Decision ID: bf9d0644-8770-5274-b76c-64a6b542ae08
Year: 2016
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1957 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) meldete sich am
20. Juni 2013 bei der Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend:
Vorinstanz) wegen Rückproblemen und Beeinträchtigung der Bandscheiben zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1).
B. Die Beschwerdeführerin war zuletzt seit dem 1. September 2010 während durchschnittlich
25 Stunden pro Woche auf Stundenlohnbasis beim Senioren- und Spitex-Zentrum in
Eggersriet als Pflegehelferin SRK tätig gewesen (IV-act. 19), bis sie am 28. Januar 2013
100% arbeitsunfähig wurde.
C. Am 7. März 2013 wurden bei der Beschwerdeführerin eine lumbale-vertebrospinale
Kernspintomographie sowie ein MRI der Illio-Sacralgelenke durchgeführt (IV-act. 5, S. 18).
Dr. C_ diagnostizierte Rücken- und Gesässschmerzen, L5-Schmerzen rechts bei
Diskushernie LW5 rechts und schwerer Osteochondrose L2 bis L5 (IV-act. 5, S. 15). Nach
erfolgloser Facettengelenksinfiltration litt die Beschwerdeführerin nach wie vor unter
starken belastungsabhängigen Rückenschmerzen (IV-act. 28, S. 4). Im September 2013
wurde die Beschwerdeführerin operiert (Hemilaminektomie L4 rechts und Fensterung
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LW3/4 links, IV-act. 31). Nachdem Dr. C_ die Beschwerdeführerin in
belastungsadaptierter Tätigkeit ohne Hubbelastungen ab ca. Mitte Januar 2014 zu 50%
arbeitsfähig einschätzte (IV-act. 35, S. 1), bot die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche an (IV-act. 42). Die Arbeitsvermittlung
wurde am 11. April 2014 im Einvernehmen mit der Beschwerdeführerin erfolglos
abgeschlossen, da sie sich nicht arbeitsfähig fühlte (IV-act. 46).
D. Im April 2014 wurde bei der Beschwerdeführerin anlässlich einer gynäkologischen Kontrolle
ein muskelinvasives Harnblasencarcinom festgestellt (IV-act. 58, S. 3), woraufhin sie am
14. Mai 2014 operiert wurde (IV-act. 58, S. 7). In der Folge ergaben sich diverse
postoperative Komplikationen (vgl. IV-act. 61).
E. Am 23. Januar 2015 beurteilte Dr. D_ vom RAD die gesundheitliche Situation
abschliessend als klar und stabil (IV-act. 70). In der angestammten Arbeitstätigkeit sei die
Beschwerdeführerin dauerhaft zu 100% arbeitsunfähig, in einer rückenadaptierten Tätigkeit
bestehe eine mindestens 50% Arbeitsfähigkeit, die allerdings von Mai bis November 2014
durch eine 100% Arbeitsunfähigkeit wegen des Blasentumors unterbrochen worden sei; im
Haushalt sei einzig von Mai bis November 2014 grosszügig mit einer 100%
Arbeitsunfähigkeit wegen des Blasentumors zu rechnen. In der Folge teilte die Vorinstanz
der Beschwerdeführerin mittels Vorbescheid mit, dass sie bei einem Invaliditätsgrad von
15% keinen Rentenanspruch habe (IV-act. 71). Auf Einsprache hin hielt die Vorinstanz mit
Verfügung vom 12. Mai 2015 an ihrer Auffassung fest und verneinte einen
Leistungsanspruch.
F. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 11. Juni 2015
durch ihren Rechtsanwalt erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1), mit welcher sie
die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsinvalidenrente beantragte. Mit Vernehmlassung
vom 1. September 2015 (act. 6) verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 15. September 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
und reichte weitere Unterlagen ein. Die Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer
Duplik. Keine Partei verlangte die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Am
19. Januar 2016 wurde die Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit
der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Das schriftlich begründete
Urteil wird hiermit eröffnet.
G. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den IV-Akten sowie die Vorbringen der
Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden
Erwägungen näher eingegangen.
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Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit.
b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt unter anderem voraus, dass
die versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe
Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu
40% invalid sind. Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität
und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
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invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Bei Versicherten, die nur zum Teil
erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Artikel 16 ATSG festgelegt.
Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich, namentlich im Haushalt, tätig, so wird für die
Bemessung der Invalidität in dieser Tätigkeit darauf abgestellt, in welchem Masse sie
unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. Art. 28a IVG).
2.2
Die Parteien sind sich darüber einig, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ein
60% Arbeitspensum ausüben und die restliche Zeit (40%) für die Führung des Haushalts
aufwenden würde, wie dies auch vor dem Auftreten der Rücken- und
Bandscheibenbeschwerden im Januar 2013 der Fall gewesen war. In Frage steht im
vorliegenden Fall der Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Vorinstanz geht bei der
Beschwerdeführerin von einem Invaliditätsgrad von insgesamt 15% aus, was keinen
Rentenanspruch begründet.
2.3
Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 8C_347/2015 vom 20. August 2015, E. 4.1, m.w.H.).
2.4
Die Vorinstanz ging bei der Berechnung des Invaliditätsgrads von 15% davon aus, der
Beschwerdeführerin sei eine rückenadaptierte Tätigkeit von mindestens 50% zumutbar.
Dabei stützte sie sich namentlich auf die abschliessende Einschätzung des RAD, Dr. D_
(IV-act. 70), welcher sich seinerseits für seine Einschätzung insbesondere auf die
Arztberichte des behandelnden Neurochirurgen, Dr. C_, bezieht.
Bereits am 3. Januar 2014 schätzte Dr. C_ die Beschwerdeführerin in einer
rückenadaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig ein (IV-act. 35, S. 1). Am 6. Januar 2014
teilte Dr. C_ der Hausärztin Dr. E_ mit, er glaube, dass auch rückenfremde Faktoren
mitspielen würden; in einer rückenadaptierten Tätigkeit sehe er die Beschwerdeführerin
sogar 100% arbeitsfähig (IV-act. 35, S. 3). Ebenfalls gegenüber Dr. E_ äusserte sich Dr.
C_ am 4. Februar 2014 (IV-act. 58, S. 8) dahingehend, er könne der Patientin
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wahrscheinlich nicht helfen; sie müsse schmerztechnisch konservativ behandelt werden
und sollte sich dringend bei der IV melden. Im Verlaufsbericht vom 25. April 2014 (IV-act.
53) bestätigte Dr. C_ seine frühere Einschätzung gegenüber der Vorinstanz und führte
aus: „Ich denke, die Patientin kann im Moment in rückenadaptierter Tätigkeit mind. 50%
arbeiten, vielleicht sogar mehr. Gegebenenfalls müsste eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit durchgeführt werden.“ Am 21. Mai 2014 (IV-act. 56) nahm Dr. C_
erneut Stellung zur Situation und erwähnte, die Beschwerdeführerin leide seit der Diagnose
des Blasentumors wieder vermehrt unter Rückenschmerzen und erscheine psychisch nicht
ganz stabil; wegen der anstehenden Blasentumoroperation sei ohnehin keine
Arbeitsfähigkeit gegeben. Im Sprechstundenbericht vom 28. November 2014 (IV-act. 63)
bezeichnete Dr. C_ die Beschwerdeführerin schliesslich als „medizinisch schwer in
Mitleidenschaft gezogen“; vom Rücken her sei sie eigentlich 50% arbeitsfähig, medizinisch
gesehen sei sie aber garantiert 100% arbeitsunfähig, dafür müsse man sie nur ansehen. Er
sehe die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitsfähig, bis sich die Situation, vor allem
psychisch, stabilisiert habe.
2.5
Der Schluss der Vorinstanz, der Beschwerdeführerin sei, was die Einschränkungen
aufgrund der Rückenproblematik betrifft, eine adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50%
zumutbar, ist gestützt auf diese Arztberichte nachvollziehbar und insoweit nicht zu
beanstanden. Jedoch ging die Vorinstanz - gestützt auf die entsprechende Einschätzung
von Dr. D_ - von keinen anderen gesundheitlichen Einschränkungen als solchen mit
Bezug auf den Rücken aus. Die Beschwerdeführerin rügt in diesem Zusammenhang zu
Recht, ihre psychische Erkrankung werde damit einfach ausgeklammert.
2.6
In den vorinstanzlichen Akten werden verschiedentlich psychische Probleme der
Beschwerdeführerin erwähnt:
Bereits am 3. September 2013 wies Dr. C_ in einem Arztbericht (IV-act. 28, S. 3) auf
eine „psychische Komponente“ hin. Am 10. Dezember 2013 (IV-act. 35, S. 7) äusserte er
zudem den Verdacht auf eine reaktive Depression. Nach der zusätzlichen Diagnose des
Blasentumors stellte Dr. C_ am 21. Mai 2014 erneut fest, die Beschwerdeführerin sei
psychisch nicht stabil und riet zu einer psychologischen oder psychosomatischen
Vorstellung (IV-act. 56). In seinem Bericht vom 28. November 2014 (IV-act. 63)
bezeichnete er schliesslich die Beschwerdeführerin offensichtlich mehr als die 50%
arbeitsunfähig, die sich mit den Einschränkungen des Rückens begründen lassen; bis sich
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die Situation, vor allem psychisch, stabilisiert habe, gehe er von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit aus.
Auch die behandelnde Hausärztin Dr. E_ hatte bereits in ihrem Bericht vom Juli 2014 (IV-
act. 58, S. 2 ff.) darauf hingewiesen, die Beschwerdeführerin leide unter einer
Belastungsdepression und ihr eine psychotherapeutische Behandlung nahegelegt. Auch im
Hospitalisationsbericht von Dr. F_, Facharzt Chirurgie FMH, vom 13. Oktober 2014 (IV-
act. 61, S. 6 ff.) wurde eine Depression angeführt, gleichzeitig aber darauf hingewiesen,
dass die Beschwerdeführerin aktuell ohne medikamentöse Therapie psychisch stabil sei;
die antidepressive Therapie sei abgesetzt worden und die Psyche erscheine erfreulich
stabil; eine Wiederaufnahme der Medikation scheine nicht notwendig. Diese Einschätzung
kann gerade angesichts des Hinweises, die Beschwerdeführerin sei „psychisch aufgestellt
und froh, dass sie Klinik nun verlassen darf“ nachvollzogen werden, erscheint aber eher als
eine Momentaufnahme bei Spitalaustritt, zumal Dr. E_ in ihrem Bericht vom 4. November
2014 festhält, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert
und unter anderem erneut auf die depressive Entwicklung hinweist (IV-act. 61, S. 1 f.).
Insoweit die Vorinstanz in der Vernehmlassung diesen Bericht zitiert und davon ausgeht,
Dr. E_ habe festgehalten, die depressive Entwicklung sei zuletzt in Besserung begriffen,
fällt auf, dass Dr. E_ zwar tatsächlich bei den Diagnosen anführte: „Depressive
Entwicklung bei kompliziertem Verlauf, zuletzt in Besserung begriffen“ (IV-act. 61, S. 1
unten), aber gleichzeitig auch näher präzisierte: „Die Patientin ist aktuell deutlich reduziert
in ihrem Allgemeinzustand. [...] Sie ... ist aufgrund der Belastungssituation depressiv“, so
dass nicht zum vornherein klar ist, ob sich der Passus „zuletzt in Besserung begriffen“
überhaupt tatsächlich auf die Diagnose der Depression oder nicht vielmehr auf den
komplizierten Verlauf bezieht. Jedenfalls bestand nach Einschätzung von Dr. E_ anfangs
November 2014 weiterhin eine depressive Problematik.
Dr. D_ hielt in seiner Einschätzung vom 12. November 2014 (IV-act. 62) fest, die im
Raum stehende Depression werde vom Schweregrad her „als nicht invalidisierend
geschildert, gleichwohl eine psychotherapeutische Begleitung der V. zur Bewältigung der
Krebsdiagnose empfohlen“ werde. Während diese Einschätzung aufgrund der sich bis zu
diesem Zeitpunkt präsentierenden Aktenlage vertretbar erscheint, kann der
abschliessenden Beurteilung von Dr. D_ im Januar 2015 (IV-act. 70), als ihm auch der
Bericht von Dr. C_ vom 28. November 2014 (IV-act. 63) vorlag, nicht mehr gefolgt
werden: Dort hielt Dr. D_ fest, „Die gesundheitliche Situation ist nun klar und stabil. [...]
Von Seiten der Psyche sehen die Behandler bzw. die V. selbst keine
Therapienotwendigkeit womit sich der Schweregrad relativiert“ (IV-act. 70). Gerade aus der
aktuellsten Einschätzung von Dr. C_ (IV-act. 63) geht aber deutlich hervor, dass er eine
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massive Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands bei der
Beschwerdeführerin beobachtet hat. Weder die behandelnde Hausärztin Dr. E_ noch Dr.
C_ haben sich dahingehend geäussert, dass sie keine Therapienotwendigkeit bezüglich
des psychischen Zustandes sehen; im Gegenteil haben beide der Beschwerdeführerin zu
einer entsprechenden Behandlung geraten. Zwar hat die Beschwerdeführerin selbst der
Vorinstanz am 12. Januar 2015 telefonisch mitgeteilt, dass sie sich aktuell in keiner
psychotherapeutischen Behandlung befinde und „dies so gut es gehe mit sich selber
aus[mache]“ (IV-act. 68). Dies allein genügt jedoch angesichts der aktuellen Arztberichte
der die Beschwerdeführerin behandelnden Ärzte jedenfalls bei einer Gesamtbetrachtung
des vorliegend gegebenen Sachverhalts nicht, um ohne weiteres davon auszugehen, die
Beschwerdeführerin leide nicht unter invalidisierenden psychischen Einschränkungen, wie
dies in der Rechtsprechung zuweilen mit der Begründung, dass sich jemand nicht
psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandeln lässt, gestützt wurde (vgl. z.B. Urteil des
Bundesgerichts 9C_266/2012 vom 29. August 2012, E. 4.3.2, m.w.H.). Dr. D_ hat die
Beschwerdeführerin im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten nie persönlich untersucht
und sich bei seiner Beurteilung ausschliesslich auf die vorhandenen Arztberichte
abgestützt. Um ein abschliessendes Gesamtbild über die gemäss den behandelnden
Ärzten klar vorhandenen psychischen Einschränkungen zu erhalten, ist es angezeigt, in
einem ersten Schritt durch weitere Nachfragen, insbesondere auch bei der Hausärztin,
näher abzuklären, inwieweit die Beschwerdeführerin unter welchen konkreten psychischen
Einschränkungen leidet. Ergeben sich daraus Anhaltspunkte dafür, dass dies notwendig ist,
sind ergänzende, vorzugsweise fachärztliche Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht zum
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu treffen. So wie sich die Aktenlage im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses präsentierte, erscheint die Beurteilung, die
Beschwerdeführerin leide nicht unter invalidisierenden psychischen Gesundheitsstörungen,
zu wenig fundiert und damit zumindest verfrüht. Die Sache ist an die Vorinstanz
zurückzuweisen, damit diese in Nachachtung ihrer Untersuchungspflicht weitere
Sachverhaltsabklärungen zu den psychischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin
vornimmt, bevor sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abschliessend beurteilt.
2.7
Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung ausserdem davon aus, dass in der
Haushalttätigkeit keine invaliditätsbedingte Einschränkung ausgewiesen sei. Dabei stützt
sie sich wiederum im Wesentlichen auf die Einschätzung von Dr. D_ im Bericht vom
23. Januar 2015 (IV-act. 70). Dr. D_ schätzte dort die Beschwerdeführerin im Haushalt
zu 100% arbeitsfähig ein (einzig von Mai bis November 2014 „grosszügig“ 100%
arbeitsunfähig wegen dem Blasentumor). Im vorherigen Bericht vom 12. November 2014
schätzte Dr. D_ die Arbeitsfähigkeit im Haushaltsbereich noch wie folgt ein: „Im
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Haushaltsbereich kann eine 100% AUF mit der komplikationsbehafteten OP 07/2014
nachvollzogen werden, 3 Monate nach der Hospitalisation kann spätestens wieder ab
01/2015 eine halbwegs vorhandene Leistung unter Anrechnen der zumutbaren
Familienhilfe (Ehemann) angenommen werden.“
2.8
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als
Pflegehelferin bereits aufgrund ihrer Beeinträchtigungen infolge der Rückenbeschwerden
zu 100% arbeitsunfähig ist. Dr. C_ hat als rückenadaptierte Tätigkeit eine Tätigkeit ohne
Hubbelastungen über 5 kg, Wechsel von Gehen, Stehen, Sitzen, gegebenenfalls auch
Liegen, keine Arbeiten in starrer Körperhaltung und Inklination und Rotation, keine Arbeiten
über Schulterhöhe und keine Arbeiten in kalter und zugiger Umgebung bezeichnet (IV-act.
35, S. 3).
2.9
Beim Assessmentgespräch vom 29. Juli 2013 (IV-act. 20) erwähnte die
Beschwerdeführerin, sie wohne mit ihrem Ehemann in einem Bauernhaus mit Umschwung;
offenbar werden Kleintiere gehalten. Die Beschwerdeführerin bringt zu Recht vor, dass
sowohl ihre angestammte Tätigkeit als Pflegehelferin als auch die Haushaltsführung aus
schwereren und leichteren Arbeiten bestehe und es ist nachvollziehbar, dass schon allein
bei Berücksichtigung der von Dr. C_ beschriebenen Einschränkungen aufgrund der
Rückenbeschwerden zumindest ein Teil der üblicherweise anfallenden Hausarbeiten nicht
mehr von der Beschwerdeführerin selbst ausgeführt werden können.
2.10
Um feststellen zu können, in welchem Ausmass eine versicherte Person im Haushalt
zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt ist, bedarf es im Regelfall einer
Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV,
SR 831.201]; Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2007 vom 13. Juni 2008, E. 3.2.1, m.w.H.).
Entscheidend ist im Haushaltsbereich nicht in erster Linie die medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähigkeit, sondern vielmehr, wie sich der Gesundheitsschaden in der
nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 418/05 vom
9. August 2005, E. 3.2, m.w.H.) Eine Abklärung an Ort und Stelle fand jedoch bei der
Beschwerdeführerin gar nie statt. Schon allein aufgrund der medizinisch ausgewiesenen
physischen Einschränkungen infolge der Rückenprobleme wäre aber eine solche angezeigt
gewesen. Nur wenn die Aktenlage in dem Sinn eindeutig wäre, dass eine
anspruchserhebliche Behinderung im Haushalt auszuschliessen ist, könnte zum Vornherein
auf die Durchführung einer Haushaltsabklärung verzichtet werden (MEIER/REICHMUTH,
Seite 11
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, N 174
zu Art. 28a).
2.11
Es ist richtig, dass bei der Besorgung des eigenen Haushalts in der Regel mehr Spielraum
und Flexibilität für die Einteilung und Ausführung der Arbeit besteht, als im Rahmen eines
hinsichtlich des Tätigkeitsprofils ähnlich ausgestalteten Arbeitsverhältnisses. Die
Schadenminderungspflicht verlangt, die anfallenden Haushaltsarbeiten so gut wie möglich
einzuteilen und Verhaltensweisen zu entwickeln, welche die Auswirkungen der
Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und damit der versicherten Person
eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltsarbeiten
ermöglichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_440/2011 vom 11. Juni 2011, E. 4.2). Im
vorliegenden Fall ist aber zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz - bisher einzig unter
Berücksichtigung der Rückenprobleme - davon ausgeht, dass der Beschwerdeführerin die
Ausübung eines 50%-Arbeitspensums zumutbar ist; für die zu erledigenden
Haushaltsarbeiten steht damit zum Vornherein nur beschränkt Zeit zur Verfügung, was die
Möglichkeiten zur Einschaltung von Pausen und Anpassung der Einteilung der
Hausarbeiten aus zeitlicher Hinsicht einschränkt. Zudem ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführerin gewisse Arbeiten aufgrund der Rückenbeschwerden aus
medizinischer Sicht überhaupt nicht mehr möglich sind, auch nicht mit zusätzlichen Pausen
oder unter Aufwendung von mehr Zeit als normalerweise üblich. In einem solchen Fall hat
die Beschwerdeführerin zwar, wie die Vorinstanz zu Recht anführt, die Mithilfe von
Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen, welche dabei weiter geht als der übliche
Umfang, den man erwarten darf, wenn die versicherte Person nicht an einem
Gesundheitsschaden leiden würde. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt
tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr
erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige
verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder
doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht (vgl. dazu BGE 133 V 504, E. 4.2,
m.w.H.). Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich
eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine
Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dabei darf nach der Rechtsprechung unter
dem Titel der Schadenminderungspflicht aber nicht etwa die Bewältigung der
Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen
Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten
Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied finden lässt,
das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teilfunktion in Frage
kommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_715/2014 vom 23. Juni 2015, E. 4.3.2, m.w.H.).
Seite 12
Es ist vielmehr davon auszugehen, welche Unterstützung durch in Frage kommende
Familienmitglieder in der sozialen Realität tatsächlich üblich und zumutbar ist. Bevor jedoch
überhaupt beurteilt werden kann, inwieweit es dem offenbar in einem 100%-Arbeitspensum
stehenden Ehemann der Beschwerdeführerin zumutbar ist, Arbeiten im Haushalt, die bisher
die Beschwerdeführerin erledigt hat, zu übernehmen, müssen die Einschränkungen der
Beschwerdeführerin vor Ort abgeklärt werden. Einfach zum Vornherein darauf zu
schliessen, sämtliche Einschränkungen der Beschwerdeführerin könnten durch ihren
Ehemann aufgefangen werden, ohne dass überhaupt feststeht, in welchen
Haushaltsarbeiten die Beschwerdeführerin in welchem konkreten Ausmass eingeschränkt
ist, überzeugt nicht.
2.12
Die Vorinstanz wird aus diesem Grund angewiesen, die konkreten Einschränkungen im
Haushaltsbereich mit einem Haushaltsbericht genauer abzuklären. Dabei stehen die
physischen Einschränkungen aufgrund des Rückenleidens im Vordergrund; je nach
Resultat der weiteren Abklärungen mit Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin werden allenfalls zusätzliche Einschränkungen in psychischer Hinsicht
ebenfalls miteinzubeziehen sein (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2009 vom
5. November 2009, E. 6.1).
2.13
Bei diesem Ergebnis kann offengelassen werden, inwieweit die Rügen der
Beschwerdeführerin an der Festlegung des Valideneinkommens in der angefochtenen
Verfügung berechtigt sind oder nicht. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und
die Vorinstanz angewiesen, zunächst den Sachverhalt - einerseits bezüglich des
Gesundheitszustands in psychischer Hinsicht und der daraus resultierenden
Einschränkungen mit Bezug auf den Erwerbs- und Tätigkeitsbereich, andererseits
bezüglich der konkreten Einschränkungen sowohl in physischer als psychischer Hinsicht im
Haushaltsbereich - ergänzend abzuklären und danach neu über den Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin zu verfügen.
3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
Seite 13
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend bei der obsiegenden Beschwerdeführerin keine Kosten
zu erheben (Art. 19 Abs. 3 VRPG e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 VRPG). Die
Gerichtskasse ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin den geleisteten Kostenvorschuss
zurückzuerstatten.
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat der Beschwerdeführerin dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG). Im vorliegenden
Fall erscheint eine Entschädigung von pauschal Fr. 2‘500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Der Invalidenversicherung werden unabhängig vom Verfahrensausgang weder
Verfahrenskosten auferlegt noch Parteientschädigungen zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG
e contrario, KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 58 und 199
f. zu Art. 61; Art. 22 Abs. 1 VRPG).
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