Decision ID: b8fb6d24-bd7d-4352-b2a9-a0481a4c7cfc
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, erlitt während des Militärdienstes
1980 eine Distor
sion des rechten Fusses sowie 1981 ein
Supinationstrauma
ebenfalls
de
s
rechten Fusses
(
Urk.
2 S. 1
, 7/27 S. 1
)
.
I
m Juli 1990
zog sich
d
er Versicherte,
wiederum während des Militärdienstes, eine Distorsion des linken oberen Sprunggelenkes (
OSG
)
zu (vgl. Urk. 8/A/7). A
m
1.
September 1997
erlitt er
bei der Arbeit eine erneute
OSG
-
Distorsion links
.
Die
gemeldete
zunehmende Instabilität im linken
OSG
wurde seitens der Militärversicherung
mit ärztlicher Beurteilung vom 22. Februar 2000
als teilkausal im Sinne einer Spätfolge auf die 1990 im Dienst erlittene Distorsion zurückgeführt
(Urk. 8/A/19+27; vgl. zum Ganzen Urk. 2 S. 1
f. Ziff. 1 f.)
.
Die Militärversicherung
beteiligte sich in der Folge an
den Kosten für drei bis vier Paar Spezialschuhe jährlich
(
Urk.
8/A/38).
Am 2
8.
März 2014
berich
tete
der Hausarzt des Versicherten der Militärversicherung
über
eine zuneh
mende Behinderung des Versicherten bei seiner Tätigkeit als Polier
auf dem Bau
wegen Schmerzen im linken Fuss
(gelenk)
(
Urk.
7/21)
.
1.2
Nachdem sich der Versicherte im März 2014 wieder bei der Militärversicherung angemeldet hatte (Urk.
7/18
)
, anerkannte diese
m
it Schreiben
vom 17.
Juli 2014 ihre Leistungspflicht
(Urk. 7/27).
1.3
Der Versicherte meldete sich auch bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an.
Die
beim hiesigen Sozialversicherungsgericht erhobene Beschwerde gegen die
Verfügung
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
vom 3
1.
Januar 2019
, worin dem Versicherten
nach Abschluss der beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen
ab März 2017
eine
Viertelsrente zu
gespro
ch
en w
orden war
, wurde mit Urteil vom 4
. Juli 2019
teilweise gutgeheissen
.
D
ie besagte Ver
fügung
wurde
aufgehoben und dem Versicherten ab März 2017 eine halbe Inva
lidenrente der Invalidenversicherung zugesprochen (Prozess
IV.2019.00130
; Urk. 7/192
).
1.4
Zwischenzeitlich liess der Versicherte am 1
8.
Oktober 2017 auch bei der Militär
versicherung eine Rente sowie die Zusprache einer
Integritätsschadenrente
bean
tragen. Gestützt auf ein
beim
Y._
eingeholtes neurologisches (1
8.
September 2019
;
Urk. 7/163
) sowie orthopädisches Gut
achten (28.
August 2019, Urk. 7/166,
bzw. Nachbearbeitung
1 [eingegangen am 11.
Oktober 2019] Urk. 7/166, vgl. auch Schreiben vom 28. August 2019, ebenfalls am 11. Oktober 2019 eingegangen, Urk. 7/167, sowie Nachbearbeitung 2 [eingegangen am
30.
Dezember 2019
] Urk. 7/177, vgl. auch Schreiben vom 1
8.
Dezember
2019
, Urk. 7/176
)
anerkannte die Militärver
sicherung mit Verfügung vom 20.
August
2020
(Urk. 7/193)
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/188, 7/191
)
die Haftung für die chronische
OSG
-Instabilität links, die Tendinitis der
Tibialis
posterior
-Sehne links, die Partialruptur der
Peronealsehnen
links sowie den Status nach
Tarsaltunnelsyndrom
2014 bis 201
8.
Für alle anderen Beschwer
den (Wirbelsäule, beide Knie, Schulter und Sensibilitätsstörungen an Fingen und Füssen) lehnte sie die Haftung ab. Ebenfalls abgelehnt wurden Taggeld- und Rentenleistungen sowie das Einholen eines weiteren Gutachte
ns. Gegen die Ver
fügung vom 20.
August 20
20 erhob der Versicherte am 17.
September 2020 Ein
sprache
mit dem Hauptantrag auf Zusprache einer Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
(Urk. 7/194)
, welche mit Entscheid vom 2. Juli 2021 abgewiesen wurde (Urk.
7/205
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 11. August 2021 Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom 2. Juli 2021 (Urk. 2) und beantragte,
der besagte Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % und eine entsprechende Integritätsschadenrente im Umfang von mindestens 50 % zu gewähren. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorin
stanz zurückzuweisen (Urk. 1 S.
2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2021
(Urk.
6
) beantragte die
Militär
versicherung
die Abweisung der Beschwerde
, soweit darauf einzutreten sei
. Dies wurde dem Beschwerd
eführer
am
21. Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9
).
Nachdem der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 2. November 2021 um Ansetzung einer 30-tägigen Frist zur Erstattung einer Replik ersucht hatte (Urk. 10), wurde ihm mit Verfügung vom 5. November 2021 mitgeteilt, die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels werde vorliegend nicht als erforder
lich erachtet (Urk. 11). Die mit Schreiben vom 8. November (Urk. 13) und 1. Dezember 2021 (Urk. 14)
bis 3
1.
Januar 2022
in Aussicht gestellte Replik blieb aus.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E.
3a
).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
; Urteil des Bundesgerichts
8C_225
/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts
8C_77
/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person ein
greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus
sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Anfechtungs- und Streitgegenstand in diesem Verfahren bildet
der Anspruch
des Beschwerdeführers
auf eine I
nvalidenrente gemäss
Art.
40
des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (
MVG
)
. Die zwischen den Parteien
im Wesentlichen
strittige Frage der Verwertbarkeit des Gutachtens
des
Y._
(vgl. nach
folgende E.
2.2
-2.4
) bildet dabei einen Teilaspekt der materiell-rechtlichen
Wür
di
gung;
der Streitgegenstand umfasst jedoch stets das ganze Rechtsverhältnis (BGE 125 V 413 E. 2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_811
/2012 vom 4. März 2013 E. 3).
Entgegen dem diesbezüglichen Antrag der Beschwerdegeg
nerin (
Urk.
6 S.
2) ist daher auf die Beschwerde, soweit der Hauptantrag auf Aus
richtung einer Invalidenrente von mindestens 50
%
lautet (
Urk.
1 S. 2), einzutre
ten.
Nicht einzutreten ist dagegen auf die Beschwerde, soweit damit die Gewährung einer Integritätsschadenrente gemäss
Art.
48
MVG
beantragt wird (
Urk.
1 S. 2). Der Anspruch auf eine Integritätsschadenrente bildet nicht Anfechtungsgegen
stand des angefochtenen Entscheids und wurde, nachdem die Beschwerdegeg
nerin die Frage nach einem allfälligen Integritätsschaden in E. 9 des Vorbescheids vom 1
8.
Juni 2020 in ein separates V
erfahren verwiesen hatte
(
Urk.
7/188 S. 3), vom Beschwerdeführer
weder im
Einwand vom 1
7.
August 2020 (
Urk.
7
/191)
noch in der Einsprache vom 1
7.
September 2020 (
Urk.
7/194) im Rahmen eines entsprechend begründeten Antrags aufgegriffen
, weshalb
die Beschwerdegeg
nerin
diesen Anspruch
im angefochtenen Ents
cheid denn auch nicht zu beurteilen
hatte.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2) davon aus,
die für die Fallführung zuständige MV-Agentur habe zu keinem Zeit
pu
nkt
Kontakt mit dem
federführenden
Gutachter PD
Dr.
Z._
gehabt. Dieser sei einzig durch die Suva Gutachten-Clearing-Stelle schriftlich aufgefordert worden, die ursprünglich mit dem Beschwerdeführer beziehungsweise seinem Rechtsvertreter vereinbarte Frage 6 zu beantworten und die von ihm formulierten
(Unter
-
)
Fragen mitsamt den Antworten aus dem Gutachten zu entfernen (S. 6 lit. e). Dass das Gutachten nach der Aufforderung durch die Suva Gutachten-Clearing-Stelle, die ursprüngliche Frage 6 zu beantworten, in mindestens einem Punkt anders ausgefallen sei als vorher, liege auf der Hand. Sowohl die Zusam
menhangsfragen zwischen der ursprünglichen Gesundheitsschädigung am linken Fuss und den weiteren diagnostizierten Gesundheitsschädigungen als auch eine Auswirkung der ursprünglichen Fussbeschwerden auf die Arbeitsfähigkeit als Polier im Innendienst
se
i
en
jedoch von Anfang an von PD
Dr.
Z._
aus ortho
pädischer und auch von
Dr.
A._
aus neurologischer Sicht verneint worden. Daran habe sich durch die Beantwortung der ursprünglichen
Frage 6 nichts
geändert (S. 6 Ziff. 5).
Dementsprechend sei eine un
geb
ührliche Beeinflus
sung von PD
Dr.
Z._
durch die zuständige MV-Agentur, welche auf eine Befangenheit oder eine Parteilichkeit des Gutachters schliessen lassen würde, nicht auszumachen
. Das orthopädische Gutachten sei damit verwertbar und es sei zu Recht darauf abgestellt worden (S. 6 f. Ziff. 6)
.
2.
3
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt (Urk. 1)
, der angefochtene Einspracheentscheid (vgl. Urk. 2) verletze Art. 44 ATSG und Art. 6
der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
sowie das Gleichbehandlungsprinzip, da die Beschwerdegegnerin zwei Gutachten habe erstellen lassen und in der Zwischenzeit durch den Clearingdienst auf die Gutachtenswerdung Einfluss genommen habe. Der Beschwerdeführer sei nicht von der Kontaktaufnahme in Kenntnis gesetzt worden. Damit sei der Grundsatz der Waffengleichheit und des fairen Verfahrens im Sinne von Art. 6
EMRK
und Art. 29 BV verletzt (S. 3 Ziff. 3).
2.
4
Streitig und zu prüfen ist
vorweg
, ob das Gutacht
en vom 28. August 2019 von PD
Dr.
Z._
verwertbar ist.
Dabei ist insbesondere zu prüfen,
ob die Beschwer
degegnerin das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt hat.
3.
3.1
Am 19. März 2019 erteilte die Gutachten-C
learings
telle der Suva Versicherungs
medizin durch den Sachbearbeiter
B._
dem
Y._
, PD
Dr.
med.
Z._
, Leitender Arzt Fuss- und Sprunggelenkschirurgie,
den Auftrag für eine interdisziplinäre Begutachtung
mit dem Schwergewicht Orthopädie und Neurologie
für die Beschwerdegegnerin (Urk. 7/142). D
er Fragekatalog vom 11. Februar 2019 wurde den Gutachtern als Beilage mitgeschickt (vgl. Urk. 7/142 S. 2 unten; vgl.
«Fragekatalog für die integrative Gesamtbeurteilung durch Orthopädie und Neurologie»,
Urk. 7/143 S. 3). Dieser enthielt
unter anderem die Frage 6 «Totale heutige
AUF?»
.
3.2
Am 27. September 2019 ging bei der Gutachten-Clearingstelle das o
rthopädische Gutachten von PD
Dr.
Z._
ein, welches vom 28. August 2019 datiert (Urk. 7/166).
Ebenfalls m
it Schreiben vom 28. August 2019, eingegangen am 11. Oktober 2019
,
teilte das
Y._
der Suva Gutachten-Clearingstelle mit, das Gutachten sei angepasst worden.
Es sei der zusätzl
i
c
h eingefügte Text
–
ein Rönt
genbefund Fuss beidseits vom 2
4.
Juni 2019
–
auf Seite 11 zu beachten (Urk. 7/167; vgl. Gutachten vom 28. August 2019 [mit Eingangsstempel vom 11. Oktober 2019]
,
Urk. 7/168).
3.3
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 (Urk. 7/170) teilte di
e Gutachten-Clearing
stelle PD
Dr.
Z._
mit, es sei festgestellt worden, dass die ursprüngliche Frage 6 aus dem Fragekatalog, wo nach der totalen heutigen Arbeitsunfähigkeit gefragt
worden
sei, nicht beantwortet worden sei. Vielmehr habe der Gutachter mehrere Unterfragen formuliert und dann diese beantwortet. Die Clearingstelle forderte den Gutachter auf, sein Gutachten zu überarbeiten, «d.h. die neu formulierten Unterfragen mitsamt den Antworten aus dem Gutachten zu entfernen und die ursprüngliche Frage entsprechend den genannten Vorgaben zu beantworten».
3.4
Auf Gesuch des Beschwerdeführers vom 12. Dezember 2019 (Urk. 7/172) stellte ihm die Beschwerdegegnerin am 18. Dezember 2019 die Akten zur Einsicht zu (Urk. 7/174).
3.5
Mit Begleitschreiben vom 18. Dezember 2
019 (Urk. 7/176) erstattete PD
Dr.
Z._
das angepasste Gutachten, welches wiederum vom 28. August 2019 datiert (Eingangsstempel vom 30. Dezember 2019, Urk. 7/177).
3.6
Unter Bezug auf eine E
-M
ail vom 13. Dezember 2019 von Herrn
B._
, worin dieser den Gutachter an
gefragt hatte
, wann «mit dem Erhalt des überarbeiteten Gutachtens» zu rechnen sei (vgl. Urk. 7/173)
,
führte der Beschwerdeführer in einem Schreiben vom 7. Januar 2020 an die Beschwerdegegnerin aus, bei ihm dränge sich der Verdacht auf, die Beschwerdegegnerin wolle unabhängig und ohne sein Wissen einerseits Rücksprache mit dem Gutachter nehmen und andererseits Druck auf letzteren ausüben, um ein Resultat in ihrem Sinne zu erwirken (Urk. 7/178). Es folgte weitere Korrespondenz zwischen der Beschwer
degegnerin (Schreiben vom 8. Januar 2020, Urk. 7/179; Schreiben vom 5. Feb
ruar 2020, Urk. 7/183) und dem Beschwerdeführer (Schreiben vom 4. Februar 2020, Urk. 7/182). Am 9. März 2020 machte der Beschwerdeführer Einwände zum Gutachten geltend (Urk. 7/184).
3.7
In der Verfügung vom
20. August 2020 (Urk. 7/193) hielt die Beschwerdegeg
nerin in formeller Hinsicht fest, es sei in ihrem gewählten Vorgehen keine ungebühr
liche Beeinflussung des Gutachters auszumachen. Der Gutachter sei lediglich gebeten worden, die ursprünglich gemeinsam mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vereinbarten Fragen zu beantworten und die eigenmächtig formulierten Fragen mitsamt den Antworten aus dem Gutachten zu entfernen (S. 3 Ziff. 3). In materieller Hinsicht sei gestützt auf das eingeholte Gutachten
davon auszugehen, dass die Beschwerden am linken
OSG
beziehungsweise am linken
Rückfuss
eine Spätfolge der im Militärdienst aufgetretenen Gesundheits
schädigung sei (S. 3 Ziff. 5). Hingegen seien die Beschwerden der Lenden- und Halswirbelsäule sowie beider Knie, der Schulter sowie die Sensibilitätsstörungen
an Fingern und Füssen als degenerativ einzustufen beziehungsweise dem Diabe
tes geschuldet (Ziff. 8). Aufgrund der Spätfolgen am linken Fuss resultiere jedoch keine Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit «Polier Innendienst» (Ziff. 9). Eine Haf
tung der Militärversicherung bestehe somit ausschliesslich für die Diagnosen chronische
OSG
-Instabilität links (Unfall Juli 1990), Tendinitis der
Tibialis
poste
rior
-Sehne links, Partialruptur der
Peronealsehnen
links, Status nach
Tarsaltun
nelsyndrom
2014 bis 2018
(S. 4 Ziff. 13). Eine Arbeitsunfähigkeit wegen der mili
tär
versicherten Folgen der Distorsion des linken
OSG
bestehe nicht, weshalb keine Taggeld- oder Rentenleistungen geschuldet seien (Ziff. 14).
3.8
Dagegen erhob
der Beschwerdeführer
Einsprache (
Urk.
7/194), in welcher
er
in formeller Hinsicht
geltend machte, das (orthopädische) Gutachten sei wegen Befangenheit aus den Akten zu weisen und nicht als Grundlage für die Bemes
sung des Invaliditätsgrades zu verwenden. In
materieller Hinsicht
beantragte er
die Ausrichtung einer Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
C._
(gemeint wohl: Bericht vom 2
4.
Februar 2020,
Urk.
7/184 S. 4 ff.)
.
4.
4.1
Dadurch, dass die Gutachten-Clearingstelle PD
Dr.
Z._
mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 um Überarbeitung seines Gutachtens betreffend die Frage 6 bat und ihn aufforderte, seine in der entsprechenden Frage formulierten Unterfragen mitsamt den Antworten aus dem Gutachten zu entfernen und die ursprüngliche Frage zu beantworten, dieses Schreiben jedoch nicht wenigstens in Kopie auch dem Beschwerdeführer zustellte sowie ihm bis zu diesem Zeitpunkt auch die erste(n) Gutachtensversion(en) nicht zugestellt hatte, verletzte die Beschwerde
gegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör (vgl. E. 1.3). Denn die Versicherten können sich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit einge
räumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Behörde stützt (Urteil des Bundesgerichts
9C_803
/2019 vom 5. Mai 2020 E. 4.1 mit Hinweis.
Indem der Beschwerdeführer erst im Rahmen seiner Aufforderung zur Akteneinsicht im Dezember 2019 Kenntnis darüber erhielt, dass das in Auftrag gegebene Gutachten bereits erstattet worden war, jedoch noch in einem Punkt
–
auf Anweisung der Beschwerdegegnerin
–
zur Bearbeitung zurück an den Gutachter gegangen
,
und dem Beschwerdeführer nicht die Möglichkeit eingeräumt worden ist, zur Auffor
derung der Beschwerdegegnerin, den Inhalt einer beantworteten und inhaltlich in Unterfragen unterteilten Frage aus dem Gutachten zu entfernen und die Frage
ohne die vom Gutachter vorgenommene inhaltliche Gliederung zu beantworten, wurde sein (Mitwirkungs-)Recht verletzt, seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen, am Beweis entweder mitwirken zu können oder sich wenigstens zum ersten Ergebnis äussern zu können.
4.2
Zwar wurde vorliegend nach dem Gesagten das rechtliche Gehör des Beschwer
deführers verletzt.
Hingegen geben die Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass zwischen dem Gutachter und der Beschwerdegegnerin ein Kontakt erfolgt wäre, der den Anschein der Befangenheit von PD
Dr.
Z._
betreffend die vor dem Schreiben der Gutachten-Clearingstelle vom 30. Oktober 2019 erstattete(n) Gutachtensversion(en) begründen könnte. Selbst wenn aufgrund des besagten Schreibens vom 30. Oktober 2019 ab diesem Zeitpunkt ein Anschein der Befan
genheit zu bejahen wäre, so wäre dieser jedoch erst ab dann eingetreten. In einem solchen Fall wären nur die danach vorgenommenen Handlungen zu wie
derholen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_491
/2020 vom 27. November 2020 E. 5 mit Hinweis).
Wie nachfolgend näher auszuführen ist, kommt jedoch bereits dem am 27. September 2019 (Urk. 7/166) respektive dem am 11. Oktober 2019 (Urk. 7/168) eingegangenen Gutachten vom 28. August 2019 von PD
Dr.
Z._
Beweiswert zu (vgl. nachfolgend E. 4.3). Der Beschwerdeführer erlangte im Ver
lauf des Verwaltungsverfahrens Einsicht auch in diese ersten, vorliegend materiell relevanten Gutachtensversionen und konnte dazu Stellung nehmen, womit die Gehörsverletzung zumindest nicht schwer wiegt und als geheilt zu betrachten ist (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
4.
3
Abgesehen von
den Vorbringen
zum rechtlichen Gehör respektive
zu Aspekten der Befangenheit
brachte der Beschwerdeführer nichts vor, was
materiell
gegen den Beweiswert der ersten
Version des Gutachtens von PD
Dr.
Z._
spricht
(vgl. Urk. 1
)
. Die Beschwerdegegnerin liess die Frage 6 zwar gerade im Hinblick auf
die
Wahrung des rechtlichen Gehörs
–
da der
Fragekatalog unter Mitwirkung des
Beschwerdeführer
s entstand und entsprechend so den Gutachtern unterbreitet wurde
(vgl. Schreiben vom 30. Oktober 2019, Urk. 7/190)
–
abändern.
Nachdem der Beschwerdeführer von beiden Antwortversionen Kenntnis erhalten hatte, machte er jedoch
aufgrund der
ursprünglichen,
vom Gutachter «abgeänderten», jedoch inhaltlich
ausführlich
er
en und sinnvollerweise auch differenzierteren
ersten
Beantwortung der gestellten Frage 6 keine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend.
Weil
der Beschwerdeführer die erste Version der Beantwortung von Frage 6 inhaltlich nicht bemängelt, darauf
vielmehr
sogar abgestellt haben will
(vgl. Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 25
, siehe auch S. 7
Ziff.
20
)
und
zudem
nicht ersicht
lich ist, aus welchen Gründen die Beschwerdegegnerin gerade diese ausführ
lichere Version, welche zur Beurteilung der Frage eines Rent
enanspruches sogar das inhaltlich vollständigere Gutachten darstellt
,
aus der gutachterlichen Beur
teilung entfernen wollte, liegen vorliegend keine Gründe vor, welche gegen den Beweiswert des am 27. September 2019
(Urk. 7/166)
respektive am 11. Oktober 2019
(Urk. 7/168)
eingegangenen Gutachten
s vom 28. August 2019 sprechen.
Wie die Beschwerdegegner
in zu Recht ausführte
(vgl. Urk. 2 S. 6 Ziff. 5)
, hat PD
Dr.
Z._
die Kausalitätsfragen betreffend die militärversicherungsrechtlich anerkannten F
ussbeschwerden und deren spätfolgebedingten
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
beantwortet und einen
Kausalz
usammenhang der übrigen Gesundheits
schäden
auch unter Berücksichtigung der nachvollziehbar begrün
deten Kausalitätsbeurteilung im neurologischen Gutachten (
Urk.
7/163 S. 17
f.)
ausgeschlossen.
Dies ergibt sich bereits aus der Beantwortung der übrigen Fragen unter Ziffer 6 und 7 des Gutachtens, ohne Berücksichtigung der umstrittenen Frage 6 (entspricht Ziffer 6.6 im Gutachten).
Die gegenteilige Darstellung des Beschwerdeführers beziehungsweise seine Behauptung, die Frage
sei ungeklärt
, inwieweit die Fussbeschwerden für sich genommen eine relevante Ar
beitsun
fähigkeit bewirkt hätten
(vgl.
Urk.
1 S. 8
Ziff.
23)
, ist aktenwidrig
(siehe Gutach
ten Urk. 7/166
respektive Urk. 7/168 jeweils
Ziff.
5,
Ziff.
6.2-6.5,
Ziff.
7.2)
.
Gleichzeitig
möchte der Beschwerdeführer wiederum auf die (erste) Beurteilung des Gutachters abstellen, wenn die Beschwerdegegnerin damit «gezwungen» wird, ihm Rentenleistungen auszurichten (vgl. Urk. 1 S. 8 f.
Ziff.
25).
Auch hier ver
kennt er jedoch die Aktenlage: Gestü
tzt auf die Beurteilung von PD
Dr.
Z._
kann kein Rentenanspruch der Militärversicherung abgeleitet werden,
und zwar durchgehend durch alle
seine
aktenkundigen Beurteilungen nicht. Denn gut
achterlich wird zwar festgestellt, dass
Spätfolgen des
militärversicherungsrecht
lich anerkannten
Erstereignis vorhanden sind, diese jedoch keine Arbeitsunfähig
keit nach sich ziehen
(vgl. Urk. 7/166 respektive Urk. 7/168 jeweils Ziff. 6.5 und 7.2
)
. D
ies steht denn auch
nicht i
m
Widerspruch zur ärztlichen Beurteilung
, gestützt auf welche die invalidenversicherungsrechtliche
Rentenzusprache
erfolgte
: Auch der Regionale Ärztliche D
ienst (
RAD
)
führte die zunehmenden Beschwerden im Fussbereich mit Taubheitsgefühl auf die diabetische Polyneuro
pathie und folglich
auf
einen degenerativen Gesundheitsschaden zurück
(vgl.
Urteil des hiesigen Gerichts vom 4. Juni 2019 im Prozess
IV.2019.00130
,
Urk.
7/
192 insbesondere Erwägung 4.5
).
Die vom behandelnden Rheumatologen
Dr.
med.
C._
vertretene, von PD
Dr.
Z._
abweichende Meinung sowohl hin
sichtlich der durch die unfallkausalen Fussbeschwerden verursachte
n
Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit als auch in Bezug auf die Kausalität der Rücken- und
Kniebeschwerden (vgl. Bericht vom 2
4.
Februar 2020,
Urk.
7/184) bietet sodann keinen Anlass, die gutachterliche Beurteilung in Frage zu stellen. Zunächst lässt seine Kausalitätsbeurteilung, wonach längerdauernde (Fuss-)Beschwerden auf
grund der
Dysbalance
zu degenerativen Veränderungen in den gewichtstragen
den Gelenk
en
führen
können
, jedenfalls nicht den Schluss auf eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität
der Beschwerden im Rücken und den Knien
zu. Sodann
schloss
er eine Relevanz der diabetischen Polyneuropathie für die Fuss
beschwerden ohne nachvollziehbare B
egründung aus und legte seiner Beurtei
lung die Annahme einer Arthrose im linken
OSG
zugrunde, welche sich den aktenmässig dokumentierten bildgebenden Verfahren nicht entnehmen lässt (vgl.
Befund zu Röntgenaufnahmen vom 2
4.
Juni 2019,
Urk.
7/1
68 S. 11, MRI-Befunde vom
2.
Mai 2012
,
1
0.
September 2014 und 1
1.
April 2018,
Urk.
7/168 S.
6 f.).
4.5
Zusammenfassend ist das vor jeglicher K
ontaktaufnahme durch die
Beschwerde
gegnerin
am 2
7. September 2019 respektive das
(
mit
Röntgenbefund vom 2
4.
Juni 2019; vgl.
Urk.
7/168 S. 11)
ergänzte
und am 1
1.
Oktober 2019 einge
reichte Gutachten vom 2
8.
August 2019
von PD
Dr.
Z._
rechtskonform zus
tande gekommen, weshalb die Beschwerdegegnerin darauf
–
die
entscheid
wesentlichen
Punkte sind mit dem im Dezember 2019 eingegangenen und abge
änderten Gutachten identisch
–
abstellen
und davon ausgehen
durfte
, der Beschwerdeführer sei unter Berücksichtigung allein der unfallkausalen Beschwer
den in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Polier im Innendienst nicht einge
schränkt
.
Dass er angesichts seiner nicht unfallkausalen übrigen gesundheitlichen Einschränkungen im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (Abschluss der beruflichen Eingliederung;
Maeschi
, Kommentar zum
Bundesgesetz über die Militärversicherung (
MVG
)
vom 1
9.
Juni 1992, Bern 2000,
Ziff.
15 zu
Art.
40) noch in der angestammten Tätigkeit als Polier tätig wäre, lässt der Beschwerde
führer zu Recht nicht geltend machen.
Führen die von Amtes wegen vorzuneh
menden Abklärungen die Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwie
gend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer beantragter Beweismittel zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung). In einem solchen Vorgehen liegt weder eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK noch ein Verstoss gegen das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen).
Dementsprechend ist
entgegen dem Antrag des Bes
chwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S. 7 Ziff. 20
)
kein Obergutachten einzuholen.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist
.