Decision ID: 74632ca6-904b-48e9-93c5-bf87fb30509c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1960 geborene
X._
meldete sich
nach einem Unfall
vom
2
0.
Februar 1996
(
Sturz von der Treppe auf Schnee;
Urk.
7/215 S. 4)
am
2.
April 1997 unter Hinweis auf Beschwerden am Halswirbel, an den Schulterblättern und am rechten Arm bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug (Berufsberatung und Wiedereinschulung) an (
Urk.
7/7
S.
5
)
.
Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm berufliche Massnahmen zu (unter anderem Umschulung zum
Elektronikverdrahter
;
Verfügung vom 2
7.
Juli 2001,
Urk.
7/53) und schloss das Leistungsbegehren mit Mitteilung vom 1
5.
Oktober 2002 als erledigt ab (Urk. 7/79).
Nach einem Suizidversuch am
4.
November 2002 (
Urk.
7/106/25) ersuchte der Versicherte am
2
8.
Januar 2003 in einem Zusatzgesuch um Ausrichtung einer Rente (
Urk.
7/85).
Mit
Verfügung
en
vom 9. Juni 2005
sprach
ihm
die IV-Stelle
ab
1.
August 2002 eine
Viertelsrente
und ab
1.
Februar
2003 gestützt auf einen I
nvaliditätsg
rad von 100
%
eine
ganze Rente zu (
Urk.
7/157/1 und 3
).
Die Ausrichtung einer ganzen Rente wurde mit Mitteilung vom 1
3.
Juni 2008
revisionsweise
bestätigt (
Urk.
7/181).
Anlässlich des
im Sommer
2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens
holte die IV
Stelle
unter anderem
bei der
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein (
Expertise
vom
3.
Juni 2014;
Urk.
7/215).
Mit Vorbescheid vom
6.
Januar 2015 kündigte
sie
dem Versicherten an, die Rente aufzuheben,
da
sich der Gesundheitszustand verändert habe und
der Invaliditätsgrad
noch
10
%
betrage (
Urk.
7/229). Dage
gen erhob der Versicherte am 2
0.
Januar
2015
Einwand (
Urk.
7/232) und ergänzte diesen mit Eingabe vom 2
0.
März 2015 (
Urk.
7/239). Nac
h Rückfragen
beim
Y._
(Urk.
7/240 und Urk.
7/241/3 f.)
und
Mitteilung vom 2
8.
September 2015
(
Urk.
7/244)
hielt
die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 1
4.
Dezember 2015
an der polydisziplinären Verlaufsbegutachtung
beim
Y._
fest
(Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1.
Februar 2016 Beschwerde (
Urk.
1)
und beantragte, die Zwischenverfügung vom 1
4.
Dezember 2015 sei vollumfänglich aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, von einer Begutachtung abzusehen und die Invalidenrente weiterhin auszurichten, eventu
ell
sei die Vorinstanz anzuweisen, die Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip bestimmen zu lassen. Am
1.
März 2016 (
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde
und verwies auf die beigelegte
n
Stellungnahme
n
des
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
RAD
(
Urk.
8)
. In seiner Replik vom 2
1.
März 2016 (
Urk.
12)
ergänzte der Beschwerdeführer, dass
sich
ein allfälliges Verlaufsgutachten auf die psychiatrischen Belange zu beschränken habe, der Gutachter
sei
einver
nehmlich zu bestimmen
.
Mit Eingabe vom 1
4.
April 2016 (
Urk.
15) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik
, was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 20. April 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Bei der angefochtenen Verfügung (Urk.
2)
handelt es sich um eine
Zwischen
verfü
gung
im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
),
welche
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken und deshalb
grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann
(vgl. BGE 138 V 271 E. 1.2)
.
Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
sprache
entscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
2.
1 mit Hinweisen).
Unter einer Sachverhaltsabklärung im Sinne von BGE 133 V 108 muss eine Abklärung verstanden werden, die - wenn sie inhaltlich zu einem anderen Ergebnis führt - geeignet ist, eine Rentenerhöhung, -herabsetzung oder -aufhebung zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_52/2016 vom 2
3.
März 2016 E. 3.1 mit Hinweis auf Urteil 8C_441/2012 vom 2
5.
Juli 2013 E. 6.2).
2.2
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungsträ
ger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_481/2013 vom 7. November 2013 E.
3.1 und
3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den
Untersuchungs
grundsatz
ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den
Leistungsan
spruch
zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht
des Versicherungs
trägers, eine „
second
opinion
” zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteile des Bundesgerichts
U 571/06
vom 2
9.
Mai 2007
E. 4.2 und
8C_957/2010 vom 1. April 2011 E. 6.1).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Zwischenverfügung vom 1
4.
Dezember 2015 (Urk. 2) damit, dass
eine Veränderung des Gesundheitszu
standes vorliegen könnte, weshalb ein Revisionsgrund gegeben sei. Da die Gut
achter des
Y._
bereits Kenntnis der
Vorakten
hätten, sei es sinnvoll, diese mit der Verlaufsbegutachtung zu beauftragen.
3
.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1
und
Urk.
12
)
,
sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Ihm sei seiner
zeit eine ganze Invalidenrente auf Grundlage eines Invaliditätsgrades von 100
%
zugesprochen worden.
Gemäss Begutachtung habe sich der psychische Zustand nicht verändert, der orthopädische jedoch verschlechtert.
B
ei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes könne die
Rente
nicht weiter erhöht
werden
und eine Rentenherabsetzung stehe schon gar nicht zur Diskussion
. Eine Begutachtung erübrige sich
(
Urk.
1 S. 6 f.)
.
Dass das
Y._
Kenntnis der
Vorakten
habe, sei nicht zutref
fend,
hätten
doch
den Gutachtern die umfang
reichen SUVA-Akten nicht vor
gelegen.
Die IV-Stelle habe zudem nicht ein
Ver
laufsgutachten
, sondern eine umfassende polydisziplinäre
Neubegut
achtung
vor
ge
sehen. Eine Gutachterwahl nach dem Zufallsprinzip sei deshalb zwingend
(
Urk.
1 S. 7)
.
Ein allfälliges
Ver
laufsgutachten
habe sich ohnehin auf die psy
chiatri
schen Belange zu beschrän
ken, der Gutachter sei einvernehmlich zu bestimmen
(
Urk.
12 S. 2)
.
3.3
Nach der
Rechtsprechung kann eine versicherte Person zwar nach erstmaliger Mit
teilung
einer
geplanten polydisziplinären Begutachtung unmittelbar Ein
wen
dungen anbringen, damit allenfalls eine gütliche Einigung gefunden werden kann. Die gerichtliche Überprüfung bestehender Differenzen kann jedoch erst nach der endgültigen zwischenverfügungsweisen Festlegung der Gutachterstelle und der an der Begutachtung beteiligten Fachpersonen erfolgen. Eine einmalige
und gesamthafte Überprüfung sämtlicher im vorangegangenem Verfahren
strittig gebliebener Aspekte unter allen Ge
s
ichtspunkten erst im Zeit
punkt nach der Bekannt
gabe der mit der Begutachtung betrauten Stelle sowie der mit der Begut
achtung betrauten Personen trägt den Mitwirkungs
rechten der versic
her
ten Person genügend Rechnung (BGE 139 V 339).
Die angefochtene Verfügung beinhaltet explizit lediglich die Anordnung einer polydisziplinären
Begu
t
acht
u
n
g im
Y._
. Da es sich jedoch um eine
Verlaufs
begutachtung
handelt
,
versteht es sich von selbst, dass auch die bisherigen Ärzte mit der Begutachtung betraut werden. Im Weiteren wurde dem Beschwerde
führer der Fragenkatalog zugestellt (Urk. 1 S. 5). Damit sind alle zu klärenden Ele
mente festgelegt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten und die Sache mate
riell zu prüfen ist.
4.
Die
mit Verfügungen vom
9.
Juni 2005 gewährte
Ausrichtung einer ganzen Rente wurde im Jahre 2008 revisionsweise überprüft und mit Mitteilung vom 1
3.
Juni 2008 bestätigt (
Urk.
7/181). Anlässlich der Überprüfung gab der Beschwerdeführer an, sein Gesundheitszustand habe sich seit
ungefähr
2006 verschlimmert, die Änderung bestehe in „Rücken und rechte Bein“ (
Urk.
7/177). Zusätzlich gab der Hausarzt
Dr.
med.
Z._
, Allgemeine Medizin FMH, in seinem Bericht vom 1
3.
Mai 2008 an, er kenne den Beschwerdeführer seit Mai 200
7.
In dieser Zeit habe es keine nennenswerte Befundänderung gegeben. Wahrscheinlich habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ver
schlechtert (
Urk.
7/179). Dem
RAD
hat die Beschwerdegegnerin diese Doku
mente nicht zur Stellungnahme unterbreitet. Vielmehr teilte sie dem Beschwer
deführer mit einer Standardformulierung mit, es bestehe weiterhin
Anspruch auf die bisherige Rente (Urk. 7/181). Hierbei kann nicht von einer
rechts
konformen
Sachverhaltsabklärung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. E. 2.1
hier
vor
)
gesprochen
werden. Die von der Beschwerdegegnerin getroffenen
Vor
kehren hätten im Falle eines inhaltlich anderen Ergebnisses eine
Rentener
hö
hung
, -herabsetzung oder -aufhebung nicht zu begründen vermögen.
Denn der
Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
3.
Mai 2008 ist sehr knapp gehalten. Ange
sichts dieser dürftigen Aktenlagen und in Anbetracht, dass
ausschliesslich
ein Bericht eines behandelnden Arztes vorlag, hätte es für eine
rechtsgenügliche
Ab
klärung mindestens einer Stellungnahme des RAD bedurft (vgl.
Art.
49
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Damit kann die
ren
ten
bestätigende
Mitteilung vom
13. Juni 2008
nicht Vergleichsbasis für die Beurteilung einer revisionsrechtlich relevanten Änderung des Invaliditätsgrades
sein, sondern vielmehr die ursprünglichen Rentenverfügungen vom
9. Juni
2005
(Urk. 7/157/1)
sowie die dieser zugrunde liegenden medizinischen Unter
lagen
(
vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 9C_52/2016 vom 2
3.
März 2016
E.
3.2)
.
5
.
5
.1
Die
Ärzte
der MEDAS
A._
hielten in ihrem
im Rahmen
der
Abklärung beruflicher Massnahmen eingeh
o
lten
Gutachten
vom 1
3.
November 2000 (
Urk.
7/32) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(S. 10)
:
Status nach Läsion des
Nervus
thoracicus
longus
rechts mit
Musculus
serra
tus
anterior
-Parese rechts, aktuell ohne erkennbares Defizit
Chronisches
scapulothorakales
Schmerzsyndrom rechts mit/bei
muskulärer
Dysbalance
Status nach Sturz auf den rechten Ellbogen
Thoracic
-
outlet
-Syndrom rechts mit intermittierender, positionsabhängiger Kompression des Gefäss-Nervenstranges auf H
ö
he der
A
r
teria
subclavia
Verdacht auf funktionelle Überlagerung
Dazu stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Panikstörung im Rahmen einer längeren Anpassungsstörung
Status nach Lungentuberkulose 1980, reaktiviert 1987
Status nach Lymphknoten-Exstirpation
supraclavikulär
rechts
Ergänzend hielten sie fest, dass in der bisherigen Tätigkeit als
Spleisser
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für eine leichte körperliche Tätigkeit mit
Positions
wechseln
, ohne Zwangshaltungen, insbesondere ohne
Überkopf
arbei
ten
und ohne Tragen von Lasten mit dem rechten Arm und ohne repetitive Bewegungsabläufe mit dem rechten Arm bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 11).
5
.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem
im Rahmen der Neuanmeldung zum Rentenbezug verfassten
Gutachten
vom
2.
August 2004 folgende Diagnosen fest (Urk. 7/113):
Rezidivierende angstbetonte depressive Störungen, gegenwärtig mittelgra
dige bis schwere Episode mit phasenweise reaktivem Alkoholabusus
Status nach Gefäss-Nerven-Sehnenschnitt am linken Han
d
gelenk, bisher zwei
mal operiert
Chronisch posttraumatisches
cervico
-
thoraco
-vertebrales Schmerzsyndrom mit ausgepräg
t
er funktioneller Schulterbeeinträchtigung rechts und
cervico-thoracalen
Verspannungszuständen
Dazu führte er aus, dass der Beschwerdeführer
mit grosser Wahrscheinlichkeit ab dem Datum seines Suizidversuchs zu 30
%
und seit der zweiten Operation am Handgelenk
(im November 2003 mit nachfolgender Verschlechterung)
mit praktischer Sicherheit zu 0
%
arbeitsfähig sei.
5
.3
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt Orthopädie FMH,
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
E._
, Spezialarzt Neurologie FMH, und
Dr.
med.
F._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin,
vom
Y._
stellten in ihrem
anlässlich des aktuellen Revisionsverfahrens verfassten
Gutachten
s
vom
3.
Juni 2014 (
Urk.
7/215) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 56):
Cervicobrachialgie
rechts bei Diskushernie C4-7 mit mässiger
Unkarthrose
C4/5,
Osteochondrose
C5-7 sowie mässiger
os
t
eodisk
a
ler
Foraminalstenose
C4/5 rechtsbetont,
Rezessalstenose
C5/6 und C6/7 beidseits
Lumboischialgie
rechts bei medianer Diskushernie L5
/S
1 mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 links mehr als rechts
Rezidivierende depressive Störung mit überwiegend mittelgradigen depressi
ven Episoden
, bestehend seit etwa 2002
Rezidivierende Panikstörungen mit Agoraphobie, bestehend seit etwa 1998
Traumatische Läsion des
Nervus
medianus
links nach Schnittverletzung in sui
zidaler Absicht 11/2002
Dazu nannten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 57):
Fragliche proximale
Plantarfaszienansatztendinitis
rechts
Fusswurzelschmerzen links bei überhöhtem Längsgewölbe
Präadipositas
Akzentuierte emoti
onal instabile reizbare Persönl
i
c
hkeitszüge
Zustand nach psychischer Störung durch Alkohol mit s
chädlichem Gebrauch, bestehend
v
o
n etwa 2002 bis 2004
Pseudoradikuläres
Schulter-Arm-Syndrom rechts, kein Anhalt für ein neuro
ge
nes
Thoracic
-
outlet
-Syndrom
Status nach traumatischer Parese des
Musculus
serratus
anterior
nach
sturz
be
dingter
Läsion des rechten
Nervus
thoracicus
longus
am 10.
Februar 1996 ohne funktionell relevante klinische Residuen
Nikotinabusus
Arterielle Hypertonie
Status nach Lungentuberkulose
Ergänzend führten sie aus, dass der Beschwerdeführer seit November 2002 in seiner angestammten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig sei. In einer
leidens
adaptierten
Tätigkeit sei
er
ab Dezember 2002
voll arbeitsfähig gewesen. Seit Juni 2008 betrage die Arbeitsfähigkeit aufgrund der psychiatrischen Diagnose noch 60
%
(S. 57).
Den diagnostischen Einschätzungen von
Dr.
B._
bezüglich psychiatrischer Beschwerden könne zwar zugestimmt werden, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ohne Berücksichtigung der körperli
chen Beschwer
den erscheine hingegen ret
rospektiv nicht nachvoll
zieh
bar
(S.
32
).
5
.4
Im Bericht der
G._
vom 1
7.
März 2015 (
Urk.
7/238/5-12)
w
u
rden folgende Diagnosen gestellt (
S. 3
):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome
Agoraphobie: Mit Panikstörung
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und (vulnera
bel-) narzisstischen Anteilen
Schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen
Thoracic
-
outlet
-Syndrom rechts bei Zustand nach Sturz auf rechten Arm mit
residueller
Thoracicus
longus
-Läsion mit
Scapula
alata
Neue Läsion im Bereich des rechten Handgelenkes mit ausgeprägten Schmer
zen als Unfallfolge
Traumatische Läsion des
Nervus
medianus
links nach Schnittverletzung in suizidaler Absicht 11/2002
Panvertebralsyndrom
mit therapieresistenten Schmerzen in der Nacken-/
Trapeziusmuskulatur
rechts bei Gefässkompression der
Arteria
subclavia
in Abduktion
Hypästhesie im Bereich beider Hände
Schmerzen im Bereich beider Beine mit Betonung der Sprunggelenke beid
seits, Verdacht auf
Claudicatio
spinalis
Idiopathische Gicht: Knöchel und Fuss (Fusswurzel, Mittelfuss, Zehen, Sprung
gelenk, sonstige Gelenke des Fusses)
Fettleber (fettige Degeneration), andernorts nicht klassifiziert, DD
äthylto
xisch
bei Zustand nach Alkoholabhängigkeit
Essentielle Hypertonie
Zustand nach ausgedehnter
pleuro
-pulmonaler Tuberkulose, im Kindesalter Halslymphknoten-Tuberkulose, 1980 Lungen-Tuberkulose, 3-monatige Behand
lung mit Dreifachkombination, 1987 Reaktivierung linker
Oberlap
pen
, 7-monatige Therapie, 1993 Reaktivierung linker Oberlappen, 6-mona
tige Therapie
Dazu führ
t
en
Dr.
med.
H._
, Oberarzt, und Dr.
med.
I._
, Assistenz
arzt,
aus,
dass sich der Beschwerdeführer seit dem 1
5.
Mai 2014 in ihrer ambu
lanten psychiatrischen Betreuung befinde. Es fänden regelmässige psy
chiatrisch-psychotherapeutische Konsultationen in
ungefähr
zweiwöchentlichen Abständen statt. Es seien neue Beschwerden im Bereich des rechten Handge
lenks als späte Unfallfolge mit Notwendigkeit einer Ruhigstellun
g durch Orthese und ausgeprägte
Schmerzen bei Bewegung sowie eine im letzten Jahr neu diagnostizierte chronisch rezidivierende Gichterkrankung aufgetreten. Diese hätten zur weiteren
Chronifizierung
der depressiven Symptome beigetragen
(
S.
1 f.
)
. Es sei nicht nur eine mittelgradige
,
sondern eine schwere depressive Stö
rung zu diagnostizieren, wobei entweder die Gutachter de
s
Y._
die Sympto
matik unterschätzt hätten oder sich die depressive Symptomatik seit der Begut
achtung verschlechtert habe
.
Der Beschwerdeführer sei heute zu 100
%
arbeits
unfähig (
S. 5
).
6.
6.1
Der Vergleich des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der ursprünglichen
Renten
verfügung
(vgl.
E.
5
.1 und
5
.2 hiervor)
mit demjenigen anlässlich der Beguta
chtung durch das
Y._
(vgl. E.
5
.3 hiervor) zeigt eine eindeutige Ver
schlechterung des
Gesundheitszustandes aus orthopädischer Sicht.
So
find
en sich erhebliche neue
Diagnosen, namentlich Diskushernien auf mehreren Ebe
nen, zum Teil mit Nervenwurzelkontakt. Dass die Ärzte eine seit 2002 unverän
derte Arbeitsfähigkeit aus organischer Sicht beschrieben (E. 5.3), ändert hieran nichts.
Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.
6
.2
6.
2.1
Steht das Vorliegen eines Revisionsgrundes für ein Sachverhaltselement fest, so können im Revisionsverfahren auch die anderen Elemente der
Anspruchsbe
rechtigung
frei überprüft werden. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes Anspruchselement zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente führt. So konnte im Revisionsverfahren eines Versicherten, des
sen Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte, auch die Höhe des
Validen
einkommens
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung neu festgesetzt werden (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_646/2011 vom 17.
November 2011 E.
4.3 mit Hinweis auf
Urteil
I 652/00
vom 1
2.
März 2002
und
9C_378/2014
vom 2
1.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen). Ebenso ist nach einer
Status
änderung
die
Überprüfung
der Arbeitsfähigkeit zulässig (
vgl.
Urteil des Bundes
gerichts 8C_882/2010 vom 1
5.
April 2011)
, selbst wenn
sich
der Gesund
heitszustand
nicht verändert ha
t
.
Damit ist auch die Aufhebung einer ursprünglich zugespro
chenen Rente
denkbar
, wenn sich die Arbeitsfähigkeit eines Versicherten trotz Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ver
bessert hat
(BGE 141 V 9 E. 6.4)
.
6
.2.2
Vorliegend hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers unstr
e
itig verschlechtert. Ein Revisionsgrund liegt damit vor.
Es ist demnach zulässig, auch die anderen Elemente der Anspruchsberechtigung - vorliegend die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers - frei zu üb
erprüfen. Eine Verbesserung
der Arbeits
fähigkeit
trotz Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist dabei nicht ausgeschlossen, auch nicht, wenn - wie vorliegend - die ursprüngliche Rente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100
%
gesprochen wurde.
Ebenso wenig ist damit ausgeschlossen, die ursprünglich zugesprochene Invalidenrente trotz Verschlechterung des Gesundheitszustandes
herabzusetzen oder
aufzuhe
ben.
6
.3
Die Beschwerdegegnerin
holte
demnach beim
Y._
zu Recht ein Gutachten ein, um den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers zu ermitteln.
Knapp ein Jahr nach dem
Y._
-Gutachten
kam die
G._
im Bericht vom 17.
März 2015 zum Schluss, der psychische und der
körperliche
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich
seit der Begutachtung
verschlechtert, so dass er heute auch in einer angepassten Tätigkeit nicht
mehr arbeit
sfähig sei (vgl. E.
5
.4
hiervor
). Dem Austrittsbericht der
J._
vom
4.
Dezember 2014, bei welcher der Beschwerdeführer vom 1
6.
Oktober bis 1
1.
November 2014 hospitalisiert war, lässt sich dasselbe ent
nehmen (
Urk.
7/238/1-4).
Der RAD
schlug gestützt darauf
die Einholung
ein
es
Verlaufsgutachten
s
vor. Dies ist nicht zu beanstanden, hat die
Beschwerdegeg
nerin
doch den rechtserheblichen Sachverhalt
durch die in ihrem Ermessen liegenden Mittel
abzuklären
(Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2013
vom 12. Juli 2013
E. 3.2.1)
und damit auch allfälligen massgeblichen Verschlechterungen des Gesundheits
zustandes nachzugehen
(vgl. dazu auch
Urteil des Bundesgerichts
9C_273/2009
vom 1
4.
September 2009
E. 4.3).
Der Beschwerdeführer bestritt denn auch lediglich das Vorliegen eines Revisionsgrundes, nicht
hingegen
die Notwendig
keit zusätzlicher medizinischer Abklärungen bei
Bejahung
eines solchen.
6
.4
Wie der Beschwerdeführer zu Recht
festhielt
, ist das Einholen einer „
second
opinion
“ nicht zulässig
(vgl. E. 2.2
hiervor
). Vorliegend beabsichtigt die
Beschwer
degegnerin
jedoch nicht eine umfassende Neubegutachtung, sondern
das Einholen eines
Verlaufsgutacht
en
s
.
Die
Stellungnahme des RAD (
Urk.
8 S.
4
),
die
ergänzende Fragestellung (
Urk.
7/242/3)
und
die
Mitteil
ungen (Urk.
7/244 und
Urk.
7/246) beziehungsweise
die
Verfügung der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
2) handeln stets von einer Verlaufsbegutachtung.
Dass die Beschwerdegegnerin die Gutachterfragen
gemäss
IV-Rundschreiben Nr. 339 vorgesehen hat, wie der Beschwerdeführer vorbringt,
ändert daran nichts
.
6
.5
D
ie Beschwerdegegnerin
beabsichtigt
, nicht nur ein monodisziplinäres psychiatri
sches, sondern ein
umfassendes
polydisziplinäres Verlaufsgutachten einzuholen
. Dies
ist nicht zu beanstanden
, hat sich doch
gemäss
Bericht der
G._
vom 17.
März 2015 (Urk. 7/238/5-12) nicht nur der psychische, sondern auch der
körperliche
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtert.
Dr.
D._
vom
Y._
empfahl zwar lediglich eine psychiatrische Nachuntersu
chung (U
rk.
7/241/4). Die Beschwerde
gegn
erin hatte ihn jedoch nicht aufgefor
dert, Stellung zu nehmen
,
in welchen Disziplinen eine solche erforderlich sein könnte. Aus seiner Empfehlung lässt sich damit nichts zu Gunsten eines ledig
lich monodisziplinären Verlaufsgutachtens ableiten.
Ohnehin liegt es
im Ermessen der Beschwerdegegnerin, in welchen Fachgebieten sie weitere medizi
nische Abklärungen tätigt.
Gründe für ein Eingreifen in dieses Ermessen sind vorliegend keine ersichtlich.
6
.
6
Der Beschwerdeführer
brachte
weiter vor, die Gutachterstelle sei nach dem Zufallsprinzip zu bestimmen.
E
s
t
reffe
nicht zu
, dass
das
Y._
Kenntnis der
Vorakten
habe
, hätten
doch den Gutachtern
die SUVA-Akten n
icht vorgelegen. Die
massgeblichen
Unfallakten
standen
jedoch
den Gutachtern d
er MEDAS
A._
zur Verfügung
(Gutachten
vom 13.
November 2000;
Urk.
7/32 S. 1 f.)
m
it
de
r
en Folgerungen
sich die Gutachter de
s
Y._
ausei
nander
setzten
. Den Gutachtern de
s
Y._
lagen zudem auch
die wesentlichen
Arztberichte aus der Zeit des Unfalls
vom 2
0.
Februar 1996
v
or (Urk.
7/215 S.
15
,
Urk.
7/2, Urk.
7/3 und
Urk.
7/5
).
Der Beschwerdeführer legte weder dar, welche Akten zusätzlich hätten beigezo
gen werden müssen, noch inwiefern diese am Ergebnis des Gutachtens etwas
geändert
hätten
.
Dies ist denn auch nicht die streitentscheidende Frage. Rele
vant ist vielmehr, dass der Umstand,
d
ass den Gutachtern des
Y._
die voll
ständigen SUVA-Akten
nicht
physisch vorlagen, nicht
gegen das Einholen eines Verlaufsgutachtens
bei ihnen
spricht
.
Diesbezüglich ist zudem
auf die bundesgerichtliche Praxis zu verweisen,
gemäss
welcher es als sinnvoll erachtet wird, die Gutachterstelle, die sich bereits mit dem Beschwerdeführer befasst hat, zur Entwicklung des Beschwerdebilds und
der Arbeitsfähigkeit zu befragen (vgl. BGE 132 V 93 E.
7.2.2 und Urteile des Bundesgerichts
9C_273/2009
vom 14. September 2009
E. 4.3 und
9C_441/2014 vom 1
8.
Juni 2014 E. 2.2.2 mit Hinweis auf Urteil
9C_103
2/2010 vom
1.
September 2011 E.
4.1
). Wie bereits dargelegt, handelt es sich vorliegend nicht um die
(ungerechtfertigte) Einholung einer Zweitmeinung,
was schon dar
aus erhellt, dass die vorbefassten und nicht
neue
Ärzte mit der Begutachtung betraut werden. Es ist mithin nicht angezeigt
, eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Gutachterstelle mit dem Verlaufsgutachten zu beauftragen
, zumal das
Y._
bereits
z
ufallsbasiert ausgewählt wurde (
Urk.
7/206-207).
6
.
7
Weder wird vom Beschwerdeführer geltend gemacht, noch ist ersichtlich, dass ihm
die Verlaufsbegutachtung nicht zumutbar wäre. Aufgrund
des möglicher
weise veränderten
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erweist sich ein
e
solche als notwendig im Sinne von
Art.
43
Abs.
1 und 2 ATSG
. Die Beschwerdegegnerin
hielt
somit
zu Recht an der polydisziplinären
Verlaufsbe
gutachtung
durch das
Y._
fest
.
D
ie
Beschwerde
ist damit abzuweisen
.
7
.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder die Verweigerung von
Leistun
gen der Invalidenversicherung
geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abwei
chung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
- gemäss Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.