Decision ID: 75e24eb2-3fce-463b-98e8-43b71b48b0e6
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden A._, B._ und C._, alle sy-
rische Staatsangehörige und gemäss ihren Angaben Geschwister, ersuch-
ten am 22. Dezember 2020 bei der schweizerischen Botschaft in Beirut
(nachfolgend: Botschaft) um Ausstellung humanitärer Visa.
Bereits zuvor hatten sie bei der Botschaft entsprechende Gesuche gestellt:
- Die Beschwerdeführerin A._ beantragte am 8. März 2017 ein
humanitäres Visum. Am 13. Juni 2017 verweigerte die Botschaft des-
sen Ausstellung. Das SEM wies die dagegen erhobene Einsprache am
19. Oktober 2017 ab.
- Die Beschwerdeführerinnen A._ und B._ sowie der Be-
schwerdeführer C._ reichten am 24. April 2018 Visagesuche
ein, welche die Botschaft am 30. April 2019 abwies. Am 4. Oktober
2019 lehnte das SEM die dagegen erhobene Einsprache ab.
B.
Mit Formularverfügung vom 5. Januar 2021 verweigerte die Botschaft die
Ausstellung der Visa erneut.
C.
Am 3. März 2021 wies das SEM (nachfolgend: Vorinstanz) die Einsprache
der Beschwerdeführenden gegen die Formularverfügung der Botschaft ab.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. April 2021 gelangten die Beschwerdefüh-
renden an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung und die Gutheissung des Antrags auf Ertei-
lung humanitärer Visa. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner ersuchten sie um unentgeltliche
Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2021 wies die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab.
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F.
In ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2021, welche den Beschwerdefüh-
renden am 26. Mai 2021 zur Kenntnis gebracht worden war, beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1
AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(vgl. Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmit-
telfrist [Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG])
sind erfüllt. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet
(vgl. Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-
gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-
deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Vorinstanz habe weder ihre
tatsächliche Situation im Libanon korrekt abgeklärt noch sich ernsthaft mit
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den Ausführungen in der Einsprache auseinandergesetzt. Damit habe sie
den Sachverhalt unvollständig abgeklärt und ihre Begründungspflicht ver-
letzt.
3.2 Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unvollständig ist die Sach-
verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz des geltenden Untersu-
chungsgrundsatzes (Art. 12 VwVG) den Sachverhalt nicht von Amtes we-
gen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum
VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29).
3.3 Aus der angefochtenen Verfügung ergibt sich, dass sich die Vorinstanz
eingehend mit der individuellen Situation der Beschwerdeführenden und
deren Vorbringen, insbesondere auch dem medizinischen Sachverhalt,
auseinandergesetzt hat. Sie behaupten denn auch nur pauschal eine Ver-
letzung des Untersuchungsgrundsatzes, ohne konkret darzulegen, worin
diese bestehen soll.
3.4 Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV umfasst
alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Ver-
fahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 II
427 E. 3.1). Er verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom Ent-
scheid betroffenen Person tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfin-
dung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Ent-
scheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abge-
fasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Ent-
scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 143 III 65 E. 5.2).
3.5 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung die Gründe für die Verweigerung
der humanitären Visa dargelegt. Es ist nachvollziehbar, auf welcher Grund-
lage und weshalb die Einsprache der Beschwerdeführenden abgewiesen
worden ist. Folglich erweist sich die Rüge betreffend Verletzung der Be-
gründungspflicht ebenfalls als ungerechtfertigt.
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3.6 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen, und das Rechtsbegehren ist abzuweisen. Der
blosse Umstand, dass die Beschwerdeführenden die Beurteilung durch die
Vorinstanz nicht teilen, stellt weder eine Verletzung der Pflicht zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts noch
der Begründungspflicht dar. Ob die materielle Beurteilung der Vorinstanz
zutrifft, ist nachfolgend zu prüfen.
4.
4.1 Als Staatsangehörige von Syrien unterliegen die Beschwerdeführen-
den der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018
über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihrem Ge-
such beabsichtigen sie ausdrücklich einen längerfristigen Aufenthalt, wes-
halb dieses nicht nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, son-
dern nach den Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen ist (vgl.
BVGE 2018 VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1).
4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen
Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen
aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt
erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende
Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und
Leben gefährdet ist.
4.3 Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr restriktiven Be-
dingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese gelten dann als
erfüllt, wenn bei einer Person aufgrund der konkreten Umstände offensicht-
lich davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im Heimat- oder Her-
kunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die ein behördliches
Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfertigt, ihr – im Gegen-
satz zu anderen Personen in derselben Lage – ein Einreisevisum zu ertei-
len. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund
einer konkreten individuellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen
Personen betrifft, gegeben sein. Befindet sich die betroffene Person bereits
in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3) oder ist sie nach einem Auf-
enthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurück-
gekehrt (vgl. Urteil des BVGer F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 4.3)
und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in
der Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht. Das
Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der
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persönlichen Umstände der betroffenen Personen und der Lage im Hei-
mat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei können auch weitere
Kriterien wie konkrete Bindungen zur Schweiz und die hier bestehenden
Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land um
Schutz nachzusuchen, berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018 VII/5
E. 3.6.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet die angefochtene Verfügung damit, die Be-
schwerdeführenden würden sich im Libanon und damit in einem sicheren
Drittstaat aufhalten. Somit greife die Vermutung, dass keine Gefährdung
bestehe. Es seien keine substantiierten und stichhaltigen Gründe ersicht-
lich, welche auf eine unmittelbare, ernsthaft und konkret, Leib und Leben
gefährdende Notlage hinweisen würden. Es seien überdies keine gezielt
gegen die Beschwerdeführenden gerichteten Verfolgungsmassnahmen
geltend gemacht worden. Im Libanon würden sich zurzeit Tausende syri-
sche Flüchtlinge aufhalten, ohne dass sie konkret gefährdet seien. Der Zu-
gang zu einer minimalen Gesundheitsversorgung sei möglich, zumal
grundsätzlich ein funktionierendes Gesundheitssystem bestehe. Zudem
würden keine Hinweise dafür vorliegen, dass syrische Flüchtlinge im Liba-
non – selbst wenn sie illegal dort seien – gefährdet wären, nach Syrien
ausgeschafft zu werden. Der Umstand, dass sich die Beschwerdeführen-
den erst nach 2015 beim UNHCR registriert hätten, habe keinen Einfluss
auf ihren Zugang zur sogenannten «Primary Health Care». Alle «Persons
of Care» (PoC) hätten Zugang zu der vom UNHCR bereitgestellten Ge-
sundheitsvorsorge. Es gelte einzig, mit einem Dokument zu belegen, dass
man syrischer und nicht libanesischer Staatsangehöriger sei. Betreffend
die «Secondary Health Care», die Spitalaufenthalte beinhalte, müsse man
eine Anerkennung als PoC belegen können. Dafür brauche es aber keinen
legalen Aufenthalt oder eine Registrierung bzw. offizielle Anerkennung als
Flüchtling. Für Notfälle, die nicht über einen PoC-Status verfügen würden,
gebe es parallel zur Einweisung ein Fast-Track Verfahren, um als PoC an-
erkannt zu werden. Das UNHCR selbst stelle den Zugang sicher, die Be-
handlung erfolge im Rahmen des Gesundheitssystems im Libanon. Insbe-
sondere im Bereich der «Primary Health Care» gebe es nebst dem UNHCR
viele weitere Akteure (unter anderem Médécins Sans Frontières), welche
diesen Zugang gewährleisten und finanzielle Unterstützung anbieten wür-
den. Sie – die Vorinstanz – verkenne nicht, dass das Leben der Beschwer-
deführenden im Libanon zweifelsohne beschwerlich sei. Die prekären Le-
bensumstände betreffend medizinische Versorgung, Unterkunftsprobleme
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sowie Lebenshaltungskosten würden aber für sich alleine keine entspre-
chende Gefährdung vor Ort begründen. Die Beschwerdeführenden könn-
ten ausserdem mit finanzieller Unterstützung ihrer in der Schweiz lebenden
Familienangehörigen rechnen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
5.2 Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, der Libanon sei durch
eine Wirtschaftskrise, Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, eine veraltete Infra-
struktur und sehr viele Flüchtlinge massiv belastet. Die aktuelle Lage sei
für Flüchtlinge desaströs, nahezu anarchisch, und es gebe keine Unterstüt-
zung. Die libanesische Regierung verbiete die Einrichtung von formellen
Flüchtlingslagern, und seitens der libanesischen Politik und Bevölkerung
komme vermehrt Widerstand gegen syrische Flüchtlinge auf. Seit Aus-
bruch der Covid-Pandemie seien in mehreren Gemeinden diskriminierende
Bewegungseinschränkungen eingeführt worden, die nur für syrische
Flüchtlinge gelten würden. Syrer würden als Ursache für viele Probleme im
Libanon gelten. Die angespannte Situation setze die Flüchtlinge zuneh-
mend unter Druck, nach Syrien zurückzukehren. Zudem seien die Flücht-
linge nicht vom Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention erfasst, da der
Libanon diese nicht unterzeichnet habe. Das Land könne folglich nicht als
sicherer Drittstaat eingestuft werden. Darüber hinaus würden die Behörden
Anstrengungen unternehmen, um syrische Flüchtlinge zu deportieren. Eine
Rückkehr nach Syrien wäre für sie – die Beschwerdeführenden – aber of-
fensichtlich unzumutbar, da die kriegerischen Auseinandersetzungen an-
dauern würden. Der weitere Aufenthalt im Libanon sei ebenfalls keine Al-
ternative. Sie seien gezwungen, unter prekären Bedingungen in einem ein-
zigen kleinen Raum bzw. einem Unterstand zu leben, der von der ganzen
Familie benutzt werde. Um sich ohne eine feste Wand vor Kälte und Regen
zu schützen, würden sie Tücher benutzen. Da sie über keinen festen
Wohnsitz verfügen würden, drohe ihnen Obdachlosigkeit. Es fehle ihnen
am Grundlegendsten und jeder Tag sei mit Unsicherheiten verbunden. Ihre
humanitäre Situation sei prekär und lebensbedrohend. Zudem würden sie
dringend medizinische Unterstützung in der Schweiz benötigen, da es im
Libanon keinen Zugang zu medizinischer Versorgung gebe. A._ sei
bei einer Explosion in Qamischli am Oberschenkel schwer verletzt worden.
Sie benötige dringend mehrere Fussoperationen, damit sie ihren Fuss wei-
terhin benutzen könne. Die Verletzung behindere sie im täglichen Leben,
indem sie beispielsweise nicht stundenlang in einer Warteschlange stehen
könne, um Zugang zu Lebensmitteln zu erhalten. Dies habe auch negative
Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit. Gemäss behandelndem
Arzt sei die erforderliche medizinische Behandlung im Libanon unmöglich.
C._ leide an geistigen und motorischen Beeinträchtigungen. Er sei
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stumm, weise Symptome von Autismus auf und sei nicht in der Lage, sei-
nen Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten. Sein psychischer Zu-
stand habe sich durch die Eindrücke im syrischen Bürgerkrieg und nach
der Explosion im Hafen von Beirut massiv verschlechtert. Im Libanon sei
ihm aber der Zugang zu psychischer Behandlung verwehrt. Er könne sich
im Alltag nicht um sich selbst kümmern und brauche Unterstützung von
seiner Schwester (B._). Dementsprechend sei auch ihr als Betreu-
ungsperson ein humanitäres Visum zu erteilen. Die Familie (drei Geschwis-
ter) sei beim UNHCR registriert, habe jedoch ein Dokument unterzeichnet,
wonach eine Registrierung nach 2015 keine Unterstützung beinhalte. Ein
Bruder lebe seit Jahren in der Schweiz, verfüge über die schweizerische
Staatsbürgerschaft und könne seine Familie in der Schweiz unterstützen.
Die Vorinstanz schiebe die Verantwortung pauschal auf ihn ab und präsen-
tiere damit lediglich Lösungen, die konkret nicht realisierbar seien.
5.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz abermals fest, dass keine
Gründe für eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung der Be-
schwerdeführenden im Libanon ersichtlich seien.
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden wohnten ursprünglich in Damaskus und
sind 2015 aus Qamischli (Syrien) in den Libanon geflüchtet, wo sie seither
leben. Im Libanon herrscht weder (Bürger-)Krieg noch eine Situation allge-
meiner Gewalt. In Bezug auf die Vorbringen der Beschwerdeführenden zu
den schwierigen Bedingungen von syrischen Flüchtlingen im Libanon ist
festzuhalten, dass diese allgemeinen Ausführungen nicht geeignet sind,
eine konkrete Gefährdung aufzuzeigen. Die Lage für syrische Flüchtlinge
im Libanon ist zweifelsohne schwierig und belastend. Dies führt indessen
nicht zur Annahme, die Beschwerdeführenden würden sich in einer beson-
ders prekären Notlage befinden, welche ein behördliches Eingreifen zwin-
gend erforderlich machen würde. Vielmehr braucht es für die Ausstellung
eines humanitären Visums konkrete Anhaltspunkte für das Bestehen einer
unmittelbaren, ernsthaften und konkreten Gefährdung an Leib und Leben
(E. 4.3).
6.2 Hinsichtlich der pauschal geäusserten Befürchtung einer zwangswei-
sen Rückführung nach Syrien gilt es zu bedenken, dass sich die Beschwer-
deführenden seit 2015 im Libanon aufhalten. Auch wenn insbesondere in
den letzten Jahren eine Verschärfung der libanesischen Flüchtlingspolitik
auszumachen ist, scheinen davon in erster Linie syrische Staatsangehö-
rige betroffen zu sein, die nach dem 24. April 2019 illegal in den Libanon
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gelangt sind (vgl. Urteile des BVGer F-5260/2020 vom 3. September 2021
E. 6.4; F-533/2020 vom 31. Mai 2021 E. 6.2.2). Die Beschwerdeführenden
fallen nicht darunter. Auch darüber hinaus gibt es im konkreten Fall keine
Hinweise für eine erhöhte Gefahr einer zwangsweisen Rückführung vom
Libanon nach Syrien. Bezüglich der geltend gemachten prekären humani-
tären Situation verweisen die Beschwerdeführenden schliesslich auf ihre
Wohnsituation in einem notbedürftigen Unterstand, welche sie mit einem
unkenntlichen Foto dokumentieren. Auch daraus lässt sich jedoch nicht
schliessen, dass sie konkret gefährdet wären.
6.3 Im Libanon ist zumindest eine minimale medizinische Versorgung ge-
währleistet. Wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt wird, gibt es
nebst dem UNHCR weitere Akteure wie beispielsweise Médécins Sans
Frontières, welche den Zugang zu medizinischer Unterstützung gewähr-
leisten. Diese umfasst die Behandlung akuter und chronischer Krankhei-
ten, Impfungen, Geburtshilfe und psychologische Betreuung (Urteil des
BVGer F-3837/2021 vom 21. Juli 2022 E. 5.4). Die Beschwerdeführenden
geben selbst an, dass sie beim UNHCR registriert seien. Das von ihnen
erwähnte Dokument, in dem angeblich festgehalten werde, dass syrische
Flüchtlinge, die nach 2015 registriert worden sind, vom UNHCR nicht un-
terstützt würden, reichen sie zudem nicht ein.
6.4 Darüber hinaus ist aus den eingereichten Unterlagen kein dringender
Bedarf an medizinischer Unterstützung für die Beschwerdeführenden er-
sichtlich. In Bezug auf die gesundheitliche Situation von A._ liegen
ein Bericht eines syrischen Arztes vom 28. März 2015, eine Bestätigung
einer lokalen syrischen Behörde (undatiert) sowie ein syrischer Arztbericht
vom 20. Februar 2018 vor, wobei letztere beiden sehr oberflächlich sind.
Aus dem Arztbericht vom März 2015 ist ersichtlich, dass A._ damals
aufgrund einer Schussverletzung in ein Krankenhaus eingeliefert wurde,
wobei ein Teil der aufgeführten Verletzungen (Schuss am Kopf) operativ
behandelt werden konnte. Die genannten ärztlichen Zeugnisse zeigen auf,
dass kein medizinischer Notfall vorliegt. Im Bericht vom 20. Februar 2018
ist denn auch von einer «akuten chronischen Beschädigung des linken
Ischiasnerves» die Rede. C._ benötigt gemäss ärztlichem Attest
vom 9. Juli 2018 eine psychische und neurologische Behandlung. Auch
wenn die aufgeführten gesundheitlichen Beschwerden der beiden Be-
schwerdeführenden den Alltag zu erschweren vermögen, handelt es sich
nicht um lebensbedrohliche Beeinträchtigungen. Abgesehen davon wird in
den erwähnten Berichten nicht substantiiert dargelegt, welcher Behandlun-
gen die Betroffenen konkret bedürften und warum diese nur im Ausland
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möglich sein sollten. Bei dieser Sach- und Aktenlage kann nicht davon aus-
gegangen werden, dass eine Einreise in die Schweiz aus medizinischen
Gründen zwingend erforderlich sei.
7.
Zusammenfassend bringen die Beschwerdeführenden keine hinreichend
substantiierten Gründe vor, die eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete
Bedrohung bzw. eine besondere Notlage glaubhaft machen würden. Die
Vorinstanz hat die Voraussetzungen, unter denen ihnen ein nationales Vi-
sum aus humanitären Gründen ausgestellt werden könnte, zu Recht ver-
neint.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist demzufolge abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In Anbetracht
der besonderen Umstände wird jedoch auf eine Auferlegung der Verfah-
renskosten verzichtet (vgl. Art. 6 Bst. b VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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