Decision ID: 3c720776-1398-43b0-9996-85c06e84e512
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
54
, ist bei der
SWICA Krankenversicherung
AG (nachfolgend:
SWICA
) obligatorisch krankenversicher
t. Am 5. Februar 2015
ersuchte
Dr.
m
ed.
Y._
, Fachärztin für Plastische,
Rekon
struk
tive
und Ä
st
het
isch
e
Chirurgie
,
die
SWICA
um Kostenübernahme für eine
beim Versicherten vorgesehene beidseitige subkutane Mastektomie
mit
zusätzlichem Fettabsaugen
(
Urk. 7
/1
8).
Gestützt auf die medizinische Empfehlung des vertrauensärztlichen Dienstes,
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin (
Urk.
7/21 oben), lehnte die SWICA am 1
7.
Februar 2015 eine Kostenübernahme
form
los
ab (
Urk.
7/17).
1.2
Am
8.
Mai 2015 ersuchte
Dr.
med.
A._
, Oberärztin am
B._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, die SWICA erneut um Kostenübernahme für eine subkutane Mastektomie links, eine Narbenkorrektur Mamma rechts und eine angleichende
Liposuction
Mamma beidseits
(
Urk.
7/15)
.
Am 2
1.
Mai 2015 reichte die SWICA eine Kostengutsprachebestätigung ge
stützt auf die Abklärung durch ihren Vertrauensarzt beim
B._
ein (
Urk.
7/14). Gemäss Vertrauensarzt handle es sich bei der Mastektomie links und der Narbenkorrektur der Mamma rechts um Pflichtleistungen zu Lasten der Krankenversicherung. Bei der
Liposuction
Mamma rechts handle es sich um keine Pflichtleistung zu Lasten der Krankenversicherung, weshalb diese nicht von der SWICA vergütet w
e
rde (vgl.
Urk.
7/21 unten).
Mit Schreiben vom
2.
Juli 2015 (
Urk.
7/13) ersuchte der Versicherte die SWICA, die Kostengutsprache vom 2
1.
Mai 2015 in Bezug auf die
Liposuc
tion
nochmals zu überdenken und sämtliche von
Dr.
A._
vorgeschlage
nen Behandlungen zu übernehmen.
Mit Schreiben vom
6.
Juli 2015 hielt die SWICA an ihrem Entscheid vom 2
1.
Mai 2015 fest (
Urk.
7/12).
Am
9.
Juli 2015 ersuchte
Dr.
A._
die SWICA auf Wunsch des Versicher
ten erneut um Kostenübernahme auch für die angleichende
Liposuction
beidseits (
Urk.
7/1
1
).
D
arauf
hin
lehnte die SWICA mit Verfügung vom
7.
August 2015 die Über
nahme der Kosten der Mastektomie aus der obligatorischen Krankenpflege
versicherung vollumfänglich ab (
Urk.
7/9).
Die vo
m
Versicher
ten dagegen am
9.
September 2015
er
hobene Einsprache (Urk.
7
/
5
)
wies die
SWICA mit Entscheid vom 2
9.
Oktober 2015
(
Urk.
7
/
3
=
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
9.
Oktober 2015
(
Urk.
2) erhob
der
Versi
cherte am
7.
Dezember 2015
Beschwerde und beantragte, dieser
und die Verfügung vom
7.
August 2015
sei
en
aufzuheben
. Es sei festzustellen, dass die erteilte Kostengutsprachebestätigung an das
B._
vom 2
1.
Mai 2015 nach wie vor gültig sei. Dies, nachdem das Wiedererwägungsgesuch vom
9.
Juli 2015 des
B._
, die ganze mit Kostengutsprachegesuch vom
8.
Mai 2015 vor
geschlagene Behandlung zu übernehmen, sich als obsolet erweise, weil die
Liposuction
vom
B._
ohne Extraabrechnung übernommen werde (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 4
.
Januar 2016
(Urk.
6
) schloss die
SWICA
auf Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
6.
Januar 2016 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Mit Replik vom 2
5.
Januar 206 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
9) und reichte weitere Do
ku
mente zu den Akten (
Urk.
10/1-9,
Urk.
10/11-12,
Urk.
10/14,
Urk.
10/16).
Mit Duplik vom 1
8.
Februar 2016 (
Urk.
13) hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest, was dem Beschwerdeführer am 2
3.
Februar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
Dieser äusserte sich unaufgefordert am 8.
März 2016 erneut zur Sache (Urk. 15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
25
Abs.
1 des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
übernimmt die obligatorische Krankenversicherung die Kosten für die Leis
tungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen.
Art.
25
Abs.
2 KVG enthält einen Katalog von Leistungen, die unter die Übernahmepflicht der Krankenversicherer fallen. Als Pflichtleistung auf
geführt sind unter anderem die von einem Arzt oder einer Ärztin ambulant,
bei Hausbesuchen,
stationär
oder in einem Pflegeheim
durchgeführten Un
tersuchungen
,
Behandlun
gen und Pflegemassnahmen (
lit
. a Ziff. 1
)
sowie der
Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (
lit
. e).
1.2
Die Übernahmepflicht des Krankenversicherers wird durch
Art.
32
Abs.
1 KVG begrenzt. Danach sind nur jene Leistungen zu vergüten, welche wirk
sam,
zweckmässig und wirtschaftlich
sind,
wobei die Wirk
samkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein muss
.
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
die im Zusammenhang mit
der
geplanten Mastektomie links und Narbenkorrektur rechts entstehen
den Kosten im Rahmen
der obligatorischen
Krankenpflegever
siche
rung
zu übernehmen hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Begründu
ng ihres ablehnenden Ent
scheids auf die Beurteilung durch
Dr.
Y._
und stellte sich auf den Stand
punkt, dass kein somatisches Leiden vorliege, welches eine Therapie auf Kosten der Grundversicherung erfordern würde. Bei Anwendung der Recht
sprechung zum ästhetischen Mangel sei auf die Tatsache hinzuweisen, wo
nach der Mangel erhebliche Beschwerden verursachen müsse. Dies sei bei Berücksichtigung der Beurteilung durch
Dr.
Y._
und den von ihr einge
reichten Unterlagen (Fotodokumentation, Ultraschall-Befund) nicht der Fall. Gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
Y._
ersch
ei
ne daher die Ablehnung des Eingriffs (Mastektomie) auf Kosten der Grundversicherung als korrekt
(
Urk.
2 S. 5 f.)
.
2.3
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber sinngemäss geltend
(
Urk.
1)
, dass vorliegend der medizinische Bericht von
Dr.
A._
entscheidend und darauf abzustellen sei. Es sei nicht ersichtlich, aus welchen Gründen die Beschwerdegegnerin nun – nach ihrer Kostengutsprachebestätigung vom 2
1.
Mai 2015, welche
lediglich
mit der Einschränkung betreffend der
Lipo
suction
versehen gewesen sei – die Mastektomie gar nicht mehr übernehmen wolle.
Zudem habe sich herausgestellt, dass die
Liposuction
bei der
Mastek
tomie
sowie bei der Narbenkorrektur ohne Kostenfolge für ihn standard
mässig durchgeführt werde. Das Wiedererwägungsgesuch und der Streitpunkt
Li
posuction
seien damit gegenstandslos geworden (S. 5).
Schliesslich sei zu er
wähnen, dass auch der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin ausgeführt
habe, dass die Kostengutsprache für die subkutane Mastektomie und für die Narbenrevision im Hinblick auf den Krankheitswert erfolgt sei (S. 15).
3.
3.
1
Mittels Ultraschall Untersuchung der Mammae/
Axillae
beidseits vom 2
1.
Janu
ar 2015 (
Urk.
7/20) wurde ein linksseitig kleiner Drüsenkörper sowie rechts an identischer Stelle eine Narbe ohne eigentlichen Drüsenkörper fest
gestellt. Weiter konnten beidseits Fettpolster
retromamillär
im Sinne einer zusätzlichen Pseudo-Gynäkomastie festgestellt
werden
.
3.2
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Plastische,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie, berichtete am
5.
Februar 2015 (
Urk.
7/18) und nannte als Diagnose eine beidseitige linksbetonte Gynäkomastie bei Status nach einer subkutanen Mastektomie rechts 197
2.
Sie führte aus, dass
beim Beschwerdeführer mit 18 Jahren auf der rechten, mehr betroffenen Seite eine subkutane Mastektomie durchgeführt worden sei. Danach habe es keine grossen Störungen für ihn gegeben. In den letzten Jahren sei es zu einem stärkeren Brustwachstum gekommen, was den Beschwerdeführer zunehmend störe. Es bestünden keine Schmerzen und keine tastbaren Knoten. Der Befund ergebe eine beidseitige linksbetonte Gynäkomastie mit tastbarem
Drüsenge
webe
links. Rechts bestehe eine reizlose Narbe
periareolär
. Der untere Pol der rechten Brust sei eingezogen und die Brustwarze zeige nach unten.
Sie habe dem Beschwerdeführer die Möglichkeit einer Operation beidseits mittels sub
ku
taner Mastektomie und zusätzlichem Fettabsaugen zum Erlangen eines zufriedenstellenden Resultates empfohlen.
3.3
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Vertrau
e
ns
arzt SWICA,
nahm am 1
6.
Februar 2015 Stellung (
Urk.
7/21
oben
) und führte aus, dass keine Symptome von Krankheitswert bestünden. Die ästhetischen Motive stünden im Vordergrund. Der Beschwerdeführer sei bauchbetont doch noch ziemlich adipös. Die Mastektomie mit Fettabsaugung seien hier keine Pflichtleistungen für die Krankenkasse.
3.
4
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Plastische,
Rekonstruktive
und Ästhe
tische Chirurgie, Oberärztin
B._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, berichtete am
8.
Mai 2015 (
Urk.
7/15) und nannte folgende Diagnosen:
Gynäkomastia
vera
links
sonographisch
nachgewiesener Drüsenkörper
retromammillär
unauffälliger Hormonstatus Januar 2015
schmerzhafte, eingezogene Narbe
periareolär
rechts
Status nach offener Drüsenkörperentfernung via
periareolärer
Inzi
sion zirka 1970
anamnestisch Status nach
Seminom
Hoden rechts
Status nach
Orchektomie
rechts Juni 1996 und
adjuvanter
Radiothe
rapie
Sie führte aus, dass
aufgrund des schmerzhaften Drüsenkörpers
retro
mammi
l
lär
links eine Exzision desselben über einen
periareolären
Zu
gang empfohlen werde. In gleicher Sitzung könnte vers
ucht werden, über die alte
peri
areoläre
Narbe die Verklebung
am medialen unteren Quadranten der rechten Seite zu lösen und beidseits eine angleichende
Liposuction
durchzu
führen.
3.5
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Ver
trauensärztin
SWICA, nahm am 2
0.
Mai 2015 Stellung (
Urk.
7/21 unten) und führte aus, dass für die linke Seite mit einer schmerzhaften, monographisch nachgewiesenen Gynäkomastie der Krankheitswert erfüllt sei und damit eine Leistungspflicht für die subkutane Mastektomie bestehe. Für die rechte Seite gelte für die schmerzhafte Narbe das gleiche. Eine zusätzlich gewollte
Lipo
suction
sei nicht nötig und auch nicht
wirksam,
zweckmässig und wirt
schaftlich
(
WZW
),
deshalb soll hier keine Kostengutsprache erteilt werden.
3.6
Dr.
A._
berichtete erneut am
9.
Juli 2015 (
Urk.
7/11) und führte aus, dass es in der Tat ohne die Massnahme einer
Liposuction
deutlich erschwert sein werde, eine zufriedenstellende Kontur beidseits zu erreichen.
3.7
Am
5.
August 2015 nahm
Dr.
Z._
,
Vertrauensarzt der SWICA
,
erneut Stel
lung (
Urk.
7/9 S. 3
,
Urk.
7/7 S. 2
) und führte aus, dass die Kostengutsprache für die subkutane Mastektomie und für die Narbenrevision rechts im Hinblick auf den Krankheitswert erfolgt und deshalb empfohlen worden sei. Die
Lip
o
suction
wäre für die rein ästhetisch-kosmetische Komponente und keine Pflichtleistung für die Krankenkasse. Diesen Teil sollte der Beschwerdeführer selbst übernehmen. Empfohlen werde deshalb, eine getrennte Rechnung zu verlangen und für die
Liposuction
keine Kostenübernahme zu gewähren.
4.
4.1
Nach
Art.
3
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
(
ATSG
)
ist Krankheit jede Beeinträchtigung der kör
perli
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
Ob eine Krankheit im Sinn dieser Bestimmung vorliegt, ist nach den Besonderheiten des einzelnen Falls zu
beantworten. Dabei wird man kaum je von Krankheit sprechen können, wenn
nicht Störungen vorliegen, die durch pathologische Vorgänge verursacht wo
r
den sind (BGE 121 V 289 E. 2b). Zu betonen ist, dass es sich beim Begriff Krankheit um einen Rechtsbegriff handelt, und dass er sich somit nicht not
wendigerweise mit dem medizinischen Krankheitsbegriff deckt, sondern bloss einen bestimmten Ausschnitt des gesundheitlichen Geschehens, welches zum medizinischen Krankheitsbegriff gehört, umfasst. Das subjektive „sich krank fühlen“ erfüllt für sich allein den Krankheitsbegriff im Rechtssinn noch nicht. Die gesundheitliche Störung muss eine gewisse Schwere aufweisen, um als Krankheit zu gelten; die Schwere wird als Krankheitswert bezeichnet.
Art.
3
Abs.
1 ATSG konkretisiert mit den darin formulierten Erfordernissen den gleichen Gedanken. Verlangt eine gesundheitliche Beeinträchtigung weder Untersuchung noch Behandlung und verursacht sie auch keine Arbeitsunfä
higkeit, liegt grundsätzlich keine Krankheit im Sinne von
Art.
1a
Abs.
2
lit
. a KVG vor. Die Untersuchungs- oder Behandlungsnotwendigkeit oder das Vor
liegen einer Arbeitsunfähigkeit muss objektiv durch den Arzt oder die Ärztin festgestellt werden. Das Sozialversicherungsrecht verlangt somit eine durch
Medizinalpersonen
objektivierbare und festgestellte Beeinträchtigung der Gesundheit, damit eine Leistung beansprucht werden kann (Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
3.
Auflage, S. 110; Gebhard
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit,
2.
Auflage, S. 474 ff.
Rz
242 ff.).
4.2
Ein ausschliesslich ästhetischer Mangel zählt nicht zu dem durch das KVG versicherten (Krankheits-)Risiko. Kosmetische Behandlungen zur Behebung von Abweichungen von der Ideal- oder Normalform äusserer Erscheinung zielen in der Regel nicht auf die Heilung, Linderung oder Verhinderung patho
logischer Zustände oder auf die Erhaltung der Gesundheit ab. Natür
liche Schönheitsfehler, die im Rahmen der natürlichen körperlichen Entwick
lung entstehen, wie etwa unschöne Narben, abstehende Ohren, körperliche
Über
grössen, Muttermale gutartiger Natur, Gesichtsfalten, Schlupflider, Trä
ne
n
sä
cke, Haarausfall oder nicht dem vermeintlichen Schönheitsideal ent
spre
chende Brüste haben keinen Krankheitscharakter, soweit damit keine erhebli
chen Funktionsstörungen verbunden oder konkret davon zu erwarten sind. Natürliche Schönheitsmängel können jedoch Pflichtleistungen auslösen, wenn mit dem kosmetischen Defizit eine körperliche oder psychosomatische Beeinträchtigung mit ausgeprägtem Krankheitswert verbunden ist. Solche
Funktionseinschränkungen sind beispielsweise bei schiefstehenden Nasen ei
ne erhebliche Behinderung der Nasenatmung (Gebhard
Eugster
, a.a.O., S. 481
Rz
261 f.). Eine Leistungspflicht der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung
besteht deshalb dann, wenn der Eingriff medizinisch indiziert ist beziehungs
weise die Be
schwerden erheblich sind und andere, vor allem ästhetische Motive genügend zurückdrängen (BGE 121 V 211 E. 4).
4.3
Auch wenn es sich bei
der Gynäkomastie
– wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht -
nicht
um eine
eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom handeln sollte, ist im Folgenden s
treitig und zu prüfen
,
ob die Gynäkomastie des Beschwerdeführers eine Schwere aufweist, welche mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (BGE 120 V 37 E. 3c) als krankheitswertig zu bezeichnen ist.
Die Beschwerdegegnerin hat diese Frage gründend auf den Beurteilungen ihrer Vertrauensärzte zuerst bejaht (vgl. Kostengutsprachebestätigung vom 2
1.
Mai 2015,
Urk.
7/14) und alsdann mit Verfügung vom
7.
August 2015 verneint (
Urk.
7/9).
Der Beschwerdeführer vertritt demgegenüber gestützt auf die medizinischen Berichte die Auffassung,
er leide infolge der seit Jahren bestehenden Gynäkomastie unter krankheitswertigen körperlichen und psy
chischen Beschwerden, weshalb die medizinische Indikation für eine
Mastek
tomie
und Narbenkorrektur entsprechend der
Kostengutsprachebestä
tigung
vom 2
1.
Mai 2015 gegeben sei.
4.4
Laut den Berichten von
Dr.
A._
vom
8.
Mai 2015 (vgl. vorstehend E. 3.6) und
9.
Juli 2015 (vgl. vorstehend E. 3.8)
leidet der Beschwerdeführer an einer
echten
schmerzhaften Gynäkomastie links sowie an einer schmerzhaften, eingezogenen Narbe
der Mamma
rechts. Der Beschwerdeführer wies in der Einsprache ausserdem darauf hin, dass die Gynäkomastie Beschwerden und Schmerzen verursache und eine Belastung darstelle
und erläuterte diese
(
Urk.
7/5 S.
3).
Die genannten körperlichen und psychischen Beschwerden können
somit
durchaus als typische Beschwerden mit Krankheitswert gelten
,
wenn sie eine gewisse Schwere aufweisen beziehungsweise die Beeinträchti
gungen erheblich und namhaft sind
(vgl. vorstehend E.
4
.1)
.
Die vorstehend dargelegte medizinische Aktenlage
inklusive Bildmaterial
ent
hält eindeutige Indizien für die Annahme einer krankheitswertigen Be
deu
tung der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden. Die Ausführun
gen sowohl von
Dr.
Y._
wie auch von
Dr.
A._
lassen eine
Behand
lungs
notwendigkeit
annehmen.
So wurde bereits mit der von
Dr.
Y._
in Auf
trag gegebenen Ultraschalluntersuchung sowohl eine postoperative Ver
ände
rung rechts wie auch ein Drüsenkörper links festgestellt (vgl. vorstehend E.
3.1).
Selbst die Vertrauensärzte der Beschwerdegegnerin,
Dr.
Z._
und
Dr.
C._
,
sprechen von einem Krankheitswert in Bezug auf die
Mastek
tomie
links und die Narbenkorrektur der Mamma rechts (vgl. vorste
hend E. 3.7
und E. 3.9).
Dass die Mastektomie und Narbenkorrektur vorlie
gend a
u
s rein ästhetische
n
Gründen vorgenommen werden soll
und somit nicht zu dem durch das KVG versicherten Risiken zu zählen wäre,
wie dies die
Beschwer
de
gegnerin
nunmehr in der Duplik (
Urk.
13) geltend macht, er
scheint
auf
grund der Akten
nicht nachvollziehbar.
So
handelt es sich bei ei
ner
Mastek
tomie
zur Behebu
ng einer Gynäkomastie (hormonabhängige Ver
grösserung de
s männlichen Brustdrüsenparenchyms)
vorliegend nicht um
eine kosme
tische Behandlung zur Behebung von Abweichungen von der Ideal- oder Normalform äusserer Erscheinungen,
sondern
diese
zielt
vielmehr auf die Heilung, Linderung oder Verhinderung weiterer pathologischer Zustände
ab
.
Gemäss übereinstimmender Beurteilung sämtlicher Ärzte ist der geplante Eingriff medizinisch indiziert, weshalb
- auch unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen von
Art.
32
Abs.
1 KVG (wirksam, zweckmässig, wirtschaftlich) -
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin besteht.
4.5
Was die
Frage nach der
Übernahme der
Kosten für die
ärztlich empfohlene
angleichende
Liposuction
beidseits als Pflichtleistung der
Beschwerdegegne
rin
betrifft, bleibt
zur Vervollständigung
Folgendes
anzumerken
:
D
er Anhang 1 zur Verordnung
über Leistungen in der obligatorischen
Kran
ken
pflegeversicherung
(KLV
)
bezeichnet
diejenigen Leistungen, die nach Ar
tikel 33
Buchstaben a und c
der Verordnung über die Kranke
n
versicherung (
KVV
)
von der Leistungs- und Grundsatzkommission geprüft wurden und deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernom
men, nur unter bestimmten Voraussetzungen übernommen oder aber nicht übernommen werden (
Art.
1 KLV). Die
Liposu
c
tion
(Fettabsaugung) wird darin nicht aufgeführt. Da Anhang 1 KLV keine abschliessende Aufzählung der ärztlichen Pflicht- oder Nichtpflichtleistungen enthält (einleitende Bemer
kung zu Anhang 1 KLV), ergibt sich daraus, wie auch aus der KLV selber, nichts für die Beurteilung der umstrittenen Leistungspflicht.
Im
Zusammenhang
mit der
Korrektur
einer
Mammahypertrophie
erwog
das
Bundesgericht
,
dass
die
operative
Brustreduktion
dann
eine
Pflichtleistung
der Krankenkassen darstellt, wenn die Hypertrophie körperliche oder psy
chi
sche Beschwerden mit Krankheitswert verursacht und Ziel des Eingriffs die Behebung dieser krankhaften Begleitumstände als der eigentlichen Krank
heit
s
ursache ist. Entscheidend ist nicht das Vorliegen eines bestimmten Be
schwerdebildes, sondern ob die Beschwerden erheblich sind und andere, vor
allem ästhetische Motive genügend zurückdrängen (
BGE 121 V 211
E. 4 S. 213
mit Hinweisen). Eine Orientierung an diesen Grundsätzen, wenn es wie hier um die Frage der Leistungspflicht für eine Liposu
c
tion
bei einer Gynäko
mastie
geht, erscheint vor allem im Hinblick darauf, dass nicht der ästheti
sche Aspekt im Vordergrund stehen darf, als sachgerecht
(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_890/2015 vom 1
4.
April 2016 E.
3.3
bezüglich Lipödem)
.
Vorliegend kann die Frage nach der Übernahme der Kosten der Liposuction jedoch offen gelassen werden, zumal die Mastektomie links und Narben
korrek
tur rechts als Pflichtleistung der Beschwerdegegnerin qualifiziert wurden (vgl. vorstehend E. 4.4) und die Liposuction
gemäss Bestätigung des
B._
ohne
hin ohne
Kostenfolge durchgeführt würde (vgl.
Urk.
7/6).
4.6
Nach dem Gesagten
hat die Beschwerdegegnerin einen Krankheitswert der Gynäkomastie und folglich auch die Leistungspflicht für deren Behandlung zu Unrecht verneint.
Es besteht ein Anspruch des Beschwerdeführers auf Über
nahme der Kosten dieser Behandlung.
Die Beschwerde ist
folglich gutzu
heissen.
5.
Dem
Beschwerdeführer
ist keine Prozessentschädigung zuzusprechen, da sein
Arbeitsaufwand und seine
Umtriebe im vorliegenden Verfahren nicht den Rahmen dessen überschritten, was der Einzelne
zumutbarerweise
nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat.