Decision ID: 9f0f8bdf-fd27-59ff-aece-28895b41df7c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus B._ (Distrikt C._) – suchte am 25. November
2015 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Am 9. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und am
12. Juli 2018 – nach Beendigung des eingeleiteten Dublin-Verfahrens – die
Anhörung zu den Asylgründen statt.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, während der bürgerkriegsbedingten Flucht im Jahre
2008/2009 im Vanni–Gebiet von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil
Eelam) mitgenommen worden zu sein. Die LTTE hätte von ihm wissen wol-
len, wo sich noch weitere Jugendliche versteckt hielten (vgl. SEM-Protokoll
A16 F63, F81) beziehungsweise er habe nennen müssen, welche Jugend-
lichen sich geweigert hätten, am Training der LTTE teilzunehmen (vgl. A3
S. 7). Dieser Aufforderung sei er, der selber an keinem Training teilgenom-
men habe, nachgekommen. Später sei er dazu gezwungen worden, ver-
letzte Rebellen zu pflegen und zu versorgen. Im März 2009 habe er sich
dem siegreichen sri-lankischen Militär ergeben und sei ins Flüchtlingslager
in D._ gebracht worden, wo er von den Jugendlichen, die er verra-
ten gehabt habe, geschlagen und als Angehöriger der LTTE bezichtigt wor-
den sei. In der Folge sei er zweimal von den Behörden befragt worden.
Später sei er aus dem Flüchtlingslager geflohen und habe bis August 2012
bei seiner Tante in D._ gelebt. Dort habe er auch die Schule be-
sucht und sei erneut von den Jugendlichen, die er verraten gehabt habe,
geschlagen und beim CID (Criminal Investigation Department) verraten
worden. Zu seinem Schutz habe er sich der zum damaligen Zeitpunkt ein-
flussreichen politischen Partei EPDP (Eelam People’s Democratic Party)
angeschlossen, sei indessen nach dessen Wahlniederlage und dem damit
verbundenen schwindenden Einfluss erneut angegriffen und bedroht wor-
den. Daher sei er im September 2012 nach Jaffna geflohen, wo er bei An-
gehörigen der EPDP untergekommen sei. Da er im September 2015 vom
CID bei seinen Eltern gesucht worden sei, habe er sich zur Ausreise ent-
schlossen. Ein älterer Bruder und zwei ältere Schwestern seien Mitglieder
der LTTE gewesen und hätten am Kampfgeschehen teilgenommen.
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C.
Mit Entscheid vom 7. September 2018 (Eröffnung am 11. September 2018)
wies das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete dessen
Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und
möglich.
D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Oktober 2018 an das Bun-
desverwaltungsgericht erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Ent-
scheid Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung, die Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeven-
tualiter die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu gewähren. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf das Erheben eines Kosten-
vorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a AsylG (SR 142.31)
ersucht.
E.
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2019 hiess der zuständige Instruk-
tionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Im
Weiteren wurde das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbei-
ständung gemäss Art. 110a Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 AsylG gutgeheissen
und MLaw Rajeevan Linganathan, Rechtsanwalt, Clivia Wullimann & Part-
ner, E._, dem Beschwerdeführer als unentgeltlicher Rechtsbei-
stand beigeordnet. Die Dossiers N (...) und N (...) wurden antragsgemäss
beigezogen.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 7. Februar 2019 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde.
H.
Nach gewährten Fristerstreckungen vom 1.,18. März 2019 und 7. April
2019 nahm der Rechtsvertreter in seiner Replik vom 30. April 2019 Stellung
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zu den vorinstanzlichen Argumenten in der Vernehmlassung und reichte
eine Kostennote und Auszüge aus dem Internet zur allgemeinen Situation
in Sri Lanka ein.
I.
Mit Eingabe vom 27. September 2019 reichte der Rechtsvertreter mehrere
Fotografien in Kopie ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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Seite 5
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM erachtete in der angefochtenen Verfügung die geltend ge-
machten Vorbringen des Beschwerdeführers, aufgrund seiner Tätigkeiten
für die LTTE vom CID und Jugendlichen behelligt worden zu sein, als nicht
glaubhaft.
Die Vorinstanz hielt fest, dass die Angaben des Beschwerdeführer teils wi-
dersprüchlich, teils unbestimmt ausgefallen seien. So habe er abweichend
von der Angabe im Rahmen der BzP, wonach die LTTE ihn dazu aufgefor-
dert hätten, ihnen die Leute zu zeigen, die nicht zum Training gegangen
seien (vgl. SEM-Protokoll A3 S. 7), anlässlich der Anhörung geltend ge-
macht, die LTTE hätten von ihm erfahren wollen, wo sich Jugendliche ver-
steckt hielten (vgl. A16 S. 7). Im Weiteren habe der Beschwerdeführer im
Rahmen der BzP angegeben, von mehr als zehn Jugendlichen (recte: von
anderen Jugendlichen) verraten worden zu sein (vgl. A3 S. 7), anlässlich
der Anhörung hingegen geltend gemacht, im Flüchtlingslager von zwei Fa-
milien, deren Kinder er den LTTE verraten gehabt habe, entdeckt worden
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zu sein (vgl. A16 S. 7). Die weitere Aussage im Rahmen der BzP, wonach
er von Jugendlichen aus dem Flüchtlingslager in D._ gesehen und
geschlagen worden sei (vgl. A3 S. 7), habe der Beschwerdeführer anläss-
lich der Anhörung nicht mehr gemacht, sondern lediglich davon berichtet,
von den Familien erneut entdeckt worden zu sein (vgl. A16 S. 7). Schliess-
lich habe er im Rahmen der BzP nicht erwähnt, im Flüchtlingslager zweimal
vom CID befragt worden zu sein. Die Frage, wie oft er vom CID aufgesucht
worden sei, habe er ausweichend beantwortet. Auch habe er nicht konkret
angeben können, weshalb er in den Jahren 2012 und 2013 erneut vom CID
gesucht worden sei. Es sei davon auszugehen, dass bei einem ernsthaften
Verdacht der Behörden auf staatsfeindliche Tätigkeiten strafrechtliche Un-
tersuchungsmassnahmen gegen ihn eingeleitet worden wären. Ebensowe-
nig sei der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, darzulegen, wie die
Familien der Jugendlichen erfahren hätten, dass ausgerechnet er für den
Verrat an ihnen verantwortlich sei. Das weitere Vorbringen, aufgrund der
Mitgliederkarte der EPDP nicht behelligt worden zu sein, erscheine wenig
plausibel. Es sei auch im Zeitpunkt der Rückkehr von einem fehlenden be-
hördlichen Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer auszugehen, habe
der Beschwerdeführer doch nicht glaubhaft machen können, wegen Tätig-
keiten für die LTTE in den Fokus der Behörden geraten zu sein. Die Anwe-
senheit des Bruders und seiner Familie (N [...]) sowie seiner Schwester
(Familiennachzug; Ehefrau von N [...]) in der Schweiz ändere nichts am
getroffenen ablehnenden Entscheid.
4.2 In der Beschwerde wurden verschiedene Verletzungen des formellen
Rechts durch die Vorinstanz gerügt. So habe das SEM den rechtserhebli-
chen Sachverhalt unvollständig, unrichtig und willkürlich festgestellt und
das rechtliche Gehör, den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungs-
pflicht verletzt. Auf diese wird in den Erwägungen näher einzugehen sein.
In materieller Hinsicht wurde geltend gemacht, entgegen der Auffassung
der Vorinstanz seien die Vorbringen des Beschwerdeführers, aufgrund sei-
ner Tätigkeiten für die LTTE vom CID und Jugendlichen behelligt worden
zu sein, als glaubhaft zu erachten. Für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen
spreche die Tatsache, dass der Beschwerdeführer geltend gemacht habe,
sich aufgrund der Furcht um sein Leben der EPDP angeschlossen zu ha-
ben. Eine solche Geschichte könne man nicht konstruieren. Seine Erzäh-
lung im Zusammenhang mit der EPDP enthalte unzählige Realkennzei-
chen. Auch die Tätigkeiten für die LTTE habe der Beschwerdeführer detail-
liert geschildert. Bei den Aussagen des Beschwerdeführers, wonach die
LTTE von ihm verlangt hätten, ihnen die Leute zu zeigen, die nicht zum
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Training gegangen seien beziehungsweise ihnen zu verraten, wo sich
diese versteckt hielten, handle es sich um den gleichen Sachverhalt. Es
hätten sich nur Jugendliche versteckt, welche das Training nicht absolviert
hätten. Der vom SEM festgestellte Widerspruch bestehe nicht. Im Weiteren
habe der Beschwerdeführer aufgrund der Tatsache, dass die Jugendlichen
in den Camps mit ihren Familien untergebracht gewesen seien, nicht exakt
beschreiben können, wer – ob die Jugendlichen selbst oder ihre Eltern –,
ihn wann und wo gesehen habe. Somit habe sich der Beschwerdeführer
auch diesbezüglich nicht widersprochen. Hinsichtlich des weiteren Vor-
wurfs des SEM, der Beschwerdeführer habe die Anzahl der Besuche des
CID nicht exakt wiedergeben können, sei darauf hinzuweisen, dass diese
Ereignisse mehrere Jahre zurücklägen. Schliesslich sei zu berücksichti-
gen, dass die EPDP im Zeitpunkt der Regierungszeit von Rajapakse mit
der Regierung stark verbunden gewesen sei und aus diesem Grund deren
Mitglieder besonderen Schutz genossen hätten. Gestützt auf die beizuzie-
henden Dossiers N (...) und N (...) könne die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen gestützt werden. Bei F._ (N [...]) handle es sich um den Bruder
des Beschwerdeführers, welcher Kämpfer bei den LTTE gewesen und ver-
letzt worden sei. Aufgrund der diesbezüglichen Akten könnten unter ande-
rem die Tätigkeiten des Beschwerdeführers für die LTTE nachgewiesen
werden. Bei G._ (N [...]) handle es sich um einen Jugendlichen,
welcher vom Beschwerdeführer unfreiwillig an die LTTE verraten worden
und nach Kriegsende wie der Beschwerdeführer in D._ wohnhaft
gewesen sei. Da die Behörden ihn, den Beschwerdeführer, nicht sofort als
mutmasslichches Mitglied der LTTE hätten identifizieren können, sei ihm
durch Bestechung die Flucht aus dem Camp gelungen. Das SEM habe die
Tatsache, dass die sri-lankischen Behörden nach dem Kriegsende vorerst
überfordert gewesen seien, nicht berücksichtigt. Die Annahme des SEM,
dass kein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer bestehe, beruhe auf
einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung. Aufgrund der Aussagen
der von ihm verratenen Personen sei er in den Fokus der Behörden gera-
ten und später habe ihm die EPDP keinen Schutz mehr bieten können. Das
SEM habe es auch unterlassen, die Risikofaktoren gemäss Referenzurteil
E-1866/2015 vorliegend zu prüfen, welche beim Beschwerdeführer zwei-
fellos grössten Teils vorlägen. Auch habe es sich nicht mit der Tatsache der
Reflexverfolgung aufgrund seiner Familienmitglieder befasst. Dabei habe
es im Weiteren die öffentlich zugänglichen Quellen betreffend die Re-
flexverfolgung in Sri Lanka nicht beigezogen und damit den Untersu-
chungsgrundsatz gemäss Art. 12 VwVG verletzt.
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4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 7. Februar 2019 hielt die Vorinstanz unter
anderem fest, dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der BzP Gelegen-
heit zur freien Schilderung seiner Asylgründe gewährt worden sei und die
aufgetretenen Widersprüche zu den Angaben anlässlich der Anhörung
nicht plausibel mit der angeblich «kurzen BzP» erklärt werden könnten. Im
Weiteren habe der Beschwerdeführer keine Reflexverfolgung aufgrund sei-
ner Geschwister oder seines Schwagers, der mit der Schwester des Be-
schwerdeführers in der Schweiz lebe, geltend gemacht. Sein Bruder sei
sogar in Rehabilitation gewesen. Auch dieser Umstand spreche dafür, dass
gegen diesen nichts mehr vorliege. So habe das SEM dessen Asylgesuch
mit Entscheid vom 12. Juli 2012 denn auch abgelehnt (N 578 055). Die
vom Beschwerdeführer genannten Dossiers seien vor Ergehen des Asyl-
entscheides konsultiert worden. Da aus diesen keine Anhaltspunkte auf
Reflexverfolgung hätten entnommen werden können, sei dieser Umstand
in der angefochtenen Verfügung nicht ausdrücklich erwähnt und nur darauf
verwiesen worden, dass die Anwesenheit der Geschwister in der Schweiz
nichts an dieser ändern würde. Schliesslich sei die nicht bezweifelte allei-
nige Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer im Jahr 2013 bis zu den
Wahlen im Jahr der EPDP angeschlossen habe, nicht geeignet, eine Ver-
folgungssituation zu begründen.
4.4 In der Replik vom 30. April 2019 wies die Rechtsvertretung unter ande-
rem auf die Bombenanschläge vom 21. April 2019 in Sri Lanka und auf den
in der Folge ausgerufenen Notstand und der damit verbundenen Ein-
schränkung von Grundrechten hin.
4.5 Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 27. September 2019 wurden
mehrere Fotografien in Kopie eingereicht und geltend gemacht, diese zeig-
ten den Beschwerdeführer während seiner Tätigkeit bei den LTTE und zu-
sammen mit dem Oberhaupt der EPDP.
5.
5.1 Wie obenstehend erwähnt, werden in der Beschwerde verschiedene
Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz gerügt (Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs, des Untersuchungsgrundsatzes und der Be-
gründungspflicht). Diese erweisen sich als unbegründet.
5.1.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-
sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte
Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen,
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sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-
fahrensrecht, 2. Aufl. 2015, S. 161).
Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn die angefochtene Ver-
fügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, 3. Aufl., Rz. 456) und zusätz-
liche Abklärungen sind dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par-
teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
Anlass besteht.
Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich die Behörde tatsächlich
mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien befasst und auseinanderge-
setzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung erkennen. Im Asylver-
fahren sind die Anforderungen an die Begründungsdichte regelmässig
hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen im Asyl-
entscheid doch allgemein schwer (vgl. PATRICK SUTTER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019, Rz. 1 zu Art. 29, m.w.H.). Insgesamt
muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebe-
nenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich so-
wohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite
des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in
ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschwei-
gend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich
sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21
E. 10.2 m.w.H.; SUTTER, a.a.O., Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
5.1.2 In der Beschwerde wird gerügt, die BzP vom 9. Dezember 2015 sei
nicht rechtskonform erfolgt, da der Beschwerdeführer bei der Schilderung
seiner Fluchtgründe stets unterbrochen und dadurch eingeschüchtert wor-
den sei und die BzP nur 1 Stunde und 20 Minuten gedauert habe. Hierzu
ist festzuhalten, dass sich aus dem Protokoll der BzP keine Anhaltspunkte
darauf ergeben, dass der Beschwerdeführer, wie behauptet, von der befra-
genden Person unterbrochen worden sei. Vielmehr ist dem Protokoll zu
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entnehmen, dass der Beschwerdeführer hinreichend Gelegenheit erhielt,
seine Asylgründe frei zu schildern und ihm hierzu auch einige Fragen ge-
stellt worden sind (vgl. SEM-Protokoll A3 S. 7 und S. 8). Im Weiteren ver-
neinte der Beschwerdeführer das Vorliegen weiterer Asylgründe. Auch die
Dauer der BzP von 1 Std und 20 Minuten ist nicht zu beanstanden. Es gibt
folglich keinen Grund, wie in der Beschwerde beantragt, «die BzP aus den
Verfahrensakten zu entfernen».
5.1.3 Im Weiteren ist festzuhalten, dass das SEM entgegen der Auffassung
in der Beschwerde gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts eine Risikoprüfung vorgenommen und die Ausführungen des
Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka
gewürdigt hat. Dabei hat es im Zusammenhang mit der Frage einer allfälli-
gen Reflexverfolgung auch das verwandtschaftliche Verhältnis des Be-
schwerdeführers zu angeblich ehemaligen Mitgliedern der LTTE berück-
sichtigt. Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in seiner Länder-
praxis zu Sri Lanka, an der es auch nach den aktuellen politischen Verhält-
nissen festhält, einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer in sei-
ner mit Hinweisen und Berichten untermauerten Eingabe vertreten, und es
zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung
der Vorbringen gelangt, stellt keine ungenügende oder unrichtige Sachver-
haltsfeststellung oder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Entge-
gen der Behauptung in der Beschwerde hat die Vorinstanz somit den
rechtserheblichen Sachverhalt sowohl hinsichtlich der Frage der Flücht-
lingseigenschaft als auch bezüglich des Wegweisungsvollzugs vollständig
und richtig festgestellt. Dabei hat es sowohl die neuesten Entwicklungen in
Sri Lanka als auch die individuelle Situation des Beschwerdeführers hinrei-
chend berücksichtigt. Im Übrigen hat das SEM entgegen der Auffassung in
der Beschwerde mit hinreichender Begründung dargelegt, weshalb die an-
geblich zur Ausreise führenden Vorbringen des Beschwerdeführers als
nicht glaubhaft zu erachten und eine Gefährdungssituation des Beschwer-
deführers bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat zu verneinen sei. Die
geltend gemachten formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten
als unbegründet und eine Kassation des angefochtenen Entscheides mit
Rückweisung an die Vorinstanz fällt ausser Betracht.
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5.2 Im Ergebnis hat das SEM in der angefochtenen Verfügung die geltend
gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers, aufgrund seiner Tätigkei-
ten für die LTTE vom CID und Jugendlichen behelligt worden zu sein, zu
Recht als nicht glaubhaft erachtet.
Zwar wird in der Beschwerde zutreffend darauf hingewiesen, dass sich die
beiden Aussagen des Beschwerdeführers, wonach die LTTE von ihm ver-
langt hätten, ihnen die Leute zu zeigen, die nicht zum Training gegangen
seien beziehungsweise ihnen zu verraten, wo sich diese versteckt hielten,
nicht widersprechen, sondern es sich vielmehr um ergänzende Angaben
handelt. Auch stellt die Tatsache, dass der Beschwerdeführer einmal an-
gab, von mehreren Jugendlichen verraten und ein anderes Mal geltend
machte, von zwei Familien entdeckt worden zu sein, angesichts der in der
Beschwerde geäusserten, naheliegenden Möglichkeit, dass die Jugendli-
chen in den Camps mit ihren Familien untergebracht gewesen seien, kei-
nen zwingenden Widerspruch dar.
Diese Vorbehalte vermögen indessen die Einschätzung der Unglaubhaf-
tigkeit der zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers nicht umzustos-
sen. Zum einen erwähnte der Beschwerdeführer ohne plausiblen Grund
erst anlässlich der Anhörung die wesentliche Tatsache, zwei Mal vom CID
befragt worden zu sein. Die Frage, wie oft er vom CID aufgesucht worden
sei, hat der Beschwerdeführer ausweichend beantwortet. Die Erklärung in
der Beschwerde, wonach diese Ereignisse mehrere Jahre zurücklägen,
weshalb sich der Beschwerdeführer nicht mehr genau an diese erinnern
könne, vermag nicht zu überzeugen, handelt es sich doch hierbei um ein-
schneidende Erlebnisse. Zum anderen konnte der Beschwerdeführer auch
nicht konkret darlegen, weshalb er in den Jahren 2012 und 2013 erneut
vom CID gesucht worden sei. Auch die Schilderung der Behelligungen
durch die CID und die Jugendlichen ist unbestimmt ausgefallen. Den bei-
gezogenen Dossiers N (...) und N (...) sind keine Indizien zu entnehmen,
die auf eine Gefährdung des Beschwerdeführers schliessen liessen. So
wurde das Asylgesuch des Bruders des Beschwerdeführers (N [...]) abge-
lehnt. Aus den Verfahrensakten von G._ (N [...]), dessen Asylge-
such in der Schweiz gutgeheissen wurde, ist kein konkreter Bezug zum
Beschwerdeführer ersichtlich. Das Vorbringen in der Beschwerde, dass es
sich bei G._ um einen Jugendlichen handle, welcher vom Be-
schwerdeführer unfreiwillig an die LTTE verraten worden sei, ist als blosse
Behauptung zu erachten. Die eingereichten Fotografien, welche den Be-
schwerdeführer alleine mit waffenähnlichen Gegenständen zeigen, sind
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nicht geeignet, die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE zu bele-
gen, können diese doch auch in einem anderen Zusammenhang gemacht
worden sein. Die anderen Fotografien, welche nach der Darstellung auf
Beschwerdeebene den Beschwerdeführer zusammen mit dem Oberhaupt
der EPDP zeigen sollen, vermögen, unabhängig von der Frage der Authen-
tizität, lediglich die Nähe des Beschwerdeführers zur EPDP aufzuzeigen.
Indessen hat das SEM in der angefochtenen Verfügung die Teilnahme des
Beschwerdeführers bei der EPDP nicht in Frage gestellt, sondern dessen
Aussage, von der EPDP eine Karte erhalten zu haben, die ihn vor Behelli-
gungen geschützt habe. Auch ist ein Interesse der Behörden, über den
zwangsrekrutierten, in bloss untergeordneter Funktion für die LTTE tätigen
Beschwerdeführer weitere Informationen über die LTTE zu erhalten, nicht
ersichtlich.
Somit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Verfolgung im
Heimatstaat glaubhaft darzulegen.
5.3 Schliesslich bestehen vorliegend keine Risikofaktoren (vgl. zu diesen
Faktoren das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2 [als
Referenzurteil publiziert]), bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer konnte nicht
glaubhaft machen, nach Kriegsende die Aufmerksamkeit der sri-lankischen
Behörden auf sich gezogen zu haben. Bei dieser Sachlage muss die Frage,
ob und in welchem Ausmass der Beschwerdeführer tatsächlich für die
LTTE tätig gewesen ist, nicht abschliessend beantwortet werden. Aufgrund
des fehlenden Risikoprofils ist daher nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt sein wird.
5.4 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an
Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsi-
denten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter sei-
nem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015
Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt,
zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti-
visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen-
rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report
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Seite 13
2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Prä-
sident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weite-
ren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Go-
tabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie-
rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu-
tionen (vgl. vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-inclu-
ding-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-
state/20191127174753/, abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und
ethnische / religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repres-
sion und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen
und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und re-
gierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]:
Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang
März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kün-
digte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament
auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights
Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020).
Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorste-
henden Erwägungen ergibt, nicht ersichtlich.
5.5 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
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Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR
0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Be-
schwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So
weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutet,
zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Mass-
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nahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenann-
ten background check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr eine Gefährdung drohen könnte. Der Vollzug der Wegweisung ist zu-
lässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts
der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom
25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-
nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich
zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als
Referenzurteil publiziert) auch für das Vanni-Gebiet gilt.
Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit,
dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch individuelle Faktoren
gegen die Zumutbarkeit sprächen. Der Beschwerdeführer stamme aus der
Nordprovinz und verfüge dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz, eine
gesicherte Wohnsituation und die Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nach-
zugehen. Diese Ansicht erweist sich als zutreffend. Der Vollzug der Weg-
weisung ist auch zumutbar.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist möglich.
7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Zur Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom
29. Januar 2019 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfahrens-
kosten zu erheben sind, zumal den Akten keine veränderte finanzielle Lage
des Beschwerdeführers zu entnehmen ist.
9.2 Dem Beschwerdeführer wurde – ebenfalls mit Zwischenverfügung vom
29. Januar 2019 – die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG zugesprochen und MLaw Rajeevan
Linganathan, Rechtsanwalt, Clivia Wullmann & Partner, E._, als
amtlicher Rechtsvertreter eingesetzt. Der in der Kostennote vom 30. April
2019 aufgeführte zeitliche Aufwand für das Verfassen der Beschwerde und
der Replik von insgesamt 11.5 Std. ist zu hoch und wird auf 8 Std. reduziert.
Von einem Stundenansatz von Fr. 220.– ausgehend, ist dem Rechtsvertre-
ter somit ein Honorar von aufgerundet Fr. 2'196.– (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuerzuschlag) aus der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und
Art. 14 Abs. 2 VGKE).
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