Decision ID: e25f298b-8022-4004-8f0e-5f184b6df3fc
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
1973 geborene und in der
Hotellerie und
Gastronomie tätig gewesene
X._
gelangte am 3. Oktober 2017 (Urk. 6/3) durch das Regionale Arbeitsver
mittlungszentrum (RAV) im Sinne einer Früherfassung an die Invalidenversi
che
rung. Nach einem durchgeführten Standortgespräch und
nachdem von der Ver
sicherten keine Anmeldung erfolgt war, teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, de
m RAV
mit, sie lege ihre Anfrage zu den Akten ab
(Urk. 6/8). Am 15. Mai 2018 meldete sich die Versicherte mit
Unterstützung ihres Hausarztes, Dr.
Y._
, unter Hinweis auf
belastende Ereignisse
zum Bezug von
Leistungen
, insbesondere zur Durchführung beruflicher Massnahmen,
an (Urk. 6/
10 und Urk. 6/11).
Die IV-Stelle holte Auskünfte über die erwerbliche und medizi
nische Situation ein und
erteilte am 25. Okt
ober 2018 Kostengutsprache für ein
e Arbeitsvermittlung (Urk. 6/27 und Urk. 6/28).
Mit Mitteilung vom 23. April 2019 (Urk. 6/41) erteilte die IV-Stelle der Versicherten sodann Kostengutsprache für ein
Coaching Arbeitsversuch, welches
per 7. Mai 2019 erfolglos abgeschlossen
wurde (Urk. 6/46).
Nach Einholung eines weiteren Arztberichts stellte die IV-Stelle
der Versicherten mit Vorbescheid vom 8. Oktober 2019 (Urk. 6/53) die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erfolgten Einwänden (Urk. 6/60 und Urk. 6/65)
verneinte die IV-Stelle am 28.
Februar 2020 (Urk. 2) verfügungsweise einen Leistungsanspruch der Versicherten.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 31. März 2020 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 28. Februar 2020 sei aufzuheben, die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten
,
ihr die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, ins
be
sondere sei ihr ab November 2018 eine ganze Rente zuzusprechen und even
tua
li
ter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer Abklä
rungen zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung eines zweiten Schriftenwechsels (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2020 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Ein
gabe vom 3. November 2020 (Urk. 8)
reichte die Beschwerdeführerin einen neuen Arztberic
ht ein (Urk. 9) und hielt an d
en gestellten Anträgen fest
, was der Be
schwerdegegnerin am 4. November 2020 (Urk. 10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiolo
gie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215
E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fak
to
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychoso
zialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den
inva
liditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens be
ei
n
flussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klam
mern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 28. Febru
ar 2020 (Urk. 2) damit, dass Eingliederungsmassnahmen geprüft worden seien, die
Beschwerdeführerin sich jedoch nicht in der Lage sehe, einer beruflichen Tätigkeit
nachzugehen. Die Beschwerdeführerin werde als voll erwerbstätig qualifiziert, wobei eine weitere Abklärung der häuslichen Tätigkeit entfalle. An der medizini
schen Beurteilung durch den
Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
werde festgehalten. Jeder RAD-Arzt sei fähig
,
eine versicherungsmedizinische Beur
teilung vorzunehmen. Zusätzlich würden sich die RAD-Ärzte verschiedener Fachrichtungen bei Bedarf untereinander austauschen. Die Beschwerdeführerin habe verschiedene gesundheitliche Beschwerden, welche auf schwere Lebens
situationen zurückzuführen seien. Dennoch habe sie viele Ressourcen,
was
auch ihr Hausarzt bestätigt habe. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit möge aus medizini
scher Sicht zwar gerechtfertigt sein, aus rein IV-rechtlicher Sicht würden die vorliegenden Beschwerden keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit begründen. Der Beschwerdeführerin seien
wechselbelastende, körperlich nicht zu strenge
Tä
tigkeiten vollzeitlich zumutbar
(S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt
(Urk. 1),
auf die Aktenbeurteilung des RAD-Facharztes für Chirurgie könne wegen erheb
lichen Zweifeln an der Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit nicht abgestellt werden. Gestützt auf die in den Akten befindlichen Arztberichte, dem missglück
ten Eingliederungsversuch trotz ihrer guten Motivation, der Betreuung durch die Psychiatrie-Spitex sowie die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon a
uszugehen, dass sie in psych
ischer Hinsicht mindestens seit August/September 2017 für jegliche Tätigkeiten 100 % arbeitsunfähig sei. Sie habe demnach ab November 2018 Anspruch auf eine ganze Rente (S. 12 f.).
Mit Eingabe vom 3. November 2020 (Urk. 8)
gab
die Beschwerdeführerin zudem
an
,
der neu eingereichte
Bericht des behandelnden Psychiaters, Dr. med.
Z._
(Urk. 9)
zeige,
dass
schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen
vorlägen
. Es bestehe aktuell eine
um
70-90
% eingeschränkte Arbeitsfähigkeit (S. 2).
Der psy
chiatrische Sachverhalt sei nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt worden
.
3.
3.1
3.1.1
Die zuständigen Fachärzte der Klinik für Rheumatologie und internistische Reha
bilitation der
A._
hielten in ihrem Bericht vom 15.
Juni
2017 (Urk.
6/22/51-52) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Chronisches panvertebrales Syndrom
-
Coracoid
Ansatztendinose
rechts
-
Vasomotorische Dysregulation mit möglicherweise sympathisch unterhal
tendem Schmerzsyndrom rechte obere Extremität, Erstmanifestation März 2012
-
Vitamin D-Mangel
-
Status nach
Zervixkarzinom
in situ mit Exzision im Gesunden 2006
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, für den Zeitraum des stationären Aufent
haltes vom 17. Mai bis 13. Juni 2017 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 14. Juni 2017 bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit mit seltenem Hantieren von Lasten bis maximal 15 kg (S. 2).
3.1.2
Im Austrittsbericht Psychosomatik
A._
vom 13.
Juni
2017 (Urk.
6/22/54-57) hielt der zuständige Facharzt fest, die Beschwerdeführerin habe zwar den Eindruck deutlich akzentuierter Wesenszüge vermittelt, doch habe sie zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Symptome
gezeigt
, welche im Hier und Jetzt der Behandlungssituation die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gerecht
fertigt hätten.
Aus diesem Grund werde sie ohne psychiatrische Austrittsdiagnose im eigentlichen Sinn aus der Behandlung entlassen
(S. 4).
3.2
3.2.1
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med.
Y._
, Facharzt für allgemeine innere Medizin FMH, führte in seinem Bericht vom 15. Mai 2018 aus, er habe die Versicherte zusammen mit dem RAV-Mitarbeiter sehr ermuntert, sich bei der IV-Stelle anzumelden, wobei primäres Ziel eine Reintegrationsbegleitung sei. Die Versicherte sei seit ihrer Kindheit wiederholt von schweren Schicksalsschlägen
getroffen worden. Vor kurzem seien weitere Krisenereignisse hinzugekommen, wie
die Erkrankung des Schwiegervaters an einem bösartigen Karzinom sowie das unverhoffte Dahinscheiden des Lebenspartners. Die Versicherte sei jedoch ordent
lich leistungsfähig und sollte sehr gut einsetzbar sein (Urk. 6/10).
3.2.2
I
n seinem Bericht vom 19. September 2018 (Urk. 6/24)
hielt Dr.
Y._
fest, die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
als Fachfrau Hotellerie sei nicht mehr zu 100 % gegeben, da eine grosse Belastbarkeit hierfür vorausgesetzt werde. In einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin voll einsetzbar, wobei ein schrittweiser Einstieg ideal sei.
3.2.3
In einem weiteren Bericht vom 29. Juli 2019 (Urk. 6/51) gab Dr.
Y._
an,
die Versicherte
habe momentan einen Depressionsrückfall, wobei sie etwas habe stabilisiert werden können. Die Situation sei jedoch weiterhin labil, indem die Beschwerdeführerin kaum belastungsfähig sei und negative Meldungen ihren Alltag bestimmen würden. Die Situation verschlechtere sich immer wieder. Die
Beschwerdeführerin sei dünnhäutig, breche immer wieder in Weinanfälle aus und müsse invalidisierende Symptomausweitungen ertr
agen. Sie leide aktuell an
Dys
p
noeattacken
und
Abdominalkrämpfen
mit Brechdurchfallepisoden sowie einem gesteigerten Würgereflex, sodass auch um eine adäquate Ernährung gekämpft werden müsse. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
Y._
eine wiederkehrende Depression bei schweren Schicksalsschlägen seit der Jugend.
Als weitere Behandler führte er «Psychiatrie, Spitex» auf
.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt er fest, er verweise auf die letzten Integrationsbemühungen, welche beide hätten abgebrochen werden müssen. Somit sei keine Arbeits
fähig
keit gegeben.
3.3
Der RAD-Arzt, Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Akten
beurteilung vom 6. August 2019 (Urk. 6/52/4-5) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Er gab an, die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hotelfachfrau betrage 100 % und in einer angepassten Tätigkeit 0 %. Als Belastungsprofil sah er wechselbelastende, körperlich nicht zu strenge Tätig
keiten vor. Die vorhandenen Arztberichte seien schlüssig, die angeführten medizi
nischen Fakten nachvollziehbar und es könne auf diese abgestellt werden. Es seien somit keine IV-relevanten Diagnosen mit dauerhaften Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorhanden. Die Anmeldung sei überwiegend wahrscheinlich aus psychosozialer Motivation erfolgt.
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf die Stellungnahme des RAD-Arztes und ging von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus (Urk. 2).
Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, sie leide unter schwerwiegenden psychischen Krankheiten, weshalb ihr ab November 2018 eine ganze Rente zu
stehe (Urk. 1 und 8). Als Beleg legte sie den Bericht des behandelnden
Psychiaters, Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. Oktober 2020 auf (Urk. 9).
Im Bericht vom 30. Oktober 2020 führte Dr.
Z._
die Diagnosen einer post
trau
matischen Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1), einer andauernden Persönlich
keits
störung nach Extrembelastung (ICD-10: F 62.0), einer Somatisierungsstörung (ICD-10: F 45.0), einer Panikstörung (ICD-10: F 41.0) sowie einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F 33.0) auf. Abgesehen von der Panikstörung, die seit dem Jahr 2019 vorhanden sei, würden alle Diagnosen seit Jahren, die PTBS
sowie die andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung min
des
tens seit dem Jahr 2010, vorliegen (Urk. 9 S. 1). Zur Arbeitsfähigkeit hielt er fest, aktuell sei die Versicherte zu 70-90 % arbeitsunfähig (Urk. 9 S. 20).
Den Unterlagen lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 14. Novem
ber 2012 psychiatrisch begutachtet wurde (Urk. 6/22 S. 19 ff.). Die Psychiaterin kam zum Schluss, es würde eine Anpassungsstörung mit Beeinträchtigung ver
schiedener Gefühle (ICD-10: F 43.23) vorliegen. Dass die Versicherte unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung leide
t
, schloss sie überzeugend aus (Urk. 6
/22 S. 26-28). Da eine posttraumatische Belastungsstörung gemäss ICD-Leitlinien (Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/
Marthin
H. Schmidt, ICD-10,
Interna
tionale
Klassifikation psychischer Störungen, 10. Auflage)
innerhalb von sechs Monaten
einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt (
a.a.O
, S. 208), hätte eine solche bereits im Gutachten aus dem Jahr 2012 diagnostiziert werden müssen, wenn sie – wie Dr.
Z._
festhielt – durch ein Ereignis im Jahr 2010 oder früher ausgelöst worden wäre. Als Ursache nannte Dr.
Z._
eine wiederholte Traumatisierung durch den Vater und das Fehlen prak
tisch jeglicher sozialen Unterstützung (Urk. 9 S. 17). Damit bleibt jedoch ein kon
kretes Belastungskriterium, mithin das auslösende Trauma, unklar. Dieses ist jedoch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Herleitung und Be
gründung der Diagnose zwingend zu nennen (Urteil 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3.1). Auch die Diagnosestellung der andauernden Persönlichkeitsver
änderung nach Extrembelastung wirft Fragen auf. Eine solche setzt gemäss den ICD-Leitlinien eine Erfahrung von extremer Belastung wie Erfahrungen in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen, andauernde lebensbedrohliche Situa
tionen (als Geisel, lang andauernde Gefangenschaft mit drohender Todesgefahr) voraus (a.a.O., S. 286). Dr.
Z._
unterliess es,
solch
e Erfahrungen zu benennen. Im Übrigen schliesst die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung aus (a.a.O., S. 287), weshalb seltsam anmutet, dass Dr.
Z._
beide Diagnosen aufführte. Weiter lässt sein Bericht eine A
bgrenzung allfälliger psychi
scher Leiden von den geschilderten psychosozialen Belastungsfaktoren vermissen. Aus diesen Gründen vermag der Bericht nicht zu überzeugen, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann.
Zudem ist darauf hinzuweisen
, dass Dr.
Z._
sich nur zur Arbeitsfähigkeit im Oktober 2020, d.h. zu einem Zeitpunkt nach Verfü
gungs
erlass, äusserte, womit sich der Bericht auch in dieser Hinsicht als untauglich zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Verfügungszeitpunkt erweist.
4.2
Weiter brachte die Beschwerdeführerin vor, aufgrund des Umstands, dass sie durch die psychiatrische Spitex betreut werde und eine Vertretungsbeistandschaft eingerichtet worden sei, wäre die IV-Stelle verpflichtet gewesen, die Stellung
nahme eines RAD-Facharztes für Psychiatrie einzuholen. Hinzu komme, dass in den Akten eine E-Mail der Eingliederungsfachperson liege, in welcher von einer völlig
dekompensierten
Beschwerdeführerin berichtet werde, wobei auch erwähnt werde, dass sie auf einen Termin beim Psychiater warte. Die IV-Stelle wäre daher gehalten gewesen, mit ihrem Entscheid zuzuwarten und einen Bericht des behan
delnden Psychiaters einzuholen (Urk. 1).
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bis zum Erlass des Vorbescheids vom 8. Oktober 2019 (Urk. 6/53) nicht in psychiatrischer Behand
lung stand. Dies wird von ihr denn auch nicht bestritten. Weder in ihrem Einwand vom 4. November 2019 noch in der ergänzenden Begründung vom 11. Dezember 2019 erwähnte sie, dass sie sich in psychiatrische Behandlung begeben habe oder plane, eine solche aufzunehmen (Urk. 6/60, 6/65). Sie forderte einzig, die Berichte der psychiatrischen Spitex beizuziehen, ansonsten die Abklärung nur unvoll
stän
dig sei (Urk. 6/65 S. 4). Eine Begleitung durch die psychiatrische Spitex kann nicht nur von psychiatrischen Fachpersonen, sondern auch vom Hausarzt ange
ordnet werden. Die Begleitung selbst wird nicht durch ausgewiesene Fachper
so
nen auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie vorgenommen. Alleine aufgrund des Umstands, dass der Hausarzt eine psychiatrische Spitex imple
men
tierte, war die IV-Stelle daher nicht gehalten, weitergehende Abklärungen vorzu
nehmen. Auch den
Beizug
der entsprechenden Berichte erachtete sie zu Recht als nicht notwendig, ist doch nicht einzusehen, inwiefern diese mangels entspre
chen
der fachlicher Qualifikation der betreuenden Personen geeignet gewesen sein sollten, den medizinischen Sachverhalt zu vervollständigen. Der Ansicht, die IV-Stelle hätte aufgrund des Hinweises gegenüber dem Fachbearbeiter, dass sie auf einen Termin beim Psychiater warte, mit dem Entscheid zuwarten müssen, kann nicht gefolgt werden. Zum einen geht aus der E-Mail nicht hervor, welche kon
kreten Schritte die Beschwerdeführerin eingeleitet hatte, um eine psychiatrische Behandlung aufzunehmen. Zum anderen liess sie im zeitlich nachfolgenden Ein
wand eine allfällig aufgenommene Behandlung unerwähnt. Auch bei einer weiten Auslegung des Untersuchungsgrundsatzes kann es bei dieser Sachlage nicht angehen, auf eine Pflicht der IV-Stelle zum Abwarten und zu weiteren Abklä
rungen bezüglich einer allfälligen Behandlung zu schliessen. Zu berücksichtigen ist vorliegend jedoch, dass der Hausarzt in seinem Bericht vom 29. Juli 2019 die Diagnose einer wiederkehrenden Depression stellte (Urk. 6/51 S. 7). Zwar verfügt
er über keine ausgewiesenen Kenntnisse im Bereich Psychiatrie und Psycho
therapie, weshalb auf seine Beurteilung nicht unbesehen abgestellt werden kann. In den Akten findet sich jedoch ein Bericht aus dem Jahr 2002, in welchem bei der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F 33.11) diagnostiziert wurde (Urk. 6/22 S. 39). Zudem wurde die Beschwerdeführerin –
zwar auf eigenes Ersuchen hin (vgl. Urk. 9 S. 5) – mit Entscheid vom 10. Dezem
ber 2019 verbeiständet. Vor diesem Hintergrund wäre die IV-Stelle gehalten gewesen,
eine Fachperson im Gebiet Psychiatrie und Psychotherapie beizuziehen oder sogar
eine entsprechende Untersuchung anzuordnen, da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptom
erfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend ist für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes (Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2018 vom 21.
März
2019 E.
3.3). Damit, dass sie lediglich einen Facharzt für Chirurgie konsultierte, verletzte sie die Untersuchungspflicht, weshalb der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss für die Frage der Auferlegung der Ge
richtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE
141 V 281 E. 11.1, 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2).
5.2
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dessen Ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Ausgangsgemäss steht der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 2’3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen ist.