Decision ID: 762cf4fa-a51c-4f13-bd08-b5448d97fc33
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Rechtsschutz in klaren Fällen / Ausweisung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes Audienz des Bezirksgerichtes  vom 27. Januar 2016 (ER160003)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
1. Es sei der Beklagten unter Androhung der Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu befehlen, die von ihr gemieteten  im Erdgeschoss der Liegenschaft C._-Strasse ..., ... Zürich, ordnungsgemäss geräumt und gereinigt umgehend zu verlassen und der Klägerin zu übergeben.
2. Das zuständige Stadtammannamt sei anzuweisen, den zu  Ausweisungsbefehl nach Eintritt der Rechtskraft auf  Verlangen der Klägerin zu vollstrecken;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
Urteil des Einzelgerichts Audienz des Bezirksgerichts Zürich vom 27. Januar 2016:
(act. 9 = act. 12 = act. 14)
1. Die Gesuchsgegnerin wird verurteilt, die Gewerberäume im  der Liegenschaft C._-Strasse ..., ... Zürich, zu räumen und der Gesuchstellerin ordnungsgemäss geräumt und gereinigt zu .
2. Das Stadtammannamt Zürich 9 wird angewiesen, Ziffer 1 des mit einer Vollstreckbarkeitsbescheinigung versehenen Entscheids auf Verlangen der Gesuchstellerin zu vollstrecken. Die Kosten der Vollstreckung sind von der Gesuchstellerin vorzuschiessen. Sie sind ihr aber von der  zu ersetzen.
3. Die Entscheidgebühr von Fr. 1'500.– wird von der Gesuchstellerin , ist ihr aber von der Gesuchsgegnerin zu ersetzen.
4. Die Gesuchsgegnerin wird verurteilt, der Gesuchstellerin eine  von Fr. 1'600.– zu bezahlen.
[5.-6. Mitteilung, Rechtsmittel]"
Berufungsanträge der Gesuchsgegnerin: (act. 13, sinngemäss)
1. Das Urteil vom 27. Januar 2016 sei aufzuheben.
2. Das Ausweisungsbegehren der Gesuchstellerin sei abzuweisen.
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Considerations:
Erwägungen:
I.
1. Die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte vermietete mit Mietvertrag
vom 10. April 2015 Gewerberäumlichkeiten an der C._-Strasse ... in ... Zü-
rich an die Gesuchsgegnerin und Berufungsklägerin (act. 4/1). Die Gesuchstelle-
rin und Berufungsbeklagte wird zwecks besserer Verständlichkeit nachfolgend als
Vermieterin, die Gesuchsgegnerin und Berufungsklägerin als Mieterin bezeichnet.
Die Mieterin betreibt im Mietobjekt nach eigener Darstellung ein Fitness-Studio
(vgl. Vi-Prot. S. 3). Mit Eingabe vom 6. Januar 2016 ersuchte die Vermieterin un-
ter Hinweis auf die erfolgte Zahlungsverzugskündigung beim Einzelgericht Audi-
enz des Bezirksgerichts Zürich (Vorinstanz) um Erlass eines Ausweisungsbefehls
(act. 1).
2. Mit dem eingangs angeführten Urteil vom 27. Januar 2016 hiess die
Vorinstanz das Ausweisungsbegehren gut (act. 9 = act. 12 = act. 14). Das Urteil
wurde der Mieterin am 12. Februar 2016 zugestellt (act. 10/b). Mit Eingabe vom
20. Februar 2016 (Datum Poststempel: 22. Februar 2016) erhob die Mieterin Be-
rufung gegen das Urteil vom 27. Januar 2016 und stellte sinngemäss die ein-
gangs aufgezeigten Berufungsanträge (act.13).
3. Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens wurden beigezogen (act. 1-
13). Auf das Einholen eines Kostenvorschusses bzw. einer Berufungsantwort
wurde verzichtet (vgl. Art. 98 und Art. 312 Abs. 1 ZPO). Das Verfahren erweist
sich als spruchreif. Allerdings ist der Vermieterin mit dem vorliegenden Entscheid
noch eine Kopie von act. 13 zuzustellen.
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II.
1. Eintreten auf die Berufung:
1.1 Gegen Erledigungsentscheide im summarischen Verfahren ist die Be-
rufung nach Art. 308 ff. ZPO zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 314 ZPO).
Vorausgesetzt ist in vermögensrechtlichen Angelegenheiten ein Rechtsmittel-
streitwert von Fr. 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Die Vorinstanz hat den Streit-
wert ihres Verfahrens unter Hinweis auf die Praxis nach Massgabe der Brutto-
mietzinsen für eine Verfahrensdauer von 6 Monaten bis zur effektiven Auswei-
sung berechnet, konkret auf Basis des monatlichen Bruttomietzinses von
Fr. 2'070.00 auf total Fr. 12'420.00 (act. 14 S. 5; zur Höhe des Mietzinses vgl.
act. 4/1 S. 3).
Richtig ist, dass sich der Streitwert des Ausweisungsverfahrens nach den
Bruttomietzinsen für die vom jeweiligen Verfahren betroffene Zeitdauer richtet,
während welcher der Vermieter nicht über das Mietobjekt verfügen kann. Steht in
Frage, ob überhaupt ein Recht zur Kündigung bestand, so ist indes zu prüfen, per
welchen Zeitpunkt die Vermieterin das Mietverhältnis im Falle des Obsiegens der
Mieterin frühestmöglich ordentlich kündigen könnte. Im Allgemeinen hat dies die
Berücksichtigung der dreijährigen Kündigungssperrfrist gemäss Art. 271a Abs. 1
lit. e OR zur Folge (vgl. OGer ZH LF140014 vom 22. April 2014, E. III./4. mit Hin-
weisen; vgl. auch DIGGELMANN, DIKE-Komm-ZPO, online-Stand 20. Oktober
2013, Art. 91 N 15, 44, 46).
Wie nachfolgend gezeigt wird, bestreitet die Mieterin die Gültigkeit bzw. Zu-
lässigkeit der Zahlungsverzugskündigung vom 26. November 2015. Die Mieterin
hat die Zahlungsverzugskündigung denn auch bei der Schlichtungsbehörde ange-
fochten (vgl. Vi-Prot. S. 3). Was den frühestmöglichen ordentlichen Kündigungs-
termin im Falle des Obsiegens der Mieterin angeht, ist die Kündigungssperrfrist
nicht massgeblich, da das Mietverhältnis gemäss dem Mietvertrag der Parteien
ohnehin erstmals per 30. Juni 2020 ordentlich gekündigt werden kann (act. 4/1
S. 3). Das ergibt eine vom Berufungsverfahren betroffene Nutzungsdauer von 52
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Monaten ab dem Erlass des angefochtenen Entscheids (März 2016 bis und mit
Juni 2020). Der für die Zulässigkeit des Rechtsmittels massgebliche Streitwert be-
trägt danach Fr. 107'640.00 (52 x Fr. 2'070.00).
1.2 In der Berufungsschrift sind konkrete Rechtsmittelanträge zu stellen
und zu begründen. Bei Rechtsmitteln von Laien sind dabei nur geringe Anforde-
rungen zu stellen (vgl. OGer ZH PF150065 vom 26. November 2015, E. II./1.
m.w.Nw.). Der Berufungsschrift der Mieterin (act. 13) lässt sich mit gutem Willen
der eingangs angeführte Rechtsmittelantrag entnehmen, und die Eingabe genügt
den Anforderungen an die Begründung eines Rechtsmittels (wenn auch knapp).
Auf die Berufung ist daher einzutreten.
2. Die Vermieterin verlangte vor der Vorinstanz den Erlass eines Auswei-
sungsbefehls nach Art. 257 Abs. 1 ZPO (act. 1 S. 3). Nach dieser Bestimmung
gewährt das Gericht Rechtsschutz in klaren Fällen, wenn der Sachverhalt unbe-
stritten oder sofort beweisbar ist und die Rechtslage klar ist (so richtig die Vorin-
stanz, act. 12 S. 2).
Die von der Mieterin aufgeworfene Frage der Sistierung des Verfahrens über
die Kündigungsanfechtung vor der zuständigen Schlichtungsbehörde (vgl. Vi-Prot.
S. 3, 6; act. 13 S. 1) wäre in einem allfälligen Rechtsmittelverfahren gegen den
Sistierungsentscheid zu prüfen gewesen. Die Mieterin macht nicht geltend, sie
habe den Sistierungsentscheid angefochten, und das ist auch nicht ersichtlich.
Nur nebenbei ist daher festzuhalten, dass eine Sistierung des Schlichtungsverfah-
rens bis zum Entscheid über die Ausweisung (als Rechtsschutz in klaren Fällen)
jedenfalls nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist (vgl. ZR 110/2011 Nr. 54 E. 7,
sowie ZK ZPO-SUTTER SOMM-LÖTSCHER, 3. Auflage 2016, Art. 257 ZPO N 38a).
3. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, die Vermieterin habe mit
Schreiben vom 15. September 2015 einen Mietzinsausstand gemahnt und habe
für dessen Bezahlung eine 30tägige Frist angesetzt. Die Mieterin habe den Aus-
stand innert Frist jedoch nicht beglichen, weshalb die Vermieterin das Mietver-
hältnis am 26. November 2015 wegen Zahlungsverzugs auf den 31. Dezember
2015 gekündigt habe. Dieser Sachverhalt sei erstellt (vgl. insb. act. 4/1, 4/3-5) und
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die Rechtslage hinsichtlich der Gültigkeit der Kündigung sei klar. Die Mieterin be-
finde sich seither ohne Rechtsgrund im Mietobjekt, und das Ausweisungsbegeh-
ren sei daher gutzuheissen (act. 12 S. 2-4).
4. Die Mieterin bestreitet den erwähnten Sachverhalt zu ihrem Zahlungs-
verzug, zur Mahnung mit Fristansetzung, zur innert Frist weiterhin unterbliebenen
Zahlung und zur Kündigung vom 26. November 2015 nicht. Bereits vor der Vorin-
stanz erklärte die Mieterin ihren Zahlungsverzug mit dem Hinweis auf finanzielle
Schwierigkeiten, unter anderem da sie noch Kreditraten für ihre Investitionen in
das Mietobjekt bezahlen müsse. Für die Schuldensanierung habe sie die D._
AG beigezogen. Diese habe sie jedoch hintergangen und habe die Mietzinsaus-
stände nicht beglichen, obwohl sie, die Mieterin, die vereinbarten Raten an die
D._ AG bezahlt habe. Sie habe, so die Mieterin weiter, die ausstehenden
Mietzinsen am Tag der vorinstanzlichen Verhandlung (27. Januar 2016) an das
Betreibungsamt bezahlt (Vi-Prot. S. 4 f., S. 7). Sinngemäss macht die Mieterin
damit geltend, es hätte ihr nicht aufgrund Zahlungsverzugs gekündigt werden dür-
fen, weil nicht sie, sondern die D._ AG den Zahlungsverzug verschuldet ha-
be.
Die Vorinstanz hat sich mit diesen Vorbringen auseinandergesetzt. Sie hat
insbesondere erwogen, dass ein allfälliges Versäumnis der D._ AG der Ver-
mieterin nicht angelastet werden könne. Die Vermieterin habe der Mieterin zudem
am 9. November 2015, nach Ablauf der Zahlungsfrist gemäss Mahnung vom
15. September 2015, per E-Mail eine weitere Chance eingeräumt, die ausstehen-
de Septembermiete zu bezahlen und die Kündigung abzuwenden (vgl. act. 8/1).
Die Vorinstanz befragte die Mieterin weiter zu behaupteten Telefongesprächen
mit der Vermieterin nach Ablauf der Zahlungsfrist, einige Tage vor Aussprache
der Kündigung. Die Mieterin räumte dabei ein, dass die Vermieterin an der voll-
ständigen Bezahlung der ausstehenden Miete für September 2015 festgehalten
habe, während für spätere Mietzinsen Ratenzahlungen in Aussicht gestellt wor-
den seien (vgl. Vi-Prot. S. 11). Nachvollziehbare finanzielle Schwierigkeiten wür-
den, so die Vorinstanz weiter, nichts an der rechtlichen Verpflichtung der Mieterin
ändern, die Mietzinsen rechtzeitig zu bezahlen, und an der Berechtigung der
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Vermieterin, bei Zahlungsverzug ausserordentlich zu kündigen (vgl. zum Ganzen
act. 12 S. 2-4, insb. S. 4).
Was an diesen Erwägungen falsch sein könnte, geht aus der Berufungs-
schrift nicht hervor und ist nicht ersichtlich. Die Mieterin wiederholt dazu nur, was
sie bereits vor Vorinstanz vorbrachte (vgl. act. 13 S. 2 f.).
5. Die Mieterin erklärt in ihrer Berufungseingabe weiter, sie möchte ihr
Fitnessstudio im Mietobjekt weiterführen, da sie harte Arbeit und Geld darin inves-
tiert habe. Sie könne Kunden, darunter zwei Rechtsanwältinnen, als Referenzen
angeben. Im Fall der Ausweisung würde sie ohne Job dastehen und ihr Eigentum
würde zerstört. Zudem müsste sie Abonnemente zurückerstatten, was weitere
Schulden zur Folge hätte. Die Vermieterin wolle von ihr überdies Rückbaukosten
erstattet haben, doch sie wolle im Falle der Weitervermietung des Fitnessraums
ihrerseits eine Entschädigung für ihre Investitionen erhalten (act. 13).
Auch mit diesen Schilderungen wiederholt die Mieterin grösstenteils nur,
was sie auf Befragen bereits vor der Vorinstanz ausführte (Vi-Prot. S. 5 ff.). Sol-
che Umstände könnten möglicherweise berücksichtigt werden, wenn es um die
Beurteilung einer allfälligen Härte (im Zusammenhang mit einem Erstreckungsbe-
gehren) ginge (Art. 272 OR). Die Erstreckung eines Mietverhältnisses ist indes
ausgeschlossen, wenn das Mietverhältnis aufgrund Zahlungsverzugs gekündigt
wurde (Art. 272a Abs. 1 lit. a OR). Dass die Ausweisung für die Mieterin persön-
lich und für ihr Geschäft einschneidende Konsequenzen nach sich ziehen kann,
hilft der Mieterin daher im vorliegenden Fall nicht weiter. Auch solche Konsequen-
zen vermögen an der Gültigkeit der Kündigung und am Fehlen eines Rechts-
grunds für die weitere Benutzung der Mietsache durch die Mieterin (und damit am
massgeblichen Sachverhalt und an der Klarheit der Rechtslage mit Blick auf die
Kündigung und die Ausweisung der Mieterin) nichts zu ändern, und sie können
die Mieterin nicht dazu berechtigen, trotz gültiger Kündigung weiterhin im Mietob-
jekt zu verbleiben. Inwiefern die Vorbringen in der Berufungsschrift (act. 13), so-
weit sie neu sind, überhaupt zulässig sind (Art. 317 Abs. 1 ZPO), kann offen blei-
ben.
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Allfällige Ansprüche der Mieterin im Zusammenhang mit ihren Investitionen
in das Mietobjekt und eine allfällige Pflicht zum Rückbau sind im Ausweisungsver-
fahren nicht von Belang. Darauf ist nicht weiter einzugehen.
6. Die Vorinstanz hat somit zu Recht geschlossen, aufgrund des erstellten
Sachverhalts sei die Rechtslage klar und sei die Mieterin nicht berechtigt, weiter-
hin im Mietobjekt zu verbleiben. Das führt zur Abweisung der Berufung und zur
Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Das schliesst nicht aus, dass sich die
Parteien über eine Weiterführung des Mietverhältnisses noch einig werden könn-
ten (offenbar hat die Vermieterin einmal eine gewisse Bereitschaft dazu erkennen
lassen, indem sie nach Angaben der Mieterin Ratenzahlungen jedenfalls nicht
ausschloss). Dazu bedarf es aber des Konsenses beider Seiten.
III.
1. Ausgangsgemäss wird die Mieterin kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1
ZPO). Der Vermieterin ist mangels Aufwendungen im Berufungsverfahren keine
Parteientschädigung zuzusprechen.
2. Grundlage der Gebührenfestsetzung bilden der Streitwert bzw. das tat-
sächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die Schwierigkeit des
Falls (§ 2 Abs. 1 GebV). Dem tragen die Tarife gemäss §§ 4 ff. GebV OG Rech-
nung. Zum Streitwert kann auf das eingangs Gesagte verwiesen werden (vorne
II./1.1). Auch ausgehend vom Zeitpunkt der Erhebung der Berufung betrifft das
Verfahren eine Benutzungsdauer von 52 Monaten. Das ergibt einen Streitwert des
Berufungsverfahrens von Fr. 107'640.00. Die Entscheidgebühr ist in Anwendung
von § 4 Abs. 1 und 3, § 8 Abs. 1 sowie § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf
Fr. 1'200.00 festzusetzen.
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