Decision ID: 6690b014-3f4b-4c7b-8460-c40c77b0ea4a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess A._ (nachfolgend: der Be-
schwerdeführer) mit seinen Kindern B._, D._, E._
und C._ im März respektive im April 2012 sein Heimatland. Am
9. März 2020 reisten der Beschwerdeführer sowie B._ und
C._ in die Schweiz ein und stellten gleichentags ein Asylgesuch.
B.
B.a Die Ehefrau des Beschwerdeführers respektive die Mutter seiner Kin-
der, F._ (gleiche N-Nummer), ersuchte mit der Tochter G._,
welche am (...) geboren wurde, am 24. Mai 2013 in der Schweiz um Asyl.
B.b Die Tochter D._ und der Sohn E._ ersuchten am
12. Februar 2016 um Asyl in der Schweiz.
Sie wurden alle mit Verfügung des SEM vom 18. Mai 2016 in der Schweiz
vorläufig aufgenommen.
C.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-
schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er
unter dem Namen H._ und mit angolanischer Nationalität sowie
dem Geburtsdatum vom (...) am 31. Oktober 2019 in Portugal ein Asylge-
such gestellt hat. Zuvor war ihm, am 17. März 2016, ein Schengenvisum
durch die portugiesischen Behörden ausgestellt worden. Weitere Visages-
uche vom 12. August 2015 (Deutschland), 27. Oktober 2016 (Portugal),
17. Juli 2017 (Belgien), 14. November 2018 (Portugal), 23. Januar 2019
(Deutschland) und 12. Juli 2019 (Portugal) waren ihm durch die jeweiligen
Behörden verweigert worden. Ein weiterer Visumantrag wurde am 13. No-
vember 2017 in Deutschland gestellt. Aus den Akten geht jedoch nicht her-
vor, ob dieser abgelehnt oder gutgeheissen worden war.
D.
D.a Am 12. März 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) im Bundes-
asylzentrum (BAZ) der Region I._ statt.
D.b Das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
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oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wurde am 17. März
2020 durchgeführt.
D.c Mit Verfügung vom 5. Mai 2020 wurde das Dublin-Verfahren beendet
und die Beschwerdeführenden wurden in das nationale Asyl- und Wegwei-
sungsverfahren überwiesen.
E.
Am 8. Juni 2020 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen be-
fragt.
F.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 wurden die Beschwerdeführenden dem
erweiterten Verfahren zugeteilt und mit Verfügung vom 27. Juli 2020 dem
Kanton I._ zugewiesen.
G.
G.a Am 17. August 2021 fand eine ergänzende Anhörung statt.
G.b Zu seinem Lebenslauf führte der Beschwerdeführer zusammenfas-
send aus, er sei in J._ geboren und in K._ aufgewachsen
und habe nach seinem Maturaabschluss zuerst in L._, danach in
M._ in einem Laden gearbeitet. Nach der traditionellen Heirat mit
F._ im Jahr 1999 habe er bis zu seiner Ausreise nach Angola Ende
März 2012 selbständig einen (...)handel betrieben. In Angola sei er mit (...)
in Kontakt gekommen und habe für sie in einer Firma namens (...) respek-
tive als Geschäftsführer gearbeitet und (...) sowie (...) vertrieben. In die-
sem Zusammenhang sei er mehrmals ins Ausland gereist und habe zu die-
sem Zweck von (...) einen (gefälschten) angolanischen Pass erhalten, wel-
cher auf die Namen H._ ausgestellt worden sei.
G.c Hinsichtlich seiner Asylgründe legte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen dar, seine Ehefrau habe für die Partei Union pour la Démocratie et
le Progrès Social (UDPS) Kleider genäht und sich für diese auch politisch
engagiert. Anlässlich einer Demonstration im Zusammenhang mit den
Wahlen von Januar/Februar 2012 sei sie verschwunden. Er (der Beschwer-
deführer) habe erfolglos nach ihr gesucht. Bevor er mit seinen Kindern
Ende März 2012 sein Heimatland verlassen habe, seien Soldaten des Prä-
sidenten Joseph Kabila gekommen, hätten nach der Ehefrau gesucht und
ihm mit Konsequenzen gedroht. Danach habe er durch die Vermittlung ei-
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nes in Frankreich lebenden Cousins den Repräsentanten der Apareco (Al-
liance des Patriotes pour la Refondation du Congo) namens N._ in
Angola kennengelernt und durch diesen schliesslich für (...) arbeiten kön-
nen. Im Auftrag seines Cousins respektive N._ sei er im Juli und im
August 2016 in die Demokratische Republik Kongo (DRK) zurückgekehrt
und habe (...) einkaufen wollen. Er habe zuvor den traditionellen Dorfchef
(...) kennengelernt und habe während dieser Geschäftsreise nach (...) im
Haus einer seiner Frauen gewohnt. Im August 2016 sei der Dorfchef um-
gebracht worden. Er (der Beschwerdeführer) sei zusammen mit anderen
im Haus aufgegriffenen Personen am 20. August 2016 verhaftet und wäh-
rend fünf Tagen festgehalten worden. Die angolanischen Behörden hätten
ihm unterstellt, an einem Staatsstreich beteiligt gewesen zu sein respektive
der Miliz Kamwena Nsapu anzugehören. Nach der Ermordung von (...) sei
es im Land zu Unruhen gekommen, anlässlich welcher Personen die Haft-
anstalt, in welcher er inhaftiert gewesen sei, gestürmt hätten; ihm sei so die
Flucht nach Angola gelungen. Im Juni 2017 sei er erneut in die DRK ge-
reist, um einen Auftrag für (...) auszuführen. Dabei habe er im Haus eines
Angehörigen der Apareco in Kinshasa gewohnt. Am 10. Juli 2017 sei des-
sen Nebenhaus, in welchem er (der Beschwerdeführer) gewohnt habe, von
Soldaten umzingelt worden. Da man im Haus Waffen gefunden habe, sei
er verhaftet und in einem Gebäude in O._ festgehalten worden.
Weil er über einen angolanischen Pass verfügt habe, habe (...) ihn dank
ihrer Beziehungen durch die angolanische Botschaft in Kinshasa nach zwei
Monaten Haft freibekommen. In der Folge sei er im September 2017 nach
Angola zurückgekehrt. Nachdem ein anderer Präsident an die Macht ge-
kommen sei, habe (...) keinen wesentlichen Einfluss mehr gehabt; er habe
jedoch weiterhin in Angola gelebt und für sie gearbeitet. Am 9. April 2018
sei er von der (angolanischen) Diréction Nationale Investigation Criminelle
(DNIC) vorgeladen worden. Am 8. Dezember 2018 sei er erneut aufgebo-
ten und befragt worden. Im Februar 2019 habe er erneut bei der DNIC vor-
gesprochen und sei verhaftet worden. Man habe ihn beschuldigt, über ei-
nen gefälschten angolanischen Pass zu verfügen sowie an einem versuch-
ten Staatsstreich im Kontext mit den Unruhen von Kamwena Nsapu betei-
ligt gewesen zu sein. Die angolanischen Pässe von ihm und seinen Kin-
dern habe man ihnen abgenommen und ihm erklärt, dass er am 2. Mai
2019 in die DRK überstellt werde, da er kongolesischer Staatsangehöriger
sei. Am 2. Mai 2019 sei er aus dem Gefängnis geholt worden, wobei vor-
gesehen gewesen sei, ihn zum internationalen Flughafen zu bringen und
ihn von dort in die DRK zu überstellen. Dank (...) Hilfe sei ihm jedoch die
Flucht gelungen und er sei stattdessen zum nationalen Flughafen gebracht
worden, wo bereits seine Kinder gewartet hätten. Über Cabinda seien sie
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über verschiedene Länder bis nach Frankreich gelangt und schliesslich mit
einem Bus in die Schweiz eingereist.
Den Asylgesuchen lagen Kopien der (gefälschten) angolanischen Pässe
respektive der Identitätskarten der Beschwerdeführenden, diverse Anträge
für Schengenvisa, eine kongolesische Wählerkarte sowie eine Ehebe-
scheinigung der DRK den Beschwerdeführer betreffend bei.
Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
H.
Mit Verfügung vom 19. November 2021 – eröffnet am 25. November 2021
– stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlings-
eigenschaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab. Der Vollzug der Weg-
weisung wurde zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumut-
barkeit aufgeschoben.
I.
Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
23. Dezember 2021 (Datum Poststempel) die Verfügung des SEM beim
Bundesverwaltungsgericht an und beantragten die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung. Sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen
sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters
als amtlichen Rechtsbeistand.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2022 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
erhob keinen Kostenvorschuss. MLaw Alfred Ngoyi Wa Mwanza wurde an-
tragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Gleichzeitig wurde
das SEM eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen.
K.
Mit Eingabe vom 24. Januar 2022 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlas-
sung zu den Akten.
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Seite 6
L.
Die Beschwerdeführerenden replizierten mit Eingabe vom 11. Februar
2022.
M.
Am 18. August 2022 ging beim Gericht eine Kopie des Zivilstandsamtes
P._ ein. Darin wurde die Registrierung einer Geburt eines gemein-
samen Kindes des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau angezeigt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG,
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig ent-
scheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
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Seite 7
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
nach der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-
weisungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwer-
deführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufgenommen hat (vgl. E. 6.3 hiernach).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 8
4.3
4.3.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit,
dass die Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers zum Flucht-
geschehen widersprüchlich sowie unpräzise ausgefallen seien und den An-
forderungen an Art. 7 AsylG nicht genügten. Zudem widerspreche die
Handlungsweise des Beschwerdeführers derjenigen, welche von einer
Person in dieser Situation zu erwarten gewesen wäre. Hinsichtlich der
Gründe der Ausreise im März 2012 aus der DRK habe er sich widerspro-
chen, indem er zuerst dargelegt habe, wegen der erfolglosen Suche nach
seiner verschwundenen Ehefrau beinahe «verrückt» geworden zu sein, um
später hinzuzufügen, wegen Soldaten von Joseph Kabila, welche bei ihm
zu Hause nach seiner Ehefrau gesucht hätten, sein Heimatland verlassen
zu haben. Auf die Frage, ob es noch weitere Vorfälle gegeben habe, welche
zur Ausreise geführt hätten, habe er erklärt, dass seine Ehefrau ihren eige-
nen Weg gegangen sei und er nicht wisse, wohin. Er habe erst auf die
Bemerkung der Sachbearbeiterin, dass demnach im Zeitpunkt der Aus-
reise keine Gefahr für ihn bestanden hätte, angegeben, selber von densel-
ben Soldaten bedroht worden zu sein. Ferner habe er angegeben, sein
Heimatland aus Verzweiflung über das Verschwinden seiner Ehefrau ver-
lassen zu haben. Vor diesem Hintergrund wäre anzunehmen gewesen,
dass er mehr unternommen hätte, um sie zu finden. Ebenfalls sei es nicht
nachvollziehbar, dass er Ende 2012 von seinem Schwiegervater erfahren
haben soll, dass seine Ehefrau in eine Haftanstalt in Q._ gebracht
worden sei, er sie jedoch erst drei Jahre nach ihrem Verschwinden kontak-
tiert habe.
4.3.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zum Aufenthalt in Angola
sowie zur (geschäftlichen) Beziehung mit (...) wirkten ferner – so die
Vorinstanz – lebensfremd, zumal er keine nachvollziehbaren Erklärungen
gegeben habe, wie er als eher unbedeutender Geschäftsführer diese inter-
national bekannte Milliardärin kennengelernt haben soll. Ausserdem sei es
unrealistisch, dass sie sich persönlich um den Erhalt seines angolanischen
Reisepasses, der Aufenthaltsbewilligung und um seine Freilassung im Jahr
2017 in der DRK gekümmert haben soll. Auch seine Aussage, (...) habe
ihn im Jahr 2019 vor einer Überführung von Angola in sein Heimatland be-
wahrt, indem sie erneut Reisepässe für ihn sowie die Kinder organisiert
und ihn aus einer Haftanstalt herausgeholt habe, sei unwahrscheinlich, da
sich (...) zu diesem Zeitpunkt im Exil befunden und mit eigenen Problemen
zu kämpfen gehabt habe. Zudem seien seine Ausführungen zur Tätigkeit
für (...) widersprüchlich. In der ersten Anhörung habe er angegeben, ein
Geschäft namens (...), welches mit (...) und (...) gehandelt habe, geführt
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Seite 9
zu haben. In der ergänzenden Anhörung hingegen habe er erklärt, ver-
schiedene Läden verwaltet zu haben, wobei dieses Geschäft (...) geheis-
sen habe.
4.3.3 Weiter führte die Vorinstanz aus, die geltend gemachte Verhaftung
während des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der DRK 2016 und
2017 habe dieser zwar widerspruchsfrei wiedergegeben, jedoch sei es un-
erwartet, dass er bei jeder Einreise in sein Heimatland zufällig in politische
Unruhen geraten sein soll. Seine diesbezügliche Erklärung, er sei jeweils
zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, überzeuge kaum und passe
nicht zu seiner Erklärung, selber an Versammlungen der Apareco teilge-
nommen zu haben. Zudem könne ihm nicht geglaubt werden, dass er als
politisch unbeteiligte Person einem bedeutenden kongolesischen Milizen-
führer vorgestellt worden sei. Schliesslich erscheine es unrealistisch, dass
ihm mithilfe von (...) die Flucht anlässlich der Überstellung in die DRK 2019
gelungen sei. Seine Erklärung hierzu, (...) habe Mitleid mit ihm gehabt und
ihm geholfen, weil er gute Arbeit für sie geleistet habe, überzeuge in keiner
Weise.
4.4
4.4.1 In der Beschwerde wurde moniert, dass die Fluchtvorbringen des Be-
schwerdeführers, entgegen der Argumentation der Vorinstanz, insgesamt
detailliert, begründet, plausibel und widerspruchsfrei ausgefallen seien. Er
habe die Suche nach seiner Ehefrau, die Hintergründe ihrer Teilnahme an
den Demonstrationen und den Grund, weshalb Soldaten von Joseph
Kabila nach ihr gesucht hätten, erläutert. Im Anschluss an die Frage, ob es
noch andere Gründe für seine Ausreise gegeben habe, habe er präzise
geantwortet. Weiter sei zu erwähnen, dass in der DRK auch Familienan-
gehörige politisch aktiver Personen schnell ins Visier der Behörden geraten
könnten. Indem ihn die Behörden nach seiner Frau gefragt hätten, sei auch
er unter Verdacht geraten. Deshalb sei seine Sicherheit und diejenige der
Kinder in Gefahr gewesen. Entgegen der Argumentation der Vorinstanz sei
es nachvollziehbar, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, seine Frau zu
kontaktieren, nachdem er von ihrem Aufenthaltsort erfahren habe, da er
nicht über ihre Telefonnummer verfügt habe und auch keine weiteren
Schritte, sie zu kontaktieren, habe unternehmen können.
4.4.2 Auch zu seinem Leben und den Umständen, wie er (...) kennenge-
lernt und für sie gearbeitet habe, habe er ausführlich und widerspruchsfrei
Auskunft gegeben. Er habe erklärt, dass der Kontakt zu ihr durch seinen in
Frankreich lebenden Cousin zustande gekommen sei. Des Weiteren sei es
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selbstredend, dass (...) ihm einen Pass habe ausstellen lassen, zumal er
für sie mehrmals geschäftlich im Ausland gewesen sei. Entgegen der An-
nahme der Vorinstanz habe er detailliert und widerspruchsfrei erklären kön-
nen, weshalb (...) ihm einen angolanischen Pass besorgt und ihn aus der
Haft befreit habe. Zu den verschiedenen Namen der Firmen, in welchen er
für (...) gearbeitet habe und welche ihm als Widersprüche ausgelegt wor-
den seien, sei zu präzisieren, dass ein Name derjenige der Generaldirek-
tion des Ladens und der andere derjenige der Filiale sei.
4.4.3 Bezüglich der Befreiung aus der Haft im Mai 2019 treffe es zwar zu,
dass (...) zu dieser Zeit im Exil gelebt habe. Jedoch sei es nicht unglaub-
haft, dass sie dennoch über Einfluss verfügt und mittels verschiedener Per-
sonen die Befreiung sowie die Erstellung neuer (angolanischer) Pässe aus
dem Ausland organisiert habe. Auch zum Vorhalt der Vorinstanz, es sei un-
erwartet, dass der Beschwerdeführer bei jedem seiner Einreisen in die
DRK in politische Unruhen geraten sei, sei entgegenzuhalten, dass er de-
tailliert, präzise sowie widerspruchsfrei ausgeführt habe, wie es zu den je-
weiligen Verhaftungen gekommen sei.
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
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Seite 11
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.2 Zunächst ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen ist, das Verschwinden seiner Ehefrau im Jahr 2012 glaubhaft darzule-
gen. Seine Ausführungen zu den zahlreichen, ihm gestellten Fragen, wie
er nach ihr gesucht haben soll, verbleiben insgesamt unsubstanziiert und
nicht nachvollziehbar. So überzeugen seine äusserst unpersönlichen Schil-
derungen kaum, dass er über ihr Verschwinden zwar «fast verrückt gewor-
den» sein soll, jedoch keine besonderen Schritte unternommen haben soll,
um ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen, ausser sich «einfach» bei
den Leuten zu erkundigen und «im Gefängnis» nachzufragen. Dabei fällt
unter anderem auf, dass er nicht zu konkretisieren vermochte, in welcher
Haftanstalt er auf der Suche nach ihr nachgefragt habe (vgl. SEM-Akte
A26/22, F91-94). Ferner erstaunt es, dass er nichts weiter unternommen
haben soll, um seine Ehefrau zu kontaktieren oder sie in der Haft zu besu-
chen, nachdem er von seinem Schwiegervater Ende 2012 erfahren haben
soll, dass sie sich in der Haftanstalt in Q._ befinden würde. Seine
einzige Erklärung, er sei nicht im Besitz ihrer Telefonnummer gewesen,
überzeugt vor diesem Hintergrund ebenso wenig wie die fehlende persön-
liche Betroffenheit und die fehlende Initiative nach dem Einholen weiterer
Informationen über sie und ihre Haft (vgl. SEM-Akte A26/22, F96-102).
Überdies ist es nicht nachvollziehbar, wieso die Soldaten seine Ehefrau
gesucht haben sollen, obwohl sie sich in diesem Zeitpunkt gemäss den
Aussagen des Beschwerdeführers bereits in Haft befunden hat. Sodann
konnte er weder konkretisieren noch glaubhaft darlegen, in diesem Zusam-
menhang einer Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein, zumal davon aus-
zugehen ist, dass die Soldaten bei einem tatsächlichen Verfolgungsinte-
resse den Beschwerdeführer anlässlich der von ihm geschilderten dreima-
ligen Besuche mitgenommen hätten (vgl. SEM-Akte A26/22, F75, F78-90).
Schliesslich bleibt es fraglich, ob er und seine Ehefrau – bei Wahrunterstel-
lung der geltend gemachten Verfolgung – zum heutigen Zeitpunkt in den
Augen der kongolesischen Behörden respektive der ehemaligen Solda-
tentruppen von Joseph Kabila immer noch als Oppositionelle betrachtet
werden würden, zumal seit Januar 2019 Félix Tshisekedi als Präsident am-
tiert und der ehemalige Präsident Joseph Kabila kaum mehr über Einfluss
verfügt (vgl. Urteil des BVGer E-5730/2019 vom 29. Juli 2021 E. 8.2).
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Seite 12
5.3 Sodann ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen überzeugend
darzulegen, für (...) gearbeitet und diese persönlich gekannt zu haben. Ne-
ben der Tatsache, dass er keinerlei Beweismittel zu diesen Tätigkeiten ein-
reichte, obwohl angesichts der angeblich mehrjährigen Arbeit für sie dies
erwartet werden könnte, überzeugen seine oberflächlich und vage gehal-
tenen Ausführungen zu seinen beruflichen Aktivitäten für (...) nicht. Dem-
entsprechend erstaunt es nicht, dass er die Widersprüche zum Geschäft
respektive den Geschäften, in welchen er für (...) gearbeitet haben soll,
nicht entkräften konnte. So gab er in seiner ersten Anhörung an, in einem
Laden namens (...) tätig gewesen zu sein. In der ergänzenden Anhörung
führte er hingegen aus, in mehreren Läden mit dem Namen (...) gearbeitet
zu haben. Dazu ist festzuhalten, dass zwar eine Firma mit dem Namen (...)
in Angola existiert, deren Vertrieb jedoch in keiner Weise den Beschreibun-
gen des Beschwerdeführers entspricht und auch nicht ersichtlich ist, dass
(...) oder deren Familienangehörigen daran beteiligt wären
(vgl. https://www.sa-[...].com, abgerufen am 6. Dezember 2022). Zudem
bleibt zu erwähnen, dass die vom Beschwerdeführer angegebene Adresse
([...] in Luanda), wo sich das angebliche Geschäft mit (...) befinden soll,
gemäss Google-Maps nicht existiert (vgl. SEM-Akte A26/22, F145-148).
5.4 Weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen ergeben sich
aus den Schilderungen des Beschwerdeführers zu seinem Aufenthalt in
Ndemba in der DRK zwischen Juli und August 2016 sowie seiner an-
schliessenden Verhaftung. So fielen bereits seine Angaben, für wen er im
Rahmen eines geschäftlichen Auftrags in der (...)-Region unterwegs ge-
wesen sei, widersprüchlich aus. In der Anhörung erklärte er, im Auftrag von
N._ nach Ndemba gereist zu sein, wohingegen er in der ergänzen-
den Anhörung ausführte, dass er für seinen Cousin, welcher in Frankreich
lebe, (...) habe einkaufen wollen (vgl. SEM-Akte A226/22, F112; SEM-Akte
A36/18, F34). Ausserdem erweist es sich als realitätsfremd, dass er sich
ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt zu Geschäftszwecken in die konfliktge-
ladene Region der DRK begeben haben soll, obwohl bereits im April 2016
der Konflikt zwischen dem Anführer (...) und der Regierung eskaliert war.
Verschiedenen Quellen zufolge verschärfte sich die Gewalt nach dessen
Ermordung am 12. August 2016 und löste eine enorme Fluchtwelle in der
Region (...) in Richtung Angola aus. Alle Konfliktparteien übten unerhörte
Gewalt gegen die Zivilbevölkerung aus. Massaker, Vergewaltigungen und
Entführungen waren an der Tagesordnung. Häuser wurden geplündert und
angezündet (vgl. https://webdoc.rfi.fr/rdc-(...)-violence-kamwina-nsapu-
onu/chronology/index.html; https://www.eda.admin.ch/countries/de-
https://www.sa-[...].com/ https://www.eda.admin.ch/countries/democratic-republic-congo/de/home/internationale-zusammenarbeit/projekte.html/content/dezaprojects/SDC/de/2017/7F09906/phase1
D-5592/2021
Seite 13
mocratic-republic-congo/de/home/internationale-zusammenarbeit/pro-
jekte.html/content/dezaprojects/SDC/de/2017/7F09906/phase1; Internati-
onal Crisis Group, Kamuina Nsapu Insurgency Adds to Dangers in DR
Congo, 21. März 2017, https://www.fidh.org/IMG/pdf/mas-
sacres_au_(...)i_rapportfidh_dec2017.pdf, S. 79f.; The Stolen Childhoods
of (...), DRC - Amnesty International, alle abgerufen am 13. Dezember
2022). Vor diesem Hintergrund und insbesondere angesichts der bereits
im April 2016 äusserst angespannten Sicherheitslage ist es nicht glaubhaft,
dass sich der Beschwerdeführer der Gefahr ausgesetzt haben soll, zu Ge-
schäftszwecken inmitten dieser gewalttätigen Unruhen einzureisen und
auch noch den Anführer (...) aufzusuchen. Des Weiteren würde es sich
als nicht stringent erweisen, dass er bis zum 20. August 2016 zugewartet
haben soll, anstatt zu flüchten, nachdem (...) bereits eine Woche zuvor, am
12. August 2012, umgebracht worden war (vgl. SEM-Akte A26/22, F112;
SEM-Akte A36/18, F37). Entsprechend kann ihm deshalb auch nicht ge-
glaubt werden, dass er von den kongolesischen Behörden inhaftiert wurde.
5.5 Ungeachtet der fragwürdigen Umstände hinsichtlich der Beziehung zu
(...), welche den Beschwerdeführer unter abenteuerlichen Umständen aus
Mitleid und aufgrund seiner guten Arbeitsleistungen vor einer Rückführung
und der Haft gerettet, seine Kinder zu ihm gebracht und der Familie an-
schliessend erneut falsche Pässe ausgestellt haben will (vgl. SEM-Akte
A26/22, F24-27, F103, F106, F110, F143; SEM-Akte A36/18, F56, F61-70,
F73-74), erweist sich seine zweite angebliche Verhaftung am 10. Juli 2017
in Kinshasa ebenfalls als unglaubhaft sowie widersprüchlich. In der ersten
Anhörung erklärte er hierzu, die kongolesischen Behörden hätten in der
fraglichen Nacht zuerst an die Tür des Hauses eines Bekannten, wo er
geschlafen habe, geklopft und als er diese geöffnet habe, hätten sie ihm
direkt Handschellen angelegt, wohingegen er in der ergänzenden Anhö-
rung ausführte, er habe geschlafen, als Beamte die Tür des Gebäudes auf-
gebrochen hätten, eingedrungen seien und ihn festgenommen hätten (vgl.
SEM-Akte A26/22, F129-130, SEM-Akte A36/18, F40). Sodann erscheint
es kaum nachvollziehbar, dass die kongolesischen Behörden ihn nach sei-
ner Verhaftung nicht als kongolesischen Staatsangehörigen identifiziert ha-
ben wollen, zumal bei der anschliessenden Hausdurchsuchung neben
Waffen auch seine anlässlich seines Aufenthalts in Kinshasa erneuerte
(kongolesische) Wählerkarte hätte gefunden werden müssen und dabei
seine richtige Identität zum Vorschein gekommen wäre. Ausserdem konnte
er nicht erklären, wie (...) durch einen angolanischen Botschafter von sei-
nem Aufenthalt in der Haftanstalt in O._ erfahren und ihm geholfen
https://www.eda.admin.ch/countries/democratic-republic-congo/de/home/internationale-zusammenarbeit/projekte.html/content/dezaprojects/SDC/de/2017/7F09906/phase1 https://www.eda.admin.ch/countries/democratic-republic-congo/de/home/internationale-zusammenarbeit/projekte.html/content/dezaprojects/SDC/de/2017/7F09906/phase1 https://www.fidh.org/IMG/pdf/massacres_au_(...)i_rapportfidh_dec2017.pdf https://www.fidh.org/IMG/pdf/massacres_au_(...)i_rapportfidh_dec2017.pdf https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2018/07/the-stolen-childhoods-of-kasai-drc/ https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2018/07/the-stolen-childhoods-of-kasai-drc/
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haben soll. Aus den Anhörungsprotokollen geht nicht hervor, dass er wäh-
rend seiner angeblichen Haft in Kontakt mit Vertretern der angolanischen
Botschaft oder anderen Personen getreten wäre, welche (...) oder ihre Hel-
fer über seinen Verbleib hätten informieren können (vgl. SEM-Akte A26/22,
F108; F119-121; F126; SEM-Akte A36/18, F40, letzter Abschnitt, F46-48).
Ferner ist festzustellen, dass er zwar zum Teil detailliert und mit einzelnen
Realkennzeichen einen Aufenthalt in einer Haftzelle beschrieben hat
(vgl. SEM-Akte A26/22, F122-124; SEM-Akte A36/18, F40). Vor dem Hin-
tergrund seiner ansonsten unglaubhaften Ausführungen ist jedoch davon
auszugehen, dass sich die durchaus glaubhaft beschriebene Haft in einem
anderen als von ihm geschilderten Kontext zugetragen haben muss, deren
näheren Umstände dem Gericht nicht bekannt sind.
5.6
5.6.1 Schliesslich kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden,
dass er wegen seiner angeblichen Verbindung zu den Apareco von der
DNIC befragt und deswegen Probleme erfahren haben soll. Es erweist sich
als kaum wahrscheinlich, dass die angolanischen Behörden Interesse an
(mutmasslichen) Mitgliedern dieser ausschliesslich kongolesischen Oppo-
sitionsgruppierung, welche während der Regierungszeit des kongolesi-
schen Präsidenten Joseph Kabila und der kongolesischen Politik in der
Diaspora aktiv war, gehabt haben können (vgl. Office français de protection
des réfugiés et apatrides [OFPRA], Rapport de mission en République dé-
mocratique du Congo [RDC] – 30 juin - 7 juillet 2013, https://www.of-
pra.gouv.fr/sites/default/files/atoms/files/rapport_de_mission_rdc_ 2014.
pdf, [S. 70], abgerufen am 13. Dezember 2022).
5.6.2 Selbst unter der Annahme, dass der Beschwerdeführer der Apareco
nahegestanden oder sich gar für diese engagiert hat, ist bei einer allfälligen
Rückkehr ins Heimatland zum heutigen Zeitpunkt nicht davon auszugehen,
dass ihm Gefahr droht oder drohen könnte, deshalb verfolgt zu werden.
Seit der Erlangung der Präsidentschaft durch Félix Tshisekedi im Januar
2019 haben sich viele ehemalige Mitglieder dem neuen Präsidenten an-
schlossen und sind nach Kinshasa zurückgekehrt. Dabei wurde das Ende
der oppositionellen Diaspora der Apareco angekündigt, welche während
der Regierungszeit des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, zwi-
schen 2001 und 2019, aktiv gewesen war (vgl. Radio France Internationale
[RFI], RDC: mort de Honoré Ngbanda, ancien conseiller spécial de
Mobutu [Audio-Beitrag vom 21. März 2021], https://www.rfi.fr/fr/af-
rique/20210321-rdc-mort-de-honor%C3%A9-ngbanda-ancien-conseiller-
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sp%C3%A9cial-de-mobutu, UK Home Office, Country Policy and Infor-
mation Note – Democratic Republic of Congo: Opposition to government,
11.2019, https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/
system/uploads/attachment_data/file/848548/DRC_-_Oppn_-_CPIN _-
_v3.0_November_2019_.pdf, beide abgerufen am 13. Dezember 2022).
Ausserdem ist nicht bekannt, dass ehemalige Mitglieder der Apareco durch
kongolesische Behörden zum heutigen Zeitpunkt verfolgt würden.
5.7 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Vor-
instanz zu Recht festgestellt hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers
würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG
nicht standhalten, die Beschwerdeführenden damit die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht erfüllen und ihre Asylgesuche ab-
lehnte.
6.
6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.3 Vorliegend wurde den Beschwerdeführenden mit der Verfügung des
SEM vom 19. November 2021 die vorläufige Aufnahme gewährt, weshalb
es sich erübrigt, die Wegweisungshindernisse zu prüfen.
7.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt und der rechtserhebliche Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt wurde (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements
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Seite 16
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit
der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Verfügung vom 11. Januar 2022 gutgeheissen
wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Mit Eingabe vom 11. Februar 2022 reichte der Rechtsbeistand eine
Kostennote in der Höhe von Fr. 2'275.– ein. Der ausgewiesene Aufwand
sowie die Auslagen sind nicht zu beanstanden und dem amtlichen Rechts-
beistand ist für das gesamte Beschwerdeverfahren ein Honorar in der
Höhe von Fr. 2'275.– (inklusive Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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