Decision ID: 1149b577-180e-4c8f-8660-da178de34bce
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1960
geborene
X._
meldete sich
am 25. November 2016 (Urk. 7/6)
unter Hinweis auf ein Schädelhirntrauma
infolge eines Fahrradunfalls
(Schaden
meldung vom 29. Juli 2016 [Urk. 7/10
S. 3
])
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle zog
darauf
hin
die Akten des Unfallversicherers bei (
Urk. 7/10, 7/13, 7/
30
, 7/39
, 7/41
),
tätigte erwerbliche Abklärungen (Urk. 7/14) und holte Arztberichte ein (Urk. 7/24
, 7/38
).
Am 23. Oktober 2017 erlitt der Versicherte einen weiteren Unfall (Sturz von ei
nem Hausdach; vgl. Schadenmeldung vom 28. November 2017 [Urk. 7/46 S. 30]).
Mit Schreiben vom 24. April 2018 (Urk. 7/42) teilte die IV-Stelle dem Versicher
ten mit, dass aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes zurzeit noch kein Ren
ten
en
tscheid getroffen werden könne.
In der Folge zog die IV-Stelle die ak
tu
alisierten Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 7/46, 7/47
, 7/49
, 7/53
)
und holte
einen
weiter
en
Arztbericht ein (Urk. 7/51).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 15. März 2019 [Urk. 7/56]; Einwand vom 8. Mai 2019 [Urk. 7/63]
unter Beilage
zweier
Arztbe
richte
vom 26. und 30. April
2019 [Urk. 7/62]
)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
5. Juni 2019 (Urk. 2 [= Urk. 7/66])
einen
Rentenanspruch des Versi
cherten.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
5. Juli 2019 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere einer gan
zen Invalidenrente
,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin (Urk. 1).
Als Beilage
reichte
der Versicherte
zwei Arztberichte vom 21. Juni 2019 zu den Akten (Urk. 3/3-4).
Die IV-Stelle schloss
mit
Beschwer
deantwort vom 9. September 2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesge
setzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
un
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
An
spruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
1.3.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwal
tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztli
che und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3.
2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu
üben. Sie sind in ihrem medizi
nischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (
IVV
)
beurteilen die
RAD
die medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der all
gemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Ur
teil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolge
run
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) ge
nügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.3.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu un
terziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt
,
dass
der Versicherte nach seinem Unfall im Juli 2016, von dessen Folgen er sich gesundheitlich kurzfristig erholt habe, im Oktober 2017
zwar
erneut gestürzt
sei
, dieser Sturz indes bloss eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt
habe
. D
em Versicherten sei
folglich
eine angepasste Arbeit unter Berücksichti
gung von leichten Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen
und Transportieren von Lasten über
fünf Kilogramm und ohne Verharren in Zwangs
haltungen zu 100 % zumutbar.
Hinsichtlich der mittelgradigen depressiven Epi
sode könne
bei
einer adäquaten Therapie zudem
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
von
einer Remission
ausgegangen
werden, weshalb diese Diagnose keine langandauernde Arbeitsunfähigkeit
nach sich
ziehe
. Die psychischen Einschrän
kungen des Versicherten (Antriebsstörung mit deutlichen Hemmungen sowie psy
cho
physische Belastbarkeitsminderung mit vorzeitiger Erschöpfung und Min
de
rung der
konzentrativen
Ausdauerbelastbarkeit) seien in
der
Beurteilung
eben
falls
be
rücksichtigt worden.
Schliesslich handle es sich beim
Bericht von
Y._
, Fachpsychologin Neuropsychologie SVNP/FSP,
zertifizierte Gutachterin SIM,
um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes
,
und
auch
die von Dr.
med.
Z._
genannten Diagnosen seien bereits bekannt
.
Da aus Sicht
der IV-Stelle
die medizinische Sachlage klar sei, halte sie das Einholen eines medi
zinischen Gutachtens nicht
für
notwendig (Urk. 2).
In ihrer Vernehmlassung vom
9. September 2019 (Urk. 6) führte die IV-Stelle
er
gänzend
aus, beim Beschwerdeführer hätten nach dem ersten Unfall keine schwerwiegenden objektiven psychischen
Einschränkungen
bestanden; die vo
rübergehend aufgetretenen
schwereren
Einschränkungen nach dem Tod
seiner
Ehefrau hätten sich zudem während des Aufenthaltes in der Rehaklinik
A._
wesentlich verbessert.
Auch die
von Dr.
Z._
festgestellten leichtgradigen objektiven Befunde
liessen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf keinen in
validisierenden
psychischen
Gesundheitsschaden schliessen.
Obwohl dem Beschwerdeführer aus somatischer Sicht nach dem Unfall im Juli 2016 die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar gewesen sei, habe eine volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nach Ablauf des Wartejahres Ende Juli 2017 bestanden.
Da der
Einkommensvergleich einen Invaliditätsgrad von 0 % ergeben
habe
,
bestehe
jedoch
kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Schliesslich habe zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 aufgrund des Sturzes vorübergehend zwar
erneut
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden
, aller
dings habe diese nur knapp drei Monate lang angedauert, weshalb sie gemäss Art. 88a Abs. 2
IVV
nicht zu
berücksichtigen
sei. Aus diesem Grund bestehe auch kein Anspruch auf eine befristete Rente.
2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte,
die Begründung der Verfügung sei wider
sprüchlich, da sich die darin aufgeführten Einschränkungen auf jede Tätigkeit auswirken würden, sowohl auf
eine
angestammte als auch auf
eine
angepasste
. Zudem habe die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt nur unge
nügend abgeklärt, indem sie trotz des komplexen Beschwerdebildes kein Gutach
ten eingeholt, sondern sich allein auf die Stellungnahme
des RAD-Arztes
Dr. med.
B._
, Facharzt
FMH
für Chirurgie,
gestützt habe
, welcher den psychi
schen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aufgrund seiner fehlenden fachlichen Qualifikation
jedoch
nicht zuverlässig beurteilen könne
.
Ein
RAD
Bericht habe nur
dann
einen vergleichbaren Beweiswert wie ein Gutachten
im Sinne von Art. 44
ATSG
, sofern er
,
auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikation
,
den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genüge.
Würden nachvollziehbare Arztberichte jedoch Zweifel an der Schlüssigkeit
des RAD-Berichtes
begründen, sei entweder ein Gerichtsgutachten einzuholen oder die Sa
che an den Versicherungsträger zwecks Einholung eines Gutachtens
nach Art. 44 ATSG
zurückzuweisen.
Auch äussere sich RAD-Arzt Dr.
B._
nur zur Diagnose der mittelgradigen de
pressiven Episode, welche bei adäquater Therapie überwunden werden könne, lasse die weiteren Diagnosen hingegen gänzlich unbeachtet. Indes
lasse sich
ei
nem Bericht der i
ntegrierten Psychiatrie
C._
vom 22. März 2019 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode, eine
r
chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine
r
sonstige
n
organische
n
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstö
rung des Gehirns infolge traumatischer Hirnverletzung entnehmen. Laut Kreisarzt der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva),
Dr. med.
D._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, habe
die depressive Störung die seit dem Unfall im Jahr 2016 bestehende Schmerzverarbeitungsstörung er
heblich negativ beeinflusst.
Auch der
behandelnde Arzt,
Dr. med.
E._
, Facharzt
FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie mit der Zusatzqualifikation «spezielle
Psychotraumatherapie
»
,
habe die von der
C._
gestellten Diagnosen be
stätigt und zudem auf eine posttraumatische Belastungsstörung hingewiesen.
Der
Aufenthalt in der
Rehaklinik
F._
habe
den Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers nicht massgeblich zu verbessern vermocht
, dem Bericht der
Cli
nique
G._
sei zudem die Diagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen zu entnehmen
.
Schliesslich seien auch im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung
durch die
Suva
zahlreiche Stö
rungen festgestellt worden, weshalb feststehe, dass der Beschwerdeführer auf
grund seiner psychischen Beeinträchtigungen mit erheblichen Einschränkungen seiner Leistungsfähigkeit zu kämpfen habe, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden.
Es dränge sich somit auf, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand der Standardindikatoren zu beurteilen, wozu jedoch ein umfassendes Gutachten vor
liegen müsse, welches sich mit den massgebenden Indikatoren auseinandersetze.
In somatischer Hinsicht habe der Beschwerdeführer mit der traumatischen Hirn
verletzung, einer zervikalen Myelopathie bei zervikaler Spinalkanalstenose sowie mit einer Diplopie zu kämpfen. Hinzu komme die komplizierte Fraktur am linken Fuss, welche nach wie vor zu Schmerzen führe, was sowohl von
Dr.
H._
,
Chi
ropraktor
SCG/ECU,
als auch
von Dr. med.
I._
, Fachärztin FMH für Rheumatologie und Innere Medizin,
bestätigt werde.
Beide
würden
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus
gehen
. Auch aus diesem Grund könne we
der der Gesundheitszustand noch die Arbeitsfähigkeit abschliessend beurteilt werden, weshalb eine interdisziplinäre Beurteilung unabdingbar sei.
Schliesslich erbringe die Suva nach wie vor Leistungen und insbesondere auch Taggelder, woraus hervorgehe, dass nach wie vor eine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit bestehe.
Im Übrigen
sei
die Beschwerdegegnerin
verpflichtet gewe
sen,
die Voraussetzungen für Eingliederungsmassnahmen
zu
prüfen
,
zumal
der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 Abs. 1
IVG
Anspruch
auf solche
habe
(Urk. 1)
.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des B
eschwerdeführers,
insbe
sondere
die Frage
, ob der medizinische Sachverhalt durch die IV-Stelle genügend abgeklärt wurde.
3.2
3.2.1
Im
Austrittsbericht
des
Kantonsspital
s
J._
, Departement Chirurgie, vom 5. August 2016 (Urk. 7/10 S. 34
-36
)
nannten
Dr. med.
K._
,
Ober
arzt,
und
L._
, Assistenzarzt,
folgende
Diagnosen:
-
Schädelhirntrauma
mit
Subarachnoidalblutung
Gyrus
postcentralis
-
D
islozierte Nasenbeinfraktur
-
Ausfall
M
usculus
rectus
lateralis
Auge rechts (Ausfall
N
ervus
abducens
)
-
Rissquetschwunde frontal
-
Zentromedulläres
Syndrom bei Rückenmarkskontusion C5/6 bei
/mit
primäre
r
Spinalkanalenge C5/6
-
U
ndislozierte
Fraktur des Os
triquetrum
dorsal, Handgelenk links
3.2.2
Im
Austrittsbericht
der
Rehaklinik
A._
vom 4. Dezember 2016 (Urk. 7/13)
stellten
PD Dr. med.
M._
, Fachärztin
FMH
für Neurologie,
s
t
ellver
tretende medizinische
Leiterin Neurologische Rehabilitation, und
N._
, Assistenzärztin
, folgende
weitere
zu
den
vorstehend
unter
E. 3.2.1
gestellten Diag
nosen
:
-
Abdu
c
ensparese
rechts
-
Verdacht auf
Contusio
bulbi
rechts
-
K
linisch: Doppelbilder
,
Occlusion
des rechten Auges
-
L
eichte neuropsychologische Störung mit leichten visuellen Aufmerksam
keitseinschränkungen und leichter
Logorrhoe
infolge einer Schädigung des Ge
hirns (ICD-10: F07.8)
-
Hypercholesterinämie und
Dyslipidämie
-
Nierenzysten ohne
Malignomverdacht
3.2.3
Im S
prechstundenbericht
des
J._
vom 2. März 2017 (Urk. 7/30 S. 164-165)
er
gänzte
Dr.
K._
seine
Diagnose
n vom
5. August 2016 (
vgl.
vorstehend E. 3.2.1) um die folgenden
:
-
Abducensparese
rechts bei Sta
tus nach direktem
Bulbustrauma
-
Zeichen eines Outlet-
Impingements
-
S
chwere aktivierte hypertrophe AC-Gelenksarthrose
(Arthrose zwischen Schlüs
sel
bein und Schulterdach)
3.2.4
Im
Austrittsbericht
der
Rehaklinik
A._
vom 22. März 2017 (Urk. 7/24)
bestä
tigten
Dr. med.
O._
, Assistenzarzt, und
P._
, Fach
ärztin
FMH
für Neurologie, Oberärztin
die
vorstehend
unter
E. 3.2.1 und E. 3.2.2 aufgeführten
Diagnosen
und ergänzten sie um folgende Diagnose:
-
F
remdanamnestisch St
atus
nach
Luxation der linken Schulter mit Reposition am Unfallort
Die Ärzte hielten fest, dass der Beschwerdeführer
in verbessertem Zustand als selbständiger Fussgänger
habe entlassen werden können
. Dennoch
sei eine
Rück
kehr
in die
angestammte Tätigkeit derzeit nicht realistisch
, dies wegen der
Vi
suseinschränkung
,
der
reduzierte
n Handkraft,
Feinmotorik und Koordination,
den
Verhaltensauffälligkeiten und
der
stark reduzierte
n
körperliche
n
Belastbarkeit. Kognitiv
sei der Beschwerdeführer
im Alltag nicht eingeschränkt
und
im berufs
orientierten Training mit mittleren bis schweren Aufgaben
auch
nicht überfor
dert
, körperlich seien ihm aktuell indes nur sehr leichte Belastungen zumutbar
.
3.2.5
Im ärztlichen Zwischenbericht vom 5. Oktober 2017 zuhanden der Suva (Urk. 7/39 S. 61-62) stellte der behandelnde Psychiater Dr.
E._
die folgenden Diagnosen:
-
Posttraumatische Verbitterungsstörung (ICD-10: F43.8)
-
Hirnorganisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.02)
Dr.
E._
hielt fest, dass die Prognose für den Beschwerdeführer schlecht aus
sehe und dass dieser zurzeit nicht arbeitsfähig sei. Vielmehr sei ein bleibender Nachteil zu erwarten in Form eines hirnorganischen Psychosyndroms und daraus resultierenden kognitiven Beeinträchtigungen.
3.2.
6
Im Anschluss an den zweiten Unfall des Beschwerdeführers (Sturz von einem Hausdach) stelle
Q._
, klinischer Fachspezialist, im provisorischen
Aus
trittsbericht des
J._
vom 24. November 2017 (Urk. 7/38 S. 20-23)
folgende
Diag
nosen
(vgl. auch den Austrittsbericht des
H
ô
pital
R._
vom 9. No
vember 2017 [Urk. 7/38 S. 18])
:
-
Komplexe
Sprunggelenksfraktur (OSG-Fraktur)
und Fussverletzung links
bei/
mit
-
d
islozierter, mehrfragmentärer intraartikulärer
Calcaneusfraktur
-
Bimalleolarfraktur
mit
tibio-fibularer
Instabilität
-
Fraktur
Processus
posterius
tali
-
Status nach Osteosynthese
Malleolus
medialis
und
lateralis
-
Weichteilschaden Grad II nach
Tscherne
und
Oeste
rn
-
St
atus
n
ach
Polytrauma nach Fahrradunfall
bei/mit
-
Schädelhirntrauma mit traumatischer Hirnverletzung
-
Subarachnoidalblutung
Gyrus
postcentralis
-
Ausfall
Musculus
rectus
lateralis
Auge rechts
-
d
islozierte
r
Nasenbeinfraktur Riss-Quetsch-Wunde orbital
-
Zentromedul
l
äres
Syndrom mit
-
Status
n
ach
Rückenmarkskontusionen und C5/6 mit primärer Spinal
kanalenge
-
Halluzinieren bei psychischen Problemen
-
Nierenzyste
Bosniak
II F links
3.2.
7
In dem von der IV-Stelle eingeholten
Arztbericht vom 31. Dezember 2017 (Urk. 7/38)
stellte der behandelnde Hausarzt,
med.
pract
.
S._
, Fach
arzt FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die
Arbeitsfähigkeit
(S. 6-8):
-
Komplexe
Sprunggelenksfraktur
und Fussverletzung links (nach
Sturz vom Hausdach
)
bei/
mit
-
d
islozierter mehrfragmentärer intraartikulärer
Calcaneusfraktur
-
Bimall
e
olar
f
raktur
mit
tibio
-
fibularer
Instabilität
-
Fraktur
d
es
Proc
essus
posterius
tali
-
Osteosynthese
Malleolus
medialis
und
lateralis
-
Weichteilschaden Grad II nach
Tscherne
Oestern
-
Depressives Zustandsbild
/
Anpassungsstörung bei psychosozialer Überlastung nach Tod der Ehefrau
-
St
atus nach
Polytrauma nach
Fahrradu
nfall
bei/mit
-
Schädel-Hirn-Trauma mit
Subarachnoidalblutung
Gyrus
postc
en
tralis
-
Abducensparese
rechts, Verdacht auf
Contusio
bulbi
rechts
-
d
islozierte
r
Nasenbeinfraktur
-
Riss-Quetsch-Wunde frontal
-
Rückenmarkskontusion C5/6 mit
zentromedullärem
Syndrom
-
u
ndislozierte
r
Fraktur des Os
triquetrum
dorsal Handgelenk links
-
l
eichte
r
neuropsychologische
r
Störung mit leichten visuellen Aufmerk
samkeitseinschränkungen und
Logorrhoe
infolge Hirnschädigung
-
St
atus nach
Luxation der Schulter links mit Reposition am Unfallort
-
Posttraumatisches
zentromedulläres
Syndrom
-
Posttraumatisch persistierende Doppelbilder beim Fokussieren
-
Posttraumatische
Abducensparese
rechts
-
Par
ä
sthesien und Krämpfe Hände beidseitig
;
Dysästhesien
, weniger ausge
prägt an unterer Extremität
-
Posttraumatisch rechtsseitige tief lumbal persistierende Schmerzen
-
Posttraumatisch persistierende Schulterschmerzen links
3.2.
8
Im
Austrittsbericht
der
Rehaklinik
A._
vom 4. Januar 2018 (Urk. 7/41 S. 17
26)
hielten
Dr. med.
T._
, Assistenzarzt, und Dr.
M._
– mit Ausnahme der Diagnose Nierenzyste
Bosniak
II F links –
dieselben Diagnosen wie
diejenigen unter vorstehend E.
3.2.
6
erwähnten
fest
, differenziert
en
indes
bei
der Diagnose
Halluzinieren bei psychiatrischen Problemen:
-
Verdacht auf sonstige akute vorwiegend wahnhafte psychotische Störungen (ICD-10: F23.3), remittiert; Tod der Ehefrau als akute Belastung
-
Anpassungsstörung in Form einer protrahierten Trauerreaktion (ICD-10: F43.22)
Die Ärzte hielten eine v
oll
ständig
e Arbeits
un
fähigkeit
fest.
3.2.
9
Im
Überweisungsschreiben
vom 25. Januar 2018 an die
C._
(Urk. 7/41 S. 63-65)
führte Dr.
E._
die
folgenden Diagnosen
auf
:
-
Depressive Störung, gegenwärtig
schwergradige
depressive Episode, ohne psychotische
Symptome
(ICD-10: F32.2)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Hirnorganisches Psychosyndrom
nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.02)
-
Persönlichkeitsänderungen nach Unfall vom 27. Juli 2016
(
ICD-10: F07.0)
3.2.10
Im Bericht über die neurologische und neurophysiologische Untersuchung vom 26. Januar 2018 (Urk. 7/41 S. 45-47) im Zentrum für Paraplegie (Universitätskli
nik
U._
) durch Dr. med.
V._
, Facharzt FMH für Neurologie, Oberarzt Paraplegie, und Dr.
M._
, wurden dieselben Diagnosen wie vorstehend unter E. 3.2.1, E. 3.2.2 und E. 3.2.4 aufgeführt. Zusätzlich stellten die Ärzte folgende weitere Diagnose:
-
Zervikale Myelopathie bei zervikaler Spinalkanalstenose HWK 4/5 und 5/6
3.2.11
In der
psychiatrische
n
Beurteilung vom 7. Februar 2018
(Urk. 7/41 S. 85-94) hielt
Suva
-Kreisarzt Dr.
D._
fest, einerseits habe das
Schädel-Hirn-Trauma zu
gering
gradigen
neuropsychologischen Einschränkungen
geführt
,
andererseits hätten
die vermutlich angeborene Enge im Bereich des Spinalkanals und der Sturz mit dem Fahrrad Bewegungseinschränkungen und Sensibilitätsstörungen
zur Folge ge
habt
. Daneben
würden auch
psychosoziale Belastungsfaktoren durch
die
Erkran
kung und
den
Tod
der Ehefrau
erhebliche Auswirkungen auf
das
Befinden des
Beschwerdeführers haben; diese psychosozialen Belastungsfaktoren hätten eine
erhebliche Symptomatik hervorgerufen, die teilweise mit Halluzinationen und psychotischen Symptomen einher
gehe
.
Aus diesem Grund
habe
Dr.
E._
eine
ausgeprägte
depressive Symptomatik
diagnostiziert
.
Obwohl dieser Diagnose zu
zustimmen sei, sei aufgrund der
Befunde,
der
Untersuchungen und
der
Berichte überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass zurzeit die aus
der
Trauer
reaktion des
Beschwerdeführers
resultierenden Symptome im Mittelpunkt
stün
den
und
sein
Verhalten im Alltag massgeblich mitbestimm
t
en.
Auch wenn nicht mit letztendlicher Sicherheit ein Zusammenhang
mit
dem Fahrradunfall und dem daraus resultierenden hirnorganischen Psychosyndrom ausgeschlossen werden könne, sei dieser Zusammenhang nur prinzipiell möglich, nicht aber als überwie
gend wahrscheinlich einzuschätzen
(S. 92-94)
.
3.2.12
Lic
. phil.
W._
, therapeutischer Leiter, und
MSc
AA._
_
, Psycho
login,
C._
,
hielten in ihrem
Zuweisungsschreiben vom 7. März 2018 (Urk. 7/4
6
S. 105-106)
an die
Rehaklinik
AB._
in psychiatrischer Hinsicht dieselben
Diagnosen
wie
die
vorstehend unter E. 3.2.
9
sowie in somatischer Hinsicht – mit Ausnahme der
Nierenzyste
Bosniak
II F links – dieselben Diagnosen wie
die
vor
stehend unter E. 3.2.
6
erwähnten
fest.
3.2.13
Im
Austrittsbericht
der
C._
vom 22. März 2018 (Urk. 7/47 S. 38-4
5
)
führten
lic
. phil.
W._
und
MSc
AA._
_
die folgenden
Diagnose
n auf
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD
10: F33.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10: F45.41)
-
Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns infolge traumati
scher Hirnverletzung (ICD-10: F07.8)
In somatischer Hinsicht führten sie dieselben Diagnosen wie die vorstehend unter E. 3.2.
6
erwähnten fest.
Lic
. phil.
W._
und
MSc
AA._
_
hielten im Rahmen ihrer integrativen Diagnose fest, der Beschwerdeführer leide seit dem Fahrradunfall im Jahr 2016 unter wie
derkehrenden Schmerzen, starker Müdigkeit, Gefühlen von Unselbständigkeit und dem Gefühl, sich als Person verändert zu haben. Er habe Schwierigkeiten in der psychischen Verarbeitung der einschneidenden Erlebnisse sowie bei der Aufrecht
erhaltung einer geregelten Tagesstruktur. Es liege
nach dem Tod der Ehefrau und dem zweiten Unfall (Sturz vom Hausdach)
eine erneute Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes vor, welche vorübergehend
mit
psychotische
m
Erleben mit ausgeprägten Ängsten
einhergehe
.
Die a
ktuelle depressive Krise
stehe
wohl in Zusammenhang mit
dem
Tod
der
Ehe
frau und
dem
Sturz vom
Hausd
ach
, d
ennoch
gelte
es
die
erhöhte psychische In
stabilität seit
dem
Unfall
im Jahr
2016 zu beachten.
Der Beschwerdeführer s
chein
e
mitten im Verarbeitungsprozess der Lebensveränderung nach diesem Ereignis zu sein.
3.2.14
Suva-Kreisarzt Dr.
D._
hielt in der erneuten psychiatrischen Beurteilung vom 4. April 2018 (Urk. 7/47 S. 72-75) eine unveränderte Situation im Vergleich mit der Beurteilung vom 7. Februar 2018 fest (vgl. vorstehend E. 3.2.11). Die Schmerzsymptomatik im Sinne einer Schmerzverarbeitungsstörung werde durch die bestehenden psychischen Symptome erheblich negativ beeinflusst.
3.2.1
5
Im
Sprechstundenbericht vom 13. April 2018 (Urk. 7/46 S. 117-118)
stellte Dr. med.
AC._
_
, Oberarzt am
J._
, Departement Chirurgie
,
fest, der Verlauf des Heilungsprozesses sei auch
fünf Monate nach
dem
zweite
n
Unfall un
befriedigend
, weshalb der Beschwerdeführer w
eiterhin arbeitsunfähig
sei
.
Gemäss
Verlaufsbericht Physiotherapie vom 11. Juni 2018 (Urk. 7/46 S. 136-137) von
AD._
_
, Physiotherapeutin,
zeig
t
e sich eine
deutliche Verbesserung
der Beweglichkeit
des
linken
Sprunggelenks, auch das Gangbild habe sich deut
lich verbessert
. Trotz
des
Unterbruch
s
aufgrund eines st
ationäre
n
Aufenthalt
s
in
einer
Klinik
werde der
Behandlungsabschluss im November erwartet.
Im e
rgotherapeutische
n
Kurzbericht vom 12. Juni 2018 (Urk. 7/46 S. 138-140)
hielten
AE._
, Ergotherapeutin, und
AF._
_
, Physiotherapeut
,
fest, dass eine
funktionelle Verbesserung
der
sensomotorische
n
Störungen der oberen Extremitäten aufgrund
der
Kontusion unwahrscheinlich
sei
. Allgemein
werde die
somatische Symptomatik vermehrt von psychischen Beschwerden über
lagert.
3.2.16
Im Sprechstundenbericht vom 27. April 2018 (Urk. 7/47 S. 143-145) führten Dr. med.
AG._
, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie, und Dr. med.
AH._
_
,
Spine
Fellow, Universitäres Wirbelsäulenzentrum Zürich, Universitätsklinik
U._
, die bekannten Diagnosen (vgl. vorstehend die unter E. 3.2.1, E. 3.2.2 und E. 3.2.4 aufgeführten Diagnosen) und zusätzlich eine posttraumatische
Tetra
parese
, aktuell ASIA D, bei Status nach
zentromedullärer
Kontusion und bei zer
vikaler Spinalkanalstenose C5/6 auf.
3.2.1
7
In seinem
Überweisungsschreiben
vom 17. Mai 2018 an die
Rehaklinik
AB._
_
(Urk. 7/47 S. 118-120)
führte
Dr.
E._
dieselben
Diagnosen
wie
die
vorste
hend unter E.
3.2.
9
erwähnten auf
,
ergänzend diagnostizierte er eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
.
3.2.18
In der dritten
psychiatrische
n
Beurteilung vom 17. Mai 2018 (Urk. 7/47 S. 147-148)
stellte Suva-Kreisarzt Dr.
D._
erneut eine
unveränderte Situation im Ver
gleich mit
der
Beurteilung vom 7. Februar 2018
(
vgl. vorstehend E. 3.2.11
) fest
.
3.2.19
Im
Austrittsbericht
der
Rehaklinik
F._
vom 20. Juli 2018 (Urk. 7/47 S. 175-185)
führten
Dr. med.
AI._
_
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische und Psychosoziale Medizin SAPPM, Chef
ärztin,
AJ._
, M.
Sc. Psychologin,
und
Dr. med.
AK._
, Facharzt FMH für Neurologie, Oberarzt
,
folgende psychiatrische Diagnosen auf:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwergradige
bis mittel
schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Hirnorganische Persönlichkeitsveränderungen nach Unfall 2017 (ICD-10: F07.0)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10: F45.41)
Aus s
omatische
r
Sicht führten sie dieselben
Diagnosen
wie die
vorstehend
unter E.
3.2.1,
E. 3.2.2 und E. 3.2.4
erwähnten auf
, zusätzlich
einen
Status nach Niko
tinabusus (ungefähr 35 Packungsjahre)
.
In ihrer
Beurteilung
hielten sie fest, der Beschwerdeführer verlasse die
Klinik in
einem
psychisch
und physisch
noch
deutlich instabile
n Zustand. H
ohe emotionale Instabilität, Depressivität und diffuse somatische Beschwerden
seien
weiterhin vorherrschend
, es bestehe
nach wie vor
ein ausgeprägter Leidensdruck.
Um einer
Chronifizierung
entgegenzuwirken bedürfe es eines intensiven, längerfristigen und ganzheitlich orientierten interdisziplinären Behandlungsprogramms.
3.2.20
Anlässlich der durch die Suva veranlassten m
ulti
disziplinäre
n
Begutachtung
in den
Fachrichtungen Neurologie
, Neuropsychologie
und
Orthopädie
in
der
Clin
i
que
G._
vom 16. November 2018 (Urk. 7/
53 S.
1
-2
3
)
führten
Dr.
AL._
, Facharzt FMH für Neurologie,
Oberarzt,
Dr.
AM._
, Assistenzärztin, und Dr.
AN._
_
, Facharzt FMH für
P
hysikali
sche Medizin und Rehabilitation, Chefarzt
,
die folgenden Diagnosen auf:
-
Schweres Schädel-Hirn-Trauma mit
frontoparietaler
, subduraler,
subarachno
idaler
Blutung rechts, zwei diffuse
axonale
Läsionen des Amygdala-Hippo
campus rechts mit mittelschweren Aufmerksamkeitsstörungen, leichten epi
sodischen Störungen des verbalen Gedächtnisses und einer mittelschweren Verlangsamung
-
Parese des
Nervus
abducens
und
Bulbuskontusion
rechtes Auge
-
Reponierte Nasenfraktur
-
Zervikale Myelopathie C5/6, wahrscheinlich posttraumatischen Ursprungs, mit leichter sensomotorischer distaler Beeinträchtigung an den Armen beid
seitig (zu Ungunsten der rechten Seite) und leichter
posturaler
Instabilität
-
Nicht dislozierte Fraktur des dorsalen Dreieckbeins der linken Hand, konser
vativ behandelt
-
Fraktur des
Calcaneus
links
-
Bimalleolarfraktur
mit
tibio
-
fibularer
Instabilität
-
Fraktur des
Processus
posterior
tali
links
-
Osteosynthese des
Malleolus
medialis
und
lateralis
links
Ergänzend führten die Ärzte folgende Komorbiditäten auf:
-
Hypercholesterinämie
-
G
astroösophageale
r
Reflux
Im
Ergebnis
hielten die Ärzte fest, es bestünden s
chwankende Beschwerden,
wel
che
hauptsächlich
das
Müdigkeitsgefühl
beträfen
. Schmerzen
träten
zufällig
auf
und
würden
tendenziell geringer. Obwohl
die
Kraftbilanz
deutlich
unter
der
Norm
liege
,
wirke
sich
dies
nicht
direkt
auf
die
Durchführung von Aktivitäten des täg
lichen Lebens aus, sondern
zeige sich
eher
in einer
fehlende
n
Ausdauer
.
Auch die
Koordination
liege
leicht unterhalb der Norm,
die
Feinmotorik
liege
hingegen im Normbereich (S. 19).
Der b
eratende Psychiater
habe
fest
gehalten
, dass sich
der
psychische Zustand
des Beschwerdeführers
verbessert
habe
und
dass dieser
Zustand
an sich nicht zur Er
werbsunfähigkeit
führe
.
Die
Beschwerden
beträfen
hauptsächlich somatische Pro
bleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme
(S. 20)
.
Im beruflichen Bereich
übe der Beschwerdeführer
körperlich leichte, einfache ma
nuelle Tätigkeiten über insgesamt bis zu vier Stunden aus.
Er verfüge über ein g
utes Verständnis der Anweisungen,
seine
Mitarbeit
sei befriedigend
.
Es bestün
den k
ein
e
Anzeichen von Müdigkeit.
Die
Evaluation seiner funktionellen Leis
tungsfähigkeit
habe
ergeben, dass
die
Kohärenz während
der
Evaluation mittel
mässig
sei und dass der
Wille, das Beste zu geben, unsicher
sei
.
Der Beschwerde
führer
unterschätz
e
seine funktionelle Leistungsfähigkeit
(S. 20)
.
Abschliessend hielten die Ärzte fest, dass die b
erufliche
n
Einschränkungen im neuropsychologischen und
osteoartikulären
Bereich
lägen
.
Der Gesundheitszu
stand
des Beschwerdeführers habe
sich stabilisiert,
weshalb
die
A
ufnahme einer angepassten Arbeitstätigkeit im Umfang von 50 % vorgeschlagen
werde und zwar
in einer einfachen manuellen Tätigkeit, unter Beachtung seiner Einschrän
kungen (kein Tagen von schweren Gewichten,
keine Aktivitäten mit wiederholte
n
Beu
ge- und Streckbewegungen des Nackens oder
mit
länger
e
m
Halten des Na
ckens in vorgebeugter Stellung
, keine Arbeiten in der Höhe, Einschränkungen hin
sichtlich des Gehens auf unebenem oder nassem Boden
; S. 20
).
AO._
_
,
PhD
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, Leiterin der Neuropsychologischen Station, und
AP._
,
PhD
, Neuropsycholo
gin, hielten im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchungen fest,
der Be
schwerdeführer sei psychomotorisch
leicht
verlangsamt,
weise eine Tendenz zur
Logorr
h
oe
auf und wirke niedergeschlagen.
Er leide unter mittelschweren Auf
merksamkeitsstörungen sowie unter leichten episodischen Störungen des verba
len Gedächtnisses. Hinzu kämen diskrete Wortfindungsschwierigkeiten sowie eine Verlangsamung bei kontinuierlichen Versuchen. Diese Schwierigkeiten lägen im Wesentlichen im Bereich der Aufmerksamkeit und
liessen sich
auf die beiden Schädel-Hirn-Traumata und insbesondere auf das erste
schwergradige
Schädel-Hirn-Trauma zurück
f
ühren (S. 11).
3.2.21
Im von der IV-Stelle eingeholten
Arztbericht
vom 7. Januar 2019 (Urk. 7/51) führte
Dr.
I._
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit auf
:
-
Zervikale
Myelopathie bei Spinalkanalstenose C4/5 und C5/6
-
Status nach
Rückenmarkskontusion
bei Sturz mit dem Fahrrad
-
Elektrophysiologisch
spinothalamische
Leistungsstörung
-
Status nach
Polytrauma nach Sturz vom Fahrrad
bei/
mit
-
t
raumatischer Hirnverletzung
-
Subarachnoidalblutung
Gyrus
postcentralis
-
Abducensparese
rechts, Verdacht auf
Contusio
bulbi
rechts
-
d
islozierte
r
Nasenbeinfraktur
-
Riss-Quetsch-Wunde frontal, laterale Orbita, Oberlippe und
enorale
Oberlippe
-
Rückenmarkskontusion C5/6 mit
zentromedullärem
Syndrom bei pri
märer (angeborener) Spinalkanalenge C5/6
-
u
ndisl
o
zierte
r
Fraktur des Os
triquetrum
dorsal, Handgelenk links
-
l
eichte
r
neuropsychologische
n
Störung mit leichten visuellen Auf
merksamkeitseinschränkungen und leichter
Logorrhoe
infolge einer Schädigung des Gehirns (ICD-10: F07.8)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krank
heit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns infolge traumati
scher Hirnverletzung
-
Komplexe
Sprunggelenks
fraktur
und Fussverletzung links nach Sturz vom Dach
-
Dislozierte, mehrfragmentierte intraarti
k
uläre
Calcaneusfraktur
-
Bimalleolarfraktur
mit
tibio-fibul
a
rer
Instabilität
-
Fraktur
Pro
c
essus
posterior
tali
Als Diagnose
ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit führte Dr.
I._
fremd
anamnestisch laut
J._
Winterthur die Luxation der linken Schulter mit Reposi
tion am Unfallort auf.
Aus rheumatologischer Sicht
und mit Blick auf eine Arbeitsfähigkeit
fall
e
die Prognose
für
die zervikale Myelopathie
bei
einer
Operation
günstig aus
, ohne Operation
hingegen sei die Prognose
ungünstig. Gemäss
dem
bisherige
n
Verlauf
sei auch die Prognose für die
Diagnose
n
der rezidivierenden depressiven Störung
sowie de
n
sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
un
günstig
. Funktionseinschränkungen
bestünden beim
Heben und Tragen von Las
ten über zehn Kilogramm über die Beckenhöhe,
beim
Arbeiten über
der
Schulter
ebene
sowie
bei
Arbeit
en im Stehen oder Gehen
.
Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig.
3.2.22
In dem vom Beschwerdeführer zu den Akten gereichten
Bericht vom 26. April 2019 (Urk. 7/62
S. 1-3
)
führte
Fachpsychologin
Y._
aus,
aus
de
n
Bildge
bungs
befunde
n
,
der
Fremdanamnese,
de
n
neurologischen Befunde
n
aus
AQ._
_
und der Symptombeschreibung der Psychiaterin
gehe
hervor, dass
das
klinische Bild überwiegend wahrscheinlich in Zusammenhang mit der traumatischen Hirnver
letzung (ICD-10: F07.8)
aufgetreten
und nicht Ausdruck einer zugrundeliegenden Depression
/
Trauerreaktion
sei
.
Es könne
nicht von einer grundsätzlichen Verbes
serung hin zum prämorbiden Zustandsbild ausgegangen werden.
Der
Verlust
der
Ehefrau
sei
als «
coincidence
Ereignis» anzusehen und nicht als Auslöser der wei
terhin bestehenden kognitiv-
behavioralen
Einbussen.
3.2.23
Dr.
Z._
führte in seinem vom Beschwerdeführer eingeholten Arztbericht
vom 30. April 2019 (Urk. 7/62 S. 4-7)
schliesslich die folgenden
Diagnosen
auf
:
-
Aktuell mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Früher schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3)
-
Hirnorganisches Syndrom (
Status nach
Unfall
;
ICD-10: F06.9)
Dr.
Z._
hielt fest
, der Beschwerdeführer sei
mittelgradig depressiv,
die
kör
perliche
n
Probleme erschwer
t
en
seine
psychische Heilung.
Er b
eschäftig
e
sich stark mit
diesen
körperlichen Problemen,
seine
narzisstische Persönlichkeit
ma
che
es besonders schwierig.
Der Beschwerdeführer b
räuchte über
eine
längere Zeit
dauer
hinweg eine p
sychotherap
eutische Behandlung
. Bezüglich
der Arbeits
fähigkeit könne er
zurzeit keine Entscheidung
treffen
.
3.2.24
Dr.
H._
führte in seinem
vom Beschwerdeführer eingeholten
Bericht vom 21. Juni 2019 (Urk. 3/3)
aus, der Beschwerdeführer stehe seit dem 13. März 2019 regelmässig bei ihm in
chiropraktischer
Behandlung aufgrund der beiden Unfälle. Er halte eine Wiedereingliederung im Sinne eines Wiedereingliederungspro
gramms mit langsamem Aufbau ab einer Stunde Arbeitszeit pro Tag ab
dem
8. Juli 2019 für möglich.
3.2.25
Schliesslich bestätigte Dr.
I._
im vom Beschwerdeführer eingeholten Arztbe
richt vom 21. Juni 2019 (Urk. 3/4) ihre vorstehend unter E. 3.2.21 aufgeführten Dia
gnosen und gestellten Prognosen. Zusätzlich führte sie eine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren als hinzukommende Diagnose auf
und hielt fest, der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100 % arbeits
unfähig
.
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte
sich in
der
angefochtene
n
Verfügung auf die Stellungnahme
von
RAD-Arzt
Dr.
B._
vom 23. Januar 2019 (Urk. 7/55 S. 8-9)
.
Dieser
legte aus somatischer Sicht die funktionellen Einschränkungen in Bezug auf die bishe
rige Tätigkeit des Beschwerdeführers fest und erstellte ein Belastungsprofil.
Hin
sichtlich
der
psychischen
Diagnose der mittelgradigen depressiven Episode
führte er
zudem
aus,
diese
sei als überwindbar anzusehen
, weshalb bei adäquater The
rapie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Remission ausgegangen werden könne
.
Gestützt darauf ging die IV-Stelle von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit im angestammten Bereich sowie von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
einer
angepasste
n
Tätigkeit aus
und verneinte den Anspruch des Beschwerde
führers auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
4.2
Aus den
Akten
ist ersichtlich
, dass
bereits im ersten Austrittsbericht der Rehakli
nik
A._
vom 4. Dezember 2016 (vgl. vorstehend E. 3.2.2) sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns diagnostiziert wurden.
Der behandelnde Psy
chiater
Dr.
E._
diagnostiziert
e
am 5.
Oktober 2017 (vgl. vorstehend E. 3.2.5) eine posttraumatische Verbitterungsstörung (ICD-10: F43.8) sowie ein hirnorga
nisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.02); nach dem zweiten Unfall führte
Q._
am 24. November 2017 (vgl. vorstehend E. 3.2.6) unter den Diagnosen Halluzinieren bei psychischen Problemen
und
med.
pract
.
S._
am 31. Dezember 2017 (vgl. vorstehend E. 3.2.7) ein depressi
ves Zustandsbild/eine Anpassungsstörung bei psychosozialer Überlastung nach dem Tod der Ehefrau auf.
Die Ärzte der Rehaklinik
A._
führten am 4. Januar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2.8) eine Anpassungsstörung in Form einer protrahier
ten Trauerreaktion (ICD-10: F43.22) auf
. Dr.
E._
bestätigte im Überweisungs
schreiben vom 25. Januar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2.9) das hirnorganische Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma und diagnostizierte zudem eine posttrau
matische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) sowie Persönlichkeits
änderungen nach dem ersten Unfall (ICD-10: F07.0).
Suva-Kreisarzt Dr.
D._
bestätigte die Diagnose einer depressiven Störung (vgl.
vorstehend E. 3.2.11)
. Er
hielt es
zwar
für überwiegend wahrscheinlich, dass die
weiteren Diagnosen im Zusammenhang mit der Trauerreaktion des Beschwerde
führers stehen würden, konnte einen Zusammenhang mit dem Fahrradunfall und dem daraus resultierenden hirnorganischen Psychosyndrom hingegen nicht aus
schliessen.
Aus dem Austrittsbericht der
C._
vom 22. März 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2.13) ist ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer
eine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41) sowie
sons
tige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krank
heit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns infolge traumatischer Hirn
verletzung (ICD-10: F07.8) diagnostiziert wurden. Es wurde festgehalten, dass nach dem Tod der Ehefrau und dem zweiten Unfall eine erneute Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorliege. Auch wenn die aktuelle depressive Krise wohl in Zusammenhang mit dem Tod der Ehefrau und dem zweiten Unfall stehe, gelte es dennoch die erhöhte psychische Instabilität seit dem Fahrradunfall im Jahr 2016 zu beachten. Die Diagnose der chronischen Schmerzstörung wurde von Dr.
E._
am 17. Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2.17) bestätigt.
Auch
im Austrittsbericht der
Rehaklinik
F._
(vgl. vorstehend E. 3.2.19)
wurden
neben der depressiven Störung die Diagnosen der posttraumatischen Be
lastungsstörung, der hirnorganischen Persönlichkeitsveränderungen sowie der chronischen Schmerzstörung bestätigt.
Weiter
wurde festgehalten, dass der Be
schwerdeführer die Klinik in einem psychisch und physisch noch deutlich insta
bilen Zustand verlasse und hohe emotionale Instabilität, Depressivität und diffuse somatische Beschwerden weiterhin vorherrschend seien.
Demgegenüber ist aus dem durch die Suva veranlassten multidisziplinären Gutachten
vom 16. Novem
ber 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2.20)
ersichtlich, dass
der
beigezogene
beratende Psychiater
den psychischen Zustand des Beschwerdeführers als verbessert beur
teilt habe und davon ausgehe, dass dieser nicht zur Erwerbsunfähigkeit führe.
Im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung wurde hingegen festgehalten, der Beschwerdeführer leide unter mittelschweren Aufmerksamkeitsstörungen, leich
ten episodischen Störungen des verbalen Gedächtnisses, unter diskreten Wort
findungsschwierigkeiten sowie unter einer Verlangsamung. Diese Schwie
rigkeiten liessen sich auf die beiden
insbesondere auf das erste,
schwer
gradige
Schädel-Hirn-Traumata zurückführen.
Dr.
I._
bestätigte am 7. Ja
nuar 2019 (vgl. vorstehend E. 3.2.21) die Diagnose der sonstigen organischen
Persönlich
keits
- und Verhaltensstörungen (ICD-10: F07.8).
Schliesslich führte Dr.
Z._
am 30. April 2019 (vgl. vorstehend E. 3.2.23) neben der aktuell mittelgradigen depressiven Episode ein hirnorganisches Syndrom (ICD-10: F06.9) auf.
4.3
Das
vorstehend
Gesagte
erhellt, dass neben der depressiven Episode weitere psy
chische Störungen
im Raum stehen
.
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen anderslautenden medizinischen Einschätzungen wurde indes von RAD
Arzt Dr.
B._
offenkundig
nicht vorgenommen
(vgl. Urk. 7/55 S. 9)
.
Bei der der
zeitigen Aktenlage
und ohne
eine solche
differenzierte Auseinander
setzung mit den anderslautenden medizinischen Einschätzungen
kann
indes
nicht
von
v
orn
herein
angenommen
werden
, dass diese
Störungen
ohne Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
d
eführers bleiben.
4.4
In BGE 143 V 409 und 418 hat das Bundesgericht zudem erkannt, dass grund
sätzlich sämtliche psychische Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 218 zu unterziehen sind (vgl. vorstehend E. 1.3.3). Eine
Indikatoren
prüfung
wurde bislang nicht vorgenommen und erweist sich gestützt auf die RAD-Stellungnahme von Dr.
B._
vom 23. Januar 2019 auch nicht als mög
lich.
4.
5
Auch in somatischer Hinsicht fehlt eine differenzierte Auseinandersetzung mit den
vorhandenen
Arztberichten. So äusserte sich Dr.
B._
weder zum Ergebnis der von der Suva veranlassten multidisziplinären Begutachtung (vgl. vorstehend E. 3.2.20),
wonach die Aufnahme einer angepassten Arbeitstätigkeit im Umfang von 50 % vorgeschlagen wurde, noch zur Einschätzung von Dr.
I._
(vgl. vor
stehend E. 3.2.21), welche eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
festhielt
.
Auch die Ärzte der
Rehaklinik
F._
hielten im Austrittsbericht fest, dass der Be
schwerdeführer die Klinik in einem psychisch wie physisch deutlich instabilen Zu
stand verlasse
und eines interdisziplinären Behandlungsprogramms bedürfe
(vgl. vorstehend E. 3.2.19). Schliesslich äusserte sich auch Dr.
Z._
dahinge
hend, dass die körperlichen Beschwerden die psychische Heilung des Beschwer
deführers erschwerten
, auch wenn er zur Arbeitsfähigkeit derzeit keine Ausfüh
rungen machen könne
(vgl. vorstehend E. 3.2.23).
4.
6
Zusammengefasst kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass
beim
Beschwerdeführer
keine psychischen Störungen mit Auswirkungen auf seine Arbeitsfähigkeit
mehr
vorliegen.
Vielmehr
mangelt es an einer umfassenden fach
ärztlichen psychiatrischen Beurteilung, welche Auskunft über die Diagnosen, die konkreten Einschränkungen sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit in angestammter und angepasster Tätigkeit geben würde.
Auch lässt die der
zeitige Aktenlage die
erforderliche
Indikatorenprüfung
nicht zu
.
Schliesslich lässt sich auch
in somatischer Hinsicht mit Blick auf die vorhandenen ärztlichen Be
richte die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht schlüssig beurteilen.
Folglich fehlt es
in psychischer und somatischer Hinsicht
an
einer
hinreichenden
Grundlage für einen Entscheid.
Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzu
heben und
die
Sache an
die
IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese eine
umfas
sende
Begutachtung
veranlasse, im Anschluss daran eine neue Beurteilung
(auch
eventueller
Eingliederungsmassnahmen)
vornehme und hernach über den Leis
tungsanspruch des
Beschwerdeführers neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung
(Art. 61
lit
. g ATSG)
. Diese ist in Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) auf Fr.
1’900
.
-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen und der unterliegenden
IV-Stelle
aufzuerlegen.
5.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr.
600
.-- festzusetzen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und ausgangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen.