Decision ID: eaa48753-8cd0-5934-9009-433e487eca2a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982,
ist gelernter Indus
trie
schm
ied
(
Urk.
8/10/3 Ziffer 3). Nach
dem er viele Jahre in seinem Beruf tätig gewesen war,
war
er
zuletzt vom
1. September 2015 bis 30. April 2018 bei
d
er
Y._
AG,
in Z._
,
als
Chauffeur
für Fahrzeugtransporte angestellt,
wobei der letzte Arbeitstag am 21. Februar 2018
war (
Urk.
8/11,
Urk. 8/22
Ziff. 2.1-2). Unter Hin
weis auf
einen seit etwa neun Jahren bestehenden Bandscheibenvorfall, Ischias und Diskus
hernie meldete sich der Versicherte am 20. Juni 2018
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3 Ziff. 6.1). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte
mit Verfügung vom 1
5.
Apri
l 2019 einen
Anspruch auf Leist
ungen der Invalidenversicherung
(Urk. 8/35)
, was mit Urteil des hiesigen Gerichts
vom 1
5.
August 2019
im Verfahren Nr.
IV
.
2019.00392 bestätigt wurde (
Urk.
8/
46
Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
Am
9.
März 2020 meldete sich der
Versicherte
erneut bei der Invaliden
versi
cherung zum Leistungsbezug an und ersuchte um Wiederaufnahme der Abklä
rungen betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
8/50). Die IV-Stelle klärte den medizinischen und beruflich-erwerblichen Sachverhalt ab und
verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/
65
;
Urk.
8/
77
,
Urk.
8/
87
)
mit Verfügung vom
2
9.
Januar 2021 einen Anspruch auf eine Invali
denrente (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
4.
März 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
9.
Januar 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die
IV-Stelle
sei zu verpflichten, ihm Leistungen nach
dem
Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung (IVG)
- namentlich berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
-
zu gewähren. Es sei die Sache zwecks Einholung eines verwaltungsexternen medizinischen Gutachtens und anschliessendem Neuentscheid an die Beschwer
de
gegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er
unter ande
rem
die
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 2
f.
).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
April 2021 (
Urk.
7) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
8.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12
). Am
2
3.
Juni 2021
reichte Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms ihre Honorarnote ein (
Urk.
13-14
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung;
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des
Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu frü
heren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine
unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens ge
nügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heits
zustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
8
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
der
Beschwer
deführer
habe sich,
nachdem sein Leistungsgesuch
am 1
5.
April 2019
abgelehnt worden sei
, erneut am 1
1.
März 2020
angemeldet.
Aufgrund der vorliegenden Berichte
sei aus psychiatrischer Sicht
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
vom 1
4.
August
2019 bis 1
7.
März 2020 nachvollziehbar.
Es liege kein verselbstän
digtes psychisches Leiden vor.
Aus somatischer Sicht sei es vorübergehend zu einer Verschlechterung der Rückenbeschwerden gekommen. Seit dem 3
0.
Juli 2020 sei dem Beschwerdeführer wieder jede körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar.
Gesamthaft sei
er
somit vom 1
4.
August 2019 bis 2
9.
Juli 2020 auch für eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig
gewesen.
Eine langdauernde Verschlechterung habe nicht stattgefunden, und die
einjährige Wartezeit sei nach wie vor nicht erfü
llt.
Eine polydisziplinäre Abklärung sei nicht erforderlich.
Da sowohl das
Valideneinkommen
als auch das Invalideneinkommen gestützt auf denselben Tabellenlohn zu berechnen seien und ein leidensbedingter Abzug nicht gewährt werden könne, bestehe bei einem
Invaliditätsgrad von 0
%
kein Rentenanspruch. Ein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe nicht. Für die Suche nach einer geeigneten Stelle sei die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV) zuständig (S.
1 ff.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass er sich nach wie vor in engmaschiger psychiatrischer Behandlung befinde und auch Psychopharmaka einnehme. Damit sei sein Gesundheitszustand noch
nicht ausreichend stabil gewesen, um überhaupt eine Langzeitbeurteilung der Leis
tungsfähigkeit vornehmen zu können
,
und die Verfügung sei in Verletzung des rechtlichen Gehörs verfrüht ergangen. Die Beschwerdegegnerin habe auch ver
säumt, beim behandelnden Psychiater einen Verlaufsbericht einzuholen (S. 6 ff.
Rz
14,
Rz
17-19).
Der rechtserhebliche Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt, und auf die Einschätzung des Arztes
des Regional
en
Ärztlichen Dienstes (RAD)
könne nicht abgestellt werden (S. 8 ff.
Rz
20-2
6
)
. Auch sei das W
artejahr erfüllt, zumal er aufgrund seiner psychischen Erkrankung über den 3
0.
Juli 2020 hinaus weiterhin in IV-relevanter Weise arbeitsunfähig sei (S. 10 f.
Rz
27-28).
Der
Sachverhalt
habe sich
seit der letzten Verfügung vom 1
5.
April 2019 sehr wohl in relevanter Weise verändert, womit auch sein Anspruch auf berufliche Mass
nahmen/berufliche Eingliederungsmassnahmen erneut zu prüfen sei. So hätten sich seine Rückenbeschwerden weiter verschlechtert
,
und seine angestammte Tätigkeit als Industriesch
m
ied und auch jede andere körperlich belastende Tätig
keit sei
en
ihm nicht mehr zumutbar. Ferner seien die psychischen Beein
träch
tigungen hinzugekommen (S. 11 f.
Rz
29-31).
Das
Valideneinkommen
sei
zu tief angesetzt worden
,
das Invalideneinkommen falsch
,
und ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20
%
sei ausgewiesen (S. 13 f
f
.
Rz
33-
43
)
.
2.
3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
berufliche Massnahmen und
auf eine Invalidenrente
und
in diesem Zusammenhang, ob seit der letzten leistungsverneinenden Verfügung
vom 1
5.
April 2019
(Urk. 8
/
35
) eine ansp
ruchsrelevante Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.
5
-
6
).
3.
Mit Urteil vom
1
5.
August 2019
bestätigte das hiesige Gericht
im Ergebnis
die
leistung
sanspruchsverneinende Verfügung vom 1
5.
April 2019 (Urk. 8
/
35).
Davon
abweichend
wurde festgehalten, dass
mange
ls fachärztlichen Berichten und
Arbeits
unfähigkeitsattesten nicht überwiegend wahrscheinlich sei, dass der Be
schwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Industrieschmied oder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur für Fahrzeugtransporte in einem rele
vanten Ausmass
dauerhaft
eingeschränkt
gewesen
sei. Aus psychischer Sicht wurde gestützt auf den Bericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie,
und
M.
Sc
.
B._
, Psychotherapeutin,
vom 2
6.
November 20
18
(
Urk.
8/23)
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Zusammen
fassend wurde der Beschwerdeführer weder im engeren Sinne
als
invalid noch
als
von Invalidität bedroht betrachtet (
Urk.
8/46 E. 4
.
2-3).
Im Folgenden
zu prüfen
ist, ob seither eine anspruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist.
4.
4.1
Im Rahmen der
Neuanmeldung
des Beschwerdeführ
ers
bei der Invaliden
versi
cherung
zum Leistungsbezug
vom
9.
März 2020
(
Urk.
8/50
) gingen die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Die Ärzte des Akutspitals Psychiatrie, Spital
C._
, stellten in ihrem Bericht vom
4.
Oktober 2019 (
Urk.
8/83) folgende Diagnosen (S. 1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Ge
brauch (ICD-10 F12.1)
-
Bandscheibenschaden, nicht näher bezeichnet
-
Bursitis
olecrani
rechts, 3
0.
September 2019
Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer sei vom 1
4.
August bis
2.
Oktober 2019 hospitalisiert gewesen (S. 1 Mitte).
Er habe berichtet, dass er nur ein geringes Selbstwertgefühl und Vertrauen habe. Er habe sich immer viel um andere ge
kümmert und seine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Nachdem er längere Zeit viel gekifft habe, habe er eine Pause eingelegt, konsumiere aber jetzt wieder. Er habe sich aus dem Sozialleben sehr zurückgezogen und keine Post mehr geöffnet. Er habe alles schleifen lassen und viele Schulden. Er lebe nur vom Existenz
minimum. Die Verschlechterung habe rückblickend vor ungefähr fünf Jahren begonnen. Ausschlaggebend sich nun zu melden sei bei ihm das Gefühl gewesen, dass es so
nicht mehr weitergehen könne
. Er habe angefangen, sich Lebe
n
s
sinnfragen zu stellen, und es seien auch Suizidgedanken aufgetreten (S. 1 Mitte).
Zum Verlauf hielten die Ärzte fest, dass sich der Beschwerdeführer gut und rasch in den Stationsalltag habe integrieren können. Er habe sowohl das einzel- als auch gruppentherapeutische Angebot der Station genutzt. In den E
inzelge
sprächen sei es vor allem
um sein Selbstwertgefühl und die aktuell belastende Situation
mit einem
Beziehungsabbruch zu seiner Freundin und ein
em negativen
Urteil des Sozialversicherungsgerichtes gegangen. Die depressive Symptomatik sei rückläufig gewesen, und der Beschwerdeführer habe angegeben, seit langem wieder über ein positives Selbstbild zu verfügen. Es hätten mehrere erfolgreich verlaufene Belastungserprobungen stattgefunden. Für die nachstationäre Zeit sei der Eintritt in die Tagesklinik ab Kalenderwoche 41 vereinbart
worden
(S. 2 Mitte).
4.3
Die
selben
Ärzte des Akutspital
s Psychiatrie, Spital
C._
,
stellten in ihrem Bericht vom 1
4.
Oktober 2019 (
Urk.
8/84) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
cho
tische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)
-
Bandscheibenschaden, nicht näher bezeichnet
Die Ärzte führten aus, dass sich der Beschwerdeführer bei Beendigung der psy
chiatrischen tagesklinischen Behandlung gemeldet und um ein Notfallgespräch gebeten habe. Er habe berichtet, dass er kurz zuvor telefonisch erfahren habe, dass seine Freundin mit ihm Schluss mache und nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Er habe Angst davor, nach Hause zu gehen,
da
er
nicht
ausschliessen
könne
, dass er sich vielleicht etwas antun würde. Er habe Angst vor dem Allein
sein. Die Ärzte führten aus, dass mit dem Patienten die Aufnahme zu einer Krisenintervention für vier Tage mit anschliessender Rückkehr in die Tagesklinik besprochen worden sei. Für die neue Diagnosestellung einer akzentuierten Per
sönlichkeit spreche das Vorhandensein von narzisstischen und
dependenten
Persönlichkeitszügen, die aber das Kriterium einer Persönlichkeitsstörung noch nicht erfüllten (S. 1). Der Patient habe am 1
3.
Oktober 2019 wie geplant austreten können, dies in einem psychisch gebesserten Zustand. Für den Folgetag sei der Wiedereintritt in die psychiatrische Tagesklinik geplant (S. 2).
4.
4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Wirbelsäulenchirurgie, Spital
E._
, stellte in seinem Bericht vom 1
1.
März 2020 (
Urk.
8/56) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Lumboischialgie
rechts
-
Massenprolaps L4/5 rechts mit kaudaler Sequestrierung
-
Fusssenkerparese
rechts
Dr.
D._
führte aus, dass er am 2
8.
Februar 2020 beim Beschwerdeführer eine mikrochirurgische
Sequestronukleotomie
L4/5 rechts mit
Neurolyse
L5 rechts
durchgeführt habe. Er sei vom 2
8.
Februar bis
3.
März 2020 bei ihnen hos
pita
lisiert gewesen. Der intraoperative Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet. Postoperativ sei der Patient unter der verordneten analgetischen Therapie rasch beschwerdearm gewesen und habe mit Hilfe der Physiotherapie regelrecht mobi
lisiert werden können. Die Wundverhältnisse hätten sich reizlos präsentiert
,
und der Beschwerdeführer habe am
3.
März 2020 in gutem Allgemeinzustand wieder nach Hause entlassen werden können (S. 1 f.).
Eine Vollbelastung sei nach Mass
gabe der Beschwerden ab sofort erlaubt, jedoch soll
te
in den nächsten Wochen auf ein rückenschonendes Verhalten geachtet und insbesondere auf das Heben und Tragen von schweren Lasten verzichtet werden
(S. 2 oben).
4.5
Die Ärzte der psychiatrischen Tagesklinik, Spital
C._
, stellten in ihrem Aus
trittsbericht vom 1
8.
März 2020 (
Urk.
8/85) folgende Diagnosen (S. 1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: Schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
-
Bandscheibenschaden, nicht näher bezeichnet
Die Ärzte führten aus, dass der Beschwerdeführer vom
7.
Oktober 2019 bis 1
7.
März 2020 bei ihnen in Behandlung gewesen sei (S. 1 Mitte). Er sei als Über
tritt aus dem stationären Behandlungssetting in die Tagesklinik gekommen. Er habe zu Beginn an vier bis fünf halben Tagen in der Woche das interdisziplinäre Behandlungsangebot, bestehend aus Gruppen- und Einzeltherapie genutzt. Im Verlaufe des Aufenthaltes habe er das Behandlungsangebot schliesslich bis auf
einen halben Tag reduziert
. Neben der weiteren Verbesserung der depressiven Symptomatik sei als Behandlungsziel vom Patienten eine Reflexion des emotio
nalen Überforderungserlebens formuliert worden. Selbstwertgefühl und Selbst
wirk
samkeitserleben sollten dabei gestärkt und gefördert werden. In Einzel
gesprächen hätten ressourcenorientierte und
supportive
Interventionen sowie die Erarbeitung einer Tagesstruktur im Vordergrund gestanden. Der Beschwerde
füh
rer sei aufgrund seiner finanziellen und beruflichen Situation immer wieder mit negativem Gedankenkreisen und Hoffnungslosigkeit in Kontakt gekommen. Er habe mehr Selbstvertrauen entwickelt, so dass es ihm zunehmend möglich ge
we
sen sei, sich Konflikten zu stellen und Grenzen zu setzen statt diese zu vermeiden. Bei Austritt sei die Stimmung des Patienten aufgehellt gewesen
,
und er habe wieder an Zukunftsperspektiven gewonnen. Das Aktivitätsniveau sei er
höht gewesen
(S. 2 Mitte)
.
Zum Prozedere hielten die Ärzte fest, dass der Beschwer
deführer durch einen
Jobcoach
bezüglich Bewerbungsprozedere betreut werde. In der Möglichkeit zur beruflichen Umschulung und somit Neuorientierung sähen sie die Chance zur Wiedereingliederung des Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Behand
lung werde in der Tagesklinik in
C._
fortgeführt (S. 2 unten).
4.
6
Dr.
F._
, Chiropraktiker, stellte in seinem Bericht vom 2
9.
Juli
2020 (
Urk.
8/63/7-8) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Lumboischialgie
rechts bei
-
Ma
ssenprolaps L4/5 rechts mit kaudaler Sequestrierung und
Fuss
sen
kerparese
rechts
-
Status nach mikrochirurgischer
Sequestronukleotomie
L4/5 rechts
Dr.
F._
führte aus, dass die letzte Kontrolle des Beschwerdeführers am 29.
Juli 2020 erfolgt sei (
Ziff.
1.1).
G
esamthaft
bestehe
eine sehr gute und recht stabile Situation.
Es bestünden R
estschmerzen
tieflumbal und eine Hypästhesie dem Fuss rechtsseitig aussenseitig folgend. Schmerzmittel würden nur noch nach Bedarf eingenommen.
Der Patient könne sich im Alltag ordentlich belasten
(
Ziff.
2.2).
Bei körperlich nicht fordernden Arbeitsbelastungen und entsprechend ange
pass
tem Arbeitsprofil bestehe eine gute Prognose (
Ziff.
2.7). Der Patient suche ein Praktikum im Bereich der Sozialpädagogik (
Ziff.
3.1). Er sei gelernter Schmied. Die körperlichen Belastungen, welche mit Metallbau
-
und Schmi
e
d
e
arbeiten einhergingen, seien ihm in Zukunft nicht mehr zuzumuten
.
D
as Tragen von Lasten, das Handling von sperrigen Gegenständen und Arbeiten in
unergono
mischen
Positionen (
Inklination sowie Arbeiten über Hüfthöhe;
Ziff.
3.3
-4
)
seien
nicht mehr zumutbar
.
In einer leidensangepassten Tätigkeit sei
er
zu 100
%
arbeitsfähig
(
Ziff.
4.1-2).
4.7
Dr.
G._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 2
0.
Januar 2021 (
Urk.
8/91/4-5) aus, dass dem Bericht des Spitals
C._
hinsichtlich des Aufenthaltes des Beschwerdeführers in der Psychiatrie vom 1
4.
August bis
2.
Oktober 2019 zu entnehmen sei, dass
er
im Verlauf gelernt habe, Hilfe anzunehmen und die depressive Symptomatik rückläufig gewesen sei. Er habe angegeben, seit langem wieder über ein positives Selbstbild zu verfügen. Der stationäre Aufenthalt vom 1
0.
bis 1
3.
Oktober 2019 sei aus nicht iv-rele
vanten Gründen (Trennung Freundin) erfolgt, wobei der Beschwerdeführer am 1
3.
Oktober 2019 wie geplant in gebessertem psychischen Zustand habe austreten können. Auch bei Austritt nach ambulanter tagesklinischer Behandlung vom
7.
Oktober 2019 bis 1
7.
März 2020 sei die Stimmung des Beschwerdeführers als
aufgehellt beschrieben worden. Er
habe
wieder an Zukunftsperspe
ktiven
ge
wonnen
,
und das Aktivitätsniveau sei erhöht gewesen.
Dr.
G._
führte aus, dass damit aus versicherungsmedizinischer Sicht von einer
deutlichen Besserung des psychischen Zustandes nach dem stationären Aufenthalt sowie der tages
klini
schen Behandlung ausgegangen werden könne
.
Bezüglich der somatisch vorgebrachten Beschwerden sei es seit der letzten Stel
lungnahme des RAD vom
3.
Dezember 20
1
8 zu einer vorübergehenden Ver
schlech
terung der
Rückenbeschwerden gekommen bei
Massenprolaps L4/5 rechts mit kaudaler Sequestrierung
und Zustand nach mikrochirurgischer
Sequestro
nu
kleotomie
L4/5 rechts mit
Neurolyse
L5 rechts. Gemäss dem Bericht von
Dr.
F._
vom 2
9.
Juli 2020 sei ein gutes postoperatives Resultat dokumentier
t
und eine gute Prognose bei nicht körperlich fordernder Arbeitsbelastungen und entsprechend angepasstem Arbeitsprofil gestellt und eine 100%ige Arbeitsfähig
keit in angepasster Tätigkeit attestiert worden.
Dr.
G._
hielt fest, dass sich aus versicherungsmedizinischer Sicht gesamthaft vom 1
4.
August 2019 bis 2
9.
Juli 2020 auch in angepasster Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ergebe. Da
nach sei wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit
gegeben
. Eine Rückkehr in eine körperlich schwere
Tä
tigkeit sei aus versicherungsmedizinischer
Sicht nicht mehr möglich. Es werde empfohlen, dem Versicherten entsprechend beizustehen.
5.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf
die Stellungnahme von
RAD-Arzt
Dr.
G._
vom 2
0.
Januar 2021 (vorstehend E.
4
.
7
)
davon aus,
dass
seit der letzten Anspruchsprüfung
k
eine
relevante
Verschlechterung
des Gesundheits
zustandes des Beschwerdeführers
stattgefunden habe und die einjährige Wartezeit eben
falls nicht erfüllt worden sei
(vorstehend E. 2.2)
.
5
.2
Was das Rückenleiden
des Beschwerdeführers
anbelangt, kann dem RAD-Arzt
Dr.
G._
gefolgt werden,
indem
er gestützt auf die vorliegenden medizinischen Berichte von
Dr.
D._
vom 1
1.
März 2020 (vorstehend E. 4.4)
und von
Dr.
F._
vom
2
9.
Juli 2020
(vorstehend E
. 4.6
) davon aus
g
ing
, dass dem Be
schwerdeführer eine körperlich schwere Tätigkeit, so auch seine angestammte Tätigkeit als Industrie
schmied, nicht mehr zumutbar sei
, hingegen in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ab Juli 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteh
e
.
So berichtet
e
Dr.
D._
von einem unproblematischen postoperativen Verlauf nach am 2
8.
Februar 2020 erfolgter mikrochirurgischer
Sequestronu
kleotomie
L4/5 mit
Neurolyse
L5 rechts. Zum Zeitpunkt des Klinikaustrittes am
3.
März 2020 war bereits eine Vollbelastung der Wirbelsäule nach Massgabe der Beschwerden erlaubt.
In der Folge bestätigte der in der gleichen Praxis wie
Dr.
D._
tätige behandelnde Chiropraktiker
Dr.
F._
in seinem Bericht vom 2
9.
Juli 2020 (vorstehend E. 4.6) eine sehr gute und stabile Situation mit ordent
licher Belastbarkeit im Alltag.
Dr.
F._
ging in einer leidensangepassten Tätig
keit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus
, hielt aber auch fest, dass die körperliche Belastung der gelernten Tätigkeit als Schmied nicht mehr zumutbar ist
.
Damit ist im Vergleich zu der letztmaligen Prüfung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers sehr wohl eine Veränderung in den tatsächlichen Verhält
nissen eingetreten, indem dem Beschwerdeführer im Vergleich zur damaligen Situation
aus somatischer Sicht
seine angestammte Tätigkeit nicht mehr zu
mut
bar ist (vgl. vorstehend E. 3).
5
.3
Als nicht überzeugend erweist sich vorliegend
die von
Dr.
G._
in seiner Stellungnahme vom 2
0.
Januar 2021 (vorstehend E. 4.7) vorgenommene und von der Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung noch ergänzte
, fachfremde
psychia
tri
sche Würdigung des Sachverhalts.
Zwar
kann
Dr.
G._
noch
dahingehend
bei
gepflichtet werden
, dass den entsprechenden fachärztlichen Berichten der psychiatrischen Abteilung des Spitals
C._
(vorstehend E.
4.2-3 und E. 4.5
)
entnommen werden kann, dass der Beschwerdeführer sowohl aus der stationären als auch aus der ambulanten Behandlung jeweils in gebessertem psychischen Zu
stand entlassen worden ist
. Jedoch darf aus diesem Umstand bei in den Berichten fehlenden Angaben zur Arbeitsfähigkeit
und zum effektiven funktionellen Leis
tungsvermögen
des Beschwerdeführers
bei
unter anderem diagnostizierter schwe
rer
depressiver Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) respektive
diagnostizierter
rezidivierende
r
depressive
r
Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
nicht ohne weitere Abklä
rungen auf eine wiedererlangte vollständige Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden.
Dies umso weniger, als ein Behandlungsabschluss noch nicht erfolgt ist
und in keinem Bericht von einer vollständigen Remission der depressiven Symptomatik die Rede ist
. So führten die Ärzte der Psychiatrischen Tagesklinik des Spitals
C._
in ihrem Austrittsbericht vom 1
8.
März 2020 (vorstehend E. 4.5) aus, dass die ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung in der Tagesklinik fortgeführt werde.
Soweit die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer nach Austritt aus der Tagesklinik aus psychischer Sicht vollumfänglich arbeitsfähig
ist
und kein verselbständigtes psychisches Leiden
vorlieg
t
, entbehren diese Schluss
folgerung
en
einer fachärztlichen Grundlage.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass
ein Patient mit einer schweren depressiven Episode nahezu nicht in der Lage ist, soziale sowie häusliche und berufliche Akti
vitäten fortzuführen (vgl. klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg., 10. überarbeitete Auflage, Bern 2015 S. 174),
weshalb hier umso mehr weitere Abklärungen zum tatsächlichen Leistungsvermögen erforderlich gewesen wären.
Bei dieser Ausgangslage erweist sich eine zuverlässige Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes de
s
Beschwerdeführer
s
und dessen Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit als nicht möglich.
5
.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5
.
5
Aufgrund des Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenü
ge
nd abgeklärt, insbesondere
hinsichtlich der psychiatrischen Problematik
,
wes
halb sich
zur Beurteilung, inwiefern sich der gesundheitliche Zustand des Be
schwer
deführers seit der letzten Prüfung seines Rentenanspruchs
insgesamt
ver
än
dert hat,
zumindest
eine
psychiatrische
Begutachtung aufdrängt.
Im Weiteren ist die Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass eine Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, wie sie beim Beschwerdeführer nun aus somatischer Sicht vorliegt (vgl. vorstehend E. 5.2)
,
zumindest einen Anspruch auf
Berufsberatung
nach
Art.
15 IVG
begründe
n kann
.
Bei der Festlegung der Vergleichseinkommen
und der Bemessung des Invaliditätsgrades
ist dem Um
stand, dass die gelernte
und
langjährig ausgeübte
Tätigkeit nicht mehr
zumutbar ist
, Rechnung zu tragen (vgl.
Urk.
2 S. 3)
.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2)
ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entscheid über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Inva
lidenversicherung
- insbesondere auch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen -
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Nach § 34 Abs. 3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der Rechtsvertr
eterin
de
s
Beschwerdeführer
s
reichte am
23
.
Juni
20
21
ihre Honorarnote ein
. Der geltend gemachte Aufwand von
14.70
Stunden zuzüglich
Fr.
316.95
Barauslangen ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
nicht
angemessen
,
insbesondere aufgrund der Tatsache, dass
sie
den Beschwerdeführer schon im
Vorbescheidverfahren
vertr
eten hat
(
Urk.
8/77,
Urk.
8/87)
und die Akten somit bekannt waren. Sodann entspricht die Beschwer
deschrift
teilweise
der Einsprache vom
1
6.
Dezember 2020, wobei die Aufwen
dungen zur Satzumstellung
und Wiederholungen
nicht berücksichtig
t
werden können
.
Die geltend gemachten Barauslagen wurden sodann nicht näher begrün
det.
Angesichts der zu studierenden Aktenst
ücke der Beschwerdegegnerin, de
r
Auf
wendungen im Zusammenhang mit der
Rechtsschrift
und
im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsver
tretung
und de
s zu erwartenden Zeit
aufwands beim
Studium des vorliegenden Urteils
sowie
angesichts
der in ähn
lichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsanw
ältin Stephanie C. Elm
s
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
2
20
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'
6
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweisen sich die Gesuche des Beschwer
deführers um unentgeltliche Rechtsvertretung und Prozessführung (Urk. 1 S. 3) als
gegenstandslos
.