Decision ID: 46fe546c-d306-544f-92ca-8a728166e3cf
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 5. August 2021 in die Schweiz ein und
suchte gleichentags um Asyl nach.
A.b Gemäss dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) wurde dem
Beschwerdeführer von den französischen Behörden am (...) 2021 ein auf
den Zeitraum vom (...) 2021 bis am (...) 2021 gültiges Schengen-Visum
ausgestellt.
A.c Mit Vollmacht vom 9. August 2021 mandatierte der Beschwerdeführer
die ihm zugewiesene Rechtsvertretung.
B.
B.a Am 10. August 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) und am
17. August 2021 das Dublin-Gespräch statt.
B.b Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, dass ihm am
(...) von den französischen Behörden ein Schengen-Visum ausgestellt
worden und er damit am 1. August 2021 in Frankreich eingereist sei. Von
dort aus sei er in die Schweiz weitergereist.
Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu einer möglichen Zuständigkeit
Frankreichs erklärte er, in Frankreich gebe es viele radikale Islamisten und
er sei dort von einem muslimischen (...) wegen Meinungsverschiedenhei-
ten über das Abspielen des Korans angegriffen worden. Die Leute in Frank-
reich seien allgemein sehr rassistisch. Er habe seine Heimat wegen Prob-
lemen mit Islamisten verlassen und befürchte, in Frankreich wieder solche
Probleme zu bekommen. Zudem habe er einen in der Schweiz eingebür-
gerten Bruder, welcher bereit sei, ihn in allen Lebensbereichen zu unter-
stützen.
Zu seiner Gesundheit befragt, gab der Beschwerdeführer an, er nehme
Tabletten gegen seine Schlafstörungen und Alpträume. Er habe wegen
Problemen mit dem (...) Physiotherapie in Anspruch genommen und er
habe ein grösseres (...) am (...). Am meisten belaste ihn seine psychische
Situation und er könne weder richtig essen noch schlafen. Aufgrund des
Verdachts auf eine (...) sei eine Anmeldung zu einem psychiatrischen Kon-
sil erfolgt.
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Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer mehrere Identitätsdokumente,
ein Schreiben seines Bruders sowie einen ärztlichen Kurzbericht der
B._ vom 12. August 2021 zu den Akten.
C.
Am 20. August 2021 ersuchte die Vorinstanz die französischen Behörden
gestützt auf Art. 12 Abs. 2 und 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist, ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO) um
Rückübernahme des Beschwerdeführers.
D.
Am 23. August 2021 wurde dem Beschwerdeführer die vorübergehende
private Unterbringung bei seinem Bruder bewilligt.
E.
Die französischen Behörden stimmten dem Ersuchen der Vorinstanz um
Rückübernahme am 20. Oktober 2021 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 b Dublin-
III-VO zu.
F.
Am 21. Oktober 2021 gab der Beschwerdeführer das Medizinische Daten-
blatt für interne Arztbesuche im Bundesasylzentrum (BAZ) F._,
C._, vom 2. September 2021 sowie einen ambulanten Bericht von
Oberarzt D._, Kantonspital E._, vom 15. September 2021,
zu den Akten.
G.
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 trat die Vorinstanz auf das Asylge-
such nicht ein, verfügte die Wegweisung des Beschwerdeführers nach
Frankreich, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Weg-
weisung, händigte die editionspflichtigen Akten aus und hielt fest, eine all-
fällige Beschwerde habe keine aufschiebende Wirkung.
H.
Am 22. Oktober 2021 zeigte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
der Vorinstanz die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
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I.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 28. Oktober 2021 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung
der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur rechts-
genüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asyl-
gesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren
durchzuführen. Ferner sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen und die Vollzugsbehörden seien im Sinne einer superprovisori-
schen vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von einer Überstellung nach
Frankreich abzusehen, bis das Gericht über die Erteilung der aufschieben-
den Wirkung der Beschwerde entschieden habe. Des Weiteren sei die un-
entgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses sei zu verzichten und es sei ihm ein unentgeltlicher Rechts-
beistand zu bestellen.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer ein Schreiben seines Bruders
vom 26. Oktober 2021 zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht sowie die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
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schränkt, ob die Vorinstanz bei vollständig und richtig festgestelltem Sach-
verhalt auf das Asylgesuch zu Recht oder Unrecht nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes-
halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Dub-
lin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist, tritt das SEM,
nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber-
stellung zugestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung –, auf das Asyl-
gesuch grundsätzlich nicht ein.
5.
5.1 Die französischen Behörden haben der Überstellung des Beschwerde-
führers am 20. Oktober 2021 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO zu-
gestimmt und ihre Zuständigkeit für das Asylverfahren anerkannt. Die Vor-
instanz ist in der Folge in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf
das Asylgesuch nicht eingetreten.
5.2 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung einleitend fest, das
Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Frankreich würden keine
systemischen Mängel aufweisen. Sodann sei Frankreich verpflichtet, sich
gegenüber Asylgesuchstellern an die einschlägigen völkerrechtlichen so-
wie unionsrechtlichen Vorgaben zu halten. Ferner könne er aus dem Um-
stand, dass ein Bruder in der Schweiz lebe, nichts zu seinen Gunsten ab-
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leiten, zumal dieses Verwandtschaftsverhältnis alleine keine dublinrele-
vante Zuständigkeit für die Schweiz zu begründen vermöge und zudem
keine genügenden Hinweise für ein Abhängigkeitsverhältnis zum Bruder
bestehen würden. Insbesondere habe er sich trotz Bewilligung der Privat-
unterbringung beim Bruder nachträglich wieder dafür entschieden, sich im
BAZ F._ aufzuhalten. Die geltend gemachten gesundheitlichen
Probleme würden einer Überstellung nach Frankreich ferner nicht im Wege
stehen, da er diese auch dort behandeln lassen könne. Der medizinische
Sachverhalt sei im Übrigen genügend erstellt und es würden sich diesbe-
züglich keine weiteren Abklärungen aufdrängen. Sodann handle es sich bei
Frankreich um einen funktionierenden Rechtstaat und der Beschwerdefüh-
rer könne sich im Zusammenhang mit möglichen Gefahren vor islamisti-
schen Kräften, welchen er in Frankreich ausgesetzt sein soll, an die dort
zuständigen Polizei- und Justizbehörden wenden. Ein Eintreten gestützt
auf die Ermessensklausel beziehungsweise gestützt auf humanitäre
Gründe sei bei dieser Ausgangslage nicht angezeigt.
6.
Der Beschwerdeführer macht in der Rechtsmitteleingabe geltend, er sei
bereits mehrere Male im Rahmen seiner Arbeit als (...) eines (...), nach
Frankreich gereist. Bei seinen jeweils sehr kurzen Aufenthalten habe er
sich immer wieder bedroht gefühlt. Aufgrund seines Aussehens sei er wie-
derholt auf seine (...) Herkunft und seinen Glauben angesprochen worden
und kritischen Nachfragen ausgesetzt gewesen. Er sei einmal von einem
(...) tätlich angegriffen worden. Er habe sich in Frankreich nie sicher ge-
fühlt. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Mängel im fran-
zösischen Asylsystem bestehen würden, was von Asylorganisationen und
von Medien bestätigt werde. Es komme hinzu, dass er an psychischen so-
wie körperlichen Beschwerden leide. Bei einer Rückkehr nach Frankreich
sei nicht garantiert, dass er angemessen untergebracht und auf die not-
wendige Behandlung seiner gesundheitlichen Leiden zählen könne. Auf-
grund seiner psychischen Probleme sei er von der Unterstützung seines
Bruders in der Schweiz abhängig, mithin habe die Vorinstanz auch deshalb
die Zuständigkeit der Schweiz zu Unrecht verneint. Die abrupte Rückkehr
von der Privatunterbringung beim Bruder ins BAZ sei aufgrund eines Aus-
setzers erfolgt, zumal er sich teilweise impulsiv verhalte. Die Vorinstanz
habe des Weiteren weder seine gesundheitlichen Leiden noch die Möglich-
keit der Behandelbarkeit in Frankreich genügend abgeklärt. In Anbetracht
des Ausgeführten hätte die Vorinstanz eine Zusicherung bei den französi-
schen Behörden einholen müssen, dass er Zugang zum Asylverfahren, zu
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medizinischer und psychiatrischer Versorgung, staatlicher Unterstützung
sowie einer Unterkunft erhalten werde. Insgesamt sei ein Selbsteintritt aus
humanitären Gründen angezeigt.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, die Schweiz sei
aufgrund des Abhängigkeitsverhältnisses zu seinem in der Schweiz leben-
den Bruder für die Prüfung des Asylgesuches zuständig (Art. 16 Abs. 1 und
2 Dublin-III-VO).
7.1.1 Die Zuständigkeitsordnung des Dublin-Systems sieht unter anderem
vor, dass ein Antragsteller, welcher an einer schweren Krankheit leidet und
auf die Unterstützung eines seiner Geschwister angewiesen ist, mit diesem
zusammengeführt beziehungsweise nicht von diesem getrennt wird, falls
die familiäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat, die unter-
stützende Person in der Lage ist, die Hilfe zu leisten und die Betroffenen
ihren Wunsch schriftlich kundgetan haben. In diesem Fall ist der Mitglied-
staat zuständig, in welchem sich die unterstützende Person aufhält (Art. 16
Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO).
Zur Beurteilung, ob ein rechtlich relevantes Abhängigkeitsverhältnis im ein-
gangs beschriebenen Sinn besteht, ist auf eine Gesamtwürdigung des kon-
kreten Einzelfalls unter Einbezug der individuellen und soziokulturellen Le-
benssituation der betroffenen Personen abzustellen (vgl. ULRICH KOEHLER,
Praxiskommentar zum Europäischen Asylzuständigkeitssystem, 2018,
Art. 16 N. 8; CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verord-
nung, 2014, K3 zu Art. 16; Urteil F-445/2019 vom 14. Februar 2012 E. 5.5).
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts begründet das Bedürfnis
nach affektiver oder psychologischer Unterstützung durch die Angehörigen
allein grundsätzlich kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der zitierten
Norm (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.5).
7.1.2 Laut den vorliegenden Arztberichten leidet der Beschwerdeführer an
(...)beschwerden, einem (...), Vitaminmangel und es besteht Verdacht auf
eine (...). Weiter leidet er an einer (...) Schwellung sowie Schmerzen im
(...). Nach seinen eigenen Aussagen sowie denjenigen des Bruders sei es
für ihn – insbesondere vor dem Hintergrund seiner psychischen Verfassung
– wichtig, eine Bezugsperson zu haben, welche ihm Halt und Sicherheit
gebe.
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Es ist vorliegend festzuhalten, dass der Beschwerdeführer, sollte sich der
Verdacht auf eine (...) bestätigen, in erster Line auf professionelle psychi-
atrische Hilfe angewiesen wäre. Insofern wäre die vom Bruder angebotene
Unterstützung hauptsächlich moralischer und psychologischer Natur, was
grundsätzlich gerade nicht genügt, ein relevantes Abhängigkeitsverhältnis
zu begründen (vgl. E. 7.1.1). Dass der Beschwerdeführer allein aufgrund
seiner körperlichen Leiden notwendiger Weise auf die Unterstützung des
Bruders angewiesen wäre, ist nicht anzunehmen und wird auch nicht gel-
tend gemacht. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer von
sich aus wieder in die Asylunterkunft zurückkehrte, nachdem ihm der Auf-
enthalt bei seinem Bruder bewilligt wurde. Insofern ist fraglich, ob der Be-
schwerdeführer überhaupt gewillt ist, die Hilfe des Bruders dauerhaft in An-
spruch zu nehmen beziehungsweise diese überhaupt in erheblichem
Masse benötigt. Aus den Akten ist zu schliessen, dass er sich nun teilweise
im BAZ und teilweise beim Bruder aufhält, was – unter Berücksichtigung,
dass es ihm freigestanden hätte, sich permanent beim Bruder aufzuhalten
– gegen ein Abhängigkeitsverhältnis spricht.
Das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses im hier interessierenden
Sinne ist nach dem Gesagten zu verneinen und auf die Prüfung der weite-
ren in diesem Zusammenhang relevanten Aspekte kann verzichtet werden.
7.1.3 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Zuständigkeit
der Schweiz gestützt auf Art. 16 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO zu verneinen
ist.
7.2 Die Vorinstanz hat bereits eingehend den völker- sowie unionsrechtli-
chen Rahmen dargelegt, an welchen sich die französischen Behörden im
Zusammenhang mit Asylgesuchstellern zu halten haben und es kann – um
Wiederholungen zu vermeiden – auf die diesbezüglichen Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass in Frank-
reich keine systemischen Mängel betreffend die Asyl- und Aufnahmesitua-
tion vorliegen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer F-4549/2021 vom 21. Ok-
tober 2021 E. 4.3.2. m.w.H.). Auch wenn die in der Rechtsmitteileingabe
zitierten Urteile Schwachstellen im französischen Asylsystem feststellen,
betreffen sie Einzelfälle, welche an der grundsätzlichen Einschätzung
nichts zu ändern vermögen. Aus den Akten geht sodann nicht hervor, dass
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verletzung der Rechte des Beschwer-
deführers zu befürchten wäre. Die Vorinstanz hat unter anderem bereits
dargelegt, dass die Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments
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Seite 9
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) dem Beschwerdeführer das Recht einräumt, seine körperli-
chen und psychischen Leiden in Frankreich behandeln zu lassen. Auch un-
ter Berücksichtigung des Hinweises in der Rechtsmitteleingabe auf allfäl-
lige Komplikationen und Engpässe ist nicht davon auszugehen, dass
Frankreich seinen diesbezüglichen Verpflichtungen in genereller Weise
nicht nachkommen könnte beziehungsweise nicht nachkommen wollte. Die
geltend gemachten Beschwerden stehen einer Überstellung nach Frank-
reich nicht entgegen und könnten höchstens die Reisefähigkeit tangieren,
welche es im Zeitpunkt der tatsächlichen Überstellung abzuklären gilt. Die
schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfü-
gung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen bei der Be-
stimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Beschwerdefüh-
rers Rechnung tragen und die französischen Behörden vorgängig in geeig-
neter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren
(vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Sodann verfügt Frankreich über ein funktio-
nierendes Justizsystem, welches dem Beschwerdeführer erlaubt, die ihm
zustehenden Ansprüche – bei Bedarf auch unter Zuhilfenahme eines Bei-
standes – auf dem Rechtsweg geltend zu machen. Soweit er implizit gel-
tend macht, Frankreich könne ihm vor Übergriffen gegen seine Person kei-
nen adäquaten Schutz gewähren, vermögen seine Ausführungen – insbe-
sondere seine Verweise auf einzelne Auseinandersetzungen mit Privatper-
sonen – dies nicht überzeugend zu untermauern. Ein Selbsteintritt durch
die Schweizer Behörden erweist sich bei dieser Ausgangslage nicht als
angezeigt.
7.3 Ergänzend ist festzuhalten, dass aufgrund des Dargelegten die Vor-
instanz nicht gehalten war, weitere vertiefte Abklärungen – insbesondere
betreffend den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers – durchzufüh-
ren und sich die diesbezüglich erhobenen Rügen des mehrfach nicht voll-
ständig abgeklärten Sachverhalts als unbegründet erweisen.
7.4 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl-
gesuch nicht eingetreten ist und die Wegweisung sowie den Vollzug ange-
ordnet hat.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden
ist (Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 10
Damit sind die Anträge betreffend die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde sowie die superprovisorische Anordnung eines Vollzugstopps
gegenstandslos geworden.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes
(Art. 65 Abs. 1 VwVG; Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG). Aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gel-
ten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
nicht gegeben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]).
Der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vor-
liegendem Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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