Decision ID: 9e1fda86-1cbb-4d64-839c-6ec9bf85961f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1949, war vom 1. Januar 2009 bis 30. Juni 2010 als
Pflege
fachfrau
im
Y._
angestellt und bei der ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG (nachfolgend kurz: ÖKK) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Urk. 2/7/1; gesetzliche Nachdeckung bis 30. Juli 2010). Am 9. August 2010 wurde der
ÖKK gemeldet, dass die Versicherte am 27. Juli 2010 einen Unfall erlitten habe (Urk. 2/7/1), und zwar anlässlich eines im Rahmen einer Stellenbewerbung absolvierten Pro
betages beim
Z._
(vgl. Urk. 2/1 S. 2).
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Chirurgie, von der
B._
diagnosti
zierte am 4. August 2010 eine laterale Meniskusläsion Knie links vom 27. Juli 2010 und eine
leichtgradige
Pangonarthrose
rechts (Urk. 2/7/5
.1
). Am 27. August 2010 musste sich die Versich
er
te in der
B._
einem opera
tiven Eingriff unterziehen (vgl. Urk. 2/7/6).
1.2
Mit Verfügung vom 27. August 2010 (Urk. 2/7/13) verneinte die ÖKK ihre
Leistungs
pflicht
mit der Begründung, dass weder ein Unfall noch eine
unfall
ähnli
che
Körperschädigung vorliege; es habe kein unfallähnliches Ereignis stattge
funden. Mit Eingabe vom 14. September 2010 (Urk. 2/7/14) erhob die Kran
ken
versicherung der Versicherten, die SWICA Krankenversicherung AG, vorsorglich Einsprache, zog diese aber am 21. September 2010 wieder zurück (Urk. 2/7/16). Am 27. September 2010 liess die Versicherte Einsprache gegen die genannte Verfügung erheben (Urk. 2/7/17). Die ÖKK wies die Einsprache mit Entscheid vom 23. Dezember 2010 (Urk. 2/2) ab.
2.
2.1
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 2. Februar 2011 (Urk. 2/1) Beschwerde erheben mit folgendem Antrag:
In Aufhebung der Verfügung vom 27. August 2010 bzw. des
Ein
spracheentscheides
vom 2
3.
Dezember 2010 seien der Beschwerde
führerin betreffend dem Unfallereignis vom 27. Juli 2010 die gesetz
lichen bzw. vertraglichen Leistungen aus der Unfallversicherung, insbesondere Taggeldleistungen und Übernahme der Behandlungs
kosten, zuzusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegeg
nerin
.
Die ÖKK liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 1. März 2011 (Urk. 2/6) auf Abweisung der Beschwerde schliessen.
Replicando
und
duplicando
liessen die Parteien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 2/13 und 2/17).
2.2
Mit Urteil vom 31. Mai 2012 (Urk. 2/20) wies das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde ab
(Prozess Nr. UV2011.00036)
. In teilweiser Gutheissung der dage
gen am 27. August 2012 von der Versicherten erhobenen Beschwerde in öffent
lich-rechtlichen Angelegenheiten (Urk. 2/22) hob das Bundesgericht mit Urteil 8C_641/2012 vom 14. Januar 2013 (Urk. 1) den Entscheid des
Sozialversiche
rungsgerichts
vom 31. Mai 2012 auf und wies die Sache an das hiesige Gericht zwecks Abnahme weiterer Beweise und zum neuen Entscheid zurück.
2.3
Mit Schreiben vom 31. Mai 2013 (Urk. 3) wurde die Leitung
des
Z._
um
Auskunft darüber ersucht, ob sie im Besitz irgend
welcher sachdienlicher Aufzeichnungen/Dokumentationen (etwa betreffend Medikamentenabgabe) sei und ob die von der Versicherten genannte Stations
schwester noch im Heim arbeite beziehungsweise ob diese irgendwelche Anga
ben machen könne. Mit Schreiben vom 19. Juni 2013 (Urk. 4) äusserten sich die Heimleiterin und die betreffende Pflegerin (Leiterin Pflege und Betreuung) dahingehend, dass sie keine Kenntnis über den Unfallhergang hätten und nicht wüssten, ob d
i
e Versicherte „eine Einzelverabreichung eines Medikaments“ erhalten habe.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2013 (Urk. 5) wurde den Parteien Frist zur Stel
lungnahme zum Bericht des Heims angesetzt. Gleichzeitig wurde ihnen Gele
genheit gegeben, Beweismittel (Dokumente und dergleichen) einzureichen oder Beweisanträge zu stellen. Die Versicherte wurde insbesondere aufgefordert, dem Gericht allfällige Zeugen oder Zeuginnen zu nennen, die den von ihr geschil
derten Sachverhalt bestätigen können. Dies wurde mit dem Hinweis ergänzt, dass das Gericht - wenn keine entsprechenden Beweismittel eingereicht werden oder Beweisanträge gestellt werden - davon ausgehe, dass auf weitere
Beweis
massnahmen
verzichtet werde.
Mit Eingabe vom 25. Oktober 2013 (Urk. 7) nahm die ÖKK Stellung. Die Versi
cherte liess sich trotz mehrfach erstreckter Frist (vgl. Urk. 8-9) nicht mehr ver
nehmen.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat
Körper
schädigungen
, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne unge
wöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten
Körper
schädigungen
ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.2.2
Bei unfallähnlichen Körperschädigungen nach
Art.
9
Abs.
2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers mit Ausnahme der Ungewöhn
lichkeit sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt dabei der Voraussetzung eines äusseren Ereignis
ses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv fest
stellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2). Wo ein solches Ereignis mit Ein
wirkung auf den Körper nicht statt
gefunden hat, und sei es auch nur als Aus
löser eines in Art. 9 Abs. 2
lit
. a
h UVV aufgezähl
ten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der in Art. 9 Abs. 2
lit
. a-h UVV enthaltenen
Gesund
heitsschäden
typischen Schmerzen gleichge
setzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen
Le
bensverrichtung
einhergeht, welche die versi
cherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein ge
wisses gesteigertes
Gefährdungspoten
zial
innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allge
mein gesteigerten Gefahrenlage vor
genommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absit
zen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen und so weiter einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist demgegenüber das Erfor
dernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach
unfallmedizi
nischer
Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinne der bisherigen Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse un
kontrollierbare Änderung der Körperlage im Sinne der von der Rechtspre
chung positiv beurteilten Sachverhalte (BGE 126 V 466 E. 2.2 und 4.2).
1.2.3
Im bereits erwähnten Entscheid BGE 129 V 468 hat das Eidgenössische
Versi
che
rungsgericht
seine Rechtsprechung zur unfallähnlichen
Körperschädi
gung
in Bezug auf die einzelnen „sinnfälligen Vorfälle“ kasuistisch zusammen
gestellt. Das Gericht hat das Vorliegen eines äusseren Faktors insbesondere in folgenden Fällen bejaht: Fehlschlag beim Fussballspiel; Aufhe
ben oder Ab
stel
len von Gewichten von 40 bis 50 kg; Verschieben eines schwe
ren Wäsche
korbes mit dem linken Fuss; Sprung von einer Verpackungskiste;
Misstritt
beim
Vol
ley
ballspiel
mit einschiessendem Zwick im linken Knie; Sprung aus einer Höhe von 60 cm aus einem Bahngepäckwagen; Zerrung der
Adduktoren
muskeln
im Rahmen eines Fussballtrainings; brüskes Umdrehen beim Kochen in Richtung Küchenschrank mit einschiessenden Schmerzen im Knie; Verstau
chung des Knöchels als Folge einer Rotationsbewegung (E. 4.1).
Hingegen verneinte das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht das Vorlie
gen eines äusseren Faktors etwa bei vermehrter Arbeitsbelastung, die zu einer kontinuierlichen Zu
nahme und Verschlechterung von Kniebeschwerden führten, bei wiederholten Anstrengun
gen (Arbeiten mit Hammer oder Bohrer) und beim Auftreten von Schmerzen „nachts bei Drehbewegungen und nach längerem Gehen“ (E. 4.1). Im Urteil U 148/04 vom
2.
Dezember 2004 E. 2.3 hatte das Eidgenössische Versicherungsgericht bezüglich eines Mannes das Anheben einer ca. 20 kg schweren Waage und anschliessendes Abdrehen zu beur
teilen; es hat erkannt, dass von einer im Rahmen der üblichen Arbeit und unter normalen Bedingungen erfolgten Bewegung auszugehen sei, sodass der äussere Faktor infolge fehlende
n gesteigerten
Schädigungspotenzial
s
und somit ein unfallähnliches Ereignis zu verneinen seien. Im Urteil 8C_656/2008 vom 1
3.
Februar 2009 E. 3.3 hat das Bundesgericht entschieden, beim Heben eines bepackten ca. 20 kg schweren Koffers durch eine Frau sei ein äusserer Faktor rechtsprechungsgemäss zu verneinen; es fehle an einem gesteigerten
Schädi
gungspotenzial
.
1.3
1.3.1
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im
Be
schwe
r
defall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener
Sachver
halts
darstel
lung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
Im
Sozialversiche
rungsrecht
besteht kein Rechtsgrundsatz des Inhalts, dass die Ver
waltung oder das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der versicherten Person zu ent
scheiden hätte (ARV 1990 Nr. 12).
1.3.2
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisfüh
rungslast
begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer,
Sozialversi
cherungsrecht
, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im
Sozi
al
versicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungs
grundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.3.3
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2/2) ihre Leistungspflicht im Wesentlichen mit der Begründung, dass sich am 27. Juli 2010 weder ein Unfall noch ein sinnfälliges, mithin unfallähnliches Ereignis ereignet habe. Ein Unfall oder ein unfallähnliches Ereignis sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Diesbezüglich führte die
Beschwer
degegnerin
aus, die Beschwerdeführerin habe das angebliche Ereignis unter
schiedlich geschildert. Sie habe nach der Zeugin, deren Einvernahme die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache beantragt habe, gesucht. Es habe aber keine Zeugin ermittelt werden können. Vielmehr hätten die Abklärungen erge
ben, dass das von der Beschwerdeführerin geschilderte Ereignis nicht stattge
funden habe. Im vorliegenden Prozess hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Auffassung fest (Urk. 2/6 und 2/17).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, sie habe am 27. Juli 2010 einen Unfall erlitten. Sie habe kurzfristig ihr Gleichge
wicht verloren, weil sie unabsichtlich in ein Loch in der Strasse getreten sei. Deshalb sei der von ihr geschobene Rollstuhl gegen ihr Knie gestossen. Somit liege ein Unfall im Rechtssinne vor. Sie habe sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben, weil sie nicht mehr habe gehen können; sie habe gestützt werden müssen. Anlässlich des Unfalles sei eine Pflegerin des Wohn- und Pfle
geheimes anwesend gewesen, die den Vorgang und die Verletzungsfolgen beo
bachtet habe. Selbst wenn man zu Unrecht annehmen wollte, es läge kein klas
sischer Unfall vor, wäre die Beschwerdegegnerin trotzdem leistungspflichtig, weil in diesem Fall von einer unfallähnlichen Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV auszugehen wäre. Zweifelsfrei habe die Beschwerdeführerin einen Meniskusriss und eine komplexe Läsion des lateralen Vorderhornes als Folge des Ereignisses vom 27. Juli 2010 erlitten. Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ergebe sich im einen wie im anderen Fall. Es sei nicht zutreffend, dass die Beschwerdeführerin das Unfallereignis widersprüchlich geschildert habe. Gemäss der Beweisregel der Aussage der ersten Stunde habe gerade die erste Unfallschilderung der Beschwerdeführerin besonderes Gewicht. Demzufolge sei von einem „Stolpern mit Ausfallschritt“ auszugehen. Das erfülle den Unfallbegriff (Urk. 2/1 und 2/13).
3.
3.1
3.1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zu Recht verneint hat, weil sich am 27. Juli 2010 kein Unfallereignis und auch kein unfallähnliches (sinnfälliges) Ereignis zugetragen hat beziehungsweise ein der
artiges Ereignis nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt ist.
3.1.2
Aufgrund der medizinischen Akten steht ausser Frage, dass die
Gesundheits
beein
trächtigung
der Beschwerdeführerin an ihrem linken Knie als sogenannte „Listenverletzung“ zu qualifizieren ist. Die von
Dr
.
A._
diagnosti
zierte
laterale Meniskusläsion (Urk. 2/7/5.1) fällt unter die in Art. 9 Abs. 2 UVV genannten Verletzungen (vgl. dazu oben E. 1.2.1). Das wurde auch von der
Be
schwer
degegnerin
zu Recht nicht in Zweifel gezogen (vgl. auch Urk. 2/7/11).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
selbst wenn kein Unfall im Rechtssinne vorläge - begründet wäre, wenn (mit überwiegender Wahrscheinlichkeit) zumindest von einem sinnfälligen Ereignis im Sinne des unter E. 1.2.2 und 1.2.3 Ausgeführten auszugehen wäre. Dann läge nämlich eine unfallähnliche Körperschädigung vor.
3.2
3.2.1
Die Beschwerdeführerin schilderte die Ereignisse vom 27. Juli 2010 folgender
massen:
-
Laut der Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 30. Juli 2010 (Urk. 2/7/2) gab die Beschwerdeführerin an, sich in einem Pflegeheim bei einem
Patien
tentransfer
verletzt zu haben.
-
I
n den
Bericht
en
vom 4. August 2010 (Urk.
2/7/5. und
2/7/5.1) von
Dr.
A._
findet
sich folgender anamnestischer Eintrag: „Am 27.07.10 bei [nach] der Arbeit als Pflegefachfrau Ausfallschritt links. Dabei plötzlich einschiessende Kniegelenksschmerzen links.“
-
In der Schadenmeldung vom 9. August 2010 (Urk. 2/7/1) findet sich fol
gende Sachverhaltsdarstellung: „Bin mit einer alten Frau im Rollstuhl auf der Strasse gegangen und bin schmerzhaft gestolpert. Seitdem kann ich nicht mehr laufen wegen starker Schmerzen im Knie und der Wade.“
-
Auf entsprechende Anfrage der Beschwerdegegnerin vom 20. August 2010
gab die Beschwerdeführerin folgende Sachverhaltsdarstellung ab (Urk. 2/7/8):
„Nach der Arbeit draussen Ausfallschritt links, als ich mit einer alten Frau im Rollstuhl auf der Strasse gefahren bin.“
-
Am 27. August 2010 erklärte die Beschwerdeführerin, der Rollstuhl sei rück
wärts gekommen und an ihr Knie gestossen (Urk. 2/7/11).
-
In der Folge ergänzte die Beschwerdeführerin die vormals gegenüber der Beschwerdegegnerin abgegebene Sachverhaltsdarstellung folgendermassen (Urk. 2/7/12 [Ergänzung von Urk. 2/7/8]): „Nach der Arbeit draussen
Aus
fallschritt
links, als ich mit einer alten Frau im Rollstuhl auf der Strasse gefahren bin. Tritt in ein nicht gesehenes Loch im Boden und Anprall des zurückrollenden Rollstuhles an li Knie.“
-
In ihrer Einsprache vom 27. September 2010 (Urk. 2/7/17 S. 2 f.; vgl. auch Urk. 2/1 S. 2 f.) liess die Beschwerdeführerin vortragen, sie habe am 27. Juli 2010 einen
Probetag
in einem Wohn- und Pflegeheim absolviert. Im Zuge der ihr dabei übertragenen Aufgaben beziehungsweise Tätigkeiten habe sie eine Patientin betreut und begleitet. Sie habe die sich im Rollstuhl befindli
che Patientin aufwärts geschoben, wobei sie ein sich auf dem Terrain befindliches Loch im Strassenbelag nicht erkannt habe. Sie sei in dieses Loch getreten und habe kurzzeitig ihr Gleichgewicht verloren. Sie habe mit dem Zwecke, sich aufzufangen, einen Ausfallschritt gemacht, wobei sie das Gewicht des rückwärtsrollenden Rollstuhls mit der sich darin befindlichen Patientin als Folge des Überraschungsmoments nicht mehr habe aufhalten können, weshalb sich der Rollstuhl ruckartig rückwärts bewegt habe und dabei gegen ihr linkes Knie gestossen sei.
3.2.2
Der Personalverantwortliche des Wohn- und Pflegeheims, bei welchem sich die Beschwerdeführerin am 27. Juli 2010 vorgestellt hatte, erklärte am 16. November 2010 telefonisch gegenüber der Beschwerdegegnerin, dass es keine Zeugin gebe. Es habe sich nichts ereignet. Die Beschwerdeführerin sei an diesem Tag mit einem Krampf im Bein in die Cafeteria gekommen und habe den ganzen Tag sitzend verbracht. Die Beschwerdeführerin habe versucht, Kontakt mit den Pflegerinnen aufzunehmen, um sich eine Zeugin zu beschaffen. Daraufhin sei sie telefonisch mit ihm verbunden worden. Sie habe ihm erklärt, sie sei mit einer Person im Rollstuhl spazieren gegangen und dabei in ein Loch getreten. Er habe ihr geantwortet, dass dies nicht der Wahrheit entspreche, da sie nie mit einer Patientin spazieren gegangen sei und es kein Loch auf dieser Strasse gebe. Daraufhin habe sie ihre Ausführungen korrigiert und meinte, sie sei doch in kein Loch getreten. Sie habe ihre Schilderung noch ein paar Mal korrigiert (Urk. 2/7/22).
Gleichentags sandte der Personalverantwortliche der Beschwerdegegnerin ein E
Mail (Urk. 2/7/23):
Frau
X._
hat bei uns im Frühdienst geschnuppert (das genaue Da
tum weiss ich nicht mehr). Gegen 10.30 Uhr sagte sie, dass sie einen Krampf in der Wade hätte und nicht mehr auftreten könne. Von diesem Zeitpunkt an hat Frau
X._
den Rest des
Schnupperta
ges
sit
zend verbracht. Frau
X._
war zu keinem Zeitpunkt mit einer Bewohnerin von uns spazieren. Weder innerhalb noch ausserhalb unserer Einrichtung.
Wochen später meldete [sich]
Frau
X._
telefonisch bei uns und er
zählte, sie hätte an ihrem Schnuppertag einen Unfall bei uns gehabt. Als ich sie fragte, was denn passiert sei, sagte sie, sie wäre bei einem Spaziergang mit einer Bewohnerin in ein Loch auf der Strasse direkt vor unserer Einrichtung getreten. Als ich ihr sagte, dass die Strasse vor unserer Einrichtung kein Loch habe und sie an dem Tag auch gar nicht mit einer Bewohnerin spazieren war, wurde Frau
X._
nervös und widersprach sich ständig. Aus dem „Loch in der Strasse“ wurde ein Ausfallschritt und eine ihrer letzten Aussagen war, dass der Roll
stuhl mit der Bewohnerin rückwärts in sie rein gefahren sei. Sie wollte von uns eine schriftliche Bestätigung ihres Unfallherganges haben, welche wir ihr konsequent verweigerten.
Wir wissen nicht, was mit Frau
X._
los
ist, können aber mit Be
stimmtheit sagen, dass es an ihrem Schnuppertag bei uns zu kei
nem wie von ihr geschilderten Unfall kam.
3.3
3.3.1
Die Beschwerdeführerin liess nicht nur in der Ein
sprache (Urk. 2/7/17 S. 6), son
dern auch in der Beschwerdeschrift (Urk. 2/1 S. 6) die Einvernahme einer angeblich beim von ihr geltend gemachten Unfallereignis anwesenden Pflegerin als Zeugin beantragen. Ihrer Ankündigung, den Namen der Zeugin nachzu
reichen, kam sie weder im
Einspracheverfahren
noch im vorliegenden Prozess nach. Auch die Bemühungen der Beschwerdegegnerin, Zeugen für das behaup
tete Ereignis zu finden (vgl. E. 3.2.2), waren insoweit ergebnislos. Vielmehr entstand durch die (telefonischen und schriftlichen) Aussagen des
Personalver
antwortlichen
des Wohn- und Pflegeheims (vgl. E. 3.2.2) der Eindruck, dass sich am 27. Juli 2010 gar kein relevantes Ereignis zugetragen hat.
3.3.2
Beim Aussageverhalten der Beschwerdeführerin beziehungsweise der Entwick
lung ihrer Sachverhaltsdarstellungen fällt auf, dass die Schilderungen nicht nur an Dramatik, sondern (namentlich in der Fassung ihres Rechtsvertreters) auch an Komplexität gewinnen.
Replicando
liess die Beschwerdeführerin vorbringen, dass die Beweisregel der Aussage der ersten Stunde im vorliegenden Fall den Ausschlag zu ihren Gunsten geben müsse (Urk. 2/13 S. 9). Die Beschwerdefüh
rerin verkennt dabei allerdings, dass der genannte Grundsatz eben nur im Regelfall gilt und dass in beweisrechtlicher Hinsicht nicht unbesehen auf die erste Aussage der versicherten Person abzustellen ist. Angesichts der diversen
Sach
verhaltsschilderungen
der Beschwerdeführerin, die sich zwar nicht direkt wider
sprechen, die aber - wie ausgeführt wurde - stets dramatischer und kom
plexer (und dem Unfallbegriff angepasster) wurden, sind ihre Aussagen mit Vorsicht zu würdigen. Es kann nicht ohne
Weiteres
darauf abgestellt werden, und zwar weder auf die ersten noch auf die nachfolgenden Schilderungen.
3.3.3
Vorliegend fällt in beweismässiger Hinsicht mindestens ebenso stark wie die Aussagen der Beschwerdeführerin ins Gewicht, dass der
Personalverantwortli
che
des Wohn- und Pflegheims mit Bestimmtheit dargelegt hat, dass die Be
schwerdeführerin nicht mit einer Patientin spazieren gegangen sei und dass sich vor dem Heim - entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführerin - kein Loch in der Strasse befinde (Urk. 2/7/23). Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb der Personalverantwortliche diesbezüglich die Unwahrheit sagen sollte. Im Gegensatz zur Beschwerdeführerin hat er kein Interesse am Ausgang des vorlie
genden Verfahrens. Schliesslich konnte der Sachverhalt auch nicht durch Zeugen weiter erhellt werden. Die von der Beschwerdeführerin angerufene angebliche Zeugin konnte nicht eruiert werden, und zwar weder von ihr selbst (beziehungsweise ihrem Rechtsvertreter) noch von der Beschwerdegegnerin.
3.3.4
Das Bundesgericht trug dem hiesigen Gericht im Rückweisungsentscheid vom 14. Januar 2013 (Urk. 1) auf, weitere Abklärungen vorzunehmen, insbe
sondere
C._
z
u befragen, da die Beschwerdeführerin geltend
gemacht habe, sie sei von
C._
nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens betreut und mit Medikamenten versorgt worden. Weiter sollten entsprechende Unter
lagen oder Dokumente (Aufze
ichnungen des Heims) beigezogen werden
. Erst wenn auch diese Abklärungen ergeben, dass nicht verlässlich auf ein sinnfälli
ges äusseres Ereignis geschlossen werden könne, sei ein solches und damit die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus unfallähnlicher Körperschädigung zu verneinen.
Mit Schreiben vom 31. Mai 2013 (Urk. 3) wurden der Leitung
des
Z._
diverse
Fragen gestellt,
namentlich ob
C._
immer
noch dort arbeite und ob irgendwelche sachdienlichen Aufzeichnungen oder Dokumentationen vorhan
den seien. Unter Bezugnahme auf dieses Schreiben beantworteten die Heimlei
terin,
D._
, und die
Leiterin Pflege und
Betreuung C._
die gestellten Fragen folgendermassen (Urk. 4):
Frau
X._
absolvierte am 27.07.2010 bei uns einen Schnuppertag und war nur etwa einen halben Tag im Haus.
Wir können den von Frau
X._
beschriebenen
Unfallhergang nicht bezeugen, da sie zum Zeitpunkt des geschilderten Vorfalls nicht in Begleitung einer unserer Mitarbeiter unterwegs war.
Frau
C
._
kann nicht mehr nachvollziehen, ob im Falle von Frau
X._
eine
Einzelverabreichung eines Medika
ments erfolgt ist.
Die Beschwerdeführerin verzichtete - wie ausgeführt - in der Folge darauf, zu diesem Schreiben Stellung zu nehmen. Die ihr mit Verfügung vom 2. Oktober 2013 (Urk. 5) angesetzte Frist, um Beweismittel (Dokumente und dergleichen) einzureichen oder Beweisanträge zu stellen, liess sie - nach mehrfach erstreckter Frist (vgl. Urk. 8-9) - unbenützt verstreichen. In der genannten Verfügung war sie insbesondere aufgefordert worden, dem Gericht allfällige Zeugen oder Zeu
ginnen zu nennen, die den von ihr geschilderten Sachverhalt bestätigen kön
nen. Sie war zudem darauf hingewiesen worden, dass das Gericht, falls binnen angesetzter Frist keine entsprechenden Beweismittel eingereicht oder Beweisan
trage gestellt würden, davon ausgehe, dass auf weitere Beweismassnahmen ver
zichtet werde.
Angesichts
der oben wiedergegebenen Aussage von
C._
, dass sie sich nicht mehr an eine Einzelverabreichung eines Medikaments an die Beschwer
deführerin erinnern beziehungsweise dies nicht mehr nachvollziehen könne, ist nicht
ersichtlich, zu welche weiteren Erkenntnissen eine formelle Einvernahme von
C._
führen
könnte. Da
auch die - rechtskundig vertretene - Be
schwerdeführerin nicht (mehr) auf einer formellen Einvernahme von
C._
bestand, sondern vielmehr aufgrund der Säumnis der Beschwerdeführe
rin
androhungsgemäss Verzicht auf weitere Beweismassnahmen anzunehmen ist, kann im vorliegenden Fall auf die entsprechende Zeugeneinvernahme ver
zichtet werden.
Aus dem zitierten Schreiben des
Z._
(Urk. 4)
ist weiter zu schliessen
, dass keine sachdienlichen Aufzeichnungen oder Doku
mentationen vorhanden sind, die etwa eine Medikamentenabgabe oder derglei
chen belegen könnten.
Es ist nicht ersichtlich, wie sich der Sachverhalt weiter klären liesse. Auch die Beschwerdeführerin liess - wie ausgeführt - keine Beweisanträge mehr stellen.
3.4
Ob sich am 27. Juli 2010 tatsächlich ein Unfall oder zumindest ein
unfallähnli
ches
, sinnfälliges Ereignis zugetragen hat, ist durch die Akten nicht belegt. Es spricht mindestens so viel dagegen wie dafür. Letztlich kann aber offen bleiben, ob es gemäss herrschender Aktenlage sogar überwiegend wahrscheinlich ist, dass sich am 27. Juli 2010 kein rechtlich relevantes Ereignis zugetragen hat, oder ob beide Möglichkeiten gleich wahrscheinlich sind. Streitentscheidend ist jedenfalls, dass sich der Sachverhalt nicht mehr weiter erhellen lässt und dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass
sich
am 27. Juli 2010 ein Unfall oder ein unfallähnliches Ereignis
ereignet
hat
. Die Folgen dieser Beweislosigkeit wirken sich zu Lasten der Beschwerdeführerin aus (Art. 8 des Zivilbesetzbuches analog).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.