Decision ID: d7c398fc-cae9-45c1-a09f-286db3b3766d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983,
ist seit dem Jahr 2016 nicht mehr erwerbstätig (
Urk.
7/7) und meldete sich u
nter Hinweis auf
Analphabetismus, fragliche Min
derintelligenz und Depressionen
am
3.
Juli 2017
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und teilte dem Versicherten mit Mitteilung vom 1
5.
September 2017 mit, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/9). In der Folge holte die
IV-Stelle ein psychiatrisches und neuropsychologisches Gutachten ein,
das am
9.
Mai 2018
erstattet wurde (
Urk.
7/
35
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/40
;
Urk.
7/54
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
7.
Februar 2019 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/57
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
1.
April 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
7.
Februar 2019
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei sein medizinischer Gesundheitszustand erneut und umfassend abzuklären
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1
6.
Mai 2019 wurde
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2 oben
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8
).
Am
3.
Feb
ruar 2020 reichte der Beschwerdeführer einen weiteren Arztbericht ein (
Urk.
10 und 11)
, worüber die Beschwerdegegnerin am
7.
Februar 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
12)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung der versicherten Person die invalidisierenden Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit ver
mutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290 E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290
E.
4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.
3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln
über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE
144
V
50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fes
t, dass gemäss Gutachten des
Z._
nicht von
höhergradigen
oder längerdauernden gesundheitlichen Einschränkungen ausgegangen werden könne, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Inval
idenversicherung bestehe
(S. 1).
2.2
Demgegenüber stellte sich
der
Beschwerdeführer
auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Begutachtung habe gleich zu Beginn in einer angespannten Stimmung stattge
funden, wobei er auch gleich auf seine Herkunft als Fahrender/
Jenischer
in einem abwertenden Ton angesprochen worden sei.
Insgesamt würden die Gutachter die Situation so beurteilen, dass von einer starken Aggravation auszugehen sei. Eine Erklärung hierfür fehle jedoch. Vielmehr würden die Gutachter
Unschlüssigkeiten
und Fragen zur Biografie und
zu
gesundheitlichen Einschränkungen aufwerfen, ohne diesen jedoch vertieft nachzugehen. Zentrale
Unschlüssigkeiten
und offene Fragen würden unbeantwortet im Raum stehen gelassen. So hätten es die Gut
achter bei elementaren Fragen unterlassen
,
bei seinem behandelnden Arzt nach
zufragen. Weiter komme das neuropsychologische Teilgutachten zu keinem Ergebnis. Folglich sei der medizinische Sachverhalt in diesem Punkt noch gar nicht geklärt. Nichtsdestotrotz stütze sich die Beschwerdegegnerin zu seinen Ungunsten darauf ab (S. 7 unten).
Weder der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD)
noch die Kundenberaterin würden sich mit den vorgebrachten Einwänden zur Arbeitsfähigkeit oder zum Beweiswert des Gutachtens befassen, weshalb die ablehnende Verfügung nicht nachvollziehbar sei. Damit liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor (S. 8 Mitte). Zusammenfassend sei festzuhalten, dass das
bidisziplinäre
Gutachten diverse Ungereimtheiten aufweise und folglich dem Gut
achten kein Beweiswert zukomme. Die Beschwerdegegnerin habe sich zudem in keiner Art und Weise mit den vorgebrachten Einwänden auseinandergesetzt und somit das rechtliche Gehör verletzt. Die ablehnende Verfügung sei daher
gestützt
auf einen medizinisch ungenügend abgeklärten Sachverhalt erfolgt (S. 8 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch und in diesem Zusammenhang, ob auf das
Z._
-
Gutachten
vom 1
0.
August 2018
abgestellt werden kann.
So
weit
der
Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht (vgl.
Urk.
1 S.
8
), darf diese - soweit sie überhaupt vorliegen sollte - als geheilt betrachtet werden,
zumal er die Möglichkeit hatte, sich umfassend im Rahmen der
Beschwerde zu äussern und es sich beim hiesigen Gericht
um eine
Beschwerdeinstanz
handelt
, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
)
. Ausserdem würde eine – vom Beschwerdeführer nicht beantragte
-
Rückweisung aus formellen Gründen dem Interesse an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache widersprechen
.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt
B._
,
C._
, führte im Bericht vom
8.
Januar 2018 (
Urk.
7/20) aus, er behandle den Beschwer
deführer seit dem
2.
Februar 2016 und nannte als Diagnosen Analphabetismus (ICD-10 F81.0), leichte Intelligenzminderung mit geringfügigen Verhaltensstö
rungen (ICD-10 F70.0) und
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2). Erst nach monatelanger Therapie sei herausgekommen, dass der Beschwerdeführer weder schreiben noch lesen könne. Anhand der Alltagsbewäl
tigung sei von einer leichten Minderi
ntelligenz auszugehen. Zu allen mehr oder weniger wichtigen Angelegenheiten müsse er zusammen mit seiner Mutter gehen (S. 3 Mitte). Unter einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und Neu
roleptika habe sich die gemischte Angst- und Depressionsstörung leicht verbes
sert. Lesen und Schreiben sei angesichts der vorhandenen Intelligenzstörung kaum möglich. Demzufolge erachte er die Gesamtprognose als ungünstig. Eine eigentliche engmaschige Psychotherapie sei beim Beschwerdeführer aus erwähn
ten Gründen nicht möglich. Zu Beginn sei der Beschwerdeführer wöchentlich gesehen worden, unterdessen erscheine er zirka ein bis zweimal monatlich (S. 3 unten). Angesichts der Minderintelligenz sowie des bestehenden Analphabetis
mus sei es nicht denkbar, dass der Beschwerdeführer eine Arbeit auf dem freien Stellenmarkt finde, bei der er seinen Lebensunterhalt finanziell begleichen könne. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 4 Mitte). Wegen
der aktu
ellen wirtschaftlichen Lage gebe es in seiner ehemaligen Tätigkeit als Altmetall
sammler und Messerschleifer keine Arbeit mehr. Dies werde auch durch mehrere andere Patienten aus der
jenischen
Familie berichtet,
d
ie
in der
B._
in Behand
lung seien (S. 4 unten).
3.2
3.2.1
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
dipl.
psych.
E._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie, nannten im Gut
achten des
Z._
vom
1
0.
August 2018 (
Urk.
7/35)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 14 oben):
-
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 14 oben):
-
schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1)
-
selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73)
3.2.2
Zur Diagnostik
führte der psychiatrische Gutachter
aus,
die diagnostische Einord
nung der vorliegenden Störungen sei erheblich dadurch erschwert
gewesen
, dass unter Berücksichtigung des neuropsychologischen Gutachtens, aber auch des Ein
drucks in der psychiatrischen Untersuchung, von ganz erheblicher Aggravation auszugehen sei. In der neuropsychologischen Untersuchung habe der Beschwer
deführer versucht, das Bild eines kognitiv stark beeinträchtigten, schwer intelli
genzgeminderten Mannes zu vermitteln. Die Neuropsychologin habe einge
schätzt, dass zweifellos von niedrigen kognitiven Ressourcen und Bildungsdefi
zi
ten auszugehen sei, dennoch lieg
e das in der Testung gezeigte Leistungsvermö
gen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit deutlich unter dem tatsächlichen Poten
tial. Auch in der klinisch-psychiatrischen Untersuchung sei nicht der Eindruck schwerer intellektueller Defizite entstanden. Der Beschwerdeführer habe etwa bei der Eruierung der Biographie durchaus differenziert über seine Erfahrungen und Erlebnisse sprechen sowie die Gründe für seine gescheiterte Ehe nachvollziehbar darstellen können. Es sei nicht der Eindruck eines grob beeinträchtigten Abstrak
tionsvermögens entstanden. Es hätten sich noch weitere Ungereimtheiten gezeigt (S. 12 unten). So habe der Beschwerdeführer in der psychiatrischen Untersuchung mühelos von 1 bis 10 zählen können.
In der neuropsychologischen Untersuchung habe er jedoch angegeben, dass er dazu nicht in der Lage sei. Insgesamt ergebe sich, dass aufgrund de
s
Verhaltens des Beschwerdeführers keine Diagnosen in Richtung einer beeinträchtigten Intelligenz gestellt werden könne, auch ob tat
sächlich ein Analphabetismus vorliege, erscheine zumindest fraglich
(S. 13 oben)
.
Abgesehen von der Frage der intellektuellen Leistungsfähigkeit
habe
der
Beschwerdeführer berichtet
, dass er viele Jahre lang uneingeschränkt beruflich tätig gewesen sei, er habe mit einem kleinen Transporter für seinen Onkel, bei dem er beschäftigt gewesen sei, Metalle von verschiedenen Kunden abgeholt. Schon damals sei er in sozialen Situationen, Begegnungen mit Kunden, ängstlich, selbstunsicher gewesen, auch aktuell
habe
sich eine gewisse persönlichkeitsbe
dingte
Selbstunsicherheit
ergeben
, die aber sicher nicht das Ausmass einer Per
sönlichkeitsstörung
erreicht habe
. Es
werde
eingeschätzt, dass beim
Beschwerde
führer
eine selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung (
ICD-10 Z73) vorliege
. Im Zusammenhang mit einer schweren Arbeitsplatzkonfliktsituation vor
zirka
drei bis vier Jahren, die der
Beschwerdeführer
als Mobbing erlebt
habe
, ferner auch mit einer damals bestehenden massiven Partnerschaftsproblematik (inzwi
schen
sei
der
Beschwerdeführer
getrennt),
hätten
sich zum einen depressive Stim
mungen, zum anderen eine Angstsymptomatik
entwickelt
. Beide Störungen
seien
aber eher wenig ausgeprägt. Gemäss ICD-10 soll bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression und der Situation, dass keine der beiden
Störungen ein Ausmass erreiche
, das eine entsprechende einzelne Diagnose rechtfertige, die Diagnose F41.2, Angst und Depression gemischt, gestellt
werde
.
D
iese Diagnose liege
beim
Beschwerdeführer vor, diesbezüglich bestehe
Übereinstimmung mit der diagnostischen Einschätzung der
B._
vom
8.
Januar 2018 (S. 13 Mitte).
Der
Beschwerdeführer
habe
des Weiteren
berichtet
, dass es vor drei bis vier Jahren zu einem erheblich gesteigerten Alkoholkonsum gekommen sei,
dies
sei sogar der Anlass gewesen, warum letztlich über den Hausarzt eine Vorstellung in der
B._
erfolgt sei. Leider
fänden
sich im Bericht dieser Klinik keinerlei Angaben über diese Problematik. Da Alkohol depressive Symptome und auch Ängste induzieren
könne,
werde
eingeschätzt, dass hier ein schädlicher Gebrauch von Alkohol (
ICD-10
F
10.1
) vorlieg
e
. Eine Alkoholabhängigkeit dürfte nicht vorliegen, dagegen
spreche
, dass der
Beschwerdeführer
inzwischen den Konsum deutlich reduziert
habe
(CDT-Wert noch im Normbereich, vgl. S. 11 Mitte)
, auch wenn er noch relativ viel Alkohol trink
e
. Ungewöhnlich
sei
auch
gewesen
, dass der
Beschwer
deführer
die Alkoholproblematik sehr betont
habe
, meist
werde
von Betroffenen mit einer Alkoholproblematik diese eher heruntergespielt. Es
sei
hier im Untersu
chungsgespräch stark der Eindruck
entstanden
, dass der
Beschwerdeführer
hier eher beschwerdebetonend
gewesen sei
, um insgesamt die Beeinträchtigung seiner Leistungsfähigkeit zu unterstreichen
(S. 13 unten)
.
3.2.3
Der
Beschwerdeführer habe
über biographische Belastungen
berichtet
, der Vater s
ei Alkoholiker gewesen, hochgrad
ig auffällig im Sinne von selbstaggressivem Verhalten, was ihm als Kind Angst gemacht habe. Der
Beschwerdeführer habe
des Weiteren
berichtet
, dass er als Angehöriger eines Familienclans von Fahren
den in der Schule von anderen Kindern ausgegrenzt worden sei, die Lehrer hätten ihn nicht gefördert. Die vorliegenden Persönlichkeitszüge im Sinne von Selbst
un
sicherheit
würden
vor
diesem Hintergrund nachvollziehbar
erscheinen
, des Wei
teren auch die Tatsache, dass relativ grosse Bildungsdefizite vorliegen
würden
. Eine genaue Klärung des kognitiven Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers
in der neuropsychologischen Untersuchung
sei
aber aufgrund seines grob auffäl
ligen Verhaltens in der Testsituation nicht möglich
gewesen. Die Neuropsycholo
gin
habe
ein
geschätzt
, dass bei zweifelsfrei angestrebtem Krankheitsgewinn hier am ehesten von Aggravation auszugehen
sei
. Auch aus psychiatrischer Sicht
werde eingeschätzt, dass beim Beschwerdeführer
von erheblicher Aggravation auszugehen
sei (S. 14 Mitte)
.
Der
Beschwerdeführer sei
trotz sicher anzunehmen
der Bildungsdefizite (im Sinne von Schulbi
l
dung) viele Jahre lang beruflich uneingeschränkt leistungsfähig
gewesen
, dies
habe
sich erst aufgrund zweier gleichzeitig eintretender belastender Lebenssituationen
geändert
, einer Arbeits
p
l
atzkonfliktsituation sowie Konflikten in der Partnerschaft. Nach Verlust des Arbeitsplatzes
sei
der
Beschwerdeführer
nun seit zwei bis drei Jahren nicht mehr beruflich tätig
gewesen (S. 14 unten).
3.2.4
Es erfolge seit Februar 2016 eine ambulante psychiatrische Behandlung beim
C._
der
B._
. Im zugehörigen Bericht vom
8.
Januar 2018 werde mitgeteilt, dass sich unter medikamentöser Therapie mit Antidepressiva und Neuroleptika die gemischte Angst- und Depressionsstörung leicht verbessert habe. Gebessert habe sich des Weiteren offensichtlich auch die Alkoholproblema
tik. Der Beschwerdeführer trinke jetzt weniger Alkohol,
was
aber dennoch wei
terhin unter anderem als problematisch anzusehen sei, weil Alkohol depressive Verstimmungen und Ängste induzieren könne (S. 15 oben).
3.2.5
Der
Beschwerdeführer sehe
sich zu keinerlei beruflichen Tätigkeit in der Lage, dies
sei
diskrepant zu den Aktivitäten in den Bereichen Freizeit und Haushalt. Es
werde
aktuell eingeschätzt, dass hinsichtlich der
g
eklagten Symptome eine ganz
erhebliche Aggravation vorliege
, bezüglich der vom
Beschwerdeführer
angege
benen kognitiven Beeinträchtigungen
habe
sich dies in der neuropsychologischen Untersuchung sehr deutlich
gezeigt
. Aufgrund der Aggravationstendenz
bestün
den
erhebliche Zweifel, ob die Angaben des
Beschwerdeführers
hinsichtlich der Angst-bedingten Einschränkungen im Alltag tatsächlich im vom
Beschwerdefüh
rer
geschilderten Ausmass vorl
ägen
. So
habe
der
Beschwerdeführer geäussert
, dass er zwar weiterhin Auto fahre, aber nicht allein, seine Mutter oder Schwester müssten auf dem Beifahrersitz mitfahren. Ob dies so
sei
oder nicht,
sei
mindestens fraglich. Die Frage, ob der
Beschwerdeführer
in der Lage
sei
, alleine Auto zu fah
ren,
sei
deshalb wichtig,
weil das Fahren eines Autos bzw. Kleintransporters essentieller Bestandteil seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Alteisensammler
gewesen sei (S. 15 Mitte)
.
In den Unterlagen
finde
sich der Bericht der
B._
vom
8.
Januar
201
8.
Die dort mitgeteilte Diagnose
«
Angst
und depressive Störung (ICD-10 F41.
2)»
sei
, wie oben bereits dargelegt
worden sei
, plausibel. Nicht korrekt bzw. nicht ICD-10 konform
sei die Diagnose
«
l
eichte Intelligenzminderung mit geringfügigen Verhaltensstö
rungen (
ICD-10
F70.0)
»
.
Die Diagnose einer leichten Intelligenzminderung setz
e
einen IQ von unter 70 voraus. In der ICD-10
werde
aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der IQ anhand von standardisierten Intelligenztests gemessen werden sollte, das
sei
offensichtlich nicht erfolgt, jedenfalls
werde
darüber
im Bericht
nichts berichtet. Des Weiteren
sei
nicht nachvollziehbar, dass in dem Bericht dezidiert behauptet
werde
, dass es
«
nicht denkbar
»
sei, dass der
Beschwer
deführer
«
angesichts der Mi
nderintelligenz sowie des bestehenden Analphabetis
mus
»
eine Arbeit auf dem freien Stellenmarkt finde, bei der er seinen Lebensun
terhalt finanziell begleichen könne. Das
passe
nicht dazu, dass der
Beschwerde
führer
über viele Jahre sehr wohl voll berufstätig
gewesen sei
, trotz an
geblicher
«
Minderintelligenz und
Analphabetismus
»
eine
n
Führerschein
habe
und im Rah
men seiner beruflichen Tätigkeit einen Kleintransporter
gefahren sei (S. 15 unten)
.
3.2.6
Der
Beschwerdeführer sei
Mitglied eines grösseren Familienclans von Fahrenden,
erhalte
sehr viel Unterstützung in Alltagsangelegenheiten.
Unter der Vorausset
zung, dass der
Beschwerdeführer
tatsächlich nicht mehr all
ein, ohne Begleitung Autofahren könne
,
sei
die Wegefähigkeit eingeschränkt. Es
bestünden
darüber hinaus Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Selbstbehauptungsfähigkeit und Kontaktfähigkeit zu Dritten.
Optimal geeignet
sei
eine sachbetonte, kognitiv ein
fache, regelmässige, gut vorstrukturierte Tätigkeit ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit.
Was die Arbeitsfähigkeit angehe
,
so bestehe
in einer leidensadaptierten Tätigkeit keine Verminderung der Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer
wäre
zum Bei
spiel
uneingeschränkt in der Lage, im Recycling zu arbeiten und Altmetalle zu sortieren. Unter der Voraussetzung, dass der
Beschwerdeführer
tatsächlich nicht mehr alleine Auto fahren
könne
,
sei
die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätig
keit (Einsammeln von Altmetallen mit einem Kleintransporter) allerdings aufge
hoben, da selbständiges Autofahren für diese Tätigkeit essentiell
gewesen sei
/
sei (S. 16 oben)
.
3.2.7
Mindestens seit Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung im
C._
der
B._
, also am
2.
Februar
2016,
sei
von einer relevanten ängstlich-depressiven Symptomatik auszugehen mit Einschränkung der Wegefä
higkeit wie beschrieben, insofern
sei
seither die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit aufgehoben.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
werde
ab Beginn der ambulanten psy
chiatrischen Behandlung im
C._
der
B._
ab
2.
Februar
2016 gesehen. Damals
sei
offensichtlich noch ein sehr erheblicher Alkoholkonsum
erfolgt
, des Weiteren
sei
die depressive Symptomatik (entsprechend aktuellem Bericht der
B._
) noch deutlicher ausgeprägt
gewesen
, insofern
werde
angenom
men, dass für
zirka
drei Monate nach Beginn dieser Behandlung die Arbeitsfä
higkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit um
zirka
30
%
eingeschränkt
gewe
sen sei
. Seitdem
liege
aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vor
(S. 17 unten)
.
3.3
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
RAD,
führte in der Stellungnahme vom 2
9.
August 2018 (
Urk.
7/38/5-7) aus, es hätten während der gutachterlichen Untersuchung Inkonsistenzen und
Aggrava
tions
-Tendenzen vorgelegen. Demzufolge könne aufgrund der gutachterlichen Untersuchung nicht von einem
höhergradigen
oder längerdauernden Gesund
heitsschaden ausgegangen werden. Die Beschwerden sei
e
n zudem durch medizi
nische Massnahmen weiterhin verbesserbar (S. 2 unten). Das erstellte Gutachten beantworte die gestellten Fragen umfassend, berücksichtige die
g
eklagten Beschwerden, sei in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden und sei in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein
leuchtend. Ebenso würden die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehba
rer Weise hergeleitet (S. 3 oben).
3.4
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.1)
führte in der Email vom 3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
7/52) aus, ihn
habe
am Gutachten erstaunt, dass es sich vorwiegend auf die testpsychologische Untersuchung abstütze. Das gehe gar nicht. Des Weiteren habe die Testpsychologin in einem Satz ganz klar die Neutralität verletzt und in
dubio
contra
assicurato
entschieden. Er habe sich vorgängig bei den Testpsychologen der
B._
informiert. Analphabeten liessen sich gar nicht auf Intelligenzminderung testen. Auch sei mit keinem Wort erwähnt worden, wie der Beschwerdeführer zu seinem Fahrausweis gekommen sei.
Dass
der Beschwerdeführer
gearbeitet habe
,
stimme einerseits, es sei aber auf keinen Fall eine Arbeit auf dem freien Stellen
markt gewesen. Er habe mit Angehörigen Altmetall gesammelt und Messer geschliffen.
3.5
G._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, Oberarzt
B._
,
I._
, berichteten am 1
2.
Juli 2019
und mithin nach Erlass der strittigen Ver
fügung vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
2)
über eine stationäre
Hospitalisation
vom
8.
bis 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
11) und nannten folgende Diagnosen:
-
P
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom
(ICD-10 F10.2)
-
leichte
Intelligenzminderung: Keine oder geringfügige Verhaltensstörung, Analphabetismus
(ICD-10 F70.0)
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10 F33.2)
-
Agoraphobie:
m
it Panikstörung
(ICD-10 F40.01)
-
g
emischte
Hyperlipidämie
-
nicht
näher bezeichnete unerwünschte Nebenwirkung eines Arzneimittels oder einer Droge (
Becozym
-Unverträglichkeit)
-
Status nach
Suizidversuch mit Mischintoxikation mit Alkohol und
Quetiapin
unklarer Menge am
7.
Juni 2019
Dazu führten sie aus, d
er Eintritt
sei
freiwillig bei St
atus nach
Suizidversuch bei rezi
divierender depressiver Episode erfolgt. Der Beschwerdeführer berichte, dass er
«
aus dem Nichts
»
Suizidgedanken
bekommen habe. Er habe das nicht geplant, die Gedanken
seien
plötzlich aufgetreten, weil ihm alles zu viel
geworden sei. Er
berichte
über eine schwere Kindheit (
der
Vater
habe
sich selbst
verstümmelt
) und aktuell au
ch Familienbelastungen. Auslöser
sei gewesen, dass seine Fr
eundin, die aus Brasilien stamme
, nach
einem
Streit wieder
zu
rück nach Hause geflogen
sei
. Daraufhin
habe
er Alkohol
getrunken
und
habe
Quetiapin
ein
genommen
.
Einen
Abschiedsbrief
habe
er nicht
geschrieben
. Er
habe
Angst
bekommen
und seinen Bruder
alarmiert
, der in der Nähe wohn
e
. Dieser
habe
ihn ins Spital
gebracht
und anschliessend erinnere
er
sich an nichts mehr. Nun
sei
er selbst erschrocken über den Suizidversuch und
gebe
an, er lebe grundsätzlich gerne. Er berichte, er habe ein Alkoh
ol
problem. Er trin
ke in letzter Zeit täglich 6-7 Liter
Bier, soviel bis er nichts mehr runter bekomme. Wenn er länger nichts trinke, bekomme er Entzugs
erscheinungen (
werde "zappelig"). Aktuell verneine
er Suizidgedanken. Er
könne
sich klar und glaubhaft von akuter Suizidalität
distanzieren
(S. 2 oben)
.
Der
Beschwerdeführer
sei
aus der
B._
verlegt
worden
zur Fortsetzung eines Alkoholentzuges, nachdem er einen medikament
eninduzierten Suizidver
such am
7.
Juni 20
19 gemacht
habe
und zuvor auf der Notfallstation im
J._
hospitalisiert
gewesen sei (S. 3 unten).
Die mit
Seresta
gestützte Entzugsbe
handlung
sei
problemlos verlaufen, so dass die
Seresta
-Einnahme schrittweise
habe
reduzier
t
und schliesslich
ausgeschlichen
habe
werden können
. Der
Beschwerdeführer
habe
sich gut im klinischen Alltag
und mit den Mitpatienten
integriert
. Er
habe
an de
r stationären Aktivierungsthera
pie teil
genommen
und regelmässig
das
Informations- und Motivationsprogramm
besucht
. Der
Beschwerdeführer habe
wegen Analphabetismus nur teilweise vom Therapiepro
gramm profitieren
können
. Während des Aufenthaltes
sei
es zu keinen Kompli
kationen i
m
Rahmen des Entzugs
gekommen
, wie
zum Beispiel
Delir,
Halluzina
tionen
oder epileptische Anfälle.
Es sei
in dieser Zeit
auch
zu keinem alkoholbe
dingten Rückfall
gekommen
. Auf
Vitamin-B-Substitution mit
Becozym
habe
der
Beschwerdeführer
eine Unve
rträglichkeitsreaktion mit Hautjuckreiz gezeigt (S. 4 oben).
Der Beschwerdeführer habe die Klinik schliesslich aus familiären Gründen ver
lassen (S. 4 Mitte).
4.
4.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers stellte die Beschwerdegegnerin - den Stellungnahmen des RAD (
Urk.
7/38 S. 5 ff. und
Urk.
7/56 S. 3
) folgend - auf das
psychiatrisch-neuropsychologische
Z._
-Gut
-
achten
vom
1
0.
August 2018
(vorstehend E. 3.
2
) ab. Vorab ist festzuhalten, dass das
Z._
-Gutachten auf den notwendigen psychiatrischen und
neuropsy
chologischen
Untersuchungen des Beschwerdeführers beruht und in Kenntnis der
Vorakten
erging. Die Gutachter berücksichtigten die geklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Die medizinischen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen sind in einer Weise begründet, dass sie prüfend nachvollzogen werden können. Das
Z._
-Gutachten erfüllt daher die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines Arzt
berichts (vorstehend E. 1.
7
) vollumfänglich.
Nach ausführlicher Anamneseerhebung (vgl.
Urk.
7/35/5-9), pathologischer Befundaufnahme (vgl.
Urk.
7/35/9-11) und erfolgter neuropsychologischer
Abklärung
(vgl.
Urk.
7/35/22-26) diagnostizierte d
er psychiatrische Gutachter
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Angst und depressive Störung, gemischt
, und führte dazu aus, dass sich diese im Zusammenhang mit einer schweren Arbeitsplatzsituation mit Mobbing und auch mit einer damals beste
henden massiven Partnerschaftsproblematik
entwickelt habe
. In schlüssiger
und nachvollziehbarer Weise und auch unter Bezugnahme auf die Kriterien des ICD-10 erklärte er sodann ausführlich, weshalb - entgegen der Einschätzung der behandelnden Ärzte - keine Diagnose in Richtung einer beeinträchtigten Intelli
genz gestellt werden könne (vgl. vorstehend E. 3.2.2).
Aufgrund des
reduzierten Alkoholkonsum
s
und i
m Zusammenhang mit dem
im Labor gemessenen
CDT-Wert (vgl.
Urk.
7/35/11 Mitte)
verneinte er eine Alkoholabhängigkeit und diag
nostizierte neben
einem schädlichen Gebrauch
von Alkohol zudem eine selbst
unsichere Persönlichkeitsakzentuierung. Der
psychiatrische Gutachter wies
zudem
auf die von ihm und in der neuropsychologischen Untersuchung festge
stellten erheblichen Aggravation hin. So habe der Beschwerdeführer versucht, das Bild eines kognitiv stark beeinträchtigten, schwer intelligenzgeminderten Mannes zu vermitteln (vgl. vorstehend E. 3.2.2).
4.2
Aufgrund der Diagnose Angst und depressive Störung, gemischt, attestierte der psychiatrische Gutachter
- unter der Voraussetzung, dass der Beschwerdeführer tatsächlich nicht mehr allein, ohne Begleitung Autofahren könne und dadurch die Wegefähigkeit eingeschränkt sei -
eine seit
2.
Februar 2016
bestehende
voll
ständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, welche das Fahren eines Kleintransporters beinhaltete, sowie eine 100%ige Arbeit
s
fähigkeit in einer
lei
densangepassten Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2.6-7).
Mit Blick auf die vom psychiatrischen Gutachter berichtete erhebliche Aggrava
tion der
g
eklagten Symptome
sowie das
in der neuropsychologischen Abklärung festgestellte
grob auffällige Verhalten bei
eingeschränkte
r
Anstrengungsbereit
schaft
und
nicht ausreichender Leistungsmotivation in der Testsituation, wofür aufgrund der
unplausiblen
Symptomproduktion am ehesten eine bewusste Aggravation von kognitiven Beeinträchtigungen bei zweifelsfrei angestrebtem Krankheitsgewinn in Frage komme (vgl.
vorstehend E. 3.2.2-3, E. 3.2.5, vgl. auch
Urk.
7/35/26),
stellt sich vorliegend die Frage,
inwieweit die Leistungseinschrän
kung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (sog. Ausschluss
gründe)
und damit die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbietet
,
o
der aber von einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auszugehen ist, wobei deren Auswirkungen im Umfang der Aggravation zu bereinigen sind
(vgl. dazu BGE 141 V 281 E. 2.2.1-2 und E. 4.3.1.1).
Angesichts der
sowohl vom behandelnden Psychiater als auch vom psychiatrischen Gutach
ter gestellten
Diagnose Angst und depressive Störung, gemischt, ist
trotz der vor
liegenden
aggravatorischen
Elemente
ein
strukturiertes
Beweisverfahren
BGE 141 V 281 durchzuführen
, wobei das
aggravatorische
Verhalten bei den einzelnen Indikatoren des normativen Prüfrasters zu berücksichtigen sind
.
Da eine schlüs
sige Prüfung der Indikatoren (vgl. vorstehend E. 1.5) gestützt auf das Gutachten möglich ist, sind
weitere medizinische Abklärungen
– entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1) -
nicht angezeigt.
Daran ändert auch der erst nach
Verfügung
serlass
(
2
7.
Februar 2019
,
Urk.
2)
ver
fasste Bericht der
B._
vom
1
2.
Juli 2019 über
die
stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführers
vom
8.
bis 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
11)
nichts, zumal
fü
r die Beur
teilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung für das Sozialversi
cherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend
ist
, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
Auf
grund dessen, dass sich die
Hospitalisation
(Juni 2019)
erst mehrere Monate
nach Verfügungserlass und beinahe ein Jahr nach der Begutachtung (August 2018) ereignet hat, ist der Bericht nicht geeignet, die Schlussfolgerungen des
Z._
-Gutachtens in Frage zu stellen.
Überdies stehen
die neu geltend gemachten Tat
sachen nicht hinreichend klar fest
, weshalb eine Berücksichtigung in vorliegen
dem Verfahren nicht möglich ist. Eine allfällige Verschlechterung des Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers
wäre vielmehr
im Rahmen einer Neuan
meldung bei der Beschwerdegegnerin geltend
zu
machen.
4.
3
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass
sich der psychiatrische Gut
achter eingehend mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung auseinandergesetzt hat
.
A
ufgrund der Ungereimtheiten und
des
gezeigten Ver
haltens des Beschwerdeführers
konnte er
keine Diagnose in Richtung einer beeinträchtigten Intelligenz stellen
und begründete dies nachvollziehbar
.
So habe der Beschwerdeführer bei der Eruierung der Biographie durchaus differenziert über seine Erfahrungen und Erlebnisse sprechen und die Gründe für seine gescheiterte Ehe nachvollziehbar darstellen können und es sei nicht der Eindruck eines grob beeinträchtigten Mannes entstanden. Der Beschwerdeführer habe in der psychiatrischen Untersuchung mühelos von 1 bis 10 zählen können, in der neuropsychologischen Untersuchung jedoch angegeben, dass er dazu nicht in der Lage sei
(vgl.
Urk.
7/35 S. 12 f.)
.
Die psychopathologische Befundaufnahme (vgl.
Urk.
7/35 S. 9 ff.) war weitgehend unauffällig, insbesondere war die Auffassung nicht erschwert
und die Konzentration nicht auffallend vermindert. Die Merkfä
higkeit sowie das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis hätten im klinisch-patholo
gischen Befund nicht auffallend beeinträchtigt gewirkt
. D
er psychiatrische Gut
achter führte weiter aus, dass sich die depressive Stimmung und Angstsympto
matik im Zusammenhang mit einer schweren Arbeitsplatzkonfliktsituation mit Mobbing und auch mit einer damals bestehenden massiven Partnerschaftsprob
lematik entwickelt hätten,
wobei er beide
Störungen
als
eher wenig ausgeprägt
beschrieb
und entsprechend die Diagnose einer Angst und depressiven Störung, gemischt, diagnostizierte. Daneben stellte er als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen schädlichen Gebrauch von Alkohol sowie eine selbst
unsichere Persönlichkeitsakzentuierung
(vgl. vorstehend E. 3.2.2)
. Der Indikator der
Ausprägung
der
diagnoserelevanten Befunde erweist sich damit in Bezug auf die gestellten Diagnosen
und insbesondere unter Berücksichtigung der festgestell
ten Aggravation und der
deutlichen
psychosozialen Faktoren
als
höchstens
geringfügig ausgeprägt
, womit eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens ausser Betracht fällt.
In Bezug auf den Behandlungserfolg oder -resistenz, also den Verlauf und den Ausgang von Therapien, welche wichtige Schweregradindikatoren darstellen,
geht aus den Akten,
insbesondere dem Bericht der
B._
vom
8.
Januar 2018
, her
vor, dass sich
unter medikamentöser Therapie mit Antidepressiva und Neurolep
tika die gemischte Angst- und Depression
sstörung leicht verbessert habe (vgl. vorstehend E. 3.1 und E.
3.2.4)
. Von einer therapeutisch nicht
angehbare
n
Stö
rung
kann daher kaum ausgegangen werden
.
Eine Behandlungsresistenz stellte der Gutachter
ebenfalls nicht fest, sondern führte aus, dass sich die beschriebene Angstsymptomatik unter Weiterführung der ambulanten psychiatrischen Thera
pie weiter verbessern werde (vgl.
Urk.
7/35/18 Mitte).
Somatische Komorbiditäten liegen keine vor und auch psychische Komorbiditä
ten von hinreichender Erheblichkeit lassen sich
vorliegend
nicht erkennen.
In den Komplexen Persönlichkeit und sozialer Kontext ergeben sich sodann keine wesentlichen, einschränkenden Faktoren. Der psychiatrische Gutachter wies auf eine selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung hin, verneinte jedoch das Aus
mass einer Persönlichkeitsstörung (vorstehend E. 3.2.2).
Hinsicht
lich
des sozialen Kontextes ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
im Familienkontext gut
integriert ist und in einem eigenen Wohnwagen auf einem grösseren Platz neben seiner Schwester und der Mutter lebt, zu welchen er sehr engen Kontakt hat und sie täglich sieht und besucht. Er hält seinen Wohnwagen alleine sauber und nimmt die Mahlzeiten bei der
Schwester und der Mutter ein. Auf dem Platz hat der Beschwerdeführer noch Kontakt zu einem Kollegen
und berichtet von einem weitgehend strukturierten Tagesablauf (vgl.
Urk.
7/35/8)
.
Trotz im Raum stehen
dem Analphabetismus war der Beschwerdeführer in der Lage einer Erwerbstätig
keit nachzugehen und ein Fahrzeug im beruflichen Umfeld zu führen. Angesichts der vorliegenden Erwerbsbiographie und des Lebenskontextes des Beschwerde
führers enthält dieser damit bestätigende, sich potentiell
günstig auf die
Ressour
cen auswirkende Faktoren.
Schliesslich äusserte sich der psychiatrische Gutachter auch zur Konsistenz und
Plausibiliät
und hielt fest,
die Ansicht des Beschwerdeführers
, dass er
zu
keinerlei beruflichen Tätigkeit mehr in der Lage sei, sei diskrepant zu den Aktivitäten in den Bereichen Freizeit und Haushalt
. Der psychiatrische Gutachter
wies erneut darauf hin, dass hinsichtlich der
g
eklagten Symptome eine ganz erhebliche Aggravation vorliege, was sich bezüglich der vom Beschwerdeführer angegebe
nen kognitiven Beeinträchtigungen in der neuropsychologischen Untersuchung sehr deutlich gezeigt habe. Aufgrund der Aggravationstendenz bestünden erheb
liche Zweifel, ob die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich der Angst-bedingten Einschränkungen im Alltag tatsächlich im vom Beschwerdeführer geschilderten Ausmass vorl
ä
gen. So habe er geäussert, dass er zwar weiterhin Auto fahre, aber nicht allein, seine Mutter oder Schwester müssten auf dem Bei
fahrersitz mitfahren (vgl. vorstehend E. 3.2.5).
Das vom Beschwerdeführer ver
mittelte Bild eines kognitiv stark beeinträchtigten
,
schwer intelligenzgeminderten Mannes lässt sich selbst unter Berücksichtigung des fraglichen «nicht mehr alleine fahren
Könnens
» nicht mit dem Führen eines Fahrzeuges
, das ein beachtliches Mass an physischen und psychischen Ressourcen sowie an Konzentrationsver
mögen benötigt, vereinbaren
.
Zum Leidensdruck ergibt sich aus dem Gutachten
sodann
weiter, dass
anlässlich der Laboruntersuchung
das
Medikament
Esci
talopram
unterhalb des Referenzbereichs
lag
und möglicherweise nicht regelmäs
sig eingenommen
wird. Dagegen lag das Medikament
Q
uetiapin
praktisch im nicht messbaren Bereich und
werde
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bzw. nich
t regelmässig eingenommen
(vgl.
Urk.
7/35/12 oben). Nachdem sich der Beschwerdeführer anfänglich wöchentlich in ambulanter psychiatrischer Behand
lung befand,
fand
diese im Zeitpunkt der Begutachtung noch ein bis zweimal monatlich statt (vgl. vorstehend E. 3.1)
, was
gewisse
Zweifel am Leidensdruck aufkommen lassen.
Hinsichtlich Konsistenz ergibt sich damit, dass die vorliegen
den Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild ergeben.
4.
4
Zusammenfassend fehlt es der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers am vorausgesetzten funktionellen Schweregrad und die Kon
sistenzprüfung ergibt keine deutliche sowie gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Eine im invalidenver
sicherungsrechtlichen Sinne hinreichende funktionelle Leistungseinschränkung ist daher für den hier relevanten Zeitraum nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ausgewiesen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zu Ungunsten des Beschwerdeführers auswirkt (vorstehend E. 1.
3-
4). Insoweit ist von der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abzuweichen, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 1
5.
März 2018 E. 3.2).
Da die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nach dem Gesagten im massge
benden Zeitraum weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit
während einer relevanten Dauer gesundheitsbedingt massgeblich eingeschränkt war, ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers
auf
Leistungen der Invalidenversicherung ver
neinte.
4.
5
Die Einwendungen des Beschwerdeführers sind nicht geeignet, zu einem abwei
chenden Ergebnis zu führen. Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, dass das neuropsychologische Teilgutachten zu keinem Ergebnis gelangte und der medi
zinische Sachverhalt in diesem Punkt noch gar nicht geklärt sei, so kann ihm nicht gefolgt werden. So konnte aufgrund der verminderten Kooperationsbereit
schaft
und nicht ausreichenden Leistungsbereitschaft in der Testsituation
kein gültiges Testprofil erstellt werden.
Die Kennwerte der formalisierten Beschwerde
validierung seien durchgängig hoch auffällig gewesen und die Cut-off-Werte für eine ausreichende Anstrengungsbereitschaft seien deutlich unterschritten wor
den. Die Ergebnisse würden durchgängig im Zufallsbereich liegen. Dies bedeute, dass in diesem Verfahren, das vermeintlich Gedächtnisleistungen, real jedoch die Leistungsmotivation prüfe, Ergebnisse erzielt worden seien, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf eine eingeschränkte Anstrengungsbereitschaft hinweisen würden. Die neuropsychologische Gutachterin führte weiter aus, obwohl zweifel
los von niedrigen kognitiven Ressourcen und Bildungsdefiziten auszugehen sei, liege das in der Testung gezeigte Leistungsvermögen mit sehr hoher Wahrschein
lichkeit unter dem tatsächlichen Potential des Beschwerdeführers. Die gezeigte Leistungsbereitschaft sei nicht mit dem Funktionsniveau im Alltag mit Erwerb eines PKW-Fahrausweises vereinbar (vgl.
Urk.
7/35/22-26). Sodann führte auch der psychiatrische Gutachter
eingehend aus, welches
aggravatorische
Verhalten er beobachtet
hab
e und welche Ungereimtheiten ihm aufgefallen seien (vgl. vor
stehend E.
3.2.2-3, E. 3.2.5).
An der vorliegenden Beurteilung
vermag
schliesslich
auch
der Bericht der
-
auf
grund eines Suizidversuchs nach Streit und Rückreise der Freundin nach Brasilien erfolgten
-
stationären Behandlung
mit Alkoholentzug
in der
B._, I._
vom 1
2.
Juli 2019 (vgl. vorstehend E. 3.5)
nichts zu ändern
, soweit er vorliegend über
haupt zu berücksichtigen ist (vgl. vorstehend E. 4.2)
.
Zwar
kann aufgrund der stationären Behandlung
von einem
während des Aufenthalts bestandenen
ver
schlechterten Gesundh
eitszustand ausgegangen werden. Der Entzug sei
indes
problemlos verlaufen, es sei während des Aufenthalts zu keinen Komplikationen im Rahmen des Entzugs und auch zu keinem alkoholbedingten Rückfall gekom
men. Schliesslich habe der Beschwerdeführer die Klinik aus familiären Gründen verlassen (vgl. vorstehend E. 3.5). Zum weiteren Prozedere lässt sich dem Bericht entnehmen, dass neben der Fortführung der Vitamin B Substitution für zwei Monate und
der Abgabe
weiterer Medikation (unter anderem
Neuroleptika und ein pflanzliches Sedativum,
abgegeben
für drei Tage) einzig die Nachbehandlung
durch den Hausarzt vorgesehen wurde (vgl.
Urk.
11 S. 4), woraus sich im Ver
gleich zu früheren Berichten
zumindest nicht ohne Weiteres ein
im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigender
verschlechterter
oder
veränderter Gesundheits
zustand ergibt.
Schliesslich ist zu bemerken, das
s soziokulturelle Faktoren
(Beziehungskonflikte)
,
Bildungsdefizite (im Sinne von Schulbildung)
und die
fehlende Berufsbildung
invaliditätsfremde Faktoren darstellen
.
Die Erwerbsbiographie des Beschwerde
führers zeigt auf, dass der Beschwerdeführer in der Lage war, einen durchaus marktüblichen Lohn zu erzielen (vgl.
Urk.
7/7). Die Invalidenversicherung hat rechtsprechungsgemäss nicht dafür einzustehen, wenn Versicherte wegen invali
ditätsfremde
r
Faktoren keine entsprechende Arbeit finden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2007 vom 2
7.
August 2008 E. 10).
4.
6
Die angefochtene Verfügung erweist sich nach dem Gesagten als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des
Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden diese jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, dies mit Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).