Decision ID: 43702826-7060-400c-94c3-0b385a70ac38
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. September 2022 in der Schweiz um
Asyl nach.
B.
Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank durch das
SEM ergab, dass er am 26. August 2022 in Griechenland aufgegriffen
wurde und am 22. September 2022 in Italien um Asyl nachgesucht hatte.
Weiter ergab die Identitätsabklärung, dass er von Italien mit einem Einrei-
severbot für den Schengenraum belegt worden war.
C.
C.a Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer anlässlich des sogenann-
ten Dublin-Gesprächs vom 26. Oktober 2022 – im Beisein der ihm zuge-
wiesenen Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur möglichen Zustän-
digkeit Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens, einer Wegweisung
dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.
C.b Der Beschwerdeführer erklärte im Wesentlichen, er sei am 10. Sep-
tember 2022 in Italien aufgegriffen worden und habe den dortigen Behör-
den mehrmals gesagt, dass er weiterreisen möchte. Wegen fehlender Rei-
sedokumente sei er jedoch zu einem Zentrum namens CPR (Centro di Per-
manenza per i Rimpatri, Rückführungszentrum; Anmerkung des Gerichts)
in B._ gebracht worden. Dort sei er zwei Wochen gewesen. Er sei
einem Richter vorgeführt worden. Dabei sei aber kein Dolmetscher anwe-
send gewesen. Ihm sei angedroht worden, dass er ohne Einreichung eines
Asylgesuchs in die Türkei weggewiesen würde. Er habe daher ein Asylge-
such eingereicht und sei dann aus dem CPR entlassen worden.
Sein Aufenthalt in Italien sei für ihn traumatisch gewesen und er fühle sich
dort wegen den "staatlichen Zuständen" nicht in Sicherheit. Im CPR habe
es drogenabhängige und suizidgefährdete Personen sowie Personen im
Hungerstreik gegeben. Während seines dortigen Aufenthalts hätten vier
Personen Suizid begangen und die Polizei habe nichts dagegen unternom-
men.
C.c Zu seinem Gesundheitszustand gab er an, dass er zurzeit weder kör-
perliche noch psychische Probleme habe. Bei einer Wegweisung nach Ita-
lien würde sich aber sein psychischer Zustand verschlechtern.
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D.
Ebenfalls am 26. Oktober 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behör-
den um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18
Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO). Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 25 Abs. 1 Dub-
lin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet.
E.
Gemäss telefonischer Abklärung vom 10. November 2022 durch das SEM
bei der zuständigen Gesundheitsbetreuung meldete sich der Beschwerde-
führer bis dahin nicht beim Gesundheitsdienst, um allfällige gesundheitli-
che Beschwerden vorzubringen.
F.
Mit Verfügung vom 10. November 2022 – tags darauf eröffnet – trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegwei-
sung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz am
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Es beauftragte den
Kanton C._ mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig händigte
es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen den Ent-
scheid habe keine aufschiebende Wirkung.
G.
Am 15. November 2022 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM
die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
H.
Mit Beschwerde vom 17. November 2022 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragte der Beschwerdeführer in materieller Hinsicht, die Verfü-
gung vom 10. November 2022 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei an-
zuweisen, ihre Pflicht oder ihr Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich
für sein Asylverfahren für zuständig zu erklären, eventualiter sei die Ange-
legenheit für weitere Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die auf-
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schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuwei-
sen, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesver-
waltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe. Fer-
ner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den Ent-
scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG)
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchen-
de in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-
dung.
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätz-
lich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt, unter Vor-
behalt der von Art. 7 Abs. 3 und Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO erfassten Situ-
ationen (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.;
BVGE 2019 VI/7 E. 4-6). Kann kein Mitgliedstaat gemäss den aufgeführten
Kriterien bestimmt werden, ist derjenige Staat zuständig, in welchem das
erste Asylgesuch gestellt wurde (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO).
4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
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als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben,
wenn individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vorliegen
(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Das Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht
durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311) konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss die-
ser Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn
dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
4.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer gelangte gemäss seinen Angaben zwar in Grie-
chenland in das Hoheitsgebiet der Dublin-Mitgliedstaaten (vgl. auch den
entsprechenden Eurodac-Treffer), was – wie in der Beschwerde vorge-
bracht – gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO die Zuständigkeit Grie-
chenlands begründen könnte. Da im Falle von Griechenland indessen
nach ständiger Praxis vom Vorliegen systemischer Mängel (im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO) auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer
D-4651/2022 vom 20. Oktober 2022) und der Beschwerdeführer unmittel-
bar vor seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz in Italien um Asyl nach-
suchte, ersuchte das SEM gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Satz 1 respektive
Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu Recht die italienischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers.
Die italienischen Behörden liessen das Rückübernahmeersuchen innert
der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, wo-
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mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO). Italien ist folglich zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers
verpflichtet. Dass gegen den Beschwerdeführer in Italien offenbar ein Ein-
reiseverbot angeordnet wurde (vgl. Bst. B vorstehend), wobei keine Details
dazu bekannt sind, vermag daran nichts zu ändern. Gegen eine Überstel-
lung des Beschwerdeführers aus der Schweiz nach Italien im Rahmen ei-
nes Dublin-Verfahrens würde dieses Einreiseverbot nicht greifen (vgl. etwa
Urteil des BVGer E-4088/2022 vom 21. September 2022 E. 3.2). Die Zu-
ständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-
fahrens ist somit grundsätzlich gegeben.
5.2 Daran ändert der vom Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin-Ge-
sprächs bereits vorgebrachte und in der Beschwerde konkretisierte Ein-
wand, wonach er in Italien faktisch gezwungen worden sei, ein Asylgesuch
zu stellen und seine Fingerabdrücke abzugeben, er dort jedoch gar kein
Asylgesuch habe stellen wollen und sein Ziel die Schweiz gewesen sei,
nichts. Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung zu Recht aus,
dass die Bestimmung des zuständigen Dublin-Staates nach festgelegten
Kriterien gestützt auf die Dublin-III-VO erfolge, welche es nicht erlauben
würden, persönliche Präferenzen der asylsuchenden Person zu berück-
sichtigen. Aus der vom Beschwerdeführer behaupteten Anwesenheit des
Mannes seiner Schwägerin in der Schweiz lässt sich sodann bereits des-
halb kein Zuständigkeitskriterium ableiten, weil es sich dabei nicht um ei-
nen Familienangehörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO handelt.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Dublin-Staaten gemäss der
sogenannten Eurodac-Verordnung verpflichtet sind, unter anderem von
Personen, die – wie der Beschwerdeführer – illegal in das Hoheitsgebiet
der Dublin-Staaten einreisen respektive sich weiterhin illegal dort aufhal-
ten, Fingerabdrücke abzunehmen.
6.
6.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es
wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische
Schwachstellen aufweisen.
6.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
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0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung
davon aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwach-
stellen – keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler die Referenzurteile des BVGer
D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10.2, F-6330/2020 vom 18. Oktober
2021 E. 9 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). Für eine Än-
derung dieser Rechtsprechung besteht – selbst unter Berücksichtigung der
generellen Ausführungen in der Beschwerde betreffend die Aufnahmebe-
dingungen in Italien (insb. auch für Dublin-Rückkehrer) und des Hinweises
auf zwei Entscheide von Gerichten in Deutschland – keine Veranlassung.
6.4 Eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO erweist
sich demnach als nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer geforderten Selbsteintritts
durch die Schweiz ist sodann Folgendes festzuhalten:
7.2
7.2.1 Soweit der Beschwerdeführer mit seinen generellen Beschwerdevor-
bringen zu den Umständen in Italien den dortigen Zugang zum Asylverfah-
ren in Frage stellt, vermag er kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzu-
tun, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn wiederaufzuneh-
men und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausser-
dem hat er mit seinen allgemeinen Ausführungen nicht dargetan, die ihn
bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart
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schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtechar-
ta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten.
7.2.2 Die Vermutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen
ein, kann im Einzelfall zwar widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber kon-
kreter und ernsthafter Hinweise. Solche hat der Beschwerdeführer, der
nach erfolgter Asylgesuchstellung in Italien umgehend aus dem Rückfüh-
rungszentrum entlassen wurde und sich am Folgetag bereits in die
Schweiz begab, mit seinen Beschwerdevorbringen zur allgemeinen Unter-
bringungssituation in Italien nicht dargetan. Es darf somit davon ausgegan-
gen werden, dass für ihn der Zugang zu einer Asylunterkunft nach einer
Überstellung nach Italien gewährleistet ist. Bei einer allfälligen vorüberge-
henden Einschränkung der ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden
minimalen Lebensbedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an
die zuständigen Behörden vor Ort wenden und diese auf dem Rechtsweg
einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Zudem steht ihm die Möglich-
keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.
7.2.3 Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-
III-VO zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Pra-
xis des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des
Selbsteintrittsrechts in der Schweiz (vgl. etwa Urteil D-4164/2022 vom
30. September 2022 E. 7.3.1 m.w.H.). Die Befürchtung des Beschwerde-
führers, in Italien (wegen seiner Ausreise resp. aufgrund der generellen Si-
tuation [bspw. Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf das Aufnahmesys-
tem]) keine Unterbringung zu bekommen und im Winter auf der Strasse
leben zu müssen, erweist sich mithin als unbegründet. Auch besteht ange-
sichts seiner auf seine Asylgesuchstellung in Italien erfolgte Entlassung
aus dem Rückführungszentrum – entgegen seiner in der Beschwerde ge-
äusserten Befürchtung – kein Grund zur Annahme, dass er nach seiner
Überstellung wieder in einem Rückführungszentrum untergebracht würde.
Es erübrigt sich daher, auf seine Vorbringen zu den dortigen Bedingungen
einzugehen.
7.2.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, eine Überstellung nach
Italien setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletzte damit
Art. 3 EMRK, ist zunächst festzuhalten, dass er aktuell – soweit aus den
Akten ersichtlich – gesund ist (vgl. Bst. C.c und E. vorstehend). Sollte sich
sein psychischer Zustand tatsächlich verschlechtern, ist – in Übereinstim-
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mung mit dem SEM – darauf hinzuweisen, dass Italien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt und er dort gestützt auf die Auf-
nahmerichtlinie Zugang zu den erforderlichen Behandlungen hätte.
7.2.5 Nach dem Gesagten erweist sich die Überstellung nach Italien unter
Beachtung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zuläs-
sig, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers in Anwendung der Ermessensklausel ge-
mäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich sind.
7.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene
Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbeson-
dere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder
ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das
Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserun-
gen.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Wei-
tere Sachverhaltsabklärungen sind nicht nötig, weshalb der nicht weiter be-
gründete Eventualantrag abzuweisen ist. Da der Beschwerdeführer nicht
im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist,
wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG eben-
falls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
11.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der
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aufschiebenden Wirkung (inkl. entsprechende Anweisung an die Vollzugs-
behörden) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ge-
genstandslos geworden.
12.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-
weisen, da die Begehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aus-
sichtslos zu bezeichnen waren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind
die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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