Decision ID: 7641dea0-9710-50a0-8c28-a5e2805984fc
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden am 21. Oktober 2021 in der Schweiz um
Asyl nachsuchten,
dass ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS),
dass den Beschwerdeführenden von Frankreich vom (...) bis am (...) gül-
tige Visa ausgestellt worden waren,
dass die Beschwerdeführenden anlässlich der Personalienaufnahme (PA)
vom 22. Oktober 2022 und des Dublin-Gesprächs vom 3. November 2021
angaben, am 19. Oktober 2021 in Frankreich eingereist zu sein,
dass den Beschwerdeführenden im Rahmen des persönlichen Gesprächs
vom 3. November 2021 gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dub-
lin-III-VO), das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit von Frank-
reich gewährt wurde,
dass die Beschwerdeführenden im Wesentlichen angaben, die Beschwer-
deführerin werde aufgrund ihres Kopftuches in Frankreich diskriminiert und
im Weiteren hätten sie Probleme mit den Hisbollah und Angst davor, von
ihnen in Frankreich behelligt zu werden,
dass das SEM am 3. November 2021 die französischen Behörden um die
Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Dublin-
III-VO ersuchte,
dass die damalige Rechtsvertretung mit Eingabe vom 23. Dezember 2021
an das SEM mitteilte, der Beschwerdeführer habe in der Zwischenzeit
Drohnachrichten von der Hisbollah erhalten und die Beschwerdeführenden
fürchteten sich deswegen vor einer Rückkehr nach Frankreich,
dass die französischen Behörden, nachdem sie am 26. Dezember 2021
ein Rückübernehmeersuchen des SEM vom 3. November 2021 noch
abgelehnt hatten, im Rahmen einer sogenannten Remonstration auf ein
erneutes Ersuchen des SEM vom 29. Dezember 2021 der Rückübernahme
der Beschwerdeführenden am 12. Januar 2022 zustimmten,
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dass das SEM mit Verfügung vom 20. Januar 2022 (Eröffnung am
24. Januar 2022) in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgeset-
zes (SR 142.31) auf die Asylgesuche des Beschwerdeführenden vom
21. Oktober 2021 nicht eintrat und sie in Anwendung der Dublin-III-Verord-
nung nach Frankreich wegwies, wobei es festhielt, einer Beschwerde ge-
gen diese Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass die Beschwerdeführenden mit handschriftlich ergänzter Formularbe-
schwerde vom 24. Januar 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erhoben und dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Prüfung der Asylgesuche in der Schweiz beantragten,
dass in prozessualer Hinsicht unter Verzicht auf das Erheben eines Kos-
tenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde ersucht wurde,
dass die Akten der Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht am
31. Januar 2022 in elektronischer Form vorlagen (Art. 109 Abs. 3 AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht am 31. Januar 2022 gestützt auf
Art. 58 VwVG den Vollzug der Überstellung einstweilen aussetzte,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM in der Regel – so
auch vorliegend – endgültig entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 VwVG),
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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG),
dass im Weiteren gestützt auf Art. 111a Abs. 2 AsylG vorliegend auf einen
Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zu-
ständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird,
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000) mit sich
bringen, und nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zuständiger
Mitgliedstaat bestimmt werden kann,
dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat im Falle eines
Wiederaufnahmeverfahrens verpflichtet ist, unter anderem einen Antrag-
steller, dessen Antrag abgelehnt wurde und der in einem anderen Mitglied-
staat erneut einen Antrag gestellt hat, nach Massgabe der Artikel 23, 24,
25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO),
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dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein-
trittsrecht),
dass die französischen Behörden am 12. Januar 2022 das Übernahmeer-
suchen der Vorinstanz guthiessen, womit das SEM zu Recht von der Zu-
ständigkeit Frankreichs für die Durchführung des Asylverfahrens ausging,
dass sich das Bundesverwaltungsgericht der Einschätzung des SEM in der
angefochtenen Verfügung anschliesst, wonach es keine wesentlichen
Gründe für die Annahme gibt, Frankreich, bei welchem es sich um einen
Signatarstaat der EMRK und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) handelt, würde seine
staatsvertraglichen Verpflichtungen missachten und die Beschwerdefüh-
renden in ihren Heimatstaat zurückschaffen, dies unter Missachtung des
Non-Refoulment-Gebotes oder von Art. 3 EMRK,
dass die Beschwerdeführenden im Rahmen des rechtlichen Gehörs unter
anderem geltend machten, in Frankreich von den Hisbollah bedroht wor-
den zu sein und zu befürchten, bei einer Rückkehr wie angedroht behelligt
zu werden,
dass in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen ist, dass es sich bei
Frankreich um einen Rechtsstaat handelt, weshalb die Beschwerdeführer-
enden über die Möglichkeit verfügen, sich allenfalls an die zuständigen
französischen Sicherheitsbehörden zu wenden,
dass sich die Argumentation in der Beschwerde in der Wiederholung der
bereits im Rahmend des rechtlichen Gehörs geltend gemachten Vorbrin-
gen erschöpft,
dass es keinen Grund für einen Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO
gibt und an dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung
1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) Ermessen zukommt
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(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine geset-
zeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch
die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist
und – weil sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-
sungsbewilligung sind – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung
nach Frankreich angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration (AIG, SR 142.20) nicht mehr zu prüfen
sind, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung
des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist
(vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Anträge um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde und um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweisen,
dass, da die Beschwerde im Zeitpunkt ihrer Einreichung als aussichtslos
erschien, das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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