Decision ID: 1286a656-d204-4df6-aa50-6613b6bc75ea
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden stellten am 29. März 2022 im Bundes-
asylzentrum der Region E._ ein Gesuch zur Gewährung des vor-
übergehenden Schutzes. Am 3. April 2022 fand die mündliche Kurzbefra-
gung statt.
A.b Im Rahmen seiner Kurzbefragung gab A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) an, er sei litauischer Staatsangehöriger. Er lebe jedoch
seit 16 Jahren in der Ukraine. Sein letzter Wohnsitz sei F._ gewe-
sen. Er habe als IT-Spezialist gearbeitet. Er sei mit seiner Familie 2014 das
letzte Mal in Litauen gewesen und verstünde sich unter anderem aus poli-
tischen Gründen mit seinen dort lebenden Eltern nicht gut. Er habe Beden-
ken, ob seine Kinder mit seinen Eltern umgehen könnten. Es sei seiner
Familie nicht möglich gewesen, nach Litauen zu gehen, wo sie keine Per-
spektive hätten. Sie seien aufgrund einer Einladung von Freunden in die
Schweiz gekommen.
B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) gab im Rahmen ihrer Kurz-
befragung an, sie sei in die Schweiz gekommen, weil es für sie, die Be-
schwerdeführenden, und ihre Kinder in der Ukraine nicht mehr sicher ge-
wesen sei. Für einen Neuaufbau einer Existenz in Litauen (z.B. Wohnungs-
kauf) habe ihre Familie nicht die ausreichenden finanziellen Mittel. Dies sei
im Prinzip der einzige Grund, weshalb sie nebst den Kriegsereignissen in
der Ukraine in die Schweiz gekommen seien.
A.c Der Beschwerdeführer reichte eine litauische Identitätskarte (gültig von
1. September 2014 bis 1. September 2024) und eine unbefristete Aufent-
haltsbewilligung für die Ukraine (Ausstellungsdatum 9. September 2008)
und die Beschwerdeführerin einen ukrainischen Reisepass zu den Akten.
Ausserdem reichten die Beschwerdeführenden ukrainische Dokumente ih-
rer Kinder zu den Akten.
A.d Die an der Kurzbefragung anwesende Rechtsvertretung liess in deren
Nachgang eine undatierte, schriftliche Stellungnahme einreichen (vgl. Be-
schwerdebeilage 4).
B.
Mit Verfügung vom 12. Mai 2022 – eröffnet am 13. Mai 2022 – lehnte das
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SEM die Gesuche um vorübergehenden Schutz ab, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung nach Li-
tauen an.
C.
Mit Eingabe vom 20. Mai 2022 liessen die Beschwerdeführenden gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben.
In dieser wurde beantragt, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben
und diese sei anzuweisen, den Beschwerdeführenden vorläufigen Schutz
zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Abklärung des
Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, den Beschwerdeführenden sei
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, insbesondere sei ihnen die
unterzeichnende Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beizu-
ordnen und von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.
D.
Am 23. Mai 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist eine Vorinstanz des Bundesverwal-
tungsgerichts. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zuständig für die
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor dem SEM teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachfolgend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde zudem auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gestützt auf Art. 4 AsylG kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die
Dauer einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während ei-
nes Krieges oder Bürgerkrieges sowie in Situationen allgemeiner Gewalt,
vorübergehenden Schutz gewähren. Der Bundesrat entscheidet, ob und
nach welchen Kriterien Gruppen von Schutzbedürftigen vorübergehender
Schutz gewährt wird (Art. 66 Abs. 1 AsylG). Ehegatten von Schutzbedürf-
tigen und ihren minderjährigen Kindern wird gemäss Art. 71 Abs. 1 AsylG
vorübergehender Schutz gewährt, wenn sie gemeinsam um Schutz nach-
suchen und keine Ausschlussgründe nach Art. 73 AsylG vorliegen (Bst. a)
oder wenn die Familie durch Ereignisse nach Art. 4 AsylG getrennt wurde,
sich in der Schweiz vereinigen will und keine besonderen Gründe dagegen
sprechen (Bst. b).
4.2 Am 11. März 2022 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG
eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes
im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen (BBI 2022
586). Gemäss Ziff. I Bst. a der Allgemeinverfügung gehören zur Gruppe der
schutzberechtigten Personen insbesondere schutzsuchende ukrainische
Staatsbürgerinnen und -bürger und ihre Familienangehörigen (Partner-
innen und Partner, minderjährige Kinder und andere enge Verwandte,
welche zum Zeitpunkt der Flucht ganz oder teilweise unterstützt wurden),
welche vor dem 24. Februar 2022 in der Ukraine wohnhaft waren.
5.
Das SEM führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, der Be-
schwerdeführer gehöre nicht zu der vom Bundesrat definierten Gruppe der
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schutzberechtigten Personen, weil er die litauische Staatsangehörigkeit
besitze. Es sei ihm und seiner Familie daher möglich, in Sicherheit und
dauerhaft nach Litauen zurückzukehren. Die Gesuche um Gewährung des
vorübergehenden Schutzes seien deshalb abzuweisen.
6.
In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin und die
Kinder seien ukrainische Staatsbürger. Folglich sei ihnen der Schutzsta-
tus S zu gewähren. Der Beschwerdeführer, Ehemann der Beschwerdefüh-
rerin und Vater der beiden Kinder, gelte als Familienangehöriger, weshalb
auch er Anspruch auf den Schutzstatus S habe. Sie würden zur Personen-
kategorie nach Bst. a der Allgemeinverfügung des Bunderates vom
11. März 2022 gehören. Es lägen keine gesetzlichen Ausschlussgründe
vor. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird zudem eine Verletzung der Un-
tersuchungspflicht gerügt.
7.
7.1 Aus den eingereichten Beweismitteln geht hervor, dass der Beschwer-
deführer – wie in der Beschwerde zu Recht geltend gemacht – nur über die
litauische Staatsangehörigkeit und zudem über eine unbefristete Aufent-
haltsbewilligung in der Ukraine verfügt. Ausserdem ist erstellt, dass er der
Ehemann der Beschwerdeführerin und Vater der gemeinsamen Kinder ist.
Diese besitzen allesamt die ukrainische Staatsbürgerschaft (vgl. SEM-Ak-
ten [...] 2/28 S. 7 ff., 17 f., 26 und 28).
7.2 Das SEM äussert sich in der angefochtenen Verfügung nicht zur Frage,
weshalb die Beschwerdeführerin und die gemeinsamen Kinder als ukraini-
sche Staatsangehörige und der Beschwerdeführer als Familienangehöri-
ger nicht unter die Personenkategorie von Ziff. I Bst. a der Allgemeinverfü-
gung des Bundesrates vom 11. März 2022 fallen sollen (vgl. Ziff. II/3. der
SEM-Verfügung). Das durch das SEM vorgenommene vorrangige Abstel-
len auf die litauische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers vermag
nichts am grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin und der ge-
meinsamen Kinder auf Gewährung des vorübergehenden Schutzes zu än-
dern.
Soweit das SEM sodann – überaus kurz und ohne Verweis auf rechtliche
Bestimmungen – ausführt, den Beschwerdeführenden sei es möglich, sich
nach Litauen zu begeben, ist nicht ersichtlich, ob sich das SEM damit auf
das Vorliegen besonderer Umstände gemäss Art. 71 Abs. 1 Bst. b AsylG
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berufen will oder ob es die Inanspruchnahme des vorübergehenden Schut-
zes in der Schweiz aufgrund der möglichen Schutzalternative der Familie
in Litauen allenfalls als rechtsmissbräuchlich erachtet oder diesen aus an-
deren Gründen für ausgeschlossen hält. In Bezug auf Art. 71 Abs. 1 Bst. b
AsylG gilt es festzuhalten, dass diese Bestimmung gemäss dem Willen des
Gesetzgebers nur auf Fälle anwendbar ist, in welchen die Familie durch
Ereignisse nach Art. 4 AsylG getrennt wurde. Dem Bundesrat wird bei der
Festlegung der Aufnahmekriterien zwar weitgehend freies Ermessen ein-
geräumt (vgl. Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Än-
derung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Aus-
länder vom 4. Dezember 1995 [95.088], BBl 1996 II 1 ff. [nachfolgend: Bot-
schaft], S. 78). Die Allgemeinverfügung des Bundesrates vom 11. März
2022 enthält jedoch in Ziff. I Bst. a keine entsprechende Einschränkung für
binationale Paare. Demgegenüber hat der Bundesrat in Bezug auf die vor-
liegend nicht zur Diskussion stehende Kategorie von Ziff. I Bst. c ausdrück-
lich eine Einschränkung statuiert, wonach Schutzsuchenden anderer Nati-
onalität oder Staatenlosen kein vorübergehender Schutz zu gewähren ist,
wenn sie in Sicherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zurückkehren
können. Schliesslich begründet das SEM auch nicht, inwiefern allenfalls
ein Ausschluss der Beschwerdeführenden von der Gewährung vorüberge-
henden Schutzes angezeigt sein könnte (vgl. Art. 71 Abs. 1 Bst. a i.V.m.
Art. 73 AsylG).
Indem das SEM nicht auf den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerde-
führerin und der gemeinsamen Kinder auf Gewährung vorübergehenden
Schutzes eingegangen ist und sich auch nicht dazu geäussert hat, gestützt
auf welche rechtlichen Bestimmungen es die Gesuche um Gewährung vor-
übergehenden Schutzes der Beschwerdeführenden abgelehnt hat, hat es
seine Pflicht zur gehörigen Begründung der Verfügung verletzt.
7.3 Schliesslich erweist sich auch die Rechtsmittelbelehrung als fehlerhaft.
Es ist nicht ersichtlich und wird vom SEM auch nicht weiter begründet, wes-
halb die Beschwerdefrist – wie in der angefochtenen Verfügung angege-
ben – in Anwendung von Art. 108 Abs. 3 AsylG fünf Arbeitstage betragen
soll. Art. 108 Abs. 3 AsylG ist anwendbar auf Beschwerden gegen Nicht-
eintretensentscheide, Entscheide am Flughafen (Art. 23 Abs. 1 AsylG) so-
wie auf Ablehnungen ohne weitere Abklärungen bei Asylgesuchen aus si-
cheren Heimat- oder Herkunftsstaaten (Art. 40 i.V.m Art. 6a Abs. 2 AsylG).
Eine solche Fallkonstellation liegt hier nicht vor.
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Das 4. Kapitel des Asylgesetzes über die Gewährung vorübergehenden
Schutzes sieht keine spezifische Frist vor, innert welcher Beschwerden ge-
gen die Verweigerung vorübergehenden Schutzes zu erheben ist. Soweit
die Art. 66 ff. AsylG keine besonderen Bestimmungen enthalten, finden ge-
mäss Art. 72 AsylG auf die Verfahren nach den Art. 68, 69 und 71 AsylG
die Bestimmungen des 1., des 2a. und des 3. Abschnitts des 2. Kapitels
sinngemäss Anwendung; auf die Verfahren nach den Art. 69 und 71 AsylG
finden die Bestimmungen des 8. Kapitels sinngemäss Anwendung. Zur
sinngemässen Anwendung von Verfahrensvorschriften führte der Bundes-
rat in seiner Botschaft vom 4. Dezember 1995 aus, dass die allgemeinen
Regeln des Asylverfahrens auch für die Gewährung vorübergehenden
Schutzes gelten sollen (vgl. Botschaft S. 82). Im Zeitpunkt der Einführung
der Regelung über die Gewährung vorübergehenden Schutzes im Asylge-
setz galt für sämtliche Beschwerden im Asylbereich eine Beschwerdefrist
von 30 Tagen (vgl. Art. 6 i.V.m. Art. 50 VwVG). Mithin ging der historische
Gesetzgeber davon aus, für Verfahren wie das vorliegende gelte eine 30-
tägige Beschwerdefrist.
Im heutigen Zeitpunkt sieht Art. 108 AsylG für verschiedene Arten von Ver-
fahren im Asylbereich unterschiedliche Beschwerdefristen vor (vgl. Art. 108
Abs. 1 – 3 AsylG). Soweit das Asylgesetz keine spezifische Beschwerde-
frist vorsieht, kommt jedoch auch heute noch bei materiellen Verfahren je-
weils die 30-tägige Beschwerdefrist des Auffangtatbestands von Art. 108
Abs. 6 AsylG zur Anwendung; dies ist beispielsweise der Fall bei Gesuchen
um Familiennachzug, Zweitasyl oder bei Mehrfachgesuchen. Die gleiche
Frist gilt gemäss Art. 108 Abs. 2 AsylG für die erweiterten Asylverfahren.
Aufgrund des klar eruierbaren historischen Willens des Gesetzgebers und
mangels einer spezifischen Norm, welche im heutigen Zeitpunkt die sinn-
gemässe Anwendung einer kürzeren Beschwerdefrist für die vorliegende
Fallkonstellation zwingend nahelegen würde, kommt das Bundesverwal-
tungsgericht zum Schluss, dass hier sinngemäss auf Art. 108 Abs. 6 AsylG
abzustellen ist. Gegen die Verweigerung des vorübergehenden Schutzes
kann demnach innerhalb von 30 Tagen beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erhoben werden.
Vorliegend ist den Beschwerdeführenden aus der mangelhaften Eröffnung
der Verfügung zwar kein Rechtsnachteil erwachsen (Art. 35 Abs. 1 i.V.m.
Art. 38 VwVG). Es muss jedoch befürchtet werden, dass es sich nicht bloss
um ein einmaliges Versehen des SEM handelt, sondern dass die mangel-
hafte Rechtsmittelbelehrung auch in anderen Verfahren verwendet wurde
(vgl. bereits Urteil des BVGer D-2161/2022 vom 25. Mai 2022 E. 7.4).
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8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER/ASTRID HIRZEL, in: Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264).
Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).
8.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache an das SEM zurückzuweisen, zumal
– wie bereits erwähnt – die angefochtene Verfügung in mehrfacher Hinsicht
verfahrensrechtliche Mängel aufweist. Es ist am SEM zu entscheiden, ob
allenfalls zusätzlich eine Kurzbefragung der (...)jährigen Tochter,
C._, der Sache dienlich wäre (vgl. Beschwerde Ziff. 4.2, S. 7).
9.
9.1 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit beantragt wird, die
Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und die Sache zur vollständigen
Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurückzu-
weisen.
10.
10.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin sowie
der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werden
damit gegenstandslos.
10.2 Angesichts des Obsiegens ist den vertretenen Beschwerdeführenden
in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) eine Parteientschädigung im
Rahmen der zusammen mit der Beschwerdeschrift eingereichten Kosten-
note zuzusprechen. Der dort in Rechnung gestellte zeitliche Aufwand er-
weist sich als angemessen. Gestützt auf die Kostennote ist den Beschwer-
deführenden zulasten des SEM eine Parteientschädigung von insgesamt
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Fr. 1'093.80 (inkl. Auslagen) zuzusprechen. Die Parteientschädigung um-
fasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE.
(Dispositiv nächste Seite)
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