Decision ID: 9ed9c4d3-2ff1-4469-a486-4d533986b4fd
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, war seit dem 1. September 2008 als Bau
leiter bei der Firma
Y._
angestellt und damit bei der Suva unfallversichert (vgl. Schadenmeldung, Urk. 12/2). Am
...
2012 wurde der Versicherte frühmorgens auf der
...
strasse
in Zürich unvermittelt tätlich angegriffen (vgl. Schadenmeldung, Urk. 12/2; Polizeirapport, Urk. 12/20) und zog sich dabei insbesondere eine distale
Ulnaschaftfraktur
, eine Nasenbein
fraktur und eine Fraktur der 5. Rippe links zu (vgl. Austrittsbericht des Spitals
Z._
, Urk. 12/9). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
1.2
Mit Verfügung vom 12. Mai 2016 (Urk. 12/163) stellte die Suva die Ausrichtung weiterer Versicherungsleistungen per 1. Juli 2016 ein. Dagegen erhob der Ver
sicherte Einsprache (Urk. 12/164). Mit
Einspracheentscheid
vom 14. September 2018 (Urk. 12/191) hiess die Suva die Einsprache in dem Sinne teilweise gut, als die gesetzlichen Versicherungsleistungen betreffend Unfallschädigung der Nase weiterhin erbracht würden. Im Übrigen wies die Suva die Einsprache ab. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Mit Eingabe vom 4. Februar 2019 ersuchte der Versicherte um Wiedererwägung, eventuell Revision des
Einspracheentscheides
(Urk. 12/196). Am 4. September 2019 (Urk. 12/200) stellte der Versicherte erneut ein Revisionsgesuch. Mit Verfü
gung der IV-Stelle vom 20. Februar 2020 wurde dem Versicherten eine ganze Invalidenrente ab 1. Oktober 2014 zugesprochen (Urk. 12/205). Mit Schreiben vom 8. September 2020 (Urk. 12/207) und vom 6. Oktober 2020 (Urk. 12/209) teilte die Suva mit, dass keine Gründe dargetan worden seien, die eine prozessuale Revision rechtfertigen würden; damit betrachte sie den Fall unverändert als mit dem inzwischen rechtskräftigen
Einspracheentscheid
vom 14. September 2018 als abgeschlossen. Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat das hiesige Gericht mit Beschluss vom 2. Dezember 2020 nicht ein, da es an einem beschwerdeweise weiter
ziehbaren Anfechtungsgegenstand fehlte (Urk. 12/210). Mit Verfügung vom 17. Dezember 2020 (Urk. 12/211) lehnte die Suva das Revisionsgesuch erneut ab. Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 12/212) wies die Suva mit Ent
scheid vom 5. Februar 2021 ab (Urk. 12/219 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 5. Februar 2021 (Urk. 2) erhob der Versi
cherte am 9. März 2021 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzu
heben und die Suva sei zu verpflichten, das Revisionsverfahren aufzunehmen (S. 2 Ziff. 1). Ihm sei eine ganze Rente auszurichten (S. 2 Ziff. 2), eventuell sei er abzuklären (S. 2 Ziff.
3). In prozessualer Hinsicht ersuchte der Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgelt
lichen Rechtsbeistandes (S. 2 Ziff. 4). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. April 2021 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 21. April 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 53 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
müssen f
ormell rechtskräftige Verfügungen und
Ein
spracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war.
Neue Tatsachen und Beweismittel im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG sind innert 90 Tagen nach ihrer Entdeckung geltend zu machen; nebst dieser relativen Frist gilt eine absolute 10-jährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfügung
respektive
des
Einspracheentscheides
zu laufen beginnt (vgl.
Art.
67
Abs.
1 des
Bundes
gesetz
es über das Verwaltungsverfahren, VwVG, in Verbindung mit Art.
55
Abs.
1 ATSG; BGE 143 V 105 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.2
Der Begriff «
neue Tatsachen oder Beweismittel
»
ist bei der (prozessualen) Revision eines Verwaltungsentscheides nach Art.
53 Abs.
1 ATSG gleich auszulegen wie bei der Revision eines kantonalen Gerichtsentscheides gemäss
Art.
61
lit
.
i ATSG oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss Art.
123 Abs.
2
lit
.
a
des
Bundesgesetz
es
ü
ber das Bundesgericht
(BGE
144
V
245
E.
5.1 mit Hinweisen, 143
V
105 E.
2.3).
Im Rahmen von Art.
53 Abs.
1 ATSG sind Tatsachen neu, wenn sie sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung oder des
Einspracheentscheides
verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung zu führen (
BGE 144 V 245 E.
5.2 und Urteil des Bun
des
gerichts 8C_210/2017 vom 22. August 2017 E.
7.1
). Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tat
sachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfah
ren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen
Entscheid geführt, falls die Verwaltung im früheren Verfahren davon Kennt
nis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (vgl.
BGE
143
V
105 E.
2.3, 138
V
324 E.
3.2, je mit Hinweisen).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat im (prozessualen) Revisionsver
fahren der Gesuchsteller die erhebliche neue Tatsache nachzuweisen (BGE
127
V
353 E.
5b; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_291/2015 vom 12.
Juni 2015 E.
3.2 mit Hinweisen).
Betrifft der Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beur
teilung massgeblich auf Schätzung oder Beweiswürdigung beruht, auf Elementen also, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgrund fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprüng
lichen Verfahren der untersuchende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen. An diesem
prozessualrevisionsrechtlich
verlangten Erfordernis fehlt es, wenn sich
das Neue im Wesentlichen in (differenzial-)diagnostischen Überlegungen erschöpft, also auf der Ebene der medizinischen Beurteilung anzusiedeln ist (BGE
144
V
245 E.
5.3 mit Hinweisen)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) aus, mit dem erneuten Ersuchen um prozessuale Revision seien Berichte des
S
pitals
A._
(richtig: der
p
sychiatrischen
K
linik
B._
,
B._
) vom 12. Dezember 2018, 1. Februar 2019 und 11. Juni 2019 eingereicht worden, mithin alles Berichte, die erst nach Erlass des
Einspracheentscheides
vom 14. Juni 2018 erstellt worden seien. Es handle sich um psychiatrische und neuropsycho
logische Berichte, die die anhaltenden Beschwerden und Defizite sowie die längst bekannten bildgebenden Befundungen neu interpretierten, anders würdigten, womit aber auch in inhaltlich-materieller Hinsicht keine Revision angezeigt sei. Denn psychiatrische und neuropsychologische Beschwerden, Befunde und Diagnosen liessen sich naturgemäss per se nicht bildgebend darstellen, objektivieren und würden mithin nicht als Tatsachen im obgenannten revisionsrechtlichen Sinne taugen (S. 4 Mitte). Die neu aufgelegten psychiatrischen und neuropsycho
logischen Berichte würden keine neuen tatsächlichen Grundlagen des
Einsprache
entscheides
beweisen, so dass sie auch die
damals getroffene rechtliche Würdi
gung nicht zu ändern vermögen, also kein anderer Entscheid resultieren würde (S. 4 unten).
In der Beschwerdeantwort (Urk. 11) hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass das Revisionsbegehren einzig gestützt auf neu erstellte, nicht aber nachträglich neu entdeckte Tatsachen und Beweismittel erfolge. Auch änderten diese Berichte die
tatbeständlichen
Grundlagen nicht. Die bloss abweichende Würdigung des Sach
verhalts stelle keinen Revisionsgrund dar (S. 5 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sich seit dem
Einspracheentscheid
weitere neue Erkenntnisse ergeben hätten, welche eine vollständig andere Beurteilung aus unfallrechtlicher Sicht aufdrängten. Die Berichte der
B._
vom 1
2.
Dezember 2018 sowie vom 1
1.
Juni 2019 wie auch der Bericht von Dipl. Analyt. Psych.
C._
bestätigten ein hirnorga
nisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma, zugefügt beim Überfall (S.
2 unten
). In
casu
stehe ni
cht eine erhebliche Gesundheits
veränderung in Frage, sondern eine kausale Diagnose, welche vor Bekanntwerden der Revisionsgründe nicht gestellt und nicht beachtet worden sei (S. 3 unten). Die neuen Beweismittel legten eine neue medizinische Erkenntnis dar (S. 4 Mitte). Es handle sich nicht um eine Neubewertung eines alten Sachverhaltes oder um die Korrektur einer ursprünglich falschen Würdigung damals bereits bekannter Tatsachen. Es habe damals schlicht an den notwendigen Beweismitteln für eine zutreffende Bewer
tung gefehlt
. Die neuen Feststellungen seien relevant für die Einschätzung des Leistungsanspruchs, namentlich den Anspruch auf eine Rente aus UVG
(S. 4 unten).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist
demnach
, ob
sich aufgrund der drei neu eingereichten Berichte
neue erhebliche Tatsachen
oder Beweismittel ergeben
, welche eine pro
zessuale Revision des
Einspracheentscheides
vom 1
4.
September 2018 rechtfer
tigen könnten
.
2.4
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Soweit der Beschwerdeführer die Zusprechung einer UVG-Rente beantragte,
fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand, so dass diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
3.
3.1
Dem
Einspracheentscheid
vom
1
4.
September 2018
(Urk. 12/191)
lagen im Wesentlichen folgende medizinische Berichte zugrunde:
3.2
Der Beschwerdeführer befand sich vom 16. Juli 2013 bis 6. August 2013 in der Klinik
D._
in stationärer Behandlung. Im Austrittsbericht der
E._
vom 8. August 2013 (Urk. 12/55) wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem einmaligen gewalttätigen Angriff durch drei unbekannte Personen leide. Seit Januar und insbesondere seit April dieses Jahres sei eine Verschlechterung des Zustandsbildes feststellbar. Die Symptome bei den exekutiven Funktionen des Denkens (zielgerichtete Handlungssteuerung, Planung, Entscheidung für Priori
täten, Impulskontrolle, emotionale Regulation) und der Konzentration seien für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ausserordentlich stark ausgeprägt. Da der Beschwerdeführer beim Gewaltereignis ein Schädelhirntrauma erlitten habe, könnte eventuell eine hirnorganische Störung die starke Ausprä
gung der Symptome erklären. Die ausgeprägten Symptome von aggressiven Durch
brüchen und von einem Moment auf den andern völliger Strukturlosigkeit liessen sich aus ihrer Sicht nicht hinreichend psychiatrisch erklären. Angesichts der hohen Motivation eine Trauma-spezifische Therapie zu machen und der vor
handenen Ressourcen diese zu bestehen, sei längerfristig mit einem positiven Krankheitsverlauf zu rechnen (S. 3 unten).
3.3
Dr. phil.
F._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie und Psychotherapie FSP, nannte im Bericht vom 10. Februar 2014 über die neuropsychologische Unter
suchung (Urk. 12/70) folgende Diagnosen (S. 2 oben):
posttraumatische Belastungsstörung
depressive Symptome (Konzentration, Antriebslosigkeit, schnelle Ermü
dung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Interessenverlust, Selbstzweifel)
Dr.
F._
führte aus, die beschriebenen Hirnleistungsdefizite beträfen verschie
dene Hirnbereiche. Es handle sich somit nicht um ein lokalisiertes fokales Syndrom. Die Störungen entsprächen eher dem Bild, wie es nach einem Schädel
hirntrauma auftrete. Es habe massive Schläge und Fusstritte gegen den Kopf gegeben. Von einem gewissen Schädel-Hirn-Trauma könne also durchaus ausge
gangen werden.
Auch die von allen Voruntersuchern beschriebenen affektiven Schwankungen, speziell im aggressiven Bereich, seien mit dem Zustand nach einem Schädel-Hirn-Trauma vereinbar. Speziell die aggressiven und depressiven jähen Veränderungen könnten hirnfunktionell bedingt sein. Die beschriebenen Störungen könnten jedoch auch infolge eines traumatischen Erlebnisses auf
treten. Allerdings wären die vorliegenden Symptome quantitativ stark und deren Erholung trotz therapeutischer Betreuung schlecht (S. 6 Mitte). Die Kombination eines Schädelhirntraumas und eines traumatischen Erlebnisses, verbunden mit dem Erleben von massiver Aggressivität, könnte die Symptomatik, die langsame Erholung des Beschwerdeführers sowie die Schwierigkeiten bei der Reintegration in den Alltag erklären (S. 6 unten).
3.4
Dr. med.
G._
, Facharzt für Neurologie, führte im Bericht vom 28. März 2014 (Urk. 12/79) aus, dass der Beschwerdeführer seit dem Angriff an anhal
tenden und sehr häufig
exazerbierenden
Kopfschmerzen mit Überempfindlichkeit auf Licht und Lärm leide. Vor allem aber sei der vorher zuverlässig selbständig arbeitende Angestellte ohne beständige Aufsicht nicht mehr im Arbeitsprozess einsetzbar (S. 1 Mitte). Der Sachverhalt entspreche einem organischen Psycho
syndrom ohne fokale Ausfälle, wobei aber eine
frontobasale
strukturelle Schädi
gung als Hauptursache vermutet werden könne (S. 2 oben). Er halte eine ergän
zende MRI Untersuchung des Gehirns für notwendig, da bereits
frontobasale
Arte
fakte in einem MRI des Gehirns beschrieben worden seien (S. 2 Mitte; vgl. auch Urk. 12/82).
3.5
Dr. med.
H._
, Fachärztin für Neurologie, Versicherungsmedizin der Beschwerdegegnerin, erstellte am 11. Dezember 2014 eine neurologische Akten
beurteilung (Urk. 12/114). Sie führte aus, dass im Bericht des Spitals
Z._
als wesentliche Verletzungsfolgen eine Unterarmfraktur und Frakturen des
Nasen
septums
beschrieben worden seien. Dem echtzeitlichen ärztlichen Bericht sei explizit zu entnehmen, dass klinische Zeichen einer Commotio cerebri (Syno
nym leichte traumatische Hirnverletzung) nicht bestanden hätten. Eine Compu
tertomographie des Kopfes vom Unfalltag habe keine intrakraniellen Verlet
zungsfolgen dargestellt. Auch eine weitere Magnetresonanztomographie vom 29. Januar 2013 habe keine Hinweise auf strukturelle Unfallfolgen gezeigt (S. 4 oben). Über ein Jahr nach dem Ereignis hätten sich Auffälligkeiten gezeigt, die von Dr.
G._
als hirnorganisch bedingt interpretiert worden seien. Daraufhin habe Dr.
G._
nochmals ein MRI des Kopfes veranlasst. Diese Untersuchung sei am 5. September 2014 erfolgt; wiederum hätten sich keine strukturellen Läsionen dargestellt. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei eine unfallbedingte struk
turelle Hirnläsion als organische Erklärung psychischer respektive neuropsycho
logischer Symptome nicht ausgewiesen (S. 4 Mitte). Die Hypothese von Dr.
G._
, dass ein
psychoorganisches Syndrom vorliege, sei aufgrund der echtzeitlich fehlenden Hinweise für eine leichte traumatische Hirnverletzung und der drei bildgebenden Untersuchungen ohne richtungsweisenden Befund nicht belegt und demzufolge nicht überwiegend wahrscheinlich (S. 4 unten).
3.6
Dr.
G._
führte im Bericht vom 9. Januar 2015 (Urk. 12/119) aus, dass sich seine Beurteilung mit den Schlussfolgerungen von Dr.
F._
decke, wonach hier eine Komorbidität vorliege. Einerseits erfüllten der dramatische Unfallhergang, die Ver
haltensstörungen und die affektiven Störungen die Kriterien für eine post
traumatische Belastungsstörung mit Übergang in eine andauernde Persönlich
keitsänderung nach Extrembelastung. Andererseits habe die erlittene massive Gewaltanwendung objektiv Verletzungen des Gesichtsschädels in mehreren Etagen verursacht, was sehr oft zu diffusen oder auch fokalen Hirnschädigungen führe (Boxer, Hockeyspieler etc.) und auch ohne Nachweis struktureller
Hirn
parenchymläsionen
in bildgebenden Verfahren überwiegend wahrscheinlich sei. Im Ganzen sei der bisherige Verlauf durch die beschriebene Komorbidität ausrei
chend erklärbar. Damit sei der Unfall vom 22. Oktober 2012 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die alleinige Ursache der vorliegenden Störungen (S. 2 unten).
3.7
Vom 31. März bis 5. Mai 2015 befand sich der Beschwerdeführer in der
Reha
Clinic
I._
. Die Ärzte der
RehaClinic
führten im Austrittsbericht vom 3. Juni 2015 (Urk. 12/133) aus, dass es aufgrund seiner starken inneren Anspan
nung am 5. Mai 2015 zu einem Vorfall gekommen sei, bei dem der Beschwerde
führer in einen Erregungszustand geraten sei, eine Pflegefachfrau beschimpft und mit einem Handy um sich geworfen habe. Anschliessend habe er impulsiv und unter suizidalen Äusserungen versucht, über den Balkon zu springen, was durch den Einsatz mehrerer Angestellter habe verhindert werden können. Im Anschluss sei er mittels FU (Fürsorgerische Unterbringung) in die Psychiatrische Klinik
J._
überwiesen worden. Zur Vordiagnose eines organischen Psychosyn
droms nach Schädelhirntrauma sei zu erwähnen, dass aktenanamnestisch die bisher durchgeführten MRI-Untersuchungen keine hirnorganischen Verände
rungen zeigten, so dass eine hirnorganische Ursache im engeren Sinne unwahr
scheinlich sei. Es sei eher von einer durch psychische Faktoren unterhaltenen Verhaltensstörung mit vor allem impulsiven Handlungen auszugehen (S. 2 unten).
3.8
Der Arzt der Psychiatrischen Dienste
N._
nannte im Bericht vom 4. August 2015 (Urk. 12/164/17-24) folgende Diagnosen (S. 8 oben):
organische Persönlichkeitsstörung
posttraumatische Belastungsstörung
psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: schädlicher Gebrauch
Der Beschwerdeführer habe sich vom 5. Mai bis 27. Juli 2015 in der Klinik
J._
in stationärer Behandlung befunden (S. 1 Mitte). In der testpsychologischen Untersuchung seien bei einem insgesamt gut durchschnittlichen Ergebnis von IQ 111 die sehr grossen Unterschiede zwischen einzelnen Leistungsbereichen aufge
fallen: sehr hohe Werte für Arbeitsgedächtnis und für wahrnehmungs
gebundenes Denken und deutlich tiefere Werte für Sprachverständnis und für Verarbeitungs
geschwindigkeit. Diese Unterschiede könnten auf eine organische Hirnschä
digung einzelner Leistungsbereiche hinweisen (S. 5 unten; S. 7 unten).
3.9
Im Bericht vom 9. Juni 2016 (Urk. 12/167/5-6) nannten die Ärzte der Psychiat
rischen Dienste
N._
folgende Diagnosen (S. 1 oben):
posttraumatische Belastungsstörung
leichte depressive Episode
Der Beschwerdeführer besuche aktuell an drei ganzen Tagen und einem halben Tag pro Woche ihre Tagesklinik und nehme regelmässige ambulante psychiat
risch-psychotherapeutische Sitzungen wahr (S. 2 Mitte). Er habe im Verlauf insgesamt deutliche Fortschritte gemacht, was für ihn in der letzten Zeit vor
nehmlich auch im Eingehen und Aufrechterhalten von sozialen Kontakten spürbar geworden sei. Ein erklärtes Ziel des Beschwerdeführers sei insbesondere, in absehbarer Zeit wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen (S. 2 oben).
3.10
Dr. med.
K._
, Fachärztin für
Oto
-Rhino-Laryngologie, Arbeits
medizin der Beschwerdegegnerin, nahm am 18. Juni 2018 eine Beurtei
lung aufgrund der Aktenlage vor (Urk. 12/190). Sie führte aus, dass sich im MRI des Schädels vom 5. September 2014
frontobasal
keine posttraumatischen Ver
änderungen gezeigt hätten (S. 1 Mitte). Bei der linksbetonten Nasenatmungs
behinderung handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise um eine Folge des Unfalls (S. 1 unten). Diese habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 oben).
4.
4.1
Die nach dem
Einspracheentscheid
vom
1
4.
September 2018
ergangenen Berichte ergeben über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers folgendes Bild:
4.2
Die Ärzte der
p
sychiatrischen
K
linik
B._
(
B._
) berichteten am 12. Dezember 2018 über die neuropsychologische Untersuchung vom 12. und 16. November 2018 (Urk. 12/197 = Urk. 3/3). Sie nannten die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung, eines Schädel-Hirn-Traumas, eines Rip
pen
bruchs und eines Armbruchs nach Überfall 2012 (S. 1 unten). Im Rahmen der Beurteilung führten sie aus, dass sich neuropsychologische Defizite vor allem in den Frontalhirnfunktionen fänden. Hingegen seien die temporalen Funktionen intakt. Während der Untersuchung hätten sich Verhaltensdefizite gezeigt, die auch in der Krankengeschichte sowie fremdanamnestisch durch die Schwester, den ehemaligen Arbeitgeber sowie in der neuropsychologischen Voruntersu
chung von 2014 beschrieben worden seien (S. 4 unten). Dabei handle es sich um einen erhöhten Redefluss, ein verzögertes Abschiednehmen, kommentierendes Verhalten beim Bearbeiten von Aufgaben und eine affektive Instabilität mit Weinen und aggressiven Durchbrüchen. Der Beschwerdeführer berichte auch von einschiessenden Suizidgedanken (S. 4 f.). Die neuropsychologischen Defizite und Verhaltensauffälligkeiten deuteten in ihrer Gesamtheit auf eine Verletzung des Frontalhirns hin, die prämorbid nicht vorhanden gewesen sei und deshalb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Rahmen des Überfalls von 2012 erworben worden sei. Es handle sich also um eine organische Ursache, die jedoch häufig im MRI nicht sichtbar sei (S. 5 oben). Im Vergleich zur neuropsycholo
gischen Voruntersuchung habe sich eine Normalisierung der Gedächtnisprobleme gezeigt. Im Übrigen sei der neuropsychologische Befund mit der Beurteilung des Neurologen Dr.
G._
(Bericht vom 28. März 2014) vereinbar (S. 5 Mitte).
4.3
Vom 23. Oktober 2018 bis 19. April 2019 war der Beschwerdeführer im Zentrum für Psychiatrie in
M._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht der Ärzte der
B._
vom 11. Juni 2019 (Urk. 12/200/11-15 = Urk. 3/1) wurden im Wesent
lichen folgende Diagnosen genannt (S. 1 Mitte):
posttraumatische Belastungsstörung
hirnorganisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
Tabak: Abhängigkeitssyndrom
Der Beschwerdeführer sei zur Behandlung aufgrund einer depressiv-melancho
lischen Verstimmung gekommen, mit einer erhöhten Suizidalität. Zudem hätten Intrusionen und Albträume bestanden. Im Verlauf sei eine erhebliche neurokog
nitive Einschränkung offensichtlich geworden, mit der Verkennung von Personen
und Situationen. Im stationären Alltag sei es wiederholt zu Zwischenfällen und Konfliktsituationen gekommen, welche auf eine reduzierte Frustrationstoleranz und eine gesteigerte Impulsivität zurückzuführen seien (S. 3 unten). Im Alltag habe eine Überforderung bestanden; der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen, seinen Alltag (auf Station) zu bewältigen. Diagnostisch hätten sie den Symptomen ein hirnorganisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma zuge
ordnet (S. 3 f.). Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich langsam aber pro
gressiv gebessert. Gegen Ende des Aufenthaltes sei es sehr selten bis kaum zu Zwischenfällen gekommen, auch nicht bei schwierigen und emotional belasten
den Situationen (S. 4 unten).
4.4
Dipl. Analyt. Psych.
C._
führte im Bericht vom 22. Februar 2021 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (Urk. 3/4) aus, dass die folgende Übersicht eine Zusammenfassung der Ergebnisse der bisherigen wesent
lichen Untersuchungen biete und seines Erachtens ausreichend Grundlage gebe, die jetzige soziale Situation und den psychischen Befund eindeutig dem gewalt
samen Überfall und der schweren Körperverletzung zuzuordnen (S. 1). Insbeson
dere gestützt auf die Beurteilungen durch Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.4) und Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.3) hielt der Psychologe
C._
fest, alle relevanten Untersuchungen und Befunderhebungen unterschiedlicher Kollegen der verschie
denen Fachrichtungen würden in die gleiche Richtung weisen. Die Folgen des Überfalls seien eine schwere physische Schädigung (die Folgen eines schweren Schädelhirntraumas: organisches Psychosyndrom ohne fokale Ausfälle, eine
frontobasale
strukturelle Schädigung als Hauptursache) mit einem zugleich folgenden schweren Psychotrauma (S. 6 unten).
5.
5.1
Im
Einspracheentscheid
vom 14. September 2018 (Urk. 12/191) stützte sich die Beschwerdegegnerin unter anderem auf den Bericht der Neurologin Dr.
H._
(S. 7 Mitte; vgl. zum Bericht von Dr.
H._
vorstehend E. 3.5). Zudem führte sie aus, dass der Schädel des Beschwerdeführers bereits dreimal bildgebend mittels Tomographien abgeklärt worden sei. Es hätten keine mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit unfallbedingten Beschwerden bezüglich der nach wie vor geklag
ten Kopfschmerzen und neuropsychologischen Defizite bildgebend objektiviert werden können (S. 8 Mitte). Damit könne betreffend diese Beschwerden einzig von organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beeinträchtigungen ausge
gangen werden (S. 8 unten). Diese sowie die psychischen Beschwerden stünden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 22. Oktober 2012 (S. 18 Mitte).
Bereits in der Verfügung vom 12. Mai 2016 (Urk. 12/163) war die Beschwerde
gegnerin davon ausgegangen, dass die heute noch geklagten Beschwerden orga
nisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung sei das Ereignis nicht geeignet, eine langfristige Beeinträchtigung auf Dauer zu begründen. Die übliche Reaktion auf einen solchen Überfall dürfte darin bestehen, dass zwar eine Traumatisierung statt
finde, diese jedoch innert einiger Monate überwunden werde (S. 1 Mitte).
5.2
Im aktuellen Verfahren betreffend
prozessuale Revision
machte d
er
Beschwerde
führer
im Wesentlichen geltend, dass nun erwiesen sei, dass den neuropsycho
logischen Defiziten eine organische Störung zugrunde liege.
Mit Bericht vom 12. Dezember 2018 sei erstmals klar und beweiskräftig dargelegt worden, dass er einen hirnorganischen Schaden erlitten habe. Dr.
G._
habe 2014 und 2016 bereits einen Verdacht geäussert; unterdessen könne eine klare und differenzierte Diagnose gestellt werden, womit eine relevante neue Erkenntnis vorliege (Urk. 12/196 S. 3).
5.3
Wie bereits ausgeführt (vgl. vorstehend E. 1.2),
ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich
, wenn
der Revisionsgrund
eine materielle Anspruchsvoraussetzung
betrifft
, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzung
oder Beweiswürdigung beruht
.
Ein Revisionsgrund fällt demnach über
haupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprünglichen Verfahren der unter
suchende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen.
Nicht als neu wird eine Tat
sache dann betrachtet, wenn das im Revisionsverfahren
vorgebrachte Element
lediglich eine neue Würdigung einer bereits bekannten Tatsache in sich schliesst (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich 20
20
,
Rz
26 zu Art.
53
).
5.4
Im Rahmen des
Einspracheentscheides
vom 14. September 2018 wurde
unter Berücksichtigung der Computertomographie vom 2
2.
Oktober 2012
und
der Magnet
resonanztomographien vom 2
9.
Januar 2013 und vom
5.
September 2014, welche keine strukturellen Unfallfolgen zeigten (
Urk.
12/114 S
.
3 unten)
,
von organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beeinträchtigungen ausge
gangen und in der Folge in Anwendung der einschlägigen Adäquanzkriterien ein Kausalzusammenhang verneint. Demgegenüber wird i
n den neu eingereichten Berichten
ein
hirnorganische
s
Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
genannt, wobei keine neuen bildgebenden Befunde erhoben worden waren
.
So hielten die Ärzte der
B._
im Dezember 2018 fest, dass die neuropsycholo
gischen Defizite und Verhaltensauffälligkeiten in ihrer Gesamtheit auf eine Ver
letzung des Frontalhirns hindeuten würden. Gleichzeitig gaben sie an, dass der neuropsychologische Befund mit der Beurteilung durch Dr.
G._
vom März 2014
vereinbar sei. In Bezug auf die Verhaltensdefizite verwiesen sie neben den fremd
anamnestischen Auskünften der Schwester und des Arbeitgebers auf die Kran
kengeschichte und die neuropsychologische Voruntersuchung von 2014 und stützten sich in bildgebender Hinsicht auf das MRI vom 29. Januar 2013 (vgl. vorstehend E. 4.2; Urk. 3/3 S. 2 Mitte). Damit zeigt sich, dass es sich bei der Beurteilung der Ärzte der
B._
vom 12. Dezember 2018 lediglich um eine neue Beurteilung handelt, welche auf den bereits im Zeitpunkt des
Einspracheent
scheides
vom 14. September 2018 bekannten neuropsychologischen Defiziten und Verhaltensauffälligkeiten basiert.
Insbesondere
hatte
bereits
Dr.
G._
die Möglichkeit eines organischen Psychosyndroms
erwogen, weshalb er
ein ergän
zendes MRI für notwendig
hielt
(E. 3.4)
. Strukturelle Läsionen stellten sich jedoch weder damals noch in den im Rahmen des Revisionsbegehrens eingereichten Berichten dar.
Zur Beurteilung der Ärzte der
B._
im Austrittsbericht vom Juni 2019 (vorstehend E. 4.3) ist festzuhalten, dass ein hirnorganisches Psychosyndrom nach Schädel
hirntrauma diagnostiziert wurde, ohne dass indessen näher auf diese Diagnose eingegangen oder diese hergeleitet wurde.
Der Psychologe
C._
(vorstehend E. 4.4) nannte als Folgen des Überfalls eine schwere physische Schädigung (als Folgen eines schweren Schädelhirntraumas ein organisches Psychosyndrom sowie eine
frontobasale
strukturelle Schädigung) mit einem schweren Psychotrauma. Bei seiner Beurteilung stützte er sich insbe
sondere auf die Berichte von Dr.
G._
und Dr.
F._
, welche bereits im Zeitpunkt des
Einspracheentscheides
vorlagen. Entsprechend ist lediglich von einer anderen Würdigung des bekannten Sachverhalts auszugehen.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aus den
drei neuen Berichte
n keine neuen Befunde ergeben, welche im ursprünglichen Verfahren zwingend zu einer anderen Ermessensausübung hätten
führen müssen, sodass es an erheblichen neuen Tatsachen oder Beweismittel fehlt. Vielmehr
sind
die neuen Erkenntnisse
auf der Ebene der medizinischen Beurteilung anzusiedeln
.
Demnach ist kein Revisionstatbestand im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG gegeben und die Beschwerdegegnerin hat es zu Recht abgelehnt, ihren früheren Entscheid prozessual zu revidieren.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich daher als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess
nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürftig im Sinne von Art. 64 des
Bundesgesetz
es
über das Bundesgericht (BGG)
ist eine Per
son, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Fa
milie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28
lit
. a
GSVGer
i.V.m
. Art. 119 ZPO) eingereicht wird (BGE 120
Ia
179 E. 3a), oder – bei seither eingetretenen Veränderungen – auch in demjenigen der Entscheidfindung (BGE 108 V 265 E. 4).
6.2
Bei der Berechnung der Bedürftigkeit stützt sich das Sozialversicherungsgericht praxisgemäss auf das Kreisschreiben der Verwaltungskommission des Oberge
richts des Kantons Zürich betreffend betreibungsrechtliches Existenzminimum und zählt zu dem so ermittelten Resultat personen- und
zivilstandsabhängige
Einkommens- und Vermögensfreibeträge hinzu (Christian Zünd/Brigitte Pfiffner
Rauber
, Hrsg., Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Auflage, Zürich/Luzern 2009, N
7
zu
§
16).
6.3
Der Beschwerdeführer lebt alleine in einer 2.5-Zimmer-Wohnung (vgl. Urk. 9/3). Er verfügt über eine Rente der Invalidenversicherung in der Höhe von Fr. 2'067.-
sowie über Leistungen der beruflichen Vorsorge von Fr. 1'892.-- pro Monat (vgl. Urk. 9/1-2), mithin über monatliche Renteneinnahmen von insgesamt Fr. 3'959.--.
Ausgabenseitig ist ein Grundbetrag für
eine alleinstehende Person ohne Haus
haltsgemeinschaft
von
Fr.
1'
2
00.-- anzurechnen.
Ausserdem ist der
Mietzins für die
2
.5-Zimmer-Wohnung inklusive Autoabstellplatz von
Fr.
1‘
345
.-- pro Monat
zu berücksichtigen
(vgl.
Urk. 9/3). Des Weiteren ist
den eingereichten Belegen zu entnehmen, dass sich die Krankenversicherungsprämien
abzüglich Prämien
verbilligung auf Fr. 259.-- monatlich belaufen (Urk. 9/6).
Die Staats- und Gemeindesteuern
für das
Jahr 20
21 betragen Fr. 24.-- (Urk. 9/10), mithin Fr. 2
.
- pro Monat
, die persönlichen Beiträge für Nichterwerbstätige rund Fr. 43.-- monat
lich (vgl. Urk. 9/11)
.
Zudem wurde ein Betrag von Fr. 225.80 für unge
deckte Gesundheitskosten geltend gemacht (Urk. 8 S. 4), welcher offenbar aus einem Kostenvoranschlag für eine zahnärztliche Behandlung in der Höhe von Fr. 1'709.70 (vgl. Urk. 9/7) sowie den vom Beschwerdeführer im Jahr 2020 selbst bezahlten Kosten von Fr. 1'000.-- (vgl. Urk. 9/9) errechnet wurde.
Soweit der Beschwerdeführer zusätzlich Kosten für den Lebensunterhalt (Haus
halt, Verpflegung, Elektrizität, Hygiene/Körperpflege, Kleider/Schuhe, Optiker, Medien, Freizeit, Kultur, Verkehrsmittel, Velo) im Betrag von Fr. 1'634.-- geltend machte (vgl. Urk. 9/14), ist festzuhalten, dass diese Auslagen mit dem Grund
betrag zu bestreiten sind, welcher beim Beschwerdeführer mit Fr. 1'200.-- bezif
fert wurde. Zusätzlich
zum Grundbetrag ist dem Beschwerdeführer ein Freibetrag von Fr. 400.-- anzurechnen.
Weitere Ausgaben sind aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht ausgewiesen und wurden auch nicht geltend gemacht.
Insgesamt stehen den monatlichen Einnahmen von Fr. 3‘959.-- somit Ausgaben in der Höhe von Fr. 3‘075.-- (Grundbetrag 1‘200, Miete 1‘345, Sozialbeiträge 43, Krankenkasse 259, Krankheitskosten 226, Steuern 2) gegenüber.
6.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer nach Abzug des Freibetrages von Fr. 400.-- ein monatlicher Überschuss von Fr. 484.-- verbleibt. Damit ist der Beschwerdeführer in der Lage, allenfalls mittels Ratenzahlungen, seine Anwaltskosten selber zu begleichen, ohne dass in sein Existenzminimum eingegriffen wird.
Der Beschwerdeführer ist somit nicht als prozessual bedürftig zu qualifizieren. Dies führt zur Abweisung seines Gesuchs um unentgeltliche Rechtsvertretung.