Decision ID: afa776b2-0dca-40cb-afed-dadba9f41c37
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
A._
GmbH
wurde am 2
1.
Dezember 2010 im Handelsregister
des Kantons Zürich
eingetragen (
Urk.
5/57) und
am 10.
Januar 2011
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin
zur
Abrechnung der
paritätischen
und FAK-Beiträge angeschlossen
(vgl.
Urk.
5/3
).
Mit Urteil vom
7.
Mai 2014
eröffnete
der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich
über die Gesellschaft den Konkurs
Urk.
5
/
272
).
Im
Konkur
sverfahren
der
A._
GmbH
erstatte
te
das
Stadtammann
- und Betreibungsamt Zürich 2
am 1
1.
November 2014 Anzeige über die Auflage von
Kollokationsplan und
Verteilungsliste (
Urk.
5/303-
308). Mit Forderungseingabe und Verfügung vom 2
4.
November 2014
meldete die Aus
gleichskasse eine Forderung für geschuldete Beiträge an die AHV/IV/EO, FAK und A
LV in der Höhe von
Fr.
162'626.15 zur Kollokation an (
Urk.
5
/
309
). Die dagegen erhobene Einsprache des Konkursamtes
Enge-
Zürich (
Urk.
5
/
311) wurde am 2
3.
März
20
15 infolge Rückzugs (vgl.
Urk.
5
/
315) abgeschrieben (
Urk.
5
/
316
).
In der Konkursmeldung vom 2
0.
Februar 2015 (
Urk.
5/313) zeigte das Konkurs
amt Enge-Zürich
die
Auflagefrist für den Kollokationsplan und
die
Anfech
tungs
frist für das Inventar
an. Am 1
6.
April 2015
stellte das Konkursamt Enge-Zürich
der Ausgleichskasse
einen Verlustausweis über eine Forderung von
Fr.
162'626.
1
5
aus (Urk. 5/317)
.
Mi
t Urteil vom 2
2.
April 2015 erklärte
d
er Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich
da
s
Konkursverfahren
als
geschlossen
(vgl.
Urk.
5/318).
1.2
Mit Verfügung vom
1
9.
August 2016 (
Urk.
5/343/2-4
) verpflichtete die Aus
gleichs
kasse
X._
,
zuletzt ehemaliger
Geschäftsführer der
A._
GmbH
(vgl. Urk. 5/367 S. 3)
, zur Bezahlung von Schadene
rsatz in der Höhe von
Fr.
133'453.4
0.
Die dagegen
am 1
2.
September 2016
(
Urk.
5/
345
, vgl. auch
Urk.
5/351
)
und am
2.
Dezember 2016 (
Urk.
5/357) weiter begründete
Einsprache
wies
die Ausgleichskasse mit
E
inspracheentscheid
vom 1
0.
Februar 2017
(
Urk.
2)
ab.
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
2.
März 2017
(
Urk.
1) Be
schwerde mit dem
sinngemässen
Antrag
auf Aufhebung des
Einsprache
ent
scheides
.
Die Ausgleichskasse schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
2
6.
April 2017 (
Urk.
4
) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Eingabe vom 2
6.
April 2017
(
Urk.
7)
äusserte sich der Beschwerdeführer
erneut zur Sache
, was
der Beschwer
degegnerin
am
2.
Juni 2017 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
,
AHVG
,
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grob
fahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts
führung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solida
risch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des
Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung)
so
wie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c).
1.2
D
er Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung
wegen Z
ahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitgebers nicht mehr mög
lich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen)
. Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Ar
beitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art.
14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
2.
2.1
V
oraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter
Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
2.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber dem Beschwerdeführer im Wesentlichen auf die
Lohndeklar
a
tionen
der
A._
GmbH
für die Jahre 2011 (
Urk.
5/14), 2012 (
Urk.
5
/
63
)
und 2013 (
Urk.
5/282) sowie den B
ericht
über die Arbeitgeberkontrolle
vom
1
0.
September 2014 (
Urk.
5/286
). Im Weiteren lie
gen zahlreiche Mahnungen (
Urk.
5
/18, 5/19
, 5
/29
, 5
/34
, 5
/38
, 5
/39, 5/44, 5/45, 5/52-54, 5/70, 5/85,-86, 5/92-93, 5/103-104, 5/114, 5/121, 5/
128, 5/137, 5/149, 5/164, 5/173, 5/205, 5/209, 5/212,
und
5/237-238)
, Betrei
bungs
be
gehren (
Urk.
5
/59, 5/87, 5/94, 6/109, 5/122, 5/129, 5/140, 5/150, 5/175, 5/206 und
5/213), Zahlungsbefehle (
Urk.
5/71, 5/73
,
5/75, 5/89,
5/95, 5/97, 5/105, 5/107, 5/118, 5/130, 5/132, 5/134, 5/
138, 5/154, 5/165, 5/201, 5/203
und 5/226
) und
Ver
zugszinsabrechnungen (
Urk.
5
/16, 5/41 und 5/78
) bei den Akten.
Aus den Jahresabrechnungen
respektive den
Lohnausweise
n
der
A._
GmbH für die Jahre 2011
(
Urk.
5/14), 2012
(
Urk. Urk.
5/63) und 2013 (
Urk.
5/282, vgl. auch
Urk.
5/280/1-
9
) ergibt sich, dass die Gesellschaft im Zeit
raum von
April 2011
bis
Ende September 2013
Lohnzahlungen von insge
samt
Fr.
1'848'314.20 (=
Fr.
737
'
216.2
5.
+
Fr.
764'455.95 +
Fr.
346'642.--
) ausge
rich
tet
, aber die Lohnbeiträge nicht vollständig beglichen
hat. Der Ausstand resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss Kontoauszug und Beitragsübersicht geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) und der von der
A._
GmbH
geleisteten Zahlungen. Danach besteht ein Saldo von
Fr.
133'453.40
zu Gunste
n der
Beschwerdegegnerin (
Urk.
5/368 und
Urk.
5/
369
).
2.2.2
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) beziehungsweise in der vorange
gangenen Verfügung (
Urk.
5/343/2-3)
machte die Beschwerdegegnerin gegen
über
dem Beschwe
rdeführer einen Schaden von
Fr.
133'453.40
geltend.
Gemäss Aus
zug aus dem Beitragskonto der
A._
GmbH
wurden hierbei
zu Recht sämtliche
Schadenspositionen für
offene Beiträge und Nebenkosten berücksichtigt,
die vor Konkurseröffnung
vom
7.
Mai 2014
in
Rechnung gestellt worden waren
(vgl.
Urk.
5/343/10-18)
.
2.3
Die Schadensberechnung der Beschwer
degegnerin
erweist sich aufgrund der Rechts- und Aktenlage
als korrekt. Das Quantitativ der streitgegenständlichen Forderung
(vgl.
dazu
insbesondere den Kontoauszug,
Urk.
5/343
/
10-18)
wurde beschwerdeweise
nicht
—
zumindest nicht
rechtsgenüglich
substantiiert —
in Zweifel gezogen
(vgl.
Urk.
1
und
Urk.
7
)
. Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfehler ist somit die Schadensberechnung der Ausgleichskasse zu bestätigen und von einem vorliegend re
levanten Schadensbetrag von Fr.
133'453.40
auszugehen.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVV
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die ent
spre
chen
den paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
trags
zahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
A._
GmbH
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsve
rpflichtungen in den Jahren 2011 bis 2013
nur
äusserst schleppend (vgl. dazu die Mahnungen und Betreibungen vorstehend E. 2.2.1) und auch
unvollständig nachkam. Die Gesellschaft richtete in den genannten Jahren
(bis
September 2013
)
Lohnzahlungen von insgesamt
Fr.
1'848'314.20
aus, blieb der Beschwerdegegnerin aber geschuldete Sozialver
sicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von
Fr.
133'453.40
schuldig
(vgl. oben E. 2.2 und 2.3). Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass die
A._
GmbH
Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerde
füh
rers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Vora
ussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absi
chtlich oder grob
fahrlässig Vor
schriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden
ist (BGE 108 V 183 E. 1a
). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist
im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche
das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder s
ein Verschulden im Sinne von Ab
sicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass
ein Arbeitgeber zwar in vor
sätz
licher Missachtung der AHV
Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, ab
er trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn besondere Um
stän
de die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen la
ssen (BGE 108 V 183 E. 1b
; ZAK 1985 S. 576 E. 2). So kan
n es sein, dass es einem Arbeit
geber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, die Existenz seines Unter
nehmens zu retten. Ein solches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haftung gemäss Art. 52 Abs. 1 AHVG, wenn der Arbeitgeber im Zeitpunkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven U
mstände und einer seriösen Beur
teilung der Lage damit re
chnen durfte, dass er die Forde
rung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist würde befriedigen können (
BGE 108 V 183
; ZAK 1992 S. 248 E.
4b; vgl. BGE 132 III 523
).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlan
gen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu diffe
renzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeit
gebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2.2
Nicht jedes einer Firma als
so
lcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf
dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person über
tragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weit
gehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einz
iges Verwal
tungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden
nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abwei
chenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwachung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor, dass
er sich als ehemaliger Geschäftsführer der
A._
GmbH
um die gesetzlichen Verpflichtungen gekümmert habe und sich aus den ihm v
orge
le
genen Informationen zu dem
in der Schweiz geführten operativen GmbH-Betrieb
inklusive der Lohnabrechnung keine Unregelmä
ss
igkeiten hätten erkennen lassen
. Damit h
ab
e er seine Aufsichts- und Kontrollpflicht erfüllt. Aufgrund eines schwe
ren Unfalls im November 2012 habe er seine Tätigkeit
vor
übergehend komplett nicht ausrichte
n können. Mit Schreiben vom 19.
August 2016 sei er erstmals be
züglich der Ansprüche der
Beschwerdegegnerin
aus den Jahren 2012/2013 in
Kenntnis gesetzt worden. Im Vorfeld h
ab
e keinerlei Kommunikation der
Be
schwer
degegnerin
zu den Forderungen stattgefunden und
diese habe
keinerlei Schritte
unternommen
, um eine Beitragsschuld anzuzeigen. Es sei auch die Frist für die Geltendmachung eines Schadens von einem Jahr überschritten
(Urk. 1 und 7)
.
5.2
Der Beschwerdeführer amtete seit 2
1.
Dezember 2010 als einzelzeich
nungs
be
rechtigter Geschäftsführer der
A._
GmbH
(
Urk.
5/367). Bei der
A._
GmbH
handelte es sich um ein Kleinunternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur und w
enigen Angestellten (vgl.
Urk.
5/14, 5/63
). Bei derart leicht überschaubaren
Verhältnissen muss vom einzigen Ge
schäfts
führer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung praxisgemäss verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat.
Die Gesellschaft richtete in den genannten Jahren (bis
September 2013
)
Lohn
zahlungen von
– wie gesagt -
insgesamt
Fr.
1'848'314.20
aus, blieb der Be
schwerdegegnerin aber geschuldete Sozialversicherungsbeiträge in
massgeblich
er Höhe schuldig
.
Der Beschwerdeführer muss sich demnach den Vorhalt gefallen lassen, dass die
A._
GmbH
in den
Jahre
n
2011 bis 2013
(bis
September 2013
)
ohne Bezahlung der gesetzlich geschuldeten
Sozialversicherungsbeiträge
weiterhin
Lohnzahlungen ausrichtete (vgl. E. 2.2 und 2.3). Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung eingeräumt, wodurch die Beschwerdegegnerin zu Schaden kam. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen
dieses
pflichtwidrige Handeln der
A._
GmbH
einschritt, verletzte er seine
öffentlichrechtlichen
Pflichten als Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Er hätte nämlich dafür sorgen müssen, dass die
A._
GmbH
nur Löhne ausrichtet, für die die Gesellschaft auch die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge zu leisten imstande ist (für viele etwa: Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche
rungs
gerichts H 26/06 vom 1
0.
April 2006 mit Hinweis).
5.3
Nach dem hiervor Gesagten wird vom Geschäftsführer einer GmbH
von Gesetzes wegen (Art. 812 Abs. 1 des Obligationenrechts
[
OR
]
, in Verbindung mit Art. 810 Abs. 2 und Art. 716a Abs. 1 OR)
verlangt, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma wahrt und sämtliche gesetzliche
n
Pflichten ein
hält, worunter auch die Abrechnung und die Abgabe der Sozialver
siche
rungs
beiträge fallen. Diesen Vorgaben ist der Beschwerdeführer offenkundig nicht nach
gekommen, wie die zahlreichen Mahnungen, Betreibungen, Zahlungsbefehle und Verzugszinsabrechnungen belegen (vgl. E. 2.2.1 hierv
or). Dass
die
se
Unterlagen
an die GmbH und
nicht an den
Beschwerdeführer
persönlich adressiert wurden
,
vermag
an s
einer Veran
twortlichkeit nichts zu ändern, trifft doch gerade ihn als geschäftsführendes Organ die Pflicht
,
d
en Überblick über
die Geschäftskorre
spondenz und d
ie Buchhaltung zu behalten und
die notwendigen Vorkehrungen
zu treffen. Demgegenüber besteht keine Pflicht
der
Ausgleichskasse
,
ein Organ früh
zeitig auf einen drohenden Schaden aufmerksam zu machen (
Urteil des ehe
maligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1
3.
November 2001
H200/01
E. 3 b).
Soweit der Beschwerde
führer damit geltend machte
, er habe von seiner subsi
diären persönlichen Haftbarkeit gegenüber der Ausgleichskasse nichts gewusst,
kann er sich schon deshalb nicht entlasten, da gemäss einem allgemeinen Re
chtsgrundsatz (BGE 124 V 220 E.
2b
aa
mit Hinweisen) niemand aus seiner Rechts
unkenntnis Vorteile für sich ableiten kann. Auch könnte ein Mitver
schul
den der Ausgleichskasse, das zu einer Herabsetzung der Schadenersatzpflicht führen würde, nach der Rechtsprechung (BGE 122 V 189 E. 3c) nur angenommen werden, wenn Hinweise auf eine grobe Pflichtverletzung durch die Verwaltung vorliegen würden, so bei Missachtung elementarer Vorschriften der Beitragsver
anlagung und des Beitragsbezugs, etwa durch lange Untätigkeit beim Beitrags
inkasso; davon kann indes vorliegend, wie die zahlreichen Mahnungen, Betrei
bungen und Zahlungsbefehle zeigen (vgl. E. 2.2.1 hiervor)
,
nicht die Rede sein.
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe lieg
en nach dem Gesagten nicht vor und e
in qualifiziertes Verschulden des Beschwerdeführers ist damit zu be
jahen.
5.4
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität des Beschwerdeführers ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406 E. 4a) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen beziehungsweise vor
liegend relevanten Schaden von
Fr.
133'453.40 zu betrachten.
6
.
6
.1
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus
gleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeit
geber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHV
G; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52 Abs. 3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegeben
heiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schaden
ersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193 E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hinweisen).
I
m Falle eines Konkurses oder Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung hat die Kasse nicht notwendigerweise erst Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52 Abs. 3 AHVG, wenn sie in die Verteilungsliste und Schlussrechnung des Kon
kursamtes oder Liquidators Einsicht nehmen kann oder einen Verlustschein erhält; denn wer im Rahmen solcher Verfahren einen Verlust erleidet und auf Ersatz klagen will, hat praxisgemäss in der Regel bereits dann ausreichende
Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderungen eröffnet bezieh
ungsweise der Kollokationsplan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird. In diesem Zeitpunkt ist oder wäre der Gläubiger im Allgemeinen in der Lage, den Stand der Aktiven, die Kollokation seiner Forderung und die voraussichtliche Dividende zu kennen (BGE 126 V 443 E. 3a, 119 V 89 E. 3, je mit Hinweisen).
6
.2
Vorliegend
erfolgte d
ie Publikation der zwanzigtägigen Auflagefrist des Kollo
kationsplans am 2
0.
Februar 2015 (
Urk.
5/313), weshalb
die zweijährige Verjäh
rungsfrist von
Art.
52
Abs.
3 AHVG
frühestens ab diesem Zeitpunkt
ausgelöst
wurde
. Nachdem die Beschwerde
gegn
erin die Schadenersatzverfügung am 1
9.
August 2016 (
Urk.
5/343/2-4) erlassen
und diese dem Beschwerdeführer
unbe
s
trittenermassen
zugestellt wurde (vgl.
Urk.
5/345), ist die Frist gewahrt.
Die vom Beschwerdeführer angerufene Rechtslage mit der einjährigen Verwirkungsfrist (Urk.1) wurde mit der per 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Gesetzeslage ausser Kraft gesetzt.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.