Decision ID: 4fae24fb-ea95-4148-8a98-76fba90e3673
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ Ltd. bezweckt gemäss Eintrag im Handelsregister des Kan-
tons (...) die Herstellung, den Vertrieb und den Verkauf von Lebensmitteln
aller Art. Seit dem Jahr 2012 ist sie Inhaberin von Bewilligungen für den
passiven Veredelungsverkehr von Frischkartoffeln zur Herstellung von Kar-
toffel-Chips.
B.
Mit der Bewilligung Nr. (...) vom 4. Februar 2020 erteilte die Eidgenössi-
sche Zollverwaltung (seit dem 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und
Grenzsicherheit [BAZG]; nachfolgend: Vorinstanz oder im Zusammenhang
mit den gesetzlichen Bestimmungen BAZG) der A._ Ltd. eine bis
zum 31. Dezember 2020 gültige Bewilligung für den passiven Verede-
lungsverkehr. Damit wurde die A._ Ltd. berechtigt, 4'000'000 kg
Frischkartoffeln der Tarifnummer 0701.9091 im Äquivalenzverkehr zur Her-
stellung von Kartoffel-Chips nach Österreich auszuführen und im Gegen-
zug Kartoffel-Chips der Tarifnummer 2005.2029 zum reduzierten Ansatz
von Fr. 47.– je 100 kg brutto in die Schweiz einzuführen.
Die Bewilligung enthält in Rubrik 10 unter anderem die folgende Auflage:
« Si, dans le cadre d’un trafic fondé sur l’équivalence, le produit com-
pensateur est importé avant que la quantité correspondante de pommes
de terre n’ait été exportée, l’exportation ainsi que le décompte de la
quantité correspondante doivent se faire dans le délai d’exporta-
tion de trois mois. Si l’un de ces délais n’est pas respecté, la taxa-
tion au taux réduit n’est plus possible. » (Hervorhebungen im Origi-
nal)
C.
Mit Eingabe vom 9. März 2020 erhebt die A._ Ltd. (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) Einsprache (recte: Beschwerde) gegen die Bewilli-
gung vom 4. Februar 2020 beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt
sinngemäss die Aufhebung der Auflage, wonach im Rahmen des Äquiva-
lenzverkehrs die Ausfuhr der Kartoffeln und die Abrechnung innerhalb einer
Ausfuhrfrist von 3 Monaten seit der Einfuhr der Kartoffel-Chips zu erfolgen
haben. Diese Auflage sei für sie nicht praktikabel. Die Auflage sei zudem
in vorangehenden Bewilligungen nicht enthalten gewesen.
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Zusammen mit der Beschwerde reicht sie eine Kopie der Bewilligung
Nr. (...) sowie diesbezügliche Erläuterungen der Vorinstanz (E-Mail-Aus-
tausch zwischen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz vom 4. und
9. März 2020) zu den Akten.
D.
Mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2020 beantragt die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde unter Kostenfolge, soweit darauf einzutreten sei.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird nach-
folgend eingegangen, soweit dies für den vorliegenden Entscheid wesent-
lich ist.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwal-
tungsgericht (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche
Ausnahme liegt nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfügung
im Sinne von Art. 5 VwVG. Das BAZG ist zudem eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts (vgl. Art. 33 VGG). Dieses ist daher für die Beur-
teilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4
des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]). Das Verfahren rich-
tet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vorschrif-
ten des VwVG (Art. 37 VGG).
1.1 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids,
hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist durch die Verfü-
gung vom 4. Februar 2020 beschwert: Nach der Rechtsprechung sind Vor-
bringen gegen die in der Bewilligung enthaltenen Auflagen mittels Be-
schwerde gegen die erteilte Bewilligung zu erheben und können später im
Abgabeerhebungsverfahren nicht mehr mit Erfolg geltend gemacht werden
(vgl. Urteile des BVGer A-376/2021 vom 14. September 2021 E. 2.2.3;
A-6139/2019 vom 18. August 2020 E. 2.2.2; A-6635/2018 vom 7. Januar
2020 E. 3.2.2, die sich allerdings auf das – in diesem Punkt gleichgela-
gerte – Verfahren der aktiven Veredelung beziehen; siehe dazu auch
E. 2.5.1 in fine). Allerdings war die Bewilligung nur bis zum 31. Dezember
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2020 gültig. Dem Bundesverwaltungsgericht liegen keine Informationen
dazu vor, ob das Abgabeerhebungsverfahren für das Jahr 2020 rechtskräf-
tig abgeschlossen wurde. Es ist daher fraglich, ob bzw. inwieweit die Be-
schwerdeführerin nach wie vor über ein aktuelles Rechtsschutzinteresse
an der Aufhebung der Bewilligung verfügt. Diese Frage kann jedoch vorlie-
gend offenbleiben. Das Bundesverwaltungsgericht sieht vom Erfordernis
eines aktuellen Rechtsschutzinteresses ab, wenn sich die mit der Be-
schwerde aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen jeweils unter gleichen
oder ähnlichen Umständen wieder stellen können, ohne dass im Einzelfall
rechtzeitig eine bundesverwaltungsgerichtliche Prüfung möglich wäre (vgl.
BGE 146 II 335 E. 1.3; Urteil des BVGer A-4670/2019 vom 3. September
2020 E. 1.3.2). Da sich die mit der vorliegenden Beschwerde auf-
geworfenen Fragen jedes Jahr unter den gleichen oder ähnlichen Umstän-
den wieder stellen können und die Klärung dieser Fragen im öffentlichen
Interesse liegt, ist die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin
zu bejahen. Zudem war die streitbetroffene Bewilligung zum Zeitpunkt der
Beschwerdeeinreichung noch gültig und es besteht ein Interesse an der
Klärung der Frage, ob die damalige Praxis der Vorinstanz rechtskonform
war (vgl. Urteil des BGer 1C_245/2022 vom 4. Oktober 2022 E. 1.4.3 in
fine). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist vor diesem Hintergrund einzutreten.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht darf die angefochtene Verfügung in vol-
lem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach der
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, und der Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art. 62 Abs. 4 VwVG;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 1.49 ff.). Ungeachtet der Bestimmung
von Art. 2 Abs. 1 VwVG, welcher die Art. 12 – 19 sowie die Art. 30 – 33
VwVG für Steuerverfahren ausschliesst, wendet das Bundesverwaltungs-
gericht in ständiger Rechtsprechung auch in Steuerverfahren den Untersu-
chungsgrundsatz in dem Sinn an, als die in den von der Anwendbarkeit
ausgenommenen Artikeln näher ausgeführten Anhörungs- und Mitwir-
kungsrechte gewährt werden (statt vieler: BVGE 2009/60 E. 2; Urteile des
BVGer A-2479/2019 vom 14. Juli 2021 E. 2.2.1; A-5446/2016 vom 23. Mai
2018 E. 2.2; A-6977/2009 vom 29. November 2010 E. 2.2).
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1.3 Die Rechtmässigkeit eines Verwaltungsakts beurteilt sich bei Fehlen
anderslautender Übergangsbestimmungen grundsätzlich nach jenem
Recht, das bei Verwirklichung des massgeblichen Sachverhalts Gültigkeit
hatte (BGE 144 II 326 E. 2.1.1; 143 II 297 E. 5.3.3; 140 V 136 E. 4.2.1).
Steht in einem Rechtsmittelverfahren die Überprüfung einer Bewilligung in
Frage, ist in diesem Sinne grundsätzlich vom Rechtsbestand bei Erlass der
Bewilligung auszugehen (BGE 139 II 470 E. 4.2; Urteil des BGer
2C_26/2019 vom 22. Dezember 2021 E. 6.3). Demgemäss ist vorliegend
das am 4. Februar 2020 geltende Recht massgebend (vgl. Sachverhalt
Bst. B).
2.
2.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden,
sind grundsätzlich zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem
Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden
(Art. 7 ZG). Ebenso unterliegt die Einfuhr von Gegenständen grundsätzlich
der Einfuhrsteuer (Art. 50 ff. des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über
die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.20]). Vorbehalten bleiben Zoll- und
Steuerbefreiungen bzw. -erleichterungen, die sich aus besonderen Bestim-
mungen von Gesetzen und Verordnungen oder Staatsverträgen ergeben
(vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 ff. ZG; Art. 1 Abs. 2 ZTG; Art. 53 MWSTG).
2.2 Für Waren, die zur Bearbeitung, Verarbeitung oder Ausbesserung vo-
rübergehend ausgeführt werden, gewährt das BAZG im Rahmen des Zoll-
verfahrens der passiven Veredelung auf wieder eingeführten Erzeugnissen
Zollermässigung oder Zollbefreiung, sofern keine überwiegenden öffentli-
chen Interessen entgegenstehen (vgl. Art. 13 Abs. 1 ZG).
2.3 Das passive Veredelungsverfahren steht grundsätzlich nur Waren des
zollrechtlich freien Verkehrs offen (Urteil des BVGer A-6860/2017 vom
9. August 2018 E. 4.3; IVO GUT, in: Martin Kocher/Diego Clavadetscher
[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Zollgesetz [ZG], 2009 [nachfol-
gend: Zollkommentar], Art. 13 N. 4; REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Schwei-
zerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XII, 2. Aufl. 2007 [nachfolgend:
Zollrecht], N. 897).
Die Vorinstanz gewährte bis Ende 2011 für landwirtschaftliche Erzeugnisse
und landwirtschaftliche Grundstoffe die vorübergehende Ausfuhr nur unter
der (zusätzlichen) Voraussetzung, dass dadurch nicht wesentliche Interes-
sen der Wirtschaft im Inland beeinträchtigt wurden (Art. 132 Abs. 7 ZG, auf-
gehoben per 1. August 2016 [AS 2016 2429; BBl 2015 2883]). Diese Norm
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beanspruchte für das passive Veredelungsverfahren Geltung (vgl. Urteil
des BVGer A-6860/2017 vom 9. August 2018 E. 4.3; siehe dazu näher
E. 7.2.6).
2.4 Das passive Veredelungsverfahren kann sowohl im sog. Nämlichkeits-
verkehr (Art. 13 Abs. 1 ZG; Art. 47 der Zollverordnung vom 1. November
2006 [ZV, SR 631.01]) wie auch im sog. Äquivalenzverkehr (Art. 13 Abs. 2
ZG; Art. 46 ZV) abgewickelt werden. Beim Nämlichkeitsverkehr muss die
zur Veredelung ausgeführte Ware tatsächlich für den Veredelungsvorgang
verwendet werden und im Veredelungserzeugnis enthalten sein und da-
nach wieder eingeführt werden (Art. 47 Abs. 1 ZV). Beim Äquivalenzver-
kehr können die zur Veredelung aus dem Zollgebiet verbrachten Waren
durch ausländische Waren ersetzt werden. Die ausländischen Waren müs-
sen in gleicher Menge und von gleicher Beschaffenheit und Qualität wie
die aus dem Zollgebiet verbrachten Waren sein (Art. 46 Abs. 1 ZV; ARPA-
GAUS, Zollrecht, N. 895 u. 874 f.). Nach Art. 46 Abs. 2 ZV wird der Äquiva-
lenzverkehr angewandt, wenn:
a) die gleiche Beschaffenheit und Qualität der Ware nachgewiesen wird;
und
b) keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen.
Mögliche entgegenstehende öffentliche Interessen sind etwa die Gefahr
der Täuschung inländischer Konsumenten, wenn im Äquivalenzverkehr
qualitativ minderwertige Ersatzwaren als Vorprodukte für die Veredelungs-
erzeugnisse dienen, sowie gesundheits- oder seuchenpolizeiliche Gründe
(GUT, Zollkommentar, Art. 13 N. 6).
Die ausländischen Waren können von dem Tag an als Veredelungserzeug-
nisse ins Zollgebiet verbracht werden, an dem das BAZG die passive Ver-
edelung bewilligt hat (Art. 46 Abs. 3 ZV).
2.5 Das Verfahren zur passiven Veredelung bedarf einer Bewilligung des
BAZG, welche mit Auflagen verbunden und namentlich mengenmässig und
zeitlich beschränkt werden kann (vgl. Art. 60 Abs. 2 ZG). Der Antragsteller
hat – vorausgesetzt es spricht kein öffentliches Interesse dagegen – An-
spruch auf die Bewilligung, wenn er seinen Sitz oder Wohnsitz im Zollge-
biet hat und Gewähr für den ordnungsgemässen Ablauf bietet (Art. 13
Abs. 1 ZG; Art. 171 ZV; Urteil des BVGer A-6860/2017 vom 9. August 2018
E. 4.5).
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2.5.1 Die Bewilligung enthält gemäss Art. 172 Bst. h ZV unter anderem
«Auflagen, namentlich Fristen für die Verbringung der Veredelungserzeug-
nisse ins Zollgebiet und für den Abschluss des Verfahrens der passiven
Veredelung, materielle Kontroll- und Verfahrensvorschriften sowie formelle
Verfahrensvorschriften». Die Einhaltung dieser Auflagen ist eine Grundvor-
aussetzung für den Abschluss des Verfahrens der passiven Veredelung
und die definitive Gewährung der Zollermässigung oder Zollbefreiung
(Art. 173 Abs. 1 ZV).
Wird die Verfügung, mit welcher die Bewilligung erteilt wird, nicht angefoch-
ten, erwächst sie mitsamt den darin aufgeführten Auflagen in formelle
Rechtskraft. Der Verfügungsadressat hat damit die entsprechenden Aufla-
gen akzeptiert und in der Folge auch einzuhalten. Vorbringen gegen die in
der Bewilligung enthaltenen Auflagen sind mittels Beschwerde gegen die
erteilte Bewilligung zu erheben und können später im Abgabeerhebungs-
verfahren nicht mehr mit Erfolg vorgebracht werden (vgl. auch E. 1.2).
2.5.2 Eine Auflage ist die mit einer Verfügung verbundene zusätzliche Ver-
pflichtung zu einem Tun, Dulden oder Unterlassen. Sie untersteht dem Ge-
setzmässigkeitsprinzip und bedarf einer gesetzlichen Grundlage. Die Auf-
lage muss zudem mit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit vereinbar
sein (siehe dazu nachfolgend E. 3; zum Ganzen: Urteil des BVGer
A-3277/2019 vom 14. November 2019 E. 3.1; ULRICH HÄFELIN/GEORG
MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., 2020,
Rz. 913, 919 ff.).
2.6 Mit der Zollanmeldung bei der Wiedereinfuhr im Verfahren der passiven
Veredelung entsteht grundsätzlich eine Zollschuld (Art. 69 ZG; ARPAGAUS,
Zollrecht, N. 902). Aus Gründen der Gleichbehandlung und der Gleichmäs-
sigkeit der Besteuerung werden jedoch in der Regel einzig auf dem im Aus-
land erzielten Veredelungsmehrwert Zollabgaben erhoben (Art. 13 Abs. 3
ZG i.V.m. Art. 49 ZV; ARPAGAUS, Zollrecht, N. 905). Diese bemessen sich
grundsätzlich anhand des durch die Veredelung entstandenen Mehrge-
wichtes und nach dem Zolltarif, unter welchen das in das Zollgebiet ver-
brachte Veredelungserzeugnis einzureihen ist (Art. 49 Abs. 1 ZV). Ist eine
Erfassung des Mehrgewichtes nicht möglich oder unverhältnismässig,
kann das BAZG eine Zollermässigung oder -befreiung gewähren (Art. 49
Abs. 2 ZV). Für die Zollermässigung stehen die in Art. 49 Abs. 3 ZV vorge-
sehenen Methoden zur Verfügung (vgl. ARPAGAUS, Zollrecht, N. 904 ff.;
GUT, Zollkommentar, Art. 13 N. 9 f.). Demnach berechnet das BAZG den
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ermässigten Zollansatz nach derjenigen der folgenden Methoden, die den
Veredelungsmehrwert am besten zu erfassen vermag:
a. Differenz zwischen der Zollbelastung auf dem ins Zollgebiet verbrach-
ten Veredelungserzeugnis und der fiktiven Zollbelastung auf der zur
Herstellung des Veredelungserzeugnisses benötigten Menge an ausge-
führten Waren;
b. Differenz zwischen den inländischen und den ausländischen Verede-
lungskosten; oder
c. Prozentsatz vom Normalzollansatz des ins Zollgebiet verbrachten
Veredelungserzeugnisses, welcher der im Ausland erzielten Wertsteige-
rung entspricht.
2.7 Das Verfahren der passiven Veredelung muss ordnungsgemäss abge-
schlossen werden (vgl. Art. 60 Abs. 4 ZG; Art. 173 ZV). Es gilt als ord-
nungsgemäss abgeschlossen, wenn die in der Bewilligung erwähnten Auf-
lagen sowie die Voraussetzungen von Art. 173 Abs. 2 ZV erfüllt werden
(Art. 173 Abs. 1 ZV i.V.m. Art. 172 ZV). Das heisst, zur Wahrung des An-
spruchs auf Zollermässigung muss der Bewilligungsinhaber oder die Be-
willigungsinhaberin innerhalb der festgesetzten Frist den Antrag auf end-
gültige Zollermässigung oder Zollbefreiung einreichen. Dabei muss er
oder sie in der vorgeschriebenen Art nachweisen, dass die zur passiven
Veredelung ausgeführten oder die im Äquivalenzverkehr verwendeten aus-
ländischen Waren innerhalb der vorgeschriebenen Frist als Veredelungs-
erzeugnisse wieder ins Zollgebiet verbracht worden sind. Er oder sie muss
auch die Menge der veredelten Waren und der angefallenen Abfälle
oder Nebenprodukte nachweisen (Art. 173 Abs. 2 ZV; Urteil des BVGer
A-6860/2017 vom 9. August 2018 E. 4.7 m.w.H.).
2.8 Wird das Verfahren der passiven Veredelung nicht ordnungsgemäss
abgeschlossen, so werden die Zollausfuhrabgaben fällig und das Recht auf
die Privilegierung bei der Wiedereinfuhr erlischt grundsätzlich (vgl. Art. 60
Abs. 4 ZG und die vorgesehene Ausnahme).
2.9 Die Abrechnung über die Zollabgaben im Verfahren der passiven Ver-
edelung erfolgt grundsätzlich im sog. Nichterhebungsverfahren (GUT, Zoll-
kommentar, Art. 60 N. 1 und 4; Urteil des BVGer A-6860/2017 vom 9. Au-
gust 2018 E. 5.6). Mangels Ausfuhrzöllen ist dies nicht weiter von Bedeu-
tung. Mit Bezug auf die (Wieder)einfuhr erheben die Zollstellen, bei denen
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Seite 9
die Veredelungserzeugnisse angemeldet werden, keine Abgaben. Die Ver-
anlagung des Veredelungsmehrwertes erfolgt im Rahmen der Abrechnung
durch die überwachende Stelle.
3.
Das Gebot der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101];
vgl. auch Art. 36 Abs. 3 BV) verlangt, dass die vom Gesetzgeber oder von
der Behörde gewählten Massnahmen – im vorliegenden Fall steht eine be-
hördliche Auflage zur Diskussion (E. 2.5) – für das Erreichen des gesetzten
Zieles geeignet, notwendig und für die betroffene Person zumutbar sind.
Der angestrebte Zweck muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den ein-
gesetzten Mitteln bzw. zu den zu seiner Verfolgung notwendigen Beschrän-
kungen stehen. Die staatliche Massnahme darf in sachlicher, räumlicher,
zeitlicher und personeller Hinsicht nicht einschneidender sein als erforder-
lich und hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere
Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde (vgl. BGE 128
II 292 E. 5.1 mit Hinweisen). Die Frage der Verhältnismässigkeit stellt sich
folglich nur in Fällen, bei denen mehrere Massnahmen zum Erreichen ei-
nes Ziels zur Verfügung stehen (vgl. Urteil des BGer 2A.65/2003 vom
29. Juli 2003 E. 4; Urteile des BVGer A-376/2021 vom 14. September 2021
E. 2.4; A-2206/2007 vom 24. November 2008 E. 4.3.2; A-1723/2006 vom
19. September 2007 E. 3.2).
4.
4.1 Das Bundesgesetzes vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft
(Landwirtschaftsgesetz, LwG, SR 910.1) legt innerhalb der welthandels-
rechtlichen Verpflichtungen die Rahmenbedingungen für die Produktion
und den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse fest (Art. 7ff. und insb.
Art. 21 LwG betreffend Zollkontingente). Als Instrumente zur Lenkung der
Importe stehen dem Bund u.a. die Zollkontingente (Art. 21 ff. LwG) zur Ver-
fügung. Dabei wird die Warenmenge bestimmt, welche zu einem vorteil-
haften Zollansatz (KZA) in die Schweiz eingeführt werden kann. Für den
Import einer zusätzlichen Menge muss regelmässig ein bedeutend höherer
Zoll (AKZA) bezahlt werden, der gewöhnlich prohibitive Wirkung hat (vgl.
BGE 129 II 160 E. 2.1; Urteil des BGer 2A.527/2006 vom 12. Dezember
2006 E.2.2; Urteil des BVGer A-4077/2021 vom 11. Mai 2022 E. 2.6.1).
4.2 Die Landwirtschaftsgesetzgebung wird in der vom Bundesrat erlasse-
nen Verordnung vom 26. Oktober 2011 über die Einfuhr von landwirtschaft-
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Seite 10
lichen Erzeugnissen (Agrarverordnung, AEV, SR 916.01; in der hier mass-
gebenden Fassung vom 1. Februar 2020) konkretisiert. Die Zollkontin-
gente, die Teilzollkontingente und die Richtmengen werden in Anhang 3
der Verordnung festgelegt (Art. 10 AEV).
Gemäss Ziff. 7 Anhang 3 der AEV beträgt das Teilzollkontingent 14.4 (Kar-
toffelprodukte) 4'000 Tonnen. Anteile am Teilzollkontingent Nr. 14.4 (Kar-
toffelprodukte) werden versteigert (Art. 40 Abs. 6 AEV [Erster Satz]; in der
im vorliegenden Zeitraum geltenden Fassung; AS 2016 4083; aufgehoben
per 1. Januar 2022; AS 2021 696). Anders als bei den Teilzollkontingenten
Nr. 14.1 (Saatkartoffeln), Nr. 14.2 (Veredelungskartoffeln) und Nr. 14.3
(Speisekartoffeln) bestimmt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beim
Teilzollkontingent 14.4 (Kartoffelprodukte) keine Periode, in der Anteile an
den Teilzollkontingenten ausgenutzt werden können (Art. 38 AEV e contra-
rio). Kontingentsperiode bildet somit das Kalenderjahr (vgl. Art. 11 AEV).
5.
5.1
5.1.1 Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung
vom 4. Februar 2020 die Bewilligung Nr. (...) für die Ausfuhr von 4'000'000
kg Frischkartoffeln zur passiven Veredelung (Herstellung von Kartoffel-
Chips) nach Österreich erteilt (Akte der Vorinstanz [act.] 1n). Es wird das
Nichterhebungsverfahren angewendet.
Gemäss Rubrik 3 der Verfügung («Durée de validité de l’autorisation») wird
die Ausfuhrfrist auf den 31. Dezember 2020 festgesetzt; die Einfuhrfrist auf
12 Monate seit der betreffenden Ausfuhr. Die Abrechnungsfrist beträgt 60
Tage.
Die Ausfuhr erfolgt im Äquivalenzverkehr. Unter Rubrik 8 der Verfügung
(«Trafic fondé sur l’équivalence») wird festgehalten, dass die im Rahmen
der Bewilligung zur Veredelung ausgeführten Waren gegen ausländische
Waren gleicher Menge, Beschaffenheit und Qualität ausgetauscht werden
dürfen. Als äquivalente Waren gelten dabei gemäss der Bewilligung: Ver-
edelungskartoffeln für die Chips-Produktion gemäss den aktuellen Über-
nahmebedingungen «récoltes de pommes de terres» der Swisspatat.
Unter Rubrik 10 der Verfügung («Autres charges») wird weiter die folgende,
vorliegend strittige Auflage gemacht: «Wird das Veredelungserzeugnis im
Rahmen des Äquivalenzverkehrs eingeführt, bevor die entsprechende
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Seite 11
Menge Kartoffeln ausgeführt wurde, muss die Ausfuhr sowie die Abrech-
nung der entsprechenden Menge innerhalb einer Ausfuhrfrist von drei Mo-
naten durchgeführt werden. Andernfalls ist die Besteuerung nach dem re-
duzierten Ansatz nicht mehr möglich» (vgl. den frz. Originalwortlaut der
strittigen Auflage: Sachverhalt Bst. B).
Unter Rubrik 10 wird weiter darauf hingewiesen, dass die letzte Ausfuhr im
Rahmen der Bewilligung bis spätestens am 31. Dezember 2020 zu erfol-
gen hat. Ein Saldoübertrag ist nicht möglich (« La date de la dernière ex-
portation dans le cadre de cette autorisation est fixée au plus tard au
31.12.2020. Aucun report de solde ne sera possible à la fin du délai d’ex-
portation mentionné sous le point 3 de l’autorisation »).
Bei der Abrechnung ist unter anderem eine Tabelle mit sämtlichen Ein- und
Ausfuhrzollanmeldungen (gemäss Form. 47.86) vorzulegen (Rubrik 10 der
Bewilligung Nr. [...]).
Bei der Einfuhr sind die Kartoffel-Chips gemäss der Tarifnummer
2005.2029 zum reduzierten Ansatz von Fr. 47.– je 100 kg brutto zollpflichtig
(Rubrik 10 der Bewilligung Nr. [...]).
5.1.2 Wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 25. Mai 2020 aus-
führt, sind Kartoffel-Chips der Tarifnummer 2005.20, die nicht im passiven
Veredelungsverkehr, sondern als definitive Überführung in den zollrechtlich
freien Verkehr angemeldet werden, wie folgt zollpflichtig:
Tarifnummer Bezeichnung Zollansatz je 100 kg brutto
2005.2021
Innerhalb des  K-Nr. 14
- in Behältnissen von mehr als 5 kg
Fr. 50.–
2005.2022
Innerhalb des Zoll-
kontingents K-Nr. 14
- andere
Fr. 70.–
2005.2029
Andere (ausserhalb
des Zollkontingents)
Fr. 785.–
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Seite 12
Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung aus, die Beschwerdeführerin
dürfe mit der Bewilligung für den passiven Veredelungsverkehr die Kartof-
fel-Chips unter der Tarifnummer 2005.2029 zum reduzierten Zollansatz von
Fr. 47.– pro 100 kg brutto einführen (vgl. E. 5.1.1). Der Differenzzollansatz
nach Art. 49 ZV werde praxisgemäss jeweils basierend auf den Kontin-
gentszollansätzen berechnet, da grundsätzlich davon ausgegangen
werde, dass im passiven Veredelungsverkehr Rohstoffe inländischer Her-
kunft verarbeitet würden, welche nicht mit «Strafzoll» belastet werden soll-
ten (Vernehmlassung, Ziff. 3.1).
5.2 Die Auflage zum Äquivalenzverkehr in Rubrik 10 der vorangehenden
Bewilligung Nr. (...) vom 7. Januar 2019 (act. 1m) lautete im Wesentlichen
wie folgt:
«Wird im Rahmen des Äquivalenzverkehrs das Veredelungserzeugnis ein-
geführt, bevor die entsprechende Menge Kartoffeln ausgeführt wurde,
muss die Ausfuhr sowie die Abrechnung der entsprechenden Menge inner-
halb der Ausfuhrfrist (31. Januar 2020) erfolgen. Wird eine dieser Fristen
versäumt, ist der Anspruch auf Abgabenerleichterung der Veredelungser-
zeugnisse verwirkt».
Im Unterschied zu dieser Bewilligung wird in der vorliegend zur Diskussion
stehenden Bewilligung also hinsichtlich der Ausfuhr und Abrechnung eine
zusätzliche Auflage zur Ausfuhrfrist gemacht; dies für den Fall, dass die
Einfuhr der veredelten Ware vor der Ausfuhr der entsprechenden Menge
Kartoffeln erfolgt. Neu müssen Ausfuhr und Abrechnung innerhalb von drei
Monaten ab der entsprechenden Einfuhr, statt innerhalb der in der Bewilli-
gung festgesetzten Ausfuhrfrist, erfolgen.
6.
Strittig und im vorliegenden Beschwerdefahren zu klären ist, ob die Zusatz-
auflage zur Äquivalenz in Rubrik 10 der Verfügung den bundesrechtlichen
Anforderungen entspricht.
6.1 Die strittige Zusatzauflage hat zur Folge, dass die Beschwerdeführerin
Kartoffel-Chips nur dann zollbegünstigt im Rahmen des passiven Verede-
lungsverkehrs einführen kann, wenn sie entweder die entsprechende
Menge Frischkartoffeln bereits ausgeführt hat oder der nachträgliche Sal-
doausgleich sowie die Abrechnung innerhalb einer Frist von drei Monaten
ab der entsprechenden Einfuhr erfolgen. Für eine (hypothetische) Einfuhr
von Kartoffel-Chips am 12. März 2020 müssten die entsprechende Ausfuhr
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Seite 13
von Frischkartoffeln sowie die Abrechnung somit bis spätestens am
12. Juni 2020 erfolgen (vgl. die Erläuterungen der Vorinstanz im E-Mail-
Austausch vom 4. und 9. März 2020, den die Beschwerdeführerin zu den
Akten gereicht hat).
6.2 Die Vorinstanz war grundsätzlich berechtigt, die Bewilligung mit einer
Auflage zu versehen (vgl. E. 2.5). Dies wird von der Beschwerdeführerin
zu Recht auch nicht bestritten. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Be-
schwerde vom 9. März 2020 jedoch sinngemäss geltend, die erlassene Zu-
satzauflage sei nicht verhältnismässig bzw. für sie nicht zumutbar. Grund-
sätzlich hätten nicht alle ihre Schweizer Partner die technischen Voraus-
setzungen, um Kartoffeln über den Zeitraum des Monats Januar hinaus zu
lagern. Aufgrund einer qualitativ schlechteren Ernte im «Kartoffeljahr
2019» seien auch nicht alle Kartoffeln für eine längere Lagerung geeignet.
Deshalb werde sie die letzten Kartoffeln aus der Schweiz voraussichtlich
bis Ende März 2020 ausführen. Die neue Ernte mit Frühkartoffeln in der
Schweiz sei bestenfalls per Ende Juli 2020 zu erwarten. Dies führe dazu,
dass sie aller Voraussicht nach von Ende März 2020 bis Ende Juli 2020
keine Kartoffeln werde ausführen können. Da sie «aufgrund der Nachfrage
jedoch gleichzeitig Chips einführen» müsse, werde sie mit der neuen Ge-
nehmigung in Schwierigkeiten kommen. Über den gesamten Zeitraum der
Bewilligung (bis zum Datum der letzten Ausfuhr am 31. Dezember 2020)
sei mit der neuen Ernte ein Ausgleich jedoch möglich. Generell könne und
werde es bei nicht vorteilhaftem Ernteergebnis immer wieder vorkommen,
dass sie für ca. 3 - 4 Monate (am Ende des «Kartoffeljahres» und vor der
neuen Ernte) keine qualitativ akzeptablen Kartoffeln für die Herstellung von
Chips exportieren könne.
6.3 In Folge ist demnach zu prüfen, ob die verfügte Auflage dem Verhält-
nismässigkeitsprinzip (E. 3) entspricht, d.h., ob diese geeignet, notwendig
und für die betroffene Person zumutbar ist (vgl. dazu E. 7 und 8).
7.
7.1 Gemäss der Vorinstanz ist die strittige Auflage erforderlich, um eine
Umgehung der Kontingentierung von Kartoffel-Chips zu verhindern und
eine Gleichbehandlung aller Wirtschaftsbeteiligten zu gewährleisten.
Zwar würden die Zollkontingente im Verfahren der aktiven und passiven
Veredelung nicht angewandt, deren Funktion und insbesondere den mög-
lichen Konsequenzen der Durchführung eines Veredelungsverkehrs mit
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Seite 14
kontingentierten Erzeugnissen seien jedoch bei der Bewilligungserteilung
und der Festlegung der Auflagen höchste Beachtung zu schenken.
Bei der Erneuerung der in Frage stehenden Bewilligung habe sich heraus-
gestellt, dass die Beschwerdeführerin lediglich dann Schweizer Kartoffeln
für die Herstellung von Kartoffel-Chips in Österreich verwende, wenn die
Beschaffung in der Schweiz problemlos sei. Könne dies nicht sichergestellt
werden, würden österreichische Kartoffeln zur Herstellung der begünstigt
eingeführten Chips verwendet. Dazu reicht die Vorinstanz eine Bestätigung
von B._, «Head of Supply Chain» der Beschwerdeführerin, zu den
Akten, gemäss welcher die Beschwerdeführerin jeweils österreichische
Kartoffeln für die Herstellung der Kartoffel-Chips verwendet, wenn keine
Frischkartoffeln in der Schweiz verfügbar sind (act. 7). Gemäss der Vo-
rinstanz stellt dies eine Umgehung der Kontingentierung der Kartoffel-
Chips dar, welche die vorgesehene Wirkung des Teilzollkontinents
K-Nr. 14.4 untergrabe. Im Äquivalenzverkehr sei ein Austausch «nur im
Rahmen des Produktionsverfahrens und innert einer in diesem Zusam-
menhang angemessenen Zeitspanne möglich». Der Äquivalenzverkehr
diene «nicht dazu, bei der Einfuhr grundsätzlich hoch belastete Verarbei-
tungsprodukte kostengünstig unter dem Deckmantel des passiven Verede-
lungsverkehrs einzuführen und in einem späteren, für den Zollpflichtigen
favorablen Zeitpunkt mit Schweizer Kartoffeln zu kompensieren» (Ver-
nehmlassung, Ziff. 3.2). Diese Praxis führe auch zu einer massiven finan-
ziellen Bevorteilung gegenüber den übrigen Marktteilnehmern, welche ihre
Chips ohne die Möglichkeit des passiven Veredelungsverkehrs zur Über-
führung in den zollrechtlich freien Verkehr anmelden und veranlagen müss-
ten, was zu Marktstörungen führen könne.
7.2
7.2.1 Als Inhaberin einer Bewilligung für den passiven Veredelungsverkehr
von Frischkartoffeln für die Herstellung von Kartoffel-Chips im Äquivalenz-
verkehr ist es der Beschwerdeführerin gestattet, die innerhalb der Ausfuhr-
frist zur Veredelung aus dem Zollgebiet verbrachten Frischkartoffeln durch
ausländische Frischkartoffeln gleicher Menge und von gleicher Beschaf-
fenheit und Qualität zu ersetzen (vgl. E. 2.5). Sie darf die ausländischen
Frischkartoffeln von dem Tag an als Kartoffel-Chips ins Zollgebiet verbrin-
gen, an dem das BAZG die passive Veredelung bewilligt hat, d.h. in casu
ab dem 4. Februar 2020 (vgl. E. 2.5 und Sachverhalt Bst. B). Die Möglich-
keit einer «vorgelagerten» Einfuhr von aus ausländischen Ersatzwaren
hergestellten Veredelungserzeugnissen ist somit im Äquivalenzverkehr
ausdrücklich vorgesehen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist die
A-1399/2020
Seite 15
Praxis der Beschwerdeführerin, wonach diese jeweils österreichische Kar-
toffeln für die Herstellung der Kartoffel-Chips verwendet, wenn saisonal be-
dingt keine Frischkartoffeln in der Schweiz verfügbar sind, damit nicht
grundsätzlich zu beanstanden.
7.2.2 Die Vorinstanz macht sinngemäss geltend, der Äquivalenzverkehr
müsse vorliegend mit der strittigen Zusatzauflage eingeschränkt werden,
da es andernfalls zu einer «Umgehung» des Teilkontingents K-Nr. 14.4
oder einer «unrechtmässigen Beanspruchung von Zollermässigungen»
kommen könne (Vernehmlassung, Ziff. 3.3). Diese Befürchtungen sind
nicht nachvollziehbar. Um das Verfahren des passiven Veredelungsver-
kehrs ordnungsgemäss abschliessen zu können und in den Genuss der
Privilegierung bei der Wiedereinfuhr zu kommen, muss die Beschwerde-
führerin die in der Bewilligung festgehaltenen Auflagen einhalten (vgl.
E. 2.7 f.). Dazu gehört unter anderem die Einhaltung des Äquivalenzprin-
zips in Bezug auf Menge, Beschaffenheit und Qualität der Ersatzwaren
(vgl. Rubrik 8 der Bewilligung Nr. [...], vgl. oben E. 5.1.1). Sie hat mit dem
Gesuch um definitive Zollermässigung den Nachweis zu erbringen, dass
die zur passiven Veredelung ausgeführten oder im Äquivalenzverkehr ver-
wendeten ausländischen Frischkartoffeln innerhalb der vorgeschriebenen
Frist als Veredelungserzeugnisse wieder ins Zollgebiet verbracht worden
sind (E. 2.7). Die Beschwerdeführerin kommt somit nur dann in den Ge-
nuss der Einfuhr von Kartoffel-Chips zum reduzierten Ansatz von Fr. 47.–
je 100 kg brutto, wenn diese ordnungsgemäss als Veredlungserzeugnisse
im passiven Veredelungsverkehr eingeführt wurden und sie den erforderli-
chen Nachweis dafür erbracht hat. Ein allfälliger Überschuss an eingeführ-
ten Kartoffel-Chips ist ohne Zollermässigung zu verzollen. Damit kann die
Beschwerdeführerin keine über den passiven Veredelungsverkehr hinaus-
gehenden Zollermässigungen beanspruchen.
7.2.3 Die Gefahr einer Umgehung von Zollkontingenten im Rahmen des
Äquivalenzverkehrs kann unter bestimmten Voraussetzungen beim aktiven
Veredelungsverkehr bestehen. Hier wird für die Anwendung des Äquiva-
lenzverkehrs gemäss Art. 41 Abs. 2 Bst. b ZV ausdrücklich vorausgesetzt,
dass mit dem Äquivalenzverkehr «keine Einfuhrregelungen des Bundes
umgangen werden können». In der Literatur werden in diesem Zusammen-
hang mögliche Marktstörungen bei Waren im Landwirtschaftsbereich, die
saisonal bedingt unterschiedliche Zollansätze haben, genannt (GUT, Zoll-
kommentar, Art. 12 N. 10; ARPAGAUS, Zollrecht, N. 875; ebenso Bundesrat
Hans-Rudolf Merz in der ständerätlichen Debatte zum Zollgesetz, vgl. Amt-
liches Bulletin [AB] 2004 S. 787). So könnte ein Veredler (Hersteller von
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Seite 16
Erdbeerkonfitüre) beispielsweise während der Periode, in welcher der in-
ländische Markt für Erdbeeren zum Schutz der einheimischen Produzenten
durch prohibitiv hohe Zollansätze ausserhalb der Kontingente abgeschottet
wird, zollfrei billige Erdbeeren mit einer Bewilligung für den aktiven Verede-
lungsverkehr einführen und diese anschliessend im Inland als Tafelerdbee-
ren verkaufen. Die zu exportierende Konfitüre würde er später mit impor-
tierten Erdbeeren herstellen, wenn die Schutzperiode abgelaufen und der
Zollansatz entsprechend niedrig ist. So würde es gelingen, die gewollte
Marktsteuerung zu unterlaufen. Eine solche Situation könne verhindert
werden, indem anstelle des Äquivalenzverkehrs der Nämlichkeitsverkehr
bewilligt werde.
Im Bereich des passiven Veredelungsverkehrs scheint eine solche Ausnut-
zung unterschiedlicher saisonaler Zollansätze nicht denkbar, da die Vere-
delung im Ausland stattfindet und nicht die Ursprungsware, sondern das
Veredelungserzeugnis zollbegünstigt eingeführt wird. Demgemäss wird in
Art. 46 Abs. 2 ZV die Gefahr einer Umgehung von Einfuhrregelungen des
Bundes nicht ausdrücklich erwähnt (vgl. E. 2.4). In Bezug auf das vorlie-
gend betroffene Produkt (Kartoffelprodukte) bestimmt das BLW zudem
keine Periode, in der Anteile an den Teilzollkontingenten ausgenutzt wer-
den können, weshalb eine Ausnutzung saisonal unterschiedlicher Zollan-
sätze ohnehin nicht in Frage kommt (vgl. E. 4.2).
7.2.4 Insoweit als die Vorinstanz sinngemäss geltend macht, dass der re-
duzierte Ansatz von Fr. 47.– für die Einfuhr der veredelten Kartoffel-Chips
im Falle der Beschwerdeführerin zu tief sei, da sie – entgegen der An-
nahme – keine inländischen Kartoffeln für die Herstellung verwende, ist ihr
nicht zu folgen. Bei der Wiedereinfuhr werden Zollabgaben einzig auf dem
im Ausland erzielten Veredelungsmehrwert erhoben (vgl. E. 2.6). Für die
Berechnung der Zollermässigung stehen verschiedene Methoden zur Ver-
fügung, wobei das BAZG den ermässigten Zollansatz nach derjenigen Me-
thode berechnet, die den Veredelungsmehrwert am besten zu erfassen
vermag. So stünde es dem BAZG etwa offen, den ermässigten Zollsatz
gemäss der Differenz zwischen den inländischen und den ausländischen
Veredelungskosten zu berechnen, wenn dies den Veredelungsmehrwert
am besten zu erfassen vermag (Art. 49 Abs. 3 Bst. b ZV; vgl. E. 2.6).
7.2.5 Das Instrument des passiven Veredlungsverkehrs steht zudem
grundsätzlich allen Marktteilnehmenden offen. Anspruch auf eine Bewilli-
gung des passiven Veredelungsverkehrs hat, wer seinen Sitz oder Wohn-
sitz im Zollgebiet hat und Gewähr für den ordnungsgemässen Ablauf des
A-1399/2020
Seite 17
Verfahrens bietet (vgl. E. 2.5). Die Inanspruchnahme des passiven Verede-
lungsverkehrs durch die Beschwerdeführerin stellt demnach auch keine fi-
nanzielle Besserstellung der Beschwerdeführerin gegenüber anderen
Markteilnehmenden dar. Diesen steht bzw. stünde es vielmehr offen, eine
Bewilligung für den passiven Veredelungsverkehr zu beantragen und Ver-
edelungszeugnisse bei ordnungsgemässem Abschluss des Verfahrens
zollbegünstigt einzuführen.
7.2.6 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich das Parlament bei der
Verabschiedung des Zollgesetzes ausdrücklich für eine Liberalisierung des
Veredelungsverkehrs ausgesprochen hatte (siehe dazu GUT, Zollkommen-
tar, Vorbemerkungen zu Art. 12 und 13, N. 8 ff). Das Parlament ging dabei
weiter, als es im Entwurf des Bundesrats für das neue ZG ursprünglich
vorgesehen gewesen war und entschied unter anderem, den Äquivalenz-
verkehr dem Nämlichkeitsverkehr gleichzustellen. Dass die Liberalisierung
des Veredelungsverkehrs gerade im Landwirtschaftsbereich einschnei-
dende Auswirkungen auf die einheimische Verarbeitungsindustrie haben
würde, wurde im Parlament anerkannt und ausführlich diskutiert. Anders
als der Ständerat wollte der Nationalrat den passiven Veredlungsverkehr
bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und landwirtschaftlichen Grundstof-
fen ursprünglich nur gewähren, «sofern dadurch nicht wesentliche Interes-
sen der Wirtschaft im Inland beeinträchtigt werden» (vgl. Nationalrätin
Susanne Leutenegger Oberholzer für die Kommission für Wirtschaft und
Abgaben des Nationalrats, AB 2004 N. 1381 f., 1383). Im Differenzbereini-
gungsverfahren schlug der Ständerat daraufhin vor, auch im Landwirt-
schaftsbereich an der Liberalisierung des passiven Veredelungsverkehrs
festzuhalten, dafür aber eine Übergangsfrist vorzusehen, um den betroffe-
nen Betrieben genügend Zeit zu geben, um sich an die neue Konkurrenz-
situation anzupassen (vgl. dazu Ständerat Eugen David für die Kommis-
sion für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats, AB 2004 S. 788). Der Na-
tionalrat schloss sich diesem Vorschlag an (AB 2005 N. 206). Mit aArt. 132
Abs. 7 ZG (AS 2007 1411) fügte das Parlament somit im Bereich des pas-
siven Veredelungsverkehrs eine bis Ende 2011 geltende Übergangsfrist
zum Schutz der einheimischen Nahrungsmittelindustrie ein, welche diesen
Verkehr nur zuliess, «sofern dadurch nicht wesentliche Interessen der Wirt-
schaft im Inland beeinträchtigt werden». Diese aufgrund des Zeitablaufs
gegenstandslos gewordene Übergangsbestimmung wurde mittlerweile
aufgehoben (vgl. E. 2.3). Eine allfällige Beeinträchtigung der Interessen
der inländischen Wirtschaft ist demnach nicht mehr ausreichend, um den
passiven Veredelungsverkehr einzuschränken (siehe dazu auch E. 2.4).
A-1399/2020
Seite 18
7.2.7 Nach dem Gesagten erweist sich die strittige Auflage weder als ge-
eignet noch als notwendig, um eine Umgehung der Zollkontingente zu ver-
hindern oder um eine Gleichbehandlung aller Wirtschaftsbeteiligten zu ge-
währleisten.
8.
8.1 Zur Begründung der zusätzlichen Auflage macht die Vorinstanz des
Weiteren geltend, die Beschwerdeführerin habe in der Vergangenheit
Schwierigkeiten gehabt, genügend Kartoffeln aus der Schweiz auszufüh-
ren, um damit die eingeführten Chips zu kompensieren. Sie habe mehr-
mals um Verlängerungen der Ausfuhrfrist ersucht. Den von der Vorinstanz
zu den Akten gereichten Kopien ist zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führerin für die Jahre 2013 (Bewilligung Nr. [...]; act. 1b und 1c), 2014 (Be-
willigung Nr. [...]; act. 1d und 1e), 2016 (Bewilligung Nr. [...]; act. 1f und 1g)
und 2017 (Bewilligung Nr. [...]; act. 1h und 1k) Verlängerungen der Aus-
fuhrfrist um jeweils einen Monat gewährt wurden (für das Kalenderjahr
2015 liegt dem Gericht keine Bewilligung vor). Die Vorinstanz reicht zudem
eine Nachforderungsverfügung der Zollkreisdirektion Genf zu den Akten,
gemäss welcher die Beschwerdeführerin für das Kalenderjahr 2017 – trotz
verlängerter Ausfuhrfrist – die zur Herstellung von insgesamt 26'525.5 kg
Kartoffelchips benötigten Mengen Frischkartoffeln nicht ausgeführt hatte,
wodurch Abgaben in der Höhe von Fr. 212'547.30 nachgefordert werden
mussten (act. 2). Für das Jahr 2019 wies die Beschwerdeführerin per
30. September 2019 ein Negativsaldo von 1'794'554.76 kg Frischkartoffeln
auf, welches sie innert vier Monaten auszugleichen hatte (act. 6). Sie be-
antragte auch für das Jahr 2019 eine Verlängerung der Ausfuhrfrist, welche
ihr jedoch verweigert wurde (vgl. E-Mail-Verkehr vom 28. Oktober
2019 – 19. November 2019; act. 4a und 4b). Gemäss der Vorinstanz ge-
lang der Beschwerdeführerin schlussendlich der Saldoausgleich für das
Jahr 2019 trotz der verweigerten Verlängerung der Ausfuhrfrist.
Die Vorinstanz legt dar, durch die Einfuhren hochbelasteter Waren zu ei-
nem reduzierten Zollansatz «auf Kredit» entstehe dem Bund ein nicht zu
unterschätzendes finanzielles Risiko, da eine nachträgliche Veranlagung
der nicht mit Ausfuhren ausgeglichenen Einfuhren zum Ausserkontin-
gentzollansatz der eingeführten Kartoffel-Chips zu erfolgen habe (Ver-
nehmlassung, Ziff. 3.3).
8.2
8.2.1 Mit der strittigen Auflage wird verhindert, dass die Beschwerdeführe-
rin über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten ein Ungleichgewicht
A-1399/2020
Seite 19
zwischen eingeführten Kartoffel-Chips und ausgeführten Frischkartoffeln
akkumuliert. Da allfällige zu viel eingeführte Kartoffel-Chips nachträglich
ohne Zollermässigung zu verzollen wären (vgl. E. 2.8 und 2.9), ist die strit-
tige Auflage damit grundsätzlich geeignet, ein dem Bund durch die nach-
trägliche Verzollung entstehendes finanzielles Risiko zu begrenzen.
8.2.2 Mit Bezug auf die Notwendigkeit der Auflage ist hingegen Folgendes
festzuhalten:
Die Beschwerdeführerin musste seit 2012 gemäss den Angaben und Be-
weismitteln der Vorinstanz nur einmal (für das Kalenderjahr 2017) Zollab-
gaben für eingeführte Kartoffel-Chips nachleisten, weil es ihr nicht gelang,
fristgemäss eine ausreichende Menge an Frischkartoffeln auszuführen
(act. 2). Mangels anderweitiger Informationen ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin die entsprechende Forderung beglichen hat. Die
Beschwerdeführerin ist zudem gemäss Angaben auf dem Antrag für die
strittige Bewilligung (act. 3) Inhaberin eines Kontos des zentralisierten Ab-
rechnungsverfahrens der Zollverwaltung (ZAZ) (ZAZ Konto Nr. [...]). Vo-
raussetzung für die Teilnahme am ZAZ ist eine Beitrittserklärung sowie die
Leistung einer Sicherheit durch Generalbürgschaft, Hinterlage von Wert-
papieren oder Bardepot (vgl. Urteil des BVGer A-1626/2010 vom 28. Ja-
nuar 2011 E. 2.4; Merkblatt zentralisiertes Abrechnungsverfahren des
BAZG, Ziff. 3). Es ist demnach davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin eine Sicherheit in von der Vorinstanz bestimmter Höhe geleistet
hat. Auch wenn der Vorinstanz zwar Recht zu geben ist, dass dem Bund
durch eine drohende mengenmässige Verletzung des Äquivalenzprinzips
ein gewisses finanzielles Risiko entstehen kann, ist jedoch im Falle der Be-
schwerdeführerin dieses Risiko als nicht besonders gross einzustufen.
Die strittige Auflage erweist sich zudem als relativ einschneidend. Wie die
Beschwerdeführerin in nachvollziehbarer Weise darlegt, unterliegt die Ver-
fügbarkeit von Frischkartoffeln in der Schweiz grundsätzlich saisonalen
Schwankungen. Nach Angaben der Beschwerdeführerin, welche von der
Vorinstanz nicht bestritten werden, ist ihr die Ausfuhr von Frischkartoffeln
aus der Schweiz zwischen Ende März 2020 und Ende Juli 2020 mangels
Verfügbarkeit voraussichtlich nicht möglich. Mit der zusätzlichen Ausfuhr-
frist von drei Monaten ab der entsprechenden Einfuhr würde es der Be-
schwerdeführerin zwischen Ende März und Ende April 2020 stark er-
schwert oder gar verunmöglicht, Kartoffel-Chips im Rahmen des passiven
Veredelungsverkehrs einzuführen, da die entsprechenden Frischkartoffeln
für den Ausgleich nicht verfügbar sind. Erst mit der neuen Ernte (gemäss
A-1399/2020
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den Angaben der Beschwerdeführerin frühestens per Ende Juli 2020 und
somit rückwirkend für ab Ende April 2020 getätigte Einfuhren von Kartoffel-
Chips) wäre ein Ausgleich möglich. Demgegenüber war es ihr nach den
vorangehenden Bewilligungen gestattet, den Ausgleich mit der neuen
Ernte unter Ausschöpfung der bewilligten Ausfuhrfrist zu leisten, was
ihr – abgesehen vom Kalenderjahr 2017 – auch jeweils gelang.
Der Vorinstanz standen mildere Massnahmen als die strittige Auflage zur
Verfügung, um dem – vorliegend als nicht besonders gross einzustufen-
den – finanziellen Risiko des Bundes zu begegnen. So hatte die Vorinstanz
die Möglichkeit, die Bewilligung des passiven Veredelungsverkehrs men-
genmässig zu beschränken (vgl. E. 2.5), was sie mit der Bewilligung
Nr. [...] auch getan hat. Bei den vorangehenden Bewilligungen Nr. [...]
(act. 1a), Nr. [...] (act. 1b), Nr. [...] (act. 1d), Nr. [...] (act. 1f), Nr. [...]
(act. 1h), Nr. [...] (act. 1l) und Nr. [...] (act. 1m) war unter der Rubrik 4
(«Waren, die in das Zollverfahren überführt werden dürfen») beim Eintrag
«Menge» jeweils «ohne Beschränkung» vermerkt. Die streitbetroffene Be-
willigung Nr. [...] ist gemäss Rubrik 4 hingegen auf 4'000'000 kg Frischkar-
toffeln beschränkt (vgl. E. 5.1.1). Diese mengenmässige Beschränkung
wird von der Beschwerdeführerin im Rahmen des vorliegenden Beschwer-
deverfahrens nicht beanstandet. Dem Bundesverwaltungsgericht liegen
keine Zahlen zum Umfang des von der Beschwerdeführerin getätigten pas-
siven Veredelungsverkehrs der vorangegangenen Jahre vor. Es kann so-
mit nicht beurteilt werden, ob die Menge von 4'000'000 kg in etwa der
Menge der von der Beschwerdeführerin in den vorangegangenen Jahren
ordnungsgemäss ausgeführten Frischkartoffeln entspricht. Die Vorinstanz
verfügte jedoch über die entsprechenden Zahlen. Es war ihr demnach
möglich, die mengenmässige Beschränkung so festzulegen, dass das
Höchstgewicht an auszuführenden Kartoffeln im Rahmen des erfahrungs-
gemäss von der Beschwerdeführerin Machbaren liegt und in diesem Sinne
einer möglichen mengenmässigen Überschreitung des Äquivalenzprinzips
entgegenzuwirken. Für die Beschwerdeführerin erwiese sich dies als we-
niger einschneidende Massnahme, wäre es ihr damit doch auch während
des Zeitraums, in dem Frischkartoffeln in der Schweiz nicht verfügbar sind,
möglich, Kartoffel-Chips im Rahmen des passiven Veredelungsverkehrs
einzuführen.
Insofern erweist sich die strittige Auflage als nicht notwendig, um dem fi-
nanziellen Risiko des Bundes zu begegnen.
A-1399/2020
Seite 21
8.3 Zusammenfassend erweist sich die strittige Zusatzauflage als nicht
notwendig, um einem dem Bund durch eine mengenmässige Überschrei-
tung des Äquivalenzprinzips entstehenden finanziellen Risiko entgegenzu-
treten.
8.4 Es liegen auch keine überwiegenden öffentlichen Interessen wie etwa
eine Gefahr der Täuschung inländischer Konsumentinnen und Konsumen-
ten oder gesundheits- oder seuchenpolizeiliche Gründe vor, welche der An-
wendung des Äquivalenzverkehrs im vorliegenden Fall entgegenstehen
würden (vgl. E. 2.4).
9.
Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die strittige Zusatzauflage den bundes-
rechtlichen Anforderungen nicht entspricht. Die Beschwerde ist demnach
gutzuheissen. Die folgende Auflage in Rubrik 10 der Verfügung Nr. (...)
vom 4. Februar 2020 ist aufzuheben:
« Si, dans le cadre d’un trafic fondé sur l’équivalence, le produit compen-
sateur est importé avant que la quantité correspondante de pommes de
terre n’ait été exportée, l’exportation ainsi que le décompte de la quan-
tité correspondante doivent se faire dans le délai d’exportation de
trois mois. Si l’un de ces délais n’est pas respecté, la taxation au taux
réduit n’est plus possible. »
10.
10.1 Der Beschwerdeführerin sind als obsiegende Partei keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 3 VwVG). Der einbezahlte Kostenvor-
schuss in Höhe von Fr. 800.– ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63
Abs. 2 VwVG).
10.2 Die Beschwerdeführerin ist nicht anwaltlich vertreten und sie macht
keine Parteientschädigung geltend. Praxisgemäss ist ihr keine Parteient-
schädigung für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR173.320.2]).
Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.
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