Decision ID: fff55f7a-c469-4117-90f9-f2171059fe00
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Körperverletzung und Drohung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom
4. Dezember 2014 (DG140320)
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Antrag der Staatsanwaltschaft:
Der Antrag der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 24. Oktober 2014 auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person ist diesem  beigeheftet (act. 26).
Urteil der Vorinstanz:
1. Für die Beschuldigte wird eine stationäre Massnahme (Behandlung von
psychischen Störungen) im Sinne von Art. 59 StGB angeordnet.
2. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin wird auf den Zivilweg ver-
wiesen.
3. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten, einschliess-
lich diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden definitiv auf die Ge-
richtskasse genommen. Über die Höhe der Entschädigung der amtlichen
Verteidigung wird separat entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten
(Urk. 83 S. 2)
1. Es sei die Nennung der vorgeworfenen, in Schuldunfähigkeit begange-
nen Delikte im Urteil der Vorinstanz als wesentlicher Verfahrensfehler
gemäss Art. 409 Abs. 1 StPO an die Vorinstanz zurückzuweisen bzw.
durch die Berufungsinstanz vorzunehmen.
2. Die Beschuldigte und Berufungsklägerin sei vom Vorwurf der Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie der einfachen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
2.1. Eventualiter sei das Verfahren gegen die Beschuldigte wegen nicht
selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit einzustellen.
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2.2. Subeventualiter sei das Verfahren wegen nicht selbst zu verantworten-
der Schuldunfähigkeit einzustellen und eine ambulante Massnahme
gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB anzuordnen.
3. Es sei eine mehrfache Verletzung des rechtlichen Gehörs festzustellen.
4. Es sei der Beschuldigten eine Genugtuungszahlung für die zu Unrecht
erlittene Untersuchungs- und Sicherheitshaft seit dem 08. Juli 2014
auszurichten.
5. Die Gerichtskosten der Berufung sowie die Kosten für die amtliche Ver-
teidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Dispositiv Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils (Verweis der Genugtu-
ungsforderung der Privatklägerin auf den Zivilweg) sei zu bestätigen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 13)
1. Das Urteilsdispositiv sei dahingehend zu ergänzen:
1. Die Beschuldigte hat in objektiver Hinsicht die Tatbestände der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
sowie der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB erfüllt.
2. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte nicht schuldfähig ist.
2. Im Übrigen ist das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 4. Dezember
2014 zu bestätigen.
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Considerations:
Erwägungen:
I. Prozessuales
Mit Urteil vom 4. Dezember 2014 ordnete das Bezirksgericht Zürich, 7. Ab-
teilung, für die Beschuldigte eine stationäre Massnahme (Behandlung von psychi-
schen Störungen) im Sinne von Art. 59 StGB an; das Gericht war zum Schluss
gekommen, dass die Beschuldigte die objektiven Tatbestände der einfachen Kör-
perverletzung und der Drohung im Zustand der Schuldunfähigkeit verwirklicht ha-
be (Urk. 77).
Gegen das Urteil liess die Beschuldigte am 13. Dezember 2014 Berufung
anmelden (Urk. 63). Die Berufungserklärung ihrer amtlichen Verteidigerin folgte
unterm 22. Februar 2015 (Urk. 83). Darin wurde vorerst beantragt, es seien die
schuldlos verwirklichten Tatbestände im Urteilsdispositiv zu benennen. Die
Hauptanträge lauteten sodann auf Freispruch von den beiden Tatvorwürfen und
auf Ausrichtung einer Genugtuung in Höhe von Fr. 30'000.- für die von der Be-
schuldigten zu Unrecht erlittene Haft. Ausserdem sollten alle Kosten des Verfah-
rens auf die Staatskasse genommen werden. Im Eventualantrag wurde eine Ver-
fahrenseinstellung verlangt und subeventualiter, dass dies mit einer ambulanten
Massnahme zugunsten der Beschuldigten zu verbinden sei, wobei jedenfalls von
der Anordnung einer stationären Massnahme abzusehen sei. Des Weiteren wur-
de verlangt, es sei festzustellen, dass das rechtliche Gehör der Beschuldigten
mehrfach verletzt worden sei.
Am 3. März 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung (Urk. 93).
Darin beantragte auch sie, dass das Urteilsdispositiv dahingehend zu ergänzen
sei, dass festgestellt werde, dass die Beschuldigte die Tatbestände der einfachen
Körperverletzung und der Drohung in objektiver Hinsicht erfüllt habe, wobei sie
jedoch nicht schuldfähig gewesen sei. Im Übrigen wurde beantragt, es sei das
vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
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Unangefochten geblieben und bereits in Rechtskraft erwachsen ist das vor-
instanzliche Urteil somit im Zivilpunkt (Dispositivziffer 2) und was das Kostendis-
positiv (Ziff. 3: keine Gerichtsgebühr und Übernahme sämtliche Kosten auf die
Gerichtskasse) anbetrifft. Dies ist vorab festzustellen.
Die gerügte Gehörsverletzung der Beschuldigten wurde anlässlich der heu-
tigen Berufungsverhandlung von der Verteidigung nicht weiter thematisiert oder
gar begründet. Zumal eine solche Verletzung ohnehin nicht ersichtlich ist, ist auf
den entsprechenden Antrag nicht weiter einzugehen.
II. Erstellung der Unrechtsverwirklichung
1. Die Beschuldigte liess vor Vorinstanz mit Bezug auf die vorgeworfenen
Drohungen das Fehlen des objektiven Merkmals der Angst- und Schreckenser-
zeugung sowie das Fehlen des subjektiven Tatbestandes geltend machen. Schon
deshalb habe diesbezüglich ein Freispruch zu erfolgen (Urk. 55 S. 4f.). Was den
Vorwurf der Körperverletzung angeht, so vertrat die Verteidigung in der Hauptver-
handlung die Auffassung, dass die Verletzungen der Privatklägerin nicht nachge-
wiesen und von blossen Tätlichkeiten und von Eigenverletzungen der Privatkläge-
rin nicht abgegrenzt seien (a.a.O. S. 6ff.). Auch fehle es am Nachweis des Vor-
satzes. Folglich sei auch hier freizusprechen.
Anlässlich der Berufungsverhandlung negierten die Beschuldigte und die
Verteidigung erneut eine körperliche Auseinandersetzung zwischen der Beschul-
digten und der Privatklägerin und ebenso, dass die Beschuldigte Todesdrohungen
ausgestossen habe. Wie schon vor Vorinstanz (Urk. 55 S. 8) wurde ausgeführt,
es sei am 25. Juni 2014 lediglich zu einer verbalen Auseinandersetzung gekom-
men; dies nachdem die Privatklägerin die Beschuldigte, welche ihre Tochter bei
sich hatte, abschätzig von oben bis unten gemustert und gesagt haben soll, ein
solch "nuttiges" Outfit trage man als Mutter nicht (Urk. 112 S. 2, Prot. II S. 16 ff.
und 27). Der Anklagesachverhalt war und ist deshalb zu erstellen.
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2. Die Vorinstanz hat die Beweismittel, die zur Erstellung des Sachverhalts
der Anklage dienen, korrekt wiedergegeben. Sie hat die Aussagen der Privatklä-
gerin, der Beschuldigten und der vier Zeugen gewürdigt, ebenso die medizini-
schen Unterlagen. Sie gelangte nachvollziehbar und zutreffend zur Überzeugung,
dass die Darstellung der Privatklägerin glaubhaft sei und im Wesentlichen von
den Zeugen, soweit sie die Vorgänge oder einen Teil davon hören oder mitanse-
hen konnten, bestätigt werde. Demgegenüber vermochte die Vorinstanz zu Recht
nichts für die widersprüchlichen und zum Teil lebensfremden Aussagen der Be-
schuldigten zu gewinnen. Die Verletzungen der Privatklägerin hielt das Bezirksge-
richt aufgrund der medizinischen Akten für erstellt, was ebenfalls überzeugt. Im
Ergebnis kam die Vorinstanz nachvollziehbar zum Schluss, dass sich der objekti-
ve Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift wiedergegeben ist, tatsächlich so ab-
gespielt habe: die Beschuldigte habe aus heiterem Himmel eine ahnungslose
Person angegriffen, ohne dass dafür ein konkreter Anlass bestanden hätte (Urk.
77 S. 5-16). Dem ist insoweit beizupflichten, als selbst für den Fall, dass die Pri-
vatklägerin die Beschuldigte wegen deren Outfits gemustert und dabei allenfalls
sogar eine kritische Bemerkung gemacht haben sollte, dies nicht annähernd einen
vernünftigen und ausreichenden Grund darstellen würde für das Ausser-Kontrolle-
Geraten der Beschuldigten und ihr anschliessendes grobes Attackieren der Pri-
vatklägerin.
Wie die Vorinstanz weiter richtig festhielt (Urk. 77 S. 5-15), sind die Impulse
zur Verwirklichung des objektiven Sachverhalts erstelltermassen von der Be-
schuldigten ausgegangen, auch wenn sie den subjektiven Tatbestand der ihr vor-
geworfenen Delikte zufolge Schuldunfähigkeit (dazu nachstehend unter Ziff. III.)
nicht hat erfüllen können. Letzteres schliesst entgegen der Auffassung der Vertei-
digung (Urk. 55 S. 4 f. und 8, Urk. 112 S. 5, Prot. II S. 23 f.) jedoch nicht aus, dass
festgestellt werden kann, die Beschuldigte habe Tatbestände in objektiver Hin-
sicht verwirklicht.
3. Die rechtliche Würdigung, wie sie vom Bezirksgericht im Zusammenhang
mit der objektiven Tatbestandsverwirklichung vorgenommen hat (a.a.O. S. 16), ist
zutreffend: Die Privatklägerin erlitt durch den Angriff der Beschuldigten nicht bloss
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vorübergehende körperliche Beeinträchtigungen. Von Eigenverletzungen kann
unter den gegebenen Umständen ohnehin nicht gesprochen werden. Sodann ha-
ben die mehrmals von der Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin ausge-
sprochenen Todesdrohungen diese nach deren glaubhaften Aussagen tatsächlich
in Angst und Schrecken versetzt.
Damit ist festzustellen, dass die Beschuldigte die Tatbestände der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und der Drohung im Sinne
von Art. 180 Abs.1 StGB in objektiver Hinsicht erfüllt hat. Diese Feststellung ist in
Gutheissung der übereinstimmenden Anträge von Verteidigung und Staatsan-
waltschaft richtigerweise auch im Urteilsdispositiv aufzuführen.
III. Schuldunfähigkeit und Massnahme
1. Professor Dr. B._ hat die Beschuldigte psychiatrisch begutachtet
und diagnostizierte eine schizophrene Psychose (Urk. 12/8). Diese habe seit dem
Jahre 2011 einen chronischen und schwerwiegenden Verlauf mit erheblichen
kognitiven und psychosozialen Defiziten genommen. Als Folge davon sei die Fä-
higkeit der Beschuldigten zur Realitätskontrolle zwischenzeitlich aufgehoben wor-
den. Zum Tatzeitpunkt sei ihre Steuerungsfähigkeit aufgrund der schizophrenen
Erkrankung aufgehoben gewesen; aus psychiatrischer Sicht sei die Beschuldigte
nicht schuldfähig (a.a.O., Schlussfolgerungen S. 37 ff.).
Den verschiedenen von der Verteidigung gegen die Person des Experten
und sein Gutachten erhobenen Einwänden ist die Vorinstanz in überzeugender
Weise begegnet; es kann deshalb vorab auf ihre Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 77 S. 18 f.). Soweit die Verteidigung Fundamentalkritik an der forensischen
Psychiatrie übt (Urk. 55 S. 12 und 15, Prot. II S. 22 f.) oder wenn sie für sich sel-
ber Fachkenntnis reklamiert ("Sie hat aber sicher keine Schizophrenie" in Prot. I.
S. 13, E 29; "wissenschaftlich (ist) der Zusammenhang zwischen Schizophrenie
und Gewalttaten nicht geklärt" in Urk. 55 S. 17; "Es ist unwahrscheinlicher, von
einem Schizophrenen angefallen zu werden als von einem Normalbürger" und
"Die Gefährlichkeitsprognose von Professor B._ ist falsch" in Prot. II S. 23,
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"Die [Beschuldigte] ist nicht primär therapiebedürftige Gewalttäterin" in Prot. II
S. 24) ist sie nicht zu hören; wie sie selber einräumt, ist sie "ja kein Psychiater"
(Prot. I S. 13, E 29). Wenn die Verteidigung dem Gutachter vorwirft, er habe die
Unschuldsvermutung missachtet, so ist darauf hinzuweisen, das dieser im Gut-
achten explizit von einem blossen Tatverdacht ausgeht (vgl. Urk. 12/8 S. 1). Und
wenn im Gutachten der Inhalt von Rapporten, Akten und medizinischen Berichten
wiedergegeben wurde, so stellt dies noch keine Vorverurteilung oder Vorbefas-
sung dar. Vielmehr erweist sich das Gutachten in Quervergleich als durchaus dif-
ferenziert und zurückhaltend. Auch der weitere Einwand der Verteidigung, wo-
nach der Gutachter davon beseelt gewesen sei, möglichst viele negative Attribute
auf die Explorandin häufen zu müssen (Urk. 55 S. 15, Prot. I S. 13, E 28), er-
schliesst sich bei Lektüre des Gutachtens nicht. Auf das somit schlüssig erschei-
nende Gutachten ist deshalb abzustellen und es ist der Beschuldigten gestützt
darauf vorerst Schuldunfähigkeit für den Tatzeitpunkt zu attestieren.
2. Aus Sicht des Gutachters zeigt die Beschuldigte zahlreiche Risikomerk-
male für die Begehung weiterer ähnlich gelagerter Delikte. Es sei aufgrund der
Schwere der Symptomatik, der fehlenden Kritikfähigkeit und der bereits erfolgten
Gewalt damit zu rechnen, dass Drittpersonen, von denen sich die Beschuldigte
bedroht oder verfolgt fühlt, attackiert werden. Dabei bestehe auch die Gefahr von
Gewalthandlungen gegen Personen, die von der Beschuldigten für die Trennung
von ihrer Tochter verantwortlich gemacht werden (Urk. 12/8 S. 46).
Die psychische Störung der Beschuldigten - so der Gutachter weiter - sei
mittels einer medikamentösen Therapie behandelbar. Die Behandlung sei aber
langfristig anzulegen, womit erst sich die Gefahr neuerlicher Straftaten deutlich
reduzieren lasse. Die Therapie könne initial auch gegen den Willen der Beschul-
digten durchgeführt werden (a.a.O. S. 47).
Der Gutachter hält die Anordnung einer stationären Massnahme aus psychi-
atrischer Sicht für zweckmässig; demgegenüber verspreche eine bloss ambulante
Behandlung angesichts der fehlenden Krankheitseinsicht und der fragilen Be-
handlungsbereitschaft der Beschuldigten sowie ihrer zusätzlichen Belastungen
(Wohnungslosigkeit und Trennung von der Tochter) keinen Erfolg. Sollte man sich
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– aus Verhältnismässigkeitsgründen – dennoch für eine ambulante Massnahme
entscheiden, rät der Gutachter zur parallelen Anordnung einer stationären Mass-
nahme. Mit der Behandlung der Beschuldigten sei sodann zeitnah zu beginnen,
um eine weitere Befundsverschlechterung und Chronifizierung ihrer Erkrankung
zu vermeiden (Urk. 12/8, insbesondere 47 f.).
Der Verteidigung ist nach dem soeben Gesagten dahingehend zuzustim-
men, dass das Gutachten die Anordnung einer ambulanten therapeutischen
Massnahme nicht kategorisch ausschliesst. Entgegen den Ausführungen in der
Berufungsbegründung (Urk. 112 S. 3, Prot. II S. 19) ging die Vorinstanz aber nicht
von Gegenteiligem aus, sondern stellte vielmehr lediglich fest, dass sich das Gut-
achten klar für eine stationäre Massnahme ausspreche. Dies ist zutreffend, zumal
die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Gutachten nicht aus psychiatri-
schen Gründen, sondern vorab aus dem juristischen Gesichtspunkt der Verhält-
nismässigkeit Erwähnung findet (Urk. 12/8 S. 44). Aufgrund der diesbezüglichen
gutachterlichen Feststellungen und Schlussfolgerungen hat die Vorinstanz so-
dann dargelegt, dass eine ambulante Massnahme nicht ausreiche, um die Be-
schuldigte zu stabilisieren (Urk. 77 S. 21). Dem ist soweit beizupflichten.
3. Ergänzenden Erwägungen bedarf die Voraussetzung der Verhältnismäs-
sigkeit der stationären Massnahme im engeren Sinne, welche von der Verteidi-
gung verneint und vom Gutachter als rechtliche Frage richtigerweise offen gelas-
sen wurde (vgl. Urk. 12/8 S. 44). Die Vorinstanz bejahte angesichts der evidenten
Behandlungsbedürftigkeit und der beträchtlichen Gefährlichkeit der Beschuldigten
sowie des damit verbundenen Risikos erneuter Drohungs- und/oder Gewalthand-
lungen die Verhältnismässigkeit der Anordnung einer solchen Massnahme. Eine
mildere Massnahme, die ebenfalls geeignet wäre, sah die Vorinstanz nicht, wes-
halb sie für die Beschuldigte eine stationäre Behandlung nach Art. 59 StGB an-
ordnete (Urk. 77 S. 19-21).
Selbst auf eine geeignete und erforderliche Massnahme ist zu verzichten,
wenn der mit ihr verbundene Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschuldigten im
Vergleich zur Schwere und Wahrscheinlichkeit künftiger Straftaten unangemes-
sen schwer wiegt (Trechsel/Pauen Borer, in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 2.
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Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N7 zu Art. 56 mit Hinweisen). Nicht ausser Acht zu
lassen ist bei der Beurteilung der Angemessenheit einer strafrechtlichen Mass-
nahme auch die Anlasstat, welche dahingehend zu berücksichtigen ist, dass dem
Täter in der Regel keine grössere Gefährlichkeit attestiert werden kann, als in die-
ser zum Ausdruck kommt (BGer 6B_596/2011 vom 13. Januar 2012 E. 3.2.5, mit
Verweis auf BGE 127 IV 1 E. 2c/cc).
Die Anordnung einer stationären Massnahme erweist sich im Falle der Be-
schuldigten auch für die erkennende Kammer noch als verhältnismässig. Auch
wenn das Anlassdelikt – insbesondere falls man von einer Provokation der Privat-
klägerin ausgehen sollte – keine allzu gravierende Dimension annahm, ist mit der
Vorinstanz (Urk. 77 S. 21) doch festzustellen, dass nicht mehr von einem Baga-
telldelikt gesprochen werden kann. Gerade der inkriminierte Vorfall macht deut-
lich, dass sich die Beschuldigte nicht nur verbal zur Wehr setzt, wie dies die Ver-
teidigung erkannt haben will (Prot. II S. 27). Eine nicht geringe von der Beschul-
digten ausgehende Gefährlichkeit wird jedenfalls offenbar, weshalb das Anlassde-
likt die Anordnung einer Massnahme grundsätzlich rechtfertigt. Es ist mit dem
Gutachter sodann davon auszugehen, dass ähnlich gelagerte – mithin keine allzu
gravierenden, jedoch auch keinesfalls harmlose – Gewalttaten der Beschuldigten
gegen Drittpersonen drohen.
Ergänzenden Erwägungen bedarf die Voraussetzung der Verhältnismässigkeit
der stationären Massnahme im engeren Sinne, welche von der Verteidigung ver-
neint und vom Gutachter als rechtliche Frage richtigerweise offen gelassen wurde
(vgl. Urk. 12/8 S. 44). Die Vorinstanz bejahte angesichts der evidenten Behand-
lungsbedürftigkeit und der beträchtlichen Gefährlichkeit der Beschuldigten sowie
des damit verbundenen Risikos erneuter Drohungs- und/oder Gewalthandlungen
die Verhältnismässigkeit der Anordnung einer solchen Massnahme. Eine mildere
Massnahme, die ebenfalls geeignet wäre, sah die Vorinstanz nicht, weshalb sie
für die Beschuldigte eine stationäre Behandlung nach Art. 59 StGB anordnete
(Urk. 77 S. 19-21).
Der Eingriff in die Freiheit der Beschuldigten durch die stationäre Massnah-
me ist zweifelsohne kein geringer. Es gilt jedoch klarzustellen, dass es bei der
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Beurteilung der Massnahmebedürftigkeit der Beschuldigten und beim Entscheid,
eine stationäre Behandlung anzuordnen, nicht um "das schlimmste Todesurteil",
nicht um "5 Jahre Freiheitsentzug" mit "miserablem Rechtsweg" oder um ein
"menschenunwürdiges Wegsperren" der Beschuldigten in einen "Psychoknast",
wie es die Verteidigung ausdrückte (Prot. I S. 12f., Prot. II S. 20 und 22), geht.
Vielmehr geht es um eine vom Gesetz vorgesehene Behandlungsmöglichkeit für
eine schwer gestörte und gefährliche sowie behandlungsbedürftige Täterin, deren
nicht als Bagatellen zu bezeichnenden Delikte damit im Zusammenhang stehen,
und bei der gutachterlich bekräftigt zu erwarten ist, dass sich der Gefahr weiterer
mit der Störung im Zusammenhang stehender Taten mittels einer stationären
Massnahme begegnen lasse. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass eine an-
zuordnende Massnahme fünf Jahre dauern wird. Die Verteidigung selber sprach
von einer durchschnittlichen Massnahmedauer von drei Jahren (Urk. 112 S. 6,
Prot. II S. 17). Sobald der Zustand der Beschuldigten es erlauben wird, ist sie be-
dingt aus der Massnahme zu entlassen, allenfalls unter Anordnung einer ambu-
lanten Massnahme für die Dauer einer Probezeit (Art. 62 StGB). Die Vollzugsbe-
hörde ist gerade im vorliegenden Fall anzuhalten, gegebenenfalls auch unterjäh-
rig zu überprüfen, ob der Zustand der Beschuldigten ein engmaschiges ambulan-
tes Setting für ausreichend erscheinen lässt und sich die Weiterführung der stati-
onären Massnahme damit als nicht länger verhältnismässig erweist (Art. 62d
StGB). Dies könnte innert absehbarer Frist der Fall sein.
Der Massnahmeentscheid der Vorinstanz ist folglich mit Hinweis auf die vor-
stehenden Erwägungen zu bestätigen. Vom bereits erfolgten vorzeitigen Antritt
der stationären Massnahme durch die Beschuldigte per 14. April 2015 (vgl. Urk.
104 und 107) ist Vormerk zu nehmen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Beschuldigte unterliegt zwar mit ihrer Berufung weitestgehend, es er-
scheint jedoch unbillig, ihr die Verfahrenskosten der zweiten Instanz aufzuerle-
gen; sie sind folglich auf die Gerichtskasse zu nehmen einschliesslich derjenigen
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für die amtliche Verteidigung. Ein Rückforderungsvorbehalt betreffend der An-
waltskosten erscheint vorliegend nicht angebracht. Dem Ausgang des Berufungs-
verfahrens zufolge hat die Beschuldigte keinen Anspruch auf eine Genugtuung für
die erlittene Haft.