Decision ID: 7ffdce9e-e517-56ec-949e-97403ac1ead8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 16. Mai 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 18. Mai 2021 beauftragte die Beschwerdeführerin die Mitar-
beitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum
(BAZ) Region B._ mit der Wahrung ihrer Rechte im Asylverfahren
und am 19. Mai 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. Am 8. Juni
2021 führte das SEM mit der Beschwerdeführerin eine Befragung nach
Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) durch, und am 29. Juli 2021 erfolgte die
Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG.
A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, sie sei eine ethnische Roma christlichen Glaubens, ge-
boren und aufgewachsen in C._. Im Alter von (...) Jahren sei sie
von D._ entjungfert worden, worauf sie ihn nach Brauch habe hei-
raten müssen. Im Jahr (...) sei die gemeinsame Tochter E._ gebo-
ren worden. D._ habe einer mafiösen Bande angehört, sei alkohol-
und drogensüchtig gewesen und habe sie misshandelt. Zudem habe er sie
an fremde Männer verkauft, welche sie vergewaltigt hätten. Ihre Anzeigen
beim lokalen Polizeikommandanten seien erfolglos geblieben, da dieser
D._ gekannt habe. Im Jahr (...) habe sie D._ verlassen und
in (...) um Asyl nachgesucht, aber D._ habe sie dort gefunden und
tätlich angegriffen. Nach ungefähr zweieinhalb Jahren seien sie ins Hei-
matland abgeschoben worden. Daraufhin habe sie erneut mit D._
zusammengelebt, welcher sie weiterhin gequält habe. Ab Oktober (...)
habe sie bei der Arbeit ihren aktuellen Partner F._, geb. (...) (die-
selbe N-Nummer; vgl. D-3691/2021) kennengelernt. Als D._ davon
erfahren habe, habe er sie geschlagen, bedroht und zwei Tage lang einge-
sperrt. Als sie dann von F._ schwanger geworden sei, seien sie aus
Angst vor D._ am (...) nach (...) gegangen und hätten dort um Asyl
nachgesucht. Die gemeinsame Tochter G._ sei im (...) in (...) ge-
boren worden. Nachdem ihre Asylgesuche abgewiesen worden seien,
seien sie am (...) ins Heimatland zurückgekehrt. Aus Angst vor erneuten
Übergriffen durch D._ hätten sie sich zunächst in H._ bei
Verwandten von F._ versteckt und seien dann am (...) erneut – zu-
sammen mit der gemeinsamen Tochter G._ sowie den beiden Kin-
dern von F._, jedoch ohne ihre Tochter E._, welche sich bei
D._ befinde – aus Nordmazedonien ausgereist. Im Falle einer
Rückkehr ins Heimatland befürchte sie eine erneute Verfolgung durch
D._; er werde möglicherweise gar ihre Tochter G. umbringen. Die
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Beschwerdeführerin fügte hinzu, sie werde in Nordmazedonien aufgrund
ihrer Ethnie und ihres Glaubens diskriminiert. Insbesondere erhalte sie
keine Sozialhilfe, und der Zugang zu medizinischer Versorgung sei er-
schwert.
A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-
fahrens ihren Reisepass zu den Akten.
B.
Die Vorinstanz unterbreitete der Beschwerdeführerin am 6. August 2021
einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Die Beschwer-
deführerin äusserte sich dazu mit Schreiben vom 9. August 2021.
C.
Mit Verfügung vom 10. August 2021– gleichentags eröffnet – verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asyl-
gesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den
Vollzug an.
D.
Die vormalige Rechtsvertretung legte ihr Mandat am 10. August 2021 nie-
der.
E.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 17. August 2021 erhob
die Beschwerdeführerin durch den rubrizierten (am 12. August 2021 man-
datierten) Rechtsvertreter Beschwerde gegen den Asylentscheid. Dabei
wurde beantragt, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei die
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventuell sei
die Sache zur vollständigen Feststellung und Würdigung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventuell sei
die Vorinstanz anzuweisen, die Beschwerdeführerin vorläufig aufzuneh-
men. In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, das vorliegende Be-
schwerdeverfahren sei mit demjenigen betreffend den Lebenspartner und
die gemeinsame Tochter (vgl. D-3691/2021) zu koordinieren, und es sei
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (Kopie) sowie eine
Vollmacht vom 12. August 2021 bei.
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F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 19. August
2021 den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
Antragsgemäss werden die Beschwerdeverfahren D-3694/2021 (betref-
fend die Beschwerdeführerin) und D-3691/2021 (betreffend F._ und
die gemeinsame Tochter sowie die beiden Kinder von F._) zeitlich
koordiniert geführt.
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen
aus, Nordmazedonien sei ein «safe country» im Sinne von Art. 6a Abs. 2
Bst. a AsylG. Daher sei vermutungsweise davon auszugehen, dass die Be-
hörden den von nichtstaatlicher Verfolgung betroffenen Personen Schutz
gewährten. Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, diese Regel-
vermutung umzustossen. Die nordmazedonischen Polizeibehörden seien
als grundsätzlich schutzfähig und –willig zu erachten, zudem bestehe ge-
gebenenfalls die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg gegen allfällige fehlbare
Beamten oder Behördenwillkür vorzugehen. Die Beschwerdeführerin habe
dies nicht gemacht, obwohl in Nordmazedonien kostenlose Rechtsbei-
stände für vulnerable Personen existierten und es ihr zuzumuten gewesen
wäre, sich entsprechend zu informieren. Es gebe in Nordmazedonien über-
dies auch Schutzeinrichtungen für Opfer familiärer Gewalt. Falls die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr ins Heimatland erneut einer Bedro-
hung durch Drittpersonen ausgesetzt wäre, sei es ihr möglich und zumut-
bar, die genannten Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen und die heimat-
lichen Behörden um Schutz zu ersuchen. Die Vorbringen betreffend häus-
liche Gewalt seien daher nicht asylrelevant. Die übrigen Vorbringen (Dis-
kriminierung als Roma und Christin, wirtschaftliche Benachteiligung, Prob-
leme mit D._ in Deutschland) seien ebenfalls nicht asylrelevant.
Demnach erfülle die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und das Asylgesuch sei abzulehnen. Den Vollzug der Wegweisung erach-
tete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. Betreffend die Frage der
Zumutbarkeit des Vollzugs erwog das SEM, der Vollzug der Wegweisung
nach Nordmazedonien sei vermutungsweise zumutbar, und es sei der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen, diese Vermutung zu widerlegen. In Nord-
mazedonien bestehe insbesondere die Möglichkeit, staatliche Sozialhilfe
zu beziehen, ferner würden sich Nichtregierungsorganisationen im sozia-
len Bereich engagieren. Das SEM verwies an dieser Stelle ausserdem auf
die bestehenden Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt und stellte ab-
schliessend fest, die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin könn-
ten auch in Nordmazedonien in zureichender Weise behandelt werden.
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5.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin leide auf-
grund der Gewalterlebnisse im Heimatland an einer (...) und benötige eine
medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung. Sie und ihre
Töchter befänden sich nach wie vor in Gefahr. Das SEM wäre verpflichtet
gewesen, hinsichtlich der Vorbringen und Handlungsmöglichkeiten der Be-
schwerdeführerin weitere Abklärungen zu treffen und konkrete Angaben zu
Anwälten und Hilfsorganisationen sowie zu den gesetzlichen Grundlagen,
auf welche sich der angebliche Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung im Heimatland stütze, zu machen. Dadurch, dass es dies unter-
lassen habe, habe es die Untersuchungspflicht sowie die Begründungs-
pflicht und damit den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Die Be-
schwerdeführerin habe sich an die Polizei gewandt, aber diese sei ihrer
Schutzpflicht nicht nachgekommen. Es könne von der Beschwerdeführerin
nicht verlangt werden, die Polizei zu verklagen und gegen den Staat vor-
zugehen, zumal in ihrem Fall davon auszugehen sei, dass auch Beamte
zum Täterkreis gehören würden. Entgegen der Annahme des SEM sei es
der Beschwerdeführerin ferner nicht möglich gewesen, sich an einem an-
deren Ort in Mazedonien niederzulassen; ohnehin wäre sie im kleinräumi-
gen Mazedonien nirgends in Sicherheit gewesen; denn D._ habe
sie ja sogar in (...) aufgespürt. Das SEM wäre weiter verpflichtet gewesen,
Abklärungen zur Person von D._ und den Personen, mit welchen
er zusammenarbeite, zu treffen, um herauszufinden, ob es sich dabei al-
lenfalls um bekannte Persönlichkeiten, Behördenvertreter oder ähnliches
handle. Aus den Erwägungen des SEM gehe ferner nicht hervor, wie die
mazedonischen Behörden verhindern könnten, dass D._ das Kind
G._ umbringe. Auch habe das SEM keine weiteren Abklärungen
betreffend die von der Beschwerdeführerin erlittene häusliche Gewalt
durch D._ und das Bestehen von konkrete Schutzinfrastrukturen
getätigt. Es habe nicht versucht festzustellen, wo sich die Tochter
E._ befinde, und sei den Vorbringen betreffend Gewaltakte durch
F._ und eine Gefährdung der Kinder ungenügend nachgegangen.
Die Auffassung des SEM, der nordmazedonische Staat sei schutzfähig, sei
praxisfremd. Die vorhandene Schutzinfrastruktur (wie beispielsweise Frau-
enhäuser) sei unterentwickelt und unterfinanziert, und insbesondere
Roma-Frauen würden keine oder nicht ausreichende Unterstützung erhal-
ten Es fehle an einer adäquaten Gesetzgebung, ausreichenden Schutzga-
rantien und Ressourcen sowie an einer Strategie zur Verhinderung ge-
schlechtsspezifischer Gewalt (Verweis auf mehrere einschlägige Berichte
und Studien aus den Jahren 2017 und 2018). Insbesondere armutsbe-
troffene Frauen mit geringem Bildungsstand hätten kaum Zugang zu wirk-
samem Schutz, unentgeltlicher Rechtshilfe und medizinischer Hilfe; diese
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Situation treffe auch auf die Beschwerdeführerin zu. Die Rückkehr nach
Nordmazedonien, den Ort der Verfolgung, sei für die Beschwerdeführerin
nicht zumutbar. Im Falle der Rückkehr müsse mit einer Retraumatisierung,
Todesangst und Suizidalität gerechnet werden.
6.
Vorab sind die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen (Verletzung
der Untersuchungs- und Begründungspflicht) zu prüfen. Entgegen den Vor-
bringen der Beschwerdeführerin sind die Angaben des SEM zu vorhande-
nen Schutzeinrichtungen und Hilfsangeboten in der angefochtenen Verfü-
gung ausreichend konkret ausgefallen; das SEM hat dabei namentlich das
Macedonian Women’s Rights Centre (inkl. Adresse, Telefonnummer und
E-Mail-Adresse) erwähnt – wenn auch nicht in den Erwägungen betreffend
den Asylpunkt, sondern in denjenigen betreffend die Zumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung – und daneben für weitergehende, konkrete Anga-
ben auf einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom Juli 2016
sowie ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Juli 2020 verwiesen
(vgl. Ziff. 2.2 der vorinstanzlichen Verfügung). Da das SEM die nordmaze-
donischen Behörden als grundsätzlich schutzfähig und –willig erachtete,
bestand ferner keine Veranlassung, weitere Abklärungen zur erlittenen
häuslichen Gewalt oder zu D._ vorzunehmen, da dies an der er-
wähnten Schlussfolgerung nichts geändert hätte. Im Weiteren ist nicht er-
sichtlich, inwiefern der Aufenthalt der Tochter E._ relevant ist für die
Beurteilung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin; es ist daher nicht zu
beanstanden, dass das SEM dazu keine Abklärungen vorgenommen hat.
Schliesslich führte die Beschwerdeführerin selber aus, die Beziehung zu
F._ sei aktuell gut (vgl. A39 F133), weshalb das SEM auch in die-
sem Punkt auf weitere Abklärungen verzichten konnte. Soweit die Be-
schwerdeführerin rügt, das SEM habe sich nicht zur Frage der Gefährdung
der Kinder respektive des Kindeswohls geäussert, ist schliesslich festzu-
stellen, dass sich die vorliegend zu überprüfende Verfügung nicht auf die
Kinder der Beschwerdeführerin und ihres Partners bezieht, sondern ledig-
lich auf die Beschwerdeführerin; das SEM hat darin daher zu Recht auf
entsprechende Ausführungen verzichtet. Nach dem Gesagten ist festzu-
stellen, dass die Vorinstanz ihrer Pflicht, den rechtserheblichen Sachver-
halt von Amtes wegen festzustellen (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG)
in rechtsgenüglicher Weise nachgekommen ist. Eine Verletzung der Be-
gründungspflicht respektive des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art.
29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 35 Abs. 1 VwVG) kann sodann ebenfalls
nicht festgestellt werden. Das SEM hat in nachvollziehbarer Weise sowie
hinreichend einlässlich dargelegt, weshalb es die Flüchtlingseigenschaft
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als nicht erfüllt und den Vollzug der Wegweisung als durchführbar erachtet,
und es war der Beschwerdeführerin offensichtlich auch ohne weiteres mög-
lich, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die formellen Rügen erwei-
sen sich damit als unbegründet, und das (eventuelle) Kassationsbegehren
ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
8.
8.1 Wie bereits das SEM zutreffend ausgeführt hat, hat der Bundesrat
Nordmazedonien (früher: Mazedonien) mit Beschluss vom 1. August 2003
als verfolgungssicheren Staat (safe country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2
Bst. a AsylG bezeichnet. Demzufolge besteht die gesetzliche Regelvermu-
tung, dass in Nordmazedonien keine asylrelevante staatliche Verfolgung
existiert und der Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist.
Diese Vermutung kann im Einzelfall durch konkrete und substanziierte ge-
genteilige Hinweise widerlegt werden.
8.2
8.2.1 In der Beschwerde wird zu Recht darauf hingewiesen, dass häusliche
Gewalt, namentlich an Frauen, in Nordmazedonien ein weit verbreitetes
Problem ist. Nordmazedonien hat jedoch in den letzten Jahren grosse An-
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strengungen unternommen, um Gewaltdelikte zu verhindern und Gewalt-
opfern Schutz, Hilfe und Beratung zu bieten. Im Jahr 2008 wurde eine Na-
tionale Strategie zum Schutz vor häuslicher Gewalt ausgearbeitet und im
Herbst 2014 ein Gesetz zu häuslicher Gewalt erlassen. Nachdem Nordma-
zedonien im Dezember 2017 das Übereinkommen des Europarats zur Ver-
hütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt
vom 11. Mai 2011 (Istanbul-Konvention) ratifiziert hatte, verabschiedete
das Land einen diesbezüglichen Aktionsplan für die Jahre 2018-2023 so-
wie mehrere neue Gesetze, darunter das Gesetz betreffend die unentgelt-
liche Rechtspflege (in Kraft seit Oktober 2019) sowie ein neues Gesetz zur
Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Ge-
walt, welches im Januar 2021 in Kraft getreten ist und internationalen Stan-
dards entspricht. In diesem Gesetz wird insbesondere auch die Reintegra-
tion von gewaltbetroffenen Frauen geregelt, wobei als Instrumente nament-
lich psychologische und finanzielle Unterstützung, temporäre Unterbrin-
gung sowie Ausbildungs- und Arbeitsmarktmassnahmen vorgesehen sind.
Im Zusammenhang mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention eröffnete
die Regierung zudem mehrere Anlaufstellen für Opfer sexueller Gewalt in
öffentlichen Spitälern, welche den Betroffenen Sicherheit, psychologische
Unterstützung und Rechtsberatung bieten. Daneben wurden für Mitarbei-
tende im Gesundheitswesen und in den sozialen Diensten Weiterbildungs-
kurse im Bereich häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt durchge-
führt. Inzwischen gibt es in Nordmazedonien mehrere Schutzeinrichtungen
und (Rechts-)Beratungsstellen für Opfer von häuslicher und geschlechts-
spezifischer Gewalt, namentlich in Skopje, Kumanovo und Tetovo, welche
kostenlose, spezialisierte psychosoziale Beratung und Unterstützung für
Opfer von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt anbieten. Zudem
existieren drei nationale SOS-Nummern sowie eine App namens «Be-
Safe», welche den Zugang zu relevanten Informationen und das Melden
von Gewaltvorfällen erleichtern. Eine einlässliche Liste von entsprechen-
den Angeboten findet sich beispielsweise im Dokument «Baseline rese-
arch: existing rehabilitation and integration services provided at the local
level in the Republic of North Macedonia, März 2020, S. 12 ff. (vgl.
http://www.glasprotivnasilstvo.org.mk/wp-content/uploads/2021/01/Base-
line-research-design-eng-1.pdf; vgl. zum Ganzen den Aufsatz «Women’s
Safety and Gender-Based Violence in the Republic of North Macedonia, in:
Front Public Health, online publiziert am 21. Februar 2020,
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7047429/; Mitteilung der
UN Women Europe and Central Asia: Ending Violence against Women,
https://eca.unwomen.org/en/where-we-are/north-macedonia/ending-vio-
lence-against-women; National Network to End Violence Against Women
http://www.glasprotivnasilstvo.org.mk/wp-content/uploads/2021/01/Baseline-research-design-eng-1.pdf http://www.glasprotivnasilstvo.org.mk/wp-content/uploads/2021/01/Baseline-research-design-eng-1.pdf
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Seite 10
and Domestic Violence, What is next!? Following the adoption of the Law
on prevention and protection from violence against women and domestic
violence, November 2020, http://www.glasprotivnasilstvo.org.mk/wp-con-
tent/uploads/2021/03/Policy-brief-Reintegration-of-women-victims-of-vio-
lence_WEB.pdf; National Network to End Violence Against Women and
Domestic Violence, Baseline Research: existing rehabilitation and integra-
tion services provided at the local level in the Republic of North Macedonia,
März 2020, http://www.glasprotivnasilstvo.org.mk/wp-content/up-
loads/2021/01/Baseline-research-design-eng-1.pdf; alle zuletzt besucht
am 31. August 2021).
8.2.2 Auch wenn die bestehenden Gesetze durch Polizeibeamte, Sozialar-
beiterinnen und Sozialarbeiter sowie Mitarbeitende an Gerichten teilweise
nach wie vor nur ungenügend umgesetzt werden und die vorhandenen An-
gebote noch nicht genügen, um den hohen effektiven Schutzbedarf zu de-
cken, so ist nach dem Gesagten der grundsätzliche Schutzwille und die
weitgehende Schutzfähigkeit des nordmazedonischen Staates in Bezug
auf Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt dennoch zu bejahen, zumal
zu berücksichtigen ist, dass es keinem Staat gelingen kann, die absolute
Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garan-
tieren. Ferner lässt auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihre
zweifachen Anzeigen bei der lokalen Polizei seien vom zuständigen Beam-
ten, einem Bekannten von D._, ignoriert worden (vgl. A39 F96 f.),
und mutmasslich hätten auch Beamte zum Kreis der Täter gehört (vgl. Be-
schwerde S. 6 oben), nicht auf einen generell fehlenden Schutzwillen des
Heimatstaates schliessen. Demnach wäre es der Beschwerdeführerin
ohne weiteres zumutbar und möglich gewesen, sich spätestens nach der
Rückkehr aus (...) im (...), als sie sich offenbar über zwei Monate lang un-
behelligt bei Verwandten ihres Partners in H._ aufgehalten hat, mit
Nachdruck an die zuständigen (respektive im Falle deren Untätigkeit an die
diesen übergeordneten) Behörden zu wenden und gegebenenfalls die er-
wähnten Angebote der in H._ oder C._ vorhandenen kos-
tenlosen Beratungsstellen und Schutzeinrichtungen in Anspruch zu neh-
men. Ein solches Vorgehen ist ihr auch zuzumuten für den Fall, dass sie
bei einer Rückkehr nach Nordmazedonien erneut von D._ oder an-
deren Personen bedroht oder misshandelt werden sollte. Demnach ist da-
von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Heimatland ausreichen-
den Schutz vor häuslicher und /oder geschlechtsspezifischer Verfolgung
finden kann. Es ist ihr damit nicht gelungen, die vorstehend in E. 8.1 dar-
gelegte Regelvermutung zu widerlegen.
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Seite 11
8.3 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie werde in Nordma-
zedonien aufgrund ihrer Ethnie und ihres Glaubens diskriminiert, wobei ihr
insbesondere Sozialhilfe und medizinische Versorgung vorenthalten wor-
den sei, ist festzustellen, dass diese Nachteile ungeachtet der Frage ihrer
Glaubhaftigkeit mangels genügender Intensität keine asylbeachtliche Ver-
folgung darstellen.
8.4 Nach dem Gesagten ist die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
rerin zu verneinen. Das SEM hat ihr Asylgesuch demnach zu Recht abge-
lehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG,
Art. 83 Abs. 1 AIG).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
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Seite 12
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
10.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihr – wie die vorstehenden Erwägungen zei-
gen – nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in
Nordmazedonien lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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Seite 13
10.3.1 Der Bundesrat hat Nordmazedonien als Heimat- oder Herkunfts-
staat bezeichnet, in welchen der Vollzug der Wegweisung in der Regel zu-
mutbar ist, da dort politische Stabilität herrscht und die medizinische
Grundversorgung gewährleistet ist (vgl. Art. 83 Abs. 5 AIG i.V.m. Art. 18 der
Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der Weg- und Auswei-
sung sowie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281] sowie deren Anhang 2). Auch diese Regelvermutung kann
durch konkrete und substanziierte gegenteilige Hinweise widerlegt werden.
10.3.2 In Nordmazedonien herrschen weder Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt. Den Akten sind auch keine konkreten Anhalts-
punkte für das Vorliegen von individuellen Gründen zu entnehmen, welche
die Vermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs widerlegen
könnten. Die Beschwerdeführerin kann mit ihrem Lebenspartner und der
(gemeinsamen) Tochter sowie den Stiefkindern ins Heimatland zurückkeh-
ren, da deren Beschwerde mit datumsgleich ergangenem Urteil ebenfalls
abgewiesen wurde (vgl. das Verfahren D-3691/2021). Sie ist bei einer
Rückkehr somit nicht auf sich alleine gestellt und hat insbesondere die
Möglichkeit, zumindest vorübergehend zusammen mit ihrem Partner bei
dessen Verwandten in H._ unterzukommen, wo sie sich bereits vor
der Ausreise im (...) aufgehalten haben. Die Beschwerdeführerin verfügt
zudem namentlich in C._ über mehrere Verwandte (Vater und Ge-
schwister, Onkel und Tanten, Grosseltern), welche ihr bei der Reintegration
behilflich sein könnten. Im Weiteren ist es ihr bei Bedarf zuzumuten, sich
beim lokal zuständigen Zentrum für Soziale Arbeit zu registrieren, um So-
zialhilfe zu erhalten, oder sich an eine der in Nordmazedonien tätigen
Nichtregierungsorganisationen zu wenden (vgl. dazu beispielsweise auch
das Urteil des BVGer E-7115/2018 vom 29. Juli 2020 E. 8.4.2.1, m.w.H.,
sowie die Auflistung von einschlägigen Organisationen und Einrichtungen
im Länderinformationsblatt der Internationalen Organisation für Migration
[IOM] zur Republik Nordmazedonien, 2019, S. 13 f.). Die gesundheitlichen
Probleme der Beschwerdeführerin – den Akten zufolge leidet sie an (...) –
lassen den Vollzug der Wegweisung ebenfalls nicht als unzumutbar er-
scheinen. Wie bereits das SEM zutreffend ausgeführt hat, bestehen in der
Heimatregion der Beschwerdeführerin adäquate Behandlungsangebote
(vgl. dazu beispielsweise auch a.a.O., E. 8.4.2.2, m.w.H.). Eigenen Anga-
ben zufolge hat die Beschwerdeführerin denn auch bereits in der Vergan-
genheit eine medizinische Behandlung ihrer psychischen Probleme in An-
spruch genommen (vgl. A32 S. 2 sowie A39 F52 f.), was im Übrigen darauf
schliessen lässt, dass sie dort krankenversichert ist. Sollte sie eine Be-
handlungslücke befürchten, so steht es ihr frei, bei der Vorinstanz einen
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Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d
AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen (AsylV
2, SR 142.312). Demnach ist nicht davon auszugehen, dass eine Rückkehr
der Beschwerdeführerin nach Nordmazedonien zu einer raschen und le-
bensgefährdenden Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustands führen
würde.
10.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar.
10.4 Der Vollzug der Wegweisung ist auch als möglich zu bezeichnen
(Art. 83 Abs. 2 AuG), da die Beschwerdeführerin über einen bis am 6. Feb-
ruar 2024 gültigen Reisepass verfügt (vgl. A21 Ziff. 4.01).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein
bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist.
10.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug nach Nordmazedonien zu Recht als zulässig, zumutbar und
möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt da-
mit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
12.
12.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen
Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend
den vorstehenden Erwägungen von Vornherein als aussichtslos erwiesen
haben.
12.2 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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