Decision ID: b6212a25-d722-49db-b7d3-162d412a155d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 11. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank «Euro-
dac» ergab, dass der Beschwerdeführer am 3. Mai 2022 in Italien daktylo-
skopisch erfasst wurde,
dass der Beschwerdeführer am 16. Mai 2022 die ihm zugewiesene Rechts-
vertretung bevollmächtigte,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom
23. Mai 2022 angab, er sei am 1. Mai 2022 in Italien eingereist,
dass die Vorinstanz die italienischen Behörden am 24. Mai 2022 um Über-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehöri-
gen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) ersuchte,
dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen unbeantwortet
liessen,
dass der Beschwerdeführer am 3. Juni 2022 im Rahmen des persönlichen
Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO ausführte, er sei gezwungen wor-
den, seine Fingerabdrücke in Italien abzugeben und wolle auf keinen Fall
dorthin zurück,
dass er in gesundheitlicher Hinsicht geltend machte, er leide an (...) sowie
(...) und habe (...) erhalten,
dass er mit Eingaben vom 29. Juni 2022 und 13. Juli 2022 ärztliche Kurz-
berichte des Bundesasylzentrums (BAZ) B._ vom 28. Juni 2022
und 11. Juli 2022 zu den Akten gab,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 25. Juli 2022 – eröffnet am 26. Juli
2022 – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, die Weg-
weisung aus der Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin-Staat (Italien)
anordnete, ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der
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Beschwerdefrist zu verlassen und den zuständigen Kanton mit dem Voll-
zug der Wegweisung beauftragte,
dass sie gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,
dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-
dat am 26. Juli 2022 niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit undatierter Eingabe (Eingang beim Ge-
richt: 29. Juli 2022) gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde
erhob,
dass er als Beweismittel seine Identitätskarte, eine Kundenkarte einer
Bank sowie zwei fremdsprachige Dokumente – alles jeweils in Kopie – ein-
reichte,
dass die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer am 29. Juli 2022 auf-
forderte, innert drei Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung eine Be-
schwerdeverbesserung einzureichen,
dass der Beschwerdeführer dieser Aufforderung mit Eingabe vom 4. Au-
gust 2022 fristgerecht nachkam und sinngemäss beantragte, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und auf das Asylgesuch sei einzutreten,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m.
Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Beschwerde – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen-
sichtlich unbegründet erweist, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-
nes zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts
grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf
das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind,
dass wenn ein Antragsteller, aus einem Drittstaat kommend, die Land-,
See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, dieser
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Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist,
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Eu-
rodac-Datenbank ergab, dass dieser am 3. Mai 2022 in Italien illegal in das
Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist ist, was sich unbenommen
von seiner fehlenden Absicht, ein Asylgesuch zu stellen, als zuständigkeits-
begründend erweist (vgl. Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen der Vorinstanz
vom 24. Mai 2022 innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen
Frist unbeantwortet liessen, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit an-
erkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO),
dass die Zuständigkeit Italiens somit grundsätzlich gegeben ist und vom
Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird,
dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung – trotz
punktueller Schwachstellen – nicht von systemischen Schwachstellen im
italienischen Asylsystem im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ausgeht
(vgl. statt vieler Referenzurteile des BVGer D-4235/2021 vom 19. April
2022 E. 10, F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9 und E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 E. 6.3),
dass für die Übernahme der Zuständigkeit Italiens gestützt auf Art. 3
Abs. 2 Dublin-III-VO kein Anlass besteht,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und die Vorinstanz das Asylgesuch gemäss dieser Be-
stimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn
dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer mit seiner Begründung, Italien sei für Asylsu-
chende nicht sicher und die dortigen Aufnahmebedingungen seien
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schlecht, implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respek-
tive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verlangt,
dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätz-
lich nachkommt,
dass zwar die Unterstützung und die Einrichtungen für Asylsuchende und
Personen mit Schutzstatus in Italien in der Kritik steht, aber gemäss den
bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts davon auszuge-
hen ist, Italien halte die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien ein (siehe
etwa Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; Ur-
teile des BVGer E-3390/2022 vom 15. August 2022 und E-3186/2022 vom
11. August 2022),
dass das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 vom 21. Oktober 2021 eine umfas-
sende Reform des Aufnahmesystems für Asylsuchende in Italien vorsieht,
indem zentrale Bestimmungen des sogenannten Salvini-Dekrets geändert
wurden und ein engverflochtenes Aufnahme- und Integrationssystem im-
plementiert wurde,
dass Asylsuchende nach dem Anmeldeverfahre in das Aufnahme- und In-
tegrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e integrazione) überführt
werden, welches nunmehr wieder allen Asylsuchenden – also auch den im
Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellten Personen – of-
fensteht,
dass der Beschwerdeführer in Italien noch gar kein Asylgesuch eingereicht
hat, weshalb er den italienischen Behörden auch nicht vorhalten kann, er
habe ohne entsprechende Unterstützung leben müssen,
dass Italien ein Rechtsstaat ist, welcher über ein funktionierendes Rechts-
system verfügt und der Beschwerdeführer sich bei einer allfälligen Bedro-
hung durch Privatpersonen an die zuständigen polizeilichen Behörden
wenden kann,
dass sich der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe nicht mehr zu
seiner gesundheitlichen Situation äussert und er bei Bedarf zur allfälligen
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Behandlung seiner gesundheitlichen Probleme ([...], [...], [...] und [...])
auch in Italien medizinische Unterstützung beantragen kann, zumal er mit
der Registrierung nach Einreichung des Asylgesuchs dort einen Ausländer-
ausweis erhalten wird, der ihm den Zugang zu Dienstleistungen, wie bei-
spielsweise der medizinischen Versorgung, erleichtert (vgl. Urteil des
BVGer F-5476/2021 vom 1. Februar 2022 E. 6.1),
dass es keinen Grund für eine Anwendung von Art. 17 Dublin-III-VO oder
Art. 29a Abs. 3 AsylV1 gibt und festzuhalten ist, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass die Vorinstanz demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten
ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44
AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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