Decision ID: 0e4156c2-e67e-5dd4-bb9c-2e489b5098b2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974,
meldete sich am 6. Juni 2014 unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression
sowie auf einen Suizidversuch im Jahr 2001
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
. Er war im Anmeldungszeitpunkt als Lagerungspfleger im Kantonsspital
Z._
tätig
(
Urk.
7/
3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte am 24. Juni 2014 ein Standortgespräch mit dem Versicherten durch (
Urk.
7/7), anlässlich dessen
dieser
ausführt
e
, er hätte gerne Unterstützung bei der Einglie
derung in einen anderen Berufsbereich. Die IV-Stelle
holte einen
Auszug aus dem individuellen Konto
des Versicherten
(IK-Auszug,
Urk.
7/10
),
berufliche und erwerbliche Unterlagen
(
Urk.
7/12) sowie
einen Arztbericht
(
Urk.
7/24) ein
. Zudem nahm sie ein von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
veran
lasstes
psychiatrisches Gutachten
vom 7. Oktober 2014
zu den Akten (Urk.
7/25).
Am 10. November 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes
wunsch
gemäss
beende
unter dem Hinweis
auf die
Möglichkeit
,
sich bei veränderter Si
tuation mit einem schriftlichen Gesuch wieder an die Eingliederungsberatung der IV-Stelle zu wenden. Ü
ber den Rentenanspruch werde zu einem späteren Zeitpunkt separat entschieden
(Urk.
7/28)
.
Am 24. November 2014
löste
das Kantonsspital
Z._
das Arbeitsverhält
nis
mit
X._
im Umfang von 50
%
infolge Berufsinvalidität per
31. Dezember 2014
auf
(
Urk.
7/30). Am 19. Dezember
2014
kündigte die Arbeitge
berin
auch
das noch bestehende Arbeitsverhältnis (50
%
)
mit der Begründung „langdauernde
Krankheit
“
per 28. Februar 2015 (
Urk.
7/32).
Die IV-Stelle nahm in der Folge R
ücksprach
e
mit ihrem regionalen ä
rztlichen Dienst (RAD,
Urk.
7/35
S. 4 f.
) und wies das Leistungsbegehren nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/3
6
ff.) mit Verfügung vom 2.
Oktober 2015 (Urk. 2) ab.
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Oktober 2015 (
Urk.
2)
erhob
X._
am 2. November 2015 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
1.
Die angefochtene Verfügung vom
2.
Oktober 2015 sei aufzuheben und dem Be
schwerdeführer seien berufliche Massnahmen zu gewähren.
2.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, die notwendigen Abklärungen (insbesondere psychiatrische Begutachtung) vorzunehmen und sodann neu zu verfügen.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8
%
Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
In formeller Hinsicht ersuchte er um Anordnung eines zweiten Schriftenwech
sels (
Urk.
1 Rz 3 S. 3). Die IV-Stelle beantrag
t
e in ihrer Beschwerdeantwort vom 7. Dezember 2015, die Beschwerde sei abzuweisen (
Urk.
6)
, was dem
Beschwer
deführer zusammen mit dem Hinweis, dass das Gericht die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels als nicht erforderlich erachte, mit Verfügung vom
9. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs. 1
des Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
de
s
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend obje
ktiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
Drohende Invalidität liegt gemäss Art. 1
novies
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich.
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verfügte am
2.
Oktober 2015, dass kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe. Es
sei
keine Diagnose
ausgewie
sen
, die Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe beziehungsweise es sei spätestens
seit dem Safariurlaub (Februar 2014) von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Ein invalidenversicherungsrelevanter Gesundheitsschaden, der Leistungen der Invalidenversicherung zu begründen vermöchte, sei nicht ausgewiesen (
Urk.
2).
2.
2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, die Beschwerdegegnerin habe den aktuellen Gesundheitszustand gar nicht beziehungsweise nur unvoll
ständig abgeklärt, wobei allgemein bekannt sei, dass die Auswirkungen von re
zidivierenden depressiven Episoden schwankten. Es sei aus diesem Grund nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle nicht einen aktuellen Bericht beim be
handelnden Psychiater eingeholt habe, nachdem ihr auch bekannt gewesen sei
, dass er im Februar 2015 noch seine Arbeitsstelle verloren habe. Seit Mai 2015 müsse er sich zudem zusätzlich zur bisherigen
psychiatrischen Therapie
an vier Tagen in der Woche
in einer Tagesklinik behandeln lassen (
Urk.
1 S. 2 f. Rz. 3). Aufgrund der psychischen Beschwerden sei es ihm nicht möglich, sich selbst in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Er benötige hierzu die Unterstützung der Be
schwerdegegnerin. Da sämtliche Voraussetzungen für den Anspruch auf berufli
che Massnahmen erfüllt seien – insbesondere auch ein invalidenversicherungs
relevanter Gesundheitsschaden – sei die
Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, ihm entsprechende Massnahmen (namentlich ein
en
Arbeitsversuch) zu gewäh
ren (
Urk.
1 S. 5 Rz. 6).
2.3
In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin über den An
spruch auf Rentenleistungen entschieden. Der Titel lautet zwar „Kein Anspruch auf IV-Leistungen“ und das Dispositiv „Das Leistungsbegehren wird abgewie
sen.“, doch ergibt sich aus dem Geschehensablauf, dass die Beschwerdegegnerin nurmehr einen Rentenanspruch prüfte. Nachdem sie sich um den Arbeitsplatz
erhalt bemüht hatte (
Urk.
7/29/4-6), teilte der Beschwerdeführer der Beschwer
degegnerin am 6. November 2014 seinen Wunsch nach einem Stellenwechsel mit, wünschte (aktuell) keine weitere Unterstützung mehr und ersuchte um Rentenprüfung (
Urk.
7/29/7). Die Verfügung vom 10. November 2014 (
Urk.
7/28)
betreffend Beendigung der Unterstützung beim Erhalt des derzeiti
gen Arbeitsplatzes samt Hinweis auf eine separate Verfügung bezüglich Rente blieb unangefochten.
Mangels neuer Anmeldung zur Gewährung beruflicher Massnahmen hatte die Beschwerdegegnerin keine vordringliche Veranlassung, diesen Themenkreis zu beleuchten, zumal der Beschwerdeführer auch im Vorbescheidverfahren erneut Rentenleistungen gefordert und kein Interesse an beruflichen Massnahmen be
kundet hatte (
Urk.
7/39). Erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren verlangte er die Gewährung beruflicher Massnahmen (
Urk.
1 S. 2).
Damit aber steht der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente im Vorder
grund und ergeben sich allfällige Ansprüche auf berufliche Massnahmen lediglich unter dem von der Beschwerdegegnerin zu beachtenden Grundsatz „Eingliederung vor Rente“.
3.
3.1
Dr.
med.
A
._
, delegier
end
er Arzt, und
d
ipl. Psych.
B._
, del. Fachpsycho
loge für Psychotherapie aus der Praxis
Dr.
med.
O._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in welcher der Beschwerdeführer seit Dezember 2001 in Behandlung stand, nannten in ihrem Bericht vom
3. Juli 2014 (
Urk.
7/24)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10 F33.2)
DD: Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
sowie
Ereignisse, die den Verlust des Selbstwertgefühls in der Kindheit zur Folge haben (ICD-10 Z61.3)
Feindseligkeit gegenüber dem Kind (und ständige Schuldzuweisung an das Kind; ICD-10 Z62.3)
e
motionale Vernachlässigung eines Kindes (ICD-10 Z62.4)
u
ngenügende familiäre Unterstützung (ICD-10 Z63.3)
Alkoholmissbrauch in der Familienanamnese (ICD-10 Z81.1)
s
onstige psychische Krankheiten oder Verhaltensstörungen in der Familienanamnese (ICD-10 Z81.8)
Die Berichterstatter führten aus,
es sei wegen der wiederkehrenden depressiven Symptomatik ein Wechsel der Behandlungsstrategie vorgenommen worden. Es seien die Psychopharmaka ausgeschlichen und eine verlängerte Arbeitsunfähig
keit attestiert worden, um der psychotherapeutischen Behandlung Raum und Zeit zu eröffnen. D
ie aktuelle Behandlung – eine spezialisierte psychotrauma
to
logische Therapie und Betreuung, aktuell zweimal
in
der Woche,
– sei
für den
Beschwerdeführer derart anstrengend
, dass er nach einer Sitzung mindestens 24 und selten 48 Stunden Erholung benötige, um die an die Behandlung an
schliessenden starken
Verarbeitungsreaktionen (Ab
reaktionen) wie Stimmungs
schwankungen, Schlafstörungen (Alpträume, unruhiger Schlaf), starke Nieder
ge
schlagenheit, Müdigkeit, starke therapieinduzierte nicht-bewusste gedankliche
Arbeit und andere Reaktionen abfangen zu können.
Zudem werde eine thera
peutisch begleitete kombinierte rehabi
litative Berufsberatung und -
integration durchgeführt. Aktuell sei der Beschwerdeführer auf der Suche nach Berufsalter
nativen. Sein Zustand habe sich positiv stabilisiert und gut verbessert.
Es hätten aktuell
folgende Befunde erhoben werden können: leichte Ratlosig
keit, leichte Affektarmut, schwere Störung der Vitalgefühle (aktuell insbeson
dere wegen der starken Belastung durch die konfrontative Therapie und der be
lastenden Arbeitsstelle), leichte Deprimiertheit (vieles habe bereits behandelt werden können), leichte bis zeitweise schwere Hoffnungslosigkeit, teilweise leichte bis starke Ängstlichkeit, leichte bis teilweise starke Insuffizienzgefühle, teilweise leichte Schul
d
gefühle, teilweise leichte Ambivalenz, leichte bis schwere Antriebsarmut, leichte Suizidalität.
Dr.
A._
und dipl. Psych.
B._
machten zudem Angaben zu den Ergebnissen der testpsychologisch
en Befunderhebun
gen.
Sie stellten eine gute bis sehr gute Prognose bezüglich der Gesundheit und einer möglichen Integration wie auch
der
Verheilung der erlebten biografischen Erlebnisse, solange der Patient gut getragen und gefördert sowie genügend Zeit für eine traumatherapeutische Behandlung bereitgestellt werde.
In der damals ausgeübten Tätigkeit als Lagerungspfleger bescheinigten Dr.
A._
und dipl. Psych.
B._
dem Beschwerdeführer vom 1
8.
September bis 1
7.
Dezember 2013 eine 100%ige, vom 1
8.
Dezember 2013 bis
5.
Januar 2014 eine 70%ige, vom
6.
Januar bis 3
0.
Apr
il 2014 eine 50%ige und vom 1. b
is 3
1.
Mai 2014 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit. Vom 2
0.
Mai bis 1
9.
Juli 2014 gingen sie wiederum von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit aus mit der Anmerkung
,
die bisherige Tätigkeit sei
für zirka sechs bis 18 Monate nur
zu 30
% zumutbar, jedoch mit voller Leistungsfähigkeit
. Es bestehe ein fehlendes Kompensationspotential
bezüglich der
geschehenen belastenden biografischen Ereignisse, um die ebenfalls unbefriedigende Situation an der Arbeitsstelle aus
halten und verändern zu können. Die mentalen und emotionalen Kapazitäten seien überbeansprucht, was eine Tendenz hin zur Sui
zidalität und Depressivität ver
u
r
sache.
Dr.
A._
und dipl. Psych.
B._
empfahlen als Eingliederungsmassnahmen kontinuierliche Therapiesitzungen mit genügenden Erholungsphasen nach den psychotherapeutischen Interventionen, Eingliederungshilfen in Form von beruf
licher Neuorientierung und finanzieller Unterstützung für eine berufliche Neu
in
tegration (
ein- bis drei
wöchige Praktika
mit später beruflicher Neuintegra
tion). Mit diesen Massnahmen sei die Entwicklung einer 70-100%igen Arbeits
fähigkeit prognostisch sehr gut denkbar.
Im Moment seien sie noch in der Eva
luationsphase einer möglichen beruflichen Neuorientierung. Sie würden die IV-Stelle gerne weiter informieren, sobald der Beschwerdeführer
deren Hilfestel
lung benötige
.
Am 2
9.
Juli 2014 hielt die Eingliederungsberaterin
der IV-Stelle
in
einer Telefon
gesprächsnotiz fest (
Urk.
7/29 S. 6), der Beschwerdeführer sei nach An
gaben von dipl. Psych.
B._
momentan zu 30
%
arbeitsfähig
; d
ie Zeit, welche die Traumatherapie in Anspruch nehme sei zirka 40
%
der
Arbeitszeit. In einer angepassten Tätigkeit mit liebevollem Umfang wäre eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
möglich.
Der behandelnde Psychologe
würde es begrüssen, wenn Um
schulungsansprüche geltend gemacht werden könnten und
er
werde direkt auf den RAD zugehen, um deren Umsetzung zu ermöglichen.
3.2
Am
7.
Oktober
2014 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, der BVK ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
7/25)
. Er gab an, an der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gebe es keinen ver
nünftigen Zweifel. Sie sei bereits im Jahr 2001 im Rahmen eines Klinikaufent
haltes in Einklang mit den Angaben des Beschwerdeführers nachvollziehbar beschrieben worden, damals als zweite Episode mit einer ersten im Jahr 199
9.
Aus gutachterlicher Sicht
habe
der Beschwerdeführer bei
seiner ersten
Exploration am 1
5.
Juli 2014 noch
unter
eine
r
mittelgradige
n
depressive
n
Epi
sode
gelitten
, aktuell bestehe eine leichtgradige Symptomatik, die mit einer Re
sidualsympto
matik einer depressiven Episode oder – weniger wahrscheinlich –
mit einer
vorbestehenden
Dysthymie und/oder in Verbindung mit einer Persön
lichkeitsstörung erklärbar wäre.
Zwar habe der Beschwerdeführer im Selbstbe
urteilungsinstrument BDI-II in beiden Explorationen so hohe Werte erreicht, dass sie mit dem Vorliegen einer schweren depressiven Störung vereinbar ge
wesen seien; in der Fremdbeurteilung im Psychostatus nach AMDP und im MADRS sei die Symptomatik aber am 1
5.
Juli 2014 höchstens mittelgradig und am 16.
September 2014 höchstens leichtgradig gewesen. Zudem würden seine aktiv genutzten Ressourcen und seine Interessen ebenfalls gegen das Vorliegen einer klinisch relevanten oder gar schweren depressiven Störung sprechen
(S. 21 f.).
Zusammenfassend führte
Dr.
C._
aus
, es könne diagnostisch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen werden – wobei die erste bekannte Episode im Jahr 1999
aufgetreten sei und aktuell ein Status nach sechster Episode vorliege. Aktuell bestehe noch eine leichtgradige dep
ressive Episode (ICD-10 F33.0; S. 23).
Zudem würden die Kriterien nach ICD-10, nach DSM-IV respektive
V
, wie die noch weitergehenden Einschränkungen nach Fiedler 2006 das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und dependenten Zügen (ICD-10 F60.6 und
F
60.7) bestätigen (S. 24).
Eine
p
osttraumatische
Belastungsstörung könne nicht mit überwiegender Wahrschei
nlichkeit diagnostiziert werden
.
Es hätten sich auch keine Hinweise für das Vorliegen von weiteren psychischen Störungen gefunden (S. 25).
Ergänzend wies der Gutachter auf einen Alkoholkonsum in einem kritischen Bereich, offensichtlich auch zu selbsttherapeutischen Zwecken, hin, ohne dass aktuell die Voraussetzungen für die Diagnose eines Missbrauchs oder einer Ab
hängigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt seien (S. 28 und 34).
Zur Konsistenz und Authentizität der
angegebenen
Beschwerden führte der Gut
achter aus, der Beschwerdeführer zeichne von der Art seiner Problematik und Symptome offensichtlich ein konsistentes und authentisches Bild, was sich auch im SIMS wiederspiegle. Jedoch seien seine Angaben in Bezug auf die Ausprä
gung seiner Symptome und seiner Leistungsei
nschränkungen sehr inkonsistent und
weder mit seinen Ressourcen noch mit dem diagnostizierten Krankheitsbild vereinbar. Hierbei spielten motivationale Faktoren, allenfalls ein Vermeidungs
verhalten bei selbstunsicherer (ängstlich vermeidender) und dependenter Per
sönlichkeit und einer ängstlich-depressiven Residualsymptomatik eine Rolle
(S. 27).
Zu den Behandlungsmassnahmen führt
e
Dr.
C._
aus, dass eine inte
grierte psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung einschliesslich einer a
ntide
pressiven Medikation, wie
sie
von
1999/2000 bis Frühjahr 2013 stattgefunden habe
,
als leitlinienkonform zu beurteilen sei, und eindeutig eine stabilisierende Funktion, auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit,
gezeigt
habe. Seither werde nur noch eine Psychotherapie im Sinne einer traumaspezifischen Therapie
ohne Be
gleitmedikation
in Anspruch genommen
, die durch die Technik als solche aktu
ell alleine schon
destabilisierende Funktion habe
. Eine solche Behandlung ohne Medikation mit den beschriebenen Auswirkungen auf das Funktionsniveau, die offenbar seit September 2013 erfolge, könne nicht als
de
lege artis und nicht als leitlinienkonform beurteilt werden und werfe auch medizinisch-ethische Fragen auf (S. 29). Als medizinische Massnahme sollte unverzüglich wieder eine leitli
nienkonforme Behandlung mit einer antidepressiven Dauerbehandlung aufge
nommen und eine besser „dosierte“, vermehrt auf Stabilisierung ausgelegte Psy
chotherapie respektive Tra
umatherapie durchgeführt werden (S. 27).
In der angestammten Tätigkeit als Lagerungspfleger sei die Arbeitsfähigkeit aktu
ell medizinisch-theoretisch noch in erster Linie aufgrund einer mittelgradi
gen Einschränkung von Flexibilität und Umstellung und einer leichtgradigen Einschränkung bei der Durchhaltefähigkeit eingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit sei aber wesentlich höher
,
als der Exploran
d
präsentiere (30
%
und dabei kaum leistungsfähig). Quantitativ sei sie bei einer leichten Einschränkung der Durch
haltefähigkeit um etwa 20
%
und qualitativ bei einer noch mittelgradigen Ein
schränkung der Flexibilität und Umstellung zusätzlich um etwa 3 (richtig wohl: 30)
%
limitiert
. Die Arbeitsfähigkeit liege somit aktuell
bei einem möglichen Pensum von aktuell 80
%
medizinisch-theoretisch
bei 50
%,
verteilt auf 5 Tag
e
in der Woche und soweit als möglich noch unter Entlas
t
ung von Druck, Hektik und ständiger Übernahme von neuen Aufgaben. Sichere Angaben über das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit seien jedoch nicht möglich, da die Einschät
zung medizinisch-theoretisch erfolge bei nicht authentischer Leistungspräsenta
tion. Nach einer Behandlung
de
lege artis könne die Arbeitsfähigkeit wieder auf gegen 100
%
gesteigert werden, dies in einem halben bis längstens einem Jahr wie der bisherige Verlauf gezeigt habe, bei einer noch möglichen leichten Ein
schränkung der Flexibilität und einer zu erwartenden leicht erhöhten krank
heitsbedingten Absenz
en
rate. Diese dürfte aber langfristig nicht über 5
% bis 10
% Minderung der Arbeitsfähigkeit hinausgehen (S. 3
1 f.
).
An beruflichen Massnahmen empfahl der Gutachter eine rasche Eingliederung mit langsam steigendem Pensum über ein halbes Jahr bis ein Jahr mit Unterstützung und Führung durch ein Case Management. Objektive Gründe für einen Wechsel des Berufes gebe es keine (S. 28).
4.
4.1
In der Verfügung vom
2.
Oktober 2015 (
Urk.
2)
wurde
festgehalten, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Hierzu ergibt sich was folgt:
4.2
Der Beschwerdeführer leidet seit dem Jahr 1999 an einer rezidivierenden depressi
ven Störung mit wiederkehrenden depr
essiven Episoden. Der Gutachter
Dr.
C._
diagnostizierte
am
7.
Oktober 2014 zudem eine Persönlichkeitsstö
rung mit selbstunsicheren und dependen
ten (abhängigen) Zügen.
4.3
Vorab ist festzustellen, dass das Gutachten von
Dr.
Ebener sämtliche Anforderun
gen an eine beweiswertige
medizinische
Entscheidungsgrundlage erfüllt (vgl. E. 1.
4
). Die Einschätzungen, die der Gutachter nach zwei persönli
chen Untersuchungen
,
telefonischen Rückfrage
n
beim Arbeitgeber sowie beim behandelnden
Psychologen
und in Kenntnis der Vorakten
(
Urk.
7/25 S. 1 und 16)
abgab, sind
überzeugend
und differenziert begründet.
Aktuell erachtete
Dr.
C._
– trotz abklingender
,
nur noch leichtgradiger depressi
ver Episode –
in der bisherigen Tätigkeit als Lagerungspfleger
lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(bei einem Pensum von 80
%
)
mit Schwerpunkt Routinearbeiten als zumutbar.
Er wies allerdings, namentlich wegen Inkonsis
tenzen über deren Hintergründe nur gemutmasst werden könne,
auf einen ho
hen Unsicherheitsfaktor h
in
(
Urk.
7/25 S. 32).
Vor
Durchführung
einer adäqua
ten Behandlung seien sichere Angaben nicht möglich (
Urk.
7/25 S. 33).
Über die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sprach er sich auftragsgemäss nicht explizit aus.
4.
4
Dr.
C._
legte
im Gutachten
zudem überzeugend
dar, dass
als Ursache für
die länger anhaltende
(teilweise)
Arbeitsunfähigkeit sowie die nicht gelungene Reintegration am bisherigen Arbeitsplatz – nebst motivationalen Faktoren –
das
Absetz
en der Medikation sowie
die
nicht auf Aufrechterhaltung der Alltags
funktionalität gerichtete
(neue
)
Therapie
eine erhebliche Rolle spielt
(vgl.
nebst E. 3.2
etwa
auch
Urk.
7/25 S. 33)
, was letztlich auch der behandelnde Psycho
loge so angab (E. 3.1)
.
Dr.
C._
rechnete
unter Hinweis auf den Verlauf der bisherigen depressiven Episoden
damit, dass bei einer (erneut
) leitlinienkonfor
men Behandlung nach einem halben bis längstens einem Jahr wieder eine an
nähernd 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne.
4.5
Mit
Blick auf die langjährige
rezidivierende depressive
Störung
mit immer wieder
kehrenden depressiven Episoden, die regelmässige
psychiatrische
bezie
hungsweise psychologische
Behandlung
seit dem Jahr
1999
, die zusätzlichen Defizite infolge einer Persönlichkeitsstörung
sowie
die
schlüssige
Erklärung
von
Dr.
C._
für das Scheitern der Reintegration am bisherigen Arbeitsplatz
und die schwierige Prognose vor
Wiederaufnahme
einer angemessenen Therapie
kann
nic
ht davon ausgegangen werden
, dass per se
keine
Diagnosen mit
länger dauernder
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden
(zur Rechtsprechung betreffend
leichte bis mittelschwere depressive Störungen im Allgemeinen und im Zusammenhang mit somatoformen Schmerzstörungen im Besonderen
vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts
8C_278/2014
vom
2
4.
Juni 2014
E. 5.
1.3
und 9C_
936
/201
2
vom
7.
Juni
201
3
E.
3.
1.
2
, vgl. zudem 8C_623/2013 vom 1
1.
März 2014 E. 3.2 betreffend eine
dysthyme Störung, die im Einzelfall die Arbeitsfä
higkeit erheblich beeinträchtigen könne, wenn sie zusammen mit anderen Be
funden
–
wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung
–
auftrete
).
Die Be
schwerdegegnerin hat es unterlassen, dem
Beschwerdeführer im Sinne einer
Scha
denminderungsmassnahme auf
zu
erlegen
, eine leitlinienkonforme Therapie
mit
Medikation
durchzuführen
. Zudem
h
at sie
– trotz
erheblichem zeitlichem Abstand
(das Gutach
ten datiert vom
7.
Oktober 2014
)
–
vor Erlass der Verfü
gung
vom 2.
Oktober 2015
keine Abklärung zum
laut Gutachten unsicheren
Krankheitsverlauf getätigt
(vgl. hierzu auch der Hinweis auf den Eintritt in eine Tagesklinik in
Urk.
1 Rz. 3 S.
3)
.
Der
psychiatrische Facharzt des RAD holte
we
der einen
Verlaufsbericht beim
behandelnden Psychiater ein noch
untersuchte
er
den Beschwerdeführer
selber
. Er verneint
e
das
Vorliegen von Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einzig aufgrund einer Akten
würdigung
(vgl. hierzu
Urteil des Bundesgerichts 8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4)
mit Blick auf ein erfreulich positives Funktionsbild
(
Urk.
7/35 S. 4 ff.)
.
4
.
6
Dieses Vor
gehen vermag den rechtlichen Anforderungen an die Feststellung des medizinischen Sachverhaltes
nicht
zu genügen.
Es fehlt eine verlässliche
, aktu
elle
medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. etwa BGE 134 V 231 E. 5.1)
.
4.7
Aufgrund der Aktenlage scheint daher eine Rückweisung der Sache zur ergänzen
den medizinischen Abklärung als Grundlage für die Prüfung der
An
sprüche des Beschwerdeführers als unumgänglich
. Dabei wird dem vom RAD-Arzt zutreffend hervorgehobenen positiven Funktionsbild im Freizeitverhalten Rechnung zu tragen sein (
Urk.
7/35 S. 5). Ebenso ist mit Blick auf die
(vorfra
geweise) zu thematisierenden
beruflichen Massnahmen zu berücksichtigen
,
dass das IVG keinen einheitlichen Invaliditätsbegriff kennt, sondern dem System der leistungsspezifischen Invalidität folgt (BGE 126 V 241 E. 4). Die für den Ren
tenanspruch geltenden Voraussetzungen können daher nicht unbesehen auf die einzelnen Eingliederungsmassnahmen übertragen werden. Was inhaltlich in Be
zug auf die Invalidität erforderlich ist, kann daher nur im Zusammenhang mit einer bestimmten
(allenfalls angezeigten)
Eingliederungsmassnahme gesagt werden. Es rechtfertigt sich diesbezüglich, die Invalidität nicht primär nach
Art.
8 Abs. 1 IVG zu definieren, sondern nach der von der fraglichen Mass
nahme verlangten Einschränkung (vgl. dazu Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 64 f. Rz 101 und Rz 103-104).
In die
sem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zudem ist
dem Be
schwerdeführer
eine Prozessentschädigung von Fr.
1
‘
4
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).