Decision ID: 24c89c50-f3b7-5159-8fb4-1d9796a3addd
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 31. Juli 2018 richtete die Direction Générale des Finances Publiques
von Frankreich (im Folgenden: DGFP) ein Amtshilfegesuch an die Eidge-
nössische Steuerverwaltung (ESTV). Das Ersuchen stützt sich auf Art. 28
des Abkommens vom 9. September 1966 zwischen der Schweiz und
Frankreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der
Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung von
Steuerbetrug und Steuerflucht (SR 0.672.934.91; DBA CH-FR). Als be-
troffene juristische Person in Frankreich nennt die DGFP die A._
SA. Erbeten werden Informationen von der Muttergesellschaft, der
B._ AG, die ihren Sitz in der Schweiz hat.
Anlass des Amtshilfeersuchens bildete nach Angaben der DGFP eine
Steuerprüfung der A._ SA, einem (...) Start-up-Unternehmen, be-
treffend den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2016.
Dabei stellte die französische Steuerbehörde fest, dass die Gesellschaft im
Jahr 2015 im Zusammenhang mit dem Verkauf sämtlicher Immaterialgü-
terrechte an ihre Muttergesellschaft, die B._ AG, einen ausseror-
dentlichen Ertrag von EUR (rund 120 Mio.) verbucht hatte. Die Steuerbe-
hörden hätten diesen Übernahmepreis, der auf einem Marktwert der Ge-
sellschaft von EUR 120 Mio. basiert habe, hinterfragt. Trotz behördlicher
Rückfragen habe die A._ SA den Übernahmepreis jedoch nie be-
gründen sowie Einzelheiten zu den Bewertungsmodalitäten angeben kön-
nen. In den Finanzberichten der Konzernrechnung der B._-Gruppe
sei derweil ausgewiesen worden, dass der Marktwert der A._ SA
auf CHF 370 Mio. bzw. EUR 350 Mio. geschätzt worden sei, was einer
Differenz von EUR 230 Mio. entspreche. Dabei sei die Bewertung gemäss
Angaben in den Finanzberichten von unabhängigen Sachverständigen
durchgeführt worden. Im Rahmen der laufenden Untersuchung wolle die
französische Steuerbehörde die Bewertung der A._ SA überprüfen,
welche zur Ermittlung des Preises der immateriellen Vermögenswerte ge-
führt habe, die an die Muttergesellschaft übertragen worden seien. Das
Amtshilfeersuchen diene dazu, die in den Büchern der A._ SA er-
fassten Erträge zu kontrollieren. Die Informationen seien für die Steuerbe-
hörde notwendig, um die Höhe der von der A._ SA geschuldeten
Körperschaftssteuer in Frankreich festzusetzen.
Die DGFP ersucht daher die ESTV um folgende Information betreffend den
Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015:
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Veuillez fournir les rapports d’experts indépendants sur lesquels s’est ap-
puyée la societé B._ AG pour évaluer la valeur de marché de la
A._ SA à EUR 350 millions (soit CHF 370 millions) en 2015.
B.
Am 13. August 2018 forderte die ESTV die B._ AG auf, ihr die er-
suchten Informationen innerhalb von zehn Kalendertagen ab Erhalt der
Editionsverfügung zuzustellen sowie die im Ausland ansässige betroffene
Person über das Amtshilfeverfahren zu informieren und sie aufzufordern,
eine zur Zustellung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen.
Der Aufforderung zur Informationsherausgabe kam die B._ AG frist-
gerecht nach. Ebenfalls setzte sie die in Frankreich betroffene Person am
23. August 2018 über das Amtshilfeverfahren in Kenntnis. Letztere be-
stimmte mit Schreiben vom 3. September 2018 an die ESTV die B._
AG als ihre Zustellungsbevollmächtigte.
C.
Mit Schreiben vom 10. September 2018 informierte die ESTV die
A._ SA und die B._ AG über das Amtshilfeersuchen und die
beabsichtigte Informationsübermittlung. Gleichzeitig ersuchte sie die bei-
den Gesellschaften um schriftliche Bestätigung innert zehn Kalendertagen,
sollten sie der Informationsübermittlung zustimmen.
D.
Nach mehreren Telefonaten und einem Treffen zwischen dem Vertreter der
B._ AG und der ESTV sowie nach Gewährung der Akteneinsicht
und mehrmaligen Fristerstreckungen reichte die B._ AG am 9. No-
vember 2018 eine Stellungnahme ein.
Gleichentags stellte die B._ AG beim Staatssekretariat für interna-
tionale Finanzfragen (SIF) im vorliegenden Zusammenhang einen Antrag
auf Einleitung eines Verständigungsverfahrens nach Art. 27 DBA CH-FR
(Beschwerdebeilage 12).
E.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2019 informierte die ESTV die A._
SA und die B._ AG über zusätzliche Schwärzungen bei der beab-
sichtigten Informationsübermittlung und gewährte erneut das rechtliche
Gehör. Zudem wies sie auf die Möglichkeit des vereinfachten Verfahrens
mittels Zustimmung zur Informationsübermittlung hin.
A-1781/2019
Seite 4
F.
Mangels Zustimmungen zum Informationsaustausch erging am 13. März
2019 die Schlussverfügung der ESTV gegenüber der A._ SA und
der B._ AG. Sie verfügte, dass der ersuchenden Behörde Amtshilfe
betreffend die A._ SA zu leisten sei (Dispositiv-Ziff. 1) und nannte
in Dispositiv- Ziff. 2 die zu übermittelnden bei der B._ AG edierten
Informationen, in welchen auch die B._ AG erscheint. Dies beinhal-
tet neben der Wiedergabe der Antwort der B._ AG auf die Frage
des Amtshilfeersuchens namentlich die Übermittlung des Dokuments
«Purchase Price Allocation according to IFRS 3 in relation tot he acquisition
of B._ SA» vom (...) 2015. Zudem wies die ESTV darauf hin, dass
nicht amtshilfefähige Informationen, die nicht ausgesondert werden konn-
ten, geschwärzt worden seien. In den Dispositiv-Ziff. 3 und 4 wies die ESTV
die Anträge auf Überweisung des Amtshilfeverfahrens an das Staatssekre-
tariat für internationale Finanzfragen (SIF) und auf Sistierung des Amtshil-
feverfahrens ab.
G.
Am 12. April 2019 liessen die A._ SA und die B._ AG mit
einer gemeinsamen Rechtsschrift beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen die Schlussverfügung der ESTV vom 13. März 2019 er-
heben. Sie beantragen, die Schlussverfügung sei aufzuheben und das
Amtshilfeersuchen der DGFP abzulehnen. Eventualiter sei die Schlussver-
fügung aufzuheben und das Amtshilfeersuchen der DGFP an die ESTV zu-
rückzuweisen, verbunden mit der verbindlichen Weisung, dass die ESTV
das Verfahren solange sistiert, bis die DGFP bzw. die zuständige französi-
sche Behörde rechtsgültig und schriftlich zugesichert hat, in das Verstän-
digungsverfahren, um das die Beschwerdeführerin 2 beim SIF bereits er-
sucht hat, einzutreten. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
H.
Die ESTV beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 31. Mai 2019 die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde.
I.
Mit unaufgefordert eingereichter Replik vom 13. Juni 2019 weisen die Be-
schwerdeführerinnen auf ihrer Ansicht nach falsche Ausführungen der
ESTV in der Vernehmlassung hin.
A-1781/2019
Seite 5
J.
Mit Duplik vom 1. Juli 2019 nimmt die ESTV zur Replik Stellung und lässt
an ihren Anträgen festhalten.
K.
Mit Schreiben vom 8. Juni 2020 beantragten die Beschwerdeführerinnen
die Sistierung des Verfahrens, weil das in der Beschwerdeschrift erwähnte
Verständigungsverfahren zwischenzeitlich in ein fortgeschrittenes Stadium
getreten sei und die im Amtshilfeverfahren zur Übermittlung vorgesehene
Unterlage, je nach Verlauf der Verhandlungen, an Frankreich übergeben
werde, so dass das Amtshilfeverfahren möglicherweise obsolet werde.
L.
Mit Stellungnahme vom 19. Juni 2020 beantragte die Vorinstanz die Ableh-
nung des Sistierungsgesuchs, wobei sie die unterschiedlichen Zielsetzun-
gen des Amtshilfe- und Verständigungsverfahrens hervorhebt.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2020 wies die Instruktionsrichterin den
Sistierungsantrag ab.
Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die einge-
reichten Unterlagen wird – sofern entscheidwesentlich – in den Erwägun-
gen näher eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der französi-
schen DGFP gestützt auf Art. 28 des DBA CH-FR zugrunde. Die Durchfüh-
rung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt abwei-
chender Regelungen im DBA CH-FR – nach dem Bundesgesetz vom
28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen
(StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
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Seite 6
VGG). Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem VwVG, so-
weit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die Beschwerde-
führerinnen haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und sind
als Adressatinnen der angefochtenen Schlussverfügung und Personen, die
vom Amtshilfeersuchen betroffen sind bzw. über welche Daten übermittelt
werden sollen, zur Beschwerdeführung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1
VwVG, Art. 19 Abs. 2 StAhiG). Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerinnen können neben der
Verletzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemes-
senheit rügen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR tauschen die zuständigen
Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen
aus, «die zur Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder
Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder Art und
Bezeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer politischen
Unterabteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraus-
sichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteue-
rung nicht dem Abkommen widerspricht». Dabei ist der Informationsaus-
tausch nicht durch Art. 1 DBA CH-FR (persönlicher Geltungsbereich) und
Art. 2 DBA CH-FR (sachlicher Geltungsbereich bzw. unter das Abkommen
fallende Steuern) eingeschränkt (Art. 28 Abs. 1 Satz 2 DBA CH-FR).
2.2
2.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
«voraussichtlich erheblich» gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (BGE 143 II 185 E. 3.3.1, 141 II 436 E. 4.4.3; Urteil
des BVGer A-4592/2018 vom 21. März 2019 E. 3.1.2). Ob eine Information
erheblich ist, kann in der Regel nur der ersuchende Staat abschliessend
feststellen (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 142 II 161 E. 2.1.1; statt vieler:
Urteil des BVGer A-4144/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.1.6). Die Vorausset-
zung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im Zeitpunkt der
Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Möglichkeit besteht,
dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen werden
(BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese Informationen
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Seite 7
nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als nicht erheblich
herausstellen (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1).
Die Rolle des ersuchten Staates bei der Beurteilung der voraussichtlichen
Erheblichkeit beschränkt sich darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchen-
den Staat verlangten Informationen und Dokumente einen Zusammenhang
mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt haben und ob sie möglich-
erweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (vgl. BGE 144 II 29 E. 4.2.2, 142 II 161 E. 2.1.1; Urteil des BGer
2C_241/2016 vom 7. April 2017 E. 5.2; Urteile des BVGer A-4144/2018
vom 28. Mai 2019 E. 2.1.6; A-846/2018 vom 30. August 2018 E. 2.1.4 mit
Hinweisen). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte
– mit der Begründung, dass die verlangten Informationen nicht «voraus-
sichtlich erheblich» im Sinne der Amtshilfeklausel seien – nur verweigern,
wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im
ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung wenig wahrscheinlich
bzw. unwahrscheinlich erscheint (BGE 143 II 185 E. 3.2.2; 142 II 161
E. 2.1.1; Urteil des BVGer A-4588/2018 vom 22. Juli 2019 E. 3.4.3 mit Hin-
weisen).
2.2.2 Informationen zur Überprüfung und Kontrolle der zwischen Konzern-
gesellschaften vereinbarten Verrechnungspreise können sich als voraus-
sichtlich erheblich erweisen (dazu ausführlich: BGE 143 II 185 E. 4.1).
Art. 9 DBA CH-FR sieht vor, dass ein Vertragsstaat Gewinnaufrechnungen
bei ansässigen Unternehmen vornehmen kann:
«Wenn (a) ein Unternehmen eines Vertragsstaates unmittelbar oder mittelbar an
der Geschäftsleitung, der Kontrolle oder am Kapital eines Unternehmens des an-
deren Vertragsstaates beteiligt ist, oder (b) [...], und in diesen Fällen zwischen den
beiden Unternehmen hinsichtlich ihrer kaufmännischen oder finanziellen Bezie-
hungen Bedingungen vereinbart oder auferlegt werden, die von denen abweichen,
die unabhängige Unternehmen miteinander vereinbaren würden, so dürfen die
Gewinne, die eines der Unternehmen ohne diese Bedingungen erzielt hätte, we-
gen dieser Bedingungen aber nicht erzielt hat, den Gewinnen dieses Unterneh-
mens zugerechnet und entsprechend besteuert werden.»
2.3 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7 StAhiG
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Seite 8
genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völ-
kerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3,
142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil des BVGer A-2454/2017 vom 7. Juni 2018
E. 2.2.1). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfever-
fahren. Dementsprechend ist die ESTV an die Darstellung des Sachver-
halts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtli-
cher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann
(vgl. statt vieler: BGE 128 II 407 E. 5.2.1; Urteil des BVGer A-381/2018 vom
21. November 2018 E. 4.2). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat
abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der er-
suchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (Urteil des BVGer A-3275/2018
vom 28. November 2018 E. 2.2). Das Vertrauensprinzip steht einer Nach-
frage beim ersuchenden Staat nach weiteren Erklärungen nicht entgegen,
sofern erhebliche Zweifel an dessen Darstellung bestehen (BGE 144 II 206
E. 4.4; Urteile des BVGer A-1948/2019 vom 7. November 2019 E. 2.2,
A-2454/2017 vom 7. Juni 2018 E. 2.2.1).
2.4 Ziff. XI Abs. 3 des Zusatzprotokolls, welches integrierender Bestandteil
des DBA CH-FR bildet, führt die Informationen auf, welche die Steuerbe-
hörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshilfeersu-
chens zu liefern haben. Diese Anforderungen gehen den ähnlichen Best-
immungen in Art. 6 Abs. 2 StAhiG vor (so auch Art. 1 Abs. 2 StAhiG; statt
vieler: Urteil des BVGer A-4143/2018 vom 28. Mai 2015 E. 2.2.1). Zudem
ist in Art. XI Abs. 1 des Zusatzprotokolls geregelt, dass die zuständige Be-
hörde des ersuchenden Staates ein Begehren erst dann stellt, wenn alle in
seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel zur
Beschaffung der Information ausgeschöpft sind.
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist vorab festzuhalten, dass das streitgegenständ-
liche Amtshilfeersuchen die Voraussetzungen gemäss Ziff. XI Abs. 1 und 3
des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR (vgl. E. 2.4) erfüllt.
Strittig und zu prüfen ist, ob die von der Vorinstanz zur Übermittlung vorge-
sehenen Informationen, namentlich das Dokument «Purchase Price Allo-
cation according to IFRS 3 in relation to the acquisition of A._ SA»
vom (...) 2015, im Sinn von Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR voraussicht-
lich erheblich sind (dazu nachfolgend E. 3.2) und ob der beabsichtigte In-
formationsaustausch zu einer abkommenswidrigen Besteuerung führt
(dazu nachfolgend: E. 3.3).
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Seite 9
3.2 Als voraussichtlich erheblich im Sinn von Art. 28 Abs. 1 DBA CH-FR
gelten im vorliegenden Fall Informationen, die für den französischen Staat
notwendig sind, um die Tochtergesellschaft in Frankreich korrekt zu be-
steuern. Zu überprüfen ist unter diesem Aspekt gemäss konstanter Recht-
sprechung, ob die von der DGFP verlangten Informationen einen Zusam-
menhang mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt haben und ob
sie möglicherweise dazu geeignet sind, im französischen Verfahren ver-
wendet zu werden (vgl. E. 2.2.1).
3.2.1 Vorliegend beabsichtigen die französischen Steuerbehörden mit dem
Amtshilfeersuchen Informationen zu erlangen, die es ihnen ermöglichen,
die von der Tochtergesellschaft geschuldete Körperschaftssteuer korrekt
festzusetzen. In der Sache geht es um die Überprüfung des ausserordentli-
chen Ertrags im Zusammenhang mit der Übertragung von Immaterialgü-
terrechten von der Tochter- an die Muttergesellschaft im Jahr 2015. Basis
dieses konzerninternen Verrechnungspreises bildete gemäss Ausführun-
gen der DGFP im Amtshilfeersuchen ein Marktwert der Tochtergesellschaft
von EUR 120 Mio. In den Finanzberichten der Konzernrechnung der
B._-Gruppe sei der Marktwert der A._ SA derweil jedoch auf
EUR 350 Mio. beziffert worden. Dabei sei die Bewertung gemäss Angaben
in den Finanzberichten von unabhängigen Sachverständigen durchgeführt
worden. Die DGFP verlangt daher die Berichte der unabhängigen Sach-
verständigen, die Grundlage für die Festsetzung des Marktwerts der Toch-
tergesellschaft bildeten. Die Frage wurde im Ersuchen wie folgt formuliert:
«Veuillez fournir les rapport d’experts indépendants sur lesquels s’est ap-
puyée la societé B._ AG pour évaluer la valeur de marché de la
A._ SA à EUR 350 millions en 2015» (vgl. Sachverhalt Bst. A).
3.2.2 Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, die zur Übermittlung
vorgesehenen Informationen entsprächen nicht denjenigen, um welche die
DGFP im Amtshilfeersuchen ersucht habe (Beschwerde, Rz. 18). Zwar
seien Informationen darüber, wie die Beschwerdeführerinnen den für die
übertragenen Immaterialgüterrechte vereinbarten Kaufpreis von EUR
(rund 120 Mio.) berechnet haben, für die Anwendung des innerstaatlichen
Rechts beider Vertragsstaaten wie auch für die Anwendung von Art. 9 DBA
CH-FR zweifelsohne von Bedeutung. Es werde somit nicht bestritten, dass
die von der DGFP verlangten Informationen, d.h. «les rapports d’experts
indépendants (...) pour évaluer la valeur de marché de la A._ SA»,
voraussichtlich erheblich wären. Bei dem von der Muttergesellschaft an die
ESTV gelieferten Dokument – einer «Purchase Price Allocation according
to IFRS 3 in relation to the acquisition of A._ SA» (nachfolgend:
A-1781/2019
Seite 10
PPA) – handle es sich allerdings nicht um eine Bewertung, die zur Festset-
zung des drittvergleichskonformen Kaufpreises der Tochtergesellschaft er-
stellt worden sei. Eine solche Bewertung liege nicht vor und sei vorliegend
auch nicht notwendig gewesen, weil mit dem für die Aktien der französi-
schen Gesellschaft geleisteten Kaufpreis von EUR 120 Mio. eine drittver-
gleichskonforme Preisfestsetzung vorgelegen habe. Der vereinbarte Ver-
rechnungspreis von EUR (rund 120 Mio.) gehe von diesem drittvergleichs-
konformen Preis aus und beziehe sich auf den Wert der Immaterialgüter-
rechte zum Zeitpunkt des Verkaufs (Beschwerde, Rz. 19). Die PPA stelle
eine Berechnung nach den Vorschriften der IFRS dar, die zum Zweck der
Integration der Tochtergesellschaft in die konsolidierte Jahresrechnung des
Konzerns verfasst worden sei (Beschwerde, Rz. 11 und 20). Neben dem
tatsächlich geleisteten Kaufpreis der Aktien von EUR 120 Mio. seien auch
sog. «Milestone-Zahlungen» vereinbart worden, die beim Erreichen be-
stimmter Etappenziele in der (Produkt)-entwicklung zu entrichten gewesen
wären, wozu es jedoch nie gekommen sei (Beschwerde, Rz. 7). Bei der
Berechnung des in der Konzernrechnung ausgewiesenen Betrags von
EUR 350 Mio. seien im Zusammenhang mit dem Wert der Immaterialgü-
terrechte auch Zukunftserfolge berücksichtigt, die sich aus der Weiterent-
wicklung (der Produkte) ergeben (Beschwerde, Rz. 12).
3.2.3 Aus dem vorliegenden Amtshilfeersuchen geht unmissverständlich
hervor, dass die französischen Behörden, die in den Finanzberichten zur
Konzernrechnung erwähnten, von unabhängigen Sachverständigen er-
stellten Berichte im Zusammenhang mit der Festsetzung des Werts der
Tochtergesellschaft auf 350 Mio. EUR erhalten möchten, um den bei der
Tochtergesellschaft verbuchten Transaktionspreis für die Immaterialgüter-
rechte zu überprüfen. Erfragt sind mit anderen Worten die in den Finanz-
berichten erwähnten Unterlagen, aus welchen sich der in der konsolidier-
ten Konzernrechnung ausgewiesene Betrag von EUR 350 Mio. nachvoll-
ziehen lässt.
Bei dem vorliegend von der B._ AG in Beantwortung des Amtshil-
feersuchens edierten und zur Übermittlung vorgesehenen Dokument han-
delt es sich ohne Zweifel um eine solche in den Finanzberichten zur Kon-
zernrechnung erwähnte Unterlage. Die B._ AG selbst hielt in einem
Erläuterungsschreiben an die ESTV fest, dass der Konzernabschluss der
B._ Holding AG gestützt auf Berechnungen der PPA vom (...) 2015
erstellt worden sei (s. Beilage zum Antwortschreiben vom 24. August 2018
[act. 4 der Vorakten]). Soweit die Beschwerdeführerinnen mit der Aussage,
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die zur Übermittlung vorgesehenen Informationen entsprächen nicht den-
jenigen, um welche die DGFP ersucht habe, geltend machen wollten, diese
Informationen seien nicht erfragt worden, kann ihnen nicht gefolgt werden.
3.2.4 Weiter ist zu klären, ob die verlangten Informationen einen Zusam-
menhang mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt haben und ob
sie möglicherweise dazu geeignet sind, im französischen Verfahren ver-
wendet zu werden.
3.2.4.1 Vorliegend besteht gemäss Darstellung der DGFP eine Diskrepanz
zwischen dem bei der Tochtergesellschaft verbuchten ausserordentlichen
Ertrag betreffend Verkauf der Immaterialgüterrechte, der gemäss den An-
gaben im Ersuchen mit dem Marktwert der Tochtergesellschaft zusammen-
hängt – was von den Beschwerdeführerinnen nicht bestritten wird – und
dem in der Konzernrechnung ausgewiesenen Wert der Tochtergesellschaft
von EUR 350 Mio. (Sachverhalt Bst. A). Die im Finanzbericht zur Konzern-
rechnung erwähnten und vorliegend ersuchten Berichte, die Grundlage für
die Festsetzung des in der Jahresrechnung ausgewiesenen Werts von
EUR 350 Mio. bildeten, weisen einen klaren Zusammenhang mit dem für
die Steuerprüfung in Frankreich relevanten Sachverhalt auf.
3.2.4.2 Mit dem Einwand, wonach es sich bei den zur Übermittlung vorge-
sehenen Informationen nicht um eine Bewertung handle, die zur Festset-
zung des drittvergleichskonformen Kaufpreises der Tochtergesellschaft er-
stellt worden sei (Beschwerde Rz. 19), stellen die Beschwerdeführerinnen
sinngemäss in Abrede, dass die zu übermittelnden Informationen dazu ge-
eignet seien, im französischen Verfahren verwendet zu werden.
Rechtsprechungsgemäss genügt es, dass im Zeitpunkt der Einreichung
des Amtshilfeersuchens von einer Eignung der Informationen zur Klärung
des Sachverhalts auszugehen ist. Keine Rolle spielt, ob sich die Informati-
onen nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als erheblich
erweisen oder nicht (E. 2.2.1 in fine). Der in der Jahresrechnung ausge-
wiesene Betrag von EUR 350 Mio. basiert auf der zur Übermittlung vorge-
sehenen Unterlage. Die Information darüber, wie sich der Betrag von EUR
350 Mio. zusammensetzt, ist ohne Weiteres geeignet, eine Erklärung für
die Diskrepanz zum Preis der Immaterialgüterrechte von EUR (rund 120
Mio.) zu liefern. Ob die Informationen letztlich die Vermutung der französi-
schen Steuerbehörden zu stützen vermögen oder für die Überprüfung der
Drittpreiskonformität dann letztlich auch tatsächlich geeignet sind, stellt
eine Frage der Beweiswürdigung dar, die von den französischen Behörden
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Seite 12
im Rahmen des innerstaatlichen Steuerverfahrens abschliessend zu be-
antworten sein wird.
Als im vorliegenden Verfahren unbehelflich erweist sich der Einwand der
Beschwerdeführerinnen, wonach eine Bewertung über die Drittpreiskonfor-
mität denn auch nicht nötig gewesen wäre, weil mit Blick auf den vorliegend
effektiv geleisteten Kaufpreis für die Aktien von EUR 120 Mio. in Bezug auf
die Immaterialgüterrechte eine drittkonforme Preisfestsetzung vorgelegen
habe (vgl. Beschwerde, Rz. 19). Die Klärung der Drittpreiskonformität bil-
det ja gerade Gegenstand der französischen Steuerprüfung. Dass die fran-
zösischen Steuerbehörden die Drittpreiskonformität anhand von sämtli-
chen verfügbaren Beweismitteln zu überprüfen versuchen, liegt auf der
Hand.
Anzumerken ist, dass die Beschwerdeführerinnen die Übergabe der fragli-
chen Informationen im mittlerweile aufgenommenen Verständigungsver-
fahren – je nach Verlauf der Verhandlungen – in Aussicht stellen (vgl. Sach-
verhalt Bst. K). Ein solches Vorgehen erschiene wenig sinnvoll, wenn die
Unterlage gänzlich ungeeignet wäre, im französischen Steuerverfahren
verwendet zu werden.
Die voraussichtliche Erheblichkeit der zu übermittelnden Informationen ist
zu bejahen.
3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR sind Informationen auszu-
tauschen, «die zur Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung
oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder
Art und Bezeichnung, (...), voraussichtlich erheblich sind, soweit die die-
sem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen wider-
spricht».
3.3.1 Die Beschwerdeführerinnen berufen sich in ihrer Beschwerde auf die
oben kursiv hervorgehobene Passage von Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-
FR und machen geltend, vorliegend bestehe aufgrund einer entsprechen-
den Verwaltungspraxis der französischen Behörden eine grosse Wahr-
scheinlichkeit für eine abkommenswidrige Besteuerung in Form einer ab-
kommenswidrigen Verweigerung der Durchführung eines Verständigungs-
verfahrens (Beschwerde, Rz. 34 f.). Dies verschliesse den Beschwerde-
führerinnen auch den Zugang zu dem in Art. 27 Abs. 5 DBA CH-FR speziell
für Verrechnungspreiskonflikte vorgesehenen Schiedsverfahren (Be-
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schwerde, Rz. 34). Ohne Verständigungslösung stehe der Muttergesell-
schaft schliesslich bei einer Gewinnaufrechnung in Frankreich kein Rechts-
anspruch auf eine Revision (zum Zweck der Gegenberichtigung) des be-
reits definitiv veranlagten Steuerjahrs 2015 zu (Beschwerde, Rz. 34).
Diese Ausführungen der Beschwerdeführerinnen zum Verständigungsver-
fahren sind allerdings mittlerweile überholt. Wie die Beschwerdeführerin-
nen in ihrem Sistierungsersuchen vom 8. Juni 2020 (BVGer act. 13) aus-
führen, hat sich Frankreich zwischenzeitlich auf ein Verständigungsverfah-
ren eingelassen. Die in der Beschwerde geäusserte Befürchtung, dass sich
die französische Behörde mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ver-
ständigungsverfahren einlassen würde, hat sich folglich nicht bewahrheitet.
3.3.2 Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist
– von hier nicht relevanten Ausnahmen abgesehen – der Sachverhalt
massgebend, wie er sich zum Zeitpunkt des Urteils darstellt (BVGE
2011/43 E. 6.1, 2009/9 E. 3.3.1). Neue Sachverhaltsumstände, die sich seit
dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung ergeben haben,
sind dabei zu berücksichtigen.
Mit Blick darauf, dass sich die französischen Behörden zwischenzeitlich
auf das Verständigungsverfahren eingelassen haben, erübrigt es sich, die
in der Beschwerde aufgeworfene Rechtsfrage zu beantworten. Es kann so-
mit offenbleiben, ob die Schweiz als ersuchter Staat den Informationsaus-
tausch verweigern dürfte, wenn sich der ersuchende Staat gegebenenfalls
abkommenswidrig nicht auf ein Verständigungsverfahren einlässt.
3.3.3 Vorliegend hat die DGFP im Amtshilfeersuchen Anhaltspunkte ge-
nannt, die eine Gewinnaufrechnung bei der Tochtergesellschaft in Frank-
reich gemäss Art. 9 DBA CH-FR (vorne E. 2.2.2) rechtfertigen könnten.
Eine Nichteinlassung Frankreichs auf das Verständigungsverfahren steht
– wie erwähnt – nicht mehr zur Diskussion. Die vorgesehene Informations-
übermittlung erweist sich unter dem Aspekt der erforderlichen Abkom-
menskonformität im Sinn von Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR als recht-
mässig und ist nicht zu beanstanden (vgl. Rechtsprechung zur vergleich-
baren Ausgangslage bei sog. Ansässigkeitskonflikten: BGE 142 II 161
E. 2.2.2; statt vieler: Urteil des BVGer A-1948/2019 vom 7. November 2019
E. 2.4.4).
3.4 Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass das vorliegende Amts-
hilfeverfahren vom Ausgang des eingeleiteten Verständigungsverfahrens
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unabhängig ist. Wie die Vorinstanz zutreffend betont, verfolgen Amtshilfe-
und Verständigungsverfahren verschiedene Zwecke (vgl. Vernehmlassung
vom 31. Mai 2019, Ziff. 5 [BVGer act. 6]; Stellungnahme vom 19. Juni 2020,
Ziff. 5 [BVGer act. 15]). Während es sich beim Verständigungsverfahren
um einen bilateralen Austausch handelt, dessen Ziel es ist, Doppelbesteu-
erungskonflikte nach internationalen Gesichtspunkten zu lösen
(vgl. BGE 142 II 161 E. 2.2.2 in fine), soll die Amtshilfe insbesondere auch
die Durchführung des innerstaatlichen Steuerrechts der Vertragsstaaten
ermöglichen (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.3).
Selbst wenn die Beschwerdeführerinnen den französischen Behörden die
hier streitgegenständlichen Informationen im Rahmen des Verständigungs-
verfahrens von sich aus aushändigen würden (Sachverhalt Bst. K), ver-
möchte dies grundsätzlich nichts an der Rechtmässigkeit, namentlich der
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit, der vorliegenden Amts-
hilfeleistung zu ändern (zumindest solange der ersuchende Staat sich nicht
gegenteilig äussert). Informationen sind auch dann zu übermitteln, wenn
sie zwecks Überprüfung schon vorhandener, aber nicht völlig zweifelsfreier
Erkenntnisse der Behörden des ersuchenden Staates verlangt werden
(sog. Verifikationszweck; Urteile des BVGer A-6091/2017 vom 29. Juni
2018 E. 6.4.2 und A-3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 9.2.3.2, je mit wei-
terem Hinweis).
3.5 Mit ihrem Eventualbegehren verlangen die Beschwerdeführerinnen die
Rückweisung des Amtshilfeersuchens an die ESTV, verbunden mit der ver-
bindlichen Weisung, dass diese das Verfahren solange sistiere, bis die
DGFP bzw. die zuständige französische Behörde rechtsgültig und schrift-
lich zugesichert habe, in das Verständigungsverfahren einzutreten, um das
die Muttergesellschaft bereits ersucht habe.
Nachdem sich die französische Behörde auf das Verständigungsverfahren
eingelassen hat, erweist sich das Eventualbegehren als gegenstandslos.
3.6 Die Vorinstanz hat in Ziff. 5 des Dispositivs der angefochtenen Schluss-
verfügung auf die Verwendungsbeschränkung der zu übermittelnden Infor-
mationen gemäss Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR hingewiesen. Mit Blick auf die
jüngste bundesgerichtliche Klärung, wonach das Spezialitätsprinzip auch
eine persönliche Dimension aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 E. 3.4.3 und 3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.1.3),
ist es der Vollständigkeit halber angezeigt, dass die ESTV die DGFP an-
lässlich der Übermittlung der ersuchten Informationen genauer über den
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Umfang der Verwendungsbeschränkung informiert und Ziff. 5 des Disposi-
tivs der angefochtenen Verfügung entsprechend präzisiert.
3.7 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schluss-
verfügung vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Beschwerde erweist
sich als unbegründet und ist abzuweisen.
4.
Ausgangsgemäss haben die Beschwerdeführerinnen die auf Fr. 5'000.--
festzusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und
Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Den unterliegenden Beschwerdeführerinnen ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffent-
lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen
werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt
oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeuten-
den Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) handelt (Art. 83 Bst. h,
Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
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