Decision ID: 9210a597-7402-409e-b579-1d729fa9b79a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1962, bezog ab 25. Mai 2016 Taggelder der Arbeitslosen
ver
sicherung (letzte Tätigkeit vor der Arbeitslosigkeit: Bürogehilfe) und war demzu
folge bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 13. Juni 2018 den linken Fuss an einem Randstein anschlug (Urk. 11/8).
Die medizinische Erstversorgung fand bei
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Rheumatologie, physikalische Medizin und Rehabilitation,
statt (Urk. 11/8
; vgl.
auch Urk. 11/22
). Am 19. Juni 2018 fand eine MRI-Untersuchung der linken Grosszehe statt (Urk. 11/3/2).
Dr.
med. univ.
Z._
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des B
ewegungsapparates, erstatte
te
am 13. Juli 2018 Bericht (Urk. 11/5).
Am 26. Juli 2018 fand sich der Versicherte zur Fuss-Sprechstunde im Universitätsspital
A._
ein (Urk. 11/10
; vgl. auch Urk. 11/44
).
Am
8.
und 1
5.
August 2018 verfasst
Dr.
Z._
nach durch
ge
führten MRI-Untersuchungen weitere Berichte (Urk. 11/15-16; vgl. auch Urk. 11/17-18). Am 15. September 2017 wurde der Versicherte computer
tomo
graphisch untersucht (Urk. 11/19)
.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie,
nahm am 14. September 2018
zum vorliegenden Fall Stellung
(Urk
.
11/21). Am 15. Oktober 2018 wurde der Versicherte in der Universitätsklinik
A._
am linken Fuss operiert (Urk. 11/54;
Hospitalisation
bis zum 19. Oktober 2018 [Urk. 11/55]).
Am 27. November 2018 fanden weitere radiologische Unter
suchungen
und eine Verlaufskontrolle
statt (Urk. 11/76
und 11/87). Es folgten weitere Kontrollen (Urk. 11/92 und
Urk.
11/100
; vgl. auch Urk. 11/105 und Urk. 11/113
)
.
Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, reichte am 15. März 2019 seinen Bericht zu den Akten (Urk. 11/102).
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Neurologie, berichtete am 5. Juni 2019 (Urk. 11/110). Am 22. Oktober und 7. November 2019 besuchte der Versicherte die Fuss-Sprechstunde in der Universitätsklinik
A._
(Urk. 11/137 und 11/143).
Der Versicherte musste sich am 13. Dezember 2019 in der Univer
sitätsklinik
A._
einem weiteren operativen Eingriff am linken Fuss unter
ziehen (Urk. 11/170;
Hospitalisation
bis zum 16. Dezember 2019 [Urk. 11/169 und 11/174]).
1.2
Mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 2020 (Urk. 11/162
)
wies die Suva den Antrag des Versicherten, eine medizinische Untersuchung
zu filmen
, die zwecks Erstellung eines Gutachtens hätte stattfinden sollen, ab. Dies akzeptierte der Ver
sicherte
ohne Vorbehalt
und stimmte der Begutachtung zu
(Urk. 11/163).
1.3
Am 28. Januar 2020 fand eine weitere Fuss-Sprechstunde statt (Urk. 11/171; vgl.
auch Urk. 11/172).
Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Rheumatologie und
Innere Medizin, erstattete am 8. April 2020 ihren Bericht (Urk. 11/181). Es folgten weitere Verlaufskontrollen
und bildgebende Untersuchungen
in der Universitäts
klinik
A._
(Urk. 11/183
-196). Kreisarzt
Dr.
med.
C._
erstattete am 12
. Januar 2021 seinen Bericht (Urk. 11/197). Bereits am 11. Januar 2021 hatte der Kreisarzt den Integritätsschaden auf 15 % geschätzt (Urk. 11/198).
1.4
Mit Verfügung vom 19. Februar 2021 (Urk. 11/200) sprach die Suva dem Versi
cherten eine auf einer Einbusse von 15 % basierende Integritätsent
schädigung zu
und stellte gleichzeitig die Taggeld- und Heilbehandlungs
leistungen per 19. Februar 2021 ein. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache (Urk. 11/206) wies die Suva mit Entscheid vom 26. April 2021 (Urk. 2)
ab, soweit sie darauf eintrat.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 27. Mai 2021 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
sei vollumfänglich aufzu
heben.
2.
Die Sache sei zwecks zusätzlicher medizinischer Abklärungen und Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei ihm [...] ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
4.
Unter Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Suva liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
7.
September 2021 (Urk. 10)
auf Abweisung der Beschwerde schliessen, was dem Versicherten zur Kenntnis gebracht wurde (vgl. Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die ver
sicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses
Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 26. April 2021 (Urk. 2) führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus, es stehe gestützt auf die medizinische Aktenlage und insbesondere auf die kreisärztliche Beurteilung fest, dass zwar die Unfallkausalität der aktuell erhobenen Befunde am linken Fuss (inklusive Zehen) zu bejahen sei, aber mit weiteren medizinischen Massnahmen kein verbessertes Heilungsergebnis erzielt werden könne. In Anbetracht der Unfallfolgen sei die angestammte berufliche Tätigkeit als Bürogehilfe spätestens zwölf Monate nach der zuletzt durchgeführten Operation (Re-
Arthrodese
vom 13. Dezember 2019) wieder vollumfänglich zumutbar gewesen. Auch eine leichte wechselbelastende Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer sei somit spätestens ab 13. Dezember 2020 wieder vollumfäng
lich arbeitsfähig gewesen. Ab diesem Zeitpunkt habe er keinen Anspruch auf Taggeldleistungen mehr.
Da der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsunfähig sei, habe er auch keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Da
wie ausgeführt - der medizinische Endzustand erreicht worden sei, sei auch die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen per 19. Februar 2021 rechtens
(S. 9 f.)
.
Das treffe auch auf die dem Beschwerdeführer zugesprochene Integritätsentschädigung von 15 % zu. Die entsprechende kreisärztliche Schätzung sei korrekt (S. 12).
Im Rahmen ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 10) hielt die Beschwerdegegnerin an diesen Standpunkten fest und erklärte, dass der Bericht über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 6. Januar
2021 primär Grundlage des ange
fochte
nen Entscheides bilde (S. 3). Der Umfang dieses Abschlussberichtes sei mit 46
Seiten wohl einzigartig und höchst selten anzutreffen. Aber nicht allein der Umfang des Berichts sei zu betonen, sondern auch der Umstand, dass sich ein erfahrener Orthopäde und
Traumatologe
sehr eingehend mit den vielen medizi
nischen Berichten und den Ergebnissen bildgebender Verfahren aus
einander
ge
setzt und absolut detailliert die Untersuchungsergebnisse der einzelnen betroffe
nen Körperpartien aufgelistet und diese gewürdigt habe (S. 4). Es treffe zu, dass die Beschwerdegegnerin vorerst der Auffassung gewesen sei, dass noch ein umfassendes Gutachten indiziert sei. In der Folge habe sich aber gezeigt, dass ein solches Gutachten in Ergänzung zur umfassenden Beurteilung von Kreisarzt
Dr.
C._
nicht mehr notwendig sei, da keine offenen medizinischen Fragen existierten
(S. 6).
2.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen (Urk. 1), dass dem Bericht von Kreisarzt
Dr.
C._
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kein voller Beweiswert zukomme, da er die Anforderungen der Rechtsprechung nicht erfülle. Zunächst seien die Schlussfolgerungen im Bericht äusserst
knapp gehalten
und die Begründungsdichte damit viel zu gering. Die Einschätzung einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit werde gar nicht begründet, sondern in einem einzigen Satz bloss behauptet. Dabei werde nicht einmal klar, weshalb der Kreisarzt einerseits die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers (Bürogehilfe) als vollständig zumutbar erachte, andererseits dann trotzdem eine behinderung
sangepasste Tätigkeit umschreibe
, die leicht und wechselbelastend sein solle. Im Minimum wäre hier gefordert gewesen, dass der Kreisarzt die angestammte Tätigkeit als eine Tätigkeit beschreibe, die das von ihm festgelegte Zumutbarkeitsprofil erfülle (S. 6). Die knappen Antworten des Kreis
arztes zur Arbeitsfähigkeit stünden zudem im Widerspruch zu seiner vorange
gangenen Beurteilung. S
o habe er
festgehalten, dass keine medizinischen Mass
nahmen am Fuss links zur Verfügung
stehen würden
, die eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit realisierbare Chance auf Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwarten liesse
n
. Diese Formulierung impliziere, dass heute eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit vorliege (S. 6 f.).
Weiter sei nicht ersichtlich, wie eine vollzeitli
che wechselbelastende Tätigkeit vereinbar sein sollte mit den grossen Schwierig
keiten des Beschwerdeführers beim Absitzen und Aufstehen. Der Beschwerde
führer sei stets auf Krücken angewiesen (S. 7). Es sei nicht zu verstehen, weshalb die Beschwerdegegnerin, als aus ihrer Sicht der medizinische Endzustand gegeben gewesen sei, den Begutachtungsauftrag in der Schublade liess und ohne weitere
Abklärungen die Leistungseinstellung verfügte. Da der Kreisarztbericht mangel
haft sei, müsse die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden, damit die Begutachtung nachgeholt werde und die Fragen nach dem medizini
schen Endzustand, der Arbeitsfähigkeit und der Höhe der Integritätsent
schädigung von unabhängiger Seite sorgfältig abgeklärt werden könnten (S. 8 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Heilkosten- und Tag
geldleistungen
aufgrund des Ereignisses vom 1
3.
Juni 2018
zu
Recht per 19. Februar 2021 eingestellt hat, weil (spätestens) ab diesem Zeitpunkt von einer weiteren Behandlung k
e
ine namhafte Verbesserung des unfallbedingten
Gesund
heitszustandes
mehr
erwartet
werden durfte beziehungsweise der Beschwerde
führer (unfallbedingt) wieder voll als Bürogehilfe arbeitsfähig war. Zudem ist strittig, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Integritäts
entschädigung von mehr als 15 % hat. Im Zentrum des vorliegenden Prozesses steht dabei die Frage, ob in medizinischer Hinsicht auf den Bericht von Kreisarzt
Dr.
C._
vom 12. Januar 2021 (Untersuchung vom 6. Januar 2021 [Urk. 11/197; vgl. auch Urk. 11/198]) abgestellt werden kann.
3.
3.1
Vorauszuschicken ist, dass der Beschwerdeführer in den letzten Jahren viele Unfälle
erlitten hatte
und dass daraus diverse Prozesse zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin resultierten (vgl. Prozesse Nrn. UV.2005.00017, UV.2009.00026, UV.2010.00317,
UV.2014.00045 und UV.2016.00060; vgl. zur Chronologie der Unfallereignisse und der Behandlungen auch die Zusammenstellungen in Urk. 11/197).
Wie die Parteien übereinstimmend
und richtig
ausführten (vgl. Urk. 1 S. 5 und Urk. 10 S. 3), stützte sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid betreffend Einstellung der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 19. Februar 2021 auf den kreisärztlichen Bericht von
Dr.
C._
vom 12. Januar 2021 (Urk. 11/197). Betreffend Integritätsentschädigung wurde auf die Beurteilung von
Dr.
C._
vom 11. Januar 2021 abgestellt (Urk. 11/198). Auf die Wiedergabe von weiteren medizinischen Berichten kann nachfolgend verzichtet werden, weil zum einen das umfangreiche medizinische Dossier - soweit ersichtlich - ohnehin im Bericht von
Dr.
C._
verarbei
tet wurde und zum anderen diese Berichte
auf die vorliegend streitentscheidenden, spezifisch unfallversicherungs
rechtlichen Fragen keine Antworten liefern. Die Beschwerdegegnerin stellte diese Fragen ausschliesslich ihrem eigenen Kreisarzt, nicht jedoch den anderen invol
vierten
Medizinalpersonen
.
3.2
Kreisarzt
Dr.
C._
hielt in seiner medizinischen Beurteilung vom 11. Januar 2021 (Urk. 11/198) fest, dass dem Beschwerdeführer aufgrund des Ereignisses vom 13. Juni 2018 ein erheblicher und dauernder körperlicher Integritätsschaden entstanden sei. Gemäss Feinrastertabelle 5.2, Integritätsschaden bei Arthrosen, betrage bei einer
Lisfranc-Arthrodese
der Integritätsschaden 15 %. Eine
Lisfranc-Arthrodese
entspreche annähernd dem funktionellen Zustand des Beschwerde
führers, sodass der Integritätsschaden angemessen auf 15% geschätzt werden
könne
.
3.3
In seinem Bericht vom 12. Januar 2021 (Urk. 11/197) über die Untersuchung vom 6. J
anuar 2021, der eine ganze Reihe von Gesundheitsbeeinträchtigungen zum Gegenstand hatte, machte Kreisarzt
Dr.
C._
in Bezug auf die - vorliegend allein relevante - Gesundheitsbeeinträchtigung am linken Fuss (Unfallereignis vom 13. Juni 2018) im Wesentlichen folgende Aussagen:
Der Beschwerdeführer klage unter anderem über Schmerzen im linken Fuss. Er habe zwei Operationen gehabt. Er sei aber nicht beschwerdefrei. Er könne das Gelenk nach wie vor nicht nach oben bewegen. Eine neuerliche Operation sei bereits in Planung. An beiden Füssen trage er orthopädische Massschuhe; trotz
dem habe er Schmerzen beim Gehen (S. 25).
Die Beweglichkeit im linken Sprunggelenk sei hochgradig eingeschränkt. Die Beweglichkeitsprüfung in Dorsalextension und
Plantarflexion
und in Pronation und Supination sei aktiv schmerzhaft. Es würden endphasige Schmerzen angege
ben bei der aktiven Beweglichkeitsprüfung. Im Mittelfussbereich fänden sich
blande
chirurgische Narben, die
druckdolent
seien. Der Mittelfussbereich erscheine
synovitisch
verdickt im Seitenvergleich (S. 29).
Vom Beschwerdeführer
werde bei der Exploration ein Z
ustand demonstriert, der einem Menschen entspreche, der nicht in der Lage sei, sich selbst an- und auszu
kleiden oder seinen Körper zu pflegen, dies im Widerspruch zum befundenen Status am Stütz- und Bewegungsapparat. Es fänden sich über allen Gelenken eine gut ausgeprägte Muskulatur ohne Hinweise für regionale Hypotrophien oder Atrophien, dies bei ausgeprägter Adipositas mit Betonung des Körperstamms und beidseitiger
Gymnäkomastie
.
Am 13. Juni 2018 habe sich der Beschwerdeführer den linken Fuss beim Über
queren einer Strasse am Randstein angeschlagen. Bildgebend habe eine Sehnen
scheidenentzündung objektiviert werden
können
. Es hätten - kreisärztlich attestiert - überwiegend unfallkausale strukturelle Läsionen am Fuss vorgelegen. Danach sei der Beschwerdeführer zwei Mal operiert worden. Im Dezember 2020
sei eine vollständige knöcherne Überbrückung weiterhin bildgebend nicht dar
stellbar gewesen. Zusätzlich seien mässige bis schwere Arthrosen der Nachbarge
lenke im Mittelfussbereich dargestellt worden (S. 40).
Durch die Fortsetzung von ärztlichen Behandlungen könne keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden; der Gesundheits
zustand könne sich durch weitere Massnahmen nicht wesentlich bessern.
Die zu erwartende mögliche Besserung durch weitere Heilbehandlung falle nicht ins Gewicht. Es sei höchstens eine
unbedeutende Besserung zu erwarten. Es stünden keine medizinischen Massnahmen am Fuss links zur Verfügung, die eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit realisierbare Chance auf eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwarten liesse
n
. Weitere Versteifungsmassnahmen im Mittelfussbereich oder Vorfussbereich würden die Gehfähigkeit nicht verbessern. Der stabile medizinische Zustand, der versicherungsmedizinische Endzustand, sei erreicht (S. 40).
Der Beschwerdeführer sei mit einem
orthopädischen Massschuh hinreichend mobil, dies unter Berücksichtigung der
Muskeltrophik
im Beinbereich beidseits ohne Hinweise für signifikante Hypotrophien und der
Sohlenhautbeschwielung
beidseits. Das ausschliesslich
e
Abstellen auf die geklagten Beschwerden könne nicht erfolgen unter Berücksichtigung des gesamten aktenmässigen Verlaufs
;
eine derart hochgradige Limitierung der Gehfähigkeit, wie vom Beschwerdeführer geklagt, sei in keinem der Berichte der behandelnden Kliniken attestiert (S. 40).
In Anbetracht der Unfallfolgen sei die angestammte Tätigkeit spätestens zwölf Monate nach der zuletzt durchgeführten Operation, der Re-
Arthrodese
vom 13. Dezember 2019, wieder vollumfänglich zumutbar gewesen. Entsprechendes gelte für jede
leichte wechselbelastende Tätigkeit (S. 44).
4.
4.1
Vorweg ist festzuhalten, dass der Bericht von Kreisarzt
Dr.
C._
vom 12. Januar 2021
(Urk. 11/197)
auf den ersten Blick
sämtliche von der Praxis auf
gestellten und oben in E. 1.3 wiedergegebenen Anforderungen an einen beweis
kräftigen Arztbericht erfüllt. Er beruht auf den Untersuchungen des Kreisarztes und berücksichtigt (durchaus auch kritisch) die geklagten Beschwerden und beschäftigt sich in minutiöser Weise mit den
Vorakten
,
die allerdings für die streitgegenständlichen Fragen unergiebig sind.
Wegen seines beachtlichen Umfangs scheint der Bericht auch umfassend zu sein.
Zu relativieren ist dieses summarisch gewonnene Bild allerdings bei näherer Betrachtung bereits durch den
Umstand, dass er - wie
erwähnt
- eine ganze Reihe von Unfällen und Gesund
heitsbeeinträchtigungen zum G
egenstand hat
, die für die vorliegende Streitfrage nicht von Bedeutung sind
. Der
hier
relevante Unfall vom 13. Juni 2018 und die daraus resultierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen am linken Fuss werden
hingegen
eher kurz thematisiert.
Für den Beweiswert eines Berichts ist jedoch zentral, ob er
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und
insbesondere
ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind
. Diesbezüglich weist der Bericht von
Dr.
C._
offensichtlich
e
Defizite auf: So
erklärt
er auf S. 40 seines Berichts fünf
m
al
mit kaum variiere
nder
Wortwahl
in unmittelbar
hintereinanderstehenden
(Halb
) Sätzen, dass von einer weiteren medizinischen Behandlung keine Verbesserung des Gesundheits
zustandes mehr zu erwarten sei (vgl. dazu auch oben E. 3.3)
, ohne dies
zu begründen
.
Möglicherweise ist die
Auffassung von
Dr.
C._
zutreffend,
eine
plausibl
e
Erklärung für diese findet sich in seinem Bericht aber nicht
, weshalb sie nicht ohne Weiteres nachvollziehbar ist
.
Die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik
A._
wurden von der Beschwer
de
gegnerin zur Besserungsfähigkeit der unfallbedingten Beein
trächtigungen nicht befragt. Es erscheint immerhin zweifelhaft
, o
b
diese
der kreisärztlichen Auf
fassung, dass eine
Weiterb
ehandlung nichts mehr nütze,
zugestimmt hätten
,
da
sie
noch im Dezember 2020 verschiedene Behandlungsoptionen aufzeigten
(Bericht vom
8.
Dezember 2020 [
Urk.
11/194], S. 4: «Verlaufskontrolle erneut in drei Monaten vorgesehen. Sollte die TMT III-
Arthrodese
nicht progredient konsolidieren und weiterhin bestehende Beschwerden im Mittelfussbereich beste
hen, müsste gegebenenfalls die Re-
Arthrodese
des TMT III-Gelenkes erfolgen. Bei progredienter Konsolidation hingegen könnte dann die OSME geplant werden mit zusätzlichem Lösen der Vernarbungen der EHL-
Sehne.»
)
.
Diese Frage
kann aber letztlich offenbleiben.
Der Kreisarztbericht ist in jedem Fall auch dahingehend zu bemängeln
, dass sich der Kreisarzt mit
diesen
weiteren von
der Universitätsklinik
A._
aufgezeigten Behandlungsoptionen
nicht auseinandersetzte.
Auch die Einschätzung von
Dr.
C._
, wonach der Beschwerdeführer infolge der unfallbedingten Verletzungen am linken Fuss in seiner «angestammten» Tätigkeit als Bürogehilfe
wie auch
in jeder anderen leichten Tätigkeit ab 13. Januar 2020 wieder voll arbeitsfähig sei,
wird nicht
weiter
begründet
.
Der Kreisarzt untermauert seine Einschätzung lediglich mit der Wendung «in Anbe
tracht der Unfallfolgen» (S. 44, zwei Mal), was zwar zutreffend sein könnte, aber
damit
nicht hinreichend substantiiert
wird
.
Auf die kreisärztliche Einschätzung
kann
deshalb
nicht abgestellt werden.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dem Bericht von Kreisarzt Dr.
C._
vom 12. Januar 2021 (Urk. 11/197), auf den sich die Beschwer
de
gegnerin bei Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
stützte,
hinsichtlich der zu beurteilenden Streitfrage
kein Beweiswert zukommt. Da der
Einsprache
entscheid
vom 26. April 2021 (Urk. 2) auf dem genannten Bericht basiert, erwei
st sich
auch
dieser als nicht rechtmässig
.
Dies gilt auch in Bezug auf die zugespro
chene Integritätsentschädigung, da deren Schätzung im Wesentli
chen auf den Einschätzungen
im
Bericht vom 12. Januar 2021 basiert (vgl.
Urk. 11/197-198).
4.2
Anzumerken bleibt Folgendes: Im
unstreitigen
Verwaltungsverfahren
kündigt
e
die Beschwerdegegnerin
eine umfassende Begutachtung des Beschwerdeführers an,
traf
sogar schon entsprechende Vorbereitungen,
setzte
sich mit dem Beschwerdeführer über Videoaufnahmen
auseinander
(vgl. Sachverhalt Ziff. 1.2), verzichtet
e
dann
aber
ohne
weitere Erklärungen
auf die vorbereitete Begutach
tung und unterbreitet
e
schliesslich ihrem eigen
en Kreisarzt einen detaillierten
Fragenkatalog für einen umfassenden
Bericht, der das Gutachten obsolet machen sollte
.
Dies
ist
zumindest als
ungewöhnlich
zu qualifizieren
.
Angesichts dessen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben ist, kann aber offenblei
ben, ob das Vorgehen der Beschwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren mit dem Grundsatz von Treu und Glauben vereinbar ist.
4.3
Aus dem Ges
agten folgt, dass die Aktenlage
keinen Entscheid in der Sache
selbst
zulässt. In Gutheissung der Beschwerde ist demzufolge der angefochtene
Ein
spracheentscheid
vom 26. April 2021 aufzuheben und die Sache an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit sie ein verwaltungsunabhängiges polydis
ziplinäres Gutachten einhole und hernach neu
über ihre Leistungen ab 13. Dezember 2020
verfüge.
5.
5.1
Nach
Art.
61
lit
. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nennen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht [
GSVGer
]
sowie
§
7
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialv
ersicherungsgericht [
GebV
SVGer
]
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
ver
tretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozess
entschädigung hat.
5.2
Mit
Honorarnote vom 17. Dezember 2021 (Urk. 14) machte Rechtsanwalt
Bolzli
einen Aufwand von 10 Stunden und 25 Minuten zum gerichtsüblichen Stunden
ansatz von Fr. 220.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) und Spesen von Fr. 14.30 (zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend, insgesamt Fr. 2'483.65, was angemessen erscheint. Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 2'483.65 zu bezahlen.