Decision ID: eed0a22b-17da-4e00-b6e0-e9db9f69b1df
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 25. März 2015 (Urk. 2) sistierte die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, die dem 1957 geborenen
X._
seit 1. März 1997 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 70 % ausgerichtete ganze Rente nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (Urk. 8/111, Urk. 8/113) per sofort und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
2.
Hier
gegen erhob
X._
mit Eingabe vom
21. April 2015
(Urk. 1) Beschwerde und beantragte die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung
und Weiterausrichtung der bisherigen Rente. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2015 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
29. Mai 2015 (Urk. 10)
zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Zuschrift vom 9. Juni 2015 (Urk. 12) liess die IV-Stelle dem Gericht den Vorbescheid vom 8. Juni 2015 (Urk. 13/2) betreffend revisionsweise Aufhe
bung der Rente per 1. Juni 2013 zukommen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine
Invalidenrente
kann namentlich gestützt auf Art. 17 Abs.
1
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(
ATSG;
Anpas
sung an geänderte tatsächliche Verhältnisse), Art.
53 Abs.
1 ATSG (prozessuale Revision) oder Art.
53 Abs.
2 ATSG (Wiedererwägung)
–
mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
oder allenfalls ex
tunc
(Art.
88
bis
Abs.
2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
)
–
herabgesetzt oder aufgehoben werden
(vgl. Ulrich Meyer, Die Abänderung formell rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen in der
Sozialversicherung,
ZBl
1994 S.
337 ff., in: Ausgewählt
e Schriften, 2013, S. 117 ff.).
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente gemäss Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV in der seit 1. Januar 2015 in Kraft stehenden Fassung erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die
Weiter
ausrichtung
der Leistung war.
1.2
Die Verwaltung kann gestützt auf Art. 55 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) ihre Leis
tungen im Rahmen vorsorglicher Massnamen einstweilen einstellen
(vgl.
Franz
Schlauri
, Die Einstellung von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, in: Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen, St.
Gall
en 1999, S. 191 ff., 216 ff.;
Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Inval
i
denversicherung, Bern 2010,
Rz
.
2329
ff.), wobei sie in gleicher Weise wie bei der Beurteilung der
Frage, ob einem Entscheid suspensive Wirkung zukommt (vgl. Art. 11 der Ver
ordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
, ATSV,
in Verbindung mit Art. 55
VwVG
), eine Interessenabwägung vorzunehmen und somit zu prüfen hat, ob die Gründe, die für die Wirksamkeit der vorsorglichen Anordnung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige
Lösung angeführt werden können.
B
ei der Abwägung der Gründe für und gegen eine einstweilige Sistierung von Rentenleistungen
steht dem Interesse der Versiche
rung, eine Rückforderung wegen der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der Gefahr der
Uneinbringlichkeit
nach Möglichkeit zu vermeiden, das Interesse der versi
cherten Person gegenüber, während der Dauer des Verfahrens den Lebensunter
halt ohne entsprechende Versicherungsleistungen bestreiten zu müssen
. Für den Fall, dass die Erfolgsaussichten der versicherten Person im Hauptverfahren nicht eindeutig positiv sind, wird das Interesse der Verwaltung beziehungsweise
der Versicherung an der Vermeidung administrativer Umtriebe und Verhinderung von Rückforderungsausfällen regelmässig höher gewichtet als dasjenig
e der ver
sicherten Person, nicht in eine Notlage zu geraten (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_110/2008 vom 7. Mai 2008 E. 2.3 und I 426/05 vom 8. August 2005 E. 2.3).
Der
Entscheid über vorsorgliche Massnahmen
fusst
auf einer summarischen Prüfung und
stützt
sich auf den Sachverhal
t
, der sich aus den vorhandenen Akten ohne zeitraubende weitere Erhebungen ergibt (vgl. Urteil
e des Bundesge
richts I 57/03 vom 3. April 2003 E. 4.1 und U 21/02 vom 11. Dezember 2002 E. 7.2 und E. 8.2).
2.
2.1
Die IV-Stelle nimmt aufgrund der Ergebnisse der nach Erhalt einer (erneuten) Verdachtsmeldung betreffend ungerechtfertigten Leistungsbezug im Zeitraum vom 13. Februar bis 20. September 2013 durchgeführten Observation (Urk. 8/80-85, Urk. 9) und der in die Wege geleiteten medizinischen Abklärun
gen einschliesslich des von ihr eingeholten Gutachtens des
Y._
vom 23. Dezember 2014 (Urk. 8/106) an, der Beschwerdeführer habe eine für den Leistungsanspruch erhebliche Ver
besserung seines Gesundheitszustandes
verzeichnet und diesen Umstand ihr gegenüber in Verletzung seiner Meldepflicht verschwiegen (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer vertritt
demgegenüber
die Auffassung (Urk. 1 S. 2 ff.), das Observationsmaterial sei zur Festsetzung seines Arbeitsfähigkeitsgrades nicht geeignet und auf den psychiatrischen Teil des
Y._
-Gutachtens könne nicht abgestellt werden, zumal dieser im Widerspruch stehe zur Einschätzung der jüngst mit ihm befassten Fachpersonen, konkret der ihn stationär behan
delnden Fachärzte des
Z._
(
Hospitalisation
vom 20. August bis 19. September 2014, Urk. 8/100) und der Privatklinik
A._
(
Hospitali
sation
vom 24. Februar bis 2. April 2015, Urk. 3/1), der Spitex (Bericht vom 1. Februar 2015, Urk. 8/112/1-2) und des psychiatrischen Parteigutachters Dr. med.
B._
(Gutachten vom 16. März 2015, Urk. 8/112/3-21)
.
3.
Nach Lage der Akten präsentierte sich d
er Beschwerdeführer gegenüber Ärzte
n und den Organen der Invaliden
versicherung regelmässig an Gehstöcken und erklärte, er sei zur Fortbewegung auf diese angewiesen (Urk. 8/5/2, Urk. 8/5/8-9, Urk. 8/26/1-2, Urk. 8/31/3-5, Urk. 8/33/6, Urk. 8/38/5-6, Urk. 8/64/2, Urk. 8/68/2, Urk. 8/69/4, Urk. 8/70/2, Urk. 8/83/2, Urk. 8/84/1, Urk. 8/100/11, Urk. 8/106 S. 27, 30, 40, 45, 50 und 57, Urk. 8/108/2, Urk. 8/112/8
).
Insbesondere
erschien
er
auch zu dem im Zuge der revisionsweisen Überprüfung seines Leistungsanspruches bei der IV-Stelle durchgeführten Standortgespräch vom 24. Juni 2013 (Protokoll vom 25. Juni 2013, Urk. 8/68) mit Gehhilfen und
wurde
– im Widerspruch dazu – noch am se
lben Vormittag im Rahmen der Ob
servation ohne dieselben
gesichtet
, wobei auf dem Überwachungsvideo keine wesentliche Beeinträchtigung des Gangbildes auf ebenem Untergrund zu erken
nen
ist (Urk. 9).
M
it Blick auf diese offensichtliche Diskrep
anz zwischen dem Ausmass der ge
schilderten Beschwerden und dem anlässlich der Überwachung beobachteten Gebaren
steht
jedenfalls
ein
aggravatorisches
Verhalten
im Raum;
die Invali
denversicherung
hat praxisgemäss
für darauf
zurückzuführende
Leistungsein
schränkungen
grundsätzlich
nicht
einzustehen (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2; zur Publikation bestimmtes
U
rteil
des Bundesgerichts
9C_492/2014
vom 3.
Juni 2015
E. 2.2.1 f.
; vgl. auch Bundesger
ichtsurteil 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015
E. 4.1 f.).
B
ereits die Gutachter des
C._
hatten
in ihrer für die
Rentenzusprache
massgebenden Expertise vom 6. Mai 2002 (Urk. 8/38 S. 12) beim Beschwerdeführer ein abnormes Krankheitsverhalten fest
gestellt
und in
psychischer Hinsicht differentialdiagnostisch auf eine im weiteren Verlauf nicht näher abgeklärte Konversionsstörung (Urk. 8/38 S. 12)
ge
schlossen, welche es insbesondere von einer Simulation abzugrenzen gilt (vgl.
D
illing
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer
Störungen,
9.
Aufl
age 2014, S. 214 zu ICD-10 F44).
V
or diesem Hintergrund
bestehen
Zweifel an der Rechtmässigkeit der Ausrich
tung der ganzen Rente und
im Lichte der
dargelegten
Praxis
können
aufgrund
der
derzeitigen Aktenlage
die Erfolgsaussichten des Beschwerdeführers in der Hauptsache – mithin in der Frage, ob und bejahendenfalls in welcher Höhe er tatsächlich einen Anspruch auf eine Invalidenrente hatte beziehungsweise hat – nicht als „
eindeutig positiv
“ bezeichnet werden
, sondern der Ausgang des Hauptverfahrens
ist
zumin
dest als offen zu bezeichnen.
D
ie Beschwerde
ist
deshalb abzuweisen unter
dem
Hinweis darauf, dass die IV
Stelle das auf die Überprüfung des Leistungsanspruches gerichtete (Haupt
)Verfahren (vgl. Vorbescheid vom 8. Juni 2015, Urk. 13/2) selbstredend mit der gebotenen
Beförderlic
hkeit
voranzutreiben haben wird.
4.
D
as vorliegende Verfahren
hat
nicht die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen
, sondern lediglich
die vorläufig unterbleibende Auszahlung zum Gegenstand
und
ist
demzufolge kostenlos
(Art. 69 Abs.
1
bis
IVG e
contrario
), weshalb sich das Gesuch des Beschwerdeführe
rs um Bewilligung der unentgelt
lichen Prozessführung (Urk. 1 S. 1 und 5) als gegenstandslos erweist
.