Decision ID: b4305c0d-baa0-4089-854c-6382320df9c9
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1956, verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung (Urk. 9/7/4, 9/9/1). Zuletzt war sie vom 1. August 2007 bis am 26. September 2011 bei der Y._ AG, Zürich, als Pflegehelferin auf Abruf tätig (Urk. 9/14/1, 9/17/2). Unter Hinweis auf eine im Dezember 2011 operierte
Diskushernie, Rückenschmerzen sowie eine depressive Phase meldete sie sich a
m 20. März 2012 bei der eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leis
tungs
bezug (berufliche Massnahmen, Rente) an (Urk. 9/7).
Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Krankentaggeld
ver
sicherers (Helsana Versicherungen AG, nachfolgend: Helsana) bei (Urk. 9/9, 9/55)
,
nahm erwerbliche Abklärungen
(Urk. 9/15, 9/17, 9/31
) vor und
holte Berichte bei den behandelnden Arztpersonen
.
Zudem gab sie ein rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag, das von Dr. med. Z._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheumatologie, und von Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 10. / 30. April 2015 erstattet wurde (Urk. 9/70, 9/72). Am 15. Mai 2014 (Urk. 9/51) teilte die IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit. Mit Vorbescheid vom 29. Mai 2015 (Urk. 9/75) stellte sie ihr sodann die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am 2. Juni 2015 (Urk. 9/76), am 24. Juni 2015 (Urk. 9/79), am 14. August 2015 (Urk. 9/83), am 14. September 2015 (Urk. 9/86) sowie am 15. Januar 2016 (Urk. 9/91) Ein
wände und reichte diverse Arztberichte ein (Urk. 9/85/1, 9/85/2 f., 9/90/1, 9/90/2-6). Mit Schreiben vom 22. Februar 2016 (Urk. 9/93) ersuchte die IV-Stelle die Gutachter um Stellungnahme zu den vorgebrachten Einwänden. Dr. Z._ liess sich am 23. Februar 2016 (Urk. 9/94) und Dr. A._ am 7. März 2016 (Urk. 9/95) vernehmen. Die Versicherte äusserte sich am 29. Juni 2016 (Urk. 9/101), am 11. Juli 2016 (Urk. 9/102), am 18. Juli 2016 (Urk. 9/105), am 6. Oktober 2016 (Urk. 9/107) sowie am 10. November 2016 (Urk. 9/109) zu den Stellungnahmen der Gutachter und reichte weitere Arztberichte (Urk. 9/100, 9/103, 9/108) ein. Wie angekündigt wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. November 2016 (Urk. 2) das Rentenbegehren ab.
2.
Mit Beschwerde vom 27. Januar 2017 beantragte die Beschwerdeführerin die Fest
stellung einer Verletzung des rechtlichen Gehörs, die Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung unter Zusprechung einer Invalidenrente sowie die Ver
pflichtung der Beschwerdegegnerin zum Ersatz der Kosten von Fr. 750.-- für den
Bericht von Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, vom 14. Juni 2016. Eventualiter beantragte sie die Festlegung des Ren
ten
an
spruchs nach Durchführung einer erneuten polydisziplinären medizini
schen Ab
klärung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 10. April 2017 (Urk. 8) schloss
die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde-füh
rerin mit Verfügung vom 11. April 2017 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 10).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Abklä
rungen in den Teilgutachten von Dr. Z._ und Dr. A._ seien für die relevanten Belange vollständig, weshalb weitere Abklärungen nicht angezeigt seien (Urk. 2 S. 3). Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des eingeholten Gut
achtens in der angestammten Tätigkeit seit Mai 2011 vollständig arbeitsunfähig. Spätestens seit Mai 2012 bestehe jedoch in einer angepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit.
Durch den Vergleich des auf Fr. 65'788.30 festgelegten Valideneinkommens mit dem angenommenen Invalideneinkommen von Fr. 52'163.80 bestimmte die Beschwerdegegnerin einen nicht rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrad von 21 %
(Urk. 2 S. 2).
2.2
Dem hält die Beschwerdeführerin zusammengefasst entgegen, sie leide an rheu
matologisch-orthopädischen und psychischen Einschränkungen, an einem Lungen
leiden, an Suchtleiden sowie an Hashimoto-Thyreoiditis und der Auto
immunerkrankung Pyoderma gangraesonum. Mit der Begutachtung durch Dr. Z._ und Dr. A._ seien nur die Fachbereiche der Rheumatologie und der Psychiatrie berücksichtigt worden. Somit erfülle das Gutachten die an ein beweiskräftiges Gutachten gestellten Voraussetzungen nicht, da die Abklä
rung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes alle geklagten Gesund
heits
beeinträchtigungen umfassen müsse. Unter Ziffer 9 des Gutachtens („Rheu
matologische Diagnosen”) habe sich Dr. Z._ angemasst, wesentlichen Diag
nosen aus anderen medizinischen Fachbereichen eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit abzusprechen, obwohl Dr. med. C._, Facharzt für Pneumo
logie und für Allgemeine Innere Medizin an der D._ Klinik, namentlich in seinem Verlaufsbericht vom 11. Dezember 2014 ein stark eingeschränktes Tätigkeitsprofil umschrieben habe, wobei er eine rein sitzende Tätigkeit nur während höchstens vier Stunden und körperlich anstrengende Tätigkeiten als nicht zumutbar beurteilt habe (Urk. 1 S. 12). In Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten machte sie geltend, es sei nicht nachvollziehbar, dass Dr. A._ von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen sei, obwohl aus einem durchgeführten Test eine erheb
liche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit resultiert habe. Der Gutachter habe ihr Grundleiden in seiner Bedeutung und Schwere nicht erfasst. Er habe sich überhaupt nicht mit der Tatsache auseinandergesetzt, dass das „Abgleiten” in die Prostitution nach der Geburt des zweiten Kindes zwecks Ermöglichung einer sehr behaglichen Lebenshaltung und unter Duldung des damaligen Ehe
mannes nicht als üblich oder normal zu bezeichnen sei. Er habe nicht diskutiert, ob und inwiefern dies aufgrund der angeborenen und/oder durch die Ent
beh
rungen in Kindheit und Jugend erworbenen Persönlichkeitsstörung erfolgt sei (Urk. 1 S. 17). Die vom behandelnden Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, emotional instabilen Anteilen und entsprechender F-Diagnose gemäss ICD-10 sei beim psychiatrischen Gutachter zu akzentuierten Persönlich
keitszügen vom emotional instabilen Typ, einer Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mutiert (Urk. 1 S. 18). Dr. B._ habe in seinem Bericht vom 14. Juni 2016 eine mittelschwere bis schwere, teilweise agitierte depressive Episode (ICD-10: F32.2), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, abhängigen, aggressionsgehemmten sowie einzelnen histrioni-schen und borderlineartigen Zügen (ICD-10: F61.0) sowie einen Zustand nach dysfunktionalem Alkoholkonsum diagnostiziert. Dem von Dr. Z._ und Dr. A._ verfassten Gutachten fehle es an Beweiskraft, weil es die seit dem 1. Juni 2012 zu beachtenden Qualitätsleitlinien der Schweizerischen Gesell
schaft für Psychiatrie und Psychotherapie missachte und andere wesentliche Fachbereiche (Pneumologie und Neuropsychologie) nicht durch entsprechende Fachärzte abgeklärt worden seien (Urk. 1 S. 22).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
lässt sich anhand der Akten
lage im Wesentlichen wie folgt darstellen:
Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete der IV-
Stelle am 10. April 2012 über die Behandlung der Beschwerdeführerin. Als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine sensomo
torische S1-Radikulopathie rechts mit einer Diskushernie L5/S1 und einem Status nach einer endoskopischen Dekompression L5/S1 rechts im Dezember
2011 sowie eine Depression, die seit Februar 2012 im Vordergrund stehe. Keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass sie einer substituierten Hypothyreose (Schilddrüsen
unterfunktion) sowie einem COPD bei Nikotinabusus bei (Urk. 9/16/5). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Haushalthilfe und Pflege
helferin attestierte sie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 21. Oktober 2011. Nachdem ab dem 1. Februar 2012 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit versucht worden sei, bestehe aktu
ell und voraussichtlich für längere Zeit wieder eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (Urk. 9/16/6).
3.2
In seinem am 6. Juni 2012 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht diag
nos
tizierte Dr. E._, der die Ver
sicherte ab April 2012 psychotherapeutisch betreute, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.11) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich-abhän
gigen Anteilen (ICD-10: Z73.0) (Differentialdiagnose: Persönlichkeitsstörung im
Rahmen einer schweren frühkindli
chen und kindlichen Deprivation
Urk. 9/18/1). Gestützt darauf attestierte er eine fortbestehende 100%ige Arbe
its
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfspflegerin seit dem 1. Mai 2012 (Urk. 9/18/4).
In seinem Verlaufsbericht vom 29. November 2012 (Urk. 9/21) ging Dr. E._ weiterhin von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit aus. Hingegen führte er anstelle der bisherigen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit neu die folgenden auf:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig in Remission (ICD-10: F33.4)
-
Dysthymia (ICD-10: F34.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, histrioni
schen und ängstlich-abhängigen Anteilen (ICD-10: F61.0)
Dr. E._ setzte die IV-Stelle am 21. März 2013 telefonisch darüber in Kennt
nis, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht wieder zu 50 % arbeits
fähig sei und beruflichen Massnahmen nichts mehr im Wege stehe (Urk. 9/22).
Am 4. Oktober 2013 (Urk. 9/25) berichtete Dr. E._ der IV-Stelle von einem verschlechterten Gesundheitszustand. Als Diagnosen nannte er neu:
-
Anpassungsstörung mit Angst und depressivem Erleben (ICD-10: F43.23)
-
Hypochondrische Störung (ICD-10: F45.2)
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1)
Als relevant für die Arbeitsfähigkeit beurteilte er einzig die unverändert diag
nostizierte Persönlichkeitsstörung (Urk. 9/25/1).
Aufgrund der Persönlichkeitssymptomatik mit Tendenz zu Verstrickungen und Unabgegrenztheit sowie Aktivierung körperlicher Dyssensationen und Ängsten, sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Pflege
helferin auszugehen. Für andere Hilfsarbeiten ohne intensiven zwischen
menschlichen Kontakt sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei die Patientin auf Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung angewiesen sei (Urk. 9/25/2).
3.3
Am 27. Oktober 2013 suchte die Beschwerdeführerin die Notfallstation der Klinik
D._ auf, wobei eine
starke Dyspnoe und ein giemendes Atem
geräusch über beiden Lungen festgestellt wurde. Diagnostiziert wurden eine infekt
exa
zer
bierte COPD, ein C2-Abusus, ein Nikotinabusus sowie eine Hashi
moto Thyreo
i
di
tis (Urk. 9/29/1).
3.4
Am 18. März 2014 beurteilte Dr.
E._
gegenüber der IV-Stelle den Gesund
hei
ts
zustand als unverändert und bestätigte sowohl die gestellten Diagnosen als auch
die attestierte Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/43/1).
3.5
Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 27. März 2014 über die Behandlung der Beschwerdeführerin (Urk. 9/45). Auf seinem Fachgebiet stellte er die Diag
nose einer seit 2002 bekannten
-
COPD GOLD II-III, Risikogruppe B mit
-
rezidivierenden Exazerbationen, und
-
bullösem oberlappenbetontem Lungenemphysem (Urk. 9/45/1)
Gestützt darauf attestierte er in der angestammten Tätigkeit in der Privatpflege
eine andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit April 2012. Er hielt Ein
schrän
kungen durch eine rasche Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen fest und ging von einer aus pneumologischer Sicht um mindestens 50 % ver
minderten Leistungsfähigkeit aus (Urk. 9/45/2). Eine körperlich leichte, rein sitzende Tätigkeit beurteilte er während vier Stunden pro Tag als zumutbar (Urk. 9/45/4).
3.6
3.6.1
Am 16. Februar 2015 gab die Beschwerdegegnerin eine rheumatologisch-psy
chiatrische Begutachtung in Auftrag (Urk. 9/67). Gestützt auf die am 30. März
und 13. April 2015 durchgeführten persön
lichen Untersuchungen sowie die von d
er Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten medizinischen Vorakten erstat
teten die Rheumatologin Dr. Z._ und der Psychiater Dr. A._ am 10./30. April 2016 (Urk. 9/70, 9/72) ihr Gutachten.
3.6.2
Gegenüber Dr. Z._ klagte die Beschwerdeführerin über Schmerzen am ganzen Körper. Diese seien abends schlimmer als morgens und mittags, wobei sie durch Belastung zunähmen. Dass sie nicht mehr arbeite, sei einzig durch die psychischen Beschwerden begründet. Die letzte vor mehr als einem halben Jahr
erfolgte physiotherapeutische Behandlung habe nur kurz geholfen (Urk. 9/70/40
).
Dr. Z._ stellte bei der klinischen Untersuchung Diskrepanzen fest. Der inter
mittierend hinkende Gang habe sich bei Ablenkung normalisiert. Die Be
weg
lichkeit der Lendenwirbelsäule (nachfolgend: LWS) sei in allen Rich
tungen leicht eingeschränkt. Die Brustwirbelsäule sei normal beweglich. Bei der direk
ten Untersuchung der Halswirbelsäule (nachfolgend: HWS) habe die Beschwer
de
führerin deutliche Einschränkungen gezeigt. Unter Ablenkung habe sich eine
normale Beweglichkeit der HWS gezeigt. Radikuläre Zeichen seien nicht vor
han
den und das Lasègue-Zeichen beidseits normal gewesen. Sie habe keine Ge-lenks
ergüsse, Synovitiden oder überwärmte Gelenke festgestellt. Im Sinne einer Schmerzausweitung seien sowohl alle 18 Tender Points als auch die acht Kon
trollpunkte pathologisch gewesen. Die ausgedehnte Blutuntersuchung habe keinen wesentlichen Befund gezeigt. Der Rheumafaktor und die Anti-Citrullin-Antikörper seien normal und die Hypothyreose adäquat substituiert gewesen. Entgegen der Angaben der Beschwerdeführerin seien die geprüften Antide
pres
siva Trittico retard und Venlafaxin ER im Blut nicht nachweisbar gewesen. Auf
grund des normalen CDT-Wertes im Blut und den Befunden der Haaranalyse gebe
es keinen Hinweis für einen übermässigen Alkoholkonsum im Zeitraum von Mitte Oktober 2014 bis zum Untersuchungstag (30. März 2015) (Urk. 9/70/49).
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. Z._ eine
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS
-
bei Status nach LWS-Operation am 14. Dezember 2011 mit Dekom
pression L5/S1 rechts wegen einer mittelgrossen medialen bis medio
lateralen Diskushernie L5/S1 rechts mit leichter Recessus
behinderung beidseits und leichter Kompression der Nervenwurzel S1 rechts im Recessus (MRI Mai 2011 und November 2011)
-
ohne radikuläre Zeichen
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass sie folgenden Diagnosen bei (Urk. 9/70/48):
-
Ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Hypothyreose (Erstdiagnose 2012) bei
-
Status nach Hashimoto-Thyreoiditis mit
adäquater Substitution (TSH-Wert normal)
-
COPD GOLD Stadium II bis IIIB mit
-
rezidivierenden Infekten bei bullösem Lungenemphysem und
-
Status nach
N
ikotin Abusus bis Oktober 2013
-
Kein Hinweis auf einen aktuellen übermässigen Alkohol-Konsum bei
-
normalem CDT-Wert und
-
fehlendem Nachweis eines übermässigen Alkoholkonsums in der Periode von Mitte Oktober 2014 bis Mitte März 2015 in der Haar
-
analyse bei
-
Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol (Oktober 2013)
Dr.
Z._
beurteilte aufgrund der eingeschränkten Funktion der LWS nur noch
leichte Tätigkeiten mit Lasten bis zehn Kilogramm als zumutbar. Ein län
ge
res Verharren in vornüber geneigter Haltung sei ebenso zu vermeiden wie un
er
wartete, asymmetrische Lasteinwirkungen. Als günstig erachtete sie wechsel
belastende Tätigkeiten (Urk. 9/70/51). Für Tätigkeiten, welche diesem Belas
tungs
profil entsprächen, habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Dies gelte auch für die Tätigkeit als Arztsekretärin in der Radiologie der Klinik D._. Es sei wahrscheinlich, dass bei der Tätigkeit als Privat
pflegerin in Haushalten ein Teilbereich nicht angepasst sei, weshalb sie diesen nicht mehr ausüben könne (Urk. 9/70/52).
3.6.3
Anlässlich des psychiatrischen Untersuchungsgesprächs mit Dr. A._ klagte die Versicherte darüber, sie begebe sich nur wegen des von der Tochter ge
schenkten Hundes nach draussen, sonst würde sie die Wohnung nicht mehr ver
lassen. Sie wolle nicht mehr, das Leben sei gelaufen, sie mache sich nur noch Vor
würfe. Ihr Leben werde nicht besser werden, sie könne nicht mehr kämpfen. Jegliche Tätigkeit bedeute für sie eine Anstrengung. Sie schlafe schlecht und sei am liebsten alleine. Jede Woche gehe sie zu ihrem Psychiater, von dem sie sich verstanden fühle und mit dem sie vertraut sei. Ihr Zustand verbessere sich ein wenig, wenn sie mit ihm gesprochen habe. Sie nehme auch Medikamente ein; diese würden jedoch nicht helfen. Sie könne nicht viele Arbeiten im Haushalt auf einmal erledigen, da sie sich schnell überfordert fühle. Sie fühle sich nicht mehr arbeitsfähig, sei müde und verspüre am ganzen Körper Schmerzen (Urk. 9/72/8).
Dr. A._ führte aus, die Beschwerdeführerin habe ordentlich gepflegt gewirkt
und sei bewusstseinsklar sowie allseits orientiert gewesen. Während des Ge
sprächs
habe sie auf die gestellten Fragen ohne Verzögerung klare und präzise Antworten gegeben und ihre Lebensgeschichte sowie die Krankheitsentwicklung fliessend und ganz genau geschildert. Dies deute auf unauffällige mnestische Funktionen hin. Im formalen Denken habe sie sich eingeengt auf die negative Zukunftsperspektive gezeigt. Inhaltlich hätten sich keine Hinweise auf Wahn
ideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben. Im Affekt habe die Explo
randin bedrückt gewirkt, die affektive Schwingungsfähigkeit sei reduziert ge
wesen. Antrieb und Motorik seien unauffällig gewesen und es hätten sich keine Hinweise auf eine Selbst- oder Fremdgefährdung ergeben (Urk. 9/72/9).
Der psychiatrische Gutachter stellte einzig die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/72/10):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, gegenwärtig weit
gehend remittiert (ICD-10: F43.21)
-
Akzentuierte emotional instabile Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
-
Schädlicher Alkoholgebrauch (ICD-10: F10.1)
-
Zustand nach schädlichem Nikotingebrauch (ICD-10: F17.1), abstinent seit Oktober 2013
In der interdisziplinären Zusammenfassung hielten die Gutachter dafür, dass die Versicherte einzig eine Einschränkung aufgrund der LWS-Problematik erleide. Ansonsten habe eine Anpassungsstörung bestanden, die nicht nachhaltig gewe
sen sei, es habe nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aus rheu
matologischer Sicht bestehe eine Belastbarkeitsgrenze bis 10 kg, ansonsten bestehe kein Bedarf nach angepasster Tätigkeit (Urk. 9/72/13).
3.7
Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin und für Infektiologie, äusserte sich am 19. August 2015 zum Gutachten von Dr. Z._. Er führte insbe
son
dere aus, das Laborblatt enthalte für eine Abklärung von Gelenkschmerzen zu wenig spezifische rheumatologische Resultate. Einzig die Blutsenkungsreaktion sei mit einem Wert von 30 deutlich erhöht und würde eine weiterführende Laboruntersuchung rechtfertigen (Urk. 9/85).
3.8
Am 24. August 2015 (Urk. 9/85/2 f.) nahm Dr. E._ Stellung zur Begutachtung der Beschwerdeführerin. Er kritisierte, die COPD als einwandfrei nachweisbare, die Arbeitsfähigkeit deutlich beeinträchtigende Erkrankung sei von einer Rheu
matologin als irrelevant beurteilt worden. Zum psychiatrischen Gutachten von Dr. A._ führte er aus, die Testuntersuchung zur Abklärung der Leistungs
fähigkeit habe stark unterdurchschnittliche Werte ergeben und Konzentrations
schwierigkeiten gezeigt. Dies stehe im Widerspruch zum klinischen Eindruck und zur Schlussbeurteilung, wonach die Beschwerdeführerin keine derartigen Defi
zite aufweise. Möglich sei auch eine Diskussion dieses auffälligen Befundes im Rahmen eines auffälligen Kognitionsmodus bei entsprechend vorliegender
Persönlichkeitsstörung (ängstlich-abhängig). Die zur Diskussion stehende Persön
lich
keitsstörung hätte eine SKID II-Testung dringend indiziert. Entsprechende Befunde müssten, wenn im Sinne von akzentuierten Persönlichkeitszügen beur
teilt, einwandfrei von einer Persönlichkeitsstörung abgegrenzt werden. Dies habe
der Gutachter nicht gemacht, respektive die erhobenen Befunde als Normva
riante im Sinne akzentuierter Persönlichkeitszüge abgetan. Es sei willkürlich und falsch, als Beweis für intakte Ich-Funktionen einseitig auf eine angeblich intakte Arbeitsfähigkeit zu fokussieren (Urk. 9/85/3).
3.9
Mit Schreiben vom 22. Februar 2016 (Urk. 9/92 f.) forderte die IV-Stelle die Gut
achter auf, zur Kritik an ihren Gutachten Stellung zu nehmen. Dr. Z._ hielt mit Schreiben vom 23. Februar 2016 (Urk. 9/94) an ihren Einschätzungen fest und Dr. A._ teilte am 7. März 2016 (Urk. 9/95) mit, die erhobenen Einwände würden nichts an seiner Beurteilung ändern.
3.10
Auf Zuweisung ihres Hausarztes hin befindet sich die Beschwerdeführerin seit dem 21. April 2016 bei Dr. B._ in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Am 14. Juni 2016 erstellte dieser einen ärztlichen Bericht zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, in welchem er folgende Diagnosen stellte (Urk. 9/100/8):
-
Mittelschwere bis schwere, teilweise agitierte depressive Episode
(ICD-10: F32.2)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (vor allem ängstlich-vermeidende, abhängige, aggressionsgehemmte, aber auch einzelne histrionische und borderlineartige Züge) (ICD-10: F61.0)
-
Zustand nach dysfunktionalem Alkoholkonsum
Dr. B._ verneinte eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, da die Beschwerdeführerin mit den Anforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt, ins
besondere bezüglich Planung und Kommunikation überfordert sei. Dies sei unter anderem durch innere Ablenkung, die Schwierigkeit zu normaler Grenz
ziehung zu einem Arbeitsumfeld sowie Reizbarkeit und Impulsivität begründet, welche Beziehungen gefährdeten. Zudem sei sie wegen der unverarbeiteten Bio
grafie und den nicht modifizierten Selbstentmutigungsmustern nicht im
stande, die nötige psychische Energie für eine Selbstüberwindung aufzubringen, wie sie auf dem ersten Arbeitsmarkt deutlich stärker notwendig sei, als an einem ge
schützten Arbeitsplatz. Die Beschwerdeführerin benötige neben der bestehenden integrierten psychiatrischen Behandlung eine ausserhäusliche Teilzeittätigkeit an einem geschützten Arbeitsplatz (Urk. 9/100/9).
4.
4.1
Die Gutachter Dr. Z._ und Dr. A._ führten in ihren jeweiligen Fach
diszip
linen persönliche Untersuchungen durch, welche sie durch eine Labor
unter
suchung des Blutes und des Urins sowie eine Haaranalyse zur Beurteilung des Alkoholkonsums (vgl. Urk. 9/70/47, 9/70/49, 9/70/56 f., 9/70/58 f., 9/72/11) ergänzten. Unter Erörterung der erhobenen Befunde gelangten sie zum Ergeb
nis, dass sich einzig die von der rheumatologischen Gutachterin festgestellte verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS in qualitativer Hinsicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, weshalb nur noch körperlich leichte Tätig
keiten zumutbar seien (Urk. 9/72/13). Mit der Attestierung einer uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten weichen die Gutachter
in relevantem Ausmass vom behandelnden Psychiater Dr.
E._
ab, welcher von
einer psychiatrisch begründeten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausging (vgl. Urk. 9/18/4, 9/21/7, 9/22, 9/25/1 f. und 9/43/1) und die Diagnosestellung durch Dr. A._ kritisierte (Urk. 9/85/3). Zunächst ist auf die von Dr. E._ diag
nostizierte und von Dr. A._ verneinte Persönlichkeitsstörung einzu
gehen.
4.2
4.2.1
Nach der Definition im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10
findet man bei Personen mit Persönlichkeitsstörungen gegenüber der Mehrheit der betref
fenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche von Verhalten und psychischen Funktionen. Häufig gehen sie mit persönlichen Leide
n
und gestörter sozialer
Funktions- und Leistungsfähigkeit einher (vgl. Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.],
Inter
nationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10.
Aufl. 201
5
,
S. 274).
Persönlichkeitsstörungen treten häufig erstmals in der Kindheit oder in der Ado
leszenz in Erscheinung und manifestieren sich erstmals im Erwachsenen
alter (Dilling/Mombour/Schmidt, a.a.O.,
S.
276).
Gemäss den diagnostischen Leitlinien dürfen die fraglichen Zustandsbilder nicht auf beträchtlichere Hirnschädigungen oder -krankheiten oder auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen sein und müssen die folgenden Kriterien erfüllen:
1.
Deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.
2.
Das auffällige Verhaltensmuster ist andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt.
3.
Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend.
4.
Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifes
tieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
5.
Die Störung führt zu deutlichem subjektivem Leiden, manchmal jedoch erst im späteren Verlauf.
6.
Die Störung ist meistens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden.
4.2.2
Der Abgrenzung zwischen einer Persönlichkeitsstörung und akzentuierten Per
sön
lichkeitszügen kommt entscheidende Bedeutung zu: Bei den letzteren handel
t es sich um eine sogenannte Z-Kodierung, welche nicht unter den Begriff des invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens fällt (Urteil des Bundesgerichts 9C_848/2016 vom 12. Mai 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Dr. A._ stellte akzentuierte Persönlichkeitszüge vom emotional instabilen Typ (ICD-10: Z73.1) fest. Eine krankheitswertige Persönlichkeitsstörung verneinte er mit der Begründung, trotz belastender Kindheit gebe es aufgrund der anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin keine Hinweise auf Verhaltens
störungen oder sonstige psychische Probleme mit Krankheitswert in der Kindheit, Pubertät und im frühen Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter sei sie jahrelang den sozialen Anforderungen gewachsen gewesen. Bei fehlenden Hin
weisen auf ein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich Kognitionen, Wahrnehmungen sozialen Interaktionen sowie fehlenden Hinweisen auf anhal
tende Störungen der Impuls- und Affektkontrolle könnten bei der Explorandin prämorbide psychische Probleme mit Krankheitswert einschliesslich einer Per
sönlichkeitsstörung auch im Erwachsenenalter ausgeschlossen werden (Urk. 9/72/10 f
.)
4.3.2
Unter Hinweis auf Ziffer 5 der diagnostischen Leitlinien ist festzuhalten, dass eine Persönlichkeitsstörung nicht deshalb ausgeschlossen werden kann, weil sich diese nicht bereits in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter aus
ge
wirkt hat (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_307/2017 vom 11. Januar 2018 E. 5.3.1). Dr. E._ wies zudem zu Recht darauf hin, dass das Arbeitsleben der Beschwerdeführerin nicht als „weitgehend normal” bezeichnet werden kann (Urk. 9/85/3): Nach einer nicht abgeschlossenen Anlehre zur Postcheckbeamtin prostituierte sich die Beschwerdeführerin zur Bestreitung des Lebensunterhaltes während vielen Jahren, übte nach der Scheidung Hilfstätigkeiten aus und ver
suchte Erlebnisse am Arbeitsplatz mit dem Konsum von Alkohol zu verarbeiten
(vgl. Urk. 9/72/7 f.).
Auch die von Dr. E._ genannten sozialen Auffälligkeiten (Eingehen höriger Beziehungen, Ausbeutung zur Rettung der Familie, vgl.
Urk. 9/85/3
) fanden im Gutachten von Dr. A._ zu wenig Berücksichtigung. Unter diesen Umständen kann der gutachterlichen Annahme, die Beschwerde
füh
rerin sei jahrelang den sozialen Anforderungen gewachsen gewesen und hätte kein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich sozialer Interaktio
nen gezeigt
(Urk. 9/72/11)
,
nicht gefolgt werden.
Der psychiatrische Gutachter hielt weiter fest, auch der von der Beschwer
deführerin geschilderte Tagesablauf spreche gegen die Annahme gravierender Persönlichkeitsdefizite (Urk. 9/72/11). Auch dies ist wenig überzeugend, weist der Tagesablauf doch kaum soziale Interaktionen auf: Die Beschwerdeführerin führte aus, nach dem Aufstehen gehe sie einige Minuten mit dem Hund nach draussen und erledige in langsamem Tempo Arbeiten im Haushalt. Nachmittags gehe sie ungefähr eine Stunde spazieren. Zudem turne sie oder gehe einkaufen oder zur Post. Sie bereite das Abendessen zu und schaue fern, meistens Komödien oder Dramen. Auch recherchiere sie oft im Internet und lese Bücher; andere Hobbies übe sie nicht aus. Weiter nannte sie wöchentliche Sprech
stun
den bei ihrem Psychiater und wies darauf hin, Besuche ihres Sohnes mit seinen Freunden überforderten sie (Urk. 9/72/8).
Die gutachterliche Abgrenzung der diagnostizierten invaliden
versicherungs
recht
lich nicht relevanten Akzentuierung von Persönlichkeits
zügen von einer durch die Behandler diagnostizierten Persönlichkeitsstörung (vgl. Urk. 9/21/6, 9/25/1, 9/43/1, 9/100/8) überzeugt nach dem Gesagten nicht.
Dr. A._ stellte mithilfe eines testpsychologischen Verfahrens Einschrän
kung
en bezüglich Konzentration und Aufmerksamkeit fest. In seiner Stellung
nahme vom 7. März 2016 sprach er diesen aufgrund einer deutlichen Diskre
panz zu den erhobenen Befunden die Aussagekraft ab und wies auf die Beson
derheit der Gutachtenssituation hin (Urk. 9/95/1 f.). Soweit er die Angaben der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Lebensgeschichte und Krankheitsent
wick
lung als klar und präzise bezeichnete, steht dies im Kontrast zur zum Teil feh
lenden Chronologie ihrer Schilderungen und den darin enthaltenen Wider-sprü
chen, welche namentlich den Beginn der psychiatrischen Behandlung und den Grund für das Scheitern der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit nach der Rückenoperation betreffen (vgl. Urk. 9/72/7 f.). Zudem setzte sich Dr. A._ nicht mit dem Umstand auseinander, dass auch in den Berichten der behan
deln
den Ärzte - zu verschiedenen Zeitpunkten - über eine eingeschränkte Konzen
tration berichtet worden war: Der behandelnde Psychiater hatte eine solche im
Juni 2012 (Urk. 9/18/3), der behandelnde Pneumologe im März 2014 (Urk
. 9/46/2) festgehalten.
Nach dem Gesagten vermag die im Vordergrund stehende psychiatrische Begut
achtung nicht zu überzeugen.
4.4
Dr. Z._ nannte im rheumatologischen Gutachten die Diagnose einer
COPD GOLD Stadium II bis IIIB mit
-
rezidivierenden Infekten bei bullösem Lungenemphysem und
-
Status nach
N
ikotin Abusus bis Oktober 2013
und verneinte deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/70/48). Zu den
Berichten des pneumologischen Facharztes Dr.
C._
führte sie aus, dieser habe
in seinem Bericht vom 27. März 2014 keine Angabe dazu gemacht, für welche Tätigkeit und welche Periode er die Beschwerdeführerin als mindestens zu 50 % arbeitsunfähig eingeschätzt habe. Es sei wahrscheinlich, dass er damit die erwähnte ambulante Lungenrehabilitation mit Beginn am 14. Mai 2015 (richtig: 2014, vgl. Urk. 9/70/101) gemeint habe, deren Wirksamkeit er noch nicht habe kennen können (Urk. 9/70/53, 9/94/2). In seinen Berichten an die IV-Stelle vom 11. Dezember 2014 und an die Helsana vom 12. Dezember 2014 habe er keine klinischen Befunde genannt und die Auswirkungen der somatischen und psy
chiatrischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit nicht voneinander abgegrenzt, weshalb sie dazu nicht Stellung nehmen könne (Urk. 9/70/53).
Dr. C._
hielt in den Berichten
zuhanden der IV-Stelle
vom 27. März 2014 (Urk. 9/46/2) und 12. Dezember 2014 (Urk. 9/60/2) explizit fest, die Leistungs
fähigkeit sei aus pneumologischer Sicht um mindestens 50 % eingeschränkt (Urk. 9/46/2). Im Bericht vom 27. März 2014 führte er zudem unter „Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit” einzig die COPD (Urk. 9/46/1,
Ziff.
1.1) auf. Die Ausführungen betreffend Arbeitsfähigkeit stimmen in diesen beiden Berichten überein.
Dr. Z._
erwähnte
zudem nicht, dass die
ambulante Rehabilitationsbehandlung aufgrund rezidivierender Infekte der unteren Atemwege
nicht wie geplant hatte durchgeführt werden können (vgl. Urk. 9/
54,
9/70/71, 9/70/100)
. Den Akten sind keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass in der Zwischenzeit
eine weitere Rehabilitationsbehandlung
durchgeführt worden wäre. Dr.
C._
hielt fest, die attestierte Arbeitsfähigkeit gelte bis auf Weiteres (Urk. 9/45/2, 9/60/2).
Unter diesen Umständen ist die gutachterliche Annahme, die Angaben zur Arbeitsunfähigkeit hätten nur Gültigkeit für die Dauer der Lungenrehabilitationsbehandlung, wenig plausibel
.
Weiter fällt auf, dass sich Dr. Z._
weder
mit den Ergebnissen der von Dr.
C._
durch
geführten Lungenfunktionsmessungen auseinanders
etzte (vgl. Urk. 9/45/6, 9/90/3,
9/103/1)
noch selbst - mit Ausnahme einer Auskultation (vgl. Urk. 9/70/42) - lungenspezifische Untersuchungen vornahm
.
Damit ist festzuhalten, dass die von der fachärztlichen Beurteilung abweichende Einschätzung einer aus pneumologischer Sicht uneingeschränkten Arbeits
fähig
keit durch
Dr. Z._
nicht überzeugt, weshalb ihr kein Beweiswert zukommt.
4.5
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ und Dr. A._ weder für die streitigen Belange umfassend ist, noch darin abweichende Beurteilungen ausreichend diskutiert werden. Auch leuchtet die Beurteilung der medizinischen Situation nicht ein und die Schlussfolgerungen sind nicht nachvollziehbar.
Es erfüllt damit die Anfor
de
rungen der Rechtsprechung nicht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a), weshalb nicht darauf ab
ge
stellt
w
e
rden kann
.
Es stellt sich die Frage, ob der Gesundheitszustand gestützt auf die weiteren im
Recht liegenden medizinischen Akten beurteilt werden kann. Es stehen ein rhe
u
matologisches, ein psychiatrisches sowie ein pneumologisches Leiden zur Dis
kus
sion. Die
Kombination mehrerer Funktionsstörungen
führt jedoch
nicht not
wendigerweise zu einer Addition der in verschiedenen Fachdisziplinen attestie
r
ten Arbeitsun
fähigkeiten
.
Bei ihrem Zusammentreffen überschneiden sich die erwerblichen Auswirkungen in der Regel. Deshalb ist der Grad der Arbeitsunfähigkeit grund
sätzlich in einer Gesamtbeurteilung zu bestimmen (
Urteil des
Bun
desgerichts 9C_204/2015 vom 29. April 2015 E. 6 mit Hinweis auf das U
rteil 9C_948/2012 vom 2
2.
Juli 2013 E. 4.3)
.
Neben dem Gutachten liegen Berichten behandelnder Ärzte vor, denen es jedoch an der erforderlichen Grundlage dieser psychiatrisch-somatischen Zusammen
arbeit fehlt.
4.6
Die Beschwerdeführerin beantragte, allenfalls erforderliche weitere medizinische Abklärungen seien in Form eines Gerichtsgutachtens vorzunehmen, damit die Unabhängigkeit der Gutachter von der Beschwerdegegnerin gewährt sei (Urk. 1 S. 24).
Neben den bereits untersuchten medizinischen Fachrichtungen der Rheumato
logie und der Psychiatrie leidet die Beschwerdeführerin auch an gesund
heit
lichen Einschränkungen auf pneumologischem Gebiet.
Damit weist
sie
gesund
heitliche Befunde auf, deren gesamthafte Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit ungeklärt ist. Ergänzende Abklärungen sind daher notwendig. Nach höchst
richterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversicherungsrechtliche An
sprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administrativverfahrens zu führen und nicht
im gerichtlichen Prozess (Art. 43 Abs.
1 ATSG).
E
ine Rückweisung an die Verwaltung
ist dann
vorzunehmen, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist (BGE 139 V 99 E. 1.1 mit Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Dies ist hier der Fall
, zumal den
Bedenken der Beschwerdeführerin bezüglich fehlender Unabhängigkeit durch die
Zufallsvergabe des Auftrages für die polydisziplinäre Begutachtung über die
SUISSE MED@P-Plattform Rechnung getragen wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.
3).
Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin die fehlenden medizinischen Abklä
rungen im Rahmen einer mehrdisziplinären Begutachtung mit Gesamtbeur
tei
lung vorzunehmen, um die Wechselwirkungen zwischen allfälligen zusätzlich zu berücksichtigenden und den bereits in die Beurteilung einbezogenen rheu
ma
tologischen Einschränkungen zu berücksichtigen.
4.7
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Interesse an einer separaten Fest
stellung einer Gehörsverletzung durch die Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 1 S. 9) und es kann offen gelassen werden, ob eine solche durch sie im Zu
sammenhang mit der Begutachtung der Versicherten begangen wurde.
Die Beschwerde ist damit insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfü
gung aufzuheben und die Sache zur neuen Begutachtung und zu neuem Ent
scheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweisen sich Fr. 700.-- als angemessen.
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Zudem hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten
(
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer)
.
Nachdem Rechtsanwältin Bugada Aebli keine Zusammen
stellung über ihre Be
mühungen ein
reichte, erfolgt die Festsetzung ihrer Entschädigung nach Ermesse
n. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass sie die Beschwerdeführerin bereits im Einwandverfahren vertreten hat und seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war, ist die Pro
zessentschädigung ermessens
weise auf
Fr.
2’0
00
.-- (inklusive Barauslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
5.3
Weiter beantragte die Beschwerdeführerin, die Kosten in Höhe von Fr. 750.-- für den Bericht von Dr. B._ vom 14. Juni 2016 (Urk. 9/100) seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Kosten von Privatgutachten können allenfalls als notwendige Auslagen im Rahmen der Parteientschädigung geltend gemacht werden, soweit das Privat
gut
achten unmittelbar im Zusammenhang mit dem Prozess erstellt wurde und zur gehörigen Substantiierung erforderlich ist (Suter/von Holzern in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Hrsg. Kommentar zur ZPO,
2.
Auflage, Zürich 2013,
Art.
95 ZPO N 33).
Der Bericht von Dr. B._ wurde zwar im Zusammenhang mit der Begut
achtung durch Dr. A._ erstellt, vorliegend hat er jedoch nicht wesentlich zum Entscheid beigetragen. Bereits aufgrund der vorbestehenden medizinischen Akten, insbesondere der Stellungnahme von Dr. E._ vom 24. August 2015 (Urk. 9/85/2 f.), war von einer fehlenden Beweiskraft des psychiatrischen Gut
achtens auszugehen. Damit sind die geltend gemachten Kosten für diesen Bericht
nicht der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.