Decision ID: cc1ff70e-6276-4e2d-be0e-6a22e6a295fe
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt:
1. Der 1969 geborene A._ ist gelernter Strassenbauer und arbeitete
nach Ablehnung eines ersten Invalidenrentengesuchs gemäss Verfügung
der Ausgleichskasse des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Ausgleichskasse) vom 1. November 1988 als selbständiger
Fugenmonteur. Am 7. Februar 1994 meldete er sich unter Hinweis auf
akute Rückenbeschwerden erneut bei der Ausgleichskasse zum
Leistungsbezug an. Nach verschiedenen Abklärungen in erwerblicher und
medizinischer Hinsicht sprach sie A._ mit Verfügung vom 17.
November 1994 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze
Rente rückwirkend ab dem 1. August 1994 zu. In der Folge wurde dieser
Rentenanspruch wiederholt revisionsweise überprüft und bestätigt.
2. Im Zuge eines weiteren, im Dezember 2011 von Amtes wegen
eingeleiteten Revisionsverfahrens veranlasste die IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) neben einer Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) eine bidisziplinäre Begutachtung
durch den Rheumatologen B._, Institut für medizinische und
ergonomische Abklärungen (IME), und Dr. med. C._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie. Letzterer erhob in seinem
Teilgutachten vom 29. August 2012 keine psychiatrische Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. In dem am 12. April 2013 erstatteten
Gutachten des IME (nachfolgend: IME-Gutachten) stellte der
Rheumatologe B._ folgende Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
rechts mit mehrsegmentalen Diskopathien und Spondylarthrosen ohne
Hinweise auf Wurzelkompression oder segmentale Instabilität, mit
muskulärer Dysbalance mit myofaszialer Schmerzkomponente sowie mit
begleitender ausgeprägter Verhaltensproblematik. Der Gutachter hielt
fest, dass aus rheumatologischer Sicht in der bisherigen Tätigkeit als
Strassenbauer bzw. Fugenmonteur eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und
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in einer adaptierten, leichten, wechselbelastenden Tätigkeit eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe.
3. Nachdem die IV-Stelle A._ vom 16. August 2013 bis 17. September
2013 mittels einer Standkamera observieren lassen hatte, bat sie den
Rheumatologen B._ mit Schreiben vom 3. Dezember 2013 um
Beantwortung von Zusatzfragen bezüglich der durchgeführten
Observation. Am 16. Dezember 2013 verfügte sie die vorsorgliche
Einstellung der Rente mit sofortiger Wirkung. In seiner ergänzenden
Stellungnahme vom 5. Februar 2014 hielt der Rheumatologe B._ fest,
aus rheumatologischer Sicht sei für die angestammte Tätigkeit als
Strassenbauer bzw. Fugenmonteur weiterhin von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Hingegen werde aufgrund der
Videoobservation für eine angepasste Tätigkeit ein höheres
Arbeitspensum als zumutbar erachtet. In einer angepassten Tätigkeit
bestehe aus rheumatologischer Sicht deshalb mindestens eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Dabei ging der Rheumatologe von einer
wechselbelastenden Tätigkeit mit der Möglichkeit des Wechselns
zwischen Stehen, Gehen und Sitzen, mit einem ausnahmsweisen
Hantieren von Lasten zwischen 12.5 und 15 kg, ohne Zwangshaltung der
Wirbelsäule, ohne Gewichtsbelastung von über 15 kg sowie ohne lange
Gehstrecken bzw. ohne häufiges Treppensteigen aus. Eine solche
Tätigkeit sollte ganztags mit vermehrten Pausen im Rahmen von 20 %
über den Tag verteilt, realisiert werden können. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren hob die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 25.
Juli 2014 aufgrund eines neu ermittelten Invaliditätsgrades von (maximal)
31.7 % rückwirkend per 31. Juli 2012 auf. Mit einer weiteren Verfügung
vom 15. August 2014 verpflichtete sie A._ sodann, die vom 1. August
2012 bis 31. Dezember 2013 zu Unrecht bezogenen Leistungen im Betrag
von CHF 55'552.-- zurückzuerstatten. Diese Verfügungen wurden vom
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil S 14 124 und 131
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vom 24. Juni 2015 sowie vom Bundesgericht mit Urteil 9C_582/2015 vom
9. März 2016 geschützt.
4. In der Folge trat die IV-Stelle auf die von A._ im Juni 2016, März 2018
und Oktober 2020 gestellten Leistungsbegehren mit Verfügungen vom
30. Januar 2017, 3. Mai 2019 und 10. Mai 2021 mangels
Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen
Verhältnisse nicht ein.
5. Am 22. März 2022 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an und reichte zwei ärztliche Zeugnisse der Dres. med.
D._, Facharzt für Rheumatologie FMH, Chefarzt Zürcher
Rehazentren, Klinik E._, sowie F._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin FMH, vom 15. März 2022 und 21. März 2022 ein.
6. Nachdem der RAD-Arzt G._ in seiner Beurteilung vom 4. April 2022
zum Schluss gelangt war, dass kein verschlechterter Gesundheitszustand
vorliege, stellte die IV-Stelle A._ mit Vorbescheid vom 5. April 2022
in Aussicht, nicht auf das Leistungsbegehren einzutreten. Dagegen erhob
A._ am 26. April 2022 Einwand. Am 30. Mai 2022 reichte er nochmals
das ärztliche Zeugnis von Dr. med. D._ vom 15. März 2022 nach. Mit
Verfügung vom 18. August 2022 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und trat auf das Leistungsbegehren nicht ein.
7. Mit dagegen am 15. September 2022 beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden erhobener Beschwerde beantragte A._
(nachfolgend: Beschwerdeführer), die IV-Stelle sei zu verpflichten, auf das
Leistungsbegehren vom 22. März 2022 einzutreten und die Angelegenheit
durch ein externes multidisziplinäres Gutachten abzuklären und gestützt
darauf den Rentenentscheid zu fällen. In prozessualer Hinsicht wurde um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
ersucht. Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer sinngemäss vor,
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sein behandelnder Arzt bestätige eine erhebliche Verschlechterung seines
Gesundheitszustands seit der (Ergänzungs-)Begutachtung im Jahr 2013
bzw. 2014.
8. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 29. September 2022 auf Abweisung der
Beschwerde und verwies dabei zur Begründung primär auf die
angefochtene Verfügung vom 18. August 2022. Ausserdem hielt sie fest,
dass ein wesentlich veränderter Gesundheitszustand nicht glaubhaft
gemacht sei. Die (subjektiv geltend gemachten) funktionellen
Auswirkungen der Rückenbeschwerden seien im Wesentlichen
unverändert.
9. Am 4. Oktober 2022 verzichtete der Beschwerdeführer auf das Einreichen
einer Replik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 18. August 2022
stellt eine solche anfechtbare Verfügung der Invalidenversicherung und
folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a
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des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als
Adressat der strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und er
weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde zudem
frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1
und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit
einzutreten.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht mangels glaubhaft gemachter
Verschlechterung des Gesundheitszustands durch den Beschwerdeführer
nicht auf dessen Leistungsbegehren eingetreten ist.
3.1. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 1.
Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind. Die hier angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar
2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts
und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 148 V 174
E.4.1, 144 V 210 E.4.3.1 und 129 V 354 E.1 mit Hinweisen) sind daher die
Bestimmungen des IVG und diejenigen der IVV in der ab dem 1. Januar
2022 gültigen Fassung (Weiterentwicklung der IV) anwendbar.
3.2. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV; vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2.). Eine
solche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
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der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_514/2019 vom 23.
Dezember 2019 E.3.1, 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2
m.w.H.). Es obliegt der versicherten Person, die Voraussetzung des
veränderten Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 m.w.H.). Mit
dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte
Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss
also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt
sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht
erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn
angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder
deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten
Umstände als richtig erweisen sollten (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2, 9C_733/2019 vom 2. Dezember
2019 E.2.2).
Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Dieser greift
rechtsprechungsgemäss erst, wenn die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt,
folglich ein Verfahren eröffnet und verpflichtet ist, den massgeblichen
Sachverhalt abzuklären (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.5).
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3.3. Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Sachverhalt, wie er sich
der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei Erlass dieser Verfügung
massgeblich (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.4.1.3, 8C_256/2019 vom 23.
August 2019 E.6.1, 8C_183/2016 vom 9. Mai 2016 E.2.1). Bei der Frage
des Eintretens auf die Neuanmeldung kann somit nur auf jene ärztlichen
Berichte abgestellt werden, die der Verwaltung im Zeitpunkt ihres
Nichteintretensentscheids auch vorgelegen haben (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.4). Das mit der
Beschwerde eingereichte Schreiben von Dr. med. D._ vom 5.
September 2022 erging nach Erlass der Verfügung vom 18. August 2022
und lag der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des
Nichteintretensentscheids nicht vor. Selbst wenn es sich auf den
Sachverhalt im Verfügungszeitpunkt bezieht, fällt insofern eine Ergänzung
der Aktenlage im Rahmen des auf eine Nichteintretensverfügung
folgenden Beschwerdeverfahrens ausser Betracht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.4.1.3). Daher ist
das besagte Scheiben unbeachtlich. Ebenfalls fällt eine schriftliche
Befragung von Dr. med. D._ bzw. dessen Beizug als Zeuge durch
das Gericht – wie vom Beschwerdeführer beantragt – ausser Betracht.
3.4. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der
letzten umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d.h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E.3.2, 8C_256/2019
vom 23. August 2019 E.6.1).
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4.1. Im hier zu beurteilenden Fall ist somit als Vergleichsbasis auf die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 25. Juli 2014 abzustellen, mit
welcher die Rente des Beschwerdeführers nach einlässlichen
medizinischen Abklärungen rückwirkend per 31. Juli 2012 aufgehoben
wurde (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 123). Dieser
Entscheid wurde vom Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit
Urteil S 14 124 und 131 vom 24. Juni 2015 sowie vom Bundesgericht mit
Urteil 9C_582/2015 vom 9. März 2016 geschützt (vgl. Bg-act. 144 und
153). Insbesondere lagen dem Entscheid vom 25. Juli 2014 das vom
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und vom Bundesgericht als
beweiskräftig erachtete IME-Gutachten vom 12. April 2013, die Ergänzung
dazu vom 5. Februar 2014 sowie die Stellungnahmen des RAD-Arztes
G._ vom 18. April 2013 und 12. Februar 2014 zugrunde.
4.2. Der Rheumatologe B._ diagnostizierte im IME-Gutachten vom
12. April 2013 was folgt (vgl. Bg-act. 54 S. 35):
Rheumatologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
1. Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts (ICD-10: M54.4, M51.3, M47.8)
- mehrsegmentalen Diskopathien und Spondylarthrosen ohne Hinweise auf Wurzelkompression oder segmentale Instabilität (MRI + Funktionsröntgen 10.2012) - muskuläre Dysbalance mit myofaszialer Schmerzkomponente - begleitender ausgeprägter Verhaltensproblematik (nicht IV relevant)
Rheumatologische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
1. Dysfunktionales Schmerz- und Krankheitsbewältigungsverhalten mit erheblicher Symptomausweitung
2. Idiopathische Sprue mit aktuell anhaltender Krankheitsmanifestation DD: atypisch verlaufende Zöliakie, ungenügend eingehaltene Zöliakie-Diät
3. Rezidivierendes zervikovertebrales Schmerzsyndrom - muskuläre Dysbalance
4. Anamnestisch rezidivierende Migräneanfälle aktuell wenig ausgeprägt 5. Chronischer Nikotinabusus 6. Lungenembolie unklarer Ätiologie 05/2004
Demgegenüber stellte Dr. med. C._ in seinem psychiatrischen
Teilgutachten vom 29. August 2012 keine psychiatrische Diagnose mit
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Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit gab er einen Verdacht auf psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10:
F10.2), an (vgl. Bg-act. 54 S. 98).
Gestützt auf die erhobene Anamnese, die klinischen und bildgebenden
Befundungen sowie unter Berücksichtigung der Ergebnisse der EFL und
der Vorgeschichte des Beschwerdeführers kam der Rheumatologe
B._ im IME-Gutachten vom 12. April 2013 zum Schluss, dass in der
angestammten Tätigkeit als Strassenbauer bzw. Fugenmonteur eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit und in einer optimal adaptierten Tätigkeit eine
60%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. Bg-act. 54 S. 50, S. 52, S. 55, S. 151
und S. 155). Demgegenüber gelangte Dr. med. C._ in seinem
psychiatrischen Teilgutachten vom 29. August 2012 zum Ergebnis, dass
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowohl in der angestammten
als auch in einer adaptierten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei (vgl. Bg-act.
54 S. 106, S. 110 und S. 151).
Zur Herleitung seiner Diagnosen hielt der Rheumatologe B._ in seiner
Beurteilung fest, in Bezug auf den Wirbelsäulenstatus habe sich in den
wiederholten Untersuchungen ein Shift der Wirbelsäule nach links von ca.
1 - 2 cm gezeigt, wobei der Beschwerdeführer das rechte Bein jeweils
deutlich entlastet habe. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei frei
gewesen, jedoch habe der Beschwerdeführer leichte, endgradige
Schmerzen in Bezug auf sämtliche Bewegungsrichtungen angegeben. Die
dorsale und ventrale Nackenmuskulatur sei verspannt gewesen, jedoch
nicht wesentlich druckdolent. Die Untersuchung der Lendenwirbelsäule sei
aufgrund der Schmerzreaktion des Beschwerdeführers nur erschwert
möglich gewesen. Der Finger-Boden-Abstand habe am 21. Juni 2012 40
cm und am 9. August 2012 70 cm betragen. Am 16. August 2012 sei
aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers auf eine erneute
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Messung verzichtet worden. Die Flexion nach vorne sei jeweils durch stark
stechende Schmerzen in der Lendenwirbelsäule limitiert worden. Die
Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei insbesondere in Bezug auf die
Flexion und Seitenneigung nach rechts aufgrund der Gegenspannung des
Beschwerdeführers und bei gleichzeitig starker Schmerzangabe lumbal
nicht abschliessend beurteilbar gewesen. Das Bewegungsausmass nach
links und die Reklination seien ca. 1 - 2/3 eingeschränkt gewesen mit
weniger starkem Gegenspannen. Am 9. August 2012 sei die Beweglichkeit
der Lendenwirbelsäule wegen starkem Gegenspannen und verbaler
Schmerzreaktion sowie aufgrund der Forderung des Beschwerdeführers,
die Untersuchung nicht weiterzuführen, nicht überprüfbar gewesen. Auch
am 16. August 2012 habe der Beschwerdeführer angegeben, an einer
anhaltenden akuten "Blockade" zu leiden, weshalb auch an diesem Tag
eine adäquate segmentale Untersuchung der Lendenwirbelsäule nicht
möglich gewesen sei. Bei Palpation der Processi spinosi habe der
Beschwerdeführer angegeben, Schmerzen im Bereich von LWK 5 mit
punctum maximum L4 und 5 zu haben. Die Paravertebralmuskulatur
lumbal und die Glutealmuskulatur seien verspannt gewesen. Palpatorisch
habe sich jedoch nur ein isolierter Triggerpunkt in der rechten
Glutealmuskulatur nachweisen lassen. Bei Kompression des
Triggerpunktes hätten sich nach lateral und laterodistal ausstrahlende
Schmerzen provozieren lassen, was als Hinweis für eine myofasziale
Mitursache der in das rechte Bein ausstrahlenden Schmerzen gewertet
werden könne. Die Beweglichkeit der Iliosakralgelenke und der Mennell-
Test hätten sich aufgrund der Schmerzreaktion des Beschwerdeführers
nicht adäquat überprüfen bzw. durchführen lassen (vgl. Bg-act. 54 S. 30 f.
und S. 41 f.)
Der Gelenkstatus betreffend die oberen Extremitäten sei im Wesentlichen
unauffällig gewesen bei leichtem Knacken in beiden
Glenohumeralgelenken als Hinweis für eine allenfalls beginnende mässige
degenerative Veränderung. Die Rotatorenmanschette sei beidseits
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unauffällig gewesen. Bei der Kraftprüfung habe der Beschwerdeführer
jedoch starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule angegeben.
Die Ellenbogen-, Hand- und Fingergelenke seien beidseits unauffällig
gewesen. Die Beschwielung im Bereich der Finger und der Hohlhände sei
beidseits mässig gewesen, jedoch nicht völlig fehlend. Der Gelenkstatus
betreffend die unteren Extremitäten sei ebenfalls im Wesentlichen
unauffällig gewesen. Jedoch auch hier habe der Beschwerdeführer starke
lumbale Schmerzen bei der Prüfung des Bewegungsausmasses im
Bereich der Hüftgelenke angegeben bei gleichzeitigem Gegenspannen.
Die Beinumfänge seien beidseits nicht signifikant unterschiedlich
gewesen, weshalb kein Hinweis für eine Oberschenkel- oder
Unterschenkelatrophie rechts bestehe (vgl. Bg-act. 54 S. 31 und S. 42).
Im Neurostatus habe sich jeweils ein ausgeprägtes Schonhinken rechts
gezeigt, akzentuiert am 9. August 2012 und 16. August 2012. In
unbeobachtetem Zustand habe jeweils weiterhin ein hinkender Gang
objektiviert werden können, jedoch deutlich weniger ausgeprägt als
während der Untersuchungssituation. Der Fersen- und Zehengang sei
jeweils beidseits behindert, jedoch knapp möglich gewesen bei
gleichzeitiger Angabe von starken lumbalen Schmerzen. Betreffend
Kraftprüfung sei die Kraft im Bereich der oberen Extremitäten unauffällig
gewesen. Soweit beurteilbar, sei die Kraft im Bereich der unteren
Extremitäten ebenfalls erhalten bei allerdings wiederholter
Wechselinnervation und starker Schmerzangabe bei der Kraftprüfung. Der
Reflexstatus sei symmetrisch unauffällig gewesen. Die
Berührungssensibilität rechts sei im Bereich des lateralen Ober- und
Unterschenkels mässig gestört sowie leicht vermindert im Bereich des
medialen Oberschenkels. Am 21. Juni 2012 habe der Beschwerdeführer
beim Slump-Test rechts ab 80 ° starke Schmerzen in der
Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in den lateralen proximalen
Oberschenkel rechts angegeben, in Bezug auf die linke Seite habe er ab
90 ° starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule angegeben. Am 9.
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August 2012 habe der Beschwerdeführer beim Lasègue-Manöver rechts
eine maximale Flexion von 40 ° zugelassen und habe dann deutlich gegen
die Bewegungsrichtung gespannt bei gleichzeitiger Angabe von starken
lumbalen Schmerzen ohne wesentliche Ausstrahlung in das rechte Bein.
Beim Lasègue-Manöver links habe der Beschwerdeführer ein
Bewegungsausmass von maximal 60 ° zugelassen und dann stark
dagegen gespannt sowie starke lumbale Schmerzen und
Beckenschmerzen angegeben. Beim Slump-Manöver sei bis zum
Gegenspannen des Beschwerdeführers beidseits ein
Bewegungsausmass von 70 ° möglich gewesen. Dies könne zumindest in
Bezug auf die rechte Seite als Inkonsistenz gewertet werden. Anlässlich
der Untersuchung vom 16. August 2012 habe der Beschwerdeführer eine
erneute Prüfung des Slump- und Lasègue-Manövers verweigert, da diese
Untersuchungen seine Beschwerden jeweils massiv verstärken würden.
Ansonsten seien die Befunde im Neurostatus unverändert geblieben (vgl.
Bg-act. 54 S. 31 f. und S. 42).
Die aufgrund der anhaltenden starken Beschwerden mit rezidivierenden
massiven Blockaden veranlassten konventionellen Funktionsaufnahmen
und eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule hätten keine Hinweise
auf eine segmentale Instabilität in diesem Bereich gezeigt. Im Rahmen der
konventionellen Röntgenaufnahmen hätten eine leichte Höhenminderung
L4/5, eine leichte linkskonvexe Schiefhaltung der Lendenwirbelsäule und
im Seitenbild ein entsprechender Flachrücken nachgewiesen werden
können. Im Rahmen der MRI-Untersuchung seien im Vergleich zur
Voruntersuchung aus dem Jahr 2007 weitgehend stationäre Befunde
beschrieben worden. Die Diskusprotrusion mit damals minimalster kleiner
Hernie L2/3 habe sich eher etwas zurückgebildet. Die Degeneration der
Bandscheiben sei stationär. Etwas deutlicher erkennbar sei ein Anulusriss
linksseitig im Bereich der Bandscheibe L4/5, ebenfalls kleine
juxtaartikuläre Facettenzysten. Zusammenfassend hätten somit im Verlauf
seit 2007 keine sicheren Hinweise auf Wurzelkompressionen mehr
- 14 -
nachgewiesen werden können. Bezüglich der Diskusprotrusion mit
minimalster kleiner Hernie L2/3 in den Bildern aus dem Jahr 2007 habe
sich eine Befundbesserung ergeben. Es würden mehrsegmentale
Diskopathien und Spondylarthrosen persistieren (vgl. Bg-act. 54 S. 34 und
S. 43).
Im Rahmen der EFL-Untersuchung vom 16. August 2012 und 17. August
2012 habe ein auffälliges Verhalten des Beschwerdeführers dokumentiert
werden können. Eine Beurteilung der effektiven Leistungsgrenze sei
infolge Selbstlimitierung beim Test nicht möglich gewesen. Die
Verhaltensbeobachtung und der Umgang mit Schmerz,
Leistungsbereitschaft und Konsistenz hätten zusammenfassend die
Bewertung "erhebliche Symptomausweitung" ergeben. Die maximal
gezeigten Leistungen seien minimal gewesen und als arbeitsbezogene
Problematik zeige sich zum jetzigen Zeitpunkt vor allem das Schonungs-
und Schmerzverhalten des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer
habe seine Leistung mit einer "akuten Blockade" begründet. Es sei unklar,
ob sich seine Belastbarkeit bzw. seine Leistungsbereitschaft ohne akute
Blockade wesentlich verändere. Neben der im Rahmen der EFL-
Untersuchung detailliert dokumentierten Beschreibung der Schmerzen
und Einschränkungen und des auffälligen Schmerz- und
Leistungsverhaltens fänden sich sowohl in der aktuell klinisch-
rheumatologischen Untersuchung als auch in den dokumentierten
anamnestischen Angaben und Untersuchungsbefunden viele Hinweise
auf eine ausgeprägte Verhaltensproblematik mit Inkonsistenzen und
Selbstlimitierungen (vgl. Bg-act. 54 S. 36 und S. 43 f.).
Betreffend Diagnosen bestehe aus rheumatologischer Sicht rein deskriptiv
ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom. Hinweise auf ein
lumboradikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom hätten sich in der aktuellen
klinischen Untersuchung nicht ergeben. Dies passe auch zu den Befunden
in der aktuell veranlassten MRI-Untersuchung. Wegen der ausgeprägten
Verhaltenssymptomatik habe sich in der klinischen Untersuchung nur eine
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muskuläre Dysbalance mit verspannter paravertebraler Muskulatur lumbal
und Druckdolenzen sowie isolierten muskulären Triggerpunkten in der
rechten Glutealmuskulatur nachweisen lassen. Bei Druck auf diese
Triggerpunkte hätten sich nach lateral und dorsolateral ausstrahlende
Schmerzen provozieren lassen, weshalb zumindest ein Teil der vom
Beschwerdeführer angegebenen ausstrahlenden Schmerzen
myofaszialer Ursache sein könnten. In den vorliegenden bildgebenden
Verfahren hätten sich mehrsegmentale Diskopathien von L2 - S1
nachweisen lassen, begleitend seien mässige Spondylarthrosen
beschrieben worden. Im Verlauf sei die initial beschriebene
Wurzelkompression der L5- und S1-Wurzeln nicht mehr beschrieben
worden. Auch die Diskusprotrusion im Segment L2/3 habe sich eher
zurückgebildet. Somit sei zusammenfassend von multisegmentalen
degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule
auszugehen. Jedoch sei es im Verlauf zu keiner wesentlichen
Verschlimmerung der Befunde gekommen bei aktuell fehlenden
radiologischen Hinweisen für eine Wurzelkompression oder eine
segmentale Instabilität der Lendenwirbelsäule. Die in den aktuellen MRI-
Aufnahmen beschriebenen kleinen Facettenzysten seien wahrscheinlich
ohne klinische Bedeutung. Die Ursache der subjektiv angegebenen
rezidivierenden Blockadeepisoden könnten weder durch die Befunde der
klinischen Untersuchung noch mit den neu veranlassten radiologischen
Abklärungen der Lendenwirbelsäule erklärt werden. Bei Vorliegen einer
gut dokumentierten erheblichen Symptomausweitung und der seit dem
Jahr 1996 deutlich beschriebenen Inkonsistenzen im Verhalten des
Beschwerdeführers sei davon auszugehen, dass die subjektiven
Einschränkungen auch im Rahmen solcher Blockadeepisoden wohl
weniger ausgeprägt seien als vom Beschwerdeführer geschildert (vgl. Bg-
act. 54 S. 45 f.).
Zusammenfassend fänden sich somit Befunde, welche
Rückenbeschwerden erklären könnten. Das Ausmass der geschilderten
- 16 -
Beschwerden und der subjektiven Einschränkungen lasse sich aus
somatischer Sicht durch die erhobenen Befunde jedoch nicht mit
genügendem Masse erklären. In diesem Zusammenhang bestünden
deutliche Hinweise für eine Schmerzverarbeitungsproblematik bzw. eine
Schmerzkrankheit bei chronifizierter Schmerzsituation und deutlich
begleitender Verhaltensproblematik. Da in der aktuellen psychiatrischen
Untersuchung durch Dr. med. C._ keine psychiatrische Diagnose
mehr gestellt werden könne, lasse sich das anhaltend auffällige Verhalten
des Beschwerdeführers auch nicht durch eine allfällige psychiatrische
Komorbidität erklären (vgl. Bg-act. 54 S. 46).
Die vom Beschwerdeführer beklagten diversen Gelenkschmerzen würden
am Ehesten im Rahmen einer Tendenz zur generalisierten
Schmerzerkrankung beurteilt (vgl. Bg-act. 54 S. 46).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Rheumatologe B._ aus, im Rahmen
der EFL-Untersuchung vom 16. August 2012 und 17. August 2012 sei eine
Beurteilung der effektiven Leistungsgrenze infolge Selbstlimitierung bei
den Tests nicht möglich gewesen. Lokalisierte körperliche Limiten hätten
aufgrund des Schmerzverhaltens des Beschwerdeführers nicht ermittelt
werden können. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem Effort eine
bessere Leistung erbracht werden könnte, als bei dem Leistungstest
gezeigt worden sei. Die Beurteilung des Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers müsse sich deshalb primär auf medizinisch-
theoretische Überlegungen stützen. Aufgrund der ausgeprägten
Inkonsistenzen in den medizinischen Untersuchungen, den
Widersprüchen in den anamnestischen Angaben sowie den eigenen
Untersuchungsbefunden sei das Ausmass der vom Beschwerdeführer
angegeben Beschwerden schwer abschätzbar und die daraus
resultierenden Einschränkungen liessen sich nicht sicher nachvollziehen
(vgl. Bg-act. 54 S. 49 f.).
- 17 -
Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit als Strassenbauer wie auch in jener als
Fugenmonteur zu 100 % arbeitsunfähig. Für eine leichte
wechselbelastende Tätigkeit bestehe indessen eine Arbeitsfähigkeit von
60 %. Bei Bedarf sollte dabei die Körperposition zwischen stehender,
gehender und sitzender Arbeitsposition gewechselt werden. Tätigkeiten,
welche Zwangshaltungen der Wirbelsäule und Gewichtsbelastungen von
über 10 kg bedingten, sollten vermieden werden. Dasselbe gelte für
Tätigkeiten, die mit langen Gehstrecken und häufigem Treppensteigen
verbunden seien. Zur Verringerung der Belastungen und zur
Ermöglichung von Entlastungsphasen sollte das Arbeitspensum auf den
Morgen und den Nachmittag verteilt werden (vgl. Bg-act. 54 S. 50, S. 52,
S. 55, S. 151 und S. 155).
4.3. In seiner Stellungnahme vom 5. Februar 2014 hielt der Rheumatologe
B._ nach Sichtung des Observationsmaterials ergänzend fest, die
beklagten Beschwerden sowie das Verhalten des Beschwerdeführers
anlässlich der eigenen Untersuchungen kontrastierten deutlich mit dem in
der Videoüberwachung dokumentierten Schmerzverhalten. In der
Videoüberwachung könnten die in den klinisch-rheumatologischen und
physiotherapeutischen Untersuchungen demonstrierten Einschränkungen
nicht bestätigt werden. Aus gutachterlicher Sicht seien in den Video- und
Ermittlungsakten keine konkreten körperlichen Einschränkungen
erkennbar, welche die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der
angestammten Tätigkeit einschränkten. Es handle sich allerdings um eine
Überwachung des Eingangsbereichs des Hauses, weshalb eine Einsicht
in die effektiven Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers nur teilweise
möglich sei. In den Videoaufnahmen sei der Beschwerdeführer
ausserdem nicht beim Tragen oder Manipulieren schwerer Gegenstände
zu sehen. Einmal sei das Tragen von vier Reifen dokumentiert. Gemäss
dem Ermittlungsbericht seien solche Reifen maximal 15 kg schwer.
Ansonsten habe nur das Tragen von leichteren Gegenständen beobachtet
- 18 -
werden können. Wiederholt seien sodann Bückbewegungen sichtbar
gewesen. Dabei hätten keine wesentlichen Einschränkungen beobachtet
werden können. Häufig sei ein leichtes Schonhinken nachweisbar
gewesen. Ein ausgeprägtes Hinken und eine deutliche
Oberkörperprotraktion seien einzig am Nachmittag des 9. September
2013 und am Morgen des 11. September 2013 sichtbar gewesen.
Zusammenfassend seien somit kürzere Phasen mit deutlich vermehrter
Schmerzsymptomatik und reduzierter körperlicher Aktivität möglich. Die
vom Beschwerdeführer berichtete Anzahl und Dauer der Beeinträchtigung
hätten jedoch in der Observation nicht nachgewiesen werden können (vgl.
Bg-act. 101 S. 2 f.).
Aus rheumatologischer Sicht sei weiterhin davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer mittelschwere, schwere und sehr schwere körperliche
Tätigkeiten, wie die angestammten Tätigkeiten als Strassenbauer und
Fugenmonteur, nicht zumutbar seien. In einer angepassten Tätigkeit
bestehe aus rheumatologischer Sicht hingegen eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 80 %. Eine solche Tätigkeit sollte die Möglichkeit zur
wechselbelastenden Tätigkeit beinhalten. Bei Bedarf sollte dabei zwischen
stehender, gehender oder sitzender Arbeitsposition gewechselt werden.
Tätigkeiten, welche eine längere Zwangshaltung der Wirbelsäule
bedingten, sollten vermieden werden. Gewichtsbelastungen von über 12.5
bis höchstens 15 kg sollten nur selten am Tag erforderlich sein, Gewichte
über 15 kg seien zu vermeiden. Tätigkeiten, welche lange Gehstrecken
oder häufiges Treppensteigen bedingten, seien ebenfalls zu vermeiden.
Eine solche Tätigkeit sollte ganztags mit vermehrten Pausen im Rahmen
von 20 % über den Tag verteilt, realisiert werden können. Aufgrund der
Videodokumentation sei aus rheumatologischer Sicht folglich von einer
grösseren zeitlichen Zumutbarkeit bzw. einer leicht grösseren
gewichtsmässigen Zumutbarkeit der Belastungen in einer angepassten
Tätigkeit auszugehen (vgl. Bg-act. 101 S. 3 f.).
- 19 -
4.4. Der RAD-Arzt G._ hielt in seiner Beurteilung vom 18. April 2013 zur
Arbeitsfähigkeitseinschätzung des Rheumatologen B._ gemäss IME-
Gutachten vom 12. April 2013 fest, diese sei als absolute
Mindesteinschätzung anzusehen. Es sei anzunehmen, dass die effektive
Leistungsfähigkeit weit über der präsentierten Leistungsfähigkeit von 60
% liege (vgl. Bg-act. 124 S. 12). Ausserdem führte er in seiner
Abschlussbeurteilung vom 12. Februar 2014 in Bezug auf die ergänzende
Stellungnahme des Rheumatologen B._ vom 5. Februar 2014 aus,
dieser Beurteilung sei grundsätzlich zuzustimmen. Jedoch sei die
Leistungsminderung von 20 % sehr hoch angesetzt. Hier müsse der
Rechtsanwender entscheiden, ob er in Kenntnis des Gesamtfalles diese
20 % akzeptiere oder bei ausgewiesener Aggravation die angegebenen
Auswirkungen des Gesundheitsschadens nicht übernehme (vgl. Bg-act.
124 S. 13).
5.1. In der angefochtenen Verfügung vom 18. August 2022 trat die
Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
mangels glaubhaft gemachter Veränderung der Verhältnisse nicht ein (vgl.
Bg-act. 224). Dabei stützte sie sich auf die Beurteilung des RAD-Arztes
G._ vom 4. April 2022 ab (vgl. Bg-act. 224 S. 3 f.). Darin nahm dieser
zu den zusammen mit dem Leistungsbegehren bzw. im Einwandverfahren
eingereichten Berichten Stellung und hielt fest, dass das ärztliche Zeugnis
von Dr. med. D._ vom 15. März 2022 keine neuen Diagnosen enthalte
und sich daraus auch keine neuen Abklärungen in Bezug auf neue, bisher
nicht bekannte Krankheiten ergäben. Es werde lediglich bescheinigt, dass
der Beschwerdeführer nach wie vor an Schüben im Bereich der Hände
und der Wirbelsäule leide (alt bekannt) und es zu erheblichen
Verspannungen der Rückenmuskulatur komme (ebenfalls alt bekannt).
Bezüglich des ärztlichen Zeugnisses von Dr. med. F._ vom 21. März
2022 wurde ausgeführt, dass dieser den Beschwerdeführer erst seit
Herbst 2019 betreue und somit die umfangreiche IV-Vorgeschichte samt
Ermittlungen betreffend Bekämpfung von Versicherungsmissbrauch nicht
- 20 -
kenne. Dr. med. F._ verweise auf die rheumatologische Beurteilung
von Dr. med. D._ vom 15. März 2022 und bestätige die von diesem
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es bestehe nicht der geringste
Hinweis darauf, dass ein verschlechterter Gesundheitszustand vorliege
(vgl. Bg-act. 225 S. 8).
5.2.1. Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Ansicht, dass er mit dem
ärztlichen Zeugnis von Dr. med. D._ vom 15. März 2022 eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit der IME-
Begutachtung im Jahr 2013 bzw. dessen Ergänzung im Jahr 2014
glaubhaft gemacht hat. Im Einzelnen lässt sich daraus Folgendes
entnehmen:
5.2.2. Im ärztlichen Zeugnis vom 15. März 2022 wies Dr. med. D._ folgende
Diagnosen aus (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act] 3):
Seronegative Spondylarthropathie (HLA-B27 negativ) mit/bei
1. ED 05.2016 (Skelettszintigraphie mit Mehranreicherung an beiden Iliosakralgelenken und am AC-Gelenk rechts, fortgeschrittene degenerative Wirbelsäulenveränderungen; Skelettszintigraphie 12.04.2017: Nachweis einer Zunahme der Sacroiliitis sowie entzündlicher Prozess im Daumengrundgelenk rechts)
2. axiale und periphere Manifestation 3. rechtes ISG klinisch, entzündliche Enthesiopathie Epikondylus humeri radialis
rechts (Sonographie 16.09.2020, regredient 14.12.2020) 4. Basistherapie mit Humira® ab 09.12.2019 - 26.05.2020 5. Wiedereinsatz mit Amgevita® ab 09/2020 bis dato 6. St. n. Basistherapie mit Erelzi® Frühjahr 2019, gestoppt wegen Ineffizienz
Rezidivierende thromboembolische Ereignisse
1. Dauerantikoagulation initial mit Phenprocoumon, bei parenchymalen Einblutungen paravertebral links Th7 - Th11, Umstellung auf Rivaroxaban ab 01/2016 (10 mg/Tag)
2. St. n. rezidivierenden venösen Thrombosen des linken Beines 3. St. n. Lungenembolie ca. 2003 4. Rezidivierende Einblutungen in den Musculus rectus spinae, letztmals 2018
- 21 -
Dazu hielt er fest, dass im Mai 2016 nach einer Skelettszintigraphie neu
eine seronegative Spondylarthropathie diagnostiziert worden sei. Der
Beschwerdeführer habe in den letzten Jahren rezidivierende
thromboembolische Ereignisse erlitten, welche eine Dauerantikoagulation
initial mit Phenprocoumon bedingt hätten. Im Verlauf habe der
Beschwerdeführer parenchymale Einblutungen paravertebral links auf
Höhe Th7 - Th11 sowie rezidivierende Einblutungen im Musculus erector
spinae, letztmals 2018, mit dadurch zusätzlich kompliziertem Verlauf
erlitten. Im Rahmen der Beschwerden der seronegativen
Spondylarthropathie, später auch im Rahmen der rezidivierenden
Einblutungen in der Rückenmuskulatur, letztmals 2018, zeige sich eine
richtungsweisende und anhaltende Verschlechterung des
Gesundheitszustandes sowie der Funktions- und
Aktivitätseinschränkungen ohne nachhaltige deutliche Besserung durch
verschiedene bisher durchgeführte basistherapeutische Einstellungen der
Spondylarthropathie. Da seit den Einblutungen eine NSAR-Therapie
wegen dem durch die Thrombozytenaggregationshemmung stark
erhöhten Blutungsrisiko kontraindiziert gewesen sei, habe dies zu einer
erschwerten Einstellbarkeit der seronegativen Spondylarthropathie
geführt. Im Frühjahr 2019 seit dementsprechend mit einer TNF-alpha-
Hemmer Basistherapie mit Etanercept (Erelzi®) begonnen worden,
welche wegen Ineffizienz habe gestoppt werden müssen. Seit Dezember
2019 erhalte der Beschwerdeführer eine Basistherapie mit Adalimumab
(initial Humira®, später Amgevita®), welche bezüglich der entzündlichen
Situation zwar eine leichte Besserung im Sinne einer verbesserten
Lebensqualität gebracht habe, jedoch nicht in dem Rahmen, dass eine
Arbeitsfähigkeit begründet werden könnte. Nach wie vor leide der
Beschwerdeführer an häufigen und intensiven Schüben im Bereich der
Hände und Wirbelsäule, zusätzlich auch an erheblichen Verspannungen
der Rückenmuskulatur als Folge des Status nach rezidivierenden
- 22 -
Einblutungen. Aus rheumatologischer Sicht bestehe entsprechend eine
100%ige langfristige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Bf-act. 3).
5.3. Im ärztlichen Zeugnis von Dr. med. D._ vom 15. März 2022 werden
gestützt auf die im Mai 2016 und April 2017 durchgeführten
Skelettzintigraphien eine Mehranreicherung in beiden Iliosakralgelenken
sowie am AC-Gelenk rechts und eine Sakroiliitis ausgewiesen (vgl. Bf-act.
3). Dazu ist vorab auf Folgendes hinzuweisen:
Am 13. Mai 2016 wurde im Kantonsspital Graubünden eine
Mehrphasenskelettszintigraphie durchgeführt. Im dazugehörigen Bericht
wurde in befundlicher Hinsicht insbesondere Folgendes festgehalten:
"Ganzkörper-Frühaufnahme: Gesteigerte Traceranflutung am AC-Gelenk
rechts und angedeutet Iliosakralgelenke. Ganzkörper-Spätaufnahme:
Auffällig intensiv gesteigerte Traceranreicherung an beiden
Iliosakralgelenken mit ISG: Sakrum-Ratio links = 1.42, rechts = 1.48
(Normbereich < 1.32). Deutliche Mehrspeicherung AC-Gelenk rechts, in
Zusammenschau mit der Anamnese auch posttraumatisch erklärbar.
Generalisiert inhomogene Tracerverteilung entlang der gesamten
Wirbelsäule mit Punktum maximum in der mittleren BWS und kaudalen
LWS / lumbosakraler Übergang, in erster Linie fortgeschrittenen
Degenerationen entsprechend. An den Hüftgelenken mässige
Mehrbelegungen (rechts > links). Kniegelenke mit allenfalls diskreten
Mehrspeicherungen im medialen Kompartiment." Im Rahmen der
Beurteilung wurde was folgt ausgeführt: "Szintigraphisch zeigt sich der
Hauptbefund an beiden Iliosakralgelenken – DD: Sakroiliitis. Deutliche
Mehrbelegung AC-Gelenk rechts, anamnestisch in erster Linie
posttraumatischer Genese. Fortgeschrittene degenerative
Wirbelsäulenveränderungen. Die weiteren gelenksbezogenen
Tracerbelegungen, insbesondere an den Hüftgelenken, sind
differentialdiagnostisch mit Arthrosen vereinbar." Der Bericht des
Kantonsspitals Graubünden betreffend Mehrphasenskelettszintigraphie
- 23 -
vom 13. Mai 2016 wurde an Dr. med. H._, Facharzt Innere Medizin
und Rheumatologie FMH, weitergeleitet (vgl. Bg-act. 166 S. 5 f.).
Dieser stellte in seinem Bericht vom 10. Juni 2016 die Diagnose einer
seronegativen Spondylarthropathie und führte dazu in seiner Beurteilung
aus, zusätzlich zu den bereits früher erwähnten degenerativ und muskulär
bedingten Rückenschmerzen müsse neu aufgrund der Befunde in der
Skelettszintigraphie auch von einer entzündlichen rheumatischen
Erkrankung aus dem Formenkreis der seronegativen Spondylarthritiden
ausgegangen werden. Damit wäre mindestens teilweise auch erklärt,
warum der Beschwerdeführer jeweils plötzlich Tage mit sehr starken
Schmerzen habe, dazwischen aber auch wieder bessere Episoden
aufträten, an denen er zwar nicht beschwerdefrei sei, aber doch deutlich
weniger Schmerzen habe. Der Beschwerdeführer sei aus
rheumatologischer Sicht für schwere Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig.
Neu müsse aufgrund der Befunde auch für leichte Tätigkeiten mit vielen
Arbeitsunterbrüchen gerechnet werden, so dass für solche Tätigkeiten aus
rheumatologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehe (vgl.
Bg-act. 168 S. 2 ff.). In der Folge wurde am 12. April 2017 im Kantonsspital
Graubünden erneut eine Skelettszintigraphie durchgeführt. Im
dazugehörigen Bericht wurde betreffend Befund festgehalten, im
Vergleich zur Aufnahme vom 13. Mai 2016 fänden sich etwas kräftigere
DPD-Anreicherungen in der Frühphase an den Endphalangen der Finger.
In der Spätphase zeige sich lediglich auf der rechten Seite das
Daumengrundgelenk mit erhöhter DPD-Aufnahme. Die übrigen Gelenke
zeigten keine vermehrte Radionuklidspeicherung. Betreffend
Ganzkörperebene zeige sich nach wie vor eine kräftig vermehrte
Radionuklidanreicherung in beiden Iliosakralgelenken (Ratio zum Sakrum
links 1.48, rechts 1.56, Normwert < 1.32; Vorwert links 1.42 und rechts
1.48, insofern gegenüber der Voruntersuchung progredient). In den
übrigen Gelenken zeige sich im Vergleich zum Vorbefund ein Status idem
ohne neu hinzugetretene Gelenksmehranreicherungen. Im Rahmen der
- 24 -
Beurteilung wurde ausgeführt, szintigraphisch liessen sich lediglich eine
progrediente ISG-Arthritis beidseits und eine entzündliche Veränderung im
Daumengrundgelenk auf der rechten Seite objektivieren. Die
Endphalangen seien etwas vermehrt durchblutet, zeigten allerdings keine
vermehrte knöcherne Anreicherung, so dass allenfalls ein
Weichteilprozess vorliegen könnte. Ansonsten liege im Vergleich zum Mai
2016 ein Status idem vor (vgl. Bg-act. 174 S. 27).
Dr. med. H._ hielt in seinem Bericht vom 22. August 2017 an seiner
gestellten Diagnose einer seronegativen Spondylarthropathie fest und
führte unter dem Titel "Zwischenanamnese" aus, dass weiterhin
episodisch auftretende starke Rückenschmerzen lumbal mit Ausstrahlung
ins Gesäss und in die Oberschenkel dorsal bestünden, welche öfters zu
einer vollständigen Immobilisierung führten, so dass der
Beschwerdeführer oft tagelang im Bett bleiben müsse und sich nur an
Stöcken in der Wohnung bewegen könne. Weiter bestünden
Gelenkschmerzen wechselnder Lokalisation und Intensität, welche bereits
früher beschrieben worden seien, die sich aber seit der rechtskräftigen
Verfügung vom 25. Juli 2014 verstärkt hätten, sowohl was die Häufigkeit
aber auch die Schwere der Schübe betreffe. Sie hätten deshalb zu
vermehrten Konsultationen beim Hausarzt und auch auf der Notfallstation
des Kantonsspitals Graubünden geführt. Neu hinzugekommen seien
zudem Schmerzen in beiden Knien, vor allem retropatellär, in der rechten
Schulter und an den Fersen beidseits linksbetont, vor allem bei längerem
Stehen und Gehen. Unter dem Titel "Beurteilung/Therapie und Vorschlag
für weiteres Procedere" hielt Dr. med. H._ zudem fest, dass die
lumbalen Rückenschmerzen mit teilweiser Ausstrahlung ins Gesäss
beidseits einerseits durch generative Veränderungen der Wirbelsäule mit
deutlicher muskulärer Dysbalance bedingt seien, anderseits bestünden
aufgrund der Klinik und der Skelettszintigraphien auch Hinweise für
entzündliche Veränderungen im Rahmen einer seronegativen
Spondylarthropathie. Dazu gehörten die ISG-Arthritiden und die
- 25 -
Anreicherungen im AC-Gelenk rechts sowie neu die Plantaraponeuritiden
beidseits mit vermehrter Anreicherung kernspintomographisch
nachgewiesen links und die Ansatztendinopathie des Ligamentum
patellae. Die rechtsseitigen Schulterschmerzen seien zurückzuführen auf
eine Supraspinatustendinopathie mit Impingement, bedingt durch
degenerative Veränderungen der Rotatorenmanschette. Die
retropatellären Knieschmerzen beidseits seien vorwiegend
muskulär/ligamentär bedingt (verkürzte ventrale Oberschenkelmuskeln,
Ansatztendinopathie Ligamentum patellae) und die rechtsseitigen
Hüftschmerzen kämen zustande durch ein Impingement (Einklemmen von
Weichteilen bei Hüftgelenksbewegungen mit entsprechenden
Schmerzen), verstärkt durch die Labrumläsion. Betreffend die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit brachte Dr. med. H._ schliesslich vor, seit dem
IV-Entscheid vom Juli 2014 hätten sich die Schmerzepisoden verstärkt,
sowohl was die Frequenz des Auftretens als auch die Intensität betreffe,
mit Schmerzangaben bis 10 nach der visuellen Analogskala. Objektiv
könne dies auch nachgewiesen werden durch die Zunahme der
Aktivitätsanreicherung der Iliosakralgelenke in der Skelettszintigraphie
vom April 2017 gegenüber derjenigen vor einem Jahr und das
Neuauftreten typischer Enthesitiden (Plantaraponeuritis,
Ansatztendinopathie Ligamentum patellae, eventuell auch
Supraspinatustendinopathie). Der Beschwerdeführer sei daher aus
rheumatologischer Sicht lediglich zu 50 % arbeitsfähig (vgl. Bg-act. 174 S.
19 ff.).
In Gegenüberstellung des ärztlichen Zeugnisses von Dr. med. D._
vom 15. März 2022 (bzw. der diesem zugrundeliegenden Berichte) mit
dem IME-Gutachten vom 12. April 2013 ist Folgendes festzustellen: Im
Letzteren wird der Gelenkstatus betreffend die unteren sowie oberen
Extremitäten als im Wesentlichen unauffällig beschrieben. Insbesondere
ist die Rede von einer unauffälligen Beweglichkeit der Schulter- und
- 26 -
Hüftgelenke sowie von unauffälligen Hand- und Fingergelenken beidseits
(vgl. Bg-act. 54 S. 31 und S. 42). Betreffend die vom Beschwerdeführer
anlässlich der Begutachtung beklagten Gelenkschmerzen (insbesondere
in den Schultern und Hüften) hält der Rheumatologe B._ fest, dass
diese am Ehesten im Rahmen einer Tendenz zur generalisierten
Schmerzerkrankung beurteilt würden (vgl. Bg-act. 54 S. 27 und S.46).
Diese wird indes nicht unter den Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – auch nicht als Verdachtsdiagnose – aufgeführt (vgl. Bg-
act. 54 S. 35), weshalb anzunehmen ist, dass sie nicht in die Einschätzung
der funktionellen Leistungsfähigkeit eingeflossen ist. Demgegenüber
werden im ärztlichen Zeugnis von Dr. med. D._ vom 15. März 2022
bzw. in den darin erwähnten Berichten eine Mehranreicherung an beiden
Iliosakralgelenken mit progredientem Verlauf sowie am AC-Gelenk rechts
und ein entzündlicher Prozess im Daumengrundgelenk rechts
ausgewiesen, die dem Formenkreis der seronegativen Spondylarthritiden
mit axialer sowie peripherer Manifestation zugewiesen werden (vgl. Bf-act.
3 sowie Bg-act. 166 S. 5, 168 S. 2 f., 174 S. 19 ff. und S. 27). Diese
entzündlichen Zustände konnten mittels einer NSAR-Therapie infolge des
aufgrund der typischen Wechselwirkung von
Thrombozytenaggregationshemmern erhöhten Blutungsrisikos nicht
behandelt werden. Dies führte zu einer erschwerten Einstellbarkeit der
seronegativen Spondylarthropatie. Die daraufhin im Frühjahr 2019
angefangene TNF-alpha-Hemmer-Basistherapie mit Etanercept (Erelzi®)
musste wegen Ineffizienz gestoppt werden. Die in der Folge im Dezember
2019 begonnene Basistherapie mit Adalimumab (initial Humira®, später
Amgevita®) zeigte bezüglich der entzündlichen Situation zwar eine leichte
Besserung. Allerdings geht Dr. med. D._ in seinem ärztlichen Zeugnis
vom 15. März 2022 mit Blick auf die funktionelle Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers von wesentlichen Einschränkungen aufgrund der im
Rahmen der seronegativen Spondylarthropathie auftretenden
Beschwerden aus. Der Beschwerdeführer leide an häufigen und
- 27 -
intensiven Schüben im Bereich der Hände und Wirbelsäule, daneben auch
an erheblichen Verspannungen der Rückenmuskulatur infolge des Status
nach rezidivierenden Einblutungen. Es zeige sich eine richtungsweisende
und anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustands und des
Funktionsniveaus ohne nachhaltige deutliche Besserung durch
basistherapeutische Behandlungen (vgl. Bf-act. 3). Insofern ergibt sich,
dass insbesondere die entzündliche Komponente betreffend die beiden
Iliosakralgelenke, das AC-Gelenk rechts sowie das Daumengrundgelenk
rechts im IME-Gutachten vom 12. April 2013 keine Erwähnung gefunden
hat, weshalb sie auch nicht in die damalige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eingeflossen ist. Vielmehr ging der Rheumatologe
B._ zusammenfassend von multisegmentalen degenerativen
Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und muskulär
bedingten lumbalen Schmerzen aus (vgl. Bg-act. 54 S. 46), weshalb die
Schübe im Bereich der Hände und der Wirbelsäule entgegen der
Beurteilung von RAD-Arzt G._ vom 4. April 2022 auch nicht als alt
bekannt abgetan werden können (vgl. Bg-act. 224 S. 3 f.). Wenn Dr. med.
I._, Leitender Arzt Innere Medizin, Kantonsspital Graubünden, in
seinem Bericht vom 29. Juli 2016 in Bezug auf die Skelettszintigraphie
vom Mai 2016 festhielt, dass er die dabei festgestellten
Mehranreicherungen in den Iliosakralgelenken und im AC-Gelenk rechts
im Rahmen von unspezifischen Veränderungen sehe (vgl. Bg-act. 166 S.
8 f.), kann dies mit Blick auf die dargelegten fachärztlichen
rheumatologischen Berichte nicht nachvollzogen werden. Denn darin
wurden diese mittels Skelettszintigraphie objektivierten Befunde einer
entzündlichen rheumatischen Erkrankung aus dem Formenkreis der
seronegativen Spondylarthritiden zugeschrieben (vgl. Bg-act. 168 S. 2 f.),
was denn auch Dr. med. I._ insoweit anzuerkennen schien, als er
eine reaktive Spondylarthropatie, welche wiederholte Rückenblockaden
auslösen könnte, für denkbar hielt (vgl. Bg-act. 166 S. 9). Im weiteren
Verlauf traten neben neuen Symptomen auch zunehmende
- 28 -
Veränderungen der Beschwerden ein, indem sich die Schmerzschübe
nach Angaben von Dr. med. H._ sowohl hinsichtlich der Frequenz als
auch der Schwere verstärkt hätten, was mit einer – wiederum
skelettszintigraphisch im Sinne eines somatischen Korrelats festgestellten
– Zunahme der Aktivitätsanreicherung erklärt und daneben neu typische
Enthesitiden (Plantaraponeuritis, Ansatztendinopathie Ligamentum
patellae, eventuell auch Supraspinatustendinopathie) ausgewiesen
wurden (vgl. Bg-act. 174 S. 19 ff.).
5.4. Zudem weist Dr. med. D._ in seinem ärztlichen Zeugnis vom 15. März
2022 gestützt auf die am 16. September 2020 durchgeführte Sonographie
eine entzündliche Enthesiopathie des Epikondylus lateralis humeri radialis
rechts aus (vgl. Bf-act. 3; siehe auch Bg-act. 199 S. 1). Auch wenn die
diesbezüglichen Beschwerden am 14. Dezember 2020 regredient waren,
zeitigen sie nach Einschätzung von Dr. med. D._ zusammen mit den
bereits erwähnten Gelenksentzündungen wesentliche funktionelle
Auswirkungen (vgl. Bf-act. 3; siehe auch Erwägung 5.3). Im Gegensatz
dazu ging der Rheumatologe B._ im IME-Gutachten vom 12. April
2013 bezüglich der oberen Extremitäten – wie bereits dargelegt – noch
von einem im Wesentlichen unauffälligen Gelenkstatus, insbesondere
auch von beidseits unauffälligen Ellenbogengelenken, aus (vgl. Bg-act. 54
S. 31 und S. 42). Somit ist davon auszugehen, dass der entzündliche
Zustand am rechten Ellenbogen im Zeitpunkt der IME-Begutachtung noch
nicht bestand und damit auch nicht in die damalige Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit eingeflossen ist.
5.5. Des Weiteren hält Dr. med. D._ in seinem ärztlichen Zeugnis vom
15. März 2022 in Übereinstimmung mit jenem von Dr. med. F._ vom
21. März 2022 fest, dass der Beschwerdeführer in den letzten Jahren
rezidivierende thromboembolische Ereignisse erlitten habe. Im Verlauf
habe er parenchymale Einblutungen paravertebral links auf Höhe der
Brustwirbel Th7 - Th11 sowie rezidivierende Einblutungen im Bereich des
- 29 -
Musculus erector spinae erlitten, was zu erheblichen Verspannungen der
Rückenmuskulatur geführt habe (vgl. Bf-act. 3). Diesbezüglich ist in Bezug
auf das IME-Gutachten darauf hinzuweisen, dass darin kein Befund zur
Brustwirbelsäule ausgewiesen wurde. Die klinischen und bildgebenden
rheumatologischen Untersuchungen der Wirbelsäule beschränkten sich
auf die Hals- und insbesondere die Lendenwirbelsäule, weshalb nur
diesbezüglich Befunde erhoben wurden (vgl. Bg-act. 54 S. 30 f. und S. 34).
Sodann beschrieb der Rheumatologe B._ Verspannungen in der
lumbalen Paravertebralmuskulatur sowie in der dorsalen und ventralen
Nackenmuskulatur, wobei keine wesentlichen Druckdolenzen bzw. keine
isolierten Triggerpunkte nachgewiesen werden konnten (vgl. Bg-act. 54
S. 30 f. und S. 41 f.). Demgegenüber geht Dr. med. D._ in seinem
ärztlichen Zeugnis vom 15. März 2022 von einer Verspannung der
gesamten, der Wirbelsäule aufliegenden Rückenmuskulatur und
diesbezüglich auch von einer anderen Ursache (Status nach
rezidivierenden Einblutungen) aus (vgl. Bf-act. 3). Auch wenn
diesbezüglich gemäss ärztlichem Zeugnis vom 25. März 2022
relativierend festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer letztmals im Jahr
2018 rezidivierende Einblutungen erlitten hatte (vgl. Bf-act. 3 und Bg-act.
180; siehe auch Bericht von Dr. med. F._ vom 21. März 2022 [Bg-act.
212 S. 3]), zeitigt die Verspannung der Rückenmuskulatur nach
Einschätzung von Dr. med. D._ zusammen mit den Beschwerden im
Rahmen der seronegativen Spondylarthropathie massgebliche
funktionelle Folgen (vgl. Bf-act. 3; siehe auch Erwägungen 5.3 und 5.4).
Soweit der RAD-Arzt G._ in seiner Beurteilung vom 4. April 2022
ausführt, dass die von Dr. med. D._ erwähnten erheblichen
Verspannungen der Rückenmuskulatur "alt bekannt" seien, und er sich
dabei auf den Zeitpunkt der IME-Begutachtung beziehen sollte, kann ihm
daher in dieser Absolutheit nicht gefolgt werden. Wollte er sich hingegen
mit der Bezeichnung "alt bekannt" auf den Zeitpunkt eines seit der
Verfügung vom 25. Juli 2014 ergangenen Nichteintretensentscheids
- 30 -
beziehen, ist festzuhalten, dass vorliegend die besagte Verfügung
Vergleichsbasis bildet.
5.6. Wie aufgezeigt, weist Dr. med. D._ in seinem ärztlichen Zeugnis vom
15. März 2022 häufige und intensive Schübe im Bereich der Hände und
der Wirbelsäule aus (vgl. Bf-act. 3). Im Gegensatz dazu wurden solche
Schübe im Bereich der Hände vom Rheumatologen B._ im IME-
Gutachten vom 12. April 2013 nicht beschrieben (vgl. Bg-act. 54 S. 30 ff.
und S. 41 ff.), weshalb sie auch nicht in dessen Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eingeflossen sind. Zudem konnten die vom
Beschwerdeführer beklagten rezidivierenden Blockaden im Bereich der
Lendenwirbelsäule (vgl. Bg-act. 54 S. 25) durch den Rheumatologen
B._ nicht objektiviert werden. Dieser führte diesbezüglich im IME-
Gutachten aus, die Ursache für die subjektiv angegebenen
rezidivierenden Blockadeepisoden habe auch nach der klinischen
Untersuchung und den veranlassten radiologischen Abklärungen der
Lendenwirbelsäule nicht gefunden werden können (vgl. Bg-act. 54 S. 46).
Immerhin erkannte er jedoch, dass sich das Vorliegen solcher
rezidivierenden Blockadeepisoden auch ohne erkennbare Ursache aus
rheumatologischer Sicht nicht sicher ausschliessen lasse (vgl. Bg-act. 54
S. 50). Sodann hielt der Rheumatologe B._ nach Sichtung des
Observationsmaterials in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 5.
Februar 2014 zusammenfassend fest, kürzere Phasen mit deutlich
vermehrter Schmerzsymptomatik und reduzierter körperlicher Aktivität
seien möglich. Die vom Beschwerdeführer berichtete Anzahl und Dauer
der Beeinträchtigung hätten im Rahmen der Observation jedoch nicht
nachgewiesen werden können. Aufgrund der Videodokumentation werde
aus rheumatologischer Sicht von einer grösseren zeitlichen Zumutbarkeit
der Arbeitsfähigkeit bzw. von einer leicht grösseren gewichtsmässigen
Zumutbarkeit der Belastungen in einer angepassten Tätigkeit
ausgegangen (vgl. Bg-act. 101 S. 3 f.). Demgegenüber konnte Dr. med.
- 31 -
D._ in seinem ärztlichen Zeugnis vom 15. März 2022 die
beschriebenen häufigen und intensiven Schübe im Bereich der
Wirbelsäule objektivieren, indem er sie (neben den degenerativen
Veränderungen und muskulären Defiziten) auf die im Rahmen der
Skelettszintigraphie vom Mai 2016 erhobenen entzündlichen Befunde
zurückführt (vgl. Bg-act. 168 S. 3 und 174 S. 21). Diese Schübe bzw. die
Schmerzepisoden haben sich denn auch – wie ausgeführt – seit dem
Erlass der Verfügung vom 25. Juli 2014 sowohl in Bezug auf die Häufigkeit
als auch betreffend die Intensität verstärkt, wobei Dr. med. H._ von
Schmerzangaben bis 10 nach der visuellen Analogskala berichtet und
diese Verstärkung unter anderem mit der ausgewiesenen Zunahme der
Aktivitätsanreicherung in den Iliosakralgelenken gemäss der
Skelettszintigraphie vom April 2017 gegenüber derjenigen vom Mai 2016
begründet (vgl. Bg-act. 174 S. 20 f.). Soweit der RAD-Arzt G._ im
Rahmen seiner Beurteilung vom 4. August 2022 zum Schluss kommt,
dass die von Dr. med. D._ erwähnten Schübe im Bereich der Hände
und der Wirbelsäule "alt bekannt" seien, kann auf das in Erwägung 5.5
Gesagte verwiesen werden.
5.7. Somit ist aus dem Vergleich der im Verfügungszeitpunkt am 18. August
2022 gegebenen medizinischen Situation und derjenigen, wie sie sich
anlässlich der Verfügung vom 25. Juli 2014 bot, zu schliessen, dass der
Beschwerdeführer glaubhaft darlegen konnte, dass sich die tatsächlichen
Verhältnisse in einem für den Leistungsanspruch erheblichen Mass
verändert haben. Die Beschwerdegegnerin ist demnach zu Unrecht nicht
auf dessen Leistungsbegehren eingetreten. Der (Renten-)Anspruch des
Beschwerdeführers ist folglich rechtsprechungsgemäss in tatsächlicher
und rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9; Urteil des
Bundesgerichts 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2.2). Die
Beschwerdegegnerin hat demnach eine umfassende medizinische
Abklärung durch spezialisierte Fachpersonen zu veranlassen (vgl. Urteil
- 32 -
des Bundesgerichts 8C_207/2019 vom 3. Juli 2019 E.5.3), womit es nicht
bei den Beurteilungen durch den RAD-Arzt sein Bewenden haben kann.
Dabei bedarf es auch einer Auseinandersetzung mit dem psychischen
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers (vgl. ärztliche Zeugnisse des
behandelnden Psychiaters Dr. med. J._ von Mai 2016 und Juli 2017,
welche eine anhaltende depressive schizo-affektive Störung (ICD:10
F25.1) bei passiv-aggressiver Persönlichkeitsstörung (ICD:10 F60.8) und
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausweisen [vgl. Bg-act. 166 S. 10 und
174 S. 37]). Gestützt auf die dannzumal vollständigen medizinischen
Unterlagen wird die Beschwerdegegnerin die Leistungsansprüche des
Beschwerdeführers erneut zu prüfen haben.
6. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist in Aufhebung der
angefochtenen Verfügung gutzuheissen. Die Angelegenheit ist im Sinne
der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
7.1. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Gemäss ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache
zu weiteren Abklärungen und zu neuem Entscheid für die Frage der
Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als
vollständiges Obsiegen (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132
V 215 E.6.1). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die
Gerichtskosten somit der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73
Abs. 1 VRG).
- 33 -
7.2. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_519/2020 vom 6. Mai 2021 E.2.2, 9C_64/2019 vom 25. April 2019 E.4,
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom
16. Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1
f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung
des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach
Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden)
Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 4. Oktober 2022
ein Honorar von CHF 2'798.25 geltend (10.09 Stunden à CHF 250.-- zzgl.
3 % Spesenpauschale und 7.7 % MWST). Da vorliegend eine
Honorarvereinbarung über den angegebenen Stundenansatz im Recht
liegt und die geltend gemachte Entschädigung von insgesamt CHF
2'798.25 angemessen erscheint, hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer in diesem Umfang aussergerichtlich zu entschädigen.
7.3. Bei diesem Verfahrensausgang wird das beschwerdeführerische Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gegenstandslos.