Decision ID: 5ed2d7c3-b839-5d61-ad58-0449682bee67
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eritreische Staatsangehörige und tigrinischer Eth-
nie, verliess ihr Heimatland gemäss eigenen Angaben am (...) Juni 2014 in
Richtung Äthiopien und gelangte über den Sudan nach Libyen und über
das Mittelmeer bis nach Italien. Von dort reiste sie am (...) Juni 2015 in die
Schweiz ein, wo sie gleichentags im ehemaligen Asyl- und Empfangszent-
rum (EVZ) (...) um Asyl nachsuchte.
B.
Anlässlich der Erstbefragung (Befragung zur Person [BzP]) vom 2. Juli
2015 und der Anhörung vom 5. Dezember 2016 machte die Beschwerde-
führerin Folgendes geltend: Sie sei in der Wildnis beziehungsweise in der
Zoba B._ aufgewachsen. In den Jahren 2004 bis 2014 habe sie in
C._ gelebt. Ihr Vater sei Bauer gewesen, habe Nutztiere besessen
und ihre Familie habe öfters den Wohnort gewechselt. Sie habe die Schule
nach der sechsten Klasse abgebrochen beziehungsweise nie eine Schule
besucht und sich danach mit Goldwaschen beschäftigt. Im Jahre 2011 sei
sie von ihren Eltern zwangsverheiratet worden und, noch minderjährig, zu
ihrem Gatten nach (...) gezogen. Nach einem Jahr Zusammenleben sei ihr
Mann bei einer Razzia in den Militärdienst eingezogen worden, weshalb sie
sich nach sechs Monaten wieder zu ihren Eltern begeben habe. Im Jahre
2014 sei sie von Angehörigen des Militärs aufgegriffen und in das Militär-
camp Enda Siliya gebracht worden. Dort sei sie über den Aufenthaltsort
ihres Ehegatten befragt worden, der angeblich aus dem Dienst geflohen
sei. Es sei ihr nicht geglaubt worden, dass sie über dessen Verbleib nichts
gewusst habe, weswegen sie kniend in der Sonne habe verharren müssen
und geschlagen worden sei. Sie sei nach zirka zwei Wochen durch eine
Bürgschaft beziehungsweise eine Lösegeldzahlung freigekommen. Nach
einer Weile seien die Behörden erneut bei ihr zu Hause erschienen. Sie
habe sich zu diesem Zeitpunkt bei einer Freundin befunden. Ihre Mutter
habe ein Kind zu ihr geschickt, um sie darüber zu informieren, dass Solda-
ten bei ihr zu Hause vorbeigekommen seien. Daraufhin habe sie sich aus
Angst nicht mehr dorthin begeben und sei direkt ausgereist. Nach ihrer Aus-
reise sei die Person, die für sie gebürgt habe, in Haft genommen worden.
Als Beweismittel reichte sie ihren Taufschein im Original und die eritreische
Identitätskarte ihres Vaters in Kopie zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 12. September 2017 – am Folgetag eröffnet – verneinte
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die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte
ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Wegweisungsvollzug an.
D.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer
bevollmächtigten Rechtsvertreterin vom 12. Oktober 2017 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Darin beantragte sie die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und
die Asylgewährung. Eventualiter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzuneh-
men, subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigkeit,
Unzumutbarkeit und/oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs anzu-
ordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und die Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin.
Mit der Eingabe wurden eine Kopie des Unterschriftenblatts der Hilfswerks-
vertretung (HWV) vom 5. Dezember 2016, ein Notfallbericht von
med. pract. D._, Assistenzärztin Spital E._, vom (...) Okto-
ber 2016, ein Arztbericht von Dr. med. F._, datierend vom (...) März
2017, ein Arztbericht von Dr. med. G._ vom (...) April 2017, eine
Fürsorgebestätigung vom 27. September 2017 und ein Aufwandblatt der
Rechtsvertreterin eingereicht.
E.
Am 13. Oktober 2017 bestätigte die damals zuständige Instruktionsrichterin
den Eingang der Beschwerde und hielt fest, die Beschwerdeführerin könne
den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2017 hiess die Instruktionsrichte-
rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei.
G.
Mit an die Beschwerdeführerin gerichtetem Schreiben vom 28. Juni 2019
hielt das SEM fest, aus einem von der Asylhilfe H._ zuständigkeits-
halber weitergeleiteten Schreiben gehe hervor, dass die Beschwerdeführe-
rin am (...) Februar 2019 in I._ T. D. geheiratet habe und mit ihm in
J._ leben und eine Familie gründen wolle. Für die Bearbeitung des
Gesuchs um Kantonswechsel seien der Eheschein und das schriftliche Ein-
verständnis des Ehegatten, dass er mit ihr einen gemeinsamen Haushalt
führen möchte, beim SEM einzureichen.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2019 stellte die neu zuständige In-
struktionsrichterin fest, aus den Akten gehe hervor, dass die Beschwerde-
führerin am (...) Februar 2019 in der Schweiz geheiratet habe. Sie forderte
die Beschwerdeführerin auf, ihre familiäre Situation darzulegen und sich
detailliert, unter Einreichung entsprechender Beweismittel, zur eingegan-
genen Ehe zu äussern.
I.
Am 26. August 2019 liess die Beschwerdeführerin eine Kopie ihres Schrei-
bens an die Rechtsvertreterin vom 22. August 2019 und die Kopie einer
angeblichen eritreischen Scheidungsurkunde zu den Akten reichen.
J.
Mit Schreiben vom 30. August 2019 forderte das SEM die Beschwerdefüh-
rerin im Zusammenhang mit dem Gesuch um Kantonswechsel erneut auf,
einen Eheregisterauszug oder ein «marriage certificate» sowie das Einver-
ständnis ihres Ehegatten einzureichen.
K.
Mit Eingabe ans Bundesverwaltungsgericht vom 5. September 2019 liess
die Beschwerdeführerin mitteilen, dass sie am (...) Februar 2019 in der
Schweiz den Landsmann T. D. religiös geheiratet habe. Es sei ihre Absicht,
standesamtlich zu heiraten, indessen müssten beim zuständigen Zivil-
standsamt noch die entsprechenden Unterlagen eingereicht werden. Zu
diesem Zwecke sei die eritreische Scheidungsurkunde von der Beschwer-
deführerin in Übersetzung gegeben worden. Sobald die Bestätigung für das
Ehevorbereitungsverfahren vom Zivilstandsamt erlassen werde, werde
diese nachgereicht. Gleichzeitig beantragte sie neu im Sinne eines Even-
tualantrags, sie sei in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes mitein-
zubeziehen, subeventualiter sei das Verfahren betreffend den Einbezug in
die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes zur Neubeurteilung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Sollten diese Anträge wider Erwarten abgewie-
sen werden, sei bei der Prüfung der Wegweisung der Grundsatz der Einheit
der Familie zu berücksichtigen.
Der Eingabe lag die Kopie eines von T. D. an das SEM gerichtete Schrei-
ben, datierend vom 8. Juli 2019, bei, gemäss welchem T. D. die Beschwer-
deführerin am (...) Februar geheiratet habe und mit ihr zusammen eine Fa-
milie gründen möchte.
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Seite 5
L.
Mit Verfügung vom 26. September 2019 schrieb das SEM das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Kantonswechsel in den Wohnkanton ihres Part-
ners/Ehemannes infolge ungenutzt verstrichener Frist zur Einreichung der
entsprechenden Belege zur Eheschliessung ab.
M.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 lud die Instruktionsrichterin die Vor-
instanz ein, mit Blick auf die seit der erstinstanzlichen Verfügung ergangene
Rechtsprechung eine Vernehmlassung einzureichen.
N.
Mit Vernehmlassung vom 10. Oktober 2019 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift und hielt im Ergebnis an seinen bisherigen Erwägungen
fest.
O.
Mit Verfügung vom 11. Oktober 2019 bot die Instruktionsrichterin der Be-
schwerdeführerin Gelegenheit zur Einreichung einer Replik.
P.
Mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 liess die Beschwerdeführerin mitteilen,
sie sei beim Versuch, die entsprechenden Dokumente (eritreische Schei-
dungsurkunde) beim zuständigen Zivilstandsamt zwecks Ehevorberei-
tungsverfahren einzureichen, abgewiesen worden. Sie sei mit den bürokra-
tischen Anforderungen überfordert und habe sich erst jetzt an eine Rechts-
beratung gewendet, die sie beim Ehevorbereitungsverfahren unterstütze.
Das Verfahren vor dem Zivilstandsamt werde mit Sicherheit mehrere Wo-
chen dauern, womit erneut um eine Fristerstreckung ersucht werde.
Q.
Nach erstreckter Frist liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer
Rechtsvertreterin vom 25. November 2019 mehrere Originalfotos der reli-
giösen Hochzeit der Beschwerdeführerin mit T. D., die Kopie eines Schrei-
bens der Beschwerdeführerin an das Zivilstandesamt K._ vom
13. November 2019 inklusive Kopien von eritreischen Scheidungsdoku-
menten und Übersetzungen sowie das entsprechende Antwortschreiben
des Zivilstandsamtes K._ zu den Akten reichen. Sie führte aus, dass
sich das Ehevorbereitungsverfahren in die Länge ziehe, zumal nicht aus-
zuschliessen sei, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehegatten eine Personen-
feststellungsklage einreichen müsse.
R.
Mit Eingabe vom 22. Januar 2020 liess die Beschwerdeführerin mitteilen,
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Seite 6
das Zivilstandsamt K._ habe sie dahingehend informiert, dass ihr
Dossier für die Entgegennahme der Erklärung zum Nachweis nicht streiti-
ger Angaben gestützt auf Art. 41 ZGB an die kantonale Zivilstandsaufsicht
überwiesen worden sei. Der Eingabe lag das entsprechende Schreiben des
Zivilstandsamtes K._, datierend vom 17. Januar 2020, in Kopie bei.
S.
Mit Eingabe vom 20. Februar 2020 liess die Beschwerdeführerin mitteilen,
dass das Ehevorbereitungsverfahren bisher nicht habe abgeschlossen
werden können. Die Bearbeitungszeit bei der kantonalen Zivilstandsauf-
sicht betrage ungefähr zwei bis drei Monate. Es wurde um Sistierung des
vorliegenden Verfahrens bis zur Eheschliessung ersucht und auf den
Grundsatz der Einheit der Familie bei der asylrechtlichen Prüfung der Weg-
weisungsvollzugshindernisse verwiesen.
T.
Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 setzte die Rechtsvertreterin der Beschwer-
deführerin das Gericht darüber in Kenntnis, dass sie das Mandat aufgrund
ihres Stellenwechsels an Rechtsanwalt Michael Adamczyk übergebe, wel-
cher die unterzeichnete Vollmacht nach dem erfolgten Besprechungstermin
mit der Beschwerdeführerin dem Gericht weiterleiten würde.
U.
Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung, der Beschwerdeschrift und
des Schriftenwechsels auf Vernehmlassungsebene wird in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(SR 142.31; AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) sind unverändert vom AuG ins AIG über-
nommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbe-
zeichnung verwendet.
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Seite 7
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die Beschwerde führende
Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol-
che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes-
halb das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten.
1.5 Die Frage, ob die Beschwerdeführerin in das Asyl von T.D. miteinzube-
ziehen ist, bildet nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Auf
den entsprechenden mit Eingabe vom 5. September 2019 gestellten Even-
tualantrag (Bst. K) ist deshalb nicht einzutreten.
1.6 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.7 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Das am 20. Februar 2020 eingereichte Gesuch um Verfahrenssistierung
bis zur Eheschliessung (Bst. S) und das am 11. Mai 2020 eingereichte Ge-
such um Entlassung aus dem amtlichen Mandat (Bst. T) werden mit vorlie-
gendem Urteil gegenstandslos.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,
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Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer poli-
tischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden
(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die
einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten während oder nach
der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat erst eine Gefährdungs-
situation geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe gel-
tend. Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, un-
abhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt
wurden. Das vom Gesetzgeber vorgesehene Konzept, wonach das Vorlie-
gen von subjektiven Nachfluchtgründen die Gewährung von Asyl aus-
schliesst, verbietet auch ein Addieren solcher Gründe mit Fluchtgründen,
welche vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat entstanden
sind und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft
und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.).
3.3 Wer um Asyl nachsucht oder subjektive Nachfluchtgründe geltend
macht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaub-
haft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhan-
densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaub-
haft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig
begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entspre-
chen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abge-
stützt werden (Art. 7 AsylG). Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts beinhaltet die Glaubhaftigkeitsprüfung eine Gesamtbeurtei-
lung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sach-
verhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben sowie persönli-
che Glaubwürdigkeit, wobei die Sachverhaltsdarstellung nur glaubhaft sein
kann, wenn die positiven Elemente überwiegen [vgl. dazu BVGE 2015/3
E. 6.5.1 m.w.H.]).
4.
4.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die Schilderungen der Be-
schwerdeführerin seien zwar mehrheitlich deckungsgleich ausgefallen, be-
treffend besuchtem Schulunterricht lägen jedoch Unstimmigkeiten vor. So
habe die Beschwerdeführerin an der Erstbefragung klar und unmissver-
ständlich zu Protokoll gegeben, die Schule im Jahre 2005 abgebrochen zu
haben, an der Anhörung dann jedoch versichert, nie zur Schule gegangen
zu sein. Auf Nachfrage hin habe dieser Widerspruch nicht geklärt werden
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/3
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können, was bereits erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen
aufgeworfen habe. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie nie etwas
von dem quasi vor ihrer Haustüre wütenden Krieg gehört haben wolle und
die häufigen – wohl kriegsbedingten – Umzüge der Familie mit dem Wohl
ihrer Tiere verknüpfe. Diese Erinnerungslücke könne womöglich ihrem jun-
gen Alter zugeschrieben werden, indessen habe sie angegeben, zwischen
2004 und 2014 in C._ gelebt zu haben. Da diese Ortschaft laut dem
der Vorinstanz zur Verfügung stehenden Kartenmaterial in nächster Nähe
zur stark militarisierten de facto-Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien
liege, müsse davon ausgegangen werden, dass sie den Konflikt wahrge-
nommen habe. Schliesslich vermöge die phrasenhafte Schilderung der –
auf die Desertion ihres Mannes zurückzuführenden – geltend gemachten
Reflexverfolgung nicht zu überzeugen. Ihre kargen, substanzlosen Antwor-
ten auf die rund dreissig Fragen zu diesem fluchtbegründenden Asylvor-
bringen würden die Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen schliess-
lich bestätigen. So entstehe der Eindruck, dass sie Selbsterlebtes und frei
Erfundenes in ein Sachverhaltskonstrukt eingebettet habe, um ihr Asylge-
such zu untermauern. Die auf das Wesentliche beschränkten Erläuterun-
gen führten unumgänglich zur Gewissheit, dass ihre gesamten Kernvor-
bringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 7
AsylG nicht standhielten.
Nachteile, welche auf die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder so-
zialen Lebensbedingungen in einem Staat zurückzuführen seien, würden
keine asylbeachtlichen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
darstellen. Auch sei aus den Akten nicht ersichtlich, dass sie mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit staatlichen Verfol-
gungsmassnahmen hätte rechnen müssen, falls sie in Eritrea geblieben
wäre. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in den
Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen
könnte, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Die geltend gemachte illegale Aus-
reise alleine vermöge keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten
Verfolgung begründen. Somit seien die Vorbringen bezüglich der illegalen
Ausreise aus Eritrea nicht asylbeachtlich und die Beschwerdeführerin er-
fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass ihr Asylgesuch abzulehnen
sei.
4.2 Diesen Erwägungen hält die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitte-
leingabe zunächst entgegen, das SEM habe die Beweisregel nach
Art. 7 AsylG zu restriktiv gehandhabt, zumal ihre Vorbringen in einer Ge-
samtwürdigung den Anforderungen an die Glaubhaftmachung durchaus
standhielten. An ihrer Identität sei offenbar nicht gezweifelt worden, was
mitunter auch ihre eritreische Herkunft erfasse. Als einziger wesentlicher
Widerspruch gehe derjenige mit dem Schulbesuch hervor, wobei sich die
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Beschwerdeführerin nicht erklären könne, wie es zu dieser falschen Über-
setzung gekommen sei. Diese Unstimmigkeit dürfe indessen nicht zu stark
gewichtet werden, zumal die unstrukturierten Aussagen sowie das Unwis-
sen über die Hintergründe des Krieges ja genau Indizien für ihre fehlende
Schulbildung seien. Sie habe in C._ jeweils Schüsse gehört und
Soldaten gesehen, die Situation sei für sie sehr schwierig gewesen. Ihre
Aussagen zu ihren Asylgründen würden in den Protokollen zu beiden Be-
fragungen übereinstimmen, was für ihre Glaubwürdigkeit spreche. Sowohl
aus dem Anhörungsprotokoll als auch aus dem Unterschriftenblatt der
HWV gehe hervor, dass sie während der ganzen Anhörung sehr schüch-
tern, wortkarg und verängstigt gewirkt habe, die ganze Zeit über Tränen in
den Augen gehabt, oft geweint und ins Leere gestarrt habe. Die HWV habe
zudem angeregt, von Amtes wegen ein psychiatrisches sowie medizini-
sches Gutachten einzuholen. Die Einschätzung der HWV werde auch
durch den Eindruck der unterzeichnenden Rechtsvertreterin bestätigt. So
habe die Beschwerdeführerin im Gespräch mit der Rechtsvertreterin be-
jaht, etwas Schlimmes erlebt zu haben, über das sie nicht sprechen
möchte. Aufgrund ihrer Schüchternheit habe sie sich bis dato weder bei
einer Psychiaterin noch bei einer Fachstelle gemeldet. Dass sie das Ver-
gangene möglichst verdrängen und nicht darüber sprechen wolle, dürfe ihr
nicht zur Last gelegt werden. Ein Termin beim Psychiater würde über den
zuständigen Sozialarbeiter organisiert werden und ein allfälliger Fachbe-
richt nachgereicht. Wie den beigelegten Arztberichten zu entnehmen sei,
sei sie bisher wegen (...) und (...) in medizinischer Behandlung gewesen.
Wegen einem akuten Anfall von (...) und anschliessend unansprechbarem
Zustand habe sie notfallmässig ins Spital gebracht werden müssen. Trotz
erheblichen persönlichen Einschränkungen habe die Beschwerdeführerin
nachvollziehbar und detailliert über die Erlebnisse in Eritrea erzählen kön-
nen, habe den Ort, die Umstände der Verhaftung und die illegale Ausreise
mit Details beschreiben können. Aus den gesamten Protokollen erhelle,
dass sie nicht in der Lage sei, einen Sachverhalt gemäss den Anforderun-
gen des SEM zu präsentieren. Daraus dürfe indessen nicht geschlossen
werden, dass ihre Darstellungen zur Haft und zur illegalen Ausreise un-
glaubhaft seien. Es sei somit von deren Glaubhaftigkeit auszugehen.
Nach noch immer geltender Rechtsprechung sei die in Eritrea praktizierte
Bestrafung von Dienstverweigerung und Desertion als unverhältnismässig
streng und politisch motiviert einzustufen, weshalb ihr flüchtlingsrechtliche
Bedeutung zukomme. Sie müsse bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund
ihres militärdienstpflichtigen Alters nebst einer willkürlichen Inhaftierung mit
einer Einberufung in den Militärdienst rechnen, was gegen Art. 4 EMRK
verstosse. So habe der EGMR in seinem Urteil M.O. v. Switzerland vom
20.06.2017 die mögliche Asylrelevanz eines Verstosses gegen Art. 4
EMRK betont. Demnach sei die Schweiz verpflichtet, abzuklären, ob der
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drohende unbefristete Militär- und Nationaldienst in Eritrea gegen das Ver-
bot der Sklaverei und Zwangsarbeit von Art. 4 EMRK verstosse. Dass sie
zudem illegal ausgereist sei, sei unbestritten, was an sich bereits ein Akt
politischer Opposition darstelle. Eine Befreiung vom Militärdienst sei aus
den Akten nicht ersichtlich. Sie sei durch ihre eigene Inhaftierung ins Visier
der Behörden geraten. Nach ihrer Ausreise sei zudem ihr Bürge festgenom-
men worden, der sich noch immer in Haft befinde. Diese zusätzlichen Fak-
toren schärften das Gefährdungsprofil im Falle ihrer Rückkehr und bestärk-
ten die begründete Furcht vor Verfolgung durch die eritreischen Behörden.
4.3 In ihrer Vernehmlassungsschrift führt die Vorinstanz aus, die Behaup-
tung in der Beschwerdeschrift, dass die Asylgründe inhaltlich an der Erst-
befragung und der Anhörung übereinstimmend angegeben worden seien,
sei nicht nachvollziehbar, weil die Beschwerdeführerin an der Erstbefra-
gung gar nicht zu ihren Asylgründen befragt worden sei. Des Weiteren hielt
die Vorinstanz im Wesentlichen an der Einschätzung fest, wonach die
Schilderungen der geltend gemachten Reflexverfolgung wegen des Ehe-
mannes der Beschwerdeführerin – inklusive Inhaftnahme des Bürgen – un-
glaubhaft seien. Darüber hinaus mache die Beschwerdeführerin keinerlei
Behördenkontakt mit Bezug auf einen allfälligen Einzug in den Militärdienst
geltend. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in
den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen
lassen könnten, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Die illegale Ausreise al-
leine vermöge keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung
zu begründen.
5.
Die vorinstanzlichen Erwägungen betreffend Asylgesuch der Beschwerde-
führerin sind vollumfänglich zu bestätigen. Es ist der Beschwerdeführerin
nicht gelungen, Vorfluchtgründe geltend zu machen.
5.1 Kernelement der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin bildet die an-
geblich erlittene Haft in Enda Siliya. Obwohl denkbar ist, dass ihr Aus-
sageverhalten aufgrund von möglichen charakterlichen Zügen, namentlich
Schüchternheit, zaghafter ausgefallen ist, wäre dennoch bei der
Schilderung von tatsächlich Erlebtem mehr Substanz zu erwarten
gewesen. So fehlen in den Ausführungen zu den Haftumständen Details
zum Tagesablauf, wie beispielsweise Einzelheiten zur Mahlzeiteneinnahme
oder andere lebensecht geschilderte Eindrücke ihres zweiwöchigen
Aufenthalts in Haft. Ihre diesbezüglichen Ausführungen erschöpften sich in
sehr knappen Beschreibungen, die jeweils erst auf wiederholtes
Nachfragen hin erfolgten (vgl. A 19 F147ff.).
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Angesichts des Vorbringens, dass sie den Raum nur für Befragungen habe
verlassen dürfen (a.a.O. F155), hätte auch – wie die Vorinstanz weiter
zutreffend in der Vernehmlassung ausführt – erwartet werden dürfen, dass
ihr beispielsweise die sich dabei wohl als problematisch abzeichnende
Notdurftverrichtung in Erinnerung geblieben wäre. Angesichts ihrer sehr
vagen Aussagen und den unsubstanziiert wirkenden Erklärungen zu ihrer
Haft ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe-
rin nicht selbst Erlebtes wiedergab. Es entsteht in der Tat der Eindruck,
dass sie versuchte, mit möglichst detailarmen Angaben das Entstehen
möglicher Unstimmigkeiten und Widersprüche zu vermeiden. Die
Unglaubhaftigkeit ihrer Aussagen wird durch die unsubstanziierte und
auffallend emotionslose Beschreibung ihrer Entscheidung zur Flucht noch
unterstrichen (vgl. a.a.O. F158ff, wie bspw. «Was ist ihnen alles durch den
Kopf gegangen? Es war mir klar, dass sie mich nicht in Ruhe lassen werden
– und deshalb entschied ich auszureisen» [vgl. a.a.O. F161]). Auch
diesbezüglich ist das vorinstanzliche Argument, wonach sie aufgrund der
Tatsache, dass sie an der Anhörung mitunter geweint habe, durchaus im
Stande ist, Emotionen zu zeigen, zu stützen. Um Wiederholungen zu
vermeiden, kann an dieser Stelle auf die übrigen Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden, die nicht zu beanstanden sind. Da nach dem
Gesagten die Haft als unglaubhaft zu qualifizieren ist, erübrigen sich
weitere Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Bürg-
schaft und der Inhaftnahme des Bürgen.
5.2 Soweit die Beschwerdeführerin ausführt, eine Bestrafung infolge De-
sertion sei flüchtlingsrechtlich relevant, ist darauf hinzuweisen, dass die Be-
schwerdeführerin zu keinem Zeitpunkt geltend machte, im Militärdienst ge-
dient zu haben und auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, wo-
nach sie in Eritrea als Dienstverweigerin betrachtet würde. Allein der Um-
stand, dass sie sich im dienstpflichtigen Alter befindet und sich vor einem
zukünftigen Einzug in den Militärdienst fürchtet, vermag die Flüchtlingsei-
genschaft insbesondere mangels einer relevanten Verfolgungsmotivation
nicht zu begründen. Ein drohender Einzug in den Nationaldienst ist im erit-
reischen Kontext aber (in Berücksichtigung der von der Beschwerdeführe-
rin erwähnten EGMR-Rechtsprechung; vgl. E. 4.2 in fine) unter dem Aspekt
bestehender Wegweisungsvollzugshindernisse zu prüfen (vgl. Referenzur-
teil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2).
5.3 Der Beschwerdeführerin ist es somit zusammenfassend nicht gelun-
gen, Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen.
6.
E-5815/2017
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6.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter subjektive Nachfluchtgründe im
Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem sie vorbringt, illegal aus Eritrea aus-
gereist zu sein.
6.2
6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner früheren Rechtspre-
chung davon aus, dass bei einer illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle ei-
ner Rückkehr die Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestrafung
bestehe. Im von der Vorinstanz zitierten Koordinationsurteil D-7898/2015
vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) kam das Gericht jedoch
zum Schluss, dass sich diese Praxis nicht mehr aufrechterhalten lasse und
eine illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft
nicht ausreiche. Festgehalten wurde, dass ein erhebliches Risiko einer Be-
strafung bei einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante Motive nur dann an-
zunehmen sei, wenn nebst der illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzu-
kommen würden, welche die asylsuchende Person in den Augen der erit-
reischen Behörden als missliebige Person erscheinen liessen (vgl. a.a.O.
E. 5.1 f.; bestätigt in BVGE 2018 VI/4 E. 6.1).
6.2.2 Solche zusätzlichen Faktoren, welche die Beschwerdeführerin in den
Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen
könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich. Ihre geltend gemachten Vor-
fluchtgründe sind – wie bereits dargelegt – als unglaubhaft einzustufen, und
es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise
keine Probleme mit den eritreischen Behörden hatte, welche bei einer
Rückkehr zusammen mit der illegalen Ausreise eine Verfolgungsgefahr be-
gründen könnten. Auch auf Beschwerdeebene wurden keine Gründe gel-
tend gemacht, welche zu einer solchen Profilschärfung führen könnten.
6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die illegale Ausreise – unge-
achtet ihrer Glaubhaftigkeit – allein keine Furcht der Beschwerdeführerin
vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen vermag. Die
Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin somit
auch unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe zutreffenderweise
verneint. Das Asylgesuch wurde ingesamt zu Recht abgewiesen.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
7.2 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene auf den
Grundsatz der Einheit der Familie beruft, ist Folgendes festzuhalten: Die
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Beschwerdeführerin und T. D. haben gemäss eigenen Angaben zufolge im
Februar 2019 nach Brauch geheiratet. Seither ist mehr als ein Jahr vergan-
gen. Zwar wurde mit Eingabe vom 22. Januar 2020 vorgebracht, dass das
Dossier der Ehewilligen für die Entgegennahme der Erklärung zum Nach-
weis nicht streitiger Angaben gestützt auf Art. 41 ZGB an die kantonale Zi-
vilstandsaufsicht überwiesen worden sei. Angesichts des seit der religiösen
Eheschliessung verstrichenen Zeitraumes, der mehrmaligen Fristerstre-
ckung und der fehlenden Dokumentation weiterer Bemühungen ist indes-
sen zweifelhaft, ob ein Ehevorbereitungsverfahren überhaupt eingeleitet
wurde. Ein Ehevorbereitungsverfahren würde ohnehin praxisgemäss kei-
nen Anspruch auf einen Verbleib in der Schweiz begründen (vgl. Urteil des
BVGer D-3558/2019 vom 30. Juli 2019 E. 7.2 m.w.H.). Sodann liegen keine
Hinweise auf einen gemeinsamen Haushalt vor. Ein bereits eingeleitetes
Kantonswechselgesuch wurde mangels Reaktion von Seiten der Be-
schwerdeführerin vom SEM abgeschrieben. Vor diesem Hintergrund – ins-
besondere der fehlenden Intensität der Bemühungen seitens der Be-
schwerdeführerin – kann nicht von einer genügend nahen, echten und tat-
sächlich gelebten Beziehung ausgegangen werden, aus welcher sich ein
Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK ableiten liesse.
7.3 Die Beschwerdeführerin verfügt somit weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.
9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
E-5815/2017
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur
Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
9.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zu Recht darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da die Beschwerde-
führerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, kann der in Art. 5 AsylG ver-
ankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Die Vorinstanz führte weiter aus, es sei nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit eine Behandlung oder Strafe drohen würde, die mit Art. 3 EMRK nicht
vereinbar sei. Ferner könne nicht von einem tatsächlichen und unmittelba-
ren Risiko einer Rekrutierung und gegebenenfalls einer zukünftigen Verlet-
zung von Art. 4 EMRK ausgegangen werden.
9.3 Soweit die Beschwerdeführerin dem entgegenhält, ihr drohe bei einer
Rückkehr infolge der Einziehung in den Militärdienst und einer allfälligen
vorgängigen Haft eine sowohl Art. 3 EMRK- als auch Art. 4 EMRK-widrige
Behandlung, ist Folgendes festzuhalten:
9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht kam im Grundsatzurteil BVGE 2018
VI/4 nach eingehender Quellenanalyse zum Ergebnis, dass die drohende
Einziehung in den eritreischen Nationaldienst nicht zur Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 3 AIG führt (vgl. a.a.O. E. 6.1.7).
Beim eritreischen Nationaldienst handle es sich weder um Sklaverei noch
um Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK. Die Bedingungen im
eritreischen Nationaldienst seien zwar als Zwangsarbeit im Sinne von Art.
4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren, aber für die Annahme der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs genüge dies nicht; erforderlich wäre vielmehr,
dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verlet-
zung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mit-
hin Art. 4 Abs. 2 EMRK seines essenziellen Inhalts berauben würde. Dies
sei zu verneinen. Ein ernsthaftes Risiko einer unmenschlichen Behandlung
im Sinne von Art. 3 EMRK bestehe im Falle einer Einziehung in den eritre-
ischen Nationaldienst nicht (vgl. a.a.O. E. 6). An dieser Stelle ist darauf hin-
zuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht die Zulässigkeit des Weg-
weisungsvollzuges – mangels Rückübern
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9.3.2 ahmeabkommen zwischen der Schweiz und Eritrea – lediglich für frei-
willige Rückkehrer beurteilte und die Zulässigkeit zwangsweiser Rückfüh-
rungen ausdrücklich offenliess (vgl. a.a.O. E. 6.1.7).
9.3.3 Somit ist bei einer freiwilligen Rückkehr nicht von einer drohenden
Verletzung von Art. 4 EMRK auszugehen. Aus den Akten ergeben sich fer-
ner keine Anhaltspunkte für die Annahme, die Beschwerdeführerin müsse
bei einer freiwilligen Rückkehr in ihren Heimatstaat dort mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen
Strafe oder Behandlung rechnen. Auch ist davon auszugehen, dass ihr –
entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung – aufgrund
der illegalen Ausreise bei einer freiwilligen Rückkehr nach Eritrea kein
ernsthaftes Risiko einer Inhaftierung droht, womit auch das Risiko einer da-
mit zusammenhängenden unmenschlichen Behandlung zu verneinen ist.
Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs, namentlich in Zusammenhang mit Art. 8 EMRK (vgl. E. 7.2), sind den
Akten nicht zu entnehmen.
9.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.2 Betreffend Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs stellte sich die Vo-
rinstanz auf den Standpunkt, aufgrund der unglaubhaften Aussagen der
Beschwerdeführerin sei es ihr nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tat-
sächlichen persönlichen und familiären Situation der Beschwerdeführerin
zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern. Zwar seien die
Wegweisungsvollzugshindernisse grundsätzlich von Amtes wegen zu prü-
fen, diese Untersuchungspflicht finde jedoch ihre Grenzen an der Mitwir-
kungs- und Wahrheitspflicht. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts sei es nicht Aufgabe der Asylbehörden bei fehlenden
Hinweisen seitens der asylsuchenden Person nach allfälligen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen zu forschen, falls diese – wie vorliegend – ihrer
Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung
nicht nachkomme und die Asylbehörden zu täuschen versuchte. Eine kon-
krete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG bestehe nicht, womit sich
auch der Vollzug der Wegweisung als zumutbar erweise.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2018%20VI/4
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10.2.1 Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Rechtsmitteleingabe zur Zu-
mutbarkeit aus, die bei der Rückkehr drohende Inhaftierung oder eine
Zwangsrekrutierung zum Militärdienst sowie die finanzielle Unterstützung,
die die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr für die Papierbeschaffung
an das Regime leisten müsste, welches für die Unterdrückung ihrer Familie
verantwortlich sei, könne ihr nicht zugemutet werden. Sich in einem Reue-
schreiben als Straftäter zu bekennen und für die Rückkehr Steuern zu be-
zahlen, sei auch individuell nicht zumutbar. Sie dürfe nicht zur Unterstüt-
zung einer durch die UNO verbotenen Massnahme (UNSCR 2023D vom 5.
Dezember 2011) gezwungen werden. Sie würde in diesem Fall gezwungen,
eine völkerrechtswidrige Praxis zu unterstützen. Einen anderen Weg der
Papierbeschaffung habe die Vorinstanz nicht aufgezeigt. Ihre Familienmit-
glieder seien Nomaden und würden in grösster Not leben. Ihr Exmann be-
finde sich in [Staat]. Die drohende Einberufung in den Militärdienst, welche
es ihr künftig verunmögliche, ihre Familie bei der Landwirtschaft zu unter-
stützen oder eine andere existenzsichernde Arbeit aufzunehmen, lasse die
Vorinstanz dabei aussen vor. Schliesslich müsse auch ihre gesundheitliche
Situation berücksichtigt werden, zumal Hinweise für eine schwere psychi-
sche Belastung vorlägen. Der Wegweisungsvollzug sei daher unzumutbar.
10.2.2 Im Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Referenzurteil pu-
bliziert) befasste sich das Bundesverwaltungsgericht eingehend mit der all-
gemeinen Situation in Eritrea und stellte fest, dass in Eritrea weiterhin nicht
von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt be-
ziehungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs nach Eritrea ausgegangen werden könne. Angesichts der schwierigen
allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von
einer Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Um-
stände vorliegen. Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bleibt im
Einzelfall zu prüfen (a.a.O. E. 17).
10.2.3 An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die UN-Sicherheits-
ratsresolution 2023 vom 5. Dezember 2011 nicht die Erhebung der soge-
nannten Diaspora-Steuer an sich verurteilt, sondern lediglich die mutmass-
liche Nutzung der durch die Steuer eingenommenen Mittel zur Destabilisie-
rung der Region des Horns von Afrika (Art. 10) sowie die Eintreibung der
Steuer mittels Erpressung, Gewaltandrohung oder anderen unerlaubten
Mitteln (Art. 11). Die Erhebung der 2%-Steuer verstösst somit nicht zwangs-
läufig gegen die UN-Resolution (vgl. Urteile des BVGer D-6081/2017 vom
5. September 2018 E. 8.2.6 und D-138/2018 vom 23. Februar 2018 E. 7.5).
Schliesslich ist entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht
zu erwarten, dass sie ein Reueschreiben unterzeichnen muss, da sie vor
ihrer Ausreise noch kein Militärdienstaufgebot erhalten hatte und somit
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nicht als Deserteurin oder Wehrdienstverweigerin gilt (vgl. Urteil des BVGer
E-2382/2018 vom 5. November 2019 E. 6.3.2).
10.2.4 Soweit die Vorinstanz anführt, die Beschwerdeführerin habe die Be-
hörden zu täuschen versucht, und dazu festhält, dies entbinde sie von einer
Prüfung des Wegweisungsvollzugs, kann dies in casu nicht bestätigt wer-
den. Die vom SEM ins Feld geführte Praxis rechtfertigt sich nur dann, wenn
der Herkunfts- beziehungsweise Heimatstaat der asylsuchenden Person
aufgrund von unglaubhaften Aussagen oder Nichteinreichen von Identitäts-
dokumenten, folglich einer Mitwirkungspflichtverletzung seitens der asylsu-
chenden Person, nicht feststeht; denn es sprengte den Rahmen der Unter-
suchungspflicht und des Möglichen, wenn die Behörde in dutzenden Län-
dern nach hypothetischen Wegweisungsvollzugshindernissen forschen
müsste. In casu ist indessen die Herkunft unbestritten und es liegen weitere
Sachverhaltselemente vor, die eine Prüfung der Zumutbarkeitskriterien er-
möglichen. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine heute
(...)jährige kinderlose Frau. Zwar finden sich in den Akten Arztberichte zu
psychischen Problemen aus dem Jahre 2016 und 2017, indessen wurden
seither keine weiteren Dokumente zum Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin eingereicht. Es ist daher davon auszugehen, dass sich
ihr gesundheitlicher Zustand stabilisiert hat und sie diesbezüglich keine
ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen muss. Insgesamt stehen damit
keine gesundheitlichen Gründe einer Wegweisung entgegen. Nach eige-
nen Angaben verfügt die Beschwerdeführerin in ihrer Heimat über ein fami-
liäres Beziehungsnetz und hatte bereits vor der Ausreise ihrer Familie bei
der Arbeit mit den Tieren geholfen oder Gold gewaschen. Daher ist anzu-
nehmen, dass sie bei einer Rückkehr wieder bei ihrer Familie wohnen kann
und diese sie bei ihrer sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung
unterstützen wird.
10.2.5 Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit insgesamt als zumut-
bar.
10.3 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückfüh-
rung nach Eritrea derzeit generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der frei-
willigen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entge-
gen. Es obliegt daher der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12). Insoweit die Beschwerdeführerin unter diesem Punkt das
Bezahlen einer 2%-Steuer beanstandet, ist auf die obigen Erwägungen zu
verweisen (E. 11.2.3.). Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch als mög-
lich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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10.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 25. Oktober 2017 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde und seither keine Veränderung der finanziellen Lage ersicht-
lich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
12.2 Nachdem der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung gewährt und Rechtsanwältin Jana Maletic als amtliche Rechts-
beiständin eingesetzt wurde, ist Letzterer ein amtliches Honorar auszurich-
ten.
12.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der
Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältin-
nen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertrete-
rinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die Rechtsvertreterin hat am 12. Oktober 2017 ein Aufwandblatt zu den
Akten gereicht mit einem Zeitaufwand von sieben Stunden, was für die Be-
schwerdeeingabe angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung der seit-
herigen Eingaben wird der Aufwand auf total elf Stunden geschätzt und
demnach das amtliche Honorar (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auf Fr. 2’200. – festgesetzt. Ihr ist
dieser Betrag zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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