Decision ID: 023a31f4-dda8-5d5a-bf78-8c61e9639da5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) suchte am 3. Au-
gust 2017 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in
C._ um Asyl nach. Dort wurde sie am 21. August 2017 zu ihrer Per-
son, zu ihrem Reiseweg sowie summarisch zu ihren Asylgründen befragt
(Befragung zur Person [BzP]). In der Folge wurde sie für den Aufenthalt
während der Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._ zugewie-
sen, wo ihr Ehemann (E._, N [...]) als in der Schweiz vorläufig auf-
genommene Person bereits Wohnsitz hatte. Am (...) brachte sie das ge-
meinsame Kind B._ zur Welt. Am 8. Oktober 2018 hörte sie das
SEM eingehend zu ihren Asylgründen an.
A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie im Wesentlichen vor,
sie sei syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und stamme aus
F._ (Provinz G._), wobei sie die letzten vier Jahre vor der
Ausreise mit ihrer Familie in H._ (in derselben Provinz) gelebt habe.
Syrien habe sie in erster Linie wegen des dort herrschenden Bürgerkrieges
verlassen. Die frühere al-Nusra-Front (heute «Dschabhat Fath asch-
Scham»), der sogenannte «Islamische Staat» und andere bewaffnete Or-
ganisationen hätten für sie als Kurdin eine Bedrohung dargestellt. An ihrem
letzten Wohnort in H._ habe es zwar schon kurdische Familien ge-
geben, aber in den umliegenden Dörfern seien nur Araber gewesen, die
den Kurden feindlich gesinnt gewesen seien. Ausserdem habe sie sich im
Laufe des zweiten Studienjahres – im Jahr 2015 – nicht mehr an die Uni-
versität in der Stadt I._ getraut, weil dort Araber und Leute vom Re-
gime gewesen seien. Sodann sei sie am 22. Januar 2017 zusammen mit
ihrem (...) und anderen Familienangehörigen auf der Rückreise von einem
Besuch bei einer (...) in F._ nach H._ gewesen, als plötzlich
eine Mine unter ihrem Auto explodiert sei. Im Gegensatz zu anderen Fami-
lienmitgliedern sei sie selber nur leicht verletzt worden. Sie wisse nicht, wer
die Mine gelegt habe beziehungsweise die Mine habe gezielt ihrer Familie
gegolten, weil diese die Übernahme der Kontrolle in der Region J._
(Distrikt K._, Provinz G._) durch die Kurden gefeiert habe,
und Araber aus dem Dorf L._ in den Angriff involviert gewesen
seien. Nach diesem Vorfall habe es zwar keine negativen Vorkommnisse
mehr gegeben, ihre Familie und sie seien aber auch nicht mehr aus dem
Dorf hinausgegangen. Aufgrund der unsicheren Lage in Syrien, des psy-
chischen Drucks nach der geschilderten Minenexplosion und des Wun-
sches, mit ihrem Ehemann zusammenzuleben, sei sie im Februar 2017
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aus Syrien ausgereist. Auf der Flucht habe sie ihre (...) M._ (N [...])
angetroffen, mit welcher sie zusammen in die Schweiz eingereist sei.
A.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte sie ihren Pass, ihre
Identitätskarte, einen Auszug aus dem Personenregister für registrierte
Ausländer (Ajanib) in der Provinz G._ vom 14. Januar 2003, ihr Fa-
milienbüchlein (jeweils im Original), eine vom Shariagericht ausgestellte
Bescheinigung über ihre Eheschliessung vom 31. August 2016 (in Kopie)
sowie diverse Ausbildungsbestätigungen (jeweils im Original) zu den Ak-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 18. September 2019 (eröffnet am 20. September 2019)
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihr Kind erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihr Asylgesuche ab. Gleichzeitig
verfügte es die Wegweisung der Beschwerdeführerin und ihres Kindes aus
der Schweiz, schob den Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten
einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2019 ersuchte der rubrizierte Rechtsvertreter
das SEM um Einsicht in die Verfahrensakten. Mit Ausnahme der Aktenstü-
cke D2/1, D3/1, D4/7, D5/1, D6/2, D7/1, D10/1, D11/1, D15/1, D18/1,
D19/1, D20/1, D31/2 und D33/1 gewährte das SEM dem Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 8. Oktober 2019 entsprechende Akteneinsicht.
D.
Mit Beschwerde vom 21. Oktober 2019 (Datum des Poststempels) liess die
Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Verfügung vom 18. September
2019 (Asylentscheid) anfechten. Sie beantragte, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und rich-
tigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei ihre Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihr und ihrem Kind Asyl zu gewähren. Subeventu-
aliter seien sie und ihr Kind als Flüchtlinge anzuerkennen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei ihr vollumfängliche
Einsicht in alle A-Akten, alle B-Akten und alle C-Akten sowie in die Akten
D3/1, D4/7, D6/2, D7/1, D10/1, D11/1 und D15/1 zu gewähren, eventualiter
sei das rechtliche Gehör zu deren Inhalt zu gewähren und – nach der Ge-
währung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs – eine
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Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Im Weite-
ren ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklu-
sive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Eventualiter sei
eine angemessene Frist zur Bezahlung eines Gerichtskostenvorschusses
anzusetzen.
Der Beschwerde beigelegt war – nebst der angefochtenen Verfügung und
einer Fürsorgebestätigung vom 9. Oktober 2019 – ein Ausdruck der Karte
«Situation in Northeast Syria: October 16, 2019, ISW INSTITUTE FOR
THE STUDY OF WAR».
E.
Mit Schreiben vom 22. Oktober 2019 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind als Ver-
fügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Frage der Flücht-
lingseigenschaft, der Asylpunkt sowie die Wegweisung. Der Wegweisungs-
vollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwerdeführerin
und ihr Kind in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat.
2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerde-
führerin wirft der Vorinstanz eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts so-
wie der Begründungspflicht (respektive allgemein des Anspruchs auf recht-
liches Gehör), die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts sowie eine Verletzung des Willkürverbots vor.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
Der verfahrensrechtliche Anspruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) bildet
Teilgehalt des in Art. 29 Abs. 2 BV verankerten Anspruchs auf rechtliches
Gehör, welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird. So können sich
die Betroffenen in einem Verfahren nur dann wirksam zur Sache äussern
und geeignet Beweis führen beziehungsweise Beweismittel bezeichnen,
wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen,
auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Eine allfällige Einschrän-
kung des Akteneinsichtsrechts gegenüber den um Einsicht Ersuchenden
ist grundsätzlich zulässig, muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begrün-
det sein und sich im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Er-
forderliche beschränken. In interne Akten, die von der verfügenden Be-
hörde ausschliesslich für den Eigengebrauch beziehungsweise für die in-
terne Entscheidfindung erstellt werden, wie beispielsweise Notizen zuhan-
den einer Drittperson innerhalb der Behörde, Telefonnotizen, Anträge oder
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Entscheidentwürfe, ist keine Einsicht zu gewähren (vgl. BGE 115 V 303).
Sofern die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert wird, darf auf dieses
nur dann zum Nachteil der Partei abgestellt werden, wenn ihr die Behörde
von seinem für die Sache wesentlichen Inhalt Kenntnis und ihr ausserdem
Gelegenheit gegeben hat, sich zu äussern und Gegenbeweismittel zu be-
zeichnen (Art. 28 VwVG).
4.3 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dabei muss die
Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen be-
schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ord-
nungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung
dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter
belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn
die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes
wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BIN-
DER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
4.4 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe das Akteneinsichts-
recht verletzt, da sie ihr die A-Akten, B-Akten und C-Akten sowie die Ak-
tenstücke D3/1, D4/7, D6/2, D7/1, D10/1, D11/1 und D15/1 nicht zur Ein-
sicht zugestellt habe. Hierzu bringt sie im Einzelnen was folgt vor:
4.4.1 Die Paginierung ihrer Akten beginne mit dem Aktenstück D1/2, so-
dass offensichtlich drei weitere Unterdossiers (A-Akten, B-Akten und C-Ak-
ten) vorliegen würden, in welche ihr keine Einsicht gewährt worden sei.
Zwar handle es sich dabei vermutlich bei mindestens einem dieser drei
Unterdossiers um die Akten ihres Ehemannes. Es sei aber unklar, welches
Unterdossier ihren Ehemann betreffe und worum es in den beiden anderen
Unterdossiers gehe.
Es trifft zu, dass es sich bei den genannten Akten um diejenigen ihres Ehe-
mannes handelt (A-Akten [Asylgesuch]; B-Akten [vorläufige Aufnahme]
und C-Akten [Gesuch um Familiennachzug]). Vor dem Hintergrund, dass
die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren keine begründete
Furcht wegen ihres Ehemannes geltend gemacht hat, und sich die Vo-
rinstanz bei der Entscheidfindung nicht zulasten der Beschwerdeführerin
auf diese Akten abgestützt hat, war letztere nicht gehalten, der Beschwer-
deführerin das rechtliche Gehör beziehungsweise Akteneinsicht hierzu zu
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gewähren. Schliesslich kann in Akten Dritter grundsätzlich nur mit einer
Einwilligungserklärung Einsicht gewährt werden, was dem Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin bekannt sein dürfte. Eine solche Erklärung liegt
dem Gericht jedoch nicht vor. Wie bereits festgehalten, ist den obgenann-
ten Akten das Potenzial zur Entscheidbeeinflussung ohnehin klar abzu-
sprechen.
4.4.2 Bei den Aktenstücken D3/1, D7/1, D10/1, D11/1 und D15/1 handle es
sich gemäss Bezeichnung um interne Mitteilungen, wobei es die Vorinstanz
unterlassen habe anzugeben, worum es bei den entsprechenden internen
Mitteilungen gehe.
Zwar ist die Vorinstanz in Bezug auf die Aktenführung daran zu erinnern,
dass die Bezeichnung «interne Kommunikation» grundsätzlich ungenü-
gend ist, da es sich dabei nicht um eine Beschreibung eines Dokuments
handelt. Vorliegend hat die Vorinstanz aber – unabhängig vom Beschrieb
im Aktenverzeichnis – die obgenannten Aktenstücke (D3/1 [Resultat betref-
fend daktyloskopische Erfassung]; D7/1, D10/1 sowie D11/1 [jeweils
E-Mail-Korrespondenz betreffend medizinische Abklärung] und D15/1
[E-Mail-Korrespondenz betreffend Aktenführung]) zu Recht als nicht dem
Akteneinsichtsrecht unterliegende interne Akten im Sinne von BGE 115 V
303 respektive der Geheimhaltung gemäss Art. 27 VwVG unterliegende
Akten paginiert. Im Übrigen hat sich die Vorinstanz bei der Entscheidfin-
dung nicht zulasten der Beschwerdeführerin auf diese Aktenstücke abge-
stützt.
4.4.3 Beim Aktenstücke D4/7 handle es sich um die Akten der Grenzwa-
che, welche die Vorinstanz fälschlicherweise als «Akten anderer Behör-
den» paginiert habe. Es sei offensichtlich, dass diese Unterlagen durch die
Zustellung an die Vorinstanz zu Akten derselben geworden seien und somit
die Vorinstanz für die Gewährung der Akteneinsicht zuständig gewesen
wäre.
Zunächst ist festzuhalten, dass für die Durchführung der Akteneinsicht die
verfügende Behörde (vorliegend: das SEM) zuständig ist, und dies grund-
sätzlich auch bezüglich Akten anderer Stellen gilt, die sie in ihr Aktenver-
zeichnis aufnimmt (vgl. BGE 129 I 249 E. 4.2). Damit unterliegt das Akten-
stück D4/7 (Umschlag mit Dokumenten betreffend die Identitätsabklärung)
grundsätzlich der Akteneinsicht. Diesbezüglich gilt aber festzuhalten, dass
es sich dabei – mit Ausnahme der der Beschwerdeführerin bereits bekann-
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ten Akten (Pass und Identitätskarte [in Kopie]) – um nicht dem Aktenein-
sichtsrecht unterliegende interne Akten im Sinne von BGE 115 V 303 res-
pektive der Geheimhaltung gemäss Art. 27 VwVG unterliegende Akten
handelt. Folglich wurde diesbezüglich das Akteneinsichtsrecht – trotz der
nicht zutreffenden Paginierung – im Ergebnis nicht verletzt.
4.4.4 Beim Aktenstück D6/2 handle es sich offenbar um einen Bericht be-
treffend ihre Identitätsabklärung. Dieser Bericht sei jedoch in der angefoch-
tenen Verfügung weder erwähnt noch gewürdigt worden. Es sei offensicht-
lich, dass ein Bericht betreffend die Identitätsabklärung entscheidrelevant
sei und Einsicht in diesen gewährt werden müsste.
Auch diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz dieses Aktenstück
zu Recht als nicht dem Akteneinsichtsrecht unterliegende interne Akten im
Sinne von BGE 115 V 303 respektive der Geheimhaltung gemäss Art. 27
VwVG unterliegende Akte paginiert hat. Des Weiteren sind in der ange-
fochtenen Verfügung die wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin
in Bezug auf ihre Asylgründe aufgeführt und auch bei der Begründung des
Entscheids berücksichtigt worden. Die Tatsache, dass die Beschwerdefüh-
rerin mit den Erwägungen der Vorinstanz inhaltlich nicht einverstanden ist,
stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar.
4.4.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die obgenannten Akten (im Er-
gebnis) zu Recht von der Akteneinsicht ausgenommen. Folglich sind auch
die Gesuche um Gewährung des rechtlichen Gehörs hierzu und um Anset-
zung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung abzuweisen.
4.5 Seitens der Beschwerdeführerin wird ferner gerügt, die Vorinstanz
habe es unterlassen, den Beizug des Dossiers ihrer in der Schweiz leben-
den (...) M._ (N [...]) mit einer Aktennotiz aktenkundig zu machen.
Somit sei nicht nachvollziehbar, ob die Akten tatsächlich beigezogen wor-
den seien und weshalb die Konsultation des Dossiers keine Hinweise auf
Verfolgung ergeben habe. Es sei daher offensichtlich, dass die Vorinstanz
den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt und den Sachverhalt unzu-
reichend abgeklärt und festgestellt habe.
Zwar wäre eine Aktennotiz zum Beizug dieses Dossiers zu begrüssen; die
Vorinstanz hat aber den Beizug in der angefochtenen Verfügung sowohl im
Sachverhalt aufgelistet (Verfügung des SEM vom 18. Oktober 2019,
Ziff. I/4.), als auch in den Erwägungen gewürdigt (vgl. a.a.O. Ziff. II/1.), wo-
mit diese Rügen ins Leere gehen.
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4.6 Weiter moniert die Beschwerdeführerin, die Situation in Nordsyrien
habe sich seit der türkischen Militäroffensive vom 9. Oktober 2019 wesent-
lich verändert, weshalb die Sache zur vollständigen und richtigen Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen sei.
Zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung am 18. September 2019 hatte
die türkische Militäroffensive vom 9. Oktober 2019 noch gar nicht begon-
nen, wodurch diese zwangsläufig auch nicht hat berücksichtigt werden
können. Die Abklärungspflicht ist damit nicht verletzt.
4.7 Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, die Vorinstanz habe
den Untersuchungsgrundsatz dadurch verletzt, dass sie das Asylverfahren
jahrelang verzögert habe, indem sowohl zwischen den Befragungen als
auch zwischen der Anhörung und dem Asylentscheid ein Jahr gelegen
habe. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, sie habe keine detaillierten
Ausführungen zu ihren Asylgründen gemacht, verstosse gegen den Grund-
satz von Treu und Glauben und sei willkürlich.
Inwiefern die Verfahrensdauer eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes darstellen soll, wird in der Beschwerde nicht substantiiert. Die Be-
schwerdeführerin legt namentlich nicht dar, inwiefern ihr daraus ein Nach-
teil entstanden sein soll. Im Übrigen hätte es ihr offen gestanden, eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde einzureichen, wenn sie mit der Dauer
des vorinstanzlichen Verfahrens nicht einverstanden gewesen ist.
Schliesslich gehen auch die Rügen der Verletzung des Grundsatzes von
Treu und Glauben und des Willkürverbots fehl. Hinsichtlich des ersteren
Grundsatzes, bei dem es einerseits um die Frage geht, wie weit sich Pri-
vatpersonen auf eine im Widerspruch zum geltenden Recht stehende be-
hördliche Auskunft verlassen können, und andererseits die Behörden nicht
ohne sachlichen Grund einen einmal in einer Sache eingenommenen
Standpunkt wechseln können sollen (vgl. BGE 138 I 49 E. 8.3.1; TSCHAN-
NEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 22
Rz. 1 ff. und 21 f.), liegt das gerügte Verhalten der Vorinstanz offensichtlich
nicht im Anwendungsbereich dieses Grundsatzes. Sodann liegt Willkür
nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder
sogar vorzuziehen wäre, sondern nur, wenn ein Entscheid offensichtlich
unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht,
eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in
stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. MÜL-
LER/SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S.11; BGE 133
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Seite 10
I 149 E. 3.1, m.w.H.). Hier wird jedoch weder näher ausgeführt noch ist von
Amtes wegen ersichtlich, dass und inwiefern die Erwägungen der Vo-
rinstanz darunter zu subsumieren wären.
4.8 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist abzu-
weisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden weder den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
Im Einzelnen führte sie aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin be-
züglich des gezielten Minenangriffs durch die arabischen Nachbarn aus
dem Dorf L._ am 22. Januar 2017 seien in wesentlichen Punkten
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Seite 11
zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt worden und vermit-
telten den Eindruck, die Beschwerdeführerin habe das Geschilderte nicht
selbst erlebt. Hinzu komme, dass sie diesbezüglich im Verlauf des Verfah-
rens zu wesentlichen Punkten auch unterschiedliche Angaben gemacht
habe. So habe sie in der BzP lediglich von verletzten Familienmitgliedern
gesprochen, während sie in der Anhörung ausgeführt habe, ihr (...), ihre
(...) und ihre (...) seien dabei ums Leben gekommen. Des Weiteren habe
sie über die Urheberschaft der Minenexplosion in der BzP noch nichts zu
erzählen gewusst. Vielmehr habe sie ausgeführt, damals habe es wegen
des Krieges einige verminte Strasse gegeben. In der Anhörung habe sie
hingegen geltend gemacht, die Araber aus dem Dorf L._ seien in-
volviert gewesen und die Mine habe ihrer Familie gegolten, weil diese die
Übernahme der Kontrolle in der Region durch die Kurden gefeiert habe. Es
sei jedoch nicht nachvollziehbar, wie die Araber aus dem Dorf L._
erfahren haben sollten, dass die Beschwerdeführerin und ihre Familie sich
am Abend der Explosion auf dem Rückweg vom Besuch ihrer (...) in
F._ befunden hätten. Auf entsprechende Nachfrage habe sie zu
Protokoll gegeben, möglicherweise seien jene von anderen Dorfbewoh-
nern informiert worden, was nicht zu überzeugen vermöge. Ferner habe
sie auch nicht nachvollziehbar begründen können, weshalb gerade ihre Fa-
milie ins Visier der Araber aus dem Dorf L._ geraten sein solle,
schliesslich habe es in ihrem Dorf einige kurdische Familien gegeben. Im
Übrigen seien auch den Angaben ihrer (...) M._ (N [...]) keine Hin-
weise zu entnehmen, wonach ihre Familie respektive die Beschwerdefüh-
rerin gezielt verfolgt und Opfer eines gezielten Minenangriffs geworden sei.
Im Weiteren erwägt die Vorinstanz, dass der Krieg in Syrien und die daraus
folgenden allgemeinen erschwerten Lebensbedingungen grosse Teile der
Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen würden. Demnach handle es sich
bei den Vorbringen der Beschwerdeführerin rund um den syrischen Bür-
gerkrieg und die unsichere Lage nicht um Nachteile, denen asylrechtliche
Relevanz im Sinne von Art. 3 EMRK zukomme. Sodann gebe es keine An-
zeichen dafür, dass Kurden in Syrien allein wegen ihrer ethnischen Zuge-
hörigkeit einer gezielten Verfolgung unterliegen würden. Solange Über-
griffe gegen das Kollektiv der Kurden nicht derart intensiv und häufig seien,
dass jedes Mitglied der Gruppe einen Angriff befürchten müsse, müssten
besondere Umstände vorliegen, damit aufgrund einer blossen Zugehörig-
keit zu einem bestimmten Kollektiv die Ernsthaftigkeit der Nachteile als er-
füllt beziehungsweise die Furcht davor als begründet erachtet werden
könnten. Solche Umstände würden bei Kurden in Syrien gemäss Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht vorliegen. Daran habe
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Seite 12
sich auch seit dem Beginn der Unruhen im März 2011 nichts geändert. Eine
asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG bestehe deshalb al-
leine aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit nicht. Eine Furcht davor sei
daher auch nicht als begründet im Sinne des Asylgesetzes zu erachten.
Somit entfalte auch dieses Vorbringen keine Asylrelevanz.
An dieser Einschätzung würden auch die eingereichten Dokumente nichts
zu ändern vermögen.
6.2 Die Beschwerdeführerin entgegnet in der Rechtsmittelschrift im We-
sentlichen, bei einer Rückkehr in ihrem Heimatstaat sowohl durch die ara-
bischen Nachbarn aus dem Dorf L._, die islamistischen Jihadisten
als auch das türkische Militär und das syrische Regime einer asylrelevan-
ten Verfolgung ausgesetzt zu sein.
Die Vorinstanz sei zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen
bezüglich der gezielten Verfolgung durch die arabischen Nachbarn aus
dem Dorf L._ ausgegangen. Indem die Vorinstanz zur Begründung
der Unglaubhaftigkeit unter anderem auf ihre Ausführungen anlässlich der
BzP verweise, verkenne sie, dass es sich bei letzterer um eine summari-
sche Befragung handle. Es sei somit willkürlich zu behaupten, sie habe
anlässlich der BzP keine detaillierten Ausführungen zur Urheberschaft des
Minenangriffs gemacht. Im Rahmen der Anhörung habe sie sodann detail-
liert und glaubhaft geschildert, dass die Mine explodiert sei, als sie und ihre
Familie mit dem Auto von einer Siegesfeier nach H._ zurückgekehrt
seien. Dasselbe gelte für ihre Ausführungen, dass die Araber aus dem Dorf
L._ einen grossen Hass auf sie und ihre Familie gehabt hätten.
Schliesslich habe sie auch detailliert und glaubhaft geschildert, dass sie
und ihre Familie nach der erwähnten Minenexplosion nicht mehr ins Dorf
zurückgegangen seien. Es stehe somit fest, dass die konkrete Verfolgung
der Beschwerdeführerin respektive der Familie durch die arabischen Nach-
barn aus dem Dorf L._ weiterhin bestehe.
Ferner hätten die Türkei und ihre islamistischen Milizen am 9. Oktober
2019 einen völkerrechtswidrigen Angriff auf die kurdischen Gebiete in Sy-
rien gestartet, was aus der beigelegten Karte «Situation in Northeast Syria:
October 16, 2019, ISW INSTITUTE FOR THE STUDY OF WAR» hervor-
gehe. Insbesondere handle es sich dabei um eine gezielte ethnische Ver-
folgung der kurdischen Bevölkerung in Rojava. Es sei somit offensichtlich,
dass sie heute in Rojava Opfer einer Kollektivverfolgung der Kurden würde.
Bei einer Rückkehr nach Syrien müsse sodann von einem Verhör durch die
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Seite 13
syrischen Behörden ausgegangen werden, welches für sie eine ausseror-
dentliche Gefahr darstellen würde. Ihr Profil als Angehörige der kurdischen
Minderheit verschärfe sich durch das Einreichen eines Asylgesuchs in der
Schweiz noch zusätzlich. Die Wahrscheinlichkeit, einem willkürlichen Ver-
hör und asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt und aufgrund ihres Profils
gezielt asylrelevant verfolgt zu werden, sei ausgesprochen hoch. Hinzu
komme, dass laut den jüngsten Aussagen des Generalmajors der Repub-
likanischen Garden des syrischen Regimes (Issam Zahredinne) alle
Flüchtlinge Verräter seien, die bestraft werden müssten. Hierzu könne auf
diverse allgemein zugängliche Internetartikel verwiesen werden. Dies sei
ebenfalls ein Beleg dafür, dass ihr im Falle einer Rückkehr eine gezielte
asylrelevante Verfolgung seitens der syrischen Regierung drohe. Insbe-
sondere sei festzuhalten, dass Rojava neu unter der Kontrolle des syri-
schen Regimes stehe.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten in
materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen
zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen der Beschwerdeführerin wür-
den den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen eines
Asyl begründenden Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flücht-
lingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Auf die betreffenden Ausfüh-
rungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. die Zusammenfassung der
entsprechenden Erwägungen in E. 6.1 des vorliegenden Urteils) kann mit
den nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden. Das eingereichte Be-
weismittel (vgl. Prozessgeschichte, Bst. D) und die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene führen zu keiner anderen Betrachtungsweise.
7.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf-
grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner-
kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-
gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage
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nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-
deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-
scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-
gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation
im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-
ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi
Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
7.3 Was die im Rahmen der Anhörung erstmals geltend gemachte asylre-
levante Verfolgung durch die arabischen Nachbarn aus dem Dorf
L._ anbelangt, ist Folgendes festzuhalten:
7.3.1 Zunächst ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass die Beschwer-
deführerin anlässlich der BzP – auch auf entsprechende Nachfrage – keine
individuellen Schwierigkeiten mit Drittpersonen geltend gemacht hat (vgl.
SEM-Akten D14/13, Ziff. 7.02 S. 8). Der Versuch in der Rechtsmittelein-
gabe, diesen Widerspruch mit dem summarischen Charakter der BzP zu
erklären, ist offensichtlich unbehelflich, zumal der Widerspruch ein Kern-
vorbringen betrifft. Abgesehen davon, hat die Vorinstanz weiter zutreffend
festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin zu der geltend gemachten
asylrelevanten Verfolgung durch die arabischen Nachbarn aus dem Dorf
L._ in der Anhörung lediglich pauschal und auf wenig substantiierte
Weise geäussert habe. Auch auf (mehrmalige) Nachfrage vermochte die
Beschwerdeführerin ihre Schilderungen nicht zu präzisieren (vgl. SEM-Ak-
ten D30/11 F47-53, F55-56). Die Sichtweise in der Beschwerde, dass ihre
diesbezüglichen Aussagen plausibel und detailreich gewesen seien, findet
im Anhörungsprotokoll somit keine Bestätigung. Vielmehr verwickelte sie
sich in einen erneuten Wiederspruch, indem sie ausführte, dass ein Teil
ihrer Familie, welche gemäss eigenen Angaben weiterhin durch die arabi-
schen Nachbarn aus dem Dorf L._ asylrelevant verfolgt werde,
nach wie vor in H._ lebe und es ihnen – abgesehen von der prekä-
ren Sicherheitslage – gut gehe (vgl. SEM-Akten D30/11 F22-23, F25).
7.3.2 Im Übrigen ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass sich auch den Ak-
ten der (...) der Beschwerdeführerin, M._ (N [...]), keinerlei Hin-
weise entnehmen lassen, wonach ihre Familie respektive die Beschwerde-
führerin seitens arabischer Nachbarn aus dem Dorf L._ in Gefahr
sei (vgl. daselbst A11/11 Ziff. 7.02; A53/11 F20-21, F26-27, F47-48).
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7.3.3 Somit ist im Sinne eines Zwischenergebnisses festzustellen, dass es
der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise
aus Syrien bestehende oder drohende asylrechtlich relevante Gefährdung
seitens der arabischen Nachbarn aus dem Dorf L._ glaubhaft zu
machen.
7.4 Aus den im Zusammenhang mit der Bürgerkriegssituation in Syrien ste-
henden Vorbringen der Beschwerdeführerin (Angst, prekäre Sicherheits-
lage) kann sodann nicht auf eine gezielt gegen ihre Person gerichtete Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG geschlossen werden. Die Beschwerde-
führerin hat anlässlich der Befragungen – abgesehen von der als unglaub-
haft eingestuften Verfolgung seitens arabischer Nachbarn aus dem Dorf
L._ – keine individuellen Schwierigkeiten mit den syrischen Behör-
den oder Drittpersonen geltend gemacht (vgl. SEM-Akten D14/13 Ziff. 7.02
S. 8; D30/11 F57-59). Die kriegsbedingten Erlebnisse stellten für die Be-
schwerdeführerin zweifellos eine grosse Belastung dar, den Vorbringen
fehlt es jedoch an einer gezielt gegen ihre Person gerichtete Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG, mithin sind sie nicht asylrelevant. Wie von der Vo-
rinstanz ferner zutreffend festgehalten, genügt die Zugehörigkeit zur kurdi-
schen Ethnie allein nicht, um eine flüchtlingsrechtlich relevante individuelle
Verfolgung anzunehmen. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht da-
von auszugehen, dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im
heutigen Zeitpunkt in besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie
in einem derart weiten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu
leiden hätten, dass von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden
müsste. Auch unter dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, ins-
besondere seit dem Einmarsch der türkischen Sicherheitskräfte und der
verbündeten islamistischen Milizen in Nordsyrien, ist – entgegen der auf
Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – nicht davon auszugehen, dass
sämtliche in Syrien und insbesondere in Nordsyrien verbliebenen Kurdin-
nen und Kurden derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfol-
gung hätten (vgl. Urteile des BVGer D-6431/2019 vom 16. März 2020
E. 5.2.3, E-937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3, D-5367/2019 vom 2. De-
zember 2019 E. 6.4). Der bürgerkriegsbedingten Gefährdungslage und der
fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Entwicklung in Syrien wurde
von der Vorinstanz im Rahmen des Wegweisungsvollzugs respektive der
in diesem Zusammenhang angeordneten vorläufigen Aufnahme der Be-
schwerdeführerin und ihres Kindes Rechnung getragen.
7.5 Entgegen den Beschwerdevorbringen ist schliesslich festzuhalten,
dass die blosse Tatsache der Asylgesuchstellung in der Schweiz nicht zur
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Annahme führt, die Beschwerdeführerin hätte bei einer allfälligen Rückkehr
in ihr Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine menschen-
rechtswidrige Behandlung seitens der syrischen Behörden zu befürchten.
Zwar ist aufgrund ihrer längeren Landesabwesenheit davon auszugehen,
dass sie bei einer Wiedereinreise nach Syrien einer Befragung durch die
heimatlichen Behörden unterzogen würde. Da in ihrem Fall nicht von einer
Vorverfolgung ausgegangen und somit ausgeschlossen werden kann,
dass sie vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche Person ins Blick-
feld der syrischen Behörden geraten ist, ist nicht davon auszugehen, dass
diese sie als staatsgefährdend einstufen würden, weshalb nicht damit zu
rechnen wäre, sie hätte bei einer Rückkehr asylrelevante Massnahmen zu
befürchten.
7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr
Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorste-
henden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu
gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
nicht gegeben, weshalb das Gesuch ungeachtet der ausgewiesenen Mit-
tellosigkeit abzuweisen ist.
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10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos gewor-
den.
(Dispositiv nächste Seite)
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