Decision ID: c2483414-a00a-4ef6-8672-e6ed0c3f8d80
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1962, war als Mitarbeiter eines
Landwirtschaftsbetriebs tätig. Er meldete sich erstmals im November 2017
wegen einer fronto-temporalen Demenz bei der IV-Stelle zum Bezug von
Versicherungsleistungen an. Diese Anmeldung zog er zurück. Auf erneute
Anmeldung vom 14. Januar 2019 hin wurde ihm mit Verfügung vom
13. November 2019 eine halbe Invalidenrente zugesprochen. Mit
Verfügung vom 4. Dezember 2020 wurde die Invalidenrente ab September
2020 auf eine ganze Rente erhöht.
2. Bereits am 14. August 2020 hatte sich A._ bei der IV-Stelle zum
Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet. Am 5. Januar 2021 fand
eine Abklärung vor Ort statt. Der Abklärungsbericht erging am 8. Januar
2021.
3. Nach ablehnendem Vorbescheid vom 25. Januar 2021 und Einwand vom
11. bzw. 19. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers mit Verfügung vom 30. April 2021 ab. Dabei führte sie
aus, A._ sei in keiner der sechs für den Bezug einer
Hilflosenentschädigung relevanten Lebensverrichtungen auf die
regelmässige und erhebliche Hilfe Dritter angewiesen. Auch die
lebenspraktische Begleitung von zwei Stunden wöchentlich über eine
Zeitspanne von drei Monaten sei nicht ausgewiesen, weshalb die
Voraussetzungen der Regelmässigkeit, der Dauer und der Intensität an
Begleitung nicht erfüllt seien. Was die Anleitung zur Erledigung des
Haushalts betreffe, habe eine zusätzliche telefonische Abklärung bei Frau
C._ von der D._ in Chur vom 12. März 2021 ergeben, dass
A._ Arbeiten, die er von früher kenne, umsetzen könne, dass er
wegen seiner kognitiven Defizite teilweise abschweife und dass er
lediglich eine Tätigkeit nach der anderen erledigen könne.
Zusammenfassend sei festzustellen, dass A._ erlernte Arbeiten noch
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weitgehend ausführen könne. Er lebe seit Jahren in der gleichen Struktur
und sei nicht in ein Heim eingewiesen worden. Die Arbeiten im Bereich
Haushalt würden seit Jahren nicht aus gesundheitlichen Gründen durch
Dritte 1:1 übernommen. Aktuell würden sie weiterhin durch Dritte
übernommen wie vor Eintritt des Gesundheitsschadens. Der
angefochtene Vorbescheid erweise sich damit als rechtens.
4. Gegen die Verfügung vom 30. April 2021 erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 26. Mai 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte die
kostenfällige Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprechung
einer Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades,
eventualiter die Rückweisung zu weiteren Abklärungen. Zur Begründung
brachte er im Wesentlichen vor, er könne aufgrund seiner
Demenzerkrankung nicht mehr selbst für sich kochen oder den Haushalt
führen, weshalb eine Hilflosigkeit im Bereich des Essens vorliege. Auch
könne er nicht mehr selbst adäquate Kleidung für sich heraussuchen und
er merke nicht, wenn seine Kleidung schmutzig sei und gewechselt
werden müsse. Daher sei er im Bereich des An- und Auskleidens
hilfsbedürftig. Dasselbe gelte für den Bereich der Körperpflege, da er ohne
Aufforderung nicht regelmässig duschen bzw. sich nicht rasieren würde.
Schliesslich sei er in vielen kleinen alltäglichen Angelegenheiten auf Hilfe
und Begleitung durch Dritte angewiesen, wie z.B. in administrativen
Belangen, bei der Erinnerung an den PIN-Code seiner Bankkarten, bei der
Funktionsweise von Parkuhren oder bei der Erinnerung an und Begleitung
zu Terminen. Da er nebst dem Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
auch in den Bereichen Essen, An- und Auskleiden sowie Körperpflege auf
regelmässige Hilfe Dritter angewiesen sei, habe er Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades.
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5. Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2021 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. Sie verwies primär auf die Begründung in der angefochtenen
Verfügung. Der Beschwerdeführer sei noch heute in der Lage,
Routinetätigkeiten auszuführen. Deshalb und weil er seit jeher
Unterstützung in der Haushaltsführung erhalten habe, sei unklar
geblieben, ob er in der Haushaltsführung hilflos sei. Gestützt auf die Akten
sowie auf die Fremdauskünfte der D._ (Frau C._) zum
Arbeitsverhalten sei dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erwiesen. Zum neu vorgebrachten Einwand, dass er auch in den
Bereichen An-/Auskleiden, Essen und Körperpflege hilflos sei, gehe aus
dem Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 hervor, dass die Dritthilfen in
diesen Bereichen nicht regelmässig und erheblich seien. Der
Beschwerdeführer sei an zwei bis drei Tagen allein und erledige dann das
An- und Auskleiden ohne Unterstützung. Er esse allein und benötige keine
Hilfe beim Zerkleinern der Nahrung. Zudem sei es ihm zumutbar, eine
Duschseife zu benutzen, die auch zum Haare waschen geeignet sei, wenn
er Duschgel und Shampoo nicht unterscheiden könne. Allein die
Aufforderung zum Duschen und die Erinnerung zum Benutzen des
Rasierschaums stellten noch keine erhebliche und regelmässige Dritthilfe
dar.
Auf die weitere Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
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anfechtbar. Vorliegend stellt die angefochtene Verfügung der IV-Stelle des
Kantons Graubünden vom 30. April 2021 (Akten des Beschwerdeführers
[Bf-act.] 3, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 92) ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
zusammen mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der strittigen
Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2.1. Streitgegenstand bildet der Anspruch auf Hilflosenentschädigung des
Beschwerdeführers bzw. die Frage, ob die Abweisung seines Gesuchs um
Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung rechtmässig ist oder nicht.
2.2. Gemäss Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 51 Abs. 2 VRG dürfen
Rechtsbegehren, die im vorinstanzlichen Verfahren gestellt wurden, nicht
ausgedehnt werden (vgl. dazu auch Urteile des Verwaltungsgerichts
[nachfolgend VGU] R 18 83 vom 14. Juli 2020 E.2.2, A 19 27 vom
25. August 2020 E.2.1, R 18 94 vom 20. Oktober 2020 E.2). Vorliegend
stellte die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni
2021 zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
neben dem Bedarf an lebenspraktischer Begleitung neu eine
Hilfsbedürftigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen Essen, An- und
Auskleiden sowie Körperpflege geltend macht. Diese Vorbringen beziehen
sich allerdings auf den hier zu prüfenden Anspruch auf
Hilflosenentschädigung. Sie erweitern den Streitgegenstand somit nicht,
weshalb im Nachfolgenden auch auf diese einzugehen ist.
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3. Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und
gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9
ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt eine
Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung
gilt gemäss Art. 42 Abs. 3 IVG auch eine Person, die zu Hause lebt und
wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist, als hilflos (Satz 1), wobei für
die Annahme einer Hilflosigkeit mindestens ein Anspruch auf eine
Viertelsrente gegeben sein muss, wenn nur die psychische Gesundheit
beeinträchtigt ist (Satz 2; vgl. auch Art. 38 IVV). Ist eine Person lediglich
dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen, so liegt immer eine
leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 Satz 3 IVG).
3.1. Nach Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte
Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der
Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen
kann (lit. a), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf
Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet
ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu
berücksichtigen ist gemäss Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV nur diejenige
lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit
den in Art. 38 Abs. 1 IVV erwähnten Situationen erforderlich ist. Als
regelmässig im Sinne von Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV gilt die
lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei
Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Woche
benötigt wird (BGE 146 V 322 E.6.1, BGE 133 V 450 E.6.2; Kreisschreiben
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [nachfolgend
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KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Rz. 8053). Nach der Rechtsprechung
umfasst die lebenspraktische Begleitung weder die (direkte oder indirekte)
Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen noch die dauernde
Pflege oder persönliche Überwachung im Sinne von Art. 37 IVV; vielmehr
stellt sie ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar
(BGE 146 V 322 E.2.3, BGE 133 V 450 E.9).
3.2. Art. 42 Abs. 2 IVG sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor (leicht, mittelschwer
und schwer). Demnach und gestützt auf Art. 37 Abs. 3 IVV gilt die
Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von
Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist
(lit. a), einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b), einer
durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen
Pflege bedarf (lit. c), wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines
schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und
erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen
kann (lit. d) oder dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von
Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. e).
Gemäss Art. 37 Abs. 2 IVV gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf (lit. b) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV
angewiesen ist (lit. c). Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit
mittelschweren Grades nach Art. 36 (seit 1. Januar 2004: Art. 37) Abs. 2
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lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen
Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E.3b; Urteile des
Bundesgerichts 9C_560/2017 vom 17. Oktober 2017 E.2 und
9C_809/2015 vom 10. August 2016 E.6.1; KSIH Rz. 8009).
3.3. Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E.3a mit Hinweisen) sind die folgenden
sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 133 V 450
E.7.2, BGE 127 V 94 E.3c; Urteile des Bundesgerichts 8C_680/2020 vom
15. Dezember 2020 E.3 und 9C_457/2015 vom 21. Oktober 2015 E.2.1):
(1.) Ankleiden, Auskleiden; (2.) Aufstehen, Absitzen, Abliegen; (3.) Essen
(inkl. Nahrung zerkleinern und zum Mund führen); (4.) Körperpflege (inkl.
Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden/Duschen); (5.) Verrichtung der
Notdurft; (6.) Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (vgl.
auch KSIH Rz. 8010). Bei Lebensverrichtungen, die mehrere
Teilfunktionen umfassen, wird nicht verlangt, dass die versicherte Person
bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; es genügt
vielmehr, wenn sie in Bezug auf eine dieser Teilfunktionen regelmässig in
erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (Urteil
des Bundesgerichts 9C_560/2017 vom 17. Oktober 2017 E.4.2; KSIH
Rz. 8011). Eine blosse Erschwerung oder verlangsamte Vornahme von
Lebensverrichtungen vermag nicht bereits eine Hilflosigkeit zu begründen
(KSIH Rz. 8013; Urteil des Bundesgerichts 9C_633/2012 vom 8. Januar
2013 E.3.4).
3.4. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale
Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG, Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat die
Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen
(Art. 43 Abs. 1 ATSG, Art. 61 lit. c ATSG; BGE 144 V 427 E.3.2; Urteile
des Bundesgerichts 8C_207/2020 vom 5. August 2020 E.2.2 und
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8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1). Die Verwaltung als
verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die
blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Die Richterin und der Richter haben vielmehr
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (zum Ganzen:
BGE 144 V 427 E.3.2, BGE 138 V 218 E.6).
3.5. Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines
Leistungsanspruchs u.a. Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach
der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der
Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden
Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter
wirkt eine qualifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen
Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten
Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder
deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen
an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern
notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu
berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im
Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss schliesslich plausibel,
begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der
dauernden Pflege, der persönlichen Überwachung und der
lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung
mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht
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greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im
eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung
tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen
vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich
kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das
im Beschwerdefall zuständige Gericht (zum Ganzen: BGE 140 V 543
E.3.2.1, vgl. auch BGE 147 V 16 E.6.2 sowie Urteile des Bundesgerichts
9C_98/2020 vom 8. April 2020 E.2.3 und 8C_573/2018 vom 8. Januar
2019 E.3.2).
4. Unstreitig ist vorliegend, dass der Beschwerdeführer weder dauernd auf
persönliche Überwachung noch regelmässig in erheblicher Weise auf
Dritthilfe in den Lebensverrichtungen "Aufstehen, Absitzen, Abliegen",
"Verrichten der Notdurft" und "Fortbewegung, Kontaktaufnahme"
angewiesen ist. Zu prüfen ist somit, ob zumindest eine leichte Hilflosigkeit
vorliegt, indem der Beschwerdeführer in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter und/oder aber dauernd auf lebenspraktische Begleitung
angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 IVV; vgl. Erwägung 3.2).
4.1. Zunächst ist zu prüfen, ob in der alltäglichen Lebensverrichtung "Essen"
eine Hilflosigkeit besteht.
4.1.1. Während die Beschwerdegegnerin die Vorbringen des
Beschwerdeführers in dessen Einwand vom 19. Februar 2021 (IV-act. 89)
zum Bereich Kochen/Waschen/Putzen unter dem Aspekt der
lebenspraktischen Begleitung prüfte (vgl. die angefochtene Verfügung
vom 30. April 2021 [IV-act. 92, S. 2 f.]), machte dieser beschwerdeweise
geltend, er sei in der Lebensverrichtung "Essen" auf Hilfe angewiesen, da
er nicht mehr selbstständig fähig sei, sich zu ernähren oder den Haushalt
zu führen. Insofern ist zwischen der (direkten bzw. indirekten) Dritthilfe in
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einer der sechs Lebensverrichtungen und der lebenspraktischen
Begleitung zu unterscheiden.
4.1.2. Die benötigte Hilfe in den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen kann
nicht nur in direkter Dritthilfe, sondern auch anhand einer Überwachung
bei der Vornahme relevanter Lebensverrichtungen bestehen, indem etwa
die Drittperson die versicherte Person auffordert, eine Lebensverrichtung
vorzunehmen, die diese wegen ihres psychischen oder geistigen
Zustandes ohne besondere Aufforderung nicht vornehmen würde
(indirekte Dritthilfe; BGE 133 V 450 E.7.2 mit Hinweis auf BGE 121 V 88
E.3c u.a.; Urteil des Bundesgerichts 9C_381/2020 vom 15. Februar 2021
E.5.1.1). Direkte oder indirekte Hilfestellungen Dritter, derer die
versicherte Person bei mehreren Lebensverrichtungen bedarf, können
grundsätzlich nur einmal berücksichtigt werden (Urteile des
Bundesgerichts 9C_381/2020 vom 15. Februar 2021 E.5.1.2,
8C_184/2019 vom 22. Juli 2019 E.5.1, 9C_491/2018 vom 8. Januar 2019
E.2.2, 9C_839/2009 vom 4. Juni 2010 E.3.3). Dies gilt auch bei
Überschneidungen im Bedarf an lebenspraktischer Begleitung einerseits
und der Hilfsbedürftigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen
andererseits (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_381/2020 vom
15. Februar 2021 E.5.1.2 und 9C_691/2014 vom 11. Dezember 2014
E.4.2 sowie KSIH, Rz. 8048). Bei der Zuordnung einer Hilfeleistung zu
einer bestimmten Lebensverrichtung hat eine funktional gesamtheitliche
Betrachtungsweise Platz zu greifen (Urteile des Bundesgerichts
9C_381/2020 vom 15. Februar 2021 E.5.1.2, 8C_184/2019 vom 22. Juli
2019 E.5.1 und 9C_839/2009 vom 4. Juni 2010 E.3.3).
4.1.3. Demgegenüber umfasst die lebenspraktische Begleitung weder die
(direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen
noch die dauernde Pflege oder persönliche Überwachung im Sinne von
Art. 37 IVV. Vielmehr stellt sie, wie bereits erwähnt (vgl. Erwägung 3.1),
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ein zusätzliches und eigenständiges Institut dar (BGE 146 V 322 E.2.3,
BGE 133 V 450 E.9). Die Notwendigkeit einer Dritthilfe ist objektiv nach
dem Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen.
Abgesehen vom Aufenthalt in einem Heim ist die Umgebung, in der sie
sich aufhält, grundsätzlich unerheblich. Bei der lebenspraktischen
Begleitung darf keine Rolle spielen, ob die versicherte Person allein lebt,
zusammen mit dem Lebenspartner, mit Familienmitgliedern oder in einer
der heutzutage verbreiteten neuen Wohnformen. Massgebend ist einzig,
ob die versicherte Person, wäre sie auf sich allein gestellt, erhebliche
Dritthilfe in Form von Begleitung und Beratung benötigen würde. Von
welcher Seite diese letztlich erbracht wird, ist ebenso bedeutungslos wie
die Frage, ob sie kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 146 V 322 E.2.3,
BGE 133 V 450 E.5; Urteil des Bundesgerichts 9C_381/2020 vom
15. Februar 2021 E.5.2). Die von der Rechtsprechung für grundsätzlich
sachlich gerechtfertigt und damit gesetzes- und verordnungskonform
befundene Konkretisierung der Anwendungsfälle der lebenspraktischen
Begleitung im KSIH (Rz. 8050-8052; vgl. BGE 133 V 450 E.9) sieht in
Rz. 8050 u.a. was folgt vor: "Die lebenspraktische Begleitung ist
notwendig, damit der Alltag selbstständig bewältigt werden kann. Sie liegt
vor, wenn die betroffene Person auf Hilfe bei mindestens einer der
folgenden Tätigkeiten angewiesen ist: Hilfe bei der Tagesstrukturierung;
Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen (z. B. Fragen der
Gesundheit, Ernährung und Hygiene, einfache administrative Tätigkeiten,
etc.); Haushaltsführung."
4.1.4. Aus diesen Ausführungen erhellt, dass die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte, krankheitsbedingte Unfähigkeit, sich ohne Dritthilfe
angemessen zu ernähren bzw. selbst zu kochen oder den Haushalt zu
führen, der lebenspraktischen Begleitung und nicht der alltäglichen
Lebensverrichtung Essen zuzuschreiben ist. Bei Letzterer liegt gemäss
KSIH Rz. 8018 eine Hilflosigkeit vor, wenn die versicherte Person zwar
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selber essen, dies jedoch nur auf eine nicht übliche Art und Weise
ausführen kann (BGE 106 V 153 E.2b), indem sie beispielsweise die
Speisen nicht zerkleinern, nur püriert essen oder nur mit den Fingern zum
Munde führen kann (BGE 121 V 88 E.3c). Dies trifft ausweislich der Akten
auf den Beschwerdeführer nicht zu. Zwar wird im Abklärungsbericht vom
8. Januar 2021 (IV-act. 79) festgehalten, dass er von Zeit zu Zeit das
Besteck verwechsle und z.B. den Käse mit der Gabel schneiden wolle.
Allerdings esse er alleine und benötige keine Hilfe beim Zerkleinern der
Nahrung (IV-act. 79, S. 5). Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin das Angewiesensein auf regelmässige und
erhebliche Dritthilfe in der alltäglichen Lebensverrichtung Essen verneint
hat. Die in der Beschwerde vorgebrachten Hilfestellungen bei der
Ernährung und Haushaltsführung sind denn auch beim Bedarf an
lebenspraktischer Begleitung zu prüfen.
4.2. Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, er sei in der alltäglichen
Lebensverrichtung "An- und Ausziehen" auf Hilfe angewiesen.
4.2.1. Eine Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person ein
unentbehrliches Kleidungsstück oder ein Hilfsmittel nicht selber an- oder
ausziehen kann. Sie ist aber auch gegeben, wenn sich die versicherte
Person zwar selber ankleiden, aufgrund kognitiver Probleme sich jedoch
nicht der Witterung entsprechend kleiden kann oder wenn sie Vor- und
Rückseite der Kleidungsstücke verwechselt (KSIH Rz. 8014; Urteil des
Bundesgerichts 9C_381/2020 vom 15. Februar 2021 E.5.3.1).
Die Hilfe ist gemäss Rechtsprechung erst dann regelmässig, wenn sie die
versicherte Person täglich oder eventuell (nicht voraussehbar) täglich
benötigt (Urteile des Bundesgerichts 9C_54/2020 vom 20. Mai 2020 E.6.2,
8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 E.3.2.3, 9C_562/2016 vom
13. Januar 2017 E.5.3). Von einer erheblichen Hilfe ist namentlich dann
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auszugehen, wenn die versicherte Person mindestens eine Teilfunktion
einer einzelnen Lebensverrichtung (z.B. Waschen bei der
Lebensverrichtung Körperpflege) nicht mehr, nur mit unzumutbarem
Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise (BGE 106 V 153 E.2b)
selbst ausüben kann (KSIH Rz. 8026).
4.2.2. Im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 (IV-act. 79, S. 5) wurde zur
alltäglichen Lebensverrichtung "An- und Auskleiden" festgehalten, der
Beschwerdeführer könne gemäss seiner Lebenspartnerin die Kleidung
nicht aus dem Kleiderschrank aussuchen, er erkenne im Schrank die
Kleidung nicht. Er wechsle die Kleidung unzureichend bei Verschmutzung.
Er ziehe sich gemäss den Angaben der Lebenspartnerin nicht immer der
Witterung gerecht an. Die Lebenspartnerin lege ihm die Kleidung bereit
und fordere ihn bei Verschmutzung zum Wechseln auf. Der
Beschwerdeführer ziehe sich so alleine und korrekt an. Von Zeit zu Zeit
müsse sie ihn auffordern, eine Jacke anzuziehen. Der Beschwerdeführer
sei an zwei bis drei Tagen in der Woche alleine und mache es dann ohne
Unterstützung. Damit sei eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe nicht
ausgewiesen. Der Aufwand zum Bereitlegen der Kleidung und die
Aufforderung zum Wechseln werde bei der lebenspraktischen Begleitung
berücksichtigt (IV-act. 79, S. 5).
4.2.3. Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer
leidet gemäss Bericht von PD Dr. med. E._, Leitender Arzt
Neurologie der F._ Clinic, Universitäre Altersmedizin G._, vom
23. Juni 2020 an einer majoren neurokognitiven Störung, Schweregrad
leicht bis mittelschwer (DSM-5), neurodegenerativer Genese im Rahmen
einer wahrscheinlichen Alzheimer-Krankheit (IV-act. 52). PD Dr. med.
E._ stellte darin aufgrund der eigen- und fremdanamnestischen
Angaben sowie des klinischen Eindrucks eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers fest, wobei sich die
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vorbestehenden Einschränkungen im Bereich der episodischen und des
semantischen Gedächtnisses weiter akzentuiert hätten. Zudem würden
sich testpsychologisch Zeichen einer eingeschränkten mentalen
Flexibilität und eines eingeschränkten Sprachverständnisses zeigen.
Weiter fänden sich im Rahmen der Untersuchung Zeichen einer
ideomotorischen Apraxie. Zusammengefasst sei die Klinik weiter passend
zu einer linkshemisphärisch-betonten Alzheimer-Krankheit. Aktuell sei von
einer majoren neurokognitiven Störung von leichtem bis mittelschwerem
Schweregrad auszugehen; dies bei zunehmender Unterstützung durch die
Lebenspartnerin im Alltag, unter anderem im Sinne eines Bereitstellens
der Kleidung zum Ankleiden
oder teils auch Unterstützung bei der Hygiene (hinweisen auf den
Gebrauch von Rasierschaum beim Nassrasieren) (IV-act. 52, S. 3).
Angesichts dieser fachärztlichen Beurteilung erscheint es plausibel, wenn
der Beschwerdeführer beschwerdeweise vorbringt, dass er nicht mehr
selbst adäquate Kleidung für sich heraussuchen könne, sondern diese für
ihn bereitgelegt werden müsse. Da insbesondere im Rahmen der
Exekutivfunktionen eine Einschränkung der mentalen Flexibilität und – wie
bereits anlässlich der neuropsychologischen Abklärung vom 22. März
2017 festgestellt (IV-act. 4, S. 12) – der Planungsfähigkeit besteht, ist die
Unfähigkeit des Beschwerdeführers, sich ohne Hilfe situativ der Witterung
angepasst zu kleiden bzw. verschmutzte Kleider zu erkennen,
nachvollziehbar. Die dementsprechend notwendige Hilfestellung geht
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin über das Ausmass
einer blossen lebenspraktischen Begleitung im Sinne einer Aufforderung,
sich anzukleiden bzw. die Kleider zu wechseln, hinaus und ist deshalb
nicht dort, sondern direkt bei der alltäglichen Lebensverrichtung "An- und
Auskleiden" zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_381/2020
vom 15. Februar 2021 E.5.3.1). Zudem hat die Beschwerdegegnerin
ausser Acht gelassen, dass der Beschwerdeführer in diesem Kontext
regelmässig und in erheblicher Weise – insbesondere je nach Witterung
- 16 -
unter Umständen auch mehrmals täglich – auf Unterstützung angewiesen
ist. Diesbezüglich ist auch auf die vorerwähnte Rz. 8014 KSIH zu
verweisen. Sollte dem Beschwerdeführer die Hilfsbedürftigkeit in dieser
Lebensverrichtung aufgrund des Umstands abgesprochen worden sein,
dass er – wie im Abklärungsbericht vermerkt – an zwei bis drei Tagen in
der Woche alleine ist und sich "dann ohne Unterstützung" anziehe, ist dies
dem Umstand geschuldet, dass seine Lebenspartnerin, mit der er nicht
zusammenwohnt, ausweislich der Akten nur an vier bis fünf Tagen die
Woche bei ihm ist (IV-act. 79, S. 2). Dies vermag jedoch nicht über den
Umstand hinwegzutäuschen, dass er – wie aus den fachärztlichen
neurologischen bzw. neuropsychologischen Beurteilungen erhellt –
krankheitsbedingt nicht in der Lage ist, seine Kleider witterungsadäquat
auszusuchen bzw. verschmutzte Kleider zu wechseln, womit er eben
(mehrmals) täglich einer Hilfestellung bedarf.
4.2.4. Insgesamt ist somit dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass er
auf regelmässige und erhebliche Hilfe in der alltäglichen
Lebensverrichtung "An- und Ausziehen" angewiesen ist.
4.3. Sodann ist zu prüfen, ob in der alltäglichen Lebensverrichtung
"Körperpflege" eine Hilflosigkeit besteht.
4.3.1. Die Körperpflege umfasst mehrere Teilfunktionen: das Waschen,
Kämmen, Rasieren und Baden/Duschen (Urteil des Bundesgerichts
9C_253/2013 vom 17. Juni 2013 E.1 mit Verweis auf KSIH Rz. 8020). Für
die Annahme von Hilflosigkeit in einer mehrere Teilfunktionen
umfassenden Lebensverrichtung genügt, wenn die versicherte Person in
Bezug auf eine dieser Funktionen regelmässig in erheblicher Weise auf
(direkte oder indirekte) Dritthilfe angewiesen ist (BGE 121 V 88 E.3c,
BGE 117 V 146 E.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_533/2019 vom
11. Dezember 2019 E.3.2.3 und 9C_560/2017 vom 17. Oktober 2017
- 17 -
E.4.2; KSIH Rz. 8011). Eine blosse Erschwerung oder verlangsamte
Vornahme von Lebensverrichtungen vermag nicht bereits eine Hilflosigkeit
zu begründen (Urteile des Bundesgerichts 8C_681/2014 vom 19. März
2015 E.5.3, 9C_633/2012 vom 8. Januar 2013 E.3.4 und 9C_373/2012
vom 22. August 2012 E.4.2, je mit verschiedenen Hinweisen, so auf ZAK
1986 S. 481, I 25/85 E.2b, Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 127/00
vom 26. März 2001 E.3b/dd, Urteil des Bundesgerichts 8C_912/2008 vom
5. März 2009 E.10.2; vgl. auch KSIH Rz. 8013).
4.3.2. Ergänzend ist auf die einen allgemeinen Grundsatz des
Sozialversicherungsrechts darstellende Schadenminderungspflicht
hinzuweisen (BGE 145 V 2 E.4.2.2 und E.4.2.3, BGE 141 V 642 E.4.3,
BGE 123 V 230 E.3c). Danach hat die versicherte Person auch im Bereich
der Hilflosenentschädigung, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr
Zumutbare selber vorzukehren, um die Folgen des Gesundheitsschadens
bestmöglich zu mildern (BGE 114 V 281 E.3a, BGE 113 V 22 E.4a; Urteil
des Bundesgerichts 9C_468/2017 vom 11. September 2017 E.4.4.1).
Solange in diesem Rahmen durch geeignete Massnahmen bei einzelnen
Lebensverrichtungen die Selbstständigkeit erhalten werden kann, liegt
diesbezüglich keine relevante Hilflosigkeit vor (Urteile des Eidg.
Versicherungsgerichts H 150/03 vom 30. April 2004 E.1.3 und H 299/03
vom 7. Juni 2004 E.1.2, je mit Hinweis auf ZAK 1989 S. 215 E.2b). Von
der versicherten Person können nur Vorkehren verlangt werden, die unter
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E.4a;
Urteile des Bundesgerichts 9C_674/2019 vom 9. Dezember 2019 E.3.4.3,
8C_680/2018 vom 11. Januar 2019 E.5.2 und 9C_356/2014 vom
14. November 2014 E.3.1). Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens
auf die Einsatzfähigkeit sind durch geeignete organisatorische
Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen – denen dadurch
keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf – möglichst zu
- 18 -
mildern. Diese Mithilfe geht weiter als die ohne Gesundheitsschaden
üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 141 V 642 E.4.3.2 mit
Hinweis auf Urteile des Eidg. Versicherungsgerichts I 3/04 vom 27. August
2004 E.3.1, in: SVR 2006 IV Nr. 25 S. 85 und I 457/02 vom 18. Mai 2004
E.8, nicht publ. in: BGE 130 V 396, aber in: SVR 2005 IV Nr. 6 S. 21). Geht
es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist stets danach zu fragen,
wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn
keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 141 V 642
E.4.3.2).
4.3.3. Dem Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 ist zur alltäglichen
Lebensverrichtung "Körperpflege" namentlich zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer nach Angaben seiner Lebenspartnerin nicht ohne
Aufforderung dusche (IV-act. 79, S. 6). Sie beschreibe, dass sie ihn
mehrheitlich überreden müsse. Er verwechsle beim Duschen das
Duschmittel und das Shampoo. Der Beschwerdeführer rasiere sich nass,
vergesse aber den Rasierschaum. Den Ablauf beim Duschen und beim
Rasieren könne er alleine ausführen.
Soweit der Beschwerdeführer beschwerdeweise erneut vorbringt, er
müsse von seiner Lebenspartnerin zum Duschen aufgefordert werden, ist
auf Rz. 8029.1 (und 8026.1) KSIH hinzuweisen, wonach die indirekte
Dritthilfe eine gewisse Intensität aufweisen und über eine einfache
Aufforderung hinausgehen muss. Einer versicherten Person mehrmals zu
sagen, sie solle duschen, reicht beispielsweise nicht aus. Neben der
Wiederholung der Aufforderung muss mindestens die Handlung während
der Ausführung überwacht und im Bedarfsfall eingegriffen werden (KSIH
Rz. 8029.1). Dass vorliegend eine solche Hilfestellung durch die
Lebenspartnerin (oder einer anderen Drittperson) beim Duschen
krankheitsbedingt notwendig ist, erscheint aufgrund der Akten nicht
ausgewiesen. Vielmehr ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten,
- 19 -
dass es dem Beschwerdeführer im Sinne der Schadenminderungspflicht
zumutbar ist, eine Duschseife zu benutzen, die sowohl zur Reinigung des
Körpers als auch zum Waschen der Haare geeignet ist (vgl.
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 [IV-act. 79, S. 6]). Zwar geht aus
dem Bericht von PD Dr. med. E._ vom 23. Juni 2020 hervor, dass der
Beschwerdeführer auf den Gebrauch von Rasierschaum beim
Nassrasieren hingewiesen werden müsse (IV-act. 52, S. 2 f.). Dieses
Angewiesensein auf Hilfeleistung erreicht indes nicht die nach den
vorerwähnten Grundsätzen notwendige Erheblichkeit. Insbesondere
macht der Beschwerdeführer nicht geltend und es ist auch nicht
ersichtlich, dass seine Lebenspartnerin im Bedarfsfall beim oder nach dem
Rasieren noch nachbessern müsste. Vielmehr kann sich der
Beschwerdeführer gemäss Abklärungsbericht unbestrittenermassen
selbstständig hinlänglich rasieren (IV-act. 79, S. 6).
4.3.4. Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin die
Aufforderung zum Duschen und die Erinnerung zum Benutzen des
Rasierschaums bei der lebenspraktischen Begleitung berücksichtigt hat.
4.4. Zu prüfen ist schliesslich, ob der Beschwerdeführer dauernd auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist.
4.4.1. Bei der lebenspraktischen Begleitung handelt es sich – wie bereits
dargelegt (vgl. Erwägung 3.1) – um ein zusätzliches und eigenständiges
Institut der Hilfe für Personen, die ausserhalb eines Heimes leben. Ziel der
lebenspraktischen Begleitung ist es, den Eintritt der versicherten Person
in ein Heim nach Möglichkeit hinauszuschieben oder zu verhindern
(BGE 133 V 450 E.5; Urteil des Bundesgerichts 9C_763/2019 vom
17. August 2020 E.6.2). Lebenspraktische Begleitung besteht mit anderen
Worten nur dann, wenn eine Person unter Berücksichtigung der
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht nicht fähig ist, ihre
- 20 -
Grundversorgung sicherzustellen, wenn mithin ein Heimeintritt
zwingendermassen die Folge wäre (vgl. Rz. 8040 und 8050.3 KSIH). Die
lebenspraktische Begleitung ist regelmässig, wenn sie über eine Periode
von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro
Woche benötigt wird (vgl. Erwägung 3.1 mit Hinweis auf BGE 146 V 322
E.6.1, BGE 133 V 450 E.6.2; KSIH Rz. 8053).
4.4.2. Im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 wurde beim Bedarf des
Beschwerdeführers an lebenspraktischer Begleitung insgesamt ein
Zeitaufwand von 55 Minuten (recte 65 Minuten; 35 Minuten für Begleitung
zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens und 30 Minuten für
Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen/Kontakten) pro Woche
festgehalten (IV-act. 79, S. 7 ff.). Diese Zeitangabe erscheint in Anbetracht
der krankheitsbedingten Einschränkungen des Beschwerdeführers
gesamtheitlich betrachtet bisweilen zu knapp bemessen, wobei eine
solche für gewisse Bereiche sogar gänzlich fehlt. Der Beschwerdeführer
benötigt aufgrund seiner fortschreitenden Demenz nachweislich ein hohes
Mass an Strukturierung im Alltag. Dabei liegt auf der Hand, dass er
regelmässig von Dritten an Termine erinnert werden muss. Auch wenn
dies im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 in den für die Hilfe bei der
Tagesstrukturierung vorgesehenen 25 Minuten pro Woche nicht
ausdrücklich genannt wird, kann diese Hilfestellung anstelle des dort – wie
in Erwägung 4.2.2 f. dargelegt – zu Unrecht aufgeführten Aufwands für
das Bereitstellen der Kleidung bzw. die Aufforderung zu deren Wechsel
als mitberücksichtigt gelten.
4.4.3. Der Beschwerdeführer ist mit Blick auf die Unterstützung bei der
Bewältigung von Alltagssituationen ebenfalls auf Dritthilfe angewiesen. Im
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 wurden dafür 10 Minuten pro
Woche veranschlagt (IV-act. 79, S. 8). Dazu wurde ausgeführt, die
Lebenpartnerin beschreibe den Beschwerdeführer als unsicher im Alltag.
- 21 -
Er vergewissere sich immer wieder durch Rückfragen, wie z.B. beim
Wahrnehmen aussergewöhnlicher Termine. Der Beschwerdeführer könne
mit gespeicherten Nummern telefonieren. Er bewältige den Arbeitsweg
selbstständig mit dem Auto. In ungewohnten Situationen sei er auf
Unterstützung angewiesen. Er habe der Abklärungsperson z.B. keine
Aussage darüber machen können, was er machen würde, wenn ihm das
Benzin während der Autofahrt ausginge. Er habe den Blick seiner
Lebenspartnerin gesucht, die immer mit ihm tanken gehe (IV-act. 79, S. 8).
Aus diesen Ausführungen erhellt, dass im Abklärungsbericht vom
8. Januar 2021 kein Zeitaufwand für administrative Tätigkeiten
berücksichtigt wurde (vgl. hierzu Rz. 8050 KSIH). Dass er in diesen
Belangen krankheitsbedingt unterstützungsbedürftig ist, ist aufgrund der
medizinischen Aktenlage unbestrittenermassen ausgewiesen. So weist er
mittelschwere kognitive Einschränkungen im Bereich des Lesens,
Schreibens und Rechnens, in der Zahlenverarbeitung und beim
Kurzzeitgedächtnis auf (vgl. Angaben von Dr. med. H._ im Rahmen
der Anmeldung zur Hilflosenentschädigung vom 13. August 2020 [IV-
act. 57, S. 7], Arztbericht von Dr. med. H._ im Rahmen der
Anmeldung zur beruflichen Integration/Rente vom 16. Februar 2019 [IV-
act. 28, S. 2 f.], neuropsychologische Beurteilung der Dres. med. I._
und J._, Psychiatrische Dienste Graubünden, vom 7. Juli 2017 [IV-
act. 4, S. 12]). Mit Untersuchungsbericht vom 13. Februar 2019 führten PD
Dr. med. E._, Dr. phil. K._ und L._ zum
neuropsychologischen Befund namentlich aus, beim Beschwerdeführer
zeigten sich schwere Defizite im Benennen, im Schreiben nach Diktat und
beim lauten Lesen (IV-act. 28, S. 11 f.). Aufgrund der stark
eingeschränkten Leseleistung gelinge ihm bei der Prüfung des
Lesesinnverständnisses die Schilderung des zuvor gelesenen Textes
nicht. Auch das Kopfrechnen sei nicht möglich. Im Bereich der exekutiven
Funktionen sei das verbale Arbeitsgedächtnis leicht beeinträchtigt. Ein
- 22 -
Test zur Prüfung der Umstellungsfähigkeit und der kognitiven Flexibilität
habe wegen grosser Schwierigkeiten beim Sehen der Zahlen und
Buchstaben vorzeitig abgebrochen werden müssen (IV-act. 28, S. 11 f.).
Zwar wurde im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 unter dem Titel
"Kontakte mit Amtsstellen" vermerkt, dass die gesamte Administration, die
Behördengänge sowie der Brief- und Mailverkehr durch die
Lebenspartnerin des Beschwerdeführers erledigt würden, die alle
Vollmachten besitze und sich um die tägliche Post kümmere, die sie dem
Beschwerdeführer bei Bedarf auch vorlese (IV-act. 79, S. 9). Der dafür
veranschlagte Zeitaufwand von 20 Minuten pro Woche erscheint
angesichts der aufgrund der schweren Defizite des Beschwerdeführers
notwendigen Hilfeleistungen im administrativen Bereich als zu niedrig
bemessen und berücksichtigt namentlich dessen Unfähigkeit,
selbstständig Rechnungen zu kontrollieren und Einzahlungen
vorzunehmen, das Haushaltsbudget zusammenzustellen oder die
Steuererklärung auszufüllen vordergründig nicht. Der Abklärungsbericht
vom 8. Januar 2021 erweist sich insoweit als unvollständig bzw.
ergänzungsbedürftig.
4.4.4. Dasselbe gilt mit Blick auf die Haushaltsführung und die Zubereitung von
Mahlzeiten. Dazu wurde anlässlich der Abklärung vor Ort festgehalten,
dass der Beschwerdeführer seinen Haushalt noch nie selbst geführt habe
und die Mahlzeiten seit Jahren durch Drittpersonen vorbereitet und
gekocht würden. Da diese Dritthilfen folglich der Gewohnheit geschuldet
seien, wurde im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 dafür kein
Zeitaufwand festgehalten (IV-act. 79, S. 8). Nachdem der
Beschwerdeführer in seinem Einwand unter Hinweis auf die
Rechtsprechung vorgebracht hatte, dass einzig massgebend sei, ob die
versicherte Person auf sich alleine gestellt erhebliche Dritthilfe benötigen
würde, tätigte die Beschwerdegegnerin mangels abschliessender
Beurteilbarkeit weitere Abklärungen bei der D._ als Arbeitgeberin des
- 23 -
Beschwerdeführers, um mögliche Fähigkeiten in gewissen Tätigkeiten zu
eruieren. In der Folge erhielt er einen Auftrag in der Gartenarbeit (jäten,
lockern der Erde, Pflanzen setzen), der ihm in kurzen Sätzen beschrieben
und vor Ort kurz gezeigt wurde. Dabei wurde von Seiten der D._
zurückgemeldet, dass der Beschwerdeführer Arbeiten, die er von früher
her kenne, umsetzen könne. Er schweife aufgrund seiner kognitiven
Defizite jedoch teilweise ab und müsse zuerst eine Tätigkeit erledigen,
bevor er wieder genaue Angaben für die nachfolgende Tätigkeit erhalte
(vgl. angefochtene Verfügung vom 30. April 2021 [IV-act. 92, S. 3]). Die
Beschwerdegegnerin rechnete gestützt darauf in der Verfügung vom
30. April 2021 keinen Aufwand für etwaige Hilfestellungen an. Im
vorliegenden Beschwerdeverfahren führte sie in der Vernehmlassung aus,
es könne im konkreten Fall nicht abschliessend beurteilt werden, ob der
Beschwerdeführer im Bereich Haushaltsführung, einschliesslich
Mahlzeitenzubereitung, eingeschränkt sei. Aufgrund der Erkenntnisse der
Abklärung vor Ort, wonach er in der Lage sei, Routinetätigkeiten auch
heute noch auszuführen und da er seit jeher gewohnt sei, keine
Haushaltsarbeiten zu übernehmen, bleibe unklar, ob er zum
Verfügungszeitpunkt in der Haushaltsführung hilflos gewesen sei oder ob
er weiterhin einfach die gewohnte Unterstützung erhalte. In ihrer
Vernehmlassung vom 15. Juni 2021 (S. 3) führte die Beschwerdegegnerin
aus, gestützt auf die übrigen Akten (beispielsweise die Erlaubnis zum
Führen eines Motorfahrzeuges) sowie die Fremdauskünfte der D._
sei jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Haushaltsführung
invaliditätsbedingt hilflos sei. Diese Schlussfolgerung vermag nicht zu
überzeugen. Denn es mutet widersprüchlich an, wenn von der nach wie
vor bestehenden Ausführbarkeit von Routinetätigkeiten (wie Autofahren
oder Gartenarbeiten) auf eine fehlende Hilfsbedürftigkeit bei der
Haushaltsführung und Mahlzeitenzubereitung geschlossen wird, obschon
gleichzeitig anerkannt wird, dass der Beschwerdeführer Letztere noch nie
- 24 -
bzw. seit Jahren nicht mehr selbst vorgenommen hat, mit anderen Worten
in der Haushaltsführung und Mahlzeitenzubereitung gerade keine Routine
vorliegt. Zudem wird übersehen, dass der Beschwerdeführer gemäss
Rückmeldungen der D._ selbst bei Routinetätigkeiten wie
Gartenarbeiten, die ein Hobby von ihm darstellen (vgl. dazu
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 [IV-act. 79, S. 2]), aufgrund seiner
kognitiven Defizite Mühe bekundet und teilweise abschweife bzw. zuerst
eine Tätigkeit erledigen muss, bevor ihm Anweisungen für die
nachfolgende Tätigkeit gegeben werden können. Dies widerspiegelt sich
denn auch in den mit Bericht vom 23. Juni 2020 von PD Dr. med. E._
festgestellten Zeichen einer ideomotorischen Apraxie (IV-act. 52, S. 3),
mithin einer Störung der Handlungsumsetzung (vgl. RAD-
Abschlussbericht vom 4. August 2020 [IV-act. 66, S. 6]) bzw. der
Fähigkeit, erlernte Bewegungen zielgerichtet und zweckmässig
auszuführen (vgl. https://flexikon.doccheck.com/de/Praxie). Da der
Beschwerdeführer demnach selbst bei ihm bekannten Tätigkeiten
aufgrund der fortschreitenden Demenz zunehmend auf Dritthilfe
angewiesen ist, erscheint mehr als fraglich, ob er für ihn neue bzw. schon
lange nicht mehr ausgeführte Tätigkeiten derart (wieder-)zu erlernen
vermag, dass er – auf sich alleine gestellt – keine erhebliche Dritthilfe in
Form von Begleitung und Beratung benötigen würde (vgl. dazu auch
angefochtene Verfügung vom 30. April 2021 [IV-act. 92, S. 3], worin selbst
vom Abklärungsdienst als nachvollziehbar erachtet wurde, dass dem
Beschwerdeführer das Erlernen von neuen Tätigkeiten schwerfällt).
Jedenfalls hätte die Beschwerdegegnerin vor diesem Hintergrund eine
krankheitsbedingte Hilfsbedürftigkeit des Beschwerdeführers in der
Haushaltsführung und Mahlzeitenzubereitung nicht als überwiegend
wahrscheinlich ausschliessen dürfen. Vielmehr hätten sich aufgrund der
von ihr festgestellten, fehlenden abschliessenden Beurteilbarkeit
entsprechende Rückfragen bei den behandelnden (Fach-)Ärzten
aufgedrängt. Die Angelegenheit ist somit auch in diesem Punkt zu
- 25 -
weiteren Abklärungen und entsprechenden Zeitaufwanderfassungen für
Hilfeleistungen Dritter an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.4.5. Dasselbe gilt mit Blick auf die Begleitung des Beschwerdeführers beim
Einkaufen, wofür im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 kein Aufwand
für Hilfestellungen festgehalten wurde (IV-act. 79, S. 9). Zwar geht daraus
in Übereinstimmung mit den Vorbringen des Beschwerdeführers in der
Beschwerde hervor, dass Letzterer die Bankkarte nicht mehr benutzen
könne, weil er die Zahlen seines PIN-Codes nicht mehr kenne bzw. den
Geldwert von Banknoten nicht mehr erkenne (IV-act. 79, S. 9). Dies
erscheint denn auch insbesondere angesichts der vorerwähnten,
medizinisch ausgewiesenen kognitiven Defizite in der Zahlenverarbeitung
und
-erkennung nachvollziehbar (vgl. Erwägung 4.4.3). Soweit daher im
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2021 eine Hilfsbedürftigkeit des
Beschwerdeführers beim Einkaufen damit abgetan wurde, dass der
Einkauf von Lebensmitteln seit Jahren von Drittpersonen ausgeführt
werde (IV-act. 79, S. 9), wird deren krankheitsbedingte Ursache verkannt.
Gleiches gilt hinsichtlich der Hilfe beim Bedienen von Parkuhren und die
damit einhergehende notwendige Begleitung durch Drittpersonen, die
bereits aufgrund der demenzbedingten, stark eingeschränkten
Leseleistung (vgl. Berichte von PD Dr. med. E._/Dr. phil.
K._/L._ vom 13. Februar 2019 [IV-act. 28, S. 11 f.] und von PD
Dr. med. E._ vom 23. Juni 2020 [IV-act. 52, S. 3]) naheliegen. Die
von der Beschwerdegegnerin getätigten Abklärungen sind somit auch
diesbezüglich als ungenügend zurückzuweisen.
4.4.6. Insgesamt hat die Beschwerdegegnerin demnach anhand einer funktional
gesamtheitlichen Betrachtungsweise die Notwendigkeit einer
lebenspraktischen Begleitung erneut abzuklären und dabei zu prüfen, ob
- 26 -
deren Voraussetzungen hinsichtlich Regelmässigkeit, Intensität und
Dauer erfüllt sind.
4.5. In Gesamtwürdigung der Umstände des konkreten Einzelfalls ist die
Beschwerdegegerin ihrer Abklärungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
somit nur ungenügend nachgekommen. Die Beschwerde ist aus diesem
Grund im Eventualstandpunkt gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
vom 30. April 2021 aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen in Sinne der Erwägungen und neuem Entscheid an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. In Fällen wie dem vorliegenden, bei denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf Fr. 700.--
fest.
5.2. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der
Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer
Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, BGE 137 V 210 E.7.1
und BGE 132 V 215 E.6.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_509/2019 vom
8. November 2019 E.6). Infolge des Ausgangs des
Beschwerdeverfahrens, sind die Gerichtskosten von Fr. 700.-- demnach
der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
- 27 -
5.3. Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat praxisgemäss
keinen Anspruch auf Parteientschädigung.