Decision ID: b8016e7e-5afc-4ad6-bd0d-a1fca6946e01
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Unia
Arbeitslosenkasse
(nachfolgend
Unia
)
eröffnete für den
1958 geborene
n
X._
ab
5. N
ovember 2018 eine erst
e Rahmenfrist und richtete ihm –
ausgehend von einem Höc
hstanspruch von 260 Taggeldern –
Arbeitslosenent
schädigung aus. Nachdem sie mit Verfügung vom 30. März 2021 festgehalten hatte, der Höchstanspruch von 260 Taggeldern sei per 11. Februar 2021 ausge
schöpft
,
und der Versicherte hiergegen Einsprache erhoben hatte, bestätigte die
Unia
mit
Einspracheentscheid
vom 28. Mai 2021 die Ausschöpfung des Taggeld-Höchstanspruchs,
bejahte indessen
gestützt auf die Weisung des SECO «Sonder
regelung aufgrund der Pandemie»
im Rahmen einer Übergangsregelung bis zum Inkrafttreten des Bundesgesetzes über Überbrückungsleistungen für ältere Ar
beitslose einen Anspruch von
X._
bis voraussichtlich am 1. Juli 2021
auf
Überbrückungs
taggelder der Arbeitslosenversicherung
. Die dagegen vom Ver
sicherten am 15. Juni 2021 erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 31. Januar 2022 ab (vgl. Verfahren AL.2021.00197).
1.2
Am
21. Juni 2021 beantragte
X._
die Eröffnung
eine
r
Folgerahmenfrist und die Ausrichtung weiterer
Arbeitslosenentschädigung (Urk.
7/1)
, was die
Unia
mangels erfüllter Beitragszeit
mit Verfügung vom 2.
August 2021 ablehnte
(Ur
k.
7/2). Die hierge
gen erhobene Einsprache vom 30.
August 2021 (Urk. 7/3)
entschied
die
Unia
abschlägig (
Einspracheentscheid
vom 13.
J
anuar 2022,
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 13. Januar 2022
erhob
X._
am 7
.
Februar 2022 Beschwerde und beantragte
sinngemäss die Eröffnung einer Fol
gerahmenfrist und
die Ausrichtung
weiterer Arbeitslosenentschädigung
(Ur
k.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 7. März 2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 10. März 2022 (Urk. 9) mitgeteilt wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltung
sbehörde vorgängig verbindlich –
in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einsprachee
ntscheids
–
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
be
schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
1.2
Nach Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG, gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtli
che Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG), und die Rah
menfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG).
Gemäss Art. 8
a
der Verordnung vom 20. März 2020 über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19) (Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung, SR 837.033, gültig ab 1.9.2020 bis 31.12.2022 in der Fassung vom 1.
Juli
202
1
) wird für Versicherte, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. August 2020 Anspruch auf maximal 120 zusätzliche Taggelder gehabt haben, die Rahmenfrist für den Leistungsbezug um die Dauer verlängert, für die die versicherte Person Anspruch auf zusätzliche Taggelder hatte, höchstens jedoch um 6 Mo
nate (Abs. 2). Die versicherte Person, deren Rahmenfrist
für den Leistungsbezug nach Absatz 2 verlängert wird, hat bei Bedarf Anspruch auf eine Verlängerung der Rahmenfrist für die Beitragszeit, wenn eine neue Rahmenfrist für den Leistungsbezug eröffnet wird. Die Dauer der Verlängerung der Rahmenfrist für die Beitragszeit entspricht der Dauer der Ver
längerung der Rahmenfrist für den Leistungsbezug nach Absatz 2
(Abs. 2).
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG).
1
.3
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Bei
tragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, einer Umschulung, einer Aus- und Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (Art. 3 ATSG), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft (Art. 5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hat
ten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsan
stalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten be
standen haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (Art. 11 Abs. 4 Satz 1 AVIV), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in Art. 14 Abs. 1
lit
. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Entscheid a
us, die am 5.
No
vember 2018 eröffnete Rahmenfrist habe bis zum 4. August 2021 angedauert.
Gestützt hierauf seien
dem Beschwerdeführer
bis am 1. Juli 2021
Leistungen der Arbeitslosenversicherung ausgerichtet worden.
Bei
der Prüfung einer neuen
‹
Rah
menfrist Leistungsbez
ug
›
nach Ablauf einer wegen
Covid
verlängerten vorange
gangenen
‹
Rahmenfrist Leistungsbezug
›
dauere
die neue
‹
Rahmenfrist Beitrags
zeit
›
gleich lange wie die vorangehende verlängerte
‹
Rahmenfrist Leistungsbezug
›
.
In der für ihn gültigen Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 5. November 2018 bis zum 4. August 2021 habe der Beschwerdeführer keine beitragspflichtige Be
schäftigung nachweisen können; in seinem Antrag vom 21. Juni 2021 habe er als letztes Arbeitsverhältnis bloss jenes bei der
Y._
vom
1. Mai 1985 bis zum 31. Dezember 2017 angegeben. Nachdem ein Befreiungsgrund im Sinne von Art. 14 AVIG ausser Betracht falle, seien die Anspruchsvoraussetzungen ge
mäss Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, es wisse nicht, wie er einer Tätigkeit nachgehen soll
t
e, wenn niemand kurz vor der Pensionierung einen 63-Jährigen anstellen wolle. E
benso sei ihm nicht
klar, weshalb seine Rahmenfrist nicht ver
längert werde, obwohl er noch über ein Guthaben von 55 Taggeldern verfüge.
Nachdem er noch immer beim RAV angemeldet sei und Monat für Monat Ar
beits
bemühungen tätige, stünden ihm
zumindest noch die 55
weitere
n
Taggelder zu (Urk. 1).
3.
3.1
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des Versi
cherten auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 5. August 2021 verneint hat.
3.2
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Anfechtungsgestand einzig der angefochtene
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 13. Januar 2022
bildet
, wo
nach mangels beitragspflichtiger Beschäftigung in der Rahmenfrist für die Bei
tragszeit vom 5. November 2018 bis zum 4. August 2021 ein neuerlicher
An
spruch
des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung
verneint wurde. Weder ist damit
im vorliegenden Verfahren die vom Beschwerdeführer
vertretene
Auffassung
, er habe aus der bisherigen Rahmenfrist
für den
Leistungsbezug noch Anspruch auf 55 Taggelder, zu beurteilen, noch hat sich das Gericht dazu zu äussern, ob die per 4. August 2021 abgelaufene Rahmenfrist für den Leistungs
bezug korrekt festgesetzt worden
war
.
Anlass, diese Fragen aufzuwerfen und
Un
stimmigkeiten aus dem Weg zu räumen
hätte spätestens
die
mit 3. August 2021 datierte
Taggeldabrechnung vom Juli 2021 (Urk. 3/5)
, wonach der Taggeldan
spruch ausgeschöpft
war
,
geboten.
Nachdem
es
der Beschwerdeführer
–
trotz kla
rem Hinweis auf
der
Taggeldabrechnung –
offenkundig unterlassen hat,
deren Inhalt
innert 90 Tagen zu rügen, ist
die Abrechnung
rechtsbeständig geworden (BGE 132 V 412 E. 5, 129 V 110 E. 1.2.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_14/2011
vom 13. April 2011 E. 5
).
3.3
Offenkundig
ist
der Beschwerdeführer in der Rahmenfrist für die Beitragszeit, welche von der Beschwerdegegnerin korrekt auf den Z
eitraum vom 5
. November 2018 bis zum 4. August 2021 festgelegt
worden ist
(vgl. Art. 9 AVIG sowie E. 1.2 hinsichtlich im Rahmen der
Covid
-Pandemie verlängerter Rahmenfristen)
, kei
nerlei beitragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen. In seinem Antrag auf Ar
beitslosen
entschädigung vom 21. Juni 2021
hat er denn auch bloss das infolge Frühpensionierung per 31. Dezember 2017 beendete
frühere
Arbeitsverhältnis aufgeführt (Urk. 7/1)
.
Spätere
Beschäftigungen
–
allenfalls
im
Z
wischenverdienst
–
sind nicht aktenkundig und wurden vom Beschwerdeführer auch nicht behaup
tet. Gegenteils brachte er vor, kurz vor der ordentlichen Pensionierung habe er keine Chancen auf eine neue Anstellung
(E. 2.2
).
Ebenso wenig ergeben sich aus den Akten Anhaltpunkte für einen Befreiungs
grund im Sinne von Art. 14 AVIG (E. 1.3).
3.4
Zusammenfassend ist in der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 5. November 2018 bis zum 4. August 2021 weder die Beitragszeit erfüllt, noch ist der Be
schwerdeführer davon befreit.
Damit ist die Anspruchsvoraussetzung gemäss Art.
8 Abs. 1
lit
. e AVIG nicht erfüllt, weshalb kein Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht (E. 1.2
; vgl. auch
Seco
, AVIG-Praxis ALE,
Rz
B48
-B52
).
Der angefochtene Entscheid e
rweist sich damit als rechtens, womit
die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen
ist
, soweit darauf einzutreten ist.
4.
4
.1
Das Verfahren ist kostenlos.
4
.2
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren darf obsiegenden Behörden oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Par
teientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieses Grundsatzes hat das Bundesgericht der Suva und den privaten UVG-Versicherern sowie – von Sonderfällen abgesehen – den Krankenkassen keine Parteientschädigungen zu
ge
sprochen, weil sie als Organisationen mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qua
li
fizieren sind (vgl. BGE 126 V 143 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2016 vom 24. März 2017 E. 9.2, je mit Hinweis).
Praxisgemäss ist der Beschwerdegegnerin daher trotz entsprechendem Antrag (Urk. 6) keine Parteientschädigung zuzusprechen.