Decision ID: a88d2a2a-c9b0-48ed-becc-167fe2720280
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin am 19. März 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass sie am 24. März 2022 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region Bern
tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte,
dass sie gemäss der Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac)
zuletzt am 4. September 2014 in Deutschland ein Asylgesuch eingereicht
hat und das SEM gestützt hierauf am 1. April 2022 die deutschen Behörden
um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte, die das Ersuchen
am 5. April 2022 guthiessen,
dass der Beschwerdeführerin anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 1. Ap-
ril 2022 das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Deutsch-
lands und zu ihrem Gesundheitszustand gewährt wurde,
dass das SEM mit Verfügung vom 7. April 2022 (gleichentags eröffnet) auf
das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, deren Wegweisung
aus der Schweiz nach Deutschland als zuständigen Dublin-Mitgliedstaat
anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung beauftragte, die editionspflichtigen Akten aushän-
digte und feststellte, der Beschwerde komme keine aufschiebende Wir-
kung zu,
dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 12. April 2022 (Poststem-
pel) unter Beilage einer Kopie der angefochtenen Verfügung und deren
Empfangsbestätigung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein-
reichte,
dass sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, auf
ihr Asylgesuch einzutreten und ein nationales Asylverfahren durchzufüh-
ren, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen,
dass sie in prozessualer Hinsicht beantragte, es sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu erteilen, die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten,
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG,
SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass sich die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen im Asylbe-
reich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass die Beschwerdeführerin zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ihre Eingabe den formellen Anforderungen an
eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und sie ihre Beschwerde
fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzu-
treten ist,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE
2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2),
dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich
unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters
zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates
die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
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für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Dublin-III-VO) prüft,
dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem
der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Wiederaufnahme zu-
gestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung –, auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1),
dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu-
ständigkeit Deutschlands erkannte und die deutschen Behörden – gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO – um Wiederaufnahme ersuchte,
dass die deutschen Behörden diesem Gesuch am 5. April 2022 zustimm-
ten,
dass damit die Zuständigkeit Deutschlands grundsätzlich gegeben ist,
dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich des Dublin-Gesprächs vom
1. April 2022 mit der Begründung gegen eine Überstellung nach Deutsch-
land aussprach, dort sei sie acht Jahre gewesen, verfüge über keine Nie-
derlassung und keine Arbeit,
dass sie dort auch ihre Tochter, welche in einem Heim platziert sei, verloren
habe und in einem Jahr, wenn diese volljährig sei, würde sie ihre Tochter
bei einer Rückkehr für immer verlieren,
dass sie zudem ausführte, sie hätte viele Traumata und sei eine erschöpfte
Frau, leide unter erhöhtem Blutdruck und würde dafür wahrscheinlich Me-
dikamente bekommen, nehme Tabletten gegen Kopfschmerzen ein und für
eine Behandlung wegen psychischen Problemen müsse sie zwei bis drei
Monate warten,
dass sie diesbezüglich auf Beschwerdeebene ergänzt, sie könne nicht
nach Deutschland zurück, da ihr dort lebender Ex-Mann gewalttätig sei und
ein Alkoholproblem habe und sie sich nicht sicher fühle und in Deutschland
ausserdem aufgrund fehlender finanzieller Mittel keinen Zugang zu einer
Rechtsvertretung habe,
dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er-
sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Wegweisung in
den für sie zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden,
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dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Deutschland Signatarstaat der
EMRK (SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zu-
satzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei
Deutschland nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völker-
rechtlichen Verpflichtungen nachkommt,
dass die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, Deutschland anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass die unsubstantiierten Beschwerdeausführungen daran nichts zu än-
dern vermögen und ebenfalls keinen Anlass zur Annahme geben, die Be-
schwerdeführerin wäre in Deutschland ernsthaft gefährdet,
dass sie sich in Bezug auf die vorgebrachte, vom früheren Ehemann aus-
gehende, Gefahr an die zuständigen deutschen Behörden wenden kann,
dass schliesslich auch die von der Beschwerdeführerin behaupteten und
nicht belegten gesundheitlichen Beeinträchtigungen kein Hindernis für ihre
Überstellung nach Deutschland darstellen, zumal Deutschland über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und es keinen Grund zur
Annahme gibt, der Beschwerdeführerin werde dort eine notwendig medizi-
nische Behandlung verweigert,
dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch
respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 ersichtlich ist,
dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht zu bemängeln ist,
dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Deutschland der
Systematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit Art. 44
(erster Satz) AsylG steht,
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dass im Sinne der vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung
zu bestätigen und die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuwei-
sen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb das Begehren auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und auf
Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren wie aufgezeigt
als aussichtlos zu bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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