Decision ID: d7325978-097f-5943-a776-a113b82012e6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, war bei der
Y._
AG als Lastwagenführer angestellt und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert
(
Urk.
12/1)
.
Er
kollidierte am
2.
März 2018
auf der schnee
bedeckten Strasse
als Fahrer eines Schneepfluges mit einem entgegenkommenden Lastwagen, dessen H
eck während der Fahrt ausbrach und dabei das vom
Ver
sicherten
gelenkte Fahrzeug
beschädigte
sowie von der Fahrbahn abdrängte
(vgl.
Urk.
3/2
,
Urk.
12/1,
Urk.
12/20
/8
).
Noch am Unfalltag suchte der Versicherte die Notfallstation des Kantonsspitals
Z._
auf. Die dortigen Ärzte diagnostizierten eine
Kontusion der Schulter links, Kontusion
en
an den Knien beid
seits
und am rechten oberen Sprunggelenk (OSG), eine Beckenkontusion
und
Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS)
. Die Entlassung nach Hause erfolgte gleichentags
(
Urk.
12/9/2)
. Die Ärzte des Kantonsspitals
Z._
respektive hernach
der nachbehandelnde Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
attestierten ab dem Unfalltag
zunächst
eine v
ollständige Arbeits
unfähigkeit,
ab dem
9.
April 2018 eine
solche
von 50
%
, ab dem
9.
Mai 2018 eine Arbeitsunfähigkeit v
on 2
0
%
und
ab dem
4.
Juni 2018 wieder eine vollständige
Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
12/8
-9,
Urk.
12/11,
Urk.
12/13-16
,
Urk.
12/27/4,
Urk.
12/32
/3
).
Dr.
A._
verordnete überdies mehrere Serien Physiotherapie
(
Urk.
12/22/1,
Urk.
12/33 f.,
Urk.
12/39/1
,
Urk.
12/39/1
,
Urk.
12/47/1
,
Urk.
12/60/1,
Urk.
12/66/1
,
Urk.
12/88
f.,
Urk.
12/97
,
Urk.
12/99)
.
Ab dem 2
9.
Mai
2018 liess sich der V
ersicherte durch p
ract. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandeln. Dieser
diagnostizierte eine rezidivie
rende depressive Störung und
attestierte ab dem
8.
Juni 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
, ab dem 2
5.
Juni 2018 eine Arbeitsunfähigkeit
von 70
%
,
ab dem 2
3.
Juli 2018 eine solche von 60
%
, ab dem 1
3.
August 2018 eine solche von 50
%
und ab dem 2
1.
September 2018 eine solche von 30
%
(
Urk.
12/35/4,
Urk.
12/37/4,
Urk.
12/38
/2
,
Urk.
12/40/5,
Urk.
12/42/5,
Urk.
12/50/5,
Urk.
12
/58/5,
Urk.
12/63/2 =
Urk.
12/64/2,
Urk.
12/91/2,
Urk.
12/92
/2
,
Urk.
12/118/2). Auch
Dr.
A._
verwies im Verlauf auf die Limitierung der Arbeitsfähigkeit als Folge der psychischen Symptomatik (
Urk.
12/56/2,
Urk.
12/
70,
Urk.
12/108
).
Im Okto
ber 2018 untersuchten die
Ärzte des Spitals
C._
den Versicherten neu
ro
psychologisch, da dieser über Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten berichtet hatte
(
Urk.
12/62,
Urk.
10/69
,
Urk.
12/71
).
Zusätzlich klagte der Ver
sicherte auch über weiterhin bestehende Nackenschmerzen, über Kopfschmerzen, belastungsabhängige Schulterschmerzen und über gelegentliche Schmerzen im Bereich des rechten Sprunggelenks (
Urk.
12/62/2,
vgl. auch
Urk.
12/72/2).
Am 2
4.
Oktober 2018 führten die Ärzte der Rehaklinik
D._
mit dem Versicherten
e
in ambulantes Assessment durch (
Urk.
12/72).
Ferner
nahm die Suva
von der Unfallversicherung Stadt Zürich
die Unterlagen
zu einem früheren Unfall
des Versicherten aus dem Jahr 2010
zu den Akten (
Urk.
12/79
).
Am 1
4.
Januar 2018 und am 1
0.
April 2019
berichtete
Dr.
B._
je
über den Verlauf der
psy
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung des Versicherten
(
Urk.
12/92
,
Urk.
12/118
)
und die Suva-Ärzte
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Chirurgie, und
Dr.
med.
F._
äusserten sich in verschiedenen Stellung
nahmen zur Sache (
Urk.
12/77/2,
Urk.
12/93 f.,
Urk.
12/105
,
Urk.
12/115
).
In ihrer
Verfügung vom
9.
Mai 2019
stellte die Suva fest, die aktuell noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinreichend
erklärbar
. Der Prüfung der Adä
quanz komme daher eine besondere Bedeutung zu.
Die
für die Folgen nach einem Schleudertr
auma beachtlichen Kriterien seien indessen nicht in genügender Anzahl erfüllt, weswegen
der adäquate Kausalzusammenhang
zu verneinen sei
. Mangels Vorliegen von adäquaten Unfallfolgen seien die bisher erbrachten Leistungen
daher
per 3
1.
Mai 2019
einzustellen und es bestehe weder Anspruch auf eine Invalidenrente noch auf eine Integritätsentschädigung (
Urk.
12/123
).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 1
5.
Mai 2019, ergänzt am 1
2.
Juni 2019, Einsprache (
Urk.
12/126,
Urk.
12/129). Diese Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom
2.
September 2019 ab (
Urk.
2 =
Urk.
12/137).
2.
Gegen den Einspracheentscheid erhob der Versicherte am
2.
Oktober 2019 Beschwerde mit dem Antrag, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien ihm über den 3
1.
Mai 2019 hinaus die gesetzlichen Versicherungs
leis
tungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklä
rungen und zum Neuentscheid an die Suva zurückzuweisen (
Urk.
1). Die Suva beantragte in der Beschwerdeantwort vom 2
7.
Januar 2020 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheides (
Urk.
11). In Replik (
Urk.
18) und Duplik (
Urk.
22) hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest.
Am 2
2.
Dezember 2020 äusserte sich der Versicherte u
nter Beilage eines Berichtes der
Klinik G._
vom 2
6.
November
2020 erneut zur Sache (
Urk.
25 f.). Diese Eingabe wurde der Suva am 2
9.
Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
27).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Die Kollision zwischen dem vom Beschwerdeführer am
2.
März 2018 gelenkten Winterdienstfahrzeug (Lastwagen mit Schneepflug und Salzstreugerät) und
einem weiteren, mit einer Abrollmulde belade
nen Lastwagen (vgl.
Urk.
12/20
/8
)
zog eine notfallmässige Behandlung des
Beschwerdeführer
s
im
Kantonsspital
Z._
nach sich. Die Ärzte der Notfallstation diagnostizierten
aufgrund
der erhobenen Be
funde
eine Kontusion der Schulter links, eine Kontusion der Knie beidseits, eine Beckenkontusion und eine Kontusion am rechten oberen Sprunggelenk (OSG).
Eine CT-Untersuchung von Schädel, Halswirbelsäule (HWS), Thorax und Abdo
men sodann ergab keine Anhaltspunkte für eine Organverletzung oder für frische
ossäre
Läsionen. Stattdessen zeig
t
en sich leichte degenerative Veränderungen im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS). Mit der Empfehlung einer analgetischen Therapie wurde der Beschwerdeführer gleichentags
wieder
nach Hause entlassen (
Urk.
12/9 f.)
.
Die Beschwerdegegnerin ging richtigerweise von einem Unfall im Rechtssinne aus.
2.
2.1
Liegt ein Unfall im Rechtssinne vor, erbringt die Unfallversicherung die gesetzlich vorgesehenen Leistungen (
Art.
6
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallver
sicherung;
UVG).
Da ab dem Unfalltag ärztlich zunächst eine
vollständige und im
weiteren Verlauf eine Teila
rbeitsunfähigkeit attestiert
war (
Urk.
12/8-
9,
Urk.
12
/11,
Urk.
12/13-
16,
Urk.
12/27/4,
Urk.
12/32/3,
Urk.
12/35/4,
Urk.
12/37/4,
Urk.
12/38,
Urk.
12/40/5,
Urk.
12/42/5,
Urk.
12/50/5,
Urk.
12/58/5,
Urk.
12/63/2 =
Urk.
12/
64/2,
Urk.
12/68,
Urk.
12/91/2,
Urk.
12/102/2,
Urk.
12/109
)
,
richtete die Beschwerdegegnerin Taggelder aus (
vgl.
Art.
16 ff.
UVG) und kam für die Kosten der Heilbehandlung auf (
Art.
10
UVG).
Mit Verfügung vom
9.
Mai 2019 stellte die Beschwerdegegnerin die vorübergehenden Versicherungsleistungen per Ende Mai 2019 ein und verneinte gleichzeitig den Anspruc
h auf weitergehende Leis
tungen
(
Urk.
12/123).
2.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24
Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erho
ffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
2.3
Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, der Fallabschluss sei verfrüht erfolgt. Er macht geltend, er sei weiterhin in ärztlicher Behandlung, wobei eine konti
nuierliche Besserung stattfinde, aber ein Endzustand noch nicht erreicht
sei
.
Es bestehe nach wie vor eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
.
Seit dem Unfall bestün
den
behandlungsbedürftige
somatische Beschwerden, insbesondere in der Form von Schulterbeschwerden, deren Vorhandensein inzwischen auch die Beschwer
degegnerin anerkannt habe. Bezüglich der Schulterbeschwerden sei eine opera
tive Intervention erforderlich. Es treffe somit nicht zu, dass nur noch aus psy
chischen Gründen eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe.
Die Beschwerdegegnerin fokussiere zu Unrecht ausschliesslich auf die psychi
schen Beschwerden
.
Die anhaltenden somatischen Beschwerden hätten zu einer
Verlängerung der psychischen Beeinträchtigung geführt. Eine ungünstige Wech
s
el
wirkung sei nicht ausgeschlossen
(
Urk.
1 S. 6 Rz 10,
Urk.
18 S. 3
ff.
Rz 3
ff.
).
Am 2
2.
Dezember 2020
reichte der Beschwerdeführer den Bericht über die Schul
teroperat
i
on vom 2
6.
November 2020 und Ausführungen
seitens von
Dr.
A._
vorab zu den Schulterbeschwerden (
Urk.
26/1-2) zu den Akten und machte dies
bezüglich eine unfallbedingte Verletzung geltend (
Urk.
25).
Die Beschwerdegegnerin
führte aus
,
der Beschwerdeführer habe sich beim Unfall
unter anderem
auch Verletzungen an der Schulter zugezogen.
Jedoch
hätten
diese keinen Einfluss
a
uf die Arbeitsfähigkeit
. Der somatische Endzustand sei erreicht. D
ie psychische Verfassung des Beschwerdeführers sei durch ein gelegentliches
Grübeln
beeinträchtigt und es sei
eine
minimale neuropsychologische Störung mit
einem
Aufm
erksamkeitsdefizit festgestellt
worden. Zweimal pro Monat f
änden
eine psychologische Gesprächstherapie und ein autogenes Training statt. Die
Weite
rführung der Psychotherapie und
die Teilnahme an einer Entspannungs
gruppe
sowie eine sportliche Betätigung
seien
empfohlen
worden. Bei den be
schriebenen Massnahmen (Gesprächstherapie, Entspannungstherapie, autogenes Training, Sport) handle es sich in erster Linie um
eine
Erhaltungsbehandlung und nicht um
eine
medizinische Heilbehandlung im engeren Sinne
,
die einem Fallab
schluss entgegenstünde
(
Urk.
2 S. 6 f.
Ziff.
3.1
,
Urk.
1
1
S. 4 f.
Ziff.
6
).
In der Duplik ergänzte die Beschwerdegegnerin, am 1
4.
Februar 2020 habe der Versicherte einen Rückfall vom 3
0.
Dezember 2019 gemeldet (
Urk.
20/1). Dieser sei Gegenstand eines neuen Verwaltungsverfahrens (
Urk.
22).
2.4
2.4.1
Die mit der Untersuchung und Behandlung des Beschwerdeführers nach dem Ereignis vom
2.
März 2018 betrauten Ärzte äusserten sich in verschiedenen Be
richten.
Zu
den anlässlich der Erstbehandlung vom
2.
März 2018 im Kantons
spital
Z._
erhobenen Befunde
n
und den gestellten Diagnosen ist auf die Dar
stellung in vorstehender E. 1.2 zu verweisen.
Die Ärzte der Rehaklinik
D._
sodann
, die mit dem Beschwerdeführer am 2
2.
Oktober 2018 ein ambulantes Assessment durchführten, nannten im Zusammenhang mit dem Ereignis vom
2.
März 2018 als Diagnosen eine HWS-Distorsion
mit
gemäss CT-Befund unauf
fälliger
Traumaspirale
ohne Anhaltspunkt
e
für
eine
Organverletzung
oder frische
ossäre
Läsionen
, eine Kontusion der Schulter links bei Status
nach hinterer Schul
terluxation und eine Kontusion der Knie beidseits, des OSG und des Beckens.
Sodann hielten die Ärzte fest, der Beschwerdeführer habe über intermittierend auftretende, im Bereich des Hinterkopfes betonte und ziehende Kopfschmerzen mit Ausstrahlung in den rechtsseitigen Schulter- und
Thoraxbereich
, über belas
tungsabhängige Schmerzen in der linken Schulter und über gelegentlich stech
ende Schmerze
n
im rechten Sprung
gelenks
bereich geklagt
. Beim Assessment habe
der Beschwerdeführer eine gute Leistungsbereitschaft gezeigt und die minimale Performance erreicht.
Unmittelbar nach dem Unfall sei mit einer ambulanten
Trainingstherapie begonnen worden. Diese habe vorwiegend klassische Massa
g
en, manuelle Therapie, aktive Bewegungsübungen und gelegentlich auch Krafttrai
ning beinhaltet. Gelegentlich habe der Beschwerdeführer auch Heimübungen absolviert. Damit habe sich der Zustand nach Einschätzung des Beschwerde
führers deutlich gebessert.
Aufgrund der erhobenen Befunde sei eine intensivierte ambulante Trainingstherapie angezeigt. Zur Erweiterung der aktivierenden Mass
nahmen sei dem Beschwerdeführer eine Anleitung für Heimübungen mitgegeben worden. In Hinblick auf den bisherigen Verlauf und die erreich
t
en Resultate sei von einer schrittweisen Steigerung der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die aktuelle psychische Verfassung sei vom Beschwerdeführer als in Ordnung beschrieben worden. Gelegentlich müsse er noch über das Geschehene grübeln. Eine psycho
logische Gesprächstherapie und ein autogenes Training f
änden
etwa zweimal pro Monat statt. Insgesamt seien das Schmerzverhalten und die Leistungsbereitschaft adäquat und die Prognose günstig (
Urk.
12/72/1-4).
2.4.2
Die neurologische Untersuchung des Beschwerdeführers am
3.
Oktober 2018 dur
ch die Ärzte des Spitals
C._
ergab keine auffälligen Befunde (
Urk.
12/62/2 f.) und eine MRI-Untersuchung des Schädels vom 1
7.
Oktober 2018 ergab keinen Nachweis von posttraumatischen zerebralen Veränderungen und insbesondere keine Hinweise auf
axonale
Scherverletzungen (
Urk.
12/69/1). Die zusätzliche neuropsychologische
/verhaltensneurologische
Abklärung
vom 1
7.
Oktober 2018
sodann hatte
die Diagnose einer minimalen neuropsychologischen Störung mit/
bei Aufmerksamkeitsdefiziten
zur Folge
. Die Ärzte hielten dazu fest, in der Untersuchung hätten sich vordergründig Defizite im Bereich der Aufmerksam
keitsfunktionen gezeigt. Aufgefallen sei
en
eine erhöhte Ablenkbarkeit sowie eine reduzierte Konzentrationsleistung. Abgesehen davon habe die Untersuchung alters- und bildungs
abhängig ein
insgesamt unauffälliges kognitives Leistungs
profil gezeigt.
Affektiv habe der Beschwerdeführer stabil und schwingungsfähig gewirkt. Ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur depressiven Symptomatik habe eine minimale Depression gezeigt.
Auf der Verhaltensebene sei der Beschwerde
führer kooperativ, motiviert und anstrengungsbereit gewesen. Die Aufgabenbear
beitung sei teilweise etwas impulsiv und überhastet erfolgt, was zu Flüchtig
keitsfehlern geführt habe. Diese habe der Beschwerdeführer allerdings selber erkannt.
Die beschriebenen Defizite entsprächen in ihrer Art und Ausprägung einer minimale
n neuropsychologischen Störung (
Urk.
12/7
1
/1-4).
2.4.3
Pract. med.
B._
, der den Beschwerdeführer ab dem 2
9.
Mai 2018 psy
chotherapeutisch behandelt
e
, nannte in seinem Bericht vom 1
2.
Juni 2018 als
Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig mittelgradige Epi
sode
,
und führte aus, d
er Beschwerdeführer habe
eine erste depressive Episode im Jahr 2010 beschrieben, dies
aufgrund einer Belastungssituation im Zusam
men
hang mit einer Verletzung und der dadurch bedingten Beeinträchtigung seiner Leistungsfähigkeit sowie wegen einer nicht bestandenen Prüfung für die Polizei
schule. Im Anschluss an das Ereignis vom
2.
März 2018 sei es schleichend erneut zu einer depressiven Entwicklung mit innerer Unruhe,
Dünnhäutigkeit
, redu
zierter Belastbarkeit und Ängsten, insbesondere am Steuer, gekommen. Damit verbunden sei eine Störung der Ein- und der Durchschlaffähigkeit. Zur Entlastung sei zu Beginn eine vollständige Krank
schreibung angezeigt gewesen. Eine Prog
nose sei noch nicht möglich. Geplant sei eine regelmässige ambulante Behand
lung und bei verbesserter Befindlichkeit ein schrittweiser Wiedereinstieg in die Arbeit (
Urk.
12/38/1-2).
Am 1
4.
Januar 2019 berichtet pract. med.
B._
, als Folge der regelmässigen psychotherapeutischen Behandlung sei das Zustandsbild deutlich gebessert. Der Beschwerdeführer sei aktuell noch im Ausmass von 30
%
arbeitsunfähig. Die Prognose sei günstig und es sei mit einer weiteren Steigerung der Arbeitsleistung zu rechnen (
Urk.
12/92/2).
Im Bericht vom 1
0.
April 2019 ergänzte pract. med.
B._
, die Behandlung daure weiterhin an. Es bestehe nach wie vor eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
. Die Prognose sei günstig und es könne mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Ein deutlich positiver Impuls sei
durch den
Abschluss des Strafverfahrens gegen den Unfallverursacher zu erwarten (
Urk.
12/118/2).
2.4.4
Im
Sprechstundenbericht der
Klinik
G._
vom 3
0.
Dezember 2019
wurde
festgehalten
,
nach der Kollision am
2.
März 2018 habe der Beschwerdeführer in der linken Schulter einen heftigen Schmerz bemerkt. Durch einen Zug am
linken Arm habe
er ein
Einschnappen
durchführen können. Hernach sei, wenn auch unter Schmerzen, wieder eine gewisse Beweglichkeit vorhanden gewesen. Die anschliessende Untersuchung im Kantonsspital
Z._
habe keine Anzeichen für eine Fraktur ergeben. Bei anhaltenden Sch
merzen sei am 2
0.
März 2018 ein
Arthro
-MRI durchgeführt worden
(vgl.
Urk.
12/24)
. In der Folge sei der Be
schwer
deführer physiotherapeutisch behandelt worden und es
sei
wieder
zu
eine
r
gute
n
Funktion und Kraft
in
der linken Schulter
gekommen
. Nur bei gewissen Bewe
gungen seien Krepitationen (Knirschen) und einschiessende Schmerzen aufgetre
ten. Die Arbeit könne aktuell unter
Beschwerden
durchgeführt werden. In der Freizeit betreibe der Beschwerdeführer gerne Schwimmen und Radfahren. Die bildgebende Untersuchung vom 2
0.
März 2018 habe folgenden Befund ergeben:
posteroinfer
iore
Labrumläsion, Reverse-Hill-
Sachs-
Läsion loco
tipico
,
Rotatoren
manschette
intakt,
Bizepssehnenanker
intakt,
Bizepssehne
im
Sulcus
zentriert. Die bildgebende Abklärung vom 3
0.
Dezember 2019 sodann habe die folgenden Be
funde ergeben: kein Verdacht auf eine Fraktur, keine wesentlichen degenerativen Veränderungen sichtbar, axial und koronar zentriertes Gelenk. Die Ärzte fassten zusammen, beim Beschwerdeführer bestehe nach stattgehabter Schulterluxation
eine schmerzhafte Labrumläsion. Die Klinik korreliere mit den MR-tomo
grafi
sche
n Befunden. Bei traumatischer Labrumläsion empfehle sich nach längerer k
onser
vativer Therapie eine
arth
r
o
skopisch
assistierte
Refixation
der
posteroinferioren
Kapsel des Labrums (
Urk.
19/3 S. 1 u. 2).
Unter Bezugnahme auf diesen Bericht der
Klinik
G._
und das ursprüngliche Unfallereignis erstattete der Be
schwerdeführer am 1
4.
Februar 2020 eine Schadensmeldung (
Urk.
23/1), welche die Beschwerdegegnerin als Rückfallmeldung entgegennahm. Die Kreisärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin Chirurgie, führte am
2.
März 2020 die gemeldeten Beschwerden an der linken Schulter mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom
2.
März 2018 zurück (
Urk.
23/3).
Dem Sprechstundenbericht der
Klinik
G._
vom 1
0.
Februar 2020 ist zu entnehmen,
es sei die Durchführung der Schulteroperation im November 2020 in Aussicht genommen worden. Weiterhin bestünden ähnliche Beschwerden mit einem schmerzhaften
Einschnappgefühl
bei hohen Rotationen. Zu einer erneuten Luxation sei es hingegen nicht gekommen (
Urk.
19/4 S. 1).
Die Operation an der linken Schulter fand am 2
0.
November 2020 statt. Als Operationsdiagnose ist ein Status nach Kollisionstrauma im Strassenverkehr mit hin
terer Schulterluxation und Selbstreposition am
2.
März 2018 mit Revers
e-Hill-
Sachs-Läsion und
postero
inferiorer
Labrumläsion an der Schulter links angege
ben. Die Operation habe die
Refixation
des dorsalen Labrums bezweckt, was in der Folge auch gelungen sei. Postoperativ sei die Fixation in Orthese für vier Wochen erforderlich. Nach sechs und nach zwölf Wochen erfolge je eine Kon
trolle (
Urk.
26/1 S. 1-2).
2.4.5
Am 2
6.
Mai 2020
hielt
Dr.
A._
fest, nach erstmaliger traumatischer Schul
tergelenksluxation sei es zu einer Hill-Sachs Läsion und einer Labrumläsion gekommen. Dies habe eine Bewegungseinschränkung der Schulter mit Schmerzen zur Folge. Dadurch komme es bei gewissen Bewegungsabläufen zu Kraftverlusten und es sei eine Unterstützung mit dem rechten Arm erforderlich. Durch das Schulterleiden sei die Arbeitsfähigkeit zwischen 25 und 30
%
gemindert. Des Weiteren
bestünden
posttraumatische Beschwerden
am rech
t
en Fuss
(
Urk.
26/2).
2.5
2.5.1
Zur Beurteilung der
Frage
,
ab wann von der Fortsetzung der ärztlichen Behand
lung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden konnte,
ist zunächst der Verlauf der
somatischen Unfallfolgen
zu würdigen
.
Die erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals
Z._
hatten den Beschwerdeführer nach bildgebenden Unter
suchungen (Rönt
g
en Knie links und OSG rechts, CT Schädel, Thorax, HWS, Abdo
men, Achsenskelett) ohne pathologische Befunde noch am Unfalltag, das heisst am
2.
März 2018
,
nach Hause entlassen (
Urk.
12/9/2 f.,
Urk.
12/10). Hernach war vom nachbehandelnden Hausarzt
Dr.
A._
als weitere Massnahme Physio
the
rapie verordnet (
Urk.
12/22/1,
Urk.
12/33 f.,
Urk.
12/39/1,
Urk.
12/39/1,
Urk.
12/47
/1,
Urk.
12/60/1,
Urk.
12/66/1,
Urk.
12/88 f.,
Urk.
12/97,
Urk.
12/99
) und aus somatischer Sicht
wie folgt eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden:
100
%
ab dem
2.
März 2018
,
50
%
ab dem
9.
April 2018,
20
%
ab dem
9.
Mai 2018
(
Urk.
12/8-16,
Urk.
12/27/4
)
. Ab dem
4.
Juni 2018 sodann bestand nach seiner Beurteilung wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/32/3
).
Dr.
B._
bescheinigte im Unfallschein ab
dem
7.
Juni 2018 eine zunächst ganze und im Verlauf abnehmende Arbeitsunfähigkeit, welche Zumutbarkeits
beurteilung med. pract.
A._
ab 1
6.
August
2019 jeweils bestätigte (
Urk.
12/73
/2)
.
2.5.2
Die Besserung der somatischen Unfallfolgen mit im Verlauf geringerer Arbeits
unfähigkeit wird durch die Ergebnisse des ambulanten Assessments vom 2
2.
Okto
ber 2018 in der Rehaklinik
D._
bekräftigt.
Die
Klinik-
Ärzte
ge
langten
im Bericht vom 2
4.
Oktober 2018
zum Schluss, es sei ein günstiger Ver
lauf festzu
stellen und weitere Abklärungen seien allein auf neurologische
m
und neuropsy
chologischem Gebiet angezeigt. Konkret hielten sie
fest, der Beschwer
deführer arbeite
trotz anhaltender Beschwerden (vgl.
Urk.
12/72/5)
inzwischen
wieder
im zeitlichen Umfang von 70
%
(
Urk.
12/72/3
). Es seien aktive und passive
Bewe
gungen für Nacken, Schulter
und BWS durchgeführt worden.
V
or allem bei Bewe
gungen mit der linken Schulter über der Horizontalen
seien Schmerzen
an
ge
ge
ben
worden
.
Die Beschreibung der Schmerzen sei differenziert erfolgt, das Schmerz
verhalten sei adäquat
und
das Leistungsverhalten
sei
gut gewesen, eben
so die Konsistenz. Mithin sei
k
eine Symptomausweitung
vorhanden
(
Urk.
12/72/8 f.).
Der Beschwerdeführer sei zuversichtlich gewesen, seine Arbeitsleistung wieder auf 100
%
zu steigern zu können
(
Urk.
12/72/3).
2.5.3
A
uch
Suva-Ärztin
Dr.
E._
gelangte
zum Schluss, dass von keiner ins Gewicht fallenden organischen Problematik auszugehen sei
.
Nach Einsicht in die Akten hielt sie i
n der Stellungnahme vom 2
7.
Nove
mber 2018
zunächst
fest, es sei noch ein
MRI des OSG geplant. Auch im Übrigen lägen keine aktuellen somatischen
Befunde vor. Es bestehe allerdings der Eindruck, dass die Psyche im Vordergrund stehe (
Urk.
12/77/2).
Am 2
1.
Januar 2019 hielt
Dr.
E._
fest, das MRI vom OSG habe gezeigt, dass keine traumatische strukturelle Läsion nachweisbar sei. Soma
tische Folg
en stünden nicht im Vordergrund;
führend
sei die Psyche (
Urk.
12/93/1)
.
Erst auf die erneute Meldung der Schulterbeschwerden vom 1
4.
Februar 2020 hielt
Dr.
E._
diese für unfallkausal (
Urk.
23/3
; vgl. dazu nachfolgend E. 2.5.6
).
2.5.4
Anlässlich eines Telefonats
der
Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin mit dem Beschwerdeführer
vom
1.
März 2019
gab dieser an, er sei psychisch bedingt weiterhin im Umfang von 30
%
arbeitsunfähig. Dem Fuss und der Schulter gehe es besser. Die Schulter
sei
bei
Überkopfbewegungen
noch ein wenig einge
schränkt.
Es finde weiterhin regelmässig eine physiotherapeutische Behandlung statt (
Urk.
12/100).
2.5.5
Nach Erlass der Verfügung vom
9.
Mai 2019 (
Urk.
12/123
) wies der
rechtskundig vertretene
Beschwerdeführer
in seiner Einsprache vom 1
2.
Juni 2019 ausschliess
lich auf die psychische Problematik und ihre Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit
hin
(
Urk.
12/129/6)
. Erst i
n der Beschwerde machte
er
sodann geltend, er leide auch unter körperlichen Restbeschwerden und es finde auch weiterhin eine ärztliche Behandlung statt (
Urk.
1 S. 6 Rz 10). Mit der Replik reichte
der Be
schwerdeführer d
i
e Sprech
stundenbericht
e
der
Klinik
G._
vom 3
0.
Dezem
ber
2019
und 1
0.
Februar 2020
ein, worin die
Ärzte auf den MRI-Befund einer Labrumläsion und Hill-Sachs Läsion hinwiesen und festhielten, es sei eine opera
tive Intervention erforderlich (
Urk.
19/3 S. 2,
Urk.
19/4 S. 1). Der operative Ein
griff in Form einer
Refixation
des Labrums fand am 2
0.
November 2020 statt (
Urk.
26/1).
2.5.6
Zusammenfassend steht fest, dass der Beschwerdeführer nach der Erstbehandlung im Kantonsspital
Z._
einzig
in hausärztlicher Behandlung stand, wobei
Dr.
A._
zwecks
Förderung der
Abheilung der Unfallfolgen ausschliesslich Physiotherapie verordnete. Ab dem
4.
Juni 2018 sodann attestierte
Dr.
A._
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit.
Die Visa und Eintragungen auf dem Unfall
schein ab dem 1
6.
August 2018 erschöpfen sich in der Bestätigung der Arbeits
unfähigkeitsatteste von
Dr.
B._
und geben keine Anhaltspunkte für eine Verschlechterung in somatischer Hinsicht
(vgl. dazu auch Bericht von
Dr.
A._
vom 1
0.
September 2018,
Urk.
12/56/2)
.
Die Ärzte der Rehaklinik
D._
wiesen
im Oktober 2018
auf die intakte Leistungsbereitschaft und die adäquate Schmerz
schilderung des Beschwerdeführers hin und hielten fest,
es
seien lediglich b
ei
den
Schulterübungen über der Horizontalen mit Belastung
Beschwerden
aufgetreten.
Dies wird untermauert durch die Telefonnotiz, wonach d
er Beschwerdeführer selber
im März 2019 an
gab
, die fortdauernde Arbeitsunfähigkeit habe psychische
Gründe.
Dem Fuss und der Schulter
hingegen
gehe es besser.
Nur die
Schulter
sei bei Überkopfbewegungen
noch ein wenig eingeschränkt.
Die somatischen Unfallfolgen waren somit bei Erlass der Verfügung vom
9.
Mai 2019 weitestgehend abgeklungen. Die verbliebenen Restbeschwerden, die sich bei Überkopfbewegungen
an der Schulter
bemerkbar machten, wurden
physiothera
peu
tisch
behandelt.
Die letzte
aktenkundige
ärztliche Verordnung zur Physio
therapie datiert vom 1
4.
Januar 2019
und diente der Analgesie, der Verbesserung der Gelenks- und der Muskelfunktion und trägt Vermerke des Physiotherapeuten
H._
vom 2
3.
Februar,
6.
März
und 2
2.
April
2019
(
Urk.
12/99,
Urk.
12/103,
Urk.
12/112,
Urk.
12/119).
Am 1
6.
April
2019 fasst dieser zusammen, der Beschwerdeführer sei praktisch voll im Arbeitsprozess bei noch unterschiedlichem Erfolg. Sehr gute Tage wechselten mit Tagen, an denen er Schmerzen verspüre und Schmerzmittel brauche. Sinnvoll sei weiterhin eine wöchentlich zweimalige Behandlung (
Urk.
12/114/2).
Zuvor hatte der Beschwer
deführer im Dezember 2018 angegeben, körperlich leide er noch unter Kopf
schmerzen und auf der linken Schulter könne er nicht schlafen (
Urk.
12/80) und im März 2019 ergänzt, dem Fuss und der Schulter gehe es besser und beim Arbeiten gehe es gut, nur bei Überkopfarbeiten sei die Beweglichkeit der Schulter noch ein wenig eingeschränkt (
Urk.
12/100).
Damit steht fest, dass die orga
ni
schen Unfallfolgen vor dem
am
9.
Mai 2019 verfügten
Fallabschluss
per Ende Mai 2019
weitestgehend
abgeheilt waren.
Im Vordergrund standen zu diesem Zeitpunkt Beschwerden
psychischer Natur (vgl. nachstehende E. 2.7)
.
Dr.
A._
hielt
am
1
0.
September 2018 fest, die psychische Verarbeitung verlaufe schlep
pend (
Urk.
12/56/2). A
m
5.
November 2018
führte er aus
,
im Geschäft mache der
Beschwerdeführer wieder praktisch alles, aber
die psychische Komponente
sei sehr
gewichtig
(
Urk.
12/70). Am 1
4.
März 2019 ergänzte
Dr.
A._
, im Vor
dergrund stehe die psychische Verarbeitung
mit fachärztlicher Begleitung (
Urk.
12/108).
Die Ärzte der
Klinik G._
bekräftigten noch am 3
0.
Dezember 2019, dass aktuell die Arbeit ausgeführt werde (
Urk.
19/3).
Dass der Beschwerdeführer
so
dann
weiterhin, mithin auch nach Ende Mai 2019
,
von der Fortsetzung der phy
siotherapeutischen Behandlung
profitieren
konnte
, genügt praxisgemäss nicht
, um
von einer ärztlichen Behandlung mit dem Ziel einer namhaften Besserung
im Sinne von
Art.
19
Abs.
1 UVG ausgehen zu können
(Urteil
des Bundesgerichts 8C_39/2018 vom 1
1.
Juli 2018
E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Die
Empfehlung
einer chirurgischen Intervention
ergab sich erst durch die Abklärungen der Ärzte der
Klinik
G._
im Dezember 2019 (
Urk.
19/3 f.), wobei die operative Behandlung selber erst im Novem
ber
20
2
0
stattfand (
Urk.
26/1). Diesbezüglich
sprach
die Beschwerdegegnerin richtigerweise
von
eine
r
(allfälligen)
Leistungspflicht im Rahmen eines Rückfalles
gestützt auf die Schadensmeldung vom 1
4.
Februar 2020 (
Urk.
22 S. 1
f.,
Urk.
23/1,
Urk.
23/4)
. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psy
chische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Über die Einzelheiten der Leistungspflicht in diesem Zusammenhang ist nicht in diesem Verfahren zu befinden. Die Voraussetzungen
zur Ausdehnung des Streitgegenstandes
sind nicht erfüllt
, da die Frage de
s
erneuten Leistungs
anspruches
nicht derart eng mit der Einstellung der Leistungspflicht zusammenhängt, dass von einer Tatbe
stands
gesamtheit zu sprechen ist
(vgl.
BGE 130 V 501, 122 V 34 E. 2a mit Hinweisen
).
2.6
Die neuropsychologischen Defizite
schränken
den Beschwerdeführer
gemäss den Feststellungen der Ärzte des Spitals
C._
nur in geringem Ausmass
ein
(vgl. vorstehende E. 2.4.2). Eine Arbeitsunfähigkeit wurde in diesem Zusammenhang nicht attestiert und wird vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Ebenso wenig bedarf der Beschwerdeführer diesbezüglich einer ä
rztlichen Be
hand
lung. Für den Fa
llabschluss ist dieser Aspekt somit nicht von Relevanz.
2.7
Im we
iteren Verlauf nach dem Ereignis vom
2.
März 2018
trat beim Beschwer
deführer eine depressive Störung
in der Form einer mittelgradigen Episode auf,
derentwegen der behandelnde Arzt, pract. med.
B._
,
und ebenso
Dr.
A._
ab dem
8.
Juni 2018
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, ab dem 2
5.
Juni 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
, ab dem 2
3.
Juli 2018 eine solche von 60
%
, ab dem 1
3.
August 2018 eine solche von 50
%
und ab dem 2
1.
September 2018 eine solche von 30
%
andauernd bis zur Einstellung der Leistungen per Ende Mai 2019 und darüber hinaus attestierte
n
(
Urk.
12/35/4,
Urk.
12/37/4,
Urk.
12/38,
Urk.
12/40/5,
Urk.
12/42/5,
Urk.
12/50/5,
Urk.
12/58/5,
Urk.
12/63/2 =
Urk.
12/
64/2,
Urk.
12/68,
Urk.
12/91/2,
Urk.
12/102/2,
Urk.
12/109)
.
Der natür
li
che Kausalzusammenhang
(vgl. nachstehende E. 3.1
.1
)
zwischen de
r
psychi
sche
n
Fehlentwicklung
und dem Ereignis vom
2.
März 2018
ist als gegeben zu erachten
. Suva-
Arzt
Dr.
med.
F._
hielt in der Stellungnahme vom
2.
Februar 2019 fest, die psychischen Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom
1.
März 2018 zurückzuführen. Der Beschwerdeführer habe bereits 2010 aufgrund eines Unfalles mit Verletzungsfolge und wegen des Nicht
bestehens der Prüfung für die Polizeischule eine depressive Episode durchge
macht, allerdings sei diese seit Jahren wieder abgeklungen gewesen. Mit der am
bulanten psychiatrisc
hen Behandlung habe bisher eine
Arbeitsfähigkeit von 70
%
in der bisherigen Tätigkeit als Chauffeur eines LKW erreicht werden können.
Es sei davon auszugehen, dass mit der Fortsetzung dieser Behandlung erheblich dazu beigetragen werden könne, innerhalb von maximal sechs Monaten wieder eine volle Arbeitsfähigkeit zu erlangen (
Urk.
12/94/3). A
uch p
ract. med.
B._
ging in seinen Berichten
vom 1
4.
Januar und
vom
1
0.
April 2
0
19
von
einer durch das Unfallereignis vom
2.
März 2018 hervorgerufenen depressiven Reaktion aus
,
stellte unter dem Vorbehalt der Fortführung der ambulanten psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung eine günstige
Prognose
und erachtete eine Stei
gerung der von ihm zuletzt noch attestierten Arbeitsunfähigkeit von 30
%
als möglich
(
Urk.
12/92/1 f.
,
Urk.
12/118/
1 f.
)
.
Dem Fallabschluss steht die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
psychische
n
Fehl
ent
wicklung
allerdings
nicht
ohne Weiteres
entgegen
. Bei den psychischen Fehl
entwicklungen nach einem Unfall, wovon hier auszugehen ist (vgl. nachstehende E. 3.3), sind die vor
übergehenden
Leistungen einzustellen, wenn von der Fort
setzung der auf die somatischen Unfallfolgen gerichteten Behandlungen keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (T
homas
Flückiger
, in: Basler Kommentar UVG, Basel 2019,
Art.
19 Rz 22 mit Hinweisen). Dies ist hier, wie dargelegt wurde, per Ende Mai 2019 der Fall (vgl. vorstehende E.
2.5.6
).
Der Fallabschluss auf diesen Zeitpunkt hin ist demnach nicht zu beanstanden.
3.
3.1
3.1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
di
tät, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
3.1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
sal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfall
fol
gen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
3.1.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall
und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem
Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine ge
wisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
ge
hend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden Arbeits- bezie
hungsweise Erwerbsunfähigkeit, die nicht auf organisch nachweisbare Funktions
ausfälle zurückzuführen ist, rechtfertigt es sich, im Einzelfall analog zur Methode vorzugehen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c, 117 V 359 E. 5d/
bb
, vgl. auch 115 V 133 E. 6).
3.2
3.2.1
Im Einspracheentscheid prüfte die
Beschwerdegegnerin
den adäquaten Kausal
zusammenhang zwischen den klinisch ausgewiesen
en
, aber
organisch nicht hin
reichend nachweisbaren Beschwerden
anhand der
Schleudertraumapraxis
und kam zum Schluss, von den hierbei massgeblichen Kriterien seien zwei, nämlich das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit und dasjeni
ge der fortgesetzt spezifischen, aber
belastenden ärztlichen Behandlung erfüllt, jedoch weder in auffallender noch sehr ausgeprägter Weise, weswegen die Adäquanz zu verneinen sei
(
Urk.
2 S. 7
ff.
Ziff.
3.2
f
).
In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwer
degegnerin, d
a
im Verlauf
die für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden im Vergleich zu den psychischen Beschwerden in den Hintergrund getreten sei
en
, sei die Adäquanz entsprechend den Grundsätzen der Psychopraxis zu beurteilen.
Jedoch seien
die
zum Nachweis der
Adäquanz
erforderlichen Kriterien nicht in der genügenden Zahl respektive nicht im erforderlichen Ausmass erfüllt
(
Urk.
11 S. 3 ff.).
3.2.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, b
ei der Prüfung der Adäquanzkriterien sei das Verhalten des Unfallverursachers zur beachten. Anfänglich habe dieser sein Fehlverhalten eingestanden und sinngemäss erklärt, er übernehme die Verant
wortung. Im Laufe des Strafverfahrens aber habe er begonnen
,
alles zu bestreiten
,
und
habe
versucht
,
ihm (dem Beschwerdeführer) die Schuld
zuzu
schieben, ob
schon die Spurenlage eindeutig ein anderes Bild
zeig
t
e
. Er (der Beschwerdeführer) habe dies als verletzend empfunden und das belastende Strafverfahren
sei dadurch
in die Länge gezogen worden. Dies habe
eine
Verzögerung der Heilung
bewirkt
. Das Kriterium der schwierigen Heilung sei demnach erfüllt. Zusammen
mit diesem und den beiden von der Beschwerdegegnerin anerkannten
Adäquanz
kriterien
seien insgesamt
deren
drei erfüllt, weswegen der Kausalzusammenhang zu bejahen sei (
Urk.
1 S. 6 ff. Rz 10 ff.).
Auch ohne weitere Abklärungen stehe fest, dass die Kausalitätskriterien erfüllt seien. Seit mehr als zwei Jahren be
stün
den hartnäckige körperliche Beschwerden, die mindestens bis nach der anstehen
den Operation bestehen bleiben würden (
Urk.
18 S. 3 ff.).
3.3
Zur anwendbaren Methode der Adäquanzprüfung ist zu beachten, dass
im Zeit
punkt der Einstellung der Leistungen Ende Mai 2019
nicht die
somatischen Unfallfolgen
(vgl. vorstehende E. 2.5
) und
auch nicht die
gering
fügigen Aufmerk
sam
keitsdefizite
(vgl. vorstehende E. 2.6)
,
sondern
psychische Symptome
im Vor
dergrund st
anden
(vgl. vorstehende E. 2.7)
. Damit fehlt aber das typische bunte Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma
(Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, De
pres
sion, Wesensveränderung;
BGE 117 V 359 E. 4b
).
Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte Person ein Schle
udertrauma der Halswirbelsäule
erlitten hat
(vgl.
Urk.
12/72/1),
das hierfür typische
Beschwerdebild
aber
im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund
tritt, sind
für die Adäquanz
beurteilung bei Fällen aus dem mittleren
Schwereb
ereich
der Unfälle
die in BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden festgelegten Krite
rien (und nicht jene für Fälle mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, äquiva
lenter Verletzung oder Schädel-Hirntrauma gemäss BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b) massgebend (BGE 127
V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a).
3.4
3.4.1
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
3.4.2
Der Beschwerdeführer war am
2.
März 2018 mit einem Schneepflug
unterwegs, wobei sein Fahrzeug
durch das ausbrechende Heck eines
entgegenkommenden Lastwagens getroffen
wurde
.
Die Wucht d
e
r
Kollision
schleuderte
das Fahrzeug des Beschwerdeführers
von der Fahrbahn
, wo es nach mehreren Metern
in
eine
r
Baumschule
zum Stillstand kam
.
Gemäss den Fahrtenschreibern der
unfall
be
teiligten
Fahrzeuge wies das vom Beschwerdeführer gelenkte unmittelbar vor der Kollision um 15:01:38 eine Geschwindigkeit von 74 km/h auf und das andere um
15:01:42 Uhr eine solche von 64 km/h.
Unmittelbar danach
fiel bei beiden Fahr
zeugen die Geschwindigkeit markant ab
. Beim Fahrzeug des Beschwerdeführers wurde
n die Führerkabine, insbesondere die Windschutzscheibe
und die Fahrertür
,
beschädig
t
. Er konnte die Führerkabine mit Hilfe einer Drittperson verlassen
(
Urk.
1
2/20/8
-11
).
Der äussere Unfallablauf und
der Umstand, dass keiner der an der Kollision
Beteiligten gr
avierende Verletzungen erlitt
oder
gar
einer konkreten Todesgefahr ausgesetzt war
,
spricht für einen Unfall im mittelschweren Bereich
,
und zwar mittelschwer im engeren Sinne.
Ein
Unfall in diesem Sinne lag auch vor, als ein Fahrzeug bei einem Überholmanöver mit rund 100 km/h abrupt abge
bremst wurde, ins Schleudern geriet, gegen einen Strassenwall prallte, sich über
schlug und auf der Fahrerseite zu liegen kam (Urteil des Bundesgerichts 8C_169/2007 vom
5.
Februar 2008 E. 4.2). Ebenso
,
als
ein
Fahrzeug beim Über
holen einen Lastwagen touchiert
e
und sich überschlug (Urteil des Bundesgerichts 8C_743/2007 vom 1
4.
Januar 2008 Sachverhalt und E. 6). Ferner war von einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne auszugehen, als ein Personenwagen auf der Autobahn mit einer Geschwindigkeit von etwa 90 km/h
sich über die Mittel
leitplanke auf die Gegenfahrbahn hin überschlug und dabei die versicherte Pe
rson hinausgeschleudert wurde (Urteil des Bundesgerichts U 492/06 vom 1
6.
Mai 2007
E. 4.2). Die
Vergleichsbeispiele aus der Praxis
lassen die Beurteilung der Beschwer
degegnerin als angemessen erscheinen
.
3.5
3.5.1
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
würdi
gung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklic
hkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
tei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen,
wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fal
lend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
ri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
wei
se ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien her
angezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich
zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichti
gen
den Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adä
quanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
3.5.2
Ausgehend von den bei einer psychischen Fehlentwicklung nach einem Unfall zu beachtenden Kriterien kam die Besch
werdegegnerin zum Schluss, keines der erforderlichen Kriterien
sei erfüllt, weswegen der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei (
Urk.
11 S. 7). Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Stand
punkt, er leide seit mehr als zwei Jahren unter körperlichen Beschwerden, die
hartnäckig seien und mindestens bis zur Schulteroperation noch anhalten wür
den
. Die Schmerzproblematik werde durch die psychische Symptomatik unterhal
ten
und z
wischen somatischen und psychischen Beschwerden bestehe ein Zusam
menhang im Sinne einer Wechselwirkung (
Urk.
18 S. 4
f. Rz
7 u. 9 f.
).
In der Beschwerdeschrift hatte
d
er
Beschwerdeführer zudem
geltend gemacht, es liege eine verzögerte Heilung vor, weswegen zusätzlich auch das Kriterium des schwie
rigen Heilungsverlaufs erfüllt sei (
Urk.
1 S. 6 f. Rz 11 f.).
3.5.3
Nicht
bestritten
ist, dass die Kriterien der besonders dramatischen Begleit
um
stände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles, der Schwere oder der
besonderen Art der erlittenen Verletzungen,
das Kriterium
der
ärztliche
n
Fehlbe
handlung
und dasjenige
der
b
ezüglich Grad und Dauer ins Gew
icht fallenden Arbeitsunfähigkeit
als
nicht erfüllt
zu betrachten
sind. Die Beschwerdegegnerin hat zu diesen im Einzelnen Stellung genommen (
Urk.
11 S. 6 f.) und diesen Darlegungen ist beizupflichten.
3.5.4
Zum Verlauf der Beschwerden im Zusammenhang mit den somatischen Unfall
folgen lässt sich den Akten
F
olgendes
entnehmen:
Die erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals
Z._
hielten in ihrem Bericht vom
3.
März 2018 fest, der Beschwerdeführer
habe über Schmerzen
im Bereich
der linken Schulter, am Becken links, a
n beiden
Knie
n und
im Bereich des rechen OSG
sowie über leichte
muskuläre Verspannungen im HWS-Bereich geklagt (
Urk.
12/9/2).
Am
7.
Mai 2018
gab der Beschwerdeführer an, er habe weite
rhin Schmerzen am Knie links, an
der Schulter links, am linken Fuss und im Bereich des Nackens. In der Schulter sei die Beweglichkeit eingeschränkt (
Urk.
12/25). Ab dem
4.
Juni 2018 attestierte
Dr.
A._
aus somatischer Sicht wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/32). Die hernach von pract. med.
B._
attestierte Arbeitsfähigkeit hatte psychische Gründe (
Urk.
12/35/4,
Urk.
12/37/4,
Urk.
12/38
/2
,
Urk.
12/40/5,
Urk.
12/42/5,
Urk.
12/50/5,
Urk.
12/58/5,
Urk.
12/63/2 =
Urk.
12/64/2,
Urk.
12/92
/2
,
Urk.
12/118/2
).
Auch der Beschwerdeführer wies im weite
re
n Ver
lauf darauf hin, seiner Tätigkeit als Chauffeur
aus psychischen Gründen
nur ein
geschränkt nachzugehen (
Urk.
12/80
).
Am 2
3.
Juli 2018 gab der Beschwerde
füh
rer an,
er leide weiterhin
unter gelegentlichen Schmerzen a
m rech
t
en Fussgelenk, einer eingeschränkten Beweglichkeit und unter Schmerzen in der linken Schulter, unter einem selten auftretenden Stechen im linken Knie sowie unter einer leichten Beweglichkeitseinschränkung und an Verspannungen im Schulter- und Nacken
be
reich, die in den Hinterkopf ausstrahlten (
Urk.
12/41/3). Am 2
0.
September 2018 schilderte der Beschwerdeführer
, die Beschwerden an der Schulter und der HWS würden stetig besser. Er habe noch belastungsabhängige Beschwerden am Fuss (
Urk.
12/57/1). Anlässlich des ambulanten Assessments in der Rehaklinik
D._
berichtete der Beschwerdeführer den Ärzten über aktuell
rezidivierend
auftretende und in
den
HWS
-
und Schulterbereich
ausstrahlende Hinterhaupt
schmerzen, wobei die Schmerzen nur intermittierend vorhanden seien und er bisweilen auch schmerzfrei sei. Die Schmerzen in der linken Schulter hätten deutlich gebessert und würden nur noch bei körperlicher Belastung auftreten. Belastungsabhängig träten auch noch Schmerzen im Bereich des rechten OSG auf (
Urk.
12/72/5). Am 1
5.
Dezember 2018 führte der Beschwerdeführer zu seinen Beschwerden aus, die Arbeitsunfähigkeit sei psychisch bedingt
; k
örperlich leide er noch unter Kopfschmerzen und auf der linken Schulter könne er noch nicht
schlafen (
Urk.
12/80)
.
U
nd am
1.
März 2019 ergänzte der Beschwerdeführer, dem Fuss und der Schulter gehe es besser.
Beim Arbeiten gehe es gut. Die Beweg
lichkeit der Schulter bei Überkopfarbeiten sei noch ein wenig eingeschränkt (
Urk.
12/100).
Die Angaben zeigen, dass die Beschwerden im Zusammenhang mit den soma
tischen Unfallfolgen bis zum Erlass der Verfügung vom
9.
Mai 2019 fortlaufend abklangen und der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht wieder arbeitsfähig war. Erst nach dem Fallabschluss
begab sich der Beschwerdeführer im Dezember 2019 aufgrund einer erneuten Schmerzzunahme
an der linken Schulter
wieder in ärztliche Behandlung, wobei er darauf hinwies, seine Arbeit, wenn auch unter Schmerzen, weiterhin verrichten zu können (
Urk.
19/3 S. 1).
Die erneuten Schul
ter
schmerzen
wird
die Beschwerdegegnerin
unter dem Blickwinkel des
Rückfall
s behandeln
(vgl.
Urk.
22). Inwieweit der Beschwerdeführer
davor
gänzlich frei von Schmerzen war, bedarf keiner näheren Klärung.
Die angegebenen Schmerzen
lassen
aufgrund des kontinuierlich abnehmenden Ausmasses
bis zum Fallab
schluss
das Kriterium jedenfalls nicht als
besonders
ausgeprägt erscheinen, was aber bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne erforderlich wäre, wenn
, wie vorliegend
,
nur
einzelne
der Adäquanzk
riterien
(vgl. vorstehende E. 3.5.1)
konkret zu prüfen
sind
.
Offenbleiben kann auch, inwieweit die Schmerz
symp
to
matik durch ein psychisches Geschehen beeinflusst wird. Psychische Beschwerden sind auch dann nicht in die Beurteilung einzubeziehen, wenn sie als körperlich imponieren (Urteil des Bundesgerichts 8C_825/2008 vom
9.
April 2009 E. 4.6).
3.5.5
Betreffend d
en
Standpunkt
, es liege eine verzögerte Heilung vor,
berief sich
der Beschwerdeführer
auf das gegen den Unfallverursacher geführte Strafverfahren, in dessen Verlauf dieser
versucht
habe
, ihm (dem Beschwerdeführer) die Schuld zuzuschieben
.
Wenngleich entsprechende
Verhaltungen
den Beschwerdeführer getroffen haben mögen, ist den medizinischen Unterlagen nicht zu entnehmen,
dass die Vorwürfe die
psychische Fehlentwicklung
massgeblich beeinträchtigt
hätt
en
. Vielmehr
hat
Dr.
B._
die Gerichtsverhandlung an sich als
belas
tendes Ereignis beschrieben (Urk.
12/118/2), was zwar verständlich, aber nicht als
besonderer Gr
und im Sinne der Rechtsprechung zu fassen ist,
der
die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert ha
t
.
Im Weiteren ist a
u
fgrund der Akten ausgewiesen, dass die somatischen Unfall
folgen im Anschluss an die Erstbehandlung durch die Ärzte des Kantonsspitals
Z._
lediglich noch einer hausärztlichen Betreuung und einer physiothera
peu
tischen Behandlung bedurften (vgl. vorstehende E. 2.5). Aus der ärztlichen Be
handlung und den vorhandenen Beschwerden allein kann nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder auf
Komplikationen
geschlossen werden. Es
bedarf hierzu besonderer Gründe, die die Heilung beeinträchtigt haben. Auch die Einnahme von Medikamenten oder die Durchführung verschiedener Therapien genügen noch nicht. Gleiches gilt auch, wenn trotz regelmässiger Therapie keine
gänzliche
Beschwerdefreiheit gewonnen werden konnte (Alexandra
Rumo-Jungo
/
André P. Holzer, in: Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Aufl., Zürich 2012,
S. 72 f. mit Hinweisen).
3.6
Zusammenfassend ergibt sich, dass
weder das Kriterium des verzögerten Hei
lungsverlaufs respektive der ärztlichen Fehlbehandlung
noch dasjenige der kör
perlichen Dauerschmerzen und auch keines der übrigen erfüllt ist. Somit ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den einem psychischen Geschehen zu
zuschreibenden Beschwerden und dem Ereignis vom
2.
März 2018 zu vernei
nen. Da auch der Zeitpunkt des Fallabschlusses per Ende Mai 2019 nicht zu bean
standen ist (vgl. vorstehende E.
2
), hat die Beschwerdegegnerin zu Recht die bis dahin ausgerichteten Leistungen eingestellt und den Anspruch auf weitere ver
neint.
Der Entscheid der Beschwerdegegnerin beruht auf einem hinreichend abge
klärten Sachverhalt.
Die Beschwerde erweist sich bei dieser Sachlage als unbe
gründet und ist daher abzuweisen.