Decision ID: 4d6e8bfc-fbec-5f0b-b40a-ae4ca0a6eede
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die am
2.
November 2004 geborene
X._
meldete sich, gesetzlich vertreten durch
ihre
Eltern
, am 1
6.
Dezember 2004
(Eingangsdatum)
unter Hinweis auf das Atemnotsyndrom aufgrund
der
Frühgeburt bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/4).
Nach durchgeführten medizinischen Abklärungen erteilte die
IV-Stelle de
r
Versicherten m
it Verfügung vom 27.
Januar 2005
eine
Kostengut
sprache für medizinische
Massnahmen
im Zusammenhang mit der Behand
lung des Geburtsgebrechens Nr.
494
(
Neugeborene mit ei
nem Geburtsgewicht unter 2000
Gramm
)
ab 2.
November 2011 bis zum Erreichen des Gewichts von 3000 Gramm (Urk.
11/7),
mit der Verfügung vom 2
8.
Januar 2005 für
die Behandlung
d
es
Geburtsgebrechen
s
Nr. 498
(
Schwere
n
eonatale
metabolische Störungen
)
vom 2.
November 2004 bis längstens am 9. November 2004
(
Urk.
11/8)
sowie
mit
der
Verfügung vom 2
9.
Januar 2005 für die Behandlung des Geburtsgebrechens Nr.
247 (
Syndrom der hyalinen Membranen
)
vom 2.
November 2004 bis am 31.
Mai 2005 (
Urk.
11/9)
.
Aufgrund eines h
ämo
r
r
h
agische
n
Hirninfarkt
s
frontal links im Rahmen einer erschwerten neugebo
renen Periode bei
Frühgeburtlichkeit
erlitt
die Versicherte
eine
cerebrale
Bewegungsstörung mit muskulärer Hypertonie,
eine
Mikrocephalie
und ein
Plagiocephalus
rechts (Urk.
11/18/3).
Im Laufe ihrer Entwicklung
w
urden
zusätzlich
die
Geburtsgebrechen Nr.
387
(A
ngeborene Epilepsie
) sowie
Nr.
395 bzw.
390,
(A
ngeborene
cerebrale
Lähmungen
:
spastisch
,
dyskinetisch
, atak
tisch
) diagnostiziert
(
Urk.
11/30
und
Urk.
11/20 bzw. Urk.
11/66/19
-20
)
. B
ezüglich des Sehens
kamen noch
die Geburtsgebrechen
Nr. 427,
Nr. 425
sowie
Nr. 423
hinzu
(
Urk.
11/
5
9
und
Urk.
11/
93-94
)
.
Im Rahmen dieser
kom
plexen Mehrfachbehinderung
gewährte
die IV-Stelle
der Ver
si
cherten
diverse Kostengutsprachen für
medi
-
zinische
Massnahmen
sowie
für
diverse H
ilfsmit
tel
.
Mit Schreiben vom
6.
Juli 2017
ersuchte
Dr.
med.
A._
, Leiter Kinderorthopädie,
Spital
B._
,
schliesslich
bei der IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine weitere
grössere
Operation
am 2
1.
August 2017
zur
Erhaltung der Gehfähigkeit
der Versicherten
in
der Kinderorthopädie
B._
sowie
für
einen
anschliessenden
Rehabilitationsaufenthalt (
Urk.
11/446)
.
Am 1
3.
September 2017
erhielt
die
IV-Stelle fünf Rechnungen
der
C._
GmbH für einen
mehrmaligen
medizinisch indizierten liegend
en
Transport der Versicherten
in der Höhe von
insgesamt
Fr.
6‘
390.--
(Urk.
11/458/3-7).
Am 1
7.
Oktober 2017
erging die Mitteilung bezüglich
der
Übernahme der Kosten durch die IV-Stelle
für die Operation am 21.
August 2017
in der
Kinderortho
pädie im Spital
B._
sowie eine
n
anschliessenden
sechswöchi
gen Rehabilitationsaufenthalt
(
Urk.
11/457).
Nach
Eingang
der Stellung
nahme von
Dr.
A._
vom 1
1.
Januar 2018
zum
Eingriff in der Klinik
B._
und
zu
de
n
dadurch entstandenen
medizinisch indizierten liegenden
Transport
en
(Urk.
11/474)
lehnte
die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom 1.
März 2018
Beiträge an die Transportkosten ab
(Urk.
11/488)
.
Die erneute
Stellung
nahme von
Dr.
A._
vom
8.
März 2018
betreffend die Ablehnung der
Übernahme der
Transportkosten
(Urk.
11/491
) veranlasste
die IV-Stelle
zur Einholung
eine
r
Vergleichsofferte
bezüglich der
anfallenden
Kosten für
ent
sprechende
liegende
Transporte ins
Kinderspital
D._
(Urk.
11/495).
Nach
dem
die Eltern der Versicherten
am
2
0.
März 2018
einen
formgerechten Ein
wand
mit Bezug auf die Stellungnahme von
Dr.
A._
nachgereicht hatten
(
Urk.
11/497)
, sprach die IV-Stelle
m
it Verfügung vom 26.
April 2018
der Versicherten
die
Übernahme der
Transportkosten lediglich im Umfang von
Fr.
1‘790
.–
zu
(Urk.
11/514).
2.
Hiergegen erhob der Vater der Versicherten
Beschwerde und
beantragte
sin
n
gemäss
, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesamten
Transport
kosten
in der Höhe von Fr. 6‘390.--
zu übernehmen
(Urk.
1-4 und Nachbes
serung vom
8.
Juni 2018
,
Urk.
7-8)
.
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeant
wort vom
3.
August 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom 26.
November 2018 angezeigt wurde (
Urk.
12)
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin lässt die Übernahme der Transportkosten im Umfang von
insgesamt
Fr.
6‘3
9
0
.--
beantrag
en (
Urk.
1
,
Urk.
7-8
). Mit angefochtener Verfü
gung vom
2
6.
April 2018
sprach ihr die Beschwerdegegnerin einen Beitrag von Fr.
1‘790.--
zu (
Urk.
2). Damit liegt der Restbetrag von
Fr.
4‘
600
.--
im Streit.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht).
2.
2.1
Die IV-Stelle erbrachte ihre Leistungen gegenüber de
r
Beschwerdeführer
in
bezüg
lich der medizinischen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebre
chen Nr.
390
(
Urk.
11/457)
. Strittig und zu prüfen ist, ob d
ie
Beschwerdeführer
in
auch Anspruch auf die Übernahme des Restbetrags
der
Transportk
osten im Umfang von
Fr.
4
'
600
.--
hat.
2.2
Nach
Art.
8
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
gehören die medizinischen Massnahmen bei Geburtsgebrechen nach
Art.
13 IVG zu den Eingliederungsmassnahmen.
Gemäss
Art.
51
Abs.
1 IVG werden den Ver
sicherten die für die Abklärung des Leistungsanspruchs und die Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen
notwendigen Reisekosten im Inland vergütet. Vergütet werden nach
Art.
90
Abs.
1
der
Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV)
als notwendige Reisekosten im Inland
die
Kosten von Fahrten zur nächstgelegenen geeigneten Durchführungsstelle
.
Wählt der Versicherte eine ent
ferntere Durchführungsstelle, so hat er die dadurch entstehenden Mehrkosten selbst zu tragen.
Jedoch kann sich ein Anspruch auf Vergütung der Reisekosten zu einer entfernteren Behandlungsstelle daraus ergeben, dass sich diese schon mit dem Versicherten befasst hat und ein Wechsel in eine näher gelegene Eingliede
rungsstelle nicht zumutbar wäre (vgl. Meyer, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 536).
3.
I
n der Beschwerdeantwort vom
3.
August 2018 erwog die Beschwerdegegnerin, dass das Kinderspital
D._
die nächstgelegene
geeignete
Durchführungsstelle für den operativen Eingriff vom 2
1.
August 2017 gewesen wäre. Auf Wunsch de
r
Beschwerdeführerin
sei der Eingriff in der weiter entfernten Klinik
B._
in
E._
durchgeführt worden. Um die tatsächlichen Transportkosten vom Wohnort bis zum Kinderspital
D._
zu ermitteln, habe die
Beschwerdegegnerin
eine Ver
gleichsofferte eingeholt (IV-
act
. 495). Die Reisekosten hätten Fr.1'790.
--
betragen. Dieser Betrag sei de
r
Beschwerdeführer
in
gemäss
Art.
51
Abs.
1 IVG und
Art.
90
Abs.
1 IVV vergütet worden. Die übersteigenden Kosten von Fr.
4'600.– seien nicht übernommen worden (IV-
act
. 514), da sie im Sinne des Gesetztes nicht not
wendig gewesen seien (
Urk.
10).
4.
4.1
Vorliegend sind die Voraussetzungen für die Vergütung von Reisekosten gemäss
Art.
51
Abs.
1 IVG erfüllt,
da die liegenden Transporte medizinisch indiziert waren
(
Urk.
11/474 und
Urk.
8/2)
.
Umstritten ist jedoch, ob der Beschwerdefüh
rerin eine Behandlung in der näher gelegenen Durchführungsstelle, dem Kinder
spital
D._
, zumutbar gewesen wäre.
4.1.1
Die Beschwerdeführerin wird seit Jahren von Dr.
A._
behandelt, der von 2004 bis 2016 Leiter Kinderorthopädie, Universitätsspital (Kinderspital) und Orthopädische Universitätsklinik
F._
gewesen war, bevor er 2016 als Leitender Arzt Kinderorthopädie und Kindertraumatologie an die Klinik
B._
in
E._
wechselte (
Website der B._
, besucht am 8. August 2019; Urk. 11/474 und Urk. 8/1-2).
Aufgrund der Aktenlage ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschwerdeführerin an einer komplexen Mehrfachbehinderung leidet, durch welche sie auch eine geistige Einschränkung aufweist. Beim durch
geführten Eingriff handelte es sich um eine kompliziertere Operation zur Erhal
tung der Gehfähigkeit, welche nicht in das operative Spektrum jedes orthopädi
schen Chirurgen fällt. Unter diesen Umständen ist ein Arztwechsel zumindest ungünstig, da eine neue Arztperson sich in die umfangreiche Krankengeschichte einzuarbeiten hat, der Aufbau einer Vertrauensbeziehung mehr Zeit beansprucht und eine hohe Spezialisierung gewährleistet sein muss.
4.1.2
In diesem Zusammenhang machte Dr.
A._
in seinem Schreiben vom 8. Mai 2018 geltend,
dass die Kinderorthopädie des Kinderspitals
D._
aktuell weitge
hend brachliege. Nur mit
äusserer
Hilfe durch Prof. Dr. med.
G._
vom Kin
derspital
H._
hätten einige wichtige Eingriffe durchgeführt werden können. Die übrigen Eingriffe hätten von den dort tätigen Kollegen aktuell nicht indiziert und nicht vorgenommen werden können. Deshalb hätten sich die Eltern klar für eine operative Intervention bei ihm in
E._
entschieden (Urk. 3). Diese Darstellung wurde in der Beschwerdeantwort nicht bestritten. Es sind auch keine Indizien auszumachen, die geeignet wären, Zweifel an dieser Darstellung zu wecken. Im Gegenteil: Prof. Dr. med.
I._
, international anerkannter Spezialist für Kinderorthopädie, Neuroorthopädie sowie für die Chirurgie von komplexen Deformitäten des Beckens, der Beine und
Füsse
bei Kindern und Jugendlichen ist erst seit dem 1. September 2018 als Chefarzt Kinderorthopädie und –
traumatolo
gie
am Kinderspital
D._
tätig. Prof.
I._
war
gemäss
Pressemitteilung des
D._
mit dem Ziel gewählt worden, die Kinderorthopädie
am
D._
zu stärken.
Demnach ist auf die Darstellung von Dr.
A._
, dass die Kinderorthopädie zum fraglichen Zeitpunkt, als die Operation indiziert gewesen ist, weitgehend
brach gelegen
sei, grundsätzlich abzustellen. Daraus ergibt sich zwanglos, dass zum
fraglichen Zeitpunkt ein Ar
ztwechsel und eine Operation am D._
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit nicht zumutbar gewesen wäre.
4.2
Bezüglich
der
von
Dr.
A._
für die
Beschwerdeführerin
geltend gemachten
freien Arztwahl ist anzumerken (
Urk.
8/1-2), dass
es sich bei der Vergütung der Reisekosten nach
Art.
56 IVG um eine akzessorische Sachleistung zu den
Einglie
derungsmassnahmen
handelt. Das Recht der freien Arztwahl nach
Art.
26 IVG bezieht sich somit nur auf die medizinischen
Eingliederungsmassnahmen
und dadurch auf den
stationären Aufenthalt. Die Beschränkung des Reisekostenerstat
tungsanspruchs auf Fahrten zur nächst geeigneten Durchführungsstelle (
Art.
90
Abs.
1 IVV) ist Ausdruck der Einfachheit und
Zweckmässigkeit
im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 IVG
(vgl. Meyer, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 536)
und bedeutet
auch
keine unzulässige Beschränkung des freien Wahlrechts unter den Ärzten (ZAK 1668 310).
4.3
Zusammenfassend
war es der Beschwerdeführerin somit unter den geschilderten Umständen
nicht zumutbar
,
sich im besagten Zeitraum im
Kinderspital
D._
behandeln zu lassen
, womit
das
D._
in diesem speziellen Fall nicht
die nächst gelegene
geeignete Durchführungsstelle war
.
Demnach hat die Beschwerdegegnerin die Transportkosten komplett zu übernehmen.
5.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die
Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
4
00.- festzusetzen und
der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.