Decision ID: 99a3f1bb-9e4f-4879-ab99-dabf0f47d62c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, war
seit
3.
April 2017
als Gipser bei der
Y._
AG
in einem 100%-Pensum angestellt und da
durch bei der Schweize
rischen Unfallversicherung (SUVA) gegen die Fol
gen von Un
fäl
len ver
sichert, als er am
4.
April 2017
bei einem
Arbeitsunfall
eine grob dislozierte Obera
rm
fraktur rechts
erlitt
(vgl.
Bagatellu
nfall
meldung vom
5.
April 2017
,
Urk.
10
/
1
).
Die Erst
konsultation im
Spital Z._
erfolgte am
gleichen Tag
, wo
eine offene Reposition und Osteosynthese durchgeführt wurde (vgl. Opera
tions
bericht vom
6.
April 2017,
Urk.
10/4).
Die
SUVA
erbrachte in der Folge die gesetzlichen Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (
Urk.
10/5
).
Gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes
Dr. med.
A._
, Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
vom
3
1.
Januar 2020
und aus
gehend davon, dass durch weitere Heilbehandlungen keine namhafte Besse
rung mehr zu erwarten sei, stellte die SUVA ihre Versicherungsleistungen (Heil
be
handlung, Taggeldleistungen) per 5. Februar resp. per
1.
März 2020 ein (vgl. Schrei
ben vom 5. Februar
2020
, Urk.
10/210
) und sprach dem
Versicherten mit Verfügung vom
1
1.
Mai 2020
ab
1.
März 2020
gestützt a
uf eine Erwerbsunfähig
keit von 1
7
%
eine Rente
zu, verneinte jedoch mangels ausgewiesener Integritäts
ein
busse
eine Integritätsentschädigung
(
Urk.
10/228).
Die dagegen erhobene Ein
spra
che vom
2
6.
Mai 2020
(Urk.
10/238
),
ergänzt durch die Eingabe vom
2
9.
Juni 2020
(Urk.
10
/
245
), wurde - unter Berücksichtigung
einer neurologischen Beur
tei
lung
(Urk.
10
/
247-248)
- mit
Einspracheentscheid
vom
1
8.
August 2020
in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als dass dem Versicherten eine
Integritäts
ent
schä
di
gung
gestützt auf einer Integritätseinbusse von 5
%
zu
gesprochen wurde
(Urk.
10/250
= Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
8.
August 2020 (
Urk.
2) erhob der Ver
sicherte mit Eingabe vom 1
8.
September 2020 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die ange
foch
te
ne Verfügung vom 1
8.
August 2020 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihm eine angemessene, jeden
falls höhere Invalidenrente auszurichten.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9, unter Beilage der
A
kten [Urk. 10/1
256]), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1.
Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG)
.
Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durch
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
mass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbs
einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.
3
1.
3
.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.
3
.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
sicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
I
m angefochtenen Entscheid vom 1
8.
August 2020
(
Urk.
2) sowie in ihrer Be
schwerdeantwort vom
2
3.
November 2020
(
Urk.
9
) ging die Beschwerdegegnerin gestützt au
f die medizinischen Abklärungen und
insbesondere
die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit der Rehaklinik
B._
vom 2
1.
No
vem
ber 2019 (
Urk.
10/201) davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tä
tig
keit ganztags ohne nennenswerte Einschränkungen zumutbar sei.
Im Rah
men des Einkommensvergleichs sei f
ür die Ermittlung des
Validenein
kom
mens
zu Recht auf die Tabellenlöhne
(LSE
2018, TA 1, Bereich Baugewerbe
Ziff.
4
1-43, Männer, Kompetenzniveau 1)
abgestellt
und so ein
Valideneinkommen
von
Fr.
70'355.-- errechnet
worden, da
der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zufolge der konkursbedingten Einstellung des Betriebs heute nicht mehr bei der
die Firma
Y._
AG
angestellt wäre
.
Recht
spre
chungs
gemäss sei unter diesen Voraussetzungen nicht mehr
der bei der
frühere
n
Arbeit
geberin
erzielte Lohn als Ausgangspunkt für die Bes
t
immung des
Valideneinkommens
massgebend, sondern es sei entscheidend, was der Beschwerdeführer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt im Zeitpunkt des Renten
beginns verdienen würde.
Angesichts der fehlenden Ausbildung und Berufs
erfahrung sei
bei der Anwendung der Tabellenlöhne
zu Recht vom Kompetenz
niveau 1 ausgegangen worden
.
Der errechnete Invaliditäts
grad
von 17 %
sei
an
gesichts des Invalideneinkommens von
Fr.
58'179.--
nicht zu beanstanden
.
Hin
sichtlich der Bestimmung des Inte
gritätsschadens sei auf die neu
rologische Beurteilung von Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, vom 2
3.
Juli 2020
(Urk.
10/247) ab
zustellen
, wonach ein unfallbedingter Integritäts
schaden von 5 % ausgewiesen sei.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 18. Sep
tember 2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
im Zeitpunkt des Unfalls habe er als Gipser und Stuckateur gearbeitet
und einen Jahreslohn von Fr. 84‘500.-- ver
dient. Das von der Beschwerdegegnerin festgelegte
Valideneinkommen
liege rund Fr. 15‘000.-- tiefer als das tatsächliche Einkommen im Zeitpunkt des Un
falls, wo
für es keinen sachlichen oder rechtlichen Grund gebe. Das Abstellen auf den Durchschnittsl
ohn als Bau-Hilfsarbeiter recht
fertige sich auch deshalb nicht, weil
er
im Zeitpunkt des Unfalls nicht Bau-Hilfsarbeiter, sondern ein erfahrener, eigenverantwortlich arbeitender Gipser
mit mehrjähriger Berufs
er
fahrung
ge
wesen sei.
Schliesslich sei zu beachten, dass der Durchschnittslohn eines Gipsers 6,6 % höher sei als der
jenige eines Bauarbeiters.
Aus all diesen Gründen sei am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommens
ent
wick
lung angepassten Lohn anzuknüpfen und von einem
Vali
den
einkommen
in der
Höhe von Fr. 85‘347.11 auszugehen, was
bei einem Invalideneinkommen von
Fr.
58'179.--
ein
Invaliditätsgrad
von 32
% e
rgebe
. Eventualiter sei bei der Er
mittlung des
Validen
ein
kommens
angesichts der gros
sen Berufserfahrung und der Beförderung zum
«
Bau
arbeiter mit Fachkenntnissen
»
auf die Durch
schnitts
werte im Kom
pe
tenz
niveau 2 abzu
stellen
und von einem
Valideneinkommen
von Fr. 75'332.33 auszugehen, was ein Invaliditätsgrad von 23 % ergeben würde.
3.
3.1
Bei einem Sturz aus 2 bis 3 Meter Höhe von einem Baustellengerüst zog sich der Beschwerdeführer eine grob dislozierte
Humerusschaftfraktur
rechts, welche am
4.
April 2017 im
Spital Z._
operativ ver
sorgt wurde (offene Reposition und Osteo
synthese mit 14-Loch-Platte
Humerus
rechts, vgl. Operationsbericht vom
6.
April 2017 [
Urk.
10/4]), sowie ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma zu und war in der Folge im
Spital Z._
hospitalisiert
. Die behandelnden Ärzte berichteten von einem komplikationslosen postoperativen Verlauf, sodass der Beschwerdeführer am 12. April 2017 bei subjektivem Wohlbefinden und mit reizlosen Wundver
hält
nis
sen nach Hause habe entlassen werden können
. Sie attestierten ihm eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit
(vgl. Austrittsbericht vom 12.
April 2017,
Urk.
10/8).
Im Rahmen der klinischen und radiologischen Ver
laufs
kontrolle
habe der Be
schwerdeführer
noch bewegungs
ab
hängige Schmerzen im rechten Arm
beklagt
. Radiologisch würde sich das
Osteo
synthese
material
intakt und in situ zeigen bei noch deutlich sicht
barem Frakturspalt
(vgl. Arztbericht
e
vom 24. Ma
i 2017 [
Urk.
10/19
],
5.
Juli 2017 [
Urk.
10/28]
).
Bei persistierenden Schmerzen sowie einem Taubheitsgefühl im rechten Oberarm, am radialen rechten Vorderarm und an den Fingern II-IV rechts empfahlen die behandelnden Ärzte zum Ausschluss einer Kompressions
neuro
pathie eine
elektrodiagnostische
Abklärung mittels ENMG
(vgl. Arztbericht vom 24. August 2017, Urk. 10/37).
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH Neuro
logie, konstatierte
in seinem Untersuchungsbericht vom 2
7.
September 2017 (Urk. 10/42)
, bei den erst im postoperativen Verlauf vom Beschwerdeführer be
merkten
Dys
-, Par- und
Hyperästhesien
im Bereich des rechten Armes am late
ra
len Oberarm und radialen Unterarm bis in die dorsalen Aspekte der Finger II-IV müsse davon ausgegangen werden, dass es sich um ein
scar
tethering
des
Nervus
radialis
im Verlauf um den
Humerus
rechts handle. Abgesehen von einer leichten Hyperästhesie im sensiblen Versorgungsareal des
Nervus
radialis
am Oberarm, am radialen Unterarm und im Versorgungsbereich des
Ramus
superficialis
könnten keine motorischen Ausfälle objektiviert werden
(vgl. auch
Arztberichte vom
4.
Oktober 2017 [
Urk.
10/43] und 3
0.
November 2017 [
Urk.
10/51]
sowie Stellungnahme vom 10. April 2018 [
Urk.
10/85]
).
3.2
Aufgrund der Kompressionsproblematik bezüglich des
Nervus
radialis
entschied sich der Beschwerdeführer schliesslich zur offenen
Neurolyse
sowie simultaner
Osteosynthesematerialentfernung
, welche am 4. Juni 2018 im
Spital Z._
durchgeführt wurde (vgl. Operationsbericht vom 1
3.
Juni 2018, Urk. 10/99).
Laut
den
behandelnde
n
Ärzte
verlief
die Operation komplikationslos, sodass der Beschwerdeführer am
6.
Juni 2018 in gutem
Allgemeinzustand
und mit reizlosen Wundver
hält
nis
sen in die
ambulante
Weiterbehandlung habe entlassen werden
können
(vgl. Aus
tritts
bericht vom
8.
Juni 2018,
Urk.
10/93)
.
Im Rahmen der post
operativen Ver
laufskontrolle habe der Beschwerdeführer über weitgehend unver
änderte neuro
pathische Schmerzen über dem distalen Narbenbereich berichtet. Diese seien sogar etwas stärker ausgeprägt als präoperativ. Neu gebe der Beschwerde
führer auch Schmerzen über den PIP-Gelenken aller Langfinger sowie Kribbel
parästhe
sien in den
Ulnaris
-innervierten Fingern an.
Der behandelnde Arzt empfahl
auf
grund der
Radialis
-Probleme
eine elek
tro
diagnostische Unter
suchung und ver
neinte
aktuell e
ine Arbeitsfähigkeit (vgl. Sprechstunden
bericht vom 3
0.
Juli 2018, Urk.
10/110).
3.3
Dr.
D._
konstatierte in seinem Arztbericht vom 2
3.
Oktober 2018 (Urk. 10/126), es würden neuropathische
Misssensationen
persistieren, welche hochgradig suggestiv für ein
Scar-Thedering
der
Nervus
radialis
seien. In der kli
nischen Untersuchung zeige sich eine etwas diffuse Hypästhesie der gesamten rechten Hand und eine Minderaktivierung, so dass man von einem sich aus
wei
ten
den Schmerzsyndrom mit
myofaszialer
Überlagerung ausgehen müsse. Ein Neurom in
continuitatem
oder eine persistierende Kompression des
Nervus
radia
lis
rechts im Verlauf des Oberarms könne
neurosonografisch
nicht objekti
viert wer
den.
Dr.
D._
überwies den Beschwe
rdeführer in die Schmerzklinik, wo eine schmerzdistanzierende Behandlung begonnen wurde (vgl.
Bericht chronische Schmerz
therapie vom 1
5.
November 2018,
Urk.
10/136)
, die jedoch ohne Erfolg blieb (vgl. Arztberichte vom 1
1.
Februar 2019 [
Urk.
10/141], 2
1.
Februar 2019 [
Urk.
10/143],
9.
Mai 2019 [
Urk.
10/175], 1
2.
Juni 2019 [
Urk.
10/177], 2
6.
Juni 2019 [Urk. 10/181], 1
9.
August 2019 [
Urk.
10/185]).
3.4
Am 1
6.
und 1
7.
Oktober 2019 wurde in der Rehaklinik
B._
die
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
durchgeführt
. Im Bericht vom
2
1.
No
vem
ber 2019 (
Urk.
10/201)
wurde festgehalten
,
in
Anbetracht der Testergebnisse seien leichte Tätigkeiten zumutbar, wobei der rechte Arm nur als Hilfs- und
Haltearm
einsetzbar sei. Aufgrund der langen Arbeitslosigkeit sei ein schrittweiser Wiedereinstieg zu empfehlen. Eine wesentliche Besserung erscheine in An
betracht des bisherigen Verlaufs und der bisherigen therapeutischen und medizinischen Massnahmen eher unwahr
schein
lich.
Die bisherige berufliche Tätigkeit als Gipser sei nicht mehr zumutbar. Leichte Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar, wobei zu beachten sei, dass der rechte Arm nur als Hilfs- und
Haltearm
einsetzbar sei, ohne Vibra
tions
belastung und Schläge, ohne Arbeit an sturzexponierten Stellen wie bei
spiels
weise auf hohen Leitern, ungesichertem Baugerüst oder einem Dach
(S. 5f.)
.
3.5
Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Vorlage nahm Kreisarzt
Dr.
E._
a
m
3
1.
Ja
nu
ar 2020 Stellung (
Urk.
10/242). Er konstatierte, radio
logisch sei die Fraktur verheilt und die
Osteosyntheseplatte
habe entfernt werden könne. Eine neuro
logische Schädigung habe nicht nachgewiesen werden können. Die im Rahmen der EFL erhobenen Bewegungsumfangmasse der Schul
t
er,
des
Ellbogens und Hand
gelenks auf der rechten Seite würden Funktionsstörungen, die entschädi
gungs
pflichtig wären, aus
schlies
sen. Die bei
den Umfangs
messungen gem
essenen Arm
umfänge würden beleg
en, dass keine Muskelatrophie im Bereich der rechten oberen Extremität vorliegen würde. Mithin könne auch nicht von einem rele
van
ten Mindergebrauch des gesamten rechten Armes aus
gegangen werden. Insge
samt sei ein Integritätsschaden nicht ausgewiesen, würden Schmerzen alleine doch keinen solchen begründen.
3.6
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine neurologische Beurteilung, über welche am 2
3.
Juli 2020 berichtet wurde (
Urk.
10/247).
Dr.
C._
hielt fest,
die kli
nischen und neuropsychologischen Befunde der Untersuchungen von
Dr.
D._
seien überzeugend und nachvoll
ziehbar. Ferner sei die neuropathische Schmerz
symptomatik im Rahmen der EFL bestätigt worden.
Dr.
C._
führte
weiter
aus, aufgrund der vorliegenden klinischen und apparativen Befunde bestehe mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit eine partielle rein sensible Schädigung des
Nervus
radialis
mit einer chronischen neu
ro
pathischen Schmerzsymptomatik konsistent auf das sensible Innervations
gebiet des
Nervus
radialis
ohne motorische Mitbe
teiligung. Die Kriterien zur Schätz
ung eines Integritätsschadens bei vorliegendem dauerndem und nach
hal
ti
gen Gesundheitsschaden seien erfüllt.
Bei entsprechend beschriebenen neuro
pathischen Sensibilitätsstörungen im Bereich des lateralen Oberarms, jedoch feh
len
der motorischer Ausfallsymptomatik, fehlenden Atro
phien und funktioneller Störung werde analog zu
neuralgiformen
Beschwerden bei Trigeminusneuralgien ein Integritätsschad
en von 5 % geschätzt (vgl. Urk.
10/248).
4.
4.1
Festzuhalten ist vorab, dass die mit
Einspracheentscheid
vom 1
8.
August 2020 zugesprochene Integritätsentschädigung unangefochten blieb
(
Urk.
1 S. 4).
Dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf
die EFL vom 2
1.
November
2019
sowie die kreisärztliche Stellungnahme
von
Dr.
E._
vom
3
1.
Januar 2020
die Heil
behandlung mit Schreiben vom
5.
Februar 2020
(
Urk.
10/210
) abschloss und die Rentenprüfung einleitete, wird
ebenfalls
nicht bestritten und ist aufgrund der medizinischen Aktenlage n
icht zu beanstanden (vgl. E. 3.4
, E. 3.5 hiervor).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Fall
ab
schlusses ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in seiner ange
stammten Tätigkeit als
Gipser nicht mehr arbeitsfähig ist,
ihm eine leidensangepasste Tätig
keit hingegen ganztags und ohne nennens
werte Ein
schränkungen zumut
bar ist (vgl. E. 2.1 und E. 3.4 hiervor).
Es ist somit von einer vollständigen Arbeits
fähig
keit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen.
4.2
Indes ist z
wischen den Parteien strittig, ob die Beschwerdegegnerin den Invali
di
tätsgrad mittels eines Einkommensvergleichs korrekt festgelegt und
den
Renten
an
spruch berechtigterweise
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 17 % fest
gelegt
hat
.
4.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist ein konkreter Lohn nicht
eruierbar
, war die versicherte Person zur Zeit des Unfalls arbeitslos oder hätte sie ihre bisherige Stelle auch ohne den Unfall in der Zeit bis zum Rentenbeginn verloren, so können die Zahlen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik
(LSE) herangezogen werden (
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_382/2017 vom 2
5.
August 2017 E. 2.3.1,
9C_501/2013 vom 2
8.
November 2013 E. 4.2).
4.4
Da
die
Y._
AG
im Zeitpunkt der Renten
prüfung per
1.
März 2020 nicht mehr existierte
(vgl. Internetauszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich), wäre d
er Beschwerdeführer
im Gesundheitsfall nicht mehr bei der ehe
maligen Arbeit
geberin tätig
gewesen
. Mithin kann
nicht mehr vom
zuletzt ver
dienten
Lohn in diesem Betrieb ausgegangen
werden
(
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_462/2014 vom 1
8.
No
vember 2014 E. 4.2
,
9C_378
/2014 vom
2
1.
Ok
to
ber 2014 E. 4.3.1)
.
Ein schriftlicher Arbeitsvertrag zwischen der
Y._
AG und dem Beschwerdeführer ist nicht aktenkundig.
Laut
ihren
übereinstimmenden Aus
sagen
war zwischen ihnen ein Jahressalär von
Fr.
84'500.-- (
Fr.
6'500.-- x 13) vereinbart (
Urk.
10/3,
Urk.
10/35 S. 2). Dieses Einkommen entspricht
demjenigen eines gelernten Gi
psers
respektiv
e
liegt
über dem Mindestlohn, der gemäss dem
Gesamtarbeitsvertrag für das Maler- und
Gipsergewerbe
resp. dem Gesamtarbeits
vertrag
für das
Gipsergewerbe
der Stadt
F._
für gelernte Gipser gilt (vgl.
Urk.
3/3,
Urk.
13/1-2
)
. Der
ursprünglich aus
G._
stammende
Beschwerdeführer
absolvierte in
H._
eine Berufsausbil
d
ung als Zahn
laborant (vgl.
Urk.
10/89). Über eine Berufsausbildung als Gipser verfügt er nicht. Für einen angelernten Gipser ist der mit der
Y._
AG
vereinbarte
Lohn
ungewöhnlich hoch.
Ist der zuletzt bezogene Verdienst überdurchschnittlich hoch, ist er rechtsprechungsgemäss nur dann als
Valideneinkommen
heranzu
ziehen,
wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fes
tsteht
, dass er
, vorliegend also an anderer Arbeitsstelle,
künftig
weiterhin
erzielt worden wäre (Bundes
gerichtsurteile 8C_234/2020
vom
3.
Juni 2020
E. 3
,
9C_5/2009
vom 1
6.
Juli 2009
E. 6
).
Dies ist
nicht der Fall
. Der Beschwerdeführer
hat
den vereinbarten Verdienst nie realisiert. Bereits ein
en
Tag nach Stellenantritt verunfallte er. In der Vergangenheit
vermochte er
nicht annähernd
einen Jahreslohn von
Fr.
84'500.-
-
zu generieren
.
In der Schweiz war er als angelernter Gipser, in der Reinigung sowie bei einem Transportunternehmen tätig.
Das höchste Einkommen
erzielte er bei
I._
GmbH im Jahr 2012 mit
Fr.
66
'792.--. Danach bezog er
wiederholt und übe
r längere Zeit Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
10/159). In den Jahren 2015 und 2016 war er
zwischenzeitlich
jeweils für einige Monate bei der
J._
GmbH
angestellt
. Geschäftsführer sowohl der
J._
GmbH als auch de
r
Y._
AG war
K._
(vgl. Internetauszüge aus dem Handelsregister des Kantons Zürich
).
Über die erwähnten Anstellungen hinaus arbeitete der Beschwerdeführer zumindest im März 2017 im Rahmen eines Zwischenverdiensts für die
Y._
AG
. I
hm wurde ein Bruttostunden
lohn von
Fr.
30.35 (
inkl. Anteil 1
3.
Monatslohn)
bezahl
t (
Urk.
10/199). Die wöchentliche Normalarbeitszeit im Betrieb betrug laut Bescheinigung über den Zwischenverdienst 40 Stunden (
Urk.
10/199). Hochgerechnet auf das Jahr ergäbe sich auf dieser Basis ein Jahreseinkommen von
Fr.
63'537.60 (
Fr.
30.35 x 8 x 21,7 x 12).
Es rechtfertigt sich daher, das
Va
lideneinkommen
gestützt auf
statistischen Durchschnittsl
öhnen zu ermitteln. Dabei stellte die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Kompetenzniveau 1
(
Fr.
5'622.-- monatlich)
ab (
Urk.
2 S. 4
,
Urk.
10/226
). Das dadurch ermittelte
Valideneinkommen
von
Fr.
70'355.-- ist mit Blick auf die Mindestlöhne für angelernte Gipser von
Fr.
5'046.95
monatlich
g
emäss Gesamt
arbeitsvertrag
für das
Gipsergewerbe
der Stadt
F._
(
Urk.
13/1
)
resp. von
Fr.
4'661.--
monatlich
gemäss Gesamtarbeitsvertrag für das Maler- und
Gipser
gewerbe
(
Urk.
13/2
) nicht zu beanstanden.
Gleiches gil
t, wenn
man
die Zahlen des vom Beschwerdeführer eingereichten Landesmantelvertrags für das
schweizerische Bauhauptgewerbe als Vergleichsgrundlage nehmen wollte. Da
nach würde der Beschwerdeführer als Bauarbeiter mit Fachkenntnissen einen monatlichen Lohn von
Fr.
5'138.-- verdienen (
Urk. Urk.
3/5-6).
Aufgrund der bisherigen Erwerbsbiographie und der erzielten Einkommen ist j
edenfalls nicht anzunehmen
, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall ein Erwerbsein
kommen in der Höhe des Kompetenzniveaus 2 erzielen würde.
Der Beschwerdeführer erwähnt zu Recht, dass er in den Jahren 2011 bis 2014
einigen Nebenverdiensten nachging
. Dies geschah aber mit Ausnahme im Jahr 2013, als er vorwiegend Arbeitslosenentschädigung bezog,
doch
im
eher geringen Ausmass (
Urk.
10/
159).
Nachdem er ab 2015 keine Einkünfte aus Neben
beschäftigungen
mehr
erzielte, kann nicht davon ausgegangen werden, dass er diese im Gesundheitsfall weiterhin erzielt hätte, weshalb sie bei der Festlegung des
Valideneinkommens
nicht berücksichtigt werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_528/2020 vom
1.
April 2021 E. 7.1).
Das von der Beschwerdegegnerin ermittelte hypothetische
Valideneinkommen
2020
in der Höhe von
Fr.
70'355.--
(
Urk.
2 S.
5
)
- ausgehend von einem monat
lichen Einkommen von
Fr.
5'622.-- -
gibt somit zu keinen Bean
standungen Anlass.
4.
5
Die Beschwerdegegnerin bemass das
Inv
alideneinkommen (
Fr.
58’179
.--) gestützt
auf die
LSE
2018
und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 15 %
(vgl.
Urk.
10/226),
was nicht strittig ist.
4.
6
Beim Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
2020
in der Höhe von
Fr.
70'355.--
mit dem hypothetischen Invalideneinkommen
2020 im Betrag von Fr. 58’179
.-
- resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
12
'
176
.--
beziehungsweise ein renten
begründender
Invaliditätsgrad von
17
%
(vgl. E.
1.2
).
4.
7
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.