Decision ID: 2d2e1c57-637a-4c74-92d5-cbe3e2edafd9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Z._
AG (vormals, bis
zur Statutenänderung vom 2
8.
November
:
A._
AG) mit Sitz in
B._
war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlos
sen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl.
Urk.
7/
278
/1-3,
Urk.
7/333/11-19). Als
einziges Mitglied des
Verwaltungsrat
es
amtete
Y._
. Geschäftsführer mit Einzelunterschriftsber
e
chtigung war vom 1
4.
August 2012 bis 2
5.
September 2014
(Tagebucheintrag)
X._
. Als solcher war er im Handelsregister eingetragen. Ab 2
5.
Septem
ber 2014 wurde er von
C._
abgelöst (
Urk.
7/
278
/1-3). Mit Urteil vom 2
7.
Januar 2015 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Bülach den Konkurs über die Gesellschaft. Das Verfahren wurde am 2
9.
Juni 2015 mangels Aktiven eingestellt (
Urk.
7/
255,
Urk.
7/278/1-3)
.
Mit (drei sep
araten) Verfügungen vom 2
3.
Mai
2016 verpflichtete die Aus
gleichs
kasse
X._
zu Schadener
satz für entgangene Sozialversi
cherungs
beiträge im Umfang von
Fr.
42'460.30,
Y._
im Umfang von
Fr.
55'507.90 und
C._
im Umfang von
Fr.
55'5
4
7.90
, jeweils in Solidarhaftung
(
Urk.
7/278/5-13
). Mit (separaten)
Einspracheentscheiden
vom 1
9.
Dezember 2016 hielt sie an der Schadenersatzforderung gegen
X._
vollumfänglich fest (
Urk.
7/304
), die Schadenersatzforderung gegen
Y._
reduzier
te sie auf
Fr.
55'178.-- (
Urk.
7/303
) und die Schaden
ersatzforderung gegen
C._
hob s
ie auf (
Urk.
7/302
).
X._
und
Y._
führten Beschwerde je mit dem Antrag auf Aufhebung des sie betreffenden Einspracheentscheids (
Urk.
7/310/3-5,
Urk.
7/311/4-24).
Nach Vereinigung der beiden Verfahren (
Urk.
7/319) hiess das Sozialversich
erungsgericht
mit Urteil
AK.2017.00003
vom 2
8.
Februar 2019 die Beschwerde von
Y._
in dem Sinne gut, als
es die Sache
in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids
zur Vervollständigung der Akten und zu neuer Verfügung an die Ausgleichskasse zurückwies. Die Beschwerde von
X._
hiess es gut und hob den diesen betreffenden Einsprache
entscheid vom 1
9.
Dezember 2016 auf (
Urk.
7/325). Die dagegen
, soweit
X._
betreffend,
von der Ausgleichskasse erhobene Beschwerde in öffent
lich-rechtlichen Angelegenheiten (
Urk.
7/328) hiess das Bundesgericht mit Urteil
9C_275/2019
vom
6.
November 2019 gut
und
hob den Entscheid des Sozialver
sicherungsgerichts vom 2
8.
Februar 20
19
,
sowe
it
X._
betreffend
,
auf
. Die Sache wies es an die Ausgleichskasse zurück, damit diese, nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen, neu entscheide. In den Erwägungen hatte das Bundesgericht festgehalten, dass
X._
während seiner Tätigkeit als Geschäftsführer für die
Z._
AG
faktisch
die Stellung eines Organs dieser
Gesellschaft zugekommen sei, womit er nach
Art.
52 AHVG schadenersatzpflichtig sei
(E. 4.2)
. Weiter hatte es festgehalten,
mi
t Bezug auf die Höhe des der Ausgleichskasse entstandenen Schadens, der den unbezahlt
gebliebenen Beiträgen entspreche
und damit von der Daue
r der Lohn
zahlungen abhängig sei, habe
die Vorinstanz die Sache betreffend den damaligen Verwaltungs
rat der Gesellschaft,
D._
, zu näherer Abklärung an die Ausgleichskasse zurüc
kgewiesen. In gleicher Weise sei
zur Ermittlung der H
öhe des Schadens im
Fall
von
X._
vorzugeh
en (
E. 4.3;
Urk.
7/331).
1.2
Nach getätigten Abklärungen (
Urk.
7/332) verpflichtete die Ausgleichskasse mit (zwei separaten) Verfügungen vom 2
1.
Februar 202
0
Y._
zur Bezah
lung von Schadenersatz
für entgangene Sozialversicherungsbeiträge
in der Höhe von
Fr.
29'606.05 (
Urk.
7/333/2-4)
und
X._
zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe v
on
Fr.
22'271.75
, jeweils als
Solidarhafter
(
Urk.
7/333/8-9
)
.
X._
erhob Einsprache gegen die ihn betreffende Verfügung (
Urk.
7/335), die die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 1
7.
Juni 2021 abwies (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 2
3.
August 2021 Beschwerde erheben und beantragen, in Gutheissung der Beschwerde sei
der Entscheid vom 1
7.
Juni 2021 aufzuheben und er sei von der Verpflichtung zur Bezahlung des Betrages von
Fr.
22'271.75 zu entbinden (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 2
0.
September 2021 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom
1.
Oktober 2021 wurde
Y._
zum Verfahren beigeladen, der auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
8,
Urk.
9), was den Parteien zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen
versicherung (
AHVG
)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsfüh
rung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen
Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solida
risch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz, EOG) und Arbeitslosenver
sicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familien
zulagen (Art. 25 lit. c
FamZG
).
2.
2.1
Bei einer Aktiengesellschaft sind alle Mitgl
ieder des Verwaltungsrates unab
hän
gig davon, welche Aufgaben sie tatsächlich erfüllen, Organ im formellen Sinn. Anderen Personen kommt faktische Organstellung zu, wenn sie tatsächlich die Funktion von Organen erfüllen, indem sie diesen vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft massgeb
end mitbestimmen (U
rteil
des Bundesgerichts
9C_920/2014 vom 1
9.
Mai 2015 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
2.2
Entscheide des Bundesgerichts erwachsen am Tag ihrer Ausfällung in Rechtskraft (
Art.
61
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht,
BGG). Die rechtliche Beurteilung, mit der eine Rückweisung begründet wurde, ist für das weitere Verfahren massgebend, d.h. für die Vorinstanz, die Parteien und auch das allen
falls erneut mit der Sache befasste Bundesgericht verbindlich. Abgesehen von zulässigen
Noven
ist der neuen Entscheidung der bisherige Sachverhalt zugrunde zu legen; rechtliche Gesichtspunkte, die ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt nicht in Erwägung gezogen wurden, haben ausser Betracht zu bleiben; definitiv entschiedene Punkte sind nicht in Frage zu stellen. Die Tragweite des Rückwei
sungsentscheids ergibt sich mithin aus seiner Begründung, die in Verbindung mit den Rechtsschriften, die ihm zugrunde lagen, den Rahmen für die Neubeurteilung der Streitsache in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht
vorgibt (BGE 135 III 334 E. 2,
Urteil des Bundesgerichts 9C_638/2017 vom 1
3.
November 2017 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.3
Das Bundesgericht führte im Urteil vom
6.
November 2019
(
Urk.
7/331)
aus,
gestützt auf den vorinstanzlichen Entscheid sei erstellt, dass der Beschwerdefüh
rer
vom 1
4.
August 2012 bis 2
5.
September 2014 Geschäftsführer mit Einzel
unterschr
ift der späteren
Konkursitin
gewesen sei. Ebenso sei
erstellt, dass er sich um die Abrechnungspflicht gekümmert
habe
, die Lohndeklarationen unterzeich
net und am 2
1.
Mai 20
13 einen Ratenplan beantragt habe
. Dass er damit lediglich administrative Arbeiten ohne Einfluss auf die Willensbildung
der Gesellschaft verrichtet habe
,
sei
mit Blick auf seine Stellung als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer und die Erledigung von Aufgaben des Rechnungsw
esens nicht plausibel. Dies gelte
insbesondere für den Antrag auf Billigung eines
Ratenplans; diese Aufgabe falle
als Teil des Rechnungswesens in die Kompetenz des Verwal
tungsrates oder der Geschäftsführung, nicht aber des administrativen Personals. Die Behau
ptungen des Beschwerdeführers
, er habe die Ratenpläne im Auftrag des Verw
altungsrates eingereicht, finde
im angefochtenen Entscheid keine Stü
tze. Soweit der Beschwerdeführer
sodann geltend macht
e
, in seinem Fall sei auf den von der Vorinstanz zitierten BGE 114 V 213 E. 4
e und 5
abzustellen, könne
ihm nicht gefolgt werden. Das Eidgenö
ssische Versicherungsgericht habe
in jenem Urteil festgehalten, dass die blosse Besorgung von Büroarbeiten die Annahme einer Organstellung in keine
r Weise zur rechtfertigen vermöge
, weil
sie sich in Handlungen erschöpfe
, welche die Willensbildung der Gesellschaft nicht massge
bend beeinfluss
t
en
(E. 4.1). So verhalte
es sich im vorliegenden Fall
nicht. Der Beschwerdeführer
habe
als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer nicht lediglich administrative Tätigkeiten für die Aktiengesellschaft ausgeführt, sondern zumindest im Rahmen des Rechnungswesens als Teil der Geschäftsfüh
rung (
Art.
716
Abs.
2 OR) auch Arbeiten verrichtet, die dem Verwaltungsrat oder dem Geschäftsführer obliegen
würden. Damit habe
er zweifellos Einfluss auf die Willensbildung der Gesellschaft genommen, namentlich was die Zahlung der Beiträge
an die Ausgleichskasse anbelange
, weshalb ihm faktisch die Stellung eines Organs
der Gesellschaft zugekommen sei
, womit er nach
Art.
52 AHVG schadenersatzpflichtig sei (E. 4.2).
2.4
Das Bundesgericht hat somit verbindlich entschieden, dass der Beschwer
deführer
für seine frühere Tätigkeit als Geschäftsführer der
Z._
AG als fa
ktisches Organ zu betrachten ist
. Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde
nichts Neues vor. Soweit er die Organeigenschaft bestreitet
(
Urk.
1 S. 6 ff.)
, ist er somit nicht zu hören.
3
.
3
.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse
verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungs
pflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeb
lichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3.2
Der Schaden wurde von der Beschwerdegegnerin mit den eingereichten Akten - insbesondere dem
(korrigierten)
Kontoauszug vom 1
6.
Mai 2016 (
Urk.
7/333/5-18)
- hinreichend substantiiert (vgl. Bundesgerichtsentscheid 9C_325/2010 vom 1
0.
Dezember 2010 E. 7.1.1). Der Schaden setzt sich aus den unbezahlt gebliebe
nen Lohnbeiträgen für das J
ahr 2013
sowie Verwaltungskosten und Verzugs
zinsen zusammen. Mit V
erfügung
en
vom 2
3.
Mai
2016 resp. mit
Einspracheent
scheid
en
vom
1
6.
Dezember 2016 hatte die Beschwerdegegnerin ausstehende Lohnbeiträge samt Nebenkosten für die Jahre 2013 und 2014 geltend gemacht. Der Beschwerdeführer hatte im damaligen Verfahren geltend gemacht, von der
Z._
AG seien bloss bis Januar 2014 Löhne ausbezahlt worden. Ab Februar 2014 habe das bei der
Z._
AG angestellt gewesene Personal für die
E._
AG gearbeitet. In diese Richtung gingen auch die Aussagen von
C._
. Das Sozialversicherungsgericht hielt im Urteil vom 2
8.
Feb
ruar 2019 fest, eine Lohndeklaration oder ein anderer Nachweis, ob und inwiefern von der
Z._
AG nach Januar 2014 noch Löhne ausbezahlt worden seien, finde sich in den Akten nicht, und wies deshalb die Sache
(soweit
Y._
betreffend, dessen Organstellung bejaht worden war)
zu we
iteren Abklärungen
zurück (
Urk.
7/325). Das Bundesgericht bestätigte im Urteil vom
6.
November 2019, nachdem es die Organstellung des Beschwerdeführers bejaht hatte, dass hinsichtlich der Schadenshöhe weitere Abklärungen zu treffen seien (
Urk.
7/331).
In der Folge gelangte die Beschwerdegegnerin zum Schluss, es lasse sich nicht nachweisen, dass im Jahr 2014 von der
Z._
AG noch Löhne ausbezahlt worden seien (
Urk.
7/332). Folglich
machte sie
in den Verfügungen vom 2
1.
Februar 202
0
resp. im Einsprachee
ntscheid vom 1
7.
Juni 2021
einzig die
ausstehenden Lohnbeiträge samt
Nebenkos
t
en für das
Jahr 2013
als Schaden geltend. Diesen
berechnete sie, indem
sie vom
ursprünglich (einschliesslich
der in Rechnung gestellten
Akontobeiträge
2014) berechneten
Schaden von Fr.
42'460.30
(
Fr.
29'882.75 +
Fr.
1'551.6
0
+
Fr.
2'993.70 + 4'728.70 +
Fr.
3'303.55;
Urk.
7/333/18-19)
, sämtlich
e
für das Jahr 2014 in Rechnung gestell
ten Lohnbeiträge und Nebenkosten
abzog (
Fr.
957.25,
Fr.
957.25,
Fr.
957.25,
Fr.
957.25,
Fr.
40.--,
Fr.
957.25
,
Fr.
4'728.70,
Fr.
4'728.70,
Fr.
2'601.35,
Fr.
3'303.55
;
Urk.
7/333/16-19
), was den
geltend gemachten Schadensbetrag von
Fr.
22'271.
75 ergibt.
Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die noch offenen Schadenspositionen ergeben sich mit hinreichender Klarheit aus dem Kontoaus
zug (vgl.
Urk.
7/333/5-19).
4.
4.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff.
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenversicherung
(
AHVV
)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; 111 V 172 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_165/2017 vom 8. August 2017 E. 4.2.3).
4
.2
Die
Z._
AG
kam den ihr als A
rbeitgeberin obliegenden Abrech
nungs- und Zahlungsver
pflichtungen nur ungenügend nach. Geschuldete
Sozialversiche
rungsbeiträge (inklusive Nebe
nkosten) für das Jahr 2013 blieben unbezahlt
. Es bedarf deshalb keiner weiter
en Ausführungen, dass die
Z._
AG
Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber absichtlich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die
Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder ein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5.2
5.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfalts
pflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a mit Hinweisen; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b, je mit weiteren Hinweisen).
5.2.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Verschulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzu
rechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S.
620 E.
3b; Urteil des Bundesgerichts
9C_646/2012 vom 27. August 2013
; vgl. Urteil des Bundes
gerichts
9C_187/2020 vom 11. November 2020 E. 1.3.1
).
Hat
das Organ
gar eine Stellung inne, die einem Geschäftsf
ührer
entspricht, ist es
weiter
gehenden Pflich
ten unterworfen
(BGE 126 V 237 E. 4).
5.3.
5.3.1
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist, ob die Liquidation beziehungsweise der Konkurs der
Z._
AG allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen, etwa
F._
(vgl.
Urk.
1 S. 10)
, diesbe
züglich ein Schuldvorwurf
gemacht werden könnte. Vielmehr ist einzig zu entscheiden, ob
den Beschwerdeführer ein qualifiziertes Verschulden dafür trifft, dass
die
Z._
AG die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat.
Haben mehrere Organe einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (E. 1.1). Diese solidarische Haftung führt dazu, dass die Ausgleichskasse bei einer Mehr
heit von Haftpflichtigen wählen kann, gegen wen sie vorgehen will. Es steht in ihrem Belieben, ob sie einen, mehrere oder alle Organe belangt (BGE 108 V 189 E. 3). Der Beschwerdeführer vermag sich deshalb seiner Haftung nicht mit dem Argument entziehen, dass die Beschwerdegegnerin die Erben von
F._
(vgl.
Urk.
1 S. 13) ins Recht zu fassen habe.
5.3
.2
Bei der
Z._
AG
handelte es sich um ein kleines Un
ternehmen
mit wenigen, ganzjährigen Arbeitnehmern
(vgl
.
Urk.
7/170-171)
und einer kleinen Verwaltungsstruktur mit nur einem Verwaltungsratsmitglied und dem Geschäftsführer
. Bei derart
leicht überschaubaren Verhältniss
en muss von jedem Organ
– insbesondere von
einem geschäftsführenden – verlangt werden, dass es
den Überblick über alle
wesentlichen Belange des Unter
nehmens hat. Der Beschwer
deführer muss sich demnach den Vorhalt gefall
en lassen, dass
die
Z._
AG relevante Sozialversicherungs
beiträge (inklusive Nebenkost
en) schuldig blieb, im Jahr 2013 aber Lohnzah
lungen von
Fr.
475'145.-- (vgl.
Urk.
7/253/2)
ausrich
tete.
Ferner wurde eine Anpassung der
Akontobeiträge
2013 an die effektiv ausbezahlten Lohnsummen (vgl.
Art.
35
Abs.
2 AHVV) offensichtlich unterlassen, was zu einer hohen Nachforderung führte (
Urk.
7/181).
Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung eingeräumt, worauf di
e Beitragsausstände zurückzufüh
ren sind.
Ein Betrieb darf praxis-
und rechtsprechungsgemäss
nur so viel Lohn auszahlen, als auch die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge noch gedeckt sind (siehe etwa Bundes
gerichtsurteile 9C_311/2015 vom
9.
Juli 2015 E. 4.2.2 mit Hinweis, H
90/00 vom 2
0.
Juni 2001 E. 4d mit Hinweis auf SVR
1995 AHV Nr. 70).
Wenn die Liquidi
tätssituation die Begleichu
ng der vollen Bruttolöhne zuzüg
lich des Beitragsanteils des Arbeitgeberbeitrag
es nicht zulässt, sind die Lohn
zahlungen auf ein Mass zu reduzieren, welches die Entrichtung der dar
auf entfallenden Sozialversiche
rungs
beiträge erlaube
n (Bundesgerichtsurteil H 69/05
vom 1
5.
März 2006 E. 5.3.3 mit Hinweis).
Indem der Beschwerdeführer nic
ht gegen die Praxis
der
Z._
AG
einschritt beziehungsweise diese Vorgehensweise wählte, verletzte er seine
Pflichten als Organ.
Gründe, welche den Beschwerdeführer entla
sten würden, sind nicht ersicht
lich.
Soweit der Beschwerdeführer ein grobfahrlässiges Verhalten
seinerseits
unter Hinweis darauf, dass der Hauptaktionär
F._
der
Z._
AG durch Geldbezüge finanzielle Mittel entzogen habe (
Urk.
1 S. 8 ff.), in Abrede stellt, kann ihm nicht gefolgt
werden
. Sinngemäss macht er damit ein mitwirkendes Drittverschulden geltend.
Eine Haftungsbeschränk
ung wegen mitwirkenden Dritt
ver
schuldens
,
selbst eines solidarisch Haftpflichtigen
,
zieht die Recht
sprechung bloss als eher theoretische Möglichkeit in Betracht, die, wenn überhaupt, nur bei einer ausgesprochen exzeptionellen Sachlage von praktischer Bedeutung sein kann. Das schuldhafte Verhalten eines Ersatzpflichtigen kann nur dann als inadäquat für den eingetretenen Schaden gelten, wenn das Verschulden des Dritten oder des Geschädigten dermassen schwer wiegt, dass das eigene Fehlver
halten eindeutig in den Hintergrund tritt und damit nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der Lebenserfahrung nicht mehr als adäquate Schadensursache erscheint (Urteile des Bundesgerichts 9C_66/2016 vom 1
0.
August 2016 E. 5.4, 9C_135/2011 vom 1
1.
April 2011 E. 4.3.1). Von einer solchen K
onstellation kann hier nicht ge
sprochen werden.
Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Privatbezüge von
F._
den Beschwerdeführer hätten davon abhalten sollen, seinen Pflichten nachzukommen.
Offenbar versuchte der Beschwerdeführer
F._
dazu zu bewegen, die getätigten Bezüge zurückzubezahlen (
Urk.
1 S. 10). Damit vermag er sich aber nicht zu exkulpieren.
Denn für die Beurteilung der Verschuldensfrage ist nicht entscheidend, was die verantwortlichen Organe zur Aufrechterhaltung des Betriebes oder zur Vermeidung eines Konkurses allen
falls unternommen haben, sondern ob sie (nach aussen erkennbar) der Pflicht, für eine ordnungsgemässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge
zu sorgen, nachgekommen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_313/2021 vom
8.
November 2021 E. 4.3). Selbst wenn die Privatbezüge dazu geführt hätten, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, die ihm obliegenden Aufgaben und Pflichten in rechtsgenügender Weise zu erfüllen, kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn diesfalls hätte er unverzüglich demissionieren müssen (Bundes
gerichtsurteil 9C_548/2007 vom
2.
Juni 2008 E. 5.1), was er nicht tat.
6.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen).
6.2
Zwischen dem
dem
Beschwerdeführer vorzuwerfenden widerrechtlichen Verhal
ten und dem eingetretenen Schaden ist der Kausalz
usammenhang ohne Weiteres zu be
jahen. Denn es ist anzunehmen, dass ein pfl
ichtgemässes Verhalten den Scha
den verhindert
hätte. Dass das Verhalten von
F._
nicht geeignet war, eine Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs zu bewirk
en, wurde bereits unter E. 5.3.2
erläutert.
7.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.