Decision ID: de5b664f-29ff-4ad9-96b8-fd1eaccd81cf
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, meldete sich am 1
5.
Juli 2010 aufgrund seit einem Unfall vom 1
9.
Januar 2010 bestehender Beschwerden bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
19
). Die Soz
ialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Unfallversicherers bei und holte bei der
Y._
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, w
elches am 21.
Feb
ruar 2011 erstattet wurde (Urk.
7/47). Mit Vorbescheid vom 1
2.
April 2011 stellte die IV Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk.
7/50). Dagegen erhob der Versicherte
am 1
2.
Mai 2011 Einwände (Urk.
7/58
).
Zwischenzeitlich hatte der Versicherte am
6.
Mai
2011 erneut einen Unfall erlit
ten (
Urk.
7/70/1) und sich Frakturen im Be
reich des Beckens und des Unter
schenkels rechts zugezogen. Daraufhin veranlasst
e der Unfallversicherer ein wei
teres Gut
achten bei der
Y._
, welches am 2
2.
Februar 2013 erstattet wurde (
Urk.
7/88). Mit
Vorbescheid vom 3
0.
Januar 2
014 wies die IV-Stelle das Leis
tun
gsbegehren er
neut
ab (
Urk.
7/105
). Aufgrund der Einwände (
Urk.
7/110,
Urk.
7/114) sowie eines zwi
schenzeitlich im Auf
trag des Unfallversicherers ein
gegangenen psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 1
7.
August 2014 (
Urk.
7/117), holte die IV
-
Stelle beim
A._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 1
6.
Februar 2015 erstattet wurde (
Urk.
7/131/1-53). Nach einer weiteren Stel
lungnahme des Versicherten (
Urk.
7/133), hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbe
scheid
fest und verneinte einen Leistungsanspruch mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2015 (
Urk.
7/135). Dagegen erhob der Versicherte am hiesigen Sozialversiche
rungsge
richt Beschwerde (
Urk.
7/136/3-11
). Nachdem die IV-Stelle mit Beschwer
deant
wort den Antrag auf Rückweisung zur weiteren medizinischen Abklärung gestellt hatte (
Urk.
7/141), womit sich der Versicherte einverstanden erklärte, wurde die Beschwerde mit Urteil vom
3.
November 2015 im Prozess Nr
. IV.2015.00715 teilweise gutge
heissen und die Sache zur weiteren Abklärung und Neuverfügung an die IV-Stelle zurückgewiesen (
Urk.
7/143/1-6).
1.2
Daraufhin holte die IV-Stelle unter anderem bei Ärzten der
B._
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 2
2.
Dezember 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/16
3/1-30
). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
Urk.
7/214/3-4
) sowie dem Rechtsdienst der IV-Stelle (vgl. interne Anfrage vom
6.
März 2017,
Urk.
7/165
) wurde dem Versicherten am 31. März 2017 mit
ge
teilt, es sei eine stationäre psychiatrische B
egutachtung bei
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
D._
n
, notwendig (
Urk.
7/169). Nachdem sich der Versicherte einer erneu
ten Begutachtung schriftlich widersetzt hatte (
Urk.
7/170,
Urk.
7/172), hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom
4.
Mai 2017 an der Begutachtung fest (
Urk.
7/173). Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
7/174/3-8) wurde mit Urteil vom 2
9.
August 2017 des hiesigen So
zialversicherungsgerichts gutge
heissen, die Zwischenverfügung vom
4.
Mai 2017 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung zurückgewiesen (Prozess IV.2017.00623;
Urk.
7/176/1-15).
1.3
Im Nachgang zum Urteil vom 2
9.
August 2017 holte die IV-Stelle den Bericht vom
5.
Oktober
2016 der Leiterin des Tageszentrums des
E._
(
Urk.
7/181) ein. Sodann stellte sie den Ärzten d
er
B._
Rück
fra
gen zum Gutachten vom 2
2.
Dezember 2016 (Schreiben vom 2
8.
Dezember 2017,
Urk.
7/183), welche diese mit Stellungnahme vom 1
2.
Januar 2018 beant
worteten (
Urk.
7/184). Am
8.
Februar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie erachte zur Klärung des Leistungsanspruches eine stationäre psychia
trische Untersuchung bei
Dr.
C._
als notwendig (
Urk.
7/191; vgl. auch Schrei
ben vom
6.
Februar 2018,
Urk.
7/189). Damit erklärte sich der Versicherte mit Schreiben vom
2.
März 2018 nicht einverstanden (
Urk.
7/195). Mit Zwischenver
fügung vom 2
0.
März 2018 hielt die IV-Stelle an der in Aussicht gestellten stationären psychiatrischen Abkläru
ng fest (
Urk.
7/199
).
Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 7/
200/3-9)
wurde mit Urteil vom 13. November 2018 des hiesi
gen Sozialversicherungsgerichts gutgeheissen und die Sache an die IV-Stelle zu
rückgewiesen, damit sie über den Rentenanspruch des Versicherten materiell ver
füge (Prozess IV.2018.00408; Urk. 7/206/1-12). Diesen Entscheid schützte das Bundesgericht mit Urteil vom 7. März 2019 (Urk. 7/210).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/216; Urk. 7/217, 221) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. September 2020 das Leistungsbegehren des Versicherten ab (Urk. 7/224 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 8. Oktober 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. September 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
ab Mai 2011 eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
der Sachverhalt
rechts
genüglich
abzuklären und ein gerichtliches Obergutachten einzuholen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle
verzichtete
mit Beschwerdeantwort vom
12. November 2020 auf eine
Stellungnahme und beantragte die Abweisung der Beschwerde
(Urk.
6)
.
Mit Ge
richtsverfügung vom 2. Dezember 2020 wurde die Vorsorgestiftung
Proparis
zum
Prozess beigeladen (Urk. 8), wobei diese mit Eingabe vom 6. Januar 2021 auf das Einreichen einer Stellungnahme verzichtete (Urk. 10). Dies wurde den Parteien
am
8. Januar 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invalidi
täts
grades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiege
nder Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
gestützt auf das Gutachten vom 22. Dezember 2016 der
B._
und deren
ergänzenden Stellungnahme vom 12. September 2018 könne nicht auf eine
Diagnose geschlossen werden. Auch gestützt auf den Bericht vom 5. Oktober 2017
der Tagesklinik
E._
könne nicht klar davon ausgegangen werden, dass es sich
um nachvollziehbare Einschränkungen handle (S. 2
unten
). Die medizinische Aktenlage lasse eine schlüssige Beurteilung der erforderlichen Standardindika
to
ren nicht zu. Bei Beweislosigkeit werde vermutet, dass sich der geklagte Gesund
heitsschaden nicht invalidisierend auswirke
, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 3 oben).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, das
Gutachten vom 22. Dezember 2016
der
B._
sei beweiskräftig und es sei darauf abzustellen (S. 9 Ziff. 29).
Das Gutachte
n habe sich hinsichtlich aller
Standardindikatoren geäussert und ein rentenrelevanter Gesundheitsschaden sei gestützt darauf überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen (S. 12 ff. Ziff. 36 ff).
Es
seien
zahlreiche Beweismittel (Gutachten und medizinische Berichte)
in den Akten
, die zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das Vorliegen eines Sachverhaltes naheleg
t
en
. De
mnach
sei
gestützt darauf über de
n Rentenanspruch zu befinden
. Beweislosigkeit liege entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht vor (S. 18 f. Ziff. 48 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin gestützt auf ihre Akten - insbesondere im Hinblick auf das Gutachten vom 22. Dezember 2016 der
B._
sowie auf die Ergänzungen vom
12. Januar 2018
- einen Rentenan
spruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Dem Bericht vom 6. Mai 2014 des Tageszentrums
E._
is
t Folgendes zu entnehmen (Urk. 7
/115):
Der Beschwerdeführer besuche seit dem 7. März 2014 regelmässig zwei Mal wöchentlich das Tageszentrum, wobei er immer von seinen Angehörigen gebracht werde. Seine starke Ängstlichkeit gegenüber den Personen im Tageszentrum habe sich inzwischen gelegt und er fühle sich seinen Umständen entsprechend wohl (S. 1 oben).
Auf Fragen könne er nicht immer sachgemäss antworten. Er beantworte ver
standene Fragen durch Kopfnicken oder mit ja und nein. Sein verbaler Ausdruck sei extrem reduziert. Er spreche wenig und sehr leise. Die Wortfindung und das Artikulieren von Worten würden ihm schwerfallen. Wenn er sich freue, würden sich seine Hände verkrampfen und er klatsche sie zusammen. Alle alltäglichen Verrichtungen seien im Ablauf blockiert und er benötige verbale Unterstützung im Anleiten der Abläufe durch eine Hilfsperson. Sitze er zum Beispiel am Bett
rand, sei er ohne Aufforderung unfähig aufzustehen, um das Zimmer zu ver
lassen. Sein Verhalten lasse auf eine kognitive Beeinträchtigung schliessen (S. 1 «Verhalten»).
Das Mittagessen müsse für ihn zerkleinert werden, damit er Messer und Gabel benützen könne, ansonsten würde er mit den Händen essen. Er könne Messer und Gabel nicht mehr adäquat benutzen (S. 1 «Essen»).
Beim Schleifen an Holzarbeiten helfe er begeistert mit, wobei eine Einspann
vorrichtung angebracht werden müsse. In Intervallen von drei Minuten würde er arbeiten, Pause machen und wieder arbeiten (S. 1 «Arbeiten»).
Der Beschwerdeführer sei körperlich und kognitiv stark beeinträchtigt. Eine Wiederaufnahme im Arbeitsmarkt sei aus Sicht des Tageszentrums nicht möglich (S. 2).
3.2
Am 17. August 2014 erstattete
Dr.
Z._
im Auftrag des Unfallversicherers des Beschwerdeführers ein p
sychiatrisches Gutachten (Urk. 7
/117). Dr.
Z._
unter
suchte den Beschwerdeführer an zwei Tagen während insgesamt drei Stunden (S. 2 oben). Er führte aus, mit den erhobenen Befunden von wiederholten opti
schen Halluzinationen (anamnestisch), der auffälligen Apathie, der Sprachver
armung, den nachweisbaren Ich-Störungen und der veränderten Affektivität (psychopathologischer Status) sowie der deutlich anhaltenden Veränderung der früheren Persönlichkeit, dem umfassenden Antriebs- und Interessensverlust so
wie dem deutlichen Verfall der sozialen Bezüge und der beruflichen Leistungs
fähigkeit seien die wesentlichen Kriterien einer
Schizophrenia
simplex
(ICD-10 F20.6) erfüllt (S. 35 Mitte).
Es würden sich in differentialdiagnostischer Hinsicht anhand der vorliegenden
Befunde keine anderen psychiatrischen Erkrankungszustände finden, welche einen
auch nur vergleichbaren Einfluss auf die Gesamtpersönlichkeit haben würden, wie sich dies beim Beschwerdeführer aktuell manifestiere (S. 35 unten).
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten (S. 40 Ziff.
8a).
3.3
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin wurde am 16. Februar 2015 von Ärzten des
A._
ein polydiszipli
näres Gutachten erstellt (Urk. 7
/131/1-53). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter die Folgenden (S. 20 f. lit. F.1):
-
panvertebrales Schmerzsyndrom mit subjektiv eingeschränkter Gesamtbe
weglichkeit, orthopädisch somatisch weder klinisch noch bildgebend weitergehend objektivierbar
-
Status nach Arbeitsunfall vom 6. Mai 2011
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen (S. 21 lit. F.2):
-
dissoziative Pseudodemenz und anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei Zustand nach zwei fehlverarbeiteten Arbeitsunfällen und Verdacht auf histrionische Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 F44.8, F.45.4, Z73)
-
anamnestisch Status nach Arbeitsunfall vom 19. Januar 2010
-
Status nach häuslichem Unfall in der Badewanne 2014 mit Trauma
ti
sierung des Endgliedes des 5. Fingers der linken Hand mit anhaltendem arthritischem Reizzustand
-
arterielle Hypertonie unter Behandlung
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, viele der gestellten Fragen seien vom Beschwerdeführer nicht beantwortet worden oder allenfalls stereotyp mit dem Hinweis darauf, man möge seine Ehefrau fragen, da er nichts wisse. Er habe sich in der Explorationssituation wenig kooperativ verhalten und habe Orientierungs- und Hilflosigkeit demonstriert (S. 31 oben). Der Beschwerdeführer
habe hauptsächlich über Ganzkörperschmerzen geklagt und ein sogenanntes
pseu
dodemenzielles
Zustandsbild gezeigt. Dabei seien die von ihm dargestellten kog
nitiv mnestischen Einbussen nicht mit organischen Veränderungen erklärbar und sie hätten zudem in sich demonstrativ, zielgerichtet eingesetzt gewirkt, um Hilf
losigkeit darzustellen. Darüber hinaus würden sich Inkonsistenzen finden, welche die Annahme einer dissoziativen, dabei aber auch willensnah ausgestalteten Pseudodemenz belegen würden (S. 34 oben).
Darüber hinaus beklage der Beschwerdeführer Schmerzen am ganzen Körper. Die geklagten Schmerzen seien jedoch offenkundig nicht vollständig in ihrer Intensität und Ausbreitung durch somatische Befunde erklärbar. Ferner entstehe der Eindruck, dass die Entwicklung der Schmerzen mit unbewussten inner
see
lischen Konflikten und psychosozialen Belastungsfaktoren verknüpft seien. Diese psychosozialen Belastungsfaktoren würden zudem auch an der Aufrechter
hal
tung der Schmerzsymptomatik beteiligt erscheinen. Daher sei die Annahme einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung begründet. Darüber hinaus würde sich aber auch eine erhebliche dysfunktionale Schmerzverarbeitung im Sinne einer Schmerzverarbeitungsstörung mit
histrionisch
geprägten Zuflüssen sowie ausgeprägter Neigung zur Symptomausweitung und Selbstlimitierung finden. Eine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit resultiere daraus indessen nicht. Eine gra
vierende psychiatrische Komorbidität könne nicht festgestellt werden. Die von
Dr.
Z._
geäusserte Diagnose einer Psychose aus dem schizophrenen Formen
kreis lasse sich auf der Basis der hier erhobenen Befunde nicht bestätigen (S. 34 Mitte).
Sodann lasse sich weder eine posttraumatische Belastungsstörung noch eine schwerwiegende Angsterkrankung diagnostizieren (S. 34 unten).
Schlussendlich bleibe die Frage nach der sozialen Desintegration des Beschwerde
führers und seiner Regression.
Der
Beschwerdeführer
ziehe sich
offenbar sehr bewusst und willensges
teuert aus Kontakten zurück
. Die Willenssteuerung werde im Rahmen der Exploration immer wieder in seinem Verhalten deutlich. Sobald er in Situationen gerate, in denen er aus dem Explorationsverlauf heraus den Eindruck gewinne, er müsse sein Leiden darstellen, vers
tärke sich der Leidens
ausdruck.
Aufgrund der bereits aktenkundigen psychiatrischen Gutachten werde deutlich, dass der Beschwerdeführer bereits damals in der Lage gewesen sei, sein Verhalten jeweils abhängig von der Situation zu verändern und offenbar willens
gesteuert und zielgerichtet zu modulieren (S. 34 f.).
Aus rein psychiatrischer Sicht liege keine psychische Erkrankung vor, welche die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nachhaltig reduziere (S. 36 unten).
3.4
Wie dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 3. Novemb
er 2015 zu entnehmen ist (Urk. 7
/143/1-6), beantragte die Beschwerdegegnerin im damaligen Verfahren die Rückweisung zur weiteren medizinischen Abklärung. Zur Begründung führte die Beschwerdegegnerin an, aufgrund der Aktenlage liege insbesondere eine unter
schiedliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit in der psychiatrischen Beurtei
lung des
A._
vom 4. Februar 2015 im Vergleich zur Beurteilung im Gutachten von Dr.
Z._
vom 17. August 2014 vor. Sodann sei im Bericht des Tages
zen
trums
E._
ein kaum mehr vorhandenes Funktionsbild beschrieben worden. Diese Widersprüche liessen sich aufgrund der Aktenlage nicht auflösen, weshalb die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen sei (Erwägung 2.1
des besag
ten Urteils
).
Nachdem der Beschwerdeführer mit dem Rückweisungsantrag einverstanden war, wurde die Sache wie beantragt zu weiteren Abklärungen zurückgewiesen.
3.5
In der Folge holte die Beschwerdegegnerin insbesondere bei der
B._
ein Gutachten ein, welches am 22. Dezem
ber
2016 erstattet wurde (Urk. 7
/163/1-29).
Die Gutachter führten aus, aufgrund des erhobenen Befundes zeige sich eine schwere psychische Störung. Im Vordergrund des psychischen Beschwerdebildes seien Einschränkungen der Orientierung, der Aufmerksamkeit und des Gedächt
nisses, affektive Symptome (Ratlosigkeit, reduzierte Vitalgefühle,
Deprimiertheit
, Hoffnungslosigkeit, ausgeprägte Angstgefühle,
Klagsamkeit
), eine Antriebsmin
derung,
mutistische
Züge sowie ein sozialer Rückzug gestanden. Die kognitiven Defizite, die Depressivität sowie die Ängstlichkeit hätten das Beschwerdebild geprägt. Hinzu seien deutliche Persönlichkeitsauffälligkeiten gekommen (S. 13 unten).
Hinsichtlich Persönlichkeit würden sich schwere Auffälligkeiten mit psychischer Regression, Angst,
mutistischen
Zügen,
histrionischem
Verhalten sowie starker Dependenz von den Angehörigen zeigen. Den Schilderungen der Ehefrau zufolge sei der Beschwerdeführer vor den beiden Unfällen keineswegs ein ängstlicher
Mensch gewesen. Insbesondere im Vergleich zur Zeit nach dem zweiten Unfall vo
m 6. Mai 2011 sei er in seiner Persönlichkeit nun völlig verändert (S. 14 Ziff. 5.3).
In der Konsistenzanalyse führten die Gutachter aus, die Durchführung von Symp
tomvalidierungstests zur Überprüfung der Authentizität der präsentierten und beklagen Beschwerden sei aufgrund der schweren Beeinträchtigung des Be
schwerdeführers nicht möglich gewesen. An dieser Stelle sei jedoch zu erwähnen, dass er im Mini-Mental-Status-Test lediglich zwei von maximal 30 Punkten erzielt habe. Eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden könne somit vor dem Hintergrund fehlender Befunde nicht sicher ausgeschlossen werden. Die im Rahmen der Konsistenzanalyse jedoch weitgehend unauffälligen, das heisst nicht divergenten Befunde würden aber mit hoher Wahrscheinlichkeit für authen
tische Beschwerden beziehungsweise für tatsächlich bestehende, ausgeprägte Einschränkungen der Alltags-Funktionalität sprechen (S. 20 unten).
Nach einer Diskussion der psychiatrischen Diagnosen früherer Arztberichte oder Gutachten
(S. 21-25)
hielten die Gutachter Folgendes fest: Trotz erheblicher differentialdiagnostischer Schwierigkeiten würden sich die beim Beschwerde
füh
rer bestehenden Beschwerden in nachvollziehbarer Weise gut im Rahmen einer schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.2) sowie einer generalisierten Angst
störung (ICD-10 F41.1) fassen lassen. Die ausgeprägten kognitiven Defizite seien
als sogenannte «Pseudodemenz»
im Rahmen der erwähnten, schweren depres
siven Störung zu interpretieren. Dissoziative Prozesse seien hierbei nicht aus
zuschliessen, seien jedoch zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung nicht vorherrschend gewesen. Zusätzlich würden genügend Belege für die Annahme einer wesentlichen Veränderung der Primärpersönlichkeit des Beschwerdeführers vorliegen, welche als andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer
Krankheit (ICD-10 F62.1) ausgelegt werden könne. Anzeichen für eine hirnor
ga
nische Ätiologie oder Mitverursachung des psychischen Beschwerdebildes hätten sich keine ergeben. Die Konsistenzprüfung habe keine Hinweise auf Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten geliefert, so dass von authentischen psychischen Störun
gen auszugehen sei oder - anders ausgedrückt - eine Aggravation oder Simulation
von Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit habe ausgeschlossen werden können
. In
Bezug auf die «willentliche Steuerbarkeit»
der Beschwerden sei fest
zuhalten, dass der soziale Rückzug des Beschwerdeführers beinahe alle Bereiche seines Alltagslebens - und nicht nur unangenehme Tätigkeiten wie etwa seinen Beruf - betreffen würden. Führungs- und Kontrollfunktionen seien ihm beinahe vollständig abhandengekommen. Er sei beinahe praktisch rund um die Uhr auf die Anwesenheit und Unterstützung von Drittpersonen angewiesen. Daher werde die Ansicht vertreten, dass die Funktionseinschränkungen tatsächlich bestehen würden und willentlich oder durch Therapien nicht überwunden werden könnten (S. 25 f.).
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 27 Ziff. 7.1):
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
-
ausgeprägte ko
gnitive Störung im Sinne einer «Pseudodemenz»
im Rahmen der oben erwähnten depressiven Episode (ICD-10 F32.2)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit (ICD
10 F62.1)
Aufgrund der gestellten Diagnosen sei der Beschwerdeführer für sämtliche Tätig
keiten zu 100 % arbeitsunfähig (S. 28 Ziff. 8.1 f.).
3.6
RAD-Ärztin Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte mit Stellungnahme vom 30. Dezember 2016 aus, auf das
B._
Gutachten (vorstehend E. 3.5) könne nicht abgestellt werden. Der Beschwerdeführer habe nicht wirk
lich kooperiert. Bei einem MMS
von 2 von 30 Punkten müsse an eine Simulation gedacht werden. Gemäss Gutachten könne eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden nicht sicher ausgeschlossen werden. Trotzdem seien dem Beschwerdeführer eine schwere psychische Störung und schwere kognitive Defizite attestiert worden, ohne dies genauer zu diskutieren.
Aufgrund der Befunde könne eine schwere depressive Episode nicht klar nach
vollzogen werden. Die genannte Pseudodemenz sei nicht von einer möglichen
Simulation abgegrenzt worden und könne insgesamt nicht nachvollzogen werden
.
Ebenso wenig könne die generalisierte Angststörung nachvollzogen werden, die Kriterien seien nicht erfüllt. Sodann seien auch die Kriterien für eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit (welche?) nicht erfüllt.
Damit sei insgesamt immer noch unklar, welche psychiatrischen Diagnosen beim Beschwerdeführer genau vorliegen würden. Da der Beschwerdeführer bisher noch nie stationär abgeklärt und behandelt worden sei, sei in erster Linie eine derartige Therapie angezeigt. Im Rahmen der Mitwirkungspflicht sei eine stationäre Ab
klärung einzuleiten, wenn möglich nicht
in der
B._
(Urk. 7
/175/4).
3.7
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2017 (Urk. 7/180) holte die Beschwerdegeg
nerin den bis
da
hin fehlenden Bericht vom 5. Oktober 2016 des Tageszentrums
E._
ein (Urk. 7/181). Darin wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei einmal pro Woche im Tageszentrum (S. 1 oben). Er sei oft traurig und weiner
lich. Sein verbaler Ausdruck sei stark reduziert und die Ausdrucksfähigkeit oft nur über die Mimik praktizierbar. Er spreche wenig und sehr leise, die Wort
findung und das Artikulieren von Wörtern falle ihm schwer. Seine Konzen
tra
tionsfähigkeit scheine sehr gering. In Abläufen seiner alltäglichen Verrichtungen sei er blockiert und benötige verbale Anleitungen sowie Führung durch eine Hilfsperson. Seine diesbezüglichen Fähigkeiten liessen auf eine starke kognitive und motorische Beeinträchtigung schliessen (S. 1 «Verhalten»).
3.8
Am 12. Januar 2018 nahmen die
B._
-Gutachter Stellung zu den zahlreichen Rückfragen (Urk. 7/184). Hinsichtlich der im vorangegangenen Verfahren vor dem hiesigen Sozialversicherungsgericht geltend gemachten Kritik der Beschwer
degegnerin, die Gutachter hätten sich mit der Thematik «Aggravation/Simulation»
ungenügend auseinandergesetzt (vgl. Urteil vom 29. August
2017 E. 4.3; Urk. 7/
176/13), ist der besagten Stellungnahme unter anderem Folgendes zu entnehmen:
Auf die Frage, wie die Authentizität der Antworten bezüglich des Gedächtnisses geprüft worden sei, führten die Gutachter aus, auf Seite 20 des psychiatrischen Gutachtens sei festgehalten worden, dass die Durchführung von Symptom
va
lidierungstests zur Überprüfung der Authentizität der präsentierten und beklagten Beschwerden aufgrund der schweren Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nicht möglich gewesen sei. Dies habe insbesondere auch in Bezug auf seine kognitiven Defizite und demzufolge auch in Bezug auf seine Gedächtnisstörung gegolten. Eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden habe somit auf dem Hintergrund fehlender Befunde einer Symptomvalidierung nicht sicher aus
geschlossen werden können. Die im Rahmen der ausführlichen Konsistenzanalyse
ermittelten, weitgehend unauffälligen, das heisse nicht divergenten Befunde hätten
jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit für authentische Beschwerden des Be
schwer
deführers beziehungsweise für tatsächlich bestehende, ausgeprägte Ein
schrän
kungen seiner Alltagsfunktionalität gesprochen (S. 7 Mitte).
Weiter wollte die Beschwerdegegnerin wissen: «Wie wird ein Mini-Mental-Status (MMS) 2/30 erklärt? Eine Demenz liegt offensichtlich nicht vor. Wie wurde die Authentizität der Antworten geprüft?» Dies beantworteten die Gutachter folgen
dermassen: Auf Seite 27 des psychiatrischen Gutachtens sei eine ausgeprägte kognitive Störung im Sinne einer «Pseudodemenz» im Rahmen einer schweren depressiven Episode diagnostiziert worden. Das Ergebnis des MMS sei - wie alle weiteren Befunde im Zusammenhang mit den kognitiven Defiziten des Beschwer
deführers - auf diesem Hintergrund zu erklären. Im Weiteren führten die Gut
achter nochmals das zur Frage bezüglich Authentizität der Antworten hinsicht
lich des Gedächtnisses Gesagte aus (vgl. S. 8 unten).
Sodann beantworteten die Gutachter folgende Frage: «Eine Symptomvalidierung sei wegen der schweren Beeinträchtigung nicht möglich gewesen. Eine Aggra
vation oder Simulation von Beschwerden könne somit nicht sicher ausgeschlossen
werden. Weshalb wurden trotzdem schwere psychiatrische Diagnosen gestellt? Warum genau konnte eine Simulation der hier aufgezeigten Defizite vollkommen ausgeschlossen werden?»
Sie führten aus, vor dem Hintergrund der weitgehend unauffälligen Befunde der Konsistenzanalyse, wie auf den Seiten 19 und 20 des psychiatrischen Gutachtens erörtert worden sei, sei es durchaus gerechtfertigt und stringent gewesen, die entsprechenden Diagnosen zu stellen. Es sei nicht behauptet worden, dass eine Simulation «vollkommen» auszuschliessen sei. Auf Seite 20 des psychiatrischen Gutachtens sei festgehalten worden, dass die im Rahmen der Konsistenzanalyse weitgehend unauffälligen, das heisse nicht divergenten Befunde «mit hoher Wahrscheinlichkeit» für authentische Beschwerden beziehungsweise für tatsäch
lich bestehende, ausgeprägte Einschränkungen der Alltagsfunktionalität gespro
chen hätten (S. 9 oben).
3.9
Im Bericht vom 28. Februar 2018 des Tageszentrums
E._
wurde im Vergleich zum Vorbericht festgehalten, dass sich der Zustand des Beschwerde
führers seit der letzten Beurteilung insofern verändert habe, als dass er noch antriebsloser und bedrückter wirke (Urk. 7/196/1 oben).
3.10
RAD-Ärztin
Dr.
F._
führte in ihrer Stellungnahme vom 25. Januar 2018 aus (Urk.
7/214/7-10
), die offenen Fragen hätten durch die ergänzenden Angaben der
B._
-Gutachter
nur teilweise geklärt werden können. Aufgrund der Befunde könne eine schwere depressive Episode nicht klar nachvollzogen werden. Die
genannte Pseudodemenz werde nicht von einer möglichen Simulation abgegrenzt und könne insgesamt nicht nachvollzogen werden. Ebenso wenig könne eine ge
neralisierte Angststörung nachvollzogen werden, die Kriterien seien nicht erfüllt. Dasselbe gelte für die andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit. Es sei insgesamt noch immer unklar, welche psychiatrischen Diag
nosen genau vorliegen würden. Dr.
F._
empfahl die Durchführung eines statio
nären psychiatrischen Gutachtens (S. 10 f.).
4.
4.1
Das
B._
-
Gutachten und
die Stellungnahme der Gutachter aufgrund der Rück
fragen
(vgl. E. 3.5 und E. 3.8
) beruhen auf den erforderlichen Untersuchungen, sind für die streitigen Belange umfassend und wurden in Kenntnis der und in
ausführlicher
Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizini
sche Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Ver
halten des Beschwerdeführers
auseinander.
Namentlich zeigte
n sie auf, dass aufgrund nicht divergenter Befunde auf authentische Beschwerden und überwiegend wahrscheinlich dementsprechend auf ausgeprägte Einschränkungen aller Alltagsfunktionen zu schliessen ist
.
Sie gelangten sodann zum ausführlich begründeten Schluss, dass aus psychiatrischer Sicht
für
sämtliche
Tätigkeit
en
keine
Arbeitsfähigkeit besteht
. Das psychiatrische Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5 hiervor).
4.2
Der
Darlegung der Be
schwerdegegnerin,
die Kooperationsbereitschaft des Be
schwerdeführers sei nicht gegeben gewesen und die Gutachter hätten eine mög
liche Aggravation respektive Simulation nicht diskutiert,
kann nicht gefolgt wer
den
: Die Gutachter äusserten sich sowohl im Gutachten wie insbesondere auch in ihrer ergänzenden Stellungnahme zur Thematik Aggravation/Simulation.
Sie be
gründeten ihre Ansicht mehrfach: E
ine Symptomvalidierung konnte aufgrund der schweren Beeinträchtigung zwar nicht durchgeführt werden, weshalb die Gut
achter auch offenlegten, dass eine Aggravation oder Simulation nicht sicher auszuschliessen sei. Sie gingen jedoch
aufgrund ihrer erhobenen Befunde, des gewonnenen Eindrucks und
mangels Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten
sowie im Hinblick auf eine
Einschränkung in sämtlichen Lebensbereichen mit
rund um die Uhr erfolgender
Unterstützung
des Beschwerdeführers durch
Drittpersonen von erheblichen Funktionseinschränkungen aus
, die
-
mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegend
en W
ahrscheinlich
keit
- nicht auf Aggravation oder
Simulation zurückzuführen sind
.
Sodann stehen auch die
B
erichte des Tages
zentrums
im Einklang mit de
m
von den Gutachtern
während der
Exploration
gewonnenen Eindruck
des Beschwerdeführers. Es ist
auch gestützt darauf
von allseits reduzierten Aktivitäten und umfassenden Einschränkungen (nic
ht nur in beruflicher Hinsicht), mithin von einem erheblich eingeschränkten Funktionsbild,
auszugehen
(vgl. E. 3.1, 3.7, 3.9)
.
Ebenfalls
kam
Dr.
Z._
(vgl. E 3.2)
zum Schluss, es liege aus psychiatrischer Sicht eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
vor.
Von dieser Einschätzung (erhebliche Funktionseinschränkung sowie eine ins
be
sondere psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen) wich die Beurteilung der
A._
-Gutachter ab. Nach deren Beurteilung lag keine psy
chiatrische Erkrankung vor, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkt (vgl. E. 3.3). Aufgrund der damals gegenteiligen Einschätzung durch
Dr.
Z._
sowie
durch
die
Leiterin
des Tageszentrums des
E._
einerseits und
durch die
A._
-Gutachter
andererseits, veranlasste die Beschwerdegegnerin das Gut
achten in den
B._
mit der bekannten
Beurteilung und
Schluss
folgerung. Die davon abweichende Beurteilung der RAD-Ärztin
, welche das
B._
-Gutachten insbesondere wegen mangelnder Kooperation des Beschwerde
führers und demnach nicht nachvollziehbarer Diagnosestellung als ungenügend einschätzt
e
(vgl. E. 3.6),
vermag das Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen. Dies insbesondere nach der ausführlich begründeten
Stellungnahme der
B._
-Gut
achter
vom 12. Januar 2018 (vgl. E. 3.8), nach welcher die Einschätzung der RAD-Ärztin
, es sei unklar, welche psychiatrischen Diagnosen vorliegen würden,
keine Stütze
mehr
findet
.
Insgesamt ist somit gestützt auf die
Beurteilung
der
B._
-Gutachter
von einer
schweren depressiven Episode, einer ausgeprägten kognitiven Störung im Sinne einer «Pseudodemenz» im Rahmen der depressiven Episode, einer generalisierten Angststörung und einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach p
sychischer Krankheit auszugehen. Aufgrund der Aktenlage sowie den Angaben der
B._
-Gutachter, dass die psychischen Einschränkungen aufgrund der
Trauma
folge
störung
nach dem zweiten erlittenen Unfallereignis vom 6. Mai 2011 bestehen
(Urk. 7
/184/11 unten)
, ist
frühestens ab
Dezember 2011
von eine
r Arbeitsun
fähig
keit aus psychiatrischer Sicht
auszugehen: Der Beschwerdeführer begab sich ab dem 6. Dezember 2011 in psychiatrische Behandlung. Diese erfolgte damals bei
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie.
Dr.
G._
führte aus, durch die Entwicklung der Pathologie in den letzten Monaten sei eine posttraumatische Belas
tungsstörung zu diagnostizieren. Er attestierte dem Be
schwerdeführer seit Behandlungsbeginn im Dezember 2011 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
(Be
richt vom 10. April 2012, Urk. 7
/82).
Gemäss Einschätzung der
B._
-Gutachter nahm die Gesundheitsstörung nach dem Unfall vom Januar 2010 und insbesondere jenem vom Mai 2011 ihren Lauf. Zwar könne die Diag
nose einer posttraumatischen Belastungsstörung aktuell nicht mehr gestellt werden und die psychischen Beschwerden hätten sich verändert und eine erheb
liche Ausweitung erfahren. Die Diagnose der andauernden Persönlichkeitsän
derung nach psychischer Krankheit sei auf dem Hintergrund dieser
Traum
a
folge
störung
zu stellen (Urk. 7
/184/11 unten). Dementsprechend ist seit Dezember
2011
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
auszugehen
.
4.3
Aus somatischer Sicht ist
gestützt auf die Akten seit
dem ersten Unfallereignis vom 19. Januar 2010, als sich der Beschwerdeführer bei einem Sturz vom Baum eine
Thoraxkontusion
links, eine Nierenlazeration Moore II und eine Handkon
tusion links zuzog (Bericht vom 2
9.
Januar 2010 des
H._
, Urk. 7/4/5-8)
,
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1
9.
Januar 2010, eine 75%ige Arbeits
unfähigkeit ab 5. April 2010,
eine 66%ige Arbeitsunfähigkeit ab 3. Mai
2010
(Urk. 7/4/2-4
),
eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit ab 22. J
uni 2010 (Urk. 7/
30/6 Ziff. 1.6) und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab 17. August 2010 Urk. 7/37/1,
vgl. auch Urk. 7/32+
33)
dokumentiert
. Im
bidisziplinären
(psychiatrisch-rheuma
tologisch)
Y._
-Gutachten vom 21. Februar 2011 wurde eine seit dem Unfall vom 19. Januar 2010 bestehende Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gärtner bestätigt und
dem Beschwerdeführer
- aufgrund einer Anpassungs
stö
rung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) im Übergang zur leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0; vgl. Urk. 7/47/33
Ziff.
1.1) - eine
2
0%ige Arbei
tsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (auch als Gärtner ohne Tätigkeiten in der Höhe) attestiert (Urk. 7/47/33-34 Ziff. 2 ff.).
Das Wartejahr ist somit im Januar 2011 erfüllt.
Ab dem zweiten
Unfallereignis vom 6. Mai 2011
, bei welchem sich
der Beschwerdeführer bei der Arbeit
ein Ext
r
emitäten- und ein Beckentrauma mit Frakturen zugezogen hatte,
ist in den Akten
wiederum
eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht
(vgl. Bericht vom 16. Juni 2011 des
H._
, Urk. 7/66/1; Urk. 7/67/2 Ziff. 1.6
, 7/70/5, 7/79/6 Ziff. 1.6
)
und
schliesslich ab Dezember 2011 auch eine solche
aus psychiatrischer Sicht (vorstehe
nd E. 4.2) dokumentiert.
4.4
Hinsichtlich des psychiatrischen Gesundheitsschadens und dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bleibt
eine
Indikatorenprüfu
ng vorzunehmen
.
5.
5.1
5.1.1
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder
nicht
(
vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E.
5.2.2 und 8C_
300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
5.1.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundes
gericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stel
lungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die ver
sicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
5.2
Hinsichtlich der Gesundheitsschädigung ergibt sich
gestützt auf das
B._
-
Gutachten
, dass
aufgrund der gestellten Diagnosen von einer deutlichen Ausprä
gung der diagnoserelevanten psychiatrischen Befunde auszugehen ist, was sich insbesondere auch anlässlich der Untersuchung im Rahmen der Begutachtung gezeigt hat. Es ist daher mit den Gutachtern von einer schweren
psychischen Störung mit insbesondere
ausgeprägten kognitiven Defiziten
und einer schweren depressiven Störung, Ängstlichkeit und deutlichen Persönlichkeitsauffälligkeiten auszugehen (vorstehend E. 3.5).
Das Krankheitsgeschehen ist nach fachärztlicher Beurteilung auf einen versicherten Gesundheitsschaden zurückzuführen (vor
ste
hend E. 3.2).
Bezüglich Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz ist festzu
hal
ten, dass
sich der Beschwerdeführer mit verschiedenen psychopharma
kologischen Medikamenten behandeln lässt (vgl. Urk. 7/163/8 E. 3.2.8) und wöchentlich das Tageszentrum besucht. Die bisherigen Therapien wurden von den Gutachtern als lege artis durchgeführt eingestuft (vgl. Urk. 7/163/28 E. 8.3). Der leicht unter der Norm liegende Wert bezügl
ich des
Duolexins
(
Cymbalta
) sei höchst
wahr
schein
lich auf die grosse interindividuelle Variabilität der Plasmakonzentration dieses Antidepressivums zurückzuführen und sei nicht voreilig als etwaige mangelnde Compliance in Bezug auf die Medikamenteneinnahme zu interpretieren (Urk. 7/163/15 oben).
Bezüglich der Komorbidität ist vorauszuschicken, dass laut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzisierung der Rechtsprechung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E. 7.2).
Aufgrund des
B._
-Gutachtens ist von mehreren psych
iatrischen Diagnosen auszugehen
. Insbesondere sei von einer
(ressourcenhemmenden)
Wechselwirkung zwischen der depressiven Problematik und der Angststörung einerseits sowie der Persönlichkeitsänderung andererseits auszugehen. Die Störungen bedingen sich nach Aussage der Gutachter gegenseitig, was wesentlich zur psychischen
Chroni
fizierung
beigetragen hat
(Urk. 7/163/27 Ziff. 7.3).
Im Komplex «Persönlichkeit»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen) ist
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Ausführungen seitens des Tageszentrums (vgl. E. 3.1, 3.7) wie auch den Schilderungen durch die Ehefrau des Beschwerdeführers gegenüber den Gutachtern über keinerlei persön
liche Ressourcen mehr verfügt. Er ist quasi rund um die Uhr auf Betreuung, Hilfe und Unterstützung angewiesen (vgl. E. 3.5). Der Beschwerdeführer geht keinen Hobbies nach, geht nicht alleine nach draussen und braucht die Unterstützung seiner Angehörigen zur Alltagsbewältigung (vgl. Urk. 7/163/9-10 Ziff. 4.5 f; vgl. auch Urk. 7/163/7 Ziff. 3.2.6).
Zum sozial
en Kontext ist anzufügen, dass
er
über ein intaktes Familienleben
verfügt
und auf die Unterstützung seiner Frau zählen
kann
.
Im Rahmen der Konsistenzprüfung nahmen die Gutachter ausführlich zum Thema Aggravation/Simulation Stellung und verneinte
n
eine solche - wie ausgeführt - in begründeter und nachvollziehbarer Weise
. Die
Glaubwürdigkeit
der Beschwer
den konnte aufgrund
der
erhobenen Befunde und vor dem Hintergrund einer allseits bestehenden ausgeprägten Einschränkung in der Alltagsfunktionalität als
gegeben erachtet werden
(vgl. E.
3.8). Dass sich der Beschwerdeführer
weder an der Haushaltsführung beteiligt noch ausserhäuslichen Aktivitäten nachgeht
und selbst beim Besuch im Tageszentrum erhebliche Unterstützung braucht, z
eigt, dass
sein
Aktivitätsniveau
gleichmässig eingeschränkt ist. Dies
spricht für eine konsistente Einschränkung in allen vergleichbaren Lebensbereichen.
Ein erheb
lich eingeschränktes
Aktivitätenniveau
in allen Lebensbereichen ist schliesslich auch aus den zahlreichen übrigen Gutachten ersichtlich (
Urk. 7/117/17 oben, 7/131/28+30
).
Zwar
erfolgten
die Angaben
zum Tagesablauf tatsächlich weitge
hend von der Frau des Beschwerdeführers. Das
s
deswegen in der «Beurteilung mehr oder weniger Spekula
tionen» vorgebracht worden sind, so die
Beschwerde
gegnerin (vgl. Urk. 2 S. 2 unten), ist
nicht
zutreffend
.
Bezüglich der Wahl der
Untersuchungsmethoden kommt den
Experten e
in weiter Ermessensspielraum zu. Die fremdanamnestischen Angaben stehen vorliegend nicht im Widerspruch zum vom Beschwerdeführer in der klinischen Untersuchung gewonnenen Eindruck.
Spekulationen sind
in diesem Zusammenhang
nicht erkennbar
.
5.3
Zusammengefasst führt eine Gesamtwürdigung der
massgebenden Indikatoren zum Schluss, dass der Beurteilung der
B._
-Gutachter, wonach die diagnos
tizierten psychiatrischen Störungen eine 100%ige Einschränkung der Arbeits
fähig
keit bewirk
en
, schlüssig und widerspruchsfrei gefolgt werden kann und diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht.
Da der Beschwerdeführer
in
sämtliche
n
Tätigkeiten
zu 100 % arbeitsunfähig ist, hat er ab
1.
Mai
2011
(vgl. E. 4.3)
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Partei
ent
schädigung vorliegend auf Fr. 2'300.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.