Decision ID: fc574dd8-f179-4d80-8df6-d7ceba115d7b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war bei der
Y._
beschäftigt und damit bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nach
ste
hend: Mobiliar) obligatorisch unfallversichert, als sie am
1.
November 2014 einen Auffahrunfall erlitt (
Urk.
19/
M1
).
Die Mobiliar
holte unter anderem ein
orthopädisches und ein psychiatrisches
Gut
achten ein,
das
von den Ärzten der
Z._
, am 1
5.
Oktober 2015 erstattet wurde (
Urk.
19
/M17-M18)
,
und
stellte die von ihr erbrachten Leistungen mit Verfügung vom 2
7.
November 2015 per 3
1.
Dezember 2015 ein (
Urk.
19
/K44). Dagegen erhob die Versicherte am
7.
Januar und 2
9.
Februar 2016 Einsprache (
Urk.
19
/K47,
Urk.
19
/K49). Mit
Ein
sprache
entscheid
vom
1.
März 2017 wies die Mobiliar die Einsprache ab (
Urk.
19/K69
=
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1.
März 2017 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
7.
April 2017 Beschwerde und beantragte
(
Urk.
1 S. 2)
, dieser sei aufzuheben (
Ziff.
1), es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Heilungs
kosten und Taggelder, auch nach dem 3
1.
Dezember 2015 zu erbringen (
Ziff.
2), eventuell sei ein
polydisziplinäres
Gutachten zu erstellen (
Ziff.
3), sub
eventuell seien ihr eine angemessene Rente und Integritätsentschädigung zuzu
sprechen (
Ziff.
4).
Nach
Beizug
der Akten der Invalidenversicherung (
Urk.
13/1-119) beantragte die Mobiliar mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
18) die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin erstattete am 1
4.
November 2017 die Replik (
Urk.
26). Die Beschwerdegegnerin erstattete am 1
2.
Dezember 2017 die Duplik (
Urk.
29), was der Beschwerdeführerin am 1
9.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
30).
3.
Die Invalidenversicherung verneinte mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2016 einen Leistungsanspruch (
Urk.
13/92), was vom hiesige
n
Gericht mit Urteil vom 2
7.
Februar 2017 im Verfahren Nr. IV.2016.00707 (
Urk.
13/118) und vom Bun
desgericht mit Urteil vom
1
5.
Februar 2018
im Verfahren Nr. 9C_319/2017 bestätigt wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
ver
siche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1.
November 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
sprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl.
BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungs
weise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
•
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
•
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
•
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
•
erhebliche Beschwerden;
•
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
•
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
•
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.
5
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender gering
fügiger therapeutischer Fortschritt
verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher
ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Fest
stellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesund
heitliche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vor
liegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditäts
be
messung der Suva gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversiche
rung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl.
Urteil des Bun
desgericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
1.
6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungs
interner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
gemäss den
Z._
-Gutachten sei der medizinische Endzustand erreicht (S. 7
Ziff.
3.6). Beim Unfall sei es nicht zu einem Kopfanprall gekommen, die Kopf
stellung sei gerade gewesen und die Sitzposition aufrecht (S. 8
Ziff.
3.8). Im Unfallzeitpunkt sei die Beschwerdeführerin wegen eines früheren, am 1
2.
Mai 2013 erlittenen Unfalls
weder
behandlungsbedürftig noch arbeitsunfähig gewe
sen (S. 8 f.
Ziff.
3.10). Die diagnostizierten Medikamentenübergebrauchs
-K
opf
schmerzen seien nicht unfallkausal (S. 9
Ziff.
3.11). Gemäss den erfolgten medi
zinischen Abklärungen lägen keine unfallkausalen organischen Gesund
heits
schäden vor (S. 9
Ziff.
3.13).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), der medizinische Endzustand sei nicht erreicht und diesbezüglich könne nicht auf das
«absolut nicht verwertbare»
Z._
-Gutachten abgestellt werden (S. 12
Ziff.
6.5). Die Beschwerdegegnerin habe, aus näher dargelegten Gründen, die Untersuchungspflicht gemäss
Art.
43 ATSG verletzt (S. 13 f.
Ziff.
7).
2.3
Strittig und zu prüfen sind allfällige weitergehende Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin sowie die Frage, ob diesbezüglich auf die
Z._
-Gutachten abgestellt werden ka
nn.
3.
3.1
Am 1
2.
Mai 2013 erlitt die Beschwerdeführerin einen - anderweitig versicherten - Unfall, als sie bei einer Fahrt auf der Autobahn die Beherrschung des Fahrzeugs verlor (
Urk.
21/W22-23)
und drei- bis viermal in die Leitplanke fuhr (
Urk.
21/W13)
. Sie zog sich dabei ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) und eine Commotio cerebri zu und war bis
9.
Juni 2013 zu 100
%
und bis 2
1.
Juni 2013 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Urk.
21/20).
3.2
Am
1.
November 2014 bremste die Beschwerdeführerin ihr Auto auf der Auto
bahn staubedingt bis zum Stillstand, worauf das hintere Auto auf ihres auffuhr und es noch leicht in das Heck des vorderen schob (
Urk.
21/P6 S. 3 unten).
3.3
Die Erstbehandlung erfolgte gemäss Bericht von
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 1
4.
November 2014 (
Urk.
19/M3) am
4.
November 2014 (
Ziff.
1). Er nannte als Diagnose ein
cranio-cervicales
Beschleunigungstrauma mit HWS-Distorsion Grad II (
Ziff.
5) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
3.
bis 1
4.
November 2014 (
Ziff.
8).
Dr. med. B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
, Praxis
partnerin von
Dr.
A._
(vgl.
Urk.
19/M3
Ziff.
7b), nannte in ihrem Bericht vom 2
9.
Dezember 2014 (
Urk.
19/M5) als vorläufige Diagnose ein Distorsions
trauma der HWS mit persistierender Kopfschmerz- und Nackenschmerz
symptomatik (
Ziff.
5) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
8), dies mit Hinweis darauf, dass der Patientin auf
Ende Dezember 2014 gekündigt worden und sie seit Ende Oktober freigestellt sei (
Ziff.
9).
3.4
Am
3.
Februar 2015 berichtete
Dr.
med. C._
, Facharzt für Neu
rologie, über seine gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
19/M35). Er nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronifiziertes
cervico-myofasziales
und zum Teil
cervicovertebrales
Schmerzsyndrom rechts betont
-
bei Status nach zweimaligem HWS-Distorsions-Trauma Mai 2013 und November 2014
-
protrahierter, therapierefraktärer Verlauf;
aggraviert
durch sekundäre funktionell-somatoforme Faktoren bei erschwerter psychosozialer Belastungssituation und Verdacht auf posttraumatische Belastungs
stö
rung
-
überlagerte, nach dem zweimaligen HWS-Distorsionstraumata sich ver
schlechternde / vorbestehende Migräne ohne Aura
Er führte unter anderem aus, diagnostisch bestehe seines Erachtens kein Bedarf nach einer MRI-Untersuchung des Schädels oder der HWS (S. 3 oben).
3.5
Am 11. Mai 2015
erfolgte
in der K
linik
D._
ein ambulantes Assessment
im Auftrag der Beschwerdegegne
rin, worüber Dr. med. E._
, Fach
ärztin für Physikalische Medizin und Reh
abilitation, und Dr. med. F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
am 15. Mai 2015 berichteten (
Urk.
19/M14). Sie nannten fo
lgende Diagnosen (S. 1):
-
Unfall vom 1. November 2014: PKW-Heckaufprall
-
Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) Quebec Task Force (QTF) II
-
29. Dezember 2014 Röntgen HWS
a.p.
/seitlich: gestreckte Haltung, sonst unauffälliger Befund
-
chronifiziertes
zervikales
myofasziales
Schmerzsyndrom
-
pseudoradikuläres
Lumbalsyndrom rechts bei Verdacht auf Reizung des
Iliosakralgelenkes
(ISG) rechts bei
-
muskulärer
Dekonditionierung
-
Differentialdiagnose: Facettengelenkssymptomatik, Erkrankung aus dem rheumatologischen Formenkreis
-
fibromyalgieähnliches
Beschwerdebild mit ubiquitärer
Druckdolenz
,
Epikondylopathie
radialis
und
ulnaris
beidseits und
Tendopathien
im Bereich der grossen Gelenke
-
Verdacht auf depressive Erkrankung bei anamnestischer Angabe von
post
partaler
Depression,
postpartaler
Gewichtszunahme und Angst
symptomatik nach HWS-Distorsionstrauma 2013 und psychosozialen Be
lastungsfaktoren
-
Magenbypassoperation
2010
Als aktuelle Probleme bestünden eine erhebliche Symptomausweitung mit Selbst
limitierung und Schonverhalten mit nachfolgender
Dekonditionierung
, ein
pseu
do
radikuläres
Lumbalsyndrom mit Ausstrahlung in das rechte Bein und in die linke Flanke, ein ständiger Hinterhauptkopfschmerz mit Ausstrahlung nach fron
tal, verbunden mit Lichtempfindlichkeit, Nackenschmerzen beidseits, rechts
be
tont, mit Ausstrahlung in den rechten Arm, vorbestehende Beschwerden des rechten Armes vom Ellenbogen bis in die Hand, verbunden mit Kraftlosig
keit,
rezidivierende depressive Symptome, eine ausgeprägte psychosoziale Be
lastungs
situation und eine eingeschränkte Belastbarkeit im Beruf und Alltag (S. 1 f.).
Dr.
E._
und Dr.
F._
führten aus, aus medizinisch-diagnostischer Sicht zeige sich ein polymorphes, sich gegenseitig beeinflussendes Beschwerde
bild, das sich auf die therapeutischen Massnahmen auswirke. Anhand der Un
ter
suchungsbefunde und der Belastungstestung zeigten sich eine hochgradige Selbstlimitierung und ein Schonverhalten mit der Folge einer
Dekonditionie
rung
mit muskulärer
Dysbalance
. Dies könne für das
pseudoradikuläre
Lum
balsyndrom verantwortlich sein. Des Weiteren fänden sich aber auch deutliche Zeichen einer
fibromyalgieformen
Symptomatik und einer psychischen Alte
ration mit depressiver Vorerkrankung und erheblichen psychosozialen Belas
tungsfaktoren, die den Verlauf von therapeutischen Massnahmen beeinflussen könnten (S. 2). Die Häufigkeit und die Dauer der Therapieeinheiten pro Woche seien angesichts der aktuellen Einschränkungen zu gering. Der Anteil der akti
ven Bewegungs
the
rapie sei deutlich zu gering (S. 3 oben).
Bis zu
eine
m Eintritt in die K
linik
D._
sei von einer weiteren Arbeitsun
fähigkeit von 100 % auszugehen. Ziel der multimodalen stationären Rehabili
ta
tion sei die
Rekonditionierung
der Patientin zur beruflichen Wiedereingliede
rung in eine Tätigkeit (S. 5 unten).
3.
6
Lic
. phil. G._
, Psychotherapeutin ASP
/
FSP,
nannte
in
ihre
m Bericht vom 2. Juli 2015 (Urk.
19/M15
)
als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung bei gegenwärtig mittelschwerer Episode (S. 2 Ziff. 4).
Z
ur Anamnese und zur Per
sönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin
führte sie
aus, diese sei 1985 zu Verwandten in die Türkei gebracht worden. Zwischen 1988 und 1993 (ab 1990 bei Ferien
auf
enthalten) sei es regelmässig zu sexuellen Über
griffen durch einen Onkel und dessen Sohn gekommen (S. 1 Ziff. 1). Ende 2014 sei es zum Verlust der letzten Arbeitsstelle als Teamleiterin in einer Kantine gekommen (S. 2 Ziff. 1 oben). Die Beschwerdeführerin habe im Winter 2014/Früh
jahr 2015 erneut an
depressiven Stimmungen und Existenzängsten gelitten, dies im Zusammenhang mit einem
Stellenverlust und den medizinischen Folgen des Unfalles vom 1. November 2014
. Sie habe sich hoffnungslos gefühlt und sich grosse Sorgen um ihr Kind, ihre Mutter und sich selber gemacht. Die Beschwerdeführerin schlafe schlecht, sitze oft stundenlang in der Küche, grüble und könne sich zu nichts motivieren. Die Schmerzen im Rücken und Nacken seien unerträglich (S. 2 Ziff. 2).
Aus psychotherapeutischer Sicht bestehe zurzeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die durch die psychiatrische Diagnose begründet sei. Die Beschwerdeführerin sei auch entschlossen, eine geeignete Arbeit zu suchen, sobald sie physisch dazu in der Lage sei (S. 3 Ziff. 6). Die gegenwärtige depressive Episode sei durch die körperlichen Symptome nach dem Unfallereignis vom 1. November 2014 ausgelöst worden. Die Beschwerdeführerin habe in diesem Zusammenhang nach einer psychotherapeutischen Unterstützung gesucht. Sie habe über grosse Schmerzen geklagt und sich kaum bewegen können (S. 3 Ziff. 11).
3.
7
Am 15. Oktober
2015 erstatten med.
pract
. H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und Prof.
Dr.
med. I._
, Facharzt für Neurologie,
Z._
,
ein psychiatrisches Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 19/M17), die sich auf die ihnen überlassenen Akten, die am 3. September 2015 erfolgte psychiatrische Exploration und das gleichentags erstattete ortho
pädische Guta
chten (vgl. nachstehend E. 3.8
) stützten (S. 1 unten).
Die Gutachter führten aus, es bestehe kein ausreichender Anhaltspunkt für eine die Arbeitsfähigkeit mindernde psychiat
rische Erkrankung. Jedoch bestehe eine mögliche Anpassungsstörung mit vor
wiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (S. 9 Ziff. 4).
Zur Anamnese führten sie aus, die Beschwerde
führerin
berichte
über unter
schied
lich stark ausgeprägte Schmerzen rechtsseitig
im Nacken- und Kopfbereich sowie Lumbalgien mit Ausstrahlung in den rech
ten
Arm und das rechte Bein. Nach psychischen Beschwerden befragt würden Ein- und Durchschlafstörungen ange
führt sowie intermittierendes Gedanken
kreisen, intermittierende Traurigkeit, Freud
losig
keit, Wut, erhöhte Reizbarkeit, Ungeduld und eine schnelle Erschöpf
barkeit bei erhaltenen Interessen (S. 2 Ziff. 1.1).
Anamnestisch habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zirka ab Mitte 2014 verschlechtert, nachdem sie im September 2013 eine neue Ar
beits
stelle in einer Salatbar angenommen habe. Sie habe dort als Filialleiterin gearbeitet. Am
11. September 2014 sei ihr gekündigt worden. Als Folge habe sie eine zunehmende innere Anspannung und Unruhe mit konsekutiver Ungeduld, Wut, Reizbarkeit und schliesslich auch Traurigkeit entwickelt. Weiter hätten eine verminderte Fähigkeit zur Freude sowie Ein- und Durchschlafstörungen und pha
senweise eine Nachdenklichkeit bestanden. Seit einem Autounfall vom 1. Novem
ber 2014 habe sie vermehrt Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich sowie Übel
keit. Den jetzigen untätigen Zustand erlebe sie als belastend und psy
chisch beeinträchtigend (S. 3 Ziff. 1.3 Mitte).
Die Beschwerdeführerin könne Lebensdaten sicher rekonstruieren. Eine Zeit
gitterstörung liege nicht vor. Das Lang- und Kurzzeitgedächtnis sei intakt (S. 7 Ziff. 3 unten).
In ihrer Beurteilung führten sie aus, die Beschwer
deführerin reklamiere Schmer
zen entlang der Wirbelsäule. Zudem sei sie seit zirka einem Jahr schneller reizbar und wütend, habe intermittierend Gefühle innerer Unruhe und Anspannung. Weiter sei sie phasenweise traurig, könne sich phasenweise weniger freuen und habe Ein- und Durchschlafstörungen sowie zeitweise Insuffizienzgefühle. Als Auslöser der Symptomatik würden interaktio
nelle Probleme, eine Überforde
rungs
situation am Arbeitsplatz sowie letztlich eine Kündigung ange
führt. Die Beschwerdeführerin sei im Alltag selbständig, selbstversorgend, fahre einen PKW und habe 2015 eine Ferienreise unter
nommen. Eine namhafte alltagsrelevante Limitation scheine anamnestisch nicht auf. Ein Unfall mit schwerwiegenden Ver
letzungen sei auch aktenkundig nicht be
legt (S.
9 Ziff. 5 Mitte).
Der AMDP-konform erhobene psychiatrische Untersuchungsbefund sei ohne namhafte objektive Auffälligkeit. Auch aktenkundig lägen keine AMDP-kon
for
men Befunde einer gravierenden Depression vor (S. 9 Ziff. 5). Die berichteten Unfälle erfüllten auch nicht die Kriterien lebensbedrohlicher oder katastrophaler Ereignisse (S. 9 Ziff. 5 unten).
Allenfalls sei zu erwägen, dass es durch eine Überforderungssituation und inter
ak
tionelle Probleme am letzten Arbeitsplatz mit dann erfolgter Kündigung zu einer psychischen Reaktionsbildung mit affektiver Beeinträchtigung gekom
men und somit die Diagnose einer Anpassungsstörung als möglich anzusehen sei. Alternativ lasse sich vor dem Hintergrund der Biographie der Beschwerde
füh
rerin auch eine
Dysthymie
diskutieren. Wesentlich sei jedoch, dass der jetzige Befund gegen eine namhafte Depressivität spreche. Die Arbeitsfähigkeit sei für jedwede Tätigkeit mit dem
gegebenen Ausbildungsniveau mit 100 % einzu
schätzen. Dies gelte per sofort (S. 10 oben).
Im Bericht der vorbehandelnden Psychotherapeutin
(vgl. vorstehend E. 3.5)
werde die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittel
gradiger depressiver Episode aufgeführt. Darin sei letztlich nur eine geringe Beeinträchtigung be
schrieben worden und keine objektive Befunderhebung nach AMDP erfolgt. Der Bericht reiche versicherungsmedizinisch nicht aus. Für eine auch vorangehend nur geringe psychische Beeinträchtigung sprächen zudem die niedrig dosierte, vor allem schlafinduzierte antidepressive Medikation sowie die gute Alltags
selb
ständigkeit der Beschwerdeführerin mit einem insgesamt guten Aktivitäts
niveau (S. 10 Mitte) Auch die Kriterien einer somatoformen Schmerz
störung oder einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und körperli
chen Fak
toren seien nicht erfüllt. Dies, da eine namhafte Schmerzbeein
trächti
gung und ein fehl
ver
ar
beiteter seelischer Konflikt zumindest nicht mehr evident seien. Die Sympto
me einer posttraumatischen Belastungs
störung (Alb
träume, Intrusionen,
Hyper
arousal
, Vermeidungsver
halten) lägen ebenfalls nicht vor (S.
10 unten).
Auf psychiatrischem Gebiet sei eine unfallkausale Gesundheitsstörung nicht und zu keinem Zeitpunkt wahrscheinlich (S. 11 Ziff. 5).
Zur
Frage, ob Differenzen zwischen den subjektiven Beschwerden und den erho
benen Befunden bestün
den
, führten sie aus,
in der Gegenübertra
gung und im objektiven Befund nach AMDP liessen sich keine gravierenden Beein
trächtigun
gen erkennen. Die anamnestisch reklamierte Beeinträchtigung sei also zumindest hinsichtlich deren Ausprägung nicht ausreichend nachvoll
ziehbar und widerspre
che im Übrigen auch der anamnestisch aufscheinenden Alltagsge
staltungs
fähig
keit und der Aktivität der Beschwerdeführerin (S. 11 Ziff. 6).
3.8
Ebenfalls am 15. Oktober 20
15 erstatteten Dr. med. J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates, und Prof.
I._
,
Z._
, ein
orthopädische Gut
achten im Auftrag der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
19/M18), wobei sie sich auf die ihnen überlassenen Akten, die Untersuchung durch Dr.
J._
vom 4. September 2015 und das psychiatrische Gutachten (vgl.
vor
stehend E. 3.7
) stützten (S. 1 unten).
Als
Diagnose
nannten sie
eine leichtgradige radiale und
ulnare
Epicondylo
pathie
des rechten Ellenbogengelenks und stellten fest, dass für eine objekti
vierte Unfallfolge kein ausreichender Anhaltspunkt bestehe (S. 11 Ziff. 4).
Anamnestisch habe die Beschwerdeführerin zunächst Kopf- und Nackenschmer
zen geäussert. Sie verspüre häufiger Übelkeit und habe Schwindel. Die Beschwer
den bestünden dauerhaft. Zeitweilig komme es auch zu einer anfallsarti
gen Symptomatik mit Herzrasen. Die Kopfschmerzen strahlten vom Nacken beginnend bis in die Stirnregion aus und würden
haubenförmig
geschildert (S. 2 Ziff. 1.1 oben). Weiterhin werde eine Lumbalgie mit Ausstrahlung in die rechte Gesässregion geschildert. Die Beschwerdeführerin habe hier bewegungs- und belastungsabhängig überwiegend lokale Schmerzen. Zeitweise bestehe auch eine Schmerzausstrahlung in den rechten Oberschenkel und das Kniegelenk, die vor
wiegend die Vorderseite des Beines betreffe. Die Schmerzen würden als stechend beschrieben. Auf der fiktiven Schmerzskala (O-10) betrage die aktuelle Intensität 5 und die maximale Intensität 8. Die minimale Intensität liege bei 2. Längeres Sitzen bereite vermehrt Beschwerden. Im Stehen sei die Symptoma
tik erträglich. Wegen der geschilderten Schmerzen müsse sie dauerhaft Medi
kamente ein
nehmen und sei in ihrer körperlichen Belastbarkeit eingeschränkt. Bei der Haus
arbeit erhalte sie Hilfe durch ihre Mutter, die jedoch selbst gesund
heitlich ange
schlagen sei (S. 2 Ziff. 1.1).
Im Jahr 2010 sei wegen Adipositas eine
Magenbypassoperation
durchgeführt worden. Sie habe den Eingriff bei einem Körpergewicht von 130 kg durchführen lassen (S. 3 Ziff. 1.2 oben).
Bei dem Unfallereignis vom 1. November 2014 habe es sich um eine Heckkolli
sion auf der Autobahn gehandelt. Ein mit hoher Geschwindigkeit fahrendes PKW
Fahrzeug habe sie heckseitig angestossen. Die Beschwerdeführerin habe anschliessend Nacken- und Kopfschmerzen, Übelkeit und Konzentrations
stö
rungen bemerkt. Sie sei jedoch erst zwei Tage nach dem Unfallereignis zum Hausarzt gegangen, der ein Röntgenbild veranlasst habe. Es sei eine Schmerz
medikation eingeleitet worden sowie eine längere Serie von physiotherapeuti
schen Behandlungen. Die Beschwerdeführerin habe in den weiteren Ausführun
gen angegeben, dass sie bereits 2013 bei einem Verkehrsunfall eine Distorsion der Halswirbelsäule und eine Commotio cerebri erlitten habe mit einer damals zirka dreimonatigen Arbeitsunfähigkeit. Diese sei wegen Angst vor einem Stel
lenverlust beendet worden. Seit dieser Zeit habe sie wiederkehrende
Zervikoze
phalgien
. Zu einer Beschwerdefreiheit sei es nach dem ersten Unfallereignis nie gekommen (S. 3 Ziff. 1.2).
Die Beschwerdeführerin sei bis 2010 wegen der Erziehung ihres Kindes zu Hause geblieben. Sie habe dann eine Tätigkeit im Labortransport und in der Be
gleitung von Patienten angenommen, zuletzt mit einem Pensum von 100 %. Anschlies
send habe
sie eine Tätigkeit in der Gastronomie aufgenommen, wo sie als Filial
leiterin eingesetzt gewesen sei (S. 4 Ziff. 1.4).
Die Beschwerdeführerin habe zervikale und
zephale
Schmerzen sowie die rechts
seitige Lenden-/Beckenregion betreffende Schmerzen geäussert. Bei der gutach
terli
chen Untersuchung sei eine leichtgradige radiale und
ulnare
Epicondylo
pa
thie
des rechten Ellenbogengelenkes objektiviert worden. Ansonsten bestehe kein
ausreichender Anhaltspunkt für eine objektivierbare namhafte Auffällig
keit. Die spontane Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei frei und ungehindert. Objektive Zeichen eines namhaften zervikalen Syndroms lägen nicht vor (kein paraver
tebraler Hartspann, keine Fehlstellungen oder Fehlhaltungen, kein
ner
va
les
De
fi
zit). Auch aktenkundig seien keine unfallkausalen strukturellen zervi
kalen oder
zephalen
Läsionen objektiviert worden. Die bisherigen Arbeits
un
fähig
keitsat
teste
seien offenkundig anhand des subjektiven Beschwerdevor
trages er
teilt worden. Sie seien versicherungsmedizinisch nicht haltbar, da nam
hafte objektive Stö
rungszeichen oder Läsionen nicht belegt und auch jetzt nicht zu erkennen seien (S. 11 Ziff. 5).
Angesichts der anamnestischen Angabe mehrerer Unfälle und damit assoziierter ähnlicher Beschwerden sei fraglich, welchem Ereignis eine
allfällig
e unfall
be
dingte Gesundheitsstörung überhaupt zuzuordnen sei. Die im Bereich des rechten Armes zu erhebende radiale und
ulnare
Epicondylopathie
sei ohne Be
schwerde
korrelat. Eine namhafte funktionelle Beeinträchtigung lasse sich hie
raus nicht ableiten. Weiter liege auch keine Inaktivitätshypertrophie des rechten Armes vor (S. 11 Ziff. 5 unten).
Das Unfallereignis vom 1. November 2014 sei anamnestisch und aktenkundig als leichtgradig zu bewerten, da strukturelle Läsionen nicht nachgewiesen wor
den seien. Auch spreche die Evidenzlage der wissenschaftlichen Medizin gegen einen Kausalbezug der reklamierten chronischen
zervikozephalen
Beschwerden mit Halswirbeldistorsionen ohne belegte strukturelle Verletzungen
(S. 12 Mitte)
.
Z
usammen
fassend sei die Beschwerdeführerin für die zuletzt ausgeübte und jedwede ver
gleichbare oder auch eine andere Tätigkeit des allgemeinen Arbeits
marktes als zu 100 % arbeitsfähig anzusehen
, d
ies per sofort und auch retrospek
tiv ex
tunc
geltend (S. 12 unten).
3.9
Med.
pract
.
K._
nannte in ihrem Bericht vom 30. November 2015 über ihre am 25. November 2015 erfolgte neurologische Untersuchung (
Urk.
19/M19)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz bei
-
zugrundeliegenden posttraumatischen Kopfschmerzen vom Spannun
gs
typ, Differentialdiagnose: zusätzlicher Migränetyp bei
-
Status nach zweimaligen HWS-Beschleunigungstrauma und leichtem Schädel-Hirn-Trauma (2012 und 2014)
-
attackenartige
Zustände mit variablen Symptomen: Schweissausbrüche, Übelkeit, Ganzkörperkribbeln, Übelkeit bisher ungeklärter Genese, Dif
fe
rentialdiagnose: Kreislaufreaktionen, Differentialdiagnose: Angst
atta
cken, Differentialdiagnosen: epileptische Genese
Anamnestisch bestünden ein Status nach einer
Magenbypassoperation
2010, eine Hypothyreose, aktuell substituiert, und ein Vitamin D3 Mangel, aktuell substi
tu
iert.
Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie seit über einem Jahr vergeblich wegen chronischer Kopfschmerzen betreut worden sei. Ursächlich für die Kopf
schmerz
problematik seien zwei Autounfälle. Zuvor habe sie nur hin und wieder leichte Kopfschmerzen gehabt (S. 2 oben). Unabhängig von den Kopfschmerzen würden gelegentlich Zustände auftreten, bei denen die Beschwerdeführerin plötzlich Übelkeit und ein Ganzkörperkribbeln empfinde. Es komme zu einem diffusen Schwindelgefühl und zum Teil auch zu Schweissausbrüchen. Das Be
wusstsein sei hierbei nie beeinträchtigt. Die Patientin berichte, dass sie körper
lich und geistig erschöpft sei. Sie sei häufig müde, auch weil sie schlecht schlafe (S. 2 unten).
Die Einschätzung der komplexen medizinischen wie auch psychosozialen Situa
tion der Patientin könne nur bedingt erfolgen, da med.
pract
.
K._
keine Vor
berichte oder Untersuchungsbefunde vorl
ägen
. Unstrittig sei, dass bei der Menge und Dauer der Schmerzmitteleinnahme ein Medikamentenüber
ge
brauchs
kopf
schmerz diagnostiziert werden müsse (S. 4 Mitte).
3.
10
Dr. med. L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
l
ic
.
phil. M._
, f
allführende Psychologin,
f
ührten in
ihr
em Bericht vom 15. Januar 2016 (Urk.
19/M
20
)
über das am 1
3.
Oktober 2015 erfolgte Erstge
spräch zur aktu
ellen Situation aus, seit einem Auto
unfall
im November 2014 bestünden bei der Beschwerdeführerin Ein- und Durch
schlaf
störungen und Nacken- und Kopfschmerzen. Die Beschwerden hät
ten sich seit August 2015 ver
stärkt mit Anfällen mit Schwindel, Übelkeit, Krib
beln und Schweissausbrüchen. Dann helfe ihr nur Liegen und Schlafen. Bis Mai 2015
hätten auch Rückenschmer
zen bestanden. Die Patientin wolle keine Pläne ma
chen aus Angst vor Enttäu
schung (S. 1).
Z
um Psychostatus
gaben sie
an, die 38-jährige Patientin sehe müde aus. Sie sei bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten ori
entiert. Im Kontakt sei sie teilweise
gereizt. Die Auffassung sei unauffällig, die Konzentration eingeschränkt. Es komme zu Gedankenkreisen. Im Antrieb sei sie reduziert (S. 2 oben).
Die belastete Patientin sei seit dem Unfall zu 100 % arbeitsunfähig. Seither be
stün
den persistierende Nacken- und Kopfschmerzen. Es bestehe ein Status nach Binge
Eating
und Magen-Bypass-Operation. Weiter bestehe eine chro
ni
sche
Nacken- und Kopfschmerzsymptomatik bei einem Status nach zweimaligem HWS
Distorsionstrauma. Eine Hypothyreose sei substituiert. Sodann bestehe eine re
zidivierende depressive Störung bei gegenwärtig mittelgradiger Episode (S. 2).
3.11
Die Beschwerdeführerin war in der Folge vom 22. Februa
r bis 18. März 2016 in der K
linik
N._
hospitalisiert
, worüber am 7. April 2016 berichtet wurde
(Urk.
19/M21)
. Es
wurden folgende Diagnosen gestellt
(S. 1):
-
Verdacht auf Medikamentenüberkonsum bei zugrundeliegenden post
tr
au
matischen Kopfschmerzen, Differentialdiagnose: chronischer Migrä
netyp
-
Status nach zweimaligem HWS-Beschleunigungstrauma und leichtem Schädel-Hirn-Trauma (2012 und 2014)
-
attackenartige
Zustände mit variablen Symptomen: Schweissausbrüche, Übelkeit, Ganzkörperkribbeln, Übelkeit bisher ungeklärter Genese; Dif
fe
rentialdiagnose: Kreislaufreaktionen, Angstattacken
-
Status nach
Magenbypassoperation
2010
-
Hypothyreose unter
Eltroxin
-Substitution
Zum Verlauf wurde
aus
geführt
, die Beschwerdeführerin sei zur statio
nären neu
ro
logischen Rehabilitation zugewiesen worden. Seit 2012 be
stünden zunehmende chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Bei zwei Autoun
fällen sei es zweimalig zu einem HWS-Beschleunigungstrauma und einem leichten Schädel-Hirn-Trauma gekommen. Beim Eintritt in die Klinik hätten tägliche Kopf
schmer
zen im Bereich des Nackens mit Ausstrahlung bis in die Stirn mit einer Stärke auf der Schmerzskala von 8 von 10 bestanden (S. 1).
Die Schmerzsymptomatik habe sich im Verlauf verbessert, ohne dass die Schmer
zen vollständig verschwunden seien (S. 2 oben). Für eine leichte körper
liche Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 50 % denkbar (S. 4 oben).
3.12
Dr.
L._
und
lic
. phil.
M._
(vorstehend E. 3.10)
,
nannten in ihrem Bericht vom 3
0.
August 2016 (
Urk.
19/M40) folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittlere bis schwere Episode (ICD-10 F33.1/F33.2)
-
mindestens Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional instabilen Anteilen,
Borderline
-Typ
-
dissoziative Störungen (Konversionsstörungen) gemischt (ICD-10 F44.7)
-
Binge
Eating
(ICD-10 F50.4)
-
Status nach Magen-Bypass-Operation 2010
-
posttraumatische Kopfschmerzen
-
Status nach zweimaligem HWS-Beschleunigungstrauma und leichtem Schädel-Hirn-Trauma, 2012 (richtig: 2013) und 2014
-
Hypothyreose
Sie führten aus, seit Behandlungsbeginn habe sich tendenziell eine Verschlechte
rung der Symptomatik gezeigt. Eine vorgeschlagene stationäre psychiatrische Behandlung lehne die Patientin derzeit ab. Anamnestisch sei zu erfahren, dass bereits vor dem Unfall eine psychiatrische Erkrankung bestanden habe. Es sei jedoch davon auszugehen, dass es durch den Unfall zu einer deutlichen Zunahme der psychiatrischen Symptomatik gekommen sei (S. 2 unten).
3.1
3
D
er orthopädische
Z._
-Gutachter führten in einer ergänzenden Stellung
nahme vom
3.
November 2016 (
Urk.
19/M44)
noch einmal aus, dass und inwiefern die beiden Gutachten im Austausch aufeinander abgestimmt seien (S.
1 f.), und dass die Begutachtung in (den gewählten) zwei Disziplinen gerechtfertigt gewesen sei, dies auch im Lichte der näher ausgeführten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (S. 2). Ferner bestätige der Bericht von med.
pract
.
K._
(vgl.
vorstehend E. 3.
9
) das Fehlen einer
nervalen
Auffälligkeit, in welchem zudem bezüglich der Funktionen und Muskulatur der HWS keinerlei Auf
fällig
keiten berichtet würden (S. 3 oben).
4.
4.1
In der Beschwerde (
Urk.
1) wurde gegen das Vorgehen der Beschwerdeführerin und die
Z._
-Gutachten eingewandt
:
(a)
gemäss BGE 134 V 109 E. 9.4 wäre eine polydisziplinäre Begutachtung anzeigt gewesen (S. 13
Ziff.
7.2)
(b)
es sei zu Unrecht kein strukturiertes Beweisverfahren
(BGE 141 V 281)
durch
geführt worden (S. 13
Ziff.
7.3)
(c)
es handle sich um zwei Einzelgutachten ohne Konsensbesprechung (S. 13 f.
Ziff.
7.4)
(d)
es sei zu Unrecht kein Einigungsverfahren (BGE 137 V 201) durchgeführt worden (S. 14
Ziff.
7.5)
(e)
die
Z._
AG sei befangen und deshalb nicht neutral, dies verbunden mit verschiedenen Prof.
I._
betreffenden Hinweisen (S. 14 ff.
Ziff.
7.6)
4.2
Hinsichtlich der meisten Kritikpunkte kann auf das die Beschwerdeführerin betreffende und ihr mithin bekannte Urteil des Bundesgerichts 9C_319/2017 vom 1
5.
Februar 2018 verwiesen werden, insbesondere Punkt (b) betreffend
auf
dessen Erwägung 2.5, Punkt (c) betreffend
auf
dessen Erwägung 2.3 (und vorstehend E.
3.13), Punkt (d) betreffend
auf
dessen Erwägung 2.1 und Punkt (e) betreffend
auf
dessen Erwägung 2.2.
Punkt (a) betreffend ist darauf hinzuweisen,
dass im angeführten BGE 134 V 109
nicht gesagt wird, es sei in jedem Fall ein polydisziplinäres Gutachten erforder
lich,
sondern es sei nach HWS-Distorsionen nebst einer genügenden Erstabklä
rung zu verlangen, dass eine «eingehende medizinische Abklärung (im Sinne eines polydisziplinären / interdisziplinären Gutachtens)» bereits in einer ersten Phase nach dem Unfall vorgenommen werde, sofern und sobald Anhaltspunkte für ein längeres Andauern oder gar eine
Chronifizierung
der Beschwerden bestünden (E. 9.4). Dass dem im vorliegenden Fall nicht nachgelebt worden sein sollte, ist nicht ersichtlich.
4.3
Die gegen die Gutachten erhobenen Einwände erweisen sich somit als nicht stich
haltig. Nachdem die Gutachten auch alle praxisgemäs
sen Kriterien (vorstehend E.
1.6
) vollumfänglich erfüllen, ist auf sie abzustellen.
Dementsprechend steht fest, dass im Begutachtungszeitpunkt (September 2015) keine Diagnosen vorlagen, die eine dem Unfall vom
1.
November 2014 zuzurech
nende gesundheitliche Einschränkung begründet hätten.
4.4
Lagen somit (auch) im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids (März 2017) keine unfallkausalen Beeinträchtigungen mehr vor, erweist sich auch der Einwand des angeblich verfrühten Fallabschlusses (
Urk.
1
S. 11 f.
Ziff.
6,
Urk.
26 S. 14
Ziff.
6.1) als nicht stichhaltig.
4.5
Dass die Beschwerdegegnerin eine fortgesetzte Leistungspflicht mangels unfall
kausaler Beeinträchtigung (vorstehend E. 4.3) verneint hat, ist
somit
als zutreffend zu bestätigen.
Lediglich ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch die Prüfung der adäquaten Kausalität zwischen dem Unfall und allfällig anhaltenden Beschwerden (vgl. vor
stehend E. 1.
5
) zum gleichen Ergebnis führen würde. Der im Stillstand erlittene Auffahrunfall ist praxisgemäss im mittleren Bereich an der Grenze zu den leich
ten Unfällen einzuordnen (
SVR 2010 UV Nr. 10
Erw
. 4.2.2
)
,
womit zur Bejahung der Adäquanz mindestens vier Kriterien erfüllt sein müssten
(SVR 2010
UV Nr.
25 E.
4.
4).
Nicht erfüllt sind vorliegend die
Kriterien besonders dramatische
r
Begleitum
stände oder besondere
r
Eindrücklichkeit des Unfalles
, der
Schwere oder besonde
re
n
Art der erlittenen Verletzungen
, der
fortgesetzt spezifische
n
, belastende
n
ärzt
liche
n
Behandlung
, einer
die Unfallfolgen erheblich verschlimmer
nden
ärztliche
n Fehlbehandlung sowie eines schwierigen
Heilungsverlauf
s
und erhebliche
r
Kom
plikationen
. Damit kann
offen bleiben
, wie es sich mit den lediglich zwei verblei
benden Kriterien (
erhebliche Beschwerden
,
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen
) verhielte
.
4.6
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin eine weiter dau
ernde Leistungspflicht zu Recht verneint hat, so dass der angefochtene Entscheid zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.