Decision ID: f860669c-10a0-5d49-84aa-cd45c0ea3f1c
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1989 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) meldete sich am
11. Juni 2013 bei den Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden (damals noch:
Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, nachfolgend: Vorinstanz) wegen
einer Skoliose zum Leistungsbezug an (IV-act. 3).
B. Bei der Beschwerdeführerin waren am 16. April 2013, als sie sich zur Abklärung von
anhaltenden Rückenschmerzen zu Dr. D_ begab, eine linkskonvexe Lumbalskoliose,
zunehmende Rückenschmerzen und Adipositas diagnostiziert worden (IV-act. 2). Die
Beschwerdeführerin war in diesem Zeitpunkt in einem 100%-Pensum als Mitarbeiterin im
Hausdienst bei der E_ AG tätig. Per 1. Juli 2013 reduzierte sie ihr Pensum auf 80% (IV-
act. 12, S. 2). Am 7. Januar 2014 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer
Rückenoperation (dorsale Aufrichtungsspondylodese Th5-L4) mit peri- und postoperativ
komplikationslosem Verlauf (IV-act. 28). Im Bericht vom 4. Juli 2014 attestierte Dr. D_
der Beschwerdeführerin mindestens bis Mitte Juli 2014 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 37, S. 6). Das Arbeitsverhältnis der Beschwerdeführerin wurde per Ende Juli 2014
aufgelöst. Nach einer erneuten ambulanten Untersuchung am 28. Juli 2014 ging Dr. D_
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davon aus, dass die Beschwerdeführerin noch bis Ende Jahr für mittelschwere Arbeiten
arbeitsunfähig bleiben werde (IV-act. 37, S. 4).
C. Dr. F_ vom RAD erachtete es in seinem Bericht vom 20. August 2014 als
nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit bis anfangs
2015 zu 100% arbeitsunfähig sei, in einer rückengeeigneten Tätigkeit sei aber eine 50%-
ige Arbeitsfähigkeit gegeben, welche im weiteren Verlauf auf bis zu 100% zu steigern sei.
Es sei nicht zielführend, wenn die Beschwerdeführerin das IV-Rentenverfahren abwarte,
bevor sie sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stelle, da in ihrem Fall keine dauerhafte
Erwerbsunfähigkeit von 40% vorliege (IV-act. 40). In der Folge gewährte die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin berufliche Massnahmen in Form von Beratung und Unterstützung bei
der Stellensuche (IV-act. 42) und schlug ihr vor, ein Belastbarkeits- oder Aufbautraining zu
absolvieren (IV-act. 46). Da sich die Beschwerdeführerin momentan noch nicht fähig fühlte,
um an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, wurde zunächst die nächste ärztliche
Kontrolluntersuchung im Januar 2015 abgewartet (IV-act. 47). Bereits am 9. Dezember
2014 teilte die Beschwerdeführerin der Vorinstanz jedoch telefonisch mit, dass sie jetzt
bereit sei, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, wobei sie die Bereiche Verkauf,
Kosmetik und Büro interessieren würden (IV-act. 54). In der Folge organisierte die
Vorinstanz vom 2. Februar bis 10. Mai 2015 eine berufliche Abklärung im Büro und im
Verkauf beim G_ (IV-act. 57 und 61). An dieser Abklärung nahm die Beschwerdeführerin
mit einer Präsenzzeit von 50% teil, die ursprünglich geplante schrittweise Erhöhung der
Präsenzzeit darüber hinaus erwies sich als nicht möglich. Zudem zeigte sich, dass weder
der Tätigkeitsbereich Büro noch Verkauf aufgrund fachlicher Defizite, insbesondere
bezüglich Rechtschreibung und Rechnen, für die Beschwerdeführerin geeignet waren;
möglich seien aber einfache, sitzende Routinetätigkeiten (IV-act. 75).
D. In der Folge beauftragte die Vorinstanz Dr. H_ mit der Erstellung eines orthopädischen
Gutachtens zur objektiven Klärung der zumutbaren Leistungsfähigkeit aus medizinischer
Sicht (IV-act. 88, 89). Gemäss dessen Gutachten vom 25. September 2015 (IV-act. 95) ist
die Beschwerdeführerin in angestammter Tätigkeit ab Januar 2015 bei voller
Stundenpräsenz zu 50% arbeitsfähig. In einer leidensadaptierten Tätigkeit erachtete Dr.
H_ die Beschwerdeführerin seit Januar 2015 bei voller Stundenpräsenz zu 90%
arbeitsfähig. Als leidensadaptiert beschrieb er eine körperlich leichte Tätigkeit,
abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte
Körperhaltungen, ohne häufige Arbeiten über Schulterhöhe, bei denen keine Gegenstände
vom Boden über 12.5 kg, horizontal über 15 kg gehoben werden müssen, vorne über 15
kg, in der rechten und linken Hand je über 12.5 kg getragen werden müssen. Einer
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sofortigen beruflichen Eingliederung in eine solche Tätigkeit stehe nichts entgegen (IV-act.
95, S. 21).
E. Nachdem die Beschwerdeführerin gegenüber der Vorinstanz erklärt hatte, dass sie sich
lediglich zu 50% arbeitsfähig fühle, schloss die Vorinstanz die
Wiedereingliederungsbemühungen erfolglos ab (IV-act. 102). Mit Vorbescheid vom 20. Mai
2016 teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mit, dass sie bei einem Invaliditätsgrad
von 5% keinen Rentenanspruch habe (IV-act. 109). Dagegen liess die Beschwerdeführerin,
vertreten durch eine Fachberaterin der C_, Einwand erheben und ersuchte insbesondere
darum, ihren Gesundheitszustand vollständig (neuropsychologisch und psychiatrisch)
abzuklären und interdisziplinär zu würdigen. Das Valideneinkommen sei anzupassen und
es sei ein Leidensabzug zu prüfen; zudem sei ihr Unterstützung bei der Stellensuche zu
gewähren. Erst nach Abschluss dieser medizinischen und beruflichen Massnahmen sei
über den Rentenanspruch neu zu verfügen (IV-act. 112). Daraufhin holte die Vorinstanz
eine ergänzende medizinische Einschätzung bei Dr. F_ vom RAD ein. Dieser kam erneut
zum Schluss, dass es keinen medizinischen Grund gebe, von der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. H_ abzuweisen. Eine psychiatrische Erkrankung
brauche nicht vorauseilend abgeklärt zu werden, nachdem nie ein Arzt eine solche genannt
habe; zudem sei die Beschwerdeführerin mit ihrem persönlichen Ressourcenniveau
ausbildungsfähig gewesen, weshalb keine Frühinvalidität vorliege (IV-act. 114). Mit
Verfügung vom 25. Juli 2016 hielt die Vorinstanz daher an ihrem Vorbescheid fest und
verneinte weiterhin einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad (IV-act. 115).
F. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 13. September
2016 erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 17.
Oktober 2016 verlangte die Vorinstanz deren Abweisung (act. 4). Mit Replik vom 25.
Oktober 2016 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (act. 8). Mit Eingabe vom
31. Oktober 2016 nahm die Vorinstanz erneut Stellung und hielt ihrerseits ebenfalls an
ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. 10). Beide Parteien verzichteten auf
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Am 21. Februar 2016 wurde die Sache in
der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten
und darüber entschieden. Die Anträge der Beschwerdeführerin wurden abgewiesen. Die
gleichzeitig mit der Beschwerde beantragte unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung durch Rechtsanwalt B_ wurde der Beschwerdeführerin bereits mit
Verfügung vom 20. Oktober 2016 vom zuständigen Einzelrichter im Verfahren ERV 16 48
gewährt. Dem Ersuchen der Beschwerdeführerin gemäss Schreiben vom 27. Februar 2016
entsprechend wird das Urteil hiermit mit schriftlicher Begründung eröffnet.
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G. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da
eine Verfügung der Vorinstanz angefochten ist, ist die örtliche Zuständigkeit gegeben (Art.
69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten der
Beschwerdeführerin als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf
die Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60
Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
b. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn
sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens
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zu 40% invalid sind. Zur Bestimmung des Invaliditätsgrads wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (sog. Valideneinkommen).
c. Die Vorinstanz ging bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads der Beschwerdeführerin von
einem Validenlohn im Betrag von Fr. 49‘200 aus. Als Invalideneinkommen verwendete die
Vorinstanz die in den LSE aufgeführten Zahlen und ging unter Berücksichtigung der
Indexierung von einem branchenspezifischen Tabellenlohn im Betrag von Fr. 53‘757 aus,
wovon 90% zumutbar erzielt werden könnten, was gemäss Berechnung der Vorinstanz zu
einem Invalideneinkommen von Fr. 48‘381 führte. Zusätzlich nahm die Vorinstanz
ausserdem eine Parallelisierung beider Einkommen vor und errechnete so einen
Invaliditätsgrad von rund 5% (vgl. IV-act. 108). Ob dieser Berechnung in allen Einzelheiten
so gefolgt werden kann, kann offen gelassen werden. Die Beschwerdeführerin verdiente
jedenfalls zuletzt bei der E_ AG einen Jahreslohn von Fr. 41‘600 bei einem 80%-Pensum
(IV-act. 12, S. 2); umgerechnet auf ein 100%-Pensum ergäbe dies einen Jahreslohn von
Fr. 52‘000. Im Resultat spielt aber selbst die Berücksichtigung eines entsprechend höheren
Valideneinkommens keine Rolle, da auch bei angepassten Zahlen unverändert kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40% oder mehr resultieren würde. Dies gilt
zumindest dann, wenn mit der Vorinstanz davon ausgegangen wird, die
Beschwerdeführerin sei in einer adaptierten Tätigkeit zu 90% arbeitsfähig. Wie es sich mit
dieser Annahme verhält, ist nachfolgend näher zu prüfen.
2.2.
Die in der angefochtenen Verfügung getroffene Feststellung, die Beschwerdeführerin sei ab
Januar 2015 in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 90% leistungsfähig, stützte die
Vorinstanz namentlich auf die gutachterliche Einschätzung durch Dr. H_ (IV-act. 95).
Dieser nahm in seinem Gutachten Stellung zu ihren rückenbedingten Einschränkungen. In
einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Vorinstanz bei der Festlegung des
Invaliditätsgrads zu Recht auf seine gutachterliche Einschätzung abgestellt hat:
a. Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch
anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Seite 7
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (anstelle
vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_772/2016 vom 23. Januar 2017, E. 4.1). Die Annahme
eines invalidisierenden Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich eine fachärztliche, lege
artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose
voraus (Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014, E. 3.1.1, m.w.H.).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (Urteil
des Bundesgerichts 8C_125/2016 vom 4. November 2016, E. 2.1.1, m.w.H.). Den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_278/2016 vom 22. Juli 2016, E. 3.2.2,
m.w.H.). Es ist notwendig, dass die sachverständige Person nicht auszuräumende
Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihr die Beantwortung der Fragen erschweren oder
verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (vgl. KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, N. 56 zu Art. 44 ATSG).
b. Dr. H_ stützte sein Gutachten einerseits auf sämtliche IV-Akten mit den darin
enthaltenen Arztberichten und Unterlagen und führte andererseits eine 50-minütige
persönliche orthopädische Untersuchung durch, liess Röntgenbilder erstellen und
veranlasste zusätzlich eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, so dass das
Gutachten - zumindest im in Frage stehenden orthopädischen Bereich (zur von der
Beschwerdeführerin zusätzlich geforderten psychiatrischen Abklärung siehe E. 2.3
nachfolgend) - ohne Zweifel umfassend ist und in formeller Hinsicht den Anforderungen
gerecht wird.
c. Konkrete Indizien, die inhaltlich gegen die gutachterlichen Schlussfolgerungen sprechen,
könnten sich insbesondere aus den Arztberichten der behandelnden Ärzte ergeben. Dabei
ist allerdings der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten
ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mitunter mit Vorbehalt zu würdigen sind
(Urteil des Bundesgerichts 8C_59/2013 vom 22. April 2013, E. 3.3.1). Aus den Berichten
der behandelnden Ärzte lässt sich im Fall der Beschwerdeführerin folgendes entnehmen:
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Im Konsultationsbericht vom 20. Februar 2014 bezüglich des ersten postoperativen
Kontrolluntersuchs rund 6 Wochen nach der Aufrichtungsspondylodese hiess es: „Wir
haben ein Arbeitszeugnis ausgestellt und die Arbeitsunfähigkeit 100% bis Anfang April
verlängert, da sie in ihrem Beruf schwer heben muss“ (IV-act. 28, S. 1 f.). Im zweiten
Bericht vom 23. April 2014 wurde vermerkt, die Beschwerdeführerin habe einen Antrag bei
der IV gestellt und „möchte jetzt abwarten, wie viel Prozent IV-Rente gezahlt wird und dann
eine neue Arbeit suchen“. Ohne nähere Begründung wurde die Beschwerdeführerin
weiterhin zu 100% arbeitsunfähig bezeichnet (IV-act. 39, S. 4 f.). Im Bericht vom 19. Juni
2014 erachteten die behandelnden Ärzte schliesslich eine den Beschwerden angepasste
Tätigkeit (d.h. nicht mit Heben und Tragen von Lasten verbunden, wechselnd, vorwiegend
sitzend) ab 2. Juli 2014 bis auf weiteres zu 50% zumutbar (IV-act. 39, S. 3). Dr. D_ ging
in seinem Bericht vom 4. Juli 2014 davon aus, dass die Beschwerdeführerin noch bis Mitte
Juli 2014 zu 100% arbeitsunfähig sein werde und äusserte Bedauern darüber, dass ihr
inzwischen gekündigt worden sei, da dafür „aus ärztlicher Sicht bei dem nicht
ungefährlichen Krankheitsbild, das durch die Operation korrigiert werden konnte, kein
Verständnis aufgebracht werden kann“ (IV-act. 37, S. 6). Nach einem weiteren Untersuch
am 28. Juli 2014 erachtete Dr. D_ wenig belastende Arbeiten im angestammten Beruf ab
dem 1. August 2014 sicher bis zu 30% möglich und ging davon aus, dass für mittelschwere
Arbeiten eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende 2014 vorliegen würde (IV-act. 37, S. 4;
letztere Einschätzung wurde in einem Schreiben vom 10. September 2014 ausdrücklich
nochmals bestätigt, IV-act. 52, S. 2). Anlässlich einer weiteren Konsultation in der Berit
Klinik / Dres. I_ und J_ vom 6. August 2014 gab die Beschwerdeführerin erneut an, sie
habe einen IV-Antrag gestellt und wolle, bevor sie eine Arbeit suche, den Erfolg des IV-
Antrags abwarten; ohne nähere Präzisierung weisen die behandelnden Ärzte darauf hin,
dass die Rekonvaleszenz verzögert verlaufe und weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit bestehe
(IV-act. 39, S. 1 f.). In einem Schreiben an den Taggeldversicherer präzisierte Dr. I_ am
3. September 2014, dass der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit angestammt und
adaptiert bis 28. Januar 2015 attestiert worden sei, da selbst adaptierte Tätigkeiten
aufgrund einer glaubhaft herabgesetzten Belastungsfähigkeit zur Zeit nicht mehr
vollschichtig zugemutet werden könnten (IV-act. 86.2, S. 6). Bei einer erneuten
Konsultation im Januar 2015 nahmen die Ärzte zur Kenntnis, dass die Beschwerdeführerin
kurz darauf das Belastbarkeitstraining im Rahmen von IV-Massnahmen beginnen werde,
ohne dass sie aus medizinischer Sicht Bedenken oder Einschränkungen äusserten.
Ebensowenig stellten sie in Frage, dass der Krankentaggeldversicherer seine Zahlungen
eingestellt habe. Eine konkrete Angabe zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin enthält
dieser Bericht nicht (IV-act. 83). Im Verlaufsbericht vom 17. Februar 2015 (Eingang bei der
Vorinstanz) gab Dr. I_ schliesslich an, ab Februar 2015 bestehe „vermutlich“ eine
Arbeitsfähigkeit von 50% und hielt bezüglich dieser Frage ausdrücklich eine Begutachtung
Seite 9
für erforderlich (IV-act. 65). Dr. D_ untersuchte die Beschwerdeführerin am 23. März
2015 ambulant und ermutigte sie in seinem Bericht vom 20. Mai 2015, nach den inzwischen
gescheiterten beruflichen Massnahmen „erst einmal eine Pause einzulegen und dann
nochmals einen zweiten Versuch zu starten“ und wünschte, die Vorinstanz solle hierfür
genügend Flexibilität aufbringen. Dr. D_ wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
„selbst zu der Erkenntnis gekommen ist, dass eine Arbeitsbelastung von 80% [...] nicht
möglich ist“, was ihm insoweit plausibel erschien, als sie aufgrund des Rückens unter
Einschränkungen leide, die nicht mehr „einer normalen Physiologie [entsprechen], die
eigentliche Voraussetzung ist bei einer Arbeitsfähigkeit von 80%.“ Eine eigene, konkrete
medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, insbesondere in einer rückenadaptierten
Tätigkeit, gab Dr. D_ aber nicht ab (IV-act. 76).
Die gutachterliche Einschätzung von Dr. H_ steht somit nicht in Widerspruch zu den
Berichten der behandelnden Ärzte. Insbesondere hat keiner der behandelnden Ärzte der
Beschwerdeführerin mit Bezug auf die physischen Einschränkungen ausdrücklich und
konkret eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestiert. Zwar geht aus ihren Berichten
insbesondere hervor, dass die Beschwerdeführerin sich selbst nicht mehr als zu 50%
arbeitsfähig sieht und erst den Abschluss des Rentenverfahrens abwarten will, bevor sie
wieder eine Stelle sucht. Aus medizinischer Sicht hielt Dr. I_ aber ausdrücklich eine
gutachterliche Bestimmung der Arbeitsfähigkeit für erforderlich und ging selbst von einer
vermutungsweise 50%-igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 65), was somit mit der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. H_ im angestammten Bereich übereinstimmt.
d. Zusammenfassend ergeben sich somit aus den Berichten der behandelnden Ärzte
keinerlei Anhaltspunkte, die die gutachterliche Einschätzung durch Dr. H_ aus
orthopädischer Sicht in Frage stellen würden. Da auch sonst keine Gründe ersichtlich sind,
die dem Gutachten die Beweiskraft absprechen würden, ging die Vorinstanz bei der
Ermittlung des Invaliditätsgrads zu Recht gestützt auf die gutachterliche Einschätzung von
Dr. H_ von einer um 10% verminderten Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
infolge physischer Einschränkungen aus.
Die Beschwerdeführerin kritisiert denn auch das Gutachten, soweit es sich auf die
physischen Einschränkungen bezieht, zu Recht nicht im Einzelnen. Sie stellt sich aber auf
den Standpunkt, nebst den physischen Einschränkungen seien zusätzlich psychische
Einschränkungen gegeben, die bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads zu berücksichtigen
seien.
Seite 10
2.3
In diesem Zusammenhang macht die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, bevor
überhaupt über einen Rentenanspruch entschieden werden könne, müsse der
Gesundheitszustand interdisziplinär abgeklärt werden. Eine zusätzliche
neuropsychologische Abklärung sei angezeigt, da die Einschränkung der Erwerbsfähigkeit
gar nicht rein somatisch bedingt sei. Die Beschwerdeführerin stützt ihre Argumentation
insbesondere auf den Schlussbericht vom 26. Mai 2015 betreffend berufliche Abklärung im
G_ (IV-act. 79, nachfolgend: Schlussbericht). Während den beruflichen Massnahmen
seien Dyskalkulie und Rechtschreibeschwäche bei der Beschwerdeführerin festgestellt
worden. Diese Schwächen seien bereits im Primarschulalter und auch in den folgenden
Schuljahren vorhanden gewesen. Aufgrund neurologischer Defizite sei es der
Beschwerdeführerin gar nicht möglich gewesen, zureichend berufliche Erkenntnisse zu
erwerben und sie sei dadurch in den Verdienstmöglichkeiten gegenüber einer gesunden
Person - zusätzlich zu den rückenbedingten physischen Einschränkungen - limitiert.
Aufgrund der getesteten Fähigkeiten hätten die Eingliederungsfachpersonen keine
Ausbildungsmöglichkeit der Beschwerdeführerin gesehen. Bei der Ermittlung des
Invaliditätsgrads sei daher das Valideneinkommen nach Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) zu ermitteln, was eine deutliche Aufwertung
im Vergleich zu den von der Vorinstanz verwendeten Zahlen zur Folge hätte.
a. Aus dem Schlussbericht ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin während der
beruflichen Abklärung als Kauffrau in der Abteilung Industrieleistungen sowie
Produktionsplanung und -steuerung im Technischen Büro eingesetzt wurde. Während der
Abklärung wurde mit internen Tests der schulische Stand überprüft. Dabei zeigte sich, dass
die Beschwerdeführerin - jedenfalls unter Zeitdruck (vgl. IV-act. 79, S. 5 unten) - die
schulischen Anforderungen für eine Ausbildung zur Büroassistentin EBA und zur Kauffrau
EFZ deutlich nicht erfüllte. Beim sog. Stellwerktest ohne zeitlichen Druck zeigte die
Beschwerdeführerin im Bereich Mathematik ebenfalls ungenügende Fachkenntnisse,
während sie im Bereich Deutsch die Anforderungen gemäss Richtwert Büroassistentin EBA
sogar deutlich übertraf (IV-act. 79, S. 7 f.; die beschwerdeweise vorgebrachte Behauptung,
die Beschwerdeführerin habe bei den Deutschtests durchwegs schlechte Resultate erzielt
[vgl. Beschwerde, S. 7, Ziff. 10], trifft somit nicht zu). Die Kritik der Beschwerdeführerin an
der Schlussfolgerung von Dr. F_ in seinem RAD-Bericht vom 20. Juli 2016 (IV-act. 114),
wonach keine weiteren medizinischen Abklärungen angezeigt seien, überzeugt nicht.
Insbesondere ist hervorzuheben, dass selbst ein unterdurchschnittliches Abschneiden bei
den durchgeführten Tests im G_ nicht automatisch bedeutet, dass von
invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin auszugehen wäre. Wie die Vorinstanz zu Recht hervorhebt, waren
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medizinisch-psychische Einschränkungen der Beschwerdeführerin bisher kein Thema,
insbesondere von ärztlicher Seite her wurde nie ein Abklärungsbedarf in diese Richtung
geäussert. Zwar ergibt sich aus den von der Beschwerdeführerin eingereichten
Schulunterlagen (vgl. IV-act. 113), dass schon im Primarschulalter gewisse schulische
Schwierigkeiten, namentlich im Bereich Mathematik, bestanden. Dennoch hat die
Beschwerdeführerin aber nach der Primarschule die Sekundarschule C und später eine
Attestausbildung als Küchenangestellte erfolgreich absolviert (vgl. IV-act. 113, S. 11 ff. und
IV-act. 17). Die von Dr. F_ im erwähnten RAD-Bericht im Weiteren angeführten und von
der Beschwerdeführerin kritisierten Argumente, weshalb kein Anlass auf weitere
medizinische Abklärungen in psychischer Hinsicht bestehen (z.B. dass die
Beschwerdeführerin offenbar ohne Probleme auch Französisch gelernt hat), werden
ausserdem durch die von der Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz eingereichten
Schulzeugnisse gerade bestätigt, ergibt sich doch tatsächlich aus den Schulzeugnissen,
dass die Beschwerdeführerin in Französisch und Englisch genügende bis gute Noten erzielt
hatte (während sie im Deutsch in der Regel schlechter bewertet wurde, so auch z.B. im
letzten Zeugnis der Sekundarschule Schuljahr 2005/2006, wo sie in Deutsch mit Note 3, in
Französisch mit Note 5 und in Englisch mit Note 4.5 bewertet wurde [vgl. IV-act. 113, S.
11]). Aus den Zeugnissen ergeben sich zwar gewisse Leistungsschwächen, aber keine
konkreten Anhaltspunkte auf medizinisch-neurologische Defizite der Beschwerdeführerin.
b. Somit besteht auch keinerlei Grundlage für die Annahme eines
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Geburtsgebrechens, das bei der Ermittlung des
Invaliditätsgrads zu berücksichtigen wäre (vgl. dazu die Vorbringen im Einwand, IV-act.
112, S. 2). Der blosse Umstand, dass gewisse kognitive Schwierigkeiten die Art der für die
Beschwerdeführerin möglichen Berufstätigkeiten limitieren - und wahrscheinlich auch
bereits die Berufsausbildungswahl der Beschwerdeführerin mitbeeinflusst haben -, genügt
nicht für die Annahme einer Frühinvalidität. Die Invalidenversicherung versichert
Erwerbsunfähigkeit und nicht Berufsunfähigkeit. Es gibt diverse Berufsfelder, die eine 2-
jährige Lehre mit Berufsattest anbieten. Solche Berufsattestausbildungen sind
insbesondere für Jugendliche geeignet, die hauptsächlich praktisch begabt sind und
bewusst auf eine einfachere Berufsausbildung als eine Lehre setzen. Auch eine solche
sog. Anlehre kann zureichende berufliche Kenntnisse im Sinn von Art. 26 IVV vermitteln
(vgl. auch KSIH, Rz. 3037). Entscheidend ist daher nicht die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin keine Berufslehre absolviert hatte bzw. auch heute nicht die
Voraussetzungen zur Absolvierung einer Berufslehre im Bereich Büro / Verkauf mitbringt,
wie sich im Rahmen der beruflichen Abklärung herausstellte, sondern es fragt sich
vielmehr, ob die Beschwerdeführerin ihre bereits absolvierte Attest-Ausbildung theoretisch
erfolgreich auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt einsetzen könnte, was zu bejahen ist (vgl.
Seite 12
zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts 9C_611/2014 vom 19. Februar 2015, E. 4.3).
Es besteht daher keine Veranlassung, das Valideneinkommen in Anwendung von Art. 26
IVV festzulegen.
c. Die Eingliederungsfachpersonen vom G_ sahen als mögliches berufliches
Tätigkeitsfeld für die Beschwerdeführerin eine einfache, vorwiegend sitzende Tätigkeit. Bei
Routinetätigkeiten erbringe die Beschwerdeführerin eine Leistung von ca. 80% (IV-act. 75).
Dr. H_, der die Beschwerdeführerin im September 2015 orthopädisch begutachtete, liess
ergänzend eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durchführen. Aus dieser
ergab sich ebenfalls, dass die Beschwerdeführerin geeignet sei für leichte bis mittelschwere
Arbeiten, wobei bei einer Kumulation von Belastungsfaktoren wie langes Stehen oder
Gehen und vorgeneigten Haltungen zusätzliche Pausen erforderlich und gewisse
Gewichtslimiten beim Heben und Tragen einzuhalten seien (IV-act. 95, S. 10). Die
funktionelle Leistungsfähigkeit wurde insgesamt als leicht unter den
Belastungsanforderungen der bisherigen Arbeit als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft
liegend beurteilt (IV-act. 95, S. 14). Damit bleibt selbst eine Tätigkeit der
Beschwerdeführerin als Küchenangestellte mit Attestausbildung - insbesondere mit
rückenbedingten Anpassungen - nicht zum Vornherein gänzlich ausgeschlossen. Aus
medizinischer Sicht konnte die von den Eingliederungsfachpersonen im Schlussbericht
erwähnte „instabile gesundheitliche Verfassung“ der Beschwerdeführerin ausdrücklich nicht
nachvollzogen werden (IV-act. 95, S. 20). Der Gutachter gelangte vielmehr zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit im Hausdienst bei voller
Stundenpräsenz noch zu 50% leistungsfähig wäre, während sie in einer adaptierten
Tätigkeit bei voller Stundenpräsenz 90% Leistung erbringen könnte. Wie bereits dargelegt,
besteht kein Grund, diese schlüssige medizinische Einschätzung in Frage zu stellen (vgl. E.
2.2 vorstehend).
2.4
Allerdings steht diese nachvollziehbare medizinische Einschätzung tatsächlich auf den
ersten Blick im Widerspruch zu den Ergebnissen des Arbeitsversuchs im G_, wo die
Beschwerdeführerin weder ein Pensum von mehr als 50% noch die ihr gutachterlich
attestierte Leistungsfähigkeit von 90% erbringen konnte. Unter den gegebenen Umständen
kann daraus aber nicht einfach geschlossen werden, die gutachterliche Einschätzung sei
deswegen falsch:
a. Bereits beim Standortgespräch vom 3. März 2015 (IV-act. 71) hielten die
Eingliederungsfachpersonen dafür, dass für die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
Seite 13
früheren Ausbildung eher eine praktische Arbeit in Frage komme. Namentlich
vorgeschlagen wurde eine Arbeit in der Qualitätskontrolle; dort biete das G_ auch
entsprechende Ausbildungen an. Entsprechend wurden der Beschwerdeführerin
Schnuppertage in der Abteilung Q+S ermöglicht (IV-act. 79, S. 7). Es zeigte sich allerdings,
dass die stehende Arbeitshaltung der möglichen Rückenbelastung nicht angepasst war,
weshalb die Beschwerdeführerin so die Leistungserwartungen der Wirtschaft nach
Einschätzung der Eingliederungsfachpersonen kaum erfüllen würde. Die
Beschwerdeführerin informierte zudem die Vorgesetzten, „dass sie sich nicht vorstellen
könne, im Bereich Qualitätskontrolle zu arbeiten, da für sie die Arbeit und die Theorie
(Messtechnik) zu wenig interessant sind und die Arbeiten körperlich zu anstrengend“ (IV-
act. 79, S. 10).
b. Eine vertiefte Abklärung von möglichen Tätigkeitsfeldern nebst Verkauf / Büro
unterblieb, nachdem die Beschwerdeführerin beim Schlussgespräch am 5. Mai 2015 erklärt
hatte, sie sei nicht bereit, eine Ausbildung zu machen, weil sie dann mindestens 80%
Präsenzzeit aufbringen müsste. Ihr grösster Wunsch sei es aber, Mutter zu werden; als
Mutter müsste sie aus finanziellen Gründen noch 50% arbeiten (IV-act. 75). Der Grund,
weshalb eine Weiterführung der Eingliederungsmassnahmen nicht zielführend erschien und
diese abgebrochen wurden, lag somit entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
nicht primär darin, dass sie generell als nicht im Arbeitsmarkt einsetzbar beurteilt wurde,
sondern darin, dass persönliche Gründe die Beschwerdeführerin davon abhielten, sich im
dafür notwendigen zeitlichen Rahmen auf eine Umschulung in ein passendes Tätigkeitsfeld
einzulassen.
c. Das primäre Ziel der beruflichen Massnahmen lag darin, zu klären, ob und mit welcher
Leistung die Beschwerdeführerin im Büro- oder Verkaufsbereich einsetzbar wäre, nachdem
sie beim Assessmentgespräch mit der Mitarbeiterin der Vorinstanz geäussert hatte, dass
sie gerne in diesen Bereichen arbeiten würde, welche grundsätzlich rückenadaptiert
erschienen (vgl. IV-act. 16 und IV-act. 40). Dass die Beschwerdeführerin während der
beruflichen Massnahme an Leistungsgrenzen stiess, ist denn auch nur zu einem geringen
Teil auf rückenbedingte Einschränkungen zurückzuführen, z.B. bei Arbeiten über
Schulterhöhe und Gewichteheben im Verkaufsbereich oder bei der stehenden
Arbeitshaltung in der Qualitätssicherung. Viel mehr ins Gewicht fielen dabei die in den
getesteten Bereichen ungenügenden Fachkenntnisse auf Seiten der Beschwerdeführerin
(IV-act. 79, S. 11: Schwierigkeiten beim Verständnis von kaufmännischen Prozessen,
Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen und der Sprache, wiederkehrende Korrekturen von
Dokumenten wegen Rechtschreibschwäche; siehe auch S. 10: das vorhandene
Schulwissen setzte klare Grenzen; Arbeitsversuch im Q&S fordert technisches Verständnis
Seite 14
und Vorstellungsvermögen; die Beschwerdeführerin war mit den Aufgaben und der
Entscheidfähigkeit überfordert). Die von der Beschwerdeführerin während der EFL
gemachte Angabe, sie habe sich beim 80%-Pensum im Rahmen der beruflichen
Massnahme „mental überfordert“ gefühlt, „weil sie diese Arbeit nie gelernt hatte“ (IV-act. 95,
S. 29), erscheint vor diesem Hintergrund plausibel und keineswegs überraschend. Eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Einschränkung kann daraus aber
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht abgeleitet werden. Die
Beschwerdeführerin ist angehalten, ihre ihr verbleibende fast vollständige Arbeitsfähigkeit
in einem Bereich zu verwerten, bei dem ihre praktischen Fähigkeiten anstatt ihre offenbar
für den Verkaufs- und Bürobereich nicht ausreichenden schulischen Kenntnisse
entscheidend sind. Die Vorinstanz war an sich bereit gewesen, die Beschwerdeführerin bei
einer Umschulung zu unterstützen, schloss aber die beruflichen Massnahmen schliesslich
nach Rücksprache mit der Beschwerdeführerin aus nachvollziehbaren Gründen ab,
nachdem diese sich, inzwischen beim RAV angemeldet und dort in einem
Einsatzprogramm tätig, weiterhin nicht vorstellen konnte, das nötige Pensum für eine
Umschulung aufzubringen (vgl. IV-act. 98). Das Vorgehen der Vorinstanz ist vor diesem
Hintergrund nicht zu beanstanden.
2.5
Die Beschwerdeführerin macht ausserdem geltend, bei der Berechnung des
Invaliditätsgrads sei ein Leidensabzug angezeigt. Abgesehen davon, dass selbst bei der
Annahme des maximal möglichen Leidensabzugs von 25% im Resultat rechnerisch
unverändert kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40% oder mehr resultieren
würde, sind die Voraussetzungen für einen Leidensabzug bei der Beschwerdeführerin nicht
gegeben:
a. Hintergrund für einen Leidensabzug ist die Tatsache, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern
lohnmässig benachteiligt sein können und daher unter Umständen mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Um dies auszugleichen, sind die
statistischen Tabellenlöhne gegebenenfalls mit dem Leidensabzug zu kürzen (BGE 124 V
321, E. 3b/bb). Allerdings führt eine gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, (weiterhin)
körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer Verminderung des
hypothetischen Invalidenlohnes. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nurmehr leichte bis
mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein
Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im niedrigsten
Seite 15
Anforderungsniveau bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_870/2011 vom 24. August 2012, E. 4.1).
b. Von den ausserdem für die Berücksichtigung eines Leidensabzugs theoretisch in
Betracht fallenden Merkmalen (Lebensalter, Anzahl Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie, Beschäftigungsgrad) ist im vorliegenden Fall für keines
ersichtlich, dass dieses zusätzlich zu berücksichtigen wäre: Fehlende Dienstjahre an einer
neuen (leidensangepassten) Arbeitsstelle führen deshalb nicht zu einem Abzug, weil
diesem Kriterium beim für die Beschwerdeführerin anwendbaren Anforderungsniveau
regelmässig keine Bedeutung zukommt. Offensichtlich ebenso wenig ist aus Gründen des
Lebensalters der unter 30-jährigen Beschwerdeführerin ein Abzug angebracht. Im Fall der
in der Schweiz geborenen und seither in der Schweiz wohnhaften Beschwerdeführerin mit
Niederlassungsbewilligung C bildet auch das für einen Leidensabzug theoretisch mögliche
Kriterium der Aufenthaltskategorie zum Vornherein keine Rolle. Da zudem auch eine
Teilzeittätigkeit bei Arbeitsplätzen auf dem niedrigsten Anforderungsniveau bei Frauen
rechtsprechungsgemäss keinen Anlass für einen Abzug bietet, bestehen zusammengefasst
keine weiteren Anhaltspunkte, wonach die Beschwerdeführerin wegen ihrer
Beeinträchtigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt das durchschnittliche Lohnniveau einer
gesunden Hilfsarbeiterin nicht erreichen könnte (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgericht
8C_97/2014 vom 16. Juli 2014, E. 4.2, m.w.H.).
2.6
Zusammengefasst sind im vorliegenden Fall keine weiteren medizinischen Abklärungen
erforderlich. Die physischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin wurden mit dem
Gutachten von Dr. H_ umfassend abgeklärt. Es sind keine
invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin ersichtlich. Die Vorinstanz hat im Resultat zu Recht einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad bei der Beschwerdeführerin verneint. Unter den
gegebenen Umständen kann nicht die Rede davon sein, dass die Vorinstanz versuche, die
Beschwerdeführerin wieder in den nicht mehr angestammten Beruf zurückzudrängen und
die Defizite bagatellisiere (Replik, act. 8, S. 5); zumal die Beschwerdeführerin aus
persönlichen Gründen kein Interesse an einer Umschulung in eine für sie geeignete
Tätigkeit zeigte, ist auch der Abschluss der beruflichen Massnahmen nicht zu beanstanden.
Seite 16
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Vorliegend erscheint die in vergleichbaren Fällen
übliche Entscheidgebühr von Fr. 800.-- als angemessen. Da die Beschwerdeführerin
unterliegt, ist diese Gebühr der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie wird jedoch wegen
der am 20. Oktober 2016 gewährten unentgeltlichen Rechtspflege vorläufig auf die
Staatskasse genommen, unter Vorbehalt der Nachforderung bei der Beschwerdeführerin
für den Fall günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
3.2
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet, da die Beschwerdeführerin unterliegt und
da die obsiegende IV-Stelle eine staatliche Einrichtung ist (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61
lit. g ATSG e contrario; KIESER, a.a.O., N 199 f. zu Art. 61 ATSG).
Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den für C_
tätigen Rechtsanwalt B_ gewährt wurde, ist diesem jedoch zulasten der Staatskasse
eine Entschädigung auszurichten. Im Verfahren vor Obergericht in
Sozialversicherungssachen wird die Entschädigung pauschal bemessen (Art. 13 Abs. 1 lit.
c Anwaltstarif, bGS 145.53). Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters richtet sich
zwar grundsätzlich nach dem notwendigen Zeitaufwand, darf aber nicht höher sein als das
pauschal zu bemessene Honorar (Art. 23 Abs. 1 und 24 Abs. 2 Anwaltstarif). Eine
Kostennote liegt nicht vor. Somit ist RA B_ die in gleichartigen Fällen übliche
Entschädigung von pauschal Fr. 2‘125.-- zu gewähren. Hinzu kommen eine Entschädigung
für die Barauslagen von praxisgemäss pauschal 4% (Art. 23 Abs. 2 Anwaltstarif) sowie die
Mehrwertsteuer von 8%, insgesamt also Fr. 2‘386.80. Damit wird der notwendige Aufwand
des unentgeltlichen Rechtsvertreters im vorliegenden Beschwerdeverfahren in
angemessener Weise abgegolten. Auch diese Zahlung zu Lasten der Staatskasse erfolgt
unter ausdrücklichem Vorbehalt der Rückforderung bei der Beschwerdeführerin für den Fall
günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
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