Decision ID: f93f50d3-b4c3-4adb-a324-5c6a79502bc6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 198
3 geborene X._
war
vom 1
5.
September 2015 bis 30. April 2018 bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
8/2/3).
Mit Gesuch vom 2
3.
Juli 2018 (
Urk.
8/2/1-5) beantragte sie eine Anerkennung als
Selbständig
erwerbende
in der Branche Beratung & Coaching. Im Sinne einer Teil
anerkennung des Antrags schloss
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
, sie mit Mitteilung vom 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
8/12) ihrer Kasse grundsätzlich als
Selbständigerwerbende
an. Bezüglich ihrer Tätigkeit für die
Y._
AG ab
1.
Mai 2018 wies sie das Gesuch hingegen mit Ver
fügung v
om
1.
März
2019 (
Urk.
8/
32
)
ab. Die gegen die Verfügung
erhobene Ein
sprache vom
3.
April
2019 (
Urk.
8/
36
)
wies die Ausgleichskasse mit
E
ntscheid vom 1
4.
August 2
020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
4.
September 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
ihr Status als selbständige Person zu anerkennen (S. 2)
. Am
1
3.
November 2020
beantragte die
Ausgleichskasse
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
7
)
. Mit Ver
fügung vom 1
9.
April 2021 (
Urk.
11) lud das hiesige Gericht die
Y._
AG zum Prozess bei. Die Beigeladene liess sich innert angesetzter Frist nicht ver
nehmen,
was
den Parteien
mit Verfügung vom
1
8.
Mai 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit,
massgebender
Lohn genannt, werden paritätische Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge erhoben (
Art.
5 Abs. 1 und
Art.
13
des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und
Hinter
lassenenversicherung
, AHVG
). Als
massgebender
Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (
Art.
5
Abs.
2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des
Selbständigerwerbenden
erhoben (
Art.
8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (
Art.
9 Abs. 1 AHVG).
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur
des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen da
bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 146 V 139 E. 3.1 mit Hinweis).
1.2
Selbständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall dann vor, wenn die beitrags
pflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selbst
organisation und nach
aussen
sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten wird (BGE 115 V 161 E. 9a mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäftigung von eigenem Personal charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat. Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in eigenem Namen, ohne indessen von diesen abhängig zu sein.
Massgebend
ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von mehreren Auftraggebern anzunehmen, sondern die tatsächliche Auftragslage (BGE 122 V 169 E. 3c mit Hinweisen).
Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeits
vertrag typischen Merkmale vorliegen, das heisst wenn die versicherte Person Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich von der oder dem «
Arbeitgebenden
» abhängig ist und während der Arbeitszeit auch im Betrieb der oder des
Arbeit
gebenden
eingeordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Not
wendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das
Angewiesensein
auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko der versicherten Person erschöpft sich
diesfalls
in der (alleinigen) Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation ein
tritt, wie dies beim Stellenverlust von
Arbeitnehmenden
der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c mit Hinweisen). Die Abhängigkeit der eigenen Existenz vom
persönlichen Arbeitserfolg ist praxisgemäss nur dann als Risiko einer
selbständigerwerbenden
Person zu werten, wenn beträchtliche Investitionen zu tätigen oder Angestelltenlöhne zu bezahlen sind (BGE 119 V 161 E. 3b). Hervor
zuheben ist, dass sich die Frage nach der Arbeitnehmereigenschaft regelmässig nach der äusseren Erscheinungsform wirtschaftlicher Sachverhalte und nicht nach allfällig davon abweichenden internen Vereinbarungen der Beteiligten beurteilt, was jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu geschehen hat. Entscheidend ist dabei, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungs
verhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vor
liegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_790/2018 vom 8. Mai 2019 E. 3.2 mit Hin
weis).
1.
3
Fachleute, die einmalig oder wiederholt als Berater zur Lösung von bereichs
spezifischen oder organisatorischen Problemen hinzugezogen werden, ohne ein
deutig in einem Arbeitsverhältnis zum Auftraggeber zu stehen,
gelten
regelmässig
als
selbständigerwerbende
Personen (BGE 110 V 72 E. 4b; Urteil des Bundes
gerichts H
102/06 vom 26.
April 2007 E. 6.4 mit Hinweisen, in: SVR 2007 AHV Nr. 12 S.
32). Da für diese typische Dienstleistungstätigkeit häufig keine besonderen Investitionen anfallen, tritt das Unternehmerrisiko als eines der
praxisgemäss
heranzuziehenden Unterscheidungsmerkmale für die Abgrenzung der selbständigen von der unselbständigen Erwerbstätigkeit in den Hintergrund. Mehr Gewicht erhält dagegen die Frage der betriebswirtschaftlich-arbeits
organisatorischen Abhängigkeit (BGE 144 V 111 E.
6.2.2 mit Hinweisen). Eine unabhängige Stellung ist oft unabdingbar, damit die mit der Beratertätigkeit ver
bundenen Ziele erfüllt werden können. Immer sind die tatsächlichen wirtschaft
lichen Gegebenheiten
massgebend
; die Natur der vertraglichen Rechtsbeziehungen zwischen den Parteien ist lediglich ein Indiz für die beitrags
rechtliche Qualifikation, hat als solches aber keine ausschlaggebende Bedeutung (BGE 123 V 161 E. 1; 122 V 171 E. 3a; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts H 7/03 vom 30. April 2004 E. 3.1, in: SVR 2005 AHV Nr. 3 S. 7).
Nach dem Gesagten erfordert die Beratungstätigkeit von ihrer Natur her meist die Unabhängigkeit vom beratenen Betrieb. Unternehmensberaterinnen und -berater gelten daher regelmässig soweit als
Selbständigerwerbende
, als nicht ein ein
deutiges arbeitsorganisatorisches Abhängigkeitsverhältnis erkennbar ist (in diesem Sinne auch
Rz
4075 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozial
versicherungen [BSV] über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML]; Urteil des Bundesgerichts 9C_589/2019 vom 2. März 2020 E. 3.3).
1.4
Für Beitragspflichtige, welche mehrere Erwerbstätigkeiten ausüben, sieht das Ge
setz keine Gesamtbeurteilung ihrer erwerblichen Aktivitäten nach
Massgabe
der
wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Betätigungen vor. Vielmehr ist nach der in Art. 5 und 9 AHVG verwirklichten Konzeption der strikten Unterscheidung von unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit jedes Einkommen dahin zu prüfen, ob es aus selbständiger oder unselbständiger Tätigkeit stammt. Die Tatsache, dass ein Beitragspflichtiger bereits einer Ausgleichskasse als
Selbstän
digerwerbender
angeschlossen ist, hat daher für die Qualifikation eines Entgelts AHV-rechtlich keine Bedeutung. Ebenso wenig vermag umgekehrt die Tatsache, dass ein Beitragspflichtiger bereits mit einer Ausgleichskasse als
Unselbständig
erwerbender
abrechnet, die beitragsrechtliche Qualifikation des Einkommens aus einer weiteren Tätigkeit zu präjudizieren (BGE 123 V 167 E. 4a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
ein Dreiecksverhältnis bestehe, wenn die
Beschwerdeführerin
für den Kunden der Beigeladenen tätig sei, jedoch nicht direkt mit diesem abrechne. Des Weiteren sei der Vertrag unbefristet und es bestehe ein Konkurrenzverbot (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
sie sei bis 1
3.
April 2018 als COO/stellvertretende Geschäftsführerin bei der Bei
geladenen tätig gewesen. Bereits ab dem
1.
Februar 2018 habe sie eine selbständige Tätigkeit aufgenommen. Sie habe diverse Projekte für diverse Auf
traggeber durchgeführt, unter anderem für die Beigeladene.
Aus dem «
Freelance
Working
Contract
» vom
1.
Mai 2018 gehe hervor, dass sie als Auftragnehmerin nicht in die Arbeitsorganisation der Beigeladenen eingegliedert sei. Es handle sich dabei vielmehr um ein einzelnes Projekt mit einem klar abgesteckten Arbeits
gebiet
. Das Projekt habe einen Website-Relaunch der Universität
Z._
betroffen. Sie sei mit eigener E-Mail-Adresse und eigener
Videocall
-Infrastruktur als externe selbständige Projektleiterin gegenüber der Kundin der Beigeladenen, der Universität
Z._
, aufgetreten. Aus der Gegenüberstellung ihrer - näher dargelegten - Aufgabenbereiche
als Auftragnehmerin der Beigeladenen mit den
jenigen als Angestellte der Beigeladenen
in der V
ergangenheit würden die komplett unterschiedlichen Funktionen und auch die komplett unterschiedliche Art der Tätigkeit klar hervorgehen
(S. 3
-
6
).
Neben diesem Projekt für die Bei
geladene habe sie auch andere Projekte ausgeführt, so etwa für die Universität
Z._
, mit welcher sie direkt abgerechnet habe. Bereits die Tatsache, dass sie zeitgleich für die Beigeladene und für die Universität
Z._
tätig gewesen sei, zeige auf, dass kein arbeitsrechtliches Verhältnis vorliegen könne. Kein
Arbeitgeber würde seiner Arbeitnehmerin erlauben, ausserhalb des Arbeits
vertrages direkt mit dem Kunden zu
«
geschäften
»
. Bei sämtlichen Tätigkeiten habe sie das spezifische Unternehmerrisiko getragen.
Es sei bei solchen Verträgen die Regel, dass diese nicht zeitlich befristet seien, sondern dass der Vertrag bei Beendigung des Projektes erfüllt sei. Dies könne naturgemäss nicht auf den Tag genau festgelegt werden. Der Umstand, dass der Vertrag unbefristet sei, sei damit kein rechtlich stichhaltiges Argument. Ein arbeitsrechtliches Konkurrenzverbot gebe es schliesslich nicht, wäre es ihr doch ansonsten kaum möglich gewesen, Aufträge anderer Institutionen anzunehmen und insbesondere auch für die Uni
versität
Z._
tätig zu sein
.
Zusammenfassend sei erstellt, dass sie selbständig tätig sei (S. 6-8
)
.
Die
Beschwerdegegnerin
habe den Standpunkt der
Beschwerdeführerin
zu keinem Zeitpunkt geprüft und sei auf ihre Ausführungen im
Einspracheverfahren
nicht eingegangen
.
Dadurch sei ihr rechtliches G
ehör verletzt worden (S. 4 und S. 7).
3.
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
äusserst kurz und mit denselben Argumenten wie in der Verfügung vom
1.
März 2019 (
Urk.
8/32). Auf die Einwendungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
8/36 und insbesondere
Urk.
8/27) ging sie mit keinem Wort ein. Zu Recht machte die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs geltend.
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern
, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus
im Sinne einer Heilung des Mangels
selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
Nachdem die Beschwerdeführerin sich im vorliegenden Verfahren umfassend äussern kann und keine Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz
beantragte, rechtfertigt
es
sich aus prozessökonomischen Gründen, von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Gehörsgewäh
rung abzusehen.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin war vom 1
5.
September 2015 bis 30. April 2018 als COO/stellvertretende Geschäftsführerin bei der
Beigeladenen
angestellt (vgl.
Urk.
8/2/3
und
Urk.
1 S. 4
). Dabei war sie nach eigenen Angaben unter anderem für die Rekrutierung und Führung von Mitarbeitenden verantwortlich, arbeitete im Verkaufsprozess mit und pflegte Kundenbeziehungen. G
emäss Auszug aus dem Handelsregister
war sie ab
8.
März 2018 Inhab
erin des Einzelunternehmens A._.
Zweck des Einzelunternehmens war unter anderem Beratung, Coachings und Trainings für Unternehmen und Organisationen im Bereich Leadership, Management, Digital Konzeption, Design, Entwicklung und Betrieb von digitalen Services und Produkten wie beispielsweise Webseiten.
In dieser Fun
ktion arbeitete sie ab 1. Mai 2018 mit verschiedenen Kunden zusammen, so unter anderem während maximal 10 Stunden pro Woche mit der Beigeladenen.
Die
se
Zusammenarbeit betraf ein
Website-
Relaunchprojekt
der Universität
Z._
,
bei
welchem
die Beschwerdeführerin für die tech
nische Projektleitung und Konzeption zuständig war (Urk. 8/2/11 und 16).
4.2
Der Aspekt des Unternehmerrisikos ist für die vorliegend umstrittene Qualifika
tion der Erwerbstätigkeit nicht ausschlaggebend, steht doch mit Coaching und Beratung eine Tätigkeit im Dienstleistungsbereich in Frage, welche ihrer Natur nach nicht notwendigerweise bedeutende Investitionen (etwa in die Infra
struktur oder personelle Mittel) erfordert. In solchen Fällen kommt der arbeits
or
ganisatorischen und betriebswirtschaftlichen Abhängigkeit vom Auftrag- oder Arbeitgeber beziehungsweise der Frage, ob eine arbeitsorganisatorische Integra
tion in deren Betrieb besteht, entscheidende Bedeutung zu (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_708/2015 vom 11. Juli 2016 E. 5.1.1 mit Hinweisen
sowie E. 1.3 hiervor
).
4.3
4.3.1
Die Beschwerdeführerin und die Beigeladene
schlossen
am
1.
Mai 2018 einen «
Freelance
Working
Contract
» (
Urk.
8/2/13-15). Darin ist unter anderem fest
gehalten, dass die Beschwerdeführerin für ihre Tätigkeit mit
Fr.
150.-- pro Stunde entschädigt wird, wobei
d
ie Zahlungen der Beigeladenen monatlich nach erfolg
ter Rechnungsstellung durch die Beschwerdeführerin
erfolgen
. Der Vertrag ist unbefristet und jederzeit mit einer einmonatigen Frist kündbar. Wie bereits in E. 1.1 ausgeführt, ist die zivilrechtliche Qualifikation dieses Vertrages für die streitgegenständliche Frage, ob eine selbständige oder unselb
ständige Erwerbs
tätigkeit im Sinne des Sozialversicherungsrechts vorliegt, nicht ausschlaggebend; gewisse Hinweise lassen sich daraus erfahrungsgemäss aber doch gewinnen.
4.3.2
In obligationenrechtlicher Hinsicht ist
der
«
Freelance
Working
Contract
» als Auf
trag im Sinne von Art. 394 ff.
des
Bundesgesetz
es
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR)
zu qualifizieren und nicht als Arbeitsvertrag im Sinne von Art. 319 ff. OR. Zwar widerspricht die Vereinbarung einer
ein
monatigen Kündigungsfrist der zwingenden Bestimmung von Art. 404 Abs. 1 OR. Dadurch wird die Vereinbarung allerdings nicht in einen Arbeitsvertrag umgewandelt;
vielmehr ist die verein
barte Kündigungsfrist als ungültig anzusehen. Ent
scheidend für die zivilrecht
liche Qualifikation als Auftrag und nicht als Arbeits
vertrag ist hingegen, dass sich
dem Vertrag
nicht die geringsten Angaben betreffend ein
zuhaltende Arbeitszeiten (Arbeitsbeginn, Arbeitsende, Arbeitszeiten, Arbeitstage, Anzahl der Arbeits
stunden und dergleichen) entnehmen lassen. Auch finden sich keine Regelungen betreffend Ferien
und es wurde ke
ine Probezeit vereinbart. Einen
Fixlohn
erhält
die
Beschwerdeführer
in
nicht,
bezüglich einer Lohnfortzahlungspflicht
im Ver
hinderungsfall (Krankheit, Unfall oder dergleichen) ist nicht
s
geregelt
, für den Abschluss
von
Sozialversicherung
sverträg
en ist die Beschwerdeführerin selbst verantwortlich
. Für ein Arbeitsverhältnis vollkommen untypisch wäre zudem, dass die Lohnzahlung erst nach Rechnungstellung durch
die
Ar
beitnehmer
in
er
folgt. Bei einem Auftrag ist es
aber
die Regel, dass
die
Beauftragte
- wie vor
liegend -
der
Auftraggeber
in
Rechnung stellt.
4.3.3
Im
«
Freelance
Working
Contract
» ist zwar weiter festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
während der Vertragsdauer keine Arbeit gegen
Entgelt für einen Dritten leisten darf, soweit sie dadurch ihre Treuepflicht verletzt ode
r ins
besondere die Beigeladene
konkurrenziert
. Diese Sorgfalts- und Treuepflicht ent
spricht jedoch nicht einem Konkurrenzverbot im Sinne
von
Art.
340 ff.
OR
,
be
trifft ein solches doch Vereinbarungen über das Verhalten des Arbeitnehmers nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Die Beschwerdeführerin wies zu Recht darauf hin (
Urk.
1 S. 7), dass
auch
Selbständigerwerbende
, die im Rahmen eines Auftrages tätig werden, (auftragsrechtliche) Sorgfalts- und Treuepflichten zu beachten
haben
(vgl. Art. 398 OR)
. Ohnehin
entspräche ein Konkurrenzverbot
nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten, pflegt die Beschwerde
führerin doch mit verschiedenen anderen Kunden Geschäftsbeziehungen ohne dass ersichtlich wäre, dass die Beigeladene dagegen opponiert hätte. Insbesondere berät die Beschwerdeführerin die Universität
Z._
nicht nur im Rahmen des Projekts mit der Beigeladenen, sondern in einer weiteren Zusammenarbeit auch direkt (vgl. etwa Rechnungsstellung vom 1. Juni 2018 an die Universität
Z._
,
Urk.
8/2/26-27). Dies wäre mit einem tatsächlich gelebten
Konkurrenz
verbot nicht möglich.
Die diesbezügliche
Vereinbarung
zwischen der
Beschwerdeführerin und der Beigeladenen
ist demnach
für die beitragsrechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin unbeachtlich.
4.
4
4.4.1
Die Beschwerdeführerin ist wie bereits dargelegt als Inhaberin ihrer Einzelunter
nehmung im Handelsregister eingetragen, betreibt eine eigene
Homepage
,
hat eigene Büroräumlichkeiten gemietet (Urk. 8/2/10), kann
unter
privater Telefonnummer und E-Mail kontaktiert werden
und rechnet auf Briefpapier ihrer Unternehmung über ihr Geschäftskonto mit der Beigeladenen
und anderen Kunden
ab (
Urk.
8/
2/
25-45).
Au
f der Homepage der Beigeladenen
tritt sie hingegen nicht in Erscheinung.
Die Beschwerdeführerin ist völlig frei, wann und wo sie ihrer Tätig
keit für die Beigeladene nachkommen möchte
.
A
us den Akten
ergeben sich zudem
keine Anhaltspunkte dafür, dass ein nennenswertes Weisungsrecht bestan
den und die Beigeladene auf die Arbeitsgestaltung Einfluss ge
nommen hätte
.
Eine rechts
erhebliche Einbindung in den Betrieb der Beigeladenen und somit eine arbeits
organisatorische Abhängigkeit ist nicht auszumachen und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht behauptet. Vielmehr tritt die Beschwerdeführerin
nach
aussen
sichtbar im eigenen Namen in E
rscheinung
.
Auch e
in erhebliches wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis von der Beigeladenen ist
nicht erkenn
bar
, ist die Beschwerdeführerin doch in einem maximal 25
%
-
Pensum (höchstens 10 Stunden pro Woche,
Urk.
8/2/16) für diese tätig und arbeitet auch mit
anderen
Kunden zusammen
.
Dass mit dem Dahinfallen dieser Arbeitsquelle eine ähnliche Situation eintreten würde wie beim Stellenver
lust eines Arbeitnehmers (BGE 119 V 163 E. 3b), was für eine unselbständige Tätigkeit sprechen würde,
ist damit nicht
ersichtlich
.
4.4.2
Aus dem Umstand, dass die Beigeladene die ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin ist, kann nicht auf eine weiterhin bestehende unselbständige Tätigkeit geschlossen werden, betraf die vormalige Anstellung bei der Beigeladenen doch ein völlig anderes Tätigkeitsfeld - COO/Personalverantwortung - als die jetzige Zusammenarbeit, bei welcher sie für die Projektleitung bezüglich eines Website-Relaunchs einer Kundin der Beigeladenen verantwortlich ist. Ob es sich bei diesem Projekt um die Website der Beigeladenen oder einer Kundin der Beigeladenen und
somit
um ein
gemäss
Beschwerdegegnerin Dreiecksverhältnis handelt, ist
irrelevant.
4
.
5
Zusammenfassend ist eine arbeitsorganisatorische Integration in den Betrieb der Beigeladenen nicht erstellt und das ausschlaggebende Kriterium des arbeits
or
ga
nisatorischen und betriebswirtschaftlichen
Abhängigkeitsverhältnisses nicht er
füllt
. Aus diesem Grund sowie mit Blick auf den Umstand, dass die
Be
schwer
de
führerin
nach
aussen
sichtbar im eigenen Namen am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt
, ist sie
in Bezug auf ihre Tätigkeit für die Beigeladene
als selbständig erwerbstätig zu qualifizieren.
Die Beschwerde ist damit gutzuheissen.
5
.
Der Beschwerdeführerin steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung
zu, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g des
Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
in Verbindung mit § 34 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen auf Fr. 1'900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.