Decision ID: c56914a9-1de9-5fc7-a884-a4da51dc9afb
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte – zusammen mit seiner (Nennung Ver-
wandte) – erstmals am (...) um Asyl in der Schweiz nach. Mit Verfügung
vom 6. Dezember 2012 trat die Vorinstanz in Anwendung von aArt. 34 Abs.
2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf diese
Asylgesuche nicht ein und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz nach
Belgien. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts D-6596/2012 vom 21. Dezember 2012
abgewiesen.
In der Folge kehrte der Beschwerdeführer freiwillig in den Iran zurück.
B.
B.a Am (...) suchte der Beschwerdeführer erneut um Asyl in der Schweiz
nach. Am 4. Dezember 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt.
Am 20. November 2019 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgrün-
den angehört.
Zur Begründung seines Gesuchs brachte der aus B._ stammende
Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe (Nennung Schulbildung).
Nachdem ihm seine (Nennung Verwandte) von einer neu gegründeten Be-
wegung namens C._ erzählt habe, habe er im Internet über diese
Bewegung und auch über andere politische Themen recherchiert. Das Ziel
(...) dieser Organisation sei es gewesen, (Nennung Ziel). Da ihm
C._ vertrauenswürdig erschienen sei, sei er dieser Organisation am
(Nennung Zeitpunkt) beigetreten und habe zusammen mit seiner (Nen-
nung Verwandte) begonnen, sich im Namen der Bewegung politisch zu en-
gagieren. Dabei hätten sie (Nennung Tätigkeiten) und sich dabei von sei-
nem (Nennung Verwandter) (dem Ehemann seiner [Nennung Verwandte])
in den Tagen vom (...) bis (...) filmen lassen. Das Filmmaterial hätten sie in
der Folge C._ zukommen lassen. Weiter hätten sie Flyers mit Slo-
gans dieser Gruppierung verteilt. Entsprechende Videoaufnahmen seien
auf (Nennung soziale Medien) veröffentlicht worden, wobei auf den veröf-
fentlichten Videos ihre Gesichter aus Sicherheitsgründen nicht zu sehen
seien. Sein (Nennung Verwandter) habe das alte Mobiltelefon seiner (Nen-
nung Verwandte) einem Arbeitskollegen (...) geschenkt. Dieser habe das
Telefon reparieren lassen und dabei eine (Nennung Identifikation) benötigt.
Seine (Nennung Verwandte) habe sich am besagten Telefon mit ihrer (Nen-
nung Identifikation) eingeloggt. Da der erwähnte Arbeitskollege die (Nen-
nung Identifikation) seiner (Nennung Verwandte) weiterhin verwendet
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habe, habe dieser alle Aufnahmen seiner (Nennung Verwandte), darunter
auch diejenigen der politischen Aktivitäten, sehen können. Diese Person
sei daraufhin bei seiner (Nennung Verwandte) zu Hause vorstellig gewor-
den und habe sie mit den Aufnahmen zu erpressen versucht, indem er sie
zu sexuellen Handlungen aufgefordert habe. Seine (Nennung Verwandte)
habe sich jedoch geweigert und die Flucht ergriffen. Nachdem sein (Nen-
nung Verwandter), der sich beruflich in einer anderen Stadt aufgehalten
habe, nach Hause zurückgekehrt sei, habe dieser die dort aufbewahrten
(Nennung Material) der C._ vernichtet. Kurze Zeit später sei (Nen-
nung Verwandter) durch Angehörige des iranischen Geheimdienstes ("Et-
telaat") verhaftet worden. Er (Beschwerdeführer) habe daraufhin realisiert,
dass seine Aktivitäten und auch seine Identität den Behörden zur Kenntnis
gelangt sei. Gleich im Anschluss an die Verhaftung von (Nennung Ver-
wandter) habe er zusammen mit seiner (Nennung Verwandte) und seinem
(Nennung Verwandter) den Iran am (...) verlassen. Zwei Tage nach seiner
Ausreise hätten Beamte des Geheimdienstes bei ihm zuhause eine Haus-
durchsuchung durchgeführt, wobei (Nennung Material) beschlagnahmt
worden seien. (...) Aus Zeitmangel und weil er in jenem Moment seine Lage
noch nicht so ernst eingestuft habe, habe er diese Unterlagen bei seiner
Flucht nicht mitgenommen und auch nicht vernichtet. Deshalb befürchte er
behördliche Probleme bei einer Rückkehr in den Iran. (Nennung Verwand-
ter) sei ein paar Tage nach ihrer Ausreise mangels Beweisen wieder frei-
gekommen, jedoch vom Arbeitgeber entlassen worden.
Ferner sei er (Beschwerdeführer) in der Schweiz exilpolitisch tätig. So
(Nennung Tätigkeiten).
Der Beschwerdeführer reichte mehrere Beweismittel (Aufzählung Beweis-
mittel) zu den Akten.
B.b Die zusammen mit dem Beschwerdeführer eingereisten (Nennung
Verwandte) (ebenfalls N [...] reichten am [...] ([Nennung Verwandter]) und
am (...) ([Nennung Verwandte]) Asylgesuche in der Schweiz ein.
C.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylge-
such ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
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D.
Mit Eingabe vom 30. November 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben,
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren,
eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen, subeventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhalts-
abklärung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als unentgeltlicher
Rechtsbeistand. Ferner sei sein Verfahren mit denjenigen seines (Nen-
nung Verwandter) (Geschäfts-Nr. D-6025/2020) und seiner (Nennung Ver-
wandte) (Geschäfts-Nr. D-6028/2020) zu vereinigen oder zumindest zu ko-
ordinieren.
Seiner Eingabe legte er (Aufzählung Beweismittel) bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2020 hiess die Instruktionsrich-
terin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
um amtlichen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt
Urs Ebnöther als amtlichen Rechtsbeistand bei. Den Antrag auf Vereini-
gung oder Koordination der Beschwerdeverfahren D-6025/2020,
D-6026/2020 und D-6028/2020 hiess sie insoweit gut, als alle drei Verfah-
ren vom Bundesverwaltungsgericht durch den gleichen Spruchkörper und
zeitlich soweit möglich koordiniert behandelt würden.
F.
Das SEM liess sich innert erstreckter Frist am 11. Januar 2021 zur Be-
schwerde vernehmen.
G.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Schreiben vom 5. Februar 2021.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
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4.
4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Voraussetzun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand.
Der Beschwerdeführer habe in seinem freien Bericht zu den Asylgründen
einigermassen ausführlich über den Umstand, dass sein (Nennung Ver-
wandter) einem Arbeitskollegen das alte Mobiltelefon seiner (Nennung Ver-
wandte) gegeben habe, seine (Nennung Verwandte) von diesem Arbeits-
kollegen aufgesucht und sein (Nennung Verwandter) in der Folge verhaftet
worden sei, berichtet. Bei allen drei Ereignissen sei er nicht zugegen ge-
wesen. Hingegen habe er auf zahlreiche Fragen zu seinen eigenen politi-
schen Aktivitäten im Iran nur vage und allgemeine Aussagen gemacht. Er
habe nicht überzeugend zu erklären vermocht, wie er in nur wenigen Tagen
den Entschluss gefasst habe, sich für eine ihm zuvor unbekannte Gruppie-
rung einzusetzen und politisch aktiv zu werden. Auf Nachfrage zu den kon-
kreten Aktivitäten im Iran habe er auf das Gesagte verwiesen und dieses
wiederholt. Auf weitere Nachfragen zur Vorgehensweise habe er wiederum
nur sehr allgemein erzählt und wiederholt, dass er (Nennung Tätigkeiten).
Nennenswerte Sicherheitsvorkehrungen habe er nicht genannt und auch
die Ausführungen zu (Nennung Tätigkeit) seien – wie die übrigen Angaben
zu den konkreten Aktivitäten im Iran – nicht von Realkennzeichen wie der
Wiedergabe von Gesprächen, der Schilderung von Nebensächlichkeiten,
Komplikationsschilderungen und eigenen Gedankengängen geprägt. Im
Vergleich dazu falle auf, dass der Beschwerdeführer auf Nachfrage über
die Ereignisse im Zusammenhang mit seiner (Nennung Verwandte) aus-
führlicher berichtet habe. Es wäre daher von ihm zu erwarten gewesen,
über seine politischen Tätigkeiten detailliertere Angaben zu machen. Auf-
grund der unsubstanziierten Angaben könne ihm daher sein politisches En-
gagement im Iran nicht geglaubt werden.
Die von ihm ins Recht gelegten Bild- und Videoaufnahmen des (Nennung
Verwandter), welche ihn und seine (Nennung Verwandte) beim (Nennung
Tätigkeit) zeigen würden, seien als Beweismittel untauglich. Entweder
seien die gefilmten Personen nicht eindeutig identifizierbar oder der Ort
des Geschehens sei nicht erkennbar. Die (Nennung Beweismittel), gemäss
welcher die Organisation Videoaufnahmen von ihm erhalten habe, die ihn
bei seinen Aktivitäten gegen die iranische Regierung zeigten, sei nach dem
Gesagten als Gefälligkeitsschreiben zu werten. Auch die Auszüge aus dem
(Nennung Chat-Dienst) und der Text neben dem Profilbild seiner (Nennung
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Verwandte) seien als nicht beweiskräftig zu erachten, zumal der besagte
Text ebenfalls als Gefälligkeit seiner (Nennung Verwandte) zu werten sei
und die erwähnten Auszüge die vorgebrachten politischen Aktivitäten im
Iran nicht zu beweisen vermöchten. Weiter sei nicht nachvollziehbar, dass
der Beschwerdeführer im Wissen um die Fahndung nach seiner (Nennung
Verwandte) sich nicht darum bemüht habe, das bei ihm zuhause lagernde
belastende Material zu vernichten oder seine (Nennung Verwandte) damit
zu beauftragen. Da er abgesehen davon sein politisches Engagement nicht
glaubhaft machen könne, sei nicht davon auszugehen, dass allfällig be-
schlagnahmtes Material ihn diesbezüglich belasten würde. Es liege die
Vermutung nahe, dass die Hausdurchsuchung nicht aufgrund einer gegen
ihn aus den geltend gemachten Gründen gerichteten Verfolgung stattge-
funden habe. Im Übrigen stelle die legale Ausreise aus dem Iran ein weite-
res Indiz gegen eine behördliche Verfolgung dar.
Zum exilpolitischen Engagement sei festzuhalten, dass sich aus den Be-
weismitteln offenkundig kein derart herausragendes Profil ergebe, welches
ihn als konkrete Bedrohung für das iranische Regime erscheinen liesse.
Zudem bestünden keine Anhaltspunkte für deswegen im Iran gegen ihn
eingeleitete behördliche Massnahmen. Die niederschwelligen exilpoliti-
schen Aktivitäten seines (Nennung Verwandter) seien nicht geeignet, diese
Einschätzung umzustossen. Auch die Asylvorbringen seiner (Nennung Ver-
wandte) vermöchten keine gegen ihn gerichtete Verfolgung zu begründen.
Gemäss Aktenlage seien die im ersten Asylverfahren von seiner (Nennung
Verwandte) vorgebrachten Probleme nicht mehr aktuell. Sodann seien
keine Anhaltspunkte erkennbar, dass er aufgrund allfälliger politischer Ak-
tivitäten seiner (Nennung Verwandte) eine Reflexverfolgung zu befürchten
hätte. Die Tatsache, dass diese in D._ als Flüchtling anerkannt wor-
den sei, ändere daran nichts, zumal daraus nicht auf eine gegen ihn ge-
richtete Verfolgung zu schliessen sei.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerdeschrift, er habe
sich bereits längere Zeit, mithin schon bevor ihn seine (Nennung Ver-
wandte) auf C._ aufmerksam gemacht habe, für (andere) politische
Themen interessiert, was auch sein (Nennung Verwandter) bestätigt habe.
Mit C._ habe er erstmals eine Gruppierung erkannt, mit welcher er
sich identifizieren und seinem Alter entsprechend habe engagieren kön-
nen. Der Vorhalt, er habe seine politischen Aktivitäten nur vage und allge-
mein beschreiben können, sei unzutreffend. Er habe in den Befragungen
seine Aktionen detailliert und nachvollziehbar geschildert. Er habe entge-
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gen der vorinstanzlichen Auffassung seine Gedankengänge und Überle-
gungen geäussert, indem er angegeben habe, erstmals einigen regimekri-
tisch eingestellten Klassenkameraden von C._ erzählt zu haben. Er
habe in diesen Personen Potential gesehen und sein Menschenverstand
hätte es ihm nicht erlaubt, anderen Personen davon zu erzählen. Zudem
sei in seinen Handlungen eine Steigerung erkennbar. So sei er zu Beginn
niederschwellig aktiv gewesen, habe andere Leute geworben und (Nen-
nung Gegenstände) beschriftet; mit der Zeit sei er dann stärker aktiv ge-
worden und habe sich auf der Strasse engagiert. Die durchgeführten Akti-
onen habe er genau und authentisch beschrieben, welche von seinem
(Nennung Verwandter) übereinstimmend bestätigt würden und sich mit den
im Recht liegenden Video- und Bilddateien decke. Insoweit sei der Vor-
instanz zuzustimmen, als er bei Nachfragen auf seine bisherigen Ausfüh-
rungen verwies oder das Ausgeführte wiederholte. Er sei jedoch nur eine
kurze Zeit respektive während (Nennung Dauer) aktiv gewesen, in denen
er (...) Mal während (Nennung Dauer) auf die Strasse gegangen sei. Der
vorinstanzliche Vorhalt bedeute nicht, dass die Aktionen so nicht stattge-
funden hätten. Er könne lediglich nichts weiter ausführen, da er bereits al-
les erzählt habe. Zudem habe er erwähnt, er wolle seine Aktionen noch
erweitern. Ausserdem sei es ihm neben dem Schulbesuch nicht möglich
gewesen, sich noch stärker und von seinen (Nennung Verwandte) unbe-
merkt zu engagieren. Seine Erzählungen seien frei von Übertreibungen
und würden keine Lügensignale aufweisen. Entgegen der vorinstanzlichen
Auffassung habe er seine innere Motivation für seine Aktivitäten aus seiner
persönlichen Abneigung gegen das System und seinen Ansporn, sich für
C._ zu engagieren, in seinen Schilderungen anlässlich der Anhö-
rung deutlich gemacht. Weiter habe er dargelegt, auf welche Weise er sich
in seiner Heimat über regimekritische Inhalte beziehungsweise über
C._ informiert habe. Zudem lasse die Vorinstanz sein Alter ausser
Acht, wenn sie von ihm ein im gleichen Masse reflektiertes Handeln er-
warte wie von einem erwachsenen Aktivisten. Er habe die mit seinem En-
gagement für C._ verbundenen Risiken noch nicht wirklich abschät-
zen können; überdies sei der Aktivismus über Social Media einfacher, als
die Teilnahme an Demonstrationen und dergleichen. Erst nach der Verhaf-
tung seines (Nennung Verwandter) habe er realisiert, dass die getroffenen
Sicherheitsvorkehrungen nicht genügt hätten und wie ernst die Lage tat-
sächlich gewesen sei. Sodann habe er weiter detailliert und erlebnisnah
ausgeführt, was nach dem Telefonat mit seiner (Nennung Verwandte) res-
pektive der Verhaftung von (Nennung Verwandter) aus seiner Sicht ge-
schehen sei. Diese Schilderungen stimmten im Übrigen mit denjenigen sei-
nes (Nennung Verwandter) überein. Weiter seien die Ausführungen der
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Flucht in sich logisch und nachvollziehbar, was von der Vorinstanz bei der
Glaubhaftigkeitsprüfung entsprechend hätte berücksichtigt werden müs-
sen. Die Darlegungen betreffend das (Mobiltelefon) seiner (Nennung Ver-
wandte) und der versuchten sexuellen Nötigung werde vom SEM nicht be-
stritten. Es gelinge ihm daher durchaus, seine politischen Aktivitäten detail-
liert zu beschreiben und glaubhaft darzutun. Der Vorhalt des SEM, die ein-
gereichten Beweismittel seien zum Nachweis seiner Ausführungen untaug-
lich, überzeuge nicht. Er sei aus Sicherheitsgründen auf den meisten Auf-
nahmen nicht zu erkennen oder er sei später weggeschnitten worden. Bei
einer Gesamtwürdigung der verschiedenen Bild- und Videoaufnahmen
werde deutlich, dass er sehr wohl an seinem Wohnort politisch aktiv gewe-
sen sei. Das Unterstützungsschreiben der C._ stelle kein Gefällig-
keitsschreiben dar, da bei Bekanntwerden von unbegründet ausgestellten
Unterstützungsschreiben ein enormer Vertrauensverlust für diese grosse
und professionelle Organisation resultierte.
Zum Vorhalt, es sei unglaubhaft, dass er den Iran verlassen habe, ohne
vorher das ihn belastende und zuhause gelagerte Material zu vernichten,
sei anzuführen, dass er aufgrund der gegebenen Umstände und der Zeit-
knappheit vor der Flucht keine Möglichkeit gehabt habe, die Dokumente zu
vernichten. Auch habe er in dieser speziellen Situation nicht daran gedacht,
seine (Nennung Verwandte) früher anzuweisen, dies zu tun, was nachvoll-
ziehbar sei. Da die Hausdurchsuchung unmittelbar nach der Rückkehr sei-
ner (Nennung Verwandte) in das Haus stattgefunden habe, müsse davon
ausgegangen werden, dass die Wohnung überwacht worden sei. Daher
wäre eine Vernichtung von Beweismaterial ohnehin nicht möglich gewe-
sen. Entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung sei davon auszugehen,
dass die Hausdurchsuchung mit seinen Aktivitäten in Zusammenhang ge-
standen habe. Da er mehreren Vorladungen keine Folge geleistet habe und
er nicht in der Wohnung angetroffen worden sei, sei die Familienwohnung
versiegelt worden und es werde nach ihm gefahndet. Dass er und seine
(Nennung Verwandte) den Iran hätten legal verlassen können, dürfte mit
der unmittelbar angetretenen Flucht zusammenhängen, zumal die Anord-
nung einer allfälligen Ausreisesperre einige Zeit beansprucht hätte. Seine
(Nennung Verwandte) sei mittlerweile in D._ als Flüchtling aner-
kannt worden. Bei einer Rückkehr könnte er sich auch dem Vorwurf der
Spionage konfrontiert sehen. Weiter sei er mit Blick auf das Vorliegen von
subjektiven Nachfluchtgründen auf Social Media aktiv, wo er eine öffentli-
che Seite für C._ betreibe, auf der er auch Fotos von sich selber
veröffentliche. Weiter sei er zusammen mit seinem (Nennung Verwandter)
in einem Bericht des (Nennung Fernsehsender) erschienen, in welchem
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sie über die Opfer der Proteste im vergangenen Jahr gesprochen hätten.
Ferner habe er an mehreren Demonstrationen teilgenommen, wo er an
vorderster Front gestanden und auf Fotos und auf Social Media veröffent-
lichten Filmen ohne weiteres erkennbar sei. Bekanntermassen würden On-
line-Aktivitäten von Iranern im Ausland stark überwacht. Er sei daher auch
aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten im Iran flüchtlingsrechtlich rele-
vanter Verfolgung ausgesetzt.
4.3 In seiner Vernehmlassung bringt das SEM vor, der Beschwerdeführer
mache weitere exilpolitische Aktivitäten geltend. So enthielten die von ihm
diesbezüglich eingereichten Fotos und Videos, auf welchen er identifizier-
bar sei und die über (Nennung Plattformen) und (Nennung Fernsehsender)
veröffentlicht worden seien, regierungskritische Äusserungen seiner Per-
son. Auf (Nennung Plattform) verwalte er zudem ein Profil für die oppositi-
onelle Bewegung C._. Dazu sei zunächst festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer die geltend gemachte Vorverfolgung nicht habe glaub-
haft machen können. Daran vermöchten auch die teilweise im Iran aufge-
nommenen Foto- und Videoaufnahmen, auf welchen der Beschwerdefüh-
rer – im Gegensatz zu den im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens
eingereichten Aufnahmen – teilweise erkennbar sei, nichts zu ändern. So
ergebe sich daraus nicht automatisch eine Verfolgung seitens der irani-
schen Behörden. Zudem seien die Aufnahmen erst nach seiner Ausreise
veröffentlicht worden. Die Aufnahmen seien nicht geeignet, die vorinstanz-
liche Einschätzung, wonach er vor seiner Ausreise nicht als regimefeindli-
che Person ins Blickfeld der Behörden geraten sei, umzustossen. Neu sei
zwar sein Name auf der besagten (Nennung Plattform) ersichtlich, wodurch
er identifiziert werden könnte; die besagte Seite weise jedoch lediglich
(Nennung Anzahl) Abonnenten auf, womit sie als niederschwellig einzustu-
fen sei. Somit vermöge ihn sein politisches Engagement nicht aus der
Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herauszuheben und lasse ihn
auch nicht als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen.
Des Weiteren sei auf die Erörterungen im angefochtenen Asylentscheid zu
verweisen. Ferner bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für andere
allfällig befürchtete Verfolgungsgründe. Zur angeführten Versiegelung der
Familienwohnung im Iran infolge seiner politischen Aktivitäten sei anzufüh-
ren, dass auf dem eingereichten Video eine Wohnungstür zu sehen sei,
welche versiegelt worden sei. Jedoch stehe angesichts der Ausführungen
im angefochtenen Asylentscheid nicht fest, in welchem Zusammenhang
dies geschehen sei. Auch aus den neu eingereichten Beweismitteln ergä-
ben sich dafür keine konkreten Anhaltspunkte.
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4.4 In der Replik führt der Beschwerdeführer zur Entgegnung der Vor-
instanz, wonach die teilweise erst mit der Beschwerdeschrift nachgereich-
ten Aufnahmen erst nach seiner Ausreise veröffentlicht worden seien, an,
die Rohdaten der Fotos und der Filme seien über das (Mobiltelefon) in die
Hände des Mitarbeiters der Bank respektive des Arbeitskollegen seines
(Nennung Verwandter) geraten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit habe diese
– auch dem Geheimdienst angehörende – Person noch vor seiner Ausreise
die Behörden darüber orientiert. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser
Videoaufnahmen sei daher unerheblich. Er halte an der Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen fest, welche bezüglich der gemachten Filmaufnahmen diffe-
renziert und sehr detailliert ausgefallen seien und überdies mit verschiede-
nen Belegen hätten untermauert werden können. Unzutreffend sei ferner
die vorinstanzliche Einschätzung, wonach seine Aktivitäten auf der (Nen-
nung Plattform) als niederschwellig bezeichnet werden müssten. So sage
die Anzahl der Abonnenten noch nichts darüber aus, wie viele Personen
die Seite tatsächlich besuchen würden. Aus der Statistik im Video auf der
eingereichten CD-ROM könnten die Zugriffe innerhalb einer Woche (Nen-
nung Zeitraum) herausgelesen werden (Nennung Zugriffe). Auch gemäss
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stehe fest, dass die
iranischen Behörden mittels der Cyber Unit das Internet und Social Media
eng und problemlos überwachen könnten. Dies zeige, dass er nicht bloss
als ein unsichtbarer Mitläufer in einer grossen Masse der Unzufriedenen
qualifiziert werden könne. Zudem hätten er und seine (Nennung Ver-
wandte) kürzlich festgestellt, dass ihre Wohnung nach wie vor versiegelt
sei, wie dem (Nennung Beweismittel) entnommen werden könne. Es ver-
stehe sich von selbst, dass der Grund der Versiegelung nicht nachgewie-
sen werden könne; diese behördliche Massnahme reihe sich jedoch als
weiteres Puzzlestück in das Bild der geschilderten Ereignisse, weshalb die
behördlichen Beweggründe für die Versiegelung auf der Hand lägen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt eine ungenügende Sachverhaltsabklärung.
Diese formelle Rüge (im Sinne eines Eventualantrages) ist vorab zu beur-
teilen, da sie allenfalls geeignet ist, eine Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung zu bewirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
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2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Der Untersuchungsgrundsatz verlangt, dass die Behörde von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts sorgt, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen be-
schafft, die rechtlich relevanten Umstände abklärt und ordnungsgemäss
darüber Beweis führt. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der
Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird
oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-
tigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Ver-
waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der Begründungspflicht als Teilge-
halt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begrün-
dung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzu-
fechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen
können. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-
gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-
nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend
Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
5.3 Den Akten zufolge hat sich der Beschwerdeführer zusammen mit sei-
ner (Nennung Verwandte) im (Nennung Zeitpunkt) für die neu gegründete
Bewegung C._ politisch zu engagieren begonnen und dabei im Na-
men derselben an öffentlichen Orten und Gebäuden regierungskritische
Slogans gesprayt und entsprechende Flyer verteilt. In seinen Darlegungen
nimmt der Beschwerdeführer immer wieder Bezug auf die Geschichte und
die Aktivitäten seiner (Nennung Verwandte), die sich wie ein roter Faden
durch seine Ausführungen ziehen. So sei es seine (Nennung Verwandte)
gewesen, die ihn auf die erwähnte Bewegung aufmerksam gemacht habe;
zudem führte er seine Aktivitäten für die C._ jeweils zusammen mit
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ihr aus. Ihre Aktionen seien vom (Nennung Verwandter) mit dem Handy
gefilmt und später der C._ weitergeleitet worden. Nachdem sein
(Nennung Verwandter) seinem Vorgesetzten am Arbeitsplatz das alte
Handy seiner (Nennung Verwandte) geschenkt habe, habe dieser Vorge-
setzte infolge der weiteren Verwendung der auf diesem Handy installierten
(Nennung Identifikation) seiner (Nennung Verwandte) ihre Tätigkeiten für
die C._ entdeckt, seine (Nennung Verwandte) erfolglos zu erpres-
sen versucht und sie deswegen beide bei den iranischen Behörden denun-
ziert. Dies habe in der Folge zu einer Durchsuchung der Wohnung der
(Nennung Verwandte) und – nach ihrer gemeinsamen Ausreise – kurzum
auch zu einer solchen seiner (Nennung Verwandte), mit denen er zusam-
men gelebt habe, geführt. Es ist deutlich ersichtlich, dass die Vorbringen
des Beschwerdeführers und die aus seiner angeführten politischen Tätig-
keit resultierende angebliche behördliche Verfolgung mit dem Tatbeitrag
seiner (Nennung Verwandte) eng verknüpft sind.
Indem sich das SEM im Rahmen seiner Argumentation darauf beschränkt,
bei der Beurteilung der Asylvorbringen die Aussagen des Beschwerdefüh-
rers zu seinen politischen Aktivitäten gesondert und losgelöst vom Gesamt-
kontext zu beurteilen, greift die vorinstanzliche Argumentation angesichts
des engen sachlichen Zusammenhangs zum Tatbeitrag der (Nennung Ver-
wandte) zu kurz. Die Ausführungen im angefochtenen Entscheid (vgl.
S. 4 f.) wie insbesondere auch diejenigen in den ebenfalls vom 29. Oktober
2020 datierenden Asylentscheiden der (Nennung Verwandte) und des
(Nennung Verwandter) (beide N [...], jeweils S. 5) lassen annehmen, dass
das SEM die Darstellung der Geschehnisse betreffend die (Nennung Ver-
wandte) offenbar nicht in Frage stellt, sei dies bezüglich der Entdeckung
ihrer Aktivitäten durch die Verwendung der gleichen (Nennung Identifika-
tion) seiner (Nennung Verwandte) oder des Umstandes, dass sowohl die
Wohnung der (Nennung Verwandte) als auch die Wohnung der (Nennung
Verwandte) – die letztere mindestens einmal in Anwesenheit von (Nennung
Verwandte) und in der Folge noch ein zweites Mal – von den Behörden
durchsucht wurde. Den Schilderungen von (Nennung Verwandte) zufolge
haben die Sicherheitsbeamten sodann gezielt nur das Zimmer des Be-
schwerdeführers durchsucht, mehrere Sachen beschlagnahmt und in der
Folge in Eile die Wohnung wieder verlassen (vgl. Anhörungsprotokoll [...]
F50 und F73). Die diesbezüglichen Darlegungen der (Nennung Verwandte)
des Beschwerdeführers sind überdies in den wesentlichen Punkten über-
einstimmend und mit Realkennzeichen versehen ausgefallen (vgl. Anhö-
rungsprotokoll [...] F50, F55, F57-63, F68 ff.; Anhörungsprotokoll [...] [= act.
B42/17] F42, F51, F57-76, F85, F91). Die Ausführungen von (Nennung
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Verwandte) und der Umstand, dass sich die (Nennung Verwandte) des Be-
schwerdeführers ihren Angaben zufolge im Iran weder gegen das Regime
engagiert noch Probleme mit den Behörden gehabt hätten, lassen den
Schluss zu, dass die angeführte Durchsuchung der Wohnung der (Nen-
nung Verwandte) in erster Linie dem Beschwerdeführer gegolten haben
muss. Es erscheint vor diesem Hintergrund naheliegend, dass der Vorge-
setzte des (Nennung Verwandter) aufgrund des für ihn über das alte Handy
seiner (Nennung Verwandte) einsehbaren Filmmaterials nicht nur die (Nen-
nung Verwandte), sondern auch den Beschwerdeführer erkannt haben und
entsprechend den Behörden gemeldet haben dürfte, andernfalls sich die
isoliert auf den Beschwerdeführer bezogene Durchsuchung seiner persön-
lichen Gegenstände kaum erklären lassen dürfte. Mithin ergibt sich daraus
ein Bezug zwischen der Verfolgungsgeschichte des Beschwerdeführers
und jener seiner (Nennung Verwandte). Dementsprechend dürfte auch
dem eingereichten Bild- und Videomaterial zum (Nennung Tätigkeiten im
Iran) und demjenigen zu den exilpolitischen Tätigkeiten (...) eine andere
Relevanz als im angefochtenen Entscheid beizumessen sein. Schliesslich
hat das SEM auch nicht bezweifelt, dass die (Nennung Verwandte) des
Beschwerdeführers in D._ Asyl erhalten hat.
5.4 Aufgrund des vorstehend Gesagten steht für das Gericht fest, dass die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte politische Betätigung nicht ge-
trennt von den Vorbringen seiner (Nennung Verwandte) beurteilt werden
kann. Vorliegend hat sich die Vorinstanz jedoch zu der seine (Nennung
Verwandte) betreffenden Vorgeschichte, in welcher die angeführten Hand-
lungen des Beschwerdeführers lediglich einen Teil darstellen, nicht geäus-
sert und in diesem Zusammenhang auch keine weiteren sachdienlichen
Abklärungen – zu denken wäre etwa an das Erhältlichmachen der Verfah-
rensakten der deutschen Asylbehörden der (Nennung Verwandte) – getrof-
fen.
5.5 Das Gericht gelangt daher zum Schluss, dass die Vorinstanz nicht alle
entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft hat, mit-
hin eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung vorliegt, und dies gleich-
zeitig auch eine Verletzung der Begründungspflicht darstellt.
6.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Unter den vorliegenden Umständen
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rechtfertigt sich gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung. Dem Beschwerdeführer bleibt auf diese
Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylver-
fahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (vgl.
dazu BVGE 2009/53 E. 7.3; 2008/47 E. 3.3.4; 2008/14 E. 4.1). Wenn das
Bundesverwaltungsgericht die erforderlichen Abklärungen selbst vorneh-
men würde, hätte der Beschwerdeführer keine Anfechtungsmöglichkeit
mehr.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sa-
che zur Neubeurteilung beantragt wird (Rechtsbegehren 5 der Beschwer-
deschrift). Die Verfügung vom 29. Oktober 2020 ist aufzuheben und die
Sache im Sinne der Erwägungen zur vollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit ist die mit Zwischenverfügung vom
11. Dezember 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegen-
standslos geworden.
8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts-
vertreter reichte keine Kostennote ein. Auf die Nachforderung einer sol-
chen kann jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren
der Aufwand gemäss Art. 14 Abs. 2 VGKE zuverlässig abschätzen lässt.
Der Rechtsvertreter hat eine gemeinsame Beschwerdeschrift für das vor-
liegende Verfahren sowie für die Beschwerdeverfahren der (Nennung Ver-
wandte) des Beschwerdeführers (...) eingereicht. Da davon auszugehen
ist, dass für die drei Beschwerdeverfahren jeweils der gleiche Aufwand auf-
gewendet wurde, ist der Gesamtaufwand auf alle drei Beschwerdeverfah-
ren gleichmässig zu verteilen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden
Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 9-13 VGKE) ist die anteilsmässige Partei-
entschädigung im Umfang eines Drittels – welche von der Vorinstanz zu
entrichten ist – vorliegend auf Fr. 1200.– (inkl. Auslagen und MWSt) fest-
zusetzen.
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8.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar des eingesetzten Rechtsvertre-
ters wird damit gegenstandslos.
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