Decision ID: a5183737-cfe6-43a6-8c7f-90dc41da82a0
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt gegen den Beschwerdeführer
eine Strafuntersuchung wegen Drohung bzw. Nötigung, angeblich began-
gen am 22. Dezember 2021 in Oftringen.
2.
Mit Anordnung vom 7. Februar 2022 wies die Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm die Kantonspolizei Aargau an, den Beschwerdeführer erkennungs-
dienstlich zu erfassen, einen Wangenschleimhautabstrich (WSA) vorzu-
nehmen und die Erstellung eines DNA-Profils des WSA in Auftrag zu ge-
ben.
3.
3.1.
Gegen diese Anordnung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
17. Februar 2022 Beschwerde bei der Beschwerdekammer in Strafsachen
des Obergerichts des Kantons Aargau und beantragte deren Aufhebung
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2022 beantragte die Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.
3.3.
Mit Eingabe vom 16. März 2022 nahm der Beschwerdeführer zur Be-
schwerdeantwort Stellung.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Die Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft sind
mit Beschwerde anfechtbar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Beschwerdeaus-
schlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen nicht vor. Damit ist die Be-
schwerde zulässig.
Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen
Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist somit einzu-
treten.
- 3 -
2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt zur Begründung der angefoch-
tenen Verfügung aus, der Beschwerdeführer werde dringend verdächtigt,
anlässlich einer Auseinandersetzung am 22. Dezember 2021 in den Büro-
räumlichkeiten der B. AG C. unter Androhung von Gewalt sowie unter An-
wendung von Gewalt genötigt zu haben, ihm das Mobiltelefon und seinen
Laptop sowie die dazugehörigen Passwörter und PINs herauszugeben. Zur
Überprüfung des Tatverdachts und der Tatzusammenhänge seien die Sig-
nalemente, insbesondere von C. genannte Tätowierungen, zu erfassen
und die an der Bekleidung von C. unmittelbar nach dem Vorfall sicherge-
stellten Tatspuren mit jenen des Beschwerdeführers zu vergleichen. Die
Intensität des körperlichen Eingriffs sei gering; bei den zu untersuchenden
Delikten handle es sich um erhebliche Straftaten. Es seien keine milderen
Massnahmen vorhanden, womit die Erstellung des DNA-Profils unerläss-
lich für die Klärung der Sachlage sei. Soweit sich der Tatverdacht entkräfte,
seien die Erfassungsdaten und das DNA-Profil entsprechend den gesetzli-
chen Vorgaben zu löschen.
2.2.
Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen, er sei von D. um Hilfe gebe-
ten worden, als diese ihrem Expartner C. am 22. Dezember 2021 anläss-
lich einer Verwaltungsratssitzung die Kündigung der gemeinsam geführten
Immobilienfirma B. AG habe überreichen wollen. D. sei bereits mehrfach
gewalttätig durch C. angegangen worden, weshalb der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt der Kündigung im Vorraum habe warten und allenfalls ein-
greifen sollen, falls C. aufgrund der Kündigung ausrasten sollte. Als C. die
Kündigung erhalten habe, sei dieser ausgerastet, habe D. bespuckt und
beleidigt und diese tätlich angehen wollen. Der Beschwerdeführer sei da-
zwischen gegangen und habe die beiden getrennt. Er habe dabei C. ange-
fasst bzw. habe ihn mit dem Arm an dessen Oberkörper weggedrückt. Die-
ser habe danach das Geschäftshandy und den Geschäftslaptop abgege-
ben und das Gebäude verlassen. Die Version von C., wonach er unter
Druck gesetzt, bedroht, genötigt und eingeschüchtert worden sei, um die
Sachen herauszugeben, werde von allen Beteiligten bestritten. Der Ver-
dacht gegen die von C. angezeigten Personen habe sich nicht erhärten
lassen. Die Aussagen von C. seien von allen in Abrede gestellt worden.
Anhand der sichergestellten Geräte könne eruiert werden, dass diese nicht
entsperrt worden seien, weil man den Code dafür nicht gehabt habe.
Die Erstellung eines DNA-Profils sei vorliegend zwecklos, da bereits unbe-
stritten sei, dass der Beschwerdeführer C. angefasst habe. Mit der Erstel-
lung eines DNA-Profils könne nichts anderes bewiesen werden, als der Be-
schwerdeführer bereits eingestanden habe. Es mangle an der durch das
Bundesgericht mehrfach bestätigten Voraussetzung, wonach eine Zwangs-
massnahme zweckmässig sein müsse.
- 4 -
Weiter mangle es am hinreichenden Tatverdacht. Der Sachverhalt bezüg-
lich der strafbaren Handlungen werde bestritten. F., der an der Auseinan-
dersetzung unbeteiligte Buchhalter der B. AG, bestätige weitestgehend die
Aussagen des Beschwerdeführers und von D.. C. behaupte, die dritte an-
wesende Person nicht gekannt zu haben, was jedoch gelogen scheine. Es
handle sich um den Sohn von D., mit welcher er mehrere Jahre lang eine
Beziehung geführt habe. Angesichts der noch vorzunehmenden Beweisab-
nahmen, wie etwa die Befragung des Sohnes von D., rechtfertige sich die
angeordnete Zwangsmassnahme ebenfalls nicht, weil kein Beweisverlust
drohe. Es seien zuerst diejenigen Beweise abzunehmen, welche der wei-
teren Sachverhaltsklärung dienen könnten. Der Beschwerdeführer und D.
hätten beide Anzeige gegen C. wegen falscher Anschuldigung, Irreführung
der Rechtspflege und anderer in Frage kommender Delikte erstattet.
Die weiteren erkennungsdienstlichen Massnahmen, wie ein Foto des Be-
schwerdeführers oder dessen Tätowierungen, könnten durch den Verteidi-
ger eingereicht werden. Dafür müsse der Beschwerdeführer nicht in ein
Untersuchungsgefängnis geführt werden. Es würden keine Fingerabdrücke
verlangt. Als mildere Massnahme würde eine Frist reichen, um Fotos der
Arme des Beschwerdeführers einzureichen.
2.3.
Mit Beschwerdeantwort hält die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm im We-
sentlichen dagegen, die Sachverhaltsdarstellungen der beschuldigten Per-
sonen unterschieden sich diametral von derjenigen von C.. Es erstaune
nicht, dass die drei beschuldigten Personen drohende und nötigende Hand-
lungsweisen im Zusammenhang mit dem Vorfall abstritten. Die von C. gel-
tend gemachten Gegebenheiten seien nicht allein deshalb als unwahr an-
zusehen. Es stimme sodann nicht, dass F. die Aussagen des Beschwerde-
führers und von D. bestätige. Er gebe an, dass er auf dem Flur ein Hand-
gemenge, beinahe einen Kampf gehört habe. Dabei habe D. C. aufgefor-
dert, den Laptop herzugeben. Der hinreichende Tatverdacht betreffend
Drohung und Nötigung seitens des Beschwerdeführers sei zu bejahen.
Vom Beschwerdeführer werde bestritten, dass er C. mit beiden Händen am
Kittel gepackt, ihn gegen die Wand gedrückt und ihn unter Androhung wei-
terer Gewalt dazu genötigt habe, seinen Laptop und sein Mobiltelefon her-
auszugeben. Der Beschwerdeführer (Verteidiger) interpretiere die Aussage
des Beschwerdeführers, wonach dieser C. mit dem Arm zur Seite gedrückt
haben soll, nun als Eingeständnis des Kittel-Kontakts. Der Beschwerdefüh-
rer habe aber keine diesbezüglichen Eingeständnisse gemacht und statt-
dessen zu Protokoll gegeben, es stimme nicht, dass er C. gegen die Wand
gedrückt habe und C. sei nicht einmal berührt worden. An entsprechender
Stelle habe vom Kittel jedoch eine DNA-Spur sichergestellt werden können,
- 5 -
welche es im Sinne der Sachverhaltsfeststellung zuzuordnen gelte. Mildere
Massnahmen lägen keine vor.
2.4.
Der Beschwerdeführer hält im Wesentlichen dagegen, die Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm habe die be- und entlastenden Elemente nicht mit der
gleichen Sorgfalt untersucht, wie sie gemäss Art. 6 Abs. 2 StPO dazu an-
gehalten wäre. Dass F. gesagt habe, der Beschwerdeführer ("Bodyguard")
habe die Situation beruhigen wollen, werde nicht erwähnt. Die Aussagen
von F. zeigten deutlich, dass dieser in der Situation Angst vor C. und nicht
vor den anderen Beteiligten gehabt habe. Der Spurenbericht halte fest,
dass eine Spur auf der "Strickjacke C." gefunden worden sei. Wo genau
auf der Strickjacke, sei aber nicht dokumentiert. Der Kontakt sei auf "Brust-
höhe, mittig" gewesen. Es sei anzunehmen, dass die Spur der Jacke auf
Höhe der Brust "mittig" gesichert worden sei. Dies sei der Ort, an welchem
C. vom Beschwerdeführer zugegebenermassen berührt worden sei. Dass
er C. mit dem Arm auf Brusthöhe weggedrückt habe, habe er entgegen den
Ausführungen der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm deutlich zu Protokoll
gegeben. Forensisch könne nur erstellt werden, dass der Beschwerdefüh-
rer C. allenfalls an dieser Stelle berührt habe. Dass sich über den Kontakt
hinaus etwas feststellen lasse, sei aussichtslos.
3.
3.1.
Gemäss Art. 197 Abs. 1 StPO können Zwangsmassnahmen (Art. 196 - 298
StPO) nur ergriffen werden, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind, ein hin-
reichender Tatverdacht vorliegt, die damit angestrebten Ziele nicht durch
mildere Massnahmen erreicht werden können und die Bedeutung der Straf-
tat die Zwangsmassnahme rechtfertigt. Hinweise auf eine strafbare Hand-
lung müssen erheblich und konkreter Natur sein, um einen hinreichenden
Tatverdacht begründen zu können (BGE 141 IV 87 E. 1.3.1).
Zweck der erkennungsdienstlichen Erfassung nach Art. 260 Abs. 1 StPO
ist die Abklärung des Sachverhalts, worunter insbesondere die Feststellung
der Identität einer Person fällt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist eine erkennungsdienstliche Erfassung auch zulässig, wenn sie
nicht für die Aufklärung der Straftat erforderlich ist, derer eine Person im
hängigen Strafverfahren beschuldigt wird. Damit diese Zwangsmassnahme
verhältnismässig ist, müssen erhebliche und konkrete Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass die beschuldigte Person in andere - bereits begangene
oder künftige - Delikte von gewisser Schwere verwickelt sein könnte (Urteil
des Bundesgerichts 1B_185/2017 vom 21. August 2017 E. 3).
Gleiches gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Zusammenhang
mit DNA-Analysen. Zur Aufklärung eines Verbrechens oder eines Verge-
hens kann von der beschuldigten Person eine Probe genommen und ein
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DNA-Profil erstellt werden (Art. 255 Abs. 1 lit. a StPO). Nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung kommen die Probenahme und Erstellung ei-
nes DNA-Profils gemäss Art. 255 Abs. 1 StPO nicht nur in Betracht zur Auf-
klärung jenes Delikts, welches dazu Anlass gegeben hat, oder zur Zuord-
nung von bereits begangenen und den Strafverfolgungsbehörden bekann-
ten Delikten. Wie aus Art. 259 StPO i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. a DNA-Profil-
Gesetz (SR 363) hervorgeht, muss die Erstellung eines DNA-Profils es
auch erlauben, den Täter von Delikten zu identifizieren, die den Strafverfol-
gungsbehörden noch unbekannt sind. Dabei kann es sich um vergangene
oder künftige Delikte handeln. Das DNA-Profil kann so Irrtümer bei der
Identifikation einer Person und die Verdächtigung Unschuldiger verhindern.
Es kann auch präventiv wirken und damit zum Schutz Dritter beitragen (Ur-
teil des Bundesgerichts 1B_14/2019 vom 12. März 2019 E. 2.1; BGE 145
IV 263 E. 3.3).
Erkennungsdienstliche Massnahmen und die Aufbewahrung der Daten
können das Recht auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) und das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 13 Abs. 2 BV und Art. 8
EMRK) tangieren. Einschränkungen von Grundrechten müssen durch ein
öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein (Art. 36
Abs. 2 und 3 BV). Dies konkretisiert Art. 197 Abs. 1 StPO. Nach der Recht-
sprechung ist die Erstellung eines DNA-Profils, das nicht der Aufklärung
der Straftaten eines laufenden Strafverfahrens dient, nur dann verhältnis-
mässig, wenn erhebliche und konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
der Beschuldigte in andere - auch künftige - Delikte verwickelt sein könnte.
Dabei muss es sich allerdings um Delikte gewisser Schwere handeln
(BGE 145 IV 263 E. 3.4). Massgeblich sind die Umstände des Einzelfalls.
Art. 255 StPO ermöglicht nicht bei jedem hinreichenden Tatverdacht die
routinemässige Entnahme von DNA-Proben und deren Analyse (BGE 141
IV 87 E. 1.4.2; Urteil des Bundesgerichts 1B_274/2017 vom 6. März 2018
E. 2.1).
3.2.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, sich zum mutmasslichen Tatzeit-
punkt in den Büroräumlichkeiten der B. AG aufgehalten zu haben. Er be-
stätigte anlässlich seiner Einvernahme vom 12. Januar 2022, dass er im
Empfangsraum gewartet habe und nach einem Hilferuf von D. zwischen
diese und C. geeilt sei (Fragen 15/17). D. habe ihm gesagt, sie werde an
diesem Tag C. die Freistellung eröffnen und habe Angst, dass dieser gegen
sie etwas machen werde (Frage 37). Er sei "aus Hilfe" vor Ort gewesen
(Frage 32/33). Der Beschwerdeführer bestritt hingegen, C. physisch ange-
gangen oder ihm verbal physische Gewalt angedroht zu haben (Frage
46/50). Er habe ihn mit dem Arm zur Seite gedrückt, wisse jedoch nicht
mehr wo am Körper (Frage 17). Anlässlich der gleichen Einvernahme sagte
er aus, es stimme nicht, dass C. an den Oberarmen fixiert, gehalten oder
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zum Weggehen blockiert worden sei, dieser sei "nicht einmal berührt" wor-
den (Frage 47/54). Er habe C. gebeten, die Sachen abzugeben und zu ge-
hen (Frage 51).
C. sagte anlässlich seiner Einvernahme vom 22. Dezember 2021 aus, dass
ihn zwei unbekannte Herren beidseitig an den Armen gepackt und ihn leicht
gegen die Wand gedrückt hätten (Frage 21). Die eine Person habe ihn stark
an den Oberarmen fixiert gegen die Wand gedrückt und die andere habe
ihm etwas aus dem rechten Hosensack gezogen (Frage 27). Die ihn fixie-
rende Person habe ihm am Kittel gepackt, im Brustbereich bei den Knöpfen
und ihm drohend die Aussage gemacht habe
"I zelle jetzt uf 10, bis denne hani den PIN" (Frage 28). Diese Person habe
ihm danach den Kittel zugeknöpft und darübergestrichen (Frage 29).
D. erklärte anlässlich ihrer Einvernahme vom 22. Dezember 2021, dass
keine Gewalt angewendet worden sei (Frage 27) und nur die blosse Anwe-
senheit des Beschwerdeführers dazu geführt habe, dass C. sie nicht tätlich
angegriffen habe (Frage 33).
F. gab anlässlich seiner Einvernahme vom 4. Januar 2022 an, dass er ein
Handgemenge im Gang gehört habe (Frage 18/40), beinahe einen Kampf
(Frage 18). Er habe ein Video erstellt, damit festgehalten werde, wie laut
es zu- und hergegangen sei (Frage 18). Von der Türe des Sitzungszimmers
aus habe er danach C. "[Rufname C.]" gegenüber des "Bodyguards" [mut-
masslich des Beschwerdeführers] gesehen (Frage 18). Dieser sei mindes-
tens in 50cm Abstand vor C. gestanden und habe auf diesen eingeredet
und die Situation beruhigen wollen, berührt habe er ihn nicht (Frage 19).
Einen physischen Druck habe er nicht festgestellt (Frage 38).
3.3.
Es hat unbestrittenermassen eine Interaktion zwischen dem Beschwerde-
führer und C. stattgefunden, wobei es um die Herausgabe des von C. ge-
schäftlich verwendeten Laptops und des Mobiltelefons ging. Fest steht,
dass der Beschwerdeführer für die Kündigung von D. beigezogen wurde
und bei der Abgabe der Sachen eine aktive Rolle übernahm. Die Sachver-
haltsdarstellung von C. erscheint möglich und wird von den Aussagen von
F. nicht entkräftet. Obwohl F. gemäss seinen Angaben keine vom Be-
schwerdeführer ausgehende physische Einwirkung auf C. gesehen hat, hat
er ein Handgemenge im Flur gehört, welches offenbar eine solche Intensi-
tät angenommen hatte, dass er eine Aufnahme von der Situation machte.
Ein Handgemenge, welches beinahe einem Kampf gleicht, lässt sich von
einem Wegdrücken mit dem Arm bzw. gar keinem physischen Kontakt
akustisch unterscheiden. Die Bezeichnung des Beschwerdeführers als
"Bodyguard" lässt vermuten, dass von diesem eine gewisse bedrohliche
Haltung ausgegangen ist, auch wenn er zu beruhigen versucht hat. Frag-
würdig erscheint weiter, dass D. die weiteren im Geschäft (aber nicht an
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der Sitzung) anwesenden Personen weggeschickt haben soll, obwohl sie
sich vor C. gefürchtet habe. Der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ist zu
folgen, dass es nicht erstaunt, dass die beschuldigten Personen den vor-
geworfenen Sachverhalt bestreiten. Ob die Interaktion die vorgeworfene
und strafrechtlich relevante Intensität erreicht hat, kann zum aktuellen Zeit-
punkt der Untersuchung weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Es
sind aus den Aussagen der beteiligten Personen bzw. der Auskunftsperson
genügend konkrete Hinweise vorhanden, dass sich der Sachverhalt so zu-
getragen haben könnte, wie dies von C. geschildert worden ist und sich der
Beschwerdeführer der Drohung bzw. Nötigung strafbar gemacht haben
könnte. Der hinreichende Tatverdacht ist demnach vorliegend zu bejahen.
3.4.
Die erkennungsdienstliche Erfassung sowie die DNA-Profilerstellung lässt
sich auch bezüglich der Voraussetzungen der Subsidiarität rechtfertigen.
Allfällige DNA-Spuren auf der Strickjacke von C. könnten weitere Auskunft
darüber geben, ob der Beschwerdeführer diesen am Kittel, oben am Brust-
bereich, sowie an den Knöpfen gepackt bzw. ihm etwas aus der rechten
Hosentasche gezogen haben könnte. Sollte er diesen, wie vorgebracht,
bloss mit dem Arm zur Seite gestossen haben, wären die DNA-Spuren wohl
nicht an denselben Stellen an der Strickjacke zu finden, wie wenn er C. mit
beiden Händen am Kittel gepackt, über die Knöpfe gestrichen bzw. unten
rechts in die Hosentasche gefasst hat. Die DNA-Spuren dürften daher als
gewichtiges Indiz für die weitere Sachverhaltsabklärung dienen.
Bei der erkennungsdienstlichen Erfassung werden die Körpermerkmale ei-
ner Person festgestellt und Abdrücke von Körperteilen genommen (Art. 260
Abs. 1 StPO). Erfasst werden klassischerweise und routinemässig das Sig-
nalement, das insbesondere auch körperliche Merkmale enthalten kann,
sowie Abdrücke von Fingern oder anderen im Einzelfall möglicherweise
wichtigen Körperteilen (dazu im Einzelnen BRUNO WERLEN, in: Basler Kom-
mentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 zu
Art. 260 StPO; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Handbuch des schwei-
zerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 1100). In das Verfahren ist
neben dem Beschwerdeführer ein weiterer Beschuldigter involviert. Die Ge-
fahr von Verwechslungen besteht. Für die Zuordnung einzelner Handlungs-
abläufe und zwecks Unterscheidung zwischen dem Beschwerdeführer und
dem weiteren Beschuldigten sind die Fotografien, insbesondere der Täto-
wierungen, und allenfalls weitere Signalemente des Beschwerdeführers
geeignet und erforderlich. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der Einver-
nahme keine Aussagen zu seinen Tätowierungen gemacht (Einvernahme
des Beschwerdeführers vom 12. Januar 2022, Frage 28). Die erkennungs-
dienstliche Erfassung dient insbesondere dazu, den allfälligen weiteren
Auskunftspersonen in den Befragungen zwecks genauerer Identifizierung
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Fotos der Beschuldigten vorhalten zu können. Damit trägt sie zur Untersu-
chung von belastenden wie auch entlastenden Umständen bei (vgl. Art. 6
Abs. 2 StPO).
Die Erstellung des DNA-Profils sowie die erkennungsdienstliche Erfassung
des Beschwerdeführers sind daher geeignet und erforderlich für die Aufklä-
rung des ihm im laufenden Verfahren vorgeworfenen Sachverhalts.
Ein milderes Mittel ist vorliegend nicht ersichtlich. Die am Tag der Ausei-
nandersetzung in den Räumlichkeiten der B. AG weiteren anwesenden
Personen, L. und M., seien gemäss Angaben von F. und C. zum Zeitpunkt
der Auseinandersetzung nicht vor Ort gewesen, da diese wohl von D. vor-
gängig nach Hause gesendet worden seien (Einvernahme von C. vom
22. Dezember 2021, Frage 33; Einvernahme von F. vom 4. Januar 2021,
Frage 17). Zum Ablauf der Auseinandersetzung können diese folglich keine
Auskunft erteilen. Die Videoaufnahme von F. hat die Auseinandersetzung
vermutlich nicht vollständig erfasst, da er diese auch nur hören konnte. Die
weiteren Beweiserhebungen liefern höchstens auch Indizien, weshalb auf
die Erstellung des DNA-Profils und der erkennungsdienstlichen Erfassung
nicht verzichtet werden kann.
Ziel der staatsanwaltlichen Anordnung ist vorliegend die Aufklärung der An-
lasstat, wobei es sich bei den dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Straf-
taten um erhebliche Delikte handelt. Die durch die Erstellung des DNA-
Profils und die erkennungsdienstliche Erfassung drohende Grund-
rechtseinschränkung des Beschwerdeführers erweist sich in Anbetracht
der gegenüberstehenden öffentlichen Interessen an der Aufklärung der ihm
vorgeworfenen Delikte als zumutbar. Die erkennungsdienstliche Erfassung
und die Erstellung des DNA-Profils sind auch unter dem Gesichtspunkt der
Verhältnismässigkeit nicht zu beanstanden.
4.
Zusammenfassend sind sämtliche Voraussetzungen für die erkennungs-
dienstliche Erfassung bzw. Erstellung eines DNA-Profils des Beschwerde-
führers erfüllt, womit die vorinstanzliche Anordnung rechtens ist. Demge-
mäss ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und es ist ihm keine
Entschädigung auszurichten.