Decision ID: 86a220a9-27c9-4a70-ae66-df3f7d36d983
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
würden bezüglich des vorliegenden Sachverhalts (Verjährung von Wasser-
und Kanalisationsanschlussgebühren) keine Vorschriften bzw.
Fristenreglungen in Erlassen für verwandte Ansprüche des öffentlichen
Rechts existieren. Somit habe die Beschwerdegegnerin die
privatrechtlichen Verjährungsregelungen nach Art. 127/128 OR zu Recht
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analog angewendet. Sodann habe das Bundesgericht im von der
Beschwerdeführerin zitierten Urteil (BGE 112 Ia 260) die Anwendung der
steuergesetzlichen Regelung des Kantons Zürich für die Verjährung der
Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren lediglich als vertretbar
erachtet. Mit anderen Worten habe das Bundesgericht dem
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich bei der vorliegenden Thematik
betreffend Verjährung der Wasser- und Kanalisationsanschluss-gebühren
einen gewissen Ermessensspielraum eingeräumt. Das Bundesgericht
habe aber nicht entschieden, dass bei der vorliegenden Thematik nur die
Anwendung der steuergesetzlichen Fristenregelung der
Veranlagungsverjährung den konkreten Umständen gerecht werde. Somit
müssten die Beschwerdegegnerin und das angerufene Gericht dem
zitierten Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich aufgrund
ihres Ermessensspielraums nicht folgen. Das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden verfolge eine andere Praxis und gehe bei der Frage
der Verjährung von Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren von
einer zehnjährigen Verjährungsfrist aus. Die analoge Anwendung der
Verjährungsfrist von Art. 127 OR sei weder sachwidrig noch willkürlich.
Demgegenüber wäre die analoge Anwendung der öffentlich-rechtlichen
Verjährungsfrist gemäss Art. 125 StG für die Verjährung von Kanalisations-
und Wasseranschlussgebühren nicht sachgerecht. Vor diesem Hintergrund
und unter Berücksichtigung, dass die Verjährungsfrist mit der
Bauvollendung im Jahr 2013 zu laufen begonnen habe, sei die zehnjährige
Verjährungsfrist für die Veranlagung bei Erlass der
Veranlagungsverfügungen am 27. Februar 2019 noch nicht abgelaufen
gewesen. Die definitiven Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren
seien somit noch nicht verjährt und von der Beschwerdeführerin
vollumfänglich geschuldet. Ferner habe die Beschwerdeführerin in ihren
beiden Einsprachen vom 19. März 2019 nur die Aufhebung der definitiven
Rechnungen infolge Verjährung beantragt, nicht aber die Feststellung,
dass überhaupt keine Wasser- und Kanalisationsgebühren geschuldet
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seien, bzw. die Rückforderung des im Rahmen der provisorischen
Veranlagung geleisteten Betrags in der Höhe von Fr. 74'736.--. Folglich
liege hier eine Erweiterung des Rechtsbegehrens vor, weshalb auf das
Teilrechtsbegehren gemäss Ziffer 1 nicht einzutreten sei. Ebenfalls handle
es sich beim Eventualbegehren in Ziffer 2 um eine Erweiterung der im
Einspracheverfahren gestellten Rechtsbegehren, weshalb darauf auch
nicht einzutreten sei. Schliesslich stehe die Berechnung der nachträglichen
Anschlussgebühren nicht im Widerspruch zu Art. 42 des Reglements über
die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung der
Beschwerdegegnerin.
8. In ihrer Replik vom 23. Juli 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest und ergänzte bzw. vertiefte ihre Argumentation.
9. In ihrer Duplik vom 26. August 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest und bestätigte ihren Standpunkt.
10. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften so-wie
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 23. April 2019 wird, soweit
erforderlich, im Folgenden eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 23. April 2019, mit
welchem die Einsprachen der heutigen Beschwerdeführerin vom 19. März
2019 abgewiesen und die Beschwerdeführerin zur Bezahlung von
definitiven Wasser- (Fr. 17'214.--) und Kanalisationsanschlussgebühren
(Fr. 18'522.--) in der Höhe von insgesamt Fr. 35'736.-- verpflichtet wurde.
Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
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Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerden gegen
Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
vom 23. April 2019 kann weder bei einer anderen Instanz angefochten
werden noch ist er endgültig, weshalb er ein taugliches Anfechtungsobjekt
für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
darstellt. Als materielle und formelle Adressatin des angefochtenen
Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf (Art.
50 Abs. 1 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist demnach insoweit einzutreten (Art. 38 und Art. 52 Abs. 1
VRG), als sich die darin gestellten Rechtsbegehren der
Beschwerdeführerin als zulässig erweisen (vgl. E.2.1 f.).
2.1. Art. 51 Abs. 2 VRG hält fest, dass die Parteien Rechtsbegehren, die sie im
vorinstanzlichen Verfahren gestellt haben, nicht ausdehnen können (sog.
Erweiterungsverbot; inkl. Einhaltung des gesetzlichen Instanzenzugs). Das
streitberufene Gericht darf demnach nur über Fragen urteilen, zu welchen
die Vorinstanz Stellung bezogen hat oder – aufgrund der
Einsprachebegehren – Stellung hätte beziehen müssen (vgl. dazu bereits
PVG 1971 Nr. 84 sowie PVG 1990 Nr. 83). Nur das Vorbringen neuer
Tatsachenbehauptungen und Beweisanträge, welche das ursprünglich
gestellte Rechtsbegehren zu stützen vermögen, ist zulässig (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 12 181 vom 28. Februar
2013 E.1a).
2.2. Vorliegend beantragte die Beschwerdeführerin in ihren beiden Einsprachen
vom 19. März 2019 lediglich die Aufhebung der definitiven Rechnungen für
die Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren infolge Verjährung (vgl.
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beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 4 und 5). In ihrer Beschwerde vom
21. Mai 2019 stellt sie nun nebst dem Begehren um Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids zusätzlich den (Teil-) Antrag, es sei
festzustellen, dass keine Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren
geschuldet seien; dies unter der Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur
Rückerstattung des im Rahmen der provisorischen Veranlagung
geleisteten Betrags von Fr. 74'736.-- zzgl. Zinsen seit 2010 (vgl.
Beschwerde vom 21. Mai 2019 S. 3). Wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend ausführt, stellte die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Einspracheverfahrens vor der Beschwerdegegnerin keinen Antrag auf
Feststellung, dass überhaupt keine Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren geschuldet seien, bzw. kein Begehren
um Rückforderung des im Rahmen der provisorischen Veranlagung bereits
geleisteten Betrags. Die Beschwerdeführerin rügte die veranlagten
Rechnungsbeträge in ihren Einsprachen vom 19. März 2019 mit keinem
Wort (vgl. Bf-act. 4 und 5). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
ist der Rückforderungsanspruch nicht vom im Einspracheverfahren
gestellten Rechtsbegehren abgedeckt. Mithin musste sich die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid auch zu
keinem Rückforderungsanspruch äussern. Da der besagte (Teil-)Antrag
somit erst während des verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens
vorgebracht wurde, ist darin eine unzulässige Ausdehnung des
ursprünglichen Rechtsbegehrens zu erblicken, weshalb auf ihn gestützt auf
Art. 51 Abs. 2 VRG nicht eingetreten werden kann. Dasselbe gilt bezüglich
des Eventualbegehrens gemäss Ziffer 2. Die Beschwerdeführerin verlangte
im vorinstanzlichen Einspracheverfahren weder eine Reduktion der
veranlagten Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren noch die
Rückerstattung eines im Rahmen der provisorischen Veranlagung zu viel
geleisteten Betrags von Fr. 46'452.80. Wie bereits erwähnt, stellte sie die
Berechnungsmodalitäten und die entsprechenden Rechnungsbeträge in
ihren Einsprachen vom 19. März 2019 mit keinem Wort in Frage (vgl. Bf-
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act. 4 und 5). Demzufolge läuft auch das Eventualbegehren der
Beschwerdeführerin auf eine unzulässige Ausdehnung des ursprünglichen
Rechtsbegehrens hinaus, weshalb darauf gemäss Art. 51 Abs. 2 VRG
ebenfalls nicht einzutreten ist.
3.1. In materieller Hinsicht streitig und zu prüfen ist, ob das Recht der
Beschwerdegegnerin zur Erhebung der definitiven Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren (vgl. Bf-act. 2 und 3) bereits verjährt ist.
3.2. Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, dass vorliegend keine direkt
anwendbaren Vorschriften zur Verjährung der in Frage stehenden
Anschlussgebühren existieren würden. Folglich hätte die
Beschwerdegegnerin gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
den Beizug sachgerechter Vorschriften bzw. Fristenregelungen anderer
Erlasse für verwandte Ansprüche des öffentlichen Rechts prüfen müssen.
Erst wenn eine solche Prüfung ergebnislos ausgefallen wäre, hätte sich
eine analoge Anwendung der privatrechtlichen Verjährungsfristen nach Art.
127/128 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR;
SR 220]) als sachgerecht rechtfertigen lassen. Die Beschwerdegegnerin
habe jedoch eine solche Prüfung ohne Angabe von sachgerechten
Gründen unterlassen und zum Vornherein auf die privatrechtliche
Regelung von Art. 127 OR abgestellt. Dies, obschon bei pflichtgemässer
Prüfung sofort ersichtlich gewesen wäre, dass ein Abstellen auf Art. 127
OR den konkreten Umständen des vorliegenden Falles in keiner Weise
gerecht werde. Um den konkreten Umständen gerecht zu werden, dränge
es sich – in Anlehnung an BGE 112 Ia 260 – auf, die steuergesetzliche
Fristenregelung der Veranlagungsverjährung gemäss Art. 125 des
Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.000)
heranzuziehen. Einzig die Anwendung der Verjährungsfrist von Art. 125
StG, welche sowohl für periodische als auch für nicht periodische Steuern
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eine Verjährungs- bzw. Verwirkungsfrist von fünf Jahren vorsehe,
erscheine insbesondere aufgrund der Vergleichbarkeit bzw. den Analogien
zwischen Steuern und Kausalabgaben als sachgerecht. In beiden Fällen
handle es sich um öffentlich-rechtliche Zwangsabgaben. Zwar seien
Steuern, anders als Kausalabgaben, nicht als Äquivalent für eine staatliche
Leistung, sondern voraussetzungslos geschuldet, was jedoch vorliegend
nicht von Bedeutung sei. Viel bedeutender sei der Umstand, dass in beiden
Fällen eine Veranlagung vorgenommen werden müsse, die sowohl für
Steuern als auch für Kausalabgaben vergleichbar sei. Zudem handle es
sich bei beiden Veranlagungsfristen (Steuern und Kausalabgaben)
regelmässig um Verwirkungs- und damit nicht um reine Verjährungsfristen.
In Ergänzung dazu befinde sich der Steuerpflichtige gegenüber dem
Anspruch erhebenden Gemeinwesen in der gleichen Interessenlage wie
bei einer Leistungspflicht für Kausalabgaben. Darüber hinaus unterlägen
sowohl Steuern als auch Kausalabgaben einem dreistufigen Rechtszug,
wobei letzte kantonale Instanz in beiden Fällen das angerufene Gericht sei.
Nach dem Gesagten erweise sich einzig die analoge Anwendung der
öffentlich-rechtlichen Regelung von Art. 125 StG für die Verjährung von
Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren als sachgerecht. Als
sachwidrig und damit willkürlich erweise sich demgegenüber die analoge
Anwendung der Verjährungsfrist von Art. 127 OR. Abgesehen davon, dass
diese Fristenregelung den Grundsatz verletze, wonach beim Fehlen
gesetzlicher Fristenregelungen primär öffentlich-rechtliche Normen
heranzuziehen seien, lasse eine analoge Anwendung von Art. 127 OR
sämtliche öffentlich-rechtlichen Besonderheiten der fraglichen
Anschlussgebühren unberücksichtigt und führe damit zu Willkür. Überdies
handle es sich bei Art. 127 OR um eine reine Verjährungs- und nicht um
eine Verwirkungsfrist. Verwirkungstatbestände seien regelmässig von
Verjährungstatbeständen zu unterscheiden, was letztlich wiederum gegen
eine analoge Anwendung von Art. 127 OR spreche. Sodann sei nicht
einzusehen, warum der ordentliche Steuerzahler mit einer Verjährungsfrist
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von fünf Jahren gegenüber den Schuldnern von Kausalabgaben mit einer
Verjährungsfrist von zehn Jahren dermassen bevorzugt werden solle. Für
eine sachliche Unterscheidung hinsichtlich der Dauer der
Verjährungsfristen gebe es keine Gründe und auch keinen
Ermessensspielraum der Beschwerdegegnerin in der Anwendung ihrer
Erlasse. Gemessen daran vermöge auch die zu diesem Thema bereits
ergangene Rechtsprechung des streitberufenen Gerichts nicht zu
überzeugen, wonach zufolge eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes
Ansprüche eines Gemeinwesens gegenüber Privaten nach Ablauf von
zehn Jahren verjähren würden. Zudem würden auch die
Bundesgerichtsurteile, auf welche das angerufene Gericht seine Praxis
abstütze, nicht auf eine (generelle) zehnjährige Verjährungsfrist schliessen
lassen. Vielmehr würden sie allesamt den Grundsatz, wonach bei Fehlen
gesetzlicher Fristenregelungen primär eine sachgerechte Lösung unter
Beizug öffentlich-rechtlicher Normen zu finden sei, bekräftigen. Da der
Umbau im Jahr 2013 beendet worden sei, sei die fünfjährige Frist zur
Veranlagung spätestens am 31. Dezember 2018 abgelaufen. Die
definitiven Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren seien somit
bereits verjährt.
4.1. Im öffentlichen Recht ist die Verjährung, im Gegensatz zum Privatrecht,
von Amtes wegen zu berücksichtigen, wenn das Gemeinwesen Gläubiger
und der Private Schuldner der Forderung ist (vgl. BGE 133 II 366 E.3.3).
Das Institut der Verjährung gilt als allgemeiner Rechtsgrundsatz des
schweizerischen Verwaltungsrechts, weshalb öffentlich-rechtliche
Ansprüche selbst beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbestimmung
der Verjährung oder Verwirkung unterliegen (vgl. BGE 125 V 396 E.3a).
Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung ist bei Fehlen gesetzlicher
Bestimmungen über die Verjährungsfristen auf öffentlich-rechtliche
Regelungen für verwandte Sachverhalte abzustellen. Gibt es keine
solchen, so kann das Gericht privatrechtliche Bestimmungen
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(insbesondere Art. 127 und 128 OR) analog anwenden oder selbst nach
allgemeinen Grundsätzen eine Regelung festlegen (vgl. BGE 140 II 384
E.4.2, 126 II 54 E.7, 113 Ia 146 E.3d, 112 Ia 260 E.5;
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 777). Gemäss bundesgerichtlicher und
herrschender Lehre gilt für einmalige Leistungen ausserhalb besonders
gelagerter Fallkonstellationen eine zehnjährige, für periodische eine
fünfjährige Verjährungsfrist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.299/2002
vom 3. November 2003 E.2.2; WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Band 1, Bern 2012, Rz. 706). Auch das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist dieser Auffassung gefolgt
(vgl. PVG 1999 Nr. 42 E.2a mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Ganzen Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 15 20 vom 5. April
2016 E.5).
4.2. Vorliegend ist zwischen den Parteien unbestritten, dass weder das
massgebende Reglement der Beschwerdegegnerin über die
Wasserversorgung und Abwasserbehandlung vom 20. März 1995 noch
das Baugesetz der Beschwerdegegnerin vom 14. Dezember 2009
Bestimmungen über die Verjährung von Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren enthalten (vgl. Bf-act. 13;
https://www.X._.ch/gemeinde/zahlen-gesetze/, zuletzt besucht am 25.
August 2020). Ebensowenig kennt das kantonale öffentliche Recht
allgemeine Verjährungsvorschriften, welche auch für Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren heranzuziehen wären. Da also eine
ausdrückliche gesetzliche Regelung fehlt, sind Beginn und Dauer der
Verjährungsfrist in Anlehnung an diejenige Ordnung zu bestimmen, die das
öffentliche Recht für verwandte Fälle aufgestellt hat. Das angerufene
Gericht geht in seiner Rechtsprechung zumindest implizit davon aus, dass
eine solche öffentlich-rechtliche Ordnung nicht vorhanden ist (vgl. Urteile
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 19 53 vom 12. März
https://www.madulain.ch/gemeinde/
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2020 E.5.2.1 f., A 16 3 vom 8. November 2016 E.4, A 15 20 vom 5. April
2016 E.5). Insbesondere betrachtet das streitberufene Gericht die
steuergesetzliche Regelung der Veranlagungsverjährung gemäss Art. 125
StG für die Veranlagung von Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren als nicht wegleitend (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 16 3 vom 8. November
2016 E.4b ff.). Eine Änderung dieser Rechtsprechung ist nicht angezeigt.
Es ist zwar mit der Beschwerdeführerin darin einig zu gehen, dass es sich
sowohl bei Steuern als auch bei Kausalabgaben um öffentlich-rechtliche
Zwangsabgaben handelt und in beiden Fällen eine Art von Veranlagung
vorgenommen werden muss. Jedoch handelt es sich bei Kausalabgaben
um individuelle Geldleistungen, die der Abgabepflichtige aufgrund des
öffentlichen Rechts als Entgelt für eine bestimmte staatliche Gegenleistung
oder besondere Vorteile zu entrichten hat. Demgegenüber sind Steuern
voraussetzungslos, d.h. unabhängig vom konkreten Nutzen oder
Verursacheranteil der steuerpflichtigen Person geschuldet, ohne dass eine
individuell zurechenbare Gegenleistung durch den Staat erfolgt (vgl. BGE
140 I 176 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_1074/2016 vom 20. Juni
2017 E.4.1). Bezogen auf den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die
Beschwerdeführerin eine bestimmte Leistung (des Gemeinwesens)
erhalten hat, nämlich das Recht die Kanalisation für die Ableitung des
Abwassers und das Verteilernetz für die Zuteilung des Wassers zu
benutzen (vgl. BGE 106 Ia 241 E.3b), für welche sie – wie im Privatrecht –
eine Geldzahlung zu entrichten hat. Somit erscheint es mit Blick auf die
Rechtssicherheit geboten, den Schuldner einer privatrechtlichen Forderung
und derjenige einer Kausalabgabe gleich zu behandeln. Demgegenüber
fehlt es hinsichtlich eines Steuerpflichtigen an der Pflicht zur Abgeltung
einer solchen besonderen Leistung des Gemeinwesens, weshalb es
gerechtfertigt erscheint, die Steuern einer strengeren Verjährungsordnung
zu unterwerfen als die vorliegend fraglichen Kausalabgaben. Nach dem
Gesagten befindet sich der Steuerpflichtige – entgegen der Ansicht der
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Beschwerdeführerin – gegenüber dem Anspruch erhebenden
Gemeinweisen sehr wohl in einer anderen Interessenlage als bei einer
Leistungspflicht für Kausalabgaben; er soll bereits nach fünfjähriger
Untätigkeit des Gemeinwesens von dessen Desinteresse ausgehen und
die Schuld als erledigt ansehen können. Damit einher geht selbstredend,
dass auch die Interessenlage des Gemeinwesens gegenüber den
Kausalabgabepflichtigen bzw. den Steuerpflichtigen nicht dieselbe ist.
Somit erscheint die analoge Anwendung der steuerrechtlichen
Bestimmung über die Veranlagungsverjährung gemäss Art. 125 StG für die
Frage der Verjährung von Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren
nicht sachgerecht, weshalb für die Verjährung der vorliegenden
nachträglichen Anschlussgebühren die privatrechtlichen Bestimmungen
als wegleitend zu betrachten sind. Da es sich bei den seitens der
Beschwerdegegnerin erhobenen Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren um einmalige und nicht periodisch
geschuldete Gebühren handelt, unterliegen sie – in Anwendung der oben
dargelegten Rechtsprechung – der zehnjährigen Verjährungsfrist gemäss
Art. 127 OR. An diesem Ergebnis vermag auch das von der
Beschwerdeführerin angeführte Bundesgerichtsurteil BGE 112 Ia 260 vom
2. Juni 1986 nichts zu ändern. Wie die Beschwerdegegnerin in zutreffender
Weise ausführt, erachtete das Bundesgericht darin die analoge
Anwendung der steuerrechtlichen Bestimmungen über die Veranlagungs-
bzw. Nachsteuerverjährung für die Verjährung von Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren durch das Verwaltungsgericht des
Kantons Zürich lediglich als vertretbar (vgl. BGE 112 Ia 260 E.5a ff.).
Zusammenfassend hielt das Bundesgericht im besagten Urteil in Erwägung
6 fest:
"Gesamthaft gesehen ergibt sich somit, dass das Verwaltungsgericht ohne Willkür die Regelung von § 104 StG auf die Erhebung der streitigen Gebühren anwenden und somit eine zehnjährige Verwirkungsfrist annehmen durfte. Hält somit der Entscheid vor dem Willkürverbot stand, so hat das Verwaltungsgericht die Autonomie der Beschwerdeführerin nicht verletzt."
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Mit anderen Worten räumte das Bundesgericht dem Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich bei der vorliegenden Thematik betreffend die
Verjährung von Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren einen
gewissen Ermessensspielraum ein. Es entschied aber gerade nicht, dass
bezüglich der Frage der Verjährung der besagten Anschlussgebühren
lediglich die analoge Anwendung der steuerrechtlichen Bestimmungen
über die Veranlagungs- bzw. Nachsteuerverjährung den konkreten
Umständen gerecht wird. Vor diesem Hintergrund ist es weder völlig
sachwidrig noch willkürlich, dass die Beschwerdegegnerin für die
Veranlagung der definitiven Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren
der Rechtsprechung des streitberufenen Gerichts folgte und die
zehnjährige Verjährungsfrist gemäss Art. 127 OR heranzog. Somit geht der
beschwerdeführerische Einwand, wonach der analoge Beizug der
privatrechtlichen Fristenregelung nach Art. 127 OR rechtlich nicht haltbar
sei und gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung – mangels
gesetzlicher Grundlage – einzig die analoge Anwendung der kantonalen
Steuergesetzgebung als geeignetes Mittel erscheine, um der vorliegenden
Problematik zu begegnen, fehl. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich
auf die Unterschiede zwischen Verwirkung und Verjährung verweist und
daraus ableiten will, dass diese unterschiedlichen Tatbestände gegen eine
analoge Anwendung von Art. 127 OR sprechen würden, ist ihr
entgegenzuhalten, dass im Kanton Graubünden auch die steuerrechtliche
Veranlagungsverjährung gemäss Art. 125 StG stillstehen bzw.
unterbrochen werden kann. Daher spricht auch der Umstand, dass es sich
bei Art. 127 OR um eine Verjährungsfrist handelt, nicht gegen dessen
analoge Anwendung bei Kausalabgaben.
4.3. Die Verjährung beginnt mit der Fälligkeit der Forderung (Art. 130 Abs. 1
OR). Die Parteien gehen vorliegend übereinstimmend davon aus, dass für
die Fälligkeit der definitiven Wasser- und Kanalisationsanschlussgebühren
auf den Zeitpunkt der Bauvollendung abzustellen ist (vgl. Urteile des
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Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 16 44 vom 25. Oktober
2016 E.3, A 15 20 vom 5. April 2016 E.6). Unbestritten ist, dass der Umbau
im Jahr 2013 beendet wurde. Folglich war die zehnjährige Verjährungsfrist
zum Zeitpunkt des Erlasses der definitiven Veranlagungsverfügungen am
27. Februar 2019 noch nicht abgelaufen. Das Recht der
Beschwerdegegnerin zur Erhebung der definitiven Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren ist somit noch nicht verjährt.
5. Zusammenfassend folgt, dass die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin nachträgliche Wasser- und
Kanalisationsanschlussgebühren im Gesamtbetrag von Fr. 35'736.--
(Wasseranschlussgebühr Fr. 17'214.--, Kanalisationsanschlussgebühr Fr.
18'522.--; vgl. Bf-act. 6) schuldet. Der angefochtene Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 23. April 2019 erweist sich somit als
rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde der
Beschwerdeführerin vom 21. Mai 2019 abzuweisen ist, soweit darauf
einzutreten ist.
6. Die Staatsgebühr ist vorliegend auf Fr. 2'000.-- anzusetzen (Art. 75 Abs. 2
VRG) und sie wird zusammen mit den Kanzleiauslagen der unterliegenden
Beschwerdeführerin auferlegt (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die
Beschwerdegegnerin obsiegt in ihrem amtlichen Wirkungskreis und hat
daher keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 78 Abs. 2 VRG).