Decision ID: a5fe3899-5662-4b46-97a2-ef72b50dfa05
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der Schweizer Wortmarke
Nr. 749'480 "TX GROUP AG" (nachfolgend: angefochtene Marke), die am
13. Juli 2020 auf der Datenbank Swissreg veröffentlicht wurde und für Wa-
ren und Dienstleistungen der Klassen 16, 35, 36, 37 und 42 eingetragen
ist, darunter insbesondere für die Dienstleistungen:
Klasse 36
Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldgeschäfte; Immobilienwesen.
B.
Gegen diesen Eintrag erhob die Beschwerdegegnerin am 28. September
2020 Widerspruch und beantragte dessen vollständigen Widerruf. Sie
stützte sich dabei auf ihre Schweizer Marke Nr. 745630 "TX group (fig.)"
(nachfolgend: Widerspruchsmarke):
Die Widerspruchsmarke ist für Waren und Dienstleistungen der Klassen 9,
16, 35, 38, 40, 41 und 42 eingetragen, darunter für die Dienstleistungen:
Klasse 35
Zusammenstellen von Daten in elektronischen Datenbanken; Werbung, ein-
schliesslich Vermitteln von Inseraten, insbesondere über globale/universale
Telekommunikationssysteme; Publikation von Inseraten (zu Werbezwecken)
via Datenverarbeitungsanlagen, insbesondere über globale/universale Tele-
kommunikationssysteme; Zurverfügungstellen von Werbeplätzen im Internet
sowie in Druckmedien; E-Commerce-Dienstleistungen, nämlich Vermittlung
von Verträgen über die Anschaffung und Veräusserung von Waren; Marketing;
Durchführung von Auktionen, insbesondere via Telekommunikationssysteme;
Wartung von Datenbanken, nämlich Aktualisieren des Inhalts; Versandwer-
bung; Organisation und Durchführung von Ausstellungen und Messen zu kom-
merziellen Zwecken; Erteilen von Auskünften in Handels- und Geschäftsange-
legenheiten, insbesondere Dienstleistungen betreffend Produktinformation in
Sachen elektronische Ton- und/oder Bildträger sowie betreffend Waren eines
B-3808/2021
Seite 3
Verlagshauses zu Werbe- und Verkaufszwecken; E-Commerce-Dienstleistun-
gen, nämlich Zurverfügungstellen von Produktinformation via Telekommunika-
tionsnetzwerke zu Werbe- und Verkaufszwecken; Detailhandel mit Waren einer
Phonothek, einer Videothek sowie eines Verlagshauses; Detailhandel eines
Versandhauses; Präsentation und Zusammenstellen verschiedener Waren-
und Dienstleistungsangebote via globale elektronische Computernetzwerke
(Internet) um den Verbrauchern die Ansicht, den Vergleich und den Erwerb die-
ser Waren und Dienstleistungen zu erleichtern; Erstellen von Wirtschaftsprog-
nosen; Marktforschung und -analyse; online Bereitstellung von Informationen
und Daten via globale elektronische Computernetzwerke (Internet) über die Se-
lektion von Waren und Dienstleistungen aller Art; Online Preisvergleichsdienste
für Waren und Dienstleistungen aller Art; Vergleich von betrieblichen Abläufen
(Benchmarking) aller Art; Zurverfügungstellen von Informationen und Daten al-
ler Art zur online Preis- und Wertberechnung für Waren und Dienstleistungen
aller Art; Zurverfügungstellen von Informationen und Daten aller Art im Versi-
cherungs-, Finanz-, Geldgeschäfts- und Immobilienbereich via Telekommuni-
kationsnetzwerk (Internet) zum Vergleich zwischen den einzelnen Waren und
Dienstleistungen in diesen Bereichen.
C.
Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 reichte die Beschwerdegegnerin eine
Stellungnahme ein. Die Vorinstanz schloss die Verfahrensinstruktion da-
raufhin ab.
D.
Mit Entscheid vom 23. Juni 2021 hiess die Vorinstanz den Widerspruch
Nr. 101651 teilweise gut (Ziff. 1 des Dispositivs) und widerrief die Eintra-
gung der angefochtenen Marke für einen Teil der Waren und Dienstleistun-
gen in den Klassen 16 und 42 sowie für alle Dienstleistungen in den Klas-
sen 35 und 36 (Ziff. 2 des Dispositivs). Sie kam zum Schluss, aufgrund der
Beanspruchung der Vergleichszeichen für gleiche respektive ausgeprägt
gleichartige Dienstleistungen halte die angefochtene Marke den geforder-
ten Zeichenabstand nicht ein. Die Verwechslungsgefahr sei zu bejahen,
auch wenn eine erhöhte Aufmerksamkeit der Abnehmer angenommen
werde und sich die Zeichen unterscheiden, indem die angefochtene Marke
das grafische Element der Widerspruchsmarke nicht übernimmt sowie mit
dem Zusatz "AG" ergänzt wird.
E.
Gegen die Verfügung der Vorinstanz erhob die Beschwerdeführerin am
B-3808/2021
Seite 4
26. August 2021 teilweise Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht
mit folgenden Rechtbegehren:
1. Es sei Ziff. 2 der Verfügung der Vorinstanz vom 23. Juni 2021 aufzu-
heben, insofern der Widerspruch bezüglich der Dienstleistungen in
Klasse 36 («Versicherungswesen, Finanzwesen, Geldgeschäfte, Im-
mobilienwesen») gutgeheissen wurde;
2. Es sei der Widerspruch bezüglich der Dienstleistungen in Klasse 36
(«Versicherungswesen, Finanzwesen, Geldgeschäfte, Immobilienwe-
sen») abzuweisen;
3. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin
eine angemessene Parteientschädigung zu bezahlen und die Verfah-
renskosten seien vollständig der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Sie führt insbesondere aus, die Dienstleistungen der Klasse 36 der ange-
fochtenen Marke seien, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, nicht gleich-
artig mit der beanspruchten Dienstleistung "Zurverfügungstellen von Infor-
mationen und Daten aller Art im Versicherungs-, Finanz-, Geldgeschäfts-
und Immobilienbereich via Telekommunikationsnetzwerk [Internet] zum
Vergleich zwischen den einzelnen Waren und Dienstleistungen in diesen
Bereichen" (Klasse 35) der Widerspruchsmarke. Darüber hinaus bestehe
aufgrund der grafischen Gestaltung der Widerspruchsmarke und der Ge-
meinfreiheit des Zeichens auch keine Verwechslungsgefahr.
F.
Die Vorinstanz reichte am 1. Oktober 2021 einen Verzicht auf die Vernehm-
lassung ein mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde.
G.
Die Beschwerdegegnerin reichte am 6. Oktober 2021 innert Frist die Be-
schwerdeantwort ein. Darin hielt sie u.a. fest, die beanspruchten Dienst-
leistungen der Klasse 36 der angefochtenen Marke seien gleichartig mit
jenen der Klasse 35 der Widerspruchsmarke und die Zeichen seien ähn-
lich. Die Beschwerdeführerin liess sich im Folgenden nicht mehr verneh-
men.
H.
Auf die Durchführung einer Parteiverhandlung haben die Parteien still-
schweigend verzichtet.
B-3808/2021
Seite 5
I.
Auf weitere Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Ak-
ten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der folgenden Erwägungen ein-
gegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden ge-
gen Verfügungen der Vorinstanz im Widerspruchsverfahren zuständig
(Art. 31 und 33 Bst. e VGG). Als Verfügungsadressatin ist die Beschwer-
deführerin legitimiert und beschwert, soweit sie vor der Vorinstanz unterle-
gen ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde frist- und formge-
recht erhoben (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der Kostenvor-
schuss rechtzeitig geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Der Inhaber einer älteren Marke kann der Eintragung einer jüngeren
Marke widersprechen, wenn diese seiner Marke ähnlich und für gleiche
oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen registriert ist, so dass sich
daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c i.V.m. Art. 31
Abs. 1 MSchG). Die Verwechslungsgefahr beurteilt sich nach der Kenn-
zeichnungskraft der älteren Marke, der Zeichenähnlichkeit und der Gleich-
artigkeit der Waren und Dienstleistungen, für die die Marken hinterlegt sind
(GALLUS JOLLER, in: Noth/Bühler/Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz
[MSchG], 2. Aufl. 2017, Art. 3 N 46). Als eine Wechselwirkung zwischen
der Gleichartigkeit der Waren und Dienstleistungen und der Zeichenähn-
lichkeit sind an die Verschiedenheit der Zeichen umso höhere Anforderun-
gen zu stellen, je ähnlicher die Produkte sind, und umgekehrt (MATTHIAS
STÄDELI/SIMONE BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, in: David/Frick [Hrsg.], Kom-
mentar zum Markenschutz-und Wappenschutzgesetz, 3. Aufl. 2017, Art. 3
N 154).
2.2 Die Gleichartigkeit von Waren und Dienstleistungen wird grundsätzlich
anhand der Einträge im Markenregister beurteilt (Urteile des BVGer
B-3328/2015 vom 18. Oktober 2017 E. 5.1 "Stingray/Roamer Stingray",
B-3808/2021
Seite 6
B-4772/2012 vom 12. August 2013 E. 2.2 "Mc [fig.]/MC2 [fig.]"). Für die An-
nahme gleichartiger Dienstleistungen sprechen u.a. Übereinstimmungen
zwischen dem Verwendungszweck der Dienstleistungen, dem Fachwissen
und dem Abnehmerkreis (Urteil des BGer 4A_257/2014 E. 4.4 "Arthur’s/
Les Théatrales de Swiss Arthur Prod"; Urteil des BVGer B-380/2020 vom
16. Februar 2022 E. 2.2 "somfy [fig.]/Comfy; JOLLER, a.a.O, Art. 3 N 317 ff.;
STÄDELI BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O. Art. 3 N 145 ff.). Es geht um die
Frage nach einer einheitlichen Organisationsverantwortung bzw., ob die
Abnehmer die Dienstleistungen als sinnvolles Leistungspaket wahrneh-
men. Blosse thematische Zusammenhänge genügen dagegen nicht. Auch
teilen Dienstleistungen wesensbedingt das eine oder andere Element,
ohne deswegen, im Sinne einer übereinstimmenden betrieblichen Her-
kunft, als gleichartig wahrgenommen zu werden. Zentrale Bedeutung hat
dagegen der Eindruck nach der einheitlichen Verantwortung durch den
Markeninhaber. Ordnen die Verkehrskreise zwei verschiedene Dienstleis-
tungen leicht der Kontrolle ein und desselben Markeninhabers zu, ist von
Dienstleistungsgleichartigkeit auszugehen (Urteile des BVGer B-1009/
2010 vom 14. März 2011 E. 4.1 "Credit Suisse/UniCredit Suisse Bank
[fig.]"; B-7503/2006 vom 11. Mai 2007 E. 3.2 "Absolut/Absolute Poker";
JOLLER, a.a.O., Art. 3 N 327; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O.
Art. 3 N 146). Sind die Dienstleistungen in unterschiedlichen Klassen des
Nizza-Abkommens eingeteilt, kann dies eine Ungleichartigkeit zwar indi-
zieren, nicht aber ausschliessen (EUGEN MARBACH, in: von Büren/David
[Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter-und Wettbewerbsrecht [SIWR]
Bd. III/1, 2. Aufl. 2009, Rz. 798 ff.; Urteile des BVGer B-5739/2017 vom
8. Oktober 2019 E. 4.2 "Area International/Areamoney [fig.]"; B-3012/2012
vom 5. Februar 2014 E 5.2 "Pallas/Pallas Seminare (fig.)".
2.3
2.3.1 Die Zeichenähnlichkeit beurteilt sich nach dem Gesamteindruck, den
die Marken in der Erinnerung der massgeblichen Verkehrskreise hinterlas-
sen (BGE 128 III 446 E. 3.1 "Appenzeller"; 121 III 377 E. 2a "Boss/Books";
119 II 473 E. 2d "Radion/Radomat"; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER,
a.a.O., Art. 3 N 41). Einschlägig hierfür ist die Eintragung, wie sie dem Re-
gister entnommen werden kann (Urteile des BVGer B-5325/2007 vom
12. November 2007 E. 3 "Adwista/ad-vista [fig.]"; B-7475/2006 vom 20. Ju-
ni 2007 E. 5 "Converse All Stars [fig.]/Army tex [fig.]"). Ihr Gesamteindruck
wird in erster Linie durch die kennzeichnungskräftigen Bestandteile ge-
prägt; gemeinfreie Elemente spielen eine untergeordnete Rolle (JOLLER,
a.a.O. Art. 3, N 129). Bei der Übernahme einer älteren Marke oder dessen
B-3808/2021
Seite 7
prägenden Hauptbestandteils in eine Jüngere sind die Zeichen in der Re-
gel ähnlich. Demgegenüber wird eine Zeichenähnlichkeit verneint, wenn
der übernommene Hauptbestandteil derart mit der neuen Marke ver-
schmilzt, dass er seine Individualität verliert (Urteil des BVGer B-1009/2010
vom 14. März 2011, E. 5.1 "CREDIT SUISSE/UniCredit Suisse Bank [fig.]";
JOLLER, a.a.O. Art. 3, N 127 f.).
2.3.2 Für die Ähnlichkeit von Wortelementen sind der Wortklang, das
Schriftbild und, wenn er den angesprochenen Verkehrskreisen verständlich
ist, der Sinngehalt ausschlaggebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc "Securitas";
Urteil des BVGer B-4738/2013 vom 24. März 2014 E. 2.4 "BB [fig.]/BB
[fig.]"; MARBACH, a.a.O., Rz. 872 ff.). Grundsätzlich genügt die Überein-
stimmung auf einer Ebene, damit die Zeichenähnlichkeit bejaht werden
kann (Urteil des BVGer B-6732/2014 vom 20. Mai 2015 E. 2.4 "Calida/Ca-
lyana"). Der Wortklang wird im Wesentlichen durch die Silbenzahl, die Aus-
sprachekadenz und die Aufeinanderfolge der Vokale bestimmt, das Schrift-
bild durch die Anordnung und optische Wirkung der Buchstaben sowie die
Wortlänge (BGE 122 III 382 E. 5a "Kamillosan"; 119 II 473 E. 2c "Radion/
Radiomat"). Eine Zeichenähnlichkeit kann auch zwischen einer Wortmarke
und einer aus Wort- und Bildbestandteilen zusammengesetzten Marke be-
stehen.
2.4
2.4.1 Für die Beurteilung der Verwechslungsgefahr ist auch der Schutzum-
fang der Widerspruchsmarke, bzw. ihre Kennzeichnungskraft von Belang.
(Urteil des BVGer B-7017/2008 vom 11. Februar 2010 E. 2.4 "Plus/Plus-
Plus [fig.]"). Für schwache Marken ist der geschützte Ähnlichkeitsbereich
kleiner als für starke Marken (BGE 122 III 282 E. 2a "Kamillosan"). Eine
Marke gilt als stark, wenn sie aufgrund ihres Äusseren oder ihres fantasie-
haften Gehalts auffällt oder dank intensiven Gebrauchs eine überdurch-
schnittliche Bekanntheit geniesst (BGE 122 III 382 E. 2a "Kamillosan"; Ur-
teil des BVGer B-7475/2006 vom 20. Juni 2007 E. 7 "Converse All Stars
[fig.]/Army tex [fig.]"; MARBACH, a.a.O., Rz. 979).
2.4.2 Bei kombinierten Wortbildmarken sind die Bestandteile nach ihrer
Kennzeichnungskraft zu gewichten. Prägende Wort- oder Bildelemente
sind im Gesamteindruck ausschlaggebend, kennzeichnungsschwache fal-
len weniger ins Gewicht, wobei charakteristische Wort- und Bildelemente
den massgeblichen Erinnerungseindruck gleichermassen prägen können
(Urteile des BVGer B-4159/2009 vom 25. November 2009 E. 2.4 "Efe
B-3808/2021
Seite 8
[fig.]/Eve"; B-1615/2014 vom 23. März 2016 E. 2.3 "Gridstream AIM/aim
[fig.]").
2.4.3 Eine Verwechslungsgefahr besteht, wenn aufgrund der Ähnlichkeit
der Zeichen und der Gleichartigkeit der Waren und Dienstleistungen Fehl-
zurechnungen zu befürchten sind. Eine unmittelbare Verwechslungsgefahr
bedeutet, dass ein Zeichen für das andere gehalten wird. Bei einer mittel-
baren Verwechslungsgefahr können die massgeblichen Verkehrskreise die
Zeichen zwar auseinanderhalten, vermuten aber wirtschaftliche Zusam-
menhänge zwischen den Markeninhabern (BGE 102 II 122 E. 2 "Annabel
le"; Urteile des BVGer B-5692/2012 vom 17. März 2014 E. 3.4 "Yello/Yel-
low Lounge"; B-531/2013 vom 21. Oktober 2013 E. 2.5 "Gallo/Gallay [fig.]";
STÄDELI/ BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N 26 f.).
3.
Ausgehend vom Waren- und Dienstleistungsverzeichnis der älteren Marke
sind die massgeblichen Verkehrskreise und deren Aufmerksamkeitsgrad
zu bestimmen. Wer im Internet Informationen und Daten zum Vergleich von
Waren und Dienstleistungen im Versicherungs-, Finanz-, Geldgeschäfts-
und Immobilienbereich zur Verfügung stellt, richtet sich vornehmlich an das
breite Publikum. Die im Internet zur Verfügung gestellten Informationen
über Dienstleistungen, welche alltäglichen Bedürfnisse abdecken (z.B.
Hausratsversicherungen, Vorsorgelösungen oder Hypotheken), sollen
nicht nur Fachpersonen, sondern gerade Konsumierenden einen griffigen
Überblick ermöglichen. Aber auch wenn sich die Dienstleistung an das
breite Publikum richtet, begegnen die Abnehmer, wie die Vorinstanz richtig
ausführte, dieser mit einer erhöhten Aufmerksamkeit. Im Versicherungs-,
Finanz-, Geldgeschäfts- und Immobilienbereich überprüfen die Konsumie-
renden praxisgemäss regelmässig Kosten und Nutzen der Vertragsverhält-
nisse (Urteil des BVGer B-1009/2010 vom 14. März 2011 E. 3.3.2 "Credit
Suisse/UniCredit Suisse Bank [fig.]") und dem Abschluss entsprechender
Verträge geht in der Regel eine sorgfältige Abklärung unterschiedlicher Kri-
terien voraus. Im Rahmen dieser aufmerksamen Abklärung werden die im
Internet zur Verfügung gestellten Informationen zum Vergleich der ver-
schiedenen Produkte herangezogen. Entsprechend ist von einer erhöhten
Aufmerksamkeit der Verkehrskreise auszugehen.
4.
Zu prüfen ist sodann die Gleichartigkeit der sich gegenüberstehenden
Dienstleistungen. Vorliegend ist strittig, ob die Dienstleistungen "Versiche-
rungswesen, Finanzwesen, Geldgeschäfte, Immobilienwesen" (Klasse 36)
B-3808/2021
Seite 9
und die Dienstleistung "Zurverfügungstellen von Informationen und Daten
aller Art im Versicherungs-, Finanz-, Geldgeschäfts- und Immobilienbe-
reich via Telekommunikationsnetzwerk (Internet) zum Vergleich zwischen
den einzelnen Waren und Dienstleistungen in diesen Bereichen" (Klasse
35) gleichartig sind.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht und die Rekurskommission für geisti-
ges Eigentum als Vorgängerorganisation haben in mehreren Entscheiden
die Gleichartigkeit bestimmter Beratungsdienstleistungen der Klassen 35
und 36 bejaht, da sie sich thematisch überschnitten und ähnlichen Bedürf-
nissen dienten. Z.B. eine Tendenz zur Beratung "aus einer Hand" bzw. "All-
finanzberatung" in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten boten die
Grundlage dafür (vgl. RKGE in sic! 2000, S. 799 E. 10 "Kiss/K.i.s.s"; RKGE
in sic! 2005, S. 749 E. 5 "Zurich Private Bank/First Zurich Private Bank
[fig.]"; Urteile des BVGer B-7698/2008 vom 4. Dezember 2009, E. 4.5.2
"Etavis/Estavis I"; B-5739/2017 vom 8. Oktober 2019, E. 4.2 "Area Interna-
tional/AreaMoney [fig.]).
Die Rekurskommission befand im Entscheid "arc All risk Consulting [fig.]/
Arcstar [fig.]" die Dienstleistung "Beratung bezüglich Versicherungswesen
und Vermittlung von Versicherungen, (...); finanzielle Beratung und Ver-
mittlung von Vermögensanlagen in Fonds" (Klasse 36) als gleichartig mit
dem "Zurverfügungstellen von Informationen im Zusammenhang mit der
Aktien-, Finanz- und Auslandswechselmarktlage, Immobilien und Versiche-
rungen" (ebenfalls Klasse 36; RKGE in sic! 2002, S. 529 E. 4). Sie führte
aus, im Banken-, Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwesen würden
Beratungsdienstleistungen nicht nur im traditionellen Sinne, sondern auch
via Informationen im Internet erbracht (RKGE in sic! 2002, S. 529 E. 4 "arc
All risk Consulting [fig.]/Arcstar [fig.]").
4.2 Beratungsdienstleistungen per Internet sind für Dienstleistungen in den
Bereichen Banken-, Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwesen mittler-
weile branchentypisch und keine "Nebendienstleistungen", wie die Be-
schwerdeführerin vorträgt. Es ist dabei üblich, Information zum Vergleich
von Produkten zur Verfügung zu stellen. Unter anderem bieten Unterneh-
men wie Banken oder Versicherungen, die in diesen Bereichen Beratungs-
dienstleistungen anbieten, online-Funktionen an, durch die Abnehmer Pro-
dukte wie Hypothekarmodelle, Prämien oder Vorsorgelösungen verglei-
chen können. Folglich gehört die Dienstleistung "Zurverfügungstellen von
Informationen und Daten aller Art im Versicherungs-, Finanz-, Geldge-
B-3808/2021
Seite 10
schäfts- und Immobilienbereich via Telekommunikationsnetzwerk (Inter-
net) zum Vergleich zwischen den einzelnen Waren und Dienstleistungen in
diesen Bereichen" zu den Beratungsdienstleistungen der in diesen Bran-
chen tätigen Unternehmen. Auch wenn daneben Anbieter bestehen, die
ausschliesslich Information vermitteln und keine andere Beratungsdienst-
leistung in diesen Bereichen anbieten, wird das Zurverfügungstellen von
Informationen zum Vergleich von Produkten als einheitliches Leistungspa-
ket mit anderen branchentypischen Beratungsdienstleistungen und z.B.
der Vertragsausarbeitung wahrgenommen und kann angenommen wer-
den, solche Dienstleistungen stammten aus demselben Unternehmen. Von
einer Hilfsdienstleistung zum Detailhandel, wie die Beschwerdeführerin
solche Kostenvergleiche qualifizieren möchte, kann in diesen Fällen keine
Rede sein.
Dass die Dienstleistungen in verschiedenen Klassen aufgeführt sind, steht
dem nicht entgegen (vgl. E. 2.2). Entgegen der Ansicht der Beschwerde-
führerin ist die Gleichartigkeit auch nicht zu verneinen, weil die jüngere
Marke die Eintragung für sog. Oberbegriffe der Nizza-Klassifikation bean-
sprucht und die Widerspruchsmarke nicht (Beschwerde, Rz. 25; vgl. z.B.
Gleichartigkeit zwischen Kontrastmittel als Unterbegriff und Arzneimitteln:
Urteil des BVGer B-5871/2011 vom 4. März 2013, E. 3.4.2 "Gadovist/Ga-
dogita").
4.3 Im Ergebnis hat die Vorinstanz die Dienstleistungsgleichartigkeit zu-
recht bejaht.
5.
Zu prüfen sind weiter die Ähnlichkeit der Zeichen und gestützt darauf das
Bestehen einer Verwechslungsgefahr.
5.1 Die Vorinstanz bejahte eine Zeichenähnlichkeit auf optischer, phoneti-
scher sowie sinngehaltlicher Ebene. Trotz der Unterscheide in der grafi-
schen Gestaltung der Buchstaben "T" und "X" und des zusätzlichen Ele-
mentes "AG" der angefochtenen Marke sei aufgrund der Übereinstimmung
im Element "Group" von einer schwachen Ähnlichkeit im Schriftbild auszu-
gehen. Die Zeichen seien auch auf klangbildlicher und sinngehaltlicher
Ebene ähnlich, da das Element "AG" als unwesentlicher Bestanteil gelte
und "TX" keine Assoziation hervorrufe (Verfügung Rz. 4, 5, und 8). Die Be-
schwerdeführerin bestreitet demgegenüber eine Zeichenähnlichkeit mit der
Begründung, das erste Zeichenelement der Widerspruchsmarke werde
nicht als Buchstabe "T", sondern "P" gelesen, was durch einen Querbalken
B-3808/2021
Seite 11
und vorgelagertes Quadrätchen mittig des senkrechten Balkens nahege-
legt werde (Beschwerde Rz.10 f). Im Übrigen wäre "TX" als Abkürzung für
den Bundesstaat Texas als geografische Angabe schwach bzw. gemeinfrei
(Beschwerde Rz. 13 f.). Die Beschwerdegegnerin unterstützt die Ansicht
der Vorinstanz und bestreitet u.a. mit dem Hinweis auf ihren Firmennamen
"TX Group AG", dass es sich bei der Widerspruchsmarke um die Kombi-
nation "PX" handle (Beschwerdeantwort Rz. 6 f.).
5.2 Die Widerspruchsmarke ist eine Wort-/Bildmarke. Sie besteht aus der
fett gedruckten Buchstabenkombination "TX" am Anfang, gefolgt von dem
nach unten versetzten, in kleinerer Schrift gehaltenen fünfbuchstabigen
Wort "group". Die angefochtene Marke ist eine reine Wortmarke. Sie be-
ginnt mit der Kombination der zwei Buchstaben "TX", enthält mittig das
fünfbuchstabige Wort "Group" und endet mit der Buchstabenkombination
"AG".
Die angefochtene Marke übernimmt somit die Buchstabenkombination
"TX" und das Wort "group", wobei dieses im Unterschied zur Widerspruchs-
marke mit einem Grossbuchstaben beginnt ("Group"). Die Ergänzung mit
der Buchstabenkombination "AG" findet sich demgegenüber nur bei der
angefochtenen Marke. Hinsichtlich der Buchstabenkombination "TX" wei-
chen die Marken voneinander ab, indem die Buchstabenkombination bei
der Widerspruchsmarke durch fette Schrift und stilisierte weisse Rechteck-
chen in auffälliger Weise grafisch hervorgehoben wird. Trotz der grafischen
Elemente wird "TX" in erster Linie als Buchstabenkombination wahrgenom-
men. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, wonach das Zeichenelement
"T" ein "P" darstellen würde, ist nicht zu folgen. Insbesondere weil das linke
Drittel des Querbalkens über den senkrechen Balken hinausragt, wird das
Zeichenelement nicht als "P" gelesen.
5.3 Die grafischen Elemente in der Widerspruchsmarke mit der Hervorhe-
bung der Buchstabenkombination "TX" durch stilisierte weisse Rechteck-
chen sind zwar auffällig und prägen daher den visuellen Gesamteindruck.
Jedoch ist die Wahrnehmung der beiden Marken trotzdem ähnlich. Nicht
nur wird die Buchstabenkombination "TX" übernommen, sondern auch das
Wort "group", wobei der Umstand, dass dieses bei der angefochtenen
Marke im Unterschied zur Widerspruchsmarke mit einem Grossbuchsta-
ben beginnt ("Group"), als Detail vernachlässigbar ist. Der Zusatz "AG" der
angefochtenen Marke hat zudem nur geringen Einfluss auf den Gesamt-
eindruck. Insgesamt ist somit auf schriftlicher Ebene die Zeichenähnlichkeit
B-3808/2021
Seite 12
zu bejahen. Gleiches gilt hinsichtlich der klanglichen Ebene, da, der Vo-
rinstanz zustimmend, durch den Zusatz "AG" der übernommene Hauptbe-
standteil der Marke "te-iks-gruup" nicht an seiner Individualität verliert.
5.4 Hinsichtlich des Sinngehaltes werden nebst Wörtern einer schweizeri-
schen Landessprache auch solche auf Englisch vom Verkehr erkannt, so-
weit sie zum Grundwortschatz der massgeblichen Verkehrskreise gehören
(Urteile des BVGer B-87/2020 vom 26. April 2021 E. 5.3 "e [fig.]/pick e bike
[fig]"; B-3328/2015 vom 18. Oktober 2017 E. 8.3.1 "Stingray/Roamer Sting-
ray"). Wie die Vorinstanz richtigerweise feststellte, ruft "TX" bei den Abneh-
mern keine Assoziation mit dem Bundesstaat Texas hervor, da es sich da-
bei um eine Abkürzung eines geografisch weit entfernten Ortes handelt,
welche weder in der üblichen Medienberichterstattung noch Ausbildungs-
gängen eine Rolle spielt. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, "TX" sei als
Abkürzung des Bundesstaats Texas gemeinfrei, ist demnach nicht zu fol-
gen. Demgegenüber ist das zum Grundwortschatz gehörende Wort "group"
als englisches Wort für "Konzern" (vgl. den entsprechenden Eintrag zu
"group" in "PONS Basiswörterbuch Schule Englisch") sowie "AG" als Ab-
kürzung für Aktiengesellschaft (vgl. WAHRIG-BURFEIND RENATE, Deutsches
Wörterbuch, 9. Aufl. Gütersloh/München 2011) den Abnehmern durchaus
bekannt. Durch den gemeinfreien Zusatz "AG" kommt der angefochtenen
Marke jedoch der Vorinstanz zustimmend kein unterschiedlicher Sinngeh-
alt zu.
5.5 Im Ergebnis besteht zwischen den fraglichen Marken eine schriftbildli-
che, klangbildliche und sinngehaltliche Ähnlichkeit.
6.
Schliesslich ist in einer Gesamtbetrachtung, unter Berücksichtigung der
Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke und des Aufmerksamkeits-
grades, den die massgeblichen Verkehrskreise bei der Nachfrage der be-
anspruchten Dienstleistungen walten lassen, das Bestehen einer Ver-
wechslungsgefahr zu prüfen.
6.1 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung fest, die Wider-
spruchsmarke "TX Group" sei kennzeichnungskräftig. Dies wird von den
Parteien nicht bestritten und es ist auch kein Grund ersichtlich, von dieser
Beurteilung abzuweichen.
B-3808/2021
Seite 13
6.2 Die angefochtene Marke besitzt keine grafischen Elemente und an de-
ren Ende ist der Zusatz "AG" angefügt, womit sich die beiden Marken un-
terscheiden. Mit den Buchstaben "TX" in Kombination mit dem nachfolgen-
den Wort "Group" übernimmt die angefochtene Marke jedoch die prä-
gendsten Bestandteile der Widerspruchsmarke. Diese Übereinstimmung
führt dazu, dass der Gesamteindruck beider Marken trotz der Abweichun-
gen ähnlich erscheint. Da die angesprochenen Verkehrskreise die Ver-
gleichszeichen kaum zu unterscheiden vermögen, ist eine unmittelbare
Verwechselbarkeit zu bejahen, auch wenn die betroffenen Dienstleistun-
gen mit erhöhter Aufmerksamkeit der Adressaten in Anspruch genommen
werden.
6.3 Die Vorinstanz hat den Widerspruch im Umfang der Beschwerde daher
zu Recht gutgeheissen. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten-
und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG).
7.1 Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach Umfang und Schwierigkeit der
Streitsache, Art der Prozessführung und der finanziellen Lage der Parteien
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG; Art. 2 Abs. 1 des Reglements über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar
2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Dafür ist im Beschwerdeverfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht ein Streitwert zu veranschlagen (Art. 4 VGKE),
wobei im Widerspruchsbeschwerdeverfahren das Interesse des Wider-
sprechenden an der Löschung beziehungsweise jenes der Widerspruchs-
gegnerin am Bestand der angefochtenen Marke zu veranschlagen ist. Bei
eher unbedeutenden Zeichen wird praxisgemäss ein Streitwert zwischen
Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– angenommen (BGE 133 III 492 E. 3.3 "Tur-
binenfuss [3D]"). Im vorliegenden Verfahren ist von diesem Erfahrungswert
auszugehen, da keine Anhaltspunkte vorliegen, die für einen höheren oder
niedrigeren Wert der strittigen Marke sprechen. Im Ergebnis rechtfertigt es
sich, die Kosten des Beschwerdeverfahrens auf Fr. 4'500.– festzulegen.
Dieser Betrag wird dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kosten-
vorschuss in gleicher Höhe entnommen.
7.2 Von Amtes wegen oder auf Antrag kann der obsiegenden Partei eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zugesprochen
werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). Die Parteient-
B-3808/2021
Seite 14
schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere not-
wendige Auslagen der Partei und ist anhand der eingereichten Kostennote
oder, falls keine solche eingereicht wurde, aufgrund der Akten festzulegen
(Art. 8 i.V.m. Art. 14 VGKE). Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer Kos-
tennote einen Aufwand von Fr. 1'600.– geltend, der angemessen erscheint.
Dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Entschädigung in der Höhe von
Fr 3'800.– ist aufgrund ihres Unterliegens nicht zu Folgen und der Vor-
instanz als Bundesbehörde ist keine Parteientschädigung auszurichten
(Art. 7 Abs. 3 VGKE).
8.
Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht offen
(Art. 73 BGG), es wird mit Eröffnung rechtskräftig.