Decision ID: e8a04144-5935-5810-aba0-8491bd7124ec
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Genossenschaft Schiesssportzentrum Teufen (nachfolgend: Gesuch-
stellerin) reichte am 28. April 2020 über die Revisionsgesellschaft BDO AG
beim Bundesamt für Sport BASPO ein Gesuch um Gewährung einer nicht
rückzahlbaren Geldleistung im Umfang von CHF 70'000.– gestützt auf
Art. 4 der Verordnung über Begleitmassnahmen im Sportbereich zur Abfe-
derung der Folgen von Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung des
Coronavirus vom 21. März 2020 (COVID-19-Verordnung Sport, AS 2020
851) ein.
B.
Die Gesuchstellerin machte geltend, dass aufgrund der Massnahmen des
Bundes zur Bekämpfung des Coronavirus der Schiessbetrieb habe einge-
stellt werden müssen und ihr damit Einnahmen entfallen würden, was zur
Zahlungsunfähigkeit führe.
C.
In seiner Verfügung vom 14. Mai 2020 wies das BASPO das Gesuch ab.
Es begründete seinen Entscheid damit, dass Art. 4 der COVID-19-Verord-
nung Sport nicht rückzahlbare Geldleistungen nur an Sportorganisationen
vorsehe, die als Verein organisiert seien. Sportorganisationen mit einer Ge-
sellschaftsform, die der wirtschaftlichen Zweckverfolgung dienen würden,
seien somit von diesen Finanzhilfen ausgeschlossen. Die Gesuchstellerin,
die als Genossenschaft mit primär wirtschaftlicher Zweckverfolgung und
nicht als Verein konstituiert sei, könne somit nicht von dieser Finanzhilfe
profitieren. Im Übrigen seien die finanziellen Probleme nicht ursächlich auf
die Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung des Coronavirus zurückzu-
führen.
D.
Gegen die Verfügung des BASPO vom 14. Mai 2020 erhebt die Gesuch-
stellerin (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 20. Mai 2020 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung
der Verfügung des BASPO (nachfolgend: Vorinstanz) vom 14. Mai 2020.
Zur Begründung bringt sie vor, dass die gegenwärtige Zahlungsunfähigkeit
erst durch den "Pandemie-Entscheid" des Bundesrates entstanden sei, der
vom 16. März 2020 bis zum 11. Mai 2020 jeglichen Schiessbetrieb und alle
Vereinsaktivitäten im Schiesssportzentrum verunmöglicht habe. Zudem sei
es falsch, dass das Schiesssportzentrum wirtschaftliche Zwecke verfolge.
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Die Verwaltung des Schiesssportzentrums erfolge ehrenamtlich ohne jeg-
liche Entschädigungen und Spesen. Es sei ein Label-Standort des Schwei-
zer Schiesssportverbandes (SSV) und diene den Vereinen der Ostschwei-
zer Kantonal- und Unterverbänden AI, AR, GR, SG, SH, TG und ZH zur
Nachwuchsförderung für den Breiten- und Leistungssport sowie für die
Durchführung von Jugend + Sport Aus- und Fortbildungskursen nach den
Konzepten des SSV, Swiss Olympic und dem BASPO. Durch diese Mass-
nahmen würden ihr die Beträge aus den getätigten Reservationen fehlen,
sie habe die bezahlten Abonnemente um zwei Monate verlängern müssen
und es seien ihr die Einnahmen aus den abgesagten Breitensportanlässen
und den jährlichen Betriebsbeiträgen der Ostschweizer Kantonal- und Un-
terverbänden in der Höhe von Fr. 50'000.– entgangen. Auch die Sistierung
der Breitensportanlässe (Schützenfeste) hätten zu massiven finanziellen
Ausfällen geführt. Um die Zahlungsunfähigkeit und den Konkurs abzuwen-
den, sei sie auf eine nicht rückzahlbare Geldleistung von Fr. 70'000.– an-
gewiesen.
E.
Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2020 beantragt die Vorinstanz die Abwei-
sung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin sei nicht als Verein, son-
dern als Genossenschaft konstituiert. Gemäss ihren Statuten sei sie keine
Sportorganisation im Sinne der COVID-19-Verordnung Sport, sondern eine
Sportinfrastrukturbetreiberin, die nicht durch entsprechende Finanzhilfen
unterstützt werden könne. Dies gelte auch für eine Unterstützung gemäss
der revidierten Fassung (vom 1. Juni 2020) von Art. 4 der COVID-19-Ver-
ordnung Sport. Die Nichtverfolgung wirtschaftlicher Zwecke im Sinne einer
Profitorientierung sei für die Abweisung des Gesuchs nicht ausschlagge-
bend gewesen, weshalb die Frage nach der Ursache der Zahlungsunfähig-
keit obsolet werde.
F.
In ihren Schlussbemerkungen vom 7. November 2020 und in ihrer unauf-
geforderten Eingabe vom 21. Dezember 2020 bekräftigt die Beschwerde-
führerin ihre in der Beschwerde und im Gesuch vorgebrachten Argumente
und zeigt die Finanzierung des Schiesssportzentrums auf.
G.
Auf die weitergehenden Ausführungen der Parteien und die sich bei den
Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 4

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 (VwVG, SR 172.021), die von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32)
erlassen wurde. Da keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt, ist das
Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zuständig
(Art. 31 VGG und Art. 44 VwVG). Das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes
vorsieht (Art. 37 VGG).
1.2 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer am Ver-
fahren vor der Vorinstanz teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Bst. c). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der
angefochtenen Verfügung, mit der ihr die ersuchte Finanzhilfe verweigert
wurde, ohne Weiteres zur Beschwerde berechtigt.
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid
auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ermessensausübung – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49 VwVG).
Es wendet das Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der
Parteien nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
3.1 Die angefochtene Verfügung erging am 14. Mai 2020 (vgl. oben Bst. C)
und stützt sich auf das zum damaligen Zeitpunkt geltende Recht, insbe-
sondere Art. 4 der COVID-19-Verordnung Sport in der Fassung vom
21. März 2020 (AS 2020 851; nachfolgend: COVID-19-Verordnung Sport
[Stand 21. März 2020]). Die auf sechs Monate befristete Verordnung wurde
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vom Bundesrat gestützt auf Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung vom
18. April 1999 (BV, SR 101) und auf das Sportförderungsgesetz vom
17. Juni 2011 (SpoFöG, SR 415.0) erlassen. Die damalige Rechtslage hat
sich in der Zwischenzeit insoweit verändert, als per 1. Juni 2020 die Ände-
rung der COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020 [AS 2020 1761];
nachfolgend: COVID-19-Verordnung Sport [Stand 1. Juni 2020]) in Kraft
trat, mit der Art. 4 unter anderem um eine die vorliegend streitige Frage
betreffende Regelung ergänzt wurde (vgl. dazu nachfolgend E. 3.3). Es
stellt sich entsprechend die Frage, ob die vorliegende Beschwerde bzw.
die angefochtene Verfügung nach dem damaligen Recht oder dem später
geltenden zu beurteilen ist.
3.2 Aus den beiden Versionen der Verordnung lässt sich hinsichtlich dieser
Frage keine Antwort entnehmen; insbesondere findet sich keine einschlä-
gige Übergangsbestimmung. Es ist deshalb auf die von der Rechtspre-
chung entwickelten Regeln zurückzugreifen. Danach ist die Rechtmässig-
keit eines Verwaltungsakts grundsätzlich nach der materiellen Rechtslage
zur Zeit seines Erlasses zu beurteilen (vgl. statt vieler BGE 141 II 393
E. 2.4; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht,
4. Aufl. 2014, § 24 Rz. 20). Bei Rechtsänderungen während eines Be-
schwerdeverfahrens kommt deshalb grundsätzlich das alte materielle
Recht zur Anwendung. Dieser „Nachwirkungsgrundsatz“ (TSCHANNEN/ZIM-
MERLI/MÜLLER, a.a.O., § 24 Rz. 20) ist allerdings zu relativieren. So darf
neues strengeres Recht auf hängige Beschwerdesachen gleichwohl An-
wendung finden, falls es um der öffentlichen Ordnung willen oder zur
Durchsetzung erheblicher öffentlicher Interessen erlassen wurde bzw.
zwingende Gründe für seine sofortige Anwendung sprechen (vgl. BGE 141
II 393 E. 2.4; 139 II 243 E. 11.1; 129 II 497 E. 5.3.2, jeweils m.w.H.). Neues
günstigeres Recht soll zudem stets berücksichtigt werden. Die sofortige
Anwendung des günstigeren Rechts darf aber den Rechtsschutz Dritter
nicht beeinträchtigen (vgl. BGE 129 II 497 E. 5.3.2 m.w.H.; 126 II 522
E. 3b/aa; Urteil des BVGer A-1700/2017 vom 25. April 2018 E. 3.2;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 24 Rz. 20).
3.3 Mit der erwähnten Änderung der COVID-19-Verordnung Sport wurde
dessen Art. 4 neu gegliedert, insbesondere Abs. 1 mit Bst. a und b ergänzt.
Art. 4 der ursprünglichen Version der COVID-19-Verordnung Sport (Stand
21. März 2020) statuierte, dass die Vorinstanz im Rahmen der bewilligten
Kredite Finanzhilfen in Form von nicht rückzahlbaren Geldleistungen an
Organisationen ausrichten kann, die als Vereine organisiert sind und deren
Zweck die Organisation und die Durchführung von Veranstaltungen und
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Wettkämpfen im Breitensport ist. Art. 4 der geänderten Fassung vom
1. Juni 2020 (nachfolgend: COVID-19-Verordnung Sport [Stand Juni
2020]) wurde dahingehend geändert, als Geldleistungen neben Sportver-
einen und Sportklubs (Abs. 1 Bst. a) auch an nicht gewinnorientierte Orga-
nisationen, deren hauptsächlicher Zweck die Durchführung von Wettkämp-
fen im Breitensport und im nicht überwiegend professionellen Leistungs-
sport ist, ausgerichtet werden können (Abs. 1 Bst. b). Mit der neuen Be-
stimmung (insbesondere Art. 4 Abs. 1 Bst. b) wird die Möglichkeit einer Fi-
nanzhilfe ausdrücklich auch an nicht gewinnorientierte Organisationen, wie
die Beschwerdeführerin (vgl. unten E. 5), vorgesehen. Die neue Bestim-
mung ist somit für die Beschwerdeführerin das günstigere Recht, weshalb
sie sofort Anwendung findet. Rechtsschutzinteressen Dritter, die dadurch
beeinträchtigt werden könnten, sind keine ersichtlich. Die angefochtene
Verfügung ist entsprechend nach der geänderten COVID-19-Verordnung
Sport (Stand 1. Juni 2020) zu prüfen.
4.
4.1 Als Kann-Vorschrift räumt Art. 4 Abs. 1 COVID-19-Verordnung Sport
(Stand 1. Juni 2020) der Vorinstanz einen gewissen Ermessensspielraum
ein und zwar im Hinblick auf die Entscheidung, ob überhaupt eine Rechts-
folge angeordnet werden soll (Entschliessungsermessen). Das Ermessen
ist pflichtgemäss auszuüben, d.h. der Entscheid hat rechtmässig und an-
gemessen zu sein. Die Beachtung von Verfassungsgrundsätzen wie dem
Willkürverbot, dem Rechtsgleichheitsgebot, dem Verhältnismässigkeits-
prinzip oder der Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Interessen versteht
sich hierbei von selbst (vgl. BGE 137 V 71 E. 5.1; BVGE 2015/2 E. 4.3.1;
Urteil des BVGer A-6880/2018 vom 17. Oktober 2019 E. 7.3.1 m.w.H.;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 26 Rz. 7).
4.2 Auch das Bundesgesetz über Finanzhilfen und Abgeltungen vom
5. Oktober 1990 (Subventionsgesetz, SuG, SR 616.1) regelt in Art. 13
Abs. 1, dass Finanzhilfen nur im Rahmen der bewilligten Kredite gewährt
werden. Art. 13 Abs. 1 und 2 SuG regeln zudem die Prioritätenordnung und
gelten für jene Fälle, bei denen aufgrund der Spezialgesetzgebung kein
Rechtsanspruch auf Finanzhilfen besteht. Übersteigen die eingereichten
oder zu erwartenden Gesuche die verfügbaren Mittel, so erstellen die zu-
ständigen Departemente eine Prioritätenordnung, nach der die Gesuche
beurteilt werden. Der Vorbehalt der bewilligten Kredite bzw. eine Kann-Vor-
schrift schränken Rechtsansprüche auf Finanzhilfen oder Abgeltungen ein
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oder schliessen solche aus. Sie zwingen die zuständige Behörde zu Er-
messensentscheiden. Nach Art. 13 SuG soll dabei als leitendes Prinzip die
Gleichbehandlung gelten (BBl 1987 I 406, Urteil des BVGer B-2184/2017
vom 7. Februar 2018 E. 4.4.1).
4.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es sich bei der Finanzhilfe gemäss
Art. 4 Abs. 1 COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) um eine
Ermessenssubvention handelt und darauf kein Rechtsanspruch besteht.
Selbst wenn der Vorinstanz vorliegend also ein Ermessensspielraum über
die Vergabe von Finanzhilfen zukommt, ist sie nicht völlig frei bei deren
Vergabe. Insbesondere ist sie an den Rahmen der bewilligten Kredite und
an die beschriebenen Verfassungsgrundsätze gebunden. Zudem hat sie
die Gleichbehandlung der Gesuchsteller zu gewährleisten. Dennoch hat
das Bundesverwaltungsgericht den diesbezüglichen Ermessensspielraum
zu respektieren und nicht sein Ermessen an die Stelle desjenigen der
Vorinstanz zu setzen (Urteile des BVGer A-6830/2017 vom 15. Januar
2019 E. 7.3 und BVGer B‐5431/2013 vom 17. November 2014 E. 5.3
m.H.).
5.
5.1 Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 3.3) kann die Vorinstanz gemäss
Art. 4 Abs. 1 Bst. b COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) auch
an nicht gewinnorientierte Organisationen, deren hauptsächlicher Zweck
die Durchführung von Wettkämpfen im Breitensport und im nicht überwie-
gend professionellen Leistungssport ist, nicht rückzahlbare Geldleistungen
ausrichten, sofern das Gesuch bis zum 30. Juni 2020 eingereicht wurde
(Art. 7 Abs. 4 COVID-19-Verordnung Sport [Stand 1. Juni 2020]).
5.2 Es stellt sich somit zunächst die Frage, ob die Beschwerdeführerin, die
das Gesuch am 28. April 2020 einreichte, als "nicht gewinnorientierte Or-
ganisation" im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. b COVID-Verordnung Sport
(Stand 1. Juni 2020) qualifiziert werden kann.
5.2.1 Die Genossenschaft ist eine als Körperschaft organisierte Verbin-
dung einer nicht geschlossenen Zahl von Personen oder Handelsgesell-
schaften, die in der Hauptsache die Förderung oder Sicherung bestimmter
wirtschaftlicher Interessen ihrer Mitglieder in gemeinsamer Selbsthilfe be-
zweckt oder die gemeinnützig ausgerichtet ist (Art. 828 Abs. 1 des Obliga-
tionenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]). Mit dieser Legaldefinition
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werden der Gesellschaftszweck und das Mittel zu seiner Verfolgung ver-
bindlich festgelegt. Die Statuten haben den Genossenschaftszweck zu
konkretisieren (Art. 832 Ziff. 2 OR; Urteil des BVGer A-2338/2016 vom
10. Mai 2017 E. 9.1). Durch die Förderung bestimmter wirtschaftlicher In-
teressen hat die Genossenschaft ihren Mitgliedern nicht einfach eine ge-
nerelle Steigerung ihres Vermögens durch Geldzufluss, sondern einen di-
rekten wirtschaftlichen Nutzen in einem spezifischen Bereich (z.B. in der
Vermarktung, in der Produktion, hinsichtlich Gesundheitsförderung, in der
Ausbildung) zu verschaffen (REGINA NATSCH, in: Kren Kostkie-
wicz/Wolf/Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], OR Kommentar – Schweizerisches
Obligationenrecht, 3. Aufl. 2016, Art. 828 Rz. 5; PETER FORSTMOSER, Ber-
ner Kommentar, Band VII, 4. Abteilung, Die Genossenschaft, 1971, Rz. 92
ff.). Die gesetzliche Formulierung "in der Hauptsache die Förderung oder
Sicherung (...)" lässt der Genossenschaft Spielraum, nebst wirtschaftlichen
Interessen auch nichtwirtschaftliche Zielsetzungen gemeinnütziger oder
ideeller Art vorzusehen. Diese sollten idealtypischerweise dem wirtschaft-
lichen Zweck unter-, höchstens aber gleichgeordnet sein (PETER FORSTMO-
SER, a.a.O. N 66 f.). Von einem gemeinnützigen (wohltätigen) Zweck profi-
tieren Aussenstehende, d.h. Nichtmitglieder. Der ideelle (auch: ideale)
Zweck wiederum umfasst kulturelle, gesellige, politische, religiöse, wissen-
schaftliche, künstlerische oder andere nicht wirtschaftliche Ziele, zu deren
Verfolgung der Gesetzgeber eigentlich die Vereinsform vorgesehen hätte
(REGINA NATSCH, a.a.O., Art. 828 Rz. 8, PETER FORSTMOSER, a.a.O.,
Rz. 100 ff.).
5.2.2 Die Beschwerdeführerin hält in den Statuten vom 29. März 2010 ih-
ren Zweck wie folgt fest: "Die Genossenschaft bezweckt in gemeinsamer
Selbsthilfe den Erwerb, die Sanierung, den Ausbau und den Betrieb einer
Indoor-Schiessanlage für das Sportschiessen mit Kleinkaliber Sportgerä-
ten sowie einer Indoor-Anlage für das Combat-Schiessen der Polizeikorps.
Sie stellt die Anlagen in erster Linie den Genossenschaftern zu günstigen
Preisen zur Verfügung. In ihrer regionalen Bedeutung unterstützt sie den
Nachwuchs gemäss den Vorschriften für die Nachwuchsförderung des
SSV." (Art. 2 der Statuten). Aus dem Zweck der Statuen ist ersichtlich, dass
die Beschwerdeführerin nicht nur wirtschaftliche Interessen mit dem Be-
trieb der Schiessanlage verfolgt, sondern durchaus auch ideelle Zwecke
hat. Insbesondere legt sie grossen Wert auf die Nachwuchsförderung, so-
wohl im Breiten- als auch im Leistungssport. Die Anlage dient sodann für
die Jugend + Sport-Aus-und Fortbildungskurse nach den Konzepten des
Schweizer Schiesssportverbandes, von Swiss Olympic und des Bundes-
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amts für Sport. Das Schiesssportzentrum ist zudem als regionales Leis-
tungszentrum des Schweizer Schiesssportverbands zertifiziert. Weiter
dient die Schiessanlage einer grossen Anzahl von Kantonal- und Unterver-
bänden aus der gesamten Ostschweiz, namentlich aus den Kantonen Ap-
penzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, St. Gallen,
Schaffhausen, Thurgau und Zürich, als auch dem Ostschweizer Sport-
schützenverband als Trainingsstätte. Auch die Sportschule Appenzeller-
land und die Schiesssportschule Glarus machen von den Anlagen des
Schiesssportzentrums Gebrauch. Zusätzlich wird das Schiesssportzent-
rum von den kantonalen Polizeikorps Appenzell Innerrhoden, Appenzell
Ausserrhoden und St. Gallen sowie von der Stadtpolizei St. Gallen als Aus-
bildungsstätte genutzt. Aufgrund der breitschichtigen Nutzung des
Schiesssportzentrums ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin nicht
nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, sondern sich der Nachwuchsförde-
rung im Schiesssport verpflichtet und ihre Trainingsanlage einer breiten Öf-
fentlichkeit zur Verfügung stellt. Insbesondere dient die Aus- und Fortbil-
dung kantonaler Polizisten der Sicherheit der Bevölkerung, was dem Allge-
meinwohl zu Gute kommt. Insgesamt dient das Schiesssportzentrum somit
auch einem ideellen Zweck. Dieser Zweck ist dem wirtschaftlichen zumin-
dest gleichgeordnet.
5.2.3 Der Reinertrag aus dem Betriebe der Genossenschaft fällt, wenn die
Statuten es nicht anders bestimmen, in seinem ganzen Umfange in das
Genossenschaftsvermögen (Art. 859 Abs. 1 OR). Aus den Statuten der Be-
schwerdeführerin ist nicht zu entnehmen, dass ein Reinertrag aus ihrem
Betrieb während des Bestandes der Genossenschaft nicht in das Genos-
senschaftsvermögen fallen würde bzw. anders verwendet würde. Die Ge-
neralversammlung beschliesst über die Verwendung des Reingewinns
(Art. 14 Bst. c der Statuten). Einzig bei der Auflösung der Genossenschaft
oder einer Fusion mit einer anderen Genossenschaft würde ein allfälliger
Überschuss nach Rückzahlung der Anteilsscheine dem kantonalen
Schiesssportverband Appenzell Ausserrhoden oder einer allfälligen Nach-
folgeorganisation überwiesen. Die Mittel sind zweckgebunden für die Ju-
gendförderung einzusetzen (Art. 24 der Statuten). Auch daraus ist zu
schliessen, dass die Beschwerdeführerin nicht hauptsächlich gewinnorien-
tiert ist, sondern ideelle Zwecke zur Förderung des Schiesssports verfolgt.
5.2.4 Die Vorinstanz bringt vor, aufgrund des in den Statuten der Be-
schwerdeführerin festgehaltenen Zwecks sei sie keine Sportorganisation
im Sinne der COVID-19-Verordnung Sport (Stand 21. März 2020), sondern
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eine Sportinfrastrukturbetreiberin, die nicht durch entsprechende Finanz-
hilfen unterstützt werden könne. Dies gelte auch für die COVID-19-Verord-
nung Sport (Stand 1. Juni 2020). Die Vorinstanz legt nicht näher dar, worin
der Unterschied zwischen einer Sportinfrastrukturbetreiberin und einer
nicht gewinnorientierten Organisation besteht. Gemäss Art. 4 Abs. 1 bst. b
COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) ist zumindest nicht aus-
geschlossen, dass eine nicht gewinnorientierte Organisation auch eine
Sportinfrastrukturbetreiberin sein kann. Als Sportinfrastrukturbetreiberin ist
sie eine Organisation, die den Schiesssport fördert und ihren Genossen-
schaftern es ermöglicht, Wettkämpfe zu günstigen Konditionen durchzu-
führen. Die Beschwerdeführerin kann also durchaus als nicht gewinnorien-
tierte Organisation im Sinne der Verordnung angesehen werden.
5.3 Als Zwischenfazit kann daher festgehalten werden, dass die Beschwer-
deführerin als "nicht gewinnorientierte Organisation" im Sinne von Art. 4
Abs. 1 Bst. b COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) zu qualifi-
zieren ist.
5.4 Art. 4 Abs. 1 Bst. b COVID-19-Verordnung Sport statuiert zudem, dass
der Zweck der nicht gewinnorientierten Organisation hauptsächlich die
Durchführung von Wettkämpfen im Breitensport und im nicht überwiegend
professionellen Leistungssport ist. Das Schiesssportzentrum dient den ver-
schiedenen Ostschweizer Kantonal- und Unterverbänden regelmässig als
Wettkampfstätte sowohl für den Breitensport als auch für einzelne Schüt-
zen im Leistungssport. Die Beschwerdeführerin fällt somit auch in dieser
Hinsicht in den Anwendungsbereich von Art. 4 Abs. 1 Bst. b COVID-19-
Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020).
6.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin die
Voraussetzungen von Art. 4 Abs. 1 Bst. b COVID-19-Verordnung Sport
(Stand 1. Juni 2020) erfüllt und in den Geltungsbereich der Verordnung
fällt. Zur Frage, ob die Beschwerdeführerin die weiteren Voraussetzungen
gemäss Art. 5 COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) erfüllt, hat
sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 14. Mai 2020 noch nicht geäus-
sert. Die Verfügung der Vorinstanz vom 14. Mai 2020 ist deshalb aufzuhe-
ben und die Angelegenheit zur Prüfung der übrigen Voraussetzungen von
Art. 5 COVID-19-Verordnung Sport (Stand 1. Juni 2020) an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
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Seite 11
7.
Es bleibt über die Kosten und Entschädigungen des Beschwerdeverfah-
rens zu befinden.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In der Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch offe-
nem Ausgang) praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführen-
den Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 ff.; 137 V 271 E. 7.1; Urteile des BVGer
A-2884/2019 vom 17. Februar 2020 E. 10.1, A‐6259/2018 vom 8. Juli 2019
E. 6.1 und A-358/2018 vom 10. Januar 2019). Demzufolge sind der Be-
schwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 2'000.– wird ihr zurückerstattet. Die unterliegende
Vorinstanz trägt keine Verfahrenskosten (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
7.2 Der obsiegenden Partei kann gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2) von Amtes
wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwen-
dige und verhältnismässig hohe Kosten zugesprochen werden. Da die Be-
schwerdeführerin rechtlich nicht vertreten ist und nicht davon auszugehen
ist, dass ihr durch die Beschwerdeführung erhebliche Kosten entstanden
sind respektive sie keine solchen geltend gemacht hat, ist ihr keine Partei-
entschädigung zuzusprechen.
8.
Dieser Entscheid betrifft eine Subvention, auf die kein Rechtsanspruch be-
steht, weshalb er nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen-
heiten an das Bundesgericht weitergezogen werden kann (Art. 83 Bst. k
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Er
tritt daher mit der Eröffnung in Rechtskraft.
A-2600/2020
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