Decision ID: 207fe032-8b6d-4530-b8c6-1eaa59e01ef2
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1 Mit Verfügung vom 25.
April 2003 (Urk.
7/21) sprach die Sozial
versiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
B._
bei einem Invaliditätsgrad von 45
% ab 1.
März 2002 eine halbe Invalidenrente zu. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 7.
Juli 2003 ab (Urk.
7/14). Nachdem der Versicherte gegen den Einspracheentscheid Beschwerde erhoben hatte, hiess das Sozialversicherungsgericht diese mit Urteil vom 28.
Juni 2004 (Prozess-Nr.
IV.2003.00281; Urk.
7/1) in dem Sinne gut, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 7.
Juli 2003 insoweit aufgehoben wurde, als ein An
spruch auf eine ganze Invalidenrente verneint wurde, und die Sache an die So
zial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurück
gewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. Gegen dieses Urteil er
hob der Beschwerdeführer Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Eidgenössi
sche Versicherungsgericht (EVG) und beantragte, es sei ihm ab dem 1.
Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen (Eingabe vom 8.
September 2004; Prozess-Nr.
IV.2003.00281; Urk.
28). Die Beschwerde ist zur Zeit noch rechts
hängig.
1.2 Mit Verfügung vom 25. Mai 2004 (Urk.
7/2) eröffnete die IV-Stelle
B._
, dass ihm ab 1.
Januar 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 45
% eine Vier
telsrente ausgerichtet werde. Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr.
Ludwig Raymann, Einsprache (Eingaben vom 24.
Juni und 1.
Juli 2004; Urk.
9/1 und Urk.
9/2). Mit Entscheid vom 15.
Juli 2004 (Urk.
2) wies die IV-Stelle die Einsprache ab.
2. Dagegen erhob
B._
, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Dr.
Lud
wig Raymann, mit Eingabe vom 16.
August 2004 (Urk.
1) Beschwerde und stellte folgenden Antrag:
" Es sei dem Versicherten eine ganze Rente zuzusprechen, nach Vor
nahme der vom Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich im Urteil vom 28.
Juni 2004 angeordneten ergänzenden Abklärungen.
Bereits aufgrund der bisherigen Sachlage sei dem Versicherten ab dem 1.
Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen."
In der Beschwerdeantwort vom 21.
September 2004 (Urk.
6) schloss die IV-Stel
le auf Abweisung der Beschwerde.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Einer Beschwerde im Sozialversicherungsbereich kommt von Bundesrechts we
gen Devolutiveffekt zu, was bedeutet, dass die Verwaltung die Verfügungsge
walt über den Streitgegenstand verliert, sobald er beim Gericht rechtshängig geworden ist (Art.
58 Abs.
1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsver
fahren, VwVG; vergleiche die dazu ergangene Rechtsprechung in SVR
1996 IV
Nr.
93 S.
283 Erw.
4b/aa; ZAK 1992 S.
117 Erw.
5a mit Hinweisen).
2.
2.1 Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdegegnerin berechtigt war, am 25.
Mai 2004 über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers erneut zu verfügen, ob
wohl in diesem Zeitpunkt der Prozess gegen die ursprüngliche Verfügung vom 25.
April 2003
über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers beim hiesigen Gericht hän
gig war.
2.2 Die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet rechtspre
chungsgemäss der Einspracheentscheid (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweis; vergleiche auch BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 169 Erw. 1, je mit Hinweisen). Für den Zeitraum ab Erlass des Einspracheentscheides wirkt grundsätzlich kein Devolu
tiveffekt mehr (vergleiche Urteil des EVG vom 3.
Dezember 2003 in Sachen F.; I
499/03 Erw.
7.1). Die Verwaltung ist berechtigt, beim Vorliegen eines geän
derten Sachverhaltes nach Verfügungserlass unabhängig von einem Gerichts
verfahren ein Revisionsverfahren durchzuführen (vergleiche Urteil des EVG vom 8.
Mai 2000 in Sachen C.; I
46/00 Erw.
1b).
Eine revisionsweise Änderung der Invalidenrente für den Zeitraum nach dem im Verfahren IV.2003.00281 angefochtenen Einspracheentscheid vom 3.
Juli 2003 wäre aufgrund eines geänderten Sachverhaltes daher ohne weiteres möglich gewesen. Vorliegend handelt es sich aber nicht um ein Revisionsverfahren bei einem geän
derten Sachverhalt. Die Beschwerdegegnerin ist in der Verfügung vom 25.
Mai 2004 (Urk.
7/2) von dem in der Verfügung vom 25.
April 2003 (Urk.
7/21) errechneten Invaliditätsgrad von 45
% ausgegangen und hat die In
validenrente dem am 1.
Januar 2004 in Kraft getretenen Art.
28 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) angepasst. Mit der Ver
fügung vom 25.
Mai 2004 wurde somit lediglich der gemäss Verfügung vom 25.
April 2003 errechnete Invaliditätsgrad von 45
% wiederholt. Demnach geht es nicht um eine neue Ermittlung des Invaliditätsgrades aufgrund einer revi
si
onsbegründenden Sachverhaltsänderung, sondern um einen erneuten Entscheid über den Rentenanspruch gestützt auf eine Gesetzesrevision bei unverändertem Invaliditätsgrad. Der Invaliditätsgrad gemäss Verfügung vom 25.
April 2003 war jedoch gerade der Streitgegenstand des Verfahrens vor dem Sozialversi
cherungsgericht, sodass er der Disposition der Beschwerdegegnerin entzogen war. Aus diesem Grund war die Beschwerdegegnerin nicht berechtigt, erneut bezüglich des strittigen Invaliditätsgrades zu verfügen.
2.3 Aus diesen Gründen ist der die Verfügung vom 25.
Mai 2004 bestätigende Ein
spracheentscheid vom 15.
Juli 2004 aufzuheben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
2.4 Soweit der Beschwerdeführer beantragt, ihm sei nach Vornahme der ergänzen
den Abklärungen eine ganze Invalidenrente und aufgrund der bisherigen Sach
lage seit dem 1.
Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen (Urk.
1 S.
2), ist festzuhalten, dass die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung Streitgegenstand des vor dem EVG hängigen Beschwerde
ver
fahrens bildet. Ist ein Verfahren bei der übergeordneten Gerichtsinstanz anhän
gig gemacht worden, gilt der Devolutiveffekt auch für die untere Instanz. Das Sozialversicherungsgericht ist daher nicht mehr berechtigt, über diese Frage zu entscheiden. Mit dem Begehren, dem Beschwerdeführer ab 1.
Januar 2004 eine Dreiviertelsrente auszurichten, wird beantragt, dass die Invalidenrente dem vom Sozialversicherungsgericht ermittelten Invaliditätsgrad von 60
% angepasst werde, was nach dem Gesagten ebenfalls nicht zulässig ist. Auf diese Begehren des Beschwerdeführers ist deshalb nicht einzutreten.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf Art.
61 lit.
g des Bundes
geset
zes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbin
dung mit §
34 des Gesetzes über das So
zialversicherungsgericht sowie §§
8 und 9 der Verordnung über die sozialversicherungsgerichtlichen Gebühren, Kosten und Entschädigungen ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen. Unter Be
rücksichtigung dieser Grundsätze ist dem Beschwerdeführer eine Prozessent
schädigung von Fr.
1'300.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzuspre
chen.