Decision ID: bc09ac20-1971-4547-a6a1-329268c6b6db
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1988 geborene
X._
ist infolge einer linksbetonten
tetraspasti
schen
Cerebralparese nach Frühgeburt gehbehindert. Aus diesem Grund wurden
ihr
bereits
verschieden
e
Leistungen der Invalidenversicherung zugesprochen
, unter
anderem
die leihweise Abgabe eines Rollstuhls
.
Mit Schreiben vom 31. August 2010 wurde der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (SVA) ein Kostenvoranschlag für einen Rollstuhl Küschall Ultra Light mit verschiedenen Anpassungen und Zubehör, unter ande
rem der speziellen Bereifung "Schwalbe Speedrun",
einem Radspritzschutz aus Carbon sowie den
"
Supergripp
"
Greifringen
eingereicht
(Urk. 6/319 f.). Nach Einholung der Stellungnahme der Hilfs
mittelberatung
Y._
(Urk. 6/324)
und Durchführung des
Vor
bescheidverfahrens
(Urk.
6/327 f.)
erteilte die IV-Stelle mit
Verfügung vom 9. November 2010 Kostengutsprache für die Abgabe eines Rollstuhls Küschall Ultra Light samt invaliditätsbedingte
n
Anpassungen und Zubehör
, verweigerte aber
die die Übernahme der Kosten für
das obenerwähnte Zubehör
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Übernahme der Kosten für das ihr nötige Zubehör
(Urk.1). Mit Beschwerdeant
wort vom 18. Januar 2011 schloss die Verwaltung auf Abweisung der
Beshwerde
(Urk.
5)
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss
Art.
21 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung
(
IVG) hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste An
spruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt
Art.
21
Abs.
2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf
die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben. Die Hilfsmittel werden zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung abgegeben oder pauschal vergütet (Absatz 3, erster Satz).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische De
partement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufge
führter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort
bewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sorge notwendig sind (
Abs.
1).
Zu den von der Invalidenversicherung zu übernehmenden Hilfsmitteln gehören gemäss Ziff. 9.01
des Anhanges zur
HVI Rollstühle ohne motorischen Antrieb. Der Anspruch erstreckt sich auch auf das invaliditätsbedingt notwendige Zube
hör und die invaliditätsbedingt notwendigen Anpassungen (Abs. 3). Es besteht nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung
. Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat die versicherte Person selbst zu tragen (Abs. 4 Sätze 1 und 2).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Invalidenversicherung die Kosten für die spezi
elle Bereifung "Schwalbe Speedrun", den Radspritzschutz aus Carbon sowie die
"
Supergripp
"
Greifringe für den Rollstuhl der Beschwerdeführerin zu überneh
men hat. Während die
IV-Stelle
eine Kostengutschrift
mit der Begründung ab
lehnt
, das beantragte
Zubehör
sei
invaliditätsbedingt nicht notwendig
(Urk. 2), stellt sich die
Beschwerdeführerin
auf den Standpunkt,
das beantragte Zubehör sei von Nöten (Urk.
1)
.
3
.
3.1
Die Lieferantin des Rollstuhls begründete in ihrer Offerte vom 19. August 2010 die Notwendigkeit der "
Supergripp
" Greifringe damit, dass rutschsichere Greif
ringe
bei verminderter Muskelkraft in den oberen Extremitäten notwendig
seien. Der Radspritzschutz aus Carbon verhindere die Verschmutzung der Kleider. Zur Bereifung "Schwalbe Speedrun" führte sie schliesslich folgende Bemerkung an: "Um Reparaturkosten tief zu halten, empfehlen wir pannensichere Einlagen" (Urk. 6/319).
3.2
In
Rz
9.01.4 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln (KHMI) wird festgehalten, dass die Invalidenversicherung invaliditätsbedingtes Zubehör nur übernehmen kann, wenn dieses einfach und zweckmässig ist. Bei Unklarheiten ist sodann eine neutrale Fachstelle (
Y._
) beizuziehen. Bei dieser kann die Be
schwerdegegnerin in unklaren Einzelfällen jederzeit eine Abklärung einfordern, was sie im vorliegenden Fall auch getan hat.
Am 28. September 2010 teilte die
Y._
mit, der Berater habe sich vor Ort ein Bild von den Erfordernissen machen können. Ein Rollstuhl aus dem IV-Depot habe sich im Test als nicht geeignet erwiesen. Die von der Beschwerdeführerin eingereichte Offerte sei zwar korrekt, werde jedoch dem Grundsatz der Einfach
heit nicht in allen Punkten gerecht. Die spezielle Bereifung "Schwalbe Spee
drun", der Radspritzschutz aus Carbon und die "
Supergripp
" Greifringe seien nicht invaliditätsbedingt notwendig und daher nicht als einfach anzusehen (Urk. 6/324).
3.
3
Die Beschwerdeführerin kann ihren linken Arm infolge der
linksseitigen spasti
schen Tetraparese nur eingeschränkt einsetzen
,
weshalb
s
ie insbesondere im Freien auf die Hilfe einer Drittperson beim Stossen des
Rollstuhl
s angewiesen ist
(vgl. die
Beurteilung von Dr.
Z._
in den
Bericht
en
vom
15. April 2010 und 31. August 2010
sowie die Angaben der Beschwerdeführerin in der Anmeldung vom 21. Juni 2010 zum Bezug von Hilflosenentschädigung,
Urk. 6/291 S. 11,
Urk. 6/296 S. 3
,
Urk. 6/331
).
Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass selbst besondere "
Supergripp
" Greifringe die verminderte Muskelkraft
nicht
zu kompensieren vermögen und somit nicht zu einer erhöhten Selbständigkeit
beziehungsweise
Mobilität
im Alltag
beitragen
.
Beim Radspritzschutz geht es
dagegen
um den Schutz der Kleider vor Verschmut
zung
. Das Grundmodell des empfohlenen Rollstuhls verfügt bereits über einen einfachen Kleiderschutz. Gegen Nässe und Schmutz im Freien kann der Regenschutz
an dessen Kosten sich die Invalidenversicherung nach
Rz
9.01.4 KHMI beteiligt – eingesetzt werden.
E
in zusätzlicher Radspritzschutz aus Carbon
gehört somit nicht zu einer von der Invalidenversicherung zu finan
zierenden einfachen und zweckmässigen Ausstattung.
Bei den
"
Schwalbe Speedrun
"
Reifen handelt es sich schliesslich um faltbare
(
Sport
)R
eifen
. Sie
gehören somit ebenfalls nicht zu einer von der Invalidenver
sicherung zu finanzierenden einfachen und zweckmässigen Ausstattung
, zumal aufgrund der vorliegenden Behinderung die Notwendigkeit von faltbaren Rei
fen, nicht erkennbar ist.
3.
4
Mangels Erfüllung der
Anforderun
gen an Einfachheit und Zweckmäs
sigkeit
hat die
Beschwerdegegnerin d
ie Kosten für
das strittige Zubehör nicht
zu tragen, was zur
Abweisung
der Beschwerde führt.
4
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
4
00.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).