Decision ID: ab0f2635-bab5-4f6c-97d2-712fcde5287a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Am 10. August 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
A.b Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der eu-
ropäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass er bereits am 5. Dezember 2016 in Griechenland ein Asylgesuch ge-
stellt hatte und ihm am 12. Februar 2018 von den griechischen Behörden
internationaler Schutz gewährt worden war.
A.c Anlässlich des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) vom 17. Au-
gust 2022 bestätigte der Beschwerdeführer den ihm von Griechenland zu-
erkannten Schutzstatus. Er machte geltend, dass er einen Flüchtlingsaus-
weis erhalten habe, der jedoch abgelaufen sei. Er habe eine Verlängerung
beantragt, jedoch nicht erhalten. In der Folge habe er für die Ausreise Do-
kumente einer anderen, ihm ähnlich sehenden Person verwendet. Er habe
in Griechenland vergeblich Arbeit gesucht. Ausserdem habe er keinerlei
Leistungen mehr erhalten, nachdem die griechischen Behörden ihm
Schutz gewährt hätten. Während seines ganzen Aufenthalts in Griechen-
land habe er im Camp gelebt. Dort sei es zu einem Vorfall gekommen, bei
welchem das Kind seiner Freundin B._, die er im Camp kennen ge-
lernt habe, (Beschreibung Vorfall). Er habe das Kind verteidigt und sei da-
bei selber verletzt worden. In der Folge seien er, das Kind und B._
bedroht worden. Er habe daraufhin eine Anzeige bei der Polizei einge-
reicht, worauf der Täter verhaftet worden sei. In der Folge sei es zu Dro-
hungen seitens der Familie des Täters gekommen. Die Polizei habe gegen
die Drohungen im Camp nichts unternommen. Er sei daraufhin bei einem
Freund untergetaucht, bis er habe fliehen können. Ein in C._ leben-
der Freund habe ihm die Reise bis in die Schweiz finanziert. Auf Nachfrage
zu seinem Gesundheitszustand führte der Beschwerdeführer an, dass es
ihm zwar körperlich gut, jedoch psychisch schlecht gehe; so belaste ihn
der Umstand, dass er sich bis jetzt in seinem Leben nichts habe aufbauen
können. Ausserdem sei er die einzige Unterstützung seiner noch immer in
Syrien lebenden (Nennung Verwandte).
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A.d Am 2. September 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden
gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rats vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfah-
ren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaats-
angehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Abkom-
men zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rückübernahme
von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006
(SR 0.142.113.729) um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
A.e Die griechischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen
des SEM am 5. September 2022 zu. Sie teilten mit, dass der Beschwerde-
führer am 29. Dezember 2017 als Flüchtling anerkannt worden sei und
über eine vom 12. Februar 2021 bis 11. Februar 2024 gültige Aufenthalts-
bewilligung verfüge.
A.f Am 15. September 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdefüh-
rer einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Be-
schwerdeführer äusserte sich dazu am 16. September 2022. Darin führte
er aus, er wolle nicht nach Griechenland zurück, da es dort schlicht keine
Lebensgrundlage für ihn gebe. Er verfüge nicht einmal mehr über eine gül-
tige Aufenthaltsbewilligung. Er habe im Jahr (...) eine Verlängerung dersel-
ben beantragt, aber keine erhalten. Er sei dort illegal und ohne Chancen
auf ein normales Leben mit Unterkunft und Arbeit. Weiter hielten sich seine
Freundin B._ und deren Sohn in der Schweiz auf, welche er nicht
verlassen wolle. Sie hätten lediglich wegen fehlender Dokumente nicht ge-
heiratet. Bezüglich der angeblichen Aussagen von B._ zu ihrer Be-
ziehung in deren Stellungnahme vom (...) (vgl. SEM act. 1187418-14/2),
wonach sie keine Beziehung mehr mit ihm wünsche, müsse es sich klarer-
weise um ein Missverständnis handeln, zumal er ja gerade wegen ihr und
deren Sohn in die Schweiz gekommen sei und er sicher sei, dass sie mit
ihm zusammen sein wolle.
B.
Mit Verfügung vom 16. September 2022 – eröffnet am 19. September
2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz (nach Griechenland) und forderte ihn auf, die
Schweiz spätestens am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton Bern mit dem Vollzug der Weg-
weisung beauftragt. Schliesslich wurden dem Beschwerdeführer die editi-
onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.
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C.
Die zugewiesene Rechtsvertretung des Beschwerdeführers teilte dem
SEM mit Schreiben vom 19. September 2022 die Beendigung des Man-
datsverhältnisses mit.
D.
Mit Eingabe vom 23. September 2022 (Datum Poststempel) erhob der Be-
schwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und sein Asylgesuch sei in der Schweiz zu prüfen. In prozessu-
aler Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
26. September 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Zur Begründung ihres Entscheids führte das SEM aus, der Bundesrat
habe Griechenland als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2
Bst. b AsylG bezeichnet. Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwer-
deführer in Griechenland als Flüchtling anerkannt worden sei und Grie-
chenland sich bereit erklärt habe, ihn zurückzunehmen. Es sei ihm deshalb
bereits Schutz vor Verfolgung gewährt worden. Er könne nach Griechen-
land zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Re-
foulement-Prinzips im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG befürchten zu müs-
sen. Es sei daher auf sein Asylgesuch nicht einzutreten. Weder die in Grie-
chenland herrschende Situation noch andere Gründe würden zudem ge-
gen den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers sprechen.
Schliesslich sei der Vollzug auch möglich und praktisch durchführbar.
Hinsichtlich den vom Beschwerdeführer bemängelten Lebensbedingungen
führte das SEM aus, der Beschwerdeführer habe mit seinem Schutzstatus
in Griechenland Zugang zu Unterstützungsleistungen des griechischen
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Staates sowie zur nationalen Gesundheitsversorgung. Er könne sich auf
die Garantien der Richtlinie 2011/95/EU (sogenannte Qualifikationsrichtli-
nie), welche unter anderem die notfalls einklagbaren Ansprüche von Per-
sonen mit internationalem Schutzstatus hinsichtlich deren Zugang zu
Wohnraum, Beschäftigung und medizinischer Versorgung regle, berufen.
Zudem verfüge er über eine AMKA-Sozialversicherungsnummer, mit wel-
cher er sich als arbeitssuchend bei den entsprechenden Stellen melden
könne. Ferner könne er sich an das HELIOS-Programm (Hellenic Integra-
tion Support for Beneficiaries of International Protection) wenden, um Un-
terstützung zu erhalten. Zudem habe er nicht nachgewiesen, alle Möglich-
keiten zur Geltendmachung seiner Rechte in Griechenland ausgeschöpft
zu haben. Bezüglich der geltend gemachten Bedrohungen im Camp sei
festzuhalten, dass Griechenland ein Rechtsstaat mit funktionierendem Jus-
tizsystem und Polizeibehörden sei. Sollte sich der Beschwerdeführer nach
seiner Rückkehr vor Übergriffen durch Privatpersonen fürchten oder solche
sogar wieder erleiden, könne er sich mit einer Beschwerde an die zustän-
digen Stellen wenden oder eine Anzeige einreichen. Weiter könne er aus
der geltend gemachten Beziehung zu B._ und deren Sohn (N [...])
nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal B._ dem SEM gegenüber
klar zu verstehen gegeben habe, dass sie das Verhältnis zu ihm nicht als
Beziehung im Sinn einer Familie verstehe und auch keine spätere gemein-
same Unterbringung im Kanton mit ihm wünsche. Bezüglich des guten Ver-
hältnisses zu deren Sohn stehe es ihm frei, ihn in der Schweiz zu besu-
chen. Der medizinische Sachverhalt sei als ausreichend erstellt zu erach-
ten. Angesichts der geschilderten gesundheitlichen Beschwerden werde
die hohe Schwelle für eine drohende Verletzung von Art. 3 der Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. Novem-
ber 1950 [EMRK; SR 0.101]) nicht überschritten. Eine medizinische Not-
lage und eine drastische Verschlechterung des Gesundheitszustands bei
einer Rückkehr nach Griechenland könnten ausgeschlossen werden. Zu-
dem sei die medizinische Versorgung in Griechenland gewährleistet.
In Würdigung der Stellungnahme der vormaligen Rechtsvertretung führte
das SEM betreffend den Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer in
Griechenland über keine Aufenthaltsbewilligung mehr verfüge und eine
Verlängerung nicht mehr erteilt worden sei, aus, diese stellten angesichts
der anderslautenden Auskunft der griechischen Behörden eine reine
Schutzbehauptungen dar. Zudem könne aufgrund der mehrmaligen Äusse-
rungen von B._ nicht von einer gelebten Beziehung zum Beschwer-
deführer ausgegangen werden.
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5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, er
sei mit der vorinstanzlichen Beurteilung nicht einverstanden. Er könne nicht
nach Griechenland zurückkehren, da er dort über keinen Aufenthaltstitel
mehr verfüge.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich vorher aufgehalten hat.
6.2 Den Akten zufolge wurde der Beschwerdeführer am 29. Dezember
2017 in Griechenland als Flüchtling anerkannt und verfügt – entgegen der
in der Beschwerde vertretenen Ansicht – über eine bis am (Nennung Zeit-
punkt) gültige griechische Aufenthaltsbewilligung (vgl. SEM act. 1187418-
20/1 [nachfolgend: act. 20]). Griechenland ist ein EU-Staat und gilt als si-
cherer Drittstaat im Sinne von Art. Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG (vgl. den Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007), und die griechischen
Behörden haben der Rückübernahme des Beschwerdeführers am 5. Sep-
tember 2022 ausdrücklich und vorbehaltlos zugestimmt (vgl. act. 20).
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Zudem hat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid in zutreffen-
der Weise aufgezeigt, dass er aus der geltend gemachten Beziehung zu
B._ und deren Sohn mit Blick auf einen allfälligen Schutz des Fa-
milienlebens nichts zu seinen Gunsten ableiten kann (vgl. SEM act.
1187418-24/11 [nachfolgend: act. 24], S. 7 f.). Der Beschwerdeführer
bringt gegen diese Feststellungen in seiner Beschwerdeschrift keine Ein-
wände vor. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.3 Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt
gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan-
dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
8.4 Der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland erweist sich in Beach-
tung der vorstehend (vgl. E. 8.2) genannten völker- und landesrechtlichen
Bestimmungen als zulässig. Es handelt sich bei Griechenland um einen
sicheren Drittstaat, in welchem der Beschwerdeführer Schutz vor Rück-
schiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Griechenland ist sodann
Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls
der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbe-
züglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätzlich nach (vgl. Urteil
des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 [als Referenzurteil
publiziert], m.w.H.). Zwar anerkennt das Bundesverwaltungsgericht, dass
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die Lebensbedingungen in Griechenland für dort anerkannte Schutzbe-
rechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens äusserst schwierig
sind und sich die Alltagsbewältigung als beschwerlich gestaltet. Es ist aber
nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus
in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im
Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde (vgl. Urteil des
BVGer E-3971/2022 vom 21. September 2022 E. 8.1). Den Akten können
keine substanziierten Hinweise darauf entnommen werden, dass dem Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland eine menschen-
rechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 FoK
und der Praxis zu Art. 3 EMRK droht. Da er als Flüchtling anerkannt wurde,
kann er sich auf die Qualifikationsrichtlinie berufen. Kapitel VII dieser Richt-
linie regelt die den Flüchtlingen und Personen mit subsidiärem Schutzsta-
tus zu gewährenden Rechte (vgl. insb. die Art. 26 [Zugang zu Beschäfti-
gung], Art. 29 [Sozialhilfe] und 30 [medizinische Versorgung] i.V.m. Art. 20
Abs. 2). Es obliegt dem Beschwerdeführer, bei den zuständigen Behörden
seine Rechte geltend zu machen und nötigenfalls auf dem Rechtsweg
durchzusetzen (vgl. D-559/2020 E. 8); es geht aus den Akten nicht hervor,
dass er dies in der Vergangenheit bereits erfolglos gemacht hätte. Der Be-
schwerdeführer leidet seinen Angaben zufolge – ausser dass ihn seine Le-
benssituation belaste und er angesichts der Aussicht, nach Griechenland
zurückkehren zu müssen, depressiv geworden sei – an keinen gesundheit-
lichen Problemen. Im Übrigen ist die medizinische Versorgung in Griechen-
land für Personen mit Schutzstatus gewährleistet. Sollten ihm die griechi-
schen Behörden die ihm zustehenden Rechte oder Leistungen verwehren,
obliegt es ihm, sich bei Bedarf an die zuständigen staatlichen Stellen zu
wenden oder nötigenfalls den Rechtsweg zu beschreiten. Gegebenenfalls
könnte er zudem die Hilfe von privaten und internationalen Organisationen
in Anspruch nehmen, welche in Griechenland im karitativen Bereich tätig
sind. Es bestehen daher keine konkreten Anhaltspunkte, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenun-
würdigen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wäre.
8.5 Hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist
vorab auf Art. 83 Abs. 5 AIG zu verweisen, wonach eine Wegweisung in
einen EU- oder EFTA-Staat vermutungsweise zumutbar ist. Zwar trifft es
zu, dass sowohl Asylsuchende als auch anerkannte Flüchtlinge und Per-
sonen mit subsidiärem Schutzstatus in Griechenland erheblichen Schwie-
rigkeiten hinsichtlich des Zugangs zu Unterkunft, Arbeit und medizinischer
Versorgung ausgesetzt sein können. Aber wie bereits vorstehend erwähnt,
ist Griechenland an die Qualifikationsrichtlinie gebunden und hat dafür zu
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sorgen, dass (u.a.) anerkannten Flüchtlingen der Zugang zu Wohnraum
und Beschäftigung gewährleistet wird und sie die notwendige Sozialhilfe
erhalten. Als anerkannter Flüchtling hat der Beschwerdeführer zudem An-
spruch auf Gleichbehandlung mit griechischen Bürgern in Bezug auf den
Zugang zu Gerichten, Erwerbstätigkeit, Fürsorge und soziale Sicherheit.
Da er – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – überdies
über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt, steht ihm grundsätzlich
auch der Stellenmarkt offen. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er
bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine existenzielle Notlage gera-
ten wird. Insbesondere sind wie bereits dargelegt weder medizinische
Gründe noch anderweitige Hinweise auf eine besondere Verletzlichkeit er-
sichtlich, welche gegen eine Überstellung nach Griechenland sprechen
könnten. Demnach ist der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar zu
erachten.
8.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich schliesslich auch als möglich
im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG, zumal die griechischen Behörden einer
Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben.
8.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug nach Griechenland zu Recht als zulässig, zumutbar und mög-
lich bezeichnete, weshalb die Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser
Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
10.
10.1 Angesichts des Entscheids in der Hauptsache erweist sich das Ersu-
chen um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegen-
standslos.
10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist
ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuwei-
sen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Er-
wägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen haben.
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Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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