Decision ID: d50631ff-270d-4368-8e82-73b562d44126
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1970 geborene
X._
ist Diplom-Chemiker mit einem Doktortitel in Naturwissenschaften (Urk. 6/2). Im Jahr 2005 liess er sich in der Schweiz nieder (Urk. 6/3/1), wo er zuletzt vom
1.
August 2013 bis am 21. August 2014 vollzeitlich als Laborleiter
bei
der
Y._
tätig war (Urk. 6/3/4
,
Urk.
6/22-2
6
).
Am 12. Dezember 2014 meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression sowie eine chronische Müdigkeit respektive ein Erschöp
fungs
syndrom nach einer
Nephrektomie
(Nierenentfernung)
im Jahr 2012 in
Verbindung mit einer
Thyreo
i
dektomie
(Schilddrüsenentfernung)
im Jahr 2010 bei
der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3/5).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte daraufhin
beruflich-
erwerbliche sowie medizinische Abklärungen.
Am 1
3.
April 2016 erteil
te
die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 1
1.
April bis
am
1
4.
Oktober 2016 bei der
Z._
, vertreten durch seine Lebenspartnerin
A._
(Urk. 6/48/1, vgl. auch
Urk.
6/
4/2
und
Urk.
6/11/3).
Mit Mitteilung vom 1
3.
September 2016 wurde die Kostengut
spra
che für das Aufbautraining bis zum 3
1.
Januar 2017 verlängert (Urk. 6/57).
Am 8.
Februar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
unter Hinweis auf eine Ver
schlechterung der gesundheitlich
en
Situation
mit, sein Rentenanspruch werde geprüft. Die Dienstleistungen im Bereich der Eingliederungsberatung und des Job Coachings würden abgeschlossen, wobei das Ziel nicht vollumfänglich habe er
reicht werden können (Urk. 6/62/
1-
2).
Es folgten weitere Abklärungen, insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung durch das
B._
, Medizinische Abklä
rungsstelle MEDAS (Gutachten vom 1
1.
Januar 2018,
Urk.
6/100), welches nach Rückfrage durch die IV-Stelle (Urk. 6/101) am 1
9.
März
2018 ergänzt wurde (Urk. 6/106).
Nach Vorlage des Dossiers bei med.
pract
.
C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), sowie nach Vornahme einer Ressourcenprüfung durch die Kundenberatung (Urk. 6/108/6-9)
,
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
1.
April 2018 die Abweisung
seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/109).
Dagegen erhob der Versi
cher
t
e
am 1
3.
April 2018, ergänzt am
9.
Mai 2018, Einwand (Urk. 6/110 und Urk.
6/116). Mit Eingabe vom 1
1.
Juli 2018 reichte er sodann den Austrittsbericht der
D._
betreffend seinen stationären Aufenthalt vom 2
3.
April bis
5.
Juli
2018 ein (Urk. 6/119-120). Am
5.
September 2018 wurden weitere Untersu
chu
ngs
ergebnisse eingereicht (Urk. 6/122-123). Zu den neuen Aktenstücken nahmen der RAD und die Kundenberatung am 1
4.
August 2018 sowie am 2
2.
Oktober 2018 Stellung
(Urk. 6/125/3-4). Mit Verfügung vom 24. Oktober 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie angekündigt ab (Urk. 6/126 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung vom 2
4.
Oktober
2018 erhob der Versicherte am 23. Novem
ber 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu
r
ergänzenden polydisziplinären medizinischen Be
gutachtung und anschliessendem neuen Entscheid über seinen Leistungsanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem stellte er den Verfahrensan
trag
, es sei durch das Gericht auf Kosten der Beschwerdegegnerin ein poly
dis
zi
plinäres medizinisches Obergutachten anzuordnen (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerde
gegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
0.
Januar 2019 auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 5)
, was dem Beschwerdeführer am 1
6.
Januar 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
7).
Mit Eingabe vom 1
1.
Februar 2019 (
Urk.
8) reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Berichte ein (
Urk.
9/1-2). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 8. März 2019 auf das Einreichen einer Stellungnahme dazu (
Urk.
12), was dem Beschwerdeführer am 1
2.
März 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokul
tu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt
, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen
aufgehen, ist kein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundes
gerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seine
r – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
in der angefochtenen Verfügung
vom 24. Oktober 2018
aus, ihre medizinischen Abklärungen basierten vor allem auf dem
B._
-Gutachten.
D
araus sei erkennbar, dass die gesundheitliche Einschränkung haupt
sächlich auf psychiatrische Diagnosen zurückzuführen sei. Solche seien für die Invalidenversicherung nur relevant, wenn sie eine gewisse Ausprägungsstärke erreicht hätten und folglich nicht mehr therapierbar seien (
Urk.
2 S. 1).
Der Be
schwerdeführer weise zwar Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus, jedoch habe er anlässlich der gutachterlichen Untersuchung angegeben, schon lange an depressiven Verstimmungen zu leiden. Er habe indes ein Studium abschliessen und diverse Arbeitsstellen antreten können und eine langan
dau
ernde Therapie sei nicht erkennbar. Da die Therapiemöglichkeiten nicht ausge
schöpft seien, könne kein Rentenanspruch entstehen.
Die ausgewiesenen Diag
no
sen würden nicht den nötigen Schweregrad erreichen, um einen Rentenan
spruch zu begründen. Sie empfehle dem Beschwerdeführer dringen
d
eine intensive Psy
chotherapie, welche einen positiven Einfluss auf die künftige Arbeitsfähigkeit haben könne.
Dem Austrittsbericht der
D._
seien diverse psy
chosoziale Belastungsfaktoren zu entnehmen, welche nicht zu berücksichtigen seien. Aus den weiteren eingereichten medizinischen Unterlagen sei keine rele
vante Veränderung der gesundheitlichen Situation ersichtlich. Die allfälligen falschen Formulierungen im Gutachten seien nicht von Belang
(
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
wies in seiner Beschwerde vom 2
3.
November 2018 darauf hin,
dass im Gutachten vom Fehlen einer Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeits
markt ausgegangen worden sei und der RAD diese Auffassung geteilt habe
. Er kritisierte, die Kundenberatung habe nicht nur eine
Indikatorenprüfung
, sondern auch eine laienhafte medizinische Beurteilung vorgenommen und sei dabei von aktenwidrigen Annahmen zur bisherigen Therapie und
zur
Therapierbarkeit aus
gegangen
(
Urk.
1 S. 5).
Zudem sei die
Indikatorenprüfung
einseitig zu seinen Lasten erfolgt und ebenfalls aktenwidrig
. Namentlich befinde er sich schon seit längerer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung, er sei fast drei Monate in stationärer Behandlung gewesen und dennoch hätten sich seine Beschwerden nicht verbessert
(
Urk.
1 S. 6).
Seit der Tumor- und Nierenentfernung zeige sich seine ausserordentliche Erschöpfbarkeit auch im Tagesablauf und aus seiner Berufslaufbahn und seinem Leben zuvor könne nicht auf vorhandene Ressourcen nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
geschlossen werden. Die im Gutachten er
wähnten Inkonsistenzen seien - entsprechend der gutachterlichen Beurteilung - auf seine Persönlichkeitsstörung sowie auf Fehler in der Aktenanamnese durch die Gutachter zurückzuführen (
Urk.
1 S. 7-8).
Ferner hielt der Beschwerdeführer
mit näherer Begründung
fest, entgegen der gutachterlichen Einschätzung sei er auch aus somatischer Sicht arbeitsunfähig
(
Urk.
1 S. 9-10)
.
Sodann beanstandete er, die fehlende Berücksichtigung des Ge
samtbeschwerdebildes und die fehlende Invaliditätsbemessung stell
t
e
n
eine Ver
let
zung der Begründungspflicht dar (
Urk.
1 S. 11).
3.
3.1
Der seit September 2
014 behandelnde med.
pract
.
E._
, Praktischer Arzt/Psychotherapie, nannte in seinem Bericht vom 1
1.
Februar 2015 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/13/1):
-
rezidivierende depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Migräne (ICD-10 G43)
-
Status nach
Nephrektomie
bei Zyste links 2012 (ICD-10 Z90.5
; vgl. auch
Urk.
6/13/25
)
-
Status nach
Thyreoidektomie
bei Karzinom 2010 (ICD-10 C73
; vgl. auch Urk. 6/13/32-33
)
-
Bandscheiben-Operation (ICD-10 M51.1)
Med.
pract
.
E._
führte aus, in seiner Jugend habe der Beschwerdeführer nach dem Tod eines Freundes eine Trauerdepression erlitten. Im Jahr 2012 sei es dann zu einem Burnout gekommen (Urk. 6/13/2).
Als ärztliche Befunde gab er an, der Beschwerdeführer weise kognitive Einbussen sowie eine verminderte Belastbar
keit bei vermindertem Antrieb respektive verminderter Energie auf, leide an Schlafstörungen mit Gedankenkreisen und seine Stimmung sei wechselhaft und gedrückt. Der Beschwerdeführer sei behandlungsbereit und krankheitseinsichtig
. Aktuell sei der Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig
(Urk. 6/13/2
und
Urk.
6/13/5
).
Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei nach entsprechender Remission der Psychopathologie während vier Stunden pro Tag möglich (Urk. 6/13/3).
Im Mai 2015 bestätigte er
das Fehlen einer Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (Urk. 6/19/7).
Dem Bericht des in derselben Praxis wie med.
pract
.
E._ tätigen med.
pract
.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom September 2015 ist zu entnehmen, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich ver
schlechtert (Urk. 6/37/1). Es liege weiterhin keine Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt vor (Urk. 6/37/2).
In seinem Bericht vom 2
4.
November 2015 diagnostizierte med.
pract
.
F._
zu
sätzlich ein chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 G93.3) seit Mai 201
5.
Er führte aus, der Beschwerdeführer sei aktuell unentgeltlich zwecks Testung der Arbeitsfähigkeit in der Praxis seiner Lebenspartnerin als Betriebsleiter teilzeit
beschäftigt. Dabei sei bei regelmässigen Pausen und flexibler Arbeitszeit eine maximale Arbeitsfähigkeit von 30
%
erreichbar (Urk. 6/40/1).
Am 1
7.
Februar 2016 berichtete med.
pract
.
F._
, der Beschwerdeführer komme 14täglich zu therapeutischen Sitzungen und werde medikamentös behandelt. Er zeige sich motiviert. Es sei eine Verbesserung der Schlafqualität, eine Abnahme der wechselnden Stimmungslagen sowie eine leichte Zunahme des Antriebs zu se
hen. Der Beschwerdeführer leide
allerdings weiter unter kognitiven Einbussen und Energiemangel. Er arbeite drei bis vier Stunden pro Tag in der Praxis der Lebenspartnerin.
Med.
pract
.
F._
prognostizierte, die Arbeitsfähigkeit könne
in nächster Zeit
auf 50
%
gesteigert werden, jedoch aufgrund der
Chronifizierung
der depressiven Störung in Kombination mit der komplizierten körperlichen Situation mit
Nephrektomie
links und
Thyreoidektomie
nicht darüber hinaus (Urk. 6/43).
3.2
Dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer Aufgaben delegiert und zuhause eine Reinigungshilfe engagiert
habe, um sich zu entlasten, und dass er sein Pensum versuchsweise auf 60
%
aufstocken wolle. Eine Steigerung darüber hinaus habe med.
pract
.
F._
nicht empfohlen (Urk. 6/59/2). Am
8.
Februar 2017 hielt die Eingliederungs
verant
wort
liche fest, auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe zum aktuellen Zeitpunkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/63).
Im Verlaufsprotokoll des Job Coachs vom
9.
Februar 2017 wurde zudem
angegeben, der Beschwerdeführer habe in der angepassten Nischentätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit leichter Leis
tungs
verminderung unter starken Schwankungen erreichen können. Die angepasste Tätigkeit sei geprägt gewesen durch freie Zeiteinteilung (tags und nachts), die Möglichkeit zu Heimarbeit und freie Gestaltung von Pausen mit Schlafmög
lich
keit am Arbeitsplatz. Ein Steigerungsversuch auf 60
%
sei misslungen.
A
uf eine ansteigende Leistung sei ein jäher Zusammenbruch erfolgt. Dies habe sich mit
unter so geäussert, dass der Beschwerdeführer
notgedrungenerweise
Schlafpau
sen in der Praxis habe einlegen
müssen, weil er sonst den Nachhauseweg nicht geschafft hätte. Bei sehr hohem eigenem Leistungsantrieb habe er sich selbst teils übermässig unter Druck gesetzt und sei immer wieder an und über seine Grenzen gegangen. Ihm seien eine gute Arbeitsqualität und -quantität wichtig. Zudem möchte er seine Familie versorgen können und ein guter Vater sein, welcher Zeit und Energie für sein Kind habe. Die abrupten Energieeinbrüche fänden auch in der arbeitsfreien Zeit statt, sodass er sich nicht im gewünschten Ausmass um
seinen Sohn kümmern könne.
Der Beschwerdeführer habe motiviert am Job Coaching
teilgenommen. Aus therapeutischer Sicht könne er nicht mehr in seinem angestammten Beruf als Chemiker arbeiten, weil er den dortigen An
sprüchen nicht mehr gerecht werden könne. Die gesundheitliche Situation sei neben der psychischen durch multiple Erkrankungen erschwert. Aus Arbeitge
ber
sicht (=Lebenspartnerin) könne der Beschwerdeführer keine
so
stetige und aus
rei
chen
de Leistung erbringen, um ihn als Geschäftsführer anzustellen (Urk. 6/64/1-2).
3.3
Das von der IV-Stelle eingeholte
B._
-Gutachten beruht auf internistischen, orthopädischen, psychiatrischen
und neuropsychologischen
Untersuchungen und wurde am
1
1.
Januar
2018 erstattet (Urk. 6/
100
). In der interdisziplinären Zusam
menfassung wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit aufgeführt (Urk. 6/
100/37
):
-
narzisstische
Persönlichkeitsstörung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
-
Status nach Verletzung der
Halswirbelsäule
(HWS) anlässlich eines Ski
unfalls im Alter von 15 Jahren
-
rezidivierende
s
z
ervikales Schmerzsyndrom im Bereich der distalen HWS
-
chronisches, belastungsabhängiges,
lumbospondylogenes
Schmerz
syn
drom
nach
-
Dekompression des
N
e
uroforamens
und des
Recessus
lateralis
L4/5 links im August 2007 mit interspinöser Stabilisierung mittels DIAM-System
-
Diskektomie, Cage-Einlage und PLIF-
Spondylodese
L4/5 zirka vier Jahre später
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit massen sie namentlich
dem Status nach
Hemithyreoidektomie
mit nachfolgender
Thyreoidektomie
und Radiojod-Elimination im Jahr 2010
sowie der
Nephrektomie
im Jahr 2012
zu (Urk. 6/
100/38
).
Die Gutachterpersonen führten aus,
für den Beschwerdeführer hätten Erschöp
fung und Symptome des depressiven Formenkreises sowie lumbale und zervikale Schmerzen im Vordergrund gestanden
(Urk. 6/
100/38)
.
Sie erhoben im psychopathologischen Befund Symptome des depressiven For
menkreises bei leicht gesteigertem Selbstwertgefühl. Es bestehe eine
Affekt
labi
lisierung
mit häufig auftretenden Weinkrämpfen. Psychomotorisch sei der Be
schwerdeführer verarmt. Er weise zirkadian ein morgendliches Stimmungstief auf mit einer
B
esserung zwischen 21 und 2 Uhr. Es habe ein sozialer Rückzug statt
gefunden. Ferner beschrieben sie ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen mit teilweise verkürzter oder auch deutlich verlängerter Schlafdauer und einer per
sistierenden Tagesmüdigkeit. Die Gutachter äusserten den Verdacht, der Beschwer
deführer lehne eine psychiatrische Behandlung aufgrund seines gesteigerten Selbstwertgefühls ab.
Er überschätze die eigenen Fähigkeiten und weise ein gesteigertes Verlangen nach Anerkennung auf bei Instabilität des Selbstwert
ge
fühls. Bei Kritik und Kränkung zeige sich eine deutliche Zunahme der Anspan
nung mit einer latent wahrnehmbaren Aggression. Zudem fehle die
Empathie
fähigkeit
. Insgesamt - auch testpsychologisch - lägen deutliche narzisstische Persönlichkeitszüge vor, welche die Kriterien einer
Persönlichkeitsstörung
erfül
l
ten. Aktenanamnestisch sei es auch zu repetitiven interpersonellen Problemen am Arbeitsplatz gekommen
(Urk. 6/
100/38-39).
Bei der Untersuchung der
Halswirbelsäule
sei eine
endgradig
höchstens leicht eingeschränkte Beweglichkeit mit Schmerzen bei
m
Drehen in maximaler Exten
sion und Flexion bei leichten degenerativen Veränderungen beobachtet worden. Die Beweglichkeit der
Lendenwirbelsäule
habe sich mässig eingeschränkt gezeigt. Insbesondere das Vorwärtsneigen sei eingeschränkt, aber auch das Seitwärtsnei
gen zu beiden Seiten sei deutlich vermindert. Bildgebend sei ein unauffälliger Sitz des
Spondylodesematerials
zu sehen gewesen
(Urk. 6/
100/39).
Im internistischen Bereich finde sich der bekannte Status nach zweiseitiger totaler
Thyreoidektomie
mit anschliessender Radiojodtherapie. Der Beschwerdeführer werde mit
Euthyrox
substituiert. Daneben bestehe ein Status nach
Nephrektomie
links im November 201
2.
Diesbezüglich würden keine Beschwerden beklagt. Die Angaben eines vermehrten Harndranges mit häufigen Miktionen hätten
bei den
Untersuchungen am
B._
nicht beobachtet werden können
(Urk. 6/
100/39).
An
lässlich
der letzten Messung im Jahr 2016 habe sich die Nierenfunktion bei einer
glomeruläre
n
Filtrationsrate
(
GFR
) von 54 Milliliter pro Minute als eingeschränkt gezeigt
(Urk. 6/
100/40).
In ihrer gemeinsamen Beurteilung
hielten
die Gutachterpersonen
fest, im Vorder
grund stünden die Auswirkungen der Persönlichkeitsproblematik, indem sich auf
grund der narzisstischen Persönlichkeitszüge des Beschwerdeführers eine schwere Beeinträchtigung in der Anpassung an Regeln und Routinen, der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität und Umstellfähigkeit, der Anwen
dung fachlicher Kompetenzen, der Entsch
eidungs- und Urteilsfähigkeit, d
er Durch
haltefähigkeit sowie der Gruppenfähigkeit ergebe. Eine mittelgradige Be
einträchtigung zeige sich in der Selbstbehauptungsfähigkeit, in der Kontakt
fähig
keit zu Dritten sowie in familiären und intimen Beziehungen
(Urk. 6/
100/40).
Sie gelangten
zum Schluss,
für die angestammte - eher anspruchsvolle - Tätigkeit liege aufgrund seiner strukturellen Persönlichkeits
p
roblematik schon seit längerer Zeit eine vollschichtige
Arbeitsunfähigkeit
vor.
Die Persönlichkeitsproblematik habe sich zeitlebens auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt.
Bezüglich der Möglich
keit einer angepassten Tätigkeit führten die Gutachter
personen
aus, die ganz erhebliche narzisstische Vulnerabilität führe an jedem Arbeitsplatz früher oder später zu interpersonellen Problemen, wie dies zeitlebens der Fall gewesen sei. Entsprechend sei in keiner adaptierten Tätigkeit eine Erwerbstätigkeit über län
gere Zeit möglich
(Urk. 6/
100/42). Man sehe auch keinen Nischenarbeitsplatz mit wohlwollender Unterstützung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Aus somatischer Sicht seien körperlich schwere Arbeiten nicht geeignet
(Urk. 6/
100/43).
3.4
In Beantwortung der Rückfragen der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/101/1)
codier
ten die psychiatrischen
B._
-Gutachterpersonen die narzisstische Persönlich
keits
störung mit dem ICD-10
-Code
F60.8 (Urk. 6/106/1). Sie
stellten richtig
, die anlässlich der Exploration bestehende depressive Episode sei mittelgradig
bis leicht
ausgeprägt gewesen
. Die Schlafstörungen des Beschwerdeführers seien im Rahmen des depressiven Geschehens aufgetreten
(Urk. 6/106/2).
Ferner betonten sie, bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung handle es sich um eine schwer
wiegende psychiatrische Diagnosestellung, welche nicht leichtfertig vergeben werden dürfe. Im Falle
d
es Beschwerdeführers werde aus den gemachten Angaben die deutliche Erschwerung des Lebensvollzuges seit der Schulzeit klar dargelegt, die Schwierigkeiten im Rahmen der verschiedenen vom Beschwerdeführer
inne
ge
habten Ausbild
ungs
-
und A
r
bei
t
sstellen
würden
deutlich, seien jedenfalls für einen in der Behandlung schwerer narzisstischer Leiden erfahrenen Psychiater ohne weiteres nachvollziehbar (Urk. 6/106/4).
3.5
Die
Fachpersonen
der
D._
berichteten am
6.
Juli 2018, der Be
schwerdeführer sei vom 2
3.
April bis zum
5.
Juli 2018 bei ihnen hospitalisiert gewesen. Auf dem Fachgebiet der Psychiatrie nannten
sie
die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8). Sie gaben an, anamnestisch liege zudem eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
störung vor
,
und äusserten den Verdacht auf ein chronisches Erschöpfungs
syn
drom (Urk. 6/120/1).
Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei aufgrund einer psycho-physischen Erschöpfung im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung vor dem Hintergrund diverser psychosozialer
Belastungsfaktoren und multipler körperlicher
Beschwerden
in die Klinik
eingetreten. Seit dem Verlust einer Niere leide er unter chronischer Erschöpfung (Urk. 6/120/1). Der Beschwer
deführer befinde sich etwa seit dem Jahr 2000 bei unterschiedlichen Therapeuten in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
.
E
r sei im Affekt belastet, perspektiv- und hoffnungslos, mit intakter emotionaler Schwingungs
fähigkeit, indes reduziertem Antrieb und reduzierter Psychomotorik sowie ausge
prägter Erschöpfung und Kraftlosigkeit. Der Nachtschlaf sei mit Ein- und Durch
schlafstörungen stark gestört und der Appetit tagsüber kaum vorhanden. Abends habe er Hunger und nachts Heisshungerattacken. Ferner leide er unter starken Existenzängsten und vermehrt unter Angstzuständen (Urk. 6/120/2).
Sowohl in der Anamnese als auch auf der Station habe sich eine ausgeprägte Erschöpfung mit substanziellen Leistungseinschränkungen gezeigt, die bei Anstrengungen mit einer Zustandsverschlechterung und langer Erholungszeit einhergegangen sei. In diesem Rahmen könne ein chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 G93.3) diskutiert beziehungsweise gegebenenfalls weiter abgeklärt werden
. Auf die neu etablierte Medikation habe der Beschwerdeführer hinsichtlich Konzentrations
fähigkeit, Aufmerksamkeit und Wachheit gut angesprochen, jedoch bestünden auch unter antidepressiver Medikation und
Dexmethylphendiat
weiterhin Epi
soden mit starker körperlicher und psychischer Erschöpfung
(Urk. 6/120/3).
In der Psychotherapie sei zu Tage getreten, dass der Beschwerdeführer in der Vergan
genheit diverse Mobbingerfahrungen gemacht und Verletzungen auf der Bezie
hungsebene erlebt habe und dazu tendiere, Arbeit als dysfunktionale emotionale
Bewältigungsstrategie einzusetzen. Aufgrund einer hohen inneren
Anspruchshal
tung und Motivation
trotz eingeschränkte
r Belastbarkeit
überge
h
e der Beschwer
deführer häufig seine Grenzen, was in einer starken Erschöpfung münde
(Urk. 6/120/3-4).
Das
nephrologische
Konsil
habe eine altersentsprechend normale
Nierenfunktion ergeben
.
Während des stationären Aufenthalts sei der Beschwer
deführer vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen
(Urk. 6/120/4).
3.6
Prof.
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie
und psy
chotherapeutische Medizin, diagnostizierte in seiner Stellungnahme vom 30. Okto
ber 2018 ein chronisches
Fatigue
Syndrom (CFS; ICD-10 G93.3) sowie eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10 F43.22),
nachdem er den Beschwerdeführer am 1
6.
Oktober 2018 untersucht hatte (Urk. 9/1
S. 1). Prof.
G._
führte aus, bei einer chronischen Erschöpfung, die durch Erho
l
ung nicht mehr abklinge, begleitet mit weitere
n
somatischen fluktuierenden Beschwerden, müsse die Verdachtsdiagnose CFS überprüft werden
. Hierzu sei ein diagnostisches Interview nach den gültigen internationalen wissenschaftlichen Leitlinien durchzuführen (Urk. 9/1 S. 2). Sämtliche Kriterien seien erfüllt: Zu
standsverschlechterung nach Belastung und Erschöpfung und verzögerte Erho
lung, Schlafstörungen, Schmerzen, neurologische/kognitive Manifestationen, autonome/neuroendokrine/immunolo
gische Manifestationen sowie ein Bestehen der Erkrankung seit mindestens sechs Monaten. Bei CFS handle es sich um eine eindeutig somatische Erkrankung (Urk. 9/1 S. 3).
Bei einer stressmedizinischen Untersuchung
mit Muskelgrundspannungsmessung und Herzratenvariabilitäts
messung mit
posturaler
Veränderung hätten sich beim Beschwerdeführer deut
liche Regulationsstörungen in der autonomen Steuerungsfähigkeit von Anspan
nung und Erholung zuungunsten des parasympathischen Effekts und eine chro
nische Erhöhung des
Sympat
h
i
k
usstatus
gezeigt
(Urk. 9/1 S. 4).
Diese Ergebnisse seien kongruent zu den geschilderten Beschwerden wie extreme Erschöpfbarkeit, kein Durchhaltevermögen, muskuläre Schwäche nach Belastung und kognitive Einschränkungen (Urk. 9/2 S. 20).
Sodann weise der Beschwerdeführer genetisch bedingt eine geringere Fähigkeit auf, um bestimmte Umwelttoxine abzubauen. Auch die bei Stressbelastung anfallenden Neuroamine könne er nur unzureichend und verzögert wieder abbauen, was klinisch zu einer massiveren Reaktion auf Stress und zu einer verzögerten Erholungsfähigkeit führe (Urk. 9/1 S. 6).
Zusammenfassend hielt Prof.
G._
fest, ein regelhaftes, verlässliches Abrufen seiner Leistungsfähigkeit, wie es in einem beruflichen Umfeld notwendig sei, sei derzeit nicht gegeben. Durch eine
Rehamassnahme
gebe es kaum Erfolgsaus
sich
ten, da es keine auf das Krankheitsbild zugeschnittene Reha-Einrichtung geben. Aus Unkenntnis der Erkrankung würden den Patienten eher psychiatrische Diag
nosen gestellt. Dies sei indes nicht hilfreich, da die oft nachhaltig aktivierenden therapeutischen
Massnahmen, wie sie bei
psychischen Störungen hilfreich
seien, eine Überlastung und damit letztlich eine Gefährdung der Patienten bedeuteten.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur sei nicht zu erkenn
en gewesen. Die im Depressionsf
ragebogen erreichte Punktezahl spreche für eine manifeste depres
sive Belastung. Diese
sei
aber im ze
i
tlichen Ablauf eher
als
R
e
aktion auf den plötzlichen
V
erlust der Belastungsfähigkeit
zu interpretieren
, welche man nach Nierenentfernungen durchaus häufiger beobachte
. Die Nebennierenproduktion der aktivierenden Stoffe scheine eingeschränkt zu sein (Urk. 9/1 S. 7).
4.
4.1
Die
B._
-
Expertise
vom 1
1.
Januar 2018
basiert auf umfassenden
internis
tischen
,
orthopädisch
en
, psychiatrischen
und
neuro
psycho
logischen
Untersuchungen
(Urk. 6/100/
16 f., 6/100/20 f., 6/100/25 f., 6/100/30 ff.
) und wurde in detaillierter Kennt
nis der
Vorakten
erstellt (Urk. 6/100/4
ff.).
Der Beschwerdeführer
konnte
gegenüber den einzelnen Sachverständigen
seine
aktuellen Beschwerden schil
d
ern und wurde von diesen jeweils — soweit fachspezifisch erforderlich — eingehend befragt.
Er
konnte sich insbesondere zu verschiedenen Themenbereichen wie
den aktuellen Beschwerden,
der
Krankheitsentwicklung
, seinem bisherigen Leben
sowie dem gewöhnlichen Tagesablauf äussern (Urk.
6/100/
11
-
15
, 6/100/19 f., 6/100/24 f., 6/100/28, 6/100/35 f.
). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der Diagnostik Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit darge
legt und erläutert wurden (Urk.
6/100/22 f., 6/100/26
ff.
, 6/100/38 ff.
). Die Gut
achter nahmen ausserdem Stellung zu vor
angegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk.
6/100/29,
6/100/
44 f.
). Gesamthaft erfüllt das
B._
-Gutachten somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Kriterien für eine beweiswerte medizi
nische Expertise (vgl. E.
1.
4
vorstehend).
4.2
Die psychiatrische Teilgutachterin
diagnostizierte
eine narzisstische
Persönlich
keitsstörung
sowie
eine
rezidivierende depressive Störung,
derzeit mittelgradig bis leicht ausgeprägt
(Urk. 6/
100/26
, 6/106/1-2
). Gemäss Mini-ICF-APP-Kriterien erhob sie etliche schwere und einige mittelgradige Beeinträchtigungen
(Urk. 6/
100/27-28) und gelangte zum Schluss, eine zeitliche Belastung von täglich zwei bis vier Stunden sei zum aktuellen Zeitpunkt kaum oder nur in einem geschützten Arbeitsumfeld möglich
(Urk. 6/
100/27).
Die Beschwerdegegnerin ging
hin
gegen davon aus, dass
der
Beschwerdeführer zwar an psychischen Erkran
kungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit leide, dass jedoch deren Ausprägung anhand der Vorgeschichte nicht nachvollziehbar sei
. So habe er ein Studium abschliessen und diverse Arbeitsstellen antreten können und
er
verfüge über ein familiäres Umfeld. Sodann sei keine langandauernde Therapie erkennbar. Für die stationäre Behandlung seien sodann diverse psychosoziale Belastungsfaktoren ausschlaggebend gewesen
(
Urk.
2 S. 2).
Soweit sich die Beschwerdegegnerin auf die Rechtsprechung bezieht, wonach es leichten bis mittelschweren depressiven Erkrankungen an einem hinreichenden Schweregrad der Störung fehlt, solange sie therapeutisch
angehbar
sind (vgl. zum Beispiel Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_5/2017 vom 1
1.
April
2017 E.
5.3
,
8C_753/2016 vom 1
5.
Mai
2017
E. 4.3
), ist festzuhalten, dass diese Rechtspre
chung überholt ist.
Gemäss BGE 143 V 418 E. 7 sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (
vom 30. November 2017,
E. 4.5.2) namentlich auch
leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren na
ch BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Demnach ist einer
fehlenden Therapieresistenz als solcher und für sich allein keine ent
scheidende Bedeutung bei
zu
messen
(Urteil des Bundesgerichts
8C_423/2019
vom 7. Februar 2020 E. 5.2)
.
Die
B._
-Gutachter schilderten in ihrer psychiatrischen Beurteilung
einlässlich, dass der Beschwerdeführer bereits während des Studiums einen Leidensdruck mit Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit verspürte, was zu einer Prolongation der Studiendauer geführt habe. Ferner habe der Beschwerdeführer wiederkehrend an Depressionen gelitten und es sei bei sämtlichen Arbeitsstellen zu persönlichen Differenzen gekommen, wobei er sich als unschuldiges Opfer sehe und nicht in der Lage sei, in einer Eigenreflexion sein eigenes Verhalten als möglicherweise mitverursachen
d
für die damals entstandene Dynamik zu betrachten. Es
hätten
sich eine starke Kränkung, eine ausgeprägte Opferhaltung sowie ein Versager
gefühl mit gleichzeitiger Abwertung des Umfeldes stark bemerkbar
gemacht
(Urk. 6/
100/27).
Vor diesem Hintergrund sind die im Gutachten angegebenen schweren und mittelschweren Beeinträchtigungen
(Urk. 6/
100/27-28) nachvoll
zieh
bar
und die Diagnose einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung
schlüssig
.
Auch die Diagnose einer depressiven Störung überzeugt bei
ausgeprägten Schlaf
störungen, einer Störung der Vitalgefühle mit depressiver Symptomatik, zeitweise Hoffnungslosigkeit, Dysphorie und Gereiztheit, Affektlabilität, innerer Unruhe, Schuldgefühlen, verarmtem Antrieb und sozialem Rückzug
(Urk. 6/
100/26)
. Folg
lich liegen
psychische Störungen vor
, welche
sich nicht in psychosozialen
und soziokulturellen
Umständen erschöpfen (vgl. E. 1.2 vorstehend).
Die Ärzte der
D._
, wo sich der Beschwerdeführer während fast elf Wochen in stationärer Therapie befand, bestätigten sodann die psychia
tri
schen Diagnosen, wobei sie die Depressivität
als mittelgradig
einstuften
(Urk. 6/
120/1). Psychosoziale Belastungsfaktoren wie die Überforderung bei der Alltagsbewältigung, finanzielle Schwierigkeiten und der negative Vorbescheid
der IV-Stelle
erachteten sie als mitbedingende Faktoren für die depressive Dekom
pensation
(Urk. 6/
120/3). Dies bedeutet, dass der schwerere Ausprägungsgrad der depressiven Störung möglicherweise auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzu
führen ist, nicht hingegen, dass die Depression - oder gar die Persönlichkeits
störung -
keinen Krankheitswert aufweisen würden und die erhobenen Befunde in
den genannten
Umständen ihre hinreichende Erklärung finden würden.
Damit stimmt überein, dass die
B._
-Gutachter auf die Rückfrage der IV-Stelle nach psychosozialen Faktoren keine solchen beschrieben (
Urk.
6/106/2).
Da nach dem Gesagten
von einem verselbständigten psychischen Leiden auszu
gehen ist, kann v
on der Durchführ
ung eines strukturierten Beweis
verfahrens nicht
Umgang genommen werden.
4.
3
4.
3
.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.
3
.2
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass
die De
pressivität zwar anlässlich der Begutachtung nur mittelgradig bis leicht ausgeprägt war
(Urk. 6/
106/2). Bei der
Persönlichkeitsstörung
handelt es sich hingegen
um eine schwerwiegende Erkrankung
(Urk. 6/
106/4)
. Diese Diagnose
n gehen
einher mit
einer starken körperlichen Erschöpfung sowie mit schweren Beeinträch
ti
gungen
unter anderem
in der Anpassung an Regeln und Routinen, der Flexibilität und Umstellfähigkeit, der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Durchhalt
e
- sowie der Gruppenfähigkeit
(Urk. 6/
100/27).
4.
3
.3
Bezüglich des Indikators des «Behandlungs- und Eingliederungserfolgs, bezie
hungsweise -resistenz» ist anzumerken, dass
sich der Beschwerdeführer
ausgewie
senermassen
mindestens seit September 2014
- laut seinen Angaben bereits früher
(Urk. 6/
14
,
Urk.
6/120/2
und
Urk.
1 S. 6
) -
in psychotherapeutischer Behandlung befindet
(Urk. 6/
13/1), wobei nebst
regelmässigen
therapeutischen Sit
zungen auch eine medikamentöse Behandlung stattfand
(Urk. 6/
43).
Die
B._
-Gutachter empfahlen eine langjährige, regelmässige (wöchentliche) Psychothe
rapie bei einem erfahrenen Psychotherapeuten sowie ergänzend eine Gruppen
the
rapie; ferner einen stationären Aufenthalt zur Stabilisierung des psycho
phy
sischen Zustands
(Urk. 6/
100/29-30). Nach Erstattung des Gutachtens respektive nach Erhalt des Vorbescheids begab sich der Beschwerdeführer für fast elf Wochen in stationäre psychiatrische Behandlung
(Urk. 6/
120/1).
Im Rahmen des stationären Aufenthalts wurde
nach verschiedenen medikamentösen Versuchen eine Medikation installiert, auf welche der Beschwerdeführer hinsichtlich Kon
zen
trationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Wachheit gut ansprach
(Urk. 6/
120/3), wobei sich bereits während der Begutachtung ein wacher Beschwerdeführer ohne
Aufmerksamkeits
, Gedächtnis, Konzentrations- oder Merkfähigkeitsstörungen zeigte
(Urk. 6/
100/25), sodass nicht von einer relevanten Verbesserung auszu
gehen ist. Auch bestanden weiterhin Episoden mit starker körperlicher und psy
chischer Erschöpfung
(Urk. 6/
120/3).
Der Beschwerdeführer zeigte sich
anlässlich des Aufbautrainings
und Job Coachings
sehr motiviert, sich einzugliedern
. Er ging immer wieder an und über seine Grenzen
(Urk. 6/
64/1)
und strebte
von sich aus
eine weitere Erhöhung des Pensums an
(Urk. 6/
59/2).
4.
3
.4
Neben der
Persönlichkeitsstörung
und der Depression liegen als körperliche Be
gleit
erkrankungen respektive
«
Komorbiditäten
»
ein
z
ervikales sowie ein
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom
(bei vorangegangenen operativen Eingriffen)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor
(Urk. 6/
100/37). Diese haben na
mentlich zur Folge, dass
dem Beschwerdeführer repetitives Tragen von Lasten von mehr als zehn Kilogramm, Arbeiten in
g
ebückter Haltung, Überkopfarbeiten sowie dauerndes Sitzen oder Stehen nicht zumutbar sind
(Urk. 6/
100/23).
Darüber hinaus leidet der Beschwerdeführer an
subjektiv schweren
Schmerz
en
, für welche kein organisches Korrelat zu finden
war
, was a
l
s Ausdruck seiner psychischen Problematik gewertet wurde
(Urk. 6/
100/41).
Diese wirk
en
sich ressourcen
hem
mend aus, obwohl diesbezüglich keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliegt (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1).
Hinzu kommt, dass med.
pract
.
F._
in seinem Bericht vom 2
4.
November 2015 ein chronisches Erschöpfungssyndrom
(CFS) nach
ICD-10
G93.3 - also mit orga
nischer Ursache -
diagnostizierte
(Urk. 6/
40/1).
Ferner
beschrieb die Ärztin des
H._
in ihrem Bericht vom 16. März 2017
ein ausgeprägtes chronisches Erschöpfungssyndrom unklarer Ätiologie seit 2012, als die
Nephrektomie
links erfolgt war
(Urk. 6/
67/1
). Im internistischen Teilgutachten wurde nicht diskutiert, ob die geklagte Erschöpfung beispielsweise auf die Nieren
entfernung zurückzuführen sein könnte, sondern lediglich festgehalten, der Beschwerdeführer habe
diesbezüglich über keine
Beschwerden geklagt
(Urk. 6/
100/39).
Auch auf die vorgängig von med.
pract
.
F._
gestellte Diagnose eines CFS wurde im Gutachten nicht eingegangen
,
obwohl
der Beschwerdeführer
den Gutachterpersonen seine Erschöpfung als im
Vorder
g
rund stehende
s Leiden
angegeben hat
(Urk. 6/
100/38) und
bereits früher
selber
den Verdacht
geäussert hatte
, an einem CFS zu leiden
(Urk. 6/
64/17
)
.
Nach der Begutachtung
hielten
die
Ärzte der
D._
fest, ein chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10
G93.3) sei zu diskutieren beziehungsweise seien diesbezüglich
gegebenenfalls
weitere Abklärungen zu tätigen
(Urk. 6/
120/3). Der Beschwerdeführer liess sich
daraufhin
diesbezüglich bei Prof.
G._
abklären, welcher am 3
0.
Oktober 2018 ein CFS diagnostizierte und angab, es handle sich dabei um eine somatische Erkrankung (
Urk.
9/1 S. 1-3)
, was in den übrigen
medizinischen
Akten
und namentlich im Gutachten
jedoch
keine Stütze findet und in Anbetracht der fach
fremden Beurteilung nicht zu überzeugen vermag
.
Immerhin ist in diesem Zusam
menhang festzuhalten,
dass
es sich beim
CFS
rechtsprechungsgemäss
um ein unklares
Beschwerdebild ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
handelt und
es
daher
im Rahmen de
s (heute geltenden) strukturierten Beweisverfahrens
zu würdigen ist (BGE
139 V 547
E.
2.2,
137 V 64 E. 4.2
, Urteil des Bundesgerichts 9
C_302/2013
vom 25.
September 2013
E. 4.1
)
.
Demgemäss
ist der geklagten Erschöpfung in
dem Sinne
Rechnung zu tragen, als sie sich
negativ auf
die
Ressourcen
des Beschwerdeführers
auswirkt.
4.
3
.5
Im Komplex «Persönlichkeit» ist zu beachten, dass
der Beschwerdeführer eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung
aufweist
, welche Einschränkungen im Emotio
nalen, im Interpersonellen und im Verhaltensbereich zur Folge hat
(Urk. 6/
100/40-41
,
Urk.
6/100/27-28
)
.
Als positiv zu werten sind hingegen seine intellektuellen Fähigkeiten
(Urk. 6/
100/40,
Urk.
6/120/3).
4.
3
.6
Zum Komplex «sozialer Kontext» ist
zu bemerken
, dass
die gute Beziehung zur Partnerin sowie zum gemeinsamen Sohn einen protektiven Faktor darstellt
(Urk. 6/
120/3).
Andererseits
nimmt der Beschwerdeführer kaum am Familien
leben teil
(Urk. 6/
100/40)
und es belastet ihn, dass er sich nicht im gewünschten Ausmass um seinen Sohn kümmern kann, obwohl er gerne ein guter Vater sein möchte, welcher Zeit und Energie für sein Kind hat
(Urk. 6/
64/1). Ebenso erlebt er es als Belastung, dass er seine Partnerin im Haushalt nicht im Sinne eines Teamworks unterstützen kann
(Urk. 6/
100/40). Insgesamt lebt der Beschwerde
führer sozial sehr zurückgezogen
(Urk. 6/
100/40)
. So
pflegt
er
Kontakte zu Bekannten nur selten
beziehungsweis
e
mit monatelangen Unterbrüchen
(Urk. 6/
100/15)
. Mithin weist der Beschwerdeführer dank seinem sehr kleinen, aber stabilen sozialen Netz gewisse
Ressourcen auf,
doch erlebt er sie selbst als
Belastungsfaktoren (vgl. Urk. 6/100/40).
4.
3
.7
Hinsichtlich der beweisrechtlich entscheidenden Kategorie der «Konsistenz» ist festzuhalten, dass
die Gutachterpersonen die vermeintlichen Inkonsistenzen mit der narzisstischen
Persönlichkeitsstörung
des Beschwerdeführers erklärten
(Urk. 6/
100/41).
Laut Gutachten benötigt der Beschwerdeführer die Anpassung seiner Aussagen an die jeweilige Situation, um sich psychisch stabilisieren zu können und um mögliche auftretende Selbstzweifel reguli
eren zu können (Urk. 6/100/29), was einleuchtet.
Namentlich bei der neuropsychologischen Tes
tung fielen keine Aggravationstendenzen auf und der Beschwerdeführer wirkte motiviert an der Testdurchführung mit
(Urk. 6/
100/34), was sich in etlichen her
vorragenden Ergebnissen niederschlug (vgl.
Urk.
6/100/32-34). Dies passt wiede
rum zum
gutachterlich beschriebenen gesteigerten Verlangen nach Anerkennung
(Urk. 6/
100/39)
, was sich mit der
Wahrnehmung des
Job Coach
es
deckt
(Urk. 6/
64/19).
Der Beschwerdeführer geht keinen Hobbies nach und hat keine Interessen
und verbringt viel Zeit in einem dunklen Zimmer
(Urk. 6/
100/40
, Urk.
6/100/15
).
Die abrupten Energieeinbrüche finden
sodann
auch in der arbeitsfreien Zeit statt
, sodass er sich nicht um seinen Sohn kümmern kann
(Urk. 6/64/1)
.
Ebenso wurde die ausgeprägte Erschöpfung mit substanziellen Leistungseinschränkungen
während des stationären Aufenthalts in der
D._
beobachtet (Urk. 6/120/
3
). Vor diesem Hintergrund sind die massiven Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
als konsistent zu werten, respektive erscheint das
Aktivitäts
niveau in allen vergleich
baren Lebensbereichen
gleich
mässig eingeschränkt.
4.
3
.8
Der Beschwerdeführer nimmt seit Jahren
motiviert
psychotherapeutische
Behand
lungen wahr und lässt sich medikamentös behandeln (E. 3.1 vorstehend).
Zwecks Selbstbehandlung beziehungsweise «um sich zu dopen» nimmt
der Beschwerde
führer
manchmal
Kortikosteroide
ein
(Urk. 6/
100/15).
Infolge einer Dekompen
sation nahm er dann auch eine längere stationäre Behandlung auf sich (vgl.
Urk.
6/120).
Mithin ist e
in Leidensdruck behandlungsanamnestisch ausgewiesen
.
4.
3
.9
In Anbetracht der
erhobenen
psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, wobei die
Persönlichkeitsstörung
sich stark
limitierend
auswirkt
und der Beschwerdeführer oft sehr erschöpft ist
,
was sich in einem
massiv
redu
zierten Aktivitätsniveau
im privaten Lebensbereich
mit sozialem Rückzug
mani
festiert, sowie
bei
verschiedenen
Therapiebemühungen
mit vor Erlass der an
gefochtenen Verfügung auch längerem stationären Aufenthalt
lässt sich die gut
achterlich angegebene
vollumfängliche Erwerbsunfähigkeit im ersten Arbeits
markt
auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollziehen. Demnach rechtfertigt es sich nicht, aus juristischer Sicht von dieser medizi
nischen gutachterlichen Beurtei
lung, welcher sich auch
der RAD-Arzt
anschloss
(Urk. 6/
108/6-7)
, abzuweichen.
4.4
Ob der Beschwerdeführer auch aus somatischen Gründen arbeits- respektive erwerbs
unfähig wäre
(vgl. dazu ansatzweise vorstehende E. 4.3.4
und Urk.
6/100/43
)
, kann bei diesen Gegebenheiten
offen bleiben
.
V
on weiteren dies
bezüglichen Sachverhaltsabklärungen sind bei einem Invaliditätsgrad von 100 % keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abge
sehen werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
Es resultiert ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
(
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
5.
5.1
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
(
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Nachdem sich der Beschwerdeführer im Dezember 2014 zum Leistungsbezug angemeldet hat
(Urk. 6/
3), konnte der Rentenanspruch frühestens am
1.
Juni 2015 (vgl.
Art.
29
Abs.
3 IVG) entstehen.
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
(vgl. vorstehend E. 1.3)
gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktio
nel
lem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeits
gebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer
(über
zeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natu
r ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
5
.2
Der Beschwerdeführer bezog Lohn bis zur einvernehmlichen Auflösung seines
Arbeitsverhältnisses per 2
1.
August 2014 (
Urk.
6/26). Dementsprechend gab
er
bei
der Anmeldung und anlässlich des Standortgespräches an, er sei seit September 2014
arbeitsunfähig (
Urk.
6/3/3,
Urk.
6/11/4). Er
nahm am 16.
September 2014 die Behandlung bei med.
pract
.
E._
auf, der ab
16.
August 2014
eine Arbeits
unfähigkeit bescheinigte (
Urk.
6/13/1-2).
Obschon die Persönlichkeitsstörung aus gutachterlicher Sicht schon in der Jugend aufgetreten war, kann mit Blick auf die Erwerbsbiographie in der Schweiz und die erzielten Löhne (
Urk.
6/1) nicht gesagt werden,
die Krankheit
habe
die Leistungsfähigkeit
stets
beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund vermag die rückwirkende Beurteilung der Gutachter, welche Anfang 2018 ausführten, die
P
ersönlichkeitsproblematik
habe
bereits Anfang 2014 be
standen,
weshalb
die attestierte Arbeitsunfähigkeit seither gelte (
Urk.
6/100/45)
,
nicht zu überzeugen. Vielmehr rechtfertigt sich, auf die
echtzeitliche Beschei
ni
gung
durch med.
pract
.
E._
abzustellen
. Damit ist das
Wartejahr
mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
am 1
6.
August 2014
zu eröffnen und
im
August 2015 abgelaufen.
Bei fehlender Eingliederungsfähigkeit stehen b
eabsichtigte Eingliederungs
mass
nahmen dem Entstehen des Anspruchs auf eine Invalidenrente nicht entgegen
, sondern der damit einhergehende Taggeldanspruch führt lediglich zu einer Unter
brechung des Rentenanspruchs
(BGE 126 V 241 E. 5, Urteile des Bundesgerichts
9C_634/2019 vom 1
2.
November 2019 E. 4.1 und 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009
E. 3.2;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auf
lage 2014,
Rz
12 und
14 zu Art. 29
).
Die Eingliederungsberatung
der Beschwerde
gegnerin gelangte anlässlich des Gesprächs mit dem Beschwerdeführer am 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
6/35/3-4) zum Schluss, aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seien
zur Zeit
keine beruflichen Eingliederungsmass
nahmen möglich (Mitteilung vom 3
1.
Juli 2015,
Urk.
6/34
)
, wovon auszugehen ist
.
Nach dem Gesagten
hat der Beschwerdeführer
daher
ab dem 1.
August
2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
Da der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1
1.
April 2016 bis zum
31. Januar 2017
- während des Aufbautrainings - Taggelder der Invalidenversicherung erhielt
(Urk. 6/
53 und
Urk.
6/
60
),
endete sein Rentenanspruch per Ende Juli 2016
(
Ende des dritten vollen Kalendermonats, der dem Beginn der Massnahme
bezie
hungs
weise des Aufbau
trainings folgte
;
Art.
29
Abs.
2 IVG
in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1
bis
lit
. b IVG
).
Danach
ruht
e
die Rente, ehe sie per 1. Januar
2017 (Monat, in dem der Taggeldanspruch endete; vgl. Art. 47 Abs. 2 IVG)
wieder auflebt
e
.
6.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der
Be
schwerde
aufzuheben
und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
für die Zeit vom
1.
August
2015 bis
zum 3
1.
Juli 2016 sowie erneut ab dem
1.
Januar 2017
Anspruch auf
eine ganze Rente
der Invalidenversicherung hat.
7.
7.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig
. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
1’0
00.--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der Beschwer
degegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Dem
vertretenen
Beschwerdeführer steht
ausgangsgemäss
eine Prozess
entschädi
gung zu, welche
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3
des
Gesetz
es über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
). Entsprechend ist ihm -
nach Ein
sicht in die Aufwandzusammenstellung
von Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, Winterthur,
vom 11. Februar 2019 (Urk. 10) - eine solche von Fr. 2‘420.15 (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.