Decision ID: e7a7dee6-8835-4059-b0da-6eb418f41754
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Dezember 2020 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
ihrer Altersrente der AHV an (EL-act. 35). Sie gab an, sie sei im November 2020 in ein
Heim eingetreten. Sie verfüge über ein Sparvermögen von 201’028 Franken. Im
Oktober 2012, nach dem Tod ihres Ehemannes, habe sie ihren Nachkommen
insgesamt 223’000 Franken vermacht. Dem Anmeldeformular lagen Darlehensverträge
bei, laut denen die EL-Ansprecherin ihren Kindern am 24. Dezember 2019 je 28’100
Franken als unverzinsliches Darlehen gewährt hatte (EL-act. 34–2 f.). Gemäss einem
Erbteilakt betreffend den Nachlass des verstorbenen Ehegatten der EL-Ansprecherin
war dieser am 28. November 2012 wie folgt geteilt worden (EL-act. 32): Vom
Gesamtwert von 679’758 Franken hatte die EL-Ansprecherin die Hälfte als ihren Anteil
an der ehelichen Errungenschaft erhalten; die andere Hälfte war nach Abzug der
Todesfallkosten je zur Hälfte (165’404 Franken) der EL-Ansprecherin als Erbin und den
Kindern als weitere Erben zugeteilt worden. Einem der Söhne hätte das Recht
zugestanden, die eheliche Liegenschaft zum ursprünglichen Kaufpreis abzüglich eines
Erbvorbezuges von 100’000 Franken zu übernehmen. Von diesem Recht hatte dieser
Sohn aber keinen Gebrauch gemacht. Die Kinder hatten die Liegenschaft anteilsmässig
übernommen und der EL-Ansprecherin ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt. Für
die Übernahme der Liegenschaft hatten sie nichts bezahlen müssen; die EL-
Ansprecherin hatte allen Kindern ein Darlehen von je 48’149 Franken gewährt. Ein Ehe-
und Erbvertrag aus dem Jahr 1993 hatte die Zuweisung der gesamten Errungenschaft
(und damit faktisch des gesamten ehelichen Vermögens) an die EL-Ansprecherin
A.a.
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vorgesehen (EL-act. 32–2), aber die EL-Ansprecherin und die Kinder hatten
beschlossen, die Erbteilung nach den gesetzlichen Regeln vorzunehmen (EL-act. 32–4).
Im Januar 2021 gingen der EL-Durchführungsstelle Darlehensverträge zu, mit denen
die EL-Ansprecherin ihren Kindern am 15. Juli 2020 je 25’600 Franken als
unverzinsliches Darlehen gewährt hatte (EL-act. 23–17 ff.).
Eine Sachbearbeiterin der EL-Durchführungsstelle notierte im Februar 2021 (EL-
act. 22), die Erbteilung im November 2012 sei nach den gesetzlichen Regeln erfolgt.
Ein von der EL-Ansprecherin und ihrem Ehemann zu einem früheren Zeitpunkt
abgeschlossener Ehe- und Erbvertrag habe allerdings vorgesehen, dass die EL-
Ansprecherin die gesamte Errungenschaft erhalte. Weil die Ehegatten nicht über
Eigengut verfügt hätten, hätte sie folglich den gesamten Nachlass erhalten müssen.
Indem sie ihren Kindern einen Viertel des Nachlasses überlassen habe, habe sie auf
165’404 Franken verzichtet. Zudem sei einem der Söhne ein Erbvorbezug von 100’000
Franken gewährt worden. Mit einer Verfügung vom 3. Februar 2021 wies die EL-
Durchführungsstelle das Leistungsbegehren mangels eines Ausgabenüberschusses ab
(EL-act. 18). Den Berechnungsblättern zur Verfügung liess sich entnehmen (EL-act. 19
ff.), dass sie nebst dem Spar- und Darlehensguthaben ein Verzichtsvermögen von
195’404 Franken (2020) respektive von 185’404 Franken (2021) berücksichtigt hatte. In
der Verfügungsbegründung hatte sie festgehalten, im Oktober 2012 sei ein erster
Vermögensverzicht über 100’000 Franken erfolgt; Im November 2012 habe die EL-
Ansprecherin auf weitere 165’404 Franken verzichtet. Der Gesamtbetrag habe sich in
den sieben folgenden Jahren (2013–2020) jeweils um 10’000 Franken vermindert,
sodass für das Jahr 2020 ein Restbetrag von 195’404 Franken anzurechnen sei. Per 1.
Januar 2021 habe sich der Betrag um weitere 10’000 Franken vermindert.
A.b.
Am 22. Februar 2021 liess die EL-Ansprecherin eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 3. Februar 2021 erheben (EL-act. 17). Ihre Vertreterin machte geltend,
ein Erbvorbezug von 100’000 Franken sei effektiv gar nie erfolgt. Das
Verzichtsvermögen müsse daher um 100’000 Franken tiefer angesetzt werden.
Berücksichtige man zusätzlich die zwischenzeitlich aufgelaufenen Schulden (Strom-,
Telefon- und Heimkosten), resultiere für die Zeit ab Januar 2021 ein
Ausgabenüberschuss, weshalb die EL-Ansprecherin für die Zeit ab Januar 2021 einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung habe. Mit einem Entscheid vom 8. Oktober 2021
A.c.
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B.
wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 6). Zur Begründung führte
sie an, die Berücksichtigung eines Erbvorbezuges erweise sich tatsächlich als
rechtswidrig. Das Verzichtsvermögen habe sich per 1. Januar 2013 auf 165’404
Franken belaufen. Der massgebende Betrag der Darlehen an die Kinder stehe nicht mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, aber das
sei irrelevant, da selbst bei der Berücksichtigung des tiefsten Betrages gemäss den
Akten (25’600 Franken pro Kind) noch ein Einnahmenüberschuss resultiere. Die geltend
gemachten, neu hinzugekommenen Schulden seien erst im Januar 2021 entstanden,
weshalb sie nur für die Anspruchsberechnung ab Januar 2021 vom Vermögen
abgezogen werden könnten. Da die EL-Ansprecherin jedenfalls für die Monate
November und Dezember 2020 keinen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung habe, sei
die Übergangsregelung des per 1. Januar 2021 geänderten ELG nicht anwendbar, was
bedeute, dass der EL-Anspruch ab Januar 2021 nach neuem Recht zu berechnen sei.
Das neue Recht sehe eine Vermögensschwelle vor: Betrage das Reinvermögen
(einschliesslich des Verzichtsvermögens) mehr als 100’000 Franken, bestehe kein
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung. Damit erweise sich die angefochtene Verfügung
im Ergebnis als rechtmässig.
Am 8. November 2021 liess die EL-Ansprecherin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8.
Oktober 2021 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheides, die „Ausscheidung“ des vermeintlichen
Erbvorbezuges aus der Anspruchsberechnung, das „Belassen“ und „nicht
Einbeziehen“ der Erbauszahlungen an die Kinder von insgesamt 165’404 Franken, die
„Aufnahme“ der vier Darlehen von je 25’600 Franken in die Anspruchsberechnung als
Darlehen an Dritte sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Neubeurteilung. Zur
Begründung führte er aus, der Ehe- und Erbvertrag sei in einer Zeit geschlossen
worden, als die Heimkosten generell noch erträglich gewesen seien. Mittlerweile seien
die Heimkosten so hoch, dass eine Zuweisung der gesamten
Errungenschaftsbeteiligung an den überlebenden Ehegatten sehr selten geworden sei.
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss, das mit dem Entscheid vom 8. Oktober
2021 abgeschlossen worden ist. Auch beim Einspracheverfahren hat es sich um ein
(„echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, was bedeutet, dass sich sein Zweck in der
Überprüfung der Verfügung vom 3. Februar 2021 auf deren Rechtmässigkeit erschöpft
hat und dass der Gegenstand des Einspracheverfahrens folglich jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens hat entsprechen müssen. Jenes
Verwaltungsverfahren hatte die Prüfung eines erstmaligen Begehrens um
Ergänzungsleistungen zum Gegenstand gehabt. Diese Prüfung war umfassend
gewesen, das heisst sie hatte alle Anspruchsvoraussetzungen und sämtliche
Berechnungspositionen betroffen. Auch in diesem Beschwerdeverfahren ist deshalb
umfassend zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 1. November
2020 (Heimeintritt im November 2020; vgl. Art. 12 Abs. 2 ELG) einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen gehabt hat.
2.
Die Beschwerdeführerin hat die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 4
ELG erfüllt und damit grundsätzlich einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen gehabt.
Da sie ab November 2020 in einem Heim gelebt hat, ist eine sogenannte
Heimberechnung vorzunehmen. Als Ausgaben sind also die kantonale
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung von 4’992
Franken (2020) respektive von 5’016 Franken (2021; vgl. SR 831.309.1), die Pauschale
Es läge eine unzulässige Ungleichbehandlung vor, wenn die Beschwerdeführerin auf
dem Ehe- und Erbvertrag behaftet würde.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Dezember 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, massgebend sei, dass der Ehe-
und Erbvertrag zu Lebzeiten des Ehegatten nicht angepasst worden sei, obwohl dies
möglich gewesen wäre. Der Ehe- und Erbvertrag könne nicht einfach ignoriert werden.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 17. Januar 2022 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 7).
B.c.
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für die persönlichen Auslagen von 4’872 Franken (2020) respektive von 4’908 Franken
(2021; vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. b ELG/SG; sGS 351.5), der Maximalbetrag für den
Selbstbehalt der Beschwerdeführerin an den Pflegekosten von 8’395 Franken (vgl. Art.
8 Abs. 1 PFG/SG; sGS 331.2) sowie die Tagestaxe des Heims zu berücksichtigen.
Diese hat 118.82 Franken („Hotellerie“) plus 38 Franken („Betreuung“; November 2020)
beziehungsweise 41 Franken (ab Dezember 2020) betragen (vgl. EL-act. 33–4 und 23–
23), was einem Jahresbetrag von 57’240 Franken respektive 58’335 Franken
entspricht. Das Ausgabentotal hat sich also für den November 2020 auf 75’499
Franken, für den Dezember 2020 auf 76’594 Franken und für die Zeit ab Januar 2021
auf 76’654 Franken belaufen.
3.
Als Einnahmen haben der Beschwerdeführerin die Rente der AHV von 28’440
Franken (2020) respektive 28’680 Franken (2021) sowie eine Leibrente von 3’667
Franken zur Verfügung gestanden (vgl. EL-act. 34–4). Das effektive Sparvermögen hat
sich auf 88’628 Franken (2020; vgl. EL-act. 30–1) beziehungsweise auf 74’403 Franken
(2021) belaufen (vgl. EL-act. 23–13 ff.). Als zusätzlicher Vermögensbestandteil zu
berücksichtigen sind die Darlehen, die die Beschwerdeführerin ihren vier Kindern im
Zuge der Erbteilung im November 2012 gewährt hatte. Die Beträge haben sich am
Ende des Jahres 2019 auf je 28’100 Franken belaufen (vgl. EL-act. 30–1). Im Juli 2020
hatten die Beträge noch je 25’600 Franken betragen (vgl. EL-act. 23–17 ff.). Weshalb
die Beschwerdegegnerin Zweifel an der Richtigkeit dieser – für die Zeit ab November
2020 massgebenden – Beträge gehegt hat, ist nicht nachvollziehbar. Überwiegend
wahrscheinlich hat die Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum über ein
Darlehensguthaben von 4 × 25’600 = 102’400 Franken verfügt. Das effektive Vermögen
hat sich damit auf insgesamt 88’628 + 102’400 = 191’028 Franken (2020)
beziehungsweise auf 74’403 + 102’400 = 176’803 Franken (2021) belaufen. Da sich die
Beschwerdeführerin in einem Heim aufgehalten hat, ist ein Fünftel davon als
hypothetischer Vermögensverzehr zu berücksichtigen (vgl. Art. 2 Abs. 2 ELG/SG), das
sind 38’206 Franken (2020) respektive 35’361 Franken (2021). Zusätzlich sind die
effektiv erzielten Vermögenserträge als Einnahme anzurechnen. Diese haben sich auf
64 Franken (2020) beziehungsweise auf 50 Franken (2021) belaufen. Damit ergibt sich
ein (effektives) anrechenbares Einnahmentotal von 70’377 Franken für die Monate
November und Dezember 2020 und von 67’758 Franken für die Zeit ab Januar 2021.
Die effektiven Einnahmen sind also um 5’122 Franken (November 2020), um 6’217
Franken (Dezember 2020) respektive um 8’836 Franken (ab Januar 2021) tiefer als die
massgebenden Ausgaben gewesen.
3.1.
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Gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG (in der bis Ende 2020 gültigen Fassung)
beziehungsweise dem Art. 11a ELG (in der ab dem 1. Januar 2021 gültigen Fassung)
sind aber nicht nur die effektiven Vermögenswerte und Einnahmen, sondern auch jene
Vermögenswerte und Einnahmen zu berücksichtigen, auf die verzichtet worden ist. Die
Beschwerdeführerin hätte nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2012 gestützt auf
den damals massgebenden Ehe- und Erbvertrag einen Anspruch auf einen ihren
gesetzlichen Anteil übersteigenden Teil des Nachlasses gehabt. Der Ehe- und
Erbvertrag hatte nämlich die Zuweisung des gesamten ehelichen Vermögens (die
Ehegatten verfügten nicht über Eigengut) an den überlebenden Ehegatten vorgesehen.
Diese Vorschlagszuweisung ist mit Blick auf den Art. 216 Abs. 2 ZGB allerdings nicht
unproblematisch gewesen, denn eines der vier Kinder ist kein gemeinsames Kind
gewesen, was bedeutet, dass der Pflichtteilsanspruch dieses Kindes durch die
Vorschlagszuteilung nicht hätte beeinträchtigt werden dürfen. Wäre die Erbteilung nach
dem Ehe- und Erbvertrag vorgenommen worden, hätte also eines der vier Kinder in
einem gerichtlichen Verfahren die Auszahlung seines Pflichtteils am Erbe verlangen und
durchsetzen können. Der Pflichtteil hätte drei Viertel des gesetzlichen Erbanspruchs
betragen (Art. 471 ZGB), was bedeutet, dass das „nicht gemeinsame“ Kind gerichtlich
einen Anspruch auf drei Viertel von 41’351 Franken, also auf 31’013 Franken, hätte
durchsetzen können. Da die Erbteilung aber nicht nach der vertraglichen, sondern nach
der gesetzlichen Regelung vorgenommen worden ist, ist nicht bekannt, ob die Tochter
der Beschwerdeführerin auf der Auszahlung des Pflichtteils bestanden hätte. An sich
könnte diese Frage mittels einer Rückfrage an die Tochter beantwortet werden.
Allerdings müssen angesichts des Umstandes, dass die Antwort der Tochter für das
hängige Beschwerdeverfahren von ausschlaggebender Bedeutung sein könnte,
objektive Zweifel daran bestehen, dass die Tochter die Rückfrage ohne Rücksicht auf
die auf dem Spiel stehenden Interessen ihrer Mutter beantworten würde. Die Aussage
der Tochter könnte folglich kein überzeugendes Beweismittel sein. Andere
Beweismittel, mit denen das hypothetische Verhalten der Tochter im fiktiven Fall der
Erbteilung nach dem Ehe- und Erbvertrag, belegt werden könnten, stehen nicht zur
Verfügung. Diesbezüglich liegt also eine objektive Beweislosigkeit vor. Deren Folgen
hat in lückenfüllender analoger Anwendung des Art. 8 ZGB die Beschwerdeführerin zu
tragen, die aus dem Nachweis, dass die Tochter auf ihrem Pflichtteil beharrt hätte,
einen Vorteil für sich ableiten könnte. Das bedeutet, dass der allfällige Pflichtteil der
Tochter für den fiktiven Fall einer Erbteilung gemäss dem Ehe- und Erbvertrag zu
ignorieren ist. Bei der Interpretation des Ehe- und Erbvertrages stellt sich allerdings
noch eine zweite Hürde, denn dieser Vertrag ist in sich widersprüchlich: Die Ehegatten
haben die Zuweisung des gesamten Vorschlages an den überlebenden Ehegatten
vereinbart und zugleich den überlebenden Ehegatten als Alleinerben eingesetzt; zudem
3.2.
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haben sie ihre Nachkommen zugunsten des überlebenden Ehegatten auf den Pflichtteil
gesetzt. Bei einer Zuweisung des gesamten Vorschlages an den überlebenden
Ehegatten ist es aber sinnlos gewesen, den überlebenden Ehegatten zugleich zum
Alleinerben zu ernennen. Hinzu kommt, dass der überlebende Ehegatte nicht den
gesamten Vorschlag erhalten oder der Alleinerbe sein kann, wenn die Nachkommen
gleichzeitig ihren Pflichtteil erhalten sollen. Damit stellt sich die Frage, was der wahre
vertragliche Wille der Ehegatten gewesen ist: Wollten sie den gesamten Vorschlag dem
überlebenden Ehegatten zuweisen? Wollten sie den überlebenden Ehegatten zum
Alleinerben einsetzen? Oder wollten sie die Nachkommen auf den Pflichtteil setzen, um
den überlebenden Ehegatten entsprechend begünstigen zu können? Am plausibelsten
erscheint, dass die Ehegatten mit dem Ehe- und Erbvertrag die maximale
Begünstigung des überlebenden Ehegatten bezweckt und versucht haben, diesen
Zweck mit jeder in Frage kommenden Möglichkeit – gleichsam „dreifach abgesichert“ –
zu erreichen. Die erbrechtlichen Anordnungen im Ehe- und Erbvertrag können folglich
nicht als die eherechtliche Vorschlagszuweisung unterlaufend interpretiert werden,
weshalb die Beschwerdeführerin gestützt auf den Ehe- und Erbvertrag einen Anspruch
auf den ganzen Nachlass gehabt hätte.
Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass heutzutage angesichts der
zwischenzeitlich massiv angestiegenen Kosten für einen Heimaufenthalt jeder Ehe- und
Erbvertrag mit einer Klausel versehen werde, die verhindere, dass das gesamte
eheliche Vermögen und damit der gesamte spätere Nachlass der Kinder für
Heimkosten verzehrt werde. Es wäre stossend, wenn die Beschwerdeführerin auf dem
alten Ehe- und Erbvertrag, der noch keine solche Klausel enthalten habe, behaftet
würde, denn dadurch würde es zu einer Ungleichbehandlung kommen. Die
Beschwerdeführerin würde wesentlich schlechter gestellt als eine andere Person in
ihrer Situation, die über einen „neuen“ Ehe- und Erbvertrag verfüge. Diese
Argumentation überzeugt nicht. Das Gleichbehandlungsgebot verlangt nicht nur die
Gleichbehandlung von Gleichem, sondern auch die Ungleichbehandlung von
Ungleichem; massgebend sind sachliche Unterscheidungsmerkmale. Die
Beschwerdeführerin hat mit ihrem Ehemann im Jahr 1993 einen Ehe- und Erbvertrag
abgeschlossen. Dadurch haben die Ehegatten bewusst eine von der gewöhnlichen
gesetzlichen Regelung abweichende Anordnung für den Fall des Todes des einen
Ehegatten gewählt. Sie haben damit selbst einen sachlichen Grund geschaffen, der
dazu zwingt, die überlebende Beschwerdeführerin bei der Anwendung des ELG anders
als eine (fiktive) überlebende Ehefrau zu behandeln, die mit ihrem Ehemann keinen
Ehe- und Erbvertrag geschlossen hätte. Selbstverständlich hätte es den Ehegatten
jederzeit frei gestanden, den Ehe- und Erbvertrag an etwaige zwischenzeitliche
3.3.
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Entwicklungen anzupassen. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Replik geltend
gemacht, das im Jahr 2010 verfasste Testament habe auf eine solche Anpassung
abgezielt: Die Ehegatten hätten darin festgehalten, dass sie ihr Haus (zu einem
Vorzugspreis) an den Sohn verkaufen würden, falls sie nicht mehr in der Lage sein
sollten, weiter in ihrem Haus zu leben (vgl. EL-act. 32–3). Dieses Testament hat
offenkundig (allein) darauf abgezielt, dass das Haus, das die Ehegatten nach
jahrelangem Sparen im Jahr 1996 (also nach dem Abschluss des Ehe- und
Erbvertrages) gekauft und in der Folge restlos abbezahlt hatten, im Familienbesitz
bleiben würde. Hätte der Sohn das Haus zu den im Testament vorgesehenen
Vorzugskonditionen übernommen, hätte er es mindestens zehn Jahre lang selbst
bewohnen oder bewirtschaften müssen. Das Testament kann entgegen der vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung nicht in eine Klausel
umgedeutet werden, die darauf abgezielt hätte, einen möglichst grossen Teil des
ehelichen Vermögens zugunsten der Kinder davor zu bewahren, bei einem allfälligen
Heimeintritt verbraucht zu werden. Es hat nur den Erhalt des Hauses im Familienbesitz
bezweckt. Da der Sohn aber nicht bereit gewesen ist, das Haus zu übernehmen, ist die
Regelung im Testament ohnehin irrelevant gewesen, weshalb die Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Einspracheentscheid (anders als noch in der Verfügung vom 3.
Februar 2021) zu Recht kein entsprechendes Verzichtsvermögen von 100’000 Franken
berücksichtigt hat. Die Erbteilung hätte nach dem Ehe- und Erbvertrag aus dem Jahr
1993 erfolgen müssen. Indem die Beschwerdeführerin sich in Abweichung vom Ehe-
und Erbvertrag bereit erklärt hat, ihren Kindern insgesamt einen Viertel des Nachlasses
zu überlassen, hat sie im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG auf den entsprechenden
Betrag von 165’404 Franken verzichtet.
Der Vermögensverzicht ist im Jahr 2012 erfolgt. Nach Art. 17e ELV (in der ab dem
1. Januar 2021 gültigen Fassung; entspricht dem Art. 17a ELV in der bis zum 31.
Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung) ist der Betrag des Verzichtsvermögens
jährlich – erstmals per 1. Januar 2014 – um 10’000 Franken zu reduzieren, was
bedeutet, dass sich der Betrag am 1. Januar 2020 zum siebten Mal um 10’000 Franken
reduziert hat, sodass bei der Anspruchsberechnung für die Monate November und
Dezember 2020 ein Verzichtsvermögen von 95’404 Franken und bei jener für die Zeit
ab Januar 2021 ein solches von 85’404 Franken zu berücksichtigen ist. Von diesem
Betrag ist ein Fünftel als Einnahme (hypothetischer Vermögensverzehr) anzurechnen,
also ein Betrag von 19’081 Franken (2020) respektive von 17’081 Franken (2021). Damit
resultiert für den Monat November 2020 ein Einnahmenüberschuss von 13’959
Franken, für den Monat Dezember ein Einnahmenüberschuss von 12’864 Franken und
für die Zeit ab Januar 2021 ein Einnahmenüberschuss von 8’245 Franken. Würde man
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/10
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4.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f
ATSG). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.