Decision ID: 368293c3-b523-4753-ac59-6807d6f708c2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967 und ohne Berufsausbildung, wurde am 11. Okto
ber 2009 Opfer eines tätlichen Angriffs durch mehrere Personen (Urk. 8/8/9; Urk. 8/48/3). Am 17. Juli 2012 meldete er sich bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, holte daraufhin mehrere Arztberichte ein (Urk. 8/8 f.; Urk. 8/17; Urk. 8/20). Sie gab ausserdem bei Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gut
achten in Auftrag (Gutachten vom 6. Juli 2013; Urk. 8/23). Mit Vorbescheid vom 30. Juli 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, mit der Begründung, die notwendige Mindestbeitragsdauer sei nicht erfüllt (Urk. 8/26).
Nachdem die Sozialabteilung der Stadt A._ hiergegen am 9. August 2013 Einwand erhoben hatte (Urk. 8/29), zog die IV-Stelle Auszüge aus dem indi
viduellen Konto des Versicherten und dessen Ehefrau (Urk. 8/40+43) sowie einen weiteren Arztbericht bei (Urk. 8/59). Ausserdem liess sie den Versi
cher
ten bei der B._ (B._-Gutachten vom 26. März 2015; Urk. 8/76) und holte Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (Urk. 8/82 f.). Mit neuem Vorbescheid vom 17. August 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass sie gedenke, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 8/84). Der Versicherte erhob hiergegen mit Schreiben vom 9. September 2015 Ein
wand (Urk. 8/86), worauf die IV-Stelle indes am 6. Oktober 2015 wie ange
kündigt verfügte (Urk. 8/89 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._ am 6. November 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zuspre
chung einer Invalidenrente. Er ersuchte gleichzeitig um Bewilligung der unent
geltli
chen Prozessführung, welche ihm mit gerichtlicher Verfügung vom 26. Februar 2016 (Urk. 18) gewährt wurde. Mit Beschwerdeantwort vom
1. Dezember 2015 (Urk. 6) ersuchte die IV-Stelle um Abweisung der Be
schwer
de. In der Folge reichte der Versicherte zusätzliche Eingaben ein (Urk. 11-15),
wobei die IV-Stelle diesbezüglich auf eine Stellungnahme ver
zichtete (Urk. 17
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Er
werbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung vom 6. Oktober 2015 (Urk. 2) im Wesentlichen die Ansicht, dass infolge diverser materieller Mängel nicht auf das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ vom 6. Juli 2013 (Urk. 8/23) abgestellt werden könne. Der psychiatrische Gutachter der B._ AG habe eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F45) mit anhaltender affektiver Störung und Symptomen der Verbitterung (ICD-10 F38.8) diagnostiziert. Er habe dem Versicherten eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert. Bei der Durchsicht des psychiatrischen Gutachtens würden jedoch diverse Inkonsistenzen und Diskrepanzen auffallen. So habe der Beschwerdeführer gegenüber den Gut
achtern unterschiedliche Angaben zu seiner Erwerbsbiographie gemacht. Un
berücksichtigt geblieben sei ausserdem, dass er im Jahr 2010 zwei Mal vom Amt für Wirtschaft und Arbeit kontrolliert worden sei und dabei jeweils zu Protokoll gegeben habe, Geschäftsführer beziehungsweise Inhaber eines Un
ternehmens zu sein. Hingegen habe der Versicherte den Gutachtern mitge
teilt, seit dem Überfall am 11. Oktober 2009 nicht mehr erwerbstätig gewesen zu sein. Er habe zudem weder als Unselbständig- noch als Selbständigerwer
bender jemals AHV-Beiträge abgerechnet. Auf die Aussagen der Gutachter, wonach die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch im Hinblick auf den ge
äusserten Verdacht auf Schwarzarbeit bestehe, könne nicht abgestellt werden (zum Ganzen Urk. 2 S. 2).
Im Weiteren sei das Beschwerdebild des Versicherten von Selbstlimitierung, fehlender Motivation und einem erheblichen sekundären Krankheitsgewinn geprägt (Urk. 8/76/21+23+26). Er habe auch mit nicht plausiblen Gründen die Blutentnahme zur Medikamentenspiegelkontrolle verweigert, obwohl er angegeben habe, diverse Medikamente einzunehmen (Urk. 8/76/17). Zudem habe der Beschwerdeführer angegeben, sich zwei Mal im Monat zur psychi
atrisch-psychotherapeutischen Behandlung ins Medizinische Zentrum C._ zu begeben. Vor diesem Hintergrund sei ein erheblicher Leidensdruck
fraglich. Eine Verbitterungsstörung schliesse auch grundsätzlich die An
n
ahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens aus (Urteil des Bundes
gerichts 8C_822/2013 vom 4. Juni 2014 E. 4.6; zum Ganzen Urk. 2 S. 3).
Ferner seien die Angaben des Versicherten zu den jeweiligen Ängsten und Beschwerden vage und diffus ausgefallen. Der psychiatrische Teilgutachter habe sich auf diese subjektiven Angaben gestützt, obwohl grundsätzlich ein weitgehend unauffälliger objektiver Befund attestiert worden sei. Abschlies
send wies die IV-Stelle darauf hin, dass gemäss den Gutachtern eine Intensi
vierung der Fachbehandlung eine positive Veränderung bewirken könne. Es fehle demnach an einer konsequenten Therapie, deren Scheitern das psychi
sche Leiden als resistent ausweisen würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2013 E. 4.3.2). Angesichts aller genannten Um
stände sei kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen (zum Gan
zen
Urk. 2 S. 4).
2.2
Der Versicherte nahm in seiner Beschwerdeschrift vom 6. November 2015 (Urk. 1) in erster Linie Bezug auf das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ vom 6. Juli 2013 (Urk. 8/23). Dieser habe korrekterweise und nachvollziehbar
festgestellt, dass der Beschwerdeführer an einer chronischen posttraumati
schen
Belastungsstörung (PTBS) leide und für alle Tätigkeiten zu 100 % ar
beits
unfähig sei. Die IV-Stelle habe ohne wesentliche Gründe eine zweite Be
gut
achtung bei den Ärzten der B._ AG eingeholt, welche in Fachkreisen als versicherungsfreundliche Adresse gelte. Der begutachtende Psychiater Dr.
med.
D._
habe jedoch in seinem versicherungsfreundlichen Be
r
icht keine Depression oder Neurose festgestellt, obwohl alle Kriterien dafür erfüllt gewesen seien. Er habe trotz bestehender Notwen
digkeit auch kein neuropsychologisches Screening durchgeführt, weshalb auf sein Gutachten nicht abgestellt werden könne.
Die Beschwerdegegnerin habe zudem kritisiert, dass der Versicherte hinsicht
lich seiner Erwerbsbiographie unterschiedliche Angaben gemacht habe. Sie behaupte, dass er damit habe manipulieren wollen, was in keiner Weise zu
treffe. Der Beschwerdeführer sei psychisch schwer krank und könne sich nicht
ganz genau erinnern. Die Erwerbsbiographie könne man ganz leicht mit einem „AHV-Zusammenruf“ feststellen, welcher der IV-Stelle zur Verfü
gung stehe. Der Versicherte sei kein Rentenneurotiker und wäre in keiner Weise mit dem Erhalt einer Invalidenrente zufrieden (zum Ganzen Urk. 1 S. 3).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2015 (Urk. 6) wies die Be
schwer
degegnerin unter Beilage eines Strafbefehls vom 1. Juli 2015 (vgl. Urk. 7) darauf hin, dass der Versicherte weiterhin als Geschäftsführer tätig sei, was er anlässlich der Begutachtung ebenfalls nicht erwähnt habe.
2.4
Unter Bezugnahme auf einen Bericht des Medizinischen Zentrums C._ vom 25. Juni 2015 machte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. Dezem
ber 2015 geltend, dass er schwer krank und nicht arbeitsfähig sei (Urk. 14 f.).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers lässt sich aufgrund der Akten
lage wie folgt zusammenfassen:
Dem Austrittsbericht des Spitals E._ vom 22. Oktober 2009 sind die folgen
den Diagnosen zu entnehmen (Urk. 8/8/9):
-
Radiusschaftfraktur rechts
-
Metacarpaleköpfchenfraktur V Hand links
-
Hohe Fibulafraktur links
-
Riss-Quetsch-Wunde (RQW) hochfrontal links
-
Commotio cerebri
-
Nitritnegativer Harnwegsinfekt (HWI)
Es wurde weiter ausgeführt, dass der Versicherte Restaurantbesitzer sei und ihn am 11. Oktober 2009 drei männliche Personen aufgesucht hätten, nach
dem er diese zuvor gebeten habe, sein Restaurant zu verlassen. Eine Person habe ihn mit einer Pistole bedroht und diese an die linke Seite des Halses ge
drückt; die anderen hätten mit einem Baseballschläger auf ihn losgeprügelt. Es sei zu kurzer Bewusstlosigkeit und leichter Übelkeit, jedoch nicht zu Er
brechen oder einer Amnesie gekommen (Urk. 8/8/9). Die 24-stündige neuro
lo
gische Überwachung habe sich unauffällig gezeigt und der Versicherte habe prob
lemlos mobilisiert werden können. Er sei am 15. Oktober 2009 in gutem All
gemeinzustand und reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen wor
den (Urk. 8/8/10).
3.2
Nebst den im Austrittsbericht des Spitals E._ vom 22. Oktober 2009 ge
nann
ten Diagnosen (E. 3.1 hiervor) stellten die Ärzte des Medizinischen Zentrums C._ in ihrem Bericht vom 4. November 2011 eine posttrau
ma
tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) fest. Der Versicherte beklage, seit dem Überfall unter Vergesslichkeit und dauernden Kopfschmerzen zu leiden. Es seien auch Flashbacks, Herzrasen, Schweissausbrüche, Vermeidungsver
halten sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen vorhanden. Bisher hätten keine stationären oder ambulanten Behandlungen stattgefunden. Ziel sei die Reduktion der Traumatisierung und die Wiederherstellung der Arbeitsfähig
keit (Urk. 8/8/6-8).
Ergänzend wurde im Bericht vom 6. November 2012 ausgeführt, dass die Prognose aufgrund der chronifizierten Symptomatik negativ zu beurteilen sei. Aktuell erfolge eine medikamentöse Behandlung sowie jede zweite
Woche eine Psychotherapie. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht
nicht mehr zumutbar. Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei aus heutiger Sicht ausgeschlossen (Urk. 8/9/6 f.). Sodann wurde am 3. April 2013 festgehalten, dass weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die bishe
rige wie auch für angepasste Tätigkeiten bestehe (Urk. 8/20/3).
3.3
Im März 2013 begab sich der Beschwerdeführer aufgrund von Schulter
schmer
zen ins Spital F._ in Behandlung (Urk. 8/56/10). Er habe zudem über eine permanente Gefühlsstörung in drei Fingern und Kraftverlust im rechten Arm geklagt. Eine ossäre Läsion im Schultergelenk und eine neu
rologische Problematik hätten ausgeschlossen werden können (Urk. 8/56/7+9).
Stattdessen sei eine sogenannte PASTA-Läsion festgestellt und behandelt worden (Urk. 8/56/11).
3.4
Dr. med. Z._ legte am 6. Juli 2013 sein psychiatrisches Gutachten vor und diagnostizierte eine chronische posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; Urk. 8/23/9). Der Versicherte sei deswegen seit Oktober 2001 (richtig: 2009) bis heute für alle ausserhäuslichen Erwerbstätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig. Die psychische Störung habe sich chronifiziert und einen Krankheitswert mit hohem Schweregrad. Die psychiatrischen Thera
piemöglichkeiten seien ausgeschöpft worden und die Prognose auf lange Sicht ungünstig (Urk. 8/23/11).
Zur Erklärung, warum sich die Störung chronifiziert habe, wären gemäss Dr. Z._ Angaben über vorbestehende Belastungen und psychische Störun
gen wichtig. Der Versicherte zeige aber diesbezüglich eine starke psychische Abwehr, weshalb auch aus den früheren medizinischen Berichten wenig zu erfahren sei. Anhaltspunkte für den Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung mit verminderten psychischen Bewältigungsfähigkeiten würden das lebens
lange eklatante Einzelgängertum des Versicherten sowie dessen eigen anmu
tende, schizoide Denkweise und schlecht einfühlbare Affektivität bilden. Sein Vermeidungsverhalten sei extrem. Er habe schon den Spitalaufenthalt nach den Operationen abgebrochen, getraue sich nicht allein auf die Strasse, gehe nicht allein einkaufen und brauche auch für die Besuche beim Psychiater Be
gleitung. Er habe sich sozial vollends isoliert. Der Beschwerdeführer leide an einer für die posttraumatische Belastungsstörung typischen Symptomatik von ständigen Wiedererinnerungen an den Überfall, die eine psychovegeta
tive Stresssymptomatik mit Schweissausbrüchen, Herzklopfen und Atemnot auslösen würden. Häufig komme es auch zu Angstträumen mit der Folge dauernder Unruhe und Schlafstörungen. Die Ängste hätten den Grad einer Panikstörung erreicht, insbesondere untermauert durch das Stimmenhören, die Suizidimpulse und die psychovegetative Stresssymptomatik. Ferner wirke der Versicherte sehr unbeholfen, bedrückt, apathisch, verlangsamt, affektiv erstarrt und auf depressive Art resigniert. Der chronische Stress- und Er
schöpfungszustand biete keine energetischen Ressourcen für eine auswärtige Erwerbstätigkeit mehr dar. Das panikbedingte Vermeidungsverhalten erlaube allgemein keine regelmässigen ausserhäuslichen Tätigkeiten mehr (zum Gan
zen Urk. 8/23/9 f.).
3.5
Im Bericht des Medizinischen Zentrums C._ vom 14. August 2014 wurde bei fortbestehender Diagnose und Symptomen (vgl. E. 3.2) ausgeführt, dass dem Versicherten aufgrund des Ausmasses der Beeinträchtigungen eine normale, selbständige Lebensführung nicht möglich sei. Aktuell seien deutli
che Suizidideen vorhanden; eine akute Suizidalität bestehe aber nicht. We
gen der Traumatisierung könne der Beschwerdeführer an keiner gerichteten Tätigkeit teilnehmen (Urk. 8/59/7).
3.6
3.6.1
Gemäss polydisziplinärem B._-Gutachten vom 26. März 2015 besteht als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angst
störung (ICD-10 F45 [richtig: F41.1]) mit anhaltender affektiver Störung und Symptomen der Verbitterung (ICD-10 F38.8; Urk. 8/76/13). Ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit seien dagegen im Wesentlichen die folgenden Diagnosen (Urk. 8/76/13):
-
Subsyndromale, posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Steatosis hepatis (Fettleber)
-
Rezidivierende Harnwegsinfekte
-
Leichtes Impingementsyndrom der rechten Schulter bei MRI-gesicher
ter Partialruptur der Supraspinatussehne
3.6.2
Aus psychiatrischer Sicht wurde festgehalten, dass der Versicherte in der Lage sei, einer ihm körperlich zumutbaren Tätigkeit (vgl. E. 3.6.6) in einem 50%-Pensum ohne weitere Leistungsverminderung nachzugehen. Er berichte über Nachhallerinnerungen, Flashbacks, Intrusionen mit szenenhaft ablau
fenden Erinnerungen an das Überfallereignis sowie über Albträume, welche ebenfalls inhaltlich mit dem Ereignis verknüpft seien. Die Schilderung bleibe al
lerdings bemerkenswert oberflächlich und blass und werde nicht durch kata
strophierende Vegetativreaktionen oder Affektstürme begleitet. Daher müsse die von den behandelnden Ärzten wiederholt geschilderte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung in Zweifel gezogen werden. Es mangle an der Reaktion mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen. Die Schilderung der Ereignisse geschehe ausserdem nicht so, als ob der Be
schwerdeführer tatsächlich handle oder fühle, dass das Ereignis wiederkehre. Auch ein anhaltendes Vermeidungsverhalten bezüglich trauma-assoziierter Reize lasse sich nicht sicher bestätigen. Eine dauerhafte Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen Personen lasse sich ebenso wenig feststellen wie die Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern. Es zeige sich zwar ein vermindertes Interesse an Aktivitäten, aber diese Ein
schränkung sei keineswegs traumaspezifisch, sondern könne auch im Zuge der depressiven Symptomatik und Affektregulationsstörung erklärt werden. Auch anhaltende Symptome erhöhter Erregung wie Hypervigilanz seien kei
neswegs feststellbar oder einzig mit einer posttraumatischen Belastungsstö
rung erklärbar (Urk. 8/76/10+28).
Das chronische Schmerzsyndrom bleibe ohne Relevanz für die Arbeitsfähig
keit. Die sogenannten Foerster-Kriterien seien nämlich nicht hinlänglich er
füllt. Es mangle an einem ausgewiesenen sozialen Rückzug aus allen Lebens
bereichen, am Nachweis einer schwerwiegenden psychiatrischen Komorbidi
tät und an einem primären, therapeutisch unzugänglichen Krankheitsgewinn. Vielmehr sei ein sekundärer Krankheitsgewinn - eng verknüpft mit dem Ver
bitterungssyndrom des Versicherten - entscheidend, so dass eine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit aus der somatoformen Schmerzstörung nicht resul
tiere (Urk. 8/76/11+28).
Ungeachtet dessen müsse festgehalten werden, dass die anhaltende affektive Störung mit Verbitterung, Ängsten und depressiven Affekten zu einer Min
derung der Arbeitsfähigkeit führe, da damit eine deutliche Beeinträchtigung der Affektregulation, der Ausdauer und des Durchhaltevermögens verknüpft sei. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der Lage, zu einem Pensum von 50 % ohne weitere Leistungsminderung einer ihm körperlich zumutbaren Tätigkeit nachzugehen. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiter in der Gastronomie bestehe seit Oktober 2009 eine Arbeitsfähig
keit von 0 % (Urk. 8/76/11+29).
3.6.3
Aus neurologischer Sicht verhalte es sich so, dass anlässlich der Untersu
chung keine neurologischen Ausfälle hätten objektiviert werden können. Der Versicherte könne alle Tätigkeiten entsprechend seiner Ausbildung und Kenntnisse ausüben (Urk. 8/76/11+35).
3.6.4
Auch im Fachgebiet der Inneren Medizin hätten sich keine Erkrankungen gezeigt, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden. Insbesondere aufgrund der Fettleber, des leichten Übergewichts, der in der Vergangenheit aufgetretenen Harnwegsinfekte wie auch der chronischen Rückenschmerzen resultiere keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/76/11 f.+43).
3.6.5
Aus orthopädischer Sicht seien die anlässlich des tätlichen Angriffs erlittenen Knochenbrüche ohne Funktionseinschränkungen ausgeheilt. Im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule würden sich die Funktionen leichtgradig ein
geschränkt zeigen. Radiologisch seien aber auf Basis der Röntgenbilder keine dem Alter vorauseilenden Degenerationen vorhanden. Bei der Untersuchung hätten sich keine Schmerzen provozieren lassen. Klinisch würden sich auch keine Zeichen einer radikulären Ausfallsymptomatik zeigen. Aus orthopädi
scher Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Landschaftsgärtner oder auch im Service vollschichtig gegeben (Urk. 8/76/12+52).
3.6.6
Im polydisziplinären Konsens wurde festgehalten, dass der Versicherte körper
lich leichte und mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen bis zu 25 Kilogramm ausüben könne. Ihm seien Tätigkeiten einfacher geistiger Natur mit geringen Verantwortungsgraden, ohne besonderen Zeitdruck und ohne besondere Anforderungen an die Team- und Konfliktfähigkeit möglich, wobei eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 50 % vorliege. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiter in der Gastronomie könne der Be
schwerdeführer jedoch wegen der mit dem Überfall verknüpften Ängste und der eingeschränkten Team- und Konfliktfähigkeit nicht mehr verrichten; in
soweit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (Urk. 8/76/14 f.).
3.7
Mit Schreiben vom 25. Juni 2015 (Urk. 8/79) nahmen die Ärzte des Medizini
schen Zentrums C._ zum B._-Gutachten vom 26. März 2015 (vgl. E. 3.6) Stellung. Sie kritisierten, dass die Diagnose einer posttraumatischen Be
lastungsstörung anhand der DSM-5 Kriterien verworfen worden sei, was nicht statthaft sei, da die Diagnosestellungen im deutschsprachigen Raum gemäss den ICD-10 Kriterien erfolgen würden (Urk. 8/79/1). Der psychiatri
sche Gutachter habe ferner die massiven Wirkungen der Psychopharmaka zu wenig berücksichtigt und den Tagesablauf des Versicherten unvollständig eruiert. Der Beschwerdeführer sei ausserdem aufgrund des positiven und nega
tiven Leistungsbildes sowie der Traumatisierung auch für angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/79/2 f.).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, welche Beweiskraft dem B._-Gutachten vom 26. März 2015 (Urk. 8/76) zukommt und ob ein invalidisierender Ge
sundheitsschaden vorliegt (vgl. E. 2.1 ff.).
4.2
Das B._-Gutachten vom 26. März 2015 basiert auf umfassenden psychia
tri
schen, neurologischen, internistischen sowie orthopädischen Un
tersuch
ung
en. Es wurde in detaillierter Kenntnis der Vorakten erstellt (Urk. 8/76/4 ff.). Der Versicherte wurde von den einzelnen Gutachtern situa
tionsadäquat be
fragt und konnte sich insbesondere auch zu seinen aktuellen Leiden äussern, wobei seine Beschwerden sodann im Rahmen der Diagno
seerhebung Berück
sichtigung fanden (Urk. 8/76/20 ff.+31 ff.+38 ff.+ 45 ff.). Soweit möglich,
erfolgte ausserdem eine schlüssige Auseinandersetzung mit den früheren ärzt
lichen Beurteilungen (Urk. 8/76/28 f.+35+43+52). Die ge
stellten Diag
no
sen
sowie die aus medizinischer Sicht bestehenden Auswir
kungen auf die Ar
beits
fähigkeit wurden überzeugend dargelegt und erläutert (Urk. 8/76/27 ff.+35
f.
+ 42 f.+51 f.; vgl. zum Ganzen E. 1.5).
4.3
4.3.1
Der Versicherte brachte in seiner Beschwerdeschrift verschiedene Kritik
punkte am B._-Gutachten an. Er machte zunächst geltend, dass die B._ AG in Fachkreisen als versicherungsfreundliche Adresse gelte, was mit dem vorliegenden Gutachten auch klar erwiesen sei. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie, habe zudem merkwürdi
gerweise keine Depression oder Neurose festgestellt, obwohl alle Kriterien dafür erfüllt gewesen seien. Dies habe er nur getan, um einen versicherungs
freundlichen Bericht erstatten zu können (Urk. 1 S. 3; E. 2.2).
Im Raum steht somit der Vorwurf einer versicherungsfreundlichen - und in diesem Sinne voreingenommenen - Begutachtung. Es ist darauf hinzuweisen, dass sich Ausstandsbegehren stets nur gegen eine bestimmte Person, nicht aber gegen eine Gutachterstelle wie die B._ AG, richten können (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2016 vom 14. März 2016 mit Hinweis). In
des bringt der Beschwerdeführer auch gegen Dr. D._ keine konkreten Anhaltspunkte vor, welche objektiv auf eine Gefahr der Voreingenommen
heit beziehungsweise den Anschein der Befangenheit schliessen lassen wür
den. Nicht überzeugend ist namentlich der Einwand, dass Dr. D._ entge
gen den medizinischen Tatsachen keine Depression oder Neurose festgestellt habe, um einen versicherungsfreundlichen Bericht erstatten zu können. Bei den genannten Argumenten handelt es sich um unsubstantiierte Behaupt
ungen des Versicherten, welche in den medizinischen Akten keine Stütze finden (vgl. E. 3).
4.3.2
Sodann rügte der Beschwerdeführer, dass Dr. D._ trotz bestehender Not
wendigkeit kein neuropsychologisches Screening durchgeführt habe, weshalb auf sein Gutachten nicht abgestellt werden könne (Urk. 1 S. 3; E. 2.2).
Auch dieser Einwand des Versicherten geht fehl. So wird nicht näher ausge
führt, welche neuen und entscheidrelevanten Erkenntnisse ein neuropsycho
logisches Screening liefern würde und inwiefern der medizinische Sachver
halt in diesem Zusammenhang ungenügend abgeklärt worden sei. Die psy
chiatrische Untersuchung und Befundaufnahme durch Dr. D._ erfolgte unter angemessenem Zeitaufwand in umfassender und eingehender Weise (Urk. 8/76/20-27). Es ist nicht ersichtlich und wird auch vom Versicherten nicht dargelegt, in welchen Punkten diese Abklärungen unvollständig sein sollen.
4.3.3
Der Beschwerdeführer wendete weiter ein, dass Dr. Z._ korrekterweise fest
gestellt habe, dass eine posttraumatische Belastungsstörung und infolgedes
sen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege. Dessen Abklärungen seien um ein Wesentliches besser, als diejenigen von Dr. D._ (Urk. 1 S. 3 f.; E. 2.2).
Auch dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Zum einen basiert das Gutachten von Dr. Z._ vom 6. Juli 2013 (Urk. 8/23; vgl. E. 3.4) mass
geblich auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, ohne sich mit diesen in angemessener Art und Weise kritisch auseinanderzusetzen (vgl. Urk. 8/23/9 f.). Zum anderen wird hinsichtlich der diagnostizierten posttrau
matischen Belastungsstörung nicht darauf eingegangen, dass gemäss ICD-Cod
e (F43.1) der Beginn einer solchen Störung dem Trauma in aller Regel mit einer Latenz von wenigen Wochen bis maximal sechs Monaten folgt (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 9C_228/2013 E. 4.1.2 f. und 9C_687/2013 E. 4.2, jeweils mit Hinweisen) und sich der Versicherte erst nach über zwei Jahren in ärztliche Behandlung begeben hat (Urk. 8/8/6 f.). Weiter überzeugt die Schluss
folgerung, dass sich die posttraumatische Belastungsstörung chronifi
ziert habe, nicht. Dr. Z._ räumt selbst ein, dass in diesem Zusam
menhang Angaben über vorbestehende Belastungen und psychische Störun
gen wichtig seien, wobei allerdings aus den früheren medizinischen Berich
ten wenig zu erfahren sei (Urk. 8/23/9). Zudem hat er ohne genauere Über
prüfung – nament
lich ohne Blutentnahme zur Kontrolle des Medikamenten
spiegels - festgehalten, dass der Beschwerdeführer viele verschiedene Psychopharmaka einnehme (Urk. 8/23/10). Ausser Acht gelassen wird zu
sätzlich, dass bis zum Zeitpunkt der Begutachtung - wie auch bis zum heuti
gen Tag - keine sta
ti
o
näre oder anderweitig intensive psychiatrische Behandlung erfolgt ist. Wie ange
sichts all dieser Umstände von einer Ausschöpfung der psychiatrischen
The
rapiemöglichkeiten und einem chronifizierten Leiden ausgegangen werden
konnte (Urk. 8/23/11), ist nicht nachvollziehbar.
Analoges gilt im Übrigen in Bezug auf den Arztbericht des Medizinischen Zentrums C._ vom 25. Juni 2015 (Urk. 8/79), auf welchen der Be
schwer
deführer ebenfalls verweist (Urk. 14). Zusätzlich ist auf die Erfah
rungs
tatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arztpersonen und Therapie
kräfte mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Ergänzend ist sodann anzumer
ken, dass der Tagesablauf des Versicherten entgegen den Behauptungen (Urk. 8/79/2) auch hinsichtlich der Schlafprobleme vollständig festgestellt worden ist (Urk. 8/76/20 f.). Ferner ist die Beachtung von DSM-5 Kriterien zwecks Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (Urk. 8/76/28; Urk. 6/79/1) nicht unstatthaft (vgl. BGE 130 V 396 E. 6.3), wobei den kon
zep
tio
nellen Unterschieden zu den ICD-10 Kriterien gemäss bundesgericht
li
cher Rechtsprechung ohnehin durch ein strukturiertes Beweisverfahren unter Verwendung der Standardindikatoren nach Massgabe von BGE 141 V 281 Rechnung getragen werden kann (BGE 142 V 342 E. 5.2.3; siehe hierzu
E.
4.
5 unten).
4.3.4
Als Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass die Einwände des Beschwerde
führers die Beweiskraft des
B._
-Gutachtens vom 26. März 2015 (Urk. 8/76)
nicht zu schmälern vermögen. Es hat sich gezeigt, dass aus den genannten Gründen weder auf das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ (Urk. 8/23), noch auf den Arztbericht des Medizinischen Zentrums C._ (Urk. 8/79) abgestellt werden kann.
4.4
Die Beschwerdegegnerin stellte das B._-Gutachten in der angefochtenen Verfügung prinzipiell nicht in Frage, schloss allerdings aus verschiedenen Gründen darauf, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 2 S. 4).
Vorab ist festzuhalten, dass es Aufgabe der Arztperson ist, den Ge
sund
heits
zustand zu beurteilen, die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diag
nose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesund
heitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt ihr hingegen keine ab
schliessende Beurteilungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinwei
sen)
. Gemäss B._-Gutachten sei der Beschwerdeführer ausgehend von der Diag
nose einer generalisierten Angststörung in Verknüpfung mit ei
ner anhalten
den affektiven Störung und Symptomen der Verbitterung in sei
ner zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Mitarbeiter in der Gastronomie nicht mehr arbeits
fähig. Für leidensadaptierte Tätigkeiten bestehe eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit (Urk. 8/76/15+29; vgl. E. 3.6.2).
Die IV-Stelle bringt berechtigterweise vor, dass diese medizinisch-theo
retisch begründete Arbeitsunfähigkeit aus invalidenversicherungs-recht
licher Sicht nicht von Relevanz ist. Entscheidend ist dabei primär, dass psy
chische Stö
rungen gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann als
invalidisierend gelten, wenn sie schweren Ausmasses und therapeu
tisch sämt
liche in Frage kommenden Optionen ausgeschöpft worden sind
(
BGE 141 V
281
E. 4.3.1.2; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
7.2.1)
. Von einer solchen Therapieresistenz kann im Hinblick auf die im kon
kreten Fall diag
nostizierten Störungen nicht ausgegangen werden. In diesem Kontext weisen die Gutachter selbst darauf hin, dass eine Intensivie
rung der Fachbehandlung eine positive Veränderung bewirken könne (Urk. 8/76/15), denn bis anhin hat sich der Versicherte nur jede zweite Wo
che in ambulante Therapie begeben (E. 3.2). Zu seinen Ungunsten zu werten ist auch die ungenügende Mit
wir
kung im Zusammenhang mit der Kontrolle des Medikamentenspiegels an
lässlich der Begutachtung (Urk. 8/76/17+24+27+42). Allein aufgrund der an
ge
gebenen Angst vor Blut ist eine solche Untersuchung nicht als unzumutbar zu erachten (vgl. Art. 43 Abs. 2 ATSG). Auf einen erheblichen Leidensdruck kann vor diesem Hinter
grund jedenfalls nicht geschlossen werden.
Weiter gilt es zu beachten, dass sich in den Akten diverse Hinweise darauf finden lassen, dass der Beschwerdeführer durch seine Erkrankungen nicht der
art in seinem Alltags- und Erwerbsleben eingeschränkt zu sein scheint, als er im Rahmen der Begutachtung angegeben hat. Einerseits konnte er trotz Angst vor Menschenansammlungen (Urk. 8/76/20 f.) ohne Begleitung mit dem Zug zur psychiatrischen Begutachtung anreisen (Urk. 8/76/24). An
de
rer
seits lässt sich den Unterlagen entnehmen, dass sich der Versicherte nach dem tätlichen Übergriff im Oktober 2009 wieder im besagten Club in G._ aufgehalten und sich sogar als Geschäftsführer bezeichnet hat (Polizeieinvernahme vom 11. Juni 2010 S. 1; Urk. 7). Ausserdem äusserte er sich im Oktober 2010 in einem weiteren Strafverfahren dahingehend, dass er Inhaber der Einzelfirma „H._“ sei und für diese arbeite (Poli
zei
einvernahme vom 20. Oktober 2010 S. 1; Urk. 7). Sodann wurde der Be
schwer
deführer mit Strafbefehl vom 1. Juli 2015 für schuldig befunden, als Geschäftsführer des Unternehmens „I._“ am 17. Juni 2015 einen Ausländer ohne Bewilligung im Sinne des Ausländergesetzes beschäftigt zu haben (Urk. 7). Wie die Beschwerdegegnerin richtig anmerkt, steht dies in klarem Widerspruch zu den gegenüber den Gutachtern getätigten Aussagen (Urk. 8/76/24+33+41), wonach der Versicherte nach Oktober 2009 nicht mehr
erwerbstätig gewesen sei. Dessen Erwerbsbiographie - soweit sie re
konstru
ier
bar ist (vgl. auch Urk. 8/43) - und die nicht von der Hand zu wei
senden Inkonsistenzen lassen somit ebenfalls darauf schliessen, dass kein respektive kein ausreichender Leidensdruck vorliegt, der einer vollzeitlichen Erwerbs
tätigkeit im Wege stehen würde.
4.5
Der Vollständigkeit halber ist schliesslich festzuhalten, dass der im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung diagnostizierten subsyndromalen post
trau
matischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie der anhaltenden so
mato
formen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) zu Recht keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt wurde (E. 3.6.1). So wurde in Bezug auf die somato
forme Schmerzstörung - was aber auch hinsichtlich der posttrauma
tischen Belastungsstörung Geltung hat - auf die zum damaligen Zeitpunkt massgebenden Foerster-Kriterien eingegangen und festgestellt, dass diese nicht hinlänglich erfüllt seien. Namentlich wurde ausgeführt, dass es an einem ausgewiesenen sozialen Rückzug aus allen Lebensbereichen, an dem
Nach
weis einer schwerwiegenden psychiatrischen Komorbidität und an einem
primären, therapeutisch unzugänglichen Krankheitsgewinn fehle (Urk. 8/76/11+28
; E. 3.6.2). Obwohl das Bundesgericht zwischenzeitlich für
p
athogenetisch-ätiologisch unklare syndromal
e
Beschwerdebilder ohne nach
weis
bare organische Grundlage
ein
strukturiertes Beweisverfahren unter An
wen
dung von Standardindikatoren eingeführt hat, verlieren gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se an
Beweiswert (BGE 141 V 281 E.
8)
. Vor dem Hintergrund der erwähnten Befunde und gewonne
nen Erkenntnisse im Gutachten (vorstehend E. 3.6.2) ist auch unter Berück
sichtigung der nunmehr geltenden Kriterien der Rechtsprechung eine inva
lidisierende Beeinträchtigung auszuschliessen.
4.6
Zusammenfassend liegt nach dem Gesagten aus rechtlicher Sicht kein inva
lidi
sierender Gesundheitsschaden vor. Die angefochtene Verfügung vom 6. Okto
ber 2015 (Urk. 2) erweist sich damit als rechtens, weshalb die Be
schwer
de abzuweisen ist.
5.
Da es vorliegend um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen
der gesetzlichen Vorgabe (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) ermessensweise auf
Fr. 7
00.--
anzusetzen. Die Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
er
legen, infolge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Urk. 18
)
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.