Decision ID: 67ca19a8-5bee-5417-91e3-f09f5addd173
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 17. Juni 2013 bei der IV-Stelle wegen psychischer
Probleme zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Mit Bericht vom 4. Juli 2013
stellte ihr Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeine Medizin / Tropenmedizin FMH, gestützt
auf den Bericht über das Indikationsgespräch des Psychiatrischen Zentrums C._
vom 6. Juni 2013 folgende Diagnosen: ADHS, Verdacht auf Borderline-Störung,
rezidivierende depressive Episoden (IV-act. 10).
A.a.
Mit Eingliederungsplan vom 3. Juni 2014 vereinbarte die IV-Stelle mit der
Versicherten einen Arbeitsversuch vom 3. Juni 2014 bis 2. November 2014 mit einem
Anfangspensum von 60% als Pflegehelferin in der D._. Ziel war die
Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 36; vgl. auch Mitteilung
Zusprache eines Arbeitsversuchs vom 6. August 2014, IV-act. 44).
A.b.
Nachdem eine Steigerung des Arbeitspensums während des Arbeitsversuchs
gescheitert war, stellte die Stiftung D._ die Versicherte mit Arbeitsvertrag vom
16. Oktober 2014 ab 1. November 2014 als Pflegehelferin SRK in einem 60%-Pensum
an (IV-act. 48 und 49-7). Mit Mitteilung vom 24. Juni 2015 schloss die IV-Stelle die
beruflichen Massnahmen ab (IV-act. 61).
A.c.
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Mit Verfügung vom 17. Februar 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten vom
1. Dezember 2013 eine halbe und ab 1. November 2014 eine Viertelsrente zu (IV-
act. 92).
A.d.
Am 7. Februar 2017 kündigte die Stiftung D._ das Arbeitsverhältnis mit der
Versicherten wegen vermehrter krankheitsbedingter Absenzen per 30. April 2017 (vgl.
IV-act. 122-8 und 122-10 f.).
A.e.
Am 5. Mai 2017 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle um eine Erhöhung der Rente,
nachdem bei ihr ein Morbus Crohn diagnostiziert worden war (vgl. IV-act. 99-2 und
100). Mit Arztbericht vom 15. November 2017 schätzte die behandelnde Psychiaterin,
med. pract. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegehelferin auf höchstens 10%,
die Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit auf höchstens 40% (IV-
act. 116-2).
A.f.
Am 9. März 2018 beauftragte die IV-Stelle die SMAB AG Swiss Medical Dr. med.
F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. G._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, mit einer bidisziplinären
Begutachtung der Versicherten (vgl. IV-act. 119 f.).
A.g.
Mit Gutachten vom 8. Juni 2018 stellten die SMAB-Gutachter folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline-Typ (ICD-10 F60.31), schädlicher Gebrauch von Cannabis (ICD-10 F12.1)
und Morbus Crohn (ED 07/2016). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannten sie eine ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0), eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F34.4), St.n.
Appendektomie 2008 und eine gastroösophageale Refluxkrankheit. Die Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegehilfe betrage 40 bis 50%. Diese Tätigkeit
entspreche nicht dem optimalen Belastungsprofil. In einer leidensangepassten Tätigkeit
betrage die Arbeitsfähigkeit seit Frühjahr 2016 ca. 60% (IV-act. 125-8 ff. und 125-45).
A.h.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 129 ff.) wies die IV-Stelle das
Gesuch um Rentenerhöhung mit Verfügung vom 29. November 2018 gestützt auf das
SMAB-Gutachten ab. Die Versicherte habe die Ausbildung zur
A.i.
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B.
Hauswirtschaftsangestellten einen Monat vor Abschluss abgebrochen, da sie sich mit
der Mutter der Familie, bei der sie die Ausbildung absolviert habe, nicht verstanden
habe. Sie sei als Einsatzleiterin tätig gewesen und habe später den SRK-Kurs
absolviert. Sie habe sich daher berufliche Kenntnisse angeeignet, welche eine
Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ermöglichen würden. Nach der
Rentenzusprache könnten jederzeit Massnahmen der Wiedereingliederung mit dem Ziel
der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit der Versicherten durchgeführt werden, soweit
diese angezeigt seien (IV-act. 139).
Am 14. Dezember 2018 ersuchte die Versicherte um berufliche Massnahmen (IV-
act. 143). Am 22. Januar 2019 teilte die IV-Stelle ihr in einem formlosen Schreiben mit,
der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" komme im Rahmen eines erstmaligen
Rentengesuchs zum Tragen. Vorliegend bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige
Viertelsrente (IV-act. 145).
A.j.
Gegen die Verfügung vom 29. November 2018 erhebt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin Silvana Ebneter, am 14. Januar 2019 Beschwerde. Sie beantragt, die
Verfügung sei aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Mehrwertsteuer zulasten der
Beschwerdegegnerin. Sie begründet ihre Beschwerde im Wesentlichen damit, in seiner
Stellungnahme vom 22. September 2017 habe der RAD festgehalten, dass eine
Morbus Crohn-Erkrankung auch bei "erfreulichem Verlauf" einen relevanten Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit haben könne, insbesondere bei Co-Morbidität mit psychischen
Gesundheitsschäden, da chronisch-entzündliche Darmerkrankungen stressgesteuert
seien und der psychische Gesundheitszustand ohnehin schon eine niedrigere
Stresstoleranz bedeute. Die SMAB-Gutachter hätten sich nicht zu den
Wechselwirkungen zwischen der psychischen und der somatischen Erkrankung
geäussert. Der psychiatrische Gutachter habe die Auswirkungen der somatischen
Symptome des Morbus Crohn überhaupt nicht berücksichtigt. Der
gastroenterologische Gutachter habe vermerkt, dass eine Standortbestimmung
bezüglich der Aktivität des Morbus Crohn notwendig sei, um die Symptome und
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/22
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Funktionseinbussen genau bestimmen zu können. Die Beschwerdegegnerin habe
dennoch keine diesbezüglichen Abklärungen vorgenommen. Da die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung seit ungefähr zwölf Monaten nicht
mehr in ärztlicher Behandlung gestanden habe, hätten auch keine medizinischen
Unterlagen mehr vorgelegen, welche die Aktivität der Darmerkrankung dokumentiert
hätten. Obschon die Beschwerdeführerin sich seit Mai 2018 wieder behandeln lasse,
habe die Beschwerdegegnerin weder einen ärztlichen Bericht eingeholt noch die
Behandlung bzw. Untersuchungen abgewartet, obwohl die Beschwerdeführerin auf die
diskrepanten Untersuchungsergebnisse des fäkalen Calprotectin hingewiesen habe.
Damit habe die Beschwerdegegnerin die Untersuchungsmaxime verletzt und den
Sachverhalt unzureichend festgestellt. Die Beschwerdeführerin leide seit ihrer Kindheit
unter psychischen Defiziten (Borderline-Persönlichkeit / ADHS). Die langandauernde
Krankheit habe demnach im Kindes- und Jugendalter begonnen. Die
Beschwerdeführerin sei demnach als Frühinvalide zu betrachten. Sie habe
dementsprechend an keiner Arbeitsstelle wirklich Fuss fassen können. Das
Haushaltslehrjahr habe sie einen Monat vor Abschluss aus gesundheitlichen Gründen
abbrechen müssen. Beim SRK-Kurs handle es sich um einen 120 Stunden
umfassenden Theoriekurs mit anschliessendem 12- bis 15-tägigen Praxiseinsatz.
Aufgrund ihrer Einschränkung habe sie nie ein volles Pensum als Pflegehelferin SRK
erreicht. Als "Einsatzleiterin" habe sie lediglich in einem 50%-Pensum im Rahmen eines
Sozialprojekts Sozialhilfeempfänger zu deren Einsätzen chauffiert und betreut.
Insgesamt habe sie aufgrund ihrer Invalidität keine ausreichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben können. Sie habe somit nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten
realisieren können, wie eine nicht invalide Person mit derselben Ausbildung. Das
Valideneinkommen betrage somit gestützt auf Art. 26 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) Fr. 82'000.--. Falls das Valideneinkommen
nicht nach dieser Gesetzesbestimmung berechnet werde, könne entgegen den Aus
führungen der Beschwerdegegnerin nicht auf den Lohn als Pflegehelferin SRK
abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin hätte ohne gesundheitliche
Einschränkungen mindestens eine Lehre abgeschlossen, sodass für das
Valideneinkommen das Niveau 2 der gemäss den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden
könne. In diesem Fall betrage das Valideneinkommen für das Jahr 2018 Fr. 61'850.--.
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Da die Beschwerdeführerin kein tatsächliches Einkommen auf dem ersten Arbeitsmarkt
erziele, sei für das Invalideneinkommen auf das Niveau 1 der LSE abzustellen, wobei
ein Tabellenlohnabzug von 25% vorzunehmen sei. Aus dem Einkommensvergleich
resultiere ein Invaliditätsgrad von 70%. Sie habe ihre bisherige Arbeitsstelle wegen der
neuen Morbus Crohn-Erkrankung aufgeben müssen. Dank eigenen Bemühungen
könne sie seit November 2018 bei einer verständnisvollen Arbeitgeberin als Kiosk-
Verkäuferin einen Arbeitsversuch machen. Indem die Beschwerdegegnerin ohne
Prüfung von beruflichen Massnahmen eine Verfügung erlassen habe, habe sie sowohl
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" als auch die Untersuchungsmaxime verletzt
(act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die Gutachter hätten eine Konsensberatung
vorgenommen und die allfälligen gegenseitigen Auswirkungen der psychiatrischen und
gastroenterologischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit diskutiert. Die
Arbeitsfähigkeiten aus gastroenterologischer und psychiatrischer Beurteilung würden
sich nicht kumulieren. Hätte Morbus Crohn Auswirkungen auf die Borderline-Krankheit
und damit auf die Arbeitsfähigkeit, so hätte der Gutachter dies in seinem
psychiatrischen Befund miteinfliessen lassen. Morbus Crohn sei eine Entzündung und
somit rein somatisch zu betrachten. Die Beschwerdeführerin sei umfangreich
untersucht worden. Allfällige Auswirkungen des Morbus Crohn auf die Psyche,
insbesondere auf die Affektivität hätten dabei erfasst werden müssen. Die durch
Morbus Crohn möglichen Beschwerden seien bei den Adaptionskriterien berücksichtigt
worden. Morbus Crohn sei behandelbar, wodurch die Symptome reduziert werden
könnten. Im Sinne der Schadenminderungspflicht könne von der Beschwerdeführerin
erwartet werden, sich adäquat behandeln zu lassen. Die Beschwerdeführerin habe ihre
Hauswirtschaftslehre aus invaliditätsfremden Gründen abgebrochen. Sie hätte sich
somit berufliche Fähigkeiten aneignen können. Damit sei Art. 26 IVV nicht anwendbar.
Ein Leidensabzug sei nicht angezeigt, da die Einschränkungen im Zumutbarkeitsprofil
beachtet worden seien. Die Beschwerdeführerin habe sich mit ihrer neuen Arbeit selbst
eingegliedert und eine wohlwollende Arbeitgeberin gefunden. Ausserdem sei die
Invalidität und die Höhe der Arbeitsunfähigkeit strittig, weshalb vor einem Entscheid
bezüglich dieser die Durchführung von weiteren beruflichen Massnahmen keinen Sinn
B.b.
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mache. Da jedoch gemäss Zumutbarkeitsprofil nur noch Hilfsarbeiterarbeit in Frage
komme, stelle sich die Frage bezüglich beruflicher Massnahmen aufgrund des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes nicht mehr (act. G6).
Mit Replik vom 26. Juni 2019 bringt die Beschwerdeführerin vor, Morbus Crohn
fordere von den Betroffenen eine grosse Frustrationstoleranz, soziale Unterstützung
und die Fähigkeit, unvorhersehbare Belastungen zu bewältigen. Die Erkrankung stelle
einen derartigen Stressor dar, dass dieser insbesondere bei Personen mit prämorbider
Disposition Symptome hervorrufen könne, die für eine psychische Diagnose reichen
würden. Die Beschwerdeführerin leide an einer emotional-instabilen
Persönlichkeitsstörung (Borderline-Störung). Seit Ausbruch des Morbus Crohn habe sie
60 kg Gewicht verloren und die depressiven Phasen und die Selbstverletzungen seien
häufiger geworden. Ohne ihren Hund verlasse sie die Wohnung nur in seltenen Fällen.
Der Morbus Crohn wirke sich nicht nur auf ihren Verdauungstrakt aus, er lasse sie auch
schneller ermüden und sie leide vermehrt an Kopf- und Rückenschmerzen sowie unter
Gelenk- und Gliederschmerzen. Der psychiatrische SMAB-Gutachter habe die Morbus
Crohn-Erkrankung bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
nicht einfliessen lassen. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. F._ sei nicht
plausibel. Daraus folge, dass ein wesentlicher Teil der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
schlüssig und nachvollziehbar begründet sei. In Bezug auf den Aspekt der
Komorbidität fordere die Rechtsprechung eine Gesamtbetrachtung der
Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der psychischen Erkrankungen zu
sämtlichen begleitenden krankheitswerten Störungen. Die pauschale Behauptung der
Gutachter, die Teilarbeitsunfähigkeiten würden sich nicht addieren, werde in keiner
Weise begründet und sei demnach nicht nachvollziehbar. Die Auswirkungen des
Morbus Crohn seien abhängig von der Krankheitsschwere und der Krankheitsaktivität.
Dieser Meinung sei auch Dr. G._. Daher relativiere er seine Ausführungen im
gastroenterologischen Teilgutachten mit "soweit beurteilbar" oder stelle lediglich "ca."-
Schätzungen auf. Offensichtlich sei eine verlässliche Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit angesichts der vorhandenen Informationen für den Facharzt nicht
möglich. Damit sei ein weiterer wesentlicher Teil der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
schlüssig und detailliert begründet. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit Mai 2018
in gastroenterologischer Behandlung und werde von einer Ernährungsberaterin
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/22
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Considerations:
Erwägungen
1.
begleitet. Sie sei sich der schädlichen Auswirkung des Nikotin- und Cannabiskonsums
auf den Verlauf der Morbus Crohn-Erkrankung bewusst. Seit Januar 2018 habe sie
diesen daher mit Hilfe ihrer Psychologin stark reduziert. Da sie das Cannabis zur
Linderung der Depression sowie der Borderline-bedingten Unruhezustände oder
Ängste verwende, sei es für sie kaum zumutbar, darauf zu verzichten. Tabak- und
Drogenmissbrauch seien häufig eine komorbide Störung bei einer Borderline-
Erkrankung. Entgegen der Argumentation der Beschwerdegegnerin habe die
Beschwerdeführerin die Hauswirtschaftslehre aus gesundheitlichen und nicht aus
invaliditätsfremden Gründen abgebrochen. Ihr Arbeitsversuch als Kiosk-Verkäuferin mit
kleinem, variablem Pensum sei mittlerweile gescheitert. Von einer Selbsteingliederung
könne deshalb keine Rede sein. Die Haltung der Beschwerdegegnerin betreffend
berufliche Massnahmen sei nicht nachvollziehbar (act. G11).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G12 und act. G13).B.d.
Nach Art. 8 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/22
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2.
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4).
1.4.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Anpassung der Rente
gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den
Umfang des Anspruchs (ein Viertel, ein Zweitel, drei Viertel, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2
IVG) auswirkt (BGE 134 V 131 E. 3). Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen
Änderung des Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich
gleich gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die bloss
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert
gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit keinen Revisionsgrund im
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/22
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3.
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Januar 2010,
9C_798/2009, E. 3.1; BGE 112 V 371 E. 2b, mit weiteren Hinweisen).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht. Relevant ist mithin die letzte anspruchsändernde
Verfügung. Ob eine revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich also
durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen
Verfügung bestand, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Neubeurteilung (BGE 133 V 108 E. 4.1 und E. 5.4).
2.2.
Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 Satz 1 IVV).
Sofern die versicherte Person die Revision verlangt, erfolgt die Erhöhung der Renten
von dem Monat an, in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde (Art. 88 Abs. 1 lit. a
IVV).
2.3.
bis
Wenn ein Revisionsgrund gegeben ist, prüft die Verwaltung den Rentenanspruch in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend ("allseitig"), wobei keine Bindung an
frühere Beurteilungen besteht. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte
Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der
allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes Anspruchselement
zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente führt (BGE 141 V 9
E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2014, 9C_378/2014, E. 4.2, je mit
Hinweisen).
2.4.
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung der Änderung des Invaliditätsgrades
ist vorliegend die in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 17. Februar 2016 (IV-
act. 92). Unstreitig hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dieser
Verfügung verändert, indem zu ihren psychischen Leiden eine somatische Erkrankung
in Form des Morbus Crohn hinzugetreten ist. Da somit ein Revisionsgrund gegeben ist,
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/22
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4.
ist der Rentenanspruch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung umfassend zu
prüfen (vgl. E. 2.4 vorstehend).
Während die Beschwerdeführerin eine erhebliche Verschlechterung ihrer Arbeits
fähigkeit geltend macht, stellt die Beschwerdegegnerin auf das SMAB-Gutachten vom
8. Juni 2018 ab, welches im Rahmen einer allseitigen Prüfung zum Ergebnis gelangte,
dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bis zum Auftreten des Morbus Crohn
in einer adaptierten Tätigkeit 80% und seit dem Frühjahr 2016 60% betragen habe (vgl.
IV-act. 125-32 f. und 125-45).
3.2.
Streitig und zu prüfen ist, ob das SMAB-Gutachten beweiskräftig ist. Die
Beschwerdeführerin weist darauf hin, die RAD-Ärztin Dr. J._ habe in ihrer
Stellungnahme vom 22. September 2017 festgehalten, dass ein Morbus Crohn auch
bei angenehmem Verlauf einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könne,
insbesondere bei Co-Morbidität mit psychischen Gesundheitsschäden, da chronisch-
entzündliche Darmerkrankungen stressgesteuert seien und der psychische
Gesundheitsschaden ohnehin schon eine erniedrigte Stresstoleranz bedeute (act. G1,
S. 6 f.).
4.1.
Die RAD-Ärztin, welche Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, hat in
ihrer Stellungnahme vom 22. September 2017 auch festgehalten, stress-getriggert
müsse nun nicht nur mit einer psychischen Symptomatik, sondern auch mit einer
entzündlichen Darmerkrankung gerechnet werden. Eine noch geringere Stress-
Resilienz müsse angenommen werden, weshalb eine Tätigkeit im Pflegeberuf, welche
schon ursprünglich als nicht leidensadaptiert eingestuft worden war (vgl. IV-act. 49-7
und 58 f.), nicht mehr geeignet sei. In einer angepassten Tätigkeit könne eine höhere
Arbeitsfähigkeit als vorbestehend in der Pflege möglich sein. Eindeutige,
nachvollziehbare Angaben der Behandler würden jedoch noch nicht vorliegen (IV-
act. 108-3).
4.1.1.
Die RAD-Ärztin hat somit lediglich auf die Möglichkeit einer Verschlechterung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit hingewiesen und auf diese Weise
begründet, dass weitere Abklärungen notwendig seien (siehe ebenfalls IV-act. 108-3).
Diese Abklärungen fanden in der Folge statt. Insbesondere wurde ein bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten beurteilte RAD-Ärztin J._ in ihrer
Stellungnahme vom 14. Juni 2018 als beweiskräftig (vgl. IV-act. 126). Aus der früheren
4.1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/22
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RAD-Stellungnahme vom 22. September 2017 kann somit nicht abgeleitet werden, das
SMAB-Gutachten sei fehlerhaft.
Die Beschwerdeführerin kritisiert, die SMAB-Gutachter würden sich nicht zu den
Wechselwirkungen zwischen der psychischen und der somatischen Erkrankung
äussern. Der Umgang mit Morbus Crohn sei für Menschen mit psychischen
Krankheiten belastender als für Gesunde.
4.2.
Der psychiatrische Gutachter erachtete in seinem Fachgebiet eine
Arbeitsfähigkeit von 80% als möglich (IV-act. 125-34). Der gastroenterologische
Gutachter hielt für sein Fachgebiet fest, die Beschwerdeführerin sei im aktuellen
Zustand, bei fehlender adäquater Behandlung und nachgewiesener Krankheitsaktivität,
zu 60% arbeitsfähig. Diese Arbeitsfähigkeit könne durch eine medizinisch adäquate
medikamentöse Therapie des Morbus Crohn relevant verbessert werden. Es bestünden
gute Chancen auf eine deutliche Besserung der Beschwerden und die
Therapiemöglichkeiten seien bei Weitem nicht ausgeschöpft (vgl. IV-act. 125-6 und
125-44 ff.). Obwohl also der psychiatrische Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 80%
als möglich erachtete und der gastroenterologische Gutachter eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit bei korrekter Behandlung von 60% auf einen höheren Grad als möglich
ansah, legten die Gutachter in der Konsensbeurteilung eine Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit von nur 60% fest. Insofern ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung in
der Konsensbeurteilung so tief ausgefallen, dass die Wechselwirkung der
verschiedenen Leiden als berücksichtigt angesehen werden kann.
4.2.1.
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch die Schilderungen der
Beschwerdeführerin sowie die Untersuchungsbefunde. Die Beschwerdeführerin wirkte
bei beiden Untersuchungen nicht schmerzgeplagt oder über das anlässlich der
Begutachtung zu erwartende Mass angespannt. Dies, obschon sie gegenüber
Dr. G._ angab, unter extremen Gelenk-, Rücken- und Kopfschmerzen und je nach
psychischem Befinden unter Nausea und Erbrechen zu leiden sowie öfters diffuse
Bauchschmerzen zu haben. Betreffend Tagesablauf gab sie an, ihren Ehemann
morgens häufig zum Bahnhof zu begleiten, mehrmals täglich alleine, mit einer
Nachbarin oder mit dem Ehemann für bis zu zwei Stunden mit dem Hund spazieren zu
gehen, den Haushalt zu machen, mit Nachbarn Tee zu trinken, einkaufen zu gehen,
Bekannte zu besuchen, viel zu lesen, das Abendessen zuzubereiten und mit dem
Ehemann einzunehmen und abends fernzusehen. Im Haushalt brauche sie keine Hilfe.
Sie pflege auch über Whatsapp Kontakte. Am Wochenende würde sie mit ihrem
Ehemann "relativ häufig" einen Ausflug machen. Während der psychiatrischen
4.2.2.
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Untersuchung waren Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung, Denken, Sprache,
Sprechen und Wahrnehmung sowie Gedächtnis und Ich-Bewusstsein der
Beschwerdeführerin unbeeinträchtigt. Dr. F._ beschrieb, subjektiv habe die
Beschwerdeführerin zwar geäussert, sie sei in einer depressiven Phase, antriebslos und
traurig, in der Untersuchungssituation habe sich das aber nicht gezeigt. Sie sei gut
schwingungsfähig und modulierbar gewesen. Auch die von der Beschwerdeführerin
beschriebenen positiv besetzten Alltagsaktivitäten würden deutlich gegen eine stärker
ausgeprägte Depressivität sprechen (vgl. IV-act. 125-26 ff., 125-39 f., 125-41).
Aus diesen Angaben im Gutachten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin zum
Gutachtenszeitpunkt trotz des damals unbehandelten, aktiven Morbus Crohn ein
erhebliches Aktivitätsniveau hatte. Aus der Begründung Dr. F._s, weshalb keine
relevante Depression vorlag, lässt sich ausserdem ersehen, dass die emotionale
Belastung der Beschwerdeführerin verhältnismässig tief war und die Morbus Crohn-
Erkrankung sie in psychischer Hinsicht nicht wesentlich belastete. Somit waren weitere
Äusserungen zur Wechselwirkung der psychischen und somatischen Erkrankungen
oder eine Diskussion der Auswirkung des Morbus Crohn auf die Psyche der
Beschwerdeführerin nicht erforderlich.
4.2.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, Dr. G._ habe betreffend Morbus Crohn
eine Standortbestimmung für notwendig erachtet. Die Beschwerdegegnerin habe
deshalb die Untersuchungsmaxime verletzt, weil sie diesbezüglich keine weiteren
Abklärungen getätigt habe. Die Beschwerdeführerin lasse sich seit Mai 2018 wieder
behandeln.
4.3.
Die gutachterlichen Untersuchungen fanden am 12. bzw. 17. April 2018 statt (IV-
act. 125-20 und 125-37). Die Behandlung nahm die Beschwerdeführerin erst nach den
Gutachterterminen auf. Der Ultraschallbericht ist ebenfalls nach dem Gutachtertermin
datiert. Die Fotos und der Bericht ihres Ehemannes wurden gar erst im
Beschwerdeverfahren eingereicht. Auch wenn die Beschwerdeführerin die Behandlung
vor dem Versand des Gutachtens am 8. Juni 2018 wiederaufgenommen hat, sind die
Ausführungen im Gutachten somit korrekt. Die Wiederaufnahme der Behandlung
schmälert den Beweiswert des Gutachtens somit nicht.
4.3.1.
Durch eine Standortbestimmung und die Wiederaufnahme der Behandlung des
Morbus Crohn sollte sodann gemäss der gutachterlichen Einschätzung eine Linderung
der Symptomatik und demzufolge eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eintreten (vgl.
IV-act. 125-46). Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands, welche eine
weitergehende Invalidität bei der Beschwerdeführerin ausgelöst hätte, war hingegen
4.3.2.
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nicht zu erwarten. Dass die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen
diesbezüglich veranlasste, konnte sich daher nicht zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin auswirken und stellte keine Verletzung der Untersuchungsmaxime
dar.
Im von der Beschwerdeführerin eingereichten und vom RAD geprüften (siehe IV-
act. 138-1) Ultraschallbericht vom 30. August 2018 wird sodann zwar ein
Calprotectinanstieg festgehalten, aber gleichzeitig erwähnt, die Ileitis terminales sei
sonographisch unverändert und die Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv wohl (IV-
act. 137-5). Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich somit zwischen
der Begutachtung und der Verfügung vom 29. November 2018 offenbar nicht relevant
verschlechtert. Auch vermag der Ultraschallbericht keine Zweifel am SMAB-Gutachten
zu wecken. Nicht die Höhe des Calprotectinwertes ist für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades relevant, sondern die Auswirkung der Erkrankung auf die
Arbeitsfähigkeit, mithin die Schwere der Symptomatik und die damit verbundene
Funktionseinschränkung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2018,
9C_273/2018. E. 4.2, mit Hinweisen). Dass die Beschwerdeführerin sich auch
anlässlich des Ultraschalluntersuchs vom 30. August 2018 subjektiv wohl fühlte, stimmt
mit der Wahrnehmung der SMAB-Gutachter überein.
4.3.3.
Die Beschwerdeführerin reichte mit der Replik einen wissenschaftlichen Artikel
ein, welcher die Beeinträchtigung der psychosozialen Situation durch Erkrankungen
wie Morbus Crohn thematisiert (act. G11.1). Dieser mag zwar als Indiz für die
Möglichkeit einer Wechselwirkung zwischen der psychischen und der somatischen
Erkrankung der Beschwerdeführerin dienen, vermag aber nichts daran zu ändern, dass
anlässlich der Begutachtung im vorliegenden Fall keine ausgeprägte Wechselwirkung
festgestellt wurde. Die Beschwerdeführerin reichte mit der Replik zudem Fotos ein,
welche Selbstverletzungen vom März bzw. Mai 2019 dokumentieren sollen.
Schliesslich reichte sie einen Erfahrungsbericht ihres Ehemannes ein, in welchem er
schildert, wie er die Beschwerdeführerin erlebt (act. G11.2 bis act. G11.7). Anlässlich
der Begutachtung lagen indes keine frischen Selbstverletzungen vor und die
Beschwerdeführerin gab an, sie schneide sich noch ein bis zwei Mal im Monat, lerne
jetzt aber in der Psychotherapie, anders mit Spannungszuständen zurecht zu kommen
(vgl. IV-act. 125-9 und 125-41, an den Unterarmen hätten sich zahlreiche gut verheilte
kleinere Narben gezeigt, am rechten Ellenbogen nicht ganz frische
Schnittverletzungen). Die Situation im Begutachtungszeitpunkt stellte sich damit anders
dar, als jene, welche in der Replik geschildert wird. Nach ständiger Rechtsprechung
beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der
4.3.4.
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Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des
Verfügungserlasses gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert
haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (Urteil
des Bundesgerichts vom 1. April 2019, 8C_622/218, E. 3.2, mit Hinweis auf BGE 121 V
362 E. 1b). Demnach können die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
Selbstverletzungen aus dem Jahr 2019 bei der Beurteilung der Verfügung vom
29. November 2018 nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig wie der
Erfahrungsbericht ihres Ehemannes aus demselben Jahr.
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass der Sachverhalt genügend abgeklärt ist.
Das bidisziplinäre SMAB-Gutachten ist umfassend und beruht auf allseitigen
Untersuchungen. Die Beschwerdeführerin hatte Gelegenheit, ihre Beschwerden zu
schildern und ihre Schilderungen wurden von den Gutachtern ebenso wie die Vorakten
berücksichtigt. Insgesamt wird die medizinische Situation im SMAB-Gutachten
einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerungen der Gutachter sind
nachvollziehbar. Dem SMAB-Gutachten kommt somit voller Beweiswert zu (vgl. E. 1.5
vorstehend). Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist
rechtsprechungemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteile des
Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020, E. 4.1 und vom 13. Februar 2019,
8C_801/2018, E. 4.3). Solche Indizien bringt die Beschwerdeführerin im vorliegenden
Verfahren nicht bei. Gemäss dem SMAB-Gutachten schöpfte die Beschwerdeführerin
ihre Therapiemöglichkeiten nicht aus (IV-act. 125-46). Mit der Wiederaufnahme der
gastroenterologischen Behandlung seit Mai 2018 kam sie ihrer
Schadenminderungspflicht nach. Dasselbe gilt für den gemäss ihren Angaben
reduzierten Cannabis- (und Nikotin-) Konsum, welcher sich sowohl in psychiatrischer
als auch gastroenterologischer Sicht negativ auf den Gesundheitszustand auswirkt (IV-
act. 125-34 und 125-43). Bei dauerhaftem Verzicht auf Cannabis wäre gemäss dem
psychiatrischen SMAB-Gutachter gar eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten (IV-act. 125-34). Insgesamt vermag die Beschwerdeführerin mit den
eingereichten Unterlagen keine Zweifel am Gutachten zu wecken. Ebenfalls kann der
Beschwerdegegnerin keine Verletzung der Untersuchungsmaxime vorgeworfen
werden, da die Beschwerdeführerin nicht darzulegen vermag, inwiefern mit der
Wiederaufnahme der Behandlung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit
dem Gutachtenszeitpunkt eingetreten sein soll. Nach dem Gesagten ist die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit als zu 60% arbeitsfähig anzusehen.
4.4.
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5.
Die Beschwerdeführerin kritisiert sodann die Berechnung des Invaliditätsgrades.
Der Beginn der lang andauernden Krankheit sei entgegen den Angaben in der
Verfügung vom 17. Februar 2016 nicht auf den 14. August 2012 festzusetzen, sondern
bereits im Kindes- und Jugendalter entstanden. Sie sei demnach als Frühinvalide im
Sinne von Art. 26 IVV zu betrachten.
5.1.
Da bei Vorliegen eines Revisionsgrundes gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine allseitige Prüfung erfolgen muss (vgl. E. 2.4 vorstehend), kann die
Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres gestützt auf die frühere Verfügung daran
festhalten, die Arbeitsunfähigkeit habe am 14. August 2012 begonnen, zumal dieses
Datum lediglich aus den Arbeitsunfähigkeitszeugnissen der behandelnden Psychiaterin
abgeleitet ist (vgl. IV-act. 87-2 i.V.m. IV-act. 86-1 und 10-2). Zu klären ist, welches
Einkommen die Beschwerdeführerin erzielen würde, wenn sie nicht invalid geworden
wäre. Konnte sie wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse
erwerben, so entspricht das Valideneinkommen einem Prozentsatz des Medianwertes
gemäss LSE des Bundesamtes für Statistik (Art. 26 Abs. 1 IVV). Konnte die versicherte
Person wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen,
so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, dem
durchschnittlichen Einkommen einer erwerbstätigen Person im Beruf, für den die
Ausbildung begonnen wurde (Art. 26 Abs. 2 IVV).
5.2.
Zwar ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass sowohl ihr ADHS als
auch ihre Persönlichkeitsstörung überwiegend wahrscheinlich schon seit ihrer Jugend
vorliegen (vgl. hierzu auch IV-act. 39-3, RAD-Stellungnahme vom 26. September 2013,
in der erwähnt wird, dass sich eine frühkindliche Störung abzeichne). Daraus kann aber
nicht ohne Weiteres geschlossen werden, dass sie frühinvalid war. Insbesondere wurde
nicht medizinisch begründet, weshalb die Beschwerdeführerin keine Ausbildung hätte
absolvieren können. In den Akten finden sich vereinzelt Aussagen, wonach das
Haushaltslehrjahr gesundheitsbedingt abgebrochen worden sei (vgl. etwa IV-act. 21-1)
bzw. dass davon ausgegangen werden müsse, die Beschwerdeführerin habe
krankheitsbedingt keine Berufsausbildung abgeschlossen (vgl. IV-act. 38-1 und 39-2).
Damit ist indes nicht gesagt, dass die Beschwerdeführerin gar keine Ausbildung hätte
abschliessen können. Gleichzeitig wird aus den Akten nämlich auch ersichtlich, dass
aus medizinischer Sicht eine den Ressourcen der Beschwerdeführerin angepasste
Ausbildung bei entsprechender Motivation, einer stabilen Arbeitsfähigkeit von 80%
sowie einer guten Therapie-Compliance als möglich erachtet wurde (vgl. IV-act. 38-1).
Dabei gingen sowohl die Beschwerdegegnerin wie auch die Behandler der
5.3.
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Beschwerdeführerin davon aus, dass eine Arbeitsfähigkeit von 80% erreichbar sei und
die Psychiaterin der Beschwerdeführerin attestierte im Mai 2014 einen positiven
Therapieverlauf sowie ein tragfähiges Therapiebündnis (vgl. IV-act. 34 und 38-1).
Die Beschwerdeführerin selbst wollte mehrmals eine Ausbildung durchlaufen.
Nach dem bereits erwähnten abgebrochenen Haushaltslehrjahr begann sie ein
Praktikum als Kleinkinderzieherin, das sie nach einem Zusammenbruch und
anschliessenden Suizidversuch im Jahr 2009 nicht fortführen konnte (vgl. etwa IV-
act. 22-2). Die Beschwerdegegnerin sah bei der Beschwerdeführerin gute Ressourcen,
jedoch "eher nicht für Tätigkeiten im Sozialbereich wegen fehlender
Abgrenzungsfähigkeit und folgender Überlastung" (IV-act. 39-4). Im Jahr 2014 machte
die Beschwerdeführerin eine Eignungsabklärung als Verkäuferin im 50%-Pensum.
Nachdem ihr das Schnupperpraktikum sehr gefallen hatte, ersuchte sie Anfang April
2014 um Unterstützung bei der Erlangung eines eidgenössischen Berufsattests in
dieser Tätigkeit (vgl. IV-act. 39-2 und 49-3). Dass sie keine Attestlehre begann, lässt
sich nicht durch ihren Gesundheitszustand begründen. Vielmehr erklärte die
Beschwerdeführerin am 28. April 2014, der Beruf in der Pflege habe ihr schon immer
gefallen. Sie wolle doch keine Attestlehre machen, sondern würde am liebsten in die
Pflege zurück. Sie hatte bereits mit der Stiftung D._ Kontakt aufgenommen und
konnte durch Eigeninitiative ein Schnupperpraktikum als Pflegehelferin absolvieren (vgl.
IV-act. 49-4 f.). Somit waren sowohl die Beschwerdeführerin wie auch die
Beschwerdegegnerin und die involvierten Ärzte (Behandler / RAD) mindestens bis ins
Jahr 2014 der Meinung, dass der Beschwerdeführerin eine Ausbildung im ersten
Arbeitsmarkt möglich sei. Eine gegenteilige Auffassung hat bisher kein Arzt medizinisch
und nachvollziehbar begründet.
5.4.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin von 2001 bis 2012 sowie von 2014 bis
2017 in verschiedenen Pensen und unterschiedlichen Funktionen (namentlich an der
Kasse, in der Küche, im Verkauf, in der Reinigung und in der Pflege) erwerbstätig war.
Von Juli bis Dezember 2005 durchlief sie einen "Lehrgang Küche", wobei sie von
September bis Dezember 2005 als Küchenmitarbeiterin tätig war. Im Jahr 2008 nahm
sie erfolgreich am SRK-Kurs zur Pflegehelferin teil (IV-act. 19, IV-act. 48 und 122-8).
Die Erwerbsbiographie (IK-Auszug, IV-act. 4) weist zwar auf einen gewissen Mangel an
Beständigkeit hin, aber die Anstellung bei der Stadt hatte die Beschwerdeführerin
immerhin drei Jahre inne. Die Beschwerdeführerin bewies somit seit dem Jahr 2001
Arbeitsmotivation und Flexibilität sowie die Fähigkeit, im ersten Arbeitsmarkt tätig zu
sein. Eine Frühinvalidität liegt damit nicht vor und Art. 26 IVV kommt nicht zur
Anwendung.
5.5.
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6.
Der Beschwerdeführerin ist insofern Recht zu geben, als dass das bei der Stiftung
D._ erzielte Einkommen nicht als Valideneinkommen herangezogen werden darf. Die
Beschwerdeführerin war während ihrer damaligen Anstellung bereits in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Der psychiatrische SMAB-Gutachter attestierte ihr für
diesen Zeitraum eine Arbeitsunfähigkeit von 20% in einer adaptierten Tätigkeit, wobei
er die Tätigkeit als Pflegehelferin nicht als optimal adaptiert betrachtete (vgl. IV-
act. 125-32 f.; vgl. auch IV-act. 49-7 und 58 f.). Der von der Beschwerdeführerin
erzielte Lohn, hochgerechnet auf ein 100%-Pensum liegt sowohl unter dem
Tabellenlohn für Hilfsarbeiten (siehe Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen IV-Textausgabe, Ausgabe 2019, S. 228, basierend auf der LSE) als
auch unter dem Tabellenlohn für einfache Tätigkeiten im Gesundheits- und
Sozialwesen (Tabelle TA1 LSE 2014, Ziff. 86-88).
6.1.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 und 129 V 222 E. 4.3.1). Wenn es nicht
möglich ist, zur Bestimmung des Valideneinkommens vom zuletzt vor Invaliditätseintritt
erzielten Lohn auszugehen oder wenn sonst konkrete Anhaltspunkte für dessen
Bestimmung fehlen, dann ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte, namentlich die
LSE, zurückzugreifen (vgl. Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], in Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich/
Basel/Genf 2014, Art. 28a N 55 f.).
6.2.
Vor ihrer Anstellung als Pflegehelferin war die Beschwerdeführerin in einem Projekt
der Arbeitslosenkasse beschäftigt. Bei einer solchen Tätigkeit handelt es sich in der
Regel um eine vorübergehende Lösung. Davor war die Beschwerdeführerin in
verschiedenen Anstellungen tätig, wobei nicht klar ist, ob die Beschwerdeführerin diese
im Gesundheitsfall in einem Vollzeitpensum ausgeübt hätte. Somit ist es vorliegend
sachgerecht, bei der Bestimmung des Valideneinkommens auf die Tabelle TA1 der
LSE, Total sämtliche Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Frauen, abzustellen. Da
es der Beschwerdeführerin möglich gewesen wäre, trotz ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigung eine angemessene Ausbildung abzuschliessen und keinerlei
6.3.
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7.
8.
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt eine Ausbildung in
einem Beruf mit einem höheren Lohn angestrebt und aus gesundheitlichen Gründen
nicht umgesetzt hatte, ist entgegen ihren Ausführungen nicht auf das
Kompetenzniveau 2 abzustellen.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte, insbesondere die Tabellenlöhne gemäss LSE,
beigezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3).
7.1.
Die Beschwerdeführerin war zuletzt nicht erwerbstätig. Da sie über keine
Berufsausbildung verfügt, ist für das Invalideneinkommen auf statistische Werte für
Personen mit dem Kompetenzniveau 1 abzustellen.
7.2.
Da die beiden Vergleichseinkommen auf derselben Grundlage zu berechnen sind,
kann ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1).
7.3.
Die Beschwerdeführerin fordert auf Seiten des Invalideneinkommens einen
Tabellenlohnabzug von 25%.
8.1.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. In BGE 126 V 75 ff. hat das Bundesgericht festgestellt,
dass es von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten
Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität,
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in
die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten
Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf
8.2.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen,
d.h. dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren ist und
die einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf höchstens 25%
begrenzt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134
V 327 E. 5.2). Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren
Verweistätigkeiten auszugehen, können für den Tabellenlohnabzug grundsätzlich nur
Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als
ausserordentlich zu bezeichnen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2019,
8C_799/2018, E. 4.3).
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin einen Tabellenlohnabzug von 10%
gewährt (IV-act. 128), was vertretbar ist. Das von der Beschwerdeführerin angeführte
Risiko vermehrter gesundheitlicher Absenzen rechtfertigt keinen Abzug vom
Tabellenlohn (Urteile des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 6.2.2, vom
30. April 2019, 8C_799/2018, E. 4.3, und vom 7. April 2016, 9C_898/2015, E. 3.2). Dem
SMAB-Gutachten ist vorliegend auch nicht zu entnehmen, dass überhaupt ein solches
Risiko bestehen soll. Ebenfalls gilt der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
erhöhte Betreuungsaufwand nicht als eigenständiger Abzugsgrund (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_437/2015, E. 2.4). Im Übrigen finden sich
für die Notwendigkeit eines solchen Betreuungsaufwands weder im SMAB-Gutachten
noch während des im ersten Rentenverfahren durchgeführten Arbeitsversuchs (IV-
act. 49) Hinweise. Die Beschwerdeführerin hat in der Vergangenheit verschiedene
Tätigkeiten, insbesondere auch körperlich leichte Arbeiten ausgeführt. Ähnliche
Tätigkeiten sind ihr auch in Zukunft zumutbar. Die von den SMAB-Gutachtern
genannten Adaptionskriterien, namentlich die Möglichkeit zu vermehrten Pausen,
wurden bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung bereits miteinbezogen und können
demensprechend nicht erneut im Rahmen eines Tabellenlohnabzugs berücksichtigt
werden. Ein über 10% hinausgehender Tabellenlohnabzug ist somit nicht
gerechtfertigt.
8.3.
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60% in einer adaptierten Tätigkeit resultiert aus dem
Prozentvergleich unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 10% ein
Invaliditätsgrad von 46% (100% - [60% x 0.9]). Damit hat die Beschwerdeführerin
weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente. Folglich hat die Beschwerdegegnerin deren
Gesuch um Erhöhung der Rente zu Recht abgewiesen.
8.4.
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9.
10.
Die Beschwerdeführerin stellt zwar keinen expliziten Antrag auf berufliche
Massnahmen, kritisiert jedoch, die Beschwerdegegnerin habe den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" verletzt. Gemäss diesem Grundsatz soll die
Invalidenversicherung die Invalidität mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen
Eingliederungsmassnahmen verhindern, vermindern oder beheben (vgl. Art. 1a lit. a
IVG). Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG; vgl. auch
Art. 8a Abs. 1 IVG für Rentenbezügerinnen und Rentenbezüger bei Einstellung oder
Herabsetzung der Rente).
9.1.
Im Unterschied zum Grundsatz "Eingliederung vor Rente" ist im vorliegenden Fall
eine Rentenerhöhung strittig. Ebenfalls nicht zur Anwendung gelangt Art. 8a Abs. 1
IVG, da die laufende Rente weder gekürzt noch eingestellt wird. Die
Beschwerdeführerin bezieht bereits seit Dezember 2013 (rückwirkende
Rentenzusprache mit Verfügung vom 17. Februar 2016, IV-act. 92) eine Rente und war
während dem Leistungsbezug im Rahmen ihrer Arbeitsfähigkeit auch erwerbstätig. Sie
ist gemäss dem SMAB-Gutachten in der Lage, eine berufliche Tätigkeit im Umfang
eines 60%-Pensums aufzunehmen. Zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung war
sie dafür nicht auf Unterstützung durch die Beschwerdegegnerin angewiesen. Ein
weitergehender Verlust der Arbeitsfähigkeit drohte der Beschwerdeführerin bei
Ausschöpfung der therapeutischen Möglichkeiten nicht. Dementsprechend musste mit
beruflichen Massnahmen auch nicht der Eintritt einer höhergradigen Invalidität
verhindert werden. Umgekehrt kann mittels beruflicher Massnahmen auch keine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und damit eine rentenausschliessende
Arbeitsfähigkeit erzielt werden. Aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin keine
beruflichen Massnahmen durchführte, kann die Beschwerdeführerin deshalb nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Ihr steht es bei Bedarf frei, bei der Beschwerdegegnerin
Massnahmen der Wiedereingliederung mit dem Ziel der Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit zu beantragen.
9.2.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten vollumfänglich abzuweisen.10.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
10.2.
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