Decision ID: 291253a0-27ab-5390-8349-9362300f17a2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, stellte am 19. November 2014 erstmals in der Schweiz ein
Asylgesuch. Anlässlich der Befragungen durch das SEM gab er im We-
sentlichen an, er habe in den Jahren 2008 bis 2011 bei (...) gearbeitet und
dabei unter anderem das Restaurant seines Freundes B._ beliefert.
Dieser habe Kontakte zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) ge-
habt und sei später von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden verhaftet
worden. Er selbst sei im Jahr 2008 einmal vom Criminal Investigation De-
partment (CID) festgenommen und befragt worden. Nach einem Tag sei er
freigelassen worden, habe in der Folge jedoch ein Jahr lang regelmässig
beim CID Unterschrift leisten müssen. Nachdem sein Vorgesetzter im Jahr
2011 getötet worden sei, habe er aufgehört bei (...) zu arbeiten. Danach
habe er zusammen mit dem zwischenzeitlich entlassenen B._ als
(...) gearbeitet. Im Anschluss an ein Cricketspiel hätten sie 2014 zusam-
men Alkohol getrunken, wobei noch zwei weitere Freunde, C._ und
D._, anwesend gewesen seien. Plötzlich seien zwei Personen auf
einem Motorrad hinzugekommen und hätten sie mit einem Ast geschlagen.
B._ habe gefragt, wer sie seien und warum sie dies machten. Als
sie gesagt hätten, sie seien CID-Leute, habe B._ gemeint, er und
seine Freunde seien von den LTTE. Daraufhin hätten die Beiden
B._ mitgenommen. Er selbst sei zu einer Bekannten gegangen und
habe dort übernachtet. Am nächsten Tag habe er von seiner Mutter erfah-
ren, dass das CID ihn zuhause gesucht habe. Danach habe er sich erst bei
einem Freund und dann zwei Monate bei E._, einem Bekannten
seines Vaters, aufgehalten, bevor er schliesslich ausgereist sei. Das CID
habe noch mehrere Male nach ihm gesucht.
A.b Mit Verfügung vom 20. Oktober 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
sowie deren Vollzug an.
A.c Eine gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde wies das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-7545/2015 vom 10. Februar 2017 ab.
Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien. Die eingereichten Beweismittel
– eine Arbeitsbestätigung der (...), ein Geburtszertifikat und eine sri-lanki-
sche Identitätskarte – vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu än-
dern. Der Beschwerdeführer verfüge zudem – trotz des Umstands, dass
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sein Bruder bei den LTTE gewesen sein soll und vor mehr als zehn Jahren
nach F._ geflüchtet sei – nicht über ein massgebliches Risikoprofil
gemäss dem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, aufgrund des-
sen ihm eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnte. Das
SEM habe daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch abgelehnt. Des Weiteren habe es richtigerweise die Wegwei-
sung verfügt und deren Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich be-
zeichnet.
B.
Am (...) fand eine Vorsprache des Beschwerdeführers auf dem sri-lanki-
schen Generalkonsulat in Genf im Zusammenhang mit der Beschaffung
von Ersatzreisepapieren statt.
C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Juni 2017 reichte der Be-
schwerdeführer ein neues Asylgesuch ein. Darin machte er den bereits
rechtskräftig beurteilten Sachverhalt erneut geltend und brachte vor, dass
er neue Beweismittel zu der ihm in Sri Lanka drohenden Verfolgung vorle-
gen könne. Zudem seien bei der Beweiswürdigung im ersten Asylverfahren
erhebliche Fehler unterlaufen. Dem SEM sei zwar bekannt gewesen, dass
er einen in G._ lebenden Bruder habe, welcher früher bei den LTTE
gewesen sei. Dennoch seien diesbezüglich keine weiteren Abklärungen
vorgenommen worden, obwohl es sich bei Verbindungen zu (ehemaligen)
LTTE-Mitgliedern um einen der Hauptrisikofaktoren für eine asylrelevante
Gefährdung handle. Das SEM habe es auch unterlassen, Informationen zu
den Personen einzuholen, welche beim Vorfall nach dem Cricketspiel im
Jahr 2014 anwesend gewesen seien. Zwischenzeitlich habe er in Erfah-
rung bringen können, dass C._ in der Schweiz weile und
D._ sich in H._ aufhalte. Bei diesen handle es sich um zwei
wichtige Zeugen, welche das verfolgungsauslösende Ereignis bestätigen
könnten. Er versuche auch, den Aufenthaltsort von B._ ausfindig zu
machen. Es sei ihm daher eine Frist zur Beschaffung von weiteren Beweis-
mitteln aus dem In- und Ausland anzusetzen. Sodann könne er eine schrift-
liche Auskunft von E._ vorlegen, in welcher dieser bestätige, dass
er sich vor der Ausreise zwei Monate bei ihm versteckt habe. Sollten Zwei-
fel an der schriftlichen Auskunft bestehen, werde ausdrücklich beantragt,
diese Person als Zeuge auf der Schweizer Botschaft in Colombo einzuver-
nehmen. Weiter habe sich die Sachlage seit dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts wesentlich verändert. Er engagiere sich in der Schweiz nun
exilpolitisch und habe unter anderem am (...) 2016 an einer Demonstration
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in I._ teilgenommen, was er mit einer entsprechenden Fotoauf-
nahme beweisen könne. Zudem sei er am (...) von den sri-lankischen Be-
hörden auf das Generalkonsulat in Genf vorgeladen worden zwecks Er-
satzreisepapierbeschaffung. Anlässlich der Vorsprache seien ihm zahlrei-
che Fragen zu seinen persönlichen Umständen gestellt worden, wobei die
Tatsache, dass ein Bruder in J._ lebe, besonderes Interesse ge-
weckt habe. Aus den weiteren gestellten Fragen habe er den Schluss ge-
zogen, dass die sri-lankischen Behörden bereits vorgängig einen Back-
groundcheck seiner Person vorgenommen hätten. Schliesslich habe er
sich durch seine Aussage, dass er nicht freiwillig nach Sri Lanka zurück-
kehren wolle, gegenüber den heimatlichen Behörden endgültig verdächtig
gemacht. Weiter seien im Rahmen der Ersatzreisepapierbeschaffung In-
formationen an den sri-lankischen Staat übermittelt worden, welche über
den Zweck der Papierbeschaffung hinausgingen und gegen die Bestim-
mungen des Abkommens zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und
der Regierung der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka
über die Zusammenarbeit im Bereich der Migration vom 4. Oktober 2016
(SR 0.142.117.121, nachfolgend: Migrationsabkommen) verstossen wür-
den. Das SEM habe detailliert offenzulegen, welche Daten dem sri-lanki-
schen Generalkonsulat übermittelt worden seien; zudem seien sämtliche
weiteren Informationen im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbe-
schaffung – wie allfällige Recherchen und Gesprächsnotizen – bekannt zu
geben. Das Generalkonsulat sei aufzufordern, die entsprechenden Daten
offenzulegen und für die notwendige Übersetzung besorgt zu sein. Danach
werde sich der Schweizerische Datenschutzbeauftragte beim SEM und
den zuständigen sri-lankischen Behörden davon überzeugen müssen, ob
die Angaben über die vorhandenen Daten und deren Verwendung korrekt
seien. Dabei dürfte klar sein, dass das Generalkonsulat Daten erhoben
habe, welche nicht dem Abkommen entsprächen, sondern seiner Verfol-
gung dienten. Daraus ergebe sich klar ein neuer Asylgrund. Sodann könne
eine Verfolgungssituation nur vor dem Hintergrund der aktuellen Ländersi-
tuation angemessen beurteilt werden, weshalb diesbezüglich ein aktueller
Länderbericht eingereicht werde. Ferner beantrage er den Beizug der Ak-
ten aus zwei Verfahren, in welchen es zu fatalen Fehlentscheiden durch
die schweizerischen Asylbehörden gekommen sei. Diese Fälle dokumen-
tierten, dass abgewiesene Asylsuchende nach der Rückkehr von Verfol-
gung betroffen gewesen seien. Er selbst erfülle zahlreiche der vom Bun-
desverwaltungsgericht im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten
Risikofaktoren. Nicht nur weise er familiäre Verbindungen zu Personen mit
LTTE-Hintergrund auf, er habe auch Unterstützungsleistungen für die LTTE
erbracht und sich durch die Ereignisse nach dem Cricketspiel im Jahr 2014
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besonders verdächtig gemacht. Letzteres habe eine anhaltende behördli-
che Suche nach ihm ausgelöst. Diese Vorfälle seien den sri-lankischen Be-
hörden durch die Ersatzreisepapierbeschaffung wieder in Erinnerung ge-
rufen worden. Aus der Flucht, dem mehrjährigen Aufenthalt in einem tami-
lischen Diasporazentrum sowie den exilpolitischen Aktivitäten ergäben sich
weitere Verdachtsmomente. Schliesslich sei mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit davon auszugehen, dass er als zurückgeschaffter tamili-
scher Asylgesuchsteller in der Heimat jederzeit Opfer einer Verhaftung und
von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Der Vollzug der
Wegweisung müsse daher auch im Sinne der Rechtsprechung des Euro-
päischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) als unzulässig oder
aber unzumutbar angesehen werden. Abschliessend beantrage er, dass
das SEM ihn bei Zweifeln an den neu geltend gemachten Sachverhaltsele-
menten erneut anhöre.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein Foto von einer Kundgebung,
ein Schreiben von E._ vom 7. April 2017, einen Länderbericht in-
klusive Anhang sowie verschiedene Dokumente ohne unmittelbaren Bezug
zu sich selbst zu den Akten.
D.
Das SEM qualifizierte diese Eingabe teilweise als Asylfolgegesuch, als Re-
visionsgesuch und als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch. Mit Verfü-
gung vom 21. November 2017 – eröffnet am 29. November 2017 – trat es
auf das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch nicht ein und stellte fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte sein
zweites Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ord-
nete deren Vollzug an und erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.–.
Dazu erwog das SEM, dass es sich beim Schreiben von E._ um ein
nachträglich entstandenes Beweismittel handle, weshalb dieses im Rah-
men eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs zu prüfen sei. Der Be-
schwerdeführer habe sich trotz anwaltlicher Vertretung im ersten Asylver-
fahren erst nach dessen Abschluss um die Beschaffung dieses Beweismit-
tels bemüht. Zudem habe er das vom 7. April 2017 datierende Schreiben
erst am 15. Juni 2017 vorgelegt. Die 30-tägige Frist für die Einreichung
eines Wiedererwägungsgesuchs gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG (SR
142.31) sei folglich nicht eingehalten. Ausserdem sei das Beweismittel
nicht geeignet, ernsthaft die Frage aufzuwerfen, ob ihm bei einer Rückkehr
eine Verfolgung und damit eine Verletzung des Non-Refoulement-Gebots
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respektive eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohe. Auf das qualifizierte
Wiedererwägungsgesuch sei folglich nicht einzutreten.
Hinsichtlich der Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat wurde
ausgeführt, dass es sich dabei um ein standardisiertes und langjährig er-
probtes Verfahren handle, welches der Identifizierung von abgewiesenen
Asylsuchenden zwecks Ersatzreisepapierbeschaffung diene. Das Verfah-
ren werde zusätzlich durch das Migrationsabkommen zwischen der
Schweiz und Sri Lanka geregelt. Es würden damit keine neuen Gefähr-
dungselemente geschaffen, weshalb das Vorliegen einer begründeten
Furcht vor Verfolgungsmassnahmen aufgrund der Vorsprache beim Gene-
ralkonsulat zu verneinen sei. Die Datenschutzbestimmungen seien vollum-
fänglich eingehalten worden. Entgegen der Auffassung des Beschwerde-
führers unterliege Sri Lanka nicht dem schweizerischen Datenschutzrecht
und es bestehe für das SEM kein Anlass, die von ihm gewünschte Akten-
einsicht bei den sri-lankischen Behörden zu beantragen. Ferner hätten
seine Hinweise dazu, wie der Schweizerische Datenschutzbeauftragte tä-
tig zu werden habe, keinen konkreten Bezug zu seinem Asylgesuch, wes-
halb diese nicht weiter erörtert würden. Auch betreffend die geltend ge-
machten Vorfälle bei der Rückschaffung von zwei abgewiesenen Asylsu-
chenden nach Sri Lanka sei kein Bezug zum vorliegenden Asylverfahren
ersichtlich. Sodann gelinge es dem Beschwerdeführer mit seinen Ausfüh-
rungen zu den neuesten Entwicklungen in Sri Lanka nicht, substanziiert
darzulegen, weshalb er nunmehr Gefahr laufen würde, bei einer Rückkehr
ernsthafte Nachteile zu erleiden. Es sei auch darauf hinzuweisen, dass
seine Vorbringen im Rahmen des ersten Asylverfahrens als unglaubhaft
erachtet worden seien.
Schliesslich hielt das SEM fest, die vom Beschwerdeführer dargelegte exil-
politische Aktivität betreffe die Teilnahme an einer Demonstration am (...)
2016. Folglich wäre diese – ebenso wie die Vorbringen, die sich auf die
bereits im Urteil D-7545/2015 vom 10. Februar 2017 abgehandelten Sach-
verhaltselemente beziehen – im Rahmen eines Revisionsgesuchs beim
Bundesverwaltungsgericht geltend zu machen. Mangels Zuständigkeit
trete das SEM nicht darauf ein.
E.
Der Beschwerdeführer ersuchte die Vorinstanz mit Schreiben vom 30. No-
vember 2017 um Einsicht in seine Vollzugsakten und bat um verschiedene
Informationen im Zusammenhang der Befragung von abgewiesenen tami-
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lischen Asylsuchenden auf dem sri-lankischen Generalkonsulat. Nament-
lich sei offenzulegen, welche Daten an das Generalkonsulat übermittelt
und wie diese verwendet würden.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. Dezember 2017 erhob der
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die
Verfügung vom 21.November 2017. Darin wurde in der Hauptsache bean-
tragt, die angefochtene Verfügung sei wegen der Verletzung des Willkür-
verbots, eventuell wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör, eventuell wegen der Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben
und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des voll-
ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeur-
teilung an das SEM zurückzuweisen. Eventuell sei die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl
zu gewähren. Eventuell seien die Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfü-
gung aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hin-
sicht wurde um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung ei-
nes Revisionsgesuches ersucht, sofern das Bundesverwaltungsgericht da-
von ausgehen sollte, Teile der vorliegenden Beschwerde müssten revisi-
onsweise geltend gemacht werden. Zudem habe das Gericht einerseits un-
verzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der
vorliegenden Sache betraut würden, und andrerseits zu bestätigen, dass
diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien. Weiter sei voll-
ständige Einsicht in die gesamten Akten des SEM zu gewähren und nach
erfolgter Akteneinsicht eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung
anzusetzen. Mit der Beschwerdeschrift wurden – neben der angefochtenen
Verfügung, einer Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom
30. September 2016 und dem Akteneinsichtsgesuch an das SEM vom
30. November 2017 – diverse Dokumente in Bezug auf die politische und
menschenrechtliche Situation in Sri Lanka (Berichte von Medien, verschie-
denen Organisationen und Weiteres) gemäss separatem Verzeichnis (vgl.
S. 49 Beschwerdeschrift) sowie ein digitaler Datenträger mit zahlreichen
weiteren Dokumenten zur Situation in Sri Lanka eingereicht.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2018 stellte die Instruktionsrichte-
rin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
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Schweiz abwarten. Gleichzeitig teilte sie ihm – unter Vorbehalt nachträgli-
cher Veränderungen – die Zusammensetzung des Spruchkörpers mit, wies
den Antrag auf Fristansetzung zur Einreichung eines Revisionsgesuches
ab und forderte den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leis-
ten.
H.
Der Kostenvorschuss wurde am 5. Februar 2018 bezahlt.
I.
Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 5. Februar 2018 wurde namentlich
festgehalten, in der Verfügung vom 19. Januar 2018 sei die Frage, ob der
Spruchkörper zufällig zusammengesetzt sei, nicht beantwortet, weshalb
der entsprechende Antrag noch korrekt zu behandeln sei. Zudem wurde
der Antrag auf Ansetzung einer Frist für die Einreichung eines Revisions-
gesuchs wiederholt, sofern das Gericht beabsichtige, bei der Beurteilung
der vorliegenden Sache gewisse Sachverhaltselemente auszuklammern,
weil diese revisionsweise geltend gemacht werden müssten. Als weiteres
Beweismittel wurde eine anonymisierte Vernehmlassung des SEM vom
8. November 2017 aus dem Verfahren D-4794/2017 eingereicht.
J.
Mit Eingabe vom 29. April 2020 liess der Beschwerdeführer geltend ma-
chen, dass sich die Lage in Sri Lanka zwischenzeitlich erheblich verändert
habe. In seinem Fall lägen zahlreiche Risikofaktoren vor, welche gerade im
gegenwärtigen Kontext eine klare und asylrelevante Gefährdung bedeute-
ten. Neben Ausführungen zu seinem Risikoprofil legte er die Situation in
seinem Heimatstaat dar, wobei er auf einer CD-Rom einen Länderbericht
vom 23. Januar 2020, ein Update dazu vom 26. Februar 2020 sowie einen
Zusatzbericht zur Lage in Sri Lanka (Stand 10. April 2020), alle inklusive
Beilagen, vorlegte. Zudem wurde beantragt, es sei abzuklären, welche Da-
ten sich auf dem Mobiltelefon der im November 2019 entführten schweize-
rischen Botschaftsangestellten befunden hätten und ob diese Daten auch
den Beschwerdeführer betreffen würden.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Oktober 2020 überwies die Instruktions-
richterin das Dossier N (...) an das SEM und forderte dieses auf, über das
Akteneinsichtsgesuch vom 30. November 2017 zu befinden, wobei insbe-
sondere Einsicht in die Vollzugsakten zu gewähren sei. Gleichzeitig wurde
dem Beschwerdeführer die Gelegenheit eingeräumt, innerhalb von zehn
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Tagen nach Versand der Akten durch das SEM beim Gericht eine Stellung-
nahme einzureichen.
L.
Der Beschwerdeführer liess dem Gericht durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 9. November 2020 eine Stellungnahme zukommen. Darin
wurde ausgeführt, dass das SEM dem unterzeichnenden Anwalt am
28. Oktober 2020 Einsicht in die Vollzugsakten gewährt habe. Diese wür-
den die in der Beschwerdeschrift geltend gemachten Vorbringen unterstrei-
chen, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden könne. Der Be-
schwerdeführer erfülle mehrere Risikofaktoren und es sei vor dem Hinter-
grund der aktuellen Menschenrechts- und Sicherheitslage in Sri Lanka klar,
dass er bei einer Rückkehr ins Visier der heimatlichen Sicherheitskräfte
geraten werde. Zudem wurde auf politische Entwicklungen sowie die allge-
meine Situation in Sri Lanka hingewiesen. Der neue Präsident habe betont,
dass er den tamilischen Separatismus als grosse Gefahr ansehe. Die sri-
lankischen Behörden gingen gegen jegliche Kritik an der Regierung und
sämtliche Äusserungen, welche auch nur im Entferntesten als Propagie-
rung des tamilischen Separatismus aufgefasst werden könnten, rigoros
vor. Die beim Beschwerdeführer vorliegenden Risikofaktoren müssten im
Kontext der aktuellen politischen Lage besonders schwer gewichtet wer-
den, zumal er aufgrund seines Profils gleich mehreren Risikogruppen zu-
zurechnen sei. Sein Engagement zugunsten der LTTE, seine familiären
Verbindungen zu dieser, die bereits erfolgten Verhaftungen und sein exil-
politisches Engagement, verbunden mit einem langjährigen Aufenthalt in
der Schweiz, würden dazu führen, dass er bei einer Rückkehr vom sri-lan-
kischen Sicherheitsapparat ins Visier genommen und Opfer von Verfol-
gungsmassnahmen werde. Der Eingabe lag – gespeichert auf einer CD-
Rom – ein rund 46 Seiten umfassender Rapport über die politischen und
menschenrechtlichen Entwicklungen in Sri Lanka zwischen dem 11. April
und dem 26. Juni 2020 bei, inklusive 160 Beilagen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 10
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung be-
züglich der Dispositivziffer 1 der Verfügung vom 21. November 2017 – als
frist- und formgerecht eingereicht zu erachten. Der Beschwerdeführer hat
am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde fristge-
recht bezahlt. Auf die Beschwerde ist, soweit sie sich nicht gegen die Dis-
positivziffer 1 der angefochtenen Verfügung richtet, einzutreten. Vorbehal-
ten bleiben die Ausführungen zum Antrag betreffend die Zusammenset-
zung des Spruchkörpers (vgl. nachstehend E. 3).
1.4
1.4.1 Die Vorinstanz behandelte das vom Beschwerdeführer eingereichte
Schreiben von E._ vom 7. April 2017 im Rahmen eines qualifizier-
ten Wiedererwägungsgesuchs. Sie trat indessen nicht darauf ein, da sie
die Auffassung vertrat, es wäre dem anwaltlich vertretenen Beschwerde-
führer zuzumuten gewesen, dieses Beweismittel – welches bestätigen soll,
dass er sich im Jahr 2014 bei E._ versteckt habe – bereits im ersten
Asylverfahren vorzulegen. Das Schreiben sei zudem erst am 15. Juni 2017
eingereicht worden, womit die 30-tägige Frist zur Einreichung eines Wie-
dererwägungsgesuchs ab Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
(Art. 111b Abs. 1 AsylG) nicht eingehalten sei. Weiter seien die Vorbringen
des Beschwerdeführers im ersten Asylverfahren als unglaubhaft eingestuft
worden. Da Referenzschreiben wie dem vorliegenden lediglich ein geringer
Beweiswert zukomme, sei das Beweismittel auch nicht geeignet, ernsthaft
die Frage aufzuwerfen, ob dem Beschwerdeführer eine Verfolgung drohe
oder ein völkerrechtswidriges Wegweisungsvollzugshindernis vorliege.
1.4.2 Gemäss aArt. 108 Abs. 2 AsylG beträgt die Beschwerdefrist gegen
Nichteintretensentscheide fünf Arbeitstage. Diese Frist gilt unter anderem
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Seite 11
auch für Nichteintretensentscheide des SEM, mit welchen es auf ein Wie-
dererwägungsgesuch nicht eintritt. Schriftliche Eingaben sind spätestens
am letzten Tag der Frist der Behörde einzureichen oder zu deren Handen
der schweizerischen Post zu übergeben (Art. 21 Abs. 1 VwVG). Gemäss
Rückschein wurde die Verfügung vom 21. November 2017 dem Rechtsver-
treter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Gabriel Püntener, am 29. No-
vember 2017 eröffnet. Demnach ist die Frist von fünf Arbeitstagen am
6. Dezember 2017 abgelaufen. Die vorliegende Beschwerde wurde jedoch
erst am 27. Dezember 2017 eingereicht. Die Vorinstanz hat die angefoch-
tene Verfügung allerdings mangelhaft eröffnet, indem sie in ihrer Rechts-
mittelbelehrung lediglich festhielt, gegen diesen Entscheid könne innert 30
Tagen seit Eröffnung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erho-
ben werden (Art. 50 VwVG und Art. 105 AsylG). Den Hinweis auf die fünf-
tägige Beschwerdefrist (aArt. 108 Abs. 2 AsylG), welcher für die Dispositiv-
ziffer 1 – Nichteintreten auf das Wiedererwägungsgesuch – erforderlich ge-
wesen wäre, hat sie unterlassen.
1.4.3 Gemäss Art. 38 VwVG darf den Parteien aus einer mangelhaften Er-
öffnung der Verfügung kein Nachteil erwachsen. Dies hat insbesondere zur
Folge, dass ein aufgrund einer falschen Rechtsmittelbelehrung verspätet
eingereichtes Rechtsmittel als gültig anzuerkennen ist (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Auflage 2013, Rz. 2.106/7). Durch Art. 38 VwVG geschützt ist eine
Prozesspartei allerdings nur, wenn sie sich nach Treu und Glauben auf die
fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung verlassen durfte. Wer die Unrichtigkeit
erkannte oder bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen können,
kann sich nicht auf Art. 38 VwVG berufen. Allerdings vermag nur eine grobe
prozessuale Unsorgfalt der betroffenen Partei oder ihres Anwalts eine un-
richtige Rechtsmittelbelehrung aufzuwiegen. Der Vertrauensschutz versagt
mitunter dann, wenn der Mangel in der Rechtsmittelbelehrung für den
Rechtsuchenden beziehungsweise seinen Rechtsvertreter allein schon
durch Konsultierung der massgebenden Verfahrensbestimmung ersichtlich
gewesen wäre.
1.4.4 Gabriel Püntener ist ein seit Jahrzehnten insbesondere auch auf dem
Gebiet des Asyls tätiger Rechtsanwalt, der infolge zahlloser Verfahren, in
denen er als Rechtsvertreter aufgetreten ist, über umfassende Erfahrung
im Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht verfügt. Von einem
derart spezialisierten Rechtsanwalt darf erwartet werden, er habe Kenntnis
davon, dass die Beschwerdefrist gegen Nichteintretensentscheide im Asyl-
verfahren in aArt. 108 Abs. 2 AsylG spezialgesetzlich geregelt ist und fünf
D-7345/2017
Seite 12
Arbeitstage beträgt, weshalb er ohne weiteres hätte erkennen können,
dass die von der Vorinstanz unter Hinweis auf Art. 50 VwVG und Art. 105
AsylG erfolgte Rechtsmittelbelehrung mit der 30-tägigen Beschwerdefrist
unvollständig war. Im Umstand, dass er es versäumt hat, innert der in
aArt. 108 Abs. 2 AsylG vorgesehenen Frist von fünf Arbeitstagen Be-
schwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 21. November 2017 zu
erheben, ist daher eine grobe prozessuale Unsorgfalt zu erblicken.
1.4.5 Auf die verspätet eingereichte Beschwerde ist deshalb, soweit sie die
Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung betrifft, nicht einzutreten.
Folglich ist auch auf die damit zusammenhängenden formellen Rügen, Be-
weisanträge und materiellen Vorbringen nicht einzugehen.
1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich
des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer mit Zwischen-
verfügung vom 19. Januar 2018 – unter Vorbehalt nachträglicher Änderun-
gen – den voraussichtlich befassten Spruchkörper mitgeteilt. Soweit sich
seither eine Änderung der Zusammensetzung des Gremiums ergeben hat,
werden die beteiligten Gerichtspersonen mit vorliegendem Urteil bekannt.
Hinsichtlich des Antrags auf Bestätigung der Zufälligkeit der Zusammen-
setzung des Spruchkörpers wurde in der Verfügung vom 19. Januar 2018
auf das Geschäftsreglement vom 17. April 2008 für das Bundesverwal-
tungsgericht (VGR, SR 173.320.1) hingewiesen. In seiner Eingabe vom
5. Februar 2018 liess der Beschwerdeführer geltend machen, der Antrag
auf Bestätigung der Zufälligkeit des Spruchkörpers sei damit noch nicht
behandelt worden. Diesbezüglich ist auf das zwischenzeitlich ergangene
Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.1-4.3 zu verwei-
sen. Demnach besteht weder ein Anspruch auf zufällige Zusammenset-
zung des Spruchkörpers noch ein solcher auf Bestätigung einer zufälligen
Zusammensetzung (vormals bereits im Urteil des BVGer E-1526/2017 vom
26. April 2017 dargelegt). Auf den Antrag ist folglich nicht einzutreten.
D-7345/2017
Seite 13
Ebenfalls nicht weiter einzugehen ist – mit Hinweis auf die Zwischenverfü-
gung vom 19. Januar 2018 – auf den in derselben Eingabe erneut festge-
haltenen Antrag auf Fristansetzung zur Stellung eines Revisionsgesuchs.
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer
rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie eine unvollständige und
unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
4.2
4.2.1 Auf Beschwerdeebene wird geltend gemacht, die Vorinstanz sei mit
Schreiben vom 30. November 2017 um Einsicht in die Akten ersucht wor-
den, welche sie den sri-lankischen Behörden im Zusammenhang mit der
Ersatzreisepapierbeschaffung übermittelt habe. Bislang sei diese Akten-
einsicht jedoch nicht gewährt worden, weshalb eine vollständige Auseinan-
dersetzung mit den Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfü-
gung noch nicht möglich gewesen sei. Es werde daher ausdrücklich bean-
tragt, es sei vollständige Einsicht in die Akten zu gewähren, welche von
den schweizerischen und den sri-lankischen Behörden im Zusammenhang
mit der Ersatzreisepapierbeschaffung angelegt worden seien (vgl. Beweis-
antrag 1; S. 38 der Beschwerdeschrift). Im Anschluss sei eine angemes-
sene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen.
4.2.2 Auf entsprechende Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts hin
gewährte das SEM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 26. Oktober
2020 Einsicht in die Vollzugsakten. Mit Eingabe vom 9. November 2020
reichte er eine Stellungnahme dazu ein, wobei er hinsichtlich der gewähr-
ten Akteneinsicht im Wesentlichen auf seine bisherigen Eingaben verwies.
Er machte nicht geltend, dass er nur unvollständig Einsicht in die betreffen-
den Akten erhalten habe. Mit der ergänzend gewährten Einsicht in die Voll-
zugsakten und der eingeräumten Möglichkeit, sich dazu zu äussern, ist
dem Anspruch des Beschwerdeführers auf Akteneinsicht Genüge getan.
Es liegen keine weiteren Akten vor, in welche Einsicht gewährt werden
müsste. In Bezug auf allfällige Akten der sri-lankischen Behörden ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer sich direkt an die zuständigen
ausländischen Behörden zu wenden hätte. Der in der Beschwerdeschrift
gestellte Beweisantrag ist daher, soweit er über die bereits gewährte Ak-
teneinsicht hinausgeht, abzuweisen.
D-7345/2017
Seite 14
4.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass sich das SEM bei
der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts und bei der Beurteilung
der Sache auf sein Lagebild vom 16. August 2016 stütze. Dieses wiederum
basiere zu wesentlichen Teilen auf nicht öffentlich zugänglichen Quellen.
Er beantrage deren Offenlegung und in der Folge die Ansetzung einer an-
gemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung. In diesem Zusammenhang
ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht bereits in zahlreichen
– ebenfalls durch den rubrizierten Rechtsvertreter geführten – Verfahren
zum Schluss gekommen ist, den dahingehenden Anträgen sei keine Folge
zu leisten (vgl. etwa Urteil des BVGer D-6394/2017 vom 27. November
2017 E. 4.1). Im öffentlich zugänglichen Länderbericht des SEM (Focus Sri
Lanka, Lagebild – Version vom 16. August 2016) werden neben nicht na-
mentlich genannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten
Referenzen überwiegend öffentlich zugängliche Quellen zitiert. Damit ist
trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen dem An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ausreichend Genüge
getan. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und überzeu-
gende Quellen abstützt, beschlägt nicht das rechtliche Gehör, sondern
spielt im Rahmen der materiellen Würdigung der Argumente der Parteien
durch das Gericht eine Rolle. Der Antrag, das SEM sei anzuweisen, sämt-
liche nicht öffentlich zugänglichen Quellen seines Lagebildes vom 16. Au-
gust 2016 zu Sri Lanka offenzulegen – und damit verbunden der Antrag
auf Ansetzung einer Frist für eine diesbezügliche Beschwerdeergänzung –
ist demnach abzuweisen.
4.4
4.4.1 Der Beschwerdeführer rügt sodann die Verletzung fundamentaler
Datenschutzbestimmungen durch die Vorinstanz. So stehe Art. 97 Abs. 3
AsylG nicht in Einklang mit Art. 16 Bst. c des Migrationsabkommens. Die
letztgenannte Bestimmung gehe über Art. 97 Abs. 3 AsylG hinaus und er-
laube die Übermittlung von zusätzlichen Daten, insbesondere über die in
der Heimat besuchten Schulen. Es sei davon auszugehen, dass insbeson-
dere anlässlich des Termins auf dem sri-lankischen Konsulat vom (...) Da-
ten an die heimatlichen Behörden weitergegeben worden seien, welche
über Art. 97 Abs. 3 AsylG sowie die im Migrationsabkommen vorgesehene
Datenübermittlung hinausgingen. In diesem Zusammenhang beantragte
der Beschwerdeführer, das SEM sei anzuweisen, auszuführen, inwiefern
die sri-lankische Gesetzgebung im Bereich Datenschutz dem schweizeri-
schen Schutzniveau entspreche und ob die ihn betreffenden Daten, welche
an die heimatlichen Behörden überwiesen worden seien, gemäss einem
D-7345/2017
Seite 15
dem schweizerischen Datenschutzrecht entsprechenden Schutzniveau be-
handelt würden. Weiter sei das SEM anzuweisen, detailliert zu erläutern,
wie der Beschwerdeführer vorzugehen habe, um Auskunft über die ihn be-
treffenden Daten zu erhalten. Das SEM solle ausserdem darlegen, welche
Konsequenzen die Erkundigung eines abgewiesenen tamilischen Asylsu-
chenden nach dem Vorhandensein von ihn betreffenden Daten bei den sri-
lankischen Terrorbekämpfungsbehörden nach sich ziehen würde (vgl. Be-
weisanträge 2 und 3; S. 38 der Beschwerdeschrift).
4.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht bezog in BVGE 2017 VI/6 zu den Rü-
gen im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen betreffend die Da-
tenweitergabe und damit möglicherweise verbundene Verpflichtungen der
Schweizer Migrationsbehörden Stellung. Es stellte fest, dass – entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers – weder Art. 97 Abs. 3 AsylG noch
Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen abschliessend die Daten aufzählten,
die einer ausländischen Behörde für die Organisation der Ausreise der be-
troffenen Person übermittelt werden dürften. So steht in Art. 97 Abs. 3
Bst. d AsylG, dass weitere Daten – nebst den in Bst. a–c und e–g genann-
ten Daten – übermittelt werden können, soweit sie zur Identifikation einer
Person dienlich sind. In Übereinstimmung mit dieser Bestimmung sieht
Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen vor, dass übermittelte Personendaten
sonstige Informationen, die zur Identifizierung der rückzuführenden Person
oder zur Prüfung der Rückübernahmevoraussetzungen nach diesem Ab-
kommen benötigt werden, betreffen dürfen. Zudem erlaubt diese Bestim-
mung ausdrücklich die Angabe besuchter Schulen der betroffenen Person.
4.4.3 Bei den Vollzugsakten und übermittelten Daten handelt es sich um
standardisierte, im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen stehende
Papierbeschaffungsmassnahmen nach einem rechtskräftig abgewiesenen
Asylgesuch. Es liegt demnach keine Verletzung von Art. 97 Abs. 3 AsylG
und Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen vor (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 2.5).
Auch eine Verletzung des schweizerischen Datenschutzgesetzes ist zu
verneinen, da das Asylgesetz die Bekanntgabe von Personendaten an den
Heimat- oder Herkunftsstaat in Art. 97 AsylG spezialgesetzlich regelt und
damit dem Datenschutzgesetz vorgeht (vgl. etwa Urteil des BVGer
D-5100/2017 vom 12. April 2018 E. 5.2). Hieraus ergibt sich auch, dass die
Frage, inwiefern die sri-lankische Gesetzgebung dem schweizerischen Da-
tenschutzniveau entspricht, für das vorliegende Verfahren offen bleiben
kann (vgl. Urteil des BVGer D-1042/2018 vom 23. April 2018 E. 4.2 und
E. 7.2). Der Antrag des Beschwerdeführers, das SEM sei anzuweisen, ent-
sprechende Darlegungen zu machen und anzugeben, ob die an die sri-
D-7345/2017
Seite 16
lankischen Behörden überwiesenen Personendaten gemäss einem dem
Schweizer Datenschutzrecht entsprechenden Schutzniveau behandelt
würden, ist abzuweisen.
4.4.4 Ebenfalls abzuweisen sind die vom Beschwerdeführer gestellten Er-
läuterungsbegehren. Eine Einzelperson kann sich weder direkt auf Art. 16
Bst. g Migrationsabkommen berufen noch die schweizerischen Behörden
zur Einreichung eines entsprechenden Gesuchs um Information über den
Gebrauch der übermittelten Daten bei den sri-lankischen Behörden auffor-
dern. Ein allfälliges Gesuch ist direkt an den betroffenen Staat zu stellen,
wobei das Auskunftsrecht der betroffenen Person in Art. 16 Bst. j Migrati-
onsabkommen ausdrücklich geregelt ist (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 2.4.3). Im
Übrigen ist es nicht Sache des Gerichts, die Vorinstanz zur Erläuterung des
genauen Verfahrens bezüglich eines allfälligen Auskunftsersuchens anzu-
halten. Es obliegt dem Beschwerdeführer, die hierzu benötigten Informati-
onen einzuholen und sich über die Vorgehensweise zu erkundigen.
4.5 Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, er habe in seinem Asylge-
such vom 15. Juni 2017 in Aussicht gestellt, Beweismittel bezüglich der im
ersten Asylverfahren geltend gemachten Vorbringen – welche als unglaub-
haft eingestuft worden waren – beizubringen. Seine Freunde C._
und D._, welche bei den Ereignissen im Jahr 2014 dabei gewesen
seien, befänden sich mittlerweile in der Schweiz respektive in H._.
Es wäre somit möglich gewesen, zwei wichtige Zeugen ausfindig zu ma-
chen. Zudem habe er dargelegt, er versuche den Aufenthaltsort von
B._ herauszufinden, weshalb er in dieser Hinsicht ausdrücklich um
Ansetzung einer Frist zur Beschaffung von entsprechenden Beweismitteln
ersucht habe. Das SEM sei in der angefochtenen Verfügung nicht konkret
auf diese Beweisanträge eingegangen und habe damit seinen Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt.
Die vom Beschwerdeführer angebotenen Beweismittel beziehen sich auf
Tatsachen, welche bereits Gegenstand des ersten Asylverfahrens waren.
Weshalb es ihm nicht möglich gewesen sein soll, diese angeblichen Zeu-
gen bereits in jenem Verfahren zu bezeichnen, wird nicht ausgeführt. Hin-
sichtlich des Freundes B._ wird lediglich behauptet, der Beschwer-
deführer sei dabei, dessen Aufenthaltsort ausfindig zu machen, wobei bis
zum heutigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben zu dieser Person oder den
Bemühungen um eine Kontaktaufnahme vorliegen. Zudem werden keine
konkreten Angaben dazu gemacht, was die erwähnten Zeugen aussagen
könnten und warum es nicht möglich gewesen wäre, dass diese Personen
D-7345/2017
Seite 17
ihre Aussagen schriftlich festhalten und die entsprechenden Auskünfte zu
den Akten gereicht werden. Es finden sich dazu auch keine ergänzenden
Ausführungen in den weiteren Eingaben an das Gericht. Aufgrund der vom
Beschwerdeführer gemachten Angaben – die Nennung des Vornamens
und des Aufenthaltsortes – würden sich diese angeblichen Zeugen ohnehin
nicht ausfindig machen lassen. Unabhängig davon erscheint der Sachver-
halt vorliegend als ausreichend erstellt. Der entsprechende Beweisantrag
auf Ansetzung einer Frist zur Einreichung von weiteren Beweismitteln be-
treffend die Personen (C._, D._), welche von derselben Ver-
folgung betroffen gewesen seien wie er (vgl. Beweisantrag 4; S. 38 Be-
schwerdeschrift), ist daher abzuweisen.
4.6 Der Beschwerdeführer rügt ferner, es stelle eine Verletzung seines An-
spruchs auf rechtliches Gehör dar, dass er entgegen seines ausdrückli-
chen Antrags nicht erneut zu seinen Asylgründen angehört worden sei. Er
habe sich zu seinen Vorbringen im Zusammenhang mit der Vorsprache auf
dem sri-lankischen Generalkonsulat nie im Rahmen einer Anhörung äus-
sern können. Zudem habe er zahlreiche Beweismittel in Bezug auf seine
früheren Vorbringen beigebracht und es wäre auch diesbezüglich ange-
zeigt gewesen, ihn bei Zweifeln daran erneut anzuhören. Entgegen der
vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung hat das SEM den Antrag
auf eine erneute Anhörung jedoch zu Recht abgewiesen. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV beinhaltet keinen Anspruch auf
mündliche Anhörung. Im Asylgesetz ist lediglich für das erste Asylverfahren
eine mündliche Anhörung vorgeschrieben (Art. 29 AsylG), nicht hingegen
für die ausserordentlichen Nachfolgeverfahren (vgl. Art. 111b und Art. 111c
AsylG). Folglich wird bei einem Mehrfachgesuch grundsätzlich keine
mündliche Anhörung durchgeführt (vgl. BVGE 2014/39 E. 5.3 f.). Der Be-
schwerdeführer hat seine Vorbringen in der Eingabe bei der Vorinstanz ein-
lässlich dargelegt und zahlreiche Beweismittel eingereicht. Eine mündliche
Anhörung erwies sich daher nicht als erforderlich. Hinsichtlich des Be-
schwerdeverfahrens ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der
rund 49 Seiten umfassenden Beschwerdeschrift seinen Standpunkt erneut
ausführlich dargelegt und entsprechende Beweismittel beigebracht hat. In
seinen weiteren Eingaben an das Gericht machte er ergänzende Ausfüh-
rungen. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, weshalb eine weitere
Anhörung notwendig sein sollte, und der diesbezügliche Beweisantrag ist
abzuweisen.
D-7345/2017
Seite 18
4.7 Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer, das SEM halte in der an-
gefochtenen Verfügung pauschal fest, dass es sich bei der Ersatzreisepa-
pierbeschaffung um ein standardisiertes und langjährig erprobtes Verfah-
ren handle, in welchem Datenschutzbestimmungen vollumfänglich einge-
halten würden. Diese Ausführungen erwiesen sich als aktenwidrig, da wäh-
rend des Verfahrens verschiedene Informationen an die sri-lankischen Be-
hörden weitergeleitet würden, welche über die gemäss dem Migrationsab-
kommen zulässige Datenübermittlung hinausgingen. Diese Daten könnten
nur dazu dienen, weitere Informationen über die politische Vergangenheit
des Beschwerdeführers zu gewinnen. Das SEM habe sich mit diesen zent-
ralen Vorbringen nicht auseinandergesetzt und dadurch die Begründungs-
pflicht verletzt. Dasselbe gelte für die im zweiten Asylgesuch dargelegte
Entwicklung der Lage in Sri Lanka, zu welcher sich die Vorinstanz nicht
äussere. Zudem nehme sie in der angefochtenen Verfügung eine extrem
unsorgfältige und tendenziöse Würdigung des von ihm eingereichten Be-
weismittels (Schreiben von E._) vor, indem es auf die frühere Fest-
stellung der Unglaubhaftigkeit verweise und dieses als Referenzschreiben
mit geringem Beweiswert qualifiziere.
Bezüglich der vorgebrachten Verletzung der Begründungspflicht ist vorab
darauf zu verweisen, dass sich die Vorinstanz nicht mit allen Aussagen des
Beschwerdeführers einzeln auseinandersetzen muss. Aus der angefochte-
nen Verfügung geht hervor, dass die Vorinstanz die wesentlichen Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers abgehandelt hat und eine sachgerechte An-
fechtung ohne weiteres möglich war. Zudem beziehen sich die vom Be-
schwerdeführer aufgeführten Punkte hauptsächlich auf die Würdigung des
Sachverhaltes und nicht auf die Begründungspflicht der Vorinstanz. Eine
Verletzung der Begründungspflicht ist daher zu verneinen. In Bezug auf die
Vorbringen im Zusammenhang mit dem Schreiben von E._ ist da-
rauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdeführer versäumt hat, rechtzeitig
Beschwerde zu erheben (vgl. vorstehend E. 1.4).
4.8
4.8.1 Der Beschwerdeführer rügt sodann eine unrichtige und unvollstän-
dige Feststellung des Sachverhalts, indem die Vorinstanz die Vorbringen
betreffend Vorsprache auf dem Generalkonsulat sowie den gesamten
Sachverhalt aus dem vorherigen Asylverfahren aus der Beurteilung des
Asylgesuchs auslasse. Zudem habe das SEM die Darlegung der aktuellen
Lage in Sri Lanka nicht ausreichend zur Kenntnis genommen. Er verwies
dabei auf den als Beschwerdebeilage eingereichten Länderbericht, wel-
D-7345/2017
Seite 19
cher bei der Beurteilung seiner Asylgründe zu berücksichtigen sei. Auf-
grund seines Profils und der bei ihm vorliegenden Risikofaktoren würde bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka die bereits vor seiner Ausreise bestehende
Verfolgung umgehend wieder aufgenommen, zumal sich die Gefährdung
durch seinen langjährigen Aufenthalt in einem tamilischen Diasporaland
akzentuiert habe und er ohne gültige Reisepiere in sein Heimatland zurück-
kehre. Die Ereignisse bei der Rückschaffung vom 16. November 2016
zeigten, dass zurückkehrende abgewiesene tamilische Asylgesuchsteller
nicht nur dann von einer Verfolgung betroffen seien, wenn sie über sehr
spezielle Risikofaktoren verfügten. Vielmehr begründe eine Rückschaffung
an sich eine asylrelevante Verfolgungsgefahr, was in seinem Fall zwingend
als neuer Asylgrund zu berücksichtigen sei. Ferner zeigten Fälle aus der
jüngsten Zeit auf, dass zurückgeschaffte Personen in der Heimat mit
schwerwiegenden Verfolgungssituationen konfrontiert gewesen seien.
Diesbezüglich werde ausdrücklich beantragt, die Akten von zwei konkreten
Verfahren (N [...] und N [...]) beizuziehen, damit sich das Gericht davon
überzeugen könne, welche dramatischen Auswirkungen eine Rückschaf-
fung auf Betroffene habe.
4.8.2 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung festgehalten, dass betreffend
die vom Beschwerdeführer erwähnten Vorfälle im Zusammenhang mit den
Rückschaffungen von anderen abgewiesenen Asylsuchenden nach Sri
Lanka kein Bezug zum vorliegenden Asylgesuch ersichtlich sei. Es gelinge
dem Beschwerdeführer auch nicht darzulegen, weshalb er aufgrund der
neuesten Entwicklungen der Menschenrechtslage in Sri Lanka nunmehr
Gefahr laufen würde, asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden.
Das SEM hat folglich sowohl die aktuelle Situation in Sri Lanka als auch
die Sicherheitslage für Rückkehrer zur Kenntnis genommen und berück-
sichtigt. Anders als der Beschwerdeführer hat sie diese jedoch nicht als
fallrelevant eingestuft. Eine mangelhafte Abklärung des Sachverhalts liegt
deswegen nicht vor. Zudem erweist sich die Feststellung, die von ihm kon-
kret genannten Fälle von abgewiesenen Asylsuchenden hätten keinen Be-
zug zu seinem Asylverfahren, als zutreffend. Der auf Beschwerdeebene
wiederholte Antrag auf Beizug der Akten N (...) und N (...) ist daher abzu-
weisen.
4.8.3 Schliesslich verweist der Beschwerdeführer mehrmals auf ein Urteil
des High Court Vavuniya vom Juli 2017. Dieses zeige auf, dass es auch
viele Jahre nach Kriegsende noch möglich sei, Personen aufgrund ihrer
Unterstützungstätigkeiten für die LTTE zu verurteilen und politisch motiviert
zu bestrafen. Das Urteil wirke sich fundamental auf die Sicherheitslage von
D-7345/2017
Seite 20
tamilischen Asylsuchenden aus und zeige, dass die Einschätzung der Si-
tuation in Sri Lanka durch das SEM, aber auch durch das Bundesverwal-
tungsgericht, unzutreffend sei. Dem Beschwerdeführer drohe aufgrund der
ihm unterstellten LTTE-Unterstützungstätigkeit eine asylrelevante Gefahr.
Das SEM habe dies verkannt, womit sich der Sachverhalt als nicht korrekt
abgeklärt erweise.
4.8.4 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh-
rer aus dem erwähnten Urteil des High Court Vavuniya nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten vermag. Dieser Fall betrifft einen ehemaligen LTTE-
Angehörigen, der vom High Court Vavuniya wegen der Zwangsrekrutierung
einer jungen Frau für die LTTE verurteilt worden ist, obwohl er eine Reha-
bilitation durchlaufen hatte. Der betreffende Fall ist nicht ansatzweise mit
der Situation des Beschwerdeführers vergleichbar. Entsprechend war die
Vorinstanz nicht gehalten, sich mit diesem Gerichtsurteil auseinanderzu-
setzen, weshalb in dieser Hinsicht ebenfalls keine unvollständige Sachver-
haltsabklärung vorliegt. Zudem ist die Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts durch das SEM auch sonst nicht zu beanstanden.
4.9 Schliesslich wird geltend gemacht, das SEM sei vorliegend auf das
Mehrfachgesuch eingetreten, womit es den gesamten Sachverhalt noch-
mals einer umfassenden Prüfung hätte unterziehen müssen. Es habe aber
aus formellen Gründen verschiedene Sachverhaltselemente von der Beur-
teilung ausgeklammert und festgehalten, bereits im ersten Asylverfahren
geltend gemachte Vorbringen könnten höchstens revisionsweise geprüft
werden. Es sei jedoch erforderlich, das Gesamtprofil des Beschwerdefüh-
rers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage zu prüfen. Das Vorgehen des
SEM, den Sachverhalt in Einzelteile zu zerlegen, erweise sich als willkür-
lich. Die Verletzung des Willkürverbots müsse zwingend zur Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
führen.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass aus den entsprechenden Ausführun-
gen in der Beschwerdeschrift nicht nachvollziehbar ist, worin die behaup-
tete Verletzung des Willkürverbots bestehen soll. Die Vorinstanz qualifi-
zierte die Vorbringen des Beschwerdeführers und seine neu eingereichten
Beweismittel in Anwendung der massgebenden Gesetzesbestimmungen
über ausserordentliche Rechtsmittel und Mehrfachgesuche (vgl. Art. 111b
und 111c AsylG, Art. 66 VwVG, Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG) zu
Recht differenziert als Mehrfachgesuch, qualifiziertes Wiedererwägungs-
gesuch und Revisionsgesuch. Erhöhte Formerfordernisse sind im Rahmen
D-7345/2017
Seite 21
von ausserordentlichen Rechtmitteln zulässig respektive vom Gesetzgeber
ausdrücklich gewollt (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5) Es liegt somit eine in jeder
Hinsicht korrekte Rechtsanwendung vor, weshalb eine Verletzung des Will-
kürverbots ausgeschlossen ist.
4.10 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als
unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Ver-
fügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind somit
abzuweisen (soweit darauf eingetreten wurde).
5.
In seiner Eingabe vom 29. April 2019 beantragte der Beschwerdeführer, es
sei abzuklären, ob sein Name auf dem Mobiltelefon der im November 2019
in Sri Lanka entführten schweizerischen Botschaftsangestellten zu finden
sei und welche Daten die sri-lankischen Behörden von diesem Mobiltelefon
abgegriffen hätten. Eine Verbindung des Beschwerdeführers zu dieser Bot-
schaftsmitarbeiterin wird jedoch nicht substanziiert dargetan und eine sol-
che ist auch nicht ersichtlich. Des Weiteren kann dem Beschwerdeführer
mitgeteilt werden, dass sich gemäss Auskunft der Botschaft keine Daten
über sich in der Schweiz aufhaltende, asylsuchende Personen aus Sri
Lanka auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin
befanden und auch anderweitig keine Informationen in Bezug auf die er-
wähnten Personen an Dritte gelangten. Der entsprechende Beweisantrag
ist daher abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
D-7345/2017
Seite 22
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines
zweiten Asylgesuchs keine konkreten Gründe vorbrachte, welche geeignet
wären, die nach dem Urteil D-7545/2015 vom 10. Februar 2017 rechtskräf-
tige Beurteilung seiner Vorfluchtgründe in Frage zu stellen.
7.2 Der Beschwerdeführer machte mit seinem Mehrfachgesuch insbeson-
dere geltend, dass aus dem Prozedere der Papierbeschaffung eine asylre-
levante Gefährdung resultiere. In Bezug auf dieses Vorbringen ist festzu-
stellen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2017 VI/6 zur
Frage geäussert hat, ob (allein) aufgrund einer Datenweitergabe im Zu-
sammenhang mit dem Migrationsabkommen von einer Gefährdung auszu-
gehen sei. Es hielt dabei fest, dass es sich bei Art. 97 Abs. 3 AsylG und
Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen um eine nicht abschliessende Aufzäh-
lung der Daten handle, die einer ausländischen Behörde für die Organisa-
tion der Ausreise der betroffenen Person übermittelt werden dürften. Bei
der Ersatzreisepapierbeschaffung handle es sich um ein standardisiertes,
lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren. Nur aufgrund der Da-
tenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri-lankischen Be-
hörden sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten
Verfolgung zu rechnen. An dieser Einschätzung ist vorliegend festzuhal-
ten, zumal sich den diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers – insbesondere auch zu seiner Vorsprache auf dem Generalkonsulat
in Genf – keine ausreichend konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen
lassen, dass er aufgrund der Datenübermittlung bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit Nachteilen asylrelevanten Ausmasses zu rechnen hätte. Ei-
genen Angaben zufolge sei er bei der Vorsprache auf dem Generalkonsulat
unter anderem danach gefragt worden, weshalb sein Bruder ausgereist sei
und ob er selbst immer bei seinen Eltern gelebt habe. Da er vor der Aus-
reise mehrmals zu Hause gesucht worden sei, während er sich bei anderen
Personen versteckt gehabt habe, zog der Beschwerdeführer aus diesen
Fragen den Schluss, dass die Behörden bereits "umfangreiche Ermittlun-
gen" zu seiner Person vorgenommen hätten. Er vermutete ferner, dass die
Befragung auf dem Konsulat dazu gedient habe, weitere Ermittlungen im
Hinblick auf seine Verfolgung nach der Rückkehr anzustellen (vgl. B1, S.
6 f.). Diese Schlussfolgerungen erweisen sich jedoch als rein spekulativ
D-7345/2017
Seite 23
und die entsprechenden Ausführungen vermögen – entgegen der vom Be-
schwerdeführer vertretenen Auffassung – nicht zu belegen, dass die hei-
matlichen Behörden ihn bereits vor dem Termin auf dem Generalkonsulat
einem "Backgroundcheck" unterzogen haben.
7.3
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Vielmehr sei anhand be-
stimmter Risikofaktoren eine individuelle Prüfung vorzunehmen. Eine tat-
sächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den
LTTE, ein Eintrag in der sogenannten "Stop-List" und die Teilnahme an exil-
politischen regimekritischen Handlungen wurden dabei als stark risikobe-
gründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stellen das Fehlen or-
dentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsächlich
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden
bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl.
Referenzurteil E-1866/2015 E. 8).
7.3.2 Der Beschwerdeführer brachte vor, dass diesen Risikofaktoren auf-
grund aktueller Entwicklungen eine erhöhte Geltung zukommen müsse
und insbesondere die Rückkehr aus der Schweiz als "Hochrisikofaktor" zu
werten sei. Die Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist je-
doch auch im Lichte aktueller Entwicklungen weiterhin als gültig zu erach-
ten. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Prä-
sidenten Sri Lankas gewählt. Kurz nach der Wahl ernannte der neue Prä-
sident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weite-
ren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Go-
tabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie-
rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu-
tionen (vgl. www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presi-
dents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-
state20191127174753, abgerufen am 16. November 2020). Beobachter
und ethnische respektive religiöse Minderheiten befürchten insbesondere
mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechts-
D-7345/2017
Seite 24
aktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositio-
nellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flücht-
lingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21.11.2019).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Dennoch gibt es zum
heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech-
sel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
Mangels konkreter Anhaltspunkte ist dies vorliegend zu verneinen. Dies gilt
auch für die vorübergehende diplomatische Krise zwischen Sri Lanka und
der Schweiz.
7.3.3 Der Beschwerdeführer führte aus, er erfülle zahlreiche der vom Bun-
desverwaltungsgericht festgelegten Risikofaktoren. In seiner Familie habe
es mit seinem Bruder ein LTTE-Mitglied und ihm selbst würden Unterstüt-
zungsleistungen für die LTTE und Verbindungen zu diesen unterstellt. Es
sei deswegen bereits nach ihm gesucht worden. Unter diesen Vorausset-
zungen sei gesichert, dass er sich auf einer Stop- oder einer Watch-List
der sri-lankischen Behörden befinde und bei einer Rückkehr mit Verhaf-
tung, Folter oder noch schwerwiegenderen Massnahmen zu rechnen hätte.
Durch seine Flucht ins Ausland und den mehrjährigen Aufenthalt in einem
tamilischen Diasporazentrum habe er sich gegenüber den heimatlichen
Behörden weiter verdächtig gemacht. Er habe sich in der Schweiz auch
exilpolitisch engagiert und es sei nicht auszuschliessen, dass dies den sri-
lankischen Sicherheitsbehörden bekannt sei. Weiter würde er mit tempo-
rären Reisedokumenten zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeschafft,
wobei sich im Zuge der Ersatzreisepapierbeschaffung herausgestellt habe,
dass die Behörden über sein Risikoprofil im Bilde seien.
7.3.4 Im Rahmen des ersten Asylverfahrens wurde in diesem Zusammen-
hang festgestellt, es könne trotz des Umstands, dass der Beschwerdefüh-
rer einen Bruder habe, welcher eigenen Angaben zufolge Mitglied der LTTE
gewesen und nach F._ geflüchtet sei, nicht davon ausgegangen
D-7345/2017
Seite 25
werden, dass er zu einer Risikogruppe gehöre. Insbesondere lasse dies
nicht darauf schliessen, dass er selbst ebenfalls eine Verbindung zu den
LTTE gehabt habe. In die Beurteilung miteinbezogen wurde auch die gel-
tend gemachte Festnahme im Jahr 2008, wobei das Gericht festhielt, er sei
nach einem Tag freigelassen worden und es sei davon auszugehen, dass
die sri-lankischen Behörden dies als abgeschlossenes Ereignis betrachten
würden. Die Vorbringen im Zusammenhang mit der Inhaftierung von
B._ sowie den Ereignissen nach dem Cricketspiel im Jahr 2014
wurden als unglaubhaft erachtet, weshalb diese keinen Einfluss auf das
Risikoprofil hätten. Ferner wurde ausgeführt, die illegale Ausreise stelle
zwar einen möglichen Risikofaktor dar, diesem komme aber – im Rahmen
einer Gesamtbetrachtung – keine ausschlaggebende Bedeutung zu (vgl.
Urteil D-7545/2015 E. 6.3). Für das vorliegende Verfahren ist somit festzu-
halten, dass die vom Beschwerdeführer dargelegten Risikofaktoren wei-
testgehend bereits im ersten Asylverfahren vorgebracht und beurteilt wor-
den sind. Entgegen seiner Auffassung ergibt sich aus der Vorsprache auf
dem Generalkonsulat im Zuge der Ersatzreisepapierbeschaffung kein zu-
sätzliches Gefährdungselement (vgl. dazu auch vorstehend E. 7.2). Seine
Ausführungen, er befände sich infolge dieser Vorsprache – weil er sich un-
ter anderem durch seine Aussage, er kehre nicht freiwillig nach Sri Lanka
zurück, verdächtig gemacht habe – zumindest auf einer sogenannten
"Watch-List", erweisen sich als blosse Vermutung. Soweit der Beschwer-
deführer exilpolitische Tätigkeiten geltend macht, ist darauf hinzuweisen,
dass er konkret nur die Teilnahme an einer Demonstration im (...) 2016
erwähnte. Wie das SEM zutreffend feststellte, wäre dieses Vorbringen re-
visionsweise geltend zu machen gewesen, da dieses Ereignis vor dem Ur-
teil D-7545/2015 vom 10. Februar 2017 stattgefunden hat. Nachdem keine
weiteren politischen Aktivitäten aktenkundig sind, kann offensichtlich ohne-
hin nicht von einem massgeblichen exilpolitischen Engagement ausgegan-
gen werden. Folglich ergibt sich aus den Vorbringen im Rahmen des Mehr-
fachgesuchs insgesamt keine Verschärfung seines Risikoprofils. Es ist da-
her unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte – darunter auch des
Umstands, dass er ohne Reisedokumente und nach einem mehrjährigen
Aufenthalt im Ausland in seinen Heimatstaat zurückkehrt – festzuhalten,
dass keine ausreichenden Gründe für die Annahme vorliegen, der Be-
schwerdeführer wäre im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka einer asylre-
levanten Verfolgungsgefahr ausgesetzt.
D-7345/2017
Seite 26
7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nichts
vorgebracht hat, das geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat sein Mehrfach-
gesuch somit zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer
verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch
über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach
ebenfalls zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-
rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration AIG,
SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernis-
sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.)
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
D-7345/2017
Seite 27
9.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung festgestellt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und anderweitige völkerrechtlichen Vollzugshindernisse
nicht erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die
allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvoll-
zug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12). An
dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwick-
lungen in Sri Lanka festzuhalten. Ebenso hat der EGMR wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils im Einzelfall
eine Risikoeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge-
gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37; bestätigt
in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14, Ziff. 27 f.). Weder aus
den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht er-
geben sich konkrete und gewichtige Anhaltspunkte für die Annahme, dass
er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt insbesondere auch unter Be-
rücksichtigung der Behauptung in der Beschwerdeschrift, es sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer – wie sämtliche nach Sri Lanka
zurückgeschafften tamilischen Asylgesuchstellenden ‒ jederzeit Opfer ei-
ner Verhaftung und von Verhören unter Folteranwendung werden könne.
Für eine derartige Befürchtung besteht vorliegend kein konkreter Anlass.
Der Vollzug der Wegweisung erscheint daher sowohl im Sinne der asylge-
setzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im länderspezifischen Referenz-
urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbeson-
dere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (a.a.O. E. 13.2–
13.4). Hinsichtlich der Nordprovinz, aus welcher der Beschwerdeführer
D-7345/2017
Seite 28
stammt, wurde dabei zusammenfassend festgestellt, dass der Wegwei-
sungsvollzug dorthin (mit Ausnahme des Vanni-Gebiets, vgl. dazu Refe-
renzurteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5) zumutbar ist, sofern
das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien – insbesondere die
Existenz eines tragfähigen familiären oder anderweitigen sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation – bejaht werden kann (a.a.O. E. 13.3).
9.3.3 In Bezug auf den Beschwerdeführer wurde bereits mit Urteil
D-7545/2015 vom 10. Februar 2017 festgestellt, dass er aus dem Distrikt
K._ stammt und in seiner Heimat über ein tragfähiges Beziehungs-
netz verfügt, welches ihn bei einer Rückkehr unterstützen kann. Zudem
hielt das Gericht fest, sei er jung, gesund, gebildet und verfüge über beruf-
liche Erfahrungen, womit es ihm möglich sei, sich in Sri Lanka eine wirt-
schaftliche Lebensgrundlage aufzubauen (vgl. a.a.O. E. 8.4.3). Der Vollzug
der Wegweisung wurde daher als zumutbar erachtet. Diese Einschätzung
ist nach wie vor zutreffend. Den Vorbringen im Rahmen des Mehrfachge-
suchs lassen sich keine individuellen Gründe entnehmen, welche der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen könnten.
9.3.4 Schliesslich besteht aufgrund der Erwägungen zur Flüchtlingseigen-
schaft respektive der verneinten Gefährdung aufgrund von Risikofaktoren
auch kein konkreter Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer könnte,
wie in der Beschwerdeschrift unter dem Titel der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs behauptet, bei seiner Rückkehr der Gefahr von Behelli-
gungen durch sri-lankische Behörden oder paramilitärische Gruppierungen
ausgesetzt sein. Weder der Amtsantritt des Präsidenten Gotabaya Rajapa-
ksa noch dessen Folgen respektive die geltend gemachten Entwicklungen
der Situation in Sri Lanka – auch nicht die zwischenzeitlichen diplomati-
schen Unstimmigkeiten zwischen Sri Lanka und der Schweiz – vermögen
an dieser Einschätzung etwas zu ändern, zumal diese Ereignisse in keinem
konkreten Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer stehen.
9.4 Weiter ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels ak-
tenkundiger objektiver Hindernisse auch als möglich im Sinne von Art. 83
Abs. 2 AIG zu bezeichnen ist.
9.5 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und
sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt die Anordnung einer vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
D-7345/2017
Seite 29
10.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich-
tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbe-
züglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der am 5. Februar 2018 geleistete Kostenvorschuss ist zur
Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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