Decision ID: 7a088238-9043-4e2b-ab46-b0dbc49fb5c9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
war seit 1. März 2005 bei der Stadt
verwaltung
Y._
als Projektleiter angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 3. und 9. Juni 2018 nahm er an Baseballspieltagen teil und verspürte danach sehr starke Schmerzen in der linken Schulter (Unfallmeldu
ng vom 2. Mai 2019 [
Urk.
6/1]). Nach erfolgloser Behandlung durch einen
Osteopathen
(Urk. 6/1)
suchte der Versicherte am 4. Juli 2018
Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Rheu
matologie,
auf,
welcher nach Untersuchung und
Durchführung einer Sonografie
eine prolongierte s
ubakute
Periarthropathia
humeroscapularis
der linken
Schulter
feststellte
und
eine
subacromiale
steroidhaltige Schulterinfiltration links vornahm
(
Urk.
6/13
, 6/16
)
.
In der Folge
war der Versicherte etwa zweieinhalb Monate schmerzfrei und konnte wieder trainieren und an
einem Turnierspiel
teil
nehmen.
Im Verlauf
traten
erneut
Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung auf
(Urk. 6/7)
. Ab dem 21. Januar 2019 be
gab sich der Versicherte zu Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
in Behandlung
(Urk. 6/7)
, welcher nach
Veranlassung
einer MRI-Untersuchung vom
28. Januar 2019
(Urk. 6/24)
am
22. März 2019 eine
n
operative
n Eingriff an der linken Schulter
(Schulterarthroskopie rechts
[recte: links]
, SAD,
Acromioplastik
Schulter links, offene RM-Reko
nstruktion [
Supraspinatuss
ehne
]
mit
transossärer
Refi
xation
Sc
hulter links, Einlage eines
subakromialen
Schmerzkatheters Schulter links
, Infiltration Knie rechts
[
Urk.
6/21]
)
durchführte. Nach
Eingang der Unfallmeldung vom 2. Mai 2019 liess die Suva
den Fall am 22.
Juli,
15.
August
und 26.
August 2019 kreisärztlich beurteilen (
Urk.
6/25, 6/34
, 6/38
) und lehnte
in der Folge
mit Verfügung vom
28. August 2019
eine Leistungspflicht ab (
Urk.
6
/43
).
Die dagegen erhobene Einsprache vom 25. September 2019 (
Urk.
6/44) wies die Suva mit Entscheid vom
4. Februar 2020
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 23. Februar 2020 Beschwerde mit dem Antrag, die Suva sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen zu gewähren (
Urk.
1 S. 2)
. Mit Beschwerdeantwort vom 13.
März 2020 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. März 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei
folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrank
ung zurückzuführen
sind: Knochenbrüche (
lit
. a),
Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung
über die Unfallversicherung
(UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss
BGE 146 V 51
ergibt sich a
us der in Art. 6 Abs.
2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versicherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfall
versicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu
beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50
%, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich we
itere Abklärungen erübrigen (E.
8.6).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE
134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einsprach
eentscheid
(
Urk.
2) damit, dass kein Unfall im Rechtssinne vorliege. Gestützt auf die kreisärztliche
n
Stellungnahme
n
könne auch nicht von einer Listenverletzung ausgegangen werden. Die führende Diagnose sei das
s
ubakromiale
Impingement
, welches
ganz klar keine Listendiagnose
darstelle
. Bei der Ruptur der
Supraspinatussehne
handle es sich
demgegenüber
um einen Nebenbefund, der auf dem Boden der
subakromialen
Veränderung
en
entstanden sei.
Für ein krankhaftes Geschehen spr
ä
che
n
zudem der zeitliche Verlauf, der Vorzustand, die annähernd identischen Befunde auf der Gegenseite sowie das gesamte Verhalten des Beschwerdeführers.
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass die
transmurale
Ruptur der
Supraspinatus
s
ehne
einer Listendiagnose gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. f UVG entspreche. Ein degenerativer oder pathologischer Vorzu
stand schliesse eine unfallähnliche Körperschädigung nicht aus, sofern ein unfallähnliches Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmere oder manifest werden lasse.
3.
3.1
Am 4. Juli 2018 erfolgte die medizinische Erstbehandlung des Beschwerdeführers bei Dr.
Z._
. Dieser stellte
in der linken Schulter
klinisch ein
subakromiales
Impingement
und
sonografisch
eine leichte AC-Arthrose mit etwas Aktivierungs
zeichen, eine Bursitis
subakromial
/
subdeltoidal
,
eine
leichtere
Peritendinitis
der langen
Bizepssehne
,
eine
Tendinose
der
Supr
a
spinatussehne
peripher, mehrere kleine Sehnen-Ansatzverkalkungen und
eine
n minimen
Erguss
gle
nohumeral
fest. Er führte aus, dass die Schmerzen vor knapp drei Wochen ohne Tra
uma auf
getreten seien. Der Rheumatolog
e
nahm
eine
subacromiale
steroidhaltige
Sc
hulterinfiltration
links vor
und verordnete Physiotherapie
(
Urk.
6/13
, 6/16
).
Am 6. Juni 2019 bestätigte Dr.
Z._
auf Anfrage der Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer bei ihm kein frisches neues Trauma angegeben habe. Zudem ergänzte er, dass sich anlässlich der Kontrolle vom 17. Juli 2018 eine deutliche Besserung der Beschwerden gezeigt habe (
Urk.
6/15).
3.2
Die am 28. Januar 2019 durch Dr. med.
B._
, Facharzt
FMH
für Radiologie, durch
geführte MR-
Untersuchung der linken Schulter
zeigte
eine Pasta-Läsion, möglicherweise im Rahmen eines
subakromialen
Impingement
s
,
sowie eine Bursitis
subacromialis
und
deltoidea
(
Urk.
6/24).
3.3
Dr.
A._
führte
am
22. März 2019
eine Schulterarthroskopie rechts
(recte: links)
, SAD,
Acromioplastik
Schulter links, eine offene RM-Rekonstruktion (
Supraspinatussehne
) mit
transossärer
Refixation
Schulter links, eine Einlage eines
subakromialen
Schmerzkatheters Schulter links sowie eine Infiltration am Knie rechts durch (
Urk.
6/21). In der Folge berichtete er über einen grundsätzlich zeitgerechten und komplikationslosen Heilungsverlauf (
Urk.
6/19,
6/22, 6/23, 6/39, 6/47).
3.4
Auf Vorlage der Akten hielt Kreisärztin med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Chirurgie, am 22. Juli 2019 fest, dass die führende Diagnose gesamthaft das
subacromiale
Impingement
zu sein scheine, in dessen Rahmen auch eine Beteili
gung der
Supraspinatussehne
vorliege. Aus versic
herungsmedizinischer Sicht hand
le es sich dabei eher um eine Nebendiagnose. Es falle somit nicht ganz leicht, im vorliegenden Fall Art. 6 Abs. 2
lit
. f UVG anzunehmen.
Diesfalls
wäre der Befund
zudem
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen (
Urk.
6/25).
Am 15. August 2019 ergänzte
med.
pract
.
C._
,
dass beim Beschwerdeführer an beiden Schultergelenken chronische
Beschwerden im Rahmen einer von
Dr.
Z._
«
Peria
rthropathia
humeroscapularis
» genannten Problematik
beständen
. Dabei handle es sich um eine ältere, unpräzise Sammelbezeichnung für meist schmerzhafte, degenerative Veränderungen mit Bewegungs
einschränkungen im Bereich des Schultergürtels. Die Problematik der rechten Schulter sei erstmalig im November 2017 in Erscheinung getreten. Führend sei dabei ein
subak
romiales
Impingement
mit AC-
Art
h
r
opathie
, möglicherweise partieller
Kapsulitis
,
gewesen
. Anlässlich der Nachkontrolle bei Dr.
Z._
am 4. Juli 2018 habe der Beschwerdeführer dann von ähnlich gearteten Beschwerden auf der linken Seite berichtet, welche drei Wochen zuvor spontan ohne Trauma entstanden seien. Klinisch
und
sonografisch
habe
er ein annähernd identisches Bild wie auf der rechten Gegenseite
gefunden
(
subakromiales
Impingement
,
sonografisch
leichte AC-Arthrose mit etwas Aktivierungszeichen,
subakromiale
und
subdeltoidale
Bursitis, leichte
Peritendinitis
der langen
Bizepssehne
,
Tendi
nose
der
Supraspinatussehne
peripher mit mehreren kleinen Sehnenansatz
verkalkungen
). Die Behandlung bei Dr.
Z._
sei im Juli 2018 abgeschlossen
worden
, bis sich der Beschwerdeführer in Behandlung
zu
Dr.
A._
begeben habe, der ein MRI veranlasst und eine operative Sanierung vorgenommen habe.
Insgesamt
spreche
alles dafür
, dass
vorliegend
ein
subakromiale
s
Impingement
mittels
subakromialer
Dekompres
s
i
on operiert worden sei, was
somit
die Haupt
diagnose darstelle und deshalb auch unter Punkt 1 der Operation aufgeführt
werde
.
D
ieser Befund
liege
wie erwähnt
beidseits vor
und die linksseitigen Beschwerden seien
gemäss Erklärung des Beschwerdeführer
s
einfach so – ohne ein Geschehen im Sport – aufgetreten.
Das
subakromiale
Impingement
als führende Diagnose
stelle
allerdings
klar keine Listendiagnose nach Art. 6 Abs. 2 UVG dar. Zur Diskussion stünde allenfalls ein Sehnenriss gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. f
UVG.
A
llerdings sei im vorliegenden Fall davon auszugehen, dass es sich dabei lediglich um einen Nebenbefund handle, der auf dem Boden der
subakromialen
Veränderung entstanden sei. Gegen einen Sehnenriss, der in die Zuständigkeit des
Unfallversicherers falle
, spr
ä
che
n
der gesamte zeitliche Verlauf, der Vorzustand, die annähernd identischen Befunde auf der Gegenseite sowie das gesamte Verhalten des Beschwerdeführers.
Wenn
es anlässlich des Baseball
schlags am 9. Juni 2018 tatsächlich zu einer
Supraspinatussehnenruptur
gekom
men
wäre, wäre ein zügiges Vorstellen b
eim Hausarzt, Orthopäden oder auch im Notfall zu erwarten gewesen, insbesondere aber auch eine
functio
laesa
und nicht nur eine
endgradig
leicht eingeschränkte Schultergelenksbeweglichkeit, wie
sie
Dr.
Z._
im Bericht drei Wochen später festgehalten habe. Der erfahrene Rheumatologe habe vielmehr
subakromiale
Imping
e
mentzeichen
festgestellt mit einem angedeuteten
Painful
arc
, was die kreisärzt
liche S
tellungnahme
unter
stütze, dass es sich hier um ein krankhaftes Geschehen handle (
Urk.
6/34).
4.
4.1
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festgestellt hat, ist vorliegend der gesetz
liche Unfall
begriff gemäss Art. 4 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
aufgrund eines fehlenden ungewöhnlichen äusseren Faktors zu verneinen
, was vom Beschwerdeführer
grundsätzlich
nicht bestritten wird
. Selbst wenn d
er Baseballschlag am 9. Juni 201
8
,
wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht (Urk. 7/8)
,
als auslösendes Element
der
Supraspinatussehnenruptur
angenommen würde, was
–
wie nachfolgend zu zeigen sein wird
–
äusserst
fraglich ist,
liegt kein ungewöhnlicher äusserer Faktor vor.
De
nn
ein
äussere
r
Faktor ist
nur dann ungewöhnlich, wenn er –
nach einem objektiven Massstab –
nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster des betreffenden Sports
fällt (vgl.
in BGE 130 V 380 nicht
publ
. E. 4.2 des Urteils U 199/03 vom 10. Mai 2004; Urteile des Bundesgerichts 8C_693/2010 vom 25. März 2011 E. 5; 8C_186/2011 vom 26. Juli 2011 E. 5; 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E. 5.1).
Der Beschwerde
führer
machte im Rahmen der Unfallmeldung
(
Urk.
6/1)
beziehungsweise späte
ren -
schilderung
en
(
Urk.
6/7, 6/8
, 6/36
)
sowie der Einsprache (
Urk.
8/44)
und
Beschwerde (
Urk.
1)
denn auch nichts «Programmwidriges» geltend.
4.2
Die
anlässlich des operativen Eingriffs vom 22. März 2019 festgestellte
transmurale
Ruptur
der
Supraspinatussehne
Schulter
links
(
Urk.
6/21
)
fällt grund
sätzlich unter die in Art. 6 Abs. 2 UVG aufgelisteten Körperschädigungen i
m Sinne von Seh
nen
rissen
(
lit
. f). Deshalb
ist
im F
olgenden zu prüfen, ob damit die Vermutung greift, dass es sich vorliegend um eine Listendiag
nose handelt, deren Behandlung vom Unfallversicherer übernommen werden muss, sofern nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, dass die Körperschädigung zu mehr als 50 % auf Ab
nützung oder Krankheit zurückzuführen
ist
(vgl. vorstehend E. 1.2).
4.3
Die Stellungnahme
n
von med.
pract
.
C._
vom
22. Juli und
15. August 2019 (E.
3.4
)
vermögen
die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vo
llumfänglich zu erfüllen (E. 1.3
). So tätigte die Kreisärztin sorgfältige, umfassende Abklärungen, berücksichtigte die geklagten Beschwerden und begründete ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
. Sie legte schlüssig dar,
dass es sich bei der
transmuralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
vorwiegend
um ein krankhaftes
, durch Abnützung bedingtes
Geschehen handelt, welches auf dem Boden der
subakromialen
Veränderungen (
Impingement
) entstanden ist, welche im Bereich beider Schultern vorhanden waren.
Die Beteiligung der
Supraspinatussehne
stellt dabei lediglich einen Nebenbefund dar.
4.4
Med.
pract
.
C._
setzte sich in
ihrer Stellungnahme
auch
mit dem geschilderten
Ereignis vom
9.
Juni 2018
auseinander
und wies darauf hin, dass der Beschwer
deführer gegenüber dem erstbehandelnden Arzt Dr.
Z._
drei Wochen nach Auftreten der Beschw
erden geschildert hatt
e, dass
diese einfach so ohne ein Trauma
aufgetreten
waren
. Insbesondere
h
att
e
er kein Geschehen beim Sport
erwähnt
(
Urk.
6/34)
.
Zwar ist für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG
wie erwähnt
kein äusserer Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine allgemein gesteigerte Gefahrenlage im Sinne der Rechtsprechung zu
aArt
. 9 Abs. 2 UVV mehr vorausgesetzt. Allerdings hat der Unfallversicherer bei Vorlie
gen einer Listenverletzung grundsätzlich die Pflicht, Leistungen zu erbrin
gen, solange er nicht den Nachweis für eine vorwiegende Bedingtheit durch Abnütz
ung oder Erkrankung erbringt. Dies setzt voraus, dass er im Rahmen seiner Abklärungspflicht nach Eingang der Meldung einer Listenverletzung die Begleit
umstände der Verletzung genau abklärt. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter beziehungsweise harm
loser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig den Entlastungsbeweis des Unfall
ver
sicherers, denn bei der zu beurteilenden Abgren
zungsfrage ist das gesamte Ursa
chenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen,
nebst
dem Vorzustand somit auch die Umstände des erstmaligen A
uftretens der Be
schwerden (
vgl. E. 1.2
).
Nachdem a
uch Dr.
A._
in seinem Operationsbericht vom 22. März 2019 ausführte, dass die linksseitigen Schulterschmerzen Mitte 2018 aufgetreten seien, ohne dass ein Unfallereignis
eruierbar
sei (
Urk.
6/21), der Beschwerdeführer mithin erstm
als
– zumindest soweit aus der Aktenlage ersichtlich -
mit seiner Schadenmeldung vo
m 2. Mai 2019
ein
en
Zusammenhang
mit dem Baseballspiel
tag vom 9.
Juni 20
18 herstellte
,
erscheint das Vorliegen eines solchen
initialen Ereignisses
doch eher unwahrscheinlich
.
Dies insbesondere auch vor dem Hinter
grund, dass
Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts praxisgemäss in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» abstellen, denen in beweis
mässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein kö
nnen (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V
133 E. 8c mit Hinweis).
Kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer erst drei
einhalb
Wochen nach dem besag
ten S
pieltag einen Arzt aufsuchte
– was sich entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1) allein mit einer hohen Franchise nicht überzeugend erklären lässt
–
und dieser lediglich eine
endgradig
leicht
eingeschränkte Schultergelenksbeweglichkeit feststellte, hingegen keine
functio
laesa
, wie
sie
für eine traumatisch bedingte Ruptur
der
Supraspinatussehne
zu erwarten
gewesen
wäre.
Auch die annähernd identischen Befunde an der gegen
überliegenden
rechten
Schulter
–
hier findet sich klinisch
ebenfalls
das Bild eines
subakromialen
Impingements
und
sonografisch
eine leichte AC-Arthrose mit etwas Aktivierungszeichen, eine mässige
subakromiale
/
subdeltoidale
Bursitits
sowie
eine
Ten
d
i
nose
der
Subscapularis
- und vor allem der
Supraspinatussehne
peripher (
Urk.
6/13, 6/14) –
sprechen
gemäss der schlüssigen Darlegung von med.
pract
.
C._
überwiegend
wahrscheinlich
für ein
vorwiegend
krankhaftes Geschehen
(vgl. Urk. 6/34)
.
Inso
weit
der Beschwerdeführer sodann
beanstandete
, dass die Beschwerde
gegnerin es unterlassen habe, bei Dr.
A._
anzufragen, o
b eine Listen
diagnose gemäss Ar
t
. 6 Abs.
2 UVG vorliege
und
worauf
diese im Bejahungsfall im gesamten Ursachenspektrum mit überwiegender Wah
r
scheinlichkeit zurück
zuführen sei
(Urk. 1)
,
ist ihm nicht zu folgen. In den Akten befindet sich nicht nur der Operationsbericht von Dr.
A._
(
Urk.
6/21)
, sondern auch
diverse
Verlaufsberichte
(
Urk.
6/19,
6/22, 6/23, 6/39, 6/47).
Diesen Unterlagen
lassen
sich jedoch keinerlei Hinweis
e entnehmen, welche gegen eine vorwiegend durch Abnützung verursachte Verletzung der
Supraspinatussehne
sprechen.
Gegenteils
wird sogar darauf verwiesen, dass kein
(
Unfall
-
)
E
reignis
eruierbar
sei (
Urk.
6/21).
4.5
Zusammenfassend ist d
amit gestützt auf die beweiskräftige ärztliche Einschät
zung der Kreisärztin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die frag
liche Verletzung der
Supraspinatussehne
vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung zurück
zuführen ist. Damit ist der Ent
lastungsbeweis der Beschwerdegegnerin erbracht und die Vermutung der Leis
tungs
pflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG umgestossen.
Die übrigen Beschwerden (insbesondere das
subakromiale
Impingement
) stellen unbestrittener
- und
ausgewiesener
massen
keine Listendiagnosen dar
, weshalb sich diesbezüglich Weiterungen erübrigen
.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht folglich zu Recht verneint.
5.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 4. Februar 2020 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.