Decision ID: 45e9c71d-2ef9-50cb-937a-ec3723cedad7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – sri-lankischer Staatsagehöriger tamilischer Ethnie
– verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland mit seinem eigenen
Reisepass legal am 20. November 2015 auf dem Luftweg und gelangte
über Katar in den Iran. Anschliessend reiste er auf dem Landweg weiter in
die Türkei und auf dem Seeweg nach Griechenland. Nach einem mehrwö-
chigen Aufenthalt in Athen gelangte er über Italien am 18. Januar 2016 in
die Schweiz und reichte am 21. Januar 2016 ein Asylgesuch ein.
B.
Am 17. Januar 2016 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt.
Dabei trug der Beschwerdeführer vor, er sei in B._, Distrikt Jaffna
(Nord-Provinz) geboren. Er sei seit 2010 verheiratet und habe einen Sohn.
Seine Ehefrau und sein Sohn würden in C._, Distrikt Jaffna, leben.
Er habe elf Jahre lang die Schule besucht und diese mit dem O-Level ab-
geschlossen. Er habe keinen Beruf erlernt. Seine Mutter und vier Ge-
schwister würden in B._ respektive D._ leben. Ein weiterer
Bruder, welcher bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen
sei, sei 1997 gestorben.
In den Jahren 1997 und 1998 sei er im Vanni-Gebiet gewesen und habe
dort in der Landwirtschaft gearbeitet. Er habe dort für die LTTE als Fahrer
gearbeitet und für diese Lebensmitteltransporte durchgeführt. Von 2010 bis
2011 habe er als (...) in Jaffna gearbeitet Zudem habe er sich im Jahr 2011
drei Monate lang mit einem Touristenvisum in Thailand aufgehalten. Da-
nach habe er in Malaysia gearbeitet. Im Jahr 2015 sei er nach Sri Lanka
zurückgekehrt und habe bis Oktober 2015 an der gleichen Stelle als (...)
weitergearbeitet.
Im Jahr 2010 seien Angehörige des CID (Criminal Investigation Depart-
ment) zu Hause erschienen und hätten ihn in ein Camp geführt. Dort sei er
einen Tag lang festgehalten und verhört worden. Danach habe er wieder
nach Hause gehen können. In der Folge sei er vom CID mehrmals in Ab-
wesenheit an seinem Wohnort gesucht worden. Bei einer Vorsprache am
18. November 2015 habe das CID ihm vorgeworfen, mit dem Geheimdienst
der LTTE Kontakte unterhalten zu haben, nachdem er sich längere Zeit im
Vanni-Gebiet aufgehalten habe. Er sei aufgefordert worden, sich im Camp
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in E._ zu melden. Der Beschwerdeführer sei dieser Aufforderung
nicht nachgekommen und habe seinen Heimatstaat verlassen.
Ansonsten habe er keine Probleme mit den heimatlichen Behörden oder
mit Drittpersonen gehabt. Er habe sich nie politisch betätigt. Es gehe ihm
gesundheitlich gut, er habe aber sichtbare Narben am Körper.
C.
Am 3. Juli 2018 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu den Asylgrün-
den angehört und trug Folgendes vor:
Er habe bis zum A-Level die Schule besucht, aber die Prüfungen nicht ab-
gelegt. Im 16. Altersjahr sei er mit seiner Familie ins Vanni-Gebiet, nach
F._, geflohen, wo seine Familie bis 2001 gelebt habe. Anschlies-
send sei er etwa ein Jahr lang in Jaffna gewesen, bevor er sich wiederum
ins Vanni-Gebiet begeben habe und bis Kriegsende dort gelebt habe. Von
April bis August 2009 sei er in einem Flüchtlingslager in G._ gewe-
sen.
Während seines Aufenthaltes im Vanni-Gebiet hätten die LTTE junge Leute
zwangsrekrutiert. Sein Schwager habe bei der Lebensmittelabteilung der
LTTE gearbeitet und habe ihm – dem Beschwerdeführer – dort eine Stelle
besorgt. Ab 2005 und bis zum Kriegsende habe er für die LTTE Lebensmit-
tel, Kriegsmaterial und Sprengstoff transportiert. Ein LTTE-Training habe
er nicht absolviert. Er sei nicht Mitglied der LTTE gewesen. Im Vanni-Gebiet
sei er von den LTTE bedroht worden.
Von Mai bis Juli 2011 habe er sich mit einem Touristenvisum in Thailand
aufgehalten. Die nächsten sechs Monate habe er wiederum in Sri Lanka
verbracht, bis er Ende 2011 nach Malaysia ausgereist sei. Dort habe er bis
Mai 2015 gelebt und in einem (...) gearbeitet. Bei seiner Rückkehr nach Sri
Lanka im Juli 2015 sei er am Flughafen eine Nacht lang befragt worden
und sei dann nach C._ zurückgekehrt, wo er beim gleichen Arbeit-
geber seine Tätigkeit als (...) wieder aufgenommen habe. Zwei Tage vor
seiner Ausreise aus Sri Lanka im November 2015 hätten mutmassliche An-
gehörige des Geheimdienstes aus dem Nachbardorf E._ in seiner
Abwesenheit zu Hause seine Ehefrau mit Waffen bedroht und den Be-
schwerdeführer aufgefordert, sich bei den Behörden zu melden. Ende Juni
2018 – nach seiner Ausreise – hätten Unbekannte eines nachts an der Türe
seines Wohnhauses geklopft.
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Wegen der in Sri Lanka erlittenen Misshandlungen sei er in der Schweiz in
ärztlicher Behandlung; er werde mit Medikamenten versorgt und es sei
eine Physiotherapie angeordnet worden.
Im Verlauf dieser Anhörung wurde der Beschwerdeführer darauf hingewie-
sen, dass er einige soeben deponierten Vorbringen bei der BzP nicht vor-
getragen habe. Hierzu gab er zu Protokoll, der bei der BzP anwesende
Übersetzer habe ihn unter Druck gesetzt und ihn aufgefordert, nur die ge-
stellten Fragen in zwei oder drei Sätzen zu beantworten. Man habe ihm
gesagt, dass er bei der späteren Anhörung ausführlicher werde berichten
können.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer vier Doku-
mente in Kopie (ausgestellt vom sri-lankischen Verteidigungsministerium)
betreffend seinen Schwager sowie einen Therapieterminplan des Kan-
tonsspitals H._ zu den Akten.
D.
Mit Verfügung vom 9. April 2020 – eröffnet am 14. April 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mangels Glaubhaftigkeit und
Asylrelevanz seiner Vorbringen ab, ordnete seine Wegweisung aus der
Schweiz an und verfügte den Wegweisungsvollzug.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Behelligungen im Zusammenhang mit seinem
angeblichen Engagement zugunsten der LTTE respektive mit den LTTE-
Verbindungen seines Schwagers würden den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise Glaubhaftma-
chung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhalten. Zwischen den Vorbrin-
gen in der BzP und der einlässlichen Anhörung seien Unstimmigkeiten er-
kennbar. Die Transportdienste zugunsten der LTTE und die Verbindungen
zum Schwager seien für die heimatlichen Behörden nicht weiter von Be-
lang gewesen, ansonsten zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwer-
deführer nicht bereits nach einem Tag und einer Nacht wieder aus dem
behördlichen Gewahrsam entlassen worden wäre. Die bei der Anhörung
vorgetragene behördliche Befragung in Sri Lanka anlässlich seiner Rück-
kehr aus Malaysia habe er bei der BzP nicht erwähnt. Die diesbezüglichen
Schilderungen seien darüber hinaus äusserst unsubstantiiert ausgefallen.
Die vorgetragene Reflexverfolgung im Zusammenhang mit seinem Schwa-
ger sei nicht glaubhaft ausgefallen.
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Seite 5
Die eingereichten Beweismittel könnten an dieser Einschätzung nichts än-
dern, da deren Inhalt lediglich die familiären Verhältnisse des Beschwerde-
führers, seinen Aufenthalt im Flüchtlingslager in G._ und die in der
Schweiz in Anspruch genommene Physiotherapie untermauern würden.
Es sei auch nicht davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer Risi-
kofaktoren im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 vorliegen würden. Der Beschwerdeführer
habe keine Vorfluchtgründe glaubhaft gemacht. Vielmehr sei er bis Novem-
ber 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen und habe somit nach Kriegsende
nebst seinen legalen Auslandsaufenthalten in Thailand und Malaysia in ei-
ner Zeitspanne von sechs Jahren jeweils mehrere Monate lang wieder im
Heimatstaat gelebt. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der
heimatlichen Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt wer-
den solle. Auch die im November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl ver-
möge an diesen Feststellungen nichts zu ändern.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unter Verweis auf das Bezie-
hungsnetz des Beschwerdeführers sowie dessen Schulbildung und Berufs-
erfahrung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen.
E.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Mai 2020 liess der Beschwer-
deführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und bean-
tragen, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; die Sache sei zwecks
Vervollständigung des Sachverhalts und neuem Entscheid an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der Beschwerdeführer als
Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter
sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren.
In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Prozessführung unter
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen des
Beschwerdeführers seien bei der Übersetzung teilweise falsch erfasst wor-
den. Zudem sei die BzP äusserst kurz ausgefallen und habe lediglich 90
Minuten gedauert. Im Weiteren sei das SEM von einem falschen Sachver-
halt ausgegangen. Der Beschwerdeführer sei selbst Mitglied der LTTE ge-
wesen, jedoch nicht in einer Kampftruppe. Er habe für seinen Schwager
für die LTTE gearbeitet und dabei unter anderem Transporte von LTTE-
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Mitgliedern und Kriegsmaterial vorgenommen. Obwohl er in brutaler Weise
behandelt und gefoltert worden sei, habe er beim behördlichen Verhör im
Jahr 2010 bestritten, den Verbleib von LTTE-Kämpfern zu kennen oder
Kenntnisse über Waffenverstecke zu haben. Nur deshalb sei er wieder auf
freien Fuss gesetzt worden. Der Beschwerdeführer weise noch heute sicht-
bare Narben auf. Die Lage in Sri Lanka habe sich seit dem Machtwechsel
im Jahr 2019 verschärft und das SEM gehe von einer «geschönten» Län-
dereinschätzung aus. Dem Beschwerdeführer sei die tamilische Sache und
Kultur ein ernstes Anliegen. Er habe seine Aktivitäten in der Schweiz fort-
gesetzt und an einer Demonstration in I._ im Mai 2019 und am Hel-
dentag im November 2019 teilgenommen, weshalb ihm eine Rückkehr
nicht zumutbar sei.
Zur Stützung der Beschwerdevorbringen wurden fünf Farbfotos einge-
reicht.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 hielt das Bundesverwaltungs-
gericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens
in der Schweiz abwarten. Gleichzeit wurde das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen, nachdem die Beschwerdevor-
bringen aufgrund der damaligen Aktenlage als aussichtslos eingeschätzt
wurden. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, einen Kostenvor-
schuss von Fr. 750.- zu leisten.
Dieser Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 15. Juni 2020 geleistet.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
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und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche.
1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
1.7 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft
sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be-
gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt
werden (Abs. 3).
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Seite 8
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit wird eine Gesamtbeurteilung aller
Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes,
Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-
keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen, vor-
genommen. Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet
‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und
lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen
der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die
Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-
gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-
ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der
dargelegten Vorkommnisse. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erleb-
nissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen. (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11
E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
2.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst oder zusätzlich geschaffen
worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von
Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.1).
3.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich und mit zutref-
fender Begründung dargelegt, weshalb die Asylvorbringen des Beschwer-
deführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung und an die Asyl-
relevanz nicht genügen.
3.1 Vorweg ist festzuhalten, dass das SEM in seiner Verfügung vom 9. Ap-
ril 2020 korrekt dargelegt hat, weshalb der Sachverhaltsvortrag des Be-
schwerdeführers, namentlich die geltend gemachten Behelligungen im Zu-
sammenhang mit seinem angeblichen Engagement zugunsten der LTTE
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respektive mit den LTTE-Verbindungen seines Schwagers, den Anforde-
rungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG bezie-
hungsweise Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhält.
Das SEM hat insbesondere zutreffend darauf hingewiesen, dass der Be-
schwerdeführer anlässlich seiner Befragung zur Person (BzP) vom 27. Ja-
nuar 2016 nach der Art seiner Tätigkeit zugunsten der LTTE befragt wurde
und er hierzu explizit angab, er habe im Vanni-Gebiet als Fahrer für diese
Organisation gearbeitet und für diese Lebensmitteltransporte durchgeführt;
ansonsten habe er nichts gemacht für die Organisation (vgl. Akte A3, Ziffer
7.01 am Ende).
Demgegenüber trug er bei der Anhörung vom 3. Juli 2018 diesbezüglich
vor, er habe nebst Nahrungsmitteltransporten auch Waffen respektive
Kriegsmaterial und Sprengstoff für die LTTE transportiert (vgl. A17, Antwor-
ten 34-37 und 49), wobei er ausdrücklich zu Protokoll gab, er sei kein Mit-
glied der LTTE gewesen (vgl. A17, Antworten 39 und 70).
Diese Ungereimtheiten innerhalb des Kernvorbringens des Beschwerde-
führers zur Art seiner Unterstützung respektive seiner Tätigkeiten zuguns-
ten der LTTE lassen bereits erhebliche Zweifel an deren Wahrheitsgehalt
aufkommen.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe
neu vortragen liess, er sei effektiv Mitglied der LTTE gewesen, ohne einer
Kampfgruppe angehört zu haben (vgl. S. 5), bekräftigt diese Zweifel zu-
sätzlich. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde (vgl. S. 5 unten)
liegt kein falsche Erfassung des Sachverhalts durch das SEM vor. Vielmehr
hat sich der Beschwerdeführer bezüglich des Ausmasses seines Engage-
ments für die LTTE in massgeblicher Weise widersprochen.
3.2 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer weiter vortrug, er sei insge-
samt zweimal – im Mai 2010 und im Juli 2015 – von den Behörden festge-
nommen und dabei einen Tag respektive eine Nacht lang festgehalten wor-
den. Hätten die sri-lankischen Behörden den Beschwerdeführer tatsächlich
konkret verdächtigt, den LTTE anzugehören und für diese Kriegsmaterial,
Sprengstoff oder Waffen transportiert zu haben, hätten es diese mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mit einer kurzweiligen Fest-
nahme des Beschwerdeführers bewenden lassen, sondern wegen Unter-
stützung respektive Förderung des tamilischen Separatismus gegen ihn
ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eröffnet.
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Seite 10
Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 ausgeführt,
spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits nach kurzer Zeit
von den sri-lankischen Behörden wieder auf freien Fuss gesetzt worden
sein soll, gegen die von ihm behauptete Verfolgungssituation im Zusam-
menhang mit einem angeblichen LTTE-Verdacht. Hierzu kann vollumfäng-
lich auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Ziffer I/1, Seite 4)
verwiesen werden.
In diesem Zusammenhang ist weiter festzuhalten, dass es den heimatli-
chen Sicherheitskräften gelungen wäre, den Beschwerdeführer am Ar-
beitsort festzunehmen, wenn sie ihn im behaupteten Umfang und Ausmass
tatsächlich wegen der Unterstützung einer missliebigen politischen Grup-
pierung verdächtigt und verfolgt hätten.
3.3 Im Weiteren muss festgestellt werden, dass die Schilderungen des Be-
schwerdeführers zu den angeblich erlittenen kurzen Festnahmen äusserst
vage ausgefallen sind. Diesbezüglich kann ebenfalls auf die entsprechen-
den Erwägungen des SEM (Ziffer II/1, Seite 4 und 5) verwiesen werden.
3.4 Auch das vom Beschwerdeführer geschilderte Strafverfolgungsverhal-
ten der Behörden, ihn bloss kurzweilig festzuhalten und ihn wieder freizu-
lassen, um ihn später erneut zu suchen (vgl. A17, Antwort 67), macht kei-
nen Sinn und muss daher als unrealistisch und unglaubhaft eingeschätzt
werden.
3.5 Dem Beschwerdeführer ist es auch nicht gelungen, eine von seinem
Schwager abgeleitete Reflexverfolgung als überwiegend wahrscheinlich
darzulegen. Wenn die sri-lankischen Sicherheitskräfte im Zusammenhang
mit der angeblichen LTTE-Zugehörigkeit des Schwagers ein Verfolgungs-
interesse am Beschwerdeführer gehabt hätten, hätten sie es nicht mit kurz-
zeitigen Festnahmen bewenden lassen, sondern hätten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit weitere strafrechtliche Konsequenzen respektive Er-
mittlungsmassnahmen gegen ihn eingeleitet.
3.6 Der Beschwerdeführer hat weiter vorgetragen, dass er mehrere Aus-
landreisen (nach Thailand respektive Malaysia) unternommen habe und
jeweils legal, unter Verwendung seines eigenen Reisepasses, in diese
Länder gelangt sei. Angesichts der vom Beschwerdeführer geschilderten
mehrfachen Besuche durch Militärpersonen bleibt diesbezüglich unrealis-
tisch und nicht nachvollziehbar, dass ihm diese Auslandreisen gelungen
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Seite 11
sein sollen, ohne bei den jeweiligen Grenzkontrollen ins Visier der sri-lan-
kischen Ein- und Ausreisebehörden geraten zu sein,
Die Rückkehr nach Sri Lanka nach diesen beiden längeren Auslandaufent-
halten in Malaysia und Thailand und der zwischen diesen Auslandreisen
erfolgte Aufenthalt in Sri Lanka sprechen zusätzlich gegen die von ihm be-
hauptete Verfolgungssituation.
3.7 Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel aus dem
Ausland (vgl. A17, Beweismittelcouvert: «Beweismittel 1») betreffen ledig-
lich den Schwager und beinhalten keine Informationen zur Situation des
Beschwerdeführers. Sie sind deshalb nicht geeignet, die behauptete, ei-
gene Verfolgungssituation im Zusammenhang mit einem behördlichen
LTTE-Verdacht zu stützen.
3.8 Auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Farbfotos vermögen an
der vorinstanzlichen Einschätzung nichts zu ändern, nachdem die genann-
ten Beweismittel keine Angaben zur Person des Beschwerdeführers ent-
halten und ihnen kein asylbeachtlicher Hintergrund zugeordnet werden
kann.
4.
Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt seiner
Ausreise im November 2015 in asylbeachtlicher Weise gefährdet war. Die
Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die vorinstanzlichen
Erwägungen in einem anderen Lichte betrachten zu lassen.
4.1 Soweit vorgetragen wird, die BzP sei mit 90 Minuten äusserst kurz aus-
gefallen und er sei dort zur Eile gedrängt worden respektive die Angaben
des Beschwerdeführers seien durch den Dolmetscher falsch erfasst wor-
den, finden diese Rügen in den Protokollen keinerlei Stütze. Er hat sowohl
bei der BzP als auch bei der Anhörung zu Protokoll gegeben, dass er den
Dolmetscher gut verstanden habe und dass die protokollierten Aussagen
seine Angaben entsprechen würden (vgl. A3, Einleitung Bst. h und Seite 9
sowie A17, Antwort 1 und Seite 13). In der BzP wurden ihm zudem etliche
Nachfragen zu seinen Vorbringen gestellt. Es besteht daher keinerlei Ver-
anlassung, die Protokolle nicht oder nur eingeschränkt für die Beurteilung
des vorliegenden Asylverfahrens heranzuziehen.
E-2503/2020
Seite 12
4.2 Die aktuelle Lage in Sri Lanka ist nach den Terroranschlägen im April
2019 zwar als volatil zu beurteilen, es kann jedoch – entgegen den Ausfüh-
rungen in der Beschwerde (vgl. Seite 8) – aufgrund dessen nicht auf eine
generell erhöhte Gefährdung von zurückkehrenden tamilischen Staatsan-
gehörigen geschlossen werden.
4.3 Auch der Amtsantritt von Gotabaya Rajapaksa als Staatspräsident und
die Ernennung seines Bruders als Premierminister ändert nichts an der
Gesamteinschätzung. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Verän-
derungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerk-
sam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Beim derzeiti-
gen Kenntnisstand ist zwar durchaus von einer möglichen Akzentuierung
der Gefährdungslage auszugehen, welcher Personen mit einem bestimm-
ten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausge-
setzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared"
Threatened, 16.02.2020), es gibt jedoch zum heutigen Zeitpunkt keinen
Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Be-
völkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
Das Gericht prüft in jedem Einzelfall, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Ein solcher konkreter Bezug ist im Fall
des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, da die von ihm behaupteten Risi-
kofaktoren für eine asylbeachtliche Gefährdungslage nicht vorliegen. Die
vom Beschwerdeführer geschilderte Verletzung respektive Narbe (...) lässt
nicht zwingend auf einen asylbeachtlichen Hintergrund schliessen und
kann völlig anderweitige Ursachen haben. Auch der Hinweis auf die angeb-
liche Fortsetzung der exilpolitische Aktivitäten des Beschwerdeführers in
der Schweiz (vgl. Beschwerde S. 7 und 8 f.) bleibt völlig unsubstanziiert
und wird durch keinerlei Beweisunterlagen untermauert. Die Zugehörigkeit
zur tamilischen Ethnie genügt für sich alleine nicht, um ein Gefährdungs-
potential flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmasses darzutun.
4.4 Andere Asylvorbringen hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass es ihm nicht gelungen ist, darzulegen,
dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit asylrelevanten Nachteilen
ausgesetzt worden ist oder solche künftig befürchten müsste. Das SEM hat
sein Asylgesuch zu Recht und mit zutreffender Begründung abgewiesen.
E-2503/2020
Seite 13
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
E-2503/2020
Seite 14
6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste dere Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.5 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt (vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O.). An dieser
Einschätzung vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten An-
schläge auf Kirchen und Luxushotels oder die Ende 2019 erfolgten Präsi-
dentschaftswahlen nichts zu ändern.
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Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche eine
Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. So besitzt der Beschwer-
deführer eine gute Schulbildung und er verfügt über Berufserfahrung im
Heimatland in der Landwirtschaft sowie als (...). Er hat auch mehrere Jahre
in (...) in Malaysia gearbeitet (vgl. A3, Ziffer 1.17.04 und A17, Antwort 16
ff.). Seine Familie soll gemäss eigenen Angaben dem Mittelstand angehö-
ren (vgl. A17, Antwort 20). Der Beschwerdeführer verfügt in seiner Heimat-
region Jaffna über ein tragfähiges familiäres und soziales Beziehungsnetz
(Ehefrau, Sohn, Mutter und mehrere Geschwister). Es ist davon auszuge-
hen, dass es ihm zumutbar sein sollte, nach seiner Rückkehr wieder eine
Erwerbstätigkeit aufzunehmen und dadurch seine Existenz zu sichern.
Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer eine medikamentöse Be-
handlung und Physiotherapie benötigt, vermag für sich alleine nicht gegen
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zu sprechen. Das Gericht
verkennt die schwierige Situation im Norden Sri Lankas nicht. Den Anga-
ben des Beschwerdeführers sind jedoch keine stichhaltigen Hinweise zu
entnehmen, die konkret gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges sprechen würden.
6.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
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[VGKE, SR 173.320.2]), nachdem mit Zwischenverfügung des Bundesver-
waltungsgerichts vom 10. Juni 2020 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung abgewiesen wurde.
Der am 15. Juni 2020 einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 750.- ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten in gleicher Höhe zu ver-
wenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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