Decision ID: e5a2a1de-baac-5b9c-81eb-e2643121a8bc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin reiste im Mai 2016 nach Italien ein, wo sie im
Juli 2016 ein Asylgesuch stellte. Im Februar 2017 wurde sie im Rahmen
des Relocation-Programms von Italien in die Schweiz überstellt und er-
suchte am 22. Februar 2017 um Asyl. Am 27. Februar 2017 wurde sie sum-
marisch befragt (Befragung zur Person [BzP]) und am 30. November 2017
vertieft zu ihren Asylgründen angehört.
A.b Die Beschwerdeführerin machte im Rahmen der BzP und der Anhö-
rung geltend, sie sei eritreische Staatsangehörige tigrinyischer Ethnie und
orthodoxer Religionszugehörigkeit und habe vor ihrer Ausreise in
D._ gelebt. Zu den Gründen ihrer Flucht erklärte die Beschwerde-
führerin im Wesentlichen, sie habe Eritrea verlassen, weil ihr Ehemann, mit
dem sie seit 2011 verheiratet gewesen sei, im Jahr 2015 desertiert sei. Da-
raufhin seien Soldaten gekommen und hätten ihren Ehemann abholen wol-
len, woraufhin dieser geflüchtet sei. Sie wisse nicht, wo ihr Mann sich auf-
halte und ob er noch lebe. Zwei Wochen nach diesem Vorfall seien Solda-
ten zu ihrem Wohnort gekommen und hätten die Auslieferung ihres Ehe-
mannes gefordert. Da dieser nicht anwesend gewesen sei, hätten die Sol-
daten die Beschwerdeführerin mitnehmen wollen. Der Dorfverwalter habe
für sie gebürgt und erreicht, dass sie nicht unmittelbar mitgenommen wor-
den sei, habe sie aber innerhalb der nächsten 10 beziehungsweise 14 Tage
an die Soldaten ausliefern müssen, sollte sich der Ehemann bis dahin nicht
gestellt haben. Aus diesem Grund sei sie zu einer Tante mütterlicherseits
nach E._ gegangen. Dort sei sie etwa drei Monate geblieben und
anschliessend sei sie über den Sudan und Libyen nach Italien gelangt.
A.c Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin das Original ihres erit-
reischen Taufscheins ein.
B.
Am (...) wurde ihr Kind B._ geboren. In ZEMIS ist F._, ein
eritreischer Staatsangehöriger, dessen Asylgesuch in der Schweiz rechts-
kräftig abgelehnt wurde (N (...), vgl. Urteil des BVGer D-6517/2019 vom
19. März 2020), als Vater des Kindes erfasst, was auch den Erklärungen
der Beschwerdeführerin entspricht.
C.
Mit Verfügung vom 24. April 2020 – eröffnet am 28. April 2020 – verneinte
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das SEM ihre Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch der Be-
schwerdeführenden ab, und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-
wie deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 25. Mai 2020 erhoben die Be-
schwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde und beantragten, den angefochtenen Entscheid aufzu-
heben, ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asylgesuch gutzu-
heissen. Eventualiter beantragten sie, die vorläufige Aufnahme in der
Schweiz anzuordnen, sub-eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie,
den Vollzug der Wegweisung bis zum Entscheid auszusetzen, und ersuch-
ten um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bei-
ordnung der rubrizierten Rechtsanwältin als amtliche Rechtsbeiständin.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2020 stellte die Instruktionsrichterin
fest, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfen, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
ordnete den Beschwerdeführenden die rubrizierte Rechtsvertreterin als
amtliche Rechtsbeiständin bei. Zudem forderte sie das SEM zur Einrei-
chung einer Vernehmlassung auf.
F.
Das SEM liess sich mit Eingabe vom 6. Juli 2020 vernehmen; es hielt in
seiner Vernehmlassung an der angefochtenen Verfügung und seinen Er-
wägungen vollumfänglich fest.
G.
Mit Eingabe vom 27. Juli 2020 replizierten die Beschwerdeführenden –
handelnd durch ihre Rechtsvertreterin – auf die Vernehmlassung des SEM.
An den Beschwerdeanträgen hielten die Beschwerdeführenden vollum-
fänglich fest.
H.
Am (...) wurde das zweite Kind der Beschwerdeführerin, C._, ge-
boren.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Der am (...) zur Welt gekommenen Sohn der Beschwerdeführerin,
C._, ist praxisgemäss in das Verfahren miteinzubeziehen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
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Seite 5
3.1 In der Beschwerdeschrift wird die formelle Rüge der unvollständigen
Sachverhaltsabklärung erhoben sowie eine Verletzung der Begründungs-
pflicht geltend gemacht. Diese Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie al-
lenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unvollständig
ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
wesentlichen Sachumstände oder Beweismittel berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
3.3 Die Beschwerdeführenden machten in diesem Kontext geltend, die Be-
fragung zur Person sei oberflächlich gewesen und es habe Verständi-
gungsschwierigkeiten gegeben, daher sei der Sachverhalt unvollständig
erstellt worden. Vorab ist zu betonen, dass die Würdigung der Glaubhaft-
machung der Vorbringen durch das SEM im Rahmen der Prüfung zu Art. 7
AsylG und nicht bei der Prüfung einer allfälligen Gehörsverletzung zu be-
handeln ist. Angesichts der zweimal getätigten und durch Unterschrift be-
stätigten Aussage der Beschwerdeführerin in der Befragung zur Person,
dass sie die Dolmetscherin gut verstanden habe, und angesichts keiner
dieser Annahme entgegenstehenden Auffälligkeiten aus dem Protokoll ist
insoweit festzuhalten, dass ein Mangel der Sachverhaltserstellung nicht
feststellbar ist.
3.4 Auch die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Verletzung
der Begründungspflicht durch eine zu Unrecht erfolgte Verneinung der
Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen und eine dadurch fälschlicherweise unter-
lassene Prüfung der Asylrelevanz liegt nicht vor. Wie nachstehend ausge-
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führt, hat das SEM im Ergebnis zu Recht die Glaubhaftigkeit der als flucht-
auslösend geschilderten Ereignisse verneint und konnte daher auf die Prü-
fung der Asylrelevanz dieser Vorbringen verzichten.
3.5 Es liegt daher kein Gehörsmangel vor, der geeignet wäre, zur Kassa-
tion und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu führen. Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher in der Sache zu entscheiden (Art. 61
VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch das Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Daher werden Personen, welche subjek-
tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.
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5.1 Im Asylentscheid vom 24. April 2020 hielt das SEM zur Begründung
der Ablehnung des Asylgesuchs fest, dass das Vorbringen der Beschwer-
deführerin, sie sei wegen der Desertion ihres Ehemannes von den eritrei-
schen Behörden aufgesucht und bedroht worden, nicht glaubhaft sei. Das
SEM stützte seine Argumentation dabei insbesondere auf Widersprüche
hinsichtlich der Dauer des Fernbleibens des Ehemannes der Beschwerde-
führerin vom Militärdienst, der Dauer der Bürgschaft durch den Dorfverwal-
ter, der Dauer des Aufenthalts nach der geltend gemachten Bedrohung und
auf die widersprüchlichen Angaben zur Ausreise aus Eritrea. Die geltend
gemachte illegale Ausreise sei zudem asylrechtlich nicht relevant und wei-
tere Anhaltspunkte für eine die Flüchtlingseigenschaft begründende Verfol-
gungsgefahr seien nicht vorhanden.
5.2 Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Beschwerde vom 25. Mai
2020 die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz und machten sinngemäss
geltend, dass die einzelnen Widersprüche, die das SEM herausgestellt
hatte, einer näheren Prüfung nicht standhielten. Diese Widersprüche wür-
den sich bei näherer Betrachtung im Wesentlichen als Präzisierungen der
notwendigerweise oberflächlichen Angaben im Rahmen der Befragung zur
Person darstellen. Daher seien die vorgetragenen Gründe als glaubhaft
anzusehen und es drohe der Beschwerdeführerin bei Rückkehr die Gefahr,
verfolgt zu werden. Die Beschwerdeführenden machten zudem erstmals
geltend, die Beschwerdeführerin sei 2011 zwangsverheiratet worden und
habe sich dagegen gewehrt. Sie sei in ihrer Ehe der Dominanz ihres Ehe-
mannes ausgesetzt gewesen und habe Gewalterfahrungen gemacht. Sie
habe daher an Depressionen gelitten und Suizidgedanken gehabt und
habe zudem 2015 deswegen eine Fehlgeburt erlitten.
5.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassungsantwort vom 6. Juli 2020 fest,
es gebe durchaus Elemente, die für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen
sprechen würden, aufgrund einer Gesamtbetrachtung würden jedoch die
Gründe, die gegen die Glaubhaftigkeit sprächen, überwiegen. Weiter nahm
das SEM insbesondere Stellung zu der im Beschwerdeverfahren von der
Beschwerdeführerin neu geltend gemachten Zwangsverheiratung und
wies auf die späte Geltendmachung trotz der Möglichkeit zur Geltendma-
chung im Verfahren hin. Daneben wies es auf den regelmässigen Kontakt
der Beschwerdeführerin zu ihrer Familie hin. Es gebe daher keine stichhal-
tigen Gründe, die gegen die Annahme der Möglichkeit, auf ein intaktes Be-
ziehungsnetz zurückzugreifen, sprächen, und keine Hinweise darauf, dass
das uneheliche Kind einer Wiederaufnahme des Kontakts zur Verwandt-
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schaft bei einer allfälligen Rückkehr entgegenstehen würde. Darüber hin-
aus wäre die geltend gemachte Zwangsheirat flüchtlingsrechtlich nicht re-
levant, da sie sich bereits im Jahr 2011, mithin vier Jahr vor der Ausreise
ereignet habe.
5.4 In ihrer Replik vom 27. Juli 2020 machten die Beschwerdeführenden
geltend, auch das SEM habe durchaus glaubhafte Elemente der Vorbrin-
gen eingeräumt. Zudem sei die Atmosphäre in der Befragung zu den Asyl-
gründen so gewesen, dass die Beschwerdeführerin sich schlicht nicht im-
stande gefühlt habe, über ihre Zwangsheirat zu sprechen, da sie traumati-
siert und von ihrer Familie stark eingeschüchtert gewesen sei. Die Be-
schwerdeführerin sei stark in der traditionskonformen Verhaltenserwartung
verhaftet gewesen und habe daher massive Angst und Hemmungen ge-
habt, sich jemandem anzuvertrauen. Sie sei daher davor zurückge-
schreckt, dem SEM ihre Zwangsverheiratung früher anzuvertrauen.
6.
6.1 Aufgrund der Aktenlage ist in materieller Hinsicht festzustellen, dass
das SEM im Hinblick auf das fluchtauslösende Ereignis durchaus zu Recht
von der Unglaubhaftigkeit der Gesuchsvorbringen der Beschwerdeführerin
ausgegangen ist. So ist mit dem SEM darin einig zu gehen, dass die An-
gaben und Ausführungen der Beschwerdeführerin über die Desertion ihres
Ehemannes und ihre sich daran anknüpfende individuelle Bedrohung nicht
zu überzeugen vermögen. In dieser Hinsicht hat das SEM im Rahmen einer
insgesamt schlüssigen Auseinandersetzung auf die mangelnde Substanti-
ierung der diesbezüglichen Vorbringen verwiesen. Selbst wenn bezüglich
der Dauer des Fernbleibens des Ehemannes vom Militärdienst von einem
wenig gewichtigen Widerspruch beziehungsweise einem möglichen Miss-
verständnis auszugehen ist, geht das SEM im Übrigen auf Widersprüche
hinsichtlich zentraler Elemente der asylrelevanten Vorbringen ein, nament-
lich der Dauer der Bürgschaft und der sich an die angebliche Bedrohung
anschliessenden Ereignisse bis und mit der Ausreise aus Eritrea. In diesem
Sinne scheint es zentral, ob die Frist für die Bürgschaft auf 10 oder 14 Tage
angesetzt wurde beziehungsweise ob die Beschwerdeführerin demzufolge
vor oder nach Ablauf dieser Frist ins Dorf zurückgekehrt war. Ebenso lässt
sich ein Widerspruch bezüglich der Ausreise mit oder ohne die Hilfe eines
Schleppers nicht erklären. Der Versuch der Beschwerdeführenden, die Wi-
dersprüchlichkeit und mangelnde Substanz durch ergänzende Ausführun-
gen zur Kohärenz der Aussagen auf Beschwerdeebene auszugleichen,
kann nicht überzeugen. Vielmehr ist zu konstatieren, dass neben den Wi-
dersprüchen auffällt, dass die Ausführungen zur Desertion des Ehemannes
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sowie zu den sich daran anknüpfenden Bedrohungen der Beschwerdefüh-
rerin durch eritreische Soldaten vage und unsubstantiiert geblieben sind.
Es kann der Beschwerdeführerin daher nicht geglaubt werden, dass sich
die Ereignisse wie von ihr geschildert zugetragen haben und sie wegen der
Desertion ihres Ehemannes in der geschilderten Weise behelligt worden
ist. Es muss daher angenommen werden, dass im Zeitpunkt der Ausreise
keine begründete Furcht bestand, verfolgt zu werden. Aus diesem Grund
fällt eine an diese Vorbringen anknüpfende Furcht, bei Rückkehr verfolgt
zu werden, ebenfalls ausser Betracht.
6.2 Auch aus Nachfluchtgründen ergibt sich keine begründete Furcht, ver-
folgt zu werden. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, illegal ausge-
reist zu sein, ist auf die konsolidierte Rechtsprechung zu verweisen. Das
Bundesverwaltungsgericht ist im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Ja-
nuar 2017 zum Schluss gelangt, dass die bisherige Praxis, wonach eine
illegale Ausreise aus Eritrea per se zur Flüchtlingseigenschaft führt, nicht
mehr aufrechterhalten werden kann (vgl. E. 4.6-4.11 und E. 5.1). Demge-
mäss droht einzig aufgrund einer illegalen Ausreise keine asylrelevante
Verfolgung und zusätzliche Anknüpfungspunkte sind vorliegend nicht zu
erkennen. Selbst die – hier ohnehin nicht vorgebrachte – Möglichkeit, dass
eine Person nach ihrer Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen wird,
wäre flüchtlingsrechtlich nicht relevant (vgl. Urteil D-7898/2015 E. 5.1).
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin als zweifache Mutter sehr jun-
ger Kinder zurückkehren würde und daher nach der aktuellen Erkenntnis-
lage gerade nicht von einer Einziehung in den Nationaldienst bedroht wäre
(vgl. etwa den Überblick zu den diesbezüglichen Quellen bei Danish Im-
migration Service, Eritrea – National Service, Exit and Entry, Januar 2020,
S. 29, sowie die Urteile des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017
E. 4.8.3; D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 12.4 [beide als Referenzur-
teile publiziert]).
6.3 Die in der Beschwerde geltend gemachte Zwangsverheiratung ist, un-
abhängig davon, dass sie auch als nachgeschoben anzusehen ist, schon
deswegen nicht relevant, weil die Beschwerdeführerin nicht geltend macht,
was ihr aufgrund dieser Zwangsverheiratung bei Rückkehr drohen würde.
Eine Verfolgungsgefahr bei Rückkehr aufgrund der Zwangsverheiratung ist
weder geltend gemacht noch aus den Akten ersichtlich.
6.4 Soweit die Beschwerdeführenden in der Beschwerde geltend machen,
dass die Schweiz in Bezug auf Asylgesuche eritreischer Staatsangehöriger
insgesamt «eine sehr strenge Asylpraxis pflegt» (vgl. Beschwerde, S. 16),
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sind diese Vorbringen nicht weiter substantiiert oder mit neueren Quellen
unterlegt. Sie zielen somit auf eine generelle Praxisänderung ohne konkre-
ten Bezug zum Einzelfall ab. Mit einem solchen Vorbringen dringen die Be-
schwerdeführenden angesichts der klaren und konsolidierten Entschei-
dungspraxis des Gerichts (vgl. insbesondere die Urteile BVGE 2018 VI/4;
D-2311/2016 vom 17. August 2017 und D-7898/2015 vom 30. Januar 2017)
nicht durch und können insbesondere im Einzelfall für sich daraus keinen
Schutzbedarf ableiten.
6.5 Nach vorstehenden Erwägungen gelingt es den Beschwerdeführenden
nicht, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen,
weshalb ihre Verneinung zu bestätigen ist. Das Asylgesuch wurde dem-
nach zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Auch aus der Vater-Kind-Beziehung der Söhne der
Beschwerdeführerin zu ihrem Vater können die Beschwerdeführenden
nichts für sich ableiten, da dieser ebenfalls über keine Bewilligung und
auch nicht über einen Anspruch auf die Erteilung einer solchen verfügt. Die
Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
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Seite 11
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Beschwerdeführenden machten hinsichtlich der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs geltend, der Beschwerdeführerin drohe bei ei-
ner Rückkehr Inhaftierung und damit verbundene sexuelle Gewalt. Da es
den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung – im Sinne einer Vorverfolgung – nachzuweisen oder glaub-
haft zu machen, ist dieses Vorbringen hinsichtlich der Rückkehr ebenfalls
als nicht glaubhaft gemacht zu werten. Auf die Ausführungen des SEM im
Asyl- und Wegweisungsentscheid vom 24. April 2020, es drohe kein tat-
sächliches und unmittelbares Risiko einer Rekrutierung und es bestehe
kein Risiko einer Verletzung von Art. 4 EMRK, kann insoweit verwiesen
werden. Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung
kann daher im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden (vgl. auch
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
8.2.3 Der Ordnung halber ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass das
Gericht die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges in seinem Grundsatz-
urteil lediglich für freiwillig Rückkehrende beurteilt hat – aufgrund des feh-
lenden Rückübernahmeabkommens mit Eritrea – und die Frage der Zuläs-
sigkeit zwangsweiser Rückschaffung explizit offengelassen wurde (vgl.
BVGE 2018 VI/4, E. 6.1.7).
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8.2.4 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer-
deschrift. Die diesbezüglichen Ausführungen sind mit den Ausführungen
zur Flüchtlingseigenschaft sinngemäss identisch und wurden entspre-
chend bereits oben (E. 6.1 bis 6.3) behandelt. Der Wegweisungsvollzug ist
folglich als zulässig zu betrachten.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Im Falle der Beschwerdeführenden erweist sich
indes der Wegweisungsvollzug unter keinem Gesichtspunkt als unzumut-
bar.
8.3.2 Im Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 ist das Bundes-
verwaltungsgericht nach einer eingehenden Analyse der Ländersituation
(vgl. E. 15 und 16) zum Schluss gelangt, dass angesichts der dokumen-
tierten Verbesserungen in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, im
Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem die bisherige Praxis (gemäss
EMARK 2005 Nr. 12), wonach eine Rückkehr nach Eritrea nur bei begüns-
tigenden individuellen Umständen zumutbar sei, nicht mehr aufrechterhal-
ten werden könne (vgl. E. 17.2). Das Gericht stufte den Wegweisungsvoll-
zug nach Eritrea daher als grundsätzlich zumutbar ein.
8.3.3 Angesichts der im Referenzurteil D-2311/2016 erwogenen schwieri-
gen allgemeinen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage in Eritrea
muss bei Vorliegen besonderer Umstände aber nach wie vor von einer
Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumutbarkeit
bleibt daher im Einzelfall zu prüfen (vgl. E. 17.2). Die vorliegend ersichtli-
chen Einzelfallumstände sprechen jedoch nicht gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges. So handelt es sich bei der Beschwerdeführe-
rin um eine mittlerweile (...)-jährige Frau, deren Eltern und weitere Ange-
hörige weiterhin im Heimatdorf leben, wo die Familie Landwirtschaft be-
treibt. Angesichts des bestehenden Kontakts zu den Eltern ist davon aus-
zugehen, dass diese sich auch bei einer Rückkehr um die Beschwerdefüh-
rerin kümmern würden. Zudem ist davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführerin mit dem Vater der Kinder zurückkehren würde. Bei diesem
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wurde bereits rechtskräftig festgestellt, dass er bei einer Rückkehr ausrei-
chend Unterstützung haben würde (vgl. Urteil des BVGer D-6517/2020
vom 19. März 2020 E. 6.3). Es darf davon ausgegangen werden, dass auch
die Beschwerdeführerin von dieser Unterstützung profitieren könnte. Auf-
grund des bestehenden engen Kontakts mit ihrer eigenen Familie und der
Unterstützungsmöglichkeit durch die Familie des Kindsvaters ist die vorlie-
gende Fallkonstellation auch – anders als von den Beschwerdeführenden
geltend gemacht – nicht mit der Fallkonstellation des Urteils des BVGer
E-2117/2017 vom 17. Dezember 2019 vergleichbar, in dem das Gericht im
Fall einer unverheirateten Beschwerdeführerin mit einem unehelichen Kind
die Unzumutbarkeit der Wegweisung festgestellt hatte. Die Beschwerde-
führerin könnte vielmehr – anders als die Beschwerdeführerin in dem ge-
nannten Urteil – auf ein tragfähiges familiäres Netz zurückgreifen und muss
daher auch nicht – wie in der Beschwerde geltend gemacht – faktisch als
unverheiratete Frau mit einem unehelichen Kind gelten. Sinngemäss
brachte die Beschwerdeführerin diesbezüglich vor, eine Aufnahmebereit-
schaft der eigenen Familie bestehe nicht, vielmehr habe die Familie sie zu
ihrer Ehe gezwungen und sie unter Druck gesetzt. Sie könne auch nicht
auf den Schutz eines männlichen Begleiters zählen, da ihr Ehemann sie –
wenn er wiederauftauchen sollte – verstossen würde. Beide Argumente
greifen nicht durch, da die Beschwerdeführerin nach ihren Angaben im Ver-
fahren erstens einen guten Kontakt zu ihrer Familie gepflegt hat und zwei-
tens der Aufenthalt des Ehemannes seit mehreren Jahren unbekannt ist.
Insoweit ist die Geltendmachung von familiären Repressionen im Zusam-
menhang mit Zwangsheirat und einem schwierigen Verhältnis zu ihrer ei-
genen Familie als nachgeschoben zu werten und vermag nicht zu über-
zeugen. Insbesondere ist angesichts der Gesamtumstände und der ge-
samten Vorbringen im Verfahren nicht davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin im Falle einer Rückkehr von ihrer Familie verstossen
würde. Es ist daher insgesamt von einem tragfähigen familiären Netzwerk
auszugehen, das den Beschwerdeführenden bei einer allfälligen Rückkehr
zur Verfügung stehen würde. Im Übrigen darf davon ausgegangen werden,
sie könnten im Bedarfsfall auch noch von den in der Schweiz als aner-
kannte Flüchtlinge lebenden Geschwistern der Beschwerdeführerin unter-
stützt werden.
8.3.4 Auch unter Berücksichtigung des Kindeswohles ist der Wegwei-
sungsvollzug nicht unzumutbar. Nach geltender Rechtsprechung sind bei
der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AlG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Über-
einkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK,
SR 0.107) unter dem Aspekt des Wohls des Kindes namentlich folgende
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Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung:
Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Be-
ziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen, Stand und Prognose
bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration
bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2
m.w.H.). Die Vorinstanz hatte festgehalten, dass eigene Kindeswohl-
gründe, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprächen,
aufgrund des jungen Alters des (erstgeborenen) Kindes und der erst kur-
zen Aufenthaltsdauer in der Schweiz nicht bestünden, da diesem keine et-
waige Entwurzelung drohe. Da das Asylgesuch des Kindsvaters rechtskräf-
tig abgelehnt worden sei, ergebe sich auch unter Berücksichtigung des
Rechts auf Familienleben keine andere Beurteilung. Dieser Bewertung sei-
tens des SEM ist zuzustimmen, auch unter Berücksichtigung des Kindes-
wohls des während des laufenden Beschwerdeverfahrens geborenen
zweiten Kindes ergibt sich keine andere Beurteilung. Im Lichte der oben
genannten Faktoren sind keine Aspekte zu erkennen, die zu einer Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen könnten, zumal beide Kinder
mit Jahrgang (...) und (...) noch sehr jung und mithin nicht in der Schweiz
verwurzelt sind.
8.3.5 In Berücksichtigung des Kindeswohls haben die Behörden jedoch zu
beachten, dass der Wegweisungsvollzug mit dem Wegweisungsvollzug
des Kindsvaters F._, dessen Asylgesuch (N (...); Urteil des BVGer
D-6517/2019 vom 19. März 2020) in der Schweiz rechtskräftig abgelehnt
wurde, koordiniert wird.
8.3.6 Nach dem Gesagten ist der Wegweisungsvollzug auch als zumutbar
zu erkennen.
8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfah-
rens grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist jedoch von einer Kostenauflage abzusehen.
10.2 Nachdem die rubrizierte Rechtsanwältin den Beschwerdeführenden
als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet worden ist, ist sie für ihren Auf-
wand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit
dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Von
der Rechtsanwältin wurde mit der Beschwerde vom 25. Mai 2020 eine Kos-
tennote vorgelegt, in welcher ein Gesamtaufwand von 16 Stunden (aufge-
teilt in 5.75 Stunden Aufwand der Rechtsanwältin und 10.25 Stunden Auf-
wand einer Praktikantin) ausgewiesen wird, woraus laut ihrer Berechnung
eine Honorarforderung von Fr. 2’085.– resultiere. Dabei macht die Rechts-
vertreterin für sich selbst einen Stundenansatz von Fr. 220.– und für die
Arbeit der Praktikantin einen Stundenansatz von Fr. 80.– geltend, was im
Falle der amtlichen Vertretung durch eine Rechtsanwältin oder einen
Rechtsanwalt (nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG) als praxisgemäss erscheint.
Der geltend gemachte Aufwand erscheint in der Sache als angemessen.
Dazu macht die amtliche Rechtsbeiständin Auslagen von Fr. 26.30 geltend,
welche als berechtigt erscheinen. Die Rechtsanwältin ist ausweislich der
eingereichten Honorarnote nicht mehrwertsteuerpflichtig, weshalb das
amtliche Honorar keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs.
1 Bst. c VGKE umfasst. Nach dem Gesagten ist der rubrizierten Rechtsan-
wältin ein amtliches Honorar von Fr. 2'111.– auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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