Decision ID: a5ca30de-7516-4bee-aed1-60d87bce440e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge ein Staatsangehöri-
ger von Myanmar und ein Angehöriger der Ethnie der Rohingya, habe
seinen Heimatstaat letztmals im (...) 2012 verlassen. Am 19. Juli 2012 sei
er in die Schweiz gelangt, wo er einen Tag später um Asyl nachsuchte.
A.b Mit Verfügung vom 12. Dezember 2014 verneinte die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab,
ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. Aus-
serdem änderte sie seine Staatsangehörigkeit auf «unbekannt». Zur Be-
gründung führte sie aus, dass seine Identität und insbesondere seine Her-
kunft aus Myanmar nicht geglaubt werden könne. Hinsichtlich des Wegwei-
sungsvollzugs sei es bei fehlenden Hinweisen seitens des Beschwerdefüh-
rers bezüglich seiner Identität nicht Sache der Asylbehörden nach etwai-
gen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftslän-
dern zu forschen.
A.c Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde vom Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil E-328/2015 vom 20. Juni 2017 abgewie-
sen. Die vorgebrachte Herkunft sei als fraglich einzustufen, weshalb die
damit im engen Zusammenhang stehenden angegebenen Fluchtgründe –
Verfolgung wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit – un-
glaubhaft seien und vorgebrachte Vollzugshindernisse nicht überprüft wer-
den könnten.
B.
Mit als «Wiedererwägungsgesuch» betitelter Eingabe vom 25. Novem-
ber 2021 ans SEM beantragte der Beschwerdeführer, die ursprüngliche
Verfügung vom 12. Dezember 2014 sei aufzuheben und er sei aufgrund
des unzulässigen respektive unzumutbaren Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufzunehmen. Als Beweismittel reichte er einen Kurzaustrittsbericht des
Kantonsspitals B._ vom 17. September 2021 sowie eine E-Mail der
Oberärztin der Allgemeinen Inneren Medizin des Kantonsspitals vom
28. Oktober 2021 ein.
Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, sein
Gesundheitszustand habe sich massiv verschlechtert. Im Spätsommer
2021 habe er einen (...) erlitten, weshalb er nun sein Leben lang einer me-
dikamentösen Behandlung unterliege. Ferner sei sein Heimatland seit dem
Militärputsch vom Februar 2021 von einer grossen politischen Krise und
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von Gewalt geprägt, welche auch das Gesundheitssystem erfasst hätten.
Demgemäss sei ein Wegweisungsvollzug nach Myanmar unzumutbar.
Hinsichtlich der Herkunft des Beschwerdeführers sei darauf hinzuweisen,
dass er seiner Mitwirkungspflicht während des (abgeschlossenen) Asylver-
fahrens immer nachgekommen sei, indem er die ihm gestellten Fragen
nach bestem Wissen beantwortet und Beweismittel eingereicht habe, um
seine Herkunft und Identität zu belegen. Das SEM habe sich in diesem
Verfahren immer wieder auf die fehlende Plausibilität von Ausführungen
berufen, jedoch sei diese als ein kulturell- und persönlichkeitsabhängiges
Konzept zu verstehen.
C.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2021 – eröffnet am 21. Dezember 2021
– trat das SEM auf die als einfaches Wiedererwägungsgesuch entgegen-
genommene Eingabe des Beschwerdeführers nicht ein. Gleichzeitig stellte
es fest, die Verfügung vom 12. Dezember 2014 sei rechtskräftig sowie voll-
streckbar und einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu.
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
23. Dezember 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er be-
antragt, die Verfügung vom 16. Dezember 2021 sei aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten res-
pektive sei die Sache zwecks Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
halts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ein Vollzugshin-
dernis (Unzulässigkeit/Unzumutbarkeit) festzustellen und er sei als Auslän-
der vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und der Rechtsvertreter dem Beschwerdeführer
als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizuordnen.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
24. Dezember 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG
[SR 142.31]).
F.
Am gleichen Tag setzte die zuständige Instruktionsrichterin den Vollzug der
Wegweisung per sofort einstweilen aus.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – abgesehen vom Nichteintreten auf das Beschwerdebegeh-
ren 3 (vgl. nachfolgend E. 4) – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Demnach überprüft
das Gericht die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht,
einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie auf
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
haltes.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
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4.
Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdefüh-
rers gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2
VwVG nicht eingetreten, womit die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE
2014/39 E. 7.1). Falls die Beschwerdeinstanz den Nichteintretensent-
scheid als unrechtmässig erachtet, enthält sie sich daher einer selbständi-
gen materiellen Prüfung; vielmehr hebt sie die angefochtene Verfügung auf
und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl.
BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.).
Demzufolge ist auf den Eventualantrag, es sei die Unzulässigkeit respek-
tive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und den Be-
schwerdeführer vorläufig aufzunehmen (Beschwerdebegehren 3), nicht
einzutreten.
5.
5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vor-
instanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). Kommt
eine gesuchstellende Person dabei ihrer Begründungspflicht nicht nach, so
hat die entscheidende Behörde die Möglichkeit, gestützt auf Art. 111b
Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7).
5.2 Ein Wiedererwägungsgesuch ist gehörig begründet, wenn ihm genü-
gend substantiierte Wiedererwägungsgründe zu entnehmen sind (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2003 Nr. 7 E. 4a; BVGE 2014/39 E. 5 ff., zumal gemäss BVGE
2014/39 E. 5.5 zwischen Art. 111b und Art. 111c AsylG ein enger Zusam-
menhang besteht). Unter anderem liegt dann keine gehörige Begründung
vor, wenn in einem Wiedererwägungsgesuch ausschliesslich Gründe an-
geführt werden, welche schon im Rahmen eines ordentlichen Beschwer-
deverfahrens hätten eingebracht werden können (vgl. Art. 66 Abs. 3
VwVG).
5.3 Eine Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig und darf namentlich
nicht dazu dienen, blosse Urteilskritik zu üben, die Rechtskraft von Verwal-
tungs- und Gerichtsentscheiden immer wieder infrage zu stellen oder die
Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II
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177 E. 2.1). Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist nicht einzutreten, wenn
lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits be-
kannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt wer-
den, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die
frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden können (vgl. etwa Urteil
BVGer D-3173/2021 vom 6. Dezember 2021 E. 4.3 m.H.a. EMARK 2000
Nr. 24 E. 5b).
6.
6.1 Das SEM begründete sein Nichteintreten auf das Wiedererwägungs-
gesuch mit dem Umstand, dass einerseits das Formerfordernis der dreis-
sigtägigen Frist nicht erfüllt sei. Weil sich die E-Mail der Oberärztin vom
28. Oktober 2021 nicht vom Kurzaustrittsbericht vom 17. September 2021,
welcher von der gleichen Oberärztin verfasst worden sei, unterscheide und
somit keinen aktuelleren Sachverhalt widerspiegle, seien zwischen der
erstmaligen Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes, konkret seit dem
Kurzaustrittsbericht vom 17. September 2021, und Einreichung des ent-
sprechenden Gesuchs mehr als dreissig Tage vergangen. Andererseits
habe der Beschwerdeführer bezüglich seiner tatsächlichen Herkunft keine
neuen Beweismittel eingereicht, weshalb keine neuen Tatsachen vorliegen
würden, die zu einer Neubeurteilung des Wegweisungsvollzugs führen
könnten. Als Folge der Mitwirkungspflichtverletzung verunmögliche er wei-
terhin, dass mögliche Vollzugshindernisse geprüft werden könnten.
6.2 Dagegen wurde in der Beschwerdeschrift wie folgt argumentiert:
Hinsichtlich der dreissigtägigen Frist wurde darauf hingewiesen, dass die
E-Mail innerhalb dieser Zeitspanne eingereicht worden sei. Erst mit ihr
seien der Schweregrad der Erkrankung und notwendige Behandlungen
und somit die Wiedererwägungsgründe klargeworden. Diese Informatio-
nen seien aus dem Kurzaustrittsbericht nicht ersichtlich gewesen. Zudem
sei es für den Beschwerdeführer im Zeitraum direkt nach dem (...) nicht
möglich gewesen, dessen Bedeutung für ein Wiedererwägungsverfahren
zu analysieren.
Das Wiedererwägungsgesuch, so der Beschwerdeführer weiter, sei auf
zwölf Seiten begründet worden: So seien die Verschlechterung seines Ge-
sundheitszustandes und der politischen Lage in Myanmar (und hiermit ver-
bunden auch die schlechte gesundheitliche Versorgung in diesem Land)
dargelegt worden. Damit seien konkrete Angaben zur Krankheitsge-
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schichte, Diagnose und Behandlung dargetan worden, weshalb das Wie-
dererwägungsgesuch als genügend begründet betrachtet werden müsse
(vgl. Urteil BVGer D-5267/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 7.2.3). Ferner
sei das Argument der Verletzung der Mitwirkungspflicht, wie bereits im Wie-
dererwägungsgesuch dargetan worden sei, entschieden zurückzuweisen.
7.
Nach Überprüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das SEM zu Recht und mit weitestgehend zutreffender Be-
gründung auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist. Es kann
vorab auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung, insbesondere hinsichtlich der mangelhaften Begründung, verwiesen
werden. Die Einwände in der Beschwerde vermögen nichts zu bewirken.
7.1 Zwar wird in der Beschwerde auch eine ungenügende Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes gerügt (zweiter Teil Beschwerdebegeh-
ren 2) und der Rückweisungsantrag teilweise damit begründet. Die Rüge
wird indes nicht weiter begründet. Das Bundesverwaltungsgericht be-
schränkt sich in diesem Zusammenhang auf die Feststellung, dass den Ak-
ten keine Gründe für eine solchermassen begründete Kassation der ange-
fochtenen Begründung zu entnehmen sind.
7.2
7.2.1 Im Urteil E-328/2015 vom 20. Juni 2017 des abgeschlossenen Asyl-
verfahrens des Beschwerdeführers erachtete das Bundesverwaltungsge-
richt seine Vorbringen – auch betreffend seine Herkunft aus Myanmar – als
unglaubhaft. Seine Angaben zu seinem vorgebrachten Leben in einem
Flüchtlingscamp (in Bangladesh) seien sehr allgemein ausgefallen und
würden nur wenige Hinweise auf persönlich Erlebtes aufweisen (vgl. ebd.
E. 6.1); ausserdem würden seine Angaben denjenigen, die er im norwegi-
schen Asylverfahren gemacht habe, widersprechen (vgl. ebd. E. 6.2). Ein
Dokument mit dem Briefkopf von UNHCR und dem Titel «C._»
habe sich als Fälschung erwiesen. Eingereichte Seiten eines Familien-
buchs hätten weitere Fragen aufgeworfen (vgl. ebd. E. 6.3). Die vorge-
brachte Identität des Beschwerdeführers – Staatsangehöriger von Myan-
mar und Angehöriger der Ethnie der Rohingya – sei daher fraglich. Ohne
Identität oder eine glaubhafte Herkunft könnten jedoch Wegweisungsvoll-
zugshindernisse nicht überprüft werden. Dieses Urteil ist in Rechtskraft er-
wachsen.
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Seite 8
7.2.2 Der Beschwerdeführer verkennt angesichts dieser Sachlage bereits
in seinem Wiedererwägungsgesuch, dass Gründe für eine Wiedererwä-
gung (gegebenenfalls Revision) allenfalls insofern bestehen könnten, als
er inzwischen seine Identität und Herkunft belegen könnte. Erst dann wäre
überprüfbar, ob die geltend gemachten medizinischen Gründe allfällige
Vollzugshindernisse begründen. Weder in der Eingabe vom 25. Novem-
ber 2021 an das SEM noch in der Beschwerdeschrift sind jedoch diesbe-
zügliche Ausführungen oder neue Beweismittel ersichtlich. Es wird einzig
einerseits dargetan, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers und die politische Lage in Myanmar verschlechtert hätten. Ander-
seits wird daran erinnert, dass er am Verfahren (bezüglich seines Asylge-
suchs) «im Rahmen seiner Möglichkeiten» mitgewirkt habe. Es sei daher
fragwürdig, dass das SEM (gestützt vom Bundesverwaltungsgericht) von
einer schweren Mitwirkungspflichtverletzung ausgegangen sei, um die feh-
lende Abklärung seiner Herkunft sowie des Wegweisungsvollzugs zu recht-
fertigen. Dies insbesondere deshalb, weil das Konzept der Plausibilität von
verschiedenen Seiten – unter anderem auch vom Bundesverwaltungsge-
richt in seiner Rechtsprechung – kritisiert werde. Damit übt der Beschwer-
deführer im Zusammenhang mit seiner vorgebrachten Identität und Her-
kunft lediglich Kritik an den Erwägungen des SEM in seiner Verfügung vom
12. Dezember 2014 sowie des Gerichts in seinem rechtskräftigen Urteil
E-328/2015 vom 20. Juni 2017. Demgegenüber begründet er in keiner
Weise, inwiefern im Vergleich zur ursprünglichen Verfügung diesbezüglich
heute eine andere Sachlage vorläge. In den geltend gemachten medizini-
schen Gründen kann von vornherein keine solche liegen, weil sie aufgrund
der im abgeschlossenen Asylverfahren festgestellten Mitwirkungsverlet-
zung nicht im Hinblick auf seine Herkunft überprüft werden können. Es ist
demzufolge auch nicht weiter darauf einzugehen (vgl. hierzu BVGE
2014/39 E. 9.2).
7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das Nichteintreten auf das Wie-
dererwägungsgesuch gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG in Verbindung mit
Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die ursprüngliche Verfü-
gung vom 12. Dezember 2014 ist rechtskräftig und vollstreckbar. Die
Frage, ob das Nichteintreten bereits aufgrund des Verpassens der dreis-
sigtägigen Frist gerechtfertigt war, kann offenbleiben.
8.
8.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 9
8.2 Die am 24. Dezember 2021 angeordnete superprovisorische vorsorgli-
che Massnahme (Vollzugsstopp) fällt mit dem heutigen Abschluss des Ver-
fahrens dahin.
9.
9.1 Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten, wird mit vorliegenden Urteil gegenstandslos.
9.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als
aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu qualifizieren. Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist deshalb ungeachtet
der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen. Als Folge
davon ist auch das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistan-
des abzuweisen (Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG).
9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf
insgesamt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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