Decision ID: f4d83abf-6b58-493a-9861-580467168b17
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1972
,
ist verheiratet und Mutter dreier Kinder, geboren 1994, 2002 und 2004
(Urk.
7/5/2-3
).
Sie
war
seit dem 2
2.
April 2013 mit einem Pen
sum von 7
0
%
als Mitarbeiterin Ökonomie in
der
Y._
angestellt und
hatte
Reinigungs- und Entsorgungs
arbeiten
zu verrichten
(
Urk.
7/5/6 und
7/27
)
, als ihr
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, ab dem
4.
Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
wegen einer Gonarthrose links, einer chronischen Niereninsuffizienz und einer arteriellen Hypertonie
bescheinigte (
Urk.
7/1
und 7/15/2-6
).
Der zuständige kollektive
Krankentaggeldversicherer richtete der Ver
sicherten
T
aggelder aus
(vgl. Urk.
7/16
)
.
N
ach erfolgter Früherfassung (vgl.
Urk.
7/2-4
)
meldete sich die Versicherte am
9
.
November 2015
bei der Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
an
, da
sie
an einem extrem hohen Blutdruck, an einem Nierenschaden, an einem Schilddrüsenadenom und an einer Gonarthrose im linken Knie leide
(Urk.
7
/
5
).
Die IV-Stelle
holte einen IK-Auszug ein (Urk.
7
/
13
)
und
nahm
die Unterlagen
des
kollektiven
Krankentaggeld
versicherers zu ihren Akten (Urk.
7
/
15
)
. Überdies
tätigte
sie
weitere erwerbliche (Urk.
7/27
) und medizinische (Urk.
7/17
-19
) Abklärungen. Am
2
4.
Februar 2016
fand
ein Standortgespräch
statt
(
Urk.
7/35), worauf die IV-Stelle der Versicher
ten mit schriftlicher Mitteilung vom
7.
März 2016 Frühinterventions
massnahmen in Form von Ar
beitsplatzerhalt gewährte (Urk.
7/36)
. Diese wurden nach dem Eingang eines weiteren Arztberichts vom 1
6.
März 2016 (
Urk.
7/38) mit schriftlicher Mitteilung vom
2.
Mai 2016 abgeschlossen
, da es aufgrund der andauernden 100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit nicht möglich gewesen sei, den ge
planten therapeutischen Arbeitsversuch zu beginnen
(
Urk.
7/39)
.
Die IV-Stelle holte einen Verlaufsbericht von
Dr.
Z._
vom 1
9.
Mai 2016
(
Urk.
7/41)
und eine Stellungnahme ihres regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom
6.
Juni 2016 ein. Mit
Vorbescheid vom
1
.
Juli 2016
stellte
sie
der Versicherten die Ab
weisung ihres
Leistungsbegehrens
in Aussicht (Urk.
7
/
45
). Dagegen liess die Versicherte Ein
wand erheben (Urk.
7/49), der in der Folge ergänzend begründet wurde
(Urk.
7/53; vgl. das Aktenverzeichnis
).
Dazu nahm der RAD am
20. Oktober
2016 Stellung (
Urk.
7/54/2).
Mit Verfügung vom
9
.
November
2016 verneinte die IV-Stelle einen
Leistungs
anspruch (Urk. 2 =
7
/
55
).
2.
Gegen die Verfügung vom
9. November 2016
liess die Versiche
rte, vertreten durch Rechts
anwä
lt
in
A
jka Dacic von der Fortuna
Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG
, mit Eingabe vom
8.
Dezember
2016 (Urk. 1) B
eschwerde erhe
ben mit den folgenden
Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
"1.
Es sei die Verfügung vom 0
9.
November 2016 aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin eine ganze IV-Rente zuzusprechen.
3.
Eventualiter seien weitere medizinische (insbesondere MEDAS-Be
gutachtung) sowie berufliche Abklärungen zu treffen und es sei ein Ein
kommensvergleich zu erstellen.
4.
Es sei eine Abklärung im Haushalt vorzunehmen.
5.
Es seien die Akten bei der Beschwerdegegnerin zu edieren.
6.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde–
gegnerin
."
Zusammen mit der
Beschwerdeschrift wurden neue medizinische Unterlagen vom 2
8.
November und vom
8.
Dezember 2016 eingereicht (vgl.
Urk.
3/3-4).
Die IV-Stelle schloss am 30
.
Januar 2017
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
). Davon wurde der
Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2017
Kenntnis gegeben (Urk.
8
).
Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften
und die im Beschwer
deverfahren neu eingereichten Unterlagen (
Urk.
3/3 und 3/4)
wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbe
reich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a Abs. 2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a Abs. 3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizi
nischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie
würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
terner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte die Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin leide an keiner Erkrankung, welche eine langandau
ernde Arbeitsunfähigkeit begründe. Die angestammte Tätigkeit sollte ohne Ein
schränkungen ausgeübt werde
n können (
Urk.
2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 3
0.
Januar 2017 verwies die Beschwerdegegnerin auf die
RAD-
Stellungnah
m
en vom
6.
Juni und vom
9.
November
(gemeint wohl: 2
0.
Oktober)
2016 (
Urk.
6).
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
geltend,
die Beschwerdegegnerin habe den massgeblichen Sachverhalt unzureichend abge
klärt. Insbesondere
ihre Kniegelenksbeschwerden hätten weitere Abklärungen erfordert. Überdies sei zu berücksichtigen, dass sie an einer chronischen Nie
reninsuffizienz leide, weswegen ihr
Dr.
med.
A._
,
Oberärztin des Instituts für Allgemeine innere Medizin und Nephrologie der
Y._
,
am
6.
Dezember 2016 aus
nephrologischer
Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt habe (
Urk.
1).
3.
3.1
Der
die Versicherte seit Mai 2015
behandelnde Hausarzt
Dr.
Z._
führte in seinem Bericht vom 19.
November 2015 (
Urk.
7/17) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (
Urk.
7/17/6):
Chronische Niereninsuffizienz Stadium G3bA2 (
eGFR
38 ml/min., 03/2015)
Primärer und sekundärer
Hyperparathyreoidismus
-
Nebenschilddrüsenadenom am rechten
Unterpol
der Schilddrüse
-
Vitamin D-Mangel
Arterielle Hypertonie
Exsudative Retinopathie
Hypertensive
Herzkrankheit mit mittelschwerer
Mitralinsuffizienz
Gonarthrose rechts
Übergewicht
bestehend seit 2012, Gonarthrose progredient seit Januar 2015
.
Seit dem 2
3.
Mai 2015 bis auf Weiteres bestehe wegen Knieschmerzen, Müdig
keit, Muskelkrämpfen und einer Muskelschwäche eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (
Urk.
7/17/8). Die Operation des therapiebedürftigen Neben
schilddrüsen
adenoms
sei für
Dezember 2015
geplant
(
Urk.
7/17/6).
Im ausführlichen ärztlichen Bericht vom
1.
Dezember 2015 vermerkte
Dr.
Z._
, seit Januar 2015 sei eine massive symptomatische Gonarthrose beid
seits vor
handen (
Urk.
7/19/2).
3.2
PD
Dr.
med.
B._
, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Dia
betologie des
C._
,
bestätigte am
1.
Dezember 2015 schriftlich,
es sei
demnächst eine operative Sanierung des primären
Hyperparathyreoidismus
vorgesehen. Dieses Krankheitsbild schränke die Arbeitsfähigkeit in keiner Weise ein (
Urk.
7/18).
3.3
In seinem Bericht vom 1
6.
März 2016
(
Urk.
7/38)
hielt
Dr.
med.
D._
, Oberarzt im Institut für Nephrologie und Dialyse des
E._
, die fol
genden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(Urk. 7/38/1)
:
Verdacht auf
hypertensive
Nephropathie mit/bei
-
Schrumpfniere rechts ungeklärter Ätiologie
-
chronische Niereninsuffizienz im Stadium G3b
-
blandes
Sediment
-
keine pathologische
Proteinurie
-
kompensatorisch hypertrophe linke Niere
Metabolisches Syndrom mit/bei
-
Hyperurikämie
-
BMI von knapp 40 kg/m
2
-
arterielle Hypertonie
-
HbA1c von 5,3
%
1/2016
Chronische Knieschmerzen links bei Verdacht auf Gonarthrose
(anamnestisch, Röntgenbild vom Hausarzt)
Valvuläre
und
hypertensive
Herzkrankheit mit
-
m
ittelschwere
Mitralklappeninsuffizienz
.
Das Nebenschilddrüsenadenom sei am 1
3.
Januar 2016 operativ entfernt wor
den, worauf die Versicherte drei Tag
e
im
C._
hospitalisiert gewe
sen sei. Bei gut eingestellter Hypertonie, Korrektur der
Hyperkalzämie
postope
rativ und einer nicht vorhandenen diabetischen Stoffwechsellage sei die Prog
nose bezüg
lich der chronischen
Niereninsuffizenz
relativ gut, sie werde in den nächsten Jahrzehnten zunehmen
; es sollten regelmässige Verlaufs
kontrollen in Halbjah
res-Intervallen stattfinden
(
Urk.
7/38/2). Aus
nephrologischer
Sicht bestehe
aktuell
keine Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/38/3).
Auf die Arbeitsfähigkeit wirkten sich eine verminderte körperliche Leistungs
fähigkeit aufgrund der Adipositas per magna und vermehrte (belastungs
abhängig
e) Knieschmerzen links aus. In welchem Umfang und ab wann eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit welchem Belastungsprofil möglich sei, sei vom Korrekturpotential der Knieschmerzen abhängig. Er empfehle eine Abklä
rung der chronischen Knieschmerzen links mit allfälliger Inter
vention/Operation (
Urk.
10/38/3-4).
3.4
Im
Verlaufsbericht vom 1
9.
Mai 2016
wiederholte
Dr.
Z._
die bereits gestell
ten Diagnosen und vertrat die Auffassung, die Versicherte sei nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/41/1).
Eine angepasste Tätigkeit ohne Belastung der Knie sei während zwei Stunden pro Tag zumutbar (
Urk.
7/41/2).
3.5
Dipl. med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine innere Medizin, Präven
tion und Gesundheitswesen, vom RAD gelangte am
6.
Juni 2016 zur Beurtei
lung, es be
stehe weder aus
endokrinologischer
noch aus
nephrologischer
Sicht eine Arbeitsunfähigkeit. Den Unterlagen könne nicht entnommen werden, dass eine Abklärung der Kniegelenksbeschwerden oder eine orthopädische Behand
lung erfolgt sei
en
.
Ferner fehlten
objektivierbare Befunde hinsichtlich der ange
führten Herzerkrankung
, auch eine entsprechende Krankheits
symptomatik wer
de nicht berichtet. Die Angaben des Hausarztes bezüglich der Arbeitsunfähigkeit
seien daher aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht nicht nachvoll
ziehbar. Die Versicherte sollte ohne Weiteres in der Lage sein, leichte körper
liche Tätigkeiten in Wechselbelastung vollschichtig auszuüben. Ein Gesund
heitsschaden, der sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestamm
ten Tätigkeit auswirke, sei nicht festzustellen (
Urk.
7/44/5).
An dieser Einschätzung hielt
dipl.
med.
F._
in ihrer ergänzenden Stellung
nahme vom 2
0.
Oktober 2016 fest. Zur Begründung verwies sie auf die Berichte der behandelnden Fachärzte. Das Vorliegen einer schweren Gonarthrose sei fachärztlich nicht belegt, eine fachspezifische Diagnostik/Be
handlung sei bisher nicht erforderlich gewesen. Es handle sich somit lediglich um eine Verdachts
diagnose, die aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht berücksichtigt werden könne (
Urk.
7/54/2).
4.
4.1
Es ist strittig und z
u prüfen, ob zur Ermittlung des
medizi
nischen Sachverhalts
auf die Stellungnahmen des RAD vom
6.
Juni und vom 20. Oktober 2016
abge
stellt werden kann (Urk. 1 und
6; vgl. auch Urk.
7/53
).
4.2
Bei den Ausführungen der
RAD-
Ärztin
dipl.
med.
F._
handelt es sich
um reine Aktenbeur
teilungen, da
sie
die Beschwerdeführerin nie untersuchte (Urk.
7/44/4-5 und 7/55/2
). Sie vermögen daher die praxis
ge
mässen An
forderungen an ein
ärztliches Gutachten (vgl. BGE
134 V 231 E. 5.1) von vorn
herein nicht zu erfüllen.
Zudem verfügt
dipl.
med.
F._
– soweit ersichtlich –
nicht über die erforderliche
fachärztliche Ausbildung in den Bereichen Ortho
pädie, Kardiologie,
E
ndokrinologi
e
und
N
ephrologie
.
4.3
Eine Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung kann
beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachver
halts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (
vgl. das
Urteil
des Bundesgerichts
9C_335/2015
vom
1.
September 2015
E.
3
.1
mit Hinweis
).
In diesem Zusammenhang erkannte
bereits
d
ipl.
med.
F._
zutreffend,
dass keine fachärztlichen Befunde bezüglich einer
hypertensiven
Herzkrankheit oder
einer
Gonarthrose erhoben wurden
, da keine entsprechenden Untersuchungen stattgefunden hatten
(
Urk.
7/44/5
und 7/54/2
). Dementsprechend konnte und durfte sich
dipl.
med.
F._
weder zum Fehlen noch zum Vorhandensein der be
treffenden Leiden und
damit einhergehender
Einschränkungen auf die Arbeits
fähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit äussern
.
Soweit sie dies dennoch tat, kann auf ihre Ausführungen nicht abgestellt werden.
Da sowohl
der Hausarzt
Dr.
Z._
(
Urk.
7/17/6, 7/17/8
,
7/19/2 und 17/41) als auch
der
Nephrologe
Dr.
D._
(
Urk.
7/38/1)
mit
ihren
(nicht fachärztlichen)
Berichten eine
hypertensive
Herzkrankheit und eine Gonarthrose als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zur Diskussion gestellt hatten
, hätten sich diesbezüglich weitere
fachärztliche
Abklärungen aufgedrängt.
Indem die Be
schwerdegegnerin
auf solche verzichtete, ist sie ihrer Sachverhalts
abklärungs
pflicht gemäss
Art.
43
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen.
Lediglich der Voll
ständigkeit halber bleibt zu bemerken, dass sich bezüglich der ebenfalls diagnostizierten Adipositas einstweilen keine weiteren Abklärungen aufdrän
gen, da dieses Leiden rechtsprechungsgemäss grundsätzlich keine zu Rentenleis
tungen berechtigende Invalidität bewirkt, wenn sie nicht körperliche oder geis
tige Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2017 vom 1
2.
Dezember 2017 E 3.2 mit Hin
weisen). Für Letzteres bestehen gegenwärtig keine Anhaltspunkte.
Es
ist
dipl.
med.
F._
insoweit zuzustimmen
,
als
am
6.
Juni 2016
weder aus
endokrinologischer
noch aus
nephrologischer
fachärztlicher
Sicht von einer Arbeitsun
fähigkeit auszugehen war (
Urk.
7/44/5
; vgl.
Urk.
7/18 und 7/38/2).
Die letzte
nephrologische
Untersuchung
war
am
1.
März 2016
durchgeführt
worden
(Urk. 7/38/2)
, worauf
Dr.
D._
in seinem
Bericht vom 1
6.
März 2016
regel
mässige
nephrologische
Verlaufskontrollen in Halbjahres-Intervallen
empfahl
(
Urk.
7/38/2)
.
Dem
im Beschwerdeverfahren neu eingereichten Bericht von
Dr.
A._
vom 6.
Dezember 2016 (
Urk.
3/3)
ist zu entnehmen
,
dass sich die Situation
bezüglich der chronischen schweren Niereninsuffizienz langsam
ver
schlechterte
. Aktuell liege bereits eine
schwergradige
Funktionseinschrän
kung vor. Aus
nephrologischer
Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
3/3 S. 2).
Es stellt sich daher die Frage, ob die RAD-Stellungnahme vom 2
0.
Oktober 2016, mit der offenbar von unveränderten Verhältnissen ausgegan
gen wurde (Urk. 7/54/2), betreffend den Fachbereich Nephrologie auf hin
reichend aktuellen medizinischen Unterlagen beruhte.
Die geweckten Zweifel werden durch die nicht in sich schlüssige Begründung
betreffend Arbeitsfähigkeit verstärkt. So führte
dipl.
med.
F._
aus, d
ie Ver
sicherte sollte ohne Weiteres in der Lage sein, leichte körperliche Tätigkeiten in Wechselbelastung vollschichtig auszuüben. Ein Gesundheitsschaden, der sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, sei nicht festzustellen (
Urk.
7/44/5).
Dies
e
Einschätzung vermag
bereits
in Anbe
tracht der Arbeitgeberauskunft, gemäss welcher die Versicherte zur Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit oft zu
g
ehen und zu
s
tehen hat, nur selten sitzen
kann und manchmal auch eine gebückte und verdrehte Haltung einnehmen muss (
Urk.
7/27/5), nicht zu überzeugen.
Aus dem Gesagten folgt, dass
auf die Aktenbeurteilungen des RAD nicht abge
stellt werden
kann
.
4.4
Es bleibt zu bemerken, dass sich
der massgebliche medizinische Sachverhalt
auch nicht
allein
anhand der Berichte der diversen behandelnden Ärzte,
beurtei
len lässt, ungeachtet
der Erfah
rungstatsache, dass
diese
mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
recht
liche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Es mangelt den Behandelnden, insbesondere auch
Dr.
Z._
und
Dr.
D._
an der erfor
derlichen fachärztlichen Eignung in den Bereichen Orthopädie und Kardiologie.
4.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass über den strittigen Leistungsanspruch nicht ohne zusätzliche medizinische
Abklärungen
entschieden werden kann. Da die
selben grundsätzlicher Natur sind, wird die Beschwerdegegnerin diese vorzu
nehmen haben.
Ob sie – wie von der Beschwerdeführerin gefordert – ein poly
disziplinäres Gutachten einholen will, bleibt ihrem Ermessen überlassen, da ein solches im heutigen Zeitpunkt nicht als zwingend notwendig erscheint.
Der an
gefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchfüh
rung der not
wendigen Abklärungen und zu neuer Entscheidung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (§ 26 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht;
GSVGer
).
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 500.-- festzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ebenso hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Par
teikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
). Die Höhe der gerichtlich festzu
setzenden Ent
schädi
gung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens be
mes
sen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessent
schädigung von Fr. 1‘
2
00.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als ange
messen.