Decision ID: d701f42a-6a62-5325-884f-e6aadfe3304b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 8. Januar 2016 ersuchte der Beschwerdeführer erstmals in der
Schweiz um Asyl nach.
Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Begründung seines Asylge-
suchs machte er geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie aus dem Distrikt Jaffna, Nordprovinz (B._, später
C._). Im Jahr 1990 sei die Familie ins Vanni-Gebiet geflüchtet, wo
er ab dem Jahr 2000 für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) als
(...) gearbeitet habe. Nach Kriegsende sei er vom Militär in ein Flüchtlings-
lager gebracht und befragt worden, aber nur kurz geblieben. Danach sei er
in ein geschlossenes Flüchtlingslager gebracht und über ein Jahr festge-
halten sowie zu seinen LTTE-Verbindungen befragt worden. Er sei dann
geflüchtet. Ende 2010 sei er nach C._ zurückgekehrt, dort aber im-
mer wieder von paramilitärischen Gruppen beziehungsweise von Angehö-
rigen des Criminal Investigation Department (CID) gesucht worden, zuletzt
nach dem Märtyrertag am 27. November 2015. Ihm sei zu Unrecht vorge-
worfen worden, dass er immer noch für die LTTE aktiv sei und am Märty-
rertag Plakate aufgeklebt und Laternen angezündet habe.
B.
Mit Verfügung vom 11. Juni 2019 lehnte das SEM dieses Asylgesuch ab
und ordnete zugleich die Wegweisung des Beschwerdeführers sowie de-
ren Vollzug aus der Schweiz an.
Zur Begründung seines ablehnenden Entscheids hielt es fest, die Vorbrin-
gen seien aufgrund widersprüchlicher, nachgeschobener Angaben un-
glaubhaft. Folglich bestünden auch Zweifel an der geltend gemachten Ver-
folgung durch die sri-lankischen Behörden. Mangels hinreichender Risiko-
faktoren gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 sei zudem
nicht von einer Gefährdung bei einer Rückkehr auszugehen (Tamile, seit
2016 im Ausland, noch nie in Haft oder vor Gericht, kein LTTE-Mitglied,
keine LTTE-Verbindungen von Familienangehörigen).
C.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-3514/2019 vom 15. August 2019 als offensichtlich unbegründet
ab. Dabei stützte es im Wesentlichen die Einschätzung der Vorinstanz.
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D.
Am 11. November 2019 gelangte der Beschwerdeführer mit einer als
«Zweites Asylgesuch resp. Mehrfachgesuch, eventualiter Wiedererwä-
gungsgesuch, sub-eventualiter qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch,
sub-sub-eventualiter Revisionsgesuch» bezeichneten Eingabe seines
Rechtsvertreters erneut an die Vorinstanz.
Zur Begründung des Gesuchs brachte er vor, er sei am 22. September
2019 in Sri Lanka von sechs vermummten Personen gesucht worden.
Seine Schwester sei nach seinem Verbleib befragt und bedroht worden.
Sie habe gleichentags eine Anzeige bei der Polizei erstattet. Da bisher
nichts unternommen worden sei, stecke offensichtlich der Staatsapparat
hinter der Attacke. Zudem habe er im Jahr 2019 an einer exilpolitischen
Kundgebung in Genf für einen unabhängigen Tamilenstaat und für die
LTTE-Bewegung teilgenommen sowie demonstriert und dabei eine LTTE-
Fahne in die Luft gehalten. Von der Kundgebung seien Fotos und Video-
aufnahmen gemacht, Medienberichte erstellt und auf tamilwin.ch veröffent-
licht worden. Überdies machte er geltend, angesichts der veränderten Si-
cherheitslage in Sri Lanka und den bevorstehenden Wahlen, welche ein
Erstarken des Rajapaksa-Clans zur Folge hätten, sei er mit seinem Profil
bei einer Rückkehr besonders gefährdet, Opfer von Verfolgungsmassnah-
men zu werden. Nicht zuletzt gehöre er zur sozialen Gruppe der abgewie-
senen tamilischen Asylsuchenden, welche bei Rückkehr unter den Gene-
ralverdacht der LTTE-Unterstützung fielen und schwer gefoltert würden.
Aufgrund der verschiedenen und kumulierten Risikofaktoren erfülle er die
Flüchtlingseigenschaft.
Mit dem Gesuch reichte er diverse Fotos und in Kopie einen Polizeirapport
der Schwester inklusive Übersetzung ein.
E.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 – eröffnet am 23. Dezember 2019
– wies das SEM das als Mehrfachgesuch entgegengenommene Gesuch
vom 11. November 2019 ab und ordnete seine Wegweisung sowie deren
Vollzug aus der Schweiz an. Zudem lehnte sie das Gesuch um Erlass der
Verfahrenskosten ab und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 22. Januar 2020 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben,
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seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewäh-
ren, eventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen,
subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher
Rechtsbeistand. Weiter beantragte er, die kantonale Migrationsbehörde sei
anzuweisen, den Wegweisungsvollzug auszusetzen.
Mit der Beschwerdeschrift reichte er verschiedene Medienartikel in Kopie
sowie den Polizeirapport im Original samt Übersetzung zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Februar 2020 hielt die Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des Verfahrens in der
Schweiz abwarten und seiner Beschwerde komme von Gesetzes wegen
aufschiebende Wirkung zu, weshalb sich der Antrag, die zuständige kan-
tonale Behörde zur Aussetzung des Wegweisungsvollzugs anzuweisen,
als gegenstandslos erweise. Zugleich wies die Instruktionsrichterin das
Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG
mangels Komplexität der Sach- und Rechtslage ab und forderte den Be-
schwerdeführer zur Einreichung einer Unterstützungsbestätigung innert
Frist auf, anderenfalls über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
aufgrund der Aktenlage entschieden würde.
H.
Am 18. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer fristgerecht die einver-
langte Unterstützungsbestätigung zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht
zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-
chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und seine
Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 6 AsylG, Art. 52
Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ver-
zichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer erhebt die formellen Rügen der unrichtigen und
unvollständigen Sachverhaltsabklärung und der Verletzung des rechtlichen
Gehörs sowie der Begründungspflicht. Diese sind vorab zu beurteilen, da
sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfü-
gung zu bewirken.
4.2 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren – der Un-
tersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach muss
die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Mithin
ist sie verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi-
gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen
(KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KRAUSKOPF/EMMENEG-
GER/BABEY, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Ver-
waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse einer Partei umfasst, damit
sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann
(vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit diesem An-
spruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hö-
ren, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu be-
rücksichtigen, wobei die Begründung sich nicht mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
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4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe den Sach-
verhalt unrichtig und unvollständig definiert, indem sie seine Vorbringen
nicht ernsthaft und eingehend geprüft habe, und damit seinen Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt. So habe sie den Vorfall bei der Schwester
als unsubstantiiert und unbelegt qualifiziert, obschon er diesen – soweit
dies bei einer nicht selbst erlebten Handlung möglich sei – detailliert ge-
schildert habe. Zudem habe sie die Angaben zum Strafverfahren als wider-
sprüchlich bezeichnet, ohne zu begründen, worin der Widerspruch beste-
hen solle. Sodann habe sie dem in Kopie eingereichten Polizeirapport sei-
nen Beweiswert abgesprochen. Dabei verstehe es sich von selbst, dass
der Rapport die Aussagen der Schwester wiedergebe. Schliesslich habe er
keine weiteren Informationen in Erfahrung bringen können, da die Polizei
bisher nichts unternommen habe.
4.4 Der Beschwerdeführer vermengt mit seiner Kritik an der Einschätzung
der Vorinstanz die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache. Die Rügen be-
ziehen sich denn massgeblich auf die Glaubhaftigkeitsprüfung und die Be-
weiswürdigung. Alleine der Umstand, dass das SEM aufgrund der vorlie-
genden Aktenlage zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen
gelangt, als von ihm geltend gemacht, spricht aber nicht für eine ungenü-
gende Sachverhaltsfeststellung. Das SEM genügt vielmehr dem Anspruch
auf rechtliches Gehör, wenn es im Rahmen der Begründung die wesentli-
chen Überlegungen nennt, welche es seinem Entscheid zugrunde legt (vgl.
Art 29 Abs. 2 BV, Art. 26–33 VwVG). Dieser Anforderung ist es im Rahmen
seiner Erwägungen, welche eine umfassende Würdigung der vorgebrach-
ten Gesuchsgründe beinhalten, zweifelsohne gerecht geworden.
4.5 Der rechtserhebliche Sachverhalt ist somit hinreichend erstellt und die
Rüge der Verletzung formellen Rechts erweist sich als unbegründet. Dem-
zufolge ist der im Sinne eines Eventualbegehrens gestellte Antrag auf Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Neubeurteilung abzuweisen und das Gericht hat in der Sa-
che zu entscheiden (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.
6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids
aus, nachdem der Beschwerdeführer neue, nach Rechtskraft des ersten
Asylentscheids eingetretene Gründe betreffend die Flüchtlingseigenschaft
geltend gemacht habe, sei sein Gesuch als Mehrfachgesuch zu qualifizie-
ren.
Im ersten Entscheid seien die Vorbringen in Bezug auf sein LTTE-Profil
nicht als glaubhaft erachtet worden. Seine neuen Ausführungen zum Vor-
fall bei seiner Schwester seien knapp, pauschal und unsubstantiiert aus-
gefallen. Die Attacke sei zeitlich und inhaltlich nicht kontextualisiert worden.
Mangels konkreter und glaubhafter Hinweise erweise sich die Aussage,
hinter dem Vorfall stünde der Staatsapparat, als unbelegte Behauptung.
Lediglich behauptet und widersprüchlich blieben auch die Angaben zur Ein-
leitung eines Strafverfahrens. Der Polizeirapport vermöge an dieser Ein-
schätzung nichts zu ändern, handle es sich doch lediglich um eine Kopie
mit geringem Beweiswert. Abgesehen davon bilde der Rapport lediglich die
Aussagen der Schwester ab, weshalb er auch nicht erheblich sei. Sodann
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könnten solche Dokumente in Sri Lanka käuflich erworben und leicht ge-
fälscht werden.
Hinsichtlich der exilpolitischen Tätigkeiten sei festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer im ersten Verfahren weder solche Aktivitäten geltend noch
eine politisch motivierte Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden
glaubhaft gemacht habe. Es bestehe somit weiterhin kein Anlass zur An-
nahme, er sei in den Fokus der Behörden geraten oder dort registriert wor-
den. Entsprechend sei auch nicht davon auszugehen, er stünde bei seiner
Rückkehr unter spezieller Beobachtung. Des Weiteren habe er nur an einer
einzigen exilpolitischen Kundgebung teilgenommen, woraus noch nicht auf
eine exponierte Stellung innerhalb der exilpolitischen Opposition geschlos-
sen werden könne. Zudem habe er unspezifische Angaben zur Kundge-
bung gemacht und auch keine Einzelheiten zu seinen Tätigkeiten oder sei-
ner Rolle an der Veranstaltung genannt. Eine wesentliche Verschärfung
seines Profils ergebe sich sodann nicht aus den eingereichten Fotos, zu-
mal aus diesen ebenso kein exponiertes Wirken hervorgehe, er teilweise
nicht eindeutig erkennbar sei und die Fotos sowie Videos auf der genann-
ten Internetseite nicht hätten gefunden und somit auch nicht mit ihm in Ver-
bindung gebracht werden können.
Die Präsidentschaftswahl im November 2019 mit dem Sieg von Gotobaya
Rajapaksa und der Einsetzung seines Bruders Mahinda als Premierminis-
ter vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. So gebe es ak-
tuell keinen Anlass zur Annahme, ganze Volksgruppen seien unter dem
neuen Präsidenten einer kollektiven Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Das
Risiko sei im Einzelfall zu prüfen, mithin ob ein persönlicher Bezug zur Prä-
sidentschaftswahl respektive dessen Folgen bestehe. Dieser sei vorlie-
gend nicht dargetan worden. Ein pauschaler Hinweis auf die politischen
Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszena-
rien genüge nicht.
6.2 In seiner Beschwerdeschrift wiederholte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen seine Vorbringen aus dem Gesuch vom 11. November 2019.
Betreffend den Vorfall bei seiner Schwester erhob er die im Zusammen-
hang mit seiner formellen Rüge vorgebrachten Einwände (vgl. E. 4.3). Hin-
sichtlich seines exilpolitischen Engagements ergänzte er, er habe sich bei
der Demonstration an vorderster Front befunden und auf den Fotos sehe
es so aus, als habe er die Gruppe Demonstrierender angeführt. Auf einer
weiteren Internetseite (www.kalaththil.com) seien die Foto- und Videoauf-
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nahmen sowie Medienberichte ebenfalls veröffentlicht. Dieses Onlinemedi-
enportal sowie die Internetseite www.tamilwin.ch würden vom sri-lanki-
schen Staat genutzt, um exilpolitische Aktivitäten tamilischer Dissidenten
ausfindig zu machen. Der sri-lankische Geheimdienst sei in der Schweiz
als LTTE-freundlichstem Land gut vernetzt. Nicht nur aufgrund seiner Teil-
nahme an der Kundgebung, sondern auch wegen des hochgehaltenen Pla-
kats und seiner Position im Kundgebungszug sei er (der Beschwerdefüh-
rer) daher zweifellos aufgefallen. Selbst wenn er bloss als Mitläufer regis-
triert worden sei, wäre er bei einer Rückkehr der Verfolgung ausgesetzt,
weil die sri-lankischen Behörden davon ausgehen würden, über ihn an die
Veranstalter der Demonstration gelangen zu können. Seit der Machtergrei-
fung des Rajapaksa-Clans und erst recht nach der Entführung und späte-
ren Inhaftierung einer sri-lankischen Mitarbeiterin der schweizerischen Bot-
schaft in Colombo im November und Dezember 2019 habe sich die Situa-
tion überdies nicht nur für Tamilen mit seinem Profil (Tamile, abgelehnter
Asylsuchender, mehrjähriger Aufenthalt in der Schweiz, [vermeintliche]
LTTE-Verbindung, exilpolitische Tätigkeit), sondern generell für die tamili-
sche Bevölkerung erheblich verschlechtert (etwa erneute Zunahme von so-
genannten «white van»-Aktionen, Unterschriftspflichten gegen Tamilen).
Gotabaya Rajapaksa’s erklärtes Ziel sei die schonungslose Beseitigung
verdächtiger Personen, namentlich jenen, die am Wiederaufbau einer ta-
milischen Unabhängigkeitsbewegung beteiligt gewesen seien oder es
noch sein könnten. Die Vorinstanz habe seine individuelle Gefährdungs-
lage verneint, obschon er aufgrund seiner Vergangenheit und dem Vorfall
im September 2019 zu den stark gefährdeten Personen gehöre, die bei
einer Wiedereinreise einer konkreten Folter- und Todesgefahr ausgesetzt
würden. Bei einer Rückkehr sei zudem ein Background Check unausweich-
lich.
7.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers ge-
eignet sind, eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nach-
zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
7.1 Voranzustellen ist, dass die im ersten Verfahren geltend gemachte Ver-
folgung des Beschwerdeführers aufgrund früherer Unterstützungstätigkei-
ten für die LTTE rechtskräftig als unglaubhaft taxiert wurde. Soweit der Be-
schwerdeführer mit dem geltend gemachten Vorfall bei seiner Schwester
im September 2019 diese Feststellung zu überwinden versucht, gelingt ihm
dies nicht. Die Vorinstanz führte zutreffend aus, dass er seine diesbezügli-
chen Vorbringen nicht hinreichend substantiieren konnte, dies auch unter
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Berücksichtigung seines Einwands, dass er nur vom Hörensagen zu be-
richten wusste, was seine Schwester erlebt haben soll. Dabei kann offen-
bleiben, ob die Angaben zur Einleitung eines Strafverfahrens widersprüch-
lich ausfielen. Mangels entsprechender Nachweise und sonstiger Anhalts-
punkte sind sie jedenfalls als unbelegte Behauptungen zurückzuweisen.
Auch der im Original eingereichte Polizeirapport vermag die Zweifel an der
Vorverfolgung nicht auszuräumen. Dabei trifft es zu, dass es sich bei dem
Rapport auch nach Vorlage des Originals um ein Dokument mit geringem
Beweiswert handelt, kann es doch nur die von der Schwester dem zustän-
digen Polizisten erzählten Erlebnisse wiedergeben. Dabei kann auch da-
hinstehen, ob es sich um eine Gefälligkeit der Schwester und/oder ein Ge-
fälligkeitsschreiben der Polizei handelt, ist ihm doch nicht zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer tatsächlich vom Staat verfolgt wird, ge-
schweige denn, dass er aufgrund seiner LTTE-Aktivitäten belangt wird oder
gar ein Strafverfahren deswegen eingeleitet wurde. Überdies sind weitere
Zweifel an den Vorbringen zum Vorfall angebracht, erscheint es doch we-
nig nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nach bald vier Jahren
ausser Landes auf einmal wieder gesucht würde, noch dazu unmittelbar
nach der Mandatierung des rubrizierten Rechtsvertreters.
7.2 Fehl geht in diesem Zusammenhang auch die Argumentation zum Wie-
dererstarken des Rajapaksa-Clans und der erneuten oder verstärkten Be-
helligung von tatsächlichen oder vermeintlichen LTTE-Unterstützern.
Schon vor dem ersten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Au-
gust 2019 wirkten die Rajapaksas nach eigenen Angaben des Beschwer-
deführers wieder im Hintergrund, weshalb unklar ist, warum er nun im Sep-
tember auf einmal wieder gesucht worden sein soll. Erst recht kann die
Suche nach ihm nicht mit der Machtergreifung von Gotabaya Rajapaksa
nach den Präsidentschaftswahlen am 16. November 2019 begründet wer-
den, liegt diese doch zeitlich später.
7.3 Es besteht des Weiteren kein begründeter Anlass zur Annahme, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund seiner
exilpolitischen Tätigkeiten, seiner Zugehörigkeit zur Gruppe der abgelehn-
ten tamilischen Asylsuchenden sowie den seit August 2019 eingetretenen
politischen Veränderungen in Sri Lanka flüchtlingsrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein werde.
7.3.1 Das Gericht hat bereits im Urteil D-3514/2019 vom 15. August 2019
festgestellt, dass in der Person des Beschwerdeführers keine Risikofakto-
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ren im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 begrün-
det liegen (vgl. D-3514/2019 E. 6.7). Zur Vermeidung von Wiederholungen
sei auf die dortigen Ausführungen verwiesen. Auch mit den neuen Vorbrin-
gen kann nicht auf ein Risikoprofil geschlossen werden, das den Be-
schwerdeführer in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als
tamilischen Separatisten ausweisen und deshalb deren Aufmerksamkeit
auf sich ziehen könnte.
7.3.2 Hinsichtlich der geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten fällt auf,
dass diese zeitlich nicht näher bestimmt wurden, was Zweifel aufkommen
lässt, ob sie nicht bereit als nachgeschobene Vorbringen zu erachten sind,
mit denen der Beschwerdeführer sein Profil zusätzlich schärfen will. Abge-
sehen davon ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Teilnahme an
lediglich einer Kundgebung nicht auf eine besondere Exponiertheit des Be-
schwerdeführers schliessen lässt. Auch brachte der Beschwerdeführer in
der Beschwerdeschrift selbst an, dass er nicht Veranstalter der Kundge-
bung war. Mangels glaubhaft gemachter Vorverfolgung und erhöhtem Risi-
koprofil ist daher sein exilpolitisches Engagement ungeachtet seines Mit-
laufens in der ersten Reihe und des Hochhaltens eines Plakats als nieder-
schwellig zu erachten.
7.3.3 Zu den weiteren in der Beschwerdeschrift aufgeführten Umständen
und Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist so-
dann festzustellen, dass in keiner Weise erkennbar ist, wie sich diese zum
heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken könnten.
7.3.4 Unter Berücksichtigung vorstehender Erwägungen ist letztlich nicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer als abgelehnter tamili-
scher Asylsuchender bei einer Rückkehr aus der Schweiz Massnahmen zu
befürchten hätte, die über die üblichen Backgroundchecks hinausgehen.
Dabei ist festzuhalten, dass eine allfällige Befragung am Flughafen in Co-
lombo und Kontrollmassnahmen an seinem Heimatort keine asylrelevan-
ten Verfolgungsmassnahmen darstellen.
7.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM zutreffenderweise zur
Einschätzung gelangt ist, der Beschwerdeführer habe keine asylrechtlich
relevante Gefährdung glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz hat folglich das
Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
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Seite 12
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvoll-
zugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der
gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft;
das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2
m.w.H.).
9.1
9.1.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.1.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
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Seite 13
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real risk“) nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht ge-
nerell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine un-
menschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risikoeinschätzung im
Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung
fällt mangels hinreichender Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl.
E. 7). Zudem lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.4).
9.1.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.2
9.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.2.2 Im bereits erwähnten Referenzurteil E-1866/2015 nahm das Bundes-
verwaltungsgericht eine aktuelle Lagebeurteilung auch mit Bezug auf die
Zumutbarkeit des Vollzugs von Wegweisungen nach Sri Lanka vor (vgl.
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a.a.O. E. 13.2 – 13.4). Den Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (Dis-
trikte Jaffna, Kilinochchi, Mullaitivu, Mannar und Vavuniya; im Sinne der
Definition in BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) erachtete das Bundesverwal-
tungsgericht als zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder
sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden könne (vgl. a.a.O. E. 13.3.3).
9.2.3 Seit Rechtskraft des Urteils D-3514/2019 vom 15. August 2019 sind
ausweislich der Akten keine Umstände hinzugetreten, nach denen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Fall des Beschwerdeführers zu
verneinen wäre. Wie bereits erwähnt (vgl. E. 7.3.3), ist auch nach den po-
litischen Entwicklungen seit der Präsidentschaftswahl am 16. November
2019 nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen, aufgrund
derer Rückkehrer ungeachtet ihres individuellen Hintergrunds konkret ge-
fährdet würden. Nachdem der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfah-
ren keine weiteren gegen den Wegweisungsvollzug sprechenden persön-
lichen Aspekte vorgebracht hat, geht im Weiteren sein Einwand der fehlen-
den individuellen Prüfung fehl. Vielmehr kann hinsichtlich der individuellen
Umstände auf die Ausführungen im erwähnten Urteil D-3514/2019 verwie-
sen werden. So hat er vor seiner Ausreise zuletzt im Distrikt Jaffna, Nord-
provinz, gelebt, verfügt über Berufserfahrung als (...), (...) und (...) und hat
mit einer Schwester sowie (...) Onkeln und (...) Tanten ein Beziehungsnetz
vor Ort, womit eine soziale und wirtschaftliche Reintegration im Heimatland
zumutbar erscheint. Überdies ist mangels neuer Anhaltspunkte weiterhin
von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Hinblick auf die ge-
sundheitliche Situation des Beschwerdeführers auszugehen.
9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Wegweisungsvollzug weiterhin als zu-
mutbar zu erachten.
9.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerde-
führer beantragte in seiner Beschwerdeschrift allerdings die Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung. Nachdem seine Beschwerde im Zeit-
punkt der Einreichung nicht als offensichtlich aussichtlos bezeichnet wer-
den konnte und angesichts der eingereichten Unterstützungsbestätigung
von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist, ist sein Gesuch gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Der Beschwerdeführer hat vorliegend keine
Verfahrenskosten zu tragen.
11.2 Sein Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wurde dagegen mit
Zwischenverfügung vom 3. Februar 2020 mangels Komplexität der Sach-
und Rechtslage abgewiesen (vgl. Art. 102m Abs. 2 AsylG, Art. 65 Abs. 2
VwVG). Seither sind keine Umstände eingetreten, die eine andere Ein-
schätzung rechtfertigen. Folglich ist dem rubrizierten Rechtsvertreter keine
Aufwandsentschädigung zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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