Decision ID: 8cfb941b-b6bf-565f-98d4-98893b4e9187
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die aus Russland (Tschetschenien) stammenden Gesuchstellenden such-
ten am 2. Juni 2019 in der Schweiz um Asyl nach.
Der Gesuchsteller begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er
sei am (...) gemeinsam mit Familienangehörigen von E._ nach
F._ gefahren, um dort den anstehenden Geburtstag seines Vaters
zu feiern. Am (...) 2018 hätten sich sein Vater, sein Onkel G._, des-
sen Sohn H._ und er selber zum Freitagsgebet in die Moschee be-
geben. Beim Verlassen der Moschee hätten sie Militärs beziehungsweise
Einheiten von Kadyrow gesehen, welche eine Razzia durchgeführt und da-
bei insbesondere junge Männer mit langen Bärten festgenommen hätten.
Da auch sein Cousin H._ einen langen Bart getragen habe, sei je-
ner ebenfalls festgenommen worden. Um seine Mitnahme zu verhindern,
habe er – der Gesuchsteller – sich bei den Militärs um die Freilassung von
H._ bemüht. Im Rahmen dieser Intervention habe die den Cousin
bewachende Militärperson sich versehentlich in den Fuss geschossen. Im
Zuge einer Rangelei zwischen herbeieilenden Militärs und Verwandten be-
ziehungsweise Einwohnern des Dorfes F._ sei es ihm (dem Ge-
suchsteller) gelungen, sich zu befreien und hinter anderen Menschen zu
verstecken. Sein Vater habe von einem beim Innenministerium tätigen
Freund erfahren, dass die bei der Razzia verletzte Militärperson einen Rap-
port verfasst habe, wonach sie von H._ und ihm (dem Gesuchstel-
ler) angegriffen worden sei. Sein Vater habe ihn aufgefordert, Tschetsche-
nien unverzüglich zu verlassen, da er behördlich gesucht werde. In der
Folge habe er sich nach I._ begeben. Später habe er erfahren, dass
die Polizei bereits am (...) September 2018 bei seiner Ehefrau vorgespro-
chen und sich nach ihm erkundigt habe. Ausserdem sei ihm mitgeteilt wor-
den, dass sein Cousin unter Folter ein Geständnis abgelegt habe, wonach
dieser selbst und der Gesuchsteller sich des Angriffs auf einen Beamten
schuldig gemacht hätten, was in Tschetschenien einen Straftatbestand dar-
stelle (Art. [...] des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation). Im (...)
sowie im (...) 2018 habe die Polizei an ihn gerichtete Vorladungen bei sei-
ner Ehefrau abgegeben. Sowohl bei seiner Frau in E._ als auch bei
seinen Eltern in F._ seien wiederholt Hausdurchsuchungen durch-
geführt worden.
Im März 2019 habe sein Vater eine Menschenrechtsorganisation kontak-
tiert, um eine Untersuchung hinsichtlich der Ereignisse rund um die Razzia
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vom (...) 2018 zu veranlassen beziehungsweise die Unschuld des Gesuch-
stellers und seines Cousins zu beweisen. Als der Chef dieser Organisation
nach Abschluss der Untersuchung Kontakt mit der tschetschenischen Re-
gierung aufgenommen habe, sei ihm mitgeteilt worden, der Fall sei abge-
schlossen, da der Cousin ein Geständnis abgelegt habe. Daraufhin habe
der Chef jener Menschenrechtsorganisation seinen Vater kontaktiert und
diesem mitgeteilt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis er – der Gesuch-
steller – landesweit gesucht werde. Daraufhin habe er I._ zusam-
men mit seiner Ehefrau und den Kindern, die ihm dorthin nachgereist seien,
verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2019 stellte das SEM fest, dass die Gesuch-
stellenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, lehnte deren Asylge-
suche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
an.
Zur Begründung führte die Vorinstanz zusammengefasst aus, die Flucht-
vorbringen der Gesuchstellenden vermöchten den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht standzuhalten. Den
geschilderten Verfolgungsmassnahmen fehle sodann auch ein asylrechtli-
ches Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG. Den Wegweisungsvollzug qualifi-
zierte das SEM als zulässig, zumutbar und möglich.
C.
Die von den Gesuchstellenden dagegen erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3803/2019 vom 20. Dezember
2019 ab.
Das Bundesverwaltungsgericht hielt in seinen Entscheid im Wesentlichen
fest, die Vorinstanz habe die Flüchtlingseigenschaft des Gesuchstellers mit
zutreffender Begründung verneint. Hinzu komme, dass die russischspra-
chigen Quellen keine Hinweise auf die geltend gemachte Razzia in
F._ von Ende (...) 2018 enthalten würden. Hingegen seien andere
Festnahmen oder Razzien der Sicherheitsorgane im Bezirk J._ in
jüngerer Zeit belegt. Angesichts der Behauptung des Gesuchstellers, es
seien damals ungefähr 40 Leute festgenommen und etwa 20 bis 25 Mili-
tärautos bei der Razzia eingesetzt worden, müsse angenommen werden,
dieses Ereignis hätte in den Medien seinen Niederschlag gefunden, falls
es tatsächlich stattgefunden hätte.
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Bezüglich des eingereichten Beweismittels – eine vom 22. Juli 2019 da-
tierte Bescheinigung der Hauptdirektion des (...) der Stadt E._ –
wonach er wegen Verstosses gegen die Bestimmung von Art. (...) des
Strafgesetzbuches der Russischen Föderation auf der russischen Fahn-
dungsliste stehe, hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass er nach
dieser Darstellung nicht nur in der autonomen Republik Tschetschenien,
sondern in ganz Russland zur Fahndung ausgeschrieben wäre. Gleichzei-
tig deute der Strafrahmen von Art. (...) des Strafgesetzbuches der Russi-
schen Föderation, nämlich eine Freiheitsstrafe von zwölf bis zwanzig Jah-
ren, allenfalls auch lebenslängliche Haft oder die Verhängung der Todes-
strafe, darauf hin, dass es sich hierbei aus Sicht der russischen Behörden
um ein schweres Vergehen handle. Eine Überprüfung der entsprechenden
öffentlich zugänglichen Fahndungsliste des russischen Innenministeriums
habe indessen ergeben, dass der Name des Gesuchstellers dort nicht auf-
geführt sei. Sein Name figuriere auch nicht auf den auf der öffentlichen
Website des Innenministeriums der Republik Tschetschenien aufgeschal-
teten Fahndungsbildern von kriminellen Personen, nach welchen landes-
weit in ganz Russland gesucht werde, was darauf hindeute, dass der Ge-
suchsteller im Zusammenhang mit der Strafbestimmung von Art. (...) durch
die heimatlichen Behörden nicht gesucht werde.
Weiter falle auf, dass laut der (vom Gesuchsteller eingereichten) deutsch-
sprachigen Übersetzung des vorerwähnten Bestätigungsschreibens vom
22. Juli 2019 lediglich "Hinweise darauf" bestünden, dass der Gesuchstel-
ler auf der "allrussischen Fahndungsliste" stehe. Es leuchte nicht ein, wes-
halb die Hauptdirektion des (...) der Stadt E._ nicht genau zu wis-
sen scheine, ob der Gesuchsteller tatsächlich landesweit gesucht werde
oder nicht, zumal anzunehmen sei, dass gerade diese Informationsstelle
über verlässliche Informationen verfügen müsste. Auch dieser Umstand
spreche im Ergebnis klar für den geringen Beweiswert der entsprechenden
Bescheinigung, falls diese nicht gar eine Fälschung darstellen sollte. So-
dann wurden die beiden Bestätigungsschreiben der «interregionalen zivil-
gesellschaftlichen Bewegung zum Schutz der Menschenrechte und Frei-
heiten 'Koalition'» als Gefälligkeitsschreiben ohne nennenswerten Beweis-
wert qualifiziert. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass das SEM zu
Recht die Flüchtlingseigenschaft der Gesuchstellenden verneint und ihre
Asylgesuche abgelehnt habe. Zudem bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht sowohl die angeordnete Wegweisung als auch den verfügten Weg-
weisungsvollzug.
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D.
D.a Mit Verfügung vom 6. März 2020 lehnte das SEM das von den Gesuch-
stellenden am 5. Februar 2020 eingereichte Wiedererwägungsgesuch ab
und stellte die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 16. Juli
2019 fest. Weiter führte es an, dass einer allfälligen Beschwerde keine auf-
schiebende Wirkung zukomme.
D.b Gegen diese Verfügung erhoben die Gesuchstellenden mit Eingabe
vom 8. April 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Diese wird
unter der Geschäftsnummer D-1961/2020 insoweit koordiniert behandelt,
als das gleiche Spruchgremium eingesetzt wurde.
E.
Mit (separater) Eingabe vom 8. April 2020 reichten die Gesuchstellenden
beim Bundesverwaltungsgericht zudem ein Revisionsgesuch gegen das
Beschwerdeurteil D-3803/2019 vom 20. Dezember 2019 ein.
Mit diesem beantragten sie, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 20. Dezember 2019 sei revisionsweise aufzuheben und es sei festzu-
stellen, dass der Gesuchsteller die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Das SEM
sei entsprechend anzuweisen, den Gesuchstellenden Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei das vorgenannte Urteil aufzuheben und die Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Das SEM sei anzuweisen, den
Gesuchstellenden die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Für die Dauer
der Behandlung sei der Vollzug der Wegweisung zu sistieren. Das Revisi-
onsgesuch sei mit der gleichentags eingereichten Verwaltungsbeschwerde
koordiniert zu behandeln. Sollte der Beweiswert amtlicher Dokumente von
Behörden der Russischen Föderation (abermals) angezweifelt werden, sei
deren Echtheit mit Hilfe der Schweizer Vertretung oder auf anderem Wege
zu prüfen. In prozessualer Hinsicht beantragten die Gesuchstellenden die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, sie verfügten nun
über ein erhebliches Beweismittel, datierend vom (...) November 2018,
dessen Existenz ihnen im Urteilszeitpunkt nicht bekannt gewesen sei, mit
dem sie aber ein gegen den Gesuchsteller eingeleitetes Strafverfahren be-
legen könnten. Kurze Zeit nach dem am (...) Januar 2020 ergangenen Ur-
teil gegen den Cousin des Gesuchstellers hätten sie das Beweismittel über
den Rechtsvertreter des Cousins erhältlich machen können.
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Dem Revisionsgesuch lagen mehrere Beweismittel sowie eine Fürsorge-
bestätigung der (...); (datiert vom 25. Februar 2020) bei.
F.
Am 14. April 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegwei-
sung einstweilen aus.
G.
Mit an den Migrationsdienst Bern gerichteter Eingabe vom 26. Mai 2020 –
welche zuständigkeitshalber ans Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet
wurde (Eingang Bundesverwaltungsgericht: 11. Juni 2020) – reichten die
Gesuchstellenden ein als «Medizinisches und soziales Bestätigungs-
schreiben» bezeichnetes Dokument der (...) ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG auf
dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es
ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner
Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuchs Art. 67 Abs. 3
VwVG Anwendung.
1.3 Die Gesuchstellenden versuchen mit der Nachreichung von Beweis-
mitteln, insbesondere mit dem auf den (...) November 2018 datierten Do-
kument, die im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachte Ver-
folgung durch die heimatlichen Behörden zu belegen und machen damit
die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit des Beschwerdeentscheids vom 20. De-
zember 2019 geltend. Die Eingabe vom 8. April 2020 ist damit grundsätz-
lich als Revisionsgesuch entgegenzunehmen.
1.4 Die Gesuchstellenden sind durch das betreffende Beschwerdeurteil
besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf-
hebung oder Änderung. Sie sind daher zur Einreichung des Revisionsge-
suchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam).
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2.
2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-
änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-
scheids angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt
wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. BVGE 2012/7
E. 2.4.2 mit Verweis auf BVGE 2007/21).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG e contrario; sinngemäss
Art. 46 VGG).
2.3 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte
Anforderungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anfor-
derungen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht. Das Gesetz
umschreibt die Revisionsgründe eng, die Rechtsprechung handhabt sie
restriktiv (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.],
Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 121 N 1;
NICOLAS VON WERDT in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis
Handkommentar SHK, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 N 9).
Im Revisionsgesuch ist darzulegen, welcher gesetzliche Revisionsgrund
angerufen und welche Änderung des früheren Entscheids beantragt wird.
Die in Art. 121–123 BGG enthaltene Aufzählung der Revisionsgründe ist
abschliessend (Verletzung von Ausstandspflichten; Nichtbeurteilung von
Anträgen; versehentliche Nichtberücksichtigung von in den Akten liegen-
den Tatsachen; Verletzung der EMRK nach Vorliegen eines Entscheids des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte; nachträgliches Erfahren
von erheblichen Tatsachen oder Auffinden von entscheidenden Beweismit-
teln, unter Ausschluss von Tatsachen oder Beweismitteln, die erst nach
dem Entscheid entstanden sind). Für die Zulässigkeit eines Revisionsbe-
gehrens ist es nicht erforderlich, dass der angerufene Revisionsgrund tat-
sächlich besteht, sondern es genügt, wenn der Gesuchsteller dessen Be-
stehen behauptet und hinreichend begründet.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entschei-
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dende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibrin-
gen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
3.1.1 Der Revisionsgrund der nachträglich erfahrenen Tatsache beinhaltet
zum einen, dass sich diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfah-
rens verwirklicht haben muss; als Revisionsgrund sind somit lediglich so-
genannte unechte Noven zugelassen. Zum anderen verlangt Art. 123
Abs. 2 Bst. a BGG, dass die gesuchstellende Partei die fragliche Tatsache
respektive das entsprechende Beweismittel während des vorangegange-
nen Verfahrens, das heisst bis zur Urteilsfällung, nicht gekannt hat und
deshalb nicht geltend machen konnte. Ausgeschlossen sind damit auch
Umstände und Beweismittel, welche die gesuchstellende Partei bei pflicht-
gemässer Sorgfalt hätte kennen können, ebenso, wenn die Entdeckung
der erheblichen Tatsachen oder Beweismittel auf Nachforschungen beruht,
die bereits im früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn
darin ist eine unsorgfältige Prozessführung der gesuchstellenden Partei zu
erblicken (vgl. zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
S. 306 Rz. 5.47). Dass es einer gemäss Art. 123 BGG um Revision ersu-
chenden Partei nicht möglich war, Tatsachen und Beweise bereits im frühe-
ren Verfahren vor- beziehungsweise beizubringen, ist nur mit Zurückhal-
tung anzunehmen. Der Revisionsgrund der unechten Noven dient nicht
dazu, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wiedergutzumachen
(vgl. ELISABETH ESCHER, a.a.O., Art. 123 N 8). Revisionsweise eingereichte
Beweismittel sind nur dann als neu zu qualifizieren und beachtlich, wenn
sie entweder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder geeignet sind, dem
Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt
gewesen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Partei unbewiesen ge-
blieben sind, respektive wenn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren
vermutlich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. Es genügt nicht,
wenn sie zu einer neuen Würdigung bereits bekannter Tatsachen führen
sollen; für eine andere Würdigung des Sachverhalts besteht im Rahmen
eines Revisionsverfahrens kein Raum.
3.1.2 Auf Revisionsgesuche, die auf erst nach Abschluss des Beschwer-
deverfahrens entstandenen Tatsachen oder Beweismitteln gründen, ist –
unabhängig von der Frage der Erheblichkeit der neuen Tatsachen oder Be-
weismittel – nicht einzutreten (vgl. BVGE 2013/22 E. 13).
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3.2 Vorliegend ist somit zu prüfen, ob die Gesuchstellenden nach Erlass
des Beschwerdeurteils vom 20. Dezember 2019 erhebliche Tatsachen er-
fahren oder Beweismittel aufgefunden haben, die vor dem Entscheid ent-
standen sind, sie aber im vorangegangenen Verfahren nicht hatten geltend
machen respektive nicht beibringen können. Weiter ist zu prüfen, ob die
neuen Vorbringen und Dokumente bei zumutbarer Sorgfalt bereits im
früheren Verfahren hätten geltend gemacht respektive beigebracht werden
können, und ob sie für die Tatbestandsermittlung entscheidend sind, das
heisst, ob sie geeignet sind, die tatbeständliche Grundlage des Beschwer-
deurteils vom 20. Dezember 2019 zu ändern und zu einem anderen Ergeb-
nis zu führen.
3.2.1 Mit Urteil D-3803/2019 vom 20. Dezember 2019 bestätigte das Bun-
desverwaltungsgericht die vorinstanzliche Feststellung, wonach der Ge-
suchsteller nicht in der Lage gewesen sei, ein erhöhtes behördliches Inte-
resse an seiner Person glaubhaft zu machen. Es könne nicht davon aus-
gegangen werden, dass sein Cousin aufgrund der Razzia inhaftiert und
gefoltert worden sei und der Gesuchsteller im Zeitpunkt der Ausreise oder
im Anschluss an seine Ausreise vonseiten der heimatlichen Behörden ge-
sucht worden sei.
3.2.2 Unabhängig von der Frage der verspäteten Geltendmachung ist dem
nachgereichten Beweismittel – einer Verfügung über die Eröffnung eines
Strafverfahrens gegen den Gesuchsteller datierend vom (...) November
2018 – die Erheblichkeit beziehungsweise Eignung abzusprechen. Zu-
nächst ist darauf hinzuweisen, dass das nachgereichte Dokument lediglich
als Kopie vorliegt, weshalb diesem angesichts der leichten Manipulierbar-
keit von Kopien schon aus diesem Grund höchstens eine geringe Beweis-
kraft beigemessen werden kann. Ob dem Dokument aufgrund der notariel-
len Bestätigung beziehungsweise der angebrachten Apostille eine höhere
Beweiskraft zuzusprechen wäre, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu
prüfen, entstanden doch beide Anmerkungen erst im Januar 2020 und da-
mit nach dem Urteil D-3803/2019 vom 20. Dezember 2019. Inhaltlich ver-
mag das Dokument sodann insofern nicht zu überzeugen, als gemäss
Wortlaut die Aushändigung an den Beschuldigten vorgesehen war. Dass
nur eine persönliche Übergabe an diesen möglich gewesen wäre, geht we-
der aus dem Dokument hervor noch erschiene dies sachlich geboten. Da
indessen die Ehefrau des Gesuchstellers gemäss eigenen Angaben bis im
Mai 2015 in E._ wohnte, ist nicht nachvollziehbar, dass ihr das Do-
kument zuhanden ihres Ehemannes nicht übergeben worden wäre. Dies
umso weniger, als an ihn gerichtete Vorladungen im (...) und (...) 2018 bei
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seiner Ehefrau abgegeben worden sein sollen (vgl. SEM-Akten 1042816-
28/18 S. 8). Das nachgereichte Beweismittel ist damit nicht als beweistaug-
lich und somit auch nicht als erheblich im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG zu erachten und vermag somit auch kein Wegweisungshindernis zu
begründen. Nach dem Gesagten erübrigen sich Ausführungen zur Frage,
warum die Beibringung des Dokuments im früheren Verfahren nicht mög-
lich gewesen sein soll. Sodann ist festzuhalten, dass auch das Schreiben
der (...) – datiert vom 26. Mai 2020 – keine Berücksichtigung finden kann,
da auch dieses erst nach dem Urteil D-3803/2019 vom 20. Dezember 2019
ergangen ist.
3.2.3 Angesichts der vorstehenden Erwägungen besteht keine Veranlas-
sung, von Amtes wegen eine Überprüfung des vorgenannten Beweismit-
tels anzuordnen.
3.2.4 Die auf Revisionsebene erhobene Rüge, wonach die Glaubhaftigkeit
der Asylvorbringen der Gesuchstellenden zu Unrecht verneint worden sei,
sowie der Verweis auf eine korrigierte Übersetzung eines im erstinstanzli-
chen Verfahren eingereichten Beweismittels läuft sodann auf eine appella-
torische Kritik am Beschwerdeurteil vom 20. Dezember 2019 beziehungs-
weise auf eine Beanstandung der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts
hinaus. Ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 121 BGG oder Art. 123
Abs. 2 Bst. a BGG wird damit nicht angerufen. Bezüglich des Verweises
auf die allgemeine Lage beziehungsweise auf die Menschenrechtslage in
Tschetschenien ist festzuhalten, dass dieser Bereich im Beschwerdeurteil
vom 20. Dezember 2019 geprüft und berücksichtigt worden ist. Die dies-
bezüglichen Ausführungen der Gesuchstellenden in der Revisionseingabe
zur allgemeinen Menschenrechtslage in Tschetschenien und dem damit
einhergehenden Verweis auf ein Schreiben von K._ an L._
vom 10. Dezember 2016 sowie einer Auflistung von Verstössen gegen die
Menschenrechte in Tschetschenien vom 7. November 2019 sind daher
ebenfalls als appellatorische Kritik zu qualifizieren. Dafür besteht im Rah-
men eines Revisionsverfahrens indes kein Raum. Eine andere Sachver-
halts- oder Beweiswürdigung ist einem Revisionsverfahren, das an enge
formelle Voraussetzungen gebunden ist, nicht zugänglich, da die Revision
kein ordentliches Rechtsmittel darstellt.
4.
Den Gesuchstellenden ist es damit nicht gelungen, Gründe darzulegen
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respektive relevante Beweismittel vorzulegen, die eine Revision des Be-
schwerdeurteils D-3803/2019 vom 20. Dezember 2019 rechtfertigen wür-
den. Das Revisionsgesuch vom 8. April 2020 ist demzufolge abzuweisen.
5.
5.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeich-
nen waren, womit die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht er-
füllt sind.
5.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.–
den Gesuchstellenden aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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