Decision ID: bc02cefc-c374-5efc-a97e-ff78ef2842a4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am (...) in der Schweiz ein Asylgesuch ein.
Am 9. Februar 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am
13. Oktober 2017 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen
angehört.
Dabei brachte er im Rahmen der BzP vor, er sei tamilischer Ethnie, stamme
aus B._ (Distrikt C._) und sei zuletzt offiziell in D._
(Distrikt C._) registriert gewesen. Er habe (Nennung Schulbildung
und Berufserfahrung) gearbeitet. Im Jahr (...) habe er geheiratet. Seine
Frau und er hätten abwechslungsweise bei ihren Müttern in B._ und
D._ gewohnt. Als Folge des Bürgerkriegs habe er sich schlecht ge-
fühlt und etwas für sein Volk tun wollen. Er habe sich deshalb im Jahr (...)
der politischen Partei E._ angeschlossen und jeweils im Anschluss
an seine Arbeit Propaganda für diese Partei gemacht. Deswegen sei er
vom Criminal Investigation Department (CID) verfolgt worden. Im (Nen-
nung Zeitraum) seien drei sogenannte "Grease Men" zu ihm nach Hause
gekommen. Als diese hätten eindringen wollen, habe er die Türe zugehal-
ten. Einer der Angreifer habe mit einem Messer durch den Türspalt gesto-
chen und ihn am (Nennung Körperteil) verletzt. Auf seine Schreie seien
Nachbarn zu Hilfe geeilt, worauf die Männer die Flucht ergriffen hätten. Am
(...) habe eine gegen die Regierung gerichtete Demonstration stattgefun-
den, um auf die im Bürgerkrieg verschwundenen Personen aufmerksam zu
machen. Diese Demonstration sei von der F._, ehemals
E._, organisiert worden. Er habe dabei Propaganda gemacht und
Plakate aufgehängt. Angehörige des Militärs in Zivil seien auf die Demonst-
ranten losgegangen und hätten ihn dabei an der (Nennung Körperteil) ver-
letzt. Am Ort der Kundgebung habe ihm sodann ein Angehöriger des CID
mit dem Tod durch Erschiessen gedroht. Aus Angst sei er zu seiner (Nen-
nung Verwandte) nach G._ (Distrikt C._) gezogen, wo er
sich während (Nennung Dauer) versteckt habe und von dort zur Arbeit ge-
fahren sei. Während dieser Zeit hätten die Behörden viele Male bei ihm
zuhause in B._ nach ihm gefragt. Am (...) hätten nochmals Wahlen
stattgefunden. Als er zuvor am (...) an einer Propagandaveranstaltung teil-
genommen habe, seien unbekannte Leute aufgetaucht und hätten sie ge-
schlagen. Er sei nach H._ zu einem (Nennung Person) geflohen,
der ihn versteckt und anschliessend ins Ausland geschickt habe. Weder er
noch Verwandte hätten Verbindungen zu den I._.
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In Ergänzung zu seinen Vorbringen in der BzP gab der Beschwerdeführer
anlässlich der Anhörung an, er habe seit dem Jahr (...) für die F._
respektive die landesweite Partei (...) Propaganda für Leute gemacht, die
verschwunden seien oder die man in ihre Dörfer hätte zurückkehren lassen
sollen. Er habe zudem Plakate aufgehängt, Essen verteilt und an Protesten
teilgenommen. Er sei aber nicht Mitglied der F._ gewesen. Insge-
samt habe er seit dem Jahr (...) zehn Mal jeweils zwanzig Tage vor den
Wahlen – in der Regel nachts – mit weiteren Personen Plakate aufgehängt.
Dabei seien sie von Leuten auf Motorrädern und Field Bikes gejagt worden
respektive sie hätten jeweils gesehen, dass diese Leute sich ihnen bis auf
50 Meter genähert hätten, worauf sie weggerannt seien und erst am nächs-
ten Tag wieder Plakate aufgehängt hätten. In diesem Zusammenhang
seien er respektive seine Familienangehörigen – da er jeweils abwesend
gewesen sei – verwarnt worden, solche Aktionen inskünftig zu unterlassen.
Am (...) sei ein "Grease Men" bei ihnen zuhause erschienen, habe die Türe
aufgebrochen und ihn mit einem Messer am (Nennung Körperteil) verletzt.
Weil sie geschrien hätten, seien alle Leute aus der Umgebung herbeige-
rannt. Wegen diesem Vorfall habe er sich für (Nennung Dauer) in
B._ aufgehalten, sei dann aber nach D._ zurückgekehrt. In
seinem Dorf habe ihn jeweils eine Person namens J._ über De-
monstrationen und Aufträge informiert. Am (...) habe er erstmals an einer
Protestaktion teilgenommen, welche auf dem Grundstück eines Tempels in
B._ stattgefunden habe. An dieser Aktion hätten zirka (Nennung An-
zahl) Personen mitgemacht. Kurze Zeit nach Beginn seien vier bis fünf Per-
sonen einer verdeckten Gruppierung beziehungsweise der K._ auf-
getaucht, hätten die Kundgebungsteilnehmer sowie Journalisten und Ka-
meramänner geschlagen und deren Kameras zerstört. Er habe dies zu ver-
hindern versucht, sei dabei jedoch mit einem Messer an der (Nennung Kör-
perteil) verletzt worden. Man habe ihm eine Waffe an die Brust gehalten
und gesagt, dass man ihn von anderen Protest- beziehungsweise Plakat-
aktionen kenne und nicht ruhen werde, bis man ihn erschossen habe. Da-
nach habe er sich von seiner Familie getrennt und bei seiner (Nennung
Verwandte) in G._ versteckt, wo er im Haus geblieben und nirgends
hingegangen sei. Angehörige des CID hätten ihn in der Folge immer wieder
zuhause aufgesucht, wobei er stets abwesend gewesen sei. Am (...) habe
er in L._ an einer Protestaktion mitgemacht. Kurze Zeit nach dem
Beginn dieses Protestes habe er einen Anruf aus dem Zuhause in
D._ erhalten, worin ihm mitgeteilt worden sei, dass ihn Leute auf-
gesucht hätten. Wenig später nach diesem Anruf seien vier bis fünf Ange-
hörige der K._ am Ort des Protestes aufgetaucht und hätten die
Teilnehmer attackiert. Darauf habe er sich nach H._ begeben, wo
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er sich bei einem ihm bekannten (Nennung Person) bis am (...) versteckt
habe. Während seines Aufenthalts in H._ sei er zuhause immer wie-
der gesucht worden. Am (...) sei er in M._ angekommen, von wo
aus er seine Heimat legal mit dem eigenen Pass, den ihm der Schlepper
organisiert habe, auf dem Luftweg verlassen habe.
Der Beschwerdeführer reichte (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. September 2019 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug derselben an.
C.
Mit Eingabe vom 30. Oktober 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Auf-
nahme in der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechts-
vertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Ferner sei festzustellen, dass die
Beschwerde aufschiebende Wirkung habe.
Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei.
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 6. November 2019 teilte die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Beschwerde-
verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe, und forderte ihn zur Einreichung
der in Aussicht gestellten ärztlichen Berichte auf.
E.
Mit Eingabe vom 20. November 2019 reichte der Beschwerdeführer (Nen-
nung Beweismittel) ein.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 25. November 2019 hiess die Instruktions-
richterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um Gewährung der amtlichen Verbeiständung gut, verzichtete auf die
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Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer
MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin bei.
G.
Mit Verfügung vom 1. April 2020 forderte die Instruktionsrichterin den Be-
schwerdeführer auf, den in Aussicht gestellten (Nennung Beweismittel) bis
zum 20. April 2020 einzureichen. Bei ungenutzter Frist werde das Verfah-
ren aufgrund der Akten weitergeführt.
H.
In seinem Schreiben vom 9. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um
Fristerstreckung zur Einreichung des (Nennung Beweismittel) aus organi-
satorischen Gründen.
I.
Mit Verfügung vom 15. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Fris-
terstreckungsgesuch gut.
J.
Die Rechtsvertretung teilte mit Schreiben vom 15. Mai 2020 unter Hinweis
auf die beigelegte (Nennung Beleg) mit, es sei trotz ihrer Bemühungen bis
anhin nicht gelungen, von diesem einen (Nennung Beweismittel) erhältlich
zu machen. Sie bitte erneut um Fristerstreckung.
Die gewährte Fristerstreckung bis 15. Juni 2020 verstrich ungenutzt.
K.
Mit (unaufgeforderter) Eingabe vom 27. Oktober 2020 teilte der Beschwer-
deführer mit, dass er sich aus organisatorischen Gründen noch nicht in
eine (...) Behandlung bei (Nennung Institution), habe begeben können. Der
Eingabe lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde wird sinngemäss eine Verletzung der Abklärungs-
und Begründungspflicht, mithin des rechtlichen Gehörs, gerügt. Diese for-
melle Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufgelis-
teten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106
Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der
Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird
oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn
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nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-
tigt werden (vgl. Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3
3.3.1 Zur Begründung bringt der Beschwerdeführer vor, er habe zu Beginn
der Bundesanhörung darauf hingewiesen, die Dolmetscherin nicht gut zu
verstehen, da sie zu schnell und undeutlich spreche. Sie stamme auch
nicht von Sri Lanka und habe einen schwer verständlichen Akzent gespro-
chen. Wie auch von der Hilfswerkvertretung bemängelt, habe die Dolmet-
scherin ihn zu schnell unterbrochen, was seinen Redefluss gehemmt habe.
Zudem sei es ihm bei der Anhörung gesundheitlich nicht gut gegangen und
er habe eine Art Zusammenbruch erlitten. Bei der Rückübersetzung nach
der Pause habe er sich nur mit Mühe konzentrieren können. Er sei am
Schluss der Anhörung derart erschöpft gewesen, dass er diese nur noch
habe beenden wollen, weshalb er allem zugestimmt habe. Dies sei auch
von der Hilfswerkvertretung auf dem Unterschriftenblatt vermerkt worden.
3.3.2 Zu den angeführten Verständigungsschwierigkeiten ist festzustellen,
dass aus dem Vermerk des Befragers im Anhörungsprotokoll zu schliessen
ist, er habe nach dem in E. 3.3.1 dargelegten Einwand die Übersetzerin
aufgefordert, langsamer zu sprechen. Ausserdem drückte er in der Folge
die Hoffnung aus, dass es nach der Einleitung mit der Übersetzung besser
gehen werde und forderte den Beschwerdeführer in diesem Zusammen-
hang auf, sich zu melden, wenn er etwas nicht verstehe (vgl. act. A19/2,
F1-F3). In der Folge übte der Beschwerdeführer an der Arbeit der Überset-
zerin keinerlei Kritik mehr. Zwar stellte er im Verlauf der Anhörung wieder-
holt Nachfragen, so betreffend der Fragen 47, 53, 56, 107, 128, 149 und
180, die sich jedoch als Nachfragen inhaltlicher Art darstellen, worauf der
Befrager jeweils seine ursprüngliche Frage wiederholte, umformulierte
oder näher erläuterte. Demgegenüber könnte bei den Nachfragen des Be-
schwerdeführers bezüglich der Fragen 15, 63, 77 und 153 durchaus der
Schluss getroffen werden, dass er die diesbezüglich jeweils gestellten Fra-
gen aus sprachlichen Gründen – beispielsweise infolge des ihm nicht ge-
läufigen Dialekts der Übersetzerin – zunächst nicht verstanden haben
könnte. Eine allfällige Verletzung der Abklärungspflicht ist darin jedoch
nicht zu erkennen. Auf die jeweilige Nachfrage formulierte der Befrager
seine Frage neu, welche vom Beschwerdeführer dem Protokoll zufolge of-
fensichtlich problemlos verstanden und beantwortet wurde. Ferner lassen
sich dem Anhörungsprotokoll keine Anhaltspunkte entnehmen, welche die
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subjektive Einschätzung der Hilfswerkvertretung, wonach der Beschwer-
deführer als Folge der jeweils frühen Unterbrechungen durch die Überset-
zerin in seinem Redefluss gehemmt worden sei, in objektiver Weise stüt-
zen könnten. Einen solchen Einwand brachte der Beschwerdeführer denn
auch im Rahmen der Anhörung selber nicht vor. Vielmehr bestätigte der
Beschwerdeführer auf Nachfrage in der BzP, den Dolmetscher gut verstan-
den zu haben (vgl. act. A4/13, S. 10, Ziff. 9.02).
3.3.3 Aus dem Vorbringen, dass der Beschwerdeführer während der Anhö-
rung gesundheitliche Probleme gehabt habe, weshalb er sich bei der Rück-
übersetzung kaum mehr habe konzentrieren können und infolge seiner Er-
schöpfung allem vorbehaltlos zugestimmt habe, lässt sich vorliegend nicht
folgern, der rechtserhebliche Sachverhalt sei unrichtig oder nicht vollstän-
dig erhoben worden. Eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls liefert keine
Hinweise, welche an der Verwertbarkeit desselben ernsthafte Zweifel auf-
kommen lassen. Zwar erbat sich der Beschwerdeführer gegen Schluss der
Anhörung eine kurze Pause, da er über (Nennung Beschwerden) klagte.
Er erhielt Wasser und wurde auf seinen Wunsch 20 Minuten alleine gelas-
sen. Nach einer insgesamt 30-minütigen Pause wurde die Rücküberset-
zung durchgeführt (vgl. act. A19/23, S. 19 unten). Dem Beschwerdeführer
war es möglich, während der besagten Pause anlässlich seiner Anhörung
auf Nachfrage die Gründe seiner aktuellen gesundheitlichen Schwierigkei-
ten und seine diesbezüglichen Gefühle anzuführen (vgl. act. A19/23,
S. 19). Er machte jedoch in der Folge zu keinem Zeitpunkt geltend, seine
gesundheitliche Situation hätte ihn daran gehindert, seine Asylgründe voll-
ständig und korrekt darzulegen. Bei einer Anhörung ist in erster Linie mas-
sgebend, ob die angehörte Person in der Lage ist, der Anhörung zu folgen,
was im Rahmen einer individuellen Beurteilung ihrer Befindlichkeit zu be-
urteilen ist (vgl. Urteil des BVGer D-4217/2018 vom 6. August 2019
E. 3.4.3). Vorliegend sind dem Anhörungsprotokoll keine Hinweise dafür zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach der wunschgemäss einge-
legten Pause nicht mehr in der Lage gewesen wäre, der weiteren Anhörung
oder der späteren Rückübersetzung des Protokolls problemlos zu folgen.
So stellen sich seine dementsprechenden Antworten (vgl. act. A19/23,
F200-213) nicht weniger ausführlich als vorher dar. Er gab zudem nie an,
mit den gestellten Fragen Mühe zu haben. Der Einwand, er habe aus Er-
schöpfung am Schluss der Anhörung respektive der Rückübersetzung al-
lem zugestimmt, vermag deshalb nicht zu überzeugen und wird durch die
schriftlichen Ausführungen im Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung
(Anhang zum Anhörungsprotokoll) auch nicht gestützt. So wird darin ledig-
lich festgehalten, dass – nachdem der Beschwerdeführer gesundheitliche
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Schwierigkeiten beklagt habe – nach einer Pause die Rückübersetzung
durchgeführt worden sei. Aus der Anhörung, welche in der Muttersprache
des Beschwerdeführers durchgeführt wurde, ergibt sich, dass die in freier
Erzählform vorgetragenen Asylgründe durch eine Vielzahl von Nachfragen
vertieft wurden. Der Beschwerdeführer führte am Schluss der Anhörung
selber an, alles gesagt zu haben und bestätigte schliesslich die Vollstän-
digkeit seiner Angaben mit seiner Unterschrift (vgl. act. A19/23, S. 22). Das
SEM durfte somit auf die protokollierten Aussagen abstellen. Eine Verlet-
zung der Abklärungspflicht liegt nicht vor.
3.3.4 Sodann liegt auch eine Verletzung der Begründungspflicht als Teil-
gehalt des rechtlichen Gehörs nicht vor. Das SEM hat nachvollziehbar und
hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich lei-
ten liess, und sich bei der Beurteilung der vorgebrachten Fluchtgründe mit
deren Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz sowie dem allfälligen Vorliegen von
Risikofaktoren mit Blick auf eine begründete Furcht gemäss der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts (E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 8 und E. 9.1) auseinandergesetzt. Dabei durfte es sich auf die wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken. Der blosse Umstand, dass der Be-
schwerdeführer die Auffassung und Schlussfolgerungen des SEM nicht
teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine materielle
Frage. Sodann zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe deutlich auf,
dass eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war.
3.4 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich demzu-
folge als unbegründet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das
Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt
und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung des Asylentscheides aus, der Be-
schwerdeführer habe – befragt zu seinen politischen Aktivitäten – in der
BzP durchgängig von der Partei F._, ehemals E._, für wel-
che er seit dem Jahr (...) bis zu seiner Ausreise im Jahr (...) als Sympathi-
sant Hilfstätigkeiten ausgeübt habe, gesprochen. Mitten in der Anhörung
habe er fortan von einer anderen Partei, nämlich der (...) berichtet. Die bei-
den Parteien seien im politischen Kontext von Sri Lanka sehr unterschied-
lich, weshalb die jeweilige Nennung dieser beiden Parteien erstaune, sei
der Beschwerdeführer seinen Ausführungen zufolge doch nur für eine Par-
tei tätig gewesen. Auf Vorhalt habe er bestritten, jemals die F._ ge-
nannt zu haben. Dies überzeuge nicht, habe er sowohl während der BzP
als auch in der Anhörung die Richtigkeit des Protokolls mit seiner Unter-
schrift bestätigt. Weiter würden sich die Aussagen zur Teilnahme an der
Demonstration in B._ hinsichtlich des Zeitpunktes derselben, be-
züglich der Personen, welche gegen ihn eine Morddrohung ausgesprochen
hätten, und zu seiner Tätigkeit während der Zeit, als er sich in G._
versteckt habe, widersprechen, was er auf Vorhalt nicht plausibel habe er-
klären können. Bezüglich seiner Teilnahme an einer politischen Veranstal-
tung am (...) habe er sich im Weiteren zu den Personen, welche die Pro-
testaktion gestürmt hätten sowie zum Umstand, ob er bei der folgenden
Auseinandersetzung geschlagen worden sei, in gewichtige Ungereimthei-
ten verstrickt. Seine diesbezügliche Erklärung sei nicht nachvollziehbar.
Die geschilderte politische Verfolgung in Sri Lanka sei dementsprechend
insgesamt als unglaubhaft zu erachten. Daran vermöchten die eingereich-
ten Dokumente nichts zu ändern. Bei der (Nennung Beweismittel) handle
es sich um (Nennung Inhalt des Dokuments). Da keine weiteren Angaben
darin enthalten seien, die besagte Kopie unvollständig sei und zudem we-
der Stempel noch sonstige Sicherheitsmerkmale aufweise, sei dem Doku-
ment nur ein geringer Beweiswert beizumessen. Das Gleiche gelte auch
hinsichtlich des (Nennung Beweismittel), da es sich um ein Gefälligkeits-
schreiben handle. Zudem lasse sich dessen Inhalt in einigen Punkten nicht
mit den Aussagen des Beschwerdeführers in Übereinstimmung bringen.
Die weiteren ins Recht gelegten Unterlagen seien für seine Vorbringen
asylrechtlich nicht relevant
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Soweit er geltend mache, von "Grease Men" angegriffen worden zu sein,
handle es sich um eine asylirrrelevante Verfolgung Dritter. Der sri-lankische
Staat sei schutzwillig und schutzfähig, weshalb es ihm – auch wenn er dies
nie versucht habe – möglich und zumutbar gewesen wäre, um entspre-
chenden Schutz bei den Behörden zu ersuchen. Zudem bestehe in sachli-
cher und zeitlicher Hinsicht kein enger Kausalzusammenhang zwischen
dem Angriff und seiner (...) Jahre späteren Ausreise.
Den Akten seien keine Risikofaktoren zu entnehmen. Die Befragung von
Rückkehrern, die über keine gültigen Identitätsdokumente verfügten, im
Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht
würden, und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler
Ausreise stellten keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen dar. Es
sei hierbei anzufügen, dass der Beschwerdeführer legal mit einem gültigen
Pass aus Sri Lanka ausgereist sei. Er habe sodann nicht glaubhaft machen
können, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen aus-
gesetzt gewesen zu sein. Vielmehr habe er bis im (...), somit nach Kriegs-
ende noch (Nennung Dauer), in seiner Heimat gelebt. Es sei daher auf-
grund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevan-
ter Weise verfolgt werden sollte.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Beschwerdeschrift, es sei
nicht legitim, widersprüchliche Aussagen zwischen der BzP und der Anhö-
rung derart stark zu gewichten. Auch der Europäische Gerichtshof für Men-
schenrechte (EGMR) erachte einen Fokus auf solche Widersprüche als
konventionswidrig. Zum Vorhalt der Verwendung unterschiedlicher Partei-
namen sei anzuführen, dass es sich bei den von ihm angegebenen Namen
um eine Vermischung der Parteinamen (...) (F._) und (...)
(E._) handle, was entweder auf eine falsche Übersetzung zurück-
zuführen oder aber ihm selber geschehen sei. Er habe jedenfalls abgestrit-
ten, jemals von der F._ gesprochen zu haben. Vielmehr habe der
Befrager ab Frage 37 in der Anhörung nur noch von der F._ gespro-
chen. Der Verweis des SEM, wonach er die Richtigkeit des Anhörungspro-
tokolls mit seiner Unterschrift bestätigt habe, sei angesichts seines Zusam-
menbruchs kurz vor der Rückübersetzung mit Vorsicht zu geniessen. In
diesem Sinne habe er widerspruchsfrei von seiner Unterstützung der ehe-
maligen E._ und der neuen F._ gesprochen. Weiter reiche
die einmalige falsche Nennung einer Jahreszahl bezüglich der Teilnahme
an seiner ersten Demonstration nicht aus, um seine Schilderung in Zweifel
zu ziehen. Zum Vorhalt der Nennung unterschiedlicher Personen, welche
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Seite 12
ihn bedroht hätten, gelte es, seine Aussagen in den politischen Kontext Sri
Lankas einzubetten. Die tägliche Repression in seiner Heimat finde in ver-
deckter Form statt und werde von den Behörden zu vertuschen versucht.
Deshalb hätten die von ihm beschriebenen Akteure, die höchstwahrschein-
lich im staatlichen Auftrag unterwegs gewesen seien, keine Uniform getra-
gen. Deshalb sei eine zweifelsfrei Zuordnung der Akteure an der Demonst-
ration und der politischen Veranstaltung nicht möglich und könne ihm nicht
zum Vorwurf gemacht werden. Unter Berücksichtigung der komplexen Si-
tuation in Sri Lanka seien aus Sicht der Betroffenen Angehörige der
K._ mit Beamten des CID gleichzustellen. Dies erkläre, weshalb er
in der BzP von Mitarbeitern des CID gesprochen habe. Ferner treffe es
bezüglich des Vorhalts ungereimter Aussagen zu seiner Tätigkeit während
seines Aufenthalts im Versteck bei seiner (Nennung Verwandte) nicht zu,
dass er angegeben haben soll, von seiner (Nennung Verwandte) aus zur
Arbeit gefahren zu sein. Zudem sei die Relevanz dieses Details für seine
Verfolgung nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung seiner psychischen
Verfassung anlässlich der Anhörung habe er seine Verfolgung insgesamt
stimmig und – abgesehen von kleineren Widersprüchen – stringent darge-
legt.
Infolge seiner Teilnahme an politischen Aktionen hätten ihm ernsthafte
Nachteile gedroht, zumal sein Leben in Gefahr gewesen sei und Anzeichen
bestanden hätten, dass ihn die Behörden aufgreifen und umbringen wür-
den. Er habe realisiert, dass er in seinem Versteck bei seiner (Nennung
Verwandte) nicht mehr sicher gewesen sei. Sein politisches Profil sei zu-
dem durch seine Flucht und den Aufenthalt in der Schweiz geschärft wor-
den. Bei einer Rückkehr würden ihm weitere Repressionen drohen. Dem-
entsprechend sei seine Familie nach seiner Ausreise immer wieder unter
Druck gesetzt worden und seine Ehefrau habe deswegen umziehen müs-
sen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Abwägung der Argu-
mente, die für die Glaubhaftigkeit, und denjenigen, die dagegen sprechen,
zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Verfol-
gungsgeschichte (Nennung Details) entspreche in den wesentlichen Punk-
ten nicht den Tatsachen, als höher zu erachten ist. Zudem stellen sich die
Ereignisse des Jahres (...) (Angriff durch Grease Men) mangels eines aus-
reiserelevanten Sachzusammenhangs als nicht asylrelevant dar. Der Be-
schwerdeführer vermag mit seinen Entgegnungen auf Beschwerdeebene
keine andere Erkenntnis herbeizuführen.
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6.1.1 Soweit der Beschwerdeführer einwendet, es sei nicht legitim, wider-
sprüchliche Aussagen zwischen der BzP und der Anhörung derart stark zu
gewichten und diesbezüglich auf die dementsprechende Rechtsprechung
in EMARK 1993 Nr. 3 hinweist, ist anzuführen, dass es gemäss der er-
wähnten und vom Bundesverwaltungsgericht übernommenen Rechtspre-
chung zulässig ist, Widersprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
heranzuziehen, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum – respektive in
der BzP – in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren
Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abweichen, oder
wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zent-
rale Asylgründe genannt werden, nicht bereits anlässlich der Erstbefragung
zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer
D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H). In der angefochtenen Ver-
fügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der
BzP abgestützt und zu Recht angeführt, dass sich der Beschwerdeführer
im Gegensatz zu der späteren Anhörung in gänzlich entgegengesetzter
Weise geäussert hat zu den Personen, welche ihn anlässlich der Demonst-
ration im (...) mit dem Tod bedroht respektive welche ihn und weitere De-
monstranten bei der Veranstaltung am (...) attackiert und geschlagen hät-
ten, sowie unter welchen Umständen er im Versteck bei seiner (Nennung
Verwandte) gelebt habe (vgl. act. A4/13, S. 8; A19/23, F64, F71, F110,
F161, F163 und F206). Der Einwand des Beschwerdeführers, es sei eine
eindeutige Zuordnung der Akteure an der Demonstration und der politi-
schen Veranstaltung nicht möglich, da die staatliche Repression in Sri
Lanka in verdeckter Form stattfinde und deshalb die von ihm beschriebe-
nen Personen keine Uniform getragen hätten, überzeugt nicht. Der Be-
schwerdeführer hat sich sowohl in der BzP als auch in der Anhörung auf
explizite Nachfrage und insbesondere ohne diesbezügliche Zweifel zu den
ihn bedrohenden Personen geäussert. Zudem handelt es sich beim CID
und der K._ um sri-lankische Institutionen, welche der einheimi-
schen Bevölkerung generell bekannt sind. Soweit der Beschwerdeführer
bestreitet, jemals angegeben zu haben, im Versteck von seiner (Nennung
Verwandte) zur Arbeit gefahren zu sein, ist dieser Einwand als aktenwidrig
zu bezeichnen (vgl. act. A4/13, S. 8). Diesem Vorbringen ist sodann entge-
gen seiner Ansicht eine nicht unerhebliche Relevanz für die Beurteilung
seiner Asylvorbringen beizumessen. So können einerseits die Umstände
einer Flucht – hier das Verhalten im Versteck – in dem Sinne als wesentlich
für die Flüchtlingseigenschaft angesehen werden, als sie der Beurteilung
der generellen Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen und insbesondere der
persönlichen Glaubwürdigkeit eines Asylgesuchstellers dienen. Ist dieses
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Seite 14
Vorbringen wie hier als unglaubhaft zu erachten, lässt dies auch Rück-
schlüsse auf die grundsätzliche Glaubhaftigkeit der eigentlichen Asyl-
gründe zu. Ferner spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer – ge-
mäss Version in der BzP – trotz der gegen ihn ausgesprochenen Todes-
drohung weiterhin zur Arbeit gefahren sein will, in erheblicher Weise gegen
eine tatsächlich bestehende Lebensgefahr und somit auch gegen die
Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Bedrohung, zumal er sich mit die-
sem Verhalten einem hohen Risiko der Entdeckung ausgesetzt hätte. So-
dann ergeben sich hinsichtlich der Dauer, während welcher er bei seiner
(Nennung Verwandte) im Versteck gewesen sein will, weitere Ungereimt-
heiten. Gemäss Aussagen in der BzP sei er im Anschluss an die Demonst-
ration vom (...) aus Angst zu seiner (Nennung Verwandte) nach G._
gezogen, wo er sich (Nennung Dauer) versteckt habe (vgl. act. A4/13,
S. 8). Somit hätte er sich ungefähr bis (Nennung Zeitpunkt) dort aufgehal-
ten. Laut Anhörung sei er hingegen bis zu seiner Ausreise – mithin bis im
(...) – bei seiner (Nennung Verwandte) geblieben (vgl. act. A19/23, F64,
F66, F92). Weiter sei er von den Behörden lediglich bei (Nennung Ver-
wandte) und bei seiner Frau in B._ und in D._, jedoch nicht
an anderen Orten gesucht worden (vgl. act. A19/23, F80). Die in der
Rechtsmitteleingabe dargelegte Furcht, wonach er in seinem Versteck bei
der (Nennung Verwandte) nicht mehr sicher gewesen sei (Beschwerde-
schrift, Ziff. 46), erscheint deshalb – auch bei Wahrunterstellung – unbe-
gründet.
6.1.2 Hingegen ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass alleine die
einmalige falsche Nennung einer Jahreszahl bezüglich der Teilnahme an
seiner ersten Demonstration noch nicht genügt, um die Glaubhaftigkeit die-
ses Sachverhaltselements in Zweifel zu ziehen, umso mehr als er das Vor-
bringen im Verlaufe der Anhörung von sich aus korrigierte (vgl. act. A19/23,
F64, F67 f.).
6.1.3 Demgegenüber hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung er-
kannt, dass der Beschwerdeführer die von ihm unterstützte Partei in den
Befragungen unterschiedlich bezeichnete, obwohl er seit Jahren nur eine
Partei unterstützt haben will (vgl. act. A22/10, S. 3, 4. Absatz), was an der
Glaubhaftigkeit seines diesbezüglichen Engagements erhebliche Zweifel
aufkommen lässt. So hätte von ihm als angeblich langjähriger Sympathi-
sant die gleichbleibende Nennung des Parteinamens ohne Weiteres erwar-
tet werden dürfen. Der Beschwerdeführer schliesst nicht aus, dass er die
Parteinamen vermischt habe (vgl. Beschwerdeschrift, Ziff. 30). Insofern er
D-5692/2019
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vorbringt, es könne sich in diesem Zusammenhang auch um einen Über-
setzungsfehler handeln, ist auf die obige E. 3.3.2 zu verweisen, worin eine
Verletzung der Abklärungspflicht durch das SEM verneint wurde. Auch der
weitere Einwand, er habe in der Anhörung abgestritten, jemals die
F._ gemeint zu haben und der Befrager habe vielmehr ab Frage 37
nur noch von der F._ gesprochen, vermag nicht zu überzeugen. Zu-
nächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der BzP
durchwegs von der Partei F._, vormals E._, gesprochen hat
(vgl. act. A4/13, S. 8 f.). Sodann anerkennt er in seiner Beschwerdeschrift,
dass er in seiner Antwort zur Frage 37 der Anhörung von seiner Unterstüt-
zung der (...) gesprochen habe, was die Dolmetscherin richtigerweise mit
F._ übersetzt habe (vgl. Beschwerdeschrift, Ziff. 30; act. A19/23,
S. 5). Der Vorwurf, wonach der Befrager die Partei in der Folge nur noch
mit F._ bezeichnet habe, geht daher fehl. Betreffend seinen Ein-
wand auf den körperlichen Einbruch kurz vor der Rückübersetzung ist
ebenfalls auf die obige E. 3.3.2. zu verweisen. Der Beschwerdeführer ver-
mag daher – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – seine
Unterstützung der F._, vormals E._, nicht widerspruchsfrei
darzulegen.
6.1.4 An dieser Erkenntnis vermögen die eingereichten Dokumente nichts
zu ändern. Zu den im vorinstanzlichen Verfahren ins Recht gelegten Un-
terlagen hat sich das SEM im angefochtenen Entscheid mit zutreffender
Begründung geäussert (vgl. act. A22/10, S. 4 letzter Absatz). Diese Beur-
teilung ist in Ermangelung entsprechender Entgegnungen in der Rechts-
mitteleingabe vorliegend zu bestätigen. Zwar ist angesichts des auf der
Polizeianzeige enthaltenen Namens nicht grundsätzlich auszuschliessen,
dass die anzeigende Person aus der Familie der Ehefrau des Beschwer-
deführers stammen könnte. Hingegen lassen sich daraus mangels weiter-
gehender Ausführungen keine Anhaltspunkte entnehmen, die die vorge-
brachte Verfolgung des Beschwerdeführers belegen könnten. Mit der Be-
schwerde wurden je (Nennung Beweismittel) eingereicht, wonach laut Be-
schwerdeführer ein guter Freund von ihm im (...) erschossen worden sei.
Dieser Freund habe mit ihm Plakate für die E._ aufgehängt. Daraus
vermag der Beschwerdeführer jedoch ebenfalls nichts zu seinen Gunsten
herzuleiten. Weder zeigt er auf, inwiefern dieser Todesfall (Nennung Zeit-
punkt) nach seiner Ausreise mit seinen Vorbringen in Zusammenhang ste-
hen soll, noch bekam er eigenen Angaben zufolge damals wegen des Kle-
bens von Plakaten ernsthafte Probleme, seien doch gegenüber seinen Fa-
milienangehörigen lediglich Warnungen ausgesprochen worden (vgl. act.
A19/23, F137 f.).
D-5692/2019
Seite 16
6.1.5 Hinsichtlich des Angriffs durch "Grease Men" ist festzuhalten, dass
der sri-lankische Staat gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts auch gegenüber der tamilischen Bevölkerung als schutzwillig und
schutzfähig gilt (vgl. Urteile des BVGer E-1631/2020 vom 30. April 2020
E. 6.1; E-3166/2019 vom 17. Juli 2019 E. 6.2; D-2475/2018 vom 24. Juli
2018 E. 6.2.2). Es wäre dem Beschwerdeführer deshalb möglich und zu-
mutbar gewesen, sich an die heimatlichen Behörden zu wenden und diese
um Schutz zu ersuchen. Da die angeführte Verfolgung durch Angehörige
des CID oder der K._ nicht geglaubt werden kann, erweist sich der
Einwand, die Repression habe zumindest mit staatlicher Billigung stattge-
funden, weshalb der Staat nicht als schutzwillig bezeichnet werden könne,
als unbegründet. Überdies besteht auch kein ausreiserelevanter Sachzu-
sammenhang, da der Angriff (Nennung Zeitpunkt) vor der Ausreise gesche-
hen sei und der Beschwerdeführer im weiteren Verlauf ohnehin keine wei-
teren Übergriffe erlitten haben will. Unter diesen Umständen erübrigt es
sich, auf bestehende Ungereimtheiten bei einem Vergleich seiner diesbe-
züglichen Aussagen in der BzP und der Anhörung näher einzugehen.
6.2 Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise dro-
hende flüchtlingsrelevante Gefährdungslage nachzuweisen oder glaubhaft
darzutun.
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol-
gung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.2 Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung diesbezüglich fest,
die Kontrollmassnahmen am Herkunftsort würden grundsätzlich kein asyl-
relevantes Ausmass annehmen. Allfällige im Zeitpunkt der Ausreise des
Beschwerdeführers bestehende Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsin-
teresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht, und es
sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den
Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden
sollte (vgl. act. A22/10, S. 6 sowie E. 5.1 dieses Urteils).
An dieser Einschätzung ist auch im heutigen Zeitpunkt weiterhin festzuhal-
ten. Die behauptete Vorverfolgung hat sich als unglaubhaft respektive als
nicht asylrelevant erwiesen. Weder der Beschwerdeführer noch andere Fa-
milienangehörige weisen Verbindungen zu den I._ auf (vgl. act.
D-5692/2019
Seite 17
A4/13, S. 9). Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur tamilischen
Ethnie, seine mehrjährige Landesabwesenheit, die Asylgesuchstellung in
einem tamilischen Diasporaland sowie das Fehlen ordentlicher Reisepa-
piere reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Verfolgungsmass-
nahmen auszugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. a.a.O. E. 8.3). Es ist des-
halb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer "Stop
List" aufgeführt ist. Unter Würdigung aller Umstände ist nicht mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von
der sri-lankischen Regierung verdächtigt wird, bestrebt zu sein, den tamili-
schen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den
sri-lankischen Einheitsstaat darzustellen.
7.3 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der politischen Verän-
derungen in der Heimat des Beschwerdeführers bewusst. Es beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer
möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso-
nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise
bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. E-1866/2015; Human Rights Watch
[HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Den-
noch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nicht der Fall.
An der Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist weiterhin fest-
zuhalten. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung entstan-
den ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umstän-
den, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. BVGE
2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend nicht vor. Es sind auch sonst
keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im aktuellen
politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden
D-5692/2019
Seite 18
geraten ist und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hat, weshalb er
keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag.
7.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
D-5692/2019
Seite 19
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.). An der La-
geeinschätzung im Urteil E-1866/2015 ist weiterhin festzuhalten. Auch der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11,
Ziff. 37). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in an-
derweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im
Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Er-
gebnisse der Präsidentschaftswahlen von November 2019 und des diplo-
matischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lanki-
schen Behörden.
9.2.3 Was die dargelegten psychischen Beschwerden betrifft, so kann ge-
mäss der Praxis des EGMR der Vollzug der Wegweisung eines abgewie-
senen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzelfall zwar
einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Hierfür sind aber ganz aus-
sergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil des EGMR Papos-
hvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10,
§ 183), Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen sich die
von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr befindet,
zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen angesichts fehlender Be-
handlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Ausschaffung einem realen Risiko
einer schwerwiegenden, raschen und irreversiblen Verschlechterung des
Gesundheitszustands ausgesetzt werden, die zu heftigen Leiden oder ei-
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Seite 20
ner erheblichen Reduktion der Lebenserwartung führen. Solche ausserge-
wöhnlichen Umstände können aber hier hinlänglich ausgeschlossen wer-
den (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., 2009/2 E. 9.1.3).
9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den I._ ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). An der generellen Einschätzung der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vermögen die gewalttätigen Angriffe auf Kirchen und Hotels
vom Ostersonntag 2019 und der daraufhin verhängte Ausnahmezustand
nichts zu ändern. Auch die verschärften ethnischen und religiösen Span-
nungen während des jüngsten Wahlkampfes und der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri Lanka ändern nichts
an dieser Beurteilung.
9.3.2 Gemäss (Nennung Beweismittel) war der Beschwerdeführer (Nen-
nung Diagnose und Behandlung). Er habe während des stationären Auf-
enthalts die empfohlene (...) Medikation abgelehnt. Es hätten sich (Nen-
nung Beschwerden) gezeigt, sodass eine Medikation wegen (Nennung Lei-
den) begonnen worden sei. Nach der Krisenintervention sei er auf seinen
Wunsch hin bei fehlender akuter Eigen- und Fremdgefährdung in die an-
gestammten Wohnverhältnisse entlassen worden.
Der Beschwerdeführer machte in seiner Eingabe vom 20. November 2019
geltend, er habe nach dem stationären Aufenthalt zuerst keine Therapie
fortführen wollen, sich nach Verschlimmerung seines Zustandes jedoch
dazu entscheiden können. Es habe gemäss (Nennung Beweismittel) eine
Überweisung für den Beginn einer (Nennung Behandlung) stattgefunden.
Trotz wiederholter Aufforderung im Rahmen der Beschwerdeinstruktion
(vgl. Bstn. G. und I. oben) reichte der Beschwerdeführer den in Aussicht
gestellten Bericht zu seiner (Nennung Behandlung) bis dato nicht nach. Er
D-5692/2019
Seite 21
teilte indes mit Eingabe vom 27. Oktober 2020 organisatorische Schwierig-
keiten mit, welche den Beginn einer solchen Behandlung bislang verun-
möglicht hätten, und wies darauf hin, es sei ein weiterer Versuch gestartet
worden, einen entsprechenden Termin zu vereinbaren. Aus aktueller Sicht
ist nicht davon auszugehen, dass die vom Beschwerdeführer angespro-
chenen, möglicherweise noch zu erstellenden ärztlichen Zeugnisse oder
Berichte geeignet sein könnten, etwas an der in E. 3.3.3 hievor dargelegten
Einschätzung zu ändern respektive zu einer grundlegend anderen Ein-
schätzung hinsichtlich der Zulässigkeit (vgl. E. 9.2.3) und Zumutbarkeit
(vgl. nächster Absatz) eines Wegweisungsvollzugs zu führen. Es braucht
daher die Nachreichung dieser allfälligen Unterlagen auf Beschwerde-
ebene nicht abgewartet zu werden (vgl. antizipierte Beweiswürdigung:
BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357).
Zwar weist das öffentliche Gesundheitssystem im Norden Sri Lankas nach
Kenntnis des Gerichts bezüglich Kapazität und Infrastruktur Mängel auf.
Dennoch ist davon auszugehen, dass eine allfällig notwendige Behandlung
der psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers im Rahmen einer
ambulanten Therapie auch in seinem Heimatland möglich ist. So stehen im
Distrikt C._ in verschiedenen staatlichen Institutionen ambulante
Therapien zur Verfügung und diese werden vom Staat auch grundsätzlich
bezahlt. Auch bietet die in C._ stationierte NGO "Shanthi-ham –
Association for Health and Counselling" Beratung, Gruppentherapie und
psychologische Unterstützung für traumatisierte Personen an. Im Falle ei-
ner Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands wäre eine umfassen-
dere Behandlung auch in M._ möglich. Ferner wäre eine allfällige
medikamentöse Behandlung in Sri Lanka bei der State Pharmaceutical
Corporation (SPC) grundsätzlich kostenlos erhältlich, wenngleich die
Nachfrage nach kostenlos zur Verfügung gestellten Medikamenten zur Be-
handlung psychischer Krankheiten das Angebot des SPC bisweilen über-
steigt (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 14.2.2 m.w.H.). Zudem könnte
allfälligen solchen Bedürfnissen des Beschwerdeführers auch durch die
medizinische Rückkehrhilfe Rechnung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1
Bst. d AsylG).
Diesen Ausführungen zufolge ist nicht davon auszugehen, eine Rückkehr
des Beschwerdeführers nach Sri Lanka werde zu einer raschen und le-
bensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes füh-
ren. Sollten sich allfällige suizidale Tendenzen akzentuieren, so wäre die-
sem Umstand bei einem zwangsweisen Wegweisungsvollzug im Rahmen
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Seite 22
der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BVGer
D-3574/2016 vom 14. Juli 2016 E. 5.3.2).
9.3.3 Der aus dem C._-Distrikt stammende Beschwerdeführer ver-
fügt an seinem Herkunftsort respektive im Grossraum C._ mit sei-
nen Familienangehörigen (Aufzählung Angehörige) nach wie vor über ein
bestehendes gefestigtes Beziehungsnetz, das ihm bei einer Rückkehr Un-
terstützung bieten kann, insbesondere auch in wirtschaftlicher Hinsicht
(vgl. act. A4/13, S. 6; A19/23, S. 3 f.). Zudem absolvierte er eine schulische
Ausbildung (...) und verfügt über diverse Berufserfahrungen. Im Lichte obi-
ger Ausführungen ist ihm demnach der Aufbau einer neuen Existenz zuzu-
muten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.4 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Identitätskarte und es obliegt
ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine
Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl.
Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Voll-
zug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2
AIG).
Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl.
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer D-4796/2019 vom
27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
D-5692/2019
Seite 23
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Zwischenverfügung vom 25. November 2019 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhe-
bung von Verfahrenskosten zu verzichten ist.
11.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Be-
schwerdeführer seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin bestellt.
Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwen-
dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Rechtsvertreterin
reichte mit ihrer Beschwerdeschrift eine Kostennote ein. Demnach beliefen
sich ihre Bemühungen auf 13.46 Stunden; der geltend gemachte Stunden-
ansatz liegt bei Fr. 150.–. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von
Fr. 124.– aufgeführt. Nachdem sich die Rekapitulation des Sachverhalts in
der Rechtsmitteleingabe über etliche Seiten erstreckt, die Beschwerde-
schrift bei den Bemerkungen zur Flüchtlingseigenschaft diverse Textbau-
steine sowie eine teilweise Wiederholung des Sachverhalts enthält, erweist
sich der diesbezügliche Aufwand als nicht notwendig. Ausserdem ist der
Aufwand für die Erstellung der Honorarnote im Stundenansatz bereits ent-
halten, weil es sich um eine Sekretariatsarbeit handelt. Der Aufwand ist
daher entsprechend zu kürzen und es ist von einem notwendigen Aufwand
von insgesamt neun Stunden auszugehen. In der Kostennote nicht enthal-
ten ist der für die Beweismitteleingabe vom 20. November 2018 und für die
Fristerstreckung vom 9. April 2019 getätigte Aufwand, welcher von Amtes
wegen auf eine Stunde zu veranschlagen ist. Der gesamte Aufwand beläuft
sich demnach auf zehn Stunden, die Auslagen erhöhen sich auf Fr. 132.–.
Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden nicht-anwaltliche Ver-
treterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.–
entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der – nicht mehrwert-
steuerpflichtigen – amtlichen Rechtsvertreterin ist daher zu Lasten des
Bundesverwaltungsgerichts gesamthaft eine Entschädigung von
Fr. 1'632.– (Honorar: Fr. 1500.–, Auslagen: Fr. 132.–) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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