Decision ID: 7e6b24ad-f9e5-5ea4-9cc4-b16eff502459
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reichten am 31. März 2015 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum E._ Asylgesuche ein. Am 28. April 2015 wurde
A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) im Rahmen einer Befragung
zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg so-
wie summarisch zu seinen Asylgründen befragt. Am 4. Mai 2015 erfolgte
die BzP von B._ (nachfolgend Beschwerdeführerin). Der Beschwer-
deführer wurde am 25. Juli 2016 vertieft zu seinen Asylgründen angehört,
während die Anhörung der Beschwerdeführerin am 31. August 2016 statt-
fand.
B.
B.a Die Beschwerdeführenden machten geltend, sie seien aserbaidscha-
nische Staatsangehörige mit letztem Wohnsitz in F._. Sie hätten am
(...) Februar 2015 geheiratet und für kurze Zeit in einer Mietwohnung zu-
sammengelebt, bevor sie noch im gleichen Monat aus der Stadt geflohen
seien. Der Beschwerdeführer habe die Schule im Jahr (...) abgeschlossen,
danach an der (...) studiert und sei zuletzt als Reporter und Kameramann
tätig gewesen. Die Beschwerdeführerin habe die Schule (...) abgeschlos-
sen und anschliessend die (...)universität in F._ absolviert, welche
sie 2010 abgeschlossen habe. Von 2011 bis im Februar 2015 sei sie als
Sachbearbeiterin im (...) tätig gewesen.
B.b Der Beschwerdeführer habe sich im Jahr 2004 einer Studentenorgani-
sation angeschlossen und sei seither politisch aktiv gewesen, insbeson-
dere indem er an Demonstrationen teilgenommen sowie andere Personen
für diese mobilisiert habe. 2009 sei er der (...)-Partei beigetreten. Zudem
habe er freiwillig als Kameramann und Reporter für das damals regierungs-
kritische Portal (...) gearbeitet. Aufgrund seines Engagements sei er mehr-
mals verhaftet worden und oft Drohungen ausgesetzt gewesen. Die
längste Inhaftierung sei im (...) 2013 erfolgt, als er nach der Teilnahme an
einer Kundgebung zu einer zehntägigen Haftstrafe verurteilt worden sei.
Unmittelbar nach der Entlassung sei er von unbekannten Personen zusam-
mengeschlagen worden, so dass er sich in Spitalpflege habe begeben
müssen. Der Auslöser für die Ausreise sei ein Vorfall am (...) Februar 2015
vor seiner Wohnung gewesen. Drei Männer in zivil seien auf ihn zugekom-
men und hätten ihn nach seiner Waffe gefragt. Sie hätten ihn durchsucht,
dabei aber keine Waffe gefunden. Weiter hätten sie ihn geschlagen und
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bedroht sowie gesagt, sie würden auch bei ihm zu Hause eine Durchsu-
chung vornehmen. Als er angefangen habe zu schreien, sei ihm sein Nach-
bar G._ zu Hilfe gekommen. Dieser sei früher bei der Polizei gewe-
sen und habe sich mit seinem Dienstgrad vorgestellt, woraufhin die Männer
sich entfernt hätten mit der Ankündigung, sie würden mit einem gerichtli-
chen Durchsuchungsbefehl zurückkehren. G._ habe sich erkundigt
und dem Beschwerdeführer mitgeteilt, die Sache sei ernst und es liege ein
Festnahmebefehl gegen ihn vor. Wenn ihm Waffenbesitz vorgeworfen
werde, könne er für längere Zeit ins Gefängnis kommen und dort allenfalls
auch getötet werden. Er sei daher mit seiner Ehefrau umgehend zu einem
Bekannten in F._ geflohen. Einige Tage später habe der Vater des
Beschwerdeführers sie nach H._ zu einem Verwandten gebracht,
wo sie bis Mitte März 2015 geblieben seien. Mit Hilfe von Schleppern seien
sie dann über Georgien, die Türkei und weitere ihnen teilweise unbekannte
Länder in die Schweiz gereist. Der Beschwerdeführer habe sich hierzu-
lande exilpolitisch betätigt und unter anderem im (...) 2016 vor (...) de-
monstriert. Er stehe daher unter Beobachtung der heimatlichen Behörden
und seine Familie in Aserbaidschan sei mehrmals stark unter Druck gesetzt
worden.
B.c Die Beschwerdeführerin machte keine eigenen Asylgründe geltend
und gab an, sie habe Aserbaidschan wegen ihres Ehemanns und seiner
politischen Tätigkeiten verlassen.
B.d Zum Nachweis ihrer Identität und zur Untermauerung ihrer Vorbringen
reichten die Beschwerdeführenden zahlreiche Beweismittel zu den Akten
(vgl. dazu die Auflistung in der angefochtenen Verfügung S. 3 f. sowie Be-
weismittelcouverts A4, A31, A55 und A59).
C.
Mit Schreiben vom 13. September 2017 ersuchte das SEM die Schweize-
rische Botschaft in Baku um diskrete Abklärungen zu den Angaben der Be-
schwerdeführenden. Mit Antwortschreiben vom 3. Oktober 2017 liess die
Botschaft dem SEM die durch einen Vertrauensanwalt erzielten Abklä-
rungsergebnisse zukommen. Gemäss diesen gebe es weder Informatio-
nen über eine Festnahme, Inhaftierung oder Gerichtsverhandlung des Be-
schwerdeführers, noch seien Angaben über dessen politische Tätigkeit zu
finden. Ausserdem könne die Authentizität der eingereichten Dokumente
von Gericht und Polizei nicht bestätigt werden. Die Beschwerdeführenden
nahmen mit Schreiben vom 20. November 2017 einlässlich Stellung zu die-
sen Ausführungen, woraufhin das SEM die Botschaft am 3. April 2018 um
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ergänzende Abklärungen ersuchte. Mit Schreiben vom 16. April 2018 über-
mittelte die Schweizerische Botschaft in Baku dem SEM weitere durch ei-
nen Vertrauensanwalt erzielte Abklärungsergebnisse, welche im Wesentli-
chen die Erklärungen der Beschwerdeführenden widerlegten. Die Be-
schwerdeführenden nahmen dazu mit Eingabe vom 10. Juli 2018 Stellung.
D.
Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 22. Oktober 2018 stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht. Es lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug an.
E.
Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe vom 22. November 2018
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Sie
beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, sie seien als
Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter
seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen, sube-
ventualiter sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-
wie Beiordnung der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin. Der Beschwerde lagen – neben einer Vollmacht und der
angefochtenen Verfügung – ein Brief des Bruders des Beschwerdeführers
vom 19. November 2018 sowie eine Sozialhilfebestätigung bei.
F.
Die Instruktionsrichterin stellte am 27. November 2018 fest, die Beschwer-
deführenden könnten den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut, setzte antragsgemäss Rechtsanwältin Raffaella Mas-
sara als amtliche Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses.
G.
Mit Eingabe vom 29. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine
ergänzende Stellungnahme sowie diverse weitere Beweismittel ein. Dabei
handelt es sich um das Schreiben eines – durch den Vater des Beschwer-
deführers beauftragten – Rechtsanwalts an die Polizeibehörde, deren Ant-
wortschreiben sowie einen Beschluss des Hauptermittlers der Stadt
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F._ (mit Übersetzungen und Zustellumschlägen). Zudem wurden
zwei Zeitungsartikel über eine Demonstrationsteilnahme des Beschwerde-
führers (mit Übersetzungen) zu den Akten gereicht und zwei Links zu Y-
outube-Videos angegeben.
H.
Mit Eingabe vom 19. November 2019 ersuchte die Rechtsbeiständin um
Entlassung aus dem amtlichen Mandat beziehungsweise um Wechsel der
amtlichen Rechtsbeiständin im vorliegenden Verfahren.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Februar 2020 entliess die Instruktionsrich-
terin Rechtsanwältin Raffaella Massara aus dem amtlichen Mandat und
setzte die rubrizierte Rechtsvertreterin als neue Rechtsbeiständin ein.
Gleichzeitig setzte sie eine Frist bis zum 9. März 2020 zur Einreichung ei-
ner neuen Vollmacht. Diese wurde von der neuen Rechtsvertreterin frist-
gerecht eingereicht.
J.
Das SEM liess sich mit Schreiben vom 29. Oktober 2020 zu den Beschwer-
deeingaben vernehmen.
K.
Die Beschwerdeführenden reichten durch ihre Rechtsvertreterin mit Ein-
gabe vom 17. November 2020 eine Replik ein, unter Beilage einer Substi-
tutionsvollmacht sowie einer Honorarnote.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und
ihre Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG,
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung seiner ablehnenden Verfügung führte das SEM aus,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien entweder nicht glaubhaft
oder nicht asylrelevant ausgefallen.
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Zur Überprüfung der Angaben des Beschwerdeführers zu seinen politi-
schen Tätigkeiten und den geltend gemachten Problemen mit den Sicher-
heitsbehörden sei die Schweizerische Botschaft in Baku um entspre-
chende Abklärungen vor Ort gebeten worden. Diese hätten ergeben, dass
es keine Informationen in den Medien über die angebliche Festnahme, In-
haftierung oder über eine Gerichtsverhandlung des Beschwerdeführers
gebe. Sein Name sei weder in Nachrichten noch in Fällen gegen Medien
oder politische Aktivisten aufgetaucht. Auch in Bezug auf die politische Tä-
tigkeit des Beschwerdeführers seien keine Informationen zu finden. Bei (...)
handle es sich um ein Portal, welches lediglich News zusammentrage. Es
verfüge weder über einen grösseren Bekanntheitsgrad noch sei es dafür
bekannt, regierungskritische Artikel zu publizieren. Zudem müsse beim Do-
kument vom (...) 2013 betreffend die Verhaftung des Beschwerdeführers
von einem gefälschten Papier ausgegangen werden. Insbesondere habe
der Richter, welcher das Gerichtsurteil angeblich unterzeichnet habe, gar
nie am Bezirksgericht von I._ gearbeitet. Auch die Authentizität des
Dokuments der Polizei – eine Vorladung auf den (...) September 2015 –
könne nicht bestätigt werden, da solche Papiere gegen ein geringes Ent-
gelt besorgt werden könnten. Zu diesen Abklärungsergebnissen sei dem
Beschwerdeführer das rechtliche Gehör gewährt worden, worauf dieser er-
klärt habe, er sei ein gewaltloser Aktivist, der – wie viele andere – nicht
bekannt sei und über den die Medien nicht berichten würden. Genau des-
halb sei er besonders gefährdet, denn die aserbaidschanischen Behörden
seien bei bekannten Aktivisten vorsichtiger mit Verhaftungen, da sie die
Öffentlichkeit nicht gegen sich aufbringen wollten. Viele Aktivisten seines
Bekanntheitsgrades seien dagegen in Haft. Zudem stünden die führenden
Medien unter staatlicher Kontrolle, während unabhängige Medienkanäle
teilweise unter Druck gesetzt und geschlossen würden. Daher lasse sich
aus der Tatsache, dass nur wenige Medien – er habe drei Artikel einge-
reicht, in welchen er erwähnt werde – über seine Verfolgung berichteten,
nichts zu seinen Ungunsten ableiten. (...) sei früher ein regierungskritisches
Newsportal gewesen, nachdem aber Journalisten verhaftet worden seien,
habe es aufgehört, kritisch zu berichten. Ausserdem sei das Gerichtsdoku-
ment, mit welchem er seine Verhaftung im Jahr 2013 belege, echt. Es seien
damals mehr als hundert Personen gleichzeitig festgenommen worden,
weshalb zur Beurteilung der Verhafteten auch Richter von anderen Orten
beigezogen worden seien. Mit einer erneuten Botschaftsabklärung könne
festgestellt werden, dass es sich im Jahr 2013 um einen ausserordentli-
chen Richter gehandelt habe. Auch die eingereichte polizeiliche Vorladung
sei echt.
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Aufgrund dieser Ausführungen und der neu eingereichten Dokumente sei
erneut eine Anfrage an die Schweizerische Botschaft in Baku gemacht wor-
den. Gemäss deren Antwort sei es zwar korrekt, dass die Menschenrechte
und Freiheiten in Aserbaidschan begrenzt seien und es eine Reihe von Ak-
tivisten gebe, welche inhaftiert worden seien. Allerdings seien fast alle be-
kannten Aktivisten im Gefängnis gewesen oder immer noch dort. Das Ar-
gument, dass ein weniger bekannter Aktivist ein verletzlicheres Ziel dar-
stelle, sei somit falsch. Trotz der restriktiven Atmosphäre gebe es weiterhin
unabhängige Medien, die sehr sensibel auf die Verfolgung von Aktivisten
sowie auf diesbezügliche Gerichtsfälle reagieren würden. Ausserdem wür-
den solche Fälle auf den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter
umgehend diskutiert und Informationen dazu geteilt. Unter Berücksichti-
gung eines neuen Trends in Aserbaidschan, wo die Auswanderungsrate
extrem hoch sei, würden verschiedene weniger bekannte oder verdächtige
Medien (wie etwa [...]) als Werkzeug verwendet, um einen falschen Hinter-
grund für jene zu schaffen, die planten, das Land zu verlassen. Zudem
habe es in Aserbaidschan keinen Vorfall gegeben, bei dem mehr als hun-
dert Aktivisten verhaftet oder Richter aus anderen Bezirken hinzugezogen
worden seien. Ohnehin habe laut Informationen des erwähnten Bezirksge-
richts nie ein Richter mit diesem Namen im fraglichem Bezirk gearbeitet.
Schliesslich sei anzunehmen, dass eine Person, welche aufgrund eines
Gerichtsbeschlusses inhaftiert worden sei, irgendwo namentlich erschei-
nen müsste. Jedoch sei sein Name weder im System des Gerichts noch in
den Medien aufgetaucht. Die Quelle "www.moderator.az" habe nicht geöff-
net werden können. Schliesslich sei anzumerken, dass keiner der Kontakte
der Botschaft den Beschwerdeführer als Aktivisten erkannt habe. Es sei
sehr unwahrscheinlich, dass eine Person, die verfolgt und verhaftet worden
sei, keinem einzigen angefragten Aktivisten bekannt sei. Auch zu diesen
Abklärungsergebnissen sei dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör
gewährt worden. Er habe daraufhin im Wesentlichen seine Argumentation
wiederholt und neu ausgeführt, er habe vor (...) demonstriert, weshalb
seine Familie in Aserbaidschan von Beamten telefonisch bedroht worden
sei. Zwischenzeitlich sei sein jüngerer Bruder ebenfalls ausgereist und
habe in J._ Asyl erhalten. Somit würden nur noch seine Eltern in
Aserbaidschan leben, welche ständig unter Druck gesetzt würden.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermöchten die Zweifel an der
geltend gemachten Verhaftung im Jahr 2013 sowie an seinem politischen
Profil nicht auszuräumen. Gemäss Auskunft der Schweizerischen Bot-
schaft in Baku sei das von ihm eingereichte Urteil gefälscht und er sei in
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Aserbaidschan nicht bekannt. Vor diesem Hintergrund sei der Beschwer-
deführer mit Schreiben vom 15. August 2018 aufgefordert worden, seine
politischen Aktivitäten zu belegen. Daraufhin habe er lediglich einen Artikel
(publiziert auf der Plattform „Turaninfo“) aus dem Jahr 2017 eingereicht
und ansonsten auf die bisher vorgelegten Beweismittel verwiesen. Unter
diesen befänden sich aber gerade keine Dokumente, die sein politisches
Engagement untermauern würden. Die eingereichten Beweismittel seien
entweder nicht authentisch oder es handle sich um Dokumente, welche
den Charakter von Gefälligkeitsschreiben aufweisen würden. Insbeson-
dere die Bestätigungsschreiben der (...)-Partei sowie jenes von (...) vom
(...) Februar 2015 seien als leicht fälschbar einzustufen. Überdies habe die
Schweizerische Botschaft darauf hingewiesen, dass gewisse Medien als
Werkzeug verwendet würden, um einen falschen Hintergrund für auswan-
dernde Aserbaidschaner zu schaffen. In diesem Lichte sei auch der Bericht
des Volkbündnisses „Aserbaidschan ohne politische Gefangene“ zu be-
trachten, welcher lediglich in Kopie vorgelegt worden sei. Ferner sei auffal-
lend, dass es sich bei der Inhaftierung vom (...) 2013 um den einzigen Be-
hördenkontakt handle, den er mit Belegen zu beweisen versucht habe. Es
mute seltsam an, dass jemand, der ein derartiges politisches Profil geltend
mache und angeblich mehrere Male verhaftet worden sei, ein gefälschtes
Dokument einreiche, um eine Inhaftierung zu untermauern. Dies falle be-
sonders ins Gewicht, da alle übrigen Behördenkontakte einzig auf seinen
Angaben basieren würden. Die Zweifel an der geltend gemachten Inhaftie-
rung im (...) 2013 würden zudem durch deren ausweichende und pau-
schale Schilderung erhärtet. Auch der Artikel von "moderator.az" vermöge
nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Zudem würden sich weder
die eingereichten Fotos der Verletzungen, welche er angeblich nach der
Inhaftierung erlitten habe, noch das entsprechende Spitalschreiben dazu
eignen, die Inhaftierung vom (...) 2013 zu belegen, da es sich dabei um
einen davon losgelösten Vorfall gehandelt habe. Somit könne dem Be-
schwerdeführer seine Inhaftierung vom (...) 2013 nicht geglaubt werden.
Mit Schreiben vom 28. August 2018 habe er weitere Artikel eingereicht,
welche seine politischen Tätigkeiten im Heimatland sowie in der Schweiz
belegen sollen. Diese würden indessen den Charakter von Gefälligkeitsar-
tikeln aufweisen, zumal in keinem davon seine politische Haltung oder Tä-
tigkeit im Vordergrund stehe und es vielmehr jeweils um die angeblich von
ihm beziehungsweise seinen Familienangehörigen erlittenen Konsequen-
zen gehe. Es falle auch auf, dass die Mehrheit der eingereichten Artikel
erst nach seiner Ausreise veröffentlicht worden sei. Vor diesem Hintergrund
sei der Beweiswert dieser Berichte als gering einzuschätzen. Lediglich der
Artikel von „yolpolisi“ vom September 2013 scheine vor seiner Ausreise
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entstanden zu sein. Dabei erstaune es, dass dieser die angebliche zehn-
tägige Inhaftierung im (...) 2013 nicht erwähne, obschon der Beschwerde-
führer offenbar von seiner Verfolgung berichtet und Festnahmen in den
Jahren 2005, 2011 und 2012 aufgeführt habe. Letzteres stimme zudem
nicht überein mit seinen Angaben anlässlich der Anhörung. Somit könne er
aus diesem Artikel nichts zu Gunsten seines geltend gemachten politi-
schen Profils sowie der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ableiten.
Insgesamt sei aufgrund der verfügbaren Fakten sowie der Abklärungser-
gebnisse nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer über das geltend ge-
machte politische Profil verfüge und vor seiner Ausreise asylrelevant ver-
folgt worden sei. Die Beschwerdeführerin mache ihrerseits keine eigenen
Asylvorbringen geltend. Die Asylgesuche seien daher abzulehnen.
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde dem entgegengehalten, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers zu seiner Festnahme im Jahr 2013 durch-
aus glaubhaft seien, zumal er diese mit verschiedenen Beweismitteln be-
legt habe. Es gehe nicht an und widerspreche der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts, dass die Vorinstanz die Authentizität eines
Beweismittels einfach pauschal anzweifle, ohne dieses einer Echtheitsprü-
fung unterzogen zu haben. Dem auf der Plattform "moderator.az" veröffent-
lichten Bericht aus dem Jahr 2013 könne entnommen werden, dass der
Beschwerdeführer am (...) 2013 wegen einer Demonstrationsteilnahme für
zehn Tage inhaftiert und nach der Verhaftung zusammengeschlagen wor-
den sei. Diese beiden Ereignisse könnten nicht als voneinander losgelöst
betrachtet werden. Ausserdem würden verschiedene Medienberichte bele-
gen, dass am (...) 2013 eine grössere Veranstaltung stattgefunden habe,
die von der Polizei aufgelöst worden sei. Es sei somit falsch, dass es – wie
die Vorinstanz behaupte – keinen solchen Vorfall geben habe. Angesichts
dessen erschienen auch die übrigen Abklärungen der Vorinstanz nicht ver-
trauenswürdig. Zudem erwiesen sich deren Erwägungen, wonach es nicht
möglich sei, dass bei mehr als hundert Verhaftungen anlässlich einer Ver-
anstaltung Richter aus anderen Bezirken hinzugezogen worden seien, als
vage. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz die Schilde-
rungen des Beschwerdeführers in Zusammenhang mit der Inhaftierung als
pauschal bezeichne, da sich darin zahlreiche Elemente fänden, die für die
Glaubhaftigkeit sprächen. Ferner könne den im Jahr 2013 publizierten Be-
richten nicht einfach jeglicher Beweiswert abgesprochen werden, da nicht
anzunehmen sei, dass der Beschwerdeführer diese zwei Jahre vor seiner
Ausreise konstruiert habe. Der Artikel von "moderator.az" sei heute noch
online verfügbar. Bei diesem Portal scheine es sich um einen bekannten
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Medienkanal in Aserbaidschan zu handeln, weshalb es höchst unwahr-
scheinlich sei, dass dort Berichte publiziert würden mit dem Zweck, die
Flüchtlingseigenschaft einer Drittperson zu begründen.
In Bezug auf sein politisches Profil würden die Ausführungen der Vor-
instanz ebenfalls nicht überzeugen. Vor seiner Ausreise sei er in den Me-
dien nicht nur einmal auf der Plattform "yolpolisi" genannt worden, auch
"moderator.az" habe zweimal über ihn berichtet. Zwar sei es richtig, dass
der Artikel von "yolpolisi" die Verhaftung im Jahr 2013 nicht nenne. Dies
dürfe ihm aber nicht zum Nachteil gereichen, da er keinen Einfluss darauf
gehabt habe, was der Reporter schreibe. Weiter habe der Beschwerdefüh-
rer bereits im Rahmen des erstinstanzlichen Asylverfahrens erklärt, dass
er als freiwilliger Reporter für das damals oppositionelle Nachrichtenportal
(...) gearbeitet habe. Inwiefern die Plattform einen missbräuchlichen Zweck
gehabt haben solle, gehe aus den Erwägungen der Vorinstanz nicht hervor.
Sodann sei zu berücksichtigen, dass weder vor noch nach der Ausreise
der Beschwerdeführenden etwas über den Beschwerdeführer auf dieser
angeblich zweifelhaften Plattform erschienen sei. Indessen hätten "mode-
rator.az" und "yolpolisi" vor der Ausreise über ihn berichtet und "Turaninfo",
"xembername", "Yeni fikir" und "media-fakt.info" danach. Hätte er (...) dazu
nutzen wollen, um einen Sachverhalt zu konstruieren, wäre er selber auf
der Plattform genannt worden.
Das Schreiben der (...)-Partei sei authentisch und keinesfalls ein Gefällig-
keitsschreiben. Diesem lasse sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer
als Mitglied der Partei regelmässig an politischen Veranstaltungen teilge-
nommen sowie in den Jahren 2010 und 2013 Unterschriften für Politiker
gesammelt habe. Der Inhalt dieses Schreibens stimme mit seinen Aussa-
gen in der Anhörung überein. Die Vorinstanz zweifle nicht an, dass er ge-
wisse politische Tätigkeiten ausgeübt habe und in diesem Zusammenhang
festgenommen sowie Schikanen ausgesetzt gewesen sei. Nach ihrer Auf-
fassung würden diese aber keine asylrelevante Intensität aufweisen. Aus
den Erwägungen der Vorinstanz gehe indessen nicht hervor, auf welche
Ereignisse sie damit genau Bezug nehme. Sie habe den Sachverhalt dies-
bezüglich auch nicht näher abgeklärt und die weiteren Verhaftungen des
Beschwerdeführers in der Anhörung kaum thematisiert. Die Ausführungen
in der angefochtenen Verfügung liessen aber den Schluss zu, dass auch
die Vorinstanz davon ausgehe, der Beschwerdeführer verfüge über ein po-
litisch heikles Profil, nachdem sie nicht bestreite, dass er in Aserbaidschan
Einschüchterungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei. Es sei problema-
tisch, dass die Vorinstanz diese Ereignisse isoliert zu betrachten versuche,
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ohne sie in die Gesamtwürdigung einfliessen zu lassen. Hinsichtlich der
Polizeivorladung vom (...) September 2015 führe die Vorinstanz aus, dass
deren Authentizität nicht bestätigt werden könne. Diesbezüglich sei wiede-
rum auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu verwei-
sen, wonach die Authentizität von Beweismitteln nicht pauschal angezwei-
felt werden dürfe, ohne eine Echtheitsprüfung vorgenommen zu haben.
Sodann würden die eingereichten Medienberichte belegen, dass die exil-
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers in Aserbaidschan bekannt
seien. Ferner habe die Vorinstanz die Versammlungen vor (...), an denen
er teilgenommen habe, nicht berücksichtigt. Er sei dabei fotografiert wor-
den und es müsse davon ausgegangen werden, dass er spätestens
dadurch ins Visier der aserbaidschanischen Behörden geraten sei.
Zusammenfassend seien die Zweifel der Vorinstanz an den Festnahmen
des Beschwerdeführers, insbesondere jener im (...) 2013, unbegründet.
Die Ausführungen des SEM zu seinem politischen Profil erwiesen sich als
widersprüchlich, da es einerseits davon ausgehe, er sei nicht bekannt, und
anderseits annehme, er sei aufgrund seiner politischen Aktivitäten in Aser-
baidschan Einschüchterungsmassnahmen ausgesetzt gewesen. Im Rah-
men einer Gesamtbetrachtung der Ereignisse vor und nach der Ausreise
müsse von einem asylrelevanten Sachverhalt ausgegangen werden, wes-
halb die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen
Asyl zu gewähren sei. Eventualiter – wenn das Gericht wider Erwarten die
Asylrelevanz wegen fehlender Intensität verneinen sollte – seien sie auf-
grund der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers als Flüchtlinge
vorläufig aufzunehmen.
4.3 Mit Eingabe vom 29. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden
eine ergänzende Stellungnahme sowie weitere Beweismittel zu den Akten.
Sie brachten vor, dass es dem Vater des Beschwerdeführers mittlerweile
gelungen sei, durch einen Anwalt offizielle Unterlagen zu den gegen den
Beschwerdeführer eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen zu erhalten. Da-
runter befänden sich insbesondere ein Schreiben des Hauptermittlers der
Stadt F._ an den beauftragten Rechtsanwalt sowie den Beschluss
des Hauptermittlers vom (...) 2017 über die Einleitung einer Fahndung
nach dem Beschwerdeführer. Zu den exilpolitischen Tätigkeiten wurden
zwei Zeitungsartikel (von "turaninfo.org" sowie "AnTV.az") betreffend eine
Demonstrationsteilnahme des Beschwerdeführers in K._ im (...)
2018 eingereicht sowie zwei Youtube-Videos bezeichnet.
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4.4 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, die auf der Botschafts-
abklärung basierende Einschätzung, es habe im Jahr 2013 keinen Vorfall
mit hundert verhafteten Aktivisten gegeben, werde durch einen Bericht auf
der Internetseite "Ayna" bestätigt. Gemäss diesem habe eine Demonstra-
tion stattgefunden, bei welcher zwar mehr als fünfzig, aber nicht mehr als
hundert Personen festgenommen worden seien. Zudem sei den Ausfüh-
rungen der schweizerischen Botschaft, dass der Beizug von Richtern aus
anderen Bezirken zur Ausstellung von Hafturteilen unwahrscheinlich sei,
nichts entgegengehalten worden. Es gelinge dem Beschwerdeführer daher
nicht, das von ihm geltend gemachte politische Profil oder seine Fest-
nahme im Zusammenhang mit dieser Demonstration glaubhaft zu machen.
Sodann werde davon ausgegangen, dass in Aserbaidschan nur noch eine
Handvoll regimekritischer beziehungsweise unabhängiger Medien exis-
tiere. In einer aktuellen Auflistung von solchen Medien der Human Rights
House Foundation – die sich auf die Einschätzung mehrerer Vertreter der
aserbaidschanischen Zivilgesellschaft stütze – fänden sich keine der von
den Beschwerdeführenden aufgeführten Nachrichtenportale (tura-
ninfo.org, AnTV.az, moderator.az). Es sei ein bekanntes Phänomen, dass
in Aserbaidschan Medieninhalte manipuliert würden, um Asylgesuche in
Westeuropa zu unterstützen, wobei dies nur auf wenig bekannte Medien
zutreffe. Als Hinweis auf einen manipulierten Inhalt gelte die Tatsache, dass
ein Vorfall nur von einem einzigen oder von wenigen unbedeutenden Nach-
richtenportalen aufgegriffen werde oder dass ein Artikel nur wenig Detailin-
formationen enthalte. Dies treffe auf die vorgelegten Berichte zu, welche
den Beschwerdeführer namentlich erwähnten. Lediglich unbedeutende
Portale würden über ihn berichten und die Artikel wiesen keine Informatio-
nen zum Inhalt seiner politischen Tätigkeiten auf. Die Seite "turaninfo.org"
scheine von einem relativ kleinen Publikum besucht zu werden und es lies-
sen sich darüber kaum Informationen finden, was auf ein wenig professio-
nell geführtes Medium hinweise. Im Bericht des Newsportals AnTV vom
(...) 2018 falle auf, dass der Beschwerdeführer lediglich abgebildet sei,
aber nicht mit Namen erwähnt werde. Es sei unwahrscheinlich, dass er
anhand eines Fotos von den heimatlichen Behörden erkannt worden sein
soll, zumal das Portal nur eine kleinere Leserschaft zu erreichen scheine
und es sich lediglich um eine dreizeilige Berichterstattung handle. Was die
eingereichten Polizeidokumente betreffe, sei festzuhalten, dass in Aser-
baidschan eine Vielzahl von Dokumenten illegal zum Verkauf angeboten
würden, darunter auch gefälschte Gerichts- und Polizeidokumente. In den
Jahren 2017 und 2018 seien zahlreiche Berichte über aserbaidschanische
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Staatsangehörige erschienen, die von kriminellen Strukturen oder soge-
nannten "Agenturen" gegen Bezahlung Dokumente erhalten hätten, um ihr
Asylgesuch in einem europäischen Land zu unterstützen. Vor diesem Hin-
tergrund und angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Asyl-
verfahren ein von der Botschaft als nicht authentisch erachtetes Gerichts-
urteil eingereicht habe, sei nur mit grosser Zurückhaltung von einer Authen-
tizität der eingereichten Polizeidokumente auszugehen. Auffallend am ein-
gereichten Fahndungsbeschluss sei unter anderem, dass dieser seit dem
(...) 2017 bestehe, aber erst im November 2018, mithin nach dem negati-
ven Asylentscheid, habe erhältlich gemacht werden können. Es erstaune
auch, dass darin Aktivitäten des Beschwerdeführers auf den sozialen Me-
dien erwähnt würden, während der Beschwerdeführer keine Belege zu sol-
chen eingereicht habe. Für das vorliegende Verfahren sei – unter Berück-
sichtigung der Aussagen im Asylverfahren – davon auszugehen, dass die
eingereichten Dokumente nicht echt seien. Somit könne der Beschwerde-
führer aus diesen sowie den Internetberichten nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Nachdem er angegeben habe, er sei seit dem Jahr 2003/2004
politisch tätig gewesen, dürfe davon ausgegangen werden, dass er ent-
sprechende Beweismittel mit erhöhtem Beweiswert beibringen könnte. Sol-
che seien dem SEM aber nicht vorgelegt worden.
4.5 In der Replik wurde geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer an
der Demonstration im Jahr 2013 teilgenommen habe, verhaftet worden sei
und dabei realisiert habe, dass viele weitere Personen ebenfalls festge-
nommen worden seien. Zwar habe er ausgeführt, es seien mehr als hun-
dert Personen festgenommen worden; diese Angabe beruhe aber auf sei-
ner subjektiven Schätzung. Dabei sei zu berücksichtigen, dass es enorm
schwierig sei, als Teil einer grossen Gruppe die Personenzahl zu schätzen.
Der subjektive Eindruck täusche oftmals und auch die objektiven Zählun-
gen verschiedener Medien würden regelmässig stark abweichende Teil-
nehmerzahlen hervorbringen. Der von der Vorinstanz zitierte Artikel der
Seite "Ayna" spreche von mehr als fünfzig festgenommenen Personen und
zeige höchstens, dass sich der Beschwerdeführer in der Zahl der Festge-
nommenen möglicherweise verschätzt habe. Der Bericht bestätige aber,
dass es 2013 eine Demonstration mit zahlreichen Verhafteten gegeben
habe. Sodann könnten weder der genannte Bericht von "Ayna" – der sich
dazu nicht äussere – noch die Botschaftsabklärung – welche die Beteili-
gung auswärtiger Richter bezweifle – beweisen, dass der Richter, welcher
das eingereichte Hafturteil ausgestellt habe, an diesem Tag nicht am Be-
zirksgericht von I._ im Einsatz gewesen sei. Die Argumente der Vo-
rinstanz, mit welchen sie versuche, dem Beschwerdeführer sein politisches
D-6659/2018
Seite 15
Profil abzusprechen, würden demnach nicht überzeugen. In Bezug auf das
exilpolitische Engagement sei festzuhalten, dass er in zahlreichen Medien
namentlich erwähnt und teilweise auch abgebildet worden sei. Es dürfe ihm
nicht angelastet werden, dass es sich dabei um kleinere Medien handle,
welche allenfalls keinen hochprofessionellen Internetauftritt hätten. Viel-
mehr müsse das Gesamtbild betrachtet werden, wobei ersichtlich sei, dass
der Beschwerdeführer über ein politisches Profil verfüge und in Aserbaid-
schan offensichtlich bekannt sei.
5.
5.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1).
5.2
5.2.1 Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei bereits seit seiner Studien-
zeit politisch aktiv und somit in der Heimat über viele Jahre hinweg oppo-
sitionell tätig gewesen. Auf die ausdrückliche Aufforderung der Vorinstanz
hin, dieses politische Engagement mit Beweismitteln zu untermauern (vgl.
A56), reichte er lediglich einen Artikel der Internetzeitung "Turaninfo" vom
(...) 2017 ein und verwies pauschal auf die bisher vorgelegten Beweismittel
(vgl. A57). Der betreffende Artikel hält diesbezüglich in einem einzigen Satz
fest, der Beschwerdeführer sei nach Informationen der Zeitung in den letz-
ten Jahren Hauptorganisator von Massenaktionen sowie bereits im "Azad-
lig"-Block gewesen, der 2005 auch von der (...)-Partei vertreten worden
D-6659/2018
Seite 16
sei. Bei diesen Ausführungen handelt es sich um eine äusserst rudimen-
täre Beschreibung des angeblichen politischen Engagements, wobei völlig
unklar bleibt, woher die Zeitung diese Angaben gehabt haben will. Über-
dies erwähnte der Beschwerdeführer selbst den "Azadlig"-Block – ein im
Jahr 2005 gegründetes Oppositionsbündnis, (...) – zu keinem Zeitpunkt.
Ebenso wenig war er im Jahr 2005 Mitglied der (...)-Partei. Der vorgelegte
Artikel erscheint daher nicht geeignet, die politischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers zu untermauern. Trotz umfangreichen zu den Akten ge-
reichten Unterlagen befinden sich darunter keine Beweismittel, welche
seine behauptete langjährige politische Tätigkeit belegen könnten. Insbe-
sondere wurde nichts vorgelegt im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten
während der Studienzeit, obwohl er seit dem Jahr 2003 an Demonstratio-
nen teilgenommen habe und von 2004 bis 2008 ein aktives Mitglied der
studentischen oppositionellen Bewegung gewesen sein will (vgl. A30, F58).
Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer nicht in der
Lage ist, das von ihm geltend gemachte erhebliche politische Engagement
mit Beweismitteln zu belegen. Dem einzigen in dieser Hinsicht eingereich-
ten Beweismittel – dem auf der relativ unbedeutenden Plattform "Tura-
ninfo" publizierten Internetartikel aus dem Jahr 2017 – kann nach dem Ge-
sagten kein massgeblicher Beweiswert zugemessen werden.
5.2.2 Als Beleg für die geltend gemachte Mitgliedschaft bei der Partei (...)
sowie die Tätigkeiten für diese reichte der Beschwerdeführer eine Bestäti-
gung der Partei ein (vgl. A4, Beweismittel 4 und A42 [Übersetzung]). Das
SEM wies indessen zu Recht darauf hin, dass ein solches Dokument leicht
fälschbar ist und den Charakter eines Gefälligkeitsschreibens aufweist.
Selbst wenn der Beschwerdeführer tatsächlich Mitglied dieser Partei war,
würde dies für sich allein noch nicht bedeuten, dass er deswegen mit einer
politischen Verfolgung konfrontiert war. Die pauschalen Ausführungen in
dem Schreiben, dass er Unterdrückungen ausgesetzt gewesen sei sowie
polizeiliche Gewalt erlitten habe, erscheinen zu wenig konkret, um eine
asylrelevante Verfolgung durch den aserbaidschanischen Staat zu doku-
mentieren.
5.2.3 Im Rahmen der Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in
Baku konnten keine Informationen über die politischen Tätigkeiten des Be-
schwerdeführers sowie die damit zusammenhängenden Probleme mit den
aserbaidschanischen Sicherheitsbehörden erhältlich gemacht werden (vgl.
A43). In seiner Stellungnahme zur Botschaftsabklärung reichte der Be-
schwerdeführer daraufhin zwei Artikel von "moderator.az" ein. Der erste
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Seite 17
datiert vom (...) 2013 und erwähnt die von ihm geltend gemachte zehntä-
gige Inhaftierung vom (...) 2013 sowie den Angriff von unbekannten Per-
sonen, aufgrund dessen er sich in Spitalpflege habe begeben müssen (vgl.
A55, Beweismittel 28). Zwar ist der betreffende Artikel tatsächlich immer
noch abrufbar, er datiert aber inzwischen vom (...) 2013 (vgl.
https://www.moderator.az/news/29567.html, zuletzt abgerufen am
18.06.21). Daran wird ersichtlich, dass es bei einem im Internet publizierten
Artikel problemlos möglich ist, ein unzutreffendes Ausstellungsdatum auf-
zuführen. Es kann daher vorliegend nicht als erstellt erachtet werden, dass
die Plattform "moderator.az" tatsächlich bereits im Jahr 2013 und damit
zwei Jahre vor der Ausreise des Beschwerdeführers über diesen berichtet
hat. Zweifel bestehen auch hinsichtlich des Artikels vom (...) 2014, welcher
eine angebliche Verhaftung im Anschluss an eine Protestveranstaltung er-
wähnt (vgl. A55, Beweismittel 27). Der Artikel hält fest, der Beschwerdefüh-
rer sei unter den von der Polizei geschlagenen und festgenommenen Akti-
visten gewesen. Er sei einen Tag festgehalten worden, wobei er Drohun-
gen, physischer Gewalt und Folter ausgesetzt gewesen sei. Zudem hätten
die Behörden alle von ihm während der Protestaktion aufgenommenen Fo-
toaufnahmen gelöscht. Weiter habe man ihn auf der Polizeiabteilung über
seine Verwandten befragt und ihm bei der Entlassung mit einer langjähri-
gen Haftstrafe gedroht, wenn er weiterhin an solchen Veranstaltungen teil-
nehme. Der Beschwerdeführer selbst hielt indessen zu den Ereignissen im
(...) 2014 lediglich fest, dass sie ein "Meeting" zur Befreiung von politischen
Gefangenen organisiert hätten. Einige Tage nach der Demonstration sei er
von unbekannten, zivil gekleideten Personen in ein Auto geschmissen, an
ein Seeufer gebracht und geschlagen sowie bedroht worden (vgl. A30,
F100). Da diese Aussagen nicht mit dem Artikel von "moderator.az" vom
(...) 2014 übereinstimmten, gewährte das SEM dem Beschwerdeführer
das rechtliche Gehör zu diesen unterschiedlichen Angaben. Er führte da-
raufhin aus, dass es sich um zwei verschiedene Ereignisse gehandelt
habe, einerseits die Festnahme bei einer Protestaktion am (...) 2014 – wel-
che der Medienbericht korrekt wiedergebe – sowie andrerseits die Mit-
nahme zum Seeufer wenige Tage später (vgl. A57). Dies würde aber be-
deuten, dass der Beschwerdeführer bei der Anhörung die im Bericht be-
schriebene polizeiliche Festnahme, bei welcher er Befragungen, Drohun-
gen und Folter ausgesetzt gewesen sein soll, mit keinem Wort erwähnt hat.
Vielmehr führte er aus, dass er letztmals nach den Präsidentschaftswahlen
im Oktober 2013 verhaftet worden sei (vgl. A5, Ziff. 7.02 sowie A30, F95
ff.). Der Artikel beschreibt somit Verfolgungshandlungen, welche er selbst
im Rahmen des Asylverfahrens zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht
hatte, was nicht nachvollziehbar ist.
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Seite 18
5.2.4 Zur Untermauerung seiner politischen Tätigkeiten im Heimatstaat
verwies der Beschwerdeführer weiter auf einen am (...) September 2013
auf dem Portal "yolpolisi" veröffentlichten Bericht. Gemäss diesem wurde
er anlässlich einer mit den damals bevorstehenden Präsidentschaftswah-
len zusammenhängenden Protestaktion von Polizisten festgenommen und
auf die Polizeiabteilung gebracht. Dort sei der Inhalt seiner Fotokamera
gelöscht worden. Zudem hätten die Polizisten ihn erniedrigend behandelt
sowie beleidigt und bedroht. Nach einem Tag in Untersuchungshaft sei er
freigelassen worden, wobei ihm gesagt worden sei, es komme ihn teuer zu
stehen, wenn er nochmal an einer solchen Aktion teilnehme (vgl. A59, Be-
weismittel 33/34). Einerseits weist dieser Vorfall erstaunliche Parallelen auf
zur angeblichen Festnahme im (...) 2014, über welche "moderator.az" be-
richtete. Zudem erwähnte der Beschwerdeführer auch dieses Ereignis im
Rahmen der Befragungen durch das SEM nicht. Er machte vielmehr gel-
tend, dass er im Jahr 2013 einmal im (...) und ein zweites Mal im Oktober
– nach den Präsidentschaftswahlen – verhaftet worden sei (vgl. A5,
Ziff. 7.02 sowie A30, F96 f.). Der Bericht von "yolpolisi" hält weiter fest, der
Beschwerdeführer habe angegeben, er sei bereits im Jahr 2005, während
einer Protestaktion im April 2011 sowie im Mai 2012 festgenommen wor-
den. In dieser Aufzählung fehlt insbesondere die längste vom Beschwer-
deführer geltend gemachte Inhaftierung von zehn Tagen im (...) 2013 (vgl.
A30, F72). Zudem decken sich diese Daten in keiner Weise mit den Ver-
haftungen, die er anlässlich der BzP (vgl. A5, Ziff. 7.02) respektive der An-
hörung (vgl. A30, F95) nannte. Es ist daher festzustellen, dass die Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers gegenüber dem SEM nicht mit den von ihm
vorgelegten Medienberichten übereinstimmen.
5.2.5 Sodann erklärte der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit sei-
nen Festnahmen, dass es sich nur bei der Haft im (...) 2013 um eine "offi-
zielle" Verhaftung gehandelt habe, über welche von einem Richter ent-
schieden worden sei (vgl. A30, F71). Als Beweismittel legte er ein Urteil
vom (...) 2013 vor, gemäss welchem ein Richter des Bezirksgerichts
I._ ihn zu zehn Tagen Haft wegen der Teilnahme an einer wider-
rechtlich organisierten Kundgebung verurteilt hat (vgl. A31, Beweismittel
15 sowie A42 [Übersetzung]). Die Abklärungen der Schweizerischen Bot-
schaft in Baku ergaben indessen, dass der Richter, welcher das Urteil un-
terzeichnet haben soll, nie an diesem Bezirksgericht gearbeitet hat (vgl.
A43 und A48). In seinen Stellungnahmen zu den Botschaftsabklärungen
machte der Beschwerdeführer jeweils geltend, anlässlich der betreffenden
Kundgebung seien mehr als hundert Aktivisten festgenommen worden,
weshalb Richter von anderen Orten beigezogen worden seien (vgl. A44
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Seite 19
und A53). Diese Erklärung überzeugt jedoch nicht, nachdem ein Richter
mit diesem Namen nach Auskunft des Bezirksgerichts I._ zu kei-
nem Zeitpunkt dort tätig war. Gemäss der Botschaftsabklärung sei es in
Aserbaidschan bisher generell nicht vorgekommen, dass Richter aus an-
deren Bezirken beigezogen wurden. Es ist somit nicht davon auszugehen,
dass der Richter, welcher das vom Beschwerdeführer vorgelegte Doku-
ment unterzeichnet haben soll, tatsächlich am Bezirksgericht I._
gearbeitet hat. Das Bundesverwaltungsgericht teilt daher die Auffassung
des SEM, dass es sich beim eingereichten Urteil um ein gefälschtes Doku-
ment handelt. Daran ändert auch das Vorbringen des Beschwerdeführers
nichts, dass am (...) 2013 eine grössere Protestaktion stattgefunden habe,
bei welcher zahlreiche Personen verhaftet worden seien. Wenn dies dazu
geführt hätte, dass ein Richter aus einem anderen Bezirk deswegen aus-
serordentlich an Verfahren des Bezirksgerichts I._ mitwirkte,
müsste dies dem betreffenden Gericht bekannt sein. Des Weiteren hielt die
Vorinstanz zutreffend fest, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers
zu der von ihm erlittenen Haft – bei welcher es sich um die längste Haft-
strafe handelt, die er zu verbüssen hatte – äusserst unsubstanziiert waren.
Er gab lediglich zu Protokoll, dass er zehn Tage in einem Gefängnis fest-
gehalten worden sei, wobei er physisch und psychisch "gequält" worden
sei. Zudem bestätigte er auf Nachfrage, dass er befragt worden sei und
weitere Personen mit ihm inhaftiert worden seien (vgl. A30, F84 ff.). Seine
Schilderungen zu dieser Zeit erweisen sich als wenig konkret und sehr
oberflächlich.
5.2.6 Sodann behauptete der Beschwerdeführer, er habe jahrelang freiwil-
lig als Reporter und Kameramann für das Portal (...) gearbeitet. Als Be-
weismittel legte er neben einem Presseausweis eine Bestätigung von (...)
vor, welche vom (...) Februar 2015 datiert. Darin wird festgehalten, er sei
seit (...) als Reporter tätig und aufgrund seiner journalistischen und politi-
schen Tätigkeit Unterdrückungen und Verfolgungen durch das Regime
ausgesetzt gewesen (vgl. A4, Beweismittel 3 sowie A42 [Übersetzung]). Es
fällt auf, dass diese Bestätigung nur wenige Tage vor der Abreise der Be-
schwerdeführenden aus F._ ausgestellt wurde. Weiter geht das
Schreiben kaum auf die journalistische Tätigkeit des Beschwerdeführers
ein und betont vielmehr die von ihm angeblich erlittene Verfolgung. Seinen
Angaben zufolge soll es sich bei diesem Dokument um eine normale Ar-
beitsbestätigung gehandelt haben, welche er jeweils zum Jahresbeginn er-
halten habe. Es sei Zufall, dass diese derart kurz vor der Ausreise ausge-
stellt worden sei (vgl. A5, Ziff. 7.05). Der Fokus auf die Unterdrückung –
und nicht etwa die Arbeitstätigkeit – erscheint jedoch ungewöhnlich für eine
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Seite 20
Arbeitsbestätigung. Dies erstaunt umso mehr, als der Beschwerdeführer
angab, in den Monaten vor der Ausreise sei "alles ruhig" gewesen (vgl.
A30, F103). Mithin hatte er in der Zeit vor der Ausstellung der eingereichten
Bestätigung gerade keine Verfolgungshandlungen von Seiten des Re-
gimes zu gewärtigen. Es bestehen daher erhebliche Zweifel daran, dass
der Inhalt der Bestätigung den Tatsachen entspricht. Bemerkenswert er-
scheint weiter, dass der Beschwerdeführer trotz jahrelanger Tätigkeit für
ein Newsportal keinen einzigen von ihm verfassten Artikel oder eine von
ihm erstellte Reportage vorgelegt hat, welche seine politische Haltung res-
pektive sein Engagement für die Opposition untermauern könnten.
5.2.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Aussagen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich der geltend gemachten Verhaftungen nicht
mit den Informationen in den eingereichten Zeitungsartikeln decken. Beim
einzigen Dokument, welches eine Festnahme belegen könnte – das Ge-
richtsurteil vom (...) 2013 – ist von einer Fälschung auszugehen. Weiter
war der Beschwerdeführer nicht in der Lage, die behauptete zehntägige
Haft substanziiert zu beschreiben. Die vorgebrachten jahrelangen politi-
schen Aktivitäten werden mit wenigen zweifelhaften Presseartikeln von
eher unbedeutenden Internet-Medienportalen sowie der Bestätigung einer
politischen Partei belegt, wobei es sich bei letzterer um ein leicht fälschba-
res Dokument handelt. Auch die vorgebrachte Tätigkeit als Reporter für ein
(vormals) regierungskritisches Onlinemedium konnte nicht durch entspre-
chende Arbeitsergebnisse untermauert werden, sondern lediglich durch
eine "Arbeitsbestätigung", welche indessen in erster Linie die angebliche
Unterdrückung des Beschwerdeführers in den Vordergrund stellt. Im Zuge
ihrer Abklärungen vor Ort konnte die Schweizerische Botschaft in Baku we-
der Informationen zu den politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers
noch zu dessen geltend gemachten Festnahmen respektive strafrechtli-
chen Verfahren erhältlich machen. Vor diesem Hintergrund kommt das Ge-
richt in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelingt, ein massgebliches politisches Profil glaubhaft
zu machen. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er als Aktivist ins
Visier der heimatlichen Behörden geraten ist und vor der Ausreise zu be-
fürchten hatte, wegen eines unterstellten Delikts wie illegalem Waffenbe-
sitz festgenommen zu werden. Folglich ist auch nicht davon auszugehen,
dass es sich bei der polizeilichen Vorladung vom (...) September 2015 (vgl.
A31 Beweismittel 14 und A42 [Übersetzung]) – welche als leicht fälschba-
res Dokument einzustufen ist, das ohne Weiteres käuflich erworben wer-
den kann – um ein authentisches Beweismittel handelt. Überdies liesse
sich aus einer behördlichen Vorladung noch nicht ableiten, dass gegen den
D-6659/2018
Seite 21
Beschwerdeführer zu Unrecht ein Strafverfahren eröffnet wurde, um auf-
grund seines behaupteten politischen Engagements gegen ihn vorzuge-
hen.
5.3 Sodann machte der Beschwerdeführer geltend, dass er sich in der
Schweiz exilpolitisch engagiert habe, indem er im (...) 2016 an einer Kund-
gebung vor (...) teilgenommen habe. Ebenso habe er sich im Jahr 2018 in
der Schweiz an Demonstrationen gegen den aserbaidschanischen Präsi-
denten beteiligt. In der Folge sei seine Familie im Heimatstaat unter Druck
gesetzt worden. Als Beweismittel reichte er diesbezüglich im vorinstanzli-
chen Verfahren mehrere auf verschiedenen Internetportalen erschienene
Artikel ein. Zwei davon – auf "agxeber.com" sowie "media-fakt.info" – er-
schienen im Jahr 2016, zwei weitere im – auf "Xebername.info" sowie
"Yenifikir.de" – im Jahr 2018. Auch der bereits erwähnte Bericht der Platt-
form "Turaninfo" vom (...) 2017 berichtet von Behelligungen, welchen der
Vater des Beschwerdeführers ausgesetzt gewesen sei. Die erwähnten In-
ternetportale scheinen indessen nicht besonders bedeutend zu sein und
über keine grosse Reichweite zu verfügen. Zudem stützen sich die Berichte
offenbar mehrheitlich direkt auf Angaben des Beschwerdeführers selbst o-
der seines Vaters (vgl. A59, Beweismittel 34). Ihr Beweiswert erscheint da-
her eingeschränkt. Dies gilt insbesondere unter Berücksichtigung der Aus-
kunft der Schweizerischen Botschaft in Baku, wonach es in Aserbaidschan
– wo die Auswanderungsrate extrem hoch sei – ein neuer Trend sei, mit-
hilfe von weniger bekannten Medienquellen einen falschen Hintergrund für
Personen zu schaffen, die planten, das Land unter dem Vorwand einer po-
litisch motivierten Verfolgung zu verlassen (vgl. A48). Zwar kann es auf-
grund der vorgelegten Fotoaufnahmen als erstellt gelten, dass der Be-
schwerdeführer in der Schweiz an exilpolitischen Veranstaltungen teilge-
nommen hat (vgl. A31, Beweismittel 10). Es ist jedoch nicht davon auszu-
gehen, dass er deswegen in der Heimat eine Verfolgung zu befürchten
hätte oder seine Familie in diesem Zusammenhang im geltend gemachten
Ausmass von den aserbaidschanischen Behörden behelligt worden wäre.
5.4 Mit Eingabe vom 29. Januar 2019 wurden im Rahmen des Beschwer-
deverfahrens verschiedene Unterlagen zu den Akten gereicht, welche be-
legen sollen, dass der Beschwerdeführer im Heimatstaat aufgrund eines
laufenden Strafverfahrens gesucht werde. Dabei handelt es sich um das
Scheiben eines vom Vater des Beschwerdeführers beauftragen Anwalts
vom 15. November 2018, in welchem dieser die Polizei um Auskunft er-
sucht, ob nach dem Beschwerdeführer gefahndet werde. Zudem wurde
das Antwortschreiben des Hauptpolizeiamts der Stadt F._ vom
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Seite 22
28. November 2018 zu den Akten gereicht, wonach am (...) 2017 eine
Fahndung nach dem Beschwerdeführer eingeleitet worden sei, ebenso wie
eine Abschrift des betreffenden Fahndungsbeschlusses. Diesbezüglich
führte das SEM in seiner Vernehmlassung – namentlich unter Berufung auf
entsprechende Medienberichte – aus, dass in Aserbaidschan eine Vielzahl
von Dokumenten illegal käuflich erworben werden könnten, darunter auch
gefälschte oder nicht zustehende Gerichts- und Polizeidokumente. Vor die-
sem Hintergrund erscheint dessen Schlussfolgerung zutreffend, dass den
vorgelegten Unterlagen kein allzu grosser Beweiswert beigemessen wer-
den kann. Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb nur ein Fahndungsbe-
fehl aus dem Jahr 2017 besteht, nachdem der Beschwerdeführer angeb-
lich bereits auf den (...) September 2015 polizeilich vorgeladen worden
sein soll und dieser Aufforderung offensichtlich nicht nachkam. Weiter fällt
auf, dass die Beschwerdeführenden erst nach dem ablehnenden Asylent-
scheid Kenntnis von diesem Fahndungsbefehl erlangt haben wollen. Es
wäre aber zu erwarten gewesen, dass die Familie des Beschwerdeführers,
welche von den aserbaidschanischen Behörden mehrmals behelligt wor-
den sein soll, von dieser Fahndung erfahren und den Beschwerdeführer
entsprechend informiert hätte. Trotz diverser Eingaben im vorinstanzlichen
Verfahren im Laufe des Jahres 2018 (vgl. etwa A53, A57 und A58) wurde
jedoch zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht, dass zwischenzeitlich eine
Fahndung gegen den Beschwerdeführer eingeleitet worden sei. Das SEM
wies auch zu Recht darauf hin, dass der Fahndungsbeschluss Aktivitäten
des Beschwerdeführers auf den sozialen Netzwerken erwähnt, welche die-
ser selbst weder geltend machte noch durch Beweismittel belegte. Unter
Berücksichtigung des Umstands, dass solche Dokumente leicht käuflich
erworben werden können, diese auf Beschwerdeebene erstmals erwähnt
und eingereicht wurden sowie angesichts der Tatsache, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine Vorverfolgung sowie ein langjähri-
ges politisches Engagement im Heimatstaat glaubhaft zu machen, kann
nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei diesen Unterlagen um
authentische Dokumente handelt. Es ist daher nicht anzunehmen, dass
gegen den Beschwerdeführer aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten
ein Strafverfahren und in der Folge im Frühjahr 2017 eine Fahndung ein-
geleitet wurden.
5.5 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts vorge-
bracht hat, das geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin machte
keine eigenen Asylgründe geltend und gab im Wesentlichen an, sie sei al-
lein aufgrund der Probleme ihres Ehemannes ausgereist. Das SEM hat
D-6659/2018
Seite 23
folglich die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht ver-
neint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
D-6659/2018
Seite 24
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli-
che Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies
gelingt ihnen jedoch nicht. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation
im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt
nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der
Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 In Aserbaidschan herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine
Situation allgemeiner Gewalt. Eine Wegweisung in diesen Staat ist dem-
nach grundsätzlich als zumutbar zu qualifizieren.
Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass auch keine in-
dividuellen Gründe gegen eine Wegweisung sprechen würden. Die Be-
schwerdeführenden hätten in der Heimat verschiedene Angehörige und
verfügten demnach über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz. So-
wohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdeführerin hätten eine
gute Schulbildung und seien in Aserbaidschan bereits berufstätig gewesen.
Es sei davon auszugehen, dass sie sich dort erneut integrieren könnten,
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zumal sie ihr ganzes Leben dort verbracht hätten. Zwar habe die Be-
schwerdeführerin im Jahr 2017 in der Schweiz eine psychiatrisch-psycho-
therapeutische Behandlung in Anspruch genommen. Nachdem in Aser-
baidschan stationäre und ambulante psychiatrische Behandlungen verfüg-
bar seien, gebe es keine Hinweise darauf, dass sich die Rückkehr aus ge-
sundheitlichen Gründen als unzumutbar erweisen könnte. Ferner spreche
auch das Kindeswohl der beiden in der Schweiz geborenen Töchter nicht
gegen den Vollzug der Wegweisung. Aufgrund ihres jungen Alters sei da-
von auszugehen, dass ihre Hauptbezugspersonen die Eltern seien.
Diesen überzeugenden Ausführungen werden auf Beschwerdeebene
keine Einwände entgegengehalten. Den Akten sind keine Anhaltspunkte
dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr
aus wirtschaftlichen oder medizinischen Gründen in eine Notlage geraten
könnten. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es besteht keine Veranlassung, die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach-
dem jedoch das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfü-
gung vom 27. November 2018 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrens-
kosten zu erheben.
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9.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde den Beschwerdeführenden
Rechtsanwältin Raffaella Massara als amtliche Rechtsbeiständin beigeord-
net. Diese ersuchte das Gericht mit Schreiben vom 19. November 2019 um
Entlassung aus dem amtlichen Mandat und Einsetzung von Ariane Burk-
hardt von der (...) als neue amtliche Rechtsbeiständin. Gleichzeitig bat sie
darum, ein ihr zustehendes amtliches Honorar der (...), für welche sie bis-
lang tätig gewesen sei, auszurichten. Daraufhin entliess die Instruktions-
richterin mit Zwischenverfügung vom 21. Februar 2020 Rechtsanwältin
Raffaella Massara aus dem amtlichen Mandat und bestellte den Beschwer-
deführenden Ariane Burkhardt als neue amtliche Rechtsbeiständin.
Die amtliche Rechtsvertreterin hat Anspruch auf Ausrichtung eines Hono-
rars durch das Bundesverwaltungsgericht. Mit der Replik wurde eine Ho-
norarnote vom 17. November 2020 eingereicht. Darin wird ein zeitlicher
Aufwand von 12.5 Stunden für die Tätigkeit von Rechtsanwältin Raffaella
Massara (Stundenansatz Fr. 220.–) sowie eine Stunde für die Tätigkeit der
substituierten Rechtsvertreterin (Stundenansatz Fr. 150.–) geltend ge-
macht. Dies erscheint angemessen, weshalb das amtliche Honorar auf
Fr. 3'124.– (gerundet, inklusive Mehrwertsteuerzuschlag). festzusetzen ist.
Dieses ist antragsgemäss vollumfänglich der neu eingesetzten Rechtsbei-
ständin zuzusprechen und geht zulasten der Gerichtskasse.
(Dispositiv nächste Seite)
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