Decision ID: bc7fa5f1-4375-4800-8d4e-6a6502ebcfba
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
war seit der Eintragung im Han
delsregister am
1
3.
August 2009
einziger Gesellschafter und Geschäftsführer
mit Einzelunterschrift
der
Y._
.
Die
Y._
war der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Ar
beitgeberin angeschlossen
(
Urk.
7/3)
. Mit Urteil vom 3
0.
Juni 2015
eröffnete der Konkursri
chter des Bezirksgerichts
Z._
den Konkurs über d
ie
Y._
.
Mit Verfügung des Konkursrichters vom 2
4.
Mai 2016 wurde
d
as Konkursverf
ah
ren als geschlossen erklärt. Am 2
5.
Mai 2016 wurde die
Y._
im Han
delsregister
gelöscht (
www.zefix.ch
).
Mit Verfügung vom
2
7.
Februar 2018
forderte di
e Au
sgleichskasse von
X._
Schadenersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe von Fr.
273‘060.10 (Urk. 7/879
). Die dagegen von
X._
am 2
8.
März 20
18 erhobene Einsprache (Urk. 7/882
) wies die Aus
gleichskasse mit Entscheid vom
1
7.
September
2018 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am
1
8.
Oktober 2018
Beschwerde und beantragte
die vollumfängliche
Aufhebung des angefochtenen Entscheids
und der Verfügung vom 2
7.
Februar 2018
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2
7.
November 2018
auf
Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6
), was dem Beschwerdeführer am
2
8.
November
2018 zur
Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit,
dass der Beschwerdeführer, der
von
der Gründung bis zum Konkurs Gesellschafter und Geschäftsführer
der
Y._
gewesen sei
, der
gesetzlichen Pflicht zur Zahlung der Beiträge an die Beschwerdegegnerin nicht nachgekommen sei.
Dies, obschon ihm die in
Art.
810
Abs.
2
des Obligationenrechts (
OR
)
aufgeführten, unübertragbaren und
unentziehbaren
Aufgaben
oblegen hätten
.
Dadurch sei der
Beschwerdegegnerin ein Schad
en in der Höhe von Fr. 273‘060.10
entstanden.
Hätte der Beschwerdeführer die geschuldeten Beiträge fristgerecht abgeliefert und nur so weit Löhne ausgerichtet, als
die
Beiträge
bei Fälligkeit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten. Der adäquate Kausalzusam
menhang
zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden
sei damit erstellt.
Es liege eine grobfahrlässige Missac
htung von AHV-Vorschriften vor (
Urk.
2
).
1.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
er
zwar
gemäss
Han
delsregister einziger Gesellschafter
und Geschäftsführer
der
Y._
ge
wesen sei. Die ihm in dieser Funktion obliegenden Aufgaben habe er aber
zuläs
sigerweise
an seine ehemalige Ehefrau
A._
und
an die
B._
, ein
e professionelle Treuhandgesell
schaft,
delegiert. Diese hätten das
Büro respektive die Lohnadministration und ganz allgemein d
ie Geschäftsakten ge
führt
.
In der
Auswahl, Instruktion und Überwachung seiner Beauftr
ag
ten
habe er
die nötige Sorgfalt angewandt. Dass
dennoch ein Schaden eingetreten sei
, könne ihm nicht angelastet werden. Eine grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften
könne ihm nicht vorgeworfen werden
. Damit entfalle seine pe
rsönliche Haftung (
Urk.
1
).
2.
2.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrläs
sige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, die
sen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen.
Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
2.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c).
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3.2
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG ver
wirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrich
tung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitgebers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Scha
den als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähig
keit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
Für die Frage nach dem Zeitpunkt der Schadenskenntnis, welche die zweijährige Verjährungsfrist auslöst, ist - im Falle der regelmässig massgeblichen und im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) zu veröffentlichenden Auflage des Kollokationsplanes und des Inventars - auf die tatsächliche Einsichtnahme auf dem Konkursamt abzustellen oder - sofern auf diese Vorkehr verzichtet wird - auf das Ende der Auflagefrist (BGE 121 V 234).
3.3
Gemäss
Angaben der Beschwerdegegnerin beläuft sich die Schade
nersatzforde
rung für die von 2010 bis
2015 nicht entrichteten Lohnbeiträge, Verwaltungs
kosten, Mahngebühren und Betreibungskosten auf insgesamt
Fr.
273‘
060.10
(
Urk.
2 S. 3
)
.
Dieser von der
Beschwerdegegnerin
ge
ltend gemachte Schaden
wird vom Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht nicht
(mehr)
bestritten
(Urk. 1)
. Er ist anhand der
Kassenakten
hinreichend sub
stantiiert dargelegt
(vgl.
dazu
die
Kontoauszüge vom 2
1.
Februar 2018
[
Urk.
7/879
/6-19])
, die Jahresabrechnung 2010 vom 2
4.
Juni 2013 [
Urk.
7/447], 2011 vom 2
5.
Januar 2012 [
Urk.
7/241], 2012 vom 1
4.
Januar 2013 [
Urk.
7/374], 2013 vom 2
7.
Januar 2014 [
Urk.
7/524] 2015 vom
1.
September 2015 [
Urk.
7/798] sowie die Korrekturabrechnungen für 2009 [
Urk.
7/374] und 2010 [
Urk.
7/375] und d
ie
Berichte über die Arbeitgeberkon
trollen vom 3
0.
Oktober 2012 [
Urk.
7/505] und vom
2.
September 2015 [
Urk.
7/801]).
Im
Weiteren ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin mit Erlass der
Ver
fü
gung vom 2
7.
Februar 2018 (Urk. 7/879
) die zweijährige Verjährungs
frist seit
der
Auflag
e des Kollokationsplanes und
Inventars am
1.
April 2016 eingehalten hat (vgl.
Urk.
2 S. 3 und
Urk.
7/828).
Die streitgegenständliche
For
derung ist
dem
nach nicht verjährt.
4.
4.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenverordnung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2
Nach Art. 34 Abs. 1
lit
. a AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse die Beiträge monatlich oder, bei jährlichen Lohnsummen unter 200‘000 Franken, vierteljährlich zu bezahlen. Die für die Zahlungsperiode geschuldeten Beiträge sind innert zehn Tagen nach deren Ablauf zu bezahlen (Art. 34 Abs. 3 AHVV).
Gemäss
Art. 35 Abs. 1 AHVV haben die Arbeitgeber im laufenden Jahr periodisch
Akontobeiträge
zu entrichten. Diese werden von der Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme des Beitragsjahres festgesetzt.
Gemäss
Art. 36 Abs. 4 AHVV nimmt die Ausgleichskasse den Ausgleich zwischen den geleisteten
Akontobeiträgen
und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen aufgrund der Ab
rechnung der Arbeitgeber vor. Ausstehende Beiträge sind innert 30 Tagen ab
Rechnungsstellung zu bezahlen. Überschüssige Beiträge werden von der Aus
gleichskasse zurückerstattet oder verrechnet. Die Abrechnungsperiode umfasst das Kalenderjahr
(Art. 36 Abs. 3 Satz 1 AHVV)
.
4.3
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Y._
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen ist, indem sie auf
den zwischen 2010 und
2015 ausgerichteten Löhnen die Sozialversicherungsab
gaben teilweise nicht abführte
(vgl.
Urk.
7/879)
.
Wie sich dem Kontoauszug und Kassenakten entnehmen lässt, unterliess es die
konkursite
Arbeitgeberin die Schlussrechnungen 2012 und 2013 (wie auch den Nachtrag aus dem Jahre 2010 vom
5.
Juli 2013) sowie jeweils die monatlich pauschal erhobenen Lohnbeiträge ab April 2013 bis und mit Mai 2015 zu bezahlen. Gemäss Bericht der Arbeitge
berkontrolle vom 3
0.
Oktober 2013 (
Urk.
7/505) wurde diese (vorzeitige) Kon
trolle notwendig, weil die Arbeitgeberin die notwendigen Lohndeklarationen 2010 bis 2012 trotz wiederholter Mahnungen nicht eingereicht hatte.
Die Beschwerdegegnerin sah sich deshalb veranlasst, die Gesellsch
aft wiederholt zu mahnen und Be
treibungen einzuleiten (
vgl.
Urk.
7/49
-721
)
. Die
Y._
ist ihren Zahlungs- und Arbeitgeberpflichten somit nicht nachgekommen
.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschw
erdefüh
rers zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, wel
che das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen las
sen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zu
fügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände
die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuld
haft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
5.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Scha
den nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dage
gen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer ab
weichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
5.4
Da der
Beschwerdeführer
seit
der
Eintragung im Handelsregister
am 1
3.
August 2009
einziger Gesellschafter und Geschäftsführer
der
Y._
war
(
www.zefix.ch
)
, kam
ihm
formelle Organeigenschaft zu.
G
emäss
Art. 812 Abs. 1
OR
sind die Geschäftsführer
einer GmbH
sowie Dritte, die mit der Geschäftsführung befasst sind, verpflichtet, ihre Aufgabe mit aller Sorgfalt zu erfüllen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen zu wah
ren. A
rt. 810 Abs. 2 OR enthält
einen
– im Wesentlichem der aktienrechtlichen Bestimmung von Art. 716a Abs. 1 OR entsprechenden
-
Katalog unübertragbarer und
unentziehbarer
Aufgaben. So obliegt den Geschäftsführern insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Fi
nanz
planung (Ziffer 3) und die Obera
ufsicht über die Personen, denen Teile der Ge
schäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Re
glemente und Weisungen (Ziffer 5
).
Das Gesetz verbietet zwar die Vornahme einer bestimmten Arbeits- und
Kompetenzaufteilung nicht,
die Überwachungs- und Kontrollpfl
ichten verbleiben
jedoch
bei sämtlichen Ge
schäftsführern.
Kernstück der
nicht delegierbaren Sorgfaltspflichten bildet die
Überwachungspflicht. Dazu gehört, dass sich jedes Mitglied der Geschäftsführung
laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorgfältig stu
diert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzieht u
nd Irrtümer abzuklären ver
sucht.
Die Rechtslage ist insoweit nicht anders als bei einer
Aktiengesellschaft (vgl. BGE 114 V 219 E. 4a).
5.5
Der
Beschwerdeführer
übertrug
die
Buchhaltung und Lohnadministration
der
Y._
am 2
2.
Juni 2011
der
B._
. Zudem delegierte
er gewisse
Aufgabe
n im administrativen Bereich
an
A._
(
Urk.
7/194; vgl. aber auch
Urk.
7/374,
Urk.
7/505/8 und
Urk.
7/524
)
.
Auch wenn er damit Teile der
Administration
übertragen hat, wäre er aufgrund seiner
unentziehbaren
und unübertragbaren Aufgaben
als Geschäftsführer
allerdings
verpflichtet gewesen, den Geschäftsgang
zu überwachen und
insbesondere auch
wirksame
Massnah
men zu ergreifen, damit die
Y._
ihren Zahlungspflichten
gegenüber der Beschwerdegegnerin
nachgekommen wäre.
Eine vollumfängliche Übertra
gung der Aufgaben als Geschäftsführer
an die
B._
und an
A._
war weder zulässig noch ist eine solche tatsächlich erfolgt.
Da
die ge
schuldeten Beiträge und die
betreffenden
Mahngebühren,
Verzugszinsen,
Ver
waltungs
kosten und Betreibungskosten
teilweise
über
Jahre
offen geblieben
sind
und kein konkretes Sanierungskonzept vorlag
,
ist der Beschwerdeführer
diesen
Verpflichtung
en
nicht nachgekommen
(vgl. dazu Urteil des damaligen Eidgenös
sischen Versicherungsgerichts H 34/02 vom
4.
März 2004 E. 5.2)
.
Nach der Recht
sprechung zu Art. 52 AHVG ist es – allenfalls abgesehen von kurzfristigen Aus
ständen – sodann grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn
wie vorliegend
die darauf geschuldeten
AHV-Beiträge nicht gedeckt waren
. Ein solches Verhalten ist den verantwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzurechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern die üb
rigen Haftungsvoraussetzungen ebenfal
ls erfüllt sind
(vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_311/2
015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2).
Nach dem Gesagten steht fest, dass dem Beschwerdeführer die Nichtbegleichung von Sozialversicherungsbeiträgen als grobfahrlässige Unterlassung anzurechnen ist. Exkulpationsgründe sind nicht ersichtlich.
6.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Er
folges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
6.2
Hätte die
Y._
nur soweit Löhne ausbezahlt
, als sie die
darauf ge
schul
det
en Beiträge bei Fälligkeit ebenfalls hätte
begleichen können
, wäre der Schaden
der Beschwerdegegnerin
nicht eingetreten. Zwischen dem widerrechtli
chen Ver
halten des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden ist ein adäquater Kausalzusammenhang
demnach
zu bejahen.
7.
Nach dem Dargelegten wurde der Beschwerdeführer
zu Recht verpflichtet, für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
273‘060.10
Ersatz zu leisten. Dies füh
rt zur Abweisung der Beschwerde.