Decision ID: c68df555-9f15-41c7-aa19-b4794670ddb8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend mehrfache üble Nachrede
Privatkläger
1. B._, 2. C._ [Verein],
1, 2 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Y._
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 9. Juni 2017 (GG170049)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. März 2017 (Urk. 25) ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von
Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 30.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Privatkläger werden mit ihren Zivilforderungen auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'400.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 70.– Entschädigung Zeuge
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 für das gesam-
te Verfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 7'000.– (inkl.
Barauslagen und MwSt.) zu bezahlen.
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a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 1 und Urk. 66/1 S. 1, sinngemäss)
1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen üblen Nachrede freizusprechen.
2. Es seien die Privatkläger zu verpflichten, die Verfahrenskosten zu tragen und den Beschuldigten für seine Verteidigungskosten  zu entschädigen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 56, schriftlich und sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatkläger 1 und 2:
(Urk. 69 S. 1 ff. und Urk. 71 S. 1 ff., sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

Considerations:
Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerich-
tes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 9. Juni 2017 meldete der Beschul-
digte am 16. Juni 2017 rechtzeitig Berufung an (Urk. 47; vgl. Prot. I S. 7 und 56).
Nach Erhalt des begründeten Urteils am 16. Oktober 2017 reichte er mit Eingabe
vom 3. November 2017 seine Berufungserklärung ein (Urk. 50/2 und 53), welche
der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (nachfolgend Staatsanwaltschaft) und der Pri-
vatklägerschaft unter Fristansetzung zur Erhebung einer Anschlussberufung oder
zur Beantragung des Nichteintretens zugestellt wurde (Urk. 54 f.). Die Staatsan-
waltschaft verzichtete auf eine Anschlussberufung (Urk. 56). Die Privatkläger-
schaft liess sich innert Frist nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 18. Dezember
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2017 reichte der Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt ein (Urk. 59
f.). Beweisanträge wurden keine gestellt. Nach der Durchführung der Berufungs-
verhandlung am 17. April und am 17. August 2018 erweist sich das Verfahren
somit als spruchreif.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID/JOSITSCH, StPO-Praxiskommentar, 3. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2018, N 1 zu Art. 402; vgl. auch Art. 437 StPO). Das Berufungsge-
richt überprüft das erstinstanzliche Urteil folglich nur in den angefochtenen Punk-
ten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte fordert mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Frei-
spruch (Urk. 53 und Urk.66/1 S. 1, sinngemäss; Prot. II S. 3). Somit ist das ganze
vorinstanzliche Urteil zu überprüfen, wobei das Verbot der reformatio in peius
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten ist, nachdem weder die Staatsanwalt-
schaft noch die Privatklägerschaft ein Rechtsmittel ergriffen hat.
3. Anlässlich der Fortsetzung der Berufungsverhandlung stellte der Privatklä-
ger 1 den prozessualen Antrag, das Gericht möge einen Beweisbeschluss fassen,
wonach der Berufungskläger als Wahrheitsbeweis für den Rassismus- und Anti-
semitismusvorwurf den Nachweis einer aktuellen einschlägigen Verurteilung des
Privatklägers 1 bzw. eines anderen Organs des Privatklägers 2 zu erbringen habe
(Urk. 90 S. 36; Prot. II S. 33). In Anbetracht dessen, dass die Erbringung des
Wahrheitsbeweises keine prozessuale Frage, sondern eine Rechtsfrage darstellt,
welche nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu behandeln sein
wird (vgl. nachfolgend, Ziff. III.C.1 ff.), ist auf den prozessualen Antrag des Privat-
klägers 1 nicht einzutreten.
II. Sachverhalt
1. Die dem Beschuldigten im Detail gemachten Vorwürfe ergeben sich aus der
Anklageschrift vom 6. März 2017 (Urk. 25). Stark vereinfacht und zusammenge-
fasst soll der Beschuldigte zwischen dem 8. März 2015 und dem 2. Oktober 2016
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die Privatkläger 1 und 2 gegenüber Dritten vorsätzlich, in überwiegender Beleidi-
gungsabsicht und ohne begründeten Anlass als antisemitisch, rassistisch und
menschenfeindlich bezeichnet haben bzw. entsprechende Behauptungen von
Anderen weiterverbreitet haben. Dies habe er getan, indem er solche Beschuldi-
gungen am 6. Juni 2015 per Email gegenüber der Vizepräsidentin des Privatklä-
gers 2, D._, bekundet (gemäss Gliederung der Vorinstanz: Anklagevorwurf
1), an einer Zusammenkunft verschiedener Tierrechtsorganisationen vom 17. Juni
2015 geäussert (gemäss Gliederung der Vorinstanz: Anklagevorwurf 2), und auf
verschiedenen Facebookseiten platziert habe (gemäss Gliederung der Vor-
instanz: Anklagevorwurf 3). Ferner habe er vom 8. März 2015 bis zum 1. Oktober
2016 mehrmals von anderen Personen auf verschiedenen Facebookseiten plat-
zierte Anschuldigungen mit ähnlichem Inhalt mit "Gefällt-mir" markiert und eine
davon geteilt (gemäss Gliederung der Vorinstanz: Anklagevorwurf 3).
2. Die Vorinstanz hielt fest, dass der Beschuldigte anerkennt, der Verfasser
des Emails vom 6. Juni 2015 zu sein und die ihm vorgeworfenen Posts gemacht
zu haben (Urk. 51 S. 10 und 11). Sie kam gestützt auf diese Eingeständnisse und
die übrigen Beweismittel zur Erkenntnis, dass die in der Anklageschrift aufgeführ-
ten Vorwürfe, mit Ausnahme der vorgeworfenen Äusserungen anlässlich der Zu-
sammenkunft vom 17. Juni 2015 (Urk. 25 S. 2 f.), erstellt seien (Urk. 51 S. 7-12).
Letztgenannter Vorwurf könne jedoch nicht nachgewiesen werden, weshalb dies-
bezüglich ein Freispruch erfolgte (Urk. 51 S. 10-12), der jedoch keinen Eingang
ins Dispositiv fand (Urk. 51 S. 38). Dies ist vorliegend nachzuholen.
3. Mit Ausnahme der im Anklagesachverhalt 3 (gemäss Gliederung der Vor-
instanz) vorgeworfenen "Gefällt mir"-Markierungen vom 8. März 2015 und vom
12. August 2015 (Urk. 25 S. 3 f.) ist dem vorinstanzlichen Beweisergebnis hin-
sichtlich des objektiven und subjektiven Sachverhalts (Vorsatz) zuzustimmen
(Urk. 51 S. 10 f.). Ebenso überzeugen die vorinstanzlichen Erwägungen in Bezug
auf den erfolgten Freispruch, welcher angesichts des zu berücksichtigenden Ver-
schlechterungsverbots ohnehin nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert
werden darf. Mit den erwähnten Ausnahmen, auf welche nachfolgend näher ein-
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zugehen ist, kann vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 51 S. 9-12; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Was die eingeklagte "Gefällt-mir"-Markierung vom 8. März 2015 anbelangt,
so lässt sich das diesbezügliche Geständnis des Beschuldigten entgegen der Vor-
instanz nicht mit dem übrigen Untersuchungsergebnis in Einklang bringen.
4.1. Zunächst fällt auf, dass die Anklageschrift den als "Beilage 14"
(= Urk. 6/7/17) bezeichneten Printscreen sowohl als Beweismittel für die "Gefällt-
mir"-Markierung vom 8. März 2015 als auch für diejenigen vom 7. März 2016 auf-
führt (Urk. 25 S. 3 f.). Auf der ersten Seite dieses Printscreens ist ein auf der Fa-
cebook-Seite von "E._" geposteter Beitrag von "F._" zu sehen
(Urk. 6/7/17 S. 1). Datiert ist dieser Post vom "7. März" und nicht vom "8. März".
Auf den darauffolgenden Seiten des Printscreens sind etliche Kommentare zu
diesem Beitrag abgebildet, ebenfalls grösstenteils datiert vom 7. März (a.a.O. S. 2
ff.). Eine Jahreszahl ist zwar nicht unmittelbar ersichtlich. Berücksichtigt man al-
lerdings den Inhalt des erwähnten Beitrages von "F._", so besteht kein Zwei-
fel daran, dass dieser am 7. März 2016 und nicht am 8. März 2015 gepostet wur-
de. Denn dieser nimmt explizit Bezug auf einen Bericht des Online-Magazins
"G._", welcher am 7. März 2016 publiziert wurde (Urk. 6/7/32) und sich sei-
nerseits auf ein Urteil der unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fern-
sehen (UBI) bezieht. Dieses erging am 11. Dezember 2015 und wurde den Par-
teien – soweit ersichtlich – am 1. März 2016 zugesandt (Urk. 6/7/21; vgl. auch
Urk. 2 S. 2). Am 8. März 2015 existierten weder der Bericht des Online Magazins
noch der Entscheid der UBI. "F._" hätte zu diesem Zeitpunkt demnach weder
auf den einen noch auf den anderen Bezug nehmen können (vgl. hierzu auch
Urk. 3 S. 5 f.). Der Beitrag muss daher erst am 7. März 2016 von "F._" ge-
postet worden sein und folglich erfolgte auch die eingeklagte "Gefällt-mir"-
Markierung erst am 7. März 2016 und nicht am 8. März 2015.
4.2. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Vertreter der Privatkläger-
schaft in seiner Eingabe vom 4. August 2016 (wohl versehentlich) von zwei von-
einander unabhängigen Tatvorgängen ausgeht und sowohl den 8. März 2015 als
auch den 7. März 2016 als Tatzeitpunkt benennt. Es handelt sich um dieselbe
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"Gefällt-mir"-Markierung desselben Beitrags von "F._" auf derselben Face-
book-Seite (Urk. 4 S. 2 und Urk. 6/7/42 f.; Urk. 2 S. 1 f. und 6/7/17; vgl. auch
Urk. 3 S. 1). Dies ergibt sich im Übrigen auch aus den vorherigen Eingaben des
Privatklägers (Urk. 2 S. 1 f.: "Printscreen [...] vom 8. März 2016"; Urk. 3 S. 5 f.
m.H. auf Beilage 14 f.).
4.3. Der Beschuldigte ist somit betreffend die eingeklagte "Gefällt-mir"-
Markierung vom 8. März 2015 freizusprechen.
5. Auch die eingeklagte "Gefällt-mir"-Markierung vom 12. August 2015 findet –
abgesehen vom pauschal gehaltenen Geständnis des Beschuldigten – nur teil-
weise Stütze in den Akten.
5.1. Konkret wird dem Beschuldigten diesbezüglich vorgeworfen, am 12. August
2015 den von H._ auf deren Facebook-Seite geteilten Verweis zur Homepa-
ge von "F._" mit "Gefällt-mir" kommentiert zu haben. Auf der verwiesenen
Homepage sei Folgendes zu lesen: "... auch leidenschaftlich für den Tierschützer
und Antisemiten B._ einsetzt".
5.2. Als Beweis für dieses "Liken" liegt ein Printscreen der Facebook-Seite von
H._ vor, welche zwischen dem 12. und dem 16. August 2015 gepostete
Kommentare von H._ oder anderen Personen abbildet (Urk. 6/7/35). Gemäss
diesem Ausdruck likte der Beschuldigte den von H._ geteilten Link auf einen
Beitrag von "F._" mit dem Titel "I._ - ..." (vgl. auch Urk. 4 S. 1). In die-
sem Beitrag (Urk. 6/7/31) wird der Privatkläger 2 zwar mehrmals als antisemiti-
sche, neonazistische Organisation bzw. als Verein, welcher antisemitische Inhalte
verbreite, und der Privatkläger 1 als mehrfach verurteilter Antisemit bezeichnet.
Die in der Anklage umschriebene Äusserung findet sich so allerdings nicht darin.
Diese Äusserung wurde vielmehr im Beitrag von "F._" vom 7. März 2016
gemacht (Urk. 6/7/33) und bezog sich – wie bereits dargelegt wurde (vgl. oben
Ziff. 4) – auf einen Bericht des Online-Magazins "G._ ". Die Anklageschrift
deckt sich somit nur insoweit mit dem Beweisergebnis, als sie dem Beschuldigten
vorwirft, am 12. August 2015 einen von H._ geteilten Link auf einen Beitrag
von "F._" mit "Gefällt-mir" kommentiert zu haben, welcher den Privatkläger 1
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als Antisemit bezeichnet. Dem Beschuldigten wird jedoch in der Anklageschrift ei-
ne in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzte konkrete Äusserung auf der ver-
linkten Homepage von H._ vorgeworfen, die sich so nicht auf der Homepage
befand. Dieser Sachverhalt ist demnach nicht erstellt und diesbezüglich ist der
Beschuldigte ebenfalls freizusprechen.
6. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, am 1. bzw. 2. Oktober 2016 einen Beitrag von "F._" gelikt zu haben, worin "B._ (C._)" als "Antisemit"
bezeichnet wurde (Urk. 25 S. 5).
6.1. Gemäss dem vom Privatkläger hierzu eingereichten Printscreen
(Urk. 6/7/50) datiert der vom Beschuldigten gelikte Beitrag von "F._" (gleich
unterhalb des Fotos) vom 30. September 2015. Auf demjenigen Printscreen, auf welchem die "Gefällt-mir"-Markierung des Beschuldigten zu sehen ist, ist aber
kein Datum ersichtlich (Urk. 6/7/49). Diese objektiven Beweise belegen somit,
dass der gelikte Beitrag zwar am 30. September 2015 gepostet wurde, nicht aber
wann dieser vom Beschuldigten mit "Gefällt-mir" markiert wurde. Der Beschuldig-
te führt zu diesem Vorwurf lediglich aus, er stehe wieder im gleichen Kontext, und
er könne nichts Neues dazu sagen (Prot. I S. 23). Es ist – besonders angesichts
der hohen Aktualität in den neuen sozialen Medien – keineswegs naheliegend,
dass der Beschuldigte den Beitrag vom 30. September 2015 erst ein Jahr später,
also anklagegemäss am 1. bzw. 2. Oktober 2016, likte. Die Beweislage erweist
sich entgegen der Annahme der Vorinstanz als nicht überzeugend. Daran vermag
auch das pauschal gehaltene Geständnis des Beschuldigten nichts zu ändern.
Somit ist der Beschuldigte mangels rechtsgenügenden Nachweises vom Vorwurf,
die inkriminierte Äusserung zwischen dem 1. und 2. Oktober 2016 mit "Gefällt mir"
kommentiert zu haben, freizusprechen.
7. Nebst der Umschreibung der ehrverletzenden Handlung wird dem Beschul-
digten im Anklagesachverhalt ferner in tatsächlicher Hinsicht vorgeworfen, dass er
bei sämtlichen Vorgängen ohne objektiv begründete Veranlassung und mit vor-
wiegender Absicht, dem Privatkläger Übles vorzuwerfen, gehandelt habe. Die Be-
stimmung der Absicht, in welcher der Täter handelte (insbesondere wenn er ge-
handelt hat, um jemandem Übles vorzuwerfen), gehört zur Sachverhaltsfeststel-
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lung (BGE 137 IV 313 E. 2.4.4 und 132 IV 112 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
6B_722/2017 vom 28. August 2017, E. 1.1). Allerdings ist nicht zu übersehen,
dass sich Tat- und Rechtsfragen teilweise überschneiden.
7.1. Gleich wie bei der Bestimmung des Vorsatzes lässt sich die Absicht als in-
nere Tatsache bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich
feststellbare Indizien bzw. Umstände und Erfahrungsregeln ermitteln, die Rück-
schlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Diese äusserlich fest-
stellbaren Umstände sind im Folgenden somit möglichst erschöpfend darzulegen
(vgl. analog die Rechtsprechung zur Beurteilung des Vorsatzes in BGE 137 IV 1
E. 4.2.3; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1 m.w.H.).
7.2. Der Beschuldigte gab in Bezug auf seine Motivation sinngemäss an, dass er
als Vertreter und Co-Vizepräsident der J._ (J._) vom Privatkläger 2 zu
einem Treffen eingeladen worden sei. Er sei engagierter Tierschützer und befas-
se sich seit weit über zehn Jahren allgemein kritisch mit der Gesellschaft. Er sei
deshalb der Ansicht, dass die Bekämpfung der Diskriminierung von Menschen
auch in die Tierrechtsbewegung miteinbezogen werden müsse (Prot. I S. 15 unter
Hinweis auf die Aussage von K._ in Prot. I S. 10). Es gäbe allgemein viel
diskriminierendes Gedankengut in der Gesellschaft, und man müsse sich kritisch
damit auseinandersetzen und dies thematisieren (Prot. I S. 20). Es sei ihm nie da-
rum gegangen, jemandem ohne Anlass Übles vorzuwerfen. Vielmehr sei ihm da-
ran gelegen, dass man sich in den Bewegungen, in welchen er aktiv sei, kritisch
und emanzipatorisch mit der Gesellschaft auseinandersetze (Prot. I S. 24; Prot. II
S. 10, 14 und 51). Gefragt nach dem Grund für das Versenden der Email vom
6. Juni 2015 erklärte er, dass er vom Privatkläger 2 bzw. dessen Vizepräsidentin
aufgefordert worden sei, vor dem Treffen Fragen einzureichen, damit man sich
auf diese vorbereiten könne (Prot. I S. 17; Prot. II S. 14). Die eingeklagten Face-
book-Aktivitäten begründete er konkret mit seinem Bestreben nach kritischen
Auseinandersetzungen in der Tierrechtsbewegung. Er habe gewollt, dass man
sich allgemein mit diskriminierenden Aussagen und Verhaltensweisen befassen
solle (Prot. I S. 17 f.; Prot. II S. 14). Er habe die Beiträge auf Facebook mit "Ge-
fällt-mir" markiert, damit "man sich mit solchen Dingen auseinandersetze". Es sei
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kein direkter Angriff gegen den Privatkläger 1 gewesen (Prot. I S. 21; vgl. Prot. II
S. 16 f.), und er habe mit dem "Liken" inhaltlich auch keine Wertung vornehmen
wollen (Prot. I S. 53). Es seien jeweils lebendige und öffentliche Auseinanderset-
zungen zum Thema Diskriminierung allgemein in der Tierschutzbewegung und
nicht speziell über den Privatkläger 1 gewesen (Prot. I S. 25; Prot. II S. 10).
7.3. Wie nachfolgend darzulegen sein wird, stützt die Aktenlage die Bestreitung
des Beschuldigten, die vorgenommenen Handlungen nicht eigens deshalb getan
zu haben, um spezifisch den Privatklägern zu schaden.
7.3.1. Unbestritten ist, dass zwischen dem Beschuldigten und der Privatkläger-
schaft vor den eingeklagten Handlungen keine persönliche Beziehung bestand
(Urk. 40 S. 2; Prot. I S. 16). Sowohl die Privatkläger als auch der Beschuldigte
setzen sich zwar besonders engagiert für den Tierschutz ein. Dies tun sie aber
völlig unabhängig voneinander. Eine Zusammenarbeit zwischen ihnen fand weder
vor noch während des Deliktszeitraumes statt. Somit gibt es weder Anhaltspunkte
für eine Freundschaft noch für eine Feindschaft. Ein persönliches Motiv des Be-
schuldigten, den Privatklägern 1 und 2 Übles vorzuwerfen, spezifisch um ihnen zu
schaden, lässt sich daher aufgrund ihrer Beziehung nicht ausmachen.
7.3.2. Im Vorfeld zu den eingeklagten Handlungen wurde der C._ (C._)
gemäss den Ausführungen der Privatklägerschaft von einer auf den 25. April 2015
terminierten Demonstration für die Abschaffung von Tierversuchen ausgeschlos-
sen. Begründet worden sei dies damit, dass eine Person im Organisationskomit-
tee behaupte, der Privatkläger 1 sei ein Rassist und Antisemit (Urk. 3 S. 2;
Urk. 6/7/28). Diese Umstände werden auch vom Beschuldigten sinngemäss be-
stätigt (Prot. I S. 15 f. unter Hinweis auf die im Kern gleichlautenden Aussagen
von K._ auf S. 10). Um diese erstmals erlebte "Ausgrenzung von Tierschutz-
Aktionen und -Kundgebungen anderer Tierschutzorganisationen anlässlich eines
freundschaftlichen Treffens in einer konstruktiven Diskussion" zu besprechen, lud
der Privatkläger 2 bzw. dessen Vizepräsidentin verschiedene Tierschutzorganisa-
tionen, u.a. auch den Beschuldigten als Co-Vizepräsidenten der J._
(J._), am 30. April 2015 zu einem "runden Tisch" ein (Urk. 1 S. 5; Urk. 3 S. 3
f.; Urk. 6/7/30; Prot. I S. 15 unter Hinweis auf die Aussagen von K._, S. 10;
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Prot. II S. 14). Es ging darum, die ganze Angelegenheit bzw. die gegen den Pri-
vatkläger 1 erhobene Kritik im Hinblick auf künftige gemeinsame Aktivitäten mit-
tels Aussprache zu klären (Urk. 3 S. 3 f.; Prot. I S. 15 f.; Urk. 6/7/29 f.). Offensicht-
lich wurden die Eingeladenen und insbesondere der J._ bzw. der Beschul-
digte in Übereinstimmung mit dessen Aussagen in diesem Sinne aufgefordert, ih-
re Vorbehalte gegenüber dem Privatkläger 2 vorgängig offenzulegen (Urk. 3 S. 5;
Urk. 6/7/29A, Email vom 30. Mai 2015, 09:31 Uhr: "Einen Doodle haben wir noch
nicht erstellt, weil die Antwort der J._ noch aussteht, ob sie ebenfalls bereit
sind, Ihre Vorbehalte gegen den C._ offenzulegen. Sobald wir diese ausste-
hende Antwort haben, werden wir sofort einen Doodle erstellen"; Urk. 6/7/30 S. 2,
Email vom 30. Mai 2015, 23:48 Uhr: "Auch schicken wir Euch gerne die Kritik-
punkte im Voraus"; a.a.O. S. 1, Email vom 31. Mai 2015, 12.13 Uhr: "Danke auch
für die Bereitschaft zum Offenlegen Eurer Kritikpunkte. Da wir nun bereits den
31. Mai habe, verlängern wir die Frist dafür bis zum 6. Juni"; Prot. I S. 17; Prot. II
S. 14). Daraufhin versandte der Beschuldigte das Email vom 6. Juni 2015, welche
Grundlage des 1. Anklagevorwurfs ist (Urk. 6/7/11 = Urk. 6/7/30 S. 1). Am 17. Ju-
ni 2015 fand das geplante Treffen unter Teilnahme des Beschuldigten und weite-
rer Vertreter von Tierschutzorganisationen statt (Urk. 6/7/10). Bei diesem Treffen
wurde von einigen Teilnehmern der Vorwurf erhoben, dass der Privatkläger 1 ein
"Antisemit, Rassist und menschenfeindlich" sei und der Privatkläger 2 antisemiti-
sches und rassistisches Gedankengut verbreite (Urk. 6/7/10 S. 1 ff.; Urk. 10/1
Rz 21; Urk. 10/2 Rz 16 f.; Urk. 10/3 Rz 14, 16). Erstellt und vom Beschuldigten
nicht bestritten ist schliesslich, dass er ab dem 10. Juli 2015 bis zum 17. Juni
2016 die im Anklagevorwurf 3 aufgeführten Facebook-Beiträge kommentierte, teil-
te oder mit "Gefällt-mir" markierte (Urk. 6/7/17 f.; Urk. 6/7/20; Urk. 6/7/33-46; Prot.
I S. 18 ff. und S. 33-35; Prot. II S. 9 f.). Sämtliche dieser kommentierten, geteilten
oder gelikten Beiträge beziehen sich auf Tierschutzaktivitäten, auf publizierte Be-
richte zum Thema Tierschutz oder auf in der Tierschutzszene aktive Personen (so
z.B. in Bezug auf den 10. und 20. Juli 2015: "Stellungnahme von L._ zur Zu-
sammenarbeit mit C._, publiziert am 10. Juli 2015
[http://www.L._.ch/stellungnahme_C._, zuletzt abgerufen am
13.03.2018]; betreffend 12. August 2015: "Absage des Auftritts von H._ an
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der M._ ... [Ort] vom 5. September 2015, Urk. 6/7/35 [vgl. Solo-Auftritt von
H._ | I._ und http://www.I._.ch/calendar-node-field-event-
date/day/2015-09-05, zuletzt abgerufen am: 13.03.2018]; betreffend den 7. März
2016: der Artikel von "G._", Urk. 6/7/17 f. = Urk. 6/7/40 [vgl. auch Urk.
6/7/32]; betreffend den 16. und 17. Juni 2016: Publikation in der ... Zeitung, dass
C._ an M._ 2016 nicht teilnimmt [https://www....zeitung.ch/..., zuletzt
abgerufen am: 13.03.2018]).
7.3.3. Zwar mag zumindest in den Facebook-Aktivitäten des Beschuldigten ein
gewisses Bestreben erkennbar sein, andere Tierschützer mit seinen Kommenta-
ren und Likes allenfalls zum Abbruch einer bestehenden bzw. zum Verzicht auf
eine künftige Zusammenarbeit mit den Privatklägern zu bewegen. Dies rechtfertigt
aber keineswegs die Annahme, dass es ihm überwiegend darum bzw. um eine
Schädigung der Privatkläger ging. Gegen eine solche Annahme spricht zum ei-
nen, dass der Beschuldigte keinen persönlichen Grund hatte, den Privatklägern
schaden zu wollen. Zum anderen ist er selber – wie die Privatkläger – engagierter
Tierschützer und Co-Vizepräsident eines Tierschutzvereins. Ferner erhob er sei-
nen ersten strafrechtlich zu beurteilenden Antisemitismus-Vorwurf, nachdem er
vom Privatkläger 2 zwecks Klärung der gegen die Privatkläger erhobenen Kritik
zu einem "runden Tisch" eingeladen und aufgefordert worden war, seine Vorbe-
halte offenzulegen. Erst nachdem der "runde Tisch" stattgefunden hatte, wurde
der Beschuldigte dann auf Facebook mittels Kommentieren, Teilen oder Liken von
Beiträgen Dritter aktiv. Diese Handlungen erfolgten dabei aber jeweils im Zusam-
menhang mit geplanten oder bereits vergangenen Tierschutzaktionen, aktuellen
Themen im Bereiche Tierschutz oder bezüglich Personen, welche sich in diesem
Bereich engagierten. Er wurde nie von sich aus und ausserhalb dieses Themen-
bereichs tätig, postete also nicht willkürlich und hetzerisch auf allen möglichen
Facebook-Seiten, auch nicht auf der eigenen Seite. Er beschränkte sich stets auf
reaktives Tätigwerden, indem er auf durch Dritte erhobene Vorwürfe gegen die
Privatkläger reagierte.
7.3.4. Demzufolge kann dem Beschuldigten eine überwiegende Beleidigungsab-
sicht nicht nachgewiesen werden.
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8. Zusammenfassend hat der Beschuldigte wissentlich und willentlich zum
einen die folgenden Behauptungen per Email oder mittels Posten von Kommenta-
ren auf Facebook geäussert und zum anderen die folgenden fremden Äusserun-
gen, welche Dritte auf verschiedenen Facebook-Seiten gepostet hatten, gelikt
oder geteilt:
• Der Privatkläger 1
o ist ein Antisemit (Email vom 6. Juni 2015 ["Wie steht der C._ zum  seines Präsidenten"], "Gefällt-mir"-Markierungen vom 12. August 2015, 7. März 2016 und 17. Juni 2016),
o vertritt eine antisemitische und rassistische Position ("Gefällt-mir"-Markierung vom 10. Juli 2015),
o vertritt "braunes Gedankengut" bzw. ist "braune Scheisse" (Posten und Liken von Kommentaren am 7. März 2016) und
o ist wegen Rassendiskriminierung verurteilt worden, hat Kontakte zur  und macht antisemitische Äusserungen ("Gefällt-mir"- Markierung vom 7. März 2016) sowie
• der Privatkläger 2
o ist ein rechter und antisemitischer Verein ("Gefällt-mir"-Markierungen vom 20. Juli 2015 und vom 17. Juni 2016),
o ist antisemitisch ("Gefällt-mir"-Markierung vom 16. Juni 2016) und
o verbreitet antisemitische Hetzschriften auf seiner Website ("Gefällt-mir"- Markierung vom 17. Juni 2016).
III. Rechtliche Würdigung
A. Ausgangslage
1. Der üblen Nachrede macht sich schuldig, wer jemanden bei einem anderen
eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, sei-
nen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt, sowie wer eine solche Be-
schuldigung oder Verdächtigung weiterverbreitet (Art. 173 Ziff. 1 StGB). Beweist
der Beschuldigte, dass die von ihm vorgebrachte oder weiterverbreitete Äusse-
rung der Wahrheit entspricht, oder dass er ernsthafte Gründe hatte, sie in guten
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Treuen für wahr zu halten, so ist er nicht strafbar (Art. 173 Ziff. 2 StGB). Der Be-
schuldigte wird zum Beweis nicht zugelassen und ist strafbar für Äusserungen,
die ohne Wahrung öffentlicher Interessen oder sonst wie ohne begründete Veran-
lassung, vorwiegend in der Absicht vorgebracht oder verbreitet werden, jeman-
dem Übles vorzuwerfen, insbesondere, wenn sich die Äusserungen auf das Pri-
vat- oder Familienleben beziehen (Art. 173 Ziff. 3 StGB).
2. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zum Schluss,
dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten sowohl den objektiven wie auch den
subjektiven Tatbestand der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1
und 2 StGB erfüllt habe. Es seien keine Rechtfertigungsgründe vorhanden.
Schliesslich sei der Beschuldigte zwar mangels überwiegender Beleidigungsab-
sicht zum Entlastungsbeweis zuzulassen. Weder den Wahrheits- noch den Gut-
glaubensbeweis habe er aber erbracht (Urk. 51 S. 12-28). In der Folge sprach sie
ihn der mehrfachen üblen Nachrede schuldig.
3. Der Beschuldigte machte vor Vorinstanz zur Begründung des beantragten
Freispruchs in rechtlicher Hinsicht zusammengefasst geltend, dass sich die Be-
zeichnung "braune Scheisse" nicht auf die Privatkläger bezogen habe (Prot. I
S. 32 und 34), dass die Markierung eines allenfalls ehrrührigen Beitrags mit "Ge-
fällt-mir" weder als Beschuldigten oder Verdächtigen noch als Weiterverbreiten
qualifiziert werden könne (Prot. I S. 33 f. und 46 f.), dass der Beschuldigte zum
Entlastungsbeweis zuzulassen sei, da er nicht in Beleidigungsabsicht, sondern
aus begründeter Veranlassung gehandelt habe (Prot. I S. 35-39; vgl. auch
Urk. 15/10), und dass der Wahrheits- bzw. Gutglaubensbeweis entgegen der An-
sicht der Vorinstanz erbracht worden sei (Prot. I S. 30 f., 36 f., 40 f., 45 f., 48; vgl.
auch Urk. 15/10). An diesen Positionen hielt der Beschuldigte auch im Berufungs-
verfahren fest (Urk. 66/1 S. 1 ff.; Prot. II S. 9 ff., 16-18, 20-24, 35-48 und 51).
B. Tatbestandsmässigkeit
1. Ehrverletzende Äusserungen
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1.1. Den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllen ehrverletzende Tatsachenbe-
hauptungen – aber auch gemischte Werturteile – über den Verletzten gegenüber
Dritten. Ob die Tatsachenbehauptung wahr oder unwahr ist, betrifft nicht die Tat-
bestandsmässigkeit, sondern die Strafbarkeit (Art. 173 Ziff. 2 StGB; Urteile des
Bundesgerichts 6B_918/2016 vom 28. März 2017 E. 6.3 und 6B_683/2016 vom
14. März 2017 E. 1.6).
Geschütztes Rechtsgut ist nach ständiger Rechtsprechung der Ruf, ein ehr-
barer Mensch zu sein, d.h. sich so zu benehmen, wie nach allgemeiner Anschau-
ung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt (sittliche Ehre
bzw. ethische Integrität). Den Tatbestand erfüllen danach nur Behauptungen sitt-
lich vorwerfbaren, unehrenhaften Verhaltens (BGE 137 IV 313 [übers. in Pra 101
{2012} Nr. 53] E. 2.1.1; BGE 132 IV 132 [übers. in Pra 96 {2007} Nr. 73] E. 2.1;
Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2016 vom 28. März 2017, E. 6.3). Unter der
vom Strafrecht geschützten Ehre wird allgemein ein Recht auf Achtung verstan-
den, das durch jede Äusserung verletzt wird, die geeignet ist, die betroffene Per-
son als Mensch verächtlich zu machen. Äusserungen, die sich lediglich eignen,
jemanden in anderer Hinsicht, zum Beispiel als Geschäfts- oder Berufsmann, als
Politiker oder Künstler in der gesellschaftlichen Geltung herabzusetzen, sind nicht
ehrverletzend im Sinne von Art. 173 ff. StGB. Voraussetzung ist aber, dass die
Kritik an den strafrechtlich nicht geschützten Seiten des Ansehens nicht zugleich
die Geltung der Person als ehrbarer Mensch trifft (Urteile des Bundesgerichts
6B_918/2016 vom 28. März 2017 E. 6.3. und 6B_683/ 2016 vom 14. März 2017
E. 1.3 je mit Hinweisen). Mehr als nur die gesellschaftliche Ehre ist jedenfalls
dann betroffen, wenn jemand bezüglich seiner politischen Gesinnung als "nazi-
haft" bezeichnet oder ihm vorgeworfen wird, er habe Sympathien für das Nazire-
gime (BGE 137 IV 313 [= Pra 101 {2012} Nr. 53] E. 2.1.1; RIKLIN-BSK StGB, N 25
zu Vor Art. 173).
Um zu beurteilen, ob eine Äusserung ehrverletzend ist, ist auf eine objektive
Auslegung gemäss der Bedeutung, die ihr der unbefangene durchschnittliche Drit-
te unter den gesamten konkreten Umständen beilegt, abzustellen (BGE 137 IV
313 E. 2.1.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2016 vom 28. März 2017, E. 6.4
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mit Hinweisen). Ein Text ist insofern nicht nur anhand der verwendeten Ausdrücke
– je für sich allein genommen – zu würdigen, sondern auch nach dem allgemei-
nen Sinn, der sich aus dem Text als Ganzes ergibt (Urteil des Bundesgerichts
6B_683/2016 vom 14. März 2017, E. 1.4).
1.2. Der Beschuldigte stellt den ehrverletzenden Charakter der inkriminierten
Äusserungen an sich nicht in Frage. Explizit bestreitet er allerdings, dass sich sei-
ne am 7. März 2016 geposteten Kommentare ("braune Scheisse") und der gelikte
Beitrag, wonach "braunes Gedankengut" in der Tierschutzszene vertreten sein
werde, solange I._ hinter B._ stehe, auf den Privatkläger 1 bezogen hät-
ten. Es seien vielmehr allgemein gehaltene Aussagen gewesen, welche er ge-
macht oder gelikt habe (Prot. I S. 32 und 34; Prot. II S. 16 f.). Auf diesen Einwand
ist bereits die Vorinstanz eingegangen und hat ihn mit überzeugender Begrün-
dung verworfen (Urk. 51 S. 17 f.). Dem kann vollumfänglich beigepflichtet werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Soweit die Verteidigung mit ihren Ausführungen über die
frühere Bestrafung des Privatklägers 1 wegen Rassendiskriminierung (Prot. I S.
38 f., 45 f.; Prot. II S. 21 f. und 48; Urk. 66/1 S. 28 f.) hinaus geltend machen will,
dass dieser keinen Anspruch auf Schutz seiner Ehre habe bzw. darauf, nicht als
Rassist bezeichnet zu werden, ist ihm entgegenzuhalten, dass auch die Verbrei-
tung von etwas bereits Bekanntem zum Nachteil einer Person, deren Ruf bereits
gelitten hat, gemäss Lehre und Rechtsprechung unzulässig ist (RIKLIN, in: NIG-
GLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht, 2. Aufl., Basel 2013, N 15 zu
Vor Art. 173 m.w.H.).
1.3. Inhaltlich handelt es sich bei den vom Beschuldigten selbst geäusserten
Aussagen und den von ihm gelikten bzw. geteilten fremden Äusserungen klarer-
weise um Tatsachenbehauptungen. Dass der Privatkläger 1 ein Antisemit, ein
verurteilter Rassist oder sinngemäss ein Sympathisant des Naziregimes sei bzw.
sich entsprechend äussere, sind Ereignisse bzw. Zustände, die äusserlich in Er-
scheinung treten, wahrnehmbar und daher dem Beweis zugänglich sind (TRECH-
SEL/LIEBER, in TRECHSEL /PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch - Praxiskom-
mentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018 [kurz: StGB-PK], N 2 zu 173 m.w.H). Das
Gleiche gilt in Bezug auf die Äusserungen betreffend den Privatkläger 2.
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Markiert der Beschuldigte nun solche Tatsachenbehauptungen mit "Gefällt-
mir", so verknüpft er diese mit einer wertenden Komponente. Die Aussage "Ge-
fällt-mir" als Wertung stützt sich aufgrund der Markierung erkennbar auf die mar-
kierte Tatsachenbehauptung. Folglich ist die "Gefällt-mir"-Angabe zusammen mit
der markierten Tatsachenbehauptung als gemischtes Werturteil zu qualifizieren.
1.4. Zum ehrverletzenden Charakter der aufgeführten Äusserungen und zum
Umstand, dass auch dem Privatkläger 2 als juristische Person der Ehrenschutz
zukommt, hat sich die Vorinstanz bereits eingehend und zutreffend geäussert.
Dies braucht nicht wiederholt zu werden (Urk. 51 S. 16-18; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Indem der Beschuldigte die Privatkläger als Antisemit bzw. antisemitisch, als
Rassist bzw. rassistisch sowie als "braune Scheisse" bezeichnet, und indem er
behauptet, der Privatkläger 1 unterhalte aktuell Kontakte zu Neonazi-Revisio-
nisten und vertrete "braunes Gedankengut" und der Privatkläger 2 verbreite anti-
semitische Hetzschriften, wirft er den Privatklägern offensichtlich eine Sympathie
im Sinne einer gewissen Nähe zum nationalsozialistischen Regime vor. Nach all-
gemeinem gesellschaftlichem Verständnis wird der Nationalsozialismus im zwei-
ten Weltkrieg mit schlimmsten Verbrechen, Völkermord, Willkür und dem Fehlen
jeglicher Menschlichkeit verbunden. Ein derartiger Vorwurf ist grundsätzlich ehr-
verletzend, wird eine Person doch damit in eine Nähe einer politischen Partei ge-
rückt, die aufgrund der von ihr begangenen und allgemein bekannten Gräueltaten
als verachtenswert gilt (Urteil des Bundesgerichts 6B_43/2017 vom 23. Juni 2017
E. 1.3; BGE 137 IV 313 E. 2.1.1 [= Pra 101 (2012) Nr. 53]; BGE 121 IV 76 E. 2.a
[insbesondere zur dort verwendeten Bezeichnung "braune Mariette").
2. Konkrete Tathandlungen
2.1. Vorbemerkungen
2.1.1. Die ehrverletzenden Aussagen wurden Dritten gegenüber mit Ausnahme
des Emails vom 6. Juni 2015 über Facebook zur Kenntnis gebracht, wobei der
Beschuldigte jeweils verschiedene "Facebook-eigene" "Social Plugins" benutzte
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(Liken, Teilen, Kommentieren). Es stellt sich somit vorliegend die Frage, ob diese
Tathandlungen, soweit es nicht um eigene Äusserungen geht, unter den Begriff
des "Weiterverbreitens" gemäss dem Tatbestand von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
fallen. Unter Weiterverbreiten ist die Wiederholung eines bereits allgemein be-
kannten ehrverletzenden Vorwurfs zu verstehen (BGE 73 IV 30 E. 1). Weiterver-
breiten rufschädigender Äusserungen, die von anderen aufgestellt wurden, ist un-
abhängig davon strafbar, ob die Quelle genannt wird oder nicht. Strafbar ist die
Weiterverbreitung auch dann, wenn dies in Form eines Zitats geschieht (BGE 118
IV 153 E. 4a.).
2.1.2. Bei Facebook handelt es sich um einen sozialen Netzwerkdienst bzw. um
eine Internet-Kommunikationsplattform, mit welcher Facebook-Nutzer Informatio-
nen bzw. Äusserungen innert kürzester Zeit veröffentlichen und verbreiten und
damit vielen Personen zugänglich machen können. Veröffentlicht ist eine Informa-
tion dann, wenn sie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Dieses Kriteri-
um ist erfüllt, wenn sie von unbestimmt vielen Personen oder von einem grösse-
ren, nicht durch persönliche Beziehungen zusammenhängenden Personenkreis,
wahrgenommen werden kann (BGE 130 IV 111 E. 3.1; SCHWARZENEGGER, Medi-
enstrafrecht, S. 175; BSK StGB-ZELLER, N 51 zu Art. 28; je m.w.H.).
2.1.3. Der Beschuldigte kommentierte bzw. likte Beiträge von Dritten auf den
Facebook-Seiten "E._", "H._" und "F._". Sodann teilte er einen die-
ser Beiträge auf seiner eigenen Facebook-Seite "A._". Ebenfalls auf seiner
Seite angezeigt wurden schliesslich die gelikten Beiträge.
Die Facebook-Seite "E._" wird explizit als "Public Group" bezeichnet
(Urk. 6/7/44). Somit kann jeder sehen, was Facebook-Mitglieder in dieser Gruppe
posten (https://www.facebook.com/help/220336
891328465?helpref=about_content, Stand: 29.03.2018). Als einer der meistge-
nutzten sozialen Netzwerkdienste verfügt Facebook über Millionen von Mitglie-
dern. Informationen, welche auf dieser Seite gepostet werden, können somit von
unbestimmt vielen Personen oder von einem grösseren, nicht durch persönliche
Beziehungen zusammenhängenden Personenkreis wahrgenommen werden.
Sämtliche erstellten und auf dieser Seite geposteten Beiträge wurden somit veröf-
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fentlicht, so also die inkriminierten Äusserungen vom 10. und 20. Juli 2015 sowie
diejenigen vom 7. März 2016.
Die Facebookseite "F._" kann zwar gestützt auf die zur Verfügung ste-
henden Akten nicht klar als "Public Group" bezeichnet werden. Offensichtlich sind
aber zumindest die strafrechtlich relevanten Beiträge öffentlich, und nicht nur von
Abonnenten von "F._" einsehbar, ansonsten es dem Privatkläger 1 wohl
kaum möglich gewesen wäre, vom Inhalt dieser Seiten Kenntnis zu erhalten
(Urk. 6/7/38 und 45: Beitrag von "F._" vom 16. Juni 2017; Urk. 6/7/40: Kom-
mentar von "F._" vom 17. Juni 2017; Urk. 6/7/49 f.: Beitrag von "F._"
vom 1. Oktober 2015 ). Dies wird ferner auch vom Beschuldigten bestätigt (Prot. II
S. 10). Folglich wurden sämtliche auf dieser Seite geposteten Beiträge veröffent-
licht.
Das soeben Gesagte gilt schliesslich auch für die Facebookseiten "A._"
und "H._" (Urk. 6/7/34). Bei der letztgenannten Seite ergibt sich das Kriteri-
um der Öffentlichkeit zudem zum einen bereits aus dem Umstand, dass ihre Bei-
träge teilweise sogar mit 551 Likes markiert wurden (a.a.O. oben) und zum ande-
ren aus der Angabe des Beschuldigten selber, dass die Beiträge auch von Nicht-
abonnenten eingesehen werden konnten (Prot. II S. 10). Sowohl die Beiträge auf
der Seite von "H._" als auch die durch das Teilen und Liken auf der Seite
des Beschuldigten erscheinenden Beiträge wurden der Öffentlichkeit zur Verfü-
gung gestellt. Dieser Schlussfolgerung steht auch nicht entgegen, dass die Face-
bookseite von A._ "nur" von 48 anderen Nutzern abonniert wurde
(Urk. 6/7/20). Stellt er gewisse Beiträge auf öffentlich – was er offensichtlich tat,
ansonsten der Privatkläger 1 diese nicht hätte sehen können –, so sind diese
auch für Nichtabonnenten seiner Seite einsehbar.
Sämtliche in Frage stehenden Beiträge des Beschuldigten (eigene oder ge-
likte von Dritten) wurden wiederum von mehreren Personen zur Kenntnis ge-
nommen. Dies zeigt sich, dass sie mehrfach von anderen Facebook-Nutzern ge-
likt und kommentiert wurden (vgl. Urk. 6/7/37 [6 Likes und 221 Comments];
Urk. 6/7/44 [3 Likes und etliche Kommentare]; Urk. 6/7/35 [25 "Reply's";
Urk. 6/7/17-19 bzw. Urk. 6/7/34 und 6/7/42 f. [etliche Likes und Kommentare;
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Urk. 6/7/38 f. und 45 f. [6 Likes und etliche Kommentar]; Urk. 6/7/49 f. [41 Markie-
rungen]).
2.2. Eigene Äusserungen des Beschuldigten
2.2.1. Emailversand
Der Beschuldigte verschickte am 6. Juni 2015 ein Email an die Vizepräsidentin
des Privatklägers 2, D._, in welchem er den Privatkläger 1 als Antisemit be-
zeichnete. Damit beschuldigte er Letzteren bei einer Anderen eines unehrenhaf-
ten Verhaltens. Der objektive Tatbestand von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist ohne
weiteres erfüllt.
2.2.2. Kommentieren von Facebook-Beiträgen Dritter
Der Beschuldigte verfasste unbestrittenermassen selber am 7. März 2016 einmal
auf der Facebookseite von „E._“ und einmal auf seiner eigenen Seite einen
Kommentar. In diesen Kommentaren unterstellt er dem Privatkläger 1 eine Sym-
pathie bzw. besondere Nähe zum Naziregime und bezichtigt diesen damit einer
ehrenrührigen Tatsache im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2.3. Weiterverbreiten von Äusserungen auf Facebook
2.3.1. Teilen von Facebook-Beiträgen Dritter
a. Der „Teilen“-Button bewirkt in der Standardeinstellung, dass der geteilte Bei-
trag in der eigenen Chronik veröffentlicht wird. Wer also den Teilen-Button unter
einem Beitrag aktiviert, nimmt diesen Beitrag automatisch in die eigene Chronik
auf und verbreitet sie gleichzeitig an alle eigenen Abonnenten und – falls die ei-
gene Seite nicht nur von diesen einsehbar ist – allenfalls auch an alle Nichtabon-
nenten. Dabei bleibt erkennbar, dass der Beitrag von einer anderen Person her-
stammt (vgl. Schwarzenegger, Twibel, S. 219 zur Funktionsweise des Retweet-
Buttons).
b. Der Beschuldigte teilte am 7. März 2016 den auf der Facebookseite von
„E._“ geposteten inkriminierten Beitrag von „F._“ und nahm diesen in
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der Folge in seine eigene Facebookseite auf. Er verfasste den geteilten Beitrag
nicht selbst. Mit dem Teilen des Beitrages wiederholte der Beschuldigte den darin
enthaltenen ehrverletzenden Vorwurf gegenüber sämtlichen Nutzern, welche sei-
ne Facebookseite einsehen konnten. Damit erweiterte er den ursprünglich vom
Autor „F._“ durch das Posten auf der Facebookseite „E._“ anvisierten
Empfängerkreis erheblich und erfüllte den objektiven Tatbestand des Weiterver-
breitens im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Dass das Teilen eines Face-
book-Beitrags ein tatbestandsmässiges Weiterverbreiten darstellt, wurde im Übri-
gen auch von der Verteidigung grundsätzlich nicht in Abrede gestellt (Prot. II S. 17
f.).
2.3.2. Liken von Facebook-Beiträgen Dritter
a. Der Like-Kommentar wird durch einen einfachen Mausklick auf einen Button
im jeweiligen Inhaltsfeld gesetzt und bewirkt gleichzeitig Kommentierung und Wei-
terverbreitung. So erscheint mit dem Klick zum einen exakt unter dem jeweils
ausgewählten Beitrag dauerhaft die Mitteilung „Nutzer XY gefällt das“ bzw. – falls
mehrere Personen den Like-Button geklickt haben – eine frei einsehbare Liste
von Personen, welche den Klick getätigt haben. Zum anderen wird der Like-Klick
in einer Auswahl der verbundenen Newsticker mitsamt der durch das Liken kom-
mentierten Inhalte angezeigt. Der Newsticker präsentiert in der Standardeinstel-
lung – d.h. ohne Beschränkungen mittels individueller Einstellungen – fortlaufend
und in Echtzeit Mitteilungen aus allen abonnierten und regelmässig frequentierten
Kanälen bzw. Profile. Durch das „Liken“ gelangen folglich explizite Nachrichtenin-
halte auch zu solchen Personen, die nicht zum Abonenntenkreis des Ursprungs-
autors gehören (Schulte/Kanz, Daumen hoch?! - Die Like-Funktion im sozialen
Netzwerk Facebook aus strafrechtlicher Perspektive, ZJS 1/2013 S. 24 f.). Verein-
facht ausgedrückt: Likt der Facebooknutzer X einen Beitrag auf einer Facebook-
seite von Y, so wird diese Aktivität bei sämtlichen Abonnenten von X in deren
Newsticker angezeigt und zwar mitsamt dem gelikten Beitrag.
b. Der Beschuldigte setzte im Zeitraum vom 10. Juli 2015 bis zum 7. März
2016 sechs Mal unter die ehrverletzenden Beiträge von verschiedenen Personen
bzw. „F._“ auf der Facebookseite „E._“ eine Gefällt-mir-Markierung.
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Zwischen dem 16. Juli 2016 bis zum 17. Juni 2016 markierte er drei Mal ehrver-
letzte Beiträge von „F._“ auf der gleichnamigen Facebookseite. Schliesslich
aktivierte er am 12. August 2015 den „Gefällt-mir“-Button unter den inkriminierten
Beitrag von H._ auf deren Facebookseite. Wiederum war der Beschuldigte
nicht Autor der jeweiligen ehrverletzenden Beiträge. Der Ursprungsbeitrag erhielt
mit der „Gefällt-mir“-Kommentierung ferner auch keinen neuen Inhalt. An der ehr-
verletzenden Tatsachenbehauptung änderte sich dadurch nichts. Der Beschuldig-
te stimmte jedenfalls mit dem Liken dem inkriminierten Text ausdrücklich zu. Ent-
gegen der Ansicht der Verteidigung, wonach ein "Like" lediglich eine Meinungs-
äusserung zu einem Facebook-Beitrag und keine Wiederholung desselben dar-
stelle (Prot. II S. 17 f. und 39 f.), hat der Beschuldigte durch den Klick auf den „Li-
ke“-Button, wie beim Teilen (vgl. vorstehend E. 2.3.1.), zumindest bereits bekann-
te ehrverletzende Vorwürfe wiederholt und sie so auch solchen Personen zugäng-
lich gemacht, die nicht zum Abonnentenkreis des Ursprungsautors gehören. So-
mit hat er die ehrverletzenden Beschuldigungen mit den etlichen „Gefällt-mir“-
Markierungen im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 2 StGB weiterverbreitet.
Daran ändern auch die weiteren Vorbringen der Verteidigung nichts, wonach sich
die meisten Leute wohl nicht bewusst seien, welchen konkreten Effekt das "liken"
habe und dass der Gesetzgeber nicht an ein simples "liken" gedacht habe, wenn
er von einem "weiterverbreiten" spreche und mithin auch an das erhebliche Belas-
tungspotential der Gerichte und der Strafbehörden zu denken wäre, wenn dem
tatsächlich so wäre (Prot. II S. 17 f. und 40). Der Verteidigung ist diesbezüglich zu
entgegnen, dass die sozialen Medien keinen rechtsfreien Raum darstellen, in
welchem nach Belieben gehandelt werden kann. Auch bei der Nutzung von Face-
book und anderen sozialen Medienportalen ist die geltende Rechtsordnung zu
beachten.
2.4. Zusammengefasst hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der üb-
len Nachrede gemäss Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB mehrfach erfüllt.
3. Der subjektive Tatbestand der üblen Nachrede setzt Vorsatz voraus, wobei
Eventualvorsatz genügt. Dieser muss sich auf den ehrverletzenden Charakter der
Mitteilung, die Eignung zur Rufschädigung und die Kenntnisnahme der Äusserung
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durch einen Dritten, nicht aber auf die Unwahrheit beziehen (Urteil des Bundesge-
richtes 6B_683/2016 vom 14. März 2017, E. 1.2). Dabei braucht der Täter nicht
beabsichtigt zu haben, den Verletzten zu beleidigen (BGE 137 IV 313 E. 2.1.6
[= Pra 101 {2012} Nr. 53]).
Wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwog (Urk. 51 S. 20 f.), kann aus der
Erklärung des Beschuldigten, dass es ihm jeweils darum gegangen sei, eine kriti-
sche Auseinandersetzung mit diskriminierenden Verhaltensweisen zu fördern,
nichts anderes abgeleitet werden, als dass ihm die Ehrenrührigkeit der eigenen
(Email und Kommentare) und der weiterverbreiteten Beschuldigungen (Teilen und
Liken) bewusst war und er dies auch wollte. In Bezug auf den ehrverletzenden
Charakter der Äusserungen handelte der Beschuldigte somit mit Wissen und Wil-
len. In Bezug auf die geschaffene Gefahr der Rufschädigung ist sodann zu Guns-
ten des Beschuldigten von Eventualvorsatz auszugehen. Es ging ihm primär nicht
um eine Rufschädigung bzw. um die Verletzung der Privatkläger 1 und 2, sondern
um eine kritische Auseinandersetzung zum Thema Diskriminierung. Zur Errei-
chung dieses Zieles nahm er aber zumindest in Kauf, dass die Beschuldigungen
den Ruf der Privatkläger schädigen bzw. sie in ihrer Ehre verletzen könnten. Was
den Vorsatz in Bezug auf die Kenntnisnahme durch Dritte anbelangt, so wusste
und wollte der Beschuldigte, dass das Email mitsamt dem ehrverletzenden Inhalt
von der Vizepräsidentin des C._, D._, zur Kenntnis genommen wird,
war dies doch gerade der Zweck dieses Emails. Bezüglich der Facebook-Aktivi-
täten gab der Beschuldigte selber zu, gewusst zu haben, dass er die ehrverlet-
zenden Beiträge Dritter durch die Like-Markierungen und durch das Teilen weiter-
verbreitete (Prot. I S. 24). Damit war ihm bewusst, dass sie von weiteren, vom Ur-
sprungsautor nicht anvisierten Facebooknutzern zur Kenntnis genommen werden
konnten, was ihm zum Zwecke einer kritischen Auseinandersetzung egal war.
C. Entlastungsbeweis
1. Rechtfertigungsgründe
1.1. Die Rechtfertigungsgründe des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches
haben gegenüber dem Entlastungsbeweis im Sinne von Art. 173 Ziff. 2 StGB Vor-
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rang. Dieser ist erst zu prüfen, wenn sich die Straflosigkeit nicht bereits aus einem
allgemeinen Rechtfertigungsgrund ergibt (Urteil des Bundesgerichts 6B_584/2016
vom 6. Februar 2017 E. 3.1.3).
1.2. Die Verteidigung macht einerseits die Wahrung berechtigter Interessen
durch den Beschuldigten geltend. Andererseits habe die Privatklägerschaft durch
konkludentes Handeln in die behauptete Ehrverletzung eingewilligt, indem sie auf
der Website des Privatklägers 2 der Öffentlichkeit Inhalte zugänglich machten, mit
denen sie nach allgemeiner Anschauung oder zumindest nach vertretbarer An-
sicht eine rassistische und menschenfeindliche Gesinnung zum Ausdruck bringen
würden (Urk. 66/1 S. 6 f. und 29 f.).
1.3. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwog (Urk. 51 S. 21 f.), vermag der
Beschuldigte kein berechtigtes Interesse für die Weiterverbreitung der fraglichen
Facebook-Beiträge darzutun. Sein Argument, wonach die Privatklägerschaft in die
Ehrverletzung eingewilligt habe, geht schon alleine deshalb fehl, weil die Privat-
klägerschaft mit der Erstattung ihrer Strafanzeigen ausdrücklich zu verstehen gab,
dass sie mit dem Verhalten des Beschuldigten gerade eben nicht einverstanden
war. Damit sind keine Rechtfertigungsgründe gegeben, so dass nachfolgend die
Zulassung des Beschuldigten zum Entlastungsbeweis zu prüfen ist.
2. Zulassung
2.1. Ob die Tatsachenbehauptung wahr oder unwahr ist, betrifft nicht die Tatbe-
standsmässigkeit, sondern die Strafbarkeit (Art. 173 Ziff. 2 StGB). Ob die Voraus-
setzungen für die Zulassung des Beschuldigten zum Entlastungsbeweis im Sinne
von Art. 173 Ziff. 3 StGB erfüllt sind, prüft der Richter von Amtes wegen, denn der
Urheber einer Ehrverletzung wird nicht zum Entlastungsbeweis zugelassen, wenn
er ohne begründete Veranlassung und vorwiegend in der Absicht gehandelt hat,
jemandem Übles vorzuwerfen (BGE 137 IV 313 E. 2.4.2 und 2.4.4 [= Pra 101
{2012} Nr. 53]). Die Voraussetzungen für den Ausschluss des Entlastungsbewei-
ses müssen kumulativ erfüllt sein und je für sich betrachtet werden (BGE 132 IV
112 E.3.1).
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2.2. Wie bereits bei der Sachverhaltserstellung dargelegt wurde (vgl. E. II.7),
kann dem Beschuldigten eine überwiegende Beleidigungsabsicht nicht nachge-
wiesen werden. Damit ist der Beschuldigte zum Entlastungsbeweis zuzulassen.
3. Wahrheitsbeweis
3.1. Der Wahrheitsbeweis nach Art. 173 Ziff. 2 StGB ist erbracht, wenn die durch
die inkriminierte Äusserung zum Ausdruck gebrachte Tatsachenbehauptung, so-
weit sie ehrverletzend ist, in ihren wesentlichen Punkten der Wahrheit entspricht.
Verhältnismässig unbedeutende Übertreibungen und Ungenauigkeiten sind uner-
heblich. Der Wahrheitsbeweis eines strafbaren Verhaltens kann dagegen grund-
sätzlich nur mit einem rechtskräftigen Strafurteil erbracht werden (BGE 132 IV
112 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2016 vom 28. März 2017, E. 6.5).
3.2. Indem der Beschuldigte den Privatklägern 1 und 2 zusammengefasst eine
antisemitische Haltung bzw. das Vertreten von antisemitischem, rassistischem
oder "braunem" Gedankengut vorhält, wirft er ihnen nicht ein per se strafbares
Verhalten vor, so dass der Entlastungsbeweis auch kein rechtskräftiges Strafurteil
bedingt (Urteil des Bundesgerichts 6B_43/2017 vom 23. Juni 2017 E. 2.4.3).
Gegenstand des Wahrheitsbeweises können sodann nur Tatsachen sein,
d.h. Ereignisse oder Zustände der Gegenwart oder Vergangenheit, die äusserlich
in Erscheinung treten und dadurch wahrnehmbar und dem Beweise zugänglich
werden (RIKLIN, BSK StGB, 3. Aufl. 2013, N 14 zu Art. 173 mit Hinweis auf BGE
118 IV 41 E. 3.). Vorliegend ist jedoch keine Tatsache, sondern ein gemischtes
Werturteil (vgl. vorstehend Ziff. III.B.1.3.) auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen,
was naturgemäss unmöglich ist.
Soweit die Verteidigung geltend macht, der Wahrheitsbeweis werde erstens
durch eine Auswahl von Äusserungen und Publikationen, welche die Gesinnung
der Privatkläger dokumentiere, und zweitens durch einschlägige Gerichtsurteile
erbracht (Urk. 66/1 S. 11 ff.; Urk. 66/2 S. 1 ff.; Prot. II S. 35-39 und 41 ff.), geht sie
fehl. Es ist daher nachfolgend zu prüfen, ob dem Beschuldigten stattdessen der
Gutglaubensbeweis gelingt, mit dem er darzulegen hätte, ob er aufgrund einer
- 26 -
Gesamtbetrachtung der von ihm angeführten Umstände in guten Treuen zu seiner
Einschätzung der Gesinnung des Privatklägers 1 gelangen durfte.
4. Zum Gutglaubensbeweis
4.1. Der Gutglaubensbeweis gelingt, wenn der Täter nachweist, dass er ernsthaf-
te Gründe hatte, eine Behauptung in guten Treuen für wahr zu halten. Der gute
Glaube allein genügt nicht (BSK StGB-RIKLIN, N 19 und 21 zu Art. 173 ). Der Tä-
ter muss vielmehr beweisen, dass er die nach den konkreten Umständen und sei-
nen persönlichen Verhältnissen zumutbaren Schritte unternommen hat, um die
Wahrheit seiner ehrverletzenden Äusserungen zu überprüfen und für gegeben zu
erachten. Um zu entscheiden, ob der Beschuldigte ernsthafte Gründe hatte, seine
Äusserungen in guten Treuen für wahr zu halten, darf nur auf Umstände abge-
stellt werden, von denen er im Zeitpunkt seiner gemachten Äusserungen Kenntnis
hatte (BGE 124 IV 149 E. 3b mit Hinweisen [= Pra 87 {1998} Nr. 141]; Urteil des
Bundesgerichtes 6B_683/2016 vom 14. März 2017, E. 1.7). Im Rahmen des Gut-
glaubensbeweises ist etwa zu prüfen, ob ein Täter eine falsche Behauptung des-
halb in guten Treuen für wahr halten konnte, weil er sich auf zuverlässige Quellen
abstützen konnte. Die erforderliche Informations- und Sorgfaltspflicht sowie der
nötige Grad an Überzeugung bzw. des Verdachts sind unter Berücksichtigung des
Einzelfalles (insbesondere der wahrgenommenen Interessen, der Möglichkeit ih-
rer Wahrung in anderer Weise, der fehlenden oder bestehenden Beleidigungsab-
sicht, der vorhandenen besonderen Fähigkeit zur richtigen Einschätzung der Ver-
dachtsmomente) zu beurteilen. Je schwerer ein Ehreingriff ist, umso grössere
Sorgfaltspflichten bestehen hinsichtlich der Abklärung des Sachverhalts (BSK
StGB-RIKLIN, N 16 zu Art. 173). Schliesslich ist auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung zu verweisen, wonach derjenige der "in der Presse und namentlich in
einer Zeitung mit einem grossen, ja internationalen Leserkreis ehrverletzende
Vorwürfe erhebe, die ihrem Inhalte nach schwer wiegen, [...] mit besonderer
Sorgfalt die beabsichtigten Äusserungen auf ihre Begründetheit überprüfen [müs-
se]" (BGE 118 IV 153 E. 5b).
4.2. Im Rahmen der nachfolgenden Beurteilung ist nach dem Dargelegten zu be-
rücksichtigen, dass der Privatklägerschaft vorliegend wiederholt äusserst schwere
- 27 -
Vorwürfe gemacht wurden. Ferner war deren Verbreitungsgrad mit der Veröffent-
lichung auf diversen Facebookseiten bzw. deren Weiterverbreitung erheblich.
Somit oblag dem Beschuldigten eine besonders grosse Informations- und Sorg-
faltspflicht.
4.3. Der Beschuldigte machte keinerlei Ausführungen dazu, weshalb bzw. inwie-
fern er den Privatkläger 1 zum Zeitpunkt des Emailversands in guten Treuen für
einen Antisemiten halten durfte (Prot. I S. 16 f.; Prot. II S. 6 ff.). Insofern ist der
Gutglaubensbeweis zumindest bezüglich dieser Ehrverletzung nicht gelungen.
4.4. Soweit die Verteidigung mit dem wiederholten Hinweis auf die öffentlichen
Äusserungen des Privatklägers 1 geltend machen will, dass sich aus diesen
ernsthafte Gründe für den guten Glauben an die Wahrheit der vom Beschuldigten
geäusserten Tatsachenbehauptungen ergeben (Urk. 15/1 S. 3; Prot. II S. 20 ff.),
so ist ihr Folgendes entgegenzuhalten:
4.4.1. Zunächst kann der Gutglaubensbeweis nicht mit Tatsachen geführt werden,
die erst nach der ehrverletzenden Äusserung eingetreten sind bzw. von denen der
Äusserer im Zeitpunkt der Aussage keine Kenntnis hatte (BSK StGB-RIKLIN, N 18
zu Art. 173 StGB), weshalb sämtliche Ausführungen des Beschuldigten bzw. der
Verteidigung zu den Ereignissen, welche nach den inkriminierten Handlungen
stattgefunden haben, unbeachtlich sind.
4.4.2. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass der Privatkläger 1 nur einmal wegen
Rassismus verurteilt wurde und zwar mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zü-
rich vom 10. März 1998, was vom Bundesgericht am 26. September 2000 bestä-
tigt wurde (Urk. 15/11/2 = Urteil des Bundesgerichts 6S.367/1998 vom 26. Sep-
tember 2000, vgl. insb. E. 4 f.). Es existieren keine weiteren Verurteilungen. So-
wohl im zweiten Strafprozess gegen ihn wegen Rassismus (Urteil des Oberge-
richts des Kantons Zürich SB100226 vom 8. September 2010) als auch in demje-
nigen wegen Verleumdung (Urteil des Bundesgerichts 6B_422/2012 vom 25. April
2013 und Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB130204 vom 28. Oktober
2013) wurde er im Ergebnis freigesprochen, soweit auf die Anklage eingetreten
wurde. Entsprechend kann es nicht angehen – und schon gar nicht unter dem Ti-
- 28 -
tel von Treu und Glauben gerechtfertigt sein –, dem Privatkläger 1 aufgrund von
völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen, welche dieser vor über 10
bis 15 Jahren in einem sachlich nachvollziehbaren, einzelfallbezogenen Kontext
gemacht hatte (Urk. 31A/61-122), eine aktuelle, verachtenswerte Gesinnung zu
unterstellen.
4.4.3. Der Beschuldigte vermag sodann mit den von seiner Verteidigung vorge-
brachten Äusserungen des Privatklägers 1 in diversen Medien nicht glaubhaft
darzutun, dass er diese selber gelesen hatte, bevor er seine Kommentare schrieb,
resp. die Likes setzte. Auf konkrete Nachfrage vermochte er anlässlich der Beru-
fungsverhandlung denn auch nur die Webseite der C._, Wikipedia, "den Arti-
kel von F._" und – ohne irgendwelche Spezifizierung – "verschiedenste" Zei-
tungsartikel" zu benennen (Prot. II S. 11 f.). Schliesslich stellen auch die wenigen
von der Verteidigung vorgebrachten Äusserungen des Privatklägers 1 jüngeren
Datums (bis zum 6. Juni 2015) keine ernsthaften Gründe dar, wonach man ihn in
guten Treuen für einen Rassisten oder Antisemiten halten durfte. Es mag sein,
dass sich der Privatkläger 1 im Rahmen seiner Tierschutzarbeit und in seinem
Kampf für die Tierrechte mit seinen Aussagen teilweise an der Grenze des Zuläs-
sigen bewegt und sich dabei sehr provokativ und grenzwertig ausdrückt. Dies tut
er aber objektiv klar erkennbar gegenüber jeder von ihm als "Tierquäler" einge-
stuften Person und nicht nur, wenn diese Juden sind. So richtete sich seine schar-
fe Kritik auch gegen Moslems, Fischer, Kaninchenhalter, "Klöster" oder "Fleisch-
fresser" (vgl. Zusammenstellung der Aussagen des Privatklägers 1 ab Ziff. 20 ff.
durch die Verteidigung und Urk. 31A/20 ff.; Urk. 40 S. 7). Ferner erklärten die Pri-
vatkläger 1 und 2 auf ihrer Homepage und bei anderen Gelegenheiten (so z.B.
auch im Zusammenhang mit der Planung des "runden Tisches") mehrmals, dass
sie als natürliche oder juristische Personen weder antisemitisch noch rassistisch
seien und sich von entsprechendem Gedankengut entschieden distanzieren wür-
den (so z.B. bereits am 12. September 1997, Urk. 6/7/24 und am 26. Februar
2014 in der ... Zeitung, Urk. 15/11/4 S. 2). Auch solche Erklärungen sind im Inter-
net ohne Weiteres auffindbar, was der Beschuldigte gemäss seinen eigenen Aus-
sagen auch wusste, gab er doch selber an, dass sich der Privatkläger 1 seiner
Ansicht nach "von Rassismus und so" zwar distanziert habe, nicht aber von sei-
- 29 -
nen Aussagen (Prot. II S. 13). Man kann zwar die Ausdrucksweise des Privatklä-
gers 1 als unangebracht und fallweise allenfalls auch als überschiessend be-
zeichnen und deshalb missbilligen. Die von der Verteidigung genannten Äusse-
rungen des Privatklägers 1 vermögen aber keine ernsthaften, objektiv haltbaren
Gründe darzutun, dass der Beschuldigte annehmen musste oder durfte, dass der
Privatkläger 1 als Person antisemitisch oder rassistisch sei bzw. dass er mit nati-
onalsozialistischem Gedankengut sympathisiere. Wenn der Beschuldigte aus-
führt, dass er die von ihm wahrgenommenen Distanzierungen der Privatkläger 1
und 2 von den Rassimus- und Antisemitismus-Vorwürfen als "hohle Phrasen"
empfunden habe, "da weiterhin auch viele Artikel mit einer gegenteiligen Meinung
online zugänglich" gewesen seien (Prot. II S. 13), so handelt es sich hierbei ledig-
lich um subjektive, unreflektierte Empfindungen, welche den Anforderungen an
den Gutglaubensbeweis mitnichten zu genügen vermögen. Dies gilt umso mehr in
Bezug auf den Privatkläger 2, dem – entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 66/1 S. 14 f.; Prot. II S. 46 f.) – keine dieser Äusserungen direkt zugerechnet
werden kann.
Der Beschuldigte erklärte vor Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhand-
lung auf Vorhalt der ihm vorgeworfenen Facebook-Aktivitäten wiederholt, er habe
mit bestem Wissen und Gewissen gehandelt (Prot. I S. 18 ff.; Prot. II S. 12 und
51). Konkret führte er vor Vorinstanz betreffend die am 7. März 2016 von N._
gepostete Verlinkung auf eine Publikation der "O._-Seite" und das Foto, wel-
ches der Beschuldigte likte, aus, es habe sich um eine Dokumentation gehandelt,
die ihm vertrauenswürdig erschienen und mit Quellenangaben versehen gewesen
sei (Prot. I S. 21). Bezüglich des am 7. März 2016 gelikten Posts von P._
gab er an, dass diese ihm als Präsidentin der Q._ [politische Partei] und als
eine öffentliche Person vertrauenswürdig schien (Prot. I S. 21). Bei dem von ihm
am 8. März 2015 (recte 7. März 2016, vgl. oben E. II. 4.) gelikten Beitrag von
"F._" habe es sich sodann um eine mehrseitige und ausführliche Dokumen-
tation über die Privatkläger 1 und 2 gehandelt (Prot. I S. 17 f.; so auch anlässlich
der Berufungsverhandlung, Prot. II S. 10 f.). Hinsichtlich der übrigen Vorwürfe
verwies er weitgehend auf letztere Begründung (Prot. I S. 18 f., 22 ff.).
- 30 -
Diese drei Beiträge stellen nichts weiter als persönliche Meinungskundga-
ben im Internet dar. Unter keinem Titel lassen sie sich als verlässliche Quelle ein-
stufen. Insbesondere beim Verfasser des am 7. März 2016 gelikten Beitrages,
"F._", handelt es sich zudem um eine anonyme Person. Doch auch mit
N._, oder dem Betreiber der Seite "O._.org" und P._ hat der Be-
schuldigte keinerlei persönliche Beziehung. Entsprechendes wird jedenfalls nicht
geltend gemacht. Über die Vertrauenswürdigkeit der Verfasser der gelikten Bei-
träge hat sich der Beschuldigte daher aufgrund seiner diesbezüglich vagen Anga-
ben zweifellos von vornherein kein verlässliches Bild gemacht. Hinzu kommt,
dass diese Verfasser der inkriminierten Beiträge soweit ersichtlich auch keinen
persönlichen Kontakt mit den Privatklägern haben. Bereits angesichts dieser Um-
stände erscheint die Begründung des Beschuldigten, dass es sich um eine mehr-
seitige und ausführliche Dokumentation bzw. eine solche mit Quellenangaben ge-
handelt habe, als fadenscheinig.
Die vorgenannte Begründung des Beschuldigten überzeugt aber auch des-
halb nicht, da dieser seine Likes und Kommentare der Bezeichnungen des Privat-
klägers 1 als Antisemit, "braune Scheisse" und Rassist pauschal, ohne eigene
Angabe von Hintergrundinformationen und ausserhalb eines konkreten zeitlichen
oder sachlichen Kontextes platzierte und sich die Bezeichnungen des Privatklä-
gers 1 überwiegend auf dessen Person und nicht allein auf die von ihm gemäss
den kommentierten bzw. gelikten Facebook-Posts gemachten Äusserungen be-
zogen. Bei einem unbefangenen Durchschnittsleser erwecken die vom Beschul-
digten gelikten bzw. geteilten Beiträge oder geposteten Kommentare sowie die
Email deshalb den Eindruck, dass den Privatklägern aus aktuellem Anlass eine
antisemitische und rassistische Weltanschauung nachgesagt werden dürfe und
müsse. Von einer solchen aktuellen und sachfremden Haltung der Privatkläger-
schaft konnte der Beschuldigte aber nicht in guten Treuen ausgehen. Wie bereits
erwähnt, liegen die von der Verteidigung hervorgehobenen Äusserungen des Pri-
vatklägers 1 grösstenteils nicht nur viele Jahre zurück, sondern bezogen sich auf
ganz spezifische Themen, wie das Schächten, Tierschutzversuche und Massen-
tierhaltung. Anhand von solchen lange zurückliegenden Verfahren, bzw. einer
Vorstrafe, ist der Beweis für eine aktuelle antisemitische bzw. rassistische Grund-
- 31 -
einstellung bzw. von Sympathien zum Naziregime nicht erbracht, zumal zu beach-
ten ist, dass gemäss Art. 369 Abs. 7 StGB ein aus dem Strafregister entferntes
Urteil dem Betroffenen ohnehin nicht mehr entgegengehalten werden darf.
Die Begründung des Beschuldigten verfängt aber auch deshalb nicht, weil
sich die Privatkläger 1 und 2 sowohl öffentlich auf ihrer eigenen Webseite
www.C._.ch als auch anlässlich anderer Gelegenheiten, bspw. direkt dem
Beschuldigten gegenüber anlässlich der Zusammenkunft vom 17. Juni 2015, von
antisemitischem und rassistischem Gedankengut distanzierten (vgl. beispielhaft
Urk. 15/11/3 S. 2 und 5 f.; Urk. 10/1 Rz 14 und 10/3 Rz 14; Urk. 40/ S. 1), was
vom Beschuldigten auch nicht bestritten wird. Dies gilt selbst unter Berücksichti-
gung der von der Verteidigung hervorgehobenen Aussage des Privatklägers 1 in
einem Interview mit der ... Zeitung im Jahre 2014, wonach dieser alle "Schächtju-
den" hasse. Daraus lässt sich nicht per se eine antisemitische Weltanschauung
ableiten, zumal der Privatkläger wegen dieser konkreten Äusserung nicht verur-
teilt wurde und er im selben Interview auf entsprechende Nachfrage explizit ver-
neinte, Antisemit zu sein. Insofern kann aufgrund der weiteren, in diesem Inter-
view gemachten und von der Verteidigung hervorgehobenen Aussagen des Pri-
vatklägers nicht in guten Treuen davon ausgegangen werden, dass der Privatklä-
ger 1 und dessen Verein aktuell antisemitisch bzw. rassistisch sind.
Indem sich der Beschuldigte einfach auf sein Gefühl verliess, dass die Ver-
fasser der von ihm geteilten, "gelikten" oder kommentierten Beiträge oder die In-
halte selbst vertrauenswürdig seien, ist er in keiner Weise seiner erhöhten Infor-
mations- und Sorgfaltspflicht nachgekommen, die in besonderem Masse bei der-
art schwerwiegenden Vorwürfen wie vorliegend, die in einer breiten Öffentlichkeit
geäussert werden, zu beachten gewesen wäre. Wie bereits erwogen wurde, ge-
nügt guter Glaube als Gutglaubensbeweis nicht. Der Beschuldigte hätte die ehr-
verletzenden Tatsachenbehauptungen mit besonderer Sorgfalt auf ihre Begrün-
detheit überprüfen müssen, bevor er diese weiterverbreitet.
5. Demzufolge gelingt dem Beschuldigten der Nachweis nicht, dass er im Zeit-
punkt der Vornahme der inkriminierten Handlungen ernste Gründe hatte, seine
Behauptungen in guten Treuen für wahr zu halten.
- 32 -
D. Ergebnis
Der Beschuldigte ist der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1
Abs. 1 und 2 StGB schuldig zu sprechen.
Dagegen ist er bezüglich des Vorwurfs der üblen Nachrede, begangen am
8. März 2015, 17. Juni 2015, 12. August 2015 und zwischen dem 1. und 2. Okto-
ber 2016 freizusprechen (siehe vorstehend E. II. 4.-6.).
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 60 Ta-
gessätzen zu Fr. 30.–. Die Verteidigung äusserte sich nicht zum Strafpunkt.
2. Die allgemeinen Regeln und Grundsätze der Strafzumessung sowie diejeni-
gen zur Festsetzung der Tagessatzhöhe hat die Vorinstanz richtig dargelegt
(Urk. 51 E. IV.1, 2.1, 2.2.1, 2.3.1, 2.4.1, 3.2). Dies braucht nicht wiederholt zu
werden. Ebenfalls zutreffend stellte die Vorinstanz fest, dass zwar mehrfache
Tatbegehung vorliege, aber keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich sei-
en, welche den ordentlichen Strafrahmen der üblen Nachrede, der bis zu 180 Ta-
gessätzen Geldstrafe reicht, als zu mild erscheinen liessen. Die Tatmehrheit sei
daher im Rahmen der konkreten Strafzumessung straferhöhend zu berücksichti-
gen (Urk. 51 S. 28 f.). Dem ist zuzustimmen. In Übereinstimmung mit der Vor-
instanz rechtfertigt sich schliesslich, das Verschulden des Beschuldigten aufgrund
des engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhanges sowie der grösstenteils
ähnlichen Vorgehensweise nicht einzeln pro Tathandlung, sondern gesamthaft zu
beurteilen.
3. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
im Zeitraum vom 6. Juni 2015 bis zum 17. Juni 2016 verschiedene Einzelhand-
lungen vornahm, mit welchen er den Privatklägern zusammengefasst eine Sym-
pathie für das Naziregime und eine entsprechende antisemitische und rassisti-
sche Grundeinstellung, ja sogar die Verbreitung antisemitischer Hetzschriften,
vorwarf bzw. entsprechende Vorwürfe weiterverbreitete. Diese Beschuldigungen
sind massiv ehrverletzend. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr schickte er
- 33 -
eine Email mit genannten Vorwürfen, postete zwei Kommentare mit entsprechen-
dem Inhalt auf seiner Facebookseite, likte acht Mal solche Beiträge und teilte ein
Mal einen solchen. Durch seine Facebook-Aktivitäten erreichten die ehrverletzen-
den Vorwürfe zudem eine breite Öffentlichkeit. Verschuldensmindernd ist zu taxie-
ren, dass der Beschuldigte die Email an D._ auf deren explizite Aufforderung
hin schrieb und sich auch seine Facebook-Aktivitäten auf reaktives Handeln be-
schränkte und er nicht von sich aus und ohne Anstoss tätig wurde (so auch die
Vorinstanz unter E. IV, Urk. 51 S. 30). Zudem erscheint sein Tatvorgehen ge-
samthaft als einfach, unüberlegt und nicht sehr raffiniert. Von einer hohen krimi-
nellen Energie kann insofern nicht gesprochen werden. Nicht verschuldensmin-
dernd wirkt sich hingegen aus, dass er nicht der Urheber bzw. Verfasser der gelik-
ten bzw. geteilten inkriminierten Beiträge war. Mit der Ausgestaltung als selbst-
ständige Straftat mit gleicher Strafandrohung hat der Gesetzgeber den Unrechts-
gehalt des Weiterverbreitens demjenigen des Beschuldigens offensichtlich grund-
sätzlich gleichgestellt. Zudem hat der Beschuldigte die ehrverletzenden Äusse-
rungen Dritter im Falle des Likens nicht nur einfach neutral weiterverbreitet, son-
dern ihnen offen seine Zustimmung zugesprochen ("Gefällt-mir").
Das Verschulden des Beschuldigten erweist sich gesamthaft als keineswegs
leicht.
4. In subjektiver Hinsicht ist verschuldensreduzierend zu bewerten, dass er
eventualvorsätzlich handelte. Auch ist ihm zu Gute zu halten, dass er die Ehrver-
letzungen weder aus finanziellen noch aus irgendwelchen sonstigen egoistischen
Motiven beging (vgl. die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
unter E. IV. 2.3.2). Die subjektive Tatschwere wirkt sich daher relativierend aus,
so dass das Tatverschulden als nicht mehr leicht zu taxieren ist. Eine hypotheti-
sche Einsatzstrafe von 80 Tagessätzen erweist sich hierfür als angemessen.
5. Was die Täterkomponenten anbelangt, so ist einzig das Geständnis des Be-
schuldigten strafzumessungsrelevant. Hierfür rechtfertigt sich mit der Vorinstanz
allerdings nur eine leichte Reduktion. Nachdem er – was sein gutes Recht ist –
bis zur Hauptverhandlung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
gemacht hat, zeigte er sich erstmals vor Vorinstanz geständig. Angesichts der
- 34 -
Beweislage blieb ihm auch nichts Anderes als die Anerkennung der gemachten
Vorwürfe übrig. Schliesslich ist beim Beschuldigten auch wenig echte Reue und
Einsicht erkennbar. Er weist keine Vorstrafen auf. Auch aus seinem Vorleben und
seinen persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine weiteren strafzumessungs-
relevanten Kriterien. Der Beschuldigte ist selbstständiger Berater und erzielt laut
seinen Angaben damit ein monatliches Nettoeinkommen zwischen Fr. 500.– und
Fr. 1'300.–. Zusätzlich ist er aktuell als Velokurier tätig und verdient damit ein zu-
sätzliches Einkommen von etwa Fr. 300.– bis Fr. 500.– im Monat. Er wohnt in ei-
ner Wohngemeinschaft mit zwei Personen und bezahlt dafür monatlich Fr. 590.–.
Er hat kein Vermögen, aber Schulden in Höhe von ca. Fr. 80'000.– (Prot. I S. 14;
Prot. II S. 6 f.; Urk. 60).
6. Es erweist sich eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen nach dem Dargelegten
als angemessen. Unter Hinweis auf das Verbot der reformatio in peius käme eine
Erhöhung dieser Strafe im Übrigen ohnehin nicht in Frage.
7. Schliesslich erscheint angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschul-
digten auch die von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatzhöhe von Fr. 30.– ge-
rechtfertigt (Urk. 51 E. IV. 3.2). Ebenfalls ist der Vorinstanz darin zuzustimmen,
dass die Ausfällung einer Verbindungsbusse nicht angezeigt ist. Es ist weder
notwendig, dem Beschuldigten als Ersttäter nebst der ausgefällten Geldstrafe
einen spürbaren Denkzettel zu verabreichen noch liegt eine Schnittstellenproble-
matik vor.
8. Demzufolge ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 30.– zu bestrafen.
V. Vollzug
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten unter zutreffender Darlegung der
hierfür massgeblichen Entscheidgrundlagen (Art. 42 StGB) den bedingten Vollzug
der Geldstrafe unter Ansetzung der minimalen Probezeit von 2 Jahren zu Recht
gewährt. Ohnehin hat es dabei zu bleiben, nachdem nur der Beschuldigte das
vorinstanzliche Urteil anfocht und somit das Verbot der reformatio in peius zu be-
- 35 -
achten ist (Art. 391 Abs. 2 StPO). Es kann vollumfänglich auf die entsprechenden
Erwägungen verwiesen werden (Urk. 51 S. 34).
VI. Zivilforderungen
1. Die Vorinstanz stellte fest, dass die Beurteilung des Genugtuungs- bzw.
Schadenersatzanspruches der Privatkläger in der Höhe von Fr. 1'000.– aufgrund
verschiedener Unklarheiten nicht möglich sei und verwies die Privatkläger damit
auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 51 S. 37). Der Beschuldigte äusserte sich
im Rahmen seiner Berufung nicht zum Zivilpunkt (Prot. II S. 6 ff. und S. 34 ff.;
Urk. 66/1 S. 1 ff.).
2. Die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen ein Geschädigter im Strafver-
fahren Zivilansprüche geltend machen und der Beschuldigte verpflichtet werden
kann, dem Privatkläger Genugtuung zu leisten, hat die Vorinstanz zutreffend dar-
gelegt (Urk. 51 E. VI.1, 2.2). Auf die entsprechenden Erwägungen kann vollum-
fänglich verwiesen werden.
Ergänzend ist in Bezug auf die Genugtuung hervorzuheben, dass dem Ge-
richt bei der Festsetzung ein Ermessensspielraum zusteht und dem Einzelfall an-
zupassen ist. Massgebend ist das subjektive Empfinden des Geschädigten und
die konkrete materielle Unbill, welche er durch das schädigende Ereignis erlitten
hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_531/2017 vom 11. Juli 2017 E.3.3.2 m.H. und
6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3, nicht publiziert in BGE 141 IV 97).
Schliesslich ist namentlich auf die Substanzierungspflicht der Privatkläger-
schaft hinsichtlich ihres Zivilanspruchs und das Primat der Dispositionsmaxime für
den Adhäsionsprozess hinzuweisen (Lieber in: Donatsch/Hansjakob/Lieber,
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014,
Art. 122 N 22 ff.; BSK StPO-DoLGE, Art. 122 N 22 ff.). Entsprechend darf daher
die Rechtsmittelinstanz der Privatklägerschaft im Rahmen der Zivilklage nicht
mehr und nichts anderes zusprechen, als diese verlangt (Art. 391 Abs. 3 lit. b
StPO; BGE 142 IV 129 E. 4.5). Sachverhalte, welche für die Straftat nicht wesent-
lich sind und deshalb nicht durch die Strafbehörden ermittelt werden, hat die Pri-
- 36 -
vatklägerschaft zu substanzieren und zu beweisen (BSK StPO-DoLGE, Art. 122
N 22 ff. und Art. 123 N 8).
3. Auch in Bezug auf ihren Entscheid, die Zivilforderung auf den Zivilweg zu
verweisen, ist der Vorinstanz zuzustimmen (Urk. 51 S. 36 f.). Dass der Beschul-
digte die Ehre der Privatkläger, mithin deren Persönlichkeit, schuldhaft und wider-
rechtlich verletzte, ist zwar zutreffend. Wie sich die beantragte Zivilforderung al-
lerdings zusammensetzt, legten die Privatkläger nicht nachvollziehbar dar. So be-
gründen sie die von ihnen als Genugtuung bezeichnete Forderung teilweise mit
der Geltendmachung von finanziellem Schaden (Spendenrückgang, finanzieller
Schaden), ohne jedoch auszuweisen, wie hoch dieser konkret sein ist (Prot. I
S. 29). Zudem ist angesichts der konkreten Umstände unklar bzw. wurde zu we-
nig substantiiert dargetan, in welchem Ausmass der Beschuldigte welchen von
den Privatklägern geltend gemachten konkreten materiellen Schaden verursachte
bzw. worin welche konkrete immaterielle Unbill besteht. Die Privatkläger sind folg-
lich mit ihrer Zivilforderung zu Recht auf den Zivilweg zu verweisen. Eine Abwei-
sung des Begehrens steht angesichts des Ausgangs des Verfahrens nicht in Fra-
ge, und der Zusprechung einer konkreten Summe steht das Verbot der reformatio
in peius entgegen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet (Griesser
in: ZH StPO Komm., a.a.O., N 14 zu Art. 428).
1.1. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrens-
kosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen
Verteidigung. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freige-
sprochen, können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
- 37 -
1.2. Nach der Rechtsprechung sind der beschuldigten Person, die bei mehreren
angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber freige-
sprochen wird, die Verfahrenskosten nur anteilmässig aufzuerlegen. Dies gilt je-
denfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten
lassen. Die anteilmässig auf die mit einem Freispruch endenden Anklagepunkte
entfallenden Kosten verbleiben gestützt auf Art. 423 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 2
StPO beim Staat (Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2014 vom 4. Dezember 2014
E. 3.2; Riklin, OFK-StPO, 2. A., Zürich 2014, N 2 zu Art. 426; Griesser in: ZH
StPO Komm., a.a.O., N 3 zu Art. 426).
1.3. Der Beschuldigte wird zwar grösstenteils verurteilt. Der Untersuchungsauf-
wand wäre aber ohne diese Teilsachverhalte nicht wesentlich geringer ausgefal-
len. Die bis zum erstinstanzlichen Entscheid angefallenen Kosten sind deshalb
ausgangsgemäss zu vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem
Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 i.V.m. Art. 428 Abs. 3
StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte mit
seinem Antrag auf einen vollumfänglichen Freispruch unterliegt, jedoch bezüglich
des Teilfreispruches im Ergebnis teilweise obsiegt, sind ihm die Kosten des Beru-
fungsverfahrens zu vier Fünfteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
2.1. Gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der
beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt, worunter in erster Linie die An-
waltskosten fallen, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren selbst
verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatklägerschaft
notwendig waren (BGE 139 IV 102 E. 4.1). Die Privatklägerschaft obsiegt, wenn
im Falle der Strafklage die beschuldigte Person schuldig gesprochen und/oder
wenn im Falle der Zivilklage die Zivilforderung geschützt wird. Das Letztere ist
auch dann der Fall, wenn die Zivilforderung nur dem Grundsatz nach geschützt,
im Übrigen aber auf den Zivilweg verwiesen wird (BGE 139 IV 102 E. 4.1; bestä-
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tigt in Urteil des Bundesgerichtes 6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014, E. 2.1. und
2.4. sowie Riklin, OFK-StPO, a.a.O., N 1 zu Art. 433). Die Entschädigung nach
Art. 433 Abs. 1 StPO ist vom Gericht nach Ermessen festzusetzen (vgl. BGE 139
IV 102 E. 4.5), jedoch tritt die Strafbehörde auf den Entschädigungsantrag nicht
ein, wenn die Privatklägerschaft ihre Entschädigungsforderung nicht beziffert und
nicht belegt (Art. 433 Abs. 2 StPO).
2.2. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten gestützt auf Art. 433 Abs. 1
lit. a StPO mit überzeugender Begründung, der Privatklägerschaft statt der von ihr
beantragten Prozessentschädigung von Fr. 13'697.10 (inkl. MwSt) eine solche
(reduzierte) im Betrage von Fr. 7'000.– zu bezahlen (Urk. 51 S. 37 f.). Dieser Ent-
schädigungsbetrag erweist sich als angemessen und wurde vom Beschuldigten
inhaltlich auch nicht angefochten. Daran ändert auch der Teilfreispruch in den
wenigen Fällen nichts, da sich der notwendige Aufwand der Vertretung nicht we-
sentlich auf die einzelnen Äusserungen aufteilen und voneinander trennen lässt.
2.3. In Bezug auf das Berufungsverfahren ist der Beschuldigte entsprechend
dem Ausmass seines Unterliegens zu verpflichten, die Privatkläger für den not-
wendigen Aufwand ihrer anwaltlichen Vertretung zu entschädigen. Gestützt auf
die Honorarnote der Rechtsvertretung der Privatklägerschaft vom 16. August
2018 (Urk. 86) und in Anwendung der Vorschriften der Anwaltsgebührenverord-
nung (§ 2 Abs. 1 lit. b, § 3 und § 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV) ist
der Beschuldigte zu verpflichten, den Privatklägern für das Berufungsverfahren
eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 8'764.20 zu bezahlen.