Decision ID: 387e7719-d97b-4618-8754-f0d849440852
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
ist
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse seit
1.
Januar 2019 als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen (
Urk.
6/16).
Mit
zwei, jeweils gleichlautenden
Schreiben vom 1
2.
Februar 2021 erinnerte die Ausgleichskasse
X._
daran, dass sie
die
Formular
e
Lohn
deklaration 2020
für die Abrechnungsnummer
«1»
und
die Abrechnungsnummer
«2»
nicht zurückerhalten habe. Diese sei
en jeweils
aus
gefüllt und unter
zeichnet bis spätestens 4. März 2021 zurückzusenden. Falls die neue Frist nicht eingehalten werde, würde eine gebüh
renpflichtige Mahnung von Fr. 60.-- ver
schickt; ausserdem könnten Verzugs
zinsen anfallen (Urk. 6/50
, Urk. 6/51
).
In der Folge reichte
die Beitragspflichtige
am
2.
März 2021 (Eingangsdatum) die Lohn
deklaration 2020
unter der
Abrech
nungsnummer
«2»
ein (
Urk.
6/53).
Mit Datum vom 10. März 2021 verschickte die Ausgleichskasse in der Folge die ent
sprechende gebührenpflich
tige Mahnung
für die ausstehende Lohndeklaration 2020 für die Abrechnungs
nummer
«1»
.
Gleichzeitig bat sie um Ein
rei
chung der vollständig ausge
füllten Lohndeklaration bis 2
5.
März 2021 und stellte die Prüfung weiterer Schritte (Busse, kosten
pflich
tige Kontrolle vor Ort, Veran
la
gung nach Ermessen, Strafanzeige) in Aussicht, sollten die Angaben nicht innert der gesetzten Frist eingehen (Urk. 6/55).
X._
reagierte nicht. Darauf
hin verfügte die Ausgleichkasse am 1
7.
Mai 2021 eine Ordnungs
busse in der Höhe von Fr. 250.-- und setzte für die Ein
reichung der Lohndekla
ration 2020 eine neue Frist bis 1. Juni 2021 unter An
drohung weiterer Schritte (kosten
pflichtige Kon
trol
le vor Ort, Veranlagung nach Ermessen, Strafanzeige) nach Ab
lauf dieser Frist an (Urk. 6/61). Gegen die Bussenverfügung vom 1
7.
Mai 2021 erhob sie am 21. Mai 2021 Einsprache (Urk. 6/67), welche die Ausgleichs
kasse mit Einsprache
entscheid vom 1
6.
Juli 2021 abwies (Urk. 6/70 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
2
1.
Mai 2021
Beschwerde und bean
tragte sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Ordnungsbusse in der Höhe von
Fr.
250
.-- nicht ge
schuldet sei (Urk. 1).
Mit
Schreiben
vom
9.
September 2021
verzichtete
die Ausgleichskasse
auf das Einreichen einer Vernehmlassung
(Urk.
5
, unter
Beilage der Kassenakten [Urk. 6/1
70
]),
was der Beschwe
rdeführerin mit Verfügung vom 13
.
September
202
1
zur
Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 30’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
1.2
Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenen
versiche
rung (AHVG) und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinter
las
sen
enversicherung (AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohn
zahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden pa
ritätischen Beiträge ermittelt und verbucht werden können sowie die Erwerbs
einkommen in das Individuelle Konto (IK) der einzelnen
Arbeitnehmen
den
ein
getragen werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrech
nungs
pflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorge
schrie
bene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Gemäss Art. 36 AHVV haben die Arbeitgeber die Löhne innert 30 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode abzurechnen (Abs. 2). Die Abrechnungsperiode umfasst das Kalenderjahr (Abs. 3 Satz 1).
1.3
Beitragspflichtige, die innert der vorgeschriebenen Frist die Lohnbeiträge nicht ab
rechnen, sind von der Ausgleichskasse unverzüglich schriftlich zu mahnen. Mit der Mahnung ist eine Mahngebühr von Fr. 20.-- bis Fr. 200.-- aufzuerlegen (Art. 14 Abs. 4
lit
. b AHVG in Verbindung mit Art. 34a AHVV).
1.4
Wer Ordnungs- und Kontrollvorschriften verletzt, ohne dass die Verletzung gemäss
Art.
87 oder 88 AHVG unter Strafe gestellt ist, wird gemäss
Art.
91
Abs.
1 AHVG von der Ausgleichskasse nach vorausgegangener Mahnung mit einer Ordnungsbusse belegt.
Die Auferlegung einer Ordnungsbuss
e
setzt nebst der Verletzung von Ordnungs- oder Kontrol
lvorschriften sowie einer vorausgegan
genen Mahnung ein vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln oder Unterlassen der Beitragspflichtigen voraus
(vgl. Wegleitung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und
EO [WBB], Stand: 1. Januar 2022
,
Rz
. 2080
i.V.m
.
Rz
. 9019). Die Ordnungsbusse beträgt bis zu Fr. 1'000, im Wiederholungsfall innert zweier Jahre bis zu Fr. 5'000 (Art. 91 Abs. 1 AHVG).
1.5
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass die Beschw
erdeführerin für die Abrechnungsnummer
«1»
(Arbeitgeberkonto für Hausdienstpersonal)
trotz Mahnschreiben
keine Lohndeklaration eingereicht habe
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, sie habe die Angaben der Mitarbeiterin, die auf der Abrechnungsnummer
«1»
hätte abgerechnet werden müssen, fälschlicherweise in der Lohndeklaration 2020 für die Abrech
nungsnummer
«2»
aufgeführt. Es handle sich nur um einen formellen Fehler, der von der Beschwerdegegnerin leicht festzustellen gewesen wäre (
Urk.
1).
3.
3.1
Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ihrer gesetzlichen Pflicht (
Art.
36
Abs.
2 AHVV)
, über ihre Lohnzahlungen an die von ihr beschäftigten Arbeitnehmer
abzurechnen,
insoweit nicht nachgekommen ist
,
als sie
die Lohn
deklaration
nicht
unter der
Abrechnungsnummer
«1»
für das Beitragsjahr
2020
(
und
jedenfalls
zu spät
)
ein
reichte
. Eine Abrechnu
ng hätte bis zum 3
0.
Januar 2021
– 30 Tage nach Ablauf der Ab
rechnungsperiode resp. des Kalen
derjahres – erfolgen müssen. Die Beschwerde
führerin reichte
für das Jahr 2020 jedoch
- auch nach
unbe
stritten erfolgter Erinnerung vom
1
2.
Februar 2021 (Urk. 6/50
) und Mahnung vom
1
0.
März 2021
(
Urk.
6/55
)
-
keine
Lohndeklaration
für Hausan
gestellte und Hauswartung (unter der Abrechnungs
nummer
«1»
)
ein
.
Anders als im Vorjahr,
als
die Be
schwerdeführerin je eine Lohn
deklaration für die Abrechnungsnummer
«1»
und
«2»
mit jeweils einer Arbeitnehmerin resp. einem Arbeit
nehmer eingereicht hatte (vgl.
Urk.
6/32,
Urk.
6/33),
meldete
die Beschwerdeführerin
im Rahmen der am
2.
März 2021 (Eingangsdatum) eingereichten Lohn
deklaration 2020
die bei
trags
pflichtige Lohn
sum
me von total Fr. 41'363.60 für
ihre beiden
Arbeit
nehmende
n
unter der
Abrechnungs
num
mer
«2»
(Urk. 6/53) und
erhielt
in der Folge die Schluss
rechnung vom 15. März 2021
(Urk. 6/56)
.
3.2
Indem die Beschwerdeführerin
unter der
Abrechnungsnummer
«1»
keine Lohndeklaration
eingereicht hat, ist sie ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat
öffentlichrechtliche
Vorschriften miss
achtet.
In An
wen
dung der gesetzlichen Bestimmungen reicht eine Verletzung einer Ordnungs- oder Kontrollvorschrift sowie eine vorausgegangene Mahnung aus, um
eine
Ord
nungsbusse
zu erheben
(vgl.
Art.
91
Abs.
1 AHVG).
Davon abweichend ist in der WBB zusätzlich ein vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln oder Unterlassen der Beitragspflichtigen oder der Versicherten notwendig (
WBB
Rz
. 9017).
An
gesichts dessen, dass die Verwaltungsweisungen
des BSV Konkretisierungen und Umschreibungen der gesetzlichen und verordnungsmässigen Bestimmungen ent
halten und dadurch eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung gewährleisten
(vgl. E. 1.5)
, kommen den zu Gunsten der Beitragspflichtigen im Rahmen der Aufer
legung einer Ordnungsbusse verschärften Anforderungen in der WBB Vorrang zu.
I
nsofern ist für die Erhebung einer Ordnungsbusse
zusätzlich
ein Verschulden
erforderlich
.
3.3
Dass die Beschwerdeführerin
,
nachdem sie die Lohndeklaration 2020 unter der Abrechnungsnummer
«2»
eingereicht hatte (
Urk.
6/53), auf die Mahnung vom 1
0.
März 2021 (Urk. 6/55) und die Aufforderung der Beschwerdegegnerin nicht reagiert hat oder
nachfragte
, ob die Lohn
deklaration
«2»
denn
nicht
eingegangen ist,
was zur sofortigen Klärung der Umstände beigetragen hätte,
muss sich die Beschwerdeführerin allenfalls als fahrlässige Unterlassung entge
genhalten lassen. Angesichts
dessen,
dass sie nur fünf Tage später die Schluss
rechnung für die Lohnbeiträge 2020
(vgl. Urk. 6/56)
erhalten hat - wohl unter der Abrechnungsnummer
«2»
jedoch im
vollen Betrag für ihre beide
n
Arbeit
nehmenden
-, ist es nicht abwegig, dass die Beschwerdeführerin die Sache als erledigt erachtete und davon ausging, dass sie der Aufforderung der Beschwer
degegnerin
bzw. ihren Arbeitgeberpflichten
genügend
nachgekommen ist. Diese zeitliche Koinzidenz spricht gegen ein
schuldhaftes
Verhalten
, mithin die Voraus
setzungen für die Auferlegung einer Ordnungsbusse gemäss Art. 91 Abs. 1 AHVG nicht erfüllt sind
(vgl. E. 3.2 hiervor)
.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen
und die Auferlegung der Ordnungsbusse über
Fr.
250.-- aufzuheben
.