit bei der
LTTE zu berichten und brachte in diesem Zusammenhang lediglich vor, der
[Verwandten E._] sei bei der LTTE als (...)-Lehrer tätig gewesen.
E-1445/2020
Seite 17
Die diesbezügliche Rechtfertigung – er sei damals noch ein Kind gewesen
oder vermutlich habe sein Vater ihn nicht gefährden wollen (Beschwerde-
ergänzung S. 8) – überzeugt bereits angesichts der seither vergangenen
Jahre, in denen er angesichts angeblich ausreiserelevanter Behelligungen
wegen seines [Verwandten E._] Näheres hätte in Erfahrung bringen
können, nicht. Ein diesbezügliches Interesse wäre, drohte daraus reell eine
Reflexverfolgung, indessen zu erwarten. Zur wiederholt geltend gemach-
ten Reflexverfolgung im Zusammenhang mit dem Vater ist anzumerken,
dass dieser – entgegen der Darstellung im Beschwerdeverfahren – keinen
flüchtlingsrechtlichen Schutz in der Schweiz erhalten hat. Aus dessen Ak-
ten geht vielmehr hervor, dass es ihm nicht gelang, in seinem im März 2008
in der Schweiz angestrengten Asylverfahren seine Verfolgungsgründe
glaubhaft darzulegen, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft verneint
wurde. Er wurde indessen mit Verfügung vom 27. August 2010 aufgrund
der damals herrschenden allgemeinen Situation infolge allgemeiner Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Norden Sri Lankas vorläufig
aufgenommen (vgl. N [...] B 17). Damit ist den Vorbringen des Beschwer-
deführers, er laufe Gefahr, wegen seines Vaters Opfer von Reflexverfol-
gung zu werden, die Grundlage entzogen. Entsprechendes hat der Be-
schwerdeführer im Übrigen auch während des vorinstanzlichen Verfahrens
nicht geltend gemacht. Seine Ausführungen bezogen sich explizit nur auf
den seit dem Jahr 2009 verschollenen [Verwandten E._] Es erübrigt
sich daher auf die nach erfolgter Einsicht in die Akten des Vaters ergange-
nen, weitgehenden Ausführungen zu dessen angeblichen Fluchtgründen
(Beschwerdeergänzung S. 4 ff.) einzugehen. Dass im eingereichten Aus-
zug aus dem Polizeibuch F._ gemäss Ausführungen des Beschwer-
deführers vermerkt ist, er sei wegen seines Vaters verhaftet worden, er
aber stets eine Reflexverfolgung im Zusammenhang mit seinem [Verwand-
ten E._] geltend gemacht hat, spricht massgeblich dafür, dass die-
ses Beweismittel zu Gefälligkeitszwecken erstellt wurde respektive nicht
authentisch ist. Auch die Ergänzungen auf Beschwerdeebene betreffend
eine Verfolgung von weiteren Familienmitgliedern vermögen an dieser Ein-
schätzung nichts zu ändern, zumal sie erstmals im Beschwerdeverfahren
vorgebracht werden und als nachgeschoben gelten sowie gänzlich undo-
kumentiert blieben.
7.2.2 Die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz ist im Übrigen vollum-
fänglich zu stützen, wobei an dieser Stelle zur Vermeidung von Wiederho-
lungen darauf verwiesen wird (vgl. oben E. 6.1). Diese Einschätzung ver-
mögen auch die auf Beschwerdeebene wiederholten Bekräftigungen, wo-
E-1445/2020
Seite 18
nach Beweismittel und die LTTE-Verbindungen des Vaters die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen belegten, nicht umzustossen. Im gleichen Sinne
eignet sich auch die Behauptung, wonach der vom Beschwerdeführer im
vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachte Suizidversuch sowie die bei-
den Festnahmen in den Jahren 2018 und 2019 aufgrund der Nichterwäh-
nung in der Glaubhaftigkeitsprüfung wohl von der Vorinstanz als glaubhaft
befunden seien, nicht dazu, die von der Vorinstanz eingehend erwogene
Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgung in Frage zu stellen.
Die Vorinstanz hat im Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Inhaftierungen im Jahr 2018 und 2019 vielmehr festge-
stellt, dass diese in den Ausführungen zum schriftlichen Asylgesuch vom
24. Dezember 2019 nicht aufgeführt wurden, sondern dort ein anderer
Sachverhalt geltend gemacht wurde. Im Übrigen erscheint die im Jahr 2019
angeblich erfolgte Festnahme und Inhaftierung in einem Haus, welcher er
hätte entfliehen können, da die Tür nicht verschlossen gewesen sei, kon-
struiert. Im schriftlichen Gesuch wurden sodann nicht nur andere fluchtaus-
lösende Ereignisse geltend gemacht, sondern es wurde auch ausgeführt,
dass der Beschwerdeführer selbst Verbindungen zur LTTE unterhalte, was
dieser anlässlich seiner Anhörung jedoch nicht vorgetragen hat. Der vom
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachte Suizid-
versuch ist in keiner Weise substanziiert. Der Beschwerdeführer brachte
hierzu einzig vor, er habe einen solchen Versuch unternommen, nachdem
er aufgrund der Festnahme keine Freunde mehr gehabt habe.
7.2.3 Betreffend Beweismittelwürdigung ist ebenfalls vollumfänglich auf die
vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen; sie sind nicht zu beanstanden.
Es kann insbesondere darauf verzichtet werden, die eingereichten Beweis-
mittel mittels Botschaftsabklärung auf ihre Authentizität abzuklären.
7.2.4 Schliesslich ist zu bestätigen, dass der Beschwerdeführer nicht in be-
gründeter Weise eine zukünftige Verfolgung bei einer Rückkehr ins Hei-
matland befürchten muss, da die diesbezüglich gemäss Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts (Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) zu prü-
fenden Risikofaktoren nicht vorliegen. Es gelang ihm insgesamt nicht, Vor-
fluchtgründe glaubhaft zu machen.
7.3 Auch zum heutigen Zeitpunkt ist nicht davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr ernsthafte Nachteile drohen würden.
7.3.1 Der Beschwerdeführer weist keine Risikofaktoren im Sinne des Re-
ferenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf (vgl. a.a.O. E. 8.5) Die
E-1445/2020
Seite 19
Asylvorbringen des Beschwerdeführers sind unglaubhaft ausgefallen und
er selbst war nie Mitglied der LTTE. Seine Familie in Sri Lanka weist aktuell
keine glaubhaften Verbindungen zu den LTTE auf. Weiter wurde er keiner
Straftat angeklagt oder verurteilt und verfügt somit auch nicht über einen
Strafregistereintrag. Dass er in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll, er-
scheint aufgrund des Gesagten als unwahrscheinlich. Allein aus seiner Zu-
gehörigkeit zur tamilischen Ethnie und der kurzen Landesabwesenheit
kann keine Gefährdung abgeleitet werden. Unter Würdigung aller Um-
stände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lan-
kischen Regierung nicht zu jener Gruppe von Personen gezählt wird, die
bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
(wie das bei ihm der Fall sei; Beschwerdeergänzung S. 13), und so eine
Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellen. Es ist nicht davon
auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Dies ergibt
sich auch nicht aus den auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumenten,
Berichten und Länderinformationen.
7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 sodann festgestellt, dass Angehörige der tamilischen
Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzuneh-
menden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E.
8.3). Die Behauptungen des Beschwerdeführers, dass alle abgewiesenen
tamilischen Asylsuchenden als Mitglieder einer bestimmten sozialen
Gruppe verfolgt würden, gehen fehl. Der Ausgang der Kommunalwahlen
vom 10. Februar 2018 ändert an dieser Einschätzung nichts. Dies gilt auch
unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri Lanka. Die ak-
tuelle Lage in Sri Lanka ist nach den Terroranschlägen im April 2019 zwar
als volatil zu beurteilen, jedoch ist aufgrund dessen nicht auf eine generell
erhöhte Gefährdung von zurückkehrenden tamilischen Staatsangehörigen
zu schliessen. Auch der am 6. Oktober 2018 begonnene Machtkampf zwi-
schen Sirisena, Rajapaksa und Wickremesinghe, die Präsidentschafts-
wahlen von November 2019 sowie die neueren Entwicklungen vermögen
diese Einschätzung nicht in Frage zu stellen.
7.3.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Prä-
sidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://
www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate
-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 20.07.2020). Gota-
E-1445/2020
Seite 20
baya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsi-
denten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Ver-
teidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen
Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zu-
dem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegs-
verbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen
(vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020).
Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda
zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa,
in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/
news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-raja
pksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am
20.07.2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten
insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Men-
schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten,
Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische
Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament
vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident
löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, Human
Rights Watch [HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist weiterhin im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug
der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 respektive deren Folgen besteht.
7.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
E-1445/2020
Seite 21
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).
8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-1445/2020
Seite 22
8.3 Die Vorinstanz führte aus, nachdem der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrück-
schiebung nicht angewandt werden und die allgemeine Menschenrechts-
situation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht generell als un-
zulässig erscheinen. Gemäss dem Europäischen Gerichtshof für Men-
schenrechte (EGMR) drohe zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in
Sri Lanka nicht generell eine unmenschliche Behandlung, sondern es
müsse im Einzelfall eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden. We-
der aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten würden
sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe
oder Behandlung drohe, weshalb sich ein Wegweisungsvollzug als zuläs-
sig erweise.
Weiter sei der Wegweisungsvollzug nicht generell unzumutbar. Der bewaff-
nete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE sei im
Mai 2009 beendet worden. Auch unter den aktuellen Entwicklungen, na-
mentlich den jüngsten Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019,
bestehe keine gänzliche unsichere, von bewaffneten Konflikten oder ande-
ren unberechenbaren Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer Rückkeh-
rer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konkret gefährdet seien.
Somit sei aktuell nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen.
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei der
Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz zumutbar, wenn das Vor-
liegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden könne. Der
Beschwerdeführer stamme aus B._, C. _ in der Nordprovinz
und habe mit Ausnahme von ein paar Reisen nach G._ und
H._ dort gelebt. Er verfüge über ein tragfähiges Beziehungsnetz,
sei jung und habe eine Schulbildung bis zum Advanced Level genossen.
Zudem sei davon auszugehen, dass sein Vater ihn – wie schon vor seiner
Ausreise – weiterhin finanziell unterstütze.
Vorliegend habe der Beschwerdeführer anlässlich seines Asylgesuchs ver-
schiedene gesundheitliche Probleme geltend gemacht, mit denen er in Sri
Lanka konfrontiert gewesen sei. Er habe sich im Jahre 2018 einer (...)ope-
ration unterziehen müssen und sei einmal wegen eines Suizidversuchs
hospitalisiert worden. Er habe auch wegen Drucks auf der Brust einen Arzt
aufgesucht. Allgemein gehe es ihm psychisch nicht gut und er leide an Alb-
träumen. Es sei aufgrund der Akten festzustellen, dass sein Gesundheits-
zustand stabil sei. Aus seinen Erzählungen gehe weiter hervor, dass seine
gesundheitlichen Probleme in Sri Lanka behandelt worden seien und seine
E-1445/2020
Seite 23
Lebensqualität aufrechterhalten werden konnte. Daher sei nicht davon
auszugehen, dass sich sein Gesundheitszustand bei einer Rückkehr derart
verschlechtern würde, dass seine physische Integrität in Gefahr sei. Auf-
grund des Gesagten sei auch davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer die in Sri Lanka verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ausschöp-
fen werde. Wenn die Behandlungsmöglichkeiten in Sri Lanka nicht dem
Schweizer Standard entsprächen, sei festzustellen, dass die Grundversor-
gung im Herkunftsland garantiert sei. Darüber hinaus sei davon auszuge-
hen, dass der Beschwerdeführer in der Lage sei, die notwendigen Behand-
lungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Angesichts seiner Situation
sei anzunehmen, dass er dabei auf die Unterstützung seiner Familie zäh-
len könne. Zudem könne er bei den kantonalen Behörden Rückehrhilfe be-
antragen Diese könne in Form von Medikamenten, Hilfe bei der Reiseor-
ganisation oder in finanzieller Unterstützung während und nach der Rück-
kehr gesprochen werden.
Daher erweise sich auch der Wegweisungsvollzug als zumutbar. Sodann
sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durch-
führbar.
8.4 Der Beschwerdeführer hält diesen Erwägungen entgegen, der Weg-
weisungsvollzug sei unzulässig beziehungsweise unzumutbar. Gemäss
EGMR habe eine Risikoanalyse äusserst gründlich zu erfolgen, wobei bei
Zweifeln zugunsten der Asylsuchenden zu entscheiden sei. Der Gerichts-
hof habe in seinem Urteil vom 26. Januar 2017 festgehalten, eine Zugehö-
rigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die systematisch verfolgt werde – wie
dies bei ihm der Fall sei – reiche aus, um unter EMKR 3 geschützt zu wer-
den. Die neue Ausgangslage insbesondere nach der Wahl von Gotabaya
Rajapaksa am 16. November 2019 sei die Gefahr für Tamilen, Muslime,
LTTE-Sympathisanten und Menschenrechtsaktivisten enorm gestiegen.
Ethnischer Minderheiten sowie Personen, welche als Gefahr für den sri-
lankischen Einheitsstaat angesehen würden, drohe bei eine Rückschaf-
fung eine schwerwiegende Verletzung von Art. 3 EMRK. Insbesondere aus
der Schweiz rückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe bereits am
Flughafen Verhöre und Verhaftung verbunden mit einer Misshandlungsge-
fahr. Wobei auch diesbezüglich die neue Ausgangslage zu berücksichtigen
sei. Die sri-lankischen Behörden wären bei einer Rückkehr des Beschwer-
deführers sofort (infolge der Abklärungen zwecks Papierbeschaffung in
Genf) in Kenntnis über seine politische Vergangenheit. Es könne nicht da-
von ausgegangen werden, dass er sich diesem Verhör entziehen können,
E-1445/2020
Seite 24
was angesichts seiner Vorverfolgung eine aktuelle Gefahr für Leib und Le-
ben darstelle. Hinzu komme, dass er in Sri Lanka keine engen Familienan-
gehörigen mehr habe, mit Ausnahme seiner betagten [Verwandten
D._]. Weiter trügen die Faktoren, dass er bekanntermassen ein
ehemaliges LTTE-Mitglied als Vater in der Schweiz und mehrere Cousins
und [Verwandter E._] in [Europa] habe und er zudem nach wie vor
unter den Folgen der Misshandlungen leide, zur unzumutbaren Situation in
Sri Lanka bei.
In der Beschwerdeergänzung wird schliesslich geltend gemacht, aufgrund
des Corona-Virus habe sich die Sicherheitslage sogar verschlechtert (Be-
schwerdeergänzung S. 9 f.).
8.5
8.5.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 12.2 f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Auch im Hin-
blick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-lankischen
und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer Angestell-
ten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019)
besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen
Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den
Beschwerdeführer auswirken (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer
D-1466/2020 vom 23. März 2020 E. 7.2.2). Der EGMR hat zudem wieder-
holt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Ri-
sikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil
des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017,
Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
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über einen so genannten „Background Check“ (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
8.5.2 Wie von der Vorinstanz zu Recht festgehalten, ist der bewaffnete
Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE im Mai 2009
zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine
Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwaltungsgericht geht weiter-
hin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar
ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbeson-
dere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnet-
zes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsitua-
tion) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 13.2). Auch der Weg-
weisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ gilt als zumutbar (vgl. Urteil
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Diese Einschätzung bleibt
auch nach den aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka weiterhin zutreffend.
8.6
8.6.1 Auch die Einschätzung des SEM, der Wegweisungsvollzug sei auch
in individueller Hinsicht zumutbar, ist zu bestätigen. Der Beschwerdeführer
lebte bis zu seiner Ausreise bei seiner [Verwandten D._], zunächst
zusammen mit (..) im familieneigenen Haus in B._. (...) Seine Kern-
familie lebt mithin in der Schweiz. Seine [Verwandte D._], eine
Grosstante und deren Kinder leben nach Angaben des Beschwerdeführers
aber nach wie vor in B._. Er hat eigenen Angaben gemäss sodann
im Heimatstaat auch noch weitere Verwandte. Er machte zu keiner Zeit
finanzielle Probleme geltend. Sein in der Schweiz lebender Vater unter-
stützt ihn finanziell. Somit ist davon auszugehen, dass er bei einer Rück-
kehr wieder bei seiner Familie wohnen kann und sich auch aufgrund seiner
kurzen Landesabwesenheit wieder problemlos zu integrieren vermag.
8.6.2 Entsprechen die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht
dem medizinischen Standard in der Schweiz, bewirkt dies allein noch nicht
die Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen ist erst dann auszu-
gehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine
drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszu-
standes nach sich zieht beziehungsweise – nach präzisierender Recht-
sprechung des EGMR – infolge fehlenden Zugangs zu einer medizinischen
Behandlung intensives Leiden oder eine erhebliche Kürzung der Lebens-
erwartung droht (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.; EGMR, Paposhvili gegen
Belgien, Urteil vom 13. Dezember 2016, Beschwerde-Nr. 41738/10, § 183).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/9
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Zunächst ist vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu ver-
weisen; sie sind nicht zu beanstanden. Es liegen auch aktuell in individuel-
ler Hinsicht keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der Be-
schwerdeführer in einem gesundheitlichen Zustand befindet, welcher der
Wegweisung entgegenstehen könnte, womit sich der Wegweisungsvollzug
des Beschwerdeführers als zumutbar erweist.
8.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.8 Im Übrigen steht auch die Corona-Pandemie – entgegen der Ansicht
der Ausführungen des Beschwerdeführers – dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst
wird. In diesem Rahmen würde auch eine allfällige Zugehörigkeit der Be-
schwerdeführenden zu einer Corona-Risikogruppe Rechnung zu tragen
sein (vgl. zum Ganzen unter vielen Urteil des BVGer E-1837/2020 vom
27. April 2020 E. 8.5).
8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
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Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich allesamt auf die
generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen individuellen Bezug
zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen. Die Be-
schwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr
umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen
Bezug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
10.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden
Fall zum wiederholten Mal ein Rechtsbegehren, über das bereits in ande-
ren Verfahren mehrfach befunden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit
beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset-
zung des Spruchkörpers). Diese unnötig verursachten Kosten sind deshalb
dem Rechtsvertreter persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 100.– festzuset-
zen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6).
10.3 Im restlichen Umfang von Fr. 1'400.– sind die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem geleisteten Kosten-
vorschuss von Fr. 1'500.– zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 100.– ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
10.4 An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die Beanstandung des
Beschwerdeführers anlässlich seiner Beschwerdeergänzung, der Kosten-
vorschuss sei mit Fr. 1500.– zu hoch angesetzt worden, unbegründet ist.
Es wird geltend gemacht, dass mit Verwaltungsbeschwerde nur 8 Beweis-
mittel eingereicht wurden, womit nicht von Beweismitteln im ausserordentli-
chem Umfang die Rede sein könne. Dabei wird ignoriert, dass sich auf der
ersten eingereichten CD über 500 Beilagen und auf der zweiten eingereich-
ten CD 100 weitere Beweismittel befinden, ohne direkten Bezug zum Be-
schwerdeführer, weshalb die Höhe der Verfahrenskosten in casu gerecht-
fertigt ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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