Decision ID: 158c8515-c68c-5041-a07a-c1c88e99976e
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. A.1
Am 6. April 2016 fällte der Gemeinderat B_ einen Beschluss in Sachen Wiederaufnahme
wirtschaftlicher Sozialhilfe. In diesem wurde in Ziffer 1 unter anderem festgehalten, dass
A_ ab 5. Februar 2016 durch die Sozialhilfe unterstützt wird. Weiter wurde in Ziff. 2 Abs.
2 festgehalten, dass die Nebenkosten für Strom, Wasser, Heizkosten, Kaminfeger und die
Prämie für die kantonale Gebäudeversicherung während der Dauer der Unterstützung und
nach Vorlage der entsprechenden Rechnung durch das Sozialamt übernommen werden.
Dabei werden die an C_ ausbezahlten Nebenkosten in Abzug gebracht. In Ziff. 8 wurde
beschlossen, dass ausserordentliche Kosten wie z.B. Zahnarztkosten nur nach Einreichung
Seite 3
eines Kostenvoranschlages sowie vorgängiger Zustimmung durch das Sozialamt B_
übernommen werden.1
A.2
Im Schreiben vom 21. Juni 2016 – unter dem Titel „Nachzahlung bis und mit 30. April 2016,
Einstellung der Sozialhilfe per 30. April 2016“ – teilte die Gemeinde B_ A_ mit, dass
eine Nachzahlung der mit Verfügung vom 6. April 2016 beschlossenen
Sozialhilfeleistungen über Fr. 1’833.25 erfolge. Die Zahlung setze sich zusammen aus dem
(Rest-)Grundbedarf April 2016 von Fr. 482.65, 3 Ster Brennholz von Fr. 300.--,
Leistungsabrechnungen der Krankenkasse von Fr. 439.60, Haushaltsversicherung (Februar
– April 2016) von Fr. 26.-- und dem Hypothekarzins anteilsmässig Februar – April 2016 von
Fr. 585.--. Weiter wurde ihm mitgeteilt, dass die Überweisung erst erfolge, wenn er die
fehlenden Kontoauszüge vom 1. Februar 2015 – 29. Februar 2016 für das Konto CH97...
zugestellt habe. Hinsichtlich der Zahnarztkosten wurde festgehalten, dass der Gemeinderat
B_ als zuständige Sozialhilfekommission über die Übernahme der Kosten entscheiden
werde. Sodann wurde ihm, da A_ telefonisch den Erhalt der AHV-Rente seit 1. Mai 2016
mitgeteilt habe, das rechtliche Gehör im Zusammenhang mit der Einstellung der Sozialhilfe
per 30. April 2016 gewährt.2
A.3
A_ nahm mit Mail vom 3. Juli 2016 hierzu Stellung und machte geltend, er habe vom
Grundbedarf Februar 2016 Anspruch auf Fr. 755.-- und von der Haushaltsversicherung
Anspruch auf Fr. 104.20. Weiter rügte er, dass ihm für die Assekuranz Versicherung nur
der Betrag von Fr. 123.20 anstelle von Fr. 492.65 überwiesen worden sei. Die fehlenden
Unterlagen werde er nachreichen, wenn er wieder in E_ sei. Im Übrigen bitte er den
Monat April 2016 der angehängten AHV-Beitragsrechnung zu verarbeiten.3
A.4
Gemäss E-Mail Ausdruck vom 7. Juli 2016 sandte A_ der Leiterin der Sozialen Dienste
B_ einen Kontoauszug vom 1. bis 29. Februar 2016 des Kontos CH70... .4
B. B.1
Am 10. August 2016 erhob A_, vertreten durch seine Tochter D_,
Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Departement Gesundheit und Soziales
(nachfolgend: DGS) und beantragte, die Gemeinde B_ sei zu veranlassen, umgehend
1 Act. 9.2 2 Act. 9.1 3 Act. 6.1 4 Act. 6.1
Seite 4
den geschuldeten Betrag auszuzahlen und sämtliche im rechtlichen Gehör [gemeint ist das
E-Mail vom 3. Juli 2016] verlangten und verweigerten Beträge zu überweisen.5
B.2
Mit E-Mail vom 30. August 2016 ersuchte das Sozialamt B_ das DGS um eine
Fristverlängerung für die Stellungnahme bis 30. September 2016.6 Diese wurde ihm per E-
Mail vom 1. September 2016 vom DGS gewährt.7
B.3
Das Sozialamt B_ ersuchte das DGS mit E-Mail vom 27. September 2016 aufgrund
notwendiger weiterer Abklärungen und aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls um
eine erneute Fristverlängerung.8 Das DGS gewährte mit E-Mail vom 29. September 2016
eine zweite Fristerstreckung bis 31. Oktober 2016.9
B.4
Die Vernehmlassung des Gemeinderats B_ ging am 13. Oktober 2016 beim DGS ein. Er
brachte vor, dass der Betrag von Fr. 1‘833.25 an A_ überwiesen worden sei, obwohl er
den geforderten Kontoauszug bis heute nicht beigebracht habe. Die Auszahlung des
Grundbedarfs ab 1. Februar 2016 und die volle Übernahme der Prämienrechnung der
Assekuranz AR seien Gegenstand des laufenden Rekursverfahrens (Rekurs vom 18. April
2016 gegen den Beschluss des Gemeinderats B_ vom 6. April 2016). Die Übernahme
der Prämienrechnung für die Haushaltsversicherung sei pro rata für die Zeit der
Unterstützung erfolgt, wobei aufgrund des Versicherungsjahres A_ keinen Anspruch
darauf gehabt hätte.10
B.5
Mit Entscheid vom 24. November 2016 schrieb das DGS die
Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 10. August 2016 zufolge Gegenstandslosigkeit ab.11
C. Mit Eingabe vom 16. Januar 2017 erhob A_ gegen den Entscheid des DGS vom
24. November 2016 Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen beim
Obergericht Appenzell Ausserrhoden. Er stellte sich im Wesentlichen auf den Standpunkt,
dass Seitens der Sozialkommission nicht rechtsgenüglich um Fristverlängerung ersucht
5 Act. 6.1 6 Act. 6.4 7 Act. 6.4 8 Act. 6.5 9 Act. 6.5 10 Act. 6.6 11 Act. 2
Seite 5
worden sei, dass die Auszahlung des Betrages über Fr. 1‘833.25 ungebührlich verzögert
worden sei und dass in Bezug auf seine Anträge im Zusammenhang mit dem
Hypothekarzins, der Sozialunterstützung, dem April-Anteil der AHV-Beitragsrechnung
sowie der Zahnarztkosten eine Rechtsverzögerung festzustellen sei und das Obergericht
über die offenen Positionen zu verfügen habe.12
D. Das DGS beantragte in der Vernehmlassung vom 27. Februar 2017, die Beschwerde von
A_ vollumfänglich abzuweisen. Der Antrag, es sei vom Obergericht über die verlangten
und verweigerten Beträge zu verfügen, gehe fehl. Zudem bildeten die Zahnarztkosten
Gegenstand eines separaten Verfahrens und der Gemeinde B_ könne in diesem
Zusammenhang keine Rechtsverzögerung vorgeworfen werden.13 Die Gemeinde B_
verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme.
E. Die Replik von A_ datiert vom 4. Mai 2017.14 Die Duplik des DGS ging am 6. Juni ein.15
Hierzu nahm A_ mit Eingabe vom 12. Juni 2017 Stellung.16
F. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den Akten sowie auf die Vorbringen der
Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit für die Beurteilung entscheidrelevant, im
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. 1.1
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Formerfordernisse erfüllt sind. Insoweit ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde insoweit, als der Beschwerdeführer
beschwerdeweise seinen Hypothekarzins thematisiert und geltend macht, die mit E-Mail
vom 10. November 2016 angemahnte Nachzahlung von Fr. 369.-- sei ungebührlich
12 Act. 1 13 Act. 5 14 Act. 8 15 Act. 11 16 Act. 14
Seite 6
verzögert worden.17 Dem ist entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits früher –
nämlich am 10. August 2016 – Rechtsverweigerungsbeschwerde beim DGS erheben liess,
jedoch weder in der Beschwerdeschrift noch in der E-Mail vom 3. Juli 2016 der
Hypothekarzins Thema war.18 Auch im vom Beschwerdeführer angefochtenen Entscheid
des DGS vom 24. November 2016 wurde der Hypothekarzins nicht thematisiert.19 Daher
gehört das Thema Hypothekarzins nicht zum Streitgegenstand der vorliegenden
Beschwerde.20
1.3
Soweit der Beschwerdeführer beantragt, das Obergericht habe „über die im rechtlichen
Gehör verlangten und verweigerten Beträge zu verfügen“, ist auf dieses Begehren ebenfalls
nicht einzutreten. Anfechtungsobjekt der vorliegenden Beschwerde bildet der Entscheid des
DGS vom 24. November 2016 über eine Rechtsverweigerungsbeschwerde.21 Damit hat das
Obergericht lediglich zu prüfen, ob das DGS die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom
10. August 2016 abschreiben durfte oder nicht. Die materielle Beurteilung einzelner
Kostenübernahmen ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens und das Obergericht
ist daher auch nicht zuständig, über die Bezahlung einzelner Beträge an den
Beschwerdeführer zu entscheiden.
2. 2.1
Der Beschwerdeführer macht mit seiner Rüge, wonach Fristerstreckungsgesuche per E-
Mail unzulässig seien, einen Verfahrensfehler der Vorinstanz geltend. Dem ist
entgegenzuhalten, dass für die Verwaltung des Kantons und die Verwaltung der meisten
Ausserrhoder Gemeinden die AR Informatik AG Dienstleistungen im Bereich der
Informations- und Kommunikationstechnologie erbringt.22 Unter anderem stellt sie ein
Netzwerk zur Verfügung, welches den Amtsstellen einen gesicherten Datenaustausch per
E-Mail untereinander ermöglicht. Auf dieser Grundlage ist die gängige Praxis im
Verwaltungsverfahren, einfache prozessuale Anträge – wie beispielsweise
Fristerstreckungsgesuche – verwaltungsintern per E-Mail zu stellen und zu beantworten,
als zulässig zu erachten. Zumal auch im Rahmen einer teleologisch orientierten Auslegung
von Art. 6 Abs. 1 VRPG dieses Vorgehen als zulässig erscheint. Vorliegend kommt hinzu,
dass der Beschwerdeführer von der Vorinstanz über die gewährten Fristerstreckungen
informiert wurde, indem er die von der Vorinstanz an das Sozialamt gerichteten E-Mails
17 Act. 1 18 Act. 6.1 19 Act. 2 20 KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, Rz. 1279f 21 Act. 2; KIENER/RÜTSCHE/KUHN, a.a.O., Rz. 1250 22 Vgl. https://www.ari-ag.ch/
Seite 7
betreffend Fristerstreckungen ebenfalls als Empfänger erhielt.23 Zu jenem Zeitpunkt brachte
er gegen das Vorgehen der Vorinstanz nichts Gegenteiliges vor, weshalb die erst jetzt
erhobene Rüge als rechtsmissbräuchlich erscheint.
Im Übrigen ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass zahlreiche Kantone –
wie auch der Bund – in ihren Verwaltungsrechtspflegegesetzen Rechtsgrundlagen für den
elektronischen Geschäftsverkehr eingeführt haben und auch der Kanton Appenzell
Ausserrhoden im Begriff steht, eine solche Grundlage für das Verwaltungs- und das
Verwaltungsgerichtsverfahren zu schaffen.
Demnach ist Ziff. 1 der Rechtsbegehren des Beschwerdeführers abzuweisen.
2.2
Im angefochtenen Entscheid vom 24. November 2016 vertritt die Vorinstanz die
Auffassung, wonach durch die Zahlung der Gemeinde B_ über Fr. 1‘833.-- das Verfahren
in diesem Bereich gegenstandslos geworden sei.24 Der Beschwerdeführer ist hingegen der
Ansicht, die Zahlung sei vom 21. Juni 2016 bis 27. September 2016 verzögert worden und
diese Verzögerung sei zu lang. Durch die verspätete Zahlung sei lediglich die
Rechtsverweigerung gegenstandslos geworden.25
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Abschreibung in Bezug auf die
Rechtsverweigerung i.e.S. zu Recht erfolgt ist.26 Zur vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Verzögerung ergibt sich aus den Akten, dass die Gemeinde im Schreiben vom
21. Juni 2016 die Zahlung der Fr. 1‘833.25 vom Erhalt und Prüfung des fehlenden
Kontoauszugs vom 1. Februar 2015 – 29. Februar 2016 des Kontos CH97... abhängig
machte.27 Gemäss E-Mail Ausdruck vom 7. Juli 2016 sandte A_ einen Kontoauszug vom
1. bis 29. Februar 2016 des Kontos CH70... .28 Die Gemeinde bestreitet jedoch den Erhalt
des im Schreiben vom 21. Juni 2016 geforderten Kontoauszugs.29 Der vorliegende E-Mail
Ausdruck vom 7. Juli 2016 stellt – unabhängig davon, dass die Kontonummern des
verlangten und eingereichten Kontos nicht ganz übereinstimmen (CH97... und CH70...)
und dass offenbar nicht die gesamte gewünschte Übersichtsdauer (statt ein
Jahresüberblick lediglich 1 Monat) eingereicht wurde – keinen genügenden Beweis für die
23 Vgl. act. 6.4 und act. 6.5: je unter cc: A_xx@yahoo.de 24 Act. 2 25 Act. 1 26 UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsver-
fahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N. 1ff. zu Art. 46a VwVG 27 Act. 6.1 28 Act. 6.1 29 Act. 6.6
Seite 8
von der Gemeinde geforderte Zustellung dar, weshalb mangels Nichterfüllung der
Bedingung für die Auszahlung des Betrages das Zuwarten der Gemeinde in Ordnung war.
Das DGS durfte somit die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 10. August 2016 in Bezug
auf diesen Punkt abschreiben und die vorliegende Beschwerde ist daher diesbezüglich
abzuweisen.
2.3
Die Vorinstanz ist im angefochtenen Entscheid vom 24. November 2016 in Bezug auf die
Prämienrechnung der Assekuranz AR der Meinung, dass dieser Punkt Gegenstand des
Rekurses gegen die Verfügung des Gemeinderates B_ vom 6. April 2016 sei und
darüber in jenem Verfahren entschieden werde. Der Gemeinde könne diesbezüglich keine
Rechtsverweigerung vorgeworfen werden.30
In der Verfügung vom 6. April 2016 hat der Gemeinderat B_ in Ziff. 2 Abs. 2
beschlossen, dass die Prämie für die kantonale Gebäudeversicherung während der Dauer
der Unterstützung und nach Vorlage der entsprechenden Rechnung durch das Sozialamt
B_ übernommen werde. Die an C_ ausbezahlen Nebenkosten werden in Abzug
gebracht.31 Gegen Ziff. 2 Abs. 2 dieser Verfügung hat der Beschwerdeführer keinen Rekurs
erhoben. Er hat aber im Rekurs vom 18. April 2016 beantragt, es sei ihm ab 1. April 2016
der Lebensbedarf einer alleinstehenden Person – und damit ohne einen Kostenanteil für
C_ – auszuzahlen.32 Der Gemeinde lag an der Sitzung vom 6. April 2016 die Rechnung
der Assekuranz AR vom 15. Januar 2016 über das ganze Jahr vor.33 Aufgrund des
Rekurses war nur der Kostenanteil Februar/März 2016 unbestritten, nicht aber derjenige für
den April 2016. Eine allfällige Auszahlung des vom Beschwerdeführers im E-Mail vom 3.
Juli 2016 geforderten Betrages ist daher erst nach Abschluss des Rekursverfahrens
möglich, da die Prämienrechnung der Assekuranz AR aufgrund des Gesagten zumindest
indirekt Gegenstand des Rekursverfahrens bildet. Die Vorinstanz hätte daher in diesem
Punkt die Rechtsverweigerungsbeschwerde des Beschwerdeführers nicht abschreiben
dürfen, sondern hätte auf sie nicht eintreten sollen, da eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde gegenüber den ordentlichen Rechtsmitteln subsidiär
ist.34 Aus Gründen der Prozessökonomie erscheint eine Korrektur des Erledigungsgrundes
30 Act. 2 31 Act. 9.2 32 Vgl. zum Beizug von Tatsachen, von denen der Richter aus Drittprozessen Kenntnis hat: Urteil des
Bundesgerichts 4A_37/2014 vom 24. Juni 2014 E. 2.4.1; Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/1 33 Act. 9.2 34 CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 1207
Seite 9
der Vorinstanz – von Abschreibung zu Nichteintreten – als zulässig, zumal damit kein
Entscheid in der Sache verbunden ist.
Der angefochtene Entscheid des Departementes Gesundheit und Soziales vom
24. November 2016 wird somit dahingehend korrigiert, als in Bezug auf die
Prämienrechnung der Assekuranz ein Nichteintretensentscheid zu ergehen hat.
2.4
In Bezug auf die Prämienrechnung der Haushaltversicherung führt die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid vom 24. November 2016 aus, die Gemeinde B_ habe darüber
entschieden, weshalb ihr keine Rechtsverweigerung vorgeworfen werden könne.35
In der Stellungnahme der Gemeinde B_ vom 10. Oktober 2016 an die Vorinstanz führte
erstere aus, der Beschwerdeführer habe am 18. April 2016 die Bezahlung der
Prämienrechnung der Haushaltversicherung verlangt. Sie hätten die Rechnung pro rata für
die Zeit der sozialhilferechtlichen Unterstützung (Februar – April 2016) in Höhe von Fr. 26.--
übernommen. Nachträglich habe sich herausgestellt, dass das Versicherungsjahr für die
Hausratversicherung eine Zeit betreffe, in welcher der Beschwerdeführer keinen Anspruch
mehr auf Sozialhilfeleistungen gehabt habe. Sie seien bereit, auf eine Rückforderung zu
verzichten.36
Somit hat die Gemeinde formell noch nicht über den Anspruch des Beschwerdeführers
entschieden. Das DGS durfte demnach die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom
10. August 2016 in Bezug auf diesen Punkt nicht abschreiben. Aufgrund der vorliegenden
Akten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer gegenüber der Gemeinde vor Erhebung
der Rechtsverweigerungsbeschwerde keine Mahnung in Bezug auf die Bezahlung der
Prämienrechnung der Haushaltversicherung ausgesprochen hat. Das Fehlen einer
Mahnung vor einer Rechtsverweigerungsbeschwerde müsste praxisgemäss an und für sich
zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides in diesem Punkt und Rückweisung an die
Vorinstanz führen, damit diese die Beschwerde in jenem Punkt abweist.37 Im vorliegenden
Fall sind seit dem Begehren des Beschwerdeführers betreffend Bezahlung der
Haushaltversicherung zwei Jahre vergangen. Angesichts dessen erscheint es als überspitzt
formalistisch, wenn nach dieser langen Dauer vom Beschwerdeführer noch das
Aussprechen einer Mahnung verlangt werden würde. Die Gemeinde B_ ist aufgrund
35 Act. 2 36 Act. 6.6 37 Vgl. Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 16 30 vom 6. Juli 2017 E. 3.1
Seite 10
diverser Rechtsmittelverfahren bewusst, dass der Beschwerdeführer (auch) die Prämien
der Haushaltversicherung bezahlt haben will.
Es rechtfertigt sich daher, den angefochtenen Entscheid der Vorinstanz vom 24. November
2016 insoweit aufzuheben, als der Gemeinderat B_ angewiesen wird, in Bezug auf die
Prämienrechnung der Haushaltversicherung umgehend einen Entscheid zu fällen.
2.5
Der Beschwerdeführer rügt, er habe bereits in der Stellungnahme vom 2. April 2016 sowie
im rechtlichen Gehör vom 3. Juli 2016 Sozialhilfe ab 1. Februar 2016 beantragt und bis
heute weder eine Überweisung noch eine Verfügung erhalten. Dies sei ein Grund mehr zur
Feststellung der Rechtsverzögerung.38 Die Vorinstanz nahm zum Grundbedarf im
angefochtenen Entscheid vom 24. November 2016 keine Stellung.39
In der Verfügung vom 6. April 2016 beschloss der Gemeinderat B_, den
Beschwerdeführer ab 5. Februar 2015 auf der Basis eines 2-Personenhaushaltes durch die
Sozialhilfe zu unterstützen.40 Diese Anordnung focht der Beschwerdeführer im Rekurs vom
18. April 2016 nicht an, weshalb die spätere Forderung nach Sozialhilfeleistungen ab dem
1. Februar 2016 an der Rechtskraft dieser Anordnung nichts zu ändern vermag.41 Im
Rekurs vom 18. April 2016 verlangte der Beschwerdeführer eine Abänderung von Ziff. 1 der
Verfügung lediglich dahingehend, dass ihm ab 1. April 2016 der Lebensbedarf einer
alleinstehenden Person auszuzahlen sei.42 Rechtskräftig ist somit der Grundbedarf vom
5. Februar 2016 bis 31. März 2016 auf der Basis eines 2-Personenhaushaltes. Eine
allfällige Nachzahlung ist daher erst nach Abschluss des Rekursverfahrens möglich, da der
Grundbedarf aufgrund des Gesagten Gegenstand des Rekursverfahrens bildet. Die
Vorinstanz hätte daher in diesem Punkt die Rechtsverweigerungsbeschwerde des
Beschwerdeführers nicht abschreiben dürfen, sondern hätte auf sie nicht eintreten sollen,
da eine Rechtsverweigerungsbeschwerde gegenüber den ordentlichen Rechtsmitteln
subsidiär ist. Aus Gründen der Prozessökonomie erscheint eine Korrektur des
Erledigungsgrundes der Vorinstanz – von Abschreibung zu Nichteintreten – als zulässig,
zumal damit kein Entscheid in der Sache verbunden ist.43
38 Act. 1 39 Act. 2 40 Act. 9.2 41 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/1 42 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/1 43 Vgl. E. 2.3
Seite 11
2.6
Der Beschwerdeführer brachte sodann vor, er habe im rechtlichen Gehör vom 3. Juli 2016
um den April-Anteil der AHV-Beitragsrechnung vom 10. Juni 2016 gebeten und dieser
Antrag sei bis heute verschleppt worden. Dies sei ein Grund mehr zur Feststellung der
Rechtsverzögerung.44 Die Vorinstanz nahm zu diesem Antrag im angefochtenen Entscheid
vom 24. November 2016 keine Stellung.45
Aufgrund der vorliegenden Akten hat die Gemeinde B_ noch nicht über den Anspruch
des Beschwerdeführers entschieden. Das DGS durfte demnach die
Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 10. August 2016 in Bezug auf diesen Punkt nicht
abschreiben. Zwar hat der Beschwerdeführer gegenüber der Gemeinde vor Erhebung der
Rechtsverweigerungsbeschwerde keine Mahnung in Bezug auf AHV-Beitragsrechnung
vom 10. Juni 2016 ausgesprochen. Das Fehlen einer Mahnung vor einer
Rechtsverweigerungsbeschwerde müsste praxisgemäss an und für sich zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheides in diesem Punkt und Rückweisung an die Vorinstanz führen,
damit diese die Beschwerde in jenem Punkt abweist.46 Im vorliegenden Fall sind seit dem
Begehren des Beschwerdeführers über 1 1/2 Jahre vergangen. Angesichts dessen
erscheint es als überspitzt formalistisch, wenn nach dieser langen Dauer vom
Beschwerdeführer noch das Aussprechen einer Mahnung verlangt werden würde. Die
Gemeinde B_ ist aufgrund diverser Rechtsmittelverfahren bewusst, dass der
Beschwerdeführer (auch) den Anteil der AHV-Beitragsrechnung bezahlt haben will.47
Es rechtfertigt sich daher, den angefochtenen Entscheid der Vorinstanz vom 24. November
2016 insoweit aufzuheben, als der Gemeinderat B_ angewiesen wird, in Bezug auf den
April-Anteil der AHV-Beitragsrechnung vom 10. Juni 2016 umgehend einen Entscheid zu
fällen.
2.7
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die Verschleppung der Erstattung der
Zahnarztkosten seit 21. Juni 2016 bis heute. Dies sei ein Grund mehr zur Feststellung der
Rechtsverzögerung.48 Die Vorinstanz wendet hierzu im angefochtenen Entscheid vom
24. November 2016 nichts ein.49 Im Schriftenwechsel bringt sie vor, dass die
Zahnarztkosten Gegenstand eines separaten Verfahrens (anhängig beim Obergericht unter
44 Act. 1 45 Act. 2 46 Vgl. Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 16 30 vom 6. Juli 2017 E. 3.1 47 E. 2.4 48 Act. 1 49 Act. 2
Seite 12
der Verfahrens-Nr. O4V 17 9) bilden, weshalb der Gemeinde keine Rechtsverzögerung
vorgeworfen werden könne.50
In der Verfügung des Gemeinderates B_ vom 6. April 2016 wurde in Ziff. 8 beschlossen,
dass ausserordentliche Kosten wie z.B. Zahnarztkosten nur nach Einreichung eines
Kostenvoranschlages sowie vorgängiger Zustimmung durch das Sozialamt B_
übernommen werden.51 Es wurde demnach nur dieser Grundsatz beschlossen, aber keine
Zusprache von konkreten Beträgen. In der Folge reichte der Beschwerdeführer bei der
Gemeinde Kostenvoranschläge ein.52 Im Rekurs vom 18. April 2016 gegen die Verfügung
der Gemeinde vom 6. April 2016 focht der Beschwerdeführer deren Ziff. 8 an. Er
beantragte, dass Ziff. 8 dahingehend zu interpretieren sei, dass die dem Sozialamt
angemeldete jährliche Zahnsteinentfernung samt Kontrolle durch den Zahnarzt wie bis
anhin auf Anmeldung an das Sozialamt zu übernehmen sei.53 In der Stellungnahme der
Gemeinde vom 24. Juni 2016 zum Rekurs stellte sie den baldigen Entscheid über die
Kostenübernahme in Aussicht.54 Am 10. August 2016 erhob A_
Rechtsverweigerungsbeschwerde beim DGS mit dem Antrag, die Gemeinde habe die
geschuldeten Beträge zu überweisen.55 Mit Entscheid vom 24. November 2016 schrieb das
DGS die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 10. August 2016 zufolge
Gegenstandslosigkeit ab.56 Im Rekursentscheid vom 21. Dezember 2016 wurde ausgeführt,
die Kostenvoranschläge seien am 13. und 18. April 2016 bei der Gemeinde eingegangen.
Diese habe in der Stellungnahme vom 24. Juni 2016 eingeräumt, demnächst über diese zu
entscheiden. Da die erstinstanzliche Verfügung noch nicht ergangen sei, könne im
vorliegenden Rekursverfahren darüber kein Entscheid gefällt werden.57 Mit Eingabe vom
16. Januar 2017 erhob der Beschwerdeführer gegen den Abschreibungsentscheid des
DGS vom 24. November 2016 die vorliegende Beschwerde.58 In der gegen den
Rekursentscheid vom 21. Dezember 2016 erhobenen Beschwerde vom 31. Januar 2017
beantragte der Beschwerdeführer unter anderem, es sei die Übernahme der
Zahnarztkosten im Betrag von Fr. 863.35 zu verfügen.59
Gemäss den vorliegenden Akten hat die Gemeinde B_ bis anhin noch nicht über die
Zahnarztkosten entschieden. Das DGS durfte demnach die
50 Act. 5 und act. 11 51 Act. 9.2 52 Act. 1 und act. 5 53 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/1 54 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/8 55 Act. 6.1 56 Act. 2 57 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.12/16 58 Act. 1 59 Vgl. Verfahren ERV 18 25: act. 2.1
Seite 13
Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 10. August 2016 in Bezug auf diesen Punkt nicht
abschreiben. Zwar hat der Beschwerdeführer gegenüber der Gemeinde vor Erhebung der
Rechtsverweigerungsbeschwerde keine Mahnung in Bezug auf die ausstehenden
Zahnarztkosten ausgesprochen. Das Fehlen einer Mahnung vor einer
Rechtsverweigerungsbeschwerde müsste praxisgemäss an und für sich zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheides in diesem Punkt und Rückweisung an die Vorinstanz führen,
damit diese die Beschwerde in jenem Punkt abweist.60 Im vorliegenden Fall sind seit dem
Begehren des Beschwerdeführers über 1 1/2 Jahre vergangen. Angesichts dessen
erscheint es als überspitzt formalistisch, wenn nach dieser langen Dauer vom
Beschwerdeführer noch das Aussprechen einer Mahnung verlangt werden würde. Die
Gemeinde B_ ist aufgrund diverser Rechtsmittelverfahren bewusst, dass der
Beschwerdeführer die Zahnarztkosten ersetzt haben will.61
Es rechtfertigt sich daher, den angefochtenen Entscheid der Vorinstanz vom 24. November
2016 insoweit aufzuheben, als der Gemeinderat B_ angewiesen wird, in Bezug auf die
Zahnarztkosten umgehend einen Entscheid zu fällen.
3. 3.1
Vorliegend geht es im Kern um die Vergütung von diversen Kosten im Rahmen der
Sozialhilfe. Nach Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 2 lit. b VRPG wird im Bereich der
öffentlichen Fürsorge in der Regel auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.
Demnach werden keine Kosten erhoben.
3.2
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen (Art. 53 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 3
lit. a VRPG).
60 Vgl. Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 16 30 vom 6. Juli 2017 E. 3.1 61 E. 2.4
Seite 14