Decision ID: 6fa420fe-9761-4910-af90-1e5ec2069a02
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene
X._
(
alleinerziehende
Mutter eines Kindes, geboren 2014),
ist seit 2013
nicht erwerbstätig
(Urk. 9/3)
und bezieht seit Februar 2014
Sozialhilfe
(Urk.
3/5)
. Nach
erfolgter Früherfassung (Urk. 9/5)
meldete sie sich
am 25. April 2019
(Eingangsdatum)
unter Hinweis auf ein ADHS, eine rezidivierende depressive Erkrankung und einen Tinnitus bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 9/12).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen. Am 16. Mai 2019 teilte sie der Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen angezeigt seien (Urk. 9/16).
Am 27. Mai 2019 ersuchte die Versi
cherte die IV-Stelle um Übernahme der Kosten für ein Hörgerät (Urk. 9/17).
Am 4. September 2019 sprach
die IV-Stelle
der Versicherten eine monaurale Hörge
rätepauschale zu (Urk.
9/26).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
8.
Mai 2021,
Urk.
9/48; Einwand vom 1
6.
Juli 2021,
Urk.
9/60)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. August 2021 einen Leistungsan
spruch der Versicherten (Urk. 9/63).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit E
ingabe vom 29.
September 2021 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr Leistungs
begehren vom 25.
April 2019 sei gutzuheissen (U
rk.
1 S
.
2). Mit B
eschwerdeant
wort vom 8.
November 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 1
6. Februar 2022 mitgeteilt wurde (Urk. 10
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c
; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird
und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E.
5a
; Urteil des Bundesgerichts
9C_543
/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts
8C_717
/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts
9C_740
/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b
/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
; Urteil des Bundesgerichts
8C_225
/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medi
zinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs.
2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts
9C_406
/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts
9C_406
/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswür
digung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesge
richts
8C_750
/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
1.7
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs.
1
bis
sowie Art. 61 lit. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie
benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts
8C_765
/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständig
keit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmassnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts
8C_257
/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 GSVGer).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der –
anschliessend
reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer
bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache
zurück
-
zuweisen
, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterli
chen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
9C_354
/2020 vom 8. Septem
ber 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
aus den medizinischen Unter
lagen gehe hervor, dass gegenwärtig eine schwere Episode der rezidivierenden depressiven Störung bestehe. Diese sei aus medizinischer Sicht nicht nachvoll
ziehbar, da die Beschwerdeführerin weiterhin der vollen Betreuungstätigkeit ihrer Tochter und den häuslichen Verpflichtungen nachkomme. Zudem seien erhebli
che psychosoziale Belastungen vorhanden, welche IV-fremd seien. Es bestehe somit keine Erkrankung, welche die Erwerbsfähigkeit länger andauernd beein
flusse. Die Beschwerdeführerin sei in jeder Tätigkeit voll arbeitsfähig und könne der H
aushaltstätigkeit nachgehen.
Zum Einwand der Beschwerdeführerin, führte die IV-Stelle aus, den neu einge
reichten Unterlagen sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin mit der Erziehung ihrer Tochter überfordert sei. Aus dem Einwand gingen jedoch keine neuen medizinischen Tatsachen hervor. Es bestünden weiterhin noch Behand
lungsoptionen und bei adäquater Behandlung sei eine Remission der depressiven Episode zu erwarten. Nach dem Wegfall der psychosozialen Belastungen sei mit einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und dem Wieder
erlangen der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
es sei aufgezeigt worden, dass sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme in der Kinderbetreuung entlastet werden müsse, weshalb die siebenjährige Tochter an fünf Tagen in der
Woche vom Kindergarten und Hort
betreut werde, dies seit März 201
6.
Die Abklärungen der
KESB
Y._
sowie der Abklä
rungsbericht des Kinder- und Jugendhilfezentrums
Z._
vom 8.
März 2021 hätten ergeben, dass sie (die Beschwerdeführerin) nur eingeschränkt in der Lage sei, ihren Erziehungsaufgaben nachzukommen. Entsprechend sei eine Beistandschaft gemäss Art.
308 A
bs.
1 und 2 ZGB errichtet und eine sozial
päda
gogische Familienbegleitung angeordnet worden. Soweit die Beschwerde
gegnerin ausführe, dass weiterhin noch Behandlungsoptionen bestünden und bei adäqua
ter Behandlung eine Remission der depressiven Episode zu erwarten sei, stelle sich die Frage, wie die Beschwerdegegnerin zu dieser A
uffassung gelangt sei
.
Bereits seit Februar 2019 werde eine geeignete medikamentöse Behandlung gesucht, diese habe bislang innert mehr als 2.5 Jahren nicht gefunden werden können. Somit liege eine «längere Zeit dauernde» Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG vor
und auch die Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1 IVG seien erfüllt
(Urk. 1 S.
3
ff.).
3.
3.1
Im Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
A._
vom 10. Juli 2018 betreffend die ambulante Untersu
chung vom 9. Juli 2018 wurde die folgende Diagnose genannt:
Dekompensierter
Tinnitus rechts mit/bei
-
Verdacht auf Depression mit suizidalen Gedanken
-
Verdacht auf mögliche Persönlichkeitsstörung
-
Status nach Hörsturz rechts am 27.06.2007
-
Aktenanamnestisch MRI von 2007 MRI Bethanien unauffällig
Es wurde festgehalten, aufgrund des
dekompensierten
Tinnitus mit Depression mit suizidalen Gedanken werde die Beschwerdeführerin den Kollegen der Psychi
atrie zur weiteren Evaluation zugewiesen (Urk. 9/4/5 f.).
3.2
Im Bericht der Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und P
sychosomatik vom 21.
August 2018 betreffend die gleichentags erfolgte Konsultation wurde
als Diagnose eine
n
Verdacht auf Anpassungsstörungen gestellt. Die Zusammenschau der Symptoma
tik in Form von gedrückter Stimmung, Du
rch
schlafstörungen, reduzierter Belast
barkeit vor dem Hintergrund einer psychosozialen Belastungssituation spreche am ehesten für eine Anpassung
s
störung (Urk. 9/4/8 f.).
3.3
Im Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
A._
vom 2. November 2018 wurde festgehalten, nach noch
maliger Durchsicht der
Hörtests
habe sich eine zunehmende Hörminderung rechts über die letzten 10-15 Jahre gezeigt. Aufgrund der ausserdem bestehenden Schmerzsymptomatik
rechts werde nochmalig
ein MRI
durchgeführt zum Aus
schluss einer Raumforderung im Kleinhirnbrückenwinkel. Zusätzlich werde die Möglichkeit der Hörgeräteversorgung diskutiert (Urk. 9/4/11 f.).
3.4
Im Bericht des
B._
vom 1. März 2019 betreffend
das Erstgespräch
vom 7. Februar 2019 wurden die Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10:
F32.
2
) und eines Tinnitus g
enannt
.
Die Beschwerdeführerin berichte von einer seit ca. 2007 bestehenden Tinnitus-
Erkrankung sowie von einer multi
faktoriellen psychosozialen Belastungssituation. Im Erstgespräch hätten sich Hin
weise auf schwer ausgeprägte depressive Symptome gezeigt. Inwiefern diese reaktiv auf die Tinnitus-Erkrankung einzuordnen seien und inwiefern psychische Faktoren die körperlichen Beschwerden beeinflussten, werde im Verlauf noch weiter abgeklärt (Urk. 9/20/9 f.).
3.5
Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH
,
nannte
in seinem B
ericht vom 28.
Mai 2019 zuhanden der IV-Stelle
somatisch keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin sei zur
zeit in psychiatrischer Behandlung im
B._
. Bei adäquater Behandlung der Depression und Lösung der psychosozialen Probleme könne sie zu 100
%
arbeiten
(Urk. 9/20/7 f.).
3.6
Im Bericht des
B._
vom 3. Juli 2019 zuhanden der IV-Stelle wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt:
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ADHS (ICD-10:
F90.0
)
-
rezidivierende depressive Störung,
ggw
. schwere Episode ohne psychoti
sche Symptome (ICD-10:
F33.2
)
-
dekompensierter
Tinnitus rechts bei Status nach Hörsturz rechts am 27.06.2007
Die ADHS-Diagnose sei durch das
B._
am 13. März 2019 gestellt worden. Die rezidivierende depressive Störung sei durch den
Vorbehandler
Dr.
D._
(Behandlung von September bis Dezember 2018) diagnostiziert worden und durch das
B._
bestätigt worden. Es werde im Verlauf noch abgeklärt, inwiefern diese als reaktiv auf die ADHS-Erkrankung oder eigenständig zu betrachten sei. Für die im Bericht des
A._
vom 10. Juli 2018 erwähnte Verdachts
diagnose einer möglichen Persönlichkeitsstörung hätten sich im bisherigen klini
schen Eindruck keine Anhaltspunkte gezeigt. Gemäss dem aktuellen klinischen Eindruck sei die Arbeitsfähigkeit derzeit nicht gegeben. Es werde eine ADHS-Medikation installiert und anschliessend die Wirksamkeit sowie die Auswirkung auf die depressive Symptomatik beurteilt. Gegebenenfalls werde eine zusätzliche antidepressive Medikation installiert. Es seien
zudem
Copingstrategien im Umgang mit den psychosozialen Belastungen zur Stabilisierung der psychischen Verfassung zu erlernen
. Derzeit sei keine Arbeitstätigkeit möglich. Aufgrund der geschilderten Symptome (Antriebsverlust, Konzentrations- und Aufmerksam
keitsstörungen, Desorganisation) sei die Beschwerdeführerin auch bei sämtlichen Aufgaben im Haushalt eingeschränkt (Urk. 9/22).
3.7
Im Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
A._
vom 29. Oktober 2019
zuhanden der IV-Stelle
betref
fend die Behandlung
bis
21. Juni 2019 wurde festgehalten, die Beschwerdefüh
rerin habe sich erstmals im Juni 2007 mit einem Hörsturz auf der rechten Seite vorgestellt. Ein damals durchgeführtes MRI habe keine Ursache für den Hörsturz gezeigt. Im Verlauf habe sich eine weitere Verschlechterung der Hörleistung auf der rechten Seite gezeigt, so dass am 17. November 2018 ein erneutes MRI durch
geführt worden sei, welches weiterhin keine Pathologie zeige. Passend zu der Taubheit auf der rechten Seite habe die Beschwerdeführerin einen Tinnitus rechts entwickelt. Im Zusammenhang mit den psychischen Erkrankungen sowie der psychosozialen Belastungssituation bestehe aktuell ein
dekompensierter
Tinnitus rechts, welcher die Arbeitsfähigkeit beeinflussen könne (Urk. 9/28).
3.8
Im Bericht des
B._
vom 12. Februar 2020 zuhanden der IV-Stelle wurde ausgeführt,
leider habe die angestrebte Stabilisierung des Allgemeinzustandes bislang nicht erreicht werden können. Die Beschwerdeführerin habe auf verschie
dene Medikationen mit starken Nebenwirkungen reagiert, so dass bislang keine verträgliche und wirksame medikamentöse Behandlung habe installiert werden können. Nach weiterer
Aufdosierung
von
unretardiertem
Me
thylphe
nidat
habe die Beschwerdeführerin
Panikattacken entwickelt, welche bekanntermassen reaktiv auf die Medikation mit einem
Methylphenidat
-Präparat auftreten könnten. Ebenfalls habe sie einen verstärkten Tinnitus geschildert. Es sei deshalb eine Behandlung mit einem Antidepressivum versucht worden. Auch hier habe sie von Nebenwirkungen in Form von starken Kopfschmerzen, sich aufdrängen
den Gedanken und Einschlafstörungen (
Duloxetin
) respektive von Zahnfleisch
entzündungen (
Sertralin
) berichtet. Es würden aktuell weitere Optionen geprüft. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Erkrankungen derzeit weiterhin nicht in der Lage, eine Tätigkeit (bisherig oder angepasst) auszuüben. Die Ar
b
eitsfähig
keit werde durch die Erkrankungen eingeschränkt. Den genauen Umfang könnten sie nicht beurteilen (Urk. 9/34).
3.9
Im Bericht des
B._
vom 20.
Januar 2021 zuhanden der IV-Stelle
wurde ausge
führt,
leider zeige sich aktuell ein unverändertes Zustandsbild. Die Beschwerde
führerin leide weiterhin an den Symptomen der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) sowie der rezidivierenden depressiven Störung. Verschiedene Wirkstoffe zur Behandlung dieser Erkrankungen hätten alle aufgrund von Unverträglichkeiten wieder abgesetzt werden müssen. Zurzeit würden die noch verbleibenden medikamentösen Optionen geprüft und ausge
schöpft. Es müsse jedoch zunehmend damit gerechnet werden, dass eine sinnvolle medikamentöse Behandlung aufgrund der Unverträglichkeiten nicht möglich sei.
Es bestünden ADHS-Symptome in Form von Temperament («
hot
temper
»), affek
tiver Labilität, emotionaler Überreagibilität (Stressintoleranz), Aufmerksamkeits
störungen, Überaktivität und Desorganisation. Schwere depressive Symptome bestünden in Form von Nie
dergeschlagenheit, Antriebsverl
u
s
t, Verlust von Inte
resse und Freude, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Gedankenkreisen sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Inwiefern die depressive Symptomatik reaktiv auf die aus der ADHS-E
rkrankung resultiere
n
d
en Schwierigkeiten
bei der Lebensbewältigung oder als eigenständige Erkrankung einzuordnen seien, könne weiterhin nicht sicher beurteilt werden. Gemäss dem klinischen Eindruck sei die Arbeitsfähigkeit weiterhin nicht gegeben. Sollte eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung der ADHS- und Depressionssymptome nicht möglich sein, müsste damit gerechnet werden, dass die Arbeitsfähigkeit nicht mehr wiederhergestellt werden könne. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der geschilderten Symptome (Antriebsverlust, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Desorganisa
tion)
auch
bei sämtlichen Aufgaben im Haushalt eingeschränkt (Urk. 9/43).
3.10
RAD-Ärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in ihrer
Aktenbeurteilung
vom 3. Juni 2021 fest,
aus den psychiatrischen Berichten des
B._
gehe hervor, dass eine Einstellung mit Medikamenten erfolgt sei und sich darunter die ADHS-Symptomatik verbessert habe. Im weiteren Verlauf sei es im Rahmen der
Aufdosierung
des Medikaments zu Panikattacken als Nebenwirkung gekommen und auch andere Medikamente hätten Nebenwirkungen gezeigt. Daher würden die schwere depressive Episode (
F33.2
) und die ADHS (
F90.0
) nicht mehr medikamentös behandelt und die psychotherapeutischen Konsultationen zeigten keine Verbesserung des Gesund
heitszustandes. Die Beschwerdeführerin habe 2006/2007 einen Hörsturz rechts und infolgedessen einen Tinnitus und eine Hörminderung rechts erlitten. Die Einstellung mit einem Hörgerät sei inzwischen erfolgt. Die Beschwerdeführerin sei alleinerziehende Mutter einer 7-jährigen Tochter, die aufgrund einer Entwick
lungsverzögerung erhöhten Betreuungsaufwand erfordere.
Eine gegenwärtig schwere Episode der rezidivierenden depressiven Störung (
F33.2
) sei nicht nachvollzi
e
hbar bei gleichzeitiger Fähigkeit
,
ihrer Betreuungstätigkeit und den häus
lichen Verpflichtungen nachzukommen. Daher sei auch die attestierte voll
-
stän
dige Arbeitsunfähigkeit nicht schlüssig. Einer depressiven Episode fehle der Charakter der Dauerhaftigkeit. Es stünden zudem noch Behandlungsoptionen zur Remission offen (Einsetzen weiterer Antidepressiva nach Leitlinien, Augmenta
tion, Spiegelkontrollen, stationäre Behandlung, nicht medikamentöse Verfahren). Auch zur Behandlung der diagnostizierten ADHS (
F.90.0
) stünden über die
psychopharmakologische Behandlung hinaus (diese sollte gegebenenfalls auf
grund der angegebenen Unverträglichkeiten stationär erfolgen) entsprechende Therapieoptionen offen. Aus der Hörminderung/Tinnitus sei im Hinblick auf die angestammte Tätigkeit als Hausfrau nach der Versorgung mit einem Hörgerät keine wesentliche Einschränkung zu erwarten. Es bestünden erhebliche
psycho
so
-
ziale
Belastungen. Die Beschwerdeführerin habe vom Migrationsamt die Weisung bekommen, das Land zu verlassen. Sie sei ohne Beschäftigung und abge
schlossene Ausbildung und versorge alleine die 7-jährige beeinträchtigte Tochter
. Ein Gesundheitsschaden mit dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht ausgewiesen. Die psychosozialen Belastungen stünden im Vordergrund
(U
rk.
9/47/
5 f.).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob bei
der Beschwerdeführerin
ein Gesundheitsschaden
vorliegt
, der
sie
derart in der Erwerbsfähigkeit einschränkt, dass
sie
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
hat bzw.
ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten
überhaupt
beurteilt werden kann.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der leistungsabweisenden Verfügung vom
27. August 2021
insbesonder
e auf die Aktenbeurteilung ihrer
RAD-
Ärztin
Dr.
E._
vom
3. Juni 202
1.
Diese
gelangte
zum Schluss,
dass
die Diagnose einer schweren Episode der rezidivierenden depressiven Störung bei gleichzeitiger Fähigkeit der Beschwerdeführerin
,
der Betreuung ihrer Tochter
und den häusli
chen Verpflichtungen nachzukommen
, nicht nachvollziehbar sei
. Es stünden zudem noch Behandlungsoptionen offen
,
a
uch zur Behandlung der ADHS. Ein Gesundheitsschaden mit dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht ausgew
iesen. Es stünden psychosoziale
Belastungen im Vordergrund (vgl.
vorne
E. 3.10).
Der RAD-Ärztin ist darin beizupflichten, dass die Berichte der behandelnden Ärzte des
B._
hinsichtli
ch
der attestierten Einschränkungen im Erwerbs- wie im Haushaltsbereich aus psychiatrischer Sicht nicht
ohne weiteres
überzeugen.
So haben sie nicht substantiiert dargelegt, aus welchen medizinisch-psychiatri
schen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Und sie
klammerten die offensichtlichen, teilweise von ihnen selbst aufge
führten psychosozialen Umstände nicht
vom
allenfalls
krank
heits
bedingten
Unvermögen, einer
Erwerbstätigkeit
nachzugehen, aus.
Ob eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde
Depression im fachmedizinischen Sinn
e oder ein damit vergleichbarer
psychi
scher Leidenszustand mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit besteht, welchem gegenüber einem reaktiven invaliditätsfremden Geschehen auf psycho
soziale Belastungen selbständige Bedeutung zukommt, kann gestützt auf die vorliegenden Akten nicht beurteilt werden.
Neben der umstrittenen Diagnose einer schweren depressiven Episode wurde auch diejenige einer ADHS gestellt, welche von der RAD-Ärztin nicht in Frage gestellt wurde.
Die Ärzte des
B._
sind
insgesamt
zum Schluss gelangt
, dass keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei und die Beschwerdeführerin auch bei sämtlichen Aufgaben im Haushalt eingeschränkt sei (vgl. vorne E
. 3.9
)
-
wenn auch
ohne
rechtsgenügende
Begründung
.
Die RAD-Ä
rzti
n stellt diese Einschätzung in Abrede,
weil
die Beschwerdeführerin ihren Haushalts- und B
etreuungsaufgaben nachkomme. Diese Begründung überzeugt nicht, zumal anhand der Akten nicht abschliessend beurteilt werden kann, ob dies tatsächlich der Fall ist. Jedenfalls spricht
unter anderem
die Tatsache, dass
für die Tochter
eine
Erziehungsb
eistandschaft
nach
Ar
t.
308 ZGB
errichtet wurde
(vgl. Urk.
9/55
)
gegen eine uneingeschränkte Wahrnehmung
der
Betreuungsaufgaben. Eine medizinisch-psychiatrische Auseinandersetzung mit den diagnoserelevanten Befunden und den Wechselwirkungen der Depression und der ADHS fehlt in der RAD-Stellungnahme. Eine solche wäre umso
mehr erforderlich gewesen, da die RAD-Ärztin die Beschwerdeführerin nicht
selbst
untersucht hat.
Anhand der Akten
ist der funktionelle Schweregrad des psychischen Leidens
und damit dessen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht
eruierbar
.
Die Schlussfolgerung solch unzulänglicher medizinischer Aktenlage kann ange
sichts der Untersuchungsmaxime (vg
l
.
vorne E.
1.7
) nicht der Ausschluss einer Krankheit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG oder die Annahme der Beweislosigkeit sein, sondern
dies
erfordert die
Anhandnahme
weiterer medizinischer Abklärun
gen
-
unter Beachtung der normativen Vorgaben der Rechtsprechung
-
zur Veri
fizierung oder zum Ausschluss der durch die behandelnden Ärzte
gestellten Diagnosen und attestierten gesundheitsbedingten Einbussen der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit
.
4.3
Ungeklärt ist
vorliegend
zudem
die Frage, ob die Beschwerdeführerin als Teil
erwerbstätige mit einem Pensum im Erwerbsbereich und einem Pensum im Auf
gabenbereich Haushalt oder als Vollerwerbstätige zu qualifizieren ist. Die Beschwerdegegnerin tätigte diesbezüglich keine Abklärungen. Sie ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 100 % im Aufgabenbe
reich Haushalt tätig wäre, was vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin alleinerziehend und ohne Unterhaltsbeiträge auf ein Einkommen angewiesen ist, nicht nachvollziehbar ist. Im Übrigen geht die 7-jährige Tochter in die Schule
und wird täglich im Hort betreut, was ebenfalls zumindest für eine Teilerwerbs
tätigkeit der Beschwerdeführerin spricht. Da sich der Status der Beschwerdefüh
rerin aufgrund der
aktuellen
Aktenlage nicht
beurteilen
lässt, sind auch diesbe
züglich weitere Abklärungen notwendig
.
Eine
Haushaltsabklärung
ist
angezeigt,
um den effektiven Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall festzulegen
.
4.4
Nach dem Gesagten
ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärunge
n
im Sinne der vorstehenden Erwägungen sowie zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und, da die Rück
-
weisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach
§ 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Par
tei Anspruch auf Ersatz der Par
teikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Vorliegend erscheint der von der Rechtsvertre
terin der Beschwerdeführerin mit
Honorarnote
vom 21. Februar 2022 (Urk. 12) geltend gemachte Aufwand von 5:04 Stunden
als angemessen.
U
nte
r Berücksich
tigung des gerichts
üblichen Stundena
nsatzes von
Fr.
220.
-- sowie der Baraus
-
lagen von Fr. 12.60 zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 % ergibt dies eine Entschä
digung von Fr. 1'214.05
, welche von der Beschwerdegegnerin zu erbringen ist
.
5.3
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.