Decision ID: 35ddf28c-ab05-4736-9343-697166e77082
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 11. September 2012 um die Gewäh-
rung von Asyl in der Schweiz. Damals brachte er zu seinem Hintergrund,
Werdegang und Aufenthalt während der letzten Jahre das Folgende vor:
Er sei ein unehelicher Sohn von B._, welcher (... [eine berühmte
Person aus Uganda]) gewesen sei, und er sei daher ein Staatsangehöriger
von Uganda. Er habe während seiner ersten Lebensjahre mit seiner Mutter,
welche eine Staatsangehörige von Tansania gewesen sei, in C._
gelebt (Anm.: eine Stadt [... unweit] der Grenze zu Kenia gelegen), er sei
aber nach dem frühen Tod seiner Mutter und (... [Problemen]) seines Va-
ters ab 1971 bei seinem Paten D._ (... [eine berühmte Person aus
Tansania]) und dessen Familie aufgewachsen. Seine Mutter sei vormals
dessen Sekretärin gewesen. Nachdem er bei der Familie von D._
aufgewachsen sei, sei er auch mit dessen Sohn E._ in Athen auf
der gleichen High-School gewesen. Sie hätten diese Schule auf Einladung
von F._ [eine berühmte Person aus Griechenland] besucht, welcher
mit D._ befreundet gewesen sei und bei welchem sie auch gelebt
hätten. Nachdem er wieder nach Tansania zurückgekehrt sei, sei er im
Jahre 1987 respektive 1985 oder 1986 mit einem Stipendium nach Ungarn
gegangen, wo er im Verlauf der nächsten sieben Jahre Medizin studiert
habe. Danach habe er in Ungarn noch zwei Jahre gearbeitet. Im Jahre
1995 sei er nach Uganda gegangen, wo er als Arzt und Dozent tätig ge-
worden sei und wo er sich auch politisch betätigt habe, was aber zu Span-
nungen mit G._ geführt habe, (... [einer mächtigen Person]). Nach-
dem er im Jahre 1996 eine Reise in andere afrikanische Staaten unternom-
men habe, habe er nicht mehr nach Uganda zurückkehren können, da er
sowohl in Sambia von H._ [eine berühmte Person] als auch in Tan-
sania von I._ [eine weitere berühmte Person] gewarnt worden sei,
dass ihm dort Nachstellungen drohen dürften. Er sei als Folge davon – aus-
gestattet mit einem Pass von Kenia, welcher ihm von der Regierung zur
Verfügung gestellt worden sei, und mit Unterstützung des russischen Aus-
senministeriums – im Jahre 1996 über Moskau nach Ungarn gereist, wo er
in der Folge als Flüchtling anerkannt worden sei und er dann während meh-
reren Jahren in einem Spital als Arzt gearbeitet habe.
Zum Grund für seine Ausreise aus Ungarn brachte er im Wesentlichen vor,
ihm sei dort vor einigen Jahren die Flüchtlingseigenschaft aberkannt wor-
den, worauf er nicht mehr habe arbeiten dürfen, auch alle Ansprüche auf
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Unterstützung verloren habe und zuletzt obdachlos gewesen sei. Er gehe
davon aus, dass ihm sein Status widerrufen worden sei, weil G._
einen Pakt mit J._ [einer berühmten Person aus Ungarn] geschlos-
sen habe. Die Gründe, welche zum Widerruf geführt hätten, seien ihm je-
denfalls nie genannt worden.
Der Beschwerdeführer legte einzig eine Kopie seines ungarischen Flücht-
lingsausweises vor. Zum Verbleib seiner Papiere führte er an, er habe im
Verlauf seines Lebens Pässe von Uganda, Tansania und Kenia besessen,
über welche er aber nicht mehr verfüge. Seinen ugandischen Pass habe
er in Daressalam (Tansania) zurückgelassen, da er damals einen tansani-
schen Pass bekommen habe, mit welchen er dann nach Kenia gegangen
sei, wo er dann den kenianischen Pass bekommen habe. Soweit er andere
Papiere gehabt habe, habe er diese entweder in Daressalam (Tansania)
zurückgelassen oder seien diese bei den Behörden von Ungarn geblieben,
welche diese nicht wieder herausgeben wollten.
Auf die Frage nach seinen Familienangehörigen brachte er vor, seine erste
Ehefrau respektive Lebenspartnerin lebe mit drei gemeinsamen Kindern
(geboren soweit ersichtlich [...], [...] und [...]) in Kenia. Sie sei eine Staats-
angehörige von Kenia und lebe mit den Kindern in K._ (Anm.: eine
Stadt [... unweit] der Grenze zu Uganda gelegen), wo er ein Grundstück
besitze. Er habe aber schon seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr und
den Kindern (Stand 14. Februar 2014). Seine zweite Ehefrau respektive
Lebenspartnerin lebe mit zwei gemeinsamen Kindern (geboren soweit er-
sichtlich [...] und [...]) in Ungarn. Sie sei eine Staatsangehörige von Ungarn
und mit den Kindern zu ihren Eltern zurückgekehrt, nachdem er sein Ein-
kommen verloren habe.
Aus den Akten geht hervor, dass von Ungarn eine Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers nach den Bestimmungen des Dublin-Verfahrens ver-
weigert wurde; an der Weigerung hielt Ungarn auch nach umfassend be-
gründeter Remonstration des SEM fest. Dabei gab Ungarn bekannt, dass
der Beschwerdeführer zwar am 19. Dezember 1999 als Flüchtling aner-
kannt, ihm der Status aber am 28. Januar 2003 wieder aberkannt worden
sei. Gegen diesen Entscheid habe er Beschwerde erhoben, diese sei aber
vom Gericht am 5. Juli 2006 abgewiesen worden. Alleine der Umstand,
dass er danach noch während Jahren in Ungarn verblieben sei und er mit
einer ungarischen Staatsangehörigen ein Kind habe, sei unbeachtlich
(vgl. dazu SEM-Akten A23 und A27).
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B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 30. September 2015 fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein
Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung aus der
Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach Uganda.
Dieser Entscheid wurde auf Beschwerde hin vom Bundesverwaltungsge-
richt mit Urteil D-6995/2015 vom 23. Oktober 2017 bestätigt. Dabei erfuhr
gerade die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges eine um-
fassende Prüfung, da der Beschwerdeführer im Verlauf des Verfahrens un-
ter Vorlage entsprechender Berichte eine ganze Reihe von gesundheitli-
chen Beschwerden geltend gemacht hatte (vgl. dazu nachfolgend, E. 4.1).
C.
C.a Die zuständige kantonale Behörde bemühte sich ab dem 6. November
2017 mit Unterstützung des SEM um die Umsetzung des Wegweisungs-
vollzuges, der Beschwerdeführer wurde jedoch weder von Uganda (im De-
zember 2017) noch von Tansania (im März 2020) als Staatsangehöriger
anerkannt. Das SEM wandte sich zwischenzeitlich auch an Ungarn, von
wo ihm aber am 11. Juli 2018 die Mitteilung zuging, dass die dortige Asylbe-
hörde über keine Dokumente verfüge, welche die Staatsangehörigkeit des
Beschwerdeführers belegen würden.
C.b Der Beschwerdeführer ersuchte das SEM am 20. Februar 2019 über
eine Beratungsstelle für Asylsuchende um Einsicht in seine Vollzugsakten,
will heissen in die ihn betreffenden Akten der SEM-Abteilung Rückkehr.
Dem Ersuchen wurde vom SEM am 8. März 2019 entsprochen, soweit die
Akten dem Einsichtsrecht unterlagen (vgl. dazu die Akten).
D.
D.a Der Beschwerdeführer gelangte am 27. März 2020 – handelnd durch
den rubrizierten Rechtsvertreter – mit einem Wiedererwägungsgesuch ans
SEM. In seiner Eingabe ersuchte er zur Hauptsache um eine wiedererwä-
gungsweise Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Aussetzung des Wegweisungsvollzuges, verbunden mit der
vorsorglichen Anordnung vollzugshemmender Massnahmen, sowie um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung. Dane-
ben ersuchte er um Zustellung der vollständigen Akten, zumal er sich vor-
behalte, sein Gesuch nach erfolgter Einsichtnahme zu substanziieren und
weitere Belege nachzureichen. Im Rahmen seiner Gesucheingabe machte
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er unter Bezugnahme auf seine bereits aus dem ordentlichen Verfahren
bekannten gesundheitlichen Beschwerden und unter Vorlage einer Reihe
von Unterlagen bereits älteren Datums (ein präoperatives Aufklärungspro-
tokoll vom 5. Juni 2014 betreffend eine Prostataoperation, ein Arztbericht
vom 23. August 2018 betreffend eine urologische Halbjahreskontrolle, ein
Operationsbericht vom 19. November 2018 betreffend die Entfernung ei-
nes Marknagels im Oberschenkel und ein Medikamentenbehandlungsplan
vom 4. Februar 2019) eine angeblich rechtserhebliche Verschlechterung
seines Gesundheitszustandes geltend.
D.b Nach Eingang dieser Gesucheingabe wies das SEM die kantonale
Vollzugsbehörde mit Schreiben vom 1. April 2020 an, den Vollzug der Weg-
weisung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einstweilen auszuset-
zen (Art. 111b Abs. 3 AsylG [SR 142.31]). Am 8. Mai 2020 gewährte es dem
Beschwerdeführer Einsicht in seine Asylverfahrensakten.
D.c Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 26. Mai 2020 einen Medikamentenbehandlungsplan vom 4. Mai 2020
ein. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, er werde so bald wie möglich weitere
Unterlagen zu seiner Krankheitssituation und zur momentanen medizini-
schen Situation in Uganda nachreichen.
D.d Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24. Juni 2020, verwies der
Beschwerdeführer auf den Inhalt der "Schnellrecherche der SFH-Länder-
analyse" vom 30. Oktober 2018 mit dem Titel "Uganda: Behandlung von
Diabetes". Daneben stellte er wiederum in Aussicht, er werde so bald wie
möglich weitere Unterlagen zu seiner Krankheitssituation und zur momen-
tanen medizinischen Situation in Uganda nachreichen. Dabei brachte er
vor, betreffend seine weiteren Leiden seien nach wie vor Abklärungen im
Gange, weshalb er darum ersuche, sein Gesuch in der Zwischenzeit pen-
dent zu halten.
D.e Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. August 2020 reichte der
Beschwerdeführer eine seine Person betreffende "Auskunft der SFH-Län-
deranalyse" vom 4. August 2020 mit Titel "Uganda: Behandlung von Pros-
tatakrebs" ein. Diese Eingabe ging dem SEM gemäss Aktenlage am
24. August 2020 zu.
E.
Das SEM lehnte das Wiedererwägungsgesuch vom 27. März 2020 mit Ver-
fügung vom 24. August 2020 (eröffnet am 25. August 2020) ab, soweit es
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darauf eintrat, unter Ablehnung der Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege und Verbeiständung, unter Auflage einer Gebühr
und verbunden mit der Feststellung, dass die Verfügung vom 30. Septem-
ber 2015 rechtskräftig und vollstreckbar sei und einer Beschwerde gegen
die vorliegende Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme.
Im Rahmen seines Entscheides äusserte sich das SEM zur Frage der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, soweit auf die eingebrachten Vor-
bringen und Beweismittel einzutreten sei, und zur Frage der Zulässigkeit
des Wegweisungsvollzuges im Lichte jener Vorbringen und Beweismittel,
welche offenkundig verspätet eingebracht worden seien. Dabei erkannte
es hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
keine rechtserhebliche Veränderung der bisherigen Sachlage und es be-
stätigte die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges.
F.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid am 1. September
2020 – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz,
eventualiter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Anordnung
einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde,
verbunden mit der Anordnung vollzugshemmender Massnahmen, sowie
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Beigabe seines
Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand.
Vom Beschwerdeführer wurde vorab gerügt, das SEM habe seinen An-
spruch auf das rechtliche Gehör verletzt, da es den am 21. August 2020
eingereichten Bericht in keiner Weise berücksichtigt habe. Daneben
machte er zur Hauptsache geltend, seine gesundheitliche Situation habe
sich seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens erheblich verschlechtert.
Mit dem Medikamentenbehandlungsplan vom 4. Mai 2020 sei belegt, dass
er spezifischer medizinischer Behandlung bedürfe, und mit dem SFH-Län-
derbericht vom 4. August 2020 sei ausgewiesen, dass entsprechende Be-
handlung in seiner Heimat nicht erhältlich sei. Der Wegweisungsvollzug er-
weise sich daher als unzulässig und unzumutbar.
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Mit der Beschwerdeschrift wurden als Beweismittel die vorstehend erwähn-
ten Eingaben vom 27. März 2020, 24. Juni 2020 und 21. August 2020 ein-
gereicht, zusammen mit deren jeweiligen Beilagen, als auch der vorer-
wähnten Auskunft der SFH-Länderanalyse vom 4. August 2020.
G.
G.a Nach Eingang der Beschwerde wurde der Vollzug der Wegweisung
vom Bundesverwaltungsgericht vorsorglich einstweilen ausgesetzt (Art. 56
VwVG; vgl. dazu die Anordnung vom 2. September 2020).
G.b Der Beschwerdeführer gelangte derweil mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 3. September 2020 und unter nochmaliger Vorlage der vor-
erwähnten Auskunft der SFH-Länderanalyse vom 4. August 2020 mit ei-
nem erneuten Wiedererwägungsgesuch ans SEM, verbunden mit einem
Ersuchen darum, das neuerliche Verfahren zu sistieren, bis das Beschwer-
deverfahren abgeschlossen sei.
G.c Am 9. September 2020 überwies das SEM diese Eingabe zusammen
mit der Eingabe des Beschwerdeführers vom 21. August 2020 (vgl. vorste-
hend Bst. D.e), deren Eingang sich mit seiner Verfügung gekreuzt habe,
ans Bundesverwaltungsgericht (Art. 8 Abs. 1 VwVG).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 15. September 2020 wurde vom Bundesver-
waltungsgericht zunächst die Gesuchseingabe vom 3. September 2020 als
Beschwerdeergänzung zu den Akten genommen. Der Wegweisungsvoll-
zug wurde in der Folge nach summarischer Aktenprüfung nicht ausgesetzt
(vgl. Art. 111b Abs. 3 AsylG) und der provisorisch angeordnete Vollzugs-
stopp zurückgenommen. Dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) wurde aufgrund der Aktenlage
entsprochen und auf das Erheben eines Kostenvorschusses (gemäss
Art. 63 Abs. 4 VwVG) verzichtet, wogegen das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung (nach Art. 65 Abs. 2 VwVG) abgewiesen wurde.
Das SEM wurde zur Vernehmlassung eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG),
aufgrund der Aktenlage verbunden mit der Aufforderung, sich auch zur
Frage der Möglichkeit einer freiwilligen Rückkehr in die Heimat und damit
zur Frage der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges zu äussern.
I.
In seiner Vernehmlassung vom 23. Oktober 2020 hielt das SEM an der
angefochtenen Verfügung fest, wobei es sich aufforderungsgemäss zur
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Frage der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges äusserte. In dieser Hin-
sicht hielt es im Wesentlichen fest, die hohen Anforderungen an die Fest-
stellung der Unmöglichkeit des Vollzuges seien nicht erfüllt, da aufgrund
der Aktenlage nicht davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer
alle ihm zumutbaren Anstrengungen unternommen habe, damit die ange-
ordnete Wegweisung vollzogen werden könne. Im Übrigen verwies es auf
seine bisherigen Erwägungen, an welchen es vollumfänglich festhalte.
J.
In seiner Stellungnahme (Replik) vom 26. November 2020 brachte der Be-
schwerdeführer über seinen Rechtsvertreter vor, es sei von der Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen, da er trotz seiner aus-
weislichen Kooperationsbereitschaft und Bemühungen weder nach
Uganda noch nach Tansania und auch nicht nach Ruanda, Kenia oder Un-
garn ausreisen könne. Im Zusammenhang mit seinen diesbezüglichen Vor-
bringen legte er zwei Aktenstücke aus den kantonalen Vollzugsakten von
Ende 2017 vor (betreffend seine Nichtanerkennung durch Uganda), wie
auch eine Aktennotiz und zwei E-Mail-Schreiben der kantonalen Vollzugs-
behörde vom Juni und Juli 2020 (betreffend Kontakte mit den Botschaften
von Tansania, Ruanda und Kenia). Er verwies zudem auf die Mitteilung der
ungarischen Dublin-Behörde vom 17. Dezember 2012 betreffend seine Ab-
lehnung (vgl. oben, Bst. A [letzter Absatz] bzw. SEM-Akte A23). Daneben
bekräftigte er unter Vorlage des Berichts eines Facharztes für Pneumologie
vom 11. November 2020, worin über ein mögliches Leiden an Schlafapnoe
berichtet wird, und eines augenärztlichen Dauerrezepts vom 29. Septem-
ber 2020 das Vorbringen betreffend das Vorliegen einer rechtserheblichen
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes.
K.
Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 26. November
2020 über seinen Rechtsvertreter ans SEM gelangte und nochmals um
Einsicht in seine Vollzugsakten ersuchte. Dem Ersuchen wurde vom SEM
am 15. Dezember 2020 entsprochen, womit dem Beschwerdeführer unter
anderem auch die vorgenannte Mitteilung der ungarischen Behörde vom
11. Juli 2018 zugestellt wurde.
L.
L.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. Januar 2021 bekräftigte
der Beschwerdeführer unter Verweis auf zwei Aktenstücke aus den SEM-
Vollzugsakten (zum einen nochmals betreffend seine Ablehnung durch
Uganda von Ende 2017, zum andern betreffend seine Ablehnung durch
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Tansania von Anfang 2020) die geltend gemachte Unmöglichkeit des Weg-
weisungsvollzuges. Daneben reichte er einen Abklärungsbericht eines
Facharztes für Kardiologie vom 29. Dezember 2020 zu den Akten, in wel-
chem über damals laufende Abklärungen berichtet wird, verbunden mit der
in Aussichtstellung eines weiteren Berichts, da noch weitere Abklärungen
betreffend seine Durchschlafstörungen nötig seien.
L.b Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. Mai 2021 machte er unter
Vorlage des Abklärungsberichts eines Facharztes für Pneumologie vom
8. März 2021 geltend, er leide ausweislich an einer schwergradigen ob-
struktiven Schlafapnoe und er sei auf den nächtlichen Einsatz eines CPAP-
Geräts angewiesen, ansonsten ihm vor dem Hintergrund auch seiner übri-
gen Konstitution (Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes) eine lebensbe-
drohliche Situation drohe. Zudem habe er kürzlich eine Covid-Erkrankung
durchgemacht, von welcher er sich noch nicht erholt habe.
L.c Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. September 2021 machte
er unter Vorlage des Berichts eines Augenarztes vom 24. September 2021
und verschiedener Unterlagen der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gal-
len gleichen Datums geltend, er leide nicht nur beidseitig an einem Grauen
Star, sondern linksseitig auch noch an einem Grünen Star, was medika-
mentöser Behandlung bedürfe, ansonsten Erblindung drohe. Er habe zu-
dem diesen Monat am rechten Auge eine Netzhautablösung erlitten, was
eine notfallmässige Operation erforderlich gemacht gehabt habe. Aktuell
sehe er auf diesem Auge nichts und er sei auch nicht transportfähig. Er sei
daher ohne Behandlung von Erblindung bedroht, eine solche könne er sich
in der Heimat aber mangels tragfähiger Existenz nicht leisten. Der Weg-
weisungsvollzug sei daher weder möglich noch zumutbar oder zulässig.
M.
Am 21. Dezember 2021 ersuchte der Beschwerdeführer über seinen
Rechtsvertreter um Auskunft über den Verfahrensstand. Die Anfrage wurde
vom Gericht am 18. Januar 2022 beantwortet
N.
Mit Eingaben vom 7. und 11. April 2022 liess der Beschwerdeführer ein
Arztzeugnis vom 4. März 2022 zu den Akten reichen, eine aktuell aufgetre-
tene Hauterkrankung betreffend.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und die Be-
schwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 6 AsylG;
Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Vom Beschwerdeführer wurde anlässlich der Beschwerdeanhebung
eine Verletzung seines Anspruchs auf das rechtliche Gehör nach Art. 29
Abs. 2 BV gerügt, da vom SEM seine Eingabe vom 21. August 2020 und
der damit eingereichte Länderbericht vom 4. August 2020 nicht berücksich-
tigt worden sei, obschon das SEM im Zeitpunkt des Erlasses der angefoch-
tenen Verfügung von seiner Eingabe Kenntnis gehabt habe (vgl. Be-
schwerde, Ziffn. 16–21). Dieses Vorbringen ist indes – wie schon in der
Zwischenverfügung vom 15. September 2020 in Aussicht gestellt – als un-
begründet zu erkennen, weil aufgrund der Aktenlage kein Zweifel daran
besteht, dass sich die Eingabe vom [Freitag] 21. August 2020, welche dem
SEM gemäss Stempel der zentralen Registratur am [Montag] 24. August
2020 zuging, und der Ausgang der Verfügung vom 24. August 2020, deren
Versand an diesem Tag erfolgte (vgl. dazu den Rückschein der Post) ge-
kreuzt haben. In diesem Zusammenhang ist dem SEM auch kein Vorhalt
in dem Sinne zu machen, es hätte nach bereits fünfmonatiger Verfahrens-
dauer länger mit einem Entscheid zuwarten sollen. Da nach dem Gesagten
keine Gehörsrechtsverletzung ersichtlich ist und der rechtserhebliche
Sachverhalt aufgrund der Aktenlage auch als hinreichend erstellt erscheint,
fällt die beantragte Rückweisung der Sache ausser Betracht, womit das
Gericht in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
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2.2 Zu den weiteren Vorbringen prozessualer Natur bleibt der Vollständig-
keit halber anzumerken, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde
fehl geht, soweit er in der Begründung des Gesuches um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung geltend macht, die vom SEM für das erstinstanzliche
Verfahren angeordnete Aussetzung des Wegweisungsvollzuges habe
nach Art. 55 Abs. 1 VwVG auch für das Beschwerdeverfahren zu gelten
(vgl. a.a.O., Ziffn. 12–15). Es entspricht vielmehr der gesetzlichen Konzep-
tion des asylrechtlichen Wiedererwägungsverfahrens und dem klaren
Wortlaut von Art. 111b Abs. 3 AsylG, dass über die Frage einer allfälligen
Vollzugsaussetzung für jeden Verfahrensabschnitt einzeln entschieden
wird, und zwar von der für den jeweiligen Abschnitt zuständigen Instanz.
Wenn vom SEM nach Einreichung eines Wiedererwägungsgesuches die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen verweigert wird, was vorliegend
nicht der Fall war, handelt es sich dabei um eine selbständig anfechtbare
Zwischenverfügung (vgl. Art. 107 Abs. 2 Bst. a AsylG; vgl. ferner BVGE
2008/35, welcher auch unter dem revidierten Recht Geltung beanspruchen
kann). Anders als vom SEM wurde vom Gericht nach summarischer Akten-
prüfung der Vollzug der Wegweisung während des Verfahrens nicht aus-
gesetzt (vgl. dazu die Zwischenverfügung vom 15. September 2020).
3.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b und Art. 111d AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem
SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage. Dabei be-
schlägt die klassische Konstellation der Wiedererwägung die nachträgliche
Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl- und Wegweisungsverfü-
gung an nachträglich eingetretene Wegweisungshindernisse (vgl. BVGE
2014/39 E. 4.5 erster und zweiter Absatz m.w.H.). Der Beschwerdeführer
beruft sich auf das Vorliegen einer solchen Konstellation, da er einerseits
geltend macht, sein Gesundheitszustand habe sich seit Abschluss des or-
dentlichen Verfahrens derart verschlechtert, dass nunmehr von der Unzu-
lässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen
sei (im Sinne von Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG [SR 142.20]), und er andererseits
anführt, es habe sich in der Zwischenzeit auch erwiesen, dass er weder in
seine Heimat noch einen Drittstaat ausreisen könne, womit der Wegwei-
sungsvollzug auch unmöglich sei (im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 12
Festzuhalten bleibt, dass im Wiedererwägungsverfahren analog zu den
Bestimmungen zur Revision (nach Art. 66 VwVG) vorausgesetzt wird, dass
die Gesuchsvorbringen und diesbezüglichen Beweismittel auch bei zumut-
barer Sorgfalt nicht schon im Rahmen des ordentlichen Verfahrens hätten
eingereicht werden können. Die Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn die neu
angerufenen Tatsachen und Beweismittel geeignet sind, die beurteilten
Vorbringen in einem massgeblich anderen Licht erscheinen zu lassen.
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt schliesslich auch im Wiedererwägungsverfahren, dass allfällige Voll-
zugshindernisse zu beweisen sind, wenn der strikte Beweis möglich ist,
und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen sind (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer hat schon im ordentlichen Verfahrens über ver-
schiedene gesundheitliche Probleme berichtet. Nachdem er damals ge-
genüber dem SEM vorgebracht hatte, er leide an einem nicht insulinpflich-
tigen Diabetes (Diabetes mellitus Typ 2), an arterieller Hypertonie und an
chronischen Hüftschmerzen, verwies er im Beschwerdeverfahren nament-
lich auf eine wegen Prostatakrebs notwendig gewordene Operation (Pros-
tataektomie), wie auch auf eine anschliessend ebenfalls notwendig gewor-
dene Nachbehandlung mittels Radiotherapie. Laut den damals vorgelegten
Berichten konnte die Krebserkrankung damit erfolgreich behandelt werden,
indes sei dem Beschwerdeführer eine andauernde Harninkontinenz ver-
blieben, welche für ihn eine starke Belastungssituation darstelle. Der Blut-
druck und der Diabetes seien gut eingestellt (vgl. für die diesbezüglichen
Berichte die Akten zum Vorverfahren). Aufgrund dieser Ausgangslage und
der von ihm geltend gemachte Herkunft aus Uganda erfuhr im BVGer-Urteil
D-6995/2015 vom 23. Oktober 2017 die Frage der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges eine sehr umfassende Prüfung (vgl. a.a.O., insbes.
E. 6.3.1–6.3.8), wobei die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges bejaht
wurde, zumal die vom Beschwerdeführer noch benötigte Nachbehandlung
auch in seiner Heimat verfügbar sei und dort erbracht werden könne. Dabei
wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass es sich bei ihm um eine
medizinische Fachperson handelt, mithin um einen Arzt, wie auch auf die
Möglichkeit von Rückkehrhilfe und insbesondere medizinischer Rückkehr-
hilfe (gemäss Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und Art. 75 der Asylverordnung 2
über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2; SR 142.312]).
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4.2 Im Rahmen seines Wiedererwägungsgesuches vom 27. März 2020
und den beiden nachfolgenden Eingaben machte der Beschwerdeführer
im Wesentliche unter Verweis auf überwiegend bereits ältere und zum Teil
auch schon aus dem ordentlichen Verfahren bekannte Unterlagen eine an-
geblich relevante Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend.
Das Vorliegen einer solchen wurde vom SEM in der Folge verneint. Für die
weiteren Feststellungen des SEM kann auf die Akten verweisen werden.
Der Beschwerdeführer ist auf die Vorhalte der Vorinstanz insofern einge-
gangen, als er im Rahmen seiner Beschwerde (vgl. dort Ziffn. 22–29) und
in seinen nachfolgenden Eingaben eine angeblich ganz deutliche Ver-
schlechterung seines Gesundheitszustandes sowie fehlende Behand-
lungsmöglichkeiten geltend macht, wobei er zur Stützung seiner diesbe-
züglichen Vorbringen eine Reihe von neuen Berichten einreicht, aus wel-
chen sich eine derartige Veränderung seines Gesundheitszustandes er-
gebe, dass nunmehr sowohl auf Unzumutbarkeit als auch Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzuges zu schliessen sei. Dies auch deshalb, weil er
sich die von ihm benötigte Behandlung in der Heimat nicht leisten könne.
4.3 Der Beschwerdeführer muss sich allerdings entgegenhalten lassen,
dass zunächst die bei der Vorinstanz eingereichten Berichte in der Mehr-
heit viel eher für eine Besserung seines Gesundheitszustandes seit Ab-
schluss des ordentlichen Verfahrens sprechen, als für eine Verschlechte-
rung. So beruft er sich in seiner Beschwerde darauf, dass er eine Eisen-
stange im Oberschenkel habe. Aus dem schon beim SEM vorgelegten Be-
richt vom 19. November 2018 geht allerdings hervor, dass der Marknagel
im Oberschenkel (welcher ihm in Ungarn nach einem dort erlittenen Unfall
eingesetzt worden war; vgl. dazu die Akten) im Berichtszeitpunkt entfernt
worden war. Die Entfernung lag damit im Zeitpunkt der Beschwerdeanhe-
bung schon eineinhalb Jahre zurück. Die damalige Operation wurde im Üb-
rigen ausweislich im Hinblick darauf durchgeführt, dass mittels eines wei-
teren Eingriffs eine Verbesserung der Inkontinenzproblematik erreicht wer-
den kann (vgl. dazu den Bericht sowie den nachfolgend genannten Bericht
vom 23. August 2018). Ob dieser zusätzliche Eingriff erfolgt ist und sich die
Inkontinenzproblematik damit entschärft hat, lässt sich mangels Vorlage ei-
nes diesbezüglichen Berichts nicht feststellen. Ersichtlich ist einzig, dass
schon während des ordentlichen Verfahrens auf eine mittelfristig vorgese-
hene Blasenhals-Operation zur Behebung der Inkontinenz verwiesen
wurde (vgl. dazu den bei den Akten zum Vorverfahren liegenden Bericht
vom 16. Februar 2017). Der Beschwerdeführer beruft sich in der Be-
schwerde im Weiteren darauf, dass er neben Diabetes und hohem Blut-
druck auch an Prostatakrebs leide, was in Uganda nicht oder höchstens
D-4373/2020
Seite 14
palliativ behandelbar sei. Dazu hat er bei der Vorinstanz zunächst den Be-
richt vom 23. August 2018 betreffend eine urologische Halbjahreskontrolle
vorgelegt. Auf Beschwerdeebene hat er sodann die "Auskunft der SFH-
Länderanalyse" vom 4. August 2020 mit Titel "Uganda: Behandlung von
Prostatakrebs" eingereicht. Seinen Vorbringen betreffend das Fehlen einer
genügenden Behandlung ist allerdings entgegenzuhalten, dass er nach der
schon vor Jahren erfolgten Prostataoperation und erfolgreichen Nachbe-
handlung des vormaligen Krebsleidens gemäss dem von ihm angerufenen
Bericht vom 23. August 2018 nicht auf eine weitergehende Behandlung an-
gewiesen ist, bis auf gelegentliche urologischen Nachkontrollen. Das ist als
der Norm entsprechend zu erkennen und war schon im ordentlichen Ver-
fahren bekannt und dort auch Verfahrensgegenstand. Nachdem in der Zwi-
schenverfügung vom 15. September 2020 auf diesen Umstand hingewie-
sen worden ist, hat der Beschwerdeführer bis heute nichts eingereicht, wo-
raus sich etwas Anderes ergeben würde. Auch betreffend seine weiteren,
ebenfalls bereits aus dem ordentlichen Verfahren bekannten Leiden ist
keine wesentliche Veränderung ersichtlich. In dieser Hinsicht ist festzustel-
len, dass insgesamt nichts dafür spricht, dass der Beschwerdeführer – wie
im ordentlichen Verfahren erkannt – als nicht-insulinpflichtiger Diabetes-II-
Patient mit Bluthochdruck und einer Reizblase zwingend auf ganz spezifi-
sche Medikamente angewiesen wäre, welche nur in der Schweiz erhältlich
wären, sondern lediglich auf Medikamente, welche entweder in der Form
von Generika oder in der Form eines angemessen vergleichbaren Ersatz-
produktes (bspw. als Medikament zweiter statt dritter Generation) auch in
seiner Heimat erhältlich sind (vgl. dazu auch nachfolgend, E. 4.6). Auch
aus den vom Beschwerdeführer angerufenen SFH-Länderberichten vom
30. Oktober 2018 und 4. August 2020 ergibt sich nichts anderes; auf das
Vorbringen des Beschwerdeführers, er könne sich das diesbezügliche An-
gebot nicht leisten, wird im Übrigen nachfolgend eingegangen (vgl. E. 4.7).
4.4 Tatsächlich neu und damit zumindest potentiell relevant ist die unter
Vorlage des Berichts eines Facharztes für Pneumologie vom 8. März 2021
eingebrachte Diagnose einer schwergradigen obstruktiven Schlafapnoe,
welche den nächtlichen Einsatz eines CPAP-Geräts notwendig mache
(Anm.: ein Gerät, welches durch permanente Zuführung von Luft über eine
Maske und unter leichten Druck die nächtliche Atmung erleichtert). Der Be-
schwerdeführer bringt vor, ohne entsprechende Unterstützung drohe ihm
eine lebensbedrohliche Situation, zumal er auch an Adipositas, Bluthoch-
druck und Diabetes leide. In diesem Zusammenhang bleibt allerdings zu-
nächst anzumerken, dass nicht nur die Diagnosen seiner arteriellen Hyper-
tonie und seinem Diabetes mellitus Typ 2 schon im Vorverfahren bekannt
D-4373/2020
Seite 15
waren, sondern dort auch schon über seine Adipositas berichtet wurde.
Dass seine Adipositas mittlerweile ausgeprägter ist als früher (vormals
wies er einen BMI von 30.7 kg/m2 auf [vgl. dazu die bei den Vorakten lie-
genden Berichte von 2016 und 2017], während sein BMI mittlerweile von
34.8 auf 35.7 kg/m2 angewachsen sei [vgl. dazu die Berichte vom 11. No-
vember 2020 und 8. März 2021]), ist nicht als rechtserhebliche Verände-
rung zu erkennen. Die Diagnose einer schwergradigen obstruktiven
Schlafapnoe ist zwar von den Betroffenen nicht leichtzunehmen, stellt je-
doch kein Problem dar, das zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
zu führen vermöchte. Auf eine rechtserhebliche Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes ist demnach auch von daher nicht zu schliessen. An-
zumerken bleibt, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Ausreise ein
CPAP-Gerät aus der Schweiz mitnehmen kann (inkl. allfälliger Ersatzmas-
ken für den längerfristigen Gebrauch), da solche Geräte in ihrer Handha-
bung einfach sind und ohne weiteres auf Reisen mitgenommen werden
können (vgl. dazu bspw. https://www.resmed.ch/patienten/support-hilfe/le-
ben-mit-schlafapnoe/reisen-mit-cpap/). Im Übrigen bleibt festzuhalten,
dass auch im Rahmen der kardiologischen Untersuchung des Beschwer-
deführers keine relevante Veränderung gegenüber früher festgestellt wer-
den konnte, wobei namentlich auch eine kardiologische Ursache für die
von ihm beklagte Dyspnoe (seine Atembeschwerden) ausgeschlossen
werden konnte (vgl. dazu den Bericht vom 29. Dezember 2020). Demge-
mäss dürften seine Beschwerden, soweit nicht altersbedingt (der Be-
schwerdeführer ist mittlerweile [...] Jahre alt), in erster Linie der bekannten
Adipositas geschuldet sein, da neben gewissen anderen Faktoren (welche
aber soweit ersichtlich ausgeschlossen werden konnten) neben der Frage
des zunehmenden Alters ganz besonders Übergewicht zur Problematik der
Schlafapnoe beiträgt.
4.5 Ebenfalls zumindest teilweise neu und damit allenfalls potentiell rele-
vant sind sodann die am 27. September 2021 eingebrachte Augenleiden
sowie die am 4. April 2022 geltend gemachte generalisierte Xerodermie. In
dieser Hinsicht ist jedoch festzustellen, dass beim Beschwerdeführer ge-
mäss dem vorgelegten Bericht eines Augenarztes vom 24. September
2021 schon im Jahre 2015 ein leichter Grauer Star diagnostiziert wurde.
Fünf Jahre später habe sich die Diagnose eines Grauen Stars beidseitig
bestätigt. Allerdings handelt es sich beim Grauen Star um eine Erschei-
nung, welche mit zunehmenden Alter auftreten kann (zunehmende Trü-
bung der Linsen) und welche – wenn notwendig – auch in der Heimat be-
handelt werden kann. Im Bericht wird dem Beschwerdeführer weiter ein
D-4373/2020
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Grüner Star linksseitig attestiert. Allerdings wird gleichzeitig auch ausge-
wiesen, dass dieser mittels drucksenkenden Augentropfen behandelt wer-
den kann und der Augendruck lediglich alle sechs Monate kontrolliert wer-
den sollte. Die notwendigen Kontrollen zwecks korrekter Bemessung der
Augentropfen können auch in der Heimat durchgeführt werden. Auch wenn
zusätzlich linksseitig neben dem Grünen Star eine Netzhautveränderung
festgestellt worden sei, so ist damit nichts ersichtlich gemacht, was ernst-
haft auf die behauptete Gefahr einer (beidseitigen) Erblindung schliessen
liesse. Schliesslich hat der Beschwerdeführer gemäss dem Bericht im Sep-
tember 2020 rechtsseitig eine Netzhautablösung erlitten, was durchaus als
schwerwiegendes Ereignis zu bezeichnen ist. Nach der soweit ersichtlich
erfolgreichen Operation am Kantonsspital (...) wird der weitere Verlauf je-
doch als komplikationslos beschrieben, unter in Aussichtstellung lediglich
von Nachkontrollen nach 1 bis 4 Wochen. Schliesslich stellt auch die diag-
nostizierte Xerodermie (trockene Haut mit Juckreiz), die mit einer Lotion
und Salben behandelt wird, kein gesundheitliches Problem dar, das zur
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen vermöchte.
4.6 Zu den Vorbringen über die von ihm benötigten Medikamente ergibt
sich im Übrigen, dass die Medikation des Beschwerdeführers in den we-
sentlichen Punkten – also hinsichtlich seines Bedarfs an L._ wegen
seinem Bluthochdruck (80mg, eine Tablette am Morgen) und M._
wegen seiner Diabetes (100mg, ebenfalls eine Tablette am Morgen) – im
Verlauf der letzten Jahre unverändert geblieben ist, respektive seine Medi-
kation lediglich um ein Medikament wegen seiner Blasenprobleme respek-
tive Inkontinenz ergänzt worden ist (N._, 8 mg, ebenfalls eine Tab-
lette am Morgen; vgl. zum Ganzen neben den Medikamentenbehandlungs-
plänen vom 4. Februar 2019 und 4. Mai 2020 auch die Berichte vom 29.
Dezember 2020 und vom 8. März 2021). Zu den genannten Medikamenten
stehen in seiner Heimat aber angemessen vergleichbare Ersatzprodukte
zur Verfügung; alleine der Umstand, dass diese allenfalls älterer Genera-
tion als die in der Schweiz verschriebenen Medikamente sind, ist unerheb-
lich. Nicht wesentlich anders verhält es sich im Fall der im Dauerrezepts
vom 29. September 2020 ausgewiesenen augenärztlichen Medikamente,
von welchen einzig die O._ Augentropfen als einigermassen be-
deutsam erscheinen, welche er gegen seinen linkseitig erhöhten Augenin-
nendruck anwendet. In der Wirkung entsprechende Medikamente sind
aber auch in seiner Heimat verfügbar, wie dort grundsätzlich auch augen-
ärztliche Kontrolluntersuchungen verfügbar sind. Die in den Unterlagen der
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Seite 17
Augenklinik des Kantonsspitals (...) ausgewiesenen Medikamente benö-
tigte er schliesslich erkennbar nur für eine begrenzte Zeit nach der erfolg-
ten Augenoperation.
4.7 Der Beschwerdeführer muss sich im Zusammenhang mit den vorge-
nannten Feststellungen entgegenhalten lassen, dass sein Vorbringen, er
könne sich die von ihm benötigte Behandlung und Medikamente in der Hei-
mat mangels tragfähiger Existenz nicht leisten, nicht im Mindesten sub-
stanziiert ist; in dieser Hinsicht belässt er es bei einer schlichten Behaup-
tung. Das kann vor dem Hintergrund seiner bisherigen Ausführungen zu
seinem Beziehungsnetz sowohl in der Heimat als auch in Nachbarstaaten
– worauf im BVGer-Urteil vom 23. Oktober 2017 abgestellt wurde (vgl.
E. 6.3.8 letzter Absatz) – nicht überzeugen. Auf seine Vorbringen zu sei-
nem Beziehungsnetz in der Heimat und in Nachbarstaaten wird im Übrigen
nachfolgend eingegangen (vgl. E. 5.3 ff.).
4.8 Nach dem Gesagten geht aus keinem der vorgelegten Berichte hervor,
dass der Beschwerdeführer mittlerweile von einer ernsthaften, mithin le-
bensbedrohlichen Erkrankungslage betroffen wäre. Mit den verschiedenen
Berichten wird vielmehr lediglich bestätigt, dass er auch weiterhin an ver-
schiedenen Gebrechen leidet. In der überwiegenden Mehrheit waren diese
schon im Vorverfahren bekannt und es wurde diesbezüglich erwogen, dass
der Wegweisungsvollzug auch im Lichte davon zumutbar sei. Auf diese Er-
wägungen kann im vorliegenden Verfahren nicht zurückgekommen wer-
den. Bei den neu diagnostizierten Leiden handelt es sich schliesslich um
solche, welche vor dem Hintergrund der Konstitution des Beschwerdefüh-
rers, mithin seiner bekannten Adipositas, seinem bekannten Bluthochdruck
und seinem bekannten Diabetes mellitus Typ 2 nicht überraschen, sondern
im Rahmen des Erwartbaren liegen. Einzig die erlittene Netzhautablösung
vom September 2021 liegt nicht in diesem Rahmen, diese ist aber erfolg-
reich operiert worden. Vor diesem Hintergrund muss sich der Beschwerde-
führer entgegenhalten lassen, er ziele erkennbar darauf ab, im Wesentli-
chen bloss unter Behauptung einer angeblichen Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes eine nochmalige Prüfung seiner bereits bekannten
und namentlich bereits beurteilten Vorbringen zu erreichen, was jedoch
keinen Rechtsschutz erheischen kann.
5.
5.1 Das SEM hat sich im Rahmen seiner Vernehmlassung auch zur Frage
der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges geäussert. In seinen diesbe-
züglichen Ausführungen gelangt es zum Schluss, es sei unverändert von
D-4373/2020
Seite 18
der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges (im Sinne von Art. 83 Abs. 2
AIG) auszugehen respektive es seien die hohen Anforderungen an die
Feststellung der Unmöglichkeit des Vollzuges gemäss BVGE 2008/34
E. 12 (vgl. letzter Absatz, m.w.H.) nicht erfüllt, auch wenn der Beschwerde-
führer im Nachgang zu der (...) 2017 erfolgten Befragung durch eine Dele-
gation von Uganda nicht als Staatsbürger anerkannt worden sei. Auch
wenn er sich im Rahmen der Rückkehrgespräche kooperativ gezeigt habe,
sei nämlich insgesamt nicht davon auszugehen, dass er jegliche ihm zu-
mutbare Anstrengungen unternommen habe, damit die angeordnete Weg-
weisung vollzogen werden könne. So kämen in seinem Fall für den Wege-
weisungsvollzug auch weitere Staaten als Uganda in Frage, und zwar na-
mentlich Kenia und Ungarn, da er in diesen Staaten über enge persönliche
Anknüpfungspunkte verfüge, zumal dort neben seiner vormaligen Ehefrau
auch drei respektive zwei seiner Kinder lebten. Da damit davon auszuge-
hen sei, dass er seiner Mitwirkungspflicht nicht vollständig nachgekommen
sei, falle die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzuges nach den Bestimmungen von Art. 83 Abs. 7
Bst. c AIG und Art. 17 Abs. 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg-
und Ausweisung sowie der Landesverweisung von ausländischen Perso-
nen vom 11. August 1999 (VVWAL; SR 142.281) ausser Betracht.
5.2 Der Beschwerdeführer hält den vorinstanzlichen Feststellungen und
Schlüssen unter Verweis auf verschiedene Unterlagen aus den Vollzugs-
akten entgegen, er habe sich im Vollzugsverfahren ausweislich immer sehr
kooperativ verhalten. Unter Verweis und Vorlage einer Aktennotiz der kan-
tonalen Vollzugsbehörde vom 12. Juni 2010 (betreffend eine damals an-
geblich geplante Vorsprache bei der Botschaft von Tansania) sowie von
zwei E-Mail-Schreiben an die Botschaften von Ruanda und Kenia (vom
Juni und Juli 2020, beide verfasst von einem Mitarbeiter der kantonalen
Vollzugsbehörde und ohne relevante inhaltliche Aussagekraft) hält er na-
mentlich in seiner Replikeingabe dafür, er habe sich nach der Nichtaner-
kennung durch Uganda und Tansania zusätzlich eigenständig um eine
mögliche Ausreise bemüht, seine Bemühungen hätten jedoch alle nichts
gefruchtet, da er von Uganda und Tansania weiterhin nicht als Staatsange-
höriger anerkannt werde, was ihm aber Tansania nicht habe schriftlich be-
stätigen wollen. Auch seine Bemühungen betreffend Ruanda hätten nichts
erbracht, da er von der angefragten Botschaft nie eine Antwort erhalten
habe. Alleine der Umstand, dass er früher mit einer Frau aus Kenia zusam-
men gewesen sei, mit der er auch Kinder habe, sei unbeachtlich, da er mit
dieser Frau nie verheiratet gewesen sei. Diese Frau lebe zudem schon seit
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Seite 19
über 30 Jahren in Südafrika und der Kontakt zu ihr sei seit Langem abge-
brochen. Auch eine Ausreise nach Ungarn erklärte er als keine mögliche
Option (vgl. dazu im Einzelnen die Akten). Vor diesem Hintergrund, da er
ausweislich weder vom Heimatstaat Uganda noch von Tansania anerkannt
worden sei und er faktisch auch in keinen anderen Staat ausreisen könne,
müsse nunmehr objektiv von der Unmöglichkeit des Wegeweisungsvollzu-
ges ausgegangen werden.
5.3 Die Vorbringen des Beschwerdeführers über seine angeblich erschöp-
fenden Bemühungen um die Beschaffung von Reisepapieren sind aller-
dings insgesamt nicht geeignet, die Schlüsse des SEM betreffend seine
erkennbar ungenügende Mitwirkung bei der Umsetzung des Wegwei-
sungsvollzuges zu entkräften. Die geltend gemachte Kooperation ist ins-
gesamt als bloss vorgeschoben zu erkennen:
5.3.1 Dem Beschwerdeführer ist in diesem Zusammenhang zunächst ent-
gegenzuhalten, dass er seinen bisherigen Angaben gemäss – von welchen
er bis heute nicht abgewichen ist und worauf er sich daher grundsätzlich
behaften lassen muss – neben dem von ihm benannten Heimatstaat Ugan-
da auch in Tansania und Kenia über konkrete Anknüpfungspunkte verfügt
(vgl. dazu nachfolgend). Aufgrund seiner bisherigen Angaben zu seinem
persönlichen Hintergrund, seinem Werdegang und seinen bisherigen Auf-
enthalten sollte er nämlich ohne weiteres in der Lage sein, sich über seinen
Halbbruder P._ Papiere von Uganda zu beschaffen, da ihm dieser
als (... [Person mit umfangreichen Beziehungen]) in dieser Hinsicht sicher-
lich behilflich sein kann. Der Beschwerdeführer berichtete jedenfalls am
10. Dezember 2013 davon, dass er mit seinem Halbbruder in direktem
Kontakt stehe. Daneben sollte ihm auch die Beschaffung von Papieren von
Tansania möglich sein, und zwar über E._, mit welchem er aufge-
wachsen und zusammen zur Schule gegangen sein will. Nach einer langen
Karriere (... ) nimmt dieser bis heute offizielle Aufgaben für den tansani-
schen Staat wahr. Schliesslich will der Beschwerdeführer im Jahre 1996
seinen damaligen kenianischen Pass durch persönliche Vermittlung von
Q._ erlangt habe. Nachdem dieser (... [eine Person mit umfangrei-
chen Beziehungen und grossem Einfluss]) ist, dürfte erwartet werden, dass
der Beschwerdeführer auch diese Verbindung nutzen kann. Es spricht je-
doch insgesamt nichts dafür, dass er sich jemals über die von ihm benann-
ten Anknüpfungspunkte um die Ausstellung von Reisepapieren oder Er-
satzreisepapieren bemüht hätte.
D-4373/2020
Seite 20
5.3.2 Nach diesen Vorbemerkungen bleibt festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer seinen Angaben gemäss der Sohn einer Staatsangehöri-
gen von Tansania ist, womit auch er über diese Staatsangehörigkeit verfü-
gen dürfte, und zwar unbesehen davon, dass er ausserhalb des Staatsge-
bietes geboren sei. Dies gilt jedenfalls solange als er aus Sicht der tansa-
nischen Behörden im Zeitpunkt des Erreichens seiner Volljährigkeit nicht
ausweislich über eine andere Staatsangehörigkeit verfügte, da Tansania
ein Verbot der doppelten Staatsangehörigkeit kennt (vgl. zum Ganzen:
Bergmann/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht [mit
Staatsangehörigkeitsrecht], ULRIKE WANITZEK et al., Tansania, Vereinigte
Republik [Stand: 1.9.2010], S. 8 f.). Der Beschwerdeführer gilt aber zumin-
dest derzeit nicht als Staatsangehöriger von Uganda. Gleichzeitig will er
zwar nicht in Tansania geboren sein, dort aber fast seine gesamte Kindheit
und Jugend verbracht haben, zumal er dort auch während sieben Jahren
zur Schule gegangen sei. Diese Umstände hätten sehr deutlich für eine
Anerkennung durch Tansania gesprochen, er wurde jedoch auch von Tan-
sania nicht anerkannt. Aufgrund der Aktenlage ist allerdings davon auszu-
gehen, er habe gegenüber der Delegation von Tansania angegeben, dass
er eigentlich ein Staatsangehöriger von Uganda sei, womit er eine Aner-
kennung durch Tansania direkt unterlaufen habe dürfte, weil dieser Staat
eben das Verbot einer doppelten Staatsangehörigkeit kennt.
5.3.3 Der Beschwerdeführer verfügt schliesslich – wie vom SEM zu Recht
erwogen – in Kenia über sehr konkrete persönliche Anknüpfungspunkte,
indem dort neben seiner ersten Ehefrau oder Lebenspartnerin auch drei
gemeinsame Kinder leben. Das Vorbringen auf Beschwerdeebene, diese
Frau, mit welcher ihn schon lange nichts mehr verbinde, lebe schon seit
30 Jahren in Südafrika, ist – über die blosse Behauptung hinaus – mit
nichts belegt. Das Vorbringen vermag gleichzeitig auch deshalb nicht zu
überzeugen, weil es in direktem Widerspruch zu den bisherigen Angaben
des Beschwerdeführers steht, indem er im Vorverfahren sowohl überein-
stimmende als insgesamt auch nachvollziehbare Angaben zum Aufenthalt
seiner Familienangehörigen in der Stadt K._ gemacht hat, wo er ein
Stück Land besitze. Ebenso hat er Angaben zur Geburt seiner Kinder ge-
macht, welche gemäss seinen bisherigen Angaben in den Jahren (...), (...)
und (...) geboren worden seien.
5.4 Der Beschwerdeführer muss sich nach dem Gesagten entgegenhalten
lassen, er nutze offenkundig sehr naheliegende Kontakte und Möglichkei-
ten nicht, um seine Ausreise zu ermöglichen. Da er auch noch bis heute
nicht ein einziges Papier vorgelegt hat, welches seine Angaben zur geltend
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gemachten Herkunft zumindest im Ansatz belegen würde, ist gleichzeitig
davon auszugehen, er verhindere den Wegweisungsvollzug ganz bewusst.
Es ist daher mit dem SEM im Resultat darin einig zu gehen, dass damit die
Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unmöglichkeit des Wegwei-
sungsvollzuges ausser Betracht fällt.
6.
Diesen Erwägungen gemäss liegen keine neuen Tatsachen und Beweis-
mittel vor, aufgrund welcher in Bezug auf die Frage des Gesundheitszu-
standes des Beschwerdeführers von einer rechtserheblichen Veränderung
auszugehen wäre, noch sind Sachverhaltsumstände ersichtlich gemacht,
welche die bisherigen Schlüsse zur Frage der Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzuges als überholt erscheinen liessen.
7.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
dem mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen mit Zwischenverfügung vom 15. September 2020 entsprochen wurde
und auch kein Anlass zur Annahme besteht, die finanziellen Verhältnisse
des Beschwerdeführers hätten sich seither massgeblich verbessert, sind
keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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