Decision ID: ea00aaed-a409-456a-9a38-29af4ec04d17
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, ist seit dem 1
6.
März 2006 in einem 50%-Pensum als Hauspflegerin bei der
Y._
angestellt und dadurch
bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA)
obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert (Urk. 7/A1).
Am 27. Februar 2012 wurden die Versicherte und ihr Ehemann in
ihrem Ferien
haus in
Portugal
Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls
(Schadenmeldung UVG vom 2
6.
März 2012,
Urk.
7/A1). Der Sachverhaltsschilderung des Ehepaars vom 2
0.
März 2012 ist zu entnehmen, dass
um ca. 13 Uhr jemand an die Ein
gangs
tür
geklopft hab
e. Der Ehemann habe
geöffnet, sei nach einer Person gefragt und im selben Moment niedergeschlagen worden. Daraufhin sei er mit Klebe
band um Arme, Bein
e und Mund gefesselt worden. Zugleich sei die Versicherte
in die Ecke ge
drückt und auf die gleiche Art
gefesselt worden. Die Täter hätten ihr den Schmuck abgenommen
und ihre Handtasche durchsucht.
Der Eheman
n sei geschlagen und getreten worden. Mit an den Kopf gehaltener
Pistole sowie einem Küche
nmesser seien sie bedroht worden, damit sie
die PIN-Codes der gefund
enen Karten bekannt gegeben hätten
.
Während ein Teil der Täter mit den Karten das Haus verlassen habe, hätten die anderen das Haus nach
Geld
und Wertsachen durchsucht. Ein Laptop, ein
Fotoapparat
und das
Mietauto
seien auch
gestohlen
worden
. Nach ca. einer Stunde seien
die Versicherte und ihr
Ehe
mann im Schlafzimmer an die Betten gefesselt worden
,
und die Täter hätten das Haus verlassen. Nach ca. 30 Minuten hätten sie sich aus dem ver
schl
osse
nen Zimmer befreien
und
einen
Nachbarn um Hilfe rufen können (
Urk.
7/A2
; vgl. auch Urk. 7/M10
).
Nach
medizinischer Erstb
etreuung vor Ort und Rückkehr in die Schweiz
begab sich die Versicherte ins Kriseninterventionszentrum der Z._ wo am
2. u
nd
am 5. März 2012
Konsultationen
stattfanden. Daraufhin diagnostizieren die
medizinischen Fachpersonen der
Z._
im Bericht vom 2
3.
Mai 2012 eine akute Belastungsreaktion
(ICD-10 F43.0,
Urk.
7/M3).
Ab dem 9. März 2012 wurde die Versicherte von
A._, dipl. Psycho
lo
gin IAP, behandelt (Urk. 7/M4
). Die AXA erbrachte Heilbehand
lungs- und Tag
geldleistungen. Am 20. März 2012 nahm die Versicherte ihre Arbeit als Haus
pflegerin wieder auf (vgl. Urk. 7/A31). Im Zusammenhang mit dem Strafprozess in Portugal gegen die Täter war sie vom 5. bis zum 12. Februar 2013 zu 100 % und vom 13. bis zum 27. Februar 2013 zu 50 % krankgeschrieben (Urk. 7/M6). Im Weiteren war die Versicherte vom 1. Januar bis zum 17. März 2014 wiede
rum zu 100 % und danach einen Monat lang zu 50 % arbeitsunfähig (Urk. 7/M10).
Am
7.
September 2015 gab
Dr.
med.
B._
, FMH Psy
chia
trie und Psychotherapie, beratender
Psychiater
der AXA, eine Stellung
nahme ab (
Urk.
7/M12). Mit Verfügung vom 1
9.
Oktober 2015 hielt die AXA fest, dass ab Januar 2016 von einer weiteren medizinischen Behandlung keine namhafte Besserung des aktuellen Gesundheitszustands mehr zu erwarten sei. Die Leistungen würden deshalb per 3
1.
Dezember 2015 eingestellt (
Urk.
7/A31). Dagegen erhob
die Versicherte am 26. Oktober
respektive 30. November 2015
Einsprache (
Urk. 7/A35 und
Urk.
7/A38). Mit Schreiben vom 1
4.
März 2016 unter
breitete die AXA der Versicherten ein Vergleichsangebot (
Urk.
7/
A
43),
welches diese nicht annahm
(
vgl. Urk.
7/
A44-
45
und Urk. 7/A47
). Am 1
1.
Juli 2016 gab
Dr. B._
eine weitere Stellungnahme ab (
Urk.
7/M14). Mit Entscheid vom 2
6.
September 2016 wies die AXA die Einsprache der Versicherten ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
6.
Oktober 2016 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Der Einspracheentscheid vom 2
6.
September 2016 sei vollumfänglich aufzuheben;
2.
Es seien der Beschwerdeführerin weiterhin die Heilungskosten zu ersetzen;
3.
Es sei festzustellen, dass das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt
worden sei;
4.
Eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente von 40
%
zuzusprechen;
5.
Eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung von 40
%
zuzusprechen;
6.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen;
7.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Dezember 2016 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Eingabe vom
9.
Oktober 2017 (
Urk.
9) reichte die Beschwerdeführerin das psychiatrische Gutachten der
Z._
vom
7. September 2017 (Urk. 10) ein. In ihrer Eingabe änderte sie ihre Anträge dahingehend ab, dass sie nunmehr eventualiter die Zusprache einer Invali
den
rente von 50 % und einer Integritätsentschädigung von 20 % verlangte. Zudem
beantragte die Beschwerdeführerin, dass der Beschwerdegegnerin die Kosten des
Privatgutachtens in der Höhe von Fr. 4‘780.-- aufzuerlegen seien (vgl. dazu die Eingabe vom 3. November 2017, Urk. 13). Zu den Eingaben der Be
schwer
deführerin vom 9. Oktober und vom 3. November 2017 sowie zum psy
chia
trischen Gutachten der Z._ vom 7. September 2017 liess sich die
Be
schwer
degegnerin am 27. November 2017 vernehmen (Urk. 18). Diese Ver
nehm
lassung
wurde der Beschwerdeführerin am 2
9.
November 2017 z
ur Kennt
nis gebracht (Urk. 19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die
Beschwerdeführer
in
machte in der Beschwerde geltend,
dass ihr keine Gele
genheit gegeben worden sei, sich zur Stellungnahme von
Dr. B._
vom 1
1.
Juli 2016 zu äussern, obwohl sich die Beschwerdegegnerin
im Einsprache
entscheid
hauptsächlich auf diese Stellungnahme abstütze. Zudem sei eine Begründung, weshalb der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei, erst im Einspracheentscheid enthalten gew
esen. Auch hierzu habe sie sich daher
nicht äussern können. Aus b
eiden Gründen liege je eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, welche trotz Möglichkeit der Stellungnahme im vor
lie
genden Beschwerdeverfahren nicht geheilt werden könne (Urk. 1 S. 5 f.).
Dieser formelle Einwand gegen das vorinstanzliche Verfahren ist vorab zu prüfen
.
1.2
1.2.1
Nach Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
siche
rungsrechts (ATSG) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfecht
bar sind. Spätestens im Einspracheverfahren hat die Verwaltung jedoch die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und folglich der versicherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den Einspracheentscheid abstützt (vgl. RKUV 1992 Nr. U 152 S. 200 Erw. 3b). Wird nach Erhebung einer Einsprache festgestellt, dass die Entscheidungsgrundlagen unvollständig sind, so ist der Sachverhalt unter Wah
rung der Parteirechte zu vervollständigen und das Verwaltungsverfahren mit dem Einspracheentscheid abzuschliessen (BGE 132 V 389 E. 4.1 mit Hinweis).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass Entscheide sachgerecht ange
fochten werden können. Hierfür muss dem Betroffenen bekannt sein, von welchen Überlegungen sich die Behörde hat leiten lassen und worauf sie ihren Entscheid stützt. Soweit eine Verfügung sachgerecht angefochten werden kann, liegt keine Verletzung der Begründungspflicht vor (BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hin
weisen).
1.2.2
Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, angehört zu werden, formeller Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt ungeachtet der Erfolgs
aussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Akteneinsichtsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft (BGE 131 V 390 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.3
Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend zunächst die fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme von Dr. B._ vom 7. September 2015 (Urk. 7/M12) eingeholt, die der Verfügung vom 19. Oktober 2015 (Urk. 7/A31), mit welcher die Leis
tung
en per 31. Dezember 2015 eingestellt wurden, in medizinischer Hinsicht zugrunde lag und die der Beschwerdeführerin vorlag (Urk. 7/A36). Im Ein
spra
che
verfahren erstattete Dr. B._ im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 11. Juli 2016 eine weitere ausführlichere Stellungnahme (Urk. 7/M14). Im ange
fochtenen Einspra
cheentscheid vom 26. September 2016 bestätigte die Beschwer
de
gegnerin dann die Leistungseinstellung per 31. Dezember 2015, wobei sie sich diesbezüglich auf die Berichterstattung der Psychologin A._, die Ausfüh
rungen von Dr. B._ und auch auf die in der Rechtsprechung erwähnten Grundlagen in Bezug auf den Beschwerdeverlauf nach einem Schreckereignis berief (Urk. 2 S. 11). Unter diesen Umständen kann nicht davon gesprochen werden, dass sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen lediglich auf die zweite Stellung
nahme von Dr. B._ abgestützt hätte.
Da die Beschwerde
-
führerin zudem im Be
schwerdeverfahren Einsicht in die Aktenbeurteilung von Dr.
B._
vom 11.
Juli 2016 hatte und sich hierzu umfassend äussern konnte, ist nicht von einer derart schwerwiegenden Gehörsverletzung auszugehen, dass sie im Rah
men des Beschwerdeverfahrens nicht geheilt werden könnte.
Im Weiteren hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 19. Oktober 2015 unter Hinweis darauf, dass der beratende Arzt Dr. B._ zum Schluss gekommen sei, dass bis Ende des Jahres 2015 monatliche psycho
lo
gi
sche Konsultationen medizinisch ausgewiesen seien, ab Januar 2016 von einer weiteren medizinischen Behandlung aber keine namhafte Verbesserung des aktu
ellen Gesundheitszustands mehr zu erwarten sei, dargetan, weshalb die Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung per 31. Dezember 2015 ein
gestellt würden (Urk. 7/A31). Damit hat sie den Anforderungen an die Begrün
dungspflicht Genüge getan. Dass sie in der Folge im Einspracheentscheid vom 26. September 2016 im Sinne einer Eventualbegründung erwog, dass auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 27. Februar 2012 und den nach dem 31. Dezember 2015 noch geklagten psychischen Be
schwer
den zu verneinen sei, vermag daran nichts zu ändern.
Diesbezüglich ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs jedenfalls zu vernei
ne
n.
2.
2.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu b
eurteilende Unfall hat sich am 27. Februar 2012
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2
.2
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt –
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt.
2.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vor
han
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür
lichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper
liche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leis
tungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.4
2.4.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.4.2
B
ei Schreckereignissen
steht
- anders als im Rahmen üblicher Unfälle - die psy
chische
Stresssituation im Vordergrund
, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann.
Gleiches gilt,
wenn die versicherte Person zwar körperlich verletzt wird, die somatischen Beein
trächtigungen indessen lediglich von untergeordneter Bedeutung sind und im Vergleich zum erlittenen psychischen Stress in den Hintergrund treten. Denn auch in solchen Fällen kommt dem somatischen Geschehen keine wesentliche Bedeutung zu. Mithin hat die Beurteilung der Adäquanz zwischen Schrecker
eignissen, bei welchen die versicherte Person zwar (auch) körperliche Beein
trächtigungen davonträgt, letztere aber nicht entscheidend ins Gewicht fallen, und psychischen Schäden nach der allgemeinen Adäquanzformel zu erfolgen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_593/2013 vom 11. Dezember 2013 E.
5.2
).
2.4.3
An den auf Grund der allgemeinen Adäquanzformel zu prüfenden und damit eine Wertung darstellenden Kausalzusammenhang zwischen Schreckereignissen und nachfolgenden psychischen Beschwerden werden hohe Anforderungen ge
-
stellt. Diese sind insbesondere an den Beweis der Tatsachen, die das Schreck
ereignis ausgelöst haben, und an die Aussergewöhnlichkeit des fraglichen Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock zu stellen. Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf derartige Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung statt
findet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwunden wird
(Urteil des Bundesgerichts 8C_1062/2009 vom 31. August 2010 E. 4.3).
2.4.4
Die anhand der allgemeinen Formel geprüfte Adäquanz wurde vom Bundesge
richt verneint:
-
im Fall einer Versicherten, die auf offener Strasse von einem Unbekann
ten angegriffen, zu Boden gedrückt und in Tötungsabsicht gewürgt wor
den war, wobei sie auch körperliche Beeinträchtigungen (Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend) erlitt (RKUV 1996 S. 215)
-
im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Geschäftsschluss überraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie kör
perlich angegriffen worden wäre) zur Geldherausgabe gezwungen wor
den war (
BGE 129 V 177
)
-
bei einem Mann, der in Zusammenhang mit seinem Geschäft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (
Urteil U 15/00 vom 1
9.
März 2003
)
-
bei einer Frau, die bei einem nächtlichen Angriff eines alkoholisierten Mannes mit Beschimpfungen und Würgen traktiert worden war (
Urteil
U
390/04 vom 1
4.
April 2005
)
-
bei einer gelernten Krankenschwester, die von einem geistig behinderten Heimbewohner tätlich angegriffen wurde und multiple Prellungen und Quetschungen an Rippen, Hals und einem Oberschenkel erlitt (
Urteil 8C_168/2011 vom 1
1.
Juli 2011
)
2.4.5
Bejaht
hat das Bundesgericht
d
ie Adäquanz psychischer Probleme
nach einem Schreckereignis:
-
im
Fall einer Frau,
die von einem betrunkenen und mit einem Messer
bewaffneten Unbekannten sexuell genötigt wurde (Urteil des
Bundesgerichts U 193/06 vom 20. Oktober 2006)
-
bei einem Kellner, der von zwei Tätern
mit Schusswaffen bedroht sowie
mit Faustschlägen ins Gesicht und Fusstritten in den Bauch traktiert
wurde, während sich
der Dritte um den ebenfalls anwesenden
Geschäftsführer kümmerte, der mit Waffengewalt zur Herausgabe von
Bargeld aus dem Tresor des Lokals gezwungen wurde. Anschliessend
wurden der Versicherte und der Geschäftsführer im Büro des Betriebs
eingeschlossen, woraus sie später fliehen und die Polizei alarmieren
konnten (
Terminierung nach 18 Monaten;
Urteil U 593/06 vom 1
4.
April
2008)
-
bei einer Frau, die um 3.40 Uhr am Arbeitsplatz vermummten und
bewaffneten Einbrechern begegnete, die ihr befahlen, sich auf den Boden
zu legen, sie fesselten und in eine Toilette einsperrten (Urteil
8C_522/2007 vom 1. September 2008)
-
bei einer Frau, die den Tsunami von 2004 in Thailand erlebte (Urteil
U 548/06 vom 20. September 2007 = SVR 2008 UV Nr. 7)
2.5
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (Erreichen des sogenannten
medizinischen
Endzustandes) und allfällige Einglie
derungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Was unter einer
namhaften
B
esserung des Gesundheitszustandes des Ver
sicherten zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbs
tätigen Personen ausgerichtet ist, wird dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmt. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes
„namhaft“
durch den Gesetzgeber, dass die durch eine weitere Heil
behandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2010 vom 28. Juni 2010 E. 2.2).
2.6
2.6.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vor-ak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.6.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialver
siche
rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, da
ss
die Beschwerdeführerin im Rahmen des Raubüberfalls vom
2
7.
Februar 2012 eine akute psychische
Belastungsreaktion erlitten habe, welche sich bereits im Dezember 2013, spätestens jedoch zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 3
1.
Dezember 2015 nicht mehr krankheitswertig ausgewirkt habe. Die danach
bestehende Symptomatik sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine unfallfremde psychische Belastungssituation zurückzuführen.
Die aktuell durch
geführte Therapie diene ausschliesslich der Stabilisierung der psychischen Ver
fassung. Eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands könne nicht mehr
erwartet werden. Die Terminierung der Heilkosten per 31. Dezember 2015 sei vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden.
Ein natürlicher
und adäquater Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis
und den Beschwerden sei spätestens per 31. Dezember 2015 nicht mehr gegeben. Weitere Leistungen zu Lasten der obligatorischen Unfallversicherung seien aus diesem Grund nicht geschuldet (Urk. 2 S. 7 ff.).
3.2
Die
Beschwerdeführer
in
ma
chte demgegenüber geltend, dass die Stellungnahme von Dr. B._ vom 11. Juli 2016 keine Beurteilung der für die Adäquanz
prü
fung relevanten prätraumatischen Persönlichkeitsstruktur enthalte und auf falschen Angaben zur Medikation beruhe. Im Weiteren habe sich Dr. B._ in dieser Stellungnahme auch nicht dazu geäussert, ob die Diagnose einer post
trau
matischen Belastungsstörung (PTBS) zu einem früheren Zeitpunkt gegeben gewesen sei. Nicht nachvollziehbar seien in diesem Zusammenhang auch die Ausführungen von Dr. B._ zur angeblich wenig intensiven Vermeidungs
symp
tomatik. Ebenso wenig habe er eine genaue Diagnose der unfallfremden Einflüsse gestellt. Es bestünden somit erhebliche Zweifel an der Schlüssigkeit dieses versicherungsinternen Aktengutachtens, weshalb zwingend eine externe Begutachtung erforderlich sei. Die Begründung der Beschwerdegegnerin, wo
nach die Folgen einer psychischen Traumatisierung gemäss Rechtsprechung in aller Regel innert einigen Wochen oder Monaten überwunden seien und sich der Heilverlauf vorliegend mit der bundesgerichtlichen Feststellung decke, sei offensichtlich aktenwidrig. Im Bericht vom 20. November 2015 habe Psycho
login A._ erneut bestätigt, dass weiterhin eine durch das Unfallereignis mitverursachte Arbeitsunfähigkeit bestehe und von der weiteren Behandlung eine Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten sei. Ein Anspruch auf
Ersatz der Heilungskosten sei demnach weiterhin zu bejahen. Sofern man je
doch
davon ausgehen würde, dass die Beschwerdegegnerin bereits berechtigt ge
wesen wäre, die Leistungen einzustellen, wäre der Integritätsschaden auf 20 % festzusetzen und eine Invalidenrente von 50 % zuzusprechen (Urk. 1 S. 7 ff.).
4
.
4.1
Psychologin A._ diagnostizierte im Therapiebericht vom 18. August 2014 (1) eine PTBS (ICD-10 F43.1), (2) einen Status nach akuter Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0) und (3) einen tätlichen Angriff mit körperlicher Gewalt (ICD-10 Y04). Sie gab an, dass bei der Beschwerdeführerin im Jahr 1986, nach der Ge
burt der ersten Tochter, eine Polyarthritis diagnostiziert worden sei. Im Jahr 2000 – nach diversen Operationen – sei im C._ eine Pso
ria
sis-Polyarthritis ohne Psoriasis festgestellt worden. Seither nehme sie Metho
trexat i.m. 15 mg pro Woche. Dadurch sei ihr Immunsystem massiv beein
trächtigt. Die Beschwerdeführerin leide
unter häufigen Erkältungskrankheiten, Bronchitiden, Sinusitiden usw.
Sie habe c
hronische Schmerzen am ganzen Bewegungsapparat d
urch die Polyarthritis, Gehprobleme durch versteifte Zehen und versteifte
Hände mit Krafteinbusse und Schmer
zen. Seit dem 9. März 2012 sei die Beschwerdeführerin infolge des Raubüberfalls vom 27. Februar 2012
bei ihr in
traumatherapeutischer Behandlung. Seither
hätten
62 Sitzungen statt
gefunden
.
Eine z
usätzliche Belastung
für die Beschwerdeführerin würden
die
Krebsdiagnose
ihres Ehemannes
im Herbst 2013
und
die Tatsache, dass der Ehemann
seit
dem Überfall arbeitsunfähig sei, darstellen. Ende 2013 habe sich ihre Symptomatik deutlich verstärkt, weshalb sie Anfang 2014 von ihrem Haus
arzt krankgeschrieben worden sei. Mittlerweile habe sie erneut ein mehr oder weniger stabiles Gleichgewicht auf dem beschriebenen Niveau erreicht. Nach wie vor gelte es, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und einen Klinikaufenthalt zu verhindern. Dies gelinge bisher einigermassen gut (Urk. 7/M10).
4.2
Dr. B._
hielt in der Stellungnahme vom
7.
September 2015 fest, dass weiter
-
hin von einer doch deutlichen Besserung der Symptomatik berichtet werde, trotz offenbar nur sehr niederfrequenter Behandlung (im November/Dezember 2014 hätten keine Konsultationen stattgefunden) und einer kaum suffizienten Basis an Medikamenten. Gewisse Restbeschwerden würden auch im normalpsy
chologischen Erleben bestehen und keine Störung mit Krankheitswert aufgrund eines solchen Ereignisses begründen. Ein Abschluss im Sinne von monatlichen Konsultationen bis Ende 2015 sei vertretbar. Eine namhafte Besserung der Unfallfolgen sei danach nicht mehr zu erwarten (
Urk.
7/M12).
4.3
Psychologin A._ stellte im Therapiebericht vom 20. November 2015 (Urk. 7/M13) dieselben Diagnosen wie im Therapiebericht vom 18. August 2014 (Urk. 7/M10). Sie gab an, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Schwere der Symptomatik momentan nur zu ca. 50 % arbeitsfähig sei. Ursprünglich sei die Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich auf das Unfallereignis vom 27. Februar 2012 zurückzuführen gewesen, mittlerweile werde sie durch weitere Belastungs
faktoren (anhaltende psychische Beschwerden und rezidivierender Prostatakrebs des Ehemannes) mitbeeinflusst. Die Besserung des Gesundheitszustands werde durch diese Belastungsfaktoren verlangsamt. Von der Fortführung der psycho
therapeutischen Behandlung könne durchaus eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit erwartet werden.
4.4
Dr. B._ legte in der Stellungnahme vom
1
1.
Juli 2016
dar, dass nach dem
Raub
überfall vom 27. Februar 2012 im Kriseninterventionszentrum
Z._
in diagnostischer Sicht nachvollziehbar das Vorliegen einer akuten Belas-tungsreaktion (ICD-10 F43.0) erhoben worden sei.
Seit dem
9.
März 2012 stehe die Beschwerdeführerin bei Psychologin
A._
in kontinuierlicher Behand
lung. Es liege kein Dokument in den Akten
vor
, welches auf eine zusätzliche psychiatrische Abklärung oder Behandlung hinweisen würde. Der erste Bericht, welcher gut drei Monate nach dem Behandlungsbeginn erstellt worden sei, verweise auf eine nachvollziehbare akute psychopathologische Symptomatik
(die Beschwerdeführerin habe verwirrt, desorientiert, unruhig, zerfahren, schreck
haft und ängstlich gewirkt und habe S
chlafstörungen wegen Alpträumen ge
habt; sie habe von
ständigem Wiedererleben mittels innerer
Bilder berichtet,
sei depressiv, in verzweifelter Stimmung u
nd weinerlich gewesen). Es sei
aber auch schon
damals
auf eine gewisse Stabilisierung der psychischen Verfass
ung hingewiesen worden. Dies könne
daraus abgeleitet werden, dass es der Be
schwerdeführerin schon wieder möglich gewesen sei, ihre Arbeit im bisherigen Umfang aufzunehmen und die beschriebene psychopathologische Beschwer
de
symptomatik ohne spezifische Medikation auszuhalten respektive die damit verbundenen Einschränkungen (wie das Schlafverhalten) zu bewältigen. Die Behandlungsberichte bis Dezember 2013 würden oftmals in identischer Formu
lierung ausweisen, dass sich die Behandlung erfolgreich gestalten würde und dass
die Symptomatik schwächer geworden sei
. Die Einschränkungen bezüglich des Fortschritts der Behandlung würden nicht
eigentlich
im Rahmen der n
och vorliegenden Restsymptome
eingeordnet, sondern in der persönlichen Ungeduld der Beschwerdeführerin und in ihrer Neigung, sich selber zu überfordern.
Im Weiteren weise auch die im Bericht von Psychologin A._ vom 20. November 2015 erwähnte Medikation mit Cipralex auf eine manifeste erheb
liche Psychopathologie hin, welche nicht im Rahmen einer PTBS einge
ordnet werden könne.
Die Diagnose einer PTBS sei als spezifische Folge des Erei
gnisses vom 27. Februar 2012
aufgrund der vorliegenden Befunde nicht mehr ausgewiesen.
Es fänden sich noch vereinzelte isolierte posttraumatische
Symptome
, doch
seien gewichtige Hinweise dokumentiert, dass die vorgefun
-
denen psychopathologischen Befunde mit grösserer Plausibilität diagnostisch in andere, unfallfremde psychiatrische Störungen und Erkrankungen eingeordnet werden könnten.
Ausser einer kontinuierlichen Begleitung sei keine Behandlung mehr skizziert, welche nachvollziehbar begründe, dass mit einer nieder
frequenten Weiterführung noch eine namhafte Verbesserung erreicht werden könne (Urk. 7/M14
).
4.5
Dr. med. D._, Leitender Arzt der Z._, erklärte im an die Be
schwerdeführerin gerichteten Gutachten vom 7. September 2017, er gehe mit Dr. B._ einig, dass die Diagnose einer voll ausgeprägten PTBS nicht mehr zu stellen sei. Es liege jedoch eine Restsymptomatik vor, welche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit direkt auf das Unfallereignis zurückgeführt werden könne. In den nun 5 1⁄2 Jahren nach dem Unfallereignis habe sich die posttraumatische Symptomatik erheblich abgeschwächt. Nach psychiatrischer Erfahrung sei nach dieser Zeit überwiegend wahrscheinlich nicht mehr mit einer signifikanten Veränderung zu rechnen. Medizinisch-theoretisch sei bei einem Vollpensum von einer Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50 % auszugehen. Dabei seien seines Erachtens höchstens 10 % dem Unfaller
eignis zuzuordnen. Die restlichen 40 % seien Folge der psychischen Entwick
lung aufgrund unfallfremder Faktoren (Urk. 10 S. 14 ff.).
5.
5.1
Unbestritten ist, dass der Raubüberfall auf die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann vom
2
7.
Februar 2012
einen Unfall im Sinne des Gesetzes darstellt, für dessen gesundheitliche Folgen die Beschwerdegegnerin grundsätzlich leis
tungspflichtig ist. Die Beschwerdegegnerin richtete der Beschwerdeführerin denn
auch Taggelder aus und übernahm die Heilbehandlungskosten (vgl. Urk. 2). Eben
falls unbestritten ist, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Dezember 2015 seit längerem keine unfallbedingten somatischen Beschwer
den mehr vorlagen
. Streitig und zu prüfen ist daher einzig, ob die Be
schwer
deführerin für die geltend gemachten psychischen Beschwerden Anspruch auf weitere Leistungen hat.
5.2
Dr. B._ verneinte das Vorliegen eines überwiegend wahrscheinlichen natür
lichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 27. Februar 2012 und den nach dem 31. Dezember 2015 noch geklagten psychischen Be
schwerden im Wesentlichen mit der Begründung, dass bei der Beschwerde
füh
rerin nach dem Raubüberfall vom 27. Februar 2012 zunächst nachvollziehbarer Weise eine akute Belastungsreaktion festgestellt worden sei. Nachdem sich die psychische Verfassung aber stabilisiert habe, habe die Beschwerdeführerin bereits kurze Zeit später ihre Arbeit im früheren Pensum wieder aufnehmen können. Die Beschwerdeführerin sei zwar psychologisch behandelt worden, eine fachärztlich-psychiatrische Abklärung und eine entsprechende pharmakogolo
gische Medikation seien jedoch nicht als notwendig erachtet worden. Trotz zuletzt nur noch niederfrequenter Behandlung sei in der Folge mehrfach von einer Besserung der Symptomatik berichtet worden. Die Diagnose einer PTBS als spezifische Folge des Ereignisses vom 27. Februar 2012 sei aufgrund der vorliegenden Befunde nicht mehr ausgewiesen, wobei gewichtige Hinweise für unfallfremde psychiatrische Störungen und Erkrankungen dokumentiert seien (Urk. 7/M12 und Urk. 7/M14).
5.3
Diese fachärztlich-psychiatrische Beurteilung von Dr. B._, die auf einer sorg
fältigen Würdigung der vorhandenen Vorakten beruht, ist einleuchtend und plausibel.
Die Beurteilung von Dr. B._, wonach keine PTBS mehr ausgewiesen sei, findet im Z._-Gutachten vom 17. September 2017 ihre Stütze, zumal auch Dr. D._ davon ausging, dass die Diagnose einer voll ausgeprägten PTBS nicht mehr zu stellen sei (Urk. 10 S. 14). Dies, nachdem sowohl Dr. B._ als auch Dr. D._ die sogenannten Kriterien A bis D einer PTBS nach ICD-10 respektive A bis G nach DSM-5 eingehend geprüft hatten und beide zum Schluss gekommen waren, dass diese nur noch teilweise erfüllt sind (Urk. 7/M14/5-7 und Urk. 10 S. 13 f.). Damit die Diagnose einer PTBS gestellt werden kann, müssen aber sämtliche dieser Kriterien in der erforderlichen Ausprägung vorhanden sein. Ob anfänglich alle Kriterien einer PTBS erfüllt waren, ist vorliegend im Übrigen nicht von Bedeutung. Im Weiteren ist auch Dr. D._ der Auffassung, dass die von ihm auf 50 % bezifferte Arbeitsun
fähigkeit der Beschwerdeführerin nunmehr in erster Linie – nämlich zu mindes
tens 40 % - auf unfallfremde Faktoren zurückzuführen sei (Urk. 10 S. 20). Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die verständlicherweise sehr belas
tende rezidivierende Prostatakrebserkrankung des Ehemannes, dessen Arbeits
unfähigkeit seit dem Raubüberfall vom 27. Februar 2012 sowie auch die bereits vorbestehende Polyarthritis der Beschwerdeführerin.
5.4
Was die Beschwerdeführerin gegen die Beurteilung von Dr. B._ vorbrachte (Urk. 1 S. 7 ff.), vermag nicht zu überzeugen. Bei den versicherungsinternen Stellungnahmen von Dr. B._ handelt es sich nicht um Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG. Dementsprechend mussten der Beschwerdeführerin auch die Mitwirkungsrechte nach Art. 44 ATSG nicht gewährt werden (BGE 136 V 117, 135 V 254). Zudem vermag der Umstand, dass ihr nach dem Raubüberfall vom 27. Februar 2012 in Portugal zunächst Beruhigungs- und Schlafmedikamente abgegeben worden waren und im Bericht von Psychologin A._ vom 12. Mai 2014 erwähnt wurde, dass sie für Überregungszustände Temesta in Reserve habe, nichts daran zu ändern, dass vorliegend keine PTBS-spezifische medikamentöse Therapie erfolgt ist bzw. eine solche offenbar als nicht erfor
derlich erachtet wurde. Dass Dr. B._ allein aufgrund der Medikation auf unfall
fremde Faktoren geschlossen habe, ist unzutreffend. Dr. B._ hat die unfallfremden Faktoren – so etwa die erhebliche Belastungssituation betreffend
die Krebserkrankung des Ehemannes und dessen Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/M14/
4) – vielmehr explizit benannt. Wie diese unfallfremden Faktoren in diagnostischer Hinsicht genau zu beurteilen sind, ist im vorliegenden unfall
versicherungsrechtlichen Verfahren aber nicht von Belang. Ferner hat nicht nur Dr. B._ das für eine allfällige PTBS unter anderem charakteristische Krite
rium eines Vermeidungsverhaltens als nicht erfüllt betrachtet (Urk. 7/M14/7), sondern auch Dr. D._. Dr. D._ begründete dies damit, dass die Beschwer
deführerin in der Lage sei, am Ort des Überfalls zu übernachten und angebe, sich dabei zuletzt im Jahr 2017 sicher gefühlt zu haben (Urk. 10 S. 14).
5.5
Es ist somit festzuhalten, dass auf die
Beurteilung von Dr. B._ abgestellt wer
den kann.
Von allfälligen weiteren medizinischen Abklärungen
, namentlich von einer externen medizinischen Begutachtung,
sind keine entscheid
rele
vanten neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzuse
hen ist.
6.
6.1
Im Weiteren wies die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass selbst bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Raubüberfall vom 27. Februar 2012 und den nach dem 31. Dezember 2015 noch geklagten psychischen Beschwerden eine weitere Leistungspflicht aufgrund des Fehlens des adäquaten Kausalzusammenhangs verneint werden müsste (Urk. 2 S. 11).
6.2
Was den medizinischen Endzustand anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass spätestens seit Mitte April 2014 keine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin in der in einem 50%-Pensum ausgeübten Tätigkeit als Hauspflegerin mehr ausgewiesen ist (vgl. Sachverhalt E. 1). Sodann legte Dr. B._ in der Stel
lungnahme vom 7. September 2015 unter Hinweis auf die Berichte von Psycho
login A._, wonach die Symptomatik deutlich bessere, auf die nur noch niederfrequente Behandlung sowie auf die kaum suffiziente Basis an Medika
menten überzeugend dar, dass nach Ende 2015 keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden könne (Urk. 7/M12). Auch auf diese Einschätzung von Dr. B._ kann daher abgestellt werden.
6.3
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend feststellte (Urk. 18 S. 1), ist das Unfall-ereignis vom 27. Februar 2012 – unter Berücksichtigung einer weiten Band-breite von versicherten Personen (und nicht nur von psychisch vollkommen gesunden Menschen als Vergleichsgrösse
; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_376/2013 vom 9.
Oktober 2013 E. 3.1 mit Hinweisen
)
– nicht geeignet, eine über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Dezember 2015 hinaus-gehende andauernde psychische Störung mit Krankheitswert und Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit herbeizuführen.
Der vorliegende Sachverhalt ist in weiten Teilen
vergleichbar mit demjenigen, der dem Urteil des Bundesgerichts U 593/06 vom 1
4.
April 2008 zugrunde lag, bei dem die Leistungen nach 18 Monaten terminiert wurden (vgl. E
. 2.4.5
). Anders als in jenem Fall fand der
Raubüberfall vorliegend zwar in der ver
trauten Umgebung des
Ferienhauses
der Eheleute
statt und wurden der Ehe
mann
und die Beschwerdeführerin auch noch
gefesselt
. Andererseits wurde hier jedoch nicht
die Beschwerdeführerin selbst
getreten und geschlagen, sondern ihr Ehemann. Sie zog sich – nebst Prellungen (vgl. Urk. 7/A1) - keine körper
lichen Verletzungen zu. Erhebliche Anhaltspunkte dafür, dass es auch zu sexueller Gewalt hätte kommen können, sind zudem nicht ersichtlich. Dies im Unterschied zum Sachverhalt im von der Beschwerdeführerin angeführten Urteil 8C_522/2007 vom 1. September 2007, wo eine Frau – alleine – nachts
um 3.40 Uhr am Arbeitsplatz vermummten und bewaffneten Einbrechern begeg
nete und diese ihr befahlen, sich auf den Boden zu legen, sie fesselten und in eine Toilette einsperrten (vgl. E. 2.4.5).
Auch vor diesem Hintergrund erscheint
eine
Einstellung der Leistungen mehr als 3 1⁄2 Jahre nach dem Unfallereignis vom 27. Februar 2012 deshalb als gerecht
fertigt.
6.4
Inwiefern die prätraumatische Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin, zu welcher sich Dr. B._ nicht geäussert habe (vgl. Urk. 1), vorliegend von entscheidender Bedeutung sein soll, wurde schliesslich nicht dargetan und ist auch nicht ersichtlich.
6.5
Mangels eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 27. Februar 2012 und den nach dem 31. Dezember 2015 noch geklagten psychischen Beschwerden ist ein Anspruch auf eine Invalidenrente aus UVG und auf eine Integritätsentschädigung zu verneinen.
7.
7.1
Zusammenfassend führt dies in Bestätigung des angefochtenen Einspracheent
scheids zur Abweisung der Beschwerde.
7.2
Die Kosten eines von der versicherten Person veranlassten Gutachtens sind vom Versicherungsträger dann zu übernehmen, wenn sich der Sachverhalt erst aufgrund des neu beigebrachten Untersuchungsergebnisses schlüssig feststellen
lässt und dem Versicherungsträger insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes obliegenden Pflicht zur rechtsgenüglichen Sach
verhaltsabklärung (Art. 43 Abs. 1 ATSG) vorzuwerfen ist (vgl. auch Art. 45 ATSG; RKUV 2004 Nr. U 503 S. 186). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Kosten für das
Z._
-Gutachten von
Dr. D._
sind daher nicht von der Be
schwerdegegnerin zu übernehmen.