Decision ID: 2aaebcf7-9fc3-408a-bb5a-78a0b51aca69
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
ist Vater eines 2001 geborenen Sohnes (
Urk.
8/3
Ziff.
3.1). S
eit Januar 2000
ist
er
mit einem Teilzeitpensum
als Lerntagbegleiter
für die
Y._
,
Z._
.
tätig
(
Urk.
8/8
/1-2
Ziff.
1,
2.1,
2.7
und 2.9
).
Daneben
war er
befristet
v
om
1.
Januar 2012
bis 3
0.
Juni
2013
als Kursleiter beim
A._
angestellt (
Urk.
8/10/1-2
Ziff.
1, 2.1
und 2.8).
Unter Hinweis auf einen Diabetes mellitus Typ 1
und schwere Erschöpfungs
zustände
meldete sich der Versicherte am
3.
Juli 2013 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
8/3
Ziff.
6.2 und 6.5)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche
(
Urk.
8/7-8,
Urk.
8/10,
Urk.
8/29
,
Urk.
8/32)
und medizinische
(
Urk.
8/20-21,
Urk.
8/28,
Urk.
8/30,
Urk.
8/33
,
Urk.
8/46
) Abklärungen. Am
8.
Dezember 2014
teilte sie dem Versicherten
mit, dass aufgrund seines Gesundheits
zustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
8/31 S. 1). Die IV-Stelle gab in der Folge ein polydisziplinäres Gu
tachten (
Urk.
8/55) in Auftrag. Die Konsensbesprechung der Gutachter fand am
6.
Juli 2015 statt. Am 1
2.
August 2015 wurde das Gutachten ver
sandt
(
Urk.
8/55 S. 1). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/59-61) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1.
Oktober 2015 (
Urk.
8/62 =
Urk.
2) einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche
rung.
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
Januar 2016 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfügung vom
1.
Oktober 2015 (
Urk.
2).
Er gab an
,
dass ihm
die Verfügung vom
1.
Oktober 2015 erst am 1
8.
Dezember 2015 per A-Post zugestellt wor
den
sei
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2). Er beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen, nament
lich eine Invalidenrente zuzüglich Kinderrente sowie berufliche Massnahmen
,
zu gewähren. Eventuell sei er verwaltungsextern polydisziplinär
zu begut
achten
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
April 2016 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
Juni 2016 wurde das Gesuch
des Beschwerdeführers
vom 2
1.
Januar 2016 (vgl.
Urk.
1 S. 2 unten) um unent
geltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen
und
ihm
eine Kopie der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
14 Dispositiv
Ziff.
1-2).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensver
gleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer
brachte
zur Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerde
vor
, die Verfügung vom
1.
Oktober 2015
sei ihm
erst nach mehrmaliger Nachfrage am 1
8.
Dezember 20
15 per A-Post zugestellt worden
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2).
Die Beschwerdegegnerin
gab in der Vernehmlassung an
, die Verfügung sei gleichentags am
1.
Oktober 2015 versandt worden.
Allerdings könne dies nicht nachgewiesen werden (
Urk.
7 S. 1).
2.2
Gestützt auf eine
Aktennotiz der Beschwerdegegnerin über eine
telefonische
Besprechung
mit dem Beschwerdeführer
vo
m
1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
8/63),
einem E-Mail des Beschwerdeführers
an die Beschwerdegegnerin vom 1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
8/64) und
s
einem Schreiben an die
Beschwerdegeg
nerin
vom 2
0.
Dezember 2015 (
Urk.
8/65) ist davon auszugehen, dass
dem Beschwerdeführer
die Verfügung vom
1.
Oktober 2015 erst nach dem 1
6.
Dezember 2015 zugegangen ist. Die Beschwerde vom 2
1.
Januar 2016 erfolgte daher
unter Berücksichtigung der Gerichtsferien
rechtzeitig
innert der Beschwerdefrist von 30 T
agen (
Art.
60
Abs.
1
in Verbindung mit
Art.
38
Abs.
4
lit
. c
ATSG), weshalb
darauf
einzutreten ist.
3.
3.1
In materieller Hinsicht vertrat die Beschwerdegegnerin
den Standpunkt,
das am 1
2.
August 2015 versandte polydisziplinäre Gutachten habe ergeben, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Ein IV
relevanter Gesundheitsschaden sei somit nicht ausgewiesen (
Urk.
2 S. 1).
Es sei dem Beschwerdeführer zumutbar, in vollem Umfang einer Erwerbs
tä
tigkeit nachzugehen und dabei ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (
Urk.
2
S. 2).
3.2
Der Beschwerdeführer
brachte
unter anderem
vor, dem Gutachten der
B._
sei zu entnehmen, dass die Konklusion durch einen interdisziplinären Konsensus
der Gutachter
vom
6.
Juli 2015 erarbeitet worden sei. Dem Gutachten seien jedoch weder zeitliche noch örtliche Angaben bezüglich der Konferenz zu entnehmen (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
2
2
). Die
Teilgutachterin
dipl.
-
p
sych.
C._
sei anlässlich der Synthesekonferenz nicht anwesend gewesen. Ihr Teilgutachten sei zudem erst mit Datum vom 1
0.
Juli 2015 nach der Konsensbeurteilung verfasst
worden. Das
neuropsychologische Teilgutachten bilde daher nicht Teil des
Medas
-Gutachten
s
(S. 13
Ziff.
23).
Das Gutachten sei sodann unübersichtlich aufgebaut.
Zum
Beispiel
lasse sich
nicht genau erkennen, wer den ersten Teil des Gutachtens verfasst habe (S.
13
Ziff.
26).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer einen Rentenanspruch hat.
4.
4.1
Die medizinischen Akten ergeben folgendes Bild:
PD
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Neurologie, Oberarzt,
und Prof.
Dr.
phil.
E._
, Klinik für Neurologie,
F._
,
führten
im
Bericht vom 2
3.
Oktober 2013 (
Urk.
8/20/16-18) über
eine
am gleichen Tag
erfolgte
neuropsychologische
Untersuchung aus, der Beschwerdeführer habe sich
in einem
Zustand mit ausgeprägter Energielosigkeit vorgestellt
,
welcher
seit zirka 25 Jahren bestehe
.
Der Beschwerdeführer
vermute einen Zusammenhang mit ein
er damals durchgemachten Sepsis, beharre aber nicht auf dieser Hypothese.
Es fänden
sich
eine leicht reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit bei einer einfachen Aufmerksamkeitsaufgabe und eine im Tempoaspekt deutlich reduzierte Leistung
bei
einer ähnlichen Aufgabe, die aber zusätzliche Anforderungen an die Ausrichtung des Aufmerksamkeitsfokus stelle. Der Beschwerdeführer
habe
eine knapp ungenügende Leistung
beim
Abruf einer zuvor regelrecht kopierten komplexen Figur
erbracht
. Seine verbale Ideenproduktion sei sehr diskret repetitiv
gewesen
. Alle anderen testdiagnostischen Befunde des sehr kooperativen Patienten seien bei etwas „schusseliger“ Vorgehensweise unauffällig
gewesen
. Insbesondere
hätten
keine Störungen der verbal-
mnestischen
, sprachlichen und handlungspraktischen Funktionen vor
gelegen
(S. 2 unten).
Die gefundenen insgesamt leichten Defizite seien ätiologisch unspezifisch. Ein Kausalzusammenhang mit einer vor 25 Jahren stattgehabten Sepsis sei heute schwer zu erbringen.
D._
et al.
h
ätten neulich kognitive
Lang
zeitfolgen
nach
einer schweren
Sepsis
beschrieben, gerade
auch im
Auf
merksamkeitsbereich
.
Allerdings sei unklar, ob beim Beschwerdeführer über
haupt eine septische
Encephalopathie
stattgefunden habe.
Hierzu
seien keine Akten mehr vorhanden
. Eine leichte Depression solle pharmakologisch ange
gangen werden
(S. 3).
4.2
PD
Dr.
D._
nannte in einem Bericht vom 1
1.
Februar 2014 (
Urk.
8/20/14-15)
als Hauptdiagnosen eine Depression und einen Diabetes mellitus seit dem
3.
Lebensjahr (S. 1).
Er
führte aus, die Symptomatik entspreche einer Depression. Es bestünden keine Anhaltspunkte für eine hirnorganische Beeinträchtigung.
Jedoch lägen
leichte Zeichen einer diabetischen Polyneuropathie vor (S. 2 unten).
4.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom
16./
2
5.
März 2014 (
Urk.
8/20/5-
9
) als Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung, seit 2007, akzentuierte Persönlichkeitszüge, seit der Kindheit bis heute, eine dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung, einen Diabetes mellitus Typ I,
insu
linpflichtig
,
und einen Status nach tagelangem
sepsisinduziertem
Koma mit anschliessendem Verlust des eidetischen Gedächtnisses und Halbierung der Vitalenergie
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
der Psychiater
eine
Vitiligo
(untere und obere Extremität beidseits, ober
e
Gesichtshälfte, aufgetreten im Zusammenhang mit der Ehescheidung
im Jahr 2007
, S. 1
Ziff.
1.1).
Dr.
G._
führte zur Krankengeschichte aus, im Kindergartenalter
hätten sich familiär ausgesprochen psychopathologische Verhältnisse manifestiert bei ausgesprochen hoher intellektueller und sozialer Intelligenz des Beschwerdeführers. Dies habe zu einer sehr frühreifen Selbständigkeit in allen Lebensbereichen geführt. Gleichzeitig habe eine ausgeprägte Jähzorn-Neigung mit hoher Gewalt gegen Sachen, vor allen bei Konflikten mit der Mutter, bestanden
. Noch heute komme es vereinzelt - trotz bewusster Kon
trolle des Jähzorns - zu gewalttätigen Zusammenstössen, wenn der Patient im öffentlichen Raum von aggressiven Personen belästigt werde
. Nach dem Tod des alten Vater
s
sei die Mutter sozial vollkommen
dekompensiert
(S. 2 oben).
Im Alter von 25 Jahren habe der Beschwerdeführer
wegen
Prüfungsstress
vor sich selber eine entzündliche Fussverletzung verdrängt. Er sei daraufhin an einer fulminanten Sepsis erkrankt, die zur notfallmässigen Hospitalisierung im
F._
und einem mehrtägigem Koma auf der Intensivstation geführt habe.
Daraus
sei er mit einem totalen Verlust seiner
cerebralen
eidetischen Spei
cher
-
und
einer
hohen intellektuellen
Konzentrationsfähigkeit erwacht. Er habe einen bis heute anhaltenden hälftigen Verlust der verfügbaren
Lebense
nergie
erlitten. Die Erkrankung werde vom Patienten als der alles verän
dernde Einbruch in seinem Leben und als verstörender Verlust wahrgenom
men
.
In dieser Zeit habe er auch geheiratet
(S. 2 unten).
2007 sei es zur
Scheidung gekommen. Der Patient sei abrupt an einer sich schnell über fast den ganzen Körper ausdehnenden
Vitiligo
erkrankt, die ihn leichenblass und für viele Menschen angsteinflössend entstellt habe. Drei Jahre lang habe sich der Patient psychisch und sozial noch halten können, dann sei es zu seelischen und körperlichen Schwäche-Einbrüchen gekom
men, die sich im Mai 2013 zu einem psychophysischen Zusammenbruch mit absoluter Schlaflosigkeit, Gedankenkreisen, einer Erschöpfung und komplet
ter seelischer Verstörung verdichtet hätten. Die Hausärztin habe ihm vom 2
7.
Mai bis 2
6.
Juli 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und ab dem 2
8.
Juli 2013 bis heute eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
attestiert. Gleich
zeitig sei der Patient in seiner befristeten Anstellung beim
A._
teilarbeitslos geworden (S. 3 Mitte).
Die gründlichen neuropsychologischen und bildgebenden Abklärunge
n des Gehirns
im
F._
hätten keine Hinweise für eine neuronale Schädigung als Folge der schweren Sepsis mit mehrtägigem Koma im 2
5.
Lebensjahr erbracht. Sie hätten auch keine weitere Erklärungsgrundlage für die komple
xe psycho-physische Pathologie ergeben (S. 4 oben).
Ab Mai bis Juli 2013 habe für die Tätigkeit als
Coach und als Mitarbeiter mit höherer Lehramtsbefähigung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Ab Juli 2013 bestehe gemäss der Hausärztin bis auf
Weiteres
eine Arbeits
unfähigkeit von 80
%
.
Dr.
G._
könne sich dieser Beurteilung vollum
fänglich anschliessen (S.
4
Ziff.
1.6).
Der Patient werde auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, sich mehr als drei Stunden pro Tag auf irgendeine Tätigkeit (Hausarbeit, intellektuelle oder sonstige Arbeit) zu konzentrieren. Es bestehe
eine ständige Gefahr der Reiz- und Aggressionsüberflutung mit einem Zusammenbruch der psycho-physischen Wahrnehmungsidentität (S. 5
Ziff.
1.7).
4.4
PD
Dr.
D._
gab
im Bericht vom 1
0.
Juni 2014 (
Urk.
8/21/1-4)
an,
die Arbeitsfähigkeit müsse
psychiatrisch beurteilt werden (
Ziff.
1.6). Allenfalls bestünden diskrete neuropsychologische Defizite, die aus neurologischer Sicht keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die bisherige Tätig
keit sei zu 100
%
zumutbar
. Die Leistungsfähigkeit sei nicht vermindert
(
Ziff.
1.7).
4.5
Dr.
med.
H._
attestierte dem Beschwerdeführer im Bericht vom
2.
September 2014 (
Urk.
8/28) für die Tätigkeit als Agronom und Coach von Mai bis Juli 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und seit Juli 2013 bis auf
Weiteres
eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(
Ziff.
1.6).
Dr.
H._
nannte als psychische Einschränkungen
eine Konzentrationsschwäche, Schlaflosig
keit, Gedankenkreisen und eine Erschöpfung. Eine Arbeit sei dem Beschwer
deführer nicht möglich. Die Arbeit im Haushalt sei ihm in sehr reduziertem Rahmen möglich (
Ziff.
1.7). Wann eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 10-20
%
möglich sein werde sei noch unbestimmt
(
Ziff.
1.9).
4.6
Dr.
G._
führte in einem Schreiben vom 2
6.
September 2014
(
Urk.
8/30)
aus, die gesundheitliche Grundstörung
des Patienten
lasse immer noch für jegliche Tätigkeiten sowie im häuslichen Bereich eine zeitliche Beanspru
chung von höchstens drei
bis vier Stunden zu. Die Störung sei mit
einer
Potentialabklärung
der Invalidenversicherung
absolut unvereinbar.
Dr.
G._
sehe
aber
fruchtbare Wege in einer Tätigkeit im Job-Coaching oder
Supported
Employment
in Bereichen wie Öffentlichkeitsarbeit oder
eine
Beratungstätigkeit im Grünbereich (S. 1).
4.7
Dr.
G._
führte in einem Bericht vom 2
2.
Dezember 2014 (
Urk.
8/33/5-
6) aus, der G
esundheitszustand
quoad
der
soziale
Aspekte habe sich verbessert. Der Patient könne
seinen
Haushalt wieder in Ordnung halten und bewältigen. Bezüglich seiner psychophysischen Kräfte sei der Gesundheitszustand statio
när.
Er
könne für maximal zwei bis drei Stunden irgendeiner Tätigkeit in der Wohnung oder ausserhalb nachgehen. Danach sei er völlig erschöpft (S. 1
Ziff.
1.1).
Die Diagnosen seien seit dem Bericht vom 2
5.
März 2014 unverän
dert (S. 1
Ziff.
1.2).
Es sei zu einer deutlichen Verringerung d
er körperlichen Kraft gekommen und d
ie Erschöpfbarkeit habe sich nochmals erhöht.
Der Patient könne die Wohnung bei grellem Sonnenlicht kaum verlassen. Ein
en
Reiz stellten auch Menschenansammlungen im öffentlichen Verkehr und auf Bahnhöfen dar. Über eine Medikation mit
Trittico
ret
. 150
mg sei es zu einer deutlichen
Reduktion der Gefahr von sehr bedrohlichen Aggressionsdurchbrüchen gekommen, was den Patienten sehr erleichtere und entlaste (S. 1
Ziff.
1.3).
In der bisherigen Tätigkeit als Erwachsenenbildner und Coach im Klassen-Setting sei der Patient nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig
. Für eine hochspezifische
,
an seine Persönlichkeitsstörung angepasste Tätigkeit
wie zum Beispiel Führungen
,
in welchem Bereich er
seit Jahren noch ein Pensum von zirka 10
%
bewältigen könne
,
oder für eine Arbeit im Einzelsetting wie Beratung eines Arbeitssuchenden
,
sei eine Arbeitsunfähigkeit von m
indestens 80
%
zu veranschlagen
. Nach allen bisher noch geleisteten Arbeitseinsätzen von höchstens zwei bis drei Stunden am Tag im angepassten Bereich stellten sich Erschöpfungszustände ein, die eine Regeneration von bis zu zwei Tagen erfordern würden, während denen der Patient das Haus nicht mehr verlasse und die Zeit liegend und ohne jeden Aussenreiz verbringen müsse (S.
1 f.
Ziff.
2.1).
Die Arbeitsfähigkeit sei um 80-90
%
reduziert (S. 2
Ziff.
2.2).
4.8
Dr.
H._
gab im Bericht vom 3
1.
März 2015 (
Urk.
8/46)
an, der Patient sei weiterhin in einem sehr reduzierten Allgemeinzustand. Er sei schnell erschöpft und habe weiterhin eine schlechte und kurze Konzentrationsfähig
keit (
Ziff.
1.3).
A
ls Erwachsenenbildner
sei er
100
%
arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei w
ahrscheinlich ein Pensum von 10
%
möglich (
Ziff.
2.1).
Die
Leistungsfähigkeit sei um 90
%
reduziert (
Ziff.
2.2).
Die psych
iatrische Behandlung finde wöchentlich statt, inklusive medikamen
töser Behandlung. Zudem bestehe eine Diabeteskontrolle (
Ziff.
3.1).
4.9
4.9.1
Die Beschwerdegegn
erin gab bei der
B._
ein polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
8/55) in Auftrag.
Es
beruht auf den Untersuchungen in den Fachgebieten Psychiatrie und Psychotherapie, Neuropsychologie, Allgemein
e Innere Medizin und Neurologie, die vom
2.
bis
6.
Juli 2015 stattfanden
, der Konsensbesprechung der Gutachter vom
6.
Juli 2015
(S. 1)
und den
den
Gut
achtern zur Verfügung gestellten Akten
.
Das Gutachten
ist von
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Neurologie,
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, med. prakt.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof.
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psycho
therapie, Chefarzt, unterzeichnet
(S. 50). Das neuropsychologische Teilgutachten von
d
ipl.
-
p
sych.
C._
vom 1
0.
Juli 2015 (
Urk.
8/55/51-56)
, basierend auf einer Untersuchung am
2.
Juli 2015 (S. 1 Mitte),
ist dem polydisziplinären Gutachten beigelegt.
Die Gutachter führten
zur Anamnese
aus, seit dem
3.
Lebensjahr sei ein Diabetes mellitus Typus I bekannt. 1988 sei es zu einer Nekrose am rechten Fuss und im Bereich des Halses gekommen. Ausserdem habe eine Fistel am rechten Unterschenkel bestanden.
In der Folge habe sich
eine Sepsis entwi
ckelt
.
Seither
bestünden nach zirka zwei
Stunden Konzentrationsprobleme und
die visuelle Wahrnehmung
sei
eingeschränkt
. 2008 sei es zu einer
Vitiligo
gekommen, die bis heute bestehe
(S. 12
f.
Ziff.
3.2).
Der Beschwerdeführer
habe angegeben
, dass er
nicht mehr
als ein
Pensum von zirka 10
%
,
mit welchem
er jetzt technische Führungen für die
Z._
durchführe
, verrichten könne
.
Ein höheres Pensum sei ihm nicht möglich
, weil seine Konzentration nach zirka zwei Stunden rasch und stark nachlasse und er dann rasch müde, erschöpft und ausgelaugt sei. Sein Gedächtnis sei aber nicht eingeschränkt.
Er
arbeite auch möglichst gerne selbständig, weil er nur mit gewissen Menschen auskomme. Wenn er mit Menschen zusammenarbeiten müsse, die er nicht möge, könne er auch aggressiv und impulsiv werden.
Ausserdem könne
er
keine Arbeiten durchführe
n, wenn es dort viele Menschen oder
viel Lärm oder Licht habe, da es dann zu einem Chaos und einem Durcheinander in seinem Kopf komme und er dann besonders rasch gereizt sein könne.
Er sei schon immer ein sensibler Mensch gewesen und sei eigentlich schon immer anders als die anderen Menschen gewesen (S. 14
Ziff.
3.4.1 oben).
Seitdem er
eine
Vitiligo
habe, verspüre er eine Lichtempfindlichkeit und ver
meide deshalb
möglichst
das Licht
(S. 14
Ziff.
3.4.1 unten).
Seit der Sepsis im Jahr 1988 habe
er
Probleme, sich auf etwas konzentrieren zu können, wenn es an einem Ort viel Lärm oder viele Leute habe. Es sei für ihn auch schwierig, an mehrere Sachen gleichzeitig zu denken oder mehrere Sachen gleichzeitig zu machen (S. 15 oben).
Seit Mai 2013 sei er bei
Dr.
G._
in Behandlung. Seither habe sich sein Gesundheitszustand wieder verbessert. Er sei weniger depressiv und seine Stimmung
habe sich verbessert
. Er habe auch seinen Haushalt wieder selbständig bewältigen können
(S. 15 Mitte).
4.9.2
Zum Ergebnis der
neuropsycholog
ischen Untersuchung durch
d
ipl.
-
p
sych.
C._
vom
2.
Juli 2015
wurde im Gutachten
unter
Ziff.
4.2.3
ausgeführt,
in der Testung sei eine deutlich reduzierte Belastbarkeit bei verschiedenen Störreizen aufgefallen. Der Beschwerdeführer
habe sich
durch verschiedene Geräusche wie von einem Ventilator oder durch Töne beziehungsweise Helligkeit besonders belastet
gefühlt
. Die psychometrische Untersuchung habe in der überwiegenden Mehrzahl der Befunde altersnormgerechte und
vereinzelt sogar üb
erdurchschnittliche Ergebnisse
,
zum Beispiel beim Le
rnen von verbalen Informationen
,
ergeben. In einzelnen kognitiven Teilbereichen hätten sich neuropsychologisch quantifizierbare Defizite ergeben.
Es handle sich um verschiedene Aufmerksamkeitsbereiche wie
Alertness
, selektive und geteilte Aufmerksamkeit und die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit, die teils leicht, teils leicht- bis mittelgradig beeinträchtigt seien.
Die mentale Flexibilität sei ebenfalls leicht- bis mittelgradig eingeschränkt. Auch der freie Abruf einer komplexen geometrischen Figur gelinge nur rudimentär. Im Gesamtverlauf der Untersuchung fänden sich
auch
immer wieder leichte Leistungs
schwankungen (S. 19
Ziff.
4.2.3
).
B
ei der Testbearbeitung und Exploration hätten sich insgesamt keine Hin
weise auf eine mangelnde Anstrengung oder eine bewusste Mind
erleistung ergeben
. Dies ergebe sich beispielsweise auch aus Reaktionszeitmessungen, die unbemerkt nicht wissentlich manipulierbar seien (S. 19
Ziff.
4.2.3 unten).
Im Einklang zu den Vorbefunden
hätten sich
in der aktuellen Untersuchung vergleichbare kognitive Beeinträchtigungen objektivieren
lassen
(S. 20 oben).
Dr.
J._
führte aus,
dass
aus internistischer Sicht
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit
bestehe
(S. 25
Ziff.
5.6.1).
4.9.3
Die neurologische Untersuchung vom
6.
Juli 2015 erfolgte durch
Dr.
I._
und med. prakt.
M._
,
Assistenzärztin Neurologie
(S. 27
Ziff.
6)
.
Die Gutachter führten aus
,
der Beschwerdeführer
habe
über
mehrere
Beschwer
dekomplexe
berichtet
. So bestehe
eine schnelle
Ermüdbarkeit und
Erschöpfbarkeit und eine deutlich reduzierte Belastbarkeit für körperliche und geistige Tätigkeiten sowie für Reize von aussen, wie zum Beispiel Licht oder Lärm. Sowohl Personen, Situationen als auch Gegenstände könnten ihn schnell beunruhigen, ärgern und überfordern. Ferner habe er seit zirka fünf Jahren Schlafstörungen
. Er könne oft erst nach Mitternacht einschlafen und schlafe dann auch nie tief aus Angst vor Hypoglykämien. Während des Tages sei er dann oft müde
. Weiter beklage er ein nächtlich betontes, symmetri
sches Brennen im Bereich der Aussenseite der Oberschenkel und der Innen
seite der Unterschenkel sowie
Kribbelparästhesien
in den Füssen. In der Ver
gangenheit habe er sich einige Male plötzlich gangunsicher gefühlt und habe sich an den Wänden halten müssen (S. 28
Ziff.
6.2.1 Mitte).
Sein
Allgemeinzustand habe sich während der vergangenen fünf Jahre insge
samt verschlechtert, insbesondere seit der Trennung von seiner Frau und
einem
Kontaktverlust zu seinem
S
ohn
(S. 28
Ziff.
6.2.1
unten
).
Gemäss Aktenlage sei eine erste neurologische und neuropsychologische Beurteilung im Oktober 2013 erfolgt. Unterlagen zu einem stationären Auf
enthalt im
F._
im Jahr
1988 seien nicht mehr vorhanden. PD
Dr.
D._
habe die
Symptomatik im Rahmen einer vorliegenden Depression ohne Anhaltspunkte für eine hirnorganische Beeinträchtigung bewertet. Zusätzlich seien leichte Zeichen einer diabetischen Polyneuropathie festgehalten worden
. Es sei empfohlen worden, die Depression pharmakologisch zu behandeln. Eine schwere Schädigung im Rahmen einer septischen
Encephalopathie
sei bildmorphologisch und klinisch nicht nachgewiesen worden
(S. 31
Ziff.
6.4.2).
In der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung hätten sich im Ein
klang mit der Voruntersuchung
von 2013 relativ stabile kognitive Einschrän
kungen gezeigt, welche nicht sicher in einen kausalen Zusammenhang mit der anamnestisch berichteten Sepsis zu bringen seien. Dies insbesondere bei fehlenden medizinischen Angaben zum damaligen
Krankheitsbild
. Bei doku
mentierten stabilen Befunden zumindest seit dem Jahr 2013 könne mit den nach wie vor normwertigen Ergebnissen in der neuropsychologischen Unter
suchung
keine Dynamik im Sinne eines fortschreitenden Prozesses objekti
viert werden. Der Proband habe auch anamnestisch über einen im Wesentli
chen stabilen Verlauf der Beschwerden berichtet. Aus neurologischer Sicht
sei
auch mit der hypothetischen Annahme einer stattgehaben septi
schen
Encephalopathie
die sekundäre Verschlechterung im Jahr 2013 mit zuvor offensichtlich über Jahrze
hnte uneingeschränkter Berufstätigkeit und sogar einer zweiten Ausbildung zum Erwachsenenbildner (Coach) nicht schlüssig erklärt. Ebenso seien aus neurologischer Sicht die ausgeprägten Empfindlich
keiten auf Aussenreize nicht zu erklären.
Die Sensibilitätsstörungen der oberen Ex
tremitäten hätten eine peripher
neurologische Ursache
bei ele
ktrophysiologisch nachgewiesenem
Karpal
tunnelsyndrom
beidseits und klinisch möglichem
Kubitaltunnelsyndrom
links. Die Befunde seien für die Gutachter nachvollziehbar und ergäben keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Auch die primär
axonale
, sekundär
demyelinisierende
, sensomotorische Polyneuropathie lasse sich objektivieren (S. 32
Ziff.
6.4.3).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Erwachsenenbildner bestehe aus neu
rologischer Sicht keine quantitative Arbeitsunfähigkeit (S. 33
Ziff.
6.6.1). Die Tätigkeit bei der
Z._
sei als adaptierte Tätigkeit zu betrachten
(S.
33
Ziff.
6.6.3).
4.9.4
Die Gutachter stellten
polydisziplinär
folgende Hauptdiagnosen mit Ein
schränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 36
Ziff.
7.1.1):
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
nicht näher bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung
axonale
und sekundär
demyelinisierende
, sensomotorische
Poly
neuropathie
mit/bei:
nächtlichen, neuropathischen Schmerzen
Ätiologie im Rahmen des langjährigen Diabetes mellitus Typ 2
Zudem stellten sie folgende Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit (S. 36
Ziff.
7.1.2):
Diabetes mellitus Typ 1 seit 1966 insulinpflichtig mit Verdacht auf diabetische Polyneuropathie
Adipositas mit einem Body-Mass-Index vo
n
27.3 kg/m
2
Karpaltunnelsyndrom beidseits
Cubitaltunnelsyndrom
links
Die Gutachter führten aus, in
einem MRI des Schädels vom 1
6.
Dezember 2013 sei ein akuter lakunärer Infa
r
kt par
ietal links und
geringgradig
mikro
vaskuläre
Veränderungen
bifrontal
bei einem ansonsten normalen MRI des Schädels festgestellt worden.
Dr.
D._
habe 2014 geschrieben, dass er keine fokalen neurologischen Defizite festgestellt habe.
Möglicherweise als Folge der Sepsis habe der Beschwerdeführer nach dem Studium nicht mehr als Agraringenieur arbeiten können. Im weiteren Verlauf sei er aber vor allem als Coach und Erwachsenenbildner tätig gewesen.
Er
habe diese weitgehend selbständige Tätigkeit möglicherweise auch gewählt, weil er auf diese Weise wegen seines manchmal impulsiven Verhaltens weniger zwischen
menschliche Probleme
gehabt
habe (S. 37
Ziff.
7.2.2).
Dr.
G._
habe
die Diagnose einer Anpassungsstörung
am 2
5.
März 2014
nicht weiter
differenziert und auch nicht geschrieben, welche Symptome
der Erkrankung aufgetreten seien
. Die
gestellte
Diagnose sei damit nicht ausrei
chend beschrieben worden und sei insgesamt auch nicht nachvollziehbar. Aufgrund der Angaben im Bericht von
Dr.
G._
vom 2
5.
März 2014 hätte man schon damals die Diagnose einer emotional instabilen
Persönlich
keitsstörung
vom impulsiven Typus stellen können und nicht nur akzen
tuierte Persönlichkeitszüge mit einer Jähzorn-Neigung und Ausbrüchen.
Dr.
G._
habe die Diagnose einer dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörung in Überlastungssituationen sodann nicht genügend
begründet. Die Diagnose sei anhand seines Berichtes daher nicht ganz nach
vollziehbar (S. 38 Mitte).
Der Psychiater
habe die Arbeitsfähigkeit am 2
2.
Dezember 2014 dahingehend beurteilt,
dass
diese zu 80-90
%
einge
schränkt sei. Er habe aber nicht angegeben, für welche Tätigkeiten dies gelte und von wann bis wann die Arbeitsunfähigkeit gelte. Die
se
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei für die zuletzt durchgeführten Tätigkeiten als Coach und Erwachsenenbildner und auch im Hinblick auf die Durchführung von
Führungen aufgrund der gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar (S. 38
f.).
Bei der aktuellen psychiatrischen Untersuchung, die zirka zwei Stunden gedauert habe, hätten die Konzentration und die Aufmerksamkeit im Laufe der Zeit abgenommen (S. 39
Ziff.
7.2.3).
Die festgestellten neuropsychologi
schen Defizite in der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung seien nicht schwerwiegend. Der Beschwerdeführer sei ja auch nach der Sepsis fähig gewesen, als Coach und Erwachsenenbildner in zwei geistig anspruchsvollen Tätigkeiten zu arbeiten. Die Gutachter stellten für die neuropsychologischen Defizite die Diagnose einer nicht näher bezeichneten organischen oder symptomatischen psychischen Störung (S. 40
unten).
Das aggressive, impulsive und jähzornige Verhalten des Beschwerdeführers sei so stark ausgeprägt, dass
er
dadurch immer wieder Probleme im Berufs- und auch im Privatleben habe. Deshalb habe er sich unter anderem Arbeits
stellen ausgesucht, in denen er zwischenmenschlichen Belastungen möglichst aus dem Weg gehen könne (S. 41 unten).
Er
berichte über keine Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen in Überlastungssituationen mehr, weshalb die von
Dr.
G._
gestellte Diagnose nicht mehr gestellt werden könne (S. 42 unten).
Der Beschwerdeführer
führe weiterhin
gerne technische Führungen für die
Z._
durch und würde auch weiterhin gerne als Coach und
Erwachsenen
bildner
arbeiten
, aber nur mit einem Pensum von maximal 10
bis
20
%
. Aus psychiatrischer Sicht könne er weiterhin Führungen durchführen, und zwar mit einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Aus psychiatrischer Sicht könne er auch in
allen anderen angepassten
Tätigkeit beruflich integriert werde
n
,
auch dies mit
eine
r
Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S.
43
Ziff.
7.2.4 unten).
4.9.5
Betreffend die
Durchführung von technischen
Führungen und die Tätigkeit als Coach und Erwachsenenbildner sei die Arbeitsfähigkeit
für diese Tätig
keiten
aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt.
Der Beschwerdeführer habe diese
auch nach der beschriebenen Sepsis und trotz der bestehenden emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus durch
führen können. Dies weise darauf hin, dass die Persön
lichkeitsstörung zwar vorhanden
, aber nicht sehr schwerwiegend ausgeprägt sei. Auch aus inter
nistischer und neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in diesen Tätig
keiten nicht eingeschränkt (S. 44
Ziff.
8.1.1). Es bestünden keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfäh
igkeit aus psychiatrischer Sicht in den genannten Tätigkeiten mittel- und langfristig jemals eingeschränkt gewesen sei (S. 44
Ziff.
8.1.2).
Wegen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung solle der Beschwerde
führer möglichst keine Arbeiten durchführen, bei denen die zwischen
menschlichen Belastungen gross sein könnten (S. 45
Ziff.
8.2.2).
4.10
PD
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Neurologie, Regionalärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD)
,
führte in einer Stellungnahme vom 1
4.
August 2015 (
Urk.
8/58 S. 5 unten) aus, das
Medas
-Gutachten gehe det
ailliert auf die Aktenlage ein und es
seien umfassende Befunde erhoben worden. Die Gutachter gingen für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Coach und Erwachsenenbildner sowie für
die Durchführung technischer
Führungen in der
Z._
und in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus. Auf das Gutachten könne abgestellt werden.
5.
5.1
Die Gutachter der
B._
diagnostizierten beim Beschwerdeführer eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
, eine
nicht näher bezeichnete
organische oder symptomatische psychische Störung und eine Polyneuropathie
(E. 4.9.4
hiervor
).
Nach Einschätzung der Gutachter
handle
es sich bei den
zuletzt ausgeübten Tätigkeit
en
als Coach und Erwachsenenbildner
und
der Durchführung technischer Führungen
um ange
passte Tätigkeiten, in denen der Beschwerdeführer
zu 100
%
arbeitsfähig
sei
(E. 4.9.5).
Dr.
G._
und die Hausärztin
des Beschwerdeführers
gingen dagegen
von einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 80-90
% aus (E. 4.3, 4.5, 4.7
4.8).
5.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.3
Die neuropsychologische Untersuchung durch
d
ipl.
-
p
sych.
C._
fand am
2.
Juli 201
5
statt.
Das Ergebnis
dieser
Untersuchung
lag damit vor und
konnte in
der
Konsensbesprechung
der Gutachter
vom
6.
J
uli 2015 berück
sichtigt werden.
D
ass
das
Teilgutachten erst
anschliessend
am 1
0.
Juli 2015 niedergeschrieben worden ist,
ist
nicht zu beanstanden
.
Ebenso schadet es nicht, dass
dipl.
-psych.
C._
bei der Besprechung
der Gutachter
nicht anwesend war,
nachdem
es sich
beim Teilgutachten lediglich
um
eine Ergän
zung z
um polydisziplinären Gutachten handelt.
Im Gutachten ist das Datum der Konsensbesprechung vermerkt
(
vgl.
E. 4.9.1)
.
Weitere Angaben
dazu
wie zum Ort der Besprechung erweisen sich entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
(
Urk.
1 S. 12
Ziff.
22)
als entbehr
lich.
Soweit der Beschwerdeführer
Dr.
J._
für befangen
erachtet
, weil ihm das Teilgutachten von
dipl.
-psych.
C._
bekannt gewesen sei
(
Urk.
1 S. 13
Ziff.
24), kann ihm nicht gefolgt werden
.
Dr.
J._
stellte als Ergebnis fest
, dass aus internistischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe.
Dabei verwies
er v
ergleichsweise
auf die Beurteilungen der anderen Gutachter zur Arbeits
fähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (
Urk.
8/55 S. 25
Ziff.
5.6.1).
Aus diesem Umstand
allein
kann
jedenfalls nicht auf eine Befangenheit
des Gut
achters
geschlossen werden. Der Vorwurf der Befangenheit erweist sich daher als unbegründet.
Dr.
I._
hat das polydisziplinäre Gutachten
mit
unterzeichnet.
Gemäss
Gutachten
wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
I._
und me
d. prakt.
M._
untersucht (E. 4.9.3)
.
Dass
Dr.
I._
bei der neurologischen Untersuchung gar nicht anwesend
gewesen sei
, wie der Beschwerdeführer
vorbrachte
(
Urk.
1 S. 13
Ziff.
25), lässt sich nicht belegen.
Gestützt auf die Angaben im Gutachten muss davon ausgegangen werden
, dass
die Untersu
chungen von bei
den Ärzten durchgeführt worden sind.
Ziff.
7 des Gutachtens beinhaltet
eine
polydisziplinäre Zusammenfassung nach der Konsensbesprechung der Gutachter. Auch wenn
unklar
ist, ob Prof.
L._
diesen Teil des Gutachtens
sowie
Ziff.
1 bis 3
des Gutachtens
ver
fasst hat
, spricht dies nicht gegen den Beweiswert des Gutachtens. Vielmehr
ergibt sich, dass sich
die Gutachter der
B._
eingehend mit den
Vorakten
und der abweichenden Beurteilung der behandelnden Ärzte
auseinandergesetzt haben
.
So werden im
Gutachten die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des
Beschwerdeführers dargelegt. Weiter beruht es auf den notwendigen Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Es vermag sodann in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Das polydisziplinäre Gutachten
und das neuropsychologische Teilgutachten vom 1
0.
Juli 2015 erweisen sich daher als beweistauglich.
Auf eine erneute Begutachtung, wie vom Beschwerdeführer beantragt
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3)
,
ist daher zu verzichten.
5.4
Die Gutachter der
B._
legten eingehend dar, dass es sich bei den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Coach und Erwachsenenbildner und bei der Durchführung von
technischen
Führungen um angepasste Tätigkeiten handelt. Bei der Würdigung der
abweichenden
Einschätzung
durch
Dr.
G._
und
Dr.
H._
ist sodann der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, BGE 125 V 351 E.
3b/cc).
Die Beurteilungen durch
Dr.
G._
und
Dr.
H._
vermö
gen
die Einschätzung der Gutachter der
B._
daher nicht zu widerlegen.
5.5
G
estützt auf das am 1
2.
August 2015 versandte Gutachten der
B._
ist der medizinische Sachverhalt
als dahingehend erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführer in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
Daraus folgt, dass
er
in
diesen Tätigkeiten
wie vor seiner Krankschreibung ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzi
elen vermag.
Ein Rentenanspruch scheidet daher aus.
Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich die Durchführung eines Einkommensvergleiches.
Da der Beschwerdeführer in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten
uneinge
schränkt
arbeitsfähig ist, besteht
auch
kein Anspruc
h auf Eingliederungs
massnahmen
(
vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2).
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.