Decision ID: fce28de8-7128-4e33-9d5a-0b990cfdc33a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
X._
GmbH
reichte am 1
5.
Februar 2021 (Eingangsdatum)
eine Voranmeldung von
Kurzarbeit für den Gesamtbetrieb (
8 Mitarbeitende, da
von
7
von Kurzarbeit betroffen
)
aufgrund der behördlichen
Massnahmen
infolge der COVID-19-Pandemi
e
beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) für die Zeit ab dem 1.
März
2021 ein
(Urk. 7/1
)
.
Mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2021
bewilligte das AWA
die Ausrichtung eine
r
Kurzarbeitsentschädigung
– unter
dem
Vorbehalt
, dass
die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien
–
für die
Zeit
vom
1.
März bis 3
1.
M
ai 2021
(
vgl.
Urk. 7/
3
). A
m
21. Mai 2021
(Eingangsdatum)
reichte
die
X._
GmbH
beim AWA
erneut
eine
Voranmeldung
von
Kurzarbeit
für den Gesamtbetrieb (
9
Mitarbeitende
, davon 8 von Kurzarbeit betroffen
)
ab dem
1.
Juni 2021
bei einem voraussichtlichen prozentualen Arbeits
ausfall von 80
%
ein
(
Urk.
7/12).
Mit
Verfügung vom
9.
Juni
2021
bewilligte das AWA
das Gesuch um Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2021, soweit die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien
(
Urk.
7/13)
.
Nach
Eingang der
Abrechnung über Aus
fallstunden
für die
Kontrollperiode Juni 2021
im Ausmass von 79.868
%
(vgl.
Urk.
7/34, wobei das entsprechende Formular nicht aktenkundig ist),
forderte
das AWA die X._
GmbH
auf, den «Fragebogen für Arbeitsausfälle von mehr als 50 % ab der Abrechnungsperiode Juni 2021» zu beantworten
, was diese mit Eingabe vom
3.
Juli 2021
tat (vgl. Urk. 7/33
f.
, vgl. auch
Urk.
10 und 11
).
Mit
je separater
Verfügung vom 3.
August 2021 hob das AWA die V
erfügungen
vom 1
8.
Februar und
9.
Juni 2021 wiedererwägungsweise auf
und lehnte die
Gesuch
e
ab; die Be
willigung für die Auszahlung von
Kurzarbeitsentschädigung für die Zeit vom
1.
März 2021
bis 31.
Mai 2021
und
vom
1.
Juni bis 3
0.
November 2021
wurde nicht erteilt
(Urk.
7/
4
,
Urk.
7/9).
Die g
egen
die wiederwägungsweise
Aufhebung der Verfügung vom 18.
Februar 2021
erhobene Einsprache (
Urk.
7/5) wies das
AWA mit
E
insprachee
ntscheid
vom
8.
Dezember 2021 ab (Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die
X._
GmbH am 2
5.
Januar 2022
Be
schwerde
und
beantragte
,
es seien der
Einspracheentscheid
vom
8.
Dezember 2021 sowie die Verfügung vom
3.
August 2021 ersatzlos aufzuheben (
Urk.
1 S.
2).
Mit Besch
werdeantwort vom
3.
März 2022
schloss der Beschwerdegegner auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was
der
Besc
hwerdeführerin am 10.
März 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom
5.
Mai 2022 for
derte das Gericht den
Beschwerdegegner auf, die vollständigen Akten einzu
reichen (
Urk.
9). Mit Eingabe vom 2
5.
Mai 2022
nahm der Beschwerdegegner dazu Stellung und reichte die E-Mail des Beschwerdeführers vom
3.
Juli 2021 ein (
Urk.
10,
Urk.
11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 31 Abs. 1
lit
. b und d des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) haben Arbeit
nehmer, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist, Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung,
wenn der Arbeitsausfall anrechenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art.
31 Abs. 1
lit
. b und d AVIG). Voraussetzung für die Anrechenbarkeit des Arbeitsausfalles ist, dass er auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art.
32 Abs.
1
lit
. a AVIG). Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe - in Berücksichtigung des präventiven Charakters der Kurzarbeitsentschädigung - sehr weit aus und versteht darunter sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur den Rückgang der Nachfrage nach den norma
lerweise von einem Betrieb angebotenen Gütern und Dienstleistungen (BGE 128 V 305 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_549/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 3.2 und
C 279/05 vom 2. November 2006 E. 1, je mit Hinweisen).
Ein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender und an sich grundsätzlich an
rechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch dann nicht als anrechenbar, wenn er
bran
chen
,
berufs
oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungs
schwankungen verursacht wird (Art.
33 Abs.
1
lit
. b AVIG). Damit will das G
e
setz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der Kurzarbeitsent
schädigung ausschliessen (BGE 121 V 371 E. 2a, 119 V 357 E. 1a, je mit Hinwei
sen). Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er durch betriebs
organisatorische Massnahmen, andere übliche Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände bedingt ist, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG; ARV 2004 Nr. 5 S. 58 E. 2.1).
1.2
Mit dem normalen Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG sind die „gewöhnlichen“ Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, die erfahrungsgemäss regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorherseh
bar und in verschiedener Weise kalkulatorisch erfassbar sind. Was in diesem Sinne noch als normal gelten soll, darf nach der Rechtsprechung nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemein gültigen Massstab bemessen
werden, sondern ist in jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betriebstätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu bestimmen (BGE 138 V 333 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss Art. 32 Abs. 3 AVIG regelt der Bundesrat für Härtefälle die Anrechenbar
keit von Arbeitsausfällen, die auf behördliche Massnahmen, auf wetterbedingte Kundenausfälle oder auf andere vom Arbeitgeber nicht zu vertretende Umstände zurückzuführen sind. Er kann für die Fälle von Absatz 2 abweichende längere Karenzfristen vorsehen und bestimmen, dass der Arbeitsausfall nur bei vollstän
diger Einstellung oder erheblicher Einschränkung des Betriebes anrechenbar ist.
Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere nicht vom Arbeit
geber zu vertretende Umstände zurückzuführen sind, sind anrechenbar, wenn der Arbeitgeber sie nicht durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahmen ver
meiden oder keinen Dritten für den Schaden haftbar machen kann (Art. 51 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung, AVIV).
1.4
Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen. Die Voranmeldung ist zu erneuern, wenn die Kurzarbeit länger als drei Monate dauert (Art. 36 Abs. 1 AVIG). In der Voranmeldung muss der Arbeitgeber unter anderem Ausmass und voraussichtliche Dauer der Kurzarbeit angeben (Art. 36 Abs. 2
lit
. b AVIG) sowie die Notwendigkeit der Kurzarbeit begründen und anhand der durch den Bundes
rat bestimmten Unterlagen glaubhaft machen, dass die Anspruchsvorausset
zun
gen nach den Artikeln 31 Abs. 1 und 32 Abs. 1 Buchstabe a erfüllt sind. Die kan
tonale Amtsstelle kann weitere zur Prüfung nötige Unterlagen
einverlan
gen
(Art. 36 Abs. 3 AVIG). Die kantonale Amtsstelle prüft, ob die Anspruchs
voraus
setzungen glaubhaft gemacht worden sind und die Notwendigkeit der Kurzarbeit begründet ist. Hält sie eine oder mehrere Anspruchsvoraussetzungen für nicht erfüllt, erhebt sie durch Verfügung Einspruch gegen die Auszahlung der Entschä
digung (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 AVIG).
1.5
Im Zusammenhang mit Massnahmen wegen des
Coronavirus
(COVID-19) erliess der Bundesrat unter anderem die folgenden Verordnungen, die innert kurzer Zeit mehrere Änderungen erfuhren:
1.
Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung 2) vom 13. März 2020, ersetzt durch Verordnung 3 über
Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung 3) vom 19. Juni 2020 (SR 818.101.24);
2.
Verordnung über Massnahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage) vom 19. Juni
2020, ersetzt durch gleichlautende Verordnung vom 23. Juni 2021 (SR 818.101.26);
3.
Verordnung über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Arbeitslosen
versicherung) vom 20. März 2020 (SR 837.033);
4.
Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) vom 20. März 2020 (SR 830.31).
Am 19. März 2021 beschloss die Bundesversammlung, das am 25. September 2020 in Kraft getretene Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Ver
ordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Gesetz; SR 818.102) abzuändern.
Gemäss
Art. 17b Abs. 1 Covid-19-Gesetz
(in Kraft [rückwirkend] vom 1. September 2020 bis zum 31. Dezember 2021) ist in Abweichung von Art. 36 Abs. 1 AVIG keine Voranmeldefrist für Kurzarbeit einzuhalten. Sodann ist die Voranmeldung zu erneuern, wenn die Kurzarbeit län
ger als sechs Monate dauert.
1.6
Im Übrigen hat das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO diesbezüglich weiter
gehende Vorgaben für die Verwaltung publiziert (vgl. etwa Weisung 2021/0
1
: Aktualisierung «Sonderregelungen aufgrund der Pandemie» vom 2
0.
Januar
2021 [nachfolgend: Weisung 2021/0
1
] sowie Weisung 2021/13: Aktualisierung «Son
derregelungen aufgrund der Pandemie» vom 3
0.
Juni 2021 [nachfolgend: Wei
sung 2021/13]). Danach sind sowohl die Pandemie selbst als auch die daraus resultierenden Arbeitsausfälle als vorübergehend zu betrachten. Eine Pandemie könne aufgrund des jähen Auftretens, des Ausmasses und der Schwere nicht als normales, vom Arbeitgeber zu tragendes Betriebsrisiko im Sinne von
Art.
33
Abs.
1
lit
. a AVIG betrachtet werden, selbst wenn unter Umständen jeder Arbeit
geber betroffen sein könne. Demnach seien Arbeitsausfälle aufgrund rückläufiger Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf die Pandemie zurückzufüh
ren seien, in Anwendung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. a AVIG anrechenbar. Der Arbeit
geber müsse jedoch glaubhaft darlegen, dass die in seinem Betrieb zu erwartenden Arbeitsausfälle auf das Auftreten der Pandemie zurückzuführen seien. Der einfa
che Hinweis auf die Pandemie genüge nicht als Begründung (
Ziff.
2.1 und
2.2 der Weisung 2021/0
1
und der Weisung 2021/13).
1.7
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
Dabei ist grundsätzlich diejenige Fassung
mitzu
berück
sichtigen
, die der
Entscheidbehörde
im Verfügungszeitpunkt vorgelegen (und ihr gegenüber Bindungswirkung entfaltet) hat. Spätere Ergänzungen können allen
falls in die
Entscheidfindung
einfliessen
,
insbesondere
wenn sie Schlüsse zu
lassen auf eine bereits zuvor gelebte Verwaltungspraxis (BGE 147 V 278 E. 2.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog der Beschwerdegegner,
die Beschwerdeführe
rin habe bereits von März bis Juli 2020 eine Kurzarbeitsentschädigung im Kanton Aargau bezogen; ab August 2020 sei ein
entsprechender
Antrag
abgelehnt wor
den. Aufgrund der Firmensitzverlegung habe sich
die
Beschwerdeführerin
im Februar 2021 im Kanton Zürich erneut für eine Kurzarbeitsentschädigung ange
meldet, ebenso im Mai 202
1.
D
a
im Rahmen der zweit
genannten Voranmeldung für den Monat Juni 2021
ein
Arbeitsausfall von mehr als 50
%
abgerechnet wor
den sei
, seien
zur Plausibilisierung weitere Unterlagen verlangt worden. Die Bran
che der Beschwerdeführerin
sei nicht unmittelbar von behördlichen Massnahmen betr
offen gewesen. Zudem
hätten
Akquisetätigkeiten
auch
unabhängig von Events oder Veranstaltungen durchgeführt werden können (Online, per Post, per E-Mail, per Telefon, Netzwerkkontakte, Printwerbung etc.)
und sei die Beschwer
deführerin im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht angehalten gewesen, Ar
beitsausfälle durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahme
n
zu vermeiden
.
Des Weiteren
sei
auch
ein wirtschaftlich bedingter Arbeitsausfall zu verneinen.
Mit Blick auf die 2020 gewährte Kurzarbeitsentschädigung sowie erneuten Vor
anmeldungen werde deutlich, dass
die Beschwerdeführerin weiterhin auf das Mit
tel der Kurzarbeitsentschädigung
habe
zurückgreifen wollen. Alsdann gehöre eine Personalaufstockung von zwei (im März 2020) auf acht Mitarbeitende (ab März 2021) zum normalen Betriebsrisiko und sei nicht mittels Kurzarbeitsentschädi
gung aufzufangen. Die Beschwerdeführerin habe – vor allem während der Pan
demie – nicht davon ausgehen können, dass sie alle ihre Mitarbeitenden über eine
längere Zeit vollständig
hätte
beschäftigen könne
n
, zumal bereits mit zwei Mit
arbeitenden anfangs 2020 Kurzarbeit beantragt worden sei.
Vorliegend habe die Beschwerdeführerin höchstens Umsatzeinbussen, aber keinen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten, da das Personal für die Akquise voll eingesetzt werden müsse. Die Kurzarbeit könne kaum das geeignete Mittel sein, um die Akquisition zu for
cieren und neue Aufträge zu gewinnen bzw. mehr Umsatz zu generieren. Insbe
sondere
sei
kein Arbeitsausfall ersichtlich. Es sei zudem grundsätzlich auch Ver
sicherungsberatern ode
r Innendienstmitarbeitern zuzumu
ten, sich notfalls selber um mögliche Termine zu bemühen. Im Zusammenhang mit den Umsätzen sei zudem festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ihre Tätigkeit im Dezember 2019 aufgenommen habe; ein Rückgang des Umsatzes oder Nachfrage nach Dienstleistungen sei naturgemäss nicht ersichtlich, da letztere noch nicht im er
hofften Mass stattgefunden hätten.
Mithin habe die Beschwerdeführerin
weder
glaubhaft dargetan, dass ein anrechenbarer Arbeitsausfall aufgrund behördlicher Massnahmen oder wirtschaftlicher Gründe vorliege, welcher unvermeidbar gewe
sen wäre
,
noch
dass ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsausfällen und dem Auftreten des
Coronavirus
bestehe
. Damit erweise sich die angefochtene Verfü
gung als rechtens
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, sie habe sehr wohl einen Arbeits
ausfall infolge der behördlichen Massnahmen erlitten. Sie sei eine Versicherungs
vermittlerin und beschäftige sogenannte Promoter sowie Versicherungsberater und Innendienstmitarbeiter. Erstere seien dafür zuständig, neue Kunden an An
lässen wie zum Beispiel
an
Messen oder an Ständen in Einkaufszentren zu ge
winne
n
und Termine für die Versicherungsberater zu o
rganisieren. Sobald die Promoter Kunden akquiriert hätten, würden Besprechungstermine mit den Bera
tern vereinbart, anlässlich welchen mit den potentiellen Kunden neue Versiche
rungslösungen bespr
o
chen würden. Die Innendienstmitarbeiter seien zuständig für die Abwicklung des Rechnungswesens. Da die Beratungstermine kostenlos seien, verdiene die Beschwerdeführerin letztlich erst dann Geld, wenn ein Kunde tatsächlich eine Versicherung abschliesse. Für ihre Vermittlungstätigkeit erhalte die Beschwerdeführerin das Geld von den Versicherungen in Form einer Provi
sion. Mithin sei das Hauptkonzept, nämlich die Kundeakquise anlässlich von Messen und an Ständen in Einkaufszentren oder an anderen zentralen Orten, aufgrund der behördlichen Massnahmen verunmöglicht worden. Dabei sei die Beschwerdeführerin nicht untätig geblieben, sondern habe alles Zumutbare unternommen, um neue Kunden auf andere Weise zu akquirieren und den Arbeits
ausfall bestmöglich zu verhindern. Die
Door
-
to
-
Door
-Akquisen seien we
nig e
r
folgreich und schliesslich
von der Polizei und vom BAG verboten worden.
Vide
okonferenzen, telefonische Besprechungen oder dergleichen seien vor allem zu Beginn der Pandemie für viele Personen für derartige Geschäfte noch unvertraut und daher nicht erfolgsversprechend gewesen. Für viele Kunden sei im Zusam
menhang mit Versicherungsverträgen nach wie vor eine persönliche Beratung vor Ort zentral. Dennoch habe die Beschwerdeführerin
versucht,
mittels telefonischer Kontaktaufnahme weitere Verträge zu vermitteln. Diesbezüglich sei
en
ihr jedoch aufgrund der seit
1.
Januar 2021 geltenden Branchen
verein
barung «Vermittler», wonach die sogenannte Kaltakquise
nicht zulässig sei, die Hände gebunden
ge
wesen
. Auch sei aufgrund der Bestimmungen über den unlau
teren Wettbewerb (v.a.
Art.
3
Abs.
1
lit
. u UWG) eine wahllose Kontaktaufnahme mit neuen Kunden mittlerweile stark eingeschränkt. Bei alle dem sei die Kontakt
aufnahme einzig mit bereits bekannten Kunden
,
deren Anzahl selbstredend be
schränkt sei, möglich gewesen
. Komme hinzu, dass bestehende Kunden in der Regel nicht ständig neue Versicherungen abschliessen würden und der Erhalt des ordentlichen Geschäfts
betriebes damit nicht sichergestellt werden könn
t
e. Entge
gen dem Beschwerde
gegner könnten neue Kunden auch nicht einfach per Mail akquiriert werden, zu
mal diesbezüglich wenige Daten vorhanden seien und die Kaltakquise auch hier nicht unbegrenzt möglich sei; postalische Kontaktauf
nah
me und Printwerbungen seien aufgrund der tiefen Erfolgsquote und im Verhältnis z
u den Kosten wenig geeignet,
neue Kunden anzuwerben. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Ertrag. Zudem sei es unzumutbar und mit unverhältnis
mässigem Aufwand verbunden, immer neue Massnahmen auszuprobieren, wel
che aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn gehabt hätten. Dies vor
allem deshalb, weil damit in der Regel nur die erste Kontaktaufnahme
hätte ermöglicht werden können. Zudem habe die Beschwerdeführerin in guten Treue
n
davon ausgehen dürfen, dass es sich bei den behördlichen Massnahmen lediglich um vorüber
gehende handle. Schliesslich sei die Arbeit
slosenkasse im Zeitpunkt des er
s
t
en
Lockdowns
im März 2020 und so
mit im Zeitpunkt, als die Beschwerdeführerin erstmals Kurzarbeit beantragt habe, offenbar der Ansicht gewesen, letztere habe einen entsprechenden Anspruch. Dass die Beschwerdeführerin weitere Anträge gestellt
habe, fusse auf dem Um
stand, dass sie die Auswirkungen der behördlichen Massnah
men noch immer ge
spürt habe. Dies
dürfe ihr nicht zur Last gelegt werden. Soweit ein Arbeitsausfall infolge der behördlichen Massnahmen seitens der hiesigen Behörden verneint werde
,
sei zumindest von wirtschaftlich bedingten Arbeitsausfällen auszugehen.
So habe sich die Situation mit den Lockerungen im Sommer
2020
zwischenzeit
lich
verbessert;
einen Arbeitsausfall habe
die Be
schwer
de
führerin hauptsächlich dann erlitten, wenn die Massnahmen ver
schärft worden seien. Dies
zeige auf, dass die Beschwerdeführerin doch von den behörd
lichen Massnahmen betroffen ge
wesen sei. Die erneute Verschlechterung der
wirt
schaftlichen Lage im Zusammen
hang mit der Pandemie sei unvorher
sehbar gewesen.
Die neuen Mitarbeiter seien in einem
Zeitpunkt angestellt wor
den, als
die Beschwerdeführerin angesichts der allgemeinen Lage habe davon ausgehen dürfen, dass die Pandemie abklinge und eine Ende
nehme, wodurch künftig wieder vermehrt Messen hätte
n
durchgeführt werden
können
. Erneute Verschärfungen sowie ein weiterer
Lockdown
seien nicht vorhersehbar gewesen. Daher könne es der Beschwerdeführerin nicht zum Vor
wurf gemacht werden, wenn sie neue Mitarbeiter eingestellt habe. Es sei denn auch nicht entscheidend, wie viele Mitarbeitenden die Beschwerdeführerin beim ersten Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung gehabt habe. Entscheidend sei ein
zig, dass sich in der Zwischenzeit eine Verbesserung eingestellt habe. Entgegen dem Beschwerde
gegner habe sich die finanzielle Situation der Beschwerdeführe
rin [im
Jahr 2021] gegenüber 2020
nicht verbessert. D
ie Umsatzzahlen aus dem Jahr 2021 basierten auf Leistungen, die im Vorjahr erbracht worden seien. Dies weil die Provisionen erst nach dem tatsächlichen Vertragsabschluss und somit nach der geleisteten Arbeit ausbezahlt würden. Mit anderen Worten seien die Umsatzzahlen jeweils mit Verspätung in der Buchhaltung ersichtlich. Zudem habe die Beschwerde
führerin die von März bis Mai 2021 erhaltene Kurzarbeitsentschä
digung fälsch
licherweise in die Umsa
tzzahlen aufgenommen. Mithin
sei
der Um
satz
im März 2021
tatsächlich um Fr.
32'308.60
und jener vom Mai 2021
um
Fr.
64'517.05 tiefer
gewesen
.
Entgegen
dem Beschwerdegegner
sei
nicht von einer verbesserten Unternehmenslage auszugehen. Schliesslich sei die Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 nicht zweifellos unrichtig gewesen
.
Dass die behördlichen Mass
nahmen einen direkten Einfluss auf die Beschwerdeführerin gehabt habe, ergebe sich allein aus dem Umstand, dass
ein
e
Kurzarbeitsentschädigung in der
Vergangen
heit aufgrund
eben dieser behördlichen Massnahmen
ausbezahlt wor
den
und nicht in Wiedererwägung gezogen worden sei. Zudem sei der Beschwer
degegner
im Juni 2021 offenbar noch selbst der Meinung gewesen,
die Voraus
setzungen für eine Kurzarbeitsentschädigung seien erfüllt.
D
er Beschwerdegegner
habe
im damaligen Zeitpunkt offenbar keine Zweifel gehabt, obschon sich die Sachlage genau gleich präsentiert habe wie beim ersten Antrag. Auch sei keine teilweise Einsprache erhoben worden, wie dies üblich sei bei
etwelchen
Zweifeln.
Mangels zweifelloser Unrichtigkeit und in Anbetracht der hohen
H
ürden der Wie
dererwägung gemäss
Art.
53
Abs.
2 ATSG sei die wiedererwägungsweise Aufhe
bung der Verfügung vom
18. Februar
2021 unzulässig (
Urk.
1)
.
2.3
In der Beschwerdeantwort vom
3.
März 2021 führte der Beschwerdegegner
zum beschwerdeweise Vorbringen, im Zeitpunkt der Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 sei eine zweifellose Unrichtigkeit zu verneinen,
ergänzend aus,
es
sei zu beachten,
dass die Verfügung vom 1
8.
Februar 2021
in
einem Zeitpunkt erlassen worden sei, als noch das vereinfachte Vor
anmeldeverfahren gegolten habe; das SECO habe erst Ende Juni 2021 eine Grundlage dafür geschaffen bzw. die kantonalen Amtsstellen angewiesen, die Voraussetzungen zur Ausrichtung einer Kurzarbeits
entschädigung in bestimmten Fällen zu überprüfen.
Weiter liege es in der Natur der Sache, dass die Bewilligung von Kurzarbeit für die Zukunft hin im Rahmen einer «Grundsatzbewilligung» erteilt werde. Die Überprüfung der Plausibilität des anrechenbaren Arbeitsausfalles sowie von anderen Anspruchsvoraussetzungen seien daher grundsätzlich erst nach Ablauf der betreffenden Abrechnungsperiode und der Geltendmachung der Kurzarbeitsentschädigung mittels Abrechnungsfor
mular möglich (
Urk.
6).
3.
Vorab festzuhalten ist, dass die Verfügung vom
3.
August 2021, womit der Be
schwerdegegner die Verfügung vom
9.
Juni 2021
(betreffend
Kurzarbeitsentschä
digung für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2021
)
wiedererwägungsweise aufhoben hat (
Urk.
7/9), nicht angefochten wurde und Folge dessen in Rechtskraft erwachsen ist (vgl.
Urk.
7/5 S. 7,
Urk.
1
Ziff.
7).
4.
4.1
Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdegegner zu Recht auf die Verfügung vom
18. Februar
2021 zurückgekommen ist, mit welcher er der Beschwerdefüh
rerin die Kurzarbeit für die Zeit vom 1. März bis 3
1.
Mai 2021 grundsätzlich be
willigt hatte.
4.2
Nach
Art.
53
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
(
ATSG
)
kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräf
tige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind, und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts, insbesondere bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Zwei
fellose Unrichtigkeit meint dabei, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Be
ginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung besteht, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfü
gung bestehenden Sach- und Rechtslage, einschliesslich der damaligen Rechts
praxis. Das Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen
nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 144 I 103 E. 2.2; Urteil des Bun
desgerichts 8C_57/2020 vom 1
8.
Juni 2020 E. 4.1, je mit Hinweisen).
Diese Grundsätze sind auch zu beachten, wenn die zuständige Amtsstelle ein Gesuch um Kurzarbeit (im Grundsatz, d.h. bei Erfüllung der weiteren Voraussetzungen) bewilligt hat und diese Bewilligung später widerrufen will (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_474/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 2.3).
4.3
Der
Firmenzweck
der Beschwerdeführerin
gemäss
Handelsregistereintrag lautet wie folgt: Beratung, Vermittlung und Verwaltung im Versicherungsbereich sowie Verkauf von Produkten im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistun
gen für Unternehmen und Privatpe
rsonen, Erbringen von Telefonie-
Dienstleis
tungen aller Art, Betreiben von Beratungs- und Kundendienststellen sowie Ter
minvereinbarungen.
In der Voranmeldung vom 15.
Februar 2021 begründete die Beschwerdeführerin die Betriebseinschränkung wegen behördlichen Massnahmen wie folgt: Aufgrund der Massnahmen durch den Bund sei es nicht möglich, an Messen teilzunehmen und Stände durchzuführen. Die Kunden müssten zuhause bleiben und wollten/könnten keine Termine wahrnehmen. Sie (die Beschwerde
führerin) versuche ihr Bestes, aber der Ausfall sei gross (
Urk.
7/1). Gestützt darauf hat der Beschwerdegegner einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung in der Zeit vom
1.
März bis 3
1.
Mai 2021 mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 grund
sätzlich bewilligt (
Urk.
7/3).
4.4
Ende Juni 2021 wies das SECO die kantonalen Amtsstellen an, die Voraussetzun
gen zur Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung bei Betrieben, die über eine bestehende Bewilligung verfügen und ab Juni 2021 weiterhin einen Arbeitsaus
fall von über 50 % geltend machen, in bestimmten Fällen zu überprüfen (vgl. Ziff. 2.5 der Weisung 2021/13 und 2021/16).
Im „Fragebogen für Arbeitsausfälle von mehr als 50
%
ab der Abrechnungsperiode Juni 2021“ vom
2.
Juli 2021 führte die Beschwerdeführerin aus, sie würde in der ganzen Schweiz Promotionen an Ständen und
Grossveranstaltungen
durchführen. Diese seien leider abgesagt worden. Der persönliche Kundenkontakt mit Masken funktioniere nicht wie ge
wünscht. Zudem habe es Reklamationen seitens des BAG und der Polizei gegeben mit der Aufforderung, „dies“ zu unterlassen (
Urk.
7/33; vgl. auch E-Mail vom
3.
Juli 2021,
Urk.
11).
Weiter reichte die
Beschwerdeführerin
- unter Hinweis auf die entsprechende Aufforderung des Beschwerdegegners (nicht in den Akten) - mit E-Mail vom 3. Juli 2021 ihre Umsatzzahlen von Dezember 2019 bis Juni 2021 ein (vgl. Urk. 11 und Urk. 7/35 ff.).
Dem
n
ach
erzielte sie im Dezember 2019 einen Umsatz in Höhe von Fr. 19‘892.3
0.
Den Umsatz für das Jahr 2020 gab sie mit total Fr. 389‘3999.26 an, wobei der Umsatz für die Zeit vom 1. März bis 31. Mai
2020 Fr. 117‘759.30 betrug (Fr. 100‘000.-- [März 2020] + Fr. 17‘759.30
[Mai 2020]; im April 2020 war der Betrieb geschlossen). Von Januar bis und mit Juni 2021
wies
sie einen Umsatz
Fr.
421‘942.10
aus
, wobei
sich
der Umsatz für die Zeit vom
1.
März bis 3
1.
Mai 2021 insgesamt
Fr.
200‘391.10 (Fr. 91‘279.05 [März 2021] + Fr. 26‘924.30 [April 2021] + Fr. 82‘187.75 [Mai 2021])
belief
(Urk. 7/35 ff.).
Gestützt auf
die am
3. Juli 2021 eingereichten Unterlagen
kam der Beschwerde
gegner zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzungen für Kurzarbeit (auch) im Zeitraum vom
1.
März
bis 3
1.
Mai 2021 nicht erfülle. In der Verfügung vom 3.
August 2021
führte er einleitend aus, die Voranmeldung von Kurzarbeit vom 15. Februar 2021 sei erneut geprüft worden. Die
wiederer
wägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 1
8.
Februar 2021
begründete er
unter Hinweis auf die Voranmeldung vom 15. Februar 2021 sowie den Fragebo
gen vom
2.
Juli 2021
damit,
dass die von
der Beschwerdeführerin
genannten Gründe
nicht plausibel
seien
.
Es sei nicht Sinn und Zweck der Kurzarbeitsent
schädigung, U
nternehmen finanziell
zu unterstütz
en, sondern unvermeidbare Arbeits
ausfälle zu entschädigen. Solche seien bei der Beschwerdeführerin nicht er
sichtlich, zumal auch die steigenden Umsatzzahlen
(vor allem
im
1.
und
2.
Quar
tal
2021) das Bild einer verbesserten Unternehmenslage vermittelten
. Alsdann sei nachträglich festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin sechs Mitarbeiter der Partnerfirma
Y._
GmbH übernommen habe. Eine Personalaufsto
ckung gehöre zum normalen Betriebsrisiko und sei nicht mit dem Mittel der Kurz
arbeitsentschädigung aufzufangen
. Schliesslich
dau
e
re die Situa
tion rund um Covid-19 seit März 202
0
an und werde den Alltag vermutlich auch noch länger begleiten. Seit diesem Zeitpunkt habe sich die Arbeitswelt zwangs
läufig anpassen müssen. Kundenbesuche könnten weiter unter Anwen
dung der Schutzmassnah
men durchgeführt werden; alternativ kämen der ver
mehrte Ein
satz von digitalen Medien zum Zuge. Mithin seien im Rahmen der Schaden
minderungspflicht alle Vorkehren zu treffen, um Arbeit
sausfälle abzu
wen
den. Der vorliegend
geltend gemachte Arbeitsausfall der Beschwerdeführerin
sei
dem normalen Betriebsrisiko zuzuordnen
(
Urk.
7/4).
4.5
Mit Einsprache vom 1
0.
September 2021 brachte die Beschwerdeführerin insbe
sondere vor, Kunden würden an Ständen in Einkaufszentren oder an Messen ak
quiriert. Aufgrund der Corona-Pandemie habe der Bundesrat praktisch sämtliche Messen abgesagt. Auch Stände in Einkaufszentren seien kaum mehr möglich ge
wesen, da dies seitens der Einkaufzentren nicht mehr zugelassen worden sei. Folglich hätten die Promoter kaum mehr neue Kunden finden und die Berater hätten immer weniger Kundentermine wahrnehmen können. Als Folge davon hätten auch die Innendienstmitarbeiter immer weniger zu tun gehabt. Mithin
seien sämtliche Mitarbeiter von den
Massnahmen
betroffen gewesen. Die
Door
-
to
-
Door
-Strategie habe seitens der potentiellen Kunden zu Reklamationen ge
führt.
Schliesslich
sei die Beschwerdeführerin vom BAG und der örtlichen Polizei angehalten worden, letzteres zu unterlassen. Zudem sei die telefonische Kaltak
quise gestützt auf die Branchenvereinbarung „Vermittler“ seit dem 1. Januar 2021 verboten.
Entgegen dem Beschwerdegegner habe sich die finanzielle Situa
tion der Beschwerdeführerin [im Jahr 2021] gegenüber 2020 nicht verbessert. Zu
nächst sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2020 keine Kurzar
beitsentschädigung beansprucht habe. Alsdann basierten die Umsatzzahlen aus dem Jahr 2021 auf Leistungen, die im Vorjahr erbracht worden seien. Dies weil die Provisionen erst nach dem tatsächlichen Vertragsabschluss und somit nach der geleisteten Arbeit ausbezahlt würden. Mit anderen Worten seien die Umsatz
zahlen jeweils mit Verspätung in der Buchhaltung ersichtlich. Ferner habe die Beschwerdeführerin die von März bis Mai 2021 erhaltene Kurzarbeitse
ntschädi
gung fälschlicherweise bei den ausgewiesenen Umsatzzahlen mitberücksichtigt
(
Urk.
7/5).
4.6
Unter Hinweis auf das unter E. 4.2 Gesagte kann der Versicherungsträger nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkom
men, wenn diese - nach damaliger Sach- und Rechtslage - zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
Im Zeitpunkt der Ver
fügung vom 18. Februar 2021 stellte sich die Rechtslage wie folgt dar:
Ab dem 12
.
Dezember 20
20
war
die Durchführung von
öffentlichen
Veranstal
tungen grundsätzlich verboten; ebenso die Durchführung
von Messen
und Märk
ten in Innenräumen
(
vgl.
Art.
6
der
Verordnung über Massnahmen in der beson
deren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie, Covid-19-Verordnung besondere Lage
, Stand: 1
2.
Dezember 2020). A
lsdann wurde
die Bevölkerung vom Bundesrat
a
m 1
8.
Dezember 2020 dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum beschränken sowie auf nicht-notwendige Reisen und Ausflüge zu verzichten.
Ab dem
2
2.
Dezember 2020 wurden Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe, namentlich Ausstellungshallen sowie Innen
räume und nicht frei zugängliche Aussenbereiche von botanischen Gärten und Zoos, geschlossen (vgl.
Art.
5d
Abs.
1
lit
. a, Stand: 2
2.
Dezember 2020).
Schliess
lich mussten ab
dem 1
8.
Januar 2021
auch
die Läden und Märkte
schliessen
; ausgenommen waren Läden und Märkte im Freien, die Güte
r des täglichen Bedarfs anbiet
en. Zeitgleich wurde eine Home-Office-Pflicht eingeführt und wurden Menschenansammlungen im öffentlichen Raum auf 5 Personen be
schränkt (vgl.
Art.
3c
Abs.
1,
Art.
5e und
Art.
10
Abs.
3 der Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage, Stand: 1
8.
Januar
2021). Erste Öffnungsschritte er
folgten
mit Bundes
ratsentschluss vom 2
4.
Februar 2021 und
mit
Wirkung ab
dem
1. März 2021 (vgl.
insbesondere
Art.
5d Covid-19-Verordnung besondere Lage, Stand:
1.
März 2021).
4.7
V
or dem Hintergrund der
geschilderten
Sach- und Rechtslage
erscheint der Ent
scheid des Beschwerdegegners
vom 18.
Februar 2021, womit er
die Ausrichtung von Kurzarbeit - aufgrund einer prospektiven Beurteilung -
für den
Z
eitraum vom 1.
März bis 3
1.
Mai 2021 grundsätzlich
bewilligte
, jedenfalls nicht als zweifellos unrichtig.
Der Beschwerdegegner begründete die wiedererwägungsweise Aufhe
bung der Verfügung vom
18. Februar 2021
insbesondere mit der erst im Juni 2021 ergangenen Weisung
des
SECO
, die sich auf die hier nicht massgebenden Abrechnungsperioden ab Juni 2021 bezieht, sowie die im Juli 2021 eingeholten Unterlagen (
Fragebogen vom
2.
Juli 2021 und damit
eingereichte Umsatz
zahlen
)
.
Damit lässt sich eine zweifellose Unrichtigkeit
(
im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG
) der Verfügung vom 18. Februar 2021
nicht begründen.
Soweit der Beschwerdegegner das Zurückkommen auf die Verfügung vom 18. Februar 2021 damit begründete,
es sei nachträglich festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin ihren Personalbestand aufgestockt habe
(
vgl. Verfügung vom
3.
August 2021,
Urk.
7/4, vgl. E. 4.4)
, hat er nicht eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG), sondern eine sogenannte prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG vorgenommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2017 vom 23. Februar 2018 E. 5.3.2 und E. 6.1).
4.8
4.8.1
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision; BGE 143 V 105 E. 2.1; Urteil des Bundesge
richts 8C_206/2020 vom 1. Mai 2020 E. 4.1, je mit Hinweisen).
Der Begriff «neue Tatsachen oder Beweismittel» ist bei der (prozessualen) Revision eines Verwaltungsentscheides nach Art. 53 Abs. 1 ATSG gleich auszulegen wie bei der Revision eines kantonalen Gerichtsentscheides gemäss
Art.
61
lit
. i ATSG oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss Art. 123 Abs. 2
lit
. a BGG (BGE 144 V 245 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_562/2020 vom 14. April 2021 E. 3.2).
Im Rahmen von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind Tatsachen neu, wenn sie sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung oder des
Einspracheentscheides
verwirklicht
haben, jedoch der das Revisionsgesuch stellenden Person
beziehungsweise dem Versicherungsträger
trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung zu führen (BGE 144 V 245 E. 5.2 und Urteil des Bundesgerichts 8C_531/2020 vom 3. Mai 2021 E. 2.2, je mit Hinweisen). Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewe
sen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Entscheid geführt, falls die Verwaltung im früheren Verfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sach
verhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als ob
jektiv mangelhaft erscheinen lassen (vgl. BGE 143 V 105 E. 2.3, vorgenanntes Urteil 8C_531/2020 E. 2.3, je mit Hinweisen).
Neue Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind innert 90 Tagen nach ihrer Entdeckung geltend zu machen; nebst dieser relativen Frist gilt eine absolute 10-jährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfügung respektive des
Einspracheentscheides
zu laufen beginnt (BGE 143 V 105 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2020 vom 1. Mai 2020 E. 4.2, je mit Hinweisen).
Der Zeitpunkt, in welchem die Partei den angerufenen Revisionsgrund hätte ent
decken können, bestimmt sich grundsätzlich nach dem Prinzip von Treu und Glauben. Praxisgemäss beginnt die relative 90-tägige Revisionsfrist zu laufen, sobald bei der Partei eine sichere Kenntnis über die neue erhebliche Tatsache oder das entscheidende Beweismittel vorhanden ist. Blosse Vermutungen oder gar Ge
rüchte genügen dagegen nicht und vermögen den Lauf der Revisionsfristen nicht in Gang zu setzen. Die sichere Kenntnis ist nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung nicht erst dann gegeben, wenn die das Revisionsgesuch stellende Per
son die neue Tatsache sicher beweisen kann, sondern es genügt ein auf sicheren Grundlagen fussendes Wissen darüber (BGE 143 V 105 E. 2.4 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_278/2019 vom 16. August 2019 E. 4.1.3).
4.8.2
Dem
Einspracheentscheid
vom 28. Januar 2021 des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kanton Aargau (Urk. 7/41
; nachfolgend AWA Aargau
) lässt sich ent
nehmen, dass
die Beschwerdeführerin
am 23. März 2020
eine Voranmeldung von Kurzarbeit bei zwei von Kurzarbeit betroffenen
Arbeitnehmenden
eingereicht und das
AWA Aargau
die Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung mit Verfügung
vom 1. April 2020 grundsätzlich bewilligt
hatte.
Mit einer zweiten Voranmeldung vom 1
3.
Juli 2020 habe die Beschwerdeführerin dann
ab
1.
August 2020 einen weiteren voraussichtlichen Arbeitsausfall an
gekündigt
, und zwar von 80
%
für neu
acht
betroffene
Arbeitnehmende
, woraufhin die Bewilligung zur Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung bis Ende Juli 2020 beschränkt wurde. In der Folge
hatte
das
AWA Aargau gegen die Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung ab 1. August 2020 sowie - nach erneuter Voranmeldung - ab 1. Dezember 2020 Ein
spruch erhoben. Die gegen die Verfügung vom 23. November 2020 (betreffend Anspruch ab 1. Dezember 2020) gerichtete Einsprache wies das AWA Aargau na
mentlich mit der Begründung ab,
die Beschwerdeführerin könne nicht glaubhaft belegen, dass sie sechs Mitarbeitende von der
Y._
GmbH per August 2020 übernommen habe, welche sich zuvor schon in Kurzarbeit befunden hätten. Zudem erkannte das AWA Aargau
aufgrund enger personeller Verflechtung (auf Geschäftsleitungsebene) der beiden Firmen, welche gleichzeitig für den Zeitraum vom 1. Dezember 2020 bis 28. Februar 2021 einen voraussichtlichen Arbeitsaus
fall geltend machten, ein erhebliches Missbrauchsrisiko.
4.8.3
Wann der Beschwerdegegner von der offenbar per August 2020 erfolgten Per
sonalaufstockung der Beschwerdeführerin sowie der Tatsache, dass dies
e
bereits im Jahr 2020 - entgegen ihrer Behauptung in der Einsprache (Urk. 7/5 S. 5 Ziff. 13) - Kurzarbeitsentschädigung bezogen hatte, Kenntnis erhalten hat, lässt sich auf
grund der Akten nicht feststellen.
Aus den nach wie vor unvollständigen Akten des Beschwerdegegners geht weder hervor, wann einzelne Dokumente eingegan
gen sind noch von wem diese eingereicht wurden.
Daher lässt sich nicht beurtei
len, ob die 90-tägige Revisionsfrist eingehalten wurde.
Demnach wird der Beschwerdegegner zunächst seine Akten zu vervollständigen und systematisch zu erfassen
haben
(vgl. Art. 47 ATSG)
,
anschliessend
wird er
über eine allfällige prozessuale Revision der Verfügung vom 18. Februar
2021 neu zu entscheiden haben.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde
in dem Sinne
gutzuheissen
, dass
der
Ein
spracheentscheid
vom
8.
Dezember 2021
aufzuhe
ben und die Sache an den Be
schwerdegegner zurückzuweisen ist, damit er
im Sinne der Erwägungen verfahre
.
Ausgangsgemäss
(vgl. BGE 137 V 57, 141 V 281 E. 11.1)
hat die
anwaltlich ve
r
tretene Beschwerdeführerin
gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
Anspruch auf eine Prozessentschädigung,
welche
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
1’5
00
.--
(inkl.
Barausl
agen und
MWSt
) festzusetzen und dem Beschwerd
e
gegner aufzuerlegen ist.