Decision ID: beb5b4f1-311b-5b63-a159-be2a7243bc44
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 15. Dezember 2015. Am 29. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein
und suchte am folgenden Tag um Asyl nach. Dabei gab er an, er sei am
(...) geboren und demnach minderjährig.
B.
Am 9. Juni 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Dabei gab der
Beschwerdeführer an, er stamme aus dem Dorf B._, Subzoba
C._, Zoba D._. Dort habe er zusammen mit seinen Eltern
und sieben Geschwistern gelebt. Er sei neun Jahre zur Schule gegangen;
die neunte Klasse habe er jedoch nicht abgeschlossen.
Zu seinen Asylgründen führte er aus, er habe seine (...) in E._ be-
suchen wollen, als er verhaftet worden sei. Er sei verdächtigt worden, ille-
gal ausreisen zu wollen. Vom (...) 2015 bis am (...) 2015 sei er inhaftiert
gewesen. Er sei entlassen worden, da seine Mutter (...) zum Gefängnis
gebracht habe, mit welchen er seine Minderjährigkeit habe beweisen kön-
nen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis habe er wieder zur
Schule gehen wollen. Dies sei jedoch aufgrund seiner (...) Abwesenheit
nicht möglich gewesen. Bis zu seiner Ausreise habe er seinen Eltern in der
Landwirtschaft geholfen.
C.
Am 11. August 2016 gab der Beschwerdeführer eine Taufurkunde und ei-
nen Impfausweis – beides im Original – sowie die Identitätskarten seiner
Eltern – jeweils in Kopie – mit Übersetzung zu den Akten.
D.
Am 5. Dezember 2016 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer im Bei-
sein seiner Vertrauensperson einlässlich zu seinen Asylgründen an.
Dabei führte der Beschwerdeführer aus, auf dem Weg zu seiner (...) sei er
an einer (...) in E._ verhaftet und zur Polizeistation gebracht wor-
den. Am nächsten Tag sei er nach F._ ins Gefängnis verlegt wor-
den. Er sei verdächtigt worden, illegal ausreisen zu wollen. Er sei verhört,
geschlagen und misshandelt worden. In seiner Zelle seien 280 Gefangene
gewesen. Es sei sehr heiss und dreckig gewesen. Sie hätten Kopfläuse
gehabt. Es habe zu wenig Schlafplätze gegeben, weshalb sie hätten im-
provisieren müssen. In der Zelle sei es immer dunkel gewesen. Sie hätten
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nicht miteinander sprechen dürfen. Sie seien von zwei «Capos» kontrolliert
und immer wieder geschlagen worden. Auch von den Wächtern seien sie
geschlagen worden. Weil es in der Zelle zu eng gewesen sei und viele
Insassen Atemprobleme gehabt hätten, habe es eine gewalttätige Ausei-
nandersetzung gegeben. Die Wächter seien gekommen und hätten einige
Insassen in der «Otto»-Position gefesselt und draussen an der Sonne lie-
gen lassen. Nach (...) Monaten hätten seine Eltern (...) zum Gefängnis
gebracht. Mit diesen habe er seine Minderjährigkeit belegen können, wo-
rauf er freigelassen worden sei. Er habe ein Dokument unterschreiben
müssen und einen Haftschein erhalten. Nach der Freilassung habe er die
Schule aufgrund seiner (...) Abwesenheit nicht mehr besuchen dürfen. Aus
Angst, bei einer Razzia aufgegriffen und in den Militärdienst eingezogen zu
werden, habe er sich in der Einöde versteckt gehalten. Zwei Monate nach
der Entlassung aus der Haft sei er schliesslich ausgereist.
E.
Mit Verfügung vom 29. November 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
F.
Mit Eingabe vom 28. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuer-
kennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuer-
kennen und vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Verfügung auf-
zuheben und zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Subsubeventualiter sei er gemäss Art. 83 AIG als Ausländer vorläufig auf-
zunehmen. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 forderte die Instruktionsrichte-
rin den Beschwerdeführer auf, bis zum 18. Januar 2019 eine Fürsorgebe-
stätigung einzureichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer
am 14. Januar 2019 fristgerecht nach.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie
die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
I.
In der Vernehmlassung vom 30. Januar 2019 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
J.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 5. Februar 2019
zur Kenntnisnahme zugestellt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes und der Begründungspflicht. Diese Rügen sind vorab
zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
4.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest-
stellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt
nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entschei-
dung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/
HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.).
4.4 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, die Vorinstanz habe
sich nur in ungenügendem Mass an die verfahrensrechtlingen Vorgaben
für minderjährige Asylsuchende gemäss BVGE 2014/30 gehalten. Zwar sei
die Befragerin (recte: der Befrager) um ein gutes Gesprächsklima bemüht
gewesen. Die gesamte Anhörung habe indes fast fünf Stunden gedauert,
wobei lediglich zwei 15-minütige Pausen eingelegt worden seien. Auch die
Hilfswerksvertretung habe dieses Vorgehen beanstandet. Bei einem (...)-
jährigen Asylsuchenden, welcher traumatisierende Verfolgungsmomente
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geltend mache, könne bei einer fünfstündigen Anhörung mit zwei Pausen
nicht von einer korrekten Sachverhaltserhebung ausgegangen werden.
Ferner habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt, indem sie sein
jugendliches Alter bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht berücksichtigt
habe. Die Verneinung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen sei grösstenteils
aufgrund von angeblichen Widersprüchen oder unlogischen Vorbringen er-
folgt, wobei die Argumentation der Vorinstanz teilweise spitzfindig und kon-
struiert wirke.
4.5
4.5.1 Dem Protokoll der Anhörung lässt sich entnehmen, dass der Befrager
den Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung darauf aufmerksam ge-
macht hat, er solle mitteilen, wenn er etwas nicht verstehe, eine Pause
wolle oder wenn sonst etwas sei, weswegen er sich nicht wohlfühle (vgl.
A21/24 F3). Nach etwas mehr als einer Stunde wurde eine 15-minütige
Pause eingelegt. In der Folge machte der Befrager den Beschwerdeführer
wiederum darauf aufmerksam, dass er jederzeit sagen könne, wenn er
müde werde oder auf die Toilette müsse (vgl. a.a.O. S. 9). Im weiteren Ver-
lauf der Anhörung wurde der Beschwerdeführer gefragt, «ob es noch
gehe», worauf dieser antwortete, er sei nicht müde (vgl. a.a.O. F147). Dem
Protokoll der Anhörung lässt sich weiter entnehmen, dass sich der Be-
schwerdeführer und die Teilnehmer – ausser die zur Durchführung eines
korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung – vor der Rücküber-
setzung geeinigt haben, nur eine kurze Pause und keine Mittagspause zu
machen (vgl. a.a.O. S. 21). Dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertre-
tung lässt sich entnehmen, dass die Vertrauensperson des Beschwerde-
führers dagegen war, eine längere Pause einzulegen, da sie am Nachmit-
tag noch einen Termin hatte und der Beschwerdeführer vor Ende der An-
hörung nichts essen werde.
Demnach ist festzustellen, dass die Vertrauensperson des Beschwerde-
führers, welche in seinem Interesse und zu seiner Unterstützung anwesend
war, namentlich gegen eine längere Pause war. Der Beschwerdeführer sei-
nerseits hat keine Einwände dagegen erhoben. Der Befrager hat den Be-
schwerdeführer sodann mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er
mitteilen solle, falls er eine Pause benötige. Von dieser Möglichkeit hat der
Beschwerdeführer auch vor der Rückübersetzung keinen Gebrauch ge-
macht. Ferner lassen sich dem Protokoll keine Anhaltspunkte entnehmen,
dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, der Anhörung
zu folgen und die Fragen zu beantworten. Auch die Hilfswerksvertretung
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hat nichts Entsprechendes festgehalten. Schliesslich wurde der Beschwer-
deführer am Schluss der Anhörung gefragt, ob er alles habe sagen können,
was für sein Asylgesuch relevant sei (vgl. a.a.O. F165). Es ist demnach
nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den speziellen Verfahrensgaran-
tien für unbegleitete Minderjährige nicht nachgekommen ist. Der Sachver-
halt ist als vollständig erstellt zu betrachten, zumal der Beschwerdeführer
in der Rechtsmitteleingabe kein neues Sachverhaltselement vorbringt.
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist zu verneinen.
4.5.2 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung der Begründungs-
pflicht. Die Vorinstanz habe sein jugendliches Alter nicht berücksichtigt und
ihre Argumentation sei spitzfindig sowie konstruiert. Dazu ist festzuhalten,
dass diese Fragen nicht die Begründungspflicht betreffen, sondern die ma-
terielle Würdigung. Aus der angefochtenen Verfügung geht nachvollziehbar
hervor, aufgrund welcher Überlegungen die Vorinstanz Zweifel an der In-
haftierung des Beschwerdeführers hat, mithin das Kernvorbringen des
Asylgesuchs als nicht glaubhaft erachtet. Dem Beschwerdeführer war es
denn auch möglich, sich ein Bild über die Tragweite des Entscheides zu
machen und diesen sachgerecht anzufechten, wie die vorliegende Be-
schwerde zeigt. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor.
4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Anspruch
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör, namentlich den Untersu-
chungsgrundsatz und die Begründungspflicht, nicht verletzt hat. Die Rügen
erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb keine Veranlassung be-
steht, die Sache aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
entsprechende Subeventualantrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG standhalten.
Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, we-
gen des Verdachts, das Land illegal verlassen zu wollen, inhaftiert worden
zu sein. Seine Aussagen würden diverse Widersprüche und Ungereimthei-
ten aufweisen. In der BzP habe er zunächst angegeben, vom (...) bis zum
(...) 2015 in Haft gewesen zu sein. Später habe er ausgeführt, er sei vom
(...) 2015 bis zum (...) 2015 inhaftiert gewesen und gleichzeitig habe er
behauptet, es seien (...) Monate gewesen. Anlässlich der Anhörung habe
er demgegenüber vorgebracht, er sei vom (...) 2015 bis zum (...) 2015 im
Gefängnis gewesen. Ferner habe er angegeben, zum Zeitpunkt der Ver-
haftung in der neunten Klasse gewesen zu sein. Er habe jedoch keine An-
gaben dazu machen können, wie lange er schon in der neunten Klasse
gewesen sei, als er inhaftiert worden sei. Stattdessen sei er der Frage aus-
gewichen und habe gemeint, er habe gerade Schulferien gehabt. Er habe
auch nicht gewusst, wann das Schuljahr beginne und ende sowie wann
Schulferien seien. Solche Angaben wären jedoch von einer Person zu er-
warten gewesen, welche neun Jahre die Schule besucht hat.
Betreffend die Haftentlassung habe sich der Beschwerdeführer ferner wi-
dersprüchlich geäussert. In der BzP habe er angegeben, seine Eltern hät-
ten mit dem Gefängnisdirektor Kontakt aufgenommen, worauf er – der Be-
schwerdeführer – unter Vorlage von (...) freigelassen worden sei. Anläss-
lich der Anhörung habe er zunächst nicht konkret ausführen können, wie
seine Eltern von seiner Inhaftierung erfahren hätten. Er habe auch nicht
gewusst, wen sie gefragt hätten, um von der Inhaftierung zu erfahren. Kurz
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darauf habe er angegeben, ein (...) arbeite als (...) und habe ihn eine Wo-
che nach seiner Inhaftierung im Gefängnis besucht, worauf er die Eltern
informiert habe.
Betreffend den Zeitraum nach der Haftentlassung bis zu seiner Ausreise
habe der Beschwerdeführer in der BzP angegeben, er sei zu Hause gewe-
sen und habe seinen Eltern in der Landwirtschaft geholfen. Anlässlich der
Anhörung habe er zunächst ausgeführt, er habe sich aus Angst, bei einer
Razzia im Dorf aufgegriffen zu werden, die meiste Zeit in die Einöde zu-
rückgezogen. Später in der Anhörung habe er angegeben, er habe sich mit
Personen im Quartier unterhalten. Eines Tages hätten sie sich über die il-
legale Ausreise ausgetauscht. Auf die Diskrepanz dieser Aussagen ange-
sprochen, habe er ausgeführt, er habe sich nachts in der Einöde versteckt
und sei tagsüber zu Hause gewesen. Dies erscheine indes nicht logisch,
zumal Razzien auch tagsüber stattfinden würden.
Die Schilderung des Beschwerdeführers zum angeblichen Gefängnisauf-
enthalt vermittle darüber hinaus nicht den Eindruck eines persönlichen Er-
lebnisses. Er habe zwar einige Aspekte, welche in eritreischen Gefängnis-
sen durchaus an der Tagesordnung sein dürften, genannt, wie beispiels-
weise die Schläge, die Hitze, der Dreck, die Läuse oder die Schlafsituation.
Dennoch beschränke sich seine Erzählung im Wesentlichen auf eine Auf-
zählung gewisser angeblicher Erfahrungen ohne persönlichen Bezug. Sol-
che Angaben könnten auch leicht von einer unbeteiligten Person nacher-
zählt werden. Beispielweise habe er geltend gemacht, geschlagen worden
zu sein, ohne aber die jeweiligen Umstände dieser Malträtierungen in sub-
stantiierter Weise darzulegen. Seine Schilderungen zur Zeit in Haft seien
oberflächlich, schemenhaft und würden nicht auf persönlich Erlebtes hin-
deuten, weshalb von einer konstruierten Geschichte auszugehen sei.
Schliesslich sei die illegale Ausreise – ungeachtet der Glaubhaftigkeit –
nicht asylrelevant. Andere Anknüpfungspunkte, welche den Beschwerde-
führer in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er-
scheinen lassen würden, seien nicht ersichtlich.
6.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung
von Art. 7 und Art. 3 AsylG. Die Begründung der Vorinstanz stütze sich
grösstenteils auf vermeintliche Widersprüche zwischen BzP und Anhörung.
Ihre Ausführungen, wonach er sich bezüglich der Haftdauer und des Schul-
besuchs widersprochen habe, seien klar aktenwidrig. Seine Vorbringen
seien unter Berücksichtigung des Länderkontexts und angesichts seiner
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Minderjährigkeit ausgesprochen substantiiert ausgefallen. Insbesondere
zum Gefängnisaufenthalt habe er zahlreiche, umfassende und detaillierte
Angaben machen können, die klar auf Selbsterlebtes hindeuten würden.
Die Schilderung der improvisierten Schlafmöglichkeiten und diejenigen zu
den beiden «Capos» seien ausgesprochen lebensnah. Ferner habe er aus-
geführt, wie er in der sogenannten «Otto»-Position gefesselt worden sei.
Auch seine Haftentlassung habe er detailliert beschrieben. Zudem habe er
die Zeit nach seiner Haftentlassung mit Details und Realkennzeichen ver-
sehen beschrieben. Er sei Wehrdienstverweigerer, da er sich durch Verste-
cken den Behörden entzogen habe.
6.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, soweit der Beschwer-
deführer geltend mache, das SEM habe im Rahmen der Prüfung der
Glaubhaftigkeit seine Minderjährigkeit nicht berücksichtigt, sei festzuhal-
ten, dass sich seine substanzlosen, teils widersprüchlichen und auswei-
chenden Aussagen nicht einzig mit der Minderjährigkeit begründen liessen.
Viel eher würden seine Aussagen darauf hindeuten, dass er seine Vorbrin-
gen nicht selbst erlebt habe.
7.
7.1 In Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers gilt
es bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit zu berücksichtigen, dass die Befra-
gung zur Person hinsichtlich der Asylvorbringen lediglich einen summari-
schen Charakter aufweist, weshalb gemäss ständiger Rechtsprechung den
dort protokollierten Aussagen grundsätzlich nur ein beschränkter Beweis-
wert zukommt. Widersprüche dürfen daher für die Beurteilung der Glaub-
haftigkeit nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen der Be-
fragung in wesentlichen Punkten von den Asylvorbringen in den späteren
Aussagen in der Anhörung diametral abweichen oder wenn bestimmte Er-
eignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe ge-
nannt werden, nicht bereits in der Befragung zumindest ansatzweise er-
wähnt wurden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-4295/2017 vom 9. Ja-
nuar 2019 E. 6.1.2 m.w.H; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3).
Vor diesem Hintergrund ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass die
Ausführungen der Vorinstanz, wonach seine Aussagen betreffend den Zeit-
punkt der Haft widersprüchlich seien, nicht zutreffen. Dem Protokoll der
BzP lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer zunächst ausführte,
er sei vom (...) 2015 bis zum (...) 2015 inhaftiert gewesen. An anderer
Stelle gab er an, er sei vom (...) 2015 bis zum (...) 2015 inhaftiert gewesen.
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Dabei betonte er mehrmals, er sei (...) Monate in Haft gewesen. In diesem
Zusammenhang hielt der Befrager zu Handen des Protokolls fest, der Be-
schwerdeführer habe Mühe mit Zahlen und merke gar nicht, dass er unter-
schiedliche Angaben mache. Im Rahmen der Rückübersetzung erklärte
der Beschwerdeführer denn auch von sich aus, die protokollierten Daten
seien nicht korrekt. Er sei vom (...) 2015 bis zum (...) 2015 in Haft gewesen
(vgl. A7/13 Ziff. 1.06). Anlässlich der Anhörung gab er in Übereinstimmung
mit den Aussagen in der BzP zu Protokoll, er sei am (...) 2015 verhaftet
und am (...) 2015 freigelassen worden, mithin (...) Monate inhaftiert gewe-
sen zu sein. Ein Widerspruch lässt sich demnach nicht erkennen.
7.2 Von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
ist vorliegend indessen die fehlende Substanz in den Aussagen des Be-
schwerdeführers. Seine freien Ausführungen zur Inhaftierung sind zwar re-
lativ lang ausgefallen und der Beschwerdeführer erwähnte einige Details
wie sie in eritreischen Gefängnissen üblich sein dürften, wie beispielsweise
die Hitze, der Dreck, die Läuse, die Platzverhältnisse und die Fesselung in
der «Otto»-Position. Seine Äusserungen beschränken sich jedoch auf de-
tailarme und wiederholende Sätze (vgl. A21/24 F50, F78, F84). Schilderun-
gen von Emotionen und persönlicher Betroffenheit fehlen gänzlich. So
führte der Beschwerdeführer jeweils aus, es sei unerträglich und schlimm
gewesen (vgl. a.a.O. F50 und F167). Auch seine Aussagen zu seinem Ver-
hältnis zu den beiden «Capos» blieben substanzlos und insbesondere
ohne persönliche Betroffenheit (vgl. a.a.O. F90 ff.). Damit vermag der Be-
schwerdeführer die Inhaftierung nicht in lebensnaher Weise zu schildern.
Insgesamt entsteht nicht der Eindruck, der Beschwerdeführer berichte von
Selbsterlebtem. Sodann konnte er weder zum Inhalt des Formulars, wel-
ches er bei seiner Entlassung unterzeichnet hat, noch zum Haftschein, wel-
chen er erhalten hat, detaillierte Angaben machen (vgl. a.a.O. F103 f. und
F111 ff.) Weiter bleibt unklar, ob der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der
Verhaftung die neunte Klasse bereits abgeschlossen hatte. In der BzP gab
er an, er habe die neunte Klasse nicht abgeschlossen (vgl. A7/13
Ziff.1.17.04). In der Anhörung führte er aus, im (...) 2015 sei er in der neun-
ten Klasse gewesen. Im (...) 2015 habe er Schulferien gehabt (vgl. A21/24
F156 f.). Auf die Frage, wann das Schuljahr in Eritrea beginne und ende,
antwortete er im (...). Er könne sich jetzt nicht daran erinnern; er habe keine
Ahnung (vgl. a.a.O. F23). Gemäss den Aussagen anlässlich der Anhörung
hätte der Beschwerdeführer demnach die neunte Klasse im Zeitpunkt sei-
ner Inhaftierung bereits abgeschlossen gehabt. Sodann erstaunt, dass er
als Schüler nicht angeben kann, wann das Schuljahr in Eritrea beginnt und
endet.
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7.3 Ferner ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich der Beschwer-
deführer zum Zeitraum zwischen der Haftentlassung und der Ausreise
unvereinbar geäussert hat. Um Wiederholungen zu vermeiden kann dies-
bezüglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden. Sodann erscheint nicht nachvollziehbar, wes-
halb sich der Beschwerdeführer aus Angst vor einer Razzia lediglich nachts
in der Einöde versteckt hat, zumal es sich bei einer Razzia definitions-
gemäss um eine unangekündigte und überraschend durchgeführte Aktion
handelt, die zeitlich kaum zum vornherein hätte eingeordnet beziehungs-
weise eingegrenzt werden können. Auch nicht nachvollziehbar ist, warum
die eritreischen Behörden den Beschwerdeführer aus der Haft hätten
entlassen sollen, um ihn dann dennoch weiter zu suchen. Sodann hat der
Beschwerdeführer verneint, ein Aufgebot für den Militärdienst erhalten zu
haben oder sonst wie in Kontakt mit den Militärbehörden gestanden zu sein
(vgl. A21/24 F57). Auch nach seiner Ausreise sei nichts mehr passiert (vgl.
A13/9 Ziff. 7.01). Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen
Ansicht kann er demnach nicht als Dienstverweigerer angesehen werden.
Die blosse Möglichkeit, dass er in den eritreischen Nationaldienst ein-
gezogen wird, ist asylrechtlich nicht relevant. Es handelt sich dabei nicht
um eine Massnahme, die aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten
Motiven erfolgt (vgl. Urteil des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017
E. 5.1 [als Referenzurteil publiziert]).
7.4 Schliesslich hat die Vorinstanz in der Vernehmlassung zutreffend aus-
geführt, dass sich die substanzlosen und teils widersprüchlichen Aussagen
nicht einzig mit der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers begründen
lassen. Im Übrigen stand der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Anhörung
kurz vor Erreichen der Volljährigkeit.
7.5 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea bestehen-
de oder ihm drohende asylrelevante Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen.
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Seite 13
8.
8.1 Bezüglich der illegalen Ausreise ist festzuhalten, dass das Bundesver-
waltungsgericht im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenz-
urteil publiziert) zum Schluss gelangte, dass im Kontext von Eritrea die il-
legale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht
mehr ausreiche. Vielmehr bedürfe es hierzu zusätzlicher Anknüpfungs-
punkte, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Be-
hörden als missliebige Person erscheinen lasse und dadurch zu einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl.
a.a.O. E. 5.1).
8.2 Aufgrund dieser Praxisänderung kann auf weitere Ausführungen zur
Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der il-
legalen Ausreise verzichtet werden. Der Beschwerdeführer weist neben
der illegalen Ausreise keine relevanten zusätzlichen Anknüpfungspunkte
für eine Schärfung seines Profils auf. Eine Furcht vor einer zukünftigen
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung wegen illegaler Ausreise erweist
sich somit als unbegründet.
8.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach
Eritrea ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.4
10.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Koordinationsentscheid
BVGE 2018 VI/4 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung
auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen National-
dienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG)
qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht mit den folgenden Erwä-
gungen bejaht:
10.4.2 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger,
Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-
übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden
Person durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann,
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auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise
über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen
werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausgesetzt wäre.
Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla-
verei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. BVGE
2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4).
10.4.3 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner
Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte
Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na-
tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht
als "übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstan-
den werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich
als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die
Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim-
mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation
liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri-
gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh-
rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O.
E. 6.1 insbes. 6.1.5).
10.4.4 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea
aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit
einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus-
reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder
unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem
Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun-
gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In-
haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück-
kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre,
selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein
ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl.
a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8).
10.4.5 Nach dem vorstehend Ausgeführten stehen einerseits das Verbot
der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug
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der Wegweisung des Beschwerdeführers auch bei einer anstehenden Ein-
ziehung in den Nationaldienst nicht entgegen. Andererseits ist aufgrund der
verfügbaren Quellen auch nicht davon auszugehen, es bestehe generell
das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs-
und Pflichtarbeit während des Nationaldiensts (Art. 4 Abs. 2 EMRK).
10.5 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme,
der Beschwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problematische
allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig erschei-
nen. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich da-
mit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen – als zulässig.
10.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
10.6.1 Gemäss Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg,
Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei-
ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen
werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be-
reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie-
rig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zu-
gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist
seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind
nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfang-
reichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevöl-
kerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes
muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus-
gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch
unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Fakto-
ren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom
17. August 2017 E. 16 f.).
10.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im bereits zitierten Grund-
satzurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 auch mit der Frage befasst, ob
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der Vollzug der Wegweisung im Falle einer drohenden Einziehung in den
eritreischen Nationaldienst als zumutbar zu qualifizieren ist. Es stellte fest,
dass der drohende Einzug in den eritreischen Nationaldienst mangels einer
hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Feststellung der Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt
(vgl. a.a.O. E. 6.2).
10.6.3 Zur Zumutbarkeit der Wegweisung führte die Vorinstanz in der an-
gefochtenen Verfügung aus, in Eritrea herrsche weder Krieg, Bürgerkrieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt, welche zu einer generellen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen würde. Auch in individueller
Hinsicht sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Er sei jung,
gesund und verfüge in Eritrea über ein familiäres Beziehungsnetz, womit
eine gesicherte Wohnsituation und eine Existenzgrundlage vorhanden sei.
Er sei in der Lage gewesen, (...) US-Dollar für die Reise in die Schweiz
aufzubringen. Es sei demnach davon auszugehen, dass seine Familie über
entsprechende finanzielle Mittel verfüge, was sich auf eine Rückkehr be-
günstigend auswirken dürfte.
10.6.4 Das Gericht schliesst sich vollumfänglich den zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an, zu-
mal der Beschwerdeführer diesen in der Rechtsmitteleingabe nichts entge-
gensetzt. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar.
10.7 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach
Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde-
führer, bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine
Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4
AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung
ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung
vom 24. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde
und keine massgebende Veränderung der finanziellen Verhältnisse ersicht-
lich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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