Decision ID: f35689d0-8bdf-4289-80ef-23549d9872ef
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
X._
ersuchte am 11. Dezember 2012 um Ausrichtung von Insolvenz
-
entschädi
gung
im Betrag von Fr. 5‘473.45 für den Zeitraum vom 25. April bis
23. Juni 2012, nachdem über die
Y._
am 30. Oktober 2012
der Konkurs eröffnet worden war.
Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich verneinte mit Verfügung vom 24. Januar 2013 einen Anspruch auf
Insolvenzent
schädigung
, weil
X._
als
Selbständigerwerbende
und nicht als anspruchs
berechtigte Arbeitnehmerin der
Y._
anzuseh
en sei.
Die Einsprache von
X._
vom 30. Januar 2013 gegen diese Ver
fügung wies die Arbeitslo
senkasse mit
Entscheid vom 27. März 2013 ab.
Im dagegen angehobenen Beschwerdeverfahren (AL.2013.00092) hiess die Einzelrichterin am
Sozialversi
cherungsgericht
des Kantons Zürich am 19. Dezember 2013 die Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die Sache zu ergänzenden Abklärungen und neuem Ent
scheid an die Beschwerde
-
gegnerin zurückwies (
zum Ganzen:
Urk.
12/12). Nach vorgenommenen Abklärung
en wies die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 25. Februar 2014 den Anspruch erneut ab (
Urk.
12/8). Die Einsprache von
X._
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 5. Juni 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 1. Juli 2014 Beschwerde (
Urk.
1, 3, 4, 6
, 8
) und beantragte die Aufhebung des Entscheids und die
Zusprache
der ver
langten Insolvenzentschädigung. Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abwei
sung der Beschwerde
in der Beschwerdeantwort vom 25. August 2014 (
Urk.
11) und reichte die neu angelegten Akten ein (
Urk.
12/1-12). Das Gericht liess die Beschwerdegegnerin die vollständigen Akten, im Besonderen diejenigen des alten Verfahrens
,
nachreichen (
Urk.
15, 16)
,
und liess die Beschwerdeführerin zu einem Auszug von Akten des ebenfalls
hängigen
Verfahrens der Beschwerdeführerin (IV.2014.00588;
Urk.
17/1-3) Stellung nehmen. Diese liess sich jedoch nicht dazu vernehmen, weshalb androhungsgemäss davon auszugehen ist, dass sie darauf verzichtet (
Urk.
22).
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss
Art.
51
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
-
losenentschädigung
und die Insolvenzentschädigung (AVIG) haben beitrags-pflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz
Arbeitneh-merinnen
und Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf
Insolvenzentschädi-gung
, wenn:
a)
gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem
Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen oder
b)
der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offen
-
sichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger
bereit
findet
, die Kosten vorzuschiessen, oder
c)
sie gegen ihren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungsbegehren
gestellt haben (BGE 127 V 183 ff., 125 V 492 ff.)
oder bei Bewilligung der Nachlassstundung oder richterlichem
Konkursaufschub (
Art.
58 AVIG).
2.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
1
lit
. a AVIG ist der
AlV
-Beitragspflicht unterstellt (
versi-chert
), wer nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversi-cherung
(AHVG) obligatorisch versichert und für Einkommen aus
unselbständi-ger
Tätigkeit beitragspflichtig ist. Die Ausübung
einer solchen beitragspflichti
gen Beschäftigung im massgeblichen Zeitra
um ist gleichzeitig weiteres An
spruchsrequisit (
Art.
8
Abs.
1
lit
. e in Verbindung mit
Art.
13 und
Art.
9 AVIG). Nach ständiger Rechtsprechung ist für die Frage der
Arbeitnehmerei
genschaft
in der Arbeitslosenversicherung (
Art.
2
Abs.
1
lit
. a AVIG) das formell rechtskräftig geregelte AHV-Beitragsstatut massgebend, sof
ern sich dieses nicht als offen
sichtlich unrichtig erweist (BGE 119 V 158 E. 3a mit zahlreichen Hin
weisen; vgl. auch BGE 117 V 4 E. 4b).
2.3
Nach
Art.
5
Abs.
2 AHVG gilt als massgebender L
ohn jedes Entgelt für in unselb
ständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach
Art.
9
Abs.
1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen
dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirt-
schaftlicher
bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein
spezi
-fisches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im
wirtschaftli-chen
Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 123 V 161 E. 1, 122 V 169 E. 3a, 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2 mit Hinweisen).
2.4
Bei einer versicherten Person, die gleichzeitig mehrere Tätigkeiten ausübt, ist jeweils gesondert zu prüfen, ob es sich bei einem Verhältnis um ein solches in unabhängiger oder abhängiger Position handelt. Das Kriterium der Abhängig-
keit
in betriebswirtschaftlicher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht
,
welches auf eine unselbständige Erwerbstätigkeit hindeutet, konkretisiert sich
insbeson-dere
danach, ob eine Weisungsbefugnis des Arbeitgebers bestanden hat und eine Präsenzpflicht gegeben war, die Arbeit auf Rechnung und im Namen einer anderen Person sowie
persönlich ausgeführt werden musste.
Charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwerbstätigkeit sind die
Täti-gung
erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal (BGE 119 V 163 E. 3b). Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Ar-
beitserfolg
Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat (ZAK 1986 S. 333 E. 2d, 121 E. 2b). Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellsc
haften in eigenem Na
men, ohne indessen von diesen abhängig zu
sein (ZAK 1982 S. 215). Mass
ge
bend ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von mehreren Auf
trag
gebern anzunehmen, sondern die tatsächliche Auftragslage (vgl. ZAK 1982 S. 186 E. 2b).
3.
3.1
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Forderung stammt aus der Zeit zwischen 25. April 2012 und 23. Juni 2012. Ihr zu Grunde liegt eine Ver
einbarung, die per 1. April 2012 zwischen der
Y._
(Frau
Z._
)
und der Firma
A._
(
X._
)
abgeschlossen worden war
. Sie
be
in
haltete, dass die Beschwerdeführerin im Stundenverhältnis „zum Std.-Lohn von Fr. 40
.—
netto
auf Abrechnung ab 26. März 2012 von
A._
auf unbestimmte
Zeit in der Buchhaltung der
Y._
“ arbeite. Es wurde vorgesehen, dass die Beschwerdeführerin jeweils alle zwei Wochen gemäss den geleisteten Stunden Rechnung stellen solle und diese dann von der
Y._
auf ein Konto von
A._
überwiesen werde (Urk. 6/27).
3.2
U
nbestrittenermassen
hatte die Beschwerdeführerin im Jahr zuvor, also
2011
,
für die
Y._
gearbeitet, zunächst vermittelt und deshalb ange
stellt beim
Temporärbüro
B._
,
das AHV-Beiträge für diese Tätigkeit abge
rechnet ha
tte (vgl. IK-Auszüge im Verfahren IV
.2014.00588,
Urk.
18/7/21, 18/7/167: im Jahr 2011:
Fr.
1‘201.--; im Jahr 2012:
Fr.
6‘359 und
Fr.
1‘117)
.
Als die
B._
von der
Y._
nicht mehr bezahlt worden sei,
„
habe sie
– die Beschwerdeführerin -
dies
selbst übernommen
“
(
Urk.
1).
Gemäss dieser Vereinbarung stellte die Beschwerdeführerin der
Y._
jeweils Rechnung entsprechend der geltend gemachten
Stunden, was aus den Akten der Beschwerdegegnerin hervorgeht. Die Beschwerdeführerin stellte dabei auf einem Briefpapier betitelt mit „
A._
“
X._
unter Aufführung der geleisteten Stunden und des erwarteten Betrages Rechnung, unterzeichnet mit
A._
(
Urk.
21/35-38).
Wie die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, der Beschwerdegegnerin gegenüber am 11. Februar 2014 mitgeteilt hat,
ist
X._
dieser seit 2002 tatsächlich auch als selbständig erwerbend im Nebener
werb angeschlossen (
Urk.
21/5).
X._
verfügt über eine Webseite im Internet, wo sie ihre Dienstleistungen mit ihrem kleinen Team zu günstigen Konditionen anpreist, darunter Verarbeitung von Buchhaltungsarbeiten im Bereich der Debitorenbuchhaltung, Kreditorenbuchhaltung etc. (
Urk.
21/3).
Die abgeschlossene Vereinbarung zusammen mit dem beschriebenen Auftreten der Versicherten gegen
Aussen
sprechen
für eine selbständige Tätigkeit der Versicherten bei der
Y._
für den Zeitraum der getroffenen Vereinbarung
.
Noch deutlicher wird die Situation, wenn man die
zusätzlichen Auskünfte
der Beschwerdeführerin
über die Umstände der Tätigkeit selber, die
sie
für diese Unternehmung ausgeübt hatte,
berücksichtigt. So
ist der
Beschwer
degegnerin
darin Recht zu geben, dass die Tatsache, dass die Versicherte die Buchabschlüsse durch „ihre“ Treuhänderin
(
Urk.
12/10)
hatte durchführen las
sen, gegen eine Arbeitnehmereigenschaft der Beschwerdeführerin spricht, sind die Arbeiten als Arbeitnehmerin
im Arbeitsvertragsrecht
doch persönlich aus
zuführen (
Art.
319, 321a des Obligationenrechts, OR).
Offenbar durfte die Beschwerdeführerin jedoch die Arbeitsgestaltung weitgehend selber bestimmen, so – wie dargestellt – eine persönlich
e
oder fremde Ausführung der Arbeit, die
Durchführung gewisser Arbeiten von zu Hause aus sowie die Benützung von eigenem Büromater
ial (
Urk.
12/10). Die Tatsache, dass die Versicherte die An
weisung erhalten hatte, die Rückstände in der Buchhaltung schnellstmöglich zu beheben, ohne jedoch weitere spezifische Arbeitsanweisungen zu
erhalten
, spre
chen ebenfalls deutlich für eine selbständige Tätigkeit, die einfach im Rahmen des erhaltenen Auftrags zu erledigen war. Dass die Beschwerdeführerin die Hauptarbeit dennoch in den Räumen der
Y._
mit deren Com
puter
ausführte, schliesst die Selbständigkeit nicht aus, sind doch
bei der Buch
haltung in der Regel
viele
buchhalterische
Vorkommnisse
dort
zu überprüfen, wo die Transaktionen stattgefunden haben.
Auch
wurden keine festen Arbeits
zeiten vereinbart, vielmehr stellte die Beschwerdeführerin
,
wie gezeigt
wurde,
unter Auflistung der benötigten Ze
it der
A._
Rechnung.
Dass die Beschwerdeführerin daneben
-
wie sie darlegte – während der Zeit bei der der
Y._
keine andere
n
Buchhaltungsarbeiten habe ausführen kön
nen (
Urk.
12/10), spricht vorliegend ebenfalls nicht gegen eine Selbständigkeit im strittigen Zeitraum bei der fraglichen Firma, denn wie sich aus den beigezo
genen Akten ergibt, war die Beschwerdeführerin in der fraglichen Zeitspanne noch in erheblichem Umfang als unselbständig Erwerbende bei der
C._
und in einem kleinen Umfang bei
D._
tätig, was wohl zu ihrer
gesamthaften
zeitlichen Auslastung
massgeblich
beigetragen haben dürfte (
Urk.
18/7/167).
3.3
Das Gericht hatte in seinem Urteil vom 19. Dezember 2013 in Betracht gezogen, dass der tiefe Stundenansatz in der getroffenen Vereinbarung vom 1. April 2012 von
Fr.
40
.—
geg
en eine Selbständigkeit
und vielmehr für einen Stundenlohn
als Angestellte spre
chen
würde
(
Erw
. 3.3). Aus den vom Gericht beigezogenen Akten wird nun aber aus den eigenen Angaben der Beschwerdeführerin ersicht
lich, dass sie in der Tat für ihre Tätigkeiten im Rahmen der
A._
jeweils
Fr.
35
.—
bzw.
Fr.
40.—
in der Stunde verrechnet
hatte (
Urk.
17/1, 17/3), so dass auch dieses Argument nicht mehr für eine unselbständige Tätigkeit spricht.
Abschliessend ist somit der Beschwerdegegnerin Recht zu geben
,
und es ist zu bestätigen, dass die Beschwerdeführerin für ihre Tätigkeit ab 1. April 2012 bei der
Y._
als selbständig Erwerbende zu gelten hat und demnach für die geltend gemachten
Fr.
5‘473.45 gemäss
Art.
51
Abs.
1 AVIG keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung hat.
Die Beschwerde ist abzuweisen.