Decision ID: 3e238460-e5be-52c0-bd2f-95787f361e58
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie,
gelangte eigenen Angaben zufolge am 14. November 2015 in die Schweiz,
wo er am 15. November 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
B._ um Asyl nachsuchte. Am 23. November 2015 wurde er zu sei-
ner Person und zum Reiseweg befragt (Befragung zur Person [BzP]). Ge-
mäss Aktennotiz der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliche Akten act. A6) wurde
diese Befragung aufgrund der enorm hohen Belegung im EVZ stark ver-
kürzt durchgeführt, weshalb die Gesuchsgründe nicht erfragt wurden.
B.
Am 19. August 2016 ersuchte die damalige Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers im Verfahren seines Partners unter anderem um Koordi-
nation der beiden Verfahren (vgl. vorinstanzliche Akten N ... act. A20).
C.
C.a
Mit Eingabe vom 14. September 2016 informierte die damalige Rechtsver-
treterin die Vorinstanz darüber, dass sie das Mandat des Beschwerdefüh-
rers übernommen habe. Gleichzeitig ersuchte sie um einen Kantonswech-
sel in den Kanton C._ sowie um Zusammenlegung der Verfahren
des Beschwerdeführers und seines Partners. Dabei wurde ausgeführt, die
beiden seien seit langem ein Paar. Sie hätten sich in Syrien kennengelernt
und verliebt. Die Beziehung hätten sie vor den Familien geheim gehalten.
Sie seien gemeinsam aus Syrien ausgereist und hätten sich bis zur unter-
schiedlichen Kantonszuweisung immer zusammen aufgehalten. Auch jetzt
stünden sie in stetem Kontakt. Bei ihren BzP hätten sich die beiden nicht
getraut, ihre Homosexualität offenzulegen. Der Partner des Beschwerde-
führers habe zudem angegeben, mit einer Frau verlobt zu sein. Zu dieser
Angabe sei er von seiner Familie aufgefordert worden, damit diese Frau
später einmal nachgezogen werden könne. Der Beschwerdeführer und
sein Partner würden eine gelebte Familiengemeinschaft im Sinne von Art.
8 EMRK bilden und eine eheähnliche Beziehung führen. Sie seien gegen
ihren Willen in unterschiedlichen Kantonen untergebracht worden. Die
räumliche Trennung bedeute für sie eine enorme Belastung. Sie möchten
deshalb gemeinsam im Kanton C._ leben. Sie würden eine andau-
ernde, gefestigte Partnerschaft führen und könnten sich vorstellen, sich
künftig in der Schweiz als Partner eintragen zu lassen. Allerdings würden
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sie sich davor fürchten, dass die Familie des Partners des Beschwerdefüh-
rers davon erfahren könnte. Als Beweismittel wurden mehrere Fotografien
eingereicht, die das Paar zusammen zeigen.
C.b
Mit Schreiben vom 21. September 2016 informierte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer darüber, dass sein Gesuch um Kantonswechsel an die be-
troffenen Kantone weitergeleitet werde. Das SEM gehe aufgrund einer vor-
frageweisen Prüfung davon aus, dass weder ein Anspruch auf Einheit der
Familie noch eine schwerwiegende Gefährdung vorliege. Der Beschwer-
deführer und sein Partner würden nicht unter den Familienbegriff im Sinne
von Art. 1a Bst. e der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR
142.311) fallen, da sie ihre Partnerschaft (noch) nicht hätten eintragen las-
sen und gleichgeschlechtliche Paar nicht unter den Begriff des Konkubi-
nats fallen würden.
C.c
Während sich der Kanton D._ am 22. September 2016 mit dem
Kantonswechsel einverstanden erklärte, beantragte der Kanton C._
mit Schreiben vom 26. September 2016 die Abweisung des Gesuchs. Als
Begründung wurde angeführt, es würden vorliegend keine ausserordentli-
chen Gründe geltend gemacht und es gebe keinen Grundsatz auf Einheit
der Familie, der eine Gutheissung rechtfertigen würde.
C.d
Am 29. September 2016 nahm der Beschwerdeführer zum Schreiben der
Vorinstanz Stellung und führte an, es treffe zwar zu, dass er und sein Part-
ner nicht unter den Begriff des Konkubinats fallen, jedoch sei in Art. 1a Bst.
e AsylV 1 nicht von Konkubinat die Rede, sondern von in dauernder ehe-
ähnlicher Gemeinschaft zusammenlebenden Personen, welche Ehegatten
gleichgestellt werden. Ob eine solche eheähnliche Beziehung vorliege, sei
unter Würdigung aller massgebenden Umstände des Zusammenlebens zu
beurteilen. Stelle man sich auf den Standpunkt, in einer dauerhaften Be-
ziehung stehende homosexuelle Paare würden nicht unter den Begriff der
eheähnlichen Gemeinschaft fallen und somit nicht dem Grundsatz der Ein-
heit der Familie unterstellt, wäre dies eine ungerechtfertigte Diskriminie-
rung und ein Verstoss gegen Art. 8 Abs. 2 BV. Ferner falle ihre Beziehung
unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Schliesslich würden sie sich
derzeit beim Zivilstandsamt K._ über die Voraussetzungen des Vor-
bereitungsverfahrens für die eingetragene Partnerschaft erkundigen. Da
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der Beschwerdeführer keine syrische Identitätskarte besitze, sei dies nicht
ganz einfach.
C.e
Am 28. Oktober 2016 informiert der Beschwerdeführer die Vorinstanz dar-
über, dass das Vorbereitungsverfahren für die Eintragung der Partner-
schaft inzwischen eingeleitet worden sei.
C.f
Mit Verfügung vom 22. Dezember 2016 lehnte das SEM das Kantonswech-
selgesuch vom 14. September 2016 ab. Zur Begründung führte die Vo-
rinstanz im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer und sein Partner wür-
den zwar unter den Familienbegriff im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1
fallen, allerdings sei ihre Beziehung nicht als gefestigt und mit Blick auf den
Kantonswechsel anspruchsbegründende Lebensgemeinschaft zu qualifi-
zieren. So hätten sie keine konkrete Beziehungsdauer genannt, gemäss
Aktenlage stehe jedoch fest, dass sie im Heimatland nicht in einem ge-
meinsamen Haushalt zusammenlebten, sondern mit Familienangehörigen
zusammenwohnten. Es könne auch angenommen werden, dass sie in fi-
nanzieller Hinsicht – soweit notwendig – innerfamiliär unterstützt worden
seien. Somit würden keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass bereits im
Heimatland eine gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit vorgelegen
habe. Andere konkrete gegenseitige Verpflichtungen und Unterstützungen,
welche über freundschaftliche Dienste hinausgehen, seien nicht bekannt.
Anzuerkennen gelte, dass das Paar zumindest die gemeinsame Herkunft
und die gemeinsame Flucht als Schicksalsgemeinschaft teilte. Dies ver-
möge jedoch nicht zu rechtfertigen, dass die Beziehung eine bereits über
eine Liebes- und Freundschaftsbeziehung hinausgehende Qualität erreicht
hätte. Es könne somit festgehalten werden, dass sie das Bestehen einer
schützenswerten gefestigten Lebensgemeinschaft nicht hinreichend dar-
gelegt hätten. Daran würde auch die Einleitung eines Vorbereitungsverfah-
rens zur Eintragung der Partnerschaft nichts ändern. Ihnen könne zugemu-
tet werden, den Ausgang des laufenden Vorbereitungsverfahrens in ihren
aktuellen Zuweisungskantonen abzuwarten. Dem Einwand der Rechtsver-
tretung, wonach das Paar gegenüber einem heterosexuellen Paar bei einer
Verweigerung des Kantonswechsels fortgesetzt diskriminiert würde, könne
nicht gefolgt werden, zumal die Kriterien für die Anerkennung einer gefes-
tigten Lebensgemeinschaft bei einem heterosexuellen Paar gleichermas-
sen anzuwenden seien. Da das Paar im Heimatland nicht zusammengelebt
habe, werde ihm durch die Verweigerung des Kantonswechsels nicht die
Weiterführung einer bisher gelebten Wohngemeinschaft verwehrt. Somit
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setze der Kantonswechsel die Zustimmung beider betroffener Kantone vo-
raus, welche nicht vorliege. Das Gesuch sei somit abzuweisen.
C.g
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 5. Januar 2017
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Allerdings zog er seine Be-
schwerde am 21. September 2017 zurück, nachdem ihm von der Vo-
rinstanz mitgeteilt worden war, er könne erst angehört werden, wenn das
Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht abgeschlossen sei. Er ziehe
das Voranschreiten seines Asylverfahrens vor. Die Beschwerde wurde so-
mit mit Entscheid vom 26. September 2017 abgeschrieben.
D.
Am 30. Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführer eingehend angehört.
Dabei machte er zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen gel-
tend, er stamme aus E._ und F._, habe die Schule nur wäh-
rend drei Jahren besucht und sei deshalb Analphabet. Im Jahr 2011 sei er
per Dekret Nr. 49 als Ajnabi syrischer Staatsbürger geworden. In der Folge
sei er medizinisch untersucht und in F._ rekrutiert worden. Dem Mi-
litärbüchlein kann jedoch entnommen werden, dass er gemäss Dekret Nr.
149 vom Militärdienst und vom Reservedienst befreit worden sei. In den
Jahren 2013 und 2014 sei er mehrmals illegal in die Türkei und in den Li-
banon gereist, um dort zu arbeiten. Ende 2013 habe er seinen Neffen in
den Irak begleitet, weil dieser im Militärdienst bei der YPG (Volksverteidi-
gungseinheit, bewaffnete kurdische Miliz in Syrien) verletzt worden sei. Er
sei nach seinen Auslandaufenthalten jeweils nach E._ zurückge-
kehrt. Dort sei er von den YPG aufgefordert worden, für sie in den Krieg zu
ziehen und festgehalten worden. Nach fünf Tagen sei ihm die Flucht mit
Hilfe eines Bekannten gelungen. Als er sich in der Folge in der Türkei auf-
gehalten habe, sei er bei Nachbarn und dann bei sich zuhause gesucht
worden. Bei einer Rückkehr nach Syrien befürchte er, für die Regierung
oder für andere Milizen in den Krieg ziehen zu müssen.
Ferner machte der Beschwerdeführer geltend, er führe seit 2013 eine Be-
ziehung zu einem Mann, welche er in Syrien nicht habe leben können. Er
habe sich deshalb mit diesem zusammen entschieden, aus Syrien auszu-
reisen, um an einem anderen Ort gemeinsam leben zu können. Ein Freund,
G._, habe aufgrund eines Telefonats von dieser Beziehung erfah-
ren. Er habe die beiden in der Folge mit Kleinigkeiten erpresst und es habe
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die Gefahr bestanden, dass er die Beziehung beziehungsweise die Homo-
sexualität des Beschwerdeführers und seines Partners verraten könnte,
was im syrischen Kontext den Tod bedeutet hätte.
E.
Mit Eingabe vom 14. Februar 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um Ein-
bezug in das Familienasyl seines Partners und erkundigte sich nach dem
Verfahrensstand. Dabei erklärte er, nachdem das Bezirksgericht Zofingen
mit Entscheid vom 25. Oktober 2017 seinen Personenstand festgestellt
habe, sei es ihm nun möglich, seine Partnerschaft mit seinem langjährigen
Partner eintragen zu lassen. Entsprechende Schritte seien im Gange, je-
doch fürchte sich insbesondere sein Partner enorm davor, dass seine Fa-
milie durch die Eintragung von seiner Beziehung erfahren könnte. Aufgrund
dieser Angst habe der Partner mittlerweile einen Wechsel in den Kanton
H._ beantragt, welcher ihm bewilligt worden sei. So könne er dem
Beschwerdeführer etwas näher sein. Für einen Wechsel in den Kanton
D._ habe ihm der Mut gefehlt, da dies für seine Familie nicht ver-
ständlich gewesen wäre, in H._ habe er einen Cousin, bei dem er
zurzeit wohne. Der Beschwerdeführer und sein Partner würden fast ihre
ganze freie Zeit miteinander verbringen. Die Beziehung sei in der Schweiz
weitergewachsen und es sei ihr Wunsch, sich baldmöglichst auch rechtlich
aneinander zu binden. Die Beziehung falle unter den Familienbegriff im
Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1, weshalb nebst seinen eigenen Asylgrün-
den der Einbezug des Beschwerdeführers in das Asyl seines Lebenspart-
ners gemäss Art. 51 AsylG (SR 142.31) zu prüfen sei.
F.
Am 20. März 2018 informierte der Beschwerdeführer die Vorinstanz dar-
über, dass das Verfahren zur Eintragung seiner Partnerschaft nun offiziell
eingeleitet worden sei.
G.
Mit Verfügung vom 13. April 2018 – eröffnet am 16. April 2018 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es aufgrund Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an.
H.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Mai 2018 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
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der vorinstanzlichen Verfügung, die Gutheissung des Asylgesuchs, even-
tualiter die Gewährung von Familienasyl gemäss Art. 51 AsylG, subeven-
tualiter die Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz sowie in pro-
zessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung, unter Verzicht auf Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte er das Ergebnis der Ak-
tenprüfung im Vorverfahren für die Begründung der eingetragenen Partner-
schaft / Abweisung des Gesuchs vom 10. April 2017, den Entscheid des
Bezirksgerichts Zofingen vom 25. Oktober 2017, das Schreiben des Zivil-
standsamts H._ an den Beschwerdeführer und seinen Partner vom
19. März 2018 sowie ein Schreiben des Zivilstandsamts vom 3. April 2018
zu den Akten.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 stellte die Instruktionsrichterin
den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfahrens
fest. Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut, setzte Frau lic. iur. Monika
Böckle, C._, als amtliche Rechtsbeiständin ein und setzte der Vo-
rinstanz Frist zur Vernehmlassung.
J.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht
von I._, Queeramnesty Schweiz, vom 18. Mai 2018 zu den Akten.
K.
Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 hielt das SEM an seiner Verfügung
vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
L.
Am 9. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und zog den
Beschwerdeeventualantrag, ihm sei Familienasyl gemäss Art. 51 AsylG zu
gewähren, zurück.
M.
Mit Eingabe vom 17. September 2018 reichte der Beschwerdeführer einen
Arbeitsvertrag per 1. Juli 2020 sowie eine Auskunft der Länderanalyse der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 18. Februar 2020: Syrien: Si-
tuation von homosexuellen Personen zu den Akten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, die
Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend eine mögliche Rekrutierung
durch die YPG seien unglaubhaft. So habe er im Laufe des Verfahrens zu
wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht. Grundsätzlich
könnten Widersprüche aufgrund des summarischen Charakters der BzP
nur dann herangezogen werden, wenn sie von klaren Aussagen im späte-
ren Verfahrenslauf diametral abweichen. Der Beschwerdeführer habe sein
Asylgesuch damit begründet, er sei in E._ von kurdischen Milizen
gesucht worden. Dabei habe er anlässlich der BzP von einer Mitnahme
seitens der PKK (kurdische Arbeiterpartei) und einer Festhaltung von fünf
Tagen geredet. In der Anhörung dagegen habe er explizit ausgeschlossen,
jemals mit der PKK etwas zu tun gehabt zu haben, es handle sich bei den
kurdischen Milizen, die ihn festgehalten hätten, um die YPG. Diese Aus-
sage erstaune, da er zu einem früheren Zeitpunkt in der Anhörung bloss
von einer hypothetischen Festnahmemöglichkeit durch die YPG gespro-
chen und einen Kontakt mit der YPG klar verneint habe. Auch wenn er in
den Protokollen widerspruchsfrei von einer Festhaltung von fünf Tagen be-
richtet habe, so seien die Umstände und die zögerlichen Aussagen in der
Anhörung klar als unglaubhaft zu taxieren. Dass er möglicherweise nur
über eine sehr geringe Schulbildung verfüge, vermöge an dieser Einschät-
zung nichts zu ändern. Im Weiteren sei seinen Aussagen zu entnehmen,
dass er in den Jahren 2013 und 2014 mehrmals im Ausland (Libanon, Tür-
kei, Irak) gewesen sei, wobei er nach Herbst 2014 bis zu seiner Ausreise
im Herbst 2015 in E._ gelebt habe. Die fünftägige Festhaltung habe
sich vor seinem Aufenthalt in der Türkei im Jahr 2013 ereignet, wobei er
danach immer wieder in E._ gewesen sei. Dieses Verhalten sei
kaum mit einer tatsächlich behördlich gesuchten Person vereinbar. Seine
Aussagen zur Verfolgung durch die YPG seien somit unlogisch und daher
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nicht glaubhaft. Eine allfällige Verfolgung durch die YPG sei sodann auch
nicht ausreise- und damit asylrelevant, da er nach seinen Auslandaufent-
halten immer wieder nach Syrien zurückgekehrt und sich vor seiner Aus-
reise mehrere Monate in E._ aufgehalten habe, ohne dass es zu
einem (weiteren) Vorfall gekommen wäre. Es könne weder in zeitlicher
noch in sachlicher Hinsicht ein genügend enger Zusammenhang zwischen
den geltend gemachten Asylgründen und der Ausreise erkannt werden.
Ferner habe er zur Begründung seines Asylgesuchs vorgebracht, er
fürchte, für das Regime in Damaskus in den Krieg ziehen zu müssen. Dem
von ihm abgegebenen Dienstbüchlein sei jedoch zu entnehmen, dass er
aufgrund eines Dekrets vom Dienst oder Reservedienst befreit worden sei.
Diese Tatsache entziehe seiner subjektiven Furcht vor einem Einzug in den
Militärdienst jegliche objektive Grundlage. Er sei nicht militärdienstpflichtig
und demnach kein Wehrdienstverweigerer. Schliesslich habe er sein Asyl-
gesuch mit seiner homosexuellen Beziehung begründet. Aufgrund des lo-
sen Charakters dieser Beziehung in Syrien sei nicht davon auszugehen,
dass diese damals überhaupt bekannt gewesen sei. Zwar habe er ange-
geben, ein Freund habe davon erfahren, aber offenbar habe dieser sie
nicht verraten. Er würde denn auch in der Schweiz nicht mit seinem Partner
zusammenleben und das Verfahren zur Anerkennung der Partnerschaft sei
weder abgeschlossen noch kurz vor dem Abschluss. Es bestehe zumin-
dest zum Zeitpunkt des Asylentscheides somit keine objektiv begründete
Furcht, dass die syrischen Behörden, sofern sie überhaupt dazu fähig wä-
ren, ihn in der Schweiz als homosexuelle Person identifizieren würden und
ihm bei einer Rückkehr aus diesem Grund Nachteile entstehen könnten.
Seine Vorbringen seien somit nicht asylrelevant.
Im Weiteren führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer könne auch
nicht unter dem Titel Familienasyl aufgrund seiner Partnerschaft Asyl er-
halten. So habe das SEM das Gesuch um Kantonswechsel abgewiesen,
da die Lebensgemeinschaft als nicht gefestigt taxiert worden sei. Darüber
hinaus hätten konkrete Pläne zur Eintragung der Partnerschaft analog ei-
ner Bekanntmachung einer Hochzeit gefehlt. Finanzielle Mittel zur gegen-
seitigen Unterstützung hätten ebenso gefehlt. Der Kantonswechsel des
Partners in den Kanton H._ vermöge daran ebenfalls nichts zu än-
dern, lebe doch der Beschwerdeführer im Kanton D._. Ein Wechsel
in den Kanton D._ sei als gefährlich bezeichnet worden. Seine Ein-
gabe würde keine Angaben zu einer tatsächlich gelebten Schicksalsge-
meinschaft enthalten. Die Lebensgemeinschaft des Beschwerdeführers
mit seinem Partner könne (noch) nicht als gefestigt taxiert werden, weshalb
die Bedingungen für das Familienasyl nicht gegeben seien.
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4.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegengehalten,
Homosexualität sei in Syrien illegal und werde gemäss Art. 520 des syri-
schen Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Der
Beschwerdeführer habe im Rahmen der Anhörung erklärt, dass ein Freund
seines Lebenspartners namens G._ von der Beziehung erfahren
habe. Damit dieser niemandem davon erzählte, hätten sie fortan alles ge-
macht, was G._ wollte. Wenn er beispielsweise eine Schachtel Zi-
garetten haben wollte, hätten sie ihm diese gekauft. Anlässlich der Bespre-
chung mit der Rechtsvertretung hätten der Beschwerdeführer und sein
Partner weiter ausgeführt, dass G._ manchmal in den Laden des
Lebenspartners gekommen sei und habe anfangen wollen, laut mit ihm
über den Beschwerdeführer zu sprechen. Der Lebenspartner habe ihm
dann jeweils sofort gegeben, was er wollte. Meistens habe er Geld für Zi-
garetten oder für kleine Reisen gewollt. G._ habe das Paar nie di-
rekt bedroht, durch sein Verhalten habe er sie aber dazu gebracht, dass
sie ihm alles gegeben hätten, was er wollte. Die beiden seien in ständiger
Sorge darum gewesen, dass er sie verraten könnte. Aktuell stünden sie
nicht im Kontakt mit G._, hätten aber über Bekannte gehört, dass
sich dieser noch in Syrien aufhalte. Bei einer Rückkehr wären sie sodann
noch viel erpressbarer, da die Personen in ihrem Bekanntenkreis davon
ausgehen würden, in Europa würden alle reich und hätten bei einer Rück-
kehr viel Geld. Sie hätten deshalb eine begründete Furcht davor, dass
G._ sie bei einer Rückkehr weiter erpressen und bei Nichterfüllung
seiner Bedingungen ihre Homosexualität offenlegen könnte, worauf sie Re-
pressionen seitens des syrischen Staates wie auch ihrer Familien zu be-
fürchten hätten. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz habe der Be-
schwerdeführer in Syrien mehr als nur eine lose Beziehung zu seinem Part-
ner geführt. Bereits seit Ende 2012, Anfang 2013 hätten sie eine intime
Beziehung geführt, welche sie vor ihren Familien aus kulturell bedingten
Gründen geheim gehalten hätten. In E._ hätten sie sich jeden Tag
getroffen und so viel Zeit wie möglich miteinander verbracht. Zwar hätten
sie nicht zusammenwohnen können, der Beschwerdeführer habe seinen
Partner aber täglich in dessen Wohnung oder Laden aufgesucht. Dieser
habe im Haus seiner Eltern, aber einer eigenen Wohnung gewohnt. Aus-
serdem verfüge die Familie des Lebenspartners über ein Haus in
J._, wo sie sich auch immer wieder getroffen hätten. Ab und zu hät-
ten sie dort im Geheimen eine Nacht zusammen verbracht. Das Geheim-
halten der Beziehung habe zu einer starken Bindung zwischen ihnen ge-
führt. Nur unter sich hätten sie sich selbst sein können. Ein offizielles Zu-
sammenleben wäre in Syrien kulturell bedingt nicht möglich. Es sei deshalb
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Seite 12
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Homose-
xualität und der grossen Gefahr, dass diese durch G._ bekannt ge-
macht werde, eine individuelle, konkrete, subjektiv und objektiv begründete
Furcht vor flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Benachteiligungen habe. Er
sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu erteilen.
Betreffend Erteilung von Familienasyl führte der Beschwerdeführer aus, er
führe eine langjährige Beziehung mit seinem Partner. So habe er bei seiner
Anhörung geltend gemacht, dass sie aus Syrien ausgereist seien, um zu-
sammenleben zu können. Sie teilten die gemeinsame Herkunft, ihre ge-
heim gehaltene Beziehung in Syrien und ihre gemeinsame Flucht als
Schicksalsgemeinschaft, womit die Beziehung bereits eine Qualität er-
reicht habe, die über eine Liebes- und Freundschaftsbeziehung hinaus-
gehe. Dass sie in Syrien aus kulturellen Gründen nicht hätten zusammen-
leben können, könne nicht als Hinweis auf eine nur lose Beziehung gewer-
tet werden. Auch in der Schweiz hätten sie bis anhin nicht zusammenwoh-
nen können, da sie unterschiedlichen Kantonen zugeteilt worden seien und
ein entsprechendes Kantonswechselgesuch abgewiesen worden sei. Dem
Lebenspartner sei ein Kantonswechsel in den Kanton H._ bewilligt
worden, wobei er erklärt habe, warum er keinen Kantonswechsel in den
Kanton D._ habe beantragen können. Er verfüge in H._
über Familienangehörige, welche über die Beziehung nicht informiert
seien. Er sowie der Beschwerdeführer hätten begründete Furcht vor Re-
pressionen, sollte ihre Beziehung der Familie des Lebenspartners bekannt
werden. Ferner hätten sie bereits am 4. Oktober 2016 ihr Gesuch um Vor-
bereitung der Eintragung der Partnerschaft beim Zivilstandsamt der Stadt
K._ eingereicht. Aufgrund mangelnder Papiere sei dieses jedoch
sehr langwierig. Da der Partner inzwischen im Kanton H._ wohne,
hätten sie beim Zivilstandsamt der Stadt H._ ein neues Gesuch ein-
reichen müssen, was im März 2018 geschehen sei. Das Paar habe durch
sein Handeln seit seiner ersten Gesucheinreichung zur Eintragung seiner
Partnerschaft am 4. Oktober 2016 wiederholt und intensiv zum Ausdruck
gebracht, dass es seine Partnerschaft eintragen lassen möchte, um sich
auch rechtlich aneinander zu binden. Zusammenfassend könne festgehal-
ten werden, dass im Rahmen einer Gesamtwürdigung bei der Beziehung
des Beschwerdeführers und seines Partners vom Bestehen einer schüt-
zenswerten gefestigten Lebensgemeinschaft im Sinne von Art. 1a Bst. e
AsylV 1 und Art. 8 EMRK auszugehen sei. Aus diesem Grund sei der Be-
schwerdeführer eventualiter in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl sei-
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nes Lebenspartners einzubeziehen. Subeventualiter sei die Sache zur er-
neuten Beurteilung unter Berücksichtigung sämtlicher Bemühungen der
Eintragung ihrer Partnerschaft an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4.3 Dem eingereichten Bericht von I._, Queeramnesty Schweiz, ist
zu entnehmen, dass er den Beschwerdeführer und seinen Partner durch
seine Arbeit seit Dezember 2017 als homosexuelles Paar kenne. Das Paar
gehöre zu den vielen ihm bekannten Fällen, in denen homosexuelle Paare
im Asylverfahren nicht gleichgestellt und die Gesuche beider Asylsuchen-
der trotz ihrer Partnerschaft getrennt voneinander behandelt würden. Der
Partner des Beschwerdeführers sei mittlerweile zu einem Angehörigen in
H._ gezogen. Eine Situation, die sich für ihn jedoch als überaus
schwierig und psychologisch extrem belastend herausstelle, da er dort de
facto über keine Privatsphäre verfüge, Bedrohungen ausgesetzt sei und
grosse Angst habe, dass das Bekanntwerden seiner sexuellen Orientie-
rung und Beziehung zum Beschwerdeführer zu einer konkreten Gefähr-
dung durch seine Angehörigen führen könnte. So müsse er weiterhin ein
verstecktes Leben führen und könne nicht, wie er und der Beschwerdefüh-
rer es sich vorgestellt hätten, in Sicherheit als Paar zusammenleben. Die
getrennten Lebensumstände der beiden würden sich unmittelbar durch
ihre Ungleichbehandlung als ein einer eheähnlichen Gemeinschaft leben-
des homosexuelles Paar gegenüber heterosexuellen Paaren im hiesigen
Asylverfahren ergeben. Als gleichgeschlechtliches Paar hätten sie sich im
Heimatland versteckt halten müssen und nicht zusammenleben können.
Diese Situation ziehe sich nun in der Schweiz bedauerlicherweise fort.
4.4 Anlässlich ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, die Be-
schwerdeschrift enthalte in Bezug auf die originäre Flüchtlingseigenschaft
weder neue erhebliche Tatsachen noch neue Beweismittel, welche eine
Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könne. Betreffend Familienasyl
sei festzuhalten, dass das Verfahren um Eintrag der Partnerschaft noch
immer hängig sei. Hinweise auf einen positiven Abschluss würden nicht
vorliegen. Ausserdem sei dem SEM nicht klar, warum der Partner des Be-
schwerdeführers nicht einen Kantonswechsel in den Kanton D._
angestrebt habe, als Merkmal dafür, dass eine nach Aussen wirksame ge-
lebte Beziehung angestrebt werde. Es sei dem Beschwerdeführer jedoch
unbenommen, bei einem erfolgten Eintrag als Lebenspartner erneut um
Familienasyl nach Art. 51 AsylG zu ersuchen.
4.5 Anlässlich seiner Replik vom 9. Juli 2018 erklärte der Beschwerdefüh-
rer, er habe sich inzwischen von seinem Partner getrennt. Er habe es nicht
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mehr länger ausgehalten, getrennt von ihm zu leben und nicht als Paar
anerkannt zu werden. Seit ihrer Einreise in die Schweiz im November 2015
sei es ihnen nicht möglich zusammenzuleben. Er wolle dies nicht mehr län-
ger ertragen. Er habe das Gesuch um Eintragung der Partnerschaft zu-
rückgezogen. Entsprechend werde auch das Gesuch um Erteilung von Fa-
milienasyl zurückgezogen.
4.6 Anlässlich seiner Eingabe vom 17. September 2020 legte der Be-
schwerdeführer dar, er treffe sich nun wieder regelmässig mit seinem Part-
ner. Er lebe seine Homosexualität in der Schweiz aktiv aus. Gemäss der
beiliegenden Länderanalyse der SFH habe die Gefährdung von LGBTIQ-
Personen in Syrien seit dem Ausbruch des Krieges 2011 zugenommen. Die
Gewalt gehe von den nächsten Familienangehörigen und der erweiterten
Familie, von der Gesellschaft im Allgemeinen, von den syrischen Behörden
und von bewaffneten Gruppen aus. UNHCR hebe in seinen Erwägungen
zu internationalem Schutz im Hinblick auf Menschen, die aus Syrien flie-
hen, hervor, es dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass von Perso-
nen, deren sexuelle Orientierung und/oder geschlechtliche Identität nicht
den traditionellen Vorstellungen entsprechen, nicht erwartet werden könne,
dass sie ihre Identität verschleiern, um einer Verfolgung zu entgehen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, er fürchte in Syrien
von der YPG oder von der syrischen Armee zum bewaffneten Kampf re-
krutiert zu werden. Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass
die entsprechenden Vorbringen nicht asylrelevant sind. So hat sich der Be-
schwerdeführer gemäss eigenen Aussagen nach der geltend gemachten
fünftägigen Festhaltung noch verschiedene Male und zuletzt während eini-
ger Monate vor seiner definitiven Ausreise aus Syrien in E._ aufge-
halten, ohne dass es zu weiteren Vorfällen gekommen wäre. Es fehlt somit
am Kausalzusammenhang zwischen der geltend gemachten Festnahme
und der Ausreise. Auch die Ausführungen der Vorinstanz, wonach er keine
objektive Grundlage für seine Furcht vor einem Einzug in den Militärdienst
habe, sind zu stützen. So lässt sich seinem Dienstbüchlein entnehmen,
dass er aufgrund eines Dekrets vom Dienst oder Reservedienst befreit wor-
den sei. Da er somit nicht militärdienstpflichtig ist, kann er sich nicht auf
eine allfällige Wehrdienstverweigerung stützen. Der Vollständigkeit halber
ist festzuhalten, dass selbst bei einer bestehenden Dienstpflicht der Um-
stand, dass der Beschwerdeführer sich vor einem zukünftigen Einzug in
den Militärdienst fürchtet, gemäss ständiger Praxis keine Furcht vor asyl-
relevanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermag. Von
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einer Prüfung der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen und einer Auseinan-
dersetzung mit der vorinstanzlichen Begründung diesbezüglich kann man-
gels Notwendigkeit vorliegend abgesehen werden.
5.2
5.2.1 Weiter begründete der Beschwerdeführer sein Asylgesuch mit seiner
homosexuellen Beziehung. Das SEM zweifelt weder in der angefochtenen
Verfügung noch in der Vernehmlassung an der Glaubhaftigkeit dieses Vor-
bringens, sondern verneint die Asylrelevanz, da weder die Beziehung noch
die Homosexualität des Beschwerdeführers in seiner Heimat bekannt
seien. Auch das Bundesverwaltungsgericht sieht keine Veranlassung an
den konsistenten und substantiierten Vorbringen des Beschwerdeführers
zu zweifeln. Sowohl er wie auch sein Partner machten anlässlich ihrer An-
hörungen geltend, in Syrien im Geheimen eine intime Beziehung geführt
zu haben. Beide führten explizit aus, die Tatsache, dass sie nicht hätten
zusammenleben können beziehungsweise dass sie ihre Beziehung hätten
geheimhalten müssen, sei ein Ausreisegrund gewesen (vgl. act. A44 F57:
«aus diesem Grund reisten wir aus Syrien aus» beziehungsweise betref-
fend den Lebenspartner N (...) act. A42 F9: «Einerseits verliess ich Syrien
wegen meines Freundes L._, andererseits wegen des Krieges in
Syrien»). Auch am Schluss der Anhörung des Beschwerdeführers wird klar,
was für eine wichtige Rolle dieser Punkt für ihn spielt, bat er doch darum,
ihn bei einem allfälligen negativen Ausgang des Verfahrens nicht nach Sy-
rien, sondern in ein anderes Land zu schicken, da er in seiner Heimat nicht
mit seinem Freund zusammenleben könne (vgl. act. A44 F178).
5.2.2 Die Homosexualität lässt sich als Verfolgungsmotiv in ständiger
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG
erwähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 7.2 m.w.H.). Es bleibt somit zu prüfen,
ob der psychische Druck aufgrund der Notwendigkeit der Geheimhaltung
seiner Beziehung sowie die Angst vor den mit einem Outing verbundenen
Konsequenzen als eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von
Art. 2 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist.
5.2.3 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernst-
hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise sol-
che befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt
worden sein. Eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann
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von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene
Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in ei-
nem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangs-
punkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der
im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten
Furcht vor einer solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides
ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht
ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimat-
staat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und
zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl.
BVGE 2013/11 E. 5.1.1; 2010/28 E. 3.3.1.1; 2010/57 E. 2; 2008/12 E. 5,
jeweils m.w.H.).
5.2.4 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG
liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte
sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch
aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleich-
barer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-
vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer ob-
jektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch
das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Kon-
sequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine
ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.).
5.2.5
5.2.5.1 Nachfolgend ist die aktuelle Situation von homosexuellen Personen
in Syrien näher zu beleuchten. Dafür wurden insbesondere folgende Quel-
len verwendet (aufgelistet in alphabetischer Reihenfolge nach Herausge-
berschaft und Chronologie, jeweils zuletzt abgerufen am 01.10.2020):
- Australian Government, Department of Foreign Affairs and Trade
(DFAT), DFAT Thematic Report on Conditions in Syria, 23. October
2017, S. 15 <https://www.ecoi.net/en/file/local/1419346/4792_
1512563422_country-information-report-syria.pdf>;
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Seite 17
- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Informationszentrum Asyl
und Migration, Geschlechtsspezifische Verfolgung in ausgewählten
Herkunftsländern, April 2010, S. 197 <https://www.ecoi.net/en/file/lo-
cal/1337215/4232_1412928833_deutschland-bundesamt-fuer-migra-
tion-und-fluechtlinge-geschlechtsspezifische-verfolgung-in-ausge-
waehlten-herkunftslaendern-april-2010.pdf>;
- Human Rights Watch [HRW], Audacity in Adversity, LGBT Activism in
the Middle East and North Africa, April 2018, S. 7
<https://www.hrw.org/sites/default/files/report_pdf/lgbt_mena0418_
web_0.pdf>;
- International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association
[ILGA], Lucas Ramon Mendos, State-Sponsored Homophobia 2019,
März 2019, S. 475 f. <https://ilga.org/downloads/ILGA_State_Spon-
sored_Homphobia_2019. pdf>;
- Pink News, Comment: What life is really like for gay Syrians, 16. Juni
2011 <https://www.pinknews.co.uk/2011/06/16/comment-what-life-is-
really-like-for-gay-syrians/>;
- Slate, Etre gay en Syrie, 9. Dezember 2013
<http://www.slate.fr/story/80939/syrie-homosexualite>;
- UCLA, School of Law, All Survivors Project, “Destroyed from within”,
Sexual violence against men and boys in Syria and Turkey, September
2018, S. 21 f. <https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/re-
sources/ASP_Syria_ Report.pdf>;
- United Nations High Commissioner for Refugees [UNHCR], Interna-
tional Protection Considerations with Regard to People Fleeing the Syr-
ian Arab Republic, Update V, November 2017, S. 65 f. <https://www.ref-
world.org/pdfid/59f365034.pdf>;
- UNHCR, Sexual Violence against Men and Boys, In the Syria Crisis,
Oktober 2017, S. 27 ff. <https://www.ecoi.net/en/file/lo-
cal/1418197/1930_1511268557_5a128e814.pdf>;
- United States Department of victims State, Bureau of Democracy,
Country Reports on Human Rights Practices for 2018, Syria 2018 Hu-
man Rights Report, S. 66 <https://www.state.gov/wp-content/up-
loads/2019/03/SYRIA-2018.pdf>.
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Seite 18
5.2.5.2 In Syrien ist «widernatürlicher Geschlechtsverkehr» gemäss
Art. 520 des syrischen Strafgesetzbuches aus dem Jahr 1949 verboten
und wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Diese Gesetzesbestimmung,
die genderneutral formuliert ist, erfasst gleichgeschlechtliche sexuelle
Handlungen, selbst wenn diese in gegenseitigem Einverständnis unter Er-
wachsenen und im Privatbereich erfolgen. Obwohl es in jüngster Zeit zu
keinen Verurteilungen mehr unter diesem Titel gekommen ist, haben Be-
richten von Nichtregierungsorganisationen zufolge die Gerichte seit dem
Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 dutzende Angehörige der Ge-
meinschaft der LGBTIQ in diskriminierender Weise basierend auf vagen
Anschuldigungen, wie dem «Missbrauch sozialer Werte», verfolgt. So kam
es vermehrt zu Verhaftungen wegen Handels und Konsums illegaler Dro-
gen sowie Organisierens von «obszönen» Veranstaltungen. Lokale Medien
und Nichtregierungsorganisationen berichteten zudem von Fällen, in de-
nen (Pro-)Regierungskräfte Anklagen wegen Homosexualität als Vorwand
benutzten, um Zivilisten festzunehmen, zu foltern und zu töten. Die Häufig-
keit solcher Vorfälle ist jedoch schwierig einzuschätzen, da die Polizei ihre
Gründe für Verhaftungen nur selten mitteilt und die Opfer aus Angst vor
gesellschaftlicher Diskriminierung zögern, solche Missbräuche anzuzei-
gen.
5.2.5.3 Während die syrische Gesetzgebung gleichgeschlechtliche Bezie-
hungen faktisch kriminalisiert, schaffen soziale, kulturelle und religiöse Ein-
stellungen in der Gesellschaft darüber hinaus ein feindliches Umfeld für
Angehörige der LGBTI-Gemeinschaft. Bereits vor dem sogenannten Ara-
bischen Frühling wurde die Lage der Homosexuellen in Syrien als schwie-
rigste in der Region bezeichnet. Der Zugang zu Schutzstrukturen ist auf-
grund ihrer Stigmatisierung stark eingeschränkt. Aktivistinnen und Aktivis-
ten, die sich für die Rechte von Personen mit unterschiedlichen sexuellen
Orientierungen einsetzen, werden bedroht. Der bewaffnete Konflikt hat das
bereits bestehende Diskriminierungsproblem zudem zusätzlich verschärft.
LGBTIQ-Personen werden nicht nur durch die Konfliktparteien verfolgt,
sondern sie erleben auch (sexuellen) Missbrauch und Ausbeutung durch
verschiedene zahlreiche andere Akteure. LGBTIQ-Personen berichteten
aus erster Hand über willkürliche Haft, Vergewaltigungen, Entführungen
und sexuellem Missbrauch, erzwungenem Oralverkehr, Schläge auf die
Genitalien und Vergewaltigungsdrohungen durch die Polizei, bewaffnete
Streitkräfte, andere Flüchtlinge, Taxifahrer, Nachbarn und Vermieter. Ins-
besondere extremistische bewaffnete Gruppierungen, wie der sogenannte
Islamische Staat (IS) und die al-Nusra-Front (syrischer Zweig der al-
Qaida), gehen mit einem hohen Mass an Brutalität und Grausamkeit gegen
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LGBTIQ-Personen vor. In den von ihnen vormals kontrollierten Gebieten
wurden Männer, die beschuldigt wurden, sich auf einvernehmliche gleich-
geschlechtliche sexuelle Handlungen eingelassen zu haben, durch illegi-
time Gerichte zum Tode verurteilt. Zu den Hinrichtungsmethoden gehören
unter anderem Verbrennen bei lebendigem Leib, Enthauptung, Steinigung,
Erschiessen oder das Stossen von mehrstöckigen Gebäuden. Um die Be-
völkerung einzuschüchtern, wird der Vorwurf der Homosexualität über
Lautsprecher verkündet und Videos der Exekutionen weiterverbreitet. Die
genannten Gruppierungen besitzen aktuell zwar keine Territorialhoheit
mehr, nach wie vor kommt es aber zu solchen Taten von Personen, die ihre
islamistische Gesinnung weiterverfolgen, auch wenn ihre Organisation
nicht mehr die Hoheit über das jeweilige Gebiet ausübt.
5.2.5.4 Viele Homosexuelle erfahren ausserdem in ihrer Familie und der
Gemeinschaft starke Ablehnung. Diese äussert sich in Form von Ausgren-
zung über Gewalt bis hin zu Morddrohungen und sogenannten «Ehrenver-
brechen». Beleidigungen Homosexueller ebenso wie Witze und Flüche
über sie sind weit verbreitet. Familien, welche die sexuelle Orientierung
ihres Kindes akzeptieren, werden von der Gesellschaft geächtet. Ein ei-
gentliches «Coming-out» ist unmöglich. Es gibt auch Fälle, in denen die
eigene Familie Homosexuelle absichtlich an islamistische Gruppierungen
verraten hat, um sie «töten zu lassen», oder sie von Familienmitgliedern
zum Verlassen des Landes getrieben oder mit dem Tod bedroht wurden,
um die Familienehre «rein» zu halten.
5.2.5.5 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass es in Syrien seit dem
Ausbruch des bewaffneten Konflikts unmöglich ist, offen als homosexuelle
Person zu leben. Bei einem Outing der Homosexualität drohen sowohl von
Seiten der Behörden und anderen bewaffneten Gruppierungen als auch
der Familie ernsthafte Nachteile, welche ausgeprägte Diskriminierungen,
direkte Gewalt und sogar Tötungen umfassen können. Die drohenden Ver-
folgungsmassnahmen vermögen aufgrund der Gefährdung des Leibes,
des Lebens oder der Freiheit im Einzelfall die Schwelle der Intensität der
ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erreichen.
5.2.6 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass die sexuelle Ori-
entierung des Beschwerdeführers nicht bekannt gewesen sei, weshalb
zum Zeitpunkt des Entscheides keine objektiv begründete Furcht bestehe,
dass die syrischen Behörden, sofern sie überhaupt dazu fähig wären, ihn
in der Schweiz als homosexuelle Person identifizieren würden und ihm bei
einer Rückkehr aus diesem Grund Nachteile entstehen könnten. Zwar
D-2848/2018
Seite 20
habe er angegeben, ein Freund habe davon erfahren, aber offenbar habe
dieser sie nicht verraten. Diese Argumentation greift zu kurz. Es stellt sich
die Frage, inwieweit von einer Person vernünftigerweise erwartet werden
kann, die drohende Verfolgung ohne Beanspruchung des Flüchtlingsschut-
zes durch Änderung ihres eigenen Verhaltens abzuwenden. So ist genauer
zu beleuchten, ob die Tatsache, dass der Beschwerdeführer sich einer Ver-
folgungsgefahr durch diskretes Verhalten entziehen müsste, indem er
seine sexuelle Orientierung unterdrückt und sich entgegen seiner Überzeu-
gung gemäss gesellschaftlich akzeptierten Normen verhält, als unerträgli-
cher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren
ist.
5.2.7 Die Annahme, das Verheimlichen einer persönlichen Überzeugung
beziehungsweise einer mit der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Ei-
genschaft – wie dies die sexuelle Orientierung ist – bewirke einen unerträg-
lichen psychischen Druck, setzt voraus, dass die betroffene Person in ei-
nem Umfeld zu leben gezwungen ist, in welchem sie Gefahr läuft, dass
eben diese Überzeugung oder Eigenschaft entdeckt, denunziert und sank-
tioniert wird. Je grösser die Gefahr ist, durch eine unbedachte Geste oder
Äusserung entdeckt zu werden, und je gravierender die staatliche oder pri-
vate Sanktionierung im Falle der Entdeckung ausfällt, desto eher ist davon
auszugehen, die betroffene Person stehe unter einem psychisch unerträg-
lichen Druck, weil sie gezwungen ist, ihre Persönlichkeit zu verleugnen und
ein Doppelleben zu führen, um nicht entdeckt zu werden. Die Tatsache,
dass eine Person darauf angewiesen ist, durch diskretes Verhalten einer
Verfolgung auszuweichen, spricht gerade dafür, dass eine begründete
Furcht vorliegt. So könnte dieses Verhalten in letzter Konsequenz bei
schwerwiegenden drohenden Verfolgungsmassnahmen dazu führen, dass
eine Person nicht als Flüchtling anerkannt wird, da sie sich äusserst zu-
rückhaltend gezeigt hat, um Verfolgungsmassnahmen zu entgehen. Im
Umkehrschluss würde dies zudem bedeuten, dass eine Person, welche
sich bislang diskret verhalten hatte, zuerst outen und schliesslich die dem-
entsprechenden Verfolgungsmassnahmen gewärtigen müsste, bevor sie
allenfalls ausreisen und als Flüchtling anerkannt werden könnte. Personen
so zu einem gesellschaftskonformen Verhalten anzuhalten würde ferner
bedeuten, dass sie sich dem in ihrem Heimatstaat „üblichen“ Unrecht fügen
sollten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6539/2018 vom 2. Ap-
ril 2019 E. 8.2, als Referenzurteil publiziert).
5.2.8 Die Verheimlichung von Homosexualität in Syrien kann somit unter
Umständen einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3
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Abs. 2 AsylG insbesondere aufgrund der ständigen Gefahr der (unfreiwilli-
gen) Entdeckung, der gesellschaftlichen Repression und Marginalisierung,
der fehlenden Unterstützung des Familienverbandes sowie der Angst vor
Bestrafung durch die Behörden oder sogar Ermordung durch islamistische
Gruppierungen verursachen. Indessen ist dieser Druck in subjektiver Hin-
sicht jeweils im Einzelfall zu prüfen.
5.2.9 Wie vorstehend ausgeführt, erscheint es glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer bereits mehrere Jahre vor seiner Ausreise eine Beziehung
mit seinem Partner führte. Weiter legte er dar, ein Freund seines Partners
habe mitbekommen, dass sie mehr als enge Freunde sind und habe sie in
der Folge wiederholt damit unter Druck gesetzt. Es geht aus den Aussagen
des Beschwerdeführers hervor, dass ihn das Geheimhalten seiner Bezie-
hung und seiner sexuellen Orientierung sowie die Angst vor möglichen
Konsequenzen stark unter Druck gesetzt haben. Nachdem ein Freund sei-
nes Partners von der Beziehung Wind bekommen hatte und dieses Wissen
ausnutzte, musste er in ständiger Angst leben, dass seine Beziehung und
damit seine Homosexualität ans Licht kommen könnte. Auch die diesbe-
züglichen Ausführungen erscheinen glaubhaft. Zwar ist davon auszuge-
hen, dass weder die Familie des Beschwerdeführers noch jene seines
Partners von deren sexuellen Orientierung Kenntnis haben. Die Ausführun-
gen des Paares, wonach ein offenes Leben ihrer homosexuellen Bezie-
hung schlicht nicht möglich sei, erscheinen im syrischen Kontext jedoch
ebenfalls als nachvollziehbar. Die Angst vor der Entdeckung wird umso ein-
drücklicher durch das Verhalten des Beschwerdeführers und insbesondere
seines Partners in der Schweiz, welches nach wie vor von der Furcht do-
miniert wird, die Familie des Partners könnte von dessen Homosexualität
erfahren. Das Verhalten des Beschwerdeführers und seines Partners
spricht für das Vorliegen eines unerträglichen psychischen Drucks, wel-
chen diese erlitten haben, da sie ihre sexuelle Orientierung sowie ihre Be-
ziehung und damit eine mit ihrer Persönlichkeit untrennbar verknüpfte Ei-
genschaft verheimlichen und in ständiger Angst leben mussten, entdeckt
zu werden. So brachte der Beschwerdeführer dies einerseits in der Anhö-
rung als einen Grund für die Ausreise an. Ferner äusserte er an verschie-
denen Stellen, wie wichtig ihm das Zusammenleben mit seinem Partner sei
und wie belastend das Geheimhalten der Beziehung und damit seiner se-
xuellen Orientierung für ihn sei. Auch brachte er klar zum Ausdruck, mit
was für Konsequenzen er bei einer Entdeckung in seinem Heimatland
rechnen müsste (vgl. bspw. nach F177: «Ich möchte Sie ganz höflich bitten,
dass Sie mir einen schnellen Entscheid schreiben. Ich habe nie Freude in
meinem Leben gehabt und ich bin sehr müde»; F179: «Wir haben in Syrien
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sowas nicht. Die Menschen können es nicht begreifen, dass so ein Leben
existieren würde, dass ein Mann mit einem Mann zusammenlebt. Sie brin-
gen diese Menschen um»). Der Vollständigkeit halber ist anzumerken,
dass der temporäre Unterbruch der Partnerschaft an diesen Ausführungen
nichts zu ändern vermag, einerseits da die Beziehung gemäss Aussagen
des Beschwerdeführers inzwischen wieder aufgenommen wurde und an-
dererseits da der Stand der Beziehung weder an der Homosexualität des
Beschwerdeführers noch an der dadurch begründeten Flucht etwas ändert.
5.2.10 Dieser vorliegend berechtigten Todesangst, die im syrischen Kon-
text nach dem Gesagten nicht nur gegenüber der Familie sondern nach-
vollziehbar auch gegenüber weiterer Akteure bestand, misst das SEM in
seinen Erwägungen zu wenig Gewicht bei und es verkennt, dass in casu
das Verstecken und Unterdrücken der sexuellen Orientierung als Folge der
andauernden Angst vor dem Outing in Berücksichtigung der oben gezeich-
neten Situation von Homosexuellen in Syrien einem unerträglichen psychi-
schen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Da die be-
fürchteten Nachteile sowohl von den syrischen Behörden als auch von pri-
vaten Dritten ausgehen, ist eine innerstaatliche Fluchtalternative nicht ge-
geben.
5.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Da den Akten
keine Hinweise zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschluss-
gründen (Art. 53 AsylG) hindeuten, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh-
ren (Art. 49 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die ange-
fochtene Verfügung vom 13. April 2018 aufzuheben und das SEM anzu-
weisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
7.
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
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Es wurde mit der Beschwerde eine Kostennote in der Höhe von Fr. 1'180.–
eingereicht, welche den Verfahrensumständen als angemessen erscheint.
In der Folge reichte die Rechtsbeiständin vier weitere Eingaben zu den Ak-
ten. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist dem-
nach auf insgesamt Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. Die
Parteientschädigung umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE.
(Dispositiv nächste Seite)
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