Decision ID: 55d202a7-6357-458b-967d-37adf364bca9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
wurde am 2
9.
Januar 2013 (Tagebucheintrag) als einziger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der
Y._
im H
andelsre
gister des Kantons Zürich
eingetragen
(Urk. 3/2, Urk. 7/1/1
,
Urk.
7/102/3
)
.
Die Gesell
schaft wurde mit Statutenänderung vom 2
5.
Mai 2014
in
Z._
umfirmiert (
Urk.
3/2,
Urk.
7/74/1,
Urk.
7/102/1)
Am 18.
Juli 2014 wurde
der
Registereintrag
von
X._
wieder gelöscht (
Urk.
3/2
, Urk. 7/102/3
).
Die
Gesellschaft
war
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, Ausgleichskasse, als beitrags
pflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen (
vgl.
Urk.
7/6-7)
.
Mit Urteil des Konkursrichters des Bezirks
gerichts Zürich vom
5.
März 2015 wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet
(Urk. 3/2,
Urk.
7/106)
. Das Konkursverfahren wurde mit Urteil desselben Richters vom 3
1.
März 2015 mangels Aktiven
wieder
eingestellt (
Urk.
3/2
, Urk. 7/109
).
Mit Ver
fü
gung
vom 8
.
Juni
2015
verpflichtete d
ie
Ausgleichskasse
X._
als
Einzelhafter
zu Schadene
rsatz für ihr entgangene Lohnbeiträge (inkl. Mahn-, Verwaltungs-, Betreibungskosten und Verzugs
zinsen) im Betrag von Fr.
45
‘
008.0
5 (Urk.
7
/1
19). Die dagegen von
X._
am
9.
Juni 2015 erhobene Einsprache (
Urk.
7/120)
hiess die Ausgleichskasse
mit
Ein
spracheentscheid
vom 2
0.
November 2015
teilweise gut und stellte fest, dass
er
Schadenersatz in der Höhe von
bloss
Fr.
31‘913.20 zu leisten habe (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
0.
November 2015 erhob
X._
am 2
1.
November 2015 Beschwerde
und beantragte dessen Auf
he
bung (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Januar 2016 beantragte die
Beschwerdegeg
nerin
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6, unter Beilage der Kassenakten [Urk. 7/1-134]), w
as dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
8.
Januar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinter
lassenen
ver
sicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtli
che oder
grob
fahr
lässige
Missachtung von Vorschriften der Versicherung ei
nen Schaden zu
fügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juris
tische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener
Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invaliden
versicherungs- (Art. 66
des Bundesgesetzes über die Invaliden
vers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für
Dienstleis
tende
und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung) sowie auf jene an die Familienaus
gleichskassen (FAK
) gemäss dem Bundes
gesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorlie
gen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die
Aus
gleichs
kasse
als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten,
Veranla
gungs
-
und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Scha
dens
, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E.
3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E.
5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG nor
mierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Ar
beitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E.
5).
2.
2
Mit Schadenersatzverfügung vom 8. Juni 2015 machte die
Beschwerde
geg
nerin
gegenüber dem Beschwerdeführer eine Schadenersatzforderung im Be
trag von Fr. 45‘008.05 gelten
d
(Urk. 7/119).
Gemäss Konto-Auszug und
Bei
tragsübersicht
der Beschwerdegegnerin vom 5. Januar 2016 (
Urk.
7/133-134)
setzt
sich dieser Betrag
aus den
folgenden
unbe
zahlt gebliebenen
Lohn
bei
trägen
(jeweils inkl. Nebenkosten) zusammen:
den
Akontobeiträgen
für das
2.
Quartal 2013
von Fr.
4‘940.10, für das
3.
Quartal 2013 von Fr. 6‘250.75
und
für das
4.
Quartal 2013 von Fr. 6‘183.75,
den
Ausgleichs
rechnungen für das Jahr 2013
von Fr. 1‘269.70 und Fr. 484.10, den
Akonto
beiträgen
für das 1.
Quartal 2014 von Fr. 8‘452.10
und
für den April 2014 von
Fr.
2‘808.70 sowie
der R
echnung für das Jahr 201
4
von Fr.
14‘618.85 (ohne die
Mahnge
bühr von
Fr.
20.--, weil diese erst nach der Schadenersatzverfügung vom 8. Juni 2015,
am 2
0.
Juli 2015
,
in Rechnung gestellt
wurde
;
vgl. Pos. 201
3
00
02
bis Pos. 201
5
000
1
des Konto-Auszugs [
Urk.
7/134
]).
2.3
2.3.1
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, dass die
Konkursitin
im Jahr 2014 keine Arbeitnehmer
mehr
beschäftigt und damit
auch
keine Löhne
mehr
ausbezahlt
habe
(Urk. 1).
2.3.2
Falls das ins Recht gefasste Organ glaubhaft vorbringt, dass die Gesellschaft keine Arbeitnehmer beschäftigt und keine Löhne ausbezahlt hat, so hat die Ausgleichskasse zum Beweis ihrer Forderung Unterlagen aufzulegen, woraus ersichtlich ist, wann und an wen die der Beitragsforderung zugrundeliegende
Lohnzahlungen erfolgt sind (Urteil des Bundesgerichts H 3/02 vom
4.
Juli 2002
E. 3c; Marco
Reichmuth
, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach
Art.
52 AHVG,
Diss
. Freiburg 2008, S. 256
Rz
. 1083 mit Hin
weis). Vorausgesetzt ist jedoch, dass das Organ seine Vorbringen aus
reichend
sub
stantiiert (vgl. Urteile des Bundesgerichts H 19/01 vom 26. September 20
01 E. 4a und H 21/04 vom 2
9.
September 2004 E. 4.2 f.).
Es ist weiter darauf hinzuweisen, dass die Arbeitgeber im laufenden Jahr perio
disch
Akontobeiträge
zu entrichten haben, welche von der
Ausgleichs
kasse
aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme festgesetzt werden (
Art.
35
Abs.
1
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
[AHVV]
). Die Arbeitgeber haben der Ausgleichskasse wesentliche Ände
run
gen der Lohnsumme während des laufenden Jahres zu melden (Art. 35
Abs.
2 AHVV).
Alsdann haben d
ie Arbeitgeber die Löhne innert 30 Tagen nach dem Ablauf der Abrechnungsperiode, welche das Kalenderjahr umfasst, abzu
rech
nen (
Art.
36
Abs.
2 und 3 AHVV). Die Ausgleichskasse nimmt den Ausgleich
zwischen den geleisteten
Akontobeiträgen
und den tatsächlichen geschul
de
ten
Beiträgen
aufgrund der Abrechnung vor (
Art.
36
Abs.
4
Satz 1
AHVV).
Erhält eine Ausgleichskasse Kenntnis davon, dass ein Beitr
agspflichtiger keine
Beiträge
oder zu niedri
ge
Beiträge bezahlt hat, so hat sie die Nach
zahlung der geschuldeten Beit
räge zu veranlagen und nötigenfalls durch Verfügung festzusetzen. Vor
be
halten bleibt die Verjährung nach
Art.
16
Abs.
1 AHVG (
Art.
39
Abs.
1 AHVV).
Mit Bezug auf die Haftung des Arbeitgebers nach
Art.
52 AHVG hat das dama
lige Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden, dass der Arbeit
geber für die Differenz zwischen den geleisteten Akontozahlungen (
Art.
34
Abs.
3 AHVV) und den genauen Beiträgen nicht haftbar gemacht werden kann, es sei den
n
,
er
hab
e
be
zweckt,
aufgrund von finanziellen Schwierig
keiten
die Fälligkeiten
seiner Schulden durch deutlich
ungenügende Akonto
zahlungen
weitmöglichst
hinauszuschieben (ZAK 1992 S
.
246
).
Wenn der Arbeit
geber seiner
Meldepflicht nach Art. 35 Abs. 2 AHVV
nicht nachkommt und
zu tiefe
Akontobeiträge
leistet
,
verhält
er
sich widerrechtlich und schuld
haft im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG,
sofern er nicht
sicher
stell
t
, etwa durch Bildung von Rückstellungen, dass unter Berück
sich
tigung der zu erwar
ten
den wirtschaftlichen Entwicklung genügend Mittel für die Be
gleichung der entsprechend höheren Schlussabrechnung innert nütz
licher Frist zur Verfü
gung stehen (Ur
teil
e
des Bundesgerichts 9C_355/2010 vom 17. August 2010 E. 5.2.2
und 9C_247/2016 vom 1
0.
August 2016 E. 5.1
.
1, je mit weiteren Hinweisen
).
2.3.3
Den Kassenakten ist zu entnehmen, dass die
Konkur
sitin
der
Beschwerde
gegnerin
am
9.
Januar 2014 als Grundlage für die
Akontobeiträge
für das Jahr 2014 eine Lohnsumme von Fr.
316‘200.-- gemeldet
hat
(
Urk.
7/49/1;
Akten
verzeichnis
zu
Urk.
7/1-134). Gestützt darauf erhob die
Beschwerde
gegnerin
von der
Konkursitin
für das 1.
Quartal 2014 (Urk.
7/62) und für den April 2014 (Urk.
7/69)
Akontobeiträge
.
Danach
verlangte
sie von der
Kon
kur
sitin
für das Jahr 2014 keine
Akontobeiträge
mehr (vgl.
den
Konto-Aus
zug vom 5.
Januar 2016 [
Urk.
7/134]).
Der Handels
registereintrag des Be
schwer
de
führers als Verwaltungsrat
dieser Gesellschaft
wurde am 18. Juli 2014 gelöscht (Urk. 3/2, Urk. 7/102/3). Sodann hat die Beschwerdegegnerin im Zusam
menhang mit ihren Abklärungen zu einer EO-Anmeldung
am 25. Juli 2014
in den Kassenakten festgehalten, dass bei der
Konkursitin
seit Mai 2014 keine Arbeitnehmer mehr angestellt
gewesen
seien (
Urk.
7/71).
In der Folge reichte die
Konkursitin
trotz mehrmaliger Aufforderung keine
Lohn
abrechnung 2014 ein (vgl.
Urk.
7/103-104,
Urk.
7/107). Der damalige Ver
waltungsrat konnte - da sein Wohnsitz nicht ermittelt werden konnte -
auch
nicht zur Arbeitgeberkontrolle der Revisorin der Beschwerdegegnerin vorgeladen wer
den (
Urk.
7/111
/1
).
Gemäss dem von der Revisorin beige
zo
genen
Konkurs
einvernahmeprotokoll
vom 1
2.
März 2015 hatte er an
ge
geben, dass er seit Juli 2014
als
Ver
wal
tungsrat
amte
und die Gesell
schaft seit seiner Übernahme nicht mehr aktiv ge
wesen sei (
Urk.
7/111/11).
Die Revisorin
der Beschwerdegegnerin
hat die beitragspflichte Lohnsumme
der
Konkursitin
für das Jahr
2014 auf
Fr.
180‘
000.--
geschätzt
, wobei sie von der Lohndeklaration 2013 (vgl.
Urk.
7/55) aus
ging und eine Hochrechnung auf 12 Monate vornahm (
Urk.
7/115
;
vgl. die
R
echnung vom 1
3.
Mai 2015
über
Fr.
14‘618.85
[
Urk.
7/117]
).
Aufgrund der Kassenakten und dem Um
stand, dass die Beschwerdegegnerin nur bis und mit April 2014
Akonto
bei
träge
erhoben hat,
ist vorliegend aber da
von auszugehen, dass die Konkur
sitin ab Mai 2014
keine
Löhne
mehr
ausbezahlt
hat. Die
Festsetzung einer Pauschal
summe für die Zeit von Mai bis Dezember 2014
fällt daher
ausser
Betracht
, weil hierfür erforderlich wäre, dass zumindest bestimmte Leis
tungen
als Lohn zu qualifizieren sind, auch wenn eine Individualisierung der Emp
fänger nicht möglich ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts H 232/01 vom 2
6.
Novem
ber 2002 E. 3.
4.
f. und E.
5.2.2, Urteil der Einzelrichterin am Sozialversicherungsgericht AK.2013.00019 vom 3
0.
Juli 2014
E.
3.3.2 f.
,
je
mit weiteren Hinweisen).
Entgegen dem
unsubstantiierten
Vorbringen
des Be
schwerdeführers (Urk.
1)
,
kann jedoch
nicht davon ausgegangen werden, dass
die
Konkursitin
im Jahr 2014
überhaupt
keine Löhne mehr ausbezahlt
hätte. Hierbei fällt ins Gewicht, dass
die
Konkursitin
- damals noch unter der Verantwortung des Beschwerdeführers -
der Beschwerdegegnerin bereits zu Beginn des Jahres
2014
hätte mitteilen können, dass sie im Jahr 2014 keine Arbeitnehmer mehr beschäftigte
. Stattdessen hat sie
der Beschwerdegegnerin im damaligen Zeitpunkt
eine voraussichtliche Lohnsumme 2014 in der Höhe von Fr.
316‘200.--
angegeben
(
Urk.
7/49/1
, eingegangen am 9. Januar 2014
). Auch
die
Anpassung der
Akon
tobeiträge
für d
as
1.
Quartal 2014 und den April 2014
ist in der Folge nicht
verlangt worden. Damit gehören auch diese
Akontobeiträge
zum Schaden.
W
eitere
Abklärungen zur Lohnsumme 2014 der
Konkursitin
kön
nen unter
bleiben,
da
unklar
ist
, wo sich deren
Geschäfts
akten
befinden (Urk.
7/111/12)
.
2.4
Demnach beträgt der Schaden
Fr.
30‘389.20 (Fr. 45‘008.05 minus
der Rech
nung für das Jahr 2014 in der Höhe von
Fr.
14‘618.85 [
vgl. Pos.
2015 0001 des Konto-Auszugs
,
ohne die am 2
0.
Juli 2015 in Rechnung gestellte Mahn
gebühr von
Fr.
20.--
,
Urk.
7/134
).
In
mass
licher
Hinsicht wurde der Schaden vom Beschwerdeführer nicht be
stritten.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. AHVV schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch
Ab
rechnungsunterlagen
über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbe
zahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und
Abrech
nungspflicht
des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffent
lich
rechtliche
Auf
gabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Dem Konto-Auszug der Beschwerdegegnerin vom 5. Januar
2016 (Urk. 7
/134) ist insbesondere zu entnehmen, dass die
Konkursitin
seit ihrem Anschluss bei der Beschwerdegegnerin im Jahr 2013 nur gerade die
Akonto
beiträge
für die Monate Februar und März 2013 - nachdem sie von der
Be
schwerdegegnerin
gemahnt und betrieben werden musste - bezahlt hat. Sämtliche der übrigen Beitragsforderungen blieben - trotz Mahnungen und Betreibungen
–
unbe
zahlt (vgl. den Konto-Auszug vom
5.
Januar 2016 [Urk.
7/134] sowie E.
2 vor
stehend).
Hinsichtlich der Nichtein
haltung von Abrechnungspflichten ist namentlich darauf hinzuweisen, dass die
Jahresab
rechnung
201
3
vom
21
. Febru
ar 201
4
datiert und bei der
Beschwer
de
gegne
rin
am
24
. Februar 201
4
eingegangen ist (Urk.
7
/
55/3
,
Aktenver
zeichnis
zu Urk.
7
/1-
134
) und damit verspätet erstellt wurde (vgl. Art. 36 Abs. 2 und 3 AHVV).
Eine Jahresabrechnung 2014 ist nicht eingereicht wor
den (E. 2.3.3 vorstehend).
Damit ist die Kon
kursitin ihre
n Pflich
ten als Arbeit
geberin nicht nachgekom
men und hat
öffentlich
recht
liche
Vor
schrif
ten missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fiziert schuldhaftes Verhalten de
s
Beschwerde
führ
ers
zurückzuführen ist.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach de
m
Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht bezie
hungs
weise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Ver
schulden
s. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar han
delt es sich um eine
Ver
schuldens
haftung
aus öffentlichem Recht. Die Scha
den
ersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Um
stände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeit
gebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der ein
schlä
gigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Nicht jedes einer Firma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Per
son übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Ver
waltungsrat einer Aktienge
sellschaft, der als solcher die Verwaltung der Ge
sellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle we
sentlichen Belange der Firma verlangt wer
den, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäfts
füh
rung nicht zugleich auch seine Verant
wortung als einziges Verwaltungs
or
gan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.1.
3
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht,
die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person ange
hört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorg
faltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.
4
Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Organhaftung aus Art. 52 AHVG nicht für Beitragsforderungen besteht, die nach der Publikation der Löschung der Organstellung der be
treffenden Person im Handelsregister fäl
lig werden, weil die betreffende Person im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht mehr Organ ist. Für die vor der Publikation fälligen Beitragsforderungen haftet das Organ, wenn es durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässige Handlung beziehungsweise Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht bezahlt werden konnten. Ein Verschulden des Or
gans kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlungen oder Unter
lassungen die Geschäftsführung massgeblich zu beein
flussen. Das ist faktisch längstens bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der Fall (BGE 126 V 61 E. 4a, 123 V 172 E. 3a).
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer war von 29. Januar 2013 bis 18. Juli 2014 einziger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der
Konkursitin
(Sach
ver
halt, Ziff. 1)
-
und damit im Zeitraum a
ls die oben erwähnten Beiträge
zu bezahlen gewe
sen wären
(E. 2 vorstehend) -
formelles Organ dieser Gesellschaft.
Es kommt hinzu, dass bei
der
Konkursitin
im Jahr 2013
- neben dem Beschwer
de
führer
- eine Mitarbeiterin und
fünf
weitere Mitarbeiter
be
schäftigt waren
(Urk. 7/55/3), mithin einfache und überschaubare Verhältnisse vorlagen.
Recht
fertigungs
- und Entschuldungsgründe sind vom Beschwerdeführer keine
geltend gemacht worden.
Das Verhalten des Beschwerdeführers war zumin
dest grobfahrlässig.
4
.2.2
Weil
aber
keine Anhaltspunkte dafür bestehen,
dass
der Beschwerdeführer nach der Löschung seines Handelsregistereintrages per 1
8.
Juli 2014 noch über das Vermögen der
Konkursitin
hätte verfügen können
, haftet er für die folgenden - nach dem 1
8.
Juli 2014 in Rechnung gestellten - Nebenkosten
nicht (vgl. Konto-Auszug vom
5.
Januar 2016 [
Urk.
7/134]):
Betreibungs
kosten
(
Fr.
137.30) und Verzugszinsen (
Fr.
255.30) vom
1
4.
November 20
14 zu den
Akontobeiträgen
für das
2.
Quartal 2013 (Pos. 2013 0002 des Konto-
Auszugs)
,
Betreibungskosten (
Fr.
96.--) und Verzugszinsen (
Fr.
240.15) vom
8.
August 2014 zu den
Akontobeiträgen
für das
3.
Quartal 2013 (Pos. 2013 000
3
des Konto-Auszugs),
Betreibungskosten (
Fr.
101.80) und Verzugszinsen (
Fr.
167.35) vom
8.
August 2014 zu den
Akontobeiträgen
für das
4.
Quartal
2013 (Pos. 2013 0005 des Konto-Auszugs),
Betreibungskosten (
Fr.
114.10) vo
m 2
9.
Januar 2015 sowie Mahngebühr (
Fr.
20.--) vom 1
7.
Oktober
2014,
Betrei
bungskosten
(
Fr.
33.30 +
Fr.
30.80) vom 1
7.
Oktober 2014 und 8.
Januar 2015 zu
Ausgleichs
rechnungen für das Jahr 2013 von Fr. 1‘269.70 und Fr. 484.10 (Pos. 2014 0001 und 0004 des Konto-Auszugs),
Betreibungs
kosten
(
Fr.
114.10) und Verzugszinsen (
Fr.
252.--) vom 29.
Januar 2015 zu den
Akonto
beiträgen
für das
1.
Quartal 2014 (Pos. 2014 0002 des Konto-Aus
zugs) sowie
Mahngebühr (
Fr.
20.--) vom 1
9.
September 2014 und
Betrei
bungs
kosten
(
Fr.
73.30 +
Fr.
30.80)
vom
1
9.
September 20
14 und 8.
Januar 20
15
zu den
Akontobeiträgen
für den April 2014 (Pos. 2014 0003 des Konto-Auszugs)
. Dies entspricht Nebenkosten, für welche der Beschwer
deführer nicht haftet, von total
Fr.
1‘686.30.
Damit besteht seitens des Beschwerdeführers eine Haftung für
Fr.
28‘702.90.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder
grob
fahrlässigen
Missachtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhal
ten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre
die
Konkursitin
unter der
V
er
antwortung
des
Be
schwer
deführer
s
ihren Zahlungs
- und Abrechnungs
pflichten rechtzeitig und vollstän
dig nach
ge
kommen
und wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf ge
schuldeten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden können
, wäre der Schaden nicht ein
ge
treten.
6.
Zusammenfassend ist die Schadenersatzforderung gegenüber dem Beschwer
deführer in teilweiser Gutheissung der Beschwerde auf
Fr.
28‘702.90
zu redu
zieren. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Der Streitwert für eine allfällige Beschwerde ans Bundesgericht richtet sich nach den Begehren, die vor dem hiesigen Gericht streitig geblieben waren (
Art.
85
i.V.m
. mit
Art.
51
Abs.
1
lit
. a des Bundesgesetzes über das Bundes
gericht [BGG]; Beat
Rudin
, in: Marcel Alexander
Niggli
/Peter
Uebersax
/Hans
Wiprächtiger
[Hrsg.], Basler Kommentar -
Bundesge
richts
gesetz
,
2.
Aufl., Ba
sel 2011
,
Rz
.
5 zu
Art.
85
BGG
sowie
Rz
. 19 ff. zu
Art.
51 BGG). Er beträgt vor
liegend mithin
Fr.
31‘913.20 (
Urk.
1,
Urk.
2).