Decision ID: c8da6b19-ce35-410b-8322-1af0db14887b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1962 geborene
X._
war zuletzt als Reinigungskraft bei der
Y._
GmbH mit einem Pensum von 70 bis 80 %
tätig
(Urk. 7/22/166
und Urk.
7/15 S. 4 Ziff. 5.4
)
.
A
m 3. Mai 2012
stürzte sie
in einem Bus
anlässlich einer
Notbremsung und
verletzte
sich dabei
am Kopf, am rechten
Ellbogen
sowie am rechten Knie
(Urk.
7/18/1
).
Die Unfallver
sicherung
(SUVA)
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Urk.
7/22/158
und Urk. 7/22/164
) und stellte
diese mit Verfügung vom 18. April 2013 (Urk. 7/22/20-21)
unter Hinweis auf organisch nicht nachweisbare Beschwerden und unter Verneinung
der
Adäquanz
per 30. April 2013 ein.
Am
3
.
September
2013
meldete sich die Versicherte unter Hinweis
auf besagten Unfall
zum
Leis
tungsbezug
an (Urk.
7/15
-16
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog unter anderem die Akten der Unfallversicherung
(Urk. 7/22)
bei und
wies
nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/30
) das
Renten
begehren
mit Verfügung vom 14. April 2015 (Urk. 2)
ab.
2.
Dagegen
erhob die Versicherte am 15. Mai 2015 unter Auflage
von
Arztberich
te
n
der Universitätsklinik
Z._
vom 1
0.
und 12. März 2015
(Urk. 3/1-2) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung
vom 14. April 2015
sei auf
zuheben und es sei die Angelegenheit zur Veranlassung eines
externen
polydis
ziplinären
Gutachtens an die
Verwaltung
zurückzuweisen (S. 2). Mit
Beschwer
deantwort
vom 4. Juni 2015 (Urk. 6)
schloss
die Beschwerdegegnerin
auf
Abweisung der Beschwerde, was de
r
Beschwerdeführer
in
am 16. Juni 2015 mit
geteilt wurde (Urk. 8).
Am 28. September und
19
. Oktober 2015 (Urk. 10 und Urk. 13) reichte die Beschwerdeführerin Arztberichte
der
RehaClinic
A._
vom
18. September und 9. Oktober 2015 (Urk. 11/1 und Urk. 14) sowie der Universitätsklinik
Z._
vom
7.
und 17. April sowie
vom
29. Mai 2015 (Urk. 11/3 und Urk. 14)
ein,
was der Beschwerdegegnerin am
6.
und 20.
Oktober
2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12
und Urk. 15
).
Mit Ein
gabe vom 10. Juni 201
6
(Urk. 16)
legte
die Beschwerde
führerin
den Bericht der Universitätsklinik
Z._
vom 20. Mai 2016 (Urk.
1
7)
auf
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhän
gig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei
den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strei
tigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre
chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweis
wertes
eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellung
nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
leistungsabweisende
Verfü
gung
vom 14. April 2015
(Urk. 2) damit, dass
die Beschwerdeführerin
bereits
seit November 2013
in ihrer angestammten Tätigkeit
wieder voll arbeitsfähig sei. Da die IV-Anmeldung am 3. September 2013 eingegangen sei und Leistungen somit frühestens ab
dem
1. Februar 2014 zugesprochen werden könnten,
stehe
der
Beschwerdeführerin kein Rentenanspruch
zu
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
seit dem Unfall best
ü
nden
therapieresistente
heftige Schmerzen im Bereich d
er rechten Nackenseite, der Nac
kenschultergürtelmuskulatur, des rechten Ellbogens und der rechten Hand.
Des Weiteren lägen Hinweise auf ein funktionelles
Thoracic
Outlet Syndrom sowie auf eine psychische respektive psychosomatische Überla
gerung vor.
Die Beschwerdegegnerin habe keine eigenen medizinischen Abklä
rungen vorgenommen, sondern einzig auf den kreisärztlichen Bericht des Unfallversicherers vom 9. Januar 2013 und die Stellungnahme
ihres
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 5. Juli 2014 abgestellt. E
s lägen keine be
grün
deten
fachärztlichen
Stellungnahmen vor, welche den Schluss zuliessen, sie sei ab November 2013 (oder 2012) wieder voll arbeitsfähig.
Die
Beschwerdegegne
rin
habe demzufolge ihre Pflicht, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, in schwerwiegender Weise verletzt, indem sie bei lückenhafter und nicht aussa
gekräftiger Aktenlage entschieden habe, ohne ein polydiszipli
näres Gutachten einzuholen (
Urk. 1
S. 4-6
).
3.
3.1
SUVA-
Kreisarzt
Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie FMH,
führte
in seinem Bericht vom 10. Januar 2013 (Urk. 7/22/41-49)
aus
,
über die Beobachtungszeit hätten sich die Symptome am
Ellbogen
verschlimmert.
Dabei
hätten sich Schmerzen im ganzen Arm entwickelt, inklusive
im
Handgelenk mit
B
ewe
gungseinschränkungen
im
Schultergelenk und schmerzbedingter
Bewegungs
einschränkung
in der rechten Schulter und in der Halswirbelsäule
n- und
Nackenregion mit rechtsbet
o
nten
Triggerschmerzpunkten
und verspannter Mus
kulatur
. Die Abklärungen hätten
“
weder bildgebend
,
neurologisch noch ortho
pädisch traumatische Läsionen
”
zutage gebracht
.
Auch
hätten
sich bis anhin
“
keine
rheumatologische
n erklärenden Diagnosen für den Zustand
”
ergeben
, wobei diesbezüglich weitergehende Abklärungen in Vorbereitung
seien. Eine umfassende Diagnose sei -
bis auf
die Erwähnung von
Triggerpunkt
en
und
Ketten
ten
dinosen
am rechten Arm, ohne wesentliche degenerative Veränderun
gen
-
nicht gestellt, klinisch-medizinisch jedoch zur Kenntnis genommen und
bis anhin
nicht
mit abschliessenden diagnostischen Möglichkeit
en eingeordnet worden. Aufgrund des Verlaufs, des Unfallmechanismus, der
Symptomauswei
tung
und
der
Verschlimmerung ohne traumatische Läsionen sei die ges
amte Si
t
u
ation im Bereich der rechten oberen Extremität mit dem Unfallereignis nicht zu erklären. Spätestens mit der ab
schliessenden Untersuchung (
am
25. Oktober 2012 neurologisch;
am
17.
Oktober 201
2
Magnetresonanztomographie
(
MRI
)
der
Halswirbelsäule
(HWS)
;
am
2. November 2012
orthopädisch;
am
12. November 2012
MRI
des
Ellbogen
s
) sei der Status quo sine, bei sehr gross
zügiger Interpretation des zeitlichen Verlaufs der Unfallfolgen, erreicht (S.
5-
6).
Unter dem Titel
Arbeits
un
fähigkeit wies der Kreisarzt darauf hin, dass
grundsätz
lich
die linke obere Extremität und die anderen Körperregionen frei einsetzbar seien und dass
“
auf
Grund
der natürlichen Kausalität
”
die
unfallbe
zogene
, grosszügig ausgelegte Arbeitsunfähigkeit bis zum 12. Nov
e
mber 201
2
gerechtfertigt sei. Ob
“
allenfalls unfallfremd eine Arbeitsunfähigkeit gerechtfer
tigt sei
”
, müsse
durch die behandelnden Ärzte
“
gegenüber der Krank
en
versi
cherung verantwortet
”
werden.
Er erlaube sich indes die Bemerkung, dass für
leichte berufliche Tätigkeiten, auch Reinigungsarbeiten,
“
sicher keine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
”
bestehe
(S. 8).
3.2
Dr. med
.
C._
, stellvertretende Oberärztin
,
und Dr. med.
D._
, Assistenzärztin am Spital
E._
,
nannten
in ihrem
Bericht vom 2. Juli 2013 (Urk. 7/22/7-8)
folgende Diagnosen:
C
hronisches
Cervico
-brachiales Schmerzsyndrom rechts mit Fokus auf den
Ell
bogen
und assoziierte
Sensorikstörung
Dig
III-
V
und
ulnarer
Unterarm
myofasziales
Beschwerdebild mit somatoformer Überlagerung
Status nach
Ellbogen
kontusion, Commotio Cerebri am 3.5.2012
p
ersistierend verminderte und schmerzhafte Beweglichkeit des rechten
Ell
b
enb
ogens
sowie Parästhesien der
ulnaren
Finger II-V rechts
d
iskretes unspezifisches Weichteilödem am
Olekranon
weniger am
Tri
zepsansatz
, kein Knochenödem, keine Pathologie des
Nervus
ulnaris
, MRI
Ellbogen
rechts
vom
12.11.2012
Spinalkanal und
Neuroforamina
nicht eingeengt, MRI HWS vom 17.10.2012
Ausschluss
Radikulopathie
C7/8 oder
Sulcus
ulnaris
Syndrom bei unauffälli
ge
m
MRI HWS und
Elektroneuromyographie
(E
NM
G)
am 4.10.12
C
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
psychologische Exploration
im
3/2013
arbeitsmedizinisches Assessment
am
6.4.2013
Adipositas WHO Grad III (BMI 43
kg/m2)
Vitamin-D-
Mangel
Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
im
1/2013
gebessert nach Repositionsmanövern
am
22.-25.1.2013
Die
Ärztinnen
hielten
fest
, dass
bei
der letzten Konsultation im Juni 2013 (vgl. Urk. 7/
22
/12-13) aufgrund der bereits vorgenommenen diversen Abklärungen von Seiten der Neurologie
(vgl. Urk. 7/22/64-67
)
, Orthopädie
(vgl. Urk. 7/22/72 und Urk. 7/22/78)
, Rheumatologie
und Psychologie ohne Objektivierbarkeit des pathologischen Befundes
bei Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstöru
ng eine Analgesie mit
Lyrica
75
mg initiiert worden sei. Di
e Analgesie habe jedoch gemäss
Angaben der Beschwerdeführerin zu keiner Besserung geführt.
D
ie Beschwerden im rechten
Ellbogen
seien persistent
,
im Vergleich zum
Unfallzeit
punkt
verstärkt und best
ü
nden sowohl in Ruhestellung als auch bei Belastung.
Ebenso persistierten Parästhesien der Finger II-V und eine Weichteilschwellung am distalen Oberarm
dorsalseits
. Insgesamt habe keiner der Therapieansätze eine Linderung gebracht.
Die Ärztinnen
wiesen weiter darauf hin
, dass die Beschwerden aus unfallchirurgischer Sicht mit dem initialen
Trauma
respektive
der
Ellbogen
kontusion vom
3. Mai 2012
nicht
erklärbar seien. Betreffend Arbeitsfähigkeit
ver
wiesen
sie
auf die Evaluation durch den Hausarzt.
3.3
In ihrem Bericht vom 22. November 2013 (Ur
k. 7/23)
führt
e Dr. med.
F._
, Ober
ärztin Neurologie an der
G._
Klinik, folgende Diagnosen
auf
(S. 1):
Hauptd
iagnosen
:
Z
ervikobrachiales
Schmerzsyndrom
rechts
mit/bei
Status nach Unfall 3.5.2012 mit leichtgradiger Commotio, HWS-Distor
sion und Schulter-
Ellbogen
schmerzen
rechts
k
linisch: keine fokalneurologischen Defizite, hohe
myofas
z
iale
Kompo
nente
HWS-
MRI
1
0/2012: unauffällig
Schädel/HWS-
Computertomographie
(
CT
)
und CT-Thorax 05/2012: unauf
fällig
Ellbogen
-MRI
11
/201
2
: leichtes Weichteilödem am
Olecranon
, ansonsten normal
Ellbogen
-MRI 07/2013:
regredientes
, nur noch diskret ausgeprägtes Ödem am Ansatz der
Trizepssehne
E
NM
G
: hochnormale
N.
ulnaris
-Neurographie und
N.
medianus-Neurogra
phie
A
rterielle Hypertonie
Nebendiagnosen
:
Status nach Schulter-Armsyndrom links mit/bei
Status nach Sturz 03/2006
Status nach benignem paro
x
ysmale
m
Lagerungsschwindel 1/2013
Adipositas (BMI 43)
Die Ärztin hielt fest, die Beschwerdeführerin leide gemäss eigenen Angaben ständig unter Schmerzen im Bereich der rechten Nackenseite, der
Nackenschul
tergürtelmuskulatur
, des
Ellbogen
s und der Hand. Die Finger seien fast immer taub und als Rechtshänderin sei es für sie sehr schwierig, zu schreiben,
zu
kochen und
zu
bügeln. Sie empfinde keine Kraft im rechten Arm und verspüre ein generalisiertes Schweregefühl.
Weder die Einnahme
diverser
Medikamente noch
Physiotherapie
hätten eine Besserung
gebracht. Sie sei zudem auch durch Kopfschmerzen beeinträchtigt
und meine
,
eine Depression zu haben, da sie oft weinen müsse und sich unter vielen Leuten gestört fühle (S. 1 f.)
. D
r.
F._
wies darauf hin, dass keine sicheren Hinweise für eine Schädi
gung im Sinne einer Myelopathie,
Radikulopathie
oder peripheren
Nervenstö
rung
best
ü
nden
;
auch
habe
keine manifeste orthopädische Störung der rechten Schulter
oder
des
Ellbogen
gelenks nachgewiesen werden können.
Ebenso bleibe d
ie Ursache der Fühlstörung in den Fingern unklar. Differentialdiagnostisch könnte
bei schwerer Fehlhaltung und verkürzten
Scaleni
auch
ein funktionelles
Thoracic
Outlet Syndrom vorliegen
. In therapeutischer Hinsicht müsse
multi
mo
d
al
an die Situation herangegangen werden, wobei allenfalls ein stationärer Aufenthalt in einer Spezialklinik, bei welcher rheumatologische wie auch psy
chosomatische Beschwerden angegangen
würden
, indiziert sei
(S. 3).
3.4
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med.
H._
, Innere Medizin FMH,
ging
in
seinem Bericht vom 1. April 2014 (Urk. 7/26
/
1-4)
von
folgende
n
Diagnosen
aus
(S. 1 Ziff. 1.1)
:
M
it Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Status nach Unfall 3.5.12
Commotio
HWS-Beschleunigungstraum
a
persistierende Schulter- und
Ellbogen
schmerzen rechts bei Status nach
Radi
usköpfchen-Fraktur
persistierende Hypästhesie
Ulnarisgebiet
rechte Hand
O
hne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Status nach Unfall 17.6.13 (Sturz in Küche am Arbeitsplatz: Restaurant)
Verletzungen der linken oberen Extremität, aktuell beschwerdefrei
a
rterielle Hypertonie
Dr.
H._
ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig
keit seit
dem
3. Mai 2012 aus (S. 2 Ziff. 1.6).
3.
5
RAD-Arzt
Dr. med.
I._
, FMH Orthopädische Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2014 (Urk. 7/29
S. 3-4
) fest, dass gemäss
dem
Bericht des
SUVA-
Kreisarztes die gesundheitliche Situation der Beschwerde
führerin aufgrund des Unfallmechanismus
beziehungsweise
der
Symptomaus
weitung
nicht zu erklären sei. Dennoch habe der Kreisarzt eine als grosszügig bezeichnete Arbeitsunfähigkeit
“
bis zum 12. November 2013
”
als gerechtfertigt erachtet
, eine
“
vollständige
”
Arbeitsunfähigkeit
für leichte berufliche Tätigkei
ten
(inklusive Reinigungsarbeiten)
indessen verneint.
Gestützt darauf
sei
vom 3. Mai 2012 bis zum 12. November 2013 von einer unfallkausal bestätigten Arbeitsunfähigkeit in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätig
keit aus
zugehen
.
Rechtsgenügliche
beziehungsweise
sichere
Hinw
eise
für eine unfallfremde dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
seien den Akten nicht zu entneh
men. Als Belastungsprofil nannte der RAD-Arzt körperlich leichte
welchselbe
lastende
Tätigkeiten
.
3.6
Im Bericht vom 17. April 2015 (Urk. 11/2
S. 3-4
)
ging
Dr. med.
J._
, Spitalfachärztin an der Universitätsklinik
Z._
,
von
folgende
n
Diagnosen
aus
:
C
hronisches
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
Nacken-, Schulter-,
Ellbogen
schmerzen, anamnestisch rezidivierende Schwellung Handrücken rechts
Status nach
Ellbogen
kontusion 3.5.12
Bildgebung:
MRI Hand rechts 9.4.15: keine aktiv- oder chronisch-entzündliche Verän
derungen
MRI HWS 26.3.15:
atlantodentalarthrose
, multisegmental beginnende
Dis
kusdegenerationen
ohne Nachweis einer Nervenwurzelkompression, keine entzündlichen Veränderungen
Röntgen HWS
ap
/
seitl
. 4.3.15: kleine
Anulus
fibrosus
-Verkalkung Höhe C4/5, C5/6, keine entzündlichen Veränderungen
Röntgen Schulterstatus und Ultraschall Schulter rechts 4.3.15:
Enthesio
phyt
am Ansatz des
coracoacromialen
Ligamentes, kleine
Stu
fenbildung
Tub.
Majus
möglicherweise alte verheilte
Avulsionsfraktur
, Verdacht auf hochgradige Partialruptur
Supraspinatussehne
,
Tendino
pathie
der
Subscapularissehne
Röntgen Ellbogen
ap
/
seitl
.
r
echts 4.3.15: kleiner
Ole
k
ranon
-Sporn
Röntgen Hände
dp
bds
. 4.3.15: keine en
t
zündliche
/
erosive
Veränd
er
un
gen
MRI
Ellbogen
rechts 8.7.13:
regredientes
,
nur noch diskret ausgeprägtes Ö
dem am Ansatz der
Trizepssehne
Olecranon
, kein Hinweis auf Patho
logie des
N.
ulnaris
Neurologie 4.10.12: keine
Radikulopathie
C7, C8 oder
Sulcus
ulnaris
-Syn
drom
Fehlstatik des Achsenskelettes, muskuläre
Dysbalance
Status
nach Sturz 3.5.12 mit
Ellbogen
kontusion, Commotio cerebri
Adipositas per magna
BMI 43 kg/m2
A
rterielle Hypertonie
25-OH-Vitamin-
D-Mangel
unter Substitution
mit ViDe3-Tropfen seit 11.3.15
Die Ärztin führte aus, die Beschwerdeführerin
klage
über im Vordergrund ste
hende Schulterschmerzen rechts
mit Ausstrahlung nach
cervikal
, in den Ober
arm sowie
gelegentlich
in den
Ellbogen
sowie
in
die
Hand rechts
. Im MRI der Hand hätten sich keine aktiv- oder chronisch-entzünd
lichen Veränderungen gezeigt, ebenso wenig best
ü
nden Anhaltspunkte für eine
monoklonale
Gammo
pathie
.
In therapeutischer Hinsicht sei eine diagnostische
subacromiale
Infiltra
tion mit Lokalanäs
thesie in vier Wochen angemeldet
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich
bei
ihrer leistungsabweisenden Verfügung
vom 14. April 2015
auf
die Stellungna
h
me ihres
RAD
-Arztes
vom 5. Juli 2014 (Urk. 7/29 S. 3-4)
, welcher
sei
nerseits auf den
Bericht des
SUVA-
Kreisarztes Dr.
B._
vom 10. Januar 2013 (Urk. 7/22/41-49
) abstellte
(
Urk. 2
)
und keine eigene Untersuchung durchführte
.
4.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfä
higkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
können sie die
geeigneten Prüfmethoden im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135
V
465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3.1
RAD-Arzt Dr.
I._
ging
für die
Zeit
vom 3. Mai 2012 bis
zum
12. November 201
3
von einer
als unfallkausal bestätigten
100%igen
Arbeits
unfähigkeit in zuletzt ausgeübter und in angepasster Tätigkeit
aus
(vgl. E. 3.5
hiervor
)
.
Der vom RAD-Arzt postulierte Zeitpunkt für den Beginn der Arbeits
unfähigkeit entspricht
dabei
dem Unfalldatum. Nicht ohne Weiteres nachvoll
ziehbar ist hingegen
zunächst
das Datum für das Ende der
Arbeitsunfähigkeit (12. November 2013). Dieses stimmt insbesondere nicht mit der Einschätzung des Kreisarztes überein, welcher von einer unfall
kausalen
Arbeitsunfähigkeit bis zum 12. November 2012 ausging und dabei auf die abschliessende Untersu
chung (MRI des
Ellbogen
s am 12. November 2012) abstellte (Urk. 7/22/41-49 S. 6). Nachdem der RAD-Arzt in seiner Stellungnah
me indessen ausdrücklich auf den
vom Kreisarzt
genannten Zeitpunkt des Erreichens des
status
quo sine
“
als
grosszügig bezeichnet ausgelegte AUF bis zum 12.11.13
”
verwies (Urk. 7/29 S. 3 unten),
erscheint
es naheliegend, dass das Datum
vom 12. November 2013
auf einem Versehen beruhte
beziehungsweise
der RAD-Arzt in Anlehnung an den kreisärztlichen Bericht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis zum 12. November 2012 ausgehen wollte.
Ab
jenem Datum
attestierte
der RAD-Arzt
wie erwähnt
eine volle
Arbeitsfähig
keit
(Belastungsprofil: körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten)
, wobei er festhielt,
den Akten
seien
keine
rechtsgenüglich
en
beziehungsweise
sichere
n
Hinweise für eine allfällige
auf
unfallfremde
n Ursachen beruhende
dauerhafte Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen
.
Eine Begründung für diese Schlussfolgerung gab der RAD-Arzt
, der die Beschwerdeführerin im Übrigen nie selber untersucht hatte,
indessen nicht ab
.
4.3.2
Was die
Bemerkung des
SUVA-
Kreisarztes
Dr.
B._
betreffend die
unfall
fremde
Arbeitsunfähigkeit
angeht
(Urk. 7/22/41-49 S. 8)
,
ergibt sich Folgendes
:
Als Kreisarzt des Unfallversicherers, dessen Leistungspflicht
unter anderem
an
das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen dem
versicherten
Unfall und
der
eingetretenen
Gesundheitsschädigung
an
knüpft
(
vgl.
BGE 129 V 177 E. 3
)
,
bestand die Hauptaufgabe von Dr.
B._
in der
Einschätzung
der durch den Unfall he
rbeigeführten Arbeitsunfähigkeit
(zur im Unterschied zur Unfall
versicherung im Wesentlichen finalen Natur der Invalidenversicherung vgl. BGE 120 V 95 E. 4c und Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art.
4.
IVG)
.
Entsprechend
wies
der Kreisarzt
Dr.
B._
darauf hin
, dass die Frage
nach
der
unfallfremde
n
Arbeitsunfähigkeit
durch die behandelnde
n
Ärzte zu
beant
worten
sei. Dr.
B._
beschränkte sich sodann
auf die
nicht näher begründete
Bemerkung, es bestehe für leichte Tätigkeiten
sicher
keine vollständige
unfall
fremde
Arbeitsunfähigkeit.
Selbst wenn
allein
auf die Einschätzung des Kreis
arztes abgestellt werden könnte,
wäre
daraus nicht automatisch auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
zu schliessen
.
Der
Hinweis
, dass sicher keine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
für leichte
berufliche
Tätigkeiten
vorlieg
e
, erlaubt nicht ohne Weiteres den Umkehrschluss, dass die Besch
werdeführerin
voll arbeitsfä
hig ist.
4.3.3
Abgesehen vom RAD-Arzt und
dem
Kreisarzt äusserten sich einzig die Ärztin
nen des Spital
s
E._
sowie der Hausarzt Dr.
H._
zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Während
die Ärztinnen
des Spitals
E._
in ihrem Bericht vom
2. Juli 2013 für die Zeit
von rund einem Monat (
vom 4. Juni bis zum 2. Juli 2013
)
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
attestierten
(Urk.
7/22/12-13 S.
2)
,
ging
Dr.
H._
am 1. April 2014 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit seit dem 3. Mai 2012 aus
,
wobei er diesen Umfang nicht näher begründete
und
überdies darauf hinwies, dass er
die Beschwerdeführerin erst seit August 2013 behand
le
(Urk. 7/26 Ziff. 1.2 und Ziff. 1.6)
.
D
er RAD-Arzt
postulierte
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit ab dem 13. November 201
3 respektive 2012
(vgl.
E.
4.3.1
hie
r
vor
)
. Eine für die Belange der Invalidenversicherung schlüssige Arbeitsfähigkeitseinschätzung liegt nicht vor.
4.
3.
4
Hinzu kommt, dass – nebst dem durchgehend diagnostizierten Schmerzsyndrom (vgl. E. 3.2, 3.3 und 3.6 hie
r
vor. Zum Ersatz des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells durch einen strukturierten normativen Prüfungsraster vgl. BGE 141 V 281, insbesondere E. 3.6) – die im Frühjahr 2015 von der zuständigen Ärztin der Universitätsklinik
Z._
noch als Verdachtsdiagnose geäussert (E. 3.6
hievor
)
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
samt einer ausgeprägten
Tendinopathie
der Supra- und
Infraspinatussehne
sowie
Bursitits
subacromialis
nun MR-tomographisch nachgewiesen wurde (nachgereichter Bericht der Uni
versitätsklinik
Z._
vom 20. Mai 2016, Urk. 1
7.
Zur Berücksichtigung von nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens datierenden Arztberichten vgl. BGE 121 V 362 E. 1b in
fine
).
Liegt eine Problemlage mit interdisziplinärem Charakter vor, ist eine
polydiszipli
näre
Expertise einzuholen (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_505/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 2.1.2), zu welchem Zweck die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5
.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die obsiegende vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Entsprechend steht ihr eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘100.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu.