Decision ID: d42eddc7-9c3d-5732-9093-4bfd955ce135
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979, Mutter einer Tochter (geboren 2002), stammt aus Rumänien, wo sie
nach der obligatorischen Schulzeit von 1994 bis 1998 das Aeronautische
Gymnasium
in
Bukarest
besuchte und nach erlangtem Diplomab
schluss
an
einer Abendschule ein einjähriges Praktikum
als
Hubschrauber- und Flugzeugmechanikerin
absolvierte
.
In ihre
r Kindheit und Jugend
betrieb sie zudem
Eiskunstlauf
(
Urk.
6/1
Ziff.
3.1
,
Urk.
6/7
S. 4 oben
,
Urk.
6/41/2
unten
,
vgl. auch
Urk.
6/43/30 unten
)
.
Nachdem d
ie Versicherte ab dem Jahr 1999
bei ver
schiedenen Arbeitgebern in der Schweiz und im Fürstentum
Li
e
chten
-
stein
– eigenen Angaben zufolge
als Barfrau
-
gearbeitet hatte
(
Urk.
1
Ziff.
25
,
Urk.
6/
45
,
Urk.
6/41/1 unten,
vgl. auch
Urk.
6/43/29 Mitte)
, reiste
sie a
m
7.
Oktober 20
08 definitiv in die Schweiz ein,
wo sie
am
7.
November 2008
heiratete
(
Urk.
1
Ziff.
3
,
Urk.
6/1
Ziff.
1.7
,
Urk.
6/10
).
Nach ihrer Einreise
hatte
die Versicherte
Teilzeit
stellen als
Serviceangestellte
sowie als
Haushalts
hilfe
und Kinderbetreuerin inne
.
Zuletzt war sie v
on Juli 2014 bis April
2015
in einem Pensum von 46
%
als Verkäuferin
bei
Y._
angestellt, wobei der letzte Arbei
tstag am 2
1.
Dezember 2014 war. Daneben
arbeitete sie als Büroreinigungskraft
(
Urk.
6/1
Ziff.
5.4,
Urk.
6/13
Ziff.
2.1-3
,
Urk.
6/41/1,
Urk.
6/85
).
Unter Hinweis auf Kopf
schmerzen,
Rücken- und Hüft
probleme
sowie psychische Probleme meldete sich die Versicherte am 3
0.
Juni 2015 bei der Invalidenversi
cherung zum Lei
s
tungsbezug an (
Urk.
6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
holte unter anderem ein
bidi
sziplinäre
s
Gutachten ein, das
am
8.
und 2
2.
Dezember 2016
erstattet wurde
(
Urk.
6/40/2
-56,
Urk.
6/43/1-49
)
. Ferner
v
er
anlasste
sie
eine Haus
halts
abklärung, über welche am 2
5.
September 2017
berichtet wurde
(
Urk.
6/53)
.
Mit
Vorbescheid vom 1
9.
Januar 2018 (
Urk.
6/56)
stellte die IV-Stelle
im Wesentlichen
unter Hinweis auf gute Ressourcen
einen abschlägigen Rentenentscheid in Aussicht,
wogegen die Versicherte
am 1
9.
Feb
ruar und
4.
Juni 2018
Einw
and
erh
ob
und gleichzeitig die Ausrichtung einer Hilf
losenentschädigung beant
ragte
(
Urk.
6/62,
Urk.
6/70)
. Nach
weiteren
Abklärun
gen und durchgeführten
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/88,
Urk.
6/89,
Urk.
6/92
;
Urk.
6/100) verneinte die IV-Stelle m
it Verfügung vom 1
5.
Mai 2020 einen Ren
tenanspruch
mangels
erfüllter
versicherungsmässiger Voraussetzungen
(
Urk.
9/98 =
Urk.
2/1)
und mit Verfügung vom 1
1.
Juni 2020
(
Urk.
6/102 =
Urk.
2/2)
einen Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung.
2.
Die Versicherte erhob am 1
7.
Juni 2020 Beschwerde gegen die Verfügungen vom 1
5.
Mai 2020 (
Urk.
2/1) und vom 1
1.
Juni 2020 (
Urk.
2/2) und beantragte, diese seien aufzuheben, und es sei
en
ihr eine Invalidenrente sowie eine Hilflosenent
schädigung auszurichten. Eventuell sei die Sache zur Abklärung der Hilflosigkeit an die Verwaltung zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 Mitte). In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie
um Durchführung einer mündlichen Parteiverhandlung sowie um Befragung näher genannter Zeugen (
Urk.
1 S. 2 unten).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Juli 2020 die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
5).
Dies wurde der Beschwerdeführer
in am
1.
Septem
ber 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versichert nach
Massgabe
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG)
sin
d Personen, die
gemäss
den
Art.
1a und 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) obligatorisch oder f
reiwillig ver
sichert sind (
Art.
1b IVG). Obligatorisch versichert nach dem AHVG sind unter anderem die natürlichen Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine
Erwerbstätigkeit ausüben (
Art.
1a
Abs.
1
lit
. a und b AHVG).
1.2
Anspruch auf Leistungen der Invalide
nversicherung haben
gemäss
Art.
6
Abs.
1 IVG schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose nach den Voraussetzungen der nachfolge
nden Bestimmungen des IVG.
Art.
39
IVG (
Bezügerkreis
von
ausserordentlichen
Renten) bleibt vorbehalten.
Ausländische Staatsangehörige sind gemäss
Art.
6
Abs.
2 IVG (vorbehältlich
Art.
9
Abs.
3 IVG) nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (
Art.
13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben.
Vorbehalten bleiben Sonderregelungen, welche dieser Gesetzesbestimmung vor
gehen.
Dazu gehören die Sozialversicherungsabkommen. Weiter vorbehalten bleib
en gemäss
Art.
80a
Abs.
1
IVG das auf den
1.
Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 2
1.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten ande
rerseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681) und die darin anwendbar erklärte Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit (SR 0.831.109.268.1)
und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitä
ten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinie
rung
der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11
; Urteil
des Bun
desgerichts 8C_
713/2014 vom
4.
Mai 2015 E. 2.2).
1.3
Gemäss
Art.
36
Abs.
1 IVG (in der
seit
1.
Januar 2008 geltenden
Fassung) haben (schweizerische oder ausländische) Versicherte, die bei Eintritt der
Invalidität während mindestens drei Jahren
Beiträge geleistet haben, Anspruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversicherung.
1.4
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall
muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.6
Nach Art. 4 Abs.
2
IVG
gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheitszu
standes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (
BGE 112
V
275 E. 1b
).
Aus Art.
4
Abs.
2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invalidität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestimmen ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu ber
ücksichtigen, die sich aus Art.
4 Abs
. 1 IVG (in Verbindung mit Art.
8 ATSG) ergeben
(BGE 112 V 275; vgl.
auch BGE 137 V 417 E. 2.2.3, 126 V 241 E. 4
).
Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art.
28
Abs.
1 IVG entsteht
,
das heisst frühestens,
wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (
lit
. b
; vgl. Urteil des Bundes
gerichts I 620/05 vom 2
1.
November 2006 E. 5.1).
Art.
29
Abs.
1 IVG sieht zudem vor, dass der Rentenanspruch jedenfalls nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG entsteht.
1.7
Bei der Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun
gen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgericht 8C_125/2016 vom
4.
November 2016 E. 2.1.1).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete ihren abschlägigen Rentenentscheid (
Urk.
2/1) damit, dass die Beschwerdeführerin
gemäss
eingeholtem Gutachten
an einer Persönlichkeitsstörung
leide
und
sie
mit d
en
psychiatrischen Belastungen in die
Schweiz
eingereist
sei
.
Ihre
Erwerbsbiographie zeige, dass sie viele kurz
fristige Anstellungen gehabt habe. Es sei ihr nicht möglich gewesen, über einen längeren Zeitraum einer Arbeit nachzugehen. Eine erfolgreiche Eingliederung ins Erwerbsleben habe nicht stattgefunden, was zum Krankheitsbild einer Persön
lichkeitsstörung passe
(S. 2 oben)
.
Die Beschwerdeführerin
sei überwiegend wahr
scheinlich durchgehend in einem renten
tangierenden Ausmass in ihrer Arbeits
fähigkeit
eingeschränkt gewesen. Die Invalidität sei im Ausland eingetreten (S. 2 Mitte)
. Die Beschwerdeführerin sei
schon im Zeitpunkt der Einreise überwiegend wahrscheinlich mindestens 40
%
invalid gewesen (S. 3 oben).
Sie
verfüge
damit
nicht über die notwendigen drei Beitragsjahre vor Eintritt der Invalidität für einen Anspruch auf eine ordentliche Rente und es bestehe auch kein Anspruch auf eine ausserordentliche Rente (S. 3 Mitte).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
5) bekräftigte die Beschwerdegegnerin, dass die
Aktenlage keinen anderen Schluss zu
lasse
, als dass mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sei, dass der Versicherungs
fall vor der Einreise in die Schweiz
eingetreten sei.
Da nur
die psychische Gesundheit
der Beschwerdeführerin
beeinträchtigt sei und kein Anspruch auf
eine
Viertelsrente
bestehe, bestehe
auch kein Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung
in Form v
on lebenspraktischer Begleitung (
Urk.
2/2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber
zusammengefasst
geltend, s
ie habe zwar bereits in ihrer Kindheit und Jugendzeit eine Persönlichkeitsstörung ausgebildet gehabt. Dieses Leiden sei aber – trotz schwieriger Lebensumstände – bis zu dem Zeitpunkt, als die somatischen Leiden aufgetreten seien (vgl. dazu
Ziff.
4
und
Ziff.
6), soweit kompensiert gewesen. Erst mit den Dauerschmerzen habe ihre Fähigkeit, ihr bisheriges Funktionsniveau zu erhalten, abgenommen (
Ziff.
39).
Die
Argumentati
on in der Verfügung sei hoch spe
kulativ und für die Behauptung, dass sie bereits in den drei Jahren nach
ihrer
Einreise in die
Schweiz
(vgl. dazu
Ziff.
21) in invalidenversicherungsrechtlich
relevant
er Weise
erkrankt sei, finde sich in den Akten keine Stütze (
Ziff.
41).
Ins
besondere die Erwerbstätigkeit im Jahr 2012 zeige mit aller Deutlichkeit, dass sie auch in diesem Jahr voll leistungsfähig gewesen sei (
Ziff.
30).
Für den gesamten Zeitraum
von
der Einreise bis zur
durch d
ie somatischen Leiden
getriggerten
Dekompensation
im Jahr
2015 sei weder eine erhebliche psychische Erkrankung
noch eine psychiatrische Behandlung
noch eine psychisch bedingte Arbeitsunfä
higkeit
dokumentiert (
Ziff.
42).
Die
Argumentation
der Beschwerdegegnerin
mit
ihrer
Erwerbsbiographie sei diskriminierend
und es
müsse
nicht zuletzt b
erück
sichtigt werde
n, dass sie nebst den Teil- beziehungsweise
Vollzeitpensen
immer auc
h massgeblich an der Erziehung und Betreuung ihrer 1995 und 1997 gebore
nen Stiefkinder beteiligt
gewesen sei
und
den
Familienhaushalt
geführt habe
(
Ziff.
44
, vgl. auch
Ziff.
27-32
).
Es sei vielmehr eine geschlechterspezifische und arbeitsmarktliche Realität, dass sie über Jahre hinweg nur kurzzeitige und oftmals teilzeitige Tätigkeiten habe ausüben können (
Ziff.
45).
Abgesehen davon
bestün
den auch für die Zeit zwischen Erreichen der Volljährigkeit beziehungsweise
dem
Erwerb einer Berufsausbildung bis zur
erstmaligen
Einreise
im Jahr
1999
bezie
hungsweise der
Wohnsitznahme
im Jahr 2008
keine Hinweise a
uf ein
ernstzu
nehmendes psychisches Leiden, was
– auch wenn diese Periode nicht den fragli
chen Zeitraum der versicherungsmässigen Voraussetzungen betreffe
– im Sinne einer gesamthaften Betrachtung
zeige, dass sie
ab ihrer Jugend während vielen Jahren bestens kompensiert gewesen sei (
Ziff.
46).
Schliesslich wandte sich die Beschwerdeführerin gegen die im Haushaltabklärungsbericht vorgenommene Qualifikation (
Ziff.
47) und machte geltend,
auf lebenspraktische Begleitung angewiesen
zu sein
(
Ziff.
48).
2.3
Streitgegenstand bilde
n
der Anspruch auf eine Invalidenrente
und eine Hilflo
senentschädigung
. Vorab ist dabei strittig und zu klären, ob die Beschwerdefüh
rerin bei Eintritt einer allfälligen Invalidität (
Art.
8
Abs.
1 ATSG in Verbindung mit
Art.
4
Abs.
2 und
Art.
28 IVG) die versicherungsmässigen und rentenspezifi
schen Voraussetzungen gemäss
Art.
6
Abs.
2 IVG un
d
Art.
36
Abs.
1 IVG erfüllt hat,
sie
mithin
während
mindestens drei Jahre
n
Beiträge geleistet hat
.
In diesem Zusammenhang stellt sich insbesondere die Frage, ob als mit dem im
Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erstellt gelten kann, dass ein zu invalidisierender Arbeitsunfähigkeit füh
render Gesundheitsschaden bereits bei der Einreise in die Schweiz im Oktober 2008 bestand (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 620/05 vom 2
1.
November 2006 E.
5)
, was zur Folge hätte, dass die die Beschwerdeführerin die Anspruchsvorausset
zung der dreijährigen Mindestbeitragszeit
nicht erfüllen kon
n
te
.
3.
Die
am
7.
Oktober 2008 in die Schweiz eingereiste
Beschwerdeführer
in ist rumä
nische Staatsangehörige
und verfügt über eine Niede
rlassungsbewilligung, Aus
weis C (
Urk.
6/10)
.
Damit
sind
bei der Beurteilung des Anspruchs auf Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung grundsätzlich
das
FZA
und die darin anwendbar erklärten Verordnungen
zu
beachten
(vgl. vorstehend E.
1.2)
.
Gestützt auf
Art.
11
Abs.
3
lit
. e der
für die Schweiz per
1.
April 2012 in Kraft getretene
n
Verordnung (EG) Nr. 883/2004
ist
für den hier streitigen Leistungsanspruch schweizerisches Recht
anzuwenden.
4
.
4
.1
Hinsichtlich
Gesundheitszustand
und
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
präsentiert sich die Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
4.2
In der Anmeldung zum Leistungsbezug vom
3
0.
Juni 2015
gab die Beschwerde
führerin an, die massgeblichen Gesundheitsbeschwerden, namentlich
Kopf
schmerzen, Rücken- und Hüftprobleme sowie psychische Probleme,
würden seit
J
anuar 2015 bestehen (
Urk.
6/1
Ziff.
6.2
-3
).
4.3
Am 2
2.
Juni 2015
(
Urk.
6/11/6-7)
berichtete
Dr.
med.
Z._
, Oberarzt, Sanatorium
A._
, die Beschwerdeführerin sei von ihrer Hausärztin bei zunehmend depressiver Stimmungslage zu einem Vorgespräch zugewiesen wor
den. Sie habe
(unter anderem)
berichtet, dass sie die letzten zwei Wochen das Haus fast nicht mehr verlassen habe, da sie zunehmend unter agoraphobischen Ängsten und Panikattacken leide. Sie habe sich vermehrt sozial zurückgezogen und
berichte
über Antriebsstörungen, Lust- und Freudlosigkeit sowie vermehrte Reizbarkeit. Des Weiteren leide sie unter chronischen Gelenkschmerzen aufgrund von Abnutzungserscheinungen durch
während 15 Jahren betriebenen Leistungs
sport im Bereich Eiskunstlauf.
Sie habe Schmerzen in den Knien, Schultern, dem Rücken und habe auch anfallsartig beziehungsweise
attackenförmig
auftretende Kopfschmerzen. Diesbezüglich sei sie in schmerztherapeutischer Behandlung im Seespital Horgen (vgl. dazu
Urk.
6/11/23-24,
Urk.
6/11/28-29).
4
.4
In einem undatierten, am 1
1.
August 2015 bei der Beschwerdegegnerin einge
gangenen (vgl. Aktenverzeichnis) Bericht (
Urk.
6/11/1-5) führte
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
aus, die Be
schwerdeführer stehe seit 2010 in ihrer Behandlung (
Ziff.
1.2). Sie leide seit Jah
ren unter Gelenkschmerzen nach in Rumänien ausgeübtem Leistungssport. In die
sem Zusammenhang sei es wiederholt zu depressiven Episoden und
zu
einem
C2-Missbrauch gekommen (
Ziff.
1.4).
Als
Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte
Dr.
B._
lumbale Spondylarthrosen, eine psychische
und
Verhaltensstörung durch C2, eine Panikstörung sowie rezidivierende depres
sive Episoden. A
ls Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte sie
ein
cervikovertebrales
Syndrom (
Ziff.
1.1)
. Tätigkeiten mit wechselnder Haltung und ohne Belastung seien der
Beschwerdeführerin
möglich (
Ziff.
1.7).
4.5
Am 2
7.
August 2015 (
Urk.
6/14) berichteten
Dr.
med.
C._
, Oberärztin,
und
Dr.
phil.
D._
,
Psychologin,
Sanatorium
A._
, die Beschwerdeführerin
stehe seit dem 2
0.
Juli 2015 in ihrer
Behandlung. Die letzte psychologische Vor
behandlung habe 2006 bei einem ihnen nicht bekannten Therapeuten stattgefun
den (
Ziff.
1.2).
Die behandelnden Fachpersonen
nannten folgende psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode
(ICD-10 F33.2)
-
Beginn
im Januar 2015
-
erste Episode im Jugendalter
(
ICD-10
F33.2)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10 F40.01) mit
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Verdacht auf Emotionsregulationsstörung.
Sie
führten aus,
als
b
egünstigend für die depr
essive Entwicklung sähen sie die depressiven
Episoden in der Vorgeschichte
, die gesundheitliche Belastung durch eine unbehandelte Bronchitis im Dezember 2014 sowie die langjährig bestehen
den chronischen Schmerzen.
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, deren Dauer aktuell nicht eingeschätzt werden könne (
Ziff.
1.4).
4.6
Vom
3.
S
eptember
bis
2
6.
November 2015 weilte die Beschwerdeführerin in der Tagesklinik des Sanatoriums
A._
. Im Bericht vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
6/23/1-3)
nannten
Dr.
med. E._
, Oberarzt
Tagesklinik
, und
F._
, fallführende Psychologin,
als Diagnosen (
Ziff.
4) eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), eine emotional insta
bile Persönlichkeitsstörung,
Borderline
Typ (ICD-10 F60.31)
,
sowie psychische und Verhalt
ensstörungen durch Alkohol,
schädlicher
Gebrauch (ICD-10 F10.1). Sie führten aus,
bei Eintritt in die Tagesklinik habe die Beschwerdeführerin
(unter anderem)
angegeben, sich vor einer Woche erstmals seit dem Jugendalter wieder tiefe Schnittwunden zuge
fügt zu haben. Anamnestisch habe sie sich im Alter von 13 Jahren erstmals selber Verletzungen in Form von Schnitten an den Unterarmen zugefügt. Vom 1
2.
bis zum 1
4.
Lebensjahr habe sie mindestens sechsmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Damals sei es zu einer psychiatrischen Behandlung in Rumänien gekommen. Letztes Jahr habe sie neben der Einnahme von Schmerzmitteln zusätzlich begonnen, Alkohol zu konsumieren,
dies insbesondere zur Schmerz- und Spannungsregulation (
Ziff.
2).
A
ufgrund dysfunktionaler Schemata und der Affektregulationsstörung sei die Beschwerdeführerin in der Interaktion mit Mit
menschen sowohl im familiären wie auch im beruflichen Umfeld rasch überfor
dert, was mit einer Belastungssituation mit Stimmungseinbrüchen und psychi
schen Kris
en einhergehe
(
Ziff.
3)
.
Zur Zeit bestehe eine vollständige Arbeitsunfä
higkeit. Im Verlauf sei mit einer schrittweisen Steigerung der Arbeitsfähigkeit
zu rechnen,
in welchem
Umfang
sei derzeit
noch offen
und abhängig vom weiteren Verlauf (
Ziff.
7).
4.7
Am
2
6.
April 2016 (
Urk.
6/26) berichteten
Dr.
med.
rer
.
n
at.
G._
, Oberarzt, und die Psychologin
F._
(vorstehend E.
4.6
),
Sanatorium
A._
, A
mbulatorium, die Beschwerdeführerin stehe
seit
dem 1
5.
Dezember
2015
in ihrer Behandlung (
Ziff.
3.1)
.
Zu nennen seien folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
e
motional instabile Persönlichkeitsstörung
,
Bord
er
line
-Typ
(BPS), seit etwa dem
1
3.
Lebensjahr (
ICD-10 F60.31)
-
andauernde P
ersönlichkeitsänderung nach Ext
rembelastung, en
tspre
chend einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (C-PTSD)
seit
dem
Jugendalter (
ICD-10
F62.0)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, teilremittiert (
ICD-10 F33.1), mit Beginn im Januar 2015 und erster Epi
sode im Jugendalter
-
Panikstör
ung mit Agora
phobie (
ICD-10 F40.01)
-
Verdacht auf Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Mischty
pus (ICD-10
F90.0
)
-
p
sychische und Ve
rhaltensstörungen durch Alkohol,
schädlicher Gebrauch (
ICD-10 F10.1),
Beginn 2014, gegenwärtig abstinent.
Differen
tialdiagnose: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent.
Die behandelnden Fachpersonen
führten aus, in der bisherigen Tä
tigkeit als Ver
käuferin bei
Y._
sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsunfähig. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Büro,
in reizarmer Umgebung
, wäre denk
bar. Allerdings müsse sich die Beschwerdeführerin aufgrund der Schmerzen und der starken inneren Unruhe häufig bewegen, was auf andere Mitarbeiter störend wirken könnte.
Unter angepassten Umständen
wäre jedoch ein
Arbeitseinstieg
im Umfang von zwei Stunden pro
Tag denkbar (
Ziff.
2.1)
4.8
4.8.
1
Am
8.
Dezember 2016 erstattete
Dr.
med.
Dr.
sc. nat. ETH
H._
, Fachärztin
für
Allgemeine Innere Medizin und
für
Rheumatologie,
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/40
/2-56
).
Dies nach am
2
8.
Novem
ber 2016
durchgeführte
r
Untersuchung
(
S. 31 ff.;
vgl. S. 2 oben).
Dr.
H._
nannte folgende rheumatologische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
(S. 42
Ziff.
9.1
):
-
verminderte Belas
tbarkeit und Beschwerden der Lendenwirbelsäule (LWS) bei
-
kongenitaler lumbosakraler Übergangsanomalie mit
Teillumbalisation
von S
1 (Röntgen
Mai 2011) und
-
leichten bis mässigen degenerativen Veränderungen und medianer
Dis
kusprotrusion
L5/S1 ohne Neurokompression
(Magnetresonanztomo
graphie
, MRI,
Juni 2009)
-
ohne radikuläre Zeichen
-
v
ermin
derte Belast
barkeit und B
eschwerden der linken Hüfte bei
-
Labrumlä
sion im vorderen oberen Quadran
ten
(
Arthro
-MRI
September 2012)
.
Ferner nannte sie verschiedene Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkei
t
(
S. 42
Ziff.
9.2), unter anderem einen Verdacht auf aktuellen übermässi
gen Alkoholkonsum bei einem CDT-Wert im kontrollbedürftigen Bereich (2.3
%
)
sowie einen Status nach Mischintoxikation in suizidaler Absicht am 2
3.
Januar 2016.
In der rheumatologischen Beurteilung
(S. 43 f.)
führte
die Gutachterin
zusam
mengefasst aus,
bei der Beschwerdeführerin bestünden teils angeborene, teils erworbene strukturelle Veränderungen, die ihre Leistungsfähigkeit einschränkten. Die
v
orhandene
n Befunde erklärten im We
sentlichen
ihre
Beschwerden (S. 44).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
sie
aus, die Beschwerdeführerin
benötige eine LWS- und hüftschonende Tätigkeit. Dabei könne sie mit Lasten bis zu 12.5 kg hantieren (leichtes bis knapp mittelschweres Belastungsniveau). Tätigkeiten, die diesem Profil entsprächen, könne die Beschwerdeführerin zu 100
%
ausüben, bezogen auf ein Vollzeitpensum. In der angestammten Tätigkeit im Verkauf oder in einer a
nderen angepassten Tätigkeit habe nie eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 54, vgl. auch S. 45 f.).
4.8.2
Am
2
2.
Dezember 2016
erstattete
Prof.
Dr.
med.
I._
, Fach
arzt für Neurologie sowie für
Psychiatrie und Psychotherapie,
ein psychiatrisches Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/43/1-49).
Dies nach
am
1
9.
Dezember 2016
durchgeführte
r
Untersuchung
(
S.
28
ff.;
vgl. S. 3 Mitte
).
Prof.
I._
nannte folgende psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 48 Mitte):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen Anteilen v
om
Borderline
Typus und histrio
nischen Anteilen (
ICD-10
F61.0)
-
Panikstörung mit
Agoraphopie
(
ICD-10 F40.01).
Als Diagnosen o
hne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert
(ICD-10 F33.4)
,
sowie einen schädlichen
Gebrauch von Alkoh
ol (sekundär), gegenwärtig
abstinent (S. 48 Mitte).
Der Gutachter führte aus, die
Borderline
-S
törung sei derzeit noch als instabil ein
zus
tufen mit weiterhin be
stehenden Selbstverletzungen. Aufgrund der Störungen in
der Affektsteuerung und der Im
pulskontrolle seien suizidale Ideationen und depressive E
pisoden unterschiedlichen Schwe
regrades als glaubhaft in der Kran
kengeschichte
(vgl. dazu S. 33
Ziff.
2.1)
anzunehme
n; aktuell sei von einer weit
gehenden Remission der Depression auszugehen. Dies könne als Verbesserung des Störungsbildes im Verlauf
des Jahres
2015
gewertet werden
.
Die Instabilität der
Borderline
-S
törung
sei
derzeit
jedoch derart hoch, dass unter Belas
tungen jederzeit eine erneute depressive Episode auftreten könne. Derzeit
sei keine aus
reichen
de Stabilität
gegeben, um den Belastungen im ersten Arbeitsmarkt
Stand zu halten. Es sei davon auszugehen, dass die Wurzeln der Störung in der Kindheit und Jugendzeit der
Beschwerdeführerin
lägen, die mit diesen psy
chiatrischen Belastungen in die
Schweiz
eingereist sei (S. 46 oben).
Das Vorliegen einer post
traumatischen Störung sei
eher unwahrscheinlich (S. 46 Mitte).
Die
Panikstörung und
die
Agoraphobie schienen
ebenso
gebessert,
seien
aber noch bestehend.
Für das Vorliegen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms bestehe kein Anhalt und auch die Kriterien einer somatoformen Störung seien nur teilweise e
rfüllt (S. 46 unten). Zusammenfassend
liege ein
schweres, gemischtes psychiatrisches Stö
rungsbild mit be
ginnender Chronifizierung anhal
tend seit Januar 2015
vor
(S. 47 oben).
Aktuell sei anhaltend seit Januar 2015 von einem instabilen Gesundheits
zustand auszugehen. Prognostisch könne
in
etwa
einem Jahr unter anhaltender in
tensiver Psychotherap
ie mit dem Erreichen einer (teilweisen) Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt gerechnet werden
.
Aktuell sei die Belastbarkeit ausrei
chend für eine Tätigkeit im geschützten Bereich (S. 47 Mitte).
4.8.
3
In der
bidisziplinären
Zusammenfassung
vom
3.
Januar 2017 (
Urk.
6
/43/50
unten
) wiederholten die Experten die in den einzelnen Gutachten gestellten Diagnosen (vgl.
vorstehend
E. 4.8
.1-
2
). Bezüglich Arbeitsfähigkeit kamen sie zum Schluss, dass
bei
der Beschwerdeführer
in ein instabiler Gesundheitszustand ohne Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe.
Die attestierte Arbeitsunfähig
keit bestehe seit Januar 201
5.
Die Prognose sei gut. Die Beschwerdeführerin sollte unverzüglich in eine somatisch angepasste Tätigkeit unter geschützten Bedingun
gen eingegliedert werden.
4.9
Am 2
9.
Mai
2018 beantwortete med.
pract
.
J._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, bei welchem die Beschwerde
führerin ab
7.
März 2018 in Behandlung stand, die ihm vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin unterbreiteten Fragen aus psychiatrischer
(
Urk.
6/71/5-6)
sowie neurologischer
(
Urk.
6/71/10-12)
Sicht. Als
psychiatrische
Diagnosen nannte er eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ, einen schädlichen Gebrauch von Alkohol, gegenwärtig abstinent, sowie eine Panikstörung mit Agoraphobie
(
Urk.
6/71/5
Ziff.
1)
. Als
neurologische
Diagnose nannte er einen atypischen Gesichtsschmerz (
Urk.
6/71/10
1 unten).
Für die Tätigkeit a
ls Serviceanges
tellte und
als
Kinderbetreuerin attestierte er der Beschwerdeführeri
n eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Für eine der Einschränkung angepasste
Tätigkeit wie beispielsweise als Raumpflegerin,
in der keine
Zusa
m
menarbeit mit anderen Personen notwendig sei
und
in der die Beschwerdeführe
rin
bei einer Schmerzattacke ihre Arbeit unterbrechen beziehungswiese verschie
ben könne,
bezifferte er die
Arbeits
fähigkeit auf 50
%
(
Urk.
6/71/5 f.
Ziff.
3,
Urk.
6/71/11
Ziff.
3
)
.
4.10
Am 2
7.
August 2018 (
Urk.
6/78) nahm med.
pract
.
J._
erneut Stellung zu ihm vom Rechtsvertreter unterbreiteten Frag
en und
führte unter anderem aus, aufgrund des langwierigen Verlaufs der Persönlichkeitsstörung und deren Aus
prägung
könne
auch in Zukunft nicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden
, e
s
sei
jedoch denkbar,
dass die Beschwerdeführerin wieder Teil
zeit werde beschäftigt sein können (S 3
Ziff.
2.7). Die Prognose für eine Wieder
eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt erscheine allenfalls mittelmässig. Der Eingliederung im Wege stünden ausgeprägte psychosoziale Konfliktsituationen und rezidivierende Krisen in der Partnerschaft (S. 4
Ziff.
4.3-4).
5.
5.1
Aus der dargelegten Aktenlage ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin zum einen
eine
somatische
Problematik mit seit Jahren bestehenden Schmerzen am Bewegungsapparat
sowie Kopf
schmerzen
und
zum anderen eine psychische
Prob
lematik besteht.
Gemäss Bericht der vormaligen Arbeitgeberin, der
Y._
, war die Beschwerdeführerin ab dem
5.
Januar 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
6/13
Ziff.
2.14). Ausgewiesen ist sodann, dass der Krankentag
geldversicherer a
ufgrund
der
(mutmasslich) durch die Hausärztin
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.4)
ab dem
5.
Januar 2015
und später durch das Sanatorium
A._
attestierten Arbeitsunfähigkeit Taggeldleistungen für eine volle Arbeitsunfähigkeit erbrachte (vgl.
Urk.
6/4/3-5
,
Urk.
6/32
).
Für die Zeit vor dem
5.
Januar 2015 ist durch die medizinischen Akten weder echtzeitlich noch retro
spektiv eine Arbeitsunfähigkeit
aus
gewiesen und machte die Beschwerdeführer
in
auch keine
oder jedenfalls keine invalidisierenden
gesundheitlichen Beschwerden
geltend (vgl. vorstehend E. 4.2).
In Bezug auf die psychischen Beschwerden sah sich d
ie
ab
2010 behandelnde Hausärztin
Dr.
B._
denn auch erst im Ver
lauf des Jahres 2015 veranlasst, die
Beschwerdeführerin einer
Behandlung im Sanatorium
A._
zuzuführen, dies bei zunehme
n
d depressiver Stimmungs
lage (vgl. vorstehend E. 4.3).
5.2
Die B
eschwerdegeg
nerin
verwies zur Begründung
der von ihr vertretenen Auf
fassung
, die Invalidität der Beschwerdeführerin sei bereits vor der Einreise in die Schweiz im Jahr 2008
eingetreten
, auf das psychiatrische Gutachten von Prof.
I._
(vorstehend E. 4.8.2)
, in welchem dieser
ausführte,
die Wurzeln der durch ihn diagnostizierten (Persönlichkeits-) Störung
lägen
in der Kindheit und Jugendzeit der Beschwerdeführerin und sie
sei
mit diesen
psychiatrischen Belas
tungen
in die Schweiz
eingereist
. Ihre
n Standpunkt
erachtete
die Beschwerdegeg
nerin
als
durch die Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin un
termauert.
Der Beschwerdegegnerin ist insofern beizupflichten, als
sich (auch) in den Berichten der behandelnden Ärzte
durchaus Hinweise
dafür
finden
, dass die Beschwerdeführerin bereits in ihrer Kindheit und Jugend beziehungsweise vor ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2008 unter psychischen Problemen litt (vgl. vorstehend E. 4.5
-7).
Allerdings genügt allein
das Vorliegen einer psychischen Gesundheitsschädigung nicht für den Nachweis einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
. Prof.
I._
ging
in seinem Gutachten
(
vorstehend E. 4.8.2)
zwar wohl davon aus, dass die Wurzeln der Störung in der Kindheit und Jugendzeit der Beschwerdeführerin liegen, äus
serte sich aber nicht zur Frage der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
der Beschwerdeführerin vor ihrer Einreise im Jahr 200
8.
Vielmehr
sprach
er
von einem schweren, gemischten psychiatrischen Störungsbild mit beginnender Chronifizierung anhal
tend seit Ja
nuar 2015 und in
der
bidisziplinären
gutachterlichen Zusammenfas
sung
(vorstehend E. 4.8.3)
wurde
unter Berücksichtigung sowohl der somatischen als auch
der
psychiatrischen Diagnosen
eine volle A
rbeitsunfähigk
e
i
t im ersten Arbeitsmarkt
(erst)
ab
Januar 2015 attestiert.
I
n
diesem Zusammenhang
gilt es
darauf hinzuweisen
, dass
für die Annahme einer durch einen psychischen Ge
sundheitsschaden bedingten Invalidität
nicht der Beginn einer Erkrankung massgeblich ist
. Entscheidend
ist vielmehr
die durch eine Gesundheitsschädigung verursachte, für die Invalidität massgebliche Arbeitsunfähigkeit
.
Dass
bei der
Beschwerdeführerin
vor
Januar 2015
und insbesondere auch vor ihrer Einreise im Jahr 2008
aufgrund eines psychischen Gesundheitsschadens eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
während eines Jahres (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) mit anschliessender 40%iger Invalidität (
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG) bestand, kann
bei
der gegebenen
medizinis
c
h
en
Aktenlage nicht
als mit dem notwendigen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt gelten.
D
ie medizinischen Akten
liefern sodann
auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin
im genannten Zeitraum
an einem zu
invalidisieren
der Arbeitsunfähigkeit führenden somatischen Gesundheitsschaden gelitten
hätte, zumal eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit weder durch die
seit dem Jahr 2010 behandelnde
Hausärztin
Dr.
B._
noch durch die übrigen behan
delnden Somatiker (vgl.
Urk.
6/11/14-15,
Urk.
6/11/23-24,
Urk.
6/11/28-29)
attestiert wurde und
Dr.
H._
in
ihre
m Gutachten vom Dezember 2016
(vor
stehend E. 4.8.1)
zum Schluss gelangte,
dass weder in der angestammten Tätigkeit im Verkauf noch in einer (anderen) angepassten Tätigkeit eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit bestand
en
habe.
5.3
V
or dem Hintergrund dieser medizinischen Aktenlage v
ermag
di
e Erwerbsbiogra
phie der Beschwerdeführerin, wie sie sich
aus dem IK-
Auszug
(
Urk.
6/45)
ergibt,
nicht den gegenteiligen
Beweis dafür zu erbringen, dass bereits im Zeitpunkt
der
Einreise
im Jahr 2008
ein
die
Arbeits
fähigkeit massgeblich einschränkender
Gesundheitsschaden
bestand
.
Abgesehen davon ist zumindest nicht unplausibel, dass
die
Erwerbsbiographie mit
vielen
wechselnden Arbeitgeber
n
und zum Teil nur kurzzeitigen Anstellungen sowie tiefen Löhnen auf andere als gesundheitli
che Faktoren zurückzuführen ist.
5.4
Damit ergibt sich, dass ein allfälliger Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
bei am 3
0.
Juni 2015 erfolgter und am
1.
Juli 2015 bei der
Beschwerdegegnerin ein
gegangener
(vgl.
Urk.
6/1 S. 1 oben) Anmeldung früh
estens im Januar 2016 ent
stehen konnte (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG,
Art.
29
Abs.
1 IVG). In diesem Zeit
punkt hat die Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzung der Leistung von Beiträgen während mindestens drei Jahren (
Art.
36
Abs.
1 IVG
,
Art.
50 der Ver
ordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
,
AHVV
) und damit die versicherungsmässigen und rentenspezifischen Voraussetzungen gemäss
Art.
6
Abs.
2 IVG und
Art.
3
6
Abs.
1 IVG erfüllt.
Bei diesem (Zwischen-) Ergebnis erweist sich der Antrag der Beschwerdeführerin auf Befragung von Zeugen im Zusammenhang mit der Frage nach dem Vorliegen der versicherungsmässigen Voraussetzungen
(vg
l
.
Urk.
1 S. 14
Ziff.
32)
als
gegenstandslos
und
ist von der beantragten Durchführung einer
Parteiverhand
lung abzusehen.
Zu prüfen bleibt im Folgenden,
ob nach Ablauf des Wartejahres eine mindestens 40%ige Invalidität eingetreten ist (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG).
6.
6.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit holte die Beschwerdegegnerin das
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
H._
vom
8.
Dezember 2016 (vorstehend E. 4.8.1) und von
Dr.
I._
vom 2
2.
Dezember 2016 (vorstehend E. 4.8.2) ein.
Beide Gutachten wurden in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben und basieren auf eigenen Untersuchungen.
Was den somatischen Gesundheitszustand anbelangt, gelangte
Dr.
H._
zum nachvollziehbaren Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin bei bildgebend nach
gewiesenen strukturellen Veränderungen im Bereich der LWS sowie der linken Hüfte eine verminderte Belastbarkeit bestehe und sie auf LWS- und hüftscho
nende Tätigkeiten angewiesen sei. Für entsprechend angepasste Tätigkeiten attestierte
Dr.
H._
der Beschwerdeführerin eine zeitlich unbeschränkte A
rbeitsunfähigkeit, was mit Blick auf den von
Dr.
H._
beschriebenen weit
gehend unauffällig klinischen Befund (vgl.
Urk.
6/40 S. 43) zu
überzeugen ver
mag.
Dass
Dr.
H._
die Tätigkeit bei
Y._
als leidensangepasst wer
tete,
ist
angesichts
der Stellenbeschreibung durch die
Beschwerdeführer
in
(vgl.
Urk.
6/7 S.
2
Ziff.
2)
ebenfalls plausibel
.
6.2
Im psychiatrischen Gutachten
(
Urk.
6/43/1-49)
gelangte Prof.
I._
zum Schluss,
im Vordergrund des Störungsbildes stehe eine schwere Persönlichkeits
störung mit emotional-instabilen Anteilen vom
Borderline
Typus und histrioni
schen Anteilen (S. 46 oben).
Er führte aus, die psychiatrische Einordnung des Leidens und die Diagnosestellung sei
en
mittels aktueller Verhaltensbeobachtung sowie einer Längsschnittbeurteilung aufgrund des dokumentierten und des selbst erhobenen Psychostatus sowie der
bidisziplinären
telefonischen Besprechung erfolgt
(S. 40)
.
Im Psychostatus führte der Gutachter z
um Erscheinungsbild und Verhalten in der Begutachtungssituation aus, darüber habe er in der allgemeinen psychiatrischen Beschreibung (vgl. S. 28 ff.) bereits ausführlich berichtet (S. 37
unten). Betreffend
Persönlichkeit hielt er fest, klinisch fänden sich Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung mit emo
tional-instabilen Anteilen vom
B
orderline
-Typus und h
istrionischen Anteilen (S. 39).
Diese Ausführungen erweisen sich als zu dürftig, um die gestellte Diagnose prü
fend nachvollziehen zu können. Es fehlt an einer überzeugenden Herleitung der Diagnose.
In der
a
llgemeinen psychiatrischen Anamn
ese
und den Angaben zum aktuellen psychiatrischen Leiden
führte der Gutachter zwar
etwa
aus
, dass
die Beschwerdeführerin
zu Beginn der etwa dreistündigen
Explo
ration fassadenhaft aufgetreten sei
.
S
ie
habe
mit schriller, sehr lauter, fast schreiender Stimme gesprochen
und
unentwegt geredet, wobei sie
nie auf seine
Fragen geantw
orte
t habe. Sie habe stark gestikulier
t
, sich mit de
m Oberkörper auf den Schr
e
ibtisch des Gutachters gestützt und mitgelesen, was
dieser
in den Computer getippt habe.
Sie habe sich schnell angegriffen gefühlt und latent aggressiv reagiert.
Anderer
seits hielt der Gutachter
aber auch fest, dass die Beschwerdeführer
in
nach rund 70 Minuten Explorationszeit die Fassade aufgegeben habe und zu einem ernst
haf
ten Gespräch bereit gewesen sei
(S. 28 Mitte, S. 33
f.).
In der psychiatrischen
Vorgeschichte erwähnt werden
sodann auch das selbstverletzende Verhalten und die suizidalen Ideationen in der Vergangenheit (S.
33 Mitte)
.
Für den
Rechtsan
wender
ist jedoch nicht nachvollziehbar, w
ie beziehungsweise weshalb
diese Fest
stellungen mit der gestellten Diagnose zu vereinbaren sind.
Da auch die
behan
delnden
Ärzte
(vgl. vorstehend E. 4.6-7, E. 4.9)
eine
– im Unterschied zu Prof.
I._
allerdings nicht kombinierte -
Persönlichkeitsstörung
diagnostizierten, ist das Vorliegen einer solchen
zwar
nicht auszuschliessen. Eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte und entspre
chend dargelegte Diagnose (vgl. vorstehend E. 1.5) ist durch die
aufliegenden
medizinischen Akten
jedoch
nicht ausgew
i
e
sen
.
6.3
Des Weiteren muss auch die durch Prof.
I._
attestierte
vollständige
Arbeits
unfähigkeit
als nicht
hinreichend nachvollziehbar
begründet
taxiert
werden. D
ies insbesondere auch
deshalb, weil
die funktionellen Auswirkungen nicht anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281
E. 4.3.1
– E.
4.4.2
, welche gemäss BGE 143 V 418 grundsätzlich bei sämtlichen psychischen Erkrankungen zu beachten sind, schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden. Nachdem Prof.
I._
sein Gutachten
(
Urk.
6/43/1-49)
am 2
2.
Dezember 2016 und damit nach Ergehen von BGE 141 V 281 am
3.
Juni 2015 verfasste, finden sich darin zwar wohl Angaben
zu den beachtlichen Indikatoren (vgl. etwa die Angaben unter den Titeln «Konsistenz, Persönlichkeit und sozialer Kontext», «Diagnosen, Behandlung und Eingliederung», «Gesundheitsschaden und Arbeitsfähigkeit»; S. 44 ff.
, vgl. auch S. 4 oben
). Diese erweisen sich insgesamt aber als zu dürftig beziehungs
weise als nicht genug aussagekräftig.
So fehlt es bereits an hinreichenden Anga
ben zum funktionellen Schweregrad des Leidens. Prof.
I._
sprach zwar von einer schweren Persönlichkeitsstörung (S. 46 oben), legte jedoch die diagnosere
levanten Befunde
und deren Ausprägung nicht näher dar.
Hinsichtlich des sozi
alen Kontextes hielt der Gutachter einzig fest,
dass die Beschwerdeführerin einen Rückzug angebe und dass sie mit der extra aus Rumänien angereisten Schwester zum Untersuch gekommen sei, da sie sich den Weg alleine nicht zugetraut habe (S. 45 unten).
Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie in der Begutachtung nicht über ihren Ehemann reden dürfe und auch nicht sagen dürfe, ob die Beziehung gut oder schlecht sei, da der Anwalt ihres Ehemannes dies ver
boten habe (S. 31 oben), ist
allerdings
nicht auszuschliessen, dass auch
die Res
sourcen potentiell hemmende soziale Belastungen
im Raum stehen, die es bei der Beurteilung des sozialen Kontextes zu würdigen gilt. Dies umso mehr, als med.
pract
.
J._
in seinem Bericht vom
2
7.
August 2018 (
vorstehend E. 4.10) von
ausgeprägte
n
psychosoziale
n
Konfliktsituationen und rezidivierende Krisen in der Partnerschaft
berichtete. Die Beschwerdeführerin tri
fft hier eine Mitwirkungs
pflicht, indem sie die erforderlichen Angaben zu machen hat. Das Gleiche gilt in Bezug auf die von ihr verweigerten Angaben zum Tagesablauf (S. 36
Ziff.
2.3), welche eine wichtige Grundlage zur Beurteilung der Konsistenz bilden. Mangels entsprechender Angaben seitens der Beschwerdeführerin enthält die gutachterli
che Beurteilung (
zwangsläufig
) keine
Angaben dazu, wie es sich mit dem Aktivi
tätsniveau der Beschwerdeführerin verhält beziehungsweise ob dieses als in allen vergleichbaren Lebensbereichen gleichmässig eingeschränkt zu werten ist.
Prof.
I._
führte in diesem Zusammenhang zwar aus, dass er das Verhalten der Beschwerdeführerin, sich ständig provoziert und durch normale Fragen wie zum Beispiel zum Tagesablauf bereits persönlich angegriffen gefühlt und latent verbal aggressiv reagiert
zu
habe
n
, als krankheitsimmanent interpretiere (S. 45 unten).
A
nlässlich der am 2
0.
Juli 2017 durchgeführten Haushaltsabklärung war die Beschwerdeführerin allerdings durchaus bereit, Angaben zu ihrer Tagesstruktur und –
planung
zu machen (
Urk.
6/53 S. 2 oben, S. 5
f.). Dies wirft Fragen auf,
die
es zu klären gilt.
6.4
Damit ergibt sich, dass sich das
Gutachten von Prof.
I._
für eine abschlies
sende Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als unzulänglich erweist.
Auch die nach Ergehen des Gut
achtens erstatteten Berichte von med.
pract
.
J._
(vorstehend E. 4.9
– E.
10)
halten d
en Anforderungen an das rechtsprechungs
g
emäss geforderte strukturierte Beweisverfahren nicht stand.
6.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren
verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.6
Nach dem Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, weshalb sich nicht beurteilen lässt, ob bei der Beschwerdeführerin nach
Ablauf des Wartejahres
im Januar 2016
eine mindestens 40%i
ge Invalidität ein
getreten ist
. Die Sache ist daher an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit
sie
geeignete medizinische
Abklärungen
veranlasse
zur Beurteilung der Frage, wie es sich aus psychiatrischer Sicht mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in einer den
körpe
rlichen Leiden angepassten Täti
g
keit verhält, und
sie
hernach über den Rentenansp
ru
ch neu verfüge.
Sollte die Prüfung ergeben, dass bei der Beschwerdeführerin ein Anspruch auf eine Rente aus psychischen Gründen besteht, wird die Beschwerdegegnerin auch über den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung erneut zu befinden haben (vgl.
Art.
38
Abs.
2
der
Ver
ordnung über die Invalidenversicherung
, IVV
).
In diesem Sinne ist die Beschwerde in Aufhebung der angefochtenen Verfügun
gen gutzuheissen.
7.
Hinsichtlich der
für die Wahl der Bemessungsmethode massgeblichen
Qualifika
tion der Beschwerdeführerin bleibt
Folgendes zu bemerken:
Im Haushaltabklä
rungsbericht
vom 2
5.
September 2017 (
Urk.
6/53) qualifizierte die Abklärungs
person die Beschwerdeführerin als zu 60
%
im Erwerb und zu 40
%
im Haushalt Tätige. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin habe in den vergangenen Jahren phasenweise für die Kinder des Ehemannes gesorgt, den Haushalt bewältigt und verschiedene Teilzeitjobs ausgeführt. Da die Kinder des Ehemannes mittlerweile erwachsen seien, habe sie sich um auswärtige Arbeitsstellen bemüht. Dies sei ihr gelungen und sie habe bei zwei verschiedenen Arbeitgebern jeweils Teilzeit gearbeitet. Beide Arbeitsstellen zusammen hätten ein Arbeitspensum von 60.3
%
ergeben. Die restliche Zeit habe sich die Beschwerdeführerin um den Haushalt sowie die Hundebetreuung gekümmert (S. 3
Ziff.
2.6,
Ziff.
2.6.1).
Ausweislich der Akten war die Beschwerdeführerin ab Juli 2014 im Stundenlohn bei
Y._
angestellt (
Urk.
6/85
/2). Gemäss Arbeitgeberbericht belief sich
die Arbeitszeit zwischen Juli und Dezember 2014 durchschnittlich auf 19.6 Stun
den pro
Woche
(
Urk.
6/13
Ziff.
2.9).
Anlässlich des Standortgespräch
s
vom 2
2.
Juli 2015
gab
die Beschwerdeführerin an
,
zuletzt
als Verkäuferin bei
Y._
und im Nebenjob als Büroreinigungskraft
gearbeitet zu haben
. I
hr Arbeitspensum
habe
sich auf 50
%
bis 80
%
belaufen
(
Urk.
6/7 S. 2 Mitte)
.
Im Gutachten von
Dr.
H._
ist
sodann
zu lesen, dass die Beschwerdeführerin
eig
e
nen Angaben zufolge das
Pensum bei der
Y._
krankheitsbedingt von 1
00
%
auf 50
%
reduziert habe
(
Urk.
6/43/32 unten)
, was sich
anhand der
aufliegenden
Akten
aber
nicht überprüfen lässt
.
Immerhin ist eine
Bewerbung
der Beschwerdeführerin
vom
2
5.
Februar 2014
aktenkundig
,
aus der hervorgeht
,
dass
sie sich
für eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle
bei einem Cateringunternehmen bew
orben hatte
(
Urk.
6/41/8). Vor diesem Hintergrund vermag die von der Abklärungsperson bei der Festlegung des Status angeführte Begründung nicht restlos zu überzeugen und wird die Beschwerdegegnerin für den Fall,
dass eine Invaliditätsbemessung vorzunehmen
ist
, auch die Statusfrage noch einmal zu überprüfen
haben.
8.
8.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
8
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung d
i
e
se
r Kriterien und bei einem praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die von der Beschwerdegegnerin zu bezahlende Prozessentschädigung auf
Fr.
3’
3
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.