Decision ID: 70e9ef56-8122-4efa-97bc-95819bc09da3
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
Mutter zweier 1989 und 1993 geborene
r
Kinder
,
ist diplomierte Pflegefach
f
rau
und
arbeitete
seit
1997
bei der Klinik
Y._
, in einem 100
%
-Pensum
. Am
5.
Januar 2007 meldete sie sich wegen eines am 1
0.
August 2005 erlittenen Zeckenbisses bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/
4; vgl. auch
Arbeitgeber
bericht
vom
2
2.
Januar 2007, Urk. 8/9). Nach einem ersten ablehnenden Vor
bescheid vom
8.
März 2007 (Urk. 8/16, vgl. auch Feststellungsblatt, Urk. 8/15) und anschliessendem
Beizug
der Akten des Unfallversicherers, der Winterthur-Versicherungen (heute: AXA Winterthur AG; nachfolgend: AXA
;
Urk.
8/29,
Urk.
8/37,
Urk.
8/42
), sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten mit
Wirkung ab
1.
August 2006 eine halbe Rente nebst zweier Kinderrenten zu (
Verfügung vom
7.
August 2009, Urk. 8/52; vgl. auch Feststellungsblatt vom 2
8.
Mai 2009, Urk. 8/46).
Im Jahr 2011 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision ein
(
Urk.
8/65)
und beauf
tragte in diesem Rahmen die
Z._
,
mit einer polydisziplinären Begutachtung
in den
Fachdis
ziplinen
Allgemeine/Innere Medizin
,
Neurologie, Psychiatrie,
Rheumatologie
und
Infektiologie
. Die
Z._
erstattete das Gutachten
am 31.
Dezember 2012 (Urk. 8/83).
Mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2014
stellte die IV-Stelle fest, die ursprüngliche
Rentenzusprache
sei in Verletzung des U
ntersuchungsgrundsatzes erfolgt,
deshalb
zweifellos unrichtig und
wiedererwägungsweise aufzuheben. Aufgrund des Gutachtens der
Z._
ergebe sich eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 80 %, woraus ein nicht rentenbegründender
Invali
ditätsgrad
von 30 % resultiere. Die Rente werde deshalb nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats aufgehoben (Urk. 8/98 = Urk. 2 [unvollständig]).
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom
2
4.
Februar 2014
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren
, es sei weiterhin die bisherige Rente aus
zurichten, eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zur ergänzenden Feststellung des erheblichen Sachverhaltes, insbesondere Ein
holung eines Gutachtens zur medizinischen Fachfrage, ob eine Neuroborreliose vorgelegen habe oder nicht (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
April 2014 ersuchte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Akten um Abweisung der Beschwerde (Urk. 7; der Beschwerdeführerin zugestellt am 2
3.
April 2014, Urk. 9).
Am 2
9.
April 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine zusätzliche
(unaufgeforderte)
Stellung
nahme ein (
Urk. 10; der Beschwerdegegnerin mit den Beilagen
[Urk. 11/
1-2] zugestellt am
9.
Mai 2014, Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4.
Seitens der Unfallversicherung wurden die Leistungen per
3
1.
Juli 2011
einge
stellt. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist Gegenstand des Verfahrens Pro
zess-Nr. UV.2013.
00214
und wurde mit heutigem Urteil in abweisendem Sinn entschieden
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist
vorab
, ob die ab
1.
August 2006
bezogene
halbe
Invali
denrente zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben wurde.
2.
Nach
Art.
53
Abs.
2
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
kann der Versicherungsträger durch Wiedererwägung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die erstge
nannte Voraussetzung meint, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung unvertretbar war, weil sie aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Zweifellos unrichtig ist die Verfügung auch, wenn ihr ein unhaltbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, insbesondere wenn eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zu einem unvollständigen Sachverhalt führte. Die Frage nach der zweifellosen Unrichtigkeit beurteilt sich nach der Rechtslage im Zeitpunkt des Verfügungserlasses, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis (
Urteil des Bundesgerichts
9C_33/2014
vom
2
6.
März 2014
E. 1) mit weiteren Hinweisen
).
3
.
3.1
Nach der Beschwerdegegnerin sind die Voraussetzungen einer
wiederer
wägungs
weisen
Aufhebung
der am
7.
August 2009
zugesprochenen Rente gem
äss
Art.
53 Abs. 2 ATSG erfüllt, weil der Entscheid ohne eigene medi
zinische Abklärungen und trotz Kenntnis der strittigen Diagnose gefällt und deshalb der Untersuchungsgrundsatz
verletzt
wurde (Urk. 2A S.
2).
Demgegen
über sieht die Beschwerdeführerin keinen Grund für eine Wiedererwägung.
Sie geht davon aus, die Beschwerdegegnerin habe sich auf die (damalige)
fachmedi
zinische
Beurteilung des Unfallversicherers AXA verlassen dürfen. Dass der damalige Entscheid nicht falsch gewesen sei, zeige sich
u.a. darin
, dass ihr heu
tiger
Gesundheitszustand kein höheres Pensum zulasse und sie mit 50 % in ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Pflegefachfrau optimal eingegliedert sei (Urk. 1 S. 15 f.).
3.2
Die Rente wurde im Wesentlichen gestützt auf die Einschätzungen des vom Unfallversicherer in Auftrag gegebenen
infektiologischen
Gutachtens
von
PD
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin und
Infektiologie
,
vom 2
5.
Juni 2008
(Urk. 8/42/30-35) und
auf
eine Stellungnahme hierzu des Leiters des medizini
schen Dienstes der AXA,
Dr.
med.
B._
, vom 2
0.
Januar 2011 (Urk. 8/42/3-4
)
zugesprochen
. Der RAD-Arzt interpretierte die Unterlagen der AXA
dahingehend, als diese eine 50
%ige
Arbeitsunfähigkeit anerkenne
. Diese Sachlage sei
zur Kenntnis zu nehmen
. Demnach sei mit dem Pensum von 50 % als Krankenschwester von einer optimal angepassten Tätigkeit auszugehen (vgl.
Feststellungsblatt vom 2
8.
Mai 2009, Urk. 8/46/5).
3.3
PD
Dr.
A._
befasste sich (auftragsgemäss) schwergewichtig mit der Frage, ob die Diagnose einer
Neuroborreliose
zu stellen oder auszuschliessen sei.
Er hielt fest, aktuell persistiere
die
Residualsymptomatik
einer nachgewiesenen frühen Neuroborreliose
unter
anderem
mit Kopfschmerzen, Konzentrationsstö
rungen, rascher Ermüdbarkeit und Arthralgien.
Weiter bestehe ein
zervikospon
dylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule sowie ein Status nach Diagnose einer Migräne
mit
Aura 2000, aktuell
ohne
typische
Migräneanfälle (Urk. 8/42/33).
PD
Dr.
A._
attestierte
bis auf weiteres
eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit als Pflegefachfrau, wobei auch in einer angepassten Tätigkeit sehr wahrscheinlich nicht mit einer besseren Arbeitsfä
higkeit zu rechnen sei
(Urk. 8/42/35).
Eine Begründung
hierzu fehlt.
Offenbar übernahm
und bestätigte
der Gutachter die seit März 2006 vom behandelnden Arzt,
Dr.
med.
C._
, Innere Medizin FMH, nach der
Rocephin
-Therapie attes
tierte
und seither andauernde
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 8/42/31
und Urk. 8/29/49-65).
Dr.
B._
konnte denn auch nicht ganz nachvollziehen, dass wegen der
Diagnose Neuroborreliose (welcher er grundsätzlich folgte) auf die Dauer eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehen bleiben sollte.
Diese Frage sei im Gutachten von PD
Dr.
A._
nicht schlüssig ausgearbeitet worden bzw. es seien ihm die entsprechenden Fragen nicht gestellt worden.
Es kann somit nicht gesagt werden, dass die AXA die 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorbehaltlos anerkannte, wie der RAD-Arzt annahm. Die AXA richtete wohl auf dieser Basis weiterhin Taggelder aus, erwartete aber prognostisch eine Verbesserung inner
halb der nächsten zwei Jahre
, danach sei die Frage der verbleibenden Arbeitsfä
higkeit neu zu evaluieren (vgl. Urk. 8/42/2).
Damit genügt das
für die ursprüng
liche
Rentenzusprache
massgeblich
Gutachten
von PD
Dr.
A._
zumindest in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
den Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Unterlagen nicht (BGE 125 V 351 E. 3a
)
.
Hinzu kommt, dass auch die beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten nicht abgeklärt wurden
. Wohl arbeitete die Beschwerdeführerin wieder zu 50 % in der bisheri
gen
Tätigkeit
,
ob sie damit aber im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn optimal eingegliedert war
,
blieb ungeklärt. Dies stellt
eine Verletzung des Grundsatzes "Ei
ngliederung vor Rente" dar
(vgl.
Art.
16 ATSG). Die
Verfügung vom
7.
August 2009 erweist sich damit als zweifellos unrichtig. Die
Voraus
setzungen für eine Neuermittlung der Arbeitsfähigkeit auf der Grundlage eines umfassenden medizinischen Gutachtens sind daher gegeben.
4.
4.1
Im Gutachten der
Z._
vom 3
1.
Dezember 2012 (Urk. 8/83)
werden
folgende
Hauptdiagnosen
mit
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
erhoben
(S.
43)
:
1.
Kon
zentratiosstörungen
und Müdigkeit seit August 2005 bei möglichem Post-
Lyme
-
Disease
-Syndrom (PLDS), wobei es sich bei positiver
Borrelienserologie
ohne Anhalt einer aktiven Infektion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
um
keine Neuroborreliose handl
e. D
ifferentialdiagnostisch
werden ein
chro
n
ic
fatigue
syndrome
anderer Genese oder
die genannten Beschwerden im Rahmen der depressiven Störung gesehen.
2.
Rezidivierende depressive Störung gegen
wärtig leichte Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1) auf dem Boden einer Anpassungsstörung 2005 mit Übergang zu einer depressiven Störung, differentialdiagnostisch Mitbeteiligung durch Borreliose, ohne spezifische psy
chotherapeutische oder psychopharmakologische Behandlung
,
und mit
per
sistierende
n
Konzentrationsstörungen und Müdigkeit.
3.
Chronisches
zerviko
zephales
Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Reiz- und Ausfallsymptomatik (ICD
10 M53.0). Als weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit werden im Wesentlichen genannt: Status nach Haut-/Weichteilinfekt Unter
schenkel links am 1
0.
August 2005;
Fibromyalgiesyndrom
(ICD-10 M79.6
)
; chronisches
myotendinotisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.2);
lum
bovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5); beginnende Tendo
vaginitis
stenosans
an der
Flexorensehne
Dig
IV linksseitig (ICD-10 M65.3
)
; anam
nestisch Status nach vorder
er
Kreuzbandläsion linksseitig nach Skiunfall im Jahr 2002.
4.2
In der zusammenfassenden Beurteilung
(S.
46 f.)
wird ausgeführt,
aus
infektiolo
gischer
Sicht
sei
aufgrund der positiven
Borrelien
-Serologien ein früherer Infekt als wahrscheinlich anzunehmen. Eine aktive oder
floride
Lyme
-Borrelios
e
sei
aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszu
schliessen, weil keine Evidenz für eine persistierende Infektion mit
Borrelia
burgdorferi
existiere. Ebenso sei ein
e
chronische Neuroborreliose mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen.
Für die heute geklagten unspe
zifischen Beschwerden mit Müdigkeit, Kopfschmerzen und neurokognitiven Beschwerden gebe es eine breite Differentialdiagnose, so dass die Zuordnung zu einer stattgehabten
Borreliose
nicht gesichert sei. In Übereinstimmung damit
wird
auch bei der neurologischen
Untersuchung
eine chronische
Neuro
borreliose
als unwahrscheinlich beurteilt. Die Kopfschm
erz
symptomatik
könne
einem chronischen
zervikozephalen
Schmerzsyndrom ohne Reiz- oder
Ausfall
symp
to
m
atik
zugeordnet werden. Nach rheumatologischer Einschätzung
ist
die diffuse, auf den ganzen Körper ausgedehnte Schmerzsymptomatik
am ehesten einem
Fibromyalgiesyndrom
zuzuordn
en, woraus aber keine Einschränkung der Arbeits- oder Leistungsfähigkeit abgeleitet werden kann.
Schliesslich
wurde
bei der psychiatrischen Untersuchung die Diagnose einer
leichtgradigen
depressiven Episode gestellt. Der unspezifische Beschwerdekomplex könne zwar ätiologisch nicht sicher zugeordnet werden, begründe aber
,
zusammen mit der gesicherten affektiven Erkrankung und der neurologisch festgestellten
Schmerzsymptoma
tik
,
eine Minderung der Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit
.
Aufgrund der
neuro
kognitiven
und der affektive Symptomatik mit Müdigkeit, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen sowie der Schmerzsymptomatik bestehe in der erlern
ten Tätigkeit als Krankenschwester in einem Spital oder einem Pflegeheim eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Begründet wird dies mit dem hohen kognitiven Anforderungspr
o
fil, der Notwendigkeit zu exaktem, konzentrierten Arbeiten und der hohen Verantwortung im Sinne schwerwiegender Konsequen
zen möglicher Fehler. Für eine Verweistätigkeit mit
geringeren kognitiven Anforderungen
, der Möglichkeit zu regelmässigen Pausen und ohne Arbeiten unter Zeitdruck liege die Arbeitsfähigkeit bei 80 % (S. 48).
4.3
Das
Gutachten der
Z._
erfüllt die nach der Rechtsprechung für den Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten vorausgesetzten
Anforderungen
(
BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a
)
und vermag in den Schlussfolgerungen
grundsätzlich
zu überzeugen.
Anzumerken ist allerdings, dass die auf 50 % fest
g
elegte Arbeitsfähigkeit als Krankenschwester
nicht
ohne Weiteres nach
voll
ziehbar ist
. Begründet wird diese tiefe Arbeitsfähigkeit nicht mit der psychiatr
i
schen Diagnose, sondern mit den
von der Beschwerdeführerin als glaubhaft vorgebracht beurteilten Beschwerden wie Müdigkeit und
Konzentra
tions
störun
gen
(vgl. S. 47 oben).
Dabei ist
in Erinnerung zu rufen,
dass
in BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6)
ausdrücklich festgehalten wurde, dass medizinische Diagnosen grundsätzlich lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten
Klassifi
kations
sys
tems
abzustützen sind
.
Eine Objektivierung insbesondere der
Konzen
trations
störungen
durch eine fachpsychologische Abklärung wäre wünschens
wert gewesen. Denn
die
erwähnten Beschwerden sind nur schlecht vereinbar mit dem Umstand, dass
es der Beschwerdeführerin offenbar möglich ist,
ihr 50%
Pensum in 2
1⁄2 Tagen zu bewältigen, d.h. sie ist in der Lage, an zwei auf
einanderfolgen
den Arbeitstagen ein volles Pensum zu leisten
(S. 23 unten). Dass die Beschwer
deführerin die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht
erhalten kann und sich ihre subjektive Einschätzung weder in den gemachten Kurztests noch in ihren übrigen Beschäftigungen widerspiegelt, fiel auch dem Psychiater auf (
vgl.
Urk. 8/83/64
). Weitere Abklärungen in dieser Hinsicht erübrigen sich jedoch, denn dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten, kognitiv etwas weniger anforderungsreichen Tätigkeit zu 80 %
arbeitsfähig
wäre, steht auf
grund der aktuellen Begutachtung ausser Frage.
5.
Zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Beschwer
de
führerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.1
Das
V
al
ideneinkommen
hat die Beschwerdegegnerin aufgrund des von der Beschwerdeführerin im Jahr 2005 erzielten Jahreseinkommen von Fr. 75'329.80, hochgerechnet auf das Jahr 2012 auf Fr. 83'025.-- festgelegt, was unbestritten
geblieben
ist (Urk. 2A und Urk. 8/84).
Zur
Bemessung des Invalideneinkommens
hat die Beschwerdegegnerin
den monatlichen Bruttolohn
(Zentralwert)
für das Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) gemäss der Lohnstrukturerhebung 2010 (LSE 2010) herangezogen. Sie hat allerdings den Totalwert von Fr. 5'674.-- statt denjenigen für Frauen von Fr. 5'202.-- verwendet (LSE 2010 TA1 S. 26; vgl. Urk. 8/84), was zu korrigieren ist. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden
(2010)
und e
inem Nominallohnindex 2012 von 101.8 (Index 2010
:
100
; [Bundesamt für Statistik, Nominallohnindex
2011-2014 Tabelle
T1.10
]
) resultiert ein monatlicher Verdienst von Fr. 5'507.46
resp
. ein
Jahres
verdienst
von Fr.
66'089.55
un
d für das zumutbare Pensum von 8
0
%
ein sol
cher
von F
r. 52'871.6
0
(Fr. 66'089.
55
x
0,8
)
. Daraus
ergibt
sich ein nicht
ren
ten
begründender
Invaliditätsgrad von 36.3 %
.
5.2
Die Beschwerdeführerin wendet gegen das Abstellen auf das
Anforderungs
niveau
3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) bei der Anwendung der LSE ein,
die Gutachter hätten für eine angepasste Tätigkeit ein
Anforderungs
profil
ohne jegliche kognitive Anforderungen und ohne Qualitäten bezüglich beruflichem oder geistigem Niveau festgelegt. Dem sei mit Abstellen auf
das Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) Rechnung
zu
tragen
.
Eine bedeutungslose, ihrer Berufsbildung überhaupt nicht entsprechende anforderungslose Hilfsarbeit
sei
ihr als ausgebildeter Krankenschwester indessen nicht zumutbar (
Urk. 1 S.
15 f.
).
Der
über ein solides
berufliches Rüstzeug verfügende
n
Beschwerdeführer
in ist eine
Verweistätigkeit mit geringeren kognitiven Anforderungen
(als in der bis
herigen Tätigkeit als Krankenschwester)
, der Möglichkeit zu regelmässigen Pausen und ohne Arbeiten unter Zeitdruck
,
eine
Erwerbstätigkeit
von 80 % zumutbar (vgl. E. 4.2-4.3).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
wird sie damit keineswegs auf reine Hilfsarbeiten verwiesen.
Auf einem bei
m Einkommensvergleich nach Art. 28 Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG)
anzunehmenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und in dem die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen (BGE 110 V 276
Erw
. 4b
)
,
gibt es genügend der Behinderung der Versicherten angepasste Arbeitsgelegenheiten
,
bei welchen sie ihre berufliche Ausbildung und Erfahrung einsetzen kann
.
Es kann also keine Rede davon sein, dass ihr nur realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten offenstehen oder
eine Tätigkeit
nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt prak
tisch nicht kennt
.
Zudem ist sie auf die ihr obliegende Schadenminderungspflicht hinzuweisen, wonach
eine
versicherte Person
alles ihr Zumutbare selber vorzukehren
hat
, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls mit einem Berufswechsel,
zumutbarerweise
in der Lage ist, ein
rentenausschliessen
des
Erwerbseinkommen zu erzielen
(vgl. BGE 113 V 22 E. 4a)
.
N
ach der Recht
sprechung
gilt der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn
, wenn
- ku
mulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass
die versicherte Person
die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft
(BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Nach dem Gesagten kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin mit der heutigen
hälftigen Erwerbstätigkeit im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn optimal eingegliedert ist, da sie in der Lage wäre, in einer angepassten Tätigkeit ein rentenaus
s
chliessendes Einkommen zu erzielen.
5.3
Weiter macht die
Beschwerdeführerin geltend, falls ihr
eine Verweistätigkeit zugemutet werde, müsse ein Abzug vom Tabellenlohn erfolgen.
Praxisgemäss können persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der Behinderung, Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad einen auf höchstens 25
%
begrenzten Leidensabzug von dem nach den LSE
Tabellenlöhnen zu ermittelnden Invalideneinkommen rechtfertigen, soweit anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende Leis
tungs
fähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem allgemei
nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet wer
den kann (BGE 135 V 297 E. 5.2
)
. Der verminderten Belastbarkeit wurde bereits durch die um 20
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit Rechnung getragen. Ein zusätzlicher Abzug unter einem der vorgenannten Kriterien ist deshalb nicht gerechtfertigt.
6.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7.
Die auf Fr. 800.-- festzulegenden Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind
aus
gangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.