Decision ID: 372c6803-2df2-58bd-9b82-0734d753dd47
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im März bzw. Mai 2011 wegen
Rücken- und Beinschmerzen zur Früherfassung bei der IV-Stelle an. Die Verfahren
wurden im gleichen Jahr ohne materielle Leistungsprüfung formlos abgeschlossen (vgl.
IV-act. 1 bis 13). Per 13. Februar 2012 stellte die B._ AG den Versicherten als Z._ in
einem 100%-Pensum bei einem Monatslohn von Fr. 5'150.-- an (IV-act. 14-4 und 23).
Am 28. August 2012 unterzog er sich einer Discushernienoperation LW5/SW1. Am
13. November 2012 fand eine Revisionsoperation und Entfernung einer kleinen
Rezidivhernie links statt (vgl. IV-act. 21-8 und 21-11).
A.a.
Am 30. September 2013 meldete sich der Versicherte wegen des
Bandscheibenvorfalls zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-
act. 14). Mit Bericht vom 17. Oktober 2013 attestierte Dr. med. C._, Fachärztin für
Allgemeine Medizin, dem Versicherten aufgrund einer gemischten Lumboischialgie bei
St.n. Dekompression L5/S1 08/12 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 25. Juni 2013
(IV-act. 21-1). Seitens des Schmerzzentrums, Kantonsspital St. Gallen, wurde dem
Versicherten mit Bericht vom 29. August 2013 eine leichte depressive Symptomatik vor
dem Hintergrund chronischer Rückenschmerzen diagnostiziert (IV-act. 21-5).
A.b.
Mit Mitteilung vom 17. Januar 2014 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen ab, da der Versicherte sich nicht in der Lage fühlte, an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (IV-act. 42). Die B._ AG kündigte das
Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per 28. Februar 2014 (IV-act. 211-5).
A.c.
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Am 29. Juni 2014 erlitt der Versicherte einen Myokardinfarkt bei
Dreigefässerkrankung (IV-act. 72). Mit Mitteilung vom 18. Februar 2015 wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen erneut ab, da der
Versicherte sich nicht in der Lage sah, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 81).
A.d.
Nach weiteren medizinischen Abklärungen (vgl. etwa IV-act. 96 f.) erachtete die IV-
Stelle eine umfassende medizinische Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin,
Kardiologie, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie) als notwendig. Der
Gutachtensauftrag wurde nach dem Zufallsprinzip per SuisseMED@P der
Gutachterstelle "Zentrum für Medizinische Begutachtung" (ZMB) zugeteilt (vgl. IV-
act. 99 ff.).
A.e.
Mit Gutachten vom 14. Januar 2016 stellten die ZMB-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches
Lumbovertebralsyndrom, chronisches Cervikalsyndrom, koronare
Dreigefässerkrankung und PAVK Stadium IIa links mit Verschluss der A. femoralis
superficialis links (IV-act. 112-54 f.). In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 112-58).
A.f.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 117 ff.) wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren mit Verfügung vom 9. Mai 2016 gestützt auf das ZMB-Gutachten vom
14. Januar 2016 ab (IV-act. 126).
A.g.
Am 28. August 2017 stellte der Versicherte ein neues Leistungsbegehren und gab
als gesundheitliche Beeinträchtigung wiederum den Bandscheibenvorfall aus dem Jahr
2012 an (IV-act. 127). Mit Vorbescheid vom 9. Februar 2018 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Leistungsgesuchs an (IV-act. 157). Dagegen erhob
dieser am 9. März 2018 Einwand (IV-act. 158). Daraufhin nahm die IV-Stelle weitere
medizinische Abklärungen vor und holte diverse Arztberichte ein (vgl. namentlich IV-
act. 170 f.).
A.h.
Mit Bericht vom 19. Juli 2018 teilte Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, mit, der Versicherte befinde sich seit dem 30. Juni 2018 in seiner
Behandlung. Er leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F32.11) und sei aus rein psychiatrischer Sicht zu ca. 50 %
A.i.
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arbeitsunfähig (IV-act. 173). Der RAD hielt daraufhin eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands für möglich, sah jedoch anhand der eingereichten Berichte die
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten als unklar an. Er erachtete daher
eine Verlaufsbegutachtung beim ZMB als nötig (vgl. RAD-Stellungnahmen vom 25. Juli
und 15. Oktober 2018, IV-act. 174 und 186).
Vom 5. September bis 20. Oktober 2018 befand sich der Versicherte zur interdis
ziplinären schmerztherapeutisch-stationären Behandlung in der Klinik E._ (IV-
act. 192).
A.j.
Mit Verlaufsgutachten vom 30. April 2019 diagnostizierten die ZMB-Gutachter
zusätzlich zu ihren früheren Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (siehe
Gutachten vom 14. Januar 2016, IV-act. 112-54 f.) eine teilremittierte depressive
Episode, gegenwärtig leichter Schweregrad (ICD-10 F32.0), sowie psychologische
Faktoren bei der Schmerzverarbeitung, fehlende Selbstfürsorge (ICD-10 F54), fest (IV-
act. 205-7). Aus somatischer Sicht ergäben sich keine wesentlichen Veränderungen in
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gegenüber dem Vorgutachten. Es sei von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierten rückenschonenden Tätigkeiten auszugehen. Aus
psychiatrischer Sicht sei retrospektiv anzunehmen, dass aufgrund der depressiven
Symptomatik die Arbeitsfähigkeit vom 30. Juni 2018 bis zum Eintritt in die Klinik E._
am 5. September 2018 um 50% beeinträchtigt gewesen sei. Während des stationären
Aufenthaltes habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden, welche bis zum
4. November 2018 bescheinigt worden sei. Danach habe sich der psychische
Gesundheitszustand verbessert. Wegen der weiterhin eingeschränkten emotionalen
Belastbarkeit und verminderter Durchhaltefähigkeit bestehe weiterhin eine 30%ige
Einschränkung aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 205-6).
A.k.
Zur beruflichen Abklärung erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Kostengutsprache für ein Einsatzprogramm bei F._ (IV-act. 218; vgl. auch IV-
act. 214). Der Versicherte besuchte das Einsatzprogramm am 6. und 7. August 2019.
Am 8. August 2019 brach er es ab, da er sich nicht in der Lage fühlte, weiterhin an der
Massnahme teilzunehmen (vgl. IV-act. 212 f. und 215-4). Daraufhin wies die IV-Stelle
das Gesuch um (weitere) berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 9. August 2019 ab
(IV-act. 219).
A.l.
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B.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 222) wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren mit Verfügung vom 2. Dezember 2019 ab. Zwar sei ab dem 30. Juni
2018 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen. In der
angestammten wie in einer adaptierten Tätigkeit bestehe aber bei einer Präsenzzeit von
100 % weiterhin eine Leistungsfähigkeit von 70 %. Der aus dem Einkommensvergleich
resultierende Invaliditätsgrad von 30 % sei nicht rentenbegründend (IV-act. 225).
A.m.
Gegen diese Verfügung erhebt A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten
durch Rechtsanwalt Marco Bivetti, am 20. Januar 2020 Beschwerde. Er beantragt, ihm
sei mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Vergabe eines polydisziplinären Gutachtens nach dem Zufallsprinzip
über die SuisseMED@P an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei ihm die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt er aus, die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) hätte keine Verlaufsbegutachtung in Auftrag geben dürfen,
sondern hätte eine Begutachtung nach dem Zufallsprinzip über die SuisseMED@P
veranlassen müssen. Nicht der gesundheitliche Verlauf in einer bereits begutachteten
Disziplin habe im Vordergrund gestanden, sondern eine psychiatrische
Neubegutachtung. Den ZMB-Gutachtern sei es nicht gelungen, ihre ursprünglichen
Diagnosen in einem neuen Licht zu sehen. Sie hätten auf ihren früheren Feststellungen
beharrt. Auch hätten sie keine Stellung genommen zu den abweichenden
Feststellungen der Behandler. Das psychiatrische Teilgutachten sei widersprüchlich.
Einerseits werde darin festgehalten, der Beschwerdeführer behandle seine Depression.
Gleichzeitig werde angeführt, dass aus finanziellen Gründen eine Einstellung der
Behandlung erfolgt sei. Damit sei davon auszugehen, dass der begutachtete
Gesundheitszustand demjenigen zum Verfügungszeitpunkt nicht entspreche bzw. keine
nachhaltige Besserung eingetreten sei. Das ZMB-Gutachten sei somit nicht verwertbar.
Stattdessen sei auf die Angaben der behandelnden Ärzte abzustellen und von einer
Einschränkung der Erwerbsfähigkeit von 50% auszugehen. Für das Valideneinkommen
sei auf das tatsächlich erzielte Einkommen aus dem Jahr 2012 abzustellen und dieses
an die Teuerung anzupassen, was ein Valideneinkommen von Fr. 69'383.-- ergebe. Für
das Invalideneinkommen sei das Kompetenzniveau 1 der Tabellenlöhne gemäss den
B.a.
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vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) heranzuziehen. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung ergebe sich
bei einem Pensum von 100 % ein Invalideneinkommen von Fr. 66'803.--. Davon sei ein
Leidensabzug von 15 bis 20 % vorzunehmen. Bei einem Einkommensverlust von
Fr. 62'703.-- resultiere ein Anspruch auf eine ganze Rente (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 11. März 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, sie
habe zu Recht eine Verlaufsbegutachtung bei der ZMB in Auftrag gegeben. Das ZMB-
Gutachten sei beweiskräftig. Der Beschwerdeführer habe in den letzten Jahren vor
Eintritt des Gesundheitsschadens oft die Stelle gewechselt und sei erst seit Februar
2012 bei der B._ AG festangestellt gewesen, bevor er ab Oktober 2012 100 %
arbeitsunfähig gewesen sei. Somit könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer heute ohne Eintritt des
Gesundheitsschadens noch bei derselben Arbeitgeberin angestellt wäre und denselben
Lohn erzielen würde. Deshalb sei der Tabellenlohn heranzuziehen. Ein
Tabellenlohnabzug sei nicht vorzunehmen (act. G4).
B.b.
Am 17. März 2020 bewilligt die Präsidentin das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung; act. G5).
B.c.
Mit Replik vom 1. April 2020 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, das Gutachten sei nicht nach den gesetzlichen Vorgaben erhoben worden.
Massgebend sei, dass sich das Gutachten nicht zu den Arztberichten der Behandler
äussere. Die Akten würden lediglich im Anhang erwähnt, sodass kein Beleg existiere,
dass die Verlaufsgutachter auf den aktuellen Gesundheitszustand Bezug nehmen
würden. Die Beschwerdegegnerin verkenne die Verzweiflung des Beschwerdeführers
ob der Tatsache, dass er mangels Finanzierung der Therapie durch die
Krankenversicherung gezwungen gewesen sei, die Behandlung einzustellen. Als
hypothetisches Valideneinkommen sei auf das letzte vom Beschwerdeführer erzielte
Einkommen aus der unbefristeten Vollzeitstelle bei der G._ AG abzustellen. Ab
Sommer 2012 sei der Beschwerdeführer aufgrund eines ersten Bandscheibenvorfalls in
B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt worden. Ein Tabellenlohnabzug von 20% sei
gerechtfertigt (act. G7).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G9).B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine
fachärztlich gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten
Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 281 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22.
Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten
Beschwerden sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken. Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) und psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis
nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 143 V
418 E. 6 und E. 7.2; BGE 141 V 281 E. 3.5 und E. 4.2). Der Beweis für eine lang
andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als
geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
1.2.
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Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer
Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 418, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1
IVG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen). Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist
abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.5.
Mit Verfügung vom 9. Mai 2016 wies die Beschwerdegegnerin das erste
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers ab (IV-act. 126). Auf sein neues Gesuch vom
28. August 2017 ist sie eingetreten, weshalb auf die entsprechenden Voraussetzungen
gemäss Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) nicht mehr einzugehen und zu prüfen ist, ob sich der
Gesundheitszustand seit dem Ergehen des abweisenden Entscheids rentenwirksam
verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2019, 8C_467/2019, E.
3.2).
1.6.
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2.
3.
Mit der Neuanmeldung des Beschwerdeführers im August 2017 könnte ein
allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. Februar 2018 entstanden sein (Ablauf der
sechsmonatigen Karenzfrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG).
2.1.
Der Beschwerdeführer hatte zuletzt als Z._ gearbeitet und dabei auch Lasten
über 10 bis 25 kg heben müssen. Mit ZMB-Gutachten vom 14. Januar 2016 wurde
sinngemäss festgehalten, dass er in einer solchermassen körperlich anstrengenden
Erwerbstätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Gutachter bezieht sich mithin nur auf eine den somatischen Einschränkungen
angepasste Tätigkeit (vgl. zum Ganzen IV-act. 37-3, 112-58 und 205-67; vgl. auch IV-
act. 181 und 205-16 ff.). Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG war demnach
im Februar 2018 bereits erfüllt. Dies wird denn auch von keiner Partei in Frage gestellt.
Zu prüfen ist somit, ob der Beschwerdeführer ab Februar 2018 Anspruch auf
Rentenleistungen hat.
2.2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin hätte keine
Verlaufsbegutachtung beim ZMB in Auftrag geben dürfen, sondern eine neue
Begutachtung nach dem Zufallsprinzip via Suisse-MED@P-Plattform vergeben müssen.
Er stützt sich diesbezüglich auf Art. 72 IVV, wonach medizinische Gutachten, an
denen drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, bei einer Gutachterstelle zu
erfolgen haben, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine
Vereinbarung getroffen hat und die Vergabe der Aufträge dabei nach dem
Zufallsprinzip erfolgt.
3.1.
bis
Die Beschwerdegegnerin macht demgegenüber geltend, gemäss Kreisschreiben
über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) könnten Verlaufsgutachten bei
derselben Gutachterstelle in Auftrag gegeben werden, die bereits das erste
polydisziplinäre Gutachten erstellt habe, vorausgesetzt, dass dieses über die Plattform
Suisse-MED@P vergeben worden sei (Rz 2077.5 KSVI, gültig ab 1. Januar 2010, Stand
1. Januar 2018). Auch die Muster-Vereinbarung zwischen dem Bundesamt für
Sozialversicherungen und der Gutachterstelle xy betreffend die Durchführung von
polydisziplinären Gutachten zur Beurteilung von Leistungsansprüchen in der
Invalidenversicherung (online abrufbar unter https://www.bsv.admin.ch/dam/bsv/de/
dokumente/iv/uebersichten/SuisseMEDAP %20-%20medizinische
%20Gutachterstellen/vereinbarung-muster.pdf.download.pdf/Muste
rvereinbarung%20SuisseMED@P%20190612.pdf, abgerufen am 30. Juli 2021) sieht in
3.2.
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ihrem Art. 3 lit. a vor, dass Aufträge für Verlaufsgutachten, welche innerhalb einer Frist
von drei Jahren seit der ersten polydisziplinären Begutachtung notwendig sind, vom
Zufallsprinzip ausgenommen sind.
Verwaltungsweisungen wie das KSVI richten sich an die Durchführungsstellen und
sind für die Gerichte grundsätzlich nicht verbindlich. Indes berücksichtigen die Gerichte
die Kreisschreiben insbesondere dann und weichen nicht ohne triftigen Grund davon
ab, wenn diese eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der
anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen und eine überzeugende
Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben enthalten. Durch Verwaltungsweisungen
dürfen jedoch keine über Gesetz und Verordnung hinausgehenden Einschränkungen
eines materiellen Rechtsanspruchs eingeführt werden (BGE 147 V 79 E. 7.3.2 mit
Hinweisen).
3.3.
Das Bundesgericht hat entschieden, dass eine Gutachterstelle ohne Zuhilfenahme
des Zufallsprinzips mit einem polydisziplinären Verlaufsgutachten beauftragt werden
darf, wenn die von ihr erstellte Erstexpertise auf einer zufallsbasierten Auftragserteilung
beruht. Denn die ursprüngliche Auftragsvergabe nach dem Zufallsprinzip neutralisiert –
zusammen mit den weiteren Vorgaben – generelle, aus den Rahmenbedingungen des
Gutachterwesens fliessende Abhängigkeits- und Befangenheitsbefürchtungen; nicht
einzelfallbezogene Bedenken werden gegenstandslos. Vom KSVI und der
Mustervereinbarung ist deshalb nicht ohne triftigen Grund abzuweichen (BGE 147 V 79
E. 7.4.4 mit Hinweisen).
3.4.
Der Beschwerdeführer hatte bei der ursprünglichen Vergabe des
Gutachtensauftrags die Möglichkeit, Einwände zu erheben (vgl. IV-act. 105-2). Diese
hat er nicht genutzt. Nachdem allgemeine Abhängigkeits- und
Befangenheitsbefürchtungen durch eine unstreitig zufallsbasierte Auftragserteilung für
das Erstgutachten eliminiert und die Erstgutachter dadurch nicht unzulässig vorbefasst
sind, ist gegen ein Verlaufsgutachten durch die gleiche Abklärungsstelle vorliegend
nichts einzuwenden. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (act. G1)
handelt es sich insbesondere nicht um eine psychiatrische Neubegutachtung; bereits
im Rahmen der ersten ZMB-Begutachtung wurde unter anderem ein psychiatrisches
Teilgutachten in Auftrag gegeben und erstellt (vgl. IV-act. 105 und 112-45 ff.). Art. 72
IVV ist somit durch die Verlaufsbegutachtung bei der gleichen medizinischen
Abklärungsstelle nicht verletzt. Auch der relativ geringe zeitliche Abstand zwischen
dem ursprünglichen Gutachten (welches vom 14. Januar 2016 datiert) und dem Auftrag
für das Verlaufsgutachten vom 15. Oktober 2018 (vgl. IV-act. 188) lässt eine
Verlaufsbegutachtung bei derselben Gutachterstelle als sinnvoll erscheinen.
3.5.
bis
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4.
Der Beschwerdeführer macht geltend, den ZMB-Gutachtern sei es nicht gelungen,
ihre ursprünglichen Diagnosen in einem neuen Licht zu sehen, und impliziert damit, bei
der Verlaufsbegutachtung sei in unzulässiger Weise auf die erste ZMB-Begutachtung
abgestützt worden. Dem kann nicht gefolgt werden. Der Umstand, dass eine
sachverständige Person sich schon einmal mit einer Person befasst hat, vermag
objektiv keinen Anschein der Befangenheit oder die Gefahr einer Voreingenommenheit
zu begründen, selbst wenn sie zu (für eine Partei) ungünstigen Schlussfolgerungen
gelangte. Vielmehr kann die Begutachtung bei der gleichen Abklärungsstelle den
Aufschlusswert zur Beurteilung der medizinischen Entwicklung erhöhen, insbesondere,
wenn das Verlaufsgutachten durch bereits mit dem Fall vertraute Gutachtenspersonen
erfolgt (vgl. BGE 147 V 79 E. 7.4.4 mit Hinweisen).
4.1.
Hinweise, wonach die Arztpersonen im Zuge der Verlaufsbegutachtung nicht
ergebnisoffen vorgegangen wären, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Dass ihre
Beurteilung mit den Erkenntnissen der ersten Begutachtung im Einklang steht, kann
nicht als Folge einer vorgefassten Meinung der Gutachter betrachtet werden. Sie legten
ausführlich dar, welche gesundheitlichen Einschränkungen beim Beschwerdeführer
festgestellt wurden und weshalb diese in somatischer Hinsicht unter Berücksichtigung
des Zumutbarkeitsprofils nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit führen (vgl. beispielhaft IV-
act. 205-4 ff.).
4.2.
Dass mit der Verlaufsbegutachtung nicht einfach an den Ergebnissen der früheren
Begutachtung festgehalten wurde, ergibt sich auch aus der psychiatrischen
Teilbegutachtung. Gestützt auf die Entwicklungen seit der ersten Begutachtung,
namentlich die Aufnahme der Psychotherapie bei Dr. D._ und den stationären
Aufenthalt in der Klinik E._, gelangte die psychiatrische Gutachterin zum Schluss,
dass für kurze Zeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bzw. 100 % vorgelegen habe und
seither das Rendement um 30 % vermindert sei (vgl. IV-act. 205-6).
4.3.
Nach dem Gesagten wirken sich die Tatsachen, dass dieselbe Abklärungsstelle
und teilweise dieselben Gutachtenspersonen (vgl. hierzu IV-act. 105 und 196) mit der
Verlaufsbegutachtung beauftragt worden sind und in somatischer Hinsicht nach wie
vor keine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert wurde, nicht negativ
auf den Beweiswert der Verlaufsbegutachtung aus.
4.4.
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5.
Der Beschwerdeführer bemängelt, die ZMB-Gutachter hätten sich nicht zu den
medizinischen Vorakten geäussert. Ein Gutachten, welches die medizinischen Vorakten
unzureichend berücksichtigt, ist unvollständig, sodass einer solchen Expertise die
erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft fehlt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
15. Juli 2008, 9C_51/2008, E. 2.2).
5.1.
Bei der Würdigung der medizinischen Aktenlage ist gemäss der Rechtsprechung
des Bundesgerichts der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde
Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Dies gilt für Hausärzte wie auch für
spezialärztliche behandelnde Medizinalpersonen. Die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen
und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (statt vieler:
Entscheide des Bundesgerichts vom 3. Mai 2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1, und vom
17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2, je mit Hinweisen).
5.2.
Tatsächlich wäre es vorliegend wünschenswert gewesen, dass die Gutachter
vertieft Stellung zu den anderslautenden Arbeitsunfähigkeitsschätzungen und den
Arztberichten in den Vorakten genommen hätten. Indes haben die Gutachter die
Vorakten, insbesondere die für das jeweilige Teilgutachten relevanten Berichte,
durchaus berücksichtigt. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers finden sich
nicht nur eine Aktenzusammenfassung in der "Anlage A" (vgl. hierzu IV-act. 205-14 ff.),
sondern auch Hinweise auf die wesentlichen Vorakten in den einzelnen Teilgutachten
("Anlage B" ff., vgl. beispielhaft IV-act. 205-25, 205-28 f., 205-31 ff., 205-49 f. und
205-66). Die Einschätzung der Gutachter, soweit sie von jenen der behandelnden
Arztpersonen gemäss Vorakten abweicht, ist jeweils nachvollziehbar begründet. Im
Übrigen bringt der Beschwerdeführer auch nicht vor, die Gutachter hätten eine
wesentliche gesundheitliche Einschränkung oder Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit aus den Vorakten übersehen. Im Gegensatz zum Behandler nahm der
psychiatrische Gutachter auch eine Indikatorenprüfung vor. Auch wenn keine explizite
Auseinandersetzung mit den Einschätzungen der Behandler im Gutachten
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/20
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6.
ausformuliert wurde, waren die Gutachter mit den Vorakten demnach vertraut und
haben diese in ihre Beurteilung miteinbezogen.
Der Beschwerdeführer macht geltend, das psychiatrische Teilgutachten sei
widersprüchlich. Einerseits werde darin ausgeführt, er behandle seine Depression.
Gleichzeitig werde festgehalten, dass aus finanziellen Gründen eine Einstellung der
Behandlung erfolgt sei und auch die entsprechende Medikation vor der Beendigung
stehe. Es sei damit davon auszugehen, dass der begutachtete Gesundheitszustand
nicht derjenige im Zeitpunkt der Verfügung gewesen sei bzw. von einer nicht
nachhaltigen Besserung ausgegangen worden sei.
6.1.
Mit dem Beschwerdeführer ist festzuhalten, dass aus der fehlenden regelmässigen
Behandlung angesichts der finanziell prekären Lage des Beschwerdeführers nicht ohne
Weiteres auf einen fehlenden Leidensdruck geschlossen werden darf. Den Gutachtern
war indes bekannt, dass dem Beschwerdeführer wegen Prämienausständen diverse
Behandlungen nicht vergütet werden und er aus diesem Grund seit mehreren Monaten
keine regelmässige Therapie beim Psychiater wahrnahm sowie befürchtete, auch seine
Medikation nicht mehr bezahlen zu können (vgl. IV-act. 205-10 und 205-62). Dass sie
dennoch die Fortsetzung der Behandlung sowie weitere medizinische Massnahmen
empfahlen, ist nicht als Widersprüchlichkeit zu werten. Vielmehr wurde die aktuelle
Situation dargelegt und ausgeführt, welche medizinisch-therapeutische Behandlung
sinnvoll wäre. Die ZMB-Gutachter äusserten hingegen nicht, dass ohne diese
Behandlung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eintreten würde (vgl.
ebenfalls IV-act. 205-10 und 205-67 f.).
6.2.
Dies erscheint auch nicht überwiegend wahrscheinlich, zumal der
Beschwerdeführer zuvor – insbesondere aufgrund seiner finanziellen Situation –
unterbrochen durch seinen stationären Aufenthalt in der Klinik E._ vom 5. September
bis 20. Oktober 2018 nur unregelmässig (beispielsweise lediglich für zwei
Sprechstunden vom 30. Juni bis 19. Juli 2018, IV-act. 173) und seit Dezember 2018 gar
nicht mehr bei Dr. D._ in Behandlung gewesen war (vgl. auch IV-act. 205-26), ohne
dass eine psychische Dekompensation aufgetreten wäre. Auch finanzielle
Schwierigkeiten bestehen beim Beschwerdeführer schon lange. 2015 gab er an, er
könne gewisse Therapien nicht in Anspruch nehmen, da er den Selbstbehalt nicht
bezahlen könne, und er könne die Krankenkasse nicht wechseln, weil er bei dieser
Schulden habe (IV-act. 77-2). Ihm war somit seit Jahren klar, dass Schulden bei der
Krankenkasse sich auf seine Behandlungsoptionen auswirken. Zudem schätzt der
6.3.
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7.
Beschwerdeführer seine gesundheitliche Einschränkung regelmässig gravierender ein
als die Medizinalpersonen (vgl. etwa act. G4.2/4-6 ff., IV-act. 205-5 f., 205-8 f., 205-36
ff.). Dafür, dass es zwischen der Begutachtung und dem Erlass der vorliegend
angefochtenen Verfügung zu einer rentenrelevanten Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes gekommen wäre, finden sich in den Akten keine Hinweise.
Insbesondere sind keine neuen medizinischen Berichte eingegangen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das ZMB-Gutachten in Kenntnis der
Vorakten erstellt wurde. Die Gutachter untersuchten den Beschwerdeführer persönlich
und berücksichtigten nebst den klinischen, bildgebenden und laborchemischen
Befunden die geklagten Beschwerden. Das Gutachten ist umfassend und die
medizinische Beurteilung ist einleuchtend. Namentlich die Arbeitsfähigkeitsschätzung
ist nachvollziehbar begründet. Insgesamt mutet vor dem Hintergrund der plausiblen nur
noch leichtgradigen Depressivität eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang
von 30 % eher grosszügig an. Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen
jedenfalls keine ernstlichen Zweifel an den Ergebnissen der Begutachtung zu wecken.
Somit ist das Gutachten beweiskräftig, sodass darauf abgestellt werden kann. Der
Beschwerdeführer ist folglich in einer adaptierten Tätigkeit ab dem 4. November 2018
zu 70 % arbeitsfähig (100 % Anwesenheit mit einem um 30 % reduzierten Rendement,
vgl. IV-act. 205-6). Damit kann entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ab
diesem Zeitpunkt nicht auf die von den Behandlern attestierte Arbeitsunfähigkeit von
50% abgestellt werden. Hingegen betrug die Arbeitsunfähigkeit sowohl gemäss den
Behandlern als auch gemäss den Gutachtern im Zeitraum vom 30. Juni 2018 bis
4. November 2018 50 %, für kurze Zeit (stationärer Aufenthalt in der Klinik E._) sogar
100 % (vgl. IV-act. 205-6).
6.4.
Zwischen den Parteien streitig und nachfolgend zu prüfen ist sodann die
Berechnung des Invaliditätsgrades.
7.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird grundsätzlich das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG).
7.2.
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Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. In der Regel
wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Berufliche Weiterentwicklungen, die ein Versicherter
normalerweise vollzogen hätte, sind bei der Festsetzung des Valideneinkommens zu
berücksichtigen, sofern ein hypothetischer beruflicher Aufstieg sehr wahrscheinlich
erscheint. Rein theoretische Aufstiegsmöglichkeiten sind unbeachtlich (Meyer/
Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl., 2014, Art. 28a N 49
und N 63 f.; BGE 129 V 222 E. 4.3.1 und BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
7.3.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte, insbesondere die Lohnstrukturerhebung (LSE)
beigezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3).
7.4.
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte
miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht
unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen.
Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne
Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu
bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren
Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich
somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen
Tabellenlohn zu berechnen sind. Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der
Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter
7.5.
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8.
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1, mit Hinweisen).
Vorliegend war der Beschwerdeführer zuletzt im Jahr 2012 erwerbstätig. Er macht
geltend, ausgehend von den Angaben seiner Arbeitgeberin hätte er im Jahr 2012 im
Gesundheitsfall ein Einkommen von Fr. 66'950.-- (Fr. 5'150.-- x 13) erzielt, welches als
Valideneinkommen einzusetzen sei (act. G1, S. 5 f.; vgl. IV-act. 23-2).
8.1.
Der Beschwerdeführer war ab Mitte Februar 2012 bei der B._ AG festangestellt,
nachdem er im Jahr 2011 gesundheitliche Probleme gehabt hatte. Insbesondere war er
zuvor bei der G._ AG nur drei Monate angestellt gewesen, bis er einen Unfall erlitten
hatte und noch in der Probezeit die Kündigung erfolgt war. Bereits kurze Zeit nach
Arbeitsbeginn bei der B._ AG stellten sich wieder gesundheitliche Schwierigkeiten
ein, sodass der Beschwerdeführer im Juli 2012 bereits wieder 100% krankgeschrieben
und im August und November 2012 am Rücken operiert wurde. Auch danach blieb der
Beschwerdeführer weitgehend arbeitsunfähig geschrieben. Er erzielte bei der B._ AG
somit nur für wenige Monate ein Erwerbseinkommen, danach bezog er weitestgehend
Krankentaggelder (vgl. zum Ganzen IV-act. 1 bis 23, 112-18, 112-46, 112-52 f. und
211-5; act. G4.2/4).
8.2.
Hervorzuheben ist, dass der Beschwerdeführer seit seiner Einreise in die Schweiz
bzw. seit 2008 nie über längere Zeit bei einer Arbeitgeberin angestellt war und auch nie
ein Jahreseinkommen von Fr. 66'950.-- erzielte. Seine Einkommen waren stets tiefer
und bestanden 2009 und 2010 überwiegend aus Arbeitslosenentschädigung (vgl.
hierzu Auszug aus dem individuellen Konto, IV-act. 22). Demnach ist der von der B._
AG angegebene Monatslohn nicht massgebend. Für die Bestimmung des
Valideneinkommens kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen
werden, der Beschwerdeführer hätte im Gesundheitsfall dauerhaft ein solches
Einkommen erzielt.
8.3.
Der Beschwerdeführer ist nicht erwerbstätig. Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist deshalb unbestrittenermassen auf die LSE abzustellen.
8.4.
Der Beschwerdeführer hat zwar eine Ausbildung zum Z._ absolviert. Dabei
handelt es sich aber nicht um einen Berufsabschluss, sondern um einen wenige
Monate dauernden Kurs (vgl. IV-act. 14-4 und 211-12; vgl. auch IV-act. 221-3). Er hat
denn in der Schweiz auch nie ein Jahreseinkommen erzielt, welches dem Einkommen
auf dem Kompetenzniveau 2 der LSE entsprochen hätte (siehe auch E. 8.3 vorstehend).
8.5.
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9.
Sowohl für das Validen- wie auch für das Invalideneinkommen ist deshalb auf die
Tabelle TA1 der LSE für das Total sämtlicher Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1,
Männer, abzustellen (siehe Anhang 2 der vom BSV herausgegebenen IV-Textausgabe,
Ausgabe 2019, S. 228, basierend auf der LSE). Da für die Bestimmung sowohl des
Validen- wie auch des Invalideneinkommens somit die gleichen Tabellenlöhne
heranzuziehen sind, kann ein Prozentvergleich erfolgen. Demnach entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Tabellenlohnabzugs.
Der Beschwerdeführer beantragt die Berücksichtigung eines Leidensabzugs von
15 bis 20 %. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. In BGE 126 V 75 ff. hat das Bundesgericht festgestellt,
dass es von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten
Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität,
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in
die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten
Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf
das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen,
d.h. dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren und die
einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf höchstens 25 %
begrenzt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134
V 327 E. 5.2).
9.1.
Der psychischen Einschränkung wird durch die Rendement-Reduktion um 30 %
Rechnung getragen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung haben Männer
keinen Anspruch auf einen Teilzeitabzug, wenn ihnen eine ganztägige Anwesenheit
zumutbar ist und lediglich das Rendement reduziert ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 8. Mai 2018, 8C_211/2018, E. 4.4). Die somatischen Einschränkungen des
Beschwerdeführers werden im von den Gutachtern definierten Adaptionsprofil
berücksichtigt (leichte bis intermittierend mittelschwere, wechselbelastende
rückenadaptierte Arbeiten ohne längeres Stehen und Gehen, ohne repetitive
Überkopfarbeiten, ohne häufiges Bücken, ohne Zwangshaltungen der LWS, ohne
9.2.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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10.
Tätigkeiten in absturzgefährdeter Position, wie auf Leitern, Gerüsten etc. (IV-
act. 205-42 und 205-54). Diese Adaptionskriterien sind auch im Zusammenspiel mit
den psychischen Einschränkungen nicht dermassen umfassend, dass geeignete
Erwerbstätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht verfügbar wären. Hilfsarbeiten werden
auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts altersunabhängig nachgefragt, sodass das Alter des
Beschwerdeführers keinen weitergehenden Tabellenlohnabzug rechtfertigt. Fachwissen
oder Berufserfahrung sind dafür grundsätzlich ebenfalls nicht erforderlich (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 29. Juni 2018, 9C_862/2017, E. 3.3). Zu denken ist etwa an
leichte Kontroll-, Überwachungs-, Sortier-, Verpackungs-, Recycling-, (De-)Montage-
sowie Maschinenbedienungsarbeiten. Ein Tabellenlohnabzug rechtfertigt sich deshalb
nicht.
Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers beträgt somit ausser im Zeitraum
vom 30. Juni bis 4. November 2018 30 %. Selbst bei Annahme des
Valideneinkommens gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers würde sich
ohne Abzug vom Invalideneinkommen kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
ergeben. Dementsprechend erweist sich die angefochtene Verfügung – ausser im
nachfolgend genannten Zeitraum (siehe E. 10.2 nachfolgend) – als korrekt und die
Beschwerde ist in diesem Umfang folglich abzuweisen.
10.1.
Gemäss ZMB-Verlaufsgutachten trat per 30. Juni 2018 (Aufnahme der
Behandlung bei Dr. D._) eine Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands ein, sodass sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf
50% reduzierte. Diese Verschlechterung dauerte gemäss ZMB-Verlaufsgutachten bis
zum 4. November 2018. Für eine gewisse Zeit bestand sogar eine volle
Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 205-6). Diese Zeitspanne war indes so kurz, dass sie bei
der Rentenprüfung nicht rentenerhöhend berücksichtigt wird (vgl. Art. 88a Abs. 2 IVV).
Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers betrug demnach im Zeitraum vom 30. Juni
2018 bis 4. November 2018 50 %. Nachdem sowohl die Karenzfrist als auch das
Wartejahr am 30. Juni 2018 bereits erfüllt waren, hat der Beschwerdeführer demnach
ab 1. Juni 2018 Anspruch auf eine befristete halbe Rente. Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV
ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung der Leistung von dem
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit des
10.2.
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11.
Beschwerdeführers ist deshalb erst drei Monate nach dem 4. November 2018, mithin
ab 1. März 2019, zu berücksichtigen. Somit hat der Beschwerdeführer für den Zeitraum
vom 1. Juni 2018 bis zum 28. Februar 2019 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. In
diesem Umfang ist die vorliegende Beschwerde gutzuheissen.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 1. Juni
2018 bis zum 28. Februar 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Rente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
11.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Der Beschwerdeführer hat
mit der Zusprache einer befristeten Rente nur in untergeordnetem Ausmass obsiegt.
Ihm sind daher ermessensweise zwei Drittel der Kosten, d.h. Fr. 400.--, aufzuerlegen.
Den Restbetrag von Fr. 200.-- hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist der Beschwerdeführer für seinen Teil der
Gerichtsgebühr von der Bezahlung zu befreien.
11.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat
er einen reduzierten Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
keine Honorarnote eingereicht. Bei vollständigem Obsiegen wäre im Hinblick auf
vergleichbare Fälle eine Parteientschädigung von rund Fr. 4'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Da der Beschwerdeführer nur teilweise
obsiegt, erscheint vorliegend eine Parteientschädigung von rund einem Drittel, mithin
von Fr. 1‘350.--, gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer
somit mit Fr. 1'350.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
11.3.
Die Differenz zur Parteientschädigung, die bei vollem Obsiegen geschuldet wäre,
bezahlt der Staat zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung, jedoch ist der
11.4.
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