Decision ID: 431c6cc4-92f5-4ec7-8d7b-a7860ce39918
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 29. März 2022 gewährte das SEM der Beschwerdefüh-
rerin auf ihr entsprechendes Gesuch vom 12. März 2022 hin in der Schweiz
in Anwendung von Art. 4 AsylG (SR 142.31) vorübergehenden Schutz.
B.
Mit Schreiben vom 9. Juni 2022 teilte das SEM der Beschwerdeführerin
mit, dass es nachträglich erfahren habe, dass sie seit spätestens 2020 bis
zu ihrer Einreise in die Schweiz in B._ (Polen) mit einer gültigen
Aufenthaltserlaubnis gelebt und als (...) gearbeitet habe, was auch durch
ihr Facebook-Profil bestätigt werde. Es sei deshalb davon auszugehen,
dass sie am 24. Februar 2022 ihren Wohnsitz nicht in der Ukraine gehabt
habe und damit nicht zur vom Bundesrat definierten Personengruppe ge-
höre, die Anspruch auf den Schutzstatus habe. Das SEM beabsichtige des-
halb, die Gewährung des vorübergehenden Schutzes zu widerrufen und
sie in den sicheren Drittstaat Polen wegzuweisen. Es gewährte ihr das
rechtliche Gehör und forderte die Beschwerdeführerin auf, eine Kopie ihrer
polnischen Aufenthaltsbewilligung einzureichen.
C.
In der Stellungnahme vom 5. Juli 2022 gab die Beschwerdeführerin an,
dass sie in Polen zuletzt wegen der Covid-Pandemie keine Arbeit mehr
gehabt habe und zudem seit Beginn des Ukraine-Krieges nicht mehr bei
ihrem Ex-Partner habe wohnen können. Dieser habe ihr gesagt, dass ihre
Aufenthaltserlaubnis formell annulliert worden sei. Sie habe nicht zu ihrer
Familie in die Ukraine zurückkehren können und sei deshalb mit Freunden
in die Schweiz gereist.
D.
Mit Schreiben vom 25. Juli 2022 forderte das SEM die Beschwerdeführerin
nochmals auf, eine Kopie ihrer polnischen Aufenthaltsbewilligung einzu-
reichen und anzugeben, seit wann sie in Polen wohnhaft gewesen sei und
wie ihre letzte Wohnadresse in Polen gelautet habe.
E.
Am 3. August 2022 beantwortete die Beschwerdeführerin dem SEM diese
Fragen und legte dem Schreiben eine Kopie ihrer Aufenthaltsbewilligung
bei.
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F.
Am 9. August 2022 ersuchte das SEM die polnischen Behörden um Rück-
übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf das Abkommen vom
19. September 2005 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der
Regierung der Republik Polen über die Übergabe und Rückübernahme
von Personen mit unbefugtem Aufenthalt (SR 0.142.116.499).
G.
Am 10. August 2022 stimmten die polnischen Behörden dem Rücküber-
nahmeersuchen der Beschwerdeführerin zu.
H.
Mit Verfügung vom 16. August 2022 – eröffnet am 18. August 2022 – wie-
derrief das SEM den vorübergehenden Schutz der Beschwerdeführerin,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete den Vollzug derselben
an, und verfügte die Einziehung ihres Ausweises S.
I.
Mit Eingabe vom 16. September 2022 liess die Beschwerdeführerin durch
die rubrizierte Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben. Eventualiter sei die Beschwerdeführerin in der
Schweiz vorläufig aufzunehmen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 72
AsylG i.V.m. Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der
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Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich, soweit die Verweigerung vorübergehenden Schutzes betref-
fend, nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG), im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e
AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, wes-
halb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 4 AsylG kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die
Dauer einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während ei-
nes Krieges oder Bürgerkrieges sowie in Situationen allgemeiner Gewalt,
vorübergehenden Schutz gewähren. Der Bundesrat entscheidet, ob und
nach welchen Kriterien Gruppen von Schutzbedürftigen vorübergehender
Schutz gewährt wird (Art. 66 Abs. 1 AsylG).
4.2 Am 11. März 2022 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG
eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes
im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen (BBI 2022
586). Gemäss Ziff. I der Allgemeinverfügung gilt der Schutzstatus S für fol-
gende Personenkategorien:
a) schutzsuchende ukrainische Staatsbürgerinnen und -bürger und
ihre Familienangehörige (Partnerinnen und Partner, minderjährige
Kinder und andere enge Verwandte, welche zum Zeitpunkt der
Flucht ganz oder teilweise unterstützt wurden), welche vor dem
24. Februar 2022 in der Ukraine wohnhaft waren;
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b) schutzsuchende Personen anderer Nationalität und Staatenlose so-
wie ihre Familienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, wel-
che vor dem 24. Februar 2022 einen internationalen oder nationalen
Schutzstatus in der Ukraine hatten;
c) Schutzsuchende anderer Nationalität und Staatenlose sowie ihre
Familienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, welche mit
einer gültigen Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung belegen
können, dass sie über eine gültige Aufenthaltsberechtigung in der
Ukraine verfügen und nicht in Sicherheit und dauerhaft in ihre Hei-
matländer zurückkehren können.
4.3 Gestützt auf Art. 78 Abs. 1 Bst. d AsylG kann das SEM den vorüberge-
henden Schutz widerrufen, wenn die schutzbedürftige Person in einem
Drittstaat ein ordentliches Aufenthaltsrecht hat, in den sie zurückkehren
kann.
5.
5.1 Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung fest, dass es keine
konkreten Hinweise dafür gebe, dass der Ex-Partner der Beschwerdefüh-
rerin ihre Aufenthaltserlaubnis annulliert habe und es sei auch nicht ersicht-
lich, wie er dies hätte tun können. Auch der Zustimmung Polens zu ihrer
Rückübernahme sei kein Hinweis diesbezüglich zu entnehmen, dass ihre
Aufenthaltserlaubnis vorzeitig ihre Gültigkeit verloren hätte oder noch ver-
lieren sollte. Damit seien die Voraussetzungen für einen Widerruf des vo-
rübergehenden Schutzes gestützt auf Art. 78 Abs.1 Bst. d AsylG erfüllt. Da-
her sei sie grundsätzlich zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet. Sie ver-
füge in Polen über eine bis am 26. Oktober 2023 gültige Aufenthaltserlaub-
nis. Polen habe sich mit Schreiben vom 10. August 2022 zur Rücküber-
nahme bereit erklärt. Aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte,
dass ihr im Falle einer Rückkehr nach Polen mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe.
Gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG (SR 142.20) und Art. 18 der Verordnung über
den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Landesverweisung von
ausländischen Personen (VVWAL, SR 142.281) sei der Vollzug der Weg-
weisung nach Polen in der Regel zumutbar. Es handle sich dabei um eine
Regelvermutung, die aufgrund konkreter und substantiierter Hinweise um-
gestossen werden könne. Sie habe bereits mehrere Jahre in Polen gelebt
und im (...) gearbeitet. Zwar mache sie geltend, zuletzt wegen der Covid-
Pandemie im (...) keine Arbeit mehr gehabt zu haben. Dennoch sei davon
auszugehen, dass sie in Polen rasch wieder eine Arbeit finden könne, mit
der sie für den Lebensunterhalt aufkommen könne, sei es angesichts der
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sich verbessernden Situation bezüglich Covid – wieder im (...)wesen oder
auch in einem anderen Bereich. Es gelinge somit nicht, die genannte Re-
gelvermutung umzustossen. Der Vollzug sei zumutbar und ausserdem
technisch möglich und praktisch durchführbar.
5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin ver-
füge in Polen über eine befristete «Karta Pobytu» zwecks Ausübung einer
Erwerbstätigkeit für zwei Jahre und neun Monate. Da die Gesellschaft, wel-
che das (...) geführt habe, weiterhin aktiv sei, verfüge die Beschwerdefüh-
rerin offiziell noch über eine Erwerbstätigkeit in Polen, weshalb ihre Aufent-
haltsbewilligung bis anhin nicht widerrufen worden sei. Da ihr per 19. Juli
2022 gekündigt worden sei, sei ihr Aufenthaltszweck weggefallen, weshalb
sie auch ihre Aufenthaltsbewilligung verlieren werde. Aufgrund der aktuel-
len Lage in Polen werde es schwierig sein, wieder eine Arbeit zu finden.
Als ukrainische Staatsangehörige habe sie auch in Polen Anspruch auf ei-
nen vorübergehenden Schutzstatus. Die Lage in Polen sei aber aktuell we-
gen der zahlreichen Flüchtlinge äusserst prekär. So schreibe das SEM
selbst auf seiner Internetseite, dass Polen als ein durch die Ukraine-Krise
belasteter Staat gelte, so dass ein allfällig dort gewährter Schutzstatus der
Gewährung des Schutzstatus S in der Schweiz nicht entgegenstehen
würde. Bei Art. 78 Abs. 1 Bst. d AsylG handle es sich um eine Kann-Be-
stimmung. Dies erkläre sich daraus, dass nach dem Widerruf noch ein
Asylverfahren durchzuführen wäre. Ergebe eine Vorprüfung, dass in die-
sem Verfahren eine vorläufige Aufnahme anzuordnen wäre, solle die Be-
hörde auf den Widerruf verzichten, da dieser nur Sinn ergebe, wenn die
Wegweisung auch tatsächlich vollzogen werden könne. Die Beschwerde-
führerin werde entgegen den Ausführungen des SEM voraussichtlich in Po-
len keine Stelle finden können. Sie habe dagegen mit ihren Sprachkennt-
nissen und ihrer (...)ausbildung gute Chancen, in der Schweiz beruflich
Fuss zu fassen. Sie sei deshalb in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
6.
Das SEM hatte im Zeitpunkt der Gewährung des vorübergehenden Schut-
zes am 29. März 2022 noch keine Kenntnis über die Aufenthaltsbewilligung
der Beschwerdeführerin in Polen. Wäre dies dem SEM bekannt gewesen,
hätte die Beschwerdeführerin, welche am 24. Februar 2022 nicht in der
Ukraine, sondern in Polen wohnhaft gewesen war, nicht zu der vom Bun-
desrat in der Allgemeinverfügung definierten Gruppe der schutzberechti-
gen Personen gehört. Als es davon Kenntnis erlangte, gewährte das SEM
der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör. Die Beschwerdeführerin be-
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streitet nicht, dass sie in Polen über eine gültige Aufenthaltsbewilligung ver-
fügt und dort über zwei Jahre gewohnt und gearbeitet hat. Sie macht auch
keine objektiven Gründe geltend, dass sie sich dort nicht mehr aufhalten
kann. Angesichts der vorliegenden expliziten Zustimmung Polens zur
Rückübernahme ist nicht davon auszugehen, dass die zuständigen polni-
schen Behörden ihre Bewilligung widerrufen hätten oder beabsichtigen,
dies zu tun. Die Beschwerdeführerin macht sodann auch kein Asylgründe
geltend. Die Voraussetzung für den Widerruf des der Beschwerdeführerin
gewährten vorübergehenden Schutzes sind somit grundsätzlich gegeben.
7.
Da die Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht im Besitz einer Aufent-
haltsbewilligung ist und insbesondere auch keinen Anspruch auf Erteilung
einer solchen hat (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H. sowie
Art. 74 Abs. 2 AsylG), sind die Voraussetzungen für die vom SEM verfügte
Wegweisung aus der Schweiz gegeben (Art. 69 Abs. 4 AsylG und Art. 76
Abs. 4 i.V.m. Art. 50 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311] analog).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1
AIG [SR 142.20]).
Wegweisungsvollzugshindernisse sind gemäss Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
8.2.2 Die Beschwerdeführerin hat in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt
und den Akten sind keine Hinweise auf eine Verletzung des flüchtlings-
rechtlichen Refoulement-Verbots (Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK,
SR 0.142.30]) zu entnehmen. Es sind auch keine Anhaltspunkte für eine in
Polen drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinn von Art. 25
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Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge-
gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be-
handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK er-
sichtlich. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich deshalb als zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind.
8.3.2 Gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG besteht sodann die Vermutung, dass der
Vollzug der Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel als
zumutbar erachtet wird (vgl. Anhang 2 VVWAL).
8.3.3 Es obliegt der betroffenen Person, diese gesetzliche Vermutung zu
widerlegen. Sie hat mithin ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen,
dass sie im betreffenden Staat aufgrund von individuellen Umständen so-
zialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Not-
lage geraten würde (vgl. das Referenzurteil des BVGer E-3427/2021,
E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.4).
8.3.4 Die Beschwerdeführerin, eine gesunde junge Frau, hat gemäss eige-
nen Angaben seit November 2018 in Polen zuerst mit einem Jahresvisum
und ab Januar 2021 mit einer Aufenthaltsbewilligung gelebt und in einem
(...) gearbeitet (vgl. SEM-Akten [...]-3/3 und [...]-5/4). Sie verfügt zudem
über eine (...)ausbildung. Soweit sie vorbringt, im (...) habe sie wegen dem
Ausbruch der Corona-Pandemie keine Arbeit mehr gehabt und bei ihrem
Ex-Freund in Polen könne sie nicht mehr wohnen, ist festzuhalten, dass
sich die (...)branche von der Corona-Pandemie allmählich erholt und inso-
fern in Polen durchaus die Möglichkeit besteht, dass sie in diesem Metier
oder – in Anbetracht ihrer Ausbildung – allenfalls auch in einem anderen
Bereich eine Arbeit finden kann, zumal sie bereits mehrere Jahre in Polen
gelebt und gearbeitet hat. In diesem Zusammenhang ist ergänzend darauf
hinzuweisen, dass soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von wel-
chen die vor Ort ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, oh-
nehin keine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt
(vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Der Beschwerdeführerin gelingt es vor die-
sem Hintergrund mit den Einwänden in der Beschwerde (vgl. E. 5.2 am
Ende) nicht ansatzweise, die Vermutung zu widerlegen, dass der Vollzug
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der Wegweisung nach Polen zumutbar ist. Die diesbezüglichen Erwägun-
gen des SEM in der angefochtenen Verfügung – auf die im Übrigen ver-
wiesen werden kann – erweisen sich als zutreffend.
8.4 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Polen aus-
drücklich zu einer Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin bereit erklärt
hat.
9.
Zusammenfassend ergibt sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen,
dass die Voraussetzungen für den Widerruf des der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 29. März 2022 gewährten vorübergehenden Schutzes
gegeben sind. Die angefochtene Verfügung vom 16. August 2022 verletzt
kein Bundesrecht und ist – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemes-
sen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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