Decision ID: 46b33ea7-af53-5f62-9670-2165756bf86b
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 4. März 2019 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) 2018 in
Spanien daktyloskopisch erfasst wurde,
dass das SEM mit Verfügung vom 10. April 2019 – eröffnet am 11. April
2019 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Spanien
anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte,
dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers nach der Eröffnung der
Verfügung des SEM am 11. April 2019 das Mandat niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. April 2019 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben; die Vorinstanz
sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und ihm ein nationales
Asylverfahren zu eröffnen; eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich
gestützt auf Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (Asylverordnung 1 vom 11. August
1999, SR 142.311) für das vorliegende Asylverfahren für zuständig zu er-
klären; subeventualiter sei die Sache wegen Verletzung des rechtlichen
Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen; im Sinne vorsorglicher Mass-
nahmen sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehör-
den seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Spanien abzusehen,
bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde ent-
schieden habe; ferner sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sowie eine
angemessene Parteientschädigung zuzusprechen,
dass die vorinstanzlichen Akten am 18. April 2019 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 3 AsylG),
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Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
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dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass den vorliegenden Akten zu entnehmen ist, dass sich der Beschwerde-
führer vor seiner Einreise in die Schweiz in Spanien aufgehalten hatte,
dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragung zur Person vom
12. März 2019 ausführte, er habe sein Heimatland im (...) 2018 verlassen
und sei bis nach Spanien gereist, wo er am (...) 2018 eingetroffen sei und
sich bis zu seiner Weiterreise in die Schweiz im März 2019 aufgehalten
habe,
dass das SEM die spanischen Behörden am 15. März 2019 um Aufnahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 21 Dublin-III-VO ersuchte,
dass dem Beschwerdeführer gleichentags das rechtliche Gehör zu einem
allfälligen Nichteintretensentscheid und zur Möglichkeit einer Überstellung
nach Spanien sowie zum medizinischen Sachverhalt beziehungswiese zu
seiner gesundheitlichen Situation gewährt wurde,
dass er dabei geltend machte, er wolle nicht nach Spanien zurückkehren,
da Spanien nicht das Land sei, in welches er gewollt habe, er in Spanien
niemanden habe und der Landsmann, bei dem er dort gewohnt habe (nach
der Registrierung der Fingerabdrücke habe er keinen weiteren Behörden-
kontakt gehabt), Spanien wieder verlassen müsse,
dass er weiter angab, es gehe ihm gesundheitlich gut, er habe jedoch kurz
vor der Gewährung des rechtlichen Gehörs einen (...) gehabt,
dass diesbezüglich kein Arztbericht zu den Akten gereicht wurde,
dass die spanischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 9. April
2019 zustimmten,
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dass die grundsätzliche Zuständigkeit Spaniens somit gegeben ist, was
vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird,
dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe jedoch vor-
bringt, es liege eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor,
da die Vorinstanz nicht in spezifischer Weise auf die Situation von Flücht-
lingen in Spanien, die regelmässig keine Unterstützung erhielten und auf
der Strasse leben müssten, eingegangen sei,
dass diese Rüge unbegründet ist, zumal der Beschwerdeführer im vorin-
stanzlichen Verfahren keine Mängel oder persönliche Schwierigkeiten im
Zusammenhang mit dem spanischen Asylverfahren geltend machte, son-
dern angab, er habe bei einem Landsmann gewohnt und keinen Behör-
denkontakt gehabt,
dass die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, es gebe keine Gründe für
die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in Spanien weise systemische Schwachstellen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf,
dass ferner jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen
kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach
den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zu-
ständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss
dieser Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln
kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer die Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1
fordert und geltend macht, das Asylsystem in Spanien sei mangelhaft, man
würde keine behördliche Unterstützung erhalten und müsse auf der
Strasse leben, auch aus humanitären Gründen könne man ihn nicht in ein
Land zurückschicken, wo er unter menschenunwürdigen Bedingungen um
sein Überleben kämpfen müsse,
dass er jedoch keine ihn persönlich betreffenden Probleme diesbezüglich
nennt,
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dass Spanien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes, ernsthaftes und insbesondere
kein individuelles Risiko dargetan hat, die spanischen Behörden würden
sich weigern, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
dass auch den Akten keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Spanien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement miss-
achten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein
Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-
fährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches
Land gezwungen zu werden,
dass der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise für die Annahme
dargetan hat, Spanien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahme-
richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten, und er
sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Übrigen nötigenfalls an
die spanischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebe-
dingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahme-
richtlinie),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
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dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, zumal kein Grund für
eine Anwendung der Ermessensklausel ersichtlich ist,
dass ergänzend festzuhalten ist, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchen-
den kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszu-
wählen (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-1607/2019 vom 10. April 2019 m.H.
auf BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist (Art. 32 Abs. 1 Bst. a AsylV 1) – in An-
wendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Spanien angeordnet hat,
dass die Beschwerde demzufolge abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
Art. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass das Gesuch um Kostenvorschussverzicht mit vorliegendem Urteil ge-
genstandslos geworden ist,
dass die Ausrichtung einer Parteientschädigung angesichts des Ausgangs
des Verfahrens nicht in Betracht fällt (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
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