Decision ID: 86ca87f4-63aa-4118-96b6-a0221b7811e1
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung
vom 2
0.
Februar 2012 (Urk. 11/106) verpflichtete die
Sozial
ver
sicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Versicherte zur Rück
erstat
tung
der Rentenleistungen
in der Höhe von
Fr.
90‘572.-- (vor
Ver
rechnung mit dem neu berechneten Renten
an
spruch
für die Zeit vo
m 1.
Dezember 2006 bis 3
1.
Dezember 2010 in der Höhe von
Fr.
56‘673.
-- [Fr. 34‘113.-- + Fr.
11‘280.--
+
Fr.
11‘280.--]
;
vgl. dazu Urk.
11/91, Urk. 11/97, Urk. 11/101
).
Mit Eingabe vom
3
0.
Januar 2012 (
Urk.
10/
21
) ersuchte die Ver
sicherte die IV-Stelle nach
ange
kün
digter Rückforderung mittels
Vor
bescheid
vom
7.
Dezember 2011
(Urk. 10/19)
um Erlass der ihr auferlegten
Rück
erstattungs
ver
pflichtung
der
zuviel
ausge
richte
ten
Rentenbetreffnisse
(Urk. 10/21)
. Mit Verfügung vom 1
5.
August 2012
(Urk. 3/1b) wurde das Gesuch abgewiesen. Die dagegen gerichtete Einsprache vom
1
7.
September 2012 (Urk. 10/47) wies die
Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich,
Ausgleichskasse
,
mit Entscheid vom 2
5.
September 2012 (Urk. 2)
ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
3.
Oktober 2012 (Urk. 1) Beschwerde und be
antragte, es sei die Verfügung der Ausgleichskasse vom 2
5.
September 2012
aufzuheben und ihr die mit der
Rückforderungsverfügung vom 20.
Februar 2012
geforderten
Fr.
33‘899.-- zu erlassen. Eventualiter sei sie per
sön
lich anzuhören
beziehungsweise seien weitere Abklärungen im Zusam
men
hang mit dem Gesund
heitszustand anzuordnen.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
November 2012 (Urk. 9) schloss die
Ausgleichs
kasse
auf Abweisung
der Beschwerde
, was der Beschwerdeführerin am
4.
Dezem
ber 2012 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zial
versicherungsrechts (ATSG) müssen unrechtmässig bezogene Leistungen, wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind, bei Vorliegen grosser Härte nicht zurückerstattet werden. Der Erlass einer Forderung setzt somit ei
nerseits einen
gutgläubigen Leistungsbezug und andererseits das Vorliegen ei
ner grossen Härte
voraus. Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkennt
nis des Rechtsmangels gegeben. Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht
nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schul
dig gemacht haben (Urteil des Bundesgerichts
8C_888/2008
vom 19. August 2008
E.
3.2). Anderseits kann sich die
rückerstat
tungs
pflichtige
Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unterlassung nur leicht fahrlässig war (BGE 112 V 97 E. 2c). Es ist von einer grobfahrlässigen Ver
letzung der Meldepflicht auszugehen, wenn die versicherte Person nicht das Min
dest
mass an Aufmerksamkeit aufgewendet hat, welches von einem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter den gleichen Umständen verlangt werden muss (vgl. SVR 2007 IV Nr. 13 S. 49 E. 4.4, I 622/05, mit Hinweis auf BGE 110
V 181 E. 3d, ferner Urteil des Bundesge
richts
8C_759/2008
vom 26. No
vember 2008
E.
3.5).
Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem ob
jektiven Massstab, wobei aber
das
subjektiv Mögliche und Zumutbare (Urteils
fähig
keit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad) nicht ausgeblendet werden darf (Ur
teil des Bundesgerichts 8C_888/2008 vom 19. August
2009
E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
wird die Erlassvoraussetzung des gut
gläubigen Leistungsbezuges verneint
(Urk. 2)
. Die Beschwerdegegnerin führte dazu ins
besondere aus,
dass die Beschwerdeführerin ihre Meldepflicht miss
ach
tet habe, indem sie der IV-Stelle sämtliche seit dem Jahr 1999 aufge
nom
menen Erwerbstätigkeiten verschwiegen habe. Da die
Erlass
voraus
setzung
des guten Glaubens nicht erfüllt sei, könne auf die Prüfung der grossen Härte ver
zichtet werden.
2.2
Die B
eschwerdeführerin wies
unter Verweis auf den Bericht des behandelnden
Psychiaters
Dr.
med.
Y._
, Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 1
2.
April 2011
(Urk.
11/75)
auf ihre massiven gesundheitlichen Ein
schränkungen hin
,
ins
be
son
dere auch in psychischer Hinsicht
,
und stellte sich auf den Standpunkt
(S.
3 ff.
Ziff.
2.1)
, dass sie sehr unsicher sei und sich im täglichen Leben und All
tag nur schwer zurechtfinde. Infolge eines finanziellen Engpasses und aus Angst
,
den
finan
ziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können, habe sie dann
eine Anstellung angenommen. Es sei ihr aber zu keinem Zeit
punkt be
wusst ge
wesen, dass sie diese Anstellung der IV-Stelle hätte melden müs
sen;
für sie seien
das Überleben und das rechtzeitige Bezahlen sämtlicher Rechnungen im Vorder
grund gestanden. Erst als sie von ihrem behandelnden Arzt auf ihre Melde
pflicht
angesprochen worden sei, habe sie die IV-Stelle
umgehend mit Schreiben vom 2
5.
Februar 2011 (Urk. 11/71) selbst orientiert.
Wenn überhaupt von einem Verschulden gesprochen werden könne, sei dieses als höchstens leicht fahrlässig zu qualifizieren. Keinesfalls könne ihr Verhalten – unter Berücksichtigung des gesamten medizinischen Sachverhaltes – als bös
willig bezeichnet werden. Vielmehr dürfe davon ausgegangen werden, dass sie im Zeitraum Dezember 2006 bis Dezember 2010 die Rente der In
validen
ver
si
cherung in gutem Glauben erhalten habe (S. 5
Ziff.
2.2).
3.
3.1
Streitig ist der Erlass der mit Verfügung vom 2
0.
Februar 2012 rechtskräftig
er
mittelten
Rückerstattungsschuld.
3.2
Zunächst gilt darauf hinzuweisen, dass jede wesentliche Änderung in den für eine
Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu mel
den ist (
Art.
31
Abs.
1 ATSG; vgl. auch
Art.
77 der Verordnung über die In
va
li
den
versicherung [IVV]) ist
.
3.3
Mit den
leistungszusprechenden Verfügung
en
vom
7.
Juni 1996 (
Urk. 11/42-44;
ganze Rente ab Dezember 1993)
, welche an die Beschwerdeführerin adressiert waren,
wies
die IV-Stelle die Be
schwerde
führerin ausdrücklich auf ihre
Melde
pflicht, insbesondere bei Änderung
en
in der Erwerbslage, der Arbeits
fähig
keit und im Gesundheitszustand, wenn IV-Renten oder
Hilflosen
ent
schädigungen
zu
ge
sp
rochen w
u
rden
,
h
in.
In den damals geltend ge
machten
Einwendungen
vom
8.
Februar 1996 (Urk. 11/38)
gegen den Vor
bescheid vom 1
0.
November 199
5
(Urk. 11/31)
liess die Beschwerdeführerin aus
führen, dass sie mit leichten
Reini
gungs
arbeiten
höchstens ein monatliches Ein
kommen von
Fr.
500.-- erzielen
könne. In der An
meldung vom 1
8.
Dezember 199
5
(Urk. 11/1) gab sie ein monat
liches Ein
kom
men von circa
Fr.
650.-- an.
Indem die Beschwerdeführerin im fraglichen Zeitraum
ein
Mehrfaches
de
r
angegeben
en
E
inkünfte
(beispielsweise im Jahr 2007
Fr.
1
4
‘
142
.--, im Jahr 2008
Fr.
22‘100.--und im Jahr 2009
Fr.
23‘871.--)
erzielte
(vgl. dazu Auszug aus dem individ
uel
len Konto vom 1
6.
März
2011,
Urk. 11/74)
und
sie
die
geänderten Verhältnisse i
n der
Erwerbs
lage
erst am
2
5.
Februar 2011 (Urk. 11/71)
der IV-Stelle meldete
,
kam sie der ihr obliegenden
Meldepflicht
für den fraglichen Zeitraum
zumi
ndest grobfahrlässig nicht nach.
Weil
von einem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter
den gleichen Voraus
setzungen zu erwarten gewesen wäre, dass er die geänder
ten
Verhältniss
e der IV-Stelle angezeigt hätte, entfällt der gute Glaube.
3.4
Die Beschwerdeführerin machte geltend (Urk. 1 S. 4 f.
Ziff.
2.2),
dass es ihr auf
grund ihres Gesundheitszustandes unmöglich
gewesen sei
und auch heute noch
sei, Zusam
menhänge zwischen der Erwerbsaufnahme, erzieltem Einkommen und
g
leich
zeitigem
Rentenb
ezug zu erkennen, weshalb sie im Rechtsstreit im Zu
sam
menhang mit der IV-Rente von
Z._
, Präsident des
A._
, vertreten worden sei.
Er sei es gewesen, der sämtliche An
gelegen
hei
ten betreut habe.
Nach seinem Tod im Jahr 1999 sei die Kontrolle weg
gefallen,
was auch dadurch belegt werde, dass die Ausgleichskasse in ihrer Verfügung vom 1
5.
August 2012 (Urk
. 3/1b S. 2) ausge
führt habe, dass „der In
validen
ver
sicherung sämtliche seit dem Jahr 1999 aufgenommenen Erwerbs
tä
tigkeiten ... verschwiegen“ worden seien. Schliesslich habe
Dr.
Y._
auf Rückfrage hin bestätigt, dass sie im fraglichen Zeitraum (und wohl auch heute noch) nicht in der Lage gewesen sei, für sich zu sorgen und
adäquat zu handeln (Urk. 1 S. 5
Ziff.
2.2 unten).
In Bezug auf diesen Einwand ist mit der Beschwerdegegnerin und entgegen der Auf
fassung von
Dr.
Y._
davon auszugehen (vgl. dazu Urk. 2
S. 2
), dass die
Beschwerdeführerin
,
sowe
it es um die eigenen Interessen
(beispielsweise
die Gel
tend
machung von Versicherungsleistungen
, vgl. dazu auch Ausführungen in Urk. 2
und Urk. 3/1b
; Einsprache gegen Kündigung des Arbeitsvertrages, Urk.
11/73/14
)
ging, stets in der Lage war, sich zu
mindest fachkundig orien
tieren und
-
soweit erforderlich
-
auch
vertreten zu lassen.
Ferner gelang es ihr
im fraglichen Zeitraum auch
,
verschiedene Erwerbs
tätigkeiten aufzuneh
men und
auszuführen
, wobei die Arbeitsverhältnisse über Monate und sogar Jahre fort
ge
setzt wurden
(vgl. dazu Urk. 11/74). Insofern überzeugt das Vorbrin
gen
nicht
, eine rechtzeitige Meldung der
Erwerbs
auf
nahme
sei
ge
sund
heitsbedingt
unter
blie
ben, wie die
Be
schwerdege
gnerin
zu Recht festhielt;
die erwähnten Begeben
heiten
sprechen vielmehr
dafür, dass die Be
schwerdeführerin durchaus in der Lage
war
, für sich zu sorgen und adäquat zu handeln. An dieser Beurteilung ver
mag auch der Bericht von
Dr.
Y._
vom 1
2.
April 2011 (Urk. 11/75
) nichts zu ändern,
sind ihm doch keine Anhaltspunkte dafür
zu entnehmen, dass die Be
schwerdeführerin aufgrund ihrer psy
chischen Probleme ihrer obliegenden Melde
pflicht nicht
hätte nachkommen kö
nn
en
.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, die Meldung der
Erwerbsauf
nahme
sei unterblieben, weil sie die Zusammenhänge nicht zu erkennen ver
mocht
e (Urk.
1 S.
4), ist ihr entgegen zu halten, dass ihr hätte auffallen müssen, dass der Bezug einer ganzen Invalidenrente und das gleichzeitige Erzielen von
nicht unerheblichen Erwerbseinkommen kaum rechtens sein kann. Denn die psy
chischen Beschwerden, an denen die Beschwerdeführerin leidet, beeinträchtigen zwar unstreitig und
ausgewiesenermassen
ihre Leistungsfähigkeit, aber nicht
ihre Intelligenz. Im Übrigen kann nach einem allgemeinen Grundsatz niemand aus
der eigenen Rechtsunkenntnis Rechte zu seinen Gunsten ableiten
(BGE 98 V 255 E. 2).
Von zusätzlichen Abklärungen, insbesondere zusätzlichen medizinischen Er
heb
ungen sowie de
r beantragten
persönliche
n
Anhörung der Beschwerdeführerin, sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshal
b darauf verzichtet werden kann
(
a
ntizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E.1d).
3.
5
Da der gute Glaube nicht gegeben ist, braucht die Frage, ob die Rückerstattung für
die Beschwerdeführerin eine grosse Härte be
deutet, nicht geklärt zu werden, müssen die beiden Voraussetzungen doch kumulativ erfüllt sein.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.