Decision ID: dde0370c-6028-4ce2-abb2-1f9aa173f76d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 2000, meldete sich am 2
2.
April 2019 unter Hinweis auf eine
seit zirka
2013 bestehende Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
einen mediz
inischen Bericht (
Urk.
9/2) ein. Mit
Vorbescheid vom 1
8.
Juni 2019 (
Urk.
9/8)
stellte sie die
Abweisung des Leistungs
gesuches in Aussicht.
Die IV-Stelle kam
nach dem Einwand der Versicherten vom 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
9/13)
auf
ihren
V
orbescheid zurück und
holte
weitere
medizi
nische Berichte (
Urk.
9/17
/1-34
,
Urk.
9/23
/1-11
) und ein
bidisziplinäres
Gut
achten (
Urk.
9/33) ein. Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2020 (
Urk.
9/36 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
8.
Juli 2020 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 1
0.
Juni 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr Leistungen
der Invalidenversicherung
(Rente, Massnahmen beruflicher Art) zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeur
teilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Oktober 2020 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 2
3.
Oktober 2020 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Beschwerdeführerin eine Kopie der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10 Dispositiv
Ziff.
1-2).
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 2
5.
November 2020 an den in der Beschwerde vom
8.
Juli 2020 gestel
lten Anträgen fest (
Urk.
12 S. 2
Ziff.
1 oben) und reichte
einen
Bericht (
Urk.
13) ein. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
4.
Dezember 2020 (
Urk.
16) auf eine Duplik, was der Beschwerdeführerin am 1
8.
Dezember 2020 zur K
enntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Bei Versicherten mit vollen
detem 2
0.
Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und
denen eine Erwerbs
tätigkeit
nicht zugemutet werden kann, bestimmt sich die Invalidität
nach Artikel 8 Absatz 3 ATSG
(
Art.
5
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenver
si
cherung; IVG). Demgemäss gelten
Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich
im bisherigen Aufgabenbereich zu betä
tigen. Artikel 7 Absatz 2
ATSG
ist sinngemäss
anwendbar:
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist.
1.2
Anspruch auf eine Re
nte haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin machte geltend, die
Beschwerdegegnerin habe die Verfügung vom 1
0.
J
uni 2020 erlassen, ohne zuvor einen neuen Vorbescheid zu erlassen und
ohne
dass ihr vom Gutachten vom 1
8.
Mai 202
0 Kenntnis gegeben worden wäre. Dieses
sei ihr erst auf das Akteneinsichtsgesuch vom
1
8.
Juni
2020 zugestellt worden. Sie habe somit keine Möglichkeit gehabt, im
Vorb
e
scheid
verfahren
zum Gutachten Stellung zu nehmen und sich zum Beweisergebnis zu äussern. Es werde daher eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2).
2.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu
gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des recht
lichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E.
3d/
aa
).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
let
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
2.3
Die Beschwerdegegnerin
kam
nach dem Einwand der Beschwerdeführerin vom 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
9/13)
auf
den Vorbescheid
vom 1
8.
Juni 2019 (
Urk.
9/8)
zurück und holte
unter anderem
ein
bidisziplinäres
Gutachten
(
Urk.
9/33)
ein
.
Die Beschwerdegegnerin hätte
der Beschwerdeführerin
das Gutachten vor Erlass der Verfügung vom 1
0.
Juni 2020 zur Stellungnahme unterbreiten müssen.
Das
Vorbescheidverfahren
nach
Art.
57a IVG wurde daher
nicht korrekt durchgeführt
und
es ist von einer
schweren
Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör
auszugehen.
Die Verfügung vom 1
0.
Juni 2020
wäre
daher bereits
aufgrund der Gehörsverletzung
aufzuheben.
Es rechtfertigt sich jedoch, von einer Rückweisung abzusehen, da damit eine unnötige Verzögerung verbunden wäre und ein Entscheid in der Sache angezeigt ist.
Nachfolgend ist
deshalb
auf
die
materiell-rechtlich
en
Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, nach dem Bericht der behandelnden Ärzte sei die depressive Erkrankung durch die Tren
nung der Eltern
der Beschwerdeführerin
und die unbefriedigende Wohnsituation ausgelöst worden. Eine Einschränkung, die durch Probleme im Privatleben und
die
allgemeine
n
Umstände ausgelöst werde, begründe keine Leistungen der Inva
lidenversicherung.
Weiter sei ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin einen gestalterischen Vorkurs
trotz ihrer Probleme bestanden habe,
und es
liege eine durchschnittliche Intelligenz vor (S. 1).
Nach dem eingeholten psychiatrischen Teilgutachten bestehe eine Persönlich
keitsstörung mit unreifen-regressiven Anteilen. Die Störung sei bi
slang nicht genügend erfasst und
auch nicht therapiert worden. Die Beschwerdeführerin habe die Schule abschliessen könne
n
, allerdings nicht auf einem hohen Niveau. Weiter
sei
sie sozial aktiv mit realen Freunden und
online und gebe sich gerne mit Tieren ab. Die Persönlichkeitsstörung sei soziokulturell bedingt aufgrund eines familien
systemischen Problems mit geringer emotionaler Zuwendung bei gleichzeitig hohen Ansprüchen
an ihre Person
(S. 2 oben). Die psychischen Einschränkungen würden sich auf die Planung des Berufslebens beziehen. In den anderen Lebens
bereichen bestünden keine Einschränkung
en
. Eine rezidivierende depressive Störung sei nicht mehr ausgewiesen und habe keine Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Eine IV-relevante Einschränkung sei weiterhin nicht ausgewiesen (S. 2 Mitte).
3.2
Die Beschwerdeführerin brachte weiter vor, der psychiatrische Gutachter habe eine depressive Störung bestätigt.
Dieser liege
eine schwere, bis anhin nicht diagnostizierte Persönlichkeitsstörung zugrunde.
Für das Scheitern der bisherigen beruflichen Ausbildung sei eindeutig die krankheitsb
edingte Störung verant
wortlich
(
Urk.
1 S.
3
Ziff.
1 Mitte).
Aus dem
G
utachten
werde abgeleitet, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht erfolgreich
seien
und eine Rente die psychische Verfassung gar verschlimmern würde. Der G
utachter empfehle statt
dessen, dass eine störungsspezifische Behandlung der Erkrankung in einer psychiatrischen K
linik erfolgen solle
. Die behandelnden Ärzte seien
jedoch
zu einem anderen Schluss gekommen
(S.
4
Ziff.
3 oben).
Nach
dem psychiatrischen Teilgutachten bestehe unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes an
haltend keine Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
12 S. 7 unten).
Gemäss dem
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
könne auf
das Gutachten vom 1
8.
Mai 2020 abgestellt werden (S. 8
Ziff.
2.13 Mitte). Die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin behaupte
jedoch
, dass die Beschwerde
führerin über viele Ressourcen verfüge, die gen
u
tzt werden könnten. Dies entspreche klar nicht den Tatsachen (S. 9
Ziff.
2.14).
Die Beschwerdegeg
nerin sei in
der Vernehmlassung sodann
nicht auf die unterschiedlichen Ergebnisse der internen Ressourcenprüfung und des psychiatrischen Gutachters eingegangen (S. 10
Ziff.
2.17 unten).
3.3
Die Beschwerdegegnerin
führte
in der Vernehmlassung vom
1
4.
Oktober 2020 ergänzend aus
, sie erachte das Gutachten vom 1
8.
Mai 2020 als beweiskräftig.
Der psychiatrische Gutachter habe darauf hingewiesen, dass grosse psychosoziale Belastungen bestünden, wie die Trennung der Eltern, ein grosser Leistungsdruck und ein wiederholtes Scheitern in der Schule. Dies habe zu einer depressiven Konfliktverarbeitung und einem Rückzug der Beschwerdeführerin in eine Schein
welt geführt (
Urk.
8 S. 2 f.
Ziff.
3
). Die Beschwerdegegnerin habe zudem eine Ressourcenprüfung durchgeführt. Diese habe ergeben, dass die Beschwerde
führerin durchschnittlich intelligent sei und sie
vor
Kurzem erfolgreich einen gestalterischen Vorkurs Zeichnen absolviert habe. Zudem verfüge sie über einen Schulabschluss, wenn sie
auch
nicht das Gymnasium abgeschlossen habe. In der Freizeit gehe sie teilweise mit ihren Freunden in den Ausgang. Weiter gehe sie täglich mit dem Hund spazieren, zeichne und pflege den Kontakt zu ihrer Mutter, mit der sie zusammenwohne. Es sei somit ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin über viele Ressourcen verfüge. Die anlässlich der psychiatrischen Begutachtung erhobenen Befunde seien sodann weitgehend unauffällig gewesen (S. 3 unten).
Bezüglich Eingliederungsmassnahmen habe eine Prüfung ergeben, dass darauf kein Anspruch bestehe. Die Beschwerdegegnerin habe daher einen Rentenan
spruch geprüft (S. 4).
3.4
Materiell-rechtlich
ist strittig
, ob ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Eingliederungsmassnahmen und gegebenenfalls auf eine Rente besteht.
4.
4.1
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, stellte am
5.
Juni 2018 (
Urk.
9/17/17) ein ärztliches Zeugnis aus. Sie attestierter für die Zeit vom 1
8.
Mai bis 2
2.
Juni 2018 eine volle Arbeits
unfähigkeit.
4.2
Die Ärzte der Psychiatrie
Z._
erstatteten am 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
9/2) den Austrittsbericht
über die
stationären Behandlungen
der Beschwerdeführerin
in der Klinik
A._, Psychiatrie Z._
, vom
6.
Juni bis 2
3.
Juli und vom
6.
August bis 2
1.
September 2018 (S. 1).
Die Ärzte nannten als Diagnose
eine schwere depressive Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2) bei durchschnittlicher Intelligenz (IQ 85-114, klinischer Eindruck
,
S. 1 unten).
Der Eintritt in die Klinik sei notfallmässig
und
freiwillig
erfolgt
wegen
einer akuten
Selbstgefährdung.
Die Patientin sei vor zirka zwei Wochen in eine suizidale Krise geraten. Seit einem halben Jahr sei bekannt, dass ihre Eltern sich trennen
würden
. Es sei zu einer zunehmenden Verschlech
terung
der
Stimmung gekommen und es hätten eine Energielosigkeit und Erschöpfungs- und Weinzustände bestanden (S. 2 oben). Die siebzehnjährige Jugendliche habe seit Herbst 2017 einen gestalterischen Vorkurs als Vorbereitung auf eine Ausbildung
im
kreativen Bereich besucht. Zuvor habe sie das Gymna
sium abbrechen müssen, da
sie
mit den hohen Anforderungen nicht zurecht
gekommen sei.
Die Beschwerdeführerin sei a
ufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung seit dem 1
2.
Lebensjahr in psychiatrische
r Behandlung. Anamnestisch sei
ein ADS
vordiagnostiziert worden
und
seit dem vierten Lebens
jahr
bestünden
Schlafprobleme. Die Trennung der Eltern, die ungeklärte Wohn
situation und eine ungewisse Zukunftsperspektive würden von der
Jugendlichen als starke Belastung erlebt. Sie habe in den letzten Jahren zahlreiche Hobbies zunehmend durch Medienkonsum, Online-Gaming und Internet ersetzt
. Ausserhalb der Schule habe sie nur noch wenige Kontakte zu Gleichaltrigen gepflegt
(S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin habe vor dem Eintritt in die Klinik mit einem Pensum von 50
%
einen gestalterischen Vorkurs besucht. Sie habe sich entschieden, diesen fortzusetzen (S. 4 oben).
Durch die psychische Erkrankung
der Beschwer
deführerin
seien Entwicklungsschritte, wie die Ablösung von den Eltern, in den letzten Jahren nicht angemessen erfolgt (S. 4 Mitte).
4
.3
Die Ärzte der
Psychiatrie Z._
stellten am 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
9/17/15) ein ärztliches Zeugnis aus für die Dauer einer
weiteren
stationären B
ehandlung in der
Psychiatrie Z._
vom 1
7.
Juli
bis
1.
August 201
9.
4
.4
Die Ärzte der
Klinik B._
berichteten am 2
8.
August 2019 (
Urk.
9/17/21-25
=
Urk.
9/23/5-9
) über die stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin vom
2.
bis 2
8.
August 2019 (S. 1).
Sie
nannten als psychiatrische Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psycho
tischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
,
und Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (
ICD-10
Z73). Als somatische Diagnose nannten sie eine Erhöhung der Transaminasen, aktuell
regredient
(S. 1 Mitte).
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin habe symptomati
sch
über
Konzentrationsstörungen,
Energielosigkeit, eine depressive Stimmung, Hoff
nungslosigkeit und Schuld- und Insuffizienzgefühlen
berichtet
. Nachdem sie ihr Wunschstudium nicht habe beginnen können, sei
sie
in eine Sinnkrise geraten (S. 1 unten). Anamnestisch seien
im
9.
Lebensjahr, wahrscheinlich nach der Tren
nung ihrer Eltern, zum ersten Mal depressionsähnliche Symptome aufgetreten. Sie habe
sich damals traurig, leer und lustlos gefühlt. Mit 12 Jahren sei sie ans Gymnasium gekommen, was sehr stressig und mit viel Druck verbunden gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe zu diesem Zeitpunkt die erste ambulante Behandlung begonnen.
Seither nehme sie Antidepressiva
. Ab Juni 2018 sei ein erster stationärer Aufenthalt in der
Psychiatrie Z._
mit zwei sechswöchigen Behandlungs
phasen
erfolgt
, die von einer zweiwöchigen Pause unterbrochen worden seien
. Im Juli 2019 se
i
die Beschwerdeführerin erneut in der
Psychiatrie Z._
in stationärer Behandlung gewesen
(S. 2 oben).
Sie arbeite zurzeit
mit einem Pensum von 20-50
%
als Aushilfe im V
ersand eines Spielwarenladens. Zudem
verbringe sie viel
Zeit
mit «Gamen» (S. 3 oben).
Die Beschwerdeführerin habe sich beim Eintritt in die Klinik psychopathologisch in einer depressiven Stimmung präsentiert. Weiter hätten eine innere Unruhe
, Interesse- und Freudlosigkeit sowie ein verminderter Antrieb und eine gesteigerte Ermüdbarkeit bestanden. Zudem habe sie einen Verlust des Selbstwertgefühls, ausgeprägte Insuffizienzgefühle, Gedankenkreisen und passive Suizidgedanken beschrieben (S. 4 oben). Als bedeutsame Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltu
ng der depressiven Symptomatik sei ein Mangel an Konstanz identifiziert worden, der durch wiederholte Wechsel der Schule und der Wohn
situation zustande gekommen sei. Es sei zu dreimaligen Versuchen am Gymna
sium mit
jeweils
folgenden Wechseln zurück in die Sekundarschule und zu Umzügen aufgrund der Trennungen der Eltern gekommen. Aktuell bestehe die zentrale Problematik im Fehle
n einer Zukunftsperspektive und in einer
ausge
prägten
Sinnkrise (S. 4 Mitte).
4
.5
Lic. phil.
C._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, und
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psycho
therapie, nannten in einem nicht datierten Bericht (
Urk.
9/23/10-11)
als Diag
nosen (S. 1
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung mit phasenweise schweren Episoden (psychotische Symptome) - gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
Lic. phil.
C._
und
Dr.
D._
gaben an, die
Therapie
erfolge seit Mai 2019 mit einer Frequenz von einer Sitzung pro Woche. Aufgrund des Klinikau
fenthaltes im August 2019 sei es zu einem Unterbruch der Behandlung gekom
men. Seit September 2019 erfolge
sie
zweimal wöchentlich. Der Verlauf sei zähflüssig (S. 2
Ziff.
3.1).
4
.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom 2
7.
Januar 2020 (
Urk.
9/34 S. 3 f.) aus, im August 2019 sei es zu
einem dreiwöchigen Klinikaufenthalt
gekommen
aufgrund einer rezidivierend
en depressiven Störung bei
einer
schwere
n
E
pis
ode mit psychotischen Symptomen
. Dies obwohl die Beschwerdeführerin im Sommer 2019 mit einem Pensum von 20-50
%
im Stundenlohn
als Aushilfe
in einem Spielwarenladen gearbeitet habe. Im psychopathologischen Befund
des Berichtes
seien
jedoch
keine psychotischen Symptome
zu finden
. Die Diagnose könne daher nicht vollzogen werden. Es sei unklar, inwiefern psychosoziale Belastungs
faktoren im Vordergrund der psychischen K
risen stünden, oder ob
ein eigenstän
diger Gesundheitszustand vorliege, welcher durch psychosoziale Faktoren zur psychischen Dekompensation führe (S. 3 unten).
Die Motivation für berufliche Massnahmen sei seitens der Beschwerdeführerin nicht gegeben. Weiter scheine die Motivation für Behandlungsmöglichkeiten, nicht eindeutig gegeben zu sein. Während des Klinikaufenthaltes im J
ahr 2018 habe die Beschwerdeführerin
das Telefongespräch mit den Eltern gesucht und angeboten
e
Vorschläge zur Anspannungs- und Emotionsregulation abgelehnt. Ob die fehlende
Motivation krankheitsbedingt sei, könne anhand der vorliegenden Unterlagen nicht beurteilt werden. Zur Abklärung des medizinischen Sachver
haltes werde empfohlen, ein psychiatrisches und neuropsychologisches Gutach
ten e
inzuholen (S. 4 oben).
4
.7
4
.
7
.1
Prof.
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie und für Psychi
atrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
G._
, Fachpsychologie für Neuropsychologie FSP, erstatten am 1
8.
Mai 2020 (
Urk.
9/33) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein
bidisziplinäres
Gutachten.
Prof.
F._
führte i
m psychiatrischen Teilgutachten
vom 1
8.
Mai 2020
(
Urk.
9/33/1-49) aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben,
dass sie
in ihren Zukunftsplänen nicht vorwärts
komme
. Seit zirka einem Jahr sei sie wie blockiert. Es sei zu vielen schulischen Misserfolgen gekommen, die sie schmerzten. Daraus resultierten viele negative Gedanken (S. 24
Ziff.
3.1).
Sie
habe über eine schwierige Kindheit berichtet. Ihre Eltern hätten sich dreimal getrennt und seien inzwischen geschieden. Hierunter habe sie sehr gelitten (S. 24
Ziff.
3.2.1 unten).
Im
Alter von 9 Jahren
habe
eine erste depressive Episode
bestanden
(S. 26 oben).
Die Beschwerdeführerin
sei
anschliessend
wiederholt ans Gymnasium gewechselt. Die dritte Probezeit habe sie
dann
bestanden. Sie habe die Kantonsschule jedoch abgebrochen, weil sie den schulischen Anforderungen nicht gerecht geworden sei. Dies habe sie traumatisiert (S. 26 oben). Die Explorandin
wohne im Haushalt ihrer Mutter und werde von
ihr finanziell unterstützt.
Sie habe einige Freunde. Sie
rede
und gehe mit
ihnen
in den Ausgang. Zirka 70
%
ihrer Zeit verbringe sie am Computer (S.
26 f.
). Die Beschwerdeführerin habe vom
1.
November 2017 bis zum 1
2.
April 2019 einen gestalterischen Vorkurs besucht (S. 27
Ziff.
3.2.2).
Sie
habe negative Erfahrungen mit dem Lernen gemacht und viele Misserfolge hinter sich. Aus diesem Grund sei sie blockiert, einen Beruf zu erlernen oder ein Studium aufzunehmen. Sie habe das Gefühl, dass sie eine Versagerin sei, weil sie nicht arbeite (S. 27
Ziff.
3.2.3). Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie beim Thema Arbeit und Zukunft blockiert
sei
und sie an keiner Arbeit Interesse habe. Sie sei sehr zufrieden mit ihrer kleinen Welt, die sie sich erschaffen habe (S. 28 Mitte).
Es bestehe ein weitgehend umgekehrter Tag-/Nachtrhythmus. Die Beschwerde
führerin gehe meist erst gegen fünf Uhr
morgens
zu Bett und stehe zwischen 14 und 15 Uhr auf (S. 28 unten).
Mit Ausnahme
zur
Mutter seien direkte soziale Kontakte eher selten. Zirka alle zwei Wochen komme es zu einem direkten
Kontakt (S. 29 oben).
Drogen habe sie noch nie genommen (S. 29 Mitte).
Die Besch
werdeführerin sei als emotional
zurückhaltend und wenig auskunftsbereit erlebt worden (S. 30
Ziff.
3.2.4).
4
.
7
.2
Hin
weise auf eine Verdeutlichung,
Aggravation oder eine bewusstseinsnahe Simulation
hätten nicht bestanden
(S. 32
Ziff.
4.3 Mitte). Die Aufmerksamkeit und die Konzentration
seien während der gut zweistündigen Exploration nicht herabgesetzt gewesen. Ein Abfall der Konzentration
und
der Aufmerksamkeit sei nicht zu beobachten gewesen (S. 33 oben). Soweit dies im Rahme einer psychi
atrischen Exploration feststellbar sei, liege die kognitive Begabung im Norm
bereich. Es bestehe ein teilweiser sozialer Rückzug mit teilweiser Beschränkung auf virtuelle Kontakte. Das S
elbstwerterleben sei reduziert und es bestünden Erwartungsängste im
Zusammenhang mit beruflich-schulischen Aktivitäten (S. 33 unten). Die Persönlichkeitsstruktur s
ei unreif, rigide und regressiv
und werde von einem ängstlichen Vermeidungsverhalten geprägt. Es sei zu einem Rückzug in eine eigene, zum Teil virtuelle Welt gekommen mit bescheidenen Lebens
ansprüchen. Weiter bestehe eine mässige Introspektionsfähigkeit (S. 34 oben).
In den Akten
fänden sich Auszüge
über eine psychiatrische Behandlung
im Jahr 2015
(S. 38
Ziff.
6.1 oben). Es sei von einer rezidivierenden depressiven Störung
seit
dem
9.
Lebensjahr der Beschwerdeführerin auszugehen. Seit 2018 seien drei psychiatrische Hospitalisationen erfolgt bei schweren depressiven Episoden, zuletzt vom
2.
bis 2
8.
August 201
9.
Vordergründig auslösend seien psychosoziale P
robleme gewesen
(S. 39
Ziff.
6.2 oben).
Es sei zu drei die Beschwerdeführerin stark belastenden Trennungen der Eltern gekommen. Sie habe von einer schwie
rigen Lebenssituation berichtet mit ständigen Wechseln des Lebensmittelpunktes beim
Vater und d
er Mutter. Bei der Untersuchung habe sie beide Elternteile als psychisch krank bezeichnet
(S. 39
Ziff.
6.2 Mitte). Die Explorandin sei im Konflikt der Eltern offenbar zumindest teilweise instrumentalisiert worden. Weiter hätten hohe schulische Erwartungen an sie bestanden, denen sie nicht habe gerecht werden können. So habe sie über ein Jahrzehnt hinweg eine geringe emotionale Zuwendung durch die Eltern erlebt bei glei
chzeitig hohen Ansprüchen an ihre Person
. Das wiederholte Scheitern in der Schule
und eine fehlende Sicherheit in der Familie
hätten
zu einer depressiven Konfliktverarbeitung
geführt
. Dies habe jedoch auch eine adäquate Persönlichkeitsentwicklung der Explorandin
verhin
dert
, bei
zunehmendem
Insuffizienzerleben und einem konsekutivem Vermei
dungsverhalten. Die Explorandin habe so in den vergangenen Jahren ein zuneh
mend regressives Verhalten entwickelt, wobei sie sich in eine Scheinwelt zurück
gezogen habe. Sie verbringe den Grossteil ihrer Zeit im Internet beim «Gamen» (S. 39
Ziff.
6.2 unten). Die Beschäftigung mit der virtuellen Welt sei bei der Beschwerdeführerin nicht Ausdruck einer Abhängigkeitserkrankung, sondern Ausdruck einer maladaptiven, unreifen, regressiven - aus gutachterlicher Sicht - schweren pathologischen Persönlichkeitsentwicklung
. Die Kriterien einer Abhän
gigkeitserkrankung seien hingegen nicht erfüllt. Bereits im Austrittsbericht der Ärzte der
Psychiatrie Z._
über den Klinikaufenthalt im August/September 2018 sei darauf hingewiesen worden, dass die Beschwerdeführerin notwendige Entwicklungs
schritte, wie die Ablösung vom Elternhaus, nicht habe angehen können und es zu einer zunehmenden Isolation gekommen sei (S. 40 oben). Klinische Symptome eines ADHS seien nicht festgestellt worden (S. 40 Mitte).
4
.
7
.3
Prof.
F._
nannte als psychiatrische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit eine schwere sonstige
,
andere spezifische Persönlichkeitsstörung mit unreifen-regressiven Anteilen (ICD-10 F60.88) und eine rezidivierende depressive Störung mit
im
Verlauf schwerer depressiver Episode ohne psychotische Störung (ICD-10 F33.2), gegenwärtig weitgehend remittiert (ICD-10 F33.4, S. 41
Ziff.
6.3).
Gemäss der Beschwerdegegnerin scheine
die therapeutische und berufliche Moti
vation
für die bisherigen Behandlungsmassnahmen nicht gegeben zu sein. Aus gutachterlicher Sicht sei hierfür eine krankheitsbedingte Störung verantwortlich. Der bisher diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung liege eine schwere, bisher nicht diagnostizierte und nicht störungsspezifisch behandelte Persönlichkeitsstörung zugrunde. In der Beurteilung der Standardindikatoren sei von einer nachhaltigen Störung der Ich-Strukturen der Beschwerdeführerin auszugehen (S. 43
Ziff.
7.2).
Die
Zufriedenheit
der Explorandin mit der eigenen Welt erkläre
krankheitsbedingt die Ablehnung therapeutischer Angebote und beruflicher Beratungsmassnahmen (S. 44 oben). Das Störungsbild sei bisher in seiner
Psychodynamik von den behandelnden Ärzten nicht vollumfänglich erfasst und daher auch nicht störungsspezifisch therapiert worden. Damit erklär
ten sich auch die fehlenden therapeutischen Fortschritte (S. 44 unten).
Die neuropsychologische Untersuchung durch
Dr.
G._
habe keine neuro
kognitiven Einschränkungen ergeben (S. 45
Ziff.
7.2).
Aus gutachterlicher Sicht liege ein schwerer Gesundheitsschaden vor. Psycho
soziale Belastungsfaktoren hätten das Störungsbild stimuliert, dominierten jedoch ni
cht direkt die Psychopathologie. Die vordergründig bestehende affektive Störung sei als Epiphänomen der Persönlichkeitsstörung zu begreifen. Diese sei in ihrer Schwere bisher so intensiv gewesen, dass sie während d
er stationären Hospitalisationen
immer vordergründig wahrgenommen und primär behandelt worden sei. Die notwendige weitere Behandlung dürfte sich als komplex und langwierig darstellen. Die Behandlung sollte in einer Einrichtung erfolgen mit einer speziellen Abteilung für
Persönlichkeitsstörungen, wie in der
Psychiatrie Z._
. Bereits die Erzeugung eine
r
ausreichenden Therapiemotivation und die Ablösung vom Elternhaus stellten
erste schwierige therapeutische Schritte dar. Es könne nicht damit gerechnet werden, dass innerhalb nützlicher Frist eine Besserung des Störungsbildes eintrete mit positiven Auswirkungen auf die mittel- und langfris
tige Arbeitsfähigke
it der Beschwerdeführerin (S. 45
Ziff.
7.4).
Eine Berentung würde jedoch eine Verfestigung des Störungsbildes begünstigen und käme einem sekundären Krankheitsgewinn gleich (S. 46 oben).
Aufgrund der Fähigkeitsstörungen liege unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes seit der Krankschreibung vom Juni 2018 anhaltend keine Arbeits
fähigkeit vor. Die motivationalen Probleme seien krankheitsimmanent (S. 47
Ziff.
8 unten).
4
.
7
.4
Die neuropsychologische Abklärung durch
Dr.
G._
ergab gemäss dem
neuropsychologischen
Teilgutachten vom 1
7.
Mai 2020 (
Urk.
9/33/50-60) keine Auffälligkeiten, die auf eine Simulation ode
r Aggravation hinweisen würden (S. 10 oben).
Wie
Dr.
G._
ausführte, hätten
d
ie
Testbefunde altersents
prechende kognitive Leistungen
ergeben
(S. 10 Mitte).
Eine
Einschränkung der Arbeitsfähig
keit
wurde nicht
festgestellt
(S. 11).
4
.8
RAD-Arzt
Dr.
E._
nahm am 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
9/34 S. 4 f.) Stellung zum Gutachten vom 1
8.
Mai 202
0.
Er
führte aus,
gemäss dem psychiatrischen Gutachter bestehe als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine sonstige, andere spezifische Persönlichkeitsstörung mit urreifen-regressiven Anteilen. Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit besteh
e eine rezidivierende depressive Störung mit im Verlauf schwerer depressiver Episode ohne psychotische
Störung.
Für die
bisher
ige
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin bestünden ein
e Störung der Fremdwahrnehmung und
Einschrän
kungen der Durchhalte- und der Selbstbehauptungsfähigkeit. Zudem sei die Stresstoleranz erheblich herabgesetzt. Das Gutachten vom 1
8.
Mai 2020 erfülle die formalen Qualitätskriterien, sei nachvollziehbar und in den medizinischen Schlussfolgerungen plausibel. Auf das Gutachten könne abgestellt werden (S. 4 unten). Für die Tätigkeit als Hilfsarbeiterin bestehe seit Juni 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(S. 5 oben). Der Gutachter habe festgestellt, dass eine Berentung eine Verfestigung des Störungsbildes begünstigen würde und einem sekundären Krankheitsgewinn gleichkäme (S. 5 unten).
4.9
Lic. phil.
C._
und
Dr.
D._
berichteten am 1
7.
November 2020 (
Urk.
13) über die therapeutische Behandlung.
Sie gaben an, die Therapie habe im April 2019 begonnen und finde seit einigen Monaten zweimal
pro Woche
statt (S. 1 unten).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE
134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E.
1c).
5.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG sowie Art.
3 Abs.
1 und Art.
6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E.
5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E.
5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E.
5.3.2,
1
43 V 409 E.
4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E.
5.2, 127 V 294 E.
4c; vgl. Art.
7 Abs.
2 ATSG).
5.3
Mit BGE
143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E.
6 und
7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E.
2, E.
3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE
141 V 281 E.
6; vgl. BGE
144 V 50 E.
4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16.
Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
6.
6.1
Aktenkundig sind mehrere
Klinikaufenthalte
der Beschwerdeführerin
seit Juni 2018 in der
Klinik
A._
der
Psychiatrie Z._
und der
Klinik B._
.
In
den medizi
nischen Akten w
u
rde zudem
über
eine
langjährige
ambulante psychiatrische Behandlung sei
t dem
1
2.
Lebensjahr
der Beschwerdeführerin berichtet (vgl. E. 4.2
).
Die behandelnden Ärzte
nannten
als Diagnose
eine rezidivierende depressive Störung mit phasenweise schweren Episoden (
vorstehend
E.
4.2
und
4.4
-4.5
). Der psychiatrische Gutachter Prof.
F._
nannte als Diagnosen eine schwere sons
tige, andere spezifische Persönlichkeitsstörung mit unreifen-regress
iv
en Anteilen und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig weitgehend remittiert. Er kam zur Einschätzung, dass
ein schwerer Gesundheitsschaden vorlieg
t
und
gegenwärtig auf dem ersten Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit besteh
t
(E.
4.
7
.3). Die neuropsychologische Untersuchung ergab keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit (E. 4.
7
.4).
Die Beschwerdegegnerin wich
jedoch
aufgrund einer internen Prüfung
vom 2
7.
Mai 2020
von der Einschätzung
durch Prof.
F._
ab und verneinte
einen Gesundheitsschaden
(
Urk.
9/34 S. 6 oben).
6.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten
von Prof.
F._
und
Dr.
G._
vom 1
8.
Mai 2020 erweist sich für die s
treitigen Belange als umfassend. Es beruht
sodann
auf
den erforderlichen Untersuchungen
und den geklagten
Beschwerde
n
wurde ausreichend Rechnung getragen
.
Prof.
F._
legte
dar
, dass
der
bekannten
rezidivierenden depressiven Störung eine schwere
Persönlichkeitsstörung zugrunde
lieg
t
,
die bis anhin nich
t festge
stell
t
und
adäquat behandelt worden
ist
. Es
ist
eine
längere Zeit
dauernde
inten
sive
Behandlung
erforderlich, wobei gegenwärtig auf
dem
ersten Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit besteh
t
(E. 4.
7
.2 und 4.
7
.3)
.
Das Gutachten vermag
demnach
auch
hinsichtlich der Beurteilung der medizinischen Situation und der Schlussfolgerungen
der Gutachter
zu überzeugen
.
Es erlaubt sodann
die Durchführung eines
strukturierten Beweisverfahrens. Das Gutachten erfüllt daher
die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (vgl. E. 5.1). Die Beschwerdegegnerin schloss sich
- wie zuvor bereits RAD-Psychiater
Dr.
E._
-
in der Vernehmlassung vom 1
4.
Oktober 2020 dieser Einschätzung
ausdrücklich
an (
Urk.
8 S. 2 f.
Ziff.
3).
Auf das
Gutachten kann daher abgestellt werden.
6.3
Prof.
F._
diagnostizierte eine
schwere P
ersönlichkeitsstörung.
Diese
hat zur Folge
, dass gegenwärtig
auf dem
ersten Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeits
fähigkeit besteht. Die diagnoserelevanten Befunde erweisen
sich
gemäss der Einschätzung durch Prof.
F._
als
schwer ausgeprägt.
Die Beschwerde
gegnerin führte in
einer
internen Prüfung vom 2
7.
Mai 2020 aus, die
S
törung sei soziokulturell bedingt aufgrund eines
familiensystemischen Problems und
geringer emotionaler Zuwendung bei gleichzeitig hohen Ansprüchen an die Beschwerdeführerin
. Mit einer entsprechenden Therapie könnten die aktuellen Einschränkungen behandelt werden
(
Urk.
9/34 S. 6 oben).
Die
Ausführungen
der
Beschwerdegegnerin zur Schwere der d
iagnoserelevanten Befunde finden
im psychiatrischen Teilgutachten
indes
keine
ausreichende Grundlage, weshalb ihr nicht gefolgt werden kann.
Es kann zudem vorliegend keine Rede davon sein, dass die fachärztlich nachvollziehbar diagnostizierte und eigenständig beste
hende Persönlichkeitsstörung
rein
soziokulturell bedingt ist, wie die Beschwerde
gegnerin anzunehmen scheint (vgl. vorstehend E. 3.1).
Prof.
F._
hielt aus
drücklich fest, dass psychosoziale Belastungsfaktoren zwar das Störungsbild stimuliert
haben
, jedoch nicht direkt die Psychopathologie dominierten (vgl. vorstehend E. 4.7.3).
Die Beschwerdeführerin hat die medizinischen Behandlungen, soweit es ihr möglich war, wahrgenommen, wie die zahlreichen Klinikaufenthalte belegen. All
fällige motivationale Probleme
bezüglich einer weiteren Behandlung
sind nach Prof.
F._
als Teil der Erkrankung zu bewerten (vorstehend E. 4.
7
.3
) und könne
n
der Beschwerdeführerin nicht zur Last gelegt werden.
Sie
hat sich, wie im Gutachten dargelegt,
in eine Scheinwelt zurückgezogen. Sie verfügt zudem kaum über Ressourcen, um
die
von Prof.
F._
beschriebenen
funktionellen Einschränkungen bewältigen
zu können
(E. 4.7.2 und 4.7.3)
. Das wiederholte Scheitern einer schulischen Ausbildung belegt, dass die Beschwerdeführerin in sämtlichen Lebensbereichen gleichermassen eingeschränkt ist.
Prof.
F._
legte
eindrücklich
dar, dass die notwendige psychiatrische Behandlung längere Zeit in Anspruch nehmen
wird
und kurzfristig nicht mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden
kann
(E. 4.7.3)
.
Nach der Prüfung der Standardindikatoren ist
bezogen auf die
Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
auszugehen.
Soweit die Beschwerdegegnerin zu einer abweichenden Einschätzung gelangte, kann ihr nicht gefolgt werden.
7.
7.1
Die
Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
ist nach der
Krankschreibung seit dem 1
7.
Juli 2019
(
E. 4.3)
zu berechnen
.
Die Beschwerdeführerin besuchte nach dem ersten Klinikaufenthalt in der
Psychiatrie Z._
, der bis zum 2
1.
September 2018 dauerte
(E. 4.2)
, bis zum 1
2.
April 2019 einen gestalterischen Vorkurs (
Urk.
9/6 S. 1
;
vgl. auch die
für
diesen Zeitraum
angegebenen Absenzen
,
Urk.
9/17/18-19
; für welche jedoch nicht ersichtlich ist, ob diese krankheitsbedingt waren
). Anschlies
send war
die Beschwerdeführerin
im Sommer 2019 als
Aushilfe in einem Spiel
warenladen
tätig
. Ab Juli 2019 fanden
weitere stationäre Behandlungen statt
(vorstehend E. 4.
3-
4)
. Für
den Zeittraum
nach dem ersten Klinikaufenthalt
2018
bis zum Klinikeintritt im Juli 2019
ist
daher
von einem wesentlichen Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne
Art.
29
ter
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) und
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG auszugehen.
Somit besteht ab dem
1.
Juli 2020
ein Anspruch auf eine ganze R
ente.
7.2
Beantragt wurden auch berufliche Massnahmen.
Nach dem psychiatrischen Teil
gutachten ist
jedoch
nicht ersichtlich, dass eine Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin für berufliche Massnahmen bestehen würde. Eine Einglie
de
rungsfähigkeit ist daher derzeit gesundheitsbedingt zu verneinen.
Eingliederungsmassnahmen sind jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen
und angesichts des jugendlichen Alters der Beschwerdeführerin dringend angezeigt - vorausgesetzt, es tritt eine gesundheitliche Verbesserung in dem Sinne ein, dass berufliche Massnahmen zumutbar sind
. Denn gemäss
Art.
8a IVG haben auch Rentenbezügerinnen Anspruch auf Massnahmen zur Wiederein
gliederung
,
sofern dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich verbessert werden kann und die Massnahmen geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit zu verbessern.
Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen (ausgenommen sind diejenigen, die dem Gesundheitszustand
nicht
angemessen sind) aktiv teilnehmen (
Art.
7 und 7a IVG).
7.
3
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Unrecht abgelehnt.
Die angefochtene Verfügung vom 1
0.
Juni 2020 ist daher aufzuheben und es ist der Beschwerdeführerin
nach Ablauf
der Wartezeit
ab dem
1.
Juli
2020 eine
ganze
Rente zuzusprechen.
Die Verfügung
vom 1
0.
Juni 2020
ist zudem
bereits
aufgrund einer schweren Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör
aufzuheben.
7.4
Hinsichtlich
des Anspruchs auf berufliche
Massnahmen
sind
der Gesundheits
zustand und die Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in kurzen Zeit
intervallen zu überprüfen. Bei Zumutbarkeit sind entsprechende Massnahmen - allenfalls unter Beachtung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
- umgehend einzuleiten.
8.
8
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ist vorliegend bei einem praxis
gemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessens
weise mit
Fr.
2'
3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschä
digen.