Decision ID: 16491d5c-0f20-409b-af9a-37a438b9825f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
Berufslehre zum Bäcker absolviert, verfüge aber über keinen entsprechenden
Nachweis, weil dieser im Krieg verbrannt worden sei. In den vergangenen Jahren habe
er in einem Käselager und in der Spedition gearbeitet. Zusätzlich sei er als Hauswart
tätig gewesen. Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete im September 2007 (IV-act. 7),
beim Versicherten sei im Juli 2006 ein embryonales Hodenkarzinom entdeckt worden.
Im August 2006 sei eine Operation erfolgt. Postoperativ habe der Versicherte zwei
Zyklen Chemotherapie erhalten. Als Nebenwirkungen seien Nausea, Erbrechen und
Schlafstörungen aufgetreten. Die Schlafstörungen seien geblieben; zudem seien
Bauchschmerzen, eine Inappetenz und Kopfschmerzen aufgetreten. Die
Nachkontrollen hätten bis dato keinerlei Rezidiv oder Metastasen des Karzinoms
gezeigt. Ein aufbauendes Muskeltraining habe keinen Erfolg gezeitigt. Der Versicherte
klage über eine rasche Erschöpfung und eine grosse Nervosität. Ende November 2006
habe er seine bisherige Tätigkeit wieder in einem Pensum von 50 Prozent
aufgenommen, aber er empfinde diese nun als zu streng. Auch eine Aufteilung des
Pensums auf je zweieinhalb Stunden morgens und nachmittags habe nichts genützt.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. C._ am 28. März 2009 ein psychiatrisches
Gutachten (IV-act. 65). Er hielt fest, der Versicherte sei bewusstseinsklar, allseits
orientiert und geordnet gewesen. Er habe die gestellten Fragen prompt beantwortet.
Anzeichen für eine Merkfähigkeits-, Auffassungs- oder Gedächtnisstörung hätten nicht
festgestellt werden können. Die Konzentrationsfähigkeit sei gut gewesen. Die
A.a.
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Gedanken hätten immer wieder um die Krankheit und die Leistungsunfähigkeit gekreist.
Als das Gespräch auf die Beschwerden fokussiert worden sei, sei er in Tränen
ausgebrochen, habe bitterlich geweint und sich kaum mehr beruhigen lassen. Die
Tendenz, sich selbst zu bemitleiden, sei nicht zu übersehen gewesen. Der Versicherte
habe versucht zu überzeugen, völlig leistungsunfähig zu sein, was er mit
Schlafstörungen, einer Erschöpfung, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen
begründet habe. Während des Gesprächs habe sich allerdings kein Anhalt für
Kopfschmerzen feststellen lassen. Im Allgemeinen habe der Versicherte bedrückt,
niedergeschlagen, sehr besorgt, hoffnungslos und perspektivlos gewirkt. Er habe seine
Bemühungen beschworen, wieder gesund werden und arbeiten zu wollen. In Bezug auf
eine Arbeitsaufnahme oder Wiedereingliederung habe er sich sehr skeptisch geäussert.
Der Versuch des Sachverständigen, ihn für die Notwendigkeit mindestens einer
teilweisen Wiedereingliederung zu sensibilisieren, sei auf einen enormen Widerstand
gestossen, weil der Versicherte hartnäckig auf seiner Position verharrt habe, zunächst
müsse er vollständig gesund werden, erst dann könne er wieder arbeiten. Man habe
den Eindruck gewonnen, dass der Versicherte eine gewisse Angst vor der
Wiedereingliederung gehabt habe, die auf einem Versagensgefühl und der Furcht vor
einer Blamage beruht habe. Diagnostisch leide der Versicherte an einer mittelgradigen
depressiven Episode mit somatischen Symptomen sowie an einer
Somatisierungsstörung. Zudem bestehe der Verdacht auf eine beginnende andauernde
Persönlichkeitsänderung nach einer psychischen Erkrankung. In seiner psychischen
Verfassung sei er zu 70 Prozent arbeitsunfähig. Er stehe in einer ambulanten
psychiatrischen Behandlung und nehme vier verschiedene Antidepressiva zu sich. Eine
viermonatige stationäre Behandlung habe nichts gefruchtet. Mit einer Verbesserung
des Gesundheitszustandes sei nicht zu rechnen. Die Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent
bestehe mindestens seit Oktober 2008. Für die Zeit davor müsse man sich an den
Attesten der behandelnden Ärzte orientieren. Im April 2009 notierte Dr. med. D._ vom
IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass auf das Gutachten von Dr. C._
abgestellt werden könne (IV-act. 66). Im Juli 2009 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-
Stelle (IV-act. 69), verschiedene Leute aus dem Umfeld des Versicherten hätten darauf
hingewiesen, dass dieser an verschiedenen Orten gesehen worden sei. Er sei mit
Kollegen oder mit der Familie unterwegs gewesen, habe sich jeweils mitten in der
Gruppe aufgehalten und durchaus nicht den Eindruck eines Menschen mit einer
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Depression hinterlassen. Vielmehr habe er als „vergnügt und quietschfidel“ imponiert.
Davon könne Dr. C._ nichts gewusst haben. Der Versicherte werde es ihm wohl
kaum gesagt haben. Unter diesen Umständen könne nicht auf das Gutachten
abgestellt werden.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Klinik E._ am 11. Oktober 2010 ein
psychiatrisches Gutachten (IV-act. 94). Die Sachverständigen Dres. med. F._ und
G._ hielten fest, der Versicherte sei bei klarem Bewusstsein und voll orientiert
gewesen. Die von ihm geschilderten Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der
Konzentration und des Gedächtnisses hätten sich in den Explorationsgesprächen nicht
gezeigt. Das Denken sei formal unauffällig, inhaltlich aber auf die Erkrankung fokussiert
gewesen. Die Grundstimmung habe gedrückt bis deprimiert gewirkt. Phasenweise
habe der Versicherte geweint. Positive Einzelaffekte hätten kaum ausgelöst werden
können. Psychomotorisch sei ein leicht antriebsarmes Zustandsbild aufgefallen.
Hinweise für eine besondere Zirkadianität der Beschwerden hätten sich nicht ergeben.
Diagnostisch leide der Versicherte an einer Somatisierungsstörung sowie an einer
leicht- bis mittelgradig depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom. Aus
psychiatrischer Sicht sei er zu 60 Prozent arbeitsfähig. Die RAD-Ärztin Dr. D._
qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 96). Die Sachbearbeiterin der IV-
Stelle notierte im März 2011 (IV-act. 108), der Versicherte habe ein Arbeitstraining von
sich aus abgebrochen. Er habe sich beschwert, dass es lärmig, kalt und staubig sei.
Die angebotene Schutzausrüstung für das Gehör und die Atmung habe er allerdings
nicht tragen wollen. Die vereinbarte Arbeitsleistung sei nie erbracht worden. Den
„Rekord“ habe eine Anwesenheit während zwei Stunden und 28 Minuten gebildet. An
einem Tag sei der Versicherte nur 28 Minuten anwesend gewesen. An zwei von 16
Tagen sei er gar nicht erst zur Arbeit erschienen. Er habe sich beklagt, dass er sich
kaum konzentrieren und deshalb unter anderem auch nicht Auto fahren könne.
Allerdings sei er praktisch jeden Tag mit dem Auto bei der Arbeit erschienen. Diese
Diskrepanzen seien auffällig. Die Klinik E._ habe im Gutachten ähnliche Diskrepanzen
beschrieben und eine nicht unerhebliche Aggravation zur Diskussion gestellt. Dennoch
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit einer Verfügung vom 14. Dezember 2011 und
13. Januar 2012 (IV-act. 121 ff.) ab dem 1. August 2007 eine halbe, ab dem 1.
November 2007 eine ganze (per Ende März 2008 befristete), ab dem 1. Oktober 2008
A.b.
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wieder eine ganze und ab dem 1. April 2010 dann eine halbe Rente (bei einem
Invaliditätsgrad von 51 Prozent) zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
formelle Rechtskraft.
Im Rahmen einer Überprüfung des Rentenanspruchs berichtete der Psychiater
med. pract. H._ im Juli 2015 (IV-act. 154), der Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode und
einem somatischen Syndrom. Er sei mittelgradig depressiv herabgestimmt, affektiv
jedoch noch gut auslenkbar. Er sei vollständig arbeitsunfähig. Wegen des
ausgeprägten Morgentiefs sei es ihm nicht möglich, einen allmorgendlichen
pünktlichen Arbeitsantritt zu bewerkstelligen. Das Führen eines Motorfahrzeuges sei
ihm noch während maximal 60 Minuten zumutbar. Der orthopädische Chirurg Dr. med.
I._ teilte im August 2015 mit (IV-act. 155), der Versicherte sei im Mai 2014 auf einer
Treppe gestürzt. Dabei habe er sich ein axiales Stauchungstrauma der rechten Schulter
zugezogen. Seither leide er an Dauerschmerzen an der rechten Schulter. Im September
2016 berichtete der Psychiater H._ (IV-act. 163), der Gesundheitszustand des
Versicherten sei stationär geblieben. Der Versicherte sei „weiterhin schwergradig
depressiv herabgestimmt und affektiv kaum auslenkbar“ (IV-act. 163–2). Die IV-Stelle
beauftragte die SMAB AG im September 2017 mit einer bidisziplinären orthopädischen
und psychiatrischen Begutachtung (IV-act. 173). Das Gutachten wurde am 15. Januar
2018 erstellt (IV-act. 178). Gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. med.
J._ hatte der Versicherte angegeben, seine Ehefrau habe im Jahr 201_ ihre
Arbeitsstelle verloren, was zu einer wesentlichen Verschlechterung der finanziellen
Situation geführt habe. Das belaste ihn sehr. Im Jahr 2017 habe er nicht mehr – wie in
den Jahren davor – in sein Herkunftsland reisen können, um Ferien dort zu verbringen,
weil das Geld dazu gefehlt habe. Er stehe morgens erst spät auf, benötige dazu
mehrere Anläufe. Nach einem kleinen Frühstück gehe er spazieren, wobei er eine
Pause in einem Restaurant einlege, einen Kaffee trinke und den Sportteil der
Tageszeitung lese. Nach dem Spaziergang verrichte er Hausarbeiten. Er helfe sehr
gerne im Haushalt mit und übernehme deshalb einen grossen Teil der Arbeiten. Am
Nachmittag gehe er nochmals spazieren, suche nochmals ein Café auf und lese
nochmals in den Tageszeitungen, wobei er sich allerdings nur für den Sportteil
interessiere. Sein grosses Interesse sei der Fussball, was damit zusammenhänge, dass
A.c.
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einer seiner Söhne Fussball spiele und dafür auch Geld bekomme. Samstags sei er
immer dabei, wenn sein Sohn Fussball spiele, nicht nur bei den Heim-, sondern auch
bei den Auswärtsspielen. Ausserhalb seiner Familie pflege er jedoch keine Kontakte.
Ein eigenes Auto könne er sich nicht mehr leisten, aber ab und zu dürfe er das Auto
seines Sohnes benutzen, um beispielsweise mit seiner Frau einkaufen zu gehen. Die
Konsultationen beim Psychiater H._ fänden einmal pro Monat statt. Der
Sachverständige Dr. J._ hielt fest, die Auffassung sei nicht erschwert gewesen. Im
Untersuchungsgespräch habe sich die Konzentration nicht als auffallend beeinträchtigt
gezeigt. Der Versicherte habe dem Gespräch aufmerksam folgen können. Die höheren
kognitiven Leistungen seien angemessen differenziert gewesen. Der formale
Gedankengang sei geordnet gewesen. Die Merkfähigkeit sowie das Kurzzeit- und das
Langzeitgedächtnis hätten im klinisch-psychopathologischen Befund nicht auffallend
beeinträchtigt gewirkt. Der Antrieb sei leicht vermindert gewesen. Eine stärker
ausgeprägte Antriebsminderung habe sicher nicht vorgelegen. Dagegen hätten die vom
Versicherten geschilderten Alltagsaktivitäten gesprochen. Die Gestik und die Mimik
seien überwiegend ruhig gewesen. Die Stimmung und der Affekt seien
psychomotorisch synthym unterstrichen worden. Die Grundstimmung sei bedrückt, die
affektive Schwingungsfähigkeit reduziert gewesen. Im Übrigen sei der (im Gutachten
detailliert beschriebene) klinische Befund unauffällig gewesen. Der Versicherte habe
angegeben, dass er sich eine leichte Arbeit in einem Pensum von 50 Prozent zutrauen
würde. Er habe auch schon entsprechende Stellen gesucht, aber nichts gefunden.
Diagnostisch liege eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode vor. Der Psychiater
H._ habe in seinen Berichten ein jeweils deutlich stärker ausgeprägtes depressives
Zustandsbild beschrieben. Dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten
vorübergehend verschlechtert habe, erscheine durchaus als nachvollziehbar. Den
Hintergrund dafür bilde am ehesten der Verlust der Arbeitsstelle der Ehefrau mit der in
der Folge eingetretenen erheblichen Verschlechterung der finanziellen Situation. Auch
in der aktuellen Untersuchung habe der Versicherte bei weitem die stärkste affektive
Beteiligung gezeigt, als es um die finanzielle Situation gegangen sei. Ganz
offensichtlich sei es aber dennoch zu einer Besserung gekommen, denn die vom
behandelnden Psychiater beschriebene depressive Symptomatik liege nicht mehr in
dieser Schwere vor. Das Zustandsbild entspreche jenem, das im Gutachten der Klinik
E._ beschrieben worden sei. Die orthopädische Sachverständige Dr. med. K._
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führte aus, der – im Gutachten detailliert beschriebene – klinische
Untersuchungsbefund sei bis auf eine Druckschmerzangabe über dem fünften
Costotransversalgelenk links und die vom Versicherten beschriebenen
atemabhängigen Beschwerden altersentsprechend unauffällig gewesen. Diesbezüglich
sei von einer Blockierung des fünften Costotransversalgelenks auszugehen und eine
chiropraktische Behandlung zur Lösung dieser Blockierung zu empfehlen. Eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus allerdings nicht. Da der übrige
Untersuchungsbefund altersentsprechend regelrecht gewesen sei und da
insbesondere weder klinisch noch bildgebend eine relevante Pathologie eines
Schultergelenks habe festgestellt werden können, sei aus orthopädischer Sicht eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren. In der Konsensbeurteilung hielten die
Sachverständigen fest, der Gesundheitszustand des Versicherten sei seit der
Rentenzusprache im Wesentlichen unverändert geblieben. Die RAD-Ärztin Dr. D._
notierte im Januar 2018 (IV-act. 179), das Gutachten sei „formal korrekt“. Der
Arbeitsunfähigkeitsgrad habe sich vorübergehend von 40 Prozent auf 50 Prozent
erhöht, am ehesten im Zeitraum von Mai 2015 (Erhöhungsgesuch) bis spätestens
Dezember 2017. Mit einer Verfügung vom 24. Mai 2018 erhöhte die IV-Stelle die
laufende halbe Rente rückwirkend befristet für die Zeit vom 1. Mai 2015 bis zum 31.
Dezember 2017 auf eine Dreiviertelsrente; für die Zeit ab dem 1. Januar 2018 bestand
wieder ein Anspruch auf eine halbe Rente (IV-act. 191). Der Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführers für die Zeit ab Januar 2018 war ausgehend vom zuletzt erzielten,
an die zwischenzeitliche Nominallohnentwicklung angepassten Lohn von 69’193.55
Franken als Valideneinkommen und dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne von 62’515.60 Franken als Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens ermittelt worden. Er hatte sich unter
Berücksichtigung eines Arbeitsfähigkeitsgrades von 60 Prozent und eines
Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent auf 53,92 Prozent belaufen. Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Da der Versicherte seinen Wohnsitz bereits vor der Eröffnung der Verfügung vom
24. Mai 2018 vom Kanton L._ in den Kanton St. Gallen verlegt hatte, übermittelte die
IV-Stelle des Kantons L._ die Akten nach dem Abschluss des Verwaltungsverfahrens
an die IV-Stelle des Kantons St. Gallen (IV-act. 192). Am 26. Mai 2020 teilte der
A.d.
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behandelnde Psychiater H._ der neu zuständigen IV-Stelle des Kantons St. Gallen
mit (IV-act. 197), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit
einer gegenwärtig schwergradigen Episode. Er sei „immer noch“ deutlich depressiv
herabgestimmt und kaum schwingungsfähig. Aus therapeutischer Sicht sei es
unverständlich, weshalb nicht schon längst eine Rentenerhöhung erfolgt sei. Der
Versicherte sei nicht arbeitsfähig. Zusammenfassend verwundere es schon, dass trotz
des langjährigen, sich immer weiter verschlechternden Krankheitszustandes von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent ausgegangen werde. Der Versicherte wollte diesen
Bericht als ein Revisionsgesuch verstanden wissen (IV-act. 199). Der RAD-Arzt Dr.
med. M._ erachtete eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes als mit dem
Bericht des behandelnden Psychiaters glaubhaft gemacht (IV-act. 201). Der N._
berichtete im November 2020 (IV-act. 205), der Versicherte arbeite seit dem 1. Mai
2018 als Mitarbeiter in der Montage. Es handle sich um einen geschützten Arbeitsplatz.
Das Pensum betrage 3,5 Stunden pro Tag und 14 Stunden pro Woche. Im Auftrag der
IV-Stelle erstatteten die Sachverständigen Dres. J._ und K._ am 3. Mai 2021 ein
bidisziplinäres Verlaufsgutachten (IV-act. 215). Gegenüber dem psychiatrischen
Sachverständigen Dr. J._ gab der Versicherte an, er habe sich zunächst sehr gefreut,
als er am 1. Mai 2018 eine Arbeitsstelle in einem geschützten Rahmen habe antreten
können. Nach einigen Monaten habe ihn die Situation am Arbeitsplatz aber zunehmend
belastet. Er arbeite in einem recht grossen Raum mit vielen Leuten, von denen die
meisten deutlich jünger seien als er. Zudem sei es sehr laut. Die ganze Situation
stresse ihn häufig und führe dazu, dass er gereizt sei und deshalb immer wieder in
kleinere Streitigkeiten mit den anderen Beschäftigten gerate. Seine Stimmungslage
habe sich dadurch insgesamt verschlechtert. Sein Tagesablauf habe sich durch die
Tätigkeit insofern verändert, als er nun nachmittags arbeite. Die Corona-Krise
verunmögliche ihm die regelmässigen Besuche in Cafés und die Teilnahme an den
Heimspielen des Sohnes, der mittlerweile für eine österreichische Mannschaft spiele.
Sobald er wieder könne, werde er morgens spazieren gehen, ein Café aufsuchen und
dort den Sportteil der Tageszeitung lesen. Auch an den Heimspielen des Sohnes werde
er wieder teilnehmen; das sei für ihn der Höhepunkt der Woche. Die Auswärtsspiele
besuche er dagegen nicht mehr, da die Austragungsorte nun viel weiter entfernt seien,
seit der Sohn nicht mehr in der Schweiz spiele. Unter der Woche helfe er seiner Frau
nicht mehr im Haushalt, da er ja nun arbeite. An den Wochenenden beteilige er sich
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jedoch weiterhin an den Haushaltsarbeiten. Ab und zu fahre er noch mit dem Auto des
Sohnes. Ferien habe er zuletzt vor zwei Jahren in seinem Herkunftsland verbracht. Der
psychiatrische Sachverständige hielt fest, der (im Gutachten detailliert beschriebene)
klinische Befund sei weitgehend unauffällig gewesen. Aufgefallen seien ein reduzierter
Antrieb, eine angespannte Mimik und Gestik, eine bedrückte Grundstimmung sowie
eine reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit. Die Spiegel sämtlicher
Psychopharmaka hätten unterhalb des Referenzbereichs gelegen. Der Spiegel des
Antidepressivums Escitalopram habe sogar im praktisch nicht messbaren Bereich
gelegen. Im Vergleich zur letzten Begutachtung sei die depressive Störung nun stärker
– nicht mehr leicht- bis mittelgradig, sondern mittelgradig – ausgeprägt. Die
Verschlechterung dürfte wohl auf die Probleme am Arbeitsplatz zurückzuführen und
etwa Anfang des Jahres 2019 eingetreten sein. Der Arbeitsfähigkeitsgrad sei von 60
Prozent auf 50 Prozent gesunken. Zu empfehlen seien eine Optimierung der
psychopharmakologischen Medikation und eine Beendigung der Tätigkeit im N._.
Durch diese Massnahmen werde sich der Arbeitsfähigkeitsgrad innerhalb eines halben
Jahres um zehn Prozent erhöhen. Die orthopädische Sachverständige Dr. K._ führte
aus, seit der letzten Untersuchung seien nur minimale degenerative Veränderungen
hinzugekommen. Der (im Gutachten detailliert beschriebene) objektive klinische Befund
sei ebenso wie der bildgebende Befund weitestgehend unauffällig gewesen. Die vom
Versicherten angegebenen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates seien
zwar nachvollziehbar, begründeten aber nur für anhaltend mittelschwere Tätigkeiten
eine Arbeitsunfähigkeit. In ihrer Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen fest,
retrospektiv sei für die Zeit ab Anfang des Jahres 2019 von einer Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes und von einer damit einhergehenden Reduktion
des Arbeitsfähigkeitsgrades von 60 Prozent auf 50 Prozent auszugehen. Der RAD-Arzt
Dr. M._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 217).
Die IV-Stelle berechnete den Invaliditätsgrad aus nicht nachvollziehbaren Gründen
neu anhand eines sogenannten Prozentvergleichs; zudem berücksichtigte sie neu
lediglich noch einen Tabellenlohnabzug von zehn Prozent, sodass sich unter
Berücksichtigung eines Arbeitsfähigkeitsgrades von 50 Prozent ein Invaliditätsgrad von
55 Prozent ergab (IV-act. 218). Mit einem Vorbescheid vom 24. Juni 2021 teilte sie dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines Rentenerhöhungsgesuchs vorsehe (IV-
A.e.
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B.
act. 220). Dagegen liess der Versicherte am 27. September 2021 einwenden (IV-act.
230), unter Berücksichtigung der vom psychiatrischen Sachverständigen Dr. J._
formulierten Adaptionskriterien sei er nicht in der Lage, seine frühere Tätigkeit in einem
Pensum von 50 Prozent auszuüben, wie die IV-Stelle fälschlicherweise angenommen
habe. Der Tabellenlohnabzug müsse mindestens 20 Prozent betragen. Mit einer
Verfügung vom 3. Januar 2022 wies die IV-Stelle das Rentenerhöhungsgesuch ab (IV-
act. 234).
Am 2. Februar 2022 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 3. Januar 2022 erheben (act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Erhöhung der laufenden Rente unter Berücksichtigung eines Invaliditätsgrades von
mindestens 70 Prozent sowie die Einholung eines aktuellen Berichtes beim N._. Zur
Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer schaffe es kaum, seinen Pflichten im
N._ nachzukommen. Der behandelnde Psychiater H._ habe festgehalten, dass der
Beschwerdeführer immer noch deutlich depressiv herabgestimmt und kaum
schwingungsfähig sei (vgl. act. G 1.2). Sie selbst habe beobachtet, dass der
Beschwerdeführer ohne Dritthilfe nicht einmal Termine wahrnehmen könne.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 7. April 2022
die Abweisung der Beschwerde und eventualiter die Rückweisung der Sache zur
Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens (act. G 4). Zur Begründung führte
sie an, der Beschwerdeführer sei gemäss dem überzeugenden Verlaufsgutachten der
SMAB AG in der Lage, einer Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaft nachzugehen. Die
Adaptionskriterien seien nicht derart einschränkend, dass von einer Unverwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit gesprochen werden müsste. Der von ihr berücksichtigte
Tabellenlohn von zehn Prozent sei bereits als grosszügig zu qualifizieren. Unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent würde, wenn man auf die
aktuellsten Zahlen gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung abstelle, ein
Invaliditätsgrad von 59 Prozent resultieren. Sollte das Gericht wider Erwarten zur
Auffassung gelangen, dass der Abzug auf 20 Prozent festzusetzen sei, müsste die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Diese würde den
B.b.
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St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das Verwaltungsverfahren hat sich auf die
Prüfung des Begehrens des Beschwerdeführers vom Mai 2020 nach einer Revision der
gestützt auf die formell rechtskräftige Verfügung vom 24. Mai 2018 laufenden Rente
der Invalidenversicherung beschränkt. Auch in diesem Beschwerdeverfahren ist folglich
ausschliesslich zu prüfen, ob die Rente revisionsweise an eine relevante
Sachverhaltsveränderung anzupassen sei.
2.
Beschwerdeführer anhalten, seine ungeeignete Tätigkeit im N._ aufzugeben und die
Psychopharmaka in ausreichender Konzentration einzunehmen, denn davon sei eine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit um zehn Prozent zu erwarten.
Der Beschwerdeführer liess am 24. Mai 2022 an seinen Anträgen festhalten (act. G
6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).
B.c.
Die Beantwortung der Frage, ob sich der für den Rentenanspruch massgebende
Sachverhalt im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG wesentlich verändert habe, setzt einen
Vergleich zwischen dem Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache
respektive der letzten Revisionsverfügung und dem aktuellen Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Revisionsverfahrens voraus. Hier ist also der Sachverhalt am 24.
Mai 2018 mit jenem am 3. Januar 2022 zu vergleichen.
2.1.
Die Verfügung vom 24. Mai 2018, mit der die Beschwerdegegnerin eine früher
zugesprochene halbe Rente für die Zeit von Mai 2015 bis und mit Dezember 2017
vorübergehend auf eine Dreiviertelsrente erhöht und für die Zeit ab Januar 2018 wieder
eine halbe Rente zugesprochen hat, hat sich in medizinischer Hinsicht auf das
bidisziplinäre Gutachten der Sachverständigen Dres. J._ und K._ vom 15. Januar
2018 gestützt, die eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine Blockierung des Costotransversalgelenks 5
links, einen Senk-Spreizfuss beidseits und eine Adipositas diagnostiziert und dem
Beschwerdeführer einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 60 Prozent attestiert hatten. Bereits
damals hatte der behandelnde Psychiater H._ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
2.2.
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(vgl. den Bericht vom Juli 2015; IV-act. 154) und eine schwergradige Depression
geltend gemacht (vgl. den Bericht vom September 2016; IV-act. 163), was vom
Sachverständigen Dr. J._ aber überzeugend widerlegt worden war.
Das im Mai 2020 eingereichte Revisionsbegehren, das vom behandelnden
Psychiater H._ verfasst worden ist, ist kein „reines“ Revisionsbegehren, also ein
blosser Hinweis auf eine relevante Sachverhaltsveränderung, sondern auch eine Kritik
an der offenbar vom Beschwerdeführer und vom Psychiater H._ als falsch
qualifizierten Verfügung vom 24. Mai 2018 gewesen, denn der behandelnde Psychiater
hat unter anderem geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei „immer noch“ deutlich
depressiv herabgestimmt und kaum schwingungsfähig; für ihn als Therapeut sei es
unverständlich, weshalb nicht „schon längst“ eine Rentenerhöhung erfolgt sei.
Wiederum hat er eine schwergradige depressive Störung und eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit konstatiert. Zwar hat er auch geltend gemacht, der „langjährige
Krankheitszustand“ würde sich „immer weiter verschlechtern“, aber ganz offensichtlich
ist er überzeugt gewesen, der Beschwerdeführer sei damals – im Mai 2020 – schon seit
Jahren vollständig arbeitsunfähig. Da die Beschwerdegegnerin im am 24. Mai 2018
abgeschlossenen Revisionsverfahren nicht auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
behandelnden Psychiaters H._, sondern auf jene der Sachverständigen Dres. J._
und K._ abgestellt hatte, hat mit dem Hinweis auf die voranschreitende
Verschlechterung immerhin die Möglichkeit bestanden, dass der „reale“
Arbeitsfähigkeitsgrad sich zwischenzeitlich dem vom behandelnden Psychiater H._
geltend gemachten Arbeitsfähigkeitsgrad angenähert hatte, weshalb der RAD-Arzt Dr.
M._ zu Recht eine relevante Sachverhaltsveränderung als glaubhaft gemacht
qualifiziert hat und weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
Revisionsbegehren eingetreten ist. Im in der Folge erstellten Verlaufsgutachten vom 3.
Mai 2021 hat die orthopädische Sachverständige Dr. K._ anschaulich und
überzeugend aufgezeigt, dass in somatischer Hinsicht lediglich minimale degenerative
Veränderungen eingetreten waren, die keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers für leidensadaptierte Tätigkeiten gehabt haben. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. J._ hat gestützt auf den von ihm eingehend erhobenen
objektiven klinischen Befund mit einer überzeugenden Begründung festgehalten, dass
sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Vergleich zur
Voruntersuchung, die etwa drei Jahre früher von Dr. J._ durchgeführt worden war,
leicht verschlechtert habe, wodurch sich der Arbeitsfähigkeitsgrad des
Beschwerdeführers um zehn Prozent reduziert habe. Der Beschwerdeführer hat unter
Verweis auf die Berichte des behandelnden Psychiaters H._ und auf die Erfahrungen
im Zusammenhang mit der Beschäftigung beim N._ geltend gemacht, die
2.3.
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Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ sei allzu optimistisch. Diese Einwände
überzeugen allerdings nicht. Die Erfahrungen des Beschwerdeführers und der
Bezugspersonen im N._ sind subjektiv geprägt. Auch wenn die Vorgesetzten dort
sicherlich über eine reichhaltige Erfahrung bezüglich der Zusammenarbeit mit
gesundheitlich angeschlagenen Personen verfügen, sind sie mangels einer
medizinischen Ausbildung doch nicht in der Lage, eine objektive
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung abzugeben. Erfahrungsgemäss
sind entsprechende Berichte sehr oft bloss eine Wiedergabe der Selbsteinschätzung
der versicherten Personen. Die Berichte des behandelnden Psychiaters H._ sind von
Dr. J._ bereits mehrfach mit einer überzeugenden Begründung als nicht stichhaltig
widerlegt worden. Sie enthalten keine Hinweise auf Tatsachen, die Dr. J._ nicht
berücksichtigt hätte, und sie sind deshalb nicht geeignet, Zweifel an der
Überzeugungskraft des Teilgutachtens von Dr. J._ zu wecken. Zudem besteht nach
der bundesgerichtlichen Auffassung ein objektiver Anschein der Befangenheit des
Psychiaters H._, weil dieser in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zum
Beschwerdeführer steht, das ganz entscheidend von therapeutischen Interessen
geprägt ist. Zusammenfassend steht gestützt auf das Verlaufsgutachten der
Sachverständigen Dres. J._ und K._ mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer ab etwa Anfang
des Jahres 2019 nur noch zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.
Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers hat sich für die Zeit ab Januar 2018
auf 53,92 Prozent belaufen. Die Beschwerdegegnerin hatte ihn ausgehend von einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 60 Prozent und unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent ermittelt. Als Valideneinkommen hatte sie den
zuletzt erzielten Lohn von 69’193.55 Franken berücksichtigt. Als Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens hatte sie den statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne herangezogen (vgl. IV-act. 190–2). In Bezug auf das
Valideneinkommen und den Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens kann sich der massgebende Sachverhalt nicht relevant verändert
haben. Der Tabellenlohnabzug kann durch die leichte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes nicht positiv, sondern wenn überhaupt nur negativ beeinflusst
worden sein, was bedeutet, dass nur eine Erhöhung des Tabellenlohnabzuges zur
Diskussion stehen könnte. Diesbezüglich erweist sich die Sachverhaltsveränderung als
nicht gewichtig genug. Mit anderen Worten besteht keine Veranlassung, den
Tabellenlohnabzug zu erhöhen, weshalb dieser weiterhin 15 Prozent betragen muss.
Da sich das Valideneinkommen und der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens in den Jahren 2018–2020 gleich entwickelt haben,
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/16
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3.
also derselben Nominallohnentwicklung unterworfen gewesen sind, kann sich die
Aufwertung rein mathematisch nicht auf das Ergebnis auswirken, weshalb sie für die
Neuberechnung des Invaliditätsgrades unterbleiben kann. Unter Berücksichtigung des
neuen Arbeitsfähigkeitsgrades von 50 Prozent statt jenes von 60 Prozent ergibt sich ein
zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von 62’515.60 Franken × 50 Prozent
× 85 Prozent = 26’569.15 Franken. Das entspricht 38,4 Prozent des
Valideneinkommens von 69’193.55 Franken. Folglich beträgt der Invaliditätsgrad neu
61,6 Prozent, womit gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente besteht.
Der Sachverständige Dr. J._ hat festgehalten, dass sich die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers innerhalb längstens eines halben Jahres wesentlich verbessern
würde, wenn dieser das verordnete Antidepressivum in ausreichender Konzentration
einnehmen und seine Tätigkeit beim N._ aufgeben würde. Diese Ausführungen sind
überzeugend, da von einer leitliniengerechten Einnahme des Antidepressivums eine
wesentliche positive Beeinflussung der depressiven Episode zu erwarten ist und da
überwiegend wahrscheinlich erst die Aufnahme der Tätigkeit beim N._ die
massgebende Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes verursacht
hat, weshalb von der Aufgabe dieser Tätigkeit ein positiver Effekt erwartet werden
kann. Die Optimierung der Einnahme des Antidepressivums ist als eine
schadenmindernde medizinische Eingliederungsmassnahme im Sinne des Art. 21 Abs.
4 ATSG zu qualifizieren. Die Aufgabe einer Erwerbstätigkeit lässt sich dagegen nicht
unter den klaren und eindeutigen Wortlaut des Art. 21 Abs. 4 ATSG subsumieren, denn
sie kann weder eine medizinische Behandlung noch eine berufliche
Eingliederungsmassnahme sein. Also kann sie nicht unter Androhung einer Sanktion
abgemahnt werden.
3.1.
In Bezug auf die Optimierung der psychopharmakologischen Therapie stellt sich
folglich die Frage, ob eine Rentenerhöhung ohne die vorgängige Durchführung eines
Mahn- und Bedenkzeitverfahrens im Sinne des Art. 21 Abs. 4 ATSG, mit der der
Beschwerdeführer zur Erfüllung seiner Schadenminderungspflicht angehalten würde,
zulässig sein kann. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat Fälle, in
denen sich diese Frage gestellt hat, in der Vergangenheit nicht einheitlich beurteilt. Es
hat in einigen Fällen eine Erhöhung einer laufenden Rente für die Dauer einer
eingliederungsrelevanten medizinischen Behandlung mit dem Verweis auf den klaren
und eindeutigen Wortlaut der Art. 8 Abs. 1 (i.V.m. 7 Abs. 1) ATSG, 16 ATSG und 28
Abs. 1 lit. a IVG verweigert, laut dem keine anspruchsrelevante Invalidität vorliegt,
3.2.
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4.
solange die Erwerbsfähigkeit durch medizinische oder berufliche
Eingliederungsmassnahmen noch verbessert werden kann. In anderen Fällen hat es die
Auffassung vertreten, jede länger dauernde Arbeitsunfähigkeit müsse einen
entsprechenden Rentenanspruch auslösen, auch wenn die Invaliditätsdefinition des
Art. 8 Abs. 1 (i.V.m. Art. 7 Abs. 1) ATSG noch nicht erfüllt sei. Im Zusammenhang mit
dem kantonalen Beschwerdeverfahren IV 2016/328, das die Frage nach einer
Rentenzusprache bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit vor dem Abschluss der
medizinischen Eingliederung zum Gegenstand gehabt hat, ist den drei Abteilungen des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen in Anwendung des vom Art. 54 GerG
(sGS 941.1) vorgesehenen Verfahrens die folgende Frage gestellt worden: „Haben
Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf dieses
Jahres weiterhin zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind, grundsätzlich Anspruch
auf eine Rente, obwohl zumutbare Eingliederungsmassnahmen, welche ihre
Arbeitsfähigkeit [...] wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, nicht
abgeschlossen sind?“ Diese Frage ist mehrheitlich bejaht worden, weshalb sich die
Rechtsprechung des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen seither nach der
entsprechenden Formulierung richtet, die – entweder als Ergebnis einer Interpretation
des Art. 28 Abs. 1 IVG oder als gerichtliche Ausfüllung einer Lücke im Art. 28 IVG –
dem ihrerseits klaren und eindeutigen Wortlaut der Fragestellung entsprechend
Anwendung finden muss. Ein derartiger Rentenanspruch beruht also nicht auf einer
Invalidität im Sinne des Art. 8 Abs. 1 (i.V.m. Art. 7 Abs. 1) ATSG, sondern – wie bei
einem UV- oder MV-Taggeld – auf einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Art. 6 Satz 2
ATSG. Diese neue, vereinheitlichte Praxis kann natürlich nicht nur auf Verfahren
betreffend eine Rentenzusprache Anwendung finden, sondern muss auch in
Rentenrevisionsverfahren berücksichtigt werden. Da der Beschwerdeführer gemäss
den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Dr. J._ seit Beginn des
Jahres 2019 zu 50 Prozent (statt wie davor zu 40 Prozent) arbeitsunfähig gewesen ist,
hätte die Beschwerdegegnerin ihm eine an die Stelle der bisherigen Invalidenrente
tretende Rente im Sinne der oben dargestellten Praxis des St. Galler
Versicherungsgerichtes zusprechen müssen. Die Verfügung vom 3. Januar 2022, mit
dem die Beschwerdegegnerin das Rentenerhöhungsgesuch des Beschwerdeführers
abgewiesen hat, erweist sich damit als rechtswidrig. Sie ist aufzuheben und dem
Beschwerdeführer ist – unter Berücksichtigung der nach der bundesgerichtlichen
Auffassung massgebenden „Verzögerung“ von drei Monaten nach Art. 88a Abs. 2 IVV –
mit Wirkung ab dem 1. April 2019 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen.
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Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von
600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist als
durchschnittlich (bezogen auf einen „normalen“ IV-Rentenfall) zu qualifizieren, weshalb
die Parteientschädigung praxisgemäss auf 4’000 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.