Decision ID: 6f2ccc56-475f-4c22-a81b-df1d42bbf54b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1962
geborene
X._
war nach einer Ausbildung als Zimmermann ab 1986 selbständig erwerbstätig (
Urk.
10/41/
5
und
Urk.
10/58) und betrieb die Ein
zelfi
rma Y._
, welche
1996 von der Z._
GmbH übernommen wurde. Gemäss Handelsregisterauszug ist er seit
1996
deren
Gesellschafter und Geschäftsführer beziehungsweise seit 2009 Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung
. Bei der Gesellschaft ist er a
ls
Zimmermann, Schreiner und Geschäftsführer angestellt
und im Rahmen dieses Arbeitsverhält
nisses bei der
Suva
gegen die
Folgen von Unfällen versichert
(
vgl.
Urk.
9/1
)
.
1.2
Am 1
2.
Juni 2003 zog er sich bei einem Sturz eine
Supraspinatussehnenruptur
links zu
(
Urk.
12/1-2)
.
Nach Abschluss der Behandlung war der Versicherte in der angestammten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
12/29/3).
Nach einem
am
2.
Oktober
2009 gemeldeten Rückfall
(
Urk.
12/28)
mit vorübergehender voller Arbeitsunfähigkeit
konnte
er
2011 die angestammte Tätigkeit wieder zu 100
%
aufnehmen (
vgl.
Urk.
12/110
).
1.3
Am 1
9.
Januar 2005 zog sich der Versicherte bei einem weiteren Sturz eine Ruptur der rechten
Supraspinatussehne
zu
(vgl. etwa
Urk.
11/9/18)
. Bei einem am 29.
Oktober 2012 erlittenen Unfall verletzte er sich erneut an der rechten Schulter
(
Urk.
10/1
)
. Gestützt auf eine entsprechende zwischen der Suva und
ihm
abge
schlossene Vereinbarung
(
Urk.
11/11)
sprach die Suva ihm für diese beiden Unfälle mit Verfügung vom
5.
August 2015 ab
1.
August 2015 eine Invaliden
rente
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
20
%
und eines versiche
rten Jahresverdienstes von Fr. 126'000.--
zu
(
Urk.
11/13
).
1.4
Am 1
8.
Oktober 2017 erlitt der Versicherte erneut einen Unfall und zog sich dabei eine Re-Ruptur der linken
Supraspinatussehne
zu (
Schadenmeldung
UVG vom
3
1.
Oktober 2017
;
Urk.
9/1
).
Die
Suva ging von einer richtung
s
g
ebenden Ver
schlimmerung des unfallbedingten Vorzustandes (Unfall vom 1
2.
Juni 2003)
aus und
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld;
Urk.
9/2 und
Urk.
9/
17/2
).
M
it Verfügung vom 1
9.
März 2020
schloss sie den Fall
per
1.
September 2019
ab und sprach dem Versicherten ab
diesem Zeitpunkt
eine Invalidenrente
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
36
%
und eines versi
cherten Jahresverdienstes von Fr. 126'000.--
sowie
eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von
10
%
zu (
Urk.
9
/
166
).
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
2
9.
April 2020
(Urk.
9/171
)
hiess die Suva
mit Entscheid vom
4.
Mai 2021 in dem Sinne
gut,
als dass sie den Erwerbsunfähigkeitsgrad auf 37
%
erhöhte.
Im Übrigen wies sie die Einsprache ab
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1.
Juni 2021
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei
insoweit aufzuheben, als ihm keine höhere Rente als 36
%
(gemeint: 37 %)
und
keine höhere
Integritätsent
schädigung als 10
%
zugesprochen worden sei
,
und die Vorinstanz sei zu ver
pflichten, ihm eine höhere Rente und
eine höhere
Integritätsentschädigung auszurichten.
Am
4.
Oktober 2021
beantragte die
Suva
, die Beschwerde sei abzu
weisen (Urk.
8)
.
Mit Replik vom
1
0.
Dezember 2021
(
Urk.
17
)
und Duplik vom 2
4.
Januar 2022 (
Urk.
20)
hielt
en die Parteien an ihren Anträgen fest, wobei die Duplik dem
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 2
7.
Januar 2022
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
21
).
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach dem Versi
cherten mit Verfügung vom
2.
November 2021 eine vo
m
1.
Oktober 2018 bis 31. August 2019 befristete ganze Rente zu
.
Die dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom heutigen Datum
in dem Sinne
gutge
heissen
,
dass die angefochtene Verfügung
insoweit aufgehoben
wurde
, als sie einen Rentenanspruch ab 1. September 2019
verneint
e
(Prozess Nr.
IV.2021.00720
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
8.
Oktober 2017
ereignet, weshalb die ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6
UVG
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei
den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Ren
tenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG)
.
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbe
ginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.
3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und
Ärzte Beweiswert zu, sofern sie
die genannten Voraussetzungen erfüllen
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutach
tens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
der
Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit als Zimmermann bei einem Pensum von 100
%
zu 50 bis allenfalls 60
%
leistungsfähig sei. Eine den Beschwerden angepasste Tätigkeit sei ihm zu 100
%
zumutbar, ebenso ein Tätig
keitswechsel (S. 9-10). Das Invalideneinkommen sei gestützt auf die LSE 2018, TA1, Kompetenzstufe 2,
Total,
Männer
,
und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 15
%
auf
Fr.
60'369.--
per 2019
festzulegen.
Das
Validen
einkommen
sei gestützt auf die IK-Zahlen sowi
e einen Durchschnittswert aus 5
Jah
ren auf
Fr.
95'606.-- per 2019 festzusetzen. Daraus ergebe sich ein Invali
ditäts
grad von 37
%
(S. 10-11). Die beim Beschwerdeführer vorliegenden Ein
schränkungen würden sich mit einer auf 30° über der Horizontalen beschränkten Elevationsmöglichkeit vergleichen lassen, weshalb ein Integritätsschaden von 10
%
gerechtfertigt sei
. Schultern seien keine paarigen Organe im Sinne von
Art.
29
Abs.
1 UVV und auch die analoge Anwendung dieser Norm sei nicht angezeigt
(S. 13).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
8) hielt
die Beschwerdegegnerin
ergänzend fest,
der Kreisarzt stimme in seiner Zumutbarkeitsbeurteilung mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte überein, weshalb keine Zweifel daran beständen. Dem
Beschwerdeführer
sei rechtzeitig bekannt gewesen, dass aus Sicht der
Beschwer
degegnerin
ein
Berufsw
echsel in den allgemeinen Arbeitsmarkt angezeigt sei. Ein solcher sei ihm auch zumutbar (S. 3-6).
Am Einkommensvergleich werde - aus näher dargelegten Gründen - festgehalten. Würde statt auf den IK-Auszug auf die LSE abgestellt, ergäbe sich gar noch ein tieferes
Valideneinkommen
(S
. 6-7
).
Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung des Integritätsschadens ergäben sich keine (S. 8).
Im Rahmen der
Duplik
(
Urk.
20
) führte sie aus, der
Beschwerdeführer
könne die Tätigkeit als Zimmermann zumindest teilweise noch ausführen, was belege, dass keineswegs von einem generellen Ausschluss von Tätigkeiten in der Produktion ausgegangen werden könne. Die Einschränkungen gemäss Zumutbarkeitsprofil seien nicht derart, dass von einer Unverwertbarkeit auszugehen wäre (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
auf die Zumutbarkeitsbeurteilung durch den Kreisarzt könne - aus näher dargelegten Gründen
-
nicht abgestellt werden (S. 6-
9).
Die
Beschwerdegegnerin
habe weder
begründet noch
abgeklärt,
weshalb beziehungsweise ob
ihm ein Tätigkeitswechsel zumutbar sei.
Letzteres
sei aus objektiven und subjektiven Gründen nicht der Fall, auch sei er erstmals im
Einspracheentscheid
überhaupt zu einem solchen aufge
fordert worden. Dies könne nicht zurückbezogen werden auf die
Rentenzusprache
ab
1.
September 2019 (S. 9-10).
Vorliegend dränge sich ein Betätigungsvergleich bei
Selbständigerwerbenden
auf. Der
Abklärer
der
Invalidenversicherung
habe mit einem solchen einen Invaliditätsgrad von 89
%
ermittelt. Die von der
Beschwerdegegnerin
ermittelten Vergleichseinkommen s
eien
nicht zutreffend
. So seien ihm handwerkliche Tätigkeiten nicht mehr möglich, weshalb der Sektor Produktion nicht in Betracht komme. Für den Sektor Dienstleistungen würden ihm
jegliche beruflichen Grundlagen
fehlen. Weshalb von einem Kompetenzni
veau 2 ausgegangen werde, werde nirgends begründet.
Gemäss Auskünften seines Treuhänders würde das
Valideneinkommen
per 2019 bei ungefähr
Fr.
140'000.-- liegen.
Bei der für die Folgen der Unfälle von 2005 und 2012 zugesprochenen Rente im Jahre 2015 sei die Beschwerdegegnerin noch von
Fr.
126'000.-- als realistischer Lohnvereinbarung ausgegangen
. Im vorliegend angefochtenen Ent
scheid
habe
sie
hingegen
für die Berechnung des
Valideneinkommens
per 2019
die IK-Zahlen 2007 bis 2011 beigezogen
,
obwohl 2008 das einzige Jahr ohne aktenkundige Arbeitsunfähigkeit gewesen sei
und die Zahlen nicht dem Einkom
men entsprächen, welches er bei guter Gesundheit hätte erzielen können
. Der Invaliditätsgrad sei deshalb auf 48
%
bis 71
%
festzusetzen
(S
.
10
-
15).
Die Integri
tätsentschädigung sei auf mindestens 30
%
festzusetzen. Dies sei bereits in der Einsprache begründet worden. Im angefochtenen
Einspracheentscheid
finde sich kein Wort dazu (S. 15).
Im Rahmen der
Replik
(
Urk.
17
) ergänzte er,
eine medizinische Begründung, wes
halb sich entgegen dem Bericht der behandelnden Ärzte
plötzlich eine kreisärzt
liche Zumutbarkeit von Tätigkeiten ganztags ergeben solle, fehle (S. 4). Sein Betrieb sei nicht stillgelegt. Ihm sei nie klar mitgeteilt worden, dass er diesen
aufgeben und einen Berufswechsel vornehmen müsse (S. 6)
. Es stelle sich die Frage, ob überhaupt eine Restarbeitsfähigkeit verwertet werden könnte. Zur Frage der Höhe des Tabellenlohnabzuges schweige sich die
Beschwerdegegnerin
aus (S. 8-9).
2.3
Streitig und zu prüfen
ist
, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht eine Invalidenrente f
ür einen Invaliditätsgrad von 37
%
und eine Integri
tätsentschädigung für eine Integritätseinbusse von 10 % zugesprochen hat.
3.
3.1
Kreisarzt
Dr.
med. A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie FMH, hielt nach der kreisärztlichen U
ntersuchung vom 27.
November 2014
fest
(
Urk.
10/106
/4-5
),
es beständen eine minime Funkti
onseinschränkung und geringe Belastungs
minderung nach operativ versorg
ter
transmuraler
Supra
spinatus
-/
Infraspinatussehnenruptur
mit kranialer
Subscapularissehnenruptur
infolge eines Sturzes am 2
9.
Oktober 2012 (Operation am
8.
Mai 2013: Schul
ter
arthroskopie rechts,
arthroskopische
Subscapulariss
ehnenrefixation
, offene
sub
acro
m
i
ale
Dekompression mit
Bursektomie
sowie
Acromioplastik
,
Bizepstenoto
mie
/
Tenodese
,
transossäre
Supra-/
Infraspinatussehnenna
ht
).
In Ruhe
sei der
Beschwerdeführer
beschwerdefrei
.
Bei belastenden Überkopfar
beiten trete eine gewisse Kraftminderung im rechten Oberarm ein. Erträgliche
Nachklingschmerzen
verspü
re er nach belastenden Ü
berkopfarbeiten grossflächig im Bereich des rechten Schultergelenkes.
K
linisch finde sich eine
geringgradige
Funktionseinschränkung. Ein
subacro
mi
ales
Impingement
lasse
sich nicht eruieren. Die Widerstandstests für alle Anteile der
Rotatorenmanschette
seien negativ.
Der medizinische Endzustand
sei erreicht.
Eine Integritätsentschädigung
sei
nicht geschuldet
.
F
ür die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Zimmermann
bestehe
eine Arbeitsfäh
i
gkeit von 75
%
bei einer Präsenz von 100
%
.
In einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit sei der
Beschwerdeführer
vollschichtig einsatzfähig für mittelschwere körperliche Arbeiten
.
Sporadisch dürf
t
en sowohl Lasten bis 20 kg bis Beckenhöhe angehoben als auch
Über
kopfarbeiten ausgeführt werden - beides nicht repetitiv. Arbeiten an und mit Maschinen, die Stösse, Schläge und Vibrationen auslösen
würden, seien ungeeignet.
3.2
Aufgrund der verbleibenden Beeinträchtigungen in der rechten Schulter sprach die
Beschwerdegegnerin
dem
Beschwerdeführer
g
estützt auf diesen
Kreisarztb
e
richt mit Verfügung vom
5.
August 2015 ab
1.
August 2015 eine Invalidenrente
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
20
%
zu (
Urk.
1
0
/1
18
).
4.
Am 1
8.
Oktober 2017 verletzte sich der
Beschwerdeführer
an der linken Schulter.
4.1
Der
behandelnde PD
Dr.
med.
B._
, Leitender Arzt, und
Dr.
med. C._
, Assis
tenzarzt Orthopädie, von der Abteilung Orthopädie, Schulter/Ellbogen, der Uni
versitätsklinik
D._
stellten in ihrem Sprechstundenbericht vom
2.
April 2019 (
Urk.
9/105)
dazu
folgende Diagnosen:
-
Status nach Schulterarthroskopie,
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion
Sub
scapularis
(1 x Storz-Anker [
Infraspinatus
2 x
Conmed
Y-RC-
Knot
]),
arth
roskopisch-assistierte
Latissimus
dorsi
-Transposition (2
x
Stryker
Reelx
-Anker) links vom
5.
April 2018 bei/mit:
-
chronischer, irreparabler
posterosuperiorer
Rotatorenmanschetten
-Re-
Reruptur
Schulter links mit/bei:
-
Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschetten
-Re-Rekonstruktion
Supraspinatus
links vom
9.
März 2010 mit/bei:
-
Status nach offener
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion links 2003
Zudem führten sie aus, anlässlich der klinischen Verlaufskontrolle ein Jahr post
operativ berichte der Beschwerdeführer über einen erfreulichen Verlauf und eine gute Funktion im Alltag. Schmerzen habe er keine mehr. In seinem Beruf als Zimmermann
sei
er wieder zu 80
%
anwesend und
könne
leichter
e Arbeiten aus
führen. Schwere Ü
ber
kopfar
beiten
seien
nicht möglich.
Als Befund hielten sie fest: «Schulter links: Reizlos abgeheilte Narben. Diverse
Psoriasiseffloreszenzen
am gesamten Oberkörper und Armen. AC-Gelenk indo
lent. Aktive Flexion 120 (160°), Abduktion 80 (140°), IR Th12 (Th12). Passive
glenohumerale
AR 20 (60°). Passive
glenohumerale
Abduktion 80°. Lift off-Test positiv,
Jobe
- und Whipple-Test negativ, jedoch kraftgemindert.
Impingement
-Test negativ. AR abgeschwächt mit positivem Lag-Zeichen. Periphere DMS intakt.
Latissimus
dorsi
ansteuerbar.»
Ein Jahr postoperativ
bestehe ein
zufriedenstellendes Ergebnis mit schmerzfreiem und im Alltag gut funktionierendem
Beschwerdeführer
.
Sie hätten
ihn darüber aufgeklärt, dass die Kraftentwicklung oberhalb der Horizontalen weiterhin einge
schränkt
sein werde
. In seinem Beruf als Zimmermann
sei
er wieder vermehrt arbeitsfähig mit einer 80-100%igen Anwesenheit, jedoch nur 50%
iger
Leistung. Weitere Verlaufskontrollen
seien
nicht geplant, bei Bedarf
sei eine
jederzeitige Wiedervorstellung
möglich
.
4.2
Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Radiologie, hielt am 1
5.
April 2019 fest, dass nun von einem unfallbedingten Endzustand aufgrund der linksseitigen Schulterproblematik ausgegangen werden könne (
Urk.
9/106/1-2).
Bezüglich Zumutbarkeitsprofi
l
müsse F
olgendes beachtet werden
:
In Anbetracht der erlittenen Ver
l
etzungen
sei
der Beruf als Zimmermann nicht wirklich optimal. Besser wären körperlich weniger belastende Tätigkeiten. Da aber der
Beschwer
deführer
trotz verschiedener Unfallfolgen bis zum letzten Unfall in diesem Beruf, zwar mit verminderter Leistung, aber doch mehrere Jahre lang
habe
tätig
sein können, könne
diese Tätigkeit weitergeführt werden. Da es aber aufgrund der Folgen des Unfalles vom 1
8.
Oktober
2017 zu einer weiteren Verminderung der Funktionalität der linken Schulter gekommen
sei
, müss
t
en die Erwartungen an die erbrachte Leistung angepasst werden. In Anlehnung an
das
, was auch von PD
Dr.
B._
(Universitätsklinik
D._
) in seinem Bericht zur Konsultation vom
2.
April 2019
festgehalten
worden sei, könne
die Fortführung der Tätigkeit als Zimmermann im 100%igen Pensum bei etwa 50(-
60)%
iger
Leistung als zumutbar betrachtet werden
.
Für reine Bürotätigkeiten bestünd
e eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit (
Urk.
9/112).
Diese Beurteilung beziehe sich auf sämtliche bis zum jetzigen Unfall erlittenen Unfälle (
Urk.
9/113/2).
4.3
Kreisarzt
Dr.
E._
hielt in seiner Beurt
eilung vom 1
6.
April 2019 (Urk.
9/111/1) folgenden Befund fest: «St. n. Schulterarthroskopie, Rekons
truk
tion
Rotatorenmanschette
(M.
subscapularis
) und
arthroskopisch
assistierte Transposition des
Musculus
latissimus
dorsi
(05.04
.
2018) bei chronischer, irrepa
rabler
posterosuperiorer
Rotatorenmanschetten
-Re-
Reruptur
bei
S
t.n
.
arthrosko
pischer
Rotatoren
manschetten
-Re-R
ekonstruktion (
Musculus
supraspi
natus
; 09.03.2010)
bei St.
n
. offener
Rotatoren
manschetten
-Rekonstruktion (2003)
.
Anteversion/Elevation von 120° aktiv, 160° passiv und Abduktion/Elevation von 80° aktiv und 140°
passiv.»
Den Integritätsschaden schätzte er auf 10
%
und begründete dies damit, dass
g
emäss Tabelle
1
(Revision 2000) ein Integritätsschaden von 10
%
vor
liege
, wenn die Schulter nur noch bis 30° über die Horizontale gehoben werden
könne
. Beim
Beschwerdeführer
besteh
e
eine relativ gute Funktion, was die Antever
sion/Elevation
betreffe, aber eine mä
ssige Einschränkung: Hier
seien
eine aktive Abduktion lediglich bis 80°, eine passive Elevation bis 140° möglich. Eine mathematisch perfekte Schätzung des Integritätsschadens
sei
nicht möglich. Die beim
Beschwerdeführer
vorliegenden Einschränkungen
würden
sich aber relativ gut mit einer auf 30° über der Horizontalen beschränkten Elevationsmöglichkeit vergleichen
lassen
. Daher schein
e
die Anerkennung eines Integritätsschadens von 10
%
gerechtfertigt.
4.4
Der behandelnde PD
Dr.
B._
und Assistenzarzt Orthopädie
Dr.
med. F._
von der Universitätsklinik
D._
führten in ihr
em Sprechstundenbericht vom 23.
April 2019 aus (
Urk.
9/117
/2-3
),
der
Beschwerdeführer
berichte
,
bei der Arbeit vermehrt Schmerzen beziehungsweise eine Einschränkungserscheinung verspürt zu haben. Das Röntgen links vom 2
3.
April 2019 zeige stationäre Stellungsver
hältnisse verglichen mit der Voruntersuchung vom
4.
Dezember 201
8.
Klinisch wie auch radiologisch sähen sie keine Hinweise auf eine Regularität
(gemeint wohl: Irregularität)
. Dem
Beschwerdeführer
werde erklärt, dass der Belastungs
aufbau nach Massgabe der Beschwerden erfolgen solle. Bei zunehmenden Beschwerden werde eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
für die nächsten zwei Mo
nate ausgestellt. Der
Beschwerdeführer
sei selbständiger Zimmermann und werde versuchen, körperlich schwere Tätigkeiten reduziert durchzuführen. Ihrerseits seien keine weiteren Kontrollen geplant.
4.5
Kreisarzt
Dr.
E._
hielt am 2
1.
Mai 2019 fest (
Urk.
9/120)
,
zumutbar seien ganztags Tätigkeiten, bei denen keine Schläge oder Vibrationen auf die oberen Extremitäten übertragen würden. Repetitive belaste
nde
Tätigkeiten über Schul
terhöhe oder stammfern seien zu vermeiden. Die Masse
der zu hebenden oder tragenden L
asten dürfe rechts 15 kg, links 10 kg betragen, sofern diese nur
stammnah
und bis maximal Nabelhöhe getragen oder gehoben werden müssten. Das Heben oder Tragen von Lasten stammfern oder über Schulterhöhe sei absolut zu vermeiden.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem
Einspracheentscheid
vom
4.
Mai 2021
auf
die
-
fachfremde
n
-
Kurzbeurteilungen
von Kreisarzt
Dr.
E._
vom
15.
und 1
6.
April
20
19
sowie vom 2
1.
Mai 2019
(E. 4.2, 4.3 und 4.5 hiervor
)
. Auf welche
medizinischen Einschätzungen
sich Dr.
E._
bei seinen Stellungnah
men
stützte,
wird aus
diesen nicht ersichtlich.
Aufgrund der Komplexität des vor
liegenden Falles mit Beurteilung der verbleibenden Beeinträchtigungen von immerhin vier Unfällen wäre es
im Hinblick auf die Würdigung der kreisärztli
chen Einschätzung aber essentiell zu wissen
, in Kenntnis
und
unter
Berücksich
tigung
welcher
Vorakten
diese erfolgte
.
Zudem
begründete
Dr.
E._
mit kei
nem Wort, weshalb der
Beschwerdeführer
in einer den Beschwerden angepass
ten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
sein soll
.
Damit fehlt es seiner Einschätzung ins
besondere an einem Bezug auf die Befundlage und deren Interpretation hin
sicht
lich des beruflichen Leistungsvermögens
, weshalb diese im Rahmen der Beweis
würdigung nicht nachvollziehbar ist
. Seine Beurteilung lässt sich im Übrigen
auch unter Berücksichtigung der Aktenla
ge nicht plausibilisieren, ist
eine Ein
schätzung
der
Arbeitsfähigkeit in diesem Umfang denn auch keinem der Berichte der behandelnden Ärzte zu entnehmen.
Dem Umstand, dass sich der Zustand des Beschwerdeführers bereits kurz nach der Jahreskontrolle wiederum verschlech
terte
und ihm am 2
3.
April 2019 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit für die nächsten zwei Monate ausgestellt wurde, trug
der Kreisarzt
in seiner Beurtei
lung vom 2
1.
Mai 2019
überdies
überhaupt nicht Rechnung.
Nachdem er den Beschwerde
führer nicht selbst untersucht hatte und sich auch die behandelnden Fachärzte
zur Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit
nicht äus
serten, wäre eine schlüssige
, nachvollziehbare und ausführliche Ausei
nan
derset
zung
mit dieser Frage
unerlässlich gewesen. Dass den Berichten der behandelnden Fachärzte keine
solche
Einschätzung zu entnehmen ist, kann nicht zu Lasten des Beschwerdeführers gehen, wurden die Behandler zu einer diesbe
züglichen Stel
lungnahme
auch
gar nicht aufgefordert.
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kann zwar
auch ein medizini
scher Aktenbericht be
weistauglich
sein, doch müssen dafür
die Akten ein vollstän
diges Bild über Anam
nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben, diese Daten unbestritten
sein
und der Untersuchungsbefund lückenlos
vorliegen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_198/2011 vom 9. August 2011 E. 2.2 mit Hin
wei
sen).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend insbesondere in Bezug auf die Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit in einer
den Beschwerden
angepassten Tätigkeit nicht erfüllt, weshalb
sich
die
Beschwerdegegnerin
für eine
rechtsgenügliche
Abklä
rung des medizinischen Sachverhalts
nicht mit Stellungnahmen ihres Kreisarztes, welche sich teilweise in blossen Feststellungen erschöpfen (vgl. etwa Urk. 9/106/1-2 zum Fallabschluss und
Urk.
9/120 zur Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit), hätte begnügen dürfen.
5.
2
Zwar können
versicherungsinterne ärztliche Feststellungen
nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf
einen Kreisarztb
ericht nicht abzustellen, wenn – wie hier
–
auch nur geringe Zweifel an de
ss
en Zuver
lässigkeit und S
chlüssigkeit bestehen (vgl. E. 1.
3
hie
r
vor).
5.3
Auch gestützt auf die Berichte der behandelnden Fachärzte ist es aber nicht mög
lich, die invalidisierende Wirkung der unfallbedingten Beeinträchtigungen zu beurteilen, nachdem sich PD
Dr.
B._
zur Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit nicht geäussert hat.
5.
4
Nach dem Gesagten kann
gestützt auf
die
Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, in w
elchem Umfang der Beschwerdefüh
rer
in einer der Beschwerden angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist
. Angesichts des Ver
zichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens
bei augenfälligen Unzulänglichkeiten der kreisärztlichen Aktenbeurteilung
rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der ange
fochtene
Einspracheentscheid
vom
4.
Mai 2021
(
Urk.
2)
ist deshalb aufzuhe
ben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein versicherungsunabhängiges Gutachten betreffend die durch
die
Unf
älle ver
ur
sachte
n
Gesundheitseinschränkung
en
und
die
Arbeitsunfähigkeit veranlasse und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
(Invalidenrente und Integritätsentschädigung)
neu verfüge.
Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die vom Beschwerdeführer beklagten formellen Mängel am angefochtenen Entscheid (
Urk.
1 S.
3
-6) einzu
gehen.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
De
m
Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Prozessent
schädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ih
m
eine
Pro
zessentschädigung von Fr. 2‘
9
00.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
)
auszurichten.