Decision ID: f1423c9f-421b-4445-a405-9c64a4acce58
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene und ab dem Jahr 2007 als Geschäftsführer der
Y._
GmbH tätige
X._
meldete sich unter Hinweis auf „Erschöpfung, Depression, Konzentrationsunfähigkeit, Rückzug“ am 7. Oktober 2009 (Eingangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen, Rente) an (Urk.
10
/1).
Der Versicherte absolvierte vom 14. März bis zum 4. Juni 2011 ein Belast
bar
keitstraining bei
der Z._
, und steigerte seine tägliche Arbeitszeit von zwei auf vier Stunden (Verlaufsprotokoll Berufs
beratung
vom 6. Juni 2011, Urk.
10
/51; Schlussbericht Integrationsmassnahmen vom 30. Juni
2011, Urk.
10
/61). Im Anschluss daran erfolgte ein Aufbautraining bei der
A._
vom 5. Juni bis zum 4. Dezember 2011 (Kostengutsprache Auf
bautraining vom 6. Juni 2011, Urk. 8/52). Nach erfolgreichem Abschluss des Auf
bautrainings bestritt der Versicherte Arbeitstrainings bei der
Y._
GmbH vom 5. Dezember 2011 bis zum 2. Januar 2012 (Kostengutsprache vom 8. Dezem
ber 2011, Urk.
10
/70) und der
B._
vom 23. Januar 2012 bis zum 22. Juli 2012 (Kostengutsprache vom 29. Februar 2012, Urk.
10
/78). Die
B._
stellte den Versicherten vom 13. August 2012 bis zum 30. September 2012 temporär an.
Ab dem 1. November 2012 war
der Versicherte fest in einem 60%
Pensum in der
B._
angestellt (Verlaufsprotokoll Berufsbera
tung/Folgegespräche vom 27. Juli
2012, Urk.
10
/86
/
3).
Die IV-Stelle holte das psychiatrische Gutachten von Dr.
C._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. Mai 2013 (Urk. 8/97) ein
u
nd
ver
neinte mit Verfügung vom 17. Januar 2014 (Urk.
10/124
) einen Leistungs
an
spruch des Versicherten.
Der Versicherte erhob hiergegen am hiesigen Gericht Be
schwerde (
Urk.
10/125/3 ff.), welche mit Urteil vom 1
7.
Juni 2015 (Verfahrens-Nr. IV.2014.00212) abgewiesen wurde (
Urk.
10/129).
1.2
Am
9.
September 2015 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an (
Urk.
10/130), da sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe.
Die IV-Stelle setzte einen Job-Coach ein und übernahm Support am Arbeitsplatz in der
B._
vom
1.
Februar bis
3
1.
Oktober 2016
(Mitteilung vom 2
6.
Januar 2016,
Urk.
10/144
; Mitteilung vom 3
0.
Juni 2016,
Urk.
10/158
).
Danach holte d
ie IV-Stelle das von
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstellte psychiatrische Gutachten mit neuropsychologischer Untersuchung vom 1
6.
August 2017 ein (
Urk.
10/207).
Mit Schreiben vom 1
1.
Oktober 2017 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine Schadenminderungspflicht in dem Sinne, dass eine fachpsychiatrisch-psy
cho
therapeutische Behandlung fortgeführt werden müsse (
Urk.
10/210). Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
1.
Oktober
2017,
Urk.
10/213
; vorsorglicher Einwand
pk:rück
vom 1
7.
Oktober 2017,
Urk.
10/214; Rückzug vorsorglicher Einwand
pk:rück
vom 1
0.
November 2017,
Urk.
10/222; Einwand vom 1
3.
November 2017,
Urk.
10/223
; ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
0.
Januar 2018,
Urk.
10/235) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Ver
fü
gung vom
6.
August 2018 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 52
%
ab 1. November 2016
eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
3.
September 2018 Beschwerde am hiesigen Gericht und beantragte, es sei die Verfügung vom
6.
August 2018 aufzuheben. Die Verfügung vom 1
7.
Januar 2014 sei in Anwendung von
Art.
53
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
aufzuheben und es sei die dem Beschwerdeführer zustehende Invalidenrente unter
Berücksichtigung eines
Valideneinkommens
von
Fr.
80'000.-- zu berechnen (
Urk.
1;
ergänzende Beschwerdeschrift vom 2
7.
September 2018,
Urk.
6).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Oktober 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
10/1-250), worüber der Beschwerdeführer am 1
5.
Oktober 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen ein medizinisches Gutachten in Auf
trag gegeben worden sei. Gemäss diesen Abklärungen sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig als Geschäftsführer.
In einer angepassten Tätigke
it sei er zu 50
%
arbeitsfähig.
Der Beschwerdeführer habe bis Ende Oktober 2016 ein IV-Taggeld bezogen, der Rentenanspruch sei somit erst ab dem
1.
November 2016
entstanden.
Ein Grund auf die Verfügung vom 1
7.
Januar 2014 zurückzu
kom
m
en, bestehe nicht. Das
Valideneinkommen
sei des W
eiteren gestützt auf die effektiv erzielten Einkommen ermittelt
worden
, ob er damals in einem reduzierten Pensum tätig gewesen sei oder nicht, sei irrelevant, da er - sofern er ein reduziertes Pensum ausgeübt hätte - dies aus freien Stücken getan hätte, so dass die Inva
lidenversicherung nicht dafür einstehen müsse. Stelle man das auf statischen Werten basierende Invalideneink
ommen in einem Pensum von 50
%
unter
Be
rücksichtigung eines Leidensabzuges von 10
%
dem
Valideneinkommen
gegen
über, resultiere ein Invaliditätsgrad von 52
%
(
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass nach
Art.
53 ATSG formell rechtskräftige Verfügungen in Revision gezogen werden müssten, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei. Die Diagnose des Asperger-Syndroms und die entsprechende Bestätigung einer seit 2010
bestehenden Arbeitsunfähigkeit recht
fertige die Aufhebung der
Verfügung vom 1
7.
Januar 201
4.
Des Weiteren habe der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Urteils des Sozialversicherungsgerichts bereits seit anderthalb Jahren Lithium eingenommen. Die Feststellungen des Gerichts seien damit offensichtlich falsch.
Die im neuen Gutachten beschriebenen Einschränkungen bestünden des Weiteren nicht erst seit 2015, sondern bereits seit August 201
0.
Die Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeiten in den beiden Gutacht
en von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
stimmten in etwa überein. Einzig das Gericht habe sich über die Beurteilung hinweggesetzt mit der Begründung, die Arbeitsfähigkeit könne mittels Lithium-Therapie verbessert werden. Demnach sei die Verfügung aufzuheben und der Rentenanspruch rückwirkend per August 2011 zu prüfen.
Des Weiteren sei von einem vollen Arbeitspensum auszugehen, da der Beschwerdeführer damals seine Tätigkeit infolge der Kinderbetreuung reduziert habe. Nach Wegfall der Kinderbetreuung hätte der Beschwerdeführer das Pensum überwiegend wahrscheinlich wieder aufgestockt auf 100
%
, womit von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
80'000.-- auszugehen sei (
Urk.
1).
2.
Der Beschwerdeführer ersucht um eine Aufhebung der Verfügung vom 1
7.
Januar 2014 bzw. des Urteils des hiesigen Gerichts vom
1
7.
Juni 2015
infolge Auffindens neuer erheblicher Tats
achen bzw. Beweismittel, die er
im früheren Verfahren nicht haben beibringen können (
Urk.
1).
2.1
Gegen rechtskräftige Entscheide des Gerichts kann von den am Verfahren Betei
l
igten Revision verlangt werden
,
wenn sie neue erhebliche Tatsachen erfahren oder Beweismittel auffinden, die sie im früheren Ver
fahren nicht beibringen konnten (
§
29
lit
. a
GSVGer
).
Das Revisionsgesuch ist innert 90 Tagen, von der Entdeckung des Revisionsgrundes an gerechnet, beim G
ericht schriftlich einzu
reichen (§30
Abs.
1
GSVGer
).
Diese Voraussetzung ist nicht schon erfüllt, wenn der Revisionsgrund bloss vermutet wird. Entdecken bedeutet hinreichend sichere Kenntnis vom Revisionsgrund (Sabine Spross in: Zünd/Pfiffner
Rauber
, Schriften zum Sozialversicherungsrecht, Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009,
§
30 N 2 mit weiteren Hin
weisen).
Das Revisionsgesuch muss die Revisionsgründe angeben sowie die für den Fall einer neuen Anordnung in der Sache gestellten Anträge enthalten, und es ist nachzuweisen, dass die Frist gemäss
§
30 eingehalten wurde.
Beweismittel sollen beigelegt oder, soweit dies nicht mögli
ch ist, genau bezeichnet werden (
§
31
GSVGer
).
2.2
Spätestens im Zeitpunkt der vollständigen Aktenzustellung an den Rechtsver
tre
ter des Beschwerdeführers im Rahmen des
Einwandverfahrens
am
1
7.
Novem
ber 2017
(
Urk.
10/228)
hätte der
geltend ge
machten Revisionsgrund entdeckt werden müssen, da
sämtliche relevanten Unterlagen - so insbes
ondere das Gutachten von
Dr.
D._
- zur Verfügung standen.
Die
9
0-tägige Frist zur Stellung des Revisionsgesuchs ist
entsprechend schon vor Beschwerdeerhebung zweifelsfrei abgelaufen, weshalb auf das Revisionsgesuch nicht einzutreten ist.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass im Zeitpunkt des Urteils des hiesigen Gerichts
vom 17. Juni 2015
bereits eine anderthalbjährige Lithium-Therapie statt
gefunden habe
(vgl. hierzu
Urk.
3/5-7 und
Urk.
7/8)
,
ist festzuhalten, dass
das Gericht den Zeitraum bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 17.
Januar 2014 zu beurteilen hatte
.
3.
3.1
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früh
eren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
3.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
ü
ber die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.3
3.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
3.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
3.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuch
ungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Exper
te oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in:
Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
4.
4.1
Im Urteil vom 1
7.
Juni 2015
(
Verfahrens-Nr. IV.2014.00212;
Urk.
10/129)
stützte sich das hiesige Gericht auf das Gutachten von
Dr.
C._
vom
17. Mai 2013
(Urk. 10/97) und konstatierte, dass es mit der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung
vereinbar
ist
, einem Gutachten vollen Beweiswert zuzuerkennen, jedoch von der medizinischen Einschätzung de
r Arbeitsfähigkeit
abzuweichen (vgl. BGE 140 V
193 E. 3.1 f. mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_3/2015 vom 20. M
ai 2015 und 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.1 mit
Hinweisen).
Nach eingehender Würdigung des Gutachtens kam das Gericht zusammengefasst zum Schluss, dass die von
Dr.
C._
attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und eine vorläufige 60%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht nachvollziehbar sei. So liege dieser Einschätzung aus diagnostischer Sicht die bipolare affektive Störung, gegenwärtig gemischte Episode mit geringem Krank
heitswert und das ADHS (Diagnose aus Akten entnommen) zugrunde. Das ADHS sei
Dr.
C._
folgend - durch Ritalin genügend behandelt, so dass sich keine zusätzliche relevante Psychopathologie entwickeln sollte. Es ziehe so
mit keine invalidenversicherungsrechtlich zu berücksichtigende Einschrän
kung
en nach sich, was aufgrund der erhobenen Befunde plausibel sei und des Weiteren auch nicht bestritten werde (vgl. E. 5.2).
Bezüglich der bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig gemischte Episode mit geringem Krankheitswert, habe Dr.
C._
notiert, dass sich die Stimmungs
schwankungen negativ auf die bisherige Tätigkeit auswirken würden. Als Befund habe Dr.
C._
einen eher gesteigerten Antrieb erhoben, was allerdings nicht ausreichend sei, um eine bipolare affektive Störung zu diagnostizieren. Es sei demnach davon auszugehen, dass er diese Diagnose aufgrund des vorliegenden Arztberichts des behandelnden Psychiaters Dr.
E._
sowie der Anamnese be
ziehungsweise der Angaben des Beschwerdeführers gestellt habe. Ob der Be
schwer
deführer an einer affektiven bipolaren Störung leide
,
könne hingegen
wie folgend gezeigt werde - ohnehin offen
bleiben (E. 5.3).
Ein Rentenanspruch kö
nn
e
grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare the
rapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nic
ht ausgeschöpft wü
rden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die ge
sundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Ver
bes
serung des (psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch einge
schränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt
werden kö
nn
e, liege
kein invalidi
sierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E
. 3.2.2 mit Hinweis). Dies folge
aus dem Grundsatz der
Selbsteingliede
rungs
- und Schadenminderungspflicht.
Dr.
C._
habe
dafür
gehalten
, dass eine Lithium-Therapie die Arbeitsfähigkeit in der angepassten Tätigkeit steigern dürfte, da die zyklischen Phasen dadurch reduziert werden könnten. Entsprec
hend sei
die - gestützt auf die Akten und den Angaben des Beschwerdeführers diag
nostizierte - bipolare affektive Störung ohnehin nicht invalidisierend im Sinne des Gesetzes, da sie medizinisch
angehbar
sei (vgl. E. 5.3)
.
Ergänzend festzuhalten sei
, dass
nicht ersichtlich
sei
, warum dem Beschwerde
führer die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sozial-praktisch nicht mehr zumut
bar sein soll
e, da seine Beeinträchtigung nicht schwer wiege (vgl. E. 5.4).
Nebst
den im Rahmen der Befunderhebung notiert
en Ressourcen spr
ächen
auch das vom
A._
erstellte Fähigkeitsprofil
für eine aus objektiver Sicht er
stellte Überwin
dbarkeit seiner Einschränkungen, da dem Beschwerde
führer
jeweil
s
durchschnittliche und überdurch
schnittliche Fähigkeiten
attestiert worden seien
. Auch der Bericht der
B._
vom 1
8.
Juli 2012 sei
durchwegs positiv und
beleg
e
insbesondere
eine sehr gute Flexibilität und Lern- und Anpassungs
fähig
keit
(vgl. E. 5.4)
.
Zusammenfa
ssend festzuhalten sei
, dass bei objektiver Betrachtung vom Beschwer
deführer
forderbar
sei
, dass er seine Arbeitsfähigkeit vollumfänglic
h verwerte. Ent
sprechend bestehe
keine
invalidenversicherungsrechtlich
relevante
Einschrän
k
ung der Arbeitsfähigkeit und eine Berechnung
des Invaliditätsgrades erübrige sich (vgl. E. 5.5).
4.2
4.2.1
Die aktuelle Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten von
Dr.
D._
vom 1
6.
August 201
7.
Darin stellte
Dr.
D._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/207/21):
-
Autismus-Spektrum-Krankheit (ICD-10 F84.1)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
Rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.
4)
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellte
Dr.
D._
keine.
4.2.2
Aktuell seien
mindestens sechs der zehn Symptome
bei depressiven Erkran
kungen gegeben
, darunter zwei der Hauptsymptome. Anamnestisch f
ä
nden sich die depressiven, jedoch eher leichtgradig und atypisch ausgeprägten Phasen be
reits mindestens seit 201
0.
Der
Beschwerdeführer selber gebe an, es gehe
hier bei ihm nicht um eine tiefe Traurigke
it. Zentral seien eine soziale Ü
berforderung, eine Antriebsschwäche und eine innere Unru
he.
Die kognitiven Defizite seien
sehr schwierig abgrenzbar von den anderen psy
chia
trischen Störungsbildern. Es sei
daher insgesamt von eher leichtgradigen, aber rezidivierenden depressiven Symptomen, dokumentiert ab dem Jahr
2010, auszugeh
en.
Es fä
nden sich mehr als zwei depre
ssive Episoden, die länger als zwei
Wochen an
gedauert
und deutli
che affektive Symptome aufgezeigt hätten. Aktuell finde
sich ein mittelschwerer depressiver Symptomkomp
lex. Erheblich verschlechtert we
rd
e
die Symptomatik durch die Pseudodemenz. Bei der depres
siven Pseudodemenz finde sich das ausgeprägte Klagen über die kognitiven Defi
zite
. Auch die Gedächtnisprobleme wü
rden teils in den Vordergrund gestellt und detailliert beschrieben.
Es finde
sich bei dem
Beschwerdeführer
eine rezidivie
r
ende depressive Störung (ICD-10
F33.4),
gegenwärtig remittiert. Es fä
nden sich
anamnestisch ausreichende Hinweise für depressive Störungen. Diese
seien
je
doc
h aktuell geringgradig ausgeprägt.
Der Beschwerdeführer gebe
andererseits Phasen an, in denen er ein geringes Schlafbedürfnis habe, er vergessen würde zu essen und auch kein Interesse a
n anderen Dingen habe. Dies sei j
edoch differenzial
diag
nostisch dringend zu differenzieren, da es explizit keine Hinweise auf eupho
rische Sympto
me gebe
. Er sei dann nicht euphorisch, sondern tief in Recherchen oder Interessen
eingebunden. Im Sinne dessen we
rd
e
dies nicht als affektive Problematik, sondern als Teil der Autismus-Spek
trum-Erkrankung gewertet. Es sei
daher nicht von einer bipolaren aff
ektiven Erkrankung auszugeh
en.
Zu diskutieren sei
die durch die Spezialisten gestellte Diagnose einer Erkrankung aus dem Formenkreis der Autismus-Erkrankungen. Zentral
es Problem dieser Erkrankung sei
eine Abweichung in der sozialen Interaktion und Kommunikation und ein stereotyp sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Spezialärztlich
sei
das sogenannte High-
Functioning
-Autismus-Syndrom
diag
nos
tiziert worden
. In der
Gesamtschau zeige
sich ein
sehr auffälliges Verhalten des Beschwerdeführers
bei der gesamten sozialen Interaktion, spezifisc
h auch im Augenkontakt.
In der gesamten Struktur der Untersuchung zeig
t
en sich ausrei
chende Hinweise, um von einem Asperger-Syndrom in mitte
lgradiger Ausprä
gung auszugehen. Es sei
daher die Di
agnose Asperger-Syndrom (ICD-10
F84.5) gerechtfertigt.
Wichtig sei
, dass die Diagnose einer
Asperger
-Symptomatik teil
weise Jahrzehnte benötig
e.
Die Diagnose und die Leitsymptome der
hyperkine
ti
schen Störungen seien Unaufmerksamkeit mit hoher Abl
enkbarkeit und Aufmerk
samkeitsstörung, Überaktivität und motorische Unruhe sowie Impulsivität. Es müss
t
en sowohl
Unaufmerksamkeit als auch Ü
beraktivität vorliegen, um eine Diagnose stellen z
u können.
Beim Beschwerdeführer fänden
sich sowohl unaufmerksame als auch über
aktive Symptome. Die Symptome fä
nden sich in mehr als einer Situation. Aufgaben könn
t
en teilweise nicht langfristig durchgehalten werden. Es w
e
rd
e
häufig von einer Aktivität auf die andere gewechselt. Es finde sich auch eine Ruhelos
igkeit und innere Unruhe. Es sei
daher zusätzlich zu der Diagnose aus dem Formenkreis der Autismus-Erkrankungen explizit entgegen der ICD
1
O-Diagnostik, basierend auf Publikationen und aktuellen Leitlinien für Kinder- und Jugendpsychiatrie „Hyperkinetische Störungen", aktualisiert am 10.01.2011, von einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung auszugehen. Be
sonders beeindruckend beschreibe
der
Beschwerdeführer
selber den Effekt von Methylphenidat. Vorher habe er ein Tablett in der Hand gehabt, auf dem ganz viele Murmeln gewesen seien. Es sei, als ob
er sie all
e auf dem Tablett habe hal
ten müssen. Mit dem ersten Einne
hmen der Methylphenidat-Medikation sei es, als seien die Murmeln plötzlich aus Filz oder würden viel langsamer rollen. Er könne plötzlich die Murmeln
auf dem Tablett halten. Dies sei
fast als diagnosti
sches Kriterium zu werten.
Es fä
nden sich in der Akte Diagnosen
einer dissoziativen Erkrankung.
Der
Be
schwerdeführer gebe
an, insgesamt würden ihm Menschen als fremdartig vor
kommen. Er komme sich vor wie nicht ganz von dieser Welt. Dies sei jedoch ins
gesamt ein Gesamtlebensgefühl. Der
Beschwerdeführer kö
nn
e
nicht die typi
schen dissoziativen Symptome darstellen. Auch wenn ihm Beispiele von Disso
zia
tionen und dissozia
tiven Erfahrungen gegeben wü
rden, finde er sic
h in diesen nicht wieder. Es sei
nicht selten, dass bei Erkrankungen aus dem Autismus-Spektrum sich Betroffene als eigenartig oder fremd gegenüber anderen empfin
den. Es w
e
rd
e
teilweise angegeben, man fühle sich nicht
ganz als Mensch. Dieses Gefühl versuche
der
Beschwerdeführer selber
zu beschreiben. Es würde ihm auch
schwerfallen, „sich morgens in de
r Welt wiederzufinden". Dies sei
jedoch nicht al
s Dissoziation anzusehen. Auch Betroffene mit einem ausgeprägten ADHS empf
ä
n
den die extreme innere Unruhe und die fehlende Ruhe in sich selbst als teilweise dissoziative
n Zustand, der lang anhaltend sei (
Urk.
10/207/21 ff.)
.
4.2.3
Die Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit basie
re
auf der psychiatrischen und der neuropsychologischen
Arbeitsun
fähig
keit. Zen
tral sei
jedoch in diesem Fall die psychiatri
sche Arbeitsunfähigkeit. Es gehe
hier nicht nur und ausschliesslich um die neuropsychologischen Auswirkungen, die zwar
in jeder Diagnose enthalten seien
, die jedoch nicht essenziell
mit den emo
tionalen Interaktion
en übereinstimm
t
en. Ein zentraler Punkt der Erkrankung des
Beschwerdeführers seien
die
schwerstgradig
ausgeprägten emotionalen und inter
aktionellen Defizite. Zu der angestammten Tätigkeit vor 2010 bzw. vor endgül
tiger Dekompensation gehörten erhebliche Anteile von interaktionellen, eigen
ständigen Interaktionen und
emotionalen Konzepten. Diese kö
nn
e
er
akt
uell nicht mehr erbringen. Es sei
daher, basierend auf dem Zusammenschluss Neuropsy
chologie und Psychiatrie, in der angestammten Tätigkeit eine
100%ige Arbeitsun
fähigkeit ab August
2010 zu
dokumentieren (
Urk.
10/207/41 f.).
Gemäss Angaben des unt
ersuchenden Neuropsychologen sei
innerhalb der ange
passten Tätigkeit keine Relevanz bezüglich der kognitiven und neuropsycholo
gi
schen Probleme zu finden. Aktuell f
ä
nden sich basierend auf der psychia
trischen Diagnose erhebliche Hinweise für Einschränkungen sowohl im beruflichen als auch in allen anderen Funktionsbereichen. Diese dokumentier
t
en sich auch in den bisherigen Arbeitserprobungen.
Es sei
daher insgesamt in der angepassten Tätig
keit von ein
er 50%igen Arbeitsfähigkeit ab August
2010 auszugeh
en.
Als ange
passte Tätigkeit kö
nn
e
eine
folgen
de Tätigkeit angenommen werden (
Urk.
10/207/42 f.):
-
Ausreichende Pausen
und Erholungsphasen (aktuell gebe
er an, dass er etwa nach 45 Minuten leichter Tätigkeiten sowohl körperlicher als auch kognitiver Art so ermüde, dass er mindestens 15 bis 20 Minuten lang eine Pause
einlegen müsse)
-
Tagesbelastu
ng von 4 Stunden maximal. Es sei
dem
Beschwerdeführer
nicht möglich, in einem Schichtbetrieb zu arbeiten. Insgesamt k
ö
nn
e er
so aktuell bis zu maximal 4 Stunden
arbeiten
, was
einer 50%-Tätigkeit ent
spreche
(Referenz: admin.ch Wochendurchschnitt 2014: 41,7 Arbeits
stun
den, e
rgibt 8,4 Tagesstunden)
-
Geringe kognitiv-administrative Anforderungen (
er gebe
an, in der letzten Arbeitsstelle gerade ausreichend ohne administrative Anforderungen funk
tionieren zu k
önnen)
-
Keine Teamführung, keine Teamleitung und keine d
irekten Vorge
setzten
tätigkeiten
-
Keine Tätigkeit im Verkaufsbereich oder unmittelbaren Kundenkontakt ausserhalb einer Interaktion mit Patienten innerhalb
eines psychiatrischen Settings
Die aktuelle Tätigkeit sei als ideal angepasst zu werten (
Urk.
10/207/31).
5.
5.1
Das Gutachten von
Dr.
D._
erfüllt
sämtliche rechtsprechungsgemäss erfor
derlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
3
.4).
Es beruht
auf
einer psychiatrischen und neuropsychologischen Untersu
chung
und wurde
in Kenntnis der
Vorakten
(Urk.
10/207
/
6 ff.
) abgegeben.
Es
würdigt
die vorhandenen Arztberichte so
rgfältig,
berücksichtigt die vom Beschwer
de
führer geklagten Beschwerden
(
Urk.
10/207/11)
und setzt sich mit diesen hin
reichend auseinander. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist ein
leuchtend und schlüssig.
Dr.
D._
setzte sich darüber hinaus eingehend mit den Standardindikatoren (vorstehend E. 3.3) auseinander (vgl. Urk.
10/207/9 ff.;
Urk.
10/207/25
ff.;
Urk.
10/207/14 f.;
Urk.
10/207/16 ff. und
Urk.
10/207/19
).
Zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz führte
Dr.
D._
insbesondere aus, dass sich in der Untersuchungssituation keine Hinweise auf Aggravation und Simu
lation ergäben. Es fänden sich insgesamt keine typischen Hinweise, die Zeichen darauf ergeben könnten, dass der Beschwerdeführer die Lage falsch oder über
spitzt darstelle (
Urk.
10/207/14).
Er äusserte sich
auch
eingehend zum Tages
ab
lauf (
Urk.
10/207/19) und hielt fest, dass der Beschwerdeführer in den Alltags
aktivitäten nicht vollständig
, aber mittelgradig beeinträchtigt sei
-
so gebe er an, es käme teilweise zu sehr schlechten Tagen, an denen einfache Aufgaben wie
E-Mails beantworten oder Hausarbeit nicht möglich seien. Auch die Betreuung der eigenen Kinder sei schwierig für ihn (
Urk.
10/207/27). Des Weiteren kon
statierte
Dr.
D._
, dass der Beschwerdeführer maximal mit den aktuellen The
rapien kooperiere und trotz der eingeschränkten finanziellen Mittel eine regel
mässige Psychotherapie aus eigener Tasche ohne Zuhilfenahme von Versiche
rungen finanziere, was als hohe Eigenmotivation zu werten sei. Es seien alle möglichen und durch Fachärzte oder die IV vorgeschlagenen Therapien durch
geführt worden und der Beschwerdeführer gebe an, hier keine subjektive Besse
rung erfahren zu haben. Es sei daher von einer maximalen Kooperation auszu
gehen (
Urk.
10/207/25 f.).
Auch die Beschwerdevalidierung im Rahmen der neu
ro
psychologischen Untersuchung fiel unauffällig aus (
Urk.
10/206/6 f.).
Die Beurteilung von
Dr.
D._
umfasste darüber hinaus das ganze Leistungs
profil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Dr.
D._
ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat
ausschliesslich
funktio
nelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchti
gung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
5.2
Zusammenfassend ist gestützt auf das Gutachten von
Dr.
D._
eine Verän
derung der funktionellen Auswirkungen des psychischen Gesundheitszustandes überwiegend wahrscheinlich erstellt und es ist von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers
in angepasster Tätigkeit
auszugehen. Dies blieb auch seitens der Parteien unbestritten.
6.
Zu prüfen bleiben
die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeits
fähigkeit.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
den
einkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
6.2
Der Beschwerdeführer meldete sich am
9.
September 2015 erneut bei der Be
schwerdegegnerin zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/130). Vom
1.
Februar bis zum 3
1.
Oktober 2016 bezog er ein Taggeld (
Urk.
10/236/8;
Urk.
1 S. 7). Der Renten
anspruch entstand somit
frühestens
ab dem
1.
November 2016 (vgl.
Art.
29
Abs.
1 und 2 IVG), womit dies den
ausschlaggebende
n
Zeitpunkt für den Einkom
mens
vergleich darstellt.
6.3
Das Invalideneinkommen setzte die Bes
chwerdegegnerin gestützt auf den stati
s
ti
schen Wert für Hilfsarbeiten in e
inem 50%-Pensum in Höhe von Fr.
35'723.-- fest und berücksichtigte darüber hinaus einen leidensbedingten Abzug von 10
%
, so dass die Beschwerdegegnerin das anrechenbare Invalideneinkommen in Höhe von
Fr.
32'150.-- festsetzte.
Nach der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohn
strukturerhebung
2016
(LSE)
betrug das Einkommen für einen männlichen Hilfs
arbeiter
Fr.
5'340
.-- monatlich, basierend auf einer Wochenarbeitszeit von
40
Stunden (LSE 2016, TA1 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Total, Männer,
Kompetenzniveau 1
Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
). Bereinigt um die b
etriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
in Stun
den pro Woche von total 41.7 Stunden (BFS,
T
03.02.03.01.04.01
Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
in Stunden pro Woche, Total) resultiert ein Invalideneinkommen von
Fr.
66
'
803
.
40
bei einem vollen Pensum (
Fr.
5'
3
4
0
.-- : 40 x 41.7 x 12). Bei einem weiterhin zumutbaren Pensum von 50
%
resultiert ein Invalideneinkommen in Höhe von
Fr.
3
3
'
40
1.
7
0.
Folgt man der Beschwerdegegnerin und berücksichtigt den
als
äusserst
grosszügig zu beurtei
len
den
Leidensabzuges von 10
%
resultiert daraus ein anrechenbares Invaliden
ein
kommen in Höhe von
Fr.
30'
061
.5
5.
6.4
6.4.1
Für die Festsetzung des
Valideneinkommens
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das gemäss IK-Auszug in den Jahren 2008 und 2009 erzielte Er
werbs
einkommen von
Fr.
64'008.--
und setzte es unter Berücksichtigung der Teuerung in Höhe von
Fr.
67'210.-- fest (
Urk.
2). Der Beschwerdeführer brachte hiergegen insbesondere vor, dass von einem
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
80'000.-- auszugehen sei, da er
seinen
Lohn bei einem Pensum von 80
%
erzielt
habe
. Die damalige Reduktion des Arbeitspensums sei nicht aus freien Stücken erfolgt, da er in dieser Zeit die Kinderbetreuung übernommen habe, wenn seine Ehefrau ihrer Arbeitstätigkeit nachgegangen sei. Nach Wegfall der Kinderbetreuung hätte er als Geschäftsführer in leitender Position sein Pensum wieder aufgestockt (
Urk.
1 S.
10).
Im Arbeitsvertrag vom 15. November 2007 wurde ein Pensum von 80 % und ein brutto Einkommen von Fr. 80'000.-- vereinbart (Urk. 10/117). Gegenüber der
Kran
kentaggeldversicherung wurde
am 7. April 2009
ein Pensum von 80 % ange
geben (Urk.
10/7/10).
In der
IV-
Anmeldung vom
7.
Oktober 2009 gab der Beschwerdeführer
dem
gegen
über
an, er arbeite in einem Pensum von 90
%
(
Urk.
10/1/5).
Im Arbeit
geber
fragebogen vom
1
3.
Juni 2010 wurden keine Anga
ben zum Pensum gemacht (
Urk.
10/19).
Das Pensum des Beschwerdeführers vor Eintritt des Gesundheits
schadens kann infolge der widersprüchlichen Angaben in den vorliegenden Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beurteilt werden. Hinzu kommt, dass aus den Akten und insbesondere dem Schaden
inspek
toren-Bericht der Winterthur Versicherung vom 1
7.
August 2009
nicht ersichtlich ist, dass er sich - ausgehend von einem reduzierten Pensum
–
tatsäch
lich um die Kinder gekümmert und damit ein
en
Aufgabenbereich gehabt hätte (vgl.
Urk.
10/7). Er gab gegenüber dem Schadeninspektor des Weiteren an, dass er kei
ne Hobbies habe, da er ständig gearbeitet habe (
Urk.
10/7/3). Entsprechend wurde im Rahmen der Berufsberatung auch eine Steigerung des Pensums auf 100
%
und eine an
schliessende Stellensuche
in vollem Pensum
angestrebt (Verlaufsprotokoll Berufs
beratung/Folgegespräche vom 2
9.
Februar 2012,
Urk.
10/77).
Zusammenfassend kann weder das tatsächlich geleistete Pensum noch ein all
fälliger damit in Zusammenhang stehender Aufgabenbereich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Entsprechend stützte sich die Be
schwer
d
egegnerin zu Recht auf den in den Jahren 2008 und 2009 zuletzt erzielten Lohn ab zur Festsetzung des
Valideneinkommens
.
6.4.2
In den Jahren 2008 und 2009 erzielte der Beschwerdeführer jeweils ein Ein
kommen in Höhe von
Fr.
64'008.-- (Auszug aus dem individuellen Konto,
Urk.
10/175). Bereinigt um die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2016 resul
tiert daraus ein anrechenbares
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
68'505.70 (
Fr.
64'008.-- : 2092 x 2239; [
T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise un
d der Reallöhne, Männer, Stand 2008 = 2092, Stand 2016 = 2239]).
6.5
Ob ein Leidensabzug von 10
%
zu berücksichtigen bzw. als angemessen zu beurteilen ist, kann vorliegend offen bleiben:
Bei Gegenüberstellung des ohne Leidensabzug zu berücksichtigenden Invaliden
einkommen von
Fr.
33
'
401
.
7
0 und dem
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
68'505.70 resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
35
'
104
.
--
(
Fr.
68'505.70 -
Fr.
33
'
401
.
7
0), was ei
nem Invaliditätsgrad von rund 51
%
entspricht
(
Fr.
35
'
104
.
--
:
Fr.
68'505.70).
Stellt man das Validen- dem Invalideneinkommen
unter Berücksichtigung des Leidensabzuges von 10
%
gegenüber
,
resultie
rt eine Erwerbseinbusse von Fr.
38
'
444
.15 (
Fr.
68'505.70
–
Fr.
30'
061
.55), was ei
nem Invaliditätsgrad von rund 56
%
(
Fr.
38
'
444
.15 :
Fr.
68'505.70)
entspricht.
Entsprechend hat der Beschwerdeführer
mit oder ohne Berücksichtigung des Leidensabzuges
Anspruch auf eine halbe Rente ab dem
1.
November 201
6.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit im Resultat als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
7.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kanto
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
wei
ge
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetz
li
chen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.