Decision ID: 8cfba37e-f3ff-4d5e-9829-8f70c9f441ab
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
2009
, war bei der
SWICA Krankenversicherung AG
(nach
fol
gend:
Swica
) obligatorisch gemäss dem Bundes
gesetz über die Kranken
versi
cherung (KVG) krankenversichert, als
die sie untersuchende Ärztin die Swica
am
2
9.
Mai
2012 um Kostengutsprache für eine
genetische Analyse im Sinne einer molekularen Karyotypisierung beziehungsweise einer genomischen Reihen in-situ Hybridi
sierung
an der
Z._
, Institut für Medizinische Ge
netik,
ersuchte (
Urk.
7/1).
Mit Schreiben vom
2
2.
Juni 2012 (
Urk.
7/5) teilte die Swica der
Z._
, Institut für Medizinische Genetik, mit, dass es sich bei der geplanten genetischen Untersuchung nicht um eine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenversicherung handle, weshalb dem Kostengut
sprache
ge
such vom 2
9.
Mai 2012 nicht entsprochen werden könne.
Mit einem mit „Wiedererwägungsgesuch“ betitelten Schreiben vom 2
6.
Juni
2012
(
Urk.
7/6) erneuerte die
Z._
, Institut für Medizinische Gene
tik,
das
Gesuch um Kostengutsprache für eine genomische Reihen in-situ Hybri
disie
rung,
worauf die Swica mit Schreiben vom
3.
August 2012 (
Urk.
7/7)
an ihrer Ab
lehnung de
r
Kosten
übernahme
festhielt.
Mit einem mit „
2.
Wiederer
wä
gungs
ge
such“ betitelten Schreiben vom 1
7.
August 2012 (
Urk.
7/8) er
such
te die
Z._
, Institut für Medizinische Genetik,
erneut
um Kostengutsprache für eine genomische Reihen in-situ Hybridisie
rung
, worauf die Swica mit Schreiben
vom 1
5.
Oktober 2012 (
Urk.
7/9)
ihre
Ablehnung de
r
Kosten
übernahme
bestä
tig
te
und
der Versicherten
den Erlass einer Verfügung in Aussicht stellte.
Mit Verfügung vom 1
5.
Oktober 2012
(
Urk.
7/10) verneinte die Swica eine Leis
tungspflicht für die genomische Reihen in-situ Hybridisierung.
Die
vom Vater
der
Versi
cherten am 2
4.
Oktober
2012 dagegen erhobene Einsprache (Urk.
7/11
) wies
die
Swica
mit Einspracheentscheid vom
6.
November 2012
(Urk.
7/12 =
Urk.
2
) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
6.
November 2
012 (Urk. 2) erhob
der Vater der
Versicherte
n
am
2
1.
November
2012 Beschwerde
und beantragte
dieser
sei
aufzuheben und es sei die
Swica
zu verpflichten, die Kosten der
geplan
ten ge
netischen Untersuchung an der
Z._
, Institut für Medizini
sche
Genetik,
zu übernehmen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Dezember
2012
beantragte die
Swica
die Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
), wovon der
Be
schwer
deführerin
am
1
1.
Dezember
2012 (Urk.
8
) eine Kopie zugestellt wurde.
Am 1
3.
Februar 2013 (
Urk.
15) nahm die Swica und am 2
1.
Februar 2013 (Urk. 17
) die
Beschwerdeführerin
zu einem in der Fachzeitschrift Genetics in
Medicine veröffentlichten
und zu den Akten genommenen (
Urk.
12) wissen
schaft
lichen
Artikel über genetische Untersuchungen Stellung
, wovon de
r
je
weiligen
Gegen
partei
am 2
6.
Februar 2013
jeweils eine Kopie
zugestellt wurde (
Urk.
18).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 1a Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) gewährt die soziale Krankenversicherung Leis
tungen bei Krankheit (Art. 3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG), wobei Krankheit nach Art. 3 Abs. 1 ATSG jede Beeinträchtigung der kör
perlichen oder geistigen Gesundheit ist, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behand
lung erfordert oder eine Ar
beits
un
fähigkeit zur Folge hat (vgl. Gebhard Eugster, ATSG und Krankenversi
che
rung, in: SZS 47/2003, S. 216 f.).
1.
2
Im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Art. 1 Abs. 1 KVG) haben die anerkannten Krankenkassen (Art. 12 KVG) und die zugelassenen pri
vaten Versicherungseinrichtungen (Art. 13 KVG) als obligatorische Kranken
pflegeversicherer (Art. 11 KVG) unter anderem im Falle der Krankheit (Art. 1 Abs. 2 lit. a KVG) die Kosten für die Leistungen gemäss den Art. 25 - 31 KVG nach Mass
gabe der in den Art. 32 - 34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu über
nehmen (Art. 24 KVG). Gemäss Art. 25 Abs. 1 KVG übernimmt die obliga
torische Krankenpflegeversicherung die Kosten für jene Leistungen, die der Di
agnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen. Darunter fallen nach Art. 25 Abs. 2 lit.
b
KVG
unter anderem
die
ärztlich verordneten Analysen
.
Die entsprechende Analysenliste (AL) wird vom Departement nach Anhören der Eidgenössischen Kommission für Analysen, Mittel und Gegenstände erlassen (
Art.
52
Abs.
1 lit. a
Ziff.
1 und
Art.
33
Abs.
2 KVG,
Art.
34 und
Art.
37f
der
Verordnung über die Krankenversicherung
,
KVV
). Die abschliessende in der Regel jährlich überarbeitete Liste der vergütungsfähi
gen Analysen mit Tarif ist in Anhang 3
der
Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung (KLV)
enthalten (
Art.
60 KVV und
Art.
28 KLV;
nicht in der AS veröffentlicht, kann unter www.bag.admin.ch eingesehen wer
den)
.
1.3
Die bei der Beschwerdeführerin geplante, streitige Reihen-Hybridisierung in situ war
zum
Zeitpunkt
des
Erlass
es
des angefochtenen Einspracheentscheids vom
6.
November 2012 (
Urk.
2)
in der AL enthalten (Molekulare Zytogenetik, Posi
tion
2018.05
: Reihen-Hybridisierung in situ oder genomisch, konstitutioneller Karyo
typ
oder maligne Hämopathien, pauschal für 8 oder mehr Sonden
).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Kostenübernahme im Rahmen der obligatorischen Kran
kenpflegeversicherung sind Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlich
keit der Leistung (
Art.
32
Abs.
1 KVG). Eine Leistung ist wirksam, wenn sie ge
eignet ist, das angestrebte diagnostische oder therapeutische Ziel zu erreichen (BGE 137 V 295 E.
6.1). Die Zweckmässigkeit fragt nach dem diagnostischen oder therapeutischen Nutzen der Anwendung im Einzelfall unter Berücksichti
gung der damit verbundenen Risiken, gemessen am angestrebten Heilerfolg der möglichst vollständigen Beseitigung der körperlichen oder psychischen Beein
trächtigung sowie allenfall
s an der Missbrauchsgefahr (BGE
137 V 295 E. 6.2). Das Wirtschaftlichkeitserfordernis bezieht sich auf die Wahl unter mehreren zweck
mässigen Diagnose- oder Behandlungsalternativen Bei vergleichbarem medizinischem Nutzen ist die kostengünstigste Variante
beziehungsweise
dieje
nige mit dem besten Kosten-/Nutzen-Verhältnis zu wählen. Wo es nur eine Di
agnose- oder Behandlungsmöglichkeit gibt, ist nach dem allgemeinen Grund
satz
der Verhältnismässigkeit (
Art.
5
Abs.
2
der Bundesverfassung,
BV) die Leis
tung zu verweigern, wenn zwischen Aufwand und Heilerfolg ein grobes Miss
ver
hält
nis besteht (BGE 136 V 395 E.7.4; vgl. Gebhard Eugster
,
Kranken
ver
sicherung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV,
2.
Aufl. 2007, S.
494 ff.).
2.2
Diagnostische Massnahmen müssen (in Abgrenzung zu Untersuchungen zur Früh
erkennung von Krankheiten im Sinne von
Art.
26
Abs.
1 KVG) im Zusam
men
hang mit der Behandlung einer manifesten Erkrankung oder eines konkre
ten
Krankheitsverdachts stehen, damit sie durch die obligatorische Krankenpfle
ge
versicherung zu vergüten sind (Urteil
e
des
Bundesgerichts
9C_1011/2012 vom
1
8.
April 2013 E.
2.3.1 und
K 55/05 vom 2
4.
Oktober 2005 E.
1.1). Sie müssen letztlich der Krankheitsbehandlung dienen (Eugster,
Krankenversicherung
, Rz.
316
S. 500), wozu auch gehört, das Eintreten einer Krankheit zu verhindern einschliesslich eine (Erb-) Krankheit auszuschliessen (RKUV 1995 Nr. K 957
S.
12, K 28/94). Das bedeutet, dass sie - bei prognostischer Beurteilung (SVR 2008
KV Nr. 1 S.
1, K 47/06 E.
4.1) - therapeutische Konsequenzen haben kö
nnen.
Trifft dies nicht zu, das heisst
ist in dem Sinne der diagnostische Endpunkt er
reicht, dass die Therapie feststeht oder keine (andere) mehr möglich ist, besteht keine Kostenübernahmepflicht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_1011/2012
vom 1
8.
April 2013 E. 2.3.1;
Eugster,
Krankenversicherung
, Rz. 320 S. 500).
2.3
In den einleitenden Bemerkungen zur
AL
in Anhang 3 KLV (in der hier an
wend
baren Fassung vom
1.
Januar 201
2
) werden Analysen von der Kosten
über
nahme ausgeschlossen, bei denen schon zum Zeitpunkt der Anordnung fest
steht,
dass das Resultat keine medizinisch-therapeutischen Konsequenzen hat. Im Rah
men
der Änderung per
1.
Januar 2013 sind in den einleitenden Be
merkungen zur Analysenliste Bedingungen formuliert worden. Danach gilt Fol
gendes:
"Die Diagnostik hat mit einer akzeptablen Wahrscheinlichkeit die Konsequenz, dass sie
einen Entscheid über Notwendigkeit und Art einer medizinischen Be
handlung
oder
eine richtungsgebende Änderung der bisher angewendeten medizini
schen
Behandlung oder eine richtungsgebende Änderung der notwendi
gen Un
ter
suchungen (z.B. zur rechtzeitigen Verhütung, Erkennung oder Be
hand
lung von typischerweise zu erwartenden Komplikationen) oder
einen Verzicht auf weitere Untersuchungen von typischerweise zu er
wartenden Krankheitssymptomen, Folgeerkrankungen oder Beschwerden
zur Folge hat. Analysen, bei denen schon zum Zeitpunkt der Anordnung fest
steht, dass das Resultat keine der oben erwähnten Konsequenzen hat, sind von der
Kostenübernahme ausgeschlossen".
2.4
Nach der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 9C_1011/2012 vom 1
8.
April
2013
E. 2.3.2) ist die
Umschreibung der Voraussetzungen für eine Ver
gütung von Analysen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung
ge
mäss der Änderung per
1.
Januar 2013 der einleitenden Bemerkungen zur AL auch auf
Sachverhalte unter Geltung der Fassung der AL vom
1.
Januar 2011 anzuwend
en,
weshalb
die einleitenden Bemerkungen zur AL, in der Fassung vom
1.
Januar 2013,
auch im vorliegenden Fall zum
Beurteilungs
massstab zu nehmen
sind
.
3.
3.1
Prof.
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH f
ür Medizinische Genetik,
erwähnte
im Kostengutsprachegesuch vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/1), dass
die Beschwerde
führerin unter einer Entwicklungs
verzögerung sowie unter einem hyperaktiven Verhaltens mit autistischen Zügen leide
. Da diese Symptomkonstellation für das Zugrundeliegen einer komplexeren genetischen Erkrankung spreche, und da die
genaue Diagnose und Krankheitsursache sowie infolgedessen die Prognose und die therapeutischen Optionen unklar seien, sei zur diagnostischen Klärung die Durchführung einer mol
e
kularen Karotypisierung im Sinne einer Reihen-Hybri
disierung in situ angezeigt. Sie führte aus, dass
eine in der Fachzeitschrift Ge
netics in Medicine (Volume 13, Number 9, September 2011) veröffentlichte neu
este medizinische Studie bestätige, dass
sich
für alle untersuchten Störungen
(Entwicklungs
verzögerung, Lernschwäche, geistige Behinderung, congenitale Ano
malien, autistische Erkrankungen) bei Vorliegen einer durch Reihenhybri
disierung gefundenen Auffälligkeit (von 1792 bei 13.1
%
) in 54
%
der Fäll
e di
rekte medizinische Konsequenzen beziehungsweise eine Behandlungsnotwen
digkeit ergeben würden.
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
erwähnte in seinem Bei
trag vom
7.
Juni 2012 zu Position 2018.05 der AL im Forum der Schweizeri
schen Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte (
Urk.
7/3
S. 1
), dass es sich bei
d
er Reihenhybridisierung um einen genetisch-diagnostischen Rund
umschlag beziehungsweise um ein Array
zur Suche der
Nadel im Heuhaufen
handle. Da man nicht wisse, wo und was man dabei suchen wolle, sei es in di
agnostischer Hinsicht fraglich, ob es sich hierbei um zweckmässige Untersu
chungen handle. In therapeutischer Hinsicht sei fraglich, ob diese Untersuchun
gen einen therapeutischen Nutzen aufwiesen. Eine in der Fachzeitschrift Ge
netics in Medicine (Volume 13, Number 9, September 2011) veröffentlichte Un
tersuchung am Kinderspital Boston unter 1792 Patienten mit Entwicklungsver
zögerung, geistiger Behinderung, multiplen congenitalen Anomalien und autis
tischen Erkrankungen habe ergeben, dass
eine molekulare Karyotypisierung (chromosomal microarray) in 13.1
%
der Fälle klinisch relevante Ergebnis
se
er
bracht habe, davon
in
7.3
%
Abweichungen von der Norm und
in
5.8
%
Norm
varianten von möglicher Signifikanz
, wovon in 54
%
der
7.3
%
der Fälle mit Abweichungen von der Norm, das heisst in
insgesamt
3.9
%
der
untersuchten Fälle,
eine höhere
Rate für die Empfehlung eines klinischen Vorgehens resultiert habe. Bei einer Ausbeute für eine klinische Empfehlung von 3.9 % handle es sich um einen geringen Wert. Sodann bedeute eine klinische Empfehlung noch nicht
unbedingt
eine medizinisch-therapeutische Konsequenz.
3.3
Dr. med.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, Leiter des ver
trau
ensärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin, hielt in seinem Schreiben vom 14.
Juni
2012 (Urk.
7/4) zur Frage der genetischen Untersuchung bei Ent
wick
lungs
störung und Dysmorphie-Syndrom fest, die Mutationserfassungsrate sei bei
solchen Panel-Untersuchungen zu gering, um eine genetische Untersuchung zu rechtfertigen; die Antragssteller sprächen selbst von einer Ausbeute von 13,1 %. Von der
Schweizerische
n
Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte (SGV)
werde im VA-Manual hinsichtlich Reihenuntersuchungen keine Kosten
übernahme empfohlen. Eine medizinisch-therapeutische Konsequenz lasse sich ausserdem aus den Unterlagen nicht erkennen. Allfällige Therapien, welche symp
tomatisch seien, erhalte die Beschwerdeführerin trotzdem, ungesehen von einem genetischen Abklärungsresultat. Das erwähnte Gerichtsurteil des Sozial
ver
sicherungsgerichts des Kantons Zürich beziehe sich auf Analyselisten von 2006-2009, wo das Faktum der medizinisch-therapeutischen Konsequenz noch
nicht so im Vordergrund gestanden habe wie in der neu revidierten Analysen
liste
seit 1. Januar 2011. Gesamthaft sei deshalb die geforderte Untersuchung als Nicht
pflichtleistung zu beurteilen.
3.
4
In einem in der in der Fachzeitschrift Genetics in Medicine veröffentlichten Artikel (Michael E. Coulter et al., Chromosomal microarray testing influences
medi
cal management, in: Genetics in Medicine, Volume 13 Number 9 Septem
ber
2011, S. 770-776
;
Urk.
12
) führten die Autoren aus, dass sie eine Studie unter
1792 Patienten des Children’s Hospital, Boston, Vereinigte Staaten von Amerika
,
mit Entwicklungsverzögerung, mit geistiger Behinderung, mit multiplen con
ge
ni
talen Anomalien oder mit autistischen Erkrankungen,
welche vorgängig mitte
ls
molekularer
Karyotypisierung beziehungsweise mittels einer genomischen Reih
en Hybridi
sierung
in situ
(chromosome microarray or array comparative geno
mic hybridization) untersucht
worden seien, durchgeführt hätten.
Von diesen 1792 untersuchten Patienten hätte
n
die
genetischen Untersuchungen
be
i 13.1
%
der Patienten klinisch relevante Ergebnisse
gezeigt
, entweder Abweichungen von
der Norm (7.3
%
) oder Normvarianten von möglicher Signifikanz (5.8
%
).
Bei Patienten mit
Abweichunge
n von der Norm habe eine höhere
Rate
an
Em
pfeh
lungen für
ein klinisches Vorgehen
(54
%) als bei Patienten mit Normvarianten von möglicher Signifikanz (34
%
)
resultiert. Insgesamt hätten die genetischen Untersuchungen
bei einer Mehrheit der Patienten mit Abweichungen von der Norm und bei einer substantiellen Zahl der Patienten mit Normvarianten von möglicher Signifikanz Einfluss auf die medizinische Behandlung (medical ma
na
gement) gehabt.
4.
4.1
Die
die Beschwerdeführerin
untersuchende Ärztin Prof.
Dr.
A._
vermag in ihrem
Kostengutsprache
ge
such vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/1) sowie in
ihren
Ge
su
chen vom 2
6.
Juni 2012 (
Urk.
7/6) und vom 1
7.
August 2012 (
Urk.
7/8) nicht darzulegen,
welche genaue Diagnose
sie
mit der Reihen
-H
ybridisierung
in situ
bestä
tigen oder ausschliessen
möchte
und
welches Spektrum konkreter Krank
heiten für
sie
in Frage
komm
t
. Prof.
Dr.
A._
vermag
auch
nicht aufzuzeigen,
in
welcher Weise die Reihen
-H
ybridisierung
in situ
die
Behandlung
des Leidens
der Beschwerdeführerin im Sinne einer
Entwicklungs
verzögerung und des hy
per
aktiven Verhaltens mit autistischen Zügen
beeinflussen könnte.
Vielmehr ver
hält es sich so, dass die genaue Diagnose, die Krankheitsursache sowie die the
ra
peutischen Optionen nicht bekannt waren, und dass Prof.
Dr.
A._
die Reihen-
H
ybridisierung
in situ vielmehr gerade zur diagnostischen Klärung in Betracht zog.
4.2
Gemäss der obenerwähnten, in der Fachzeitschrift Genetics in Medicine ver
öffentlichten Studie (
Urk.
12), auf welche sowohl Prof.
Dr.
A._
als auch
Dr.
B._
hinwiesen, steht
als Ergebnis
fest, dass von den mittels Reihen-Hybri
disierung in situ
untersuchten Patienten mit Entwicklungsverzögerung, geistiger Behinderung, multiplen congenitalen Anomalien oder autistischen Erkrankun
gen lediglich 7.3
%
Abweichungen von der Norm im genetischen Sinne auf
wiesen, und dass
von
diesen 7.3
%
der Patienten lediglich 54
%
eine höhere Rate für ein klinisches Vorgehen
aufwiesen
.
Demnach
wiesen
lediglich 7.3
%
der
untersuchten Patienten
mit einer dem Lei
den der Beschwerdeführerin vergleichbaren Gesundheitsbeeinträchtigung eine Normabweichung beziehungsweise eine
Chromosomenanomalie
auf
.
Therapeu
tische Konsequenzen resultieren
sodann lediglich in 54
%
der
7.3
%
und damit in
insgesamt
3.95
%
der
1792 untersuchten
Patienten. Es ist daher
einerseits
davon auszugehen, dass
die Entdeckung einer Chromosomenanomalie
in
den meisten
Fälle
n
nicht auf einen ursächlichen Zusammenhang mit den klinischen Symptomen schliessen lässt.
Diese Unsicherheit ist auch für die Frage der Zweckmässigkeit von Bedeutung, wenn davon ausgegangen wird, dass eine möglichst genaue Diagnose
beziehungsweise
Kenntnis der Ursache der Symp
tomatik für die Wahl der Behandlung o
der eine Änderung der Therapie mit
ent
scheidend ist.
4.3
Die
genetische
Diagnostik muss
gemäss den einleitenden Bemerkungen zur AL, in der seit
1.
Januar 2013 geltenden Fassung,
mit einer akzeptablen Wahr
scheinlichkeit
alternativ
die Konsequenz haben, dass sie einen Entscheid über Notwendigkeit und Art einer medizinischen Behandlung oder eine richtungsge
bende Änderung der bisher angewendeten medizinische
n Behandlung oder eine richtung
gebende Änderung der notwendigen Untersuchungen oder einen Ver
zicht auf weitere Untersuchungen von typischerweise zu erwartenden Krank
heits
symptomen, Folgeerkrankungen oder Beschwerden zur Folge hat. Bei ei
nem Prozentsatz von lediglich 7.3
%
für genetische Normabweichungen bezie
hungsweise von lediglich 3.95
%
für therapeutische Konsequenzen kann indes nicht von einer akzeptablen Wahrscheinlichkeit im Sinne der einleitenden Be
merkungen zur AL, in der seit
1.
Januar 2013 geltenden Fassung, gesprochen werden.
4.4
In E.
5.2-
3 des unveröffentlichten Urteils KV.2010.00065
des hiesigen Gerichts
vom 29. Dezember 2011
(Urk. 3/7)
, auf welches die
Beschwerdeführerin unter anderem
verweist
(Urk. 1)
, hielt das Gericht fest, weder die Analyseliste in der Fassung vom 1. Januar 2006 noch diejenige in der Fassung vom 1. Juli 2009
machten eine therapeutische Konsequenz zur Voraussetzung für die Übernahme der
Kosten einer Genanalyse unter anderem bei Dysmorphie-Syndromen und mentaler Retardierung (analog – unter Bezugnahme auf noch ältere Fassungen der Analysenliste - das veröffentlichte Urteil des Sozialversicherungsgerichts KV.2006.00014 vom 9. Juli 2007, E. 5.3). Die einleitenden Bemerkungen der
vor
liegend relevanten Fassung vom 1. Januar 2012 sowie der per 1. Januar 2013
geänderten Fassung enthalten den ausdrücklichen Hinweis, dass Analysen, bei denen schon zum Zeitpunkt der Anordnung feststeht, dass das Resultat keine medizinisch-therapeutischen Konsequenzen hat, von der Kostenübernahme aus
geschlossen seien (vgl.
vorstehende
E. 2.
3-
4). Eine analoge Anwendung der Er
wägungen des Urteils vom 29. Dezember 2011 auf den vorliegenden Fall schei
det also bereits deshalb aus, weil diese Erwägungen gestützt auf eine vorliegend nicht mehr anwendbare, anderslautende Fassung der Analysenliste ergingen.
5.
5.1
Nach Gesagtem erweist
sich die
gemäss dem Kostengutsprachegesuch vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/1) bei der Beschwerdeführerin geplante genetische Unter
suchung im Sinne einer Reihen-Hybridisierung in situ nicht als
zweckmässig
e
und folglich auch nicht als wirtschaftlich
e diagnostische Massnahme, zumal mit Dr.
C._
(vgl. vorstehende E. 3.3) davon auszugehen ist, dass
die Beschwer
de
führerin trotzdem, ungesehen von einem genetischen Abklärungsresultat
, a
ll
fälli
ge Therapien
erhalte
,
di
e symptomatisch seien
.
5.2
Unter diesen Umständen ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin mit Verfügung vom 1
5.
Oktober 2012 (
Urk.
7/10) beziehungsweise mit dem diese bestätigenden Einspracheentscheid vom
6.
November 2012 (
Urk.
2) einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Übernahme der geplanten geneti
schen Untersuchung an der
Z._
, Institut für Medizinische Gene
tik, verneinte. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.