Decision ID: 38da38af-275e-49c4-9245-a1d625e5a5c5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit durch
Einspracheentscheid
der Sonderfall- und
Einsprachekommission
der Stadt Zürich, Sozialbehörde, vom 12. Januar 2017 (Urk. 2/2) bestätigter Ver
fü
gung vom 8. Februar 2016
wurde
X._
verpflichtet,
den Sozialen Diensten Zürich
die vom 20. Oktober 2003 bis 31. Oktober 2011 zu Unrecht bezogenen Leistungen im Betrag von Fr. 212'764.55 zurückzuerstatten (Urk.
2/4/1/3/5)
. In diesem Betrag enthalten sind nebst Leistungen der Sozialhilfe von
den Sozialen Diensten
bezahlte Krankenkassenprämien in Höhe von Fr. 22'249.15 (Urk.
10/
16/2).
2.
2.1
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 12. Januar 2017 (Urk. 2/2)
erhob
X._
am 13. Februar 2017 beim Bezirksrat Zürich Rekurs
und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Bestellung eines nament
lich genannten unentgeltlichen Rechtsbeistands
(Urk. 2/1/1
S. 6 f.
).
Mit Beschluss vom 20. April 2017 wies
der Bezirksrat das Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung und unentgeltliche Rechtsver
tret
ung ab (Urk. 10/11).
2.2
Mit Beschluss vom
20. Ju
l
i 2017
wies
d
er
Bezirksrat
den Rekurs
in Bezug auf die Leistungen der Sozialhilfe im Betrag von Fr. 190'515.40 ab, in Bezug auf die Krankenkassenprämien im Betrag von Fr. 22'249.15 trat er
mangels sachlicher Zuständigkeit
auf den Rekurs
nicht
ein und überwies die Sache zuständigkeits
halber an das hiesige Gericht (Urk. 1).
Nachdem die Beschwerdeführerin am 26. Juli 2017 informiert worden war, dass das Verfahren in Bezug auf die Krankenkassenprämien nunmehr am hiesigen Gericht hängig sei (Urk. 4),
teilte deren Rechtsvertreter am 31. August 2017 mit, dass er die Beschwerdeführerin nicht mehr vertrete (Urk. 5).
3.
Die von
X._
gegen den Entscheid des Bezirksrats vom 20. Juli 2017
erhobene Beschwerde an das Verwaltungsgerich
t des Kantons Zürich
vom 13. Sep
tember 2017 (Urk. 10/21
/2
)
wies dieses mit Urteil vom 17. Mai 2018 ab
(Urk. 10/25)
. Das Urteil ist in Rechtskraft erwachsen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss §
18 Abs. 1 des Einführungsgesetzes
zum Krankenversicherungsgesetz
(EG KVG)
übernimmt die Gemeinde die durch die Prämienverbilligung nicht gedeckten Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung von ver
si
cherten Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Gemeinde, soweit das nach dem Sozialhilferecht berechnete soziale Existenzminimum nicht gewähr
leistet ist.
1.2
Die Gemeinde fordert Leistungen gemäss § 18 Abs. 1 EG KVG, die unrechtmässig ausgerichtet wurden, zurück und leitet sie dem Kanton weiter (§ 20 Abs. 2 EG KVG).
1.3
Der Rückforderungsanspruch gemäss § 20
EG KVG
verjährt zwei Jahre, nachdem die Gemeinde Kenntnis von der Unrechtmässigkeit der Ausrichtung der Beiträge erhalten hat, spätestens jedoch nach fünf Jahren seit der Ausrichtung der Beiträge (§ 21 Abs. 2 EG KVG).
Die Verjährung ist von Amtes wegen zu beachten (
Häfe
lin
/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, 2016, N 744).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rückforderung im Wesentlichen damit
(Urk. 2/2)
,
dass die Beschwerdeführerin zwischen Oktober 2003 und Oktober 2011 Sozial
hilfeleistungen im Betrag Fr. 2
12'764.55 bezogen
habe
. Sie sei mit rechts
kräftigem Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 6. November 2014 des gewerbs
mässigen Betrugs zum Nachteil der Stadt Zürich schuldig gesprochen worden. Dabei sei der Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft vom 24. September 2014
im abgekürzten Verfahren
zum Urteil erhoben worden, wobei die Anklageschrift von einer Deliktssumme von Fr. 212'764.55 ausgegangen sei.
Die Beschwerde
führerin habe den für das Strafurteil wesentlichen
Sachverhalt eingestanden und das
Strafurteil decke sich mit dem Ergebnis der Einvernahme der Beschwerde
führerin vom 16. September 2014 (Ziff. 3.1 S. 6).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin vor (Urk. 2/1/1), der Sachverhalt in dem gegen sie geführten Strafverfahren
sei
zu ihrem Nachteil unzureichend und zudem falsch abgeklärt worden (Ziff. 3 S. 2). Da das Verfahren im sogenannten abgekürzten Verfahren erledigt worden sei, sei strittig, ob Urteile dieser Erledi
gungsart einer Revision zugänglich seien. Ein entsprechender Entscheid sei noch vor Bundesgericht hängig (Ziff. 4 S. 2 f.). Es sei mit dem Rückforderungsentscheid zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Revisionsurteil vorliege.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin
die von der Beschwerde
gegnerin übernommenen
,
durch die Prämienverbilligung nicht gedeckten Krankenversicherungsprämien
im Umfang von
Fr.
22'249.15
zurück
zu
erstatten hat.
3.
3.1
Mit Urteil vom 17. Mai 2018 in Sachen
der
Parteien betreffend Rückerstattung von Sozialhilfeleistungen
kam das Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich
zum Schluss
(Urk. 10/25)
, es bestehe kein Anlass, von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil beziehungsweise vom in der Anklageschrift geschilderten und von der Beschwerdeführerin anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 16. September 2014
bestätigten Sachverhalt abzuweich
en. Indem die Beschwerdeführerin ihre Konten jeweils nicht deklariert habe, habe sie in zivil
rechtlich vorwerfbarer Weise klar ihre Auskunfts- und Mitwirkungspflicht nach § 18 des Sozialhilfegesetzes (SHG) verletzt. Da davon auszugehen s
ei
, dass die Beschwerdegegnerin in Kenntnis dieser Umstände der Beschwerdeführerin keine wirtschaftliche Hilfe ausgerichtet hätte, liege damit ohne Weiteres ein unrecht
mässiger Leistungsbezug nach § 26
lit
.
a
SHG vor, welcher eine Rückerstattungs
verpflichtung zur Folge habe. Dies umso mehr, als bei unrechtmässigem Bezug von Sozialhilfeleistungen - soweit die strengen Voraussetzungen des Betrugstat
bestandes wie vorliegend erfüllt seien - auch die weniger strengen Voraus
setzungen von § 26 SH
G
als davon miterfasst beziehungsweise als ebenso erfüllt zu betrachten seien
(E. 5.7)
.
3.2
Mit
dem
Verwaltungsgericht
ist
ohne Weiterungen davon auszugehen, dass kein Anlass besteht, von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil beziehungs
weise vom in der Anklageschrift geschilderten und von der Beschwerdeführerin anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft bestätigten Sachverhalt abzuweichen
,
und die Beschwerde
führerin
somit
nie einen Anspruch auf Über
nahme der Krankenversicherungsprämien hatte.
D
amit
liegt
ein unrechtmässiger Leistungsbezug vor, weshalb die
Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegeg
nerin bezahlten
Krankenversicherungsp
rämien grundsätzlich
zurückzuerstatten
hat
.
3.3
Laut Übersicht der Beschwerdegegnerin vom 29. Juni 2017 (Urk. 10/16/2) über
nahm diese die Krankenversicherungsprämien zwischen dem 1. Oktober 2003 und dem 31. Oktober 201
1.
Mit
Verfügung
vom 8. Februar 2016 forderte sie diese zurück (
Urk. 2/4/1/3/5
).
Zu diesem Zeitpunkt waren die vor dem 8. Februar 2011
übernommenen
Prämien absolut verjährt
(vgl. vorstehend E. 1.3)
.
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin spätestens mit dem Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 6. November 2014 vom unrechtmässigen Leistungsbezug der Beschwerdeführerin
Kenntnis hatte
.
Die relative Verjährungs
frist begann damit am 6. November 2014
zu laufen
, womit
die Beschwerde
gegnerin die Rückforderung vom 8. Februar 2016
fristgerecht verfügte.
Damit
hat die Beschwerdeführerin die nach dem 8. Februar 2011 von der Beschwerde
gegnerin übernommenen Krankenversicherungsprämien im Betrag von Fr. 947.40 (vgl. Urk.
10/
16/2) zurückzuerstatten.
3.4
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin dahingehend zu korrigieren ist, als die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin Krankenkassenprämien im Betrag von Fr. 947.40 zurückzuerstatten hat.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die im Zeitpunkt der Beschwerde
erhe
bung vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
reduzierte
Partei
entschä
digung.
Diese ist ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§
34 Abs.
3
GSVGer
) zu bemessen und beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr.
220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr
.
5
00.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen.