Decision ID: bb992bf1-c69c-4c71-80bf-03ffb67b426e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1978 geborene
X._
absolvierte an der
Y._
das Studium der Maschineningenieurwissenschaften (samt höherem Lehramt) und
war zu
letzt
als
Sachverständige Anlagebetreiber Support
beim
Z._
mit einem Pensum von 80 % erwerbstätig
(Urk. 8/19/12-14)
. Im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung dozierte sie ab August 2011 ein Jahr lang mit einem Pensum von 40 % an einer Fachhoch
schule und baute daneben eine selbständige Erwerbstätigkeit
im Bereich Web- und Printdesign
auf
(Urk. 8/11 S. 2, Urk. 8/19/15)
. A
m 19. Februar 2014
mel
dete
sie
sich
unter Hinweis auf eine
seit Anfang
2012
bestehende
generalisi
erte Angststörung, Panikstörung und
rezidivierende depressive Störung
bei der
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 8/5)
.
Nach Durchführung von Abklärungen in erwerblicher und medizini
scher Hinsicht stellte die IV-Stelle mit
Vorbescheid
vom 3. November 2014
unter Hinweis auf die Überwindbarkeit der psychischen Beschwerden die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 8/25)
. Nach Eingang der Stellungnahme der Versicherten vom
2. Dezember 2014 (Urk. 8/29) verfügte sie am
18. Dezember
2014
im angekündigten Sinne
(Urk. 2)
.
2.
Am
30. Januar 2015
erhob
X._
Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
um Zusprechung einer Invalidenr
ente
, eventualiter um Einholung eines
Gerichtsgutachten
s
zur Frage der Zumutbarkeit einer
psycho
phar
ma
ko
lo
gi
schen
Behandlung
(Urk. 1 S. 2)
.
Mit
Beschwerdeantwort vom 9. März 2015
schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 7)
.
Replicando
hielt die Beschwerdeführerin am 19. Mai 2015 am gestellten Rechtsbegehren fest (Urk. 12). Mit Eingabe vom 26. Juni 2015 verzichtete die
Beschwerdegeg
nerin
auf
das Einreichen
eine
r
Duplik (Urk. 16), worüber die Beschwerdeführerin am 24. August 2015 orientiert wurde (Urk. 17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
1.2
Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochte
nen Verfügung vom
18. Dezember 2014
die im
Vorbescheid
verfahren
erhobe
nen Einwendungen (Urk.
8/29
)
fast gänzlich ausgeblendet und lediglich pau
schal auf die Überwindbarkeit als Rechtsfrage hingewiesen habe
(Urk. 1 S.
8
).
1.3
Die Beschwerdegegnerin
räumte
in der Verfügung vom
18. Dezember 2014
ein
,
dass
laut dem
vom BVG-Versicherer eingeholten Gutachten von Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiat
rie und Psychotherapie, vom
30
. März 2014 (Urk.
8/16)
gesu
ndheitliche
Einschränkungen vorlägen, welche die Arbeitsfähigkeit in subjektiver Hinsicht einschränkten. Aufgrund ihrer Abklärungen
gehe
sie jedoch davon aus, dass diese Einschränkungen überwind
bar seien, weshalb mit einer zumutbaren Willensanstrengung die angestammte Tätigkeit zu 100 % ausgeübt werden
könne. Weiter hielt die
Beschwerdegegne
rin
fest, dass die Beschwerden nicht ausreichend behandelt würden. Eine regel
mässige fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutisc
he Therapie inklusive adäquater
Pharmakotherapie werde dringen
d empfohlen,
sei laut dem Gutach
ten zumutbar
und nach Ansicht des Fachpsychiaters vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
auch unentbehrlich.
Zu den von der Beschwerdeführerin erhobe
nen Einwänden wies die Beschwerdegegner
in auf die rechtliche Natur der
Überwindbarkeitsprüfung
sowie auf die Rechtsprechung zur Aufgabenteilung zwischen Arzt und Rechtsanwender bei der Prüfung der zumutbaren Leistungs
fähigkeit
hin
(Urk. 2 S.
1
f.).
1.4
Zwar äusserte sich die Beschwerdegegnerin nicht ausdrücklich zu der von der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme vom 2. Dezember 2014 geltend gemachte
n
Nichtanwendbarkeit der Überwindbarkeitspraxis
beziehungsweise der Förster-Kriterien
(Urk. 8/29
S. 4 f.
)
. Dies war aber auch nicht nötig, prüfte sie doch die Überwindba
rkeit nicht nach der damaligen
Rechtsprechung
zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne
organische Grundlage
(PÄUSBONOG)
, sondern allgemein nach Art. 7 Abs. 2
Satz 2
ATSG
, wonach eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn
sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
.
Mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit des
Rechts
anwenders
für die abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nahm sie sodann indirekt zu der von der Beschwerdeführerin im
Vorbescheid
verfahren
beantragten Begutachtung Stellung (Urk. 8/29 S. 6). Bei Verneinung eines
inva
lidenversicherungsrechtlich
relevanten
Gesundheitsscha
den
s
erübrigte
sich
eine Stellungnahme zu den
Ausführungen
der Beschwerdeführerin über die
Invali
ditäsbemessung
(vgl. Urk. 8/29 S. 6 f.). Schliesslich
gab die
Beschwerde
gegnerin
bekannt, gestützt auf welchen
Quellen
sie
die
von der Beschwerde
führerin bestrittene (Urk. 8/29 S. 7 ff.)
Zumutbarkeit einer Psychopharmako
therapie
angenommen hatte.
Dadurch ist die Beschwerdegegnerin den an Verfügungen der
Massenverwal
tung
gestellten Anforderungen
wenn auch teilweise formelhaft
genügend nachgekommen, weshalb die Verfügung vom
18. Dezember
2014 unter dem Gesichtspunkt des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs nicht zu beanstanden ist.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärzt
lich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden psychosozialen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidenszustand. (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
2.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
3
.
Wie bereits erwähnt, verneint d
ie Beschwerdegegnerin die
Anspruchsberechti
gung
der Beschwerdeführerin mit der Begründung
, dass die vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen überwindbar seien (Urk. 2).
Aufgrund der guten Ressourcen könne es der Beschwerdeführerin zugemutet werden, trotz der
überwiegend
leichtgradigen
Einschränkungen
zu
arbeiten. Ausserdem bestün
den psychosoziale Belastungsfaktoren, die
invalidenversicherungsrecht
lich
nicht berücksichtigt werden dürften.
Schliesslich habe sich der Gesund
heitszustand bereits gebessert und bei Behandlung nach den fachlichen Leitli
nien sei eine deutliche Symptomreduktion zu erwarten, weshalb nicht von einem langandauernden und erheblichen Gesundheitsschaden im Sinne des IVG auszugehen sei
(Urk. 7).
Demgegenüber
wiederholt
die
Beschwerdeführerin
zunächst
die im
Vorbe
scheid
verfahren
vorgebrachte Einwendung
, dass
kein PÄUSBONOG
vorliege
(Urk. 1 S. 9 f.)
. Weiter
stellt sie sich auf den Standpunkt, dass an den fachärztli
chen Einschätzungen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit nicht zu zweifeln sei (Urk. 1 S. 10 f.).
Selbst bei Indikation zur Medikation wäre sie gemäss Aussage des RAD im Idealfall noch immer klar in rentenbegründender Weise invalid
. Zur
rechtsgenüglichen
Klärung dieser Frage sollte eine Gerichtsexpertise durchge
führt werden
(Urk. 1 S. 15).
Im Verfahren (
Urk.
12) stellt sie ein hohes
Aktivi
tätsniveau
genau so in Abrede wie gute Ressourcen, die es ihr ermöglichten, arbeiten zu gehen (S. 3 f.). Sie bestritt zudem, dass psychosoziale Faktoren im Vordergrund stünden beziehungsweise das Beschwerdebild mitbestimmten (S. 4) und dass von einer Behandlung nach fachlichen Leitlinien eine
Symptomreduk
tion
zu erwarten sei (S. 4 f.).
4
.
4.1
Vom
18. Juli bis 20. August 2012 und wiederum vom 24. August bis 8. Oktober 2012 war die Beschwerdeführerin in der
B._
hospi
talisiert. Im Austrittsbericht vom 5. November 2012
(Urk. 8/12/3-6)
wurden fol
gende Diagnosen gestellt
(S. 1)
:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Panikstö
rung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Akzentuierte
P
ersönlichkeitszüge
Laut Bericht äusserte sich die Beschwerdeführerin ablehnend bezüglich einer psychopharmakologischen Behandlung und bevorzugte eine
phytotherapeuti
sche
Behandlung inklusive Vitaminabgabe.
Aufgrund einer gewissen
Hospitali
sationsmüdigkeit
sei
die
Hospitalisation
fraktioniert worden. Im Verlauf sei es zu einer
sukz
essiven
Reduktio
n der Angstzustände
mit
Ausbl
e
i
ben von
Panik
attacken
gekommen
(S. 3f.)
.
4.2
Prof. Dr. med.
C._
vom
Stoffwechselzentrum
der
D._
stellte im Bericht vom
29. September 2013 (Urk. 8/12/9-10)
folgende
Diagnosen:
1.
Insulinresistenz
2.
Manifester Vitamin D-Mangel
3.
Adrenale
Hyperandrogenämie
4.
Angststörung
Sodann empfahl er der Beschwerdeführerin, bei der begonnenen Therapie der komplexen Stoffwechselsituation und der Insulinresistenz bei Adipositas und willentlicher Gewichtsabnahme möglichst auf die Einnahme von Psychophar
maka bei der vorbekannten Angststörung zu verzichten, wenn dies möglich sei
.
4.3
Im
vertrauensärztlichen
Gutachten
vom 20. März 2014 (Urk. 8/16) an den BVG-Versicherer stellte die Psychiaterin
Dr.
A._
folgende Diagnosen (S. 8):
-
Schwere Angstsymptomatik ähnlich einer generalisierten Angststörung bei ursprünglich Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung,
ggw
.
m
ittelschwer, mit atypischer depressi
ver Symptomatik (ICD-10 F33.1)
Weiter führte die Gutachterin aus, die Beschwerdeführerin beklage in erster Linie Ängste, die sie vor allem als sie beunruhigende körperliche Symptome wahrnehme wie permanente Anspannung, Zittern, Schwindel- und Schwäche
gefühle, Übelkeit, Herzklopfen und Atemnot. Bei stärkerer Ausprägung komme die Angst dazu, es nicht auszuhalten oder sogar
„
am Herz zu sterben oder zu ersticken
“
. Diese Ängste träten ausserhalb der Wohnung verstärkt auf, insbe
sondere vor Terminen und Verpflichtungen, aber auch zuhause, wo sie sich gegen Abend verstärkten.
Die Beschwerdeführerin
habe keine eigentlichen Panikattacken mehr. Des Weiteren beschreibe sie ein depressives Syndrom mit fast durchgehender Freudlosigkeit, Interessenverlust, massiven inadäquaten Schuldgefühlen (vor allem der Mutter gegenüber), Lebensüberdruss, erhöhtem Schlafbedürfnis, Antriebsminderung, verstärkter Erschöpfbarkeit und deswegen sehr geringer Leistungsfähigkeit (S. 9).
Ihre ausführlichen Begründungen, weshalb sie die Einnahme von Psychophar
maka strikte ablehne, beinh
a
lten grosse Angst vor Nebenwirkungen, „nicht so werden, wie die Mutter“, die Überzeugung, sich bei rascher Besserung sogleich wieder aufzuopfern und zu übernehme
n, und zu guter Letzt ihre Stoffwechsel
störung. Bei ihren mit Engagement vorgebrachten Ausführungen seien hinter
gründig enorme Ängste vor Überforderung spürbar.
Zweifellos spielten geneti
sche Faktoren betreffend Angst und Depression eine wichtige ursächliche Rolle. Die seit längerer Zeit dominierenden Leiden erlaubten derzeit keine Beurteilung der Persönlichkeit. Sicher lägen
dysfunktionale Schemata wie überhöhter
Leis
tungsanspruch
, hohes Kontroll- und Autonomiebedürfnis verbunden mit Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen, und eine Tendenz zur Aufopferung vor. Prämorbid
gebe es
jedoch keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung. Vielmehr verfüge die Beschwerdeführerin über zahlreiche Ressourcen (vielfältige Begabungen, gute Partnerschaft, drei Berufe, Freundeskreis).
In
wieweit eine Akzentuierung im Sinne der obenerwähnten Tendenzen bestehe, sei angesichts der aktuellen angstbedingten massiven Vermeidungsstrategien, die sie konkret (Alltagsaktivitäten)
wie auch kognitiv (Rationalisie
rung und anderes) stark behinderten, nicht beurteilbar. Ihre Aversion gegen eine Medikation sei Teil des Störungsbildes und bei Ängsten häufig zu finden, wenn auch selten in diesem krassen Ausmass. Die chronische Depression schränke ihren
Handlungsspiel
raum
noch zusätzlich ein (S. 10).
Die Prognose sei ohne stabilisierende antidepressive/antipanische Medikation ungünstig. Wohl könne sich das Leiden bessern. Die
B
etroffenen blieben indes
sen nicht belastbar und seien einem hohen
Rezidivrisiko
ausgesetzt. Eine lang
fristig angelegte, lege
artis
durchgeführte medikamentöse Behandlung sei drin
gend indiziert und absolut zumutbar. Es stehe sehr viel auf dem Spiel, nämlich die Weichenstellung zwischen weiterer
Chronifizierung
oder Symptomlinderung und Funktionsverbesserung. Die Prognose könne dadurch entscheidend verbes
sert werden. Die Stoffwechselstörung spreche nicht dagegen, würden doch SSRIs
[
selektive
Serotonin
R
euptake
I
nhibitor
en
]
und verwandte Substanzen (moderne Antidepressiva gegen Depression und Angst) auch bei schweren somatischen Störungen (z.B. Diabetes
)
angewendet, womit sich nebenbei Diät-Compliance und körperliche Aktivität häufig verbesserten. Zugleich müssten die dysfunktionalen Schemata vertieft und ebenfalls langfristig psychotherapeutisch bearbeitet werden, ansonsten sich die von der Beschwerdeführer
in
befürchtete Überforderung tatsächlich im längeren Verlauf wieder abzeichnen könnte. Da die Störungen nicht ausreichend behandelt seien
,
könne derzeit nicht von einer Berufsunfähigkeit ausgegangen werden. Es bestehe zurzeit
indes
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 10 f.).
4.4
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelt die Beschwerdeführerin seit 14. August 201
3.
Im Bericht
vom 25. Mai 2014 (Urk. 8/22)
stellte er folgende
Diagnosen:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1)
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin habe im Laufe des Jahres 2011 bei zunehmend psychosozialer Belastung (hohe Arbeitsbelastung und
Hospitalisa
tion
der Mutter wegen einer Angststörung) Angst- und Panikzustände mit zunehmender Intensität und Frequenz entwickelt, bis sie schliesslich zur statio
nären Behandlung in die
B._
eingetreten sei. Anschliessend sei sie bis 5. August 2013 in ambulanter Weiterbehandlung durch den leitenden Arzt gestanden
. Im
Z
entrum der Symptomatik stünden ständig unmotiviert auftretende Angst-
und Panikzustände mit Herzstech
en, Schwindel, Zittern, Schwächezustand
, Erschöpfung und
eine
depressive Symptomatik mit starker Rückzugstendenz, dauernd erhöhter Ermüdbarkeit, Perspektivlosigkeit,
Interes
severlust
, Freudlosigkeit, latenter Suizidalität.
Die Behandlung setze sich aus Psycho-, Mal- und Bewegungstherapie zusammen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Beschwerdeführerin keine Erwerbstätigkeit zuzumuten. Langfristig könnte eine Remission erreicht werden. Konzentrationsvermögen und Anpassungs
fähigkeit seien stark, die Belastbarkeit sehr stark eingeschränkt.
4.5
RAD-Arzt Dr. med.
F._
, Facharzt für Anästhesiologie und zertifizierter medizi
nischer Gutachter SIM, ging in seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2014 (Urk. 8/24 S. 3 f.) nach ausführlicher Besprechung des Falles mit
dem RAD-Kollegen
Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eben
falls von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus und erachtete eine medika
mentöse Behandlung als unentbehrlich. Dadurch erwartete er eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf mindestens 40 % innerhalb eines Jahres.
4.6
Am 22. Dezember 2014 erstattete
Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
weiteres psychiatrisches
Gutachten zu Händen des BVG-Versicherers
(Urk. 3/3)
. Darin stellte er folgende
Diagnosen
(S.
22)
:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Status nach Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dig, ohne somati
sches Syndrom (ICD-10
F33.10)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
Sodann gab der Gutachter an,
einerseits weise die Beschwerdeführerin eine belas
tete, ja traumatisier
t
e Kindheits- und Jugendanamnese auf. Andererseits
habe sie zeitüberdauernde, stabile aber auffällige Persönlichkeitszüge ausgebil
det, wie eine sehr hohe Leistungsorientierung, einen ausgeprägten Wunsch nach Kontrolle, Schwierigkeiten Hilfe anzunehmen oder einen ausgeprägten Wunsch nach Autonomie, welche insgesamt zwanghafte Züge aufwiesen. Die zwang
haften Persönlichkeitszüge hätten sich nicht auf Phasen von psychischen Stö
rungen beschränkt, seien aber auch nicht in einem Ausmass vorhanden, dass sie deutlich von sozialen Normen abgewichen wären. Vielmehr sei die Beschwer
deführerin sowohl im beruflichen als auch im privaten Lebensbereich erfolg
reich, geschätzt und stabil. Aus diesem Grund könne auch keine
krankheitswer
tige
Persönlichkeitsstörung festgestellt werden (S. 23).
D
ie Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht ein
geschränkt. Diese Einschätzung ergebe sich aus den erhobenen psychopatholo
gischen Befunden, namentlich
Deprimiertheit
, Interessemangel, Antriebsmangel mit erhöhter Erschöpfbarkeit, Wertlosigkeitsgefühle, wiederkehrende Gedanken an den Tod und wiederkehrende starke Ängste. Folgende psychische Fähigkeiten seien in schwerem Ausmass reduziert: Planung und Strukturierung von Aufga
ben, Flexibilität und Umstellfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit. Diese hätten eine Ein
schränkung der beruflichen Teilhabe als Dozentin zur Folge. Seit
18. Juli 2012
bestehe daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Dozentin
(S. 25)
.
Es sei eine Indikation für eine medikamentöse Behandlung vorhanden. Eine eigentliche Kontraindikation bestehe gemäss den Leitlinien nicht. Die Beschwer
deführerin fürchte sich vor einer Psychopharmakotherapie und erwarte ausge
prägte Nachteile. Ein
T
eil der Befürchtungen erscheine aus fachlicher Sicht unbegründet. So spreche etwa eine Insulinresistenz nicht prinzipiell gegen die Einnahme von Psychopharmaka. Vielmehr sollten gewic
htsfördernde Substan
zen vermied
e
n
werden. Weiter wäre es nicht so
entscheidend, ob sich viele oder wenige Nebenwirkungen
manifestierten, da diese im Verlauf von wenigen Wochen oft wi
eder an Intensität verlö
ren oder ganz verschwänden, sondern mit welcher Intensität sie aufträten. Letzteres sei auch dosisabhängig und lasse sich mit einer vorsichtigen Titration, aber auch mit einer vorübergehenden Abschir
mung mittels Benzodiazepinen günstig beeinflussen. Andere Ängste, etwa vor dem Verlust der Selbstbestimmung oder der Abkehr von der Psychotherapie
,
seien zwar nachvollziehbar, aber aus fachlicher Sicht eher wenig wahrschein
lich, gebe es doch in der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin gegen
über derjenigen der Mutter gewichtige Unterschiede, z.B. in Bezug auf den starken und stabilen Wunsch, sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen auch ohne Not zu konfrontieren. Zusammenfassend lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt und dem derzeitigen Informationsstand sagen, dass
eine zusätzliche Pharmakotherapie sowohl gegen die chronischen Ängste als auch gegen die depressiven Symptome aus fachlicher Sicht eine Hilfe wäre und eine bessere Chance für deren Überwindung böte. Vor dem Hintergrund einer
nur gering integrierten Selbstwahrnehmung und Selbstregulation wäre es
kurz
fristig für die psychische Verfassung und den weiteren Therapieverlauf eine Gefahr, wollte man gegen den Willen der Beschwerdeführerin auf eine
r
Phar
makotherapie
beharren
. Hingeg
en wäre es aus fachlicher Sicht
durchaus ver
tretbar und der Beschwerdeführerin auch zuzumuten, sich in ihrer Behandlung mit ihren Ängsten vor einer Pharmakotherapie vermehrt auseinanderzusetzen, statt sie phobisch zu vermeiden. Die Prognose in Bezug auf eine Wiedererlan
gung einer mindestens teilweisen Arbeitsfähigkeit hänge mittelfristig von der Compliance der Beschwerdeführerin in Bezug auf eine Psychopharmakotherapie ab. Werde diese entsprechend den fachlichen Leitlinien durchgeführt, sei eine deutliche Symptomreduktion sowohl in Bezug auf die Ängste, als auch hin
sichtlich der depressiven Beschwerden zu erwarten. Positive Effekte wären wohl innerhalb von sechs bis acht Monaten gut sichtbar
(S. 26 f.)
.
5.
5.1
Aufgrund der
wiedergegebenen, weitgehend übereinstimmenden
medizinischen Stellungnahmen steht fest, dass die Beschwerdeführerin an einer g
eneralisierte
n
Angststörung (ICD-10 F41.1)
und einer r
ezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradig, ohne somatisches Syndrom
(ICD-10
F33.10)
leidet. Während der
Hospitalisation
in der
B._
trat eine
wesentliche
Besserung mit Reduktion der Angstzuständen und Ausbleiben der Panikattacken
ein
(
Bericht vom 5. November 2012,
Urk. 8/12/3-6
S. 4
),
weshalb
seither
ent
sprechend der Beurteilung des Gutachters Dr.
H._
von einem
Status nach Panikstörung (ICD-10 F41.0)
auszugehen ist (Gutachten vom 22. Dezember 2014, Urk. 3
/
3 S. 22)
. Daneben besteht eine a
kzentuierte Persönlichkeit mit zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
.
Unter den berichtenden Ärzten herrscht sodann Einigkeit über die dringende Indikation und die Zumutbarkeit einer Psychopharmakotherapie
. Ohne diese
Behandlung
wird
eine ungünstige
Prognose
gestellt
. Einigkeit besteht auch über die Einschätzung der
aktuellen
Arbeitsunfähigkeit
mit
100 %.
5.2
Vorweg ist zu bemerken, dass es nach der Rechtsprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen, somit auch bei Depressionen, keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (g
utachtlich) befassten
Arztperso
nen
ist, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu
einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe
und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tat
sächlichen und rechtlichen Gege
ben
heiten hat die Rechtsprechung seit
jeher die Aufgaben von Rechtsan
wender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache
des (begutachtenden) Mediziners ist es ersten
s, den Gesundheitszustand zu be
ur
teilen und wenn nötig seine Entwicklun
g im Laufe der Zeit zu beschrei
ben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztl
icher Untersuchung unter Berück
sichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt
der Sachverständige seine genu
ine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingeg
en keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2).
In diesem Sinne
darf der Rechtsanwender – entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 1 S. 9)
,
die Arbeitsfähigkeitseinschätzung der Ärzte
nicht ohne vorgängige
Prüfung
der gesetzlichen Voraussetzungen
für die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
übernehmen.
5.
3
In Bezug auf die festgestellte Diagnose
einer
akzentuierten Persönlichkeit mit zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
ist zu
be
rücksich
tigen, dass
es sich bei den Diagnosen aus den Z-Kodierungen
um Faktoren han
delt, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Die Kategorien Z00-Z99 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen" oder „Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Solche fallen nicht unter den Begriff der
invaliditäts
rechtlich
erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung und stellen grundsätzlich keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar (Urteil des Bun
desgerichts 9C_537/2011 vom 28.
Juni
2012 E.
3.1 mit Hinweisen).
Vorliegend kann nichts anderes gelten
. D
ie vom Gutachter Dr.
H._
erwähnte Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit mit zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1) hat
auch nach
dessen
detaillierten Einschät
zung
(vgl. Gutachten vom 22. Dezember 2014, Urk. 3/3 S. 23)
eben gerade nicht die Qualität, welche die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung rechtfertigt.
Darüber hinaus war
die
Beschwerdeführerin
vor Auftreten der Angst- und depressiven Störung
t
rotz ihren auffälligen Persönlichkeitszügen
in einem anspruchsvollen Beruf
vollzeitlich erwerbstätig,
was nicht zuletzt
ihren
vielen Ressourcen zur Bewältigung ihrer Problematik zu verdanken ist. D
eshalb
ist
davon auszugehen, dass
diese
Störung
die Arbeitsfähigkeit für si
ch gesehen nicht beeinträchtigt
.
5.4
Nach der Rechtsprechung werden leicht-mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depres
sion im Sinne eines verselbstständigten
Gesundheitsschadens betrachtet
. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidi
vierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist
(Urteil des Bundesge
richts 8C_195/2014 vom 12. Juni 2014 E. 4.4 mit
Hinweisen). Auch wenn eine invalidi
sierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störu
ng nicht schlecht
hin auszuschliessen ist, bedingt deren Annahme jedoch, dass eine kon
sequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheite
rn das Leiden als resistent aus
weist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidisierende Wir
kung des Gesundheitsschadens anzunehmen (
Urteil des Bundesg
erichts 8C_303/2015 vom 8. Okto
ber 2015 E.
4.4 mit Hinweisen).
Nach Lage der Akten
entstand
en
zunächst die
Angst
- und anschliessend die depressive S
törung
massgeblich durch
ein Zusammentreffen von
belastende
n
Lebensumstände
n
, namentlich
die berufliche Neuorientierung mit Eröffnung der eigenen Firma im Jahr 2011, die eigene Hochzeit
mit grossem Fest
, die psychi
atrische
Hospitalisation
der Mutter im Dezember 2011
und
die Absolvierung von
zwei
Weiterbildungen bis März 2012
neben der Lehrtätigkeit zu einem Pensum von 60 %
(Bericht der
B._
vom 5. November 2012, Urk. 8/12/3-6 S. 2
; Gutachten von Dr.
A._
vom 30. März 2014, Urk. 8/16 S. 3
;
Gutachten von Dr.
H._
vom 22. Dezember 2014, Urk. 3/3 S. 17
).
Nach ihren eigenen Angaben
lebte
die Beschwerdeführerin
„immer schneller und immer mehr“
und
begann
in dieser übermässigen Belastungssituation an
Herz
stechen
zu leiden
(
Urk. 3/3 S. 10).
Hintergrund für dieses Übermass an berufli
cher Aktivität könnte
der
sich seit Jahren verschärf
ende
Loyalitätskonflikt mit der Mutter sein, der 2011 mit deren Hospitalisierung eine weitere Akzentuie
rung erfahren hatte
(Urk. 3/3 S. 24)
.
Insofern erscheint es als zweifelhaft, ob eine von der Belastungssituation
und der daraus folgenden
Angsts
törung
unterscheidbare und in diesem Sinne ver
selbständigte
depressive
Störung vorliegt und überhaupt ein invalidisierender Gesundheitsschaden angenommen werden kann (vgl. dazu BGE 127 V 294 E. 5a). Vielmehr enthält die Aktenlage deutliche Anhaltspunkte dafür, dass sich die invaliditätsfremden Elemente nicht klar vom medizinischen Leiden selbst trennen lassen, sondern die d
epressive Störung in der psychoso
zialen Belas
tungssituation
und der daraus folgenden Angststörung
a
ufgeht.
Ausschlaggebend ist zudem, dass die Beschwerdeführerin
seit
2012
zwar
in psy
chotherapeutischer Behandlung steht und inzwischen verschiedene
Fachthera
pien
wie Bewegungs- und Tanz-, Ergo- und Maltherapie sowie
Shiatsu
in Anspruch genommen hat
(Urk. 3/3 S. 26
;
Urk.
8/12/3-6 S. 3; Bericht von Dr.
E._
vom 25. Mai 2014, Urk. 8/22 S. 3
). Trotz der jahrelangen ambulan
ten und stationären Therapien ist der erhoffte Erfolg
jedoch
ausgeblieben und die Beeinträchtigung
ist
weiterhin
erheblich
.
Dies liegt nach der Beu
rteilung sämtlicher berichtender Ärzte
dar
a
n, dass die Beschwerdeführerin eine
Psycho
pharmakotherapie
der depressiven und ängstlichen
Symptomatik
verweigert.
Diese wäre ihr auch nach der einstimmigen Beurteilung der berichtenden Ärzte zumutbar. Denn aus somatischer Sicht besteht laut den Angaben von Dr.
C._
(Bericht vom 29. September 2013, Urk. 8/12/9-10) keine abso
lute Kontraindikation aus Sicht der Stoffwechselerkrankung
. Darüber hinaus kann dieser Erkrankung laut den
Gutachter
n
Dr.
A._
(Gutachten vom 3
0. März 2014, Urk. 8/16 S. 10 f.) und Dr.
H._
(Gutachten vom
22. Dezember 2014, Urk. 3/3 S. 27)
bei Auswahl und Dosierung der einzusetzenden Medika
mente Rechnung getragen werden.
Auch das dokumentierte Aktivitätsverhalten spricht jedenfalls nicht für ein aus
geprägtes psychisches Leiden. So führt die Beschwerdeführerin ihren Haushalt selbständig, geht ausser Haus
, pflegt soziale
Kontakte
und
vermochte
sogar ein Fest für den
40.
Geburtstag ihres Ehegatten zu organisieren
(Urk. 3/3 S. 16 f., Urk. 8/16 S. 4)
.
Eine invalidisierende Wirkung ist dem depressiven Geschehen daher nicht zuzuerkennen.
5.5
Auch mit Bezug auf die Angststörung ist
angesichts der ausführlichen und über
zeugenden Stellungnahmen der berichtenden Ärzte von der Zumutbarkeit einer Pharmakotherapie auszugehen. Ohne diese Behandlungsmethode ist von den aktuell durchgeführten Behandlungen
trotz der während
d
er
Hospitalisa
tion
in der
B._
bereits eingetretenen Besserung mit Bezug auf die Panikattacken
kein durchschlagender
und dauerhafter
Erfolg
zu erwarten
(
vgl. die beiden
Gutachten
der
Dres
.
A._
vom 30. März 2014, Urk. 8/16 S. 10
, sowie
H._
vom 22. Dezember 2014,
Urk. 3/3 S. 27 f.
)
.
Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es beim aktuellen Stand
der Behandlung kontraproduktiv
wäre
,
der Beschwerdeführerin die Einnahme von Psychopharmaka aufzuzwingen
(Urk. 3/3 S. 27)
.
Denn rechtsprechungsgemäss kann
e
in Rentenanspruch grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare therapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
eine wesentliche Verbesserung des (psychischen) Gesund
heitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor
(
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_
33
/201
5 vom 2
7.
März 2015 E. 3
9C_254/2013
vom 30. Oktober 2013 E. 3.1).
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin durch ihre psychische Erkrankung eine Entlastung von der problematischen Beziehung zur ebenfalls psychisch kranken Mutter erfährt und im Falle einer Besserung befürchtet, von dieser wieder ausgenutzt zu werden (Urk. 3/3 S. 11)
, was auf ein
en
erhebliche
n
primären
Krankheitsgewinn
schliessen lässt
.
Schliesslich ist sich die Beschwerdeführerin ihrer vielen persönlichen Ressour
cen
(vgl. Urk. 3/3 S. 10) bewusst und es wäre ihr zuzumuten, mit
H
ilfe dieser Fähigkeiten an der mit der stationären Behandlung in der
B._
eingesetzten und seither langsam fort
schreiten
den Besserung (Urk. 3/3 S. 12) weiterhin zu arbeiten und dabei auch die noch nicht ausge
schöpften Therapieoptionen in Anspruch zu nehmen
.
5.
6
Angesichts dieser Umstände ist erstellt,
dass invalidenversicherungsrechtlich nicht von einer
dauerhaften Leistungsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin aus
zugehen ist. An
zufügen bleibt, dass
sämtliche berichtende
n
Ärzte
unter geeig
neten Therapiemassnahmen
von einer langfristigen Arbeitsfähigkeit
ausgehen
und ihr Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von
aktuell
100 % lediglich vorläufigen Charakter hat und nach Ansprechen auf die einzuleitende Pharmakotherapie revidiert werden müsste.
Da die Rechtsprechung bei
therapierbaren
Krankheiten nicht auf eine andauernde B
eeinträchti
gung
schliesst
(
Urteil des Bundesgerichts
9C_254/2013 vom 30. Oktober 2013 E. 3.2, Urteil des damaligen Eidgenössi
schen Versicherungsgerichts
I
291/05 vom 31. März 2006 E. 3.3
)
, hat es
mit den getroffenen Feststellungen sein Bewenden.
In diesem Lichte kann
die Beschwer
deführerin
aus dem
Urteil
BGE 127 V 294
E.
4c nichts zu
ihren
Gunsten ableiten
(vgl. Urk. 1 S.
13
).
Damit ergibt sich auch, dass nicht von einer sich d
urch das Zusammenspiel verschie
dener (invalidenversicherungsrechtlich) nicht r
elevanter
Gesundheits
beein
träch
tigungen
ergebenden medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen ist. Bei diesem Ergebnis besteht auch keine Veranlassung für Über
legungen zur Überwindbar
keit der Problematik (
vgl.
Urk. 1 S. 8
f
f.), besteht doch keine Krankheit aus dem
somatoformen
Formenkreis.
5.
7
Zusam
menfassend steht fest, dass bei der
Beschwerdeführer
in keine Krankheit vor
liegt, welche invalidenversicherungsrechtlich zur Annahme einer andauern
den Arbeitsunfähigkeit führt. Damit ist
die
Beschwerdeführer
in
nicht invalid,
weshalb die Beschwerde gegen die leistungsverwei
gernde Verfügung der Beschwerde
gegnerin abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).