Decision ID: 0079136d-8ece-5451-87c4-1d8ce60f97b2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) August 2015 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 9. September 2015 (Pro-
tokoll in den SEM-Akten A3/12) sowie der Anhörung vom 17. Oktober 2017
(Protokoll in den SEM-Akten A15/16) führte er im Wesentlichen Folgendes
aus:
Er sei äthiopischer Staatsangehöriger der Ethnie Oromo und habe in
B._, Bezirk (...), Provinz Jimma, Region Oromia, gelebt. Seine Mut-
ter sei bereits im Jahr (...) verstorben und seinen Vater habe er seit
2007/2008 nicht mehr gesehen, nachdem dieser verhaftet worden sei. Die
Schule habe er acht Jahre lang am Herkunfts- und für weitere zwei Jahre
im Bezirkshauptort C._ besucht. Im Jahr (...) sei er einmal verhaftet
worden, da er verdächtigt worden sei, während den Nationalwahlen Wände
mit regierungsfeindlichen Parolen beschmiert zu haben. Da er als Oromo
keine Arbeit habe finden können, habe er ab (...) bis (...) als Soldat Dienst
geleistet. Dazu sei er im ersten Jahr in D._ ausgebildet und danach
der Bodentruppe zugeteilt worden. Später hätte er weitere Verantwortung
übernehmen sollen, da er eine bessere Ausbildung genossen habe als an-
dere. Doch seien Personen tigrinischer Ethnie bevorzugt worden. Obwohl
er als Soldat für die Regierung gearbeitet habe, sei er als Oromo unter-
drückt worden. Ihm sei unterstellt worden, die Ideologien der Oromo-Be-
freiungsfront (OLF; in Oromo: ABO) zu unterstützen, weshalb er einen Mo-
nat keinen Sold erhalten habe und über längere Zeit überwacht worden sei.
Einer Verhaftung sei er durch seine Ausreise zuvorgekommen (BzP). An-
lässlich der Anhörung fügte er hinzu, dass eines Tages ein Soldat, nach
dreiwöchigem unerlaubten Fernbleiben vom Militärdienst, zum Stützpunkt
zurückgekehrt sei. Die Soldaten hätten abstimmen dürfen, was mit diesem
Mann zu geschehen habe. Er habe als einziger gegen dessen Verurteilung
zum Tod gestimmt, weshalb er selbst festgenommen, für einen Monat in-
haftiert und jeweils drei Mal pro Tag von anderen Soldaten bestraft worden
sei. Er und seine Oromo-Freunde hätten danach geplant, das Militär zu
verlassen, um sich der OLF anzuschliessen. Das entsprechende Gespräch
sei wohl belauscht worden, denn seine Freunde seien festgenommen wor-
den während er mit seiner Einheit (Ganta) an einem anderen Ort gewesen
sei. Als er zurückgekommen sei, habe ihn die für die Finanzen zuständige
Person vor einer erneuten Verhaftung gewarnt. Daher habe er (...) 2013
den Militärstützpunkt (...) an der eritreischen Grenze – wo er zuletzt stati-
oniert gewesen sei – verlassen. Um nach B._ gelangen zu können,
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habe er eine Genehmigung für 24 (BzP) beziehungsweise 72 (Anhörung)
Stunden einholen müssen. Für Personen, die bereits im Visier der Verwal-
tung seien, seien maximal 72 Stunden möglich gewesen. Er sei direkt zu
einem Freund in E._ gegangen und habe danach noch eine Nacht
bei seinem Bruder in B._ verbracht, bevor er in den Sudan ausge-
reist sei. Dort habe er sich mit seiner sudanesischen Bitaka (Anmerkung
BVGer: Personalausweis) frei bewegen können, diese habe er aber bei
seiner Reise in die Schweiz verloren. Im Sudan habe er überdies nach
Brauch geheiratet, mittlerweile habe er zu seiner Partnerin fast keinen Kon-
takt mehr. Wenn er nun zurückkehren müsste, würde er getötet, da er den
siebenjährigen Vertrag mit der Armee frühzeitig beendet habe und als O-
romo Kenntnisse von militärinternen Geschehnissen habe.
Seit er in der Schweiz sei, habe er an Demonstrationen und Kundgebungen
in F._, G._ und H._ teilgenommen und jeweils an
vorderster Front Slogans gerufen. Er sei ausserdem der OLF-Sektion
Schweiz beigetreten und Mitglied der Oromo-Community Schweiz.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer zwölf Fotos aus der Zeit
beim Militärdienst zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 10. Januar 2018
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Gewäh-
rung von Asyl oder zumindest die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft.
Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen
und die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin.
Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer ein Schreiben der Oromo-
Community Schweiz vom 4. Januar 2018 bei.
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D.
Mit Instruktionsverfügung vom 17. Januar 2018 bestätigte das Bundesver-
waltungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Be-
schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der
Schweiz abwarten.
E.
Am 24. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer ein Mitgliedsattest der
OLF Europa sowie ein USB-Stick mit Videos betreffend seine exilpoliti-
schen Aktivitäten zu den Akten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2018 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vor-
behalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut und verzichtete
unter demselben Vorbehalt auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Die Fürsorgebestätigung wurde am 9. Februar 2018 nachgereicht, worauf
die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2018
auch das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbeiständung
guthiess und die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-
din einsetzte. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
H.
H.a Die Vorinstanz kam der Einladung zur Vernehmlassung am 28. Feb-
ruar 2018 nach. Sie hielt mit ergänzenden Erwägungen an ihrer Verfügung
fest und beantragte sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.
H.b Die dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 6. März 2018
gewährte Gelegenheit zur Replik nahm dieser mit fristgerechter Eingabe
vom 19. März 2018 wahr. Gleichzeitig reichte die Rechtsvertreterin ihre
Kostennote ein.
I.
Mit Schreiben vom 11. April 2018 liess der Beschwerdeführer dem Bundes-
verwaltungsgericht weitere Beweismittel hinsichtlich seiner exilpolitischen
Tätigkeit zukommen (verschiedene aktuelle Fotos von Demonstrationen im
(...) 2018 in G._, drei Schreiben der Oromo-Gesellschaft sowie di-
verse Links zu YouTube-Videos betreffend die Demonstration sowie zu ei-
nem Meeting, an welchen er teilgenommen habe).
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Seite 5
J.
Am 12. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung des
Oromia News Network (ONN) ein, für welches er arbeite.
K.
Am (...) 2019 heiratete der Beschwerdeführer I._ – heute
J._ – ebenfalls äthiopische Staatsangehörige. Mit ihr hat er zwei
Kinder, K._ und L._. Das Asylgesuch der Ehefrau und der
Kinder lehnte das SEM am 9. April 2020 ab. Dagegen erhoben sie am
14. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Das Verfahren
ist noch hängig.
L.
L.a Mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2020 lud die Instruktionsrich-
terin die Vorinstanz zu einem ergänzenden Schriftenwechsel ein.
L.b Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2020 hielt das SEM mit er-
gänzenden Erwägungen, insbesondere zur aktuellen Lage in Äthiopien, an
seinen früheren Erwägungen fest und beantragte sinngemäss die Abwei-
sung der Beschwerde.
L.c Die dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember
2020 gewährte Gelegenheit zur Duplik nahm dieser innert Frist mit Eingabe
vom 30. Dezember 2020 wahr. Gleichzeitig reichte er zwei Zeitungsartikel
betreffend die jüngsten Unruhen in Äthiopien ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
aAsylG).
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Seite 6
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das alte Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Sodann wurde am
1. Januar 2019 das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR
142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsge-
setz (AIG) umbenannt. Der im vorliegenden Verfahren anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen wor-
den.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das vorliegende Verfahren wird mit jenem der Ehefrau, I._, und der
gemeinsamen Kinder (E-2510/2020; vgl. Sachverhalt Bst. K) insofern ko-
ordiniert geführt, als derselbe Spruchkörper entscheidet und die Urteile mit
gleichem Datum ergehen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
E-208/2018
Seite 7
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führt die Vorinstanz
aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen hielten den Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Der Be-
schwerdeführer habe in der BzP und in der Anhörung jeweils verschiedene
Versionen seiner Asylgründe geltend gemacht. So habe er an der BzP we-
der die einmonatige Haft noch die geplante Desertion und Unterstützung
der OLF erwähnt, weshalb diese als nachgeschoben zu betrachten seien.
Er habe zudem widersprüchliche Angaben zur Gültigkeitsdauer – 24 bezie-
hungsweise 72 Stunden – des angeblichen Ausgangsscheins gemacht. Im
Übrigen sei nicht nachvollziehbar, dass das Militär Soldaten einen Aus-
gangsschein ausstelle, die verhaftet werden sollten. Der Versuch diese Un-
stimmigkeiten zu erklären – schwierige Überfahrt von Libyen nach Italien –
vermöge nicht zu überzeugen. Da die Asylgründe unglaubhaft seien, müss-
ten auch die Umstände des Dienstaustrittes oder der Dienstbeendigung
anders als geschildert gewesen sein. Dass er aber im Militärdienst gewe-
sen sei, werde nicht in Frage gestellt. Es sei diesbezüglich festzuhalten,
dass die Nichteinhaltung des Vertrages als Berufssoldat im professionali-
sierten Militärdienst höchstens eine legitime und somit nicht asylrelevante
staatliche Verfolgungsmassnahme nach sich ziehen könne.
Es sei auch nicht davon auszugehen, dass die exilpolitischen Aktivitäten
des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen zur Folge hätten.
Das Nachschieben neuer Asylvorbringen im Zusammenhang mit der OLF
deute auf eine aus asyltaktischen Gründen konstruierte exilpolitische Tä-
tigkeit hin. Als einfaches Mitglied der OLF habe er ohnehin nichts zu be-
fürchten, weil selbst wenn die äthiopischen Behörden über die politischen
Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland informiert wären, könnten
sie angesichts deren hoher Anzahl nicht jede einzelne Person überwachen
und identifizieren. Zudem dürfte auch den äthiopischen Behörden bekannt
sein, dass viele äthiopische Emigranten aus vorwiegend wirtschaftlichen
Gründen versuchten, sich in Europa und speziell auch in der Schweiz vor
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Seite 8
oder nach Abschluss ihres Asylverfahrens ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht
zu erwirken, indem sie regimekritischen Aktivitäten nachgingen.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet diesen Argumenten, er habe glaub-
haft darlegen können, aus der Provinz E._ zu stammen, der Ethnie
der Oromo anzugehören und Berufssoldat gewesen zu sein, der noch fünf
Jahre hätte dienen müssen. Bei einem Eintritt in den Militärdienst ver-
pflichte sich der Soldat für sieben Jahre. Eine frühzeitige Entlassung sei
nur aus medizinischen Gründen, bei Straffälligkeit oder wegen Inkompe-
tenz möglich. Desertion werde mit Gefängnis von bis zu fünf Jahren be-
straft. Laut Verfassung sollte das Militär die einzelnen ethnischen Gruppie-
rungen Äthiopiens repräsentieren, dennoch werde es von der Ethnie der
Tigray dominiert. Oromo in der Armee würden schnell verdächtigt, der OLF
anzugehören. Aufgrund seines vorzeitigen Verlassens der Armee werde er
deshalb mit Sicherheit verdächtigt, Mitglied der OLF geworden zu sein.
Ausserdem habe er sich exilpolitisch stark exponiert. Er werde mit grösster
Wahrscheinlichkeit bei einer Rückkehr als Feind des Staates betrachtet
und inhaftiert, womöglich sogar exekutiert.
5.3 In ihrer Vernehmlassung erklärt die Vorinstanz, das Schreiben der
Oromo-Gemeinschaft in der Schweiz vom 4. Januar 2018 handle zum
grössten Teil von der Lage dieser Ethnie in Äthiopien aus Sicht des Vorsit-
zenden dieser Gemeinschaft. Zum Schluss des Briefes schreibe der Ver-
fasser, dass der Beschwerdeführer seit seiner Ankunft in der Schweiz akti-
ves Mitglied der Oromo-Gemeinschaft gewesen sei und deshalb und auch
wegen seines jungen Alters den äthiopischen Agenten im Ausland aufge-
fallen sein könnte. Die OLF-Vertretung für Europa erkläre, dass er für die
Organisation Geld gespendet und an verschiedenen ihrer Veranstaltungen
in der Schweiz teilgenommen habe. Diese Darstellung stimme nicht mit der
Aussage des Beschwerdeführers überein, wonach er erst (...) der OLF-
Sektion in der Schweiz beigetreten sei und an Veranstaltungen der Oromo-
Gemeinschaft teilgenommen habe, die nicht viel mit Politik zu tun gehabt
hätten. Diese Aussagen des Beschwerdeführers würden sein niedriges po-
litisches Profil verdeutlichen.
Aufgrund der unglaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers sei auch
dessen Desertion nicht glaubhaft. Es würden daher die anderen von der
Rechtsvertreterin genannten Optionen für das Verlassen des Militärdiensts
in Frage kommen. Bei der angedrohten Haft im Falle einer Desertion
handle es sich um eine legitime staatliche Verfolgungsmassnahme.
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Seite 9
5.4 Der Beschwerdeführer repliziert darauf, er habe an der Anhörung von
sich aus auf seine exilpolitischen Tätigkeiten hingewiesen und dazu mehr
Angaben gemacht als die Vorinstanz wiedergebe. Sowohl dies als auch
das Schreiben des europäischen Büros der OLF bestätigten, dass er an
öffentlichen Veranstaltungen und Meetings teilgenommen habe. Dies
zeige, dass er nicht nur ein niedriges politisches Profil aufweise.
6.
6.1 Zunächst ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht die Vorbringen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich seiner Haft während des Militärdienstes und
der Beendigung dieses Dienstes als nicht glaubhaft erachtet hat.
6.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der
gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder
nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-
liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine
die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen wider-
spruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse.
Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung
ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision
und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Er-
lebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftma-
chung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstim-
mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und
Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder
gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdar-
stellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
6.3 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht nicht am Militärdienst des Be-
schwerdeführers gezweifelt hat. Zu Recht hat sie aber die Vorbringen zu
seiner Haft und zur Beendigung des Militärdienstes für unglaubhaft befun-
den. Sie hält ihm insbesondere zutreffend entgegen, er habe in der BzP
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einerseits und der Anhörung andererseits unterschiedliche Sachdarstellun-
gen gemacht. So brachte er wesentliche Teile des Sachverhalts – Verhaf-
tung und drohende erneute Inhaftierung vor der Ausreise – erst in der An-
hörung vor. Er hatte anlässlich der BzP klar verneint – mit Ausnahme der
kurzen Festnahme im Jahr (...) (vgl. A3 Ziff. 7.01) – je in Haft gewesen zu
sein. Er legte dar, das Land verlassen zu haben, bevor sie ihn hätten erwi-
schen und inhaftieren können, und erklärte, eine Inhaftierung in Äthiopien
wäre das Ende gewesen (vgl. A3 Ziff. 7.01, vgl. auch A15 F60 ff.). Auch
bezüglich des Widerspruchs hinsichtlich des Ausgangsscheins kann der
Vorinstanz vollumfänglich beigepflichtet werden. Zum einen widerspricht
sich der Beschwerdeführer hinsichtlich der Dauer des erlaubten Entfernens
aus dem Militärdienst (vgl. A3 Ziff. 5.02 sowie A15 F49 und F68). Zum an-
deren ist nicht ersichtlich, weshalb ihm die militärischen Behörden einen
Freigang zugestehen sollten, obwohl sie ihn hätten festnehmen wollen (vgl.
A15 F49 und F73). Dass seine Ganta die Urlaubsbewilligung erteilt habe
und nicht die Führungseinheit (vgl. A15 F73), vermag diesen Widerspruch
nicht aufzulösen, zumal seine Freunde bereits verhaftet worden seien und
er nur durch seine Abwesenheit noch nicht festgenommen worden sei (vgl.
A15 F49). Sollte er tatsächlich gesucht worden sein, ist davon auszugehen,
dass die Ganta entsprechend informiert worden wäre.
6.4 Insgesamt hat das SEM zu Recht festgestellt, die während des Militär-
dienstes geltend gemachte Haft sowie die Umstände von dessen Beendi-
gung und der damit zusammenhängende Verdacht, er habe sich der OLF
angeschlossen, seien nicht glaubhaft. In seiner Beschwerdeeingabe ver-
mag der Beschwerdeführer diesen Argumenten ebenfalls nichts entgegen-
zusetzen, zumal er sich nicht mit der Begründung des SEM auseinander-
setzt, sondern lediglich den Sachverhalt wiedergibt, wie er vom SEM, zu
Recht, als unglaubhaft qualifiziert worden ist und pauschal geltend macht,
Oromo würden verdächtigt, der OLF anzugehören.
7.
7.1 Es gilt im Folgenden zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im heutigen
Zeitpunkt aufgrund der unbestritten gebliebenen Sachverhaltselemente
objektive Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat, was die An-
erkennung seiner Flüchtlingseigenschaft und gegebenenfalls die Gewäh-
rung von Asyl zur Folge hätte.
7.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
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Seite 11
0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten
muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt
zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen
Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils
m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind
über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus
so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-
male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-
bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andau-
ernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen
Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsu-
chenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2010/9 E.
5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
7.3 Soweit der Beschwerdeführer auf Diskriminierungen verweist, ist fest-
zuhalten, dass Angehörige der Ethnie der Oromo, insbesondere vor dem
Amtsantritt von Abiy Ahmed – selbst ein Oromo – als Premierminister am
2. April 2018, verschiedenen Diskriminierungen ausgesetzt waren. Die vom
Beschwerdeführer umschriebenen Diskriminierungen (Bevorzugung eines
Tigray bei der Zuteilung im Militärdienst; nicht Ausbezahlen des Soldes)
vermögen aber unabhängig davon, ob sie der Wahrheit entsprechen, be-
reits mangels Intensität keine Asylrelevanz zu entfalten. Inzwischen hat
sich, insbesondere unter dem Aspekt seiner Ethnie, die Lage in Äthiopien
wesentlich zu Gunsten des Beschwerdeführers entwickelt (vgl. nachfol-
gend E. 7.5.2). Es ist deshalb insgesamt nicht mit der notwendigen hohen
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, er habe aufgrund seiner Ethnie
oder einer allfälligen kurzen Verhaftung im Jahr (...) bei der Rückkehr in
seinen Heimatstaat ernsthafte Nachteile zu befürchten.
7.4 Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vertrags-
bruches (Verlassen des Militärs vor Ablauf des Vertrages) hat das SEM zu
Recht festgestellt, diesbezüglich hätte der Beschwerdeführer einzig eine
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Seite 12
legitime Strafe zu befürchten. Gemäss Art. 288 Abs. 1 und 2 des äthiopi-
schen Strafgesetzes von 2004 wird Desertion mit bis zu fünf Jahren Haft
bestraft, es sei denn, es herrsche Ausnahmezustand (vgl. Ethiopia: Crimi-
nal Code [Ethiopia], Proclamation No. 414/2004, 9 May 2005,
https://www.refworld.org/docid/49216b572.html, abgerufen am 23. März
2021). Der im November 2020 ausgerufene sechsmonatige Ausnahmezu-
stand betrifft lediglich die Region Tigray (vgl. BBC News, Tigray crisis: Ethi-
opia orders military response after army base seized, 4. November 2018,
www.bbc.com/news/world-africa-54805088, abgerufen, wie auch die fol-
genden Links, am 23. März 2021). Ausserdem hänge die Bestrafung von
Deserteuren von ihrem Rang ab. So könnten hohe Offiziere für Desertion
zum Tod verurteilt werden, da sie als Staatsverräter angesehen würden.
Verlasse hingegen ein einfacher Soldat die Armee und kehre in sein
Dorf zurück, habe dies üblicherweise keine Folgen (vgl. Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge, Berlin/Bundesasylamt Republik Österreich,
Wien/Bundesamt für Migration, Bern: Bericht zur D-A-CH Fact
Finding Mission Äthiopien/Somaliland 2010, Mai 2010, S. 26,
http://www.refworld.org/docid/533a78ac6.html). Selbst bei Annahme, der
Beschwerdeführer sei tatsächlich desertiert, wäre demnach in Überein-
stimmung mit dem SEM nicht mit einer asylrelevanten Bestrafung des Be-
schwerdeführers zu rechnen.
7.5 In einem weiteren Schritt bleibt zu prüfen, inwiefern der Beschwerde-
führer aufgrund seines exilpolitisches Engagements bei einer Rückkehr ins
Heimatland begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu
befürchten hat.
7.5.1 Wer sich darauf beruft, dass eine Gefährdungssituation im Sinne von
Art. 3 AsylG erst durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes auf-
grund dessen er als Staatsfeind betrachtet wird oder wegen exilpolitischen
Aktivitäten – geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nach-
fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch ge-
mäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie
missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen
werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder
glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1). Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe gel-
tend macht, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung,
wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
https://www.refworld.org/docid/49216b572.html http://www.bbc.com/news/world-africa-54805088
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von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei
einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl.
BVGE 2009/29 E. 5.1).
7.5.2 Vorab ist auf die allgemeine politische Lage in Äthiopien einzugehen,
die sich in den letzten Jahren massgeblich verändert hat. Es ist diesbezüg-
lich auf die im als Referenzurteil publizierten Entscheid des Bundesverwal-
tungsgerichts D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 aktualisierte Analyse zu ver-
weisen. Demnach hat sich seit dem Amtsantritt von Abiy Ahmed als erstem
Präsidenten des Landes mit Oromo-Volkszugehörigkeit im April 2018 und
den damit einhergehenden Reformen die Lage im Land deutlich verbessert
(vgl. a.a.O. E. 7). Abiy Ahmed erklärte die Stärkung der Demokratie unter
Einbindung aller politischen Kräfte als Ziel und unternimmt Anstrengungen,
in vielen Bereichen Reformen anzustossen oder durchzuführen. Dies be-
trifft auch den Umgang mit regierungskritischen Personen, gegen die das
Regime zuvor mit grosser Härte vorging. Die Regierung rief die Oppositio-
nellen im Exil zur Rückkehr und Teilnahme am politischen Prozess auf. Po-
litische Dissidenten, ehemalige Rebellen, Abspaltungsanführer und Jour-
nalisten sind seither nach Äthiopien zurückgekehrt (beispielsweise der Op-
positionsführer der Ginbot 7, Berhanu Nega). Tausende politische Gefan-
gene wurden seit April 2018 begnadigt und freigelassen. Die OLF und wei-
tere Vereinigungen, die sich für die Anliegen der Oromo einsetzen – wie
die Ginbot 7, welcher der Beschwerdeführer angeblich angehöre –, wurden
im Sommer 2018 von der Liste der terroristischen Gruppierungen gestri-
chen. Trotz der weiterhin herrschenden ethnischen Spannungen und Pro-
testbewegungen in Äthiopien ist die Situation seit Amtsantritt von Premier-
minister Abiy Ahmed stabiler (vgl. a.a.O. E. 7).
7.5.3 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Situation in
Äthiopien – einem Staat, dessen Bevölkerung sich aus schätzungsweise
über 80 verschiedenen Ethnien zusammensetzt – trotz der genannten po-
sitiven Entwicklungen auch nach dem Amtsantritt von Abiy Ahmed – in an-
derem Masse und Kontext – weiterhin von gewissen ethnischen Spannun-
gen und entsprechenden Unruhen geprägt ist. Dies gerade auch teilweise
als Ausfluss des angeschobenen Demokratisierungsprozesses. Für die
Bejahung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG bedarf es
darüber hinaus einer Verfolgung oder der Furcht vor einer solchen auf-
grund einer konkret auf die Person gezielten Handlung mit asylrelevanter
Motivation. Dass der Beschwerdeführer als Mitglied (vgl. A15 F101) der
OLF-Sektion Schweiz sowie der Oromo-Community Schweiz und aufgrund
seiner diversen Demonstrationsteilnahmen im Falle einer Rückkehr zum
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Seite 14
jetzigen Zeitpunkt derartigen gezielten Verfolgungshandlungen ausgesetzt
werden könnte, ist nicht wahrscheinlich. Den beigebrachten Beweismitteln
bezüglich seiner politischen Tätigkeit (unter anderem auf dem USB-Stick)
ist zwar zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich in der Schweiz
durchaus politisch betätigt. Allerdings ergibt sich daraus, wie das SEM in
seiner Vernehmlassung zutreffend festhält, kein exponiertes Profil. Be-
zeichnenderweise scheinen sich die geltend gemachten Aktivitäten auch
alle auf einen Zeitraum vor dem Amtsantritt von Abiy Ahmed zu beziehen.
Die Vorinstanz hat hierzu in ihrer ergänzenden Vernehmlassung zu Recht
darauf hingewiesen, dass inzwischen nicht seine, sondern diejenige Ethnie
im Fokus stehe, welche der Beschwerdeführer in seiner Anhörung als pri-
vilegiert definierte habe, was von einer völlig neuen politischen Situation in
Äthiopien zeuge. Es ist in Anbetracht der neuen Machtverhältnisse in Äthi-
opien erst recht nicht mehr davon auszugehen, der Beschwerdeführer
könnte aufgrund seiner Aktivitäten in der Schweiz vom äthiopischen Re-
gime als ernsthafter Kritiker eingestuft werden und es drohe ihm deswegen
eine ernsthafte Gefahr flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung.
7.6 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Seite 15
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
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127 m.w.H.). Die hohen Anforderungen an eine solche ernsthafte Gefahr
sind selbst dann nicht erfüllt, wenn der Beschwerdeführer den Militärdienst
vor Ablauf seines Vertrages verlassen hätte. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen, zumal der Beschwer-
deführer nicht in eine akute Krisenregion zurückkehren muss.
9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt, oder
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Dabei ist die Aufzählung von
Gefährdungskonstellationen in dieser Bestimmung nicht abschliessend zu
verstehen, insbesondere kann eine solche Konstellation auch in einer de-
solaten humanitären Lage im Heimat- oder Herkunftsstaat begründet sein.
Die Anforderungen an die Bejahung einer konkreten Gefährdung sind al-
lerdings hoch, eine entsprechende Situation liegt insbesondere dann vor,
wenn die ausländische Person bei der Rückkehr aufgrund der vorherr-
schenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in
völlige Armut gestossen würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar
dem Tod ausgeliefert wäre (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.5-7.7). Wird eine kon-
krete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG
– die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, weder die
in Äthiopien herrschende politische Lage, noch individuelle Gründe sprä-
chen gegen die Zumutbarkeit der Rückführung des Beschwerdeführers in
dessen Heimatstaat. Er sei jung, gesund und besitze zusammen mit seiner
Familie gemäss eigenen Angaben ein Haus und Land in Äthiopien. Sein
Bruder könne vom Ertrag des verpachteten Landes seiner Familie leben,
womit er eine gesicherte Existenzgrundlage in der Heimat habe. Er habe
auch angegeben, besser gebildet zu sein, als andere Soldaten, was ihm
sicherlich auch im zivilen Leben mehr Möglichkeiten eröffne.
In ihrer Vernehmlassung vom 16. Dezember 2020 führte die Vorinstanz er-
gänzend aus, die Sicherheitslage habe sich nach übereinstimmenden Be-
richten nur in der äthiopischen Region Tigray entscheidend verändert und
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Seite 17
habe vor allem Folgen für Angehörige der Ethnie Tigray. Der Beschwerde-
führer sei Angehöriger der Oromo und stamme aus der Umgebung von
E._, einer Stadt, welche über (...) Kilometer von Mekele entfernt
liege. Aufgrund der grossen geographischen Distanz des Heimatorts des
Beschwerdeführers von der Krisenregion Tigray sehe sie in diesem kon-
kreten Fall keinen Anlass für eine Änderung ihres Entscheides. Es stehe
fest, dass er in seiner Heimat für sich und seine Familie über eine Exis-
tenzgrundlage verfüge. Neben den bereits im Asylentscheid erwähnten
Punkten, könnten ihm auch seine hier erworbenen Sprach- und sonstigen
Kenntnisse von Vorteil sein. Ausserdem könne er von der Rückkehrhilfe
Gebrauch machen.
9.3.3 Der Beschwerdeführer hält in seiner Duplik vom 30. Dezember 2020
zunächst fest, dass es die Vorinstanz unterlassen habe, Quellenangaben
zu ihren Einschätzungen mitzuliefern. Die Eskalation der ethnischen Span-
nungen seien nicht auf den Norden Äthiopiens beschränkt. Wenige Tage
zuvor sei es zu einem Massaker in der Region (...) im Westen des Landes
gekommen, die sich nicht weit von seiner Heimatregion befinde. Auch in
anderen Regionen bestehe die Gefahr eskalierender Kämpfe und es be-
stünden weiterhin Unruhen in der Region Oromia. Dies habe sich seit der
Wahl von Abiy Ahmed nicht verbessert, sondern in vielerlei Hinsicht ver-
schlechtert. Bei Protesten in der Oromia-Region hätten die Sicherheits-
kräfte wie vor der Machtübernahme durch Abiy Ahmed willkürliche Verhaf-
tungen durchgeführt und seit Juni 2019 würden auch wieder vermehrt Jour-
nalisten aufgrund von Verstössen gegen die Anti-Terrorism Proclamation
(ATP) verhaftet. Eine Rückkehr nach Äthiopien wäre somit sehr gefährlich.
9.3.4 Das Bundesverwaltungsgericht geht seit langem in konstanter Praxis
von der grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle
Regionen Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai
2019 E. 12.2 E. 12.2; in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3). Trotz der
weiterhin herrschenden ethnischen Spannungen und Protestbewegungen
ist die Lage seit Amtsantritt von Premierminister Abiy Ahmed, wie bereits
an anderer Stelle erwähnt, stabiler geworden. Zwar ist der vor vier Monaten
eskalierte Konflikt in der nördlichen Region Tigray nach wie vor im Gange,
weshalb die Rechtsprechung mit Bezug auf die Region Tigray zu relativie-
ren ist. Der Rest des Landes scheint aber von der dortigen Konfliktsituation
bisher nicht unmittelbar betroffen zu sein, so dass die Rückkehr für äthio-
pische Staatsangehörige in vom Konflikt nicht berührten Regionen des
Landes weiterhin als zumutbar erachtet wird. Mithin liegt in Äthiopien zur-
zeit keine Situation vor, aufgrund derer die Zivilbevölkerung allgemein als
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Seite 18
konkret gefährdet bezeichnet werden müsste (vgl. u.a. Urteile des BVGer
E-6506/2018 vom 7. Januar 2021 E. 7.4.2, E-4867/2020 vom 18. Novem-
ber 2020 E. 8.4.1, D-5284/2020 vom 12. November 2020 E. 7.4.1). Gleich-
zeitig sind die Lebensbedingungen in Äthiopien in vielen Regionen nach
wie vor als prekär anzusehen, weshalb gemäss konstanter Praxis zur Exis-
tenzsicherung genügend finanzielle Mittel, berufliche Fähigkeiten sowie ein
intaktes Beziehungsnetz erforderlich sind, um die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs bestätigen zu können (BVGE a.a.O., E. 8.4, bestätigt im
Referenzurteil a.a.O. E. 12.4 sowie u.a. E-5432/2018 vom 26. November
2020, E. 8.4.4).
9.3.5 Entgegen den in den Beschwerdeeingaben geäusserten Befürchtun-
gen wird sich der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr in sein Heimat-
land nicht in einer existenzbedrohenden Lage wiederfinden. Es ist davon
auszugehen, dass er mit seiner Familie an seinen Herkunfts-, allenfalls in
den Bezirkshauptort oder in die Grossstadt E._ ziehen kann. Die
Entfernung bis Mekele, der Hauptstadt der Region Tigray beträgt knapp
(...) Kilometer (Fahrstrecke bzw. ca. (...) Km Luftlinie, vgl. www.luftli-
nie.org). Zu Recht verweist das SEM darauf, es müsse nicht davon ausge-
gangen werden, der aktuelle Konflikt in der Region Tigray betreffe den Be-
schwerdeführer und seine Familie in der Provinz Jimma respektive in der
Grossstadt E._ selbst. Soweit der Beschwerdeführer auf das Mas-
saker Ende letzten Jahres im Bezirk (...) der Region Metekel im Westen
Äthiopiens verweist, verkennt das Bundesverwaltungsgericht, wie bereits
erwähnt nicht, dass – abgesehen vom nach wie vor nicht gelösten Konflikt
in der Region Tigray auch in anderen Regionen Äthiopiens ethnische Span-
nungen mit Konfliktpotenzial auszumachen sind. Das ändert aber an der
Einschätzung im vorliegenden Einzelfall nichts, zumal auch die Region Me-
tekel noch ungefähr (...) Kilometer (Fahrstrecke bzw. [...] Km Luftlinie) vom
Herkunftsort des Beschwerdeführers entfernt liegt.
Hinsichtlich einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wiedereingliede-
rung verweist das SEM zurecht darauf, dass der Beschwerdeführer jung
und gesund sei. Es wird nicht verkannt, dass Äthiopien trotz verhältnismäs-
sig starkem Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren nach wie vor
zu den ärmsten Ländern der Welt gehört und die Arbeitslosigkeit, gerade
auch unter jungen Menschen hoch ist. Grund dafür sind unter anderem
fehlende Berufsqualifikationen und fehlender Zugang zu finanziellen Mit-
teln (vgl. SNV Netherlands Development Organisation, Pulling Ethiopian
youth out of unemployment, 8.2017, https://snv.org/update/pulling-ethio-
pian-youth-out-unemployment). Es ist aber davon auszugehen, dass der
http://www.luftlinie.org/ http://www.luftlinie.org/
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Beschwerdeführer in Äthiopien noch engere verwandtschaftliche aber
auch bekanntschaftliche Beziehungen hat, zumal er sich teilweise wider-
sprüchlich dazu äussert (vgl. A3 Ziff. 2.02 und A15 F13ff., F21, F24, F66
und F71). Selbst wenn er angibt, er habe zu seinen Geschwistern keinen
Kontakt mehr und seine weiteren Verwandten lebten weit entfernt, darf da-
von ausgegangen werden, er könne vorbestehende Beziehungen wieder-
aufnehmen. Dabei kann ihm sein Freund aus E._ behilflich sein, bei
dem er sich bereits vor der Ausreise aufgehalten hatte, respektive je nach
Aussage habe er sogar ein Jahr lang dort gelebt. Auf dessen Unterstützung
konnte er sowohl vor dem Antritt des Militärdienstes als auch vor der Aus-
reise zählen (vgl. A15 F31, F35, F49 und F71). Zu ihm hat er gemäss ei-
genen Angaben nach wie vor Kontakt und dieser hat ihm auch Dokumente
zukommen lassen. Es ist im Übrigen auch nicht ausgeschlossen, dass Ver-
wandte und Bekannte seiner Ehefrau bei der Rückkehr dem Beschwerde-
führer und seiner Familie nach Äthiopien Hilfestellung geben können,
nachdem sie die von ihr geltend gemachten persönlichen Umstände nicht
glaubhaft machen konnte (vgl. E-2510/2020 E. 10.3.4). Der Beschwerde-
führer hat sodann eine gute Schulbildung (vgl. A3 Ziff. 1.17.04 und
Ziff. 7.01 sowie A15 F27 f. und F49) und auch angegeben, im Vergleich zu
vielen seiner Mitsoldaten besser gebildet gewesen zu sein, weshalb ihm
eine vergleichsweise gute Position angeboten worden sei. Diese habe er
nur aufgrund der damaligen Machtverhältnisse letztlich nicht erhalten, weil
ein Tigray-Kommandant das verhindert habe (vgl. A3 Ziff.1.17.05; A15
F49). Es darf davon ausgegangen werden, diese vergleichsweise gute Bil-
dung werde es dem Beschwerdeführer erleichtern, wirtschaftlich Fuss zu
fassen und auch seine Familie ernähren zu können, zumal er auch die
Schwierigkeiten, eine feste Arbeit zu finden, stark mit den damaligen
Machtverhältnissen in Zusammenhang bringt (vgl. A15 F33). Zu Recht ver-
weist das SEM in diesem Zusammenhang auch auf die in der Schweiz er-
worbenen Erfahrungen und Kenntnisse sowie die Möglichkeit der Rück-
kehrhilfe sowie darauf, dass die Familie des Beschwerdeführers in Äthio-
pien ein Haus und Land besitze; letzteres hätten sie teilweise auch ver-
pachtet (vgl. A15 F23f.). Auch wenn eine Rückkehr in den Heimatstaat mit
gewissen Schwierigkeiten verbunden sein kann, sind die hohen Anforde-
rungen zur Annahme einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG vorliegend nicht erfüllt.
9.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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Seite 20
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm hingegen mit
Zwischenverfügung vom 30. Januar 2018 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung gewährt wurde und seither keine Veränderung der finanziellen Lage
ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
11.2 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. Februar 2018 als amtliche
Rechtsbeiständin im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG beigeordnet
worden ist, ist sie für ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfah-
rens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12
i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat in ihrer Kostennote
datierend vom 19. März 2018 einen Aufwand von 9.5 Stunden zu einem
Stundenansatz von Fr. 250.– geltend gemacht, zuzüglich Auslagen in der
Höhe von Fr. 41.–. Bei amtlicher Vertretung geht das Gericht praxisgemäss
von einem Stundenansatz von Fr. 100.–bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Der Stundenansatz ist daher von Fr. 250.– auf Fr. 150.– zu kürzen. Aus-
serdem erscheint der geltend gemachte zeitliche Aufwand angesichts des
Umfanges der Eingaben überhöht, was in erster Linie hinsichtlich der Be-
schwerdeschrift gilt. In Berücksichtigung der Duplik, die sowohl für das vor-
liegende wie auch das Verfahren der Ehefrau und Kinder des Beschwer-
deführers weitgehend authentisch ist, ist von einem zeitlichen Aufwand von
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insgesamt 6.5 Stunden auszugehen. Auslagen werden vom Gericht grund-
sätzlich aufgrund der tatsächlichen Kosten ausbezahlt und nur wenn be-
sondere Verhältnisse es rechtfertigen, kann ein Pauschalbetrag vergütet
werden; für Kopien können 50 Rappen pro Seite berechnet werden (vgl.
Art. 11 Abs. 1, 3, 4 VGKE). Ausnahmsweise kann der vorliegend aufge-
zeigte Betrag, gerundet auf Fr. 40.–, trotzdem entschädigt werden. Dem-
nach ist der Rechtsvertreterin vom Bundesverwaltungsgericht ein amtli-
ches Honorar von Fr. 1015.– (inkl. Auslagen) auszurichten (vgl. Art. 12 und
Art. 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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