Decision ID: 44e986df-2dcd-447c-90d7-a843ca067f85
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keine Berufsausbildung
absolviert. Seit dem Jahr 1992 arbeite sie als B._ in einem Café. Der Arbeitgeber, der
sein Geschäft per 31. Dezember 2004 aufgegeben hatte, hatte gegenüber der
Arbeitslosenversicherung am 1. Januar 2005 einen Monatslohn von 3’100 Franken
ohne einen 13. Monatslohn bescheinigt (IV-act. 13). Im März 2006 fand eine Abklärung
im Haushalt der Versicherten statt (vgl. IV-act. 34). Dabei gab die Versicherte an, sie
habe im Jahr 199_ ihr erstes Kind und im Dezember 200_ Zwillinge geboren, sei aber
bis zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber im Zusammenhang
mit der Geschäftsaufgabe per Ende 2004 weiterhin erwerbstätig gewesen. Das Pensum
habe ab Sommer 2004 bloss noch etwa 40 Prozent betragen. Wegen der schwierigen
wirtschaftlichen Situation der Familie müsste sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung
weiterhin „in grossem Masse“ erwerbstätig sein. Der Abklärungsbeauftragte hielt fest,
ein Vollpensum wäre nicht möglich, da die Kinder dafür fremdplatziert werden müssten,
was sich wirtschaftlich „kaum rechne“. Die Versicherte müsse gesamthaft betrachtet
als zu je 50 Prozent ausserhäuslich erwerbstätig und im Haushalt tätig qualifiziert
werden.
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Zentralschweiz am 26. April 2007
ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 37). Die Versicherte hatte gegenüber den Sach
verständigen unter anderem angegeben, dass sie ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin vollzeitig erwerbstätig wäre und die drei Kinder
von einer Tagesmutter fremdbetreuen lassen würde. Im Jahr 199_ sei sie, damals im
siebten Monat schwanger, durch eine Briefbombe verletzt worden. Die Hintergründe
des Attentates seien nie geklärt worden. Wahrscheinlich bestehe ein Zusammenhang
zu den hohen Schulden, die der Ehemann bei Landsleuten eingegangen sei, nachdem
A.b.
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er von einem Landsmann über das Ohr gehauen worden sei. Die Familie lebe seither
sehr zurückgezogen. Die Versicherte habe keine Verwandten in der Schweiz. Sie fühle
sich deshalb sehr allein. Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an
einer residuellen posttraumatischen Belastungsstörung nach einem
Briefbombentrauma, an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit teils
somatogener und teils psychogener Ursache, an einem chronischen panvertebralen
Schmerzsyndrom sowie an einem lumbo-radiculären Reizsyndrom L5 links.
Vorwiegend aus rheumatologischen Gründen sei ihr die angestammte Tätigkeit als
B._ nicht mehr zumutbar. Für die Tätigkeit im eigenen Haushalt sei ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 Prozent zu attestieren. Auch diesbezüglich seien primär
die rheumatologischen Beeinträchtigungen massgebend. Unter Ausblendung des
akuten lumbo-radiculären Reizsyndroms L5 links wären der Versicherten
leidensadaptierte Tätigkeiten zu 40 Prozent zumutbar. Zurzeit sei die Versicherte aber
wegen der lumbo-radiculären Symptomatik selbst für körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten als vollständig arbeitsunfähig zu qualifizieren. Im Mai
2007 notierte ein Arzt des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD), das
Gutachten der MEDAS Zentralschweiz sei überzeugend, weshalb davon auszugehen
sei, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten durch die im
rheumatologischen Teilgutachten empfohlene konservative Behandlung des lumbo-
radiculären Syndroms innerhalb eines halben Jahres so verbessern werde, dass diese
dann zu 40 Prozent arbeitsfähig für leidensadaptierte Tätigkeiten sein werde (IV-act.
38).
Der Hausarzt Dr. med. C._ attestierte im Februar 2008 eine seit Januar 2005
bestehende Arbeitsunfähigkeit von 60 Prozent für die angestammte Tätigkeit als B._
(IV-act. 40). Die RAD-Ärztin Dr. med. D._ notierte im Mai 2008 (IV-act. 41), der
Hausarzt attestiere „jetzt“ eine Arbeitsfähigkeit von 40 Prozent sowohl für die
angestammte als auch für leidensadaptierte Tätigkeiten, was sich mit der Einschätzung
der Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz decke. Die Ärzte seien sich nicht
einig darüber, ob die Tätigkeit als B._ eher geeignet oder ungeeignet sei, aber
vermutlich sei ein bekanntes und wohlwollendes Umfeld wichtiger als die Frage der
Kilogrammbelastung. Also sei von einer Arbeitsfähigkeit von 40 Prozent für die
angestammte und für eine leidensadaptierte Tätigkeit auszugehen. Mit einer Verfügung
A.c.
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vom 8. Dezember 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem 1. Oktober 2004
eine Dreiviertelsrente, ab dem 1. März 2007 eine ganze Rente und ab dem 1. Mai 2008
eine Dreiviertelsrente zu (IV-act. 88). Zur Begründung führte sie an, die Versicherte sei
als Vollerwerbstätige zu qualifizieren. Da sie sowohl in der angestammten als auch in
jeder anderen leidensadaptierten Tätigkeit zu 40 Prozent arbeitsfähig sei, könne der
Invaliditätsgrad ausgehend vom zuletzt erzielten Lohn als Valideneinkommen und als
Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens anhand eines
Prozentvergleichs ermittelt werden. Er betrage 60 Prozent. Da die Versicherte von
Dezember 2006 bis Februar 2008 vollständig arbeitsunfähig gewesen sei, bestehe für
die Zeit vom 1. März 2007 bis zum 30. April 2008 ein Anspruch auf eine ganze Rente.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Im April 2019 ersuchte Dr. C._ unter Hinweis auf eine Verschlechterung der
psychischen Situation nach einem cerebro-vaskulären Insult des Ehemannes für die
Versicherte um eine Rentenerhöhung (IV-act. 103). Die IV-Stelle forderte die Versicherte
im Juli 2019 auf, selbst ein schriftliches Erhöhungsgesuch zu stellen und eine
wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes nach der Rentenzusprache
glaubhaft zu machen (IV-act. 104). Am 20. August 2019 beantragte die Versicherte eine
Rentenerhöhung (IV-act. 105). Sie reichte verschiedene Arztberichte ein, laut denen sie
im Mai 2019 an der Nase operiert worden war (IV-act. 106 ff.). Der RAD-Arzt Dr. med.
E._ notierte im Oktober 2019, der Hinweis des Hausarztes auf eine Verschlechterung
des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten sei nicht „von vorneherein
unglaubhaft offenkundig“; in den vergangenen Jahren könne sich der
Gesundheitszustand zudem in verschiedener Hinsicht verändert haben. Auf das
Revisionsgesuch sei einzutreten. Die Versicherte müsse eingehend medizinisch
begutachtet werden.
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
am 25. Februar 2020 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 122). Der internistische
Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einem metabolischen Syndrom, an
einer präklinischen Hypothyreose sowie an einem deutlichen Vitamin D-Mangel. Keine
dieser Diagnosen schränke die Arbeitsfähigkeit ein. Der rheumatologische
Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an einem chronischen,
therapieresistenten, linksbetonten lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom sowie an
A.e.
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einem – sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden – chronischen multilokulären
Schmerzsyndrom. Sie habe Kniegelenksbeschwerden links beklagt, aber weder in
vorhergehenden Untersuchungen noch in der aktuellen Untersuchung habe ein
eindeutig fassbares patho-anatomisches Korrelat gefunden werden können. Bei der
klinischen Untersuchung habe die Versicherte immer wieder plötzlich stark gestöhnt
oder sogar aufgeschrien. Die Waddell’schen Zeichen seien allesamt „eindrücklich“
positiv gewesen. Der eigentliche objektive Status sei nur bezüglich einer gewissen
schmerzbedingten Bewegungseinschränkung der Lateralflexion und der Reklination der
Lendenwirbelsäule auffällig gewesen. Die angeblich regelmässig eingenommenen
Schmerzmedikamente hätten in der Laboranalyse nicht nachgewiesen werden können.
Unter Berücksichtigung der spärlichen Aktenlage könne auf der Basis des ersten
Gutachtens vom April 2007 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte
Tätigkeit als B._ attestiert werden. Leidensadaptierte Tätigkeiten seien der
Versicherten aus rheumatologischer Sicht während sieben bis acht Stunden pro Tag
zumutbar. Der Arbeitsfähigkeitsgrad betrage 80 Prozent. Mangels einer „Vorevaluation“
bezüglich des Bewegungsapparates in den vergangenen Jahren gelte diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung seit spätestens Dezember 2019, dem Zeitpunkt der
aktuellen Untersuchung. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, die Versicherte
habe angegeben, dass es ihr nach dem Bombenanschlag schlecht gegangen sei, dass
sie damals über eine lange Zeit immer wieder an das Ereignis habe denken müssen,
dass sie Albträume und lebhafte Erinnerungen gehabt habe, dass diese Symptome nun
aber schon seit Jahren nicht mehr bestünden. Diese Ausführungen habe die
Versicherte sachlich und ohne eine erkennbare emotionale Beteiligung gemacht. Der
objektive klinische Befund sei unauffällig gewesen. Der Affekt sei nicht depressiv
gewesen. Der Antrieb sei normal gewesen. Die Versicherte habe eine ausgeglichene
Stimmungslage und eine gute affektive Modulationsfähigkeit gezeigt. Diagnostisch
leide sie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, die sich allerdings nicht
auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Die Versicherte habe nie eine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen. In der aktuellen
Untersuchung hätten sich deutliche Hinweise auf eine Aggravation gezeigt. Die
Versicherte habe alle Fragen zu „jedweden Beschwerden“ klar bejaht und sich deutlich
schmerzgeplagt gezeigt, was sie durch eine ausgeprägte Mimik unterstrichen habe. Die
Versicherte versorge ihren Haushalt ohne Einschränkungen und sie habe über eine
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gewisse Freizeitgestaltung berichtet, die offenbar nicht von erheblichen Schmerzen
beeinträchtigt sei. Die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung sei deutlich weniger
stark ausgeprägt als noch im Jahr 2007. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in
der Lage, in ihrer angestammten Tätigkeit ein Pensum von sechs bis sieben Stunden
zu verrichten. Der Arbeitsfähigkeitsgrad betrage 75 Prozent. Für eine leidensadaptierte
Tätigkeit sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent zu attestieren, wobei allerdings
nicht genau bestimmt werden könne, seit wann die Versicherte in diesem Umfang
arbeitsfähig sei. Der otorhinolaryngologische Sachverständige führte aus, die
Versicherte leide an einer chronischen Sinusitis maxillaris rechts, die sich nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Nach der Konsensbesprechung hielten die Sachverständigen
fest, die Versicherte sei wegen des chronischen, therapieresistenten, linksbetonten
lumbo-spondylogenen Schmerzsyndroms und wegen der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung als vollständig arbeitsunfähig für die angestammte Tätigkeit als B._
und als zu 20 Prozent arbeitsunfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu
qualifizieren. Die Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten
ergebe sich aus einem erhöhten Pausenbedarf. Da ein und dieselbe zusätzliche Pause
sowohl den rheumatologischen als auch den psychiatrischen Einschränkungen
Rechnung trage könne, seien die aus diesen Fachgebieten attestierten
Arbeitsunfähigkeitsgrade nicht additiv zu berücksichtigen. Der RAD-Arzt Dr. E._
qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 123).
Mit einem Vorbescheid vom 20. Juli 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 134), dass sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe. Zur Begründung
führte sie an, die Versicherte könne mit einem Pensum von 80 Prozent in einer
leidensadaptierten Tätigkeit ein höheres als das in der ursprünglichen
rentenzusprechenden Verfügung berücksichtigte Einkommen erzielen, weshalb sie
nicht mehr invalid sei. Die Rente sei deshalb revisionsweise „einzustellen“. Dagegen
wandte die Versicherte am 22. Oktober 2020 ein (IV-act. 147), ihr Gesundheitszustand
habe sich nicht verändert. Die behandelnde Rheumatologin Dr. med. F._ habe
bestätigt (vgl. IV-act. 143), dass sie weiterhin auch für leidensadaptierte Tätigkeiten
kaum arbeitsfähig sei. Der Hausarzt Dr. C._ erklärte am 2. November 2020, dass er
die Rentenaufhebung nicht nachvollziehen könne, da sich die Beschwerden der
Versicherten verstärkt hätten. Die RAD-Ärzte Dres. E._ und Z._ hielten im Februar
A.f.
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B.
2021 fest, dass die Einwände der Versicherten und der behandelnden Ärzte keine
Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens der ABI GmbH weckten (IV-act.
148). Mit einer Verfügung vom 17. Februar 2021 hob die IV-Stelle die laufende Rente
per Ende März 2021 auf (IV-act. 149).
Am 11. März 2021 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Februar 2021 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Weiterausrichtung der bisherigen Rente sowie eventualiter die Einholung eines
polydisziplinären Gerichtsgutachtens. Zur Begründung führte er aus, der medizinische
Sachverhalt habe sich nicht verändert. Die Beschwerdeführerin habe vor dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung wesentlich mehr verdient, als die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) angenommen habe.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Juni 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der ABI GmbH sei
in jeder Hinsicht überzeugend. Es belege eine relevante Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin. Würde man das Valideneinkommen
höher ansetzen, wäre der Invaliditätsgrad mittels eines Prozentvergleichs zu
berechnen, womit er dem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20 Prozent entsprechen würde.
Die Beschwerdeführerin sei also nicht mehr rentenbegründend invalid.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 29. September 2021 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 10). Der Eingabe lag eine Stellungnahme des Psychiaters Dr. med. G._ vom
13. September 2021 bei (act. G 10.1). Dieser hatte festgehalten, psychopathologisch
seien bei der consiliarischen Untersuchung einige Symptome aufgefallen, die auf eine
posttraumatische Belastungsstörung hinweisen würden. Ihm sei schleierhaft, wie der
Sachverständige der ABI GmbH den psychischen Befund als unauffällig habe
bezeichnen können. Bei einem derart chronifizierten und komplexen
Gesundheitsschaden sei es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
unmöglich, dass es zu einer Spontanremission gekommen sei. Die Begutachtung sei
nicht in der erforderlichen Tiefe durchgeführt worden. Zu bemängeln sei auch, dass
kein Dolmetscher beigezogen worden sei. Ein Einbürgerungsgesuch der
B.c.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit. Sein Gegenstand muss folglich jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses ist ein
Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1 ATSG gewesen, was bedeutet, dass es sich auf
die Frage nach einer Anpassung einer formell rechtskräftigen, laufenden Rente der
Invalidenversicherung an eine nach der ursprünglichen Rentenzusprache eingetretene
Sachverhaltsveränderung beschränkt hat. Entgegen der von den Parteien vertretenen
Auffassung ist es deshalb nicht zulässig gewesen, die Höhe des Valideneinkommens
zu modifizieren, denn diesbezüglich hatte sich der massgebende Sachverhalt nach der
ursprünglichen Rentenzusprache ja gar nicht verändern können.
2.
Beschwerdeführerin sei mangels ausreichender Deutschkenntnisse abgewiesen
worden.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).B.d.
Bei der Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz im April 2007 hat ein neu
aufgetretenes lumbo-radiculäres Reizsyndrom L5 links im Vordergrund gestanden, das
nach der Ansicht des rheumatologischen Sachverständigen eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten verursacht hat, aber ohne operativen
Eingriff gut zu behandeln gewesen ist, sodass prognostisch von einem Wiedererlangen
einer Teilarbeitsfähigkeit innerhalb eines halben Jahres hat ausgegangen werden
können. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin deshalb damals zu
Recht vorerst keine Rente zugesprochen, sondern den weiteren Verlauf abgewartet.
Der rheumatologische Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz hatte prognostisch
respektive unter „Ausblendung“ des lumbo-radiculären Reizsyndroms eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als B._ und einen höheren als den
vom psychiatrischen Sachverständigen (für sämtliche Tätigkeiten) attestierten
Arbeitsfähigkeitsgrad von 40 Prozent für die Tätigkeit im eigenen Haushalt und für
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert, weshalb davon auszugehen war, dass die
Beschwerdeführerin nach der Akutbehandlung des Reizsyndroms zwar als B._
vollständig arbeitsunfähig, für jede andere Tätigkeit aber zu 40 Prozent arbeitsfähig
sein werde. Der behandelnde Hausarzt Dr. C._ hat knapp ein Jahr nach der
2.1.
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Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 40
Prozent für sämtliche Tätigkeiten und ausdrücklich auch für die angestammte Tätigkeit
als B._ attestiert. In Bezug auf leidensadaptierte Tätigkeiten hat diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung also jener der Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz entsprochen; in Bezug auf die angestammte Tätigkeit ist sie hingegen
deutlich strenger gewesen, hatten die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz
diese doch als nicht mehr zumutbar qualifiziert. Der RAD-Ärztin Dr. D._ ist diese
Diskrepanz aufgefallen. Sie hat sich allerdings sinngemäss auf den Standpunkt gestellt,
dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz
für die angestammte Tätigkeit nicht überzeugend sei, weil wohl weniger die
„Kilogrammbelastung“ als vielmehr das Wohlwollen des Umfeldes ausschlaggebend
für die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei; diese könne also auch als B._ zu
40 Prozent arbeiten, wenn sie diese Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld ausüben
könne. Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS Zentralschweiz für die angestammte Tätigkeit
als B._, sondern vielmehr auf die von Dr. C._ attestierte und von Dr. D._ als
überzeugend qualifizierte Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte Tätigkeit
abgestellt. Sie ist also davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin sei (auch) als B._
zu 40 Prozent arbeitsfähig. Weil es sich bei jener Tätigkeit um eine typische Hilfsarbeit
gehandelt hat und weil für andere Hilfsarbeiten kein höher Arbeitsfähigkeitsgrad
bestanden hat, hat es bei der Berechnung des Invaliditätsgrades keine Rolle gespielt,
ob von einer Invalidenkarriere als B._ oder von einer Invalidenkarriere in einer
anderen Hilfsarbeit auszugehen sei. Dem in der ursprünglichen rentenzusprechenden
Verfügung enthaltenen Einkommensvergleich lässt sich entnehmen, dass die
Beschwerdegegnerin einen sogenannten Prozentvergleich vorgenommen hat. Der
Invaliditätsgrad hat dem Arbeitsunfähigkeitsgrad bezogen auf die angestammte
Tätigkeit als B._ entsprochen.
Der rheumatologische Sachverständige der ABI GmbH hat im Februar 2020 die
angestammte Tätigkeit als B._ als unzumutbar qualifiziert. Diese „neue“
Arbeitsfähigkeitsschätzung hat er nicht mit einer Verschlechterung des somatischen
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nach der ursprünglichen
Rentenzusprache begründet. Vielmehr hat er die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
rheumatologischen Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz ausdrücklich als
nach wie vor massgebend bezeichnet. Der internistische und der
otorhinolaryngologische Sachverständige haben überzeugend aufgezeigt, dass in ihren
Fachgebieten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben gestellt
werden können, sodass auch in internistischer und otorhinolaryngologischer Sicht von
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/12
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einem unveränderten invalidenversicherungsrechtlich massgebenden Sachverhalt
auszugehen ist. Die behandelnden Ärzte Dres. F._ und C._ haben zwar
eingewendet, dass die Beschwerden zugenommen hätten und dass die
Beschwerdeführerin „kaum arbeitsfähig“ sei, aber sie haben diese Behauptungen nicht
mit objektiven klinischen Befunden untermauern können. Die RAD-Ärzte Dres. E._
und Z._ haben überzeugend dargelegt, dass die Vorbringen der – angesichts des
Behandlungsauftrages mit dem objektiven Anschein der Befangenheit behafteten –
behandelnden Ärzte nicht geeignet gewesen sind, Zweifel an der Überzeugungskraft
des Gutachtens der ABI GmbH zu wecken. Folglich steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der Sachverhalt in
somatischer Hinsicht seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht verändert hat. Der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH hat sowohl die Angaben der
Beschwerdeführerin als auch den von ihm erhobenen objektiven klinischen Befund
ausführlich wiedergegeben. Er hat aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin selbst bei
der Schilderung des Briefbombenanschlages keinerlei Symptome gezeigt hatte, die auf
eine posttraumatische Belastungsstörung hingewiesen hätten. Die Beschwerdeführerin
hat selbst bestätigt, dass sie seit Jahren nicht mehr an jenen Symptomen gelitten hat,
die unmittelbar nach dem Anschlag bestanden hatten. Der objektive klinische Befund
ist weitestgehend unauffällig gewesen. Die Beschwerdeführerin hatte sich nie – auch
nicht unmittelbar nach dem Bombenanschlag – in psychiatrischer oder
psychotherapeutischer Behandlung befunden. Die Alltagsschilderung hat auf ein
unauffälliges respektive uneingeschränktes Aktivitätsniveau hingedeutet. Der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH hat aus all diesen Tatsachen
überzeugend den Schluss gezogen, dass die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung
deutlich weniger stark ausgeprägt gewesen ist als noch im Jahr 2007. Der
behandelnde Psychiater Dr. G._ hat das psychiatrische Teilgutachten der ABI GmbH
in einer Stellungnahme vom 13. September 2021 als nicht überzeugend qualifiziert. Er
hat behauptet, die Beschwerdeführerin habe ihm gegenüber einige Symptome
präsentiert, die auf eine posttraumatische Belastungsstörung hingedeutet hätten. Ein
derart chronifizierter und komplexer Gesundheitsschaden könne unmöglich spontan
remittieren. Diese stark von jener im psychiatrischen Teilgutachten der ABI GmbH
abweichende Sachverhaltsdarstellung überzeugt nicht. Sie steht nicht nur in einem
erheblichen Widerspruch zur Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nie psychiatrische
oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hat; sie lässt sich auch nicht
mit dem von der Beschwerdeführerin bei der psychiatrischen Begutachtung
geschilderten Aktivitätsniveau und Alltagsverhalten vereinbaren. Zudem hat der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH auf deutliche Aggravationstendenzen
hingewiesen. Diesem Aspekt hat Dr. G._ keine Rechnung getragen, obwohl ihm das
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3.
Die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin revisionsweise ex nunc et pro futuro aufgehoben hat, erweist
sich im Ergebnis als rechtmässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Die
psychiatrische Teilgutachten der ABI GmbH bekannt gewesen ist. Das lässt sich nur
mit einer objektiven Befangenheit aufgrund seines Behandlungsauftrages erklären. Die
Stellungnahme von Dr. G._ weckt deshalb keinen Zweifel an der Überzeugungskraft
des psychiatrischen Teilgutachtens der ABI GmbH. Zusammenfassend steht gestützt
auf das Gutachten der ABI GmbH mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der psychische Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin in den Jahren nach der Rentenzusprache (bei einem im
Wesentlichen unverändert gebliebenen somatischen Gesundheitszustand) wesentlich
verbessert hat, sodass sie spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung durch die
ABI GmbH im Februar 2020 wieder zu 80 Prozent arbeitsfähig für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten gewesen ist.
Hinsichtlich der der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde gelegten
Invalidenkarriere als B._ hat sich zwar grundsätzlich nichts geändert, aber zufolge
einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit hat es neu
– anders als bei der ursprünglichen Rentenzusprache – eine Rolle gespielt, ob von einer
Invalidenkarriere als B._ oder von einer Invalidenkarriere in einer leidensadaptierten
Tätigkeit hat ausgegangen werden müssen. Neu hat nämlich für eine leidensadaptierte
Tätigkeit ein wesentlich höherer Arbeitsfähigkeitsgrad als für die angestammte Tätigkeit
als B._ vorgelegen, weshalb die Beschwerdeführerin infolge der Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustandes verpflichtet gewesen ist, ihre Invalidenkarriere zu
wechseln. Präziser ausgedrückt hat für die Berechnung des rentenspezifischen
Invaliditätsgrades neu auf eine Invalidenkarriere in einer angepassten Tätigkeit
abgestellt werden müssen. Bei der für die Beschwerdeführerin, die als B._ ein stark
unterdurchschnittliches Erwerbseinkommen erzielt hat, günstigsten Bemessungs
methode der Invalidität anhand eines Prozentvergleichs könnte bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von lediglich 20 Prozent nur bei Berücksichtigung eines dem
sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzuges von 25 Prozent (Maximalwert) ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Der Maximalabzug ist aber angesichts
der geringfügigen Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung augenscheinlich
nicht gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad ist folglich auf jeden Fall tiefer als 40 Prozent,
weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr gehabt
hat.
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/12
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angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken
gedeckt. Das Begehren um eine Parteientschädigung ist abzuweisen.