Decision ID: a5e47768-d6bf-5f8b-9519-1dc5ab29ff9b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
X._
AG
, bis April 2014
als
G._
AG beziehungsweise
bis Juni 2017 als
H._
AG firmierend
,
ist der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
, angeschlossen
(
Urk.
27/1, 27/3)
.
Mit vier sepa
raten Verfügungen vom
3
1.
Mai 2018 verpflichtete
die
Ausgleichskasse
d
ie
X._
AG
zur Zahlung von
AHV-, IV-, EO-, FAK- und ALV-Lohnbeiträgen
für die Jahre 2013 bis 2016 samt Verzugszinsen in der Höhe von insgesamt
Fr.
86'287.95 (
Urk.
3/
2/2-5 =
Urk.
6/281-284;
vgl. auch
Urk.
6/280)
. Mit Schreiben vom
4.
Juni 2018 erklärte sie dazu, es handle sich
um
Beiträge auf nicht deklariert
e
n
Löhne von Taxifahrern. Deren
Erwerbst
ätigkeit sei als
unselbständigerwerbend
einzu
stufen (
Urk.
6/289).
Gleichzeitig eröffnete sie den betroffenen Taxifahrern
Y._
,
Z._
,
A._
,
B._
,
C._
,
D._
,
E._
und
F._
die Mög
lichkeit, gegen die
(jeweilige)
Verfügung vom 3
1.
Mai 2018 Einsprache zu erhe
ben (
Urk.
6/290, 6/291
, 6/293, 6/294, 6/295, 6/296, 6/
297, 6/298).
Die gegen diese Verfügung von der
X._
AG erhobene Einsprache (
Urk.
6/313) hiess die Aus
gleichskasse mit Entscheid vom 1
3.
August 2019 insofern gut, als sie die
Lohn
beiträge
für die Jahre 2013 bis 2016 samt
Verzugszins
en
auf insgesamt
Fr.
66'159.85 (
Fr.
8'770.25 +
Fr.
24'277.20 +
Fr.
16'731.35 +
Fr.
16'381.05;
Urk.
3/3/5-8) reduzierte (
Urk.
2,
Urk.
3/3/5-8). In Entsprechung dies
es
Einspra
che
ent
scheids
verfügte
sie am 1
3.
Augus
t 2019 die einzelnen Beitragsjahre 2013 bis 2016 (
Urk.
3/3/5-8) sowie die Verzugszinse
n
(
Urk.
3/3/1-4) nochmals.
2.
Dagegen erhob die
X._
AG am 1
6.
September 2019 Beschwerde
und stellte folgendes Rechtsbegehren
(
Urk.
1 S. 3 f.)
:
1.
Es sei der
Einspracheentscheid
vom 1
3.
August 2019 aufzuheben und es seien die mit der Einsprache gestellten Anträge gutzuheissen.
2.
Es sei festzustellen, dass die vier Verzugszinsverfügungen vom 1
3.
August 2019 nichtig, eventuell gegenstandslos, subeventuell aufzuheben seien.
3.
Es sei festzustellen, dass die vier Nachzahlungsverfügungen vom 1
3.
August 2019 nichtig, eventuell gegenstandslos, subeventuell aufzuheben seien.
4.
Eventuell sei festzustellen, dass die angeblichen obgenannten Arbeitnehmer (
Y._
,
Z._
,
A._
,
B._
,
C._
,
D._
,
E._
und
F._
) jeweils für
die Jahre 2013, 2014, 2015, 2016
von der
Einsprecherin
keine geldwerten Leistungen ausgerichtet erhalten haben und deshalb die Beiträge auf
Fr.
0.-- und allfällige Verzugszinse
n
auf
Fr.
0.-- festzusetzen seien.
5.
Es sei festzustellen, dass die Mahngebühr von
Fr.
40.-- vom
9.
Juli 2018 nichtig, eventuell
gegenstandslos und subeventuell aufzuheben sei.
6.
Es sei festzustellen, dass die Einstellungsverfügung
[
richtig:
Einspracheentscheid
]
von der vorbefassten Frau
lic.
iur
.
O._
unterzeichnet worden sei, die schon im Parallelverfahren
I._
den
Einspracheentscheid
unterzeichnet habe, der bei gleicher Sachlage wegen Mangelhaftigkeit aufgehoben
habe we
rden
müssen
(Urteil vom
5.
März 2019, AB.2017.00027), weshalb ihr die notwendige Unabhängigkeit und
Unvor
genommenheit
abgehe.
Unter Kosten- und
vollen
Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz und ihrer Funktionäre wegen mutwilligen und leichtsinnigen Verhaltens.
In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (
Urk.
1 S. S. 4).
Die
Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom
2
4.
Oktober 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Mit Verfügung vom 1
1.
November 2019 wurden
Y._
,
Z._
,
A._
,
B._
,
C._
,
D._
,
E._
und
F._
zum Verfahren beigeladen (
Urk.
7), die sich teilweise verlauten liessen (
Urk.
9, 12-16).
Die öffentliche Verhandlung fand am 1
8.
Mai 2020 statt (Prot. S.
4 ff.,
Urk.
22). Das Protokoll der Verhandlung wurde den Parteien zur Kennt
nis
nahme zugestellt (
Urk.
25).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
für den Entscheid
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der
Einspracheentscheid
tritt an die Stelle der vorgängig erlassenen Verfügung (auch soweit er diese lediglich bestätigt). Anfechtungsgegenstand des nach
fol
genden Beschwerdeverfahrens bildet allein der
Einspracheentscheid
(BGE 131 V 407 E.
2.1.2.1, 119 V 347 E. 1b).
1.2
Die Ausgleichs
kasse erliess am 1
3.
August 2019
erneut Verzugszinsverfügungen
und Nachzahlungsverfügungen
für die Jahre 2013 bis 2016
und versah diese mit einer Rechtsmittelbelehrung
(
Urk.
3/3/1-8)
. Dieses Vorgehen ist formell
gesehen nicht korrekt
, da
das Verwaltungsverfahren mit Erlass des
Einspracheentscheids
(ebenfalls)
vom 1
3.
August 2019
abgeschlossen worden war. Inhaltlich hielt die Ausgleichskasse jedoch bloss fest, was sie mit dem
Einspracheentscheid
ent
schieden hat
, weshalb sich daraus keine Konsequenzen ergeben
.
2.
Zu prüfen ist nachfolgend
die Rechtmässigkeit des
Einspracheentscheids
vom 1
3.
August 20
1
9
.
Dieser bildet den Anfechtungsgegenstand.
Ebenso verhält es sich hinsichtlich
der am
9.
Juli
2018 verfügten Mahngebühr von
Fr.
4
0.-- (
Urk.
6/311). Darüber
hat die Ausgleichskasse im
Einspracheentscheid
zwar
nicht ent
schieden, j
edoch beanstandete die Beschwerdeführerin deren Rechtmässigkeit in der Einsprache vom 2
5.
Juli 2018 (
Urk.
6/313/2).
Z
um Anfechtungsgegenstand
gehören
nicht nur diejenigen Rechtsverhältnisse, über welche die Verwaltung tat
sächlich
eine Anordnung getroffen hat. Vielmehr bilden auch jene Rechts
ver
hältnisse Teil des Verfahrensgegenstandes, hinsichtlich deren es die Ve
rwaltung zu Unrecht
unterlassen hat zu befinden, obwohl dazu nach der Aktenlage oder den Parteivorbringen hinreichender Anlass bestanden hätte (
Bundesgerichtsurteil
8C_210/18
vom
1
7.
Juli 2
018
E. 3.2.3.2
).
3.
3.1
Vorweg ist auf die formellen Einwände der Beschwerdeführerin einzugehen. Sie
macht eine Verletzung von
Art.
4 und 6
Abs.
1
des Internationalen Paktes vom
1
6.
Dezember 1966 über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UNO-Pakt I;
SR 0.103.1)
,
Art.
2
Abs.
1 und 14
Abs. 1
des Internationalen Paktes vom 1
6.
Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II; SR 0.103.2
) und
Art.
6 der
Europäischen Menschenrechtskonvention
(EMRK
; SR 0.101
)
geltend (
Urk.
1 S. 8,
Urk.
22 S. 2 f.).
3.2
3.
2
.1
Art.
6
Abs.
1 des UNO-Paktes I statuiert ein Recht auf Arbeit, das
das Recht jedes einzelnen auf die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt durch frei gewählte oder angenommene Arbeit zu verdienen, umfasst
.
Art.
4 des UNO-Paktes I hält fest, dass der
Staat die Ausübung der von ihm gemäss diesem Pakt gewährleisteten Rechte nur solchen Einschränkungen unterwerfen darf, die gesetzlich vorgesehen und mit der Natur dieser Rechte vereinbar sind und deren ausschliesslicher Zweck es ist, das allgemeine Wohl in einer demokratischen Gesellschaft zu fördern.
Vorliegend geht es um die Frage, ob die beigeladenen Taxifahrer als selbständig- oder
unselbständigerwerbend
zu qualifizieren
sind
, mithin ob die Beschwerdefüh
rer
in
als deren Arbeitgeberin, soweit die Beigeladenen mit ihr in einem Vertrags
ver
hältnis stehen, zu qualifizieren ist. Inwiefern dadurch das Recht auf
Arbeit bzw.
Ausübung der Erwerbstätigkeit eingeschränkt und damit eine Verletzung von
Art.
6 respektive 4 des UNO-Paktes I vorliegen soll, ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht
näher
dargetan
(vgl.
Urk.
22 S. 2)
. Abge
sehen davon enthält
der UNO-Pakt I
nach der Rechtsprechung des Bundes
ge
richtes, vorbehältlich gewisser Ausnah
men, keine direkt anwendbaren Individual
garantien
(BGE 126 I 240
E. 2c
)
.
3.2.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
1 des UNO-Paktes II verpflichtet sich
jeder Vertragsstaat
, die in diesem Pakt anerkannten Rechte zu achten und sie allen in seinem Gebiet befindlichen und seiner Herrschaftsgewalt unterstehenden Personen ohne Unter
schied wie insbesondere der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache,
der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status zu ge
währleisten.
Die Beschwerdeführerin führt nicht aus,
welches durch den Pakt gewährte
Recht
im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit als Taxifahrer
kon
kret verletzt sein soll (vgl.
Urk.
22 S. 3)
. Solches ist auch nicht ersichtlich.
3.2.3
Gemäss
Art.
14
Abs.
1 UNO-Pakt II
hat jede Person, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss, Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches
Gericht. Dasselbe gewährleistet
Art.
6
Ziff.
1 EMRK. Soweit die Beschwerdeführerin
behauptet, es liege
ein
Ausstandsgrund
gegen Frau
O._
vor,
weil sie sowohl den nun angefochtenen
Einspracheentscheid
als auch den
Einspracheentscheid
unterzeichnet habe, der im Prozess Nr. AB.2017.00027 - bei dem es ebenfalls um die Qualifikation der Erwerbstätigkeit eines Taxifahrer
s
ging - beurteilt worden sei (
Urk.
1 S. 8,
Urk.
22 S. 4), ist
anzu
merken, dass der Ausgleichskasse nicht die Stellung eines Gerichts zukommt. Die Berufung auf die obenerwähnten Bestimmungen erweist sich deshalb von vorn
herein als
unbehelflich
. Darüber hin
aus stellt
es keinen allg
emeinen
Ausstands
grund
dar
, wenn innerhalb des Verwaltungsverfahrens die betreffende Person sich bereits mit der entsprechenden Sache befasst hat
(
Kieser, Kommentar zum ATSG,
4.
Aufl. 2020,
N.
16 zu
Art.
36
ATSG
). Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang weiter moniert, dass sich das Sozialversicherungsgericht in
einem Gebäude der Suva befinde
(Prot. S. 5), übersieht
sie
, dass diese nicht Verfahrenspartei ist.
Se
lbst wenn dem so wäre, wäre d
er Umstand
, dass das Sozialversicherungsgericht in einem Gebäude der Suva eingemietet ist,
nicht als Verletzung des
Anspruch
s
auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht
zu werten (Urteile des Eidg. Versicherungsgerichts U 161/98 vom 1
9.
Mai 2000 E. 2, U 387/99 vom 1
4.
Dezember 2000 E. 1a).
4.
4.1
Die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen für die Beantwortung der Fra
ge, ob die Beigeladenen
bezüglich ihrer Tätigkeit als Taxichau
ffeure als selb
ständig oder als unselb
ständig Erwerbstätige zu
gelten haben
- wonach sich unter ande
rem die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht richtet (vgl.
Art.
5 und 9 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung, AHVG, sowie
Art.
6 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung, AHVV
) - hat die Ausgleichskasse
im angefochtenen Entscheid richtig wiedergegeben
(
Urk.
2 S. 2 ff.)
. Darauf kann verwiesen werden. Es betrifft dies namentlich die von der Rechtsprechung herangezogenen Kriterien für die Abgre
nzung selb
ständig von
unselb
ständig ausgeübter Erwerbstätigke
it (BGE 123 V 161 E. 1, 122 V 169 E. 3a und 3c
, je m
it Hinweisen; vgl. auch
Rz
. 1018
ff. der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML]). Zutreffend ist insbesondere, dass sich das Beitragsstatut regel
mässig nach der äusseren Erscheinungsform wirtschaftlicher Sachverhalte und nicht nach allfällig davon abweichenden internen Vereinbarungen der Beteiligten oder der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien beurteilt, was jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu ge
schehen h
at (BGE 123 V 161 E. 1, 119 V 161 E. 2
und E. 3c
).
Korrekt ist schliesslich auch der Hinweis, dass nach der Wegleitung Taxifahrer im Al
lge
meinen auch dann als unselb
ständig Erwerbstätige gelten, wenn sie ein eigenes Fahrzeug benutzen, aber einer Taxizentrale angeschlo
ssen sind. Sie gelten als selb
ständig erwerbend, wenn sie ein Unternehmerrisiko tragen und arbeitsorgani
satorisch nicht in besonderem Mass von den
Auftraggebenden abhängig sind (Bundesgerichtsu
rteil 8C_189/2017
vom 1
9.
Juni 2017 E. 3;
Rz
. 4086
ff. WML).
4.2
Bei den Akten liegen
die Anschlussverträge von
Y._
,
Z._
,
A._
,
B._
,
C._
und
F._
, welche diese
mit der
G._
AG beziehungsweise
der
H._
AG
abgeschlos
sen haben (
Urk.
6/78
/2-9,
6/328/43-46
,
6/330
/15-22,
Dossier A
Urk.
1/6-14
,
Dossier B
Urk.
26/2-9
, Dossier C
Urk.
38/4-11). Die Anschlussver
trä
ge von
D._
und
E._
fehlen (vgl.
Urk.
6/324/1-84,
Urk.
6/329/1-73). Die vorliegenden Anschlussverträge sind identisch. Da von der Beschwerdeführerin nicht bestritten wird, dass
D._
und
E._
in einem Vertragsverhältnis mit ihr stande
n
, ist davon
auszugehen, dass
ein Anschlussvertrag gleichen Inhalts Basis dieser Vertragsverhältnisse bildete.
4.3
Bereits im Urteil vom 2
0.
März 2015 hatte das hiesige Sozialversicherungsgericht
in einem unfallversicherungsrechtlichen Verfahren das Rechtsverhältnis zwi
sche
n dem Beigeladenen
A._
und der Beschwerdeführerin auf der Basis des von ihnen
ab
geschlossenen Anschlussvertrags zu beurteilen
(
Prozess Nr. UV.
2015.0009,
Urk.
6/91).
Das Gericht führte aus, dass sich aus dem Anschlussvertrag zahlreiche Hinweise für eine betriebswirtschaftliche respektive arbeitsorganisatorische Abhängigkeit von
A._
gegenüber der
G._
AG beziehungsweise der
H._
AG ergäben, was die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einstu
fung als unselbständig Erwerbstätiger – vor allem wegen der Abhängigkeit von der Zentral
e und des fehlenden Unternehmer
risikos – rechtfertige. So zeige der betreffende Vertrag, dass
A._
bei einer Kündigungs
frist
von drei Monaten während der Vertragsdauer berechtigt sei, mit einem Fahrzeug im Ein- oder Mehrschichtbetrieb die Dienste der
Zentrale zu nutzen. Die dreimonatige Kündigungsfrist könne nur bei Vorliegen schwerwiegender Gründe und gegen Bezahlung einer
Umtriebspauschale
von
Fr.
1‘500.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) umgangen werden, wobei die Taxizentrale ihrerseits das Vertragsverhältnis bei schwerwiegenden Gründen jederzeit auflösen könne (
Ziff.
2.2-3 des Anschluss
vertrages). Ein jederzeitiges, vorbehaltloses Kündigungsrecht bestehe deshalb nicht. Die Zentrale habe für den Betrieb und den Unterhalt des Vermittlungs
systems zu sorgen, die Fahraufträge zu vermitteln, Massnahmen zur kontinu
ier
lichen Steigerung der vermittelten Fahraufträge zu treffen, bargeldlose Zah
lungen abzurechnen, Informationen über wichtige Neuerungen im Fahrbetrieb und in der Zentrale abzugeben, das Inkasso vermittelter Fahraufträge zu über
nehmen und das Debitorenrisiko zu tragen (
Ziff.
3). Währenddessen habe
A._
für den Einsatz seines selbstfinanzierten und unterhaltenen Fahrzeugs zu sorgen, bargeldlose Zahlungen zu akzeptieren, an Aus- und Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen teilzunehmen, die Verwendung des Namens der Zentrale und die Einhaltung des von dieser definierten Auftritts- und Erschei
nungsbildes zu gewährleisten, die bereitgestellten Standplätze zu nutzen, das Funkmaterial ausschliesslich bei einer von der Zentrale bestimmten Garage ein- und ausbauen zu lassen, wobei die Rechnungstellung durch die Zentrale erfolge, die erhaltenen Aufträge prioritär auszuführen sowie für selber akquirierte Fahrten das Debitorenrisiko zu tragen. Zudem dürfe er sich während der Vertragsdauer
keiner anderen Funkzentrale oder einem anderen Vermittlungssystem an
schliessen
(
Ziff.
4 und 6-7; E. 4.1 des Urteils).
Weiter hielt
das Gericht dafür
, dass
der Umstand, dass
es
A._
freistehe,
nebst den vermittelten Aufträgen auch selber Taxifahrten zu akquirieren,
nicht gegen eine unselbständige Erwerbstätigkeit spreche.
Erhebliche In
vestitionen als wesentlicher An
haltspunkt für die Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit und namentlich für das Vorliegen
eines wesentlichen Unternehmerrisikos seien
in der Anschaffung und im Unterhalt eines für den Taxibetrieb geeigneten Motor
fahrzeuges in aller Regel – so auch vorliegend – nicht z
u erblicken. Entspre
chen
des gelte
auch für die Entrichtung unabhängig vom Arbeitserfolg anfallender Anschlussgebühr
en (
Ziff.
4 und 9; E. 4.2 des Urteils).
Zusammenfassend hielt das Gericht fest,
dass der Anschlussvertrag mit der
G._
AG beziehungsweise der
H._
AG gewi
sse Elemente aufweise
, die bei selbständiger Erwerbstätigk
eit üblich seien
, insgesamt aber die Merkmale überwiegen
würden
, die für eine unsel
bständige Erwerbstätigkeit spre
chen (E. 4.3 des Urteils).
4
.4
An dieser Einschätzung ist festzuhalten.
Sie hat
nicht nur für
A._
, sondern für alle Beigeladenen
Bestand
, da
die Anschlu
ssverträge
identisch sind
(vgl
.
vorne E.
4.2)
.
Dies
gilt
umso mehr, als das Bundesgericht i
m Urteil 9C_571/2017 vom
9.
November 2017 im Falle eines Konkurrenzbetriebs der Be
schwerdeführerin ebenfalls zum Schluss gelangt war
, dass die dort
ange
schlos
senen Taxifa
hrer als
unselbständigerwerbend
zu qualifizieren sind. Der zu beur
teilende Anschlussvertrag entsprach in weiten Teile
n dem vorliegenden (vgl. E. 3 und
4 jenes Entscheids sowie das vorinstanzliche Urteil
des hiesigen Sozialver
sicherungsgericht
s
vom
9.
Juni 2017 (UV.2016.000
38
). Dieses Bundesgerichtsur
teil führte denn auch dazu, dass die Beschwerdeführerin ihr Geschäf
tsmodell änderte (Prot. S. 10
, ferner
Urk.
22 S. 2
). Letzteres
ist
vorliegend
indessen nicht von Belang
, da
lediglich
die Verhältnisse, wie sie in den Jahren 2013 bis 2016 bestanden, zu beurteilen sind.
Bezeichnenderweise brachte die Beschwerdeführerin in ihren
ausführlichen
Rechtsschriften
(
Urk.
1, 22) denn auch
keine Argumente
zu den Merkmalen vor, nach welchen
die
AHV-rechtliche Qualifikation vorzunehmen ist
.
Soweit
sie geltend macht,
sie verfüge über keine Taxibetriebsbewilligung (
Urk.
1 S. 19), ist ihr entgegen zu halten, dass die Einhaltung polizeigewerblicher Vorschriften im vorliegenden Zusammenhang nicht massgebend ist
.
Ferner vermag sie aus dem Umstand, dass die Taxigäste jeweils den Beigeladenen das Entgelt ausbezahlten, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten
(
Urk.
1 S. 25)
.
Für die Bestimmung des Beitrags
s
t
atu
t
s
kommt es nicht darauf an, wer das Entgelt bezahlt, sondern allein darauf, ob die Ausrichtung der geldwerten Leistung
wirtschaftlich
im Arbeitsv
er
hältnis begrün
det ist (BGE 137 V 321 E. 2.2.1).
Im Übrigen zitie
rt die Be
schwerdeführerin aus dem Urteil vom
5.
März 2019 (AB.2017.00027)
wiederholt aktenwidrig
(
Urk.
1 S. 22 f.)
.
In jenem Fall
bemängelte das Sozialver
sicherungs
gericht,
dass
die massgeblichen Unterlagen, insbesondere der Anschlussvertrag, nicht bei den Akten lag
(E. 4.2).
5.
5.1
Eine Nachzahlungsverfügung, mit der über paritätische Beiträge verfügt wird, muss - zumindest in einer Beilage - die für die Verbuchung der Beiträge und für die Eintragung in die individuellen Konten benötigten Angaben enthalten, so die Namen der Versicherten, die Höhe der massgebenden Löhne und der darauf be
rechneten Beiträge sowie das Jahr, für welches die Beiträge nachgefordert werden (vgl.
Art.
14
0
Abs.
1 AHVV; BGE 110 V 234 E. 4; ZAK 1992 S. 316 E
. 5a). Damit die Ausgleichskasse dieser Pflicht nachkommen kann, ist der Arbe
itgeber gehal
ten, der Kasse beziehungsweise
der mit der Arbeitgeberkontrolle beauftragten Revisionsstelle die erforderlichen Auskünfte zu erteilen (
Art.
51
Abs.
3 AHVG;
Art.
2
09
Abs.
1 AHVV; BGE 118 V 70 E
. 3a).
Die Rechtsprechung hat allerdings anerkannt, dass in Ausnahmefällen unter ge
wissen Voraussetzungen auch eine schätzungsweise Ermittlung des beitrags
pflich
tigen Lohnes und die blosse Angabe einer Pauschalsumme für die Gültigkeit einer Verfügung g
enügen können (BGE 110 V 234 E. 4a; ZAK 1992 S. 316 E
. 5a
). Ein solches Vorgehen ist indessen nur dann zulässig, wenn es für die Aus
gleichs
kasse praktisch unmöglich ist, die beitragspflichtigen Lohnsummen mit der vom Gesetz verlangten Genauigkeit in Erfahrung zu bringen, weil es der Arbeitg
eber trotz Mahnung (vgl.
Art.
34a
AHVV) unterlässt, innert nützlicher Frist die für die Festsetzung der paritätischen Beiträge erforderlichen Angaben zu machen
und sich die Kasse deshalb zum Erlass einer Veranlagungsverfügung gezwungen sieht, namentlich um die Verwirkung der geschuldeten Beiträge auszuschliessen (
Art.
38 f.
AHVV; BGE 118 V 65 E. 3b, 110 V 229 E. 4a, ZAK 1992 S. 313, Bundesgerichtsurteil 9C_3/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3,
Urteil
e
des Eidg. Ver
sicherungsgerichts
H 232/01 vom 2
6.
November 2002 E. 3.5 und
H 383/98 vom 2
7.
September 2001 E. 2b).
5.2
Die Ausgleichskasse
legte in den Verfügungen vom 3
1.
Mai 2018 der streitigen Beitragsfestsetzung
die
(massgebenden) Lohnsummen von
Fr.
60'000.-- (2013;
Fr.
6'000.--[
F._
,
Urk.
6/290] +
Fr.
18'000.-- [
A._
,
Urk.
6/294] +
Fr.
36'000.-- [
Y._
,
Urk.
6/297]
)
,
Fr.
159'000.-- (2014;
Fr.
36'000.-- [
F._
,
Urk.
6/290
] +
Fr.
24'000.-- [
Z._
,
Urk.
6/291] +
Fr.
36'000.--
[
A._
,
Urk.
6/294]
+
Fr.
27'000.-- [
D._
,
Urk.
6/295],
Fr.
36'000.--
[
Y._
,
Urk.
6/297]
)
,
Fr.
141
'000.-- (2015:
Fr.
36'000.-- [
F._
,
Urk.
6/290]
+
Fr.
27'000.-- [
Z._
,
Urk.
6/291]
+
Fr.
36'000.-- [
C._
,
Urk.
6/293] +
Fr.
6'000.-- [
E._
,
Urk.
6/296] +
Fr.
36'000.-- [
Y._
,
Urk.
6/297])
und
Fr.
180'000.-- (2016
;
Fr.
36'000.--
[
F._
,
Urk.
6/290]
+
Fr.
36'000.-- [
B._
,
Urk.
6/297] +
Fr.
36'000.-- [
C._
,
Urk.
6/293
] +
Fr.
36'000.--
[
E._
,
Urk.
6/296]
+
Fr.
36'000.-- [
Y._
,
Urk.
6/297])
zu
Grunde. Dabei schätzte sie also
d
as monatliche
Einkommen
eines Taxifahrers auf
Fr.
3'000.
--
, soweit er in der massgebenden Beitragszeit
für die Beschwerdeführerin tä
tig
gewesen
war (vgl.
Urk.
2 S. 5,
Urk.
6/289, 6/334; ferner
Urk.
6/280, 6/281-284
). Die ent
sprechenden Beiträge von
Fr.
86'287.95 stellte sie am
1.
Juni 2018 in Rechnung (
Urk.
6/280). Am
9.
Juli 2018 mahnte sie sie (
Urk.
6/311). Nach Erhebung der Einsprache
n
nahm sie im
Einspracheentscheid
vom 1
3.
August 201
9 Korrekturen
in Bezug auf einzelne Beigeladene vor. Sie hielt fest,
F._
habe per 3
1.
August 2014 gekündigt. Die Lohnsumme des Jahres 2014 reduziere sich deshalb um
Fr.
12'000.-- und
jene
der Jahre 2015 und 2016 um je
Fr.
36'000.-- (
Urk.
2 S. 4).
C._
habe
per 3
1.
Dezember 201
5 gekündigt. D
ie Lohn
summe des Jahres 2016 sinke
daher um weit
ere
Fr.
36'000.--
(
Urk.
2 S. 4).
A._
habe im Rahmen des
Einspracheverfahrens
seine Steuerunterlagen der Jahre 2013 und 2014 eingereicht. Gestützt darauf sei die Lohnsumme in Bezug
auf ihn für das Jahr 2013 auf
Fr.
8'529.-- und für das Jahr 2014
auf
Fr.
34'998.--
zu reduzieren (
Urk.
2 S. 4). Dementspre
chend passte sie
die Lohnsumme und da
mit die geschuldeten Beiträge insgesamt an (vgl.
Urk.
2,
Urk.
3/3/5-8).
5.3
Das Vorgehen der Ausgleichskasse ist nicht zu beanstanden. Anlässlich der
Arbeitgeberkont
rolle vom 1
3.
Februar 2016 verweigerte die Beschwerdeführerin
dem Revisor in wesentlichen Pun
kten
die Auskunft respektive
den
Einblick in die relev
anten Geschäftsbücher
. Zwar verlief die Abstimmung der Löhne, soweit diese deklariert worden waren, p
roblemlos. Jedoch wurde dem Revisor die Prüfung der Fremdarbeiten verwehrt. Darunter falle
n die Verbuchungen
sämtliche
r
Taxi
fah
rer, die nach Meinung der Beschwerdeführerin
selbständigerwerbend
sind, wie etwa die Beigeladenen (
Urk.
6/268/1-4,
6/276). Es besteht
aber
eine gesetzliche Mitwirkun
gspflicht
bei der Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts
(
Art.
61
lit
. c ATSG). Es
entscheidet sich nach objektiven Gesichtspunkten und nicht nach Gutdünken der Beschwerdeführerin, ob ein Taxifahrer als selbständig- oder
unselbständigerwerbend
zu qualifizieren ist. Indem
sie Einsicht in die relevanten Unterlagen verweigerte, verletzte sie ihre Mitwirkungspflicht auf
s Gröbste
(vgl. dazu auch
Urk.
6/
333)
. Es mutet daher
geradezu zy
nisch an, dass sie in Bezug auf die
Beigeladenen nichts zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts beiträgt, der Ausgleichskasse jedoc
h wiederholt eine Verletzung d
er Abklärungspflicht vor
wirft (
Urk.
1 S.
17 und
21, Prot. S. 6).
Da es die Beschwerdeführerin unter
lassen hat, die notwendigen Angaben zu machen, erweist sich die schätzungs
weise Ermittlung der beitragspflichtigen Löhne als zulässig. Aktenkundig ist, dass
das
steuerbare Einkommen von
A._
im Jahr 2013 gestützt auf eine Ermessenstaxation
Fr.
34'300.-- betrug (Dossier B
Urk.
6/4). Das steuerbare Ein
kommen von
C._
betrug im Jahr 2011
Fr.
43'932.-- (
Urk.
6/324/79 = Dossier C
Urk.
10). Für das Jahr 2013 wies er in seiner Buchhaltung ein
en
Lohn von
Fr.
35'622.-- aus (Dossier C
Urk.
38/3). Vor diesem
Hintergrund
ist die Höhe der geschätzten Löhne nicht zu beanstanden, dürfte
n
diese doch den Erfah
rungs
werten entsprechen,
wobei die Ausgleichskasse d
ie Löhne
an die effektiven Gege
benheiten anpasste, soweit ihr diese
mit den Einsprachen zur Kenntnis gebracht wurden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin war es nicht Sache der Ausgleichskasse, sich zusätzlich an die Beigeladenen zu wenden, um die Verhältnisse abzuklären (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_3/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3). Es mag durchaus sein, dass diese über das Arbeitsverhältnis mit der Beschwerdeführerin hinaus weitere Einkommen zu generieren vermochte
n (vgl.
Urk.
1 S. 6
u. 22
f.
,
Urk.
22 S. 6)
. Die geschätzten Einko
mmen beziehen
sich
aber einzig auf deren Tätigkeit für die Beschwerdeführerin und sie erscheinen
in
soweit plausibel. Damit hat es
angesichts der verweigerten Mitwirkung
der Beschwerde
führerin
sein Bewenden.
5.4
Nebst den geschuldeten Beiträgen fordert die Ausgleichskasse auch Verzugs
zin
sen (
Urk.
2, vgl. ferner
Urk.
3/3/5-8). Grundlage dafür bildet
Art.
41
bis
Abs.
1 AHVV. Diese Bestimmung ist gesetzeskonform (BGE 134 V 202), was die Be
schwerdeführerin zu verkennen scheint, soweit sie die Rechtmässigkeit der Erhe
bung von Verzugszinsen bestreitet (
Urk.
1 S. 12).
Auch übersieht sie, dass die Verzugszinse
Teil der Verfügungen vom 3
1.
Mai 2018 bilde
te
n (
Urk. 3/2-5 =
Urk.
6/281-284
). Zwar versandte die Ausgleichskasse am
1.
Juni 2018 weitere Verzugszinsverfügungen (
Urk. 3/6-9 =
Urk.
6/2
85-288, vgl. auch
Urk.
1 S. 15). A
m
4.
Juni 2018
erklärte sie diese
für nichtig (
Urk.
6/289). Der Bestand der Ver
fügungen vom
3
1.
Mai 2018 wurde dadurch nicht berührt
. Sodann schadet
auch
nicht, dass die Verzugszinse den Beigeladenen nicht eröffnet wurde (vgl.
Urk.
1 S. 15 f.;
Urk. Urk.
6/290, 6/291, 6/293, 6/2
94, 6/295, 6
/296, 7/297, 6/298). Denn d
ie Abrechnungspflicht trifft den Arbeitgeber (
Art.
36 AHVV). Bloss er und nicht die Arbeitnehmer werden verzugszinspflichtig (
Art.
41
bis
AHVV).
5.5
Art.
34a AHVV sieht vor, dass Beitragspflichtige, die innert der vorgeschriebenen Frist die Beiträge nicht bezahlen oder die Lohnbeiträge nicht abrechnen, von der Ausgleichskasse unverzüglich schriftlich zu mahnen sind (
Abs.
1) Mit der Mahnung ist eine Mahngebühr von 20–200 Franken aufzuerlegen (
Abs.
2). Die mit der Mahnung vom
9.
Juli 2018
erhobene Gebühr
von
Fr.
40.-- ist somit nicht zu beanstanden (
Urk.
6/311).
5.6
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
Für die von der Beschwer
deführerin anbegehrten weitern Abklärungen besteht keine Veranlassung, weil davon keine abweichenden Ergebnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweis
würdigung, BGE 122 V 157 E. 1d).