Decision ID: abaa775a-23e1-4b41-a3da-ca0b79ea017f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981,
besuchte
nach dem Sprachheilkindergarten
von
April 1988 bis Juli 1999
mit den
von der Invalidenversicherung
gewährten Sonderschulmassnahmen die Schule
Y._
in
Z._
(vgl.
Urk.
7/1/15;
Urk.
7/1/22
;
Urk.
12/43;
Urk.
12/50;
Urk.
12/60-65
).
A
m 2
6.
April 1999
meldete er sich
unter Hinweis auf seit der Geburt bestehende Konzentrations
schwie
rigkeiten bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
als Erwachsener
an (
Urk.
7/1/9-14). Die Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden, IV-Stelle,
erteilte
n
dem Versicherten
nach getätigten Abklärungen
Kostengutsprache für
eine erstmalige berufliche Ausbildung in Form einer
Anlehre
zum Industrie
lackierer
(vgl. Mitteilung vom 2
9.
Juni 1999,
Urk.
7/1/7).
Diese Ausbildung schloss d
er Versicherte am
8.
August 2001 erfolgreich ab
(
Urk.
7/5).
Mit Verfü
gung vom 2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
7/9) sprach
die IV-Stelle dem Versicherten
so
dann bei einem Invaliditätsgrad von 75
%
eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab dem
1.
August 2001 zu.
Mit Mitteilungen vom 1
7.
Oktober
2003 (
Urk.
7/15), 2
0.
November
2006 (
Urk.
7/19)
sowie
1
4.
Januar 2010 (
Urk.
7/23) wurde der Anspruch auf die bis
herige Invalidenrente bestätigt.
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 2
6.
März 2015 (
Urk.
7/38)
tätigte die nun zuständige IV-St
elle des Kantons Zürich medizinische sowie
erwerbliche Ab
klärungen und veranlasste insbesondere eine neuropsychologische Begutach
tung, über welche am
9.
Februar 2017 berichtet wurde (
Urk.
7/66). Auch veran
lasste sie ein psychiatrisches Gutachten, welches am 3
0.
Mai 2017 und ergänzend am
2.
August 2017 erstattet wurde (
Urk.
7/72;
Urk.
7/75).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/78-79;
Urk.
7/84;
Urk.
7/88) hob die IV-Stelle die bisherige Invalidenrente des Versicherten mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
7/90 =
Urk.
2) auf.
2.
Der Versicherte erhob am 1
9.
März 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin die bisherige Invalidenrente auszurichten. Eventuell sei ihm mindestens eine
Viertelsrente
auszurichten. Subeventuell sei die Streitsache für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
April 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 2
4.
Mai 2018 (
Urk.
8) wurden die Akten der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden in Sachen des Beschwerdeführers beigezogen, welche schliesslich am 1
9.
Juli 2018
von der Beschwerdegegnerin
eingereicht wurden (
Urk.
11;
Urk.
12/0-88).
Diese Akten sowie die Beschwerde
antwort
wurde
n
dem Beschwerdeführer am 2
0.
Juli 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs
sachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, dass der Beschwerdeführer in der Zeit von Januar bis August 2014 als Industrie
lackierer in einem Pensum von 100
%
gearbeitet und dabei ein Einkommen von
Fr.
32'956.-- erzielt habe.
Er ha
be die Meldepflicht verletzt, indem
er
dies nicht mitgeteilt habe
. Zu dieser Zeit liege der Invaliditätsgrad unter 40
%
, weshalb die
für diesen Zeitraum
zu Unrecht bezogenen Rentenleistungen
zurückgefordert wü
rden.
Die medizinischen Abklärungen hätten
ergeben, dass sich der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe. Eine Intelligenzminderung oder ein niedriger IQ hätten nicht mehr nachgewiesen werden können. Auch verfüge er über Ressourcen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung, welche ihn in der bisherigen Tätigkeit als
Industrielackierer einschränke
, sei nicht mehr ausgewiesen
.
D
i
e
Rente
sei deshalb
aufzuheben (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er sei neben der Intelligenzminderung auch in psychischer Hinsicht stark einge
schränkt, weshalb er sich in Therapie begeben habe. Er sei sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich an seine Grenzen gelangt. Die gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung sei nicht schlüssig. Die Invalidenrente sei ihm aufgrund des labilen Gesundheitszustandes weiterhin auszurichten. Erst wenn die Behandlung
eine Zeit lang angedauert habe, könne eine erneute Überprüfung des Gesundheitszustandes erfolgen. Selbst wenn vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werde, habe er aufgrund der attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf eine
Viertelsrente
. Ansonsten sei die Sache für weitere Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 6 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erheblich verbessert hat, und gestützt darauf die Frage, ob die verfügte Renten
auf
hebung rechtens ist.
Als Vergleichszeitpunkt
(vorstehend E.
1.3
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_52/2016 vom 2
3.
März 2016 E. 3.1-3.2)
massgebend
ist die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 2
2.
Oktober
2001 (
Urk.
7/9
).
3.
3.1
Anlässlich der
rentenzusprechenden Verfügung vom
2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
7/9)
lag
en
die
folgende
n
wesentlichen
medizinische
n
Berichte
vor:
3.2
Med.
pract
.
A._
, praktische Ärztin, informierte mit Schreiben vom
6.
Januar 1997 (
Urk.
12/42) über die zunehmend schwersten aggressiven Aus
brüche des Beschwerdeführers,
welche
er in keiner Weise kontrollieren könne. Ausserhalb dieser Anfälle sei er überangepas
st. Es zeige sich das Bild eines
Jugendlichen mit den Residuen einer frühen Hirnschädigung, in erster Linie
Wahr
nehmungsstörung, hauptsächlich im Bereich Körperschema und Raum
or
ien
tierung. Neben der oberflächlichen äusseren Anpassung und teilweise auch recht ansprechenden schulischen Leistungen kämen schwerste Ängste (Vernichtungs- und E
xistenzängste) zur Darstellung sowie
ein
Überschwemmtwerden
von Emo
tio
nen und nur sehr we
nig Verarbeitungsmöglichkeiten.
3.3
Mit Bericht vom 1
7.
Juni 1997 (
Urk.
12/34-39) diagnostizierten die Ärzte des
B._
eine emotionale Störung mit aggressiver und sozialer Verhaltensstörung und Ängsten sowie Lern
behinderung bei Vorliegen einer hirnfunktionellen Störung (Geburtsgebrechen) mit grenzwertiger intellektueller Leistungsfähigkeit und Selbstwertstörung (S. 2
Ziff.
3).
Eine emotionale Störung mit Verhaltensstörung sei eine häufige Folge
erscheinung von Geburtsgebrechen. Die Frage, ob ein Geburtsgebrechen
Ziffer
403 oder 404 vorliege, sei schwierig zu beantworten. Für das Vorliegen einer hirnfunktionellen Störung sprächen typische Symptome wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Störungen in mehreren Wahrnehmungsbereichen, im An
trieb sowie im Kontakt und die Befunde der
psychophysiologischen Messungen. Es sei anzunehmen, dass der Beschwerdeführer zusätzlich eine deutliche Leis
tungshemmung im Rahmen seiner emotionalen Störung habe, sodass seine Schul
leistungen nicht seine wirkliche Intelligenz widerspiegeln würden (S. 5).
Der Gesundheitszustand wirke sich auf den Schulbesuch aus. So habe der Beschwer
deführer bereits den Sprachheilkindergarten besucht und gehe seit der
1.
Klasse in die Heilpädagogische Schule. In allen Fächern sei er leistungsmässig schwach. Er könne sich schlecht konzentrieren. Seine berufliche Ausbildung und Ein
glie
derung sei derzeit gefährdet (S. 3).
4
.
4
.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen, rentenaufhebenden Verfügung vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
2) stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die nachfol
genden Berichte:
4.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
infor
mierte mit Bericht vom 1
9.
Mai 2016 (
Urk.
7/54) über einen stationären Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers und erwähnte eine seit Kindheit bestehende Konzentrationsstörung und Lernschwierigkeit als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1-1-1.2).
Der Beschwerdeführer
habe
über Konzentrationsstörungen und Lernschwierigkeiten seit der Kindheit
berichtet
. Des Weiteren sei er teilweise sehr impulsiv mit etwas mangelnder Impulskontrolle (S.
5
Ziff.
1.3).
Der Beschwerdeführer sei körperlich voll belastbar, wobei eine Verminderung der Leistungsfähigkeit vorliege.
Eine Prozentangabe sei theore
tischer Natur.
Es seien keine intellektuell fordernden Aufgaben möglich. Die Schulbildung sei auf einem tiefen Niveau. Planungsarbeiten könnten vermutlich aufgrund mangelnder Konzentrationsfähigkeit nicht korrekt durchgeführt werden (S. 2 und S. 5
Ziff.
2.1). Eventuell müsste ein neuropsychologisches Gutachten erstellt werden, um die kognitiven Defizitschwächen genauer quantifizieren zu können (S. 6
Ziff.
7).
4.3
Am
9.
Februar 2017 wurde das neuropsychologische Gutachten durch
D._
erstattet (
Urk.
7/66).
Diese kam zum Schluss, dass d
er Beschwerdeführer eine gute Belastbarkeit
und Daueraufmerksamkeit
zeige
. Die Untersuchung habe über sieben Stunden geda
uert (S. 3
).
Das neuropsychologische Profil zeige
ein inkonsistentes Muster
mit einer Leistungsspanne von überdurchschnittlich guten Leistungen bis hin zu schwer beeinträchtigten Leistungen
. Der Gesamt-IQ von 62 spreche für eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70). Die Beschwerde
va
lidierung
beweise
allerdings
manipulatives
Antwortverhalten und Verdeutli
chungs
tendenzen. Der Beschwerdeführer liege mit hoher Wahrscheinlichkeit durch
wegs im unteren Bereich der Intelligenz. Jedoch sei zu berücksichtigen, dass bei einer leichten Intelligenzminderung zusammen mit dem vorhandenen beein
trächti
gten kognitiven Leistungsmuster
die Anforderungen an das (Mit)Führen
eines selbständigen Haushaltes (mit Ehefrau und Kind)
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht gelingen würde. Es könne nicht durchwegs eine positive
Aussage über tatsächlich vorhandene kognitive Funktionsstörungen gemacht werden
.
Ein
durchwegs gültiges Testprofil
könne aufgrund der negativen Ant
wort
verzerrungen nicht erstellt werden. Ob eine kognitive Störung
vorhanden sei, könne
daher
nicht beurteilt werden (S. 8 f.).
4.4
Mit Stellungnahme vom 2
7.
Februar 2017 erkannte der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD), dass die neuropsychologische Untersuchung keine Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit erlaube. Die Untersucherin
erkenne
Hinweise auf Verdeutli
chungs
tendenzen in der Beschwerdevalidierun
g, welche
durch Diskrepanzen und Inkonsistenzen bei der Testleistung unterstützt
würden
. Es ergebe sich insgesamt ein inkonsistentes Muster. Der gemessene IQ von 62 widerspreche mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit der Fähigkeit zur Führung eines selbständigen Haushaltes mit Ehefrau und Kind. Es bleibe we
iterhin unklar, aufgrund welchen
Gesundheitsscha
dens der Beschwerdeführer eine Invalidenr
ente beziehe. In Anbetracht des Gesamtverlaufes sei der Invaliditätsgrad von 75
%
nicht zu plau
sibilisieren. Zur Klärung werde eine psychiatrische Begutachtung empfohlen (vgl.
Urk.
7/77 S. 4 f.).
4.5
Am 3
0.
Mai 2017 erstattete
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
7/72).
Dabei diagnostizierte er eine Störung der Impulskontrolle (
ICD-10 F63), Differentialdiagnose (DD): aggressive Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.81), als mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Eine grossteilige ausser
häusliche Arbeitsuntätigkeit (ICD-10 Z56) nannte er als
Diagnose
ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7 lit. g).
Weiter hielt
Dr.
E._
fest, dass in der Untersuchung keine Intelligenz
probleme aufgefallen seien.
Der Umstand, dass er den Haushalt tageweise mit
führen könne, spreche gegen den festgestellten tiefen IQ.
Der Beschwerdeführer poche sehr auf sein Recht auf eine Invalidenrente, was sein manipulatives Ver
halten erklären könne. Eine Intelligenzminderung sei jedenfalls nicht gesichert.
Es sei anzunehmen, dass die Kriterien einer Störung der Impulskontrolle erfüllt seien, wobei differentialdiagnostisch eine aggressive Persönlichkeitsstörung erwogen werden
müsse. Der Leidensdruck des Beschwerdeführers sei echt. Er erkläre sich bereit
,
eine ambulante psychiatrische Therapie aufzunehmen und ein
beruhigendes Medikament einzunehmen. Ein derartiges therapeutisches Vor
gehen
sei zumutbar und zielführend, da so die Störung der Impulskontrolle bezieh
ungs
weise die aggressive Persönlichkeitsstörung gebessert werden könne (S. 7 f. lit. h)
.
Dem Beschwerdeführer sei es gelungen, sich familiär zu stabilisieren. Er betätige sich drei Tage pro Woche als Hausmann und Kindererzieher. Für eine höhere Arbeitsleistung
als 25
%
sei er nicht motiviert. Dies stelle
ein
en krankheits
frem
den Faktor dar
.
E
in sekundärer Krankheitsgewinn
könne
angenommen werden. Die Tagesgestaltung sei regelmässig.
Er habe eine aktive Lebens- und Freizeit
gestaltung. Ein sozialer Rückzug bestehe nicht.
Eine affektive Störung lasse sich nicht nachweisen (S. 9
, S. 14
).
Die Arbeitsfähigkeit dürfte in erster Linie durch die gestörte Impulskontrolle eingeschränkt sein. Bei für ihn ungünstigen Situationen könne er unbeherrscht reagieren. Eine Tätigk
eit an einem ruhigen Arbeitsort
mit wenig direktem Kun
den
kontakt
und keinem übermässigen Stress
sei geeignet. Der Beschwerdeführer sei im Rahmen einer Schadenminderungspflicht zu einer psychiatrischen Therapie zu bewegen, bei der auch
neuroleptisch
wirkende Medikamente
einzusetzen seien
. Das definitive Ausmass der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne erst nach durchgeführter Therapie bestimmt werden. Eine Intelligenzminderung sei nicht
gesichert. Von der Intelligenz her sollte er übersichtliche Arbeiten ausüben können
(S. 9 unten).
Der Beschwerdeführer sei in den bisherigen Tätigkeiten, welche als angepasst beurteilt werden könnten, durch die Störung der Impulskontrolle der
zeit zu zirka 40
%
eingeschränkt. Nach
Durchführung
einer geeigneten medika
mentösen Therapie werde sich die Arbeitsfähigkeit verbessern. Es sei ein Gesund
heitsschaden ausgewiesen, der eine partielle Arbeitsunfähigkeit bewirke. Daneben seien psychosoziale Faktoren für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mitver
antwortlich. Der Beschwerdeführer beziehe einen sekundären Krankheitsgewinn und sei nicht motiviert, mehr als 25
%
zu arbeiten. Im Haushalt sei er nicht eingeschränkt (S. 14 f.).
4.6
Mit Stellungnahme vom
1.
Juni 2017 erachtete der RAD das psychiatrische Gut
achten als schlüssig und nachvollziehbar. Die gezogenen Schlussfolgerungen, ins
besondere zur Arbeitsfähigkeit
,
seien nachvollziehbar. Es sei ein Gesund
heits
schaden
ausgewiesen
,
welcher
die Arbeitsfähigkeit mittel- und langfristig ein
schränke. Der Beschwerdeführer sei in den bisherigen sowie
in
angepassten Tätig
keiten derzeit zu 40
%
eingeschränkt. Nach einer geeigneten medikamentösen Therapie werde sich die Arbeitsfähigkeit verbessern (vgl.
Urk.
7/77 S. 6 f.).
4.7
Die von der Beschwerdegegnerin gestellte Rückfrage beantwortete
Dr.
E._
am
2.
August 2017 in dem Sinne, als die 40%ige Arbeitsunfähigkeit zumindest ab dem Untersuchungsdatum (1
2.
Mai 2017) gelte.
Falls
die Impulskontroll
stö
rung kongenital-hirnfunktionell bedingt sei, gelte die 40%ige Arbeitsunfähigkeit ab Beginn der beruflichen Ausbildung beziehungsweise ab Beginn der Berufs
tätigkeit (
Urk.
7/75).
4.8
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm mit Schreiben vom 2
0.
Dezember 2017 (
Urk.
7/86
=
Urk.
3
) Stellung zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
E._
. Dabei gab sie an, dass sie den Beschwerdeführer seit dem 2
4.
November 2017 behandle und bisher zwei The
rapiesitzungen stattgefunden hätten. Der Beschwerdeführer habe bereits im ersten Gespräch deutliche Auffälligkeiten im Verhalten sowie eine klinisch gut nach
voll
ziehbare Intelligenzminderung, Impulskontrollstörung und mange
lnde Leis
tungs
fähigkeit gezeigt
. Eine emotionale Störung mit aggressiver sozialer Verhal
tungsstörung und Ängsten sei gut nachvollziehbar.
Er sei
nicht nur manchmal, sondern
sehr häufig beziehungsweise durchgehend unberechenbar aggressiv. Es liege eine deutlich mangelnde emotionale Selbstregulation vor. Sie bezweifle, dass er einen Haushalt selbständig führen könne, auch wenn er dies erzähle. Der Beschwerdeführer scheine im ganzen Kontaktverhalten, dem Intelligenztest mit 62 Punkten sowie seinen Äus
serungen intelligenzgemindert. Er sei familiär und sozial nicht gut vernetzt.
Es sei
nicht möglich, den Beschwerdeführer
auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Die gutachterlich beschriebene Tätigkeit ohne übermässige Stresseinwirkung und wenig Kundenkontakt sei kaum vorstellbar. Unter neurologischer Medikation sei eine Besserung des Gesundheitszustandes hypothetisch möglich. Derzeit sei eine Eingliederung auf dem zweiten Arbeits
markt in einem Pensum von maximal 50
%
denkbar. In der Gesamtheit des Gesundheitsschadens sei auch langfristig nicht von einer höheren Arbeits
fähig
keit als 50
%
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen, falls möglich auf dem zweiten Arbeitsmarkt
. Eine weitere neuropsychologische Testung wäre ratsam
(S.
1 ff.
).
5
.
5
.1
Der Vergleich des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der rentenzusprechenden Verfügung vom 2
2.
Oktober 2001 (
Urk.
7/9) mit jenem bei Rentenaufhebung am 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
2)
erweist sich
infolge der dama
li
gen
dürftigen
Akten
lage
bereits
als schwierig
.
So wurde das Vorliegen einer
emo
tionalen Störung mit aggressiver und sozialer Verhaltensstörung und Ängsten sowie Lernbehinderung bei Vorliegen einer hirnfunktionellen Störung (Geburts
gebrechen) mit grenzwertiger intellektueller Leistungsfähigkeit und Selbstwert
störung und damit ein Geburtsgebrechen
von den Ärzten des
B._
zwar
bestätigt
(vgl.
Urk.
12/34-39 S. 2
Ziff.
3).
V
on der Invalidenversicherung
wurde ein Geburtsgebrechen
nach Lage der Akten in der Folge
indessen
n
icht anerkannt (vgl.
Verfügung vom 2
6.
September 1997,
Urk.
12/31). Auffallend ist ausserdem, dass zum Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
keine ärztliche Einschätzung zur möglichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeitsmarkt vorlag. Die Beschwerdegegnerin ging zwar
nach Abschluss der
Anlehre
als Industrielackierer
von Anfang an von keiner auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbaren Arbeits
fähigkeit aus und betrachtete den Beschwerdeführer als Frühinvaliden
, entspre
chend nahm sie auch den Einkommensvergleich vor
. Dies nach Lage der Akten allerdings einzig gestützt auf
einen
Bericht des Berufsberaters, wonach der Be
schwerdeführer keine Anstellung in der freien Wirtschaft habe finden können und auch in der freien Wirtschaft de
n
gleiche
n
Lohn wie
in der Ausbildungsstätte
erzielen würde (vgl.
Urk.
7/26 S. 1 unten
; vgl. auch Urk. 7/9/3
).
5.2
Die
erfolgten Abklärungen zum aktuellen Gesundheitszustand
des Beschwerde
führers
erlauben
schliesslich keinen Vergleich zur damaligen Situation.
Das
neu
ropsychologische
Profil
war nicht durchwegs gültig und ergab ein inkonsistentes Muster mit manipulativem Verhalten und Verdeutlichungstendenzen. Das Vor
han
den
sein einer kognitiven Funktionsstörung konnte daher
aus neuropsycho
lo
gi
scher Sicht
nicht
abschliessend
beurteilt werden. Auch die Ergebnisse des IQ-Test
s
sind
aufgrund des manipulativen Verhaltens
nicht ohne Weiteres
zu über
nehmen
(vgl.
Urk.
7/66 S. 8 f.). Die
effektive
Ausprägung der Intelligenzmin
de
rung
bleibt
unklar.
D
ie
durch
Dr.
E._
erfolgte psychiatrische Begutachtung erweist sich
sodann
als nicht schlüssig und nachvollziehbar
, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann
.
So hat
Dr.
E._
in seiner Beurteilung
insbesondere nicht erkannt,
dass bereits im Rahmen der ursprünglichen
Rentenzusprache
festgestellt
wurde, dass die Impulskontrollstörung des Beschwerdef
ührers hirnorganisch bedingt
ist
(
vor
stehend E. 5.1
).
Seine Einschätzung vermag daher nicht zu überzeugen.
Zudem erfolgte die
von ihm
vorgenommene Arbeitsfähigkeitseinschätzung
des diagnos
tizierten psychischen Leidens
ohne Berücksichtigung der
heute
massgebenden
Standardindikatoren
(vorstehend 1.2
),
so dass
sich das Gutachten vor dem Hin
tergrund der geänderten Rechtsprechung als zu wenig aussagekräftig erweist, um die Auswirkungen des diagnostizierten Leidens auf die Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers anhand der Standardindikatoren festlegen zu können. Es fehlt demnach
insgesamt
an einer verlässlichen Grundlage
, weshalb der medizinische Sachverhalt weiterhin unklar bleibt
.
Überdies wäre e
ine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes durch die von
Dr.
E._
vorgenommene Beurtei
lung ebenfalls nicht
zweifelsfrei
ausgewiesen. Vielmehr handelt es sich dabei um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts, attestiert
e
er
eine
40%ige Arbeitsunfähigkeit doch bei
Vorhandensein
einer kongenital-hirnfunktionell be
dingten Impulskontrollstörung ab Beginn der beru
flichen Ausbildung (
Urk.
7/75).
5.3
A
nhand der vorhandenen Akten
kann
eine Verbesserung des Gesundheits
zu
standes
beziehungsweise allenfalls
eine
Angewöhnung
/
Anpassung an die Behinde
rung (vgl.
hierzu
Urteil des Bundesgerichts 9C_810/2016 vom 3
1.
Januar 2017 E.
3.3)
allerdings
auch
nicht ausgeschlossen werden. So zeigte
der Beschwerde
füh
rer anlässlich der über sieben Stunden dauernden neuropsychologischen Tes
tung keinerlei Ermüdung, sondern vielmehr eine gute Belastbarkeit und Dauer
aufmerksamkeit (vgl. 7/66 S. 3), was das Ausmass der beklagten Konzentrations
störungen
zumindest
fraglich erscheinen lässt. Zudem ist er offenbar fähig
- wenn auch
nicht langanhaltend
- auf dem ersten Arbeitsmarkt zu reüssieren. Weshalb er die von Januar bis August 2014 ausgeübte Tätigkeit als Industrielackierer bei der
G._
wieder aufgegeben hat
und ob sein gesundheitliches Leiden hier
für ausschlaggebend war
, kann nicht
abschliessend
beurteilt werden. Die im Frage
bogen für
Arbeitgebende
als Kündigungsgrund aufgeführte berufliche Neu
aus
richtung des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
7/43 S. 1
Ziff.
2.2)
ist
jedenfalls
n
icht zweifelsfrei nachgewiesen. Denkbar wäre
auch
, dass er die Anstellung auf
grund seiner Verhaltensprobleme wieder aufgegeben hat
respektive aufgeben musste
.
Auffallend ist weiter
, dass es dem Beschwerdeführer trotz möglicherweise geringem IQ nach eigener Aussage möglich ist, Haushalt und Kind an drei Tagen pro Woche zu versorgen und
nebenher auch
im Imbiss seiner Mutter tätig zu sein
(
Urk.
7/42;
Urk.
7/72
S. 3,
S. 9)
.
Eine Haushaltsabklärung erfolgte
indessen
nicht. Vielmehr wurde der Beschwerdeführer
ohne eingehendere Prüfung der Status
frage
weiterhin als voll erwerbstätig angesehen
(vgl.
Urk.
7/77 S. 8 unten).
Ob und in welchem Ausmass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers tat
sächlich verbessert hat, lässt sich anhand der vorhandenen Akten nicht ab
schliessend beurteilen.
Unter diesen Umständen erweisen sich weitere Abklä
rungen als
unerlässlich
.
Sollte sich
danach
eine rentenrelevante Veränderung des Gesundheitszustandes herausstellen, wären bei vorliegend bereits über 15-jähri
gem Rentenbezug Eingliederungsmassnahmen
(vgl. hierzu Urteile des Bundesge
richts 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011 E. 3.3, 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2)
vorzunehmen, welche angesichts des jungen Alters des Beschwer
deführers und des Grundsatzes
«
Eingliederung vor Rente
»
auch
vermehrt
zu unter
stützen
und vom Beschwerdeführer aktiv mitzutragen (vgl. das zur Publi
kation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2018 vom 28. Januar 2019
)
wären
. Dies hat die Beschwerdegegnerin bisher unterlassen.
5.4
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Be
schwer
deführers als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, da
m
it diese nach erneuter
Abklärung der medizinischen und erwerblichen Situation
eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
anwaltlich
vertretene Beschwerdeführer An
spruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
entschädigung vorliegend auf
Fr.
2’300.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) fest
zu
setzen.