Decision ID: 9c911d08-6a80-43a9-8ee5-68ef1c001f51
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, ist gelernter Maurer.
Ab dem Jahr 2002 war
er in der Autobranche tätig. Nach dem Konkurs
der eigenen
GmbH verbrachte er zwei Jahre im Ausland
.
Sein letztes Einzelunternehmen mit der Firma
Y._
,
Z._
gründete er im Jahr 201
5.
Diese
s
bezweckte
den
Betrieb einer Autowerkstatt
,
Reparatur- und Ser
vicearbeiten an Motorfahrzeugen sowie
den
Handel mit Fahrzeugen und allgemeinem Autozube
hör
(vgl.
www.zefix.ch
; Urk. 7/4/4 und 7/33/4 f.
).
Nach einer Schulteroperation
am 2
3.
Januar 2019
(
Urk.
7/11/10)
meldete
sich der Versicherte
im April 2019 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
D
iese
zog die Akten des Kranken
taggeldversicherers bei (
Urk.
7/11
und 7/27
)
, holte
weitere
medizinische Unter
lagen ein (
Urk.
7/24
und 7/30/7 ff.
)
und klärte die erwerblichen Verhältnisse ab (
Urk.
7/8 und 7/16)
.
Dabei
holte sie eine Stellungnahme des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) ein (
Urk.
7/37/4-6) und
gab einen Abklärungsbericht für Selbstän
digerwerbende in Auftrag, der
am
2
0.
Oktober 2020
erstattet wurde
(vgl.
Urk.
7/33).
Schliesslich stellte die IV-Stelle dem Versicherten m
it Vorbescheid vom
9.
Februar 2021 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
7/39). Dagegen liess
er
, vertreten durch Rechtsanwalt
Glavas
, Einwand erhe
ben (
Urk.
7/45
). Am
2
5.
März 2021
verfügte
die IV-Stelle
wie angekündigt
(
Urk.
2)
.
2.
Gegen diesen Entscheid
erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Glavas
, Beschwerde
(
Urk.
1)
.
Er beantragte
, d
ie
angefochtene
Verfügung
sei auf
zuheben und die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese nach weite
re
n
Abklärungen, insbesondere einer orthopädischen/rheumatologischen Begut
achtung,
neu über seinen Rentenanspruch entscheide (
Urk.
1 S. 2 und
Ziff.
II.3)
.
In der Beschwerdeantwort vom 2
5.
August 2021 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6).
Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten mit V
erfügung vom 2
6.
August 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bzw. des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Erw
erbsunfähigkeit ist gemäss Art.
7 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden au
sgegliche
nen Arbeitsmarkt (Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Im Übrigen sieht auch der am 1. Januar 2022 in Kraft getretene Art. 28b Abs. 4 IVG einen rentenbegründenden Mindestinvaliditätsgrad von 40 % vor.
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog,
die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer seit Juli 2018
zwar
nicht mehr zumutbar. Indessen sei er
in einer körperlich leich
ten, wechselbelastenden Tätigkeit voll arbeitsfähig
(
Urk.
2)
.
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, die
Aktenbeurteilung
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
sei nicht schlüssig, zumal
ihm keine aktuellen Berichte vorgelegen hätten,
die Fachärzte
in ihren Berichten
nur die
sie
betreffenden Beschwerden berücksichtigt hätten
und
keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hätten machen können.
Der
Untersuchungsgrundsatz
sei somit verletzt. Zudem
hätten die Behandler drei Monate nach der Operation
–
im Widerspruch zur RAD-Beurteilung –
noch massivste, objektivierbare Beschwer
den bestätigt. Bereits die Kompression der Nervenwurzel S
1 limitier
e
seine
Leistungsfähigkeit. Hinzu kämen Schulter- und K
niebeschwerden
(
Urk.
1
Ziff.
II.3 und III.4
-6
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin s
tützte sich bei der Verneinung d
es Rentenanspruchs auf die RAD-ärztliche Stellungnahme
n
von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie
. In der Aktenbeurteilung
vom
6.
Juni 2020
erachtete er folgende Diagnosen als
relevant (vgl.
Urk.
7/37/4 f.):
-
Lumbalgie und schmer
z
haft-sensorische Radikulopathie S1 links
(
bei
Diskus
protrusion
mit
Rezessusstenose
L5/S
1 links),
-
beginnende
Pangoarthrose
im Kniegelenk rechts
(
bei
/mit
Horizontalriss im medialen
Meniskushinterhorn
und Pars intermedia mit deutlichen
peri
arthrop
atischen
entzündlichen Veränderungen
;
chondropa
th
ischen
Ver
än
derungen lateral > medial sowie retropatellar und in der
Trochlea
, darun
ter Knochenmarksödem und
subchondrale
Zysten
),
-
Restbeschwerden
an
der rechten Schulter
(
bei einem Zustand nach Schul
ter
arthroskopie am 2
3.
Januar 2019 mit
Rotatorenmanschetten
-Rekon
struktion,
Tenodese
der Bizepssehne,
Acromioplastik
und
Akromioklavi
kulargelenk
resektion
) sowie
-
Schulterschmerzen links (bei Verdacht auf eine
Rotatorenmanschetten
läsion
)
Dem fügte er hinzu
, gemäss Akten sei dem Beschwerdeführer seit dem 3
0.
Juli 2018 eine Arbeitsunfähig
keit
als Automechaniker
von
[ab
wechselnd
]
50
%
oder 100
% attestiert worden. Laut Angaben im aktuellen Bericht des Hausarztes sei die «langfristige Prognose eher günstig», diejenige zur Eingliederung «sehr gut». Konkrete Angaben zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit lägen nicht vor.
Dr.
A._
schlussfolgerte, di
e
obgenannten somatischen Gesundheitsschäden seien ausgewiesen, einschliesslich der sich daraus ableitenden Einschränkungen der funk
tionellen Leistungsfähigkeit. Lediglich der Gesundheitsschaden der rechten Schulter sei nach der Aktenlage stabil, bei
den a
nderen Gesundheitsschäden sei
dies nicht genau ersichtlich bzw. weitere operative Massnahmen seien medizi
nisch-theoretisch wahrscheinlich. Allerding
s
seien die entsprechenden fachärzt
lich-orthopädischen Berichte bereits sechs
Monate
alt und dem einzigen, wirklich aktuellen
Bericht des Hausarztes sei bezüglich konkret geplanter Therapien nichts zu entnehmen. Die aktenkundigen Angaben zur Arbeitsunfähigkeit würden wie üblich primär für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit gelten (
selbständiger Auto
me
chaniker) und seien aus versicherungsmedizinisch-orthopädischer Sicht uneinge
schränkt nachvollziehbar. Konkret bedeute dies, dass diese Tätigkeit dau
erhaft nicht mehr möglich bzw. zumutbar sei. Für eine behinderungsangepasste Tätig
keit gebe es keine aktenkundigen Angaben, aber rein medizinisch-theore
tisch überwiegend wahrscheinlich sei eine solche bei Beachtung des nachfolgen
d
en
Belas
tungsprofils durchgehend seit dem Jahr 2018 immer zu 100
%
möglich –
abgesehen vom Zeitraum der postoperativen Rekonvaleszenz von maximal drei Monaten na
ch der Schulteroperation am 23. Januar 201
9.
Optimal angepasst sei eine körperlich leichte, wechselbelastend
e
Tätigkeit, die vorwiegend sitzend aus
geübt werde – ohne Knien, Kauern, Hocken, häufiges Bücken, langes Stehen in vornübergebeugter Haltung oder Arbeiten oberhalb der Schulterhöhe, häufiges Treppensteigen oder längeres Gehen auf unebenem Boden (vgl.
Urk.
7/37/5 f.)
.
3.2
Daran hielt
RAD-Arzt
Dr.
A._
auch in seiner ergänzenden Stellungnahme vom
3.
Juli 2020 nach Einsicht in den neu eingeholten Bericht der Uni
versitätsklin
i
k
B._
vom 22.
Juni 2020 fest, zumal dieser auf den be
reits bekannten Befunden vom 9.
Dezember 20
19 basierte (vgl.
Urk.
7/37/7).
4.
4.1
Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgege
ben worden ist, wenn die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusam
menhänge einleuchtet und die Schlussfolgerungen des Arztes begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Der Arzt muss über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_8/2011 vom 2
1.
Februar 2011 E. 4.1.2 mit Hinweisen). Diesen Anforderungen genügende Berichte Regionaler Ärztlicher Dienste können einen vergleichbaren Beweiswert haben wie ein Gu
t
achten (BGE 137 V 210 E. 1.2.1
).
4.2
Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile
des Bundesgerichts
8C_119/2012 vom 3
0.
März 2012 E. 4 und 9C_1063/2009 vom 2
2.
Januar 2010 E. 4.2.1, in: SVR 2010 IV Nr. 46 S. 143). Dies gilt grund
sätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (statt vieler: Urteil
des Bundesgerichts 9C_524/2017 vom 21.
März 2018 E. 5.1 mit Hin
weisen).
4.3
Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
nach
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61 lit. c ATSG
von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versi
cherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Ver
letzung des Untersuchungsgrundsatzes (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermit
teln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesent
liche Erkenntnisse zu erwarten sind (
zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_701/2018 vom 2
8.
Februar 2019 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht
dabei auch
nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beur
teilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdi
gung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen
Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest
stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E. 1d
;
Urteil
des Bundesgerichts
9C_28/2015 vom
8.
Juni 2015 E. 3.3
; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_661/2019 vom 2
6.
Mai 2020 E. 4).
5.
5.1
Die
im Vordergrund stehenden Rückenbeschwerden
(
vgl.
Urk.
1
Ziff.
5
und
Urk.
7/30/12)
wurden im August 2018 bildgebend ab
geklärt
und
eine Infiltration abhängig von der Klinik empfohlen
(vgl.
im Detail:
Urk.
7/27/72 f.).
Ein weiteres MRI folgte im Juni 201
9.
Es zeigte eine mehrsegmentale Degeneration mit p.m. [
punctum
maximum] LWK5/S1 sowie Kompression der Nervenwurzel S1
recessal
links (vgl.
Urk.
7/24/27).
Am 2
4.
September 2019 notierten d
ie
Wirbelsäulenchirurgen der
Universitäts
klini
k
B._
, der Beschwerdeführer schildere keine Änderung der Symptomatik vier Wochen nach Facettengelenksinfiltration L5/S1 beidseits. Ebenfalls keine Änderung gebracht habe die N
ervenwurzelinfiltration vom 24.
Juni 2019 S1 links. Aktuell habe
er
linksbetonte Lumbalgien. Er klage gelegentlich über ein zie
hendes Gefühl entlang des linken Beines, insbesondere im linken Unterschen
kel in der Wade bis zur Ferse, gelegentlich assoziiert mit einem Wärmegefühl, sowie einer verminderten Sensibilität an der Wade. Insgesamt seien die Symp
tome etwas besser als bei der initialen Manifestation im Juli 201
8.
Der Beschwer
deführer
arbeite aktuell zu 50 % als Automechaniker, insgesamt seien die Schmer
zen mit 7/10 auf der
numerische
n
Rating-Skala
erträglich. Gelegentlich bestünden
Probleme beim Treppensteigen sowie in der Kniehocke mit einem Gefühl der Schwäche
auf der linken Seite. Aktuell
bestehe keine Schmerzmedi
kation
. Die Ärzte
konstatierten, es bestehe unverändert eine
schmerzhafte, leicht sensorische Radik
ulopathie S1 links assoziiert. Bei
momentan
kompensierter Situ
ation
empfehle man
mit
konservativen Massnahmen weiterzufahren, konkret
mit
einer Physiotherapie zur Kräftigung
der
Rumpfmuskulatur und
zur
Schulung für belastungsabhängige Bewegungen sowie
mit
einer chiropraktischen Behand
lung (vgl.
Urk.
7/30/14 f.)
.
D
er Fokus
der Ärzte lag
ab September 2019
somit
auf der Behandlung der segmentalen und myofaszialen Befunde mittels chiroprak
tischer Manipulation und muskulär
detonisierender
Massnahmen (vgl.
Urk.
7/24/27).
Gemäss Verlaufsbericht vom 1
9.
Dezember 2019 berichtete der Beschwerdeführer
wiederum
über einen gesamthaft etwa stationären Verlauf mit fortbestehenden, aber kontrollierten Scherzen im S1-Dermatom. Die nächtlichen Krämpfe seien nicht mehr vorhanden. Eine Schmerztherapie erfolge mit Paracetamol und Novalgin. Die
Ärzte schlussfolgerten,
die
fortbestehende
alltägliche
Einschrän
kung bei gut ausgeschöpfter
konservativer
Therapie
würde
eine
mikrochirur
gische Dekompression rechtfertigen. Der Beschwerdeführer sei bezüglich eines operativen Vorgehens jedoch zurückhaltend (vgl.
Urk.
7/30/16 f.).
Im Bericht
der Universitätsklinik
B._
vom 2
2.
Juni 2020
wurde im Wesent
lichen darauf hingewiesen, dass nach dem
9.
Dezember 2019 keine weiteren Kon
trollen mehr stattgefunden hätten, der Beschwerdeführer auch bei den Kollegen der Chiropraktik letztmals am 2
3.
Januar 2020 vorstellig geworden sei, keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei und (aktenanamnestisch) keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit bzw. dem Eingliederungspotential beantwortet werden könnten (vgl.
Urk.
7/30/7-9).
In der Abklärung für Selbständigerwerbende im Oktober 2020 gab der Beschwer
deführer
wiederum
an
,
die Rückenbeschwerden seien
«
konstant schlecht
»
. Im Übrigen berichtete er
zwar
über Schmerzen bereits nach zehn Minuten Sit
zen. Er könne auch nicht lange laufen und müsse dies in Etappen tun.
Ohne Beschwerden sei er nur
, wenn er auf dem Sofa liege mit dem rechten Bein auf der Rückenlehne. Er
berichtete
allerdings auch, vom Boden aufstehen zu können, wenn auch mit Mühe, weder Schmerzmittel einzunehmen, noch Therapien zu beanspruchen (vgl.
Urk.
7/33/2 f.) und Mitte November nach Brasilien zu fliegen (vgl.
Urk.
7/33/11).
Darüber hinaus ergeben sich aus der Beschwerde keinerlei Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer nach Dezember 2019 erneut einen
Wirbelsäulenchirurgen
aufgesucht oder eine Operation an der Wirbelsäule durchgeführt bzw.
zumindest
ins Auge gefasst hätte. Er behauptete denn auch nicht, dass die Beschwerden nach Abschluss der fachärztlichen Behandlung im Dezember 2019 zugenommen
hätten
oder neue Symptome hinzugetreten
wären
(vgl.
Urk.
1).
5.2
Zusammenfassend ist
somit
festzuhalten, dass
sich
der RAD bei
der Beurteilung des Rücke
n
leidens
sowohl auf Bildbefunde wie auch von Spezialisten erhobene kli
nische Befunde
(etwa
Urk.
7/30/16 oder 7/30/14 f.)
stützen konnte
.
Trotz v
er
schiedene
r
Infiltrationen, ch
iropraktischer
Behandlung und P
hysiotherapie
(dazu auch
Urk.
7/29)
über einen längeren Zeitraum
besserten die Beschwerden nach Angaben des Beschwerdeführers kaum, gleichzeitig
genügen ihm als Schmerz
medikation (bei primär schmerzhafter und nur leicht sensorischer Radikulopathie)
jedoch
Dafalgan und
Novalgin
nach
Bedarf
.
Ein
operative
r
Eingriff an der Wir
belsäule
kam für ihn nie in Frage (vgl.
Urk.
7/20)
.
Es ist deshalb von einem wei
testgehend stationären und kompen
sierten Zustand auszugehen.
Es ist
weder aus den Unterlagen
ersichtlich
noch
wurde vom Beschwerdeführer
ansatzweise
dar
getan
,
dass
seit der letzten Bildgebung bzw. fachärztlichen Behandlung
zusätz
liche Beschwerden im
Zusammenhang mit der Wirbelsäule
aufgetreten
wären
,
di
e eine
erneute
Untersuchung
erfordern würden.
Mit seinem Belastungsprofil trug der RAD den von den Ärzten im Herbst 2019 erwähnten Einschränkungen alsdann vollumfänglich Rechnung. Dass sich die
früheren
Behandler ohne jegliche Angaben zum weiteren Verlauf nach der letzten Kontrolle Anfang Dezember 2019 nicht zur Arbeitsfähigkeit im Sommer 2020 äussern wollten, ist verständlich. Immerhin hielten sie fest, in der Vergangenheit keine Arbeitsunfähigkeit attestiert zu haben. Der Beschwerdeführer
selbst hatte etwa
über belastungsabhängig
e
Schmerzen mit Exazerbation bei langem Stehen und Amelioration beim Liegen
berichtet
(vgl.
Urk.
7/27/31 und 7/12), was eben
falls gut mit einer körperlich leichten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit ohne Belas
tungen wie
häufiges Bücken oder langes Stehen in vornübergebeugter Haltung vereinbar ist.
Schliesslich
vermochte
der Beschwerdeführer
bis zum Verkauf seines Unterneh
mens
Ende 2019 teil
s
bis zu 50
%
in der körperlich anspruchsvollen Tätigkeit
als Automechaniker
zu arbeiten
(etwa
Urk.
7/33/6
und 7/30/12
)
,
kann
seinen Alltag
ohne die Unterstützung seiner Familie
bewältigen und nimmt alle paar Monate eine
lange
Flugreise auf sich, um
mit dieser Zeit in Brasilien zu verbringen
(vgl.
Urk.
7/33/1
und 7/37/3
)
.
Ein
aktuell
erheblicher
Leidensdruck bzw. eine
massge
bliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit
ist
daher
nicht nur
behandlungsanamnestisch
sondern auch
aufgrund
der konkre
ten Lebensumstände
wenig
plausibel.
5.3
Nach der
Schulteroperation vom 2
3.
Januar 2019
berichtete der Beschwerde
führer
bereits
in der Verlaufskontrolle vom 2
5.
Februar 2019
i
m
C._
, dass er wenig Schmerzen habe und keine Schmerzmittel mehr einnehme (vgl.
Urk.
7/27/58).
Ab
1.
Juli 2019 wurde
er
nach einer Untersuchung im Spital
O._
versuchsweise als Automechaniker voll arbeitsfähig geschrieben,
zumal es ihm
bezüglich der rechten Schulter «super» ging
und obschon
aufgrund der klinischen Befunde der linken Schulter der Verdacht auf eine
Rotatoren
manschettenläsion
bestand
. Bis dahin wurde im Bericht vom 1
3.
Mai 2019 noch eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
mit ganztägiger Anwesenheit attestiert
(vgl.
Urk.
7/27/23)
. In
der Chirurgischen Sprechstunde vom 1
9.
August 2019 gab
der Beschwerdeführer
bei guter Beweglichkeit und
K
raft im Lokalstatus an, dass es ihm an der rechten Schulter gut gehe, es etwas geknirscht habe, er aber keine Schmerzen habe. Arbeitsunfähig sei er wegen des Rückens. Ein MRI der linken Schulter war
bei weiterhin auffälligem klinischen Befund
für den 23.
August 2019 geplant (vgl.
Urk.
7/27/27)
, t
herapeutische Konsequenz hieraus
ergaben
sich
aber
offenbar keine
.
In der
Abklärung für Selbständigerwerbende
im Oktober 2020
gab
der Beschwerdeführer
jedenfalls
an
, weder Schmerzmittel einzunehmen, noch Ther
a
pien zu beanspruchen. D
ie linke Schulter müsste ebenfalls operiert werden, doch da es im Moment mit den Beschwerden noch gehe, lasse er es vor
läufig sein. Über Kopf komme er mit der linken Hand nur mit einer Ausweich
bewegung im linken Schultergelenk
. Bezüglich der rechten Schulter gab er wiederum an, es sei besser als vor der Operation, aber nicht gut genug, um die Belastung im Arbeitsalltag auszuhalten. Er komme mit der rechten Hand über Kopf. Im Gelenk krache es seit der Operation. Mit gestreckten Armen etwas heben könne er nicht, da er dies sofort im Rücken spüre
(vgl.
Urk.
7/33/3).
5.4
Damit ist auch
bezüglich
der Schulterbeschwerden
von einer
soweit
kompensier
ten S
chmerzsituation auszugehen. Die geklagten Einschränkungen wurden mit
der Einschränkung
von Arbeiten über Schulterhöhe und der Beschränkung auf
körperlich leichte Tätigkeiten (entsprechend dem
Heben
und
Tragen von Gewich
ten bis 10 kg
,
vgl.
«Wegleitung zur Einschätzung der zumutbaren Arbeitstätigkeit nach Unfall und bei Krankheit» der Swiss Insurance Medicine [SIM], S. 10; abruf
bar unter
www.swiss-insurance-medicine.ch
)
vom RAD durchaus berück
sichtigt.
5.5
Bildgebend abgeklärt wurden schliesslich auch die Kniebeschwerden (vgl.
Urk.
7/37/36)
, die offenbar ebenfalls keiner fachärztlichen Behandlung, Therapie (wie etwa regelmässigen Infiltrationen) oder Analgesie bedürfen
und im Rahmen der Abklärung für Selbständigerwerbende nur gerade im Zusammenhang mit dem
Aufstehen vom Boden erwähnt wurden (vgl.
Urk.
7/33/3)
. Inwiefern der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit unter Ausschluss von kniebelastenden Arbeiten im Knien, Kauern, Hocken, mit häufigem Treppensteigen oder längerem Gehen auf unebenem Boden massgeblich eingeschränkt sein soll, ist deshalb nicht nachvollziehbar.
6.
6.1
Insgesamt
erlaubten
die vorhandenen medizinischen Unterlagen dem über ortho
pädische Fachkenntnisse verfügenden RAD-Arzt
Dr.
A._
somit durchaus eine Aktenbeurteilung. Allein die Tatsache, dass die Behandlungen und Therapien bereits vor dem für den medizinischen Sachverhalt massgeblichen Zeitpunkt des Verfügungserlasses (dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_26/2016 vom 1
8.
Mai 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 131 V 242 E. 2.1 und 121 V 362 E. 1b) abge
schlossen worden waren, bildet
noch keinen Anlass für eine Begutachtung. Dies muss vorliegend umso mehr gelten, als
einzig degenerative Leiden in Frage stehen, die in der Regel langsam voranschreiten.
Es
finden sich
denn auch
weder
behandlungsanamnestisch noch in den Ausführungen des Beschwerdeführers
irgend
welche
Indizien dafür, dass sich die Rücken-, Schulter- oder Kniebeschwer
den
in der relativ kurzen Zeit
zwischen
den aktenkundigen
Untersuchungen
und dem Verfügungserlass
nennenswert
verändert haben
.
6.2
Der Beschwerdeführer vermochte
des Weiteren
keine Aspekte aufzuzeigen,
di
e
zumindest geringe
Zweifel an
einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit aufkommen
lassen würden.
Sämtliche Leiden erscheinen
seit dem Verzicht auf die körperlich anstrengende Tätigkeit als Automechaniker
,
die er trotz der Beschwerden bis zum Verkauf der Garage Ende 2019 immer wieder
über längere Zeiträume zu 50
%
ausübte (vgl.
Urk.
7/37/5)
,
anhaltend
kom
pen
siert
, so dass aktuell ausser einer Bedarfsmedikation keine
fachärztliche
n
Behand
lung
en
bzw.
medizinischen Massnahmen erforderlich sind. Abweichende ärzt
li
che Beurteilungen liegen keine vor,
vielmehr wurde nach dem vorstehend Aus
geführten
allen in den
medizinischen
Unterlagen erwähnten
(
ärztlich
festge
stell
ten oder
subjektiv
berichteten)
funktionellen Einschränkungen mit dem Belas
tungsprofil des RAD
hinreichend
R
echnung getragen.
Der Hausarzt gab im
Bericht
zuhanden des Krankentaggeldversicherers
vom 1
7.
März 2020
sogar
ebenfalls
e
xplizit
an, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit ohne Heben von L
asten über 10
kg und ohne Überkopfarbeiten
zumutbar sei (vgl. Urk.
7/27/9).
6.3
Es sei angefügt, dass die Grundlagen des Einkommensvergleichs soweit unstrittig sind (vgl.
Urk.
1). Trotz der
wohlwollenden Festsetzung des Valideneinkommens auf Fr. 70'618.00 (vgl.
Urk.
7/33/10; zu den
bisher erzielten
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
:
Urk.
7/8/2 und 7/16)
ist das anhand
des Tabellen
lohns gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, Tabelle TA1
_tirage_skill_level
,
Ziff.
5-96,
Kompetenzniveau 1
bestimmte
(vgl.
Urk.
7/35)
Invalideneinkommen
für ein Vollzeitpensum in einer angepassten
T
ätigkeit mit
Fr.
68'105.50
fast gleich hoch
(vgl.
Urk.
2
S. 2). Die
vom Beschwerdeführer behauptete
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit (
im Sinne eines
Teilzeitpensum
s
und/oder
vermindertes Rendement) müsste
deshalb
zusammen mit dem leidensbedingten Abzug
zu einer Einbusse auf Seiten des Inva
lideneinkommens
von fast 40
%
führen, damit der Beschwerdeführer den Min
destinvaliditätsgrad
für eine Berentung
erreich
t
.
Dies erscheint schon
aufgrund
dessen, dass er bis Ende 2019
über längere Zeit
abschnitte
ein
50%-Arbeitspensum in einer körperlich strengen Arbeit mit Bücken und Überkopfarbeiten auszuüben
vermochte
, als unrealistisch.
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten aus
zugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug
zudem
nur Umstände
berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
Rechtsprechungs
gemäss umfasst das Kompetenzniveau 1
dabei
eine Vielzahl von leichten und mit
telschweren Tätigkeiten (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Die
beim Beschwerdeführer
in einer körperlich leichten Tätigkeit
bestehenden Einschränkungen
(wie überwiegend sitzend, ohne Arbeiten über Schulterhöhe oder häufiges Bücken)
können kaum als ausserordentlich bezeichnet werden und
rechtfertig
en
daher, wenn überhaupt, nur
ein
en
geringfügige
n
leidensbedingte
n
Abzug.
7.
Demnach
hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
R
ente mit
frühstmöglichem
B
eginn
sechs Monate
(dazu
Art.
29
Abs.
1 IVG) nach Geltendmachung des Anspruchs mit A
nmeldung vom 3.
April 2019 (
Urk.
7/4) zu Recht verneint.
Der Beschwerdeführer war damals bereits wieder
in der Lage, im Rahmen einer angepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Ein
kommen zu erzielen.
Die Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten war
durch die
Operation der rechten Schulter
auch gestützt auf die Angaben der Behandler
längstens bis
Mitte
Mai 2019
in relevantem (vgl. E. 6.3) Ausmass
eingeschränkt
, zumal der Beschwerdeführer dannzumal wieder mit einer Leistungsfähigkeit von 50
%
in einer körperlich deutlich anspruchsvolleren Tätigkeit ganztägig arbeiten konnte
(vgl. E. 5.3).
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
8.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von
Fr.
200.–- bis 1‘000.–- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.–- festzusetzen. Die Kosten sind entsprechend dem Verfahrens
ausgang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.