Decision ID: 3ff9b210-baa4-54cd-a97c-a24c572d56f5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 2. Au-
gust 2016. Auf dem Luftweg gelangte er über den B._ in die
C._. Von dort aus setzte er seine Reise mit dem Auto über ihm un-
bekannte Länder fort und erreichte am 13. August 2016 die Schweiz. Am
Folgetag stellte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum D._ ein
Asylgesuch, woraufhin er am 16. August 2016 im Rahmen einer Befragung
zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg so-
wie summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde. Am 4. Dezem-
ber 2018 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an.
B.
B.a Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus
E._ (Distrikt F._) und habe dort bei seinen Eltern gelebt. Die
Schule habe er im Jahr (...) mit einem A-Level abgeschlossen und danach
(...) -Kurse besucht. Zudem habe er seinem Vater im Landwirtschaftsbe-
trieb geholfen und sich als Fahrzeughändler für (...) betätigt. Ein befreun-
deter (...) namens G._ sei früher bei "der Bewegung" gewesen. Am
(...) 2014 seien Angehörige der Terrorism Investigation Division (TID) zum
(...) gekommen und hätten G._ unter vorgehaltener Waffe verhaf-
tet. Weil er zufällig anwesend gewesen sei, hätten sie ihn ebenfalls mitge-
nommen und mehrere Tage inhaftiert. Er sei nach Drogen und Waffen ge-
fragt sowie gefoltert worden. Schliesslich hätten sie G._ schwer ver-
letzt in seinen Raum gebracht, woraufhin er (der Beschwerdeführer) ohn-
mächtig geworden sei. Als er aufgewacht sei, habe er sich beim (...) be-
funden mit dem Kopf im Schoss seiner Mutter. Anschliessend sei er zur
Behandlung ins Spital gebracht worden. Kurz nachdem er wieder zu Hause
gewesen sei, seien Polizisten zu ihnen gekommen. Sie hätten die Spital-
unterlagen herausverlangt und das Haus durchsucht, wobei sie ihn be-
schuldigt hätten, ein Drogenhändler zu sein. Sein Vater und er seien mit-
genommen und erst gegen Bezahlung eines Bestechungsgeldes freigelas-
sen worden. Später seien Angehörige des Criminal Investigation Depart-
ment (CID) vorbeigekommen und hätten ihm Fotos von Personen vorge-
legt, die er hätte identifizieren sollen. Zudem sei er zu Hause von TID-Leu-
ten gesucht und aufgefordert worden, sich bei ihnen zu melden. Zusam-
men mit einem Anwalt sei er zu ihnen gegangen für eine Befragung. Zwar
habe er wieder gehen können, er sei jedoch danach erneut zu Hause ge-
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sucht worden. Während dieser Zeit seien im Internet auch Artikel veröffent-
licht worden, in denen er – unter seinem Rufnamen H._ sowie unter
seinem Geburtsnamen I._ – als Krimineller bezeichnet worden sei,
welcher in Waffen- und Drogengeschäfte verwickelt und Mitglied der soge-
nannten Aava-Gruppe sei. Um weiteren Problemen zu entgehen, habe er
sich mithilfe von Verwandten in J._ und später in K._ ver-
steckt. Die Behörden hätten sich aber anhaltend bei seinen Eltern nach
ihm erkundigt und einmal auch seinen Vater mitgenommen. Um sein Leben
zu schützen, habe seine Familie ihn ins Ausland geschickt.
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte im
Original und einen Geburtsregisterauszug mit englischer Übersetzung vom
7. November 2012 zu den Akten. Zudem legte er ein Bestätigungsschrei-
ben seines Anwalts vom 21. August 2016 sowie Ausdrucke von Internetar-
tikeln und Zeitungsartikel, in welchen die Namen "H._" und
"I._" auftauchten, vor.
C.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 – eröffnet am 1. Februar 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
D.
Der Beschwerdeführer erhob mittels Eingabe seines Rechtsvertreters vom
28. Februar 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die-
sen Entscheid. Darin wurde beantragt, die angefochtene Verfügung sei we-
gen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör [2], eventuell wegen
Verletzung der Begründungspflicht [3], eventuell zur Feststellung des voll-
ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts [4] aufzuheben
und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu
gewähren [5]. Eventuell seien die Dispositivziffern 3 und 4 der angefochte-
nen Verfügung aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest
die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [6]. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht wurde zudem beantragt, das Bundesverwaltungs-
gericht habe unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der
Behandlung der vorliegenden Sache betraut werden. Gleichzeitig habe es
bekannt zu geben, ob diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden
seien und andernfalls die im vorliegenden Verfahren konkreten objektiven
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Kriterien bekannt zu geben, nach denen diese Gerichtspersonen ausge-
wählt worden seien [1].
Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung – folgende
Unterlagen bei: ein Rechtsgutachten von Prof. Walter Kälin vom 23. Feb-
ruar 2014, eine Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014, ein Bericht
des Adayaalam Centre for Policy Research (ACPR) vom 18. November
2016, ein vom Rechtsvertreter verfasster Länderbericht zu Sri Lanka vom
23. Januar 2020 mit 482 Quellenangaben zu Sri Lanka (zusätzlich auf CD-
ROM gespeichert eingereicht), ein Geburtsregisterauszug des Beschwer-
deführers mit englischer Übersetzung vom 2. Oktober 2010 (Kopie), ein
teilweise geschwärztes Lagebild des SEM vom 16. August 2016 und eine
interne Mitteilung des SEM vom 6. November 2018 zur aktuellen Situation
und zum weiteren Vorgehen im Fall N (...).
E.
Mit Verfügung vom 6. März 2020 stellte der Instruktionsrichter fest, der Be-
schwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten. Gleichzeitig gab er ihm – vorbehältlich allfälliger Änderungen im Ver-
laufe des Verfahrens – die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt
und forderte ihn auf, bis zum 23. März 2020 einen Kostenvorschuss in
Höhe von Fr. 1'500.– zu bezahlen.
F.
Der Beschwerdeführer leistete am 23. März 2020 den Kostenvorschuss.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom gleichen Tag wurde gleichzeitig
darauf hingewiesen, dass mit der Beurteilung der vorliegenden Sache zwei
Richter aus derselben Partei (SVP) betraut worden seien. In korrekter Um-
setzung des Urteils des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 sei
der Drittrichter Yanick Felley durch eine nicht der SVP angehörige Gerichts-
person zu ersetzen. Weiter wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe
bisher nicht offengelegt, dass er einen "Langzeitkollegen" namens
L._ habe, welcher im (...) 2016 aufgrund des Verdachts, mit der
Aava-Gruppe in Verbindung zu stehen, behördlich verfolgt und angeschos-
sen worden sei. In der Folge sei er nach Indien geflüchtet und dort im Jahr
2017 festgenommen worden. In Sri Lanka werde er nach wie vor gesucht.
Die Freundschaft zu L._ stelle für den Beschwerdeführer – da ihm
von den Sicherheitsbehörden eine Mitgliedschaft bei der Aava-Gruppe vor-
geworfen worden sei – ein risikoerhöhendes Sachverhaltselement dar. Fer-
ner reichte der Rechtsvertreter einen auf CD-ROM gespeicherten Bericht
("Update Ländersituation Sri Lanka" vom 26. Februar 2020) ein, wies auf
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zentrale Entwicklungen seit der Einreichung des letzten Länderberichts hin
und legte dar, inwiefern sich dies auf die Gefährdungslage des Beschwer-
deführers auswirke. Neben dem Update des Länderberichts lagen der Ein-
gabe zwei Fotos, die den Beschwerdeführer mit L._ zeigten, sowie
zwei Zeitungsberichte über letzteren inklusive englische Übersetzungen
bei.
G.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 4. Februar 2021 liess der Be-
schwerdeführer ergänzende Ausführungen machen und weitere Beweis-
mittel einreichen. Geltend gemacht wurde insbesondere, dass in Sri Lanka
zurzeit ein Gerichtsverfahren laufe, in welchem sowohl der Beschwerde-
führer als auch G._ und L._ als Angeklagte aufgeführt wür-
den. Verfahrensgegenstand bilde ein Vorfall vom (...) 2016, bei welchem
mutmassliche Mitglieder der bewaffneten Aava-Gruppe in einen Konflikt
mit der Polizei geraten seien. Weiter wurden ergänzende Informationen zu
L._ sowie zur Berichterstattung über den Beschwerdeführer vorge-
bracht. Als Beilagen zu dieser Eingabe wurden Kopien von diversen Ge-
richtsakten inklusive partieller Übersetzungen, ein Schreiben der indischen
Behörden betreffend die Zuweisung von L._ in ein Camp (mit eng-
lischer Übersetzung) sowie zwei Internetberichte betreffend den Be-
schwerdeführer, ebenfalls mit englischer Übersetzung, zu den Akten ge-
reicht.
H.
In einer weiteren Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. November 2021
wurden ergänzende Ausführungen zu Entwicklungen in Sri Lanka und de-
ren Auswirkungen die Situation des Beschwerdeführers gemacht. Zudem
wurde darauf hingewiesen, dass sich vorliegend eine mündliche Parteiver-
handlung als zielführend und zwingend notwendig erweise, um den Län-
derkontext von Sri Lanka und insbesondere die dortige Sicherheitslage
korrekt zu erfassen und zu würdigen. Neben einem Länderbericht des
Rechtsvertreters (Update Länderinformationen und neuer Länderbericht
vom 16. August 2021 mit 210 Quellenangaben zu Sri Lanka) lag der Ein-
gabe eine Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
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1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehältlich nachfolgen-
der Einschränkungen, einzutreten.
2.
2.1 Die Zusammensetzung des Spruchkörpers wurde dem Beschwerde-
führer mit Verfügung vom 6. März 2020 mitgeteilt. Auf den Antrag, es sei
bekannt zu geben, ob die mit Behandlung der vorliegenden Sache betrau-
ten Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien, ist nicht einzutre-
ten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.2). Ergän-
zend anzufügen ist, dass der Spruchkörper durch eine Mitarbeiterin der
Kanzlei der Abteilung IV des Bundesverwaltungsgerichts am 3. März 2020
mit Hilfe eines EDV-basierten Zuteilungssystems generiert wurde. Auf-
grund eines zusätzlichen, manuell zu berücksichtigenden Kriteriums (Spra-
che, Konnexität, Vorbefassung, Ausstand, Abwesenheit, Dringlichkeit/Ent-
lastung) musste der Spruchkörper anschliessend angepasst werden. Dies
geschah wiederum mit Hilfe des EDV-basierten Zuteilungssystems.
2.2 In der Beschwerde wird eine Verletzung der Vorschriften über die Be-
setzung des Gerichts geltend gemacht, da zwei der im vorliegenden Ver-
fahren mitwirkenden Richter der SVP angehörten. In korrekter Umsetzung
des Entscheids des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 sei
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Richter Yanick Felley durch eine nicht der SVP angehörende Gerichtsper-
son zu ersetzen. Diese Rüge erweist sich als unbegründet. Weder aus den
gesetzlichen noch aus den reglementarischen Vorgaben des Bundesver-
waltungsgerichts noch aus dem vorgenannten Entscheid des Bundesge-
richts ergibt sich eine Pflicht, nachträglich in die personelle Besetzung ein-
zugreifen, wenn eine Mehrheit des Spruchkörpers derselben Partei ange-
hört (vgl. bspw. die Urteile des BVGer D-1534/2020 vom 22. April 2021
E. 5.2, D-2402/2020 vom 10. August 2020 E. 3 und D-3751/2018 vom
11. Juli 2018 E. 6.1). Das Ersuchen um Ersetzung von Richter Yanick Fel-
ley durch eine Gerichtsperson, welche nicht der SVP angehört, ist dem-
nach abzuweisen.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben (Ver-
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, Verletzung der Begrün-
dungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts). Diese sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet
sein könnten, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt in einem Verfahren
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
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Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.3 In der Beschwerde wird diesbezüglich geltend gemacht, es stelle eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, dass das SEM zwischen der BzP
und der Anhörung zwei Jahre habe verstreichen lassen und dem Be-
schwerdeführer in der Folge vermeintliche Widersprüche in seinen Aussa-
gen vorwerfe. Dieses Vorgehen missachte eine zentrale Empfehlung des
Gutachtens von Prof. Walter Kälin. Entgegen der vom Beschwerdeführer
vertretenen Auffassung ist die beanstandete zeitliche Distanz zwischen
BzP und Anhörung nicht als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu betrach-
ten. Bei der Empfehlung von Prof. Kälin, die Anhörung möglichst zeitnah
zur BzP durchzuführen, handelt es sich nicht um eine justiziable Verfah-
renspflicht, zumal sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör keine zeit-
lichen Vorgaben für die Vorinstanz ergeben (vgl. etwa das Urteil des BVGer
E-2344/2017 vom 25. September 2017 E. 2.8).
5.4
5.4.1 Weiter wird in der Beschwerde vorgebracht, die Anhörung durch das
SEM sei unprofessionell durchgeführt worden und grundsätzlich mangel-
haft. Der Befrager habe kein Interesse an der Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts gezeigt und vielmehr versucht, den Beschwerde-
führer durch ständiges Wiederholen derselben Fragen in Bedrängnis zu
bringen. Zahlreiche Fragen hätten darauf abgezielt, weshalb er von den
sri-lankischen Sicherheitsbehörden verfolgt worden sei. Daraufhin habe er
immer wieder angeben müssen, dass er dies nicht wisse. Seine Verfolgung
beruhe gerade darauf, dass er zufällig mit einem Mitglied der Aava-Gruppe
unterwegs gewesen und bei seiner Verhaftung lediglich zur falschen Zeit
am falschen Ort gewesen sei, was das SEM völlig verkannt habe. Zudem
seien bei der Anhörung keine Fragen zu wesentlichen Punkten wie mögli-
chen (familiären) Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE), zum exilpolitischen Engagement oder zu allfälligen Narben gestellt
worden. Ebenso wenig habe sich der Befrager für den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers interessiert und nach dessen Aussage, dass er
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wegen psychischen Problemen zum Psychiater gegangen sei, keine wei-
teren Abklärungen vorgenommen. Das Verhalten des Befragers laufe of-
fensichtlich dem SEM-Handbuch Asyl und Rückkehr zuwider, welches un-
ter anderem vorschreibe, dass der asylsuchenden Person mit Respekt,
Geduld und Empathie zu begegnen sowie bei der Anhörung eine ange-
nehme Atmosphäre und ein Klima des Vertrauens zu schaffen sei.
5.4.2 Der Einwand, die Anhörung sei mangelhaft und das SEM stütze seine
Verfügung auf eine unzureichende Grundlage, erweist sich als unbegrün-
det. Es ist nicht zu beanstanden, wenn sich die befragende Person bei der
Anhörung nach den Hintergründen für eine geltend gemachte Verfolgung
erkundigt. Die in der Beschwerde (Seite 11) zitierten Fragen bezogen sich
auf verschiedene Sachverhaltselemente wie beispielsweise die vorge-
brachte Verhaftung oder die späteren Besuche durch Angehörige des TID
respektive des CID. Ein unnötiges Wiederholen von Fragen mit dem Ziel,
den Beschwerdeführer in Bedrängnis zu bringen, kann dem Anhörungspro-
tokoll nicht entnommen werden. Vielmehr erhielt er die Gelegenheit, so-
wohl im Rahmen des freien Berichts als auch im Zuge von vertiefenden
Nachfragen die Gründe, welche ihn zur Ausreise aus seinem Heimatstaat
bewegt hätten, umfassend darzulegen. Es bestand keine Veranlassung,
von ihm nicht erwähnte zusätzliche Sachverhaltselemente abzuklären be-
ziehungsweise zu erfragen. In der Beschwerdeschrift wird denn auch nicht
geltend gemacht, dass er über familiäre Verbindungen zu den LTTE ver-
füge, exilpolitisch tätig sei oder sichtbare Narben habe. Sodann wurde er
ausdrücklich nach seinem Gesundheitszustand gefragt, woraufhin er ant-
wortete, dass es ihm Ende letzten Jahres psychisch nicht gut gegangen
sei (vgl. SEM-act. A14/15 F119). Unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht
von Asylsuchenden (Art. 8 AsylG) – auf die er denn auch aufmerksam ge-
macht wurde (vgl. SEM-act. A4/13 S. 2, Ziff. 8.02 und S. 12, A14/15 S. 2)
– ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar
gewesen wäre, allfällige aktuelle medizinische Probleme darzulegen.
Schliesslich ist aus dem Anhörungsprotokoll auch nicht ersichtlich, inwie-
fern der Befrager seine Verhaltenspflichten gemäss dem SEM-Handbuch
Asyl und Rückkehr verletzt haben soll. Namentlich kann weder ein Desin-
teresse an der Feststellung des Sachverhalts noch fehlender Respekt ge-
genüber dem Beschwerdeführer erkannt werden. Überdies handelt es sich
beim Handbuch des SEM um eine interne Weisung und damit um eine Ver-
waltungsverordnung ohne Aussenwirkung, aus welcher der Beschwerde-
führer keine Rechte und Pflichten abzuleiten vermag (vgl. Urteil des BVGer
E-7803/2016 vom 9. Januar 2017 E. 3.3). Zusammenfassend ist die Anhö-
rung vom 4. Dezember 2018 nicht als mangelhaft einzustufen. Es besteht
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keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus diesem Grund auf-
zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen.
Da sich die Anhörung als korrekt erweist und der Sachverhalt als vollstän-
dig festgestellt zu erachten ist (vgl. dazu auch die nachfolgenden Erwägun-
gen), ist der Beweisantrag, der Beschwerdeführer sei erneut von einer an-
deren Person anzuhören, wobei insbesondere auf seinen Gesundheitszu-
stand Rücksicht zu nehmen sei, abzuweisen.
5.5
5.5.1 In der Beschwerde wird im Zusammenhang mit den geltend gemach-
ten individuellen Asylgründen des Beschwerdeführers (vermeintliche Zu-
gehörigkeit zur Aava-Gruppe, Inhaftierung unter Folter, Verfolgung durch
die Behörden) sowie hinsichtlich der Einschätzung der länderspezifischen
Lage in Sri Lanka (aktuelle Situation unter Berücksichtigung der Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten, Verschlechterung der Sicherheits-
und Menschenrechtslage, erhöhte Gefährdung für Risikogruppen, Hochri-
sikofaktor Schweiz) und der Quellenverwendung durch die Vorinstanz eine
unvollständige und unrichtige Feststellung des Sachverhalts und eine Ver-
letzung der Begründungspflicht gerügt.
5.5.2 Vorliegend hat das SEM die individuellen Asylgründe des Beschwer-
deführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage genügend abgeklärt und
den Sachverhalt hinreichend festgestellt. Die Kritik, wonach es sich auf
eine veraltete Lageeinschätzung stütze und die neuesten Länderinformati-
onen nicht berücksichtigt habe, betrifft die Würdigung des Sachverhalts
und damit eine materielle Frage. Eine Verletzung der Begründungspflicht
als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs – welche es dem Betroffenen ermög-
lichen soll, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was
nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können
(vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2008/47 E. 3.2) – liegt ebenfalls nicht vor. Das
SEM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und hinreichend
differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess. Es
hat sich auch mit sämtlichen zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt. Dabei musste es nicht ausdrücklich auf jede tatbe-
ständliche Behauptung und jeden rechtlichen Einwand eingehen, sondern
durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. In der Be-
schwerde wird namentlich vorgebracht, das SEM habe den Kern des Sach-
verhalts nicht erkannt und insbesondere die Tragweite des Vorwurfs, der
Beschwerdeführer sei Mitglied der Aava-Gruppe, nicht erfasst. Hierzu ist
festzuhalten, dass er selbst kaum Angaben zu dieser Gruppierung machen
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konnte und nicht in der Lage war, seine Befürchtungen in diesem Zusam-
menhang zu konkretisieren (vgl. SEM-act. A14/15 F103 ff.). Das SEM er-
achtete es denn auch als unglaubhaft, dass er tatsächlich aus den von ihm
genannten Gründen Probleme mit den heimatlichen Behörden erhalten
hat. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer respektive sein Rechtsver-
treter die Auffassung und die Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt, stellt
weder eine Verletzung der Begründungspflicht noch eine mangelhafte Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts dar. Sodann zeigt die umfang-
reiche Beschwerde deutlich, dass eine sachgerechte Anfechtung ohne wei-
teres möglich war. Die Vorinstanz hat ihre Begründungspflicht daher nicht
verletzt.
5.5.3 Weiter wird in der Beschwerde vorgebracht, das Bundesverwaltungs-
gericht habe die Fehlerhaftigkeit des Lagebilds des SEM vom 16. August
2016 festzustellen, da dieses in zentralen Teilen als manipuliert anzusehen
sei, indem es sich in wesentlichen Teilen auf nichtexistierende oder nicht
offengelegte Quellen stütze. Die angefochtene Verfügung sei deshalb auf-
zuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dieser Argu-
mentation und den damit verbundenen Anträgen kann offensichtlich nicht
gefolgt werden. In diesem Zusammenhang wurde bereits in mehreren vom
rubrizierten Rechtsvertreter geführten Verfahren (vgl. etwa Urteil des
BVGer D-6394/2017 vom 27. November 2017 E. 4.1) festgestellt, dass
diese länderspezifische Lageanalyse des SEM öffentlich zugänglich ist.
Darin werden neben nicht namentlich genannten Gesprächspartnern und
anderen nicht offengelegten Referenzen überwiegend sonstige öffentlich
zugänglichen Quellen zitiert. Trotz der teilweise nicht im Einzelnen offen-
gelegten Referenzen ist dem Anspruch des Beschwerdeführers auf recht-
liches Gehör damit ausreichend Genüge getan. Eine unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des Sachverhalts in dieser Hinsicht ist zu vernei-
nen.
5.5.4 Sodann wird in der Beschwerde geltend gemacht, das SEM habe den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers – welcher ausdrücklich auf
seine psychischen Probleme hingewiesen habe – weder weiter abgeklärt
noch in der angefochtenen Verfügung erwähnt. Es müsse ein detailliertes
ärztliches Gutachten eingeholt werden, da nur auf diesem Weg die Frage
geklärt werden könne, ob er bei der Anhörung infolge einer allfälligen Er-
krankung in seinem Aussageverhalten eingeschränkt gewesen sei. Zudem
sei ein solches Gutachten für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs unabdingbar. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der
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Beschwerdeführer anlässlich seiner BzP keine gesundheitlichen Beein-
trächtigungen geltend machte (vgl. SEM-act. A4/13 Ziff. 8.02). Bei der An-
hörung führte er zwar aus, dass es ihm Ende des letzten Jahres psychisch
nicht so gut gegangen sei, weshalb er zu einem Psychiater gegangen sei
(vgl. SEM-act. A14/15 F119). Diese Aussage lässt darauf schliessen, dass
er sich im Zeitpunkt der Anhörung bereits nicht mehr in psychiatrischer Be-
handlung befand. Im Anhörungsprotokoll finden sich auch keine Anhalts-
punkte für ein durch psychische Probleme beeinträchtigtes Aussageverhal-
ten. Entsprechend bestand für das SEM keine Veranlassung, weiterge-
hende Abklärungen zu tätigen, zumal sich den Akten auch sonst keine
massgeblichen Hinweise auf eine Traumatisierung des Beschwerdeführers
entnehmen lassen. Zudem hätte der Beschwerdeführer im Rahmen seiner
Mitwirkungspflicht die Asylbehörden jederzeit über allfällige gesundheitli-
che Probleme in Kenntnis setzen und diese mit ärztlichen Unterlagen be-
legen können. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat er jedoch keine medizini-
schen Zeugnisse oder Berichte zu den Akten gereicht, welche – vergan-
gene oder aktuelle – gesundheitlichen Beschwerden belegen würden und
es sind auch sonst keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Be-
schwerdeführers dokumentiert. Vor diesem Hintergrund ist nicht erforder-
lich, dem Beschwerdeführer – wie von ihm beantragt – eine Frist zur Ein-
reichung eines ausführlichen Arztberichts anzusetzen, weshalb der dies-
bezügliche Beweisantrag abzuweisen ist.
5.5.5 In der Beschwerde wird gerügt, dass das SEM die eingereichten Zei-
tungsartikel (Beweismittel 1 und 2) nicht vollständig habe übersetzen las-
sen. Das erste Beweismittel sei gar nicht, das zweite nur teilweise über-
setzt worden. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sich in den Akten zwar
keine vollständige Übersetzung der beiden Artikel findet. Die Vorinstanz hat
jedoch eine zusammenfassende Übersetzung aller vorgelegten Artikel er-
stellen lassen; diese beschränkt sich nicht nur auf das Beweismittel 2 (vgl.
SEM-act. A15 Beweismittel 4). Dabei ist nicht zu beanstanden, dass keine
vollständige Übersetzung von sämtlichen Artikeln erstellt wurde, zumal
diese von denselben Ereignissen – den kriminellen Aktivitäten von diversen
Gruppierungen im Distrikt F._, welche die Polizei in den Griff krie-
gen wolle – berichten. Eine unvollständige Prüfung der Parteivorbringen
respektive eine Verletzung der Begründungspflicht in diesem Zusammen-
hang ist zu verneinen.
5.6 Schliesslich wird beantragt, das SEM habe abzuklären, welche Daten
sich auf dem Mobiltelefon der im Herbst 2019 in Colombo entführten Bot-
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schaftsmitarbeiterin befunden hätten und ob sich unter den von den Behör-
den abgegriffenen Daten auch der Name des Beschwerdeführers befun-
den habe. Eine Verbindung zwischen dem Beschwerdeführer und der von
diesem Sicherheitsvorfall betroffenen lokalen Angestellten der Schweizer
Botschaft wurde jedoch nicht substanziiert dargetan. Gemäss Auskunft der
Botschaft befanden sich im Übrigen keine Daten über sich in der Schweiz
aufhaltende, asylsuchende Personen aus Sri Lanka auf dem beschlag-
nahmten Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin und es seien auch an-
derweitig keine Informationen in Bezug auf die erwähnten Personen an
Dritte gelangt. Der entsprechende Beweisantrag ist daher ebenfalls abzu-
weisen.
5.7 Insgesamt erweisen sich geltend gemachten formellen Rügen als un-
begründet. Der Sachverhalt ist als richtig und vollständig erstellt zu erach-
ten und die gestellten Beweisanträge sind abzuweisen. Es besteht keine
Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen
Rechtsbegehren sind daher abzuweisen.
6.
In der Eingabe vom 3. November 2021 wird beantragt, das Bundesverwal-
tungsgericht habe – wenn nicht unverzüglich ein gutheissendes Urteil aus-
gefällt werde – eine mündliche Parteiverhandlung gemäss Art. 57 Abs. 2
VwVG und Art. 40 Abs. 2 VGG durchzuführen, da sich eine solche als ziel-
führend und notwendig erweise. Wie bereits dargelegt wurde, ist der Sach-
verhalt indessen vollständig festgestellt zu erachten. Im Asylverfahren be-
steht kein Anspruch auf eine öffentliche Parteiverhandlung, da weder das
AsylG noch das VwVG einen solchen vorsehen und keine zivil- oder straf-
rechtliche Angelegenheit im Sinne von Art. 6 Abs. 1 EMRK zu klären ist
(Art. 40 Abs. 1 VGG; vgl. dazu Urteil des BVGer D-3964/2021 vom 18. Ok-
tober 2021 E. 6.2). Der Antrag auf Durchführung einer mündlichen Partei-
verhandlung ist deshalb abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
D-1229/2020
Seite 14
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen gemäss Art. AsylG in verschiedenen Entscheiden
im Einzelnen dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden
(vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Feb-
ruar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). Die Beiziehung
des Protokolls der BzP im Sinne einer Gegenüberstellung mit den in der
ausführlichen Anhörung protokollierten Aussagen ist dabei grundsätzlich
zulässig. Den Angaben im ersten Protokoll kommt angesichts des summa-
rischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der Glaubhaf-
tigkeit der Asylgründe aber nur ein beschränkter Beweiswert zu. Unter-
schiedliche Angaben dürfen und müssen jedoch mitberücksichtigt werden,
wenn klare Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten von den späteren
Ausführungen abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürch-
tungen, die später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht zumin-
dest ansatzweise in der BzP erwähnt werden (vgl. etwa Urteil des BVGer
D-4320/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 5.3 m.H.).
7.3 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, es gelinge dem
Beschwerdeführer nicht, seine Vorbringen glaubhaft zu machen. So habe
er bei der Anhörung angegeben, dass er drei Tage in Haft gewesen und
nach der Entlassung am selben Abend von der Polizei zu Hause aufge-
sucht worden sei. Demgegenüber habe er anlässlich der BzP ausgeführt,
er sei am zweiten Tag seines Haftaufenthalts ohnmächtig geworden und
mit dem Kopf auf dem Schoss seiner Mutter beim (...) aufgewacht, worauf-
hin er sich zwei Tage in Spitalpflege habe begeben müssen. Weiter habe
er bei der BzP erklärt, dass er bei einer Aussenstelle des Büros vom
4. Stock in F._ hätte erscheinen sollen, dieser Aufforderung aber
keine Folge geleistet habe. Gemäss seinen Ausführungen bei der Anhö-
rung sei er dagegen mit einem Rechtsanwalt zu dieser Befragung gegan-
gen. An den konkreten Inhalt der angeblichen Befragung habe er sich aber
nicht erinnern können und lediglich angegeben, er würde dies nicht wissen.
D-1229/2020
Seite 15
Ergänzend habe er ausgeführt, er sei gefragt worden, warum er sich ver-
steckt habe und ob er wirklich unschuldig sei. Angesichts der aufgeführten
Widersprüche sowie der oberflächlichen Schilderungen könne dieses Vor-
bringen nicht geglaubt werden. Weiter habe er behauptet, Zeitungen und
Internetportale hätten ihn in den Jahren 2016 und 2017 unter seinem Ruf-
namen H._ sowie seinem Geburtsnamen I._ mit gewalttäti-
gen Gruppierungen und Drogen in Zusammenhang gebracht. Seine Eltern
hätten ihm den Namen I._ bei der Geburt gegeben und diesen spä-
ter geändert. Sie würden ihn jedoch weiterhin so nennen, während er Do-
kumente stets mit seinem neuen Namen unterschreibe. Hierzu gelte es
festzuhalten, dass in den als Beweismittel eingereichten Zeitungs- und In-
ternetartikeln der Name I._ nicht in Bezug auf eine Person genannt
werde, sondern als Name einer Jugendbande auftauche. Der Beschwer-
deführer habe auch nicht plausibel darzulegen vermocht, dass ein Ruf-
name tatsächlich H._ sei. Ein Zusammenhang zwischen den Be-
richten über Drogen und gewalttätige Banden mit seiner Person sei nicht
zu erkennen. Insgesamt erschienen seine Vorbringen und die angeblichen
Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden konstruiert und wider-
sprüchlich, weshalb sich diese als unglaubhaft erwiesen. Es gelinge ihm
daher nicht, eine begründete Furcht vor einer Verfolgung im Heimatstaat
glaubhaft zu machen. Weiter habe der Beschwerdeführer nach Kriegsende
noch sieben Jahre im Heimatstaat gelebt und allfällige, im Zeitpunkt seiner
Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse sei-
tens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Ak-
tenlage sei auch nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr in den
Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden
sollte.
7.4 In materieller Hinsicht wird in der Beschwerde ausgeführt, mit den ein-
gereichten Zeitungsartikeln lägen objektive Beweismittel für die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachte Verfolgung vor. Obwohl bei einem auf
diese Weise belegten Sachverhalt die Glaubhaftigkeitsprüfung obsolet
werde, nehme die Vorinstanz eine solche vor und ignoriere die Beweismit-
tel. Dabei komme sie zum Schluss, der Beschwerdeführer habe seine Vor-
bringen nicht glaubhaft machen können. Das SEM habe den Kern des
Sachverhalts jedoch nicht einmal ansatzweise erkannt. Der Beschwerde-
führer sei offensichtlich ein typisches Opfer behördlicher Willkür gegen
junge tamilische Männer aus dem Norden Sri Lankas geworden. Aus-
gangspunkt seiner Probleme sei die Zusammenarbeit mit G._ ge-
wesen, welcher höchstwahrscheinlich Mitglied der berüchtigten Aava-
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Seite 16
Gruppe, einer kriminellen Bande, gewesen sei. Angehörige der sri-lanki-
schen Sicherheitskräfte hätten diesbezüglich im November 2016 vor Ge-
richt ausgesagt, dass es sich bei von ihnen verhafteten Aava-Mitgliedern
um alte LTTE-Kader handle, welche sich erneut formieren wollten. Die an-
gebliche Mitgliedschaft bei der Aava-Gruppe sei ein beliebter Vorwand der
Polizei, um junge Tamilen in F._ festzunehmen. Dabei handle es
sich um ein Verfolgungsmuster der Sicherheitsbehörden, welches mit der
Angst vor einem Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus begrün-
det werde. Der Beschwerdeführer sei am Tag von G._ Festnahme
zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und nur deshalb ebenfalls fest-
genommen worden. Er sei somit Opfer des beschriebenen behördlichen
Vorgehens geworden, weil er ein junger Tamile sei und zufällig mit
G._ zusammengearbeitet habe. Die Flucht in die Schweiz stelle für
die heimatlichen Sicherheitsbehörden ein weiteres Verdachtsmoment dar,
da er sich dadurch der Strafjustiz entzogen habe. Diese Bedrohungslage
sei vom SEM nicht im Ansatz erfasst worden.
Die Vorinstanz werfe dem Beschwerdeführer vor, er habe sich zur Haft-
dauer und dem anschliessenden Spitalaufenthalt widersprüchlich geäus-
sert. Er habe jedoch angegeben, dass er bei der Inhaftierung unter Schock
gestanden habe, wobei bekannt sei, dass ein solcher Zustand mehrere
Tage andauern könne. Am zweiten Tag der Haft sei er beim Anblick seines
zerschundenen Freundes G._ in Ohnmacht gefallen und mit dem
Kopf auf dem Schoss seiner Mutter aufgewacht. Während des anschlies-
senden Spitalaufenthalts habe er sich mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit noch immer in einem Schockzustand befunden, weshalb er
darüber mehr aus Erzählungen als aus Erinnerungen wisse. Aufgrund der
Ohnmacht sei es nicht relevant und nicht rekonstruierbar, ob er sich zwei
oder drei Tage in Haft befunden habe. Die erste dauerhafte Erinnerung
nach der Inhaftierung sei die Ankunft zu Hause, wobei er sowohl bei der
BzP als auch bei der Anhörung dargelegt habe, dass die Polizei noch am
selben Abend eine Hausdurchsuchung vorgenommen habe. Dabei sei in-
teressant, dass lediglich die Krankenakten beschlagnahmt worden seien,
welche die Misshandlungen durch die Sicherheitsbehörden dokumentier-
ten und diese hätten belasten können. Die Angaben des Beschwerdefüh-
rers zu seiner Haftzeit und zur erlittenen Folter erwiesen sich durchwegs
als glaubhaft. Das SEM konstruiere einen weiteren Widerspruch hinsicht-
lich der Frage, ob er der Aufforderung, sich beim TID zu melden, nachge-
kommen sei. Bei der BzP habe er seine gesamten Fluchtgründe zusam-
menfassen müssen und dargelegt, dass er in den 4. Stock vorgeladen wor-
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Seite 17
den sei. Er sei dort allerdings nicht hingegangen, sondern habe einen An-
walt kontaktiert, welcher ihm aus der Situation herausgeholfen habe. Of-
fensichtlich habe er dabei lediglich ausgelassen, dass er mit seinem Anwalt
im 4. Stock gewesen sei, wie er dies bei der Anhörung geschildert habe.
Es handle sich dabei nur um ein bei der BzP ausgelassenes, nebensächli-
ches Detail, das auf eine unterschiedliche Erzählweise zurückzuführen sei.
Weiter sei es zynisch, wenn das SEM pauschal behaupte, die Angaben des
Beschwerdeführers seien wortkarg und oberflächlich, wenn der Befrager
ihm sehr oft im Kern dieselbe Frage – betreffend den Grund für seine Ver-
folgung – gestellt habe. Bereits bei der ersten diesbezüglichen Nachfrage
hätte der befragenden Person auffallen müssen, dass der Beschwerdefüh-
rer lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei und somit nicht
wissen könne, weshalb er verfolgt worden sei. In Bezug auf sämtliche Fra-
gen, welche zwischen diesen wiederholenden Nachfragen gestellt worden
seien, habe er realitätsnahe und stringente Angaben gemacht. Die Argu-
mentation des SEM zur Glaubhaftigkeit sei insgesamt nicht nachvollzieh-
bar und teilweise schlicht falsch. Seine Vorbringen seien entweder durch
objektive Beweismittel belegt und im Übrigen zumindest glaubhaft ge-
macht.
Die Sicherheitsbehörden Sri Lankas sähen in kriminellen Gruppierungen
im Nordosten des Landes – deren Mitglieder fast ausschliesslich tamili-
scher Ethnie seien – eine grosse Gefahr. Der Beschwerdeführer sei wegen
des Verdachts auf Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppierung verhaftet
und gefoltert worden, womit er bereits Verfolgungshandlungen erlebt habe.
Die Aava-Gruppe werde zudem erwiesenermassen mit dem tamilischen
Separatismus in Verbindung gebracht und auch bloss vermeintliche Mit-
glieder würden unter dem drakonischen "Prevention of Terrorism Act"
(PTA) verfolgt. Angesichts der Medienberichte über den Beschwerdeführer,
welche ihn als Mitglied dieser Gruppierung bezeichneten, drohe ihm bei
einer Rückkehr, erneut Opfer von Verfolgungshandlungen zu werden. Die
Flucht in die Schweiz als Hochburg der tamilischen Diaspora erhöhe dieses
Risiko weiter. Es sei davon auszugehen, dass er auf der sogenannten
Stop- oder Watch-List eingetragen sei und bei einer Rückkehr umgehend
festgenommen würde, zumal er über keine gültigen Einreisepapiere ver-
füge. Auch aufgrund der in seinem Fall vorhandenen Risikofaktoren müsse
von einer Gefährdung bei einer Rückkehr ausgegangen werden. Dies gelte
umso mehr, als diese Risikofaktoren angesichts der aktuellen Lage in Sri
Lanka verstärkt Geltung haben müssten. Die angesichts seines Profils je-
derzeit mögliche Inhaftierung im Heimatstaat wäre mit an Sicherheit gren-
zender Wahrscheinlichkeit mit Folter und Misshandlungen verbunden.
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7.5 In der Eingabe vom 23. März 2020 wird erstmals geltend gemacht, der
langjährige Kollege des Beschwerdeführers, L._, sei im (...) 2016
aufgrund des Verdachts, mit der Aava-Gruppe in Verbindung zu stehen,
behördlich verfolgt und angeschossen worden. Darüber sei in der Zeitung
berichtet worden, wobei L._ im Artikel nicht namentlich erwähnt
werde. In der Folge sei er nach Indien geflüchtet und dort im Jahr 2017
festgenommen worden; in Sri Lanka werde er nach wie vor gesucht. Die
Freundschaft zu L._ stelle klar ein risikoerhöhendes Sachverhalts-
element dar, da die Behörden darin einen Beweis dafür sähen, dass er
ebenfalls Mitglied einer kriminellen Organisation sein müsse. Ergänzend
sei darauf hinzuweisen, dass das der in den eingereichten Artikeln er-
wähnte Name I._ sich entgegen der Behauptung des SEM nicht nur
auf eine Gruppierung beziehe. Vielmehr handle es sich dabei um den An-
führer der Gruppe und damit um eine Person, wobei die betreffenden Grup-
pierungen oft den Namen des Anführers tragen würden.
7.6 In der Eingabe vom 4. Februar 2021 wird sodann auf ein in Sri Lanka
hängiges Gerichtsverfahren hingewiesen, in welchem unter anderem der
Beschwerdeführer selbst sowie G._ und L._ angeklagt wür-
den. Gegenstand des Verfahrens bilde ein Vorfall vom (...) 2016, bei wel-
chem bewaffnete Mitglieder der Aava-Gruppe in einen Konflikt mit der Po-
lizei geraten seien und bei welchem L._ angeschossen worden sei.
Durch die Medienberichte in diesem Zusammenhang, welche den Be-
schwerdeführer und G._ als Gangmitglieder und Kriminelle be-
zeichneten, habe sich die Verfolgungssituation intensiviert.
8.
8.1 Das SEM weist in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hin,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP respektive der Anhörung
unterschiedliche Angaben zu den zeitlichen Abläufen gemacht habe. So
gab er bei der BzP an, er sei am zweiten Tag in Haft ohnmächtig geworden
und beim (...) wieder zu sich gekommen, während die Haft gemäss den
Ausführungen bei der Anhörung drei Tage gedauert haben soll (vgl. SEM-
act. A4/13 Ziff. 7.01 und A14/15 F38). Die Erklärung in der Beschwerde, er
habe unter Schock gestanden und sich der Sachverhalt angesichts seiner
Ohnmacht nicht mehr rekonstruieren lasse, erscheint dabei wenig über-
zeugend. Gemäss seinen Angaben bei der Anhörung will er von seiner
Mutter erfahren haben, wie lange er in Haft gewesen sei (vgl. SEM-act.
A14/15 F60), wobei diese ohne Weiteres gewusst haben dürfte, ob ihr
Sohn zwei oder drei Tage abwesend gewesen war. Es fällt auch auf, dass
der Beschwerdeführer bei der BzP von sich aus erwähnte, dass G._
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Seite 19
am zweiten Tag seiner Haft zerschunden in seinen Raum gebracht worden
sei (vgl. SEM-act. A4/13 Ziff. 7.01), während er sich bei der Anhörung an-
geblich aufgrund seines Schockzustands nicht im Entferntesten daran er-
innern konnte, wie viel Zeit verging, bis er G._ zum nächsten Mal
sah (vgl. SEM-act. A14/15 F56 ff.). Weiter erklärte der Beschwerdeführer
bei der Anhörung, dass er drei Tage in Haft gewesen und dann freigelassen
worden sei, wobei noch am selben Abend die Polizei zu ihm nach Hause
gekommen sei (vgl. SEM-act. A14/15 F38). Gemäss seinen Angaben bei
der BzP war er indessen erst zwei Tage in Haft und dann zwei Tage in
einem Privatspital, bevor er nach Hause kam (vgl. SEM-act. A4/13
Ziff. 7.01).
8.2 Weiter fehlt es den Ausführungen des Beschwerdeführers in jeder Hin-
sicht an Substanz. Seine Verhaftung beschrieb er dahingehend, dass er
gerade mit seiner Freundin telefoniert habe, als G._ festgenommen
worden sei. Weil er ebenfalls anwesend gewesen sei, sei auch er mitge-
nommen worden (vgl. SEM-act. A14/15 F38). Auf Nachfrage hin führte er
aus, die Beamten seien in zwei Jeeps dorthin gekommen, hätten Pistolen
mit sich geführt und G._ habe wegzurennen versucht (vgl. SEM-
act. A14/15 F49). Seine dahingehenden Schilderungen sind detailarm und
weisen keinerlei Realkennzeichen auf. Dabei müsste es sich bei dieser
Festnahme um eine einschneidende Erfahrung gehandelt haben, zumal er
das erste Mal inhaftiert und dabei sogar gefoltert worden sein soll. Es wäre
daher zu erwarten gewesen, dass er in der Lage ist, sich sowohl zur Ver-
haftung als auch zur anschliessenden Haftzeit substanziiert und erlebnis-
geprägt zu äussern. Dies war jedoch nicht der Fall, zumal sich auch seine
Beschreibung der Haft als sehr oberflächlich erweist (vgl. SEM-act. A14/15
F38 und F56 ff. und F68). Der Beschwerdeführer gab bei der Anhörung
generell auffallend oft zu Protokoll, dass er etwas nicht wisse. Entgegen
der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vertretenen Auffassung bezog
sich das fehlende Wissen nicht bloss auf wiederholende Fragen hinsicht-
lich des Grundes, weshalb er von den Behörden verfolgt worden sei. Es
erscheint auch nicht nachvollziehbar, dass er von den Problemen seines
vor ihm ausgereisten Bruders nichts gewusst haben will, obwohl er bereits
(...) Jahre alt gewesen sei, als dieser das Land verliess. Der Bruder soll
angeblich Verbindungen zu einer "Bewegung" gehabt haben, wobei er
keine Ahnung habe, zu was für einer Bewegung (vgl. SEM-act. A14/15
F19 ff.). Auch über seinen Freund G._, dessen Festnahme der Ur-
sprung seiner Probleme gewesen sei, konnte er kaum etwas berichten (vgl.
SEM-act. A14/15 F40 ff. und F72). Er wusste zudem nicht, was das CID
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Seite 20
sei, weshalb er von den Behörden vorgeladen wurde, was er eigentlich ge-
nau befürchtete im Heimatstaat und weshalb seine Familie ihn trotz offizi-
eller Namensänderung weiterhin beim alten Namen nenne (vgl. SEM-act.
A14/15 F79, F96 f., F103 und F108). Seine Aussagen erweisen sich als
äusserst dürftig und erwecken nicht den Eindruck, als berichte er von tat-
sächlichen Geschehnissen aus seinem eigenen Leben.
8.3 Sodann brachte der Beschwerdeführer vor, er sei in Zeitungsartikeln
erwähnt worden, welche ihn mit der Aava-Bande, kriminellen Machen-
schaften und Drogengeschäften in Verbindung gebracht hätten. Es ist je-
doch festzuhalten, dass der Name des Beschwerdeführers, wie er auf sei-
ner Identitätskarte steht (A._), in keinem der Artikel auftaucht. Bei
der BzP merkte er denn auch zum Schluss der Befragung an, dass sein
Rufname zuhause "H._" sei und er unter diesem Namen im Internet
genannt worden sei (vgl. SEM-act. A4/13 Ziff. 9.01). Anlässlich der Anhö-
rung reichte er die entsprechenden Berichte ein und führte aus, dass er
unter dem Namen H._ erwähnt werde, während auf einem der Arti-
kel der Name I._ stehe. Letzteres sei sein früherer Vorname und
H._ sei sein Rufname (vgl. SEM-act. A14/15 F5 f.). Hierzu ist anzu-
merken, dass er den Namen I._ bei der BzP nicht erwähnte. In der
eingereichten englischen Übersetzung des Geburtsregisterauszugs wird
zwar der Name I._ aufgeführt, jedoch in einer anderen Schrift als
die übrigen Einträge. Ein weiteres Feld hält fest, dass sein Vater den Vor-
namen später auf M._ habe abändern lassen (vgl. dazu auch Be-
schwerdebeilage 6), was gemäss der Identitätskarte der offizielle Name
des Beschwerdeführers ist. Als ihn der Befrager zum Ende der Anhörung
hin darauf ansprach, woher die Zeitung den Namen I._ kennen
sollte, führte er aus, dass ihn seine Familie so nenne (vgl. SEM-act. A14/15
F108). Dies erscheint wenig überzeugend. Einerseits wies das SEM zu
Recht darauf hin, es ergebe keinen Sinn, den Namen offiziell abändern zu
lassen, ihn aber weiterhin beim ursprünglichen Namen zu nennen. Ande-
rerseits erklärte der Beschwerdeführer bis zu diesem Zeitpunkt stets, sein
Rufname sei H._. Es erschliesst sich nicht, weshalb er dabei nicht
erwähnt haben sollte, dass sein Rufname innerhalb der Familie I._
– ein komplett anderer Name – sei. Vor diesem Hintergrund ist überein-
stimmend mit dem SEM festzuhalten, dass erhebliche Zweifel daran be-
stehen, dass die von ihm eingereichten Zeitungsartikel sich tatsächlich auf
seine Person beziehen. Gemäss den Ausführungen in der Beschwerde soll
der Beschwerdeführer Opfer einer konstruierten Verfolgung der sri-lanki-
schen Behörden geworden sein. Diesen wäre aber sein offizieller, in der
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Identitätskarte aufgeführter Name ohne Weiteres bekannt gewesen. Wes-
halb die Behörden trotzdem fingierte Berichte über ihn veröffentlichen soll-
ten, in welchen sie ausschliesslich seinen angeblichen Rufnamen respek-
tive den innerhalb der Familie verwendeten Geburtsnamen erwähnen, ist
nicht nachvollziehbar. Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, sein
Foto sei in den jeweiligen Berichten abgebildet gewesen. In den von ihm
vorgelegten Artikeln ist stets dasselbe Bild abgedruckt, welches einen jun-
gen Mann mit einer Sonnenbrille zeigt, die sein Gesicht teilweise verdeckt.
Ob es sich dabei um den Beschwerdeführer handelt, lässt sich nicht zwei-
felsfrei feststellen. Zusammenfassend ist hinsichtlich der angeblichen Be-
richte über seine Person festzuhalten, dass er nie mit seinem tatsächlichen
Namen erwähnt wird. Vielmehr wird darin ein – offenbar lediglich aus-
serhalb der Familie verwendeter – Rufname aufgeführt respektive sein Ge-
burtsname, welchen sein Vater zwar abändern liess, der aber in der Familie
weiterhin benutzt werden soll. Die Ausführungen hinsichtlich seines Na-
mens erscheinen jedoch nicht nachvollziehbar und es bestehen erhebliche
Zweifel daran, dass sich die Berichte tatsächlich auf seine Person bezie-
hen.
8.4 In der Eingabe vom 23. März 2020 wird unter dem Titel "bisher ver-
schwiegener Sachverhalt" vorgebracht, der Beschwerdeführer sei auch
wegen seiner Freundschaft zu L._ gefährdet, welcher im (...) 2016
wegen des Verdachts auf Verbindungen zur Aava-Gruppe behördlich ver-
folgt und angeschossen worden sei. Diesbezüglich ist einerseits festzuhal-
ten, dass der Beschwerdeführer sich zum damaligen Zeitpunkt noch im
Heimatstaat befand. Hätte aus diesem Ereignis tatsächlich eine Gefähr-
dung seiner Person resultiert, ist nicht ersichtlich, weshalb er dies nicht be-
merkt haben sollte und entsprechend im Rahmen seiner Befragungen
durch das SEM erwähnt hätte. Im eingereichten Bericht über den Vorfall
vom (...) 2016 (Beilage 11) werden weder L._ noch der Beschwer-
deführer genannt. Der zweite Zeitungsartikel (Beilage 12) berichtet von der
Festnahme eines gewissen L._ in Indien, wobei das abgebildete
Foto von zu schlechter Qualität ist, um die betreffenden Personen klar er-
kennen zu können. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Be-
schwerdeführer und den vorgelegten Artikeln ist daher nicht erstellt. Ent-
sprechend kann in der nachträglich geltend gemachten Freundschaft zu
L._ kein risikoerhöhendes Sachverhaltselement erblickt werden.
8.5 In der Eingabe vom 4. Februar 2021 wird schliesslich erstmals geltend
gemacht, dass im Heimatstaat ein Gerichtsverfahren hängig sei, welches
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Seite 22
den Beschwerdeführer als Angeklagten aufführe. Das Verfahren soll wie-
derum den Vorfall vom (...) 2016 betreffen. Es ist erneut darauf hinzuwei-
sen, dass im Rahmen der Befragungen an keiner Stelle ein solcher Vorfall
erwähnt wurde. Dabei wäre es durchaus als gravierendes Ereignis zu be-
trachten, wenn mit L._ ein enger Freund des Beschwerdeführers
angeschossen worden wäre, welcher mit denselben Vorwürfen wie er
selbst – Mitgliedschaft bei der kriminellen Aava-Bande (vgl. SEM-act.
A14/15 F105) – konfrontiert gewesen sein soll. Den in Kopie eingereichten
Gerichtsakten lässt sich entnehmen, dass das betreffende Verfahren im
Jahr 2016 eingeleitet worden sein soll. Weshalb der Beschwerdeführer die-
ses angebliche Verfahren vorher nicht erwähnte, erschliesst sich dabei
nicht, zumal nicht davon ausgegangen werden kann, dass weder er selbst
noch seine Familie, mit welcher er stets in Kontakt stand (vgl. SEM-act.
A14/15 F116), von einem solchen Gerichtsprozess etwas erfahren hätte.
Dies gilt umso mehr, als sich das Verfahren gemäss den Unterlagen über
einen Zeitraum von über zwei Jahren erstreckt haben soll. Weiter ist unklar,
wie der Beschwerdeführer nun plötzlich an die betreffenden Gerichtsakten
gelangt sein will und um was für Akten es sich dabei eigentlich handelt.
Inhaltlich beschreiben die Dokumente den Ablauf des Gerichtsverfahrens
und es wird unter anderem dargelegt, dass Beweise abgenommen, Ver-
dächtige zur Festnahme ausgeschrieben oder Verhöre durchgeführt wür-
den. Zum Schluss wird unter den Einträgen vom (...) und (...) 2018 festge-
halten, dass die nicht verhafteten Angeklagten – darunter der Beschwer-
deführer – zu einer Strafe von zwei Jahren verurteilt worden, während
G._ und eine weitere inhaftierte Person freigesprochen worden
seien. Ein entsprechendes Urteil wurde vom Beschwerdeführer jedoch
nicht vorgelegt und er machte nicht einmal geltend, dass er verurteilt wor-
den ist. Bei der Anhörung im Dezember 2018 erwähnte er weder ein lau-
fendes noch ein abgeschlossenes Gerichtsverfahren, das gegen ihn ge-
führt worden sei. Ebenso wenig sprach er von einem Vorfall im (...) 2016
oder von seinem angeblichen Freund L._, der damals angeschos-
sen worden sein soll. Er wusste auch nicht, was aus G._ geworden
sei (vgl. SEM-act. A14/15 F72), der gemäss den vorgelegten Gerichtsakten
zwar festgenommen, im Anschluss aber freigesprochen worden sein soll
(vgl. Beilage 16, S. 8 und 35). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der
Beschwerdeführer, der im Heimatstaat bereits von einem Rechtsanwalt un-
terstützt worden sein soll (vgl. etwa SEM-act. A14/15 F81 und F102), erst-
mals in einer Eingabe im Jahr 2021 ein Gerichtsverfahren gegen seine Per-
son erwähnt, welches im (...) 2016 – als er sich noch im Heimatstaat auf-
hielt – begonnen und im (...) 2018 mit einem Urteil in Abwesenheit geendet
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Seite 23
haben soll. Die Gerichtsdokumente wurden zudem lediglich in Kopie ein-
gereicht und es ist bekannt, dass Fälschungen diverser amtlicher Doku-
mente aus dem Herkunftsstaat des Beschwerdeführers leicht käuflich er-
hältlich sind. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorlie-
genden Falles, darunter die unsubstanziierten Aussagen anlässlich der Be-
fragungen, die fehlende Erwähnung eines Gerichtsverfahrens während
des erstinstanzlichen Asylverfahrens und das Fehlen von Originaldoku-
menten kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um authen-
tische Gerichtsakten handelt.
8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelingt, seine Vorbringen glaubhaft zu machen. Es ist nicht anzuneh-
men, dass er im Jahr 2014 zufällig aufgrund seiner Anwesenheit bei der
Verhaftung G._ ebenfalls festgenommen, zwei oder drei Tage in-
haftiert und in der Folge anhaltend von den sri-lankischen Sicherheitsbe-
hörden behelligt worden ist. Als unglaubhaft erweisen sich auch die im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens erstmals erwähnten Sachverhaltsele-
mente wie die angeblich risikoerhöhende Freundschaft zu einer Person na-
mens L._ sowie das gegen diverse Personen geführte Gerichtsver-
fahren aus den Jahren 2016 bis 2018. Es ist nicht davon auszugehen, dass
es sich bei den in diesem Zusammenhang in Kopie vorgelegten Gerichts-
unterlagen um echte Dokumente handelt. Weiter ist auch nicht anzuneh-
men, dass sich die eingereichten Zeitungs- und Internetartikel, in welchen
als I._ und H._ bezeichnete Personen oder Gruppierungen
erwähnt werden, auf den Beschwerdeführer beziehen. Insgesamt erweist
es sich als nicht glaubhaft, dass er Opfer eines Verfolgungsmusters der
heimatlichen Sicherheitsbehörden geworden ist, wonach junge tamilische
Männer willkürlich bezichtigt würden, kriminellen Gruppierungen anzuge-
hören, um gegen sie vorgehen zu können.
9.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei
der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-
teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-
kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da-
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bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stel-
len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-
lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder-
aufleben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor-
liegt (vgl. a.a.O. E. 8). Dass sich darüber hinaus aufgrund der in der Be-
schwerde sowie in den Eingaben vom 23. März 2020, 4. Februar 2021 und
vom 3. November 2021 (vgl. Sachverhalt Bst. D., F., G. und H.) erwähnten
und dokumentierten Ereignisse, welche seit der Ausreise des Beschwer-
deführers eingetreten sind, in Sri Lanka das Risiko für tamilische Rückkeh-
rer, im Falle der Rückkehr Menschenrechtsverletzungen zu erleiden, gene-
rell verschärft hätte, lässt sich entgegen der in den Eingaben prognostizier-
ten Gefährdungsszenarien nicht feststellen. Die Die darin dokumentierte
Entwicklung verdeutlicht vielmehr, dass die im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren, die zu einer asylrechtlich re-
levanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischen
Personen führen können, nach wie vor aktuell und dementsprechend wei-
terhin zu prüfen sind.
9.2 Dem Beschwerdeführer gelang es nicht, glaubhaft zu machen, dass er
per Zufall ins Visier der heimatlichen Behörden geraten und Opfer einer
willkürlichen Verfolgung junger tamilischer Männer aus dem Nordosten Sri
Lankas geworden sei. Er machte nicht geltend, dass er jemals aufgrund
von allfälligen Verwandten mit LTTE-Verbindungen Probleme erhalten
hätte. Sein Bruder soll irgendeine Bewegung unterstützt haben und des-
halb ausgereist sein, wobei der Beschwerdeführer nicht wusste, welche
Bewegung dies gewesen sein soll (vgl. SEM-act. A14/15 F20 f.). In diesem
Zusammenhang machte er ebenfalls nicht geltend, dass er oder andere
Familienangehörige deswegen Schwierigkeiten mit den Sicherheitsbehör-
den erhalten hätten. Eigene Verbindungen zu den LTTE wurden vom Be-
schwerdeführer nicht vorgebracht und er führte auch nicht aus, dass er im
Heimatstaat oder im Ausland (exil-)politisch tätig gewesen sei. Nachdem
nicht glaubhaft ist, dass er zu Unrecht als Mitglied einer kriminellen Bande
bezeichnet und in ein Strafverfahren verwickelt gewesen war, ist auch nicht
D-1229/2020
Seite 25
davon auszugehen, dass gegen ihn ein Haftbefehl besteht und er befürch-
ten müsste, aus diesem Grund unmittelbar bei der Einreise verhaftet zu
werden. Zwar verfügt er nicht über einen eigenen Pass und müsste nach
einem längeren Auslandaufenthalt mit temporären Reisedokumenten zu-
rückkehren. Diese Umstände sind jedoch – ebenso wie seine Ethnie – le-
diglich als schwach risikobegründenden Faktoren anzusehen. Insgesamt
weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, welches darauf schliessen
liesse, dass er von den heimatlichen Sicherheitsbehörden als Unterstützer
der LTTE respektive als Person wahrgenommen wird, die bestrebt ist, den
tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Es ist daher nicht da-
von auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
9.3 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Beschwerde-
führers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive de-
ren Folgen. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung ent-
standen ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Um-
ständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. dazu
BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen demnach nicht vor. Es sind auch
sonst keine Hinweise dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im ak-
tuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Be-
hörden geraten wäre und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hätte.
9.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden
nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht hat. Das SEM hat somit
die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und sein Asylgesuch abge-
lehnt.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
D-1229/2020
Seite 26
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2
11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden.
11.2.3 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – an wel-
cher auch unter Berücksichtigung der (sicherheits-)politischen Ereignisse
in den vergangenen Jahren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1305/2020
Urteil vom 20. Januar 2022 E. 12.4, D-1211/2021 vom 30. August 2021
E. 9.2.2) weiterhin festzuhalten ist – lassen weder die Zugehörigkeit zur
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tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka den Wegweisungsvollzug unzulässig erscheinen (vgl. das Referenz-
urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2015 E. 12.2 f.). Sodann ergeben sich we-
der aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten An-
haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimat-
staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss
der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR)
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer
eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung
drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar
2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm unter
Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zum Asylpunkt und zur Flücht-
lingseigenschaft jedoch nicht gelungen. An dieser Einschätzung ändern
auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom November 2019 und de-
ren Auswirkungen auf die Lage in Sri Lanka nichts, da kein persönlicher
Bezug des Beschwerdeführers zu diesen Ereignissen erkennbar ist. Nach
dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl-
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.3
11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
11.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung
der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Weg-
weisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von indi-
viduellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen
familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge-
sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka – namentlich die Wahl von
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Seite 28
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und deren Folgen – sowie die
Nachwirkungen der Anschläge vom 21. April 2019 und des damals ver-
hängten, zwischenzeitlich wieder aufgehobenen, Ausnahmezustands oder
die vorübergehenden diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der
Schweiz und Sri Lanka führen nicht dazu, dass der Wegweisungsvollzug
generell als unzumutbar angesehen werden müsste.
11.3.3 In individueller Hinsicht ist festzuhalten, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen jungen Mann handelt, der an keinen aktenkundi-
gen gesundheitlichen Problemen leidet. Er hat die Schule mit einem A-Le-
vel abgeschlossen und in der Folge einen (...) -Kurs absolviert (vgl. SEM-
act. A14/15 F31 und F34). Weiter hat er mit seinem Vater auf dem eigenen
Landwirtschaftsbetrieb gearbeitet und war als Fahrzeughändler tätig
(vgl. SEM-act. A14/15 F30 und F36). Neben seinen Eltern und seiner
Schwester leben auch noch weitere Verwandte im Heimatstaat (vgl. SEM-
act. A4/13 Ziff. 2.01 und 3.01; A14/15 F13 und F38). Es ist davon auszu-
gehen, dass er nach seiner Rückkehr angesichts der guten Schulbildung
sowie seiner Arbeitserfahrung in der Lage sein wird, sich in Sri Lanka eine
Existenz aufzubauen. Zudem verfügt er über ein tragfähiges familiäres Be-
ziehungsnetz, welches ihn gegebenenfalls bei der Wiedereingliederung
unterstützen kann. Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, er
leide an einem nicht abschliessend geklärten psychischen Gesundheits-
problem, ist festzuhalten, dass er bis heute weder einen entsprechenden
ärztlichen Bericht vorgelegt hat noch geltend machte, er habe sich in den
vergangenen drei Jahren in psychiatrischer Behandlung befunden. Kon-
krete Hinweise für eine Traumatisierung sind nicht ersichtlich, weshalb
nicht davon auszugehen ist, es bestehe im Falle der Rückkehr die Gefahr
einer Retraumatisierung oder der Chronifizierung eines allfälligen Trau-
mas. Insgesamt gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rück-
kehr in eine existenzielle oder medizinische Notlage geraten könnte. Der
Vollzug der Wegweisung erweist sich somit nicht als unzumutbar.
11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu erachten ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
D-1229/2020
Seite 29
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich ganz überwie-
gend auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen indivi-
duellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – näher einzugehen. Die
Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der sehr umfang-
reichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen sind diese praxisgemäss auf
insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
13.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist – wie auch vorliegend – in zahlrei-
chen Urteilen, bei denen das zugrunde liegende Beschwerdeverfahren
vom rubrizierten Rechtsvertreter geführt wurde, auf den von ihm immer
wieder gestellten Antrag um Bekanntgabe und Bestätigung der Zufälligkeit
der Auswahl des Spruchgremiums nicht eingetreten, dies unter Hinweis auf
das Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3), wonach
weder ein Anspruch auf zufällige Zusammensetzung des Spruchkörpers
noch ein solcher auf Bestätigung einer zufälligen Zusammensetzung des-
selben besteht. Es hat ihn dabei darauf hingewiesen, dass bei erneuter
Stellung von diesem im Wesentlichen gleichbegründeten Antrag, über den
bereits befunden worden sei, die dadurch unnötig verursachten Kosten ihm
persönlich auferlegt werden können (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer D-
4470/2018 vom 14. September 2018 E. 8.2, E-598/2018 vom 8. Oktober
2018 E. 13 und D- 4452/2018 vom 9. Januar 2019 E. 12.2). Dies hat den
Rechtsvertreter nicht dazu veranlasst, den entsprechenden Antrag in den
bereits anhängig gemachten Beschwerden zurückzuziehen und diesen
künftig nicht mehr zu stellen. Er hat im Gegenteil – so auch in der im vor-
liegenden Verfahren eingereichten Beschwerde vom 28. Februar 2020 –
denselben Antrag immer wieder gestellt, woraufhin das Bundesverwal-
tungsgericht ihm androhungsgemäss die dadurch unnötig verursachten
Verfahrenskosten persönlich auferlegte (vgl. statt vieler Urteile des BVGer
22/2019 vom 26. März 2019 E. 15.2, E-3935/2019 vom 24. September
2019 E. 11.2, D-2087/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 14.2 und E-2464/2020
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vom 23. Juli 2020 E. 13.2). Folgerichtig sind dem Rechtsvertreter auch im
vorliegenden Verfahren die durch sein Verhalten unnötig verursachten
Kosten persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 100.– festzusetzen (Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6). Dieser Betrag ist von den Gesamtver-
fahrenskosten in der Höhe von Fr. 1ꞌ400.– in Abzug zu bringen.
13.3 Die restlichen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.– sind dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist
der am 23. März 2020 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– zu ver-
wenden. Der Restbetrag von Fr. 100.– ist dem Beschwerdeführer zurück-
zuerstatten.
(Dispositiv nächste Seite)
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