Decision ID: ec8c42c8-d825-4ad3-8c28-2cefb89829f8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene
X._
bezog in einer am
2.
Januar 2017
eröff
neten Rahmenfrist Leistungen der Arbeitslosenversicherung
(
Urk.
7/10
3
). Mit Ver
fü
gung vom
1
3.
Dezember
2017 stellte sie das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich wegen Nichtbefolgung von Weisungen des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) für die Dauer von 31 Tagen
ab
4
.
Okto
ber 2017
in
der Anspruchsberechtigung ein
(Urk. 7
/
11
)
.
Die dagegen von der Ver
sicherten am 1
9
.
Januar 2018
erhobene Einsprache (Urk.
7
/1
2
) wies das AWA mit Einspracheentscheid vom 1
5
.
Mä
r
z 2018
ab (Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
5.
März 2018 erhob
X._
am 2
7.
April 2018 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung
(
Überweisung durch
das AWA
; dort eingegangen am
2.
Mai 2018;
Urk.
1 und
Urk.
4
).
Der Beschwerdegegner beantragte mit Beschwerdeantwort
vom 29.
Mai 2018
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6, unter Beilage seiner Akten [
Urk.
7/1-103]), was der Beschwerdeführerin am
1.
Juni 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt
(vgl. Urk. 2)
, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständig
keit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht).
1.2
Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss nac
h
Art.
17 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
siche
rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) mit Unterstützung des zustän
digen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen.
Sie muss zur Schadenminderung grundsätzlich jede zu
mut
bare Arbeit
unverzüglich annehmen (Art. 16 Abs. 1 und 2 AVIG), insbe
sondere auch eine solche, die ihr vermittelt wurde (Art. 17 Abs. 3 Satz 1 AVIG).
1.3
Gemäss
Art.
30 Abs. 1 lit.
d AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsbe
rechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt
. Neben der Nichtannahme einer amtlich zugewiesenen zumutbaren Arbeit erfasst Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der seit dem 1. Juli 2003 geltenden Fassung auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen zumutbaren Arbeit oder einer von Dritten vermittelten oder angebotenen zumutbaren Stelle (Urteil des Bundesgerichts C 17/07 vom 22. Februar 2007 E. 2.2).
Dieser
Einstellungstatbestand
ist
auch dann erfüllt, wenn
die versicherte Person
die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnt, es aber durch
ihr
Verhalten in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird.
A
rbeitslose Versicherte
haben
bei den Ver
hand
lungen mit dem künftigen Arbeitgeber klar und eindeutig die Bereit
schaft zum
Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosig
keit nicht zu
gefährden (
BGE 122 V 34 E. 3b)
.
Eine Ablehnung einer zumutbaren Arbeit liegt
zudem vor, wenn die versicherte Person der Aufforderung des RAV, sich bei einer
bestimmten Firma um eine Stelle zu bewerben, nicht oder nicht rech
tzeitig nach
kommt (ARV 1986 Nr. 5 S. 22 f. E.
1a).
2.
2.1
Strittig und
zu prüfen ist, ob
die
Beschwerdeführer
in
zu Recht
wegen Nichtbefol
gens von Weisungen des RAV
für die Dauer von
31
Tagen in der Anspruchs
be
rechti
gung eingestellt wurde.
2.2
Der Beschwerdegegner führte im angefochtenen Einspracheentscheid vom 15. März 2018 im Wesentlichen aus,
dass
die Beschwerdeführerin vom RAV am 6. September 2017 angewiesen worden
sei
, sich bis zum 11.
September
2017 bei der
Y._
auf eine Stelle als Service-Disponentin in einem 100
%
-
Pensum zu bewerben. Dabei hätte es sich um eine per sofort anzutretende, unbe
fristete Vollzeitstelle
mit
einem Monatslohn von Fr.
6
'
0
00.-- gehandelt.
Der Arbeitsort wäre in
Z._
gewesen
. Das Stellenangebot sei unter den Voraus
setzungen und nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 AVIG zumutbar gewesen.
Ge
mäss den Akten habe sich die Beschwerdeführerin am 1
1.
September 2017 auf diese Stelle beworben und
es
sei in der Folge ein telefonisches Interview am 3. Oktober 2017 um 10.30 Uhr vereinbart worden. Dieses sei jedoch nicht zu
stande
ge
kommen. Gemäss der telefonischen Rückmeldung der
Y._
vom 1
7.
November 2017 sowie gemäss deren E-Mail vom
8.
Dezember 2017 habe das Gespräch nicht durchgeführt werden können
, weil die Beschwer
de
führerin telefonisch nicht erreichbar gewesen sei und sie sich auch nicht zu
rück
gemeldet habe (
Urk.
2 S. 2). Die Beschwerdeführerin habe geltend gemacht, dass sie gar keinen Anruf von der
Y._
erhalten habe
. Unab
hängig davon, aus welchen Gründen das Telefoninterview zum geplanten Zeit
punkt nicht zu
stande gekommen sei, hätte sie danach aber nicht einfach untätig bleiben dürfen.
B
ei diesem Telefoninterview
habe es sich
um ein Gespräch hinsichtlich einer mög
lichen Anstellung gehandelt
. Deshalb
hätte von der Be
schwer
deführerin erwartet werden können, dass sie sich nach dem gemäss ihren Anga
ben unterbliebenen Anruf umgehend mit der
Y._
in Ver
bin
dung setzen würde
. Sie hätte sich nach den Gründen für das nicht stattgefun
dene Gespräch erkundigen und einen neuen Termin für ein Gespräch vereinbaren müs
sen. Die Beschwerde
führerin mache zwar geltend, dass sie am Nachmittag
des 3. Oktober 2017
bei der
Y._
angerufen habe. Sie habe jedoch niemand erreichen können. Eine Kontaktaufnahme mit der
Y._
sei damit nicht zustande ge
kom
men
. Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Stel
lungnahme vom 2
7.
November 2017 zudem ausgeführt, dass sie vergessen hätte, sich eine Erinnerung zu setzen, um nochmals zu versuchen, mit der
Y._
Kontakt aufzunehmen. Sie habe sich somit nicht mehr weiter um die mögliche Anstellung bei der
Y._
gekümmert. Erst am 2
2.
November 2017, nachdem sie das Schreiben des RAV mit der Aufforderung zur Stellungnahme erhalten
hatte
, habe sie sich mit der
Y._
effektiv in Kontakt gesetzt, wobei zu diesem Zeitpunkt die Stelle, um welche es beim geplanten Telefoninterview gegangen sei, bereits besetzt gewesen sei
(
Urk.
2 S.
3).
2.3
Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, dass sie keinen Anruf der
Y._
erhalten habe (
Urk.
1 S. 1).
Ihr Fehler, dass
sie
vergessen habe, eine Erinnerung in den Kalender zu schreiben, sollte
zudem
nicht 31 Ein
stelltage zur Folge habe
n
(
Urk.
1 S. 1). Sie habe sich am 1
1.
September 2017 per E-Mail auf die Stelle bei der
Y._
beworben. Angeblich habe es beim Öffnen ihres Bewerbungsdossiers Schwierigkeiten geben, weshalb sie die Dateien nochmals gesendet habe. Es sei zutreffend, dass sie für die besagte Zeit ein Telefongespräch vereinbart habe. Es habe aber niemand angerufen
(
Urk.
7/6)
.
Sie habe gedacht, dass vielleicht etwas dazwischengekommen sei, oder dass sie vergessen worden sei. Schliesslich habe «das Ganze» bei der Terminabsprache sehr unsicher «getönt». Sie habe auch noch nie ein Interview per Telefon gehabt und sich nichts dabei gedacht
(Urk. 7/12)
. Sie habe sich
dann
aber trotzdem erkun
di
gen wollen
.
Sie habe
deshalb
am Nach
mittag desselben Tages ein paar Mal ver
sucht,
bei der
Y._
anzurufen, doch habe sie niemanden errei
chen können
(Urk.
7/6
, Urk. 7/12
)
.
Die
s
habe ihren ersten Eindruck
, dass der Mit
arbeiter im Personalwesen der
Y._
sehr unzuverlässig sei, bestätigt (Urk.
7/12).
Danach
habe sie vergessen in ihren Kalender einzutragen, es bei der
Y._
erneut zu versuchen. Nachdem sie das Schreiben des RAV vom 2
0.
November 2017 erhalten habe, sei sie am 2
2.
Novem
ber 2017 nach
Z._
zur
Y._
gefahren. Dort hätten die Mitarbeiter am Empfang sicherlich zehn Versuche benötigt, um den Teamleiter Service Ad
ministration oder den Mitar
beiter im Personalwesen zu erreichen
.
Schliesslich
h
ab
e
sie mit dem Teamleiter Service Administration sprechen können. Er habe ihr zwar gesagt, dass die Stelle, für welche sie sich beworben
hätte
, bereits
verge
ben
sei. Er habe sie jedoch auf eine offene Stelle als «Sachbearbeiterin Service Administration» hingewiesen, für die sie sich in der Folge beworben habe (
Urk.
7/6
).
3.
3.1
Gemäss den Angaben eines Mitarbeiters im Personalwesen der
Y._
vom
8.
Dezember 2017
wurde
mit der Beschwerdeführerin auf de
ren Bewerbung als Service-Disponentin hin für den
3.
Oktober 2017 um 10.30 Uhr ein Termin für
ein Telefoninterview vereinbart
.
Er führte weiter aus, dass sie
drei Mal erfolglos ver
sucht
hätten
, die Beschwerdeführerin
telefonisch
zu errei
chen. Sie hätten auch keine Rückmeldung der Beschwerdeführerin erhalten (
Urk.
6/9).
Zwar gibt die Beschwerdeführerin an, dass sie am Nachmittag
des
3.
Oktober 2017
versucht habe, mit
der
Y._
in Kontakt zu tre
ten. Sie muss sich aber vorhalten lassen, dass sie nicht unmittelba
r danach tätigt wurde, als sie -
gemäss ihren Angaben - um 10.30 Uhr den vereinbarten Anruf nicht erhalten hatte. Dann wären die Aussichten,
um mit dem
Teamleiter Service Administra
tion, welcher das Gespräch mit der Beschwerdeführerin
hätte
führen soll
e
n
(
Urk.
6/18),
zu
telefonieren
,
am grössten gewesen, denn er hatte sich
diesen Termin
für die Beschwerdeführerin reserviert. Es genügte
ebenso wenig
, dass die Beschwer
deführerin lediglich am Nachmittag «ein paar Mal» bei der
Y._
angerufen hat
te
, ohne jedoch mit jemande
m
bezüglich des verpass
ten Termins
ge
sprochen zu haben
(vgl.
Urk.
7/6)
.
Angesichts dessen, dass es sich bei dem verpassten Telefontermin um ein Gespräch für eine Festanstellung han
delte, hätte die Beschwerdeführerin nichts unversucht lassen dürfen, um die Gründe für den - gemäss ihrer Beschreibung - nicht erfolgten Anruf zu erfahren und einen neuen Termin zu vereinbaren. Indem die Beschwerdeführerin in der Folge vergass, sich erneut um
Kontakt mit der
Y._
zu bemühen und sich nicht mehr weiter um die mögliche Anstellung bei der genannten Un
ternehmung kümmerte, nahm sie in Kauf, dass die Stelle als Service-Disponentin anderweitig besetzt würde umso mehr, als die Arbeitsstelle per sofort zu besetzen war (
Urk.
7/3).
Der Umstand, dass
die Beschwerdeführerin
später am 2
2.
November 2017 vor Ort das Gespräch mit den Personalverantwortlichen der
Y._
suchte und sich
danach
für eine andere Stelle in diesem Unter
nehmen beworben hat (vgl.
Urk.
7/6), spricht
zwar
für ihr Engagement bei der Stellen
suche. Vorliegend geht es aber einzig darum, ob die Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten mitursäch
lich dazu bei
ge
tragen hat, dass es nicht zum Ab
schluss eines Arbeitsvertrages mit der
Y._
für
die ihr vom RAV zugewiesene Stelle
als Service-Disponentin gekommen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2007 vom 23. November 2017
E. 4.2)
. Dies trifft nach dem
Vorgenannten
klar zu.
3.2
Der Beschwerdegegner ist mithin zu Recht davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin die Weisungen des RAV nicht befolgt
hat, weil sie der Be
werbungsaufforderung
-
wozu selbstredend auch das Bewerbungsgespräch zu zählen ist -
innert Frist nicht nachgekommen ist
(Urk. 2).
Damit ist der Einstel
lungstatbestand gemäss
Art.
30 Abs. 1
lit.
d AVIG
erfüllt (vgl. E. 1.3, wonach dieser Einstellungstatbestand auch dann erfüllt ist, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die Arbeitsstelle anderweitig besetzt wird).
Nach dem
Gesag
ten
vermag sich die Beschwerdeführerin mit ihren Vor
bringen nicht zu entlasten.
4
.
4
.1
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittel
schwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45
Abs.
3 AVIV).
Ein schweres Verschulden liegt nach
Art.
45
Abs.
4 lit. b AVIV vor, wenn die versicherte Person eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat.
4
.2
Die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 3
1
Tagen liegt im unter
sten
Bereich eines schweren Verschuldens. Gemäss
Einstellraster für KAST/RAV des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco) ist die Ablehnung einer zugewiesenen oder selbstgefundenen zumutbaren, unbefristeten Stelle bei der ersten Ablehnung als
schweres Verschulden zu qualifizieren und die Einstell
dauer sollte zwischen 31 und 45 Tagen liegen (AVIG-Praxis ALE Rz. D79). Mit Blick darauf und i
n Anbetracht der gesamten Um
stände ist die Annahme eines schwe
ren Verschuldens somit nicht zu beanstanden und die Einstellung in der An
spruchsberechtigung während 3
1
Tagen rechtens.
5
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.