Decision ID: 7a21f4be-4758-5b0a-bfb5-345f2c8954d4
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im November 2012 zur Früherfassung an (IV-act. 1). Im
Früherfassungsgespräch vom 19. November 2012 gab sie an (IV-act. 5), sie habe keine
berufliche Ausbildung absolviert. Sie arbeite vollzeitig „in der Handmontage der
Produktion“. Seit elf Jahren leide sie an rechtsseitigen Rückenschmerzen, seit drei
Jahren leide sie auch in der linken Seite an Rückenschmerzen. Zudem strahlten die
Schmerzen nun auch aus. Seit August 2011 sei sie zu 50 Prozent arbeitsunfähig
geschrieben. Eine stationäre Behandlung in der Klinik B._ habe keine wesentliche
Verbesserung bewirkt. Der Eingliederungsberater der IV-Stelle empfahl eine Anmeldung
zum Leistungsbezug. Bereits Ende November 2012 reichte die Versicherte das
ausgefüllte Anmeldeformular ein (IV-act. 8). Die Rheumatologin Dr. med. C._ teilte in
einem Telefonat mit Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD)
am 29. November 2012 mit (IV-act. 26), die Versicherte leide an einem
therapieresistenten lumbo-spondylogenen Syndrom. Vom 21. Juli 2012 bis zum 8.
August 2012 sei sie vollständig und anschliessend zu 50 Prozent arbeitsunfähig
gewesen. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei ihr grundsätzlich uneingeschränkt
zumutbar. Im Austrittsbericht vom 28. November 2012 betreffend die stationäre
Behandlung in der Zeit vom 29. Oktober 2012 bis zum 17. November 2012 hielt die
Klinik B._ fest (IV-act. 32), die Versicherte leide an psychologischen Faktoren und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten, an einem chronischen
lumbo-spondylogenen Syndrom, an einer arteriellen Hypertonie, an einer Adipositas
sowie an einer Hypercholesterinämie. Im Verlauf der stationären Behandlung habe sie
nur minime Fortschritte bezüglich der Kraft und der Ausdauer erzielt. Während der
Dauer des Aufenthaltes sei ein vermehrtes demonstratives Verhalten aufgefallen.
Dieses sei „vor allem nach Besprechung der Arbeitsfähigkeit, welche wir aus
A.a.
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körperlicher Sicht auf 80 Prozent eingestuft hätten, aufgetreten“ (IV-act. 32–2). Die
Arbeitsfähigkeit sei deshalb aus psychiatrischer Sicht auf nur 50 Prozent festgelegt
worden, „um anfänglich eine weitere Chronifizierungstendenz zu verhindern“ (IV-act.
32–2). Die Versicherte sei aus medizinischer Sicht in der Lage, den
Arbeitsfähigkeitsgrad innerhalb von vier Wochen auf 80 Prozent zu steigern. Der
Physiotherapeut der Klinik berichtete, dass schon beim Eintritt ein demonstratives
Verhalten aufgefallen sei. Damals habe die Versicherte aber immerhin eine Treppe noch
im gewöhnlichen Wechselschritt innerhalb von 70 Sekunden bewältigen können. Im
Verlauf der Behandlung habe sich die Zeitdauer auf über 140 Sekunden erhöht, wobei
sich die Versicherte nicht mehr in der Lage gezeigt habe, die Treppe alternierend zu
besteigen. Sie habe sich seufzend und klagend mit beiden Händen am Geländer nach
oben gezogen. Der Internist Dr. med. E._ berichtete am 4. Februar 2013: „Hat immer
Schmerzen, 24 Stunden lang, angeblich“ (IV-act. 33–5). Die Rheumatologin Dr. C._
hielt in einem Verlaufsbericht vom 22. Februar 2013 fest (IV-act. 34), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Die Arbeitsfähigkeit
werde nicht nur durch das lumbo-spondylogene Syndrom, sondern auch durch eine
beidseitige, rechtsbetonte Gonarthrose beeinträchtigt. Die bisherige Tätigkeit sei nicht
mehr zumutbar. Für eine leidensadaptierte Tätigkeit könne nur ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent attestiert werden. Am 5. April 2013 wurden eine
mikrochirurgische Dekompression L4/5 links sowie eine dorso-laterale Spondylodese
L4/5 mit einer Vertebroplastie L4 und L5 durchgeführt (IV-act. 45). Der Orthopäde Dr.
med. F._ berichtete am 9. August 2013 (IV-act. 49), der operative und der
postoperative Verlauf hätten sich komplikationslos gestaltet. Die Versicherte klage aber
immer noch über linksseitige Lumboischialgien mit Gefühlsstörungen, die aber nicht
dermatomal „zuortbar“ und auch nicht radiculär bedingt seien. Vorläufig sei sie
vollständig arbeitsunfähig. Ab Januar 2014 könne voraussichtlich mit einer
Wiedereingliederung begonnen werden. Längerfristig werde die Versicherte die
bisherige Tätigkeit aber nicht zu mehr als 50 Prozent ausüben können. Ein
Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle hielt in einem Bericht vom 23. September
2013 unter anderem fest, ihm sei schleierhaft, wie die Versicherte – gemäss ihren
eigenen Angaben – täglich die lange Treppe von der Wohnung bis in den Keller
bewältigen, dort auf dem Hometrainer trainieren und dann noch Gewichte heben solle,
wenn sie gleichzeitig – ebenfalls gemäss ihren eigenen Angaben – kaum in der Lage
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sein solle, aufzustehen und nur wenige Schritte zu gehen; zudem müsste das tägliche
Trainingsprogramm ja auch eine Wirkung hinterlassen, aber eine solche sei nicht
feststellbar (IV-act. 64–3). Am 27. März 2014 berichtete der Psychiater Dr. med. G._
(IV-act. 76), die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit Angst und einer
depressiven Reaktion gemischt. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung erstatteten die Orhopädin Dr. med. H._ und der
Psychiater Dr. med. I._ im April 2014 ein bidisziplinäres Gutachten (Fremdakten). Die
orthopädische Sachverständige hielt fest, die Belastbarkeit der Wirbelsäule sei nach
der Spondylodese im April 2013 vermindert. Ein nervenwurzelbezogenes
neurologisches Defizit bestehe nicht. Der Bewegungsapparat werde durch ein
Übergewicht von mehr als 35 Kilogramm erheblich fehl- und überlastet. In den
Kniegelenken bestünden rezidivierende Beschwerden bei einer medial und retropatellar
betonten Arthrose. Im Befund habe sich ein Anhalt auf Sehnenverkalkungen im
Rahmen eines Diabetes mellitus ergeben. Zudem hätten eine Selbstlimitierung und
Aggravationstendenzen festgestellt werden können. Anhand der Beschwielung der
Fusssohlen und der linken Hand könne eine regelmässige körperliche Aktivität, wie sie
die Versicherte angegeben habe, ebenso ausgeschlossen werden wie eine häufige
Nutzung des Unterarmgehstocks, mit dem die Versicherte zur Untersuchung
erschienen sei. Vorerst sei eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Langfristig würden
sich qualitative Einschränkungen für gehende, stehende, aber auch rein sitzende
Tätigkeiten ergeben, wobei allerdings für leidensadaptierte Tätigkeiten eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren sei. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. I._ führte aus, die Versicherte leide an einer leichten, depressiv
gefärbten emotionalen Anpassungsstörung mit einem somatischen Syndrom im
Rahmen einer chronischen Schmerzproblematik sowie an einer somatoformen
Schmerzstörung. Diese Diagnosen wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aus
psychiatrischer Sicht sei die Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. In einem
Verlaufsbericht vom 25. März 2015 hielt Dr. G._ fest (IV-act. 101), die Versicherte
leide auch an einer somatoformen Schmerzstörung. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei
schon „sehr angepasst“ und leicht gewesen. Die Versicherte habe keine Gewichte
heben und keine Drehbewegungen machen müssen. Sie habe nach Absprache mit den
Vorgesetzten Pausen einlegen und sich jeweils sogar kurz hinlegen können. Eine
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St.Galler Gerichte
weitere Anpassung oder Erleichterung sei kaum möglich. Die Versicherte sei
vollständig arbeitsunfähig.
Am 28. September 2015 beauftragte die IV-Stelle die ärztliches Begutachtungs
institut (ABI) GmbH mit einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act.
109). Am 12. Oktober 2015 liess die Versicherte einwenden (IV-act. 113), gemäss der
statistischen Auswertung der Zuteilungen über „Suisse-MED@P“ für das Jahr 2013
habe die ABI GmbH über 20 Prozent aller Gutachtensaufträge erhalten. Von einem
„Zufallsprinzip“ könne folglich nicht mehr die Rede sein. Zudem fänden sich auf der
Website der ABI GmbH Behauptungen über somatoforme Schmerzstörungen, die eine
Voreingenommenheit der ABI GmbH nahelegten. Mit einer Zwischenverfügung vom 20.
Oktober 2015 „hielt“ die IV-Stelle an der Beauftragung der ABI GmbH „fest“ (IV-act.
115). Diese Zwischenverfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft (IV-act.
117). Am 5. April 2016 erstattete die ABI GmbH das in Auftrag gegebene
polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 122). Der internistische Sachverständige hielt fest,
die Versicherte leide an einem metabolischen Syndrom mit einer Adipositas, einem
Diabetes mellitus Typ II, einer Hypercholesterinämie und einer arteriellen Hypertonie, an
einem Nikotinabusus sowie an einer Varikosis der Beine. Der Diabetes sei gut
eingestellt. Die Hypercholesterinämie sollte medikamentös behandelt werden. Eine
Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege aus
allgemein-internistischer Sicht nicht vor. Der psychiatrische Sachverständige führte
aus, bei der klinischen Untersuchung hätten keine psycho-pathologischen Befunde
erhoben werden können. Auch die subjektiven Angaben der Versicherten hätten nicht
auf eine Einschränkung im Alltag aufgrund von psycho-pathologischen Symptomen
hingewiesen. Aus psychiatrischer Sicht könne lediglich eine
Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert werden, die sich allerdings nicht auf die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten auswirke. Der orthopädische Sachverständige hielt
fest, die Versicherte leide an einem chronischen lumbo-vertebralen Schmerzsyndrom
sowie an einer medial und femoro-patellar betonten Gonarthrose beidseits, links mehr
als rechts. Die Serumspiegelbestimmung habe gezeigt, dass die Angaben der
Versicherten zur regelmässigen Schmerzmitteleinnahme nicht wahrheitsgemäss
gewesen seien. Im Rahmen der klinischen Untersuchung habe die Versicherte zwar
massive Schmerzen und Einschränkungen angegeben und demonstriert, aber sie habe
A.b.
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Bewegungen – ohne Einschränkungen oder Schmerzäusserungen – ausgeführt, die sie
nicht hätte machen können, wenn sie wirklich an den angegebenen und demonstrierten
Einschränkungen und Schmerzen gelitten hätte. Die ganze Untersuchung sei von
massiven Inkonsistenzen geprägt gewesen, wobei sich anhand der klinischen Befunde
allerdings gewisse Beeinträchtigungen im lumbalen Bereich und im Bereich der Knie
hätten objektivieren lassen, die allerdings nicht annähernd das Ausmass der
angegebenen und demonstrierten Beschwerden erklären könnten. Ein Röntgenbild
habe einen Bruch eines Haltestabes links und eine leichte Verbiegung rechts gezeigt,
was als ein Zeichen einer möglichen Segmentinstabilität gedeutet werden könnte. Der
Versicherten seien körperlich anstrengende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für
körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnden Positionen könne lediglich ein leicht
erhöhter Pausenbedarf und damit ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent attestiert
werden. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei gemäss den Angaben in den Akten wohl als
leidensadaptiert zu qualifizieren. Der neurologische Sachverständige führte aus, die
Versicherte leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom sowie
an einem cervico-spondylogenen Schmerzsyndrom. Aus neurologischer Sicht liege
allerdings keine Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vor, da die Befunde der objektiven klinischen Untersuchung weitestgehend unauffällig
gewesen seien. Der neuropsychologische Sachverständige hielt fest, bei der
neuropsychologischen Testung habe kein valides Testprofil erstellt werden können. Die
Versicherte sei zu stark auf ihre Schmerzen fixiert gewesen. Zudem verfüge sie wohl
nur über eine rudimentäre Schulbildung. Nach der Konsensbesprechung hielten die
Sachverständigen fest, die Versicherte leide an einem chronischen lumbo-vertebralen
Schmerzsyndrom, an einer medial und femoro-patellar betonten Gonarthrose, links
mehr als rechts, sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
Schmerzverarbeitungsstörung, an einem cervico-spondylogenen Schmerzsyndrom, an
einem metabolischen Syndrom, an einem Nikotinabusus und an einer Varikosis der
Beine. Körperlich mittelschwer oder schwer belastende Tätigkeiten seien nicht mehr
zumutbar. Für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad
von 80 Prozent zu attestieren, da die Versicherte einen erhöhten Pausenbedarf habe.
Zum Verlauf in der Vergangenheit könnten keine sicheren Aussagen gemacht werden.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dürfte allerdings wohl schon vor der
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Begutachtung bestanden haben. Der RAD-Arzt Dr. D._ qualifizierte das Gutachten
als überzeugend (IV-act. 124).
Mit einem Vorbescheid vom 11. Mai 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 129). Dagegen liess die Versicherte am 16. Juni
2016 einwenden (IV-act. 130), wie befürchtet habe die ABI GmbH eine „nicht näher
begründete Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent“ attestiert, wie das so häufig der Fall sei
bei ABI-Gutachten. Die Versicherte könne aber wegen ihrer Schmerzen in gar keiner
Position länger verharren; sie sei nicht arbeitsfähig. In psychiatrischer Hinsicht liege
keine Schmerzverarbeitungsstörung, sondern eine somatoforme Störung vor. In einem
Bericht vom 4. November 2015 hatte das Palliativzentrum des Spitals J._ eine
somatoforme Schmerzstörung sowie eine depressive Reaktion diagnostiziert (IV-act.
131). Die ABI GmbH nahm am 8. August 2016 Stellung zu diesem Bericht und den
Einwänden der Versicherten (IV-act. 136). Die Sachverständigen hielten fest, ihnen sei
nicht klar, was ein „Palliativzentrum“ mit der Sache zu tun habe. Offensichtlich sei es
um eine Schmerztherapie gegangen. Den erwähnten Diagnosen liege jedenfalls keine
psychiatrische Untersuchung zugrunde. Die Versicherte leide nicht an einer
Depression. Bei einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit den Diagnosekriterien habe
sich auch gezeigt, dass keine somatoforme Schmerzstörung, sondern nur eine
Schmerzverarbeitungsstörung vorliege. Massgebend sei aber ohnehin nicht die
Diagnose, sondern der klinische Befund. Diesbezüglich zeige sich kein Widerspruch
zwischen dem Gutachten der ABI GmbH und dem Bericht des Palliativzentrums des
Spitals J._. Mit einer Verfügung vom 13. Oktober 2016 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 138), nachdem diese Stellung zum
Schreiben der ABI GmbH vom 8. August 2016 genommen hatte (vgl. IV-act. 137).
A.c.
Am 17. Oktober 2016 gingen der IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein (IV-
act. 140 ff.), unter anderem ein Bericht über eine Computertomographie der
Wirbelsäule vom 23. September 2016 (IV-act. 141), in dem festgehalten worden war,
dass der linke Stab der Spondylodese L4/5 gebrochen sei. Am 17. November 2016
widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 13. Oktober 2016, um weitere Abklärungen
durchzuführen (IV-act. 146). Im Januar 2017 wurden der gebrochene Stab und die
Schrauben operativ ersetzt. Im Bericht über die Nachkontrolle vom 30. März 2017 hielt
A.d.
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die Klinik für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
des Kantonsspitals St. Gallen fest (IV-act. 157), der Befund sei zwei Monate nach der
Operation unauffällig gewesen. Der Verlauf sei aber „noch sehr mässig“; die
Versicherte sei deutlich schmerzgeplagt. In einem Verlaufsbericht vom 15. Juni 2017
wurde der Verlauf als weiterhin mässig beurteilt; die Versicherte hatte angegeben, die
Operation sei wirkungslos gewesen (IV-act. 161). Im Januar 2018 berichtete Dr. med.
K._ (IV-act. 181–1 ff.), die Versicherte leide an einer intermittierenden
symptomatischen supraventikulären Tachykardie. Im Juli 2017 sei am Kantonsspital St.
Gallen eine Isthmusablation bei einem symptomatischen intermittierenden
Vorhofflimmern erfolgt. Seit jenem Eingriff hätten sich die Rhythmusstörungen des
Herzens wieder etwas beruhigt. Aktuell sei ein Rehabilitationsaufenthalt geplant. In
ihrem Austrittsbericht vom 29. März 2018 betreffend die stationäre Behandlung der
Versicherten in der Zeit vom 17. Januar 2018 bis zum 27. Februar 2018 hielt die Klinik
L._ fest (IV-act. 198), die Versicherte leide an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, an einer rezidivierenden depressiven Störung
mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode, an einem chronischen lumbo-
spondylogenen Schmerzsyndrom, an einer Gonarthrose links, an einer
intermittierenden symptomatischen supraventikulären Tachykardie, an einem Diabetes
mellitus Typ II, an einer arteriellen Hypertonie, an einer Adipositas sowie an einer
Reizblasensymptomatik. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Aufgrund der Polymorbidität
werde sie wohl nicht mehr arbeitsfähig werden.
Am 14. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die ABI GmbH
mit einer polydisziplinären Verlaufsbegutachtung beauftragen werde (IV-act. 202). Die
Versicherte erhob keine Einwände. Am 20. Juli 2018 liess sie einen Bericht des Spitals
O._ vom 16. Juli 2018 zuhanden der Gutachterstelle einreichen (IV-act. 209 f.). Am
22. November 2018 erstattete die ABI GmbH das Verlaufsgutachten (IV-act. 215). Der
internistische Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einem
intermittierenden typischen und atypischen Vorhofflattern, an einer mikrozytären
hypochromen Anämie unklarer Ursache sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einem metabolischen Syndrom, an einem chronisch
persistierenden Nikotinabusus, an leicht erhöhten Entzündungszeichen unklarer
Ätiologie, an einer Varikosis der Beine und an einer subklinischen Hypothyreose. Das
A.e.
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Vorhofflattern, das erst nach der ersten Begutachtung durch die ABI GmbH aufgetreten
sei, sei im Juli 2017 radiofrequenzabladiert worden. Eine umfassende kardiologische
Abklärung im April 2018 habe gezeigt, dass die linksventrikuläre Auswurffraktion
erhalten gewesen sei. Zudem habe anhand der unauffälligen Befunde einer
Koronarangiographie eine relevante koronare Herzkrankheit ausgeschlossen werden
können. Als Komplikation der Intervention sei ein Aneurysma spurium der rechten
Leiste aufgetreten, das im Verlauf chirurgisch habe saniert werden müssen. Die
Versicherte habe in der aktuellen Untersuchung über eine persistierende
Belastungsdyspnoe geklagt. Diese könne klinisch nicht nachvollzogen werden, da der
Gesamtzustand kardiopulmonal kompensiert gewesen sei, da sich die Halsvenen nicht
gestaut gezeigt hätten, da sich über der Lunge keine Knister-Rasselgeräusche hätten
auskultieren lassen und da die Versicherte eine umfangreiche kardiologische
Medikation eingenommen habe. Grundsätzlich sei es allerdings durchaus möglich,
dass die Versicherte intermittierend an tachykarden Entgleisungen leide.
Zusammenfassend sei die Versicherte nur reduziert belastbar. Für alle durchgehend
mittelschweren oder schweren körperlichen Belastungen müsse aus allgemein-
internistischer Sicht eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Für körperlich
leichte, adaptierte Verweistätigkeiten sei eine Arbeitsfähigkeit von „50 Prozent“ (S. 37)
zu attestieren. Auf der Folgeseite (S. 38) führte der internistische Sachverständige dann
allerdings aus, der Versicherten sei eine maximale Präsenz von „7–8 Stunden pro Tag“
zumutbar; die Arbeitsfähigkeit betrage „80 Prozent“. Der psychiatrische
Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einer chronischen Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren. In der Untersuchung hätten die
Schmerzen im Vordergrund gestanden. Da diese eine somatische Komponente
aufwiesen, zugleich aber auch eine Tendenz zur Symptomausweitung und
Dramatisierung beobachtet werden könne, und da auch psychosoziale Einflüsse
überdeutlich seien, sei eine Schmerzverarbeitungsstörung respektive eine
somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren. Eine eigenstände psychische
Erkrankung bestehe nicht. Insbesondere leide die Versicherte nicht an einer
depressiven Erkrankung. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte uneingeschränkt
arbeitsfähig. Der orthopädische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an
einem chronischen lumbo-vertebralen Schmerzsyndrom, an einer medial und femoro-
patellar betonten Gonarthrose, links mehr als rechts, sowie – ohne Auswirkung auf die
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Arbeitsfähigkeit – an einem chronischen unspezifischen multilokulären
Schmerzsyndrom. Die von der Versicherten geklagten Schmerzen liessen sich zu
einem gewissen Teil im lumbalen Abschnitt und in den Knien grundsätzlich
nachvollziehen, aber das Ausmass der geschilderten und demonstrierten
Einschränkungen sei nicht nachvollziehbar. Insgesamt müsse von einer erheblichen
nicht-organischen Beschwerdekomponente ausgegangen werden. Aus rein
orthopädischer Sicht könne für körperlich sehr leichte, überwiegend sitzende
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 90 Prozent wegen eines erhöhten
Pausenbedarfs von maximal zehn Prozent attestiert werden. Der neurologische
Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einem lumbo-vertebralen
Schmerzsyndrom ohne ein radiculäres Defizit. Der objektive neurologische Befund sei
unauffällig gewesen. Von der Art der Präsentation und der Ausweitung der
Beschwerden her bestehe der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung, wobei
das diskrepante Verhalten bei der Lasègue-Prüfung für eine bewusstseinsnahe
Ausweitung spreche. Die von der Versicherten geklagten Beschwerden seien nur zu
einem kleinen Teil konsistent und plausibel. Aus neurologischer Sicht sei die
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der neuropsychologische Sachverständige
führte aus, in der Testung hätten sich verschiedene Auffälligkeiten gezeigt, die klar auf
ein suboptimales Leistungsverhalten hingewiesen hätten. Die durchgängig extrem
unterdurchschnittlichen Leistungen seien nicht aussagekräftig. In ihrer
Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen fest, aus polydisziplinärer Sicht seien
der Versicherten körperlich sehr leichte, überwiegend sitzende wechselbelastende
Tätigkeiten zu 80 Prozent zumutbar. Der Gesamtzustand habe sich seit der letzten
Begutachtung nicht wesentlich verändert. Die Leistungseinbussen gemäss den
verschiedenen Teilgutachten seien nicht zu addieren, da die Versicherte jeweils ein und
dieselben Pausen zur Erholung nutzen könne. Der RAD-Arzt Dr. D._ qualifizierte das
Gutachten als überzeugend (IV-act. 216).
Mit einem Vorbescheid vom 15. Februar 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 220). Dagegen liess die Versicherte am 25. März
2019 einwenden (IV-act. 223–1 ff.), retrospektiv habe sich das erste orthopädische
Teilgutachten der ABI GmbH als unzutreffend erwiesen, denn damals habe keine
A.f.
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Symptomausweitung oder Selbstlimitation, sondern vielmehr eine organische Ursache
für die Schmerzen, nämlich der Stabbruch, vorgelegen. Dieser müsse schon kurz nach
der Operation im April 2013 eingetreten sein, weshalb die Versicherte zumindest einen
Anspruch auf eine befristete Rente für die Vergangenheit habe. Das aktuelle
internistische Teilgutachten sei widersprüchlich, weil der Sachverständige einmal einen
Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent und einmal einen solchen von 80 Prozent
attestiert habe. Der behandelnde Psychiater Dr. G._ machte am 25. März 2019
geltend (IV-act. 223–12 ff.), die Sachverständigen der ABI GmbH seien befangen
gewesen, weil sie beziehungsweise ihre Arbeitskollegen bereits das erste Gutachten
erstellt hätten. Der RAD habe schon am 16. April 2016 für die angestammte Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Sachverständigen der ABI GmbH
hätten die Akten offensichtlich nicht genau studiert, denn sie hätten festgehalten, sie
verfügten über keine genauen Kenntnisse bezüglich des letzten Arbeitsplatzes der
Versicherten, obwohl dieser doch in den Akten detailliert beschrieben worden sei. Die
Sachverständigen hätten zudem nicht beachtet, dass ein Integrationsversuch am
bisherigen Arbeitsplatz gescheitert sei. Den Grund dafür hätten nicht unbedingt die
Schmerzen, sondern die Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten (Konzentration,
Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen) unter der damals bestehenden Medikation
gebildet. Der neuropsychologische Sachverständige habe seine Schlussfolgerungen
nicht überzeugend begründet. Der psychiatrische Sachverständige habe verkannt,
dass die Versicherte an einer depressiven Störung leide, die bloss gegenwärtig
remittiert sei. Daraus könne nicht gefolgert werden, die Versicherte habe nie an einer
depressiven Störung gelitten. In den Jahren 2013–2018 habe sich die Versicherte
immer wieder in stationären Behandlungen befunden, denen jeweils ein ernsthaftes
Leiden vorangegangen sei. Die IV-Stelle forderte die ABI GmbH auf, Stellung zu diesen
Einwänden zu nehmen. In ihrer Stellungnahme vom 30. April 2019 hielten die
Sachverständigen der ABI GmbH fest (IV-act. 228), auf die fachfremden Einwände von
Dr. G._ sei nicht einzugehen. Im neurologischen Teilgutachten sei klargestellt
worden, dass die beiden Rückenoperationen aus neurologischer Sicht nicht indiziert
gewesen seien. In der psychiatrischen Beurteilung hätten alle relevanten Parameter
darauf hingewiesen, dass die Versicherte nicht an einer eigenständigen depressiven
Störung, sondern ausschliesslich an einem Schmerzsyndrom gelitten habe. Zu betonen
sei diesbezüglich insbesondere das Verhalten der Versicherten während der
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Begutachtung: Sie habe sehr aktiv und engagiert kommuniziert, sie sei während der
gesamten Untersuchungsdauer aufmerksam geblieben und sie habe keine
Affekteinbrüche gezeigt. An den Schlussfolgerungen im Verlaufsgutachten werde
festgehalten. Der RAD-Arzt Dr. D._ qualifizierte diese Ausführungen als überzeugend
(IV-act. 229).
Die IV-Stelle räumte der Versicherten die Gelegenheit ein, Stellung zu den
Ausführungen der ABI GmbH und des RAD zu nehmen (IV-act. 230). Diese liess am 28.
Mai 2019 geltend machen (IV-act. 231), die Stellungnahme der ABI GmbH betreffe
offensichtlich eine andere Person, denn die Versicherte lese kaum Bücher, schon gar
nicht solche mit einem religiösen Inhalt, und sie gehe auch nicht in die Moschee. Sie
trage kein Kopftuch und mache schon seit Jahren keinen Ramadan mehr mit. Sie
verfolge das Weltgeschehen nicht und sie pflege aktiv keinerlei soziale Kontakte. Der
RAD-Arzt Dr. D._ sah keine Veranlassung, dem Gutachten der ABI GmbH den
Beweiswert abzusprechen (IV-act. 232). Mit einer Verfügung vom 26. Juli 2019 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 233). Nachdem die
Versicherte eine Beschwerde gegen diese Verfügung erhoben hatte (vgl. IV-act. 236),
widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung am 17. Dezember 2019, um weitere Abklärungen
zu tätigen (IV-act. 243). Am 19. Dezember 2019 forderte sie die ABI GmbH auf, den
Widerspruch zwischen den beiden vom internistischen Sachverständigen angegebenen
Arbeitsunfähigkeitsgraden zu beheben und die Frage zu beantworten, ob sich die
Stellungnahme vom 30. April 2019 wirklich auf die Versicherte beziehe (IV-act. 248). Mit
einer Verfügung vom 16. Januar 2020 wurde das Beschwerdeverfahren betreffend die
widerrufene Verfügung vom 26. Juli 2019 abgeschrieben (IV 2019/248; vgl. IV-act. 255).
A.g.
Die ABI GmbH hielt in einem Schreiben vom 4. Februar 2020 fest (IV-act. 258),
weder die IV-Stelle noch die Versicherte (vgl. IV-act. 252) hätten konkrete Fragen
gestellt. Deshalb beschränke man sich auf den Widerspruch bezüglich der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im internistischen Teilgutachten. Bei der Angabe, die
Versicherte sei zu 50 Prozent arbeitsfähig, handle es sich um einen Verschrieb, wofür
man sich entschuldige. Die IV-Stelle ersuchte die ABI GmbH am 17. Februar 2020,
Stellung zur Frage zu nehmen, ob in der Ergänzung zum Gutachten vom 30. April 2019
wirklich die Versicherte und nicht eine andere Person beschrieben worden sei (IV-act.
259). Am 23. März 2020 antwortete die ABI GmbH (IV-act. 260), sie könne in keiner
A.h.
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Weise nachvollziehen, weshalb sie nicht die richtige Person beschrieben haben solle.
Dieser nicht nachvollziehbare Vorwurf werde vollumfänglich zurückgewiesen. Zu den
Fragen der Versicherten betreffend den Verlauf der Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten,
dass vorübergehende Phasen mit einer höhergradigen Arbeitsunfähigkeit im
Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen in der Regel für die
Invaliditätsbemessung irrelevant seien. Da hier aber offenbar ein Interesse an einer
genaueren Spezifizierung des Verlaufs bestehe, werde kurz darauf eingegangen. Von
April bis mindestens Juni 2013 sei die Versicherte während der postoperativen
Rekonvaleszenzphase vorübergehend vollständig arbeitsunfähig gewesen. Von Januar
2017 bis längstens September 2017 sei sie im Rahmen einer weiteren postoperativen
Rekonvaleszenzphase ebenfalls vollständig arbeitsunfähig gewesen. Der RAD-Arzt Dr.
D._ notierte im April 2020, er schliesse sich den Einschätzungen der
Sachverständigen der ABI GmbH vollumfänglich an (IV-act. 261). Mit einem
Vorbescheid vom 17. April 2020 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie
weiterhin die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 264). Dagegen liess
diese am 26. Mai 2020 einwenden (IV-act. 267), beim Attest des internistischen
Sachverständigen der ABI GmbH, die Versicherte sei zu 50 Prozent arbeitsunfähig,
habe es sich keineswegs um einen Verschrieb gehandelt, denn der Sachverständige
habe auf eine Verschlechterung im Vergleich zur Voruntersuchung im Jahr 2016 und
auf die Möglichkeit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch geeignete
medizinische Massnahmen hingewiesen, was sich nicht mit dem Attest einer
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent vereinbaren lasse. Offensichtlich sei das Teilgutachten
nachträglich korrigiert worden, wobei man aber die entsprechende Passage übersehen
habe. Selbstverständlich könne die ABI GmbH ein solches Vorgehen nicht zugeben,
weshalb sie lapidar behauptet habe, es handle sich um einen Verschrieb. Zu den
Fragen nach einer allfälligen vorübergehenden Invalidität habe die ABI GmbH gar keine
Stellung genommen. Insbesondere seien die Sachverständigen nicht auf den Umstand
eingegangen, dass nach dem Entdecken des Stabbruchs nicht mehr von einer
Aggravation im Rahmen der ersten Begutachtung habe ausgegangen werden können.
Die Behauptung der Sachverständigen, sie hätten in ihrer ergänzenden Stellungnahme
vom 30. April 2019 die Versicherte und nicht eine andere Person beschrieben,
überzeuge nicht. Einmal mehr habe die ABI GmbH demonstriert, wie unsorgfältig sie
ihre Gutachten erstelle. Das Gutachten sei jedenfalls wertlos. Mit einer Verfügung vom
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/23
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B.
24. August 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act.
268).
Am 25. September 2020 äusserte Dr. K._ gegenüber der IV-Stelle (IV-act. 269–1),
er könne gar nicht glauben, dass die Verfügung vom 24. August 2020 wirklich die
Versicherte betreffe, denn diese sei gemäss seiner Einschätzung keineswegs
arbeitsfähig. Der Eingabe lagen verschiedene medizinische Berichte bei: Das Zentrum
M._ hatte am 3. April 2020 berichtet (IV-act. 269–3 ff.), die Versicherte leide an einer
rezidivierenden Varizenblutung aus kleinen intrakutanen Venektasien beider
Unterschenkel bei einer primären Varikose. Die Situation sei stabil. Die begonnene
Kompressionstherapie könne fortgesetzt werden. Medizinisch sei eine Varizenblutung
prinzipiell nie bedrohlich. Die Klinik L._ hatte am 1. Mai 2020 über eine stationäre
Behandlung in der Zeit vom 19. Februar 2020 bis zum 13. März 2020 berichtet und
festgehalten (IV-act. 269–8 ff.), die Versicherte leide an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode, an einer spontan
sistierten Varizenblutung am rechten Unterschenkel, an degenerativen
Wirbelsäulenveränderungen, an einer Arthrose in der Schulter, im Knie, im
Grosszehengrundgelenk und an der Hüfte, an einer hypertensiven Herzkrankheit, an
einer arteriellen Hypertonie sowie an einem Diabetes mellitus Typ II. Im Rahmen der
stationären Behandlung hätten keine Erfolge erzielt werden können. Der Kardiologe Dr.
med. N._ hatte am 15. Mai 2020 berichtet (IV-act. 269–17 f.), das Holter sei
unauffällig ausgefallen, weshalb die Therapie unverändert fortgesetzt werden sollte.
Mindestens einmal pro Jahr sollte eine Laborkontrolle durchgeführt werden.
A.i.
Bereits am 24. September 2020 hatte die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. August 2020
erheben lassen (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin hatte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab
August 2013 beantragt. Zur Begründung hatte sie ausgeführt, Dr. C._ habe bereits
ab Juli 2012 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert, die sich im Verlauf zwischen 50 Prozent
und 100 Prozent bewegt habe. Die Sachverständigen der ABI GmbH seien nicht in der
B.a.
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Lage gewesen, sich im Rahmen der ersten Begutachtung im Jahr 2016 zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit in den drei, vier Jahren davor zu äussern. Die ABI GmbH habe wie
üblich eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent attestiert. Nachträglich habe sich
herausgestellt, dass ein Stab der Spondylodese gebrochen gewesen sei. Damit sei die
Behauptung der ABI GmbH, die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schmerzen
hätten keine organische Ursache gehabt, widerlegt gewesen. Die Beschwerdeführerin
habe zumindest einen Anspruch auf eine befristete Rente. Im Verlaufsgutachten habe
der internistische Sachverständige eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert.
Die nachträgliche Ergänzung vom 30. April 2019 beschreibe offensichtlich die falsche
Person. Auf ein derart fehlerhaftes Gutachten könne nicht abgestellt werden. Bei der
Beschwerdeführerin handle es sich nicht „nur“ um eine Schmerzpatientin mit einer
Depression, denn sie leide auch an multiplen körperlichen Beschwerden. Ihre
Schwägerin müsse fast den ganzen Haushalt für sie machen.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 30. Dezember
2020 die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, die
beiden Gutachten der ABI GmbH seien überzeugend begründet worden. Ein Hinweis
darauf, dass der Arbeitsfähigkeitsgrad bereits vor der Untersuchung auf 80 Prozent
festgesetzt worden wäre, sei nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin habe bereits
anlässlich der psychiatrischen Untersuchung angegeben, dass sie Bücher lese, ab und
zu in die Moschee gehe und soziale Kontakte pflege. Weshalb sie nun plötzlich das
Gegenteil behaupte, sei nicht nachvollziehbar und wecke Zweifel an ihren Aussagen
während der Begutachtung. Das Gutachten der ABI GmbH zeige ohnehin diverse
Inkonsistenzen auf. Am 5. Januar 2021 reichte die Beschwerdegegnerin eine
Stellungnahme des RAD vom 3. Dezember 2020 nach (act. G 8). Der RAD-Arzt Dr.
D._ hatte geltend gemacht (act. G 8.1), das vom Venenzentrum M._ beschriebene
Venenleiden habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der Bericht der Klinik L._
enthalte keinen Hinweis auf eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der
Versicherten seit der Begutachtung. Auffallend sei, dass die behandelnden Ärzte und
die Rechtsvertreterin der Versicherten mit keiner Silbe auf die zahlreichen
Inkonsistenzen respektive Hinweise auf eine Aggravation eingegangen seien.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 25. Januar 2021 an ihren Anträgen festhalten und
neu eventualiter die Einholung eines Gerichtsgutachtens beantragen (act. G 10).
B.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/23
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 24. August 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat die Prüfung
einer Anmeldung zum Bezug einer Rente vom November 2012 zum Inhalt gehabt.
Folglich ist in diesem Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin in
der Zeit nach November 2012 einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat.
2.
Die Beschwerdegegnerin hielt am 23. Februar 2021 an ihrem Antrag fest und wies
darauf hin, dass auf die in der Replik vom 25. Januar 2021 geltend gemachten
Ausstands- und Befangenheitsgründe nicht eingegangen werden könne, weil diese vor
der Begutachtung hätten vorgebracht werden müssen (act. G 12).
B.d.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die
nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird
gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert. Nach ihrer Einreise
in die Schweiz hat sie ausschliesslich Hilfsarbeiten verrichtet. Ihre Validenkarriere
entspricht folglich jener einer typischen Hilfsarbeiterin, was bedeutet, dass das Validen
einkommen dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne entspricht.
2.2.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens sind
medizinische Aussagen dazu, welche Tätigkeiten in welchem Umfang zumutbar sind,
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/23
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massgebend. Die Beschwerdegegnerin hat die ABI GmbH mit der Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens und später mit der Erstellung eines polydisziplinären
Verlaufsgutachtens beauftragt. Die Beschwerdeführerin hat die Auftragserteilung an die
ABI GmbH akzeptiert. Ihre Eingaben an die Beschwerdegegnerin und an das Ver
sicherungsgericht enthalten zwar verschiedene pauschale Einwendungen gegen die
ABI GmbH, aber diese Vorbringen zielen nicht darauf ab, eine Befangenheit der
Sachverständigen der ABI GmbH im vorliegenden konkreten Einzelfall zu belegen,
sondern sie sollen offenbar nur dazu dienen, generelle Zweifel an der Zuverlässigkeit
eines Gutachtens der ABI GmbH zu wecken. Die Kernbegründung lautet, die ABI
GmbH sei befangen, weil sie wirtschaftlich von den IV-Stellen abhängig sei. Das genügt
allerdings nicht für den Nachweis einer (generellen) Befangenheit der ABI GmbH. Die
IV-Stellen sind verpflichtet, das geltende Recht objektiv und unparteiisch anzuwenden,
weshalb sie von Gesetzes wegen daran interessiert sein müssen, möglichst objektive
und überzeugend begründete Gutachten zu erhalten. Will eine MEDAS möglichst viele
Aufträge von den IV-Stellen erhalten, muss sie also sorgfältige Gutachten erstellen, was
augenscheinlich nicht nur im Interesse der IV-Stellen, sondern auch im Interesse der
Versicherten ist. Mit unsorgfältigen, tendenziösen oder „versichertenfeindlichen“
Gutachten würde eine MEDAS einer IV-Stelle einen Bärendienst erweisen, da ein
solches Gutachten keine taugliche Beweisgrundlage darstellen würde und sich die IV-
Stelle folglich gezwungen sähe, eine Begutachtung durch eine andere MEDAS in
Auftrag zu geben. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der MEDAS von den IV-Stellen
würde also nur dann eine Befangenheit der Sachverständigen zulasten der
Versicherten bewirken, wenn auch die IV-Stellen befangen, das heisst nicht an der
objektiven Rechtsanwendung, sondern an der Einsparung von Rentenausgaben
interessiert wären. Eine solche generelle Befangenheit aller IV-Stellen könnte aber nur
vorliegen, wenn dies von der Aufsichtsbehörde toleriert würde, womit auch diese dem
Anschein nach befangen wäre. Wenn also behauptet wird, dass eine MEDAS befangen
sei, weil sie wirtschaftlich von den IV-Stellen abhängig ist, schlösse das
notwendigerweise auch eine Befangenheit sämtlicher IV-Stellen und des Bundesamtes
für Sozialversicherungen mit ein. Tatsächlich ist aber eine solche umfassende und
systematische Befangenheit des gesamten Verwaltungsapparates der
Invalidenversicherung nicht ersichtlich, weshalb der Vorwurf, die ABI GmbH sei
befangen, weil sie so viele Aufträge von den IV-Stellen erhalte, haltlos ist. Die
Behauptung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, der Zufallsmechanismus
über die Plattform „SuisseMED@P“ werde unterlaufen, ist ebenso haltlos. Das
Zufallsprinzip leistet nämlich entgegen anderslautender Behauptungen keinen Beitrag
zur Unabhängigkeit oder Unparteilichkeit der Sachverständigen, weil die IV-Stellen
nicht befangen sind und weil folglich auch die wirtschaftliche Abhängigkeit einer
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/23
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MEDAS von den IV-Stellen keine Befangenheit der Sachverständigen begründen kann.
Selbst wenn die IV-Stellen befangen wären, würde der Zufallsmechanismus keine
Abhilfe leisten, da die begrenzte Zahl von MEDAS, die eine Tarifvereinbarung mit dem
Bundesamt für Sozialversicherung geschlossen haben, ihre Gutachten in jedem Fall für
eine befangene IV-Stelle erstellen würden, ob ihnen der Auftrag nun „zufällig“ oder
gezielt zugeteilt würde. Zusammenfassend besteht keine Veranlassung, den beiden
Gutachten der ABI GmbH ungeachtet ihres Inhaltes den Beweiswert abzusprechen.
In den Akten finden sich keine Hinweise, die darauf hindeuten würden, dass die mit
der Begutachtung der Beschwerdeführerin beauftragten Sachverständigen der ABI
GmbH befangen gewesen wären. Die Sachverständigen der ABI GmbH haben die
Beschwerdeführerin sowohl im Rahmen der ersten als auch im Rahmen der zweiten
Begutachtung umfassend persönlich untersucht und befragt. Zudem haben sie die
medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt. Sie haben deshalb über eine
umfassende Kenntnis vom für ihre Beurteilung massgebenden medizinischen
Sachverhalt verfügt. Die Beschwerdeführerin hat zwar in Bezug auf eine nachträgliche
Stellungnahme der ABI GmbH vom 30. April 2019 geltend gemacht, sie könne
unmöglich die von der ABI GmbH beschriebene Person sein, weil sie keine Bücher,
schon gar keine mit einem religiösen Inhalt lese, weil sie höchstens einmal pro Jahr in
die Moschee gehe und weil sie (aktiv) keine sozialen Kontakte pflege. Aber sie hatte
bereits im Rahmen der zweiten Untersuchung gegenüber dem psychiatrischen
Sachverständigen der ABI GmbH angegeben, dass sie nachmittags gerne albanische
Bücher mit einem religiösen Inhalt lese, dass sie durchaus am Weltgeschehen
interessiert sei, dass sie Besuche durch die Söhne des Schwagers, die Schwägerin
und durch Freunde erhalte und dass sie etwa drei- bis viermal pro Jahr die Moschee
aufsuche (IV-act. 215–42). Schon bei der ersten Begutachtung hatte sie angegeben,
dass sie lese, wenn sie Zeit habe (IV-act. 122–12), und dass sie eine gute Beziehung zu
Verwandten pflege (IV-act. 122–14). Die nachträgliche Behauptung, sie lese keine
Bücher, sie gehe maximal einmal pro Jahr in die Moschee und sie pflege keine sozialen
Kontakte, erweckt Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen der
Beschwerdeführerin. Die Behauptung, die Sachverständigen hätten in ihrer
Stellungnahme vom 30. April 2019 offensichtlich eine andere Person, aber nicht die
Beschwerdeführerin beschrieben, lässt sich nicht nachvollziehen. Unter
Berücksichtigung sämtlicher Akten besteht kein ernsthafter Zweifel daran, dass es bei
der ABI GmbH nicht zu einer Verwechslung von versicherten Personen gekommen ist.
Die Sachverständigen der ABI GmbH haben anschaulich aufgezeigt, dass der
Gesamteindruck von massiven Inkonsistenzen und von einer Aggravation geprägt
gewesen ist. Sie haben nur geringfügig auffällige objektive klinische Befunde erheben
2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/23
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können, die die subjektiven Angaben und die Beschwerdepräsentation nicht haben
erklären können. In internistischer Hinsicht ist der Gesamtzustand kardiopulmonal
kompensiert gewesen. Bei der klinischen Untersuchung hat sich gezeigt, dass die
Halsvenen nicht gestaut gewesen sind und dass keine Knister-Rasselgeräusche über
der Lunge haben auskultiert werden können. Die Laboruntersuchung hat ergeben, dass
die Beschwerdeführerin die verschriebene, umfangreiche kardiologische Medikation
eingenommen hat. Angesichts dieses unauffälligen klinischen Befundes hat der
internistische Sachverständige nur eine leichte Reduktion der Belastbarkeit für leichte
sowie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für belastende Tätigkeiten attestieren
können. Diese Schlussfolgerung ist angesichts der minimalen objektiven klinischen
Befunde überzeugend. Der orthopädische Sachverständige hat zwar bei der klinischen
Untersuchung objektive Anhaltspunkte für die von der Beschwerdeführerin geklagten
Schmerzen im lumbalen Abschnitt und in den Knien feststellen können, aber er hat
aufgezeigt, dass diese objektiven klinischen Befunde so geringfügig ausgeprägt
gewesen sind, dass sie für ideal leidensadaptierte, das heisst körperlich sehr leichte,
überwiegend sitzende Tätigkeiten maximal eine Einschränkung von zehn Prozent
wegen eines leicht erhöhten Pausenbedarfs haben begründen können. Für das von der
Beschwerdeführerin geschilderte und demonstrierte Ausmass der Schmerzen hat die
objektive klinische Untersuchung keine Erklärung liefern können. Der neurologische
Sachverständige hat bei der klinischen Untersuchung überhaupt keine Auffälligkeiten
objektivieren können. Auch in psychiatrischer Hinsicht ist der objektive klinische
Befund weitestgehend unauffällig gewesen. Abgesehen von der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten ausgeprägten Schmerzproblematik hat der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH keine relevanten Auffälligkeiten
feststellen können. Er hat überzeugend darauf hingewiesen, dass der Zusammenhang
zwischen der Schmerzstörung, den reaktiven Verstimmungen und den psychosozialen
Faktoren offensichtlich sei. Dass die Sachverständigen der ABI GmbH den
massgebenden medizinischen Sachverhalt sorgfältig abgeklärt und gewürdigt haben,
zeigt im Übrigen auch das erste orthopädische Teilgutachten: Der orthopädische
Sachverständige hatte nämlich den Bruch des Verbindungsstabes erkannt und diese
Tatsache überzeugend in seine medizinische Würdigung einfliessen lassen (IV-act.
122–32). Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat jene Komplikation
keineswegs die übertriebenen Schmerzangaben und Beschwerdepräsentationen
erklären können, denn objektiv klinisch hat dieser Bruch – wenn überhaupt – nur eine
gewisse Instabilität im Bereich der Lendenwirbelsäule bewirken können. Bereits einer
der ersten Berichte überhaupt, nämlich der Austrittsbericht der Klinik B._ vom 17.
November 2012, zeigt anschaulich eine massive Beschwerdeverdeutlichung auf, die
kaum anders als eine Aggravation interpretiert werden kann. Der Physiotherapeut hat in
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/23
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seinem Teilbericht festgehalten, dass sich die mehr oder weniger normale Gehfähigkeit
der Beschwerdeführerin im Rahmen der dreiwöchigen Behandlung ohne jede
organische Erklärung – von der Beschwerdedarstellung her – so stark verschlechtert
habe, dass die Beschwerdeführerin sich nur noch mit beiden Händen am Handlauf eine
Treppe habe hochziehen können, was unter Berücksichtigung der damals minimalen
körperlichen Beschwerden als eine geradezu absurde theatralische Darstellung
interpretiert werden muss. Die Sachverständigen der ABI GmbH haben in ihren beiden
Gutachten überzeugend aufgezeigt, dass unter Ausblendung der massiv übertriebenen
Beschwerdedarstellung kaum ein organisches oder psychiatrisches „Substrat“
verbleibe, das eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin erklären würde. Die behandelnden Ärzte haben in ihren Berichten
und Stellungnahmen die offenkundige Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben
und dem objektiven klinischen Befund, die ja bereits im ihnen bekannten
Austrittsbericht der Klinik B._ vom 17. November 2012 deutlich dargestellt worden
war, konsequent ignoriert. Dies verstärkt den bereits aufgrund des
Auftragsverhältnisses bestehenden objektiven Anschein der Befangenheit. Die Kritik
der behandelnden Ärzte an den Gutachten der ABI GmbH ist deshalb nicht geeignet,
wesentliche Zweifel an der Überzeugungskraft der beiden Gutachten zu wecken.
Schliesslich erweist sich auch die Behauptung der Rechtsvertreterin als unzutreffend,
die ABI GmbH habe die Arbeitsfähigkeitsschätzung des internistischen
Sachverständigen nachträglich „korrigiert“. Der internistische Sachverständige hat
nämlich nur geringe Auffälligkeiten hinsichtlich des massgebenden objektiven
klinischen Befundes feststellen können und er hat – damit übereinstimmend – ein
Pensum von „7–8 Stunden pro Tag“ als zumutbar erachtet, was dem auf derselben
Seite des Gutachtens (S. 38) attestierten Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent
entspricht. Es besteht keine Veranlassung, die nachträgliche Erklärung der ABI GmbH,
bei dem auf der S. 37 des Gutachtens festgehaltenen Arbeitsfähigkeitsgrad von 50
Prozent handle es sich um einen Verschrieb, anzuzweifeln. Entgegen der Behauptung
der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin stimmt nämlich das Attest einer um 20
Prozent eingeschränkten Arbeitsfähigkeit mit der Aussage überein, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich im Vergleich zur ersten
Begutachtung aus internistischer Sicht verschlechtert. Bei der ersten Begutachtung
war nämlich aus internistischer Sicht noch eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
attestiert worden. Auch die Aussage, durch medizinische Massnahmen liesse sich die
Arbeitsfähigkeit weiter steigern, steht nicht im Widerspruch zum Attest einer
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent, denn auch ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent
lässt sich steigern, nämlich um maximal 20 Prozent, was über eine Arbeitswoche
hinweg immerhin der Arbeitsleistung von einem ganzen Arbeitstag entspricht.
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Zusammenfassend besteht kein Zweifel an der Überzeugungskraft der beiden
Gutachten der ABI GmbH, weshalb mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Beschwerdeführerin von April
2013 bis mindestens Juni 2013 und von Januar 2017 bis längstens September 2017
vollständig arbeitsunfähig gewesen ist, während in der übrigen Zeit ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent zumutbar gewesen sind (vgl. IV-act. 215–
14 und IV-act. 260). Wie der RAD-Arzt Dr. D._ in seiner überzeugenden
Aktenwürdigung festgehalten hat, besteht kein Grund zur Annahme, dass sich der
massgebende medizinische Sachverhalt nach der zweiten Begutachtung durch die ABI
GmbH in einer für den Rentenanspruch relevanten Weise verändert hätte. Diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung gilt deshalb für die Zeit bis zum Abschluss des
Verwaltungsverfahrens mit dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 24. August
2020.
Die Invalidenkarriere besteht in der Ausübung einer ideal leidensadaptierten
Hilfsarbeit, was bedeutet, dass der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und
damit dem Valideneinkommen entspricht. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
kann der Betrag mathematisch keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad ist also anhand
eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, das heisst er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen dem sogenannten
Tabellenlohnabzug analogen Abzug. Dieser Abzug trägt dem Umstand Rechnung, dass
die Beschwerdeführerin die ihr aus medizinischer Sicht zumutbare Restarbeitsfähigkeit
wegen ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mit demselben betriebswirtschaftlich-
ökonomischen Erfolg wie eine gesunde Person verwerten kann, die dieselbe Tätigkeit
im selben Pensum (80 Prozent) ausübt. Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass
jeder sich strikt betriebswirtschaftlich verhaltende Arbeitgeber aus der Anstellung eines
Arbeitnehmers einen möglichst hohen „Gewinn“ erzielen muss. Dieser „Gewinn“
entspricht der Differenz zwischen dem ökonomischen Mehrwert, den der Arbeitnehmer
für den Arbeitgeber generiert, und den Kosten, die dem Arbeitgeber durch die
Beschäftigung eines Arbeitnehmers entstehen, nämlich den Lohn- und
Lohnnebenkosten sowie den indirekten Kosten. Diese indirekten Kosten umfassen
unter anderem die Kosten für die Einarbeitung und die Überwachung des
Arbeitnehmers, aber auch jene Kosten, die anfallen, wenn der Arbeitnehmer
krankheitsbedingt nicht zur Arbeit erscheint oder wenn er seine Arbeit nicht konstant
zuverlässig verrichtet. Bei krankheitsbedingten Absenzen muss der Arbeitgeber
nämlich kurzfristig für einen Ersatz sorgen, damit der Betriebsablauf möglichst
ungestört bleibt. Eine unzuverlässige oder schwankende Arbeitsleistung mindert den
2.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/23
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Mehrwert der Arbeitsleistung, was betriebswirtschaftlich zu einer Reduktion des aus
der Anstellung resultierenden „Gewinns“ des Arbeitgebers führt. Ein sich strikt
betriebswirtschaftlich verhaltender Arbeitgeber wird nur jenen Arbeitnehmern einen
Lohn in der Höhe des dem Arbeitspensums entsprechenden Anteils des statistischen
Zentralwertes ausrichten, die (mindestens) einen durchschnittlichen „Gewinn“ für ihn
erzielen. Ist der von einem Arbeitnehmer geschaffene ökonomische Mehrwert
unterdurchschnittlich oder sind die indirekten Kosten überdurchschnittlich hoch, wird
dieser Arbeitnehmer von einem sich strikt betriebswirtschaftlich verhaltenden
Arbeitgeber nur einen diese „Gewinneinbusse“ kompensierenden tieferen Lohn
erhalten. Diesem rein betriebswirtschaftlichen Umstand trägt der sogenannte
Tabellenlohnabzug Rechnung. Würde den betriebswirtschaftlich-ökonomischen
Nachteilen, mit denen sich eine versicherte Person gesundheitsbedingt bei der
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit im konkreten Einzelfall konfrontiert sieht, nicht
Rechnung getragen, würde bei der Festsetzung des Invalideneinkommens im Ergebnis
ein Soziallohnanteil berücksichtigt, was eine nicht strikt ökonomische und damit
gesetzwidrige Bemessung des Invaliditätsgrades zur Folge hätte. Die
Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin wirkt sich in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit nur geringfügig aus. Ein Abzug von mehr als zehn Prozent
kommt jedenfalls nicht in Frage. Der Invaliditätsgrad beträgt folglich maximal 28
Prozent (= 100% – 90% × 80%). Die Beschwerdeführerin hat also keinen Anspruch auf
eine Rente.
Nach der Praxis des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen bleibt zu
prüfen, ob die Beschwerdeführerin für die Vergangenheit einen Anspruch auf eine
befristete Rente hat. Obwohl sie in der Zeit zwischen November 2012 (Anmeldung zum
Leistungsbezug) und August 2020 (Abschluss des Verwaltungsverfahrens) zweimal für
eine längere Zeit vollständig arbeitsunfähig gewesen ist, besteht kein Anspruch auf
eine befristete Rente. Die erste postoperative Rehabilitationsphase im Frühjahr 2013
hat nämlich nur wenige Wochen gedauert, was offensichtlich nicht als eine „länger
dauernde“ Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Art. 8 Abs. 1 ATSG qualifiziert werden
kann. Die zweite Rehabilitationsphase im Jahr 2017 hat zwar deutlich länger gedauert,
gemäss den Angaben der Sachverständigen der ABI GmbH nämlich maximal neun
Monate. Aber auch dieser Zeitraum kann nicht als „länger dauernd“ im Sinne des Art. 8
Abs. 1 ATSG qualifiziert werden, denn bis zum Beginn jener Phase im Januar 2017 ist
die Beschwerdeführerin für leidensadaptierte Hilfsarbeiten und damit auch für die
zuletzt ausgeübte, als ideal leidensadaptiert zu qualifizierende Tätigkeit (vgl. IV-act.
101–5) zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen, was bedeutet, dass sie erst im Januar
2017 wieder neu arbeitsunfähig geworden ist. Selbst wenn man die Regel des Art. 29
2.6.
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/23
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der unter
liegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.