Decision ID: 84d077a0-2cec-4b54-a82b-824feddae41c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
italienischer Staatsangehöriger,
arbeitete seit
dem
1.
Februar 2001
als Bauarbeiter
/Hilfsmaurer
bei der
Y._
in Zürich
(
Urk.
9/
15
).
Am
6.
März 2012 fiel
dem Versicherten
auf einer Baustel
le
eine
Reklametafel aus Metall
auf
den rechten Unterschenkel
, was zu persis
tierenden
Beschwerden
führte (
Urk.
9/14/33-40
und
Urk.
9/14/84
).
Am 20.
November 2012 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
wegen der Folgen dieses Unfallereignisses und
wegen
Rückenschmerzen
bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5
; vgl. auch
Urk.
9/8
). Am 2
9.
November 2012 teilte
ihm die IV-Stelle
mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Ein
glied
erungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
9/11).
Mit
Verfügung
vom 4.
Juli 2013
verneinte sie
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 24
%
einen Anspruch des Versi
cherten auf eine Invalidenrente (
Urk.
9/31).
1.2
Am 2
7.
April 2015
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf diverse gesundheitliche Beschwerden
erneut
bei der IV-Stelle zum
Leis
tungsbezug an (
Urk.
9/34). In der Folge reichte
er
das ärztliche Zeugnis von
Dr.
med.
Z._
, FMH Allgemeine Medizin, vom
1.
Juni 2015 (
Urk.
9/41), mehrere Berichte des
A._
(
Urk.
9/42)
, das ärztliche Zeug
nis von
Dr.
med.
B._
, FMH Praktische Ärztin, v
om 2
0.
Juli 2015 (
Urk.
9/44) sowie
das Gutachten von
Dr.
med.
C._
, FMH Psychi
atrie und Psychotherapie,
und
Dr.
phil.
D._
, Psychologin,
v
om 1
4.
Juli 2015 (
Urk.
9/45) ein
.
Daraufhin
gab die IV-Stelle bei der
Medas
E._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 2
5.
Februar 2016 erstattet wurde (
Urk.
9/55). Mit Vorbescheid vom 1
2.
April 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines
Leistungsbegehrens in Aus
sicht
(
Urk.
9/57), wogegen dieser am 1
3.
Mai respektive 2
6.
August 2016
Ein
wand erhob
(
Urk.
9/60 und
Urk.
9/67
). Am 3
0.
September 2016
reichte der Ver
sicherte den
Bericht von
Dr.
B._
vom 18
.
September 2016
nach
(
Urk.
9/70
-71)
. Am
6.
Dezember 2016
gab
Dr.
med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psy
chotherapie,
von der
Medas
E._
eine Stellungnahme ab (
Urk.
9/73), wozu
sich der Versicherte am 2
0.
Januar 2017 vernehmen
liess
(
Urk.
9/76). Schliesslich verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
7.
März 2017 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und
auf
eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
7.
April 2017 Beschwerde und beantragte, es sei
en
der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Akten zu einem neuen
Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In pr
ozessualer Hinsicht ersuchte er
um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Beigebung
eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin
beantragte
mit Beschwerdeantwort vom
6.
Juni 2017
die
Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
8). Mit Verfügung vom
4.
Juli
2017 wurde dem Beschwerde
führer die Beschwerdeantwort zugestellt. Gleichzeitig gewährte ihm das Gericht die unentgeltliche Prozessführung
, und es wurde ihm
Rechtsanwalt
Dr.
Marco Mona, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt
(
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu
erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
143 V 409 E. 4.2.1
).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gespro
chen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Massnahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufli
che Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erst
malige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.6
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.7
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit,
dass
gemäss den ärztlichen Unterlagen
seit
Erlass der Verfügung vom
4.
Juli 2013 keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
eingetreten
sei
.
In der ange
stammten Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Bauarbeiter/Hilfsmaurer bestehe weiterhin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In einer angepassten Tätig
keit
sei
jedoch
eine volle
Arbeitsfähigkeit
gegeben
. Dem Beschwerdeführer sei es weiterhin zumutbar, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
D
ie neuen Unterlagen seien
durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) gepr
üft worden. Dieser habe festgestellt, dass am
polydisziplinären Gutachten der
Medas
E._
vom 2
5.
Februar 2016
festgehalten werden könne
. Es seien keine weiteren Abklärungen notwendig
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
dass er
seine Stelle
bei
der
Y._
nur aufgrund des ausserordentlichen Entgegenkom
mens seitens der Firma, welche
ihn trotz seiner
zappeligen und äusserst begriffsstutzigen
Art seit Beginn des Jahres 2002 mit
getragen habe
, habe halten können
.
Er habe während Jahren in einem
geschützten Rahmen
gearbeitet
.
Der psychiatrische Gutachter der
Medas
E._
habe die bescheidenen Res
sourcen und die ausgeprägten Defizite des Beschw
erdeführers zwar unterstri
chen
, habe dies
e
aber
zu Unrecht lediglich
auf den Migrationshintergrund und
die
fehlende Förderung zurückgeführt. Auf die Frage, ob diese
Defizite einen gesundheitsbedingten
Hintergrund hätten, sei er tr
otz klaren Hinweisen
des
Vorgutachters
Dr.
C._
nicht eingegangen.
Ebensowenig
habe sich der psy
chiatrische Gutachter der
Medas
E._
mit der
im Gutachten
von
Dr.
C._
festgestellten
schweren Depression auseinandergesetzt.
Dass
die Diagnose
ei
ner Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Raum stehe,
habe der psychiatrische Gutachter der
Medas
E._
ein
geräumt
. A
llfällige Auswirkungen
des
ADHS
auf die Arbeitsfähigkeit
habe er
aber verneint. Die
beim Beschwerdeführer festgestellten
Symptome des
ADHS
(wesentlich reduzierte Lernfähigkeit, starke Unruhe, Tendenz zu Depressionen, Ängsten, Kontaktstörungen [und sozialer Rückzug])
sei
en
für das Krankheitsbild
und für seine Behinderung jedoch wesentlich. S
chliesslich sei der psychiatrische Gutachter der
Medas
E._
auch auf den begründeten Verdacht, wonach
er
unter einem Jacobsen-Syndrom leiden könnte, nicht
weiter
einge
gangen. Entsprechend sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die noch not
wendigen Abklärungen vorzunehmen, ohne welche bei den vorliegenden Ver
dachtsmomenten kein gültiger Entscheid über Leistungen der Invalidenversi
cherung gefällt werden könne
(
Urk.
1 S. 3 ff.
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 2
7.
April 20
15 (Eingangsdatum
,
Urk.
9/34
) eingetreten.
Zu prüfen ist demnach, ob seit
Erlass der
Verfügung vom
4.
Juli 2013
(
Urk.
9/31)
, mit der
ein Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Invalid
enrente verneint wurde,
bis zum Erlass d
er angefochtenen Verfügung vom 2
7.
März 2017 (
Urk.
2)
eine invalidenversi
cherungsrechtlich relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands einge
treten ist.
3.2
3.2.1
Der re
ntenverneinenden Verfügung vom
4.
Juli 2013
(
Urk.
9/31
)
lagen im Wes
entlichen folgende ärztliche
Beurteilungen zugrunde:
3.2.2
Suva-
Kreisarzt
Dr.
med.
G._
, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumat
ologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte
im Bericht vom 20
.
September 2012 eine
am
6.
März 2012 erlittene
Kontusion mit Schürfung
anterolateral
am distalen Unterschenkel rechts oberhalb des Aussenknöch
els.
Er gab an, dass er b
ezüglich Unfallfolgen heute keine Hinweise
habe
, dass der Beschwerdeführer nicht arbeiten könnte. Entsprechend könnten die Unfallfol
gen per 1
9.
September 2012 terminiert werden. Er empfehle eine Abklärung der Lendenwirbelsäule, insbesondere wegen des Verdachts auf eine Spinalkanalste
nose. Früher habe man offenbar bereits eine
Diskushernie
diagnostiziert (
Urk.
9/14/38-40).
3.2.3
Dr.
Z._
stellte im Bericht vom 1
4.
Januar 2013
als
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit unklare invalidisierende Schmerzen im Bereich des rechten Unterschenkels und
Fusses
bei Sta
tus nach Kontusion
prätibial
und zunehmender Ausdehnung im Verlauf
, bestehend seit dem
6.
März 2012, und (2)
Differentialdiagnosen: Fibromyalgie,
lumbospondylogene
Schmerzverarbei
tungsstörung. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (1) ein Diabetes mellitus Typ II, bestehend seit August 2012, und (2) ein
lum
bospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts, bestehend seit 200
4. Dr.
Z._
gab an, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bauhilfs
arbeiter seit dem
6.
März 2012 bis auf Weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig sei. In einer behinderungsangepassten T
ätigkeit, die
grösstenteils
sitzend zu verrichten sei, wäre aktuell wahrscheinlich eine nahezu vol
le Arbeitsfähigkeit denkbar
(
Urk.
9/16/1-3).
3.2
.4
RAD-Arzt m
ed.
pract
.
H._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, erklärte in der Stellungnahme vom
5.
März 2013, es sei
nach nochmaliger Überprüfung der vorliegenden Berichte
davon auszugehen, dass adaptierte leichte wechselbe
lastende körperliche Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Ersteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten, ohne
knieende
oder kniebeugende Körperhaltung, ohne Verharren in Zwangshaltungen und ohne überwiegende Geh- und Stehbelastung unter Weiterführung der Behandlung
zumindest ab dem 2
0.
September 2012
vollumfänglich zumutbar seien (
Urk.
9/22/5).
3.3
3.3.1
I
m Rahmen der aktuellen Neuanmeldung sind im Wesentlichen folgende Arzt
berichte aktenkundig:
3.3.2
Dr.
Z._
führte im ärztlichen Zeugnis vom
1.
Juni 2015
(
Urk.
9/41)
aus, dass beim Beschwerdeführer weiterhin erhebliche chronische Schmerzen im Sinne eines chronischen Schmerzsyndroms aller vier Extremitäten, deutlich betont im Bereich der rechten unteren Extremität, bei Status nach heftiger
prätibialer
Kontusion 2012 bestünden. Im Weiteren sei
en
ein
lumb
ospondylogenes
Syn
drom,
eine depressive Verstimmung und ein Verdacht auf ein ADHS im Erwachsenenalter gegeben. Der bekannte Diabetes mellitus Typ II sei seit Juni 2013 insulinpflichtig. Aus augenärztlicher Sicht liege keine
diabetische
Retino
pathie vor, jedoch eine
Schielamblyopie
links, Status nach
Kryokoagulation
am 3
1.
Januar 2014 bei peripherem
Netzh
autforamen
.
Schliesslich
bestünden
ein
exanthemischer
Lichen
ruber
sowie ein Verdacht auf ein
impetig
i
nisiertes
Ekzem im
Capillitium
frontal. Die psychiatrischen Aspekte ausgeklammert, da er deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilen könne, erachte er den Beschwerdeführer
-
wie früher angegeben
(vgl.
Urk.
9/19)
-
in einer behinde
rungsangepassten, körperlich leichten Tätigkeit zu ca. 50
%
arbeitsfähig
.
3.3.3
Dr.
C._
und
Dr.
D._
erklärte
n
im
von
Dr.
B._
veranlassten Gutachten
v
om 1
4.
Juli 2015, dass
der Beschwerdeführer freundlich und kooperativ wirke, aber auch schüchtern bis vermeidend. Seine Unruhe sei gross, was wohl seit der Kindheit so sei und sich durch die Schmerzen se
it dem Unfall
intensiviert habe. Manche Anga
ben seien etwas widersprüchlich:
So berichte die Ehefrau des Beschwerdeführers einerseits von seiner guten Beobachtungsgabe und Intelli
genz
. Andererseits sage sie, dass sie wie für ein Kind schaue und er wenig plan
voll handle. Das
Beck Depressions-I
nventar (BDI)
verweise
mit 37 Punkten auf eine stark depressive Stimmungslage
und der
Kölner ADHS-Test für Erwachsene (KATE)
auf ein
ADHS vom
Mischtypus
unaufmerksamer Typ/hyperaktiv-
impulsiver Typ
.
Die
St
andard
Progressive Matrices (SPM
-Classic
) hätten
sehr niedrige Werte gezeigt (
Rohwert
24
).
Was letztlich für die mangelnde Schulbil
dung bei den damaligen Fördermöglichkeiten ausschlaggebend gewesen sei, bleibe unklar.
Ein Problem – teilweise unabhängig von der Frage der IV-Rente – sei das geringe Selbstvertrauen des Beschwerdeführers in die eigene Leis
tungsfähigkeit. Dies zusammen mit den fehlenden Deutschkenntnissen, um sich hier selbständig zu organisieren. Die Frage sei, ob Ritalin und eine sorgfältige Förderung grundlegender Sprachfähigkeiten zusammen mit einer Psychothera
pie (unbedingt in seiner Muttersprache, damit er die Therapie auch alleine machen kö
nne) Entlastung schaffen könnte. Dies, damit
der Beschwerdeführer mehr Selbstvertrauen und S
elbständigkeit erwerbe und dadur
ch
auch zuneh
mend eine zufriedenstellende Leistungsfähigkeit zurückgewinne (
Urk.
9/45/5).
3.3.4
Dr.
B._
hielt
im ärztlic
hen Zeugnis vom 2
0.
Juli 2015 fest
, dass sie
den Beschwerdefü
hrer
als
portugiesisch sprechende Ärztin
schon seit einigen Jahren betreue.
Zur Beurteilung seiner Arbeits
fähigkeit habe sie es als unumgänglich erachtet, die Verdachtsdiagnosen ADHS und eine schwere Depression durch einen Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
bestätigen zu lassen. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig.
Di
e schwere Depression werde auf Anhieb verkannt, weil
er
als Italiener mit dem Körper spreche und
es dadurch zum Überspielen d
er
Depression komme (
Urk.
9/44/1
).
3.3.5
Die Ärzte der
Medas
E._
stellten im Gutachten vom 2
5.
Februar 2016 keine Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeits
fähigkeit. Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit, aber mit K
rankheitswert nannten sie (Urk.
9/55/21):
(1)
eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), bei
-
Fibromyalgie (Kriterien 2010 des American College
of
Rheumatology
erfüllt)
-
Migrationshintergrund und Analphabetismus
(2)
ein metabolisches Syndrom, mit
-
Adipositas
„
simplex
“ (176 cm/99 kg, Body Mass Index 32)
-
Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose August 2012, unter oralen Antidiabetika
und Insu
lin ungenügend eingestellt (HbA
1c 9.1,
normal 4.5-
5.7), bei
•
positiver Familienanamnese (beide Eltern)
-
arterieller Hypertonie
, wahrscheinlich „essentiell“, seit 2004 behandelt, aktuell
135/100
mmHg
, bei
•
erhöhtem
Sympathikotonus
(Puls 116/min)
-
Dyslipidämie
, mit
•
mässig erhöhtem
athero
genem
Index
bei
erni
edrigtem
HDL-Cholesterin
•
leicht
erhö
h
ten
Tr
iglyz
eriden
•
Verdacht auf Leberstea
tose, bei
•
leicht erhöhten Werten von GPT und Gamma-GT
Die Ärzte der
Medas
E._
erklärten,
dass sie die Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als angelernter Bauarbeiter auf 100
%
der Norm schätzen würden. Dies gelte gleichermassen für alle andern bei spärlichen sprachlichen und intellektuellen
Ressourcen
zumutbaren Verweistätigkeiten. S
oweit ersichtlich
habe
nie ein lang
dauernder,
unbehandelbarer
und irreversib
ler G
esundheitsschaden bestanden
, welcher die Arbeitsfähigkeit massgeblich eing
eschränkt habe
(
Urk.
9/55/22).
3.3.6
Dr.
B._
gab
im Bericht vom 1
8.
September 2016
an
, es sei inzwischen bekannt geworden, dass der Sohn des Beschwerdeführers an einem Jacobsen-Syndrom leide. Es sei möglich, dass der Beschwerdeführer
dasselbe Leiden
habe. Indizien dafür seien die geistige Retardierung sowie das vonseiten des
A._
festgestellte Augenleiden. Im Weiteren bestünden
keine Zweifel, dass e
in
ADHS und
eine
schw
ere Depression gegeben sei
en. Der Beschwerdeführer
werde nie mehr einen Beruf ausüben können, weil er unter
starker Lernunfähigkeit leide (
Urk.
9/70).
3.3.7
Dr.
F._
von der
Medas
E._
legte in der Stellungnahme vom 6.
Dezember 2016 dar,
dass sich das geltend gemachte ADHS im Anschluss an den Unfall erneut hätte manifestieren müssen, nachdem es während der lang
jährigen Berufstätigkeit asymptomatisch geblieben sei. Ein solcher Langzeitver
lauf des ADHS sei aber ausgeschlossen.
Im Rahmen ihrer Untersuchung hätten d
ie Thrombozyten
im Normbereich
gelegen
,
und eine Herzf
ehlbildung sei falls vorhanden asymptomatisch geblieben
, was das Vorliegen eines Jacobsen-Syndroms sehr unwahrscheinlich mache.
Er müsse an den Aussagen im Teil
gutachten vom
2
2.
Januar 2016 festhalten (
Urk.
9/73
/2-3
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der an
gefochtenen Verfügung (Urk. 2)
in medizinischer Hinsicht
auf das
polydisziplinäre Gutachten
der
Medas
E._
vom 2
5.
Februar 2016 (Urk. 9/55
)
.
4.2
Das Gutachten der
Medas
E._
basiert auf den erforderlichen allseiti
gen Untersuchungen (
allgemeininternistisch
,
rheumatologisch
und psychiat
risch) und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben. Die Ärzte der
Medas
E._
haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt. Das genannte Gutachten erfüllt demnach grundsätzlich die
rechtsprechungsgemäs
sen
Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlage (vgl. E. 1.8
).
4.3
4.3.1
Was den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
in somatischer Hinsicht betrifft,
führte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Rheumatologie, im Teilgut
achten
vom 1
4.
Januar 2016
aus
,
dass
zusammengefasst keine relevante dege
nerative, entzündlich rheumatische oder peripher neurogene Erkrankung festge
stellt
werden
könne
. Die Untersuchung beider F
üsse sei sowohl orthopädisch als
auch peripher neurologisch unauffällig gewesen. Die Diagnosekriterien für eine Fibromyalgie seien erfüllt. Seine Befunde würden mit
denjenigen der Klinik für Rheumatologie des
A._
,
wo
ein chronisch generalisiertes Schmerzsyndrom festgestellt worden sei,
übereinstimmen. Bezüglich der Kontu
sion am Unterschenkel rechts würden sich heute keinerlei residuelle s
omatische
Befunde mehr ergeben
. Bei im Hintergrund stehendem Schmerzsyndrom, Fehlen von Zeichen für eine muskuläre
Dekonditionierung
sowie Fehlen von organi
schen Erkrankungen ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/55/32
).
Im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung kamen die Ärzte der
Medas
E._
– auch
unter Berücksicht
igung der Untersuchungsergebnisse
von
Dr.
med.
J._
, FMH Innere Medizin & Endokrinolo
gie/
Diabetologie
(
Urk.
9/55/19-21
) - zum Schluss, dass
aus somatischer Sicht
keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigke
it gegeben sei (vgl.
Urk.
9/55/22
).
4.3.2
Diese Beurteilung der Ärzte der
Medas
E._
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterungen grundsätzlich
ein
leuchtend
und nachvollziehbar
.
Nachdem die Beschwerdegegnerin bei Erlass der
Verfügung vom
4.
Juli 2013 (
Urk.
9/31)
noch davon ausgegange
n war, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit
als Bauarbeiter (aus somati
schen Gründen)
in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
sei
,
ist diesbezüglich somit – jedenfalls – keine Verschlechterung eingetreten.
4.4
4.4.1
Was den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
in ps
ychischer
Hinsicht anbelangt,
legte
Dr.
F._
im
psychiatrischen
Teilgutachten
vom 2
5.
Januar 2016 im Wesentlichen
dar, dass der Beschwerdeführer
, Vater dreier Kinder
aus erster Ehe
(Jahrgänge 1999, 2001
und 2003) und
nun
in zweiter Ehe
verheira
tet,
einer armen süditalienischen Grossfamilie entstamme. Weder finanziell noch bildungsmässig habe es günstige Voraussetzungen gegeben. Seine
sechs
älteren Geschwister hätten
die Normalschule abschliessen können. Das intellek
tuelle Defizit und die Entwicklungsstörung des Beschwerdeführers müssten d
agegen
erheblich gewesen sein, wenn er nach zweimaliger Absolvierung des Schulstoffs der ersten beiden Kl
assen weggewiesen worden sei. Der Beschwer
deführer
habe eingestanden, nur seinen Namen
hinkritzeln
zu können.
Im jun
gen E
rwachsenenalter sei
er
geschützt durch seine Schwester und den Schwager in Belgien als Tellerwäscher und Hilfskraft in der kalten Küche tätig gewesen
.
Danach habe er sich hier in der Schweiz
ersta
u
nlich gut halten können und
über viele Jahre im Bauhauptgewerbe bei nur
zwei Arbeitgebern
gearbeitet
. Nach den Akten hätte man im März 2012 einen schweren Arbeits
unfall vermu
ten können. Nach den
Detailanalyse
n
habe sich der Ablauf jedoch als relativ harmlos dargestellt. Eindrücklich habe der Beschwerdeführer
auch
angegeben, dass ihn der betroffene rechte Fuss heute nicht mehr schmerze und die Beschwerden aufgestiegen seien.
Er habe sehr schön beschrieben, dass sich der Schmerz vom rechten Fuss in den Stammbereich verlagere und der Fuss nach der Verlagerung beschwerdefrei sei. Die ganze Schmerzverarbeitung sei hoch auffällig, womit die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung
gerechtfertigt erscheine. Der Schmerz dauere
seit Jahren
an und es lasse sich – soweit aus den Akten ersichtlich – kein adäquates somatisches Korrelat finden.
Die emotiona
le Belastung durch
den
Analphabetismus
und
die
Strukturlosigke
it des Tages in bescheidensten Wohnv
erhältnissen genüge als emotionaler Konflikt. Die bishe
rigen Therapiebemühungen hätten zu keinem nachhaltigen Erfolg geführt.
Die dem Unfall vorausgegangene soziokulturelle Situation, der Migrationshinter
grund in Verbindung mit der marginalen Ausbildung bei früher vorhandener Fähigkeit
,
einfachste
Arbei
ten über Jahre auszuführen
,
könnten
nicht durch eine psychiatrische Diagnose wiedergegeben werden (
Urk.
9/55/39-40).
Vor diesem Hintergrund
kam
Dr.
F._
– nach Prüfung der sogenannten Stan
dardindikatoren nach
BGE 141 V 281
– zum Schluss, dass
der Beschwerdefüh
rer aus rein psychiatrischer Sicht
medizinisch-theoretisch
noch in der Lage sei, der bisherigen Berufstätigkeit als
Bau-
Handlanger nachzugehen (
Urk.
9/55/41). Diese Einschätzung wurde im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung über
nommen (
Urk.
9/55/21-22).
4.4.2
Auch diese Beurteilung der Ärzte der
Medas
E._
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterungen
einleuchtend und plausibel.
4.5
4.5.1
Zu den
vom Beschwerd
eführer bereits im Ei
nwand vom 2
6.
August 2016 (Urk.
9/67)
geltend gemachten
Vorbringen hat
Dr.
F._
von der
Medas
E._
am
6.
Dezember 2016
sodann
eingehend
Stellung genommen.
Dr.
F._
legte dabei
überzeugend
dar,
dass
– worauf zu Recht hingewiesen worden sei -
ein allenfalls bestehendes
ADHS im damaligen Italien
nicht nach den heutigen Grundsätzen habe behandelt werden können. E
s sei damit anzu
nehmen, da
ss das ADHS ununterbrochen
hätte
Bestand haben müssen. Diese vermutete Beeinträchtigung habe sich im Rahmen der Berufstätigkeit in der Schweiz vor dem Unfall
indes
nicht ausgewirkt. Der Beschwerdeführer habe in Übereinstimmung mit den Akten betont, dass er sich über Jahre bei zwei
Arbeitgebern, wenn auch nur als Hilfskraft, bewährt habe. Das geltend gemach
te ADHS müsste sich demnach im Anschluss an den Unfall erneut manifestiert haben, nachdem es während der langjährigen Berufstätigkeit asymptomatisch geblieben sei. Ein solcher L
angzeitverlauf des ADHS sei a
ber
ausgeschlossen. Der Beschwerdeführer habe auch beto
nt, dass er im Unterricht k
ein auffälliges Sozialverhalten gezeigt habe, sondern einfach minderbegabt gewesen sei. Zu Recht hätten der Rechtsvertreter des Besch
werdeführers und Dr.
B._
festgehal
ten, dass das Jacobsen-Syndrom nicht belegt sei. Eine
Thrombozytopenie
und eine Fehlentwicklung des Herzens würden bei diesem Syndrom in einem sehr
hohen Prozentsatz auftreten. Im Rahmen ihrer Untersuchung hätten die
Th
rom
bozyten
aber im Normbereich ge
legen
und eine Herzf
ehlbildung sei falls vor
handen asymptomatisch geblieben. Dies mache das
Vorliegen des Syndroms sehr unwahrscheinlich
, auch wenn die grenzwertig tiefe Begabung
gut dazu passen würde
.
Die
Ängstlichkeit, die der Beschwerdeführer bei ihm gezeigt habe, wäre mit einer
Depression
gut vereinbar.
Bei seinen Befunden habe er jedoch
eine lebendige Emotionalität beschrieben und auch die Umsetzung der noch möglichen Alltagsaktivitäten spreche eindeutig gegen eine Depression. Mit einer schweren, rentenrelevanten Depression kaum vereinbar sei
im Weite
ren
das A
usleben sexueller Kontakte, das
der Beschwerdeführer ihm gegenüber durchaus positiv bewertet habe. Wie
bereits
in seinem Teilgutachten festgehal
ten, könne er
damit
keine schwere Depression diagnostizieren.
Eine
testpsycho
logische Untersuchung müsse
schliesslich
mit validierten Übersetzungen und in der Muttersprache erfolgen
, wenn sie Beweiskraft erlangen solle. Im
Rahmen der Begutachtung bei Dr.
C._
und
Dr.
D._
seien allerdings zwei Dol
metscher in Anspruch genommen worden und beide Personen (Hausärztin
;
Ehe
frau) müssten als befang
en eingestuft werden, was das Gewicht des Gutachten
s sehr stark relativiere (
Urk.
9/73/2-3
).
4.5
.2
Auch die weiteren in
der Beschwerde
geltend gemachten
Vorbringen
sind
nicht stichhaltig (vgl.
Urk.
1).
Aus den
Auszügen aus den individuellen Konten
(IK-Auszügen)
vom
29.
Dezember 2012
geht hervor
, dass der Beschwerdeführer von März 1988 bis Dezember
1996
bei der
K._
, von April
1997 bis Januar 2001 (mit Unterbrüchen)
bei der
L._
und von
Februa
r 2001
bis März 2012 bei der
Y._
gearbeitet hat.
Mit Blick auf die
Einkom
menszahlen
in den
IK-Auszügen
kann der vom Beschwerdeführer
in diesem Zeitraum
erzielte Lohn
dabei als
ohne Weiteres branchen
übliches Einkommen eines Bauarbeiters/Hilfsarbeiter bezeichnet werden
. So
belief sich sein
Ein
kom
men
in den letzten fünf Jahren bei der
Y._
(2007 bis 2011)
beispielsweise auf
Fr.
51'781.--,
Fr.
46'614.--,
Fr.
61'141.--, Fr.
65'8
92.-- bzw.
Fr.
65'169.--
(
Urk.
9/9-10
; vgl. auch
Urk.
9/15
)
.
Im
Weiteren wurde seitens der
Y._
im Bericht vom
6.
Dezember 2012
nicht an
gegeben
, dass der Lohn die A
rbeitsleistung überstiegen habe
(Urk.
9/15)
, und es finden sich
auch keine anderweitigen
Anhaltspunkte dafür, dass es
sich
bei dieser Stelle
um einen geschützt
en Arbeitsplatz gehandelt haben könnte
.
Entgegen den Darle
gungen
des Beschwerdeführers kann
unt
er diesen Umständen
nicht davon gesprochen werden, dass er bei der
Y._
während Jahren
in
einem gesc
hützten
Rahmen
gearbeitet hat
.
Dr.
F._
von der
Medas
E._
und
Dr.
B._
sind
sich
zwar
einig, dass der Beschwerdeführer intellektuelle Defizite hat
(
Urk.
9/55/35-42 und
Urk.
9/70
)
.
Beide
haben die festgestellten Defizite, die der Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt während mehr als
20
Jahren nicht entgegenstand
en
, aber offenbar
nicht als derart gravierend eingestuft, dass
sie
ein
e
Intelligenzstörung (ICD-10 F70-F79) diagnostiziert
hätten.
Zudem
geht aus den Akten
nicht
hervor, dass diesbezüglich im Verlauf der Jahre eine Ver
schlechterung eingetreten wäre.
Eine durch geringe Intelligenz verursachte Erwer
bsunfähigkeit gilt in der Regel
aber
nur dann als gesundheitlich verur
sacht, wenn die Intelligenz im medizinischen Sinne vermindert ist, mithin der Intelligenzquotient (IQ) weniger als 70 beträgt. Nicht als gesundheitliche Beein
trächtigung im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG gilt demgegenüber in der Regel eine Intelligenz im untere
n Normalbereich (IQ 70 bis 84; Urteil
e
des Bundesge
richts
8C_741/
2013 vom 16. März 2015 E. 3.2.1 und
8C_108/2014 vom 24. September 2014 E. 2
.2
, je mit Hinweisen).
Eine
derartige
invalidenversiche
rungsrechtlich rel
evante Intelligenzschwäche ist hier
nicht ausgewiesen.
Bei der marginalen Ausbildung,
den fehlenden Deutschkenntnissen,
dem Migrations
hintergrund, der
Arbeit
slosigkeit und den prekären Wohnverhältnisse
n
(
Urk.
9/55/
35-36) handelt es sich
um invali
ditätsfremde Faktoren (vgl. E. 1.3
).
Was die von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
durchgeführten Tests (BDI, KATE und SPM
-Classic
;
Urk.
9/45)
anbelangt, ist zu ergänzen
, dass die Ergebnisse solcher Tests im Rahmen der Behandlung eines Patienten
zweifelsohne
wertvoll sind. Bei der Begutachtung sind sie jedoch
– unabhängig davon, ob eine vali
dierte Übersetzung vorliegt oder nicht
(
Urk.
9/73/3)
-
nur sehr beschränkt aus
sagekräftig, zumal sie
ausschliesslich
auf dessen subjektiven Angaben beruhen.
Hinsichtlich der
von
Dr.
Z._
attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (
Urk.
9/41) und der von
Dr.
B._
attestierten
100%igen Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 9/44/1
)
ist sodann
auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, dass behandelnde Ärzte und medizinische Fachpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu
Gunsten ihrer
Patienten
und Patientinnen aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc).
Dr.
B._
s Aussage, wonach
die Depression
des Beschwerdeführers
aufgrund des Umstandes, dass
er als Italiener
mit dem Körper spreche,
auf Anhieb
verkannt werde (
Urk.
9/44/1), ist
nicht
plausibel.
4.6
Nach dem Gesagten kann auf das Gutachten d
er
Medas
E._
vom 25.
Februar 2016 (
Urk.
9/55) abgestellt werden.
Die
vom Beschwerdeführer
beantragten weiteren medizinischen Abklärungen
sind nicht erforderlich.
Es
ist somit festzuhalten, dass zwischen
dem
Erlass der ren
tenverneinenden Verfügung vom
4.
Juli 2013 (
Urk.
9/31)
und
dem
Erlass d
er angefochtenen Ver
fügung vom 2
7.
März 2017 (
Urk.
2)
keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
eingetreten
ist. Sodann liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine erhebliche Veränderung der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszus
tandes e
ingetreten sein könnte (vgl. E.
1.7).
Ein Anspruch auf eine Rente ist daher nach wie vor zu verneinen
(vgl.
E. 1.6).
Im Weiteren
sind auch
die
Anspruchsvoraussetzungen von
Art.
8
Abs.
1 IVG
nicht erfüllt (vgl. E. 1.5
)
,
weshalb ein Anspruch
auf berufliche
Massnahmen
ebenfalls
zu verneinen ist.
5.
Die angefochtene Verfügu
ng
vom 2
7.
März 2017 (
Urk.
2), mit der ein Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche
Massnahmen
und auf eine IV-Rente ver
neint wurde,
erweist sich damit als rechtens
. Die Beschwerde ist deshalb abzu
weisen.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der bewil
ligten unentgeltlic
hen Prozessführung (
Urk. 10
) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Da der
unentgeltliche
Rechtsvertreter trotz
des
Hinweis
es
in der
Verfügung vom
4.
Juli 2017, dass
er
die Möglichkeit habe
, dem Gericht vor der Fällung des Endentscheid
es
eine detaill
ierte Zusammenstellung über seinen
Zeitaufwand und die angefallenen Barauslagen einzureichen (
Urk.
10), keine Honorarnote
eingereicht hat
, ist die Entschädigung in Anwendung von §
§
7 f. der Verord
nung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversiche
rungsgericht (
GebV
SVGer
) nach
Ermessen
festzusetzen. Unter Berücksichtigung des zu schätzenden notwendigen Aufwandes sowie dem gerichtsüblichen Stun
denansatz von
Fr.
220.-- resultiert eine Entschädigung von
Fr.
1‘
600.-- (inkl. Barauslagen und MWSt).
6
.3
Kommt der Beschwerdeführer künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, kann ihn das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht, GSVGer).