Decision ID: 3daa6aaa-2d2a-4d87-8a9b-77f8b1cb9b06
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959,
hat eine Ausbildung zur
Spitalsekretärin absolviert und war von 1992 bis
1
998 im Universitätsspital
A._
in dieser Funktion angestellt.
In den Jahren 1998 und 2000 gebar sie zwei Söhne und ging danach
keine
r
Erwerbstätigkeit mehr
nach (Urk.
12/7 f.
, 12/12).
Unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter depressiver Episode
sowie
auf
ein
Impingement
-Syndrom
meldete sie sich am 7.
Februar 2017 bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
12/8).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst einem aktuellen Auszug aus dem indiv
iduellen Konto (IK-Auszug, Urk.
12/12)
einen Bericht des Spitals
Z._
ein (Urk. 12/13).
Mit Schreiben vom 2
3.
August 2017 erteilte sie Kos
ten
gutsprache für eine Potentialabklärung
in der p
sychiatrischen
K
linik
B._
(
Urk.
12/18),
welche vom 2
8.
August bis 22.
September 2017 statt
fand (Abschlussber
icht vom 1
0.
Oktober 2017, Urk.
12/26).
Am 1
7.
Novem
be
r 2017 wurde die Versicherte im
A._
neuropsychologisch untersucht (
Urk.
12/28). Mit Mitteilung vom 8.
Februar 2018 wurde sie von der IV-Stelle
über den Ab
schluss der beruflichen Massnahmen
und die Einleitung der Rentenprüfung orientiert (
Urk.
12/29).
Nach
Eingang
eines weiteren Berichts des Spitals
Z._
(
Urk.
12/36) holte die IV-Stelle beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Stellungnahme ein (
Urk.
12/37/3 f.)
. Mit Vorbescheid vom
1.
Oktober 2018 stellte sie der Versicher
ten sodann die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
12/38), wo
gegen diese am 2
9.
Oktober 2018 Einwand erhob (
Urk.
12/39). Am
8.
November 2018 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
12/41 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
, vert
reten durch die behandelnden Fachpersonen des Spitals
Z._
, am
5.
Dezember 2018 Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und ihr sei eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (
Urk.
1/1 S.
1
,
Urk.
10/1 S.
1
). Innert
der
mit Verfügung v
om 1
1.
Dezember 2018 angesetzten
Nachfrist (
Urk.
4) wurde die verlangte schri
ftliche Vertretungsvollmacht ein
gereicht (
Urk.
7).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), worüber die Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom 2
5.
Januar 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215
E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
set
zung
en des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenver
sicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdi
gen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
8.
November 2018 (
Urk.
2) hielt die Be
schwerdegegnerin zusammengefasst fest, dass aufgrund der medizinisch ausge
wie
senen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden.
Die depressive Symptomatik sei nur leicht ausgeprägt und daher gut behandelbar. Die im Weiteren seitens der behandelnden Fachpersonen des Spitals
Z._
gestellte Diagnose [gemeint wohl: Persönlich
keitsstörung] könne nicht bestätigt werden, d
a der hierzu erforderliche Cut-o
ff-Wert nicht erreicht werde. Es handle sich um eine Akzentuierung, welche keine wesentliche gesundheitliche Einschränkung mit langandauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zur Folge habe
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 5. Dezember 2018 im Wesentlichen geltend,
dass eine kombinierte Persönlich
keits
störung mit selbstunsicheren, dependenten und zwanghaften Anteilen vor
liege, welche mit einer Erwerbsunfähigkeit einhergehe (
Urk.
1/1 S. 1).
Der Be
schwerdegegnerin sei zwar beizupflichten, dass eine Depression behandelbar sei. Im konkreten Fall sei jedoch nicht die depressive Störung die Ursache der Arbeitsunfähigkeit oder des deutlichen subjektiven Leidensdrucks. Diese sei viel
mehr Folge der
mit der Persönlichkeitsstörung einhergehenden
dysfunktionalen, tiefgreifenden und überdauernden Verhaltensmuster (
Urk.
1/1 S. 3).
3.
3.1
Dem Bericht des Spitals
Z._
von
Y._
, Fachpsychologin für Psychotherapie, und Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Psychiatrie und Psychotherapie, unterzeichnet
vom 1
0.
März 2017 sind folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
12/13/1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärt
ig leichte Episode (ICD-10 F33.1 [richtig: F33.0]
)
-
Dysthymia (ICD-10 F34.1)
-
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Ver
hältnissen («Messie-Syndrom», ICD-10 Z59).
Gemäss Beschwerdeführerin sei bei ihr schon früh eine Entwicklungsstörung in Bezug auf die Psychomotorik (Gehen lernen) aufgefallen. Im Kindergarten und in der Schulzeit habe sie unter Schwierigkeiten gelitten, den Anforderungen zu genügen. Sie sei oft als zu langsam kritisiert und wegen ihrer Andersartigkeit von den Schulkameraden ausgegrenzt und ausgelacht worden, was bei ihr starke Ver
unsicherung und Schamgefühle ausgelöst habe. Als Jugendliche habe sie unter
depressiver Verstimmung und Suizidgedanken gelitten. Sie habe manchmal nicht mehr leben wollen, weil sie es nicht mehr ertragen habe, als «die Langsame» und «Komische» angesehen und ausgelacht zu werden. Nach verschiedenen Ver
suchen, eine Lehrstelle zu finden, und Praktika habe sie eine Arztsekretärinnen-Schule absolviert und
her
nach
im
Universitätsspital
A._
gearbeitet. Dort habe sie sich sehr wohl gefühlt und ihre Leistungen erbringen können. Nach der Trennung von ihrem Ehemann im Jahr 2005
seien depressive Symptome verstärkt aufgetreten, insbesondere Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Antriebs
schwierigkeiten, Insuffizienzgefühle und Schlafstörungen. Die beiden in den Jahren 1998 und 2000 geborenen Söhne seien verbeiständet und würden nicht mehr bei ihr, sondern in einem Wohnheim respektive bei einer Pflegefamilie leben. G
rund für die Pflegeplatzierung sei die Unordnung in ihrer Wohnung ge
wesen (
Urk.
12/13/2 f.).
In psychopathologischer Hinsicht sei die Beschwerdeführerin
wach, bewusst
seins
klar und zu allen Qualitäten orientiert. Hinweise auf Gedächtnis- oder inhaltliche Denkstörungen hätten sich nicht ergeben. Eingeschränkt seien die Aufmerk
sam
keit und Konzentrationsfähigkeit. Ferner sei das formale Denken verlangsamt, umständlich und eingeengt.
Affektiv sei die Beschwerdeführerin deprimiert, teil
weise
dysphorisch
, gereizt und
klagsam
. Sie fühle sich energielos sowie an
trieb
s
arm und leide unter Insuffizienzgefühlen.
Suizidalität werde glaubhaft verneint; Hinweise für eine Selbst- oder Fremdgefährdung seien nicht vorhanden (
Urk.
12/13/3).
In Bezug auf die frühere Tätigkeit als Arztsekretärin se
i
die Leis
tungsfähigkeit aufgrund des verlangsamten Denkens, der raschen Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie der eingeschränkten Fähigkeit, den Über
blick zu behalten und strukturierte Abläufe einzuhalten, zu 100
%
beein
trächtigt. Die Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht zwar noch zumutbar, aller
dings müsste ein Arbeitstraining erfolgen um die Leistungsfähigkeit neu beur
teilen zu können.
Eine Tätigkeit im geschützten Rahmen könnte schrittweise gesteigert werden (
Urk.
12/13/5).
3.2
Anlässlich der am 1
7.
November 2017 im
A._
stattgefundenen neuropsycho
lo
gischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin von
keinen kognitiven Ein
schränkungen oder Veränderungen berichtet. Sie sei schon ihr ganzes Leben lang etwas langsam gewesen und habe stets für alles mehr Zeit gebraucht als andere Personen. Seit circa 2005 bestehe eine depressive Störung; aktuell sei sie durch die finanzielle Situation belastet. Unter
Venlafaxin
liege derzeit eine mässige Ver
stimmung vor.
Unter Schlafstörungen, Müdigkeit sowie Veränderungen in Appe
tit und Wahrnehmung leide sie nicht (
Urk.
12/28/1).
Die
neuropsychologische Abklärung
habe bei der anstrengungsbereiten Beschwerdeführerin insgesamt eine
Einschränkung der allgemeinen kognitiven Geschwindigkeit und Flexibilität er
geben.
In diesem Rahmen seien auch die leicht verminderte figurale Ideen
pro
duktion und die diskreten mnestischen Minderleistungen zu interpretieren. In beiden Fällen sei ausserdem eine Asymmetrie zuungunsten figuralen (gegenüber verbalen) Materials deutlich geworden. Die Defizite würden teilweise durch die etwas umständliche und unsichere Art der Beschwerdeführerin verstärkt. Insge
samt ergebe sich das Bild einer leichten neuropsychologischen Funktionsstörung. Aus rein neuropsychologischer Sicht bestehe vor diesem Hintergrund eine Arbeitsunfähigkeit von
maximal
20
%
. Eine gesamthafte Einschätzung unter Berücksichtigung psychosozialer und psychiatrischer Faktoren müsste in einem gesamtmedizinischen Kontext erfolgen (
Urk.
12/28/3).
3.3
Im Bericht des Spitals
Z._
vom 2
5.
Mai 2018 finden sich folgende Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/36/1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärt
ig leichte Episode (ICD-10 F33.1 [richtig: F33.0]
)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (Persönlichkeitsstruktur mit selbstun
sicheren, dependenten und zwanghaften Anteilen; ICD-10 F61.0)
-
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Ver
hältnissen («Messie-Syndrom», ICD-10 Z59).
Im Rahmen der beruflichen Abklärungen sowie durch die kontinuierliche Be
handlung durch die Spitex habe sich bei der Beschwerdeführerin der Verdacht erhärtet, dass eine strukturelle Störung vorliege. Verhaltensbeobachtungen
und eine psychodiagnostische Abklärung (SKID-2) hätten eine Tendenz zu akzen
tu
ierten Persönlichkeitszügen mit selbstunsicheren, dependenten und zwanghaften Anteilen ergeben. Der SKID-2 Cut-off-Wert für die Diagnose einer Persönlich
keitsstörung sei knapp nicht erreicht worden, jedoch müsse im Antwortverhalten die Neigung zur sozialen Erwünschtheit mitberücksichtigt werden. Die seit Kind
heit bestehenden, anhaltenden und tief verwurzelten Verhaltensmuster, welche sich in verschiedenen Lebenslagen
und im «Messie-Syndrom» zeigten, würden die Kriterien einer strukturellen Persönlichkeitsstörung erfüllen. Der Beschwerdefüh
rerin sei weder die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Arztsekretärin noch eine angepasste Tätigkeit möglich. Durch die Überforderung und Insuffizienz
gefühle würde sie in ihrem Selbstwert stark beeinträchtigt werden und darüber hinaus könnten Versagensängste zu einer Destabilisierung führen.
Die Leistungs
fähigkeit sei d
urch eine ausgeprägte Langsamkeit im Arbeitstempo infolge Ver
unsicherung, Verlust des Überblicks, eingeschränkte
r
Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und Angst, Fehler zu begehen, vermindert. Die Schwierigkeiten in der All
tagsbewältigung, Termine einzuhalten, Aufträge zu erledigen
oder Hand
lung
en in Bezug auf administrative oder organisatorische Belange auszuführen, würden
sich auch am Arbeitsplatz zeigen. Bei Überforderung komme es bei der Be
schwer
def
ührerin zu Blockaden und darauf
folgenden Selbstvorwürfen, wenn eine Auf
gabe unerledigt geblieben sei (
Urk.
12/36/2).
3.4
In ihrer RAD-Beurteilung vom 2
0.
Juni 2018 gelangte
dipl.-med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie Prävention und Gesundheits
wesen, zum Schluss, dass kein Gesundheitsschaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, festgestellt worden sei
. Nebst einer leichten depressiven Episode liege eine Persönlichkeits
akzen
tuierung vor. Eine Persönlichkeitsstörung könne nicht diagnostiziert werden, da der hierzu erforderliche Cut-off-Wert nicht erreicht worden sei. Durch die behan
delnden Ärzte werde eine beru
fliche Tätigkeit gleich
welcher Art für nicht mög
lich gehalten. Ein hierfür verantwortlicher wesentlicher Gesundheitsschaden habe durch sie allerdings nicht festgestellt werden können.
Dem Belastungsprofil ent
spreche eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne die Notwendigkeit, Verant
wortung zu übernehmen. Erforderlich seien darüber hinaus ein wohlwollendes Umfeld, klare Anleitungen sowie kein Zeitdruck. Die bisherige Tätigkeit sei nach einem Arbeitstr
aining weiterhin zumutbar (Urk.
12/37/4).
4.
4.1
Auf der Grundlage der RAD-Stellungnahme von
dipl.-med.
D._
vom 2
0.
Juni 2018
gelangte
die Beschwerdegegnerin
zum Schluss
,
dass die ausgewiesenen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten und deshalb kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
2).
Dem
gegenüber vertritt die Beschwerdeführerin den Standpunkt, dass die bei ihr diag
nostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung eine Er
werbsunfähigkeit zur Folge habe, weshalb ein Anspruch auf Rentenleistungen
ausgewiesen sei
(
Urk.
1).
4.2
4.2.1
Einer
RAD-
Aktenbeurteilung
wie sie
dipl.-med.
D._
vorgenommen hat
kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 9C_730/201
8 vom 2
7.
März 2019 E. 5.1.3 mit Hinweisen).
4.2.2
Anhand der ihr zur Verfügung gestellten
Vorakten
konnte sich
dipl.-med.
D._
ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Krankheitsverlauf sowie den gegenwärtigen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschaffen. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass auf eine persönliche Unter
suchung der Beschwerdeführerin verzichtet wurde, was denn auch
beschwerde
weise
nicht
bemängelt
wird.
Da kein Untersuchungsbericht im Sinne von
Art.
49
Abs.
2 IVV erstellt wurde, bedurfte die RAD-Ärztin auch keines spezifischen Facharzttitels in Psychiatrie und Psychotherapie, um den
fest
stehenden medizini
schen Sachverhalt zu würdigen (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_406/2017 vom
6.
September 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
Auf der Grundlage des Berichtes des Spitals
Z._
vom 2
5.
Mai 2018 ging die RAD-Ärztin
davon aus, dass der Cut-o
ff-Wert für eine Persönlichkeitsstörung nicht erreicht worden sei, weshalb eine Persönlichkeitsakzentuierung vorliege (
Urk.
12/37/3 f.).
Im genannten Bericht wurde in der Tat vermerkt, dass der SKID-2 Cut-off-Wert
für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung knapp nicht erreicht worden sei (
Urk.
12/36/2).
Es mag zutreffen, dass
es sich hierbei um eine fehlerhafte Formulierung handelte
und die behandelnden Fachpersonen nur die paranoiden Anteile der Persönlichkeit nicht
als
eigentliche Störung
qualifizieren wollten
(vgl.
Urk.
1 S. 2
und
Urk.
3
).
Einerseits ist in diesem Zusammenhang jedoch darauf hinzuweisen, dass
d
en
Berichten
des Spitals
Z._
von v
or
ne
herein nur begrenzter Beweiswert zukommen kann, da im konkreten Fall ein eigentlicher Rollenwechsel der behandelnden Fachpersonen zu Parteivertretern stattgefunden hat
.
Diese haben nicht nur im Namen der Beschwerdeführerin im Vorbescheidverfahren Einwand (
Urk.
12/39), sondern auch vor Gericht Beschwer
de erhoben und
jeweils
die Ausrichtung von Rentenleistungen beantragt.
Offen
kundig
haben sie sich somit in einem Umfang
mit den Interessen ihrer Patientin identifiziert, welches über das normale Mass, das bei einem behandelnden Arzt zu erwarten ist, hinausgeht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_695/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 4.3 und 8C_79/2018 vom 6. Juni 2018 E. 4.2).
Andererseits ist hervorzuheben, dass nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend ist, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- u
nd Leistungsfähigkeit (vgl. BGE
136 V 279 E. 3.2.1 mit Hinweis und 143 V 418 E. 4.1.2 und E. 6).
Es besteht aus medizinischer Sicht
nunmehr
dahingehend Einigkeit, dass sich die rezidivierende depressive Störung
mit gegenwärtig leichter Episode nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (
Urk.
1 S. 3,
Urk.
7/37/3; abweichend dagegen noch
Urk.
7/36/1).
Aus Sicht der behandelnden Fachpersonen stehen vielmehr die
mit
der von ihnen diagnostizierten Persönlich
keitsstörung
einhergehenden Einschränkungen
im Vordergrund.
Diesbezüglich
ist
vorwegzuschicken
, dass
Akzentuierungen beziehungsweise Störungen der Per
sönlichkeit gemäss diagnostischen Leitlinien inhärent ist, dass sie stets in der Kindheit oder Jugend beginnen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifes
tieren (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische
Leitlinien,
1
0.
Auflage, S. 277
).
Die Beschwerdeführerin litt denn auch bereits im Kindesalter unter starker Verunsicherung und Schamgefühlen, da sie Schwierigkeiten hatte, den Anforderungen zu genügen und als langsam kritisiert wurde (
Urk.
12/13/2,
12/26/1 und
12/28/1). Dennoch war sie im Stande,
die obligatorische Schulaus
bildung zu absolvieren und
im Jahr 1986 die
Lehre
zur Spitalsekretärin abzu
schliessen (
Urk.
12/7/1 f.
, 12/28/1
)
. Von Mai 1992 bis Januar 1998
ging
sie diese
r
Tätigkeit im
A._
nach
, wobei sie sich gemäss eigenen Angaben sehr wohl
fühlte und ihre Le
istungen erbringen konnte (Urk.
12/13/3).
Es erschliesst sich
mit Blick auf die Ausführungen der behandelnden Fachpersonen
nicht, weshalb sie diese Tätigkeit
welche sie nach der Geburt
ihres ersten
S
ohnes
aufgab
–
krank
heitsbedingt nicht mehr ausüben können sollte.
So
wäre
eine Beeinträchtigung der
Leistungsfähigkeit
auch im Rahmen der
Erwerbstätigkeit
im
A._
zu erwarten gewesen, zumal die Beschwerdeführerin
diese vom 3
3.
bis 3
9.
Lebensjahr ausübte
und
p
athologische
Verhaltensmuster bereits deutlich
hätten
zu Tage treten müssen
.
E
s fehlt ausser
dem an Anhaltspunkten dafür, dass sich die Persönlichkeit
und die kognitiven Fähigkeiten
der Beschwerdeführerin seither wegweisend
verändert h
ätten
.
So war sie
wenn auch der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben misslang
in der Lage, eine Ausbildung zur Coiffeuse an einer Fachhochschule im Jahr 2015 zu absolvieren
,
und
sie
besuchte des Weiteren einen
sechsmonatigen
Massagekurs sowie
einen Kurs des Schweizerischen Roten Kreuz
es (SRK) einschliesslich
dreiwöchigem Praktikum im Pflegebereich (
Urk.
12/7/3 f., 12/26/1).
Dies deutet darauf hin, dass
durchaus
Ressourcen für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vorhanden wären.
4.2.3
Zudem
ist
auf die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung im
A._
vom 1
7.
November 2017 zurückzukommen, welche im Nachgang zur Potential
ab
klärung in der
B._
zur Abklärung möglicher Geburtsgebrechen durchgeführt wurde
(vgl.
Urk.
12/26/6)
.
Es zeigte sich dabei das Bild einer leichten neuro
psy
chologischen Einschränkung, wobei die damit verbundene
Arbeitsunfähigkeit
auf maximal 20
%
geschätzt wurde (Urk. 12/28/3).
Eine gewisse Einschränkung der Leistungsfähigkeit erweist sich
insofern
als
nachvollziehbar, als
bei hoher
Koope
rations
- und Anstrengungsbereitschaft ein deutlich verlangsamtes Arbeitstempo festgestellt werden konnte (
Urk.
12/28/2).
Ein solches war auch im Rahmen der Potentialabklärung feststellbar
, unter anderem in den Bereichen Auffassung so
wie Lernen und Merken. Es fanden sich jedoch durchaus auch
positive
Ressourcen wie insbesondere in Bezug auf die Aufmerksamkeit, die Ausdauer und Geduld, die Kritikfähigkeit, die Ordnungsbereitschaft (trotz diagnostiziertem «Messie-Syn
drom»),
die Kontaktfähigkeit sowie hinsichtlich Antrieb, Sorgfalt und Verantwor
tung
(Urk. 12/26/8 ff.
).
4.2.4
Nach dem Gesagten
besteht
insgesamt keine Veranlassung, die Beurteilung von
dipl.-med.
D._
in Zweifel zu ziehen.
Die Berichte der behandelnden Fach
personen
, welchen
nach dem Gesagten
nur ein begrenzter Beweiswert zukommt,
vermögen nicht zu überzeugen, da
insbesondere
die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht schlüssig
hergeleitet wurde.
Selbst wenn eine solche
vorläge
,
wäre nicht
mit üb
erwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen
, dass d
eren
funktionelle
Auswirkungen
die Ausübung der angestammten Tätigkeit
dauerhaft
beeinträchtigen
würden.
Die Beschwerdeführerin konnte sich im
fort
geschrittenen
Erwachsenenalter
insbesondere
über mehrere Jahre in der Tätigkeit als Arztsekretärin bewähren und ihre Leistungen erbringen.
Es ist auch unter Ein
bezug der Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung nicht ersichtlich, weshalb ihr dies aktuell nicht mehr möglich sein
soll
.
Als nachvollziehbar erweist sich zwar die Unsicherheit
der Beschwerdeführerin in Bezug auf eine Wieder
eingliederung in den Arbeitsmarkt
nach rund 20jähriger Abwesenheit. Hierbei handelt es sich jedoch zum einen um einen invaliditätsfremden Faktor. Zum
anderen umfasst der
massgebende
ausgeglichene Arbeitsmarkt
(vgl.
Art.
16 ATSG
)
praxisgemäss
auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, bei welchen behinderte Personen mit einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2018 vom 1
3.
Juni 2019 E. 7.4.2
mit Hinweisen).
Ergänzend bleibt anzumerken, dass das Bundesgericht zwar für sämtliche psy
chischen Leiden die Anwendbarkeit des
indikatorengeleiteten
Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 statuiert hat, um die funktionellen Folgen sämtlicher psychischer Befunde gesamthaft beurteilen zu können (BGE 143 V 409 und 418).
Dieses bleibt
im konkreten Fall
allerdings aus Verhältnismässigkeitsgründen entbehrlich,
da eine Arbeitsunfähigkeit seitens des RAD in nachvollziehbar be
gründeter Weise verneint wurde und auf die gegenteiligen Einschätzungen der behandelnden Fachpersonen nicht abgestellt werden kann (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
5.
In Ermangelung eines invalidisierenden Gesundheitsschadens und somit eines Invaliditätsgrades von mindestens 40
%
(vgl. E. 1.2
vorstehend
) besteht kein An
spruch auf eine Rente der Invalidenversicherung.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen,
dass
auch
die Berücksichtigung der
von
neuropsycho
lo
gischer S
eite
attestierten Arbeitsunfähigkeit von maximal 20
%
(vgl.
Urk.
12/28/
3, 12/37/4) zu keinem anderen Ergebnis führen würde
. Ausgehend von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Arztsekretärin, welche
im Jahr 1998 nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben wurde, wäre der
Invaliditätsgrad anhand eines Prozentvergleichs zu bestimmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_463/2012 vom
3.
August
2012 E.
4.2). Er läge demnach bei nicht rentenbegründenden 20
%
.
Folglich
hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerde
füh
rerin in der angefochtenen Verfügung vom
8.
November 2
018 (
Urk.
2) zu Recht verneint, weshalb
die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen
ist
.
6
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.