Decision ID: ef6ef648-1dbd-410f-8835-0f8615f0aab4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, war von
Jul
i 201
3
bis Ende Dezember 2015 (letzter effektiver Arbeitstag: 1
4.
August 2015) als
Verkäuferin in der
Z._
in einem 100%-Pensum angestellt
(
Urk.
7/
5/1,
Urk.
7/42
).
Nachdem die Versicherte am
9.
November 2016
im Auftrag ihrer Krankentag
geldversicherung
von
ihrem Coach
zur Früherfassung gemeldet w
o
rde
n war
(
Urk.
7/3)
und die
Krankentaggeldversicherung ihre Akten eingereicht hatte (
Urk.
7/5)
, mel
dete sich die Versicherte am
3.
Januar 2017 (Eingangsdatum) bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf
verschie
de
ne
bestehende psychische Probleme zum Bezug von Leistungen der Invaliden
ver
sicherung an (Urk.
7
/13).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher Hin
sicht vor
,
holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versich
er
ten (IK-Auszug; Urk. 7/18) ein
und ersuchte die Arbeitgeberin um Aus
künfte (Arbeit
ge
ber
fragebogen vom 21. Januar 2018; Urk. 7/42)
. Zur Klärung beruflicher Ein
gliederungs
mass
nahmen fand am
9.
Februar 2017 bei der IV-Stelle
erstmals
ein per
sön
liches Gespräch statt (Urk. 7/74 S. 4). Die IV-Stelle gewährte de
r
Versicherten
im Rahmen der Früh
in
tervention
Kostengutsprache für
eine Potenzialabklärung vom 2
0.
Novem
ber bis 1
5.
Dezember 2017, durchgeführt von der
A._
(
vgl. Schreiben vom
9.
No
vem
ber 2017,
Urk.
7/28)
, sowie an
schliessend für die Zeit vom 1
8.
Dezember 2017 bis 1
7.
März 2018 ein Belast
bar
keitstraining (vgl. Mitteilung vom 1
3.
Dezember 2017,
Urk.
7/33).
In der Folge übernahm die IV-Stelle die Kosten für ein sechs
monatiges Aufb
autraining vom 1
8.
März bis 17.
Sep
tember 2018 (vgl. Mitteilung vom 1
4.
März 2018,
Urk.
7/47)
. Aufgrund des positiven Verlaufs gewährte die IV-Stelle schliesslich Kostengut
sprache für
ein Arbeitstraining im ersten Arbeits
markt vom 1
8.
September 2018 bis 1
7.
März 2019 (vgl. Mitteilung vom 4. Sep
tember
2018,
Urk.
7/64)
. Am 1
1.
Januar wurde das Arbeitstraining abgebrochen und die Rentenprüfung ein
geleitet
(vgl. Mitteilung vom 1
8.
Januar 2019,
Urk.
7/73).
Während den Ein
glie
de
rungsmassnahmen sprach die IV-Stelle jeweils Taggelder zu (
Urk.
7/37,
Urk.
7/39,
Urk.
7/49
,
Urk.
7/51
,
Urk.
7/
6
7
,
Urk.
7/69
), letztmals für den
1
1.
Januar 2019
(
Urk.
7/73
).
Nach Einsicht in den Schlussbericht Arbeitstraining der Fachpersonen
der
A._
vom 1
5.
Januar 2019 (
Urk.
7/72; vgl. auch die vorangegangenen Berichte vo
m
4.
September 2018 [
Urk.
7/66], vom 1
5.
Juni 2018
[
Urk.
7/63
], vom
2.
März 2018
[
Urk.
7/45
] und vom
13. De
zember 2017
[
Urk.
7/35
]) sowie das Verlaufs
protokoll Eingliederungsberatung vom
1
8.
Januar 2019
(
Urk.
7/74
) vervoll
ständigte die IV-
Stelle die ihr vorliegenden Akten
und
nahm me
di
zinische Abklä
rungen vor, zog die
Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk.
7/76
) und holte den Bericht des behandelnden Arztes (Urk. 7/77) ein. Ge
stützt auf die ab
schliessende Stel
lung
nahme von
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt für Psychia
trie und Psycho
therapie sowie Arzt des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes (RAD; vgl. Feststellungs
blatt,
Urk.
7/83) verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vor
bescheid
-
ver
fahren (Vor
bescheid vom 1
0.
Mai 2019 [Urk.
7/84], Einwand vom 7.
Juni 2019 [
Urk.
7/88] und
5.
Juli 2019 [
Urk.
7/91])
mit Verfügung vom 2
9.
Juli 2019
einen Anspruch auf eine Rente der Invali
den
versicherung (Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 12. September 2019 (Urk. 1) Be
schwer
de und beantragte, die angefoch
tene Verfügung vom 29. Juli 2019 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihr ab Juli 2017 eine ganze Invali
den
rente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung,
was sie
mit
der Einkommens- und Unterstützungs
bestäti
gung
des Sozialzentrums
C._
substanziierte
(vgl.
Urk.
3).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
1
.
Oktober 2019
(Urk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde
, was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Ver
fügung vom
22
.
Oktober 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete
versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
kra
n
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kul
turelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund tre
ten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fach
ärzt
lich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare an
dau
ernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleich
ba
ren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Stö
rungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begut
achtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 29. Juli 2019 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
degegnerin fest, medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass die aus
ge
wie
se
nen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirk
un
gen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Zwar sei eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch psychosoziale Belastungen (Unfall, gewalttätiger Mann, Inhaftierung und die an
schliessenden Drohungen, Aufenthalt im Frauenhaus, wechselnde Wohn
situa
tio
n) nachvollziehbar, hierbei handle es sich aber um eine vorübergehende, be
handel
bare Einschränkung respektive um keine langandauernden Einschrän
kun
gen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 12. Sep
tember 2019 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
sie sei den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation mit den Ängsten und der ständigen inneren Anspannung nicht gewachsen. Die Einschätzung des RAD überzeuge nicht. Die diagnostizierte Panikstörung zusammen mit der rezi
divierenden depressiven Störung und der differenzialdiagnostisch vermuteten kom
binierten Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen
und emotionalen Zügen seien geeignet,
einen langandauernden invalidisierenden Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu bewirken.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die psychischen Beschwerden eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit zu begründen vermögen und die Beschwerdeführerin ab dem
1.
Juli
2017
bzw. ab Ende des Taggeldbezugs
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat
.
3.
3.1
Seit dem 2
0.
August 2015 war die Beschwerdeführerin
in
psychiatrische
r
Behand
lung in der
D._
(2 x wöchentlich), wo eine mittelgradige depressive Epi
so
de mit somatischem Syndrom diagnostiziert
und bei guter Prognose eine 100%
ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
wurde (vgl. Ärztliches Zwi
schen-/
Schluss
zeugnis - Krankentaggeldversicher
ung vom 1
9.
November 2015, Urk.
7/5/2f.). In der Fol
ge veranlasste die Krankentaggeldversicherung eine psychiatrische Begut
ach
tung bei
Dr.
med.
E._
, Psychiatrie und Psycho
therapie FMH,
über welche am
1
8.
Dezember 2015
berichtet wurde
(
vgl.
Urk.
7/5/4-10).
Der psychia
trische Gut
achter
konstatierte, im Zusammenhang mit Lebensproblemen sie es bei
der Beschwerdeführerin mehrmals zu depressiven Episoden gekommen (16-jä
hrig, zweimal während der
ersten
Ehe). Seit August 2015 stecke sie erneut in einer depressiven Episode, welche durch einen Streit mit der Tochter ausgelöst worden sei und auf den die Beschwerdeführerin mit Zerstörungswut reagiert habe. Die Beschwerdeführerin habe aber von einer bereits vorher bestehenden psychischen Belastung berichtet. So sei sie unruhig gewesen und habe die Anwesenheit vieler Leute kaum ausgehalten.
Dr.
E._
stellte fest, die Beschwerdeführerin sei im privaten Lebensbereich eingeschränkt und erledige den Haushalt nur teilweise selbständig, beim Einkaufen sei sie auf die Hilfe ihres Ehemannes angewiesen
. Im Zusammenhang mit der Anwesenheit ihrer Kinder reagiere sie oft nervös, was sich mit einer mittelgradigen depressiven Episode vereinbaren lasse. Der psychia
trische Gutachter
hielt
eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mit
tel
gradige Episode (ICD-10: F33.1), familiäre Schwierig
keiten (I
CD-10: Z63) sowie Probleme wegen negativer Kindheitserlebnisse
(ICD-10: Z61)
fest und attestierte ihr b
is Ende 2015 eine vollständige Arbeitsun
fähig
keit
. A
b Januar 2016 sei sie wieder
zu
40
%
a
rbeitsfähig. Die weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei noch unsicher, die Prognose sei langfristig jedoch gut
.
Dr.
E._
ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin ab Mitte Februar 2016 wieder im vorherigen Aus
mass arbeitsfähig sei
n werde
.
3.2
Am 1
7.
Februar 2016 begab sich die Beschwerdeführerin mit Unterbauch
schmer
zen und
Hypermenorrhoe
ins
F._
, wo die Diagnose eines Uterus
myomatosus
gestellt und
am 8. März 2016
ein operativer Eingriff
durchgeführt
wurde (vgl.
Urk.
7/5/11f.).
Bei persistierenden Schmerzen
wurde am 15.
April 2016
eine
Revision
des
rezidivierend
infizierte
n
Wundhämatoms im Berei
ch der
Myo
menu
kleation
durchgeführt (vgl.
Urk.
7/5/15)
. In gutem Allgemeinzustand und bei reizlosen Wundverhältnissen wurde die Beschwerdeführerin am 2
0.
April 2016 nach Hause entlassen. Die Ärzte attestierten ihr bis am 1
5.
Mai 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urk.
7/5/14).
3.3
Seit Ende April 2016 war die Beschwerdeführerin bei
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Behandlung. Dieser
be
richtete, die aktuelle Krankheitsphase habe im August 2015 in Form von Angst
zuständen als Folge von Problemen am Arbeitspla
tz
begonnen. In der Folge habe sie sich in ambulante psychiatrische Behandlung (
D._
) begeben. Die im März 2016 aufgetretene gynäko
lo
gische Problematik und Behandlung seien für die Beschwerdeführerin sehr traumatisierend gewesen und hätten zur Ent
wicklung von
teils hypochondrischen, teils panikartigen
Ängsten
geführt. Nach
dem sich im Mai 2016 eine gewisse Stabilisierung abzuzeichnen
begonnen habe
, sei die Situation in der Ehe eskaliert und es sei zu häuslicher Gewalt seitens des Ehe
mannes gekommen. In der Folge sei die Beschwer
de
führerin ins Frauenhaus gezogen
und es sei zu einer akuten Verschlec
hterung der panikartigen Ängste
gekommen
.
Es folgten die Trennung im Juni 2016 sowie die 90-tägige Inhaf
tie
rung des Exmannes.
Dr.
H._
hielt in seinem Arzt
bericht vom 2
2.
Juli 2016 (Urk.
7/5/19-22) ein vermindertes Durch
halte
vermögen, mangelnde Ener
gie, De
pres
sivität und Ängste sowie verminderte Konzentrations- und Ge
dächt
nis
leis
tungen fest.
Er diagnostizierte eine An
pas
sungs
störung (ICD-10: F43.2), eine Panik
störung (ICD-10: F41.0) sowie eine ak
zen
tuierte Persönlich
keits
struktur (ICD-10: Z73.1), differenzial
diagnos
tisch eine Persönlichkeits
störung (ICD-10: F6). Gegenwärtig bestehe deshalb eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit. Mit einer Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit könne aber gerechnet werden.
3.4
In seinem Verlaufsbericht vom 2
4.
Februar
2019 (
Urk.
7/77) konstatierte Dr.
H._
, trotz gewisser Besserungen würden nach wie vor eine ausgeprägte Sensi
bi
lität, Stimmungsschwankungen betont
in
Richtung Depressivi
tät bzw.
ge
legent
lich in Richtung Reizbarkeit/Aggressivität, eine wechselnde Konzen
tra
tion, Ge
dächt
nis
defizite, Angstzustände, ein wechselnd
er A
ntrieb, Überfor
de
rungs
gefühle sowie bereits nach alltäglichen Belastungen und insbesondere bei sozia
len Begeg
nung
en
Ängste, teils verbunden mit Panikattacken, bestehen. Hier
aus resultier
t
en eine Selbstunsicherheit und ein Vermeidungsverhalten
.
Des Weite
ren würden immer noch Ängste vor ihrem Exmann bestehen, insbesondere im Zu
sammen
hang mit seiner vermuteten
Hafte
ntlassung, da er ihr in der Vergan
gen
heit ange
droht habe
sie umzubringen.
Belastend und die depressive Sympto
matik ver
stärkt hätten ausserdem der Tod ihres Vaters im Sommer 2017
, die Ver
dachts
diagnose eines malignen Leberzellkarzinoms bei ihrem Bruder im August 2018 sowie der Taxiunfall im Dezember 2018 in der Türkei, bei dem ihre Tochter in ihrer Anwesenheit schwer verletzt wurde und anschliessend notfall
mässig habe operiert werden müssen. In diesem Zusammenhang habe sich eine rückläufige Leistungsfähigkeit gezeigt und die Beschwerdeführerin habe sich zunehmend
über
fordert gefühlt.
Es würden Einschränkungen bezüglich Kon
zen
tration und Aus
dauer sowie bezüglich der psychophysischen Belastbarkeit ein
schliesslich Ängste
vor anderen Menschen bestehen. Auf dem freien Arbeits
markt liege ent
sprechend weiterhin keine Arbeitsfähigkeit vor.
Im geschützten Bereich seien der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit von 4 Stunden zumutbar.
Auf
grund der
chro
ni
fizierten
Problema
tik und des bisherigen Therapieverlaufs äusserte Dr.
H._
Zweifel an einer höheren Arbeitsfähigkeit.
3.5
Im Rahmen einer aktenbasierten Einschätzung hielt RAD-Arzt
Dr.
B._
am 1
0.
April 2019 (vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
7/83 S. 5) fest, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit liege kein die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkender Ge
sundheitsschaden vor. Eine vorübergehende gesundheitliche Einschränkung auf
grund der ausgeprägten psychosozialen Belastung (gewalttätiger Mann, Heirat 2015, im Verlauf Inhaftierung und anschliessende Drohungen, Aufenthalt im Frauenhaus, wechselnde Wohnsituation, Autounfall in der Türkei) sei nach
voll
ziehbar. Der Abbruch des Arbeitstrainings sei wegen der belastenden Situation eines Autounfalles während des Urlaubaufenthaltes in der Türkei erfolgt
.
4.
Gemäss vorliegender Aktenlage bestehen divergente Beurteilungen darüber, ob der diagnostizierten rezidivierenden depressiven Episode, gegenwärtig leicht-bis mittelgradig, sowie der Panikstörung ein invalidenversicherungsrechtlich rele
van
ter Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit zukommt. Wohl ergeben sich aus den Berichten von Dr.
H._
wenig Angaben zu den objektiven Befunden und lassen sich die Diagnosen anhand seiner Ausführungen nicht nachvollziehen, zumal er wieder
holt über schwierige soziale Umstände berichtet und seine Aus
führungen eine Abgrenzung zu
einer psychiatrischen Diagnose missen lassen. Indes beruht die Stellungnahme des RAD auf keiner persönlichen Untersuchung und konnte sich auch der psychiatrische Facharzt lediglich auf die unzuläng
lichen Befunde des behandelnden Psychiaters abstützen.
Ferner wurde das Ar
beits
pensum im Rahmen des Arbeitstrainings aufgrund des psychischen Zustands der Beschwerdeführerin bereits im Oktober 2018, und damit vor dem Unfall im Dezember 2018,
vorübergehend
von vier auf drei Stunden täglich red
uziert. Die Arbeits
fähigkeit wu
rde auf unter 50
%
geschätzt (vgl. Abschlussbericht vom 15. Ja
nuar 2019, Urk. 7/72).
Angesichts der
bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (E.
1.2) darf auf
grund der Diagnose
n
, vor
liegend immerhin (auch) eine mittel
gradige rezidivie
ren
de depressive Episode, und des Zeitablaufs nicht (mehr) ohne
wei
teres auf Thera
pier
barkeit geschlossen bzw. die invalidenversiche
rungs
recht
liche Relevanz ver
neint werden.
Schlüssige medizinische Ausführungen, die eine zuverlässige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 erlauben würden, liegen hier nicht vor. Die Prüfung der invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Beeinträchtigungen ist nicht mög
lich, da sich die gegebenen Arztberichte sowie die Stellungnahme des RAD
Arztes nicht ein
gehender dazu äussern. Eine Auseinandersetzung der Beschwer
de
gegnerin mit den
rechtsprechungsgemäss massgebenden Standard
indika
toren bezüglich einer all
fälligen psychischen Beeinträchtigung fand nicht statt. Es ist nicht auszu
schliessen, dass die diagnostizierte mittelgradige rezidivierende de
pressive Stö
rung sowie die Panikstörung ein Ausmass erreicht haben, das invalidenversiche
rungsrechtlich relevant ist.
Solange aber Anhaltspunkte für eine psychiatrische Erkrankung vorliegen und weitere Sachverhaltsabklärungen mög
lich sind, darf
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 61
lit
. c ATSG)
die Folge der Beweislosigkeit für einen invalidenversicherungsrechtlich rele
van
ten Gesund
heitsschaden nicht greifen
(vgl.
BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117
V 261 E.
3b S. 264 mit Hinweis)
.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Ent
scheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
insbesondere
wenn mit dem an
ge
fochtenen Ent
s
cheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt un
genügend fest
gestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
ver
sicherungsgericht,
GSVGer
).
Zur abschliessenden Klärung sind weitere medi
zi
nische Angaben not
wendig. Die Sache ist daher an die Beschwerde
gegne
rin zurückzu
weisen, damit sie weitere medizinische Abklärungen, jeden
falls ein psychiatri
sches Gutachten, einhole. Gestützt auf diese Abklärungen wird sie in
Berück
sichtigung des gesund
heitlichen Verlaufs erneut über die Sache zu ent
scheiden haben.
5.
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos.