Decision ID: 74137cae-f60b-4082-896c-83b0f701329e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
A._
war der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl.
Urk.
9/
7/194-195). Mit Urteil vom 1
6.
November 2011 eröffnete der
Konkurs
richter
des Bezirksgerichts
B._
über die Gesellschaft den Konkurs. Am
4.
Januar 2012 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt (
Urk.
9/
7/193).
Mit Verfügung vom 1
8.
Dezember 2012 verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
, ehemals Verwaltungsratsmitglied der
Konkursitin
(
Urk.
9/7/193)
, zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Be
i
träge in der Höhe von
Fr.
40‘126.-- (
Urk.
9/
7/174
; siehe aber
Urk.
2 Ziffer 3
). Die dagegen von
X._
erhobene Einsprache (
Urk.
9/
7/179
/15-16
) hiess die Verwaltung mit Entscheid vom
5.
Juni 2014 teilweise gut und reduzierte die Schadenersatz
forderung auf
Fr.
22‘931.50 (
Urk.
2).
Mit weiterer Verfügung vom
1
8.
Dezember 2012 verpflichtete die
Ausgleichs
kasse
Y._
, ehemals Verwaltungsratsmitglied der
Konkursitin
(
Urk.
9/7/193)
, zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Be
i
träge in der Höhe von
Fr.
40‘126.-- (
Urk.
9/
7/175
; siehe aber
Urk.
9/2 Ziffer 3
). Die dagegen von
Y._
erhobene Einsprache (
Urk.
9/
7/180) hiess die Verwaltung mit Entscheid vom
5.
Juni 2014 teilweise gut und reduzierte die Schaden
ersatzforderung auf
Fr.
32‘501.45 (
Urk.
9/
2).
Neben
X._
und
Y._
fasste die Ausgleichskasse noch
Z._
als weiteren solida
risch haftenden Schadener
satzpflichtigen ins Recht (
Urk.
9/7/173
).
2.
Mit Eingabe vom 1
8.
Juni 2014 erhob
X._
(Beschwerdeführer 1)
gegen den ihn betreffenden
Einspracheentscheid
vom
5.
Juni
2014 Beschwerde und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
8.
August 2014 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), wovon dem Beschwerdeführer
1
Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
8).
Y._
(Beschwerdeführer 2)
erhob mit Eingabe vom 2
3.
Juni 2014 gegen den ihn betreffenden
Einspracheentscheid
vom
5.
Juni 2014 Beschwerde und beantragte si
nngemäss dessen Aufhebung (
Urk.
9/1
). Mit
Beschwerde
antwort
vom
8.
August 2014 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9/
6), wovon dem Beschwerdeführer
2
Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
9/
8).
Mit Verfügung vom 1
0.
März 2016 wurden die beiden Verfahren vereinigt und
Z._
zum Prozess beigeladen (
Urk.
10). Dieser verzichtete auf eine Stellungnahme (vgl.
Urk.
10). Auch
X._
und
Y._
sahen davon ab, eine
Stellungnahme zur jeweiligen Beschwerde des anderen abzugeben (
Urk.
14,
15/1-2
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versi
cherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahr
lässige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in An
spruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenz
entschädigung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
1.2
1.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeit
gebers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
li
chen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
1.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeit
geber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (
Art.
52
Abs.
3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
1.2.3
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadenersatz
forderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der Frucht
loserklärung beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweizeri
schen Handelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E.
2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
1.2.4
Das Konkursverfahren über die
A._
wurde - wie erwähnt - am
4.
Januar 2012
mangels Aktiven
eingestellt (
Urk.
9/7/193). Mit der ent
sprechenden Veröffentlichung im SHAB am 1
2.
Januar 2012 (
Urk.
9/7/193)
wurde die zweijährige Verwirkungsfrist von
Art.
52
Abs.
3 AHVG ausgelöst. Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügung vom
1
8.
Dezember 2012
(
Urk.
9/
7/175)
wa
hrte die Beschwerdegegnerin diese Frist. Die streitgegenständliche Forderung ist somit nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die
Aus
gleichs
kasse
als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S.
383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahn
gebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E.
3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeit
geber
beiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Schadenersatzforderung setzt sich gemäss der Beitragsübersicht vom
7.
August 2014 und dem Kontoauszug desselben Datums (
Urk.
9/
7/194-195) aus nicht oder nur zum Teil bezahlten Beiträgen für die Jahre 2009, 2010 und 2011 sowie Mahn- und Betreibungsgebühren, Verzugszinsen und Verwaltungskosten zusammen. Bei den Akten liegen entsprechende Mahnungen (
Urk.
9/
7/22,
9/
7/57,
9/
7/58,
9/
7/74,
9/
7/75,
9/
7/78,
9/
7/137,
9/
7/147), Betreibungen (
Urk.
9/
7/26,
9/
7/80) und Zahlungsbefehle, gegen welche
die Arbeitgeberin
meist keinen Rechtsvorschlag erhob
en hat
(
Urk.
9/
7/29,
9/
7/30,
9/
7/59,
9/
7/82,
9/
7/160). Aus diesen Unterlagen und der Beitragsübersicht, der eine Gegen
überstellung der geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge sowie Neben
kosten von insgesamt
Fr.
140‘321.30 und der von
der
A._
respek
tive
der vom ehemaligen Verwaltungsrat
Z._
geleisteten Zahlungen von
Fr.
102‘293.65 (vgl.
Urk.
9/
7/195:
Fr.
102‘919.65 minus der von
Z._
am 3
0.
Juni 2014 und 2
9.
Juli 2014 geleisteten Zahlungen von ins
gesamt
Fr.
626.--) zugrunde
liegt, ergibt sich
ein Schadensbetrag von
Fr.
38‘027.65
(
Urk.
2, 9/2; anders noch
Urk.
9/7/173+174).
2.3
Die Beschwerdegegn
erin reduzierte
in
den jeweiligen
Einspracheentscheid
en
wie bereits ausgeführt -
die gegenüber dem
Beschwerdeführer
1
geltend gemachte
Schadenersatzsumme
von
Fr.
38‘027.65
auf
Fr.
22‘931.50 und die gegenüber dem Beschwerdeführer 2 geltend gemachte Schadenersatzsumme von
Fr.
38‘027.65 auf
Fr.
32‘501.4
5.
Beim Beschwerdeführer 1 berücksichtigte sie richtigerweise, dass dieser
lediglich bis zum
5.
Mai 2011 Verwaltungsrat der
A._
war (vgl.
Urk.
9/
7/179), weshalb seine
Haftung für nach diesem Zeitpunkt fällig gewordene Schadensp
ositionen grundsätzlich entfällt
.
Beim Beschwerdeführer 2 ging sie
zutreffenderweise
davon aus, dass die nach Konkurseröffnung in Rechnung gestellten Beitragsforderungen,
Verzugszins
forderungen
und Betreibungskosten (vgl.
Urk.
9/
7/
194) ihm nicht
angelastet werden können.
Im Übrigen
sind die
streitgegenständlichen Forderungen
betragsmässig
durch die Akten
ausgewiesen, was
von den Beschwerdeführern
denn
auch nicht in Zweifel gezogen
wird
.
Folglich ist
hinsichtlich dem Beschwerdeführer
1 grundsätzlich von einem
Schadensbetrag von
Fr.
22‘931.50
und hinsichtlich dem Beschwerdeführer 2 von einem solchen von
Fr.
32‘501.45 auszugehen.
Daran ändert
im Übrigen
nichts
, dass die
A._
in d
er Rechtsform als AG erst ab 2
7.
November 2009 bestand. Vor diesem Zeitpunkt war die
A._
als GmbH konstituiert (
Urk.
9/
7/193, vgl. auch
Urk.
9/
7/28/2).
Deren
e
inziger Gesellschafter und Geschäftsführer war
Z._
.
Der Beschwerdeführer 2
war Angestellter.
N
ach der Umwandlung in die Aktiengesellschaft ab 2
7.
Novem
ber 2009
waren die Beschwerdeführer 1 und 2
Mitglied
er
des Verwaltungsrats
(
Urk.
9/7/193). Da ein Verwaltungsratsmitglied mit der Mandatsübernahme in die Verantwortung sowohl für laufende als auch für die verfallenen, von der Gesellschaft in früheren Jahren schuldig gebliebenen Beiträge eintritt
-
es sei denn, die Gesellschaft sei
zu diesem Zeitpunkt
bereits zahlungsunfähig
(BGE 119 V 407; vgl. auch BGE 123 V 172, Bundesgerichtsurteil 9C_841/2010 vom 2
2.
September 2011 E. 4)
, was
vor
liegend
jedoch
nicht der Fall war
-
haften die beiden Beschwerdeführer auch für
die
ausstehenden Beiträge April bis Juni 2009 und Oktober bis November 2009 (vgl.
Urk.
2, 9/2).
Der Rechtsformwechsel
der
A._
von einer GmbH in eine AG ist in diesem Zusammenhang ohne Belang, da da
durch
kein
Schuldner
wechsel
erfolgt
e
(
Art.
68
i.V.m
.
Art.
26 des Fusionsgesetzes [
Fu
s
G
]; vgl. auch
Amstutz/
Mabillard
,
Kommentar Fus
ionsgesetz, 2008,
N.
1 zu
Art.
68
FusG
).
2.4
Die in der vorangehenden Erwägung (E. 2.3) genannten Zahlen basierten auf den Ausständen, wie sie im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Ein
spracheentscheide
am
5.
Juni 2014
(noch)
bestanden. Seither hat der Beige
ladene
Z._
(weitere) Teilzahlungen geleistet (vgl.
Urk.
9/7/181, 9/7/195).
Abklärungen
des Gerichts
bei der Beschwerdegegnerin am 1
0.
Mai 2016 haben ergeben, dass sich die (Gesamt-)Schadenssumme von
Fr.
38‘027.65 (vgl. E. 2.2) inzwischen auf
Fr.
31‘081.65 reduziert hat
(
Urk.
12)
, mithin
wurden
in der Zwischenzeit
(zusätzlich)
Zahlungen von insgesamt
Fr.
6‘946.-- geleistet. In diesem Umfang reduziert sich der vorliegend relevante Schaden weiter. Für den Beschwerdeführer 1 resultiert daraus
- unter Vorbehalt weiterer Abschlags
zahlungen -
ein relevante
r
Schadensbetrag von
Fr.
15‘985.50
(
Fr.
22‘931.50
./.
Fr.
6‘946.--)
und
für den Beschwerdeführer 2 ein
solche
r
von
Fr.
25‘555.45 (
Fr.
32‘501.45 ./.
Fr.
6‘946.--).
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hin
ter
lassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vor
schrif
ten im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schaden
deckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
A._
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur ungenügend nachkam. Die Beiträge wurden unregelmässig bezahlt und die Gesellschaft musste jahre
lang immer wieder gemahnt werden. Die Beschwerdegegnerin sah sich deshalb veranlasst, diverse Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten (E. 2.2 hiervor). Schliesslich blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inkl. Nebenkosten) in der Höhe von
Fr.
38‘027.65
unbezahlt
.
Damit ist die
Konkursitin
ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat
öffentlichrechtliche
Vorschriften missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes
Verhalten der Beschwerdeführer 1 und 2
zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in
vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermit
teln (BGE 108 V 199 E. 3a
; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E.
3b; vg
l. BGE 132 III 523 E. 4.6
).
4.2.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und i
nwieweit eine Handlung der Arbeitgeberin
einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unter
nehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt dem
nach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a
;
ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523
E. 4.5
). Gehören dem Verwaltungsrat mehrere Personen an, so ist für jede von ihnen einzeln zu prüfen, ob sie am Schaden der Ausgleichskasse ein Verschulden trifft. Obliegt die Ge
schäftsfüh
rung einem Mitglied des Verwaltungsrats, so han
deln weitere Mitglieder schuldhaft, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht nicht ausüben. Setzt sich der Verwaltungsrat aus nur zwei Mitgliedern zusammen, so beurteilen sich
insbesondere, wenn sie lediglich kollektiv unterschriftsberechtigt sind,
die Anforderungen an die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab (in BGE 119 V 86 nicht publizierte E. 2c des Urteils des Bundesgerichts H 94/91 vom
4.
März 1993, nicht veröffentlich
t
e Urteile H 171/87 vom
7.
Dezember 1987 und H 25/87 vom
4.
August 1987).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer
1
brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor, er sei sich keiner Schuld bewusst. Die Unterlagen, welche ihm zur Verfügung gestanden seien, etwa der Jahresabschluss 2010, hätten keine Beitragsausstände ausgewiesen. Es müssten Unterlagen bestehen, die nicht rechtsgültig unter
zeichnet worden seien. Ab dem 1
8.
September 2009 seien
Abzahlungs
ver
einbarungen
und Teilzahlungen bewilligt worde
n, von denen er keine Kenntnis
gehabt habe. Der Geschäftsführer
Z._
, der zugleich auch im Verwaltungsrat gewesen sei, habe ihm stets versichert, dass keine
Beitrags
rückstände
bestünden. Bei allfälligen Unregelmässigkeiten habe si
ch die
Beschwer
de
gegnerin
an diesen
zu wenden. Überdies sei das Konkursamt
C._
bei Beratungen und der Konkursanmeldung involviert gewesen (
Urk.
1).
Der Beschwerdeführer 2 machte zu seiner Entlastung dieselben Gründe geltend (
Urk.
9/2).
5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist,
ob die Liquidation beziehungsweise
der Konkurs der
A._
allenfalls hätte vermieden können oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvorwurf gemacht werden könnte. Insbesondere ist die Auseinande
rsetzung zwischen den
Beschwer
de
führer
n
und
Z._
nicht Gegenstand dieses Verfahrens
(Urteil des Bundesgerichts 9C_89/2009 vom
8.
Februar 2010)
. Vielmehr ist einzig zu entscheiden, ob die
A._
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ein qualifiz
iertes Verschulden der Beschwerdeführer
zu be
jahen ist. Gegebenenfalls haften
der Beschwerdeführer 1
für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
15‘985.50 und der Beschwerdeführer 2 im Umfang von
Fr.
25‘555.45
s
olidarisch
mit dem weiteren ins Recht gefassten Beigeladenen
.
5.3
Die
Beschwerdeführer
1 und 2
war
en
kollektivzeichnungsberec
htigte Verwal
tungs
räte
der
A._
;
der Beschwerdeführer 1
vom 2
7.
No
vember 2009
bis
9
.
Juni
2011 und der Beschwerdeführer 2
vom 2
7.
November 2009 bis zur Konkurseröffnung am 1
6.
November 2011
(
Urk.
9/
7/193). Bei der
A._
handelte es sich um ein kleines Unternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur und wenigen Angestellten (
Urk.
9/
7/12,
9/
7/20,
9/
7/46,
9/
7/104). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnissen muss von jedem Mitglied des Verwaltungsrates einer Aktiengesellschaft verlangt werden, dass es den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat.
Bei einfachen und überschaubaren Verhältnissen werden praxisgemäss erhöhte Anforderungen an Kenntnis und Erledigung von Abrechnungs- und Zahlungs-
verkehr
mit der Ausgleichskasse gestellt. Gemäss
Art.
716
Abs.
2 des
Obligatio-nenrechts
(OR) führt der Verwaltungsrat die Geschäfte der Gesellschaft, soweit
er die Geschäftsführung nicht übertragen hat.
Art.
716a
Abs.
1 OR enthält sodann einen Katalog unübertragbarer und
unentziehbarer
Aufgaben. So obliegt dem Verwaltungsrat insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Ausgestaltung des Rechnungs
wesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Ziffer 3) und die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen (Ziffer 5). Der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft hat die mit der Geschäfts
führung beauftragten Personen zu überwachen und sich regel
mässig über den Geschäftsgang unterrichten zu lassen. Das Gesetz verbietet zwar nicht die Vornahme einer bestimmten Arbeits- und Kompetenzaufteilung, doch die Überwachungs- und Kontrollpflichten verbleiben auch dann beim (Gesamt)-Verwaltungsrat. Deshalb hat sich jedes Mitglied des Verwaltungsrats beziehungsweise der einzige Verwaltungsrat periodisch über den Geschäftsgang und die wichtigsten Geschäfte, die nicht zu seinem primären Aufgabenbereich gehören, zu orientieren, Rapporte zu verlangen, diese sorgfältig zu studieren und nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzuholen, Irrtümer abzuklären und bei Unregelmässigkeiten einzugreifen (BGE 114 V 219 E. 4a).
Angesichts dessen können sich die
Beschwerdeführer nicht mit dem Hinweis entlast
en, der Geschäftsführer habe ihnen
gegenüber versichert, alle Sozialver
siche
rungsbeiträge seien bezahlt. Diese Auskunft ändert nichts an den oben genannten gesetzlichen Überwachungs- und Kontrollpflichten der
Verwal
tungs
ratsmitglieder
.
Es wäre deshalb die Pflicht der beiden Beschwerdeführer
gewesen, effektiv zu kontrollieren, ob die
A._
die geschul
deten Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Die Konsultation des Jahres
ab
schlusses 2010 genügt nicht. Erforderlich sind spezifische Abklärungen
, welche die Beschwerdeführer nicht nachgewiesen haben
.
Es mag
sodann
sein, dass der Beschwerdeführer
2
, wie er selber geltend macht,
in erster Linie für strategische Aufgaben zuständig war (vgl.
Urk.
9/
7/28/2); das entb
indet
ihn aber nicht von seinen
öffentlichrechtlichen
Pflichten gegenüber der Beschwerdegegnerin
. Die Vorbringen der Beschwerdeführer gereichen ihnen
demzufolge nicht zur Ent
lastung,
sondern begründen vielmehr ihr
Verschulden. Wer
Einsitz
in einem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft
hat
, muss dafür sorgen, dass er seine gesetzlichen Pflichten wahrnehmen kann oder andernfalls demissionieren. Zu Recht weist die Beschwerdegegnerin in diesem Z
usammenhang
darauf
hin, dass den
Beschwerdeführer
n
ohne Weiteres die Möglichkeit offen gestanden hätte, sich direkt bei ihr über die Beitragsausstände zu informieren (
Urk.
6 S. 2
,
Urk.
9/6 S. 2
).
Soweit die Beschwerdeführer vorbringen
, es müssten Unterlagen bestehen, die nicht rechtsgültig unter
zeichnet worden seien, vermögen sie daraus nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten. Falls der Geschäftsführer Dispositionen vorge
nommen haben sollte, wofür er nach internen Richtlinien nicht berechtigt war, belegt dies einzig, dass
weder der
Beschwerdeführer
1 no
ch der Beschwerde
führer 2 ihrer
Aufsichtspflicht
hinreichend nachgekommen war
en
. Off
enbar nehmen die
Beschwerdeführer bei diesem Vorbringen Bezug auf Beitrags
zahlungen an die Beschwerdegegnerin, die ab 1
9.
September 2009 geleistet wurden (vgl.
Urk.
9/
3/7). Diese Zahlungen erfolgten, wie ausgeführt, in Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht und führen dazu, dass der nun eingetretene Schaden geringer ausfällt, als wenn sie nicht geleistet w
orden wären. Unklar ist, was die
Beschwerdeführer aus dem Argument, wonach das Konkursamt
C._
bei Beratungen und der Konkursanmeldung involviert gewese
n sei, ableiten wollen
. In den
Einsprache
n machte
n
sie dazu geltend, es sei für sie
unverständlich, dass das Konkursamt trotz den Beitragsausständen dem Ein
stellung des Konkurses mangels Aktiven zugestimmt habe (
Urk.
9/
7/179
+180). Offenbar verkennen die
Beschwerdeführer, dass dieses Verfahren dann zum Tragen kommt, wenn
nicht genügend freie Aktiven vorhanden
sind
, um die Konkurskosten zu decken
. Vor diesem Hintergrund sind die
Beschwerdefüh
rer auch nicht zu hören, wenn sie vorbringen
, bei der Liquidation seien noch genügend flüssige Mittel vorhanden gewesen, um die Ausstände bei der Beschwerdegegnerin zu begleichen. Tatsache ist, dass die geschuldeten Beiträge nicht beziehungsweise nur tei
lweise begl
i
chen wurden und beide Beschwerdeführer die ihnen
in diesem Zusammenhang obliegenden Pflichten nicht
rechtsgenüglich
nachkam
en
.
6.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Miss
achtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
6.2
Unter den gegebenen
Umstanden ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität der Beschwerdeführer
ohne Weiteres adäquat kausal für den einge
tretenen
Schaden. E
s ist davon auszugehen
, dass ein pf
lichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte
.
7.
Den Akten ist zu entnehmen, dass
Z._
seine Haftpflicht anerkannt hat und seit 1
6.
Dezember 2013 der Beschwerdegegnerin
regelmässig Zahlungen
leistet (
Urk.
9/
6 S. 3,
Urk.
9/
7/181+194). Dies ändert indess
en nichts an der Solidarhaft der Beschwerdeführer
, soweit die Schaden
ersatzforderung nicht bereits getilgt worden
ist. Nach
dem Dargelegten haben
der Beschwerdeführer 1 für den
eingetretenen Sch
aden im Umfang von
Fr.
15‘985.50
und der Beschwerdeführer 2 im Umfang von
Fr.
25‘555.45
(in solidarischer Haftung mit de
m
weiteren
Schadenersatzpflichtigen) Ersatz
,
zu leisten
, dies unter dem Vor
behalt weiterer, bei der Beschwerdegegnerin einge
gange
ner Abschlags
zahlungen.