Decision ID: ee06f856-5663-47ac-815e-f6b22352c8cf
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ war vom 1. Juni 1990 bis 30. Juni 1996 bei der B._ AG angestellt und
dadurch obligatorisch bei der damaligen Berner Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft
AG unfallversichert (inzwischen Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG; vgl. UV-
act. 1155, S. 2, lit. a). Am 28. September 1995 stürzte die Versicherte und fiel auf die
linke Körperseite. In der Folge klagte sie über Rückenschmerzen (siehe die
Unfallmeldung vom 12. Oktober 1995, UV-act. 1001). Der Unfallversicherer erbrachte in
der Folge Taggelder und übernahm die Kosten der Heilbehandlung (vgl. UV-act. 1027).
Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, diagnostizierte im Bericht vom 10. Oktober 1995 ein
Lumbovertebralsyndrom nach Sturz vor zwei Wochen (UV-act. 003). Hinweise auf eine
ossäre Spinalkanalstenose, eine Diskushernie oder ein ossäres Trauma der
Wirbelkörper der LWS vermochte Dr. med. D._, Facharzt für Radiologie, Klinik D._,
nicht zu erkennen (Bericht zur lumbovertebralen Computertomografie vom 12. Oktober
1995, UV-act. 005).
A.a.
Am 7. November 1995 berichtete Dr. C._ über die Hospitalisation der
Versicherten in der Klinik E._, vom 12. Oktober bis 3. November 1995. Als Diagnose
nannte er ein Lumbovertebralsyndrom bei traumatisierter Spondylarthrose L4 bis S1.
Die stationäre Behandlung habe zu einer deutlichen Besserung des
Gesundheitszustands geführt (UV-act. 006). In der Folge nahmen die
Rückenschmerzen wieder zu, weshalb die Versicherte vom 28. Dezember 1995 bis
16. Januar 1996 im Spital F._ stationär behandelt wurde. Die dortigen medizinischen
Fachpersonen diagnostizierten u.a.: ein thorakales und tieflumbales Schmerzsyndrom,
A.b.
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ein sensibles Reizsyndrom L5/S1 rechts und eine somatoforme Schmerzstörung bei
neurotischer Persönlichkeit (UV-act. 009). Vom 30. Januar bis 5. Februar 1996 fand in
der Klinik E._ eine epidurale Schmerzbehandlung statt (siehe den Austrittsbericht von
Dr. C._ vom 18. Februar 1996, UV-act. 010). Der behandelnde Dr. med. G._,
Facharzt für Allgemeine Medizin, vertrat in der undatierten Stellungnahme zur Anfrage
des Unfallversicherers vom 5. Juli 1996 (UV-act. 1010) die Ansicht, dass der Unfall mit
einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % «beweisbar die Ursache» der aktuell noch
feststellbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung sei (UV-act. 016).
Dr. med. H._, Facharzt für Radiologie, Klinik D._, führte im Bericht zur MRI-
Untersuchung der lumbalen Wirbelsäule vom 28. Februar 1997 aus, es zeige sich eine
initiale Chondrose und fortgeschrittene Spondylarthrose L5/S1 mit Instabilität dieses
Segments bei Spondylolyse, wobei die Befunde links ausgeprägter seien als rechts. Im
Übrigen hätten sich keine weiteren Auffälligkeiten gezeigt (UV-act. 018).
A.c.
Im Auftrag des Unfallversicherers war die Versicherte zuvor am 12. Dezember
1996 durch Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, begutachtet worden. Dieser diagnostizierte in der am
26. März 1997 erstellten Expertise chronische lumboischialgiforme Beschwerden bei
Status nach Rotationstrauma der LWS bei deutlicher Spondylarthrose L5/S1 und
zunehmender Instabilität des Segmentes L5/S1 bei auch zunehmender Spondylolyse
L5 und O-Listhesis L5/S1. Da die Versicherte vor dem Unfallereignis scheinbar nur
unter periodenabhängigen Beschwerden gelitten habe und diese seit 1992 nach einer
Hysterektomie verschwunden seien, müssten die aktuellen Beschwerden dem
Unfallereignis aus dem Jahr 1995 angelastet werden. Dafür würden auch die nun erst
im Verlauf der Zeit nach dem Unfall deutlich gewordenen strukturellen Veränderungen
sprechen. Der aktuelle Befund der Spondylolyse und der Spondylolisthesis sei
eindeutig und sei in der Anfangsphase nach dem Unfallereignis nicht signifikant
vorhanden gewesen, sodass auch die damalige CT-Untersuchung negativ gewesen
sei. Die Ursache der noch feststellbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung müsse
deshalb mit grosser Wahrscheinlichkeit (Beweisgrad grösser als 50 %) der Unfall vom
28. September 1995 sein. Eine Steigerung der zur Zeit bestehenden 50%igen
Arbeitsfähigkeit sei momentan nicht möglich. Den Integritätsschaden schätzte Dr. I._
auf 20 % (UV-act. 019).
A.d.
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Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach der Versicherten ab 1. Dezember 1996
(Verfügung vom 14. August 1997, UV-act. 1050.19, zum Rentenbeginn siehe
insbesondere das Beiblatt zur Verfügung) bei einem Invaliditätsgrad von 59 % eine
halbe Rente zu (UV-act. 1050.19).
A.e.
Der in der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen (KSSG)
behandelnde Assistenzarzt antwortete im Schreiben vom 22. August 1997 auf die
Frage des Unfallversicherers, «wurde und wird der Heilungsverlauf durch unfallfremde
Faktoren oder durch Folgen früherer Unfälle beeinflusst?» mit «nein» (UV-act. 021).
A.f.
Am 13. November 1997 erstattete Dr. med. J._, Leitender Arzt in der
Neurochirurgischen Abteilung am Kantonsspital K._, dem Unfallversicherer ein
Aktengutachten. Er diagnostizierte: ein chronifiziertes Lumbovertebralsyndrom mit
verminderter Belastbarkeit der LWS bei degenerativen Veränderungen in den
Segmenten L5/S1, weniger ausgeprägt auch in L4/L5, und congenitaler echter
Spondylolisthesis mit Spondylolyse L5/S1 sowie einen Status nach Distorsionstrauma
der LWS am 28. September 1995. In den Akten sei zu Recht eine Traumatisierung von
Spondylarthrosen diagnostiziert worden. Die Versicherte habe Weichteilverletzungen
erlitten, die in der Regel erfahrungsgemäss im Verlauf von 2 bis 3 Wochen, höchstens
2 Monaten, abheilen würden. Beim Ausbleiben einer vollständigen Heilung müssten
andere Ursachen für das Geschehen gesucht werden. Bei der Versicherten liege «ganz
offensichtlich ein ganz wesentlicher», krankhafter Vorzustand vor. Es bestehe eine
angeborene echte Spondylolisthesis im Segment L5/S1 mit Lyse in der
Interarticularportion. Diese Instabilität führe zu frühzeitigen degenerativen
Veränderungen. Diese würden das Ausbleiben einer vollständigen Heilung erklären. Es
fänden sich keine Befunde, die sich ausschliesslich mit dem Unfall erklären lassen
würden. Als weiterer unfallfremder Faktor müsse wahrscheinlich auch die von einem
Psychiater beschriebene neurotische Persönlichkeit einbezogen werden. Der Unfall sei
als auslösender Faktor zu bezeichnen mit vorübergehender Verschlimmerung eines
krankhaften Vorzustands. Ein Status quo ante sei nicht erreicht worden. Allerdings
halte er den Status quo sine Mitte November 1995 als erreicht (UV-act. 022).
A.g.
Der Unfallversicherer stellte mit Verfügung vom 24. November 1997 die
Versicherungsleistungen per 13. November 1995 ein. Die für die Dauer vom
A.h.
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St.Galler Gerichte
B.
14. November 1995 bis 30. September 1997 aus seiner Sicht zu Unrecht erbrachten
Taggeldleistungen forderte er von der Versicherten zurück (UV-act. 1036).
Dagegen erhob die Versicherte am 24. Dezember 1997 Einsprache (UV-act. 1042;
zur ergänzenden Begründung vom 8. Mai 1998 siehe UV-act. 1050; zur Einsprache des
Krankentaggeldversicherers vom 28. November 1997 und der ergänzenden
Begründung vom 12. Januar 1998 siehe UV-act. 1037 und UV-act. 1044).
B.a.
Dr. C._ führte in der Stellungnahme vom 22. April 1998 zum Aktengutachten von
Dr. J._ aus, er selbst habe den von ihm behandelten Zustand auf eine
Traumatisierung der (vorbestehenden) Spondylarthrose L4 bis S1 zurückgeführt. Damit
sei auch seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, dass das Unfallereignis den Zustand
der Versicherten richtunggebend verschlechtert habe (UV-act. 024). Am 6. Mai 1998
nahm Dr. I._ ebenfalls Stellung zum Aktengutachten von Dr. J._. Er hielt dessen
Beurteilung nicht für überzeugend. Insbesondere sei die Auffassung nicht richtig, dass
eine Spondylolyse angeboren sein könne. Er (Dr. I._) sei daher nach wie vor nicht
damit einverstanden, dass behauptet werden dürfe, bei den aktuell noch vorhandenen
Beschwerden der Versicherten würde es sich nur um die Verschlimmerung eines
Grundleidens mit schicksalsmässigem Verlauf handeln. Falsch sei daher auch zu
behaupten, die aktuellen Beschwerden wären mit grosser Wahrscheinlichkeit auch
ohne das Unfallereignis aufgetreten (UV-act. 025).
B.b.
Die Rechtsdienstmitarbeiterin des Unfallversicherers gelangte zur Auffassung,
angesichts der widersprüchlichen gutachterlichen Beurteilungen sei eine erneute
Begutachtung unerlässlich (Schreiben vom 3. August 1999, UV-act. 1059). Daraufhin
liess sich der Unfallversicherer am 8. Februar 2000 ein (Ober-)Gutachten von
Prof. Dr. med. L._, Facharzt für Neurochirurgie, erstatten. Die Untersuchung der
Versicherten war am 3. Februar 2000 erfolgt. Prof. L._ diagnostizierte chronische
Kreuzschmerzen mit pseudoradikulären Ausstrahlungen in beide Beine bei Belastung,
eine «traumatisierte» Spondylolyse und Spondylolisthesis LWK 5,
Bandscheibendegeneration L5/S1 und L2/L3. Er gelangte zur Einschätzung, dass der
Sturz vom 28. September 1995 auf eine schon (vor-)geschädigte Lendenwirbelsäule
eingewirkt und Beschwerden ausgelöst habe, die seither nicht mehr unter Kontrolle
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/15
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hätten gebracht werden können. Der «zeitliche immediate» Zusammenhang zwischen
dem Auslösen von unaufhörlichen Kreuzschmerzen und dem Sturz spreche für eine
partielle traumatische Kausalität des gegenwärtigen Zustands, der über die natürliche
Geschichte der Läsion der Lendenwirbelsäule der Versicherten hinausgehe. Das
Sturzereignis könne zu 50 % für den aktuellen Zustand verantwortlich gemacht
werden. Die sturzbedingte beträchtliche Rumpftorsion sei geeignet, bei einer
vorgeschädigten Lendenwirbelsäule chronische Beschwerden auszulösen. Als
unfallfremde Faktoren, die den Heilungsverlauf beeinflussen würden, nannte er:
Spondylolysen LWK 5, ein Vorrücken des fünften Wirbelkörpers, eine Bandscheiben
degeneration L5/S1 und L2/L3. Die unfallbedingte Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit schätzte Prof. L._ auf 50 %. Ein Integritätsschaden sei nicht
aufgetreten, da eine vorbestehende Läsion eingewirkt habe (UV-act. 026). Zur
Ausräumung von Unklarheiten gelangte der Unfallversicherer mit Schreiben vom
12. Mai 2000 an Prof. L._ und ersuchte ihn um Beantwortung verschiedener
Ergänzungsfragen (UV-act. 1080). Hierzu nahm Prof. L._ am 22. Mai 2000 Stellung.
Bezüglich der Frage nach der Auswirkung des (unfallfremden) Vorzustandes bzw. des
Vorliegens einer richtunggebenden Verschlimmerung des Vorzustandes durch den
Sturz vom 28. September 1995 führte er aus, da sich das Vorrücken (des fünften
Lendenwirbels der Versicherten, UV-act. 1080, S. 1 unten) etwas verstärkt habe, sei
nicht unwahrscheinlich, dass die Versicherte zu einem späteren Zeitpunkt allein
deshalb Beschwerden bekommen hätte, die möglicherweise zu einer partiellen
Einsatzunfähigkeit geführt hätten. Es sei aber auch durchaus denkbar und möglich und
in vielen ähnlichen Fällen bewiesen, dass dies nicht unbedingt der Fall sein müsse.
Bekannt sei, dass sich der Zustand der Versicherten verschlechtert habe nach einem
Sturz, der seinem Mechanismus nach in der Lage gewesen sei, eine Lendenwirbelsäule
zu lädieren, umso mehr, als eine strukturelle Schwäche vorhanden gewesen sei. Die
Beantwortung der Frage «wann wäre der status quo sine wieder erreicht» wäre
komplett willkürlich (UV-act. 027).
Der Unfallversicherer teilte der Versicherten am 13. September 2000 nach einem
telefonischen Gespräch mit deren Rechtsvertreter mit, aufgrund des Gutachtens von
Prof. L._ scheine die Kausalitätsfrage dem Grundsatz nach in dem Sinn beantwortet
zu sein, als der Unfall doch zumindest noch eine Teilursache für ihre andauernden
B.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/15
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C.
Der den Unfallversicherer beratende Dr. med. M._, Facharzt für Rheumatologie,
vertrat in der Aktenbeurteilung vom 29. Januar 2019 «aus heutiger medizinisch-
rheumatologischer Sicht» den Standpunkt, das Ereignis vom 28. September 1995 habe
nicht zu einer signifikanten und somit dauernden Verschlimmerung des Vorzustands
geführt (UV-act. 038). Gestützt auf diese medizinische Einschätzung zog der
Unfallversicherer die Verfügung vom 14. November 2001 in Wiedererwägung und
stellte die Versicherungsleistungen per 31. Juli 2019 ein. Auf die Rückforderung der für
August 2019 bereits ausbezahlten Rente verzichtete er (Verfügung vom 31. Juli 2019,
UV-act. 1136). Die dagegen erhobene Einsprache vom 9. September 2019 (UV-
act. 1140) wies der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 15. Juni 2021 ab.
Einer allfälligen Beschwerde entzog er die aufschiebende Wirkung (UV-act. 1155).
D.
Rückenbeschwerden darstelle. Weil das Gutachten in wesentlichen Fragen nicht
schlüssig sei und die Prof. L._ eingeräumte Gelegenheit zur Nachbesserung keine
befriedigenden Resultate gebracht habe, könne eine nochmalige Begutachtung nicht
ausgeschlossen werden. Aufgrund der aktuellen Situation zeige er (der
Unfallversicherer) sich bereit, eine Leistungspflicht im Sinn eines «offenbar noch nicht
erreichten status quo sine zu akzeptieren» (UV-act. 1088).
Mit Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2000 wurde die Verfügung vom
24. November 1997 aufgehoben und eine Leistungspflicht ab dem 14. November 1995
anerkannt. Ebenfalls aufgehoben wurde die Rückforderungsverfügung vom
24. November 1997 (UV-act. 1093).
B.e.
Gestützt auf das vom Rechtsvertreter der Versicherten mit dem Unfallversicherer
erzielte Verhandlungsergebnis (siehe die Stellungnahme des Rechtsvertreters vom
8. November 2001, UV-act. 1116, sowie die vorgängige Korrespondenz in UV-
act. 1111-1113) verfügte letzterer am 14. November 2001 die Zusprache einer 59%igen
Invalidenrente ab 1. November 2001 und eine Entschädigung für eine 15%ige
Integritätseinbusse (UV-act. 1117).
B.f.
Gegen den Einspracheentscheid vom 15. Juni 2021 erhob die Beschwerdeführerin
am 17. August 2021 Beschwerde. Darin beantragte sie dessen Aufhebung und die
D.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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Considerations:
Erwägungen
1.
Zwischen der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin umstritten und nach
folgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der wiedererwägungsweisen Aufhebung der
Verfügung vom 14. November 2001, worin der Beschwerdeführerin für die Folgen des
Unfallereignisses vom 28. September 1995 eine 59%ige Invalidenrente zugesprochen
worden war (UV-act. 1117), und der per 31. Juli 2019 angeordneten Aufhebung der
Rentenleistungen.
Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen über den 1. August 2019 hinaus; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor,
dass die Verfügung vom 14. November 2001 sowohl bezüglich der dieser
zugrundeliegenden Bejahung der natürlichen und adäquaten Unfallkausalität als auch
der Ermittlung des Invaliditätsgrads nicht zweifellos unrichtig gewesen und deren
wiedererwägungsweise Korrektur folglich unzulässig sei (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
27. September 2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält im Wesentlichen an der
Auffassung fest, dass verschiedene Umstände vorliegen würden, die je für sich allein
einen Wiedererwägungsgrund darstellt. So seien die Schlussfolgerungen von
Prof. L._ widersprüchlich und die gestützt darauf bejahte natürliche Unfallkausalität
zweifellos unrichtig. Zudem sei die Frage nach der adäquaten Kausalität ausser Acht
gelassen worden. Schliesslich beruhe die ursprüngliche Rentenverfügung vom
14. November 2001 auf einem fehlerhaften Invaliditätsbegriff (act. G 3).
D.b.
Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 17. Januar 2022 unverändert an
den Anträgen gemäss der Beschwerde fest (act. G 11).
D.c.
In der Duplik vom 27. Januar 2022 hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits
unverändert an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 13).
D.d.
Laut Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung
einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinn der Würdigung des Sachverhalts. Das
Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erfolgt ist oder
wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders
verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller
Anspruchsvoraussetzungen (wie etwa des natürlichen Kausalzusammenhangs nach
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]; siehe
hierzu die nicht in BGE 140 V 70 publizierte E. 3.2 des Urteils des Bundesgerichts vom
24. Februar 2014, 8C_469/2013) liegt, deren Beurteilung notwendigerweise
Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der
Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Sach- und
Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprache darbot,
als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die
Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung
unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der
Verfügung – denkbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_368/2012, E. 2.2).
Eine Zurückhaltung bei der Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit ist vorliegend
umso angebrachter, als die ursprünglich verfügte Leistungszusprache Ergebnis von
Vergleichsbemühungen gewesen ist (siehe hierzu sowie zur Zulässigkeit
vergleichsweiser Regelungen bereits vor Erlass des ATSG die Ausführungen und
Hinweise in BGE 140 V 77 ff., insbesondere E. 3.2; zu den Vergleichsbemühungen
siehe UV-act. 1088, UV-act. 1116 und UV-act. 1117, S. 2 oben und S. 3) und durch das
auf das Erzielen einer einvernehmlichen Lösung gerichtete Vorgehen geprägt war,
womit gerade Unsicherheiten tatsächlicher Art, nämlich bezüglich des natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 28. September 1995 und der
fortbestehenden Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 1088) sowie der Höhe des
Invaliditätsgrads (UV-act. 1117, S. 2 oben), verbindlich geregelt wurden. Diesem
Gesichtspunkt ist bei der nachfolgenden Beurteilung zusätzlich Rechnung zu tragen.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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2.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Bejahung der natürlichen Kausalität zwischen der
Erwerbsunfähigkeit und dem Unfallereignis vom 28. September 1995 im Zeitpunkt der
Verfügung vom 14. November 2001 vertretbar gewesen war.
Die Beschwerdegegnerin anerkennt im Wiedererwägungsverfahren (siehe etwa
UV-act. 1155, Rz 45 f.), dass zumindest vorübergehend ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 28. September 1995 und der
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Leiden bestanden hatte. Gemäss der bereits im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung massgebenden Rechtslage entfällt die
Leistungspflicht eines Unfallversicherers bei unfallbedingter Verschlimmerung oder
Manifestierung eines krankhaften Vorzustands erst, wenn der Unfall nicht mehr die
natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft
dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor
dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich
nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall
früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es
sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. September
2001, U 120/00, E. 1 mit Hinweisen).
2.1.
In den Akten liegen mehrere fachmedizinische Einschätzungen, darunter ein
Administrativ- sowie ein Administrativobergutachten, die im objektivierbaren
Gesundheitsschaden (zur traumatisierten Spondylarthrose als objektivierbare Ursache
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2012, 8C_341/2012, E. 5.1 und
E. 6.2) und dessen Verlauf nach dem Unfallereignis vom 28. September 1995 nicht
bloss eine degenerative Genese erblickten, sondern sie mindestens zur Hälfte auf die
traumatische Einwirkung zurückführten. Bereits Dr. C._ ging von einer
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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Traumatisierung der (vorbestehenden) Spondylarthrose und von einer
richtunggebenden Verschlechterung aus (siehe etwa die Stellungnahme vom 22. April
1998, UV-act. 024). Dr. I._ gelangte zur gleichen Auffassung und legte dar, dass die
strukturellen Veränderungen erst im Verlauf nach dem Unfallereignis deutlich geworden
seien. Der aktuelle Befund der Spondylolyse und der Spondylolisthesis sei eindeutig
und sei in der Anfangsphase nach dem Unfallereignis nicht signifikant vorhanden
gewesen (Gutachten vom 26. März 1997, UV-act. 019, S. 3 Mitte). U.a. das nach dem
Trauma aufgetretene Wirbelgleiten lasse doch den dringenden Verdacht zu, dass durch
das Trauma eine erhebliche Lockerung im möglicherweise zuvor schon vorhandenen
Lysebereich zustande gekommen sei («wegweisende Verschlechterung eines
möglicherweise vorbestehenden Leidens», ergänzende Beurteilung vom 6. Mai 1998,
UV-act. 025, S. 2). Prof. L._ wies im Obergutachten vom 8. Februar 2000 ebenfalls
darauf hin, dass der Unfall Rückenbeschwerden ausgelöst habe, «die bis jetzt
anhalten» (UV-act. 026, S. 3). Aus seiner Sicht lag aufgrund der von Dr. I._
veranlassten bildgebenden Untersuchungsergebnisse vom 12. Dezember 1996 der
Verdacht nahe, dass eine Spondylolyse, das heisse ein Bruch des
Zwischenwirbelgelenkstücks, vorliege (UV-act. 026, S. 6 unten). Gestützt auf seine
umfassenden Abklärungen und unter Berücksichtigung der damaligen Akten schloss er
ebenfalls auf eine partielle traumatische Kausalität (UV-act. 026, S. 7 unten). In der
ergänzenden Beurteilung vom 22. Mai 2000 hielt er an dieser Auffassung fest, wies auf
die generelle Unsicherheit der Beurteilungen des Erreichens eines Status quo sine hin
und wiederholte, dass der Unfallmechanismus in der Lage gewesen sei, eine
Lendenwirbelsäule zu lädieren, umso mehr, als eine strukturelle Schwäche vorhanden
gewesen sei (UV-act. 027). Allein schon in Anbetracht dieser medizinischen Aktenlage
kann entgegen der Beschwerdegegnerin keine Rede davon sein, die Verneinung des
Status quo sine sei im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung schlechterdings
zweifellos unrichtig gewesen.
An dieser Betrachtungsweise vermag auch das Aktengutachten von Dr. J._ vom
13. November 1997 nichts zu ändern. Zunächst wird darin zumindest eine
vorübergehende unfallbedingte Verschlimmerung bestätigt (UV-act. 022, S. 7 oben und
S. 8 Mitte) und das Fortbestehen der natürlichen Kausalität immerhin noch als möglich
bezeichnet (UV-act. 022, S. 8 oben). Der von ihm bereits wenige Wochen nach dem
Unfallereignis für wahrscheinlicher angenommene Status quo sine (13. November
1995) entbehrt einer schlüssigen konkreten Begründung, zumal damals immerhin noch
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden war (UV-act. 022, S. 7 unten).
Vielmehr stützte sich Dr. J._ einzig auf eine nicht näher begründete oder referenzierte
Erfahrung, wonach Weichteilverletzungen an der Wirbelsäule im Verlauf von 2 bis
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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3.
Wie sich aus vorstehenden Ausführungen ergibt (siehe E. 2.2 ff.), erscheint die der
ursprünglichen Rentenverfügung zugrundeliegende Annahme, dass aus somatischer
Sicht die Traumatisierung der Spondylarthrose weiterhin mitursächlich für den
Gesundheitsschaden und für die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit blieb (UV-
act. 1093, S. 2 f. Rz 3), nicht zweifellos unrichtig. Da es sich hierbei um eine
objektivierbare Ursache handelt (siehe Urteil des Bundesgerichts vom 15. November
3 Wochen, höchstens 2 Monaten abheilen würden. Auf welche wissenschaftliche
Untersuchungen er sich hierbei stützte, bleibt mangels Belegen unklar (siehe UV-
act. 022, S. 5), kann jedoch offengelassen werden. Denn gemäss damals herrschender
Rechtslage (siehe Urteil des EVG vom 17. September 2001, U 129/00, E. 3b) genügten
Ausführungen in der medizinischen Literatur oder in den medizinischen Mitteilungen
der Suva für sich allein nicht, um ein Dahinfallen jeglicher kausaler Bedeutung eines
Unfalls nachzuweisen (vgl. auch bei einem vergleichbaren Beschwerdebild das Urteil
des Bundesgerichts vom 15. November 2012, 8C_341/2012, E. 6.2).
Was die knapp 20 Jahre später ergangene Aktenbeurteilung von Dr. M._
anbelangt, so geht daraus hervor, dass der Zeitpunkt für das Erreichen des Status quo
sine «heute» nicht sicher retrospektiv festgelegt werden könne (UV-act. 038, S. 1 f.).
Dr. M._ benennt denn auch gar keinen konkreten Zeitpunkt, in dem der Status quo
sine erreicht worden sei. Seine ausdrücklich aus «heutiger medizinisch-
rheumatologischer Sicht» erfolgte, im Ergebnis vage Einschätzung ist allein schon
deshalb nicht geeignet, die früheren abweichenden Beurteilungen als zweifellos
unrichtig erscheinen zu lassen, weil auch er sich hauptsächlich auf nicht näher belegte
Erfahrungswerte stützt. Schliesslich ist die Einschätzung von Dr. M._ erst recht nicht
geeignet, das Erreichen des Status quo sine spätestens bis zum Zeitpunkt der
ursprünglichen auf einem Vergleich basierenden Rentenverfügung mit einer
Überzeugungskraft nachzuweisen, welche die damalige Annahme des Unfalls als eine
fortbestehende Teilursache als schlechterdings unvertretbar erscheinen liesse.
2.4.
Im Übrigen erschiene angesichts der zahlreichen medizinischen Beurteilungen,
einschliesslich verschiedener Administrativ- und eines Administrativobergutachtens
samt ergänzender Begründung, die Annahme, dass in antizipierender
Beweiswürdigung von weiteren medizinischen Abklärungen keine weiteren
Erkenntnisse bezüglich der natürlichen Kausalität hätten gewonnen werden können
und die Beschwerdegegnerin die entsprechenden Folgen der Beweislosigkeit zu tragen
hätte, jedenfalls nicht als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn.
2.5.
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2012, 8C_341/2012, E. 6.2 zu Beginn; zu den von verschiedenen medizinischen
Fachpersonen in zumindest vertretbarer Weise beschriebenen objektivierbaren
Befunden siehe vorstehende E. 2.2; siehe auch die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin in UV-act. 1093, S. 3 Rz 3: «[...] einer partiellen traumatischen
Kausalität des gegenwärtigen Zustands, der über die natürliche Geschichte der Läsion
der Lendenwirbelsäule hinausgeht.»), bedurfte es im Zeitpunkt der Rentenprüfung
keiner besonderen Adäquanzprüfung. Entgegen der Sichtweise der
Beschwerdegegnerin vermag daher auch das allfällige Fehlen einer gesonderten
Adäquanzprüfung (siehe etwa act. G 3, Rz 12) die ursprüngliche Rentenverfügung nicht
als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen. Lediglich der Vollständigkeit halber ist das
Folgende zu bemerken: Aus dem Umstand, dass sich ein Unfallversicherer in der
ursprünglichen Leistungsverfügung zur Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhangs nicht explizit geäussert hatte, kann nicht geschlossen werden,
dass er diese nicht geprüft hatte, ist er doch nicht gehalten, seine Verfügung weiter zu
begründen. Vielmehr umfasst die Anerkennung der Leistungspflicht implizit auch die
dafür vorausgesetzte Bejahung der Adäquanz der geklagten Beschwerden (siehe hierzu
die in BGE 140 V 70 nicht publizierte E. 3.2 des Urteils des Bundesgerichts vom
24. Februar 2014, 8C_469/2013). Im Übrigen war der adäquate Kausalzusammenhang
im Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2000 jedenfalls in den allgemeinen
Ausführungen thematisiert (UV-act. 1093, S. 2 Rz 2b) und im Ergebnis bejaht worden.
4.
Schliesslich erblickt die Beschwerdegegnerin einen Wiedererwägungsgrund darin, dass
bei der Bestimmung des Invalideneinkommens auf die Restarbeitsfähigkeit bezogen
auf die angestammte Tätigkeit, nicht jedoch auf eine leidensangepasste Tätigkeit
abgestellt worden sei (UV-act. 1155, Rz 31 ff.). Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend
anerkennt, war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls als Bürokraft tätig
(UV-act. 1155, Rz 32; zur Beschäftigung als kaufmännische Angestellte siehe auch UV-
act. 1001). Von Bedeutung ist ausserdem, dass sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. I._ auf eine abstrakte leidensangepasste Tätigkeit bezog («zumutbare
Arbeitsleistungen») und er hierfür eine rund 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte
(«während 4 - 5 Stunden täglich»). Dabei scheinen kaufmännische Tätigkeiten die von
ihm für eine leidensangepasste Tätigkeit formulierten qualitativen Anforderungen zu
erfüllen (körperlich nicht belastende Arbeit ohne ausgeprägten Leistungsdruck, d.h.
keine stereotypen Bewegungsabläufe, kein Tragen von mehr als 5 bis 10 kg, keine
zusätzlichen Verdrehungen des Körpers beim Tragen oder Heben; UV-act. 019, S. 4
oben). Auch Prof. L._ antwortete auf die ausdrücklich auf den zumutbaren Umfang
der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten lautende Frage, dass die
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Tätigkeit als «Bürokraft» mit einem Pensum von 50 % der gegenwärtigen Belastbarkeit
der Beschwerdeführerin entspreche (UV-act. 026, S. 11 Mitte). Vor diesem Hintergrund
war es vertretbar, jedenfalls aber nicht zweifellos unrichtig, dass die
Beschwerdegegnerin für die Bestimmung des Invalideneinkommens von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ausging. Diese Sichtweise gilt umso mehr, als gerade auch die
Ermittlung des Invalideneinkommens im Rahmen von Vergleichsbemühungen erfolgte
(siehe das Schreiben des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 12. Oktober
2001, worin er mehrere Berechnungsvarianten vorschlug, UV-act. 1115, sowie sein
weiteres Schreiben vom 8. November 2001 bezüglich des erzielten auch auf mehreren
telefonischen Besprechungen beruhenden Verhandlungsergebnisses [Invaliditätsgrad
von 59 %], UV-act. 1116; zur ausdrücklich «vergleichsweise» erfolgten
Invaliditätsgradermittlung siehe UV-act. 1117, S. 2 oben). Im Übrigen galt damals noch
eine, wenn auch schon relativierte, Bindungswirkung an die Invaliditätsgradermittlung
anderer Versicherungsträger (siehe hierzu BGE 126 V 288). Von der grundsätzlich
bestehenden Bindung der Unfallversicherung an Entscheide der Invalidenversicherung
ist das EVG erst im Entscheid vom 13. Januar 2004, I 564/02 [vgl. AHI 2004 S. 181;
188], und damit nach Abschluss des im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden
Vergleichs abgerückt (vgl. auch BGE 131 V 362). Folglich spricht auch der zuvor von
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen festgelegte Invaliditätsgrad von ebenfalls 59 %
(UV-act. 1050.19) gegen eine zweifellose Unrichtigkeit der in der ursprünglichen
Rentenverfügung vom 14. November 2001 vorgenommenen Invaliditätsgradermittlung.
5.
Zusammenfassend erweist sich die wiedererwägungsweise Korrektur der
ursprünglichen Rentenverfügung vom 14. November 2001 bereits aufgrund der
vorstehend berücksichtigten Akten als unzulässig. Auf den von der Beschwerdeführerin
beantragten Beizug der IV-Akten kann deshalb verzichtet werden (act. G 1, S. 2).
6.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid
vom 15. Juni 2021 aufzuheben.
6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).6.2. bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
6.3.
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