Decision ID: 37837aab-186a-42ab-b48f-d6b2f7bebb65
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Entscheid Versicherungsgericht, 16.05.2007 Beweiswürdigung, Untersuchungsgrundsatz. Ist eine besondere Qualifikation des psychiatrischen Mitgutachters nicht zu erkennen, kann der psychiatrischen Aussage, die im strittigen Gutachten die entscheidende Rolle spielt, eine volle Beweiskraft nur dann zukommen, wenn sie nicht mit anderen gleichwertigen fachmedizinischen Aussagen kontrastiert. Die Meinungsäusserungen des internistischen und des rheumatologischen Mitgutachters sind in casu nicht geeignet, die psychiatrische Sicht zu verstärken. Dieser kommt keine grössere Beweiskraft zu, als handelte es sich um eine Einzelbegutachtung. Widersprechen sich unter solchen Umständen die Einschätzungen des behandelnden Psychiaters und jene des psychiatrischen Gutachters diametral, ist die psychiatrische Problematik des Sachverhalts nicht ausreichend geklärt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Mai 2007, IV 2006/91).
Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin
Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Fides Hautle
Entscheid vom 16. Mai 2007
In Sachen
V._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, Vadianstrasse 44,
Postfach 262, 9001 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente

Considerations:
hat das Versicherungsgericht in Erwägung gezogen:
I.
A.- a) Die 1964 geborene V._ meldete sich am 4./10. Mai 2005 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie
gab an, die Primarschule besucht zu haben und im April 1994 in die Schweiz
gekommen zu sein. Sie sei seit dem Jahr 2000 zu einem Bruttoeinkommen von
monatlich Fr. 3'560.-- als Küchengehilfin in einem Alters- und Pflegeheim beschäftigt.
Am 24. Dezember 2003 habe sie einen Autounfall mit Schleudertrauma erlitten. Seither
leide sie an diversen Beschwerden und könne nicht lange auf den Beinen stehen (IV-
act. 1). Beim Unfall sei das Auto, in welchem sie Beifahrerin gewesen sei, in A._ auf
einer Autobahneinfahrt in die Leitplanke geprallt (vgl. IV-act. 7).
b) Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, als (am 27. Dezember 2003)
erstbehandelnder Arzt hatte gemäss dem Arztzeugnis vom 23. Januar 2004 eine HWS-
Distorsion nach Beschleunigungstrauma und eine Kontusion der linken Gesichtsseite
diagnostiziert, die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben und mit der vollen
Wiederaufnahme der Arbeit am 19. Januar 2004 gerechnet (IV-act. 32-7/59). Nach MRI-
Untersuchungen von HWS und BWS hatte er am 10. Februar 2004 berichtet, unter
Physiotherapie und medikamentöser Behandlung sei eine deutliche Besserung
eingetreten. Als Diagnose bestehe ein cranio-cephales Syndrom nach HWS- und BWS-
Distorsion. Während der versuchten Arbeitsaufnahme am 19. Januar 2004 sei es zur
akuten Zunahme der Beschwerden gekommen. Deshalb bestehe vom 28. Januar 2004
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bis 8. Februar 2004 nochmals eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Ein bleibender
Nachteil sei nicht zu erwarten (IV-act. 32-10/59).
c) In der Folge hatte die Versicherte die Arbeit am 9. Februar 2004 wieder
aufgenommen. Wegen fehlenden Ansprechens auf die ambulanten
Therapiemassnahmen war sie zu einer stationären interdisziplinären
Rehabilitationsbehandlung in die Klinik C._ gewiesen worden. Im Austrittsbericht
vom 20. September 2004 über den stationären Aufenthalt vom 9. bis 26. August 2004
hatte die Klinik C._ als Diagnosen angegeben (erstens) ein generalisiertes
Schmerzsyndrom mit chronischer linksseitiger lumbospondylogener,
thorakovertebraler, cervicozephaler und cervicobrachialer Betonung bei Status nach
HWS-Distorsionstrauma am 24. Dezember 2003 und Diskus¬protrusion C3/4 mit
leichter recessaler Einengung sowie (zweitens) eine Anpassungsstörung mit
depressiven und neurasthenischen Symptomen. Die Versicherte habe bei Klinikeintritt
völlig erschöpft und kraftlos gewirkt und während des gesamten Aufenthalts viel
geweint. Die Trainingsintensität sei sehr niedrig gewesen, um einer zusätzlichen
Überforderung vorzubeugen. Die Belastbarkeit habe kaum verbessert werden können.
Bei Klinikaustritt sei die Versicherte wegen der fehlenden Verbesserung eher noch
deprimierter gewesen und habe Todessehnsüchte geäussert. Bei der aetiologisch
vielschichtigen Störung mit zahlreichen, auch unfallunabhängigen Stressoren bestehe
derzeit aus der Sicht des Psychosomatikers wahrscheinlich kaum Aussicht auf eine
Verhaltensänderung durch eine psychiatrische Behandlung, doch sei trotzdem eine
solche zu empfehlen. Falls eine weitere Verschlechterung der psychischen Situation mit
der konkreten Äusserung von Suizidideen auftreten sollte, müsste eine psychiatrische
Hospitalisation erfolgen. Bis auf weiteres bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Falls
eine psychische Stabilisierung eintrete, könnte eventuell ein teilzeitlicher Wiedereinstieg
in die Arbeit versucht werden (IV-act. 15-12 f./14). Aus der Krankengeschichte war
hervorgegangen, dass der Ehemann der Versicherten seit Jahren krank und stellenlos
sei. Die Deutschkenntnisse der Versicherten seien mangelhaft (IV-act. 15-11/14).
d) Am 10. November 2004 hatte Dr. B._ von einem trotz ausgedehnter
antidepressiver und psychiatrischer Behandlung deutlich depressiven Zustandsbild
berichtet (IV-act. 32-24/59).
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e) Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hatte am 22. November 2004
gegenüber der Unfallversicherung erklärt, die Versicherte leide seit mehreren Jahren an
Schwindel, weswegen sie schon vor fünf Jahren den Hausarzt konsultiert habe,
ausserdem seit drei Jahren an Rücken- und Beinschmerzen, und seit dem Unfall
zusätzlich und im Vordergrund stehend an Hinterkopf- und Nackenschmerzen und
Schmerzen in den Armen, an Kribbelgefühlen, Dauerschmerzen in jeder Körperhaltung
und verstärktem Schwindel. Es bestünden dauerhaft Ängste und Schuldgefühle. Als
Diagnosen lägen eine posttraumatische Belastungsstörung und eine schwere
depressive Episode vor (Fremdakten M 6). Ab wann mit einer Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden könne, sei zurzeit nicht absehbar. Die Versicherte besitze keine
ausreichenden Sprachkenntnisse, die Prognose sei erschwert. Mit Bericht vom 5. März
2005 hatte Dr. D._ erklärt, unter der laufenden Therapie sei eine minime
Verbesserung eingetreten. Es zeige sich ein schwer depressives Bild (Verzweiflung,
Suche nach Abschirmung, Rückzug bei anscheinend nicht ausgeschlossenem
neurologischen Befund im Zervikalmarkbereich nach Autounfall). Die Versicherte habe
bei nicht sicherer sprachlicher Kommunikation während der Sitzungen anfangs
Intrusionen erkennen lassen, das angedeutete Auftreten von Flashbacks habe sich in
letzter Zeit nicht reevaluieren lassen, was auch auf ein Vermeidungsverhalten
zurückgeführt werden könnte (IV-act. 32-29/59).
f) Dr. B._ hatte am 27. April 2005 eine Chronifizierung der Beschwerden mit fehlender
Besserungstendenz festgestellt. Es bestehe eine schwere depressive Symptomatik
(Gefühle der Kraftlosigkeit, Traurigkeit und Schwäche, Schmerzen am ganzen Körper,
Hoffnungslosigkeit; IV-act. 32-30/59).
g) In der Arbeitgeberbescheinigung vom 27. Mai 2005 wurde dargelegt, die Versicherte
sei seit dem 7. Dezember 1999 als Küchengehilfin angestellt. Ihr letzter effektiver
Arbeitstag sei der 8. August 2004 gewesen, seither sei sie arbeitsunfähig.
h) In seinem IV-Arztbericht vom 13. Juni 2005 benannte Dr. B._ als Diagnose eine
schwerste posttraumatische Belastungsstörung mit depressiven und neurasthenischen
Symptomen infolge eines HWS-Distorsionstraumas am 24.12.2003 mit
Diskusprotrusion C3/4 und leichter recessaler Einengung sowie chronischem linksseitig
lumbospondylogenem, thorakovertebralem, cervicozephalem und cervicobrachialem
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Syndrom. Vom 24. Dezember 2003 bis 8. Februar 2004 habe volle Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen und seit dem 9. August 2004 bis auf weiteres sei die Versicherte wiederum
zu 100 % arbeitsunfähig. Die Arbeitsunfähigkeit sei hauptsächlich psychiatrisch
begründet. Eine ergänzende medizinische Abklärung sei angezeigt (IV-act. 15-5 f./14).
i) Am 26. Mai 2005 veranlasste die Unfallversicherung eine interdisziplinäre
Begutachtung im Zentrum E._. Dem Gutachten vom 24. Oktober 2005 war zu
entnehmen, dass keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien (erstens) ein chronisches generalisiertes
Schmerzsyndrom mit/bei Akzentuierung eines linksbetonten cervicospondylogenen bis
cervicocephalen Schmerzsyndroms nach HWS-Distorsions-Trauma am 24.12.2003,
nicht kompressiver Diskusprotrusion C3/4 und beginnender Chondrose C5/6, und
Wirbelsäulenfehlform und -fehlhaltung bei muskulärer Dysbalance, sowie (zweitens)
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit/bei leichter depressiver Episode.
Weder aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund ihres Verhaltens, ihres
Krankheitskonzeptes und des Umgangs mit der Schmerzproblematik sei die
Versicherte auf dem freien Arbeitsmarkt allerdings nicht vermittelbar; sie sei keinem
Arbeitgeber zumutbar. Dr. med. F._, Facharzt Innere Medizin FMH, erhob den Status
und berichtete unter anderem von einer knappen Kommunikation in deutscher Sprache
und sehr schlechter Kooperation der Versicherten während der gesamten
Untersuchung. Die Anamnese habe sich äusserst mühsam gestaltet. Die Fragen seien
nur sehr vage beantwortet worden. Die Versicherte habe dysphorisch-gereizt gewirkt.
Der formale Gedankengang sei sehr verlangsamt gewesen, inhaltlich ausschliesslich
auf die Schmerzsymptomatik und das kaputte Leben konzentriert; die Vitalgefühle
seien massiv herabgesetzt gewesen. Bei der Untersuchung des Bewegungsapparats
sei ein demonstratives Schmerzverhalten festgestellt worden. Die massive
Schmerzangabe habe im Gegensatz zur praktisch uneingeschränkten Beweglichkeit in
unbeobachteten Momenten gestanden. Wegen fehlender Kooperation seien Kraft und
Sensibilität neurologisch nicht prüfbar gewesen. Dr. med. G._, Fachärztin für
Rheumatologie FMH, erklärte, die Versicherte habe ein verlangsamtes
Bewegungsmuster gezeigt. Eine Kommunikation in deutscher Sprache sei möglich
gewesen. Die Prüfung der Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Gelenke sei wegen
aktiver Gegenwehr stark eingeschränkt gewesen; nach mehrmaliger Prüfung und auch
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in unbeobachteten Momenten hätten sich aber keine wesentlichen Einschränkungen
ergeben. Angesichts der Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angegebenen
Beschwerden und den klinisch und bildgebend erhobenen Befunden sei eine
somatoforme Schmerzstörung oder Aggravation nicht auszuschliessen. Dr. med. H._,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gab an, die Versicherte besitze gute
Deutschkenntnisse. Die Bewegungsabläufe seien deutlich verlangsamt gewesen. Das
Gespräch habe sich ausgesprochen mühsam gestaltet. Die Versicherte habe die
Schmerzproblematik immer in den Vordergrund gestellt, häufig daneben geredet und
unklare Antworten gegeben, ohne dass das auf eine psychische Problematik habe
zurückgeführt werden können. Neben der Verlangsamung des formalen
Gedankengangs seien keine Pathologien im Denken feststellbar gewesen. Bei zu
genauem Nachfragen habe sie Abwehrstrategien entwickelt. Trotz Darstellen einer
schwerst invaliden Frau habe sie geistig agil und geschickt gewirkt. Hypochondrie sei
nicht zu verwechseln mit dem fixierten Krankheitskonzept, das mit einer
bewusstseinsnahen Symptomproduktion einhergehe. Die Versicherte habe sich kraftlos
gefühlt bei fehlender Depressivität. Aufgrund der minimalen Kooperationsbereitschaft
sei eine eingehendere psychiatrische Exploration nicht möglich gewesen. Aufgrund der
fehlenden affektiven Abbildung könne eine frühere Traumatisierung oder eine
psychosozial besonders schwierige Belastungssituation annährend ausgeschlossen
werden. Es fehlten auch jegliche Hinweise für eine Anpassungsstörung. Aus Anlass des
Unfalls scheine sich eine Dynamik entwickelt zu haben, die die Versicherte in einer
Krankenrolle mit der Schmerzproblematik erscheinen lasse. Eine depressive Störung
sei trotz einiger depressiver Symptome bestenfalls als leichte Episode zu kodieren.
Folge man den Schilderungen der Versicherten, könne neben einer allenfalls leichten
depressiven Episode zusätzlich eine somatoforme Schmerzstörung diskutiert werden.
Bei Fortbestehen des Störungsbildes über längere Zeit müsste überlegt werden, ob zur
weiteren Evaluation des Störungsbildes und zur Reaktivierung eine psychiatrische
Hospitalisation mit Arbeitstherapie und psychosozialer Unterstützung hilfreich sein
könne (IV-act. 32-34 ff./59).
j) Mit Verfügung vom 13. Dezember 2005 verneinte die Unfallversicherung ihre
Leistungspflicht spätestens ab 5. September 2005 mangels Kausalzusammenhangs
(vgl. Fremdakten). Gemäss einer Auskunft der Unfallversicherung erhob die Versicherte
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(ohne den beauftragten Rechtsvertreter, der das Mandat niedergelegt habe) hiergegen
Einsprache.
k) Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 8. Februar
2006 dafür, unfallfremde Leiden, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten, lägen
nicht vor. Es sei auf das Gutachten der Unfallversicherung abzustellen. Weder unfall-
noch krankheitsbedingt bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 27).
l) Mit Verfügung vom 21. Februar 2006 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Sämtliche
Tätigkeiten seien nach wie vor zumutbar (IV-act. 30).
m) Am 1. März 2006 beantragte Dr. B._ für die Versicherte, auf den Entscheid
zurückzukommen. Er kenne die Versicherte seit 1997 als ihr Hausarzt und habe sie seit
dem Unfall im Abstand von einer Woche bis zwei Wochen gesehen und müsse eine
anhaltend schwere Erkrankung feststellen. Weder in der angestammten noch in einer
anderen Anstellung bestehe noch Arbeitsfähigkeit (IV-act. 32-55/59).
n) Am 24. März 2006 liess die Versicherte durch Rechtsanwältin lic. iur. Karin Hartmann
Einsprache einreichen und die Aufhebung der Verfügung und Zusprechung der
gesetzlichen Leistungen beantragen. Wie Dr. B._ kritisiere auch der mitbetreuende
Psychiater Dr. D._ in einem Schreiben vom 24. März 2006 das Gutachten und sei der
Auffassung, es bestehe eine psychische Veränderung mit Krankheitswert. Die
Verfügung sei ungenügend begründet, benenne sie doch die Gründe für ihren
Entscheid nicht. Es scheine, dass sich die Invalidenversicherung auf das Gutachten der
Unfallversicherung stütze. Eigene Abklärungen habe sie nicht getätigt. Der Entscheid
der Unfallversicherung sei angefochten worden. Das Gutachten sei unzureichend und
widersprüchlich und dürfe nicht Entscheidgrundlage bilden: Die Gutachter hätten die
pathologischen Befunde verharmlost, indem sie beispielsweise festgehalten hätten, es
sei im MRI "lediglich" eine Signalsteigerung im Bereich des Processus costarius
beschrieben worden. Es sei bekannt, dass sich Migranten oft nicht präzis ausdrücken
könnten und dieses Defizit dadurch kompensierten, dass sie ihre Beschwerden
übertrieben und bildhaft schilderten. Das löse beim Arzt eine Antipathie aus und führe
dazu, dass das Verhalten als demonstrativ empfunden werde. Die Gutachter hätten
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dies vorliegend nicht reflektiert und die Versicherte nicht ernst genommen. Das komme
zum Ausdruck, wenn berichtet werde, die Versicherte "schliesse die Augen
madonnenhaft und mit leidendem Gesichtsausdruck" oder "das Leiden werde ...
grotesk übertrieben dargestellt". Die Antipathie und die Voreingenommenheit stellten
einen Befangenheitsgrund dar. Die Versicherte spreche schlecht Deutsch, zuwenig gut,
um sich präzis auszudrücken. Der psychiatrische Gutachter habe ihr aber gute
Deutschkenntnisse unterstellt. Die sprachlichen Ausdrucksschwierigkeiten würden
allerdings aufgezeigt, wenn er berichte, das Gespräch habe sich ausgesprochen
mühsam gestaltet, die Versicherte sei einsilbig gewesen und habe häufig daneben
geredet und unklare Antworten gegeben. Wo die sprachliche Verständigung, welche
bei psychiatrischen Begutachtungen entscheidend sei, nicht genügend möglich sei,
müsse ein Dolmetscher beigezogen werden. Die psychiatrische Exploration habe
zudem zuwenig lang gedauert, um das unabdingbare Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Der Bericht darüber sei widersprüchlich, denn es würden der Versicherten auch
geistige Agilität und Geschicklichkeit attestiert. Dort werde auch nicht begründet,
weshalb die depressiven Symptome bestenfalls einer leichten Episode entsprechen
würden. Der psychiatrische Gutachter habe die somatoforme Schmerzstörung nicht
diskutiert und sich mit den psychiatrischen Diagnosen der vorbehandelnden Ärzte nicht
auseinandergesetzt. Die pathologische Schmerzverarbeitung im Sinn einer
somatoformen Schmerzstörung - eine psychiatrische Diagnose - sei an entsprechender
Stelle nicht aufgenommen und in ihrer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht
beurteilt worden. Die Gutachter würden zur genaueren Evaluation des Störungsbildes
eine psychiatrische Hospitalisierung befürworten. Abzustellen sei somit auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %, wie sie Dr. B._ attestiere (IV-act. 31). Dr. D._ hatte
am 24. März 2006 dringend zu einer zweiten Begutachtung geraten. Eine depressive
Symptomatik und ein chronisches Schmerzgeschehen stünden immer in einem
wechselseitigen Verhältnis. Erlebter Schmerz sei stets Ausdruck der
Schmerzverarbeitung und es gebe da keine objektiven Kriterien. Es fehle am
Ausschluss eines neurologischen Korrelats für die psychischen Funktionsstörungen
(Beurteilung des ZNS im HWS-Bereich). Das Gutachten benenne für seine These der
bewusstseinsnahen Symptomproduktion keine konkreten und schlüssigen Hinweise.
Dazu bedürfte es denn auch einer detaillierten Kenntnis der Vorgeschichte und einer
sorgfältigen Verlaufsbeobachtung (IV-act. 32-57 f./59).
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o) Der Fachbereich IV der Sozialversicherungsanstalt nahm am 31. März 2006 intern
Stellung und hielt fest, die Abweisungsverfügung der IV stütze sich auf umfangreiche
UV-Akten. Die UV anerkenne weder unfallkausale Folgen noch seien unfallfremde
Faktoren vorhanden. Nachweislich bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in allen
Tätigkeiten. Auch aus psychiatrischer Sicht liege keine Arbeitsunfähigkeit vor. Diese
Fakten seien so auch vom RAD bestätigt worden. Es laufe zwar eine Einsprache gegen
die UV-Verfügung, was aber an der Sachlage nichts ändere: die Verfügung vom 21.
Februar 2006 sei in Ordnung (IV-act. 34).
p) Mit Entscheid vom 13. April 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab. Der Begründungsmangel der
Verfügung könne im Einspracheverfahren geheilt werden. Das Gutachten habe das
Wesentliche der MRI-Berichte korrekt wiedergegeben. Vor allem bei einer
psychiatrischen Begutachtung sei es notwendig, dass der Gutachter seine
Beobachtungen der versicherten Person genau schildere und in die Beurteilung
einfliessen lasse. Hinweise darauf, dass die Gutachter die Versicherte nicht ernst
genommen hätten, bestünden nicht. Aus den einlässlichen Schilderungen ergebe sich,
dass der Gutachter sie ausreichend verstanden habe, um die psychiatrische
Begutachtung durchführen zu können. Der Gutachter habe selber zu entscheiden, ob
ein Dolmetscher notwendig sei oder nicht. Die Auffassung, das psychiatrische
Gutachten müsse Aufschluss über die Gesprächsdauer geben, sei unzutreffend. Den
Gutachtern habe umfangreiches medizinisches Aktenmaterial zur Verfügung
gestanden. Wenn einerseits geistige Agilität und anderseits häufiges Danebenreden
festgestellt worden sei, bedeute dies keinen Widerspruch; vielmehr sei das Erste eine
Wertung, das Zweite eine Beobachtung. Hierfür sei eine schlüssige Erklärung
abgegeben worden, nämlich, dass ein fixiertes Krankheitskonzept vorliege, das mit
einer bewusstseinsnahen Symptomproduktion einhergehe. Die dargestellten,
konstruiert wirkenden Symptome sollten die spezifische Funktion erfüllen, die Leiden
zu dramatisieren. Dr. B._ sei in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand
nicht fachärztlich kompetent. Dr. D.'s_ Beurteilung vermöge nicht zu überzeugen,
denn er gebe im Wesentlichen die subjektiven Schilderungen der Versicherten wieder.
Eine schlüssige Erklärung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung liefere er nicht. In seiner
Stellungnahme zum Gutachten spekuliere er über somatische Ursachen und wolle
nicht zur Kenntnis nehmen, dass das Gutachten diese Aspekte umfassend geprüft
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habe. Das spreche für eine Befangenheit von Dr. D._. Im Gutachten werde eine
Depression zu Recht verneint, weil die Symptome nicht vom Gutachter beobachtet,
sondern einzig von der Versicherten geschildert worden seien. Neben der
somatoformen Schmerzstörung, die für sich allein die Arbeitsfähigkeit nicht
einschränke, bestehe keine psychische Komorbidität. Der Vorschlag zu einer
psychiatrischen Hospitalisation bei Fortbestehen des psychischen Zustandsbildes sei
ausdrücklich ausserhalb der versicherungsärztlichen Beurteilung gemacht worden und
stelle einen therapeutischen Gesichtspunkt dar. Weitere medizinische Abklärungen
seien nicht nötig (IV-act. 36).
B.- Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur.
Michael B. Graf für die Betroffene am 17. Mai 2006 erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des
Einspracheentscheids und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Ihre
Argumente gegen die Verfügung seien im Einspracheentscheid nicht oder nur am
Rande aufgenommen worden. Die Beschwerdeführerin spreche zuwenig gut Deutsch,
um sich über seelische Vorgänge und den Charakter der Beschwerden genügend
differenziert auszudrücken, und habe sich gezwungenermassen mit Gesten und Mimik
beholfen, was ihr angelastet worden sei. Weil kein Dolmetscher beigezogen worden
sei, könne auf das Gutachten nicht abgestellt werden. Im Unterschied zu dem von der
Beschwerdegegnerin erwähnten höchstrichterlichen Entscheid sei auch keine deutsch
sprechende Begleitperson anwesend gewesen. Die für ein Gutachten verwendete Zeit
lasse Rückschlüsse auf die Qualität der Begutachtung zu. Es sei davon auszugehen,
dass die psychiatrische Begutachtung höchstens zwei Stunden gedauert habe,
zuwenig lange, als dass die nötige Vertrauensbasis hätte geschaffen werden können.
Dies sei nicht einmal dem behandelnden Psychiater in zahlreichen einstündigen
Sitzungen gelungen, obwohl die Beschwerdeführerin dort freiwillig gewesen sei. Die
Diagnose des Psychiaters sei ungenügend begründet. Die Beschwerdegegnerin
beanstande zu Unrecht die fachliche Qualifikation des behandelnden Psychiaters.
Fachlich nicht genügend qualifiziert sei hingegen der psychiatrische Gutachter Dr.
H._. Er sei auf Spielsucht und Burnout-Syndrome spezialisiert. Über klinische
Erfahrung mit der Behandlung von Unfallopfern verfüge er zumindest aus den letzten
zehn Jahren nicht. Es frage sich, ob die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
korrekt sei. Organische Diagnosen dürften viel eher im Vordergrund stehen. Solche
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seien aber im Gutachten entgegen dem rheumatologischen Konsilium nicht gestellt
worden, was nicht nachvollziehbar sei. Sowohl im rheumatologischen wie im
psychiatrischen Gutachten sei lediglich festgehalten worden, eine somatoforme
Schmerzstörung sei nicht auszuschliessen bzw. zu diskutieren. Selbst wenn aber eine
solche Störung diagnostiziert worden wäre, sei der Argumentation der
Beschwerdegegnerin (zur Komorbidität) nicht zu folgen. Das Eidgenössische
Versicherungsgericht habe die Foerster-Kriterien willkürlich gewichtet. Es sei
ausserdem nicht bewiesen, dass diese Kriterien zutreffender seien als diejenigen
anderer fachkundiger Personen. Massgeblich seien ferner nicht die Diagnosen,
sondern die Behinderungen. Die Rechtsprechung gehe zudem von überholten
medizinischen Grundlagen aus, was die Reversibilität psychosozial bedingter
Krankheiten bei Wegfall der krankmachenden sozialen Umstände angehe. Überdies
seien bei der Beschwerdeführerin aber auch vier in der Rechtsprechung nebst der
Komorbidität genannte Kriterien erfüllt und es müsste bei gegebener somatoformer
Schmerzstörung von einer Unüberwindbarkeit ausgegangen werden. Falls eine solche
Störung diagnostiziert worden sei, so handle es sich um eine Diagnose, die nicht
aufgenommen worden sei und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ohne
Begründung nicht beurteilt worden sei. Sie scheine zudem auch nach Auffassung der
Gutachter ein organisches Substrat zu haben. Das Störungsbild sei schliesslich nicht
gründlich genug abgeklärt und eine genauere Evaluation für indiziert gehalten worden
(act. G 1).
C.- Die Beschwerdegegnerin beantragt am 23. Mai 2006 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
II.
1.- a) Streitig ist vorliegend der Anspruch auf eine Invalidenrente. Für die
Invaliditätsbemessung, welche das Mass der Zurücksetzung der erwerblichen
Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll, sind
zunächst die medizinischen Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder
der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
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für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34; Rz 3047 f des vom
Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über die Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH). Die IV-Stelle hat zu prüfen, welche
konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der Angaben des RAD und unter
Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person grundsätzlich in
Frage kommen (Rz 3049 KSIH). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit
auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz
3046 KSIH).
b) In Bezug auf die somatischen Befunde besteht in den medizinischen Berichten im
Wesentlichen Übereinstimmung (Klinik C._: generalisiertes Schmerzsyndrom mit
chronischer linksseitiger lumbospondylogener, thorakovertebraler, cervicozephaler und
cervicobrachialer Betonung bei Status nach HWS-Distorsions¬trauma am 24.
Dezember 2003 und Diskusprotrusion C3/4 mit leichter recessaler Einengung; Dr. B._
entsprechend; Gutachten: chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom mit/bei
Akzentuierung eines linksbetonten cervicospondylogenen bis cervicocephalen
Schmerzsyndroms nach HWS-Distorsions-Trauma am 24.12.2003, nicht kompressiver
Diskusprotrusion C3/4 und beginnender Chondrose C5/6, und Wirbelsäulenfehlform
und -fehlhaltung bei muskulärer Dysbalance). Ob sich die rezessale Einengung im Lauf
der Zeit zurückgebildet habe (keine Kompression gemäss Gutachten), ist medizinisch
nicht ausdrücklich besprochen worden. Die psychiatrische Beeinträchtigung wird von
der Klinik C._ als Anpassungsstörung mit depressiven und neurasthenischen
Symptomen, von Dr. D._ als posttraumatische Belastungsstörung und schwere
depressive Episode und vom Gutachten als anhaltende somatoforme Schmerzstörung
mit/bei leichter depressiver Episode beschrieben.
c) Für die Invalidenversicherung ist wesentlich, dass fachärztlich schlüssig feststellbare
Befunde vorliegen. Darüber hinaus ist aber nicht Art und Genese des
Gesundheitsschadens massgebend, sondern die Arbeitsunfähigkeit bzw. die
Erwerbsunfähigkeit, welche sich aus einem Gesundheitsschaden ergibt. Die
Beschwerdegegnerin stellt auf das Ergebnis des interdisziplinären Gutachtens vom
Oktober 2005 ab, wonach bei der Beschwerdeführerin kein die Arbeitsfähigkeit
einschränkendes Leiden bestehe. Demgegenüber attestierte die Klinik C._ der
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Beschwerdeführerin gemäss Bericht vom September 2004 nach einem stationären
Aufenthalt volle Arbeitsunfähigkeit. Für den Fall einer Verschlechterung der
psychischen Situation rechnete sie mit der Notwendigkeit einer psychiatrischen
Hospitalisation, bei einer psychischen Stabilisierung mit einer teilzeitlichen
Arbeitsfähigkeit. Dr. D._ als behandelnder Psychiater erachtete die
Beschwerdeführerin ebenfalls als gänzlich arbeitsunfähig. Dr. B._ hielt (noch im März
2006) dafür, die Beschwerdeführerin sei aus hauptsächlich psychiatrischen Gründen
nicht mehr arbeitsfähig. Es bestehe eine anhaltend schwere Erkrankung. Der RAD
unterstützte das Ergebnis des Gutachtens.
2.- a) Liegen - wie hier - unterschiedliche ärztliche Beurteilungen vor, so hat der
Sozialversicherungsrichter aufgrund des im Sozialversicherungsrecht geltenden
Grundsatzes der freien Beweiswürdigung (BGE 125 V 352 E. 3a) alle Beweismittel,
unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet sowie ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Die Rechtsprechung hat
es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Gutachten und Berichte Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 352 E. 3b). Das im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei der Beweiswürdigung der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und über eine längere Zeit
hinweg regelmässig behandelnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (so etwa der Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C.
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vom 6. Dezember 2006, I 329/06; BGE 125 V 353 E. 3b/cc), oder dass sie deren
pessimistische subjektive Einschätzung übernehmen. Dieser Vorbehalt ist nach dem
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S T. vom 13. April 2006 (I
645/05) auch für den behandelnden Spezialarzt, namentlich einen Psychiater, und erst
recht gegenüber dem schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen
Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst
bedingungslos zu akzeptieren, anzubringen. Anderseits kann die Möglichkeit zu
längerer Beobachtungszeit Vorteile bieten. Das Eidgenössische Versicherungsgericht
hat in diesem Sinn festgehalten, der Richter könne auch auf die speziellen, etwa dank
der langjährigen Betreuung nur einem Hausarzt zugänglichen Kenntnisse des
Gesundheitszustandes eines Versicherten abstellen (nicht veröffentlichter Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 255/96, zit. in 4P.254/2005). Es geht
jedenfalls nicht an, den Aussagen des Hausarztes ohne nähere und unter dem
Gesichtspunkt des Willkürverbotes haltbare Begründung die Glaubwürdigkeit von
vornherein abzusprechen (Entscheid des Schweizerischen Bundesgerichts vom 21.
Dezember 2005, 4P.254/2005).
b) Das von der Unfallversicherung veranlasste Gutachten ist grundsätzlich geeignet,
auch der Invalidenversicherung als Grundlage für die Beurteilung der IV-rechtlich
massgebenden Invalidität zu dienen. Es basiert auf einer Kenntnisnahme von den
Vorakten und von den geklagten Beschwerden, ferner auf Untersuchungen in
internistischer, rheumatologischer und psychiatrischer Hinsicht. Die von der
Unfallversicherung gewählte Begutachtungsinstitution ist auch Medizinische
Abklärungsstelle der Invalidenversicherung (MEDAS). Die Ärzte dieser Stellen werden
nicht durch den Versicherungsträger selber angestellt und ihre fachlich-inhaltliche
Weisungsunabhängigkeit ist institutionell verankert (vgl. BGE 123 V 175 = AHI 1997 S.
300).
c) Das Gutachten des Zentrums E._wird vom Rechtsvertreter als unzureichend und
widersprüchlich erachtet. Im Zentrum der Kritik steht der psychiatrische Gutachter Dr.
H._. Ihm wirft die Beschwerdeführerin ungenügende fachliche Qualifikation und
Befangenheit vor. Überdies habe er sich für die Exploration zu wenig Zeit genommen.
Bei der Würdigung eines Gutachtens ist in Betracht zu ziehen, ob ein Gutachter
genügend sachkundig war. Vorliegend ist eine besondere Qualifikation des
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psychiatrischen Gutachters, durch welche die fachliche Kompetenz des behandelnden
Psychiaters Dr. D._ von vornherein in den Hintergrund gerückt würde, nicht zu
erkennen. Über spezielles wissenschaftliches Renommee verfügen offenbar beide
nicht. Die klinische Erfahrung ist mangels Unterlagen nicht vergleichbar. Entscheidend
bleibt bei solchen Gegebenheiten, dass der psychiatrischen Aussage, die im strittigen
Gutachten des Zentrums E._ die entscheidende Rolle spielt, eine volle Beweiskraft
nur dann zukommen kann, wenn sie nicht mit anderen gleichwertigen
fachmedizinischen Aussagen kontrastiert. - Vorliegend wird die Auffassung von Dr.
H._ zwar von den Mitgutachtern unterstützt, doch sind jene Meinungsäusserungen
des internistischen und des rheumatologischen Mitgutachters in den gemeinsamen
Schlussfolgerungen in casu nicht geeignet, die psychiatrische Sicht zu verstärken.
Wenn im interdisziplinären Gutachten wie hier ein Einzelgutachter tragend ist, kommt
diesem keine grössere Beweiskraft zu als wäre es eine Einzelbegutachtung. Die
Einschätzungen des behandelnden Psychiaters und jene des psychiatrischen
Gutachters widersprechen sich nach der Aktenlage diametral. Unter solchen
Umständen ist die psychiatrische Problematik des Sachverhalts nicht ausreichend
geklärt. Dazu kommt, dass das vom behandelnden Psychiater erhobene Ergebnis der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auch durch die Beurteilung in der Klinik C._
gestützt wird, wo dem psychosomatischen Aspekt ebenfalls Rechnung getragen
worden war.
d) Damit ist zur Frage der Befangenheit des psychiatrischen Gutachters und auch zur
Behauptung, es sei nicht ausreichend Zeit verwendet worden, nicht näher Stellung zu
nehmen.
e) Hingegen ist nicht unbeachtlich, dass der begutachtende Psychiater Dr. H._ in
seinem Teilgutachten (Gutachten des Zentrums E._ S. 13 ff.) ausdrücklich festgehalten
hat, das Gespräch mit der Beschwerdeführerin habe sich ausgesprochen mühsam
gestaltet. Besonders hervorzuheben ist seine Aussage, dass aufgrund der minimalen
Kooperationsbereitschaft eine eingehendere psychiatrische Exploration nicht möglich
gewesen sei (S. 15 oben). Weshalb die minimale Kooperationsbereitschaft im
gutachterlichen Gespräch nicht hat aufgebaut werden können, geht aus dem
Gutachten nicht hervor. Eine eingehende Exploration ist aber Bedingung für ein
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schlüssiges psychiatrisches Urteil. Die Beschwerdegegnerin wird daher nochmals eine
psychiatrische Begutachtung anordnen müssen, eventuell im stationären Rahmen.
3.- a) Im Sinn der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 13. April 2006 teilweise gutzuheissen. Die
Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen und zu entsprechender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
b) Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung und anschliessenden neuen Verfügung
stellt im IV-Bereich praxisgemäss aus prozessualer Sicht ein vollständiges Obsiegen
dar, das einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung entstehen lässt (ZAK 1987,
266 E. 5a, BGE 110 V 57 E. 3a mit Hinweisen). Dieser Praxis liegt die Annahme
zugrunde, die Rückweisung habe die Wiederaufnahme des Verwaltungsverfahrens zur
Abklärung der Invalidität und damit des Rentenanspruchs (z.B. durch ein neues
medizinisches Gutachten) zur Folge. Dies trifft im vorliegenden Fall zu. In
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und des Aufwandes erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG