Decision ID: 6701b615-1aa7-557e-a431-7d2bf0843a54
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die JM Jüdische Medien AG ist Herausgeberin der Zeitschrift "Tachles –
das jüdische Wochenmagazin", die jeweils wöchentlich am Freitag er-
scheint. Sie stellte am 22. Juli 2020 beim Bundesamt für Kommunikation
(BAKOM) ein Gesuch um Übernahme der Kosten für die Tageszustellung
durch den Bund gestützt auf die Verordnung über Übergangsmassnahmen
zugunsten der Printmedien im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom
20. Mai 2020 (Covid-19-Verordnung Printmedien, SR 783.03).
B.
Das BAKOM wies das Gesuch mit Verfügung vom 5. Oktober 2020 ab. Zur
Begründung führte es aus, als förderungsberechtigte Regional- und Lokal-
presse im Sinne des Postgesetzes und der Postverordnung würden nur
Tages- und Wochenzeitungen gelten, die nicht zur Mitgliedschafts-, Stif-
tungs-, Fach- oder Spezialpresse gehören. Eine Inhaltsanalyse des dem
Gesuch beigelegten Belegexemplars habe ergeben, dass die Wochenzei-
tung "Tachles – das jüdische Wochenmagazin" sich gesamthaft betrachtet
an einen spezifischen, eingeschränkten Leserkreis richte und damit nicht
mehr als Publikumspresse eingestuft werden könne. Damit entfalle ein An-
spruch auf Soforthilfe gemäss der Covid-19-Verordnung Printmedien.
C.
Gegen den Entscheid des BAKOM erhebt die JM Jüdische Medien AG
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 4. November 2020
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt sie, die Ver-
fügung sei aufzuheben und es seien die Kosten für die Tageszustellung der
Publikation "Tachles – das jüdische Wochenmagazin" rückwirkend per
1. Juni 2020 vollständig vom Bund zu tragen, eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung
führt sie aus, das BAKOM (nachfolgend: Vorinstanz) habe den Sachverhalt
unrichtig bzw. unvollständig festgestellt, durch die Qualifizierung von Tach-
les als Spezialpresse Bundesrecht verletzt und Tachles gegenüber thema-
tisch vergleichbaren christlichen Publikationen ungleich behandelt bzw.
diskriminiert.
D.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2020 schliesst die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde.
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Seite 3
E.
Am 19. Januar 2021 reicht die Beschwerdeführerin ihre Schlussbemerkun-
gen ein und hält an ihren Anträgen vollumfänglich fest.
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den
Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist und eine Vorinstanz im Sinne
von Art. 33 VGG entschieden hat. Beim BAKOM handelt es sich um eine
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG (vgl. Anhang 1 Ziff. VII 1.6 der
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung vom 25. November
1998 [RVOV, SR 172.010.1]). Die Verfügung vom 5. Oktober 2020 ist ein
zulässiges Anfechtungsobjekt und kann direkt beim Bundesverwaltungs-
gericht angefochten werden (Art. 31 ff. VGG). Eine Ausnahme nach Art. 32
VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zur Beurtei-
lung der Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-
ligt und ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung sowohl formell als
auch materiell beschwert. Sie ist damit nach Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-
schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach einzu-
treten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid grund-
sätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben
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Seite 4
der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen
oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
(Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben
(Art. 49 Bst. c VwVG).
3.
3.1 Gemäss Art. 4 Abs. 1 Covid-19-Verordnung Printmedien werden als
Übergangsmassnahmen die Kosten für die Tageszustellung von abonnier-
ten Tages- und Wochenzeitungen nach Art. 2 Bst. a durch die Schweizeri-
sche Post vollständig vom Bund getragen. Art. 2 Bst. a Covid-19-Verord-
nung statuiert, dass diese Verordnung für folgende abonnierte Zeitungen
gilt: Zeitungen nach Art. 16 Abs. 4 Bst. a des Postgesetzes vom 17. De-
zember 2010 (PG, SR 783.0) in Verbindung mit Art. 36 Abs. 1 und 2 der
Postverordnung vom 29. August 2012 (VPG, SR 783.01).
3.2 Gemäss Art. 16 Abs. 4 PG werden Ermässigungen gewährt für die Zu-
stellung von abonnierten Tages- und Wochenzeitungen der Regional- und
Lokalpresse (Bst. a) sowie für Zeitungen und Zeitschriften von nicht ge-
winnorientierten Organisationen an ihre Abonnenten, Mitglieder oder Spen-
der (Mitgliedschafts- und Stiftungspresse) in der Tageszustellung (Bst. b).
Gemäss Art. 16 Abs. 5 PG sind von den Ermässigungen Titel ausgeschlos-
sen, die zu einem Kopfblattverbund mit über 100'000 Exemplaren beglau-
bigter Gesamtauflage gehören. Zudem kann nach dieser Bestimmung der
Bundesrat weitere Kriterien vorsehen; solche können insbesondere sein:
das Verbreitungsgebiet, die Erscheinungshäufigkeit, der redaktionelle An-
teil sowie das Verbot von überwiegender Bewerbung von Produkten und
Dienstleistungen. Der Bund wendet zur Gewährung dieser Ermässigungen
jährlich 30 Mio. Franken für die Regional- und Lokalpresse und 20 Mio.
Franken für die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse auf (Art. 16 Abs. 7
PG). Damit leistet er einen Beitrag zur Erhaltung der Presse- und Mei-
nungsvielfalt in der Schweiz (vgl. Erläuterungsbericht des UVEK zur
Postverordnung vom 29. August 2012 [nachfolgend: Erläuterungsbericht
UVEK], S. 20; Botschaft zum Postgesetz vom 20. Mai 2009, BBl 2009
5181, 5222 f.; Urteile des BVGer A-6543/2019 vom 24. September 2020
E. 3.1, A-5034/2015 vom 11. April 2016 E. 3, A‐469/2013 vom 27. Septem-
ber 2013 E. 3.1 und A‐142/2013 vom 27. Mai 2013 E. 3.1).
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Seite 5
3.3
3.3.1 Von der Kompetenz zur Festlegung weiterer Kriterien für die Gewäh-
rung einer Ermässigung bei der Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften
hat der Bundesrat in Art. 36 VPG Gebrauch gemacht. Gemäss Art. 36
Abs. 1 Bst. a VPG erhalten Tages- und Wochenzeitungen nach Art. 16
Abs. 4 Bst. a PG eine Zustellermässigung, wobei als Regional- und Lokal-
presse Tages- und Wochenzeitungen gelten, die:
a. abonniert sind;
b. der Post zur Tageszustellung übergeben werden;
c. vorwiegend in der Schweiz verbreitet werden;
d. mindestens einmal wöchentlich erscheinen;
e. nicht überwiegend Geschäftszwecken oder der Bewerbung von Produkten und
Dienstleistungen dienen;
f. einen redaktionellen Anteil von mindestens 50 Prozent aufweisen;
g. nicht zur Mitgliedschafts-, Stiftungs-, Fach- oder Spezialpresse gehören;
h. nicht mehrheitlich in öffentlichem Eigentum stehen;
i. nicht von einer staatlichen Behörde herausgegeben werden;
j. kostenpflichtig sind;
k. eine beglaubigte Auflage von durchschnittlich mindestens 1'000 und höchstens
40'000 Exemplaren pro Ausgabe aufweisen, wobei die Auflage von einer unab-
hängigen und anerkannten Prüfstelle beglaubigt sein muss;
l. zu keinem Kopfblattverbund mit einer Gesamtauflage von durchschnittlich mehr
als 100'000 Exemplaren pro Ausgabe gehören, wobei sich die Gesamtauflage
durch Addition der beglaubigten Auflagen der Kopfblätter und der Hauptzeitung
pro Ausgabe ergibt und von einer unabhängigen und anerkannten Prüfstelle be-
glaubigt sein muss; und
m. mit den Beilagen höchstens 1 kg wiegen.
3.3.2 Seit der Revision vom 22. Juni 2007 des aPostgesetzes vom 30. Ap-
ril 1997 (AS 2007 4645) ging die Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts davon aus, dass der Erwähnung, wonach gemäss Art. 16 Abs. 4
PG (Art. 15 Abs. 2 Ingress aPG) nur Zeitungen «der Regional- und Lokal-
presse» förderungswürdig seien, eine eigenständige Bedeutung zu-
komme. Demnach wurde angenommen, dass die Zugehörigkeit zur Regi-
onal- und Lokalpresse ein zu den Voraussetzungen nach Art. 36 Abs. 1
VPG (Art. 15 Abs. 2 Bst a – g aPG) hinzukommendes weiteres Kriterium
bilde (vgl. dazu etwa die Urteile des BVGer A-4777/2011 vom 5. April 2012
E. 8, A-3216/2011 vom 8. März 2012 E. 6.1 f., A-3049/2011 vom 8. März
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2012 E. 6.4, A-3051/2011 vom 8. März 2012 E. 6.4 und A-5427/2008 vom
30. Juni 2009 E. 6.1-6.4). Das Gericht stellte gestützt darauf fest, damit
eine Zeitung oder Zeitschrift der Lokal- oder Regionalpresse zugeordnet
werden könne, müsse sich deren Verteilungsgebiet und/oder deren inhalt-
liche Ausrichtung auf ein Gebiet beziehen, das jedenfalls kleiner sei als die
Deutsch-, Westschweiz oder das Tessin (Urteil des BVGer A-4777/2011
vom 5. April 2012 E. 8.4 m.w.H.).
Gemäss dem Erläuterungsbericht UVEK begründet die Erwähnung der
«Regional- und Lokalpresse» indes kein weiteres Kriterium (S. 20). Dem-
nach wird der regionale bzw. lokale Charakter nicht durch geografische,
sprachliche oder inhaltliche Kriterien in Bezug auf das Presseerzeugnis de-
finiert, sondern durch die Kriterien nach Art. 36 Abs. 1 Bst. a – m VPG. Als
Regional- und Lokalpresse würden kleine Zeitungen gelten, die insbeson-
dere eine Auflage zwischen 1’000 und 40'000 Exemplaren haben und alle
Kriterien der Bst. a – m erfüllten. Auf eine ausdrückliche Definition der Re-
gional- und Lokalpresse im Sinne einer Beschränkung auf eine sprachliche
oder geografische Region sowie eine Vorgabe bezüglich Berichterstattung
über regionale und lokale Themen werde bewusst verzichtet, weil Abgren-
zungsschwierigkeiten entstehen würden und eine inhaltliche Kontrolle des
Presseerzeugnisses nicht erwünscht sei. An der vormaligen Rechtspre-
chung kann vor diesem Hintergrund nicht festgehalten werden (Urteil des
BVGer A-6543/2019 vom 24. September 2020 E. 3.2.2). Es sind demnach
einzig die Voraussetzungen nach Art. 36 Abs. 1 Bst. a – m VPG zu prüfen,
um zu ermitteln, ob eine Zeitung oder Zeitschrift Anspruch auf Zusteller-
mässigung bzw. vorliegend auf Übergangsmassnahmen hat.
3.3.3 Das Ausschlusskriterium der Spezialpresse nach Art. 36 Abs. 1
Bst. g VPG wurde im Rahmen der Revision des aPostgesetzes vom
22. Juni 2007 eingeführt. Der erstmals in Art. 15 Abs. 2 Bst. e aPG in der
Fassung vom 22. Juni 2007 verwendete Begriff der Spezialpresse wurde
nicht näher definiert. Das Bundesgericht grenzte diesen Begriff im Urteil
2C_568/2009 vom 21. April 2010 E. 2.2 zunächst negativ von der Publi-
kumspresse ab, da in der parlamentarischen Debatte von 2007 exempla-
risch die Titel Le Temps, Le Nouvelliste, La Liberté, La Gruyère und die
Freiburger Nachrichten für den medienpolitischen Förderungsbedarf ge-
nannt wurden (vgl. AB 2007 S. 421 ff.). Demnach handelt es sich hierbei
um Zeitschriften, die sich an ein breites Publikum richten, um dieses in
Form von Kommentaren und Analysen über die internationalen, schweize-
rischen, kantonalen und regionalen Aktualitäten in den verschiedensten
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Bereichen, wie z.B. Politik, Wirtschaft, Finanzen, Kultur, Soziologie, Erzie-
hung, Natur, Technik, Umwelt sowie Sport, zu informieren und dadurch
mehr als andere Publikationen zu der für eine demokratische Auseinander-
setzung unerlässlichen Wissensgrundlage beitragen. Im Umkehrschluss
definiert das Bundesgericht die "Spezialpresse" als eine Presse, die sich
an einen durch gleichartige Interessen miteinander verbundenen Leser-
kreis richtet, dem sie bestimmte Informationen, Kenntnisse und vertiefte
Meinungen über ein bestimmtes Untersuchungsobjekt vermittelt. (vgl. auch
Urteil des BVGer A-5034/2015 vom 11. April 2016 E. 3.1.2 m.w.H.). Im Er-
läuterungsbericht UVEK wird als Spezialpresse ein Titel bezeichnet, der
sich primär an Privatpersonen mit spezifischen Interessen richtet (Erläute-
rungsbericht UVEK, S. 20 f.; siehe auch Urteile des BVGer A-5034/2015
vom 11. April 2016 E. 3.1.2 und A-4777/2011 vom 5. April 2012 E. 7.1).
Gemäss den bundesgerichtlichen Vorgaben sind für die Frage, ob ein Titel
die indirekte Presseförderung erhält bzw. vorliegend von einer Übergangs-
massnahme gemäss Covid-19-Verordnung Printmedien profitieren kann,
also ob die einschlägigen Kriterien erfüllt sind, der Inhalt sowie der Ge-
samteindruck, welcher er vermittelt, ausschlaggebend (vgl. Urteil des
BVGer A-5034/2015 vom 11. April 2016 E. 3.1.2 f. m.w.H.). Dabei ist zu
beachten, dass wohl eine Mehrheit der Publikationen in der Schweiz eine
gewisse Ausrichtung aufweist, sei es in politischer, gesellschaftlicher oder
in religiöser Hinsicht, was für sich alleine noch nicht zur Zuordnung zur
Spezialpresse führt (Urteil des BVGer A‐3049/2011 vom 8. März 2012
E. 5.4 und 5.5).
4.
4.1 Die Vorinstanz erachtet die Voraussetzungen nach Art. 36 Abs. 1 Bst.
a – f und h – m VPG als erfüllt. Indes sei "Tachles – das jüdische Wochen-
magazin" (nachfolgend auch: Tachles) der Spezialpresse gemäss Art. 36
Abs. 1 Bst. g VPG zuzurechnen und habe somit keinen Anspruch auf So-
forthilfe gemäss Covid-19-Verordnung Printmedien. Ihre Beurteilung stützt
die Vorinstanz auf das von der Beschwerdeführerin dem Gesuch vom
22. Juli 2020 beigelegte Belegexemplar Nr. 29/30/31 vom 17. Juli 2020
(Sommerausgabe). Dazu hält sie fest, dass die Inhaltsanalyse dieser Aus-
gabe den grossen Bezug zur jüdischen Gemeinschaft und dem Judentum
verdeutliche. Die Artikel in den Sparten "Nachrichten", "Fokus", "Kultur"
und "Inside" würden zwar Themen aus verschiedenen Bereichen aufwei-
sen, wobei aber jüdischen Inhalten ein zentraler Stellenwert zukomme und
nahezu alle Artikel einen starken Bezug zum Judentum und zur jüdischen
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Gemeinschaft hätten. "Tachles – das jüdische Wochenmagazin" fokussiere
stärker auf ein bestimmtes, vorliegend dem Judentum verbundenes Ziel-
publikum und es fehle die thematische Breite, durch welche sich die Publi-
kumspresse auszeichne. Es fänden sich kaum Artikel von allgemeinem In-
teresse ohne Bezug zum Kernthema. Im Vergleich zu einem Titel, der zur
Publikumspresse gehöre und den Schwerpunkt dabei auf der zeitnahen
Informationsverbreitung und der Kommentierung der Ereignisse lege sowie
die Aufgabe und das Ziel habe, die allgemeine Bevölkerung mit dem de-
mokratiepolitisch relevanten (Hintergrund)wissen zu versorgen, um sich
durch ihre breite Berichterstattung eine Meinung zu bilden und am demo-
kratischen Willensprozess teilzuhaben. Vielmehr sei die vorliegende Zeit-
schrift darauf ausgerichtet, spezifische Themen des Judentums von ver-
schiedenen Seiten zu beleuchten und zu analysieren.
Die Zeitschrift wolle in erster Linie Wissen rund um das Judentum und da-
mit spezifische redaktionelle Inhalte vermitteln. Obwohl manche Artikel in
den Kontext zum aktuellen Geschehen gestellt würden, gehe es inhaltlich
im Kern immer um ein Ereignis, eine Institution (Schule, Altersheim etc.)
oder eine Persönlichkeit in direktem oder indirektem Zusammenhang mit
dem Judentum. Der Gesamteindruck, den der Leser beim Betrachten der
Zeitschrift "Tachles – das jüdische Wochenmagazin" erhalte, sei gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung massgebend. Der Umstand, dass
sich vereinzelt auch Artikel ohne expliziten Bezug zum Judentum finden,
ändere nichts am Grundcharakter der Zeitschrift und seiner Fokussierung
auf das eine Kernthema.
4.2 Den Ausführungen der Vorinstanz hält die Beschwerdeführerin insbe-
sondere entgegen, dass Tachles sich nicht ausschliesslich an eine jüdische
Leserschaft richte. Eine interne Erhebung bei den abonnierten Tachles-Ma-
gazinen habe gezeigt, dass rund 25 bis 30 % der Leser nicht-jüdischen
Glaubens seien. Für Tachles sei die Religionszugehörigkeit ohnehin nicht
entscheidend, da das Magazin gerade keine religiöse Zeitschrift sei, und
den Anspruch habe, Leser unabhängig ihrer Glaubensausrichtung anzu-
sprechen. Tachles richte sich an ein breites Publikum und könne nicht ein-
zig auf eine rein jüdische Leserschaft reduziert werden. Auch der Online-
Auftritt von Tachles (vom 26. Oktober 2020) belege eine breite Themen-
vielfalt ("News", "Schweiz", "Israel", "International", "Kultur", "Stand-
punkte", "Logbuch", "Wahlen 2020"), die auch in einer regulären Schweizer
Tageszeitung zu finden wären. Das Wochenmagazin selbst weise eine
grosse Themenvielfalt auf, insbesondere in den Bereichen schweizer und
internationale Aktualitäten, (Geo-)Politik, Gesellschaft, Geschichte und
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Seite 9
Kultur, die eine breite Leserschaft anspreche. Entgegen den Feststellun-
gen der Vorinstanz könne keine Rede davon sein, dass sich kaum Artikel
des allgemeinen Interesses finden liessen. Tachles habe wohl einen jüdi-
schen Fokus bzw. eine entsprechende Ausrichtung, stelle aber in keiner
Weise eine religiöse Zeitschrift dar. Durch die Sonderbeilagen zu nationa-
len und wichtigen kantonalen Wahlen trage Tachles zu der für die demo-
kratische Auseinandersetzung unerlässlichen Wissensvermittlung und de-
mokratischen Meinungsbildung bei, was bei der Beurteilung von Tachles
als Titel der Publikumspresse zu berücksichtigen sei.
Die Beschwerdeführerin rügt neben der unrichtigen und unvollständigen
Feststellung des Sachverhalts zudem die fehlerhafte Rechtsanwendung
von Bundesrecht. Das Bundesverwaltungsgericht habe in verschiedenen
Urteilen (A-3216/2011, A-3049/2011 und A-3051/2011, jeweils alle vom
8. März 2012 sowie A-4777/2011 vom 5. April 2012) festgehalten, dass die
Wochenzeitschrift "echo magazine", die katholische Familienzeitschrift
"Sonntag" und das evangelische Wochenmagazin "Leben und Glauben"
wohl eine markante christliche Ausrichtung aufweisen würden, dies aber
für die Einordnung als Spezialpresse nicht entscheidend sei. Diese Zeit-
schriften würden ein breites Themenspektrum aufweisen und dadurch ei-
nen Beitrag zur politischen Meinungsbildung leisten. Zwar würden diese
Zeitschriften vorwiegend ein christlich interessiertes Publikum bedienen,
sie würden jedoch angesichts ihres breiten Themenspektrums auch Lese-
rinnen und Leser ausserhalb dieses Kreises ansprechen. Genauso ver-
halte es sich mit Tachles: die Tatsache, dass Tachles eine jüdische Aus-
richtung habe, sei nicht entscheidend für die Einordnung als Spezial-
presse. Zudem enthalte Tachles keineswegs nur rein kirchliche oder religi-
öse Themen, sondern drucke eine Vielzahl an Artikeln zu verschiedensten
Themen ab, die auch Leser nicht-jüdischen Glaubens ansprechen würden.
5.
5.1 Nachfolgend ist zu überprüfen, ob die Vorinstanz den Titel "Tachles –
das jüdische Wochenmagazin" zu Recht der Spezialpresse zurechnet. Die
Vorinstanz kam aufgrund der Analyse des Belegexemplars "Tachles – das
jüdische Wochenmagazin" vom 17. Juli 2020 zum Schluss, die Zeitung
richte sich gesamthaft betrachtet an einen spezifischen, eingeschränkten
Leserkreis und leiste damit lediglich einen marginalen Beitrag zum Mei-
nungsbildungsprozess der Allgemeinheit und könne damit nicht mehr als
Publikumspresse eingestuft werden (vgl. oben E. 4.1).
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Seite 10
5.2 Die Vorinstanz hat sich für ihre Einschätzung auf die von der Beschwer-
deführerin mit dem Gesuch um Presseförderung eingereichte Ausgabe be-
schränkt. Dies ist nicht zu beanstanden und bedeutet keine ungenügende
Sachverhaltsdarstellung, wie sie die Beschwerdeführerin rügt. Die Inhalts-
analyse einer Zeitschrift für die Prüfung der Presseförderungsgesuche
gründet immer auf einer beschränkten Auswahl von Ausgaben. Die Be-
schwerdeführerin war im Rahmen der Gesuchseinreichung gehalten, alle
erforderlichen Nachweise einzureichen (vgl. Gesuch um Presseförderung
vom 22. Juli 2020). Sie reichte in diesem Zusammenhang nur ein Beleg-
exemplar ein, das Basis der Beurteilung durch die Vorinstanz bildete. Auf
Beschwerdeebene sind jedoch auch die drei weiteren eingereichten Aus-
gaben in die Beurteilung einzubeziehen (vgl. Urteil des BVGer A 6543/2019
vom 24. September 2020, E. 5.3.1).
5.3 Die von der Vorinstanz analysierte Sommerausgabe Nr. 29/30/31 "Ta-
chles – das jüdische Wochenmagazin" vom 17. Juli 2020 umfasst 31 Sei-
ten mit vier Sparten "Nachrichten", "Fokus", "Kultur" und "Inside". Die Titel-
seite enthält eine Vorschau über einige der Artikel.
5.3.1 Vor der ersten Hauptsparte "Nachrichten" gibt es eine kleine Rubrik
"Standpunkte" mit drei Kommentaren von drei verschiedenen Autoren. Sie
tragen die Titel "Mit einer Verfassung gegen das Chaos", "Demaskiert
Euch!" und "Ein Sommer in Europa". Im ersten Kommentar wird auf das
politische System Israels Bezug genommen, in den anderen zwei Kom-
mentaren wird kein Schwerpunkt auf das Judentum oder Israel gelegt. Im
Kommentar "Demaskiert Euch!" wird kurz Israels Ministerpräsident, neben
anderen Staatsoberhäuptern, im Umgang mit dem Coronavirus genannt.
5.3.2 Die Rubrik "Nachrichten" ist unterteilt in sechs Unterrubriken:
"Schweiz", "Israel", "International", "Menschen der Woche", "Zur Lage in
Israel" und "Leserbriefe".
In der Unterrubrik "Schweiz" werden drei Nachrichten abgedruckt: zum ei-
nen, dass eine ehemalige Jeschiwa verkauft wurde, eine Petition gegen
die geplante Annexion von Teilen des Westjordanlandes durch die israeli-
sche Regierung an den Bundesrat eingereicht wurde und zum anderen,
dass der New Israel Fund Schweiz (NIF), J-Call Schweiz und andere pro-
gressive jüdische Organisationen an die Mitglieder der jüdischen Gemein-
den appellieren, eine Stellungnahme gegen die Annexion zu unterschrei-
ben.
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Seite 11
In der nächsten Unterrubrik "Israel" gibt es einen kurzen Bericht mit dem
Titel "Proteste in Israel", einen Bericht über künstliche Intelligenz im Zu-
sammenhang mit der Krebsforschung an der Universität Tel Aviv sowie den
Artikel "Corona-Hilfe für Hamas" sowie einen Kurzbericht "Neue Drohnen
aus Israel lassen auf sich warten".
Die Unterrubrik "International" enthält drei Artikel: "Neuer Simon-Wiesent-
hal-Preis", dieser wurde in Wien ins Leben gerufen. Dabei werden Perso-
nen ausgezeichnet, die sich besonders gegen Antisemitismus und für die
Aufklärung über den Holocaust engagieren. Sodann berichtet der Artikel
"Entlassungen bei Vorzeigezentrum", dass im renommierten Marlene Mey-
erson Jewish Community Center in New York 32 Angestellte aufgrund des
Coronavirus' entlassen werden mussten. Schliesslich gibt es einen Kurz-
bericht über das Schächtverbot.
In der Unterrubrik "Menschen der Woche" geht es um Neuigkeiten von vier
Persönlichkeiten: Eli Rozenberg, Sohn einer jüdisch-amerikanischen Un-
ternehmerfamilie, bemühe sich um die Übernahme der Stimmenmehrheit
im Aktionariat der israelischen Fluggesellschaft El-Al, Tzippi Hotovely, die
neue israelische Botschafterin im Vereinigten Königreich, Gérald Darma-
nin, der französische Innenminister, der den Schabbat-Gottesdienst in der
Grossen Synagoge in Paris besuchte und väterlicherseits jüdische Wurzeln
habe, sowie um Laura Janner-Klausner, die als wichtigste Reformrabbine-
rin Grossbritanniens zurücktrat. In der nächsten Rubrik "Zur Lage in Israel"
ist der Artikel "Wo ist bloss Israels Parlament?" abgedruckt. Die zwei Le-
serbriefe in der Rubrik "Leserbriefe" zitieren und beziehen sich auf die Art
der Berichterstattung über Israel bzw. eine Leserzuschrift im Zusammen-
hang mit einem Artikel in der "Jüdischen Zeitung".
5.3.3 In der Rubrik "Fokus" folgen vier längere Beiträge, die jeweils eine
bis drei Seiten umfassen. Der erste Beitrag mit dem Titel "Der Kampf gegen
Antisemitismus" erstreckt sich über eine Doppelseite und berichtet über die
vor 73 Jahren in Seelisberg stattgefundene "Internationale Konferenz der
Christen und Juden". Als nächster Bericht folgt das Interview "Den Ermes-
sensspielraum zu nutzen ist Pflicht – nicht Kür" mit Claudia Kaufmann, die
16 Jahre die Ombudsstelle der Stadt Zürich leitete. Im Interview geht es
um ihre Arbeit, die Corona-Pandemie, Willkür, Ermessensfragen oder die
Menschenwürde. Die letzte Frage nimmt sodann Bezug auf ihre jüdische
Herkunft. Im Bericht "Erinnern ist gegenwärtig" geht es um eine Ausstellung
im Basler Museum der Kulturen, die sich mit den Ausdrucksformen des
Erinnerns und Vergessens befasst. Schliesslich folgt der Beitrag "Politik
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Seite 12
durch Bescheidenheit", in dem es um den Staatsgründer Chaim-Mosche
Schapira, der vor 50 Jahren gestorben ist und bis heute eine in Israels Po-
litikbetrieb bestehende Lücke hinterlassen habe.
5.3.4 In der Rubrik "Kultur" werden zunächst verschiedene Kulturtipps und
News aus der Kulturwelt abgedruckt, unter anderem die aktuelle Ausstel-
lung in der Galerie Schlesinger, die Ausstellung "Wild Card 10*: sich erin-
nern" im Museum Strauhof, die Reihe "Snapshots of German Jewish His-
tory and Culture" im Leo Baeck Institute in London oder die Zusammenar-
beit der israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem und dem Deutschen
Literaturarchiv Marbach, die die Website "Poetic Textures: Else Lasker-
Schüler Archives" erarbeiteten. Es folgt ein doppelseitiger Artikel mit dem
Titel "Klezmer mit Zugluft" in dem es darum geht, dass die Schweizer Kul-
turszene unter der Corona-Krise leide, viele Künstlerinnen und Künstler
sich jedoch auf die neue Saison hin kreativ und zuversichtlich zeigen wür-
den. Schliesslich wird die Rubrik mit der Unterrubrik "Akzente" mit TV- und
Radio-Tipps, Empfehlung einer Website und Büchertipps beendet.
5.3.5 Die letzte grössere Rubrik "Inside" besteht aus diversen Unterrubri-
ken. Die Rubrik wird eröffnet mit verschiedenen Mitteilungen, u.a. "Velo
fahren für Kinder", wo mittels eines Bikeathons Geld für die Primar- und
Sekundarschule Tifere Doniel gesammelt wurde, die Mitteilung, dass das
Lernprogramm "Mizpe" des Rabbinats der Israelitischen Cultusgemeinde
Zürich (ICZ) auch im Herbstsemester 2020 durchgeführt werde, der Yakir-
Preis an eine Schweizerin verliehen wurde; die Ehrung gehe jährlich an
Menschen, die älter als 65 Jahre sind, schon lange in Jerusalem leben
würden und namhaft zur Entwicklung der Stadt beigetragen hätten.
Schliesslich wird mitgeteilt, dass die Christlich-Jüdische Akademie statt ei-
ner Pause eine Sommerakademie durchführe, sodann wird der Standpunkt
zum Verhüllungsverbot dargestellt. Es folgt die Unterrubrik "Sidra", wo ein
Kommentar zu einer Toratextstelle (4. Buch Mose) mit dem Titel "Der Tod
des Hohepriesters" abgedruckt ist. In den Unterrubriken "Nachrichten",
"Kalender", "Synagogenordnung" und "Familiennachrichten" werden ver-
schiedene Anlässe der jüdischen Gemeinde in der ganzen Schweiz aufge-
führt sowie Familiennachrichten über Geburt, Bar Mizwa, Geburtstage und
Todesmeldungen kommuniziert. Das Magazin wird mit der Auflösung eines
Kreuzworträtsels abgeschlossen, dessen Lösungswort "CHAWERIM" lau-
tet.
5.4 Die Beschwerdeführerin bringt zu dieser Ausgabe vor, dass diese un-
terschiedlichste Artikel enthalte ("Demaskiert Euch!", "Der Kampf gegen
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Antisemitismus", "Den Ermessensspielraum zu nutzen ist Pflicht – nicht
Kür", "Erinnern ist gegenwärtig", "Klezmer mit Zugluft" oder "Velo fahren
für Kinder"), unter anderem zu (geo-)politischen, kulturellen und gesell-
schaftlichen Themen, die auch Leser ohne jüdische Glaubensrichtung an-
sprechen würden. Die genannten Artikel würden ohne weiteres auch in ei-
ner Tageszeitung oder einem anderen Wochenmagazin stehen können.
Die Vorinstanz habe in ihrer Verfügung keine eigentliche Inhaltsanalyse der
Artikel vorgenommen, sondern sei pauschal zum Fazit gekommen, das na-
hezu alle Artikel einen starken Bezug zum Judentum und zur jüdischen
Gemeinschaft aufweisen würden, was unzutreffend sei.
5.5 Hierzu ist anzumerken, dass die erwähnten Artikel auf den ersten Blick
tatsächlich sehr allgemein gehalten bzw. als übliche Nachrichten und Kom-
mentare erscheinen. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass ein Be-
zug zum Judentum, z.B. einer jüdischen Familie, einer jüdischen Schule
("Velo fahren für Kinder"), zur jüdischen Musikkultur ("Klezmer mit Zug-
luft"), zur jüdischen Herkunft (Interview mit Claudia Kaufmann) und Ge-
schichte ("Erinnern ist gegenwärtig") oder zur israelischen Politik ("Politik
durch Bescheidenheit") in praktisch allen Artikeln vorhanden ist. Einzig in
den zwei Kommentaren der Rubrik "Standpunkte", beim Artikel "Virtuell vs.
Real", dem Kulturtipp zum "Zürcher Theater Spektakel" und den TV-, Ra-
dio- und Büchertipps ist kein solcher direkter Zusammenhang erkennbar.
Auch in der Rubrik "Nachrichten" werden ausschliesslich Nachrichten mit
einem Bezug zu Themen verkündet, die in irgendeiner Art und Weise auf
das Judentum, Israel oder auf die jüdische Gemeinschaft verweisen, sei es
zur israelischen Politik, zum Verkauf einer Jeschiwa in Kriens, Forschungs-
ergebnisse aus Israel, Entlassungen im jüdischen Vorzeigezentrum in New
York oder sei es bei der Kategorie "Menschen der Woche". Dies setzt sich
in der Rubrik "Inside" fort, in der es hauptsächlich um Nachrichten und In-
formationen für die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz geht (z.B. Syna-
gogenordnung, Abwesenheit eines Rabbiners infolge Ferien, Generalver-
sammlung des Israelitischen Frauenvereins Basel, Chabad Zürich, Fami-
liennachrichten). Eine Ausnahme stellt in dieser Rubrik der Tipp "Stand-
punkt zum Verhüllungsverbot" dar, bei dem es keinen Bezug zum Juden-
tum gibt.
5.6 Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens drei weitere Exemplare des Tachles sowie drei Sonderbeilagen zu den
nationalen und (stadt-)zürcherischen Wahlen 2019 bzw. 2018 ein.
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5.6.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, in der Ausgabe Nr. 32 vom 7. Au-
gust 2020 gehe es um den Basler Immunologen Georg Holländer, der ei-
nen Impfstoff gegen Covid-19 entwickle, sodann werde über eine Plakat-
kampagne der Zürcher Gesundheitsdirektion berichtet oder über einen auf-
sehenerregenden archäologischen Fund in Dimona (Israel) sowie über die
Beziehung zwischen dem damaligen US-Präsident Donald Trump und dem
Missbrauchstäter Jeffrey Epstein. Des Weiteren gebe es ein Interview mit
dem Präsidenten der Stiftung für Erziehung und Toleranz, in welchem er
erkläre, wie Kinder mit einer Spielbox zum Thema Diskriminierung sensibi-
lisiert würden. Zudem finde sich ein Hintergrundbericht zur Explosion in
Beirut und ein kurzer Artikel zum Theaterspektakel in Zürich.
5.6.2 Zur Ausgabe Nr. 40/41 vom 2. Oktober 2020 verweist die Beschwer-
deführerin auf ein Interview mit dem deutschen Aussenminister Heiko
Maas, einen Artikel über den verbesserten Schweizer Tierschutz, die Aus-
zeichnung von Regisseur Rolf Lyssy und die Weltpremiere eines Films am
Zurich Film Festival. In den Nachrichten zu Israel werde über die verstor-
bene US Supreme Court Richterin Ruth Bader Ginsburg berichtet und in
der Rubrik "Nachrichten International" finde sich ein Artikel über den
Staatsbesuch vom damaligen US-Aussenminister Mike Pompeo in Thes-
saloniki anlässlich des Jom Kippur sowie ein Bericht über einen Straffall in
Brooklyn rund um die Verurteilung von Clare Bronfman. In der Kategorie
"Fokus" sei ein Artikel über die Ringvorlesung "Fremdbilder – Selbstbilder:
Juden und Christen im Mittelalter" an der Universität Bern abgedruckt wor-
den und in der Rubrik "Kultur" finde sich eine Würdigung des Meisterfoto-
grafen Helmut Newton zum 100. Geburtstag. Schliesslich werde in der Ka-
tegorie "Inside" auf eine Veranstaltung im Zürcher Theater Neumarkt ("Na-
her Osten als Utopie?") hingewiesen.
5.6.3 In der von der Beschwerdeführerin dritten beigelegten Ausgabe
Nr. 42 vom 16. Oktober 2020, die sich schwergewichtig mit den Neuwahlen
im Schweizer Israelitischen Gemeindebund (SIG) widme, habe es auch
zahlreiche weitere, thematisch breite Artikel. Beispielsweise sei die Nah-
ost-Strategie des Schweizer Bundesrats Thema, es gebe einen Bericht
über eine bedrohte Gazellenart in Israel, die prekäre Lage von Flüchtlingen
auf Moria ("Nach dem Feuer das Wasser"), einen Artikel über den Tennis-
spieler Diego Schwartzmann sowie eine Meldung über Spenden von Mark
Zuckerberg für einen fairen Wahlkampf in den USA. Es gebe zudem Be-
richte über einen NZZ-Korrespondenten, der sich zur politischen Lage in
Österreich äussert, über den Wirtschaftspionier Michael Kohn, das Ein-
kaufszentrum Tivoli in Spreitenbach oder über Belarus.
A-5457/2020
Seite 15
5.7
5.7.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die genannten Artikel der ins
Recht gelegten Ausgaben würden eine breite Leserschaft unabhängig ih-
res religiösen Hintergrunds ansprechen.
Bei den erwähnten Artikeln in der Ausgabe Nr. 32 vom 7. August 2020 kann
festgestellt werden, dass – mit Ausnahme des Interviews mit Georg Hol-
länder und dem Veranstaltungshinweis zum Theaterspektakel – in der ei-
nen oder anderen Art und Weise ein Bezug zum Judentum auszumachen
ist, sei es die jüdische Herkunft Jeffrey Epsteins (vgl. https://de.wikipe-
dia.org/wiki/Jeffrey_Epstein, abgerufen am 03.03.2021) oder die Spielbox,
die die Kinder für das Thema Diskriminierung und damit auch für jenes des
Antisemitismus' sensibilisieren soll oder der Bericht über die Explosion in
Beirut, der zeigt, wie Israel mit den geopolitischen Veränderungen in Sy-
rien, Libanon und Iran gefordert sei.
Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass die aufgeführten Artikel
der Ausgabe Nr. 40/41 vom 2. Oktober 2020 zum Schweizer Tierschutz,
zur Auszeichnung von Rolf Lyssy und zur Veranstaltung im Zürcher Thea-
ter Neumarkt von sehr allgemeinem Interesse rühren und keinen expliziten
Bezug zum Judentum aufweisen. Im Hinblick auf die übrigen erwähnten
Artikel ist jeweils ein Zusammenhang zum Judentum auszumachen: zum
einen geht es um die jüdische Herkunft der erwähnten Personen (Ruth Ba-
der Ginsburg [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Bader_Ginsburg, abgeru-
fen am 03.03.2021], Clare Bronfman [https://en.wikipe-
dia.org/wiki/Clare_Bronfman, abgerufen am 03.03.2021] und Helmut
Newton [https://en.wikipedia.org/wiki/Helmut_Newton, abgerufen am
03.03.2021]), zum anderen um einen jüdischen Feiertag (Jom Kippur) oder
die jüdische Geschichte (Ringvorlesung).
Auch zur Ausgabe Nr. 42 vom 16. Oktober 2020 ist anzumerken, dass
diese, wie von der Beschwerdeführerin bereits erwähnt, einen Schwer-
punkt auf die Neuwahlen im SIG setzt. Der Bericht über die Nahost-Strate-
gie des Bundesrates und die Artikel über Diego Schwartzmann und Mark
Zuckerberg (beide jüdischer Herkunft vgl. https://en.wikipe-
dia.org/wiki/Diego_Schwartzman und https://en.wikipe-
dia.org/wiki/Mark_Zuckerberg beides abgerufen am 03.03.2021), Michael
Kohn (ehemaliger Präsident des SIG), das Tivoli Spreitenbach, das vom
jüdischen Architekten Victor Gruen entworfen wurde, der Bericht über die
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Seite 16
politische Lage in Österreich, bei dem es u.a. auch um die Juden und an-
tijüdische Vorfälle geht sowie der Artikel über die bedrohte Gazellenart in
Israel weisen allesamt einen Bezug zum Judentum oder Israel auf. Beim
Bericht über Belarus ist kein solcher Zusammenhang zu sehen.
5.7.2 Zu den ebenfalls von der Beschwerdeführerin ins Recht gelegten
Sonderbeilagen zu den nationalen, kantonalen und stadtzürcherischen
Wahlen ist Folgendes festzustellen:
Die Sonderbeilage zu den nationalen Wahlen umfasst 19 Seiten und por-
trätiert zahlreiche Politiker. Sie enthält Analysen über den Wahlkampf durch
Wissenschaftler und Forscher, es gibt ein Interview mit dem Präsidenten
und Ehrenpräsidenten der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
und deren Positionierung, sodann wird eine Wahlempfehlung für den Kan-
ton Zürich des Vorstandes der Sektion Zürich der Gesellschaft Schweiz-
Israel mit Kandidierenden, die sich für Israel engagieren und entschlossen
gegen Antisemitismus und Rassismus kämpfen würden, abgedruckt (S.
15). Zusätzlich gibt es auch eine Wahlempfehlung der Auslandschweizer-
Organisation mit Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in der Schweiz
für Israel einsetzen würden (S. 15). Zusätzlich gibt es neben neutralen
Wahlkampfinseraten mit Kandidierenden auch einige, die sich speziell den
jüdischen Anliegen und Interessen verpflichten (S. 2, 6, 8, 12, 13 und 18).
Die Beilage schliesst mit dem Bericht "Löst die Schweiz den Nahost-Kon-
flikt?".
Die zwei Sonderbeilagen über die kantonalen Wahlen des Kantons Zürich
im März 2019 bzw. die stadtzürcherischen Wahlen im Jahr 2018 sind ähn-
lich aufgebaut wie jene Sonderbeilage zu den nationalen Wahlen. Auch in-
haltlich wird ein Überblick über die Wahlen geliefert und es werden ver-
schiedene Politiker, nicht-jüdischen Ursprungs und jüdischen Ursprungs
porträtiert. Zu den kantonalen Wahlen gibt es wiederum eine Wahlempfeh-
lung der Sektion Zürich der Gesellschaft Schweiz-Israel.
5.7.3 Die Durchsicht von vier Exemplaren und drei Sonderbeilagen des Ta-
chles ergeben, dass die Zeitung der Beschwerdeführerin ihre Kernthemen,
nämlich das Judentum und Israel, umfassend und aus den verschiedens-
ten Blickwinkeln behandelt und Berichte etwa aus der Politik, der Gesell-
schaft, der Kultur, dem Ausland, der Geschichte oder der Forschung und
Technik enthält. Dies erfolgt jedoch fast ausschliesslich beschränkt auf
Themen mit einem engen Bezug zum Judentum und zu Israel. Aktuelle
Sachfragen ohne Zusammenhang mit den Kernthemen werden zwar auch
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Seite 17
behandelt, kommen aber selten ohne Hinweis zum Judentum aus, auch
wenn dieses nur am Rande erwähnt wird. Meistens geht es dann um die
jüdische Herkunft einer (interviewten) Person. Artikel ganz ohne Bezug zu
den Kernthemen sind ebenfalls zu finden, sind jedoch deutlich in der Un-
terzahl, meistens sind dies zwei bis drei Artikel pro Ausgabe. Tachles
spricht auch im Hinblick auf den abgedruckten Veranstaltungskalender, die
Synagogenordnung oder die aufgeführten Familiennachrichten eindeutig
die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz an. An diesem Gesamteindruck,
der die Zeitschrift vermittelt und der gemäss den bundesgerichtlichen Vor-
gaben für die Frage, ob ein Presseerzeugnis zur Publikumspresse oder
Spezialpresse gehört, ausschlaggebend ist, ändern auch die Sonderbeila-
gen zu nationalen, kantonalen und kommunalen Wahlen nichts. Obwohl
diese geeignet sind, zum Meinungs- und Demokratisierungsprozess beizu-
tragen, sind auch sie an eine Leserschaft gerichtet, die dem Judentum und
der jüdischen Geschichte eng verbunden sind. Dies zeigt sich vor allem in
den Wahlempfehlungen jüdischer Organisationen, den Portraits von Politi-
kern mit jüdischen Wurzeln oder den Inseraten von Kandidierenden, die
versprechen, sich für die Interessen der Juden in der Schweiz und die Be-
ziehung der Schweiz zu Israel einzusetzen. Die Zeitschrift der Beschwer-
deführerin weist daher die typischen Merkmale der Spezialpresse auf,
nämlich eine Sammlung von Artikeln zu einem bestimmten Thema. Die
Vorinstanz ist demnach zu Recht und unter korrekter Sachverhaltsfeststel-
lung zum Schluss gelangt, dass bei der Zeitschrift der Beschwerdeführerin
die spezifischen, den Kernthemen verpflichtende Elemente der Spezial-
presse insgesamt klar überwiegen und nicht mehr nur von einer bestimm-
ten Prägung gesprochen werden kann. Tachles spricht primär die jüdische
Gemeinschaft bzw. Personen mit Interesse am Judentum an und leistet
somit einen marginalen Beitrag zum politischen Meinungsbildungsprozess
der Allgemeinheit.
5.8 Zusammenfassend ist die Einschätzung der Vorinstanz zur Qualifizie-
rung von Tachles als Spezialpresse zu bestätigen. Die Beiträge in "Tachles
– das unabhängige jüdische Wochenmagazin" haben, auch wenn sie sich
vordergründig mit Themen aus verschiedensten Bereichen befassen, bis
auf vereinzelte Ausnahmen einen deutlichen Bezug zum Judentum und Is-
rael. Dadurch entsteht der Gesamteindruck einer facettenreichen jüdi-
schen Zeitschrift, die aufgrund ihres von den Kernthemen dominierten In-
halts der Spezialpresse zuzurechnen ist. Da der Inhalt und der Gesamtein-
druck ein eindeutiges Ergebnis ergeben, kommt es nicht auf die Leser-
schaft an (vgl. das Urteil des BVGer A-5034/2015 vom 11. April 2016
E. 3.3), weshalb auf den diesbezüglichen Antrag der Beschwerdeführerin
A-5457/2020
Seite 18
auf Einholung eines gerichtlichen Gutachtens/Lesererhebung über die Re-
ligionszugehörigkeit der Leserschaft abzuweisen ist.
6.
Die Beschwerdeführerin rügt zudem eine Verletzung des Rechtsgleich-
heitsgebots bzw. Diskriminierungsverbots aufgrund der Religion gemäss
Art. 8 Abs. 1 bzw. Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV,
SR 101).
6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz verletze das
Rechtsgleichheitsgebot, indem sie Tachles als Spezialpresse eingestuft
habe, obwohl bereits inhaltlich ähnlich breite Zeitschriften wie "écho maga-
zine", "Sonntag" oder "Leben und Glauben" mit markant christlicher Aus-
richtung vom Bundesverwaltungsgericht (Urteile des BVGer A-3216/2011,
A-3049/2011 und A-3051/2011, alle vom 8. März 2012) als Publikums-
presse qualifiziert worden seien. Entsprechendes müsse auch für Tachles
mit jüdischer Ausrichtung gelten.
6.2 Die Vorinstanz entgegnet, es habe die drei erwähnten Zeitschriften
ebenfalls der Spezialpresse zugeordnet und den Anspruch auf indirekte
Presseförderung verneint. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt un-
terscheide sich von denjenigen Sachverhalten, die den erwähnten Urteilen
zugrunde lägen. Während es bei den besagten Zeitschriften lediglich um
eine gewisse religiöse Ausrichtung gegangen sei, seien bei der Zeitschrift
Tachles die eigentlichen redaktionellen Inhalte stark geprägt vom
Kernthema. Die Zeitschriften seien deshalb nicht miteinander vergleichbar
und eine differenzierte Beurteilung daher sachlich gerechtfertigt.
Den Vorwurf, gegen das Diskriminierungsverbot verstossen zu haben,
weist die Vorinstanz ebenfalls entschieden zurück. Die Religion habe bei
der Beurteilung keine Rolle gespielt. Ausschlaggebend sei gewesen, dass
sich die redaktionellen Inhalte am Kernthema des Judentums orientieren
und daher der Vermittlung von spezifischem Wissen dienen würden. Die
Bandbreite an Inhalten sei inhaltlich beschränkt durch die Verpflichtung
zum Kernthema und daher weniger breit als bei einer klassischen Tages-
und Wochenzeitung, die die breite Öffentlichkeit – losgelöst von einem spe-
zifischen Themenbereich – über aktuelle Ereignisse informieren wolle.
Dass es sich dabei um ein religiöses bzw. jüdisches Kernthema handle, sei
nicht relevant gewesen.
A-5457/2020
Seite 19
6.3
6.3.1 Gemäss dem in Art. 8 Abs. 1 BV verankerten Anspruch auf Gleichbe-
handlung ist Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich zu behan-
deln, umgekehrt aber auch bestehenden Ungleichheiten durch rechtlich
differenzierte Behandlung Rechnung zu tragen. Der Anspruch auf rechts-
gleiche Behandlung wird namentlich verletzt, wenn hinsichtlich einer ent-
scheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen getroffen wer-
den, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht
ersichtlich ist, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden, die auf-
grund der Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (BGE 141 I 153
E. 5, 140 I 77 E. 5.1; Urteile des BVGer A-7042/2018 vom 16. Juli 2019
E. 4.1, A‐6603/2015 vom 15. Juni 2016 E. 7.1 und A‐5034/2015 vom
11. April 2016 E. 4.2). Darüber hinaus haben direkte Konkurrenten einen
besonderen Anspruch auf Gleichbehandlung, der sich aus der Wirtschafts-
freiheit (Art. 27 Abs. 1 BV) ergibt; das Gemeinwesen hat sich gegenüber
den am freien Markt direkt Konkurrierenden neutral zu verhalten (Urteil des
BVGer A‐2487/2012 vom 7. Oktober 2013 E. 8.4.3; MÜLLER/SCHEFER,
Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 1056).
6.3.2 Gemäss Art. 8 Abs. 2 BV darf niemand diskriminiert werden, nament-
lich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der
Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltan-
schaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen,
geistigen oder psychischen Behinderung. Eine Diskriminierung liegt vor,
wenn eine Person ungleich behandelt wird allein aufgrund ihrer Zugehörig-
keit zu einer bestimmten Gruppe, welche historisch oder in der gegenwär-
tigen sozialen Wirklichkeit tendenziell ausgegrenzt oder als minderwertig
angesehen wird (BGE 139 I 169 E. 7.2.1 S. 174). Das Diskriminierungsver-
bot gemäss Art. 8 Abs. 2 BV schliesst die Anknüpfung an ein verpöntes
Merkmal jedoch nicht absolut aus. Eine solche begründet zunächst ledig-
lich den blossen Verdacht einer unzulässigen Differenzierung. Dieser kann
durch eine qualifizierte Rechtfertigung umgestossen werden (BGE 143 I
361 E. 5.1, 139 I 169 E. 7.2.3 mit Hinweisen, Urteil des BVGer
A-7042/2018 vom 16. Juli 2019 E. 4.2).
6.4
6.4.1 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(A-3216/2011, A-3049/2011 und A-3051/2011 alle vom 8. März 2012) wei-
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Seite 20
sen die Zeitschriften "Sonntag", "écho magazine" und "Leben und Glau-
ben" eine breite Themenvielfalt, namentlich in den Bereichen Politik, Kultur
und Gesellschaft auf. Von einer Beschränkung auf rein kirchliche oder reli-
giöse Themen, was eine Spezialpresse auszeichnen würde, kann nicht ge-
sprochen werden. Mit der Auseinandersetzung mit verschiedensten, insbe-
sondere auch aktuellen Sachfragen leisten sie einen Beitrag zur politischen
Meinungsbildung und tragen zum Erhalt einer vielfältigen Presselandschaft
bei. Die Zeitschriften vermögen, obwohl sie vorwiegend ein christlich inte-
ressiertes Zielpublikum bedienen, angesichts ihres breiten Themenspekt-
rums auch Leserinnen und Leser ausserhalb dieses Kreises anzuspre-
chen. Damit weisen sie sämtliche Merkmale auf, die das Bundesgericht für
die Publikumspresse festgelegt hat (Urteile des BVGer A-3049/2011 vom
8. März 2012, E. 5.5, A-3216/2011 vom 8. März 2012 E. 5.3.2 f. und
A-3051/2011 vom 8. März 2012 E. 5.5). Insbesondere ist auch auf das Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts A-5034/2015 vom 11. April 2016 zu
verweisen, wo ebenfalls zur Zeitschrift "Leben und Glauben" Stellung ge-
nommen. Es wird ausgeführt, dass die Seiten 8 bis 17 mehrere Artikel be-
treffend Religion, Glauben und Kirche enthalten würden und in der Rubrik
Hören & Sehen auf Radio- und Fernsehsendungen mit vorwiegend religiö-
sen Themen hingewiesen werde und auf der letzten Seite eine Art Brief-
wechsel zwischen einer katholischen und reformierten Theologin wieder-
gegeben werde. Im Übrigen aber fänden sich Berichte über Pendlererleb-
nisse und Tariferhöhungen bei den SBB, über die Obsternte, das Portrait
eines Kapitäns auf dem Ägerisee, über das Spätwerk von Edgar Degas,
ein geschichtlicher Beitrag über die Aufhebung der Sklaverei in den USA,
ferner ein Artikel über einen Schweizer Schriftsteller, über das Winzerstädt-
chen La Neuveville, über Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern, über fairen
Handel, Kurzgeschichten, sowie Buch- und ein paar wenige Veranstal-
tungstipps. Im redaktionellen Teil der Zeitung würden demnach rund 11
Seiten mit religiösen Themen deren 28 mit allgemeinen Themen ohne Be-
zug zu Religion, Glaube oder Kirche gegenüberstehen (E. 4.3).
6.4.2 Wegen der unterschiedlichen Themenvielfalt und den im Verhältnis
doch grossen Anzahl Artikel ohne jeglichen Bezug zu Religion, Glaube
oder Kirche in den Zeitschriften "Sonntag", "écho magazine", "Leben und
Glauben ist eine gesetzlich vorgegebene, differenzierte Behandlung von
Tachles gerechtfertigt, da die Zeitschrift der Beschwerdeführerin kaum Ar-
tikel ohne Bezug zu deren Kernthemen aufweist. Das Rechtsgleichheits-
gebot ist demnach nicht verletzt. Eine Verletzung des Diskriminierungsver-
bots ist ebenfalls nicht ersichtlich, da die Religion oder die jüdische Aus-
richtung bei der Beurteilung der Zeitschrift Tachles nicht von Bedeutung ist,
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Seite 21
sondern es einzig darum geht, wie die Zeitschrift ausgerichtet ist, ob sie
sich einem breiten Themenspektrum widmet oder sich an einen durch
gleichartige Interessen miteinander verbundenen, bestimmten Leserkreis
richtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es beim Kernthema um eine Glau-
bensrichtung, die Kultur, die Wirtschaft oder die Natur und Umwelt geht.
6.5 Zusammengefasst kann daher festgehalten werden, dass die Verwei-
gerung der Übergangsmassnahmen gemäss Art. 4 Abs.1 Covid-19-Verord-
nung Printmedien für den Titel der Beschwerdeführerin weder eine Un-
gleichbehandlung noch einen Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot
darstellt.
7.
Nach dem Gesagten ist die Qualifikation der Vorinstanz objektiv begründet
und hält der gerichtlichen Überprüfung stand. Damit erfüllt die Zeitschrift
der Beschwerdeführerin die Voraussetzungen für die Übergangsmassnah-
men zugunsten der Printmedien im Zusammenhang mit dem Coronavirus
bzw. der Kostenübernahme für die Tageszustellung von abonnierten Ta-
ges- und Wochenzeitungen durch den Bund nicht. Die Beschwerde ist da-
her abzuweisen.
8.
Die Kosten des vorliegenden Verfahrens werden in Anwendung von
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2)
auf Fr. 1'000.– festgesetzt. Sie sind der Beschwerdeführerin als unterlie-
gende Partei aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser Betrag wird dem
in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss entnommen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung zuzu-
sprechen (vgl. Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).
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