Decision ID: 92d9be2a-4e88-48ef-884c-950c310bca32
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A._ wurde erstmals 1992 zum Bezug von IV-Leistungen für Minderjährige
angemeldet und erhielt daraufhin Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art
(Sprachheilunterricht), medizinische Massnahmen zur Behandlung der
Geburtsgebrechen Ziff. 404 und 210 GgV Anhang, Sonderschulmassnahmen und
berufliche Massnahmen (erstmalige berufliche Ausbildung in Form einer Lehre als
Schreiner in einer Werkstätte, später in Form einer Anlehre, diese abgeschlossen im
Januar 2006).
B.
B.a Am 13./15. Juli 2008 (act. 93) meldete er sich bei der Invalidenversicherung an
und beantragte eine Rente. Zuletzt sei er während zweier Monate (November und
Dezember 2007) als Mitarbeiter Werkstatt und vom 1. Juni bis 11. Juli 2008 als
Textilmitarbeiter angestellt gewesen. In einem Begleitbrief (act. 97) beschrieb seine
Mutter die wiederholten, nur kurzfristig gelungenen Versuche des Versicherten, in der
Berufswelt Fuss zu fassen. Die Arbeitgeber hätten festgestellt, dass der Versicherte
sich keine Aufgaben merken könne und dass seine Arbeitsleistung nach einer gewissen
Zeit in Tempo und Qualität nachlasse. Er sei den Anforderungen bei Weitem nicht
gewachsen und überschätze seine Fähigkeiten. Dass er viele Absagen, Niederlagen
und Enttäuschungen erlebe, belaste ihn psychisch immer mehr, und er betrachte sich
als unfähig. Er habe oft körperliche Leiden, brauche aber eigentlich die Hilfe eines
Psychiaters, um wieder an Selbstbewusstsein zu gewinnen.
B.b In zwei Frühinterventions-Gesprächsprotokollen vom 8. August 2008 (act. 104 f.)
gab der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung Angaben von zwei
Ärzten wieder. Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, habe erklärt, es liege
ein ADHS mit weiter bestehender Symptomatik im Erwachsenenalter vor. Es träten
psychosomatische Störungen wie Bauchweh, Kopfweh, Schwindel, Fieber und
Gliederschmerzen auf. Der Versicherte verliere wegen der Beschwerden und der
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subjektiven Arbeitsunfähigkeit immer wieder die Anstellungen. Aus somatischer Sicht
bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Dr. med. C._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, habe als die Arbeitsfähigkeit einschränkende Funktionsausfälle
unzuverlässige Absprachen und psychische Probleme bezeichnet. Aufgrund einer
einzigen Konsultation sei eine Beurteilung nicht möglich, doch stehe fest, dass eine
psychiatrische Behandlung bzw. Begleitung der beruflichen
Eingliederungsbemühungen notwendig sei. Der RAD befürwortete, eine psychiatrische
Behandlung des instabilen Gesundheitszustands einzuleiten (act. 106). In einem FI-
Vortriage-Protokoll (act. 107) wurde festgehalten, ein Eingliederungspotential sei nicht
vorhanden. – Dr. C._ ergänzte das Gesprächsprotokoll insofern, als der Versicherte
kaum je im freien Arbeitsmarkt werde erwerbswirksam arbeiten können (act. 108).
Dr. B._ ergänzte, eine Arbeit sei wahrscheinlich an geeigneter geschützter Stelle oder
mit eingeschränkter Leistung möglich; es seien unbedingt Abklärungen notwendig
(act. 112).
B.c Die Textilunternehmung legte in der Arbeitgeberbescheinigung vom 2. September
2008 (act. 114) dar, der Versicherte habe unter Aufsicht die Endkontrolle der
Fertigwaren erledigt. In Bezug auf Konzentration und Durchhaltevermögen habe er den
Anforderungen nicht entsprechen können. - In der zweiten Arbeitgeberbescheinigung
vom 19. September 2008 (act. 116) wurde angegeben, der Versicherte sei vom
12. November 2007 bis 29. Februar 2008 als Mitarbeiter in der Schlosserei (allgemeine
Hilfsarbeiten, Herstellung von Rohrteilen) tätig gewesen. Es sei ihm gekündigt worden,
weil er mehrmals nicht am Arbeitsplatz erschienen und stets zu spät gekommen sei
und weil er während der Arbeitszeit geschlafen und eine mangelnde Leistung gezeigt
habe.
B.d Am 27. August 2008 (act. 113) hatte die Mutter des Versicherten mitgeteilt, dieser
werde einen Arbeitsversuch im Teilpensum (noch nicht bekannten Ausmasses) machen
können. Am 8. September 2008 (act. 115) hatte sie erklärt, er arbeite zurzeit in einem
Pensum von 80 %.
B.e Dr. C._ gab in seinem Arztbericht vom 7. Oktober 2008 (act. 117) an, es liege
ein ADHS vor. Der Versicherte habe diese Aufmerksamkeitsstörung, sei ablenkbar,
hyperaktiv, affektlabil (gelangweilt, mit depressiven Phasen), emotional überreagierend
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(was die Alltagsbewältigung erschwere), desorganisiert (er vergesse Termine und
komme zu spät) und impulsiv (er treffe voreilige Entscheidungen, platze heraus, sei
ungeduldig). Seit 2006 sei er zu 40 % arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen verbessert werden. Die derzeit ausgeübte Tätigkeit scheine
nahezu ideal. Er könne sie an ca. zweimal vier Stunden pro Tag ausüben. Die
Leistungsfähigkeit sei insgesamt auf ca. 60 % reduziert (4-Tage-Woche zuzüglich
Leistungseinschränkung von ca. 25 % hinsichtlich zielgerichteten, pünktlichen,
organisierten Arbeitens). Es liege eine mittelfristig bleibende, etwa 40 % ausmachende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor.
B.f Der RAD hielt am 9. Oktober 2008 (act. 118) dafür, Dr. C._ habe eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 % bei vollzeitlicher Präsenz angegeben.
B.g Der Arbeitgeber bescheinigte am 11. November 2008 (act. 120), der Versicherte
sei seit dem 1. September 2008 zu 80 % angestellt. Er sei im Lieferdienst (Autofahrten,
Auf- und Abladen, Montage), im Lager und mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Auf
längere Sicht sei der Versicherte mit seinen Aufgaben sicherlich überfordert; es könne
sein, dass ihm jemand zur Seite gestellt werde. Seine Leistung entspreche höchstens
60 %. Er benötige längere Pausen.
B.h Im FI-Assessmentprotokoll-Verlaufsbericht vom 19. Dezember 2008 (act. 147-1
bis 3) wurde festgehalten, dass das Arbeitsverhältnis am 30. November 2008 beendet
worden sei. Der Arbeitgeber habe angegeben, der Versicherte sei gemessen am
Pensum von 80 % höchstens zu 30 % anwesend gewesen. Die Leistung habe - vom
Befinden abhängig - zwischen null und 100 % gelegen. Nach den ersten ca. drei
Wochen sei ein starker Abfall der Präsenz und der Leistung zu verzeichnen gewesen.
Gemäss Dr. C._ fänden seit Juli 2008 alle vierzehn Tage Therapiesitzungen statt. Zu
Beginn habe der Versicherte danach keine Wahrnehmung der allfällig bestehenden
Problematik gehabt und darauf bestanden, gesund und leistungsfähig zu sein. Dann
habe eine Kehrtwende stattgefunden. Nun scheine nichts mehr zu gehen. Der
Versicherte betrachte alles als unveränderbar und sei bisher nicht in der Lage gewesen,
seine eigenen Einflussmöglichkeiten zu erkennen. Die IV-Eingliederungsverantwortliche
schilderte, der Versicherte und seine Mutter hätten wiederholt so vom "Defizit"
gesprochen, als ob es sich dabei um eine eigenständige Person handelte.
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B.i Im FI-Ergebnis-Protokoll nach Assessmentgespräch vom 7. Januar 2009
(act. 125) wurde festgehalten, zur abschliessenden Klärung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit sei eine psychiatrische Abklärung angezeigt. Es würden
Eingliederungsbemühungen im Rahmen eines Arbeitstrainings in geschütztem Rahmen
in die Wege geleitet.
B.j Dr. C._ bestätigte in seinem Arztbericht vom 7. Januar 2009 (act. 128) eine
Arbeitsfähigkeit des Versicherten von 60 %.
B.k In einer Zielvereinbarung wurde am 3./13. Februar 2009 (act. 134) bestimmt, es
würden als Massnahme der Frühintervention ein Arbeitstraining (ab 2. Februar 2009)
und Arbeitsvermittlung vorgesehen. - Am 4. März 2009 (act. 137) wurde dem
Versicherten mitgeteilt, die Invalidenversicherung übernehme die Kosten für die
berufliche Abklärung vom 1. Februar bis 30. April 2009.
B.l Im Beurteilungsblatt der Abklärungsstätte vom 17. April 2009 (act. 140) wurde
berichtet, der Versicherte habe von den 62 vorgesehenen Arbeitstagen 17 ganze und
fünf angebrochene Tage geleistet. Eine Eingliederung sei im gegenwärtigen Zustand
undenkbar. Er habe sich oft unsicher und überfordert gezeigt. Er sei oft willens, aber
nicht in der Lage.
B.m Im Gutachten vom 12. Mai 2009 (act. 142) gab Dr. med. D._ an, eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege nicht vor. Es bestünden als
Nebendiagnose Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit. Der
Versicherte sei insofern beeinträchtigt, als er eine verminderte Frustrationstoleranz und
ein Selbstwert- und Orientierungsproblem habe. Die Leistungsfähigkeit wäre
ausreichend. Die bisherige Tätigkeit sei ohne Verminderung der Leistungsfähigkeit
zumutbar. Die Störung wirke sich so aus, dass der Versicherte unter Druck ausweiche.
Die Arbeitsfähigkeit könne durch psychotherapeutische Begleitung und Konfrontation
mit der Arbeitsrealität (Psychotherapie und Arbeitstraining) verbessert werden. Es
könnte damit eine Verbesserung der Selbsteinschätzung und des Selbstwertgefühls
und ein Vermeiden von Vermeidungsverhalten und von Passivität erreicht werden.
Auch andere Tätigkeiten seien dem Versicherten zumutbar; der Arbeitgeber sollte
pädagogisch geschickt sein und Verständnis haben.
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B.n Der RAD hielt dafür, die gutachterliche Einschätzung, dass keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit bestehe, decke sich mit der subjektiven Einschätzung des
Versicherten, dass er in der freien Wirtschaft rentenausschliessend beschäftigt sein
könne.
B.o Gemäss dem FI-Assessmentprotokoll-Verlaufsbericht mit Abschluss FI-Phase
vom 24. Juni 2009 (act. 147-4 ff.) hatte der Versicherte am 6. April 2009 mitgeteilt, er
sei zusammengebrochen und könne nicht mehr zur Arbeit (in der Abklärungsstätte)
gehen. Alle seien gut zu ihm, aber er halte es nicht mehr aus. Es sei ihm immer
schlechter gegangen und er habe nicht mehr schlafen können, nicht mehr schlafen
wollen. So könne er nicht leben; er wolle ein normales Leben führen. In der Folge war
ihm von Seiten seiner Mutter eine Klinikeinweisung vorgeschlagen worden. Am 13. Mai
2009 hatte Dr. C._ mitgeteilt, es sei eine Anmeldung in die Klinik E._ erfolgt. Im
Juni 2009 war offenbar der Eintritt erfolgt.
B.p Mit zwei Vorbescheiden vom 29. Juni 2009 (act. 148 f. und 150 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten eine Abweisung seines
Leistungsgesuchs um berufliche Massnahmen und um eine Rente in Aussicht. Er sei
angemessen eingegliedert. Berufliche Massnahmen seien nicht notwendig. In der
bisherigen wie in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit.
Validen- und Invalideneinkommen machten beide Fr. 46'800.-- aus.
B.q Der Versicherte liess am 31. August 2009 (act. 155) beantragen, es seien weitere
medizinische und berufliche Abklärungen vorzunehmen und danach sei neu zu
entscheiden. Sowohl die Psychologin, welche die testpsychologische Untersuchung
durchgeführt habe, wie der behandelnde Psychiater würden vom Bestehen eines
ADHS (zumindest als Verdachtsdiagnose) ausgehen. Das werde im Gutachten nicht
vermerkt und nicht diskutiert. Die Psychologin habe in einem Gespräch mit der IV-
Eingliederungsverantwortlichen von dieser Diagnose gesprochen, die nicht Eingang ins
Gutachten gefunden habe. Wie aus einem beigelegten Schreiben von Dr. C._ vom
29. Juli 2009 hervorgehe, sei er mit dem Ergebnis der Begutachtung nicht
einverstanden. Er schätze die effektive Leistungsfähigkeit auf etwa 60 %, doch könne
sie erst durch praktische Arbeit konkret bestimmt werden. Der Versicherte habe bei
seinen letzten Arbeitsstellen keine konstante Leistung erbringen können. Momentan
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stehe er in einem neuen Arbeitsverhältnis. Die betreffende Arbeitgeberin beschreibe in
einem beigelegten Bericht vom 22. Juli 2009, dass er innerhalb seines vollen Pensums
eine Leistung von ca. 60 % erbringen könne. Er müsse vermehrt kontrolliert werden
und benötige sehr oft ihre Aufmerksamkeit, um den Arbeitsalltag zu bewältigen. Er
benötige eine lange Anlaufphase, bis er die erforderliche Arbeitsleistung erbringen
könne. Dann sei er bemerkenswert produktiv und rationell in der Ausführung. Diese
produktiven Phasen würden aber nicht lange andauern, da er rasch die Konzentration
verliere und das gewünschte Ziel nicht mehr vor Augen habe. Dann benötige er eine
intensive Begleitung durch die Mitarbeitenden und Verständnis für seine Unsicherheit.
Eine termingerechte Erledigung sei unter solchen Umständen schwierig. Obwohl er
also einen pädagogisch geschickten und verständnisvollen Arbeitgeber, wie vom
Gutachten empfohlen, gefunden habe, erreiche er nicht eine volle Arbeitsleistung. – Dr.
C._ hatte in dem Bericht (act. 156) unter anderem erklärt, das adulte ADHS sei bei
den ICD-Diagnosen nicht ausdrücklich benannt. Es müsste im Analogieschluss
angegeben werden und das wäre vorliegend am Platz. In Betracht kämen auch noch
Beurteilungen aus dem depressiven und dem Kreis der Unreife, der emotional
instabilen, impulsiven Persönlichkeit und der mangelhaften Verlässlichkeit. Die
eigentliche Schwierigkeit dürfte indessen nicht die Diagnose, sondern nebst der
Arbeitsunfähigkeit die Zumutbarkeit sein. Es gebe genügend Anhaltspunkte dafür, dass
der Versicherte den Willen aufbringe, möglichst erfolgreich zu arbeiten. Er werde aber
durch die Anwesenheit Dritter, die er als Kontrolleure erlebe, und durch das Fehlen der
erwähnten Begleitung eingeschränkt.
B.r Der RAD stellte sich am 3. September 2009 (act. 158) auf den Standpunkt, die
angeführten Gründe für eine Einschränkung seien nicht nachvollziehbar. Der
Versicherte vermöge die Arbeit zu leisten, sofern er anwesend sei. Die Abwesenheiten
seien nicht ausreichend begründet. Dass er sich gewissenhaft abgemeldet habe, stehe
im Widerspruch zu den von Dr. C._ beschriebenen und diagnostisch verwendeten
Terminschwierigkeiten. Das Gutachten bestätige die von Dr. C._ als erforderlich
attestierte Einschränkung der Präsenzzeit nicht. Im Bereich der
Leistungseinschränkung hingegen seien die Argumente von Dr. C._, der diese mit 20
bis 25 % gewichte, teilweise nachvollziehbar, gehe doch auch aus dem
Abklärungsbericht und dem aktuellen Arbeitgeberbericht eine Einschränkung hervor. Es
sei von 20 % auszugehen.
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B.s Mit Verfügungen vom 8. September 2009 (act. 159 f.) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle den Leistungsanspruch des Versicherten ab. Es
bestehe gemäss RAD eine Leistungseinschränkung von 20 %. Der Versicherte sei
gegenwärtig vollzeitlich angestellt und angemessen eingegliedert, weshalb ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht gegeben sei. Da der Invaliditätsgrad bei
20 % liege (Valideneinkommen Fr. 46'800.--, Invalideneinkommen Fr. 37'440.--),
bestehe auch kein Rentenanspruch.
C.
C.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela
Grob Hügli, procap, am 9. Oktober 2009 für den Betroffenen erhobene Beschwerde.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtenen
Verfügungen seien aufzuheben und die Angelegenheit sei zu weiteren Abklärungen und
zur Zusprechung der gesetzlichen Leistungen (Invalidenrente, berufliche Massnahmen)
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, die Kosten für die Begutachtung durch die Klinik G._ (PD Dr. phil. F._,
Neuropsychologe) zu übernehmen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen des Gutachtens von
Dr. F._ zu sistieren. Der Beschwerdeführer habe auf Empfehlung seines
behandelnden Psychiaters eine Begutachtung veranlasst. Im Gutachten von Dr. D._
seien die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Psychologin und deren allfällige
Diagnosestellung nicht erwähnt. Einem Gesprächsprotokoll sei aber zu entnehmen,
dass die schnell nachlassende Motivation des Beschwerdeführers gemäss der
Psychologin im Zusammenhang mit dem bestehenden ADHS stehe. Die Psychologin
habe festgestellt, dass der Beschwerdeführer einschrittige Arbeitsanweisungen und die
Aufmerksamkeit einer vorgesetzten Person (Setzen von positiven, ermutigenden
Impulsen) benötige. Der behandelnde Psychiater gehe zumindest von der
Verdachtsdiagnose eines adulten ADHS aus. Er habe hierfür typische Auffälligkeiten
wie Zappeligkeit, Unfähigkeit, länger als eine halbe Stunde bis maximal drei
Viertelstunden aufmerksam im Konsultationszimmer zu verharren, und
Dazwischenreden beobachtet. Im Gutachten von Dr. D._ werde die Diagnose in
Abrede gestellt, ohne sich mit der abweichenden Meinung auseinanderzusetzen. Im
Übrigen habe auch Dr. B._ darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer
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wahrscheinlich auf einen geschützten Rahmen angewiesen sei oder eine andere Arbeit
nur mit eingeschränkter Leistung verrichten könne. Der Beschwerdeführer habe an
seinen letzten Arbeitsstellen keine konstante Leistung erbringen können. Die
gegenwärtige Arbeitgeberin berichte, dass er innerhalb des vollen Pensums eine
Leistung von nur ca. 60 % erbringe und auf intensive Begleitung und Verständnis
angewiesen sei. Unter normalen Bedingungen vermöge er keine volle Leistung zu
erbringen. Auch in diesem Punkt sei das Gutachten alles andere als schlüssig. Die
Verhältnisse seien nicht genügend abgeklärt. Es sei deshalb ein weiteres neutrales
Gutachten erforderlich. Der Beschwerdeführer habe ein solches nun selber in Auftrag
gegeben.
C.b Mit einer Eingabe vom 20. Oktober 2009 reicht die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ein Schreiben von Dr. F._ vom 30. September 2009 ein. Danach
sei die testpsychologische Abklärung im IV-Gutachten unvollständig und (sc. das
Testverfahren) teilweise veraltet gewesen. Die Schlussfolgerungen des Gutachters
seien unwahrscheinlich.
C.c Nach Anordnung der Sistierung vom 21. Oktober 2009 hat die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers am 1. März 2010 das Gutachten der Klinik G._ vom
23. Dezember 2009 eingereicht. Von Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien danach
(erstens) eine Entwicklungsstörung mit/bei leichten bis mittelschweren
Hirnfunktionsstörungen (residuelle Lese-Rechtschreibschwäche, Defizite im Lesesinn-
und Textverständnis, der verbal-auditiven Merkspanne und des verbalen Lernens, der
selektiven Aufmerksamkeit und kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie im
Teilaspekt der Impulskontrolle exekutiver Funktionen), fehlender Einsichtsfähigkeit in
die Art und das Ausmass der Defizite und mangelnder Kritikfähigkeit, und (zweitens) ein
subjektiv erhöhter Depressions- und Angstscore sowie diverse psychosomatische
Beschwerden. Aufgrund dieser Hirnfunktionsstörungen bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von 65 % bei einem Pensum von 80 %, und zwar in der bisherigen Tätigkeit als
Schreiner, die einer adaptierten Tätigkeit entspreche. Diesem Gutachten könne gefolgt
werden. - Im Gutachten der Klinik G._ war festgehalten worden, aufgrund der hohen
Übereinstimmung der Befunde mit den negativen Beurteilungen an den multiplen,
rasch gekündigten Arbeitsstellen sei davon auszugehen, dass die spezifischen
Teilleistungsstörungen eine volle Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft bis anhin
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verunmöglicht hätten. Die bisherige Tätigkeit vor allem im handwerklichen Bereich sei
zumutbar und optimal, da dort die Stärken des Beschwerdeführers lägen. Aufgrund der
Hirnfunktionsstörungen liege die Arbeitsunfähigkeit bei 35 %, wobei eine zeitliche
Belastung von 80 % zumutbar sei. Bei anderen Tätigkeiten könnte keine Erhöhung der
Leistung oder der zumutbaren zeitlichen Präsenz erreicht werden.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Der RAD-Psychiater halte in einer Stellungnahme vom
9. Juni 2010 zum Gutachten der Klinik G._ fest, in der Beschreibung der
tatsächlichen Einschränkung sei das im Übrigen sehr ausführliche Gutachten eher
sparsam. So würden trotz weitgehend durchschnittlicher, mitunter auch
überdurchschnittlicher Leistung die Teilleistungsschwächen als pauschale
Einschränkung mit einer Suva-Tabelle gewertet, statt dass dargestellt würde, in
welchen Bereichen Einschränkungen bestünden. Der ausführlich dargestellte
Sachverhalt der "erlernten Hilflosigkeit" werde ebenfalls nicht ausreichend diskutiert
und (sc. seine Auswirkungen würden) nicht von einer Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit abgegrenzt, was in Kombination mit der nicht beurteilten
Auswirkung der für einen grossen Teil der Absenzen verantwortlichen
psychosomatischen Beschwerden eine erhebliche Lücke in der Gesamtbeurteilung
darstelle. Medizinisch nicht nachvollziehbar sei eine Reduktion der Präsenzzeit.
Fehlzeiten aufgrund von psychosomatischen Beschwerden und mangelnder
Kritikfähigkeit sollten nach dem Gutachten nicht entschuldigt werden. Das Ergebnis
einer neuropsychologischen Abklärung hänge stark vom Willen der untersuchten
Person ab. Ein neuropsychologisches Gutachten könne zwar auflisten, welche
Fähigkeiten eine Person habe. Es könne aber nicht beantworten, ob nicht-gezeigte
Fähigkeiten nicht vorhanden oder etwa wegen mangelnder Motivation oder
Leistungsbegehren nicht gezeigt worden seien. Insofern hätten alle
neuropsychologischen Gutachten eine eingeschränkte Aussagekraft. Das Gutachten
der Klinik G._ habe dazu noch erhebliche Mängel, welche der RAD-Arzt festgestellt
habe. Der frühere Arbeitgeber habe ausserdem angegeben, der Beschwerdeführer
habe in der Montage und im Planlesen gute Leistungen gezeigt, solange er motiviert
gewesen sei. Auf das mit diversen Mängeln behaftete neuropsychologische Gutachten
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könne daher nicht abgestellt werden. Bei Aufbringen der erforderlichen Einstellung
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Da die Reduktion der Präsenzzeit medizinisch nicht
nachvollziehbar sei, bestünde selbst bei Anerkennung der Leistungsfähigkeit von 65 %
kein Rentenanspruch.
E.
Am 15. Juni 2010 hat die Gerichtsleitung dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen.
F.
Mit Replik vom 5. Juli 2010 bringt die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vor,
wie der RAD festgehalten habe, basiere das Gutachten der Klinik G._ auf wesentlich
ausführlicheren Sachverhaltsuntersuchungen als das Vorgutachten von Dr. D._. Eine
inhaltliche Einschränkung von 35 % (deutliche Verlangsamung in der Umsetzung
verbaler Anweisungen, deutliche Verminderung der selektiven Aufmerksamkeit und der
kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit) könne damit nachvollzogen werden, womit
die von den bisherigen Arbeitgebern beklagte Vergesslichkeit, mangelnde
Konzentrationsfähigkeit und leichte Ablenkbarkeit erklärt seien. Der RAD folge
demnach offenbar diesbezüglich dem Gutachten der Klinik G._ und nicht mehr jenem
von Dr. D._. Weshalb hingegen die Reduktion der Präsenzzeit auf 80 % nicht
nachvollziehbar sein sollte, werde in der Beschwerdeantwort nicht begründet. Das
Gutachten führe hierzu aus, dass sich diese Einschränkung aufgrund der Störung der
selektiven Aufmerksamkeit ergebe. Eine zeitliche Belastung bis zu 80 % sei
längerfristig gesehen zumutbar. Die Beschwerdegegnerin moniere zwar, dass die
Teilleistungsschwächen gemäss einer Suva-Tabelle festgesetzt worden seien, aber der
RAD halte entsprechende Einschränkungen für durchaus möglich. Im Unterschied zur
Beschwerdegegnerin ziehe ihr RAD den Aussagewert des neuropsychologischen
Gutachtens nicht a priori in Zweifel, sondern bemängle nur gewisse Punkte. Er halte
dafür, die attestierte Reduktion der Präsenzzeit sei nicht nachvollziehbar, und begründe
dies damit, dass nach gutachterlicher Empfehlung Fehlzeiten aufgrund von
psychosomatischen Beschwerden und mangelnder Kritikfähigkeit nicht entschuldigt
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werden sollten. Das habe indessen nichts mit der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zu tun,
die medizinisch begründet sei und sich aus der Hirnfunktionsstörung ergebe. Das
Gutachten der Klinik G._ erfülle die Voraussetzungen, um ihm vollen Beweiswert
zuzuerkennen. Es ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 48 %.
G.
Die Beschwerdegegnerin hat am 12. Juli 2010 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Considerations:
Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtenen Verfügungen am 8. September 2009, also
unter der Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der
Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügungen entwickelt
hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück.
Soll auf bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das
aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine geltende Norm die
Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte Sachverhalte anordnen. Die
5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende übergangsrechtliche Bestimmung.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
durch ein materiellrechtliches, unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen
der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des
Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum
Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns sind
deshalb vorliegend angesichts der IV-Anmeldung von 2008 und des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit längere Zeit vor 2008 die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden. Für die
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Invaliditätsbemessung hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage
ergeben.
1.2 Mit den angefochtenen Verfügungen hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch
des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen und auf eine Rente abgelehnt.
Beantragt ist eine Rückweisung zur weiteren Abklärung und zur Zusprechung der
gesetzlichen Leistungen beider Art.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar
bedrohte versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2 Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt eine versicherte Person, wenn sie wegen
der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den
ihr ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
mindestens etwa 20 % erleidet (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S P. vom 28. Februar 2006, I 826/05; BGE 124 V 110 f. E. 2b; AHI 2000 S. 62 E. 1; vgl.
Ulrich Meyer, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. A. 2010, S. 191; für
die MV: BGE 130 V 491). Es handelt sich um eine Art Selbstbehalt, der sich schon
darum rechtfertigt, weil kleine Einbussen erfahrungsgemäss durch blossen zumutbaren
Stellenwechsel grösstenteils kompensiert werden können. Es wird den Versicherten in
diesem Rahmen zugemutet, entweder an der bisherigen Stelle zu bleiben oder sich aus
eigenen Kräften beruflich neu zu orientieren.
2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
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50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f.
E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch tat
sächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046 des
vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.2 Aus dem medizinischen Sachverhalt ist bekannt, dass der Beschwerdeführer am
Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang litt. Während nach der Beurteilung von Dr.
C._, der den (damals 21-jährigen) Beschwerdeführer seit Februar 2008 behandelt, ein
ADHS mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 60 % vorliegt, ergab das
psychiatrische Gutachten von Dr. D._ vom Mai 2009 keine die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigende Diagnose. Gemäss dem neuropsychologischen Gutachten der Klinik
G._ vom Dezember 2009 hingegen liessen sich bei der Untersuchung als leicht bis
mittelschwer zu beurteilende Hirnfunktionsstörungen objektivieren. Obwohl alle
Kriterien für die Diagnose eines ADHS erfüllt seien, sei sie neuropsychologisch
aufgrund der hauptsächlich sprach-assoziierten Symptomatik wenig wahrscheinlich. Es
sei vielmehr von einer Entwicklungsstörung der sprachdominanten Hemisphäre mit den
entsprechend persistierenden Defiziten auszugehen. Die psychosomatischen
Beschwerden gehörten nicht zu diesem Leidensbild. Auf der psychischen Ebene seien
auffallende Werte im Bereich der Depression, Angst und psychosomatischen
Beschwerden angegeben worden. Aufgrund des Schweregrades der
Hirnfunktionsstörungen sei eine Leistungseinschränkung von 35 % abzuleiten, wobei
längerfristig eine zeitliche Belastbarkeit von bis zu 80 % zumutbar sei.
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3.3 Beide Gutachten ergingen in Kenntnis der Aktenlage und der Anamnese. Im
psychiatrischen Gutachten wurde im Ergebnis festgehalten, der Beschwerdeführer sei
neuropsychologisch weitgehend unauffällig. Das neuropsychologische Gutachten
stellte dagegen eine Lese-Rechtschreibschwäche und Defizite im Lesesinn- und
Textverständnis, der verbal-auditiven Merkspanne, des verbalen Lernens, der
selektiven Aufmerksamkeit, der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und im
Teilaspekt der Impulskontrolle exekutiver Funktionen fest, ausserdem eine fehlende
Einsichtsfähigkeit in die Defizite, eine mangelnde Kritikfähigkeit und einen subjektiv
erhöhten Depressions- und Angstscore und diverse psychosomatische Beschwerden.
Eine herabgesetzte Verarbeitungsgeschwindigkeit, schwankende Aufmerksamkeit und
Konzentration und eine leicht eingeschränkte Gedächtnisleistung (Merkfähigkeit für
Wörter) wurden hingegen auch bei den testpsychologischen Grundlagen des
psychiatrischen Gutachtens erwähnt. Auch gemäss dem psychiatrischen Gutachten
kann der Beschwerdeführer ferner im therapeutischen bzw. pädagogischen Prozess
ausgeprägt somatisierend und depressiv reagieren. Dort sind schliesslich auch die
Leugnung der persönlichen Probleme und der Wechsel in der Selbsteinschätzung
ebenfalls beschrieben worden. Die gutachterlichen Feststellungen decken sich auch
mit denjenigen des behandelnden Psychiaters. Dr. C._ beschrieb als Auffälligkeiten
eine Zappeligkeit, ein Dazwischenreden, die Unmöglichkeit, länger als eine halbe
Stunde bis maximal drei Viertelstunden aufmerksam im Konsultationszimmer zu
verharren, und eine Impulsivität. Er berichtete von einem Umstand, der auf eine
geradezu schwerwiegende Störung der Selbstwahrnehmung schliessen liess. - Was die
Befunderhebung betrifft, kann von einer weitgehenden Übereinstimmung der Ärzte
ausgegangen werden.
3.4 Während aber das neuropsychologische Gutachten den festgestellten Defiziten
die Wertung von leichten bis mittelschweren Hirnfunktionsstörungen (im Rahmen einer
Entwicklungsstörung) beimisst, hält der psychiatrische Gutachter den
Beschwerdeführer für neuropsychologisch weitgehend unauffällig. Entsprechend fallen
auch die Arbeitsfähigkeitsschätzungen auseinander.
3.5 Dass sich die erhobenen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht
auswirken sollten, erscheint nach der Aktenlage nicht ausreichend nachvollziehbar.
Nebst der Begutachtung durch eine Fachstelle an der Klinik G._ weist darauf die
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Einschätzung des behandelnden Psychiaters hin. Danach liegt ebenfalls eine
erhebliche Arbeitsunfähigkeit vor. Anhaltspunkte ergeben sich ferner aus der
medizinischen und beruflichen Anamnese. In diesem Sinne nahm auch der RAD im
September 2009 Stellung. Auch im psychiatrischen Gutachten wird des Weiteren auf
eine verminderte Frustrationstoleranz, auf Selbstwert- und Orientierungsprobleme, auf
ein Ausweichen des Beschwerdeführers unter Druck (Vermeidungsverhalten) und auf
Passivität hingewiesen. Die Feststellung, die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
wäre (sc. wohl: ansonsten) ausreichend, überzeugt unter diesen Umständen nicht.
Einigkeit besteht im Übrigen unter den medizinisch Beurteilenden auch in Bezug auf
die Erforderlichkeit fester Arbeitsstrukturen und einer Begleitung durch einen
pädagogisch geschickten und verständnisvollen Arbeitgeber.
3.6 Nach der Beurteilung von Dr. C._ liegt die Arbeitsunfähigkeit bei 40 %
(Arbeitsfähigkeit: 75 % eines 80 %-Pensums), aus dem neuropsychologischen
Gutachten ergibt sich eine solche von 48 % (Arbeitsfähigkeit: 65 % eines 80 %-
Pensums).
3.7 Die Beschwerdegegnerin hält die Aussagekraft des neuropsychologischen
Gutachtens an sich für lediglich eingeschränkt, weil sie stark vom Willen der
untersuchten Person abhänge. Nach der Rechtsprechung vermag die
Neuropsychologie nicht, die hirnorganische Kausalität eines Beschwerdebildes selbst
und abschliessend zu beurteilen. Die entsprechenden Untersuchungsergebnisse sind
daher im Rahmen einer gesamthaften Beweiswürdigung nur insoweit bedeutsam, als
sie überprüf- und nachvollziehbar sind und sich in die übrigen medizinischen
Abklärungsergebnisse schlüssig einfügen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S R. vom 17. November 2006, I 542/05; BGE 119 V 340 E. 2b/
bb). Wie oben dargelegt, sind bezüglich der Befunderhebung keine relevanten
Diskrepanzen ersichtlich. Wie dem neuropsychologischen Gutachten zu entnehmen ist,
wurde auf eine allfällige Simulation oder Aggravation bzw. auf die Motivation des
Beschwerdeführers ausdrücklich geachtet. Der Beschwerdeführer sei in der
Untersuchungssituation kooperativ und motiviert gewesen. Es habe klinisch nie der
Verdacht auf diesbezügliche Auffälligkeiten bestanden. Die teilweise bis in den
überdurchschnittlichen Bereich ragenden Leistungen sprächen ausserdem gegen einen
Verdacht der bewussten Fälschung der Testergebnisse. Auf Symptomvalidierungstests
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sei daher verzichtet worden. Es könne davon ausgegangen werden, dass die erzielten
Resultate das Leistungsvermögen gut abbildeten. Dieser Auffassung kann vorliegend
gefolgt werden. Auch gemäss Dr. C._ fehlt dem Beschwerdeführer die Fähigkeit,
gemäss seinem Willen und seiner Einsicht zu handeln (act. 156-2).
3.8 Gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 9. Juni 2010 hält die
Beschwerdegegnerin dafür, eine Reduktion der Präsenzzeit sei medizinisch nicht
nachvollziehbar; Fehlzeiten aufgrund von psychosomatischen Beschwerden und
mangelnder Kritikfähigkeit sollten nach dem Gutachten nämlich nicht entschuldigt
werden. Im neuropsychologischen Gutachten war hierzu festhalten worden, um die
restliche berufliche Leistungsfähigkeit umsetzen zu können, müsse das
Vermeidungsverhalten (bzw. müssten die entsprechenden Absenzen) abgebaut
werden. Krankheitsbedingte Absenzen sollten nur bei nachweisbaren organischen
Leiden toleriert werden. Die psychosomatischen Beschwerden als sekundäre
Auswirkungen der mangelnden Kritikfähigkeit und/oder einer chronischen
Überforderungssituation sollten psychotherapeutisch und psychoedukativ angegangen
werden. Um dem Beschwerdeführer berufliche Erfolgserlebnisse zu ermöglichen,
wurde empfohlen, dass er zunächst in (beispielsweise zu 50 %) eingeschränktem
Ausmass - somit ohne sich auf erhöhte Ermüdbarkeit, Ablenkbarkeit und
Konzentrationsstörungen berufen zu können - Tätigkeiten ausführe, die er bewältigen
könne. Die Empfehlungen stehen neben der attestierten Beschränkung der zumutbaren
zeitlichen Belastbarkeit auf 80 %. Diese wurde im neuropsychologischen Gutachten
begründet, und zwar mit den vorhandenen Störungen der selektiven Aufmerksamkeit.
3.9 Die Bemessung der Einschränkung mit 35 % wird im neuropsychologischen
Gutachten mit den im Fachgebiet üblichen Kriterien, beispielsweise den operationalen
Beschreibungen in der Suva-Tabelle 8, begründet. Diese Tabelle dient nicht der
Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit, sondern des Integritätsschadens. Sie wird
allerdings lediglich als Beispiel erwähnt. Auch wenn einzuräumen ist, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht formelhaft erfolgen kann, so findet die im
neuropsychologischen Gutachten vorgenommene Bewertung doch immerhin eine
Stütze in der Beurteilung des behandelnden Facharztes. Eine inhaltliche Einschränkung
von 35 % hat ausserdem auch der RAD-Arzt in seiner Stellungnahme vom 9. Juni 2010
als knapp nachvollziehbar bezeichnet.
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3.10Nach dem Dargelegten kann auf das Ergebnis der neuropsychologischen
Abklärung mit einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 48 % abgestellt werden. Von
weiteren medizinischen Abklärungen sind keine die Beweislage erheblich
verbessernden Ergebnisse zu erwarten.
4.
4.1 Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die
Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V
222). Der Versicherungsfall für die Rente kann frühestens am ersten Tag des der
Vollendung des 18. Altersjahres folgenden Monats eintreten (ZAK 1984 S. 445; vgl.
Rz 1030 KSIH): Die Rente wird gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG vom Beginn des Monats an
ausgerichtet, in dem der Anspruch entsteht, jedoch frühestens von jenem Monat an,
der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. Nach Art. 29 Abs. 2 IVG entsteht der
Rentenanspruch nicht, solange der Versicherte ein Taggeld nach Art. 22 IVG
beanspruchen kann.
4.2 Der Beschwerdeführer vollendete das 18. Altersjahr im Jahr 2004. Er hatte als
berufliche Massnahme der IV eine Lehre begonnen und schloss schliesslich im Januar
2006 (in einer Arbeitswerkstätte) eine Anlehre als Holzbearbeiter/allgemein erfolgreich
ab.
4.3 Rechtsprechungsgemäss ist bei der Ermittlung des Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen
würde. - Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als
Nichtinvalide erzielen könnte, nach Art. 26 Abs. 1 IVV den in der Bestimmung
festgelegten, nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten
Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik. - Als
Erwerb von zureichenden beruflichen Kenntnissen im Sinne von Art. 26 Abs. 1 IVV gilt
im Allgemeinen die abgeschlossene Berufsausbildung. Dazu gehören auch Anlehren,
sofern sie auf einem besonders der Invalidität angepassten Bildungsweg ungefähr die
gleichen Kenntnisse vermitteln wie eine eigentliche Lehre oder ordentliche Ausbildung
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und der versicherten Person praktisch die gleichen Verdienstmöglichkeiten eröffnen
(vgl. Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 7. Juni 2005,
I 108/05, und i/S W. vom 16. August 2006, I 717/05, mit Hinweisen). Dass der
Beschwerdeführer zureichende berufliche Kenntnisse hätte erwerben können, kann
vorliegend nicht angenommen werden, hatte er im Jahr 2006 mit seiner Anlehre doch
einen Lohn von Fr. 46'800.-- zu erwarten (act. 77). Im Jahr 2006 stand der
Beschwerdeführer vor der Vollendung von 21 Altersjahren, so dass das
Erwerbseinkommen gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV für ihn damals Fr. 50'050.-- (70 % von
Fr. 71'500.--) ausmachte. Ein durchschnittlicher Hilfsarbeiterlohn betrug damals zum
Vergleich Fr. 59'197.-- (vgl. Textausgabe Invalidenversicherung der Informationsstelle
AHV/IV, Anhang 2). Es rechtfertigt sich daher, einen Betrag von Fr. 50'050.-- als
Valideneinkommen des Beschwerdeführers zu betrachten.
4.4 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt
grundsätzlich der von ihr tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V
472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008).
4.5 Gemäss IK-Auszug (act. 102) hat der Beschwerdeführer zur Zeit des allfälligen
Rentenbeginns lediglich kurze Arbeitsverhältnisse mit nicht repräsentativen Einkommen
innegehabt, so dass sein Invalideneinkommen zunächst anhand von tabellarischen
Grössen festzusetzen ist. Wie erwähnt lag das statistische Durchschnittseinkommen
2006 bei Fr. 59'197.--. Dieses taugt als Massstab indessen hier von vornherein nicht,
ist doch für das mögliche Einkommen ohne Gesundheitsschaden des jungen
Beschwerdeführers nach Art. 26 IVV lediglich von Fr. 50'050.-- auszugehen. Als
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Ausgangsbasis für die Bemessung des Invalideneinkommens ist deshalb jedenfalls
kein höherer als der letztgenannte Wert heranzuziehen.
4.6 Am 6. Juli 2009 hat der Beschwerdeführer ein Arbeitsverhältnis aufgenommen,
das zumindest über den für die vorliegende Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügungen hinaus aufrechterhalten geblieben ist. Drei
Wochen nach Stellenantritt (act. 157) hat die Arbeitgeberin angegeben, der
Beschwerdeführer erfülle ein volles Pensum mit einer Leistung von etwa 60 %. Welche
Entlöhnung er dort erzielt, ist nach der Aktenlage nicht bekannt. Gemäss dem
neuropsychologischen Gutachten vom Dezember 2009 hatte der Beschwerdeführer bei
der Exploration vom November/Dezember 2009 im Übrigen mitgeteilt, er sei während
dieses Arbeitsverhältnisses schon etwa fünf Wochen lang krank gewesen. Von einem
besonders stabilen Arbeitsverhältnis konnte im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügungen jedenfalls noch nicht gesprochen werden, so dass der
tatsächliche Verdienst für jene Zeit nicht als Invalidenlohn gelten kann. Es rechtfertigt
sich somit, als Ausgangspunkt zur Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben
Wert auszugehen, wie er als Valideneinkommen betrachtet wird, nämlich von
Fr. 50'050.--. Der Invaliditätsgrad entspricht bei solchen Verhältnissen dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn
(Bundesgerichtsentscheid i/S H. vom 10. Juli 2009, 9C_360/09; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. vom 8. Juni 2005, I 552/04 E. 3.4).
4.7 Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den
Tabellenlöhnen zu machen. Mit dem behinderungsbedingten Abzug wird in der Praxis
dem Umstand Rechnung getragen, dass versicherte Personen, die in ihrer letzten
Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des Gesundheitsschadens
auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind, dass sie - unabhängig von
der früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich Beeinträchtigte im Rahmen leichter
Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind oder dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Höhe des Lohnes haben können. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der
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Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf
höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen. Dabei ist zu beachten, dass
allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen beachtete
invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht
nochmals berücksichtigt werden dürfen (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 322 E. 5.2 und
BGE 126 V 75). - Tabellenlöhne, wie sie auch Art. 26 Abs. 1 IVV zugrunde liegen,
werden bei gesunden Arbeitnehmern erhoben. Es ist zu erwarten, dass der
Beschwerdeführer, der auf einige Rücksichtnahme eines Arbeitgebers angewiesen ist,
den Durchschnittslohn nicht wird erreichen können. Es ist deshalb angezeigt, einen
Abzug von 10 % anzubringen.
4.8 Der Invaliditätsgrad beträgt demnach bei einer Arbeitsfähigkeit von 52 % rund
53 % (100 % - 0.9 x 52 %) und ist daher rentenbegründend.
5.
5.1 Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der
Rentenanspruch entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens
in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen war (lit. b). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % besteht (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an
mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV;
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004,
I 19/04). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58;
Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 1. A. 1997, S. 238; BGE
117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
5.2 Nach der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers schon mehr als ein Jahr vor seinem 18. Altersjahr bestanden hat,
ter
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auch wenn sie erst für das Jahr 2006 erwähnt wird (act. 117-1). Der Beschwerdeführer
hat indessen bis Ende Januar 2006 IV-Taggelder bezogen (act. 72), so dass ein
Rentenanspruchsbeginn im Februar 2006 anzunehmen ist, sofern von (weiteren)
zumutbaren, geeigneten und verhältnismässigen beruflichen Massnahmen nicht ein
rentensenkender Effekt zu erwarten war. Letzteres kann angenommen werden. Zum
Zeitpunkt des Verfügungserlasses stand der Beschwerdeführer in einem
Arbeitsverhältnis, so dass berufliche Massnahmen wiederum nicht in Frage kamen.
5.3 Der Beschwerdeführer hat sich allerdings erst im Juli 2008 zum Bezug einer
Rente angemeldet. Meldet sich ein Versicherter mehr als zwölf Monate nach Entstehen
des Anspruchs an, so werden die Leistungen nach Art. 48 Abs. 2 IVG (wiederum in der
bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 ATSG
lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet. Weitere
Nachzahlungen werden erbracht, wenn der Versicherte den anspruchsbegründenden
Sachverhalt nicht kennen konnte und die Anmeldung innert zwölf Monaten nach
Kenntnisnahme vornimmt. Da sich der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 48 Abs. 2
Satz 1 IVG verspätet angemeldet hat, hat er lediglich für die zwölf der Anmeldung vom
Juli 2008 vorangehenden Monate einen Anspruch auf Auszahlung der
Rentenleistungen, somit ab 1. Juli 2007. Sollte auch infolge einer unter 50 % liegenden
durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des Wartejahres zunächst erst Anspruch
auf eine Viertelsrente entstanden sei, so bestand doch später - spätestens nach drei
Monaten (analog Art. 88a Abs. 2 IVV, vgl. auch Art. 29 IVV), jedenfalls aber noch vor
Juli 2007 - Anspruch auf eine halbe Rente. Der Beschwerdeführer hat damit Anspruch
auf Auszahlung einer halben Rente ab 1. Juli 2007.
6.
Sollte sich längerfristig (während ungefähr eines Jahres) ein besonders stabiles
Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers entwickelt haben oder entwickeln, so wird die
Beschwerdegegnerin allfälligen rentenrelevant veränderten Verhältnissen durch eine
Anpassung Rechnung tragen. - Dasselbe gilt, wenn sich die Möglichkeit bieten sollte,
den Invaliditätsgrad durch berufliche Massnahmen massgeblich zu senken.
7.
bis
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7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügungen vom 8. September 2009 insofern zu schützen, als dem
Beschwerdeführer ab 1. Juli 2007 (bei verspäteter Anmeldung) eine halbe Rente
auszurichten ist.
7.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin - die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege an den Beschwerdeführer vom 15. Juni 2010 ist damit
obsolet geworden - rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69
Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
7.3 Der Beschwerdeführer hat bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand angemessen erscheint grundsätzlich eine (volle)
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Im Rahmen der Parteientschädigung nach Art. 61 lit. g ATSG können allerdings unter
Umständen auch die Kosten eines Privatgutachtens zurückerstattet werden (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts i/S Z. vom 16. Oktober 2007, I 894/06; RKUV 2004 Nr.
U 503 S. 186 E. 5.1). Die Voraussetzungen hierfür sind bezüglich des Gutachtens der
Klinik G._ vom 23. Dezember 2009, für das dem Beschwerdeführer ein Betrag von
insgesamt Fr. 3'327.45 (Fr. 577.45 Konsultation und Fr. 2'750.-- Gutachten) in
Rechnung gestellt wurde (act. G 18.1, 18.2), erfüllt, da das Gutachten
entscheidwesentlich geworden ist (vgl. Entscheid des Bundesgerichts i/S H. vom
4. September 2008, 8C_422/07 e contrario; vgl. auch Art. 45 Abs. 1 ATSG, wonach der
Versicherungsträger auch Kosten der Abklärung übernimmt, die er nicht angeordnet
hat, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren). Es
rechtfertigt sich demnach, insgesamt eine Parteientschädigung von Fr. 6'827.45
festzulegen (Fr. 3'327.45 Begutachtungskosten zuzüglich Fr. 3'500.--
Vertretungskosten, einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP