Decision ID: e8a7e24b-54c1-49f2-b295-d9f1299051a9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1971 geborene
X._
,
zuletzt
vollzeitlich
als Wachmann
bei der
Z._
AG in Zürich
tätig, meldete sich am 12.
Januar 2011 unter Hinweis auf eine starke körperliche und
geistige Überforderung, Herz-Kreislaufprobleme,
eine
psychische Überforderung sowie eine
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper
aktivitätsstörung
(ADHS) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2).
Am 12. Juli 2011 (Urk. 7/36) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nach erwerblichen und medizinischen Abklärun
gen
einen
Leistungsanspruch des Versicherten
.
Am 8. November 2018 meldete sich der Versicherte
–
damals
mit einem 80 %-Pensum
als Betreuer
in einer Notunterkunft
tätig
-
mit Verweis auf eine Depres
sion, eine Erschöpfung, ein durch eine chronische Infektionskrankheit geschwächtes Immunsystem sowie
ein
ADHS erneut bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/40).
In der Folge nahm d
ie IV-Stelle
wiederum
erwerbliche u
nd medizinische Abklärungen
vor
.
Mit Vorbescheid vom 9. Mai 2019
(Urk. 7/65) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte am 23. Mai 2019 Einwand (Urk. 7/68, Urk. 7/80) erhob.
Die
IV-Stelle
veranlasste daraufhin
bei der
Gutachtenstelle A._
ein polydisziplinäres Gutachten (Allge
meine Innere Medizin,
Infektiologie
, Psychiatrie und Neuropsychologie; Expertise vom
5. März 2020 [Urk. 7/114]). Mit Vorbescheid vom 25. Mai 2020 (Urk. 7/124) stellte die IV-Stelle
abermals
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen d
er Versicherte am 17.
Juni 2020
Einwand (Urk. 7/126) erhob und am 26. August 2020 (Urk. 7/13
2
) den Bericht
des
Ambulatorium
s B._
für Diagnostik und Therapie von ADHS im Erwachsenenalter
vom
20. August 2020 (Urk. 7
/131) einreichte.
Am 15. Oktober 2020 wies die IV
Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten verfügungsweise ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte
am 16. November 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 15.
Oktober 2020 aufzuheben und es sei sein Rentenanspruch neu zu prüfen und ihm eine Invalidenrente zuzusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 202
1
(Urk. 6) schloss die Beschwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer hielt
unter Auflage des Berichts
der Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik am
Spital C._
vom 16. Dezember 20
19
(Urk. 10 S. 6-9)
in der Replik vom 8. Februar 2021 (Urk. 10
S. 1-3
) an seinen
ursprünglichen
Anträgen fest
. Die Beschwerdegegnerin erstattete am 15. März 2021
ihre
Duplik (Urk. 13), worin sie
ebenfalls an ihre
m
Antr
a
g festhielt.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 16. März 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 14).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitssc
hadens im Sinne von Art. 4 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E.
4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 54
7 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid
(Urk. 2)
damit, dass der Beschwerdeführer
gestützt auf das eingeholte Gutachten
in seiner bishe
rigen Tätigkeit
zwar
nicht mehr arbeitsfähig sei
, er indes i
n einer
seiner Gesund
heit
angepassten
Arbeit theoretisch
einem 85 %-Pensum nachgehen und
damit
ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen
könne. Dabei sei
eine gut struk
turierte Tätigkeit an einem Arbeitsplatz
erforderlich
, wo er in ein Team integriert sei und seine Arbeitsabläufe besprochen werden könn
t
en.
In dem
am
27. August 2020 eingereichten
Bericht des
Ambulatoriums B._
werde
lediglich
eine neue Verdachtsdiagnose ausgewiesen, welche durch die Invalidenversicherung
jedoch
nicht zu berücksichtigen sei.
Die weiter erwähnten
Diagnosen seien bereits bekannt und im Gutachten
ebenfalls gestellt
worden
. E
ine
psychopathologische Anamnese respektive ein klinischer Psychostatus
sei nicht vorgelegt worden
.
Aufgrund des Einkommensvergleichs resu
ltiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 31 % (S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) präzisierte die Beschwerdegegnerin, dass eine sich beim Beschwerdeführer auf die Leistungsfähigkeit auswirkende bipolare S
törung nicht nachvollziehbar
und b
etreffend die HIV-Infektion keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit ersichtlich
sei
. Im Weiteren sei im Begutachtungs
zeitpunkt lediglich eine leichtgradige depressive Episode festgestellt worden, wobei der Serumspiegel des verordneten Antidepressivums im nicht nachweis
baren Bereich
gelegen habe
und gemäss
dem Gutachten
nicht die Depression, sondern die Strukturproblematik des ADHS im Vordergrund stehe. Eine wie vom
Beschwerdeführer vorgebrachte Kopfverletzung sei in den Unterlagen der behan
delnden Ärzte
sodann
nicht erwähnt worden
(S. 1 f.
)
.
In der Duplik (Urk. 13) hielt die Beschwerdegegnerin schliesslich fest, dass gestützt auf
den
Spital
C._
-Bericht vom 16. Dezember 2019 aus neurologischer Sicht kein akuter Handlungsbedarf bestehe und lediglich ein MRI zum Ausschluss eines symptomatischen Kopf
schmerzes empfohlen worden sei.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass sich sein Gesundheitszustand nach Durchführung der Begutachtung verschlechtert habe und er sich vom 16. Dezember 2019 bis 31. Januar 2020 in stationäre psychiatrische Behandlung habe begeben müssen.
Nach
Klinikaustritt
habe sich sein Zustand
nicht verbessert und
die behandelnden Ärzte
hätten
weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert
(S. 3 Ziff. 5).
Im Weiteren
sei das psychiatrische Teilgutachten unvollständig, beruhe auf ungenügenden Abklärungen und sei betreffend Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wider
sprüchlich, da
an einer Stelle
von
einer Arbeitsfähigkeit
von 60 %
und
eine Seite
später von einer solchen von 80
bis 90 % die Rede sei. Im neuropsychologischen Teilgutachten sei auf erhebliche neuropsychologische Defizite und die Notwen
digkeit von neurologischen und neuroradiologischen Untersuchungen am Kopf hingewiesen worden, wobei
jedoch
auf eine entsprechende gründliche Unter
suchung verzichtet worden und der Gutachter zur nicht nachvollziehbaren Hypothese gekommen sei, dass die schlechten Testergebnisse durch Aggravation zustande gekommen seien. Dies stehe in krassem Gegensatz zu den Feststellungen der behandelnden Ergotherapeutin, wonach die Defizite nicht auf
seine
fehlende Motivation, sondern auf
seine
fehlende Belastbarkeit zurückzuführen seien. Um
seine
aktuelle Arbeitsfähigkeit zu bestimmen, sei eine neurologische und neuropsychologische Abklärung erforderlich (S. 6 Ziff. 2
, vgl. auch Urk.
10 S.
1 Ziff. 1
).
Im Weiteren seien die mögliche Diagnose einer bipolaren Störung und die Auswirkungen eines Sturzes mit Kopfverletzung im Dezember 2019 nicht vertieft abgeklärt worde
n (S.
6 f. Ziff. 3 ff.).
In der Replik (Urk. 10) führte der Beschwerdeführer
insbesondere
aus, dass
die Beschwerdegegnerin
a
llein aufgrund des Umstands, dass
er
nach der
Gutachtenstelle A._
-Begutachtung wieder stationär habe behandelt werden
müssen und die Beurteilung der
Psychiatrischen
Klinik D._
vom
Januar 2020 im Widerspruch zu den Ergebnissen der Begutachtung vom Dezember 2019 gestanden hätten, eine gründliche Abklärung des aktuellen Gesundheitszustands
hätte veranlassen müssen
(S. 2 Ziff. 2).
Die Beurteilung durch die Gutachtenstelle A._
habe sich auf einen Gesundheitszustand bezogen, welcher vor weiteren
,
seine
gesundheitliche Situation beeinträchtigenden Ereig
nissen stattgefunden habe und folglich überholt
gewesen
sei (S. 3).
2.3
Es steht fest und ist unbestritten, dass der Gesundheitszustand des
Beschwerde
führers
sich im massgebenden Zeitraum, mithin in der Zeit zwischen der
erst
maligen Leistungsablehnung
vom
12
.
Juli
2011 und der
angefochtenen Verfügung vom 15
.
Oktober 2020
wesentlich verändert hat
und
damit ein Revisions
grund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliegt,
weshalb die Beschwerde
gegnerin d
en
Rentenanspruch des Beschwerdeführers
zu Recht in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und ohne Bindung an frühere Entscheide neu geprüft
hat
(vgl.
BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10 f. mit weiteren Hinweisen)
.
Die
Parteien
gehen
ferner
zu Recht übereinstimmend davon aus
, dass der Beschwerde
führer in seiner bisherigen Tätigkeit
als
Betreuer in einer Notunterkunft
nicht mehr arbeitsfähig ist. Strittig ist
indes
, in welchem Ausmass
die
Ausübung
eine
r
angepasste
n
Tätigkeit zumutbar ist
. Während die Beschwerdegegnerin
diesbe
züglich
gestützt auf
das Gutachtenstelle
A._
-Gutachten von einer 85%igen Arbeitsfähigkeit aus
geht (Urk. 2 S. 1),
kann gemäss Auffassung des Beschwerdeführers nicht auf
die genannte Expertise
abgestellt werden und hat sich
sein
Gesundheitszustand nach der
Gutachtenstelle A._
-Begutachtung zudem verschlechtert
, weshalb ergänzende Abklärungen notwendig
s
eien
(Urk. 1
S. 5 ff. Ziff. 1 ff., Urk. 10 S. 2
Ziff. 2
).
3.
3.1
In dem vom Beschwerdeführer im Beschwerdeve
rfahren vorgelegten Bericht des
Spitals C._
vom 16. Dezember 2019 (Urk. 10 S. 6-9)
führten
Oberarzt i.V.
Dr. med.
E._
, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie,
und Assistenz
arzt
F._
aus,
dass neben einer relevanten depressiven Symptomatik im Sinne einer mittel
gradigen depressiven Episode die
somatisiere
nde
Komponente mit neurologisch
imponierenden Symptomen wie Kopf
schmerz im Vordergrund stehe
.
Als
relevan
ter Belastungsfaktor scheine aktuell ebenfalls ein Beziehungskonflikt
zu bestehen
. Unter dem Titel Pro
z
edere wurde der freiwillige Eintritt in die
Psychiatrische Klinik D._
zur stationären psychiatrischen Behandlung
aufgeführt
, in de
r
en Rahmen eine Evaluation der allfälligen Indikation für eine psychopharmakologische Therapie durchzuführen sei. Aus neurologischer Hinsicht bestehe aufgrund der schon seit Monaten
vorherrschenden
stark
fluktuierenden
neurologischen Symptomatik und der starken psychischen
Überlagerung kein akuter Handlungsbedarf.
Z
um Ausschluss eines symptomatischen Kopfschmerzes
wurde
im Verlauf
ein MRI
empfohlen (S. 1).
Im Weiteren hielten die
Spital D._
-Ärzte fest, dass es
zu einer notfallmässigen Vorstel
lung durch den Rettungsdienst bei psychischer Dekompensation und Präsynkope mit Sturz und anschliessendem Taubheitsgefühl im gesamten rechten Arm gekommen
sei
. Es bestünden seit mehreren Monaten Parästhesien in allen distalen Extremitäten sowie im Hinterkopf. In der neurologischen Un
tersuchung der Hirnnerven zeige
sich eine leichte Hypästhesie der linken Gesichtshälfte, im Übrigen liege ein unauffälliger Hirnnervenstatus vor.
Es
bestehe ferner
eine taktile Hypästhesie im rechten Unterarm und in der rechten Hand, ansonsten sei die Sensibilität seitengleich gut. In der groben Kraftprüfung sei keine ausgeprägte Schwäche nachweisbar. Es zeige sich ein leicht unsicherer Finger-Nase-Versuch, ansonsten eine unauffällige Koordination. Das Gangbild sei verlangsamt und unsicher und es habe sich ein Romberg-Versuch mit Fallneigung nach hinten gezeigt
(S. 4
).
3.2
3.2
.1
Die
Gutachtenstelle A._
-Gutachter
Prof.
Dr. med.
G._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
H._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
I._
, FMH
Infektiologie
, und
lic
. phil.
J._
, Fachpsychologe für Ne
uropsychologie FSP, stellten im
Rahmen ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung vom
5. März 2020 (Urk. 7/114/4-11) folgende Diagnosen mit Auswirkungen a
uf die Arbeitsfähigkeit (S. 8
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
ADHS, einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
HIV-Infektion, CDC Stadium
A2
, bekannt seit 09/2018, ICD-10 B24)
Die Experten führten aus
, dass aus
infektiologischer
Sicht eine maximale Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 10 % auf
einer eventuell leicht einge
schränkten Leistungsfähigkeit mit leicht vermehrtem Erholungsbedarf attestiert werden könne.
Betreffend
Arbeitsfähigkeit stehe klar die psychiatrische Sympto
matik und ein ADHS-Syndrom im Vordergrund. Der Beschwerdeführer zeige sich in allem rasch überfordert, könne sein Leben und den Tagesablauf ohne Hilfe von aussen schlecht strukturieren. Die Grundkriterien für ein ADHS mit fehlender Fokussierung, Ausdauer, Mangel sich zu organisieren, Überforderungsängsten und impulsiven Handlungen seien gegeben. Sein
diesbezügliches
Ungenügen und seine Fehlleistungen seien ihm bewusst, so
dass stets mehr oder weniger eine depressive Stimmungslage bis hin zu vereinzelten Suizidgedanken mitschwinge, wobei aktuell lediglich eine leichte Episode im Rahmen einer rezidivierenden
depressiven Störung diagnostiziert werden könne. Die neuropsychologische Abklärung habe keine validen Ergebnisse ergeben
und es sei
von einer nicht quantifizierbaren neuropsychologischen Störung aufgrund einer wahrschein
lichen Aggravation
auszugehen
. Aus allgemeininternistischer Sicht könne unter Ausklammerung der HIV-Symptomatik keine weitere Diagnose gestellt werden (S. 8).
Die
bisherige
Tätigkeit als Betreuer und
mit
Nachtschicht mit alleiniger Verant
w
ortung sei dem Beschwerdeführer
nicht mehr zumutbar
. Eine Tätigkeit als Betreuer wäre im Rahmen eines gut strukturierten Teamworks indes noch möglich.
Als Betreuer in alleiniger Verantwortung und mit Nachtschicht
liege
seit September 2018 eine
Arbeitsfähigkeit
von
0 %
vor
. In einer Tätigkeit als Betreuer in einem Team bestehe
demgegenüber
eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 %
(S. 9).
Optimal angepasst wäre
eine gut strukturierte Tätigkeit
an
ein
em
Arbeits
platz, wo er in ein Team eingebettet und eng integriert sei und
die
Arbeitsabläufe besprochen werden könnten.
In einer
angepassten
Tätigkeit best
ehe eine maxi
male Präsenz von 7 bis
8 Stunden pro Tag, wobei insbesondere aufgrund der psychischen Erkrankungen eine leichte Leistungseinschränkung
vorliege
.
I
n einer angepassten
Tätigkeit
bestehe seit September 2018
e
ine Arbeitsfähigkeit von 85 %
.
Bis August 2018 sei von einer Arbeitsfähigkei
t von 90-100 % auszugehen (S. 10 f.
).
3.
2
.2
Prof. Dr.
G._
verwies
bezüglich der HIV-Infektion auf das
infektiologische
Teilgutachten und
führte
im Übrigen aus
, dass aus
allgemein-internistischer Sicht keine weiteren Diagnosen gestellt w
erden könnten
. In bisheriger und angepasster Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, wobei letztere in der Vergan
genheit nie länger dauernd eingeschränkt gewesen sei
(Urk. 7/114
S. 22 f.).
3.
2
.3
In psychiatrischer Hinsicht hielt Dr.
H._
fest,
dass ein ADHS-Syndrom im Vordergrund stehe. Der Beschwerdeführer zeige sich in allem rasch überfordert und könne sein Leben und den Tagesablauf schlecht strukturieren, wenn keine Hilfe von aussen komme. Somit sei auch davon auszugehen, dass er seine beruf
liche Tätigkeit, sofern diese das Treffen selbständiger Entscheidungen verlange, ebenfalls schlecht strukturieren könne. Gelegentlich gerate er in eine Über
forderung
und
wirke insgesamt unbestim
mt und verloren in der Planung
(S. 29).
Aktuell könne eine leichtgradige depressive Episode festgestellt werden. Die Stim
mung sei nur leicht bedrückt-verhalten, eine psychomotorische Hemmung fehle, Aktivitäten seien auf tiefem Niveau vorhanden und es stellten sich keine Suizidgedanken als Ausweg. Die Überforderungsängste seien dem ADHS zuzu
ordnen
und die
entscheidende Einschränkung ergebe sich durch das strukturell in die Persönlichkeit eingreifende ADHS
.
Es sei immer wieder
klar geworden
, dass
sich der Beschwerdeführer schnell überfordert fühle, mit dieser Überforderung nicht umgehen
und sie
nicht strukturieren kö
nne und daher Ängste entwickle
und sich beruflich nicht durchsetzen könne. Er berufe sich dabei auf seine körperliche Schwäche, wobei jedoch die Strukturproblematik des ADHS im Vordergrund stehe
und
dieses deshalb
nochmals behandelt werden
sollte
(S. 31).
Die bisherige
Tätigkeit als Betreuer in Nachtschicht mit alleiniger Verantwortung sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar
. Eine Tätigkeit als Betreuer sei höchstens
noch
im Rahmen eines gu
t strukturierten Team-Works
möglich.
Als Betreuer in alleiniger Verantwortung und Nachtschicht bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 0 %, als Betreuer im Team-Work eine solche
von mindestens 60 %
, wobei sich diese Beurteilung ab September 2018 abzeichne (S. 31).
Optimal
angepasst
wäre
eine gut strukturierte Tätigkeit
an
ein
em
Arbeitsplatz, wo er in ein Team eingebettet und eng integriert sei und die Arbeitsabläufe besprochen werden könnten. Die konkrete Tätigkeit müsse
mit ihm
noch ermittelt werden, wobei davon auszugehen sei, dass eine relativ breite Palette in Frage komme, wenn die genannten Bedingungen erfüllt seien. Unter adäquater med
ikamentöser Therapie könne er 7 bis
8 Stunden anwesend sein, wobei eine leichte Einschrän
kung der Leistung anzunehmen sei.
Entsprechend
sei seit September 2018 ein 80
90
%iges Arbeitspensum möglich (S.
32).
Dr.
H._
führte weiter aus, dass der Serumspiegel für
das Medikament
Escitalopram
praktisch unter der Nachweisgrenze liege und jedenfalls keine therapeutische Wirksamkeit bestehe. Daraus sei zu schliessen, dass
diesbezüglich
keine regelmässige Einnahme stattfinde.
Durch eine Anhebung des Serums
piegels in den therapeutischen Bereich könnte die leichte depressive Episode erfolgreich behandelt werden, was auch die Arbeitsfähigkeit verbessern würde. Vorzu
schlagen sei sodann die erneute Behandlung mit Ritalin (S. 32).
3.
2
.4
Der
infektiologische
Gutachter Dr.
I._
führte aus, dass
d
ie Behandlung
der HIV-Infektion
prompt nach Diagnosestellung bei mittelschwer eingeschränkter zellulärer Immunität
erfolgt sei
. Sie sei
einfach einzunehmen und
hoch wirksam
, was sich am Anstieg der CD4-Zellzahl und am supprimierten Viral
lo
ad
bemessen lasse
.
Die psychi
schen Symptome seien durch die HIV-Infektion eventuell im Sinne einer erschwerten Krankheitsverarbeitung akzentuiert, ansonsten trage die Infektion nicht wesentlich zum Verlauf der Symptome bei (Urk. 7/114 S. 36 f.).
Aus
infektiologischer
Sicht könne der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätig
keit 8 Stunden anwesend sein, wobei eventuell eine gering eingeschränkte Leistungsfähigkeit und ein leicht vermehrter Erholungsbedarf (weniger als 10 %)
bestehe.
Seit 2017 liege eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 90 %
vor
. In
infek
tiologischer
Hinsicht sei keine spezielle Anpassung der Tätigkeit erforderlich. Die Behandlung der HIV-Infektion müsse fortgesetzt werden, was indes die aktuelle Leistungsfähigkeit höchstwahrscheinlich nicht mehr weiter verändern werde. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit und der ausserberuflichen Aktivitäten sei nicht durch die Infektionskrankheit bedingt, sondern durch die psychische Erkrankung (S. 37 f.).
3.
2
.5
Der neuropsychologische Gutachter
lic
. phil.
J._
führte aus, dass die im psychiatrischen und
infektiologischen
Gutachten erwähnten Diagnosen einer rezi
divierenden depressiven Störung - gegenwärtig leichte Episode -,
eines ADHS und einer HIV-Infektion grundsätzlich Einfluss auf das kognitive Leistungs
vermögen haben könnten. Diese Diagnosen seien indes weder einzeln noch als Gesamtsymptomatik geeignet, die testpsychologisch festgestellten deutlichen kognitiven Defizite hinreichend zu begründen. Aufgrund der Verhaltens
beobachtungen ergäben sich im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung keine Hinweise auf emotionale oder psychopathologische Auffällig
keiten, die mit den Testbefunden interferierten. Um einen Zusammenhang der kognitiven Defizite und der HIV-Infektion zu begründen, wären neurologische und neuroradiologische Untersuchu
ngen des Kopfes notwendig (Urk. 7/114 S.
50).
Das Antwortverhalten im durchgeführten angewandten Beschwerde
validierungstest (DMT) sei unauffällig,
jenes
in den expliziten Beschwerdevalidierungstests (TBFN, TOMM) sei dagegen auffällig. Aufgrund der Verhaltens
beobachtungen sei auch die Leistungsbereitschaft als auffällig zu werten. Bei einer eingeschränkten und schwankenden Leistungsbereitschaft habe der Beschwerdeführer zwar koop
erativ und bemüht mitgearbeitet, in der Testung sei die Ausdauer jedoch vermindert und er habe sich nicht zu einer aktiveren Mit
arbeit motivieren lassen. Die Testbefunde seien zudem nicht konsistent mit der eigenanamnestisch beschriebenen Alltags- und Berufsfunktionalität. Bei vorlie
gendem Schweregrad der kognitiven Testbefunde wäre nicht zu erwarten, dass er sich seinen Alltag organisiere
n
, selbständig den öffentlichen Verkehr nutze
n
, seine Termine plane
n
und diese au
ch selbständig wahrnehmen,
für Teilbereiche der Haushaltsarbeiten aufkomm
en
, ohne Betreuung alleine zu Hause sein
,
PC/Internet/Mobiltelefon nutzen
und
Administr
atives/Finanzielles selber regeln könnte
. Ebenso wenig
könnte
er seinen Freizeitaktivitäten (Texte schreiben, lesen, spazieren) nach
gehe
n
und seine sozialen Kontakte aktiv pflegen. Es bestünden zwar psychiatrische Diagnosen, welche Einfluss auf das kognitive
Leistungs
vermögen und das Verhalten haben könnten, doch würden diese die genannten Inkonsistenzen nicht zu begründen vermögen
(S. 51)
.
Die neuropsychologischen
Befunde
seien
nicht hinreichend vereinbar mit den medizinisch-somatischen und den psychiatrischen Diagnosen
, so dass deren
Validität
nicht
gegeben
und
von einer Aggravation
auszugehen
sei
(S. 51).
Bei nicht validen Befunden könne die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf sowie in jeglicher Verweistätigkeit aus neuropsychologischer Sicht nicht beurteilt werden (S. 52).
3.3
In ihrem Bericht vom 30. April 2020 (Urk. 7/120) führte die behandelnde Ergo
therapeutin
K._
,
BSc
ZFH in Ergotherapie, aus, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen der Therapie authentisch und motiviert zeige und versuche, das Besprochene umzusetzen. Seit Beginn der Behandlung
seien
wiederholt Stimmungseinbrüche und Phasen der Energielosigkeit auf
getreten
und es sei ihm öfters nicht möglich, seinen alltäglichen Verpflichtungen nachzu
kommen oder seine Partnerin zu unterstützen. Meistens müsse er sich schon nach der
Vornahme
von einzelnen Arbeitsschritten hinlegen
und
sei für den Rest des Tages nicht mehr leistungsfähig. Der Beschwerdeführer schildere glaubhaft seine Schwierigkeiten im Tagesablauf, wobei seine tiefe Belastbarkeit und deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit nachvollziehbar und glaubhaft seien. In den Gesprächen zeige er deutliche Schwierigkeiten in der Merkfähigkeit, da er gleiche Inhalte oft wiederhole, sich an Gesprächsinhalte teilweise nicht mehr erinnern könne und sich alles aufschreiben müsse, um es nicht zu vergessen. Auch die mündliche Auffassung – wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer reduzierten Konzentrationsfähigkeit – sei teilweise eingeschränkt
, so
dass
er
oft
an der Frage vorbei antworte. Zusammengefasst zeige er ein verlangsamtes Arbeitstempo, Einschränkungen in der kognitiven Fähigkeit und eine deutlich verminderte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Auch
könnten
mögliche Folgeschäden durch den Sturz mit Kopfverletzung im Dezember 2019 nicht ausgeschlossen werden
(S. 1)
.
Im Zusammenhang mit
dem
Gutachtenstelle
A._
-Gutachten hielt die Ergotherapeutin fest, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Beschwerdeführer überzeugt sei, dass er während den Abklärungen sein Beste
s
habe geben wollen und in
den
Test
s
einfach nicht besser habe mitwirken können. Dies habe nichts mit Motivation zu tun, sondern mit fehlender Belastbarkeit (S. 2).
3.
4
Im Bericht des
Ambulatoriums B._
vom 20. Augus
t 2020 (Urk. 7/131) nannten Dr.
med.
univ. L._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
und Dr.
phil.
M._
, Psychologin FSP,
folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Verdacht auf einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
-
Verdacht auf bipolare Störung
-
asymptomatische HIV-Infektion (ICD-Z21)
Die Fachpersonen führten aus, dass
im Rahmen der
angewandten Selbst
beurteilungs
s
kalen und
des
standardisierten Interview
s
die Kriterien einer ADHS des kombinierten Typs erfüllt seien respek
tive ein Verdacht auf eine ADHS
Diagnose bestehe
.
Es
lägen
zudem
Hinweise auf eine klinisch relevante Depression und Angst
vor
. Bei den computergestützten Testverfahren ergäben sich eine signifikante erhöhte Aktivität, mehr Auslassungen und Impulsfehler, welche die ADHS-Diagnose bestätigten. Im Rahmen der neuropsychologischen Testung zeigten sich unterdurchschnittliche Leistungen in den Bereichen geteilte Aufmerk
samkeit, Daueraufmerksamkeit, nonverbales Arbeitsgedächtnis, visuelle Wahr
nehmung, exekutive Funktionen und Verarbeitungstempo. Die anamnestischen Angaben und die Auswertung der Untersuchungsergebnisse hätten die Persistenz der ADHS-Symptome auch im Erwachsenenalter bestätigt. Zusätzlich bestehe der Verdacht auf eine bipolare Störung (S. 2 f.).
Die Fachpersonen
empfahlen unter Hinweis auf den
hohen Leidensdruck
die Auf
gleisung der multimodalen Therapie der ADHS. Neben
der
medikamentösen Behandlung der Depression sei namentlich eine Behandlung mit Ritalin zu installieren (S. 3).
4.
4.1
Das
Gutachtenstelle A._
-Gutachten vom
5. März 2020
(vgl. E.
3
.
2
) entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheits
zustand und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerde
füh
rer
s
. Es beruht sodann auf den notwendigen internistischen, psychiatrischen
,
infektiologischen
und neuropsychologischen
Untersuchungen. Die Gutachter berücksich
tigten detailliert die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (Urk. 7/1
14
S.
19 f., S. 25 f.
, S. 34 f., S. 41 f.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsentwicklung äusserten und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahmen (
S. 7 f.,
S.
13
f
f.
, S. 30 f., S. 37, S. 49
f.
). Schliesslich leuchtet die Exper
tise in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen im Gutachten sind begründet.
In diesem Sinne ging Prof. Dr.
G._
–
unter Ausklammer
ung
der
HIV
Infektion
–
mit Hinweis
auf fehlende allgemein-
internistische Diagnosen nach
vollziehbar von einer uneingeschränkten
Arbeits
fähigkeit aus (S. 22
f.
).
Unter psychiatrischen Gesichtspunkten
diagnostizierte
Dr.
H._
in schlüssiger Weise
eine rezidivierende
depressive
Störung - gegenwärtig leichte Episode -
sowie ein
e
ADHS respektive eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung,
welche in einer leichten Einschränkung der Leistungsfähigkeit
resultieren
, weshalb
er in einer angepassten Tätigkeit
von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 90 % ausging (S. 29, S. 32
).
Dr.
I._
legte aus
infektiologischer
Sicht einleuchtend dar, dass
die HIV-Infektion
zu einer
gering eingeschränkten Leistungsfähigkeit und einem leicht
erhöhten
Erholungsbedarf führt, so dass eine Arbeitsfähigkeit von mindes
tens 90 % vorliegt
(S. 36 f.). Der
neuro
-
psychologische
Gutachter
lic
. phil.
J._
verneinte nachvollziehbar die Vereinbarkeit der testpsychologisch festgestellten kognitiven Defizite mit den medizinisch-somatischen und psychiatrischen Diag
nosen und der Alltags- und Berufsfunktionalität des Beschwerdeführers (S. 51).
Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gut
achtens (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c), weshalb für die
Entscheidfindung
grundsätzlich darauf abzustellen ist.
4.2
4.2.1
An dieser Beurteilung vermag der vom Beschwerdeführer vorgebrachte Einwand, das psychiatrische
Teilg
utachten sei widersprüchlich, weil
an einer Stelle
von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % und ein anderes Mal von einer solchen von 80 bis 90 % die Rede sei (Urk. 1 S. 5 Ziff. 1), nichts zu ändern. Dr.
H._
ging für die
Tätigkeit
als Betreuer
in alleiniger Verantwortung und mit Nachtschicht von einer Arbeitsfähigkeit von 0 % respektive als
Betreuer
in einem Team
ohne Allein
verantwortung von einer solchen
von mindestens 60 % aus.
In einer
optimal angepassten Tätigkeit (also nicht in der Betreuung)
attestierte er eine Arbeits
fähigkeit von 80 bis 90 %
(Urk. 7/114 S. 31 f.)
.
Eine Widersprüchlichkeit liegt damit nicht vor, äusserte sich doch der Gutachter zur Arbeitsfähigkeit in verschiedenen Tätigkeiten.
Was d
er
Beschwerdeführer
aus dem
pauschalen
Hinweis, er
habe sich vom
psychiatrische
n
Gutachter
nicht ernst genommen
gefühlt, und der Behauptung
,
dieser habe
ihn nicht
ausreden lassen und dauernd mit den Händen herum
gefuchtelt (S. 5 Ziff. 1)
,
zu seinen Gunsten ableiten
will, legt er nicht weiter dar und ist auch nicht ohne Weiteres ersichtlich
.
Diese Beanstandung wurde
zudem
nicht unmittelbar im Anschluss an die (psychiatrische
) Begutachtung
oder in der Stellungnahme
vom 30. April 2020
zum
Gutachtenstelle A._
-Gutachten (Urk. 7/121) erhoben, sondern erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens.
Eine allenfalls sinngemäss geltend gemachte Voreingenommenheit des Gutachters lässt sich damit jedenfalls nicht begründen.
Was den Hinweis angeht, die Diagnosen des psychiatrischen Experten deckten sich nicht mit jenen der behandelnden Ärzte (Urk. 1 S. 6 Ziff. 1), ist
Folgendes
festzuhalten
: Die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeu
tisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4)
lässt
es nicht
zu
, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten
stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Erhebungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arzt
personen
respektive
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelan
gen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (statt vieler Urteil 9C_646/2016 vom 16. März 2017 4.2.1 am Ende mit Hinweis). Derartige Aspekte sind
im konkreten Fall
nicht ersichtlich und werden auch nicht
substanziiert
aufgezeigt (Urteil des Bundes
gerichts 9C_547/2020 E. 4.2.3).
Im Weiteren machte d
er
Beschwerdeführer
geltend, der psychiatrische Gutachter hätte das Vorliegen einer bipolaren Störung näher untersuchen müssen, da
er gewusst habe
, dass
er
– der Beschwerdeführer -
zu Ausbrüchen neige, bei denen er Gegenstände zerstöre.
Ferner hätten die
zahlreichen Mailwechsel zwischen den Parteien als Hinweise
auf
eine bipolare Störu
ng gedeutet werden müssen (Urk.
1 S. 7 Ziff. 4).
Auch dieser Einwand ist nicht stichhaltig.
Eine klinische Phase mit manischer Symptomatologie wurde in den
aktenkundigen
Berichten der behan
delnden Ärzte nicht dokumentiert (vgl. auch Urk. 7/133 S. 3)
. Am 20.
August 2020 wurde vom
Ambulatorium B._
erstmals der Verdacht auf eine
bipolare
Störung erwähnt (Urk. 7/131 S. 1), wobei es im genannten Bericht an einer Begründung für die entsprechende Diagnose fehlt (S. 3). Im Übrigen war der
Umstand, dass der Beschwerdeführer
mit der Beschwerdegegnerin
unter Gebrauch von teilweise
drohenden
Äusserungen
korrespondierte (vgl. Urk. 7/23-24)
, dem psychiatrischen Gutachter bekannt (Urk. 7/114 S.
16), wobei sich
der Austausch solcher
Korrespondenz auf einen Zeitraum von wenigen Tagen im Mai 2011
– und somit auf Ereignis
se
, welche über acht Jahre vor der Begutachtung statt
fand
en
-
beschränkte.
4.2.2
Im Zusammenhang
mit
dem Hinweis
des Beschwerdeführers
, die
Sch
luss
f
olgerung
des neuropsychologischen Gutachters
,
wonach
die schlechten Test
ergebnisse durch Aggravation zustande gekommen
seien
,
stehe im Widerspruch zu den Beobachtungen der behandelnden
Ergotherapeutin
(Urk. 1 S. 6 Ziff
. 5), ist Folgendes
zu bemerken
: Bei der Ergotherapeutin
K._
handelt es sich
zunächst
um keine in Neuropsychologie ausgebildete Fachperson.
Im Weiteren begründete die Ergotherapeutin ihre Einschätzung, dass das Fehlen valider Test
resultate im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung auf die fehlende Belastbarkeit des Beschwerdeführers zurückzuführen sei, damit, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen mit
ihm
üb
erzeugt sei, dass er während den
Abklärungen sein Bestes habe geben wollen und
einfach nicht besser habe mitzumachen vermögen (Urk. 7/120 S. 2). Sie verwies dabei
im Wesentlichen
auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, wonach er oft nicht in der Lage sei, seinen alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen
und
sich bereits nach der Vornahme einzelner Arbeitsschritte
hinlegen müsse und für den restlichen Tag nicht mehr leistungs
fähig sei (S. 1).
Damit vermag sie aber
keine Zweifel an der
Einschätzung des neuropsychologischen Gutachters
zu wecken
, zumal dieser nicht lediglich seine subjektiven Eindrücke schilderte, sondern sich auf Validierungstests stützte (Urk. 7/114/51)
.
4.2.3
Der Beschwerdeführer machte schliesslich geltend, die
Beschwerdegegnerin habe es versäumt, neurologische und neuroradiologische Untersuchungen am Kopf anzuordnen,
so wie es vom neuropsychologischen Gutachter vorgeschlagen worden sei (Urk. 10 S. 1 Ziff. 1
).
Entgegen d
ies
er Auffassung hat
lic
. phil.
J._
im konk
reten Fall keine neurologischen respektive
neuroradiologischen Unter
suchungen des Kopfes empfohlen.
Er hat lediglich darauf hingewiesen
, dass zwecks Begründung eines Zusammenhangs
zwischen den
kognitiven Defizite
n
und der HIV-Infektion entsprechende Untersuchungen notwendig
wären. Gleich
zeitig hielt er fest, dass
die von den übrigen Gutachtern gestellten Diagnosen der depressiven Störung, ADHS
und
HIV-Infektion weder einzeln noch als Gesamt
symptomatik
geeignet
seien, die
kognitiven
Defizite hinreichend zu begründen (Urk. 7/114 S. 50).
4.3
4.3.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung –
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerich
tspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V
193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (R
essourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standard
indikato
ren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
schein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfäl
ligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswe
rt beigemessen werden kann (BGE
143
V
409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahren
s (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl.
Urteil des Bundes
ge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
4.3.2
Wie
nachfolgend aufgezeigt wird (vgl. E.
6
), hat die gutachterlich fest
gestellte Arbeitsfähigkeit von
85
% in angepa
sster Tätigkeit keinen rentenbe
gründenden Invaliditätsgrad zur Folge
. D
a mit einer
Indikatorenprüfung
eine im Rahmen einer psychischen Diagnose attestierte Arbeitsunfähigkeit validiert wird
, kann daraus
auch ke
ine grössere Arbeitsunfähigkeit
resultieren
als die gutachterlich attestierte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_241/2018 vom 25. September 2018
E. 7.5.2) Dementsprechend kann
von der Durchführung eines strukturierten Beweis
verfahrens abgesehen werden (vgl. E. 4.3.1
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_675/2017 vom 26. April 2018
E. 3.2
).
4.3.3
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit seit September 2018
höchstens
zu 85 % arbeitsfähig ist.
5
.
5
.1
Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verschlechterung des Ge
sund
heitszustands
seit der
Gutachtenstelle A._
-Begutachtung aufgrund einer am 16. Dezember 2019 erlittenen Kopfver
letzung
angeht (Urk. 1
S. 7 f. Ziff. 5, Urk. 10 S. 2 Ziff. 2
), ist Folgendes zu bemerken:
Die
Spital C._
-Ärzt
e
berichteten am 16. Dezember 2
019 von einer psychischen Dekompensation und Präsynkope des Beschwerdeführers im Nachgang zu einem Streit mit
sein
er Partnerin, wobei
er
gestürzt und es anschliessend zu einem Taubheitsgefühl im rechten Arm gekommen sei. Im Rahmen der durchgeführten neurologischen Untersuchung zeigte sich
im Wesentlichen -
mit Ausnahme einer leichten Hypästhesie der linken Gesichts
hälfte
-
ein unauffälliger Hirnnervenstatus
sowie eine taktile Hypästhesie im rechten Unterarm und in der rechten Hand. Eine Kopfverletzung wurde im Bericht nicht erwähnt, es wurde aber auf seit mehreren Monaten bestehende Parästhesien in allen distalen Extremitäten und im Hinterkopf respektive
auf
eine seit Monaten bestehende stark
fluktuierende
neurologische Symptomatik mit starker psychi
scher Überlagerung hingewiesen
(Urk. 10 S. 8). Es erfolgte der Eintritt in die
Psychiatrische Klinik D._
zur stationären psychiatrischen Behandlung, in deren Rahmen insbesondere die Indikation für eine psychopharmakologische Therapie evaluiert werden sollte (S. 6)
.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass
der Serumspiegel für das Antidepressivum
Escitalopram
gemäss
Gutachtenstelle A._
-Gutachten unter der Nach
weisgrenze lag (Urk. 7/114 S. 32) und der Beschwerdeführer a
m 16. Dezember 2019 zudem angab, die Psychophar
makotherapie abgebrochen zu haben (Urk.
10 S. 8).
Eine Veränderung des Gesundheitszustands nach der
Gutachtenstelle A._
-Begutachtung ist vor diesem Hintergrund bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Kopfverletzung nicht in rechtsgenügender Weise ausgewiesen.
Aus dem Umstand allein, dass nach den gutachterlichen Untersuchungen eine stationäre psychiat
rische Behandlung stattfand und im Bericht der
Psychiatrischen Klinik D._
vom 31. Januar 2020
(Urk. 7/107) – welcher den Gutachtern vorlag (Urk. 7/114 S. 14) –
eine schwere depressive Episode erwähnt wurde,
kann
nicht automatisch auf eine versiche
rungsrelevante
Veränderung der gesundheitlichen Situation
geschlossen werden, zumal sich der erwähnte
Psychiatrische Klinik D._
-Bericht auf die
Angabe
der Diagnosen
, welche
nicht näher begründet wurden,
und
die
Medikamentenliste beschränkte
.
5.2
Nichts
anderes
erg
ibt sich aus der Anmerkung der Ergotherapeutin in der Stellungnahme vom 30. Ap
ril 2020 (Urk. 7/121)
,
in welcher sie sich auf die Wiedergabe der vom Beschwerdeführer subjektiv geklagten Beschwerden nach dem Sturz
vom 16. Dezember 2019
beschränkte
(S. 3)
. In diesem Zusammenhang ist
darauf hinzuweisen
, dass der Beschwerdeführer
bereits
im Rahmen der
allge
mein
-
internistischen, psychiatrischen und neuropsychologischen Begut
achtungen
vom
26.
November
2019 und 10.
Dezember 2019 von einem Kopf
druck und Schwindel
berichtete
(Urk. 7/114 S. 19, S. 26, S. 41).
5
.
3
Schliesslich ergibt sich auch gestützt auf den Bericht
des
Ambulatorium
B._
vom 20. August 2020
(Urk. 7/131) keine versicherungsrelevante Veränderung des Gesundheitszustands
nach der Begutachtung
.
Die darin erwähnte
schwergradige
depressive Episode
wird
im Wesentlichen
auf das
Beck-Depressions-Inventar
(BDI
) und somit
auf
einen Selbstbeurteilungsbogen
gest
ützt
(S. 2)
. Eine begrün
dende psychopathologische Anamnese
und
ein klinischer Psychostatus liegen nicht vor (vgl.
auch
Urk. 7/133 S. 3).
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE
144
I
103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
auf das vom Beschwerdeführer vor dem erstmaligen Auftreten der depressiven Störung erzielte Durchschnittseinkommen der Jahre 2008 bis 2010 und ging gestützt auf den IK-Auszug
vom 28. November 2018
(Urk. 7/44)
und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von einem
Validenlohn
von
Fr. 83'665.50 aus (Urk. 2 S. 2
, Urk. 7/133 S.
4
).
Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden
und entspricht im Übrigen de
r
vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Berechnungsweise (Urk. 7/132 S
.
5 Ziff. 9).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einze
lfalles nicht möglich ist (vgl.
BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf die LSE 2016, monatlicher Bruttolohn
(Zentralwert) nach Wirtschafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Komp
etenzniveau 1, Total, Männer ab. Dies blieb zu Recht unbestritten. Für das massgebende Jahr 2019 betrug der Invalidenlohn damit unter Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung Fr. 57'581.55 für das dem Beschwerdeführer zumutbare Arbeits
pensum von 85 % (vgl. Urk. 7/122 S. 1).
Die gesundheitlichen Einschränkungen wurden bei der Reduktion des Arbeits
pensums auf ein solches von 85 % bereits
ausreichend berücksichtigt. Gründe, welche einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind weder ersichtlich noch wurden sie vom Beschwerdeführer (substantiiert) vorgebracht.
6.4
Der Vergleich des
Validenein
kom
mens
von
Fr. 83'
666.-- mit dem Invaliden
einkommen von Fr. 57'582.-- ergibt einen rentenausschliessenden Invaliditäts
grad von gerundet 31 % (zum Runden vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2
).
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerde
füh
rer
aufzuerlegen.