Decision ID: b12cf95d-e012-4631-849b-284d7c001a4b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der Gemeindeverwaltung B._
angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Mit
Bagatellunfallmeldung UVG vom 2. Dezember 2020 meldete die Arbeitgeberin, der
Versicherte habe am 14. November 2020 einen am Boden liegenden Sandsack
wegschieben wollen. Dabei habe er im rechten Arm einen stechenden Schmerz
verspürt (UV-act. 2).
A.a.
Nach Überweisung durch den erstbehandelnden Hausarzt Dr. med. C._,
Allgemeine Innere Medizin FMH, an Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH,
wurden auf deren Zuweisung am 9. bzw. 11. Dezember 2020 im Röntgeninstitut E._
ein MRT des rechten Ellbogens sowie eine MR-Arthrographie des rechten
Schultergelenks durchgeführt (UV-act. 12f.). Gestützt darauf diagnostizierte Dr. D._
im Bericht vom 15. Dezember 2020 eine Ruptur der distalen Bicepssehne des rechten
Ellbogens und eine ausgedehnte Partialruptur der Supraspinatussehne mit
transmuraler Komponente, eine Partialruptur der Infraspinatussehne am Oberrand und
eine kleine Partialruptur der Subscapularissehne am Oberrand mit Medialisierung der
langen Bicepssehne der rechten Schulter. Sie empfahl eine Operation zur Refixierung
A.b.
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B.
der schon etwas retrahierten, rupturierten distalen Bicepssehne des rechten Ellbogens.
Eine Rekonstruktion der Rotatorenmanschette könne noch hinausgezögert werden, da
keine vollständige Ruptur und daher keine Retraktion vorliege (UV-act. 3).
Infolge des Schreibens der Helsana vom 17. Dezember 2020, worin diese eine
Leistungspflicht verneint hatte, weil kein Unfall vorliege (UV-act. 4), ersuchte der
Versicherte mit E-Mail vom 21. Dezember 2020 um Erlass einer einsprachefähigen
Verfügung (UV-act. 9).
A.c.
Die Helsana legte den Schadenfall ihrem beratenden Arzt Dr. med. F._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vor, der in
der Beurteilung vom 30. Dezember 2020 ausführte, es liege eine Listenverletzung nach
Art. 6 Abs. 2 lit. f des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20)
bzw. ein Sehnenriss jedoch keine frische Verletzung vor. Zudem bestünden sowohl am
rechten Schultergelenk als auch am rechten Ellbogengelenk Vorzustände (UV-act. 16).
A.d.
Am 4. Januar 2021 wurde der Versicherte am rechten Ellbogen operiert
(transossäre Refixation der distalen Bicepssehne in der Technik nach Morrey rechts;
UV-act. 17).
A.e.
Mit Verfügung vom 12. Januar 2021 verneinte die Helsana einen Anspruch auf
Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, die Voraussetzungen für einen Unfall im Rechtssinne seien nicht
erfüllt, da es gestützt auf den Ereignisverlauf an einem ungewöhnlichen äusseren
Faktor fehle. Zudem sei beim Versicherten zwar ein Sehnenriss und damit eine
unfallähnliche Körperschädigung diagnostiziert worden. Da dieser jedoch auf eine
Abnützung zurückzuführen sei, sei eine Leistungspflicht zu verneinen (UV-act. 18).
A.f.
Gegen die Verfügung vom 12. Januar 2021 liess der Versicherte durch
Rechtsanwältin lic. iur. S. von Aesch vorsorglich am 9. Februar 2021 und mit
Begründung vom 26. April 2021 Einsprache erheben. Die Rechtsvertreterin machte
geltend, gestützt auf den Bericht der behandelnden Orthopädin Dr. D._ vom 1. April
2021 sei eine Leistungspflicht der Unfallversicherung begründet (UV-act. 26, 33f.).
B.a.
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C.
Mit Entscheid vom 13. Juli 2021 wies die Helsana die Einsprache gestützt auf eine
weitere Beurteilung von Dr. F._ vom 23. Mai 2021 ab. Sie hielt daran fest, dass der
Unfallbegriff nicht erfüllt und die Bicepssehnenläsion sowie die Sehnenrupturen der
Schulter mit einer über 50%igen Wahrscheinlichkeit auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen seien (UV-act. 36f.).
B.b.
Gegen diesen Entscheid liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin von Aesch, am 14. September 2021
Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich erheben und
folgendes beantragen: Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die dem
Beschwerdeführer zustehenden Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
auszurichten, insbesondere Übernahme der Heilbehandlungskosten und Ausrichtung
von Taggeldern. Eventualiter seien medizinische Abklärungen zu tätigen und hernach
sei erneut über die Ansprüche des Beschwerdeführers zu entscheiden; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen (act. G 1.1).
C.a.
Mit Beschluss vom 29. September 2021 trat das Sozialversicherungsgericht des
Kantons Zürich auf die Beschwerde mangels örtlicher Zuständigkeit nicht ein und
überwies die Sache nach Eintritt der Rechtskraft zur Weiterbehandlung ans
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1).
C.b.
In der Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2022 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 5).
C.c.
Mit Replik vom 28. Februar 2022 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 14. März 2022 auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 10).
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.e.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Vorab ist festzustellen, dass auf die Beschwerde gestützt auf Art. 58 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) einzutreten ist, da der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung im Kanton St. Gallen hatte (vgl. act. G 1.5) und dessen
Versicherungsgericht deshalb örtlich - und im Übrigen auch sachlich und funktionell -
zuständig ist.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als obligatorischer
Unfallversicherer für das Ereignis vom 14. November 2020 sowie die nachfolgend
objektivierten Sehnenläsionen an der rechten Schulter und am rechten Ellbogen
leistungspflichtig ist. In diesem Zusammenhang stellt sich zunächst die Frage, ob der
Beschwerdeführer am 14. November 2020 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG
erlitten hat.
2.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt.
2.2.
Als Unfall gilt nach Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder
den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne
Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor
allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat (BGE 112 V 202
f. E. 1). Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (André
Nabold, N 22 zu Art. 6, in Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404
2.3.
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3.
E. 2.1; je mit Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei unkoordinierten Bewegungen ist das
Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter
Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam „programmwidrig“
beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert,
ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu
verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht.
Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt (BGE 130 V
118 E. 2.1, Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.2, je mit
Hinweisen). Wo sich eine Schädigung auf das Körperinnere beschränkt und sie
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von
degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus normalen
Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte Bewegung als
unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt
worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich
wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte
Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V 80 f. E.
4.3.2.1 mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 38 zu
Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 40). Weiter bejaht die
Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn
beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand
erfolgt. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Verhebetrauma (KOSS UVG-Nabold, N
33 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 42; BGE
116 V 138 f. E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
Damit die Frage nach dem Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
geklärt werden kann, muss vorab geprüft werden, wie sich das Ereignis mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit abgespielt hat.
3.1.
Im Unfallversicherungsrecht herrscht wie allgemein im Sozialversicherungsrecht
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln, dürfen aber die Mitwirkung der
leistungsansprechenden Person beanspruchen. Sie muss die Umstände des Unfalls
glaubhaft machen. Kommt sie dieser Aufforderung nicht nach, indem sie
3.2.
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unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen
eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine
Leistungspflicht des Unfallversicherers (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 2 f. und N 20; Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 43 N 13, Art. 61 N 96 ff., Art. 61 N 111 f.; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 29; BGE 122 V 158 E. 1a, 114 V 305 f. E. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S.
50). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4 f. und 29; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen,
1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Wird also auf dem Wege der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht
(Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.; BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen) - so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden
Person auswirkt.
Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den
Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden, wonach
die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener
und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt,
kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres
Gewicht zu, als jenen, die sie nach einer Ablehnungsverfügung des Versicherers getan
hat. Dabei handelt es sich indessen nicht um eine förmliche Beweisregel, sondern
lediglich um eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu
berücksichtigende Entscheidungshilfe. Sie kann zudem nur dann zur Anwendung
gelangen, wenn von zusätzlichen Beweismassnahmen keine neuen Erkenntnisse mehr
zu erwarten sind (Urteile des Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007,
E. 5, und 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 26. Februar 2004, U 64/02, E. 1.2; BGE 121 V 47 E.
1a mit Hinweisen; RKUV 1988 Nr. U 55 S. 363 E. 3b/aa; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 29 f.).
Bauen spätere Aussagen auf früheren Aussagen auf bzw. zeichnen sich erstere einzig
durch einen höheren Detaillierungsgrad aus, kann auch ein im Nachhinein dargelegter
Sachverhalt als ausgewiesen gelten bzw. berücksichtigt werden. Die verschiedenen
Aussagen müssen jedoch in sich kongruent und miteinander vereinbar sein. Wird
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/16
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dagegen zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer, mit der bisherigen Schilderung nicht
vereinbarer Sachverhalt hinzugefügt, ist dessen überwiegend wahrscheinliches
Geschehen zweifelhaft bzw. lediglich als möglich zu betrachten (vgl. Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Oktober 2020, UV 2019/90, E.
3.1.1, und 25. Juni 2012, UV 2011/90, E. 2.4).
Hinsichtlich des Hergangs des Ereignisses vom 14. November 2020 ergeben sich
aus den Akten unterschiedliche, zum Teil miteinander nicht zu vereinbarende Angaben.
So wollte der Beschwerdeführer gemäss der Bagatellunfall-Meldung vom 2. Dezember
2020 einen am Boden liegenden Sandsack wegschieben. Dabei habe es im rechten
Arm einen stechenden Schmerz gegeben, entweder einen Riss am Muskel oder an der
Sehne, sowie einen Schmerz im Unterarm und Biceps. Nach eineinhalb Wochen seien
auch im Achselbereich Schmerzen aufgetreten (UV-act. 2). Gegenüber der am 7. und
15. Dezember 2020 aufgesuchten Orthopädin Dr. D._ berichtete der
Beschwerdeführer ebenfalls von einem "plötzlich einschiessenden Schmerz am rechten
Ellbogen ähnlich einem Riss einer Saite", als er am 14. November 2020 einen schweren
Sandsack weggeschoben habe. Danach sei die Beweglichkeit und Belastbarkeit des
rechten Arms deutlich eingeschränkt gewesen. Mit Verzögerung sei es auch zu
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter gekommen, sodass er auf dieser nicht
mehr habe liegen können (UV-act. 3). Nach Erlass der ablehnenden Verfügung vom 12.
Januar 2021 ergänzte der Beschwerdeführer in der Einsprache seine Schilderung des
Ereignisverlaufs dahingehend, dass ihm der Sandsack entglitten sei, als er ihn habe
umplatzieren wollen, weshalb er gezwungen gewesen sei, nachzufassen (UV-act. 26,
S. 2). Auch gegenüber Dr. D._ gab er am 30. März 2021 an, er habe das Ereignis im
ursprünglichen Unfallbericht nicht genau genug beschrieben. Er habe versucht, einen
Sandsack zu verschieben, indem er ihn angehoben habe. Dieser sei ihm plötzlich
entglitten, so dass er kräftig habe nachfassen müssen, damit ihm dieser nicht auf die
Füsse hätte fallen können (UV-act. 33, S. 2). In der Beschwerdeschrift lässt der
Beschwerdeführer geltend machen, der Sandsack sei ihm beim Wegschieben aus der
Hand geglitten und er habe nachfassen müssen (act. G 1, S. 7).
3.4.
Bei einer Gesamtbetrachtung der Schilderungen über den strittigen
Ereignishergang (vgl. Erwägung 3.1) fällt auf, dass der Beschwerdeführer seine Version
vom "Wegschieben des Sandsacks" hin zum "entglittenen Sandsack, den er
nachfassen musste, damit er ihm nicht auf die Füsse fiel" erst änderte, nachdem die
Beschwerdegegnerin verfügungsweise ihre Leistungspflicht verneint hatte. Eine
Beeinflussung der früheren Ereignisdarstellungen durch nachträgliche Überlegungen
versicherungsrechtlicher Art kann damit nicht ausgeschlossen werden. Zudem
3.5.
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4.
erscheint es schwer nachvollziehbar, dass man es im Rahmen der Unfallschilderung
unterlässt zu erwähnen, man habe einen Sandsack angehoben, um ihn zu verschieben.
Dies zumal der "stechende" Schmerz im Ellbogen und der später aufgetretene
Schmerz in der Schulter wiederum sehr differenziert geschildert worden sind.
Ausserdem müssen gerade beim Anheben eines Sandsacks grössere Kräfte mobilisiert
werden. Nachdem mithin das Anheben nicht nachgewiesen ist, fällt auch das
Entgleiten und Nachfassen ausser Betracht. Im Folgenden ist damit auf die Schilderung
des Ereignisses vor Erlass der Verfügung vom 12. Januar 2021 abzustellen. Von
weiteren Abklärungsmassnahmen im Sinne von Zeugenbefragungen oder Gutachten
sind keine neuen entscheidwesentlichen Aufschlüsse zu erwarten, weshalb auf die
Abnahme weiterer Beweismittel zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE
136 I 236 f. E. 5.3 mit Hinweis).
Mit dem Sachverhalt des Wegschiebens eines Sandsacks ist das
Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht erfüllt. Dabei macht
der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Wegschieben des Sandsacks
keinerlei Besonderheiten beim Bewegungsablauf geltend, welche eine unkoordinierte
Bewegung erkennen liessen. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass sowohl ein Ellbogen
als auch eine Schulter geschaffen sind, im alltäglichen Bewegungsablauf und auch im
Rahmen einer anstrengenden körperlichen Betätigung verschiedenste Bewegungen
und Kraftaufwendungen zu tolerieren bzw. auszuhalten, ohne dass sie Schaden
nehmen. Dies ist auch für das Wegschieben eines am Boden liegenden Sandsacks
anzunehmen. Zu prüfen ist weiter, ob die äussere Einwirkung durch eine
ausserordentliche Kraftanwendung und eine damit verbundene Überanstrengung zu
bejahen wäre. Die höchstrichterliche Rechtsprechung orientiert sich beim Heben und
Verschieben von Gegenständen an Gewichten, welche von der konkreten Person unter
bestimmten Umständen getragen werden können. In Fällen, in denen eine den
Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint wurde, waren die zu hebenden
Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. August
2011, 8C_246/2011, E. 4.4, und 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1; Urteile des
EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02, E 3.4, und 27. Juli 2001, U 7/00, E. 3). Obgleich
konkrete Angaben zum Gewicht des Sandsackes vorliegend fehlen, kann davon
ausgegangen werden, dass dieser eben gerade nicht über ein "erhebliches" Gewicht
verfügte, zumal der Beschwerdeführer nicht geltend macht, der Sandsack habe
wenigstens 50 kg gewogen, weshalb der Kraftaufwand für dessen Verschieben
keinesfalls als ausserordentlich einzustufen ist. Kommt zum Heben oder Verschieben
4.1.
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einer Last ein zusätzliches Element hinzu (z.B. Eile, unangepasste Arbeitsposition), das
zu einer unkoordinierten Bewegung führt (Ausrutschen, Nachgreifen), ist die
Ungewöhnlichkeit unter Umständen zu bejahen (BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6).
Vorliegend hat sich im Zusammenhang mit dem "einfachen" Wegschieben jedoch
keine unkoordinierte Bewegung ergeben, die als programmwidrig im Sinne einer
ungewöhnlichen äusseren Einwirkung auf den rechten Ellbogen und die rechte Schulter
des Beschwerdeführers gewertet werden kann. Damit ist das Vorliegen eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auch im Rahmen einer ausserordentlichen
Kraftaufwendung zu verneinen.
4.2.
Selbst wenn nach der korrigierten Schilderung des Ereignishergangs mit
Anheben und reflexartigem Nachfassen des Sandsackes mit der rechten oberen
Extremität geprüft werden müsste, ob von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor
auszugehen wäre, wäre ein solcher zu verneinen.
4.2.1.
Die vom Beschwerdeführer geschilderte reflexartige Arm-/Schulterbewegung des
Nachfassens ist als solche weder ungewöhnlich noch in besonderer, einem Ausgleiten
oder einem Sturz der versicherten Person vergleichbarer Weise geeignet, zu einer
unphysiologischen Belastung einzelner Muskeln, Muskelgruppen oder Gelenke zu
führen. Das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ist auch nicht bereits
deshalb zu bejahen, weil die Bewegung reflexartig ausgeführt worden ist. In
vergleichbaren und sogar schwerwiegenderen Fällen hat das EVG das Vorliegen eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors verneint, so beim reflexartigen Auffangen eines
weggekippten Einkaufwagens (Urteil des EVG vom 21. März 2006, U 222/05, E. 3.2),
beim Nachfassen eines wegzugleiten drohenden gusseisernen Radiators von ca.
100 kg (Urteil des EVG vom 12. April 2000, U 110/99, E. 3), beim Wiederherstellen des
Gleichgewichts durch eine heftige Handbewegung anlässlich des Transports einer
100 bis 150 kg schweren Türe, beim Heben eines ca. 60 kg wiegenden Papierstapels
und reflexartigen Nachfassen, als dieser in sich zusammenzufallen drohte, und beim
ruckartigen An-sich-nehmen eines von einem fahrbaren Wagenheber herunterzufallen
drohenden Motors mit einem Gewicht von ca. 80 kg (siehe zu diesen Beispielen das
Urteil des EVG vom 23. Mai 2006, U 144/06, E. 2.2 mit Hinweisen auf SUVA-
Jahresberichte). Auch im Fall einer versicherten Person, die vorgeschnellt und
reflexartig mit einer Armbewegung versucht hatte, einen auf einem unvermittelt
wegzukippen drohenden Transportroller stehenden Oleander in die Senkrechte zu
reissen, hatte das EVG gleich entschieden (Urteil des EVG vom 23. Mai 2006,
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/16
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5.
U 144/06, E. 2.2). Ebenso verneinte das Bundesgericht die Ungewöhnlichkeit einer
reflexartigen Bewegung einer versicherten Person, die beim Herausziehen einer sich
ruckartig lösenden Harasse von ca. 25 kg aus einem Regal erforderlich wurde (Urteil
des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 6.2).
Den genannten Sachverhalten und dem vom Beschwerdeführer dargelegten
Ereignis ist sodann gemeinsam, dass der natürliche Ablauf der reflexartigen
Körperbewegung im Rahmen des Nachfassens bzw. Abfangens des Sandsacks zur
Verhinderung seines Fallens auf die Füsse des Beschwerdeführers jeweils nicht durch
etwas Programmwidriges oder Sinnfälliges, wie eigenes Ausgleiten oder Stolpern, oder
eines reflexartigen Abwehrens des eigenen Sturzes beeinträchtigt worden ist.
4.2.3.
Etwas Ungewöhnliches lässt sich auch nicht im Kraftaufwand erkennen, der für
das Nachfassen erforderlich war, wobei auf die Ausführungen in Erwägung 4.1 zu
verweisen ist. Nachdem von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten sind, ist darauf zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 122 V
157 E. 1d).
4.2.4.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mangels
überwiegend wahrscheinlichen Vorliegens eines Unfallereignisses keinen Anspruch auf
Versicherungsleistungen aus Art. 6 Abs. 1 UVG hat.
4.3.
Somit bleibt die Frage zu beantworten, ob die Beschwerdegegnerin Leistungen
aus Art. 6 Abs. 2 UVG zu erbringen hat, wonach die Versicherung Leistungen auch bei
folgenden Körperschädigungen schuldet, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung
oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von
Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e),
Sehnenrisse (lit f.), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
5.1.
Im vorliegenden Fall wurde von keiner Seite bestritten, dass sowohl am rechten
Schultergelenk als auch am rechten Ellbogengelenk von Körperschädigungen im Sinne
von Art. 6 Abs. 2 UVG auszugehen ist (vgl. insbesondere UV-act. 16, S. 2). So hat das
MRT des rechten Ellbogens vom 9. Dezember 2020 eine distale Bicepssehnenruptur
mit leichtgradiger Retraktion (UV-act. 12, S. 1) und die MR-Arthrographie des rechten
Schultergelenks vom 11. Dezember 2020 eine ausgedehnte Partialruptur der
Supraspinatussehne mit transmuraler Komponente (10 x 10 mm), eine Partialruptur der
Infraspinatussehne am Oberrand (maximal 30 %) und eine kleine Partialruptur der
Subskapularissehne am Oberrand mit Medialisierung der langen Bicepssehne gezeigt
5.2.
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(UV-act. 13). Es ist somit an der Beschwerdegegnerin, den Nachweis zu erbringen,
dass die Partialrupturen der Schultersehnen und die Ruptur der Bicepssehne mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind. Dazu müssen die für die Beurteilung der
versicherungsmedizinischen Pathogenese bedeutsamen Umstände bzw. Indizien
erhoben und im Rahmen der Beweiswürdigung gegeneinander abgewogen werden
(Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018, S. 351 ff.).
Zur Beurteilung der medizinischen Aspekte, konkret zur Beurteilung der
vorgenannten Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf eine sorgfältige
spezialärztliche Abklärung angewiesen, worin sich die Medizinalpersonen zu den
Wirkanteilen äussern müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2019,
8C_22/2019, E. 8.6; vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen Hinweisen; BSK UVG-
Hofer, N 59 zu Art. 6; Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.). Das Gericht hat die medizinischen
Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; vgl. dazu auch Kieser, a.a.O., N 52 ff. zu Art. 43,
N 120 zu Art. 61; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 76 N. 25 ff.) frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies
bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht
bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob letzterer für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 351, E. 3a mit Hinweis 122 V
157). Auch den Berichten beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Auf das Ergebnis von
Abklärungen beratender Ärzte und Ärztinnen kann nicht abgestellt werden, wenn auch
nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V
229 E. 5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16.
5.3.
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September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet sodann
Aktengutachten als zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind.
Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die
Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild
zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1
mit Hinweis).
Hinsichtlich der Partialrupturen der rechten Schulter befand Dr. F._ in seiner
Beurteilung vom 30. Dezember 2020, es sei von einem Vorzustand auszugehen. Das
MRI des rechten Schultergelenks vom 11. Dezember 2020 habe eine Partialläsion der
Supra-, Infra- und Subscapularissehne mit Medialisierung der langen Bicepssehne
gezeigt. Darüber hinaus sei eine intramuskuläre Zyste am muskulotendinösen
Übergang mit einem Durchmesser von 13 x 5 mm sichtbar. Unter der Annahme einer
traumatischen Verursachung dieser Sehnenläsionen wäre der Nachweis traumatischer
Hinweise, wie z.B. eines Knochenmarködems/Hämatoms, obligat zu erwarten. Ein
solcher fehle jedoch. Ferner sei der klinische Befund vom 7. Dezember 2020 (Bericht
Klinik Z._) einer freien Beweglichkeit des rechten Schultergelenks ohne wesentliche
Abschwächung medizinisch nicht erklärbar. Es werde eine unauffällige Funktion der
Rotatorenmanschette beschrieben. Schliesslich seien auch die Schmerzen am rechten
Schultergelenk erst mit einer Verzögerung aufgetreten, was gemäss Dr. F._ für das
Vorhandensein eines Vorzustandes spricht (UV-act. 16, S. 2). Auch Dr. D._ sah in
ihrer Stellungnahme vom 1. April 2021 keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen
den Befunden in der Schulter und dem strittigen Ereignis. Die Partialläsionen dreier
Rotatorenmanschetten-Sehnen mit Medialisierung der langen Bicepssehne und einer
zusätzlichen intramuskulären Zyste seien mit grösserer Wahrscheinlichkeit einem
degenerativen Geschehen zuzuordnen. Weiter befand sie jedoch, dass das Trauma
"mit Sicherheit" einen Vorzustand verschlechtert oder sogar zu einer Vergrösserung der
Läsionen geführt habe und thematisiert damit eine richtungsgebende Verschlimmerung
eines degenerativen Vorzustands (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2005, S. 579 ff.). Indem Dr. D._ gleichzeitig
einräumt, dass der Nachweis dazu schwierig sei, weil immer mit einer überwiegenden
Wahrscheinlichkeit argumentiert werde, bekundet sie, dass eine richtungsgebende
Verschlimmerung auch im vorliegenden Fall nicht überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen, sondern lediglich möglich ist. Ihre weitere Feststellung, dass mehrere
Sehnen mit teils unterschiedlicher Zugrichtung bei einem einzelnen Ereignis gleichzeitig
eine Partialläsion erleiden würden, sei eher unwahrscheinlich (UV-act. 33, S. 1),
untermauert den ungenügenden Beweis einer überwiegend wahrscheinlich
5.4.
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richtungsgebenden Verschlimmerung eines Vorzustandes. Nachdem sich somit beide
Experten darin einig sind, dass die Läsionen der rechten Schulter mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als degenerative Vorzustände einzustufen sind (vgl. auch UV-act.
33, S. 2), Dr. D._ nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
eine richtungsgebende Verschlechterung der degenerativen Vorzustände zu begründen
vermag und die Ausführungen beider Fachärzte hierzu schlüssig und nachvollziehbar
escheinen, ist eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen der
betreffenden Schultersehnenrupturen auch nach Art. 6 Abs. 2 UVG zu verneinen.
Mit Bezug auf das rechte Ellbogengelenk befand Dr. F._ in seiner Beurteilung
vom 30. Dezember 2020 ebenfalls, dass überwiegend wahrscheinlich von einem
Vorzustand auszugehen sei. So sei der klinische Befund mit freier Beweglichkeit nicht
nachvollziehbar. Im MRI des rechten Ellbogengelenks vom 9. Dezember 2020 werde
eine Läsion der distalen Bicepssehne am Ansatz der Tuberositas radii mit leichter
Retraktion sowohl am Caput longum als auch am Caput breve dokumentiert. Der
Lacertus fibrosus sei intakt. Der Radiologe beschreibe eine mediale/laterale
Epicondylopathie mit kleinen Ossikeln bzw. heterotopen Ossifikationen angrenzend
zum Ansatz der gemeinsamen Extensorensehne neben dem Epicondylus humeri
lateralis (UV-act. 16, S. 2). Die dagegen von Dr. D._ vorgebrachte Argumentation, der
Beschwerdeführer sei kein Kraftsportler und übe keinen Beruf aus, der zu einer
Degeneration der distalen Bicepssehne führe, was typisch für atraumatische bzw.
degenerative Rupturen der distalen Bicepssehne sei (UV-act. 33, S. 1), vermag keine
Zweifel an der Einschätzung von Dr. F._ zu wecken. Eine Bicepssehnenruptur ist
gemäss medizinscher Literatur häufig verschleissbedingter Natur. Sie tritt meist
spontan aufgrund degenerativer Vorschädigung und nur selten traumatisch auf
(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 250, vgl. auch Debrunner,
a.a.O., S. 732). Eine Degeneration ist ein fortschreitender Prozess, der sich in
Veränderungen in verschiedenen Strukturen des Gelenks zeigen kann (vgl. Debrunner,
a.a.O., S. 579 ff., 732). Insofern erscheint es naheliegend, bei der Beurteilung der
vorliegenden Frage den Zustand des ganzen rechten Ellbogengelenks zu betrachten.
Dr. F._ wies auch nochmals in der Stellungnahme vom 23. Mai 2021 nachvollziehbar
darauf hin, dass das MRI vom 10. Dezember 2020 neben einer medialen und lateralen
Epicondylitis auch kleine Ossikel bzw. heterotope Ossifikationen gezeigt habe, die
nicht nur von einer hohen Belastung des rechten Ellbogens zeugten, sondern auch
degenerative Läsionen bzw. Schäden des rechten Ellbogens im Sinne eines
Vorzustandes belegten. Laut wissenschaftlicher Literatur betrage die Inzidenz der
distalen Bicepssehnenruptur ca. 1.2/100'000 Patienten pro Jahr. Meist seien Männer
zwischen 30 und 60 Jahren betroffen (UV-act. 36, S. 1). Diese Begründung mittels einer
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Gesamtbetrachtung vermag zu überzeugen. Auch wenn der Beschwerdeführer keine
Kraftsportarten ausführt und seinen Ellbogen beruflich nicht übermässig beansprucht,
ist die Ursache eines Traumas zumindest nicht wahrscheinlicher als eine durch
Degeneration begünstigte Entwicklung.
Weiter hielt Dr. F._ fest, die Struktur des Lacertus fibrosus stehe mit der Faszie
der Flexorengruppe in Verbindung. Eine Flexion im Ellbogengelenk führe zusätzlich zur
Traktion an der Bicepssehne auch zu einem Anspannen des Lacertus fibrosus. Bei
einer exzentrischen Kraftkontraktion mit Beugung im Ellbogen könne nur dann von
einer traumatischen Läsion ausgegangen werden, wenn der Lacertus fibrosus als
Begleitschaden mit verletzt werde, was vorliegend nicht der Fall sei (UV-act. 16, S. 3).
Nachdem Dr. D._ dagegen vorbrachte, eine traumatische Ruptur der distalen
Bicepssehne gehe nicht immer mit einer Verletzung des Lacertus fibrosus einher (vgl.
UV-act. 33, S. 2), relativierte Dr. F._ seine Aussage dahingehend, dass der Lacertus
fibrosus nicht in 100 % der Fälle verletzt werde. Dennoch hielt er daran fest, dass es
bei der Beugung im Ellbogen zusätzlich zur Traktion an der Bicepssehne auch zu
einem Anspannen des Lacertus fibrosus mit Zug der distalen Bicepssehne nach medial
ulnar komme. Bei dem von Dr. D._ beschriebenen Hergang des Ereignisses wäre
eine Beugung im Ellbogen und eine gewisse Supination anzunehmen. Dr. F._ hielt
jedoch daran fest, dass sich eine Ruptur der distalen Bicepssehne bei exzentrischer
Kraftkontraktion in Supinationsstellung und Beugung nur dann traumatisch erklären
lasse, wenn auch ein Begleitschaden im Lacertus fibrosus nachgewiesen werde. Leider
sei Dr. D._ nur vom Ereignishergang ausgegangen, wie ihn der Beschwerdeführer in
der korrigierten Fassung geschildert habe und habe sich versicherungsmedizinisch
nicht mit dem anfänglich beschriebenen Hergang auseinandergesetzt. Für die
Kausalität der vorliegenden distalen Bicepssehnenruptur seien die
versicherungsmedizinischen Kriterien grosser Sehnen anzuwenden. Grundsätzlich sei
anzumerken, dass auch die Bicepssehne eine sehr hohe Reissfestigkeit besitze. Die
Muskelkraft, die notwendig wäre, um die Sehne zu zerreissen, betrage ein Vielfaches
der Kraft, die der Muskel imstande sei, aufbringen zu können. Auch hier gelte wie bei
allen Sehnen, dass der zur Sehne gehörende Muskel nicht in der Lage sein könne, die
eigene Sehne zu zerreissen. Falls doch, sei eine relevante Texturstörung (Degeneration)
und somit eine Vorschädigung anzunehmen (UV-act. 36, S. 1f.). Somit ist gestützt auf
die überzeugende Begründung von Dr. F._ auch hinsichtlich der distalen
Bicepssehnenruptur im rechten Ellbogen nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit vorwiegend von einem degenerativen Vorzustand auszugehen. Die
Ausführungen von Dr. D._ in ihrem Bericht vom 1. April 2021 (UV-act. 33) vermögen
an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Wie sich aus den Erwägungen 5.5 und 5.6
5.6.
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6.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Juli 2021 nicht
zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f
ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).