Decision ID: 0333c10a-bc60-4ee3-95fd-db04860a172c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, war vom 1. Juli 2003 bis 31. August 2006 (Urk. 6/56 Ziff. 2.1) als Chauffeur und
Magaziner
bei der
Y._
AG in
Z._
tätig (Urk. 6/2 Ziff. 6.3.1, Urk. 6/6 Ziff. 1, Urk. 6/6/7).
Nachdem er
im Jahre 1999 einen Motorrad-Unfall (Urk. 6/7/131-132) und im Jahre 2005 einen Selbstunfall mit einem LKW erlitten
hatte
(vgl. Urk. 6/11, Urk. 6/35 S. 1)
, mel
dete er sich
am 27. Februar 2006
erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2).
Aufgrund der Ergebnisse ihrer Abklärungen medizinischer und erwerblicher Art verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
den Anspruch auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 28. Juni 2007 (Urk. 6/37).
Hierzu nahm der Versicherte am 1
3.
Juli 2007 Stellung (
Urk.
6/38)
.
Mit Schrei
ben vom 3. März 2008 an das hiesige Gericht (Urk. 6/49/3-10) machte er gel
tend,
seine Eingabe vom 13. Juli 2007 sei als Beschwerde zu behandeln, die Verfügung vom 29. Juni 2007 (Urk. 6/37) sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und
Neu
beurteilung
an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 6/49/3-10 S. 2 Ziff. 1-2).
Mit Beschluss vom 29. September 2008 trat das hiesige Gericht auf die Beschwerde nicht ein (Urk. 6/65/1-8 S.
7 Dispositiv Ziff. 1), wogegen der Versi
cherte
am 13. November 2008
Beschwerde ans Bundesgericht erhob
(Urk. 6/68/2-15)
, welche mit Urteil vom 9. Dezember 2008 abgewiesen wurde (Urk. 6/67).
1.2
Am 29. Februar 2008 meldete sich der Versicherte unter Angabe einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes erneut bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/46). Gestützt auf die medizinischen Abklärungen verneinte die IV-Stelle – nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
– den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 3. Januar 2011
erneut
(Urk.
6/113
).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 3. Februar
2011 Beschwerde und beantragte
die Aufhebung derselbe
n und die
Zusprache
einer Rente,
even
tuell seien weitere Abklärungen durchzuführen und die Sache hierfür zur
Neu
beurteilung
an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 6/
116/3-10
). Mit Urteil vom
19. Januar 2015 wies das hiesige Gericht die Beschwerde ab (Prozess Nr. IV.2011.00125, Urk. 6/144)
.
1.3
Noch bevor das
hiesige
Gericht
die Beschwerde entschieden hatte,
machte der Versicherte am 20. September 2011 bei der IV-Stelle eine Verschlechterung sei
nes Gesundheitszustand
e
s geltend, welche in einem „Revisions-Verfahren“ zu prüfen sei (Urk. 6/121).
Am
10. August 2015
stellte
ihm
die IV-Stelle in Aussicht, dass sie auf das neue Leistungsbegehren nicht eintreten werde (Urk. 6/156).
1.
4
Unter Verweis auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Januar 2015 (Urk. 6/144) ersuchte der Versicherte die IV-Stelle am 29. Januar 2015 um
Wie
dererwägung
der Verfügung vom 28. Juni 2007 (Urk. 6/37) und um Ausrichtung einer Invalidenrente. Darüber hinaus
beantragte
er
die Prüfung
seines Antrags vom 20. September 2011 (Urk. 6/121), mit welchem er eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend gemacht hatte
(Urk. 6/145)
.
Am 10. August 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie auf das
Wiedererwä
gungsgesuch
nicht eintrete (Urk. 2 = Urk. 6/154
).
Nachdem der Versicherte am 19. August 2015 seinen Antrag auf Wiedererwägung wiederholt hatte (Urk. 6/159), hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid, auf das
Wiedererwägungs
gesuch
nicht einzutreten, am 24. August 2015 fest (Urk. 6/160).
Über die Frage, ob sich der Gesundheitszustand des Versicherten in relevantem Ausmass verschlechtert hat, hat die IV-Stelle nach Lage der Akten noch nicht entschieden.
2.
Gegen den Entscheid der IV-Stelle vom 10. August 2015 (Urk. 2) erhob der Ver
sicherte am 14. September 2015 Beschwerde und beantragte,
in Aufhebung desselben
sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm eine Ren
te auszur
ichten, oder die Sache sei zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer am 2. November 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechts
kräftige Verfü
gungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zwei
fellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesge
richts kann der Versicherungs
träger allerdings weder von der betroffenen Person noch vom Gericht zu einer Wiedererwägung verhalten werden (BGE 119 V 180 E. 3a).
Es besteht darum kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf
Wiederer
wä
gung
. Verfügungen, mit denen das Eintreten auf ein
Wiedererwägungsge
such
abgelehnt wird, sind demnach grundsätz
lich nicht anfechtbar. Wenn der Versicherungsträger hingegen auf ein Wiedererwägungsgesuch eintritt, die Wiedererwägungs
voraussetzungen prüft und anschliessend einen erneut ableh
nen
den
Sach
entscheid
trifft, ist dieser beschwerdeweise anfechtbar. Die nach
folgende gerichtliche Überprüfung hat sich in einem sol
chen Fall indessen auf die Frage zu beschränken, ob die Vor
aussetzungen für eine Wiedererwägung der bestätigten Verfü
gung gegeben sind. Prozessthema ist also
diesfalls
, ob der Versicherungsträger zu Recht die ursprüngliche, formell rechtskräftige Verfü
gung nicht als zweifellos unrichtig und/oder ihre Korrek
tur als von unerhebli
cher Bedeutung qualifiziert hat (BGE 117 V 8 E. 2a).
Damit kommt der Abgrenzung des Eintretens auf ein Wiedererwägungsgesuch vom Tatbestand des Nichteintretens zentrale Bedeutung zu. Während das blosse Entgegennehmen und
Akturieren
des Wiederwägungsgesuch noch kein Eintre
ten auf das Gesuch bedeuten kann, verhält es sich anders, wenn der Versiche
rungsträger mit der materiellen Prüfung der Wiedererwägungsvoraussetzungen einsetzt (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., 20
15
, N
75
zu
Art.
53
ATSG
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verwies im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) auf ihre Verfügung vom 3. Januar 2011 (Urk. 6/
113)
sowie
das Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Januar 2015 (Urk.
6/144
) und hielt fest, dass im Urteil erkannt worden sei, dass die im gerichtlichen Gutachten attestierte Restarbeitsfähigkeit eine andere Bewertung des im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts darstelle. Ein Wiedererwägungsgrund im Sinne einer zweifellos unrichtigen Verfügung könne daraus nicht entnommen werden, weshalb auf das
Wiederer
wägungsgesuch
vom 29. Januar 2015 nicht eingetreten werden könne.
2.2
Dagegen wand
te
de
r Beschwerdeführer ein (Urk. 1), den Akten der
Beschwerde
gegnerin
könne entnommen werden, dass diese in einer internen Notiz vom 13. März 201
5
der Sachbearbeitung den Auftrag erteilt habe, das rechtskräftige Urteil vom 19. Januar 2015 umzusetzen. Da mit
diesem
Urteil seine Beschwerde vom 3. Februar 2011 abgewiesen worden sei und das Gericht dem Antrag der Beschwerdegegnerin gefolgt sei, könne der Auftrag an die Sachbearbeitung nur dahingehend verstanden werden,
als
dass angesichts der Urteilserwägung 6.4
der Anspruch auf eine Rente wiedererwägungsweise geprüft werden soll (
Ziff.
3). Die Begründung im
Nichteintretensentscheid
vom 10. August 2015, wonach die im Gerichtsgutachten attestiert
e
Restarbeitsfähigkeit eine andere Bewertung des im wesentlich gleich gebliebenen Sachverhalts darstelle, weshalb kein Wiedererwägungsgrund vorliege, bedeute, dass die Beschwerdegegnerin auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten sei, indem geprüft worden sei, ob die Bedingungen einer Wiedererwägung erfüllt seien (
Ziff.
4).
2.3
Streitig und zu prüfen ist in diesem Verfahren, ob die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch, die Verfügung vom 28. Juni 2007 in Wiedererwägung zu ziehen, eingetreten ist.
3.
3.1
Mit Urteil vom 19. Januar 2015
(Urk. 6/144)
bestätigte das hiesige Gericht die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 3. Januar 2011 (Urk. 6/
113
), wonach seit der erstmaligen rechtskräftigen Verneinung eines Rentenanspruchs am 28. Juni 2007 (Urk. 6/37) keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein
ge
treten sei und kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe, da eine
revi
si
ons
relevante
Veränderung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen sei
(E. 4.3)
. Dieses Ergebnis habe unter anderem seinen Grund darin, dass der – da
mals
unvertretene
–
Beschwerdeführer die Verfügung vom
28.
Juni 2007 nicht rechtzeitig wirksam angefochten habe (E.
6.4)
.
3.2
Während des
hängigen
Gerichtsverfahrens reichte der Beschwerdeführer dem Gericht am 20. September 2011 verschiedene im Sommer 2011 ergangene
Arzt
berichte
(Urk. 6/127/6-12)
ein
(Urk. 6/127/2-3)
.
Unter Beilage derselben
Arztbe
richte
machte
er gleichentags bei der Beschwerdegegnerin ein
e
Verschlechte
rung seines Gesundheitszustandes geltend
(Urk. 6/121). Am 22. September 2011
teilte
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass sie mit der Bear
beitung
des Revisionsbegehrens beziehungsweise der Neuanmeldung
bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens zuwarten werde (Urk. 6/123).
Nach Abschluss des Gerichtsverfahrens stellte der Beschwerdeführer am 29. Januar 2015 bei der Beschwerdegegnerin das Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom 28. Juni 2007
(Urk. 6/37)
. Gleichzeitig machte er die Beschwerdegegnerin darauf aufmerksam, dass, nachdem nun das Urteil des hie
sigen Gerichts vorliege,
sein Gesuch
vom 20. September 2011
(Urk. 6/121)
zu beurteilen sei (Urk. 6/145).
4.
4.1
Dem
Entscheid
der Beschwerdegegnerin
vom 10. August 2015 (Urk. 2)
kann unmissverständlich entnommen werden, dass diese
nicht
auf das
Wiedererwä
gungsgesuch
eintreten
wollte
, was sich bereits schon aus dem Titel ergibt
.
Unter
Hinweis
auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Januar 2015
(vgl. Urk. 6/144)
begründete
sie
ihren Entscheid damit, das Gericht habe erwogen, dass die
im Gerichtsgutachten attestierte Restarbeitsfähigkeit lediglich eine andere Bewertung des im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts dar
stelle
und ein Wiedererwägungsgrund dem Urteil nicht entnommen werden könne
.
Um zu dieser Begründung zu gelangen, waren ausser der Lektüre des Urteils keine
ma
teriellen Abklärungen notwendig
. Damit lässt
auch
die Begrün
dung des Entscheids vom 10. August 2015 nicht den Schluss zu, dass die Beschwerdegegnerin auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten sein soll.
4.2
Aber auch den Akten kann nicht entnommen werden, dass die
Beschwerdegeg
nerin
nach Eingang des Wiedererwägungsgesuchs neue Abklärungen getroffen hätte. Zwar wandte sich die Sachbearbeiterin am 10. Februar 2015 an den
Regi
onalen Ärztlichen Dienst (
RAD
)
, allerdings
unter Bezug auf die Eingabe des Beschwerdeführers vom 20. September 2011
mit der Frage,
ob die medizini
schen Unterlagen eine Veränderung des Gesundheitszustandes begründeten. Die vom Beschwerdeführer als
zweifellos unrichtig
erachtete
und in Erwägung zu ziehende
Verfügung vo
m
28. Juni
2007 wurde in der Anfrage
– ausser in der tabellarischen Aufstellung des Sachverhalts -
ebenso wenig erwähnt
(vgl. Urk. 6/153 S. 1)
wie
in der Antwort des RAD
-
Arzt
es
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie. Dieser
wies
in seiner Stellung
nahme
auf das Urteil des hiesigen Gericht
s
hin und hielt
lediglich fest, dass es sich nach Ak
ten
durchsicht nicht um wesentliche medizinische Neuerkenntnisse handle, so dass nicht auf eine versicherungsmedizinisch relevante Veränderung des Gesundheitszustandes geschlossen werde.
Eine Würdigung der vorhandenen Arztberichte
,
welche im Übrigen
allesamt in den Gerichtsakten enthalten waren
, nahm er nicht vor. Insbesondere
aber äusserte er sich lediglich zur Frage einer Veränderung des Gesundheitszustands, nicht aber zu einer allfällig unrichtigen Einschätzung der medizinischen Situation im Zeitpunkt der erstmaligen
Renten
abweisung
im Juni 2007 (vgl. Urk. 6/153 S. 2).
4.3
Schliesslich lässt auch die Stellungnahme des Rechtsdienstes der
Beschwerde
gegnerin
vom 11. Juni
und
2./7. Juli 2015 (Urk. 6/155)
nicht auf ein Eintreten auf das Wiedererwägungsgesuch schliessen.
Darin wird lediglich darauf hingewie
sen, dass der Beschwerdeführer zwei Gesuche
gestellt hat
, nämlich das Revisionsgesuch
beziehungsweise die Neuanmeldung
vom 20. September 2011
(Urk. 6/121)
und das Wiedererwägungsgesuch
vom 29. Januar 2015
(Urk. 6/145)
, und diese separat zu behandeln seien. Zur Frage der
Wiedererwä
gung
wurde lediglich die Begründung des
Nichteintretensentscheids
vorge
zeich
net. Eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen, die zur Verfügung vom
28. Juni
2007 führten
und denjenigen, die zur Bestätigung der Verfügung vom 3. Januar 2011 durch das Gericht führte
, fand nicht statt.
Hieran ändert auch der Umstand nichts, dass der Rechtsdienst die Sachbearbeitung am 3. März 2015
in einem standardisierten Formular
aufforderte
,
das Urteil
umzusetzen,
dies
im Zeitpunkt, nachdem
dieses in Rechtskraft erwachsen war
(vgl. Urk. 6/148)
, wurde doch damit keine Anweisung erteilt, welche
verwaltungsverfahrensrecht
liche
Schritte einzuleiten
seien.
4.4
Abschliessend bleibt darauf hinzuweisen, dass es de
n Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern
der Beschwerdegegnerin möglich sein soll, Rücksprache mit ihren internen Fachdiensten zu nehmen, wie im Einzelnen vorzugehen ist, ohne dass
allein
darin schon ein Eintreten auf die Sache erblickt werden kann.
4.5
Zusammenfassend erfolgte der
Nichteintretensentscheid
der
Beschwerdegeg
nerin
ohne weitere Abklärungen nach äusserst summarischer Prüfung. Von einem Eintreten auf das
Wiedererwägungs
gesuch, das heisst von dessen materi
eller Behandlung und einem erneut ablehnenden Sachentscheid durch die
Beschwer
degegnerin
kann unter diesen Umständen keine Rede sein.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 400.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.