Decision ID: 9186fc75-cf98-4a20-b860-910a021093d0
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1964 geborene Beschwerdeführer war aufgrund seiner Anstellung als
Fachhochschuldozent bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen
die Folgen von Unfällen versichert, als er am 22. März 2021 beim Streichen
der Kellerdecke von der Leiter stürzte und sich insbesondere an der rech-
ten Schulter verletzte. Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungs-
pflicht im Zusammenhang mit diesem Unfall und richtete die entsprechen-
den Versicherungsleistungen aus. Mit Verfügung vom 28. Juni 2021 stellte
sie die Versicherungsleistungen per 2. Mai 2021 ein, da die Rotatorenman-
schettenruptur vorbestehend und betreffend die Unfallfolgen der Status
quo sine erreicht sei. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Be-
schwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2021 ab.
2.
2.1.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Januar 2022
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 9. Dezember 2021 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch über den 2. Mai 2021 hinaus die gesetzlichen Leistungen, namentlich die Übernahme der Heilbehandlungskosten sowie Taggelder, zu erbringen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 25. März 2022 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Replik vom 6. April 2022 hielt der Beschwerdeführer an den gestellten
Anträgen fest.
2.4.
Mit Schreiben vom 6. Mai 2022 teilte die Beschwerdegegnerin mit, sie ver-
zichte auf eine Duplik.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 22. März 2021 mit Einspracheent-
scheid vom 9. Dezember 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 36 zu Recht
per 2. Mai 2021 eingestellt hat (vgl. VB 37 S. 3).
2.
2.1.
Im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts-
beschwerdeverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und
ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und
Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105;
125 V 193 E. 2 S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020,
N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG).
2.2.
2.2.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden, soweit dieses Gesetz nichts anderes be-
stimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-
len und Berufskrankheiten gewährt.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-
treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-
getreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich,
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher-
ten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge-
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö-
rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch
BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
- 4 -
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be-
finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181 mit Hinweisen).
2.2.2.
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in
rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-
derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-
kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-
gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leis-
tungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfal-
len jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge-
sundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich feh-
lender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hier-
bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entspre-
chende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründen-
der natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicher-
ten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten so-
wohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämt-
liche Leistungsarten massgebend. Diese Rechtsprechung beschlägt dabei
einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als dem Unfallversi-
cherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt bleibt,
ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden Ge-
sundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der Be-
weislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsat-
zes richtig und vollständig zu klären (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9,
8C_354/2007 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.3.
Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs wird in erster Linie mit-
tels Angaben medizinischer Fachpersonen geführt (RUMO-JUNGO/HOLZER,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2012, S. 55). Hinsichtlich des Beweiswertes von Arztberichten ist entschei-
dend, ob diese für die streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen
Untersuchungen beruhen, auch die geklagten Beschwerden berücksichti-
gen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sind, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchten und ob die Schlussfolgerungen be-
gründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-
nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157
E. 1c S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsin-
ternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf man-
gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee
S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V
465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
3.
3.1.
Gemäss Bagatell-Unfallmeldung vom 26. März 2021 zog sich der Be-
schwerdeführer am 22. März 2021 beim Sturz von der Leiter im Wesentli-
chen Prellungen an der rechten Schulter, am Bauch und am rechten Ober-
schenkel zu (VB 1 S. 1). In der Folge konsultierte er am 23. März 2021 sei-
nen Hausarzt, der eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der rech-
ten Schulter in allen Bewegungsrichtungen feststellte (vgl. VB 18) und Phy-
siotherapie verordnete. Da die Schmerzen nach vier Wochen immer noch
vorhanden waren, wurde ein MRI der rechten Schulter veranlasst
(vgl. VB 15).
Dem Bericht vom 17. Mai 2021 betreffend das gleichentags durchgeführte
Arthro-MRI lässt sich entnehmen, dass bildgebend eine grossflächige
transmurale Ruptur der Supraspinatussehne mit Retraktion des Sehnen-
stumpfes über den Humeruskopfzenit nach medial, eine grossflächige
transmurale Ruptur der Subscapularissehne, ausgedehnte Partialrupturen
im Oberrand der Infraspinatussehne sowie eine "Tendinopathie der Supra-
spinatussehne, der Subscapularissehne, der Infraspinatussehne und der
langen Bizepssehne festgestellt wurden. Die lange Bizepssehne sei nach
medial aus dem Sulcus intertubercularis heraus verlagert bei Pulley-Läsio-
nen. Ausserdem ist dem Bericht zu entnehmen, dass ein traumatisiertes
AC-Gelenk rechts mit Kontusionsödem, Erguss und Reizzustand vorlag
(VB 6 S. 2). Gestützt auf das Ergebnis des MRI stellte Dr. med. E., Fach-
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa-
rates, am 26. Mai 2021 die Diagnose einer ausgedehnten Ruptur der Ro-
tatorenmanschette rechts und befand eine operative Sanierung für indiziert.
Im Weiteren hielt er fest, der Beschwerdeführer habe sich beim Unfall vom
- 6 -
22. März 2021 eine ausgedehnte Rotatorenmanschettenläsion rechts und
eine Kontusion des AC-Gelenks rechts zugezogen (vgl. VB 7).
3.2.
In ihrer Beurteilung vom 18. Juni 2021 ging die beratende Ärztin der Be-
schwerdegegnerin Dr. med. D., Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, von einem (lediglich) möglichen
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der rechtsseitigen Rotatoren-
manschettenruptur und dem Unfall vom 22. März 2021 aus (VB 13 S. 1).
Basierend auf den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der telefo-
nischen Befragung vom 17. Juni 2021 (vgl. VB 18) ging die beratende Ärz-
tin davon aus, dass es beim Unfall zu einer Direktkontusion der betroffenen
Schulter gekommen sei. Der Beschwerdeführer habe plötzlich das Gleich-
gewicht verloren und sei von der Leiter direkt auf die rechte Schulter gefal-
len (VB 13 S. 2). Die beratende Ärztin hielt weiter fest, die im MRI vom
17. Mai 2021 ersichtliche ausgedehnte Ruptur der Rotatorenmanschette
mit weiter Retraktion der Sehnen und der Atrophie der betroffenen Musku-
latur sei vorbestehend und könne nicht erst sieben Wochen vor dem MRI
traumatisch entstanden sein. Frische allenfalls traumatische Anteile der
Ruptur (acut on chronic) fänden sich in der Bildgebung nicht. Das Alter des
Beschwerdeführers, der Unfallmechanismus mit Direktkontusion, die erhal-
tene Arbeitsfähigkeit und das MRI mit „deutlich degenerativen“ Befunden
zeigten, dass die vorliegende Rotatorenmanschettenruptur mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit vorbestehend bzw. degenerativ sei. Beim Sturz
am 22. März 2021 habe eine vorübergehende Traumatisierung eines Vor-
zustandes stattgefunden. Bei einer Schulterkontusion ohne strukturelle Lä-
sion gälten die unfallkausalen Beschwerden nach sechs Wochen als abge-
klungen (VB 13 S. 2). Der status quo sine vel ante sei dementsprechend
sechs Wochen nach dem Unfallereignis erreicht gewesen (VB 13 S. 3).
Hinsichtlich der Frage, ob die geplante Operation vom 18. Juni 2021 auch
ohne das Unfallereignis vom 22. März 2021 bereits zu diesem Zeitpunkt
medizinisch notwendig geworden wäre, hielt die beratende Ärztin fest, dies
sei nicht beurteilbar (VB 13 S. 2).
4.
4.1.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den im Sinne von Art. 6
Abs. 1 UVG massgebenden Ursachen (vgl. E. 2.2.1) gehören auch Um-
stände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung
nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadensauslösende trau-
matische Einwirkung wirkt also selbst dann leistungsbegründend, wenn der
betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später
wohl eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des
Schadenseintritts eine unerlässliche Bedingung ("conditio sine qua non")
darstellte. Anders verhält es sich einzig, wenn der Unfall nur Gelegenheits-
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oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Rea-
lisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt, ohne
im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Be-
deutung anzunehmen. Einem Ereignis kommt demzufolge der Charakter
einer anspruchsbegründenden Teilursache zu, wenn das aus der potenti-
ellen pathogenen Gesamtursache resultierende Risiko zuvor nicht dermas-
sen gegenwärtig war, dass der auslösende Faktor gleichsam beliebig und
austauschbar erschiene. Ist die Operation vom 18. Juni 2021 somit vorlie-
gend trotz allfälliger vorbestehender degenerativer Vorzustände infolge der
am 22. März 2021 erlittenen Kontusion früher notwendig geworden, als
dies ohne das Unfallereignis der Fall gewesen wäre, so trifft die Unfallver-
sicherung im Zusammenhang mit den Operations- und den Folgekosten
wie auch mit der sich daraus ergebenden Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit eine Leistungspflicht. Denn schafft der Vorzustand eine erst latente
Schadensneigung, entspricht er einer Teilursache. Entsprechend hätte die
Beschwerdegegnerin auch bei einem Vorzustand Versicherungsleistungen
zu erbringen, bis mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
ist, dass der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und aus-
schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 8C_847/2016 vom 5. April 2017 E. 5.3.2. mit Hinweisen).
4.2.
Indem die beratende Ärztin der Beschwerdegegnerin in ihrer Beurteilung
vom 18. Juni 2021 festhielt, sie könne nicht beurteilen, ob die geplante
Operation (operative Sanierung der Rotatorenmanschette rechts [vgl. VB 7
S. 2]) auch ohne das Unfallereignis vom 22. März 2021 bereits zu diesem
Zeitpunkt medizinisch notwendig geworden wäre, liess sie offen, ob das
Unfallereignis hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadeneintritts conditio sine
qua non war oder ob vorliegend allenfalls von einer Gelegenheits- oder Zu-
fallsursache auszugehen ist. Dass die beratende Ärztin in ihrer Beurteilung
dennoch zum Schluss kam, der status quo sine vel ante sei sechs Wochen
nach dem Unfallereignis erreicht gewesen, steht im Widerspruch dazu, ent-
fällt doch mit dem Erreichen des status quo sine vel ante eine Teilursäch-
lichkeit des Unfalls für die noch bestehenden Beschwerden (Urteil des Bun-
desgerichts 8C_377/2012 vom 8. Januar 2013 E. 4.2 mit Hinweisen).
Schon aufgrund der beiden widersprüchlichen Angaben fehlt es an einer
den Beweisanforderungen genügenden ärztlichen Einschätzung, welche
den Nachweis des anspruchsaufhebenden Wegfalls der Unfallkausalität zu
erbringen vermöchte (vgl. E. 2.2.2. hiervor). Dies muss mit Blick auf die
strengen Anforderungen hinsichtlich der Beweiskraft von Aktenbeurteilun-
gen versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen umso mehr gelten
(vgl. E. 2.3. hiervor). Vor dem Hintergrund des Untersuchungsgrundsatzes
(vgl. E 2.1. hiervor) wird die Beschwerdegegnerin folglich insbesondere
fundiert abzuklären haben, ob der Unfall vom 22. März 2021 – zumindest
hinsichtlich des Zeitpunkts des Eintritts des am 17. Mai 2021 bildgebend
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festgestellten Schadens an der rechten Schulter – mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine conditio sine qua non darstellte.
4.3.
Zusammenfassend erweist sich der relevante medizinische Sachverhalt
damit im Lichte der Untersuchungsmaxime (vgl. E. 2.1. hiervor) als nicht
rechtsgenüglich erstellt. Die Sache ist daher zur ergänzenden Abklärung
und anschliessenden Neuverfügung über die Leistungspflicht über den
2. Mai 2021 hinaus an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Bei die-
sem Ergebnis erübrigt sich die Prüfung der weiteren Vorbringen des Be-
schwerdeführers.
5.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen,
dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2021 auf-
zuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-
terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-
weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-
klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215
E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).