Decision ID: 5afeee4a-e222-5398-ade3-a9de4a7d0829
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – iranischer Staatsangehöriger – ersuchte am
25. Juli 2016 in der Schweiz um Asyl. Am 2. August 2016 wurde er sum-
marisch zu seiner Person, dem Reiseweg und den Asylgründen befragt
(Befragung zur Person [BzP]). Die einlässlichen Anhörungen erfolgten am
10. Juli 2019 sowie am 17. Dezember 2019.
Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er anlässlich der BzP im We-
sentlichen aus, er sei persischer Ethnie und stamme ursprünglich aus
B._, C._, wo er mit seiner Familie bis zu seinem zehnten
Lebensjahr gewohnt habe. Anschliessend sei er mit seiner Familie in das
Quartier D._ in C._ umgezogen. Bereits in seinem ersten
Jahr am Gymnasium sei er durch einen Freund mit dem christlichen Glau-
ben in Kontakt gekommen. Nach seinem Schulabschluss habe er drei
Jahre lang an einem Institut (...) in C._ studiert. Er habe in der
Firma seines (...) als (...) und anschliessend als (...) in einer (...) gearbei-
tet, bis er im Jahr 2011/2012 ein eigenes (...) eröffnet habe. Nach seiner
Ausreise habe seine (...) das Geschäft übernommen. In seinem Geschäft
habe er unterschiedliche Kundenkontakte gepflegt, wobei er so mit Chris-
tinnen in Kontakt gekommen sei und mehr über das Christentum habe in
Erfahrung bringen wollen. Er habe mit ihnen Gespräche über das Christen-
tum geführt. Ebenso habe er sich mit einem älteren Freund über das Chris-
tentum ausgetauscht. Auch über das Internet habe er sich über das Chris-
tentum informiert. Zudem habe er im Iran missioniert und den Versuch un-
ternommen, seine Freunde zum Christentum zu bekehren.
Eines Tages sei er mit zwei Freunden in einem Park im Freien gesessen,
wo sie mit ihren Laptops und Mobiltelefonen über das Christentum recher-
chiert hätten. Als die Sonne langsam untergegangen sei, seien sie von drei
zivil gekleideten Sicherheitsbeamten brutal angegriffen und mit dem Tod
bedroht worden. Die Sicherheitsbeamten hätten ihre Sachen beschlag-
nahmt. Anschliessend habe er seinem Vater von diesem Vorfall erzählt.
Dieser habe ihn gebeten, in Zukunft etwas vorsichtiger zu sein. Er (der Be-
schwerdeführer) vermute, dass sein Schulfreund M. ihn bei den Sicher-
heitsbehörden denunziert habe. M. kenne seine Abneigung gegen den Is-
lam sowie sein Interesse am christlichen Glauben und habe gewusst, dass
sie sich an diesem Abend im Park treffen würden, da sie ihn auch eingela-
den hätten. Zudem arbeite der Vater von M. bei den iranischen Behörden.
Etwa drei Monate nach diesem Vorfall habe er herausfinden wollen, ob M.
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tatsächlich etwas mit dem Überfall der Sicherheitsbeamten im Park zu tun
gehabt habe. Er habe M. angerufen und ihm gesagt, wo er sich aufhalte.
Etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten später sei er von einem unbekannten
Motorradfahrer attackiert worden. Dieser Mann habe ihn mit einem Messer
am (...) verletzt. In der Folge habe ihm sein Vater empfohlen, C._
zu verlassen und in die Stadt E._ zu gehen. Von November 2014
bis im Juni 2015 habe er dort bei einem Freund des Vaters gewohnt und
sei anschliessend nach C._ zurückgekehrt. Sein Vater habe dann
entschieden, dass es für ihn das Beste wäre, wenn er den Iran verlasse,
und habe seine Ausreise organisiert. Aus Angst vor den iranischen Behör-
den habe er die Entscheidung seines Vaters akzeptiert und sei Anfang Feb-
ruar 2016 von C._ aus über F._ in die Türkei gereist. Nach-
dem er den Iran verlassen habe, sei seine Familie aufgrund seiner Prob-
leme nochmals innerhalb des Quartiers D._ umgezogen, damit sie
keine Schwierigkeiten bekämen.
Der Beschwerdeführer reichte seine iranische Geburtsurkunde und sein
Taufbekenntnis der "Persischen Christlichen Gemeinde in der Schweiz"
vom 3. September 2017 zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 stellte die Vorinstanz fest, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 5. Februar 2020 erhob der Beschwerdeführer Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte dabei die Aufhe-
bung der Verfügung sowie die Gewährung von Asyl; eventualiter sei die
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Des Weiteren ersuchte er um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und der Gerichtsgebühren so-
wie um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.
D.
Am 13. Februar 2020 wurde der Eingang der Beschwerde bestätigt.
E.
Gleichentags wurde ein den Beschwerdeführer betreffender Bedürftigkeits-
nachweis eingereicht sowie Fotos, welche von den «Tatorten» im Heimat-
staat gemacht worden seien.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten. Das Gesuch um Wiederherstellung der aufschie-
benden Wirkung erweist sich von vornherein als untauglich, da der Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 42 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gel-
tend (vgl. Art. 54 AsylG). Als subjektive Nachfluchtgründe gelten beispiels-
weise illegales Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht),
Einreichung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der hei-
matlichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die
Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründet. Subjektive Nachflucht-
gründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3
AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls
(Art. 2 AsylG). Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach-
fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge
vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1 sowie
2009/28 E. 7.4.3, beide mit weiteren Hinweisen).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, dass am Wahrheitsgehalt der Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers erhebliche Zweifel anzubringen seien, da die Aussagen zu seinem
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29
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Kernvorbringen insgesamt unsubstanziiert und widersprüchlich ausgefal-
len seien. Insgesamt liessen seine Aussagen die typischen Realkennzei-
chen wie Detailreichtum, die Beschreibung von Emotionen und Gedanken-
gängen sowie die Schilderung von Einzelheiten vermissen. Er habe nur
vage und allgemeine Angaben zu seinem Interesse am christlichen Glau-
ben machen können und sei nicht in der Lage gewesen, plausibel und de-
tailliert darzulegen, wie er konkret zum Anhänger des christlichen Glau-
bens geworden sei. Er habe lediglich beschrieben, dass er in seinem Ge-
schäft für (...) unterschiedliche Kundinnen kennengelernt habe, die Chris-
tinnen gewesen seien. Einerseits bringe er vor, dass er mit diesen Kundin-
nen interessante Gespräche über das Christentum geführt habe. Anderer-
seits erzähle er, dass die Kundinnen aus Sicherheitsgründen nicht viel über
das Christentum hätten sagen können. Statt, wie mehrfach verlangt, den
Inhalt der diesbezüglichen Gespräche wiederzugeben, habe er lediglich
pauschal ausgeführt, dass er über die Bibelbeschaffung sowie die Bekeh-
rung zum Christentum gesprochen habe.
Die Vorinstanz erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers darüber
hinaus als unplausibel und wies auf Unstimmigkeiten in der Sachverhalts-
schilderung hin. Zum einen habe der Beschwerdeführer in der ersten An-
hörung angegeben, mit einem älteren Freund über das Christentum ge-
sprochen zu haben und mit zwei Freunden S. und N. im Internet über das
Christentum recherchiert zu haben. Zum anderen habe er im Rahmen der
ergänzenden Anhörung vorgebracht, er und seine Freunde hätten im Iran
missioniert und andere Personen zum Christentum bekehrt. Auf Vorhalt der
unterschiedlichen Angaben habe er sich sodann in weitere Ungereimthei-
ten verstrickt. So habe er ausgeführt, dass er mit seinen Freunden über
das Christentum gesprochen habe und diese zum christlichen Glauben
habe bekehren wollen. Damals habe er das Christentum bereits als seinen
Glauben akzeptiert. Auf mehrfaches Nachfragen, weshalb er bei der BzP
angegeben habe, dem islamisch-schiitischen Glauben anzugehören, habe
er nur allgemein ausgeführt, dass Iraner geborene Muslime seien und er
damals noch nicht christlich getauft gewesen sei. Den Widerspruch habe
er damit nicht entkräften können. Hätte er sich tatsächlich bereits im Iran
vom islamischen Glauben abgewendet, sich ernsthaft mit dem christlichen
Glauben auseinandergesetzt und zu diesem bekannt, wäre zu erwarten
gewesen, dass er spontan und mit persönlichem Erlebnisbezug darüber
hätte erzählen können. Weiter seien auch seine Schilderungen bezüglich
der Attacke durch die iranischen Sicherheitsbeamten im Park vage und un-
substanziiert ausgefallen. Er sei nicht in der Lage gewesen, den Vorfall
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ausführlich zu schildern. Zwar habe er angegeben, während der Dämme-
rung mit seinen beiden Freunden S. und N. im Park gewesen zu sein, als
er von den Sicherheitsbeamten angegriffen worden sei. Die Sicherheitsbe-
amten hätten Tränengas gegen sie eingesetzt, sie geschlagen und ihre
Mobiltelefone sowie Laptops beschlagnahmt. Mehrfach dazu aufgefordert,
den Vorfall so detailliert wie möglich zu schildern, habe er sich lediglich
wiederholt. Wäre er tatsächlich im Park von den iranischen Sicherheitsbe-
amten attackiert worden, so hätte erwartet werden können, dass er diesen
Vorfall erlebnisgeprägt hätte darlegen können. Genauso vage seien auch
seine Schilderungen bezüglich der Folgeereignisse ausgefallen. Es sei ihm
insbesondere nicht möglich gewesen, ausführlich zu schildern, was er nach
diesem Vorfall gemacht habe.
Soweit der Beschwerdeführer angebe, in der Schweiz getauft worden zu
sein, wöchentlich am Gottesdienst der «(...)» Kirche in G._ teilzu-
nehmen und manchmal Veranstaltungen der Freikirche «(...)» zu besu-
chen, würden sich vorliegend keine konkreten Hinweise darauf ergeben,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran wegen seiner
Konversion asylbeachtliche Nachteile zu befürchten habe. Es sei nicht da-
von auszugehen, dass die iranischen Behörden von dieser Glaubensaus-
übung im Rahmen der Gemeinde Kenntnis genommen hätten oder diese
gar als Bedrohung betrachten würden. Es handle sich vorliegend auch
nicht um eine aktive, missionierende Züge annehmende Glaubensaus-
übung im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung. Es
seien den Akten sodann keine Hinweise zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seines christlichen Glaubens eine nachhaltige
Denunzierung bei den iranischen Sicherheitsdiensten durch die Familien-
angehörigen zu befürchten habe.
5.2 Der Beschwerdeführer wendet in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst
ein, das SEM habe den überzeugenden Grundgehalt der Vorbringen an-
lässlich der Befragungen nicht korrekt gewürdigt. Im Weiteren hält er an
der Glaubhaftmachung seiner Vorbringen fest. Er habe bereits in der BzP
– den Umständen entsprechend ausführlich – über seine Probleme, die er
in seinem Heimatstaat aufgrund des Religionswechsels gehabt habe, be-
richtet. Er sei der Meinung gewesen, dass er erst mit der Taufe Christ
werde. Nichtsdestotrotz habe er das Christentum als Religion kundgeben
wollen. Hinzu komme, dass der Dolmetscher ihm in der BzP gesagt habe,
er müsse diejenige Religion angeben, mit der er geboren worden sei. Dies
sei weder widersprüchlich, noch unverständlich. Im Weiteren habe das
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SEM seine Ausführungen zu Unrecht als unsubstanziiert gewürdigt. So-
wohl die Schilderungen über das Gespräch mit den Christinnen als auch
über den Angriff im Park seien durchaus einleuchtend und – wenn man die
allgemein formulierten Fragen im Protokoll berücksichtige – genügend sub-
stanziiert ausgefallen. So habe es sich bei den Christinnen um Armenierin-
nen gehandelt (vom Dialekt, aber auch von Vor- und Nachnamen könne
man die Zugehörigkeit zur armenischen Minderheit feststellen), welche
Stammkundinnen gewesen und zudem mit seiner Schwester befreundet
gewesen seien. Insbesondere sei nicht ersichtlich, inwiefern er noch wei-
tere Angaben hätte machen können, zumal ihm hierzu auch keine konkre-
ten Fragen gestellt worden seien. Ihm könne somit nicht vorgeworfen wer-
den, dass er seine Angaben oberflächlich und schematisch dargelegt habe.
Was den Angriff durch die iranischen Sicherheitsbeamten betreffe, sei
vorab festzustellen, dass im Iran die Bezeichnung „Lebas Schächsi" (Män-
ner in Zivilkleidung) selbst für Schulkinder geläufig sei. Bürgerinnen und
Bürger würden im Iran täglich auf solche Personen treffen. Ob es sich um
Angehörige von Etelaat oder Basidj handle, sei dabei irrelevant. Hinzu
komme, dass ein derartiger Angriff in der Regel bloss wenige Minuten dau-
ere. Viel zu erzählen gebe es somit ohnehin nicht, zumal alle Menschen
solche Erlebnisse, wenn überhaupt, eher mit Mühe erzählen würden. Vor
diesem Hintergrund seien seine Vorbringen substanziiert und überzeugend
ausgefallen.
Schliesslich sei festzustellen, dass das Wort „Missionieren" offenbar auch
Anlass zur Diskussion gebe. Vorliegend handle es sich um ein offensichtli-
ches Übersetzungsproblem und Missverständnis, denn das Wort "Missio-
nieren" habe im Farsi kein echtes Synonym. Je nach Übersetzung vom
persischen Wort „Tabliq" (Werben/Werbung) oder „Faaliyät" (Unterneh-
men/Tun) könne es zu unterschiedlichen Antworten kommen. Er habe aus-
führlich über den Beginn und die Entwicklung seiner religiösen Aktivitäten
berichtet.
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen
zu bestätigen sind. Der Beschwerdeführer konnte keine Vorverfolgungs-
handlungen glaubhaft machen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann
auf die zutreffenden und sorgfältig begründeten Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung (sowie die Zusammenfassung in E. 5.1) verwiesen
werden. Ergänzend zur zutreffenden Würdigung der Vorinstanz, ist das
Folgende zu bemerken:
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6.2 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit stellt bei einer geltend gemachten
Konversion zu einer neuen Religion oder einer Apostasie oft das zentrale
Element einer Asylgesuchsprüfung dar. Aufgrund des ausgeprägten inne-
ren Charakters dieses Vorbringens ist diese Prüfung besonders schwierig.
Die religiöse Zugehörigkeit kann – im Vergleich zu anderen Asylvorbringen
– praktisch nur anhand der Aussagen der asylsuchenden Person beurteilt
werden. Gegebenenfalls können zwar gewisse Schlüsse aus externen An-
haltspunkten (Besuche von Gottesdiensten, Bescheinigungen und Aussa-
gen privater Dritter) gezogen werden. Solche Anhaltspunkte sind aber im
Gesamtkontext zusammen mit den Aussagen der asylsuchenden Person
zu berücksichtigen. Sie vermögen in der Regel für sich allein die Konver-
sion nicht glaubhaft zu machen. Die asylsuchende Person muss in jedem
Fall mit ihren Aussagen den Behörden gegenüber glaubhaft machen kön-
nen, dass sie sich aufgrund ihrer inneren Überzeugung zum einen von ihrer
früheren Religion ab- und zum anderen einer neuen Religion zugewandt
hat. Eine lediglich formelle Konversion (z.B. durch die Taufe) ohne Hin-
weise auf eine innere Überzeugung reicht für die Glaubhaftmachung in der
Regel nicht aus (Urteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017
E. 6.2 [als Referenzurteil publiziert]).
6.3 Die Vorinstanz hat ihren Entscheid ausführlich begründet und eine Ge-
samtwürdigung vorgenommen. Der Inhalt der Beschwerde führt zu keiner
anderen Beurteilung. Der Beschwerdeführer äusserte sich äusserst vage
zu seiner Konversion zum Christentum und ihm gelang es weder in der
freien Rede noch auf Nachfrage hin, Substanzielles zu seiner Motivation
für einen Religionswechsel vorzubringen, beziehungsweise diesen Abwen-
dungsprozess vom Islam zum Christentum schlüssig darzulegen (vgl.
SEM-act. A17, F65, F91, F94 f., F97). In der Rechtsmitteleingabe be-
schränkt er sich auf die Beteuerung, seine Darstellungen seien durchaus
detailliert und genügend substanziiert ausgefallen, insbesondere, wenn
man den Umstand berücksichtige, dass ihm kaum Fragen gestellt worden
seien. Aus den Akten ergeben sich indes keine Hinweise darauf, dass dem
Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörungen nicht ausreichend Zeit ein-
geräumt wurde, seine Konversion und die Ausübung seines Glaubens im
Iran in der nötigen Ausführlichkeit darzulegen. Aus dem Protokoll ergibt
sich vielmehr, dass sowohl der zuständige Mitarbeiter des SEM als auch
die anwesende Hilfswerksvertretung sehr bemüht darum waren, dass der
Beschwerdeführer seine Vorbringen konkretisierte. Ihm wurde sodann die
Möglichkeit gegeben, vorhandene Unstimmigkeiten in seinen Vorbringen
zu plausibilisieren (vgl. exemplarisch SEM-act. A19, F19-F29 [betreffend
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die Gespräche mit den Christinnen]; A17 F95, 101 ff., [betreffend die Kon-
version]). Zudem wäre zu erwarten gewesen, dass er auf die Frage, was
er in seiner Freizeit gemacht habe, seine persönliche Auseinandersetzung
mit der christlichen Religion mindestens erwähnt hätte (vgl. SEM-act. A17,
F62). Die Aussagen des Beschwerdeführers zeugen nicht davon, dass er
sich einlässlich mit der christlichen Religion und einem Glaubenswechsel
vom Islam weg und hin zum christlichen Glauben beschäftigt hat.
6.4 Weiter ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass auch die Angaben zu
seinem religiösen Engagement im Iran vage und widersprüchlich blieben.
So brachte der Beschwerdeführer in der BzP vor, dass er schiitischer Reli-
gionszugehörigkeit sei (SEM-act. A7, Ziff. 1.13) Der Beschwerdeeinwand,
der Dolmetscher habe ihm gesagt, er müsse diejenige Religion angeben,
mit der er geboren worden sei, überzeugt nicht, zumal dem Beschwerde-
führer nach der Frage, welcher Religion er angehöre, unmittelbar Folgefra-
gen dazu gestellt wurden. Der Beschwerdeführer konkretisierte seine An-
gabe dahingehend, dass sein Interesse am Christentum zwar bereits im
Iran geweckt worden sei, er jedoch nie die Möglichkeit gehabt habe, etwas
über das Christentum zu lesen. Erst in Griechenland habe er begonnen,
die Bibel zu lesen, und aus diesem Grund bezeichne er sich auch zum
Zeitpunkt der Anhörung noch immer als Schiite (vgl. SEM-act. A7, F1.13).
In der ersten Anhörung bezeichnete sich der Beschwerdeführer als Christ
und reichte seine entsprechende Taufurkunde zu den Akten. Auf die Frage,
ob er im Iran Kontakt mit anderen Christen gehabt habe, antwortete der
Beschwerdeführer, dass er im Iran in seinem Laden einige Christinnen ken-
nen gelernt habe, welchen er Fragen zum Christentum gestellt habe. In der
Folge habe er gemeinsam mit Kollegen über das Internet mehr über das
Christentum in Erfahrung bringen und so beispielsweise auch die Bibel le-
sen können (SEM-act. A17, F65). In diesem Zusammenhang erachtet das
Gericht auch das angebliche Missionieren im Iran – in Übereinstimmung
mit dem SEM – als nachgeschoben, zumal er das Missionieren weder in
der BzP noch in der ersten Anhörung erwähnte. Der Beschwerdeeinwand,
dass es diesbezüglich während der Anhörung zu einem Übersetzungsfeh-
ler beziehungsweise zu einem Missverständnis gekommen sei, lässt sich
aufgrund der Aktenlage nicht erhärten. Im Gegenteil legte der Beschwer-
deführer im eindeutigen Widerspruch zu seinen ursprünglichen Aussagen
dar, dass er sich mit Freunden im Park getroffen habe, um zu missionieren,
beziehungsweise um andere Personen zum Christentum zu bekehren (vgl.
SEM-act, A19, F30 ff.).
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6.5 Ebenso blieb seine Schilderung, wie sich der Angriff im Park durch die
zivilen iranischen Sicherheitsbehörden ("Lebas-Shakhsis") abgespielt ha-
ben soll, wenig konkret. Der Beschwerdeführer vermochte trotz mehrfacher
Nachfrage nicht dezidiert darzulegen, wann und wie sich der Angriff zuge-
tragen haben soll (vgl. SEM-act. A17, F65; SEM-act. A19, F33 ff., F43 ff.).
Ähnlich oberflächlich schilderte er den Vorfall, an welchem er auf einem
Fussgängerstreifen von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer mit einem
Messer attackiert worden sein soll. Auch auf Nachfragen hin nannte er
keine Details, sondern wiederholte sich lediglich (vgl. SEM-act. A17, F65,
F71 ff.; SEM-act. A19, F59 ff.). Im Übrigen ist diesbezüglich vollumfänglich
auf die vorinstanzlichen Ausführungen zu verweisen, welchen der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerde nichts Stichhaltiges entgegenhält.
Anzumerken ist lediglich, dass in diesem Zusammenhang völlig unklar
bleibt, welche Rolle sein Freund M. dabei gespielt haben soll. Einerseits
spricht der Beschwerdeführer davon, dass M. sein Freund gewesen sei,
dass er ihn und seine Familie seit Kindheit kenne und dass er auch probiert
habe, ihn vom Christentum zu überzeugen. Andererseits soll M. ihn bei den
zivilen Streitkräften denunziert haben und der eigentliche Drahtzieher hin-
ter diesen beiden Angriffen sein (vgl. SEM-act. A17, F75, F77). Schliesslich
bleibt auch unklar, welche Situation den Ausschlag für die Ausreise gege-
ben haben soll.
6.6 In einer Gesamtwürdigung ist die von der Vorinstanz vorgenommene
Beurteilung, wonach es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, seine
Vorfluchtgründe glaubhaft darzulegen, zu bestätigen. Es kann aufgrund der
aufgeführten und als wesentlich zu erachtenden Widersprüche darauf
verzichtet werden, auf weitere, nicht glaubhafte Aspekte in den Vorbringen
des Beschwerdeführers einzugehen. Ebenfalls sind die weiteren
Ausführungen auf Beschwerdeebene nicht geeignet, zu einer anderen
Beurteilung zu führen.
7.
7.1 Soweit der Beschwerdeführer eine zwischenzeitlich erfolgte Konver-
sion zum Christentum und die Taufe sowie eine regelmässige Ausübung
dieses Glaubens in der Schweiz geltend macht, ist dies unter dem Aspekt
der subjektiven Nachfluchtgründe zu beurteilen. Auch diesbezüglich ist die
Vorinstanz zutreffend zum Schluss gelangt, dass seinem Vorbringen keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz zukommt.
7.2 Gemäss der Praxis der schweizerischen Asylbehörden führt allein der
Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum grundsätzlich zu
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keiner (individuellen) staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glau-
bensausübung vermag gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante
Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach
aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss,
dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar mis-
sionierende Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Eine Verfol-
gung durch den iranischen Staat kommt somit erst dann zum Tragen, wenn
der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten
bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom
Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im
Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaf-
tigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für
die betroffene Person in Betracht gezogen werden (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.3.4 f.; Urteile des BVGer D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5,
D-2496/2018 vom 22. Mai 2018 E. 5.5, D-2407/2019 vom 27. Juni 2019
E. 7.2). Regelmässige Kirchenbesuche und Treffen als einfache Mitglieder
der christlichen Gemeinschaft stellen keine aktive und von den iranischen
Behörden als potentiell staatsgefährdend betrachtete Glaubensausübung
dar (vgl. beispielsweise Urteile des BVGer E-6175/2017 vom 28. Mai 2019
E. 6.2.3, D-490/2017 vom 7. Mai 2019 E. 5.7.2, E-3795/2018 vom 14. Feb-
ruar 2019 E. 5.3.3).
7.3 Die Asylbehörden sind in Fällen, in denen eine Konversion als Gefähr-
dungsgrund geltend gemacht wird, gehalten, dem Vorbringen auf den
Grund zu gehen und abzuklären, ob sich die betroffene Person tatsächlich
und ursächlich für eine neue Religion interessiert, oder ob das geltend ge-
machte religiöse Engagement vorgebracht wird, um einen subjektiven
Nachfluchtgrund zu schaffen (vgl. dazu die Erwägungen der Grossen Kam-
mer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in seinem Urteil
F. G. gegen Schweden vom 23. März 2016 [Nr. 43611/11], Rn. 123 mit Ver-
weis auf das Urteil A.A. gegen die Schweiz vom 7. Januar 2014 [Nr.
58802/12] Rn. 41; vgl. ebenfalls das auf Religionsfreiheit und Apostasie im
Kontext von Afghanistan bezogene Referenzurteil des BVGer D-
4952/2014 vom 23. August 2017 E. 6.2 m.w.H).
7.4 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er nehme nach seiner in der
Schweiz erfolgten Taufe regelmässig, nämlich einmal wöchentlich, an Got-
tesdiensten teil, deutet nicht auf ein exponiertes christliches Engagement
hin, durch welches er aufgrund missionarischer Tätigkeit in herausragen-
der Position in den Fokus der iranischen Sicherheitsbehörden als Gegner
des Staates geraten sein könnte. Bisher gibt es keine Belege, dass der
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-7222/2013 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-2496/2018 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-6175/2017 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-490/2017 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-3795/2018 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-4952/2014 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-4952/2014
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Beschwerdeführer sich in der Schweiz überhaupt in christlichen Kreisen
bewegt oder regelmässig eine Kirche oder einen Bibelkreis besucht; seine
entsprechenden Aussagen fallen nicht substanziiert aus und auch auf Be-
schwerdeebene konkretisiert er dieses Vorbringen nicht. Nach dem Gesag-
ten zieht das Bundesverwaltungsgericht den Schluss, dass der Beschwer-
deführer sich mit dem christlichen Glauben allenfalls befasst hat; dass er
diesen in der Schweiz erkennbar, aktiv und mit tiefgehender Haltung lebt,
ist nach den obigen Ausführungen nicht anzunehmen.
Insgesamt gelingt es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht,
subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft zu machen.
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine
asylrechtlich relevante Verfolgungssituation nachzuweisen oder glaubhaft
machen konnte. Das SEM hat demzufolge seine Flüchtlingseigenschaft zu
Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt – auch
unter Berücksichtigung der aktuell herrschenden Proteste – nicht als unzu-
lässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
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9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Die Vorinstanz verweist darauf, dass die Eltern und Geschwister des
Beschwerdeführers sich nach wie vor in seiner Heimatstadt aufhalten wür-
den. Bei einer Rückkehr könne er entsprechend auf ein soziales Netz und
auf eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen. Es sei davon auszuge-
hen, dass seine Familie ihn bei der Reintegration unterstütze. Es werde
dem Beschwerdeführer aller Aussicht nach auch gelingen, sich im Heimat-
staat eine Existenz aufzubauen, da er gemäss den von ihm eingereichten
Unterlagen gesund sei.
9.4.2 Das Gericht teilt die Ansicht der Vorinstanz. Die vorinstanzlichen Aus-
führungen sind zu bestätigen, zumal der Beschwerdeführer diesen auf Be-
schwerdeebene nichts entgegenhält. Der Beschwerdeführer war vor seiner
Ausreise selbständig und führte mit der finanziellen Unterstützung seines
Vaters ein Geschäft für (...). Dieses Geschäft hat er eigenen Angaben ge-
mäss zum Zeitpunkt seiner Ausreise mittels Vollmacht an seine (...) über-
tragen. Einem Wiedereinstieg in dieses Geschäft dürfte nichts entgegen-
stehen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer sich ohne weiteres wirtschaftlich und sozial wieder in sei-
nem Heimatstaat integrieren kann.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegen-
den Entscheid gegenstandlos.
11.2 Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist aufgrund der Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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