Decision ID: d59e8020-9bb3-41d7-84c4-6b0c5bf07e76
Year: 2006
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Verfügung zu eröffnen. Exakt um jenen Sachverhalt handle es sich hier. Aus
den Unterlagen der Mitwirkungsauflagen (18.03.-19.04.05) hätten die
Gesuchsteller nämlich entnehmen können, dass die beiden in der ZöBA
liegenden Parzellen 1715/16 keinerlei Änderungen erfahren würden und
deshalb eben auch nicht Gegenstand der laufenden Teilrevision bilden
könnten. Mit ihren Gesuchen im Jahre 2005 hätten sie indes aber gerade
verlangt, dass die bereits laufende Teilrevision auf die Parz. 1715/16
ausgedehnt werde und diese neu einer Wohnzone zuzuweisen seien,
weshalb es am strittigen Verfügungsakt formell nichts auszusetzen gebe.
Materiell sei es zudem nicht richtig, dass der ursprünglich vorgesehene Zweck
der beiden Parzellen verloren gegangen sei, da jene Grundstücke damals im
Einverständnis mit den Verkäufern als allgemeine Landreserve gekauft
worden seien und noch eine externe Expertise im Nov. 2004 bestätigt habe,
dass künftig ein Raum-/Flächenbedarf in jener ZöBA bestünde. Im Übrigen
wäre die Gemeindeversammlung (und nicht der Vorstand) für jede Änderung
der Grundordnung (inkl. verbindlicher Verträge) zuständig gewesen, was noch
der konstitutiven Genehmigung durch die Regierung bedurft hätte.
4. Am 12.06.2006 machten die Rekurrenten die Angelegenheit bzw. Streitigkeit
betreffend Rückkaufsrechte der zwei Landparzellen 1715/1716 beim Kreisamt
Oberengadin anhängig. Die Vermittlungsverhandlung wurde vom Kreisamt
auf den 24.08.2006 angesetzt.
5. Ein zweiter Schriftenwechsel vor Verwaltungsgericht brachte im Resultat
keine wesentlichen neuen Erkenntnisse hervor, vertieften und erhärteten die
Parteien darin doch nur nochmals ihre gegensätzlichen Standpunkte
betreffend Geltung und Umsetzung des Vertragsinhalts von 1984 resp. der
Gültigkeit der Ziffer 1 (Ablehnung des Gesuches auf Umzonung) und Ziff. 2
(Teilnichtigkeit Rückkaufsrecht, sofern gestützt darauf ein Anspruch auf
Umzonung begründet werden sollte) im Dispositiv der angefochtenen
Verfügung vom 21.02/27.03.2006.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Am 1. Januar 2007 ist das neue Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) in Kraft getreten, welches das bisherige
Verwaltungsgerichtsgesetz (VGG; BR 370.100) abgelöst hat.
Übergangsrechtlich bestimmt Art. 85 Abs. 2 VRG, dass sich die
Weiterziehbarkeit und das Rechtsmittelverfahren nach neuem Recht richten,
wenn bei dessen In-Kraft-Treten die Rechtsmittelfrist noch nicht abgelaufen
ist. Umgekehrt gilt noch das bisherige Recht, wenn die Rechtsmittelfrist vor
dem 1. Januar 2007 bereits abgelaufen ist. Hier hat die Rechtsmittelfrist noch
im Jahre 2006 geendet, weshalb vorliegend bisheriges Recht zur Anwendung
kommt.
2. a) Nach der höchstrichterlichen bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann der
Grundeigentümer unter gewissen Bedingungen gestützt auf Art. 21 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700) einen Anspruch
formeller Natur auf Überprüfung der bestehenden Nutzungsplanung erheben,
namentlich dann, wenn die geltende Planung schon älter ist und sich die
Verhältnisse seit Erlass der Planung beträchtlich geändert haben (BGE 120
Ia 227 = Praxis 1996 Nr. 7). Solche Ansprüche sind laut dieser Vorschrift
durch den Gemeindevorstand zu behandeln und zu entscheiden. Damit wird
gleichzeitig sichergestellt, dass abgelehnte Ansprüche auf Überprüfung der
geltenden Nutzungsordnung auf dem Rekursweg dem Verwaltungsgericht
zum Entscheid unterbreitet werden können. Sofern ein Verfahren für eine Teil-
oder Totalrevision der Ortsplanung bereits im Gang ist, können Ansprüche
aus Art. 21 Abs. 2 RPG auch mit einer entsprechenden Planungsbeschwerde
gemäss Art. 101 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden
(KRG; BR 801.100) geltend gemacht werden (vgl. Botschaft der Regierung
an den Grossen Rat, Heft 3, 2004/2005, zur KRG-Revision). Vorliegend
hätten die Rekurrenten folglich im Anschluss an die Genehmigung der
Teilrevision durch die Gemeindeversammlung im Dezember 2005 an die
Regierung gelangen können, mit dem Begehren, auch bezüglich der
Parzellen 1715 und 1716 habe eine Planung stattzufinden.
b) Aus diesem Grund erteilt Art. 47 Abs. 2 KRG eben auch keinen Anspruch auf
Umzonung, sondern bloss einen Anspruch auf Einleitung eines Verfahrens
auf Änderung der Grundordnung. Eine eigene Vorschrift, wonach bei
Nichtausübung des Enteignungsrechtes durch das jeweils zuständige
Gemeinwesen innert bestimmter Frist ein Anspruch auf Umzonung einer
ZöBA besteht, kennt das bündnerische Recht nicht (vgl. Hänni, Planungs-,
Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 4. Aufl. Bern, 2002, S. 166). Im
Einzelfall gehört das Eigentum an den ZöBA-Parzellen 1715/1716 bereits der
Gemeinde, womit hier Gegenstand der Enteignung lediglich noch das
Rückkaufsrecht sein könnte. Allein aus der Tatsache, dass die Rekurrenten
seit 1984 immer noch dieses Rückkaufsrecht besitzen und die Vorinstanz die
ZöBA-Parzellen noch nicht ihrer endgültigen Bestimmung zugeführt hat, kann
jedoch noch nichts zu Gunsten einer allfälligen Umzonung hergeleitet werden,
weil das Bundesgericht auch schon entschieden hat, dass die
Gemeindebehörden die zu planenden öffentlichen Bauten und Anlagen nach
den Bedürfnissen einer längeren Zeitperiode als derjenigen von Art. 15 RPG
(15 Jahre) bemessen können (vgl. BGE vom 10.03.1995 in ZBl 1996 S. 116;
BGE 114 Ia 339 - sogar 30 Jahre).
c) Nach Art. 13 der Verordnung zum KRG (KRVO; BR 801.110) kann während
der öffentlichen Auflagefrist betreffend Änderung der Grundordnung
hingegen jedermann beim Gemeindevorstand Vorschläge und Einwendungen
einbringen (Abs. 2). Der Vorstand hat die Eingaben zu prüfen und dazu
gegenüber den Mitwirkenden Stellung zu nehmen. Das Ergebnis des
Mitwirkungsverfahrens wird zuhanden des beschlussfassenden Organs
zusammengefasst. Wird eine Vorlage nach der Mitwirkungsauflage geändert
und erfolgt keine zweite Auflage, gibt der Gemeindevorstand die Änderungen
in der Publikation des Beschlusses über den Erlass oder die Änderung der
Grundordnung bekannt und teilt diese ausserdem Direktbetroffenen schriftlich
mit (Abs. 3). Dieses, aus Art. 4 Abs. 2 RPG fliessende Mitwirkungsrecht gibt
aber bekanntlich keinen Anspruch auf Umzonung, weshalb die Rekurrenten -
entgegen der Behauptung der Vorinstanz – gar keinen derartigen Antrag resp.
Rechtsanspruch geltend gemacht haben können. Die Ziff. 1 im Dispostiv der
angefochtenen Verfügung erweist sich daher bereits im Ansatz als falsch. Die
Rekurrenten haben nach dem Gesagten keinen Antrag auf Umzonung gestellt
bzw. stellen können. Ebenso wenig haben sie unbestritten einen Antrag auf
Einleitung des Verfahrens betreffend Änderung der Grundordnung im Sinne
von Art. 47 Abs. 2 KRG gestellt. Die Ziff. 1 der Verfügung ist folglich
aufzuheben.
d) Was die Ziff. 2 anbetrifft, ist festzustellen, dass die Rekurrenten mit ihren
Schreiben vom 05.04. und 13.10.2005 vorweg Ansprüche aus dem ihnen laut
Kaufvertrag von 1984 zustehenden Rückkaufsrecht geltend gemacht haben.
Die Beurteilung der Frage, ob diese Ausübung rechtmässig erfolgte, das
heisst, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind, obliegen einzig und allein
dem Zivilrichter. In denselben Schreiben und schon früher haben die
Rekurrenten die Gemeinde ferner gebeten, die unter das Rückkaufsrecht
fallenden Teile von Parzelle 1715 und 1716 anlässlich der laufenden
Ortsplanungsrevision der entsprechenden Wohnzone zuzuteilen. Dies ist
aber – wenn auch verspätet, weil nicht mehr in der Auflagefrist – im Zuge des
laufenden Verfahrens in Ausübung ihrer Mitwirkungsrechte geschehen und ist
jedenfalls nicht als Geltendmachung eines öffentlichrechtlichen Anspruches
zu verstehen. Ein solcher Anspruch besteht, wie vorne in Erw. 1.b) erörtert,
mangels einer gesetzlichen Grundlage nicht. Alles andere hat der Zivilrichter
zu beurteilen. Daraus folgt, dass die Gemeinde nicht befugt war, die
Teilnichtigkeit des am 08.06.1984 vereinbarten Rückkaufsrechts
festzustellen.
3. a) Die angefochtene Verfügung ist daher in jeder Beziehung nicht rechtmässig,
was zu ihrer Aufhebung und zur Gutheissung des Rekurses führt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art.
75 VGG der Rekursgegnerin aufzulegen. Sie hat die anwaltlich vertretenen
Rekurrenten aussergerichtlich noch angemessen zu entschädigen.