Decision ID: 9b18626f-96f5-50a7-8155-3553b5ff9277
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge in der
Nacht vom (...) auf den (...) und gelangte am 28. April 2015 in die Schweiz,
wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
Eine am 1. Mai 2015 beim Beschwerdeführer durchgeführte Knochenal-
tersbestimmung nach Greulich und Pyle ergab ein wahrscheinliches Kno-
chenalter von (...) Jahren oder mehr.
C.
Anlässlich der summarischen Befragung zur Person vom 28. Mai 2015
(BzP; Protokoll bei den SEM-Akten A6/14) führte der Beschwerdeführer
aus, er sei eritreischer Staatsbürger tigrinischer Ethnie aus dem Dorf
B._ in der Zoba C._. Auf die Bemerkung der Vorinstanz hin,
er scheine älter als (...) Jahre alt zu sein, sein Äusseres und sein Verhalten
liessen darauf schliessen, dass er bereits erwachsen sei, antwortete der
Beschwerdeführer, dies sei kein Problem, man könne dies ja untersuchen
lassen. Beim rechtlichen Gehör zur Knochenaltersanalyse stellte er seinen
Taufschein in Aussicht. Der Beschwerdeführer wurde für die Fortsetzung
des Verfahrens als volljährig erfasst und sein Geburtsdatum im Zentralen
Migrationsinformationssystem (ZEMIS) fiktiv auf den 1. Januar des 18. Al-
tersjahres ([...]) festgelegt.
D.
Am 3. Februar 2016 wurde der Beschwerdeführer nach Beendigung des
Dublin-Verfahrens zu seinen Asylgründen angehört (Anhörung; Protokoll in
den SEM-Akten A19/16). Er reichte eine Taufurkunde und eine Kopie der
Identitätskarte seines Onkels zu den Akten.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, er habe die Schule
sechs Jahre lang besucht. In der Freizeit habe er die Ziegen seiner Familie
betreut. Seine Tante habe im Dorf ein (...) betrieben. Sein Vater sei fast
ständig im Nationaldienst gewesen. Seine Mutter habe jeweils seinen Sold
abgeholt. Eines Tages sei ihr die Auszahlung verweigert worden. Man habe
ihr erklärt, sein Vater sei verschwunden. Kurze Zeit später hätten Polizisten
seine Mutter von zuhause mitgenommen. Danach habe er sich noch eine
Zeit lang zuhause aufgehalten und sei dann aus Angst davor, wegen sei-
nes verschwundenen Vaters selber auch mitgenommen zu werden, aus
Eritrea geflüchtet.
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Seite 3
E.
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2017 forderte das SEM den Beschwerde-
führer auf, weitere Dokumente zu seiner Identität einzureichen und ver-
schiedene Fragen zum Aufenthalt seines Vaters sowie seiner Mutter und
zu ihrer Haft zu beantworten. Mit Eingabe vom 5. November 2017 beant-
wortete der Beschwerdeführer die ihm gestellten Fragen.
F.
Mit Verfügung vom 22. Februar 2018 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
vom 28. April 2015 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. März 2018 gelangte der Beschwerdefüh-
rer durch seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht. Er be-
antragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Verfügung sei
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die
Unzulässigkeit, eventuell die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und die Vorinstanz anzuweisen, ihn vorläufig aufzunehmen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt er, es sei ihm unter Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses die unentgeltliche Prozessführung
zu bewilligen und in der Person seiner Rechtsvertreterin eine amtliche
Rechtsbeiständin zu bestellen.
Als Beilagen liess er eine Kopie der angefochtenen Verfügung, einen Sen-
dungsverlauf der Post, die Kopie der Vollmacht vom 13. März 2018, eine
Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit und eine Honorarnote seiner
Rechtsvertreterin einreichen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2018 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung – unter
dem Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhält-
nisse des Beschwerdeführers – gut und verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Den Antrag auf amtliche Rechtsverbeiständung hiess
sie ebenfalls gut und bestellte dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertre-
terin als amtliche Rechtsbeiständin. Die Vorinstanz lud sie ein, sich innert
Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen.
E-1604/2018
Seite 4
I.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 6. April 2018 die
Abweisung der Beschwerde.
J.
Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Replik vom 24. April 2018 die
Gutheissung der Beschwerde.
K.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer eine aktuali-
sierte Kostennote seiner Rechtsbeiständin und Kopien der Identitätskarten
seiner Eltern samt deutscher Übersetzung und den dazugehörenden Brief-
umschlag im Original aus Eritrea ein. Die Kopien habe er von einer Person
namens D._ erhalten.
L.
Mit Eingabe vom 27. Juni 2019 liess der Beschwerdeführer Unterlagen zu
seinen Integrationsbemühungen in der Schweiz einreichen. Er habe be-
reits 2015 den Kurs «Leben in der Schweiz» absolviert. Danach habe er
mit einem Pensum von fünfzig Prozent bei E._ gearbeitet. Seit An-
fang 2019 habe er eine unbefristete Arbeitsstelle bei F._.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
E-1604/2018
Seite 5
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den von der Vorinstanz
angeordneten Vollzug der Wegweisung. Die Dispositivziffern 1 – 3 der an-
gefochtenen Verfügung sind mangels Anfechtung in Rechtskraft erwach-
sen und bilden nicht Gegenstand des Verfahrens.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richtet sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG
(vgl. Art. 112 AuG [SR 142.20]; BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung im
Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen,
die behauptete Minderjährigkeit glaubhaft darzulegen. Die am 1. Mai 2015
durchgeführte Knochenaltersbestimmung habe ein Skelettalter von (...)
Jahren oder mehr ergeben. Zudem habe er ungereimte Angaben zu sei-
nem Alter gemacht. An der BzP habe er anfänglich angegeben, bei der
Ausreise am (...) 2014 (...) Jahre alt gewesen zu sein. Auf Nachfrage hin
habe er behauptet, nun (...) zu sein. Auf Vorhalt hin habe er erklärt, bei der
Ausreise (...) oder (...) Jahre alt gewesen zu sein. Zuvor habe er angege-
ben, die Schule im Alter von (...) Jahren verlassen zu haben. An der Anhö-
rung wiederum habe er ausgesagt, (...) gewesen zu sein, als er mit der
Schule aufgehört habe. Dem eingereichten Taufschein komme schon des-
halb keine ausreichende Beweiskraft zu, weil er kein Foto enthalte. Über-
dies falle auf, dass der Stempelabdruck auf die orthodoxe Kirche als Aus-
stellerin hinweise. Er selber habe aber angegeben, der römisch-katholi-
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Seite 6
schen Kirche anzugehören. Des Weiteren habe er trotz mehrmaliger Auf-
forderung keine weiteren Identitätsdokumente eingereicht. Er habe sich an
der BzP mit der Änderung seines Geburtsdatums auf den (...) einverstan-
den erklärt.
Der Beschwerdeführer habe aufgrund seiner unstimmigen Aussagen we-
der die geltend gemachten Ausreisegründe noch eine illegale Ausreise
glaubhaft machen können. Er sei zufolge Ablehnung seines Asylgesuchs
zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet. Der Wegweisungsvollzug sei
vorliegend zulässig, zumutbar und möglich.
4.2 In der Beschwerde wurde entgegnet, der Beschwerdeführer habe stets
den (...) als sein Geburtsdatum angegeben. Er könne nicht rechnen und
seine unbeholfenen Aussagen zu seinem Alter im Zeitpunkt der Ausreise
würden eindeutig für seine damalige Minderjährigkeit sprechen. Der Hilfs-
werkvertreter habe gleich zu Beginn der Anhörung vergeblich beantragt,
ihn als minderjährig einzustufen. Es falle auf, dass die Anhörung äusserst
kurz ausgefallen und sogar die Pausen gekürzt worden seien. Der Hilfs-
werkvertreter habe selber sechsundzwanzig Fragen zwecks Feststellung
des Sachverhalts stellen müssen. Er sei zum Schluss gekommen, dass
eine ergänzende Anhörung die richtige Vorgehensweise wäre. Auch dieser
Antrag sei abgelehnt worden. Es stelle sich die Frage, ob die Vorinstanz
ihrer Untersuchungspflicht genügend nachgekommen sei.
Der Beweiswert des Altersgutachtens sei gering. Der Beschwerdeführer
sei zum Zeitpunkt der Analyse beinahe (...) Jahre alt gewesen. Die Abwei-
chung zwischen dem angegebenen Alter und dem Ergebnis der Handkno-
chenanalyse liege somit in der normalen sowie möglichen Bandbreite und
hätte nicht zu einer Altersanpassung zu seinem Nachteil führen dürfen. Er
habe bereits auf dem Personalienblatt eingetragen, dass er der orthodoxen
Kirche angehöre. In der bei der Anhörung eingereichten Taufurkunde stehe
der (...) als sein Geburtsdatum. Dieses Dokument müsse immerhin als In-
diz für seine Minderjährigkeit berücksichtigt werden, auch wenn die Taufur-
kunde kein rechtsgenügliches Identitätsdokument sei. Der Beschwerdefüh-
rer hätte zu Beginn des Verfahrens als unbegleitete minderjährige Person
behandelt und ihm hätte eine Vertrauensperson beigeordnet werden müs-
sen. Durch diese Unterlassung sei der Sachverhalt nur unvollständig fest-
gestellt und sein rechtliches Gehör verletzt worden. Somit liege ein Kassa-
tionsgrund vor.
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Seite 7
Der Eventualantrag auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Un-
zulässigkeit oder eventuell Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
wurde damit begründet, dass der Beschwerdeführer als eritreischer Staats-
bürger in Eritrea sozialisiert worden sei. Er befinde sich im dienstpflichtigen
Alter und habe vor seiner Ausreise noch keinen Militärdienst geleistet. An-
gesichts des Alters bei der Ausreise sei höchst unwahrscheinlich, dass er
aus dem Militärdienst entlassen respektive davon befreit worden sei. Er
müsse somit bei einer Rückkehr nach Eritrea mit einer Haftstrafe und der
Einziehung in den Nationaldienst rechnen. Dies stelle eine Verletzung von
Art. 4 Abs. 2 und Art. 3 EMRK dar. Sollte das Gericht völkerrechtliche Voll-
zugshindernisse trotz drohender Haft und Einziehung in den Nationaldienst
verneinen, wäre der Beschwerdeführer aus humanitären Gründen wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Er-
schwerend komme hinzu, dass sein Status nicht geregelt und keine
Diasporasteuer entrichtet worden sei. Auch die Unterzeichnung des Reue-
briefes würde ihn nicht vor einer unmenschlichen Strafe schützen, zumal
es sich um ein Schuldeingeständnis handle.
4.3 In der Vernehmlassung wurde ausgeführt, eine sekretariatsinterne Prü-
fung der eingereichten Taufurkunde habe ergeben, dass es sich um eine
Totalfälschung handeln dürfte. Das Dokument weise gravierende druck-
technische und farbliche Mängel respektive Abweichungen auf. Des Wei-
teren sei aufgrund des Profils des Beschwerdeführers nicht davon auszu-
gehen, dass er nach seiner Rückkehr nach Eritrea einer tatsächlichen und
unmittelbaren Gefahr einer Einberufung in den zivilen Teil des National-
dienstes und damit einer Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK ausgesetzt
werden könnte. Zudem sei gemäss gerichtlicher Einschätzung wohl nicht
von einer systematischen Inhaftierung aller rückkehrenden Personen aus-
zugehen und auch darauf hinzuweisen, dass ein Teil von ihnen ihr Verhält-
nis zum eritreischen Staat durch Bezahlung der Steuer von zwei Prozent
und der Unterzeichnung eines Reuebriefes geregelt hätten.
4.4 In der Replik wurde ausgeführt, die Taufurkunde sei zwar kein rechts-
genügliches Ausweisdokument. Dem Vorwurf der Totalfälschung sei indes-
sen entgegenzuhalten, dass das Dokument im Original eingereicht worden
sei und der Stempel sowie die Angaben nicht von anderen Taufurkunden
im Original abweichen würden. Es sei nicht ersichtlich, welche farblichen
respektive drucktechnischen Mängel die Vorinstanz moniere. Zwecks Veri-
fizierung der Angaben könnte der Pfarrer der Kirche von (...) in B._
kontaktiert werden. Dieser könnte mit Hilfe der aufgedruckten Seriennum-
mer (...) in seinem Kirchenbuch nachschlagen, wo der Beschwerdeführer
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Seite 8
aufgelistet sei. Die am Tag der Taufe seiner Mutter übergebene Taufur-
kunde sei mit Hilfe der in B._ wohnhaften Tante mütterlicherseits in
die Schweiz gelangt. Der eritreische Nationaldienst falle, dies entgegen
den Ausführungen in der Vernehmlassung, nicht unter eine der Ausnahmen
von Art. 4 Abs. 3 EMRK, sondern sei als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4
Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer habe seinen Dienst
noch nicht geleistet, weil er vor seiner Ausreise minderjährig gewesen sei.
Er müsste bei einer Rückkehr nach Eritrea in jedem Fall Dienst leisten.
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).
5.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
Die formelle Rüge, die Vorinstanz habe dadurch, dass sie den Beschwer-
deführer zu Beginn des Verfahrens nicht als unbegleitete minderjährige
Person behandelt und ihm keine Vertrauensperson beigeordnet habe, den
Sachverhalt unvollständig festgestellt und sein rechtliches Gehör verletzt,
ist unbegründet. Das Ergebnis einer radiologischen Knochenaltersanalyse
weist nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nur einen be-
schränkten Beweiswert auf, wenn das von der betroffenen Person behaup-
tete Alter im Vergleich zum festgestellten Knochenalter innerhalb der nor-
malen Abweichung von bis zu drei Jahren liegt. In einem solchen Fall kön-
nen aus der Handknochenanalyse zwar keine verlässlichen Schlüsse auf
das tatsächliche Alter der untersuchten Person gezogen werden; sie bildet
jedoch ein im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigendes Indiz
für deren Minder- beziehungsweise Volljährigkeit. Vorliegend wurde dem
Beschwerdeführer bei der BzP das rechtliche Gehör zur durchgeführten
Handknochenanalyse gewährt. Angesichts der Tatsache, dass er keine
rechtsgenüglichen Identitätspapiere vorgelegt hat – gemäss Art. 1a Bst. c
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann ein
Identitätspapier nur ein amtliches Dokument mit Fotografie sein, welches
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Seite 9
zum Zweck des Nachweises der Identität seiner Inhaberin oder seines In-
habers ausgestellt wurde – das Altersgutachten ihm ein Alter von (...) Jah-
ren oder mehr bescheinigt, und auch aufgrund seiner unstimmigen Aussa-
gen zu seinem Alter ist die Vorinstanz zu Recht von der Volljährigkeit des
Beschwerdeführers ausgegangen. Die zu den Akten gereichten Doku-
mente (Taufurkunde, Kopien der Identitätskarten seiner Eltern, Kopie der
Identitätskarte des Onkels) sind mangels Beweiswerts nicht geeignet, zu
einer anderen Beurteilung zu gelangen. Dabei kann offengelassen werden,
ob es sich bei der Taufurkunde tatsächlich um eine Totalfälschung handelt.
Das Argument, die unstimmigen Angaben des Beschwerdeführers seien
darauf zurückzuführen, dass er offensichtlich nicht richtig rechnen könne,
findet in den Akten keine Stütze. Hinzu kommt, dass er mindestens sechs
Jahre lang die Schule besucht habe. Der Beweisantrag, der Pfarrer der
Kirche von (...) in B._ könnte zwecks Verifizierung der Angaben
kontaktiert werden, ist abzuweisen, zumal es für den Beschwerdeführer im
Rahmen seiner Mitwirkungspflicht ohne weiteres möglich und auch zumut-
bar gewesen wäre, den Pfarrer von sich aus zu kontaktieren. Mangels
stichhaltiger Entgegnungen auf Beschwerdeebene kann vollumfänglich auf
die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung und in der Vernehmlassung verwiesen werden. Der Beschwerdefüh-
rer kann sich somit aufgrund seiner zu Recht festgestellten Volljährigkeit
nicht auf die schweizerische Gesetzgebung für unbegleitete Minderjährige
berufen. Es besteht folglich keine Veranlassung, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Rechts-
begehren ist abzuweisen.
7.
7.1 In materieller Hinsicht führt der Beschwerdeführer in seinem Rechts-
mittel im Wesentlichen aus, der Wegweisungsvollzug sei angesichts der
ihm in Eritrea drohenden Einziehung in den Nationaldienst unzulässig oder
zumindest unzumutbar. Er macht insbesondere geltend, der vom SEM an-
geordnete Vollzug verletze seine durch Art. 3 und 4 EMRK geschützten
Menschenrechte.
7.2 Das SEM geht in der angefochtenen Verfügung von der Zulässigkeit,
Zumutbarkeit sowie Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs aus.
7.3 Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers im heutigen Zeitpunkt er-
scheint seine Befürchtung, bei einer Rückkehr in den Nationaldienst einge-
zogen zu werden, plausibel (vgl. zur eritreischen Musterungspraxis auch
das Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2 – 13.4).
E-1604/2018
Seite 10
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Koordinationsurteil
BVGE 2018 VI/4 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung
auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen National-
dienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG)
qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht mit den folgenden Erwä-
gungen bejaht.
8.2 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Na-
tionaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-
übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden
Person durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann,
auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise
über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen
werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausgesetzt wäre.
Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla-
verei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. BVGE
2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4).
8.3 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner Zweck-
entfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirt-
schaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Natio-
naldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als
"übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstanden
werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich als
Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die An-
nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim-
mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation
liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri-
gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh-
rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O.
E. 6.1 insbes. 6.1.5).
8.4 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea
aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit
einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus-
reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder
E-1604/2018
Seite 11
unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem
Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun-
gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In-
haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück-
kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre,
selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein
ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl.
a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8).
8.5 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen stehen einerseits das Verbot
der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug
der Wegweisung des Beschwerdeführers auch bei einer anstehenden Ein-
ziehung in den Nationaldienst nicht entgegen. Andererseits ist aufgrund der
verfügbaren Quellen auch nicht davon auszugehen, es bestehe generell
das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs-
und Pflichtarbeit während des Nationaldiensts (Art. 4 Abs. 2 EMRK).
8.6 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Be-
schwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-
botene Strafe oder Behandlung befürchten. In diesem Zusammenhang ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Ausreisegründe nicht
glaubhaft gemacht hat, weshalb auch nicht davon auszugehen ist, er käme
im Zusammenhang mit dem angeblichen Verschwinden seines Vaters in
den Fokus der eritreischen Behörden. Die anerkanntermassen problema-
tische allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig
erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist
sich damit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Best-
immungen – als zulässig.
E-1604/2018
Seite 12
8.7
8.7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.7.2 Gemäss Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bür-
gerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise einer
generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen wer-
den. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Berei-
chen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig.
Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang
zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit
Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht
zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen
Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung pro-
fitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss je-
doch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegan-
gen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter
der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren je-
doch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. Au-
gust 2017 E. 16 f.).
8.7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im bereits zitierten Koordina-
tionsurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 auch mit der Frage befasst, ob
der Vollzug der Wegweisung im Falle einer drohenden Einziehung in den
eritreischen Nationaldienst als zumutbar zu qualifizieren ist. Es stellte fest,
dass der drohende Einzug in den eritreischen Nationaldienst mangels einer
hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Feststellung der Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt
(vgl. a.a.O. E. 6.2).
8.7.4 In individueller Hinsicht führte die Vorinstanz zur Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs aus, es sei nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation
geraten würde. Er sei jung, gesund und verfüge in Eritrea über ein ver-
wandtschaftliches Beziehungsnetz, womit eine gesicherte Wohnsituation
und eine Existenzgrundlage vorhanden seien. Seine Tante lebe in
E-1604/2018
Seite 13
B._ und habe dort (...). Überdies habe er bei der Anhörung ausge-
sagt, mit Ausnahme einer in G._ lebenden weiteren Tante lebten
alle Onkel und Tanten in H._. Seine Beziehung zu H._ sei
vermutlich intensiver, als er erklärt habe, zumal auf dem Personalienbogen
H._ als sein Geburtsort eingetragen worden sei. Des Weiteren habe
er erklärt, seine in G._ lebende Tante habe einen Teil seiner Reise
finanziert. Es sei deshalb davon auszugehen, dass sie ihn im Bedarfsfall
bei seiner Reintegration in Eritrea unterstützen werde. Diese Erwägungen
erweisen sich als zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen wer-
den kann.
8.7.5 Die in der Eingabe vom 27. Juni 2019 geltend gemachten und mit
mehreren Dokumenten belegten Integrationsbemühungen des Beschwer-
deführers in der Schweiz sind zu begrüssen. Es ist aber darauf hinzuwei-
sen, dass eine weit fortgeschrittene Integration nach Gesetz und Praxis
höchstens indirekt bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Vollzugs eine
Rolle spielen kann, nämlich wenn die betreffende Person in der Schweiz
derart verwurzelt ist, dass bei Durchführung des Vollzugs (reziprok) eine
Entwurzelung im Heimatstaat zu erwarten ist (vgl. zu dieser vorab für Kin-
der und Jugendliche entwickelten Praxis insbes. BVGE 2009/28 E. 9.3 ff.
und 2009/51 E. 5.6 m.w.H.). Für das Vorliegen einer derartigen Situation
des Beschwerdeführers ergeben sich aus den Akten jedoch keine Hin-
weise.
8.7.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.8 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach
Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde-
führer, bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück-
kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist des-
halb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwi-
schenverfügung vom 22. März 2018 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde und sich aus dem mit Eingabe vom 27. Juni 2019 eingereich-
ten Einzelarbeitsvertrag für (...) im Stundenlohn keine massgebende Ver-
änderung der finanziellen Verhältnisse ergibt, sind keine Verfahrenskosten
zu erheben.
10.2 Da dem Beschwerdeführer mit derselben Zwischenverfügung auch
die amtliche Rechtsverbeiständung gewährt wurde, hat das Bundesverwal-
tungsgericht der Rechtsbeiständin ein amtliches Honorar auszurichten
(vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der aktualisierten Kostennote
vom 16. Juli 2018 ausgewiesene Zeitaufwand von 10.5 Stunden ist dem
vorliegenden Verfahren unter Berücksichtigung der Eingabe vom 27. Ju-
ni 2019 angemessen. Der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 180.–
ist jedoch entsprechend dem Stundenansatz für nichtanwaltliche Vertrete-
rinnen und Vertreter (vgl. Zwischenverfügung vom 22. März 2018) auf Fr.
150.– zu reduzieren. Das amtliche Honorar für die Aufwendungen der amt-
lich bestellten Rechtsbeiständin beläuft sich somit auf Fr. 1’696.–
(inkl. Mehrwertsteuerzuschlag). Die geltend gemachte Pauschale für allge-
meine Spesen wird nicht berücksichtigt, da grundsätzlich nur effektiv aus-
gewiesene Kosten entschädigt werden und besondere Verhältnisse im
Sinne des Reglements nicht ersichtlich sind (Art. 11 Abs. 1 und 3 VGKE).
Der amtlichen Rechtsbeiständin ist somit unter Berücksichtigung der mas-
sgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) zulasten der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 1’696.– (inkl. Mehrwert-
steuerzuschlag) auszurichten.
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