Decision ID: 774a03bd-d103-593c-adc9-dd302eb57593
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. [...]), Staatsangehöriger der Demokratischen
Republik Kongo, reiste am 28. September 2009 in die Schweiz ein und
heiratete am 6. November 2009 B._. Die beiden Ehegatten haben
zwei gemeinsame Töchter (geb. [...] und [...]).
B.
Nachdem der Beschwerdeführer am 28. Januar 2016 erleichtert eingebür-
gert worden war, forderte ihn die Vorinstanz am 29. November 2016 auf,
zur mutmasslichen (räumlichen) Trennung von seiner Ehefrau seit mindes-
tens 2014 Stellung zu nehmen.
C.
Mit Schreiben vom 20. November 2016 zeigte der rubrizierte Rechtsvertre-
ter seine Mandatierung durch den Beschwerdeführer an.
D.
Am 10. Januar 2017 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer auf,
Stellung zu ihrer Annahme zu nehmen, wonach er die erleichterte Einbür-
gerung erschlichen habe und die Voraussetzungen für eine Nichtigerklä-
rung erfüllt seien.
E.
Der Beschwerdeführer nahm am 26. April 2017 Stellung und ersuchte um
unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung des rubrizierten Rechtsver-
treters als amtlichen Beistand.
F.
Nach weitergehender Sachverhaltsabklärung erklärte die Vorinstanz mit
Verfügung vom 20. Mai 2019 die erleichterte Einbürgerung des Beschwer-
deführers für nichtig (Ziff. 1 des Dispositivs) und stellte fest, die Nichtigkeit
erstrecke sich auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf
der nichtig erklärten Einbürgerung beruht (Ziff. 2 des Dispositivs). Sie erhob
eine Gebühr von Fr. 400.– (Ziff. 3 des Dispositivs) und wies das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege «inkl. amtliche Verbeiständung» ab (Ziff. 4
des Dispositivs).
G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 21. Juni 2019 gelangte der Beschwerdefüh-
rer ans Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Ziffern 3 und 4 des
F-3191/2019
Seite 3
Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung seien aufzuheben, ihm sei für
das vorinstanzliche Verfahren das Recht zur unentgeltlichen Rechtspflege
zu gewähren und der rubrizierte Rechtsvertreter sei als unentgeltlicher
Rechtsbeistand beizuordnen. Die Vorinstanz sei ferner anzuweisen, das
amtliche Honorar des Rechtsvertreters für dessen Aufwand im vorinstanz-
lichen Verfahren festzusetzen. Eventualiter seien die Ziffern 3 und 4 der
angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. September 2019 beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde.
I.
In seiner Replik vom 30. Oktober 2019 hielt der Beschwerdeführer an sei-
nen Anträgen und deren Begründung fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Bürgerrechtsgesetz vom
20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) wurde der gleichnamige Erlass vom
29. September 1952 aufgehoben (vgl. Art. 49 BüG i.V.m. Ziff. I seines An-
hangs). Gemäss der Übergangsbestimmung des Art. 50 Abs. 1 BüG rich-
ten sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts nach dem Recht,
das bei Eintritt des massgebenden Tatbestandes in Kraft steht. Die Vor-
instanz hat zu Recht das alte Bürgerrechtsgesetz angewendet (vgl. Urteile
des BVGer F-1034/2019 vom 7. Dezember 2020 [Referenzurteil] E. 3; F-
2870/2018 vom 15. April 2020 E. 3). Somit ist auch die hier streitige Frage,
ob die Vorinstanz die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung
zu Recht verweigert hat, im Licht des alten Bürgerrechtsgesetzes zu prü-
fen, wobei anzumerken ist, dass die materiellen Voraussetzungen der
Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung («Nichtigkeitsgründe») im
neuen Bürgerrechtsgesetz unverändert geblieben sind.
F-3191/2019
Seite 4
2.
2.1 Verfügungen des SEM über die Nichtigerklärung einer erleichterten
Einbürgerung und die in diesem Rahmen gestellten prozessualen Anträge
unterliegen der Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht (Art. 47 Abs. 1
BüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
2.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat, der ein schutzwür-
diges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung hat, zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist
[Art. 50 Abs. 1 VwVG], Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG] und Bezah-
lung des Kostenvorschusses [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-
tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung
der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als
den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen (Motivsubsti-
tution; BGE 142 V 118 E. 1.2). Soll sich der Entscheid auf Rechtsnormen
stützen, mit deren Anwendung die Parteien nicht rechnen mussten, so ist
ihnen Gelegenheit zu geben, sich hierzu vorgängig zu äussern (BVGE
2007/41 E. 2).
4.
Der Beschwerdeführer hat einzig die Ziffern 3 und 4 der vorinstanzlichen
Verfügung vom 20. Mai 2019 angefochten. Die Nichtigerklärung der am
28. Januar 2016 erfolgten erleichterten Einbürgerung des Beschwerdefüh-
rers ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Verfahrensgegenstand
bildet somit einzig die Frage, ob die Vorinstanz das Gesuch des Beschwer-
deführers um unentgeltliche Rechtspflege zu Recht abgewiesen und die
Gebühr von Fr. 400.– erhoben hat.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=2&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=MOtivsubstitution&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-118%3Ade&number_of_ranks=0#page118
F-3191/2019
Seite 5
5.
5.1 Zu prüfen ist vorab, ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Be-
schwerdeführers verletzt hat. Dieser macht geltend, die Vorinstanz habe
sich nicht mit dem besonders starken Eingriff in seine Rechtsposition aus-
einandergesetzt, den eine allfällige Nichtigkeit der Einbürgerung zur Folge
habe und der die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ge-
biete.
5.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt unter
anderem die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu be-
gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die
wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen,
dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE
142 III 433 E. 4.3.2; 141 III 28 E. 3.2.4).
5.3 Die Vorinstanz begründete die Abweisung des Gesuchs um unentgelt-
liche Rechtspflege zunächst mit der geringen Komplexität des Falles. Das
Verfahren beinhalte keine besonderen prozessualen oder materiellen
Schwierigkeiten. Daraus folgerte sie, dass keine Notwendigkeit im Sinne
von Art. 65 Abs. 2 VwVG für die Bestellung eines Anwalts bestanden habe.
In Bezug auf die Verweigerung der unentgeltlichen Verbeiständung hat sie
damit die wesentlichen Überlegungen genannt, von denen sie sich hat lei-
ten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Ob die Begründung zu-
treffend ist, beschlägt nicht die Frage der Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs, sondern unterliegt der materiellen Beurteilung. Eine sachgerechte
Anfechtung von Ziff. 4 des Dispositivs war somit möglich. Eine Verletzung
der Begründungspflicht liegt insofern nicht vor.
5.4 In Bezug auf Ziff. 3 des Dispositivs erwog die Vorinstanz, gemäss der
Verordnung vom 23. November 2005 über die Gebühren zum Bürger-
rechtsgesetz (GebV-BüG, SR 141.21, aufgehoben per 1. Januar 2018),
werde bei Nichtigerklärungen eine Gebühr von Fr. 400.– erhoben. Gemäss
der Allgemeinen Gebührenverordnung (AllgGebV, SR 172.041.1) könne
eine Gebühr wegen Bedürftigkeit oder aus anderen wichtigen Gründen ge-
stundet, herabgesetzt oder erlassen werden. Dabei handle es sich um eine
«Kann-Bestimmung». Da die alte GebV-BüG für die geschilderte Konstel-
lation keine Reduktion beziehungsweise Erlass vorsehe und die Gebühr
F-3191/2019
Seite 6
von Fr. 400.– im Vergleich zum getätigten Aufwand bescheiden sei, werde
die Gebühr für eine Nichtigerklärung der missbräuchlich erwirkten Einbür-
gerung auch bei Bedürftigkeit gemäss AllgGebV nicht erlassen. Der Be-
schwerdeführer habe die Einleitung des Verfahrens selbst zu verantworten.
Zudem werde die Gebühr erst mit Rechtskraft der angefochtenen Verfü-
gung fällig, so dass ausreichend Zeit bestehe, die entsprechenden Rück-
stellungen vorzunehmen.
Damit hat die Vorinstanz auch in Bezug auf Ziff. 3 des Dispositivs die we-
sentlichen Überlegungen genannt, von denen sie sich hat leiten lassen und
auf die sie ihren Entscheid stützt. An dieser Stelle ist erneut darauf hinzu-
weisen, dass die Frage, ob die Begründung zutreffend ist, der materiellen
Beurteilung unterliegt.
6.
Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG kann eine Partei, die nicht über die erforder-
lichen Mittel verfügt und deren Begehren nicht als aussichtslos erscheinen,
auf Gesuch hin von der Bezahlung von Verfahrenskosten befreit werden.
Ist es zur Wahrung der Rechte der Partei notwendig, wird ihr ein Anwalt
bestellt (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Entgegen ihrer Einordnung im Abschnitt
über das Beschwerdeverfahren gelten diese Bestimmungen nicht nur für
streitige, sondern auch für nichtstreitige Verwaltungsverfahren, da es sich
bei der unentgeltlichen Rechtspflege um einen verfassungsrechtlichen An-
spruch handelt (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV; ferner KAYSER/ALTMANN, Kommen-
tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2. Aufl.
2019, N. 4 zu Art. 65 und Urteil des BVGer C-5623/2014 vom 5. Dezember
2014 E. 3). Die vom Bundesgericht entwickelten Regeln über die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Verbeiständung im nichtstreitigen Verwaltungs-
verfahren gelten auch für erstinstanzliche Verfahren vor Bundesbehörden,
die sich nach dem VwVG richten, also auch für solche vor dem SEM (vgl.
Urteile des BVGer F-2238/2018 vom 9. November 2018 E. 3.2; F-
7529/2015 vom 7. Juli 2016 E. 3; C-6554/2012 vom 12. Juli 2013 E. 4.1).
7.
7.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung einzig Ausführun-
gen zur Frage der Notwendigkeit der amtlichen Verbeiständung gemacht.
Auf die grundlegenden, kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen der Be-
dürftigkeit und der hinreichenden Erfolgschancen ist sie nicht eingegan-
gen. Korrekterweise hätte sie zuerst prüfen müssen, ob der (damalige) Ge-
suchsteller mittellos war und ob hinreichende Chancen bestanden, dass
F-3191/2019
Seite 7
die Nichtigerklärung nicht ausgesprochen würde. Nur wenn sie diese bei-
den Voraussetzungen als erfüllt betrachtete, bestand ein Anlass, die Not-
wendigkeit eines Anwalts zu prüfen.
7.2 In seiner Beschwerde hat sich der Beschwerdeführer zu den beiden
Kriterien gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG (in knapper Form) geäussert. In Be-
zug auf die Erfolgschancen hielt er fest, er habe bereits zu Beginn des Ver-
fahrens den ausführlich begründeten Antrag gestellt, es sei von einer Nich-
tigerklärung der erleichterten Einbürgerung abzusehen. Ein solcher Antrag
könne unter den gegebenen Umständen nicht zum Vornherein als aus-
sichtslos betrachtet werden. Auf das Kriterium der hinreichenden Erfolgs-
chancen – dessen Bedeutung für den Ausgang des Verfahrens dem ver-
tretenen Beschwerdeführer bekannt sein musste, weshalb es sich erübrigt,
ihm hierzu das rechtliche Gehör zu gewähren (vgl. E. 3) – ist nachfolgend
einzugehen.
7.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Begehren als aus-
sichtslos anzusehen, bei denen die Gewinnaussicht beträchtlich geringer
ist als die Verlustgefahr. Halten sich die die Gewinnaussicht und die Ver-
lustgefahr ungefähr die Waage, so gelten die Begehren nicht als aussichts-
los. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich
bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine
Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht
führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie – zumindest
vorläufig – nichts kostet. Die Beurteilung erfolgt aufgrund einer vorläufigen
und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse
im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend sind (BGE 142 III
138 E. 5.1 und 140 V 521 E. 9.1). Nachfolgend sind somit die Prozessaus-
sichten aus der Perspektive des Zeitpunktes der Gesuchstellung am
26. April 2017 zu beurteilen und damit auch die vorinstanzlichen Akten ein-
zig bis zu diesem Zeitpunkt zu berücksichtigen.
7.4 Um beurteilen zu können, ob das Begehren des Beschwerdeführers –
von einer Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung abzusehen –
zum Zeitpunkt der Gesuchstellung als aussichtslos zu bezeichnen war,
sind nachfolgend kurz die Voraussetzungen einer solchen Nichtigerklärung
darzulegen:
Die Einbürgerung kann vom SEM mit Zustimmung der Behörde des Hei-
matkantons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben
oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen erschlichen worden ist (vgl.
F-3191/2019
Seite 8
Art. 41 aBüG). Die Behörde hat daher von Amtes wegen zu untersuchen,
ob der betroffenen Person die Täuschung über eine Einbürgerungsvoraus-
setzung vorgeworfen werden kann, wozu insbesondere die Existenz eines
beidseitig intakten und gelebten Ehewillens gehört. Ein Hinweis auf den
fehlenden Willen der Ehegatten, die eheliche Gemeinschaft aufrecht zu er-
halten, kann im Umstand liegen, dass kurze Zeit vor oder nach der erleich-
terten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die Scheidung eingeleitet
wird (Urteil des BVGer F-3659/2018 vom 20. März 2020 E. 6.1 und E. 11).
7.5 Der Beschwerdeführer wurde am 28. Januar 2016 erleichtert eingebür-
gert. Mit Schreiben vom 29. November 2016 teilte ihm die Vorinstanz mit,
sie habe Kenntnis davon erhalten, dass seine Ehefrau seit mindestens
2014 getrennt von ihm in ihrer Heimat lebe. Am 10. Januar 2017 wies sie
ihn darauf hin, dass er am 4. Januar 2016 eine Bestätigung unterzeichnet
habe, wonach er mit seiner Ehefrau in einer stabilen, ungetrennten, tat-
sächlichen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zusammenlebe
und dass weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestünden. Weiter
führte die Vorinstanz aus, gemäss ihren Erkenntnissen hätten sich die Ehe-
gatten bereits 2014 getrennt. Entsprechend gehe sie davon aus, der Be-
schwerdeführer habe die erleichterte Einbürgerung erschlichen und die Vo-
raussetzungen für eine Nichtigerklärung seien erfüllt. In seiner Stellung-
nahme vom 26. April 2017 bestritt der Beschwerdeführer nicht, dass seine
damalige Ehefrau im März 2014 mit den beiden gemeinsamen Töchtern
nach C._ gereist sei. Er führte jedoch aus, er sei davon ausgegan-
gen, dass es sich um einen vorübergehenden Aufenthalt handle. Zur Tren-
nung sei es erst im April/Mai 2016 gekommen.
7.6 Auch unter Annahme, dass die Ehegatten sich erst im Frühling 2016
getrennt hätten, durfte die Vorinstanz bereits aufgrund des dargelegten
zeitlichen Ablaufs nach einer summarischen Prüfung der Prozessaussich-
ten auf Aussichtslosigkeit des Begehrens des Beschwerdeführers schlies-
sen: Zwischen der Einbürgerung des Beschwerdeführers im Januar 2016
und der Trennung der Ehegatten im Mai 2016 waren lediglich rund vier
Monate vergangen. Diese enge zeitliche Abfolge zwischen Einbürgerung
und Trennung begründet die Vermutung, dass zwischen den Ehegatten im
Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung kein stabiles eheliches Verhältnis
bestanden hatte (vgl. Urteil des BVGer F-3659/2018 vom 20. März 2020
E. 11). Hinzu kommt, dass die Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers unbe-
strittenermassen seit März 2014 nicht mehr mit ihm in einem gemeinsamen
Haushalt lebte. Folglich entsprach die von beiden unterzeichnete und im
Rahmen des Einbürgerungsverfahrens eingereichte Bestätigung vom
F-3191/2019
Seite 9
4. Januar 2016, wonach sie «in einer tatsachlichen, ungetrennten, stabilen
ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zusammenleben», nicht
der Wahrheit. Der Beschwerdeführer hat somit im Hinblick auf seine Ein-
bürgerung bewusst falsche Angaben gemacht. Sein Vorbringen, er sei bis
Frühling 2016 von einer intakten Ehe ausgegangen, ist somit unbehelflich.
7.7 Aufgrund dieser Aktenlage ist das Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – zum Zeitpunkt der Gesuch-
stellung am 26. April 2017 – als aussichtslos zu bezeichnen. Folglich ist auf
das kumulativ zu erfüllende Kriterium der Bedürftigkeit nicht einzugehen
(Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ergebnis ist auch die Frage nach der
Notwendigkeit einer amtlichen Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) nicht
mehr zu prüfen (vgl. E. 7.1).
7.8 Das Gericht kommt somit – nach Vornahme einer Motivsubstitution –
zum Schluss, dass die Vorinstanz das Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Ergebnis zu Recht abge-
wiesen hat.
8.
Die vorinstanzliche Verfügung ist im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu be-
anstanden. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, welche sich vorlie-
gend auf Fr. 1'000.– belaufen, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
F-3191/2019
Seite 10