Decision ID: 24b240c2-0c5e-4838-8eeb-f6a4a936009f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ wurde am 8. Januar 2016 (IV-act. 1) von der _klinik B._ wegen seit dem
Beginn seiner Ausbildung als N._ auftretender wiederholter Absenzen und einer seit
4. Januar 2016 bestehenden vollen Arbeitsunfähigkeit zur Früherfassung bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen angemeldet. Der
Versicherte habe von _ 2014 bis _ 2015 eine Tätigkeit als _O._ beim C._
ausgeübt und sei seither arbeitslos gewesen. - In einem Protokoll über ein
Früherfassungsgespräch vom 20. Januar 2016 (IV-act. 2) wurde festgehalten, der
Versicherte habe von 2008 bis 2012 die Lehre gemacht (gemäss IV-act. 5 und IV-
act. 110 von Juli 2004 bis Juni 2008; gemäss IK-Auszug, IV-act. 8, angestellt bis
Oktober 2008), dann als N._ gearbeitet und hernach eine Weiterbildung zum O._
abgeschlossen. Seine Stelle beim C._ habe er nach kurzer Zeit gekündigt. Es laufe
eine Rahmenfrist bei der Arbeitslosenversicherung. Zurzeit sei er voll arbeitsunfähig. In
der vorangegangenen Woche habe er einen Schnuppertag für eine Anstellung als
_O._ ab März 2016 gehabt, befürchte aber, er werde es wieder nicht schaffen. Als
N._ wolle er jedenfalls nicht mehr arbeiten. Er ersuche um baldmöglichste
Unterstützung bei der Stellensuche und der Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt.
- Am 26./28. Januar 2016 (IV-act. 4) erfolgte die Anmeldung zum Leistungsbezug. Der
Versicherte erklärte, das N._diplom (EFZ) erworben und vom _. _ 2013 bis _. _
2014 die Ausbildung zum _O._ gemacht zu haben (gemäss IK-Auszug in einem
Sozialbetrieb). Seit ca. 2012 leide er an Depressionen. Die zuständige
Arbeitslosenkasse gab am 5. Februar 2016 (IV-act. 9) bekannt, der Versicherte sei seit
11. März 2015 mit einer Vermittlungsfähigkeit von 100 % als arbeitslos gemeldet. Es
seien Arztzeugnisse vorhanden.
A.a.
Der C._ gab in einem (ununterzeichneten) Arbeitgeberfragebogen (IV-act. 11,
Eingang 22. Februar 2016) an, der Versicherte sei vom _. _ 2014 bis _. _ 2015 als
A.b.
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_O._/N._ tätig gewesen und habe monatlich Fr. 5'_.-- verdient. Es habe bei
dieser Arbeit die allgemeine Belastung als Betreuer bestanden und es seien grosse
Anforderungen an die geistigen Fähigkeiten gestellt gewesen. Er (der Arbeitgeber) habe
gekündigt wegen Krankheit des Versicherten während der Probezeit. Nach dessen
Angaben habe er die Stelle bereits krank angetreten, habe sich aber nicht
krankschreiben lassen, weil er die Probezeit ohne Ausfall habe überstehen wollen.
Nach einer kurzfristigen Erholung nach den Ferien Ende Jahr sei der "totale
Zusammenbruch" gekommen (vgl. IV-act. 11-7).
Die _klinik B._ gab im IV-Arztbericht vom 15. Februar 2015 (richtig 2016; IV-
act. 15) an, beim Versicherten bestünden eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig (seit November 2015) mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom, eine generalisierte Angststörung und eine Aufmerksamkeitsstörung ohne
Hyperaktivität. Er sei seit dem 4. Januar 2016 und voraussichtlich noch bis 3. März
2016 hospitalisiert. Ab Mitte März 2016 könne mit einer Arbeitsfähigkeit von 20 %
gerechnet werden. Aufgrund von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und von
generellen Selbstzweifeln sei die Lehre nach Angaben des Versicherten für ihn immer
stressbehaftet gewesen. Zur Stressregulation habe er damals regelmässig Cannabis
konsumiert, später noch unregelmässig bis vor einem halben Jahr (er trinke auch
keinen Alkohol mehr). Im Beruf habe er immer mehr Zeit und Anstrengung als andere
investieren müssen. Die zweieinhalbjährige weitere Ausbildung habe er unter grossen
Anstrengungen und nach Verzögerungen durch Überforderung in Schule und
Praktikum abgeschlossen. Er sei sich unsicher ob der Berufswahl. Nachdem sein _
im _ 2015 nach schwerer Erkrankung (während eines halben Jahres) verstorben sei,
habe er zunehmend eine depressive und ängstliche Symptomatik entwickelt, gegen die
eine wöchentliche ambulante Therapie nicht viel geholfen habe. Ab Juni 2015 habe er
ein einzigartiges Hoch voller Energie und Pläne für eine berufliche Selbständigkeit
gehabt und habe sich ab September 2015, als sich die Umsetzung als nicht realistisch
gezeigt habe, in schlechter psychischer Verfassung nur noch zuhause zurückgezogen.
Es wurde dargelegt, unter Metyhlphenidat (zentralnervöses Stimulans, ADHS-
Therapeutikum) sei eine leichte Verbesserung des Zustands zu beobachten, der
Versicherte erlebe jedoch subjektiv noch wenig Verbesserung von Stimmung und
Antrieb. Das soziale Gruppenmilieu führe weiterhin zu negativen sozialen Vergleichen.
A.c.
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Angesichts ausserdem der Häufung familiärer Belastungen sei von einer protrahierten
adoleszentären Krise auszugehen. Der Versicherte könne Aufgaben schwer selbst
strukturieren und sei schon bei kleinen administrativen Aufgaben oder
Alltagsfunktionen rasch überfordert, erschöpft und wegen
Entscheidungsschwierigkeiten, negativer Grundüberzeugungen und Selbstzweifeln
entmutigt. Er nehme zur Klärung seiner Fähigkeiten und Motivation eine externe
Berufsberatung wahr. - In einem Austrittsbericht vom 22. März 2016 (IV-act. 20;
Austrittsdatum: 18. März 2016) diagnostizierte die Klinik eine bipolare affektive Störung,
gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine
generalisierte Angststörung und den V.a. eine Aufmerksamkeitsstörung ohne
Hyperaktivität. Die ADHS-Diagnostik habe die Annahme eines leichten
Aufmerksamkeitsdefizits seit dem Kindesalter gestützt. Bei Austritt bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 %.
In einem Assessment- und Verlaufsprotokoll vom 7. September 2016 (IV-act. 36)
wurde festgehalten, der Versicherte habe berichtet, er sei [...] in eine
Wohngemeinschaft gezogen. Zurzeit sei er zu 50 % in einem Einsatzprogramm. Nach
der Arbeit brauche er eine einstündige Erholung, dann mache er den Haushalt und
versuche, den Hobbys nachzugehen. Er habe zwei Teilzeitstellen (zu 60 % und zu
70 %) in Aussicht, fühle sich zu 50 % arbeitsfähig und bedürfe der finanziellen
Unterstützung durch die Invalidenversicherung. Er habe einfach Schwierigkeiten in der
Arbeitswelt, wünsche sich hohen Respekt und sei hoch sensibel. Es wurde darauf
hingewiesen, dass der Versicherte im Gespräch ziemlich sprunghaft gewesen sei. Es
sei der Verdacht aufgekommen, er denke ziemlich realitätsfremd. Von Seiten des
Einsatzprogramms sei am 31. August 2016 berichtet worden, es liege eher eine
Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40 % als eine solche von 50 % vor. Es gebe viele Absenzen
und auch während der Anwesenheit sei der Versicherte weg vom Arbeitsplatz und auch
gedanklich abwesend. An sehr wenigen Tagen arbeite er gut. Es bestehe eine
Motivationsabhängigkeit, aber nicht nur ein Motivationsproblem. Die Diskrepanz
zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung sei gross. Es sei zu bezweifeln, ob der
Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen könne.
A.d.
Am 28. September 2016 (IV-act. 40) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
dem Versicherten mit, zurzeit seien aufgrund des Gesundheitszustands keine
A.e.
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beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich. Es werde der Rentenanspruch
geprüft.
Das Ambulatorium der Psychiatrie D._, med. pract. E._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte in einem IV-Arztbericht vom 28. September
2016 (IV-act. 41), im depressiven Zustand bestünden ausgeprägte
Konzentrationsstörungen, ein blockierend wirkendes Insuffizienzempfinden und eine
Lernschwierigkeit, im manischen Zustand eine Oberflächlichkeit und Unkonzentriertheit
und der Versicherte fühle sich dann gesund und nehme Termine nicht wahr. Er habe
zurzeit keine Krankheitseinsicht. Im depressiven Zustand würde er von einer
Wiedereingliederung im angestammten Beruf profitieren, da er aufgrund der
Angsterkrankung vermehrten Zuspruch und Zeit benötige. Die Arbeit sei ihm zumutbar,
wahrscheinlich mit verminderter Leistungsfähigkeit. Zurzeit sei er manisch; er komme
nicht in die Behandlung.
A.f.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am
18. November 2016 (IV-act. 43) fest, zurzeit sei medizin-theoretisch von einem
instabilen Gesundheitszustand und einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % für alle
Tätigkeiten auszugehen.
A.g.
Die Psychiatrische Klinik K._ gab in einem Zwischenbericht vom 25. Januar
2017 an den RAD (IV-act. 48) bekannt, es lägen eine bipolare affektive Störung,
gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome, und Störungen durch
multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen:
Abhängigkeitssyndrom vor. Die Zuweisung am 9. November 2016 sei durch den
Amtsarzt erfolgt. Der Versicherte habe gegenüber der_, bei welcher er lebe, verbal
aggressiv reagiert und Mobiliar teilweise zerstört. Er habe angegeben, regelmässig
THC, Ritalin und Alkohol zu konsumieren und an jenem Tag schon mehrere Joints
geraucht zu haben (beim Test durch die Polizei null Promille sc. Alkohol). Es sei (bei
Ablehnung von Lithium [Antidepressivum, Antipsychotikum]) eine Therapie mit Abilify
(atypisches Neuroleptikum, Wirkstoff Aripiprazol) und Seroquel (atypisches
Neuroleptikum, Wirkstoff Quetiapin) begonnen worden. Da es immer häufiger zu
fremdaggressivem Verhalten gekommen sei, das u.a. mit dem Craving nach
Suchtstoffen in Verbindung gebracht worden sei, sei eine Akuttherapie mit Haldol und
A.h.
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Benzodiazepinen angesetzt worden. Da keine Besserung eingetreten sei, seien die
Dosierungen von Abilify und Seroquel erhöht worden. Bei Kontrollen hätten die
Wirkspiegel von Aripiprazol und Quetiapin nicht im therapeutischen Bereich gelegen,
was auf reduzierte Medikamenten-Adhärenz zurückgeführt worden sei. Da der
Versicherte angegeben habe, die Mittel sehr schlecht zu vertragen, seien sie abgesetzt
worden. Ein Versuch mit Orfiril (Antiepileptikum, Wirkstoff Valproat, Valproinsäure) sei
wegen ausbleibenden Erfolgs eingestellt worden. Der Versicherte habe inzwischen zur
Wiederaufnahme der Lithium-Therapie motiviert werden können. Es sei bei drohender
Obdachlosigkeit die künftige Wohnsituation geklärt worden. Am 23. Januar 2017 habe
er in eine Wohngemeinschaft gewechselt. Es werde eine IV-gestützte
Wiedereingliederung ins Berufsleben beantragt.
Am _. _ 2016 (IV-act. 47) war für den Versicherten eine Beistandschaft nach
Art. 394 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 395 Abs. 1 bis 3 ZGB errichtet worden. Aufgabe der
Beiständin ist es u.a. ihn beim Erledigen von finanziellen Angelegenheiten zu vertreten
und Einkommen und Vermögen zu verwalten. Ausserdem wurde die
Handlungsfähigkeit für den Abschluss von Rechtsgeschäften eingeschränkt, die den
alltäglichen Rahmen oder den Umfang der ihm zur Verfügung gestellten freien Beträge
nach Art. 409 ZGB übersteigen.
A.i.
Med. pract. E._ teilte in einem IV-Arztbericht vom 4. August 2017 (IV-act. 54) mit,
seit dem 28. September 2016 habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten
verbessert. Dieser habe in den vergangenen Wochen selbständig eine Arbeit
angenommen, die ihm am 16. Juni 2017 wieder gekündigt worden sei. Der Arbeitsplatz
sei für ihn wegen des Verhaltens des Vorgesetzten nicht förderlich gewesen, doch
habe sich gezeigt, dass der Versicherte anhaltend längere Zeit an einer Arbeit bleiben
könne. Er sei für einen Wiedereinstieg sehr motiviert. An einer geschützten Arbeitsstelle
würde er sich entwertet vorkommen. Es sei prognostisch von einer mindestens
teilweisen Wiedereingliederungsfähigkeit auszugehen. Sicherlich zumutbar sei dem
Versicherten eine Arbeitstätigkeit zu 50 %, möglicherweise bzw. wahrscheinlich auch
eine solche von 100 % mit reduzierter Leistung. Da nicht beurteilbar sei, ob er, dessen
Selbsteinschätzung krankheitsbedingt eingeschränkt sei, sich über- oder unterschätze,
wäre eine Fremdbeurteilung der Arbeitsleistung notwendig.
A.j.
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Am 17. Oktober 2017 (IV-act. 76-1 bis 4) hielt die IV-Eingliederungsverantwortliche
fest, der Versicherte habe angegeben, dass er seit vier Monaten zu 100 % in einer
_unternehmung (G._; als Temporär-Mitarbeiter im Stundenlohn, IV-act. 76-3)
arbeite, das aber fast nicht mehr zu leisten vermöge. Er benötige Unterstützung. Seine
Zukunft mache ihm Angst und er wisse nicht, wie es weitergehen solle. Er wolle
arbeiten, das tue ihm gut, doch hätte er gern eine Pensenreduktion auf 60 %. Die
Medikamente habe er abgesetzt, da er das Gefühl habe, sie täten ihm nicht gut. Er
nehme etwas Pflanzliches. Es wurde festgehalten, die P._ scheine den Versicherten
sehr zu unterstützen. - In einem Strategie-Protokoll wurde am 27. November 2017 (IV-
act. 58) dargelegt, der Eintritt des Gesundheitsschadens sei auf den 4. Januar 2015
(Hospitalisation, recte: 2016) zu setzen; seit 2012 habe der Versicherte in vollem
Pensum gearbeitet (vgl. aber IK-Auszug). Die Basis für das grosse Taggeld betrage
Fr. 70'200.--. Der Versicherte habe eine Vollzeitstelle im Stundenlohn angetreten und
an der neuen Stelle bereits krankheitsbedingte Absenzen gehabt. Damit er das Pensum
reduzieren und dort Fuss fassen könne, sei eine WISA (wirtschaftsnahe Integration mit
Support am Arbeitsplatz) in die Wege zu leiten. - Am _./_. Januar 2018 (IV-act. 62)
wurde ein Eingliederungsplan für Integrationsmassnahmen bei einem Arbeitgeber (für
WISA) während der Zeit vom _. _ bis _. _ 2018 unterzeichnet, wonach das
derzeitige Pensum von 60 % in der [...] (bei Q._, IV-act. 62-2) innerhalb der sechs
Monate langsam und schrittweise auf 100 % gesteigert werden solle und wenn
möglich keine Absenzen vorkommen sollten. Mit Mitteilung vom 7. Februar 2018 (IV-
act. 64) wurden die Integrationsmassnahmen in Form des persönlichen Supports am
Arbeitsplatz zugesprochen (mit Taggeld, vgl. Verfügung vom 19. Februar 2018, IV-
act. 66). - Am 23. April 2018 (IV-act. 68) wurde von der IV-Sachbearbeiterin
festgehalten, der Versicherte sei aufgrund eines manischen Zustandsbilds am _. April
2018 durch fürsorgerische Unterbringung (FU) in die Psychiatrische Klinik eingewiesen
worden und befinde sich auf der geschlossenen Akutstation. - Am 24. April 2018 (IV-
act. 70) wurde der (beistandschaftlichen) Rechtsvertretung des Versicherten (per
Adresse Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, KESB) mitgeteilt, die beruflichen
Massnahmen würden abgebrochen.
A.k.
Mit Verlaufsbericht vom 5. Juni 2018 (IV-act. 75) reichte med. pract. E._,
Ambulatorium der Psychiatrie D._, einen Austrittsbericht der Akutpsychiatrie und
A.l.
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Notall-Station dieser Institution vom 24. Mai 2018 ein. Darin (IV-act. 75-3 ff.) war
berichtet worden, es bestehe beim Versicherten eine bipolare affektive Störung,
gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen, ausserdem lägen
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum
anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeitssyndrom vor. Der Versicherte habe
sich in alkoholisiertem Zustand agitiert in der ZNA (wohl zentralen Notfallaufnahme) am
Spital H._ vorgestellt, sei jedoch von dort vor der freiwilligen Verlegung weggelaufen.
In der Folge sei er andernorts von der Polizei abgeholt worden, weil er u.a. in einem
Laden randaliert habe, sei dann ins Spital F._ verlegt und schliesslich von dort am
8. April 2018 durch 5-Tages-FU (hernach amtsärztliche FU) zugewiesen worden.
Zunächst sei er weiterhin fremdaggressiv gewesen, so dass es (zunächst notfallmässig)
zu Zwangsbehandlungen gekommen sei. Der Versicherte habe berichtet, in den
vorangegangenen drei Wochen kaum geschlafen und ständig Kokain konsumiert zu
haben. Lithium habe er seit einigen Monaten nicht mehr genommen. Bei med. pract.
E._ sei er seit etwa einem halben Jahr nicht mehr gewesen. Die psychotische
Symptomatik sei im Verlauf unter Medikation regredient gewesen. Nachdem es in
Belastungserprobungen zunehmend zu grenzüberschreitendem Verhalten (Alkohol-
und CBD-Konsum, Nichtrückkehr aus häuslichem Umfeld [stattdessen [...]], unerlaubte
Entfernung von der Station) gekommen sei, sei er, da er sich daraufhin nicht an die
Stationsregeln habe halten wollen, bei fehlenden akuten Selbst- und
Fremdgefährdungsaspekten am 16. Mai 2018 entlassen worden. - Med. pract. E._
selbst gab in ihrem Verlaufsbericht an, derzeit stehe der zeitweise zur Diagnose (der
bipolaren Störung) hinzukommende Cannabis- bzw. anderweitige Drogenkonsum nicht
im Vordergrund. Die Erkrankung stehe nicht mit diesem Konsum in Zusammenhang.
Die Familienanamnese lasse auf eine sehr starke familiäre Belastung schliessen. Der
Versicherte setze seine Ressourcen aufgrund von Blockaden wegen einer starken
Ambivalenz im Umgang mit Autoritäten oft gegenläufig zu den von den Fachpersonen
empfohlenen Wegen ein. Der bisherige Verlauf, die Schwere der Störung und (sc. die
Wirkung) des familiären Umfelds sowie die krankheitsbedingte
Krankheitsuneinsichtigkeit sprächen für eine schlechte Prognose.
Die IV-Eingliederungsverantwortliche hielt am 11. Juni 2018 (IV-act. 76-8) fest, der
Versicherte sei bis auf weiteres nicht arbeitsfähig. Er nehme aktuell an einem
A.m.
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Programm der Tagesklinik teil. - Mit Mitteilung vom 29. Juni 2018 (IV-act. 79) wurden
(weitere) berufliche Massnahmen abgelehnt.
Auf Veranlassung des RAD (vgl. IV-act. 82) wurde am 28. September 2018 (IV-
act. 84) ein monodisziplinäres psychiatrisches Gutachten mit diversen Fragen/
Aufträgen (gemäss "Auftrag") und verschiedenen (weiteren) Fragen gemäss Dokument
"Gliederung des Gutachtens" (IV-act. 83) bei Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Swiss Medical Assessment- und Business-Center, SMAB, in
Auftrag gegeben. - Im Gutachten vom 20. Dezember 2018 (IV-act. 87; Begutachtung
am 26. November 2018) gab das SMAB als Diagnose mit Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit eine bipolar affektive Störung mit gegenwärtig
mittelgradig depressiver Episode mit somatischem Syndrom an. Ohne Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit seien eine Agoraphobie mit Panikstörung und ängstlich-
selbstunsichere Persönlichkeitszüge. Der Spiegel des phasenprophylaktisch
eingesetzten Wirkstoffs Valproinat (bzw. Valproat; Präparat Orfiril; vgl. auch IV-
act. 87-33) habe über dem oberen Labor-Referenzwert gelegen, was gegen eine
Medikamentenincompliance und gegen einen suchtrelevanten Alkohol- oder
Drogenkonsum spreche, für den (bzw. für den aktiven Konsum) es keinen Anhaltspunkt
gegeben habe. Das Mittel sei überdosiert gewesen. In der bisherigen Tätigkeit als
N._ sei der Versicherte an vier Stunden (pro Tag) ohne Leistungseinschränkung
arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit betrage 50 %. Von Januar 2016 bis zum
Begutachtungstag sei von einer durchgehenden Arbeitsunfähigkeit von 100 %
auszugehen, danach von den genannten 50 %. Der Beeinträchtigung optimal
angepasst sei eine Tätigkeit, die auch weiterhin ausserhalb eines Bürobereichs, am
besten im Beruf oder berufsnah als N._, ausgeübt werden könne, eine Tätigkeit
zudem ohne Leistungsstress, mit Arbeitstagesplanung, ohne Schicht- und
insbesondere ohne Nachtarbeit und ohne ständige oder häufige Überstunden. Der
Arbeitgeber sei über die kritischen Krankheitsphasen zu informieren. Auch in einer
solchen Arbeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit für vier Stunden bzw. für 50 %. Es fehle
dem Versicherten nicht (beispielsweise) die Sozialkompetenz, um seine Ressourcen an
einem regulären Arbeitsplatz umsetzen zu können. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen noch relevant verbessert werden, doch sei nicht
anzunehmen, dass - sofern Phasenfreiheit bestehe - in den nächsten drei Jahren eine
A.n.
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solche von über 80 % erreichbar sei. Voraussetzung für eine frühestens nach drei
Jahren erreichbare Verbesserung sei eine durchgehende, vom Krankheitsverlauf
abhängige Behandlungsfrequenz. Eine Suchtproblematik liege nicht vor. Der Gutachter
erklärte, beim Versicherten bestehe ein erheblicher Leidensdruck mit Auswirkung auf
die gefühlte und erlebte Lebensqualität. Er leide an sich selbst und liebäugle deshalb
immer noch mit nicht-schulmedizinischen Behandlungsoptionen (Interesse u.a. an _
und an _, IV-act. 87-20). - Der RAD bestätigte am 9. Januar 2019 (IV-act-88), der
Konsum psychotroper Substanzen in der manischen Phase sei einem
krankheitsimmanenten Kontrollverlust (und nicht Abhängigkeit) zuzurechnen.
Der IV-Berater Berufliche Integration erklärte am 29. Mai 2019 (IV-act. 100), der
Versicherte werde innerhalb der letzten drei Jahre nun schon zum dritten Mal von
einem Eingliederungsberater betreut. Die beruflichen Massnahmen seien jeweils wegen
instabilen Gesundheitszustands abgebrochen worden, zuletzt die WISA mit dem 60 %-
Pensum. Beim Assessmentgespräch vom 25. April 2019 habe sich gezeigt, dass der
Versicherte nicht zu 50 % arbeitsfähig sei. Er sei höchst labil. Er habe sich dabei
unterschiedlich gezeigt, nämlich von freundlich, sympathisch bis weinerlich, wütend. Er
habe einen Schnuppertag für eine allfällige Anstellung als _mitarbeiter zu 20 % (ein
voller Arbeitstag) machen können. Bei einem Gespräch vom 23. Mai 2019 habe die
behandelnde Psychiaterin zwar Potenzial für eine Arbeitsfähigkeit von 50 % beim
Versicherten gesehen, von dem er aber noch weit entfernt sei (zurzeit eventuell bei
20 %). Sie sehe ihn nicht als N._ (oder als O._), sondern eher beispielsweise als
Gartenarbeiter. Auch die Beiständin sei mit dem Ergebnis des Gutachtens einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht einverstanden. Es könnte eine BEFAS-Abklärung
gemacht werden oder geprüft werden, ob nicht doch Anspruch auf
Integrationsmassnahmen bestehe. - Über das Gespräch vom 25. April 2019 wurde
festgehalten, der Versicherte habe erwartet, eine Teilrente zu bekommen, die ihm
finanzielle Sicherheit gäbe, und habe sich aufgrund der Äusserung des Gutachters
schon auf diese Leistung eingestellt. Zunächst habe er einen freundlichen und
zugänglichen Eindruck gemacht. Als ihm dann erklärt worden sei, die Rente werde erst
geprüft, wenn die Eingliederungsabklärung erfolgt sei, habe er geweint. Er sei in seinen
Äusserungen sehr sprunghaft gewesen. Zudem scheine ein gewisses
A.o.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/36
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Aggressionspotenzial vorhanden zu sein. Arbeitsvermittlung mache wenig Sinn. Der
Versicherte müsste intensiv begleitet werden und in einer Tagesstruktur sein.
Med. pract. E._ berichtete am 11. Juni 2019 (IV-act. 102), der Versicherte habe
sich in den bekannten Spannungsbereichen und Ambivalenzen bezüglich Beziehungen,
Herkunftsfamilie, therapeutischer Behandlung (hin- und hergerissen zwischen
schulmedizinischer und alternativer Heilpraxis) und vor allem Arbeitstätigkeit bewegt.
Er bemühe sich immer wieder, eine (niedrigprozentige) Arbeitstätigkeit zu finden und
täglich aus dem Haus zu gehen, und wolle finanziell nicht vom Sozialamt abhängig
sein. Diese leistungsorientierte Werthaltung sei zwar sehr positiv, doch bringe sie den
Versicherten auch unter einen enormen Leistungsdruck, der schliesslich behindernd
wirke. Hilfe anzunehmen, empfinde er mindestens teilweise immer noch als Versagen.
Er tue sich sehr schwer mit der regelmässigen Medikamenteneinnahme und lehne eine
Depotmedikation ab. Sein Alltag sei von Ambivalenzen und
Entscheidungsschwierigkeiten geprägt. Seine Arbeitsfähigkeit betrage in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit 50 %, in einer ideal angepassten Arbeit (draussen, in Garten und
Natur) 50 bis 60 %. 2018 sei es nicht gelungen, den Versicherten in ein teilstationäres
Setting einzubinden, da er dieses als zu sehr mit Stress verbunden erlebt habe.
A.p.
Am 17. Juni 2019 (IV-act. 104) erfolgte ein weiteres Gespräch der beteiligten IV-
Sachbearbeiter und des RAD. Daraufhin wurde festgehalten, medizinisch könne auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachtens abgestellt werden. Weitere berufliche
Massnahmen seien nicht möglich. Die 20 %-Anstellung habe der Versicherte wieder
verloren, und zwar nicht aus gesundheitlichen Gründen (vgl. IV-act. 105-8: nach zwei
Wochen, fristlos). Im Raum stehe nun nur noch eine Hilfsarbeitstätigkeit bei einem _
im Bereich Garten/Natur auf Stundenlohnbasis (vgl. auch IV-act. 106 f.). - Am 26. Juni
2019 (IV-act. 105) wurde geschlossen, Eingliederungsmassnahmen seien in absehbarer
Zeit nicht zielführend durchführbar. - Mit Mitteilung vom 26. Juli 2019 (IV-act. 108)
wurde festgehalten, die Eingliederungsmassnahmen hätten erneut gesundheitsbedingt
nicht durchgeführt werden können. Weitere Massnahmen seien nicht angezeigt.
A.q.
Am 17. September 2019 (IV-act. 110) wurde festgestellt, der Beginn der lang
dauernden Krankheit sei auf den 4. Januar 2016 zu setzen. Nach Ablauf des Wartejahrs
bestehe bis zum 28. Februar 2019 Anspruch auf eine ganze Rente, danach auf eine
A.r.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/36
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halbe Rente. Beim Sachverhalt wurde vermerkt, bei der Anmeldung vom 28. Januar
2016 habe es sich um eine Neuanmeldung gehandelt, nachdem der Versicherte zuerst
für medizinische Massnahmen (bei Geburtsgebrechen) angemeldet worden sei. - Mit
Vorbescheid vom 17. September 2019 (IV-act. 111) wurde der (beistandschaftlichen)
Rechtsvertretung des Versicherten in Aussicht gestellt, dass dieser die erwähnten
Rentenansprüche habe (Valideneinkommen Fr. 70'200.--, Invalideneinkommen zurzeit
der halben Rente Fr. 35'100.--). - Am 22. Oktober 2019 (IV-act. 116) wandten der
Versicherte und seine Beiständin ein, es sei eine volle (wohl: ganze) Rente
auszurichten. Durchschnittlich könne der Versicherte lediglich zu 25 % und nicht zu
50 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Ausserdem benötige er Unterstützung durch
einen IV-Coach. Als Hilfsgärtner könne er zudem maximal Fr. 12'350.-- verdienen,
nämlich einen Viertel des Jahreslohns von Fr. 49'400.-- (gemäss Anhang zum GAV,
Lohnregulation 2019, Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau). Mit administrativen
Tätigkeiten sei er massiv überfordert. In der Familie des Versicherten litten mehrere
Personen ([...]) an psychischen Erkrankungen (bipolare Störung, Borderline-Störung,
Essstörung, Depressionen, Zwangsstörung, Alkoholprobleme). Er wolle gern wieder
eine Teilzeitbeschäftigung in der freien Wirtschaft annehmen, sei zurzeit aber nicht in
der Lage, in einem 50 %-Pensum zu arbeiten. Seine manischen Phasen dauerten
zwischen einem Monat und vier Monaten, die depressiven zwischen sechs und zwölf.
Nach Auffassung des Gutachters könne er an vier Stunden pro Tag in einer Arbeit unter
beschriebenen Anforderungen arbeiten. Eine Arbeitstätigkeit mit solchen
Voraussetzungen sei jedoch im schweizerischen Arbeitsmarkt utopisch. Auch könne er
in den häufigen manischen und depressiven Phasen nicht arbeiten. Im Schnitt könne er
folglich maximal eine Tätigkeit von 25 % ausüben, auch wenn er phasenweise
eventuell zu 50 % arbeiten könnte. Es habe sich ab März 2019 nichts Wesentliches
geändert, dessentwegen er plötzlich zu 50 % arbeitsfähig (geworden) sein sollte.
Mit Verfügung vom 17. Januar 2020 (IV-act. 122 f. und IV-act. 117, vgl. act. G
1.1.3; formal betrachtet zwei Verfügungen) sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten vom 1. Januar 2017 bis 28. Februar
2019 eine ganze und ab 1. März 2019 eine halbe Rente zu. Spätestens ab dem
Gutachten sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Weitere berufliche
Massnahmen (Jobcoach) seien nicht angezeigt, weil sich der Versicherte subjektiv
A.s.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Amanda Guyot für
den Beschwerdeführer am 13. Februar 2020 erhobene Beschwerde (act. G 1). Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm ab Januar 2017 eine
unbefristete ganze Rente auszurichten, eventualiter bis Februar 2019 eine befristete
ganze und ab März 2019 eine Dreiviertelsrente, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zuzüglich MwSt. Der Beschwerdeführer habe die Ausbildung als _O._ im
Dezember 2014 abgeschlossen und am _. _ 2014 seine erste reguläre
diesbezügliche Anstellung angetreten. Nach seiner fristlosen Kündigung auf _. _
2015 habe er auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr Fuss fassen können. Das
Gutachten sei in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bis zum Begutachtungszeitpunkt
als sehr sorgfältig zu beurteilen. Überraschend sei deshalb, dass bezüglich der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für die Zeit danach jede Begründung fehle. Nicht nur
fehle eine Begründung dafür, weshalb die Arbeitsfähigkeit genau 50 %, und nicht etwa
20, 30 oder 40 % betragen solle, sondern es werde auch nicht aufgezeigt, welche
Faktoren und Umstände sich damals so geändert haben sollten, dass von einer massiv
verbesserten Leistungsfähigkeit ausgegangen werden könne. Ein Begründungsansatz
sei darin zu sehen, dass das Erreichen der Arbeitsfähigkeit von 50 % an eine
Bedingung (nämlich von Integrationsmassnahmen) geknüpft worden sei. In der
Zusammenfassung des Gutachtens durch den RAD vom 9. Januar 2019 fehle die klar
umschriebene Bedingung zur Erreichung der Arbeitsfähigkeit von 50 % (intensiver
Integrationsmassnahmen). Dass zudem eine langsame Steigerung - in Bezug auf das
Pensum maximal in 10er Schritten - empfohlen worden sei, stelle einen Widerspruch im
Gutachten dar. Noch weniger nachvollziehbar sei, dass die Beschwerdegegnerin auf
die Arbeitsfähigkeit von 50 % abstelle, obwohl die beruflichen Massnahmen
gescheitert seien, und trotz den Ausführungen des Eingliederungsspezialisten. Die
Behauptung einer zu realisierenden Arbeitsfähigkeit von 50 % sei offensichtlich falsch.
Die psychische Erkrankung sei anerkanntermassen schwer ausgeprägt. Trotz
einwandfreier Motivation und Mitwirkung des Beschwerdeführers habe die
nicht in der Lage fühle, die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit umzusetzen. Wie
schon im Vorbescheid wurde wiederum festgehalten, vom Versicherten werde im
Rahmen seiner Schadenminderungspflicht (im Rahmen von Art. 7 Abs. 1 IVG) erwartet,
dass er die gemäss Gutachten erforderliche durchgehende psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung wahrnehme. In der amtlichen Revision vom
November 2022 werde das überprüft werden.
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medizinisch-theoretische, bei erfolgreich verlaufender Integration attestierte
Arbeitsfähigkeit von 50 % auch mittels beruflicher Massnahmen nicht erreicht werden
können. Auf diese Prognose könne aufgrund der klaren und übereinstimmenden
Äusserungen des IV-Berufsberaters, der behandelnden Psychiaterin und der Beiständin
nicht abgestellt werden. Aus den übrigen Akten gehe eine dauerhafte, massive
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt mit einer verbleibenden
Restarbeitsfähigkeit von maximal 20 % hervor. Deshalb sei dem Beschwerdeführer
eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen. Zu rügen sei ferner das festgelegte
Valideneinkommen. Dieses sei - gemäss Anhang I des GAV für das N._gewerbe - bei
Fr. 63'700.-- anzusetzen. In den einzigen beiden diesbezüglich relevanten Jahren 2009
und 2010 habe der Beschwerdeführer gemäss IK-Auszug im Übrigen konkret
Fr. 58'757.-- und Fr. 50'450.-- verdient. Das Invalideneinkommen sei ausgehend vom
statistischen Durchschnittslohn gemäss den LSE-Tabellen von Fr. 61'092.-- (LSE 2016,
T17, Berufshauptgruppe 7, im Alter bis 29 Jahre) zu berechnen. Mit einer
Arbeitsfähigkeit von maximal 20 % und bei einem Abzug von mindestens 17 % vom
Tabellenlohn ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 84 %. Bei medizinisch-theoretischer
Arbeitsfähigkeit von 50 % mit einem gerechtfertigten Abzug von mindestens 20 %
beliefe sich der Invaliditätsgrad auf rund 62 %. Es sei gemäss Formular der
Beschwerdegegnerin (wohl: Anhang zum IV-Rundschreiben Nr. 328 vom 22. Oktober
2014, Tabellen des Bundesamtes für Statistik) ein Teilzeitabzug von 10 %
vorzunehmen. Der Beschwerdeführer sei auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zudem
wegen der Lücken im Lebenslauf und des Erklärungsbedarfs insbesondere infolge der
drei jeweils mehrmonatigen Klinikaufenthalte erheblich diskriminiert. Bei der
phasenweise verlaufenden Erkrankung könne es immer wieder zu
gesundheitsbedingten Absenzen kommen. Der Beschwerdeführer sei auf einen sozial
eingestellten und äusserst verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen. Es müsste auch
möglich sein, geplante Arbeitsschichten kurzfristig zu verschieben. Solche Faktoren
seien klar lohnmindernd.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. April 2020 (act. G 4) beantragt die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Gutachten erfülle die Anforderungen an
eine Entscheidungsgrundlage. Es gehe daraus hervor, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers durch die stationäre Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik bis Mai 2018 und die anschliessende ambulante Behandlung
habe stabilisieren können und die Symptomatik sich so verbessert habe, dass die
Arbeitsfähigkeit auf 50 % habe eingeschätzt werden können. Es werde im Gutachten
dargelegt, die angemessenen bisherigen Behandlungen dürften eine günstige
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Wendung zur Stabilisierung haben, wenn infolge Krankheitseinsicht die erforderliche
Behandlungseinsicht erreicht sei. Eine Einsichtswilligkeit scheine sich einzustellen.
Auch die behandelnde Psychiaterin habe am 11. Juni 2019 [IV-act. 102]
Arbeitsfähigkeiten von 50 % in bisheriger und von 50 bis 60 % in adaptierter Tätigkeit
festgestellt. Es gehe zudem nicht an, die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Ergebnisse einer
beruflichen Abklärung festzulegen. Die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich medizinisch-
theoretisch zu bestimmen. Dass der Beschwerdeführer nicht habe integriert werden
können, sei daher nicht entscheidend. Es sei nämlich nicht möglich, den Anteil
allfälliger Motivationsmängel vom willentlich nicht steuerbaren Unvermögen, eine volle
Leistung zu erbringen, abzugrenzen. Die Stelle zu 20 % als _mitarbeiter sei dem
Beschwerdeführer aus nicht gesundheitlichen Gründen fristlos gekündigt worden. Die
vom Gutachten erwähnten nötigen Integrationsschritte seien nicht im Sinn einer
Prognose, sondern als Hilfestellung für die berufliche Eingliederung genannt worden. In
der Tabelle (sc. über den Bruttolohn nach u.a. Beschäftigungsgrad) 2016 zeige sich für
in Teilzeit von 50 bis 74 % Arbeitende zwar eine Lohndifferenz von 4.02 %, doch
ergebe sich daraus keine überproportionale Lohneinbusse. Die Verweigerung eines
Abzugs sei auch angesichts der neueren Zahlen gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung jedenfalls nicht bundesrechtswidrig. Wegen der schwer kalkulierbaren
Absenzen und der Notwendigkeit eines sozialen Entgegenkommens eines Arbeitgebers
könne ein Leidensabzug von 10 % gewährt werden. Damit ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 55 %.
D.
Mit Replik vom 15. Juni 2020 (act. G 8) bringt die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers vor, der Gutachter habe eine langsame Steigerung der
Arbeitsfähigkeit bis hin zu schliesslich einem Pensum von 50 % beschrieben. Es sei
nach der Durchführung des Assessment-Gesprächs festgehalten worden, der
Beschwerdeführer sei aus der Sicht des IV-Eingliederungsberaters nicht zu 50 %
arbeitsfähig. Die von der Beschwerdegegnerin angeführte Begründung für eine
Verbesserung auf den Zeitpunkt der Begutachtung hin basiere einzig auf einer
Interpretation. Dass keine Verbesserung eingetreten sei, zeige einmal mehr ein ab
8. April 2020 notwendig gewordener mehrwöchiger Klinikaufenthalt des
Beschwerdeführers infolge einer erneuten schweren manischen Phase. Er habe im
Rahmen einer FU in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden müssen. Gemäss
dem Austrittsbericht vom 26. Mai 2020 habe er etwa im Sommer 2019 alle
Medikamente abgesetzt. Die manischen Zustände bewerte er im Rahmen eines
esoterisch geprägten Weltbildes als "erweitertes Erleben". Er habe zur Therapie auch
LSD einsetzen wollen. Eine Unterschenkelfraktur links vom Januar 2020 habe er nicht
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wie empfohlen chirurgisch behandeln lassen; es seien Wundheilungsstörungen
aufgetreten. Da aggressive Impulsdurchbrüche mit erheblicher Kraftentwicklung zu
befürchten gewesen seien, sei er von mehreren Polizisten für eine medizinische
Einschätzung zu einem Arzt begleitet worden. Er habe sich gegenüber
Familienangehörigen und Fremden zuletzt teils tätlich aggressiv gezeigt. Aus der
Beschreibung des Psychostatus gehe hervor, dass Krankheitsgefühl und
Krankheitseinsicht eingeschränkt seien, ebenso die Behandlungsbereitschaft. Es
bestehe ein selbstschädigendes Verhalten im Sinn von "Desorganisiertheit" und
eingeschränkter Urteils- und Einsichtsfähigkeit. Initial sei eine Behandlung im
Intensivzimmer nötig gewesen. Zuletzt habe der Beschwerdeführer Absprachen ohne
Einschränkungen einhalten können und habe ein angemessenes Kontakt- und
Distanzverhalten gezeigt. Den Wunsch seiner P._, dass er nach dem Klinikaustritt
vom 20. Mai 2020 eine betreute Wohnform annehme, habe er abgelehnt. Die
Rechtsvertreterin hält weiter dafür, weitere manische Phasen würden sich auch mittels
Therapie nicht verhindern lassen. Die längeren Klinikaufenthalte, mit denen somit
jederzeit gerechnet werden müsse, dienten dem Schutz vor Gefährdung und nicht einer
Verbesserung des Gesundheitszustands, zumal die Grunderkrankung weder heilbar sei
noch durch Therapie eingedämmt werden könne. Die Umstände der Kündigung des
20-prozentigen Arbeitsverhältnisses seien sehr wohl im Zusammenhang mit der
Erkrankung zu sehen. Der Beschwerdeführer habe nämlich in einer (anderen) Filiale der
betreffenden Arbeitgeberin [...] und anlässlich einer Überprüfung wegen dieses
Bagatellvorfalls sei bekannt geworden, dass er im April 2018 in einer weiteren Filiale
randaliert gehabt habe. Es sei aktenkundig, dass der Beschwerdeführer bei der
Einschätzung von Situationen und beim Sozialverhalten beeinträchtigt sei. Die
Kündigung sei daher der sehr schwerwiegenden Erkrankung zuzuschreiben. Manische
Phasen mit mehrwöchigen Klinikaufenthalten und phasenweise schwere Störungen des
Sozialverhaltens seien keinem Arbeitgeber zumutbar. - Die J._, Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie, hatte am 29. April 2020 (act. G 8.1.1) berichtet, eine KESB habe
einen Einspruch des Beschwerdeführers gegen die (damalige) fürsorgerische
Unterbringung nach gutachterlicher Prüfung abgelehnt. Zurzeit bestehe kein
Anhaltspunkt dafür, dass ein im Vorfeld koinzident möglicherweise aufgetretener
Substanzmittelkonsum auslösend oder ursächlich für die Symptomatik bzw.
Erkrankung sei, die den Klinikeintritt begründet habe. Die Behandlung einer möglichen
Suchterkrankung sei nicht Gegenstand des aktuellen Aufenthalts. - Im Austrittsbericht
vom 26. Mai 2020 (act. G 8.2.1) über den Aufenthalt des Beschwerdeführers vom
8. April bis 20. Mai 2020 war festgehalten worden, es lägen Hinweise auf einen
fortgesetzten Konsum von Cannabis, Kokain und LSD vor. Der Beschwerdeführer
konsumiere auch Alkohol und habe angegeben, auf den Konsum von Cannabis oder
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zumindest CBD nicht verzichten zu wollen. Eine differenzierte Exploration zu den
Noxen sei kooperationsbedingt nicht möglich gewesen. Der Beschwerdeführer habe
keine Unterstützung durch eine psychiatrische Spitex für die Zeit nach dem Austritt
gewünscht. Er sei umfassend über die Risiken des Konsums psychotrop wirksamer
Substanzen vor dem Hintergrund seiner psychischen Erkrankung aufgeklärt worden.
Nach Besserung des manischen Syndroms und zunehmender Absprachefähigkeit habe
der Beschwerdeführer in die Therapiemodule eingebunden werden können. Unter
reizabschirmenden Interventionen habe sich das klinische Bild langsam verbessert und
er habe zuletzt Absprachen ohne Einschränkungen einhalten können und habe ein
angemessenes Kontakt- und Distanzverhalten gezeigt. Unter Therapie mit
Psychopharmaka werde in den ersten drei Monaten eine monatliche, dann eine
halbjährliche Kontrolle von Blutbild usw. empfohlen.
E.
In ihrer Duplik vom 2. Juli 2020 (act. G 10) hält die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag fest. Auch sie gehe von einer schwerwiegenden Grunderkrankung des
Beschwerdeführers aus, weshalb eine Rente gesprochen worden sei. Gemäss einer
beigelegten Stellungnahme des RAD vom 27. Juni 2020 (act. G 10.1) sei beim
Beschwerdeführer immer wieder mit Instabilitäten zu rechnen, die zum Krankheitsbild
der bipolaren Störung gehörten. Aufgrund der mehrfach beschriebenen Defizite werde
die Arbeitsfähigkeit auf 50 % eingeschätzt. Nach erneuter Einstellung der
Kombinationstherapie sei es zu einer Besserung des Gesundheitszustands gekommen.
- Der RAD hatte festgehalten, bipolare affektive Störungen hätten eine deutlich
schlechtere Prognose als unipolare Depressionen. Es müsse davon ausgegangen
werden, dass beim Beschwerdeführer eine deutlich reduzierte Stresstoleranz mit
fragiler emotionaler Belastungsfähigkeit und insgesamt verminderter psychischer und
physischer Resilienz vorliege.
F.
Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 (act. G 12) legt die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers einen Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik K._ vom
19. Februar 2021 (act. G 12.1) ein. Wegen einer erneuten schweren manischen Phase
sei er vom 20. Dezember 2020 bis 29. Januar 2021 dort hospitalisiert gewesen. Der
zweite lange Klinikaufenthalt innerhalb eines Jahres zeige eindeutig, dass der
Beschwerdeführer im freien Arbeitsmarkt nicht mehr einsetzbar sei. Auch wenn der
Aufenthalt nach Erlass der angefochtenen Verfügung erfolgt sei, widerspiegle er den
schwankenden Verlauf. - Die psychiatrische Klinik hatte berichtet, der
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Beschwerdeführer sei von der Polizei begleitet - durch 5-Tages-FU über das
Kantonsspital St. Gallen - in die Klinik zugewiesen worden. Er sei in eine Schlägerei
involviert gewesen. Wegen Schmerzen an der Fussinnenstelle links sei er im
Kantonsspital St. Gallen untersucht und geröntgt worden; eine ossäre Läsion sei nicht
nachgewiesen worden. Er habe angegeben, die verordnete Medikation seit etwa vier
Wochen nicht mehr eingenommen zu haben. Den Konsum von legalen oder illegalen
Drogen habe er verneint. Er habe einen Geruch von THC aufgewiesen. Cannabis sei
nachweisbar gewesen. Als zusätzliche Belastung habe er angegeben, dass seine P._
ihn aus Angst nicht mehr in die Wohnung gelassen habe. Im kurzen (Hospitalisations-)
Verlauf sei eine zunehmende manische Dekompensation beobachtet worden. Der
Beschwerdeführer sei immer grenzüberschreitender, ungeduldiger und fordernder
geworden. Es sei ihm extrem schwer gefallen, sich an Vereinbarungen zu halten, und
es sei mehrmals zu Drohungen gegenüber dem Personal gekommen. Im Verlauf seien
die Beschwerden unter Medikation immer mehr in den Hintergrund gerückt. Eine
röntgenologische Kontrolle des linken Fusses habe der Beschwerdeführer abgelehnt.
G.
Nach der (auf Anfrage, act. G 14) von der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers am 20. Dezember 2021 (act. G 15, 15.1 f.) eingereichten
Information der hierfür zuständigen KESB besteht kein Zustimmungserfordernis zur
Prozessführung.
G.a.
Am 26. Januar 2022 (act. G 17) hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
zwei Austrittsberichte der Psychiatrie D._ vom 21. Dezember 2021 und vom
20. Januar 2022 eingereicht. Der Beschwerdeführer sei wegen einer neuerlichen
schweren manischen Phase bei bekannter bipolarer affektiver Störung vom
16. November 2021 bis 7. Dezember 2021 und vom 9. Dezember 2021 bis
24. Dezember 2021 in der Psychiatrischen Klinik K._ hospitalisiert gewesen. -
Gemäss den Berichten bestanden eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
manische Episode ohne psychotische Symptome, psychische und
Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Abhängigkeitssyndrom, und psychische und
Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer
psychotroper Substanzen: schädlicher Gebrauch (Alkohol, Kokain, LSD, "_";
act. G 17.2). Der Beschwerdeführer war bei maniformem Zustandsbild und Fremd
G.b.
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aggression initial freiwillig und dann durch amtsärztliche fürsorgerische Unterbringung
zugewiesen worden (vgl. act. G 17.1 f.).
Am 30. März 2022 (act. G 22) hat die Beschwerdegegnerin auf entsprechende
Anfrage (act. G 16) der verfahrensleitenden Richterin hin diverse Akten eingereicht. -
Gemäss einem namentlich dabei befindlichen Notfallbericht der Klinik für Orthopädie
und Traumatologie am Kantonsspital L._ vom 31. Januar 2020 (act. G 22.14) hatte
sich der Beschwerdeführer tags zuvor nach einem Arbeitsunfall - er sei beim Versuch,
umfallende Platten (100 bis 150 kg) aufzufangen, (davon) an der linken Körperseite
getroffen worden - notfallmässig vorgestellt. Er habe starke Schmerzen im linken OSG
und am linken Knie. Diagnostiziert worden waren eine Weber-B-Fraktur und eine
Kontusion linkes Knie. - Im (im Bericht der J._ vom 29. April 2020) erwähnten
psychiatrischen Gutachten vom 17. April 2020 (act. G 22.21) für die dort betroffene
KESB hatte Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, festgehalten,
der Beschwerdeführer leide an einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig
gemischte Episode, und einem schädlichen Gebrauch/Abhängigkeitssyndrom von
multiplen psychotropen Substanzen (Polytoxikomanie) mit Konsum insbesondere von
Cannabis, Kokain und LSD. Die bipolare affektive Störung sei seit Jahren bekannt und
werde behandelt. Nach eigenen Angaben habe der Beschwerdeführer die
stimmungsstabilisierende Medikation im Sommer letzten Jahres (sc.: somit 2019)
abgesetzt. Seit einigen Wochen sei es zu einer zunehmenden manischen
Dekompensation mit fremdaggressiven Handlungstendenzen gekommen, so dass am
8. April 2020 eine Klinikzuweisung durch fürsorgerische Unterbringung erforderlich
geworden sei. Unter der stationären Behandlung sei es bis anhin erst zu einer leichten
Rückbildung der initial hoch akuten Symptomatik gekommen, so dass derzeit noch ein
manisch-expansives Syndrom, zuweilen aber auch bereits eine gedrückte resignierte
und pessimistische Stimmung (im Sinn einer gemischten Episode einer bipolaren
affektiven Störung) imponiere.
G.c.
Die Beschwerdegegnerin (am 7. April 2022, act. G 25) und die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers (am 4. Mai 2022, act. G 26) verzichteten auf eine
Stellungnahme.
G.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 17. Januar 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Januar 2017 bis
28. Februar 2019 eine ganze Rente und für die Zeit ab 1. März 2019 eine halbe Rente
zugesprochen hat. Der Beschwerdeführer lässt eine unbefristete ganze Rente,
eventualiter (nach der Phase der Ausrichtung einer ganzen Rente) ab März 2019 eine
Dreiviertelsrente beantragen. - Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen
Verfügung berufliche Massnahmen wegen der mangelnden subjektiven Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers als nicht angezeigt bezeichnet, indessen auch angemerkt,
dass jederzeit Massnahmen der Wiedereingliederung durchgeführt werden könnten,
soweit diese angezeigt seien. Im Beschwerdeverfahren werden berufliche Massnahmen
nicht beantragt. Sollte sich der Rentenanspruch bestätigen, gehörte zum
Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht des
Beschwerdeführers zu Massnahmen ausreichend in Anspruch genommen habe. - Auch
die Auferlegung der Schadenminderungspflicht (im Sinn einer erforderlichen
durchgehenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung) und die
Verrechnung sind im Beschwerdeverfahren nicht angefochten worden; sie bilden daher
nicht Streitgegenstand.
2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20; in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021 in Kraft gewesenen
Fassung, vgl. BGE 132 V 215 E.3.1.1) besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1; vgl. schon BGE 102 V 165).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/36
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3.
Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Dasselbe gilt nach der neueren - erst nach dem Gutachten entwickelten -
Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 145 V 215) auch für die Frage, ob und
gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom
im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirke (vgl. BGE 145 V
215 E. 7). Die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ
zu erfassen und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in
zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der Kategorie des
funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz. Zum funktionellen
Schweregrad sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, des Behandlungs- und
Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden Resistenz und der Komorbiditäten),
"Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und persönlichen Ressourcen) und
"Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie der Konsistenz geht es um
Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und um behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281
E. 4.1.3). Soweit die festgestellte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Erscheinung beruht oder unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines
sekundären Krankheitsgewinns steht (der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu
bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach der Rechtsprechung regelmässig keine
versicherte Gesundheitsschädigung vor (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
2.3.
Die Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit hat stets das Resultat der - einem objektiven
Massstab folgenden - Beurteilung zu sein, ob die versicherte Person trotz des ärztlich
diagnostizierten Leidens zumutbarerweise einer angepassten Arbeit ganz oder teilweise
nachgehen kann.
2.4.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind am
26. November 2018 psychiatrisch begutachtet und eingeschätzt worden.
3.1.
Wie aus dem Gutachten vom 20. Dezember 2018 ersichtlich wird, nahm der
Gutachter die Angaben des Beschwerdeführers zur Kenntnis. Es wurde festgehalten,
der Beschwerdeführer habe erklärt, seine frühkindliche Entwicklung sei motorisch und
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/36
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sprachlich ohne Besonderheiten verlaufen (vgl. IV-act. 87-10). Im Alter von 16 Jahren
(somit 200_) habe er mit "Kiffen" begonnen. Sich auf die Arbeit auswirkende
Beeinträchtigungen habe er davon nicht bemerkt (vgl. IV-act. 87-9). Ab diesem Alter
seien durchgängig gute wechselnd mit schlechten Phasen aufgetreten (vgl. IV-
act. 87-8). Die Ausbildung (Lehre) habe vier Jahre gedauert (vgl. IV-act. 87-10).
Während der Lehre habe er eine depressive Phase gehabt, in der er nicht einmal das
Aufräumen eines Bücherregals geschafft habe (vgl. IV-act. 87-10). Nach der Lehre habe
er während zweieinhalb Jahren als _N._ an etwa 50 bis 63 Stunden pro Woche
gearbeitet (vgl. IV-act. 87-11; gemäss IK wohl von März 2009 bis Dezember 2010).
Während eines kleineren manischen Schubs habe er sich in der Akademie für _O._
eingeschrieben. Nach drei Monaten sei es ihm zu viel geworden, er sei in eine
depressive Phase geraten und habe deswegen das Pensum auf 80 % reduziert.
Eineinhalb Jahre später sei es wieder zu einer manischen Phase gekommen. Die
Mitarbeiter hätten ihn ermahnt, sich anzupassen. Nach drei Monaten sei er wieder
depressiv geworden (vgl. IV-act. 87-11). Erstmals vor drei oder vier Jahren sei er von
der Polizei in die _klinik B._ gebracht worden. Zuvor habe er ein Jahr lang
depressiv zuhause verbracht (vgl. IV-act. 87-8). Mit nun 3_ Jahren sei er schlechter
dran als mit 18 Jahren. Seit sechs Jahren (sc. demnach seit 2012, ab dem Alter von 2_
Jahren) kämpfe er gegen seine Krankheit (vgl. IV-act. 87-9). In manischen Schüben
habe er Kokain geschnupft, sonst nie. Einmal habe er
"MDMA" (Methylendioxyamphetamin, eine Partydroge) probiert. Zurzeit konsumiere er
CBD (schwach psychoaktives Cannabinoid ohne THC-Anteil, meist als _). Sonst
(gemeint sei wohl Kokain) sei er seit einem Dreivierteljahr "sauber". Alkohol trinke er
zurzeit wenig, zwischen dem 18. und dem 23. Altersjahr sei es mehr gewesen und es
sei mehrfach zu Abstürzen gekommen (vgl. IV-act. 87-9 f.). Während der ab _ 2017
innegehabten Anstellung habe er morgens um 06.00 Uhr aufstehen und bis 17.00 Uhr
arbeiten müssen. Er habe die Stelle schon mit einer Depression angetreten und habe
sich in dieser Depression durch die Arbeit durchkämpfen müssen. Im Januar 2018
hätte er noch im Pensum von 60 % arbeiten sollen. Durch die Reduzierung des
Pensums habe er sich mehr Freiheit erhofft. Nach den Weihnachtstagen sei er jedoch
submanisch geworden, es sei ihm alles egal geworden und er habe die Vorstellung
bekommen, einen Obdachlosen spielen zu müssen (vgl. IV-act. 87-6). Ob er noch ein
volles Pensum schaffe, sehe er sehr skeptisch. Er denke an einen erneuten, jedoch
langsam voranschreitenden Wiedereingliederungsversuch mit Unterstützung durch
einen Coach (vgl. IV-act. 87-11). Eine volle Tätigkeit scheine ihm nicht mehr möglich. Er
wolle aber unbedingt arbeiten. Es sollte ihm aber noch Zeit zur Regeneration bleiben.
Er benötige finanzielle Unterstützung (vgl. IV-act. 87-13).
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Der Gutachter der Psychiatrie erhob auch den Befund und beschrieb hierzu, die
Stimmung des Beschwerdeführers sei mittelgradig bedrückt und depressiv gewesen.
Dieser habe in den sehr ausführlichen Schilderungen von Müdigkeit, unzureichendem
Antrieb, Interessenverminderung und Rückzugsbedürfnis einerseits und in den Klagen
über Einsamkeitserleben anderseits einen "traurig wirkenden Leidensdruck" vermittelt
(vgl. IV-act. 87-15). Emotional habe eine deutliche Labilität bestanden. Affektiv sei der
Beschwerdeführer gut erreichbar gewesen. Es sei zu verbittert wirkenden Äusserungen
über die desolat erlebte gegenwärtige Lebenssituation mit bedrückender
Zukunftsperspektive und Selbstenttäuschung gekommen, worin auch Elemente von
nicht ganz akzeptierter (bzw. vorhandener) Krankheitseinsicht wahrnehmbar geworden
seien. Zu Affektausbrüchen oder affektivem Kontrollverlust sei es jedoch (sc. bei der
Begutachtung) nie gekommen. Psychomotorische Auffälligkeiten seien nicht
festzustellen gewesen. Der Antrieb sei trotz der verbalen Lebendigkeit insgesamt
vermindert gewesen bei mittelgradig erscheinendem Selbstmotivationsvermögen (vgl.
IV-act. 87-15).
3.3.
Des Weiteren hat sich der Gutachter der Psychiatrie mit den Standardindikatoren
für eine Objektivierung der Einschränkungen befasst.
3.4.
Zum Schweregrad erklärte er, die Erkrankung sei schwer. Auch in
ausgeglichenen Zuständen bestehe eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit
wegen der fragilen emotional-affektiven Belastungsfähigkeit und einer reduzierten
Stresstoleranz mit global verminderter psychischer und physischer Resilienz (vgl. IV-
act. 87-20). Eine Restarbeitsfähigkeit sei aber in ausgeglichenem Zustand durchaus
vorhanden.
3.4.1.
Zur Frage der Gleichmässigkeit der Einschränkungen in (den mit einer
Arbeitstätigkeit) vergleichbaren Situationen legte der Gutachter dar, aus den
Schilderungen des Beschwerdeführers über Arbeits-, Freizeit-, Hobby- und allgemeiner
Lebensgestaltung sowie aus der Schwere der durchgemachten Erkrankungsphasen
werde ersichtlich, dass das gesamte biophysisch-psychosoziale, energetische Niveau
des Beschwerdeführers im Vergleich zur Zeit vor dem Krankheitsausbruch 2015
(damals einjährige nicht oder völlig unzureichend behandelte, nicht näher
dokumentierte Depressionsphase im Sinn einer Aktivitätsnivellierung aller
Lebensbereiche) beeinträchtigt sei (vgl. IV-act. 87-20). Der Leidensdruck sei - mit
Auswirkung auf gefühlte und erlebte Lebensqualität - erheblich (vgl. IV-act. 87-20). IV-
fremde Faktoren hätten sich nicht dargestellt (vgl. IV-act. 87-21).
3.4.2.
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Was die Ressourcen und Belastungen betrifft, hielt der Gutachter dafür, die
Ressourcenlage sei insofern günstig, als der Beschwerdeführer von der P._
unterstützt werde. Er könne sich in einer kleinen Wohnung selbständig versorgen,
bemühe sich um eine Tagesstrukturierung, konsumiere nicht gewohnheitsmässig
illegale Drogen oder Alkohol im Übermass, verfüge über eine handwerklich solide
N._ausbildung und habe sich um eine zusätzliche Ausbildung als _O._ bemüht
(vgl. IV-act. 87-18). Die gute Berufsausbildung und das intellektuelle Leistungsniveau
seien verwertbare Ressourcen. Die Selbsteinschätzung mit der Motivation, unbedingt
eine geeignete Tätigkeit - nicht mehr im vollen Pensum - zu finden, liege im Bereich
des Realen (vgl. IV-act. 87-20). Dem stünden persönlichkeits- und
krankheitsimmanente Einschränkungen in der Belastungs- und Durchhaltefähigkeit mit
Problemen im Selbstvertrauen, in der Belastungsfähigkeit und in der
Stressbelastungsfähigkeit sowie eine (zumindest teilweise berechtigte) Zukunfts
ängstlichkeit gegenüber. Eine diagnosefähige Persönlichkeitsstörung liege nicht vor.
Derzeit halte eine mittelgradige depressive Phase an (vgl. IV-act. 87-18).
3.4.3.
Die bisherigen Behandlungen beurteilte der Gutachter als angemessen (vgl. IV-
act. 87-19). Dass der Beschwerdeführer nur unregelmässig Behandlungstermine bei
med. pract. E._ wahrgenommen habe, sei hauptsächlich durch mangelnde
Krankheitseinsicht und nicht vorhandenes Verständnis für den Verlauf der Krankheit
bedingt gewesen (vgl. IV-act. 87-19). Am 25. Januar 2017 (IV-act. 48-2) war von der
Psychiatrischen Klinik K._ aufgrund von Wirkspiegelkontrollen eine eingeschränkte
Medikamenten-Adhärenz angenommen worden. Hospitalisationen waren wiederholt
notwendig geworden, nachdem der Beschwerdeführer die verschriebene Medikation
abgesetzt hatte (vgl. IV-act. 48, IV-act. 75-4; aus der Zeit nach dem vorliegenden
Beurteilungszeitraum [der bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung dauert] vgl.
act. G 8.1.2 S. 1, act. G 12.1 S. 2 oben, act. 17.1 S. 1 f.). Eine Depotmedikation hat er
nach der Aktenlage abgelehnt. Die behandelnde med. pract. E._ berichtete dem
Gutachter von Zwangsmassnahmen, die (wohl im stationären Rahmen) u.a. wegen
Therapieverweigerung des Beschwerdeführers hätten ergriffen werden müssen (vgl. IV-
act. 87-16). Gemäss den Darlegungen im Gutachten (der Gutachter erwähnt eine
erforderliche Überzeugungsarbeit, vgl. IV-act. 87-20) liegen zwar krankheitsimmanente
Einschränkungen in der Belastungs- und Durchhaltefähigkeit vor; es ist aber davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer zur Umsetzung der Arbeitsfähigkeit von 50 %
in der Lage und sie ihm zumutbar ist (vgl. IV-act. 87-20 f.).
3.4.4.
Zur Bedeutung des Konsums diverser schädlicher Substanzen bzw. einer
allfälligen Abhängigkeit und Sucht des Beschwerdeführers im Einzelnen legte der
3.4.5.
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Gutachter dar, eine Abhängigkeitsproblematik im Sinn einer Sucht sensu strictu sei den
Vorberichten nicht zu entnehmen. Der Konsum von psychotropen Substanzen in der
manischen Phase sei einem krankheitsimmanenten Kontrollverlust zuzurechnen und
habe mit einer Abhängigkeit nichts zu tun, wenn der Konsum phasenbezogen nur in
der Manie und nicht auch hinterher im "Gleichgewichtsstadium" der Erkrankung oder in
der Depression weiterbestehe (vgl. IV-act. 87-17). Offenbar nahm der Gutachter an,
das Letztere treffe zu. Dem Gutachten lässt sich wie erwähnt entnehmen, dass der
Beschwerdeführer im Alter von 16 Jahren (somit 200_) mit "Kiffen" begonnen habe und
ab diesem Alter durchgängig gute wechselnd mit schlechten Phasen aufgetreten seien
(vgl. IV-act. 87-8). Der Psychiatrischen Klinik K._ gegenüber hat der
Beschwerdeführer zwar gemäss Bericht vom 25. Januar 2017 (IV-act. 48) angegeben,
regelmässig THC, Ritalin und Alkohol zu konsumieren. Gemäss dem Austrittsbericht
vom 26. Mai 2020 (allerdings aus einer Zeit erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung stammend) hat er ferner zu verstehen gegeben, dass er von einem Konsum
von Cannabis oder zumindest von CBD nicht absehen wolle. Nach dem Austrittsbericht
vom 26. Mai 2020 war eine differenzierte Exploration zu den Noxen im Übrigen nicht
möglich gewesen, weil der Beschwerdeführer nicht mitgewirkt hat. Gemäss dem
Gutachten hat die Laboruntersuchung anlässlich der Begutachtung jedoch keinen
Anhaltspunkt für einen aktiven Alkohol- und Drogenkonsum ergeben und hat der
Medikamentenspiegel von Valproinat gegen einen suchtrelevanten Alkohol- und
Drogenmissbrauch gesprochen (vgl. IV-act. 87-15). Die gutachterliche Annahme, dass
der Konsum in manischen Phasen einem krankheitsimmanenten Kontrollverlust
zuzurechnen sei, scheint zudem möglich. Selbst wenn aber von einer Suchterkrankung
auszugehen wäre, wäre überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, dass sie im
Verhältnis zur bipolaren affektiven Störung im Hintergrund steht.
Der Gutachter der Psychiatrie stellte beurteilend fest, aufgrund seiner
umfangreichen Evaluation könne kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass der
Beschwerdeführer an einer erheblichen (auch sein soziales Gefüge immer wieder
beeinflussenden und bedrohenden) bipolar affektiven Störung leide, die bereits in
deutlichen Vorphasen in der frühen Adoleszenz ab dem 16. Altersjahr in Erscheinung
getreten, aber noch nicht erkannt worden sei (vgl. IV-act. 87-16). Das ergebe sich aus
den eingehenden, lehrbuchmässigen Zustandsbeschreibungen der durchgemachten
depressiven und manischen Phasen durch den Beschwerdeführer (die innere
Bewegtheit und die äusserlich erkennbare Emotionalität des tatsächlich Erlebten hätten
dagegen gesprochen, dass er etwas "Gelerntes" wiedergegeben habe) und der
psychiatrischen Befundevaluation mit Berücksichtigung der Aktenunterlagen und der
massiven familiären Krankheitsheredität (vgl. IV-act. 87-16). Des Weiteren habe der
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 26/36
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4.
Beschwerdeführer eine phobische Angststörung in Form einer Agoraphobie
beschrieben (Furcht vor Verlassen des Hauses, vor Betreten von Geschäften und
davor, sich unter Menschenmengen entweder auf grossen Plätzen oder in grossen
Räumen aufzuhalten, sowie davor, öffentliche Verkehrsmittel zu Stosszeiten zu
benutzen, vgl. IV-act. 87-17). - Das vom Beschwerdeführer bei der Begutachtung
immer wieder geklagte mangelnde Konzentrationsvermögen (vgl. IV-act. 87-15, IV-
act. 87-13 und 87-11) konnte allerdings kaum objektiviert werden, stellte der Gutachter
doch fest, der Beschwerdeführer sei dem Gespräch durchaus aufmerksam gefolgt,
habe konzentriert gewirkt, mit Fokussierung auf das jeweils angesprochene Thema,
und die Merkfähigkeit scheine kaum beeinträchtigt (vgl. IV-act. 87-15). Auch von den
vom Beschwerdeführer beschriebenen und vom Gutachter angenommenen
Angststörungen sind soweit ersichtlich keine Auswirkungen aktenkundig geworden. In
dieser Hinsicht hat sich der Gutachter u.a. auch auf subjektive Angaben des
Beschwerdeführers gestützt, was für den Beweiswert insgesamt allerdings nicht als
ausschlaggebend zu betrachten ist.
Der Experte schloss, der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als N._/O._ an vier Stunden (sc. pro Tag) uneingeschränkt arbeitsfähig. Es bestehe
somit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Die Auswirkungen der Krankheit mit dieser um
die Hälfte eingeschränkten Arbeitsfähigkeit beträfen alle Tätigkeiten (vgl. IV-act. 87-21).
Auch in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (vgl. IV-
act. 87-21 f.).
3.6.
Die psychiatrische Begutachtung erscheint somit zunächst insoweit als vollständig,
als nach dem Dargelegten die geklagten Beschwerden und die Anamnese erfragt
worden sind und eine gutachterliche Exploration erfolgt ist. Die Begutachtung basiert
auf einer Kenntnis der Vorakten im Zusammenhang mit der Früherfassungsmeldung
und IV-Anmeldung vom Januar 2016.
4.1.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wendet jedoch ein, die attestierte
Arbeitsfähigkeit (von 50 %) sei gemäss dem Gutachten an eine Bedingung geknüpft
worden. - Der Gutachter hielt einerseits fest, zur Utilisierung der "verbliebenen"
Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seien sorgfältig begleitete
Integrationsschritte seitens der Beschwerdegegnerin unabdingbar, also u.a.
Arbeitserprobung, vor allem die ersten Arbeitsmonate begleitende Unterstützung durch
einen Coach, Kontrolle der ambulanten Behandlungstermine mit ärztlicher Bestätigung,
Anforderung von Verlaufsberichten alle drei Monate und Pensensteigerung allenfalls in
4.2.
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5.
10er Schritten mit jeweils längerer Zeitdauer vor weiterer Erhöhung (vgl. IV-act. 87-19).
Anderseits wies der Gutachter jedoch darauf hin, dass der Umstand, dass eine
durchgehende, vom Krankheitsverlauf abhängige Behandlungsfrequenz erforderlich
sei, unabdingbare Voraussetzung dafür sei, dass mit einer relevanten Verbesserung/
Steigerung der Arbeitsfähigkeit von derzeit 50 % zu 80 % gerechnet werden könne
(vgl. IV-act. 87-22). Ab dem Begutachtungstag attestierte er abschliessend wie erwähnt
die Arbeitsfähigkeit von 50 % (vgl. IV-act. 87-21). Aus diesen gutachterlichen
Feststellungen ergibt sich insgesamt (vgl. IV-act. 87-19, -21 und -22 zusammen) mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit, dass eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
von 50 % bereits zur Begutachtungszeit - und nicht erst prospektiv nach einer
(weiteren, nämlich voraussichtlich zu einer Arbeitsfähigkeit von 80 % hinführenden)
Verbesserung des Gesundheitszustands - gutachterlich medizinisch als zumutbar
betrachtet wurde. Der Gutachter beantwortete eine entsprechende Frage denn auch
ausdrücklich dahingehend, dass beim Beschwerdeführer keine Situation vorliege, bei
welcher nur theoretisch relevante arbeitsbezogene Ressourcen bestünden, diese aber
aufgrund interaktioneller Schwierigkeiten (wie etwa fehlender Sozialkompetenz) an
einem regulären Arbeitsplatz nicht umsetzbar wären (vgl. IV-act. 87-22).
Es ist demnach darauf abzustellen, dass, wie vom Experten der Psychiatrie
festgehalten, für den Beschwerdeführer zurzeit der Begutachtung vom November 2018
- trotz der schweren Erkrankung - die Leistung einer Arbeit von 50 % als (möglich und)
medizinisch zumutbar betrachtet worden ist (zum weiteren Einwand betreffend eine
allfällige Sachverhaltsänderung vgl. unten E. 5.2).
4.3.
Was den Sachverhalt in der zurückliegenden Zeit betrifft, hielt der Gutachter der
Psychiatrie fest, der Beschwerdeführer sei ab Januar 2016 (bis zur Begutachtung vom
26. November 2018) durchgehend voll arbeitsunfähig gewesen (vgl. IV-act. 87-21). Er
stamme aus einer mit psychiatrischen Krankheiten erheblich belasteten Familie. Mit
Ausnahme der in Kindheit und frühem Jugendalter erlebten depressiven Phasen der
P._ habe es bei ihm aber keine massgeblichen aussergewöhnlichen psychosozialen
Belastungen traumatisierenden Ausmasses gegeben. Mit subdepressiven und
hypomanischen Vorphasen ab dem 16. Lebensjahr (somit ab 200_) sei die bipolar
affektive Störung zuerst in einer langen depressiven Phase 2015 manifest geworden
und habe wegen einer virulent manischen Episode 2016 zur ersten psychiatrischen
Hospitalisierung geführt. Bei der faktisch ab 2016 vorliegenden durchgehenden
Arbeitsunfähigkeit seien auch IV-geleitete berufliche Massnahmen gescheitert (vgl. IV-
act. 87-18). - Der Gutachter attestierte dem Beschwerdeführer für die Zeit der
5.1.
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depressiven Phase 2015 (noch) keine Arbeitsunfähigkeit. Er hat nach der Aktenlage auf
das erstmalige aktenkundige Arbeitsunfähigkeitsattest ab 4. Januar 2016 abgestellt
(vgl. unten E. 5.2.1).
Der Beschwerdeführer wendet gegen die Stichhaltigkeit des Gutachtens ein, die
Annahme einer realisierbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % (zur Begutachtungszeit) sei
offensichtlich falsch, da eine Begründung für die angenommene massive Verbesserung
der - gemäss dem Gutachten in der Zeit davor nicht vorhandenen - Arbeitsfähigkeit auf
diese 50 % fehle.
5.2.
Wie den Angaben der _klinik B._ vom 15. Februar 2016 zu entnehmen ist,
lag angesichts der Hospitalisation ab 4. Januar 2016 (wegen der rezidivierenden
depressiven Störung, damals mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom, einer generalisierten Angststörung und einer Aufmerksamkeitsstörung ohne
Hyperaktivität) zunächst eine volle Arbeitsunfähigkeit vor. Ab Mitte März 2016 könne
mit einer Arbeitsfähigkeit von 20 % gerechnet werden. - Von Seiten des
Einsatzprogramms war am 31. August 2016 berichtet worden, der Beschwerdeführer
habe ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis von 50 % vorgewiesen, und es sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40 % auszugehen, aber zu bezweifeln, dass der
Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe (vgl. IV-act. 36-4). - Am
28. September 2016 nahm med. pract. E._ an, die Arbeit sei dem Beschwerdeführer
zumutbar, wahrscheinlich mit verminderter Leistungsfähigkeit. - Gemäss der
Beurteilung des RAD vom 18. November 2016 war medizin-theoretisch von einem
instabilen Gesundheitszustand und einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
von 100 % für alle Tätigkeiten auszugehen. - Die Psychiatrische Klinik K._
befürwortete am 25. Januar 2017 eine IV-gestützte Wiedereingliederung ins
Berufsleben und hielt eine gewisse Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers demnach
als gegeben. - Ab Juni 2017 arbeitete der Beschwerdeführer nach der Aktenlage in
vollem Pensum, aber mit krankheitsbedingten Absenzen. Am 4. August 2017 berichtete
med. pract. E._ von einer seit dem 28. September 2016 eingetretenen Verbesserung
des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Sicherlich zumutbar sei eine
Arbeitstätigkeit von 50 %, wahrscheinlich auch eine solche von 100 % mit reduzierter
Leistung. Im Januar 2018 war der Beschwerdeführer im Rahmen einer
Integrationsmassnahme vorübergehend zu 60 % erwerbstätig.
5.2.1.
Aus dieser echtzeitlichen Aktenlage vor der Begutachtung lässt sich ausgehend
von der Hospitalisation ab 4. Januar 2016 mit voller Arbeitsunfähigkeit eine gewisse
Steigerung der Arbeitsfähigkeit im Zeitablauf ablesen. Insbesondere beschrieb wie
5.2.2.
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6.
erwähnt med. pract. E._ am 4. August 2017 eine Verbesserung des
Gesundheitszustands seit dem 28. September 2016 und eine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von noch 50 %. Gemäss dem Austrittsbericht vom 24. Mai 2018
(IV-act. 75-3 ff.) war im April 2018 erneut eine Hospitalisation (FU) erfolgt. Nach der
Beurteilung des Gutachters konnte, da zwischenzeitlich stabilere Zustände nicht
anhaltend waren, noch bis zur Begutachtung eine volle Arbeitsunfähigkeit
angenommen werden; hernach - ab November 2018 - mutete der Experte dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zu.
Der gutachterlichen Beurteilung kann bezüglich der Retrospektive mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit gefolgt werden. Von weiteren Abklärungen kann
diesbezüglich keine Verbesserung der Sachverhaltsgrundlagen mehr erwartet werden.
5.3.
Hinsichtlich des Sachverhalts im Zeitraum nach der Begutachtung hat der
Gutachter der Psychiatrie selbst zur Prognose dargelegt, die Behandlungen des
Beschwerdeführers dürften dann eine günstige Wendung zu Stabilisierung haben,
wenn infolge Krankheitseinsicht Behandlungseinsicht erreicht sei. Eine in Richtung
dieser notwendigen Voraussetzung weisende Einsichtswilligkeit scheine sich beim
Beschwerdeführer nun einzustellen. Dafür spreche auch der hohe Orfiril-Laborwert (vgl.
IV-act. 87-19). Die Prognose sei grundsätzlich ab dem Zeitpunkt günstig, da die
Behandlungscompliance des Beschwerdeführers sich stabilisiere und da diese auch
über die Zeiten hinweg stabil bleibe, in denen weder ein depressiver noch ein
manischer Krankheitszustand vorliege. Eine gute Prognose setze voraus, dass der
Beschwerdeführer in ständiger Überwachung durch Behandler bleibe und fähig und
gewillt sei, erste Krankheitsvorboten nicht nur wahrzunehmen, sondern diese (aus
selbst erkannter Notwendigkeit heraus) auch adäquat - wenn nötig auch stationär -
behandeln zu lassen. Zu dieser notwendigen Einsicht und Kooperation komme es
erfahrungsgemäss erst nach mehrfachen leidvollen Phasenerfahrungen (vgl. IV-
act. 87-19). Der Gutachter hielt fest, aus den FU-Unterbringungen mit
Zwangsbehandlung habe sich die subjektive Meinung des Beschwerdeführers
ergeben, sich nie mehr einer stationären psychiatrischen Behandlung unterziehen zu
wollen (vgl. dazu IV-act. 87-14). Im Akutfall werde das aber kaum umgangen werden
können. Diesbezüglich sei noch weitere Überzeugungsarbeit erforderlich, auch was die
verlässliche Wahrnehmung der ambulanten Behandlungstermine betreffe (vgl. IV-
act. 87-20 f.).
6.1.
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Der IV-Berater Berufliche Integration hat später am 29. Mai 2019 erklärt, es habe
sich (beim Assessmentgespräch vom 25. April 2019) gezeigt, dass der
Beschwerdeführer nicht zu 50 % arbeitsfähig sei. Er sei höchst labil. Beim
gemeinsamen Gespräch (der behandelnden Psychiaterin, der IIZ-Beraterin, der
Beiständin und ihm) vom 23. Mai 2019 habe die behandelnde Psychiaterin beim
Beschwerdeführer zwar Potenzial für eine Arbeitsfähigkeit von 50 % gesehen, von dem
er allerdings noch weit entfernt sei (zurzeit sei er eventuell zu 20 % arbeitsfähig). Auch
die Beiständin sei mit dem Ergebnis des Gutachtens einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
nicht einverstanden (vgl. IV-act. 100). Selbst die behandelnde Psychiaterin med. pract.
E._ nahm indessen gemäss ihrem Bericht vom 11. Juni 2019 (IV-act. 102) weiterhin
an, der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 50 %, in einer ideal
angepassten Arbeit (draussen, in Garten und Natur) zu 50 bis 60 % arbeitsfähig. -
Demnach kann im vorliegenden Beurteilungszeitraum bis zum Verfügungserlass vom
17. Januar 2020 (einstweilen unter Vorbehalt der Frage nach einer allfälligen anderen
Beurteilung aus rückblickender Sicht, vgl. dazu E. 6.3 nachfolgend) von einem im
Wesentlichen unveränderten Zustand mit entsprechender Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden.
6.2.
Was die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung betrifft, war der Beschwerdeführer
nochmals vom 8. April bis 20. Mai 2020 - somit während einer Zeit ab knapp drei
Monaten nach Erlass der angefochtenen Verfügung - in der J._ und später vom
20. Dezember 2020 bis 29. Januar 2021 - somit rund elf Monate nach Erlass der
angefochtenen Verfügung - in der Akutpsychiatrie und Notfall Station der Psychiatrie
D._ psychiatrisch hospitalisiert worden. Gemäss Austrittsbericht der J._ vom
26. Mai 2020 (act. G 8.1.2) waren Krankheitsgefühl und Krankheitseinsicht des
Beschwerdeführers eingeschränkt vorhanden gewesen, ebenso sei er eingeschränkt
behandlungsbereit gewesen. Es habe ein selbstschädigendes Verhalten im Sinn von
"Desorganisiertheit" und eingeschränkter Urteils- und Einsichtsfähigkeit bestanden
(S. 2). Dem Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik K._ vom 19. Februar 2021
(act. G 12.1) war zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer im kurzen
(Hospitalisations-) Verlauf eine zunehmende manische Dekompensation beobachtet
worden sei. Er sei immer grenzüberschreitender, ungeduldiger und fordernder
geworden. Es sei ihm extrem schwer gefallen, sich an Vereinbarungen zu halten, und
es sei mehrmals zu Drohungen gegenüber dem Personal gekommen. Im Verlauf seien
die Beschwerden unter Medikation immer mehr in den Hintergrund gerückt. - Für die
vorliegende Beurteilung bildet der Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen Verfügung
(hier vom 17. Januar 2020) grundsätzlich den Abschluss des relevanten Sachverhalts
(vgl. BGE 121 V 362 E. 1b, BGE 125 V 150 E. 2c). Nach dem Zeitpunkt des Erlasses
6.3.
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7.
der angefochtenen Verfügung erhobene Befunde sind dagegen
rechtsprechungsgemäss lediglich - aber immerhin - noch insofern von Bedeutung, als
sie einen vorbestehenden Zustand beschreiben bzw. als sie mit dem Streitgegenstand
in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Verfügungserlasses zu beeinflussen (zu Letzterem vgl. Bundesgerichtsurteil vom
7. Oktober 2016, 8C_357/2016 E. 3.2; vgl. BGE 99 V 102). - Von Letzterem ist nach
dem Dargelegten nicht auszugehen. Es besteht nicht Grund, die Beurteilung gemäss
dem Gutachten rückblickend aufgrund der erwähnten Akten in Frage zu stellen. Für
den vorliegend relevanten Sachverhalt kann in medizinischer Hinsicht demnach mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Gutachten abgestellt werden.
Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten in
medizinischer Hinsicht ab Januar 2016 (bis November 2018) als durchgehend voll
arbeitsunfähig und ab dem 26. November 2018 als zu 50 % arbeitsunfähig zu
betrachten.
6.4.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG.
7.1.
Angesichts der erwähnten Dauer der vollen Arbeitsunfähigkeit ist davon auszu
gehen, dass im Januar 2017 ein Wartejahr mit einer durchschnittlichen ausreichenden
(100-prozentigen) Arbeitsunfähigkeit abgelaufen ist und dannzumal eine Invalidität von
100 % anhaltend weiterdauerte. Von beruflichen Massnahmen war damals
dementsprechend keine relevante Senkung dieses Invaliditätsgrads zu erwarten. Da die
IV-Anmeldung vom Januar 2016 datiert, steht auch Art. 29 Abs. 1 IVG einer Auszahlung
ab Januar 2017 nicht entgegen.
7.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 32/36
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Für die Zeit ab November 2018 zeigt sich in einem Einkommensvergleich
Folgendes.
7.3.
Die Beschwerdegegnerin ist von einem Valideneinkommen 2016 von
Fr. 70'200.-- pro Jahr als _O._ (gemäss Arbeitgeberfragebogen, IV-act. 11-3)
ausgegangen (vgl. IV-act. 109). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers nimmt ein
Valideneinkommen von Fr. 63'700.-- an (gemäss Anhang I des GAV für das
N._gewerbe, vgl. dazu auch den IK-Auszug IV-act. 8).
7.3.1.
Den vorhandenen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach der
Primarschule ein Jahr lang die Real- und hernach drei Jahre lang die (öffentliche)
Sekundarschule besucht habe. Er habe in der Zeit vom _. _ 2004 bis _. _ 2008
die EFZ-Lehre gemacht (IV-act. 110-1; der Ausweis selbst fehlt in den Akten, da die
konkreten Daten bekannt waren, ist jedoch zu schliessen, dass der
Beschwerdegegnerin ein Ausweis vorlag). Mit dem Abschluss der Lehre hat der
Beschwerdeführer eine ordentliche Berufsausbildung abgeschlossen. Die erworbenen
Berufskenntnisse als solche sind entsprechend mit üblichen Verdienstmöglichkeiten
verwertbar, was gegen eine Anwendbarkeit von Art. 26 IVV spricht (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 8. September 2021, 8C_236/2021 E. 3.2). Der
Beschwerdeführer hat gemäss IK-Auszug nach der Lehre zudem auch einmal in einem
anderen Arbeitsverhältnis ein Jahr und zehn Monate lang eine Anstellung gehabt.
7.3.2.
Was das Invalideneinkommen betrifft, hat der Beschwerdeführer kein als solches
massgebliches Einkommen mehr erzielt, weshalb grundsätzlich auf die Tabellenlöhne
zu greifen ist. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers verwertbar ist. Bei der Invaliditätsbemessung wird wie in Art. 16
ATSG angeordnet eine ausgeglichene Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt
demnach nicht darauf an, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine Stelle vermittelt werden kann, sondern
einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an
Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017
E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Der massgebliche theoretische und abstrakte
ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat nämlich rein
hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit
und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. BGE 141 V 351 E. 5.2,
Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276
E. 4b). Was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch
7.3.3.
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den körperlichen Einsatz angeht, weist er einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf
(vgl. Bundesgerichtsurteile vom 5. November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom
10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
umfasst er selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote,
bei welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember
2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b). - Der Gutachter hat eine für den Beschwerdeführer optimal adaptierte Tätigkeit
umschrieben, indem er festhielt, es sollte sich um eine Tätigkeit ausserhalb des
Bürobereichs handeln, am besten im Beruf als N._ oder berufsnah, ohne
Leistungsstress, mit Arbeitstagesplanung, ohne Schicht- und Nachtarbeit, ohne
ständige oder häufige Überstunden und mit Information des Arbeitgebers über die
kritischen Krankheitsphasen (vgl. IV-act. 87-21). Vorliegend kann davon ausgegangen
werden, dass die verbleibende Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf einem
massgeblichen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt verwertbar ist, da er medizinisch
gesehen damit keine übermässigen Anforderungen stellen muss und eine gewisse
Rücksichtnahme durch einen Arbeitgeber in diesem Zusammenhang angenommen
werden darf. Invaliditätsfremde Faktoren sind dabei nicht zu berücksichtigen.
Mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art konnten Männer
im Jahr 2016 gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des
Bundesamtes für Statistik (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung,
Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2019,
herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228) durchschnittlich ein
Jahreseinkommen von Fr. 66'803.-- erzielen.
7.3.4.
Von den Tabellenlöhnen ist ein Abzug zu machen, wenn im Einzelfall
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person ihre gesundheitlich
zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Bei der Bestimmung
7.3.5.
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der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Die gesundheitsbedingten
Einschränkungen des Beschwerdeführers sind bereits in der Arbeitsunfähigkeit
berücksichtigt worden. Invaliditätsbedingt vermag er lediglich noch Teilzeitarbeit zu
leisten (vier Stunden pro Tag). Gemäss Tabelle T18 des Bundesamtes für Statistik
ergab sich bei Männern ohne Kaderfunktion bei einem Beschäftigungsgrad von 50 %
(Fr. 5'875.--) im Vergleich zur Vollzeitbeschäftigung (Fr. 6'130.--) ein Ausfall von 4.2 %.
Die Beschwerdegegnerin befürwortet einen Abzug von 10 % wegen der schwer
kalkulierbaren Absenzen und der Notwendigkeit eines sozialen Entgegenkommens
eines Arbeitgebers. Es rechtfertigt sich, insgesamt einen solchen Abzug als der
Sachlage angemessen vorzunehmen.
Mit einem Abzug von 10 % vom Tabellenlohn (verbleibendes Einkommen
Fr. 30'061.--) ergibt sich selbst im Vergleich zum Einkommen von Fr. 70'200.--
angesichts der Arbeitsunfähigkeit von 50 % ein Invaliditätsgrad (von 57 %), der
Anspruch auf eine halbe Rente begründet. Im Vergleich zum Valideneinkommen, das
der Beschwerdeführer annimmt (Fr. 63'700.--), ergibt sich keine relevante Änderung,
beläuft sich der Invaliditätsgrad doch diesfalls auf 53 %.
7.3.6.
Im Fall einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen notwendig,
den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe
der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE
106 V 16; BGE 109 V 125). Reduziert sich der Invaliditätsgrad in einer für den
Rentenanspruch erheblichen Weise, ist der Zeitpunkt der Aufhebung oder
Herabsetzung der bisher ausgerichteten Rente nach den für diese Konstellation analog
geltenden Regeln des Art. 88a IVV zu bestimmen, während Art. 88 IVV nicht
anwendbar ist (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 9.
Dezember 2005, I 384/05 E. 6.1, BGE 106 V 16 f. E. 3a). Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist
die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der
Leistung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere
Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. - Die rentenrelevante Änderung des Sachverhalts (mit der Senkung auf
einen Anspruch auf eine halbe Rente) ist demnach vorliegend drei Monate ab der
7.4.
bis
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8.
Die Verfügung vom 17. Januar 2020 erweist sich somit, soweit angefochten, als
rechtmässig.
9.
In der Replik wurde als zutreffend bezeichnet, dass im Zusammenhang mit der
erneuten stationären Behandlung vom April 2020 keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers im Vergleich zur Zeit der Begutachtung
geltend gemacht worden sei, denn es handle sich um eine erneute schwer manische
Phase, die den typischen, phasenweisen Verlauf der psychischen Erkrankung zeige. -
Bei dem oben dargelegten Ausgang des Verfahrens rechtfertigt sich indessen der
Hinweis, dass die mit der Replik vom 15. Juni 2020 eingereichten medizinischen
Berichte allenfalls unter dem Aspekt einer möglichen Verschlechterung bzw. eines
Anpassungsgesuchs geprüft werden können.
10.