Decision ID: 45d55255-1f60-5d50-8df9-b7c0b5d47d05
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) und dessen Ehefrau
B._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) – syrische Staatsange-
hörige kurdischer Ethnie aus Qamishli in der Provinz al-Hasakah – suchten
zusammen mit ihrem ersten gemeinsamen Kind am 5. Oktober 2016 im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in E._ um Asyl
nach. Dort wurden sie am 14. Oktober 2016 getrennt zu ihrer Person, zu
ihrem Reiseweg und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung
zur Person [BzP]). Am 9. März 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer
und am 3. Mai 2018 die Beschwerdeführerin vertieft zu ihren Asylgründen
an (Anhörung).
A.b In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund und zu seinen Gesuchs-
gründen brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, im Jahr 2008
– nach Abschluss der Matura – den regulären Wehrdienst für die syrische
Armee absolviert zu haben. In der Folge habe er in F._ unter ande-
rem als (...) an einer staatlichen (...) gearbeitet. Im Januar 2015 sei er von
der YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) aufgefor-
dert worden, Militärdienst zu leisten. Um seinen Arbeitsplatz nicht zu ge-
fährden, sei er zum Aushebungsbüro der YPG gegangen und habe seinen
Dienstantritt um sechs beziehungsweise acht Monate verschieben können.
Im November 2015 habe er erneut versucht, seinen Dienstantritt zu ver-
schieben, da seine Ehefrau schwanger gewesen sei. Gegen seinen Willen
sei er sogleich eingezogen worden. Nach fünfzehn Tagen im Ausbildungs-
lager habe seine Ehefrau durch eine Geldzahlung erwirken können, dass
er für fünf Tage Urlaub bekomme. Während seines Urlaubs habe er eine
Bestätigung des (...)vereins in F._ erhältlich machen können, so-
dass sein Dienstantritt erneut um sechs Monate verschoben worden sei.
Im Dezember 2015 sei er sodann von der syrischen Armee in den aktiven
Reservedienst einberufen worden. Die Reservistenkarte sei seiner Ehefrau
in seiner Abwesenheit von einem Polizisten ausgehändigt worden, wobei
sie habe unterschreiben müssen. Aus Furcht um sein Leben sei er – zu-
sammen mit seiner Ehefrau – gleichentags zum (...) derselben innerhalb
von Qamishli geflohen und nicht mehr zur Arbeit gegangen, sondern habe
stattdessen ihre Ausreise organisiert. Am 24. Januar 2016 seien sie
schliesslich mit Hilfe eines Schleppers auf dem Landweg illegal aus Syrien
ausgereist. In der Folge hätten sie sieben oder acht Monate illegal in
G._ gelebt, bevor sie nach H._ und einen Monat später in
die Schweiz weitergereist seien.
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A.c Die Beschwerdeführerin brachte ihrerseits vor, ab dem Jahr 2013 im
Dorf I._ als (...) gearbeitet zu haben. Gegen Ende des Jahres 2015
sei sie ins Dorf J._ versetzt worden, welches unter der Herrschaft
des sogenannten «Islamischen Staates» gestanden habe. Sie sei zu die-
sem Zeitpunkt schwanger gewesen und habe sich – aus Angst um ihr Le-
ben – beurlauben lassen. Im Übrigen bestätigte sie im Wesentlichen die
Vorbringen ihres Ehemannes, welche auch zu ihrer Flucht geführt hätten.
A.d Zum Nachweis ihrer Identität reichten sie den syrischen Reisepass der
Beschwerdeführerin, ihre syrischen Identitätskarten, ihr Familienbüchlein,
ihren Eheschein, ihre Gesundheitsbüchlein, ihre Gesundheitsversiche-
rungskarten, diverse Ausbildungsbestätigungen, diverse Dokumente be-
treffend ihre Tätigkeit als (...) sowie den Impfausweis ihres ersten Kindes
(jeweils im Original) zu den Akten.
A.e Zur Stützung ihrer Vorbringen legten sie – den Beschwerdeführer be-
treffend – das Dienstbüchlein der YPG, die Bestätigung der YPG betreffend
die Verschiebung des Dienstes, das Militärbüchlein der syrischen Armee,
eine Bestätigung der syrischen Armee betreffend den Abschluss des regu-
lären Militärdienstes sowie eine Reservistenkarte der syrischen Armee (je-
weils im Original) ins Recht.
B.
Am (...) wurde das zweite gemeinsame Kind geboren.
C.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 – tags darauf eröffnet – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden und ihre Kinder erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und wies sie aus der
Schweiz weg. Den Vollzug der Wegweisung bezeichnete es jedoch als un-
zumutbar, weshalb es die vorläufige Aufnahme anordnete.
D.
Mit Eingabe vom 2. März 2020 erhoben die Beschwerdeführenden gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihnen unter Zu-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter
seien sie als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Subventualiter sei die Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
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führung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-
wie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechts-
beistand.
Der Beschwerde beigelegt waren – nebst einer Kopie der angefochtenen
Verfügung, Vollmachten vom 24. Februar 2020, einer Fürsorgeabhängig-
keitsbestätigung vom 18. Februar 2020 sowie einer Kostennote des
Rechtsvertreters vom 2. März 2020 – bereits aktenkundige Beweismittel
(vgl. oben, Bst. A.e) und das Dienstbüchlein der YPG mit Erläuterungsno-
tizen (jeweils in Kopie).
E.
Mit Schreiben vom 3. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind als Ver-
fügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Frage nach der
Flüchtlingseigenschaft, der Asylpunkt sowie die Wegweisung als solche.
Der Wegweisungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die
Beschwerdeführenden und ihre Kinder in der Schweiz vorläufig aufgenom-
men hat.
2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.4 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine
Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub-
jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss von Asyl,
unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-
setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen,
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die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden weder den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG, noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
Im Einzelnen führte sie aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüg-
lich der geltend gemachten Aufforderung zum Militärdienst durch die YPG
seien in wesentlichen Punkten widersprüchlich ausgefallen. So habe er un-
terschiedliche Angaben hinsichtlich der Verschiebungsdaten gemacht. In
der Anhörung habe er zunächst angegeben, sein Dienst sei im Januar 2015
um sechs Monate verschoben worden. Auf entsprechende Nachfrage habe
er im Gegensatz hierzu erklärt, es seien acht Monate gewesen, wobei er
diesen Widerspruch nicht plausibel habe erklären können. Die Zweifel an
einer Rekrutierung durch die YPG würden ferner dadurch untermauert,
dass er oberflächliche Ausführungen zu seinem fünfzehntägigen Dienst ge-
macht habe. Nach dem Tagesablauf befragt, habe er unter anderem ange-
geben, zwischen den Mahlzeiten jeweils an der Waffe ausgebildet worden
zu sein und einen Disziplinarmarsch absolviert zu haben. Von jemandem,
der fünfzehn Tage in einem Ausbildungslager verbracht habe, hätte man
eine detaillierte Beschreibung seines Tagesablaufes erwarten können. So-
dann wolle er nicht gewusst haben, wer im Lager die Verantwortung getra-
gen habe.
Ferner fehle es den Ausführungen des Beschwerdeführers an konkreten
und substantiierten Hinweisen darauf, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise
in den aktiven Reservedienst der syrischen Armee aufgeboten worden
wäre. An dieser Feststellung vermöge auch das eingereichte Beweismittel
– namentlich die Reservistenkarte – nichts zu ändern. Das Dokument
weise keinerlei fälschungssichere Merkmale auf. Es sei allgemein bekannt,
dass in Syrien praktisch jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben
werden könne. Als entsprechend gering sei die Beweiskraft solcher Doku-
mente (inklusive Reisepässe, Militärbüchlein und militärische Aufgebote)
einzustufen. Des Weiteren sei festzuhalten, dass die Reservistenkarte un-
abhängig von deren Beweiskraft nicht geeignet sei, eine Einberufung in
den aktiven Reservedienst zu belegen. So gehe aus ihr zwar hervor, dass
man den militärischen Grundwehrdienst der syrischen Armee geleistet
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habe und in der Folge der Reserve zugeteilt worden sei. Bei einer Reser-
vistenkarte handle es sich jedoch nicht um eine Vorladung, sondern um
eine reine Bestätigung, als Reservist eingeteilt zu sein und unter gegebe-
nen Umständen einrücken zu müssen. Dies gehe bereits aus dem Wortlaut
der Reservistenkarte hervor, wonach sich die betreffende Person erst nach
Erhalt einer Vorladung oder einer entsprechenden medialen Mitteilung
beim zuständigen Aushebungsbüro zu melden habe. Die Reservistenkarte
verbleibe im Militärdienstbüchlein des der Reserve zugeteilten Reservis-
ten. Insofern der Beschwerdeführer anhand der Reservistenkarte belegen
wolle, in den aktiven Reservedienst aufgeboten worden zu sein bezie-
hungsweise ebendiese Karte als eigentliche Vorladung darstelle, könne
seine Sachverhaltsdarstellung nicht geglaubt werden. Im Übrigen könne
allein der Umstand, dass er seinen Heimatstaat im Status eines Reservis-
ten verlassen habe, nicht als Dienstverweigerung oder Desertion erachtet
werden.
Schliesslich handle es sich bei den Vorbringen der Beschwerdeführerin
hinsichtlich ihres Arbeitsortes in einem vom sog. «Islamischen Staat» be-
setzten Gebiet zwar durchaus um schwierige Lebensumstände, diese wür-
den aber nicht die erforderliche Intensität erreichen, ein menschenwürdi-
ges Leben im Verfolgerstaat zu verunmöglichen.
5.2 Demgegenüber wandten die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmit-
teleingabe ein, die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu
restriktiv gehandhabt. Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer-
deführers sei bei einer Gesamtbetrachtung seiner Aussagen zu bejahen.
Seine Vorbringen habe er mit zahlreichen Beweismitteln untermauert, ins-
besondere mit dem Dienstbüchlein der YPG und der Reservistenkarte der
syrischen Armee. Sowohl er als auch die Beschwerdeführerin hätten
durchgehend und konsequent ausgeführt, dass das erste Aufgebot der
YPG im Januar 2015 und das zweite im November 2015 erfolgt sei. Insbe-
sondere hätten beide den Ablauf der zweiten Rekrutierung praktisch iden-
tisch und lebensnah schildern können. Der Umstand, dass der Beschwer-
deführer erklärt habe, den Dienst im Januar 2015 das erste Mal um sechs
Monate verschoben zu haben, stelle offensichtlich eine Verwechslung dar,
da er im November 2015 den Dienst gemäss dem eingereichten Militär-
dienstbüchlein ein zweites Mal um sechs Monate habe verschieben kön-
nen. Es gehe damit nicht an, aufgrund der offensichtlichen Verwechslung
der Zeitdauern auf die Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens zu schliessen.
Darüber hinaus sei er durchaus in der Lage gewesen, den Tagesablauf im
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Rahmen des fünfzehntägigen Dienstes bei der YPG konkret und ausführ-
lich zu schildern, was bereits aus der Zusammenfassung der Vorinstanz
deutlich werde. Des Weiteren habe er einen subjektiven Vergleich anstel-
len können zwischen dem Dienst bei der YPG und demjenigen bei der sy-
rischen Armee. So habe er erklärt, dass der Dienst bei der YPG einfacher
gewesen sei und sich auf die Handhabung des Gewehrs beschränkt habe.
Auch habe er von dem weniger erniedrigenden Umgang als in der syri-
schen Armee berichtet. Diese subjektiven Beobachtungen und damit ver-
bundenen Wertungen stellten gewichtige Realkennzeichen dar. Des Wei-
teren habe er plausibel erklärt, dass nicht bekannt gegeben worden sei,
wer die Führung im Lager innegehabt habe, und er dieser Frage nicht spe-
zifisch nachgegangen sei. Sodann hätten die Beschwerdeführenden auch
den Ablauf der Einberufung in den aktiven Reservedienst der syrischen Ar-
mee – die Aushändigung des Dienstaufgebots durch einen Polizisten an
die Beschwerdeführerin inklusive Unterschrift derselben – übereinstim-
mend darlegen können. Diese Erzählungen würden nur schon vor dem
Hintergrund von Länderberichten plausibel erscheinen und deckten sich
sodann auch mit dem von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) be-
schriebenen Vorgehen des syrischen Regimes bei der Einberufung von
Reservisten. Gemäss letzterer hätten die syrischen Behörden im Jahr 2015
noch immer in der Stadt Qamishli rekrutiert, wobei das lokale Rekrutie-
rungsbüro einen lokalen Polizisten zur Adresse des Reservisten beordert
habe und – sofern dieser nicht erreichbar gewesen sei – ein Familienmit-
glied aufgefordert worden sei, den Antrag zu unterschreiben. Diesbezüg-
lich werde auf die SFH-Berichte «Syrien: Präsenz des syrischen Regimes
in Al-Qahtanyia, Rekrutierung durch die syrische Regierung in den von der
PYG verwalteten Gebieten, insbesondere in der Provinz Al-Hasaka» vom
26. Februar 2016, «Syrien: Vorgehen der syrischen Armee bei der Rekru-
tierung» vom 18. Januar 2018 sowie «Syrien: Rekrutierung in Qamishli und
Verfolgung von Familienangehörigen» vom 26. Februar 2019 verwiesen.
Entsprechend vermöge das pauschale Argument der Vorinstanz, dass in
Syrien viele Dokumente käuflich erwerbbar seien, die glaubhaften Schilde-
rungen des Beschwerdeführers nicht umzustossen. Der Umstand, dass die
Bürokratie in Syrien unter dem andauernden Bürgerkrieg leide, könne ihm
nicht vollends angelastet werden. Weiter handle es sich vorliegend ledig-
lich um eine nicht belegte Vermutung der Vorinstanz. Diese habe keinerlei
Indizien vorgebracht, welche darauf hindeuten würden, dass der Be-
schwerdeführer das Dienstaufgebot gekauft oder gar selbst hergestellt ha-
ben könnte. Das eingereichte Dienstaufgebot sei vielmehr geeignet, die
Vorbringen des Beschwerdeführers zu untermauern, indem auf der Reser-
vistenkarte folgendes geschrieben sei: «Zum Soldaten A._: Sie
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müssen zum Aushebungsbüro.» Damit habe er seine Rekrutierung für den
aktiven Reservedienst glaubhaft machen können.
Sodann hätten sie nachweisen können, aufgrund ihrer Ethnie und der da-
mit einhergehenden Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
und ihrer politischen Anschauungen an Leib und Leben sowie in ihrer Frei-
heit gefährdet zu sein. Der Beschwerdeführer habe sich durch seine Flucht
dem kurdischen Wehrdienst der YPG verweigert. Erschwerend komme
hinzu, dass er bereits in der Vergangenheit gewaltsam und gegen seinen
Willen von der YPG rekrutiert worden sei. Seine Opposition dagegen sei
wirkungslos gewesen und es könne angenommen werden, dass er
dadurch bereits negativ aufgefallen sei. Deshalb sei davon auszugehen,
dass er bei einer allfälligen Rückkehr nach Syrien mit einer Inhaftierung,
Gewaltanwendung und Zwangsrekrutierung durch die YPG zu rechnen
habe. Ferner habe sich der Beschwerdeführer – welcher durch seine
frühere Tätigkeit als Staatsangestellter als Regimegegner eingestuft werde
– durch seine Flucht auch dem Reservedienst der syrischen Armee ver-
weigert. Hierfür würde er als Regimegegner unverhältnismässig hoch be-
straft respektive einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt. Weiter be-
stünde die Gefahr einer Zwangsrekrutierung und der Verstrickung in völ-
kerrechtlich verpönte Handlungen. Des Weiteren hätten die Beschwerde-
führerin und die gemeinsamen Kinder aufgrund der Wehrdienstverweige-
rung ihres Ehemannes respektive Vaters begründete Furcht vor einer Re-
flexverfolgung durch die syrischen Behörden. Darüber hinaus hätten die
Beschwerdeführenden und ihre Kinder eine Reflexverfolgung aufgrund ih-
rer in der Schweiz lebenden (...) respektive (...) respektive (...) (K._
[N {...}], L._ [N {...}] und M._ [N {...}]) zu befürchten. Diese
seien ebenfalls Wehrdienstverweigerer beziehungsweise Deserteure und
lebten alle als anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz. Darüber hinaus seien
sie auch durch ihr politisches Engagement für die Kurden ins Visier der
syrischen Behörden geraten. Die Beschwerdeführenden hätten während
ihres bisherigen Aufenthaltes in der Schweiz viel Zeit mit ihren Angehörigen
verbracht, womit sich ihr Risikoprofil noch verstärkt habe. Bei einer allfälli-
gen Rückkehr würden sie deshalb mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit von den syrischen Behörden festgenommen und verhört,
wobei ihnen Folter und Misshandlungen drohten. Dies insbesondere des-
halb, weil der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit im Zusam-
menhang mit den obgenannten (...) von den syrischen Behörden befragt
und bedroht worden sei. Ausserdem seien sie aufgrund ihrer kurdischen
Ethnie einer gezielten Verfolgung ausgesetzt, was sich mit der türkischen
Offensive in Nordsyrien zusätzlich verschärft habe. Schliesslich werde das
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Seite 10
illegale Ausreisen und das Stellen eines Asylantrages im Ausland in Syrien
als politische Opposition und Form der Regimekritik angesehen.
Da sie die Flüchtlingseigenschaft erfüllten, verstosse der Vollzug ihrer
Wegweisung gegen Art. 33 FK, Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]
und sei daher unzulässig.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die vorinstanzliche Verfügung im Ergebnis zu bestätigen ist.
Die eingereichten Beweismittel (vgl. Prozessgeschichte, Bst. D.) und die
Ausführungen auf Beschwerdeebene führen zu keiner anderen Betrach-
tungsweise.
6.2 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass vorliegend darauf verzichtet
werden kann, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Zwangsrekrutie-
rung respektive die Furcht vor einer politisch motivierten Bestrafung infolge
Wehrdienstverweigerung durch die YPG zu beurteilen, da selbst bei Wahr-
heitsunterstellung die Asylrelevanz zu verneinen ist. Diesbezüglich ist auf
das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5329/2014 vom
23. Juni 2015 hinzuweisen. Demnach ist mangels ernsthafter anderweiti-
ger Anhaltspunkte davon auszugehen, dass auch im heutigen Kontext
zwar Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen, eine
Weigerung aber keine flüchtlingsrechtlich relevanten Sanktionen nach sich
ziehen würde (statt vieler Urteil des BVGer D-1794/2020 vom 5. Juni 2020
E. 7.4). Hinzu kommt, dass selbst unter der Annahme, es komme zu Be-
strafungen erheblicher Schwere, deren zugrundeliegende Motivation wohl
flüchtlingsrechtlich nicht relevant wäre, zumal die Quellenlage – entgegen
der Beschwerde – nicht darauf hindeutet, Refraktäre im Zusammenhang
mit den YPG würden als «Staatsfeinde» betrachtet und daher einer poli-
tisch motivierten drakonischen Bestrafung zugeführt (vgl. Urteil des BVGer
D-23/2018 vom 20. Juli 2018 E. 6.9). In Ermangelung eines asylrelevanten
Verfolgungsmotivs wäre eine allenfalls drohende Bestrafung somit lediglich
unter dem Aspekt der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs relevant, welcher aufgrund der in der vorinstanzlichen
Verfügung angeordneten vorläufigen Aufnahme hier allerdings nicht Pro-
zessgegenstand ist (vgl. auch Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni
2015 E. 5.3, vgl. auch vorne E. 2.1).
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Seite 11
6.3 Die Vorinstanz erachtete die Einberufung des Beschwerdeführers in
den aktiven Reservedienst durch die syrische Armee als nicht glaubhaft.
Diesen Erwägungen kann in dieser Form nicht gefolgt werden.
6.3.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zu Recht geltend
machte, seine diesbezüglichen Schilderungen würden gewisse Realkenn-
zeichen enthalten (vgl. SEM-Akten C22/21 F30, F83-86, F95-99) und mit
den Ausführungen der Beschwerdeführerin übereinstimmen (vgl. SEM-Ak-
ten C24/16 F57-70). Nach Erkenntnissen des Gerichts ist ausserdem nicht
ausgeschlossen, dass vereinzelte behördliche Repräsentanten des staat-
lichen syrischen Regimes Ende 2015 in der Stadt Qamishli noch Versuche
unternahmen, durch die Zustellung von schriftlichen Aufgeboten in gewis-
sen Fällen Rekrutierungen für die staatliche Armee durchzuführen (vgl.
dazu D-4613/2017 vom 19. März 2019 E. 6.1.1 m.w.H.).
6.3.2 Sodann handelt es sich bei dem vom Beschwerdeführer eingereich-
ten Aufgebot für den Reservedienst (Beweismittel Nr. 12) – unabhängig
von dessen Beweiskraft – um ein personifiziertes, von Hand ausgefülltes
Dokument. Es ist an den dienstpflichtigen Reservisten A._ gerich-
tet. Gemäss der Übersetzung anlässlich der Anhörung ist darauf vermerkt,
dass sich der Beschwerdeführer «sofort» melden müsse (vgl. SEM-Akten
C22/21 F4). Dies ist als konkrete Aufforderung zu verstehen, die dem all-
gemeinen Aufruf vorgeht. Um eine übliche blosse Reservistenkarte handelt
es sich bei diesem Dokument folglich nicht.
6.3.3 Die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Rekrutierung in den akti-
ven Reservedienst respektive der Wehrdienstverweigerung an sich kann
im vorliegenden Fall letztlich offen bleiben: Die Pflicht zur Leistung von Mi-
litärdienst ist – ebenso wie allfällige Sanktionierungen für den Fall einer
Missachtung der Dienstpflicht durch eine Wehrdienstverweigerung oder
Desertion – praxisgemäss flüchtlingsrechtlich nicht beachtlich, solange
entsprechende Massnahmen nicht darauf abzielen, einem Wehrpflichtigen
aus einem der in Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG genannten Gründe ernsthafte
Nachteile zuzufügen (vgl. BVGE 2015/3 E. 5; zudem u.a. Urteil des BVGer
D-4482/2018 vom 12. Oktober 2018 E. 5.3). Bezogen auf die spezifische
Situation in Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzun-
gen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdi-
schen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und
bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen
Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.3; be-
stätigt im Urteil des BVGer E-2188/2019 vom 30. Juni 2020 [zur Publikation
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Seite 12
vorgesehen]). Im vorliegenden Fall ist eine solche Konstellation indessen
zu verneinen.
Der Beschwerdeführer ist zwar kurdischer Ethnie, ihm ist es aber nicht ge-
lungen, substantiiert darzutun, dass er einer oppositionell aktiven Familie
angehören würde. Auch machte er im vorinstanzlichen Verfahren nicht gel-
tend, je irgendwelche Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt
oder sich politisch betätigt zu haben beziehungsweise diesen in irgendei-
ner Weise aufgefallen zu sein (vgl. SEM-Akten A5/12 Ziff. 7.01; C22/21
F30-31, F123). Entsprechend findet das erstmals auf Beschwerdeebene
geäusserte Vorbringen, im Zusammenhang mit seinen in der Schweiz le-
benden (...) K._ (N [...]), L._ (N [...]) und M._ (N [...])
von den syrischen Behörden wiederholt behelligt worden zu sein, in den
Protokollen keine Stütze. Vielmehr war er bis kurz vor seiner Ausreise als
Staatsangestellter tätig (vgl. SEM-Akten A5/12 Ziff. 1.17.05; C22/21 F16-
24). Schliesslich lässt auch allein die Tatsache, dass der Beschwerdeführer
in seiner Eigenschaft als Staatsangestellter unerlaubterweise ausgereist
ist, nach Ansicht des Gerichts nicht darauf schliessen, dass ihn die syri-
schen Sicherheitsbehörden als Regimegegner identifiziert hätten, liess er
sich doch bis zum Verlassen seiner Heimat offensichtlich kein Fehlverhal-
ten zuschulden kommen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuwei-
sen, dass praxisgemäss bei solchen Verfehlungen lediglich Bussen ausge-
sprochen würden (vgl. dazu BVGer D-4493/2015 und D-254/2016 vom
7. Juli 2016 E. 7.3; D-1948/2015 vom 19. April 2016 E. 6.3; D-5512/2014
vom 2. März 2016 E. 6.3). Selbst wenn der Tatbestand der Dienstverwei-
gerung erfüllt sein sollte, ist somit nicht davon auszugehen, dass er im Falle
einer Festnahme durch die syrischen Behörden mit einer politisch motivier-
ten Bestrafung oder Behandlung rechnen müsste, die einer flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichzusetzen
wäre (vgl. etwa auch Urteile des BVGer D-783/2018 vom 14. März 2018
E. 5.1 und D-3185/2016 vom 30. November 2017 E. 4.1.4). Nach dem Ge-
sagten haben die Beschwerdeführerin und die Kinder bei einer allfälligen
Rückkehr auch keine asylrelevante Reflexverfolgung aufgrund der allen-
falls vorliegenden Wehrdienstverweigerung ihres Ehemannes respektive
Vaters zu befürchten.
6.4 Was das allfällige Bestehen einer Reflexverfolgung durch die syrischen
Behörden wegen der Verwandtschaft der Beschwerdeführenden zu den
obgenannten in der Schweiz lebenden (...) respektive (...) respektive (...)
K._ (N [...]), L._ (N [...]) und M._
(N [...]) betrifft, ist Folgendes festzuhalten:
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6.4.1 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Behelligungen von Angehö-
rigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die Behörden einer ge-
suchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder
schlechthin von deren politischen Exponiertheit auf eine solche auch bei
Angehörigen schliessen. Die Verfolgung von Angehörigen vermeintlicher
oder wirklicher politischer Oppositioneller durch die syrischen Behörden ist
durch diverse Quellen dokumentiert. Es lassen sich unterschiedliche Mo-
tive für die Verfolgung von Angehörigen politischer Oppositioneller erken-
nen. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt, um eine Person für
ihre oppositionelle Gesinnung oder ihre Desertion zu bestrafen, um Infor-
mationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen, um eine Per-
son zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein Geständnis zu er-
zwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um Angehörige für
eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, die ihnen aufgrund
ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen Oppositionellen zugeschrie-
ben wird (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer D-7317/2015 vom 26. März
2018 E. 6.2 m.w.H. oder etwa auch Urteil des BVGer D-2037/2016 vom
23. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.).
6.4.2 Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihren erstmals auf Be-
schwerdeebene gemachten Ausführungen zum Vorliegen einer Reflexver-
folgung in keiner Weise darzutun, inwiefern sich die politische Gesinnung
ihrer in der Schweiz lebenden (...) respektive (...) auf ihre Ausreise aus dem
Heimatstaat hätte auswirken sollen oder weshalb dadurch eine Reflexver-
folgung vorliegen könnte, nachdem sie im vorinstanzlichen Verfahren kei-
nerlei entsprechende behördliche Benachteiligungen geltend gemacht ha-
ben (vgl. oben E. 6.3 sowie SEM-Akten A7/10 Ziff. 7.01; C24/16 F46-47).
Dass sich die Situation zwischenzeitlich massgeblich verändert hätte und
die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr mit Reflexverfolgungs-
massnahmen wegen der politischen Gesinnung ihrer in der Schweiz leben-
den (...) respektive (...) respektive (...) zu rechnen hätten, ist nicht ersicht-
lich und wird auch in der Beschwerdeschrift nicht weiter dargetan. Im Übri-
gen ergeben sich aus deren Asylakten, welche das Gericht der Vollstän-
digkeit halber beigezogen hat, keine Anhaltspunkte, welche die Annahme
einer asylrelevanten Reflexverfolgung der Beschwerdeführenden und ihrer
Kinder stützen würden.
6.5 Weiter genügt – entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen An-
sicht – die Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie allein nicht, eine flüchtlings-
rechtlich relevante individuelle Verfolgung anzunehmen. Gemäss gelten-
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der Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen, dass syrische Staatsan-
gehörige kurdischer Ethnie im heutigen Zeitpunkt in besonderer und ge-
zielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart weiten und umfassen-
den Ausmass unter Anfeindungen zu leiden hätten, dass von einer Kollek-
tivverfolgung ausgegangen werden müsste. Auch unter dem Gesichts-
punkt der heute veränderten Lage, insbesondere seit dem Einmarsch der
türkischen Sicherheitskräfte und der verbündeten islamistischen Milizen in
Nordsyrien, ist nicht davon auszugehen, dass sämtliche in Syrien und ins-
besondere in Nordsyrien verbliebenen Kurdinnen und Kurden derzeit eine
objektiv begründete Furcht vor einer Verfolgung hätten (vgl. Urteile des
BVGer D-6431/2019 vom 16. März 2020 E. 5.2.3, E-937/2017 vom 16. Ja-
nuar 2020 E. 6.3, D-5367/2019 vom 2. Dezember 2019 E. 6.4). Der bür-
gerkriegsbedingten Gefährdungslage und der fortbestehenden Volatilität
und Dynamik der Entwicklung in Syrien wurde von der Vorinstanz im Rah-
men des Wegweisungsvollzugs respektive der in diesem Zusammenhang
angeordneten vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden und ihrer
Kinder Rechnung getragen.
6.6 Entgegen den Beschwerdevorbringen ist schliesslich festzuhalten,
dass eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung der Beschwerdeführen-
den allein aufgrund der illegalen Ausreise aus Syrien und der Asylgesuch-
stellung in der Schweiz gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3
[als Referenzurteil publiziert]) nicht anzunehmen ist, weshalb das Vorliegen
subjektiver Nachfluchtgründe zu verneinen ist.
6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden
nichts vorgebracht haben, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat
ihre Asylgesuche daher zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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8.
Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung
beziehungsweise für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme – Unzuläs-
sigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit (Art. 83 Abs. 1 AIG, SR
142.20) sind alternativer Natur (vgl. BVGE 2011/7 E. 8 m.w.H.). Nachdem
die Vorinstanz die Beschwerdeführenden und ihre Kinder mit Verfügung
vom 29. Januar 2020 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in
der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, erübrigen sich praxisgemäss wei-
tere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihre Rechtsbegehren
jedoch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet werden konnten
und sie aufgrund der vorgelegten Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung als
bedürftig anzusehen sind, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind
somit keine Verfahrenskosten zu erheben. Der Antrag auf Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses erweist sich mit dem vorliegenden
Endentscheid als gegenstandslos.
10.2 Damit sind auch die Voraussetzungen für eine amtliche Rechtsverbei-
ständung, welche sich vorliegend nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG beurteilt,
erfüllt und das entsprechende Gesuch ist unter Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters gutzuheissen. Rechtsanwalt Bernhard Jüsi ist ein ent-
sprechendes Honorar zulasten des Gerichts auszurichten. Die Festset-
zung des Honorars erfolgt gemäss Art. 12 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) in sinngemässer Anwendung von
Art. 8-11 sowie Art. 14 VGKE. Die am 2. März 2020 eingereichte Kosten-
note weist einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 9.26 Stun-
den zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Auslagen in der Höhe
von Fr. 52.30 aus. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint an-
gesichts der konkreten Verfahrensumstände als zu hoch und ist auf 8 Stun-
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den zu kürzen. Unter Berücksichtigung des massgeblichen Stundenansat-
zes von Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte ist dem Rechtsvertreter
demnach vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von ge-
rundet Fr. 1’952.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurich-
ten.
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