Decision ID: 6c484253-ae87-567e-94b9-32dcb9ed390a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer), ein sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, suchte am 1. Juni 2016 in der
Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im
Wesentlichen geltend, er sei aufgrund der Verbindungen seines Vaters und
seines Bruders zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in den Fo-
kus der sri-lankischen Behörden geraten. Aus Furcht vor weiteren Repres-
sionen habe er Sri Lanka schliesslich im (...) 2016 verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 6. Juni 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch mangels
Glaubhaftmachung sowie Asylrelevanz seiner Vorbringen ab, verfügte die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung
an.
C.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 8. Juli 2019 wurde
vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3487/2019 vom 23. April 2021
abgewiesen.
II.
D.
D.a Mit einer als "Ankündigung Wiedererwägungsgesuch und Gesuch um
Vollzugsstopp" betitelten Eingabe vom 10. Juni 2021 (Datum Poststempel;
Posteingang SEM: 11. Juni 2021) teilte der zum damaligen Zeitpunkt recht-
lich noch nicht vertretene Beschwerdeführer dem SEM mit, er habe kürzlich
erfahren, dass er von der sri-lankischen Polizei, konkret von der Colombo
Terrorist Investigation Division (TID), vorgeladen worden sei. Zurzeit sei er
darum bemüht, das Original der entsprechenden Vorladung aus Sri Lanka
zu beschaffen, was aufgrund der restriktiven Einschränkungen im Zusam-
menhang mit dem Corona-Virus zurzeit nicht möglich sei. Er stellte in Aus-
sicht, in der darauffolgenden Woche ein begründetes Wiedererwägungs-
gesuch nachzureichen und ersuchte um einen sofortigen Vollzugsstopp.
Der Eingabe lag eine Kopie der polizeilichen Vorladung vom (...) 2021 (in-
klusive englischer Übersetzung) bei.
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D.b Mit einer als "Wiedererwägung" bezeichneten Eingabe vom 10. Juni
2021 (Datum Poststempel: 15. Juni 2021; Posteingang SEM: 16. Juni
2021) gelangte der Beschwerdeführer erneut an das SEM. Darin machte
er geltend, er sei von der sri-lankischen Polizei respektive der TID vorge-
laden worden. Es sei deshalb auf sein Gesuch einzutreten und wiederer-
wägungsweise seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl
zu gewähren. Allenfalls sei wiedererwägungsweise festzustellen, dass der
Vollzug der Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei, denn er würde
sich in einer desolaten psychischen Verfassung befinden.
Zur Stützung der Vorbringen reichte er die folgenden Unterlagen zu den
Akten:
- eine polizeiliche Vorladung vom (...) 2021 (in Kopie) mitsamt Fotokopie
der englischen Übersetzung vom 10. Juni 2021,
- eine polizeiliche Vorladung vom (...) 2016 (in Kopie) mitsamt Fotokopie
der englischen Übersetzung vom 10. Juni 2021,
- ein Letter of confirmation of residence vom 10. beziehungsweise
12. Mai 2021,
- ein Schreiben von B._, Justice of Peace C._, vom
12. Mai 2021,
- ein Schreiben von D._ vom 20. Mai 2020 (im Original).
E.
Das SEM nahm die Eingabe vom 10. Juni 2021 als qualifiziertes Wieder-
erwägungsgesuch entgegen, trat indessen auf dieses mit Verfügung vom
30. Juni 2021 (eröffnet am 2. Juli 2021) nicht ein. Gleichzeitig stellte das
SEM fest, die Verfügung vom 22. Mai 2019 (recte: 6. Juni 2019) sei rechts-
kräftig und vollstreckbar, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu, und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
F.
Mit Eingabe datierend vom 8. Juli 2021 (Poststempel: 9. Juli 2021; Post-
eingang BVGer: 12. Juli 2021) erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch den rubrizierten Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. Er beantragte, der angefochtene Nichteintretensentscheid
des SEM sei aufzuheben und die Sache sei zur Behandlung seines Asyl-
gesuchs an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht be-
antragte er, es sei ihm für das vorliegende Beschwerdeverfahren die un-
entgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-
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Seite 4
tenvorschusses zu verzichten sowie die unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung zu bewilligen. Ferner sei festzustellen, dass der vorliegenden Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung zukomme.
Mit der Beschwerdeeingabe wurden die folgenden Beweismittel einge-
reicht:
- eine Vollmacht vom 8. Juli 2021 (im Original),
- ein Sprechstundenbericht von E._, (...) vom 19. März 2021 (in
Kopie),
- ein Bericht betreffend die ambulante (...) Untersuchung von (...), vom
8. Juli 2021 (in Kopie),
- eine Kopie einer DHL-Bestätigung einer Sendung aus C._
vom 27. Juni 2021 (Absender: F._),
- eine polizeiliche Vorladung vom (...) 2016 (in Kopie) mitsamt Fotokopie
der englischen Übersetzung vom 10. Juni 2021,
- ein Schreiben von D._ vom 20. Mai 2020 (in Kopie),
- eine polizeiliche Vorladung vom (...) 2021 (in Kopie) mitsamt Fotokopie
der englischen Übersetzung vom 10. Juni 2021,
- ein Letter of confirmation of residence vom 10. beziehungsweise
12. Mai 2021 (im Original),
- ein Schreiben von B._, Justice of Peace C._, vom
12. Mai 2021 (im Original),
- 14 Fotos (im Original).
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
12. Juli 2021 in elektronischer Form vor.
H.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 13. Juli 2021 setzte die damals
zuständige Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort
einstweilen aus.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2021 teilte die Instruktionsrichterin
mit, der Beschwerde werde die aufschiebende Wirkung erteilt und der Be-
schwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten. Des Weiteren hiess sie den Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
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Seite 5
schusses. Demgegenüber wies sie das Gesuch um amtliche Rechtsver-
beiständung ab. Alsdann wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert
sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung mitzuteilen, ob er die Behandlung
seiner Eingabe vom 8. Juli 2021 (zusätzlich auch) als Revisionsgesuch be-
antrage, wobei bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde, dass er
keinen solchen Antrag stelle. Für den Fall, dass er die Revision beantrage,
wurde er aufgefordert, innert Frist eine Revisionsverbesserung einzu-
reichen, ansonsten auf das Revisionsgesuch unter Kostenfolge nicht ein-
getreten werde. Schliesslich wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung
eingeladen.
J.
Der Beschwerdeführer liess die siebentägige Frist zur Mitteilung, ob er die
Behandlung seiner Beschwerde auch als Revisionsgesuch beantrage, res-
pektive zur Einreichung einer Revisionsverbesserung ungenutzt verstrei-
chen.
K.
Das SEM nahm innert erstreckter Frist mit Vernehmlassung vom 16. Au-
gust 2021 zur Beschwerde Stellung.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2021 wurde dem Beschwerdefüh-
rer die Vernehmlassung vom 16. August 2021 zugestellt und Gelegenheit
eingeräumt, eine Replik sowie entsprechende Beweismittel einzureichen.
M.
Mit Replik vom 7. September 2021 (Poststempel: 15. September 2021;
Posteingang BVGer: 16. September 2021) nahm der Beschwerdeführer
(verspätet) zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung.
Mit der Eingabe wurden ein Bericht zur ambulanten (...) Untersuchung von
G._, (...) im (...), vom 9. September 2021 mitsamt (...) sowie ein
von diesem ausgefülltes Formular "ärztlicher Bericht" vom 10. Septem-
ber 2021 ins Recht gelegt.
N.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
gemäss Rubrum vorsitzende Richterin umgeteilt.
D-3173/2021
Seite 6

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nach-
dem gemäss Lehre und Praxis Wiedererwägungsentscheide grundsätzlich
wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg
weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. zuletzt beispiels-
weise Urteile des BVGer D-1272/2021 vom 12. November 2021 E. 1.1;
D-3617/2021 vom 8. November 2021 E. 1.1). Es entscheidet auf dem Ge-
biet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31] und Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005
[BGG; SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und
Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
1.4 Die verspätet eingereichte Replik ist im in Art. 32 Abs. 2 VwVG vorge-
sehenen Umfang zu berücksichtigen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 7
3.
Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdefüh-
rers gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13
Abs. 2 VwVG nicht eingetreten, womit die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist
(vgl. BVGE 2014/39 E. 7). Falls die Beschwerdeinstanz den Nichteintre-
tensentscheid als unrechtmässig erachtet, enthält sie sich daher einer selb-
ständigen materiellen Prüfung; vielmehr hebt sie die angefochtene Verfü-
gung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Auf die umfangreichen materiel-
len Ausführungen auf Beschwerdeebene zum Wegweisungsvollzug ist da-
her nicht einzugehen.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vor-
instanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). Kommt
eine gesuchstellende Person dabei ihrer Begründungspflicht nicht nach, so
hat die entscheidende Behörde die Möglichkeit, gestützt auf Art. 111b
Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7).
4.2 Ein Wiedererwägungsgesuch ist gehörig begründet, wenn ihm genü-
gend substantiierte Wiedererwägungsgründe zu entnehmen sind (vgl. Hin-
weis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2003 Nr. 7 E. 4a; BVGE 2014/39 E. 5 ff., zumal
zwischen Art. 111b und Art. 111c AsylG ein enger Zusammenhang besteht
[vgl. BVGE 2014/39 E. 5.5]). Unter anderem liegt dann keine gehörige Be-
gründung vor, wenn in einem Wiedererwägungsgesuch ausschliesslich
Gründe angeführt werden, welche schon im Rahmen eines ordentlichen
Beschwerdeverfahrens hätten eingebracht werden können (vgl. Art. 66
Abs. 3 VwVG).
4.3 Eine Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig und darf namentlich
nicht dazu dienen, blosse Urteilskritik zu üben, die Rechtskraft von Verwal-
tungs- und Gerichtsentscheiden immer wieder infrage zu stellen oder die
Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II
177 E. 2.1). Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist nicht einzutreten, wenn
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Seite 8
lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits be-
kannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt wer-
den, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die
frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden können (vgl. Art. 66
Abs. 3 VwVG; vgl. ferner Urteil des BVGer E-4243/2016 vom 14. Juli 2016
E. 4.2 und EMARK 2000 Nr. 24 E. 5b).
4.4 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (sog.
"einfaches Wiedererwägungsgesuch"; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts wird aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) unter bestimmten Vo-
raussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung
abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6, m.w.H.). Danach ist auf ein Wiederer-
wägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt
seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit
Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in wesentlicher Weise ver-
ändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nach-
träglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist. Falls
die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes
Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlos-
sen wurde – können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiederer-
wägung begründen (sog. "qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch", vgl.
hierzu EMARK 2003 Nr. 17 E. 2.a, m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer
Wiedererwägung geprüft werden können Beweismittel, die erst nach einem
materiellen Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts ent-
standen sind und daher revisionsrechtlich nicht von Relevanz sein können
(vgl. BVGE 2013/22 E. 12.3).
5.
5.1 Das als "Wiedererwägung" bezeichnete Gesuch vom 10. Juni 2021
wurde vom Beschwerdeführer damit begründet, dass die neuesten Be-
weismittel seine Aussagen, wonach er während Jahren von den sri-lanki-
schen Behörden verfolgt worden sei, weil seine Familienangehörigen die
LTTE unterstützt hätten, beweisen würden. Diese Verfolgung sei weiterhin
aktuell und bei einer Rückkehr bestehe eine begründete Furcht vor künfti-
ger Verfolgung. Aus diesem Grund sei auf das Wiedererwägungsgesuch
einzutreten, seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren. Allenfalls sei festzustellen, dass der Vollzug
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Seite 9
der Wegweisung aufgrund seiner persönlichen Situation unzulässig und
unzumutbar sei. Ausserdem wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass
er sich in einer desolaten psychischen Verfassung befinde.
5.2 Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Nichteintretensentscheid fest,
dass zwar sowohl das Schreiben von B._ vom 12. Mai 2021 als
auch der Letter of confirmation of residence vom 10. beziehungsweise
12. Mai 2021 erst nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens entstanden
seien, es sei jedoch nicht ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer
nicht möglich oder zumutbar gewesen sein soll, die beiden Schreiben so-
wie das Schreiben von D._ vom 20. Mai 2020 und die polizeiliche
Vorladung vom (...) 2016 bereits im Rahmen des ordentlichen (Be-
schwerde-) Verfahrens erhältlich zu machen beziehungsweise einzu-
reichen. Des Weiteren schätzte die Vorinstanz den Beweiswert der Schrei-
ben von B._ und von D._ von vornherein als gering ein,
da es sich dabei um Gefälligkeitsschreiben handle und deren Inhalte über-
dies zum Teil deutlich von den Asylvorbringen des Beschwerdeführers ab-
weichen würden. Auch den beiden in Kopien eingereichten sri-lankischen
"Police Message Forms" komme nur ein sehr geringer Beweiswert zu, da
diese leicht zugänglich und fälschbar seien. Ausserdem würden sie inhalt-
liche und formelle Fehler aufweisen, weshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit
auf Fälschungen geschlossen werden könne. Da die Wohnsitzbestätigung
die Frage der Flüchtlingseigenschaft nicht beschlage, müsse darauf nicht
weiter eingegangen werden. Sodann habe der Beschwerdeführer seine
desolate psychische Verfassung mit keinerlei Dokumenten belegt. Ausser-
dem sei das Bundesverwaltungsgericht bereits in seinem Urteil D-
3487/2019 vom 23. April 2021 zum Schluss gelangt, dass sein Gesund-
heitszustand dem Vollzug seiner Wegweisung nicht im Weg stehe. Insge-
samt seien die neu eingereichten Dokumente untauglich, die geltend ge-
machte Verfolgung zu belegen. Sein Wiedererwägungsgesuch sei nicht
gehörig begründet, weshalb nicht darauf einzutreten sei.
5.3 In der Beschwerde wurde kritisiert, die Vorinstanz sei zu Unrecht nicht
auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten. Der Beschwerdeführer
habe gerichtliche Schriftstücke im Original eingereicht und medizinische
Gründe angeführt, welche er mit ausführlichen und detaillierten ärztlichen
Berichten belegt habe. Damit liege eine wiedererwägungsrechtlich rele-
vante nachträgliche Veränderung der Aktenlage vor, woraus sich ergebe,
dass er in Sri Lanka verfolgt worden sei. Sodann sei die Menschenrechts-
situation für Tamilen nach wie vor prekär und volatil. Bei einer Rückkehr in
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Seite 10
sein Heimatland drohe ihm eine unmenschliche sowie erniedrigende Be-
handlung und er würde sich in ständiger Gefahr befinden. Der Wegwei-
sungsvollzug sei deshalb unzumutbar. Der Nichteintretensentscheid zeige,
dass das SEM Bundesrecht verletze und den Sachverhalt unvollständig
und unrichtig festgestellt habe, weshalb die angefochtene Verfügung auf-
zuheben und zur materiellen Beurteilung der neu geltend gemachten Asyl-
gründe an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.
5.4 In der Vernehmlassung entgegnete das SEM, das Bundesverwaltungs-
gericht habe im Urteil D-3487/2019 vom 23. April 2021 in E. 7.7 bereits
festgehalten, dass die (...) des Beschwerdeführers im Wesentlichen mit
dem Medikament (...) respektive dem darin enthaltenen Wirkstoff (...) be-
handelt werde. Seither habe sich weder an der Diagnose noch an der Be-
handlung des Beschwerdeführers etwas Grundlegendes verändert. Medi-
kamente mit diesem Wirkstoff seien in Sri Lanka grundsätzlich verfügbar.
Die weiteren vom (...) empfohlenen Medikamente seien zur Behandlung
von Nebenerscheinungen der (...)-Erkrankung beziehungsweise zur (...)-
Prophylaxe gedacht, und nicht zur Behandlung der (...) selber. Der Voll-
ständigkeit halber könne dennoch erwähnt werden, dass sämtliche Wirk-
stoffe in Sri Lanka erhältlich seien. Des Weiteren enthalte der Sprechstun-
denbericht der (...) vom 19. März 2021 keine Anhaltspunkte für eine not-
wendige Behandlung der (...) des Beschwerdeführers, vielmehr wünsche
sich dieser eine kosmetische Verbesserung. Damit würden weder individu-
elle Gründe noch besondere Umstände vorliegen, welche auf eine medizi-
nische Notlage schliessen und den Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka
als unzumutbar erscheinen lassen würden. Im Falle einer Rückführung von
weggewiesenen Asylsuchenden mit dringend behandlungsbedürftigen Er-
krankungen, welche keinen Unterbruch der Therapie erlauben würden,
könne in Abstimmung mit den kantonalen Behörden und allenfalls in Zu-
sammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM),
den heimatlichen Behörden und der Botschaft Vorkehrungen getroffen
werden, damit eine Weiterführung der Behandlung gewährleistet sei. Im
Übrigen könne Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG bean-
tragt werden. Der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers stehe
dem Wegweisungsvollzug damit nicht entgegen.
5.5 In der Replik wurde die Frage aufgeworfen, wie man der Vorinstanz
vertrauen könne, wenn diese keine konkreten Angaben dazu mache, wo
der Beschwerdeführer in Sri Lanka Zugang zu medizinischer Behandlung
erhalte. So würden denn auch sämtliche seriösen Berichte über Sri Lanka
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Seite 11
auf Unregelmässigkeiten bei der Versorgung mit Arzneimitteln im öffentli-
chen Gesundheitssektor hinweisen und keiner würde bestätigen, dass die
derzeitige Versorgung mit Medikamenten angemessen sei und die Wirk-
stoffe, welche dem Beschwerdeführer verschrieben worden seien, in sei-
nem Heimatland verfügbar seien. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde
er damit erheblichen Gefahren für sein Leben und seine körperliche Unver-
sehrtheit ausgesetzt werden. Des Weiteren werde mit den neu eingereich-
ten ärztlichen Berichten vom 9. und 10. September 2021 die Notwendigkeit
der Weiterbehandlung in der Schweiz bestätigt. Schliesslich obliege es der
erstinstanzlichen Behörde, sämtliche Sachverhaltselemente zusammen-
zutragen, die zur Beurteilung dieser wesentlichen Fragen erforderlich
seien, und es sei nicht die Aufgabe der Beschwerdeinstanz, komplexe und
ergänzende Abklärungen vorzunehmen, ansonsten die betroffene Partei
um den gesetzlich vorgesehenen Instanzenzug gebracht werde. Vor die-
sem Hintergrund sei die vorinstanzliche Verfügung zur weiteren Sachver-
haltsabklärung und zur neuen Entscheidung an das SEM zurückzuweisen.
6.
6.1 In den Rechtsmittelschriften wurde eine formelle Rüge erhoben, wel-
che vorab zu prüfen ist, da sie gegebenenfalls geeignet ist, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
6.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, das SEM habe den rechtser-
heblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt (Art. 12
VwVG). In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
die Vorinstanz im vorliegenden Fall auf das qualifizierte Wiedererwägungs-
gesuch nicht eingetreten ist und folgerichtig keine materielle Prüfung der
Gesuchsgründe vorgenommen hat. In einem solchen Fall kann sich die
Behörde darauf beschränken, den für die Frage des Nichteintretens we-
sentlichen Sachverhalt zu eruieren und den fallspezifischen Nichteintre-
tensgrund darzulegen. Die angefochtene Verfügung enthält – im angemes-
senen Rahmen der Begründung eines Nichteintretensentscheids – eine
ausreichende Darstellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Allein aus
dem Umstand, dass das SEM die im Gesuch geltend gemachten Sachvor-
bringen nicht so beurteilt wie vom Beschwerdeführer gewünscht, lässt sich
nicht auf eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung schliessen.
6.3 Die formelle Rüge erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet,
weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzu-
heben und die Sache zur neuen Beurteilung und Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
D-3173/2021
Seite 12
7.
7.1 In einem nächsten Schritt ist der Frage nachzugehen, ob das SEM das
Gesuch des Beschwerdeführers vom 10. Juni 2021 zu Recht als qualifi-
ziertes Wiedererwägungsgesuch entgegengenommen hat. Der Beschwer-
deführer brachte im Wesentlichen vor, seine bereits in den vorherigen Ver-
fahren geltend gemachte Verfolgung in Sri Lanka könne mit den einge-
reichten Beweismitteln nunmehr bewiesen werden.
7.2 Sowohl die polizeiliche Vorladung vom (...) 2016, das Schreiben von
D._ vom 20. Mai 2020 als auch die polizeiliche Vorladung vom
(...) 2021 sind vor Eröffnung des materiellen Beschwerdeurteils
D-3487/2019 vom 23. April 2021 entstanden, weshalb diese in einem Re-
visionsverfahren beim Bundesverwaltungsgericht einzubringen und mithin
unter sinngemässer Anwendung der Revisionsgründe zu behandeln gewe-
sen wären (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG). Wie bereits in der
Zwischenverfügung vom 15. Juli 2021 festgehalten, hätte die Vorinstanz
diese Beweismittel aufgrund ihrer Datierung korrekterweise an das Bun-
desverwaltungsgericht zur Prüfung als Revisionsgesuch überweisen müs-
sen. Infolgedessen wurde dem Beschwerdeführer, da dessen Eingabe vom
8. Juli 2021 keinen (Eventual-) Antrag um Prüfung als Revisionsgesuch ge-
gen das Beschwerdeurteil vom 23. April 2021 enthielt, Gelegenheit einge-
räumt, dem Gericht mitzuteilen, ob seine Eingabe vom 8. Juli 2021 zusätz-
lich auch als Revisionsgesuch geprüft werden solle. Die Verfügung wurde
ihm gemäss Sendungsverfolgung am 23. Juli 2021 per Post zugestellt
(vgl. BVGer-Akte 4). Demnach lief die siebentätige Frist am 31. Juli 2021
ab (Art. 20 VwVG). Da auch in der Replik kein entsprechender Antrag ge-
stellt wurde, ist – wie in der Zwischenverfügung vom 15. Juli 2021 bereits
festgehalten wurde – davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, wel-
cher durch einen rechtskundigen professionellen Rechtsvertreter vertreten
wird, auf die Behandlung seiner Rechtsmittelschrift vom 8. Juli 2021 als
Revisionsgesuch verzichtet. Folglich ist vorliegend auf die in diesem Zu-
sammenhang gemachten Ausführungen nicht mehr näher einzugehen, zu-
mal dem Beschwerdeführer durch die Würdigung dieser neuen Vorbringen
und Beweismittel durch das SEM kein Nachteil entstanden ist. Lediglich
der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass nachträglich neu vorge-
brachte erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel nur dann
für eine Revision in Frage kommen, wenn sie bei zumutbarer Sorgfalt im
ordentlichen Beschwerdeverfahren nicht haben beigebracht werden kön-
nen (vgl. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG), was vorliegend – wie bereits die
Vorinstanz zu Recht in der angefochtenen Verfügung feststellte – nicht auf-
D-3173/2021
Seite 13
gezeigt worden ist. Gleiches gilt für den erst im vorliegenden Beschwerde-
verfahren eingereichten Sprechstundenbericht von E._, (...) vom
19. März 2021, welcher ebenfalls noch vor dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-3487/2019 vom 23. April 2021 datiert.
7.3 Demgegenüber sind sowohl der Letter of confirmation of residence vom
10. beziehungswiese 12. Mai 2021 als auch das Schreiben von
B._ vom 12. Mai 2021 nach dem (mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-3487/2019 vom 23. April 2021 rechtskräftig gewordenen)
Asylentscheid der Vorinstanz vom 6. Juni 2019 entstanden. Soweit aus
diesen beiden Dokumenten abgeleitet wird, die in der angefochtenen Ver-
fügung als unglaubhaft erachtete Verfolgung sei damit belegt, hat das SEM
diese Beweismittel zu Recht als qualifizierte Wiedererwägungsgründe ein-
gestuft und entsprechend geprüft.
7.4 Die Vorbringen betreffend die Verschlechterung des Gesundheitszu-
standes des Beschwerdeführers seit Abschluss des ordentlichen Asylver-
fahrens respektive nach Ergehen des Urteils des Bundesverwaltungsge-
richts D-3487/2019 vom 23. April 2021 sind als einfaches Wiedererwä-
gungsgesuch im Sinne von Art. 111b Abs. 1 AsylG zu qualifizieren, da sie
auf eine nachträglich eingetretene Veränderung der Sachlage in Bezug auf
die Wegweisungsvollzugshindernisse abzielen. Die Vorinstanz würdigte in
ihrer Vernehmlassung vom 16. August 2021 die in diesem Zusammenhang
mit der Beschwerde eingereichten Beweismittel unter dem Gesichtspunkt
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
8.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Rech nicht auf das Be-
gehren des Beschwerdeführers vom 10. Juni 2021 eingetreten ist.
8.2
8.2.1 Beim Schreiben von B._ vom 12. Mai 2021 handelt es sich
auch nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts um ein nach Ab-
schluss des negativen Asylverfahrens vom Beschwerdeführer eingeholtes,
bestelltes Gefälligkeitsschreiben ohne relevanten Beweiswert. Das Doku-
ment weist ferner keinerlei Sicherheitsmerkmale auf und liegt lediglich in
Kopie vor. Zudem fällt auf, dass das Schreiben inhaltlich nicht nur sehr
oberflächlich gehalten ist, sondern sowohl in formeller als auch in inhaltli-
cher Hinsicht Fehler aufweist (etwa Rechtschreibefehler oder die Feststel-
lung, er sei in Sri Lanka verfolgt worden, weil seine gesamte Familie sich
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für die LTTE engagiert habe, was in Widerspruch zu den Angaben des Be-
schwerdeführers steht, wonach sein Vater und sein älterer Bruder die LTTE
unterstützt hätten [vgl. SEM-Akte A4, Ziff. 7.01 und A14, F81 ff.]). Es stellt
sich überdies die Frage, weshalb Friedensrichter B._ erst mehr
als (...) Jahre nach den Ereignissen, mithin unmittelbar nach dem negati-
ven Asyl- und Gerichtsentscheid des Beschwerdeführers, die Vorkomm-
nisse bestätigte.
8.2.2 Im Weiteren ist auch der am 10. beziehungsweise 12. Mai 2021 aus-
gestellte Letter of confirmation of residence (unabhängig von der Frage der
Authentizität) ohne Relevanz. Im Schreiben wird lediglich die für die Beur-
teilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen unerhebliche Tatsache bestätigt,
dass der Beschwerdeführer bis im (...) 2016 in H._ in C._
gelebt habe.
8.2.3 Die Gründe für das Wiedererwägungsgesuch beschränken sich so-
mit auf das Einreichen eines Gefälligkeitsschreibens und eines Bestäti-
gungsschreibens, deren Beweiswert äusserst gering ist und die bereits im
ordentlichen Verfahren hätten erhältlich gemacht werden können. Damit
gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, eine nachträglich rechtsrelevante
Veränderung des dem Entscheid vom 6. Juni 2019 (sowie dem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-3487/2019 vom 23. April 2021) zugrunde-
liegenden Sachverhalts darzutun.
8.3
8.3.1 In seinen Rechtsmitteleingaben berief sich der Beschwerdeführer
des Weiteren auf eine Verschlechterung seines gesundheitlichen Zustan-
des. Damit machte er geltend, die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
sei aufgrund einer nachträglich eingetretenen erheblichen Veränderung
der Sachlage nicht gegeben.
8.3.2 Sowohl die Unzulässigkeit als auch die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs aufgrund medizinischer Probleme kann nur in Ausnahmefäl-
len bejaht werden, in denen insbesondere zu befürchten ist, eine Rückkehr
der betroffenen Personen in ihren Heimatstaat würde mangels Zugang zu
benötigten Behandlungen zu einer raschen medizinischen Notlage respek-
tive einer lebensbedrohlichen Situation führen (vgl. BVGE 2017 VI/7 E. 6,
2011/9 E. 7 sowie 2009/2 E. 9.3.2, je m.w.H.). Die beim Beschwerdeführer
diagnostizierte (...) wurde bereits im abgeschlossenen Asylverfahren be-
rücksichtigt und vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom
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23. April 2021 insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Erhältlich-
keit des benötigten Medikaments (...) beziehungsweise des darin enthal-
tenen Wirkstoffs (...) gewürdigt (vgl. a.a.O., E. 7.7). Die weiteren vom Be-
schwerdeführer gemäss den eingereichten Arztberichten empfohlenen Me-
dikamente respektive Wirkstoffe zur Behandlung von Nebenerscheinungen
der (...)-Erkrankung und zur (...)-Prophylaxe sind gemäss Abklärungen
des SEM in Sri Lanka ebenfalls erhältlich (vgl. hierzu die Ausführungen in
der Vernehmlassung vom 16. August 2021). Vor diesem Hintergrund ist die
Befürchtung des behandelnden Arztes, G._, wonach die Rückkehr
des Beschwerdeführers in eine Umgebung ohne entsprechende medizini-
sche Betreuung sich ungünstig auswirken könnte (vgl. Bericht betreffend
die ambulante (...) Untersuchung vom 8. Juli 2021 [BVGer-Akte 1, Bei-
lage 3] sowie Bericht zur ambulanten (...) Untersuchung vom 9. Septem-
ber 2021 [BVGer-Akte 9, Beilage 2]), unbegründet. Im Übrigen besteht für
den Beschwerdeführer die Möglichkeit der Inanspruchnahme von medizi-
nischer Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG. Sodann ist nicht
ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht hinreichend begrün-
det, inwiefern die zwischenzeitlich gar erfolgte Verbesserung des Gesund-
heitszustandes (vgl. hierzu den Bericht zur ambulanten (...) Untersuchung
von G._ vom 9. September 2021 [BVGer-Akte 1, Beilage 3], worin
die vollständige Regredienz der (...) sowie die Zunahme der (...) festge-
stellt wurde) nunmehr zur Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs führen soll.
8.3.3 Die im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten undatierten
Fotos der Narben sowie des Gesichts des Beschwerdeführers (vgl. BVGer-
Akte 1, Beilage 14), welche erstmals mit der Beschwerde vom 8. Juli 2019
ins Recht gelegt und in der Folge im Urteil D-3487/2019 vom 23. April 2021
gewürdigt wurden (vgl. dort E. 5.5), vermögen an dieser Einschätzung
nichts zu ändern und sind wiedererwägungsrechtlich nicht relevant.
8.3.4 Insgesamt hat der Beschwerdeführer nicht ausreichend dargetan, in-
wiefern sich sein Gesundheitszustand seit der letzten Beurteilung durch die
zuständigen Behörden in einer Art und Weise verändert hätte, welche eine
Wiedererwägung der rechtskräftigen Verfügung der Vorinstanz rechtferti-
gen könnte.
8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzungen zum
Eintreten auf das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch vorliegend nicht
erfüllt waren, weshalb das SEM zu Recht gestützt auf Art. 111b
D-3173/2021
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Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG auf dieses nicht ein-
getreten ist.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge
abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indes mit Zwi-
schenverfügung vom 15. Juli 2021 das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und weiterhin von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist, sind ihm
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Eine Parteientschädigung fällt beim vorliegenden Verfahrensausgang
ausser Betracht (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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