Decision ID: 19cd326b-a556-57bd-88cf-ae3e199739e0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987,
erlernte nach der obligatorischen Schulzeit
keinen Beruf
und war nie erwerbstätig
(vgl.
Urk.
8/10,
Urk.
8/24 S
.
9
)
.
Am 2
6.
November 2010
(Eingangsdatum) meldete die
Sozialberatung der Stadt
Y._
die
Versicherte unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen an (
Urk.
8/6)
.
Nach Einholung der Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
8/14,
Urk.
8/18,
Urk.
8/19) veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung der be
einträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (vgl. Haushaltsabklärung
s
bericht
vom 1
2.
Juli 2011,
Urk.
8/25) sowie eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie (vgl.
Gutachten
vom 3
0.
März 2012,
Urk.
8/24)
. G
estützt
darauf und ausge
hend von einem Invaliditätsgrad von 50 % im Aufgabenbereich Haushaltsfüh
rung sprach
sie der Versicherten mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2012 eine halbe
ausserordentliche
Rente der In
va
li
denversicherung ab dem
1.
Mai 2011 zu (
Urk.
8/42).
1.2
Im
April
2015 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Revisions
verfahren ein (Urk.
8/52
) und nahm Abklärungen in erwerblicher und medi
zi
nischer Hinsicht vor. Sie holte
den Verlaufsbericht des
behandelnden
Arztes
(Urk.
8/71)
sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug; Urk.
8
/
58
) ein und veranlasste eine
weitere psychiatrische
Begutachtung
durch Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Fach
arzt für Neurologie
, über welche am 2
2
.
August
2016 berichtet wurde (Urk.
8/83
).
Nach interner Abklärung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; vgl. Fest
stellungsblatt,
Urk.
8/103)
wies die IV-Stelle die V
ersicherte mit Schreiben vom 10
.
Februar
2017 auf ihre Mitwirkungspflichten und insbesondere auf die Durch
führung von Behandlungen und Massnahmen zur Erhaltung oder Verbes
se
rung des Ges
undheitszustandes hin (
Urk.
8/104
).
Von einer Verbesserung im Haus
halts
bereich ausgehend stellte die IV-Stelle gleichentags die Aufhebung der In
validenrente
auf Ende des der Verfügung folgenden Monats
in Aus
sicht (vgl. Vorbescheid vom 10.
Februar 2017,
Urk.
8/105).
Dagegen erhob die
Versi
cherte mit Schreiben vom 12
.
April 2017
(Urk.
8
/
114
) Einwand.
Mit
Beschluss
der K
indes- und Erwachse
nen
schutz
behörde (K
ESB
)
Y._
vom
1
6.
August 2018 wurde für die Ver
si
cherte eine Beistandschaft nach
Art.
394
Abs.
1
i.V.m
.
Art.
395
Abs.
1
des Schwei
zerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB)
errichtet zur unterstützenden Begleitung bei
m Aufbau einer Tagesstruktur sowie bei
der Erledigung admini
strativer
und finan
ziel
ler
Angelegenheiten (
Urk.
8/131
).
Mit Schreiben vom 1
9.
November 2018 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten im
Rahmen der Schadenminderungs
pflicht eine
n
Benzodiazepin-Entzug mit mehrmonatiger stationärer Behandlung in einer geeigneten Einrichtung (
Urk.
8/132). Nachdem die IV-Stelle die Ver
si
cher
te mehrmals erfolglos auf ihre Schadenminderungs
pflicht hingewiesen hat
te
(vgl. Schreiben vom 3
1.
Dezember 2018 [Urk. 8/133],
7.
Januar 2019 [
Urk.
8/135], 2
5.
Februar 2019 [
Urk.
8/139]),
hob sie mit Verfü
gung vom
5.
April 2019 die bisherige halbe Invaliden
rente per Ende
Mai 2019
wie vorbeschieden auf (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
0
. Mai 201
9
Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, ihr
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
. In prozes
sualer Hinsicht
ersuchte
sie
um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
(Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
5
. Juni 201
9
(Urk.
7
) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
8
.
Juli 2019
wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk.
9
).
Gleich
zeitig wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass ein weiterer Schriften
wechsel als nicht erforderlich erachtet werde. Mit Eingabe vom 1
7.
Juli 2019 reichte die Be
schwer
deführerin eine weitere Stellungnahme zu den Akten (
Urk.
11), was der Beschwerde
gegnerin mit Mitteilung vom 2
6.
Juli 2019 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
12).
Am 1
9.
Mai 2020 reichte die Beschwerdefüh
rerin weitere Arztberichte ein (
Urk.
13,
Urk.
14/1-4).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
G
emäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE
135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) vom 5. April 2019 hielt die Be
schwer
degegnerin fest, die medizinische Abklärung habe ergeben, dass
sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin seit der
Rentenzusprache
verbessert habe. Im Haushaltsbereich bestehe keine Einschränkung mehr. Voraussetzung für eine berufliche Eingliederung sei eine regelmässige Therapie sowie ein Benzodia
zepin-Entzug mit mehrmonatiger (teil)stationärer Behandlung,
was
bis heute nicht durchgeführt worden sei. Die Beschwerdeführerin ha
be
ihre Mit
wir
kungs
pflicht nicht erfüllt, weshalb die Rentenleistungen der Invaliden
ver
si
che
rung ein
gestellt wü
rden.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 20. Mai 2019 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
aufgrund des Gutachtens von
Dr.
A._
müsse davon ausgegangen werden, dass die auferlegte Schadenminderungs
mass
nahme des stationären Benzodiazepin-Entzuges weder zumutbar sei, noch sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke. Sie habe daher weiter
hin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. In ihrer ergänzenden Stellung
nahme vom 1
7.
Juli 2019 (
Urk.
11) brachte die Beschwerdeführerin ausser
dem vor,
sie sei als frühinvali
d einzustufen und nicht als
zu
100
% im Haushalt tätig. Ferner bestehe bereits aufgrund der Minderintelligenz - sie habe einen Intelli
genz
quotienten (IQ) von 62 - eine invalidenversicherungsrechtlich-relevante gesund
heitliche Beeinträchtigung, weshalb ihr eine Rente weiterhin zu
zu
sprechen sei. Schliesslich sei die Auferlegung einer Schadenminderungs
pflicht bei fehlen
den Ressourcen unzumutbar.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Rentenaufhebung rechtens war.
3.
3.1
Mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2012 sprach die Beschwerdegegnerin der Be
schwerdeführerin ab dem 1. Mai 2011 eine halbe Rente zu (Urk. 8/42).
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung, ob eine wesentliche Veränderung des Ge
sund
heitszustands
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
vorliegt, bildet somit die Ver
fügung vom
1
3.
Dezember 2012 (vgl. E.
1.
1), welcher im Wesentlichen
das psych
iatrische Gutachten von
Dr.
Z._
vom 3
0.
März 2012 (
Urk.
8/24) zu Grunde lag.
3.2
Dr.
Z._
konstatierte, im psychopathologischen Untersuchungsbefund zeige die Beschwerdeführerin ein ausgeprägtes, als akut behandlungsbedürftig zu qualifizierendes psychopatho
logisches Krankheitsbild. Neben kognitiven Ein
schrän
kungen zeige sie sich hoch auffällig im Verhalten und in der Interaktion,
psychomotorisch extrem unruhig, affektiv verflacht, über weite Strecken
parathym
bzw. nicht spürbar und mit einer berichteten und in der Untersuchungs
situation objektivierbaren posttrauma
tischen Belastungssympto
matik mit wieder
holten dissoziativen Zuständen auch im Untersuchungsgespräch, Übererreg
bar
keit und flashback-artigen Erinnerung
en an berichtete Gewalt- bzw. lebensbe
droh
liche Ereignisse in der Türkei. In diesem Zusammenhang zeige sich die Beschwerdeführerin emotional sehr vulnerabel, deutlich vermindert belastbar und in der Stressresistenz massiv einge
schränkt. Das sehr behutsam durch
geführte Untersuchungsgespräch habe sie knapp bewältigen können. Im Zusam
men
hang mit den vor allem am Abend wiederkehrenden Erinnerungen an die erlebten Ereig
nisse sei ein fortgesetztes selbstschädigendes Verhalten in Form von Schnei
den zum Spannungsabbau berichtet worden.
Dr.
Z._
stellte die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS; ICD-10: F.43.1). Aus fach
ärzt
lich psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin aufgrund des aktuellen psychopathologischen Untersuch
ungs
befundes als behandlungs
bedürf
tig und nicht stabil arbeitsfähig für Tätig
keiten unter Bedingungen der freien Wirtschaft zu qualifizieren. Auch bezogen auf die Haushaltsführung sei sie im Rahmen des vorliegenden Krankheits
ge
schehens als limitiert zu qualifizieren. Die Einschrän
kungen im Rahmen der Psycho
pathologie würden eine Limitierung im Bereich Planungs- und Entscheidungs
fähigkeit, Flexibilität und Anpassungs
fähigkeit sowie Durch
halte
fähigkeit bei zudem herabgesetzter kognitiver Leis
tungs
fähig
keit bedingen. Gleichzeitig würden sich aus dem Befund und der Exploration aber Hinweise für ein bestehendes Teil-Funktionsniveau auch im Rahmen des Krank
heits
geschehens ergeben. So sei die Beschwerdeführerin nicht durchgängig durch posttrauma
tische Flashback-Symptome beeinträchtigt, son
dern diese würden nach ihren Angaben vor allem in die Abendzeit fallen und ansonsten nur auf
tre
ten, wenn sie - wie in der Untersuchung - darauf ange
sprochen werde. Die Be
schwerde
führerin habe berichtet, selber Auto zu fahren, regelmässig ihre Mutter und die Schwester zu besuchen, wo si
e auch mit deren Kindern spiele. Gewisse Tätigkeiten im Haushalt erledige sie mit Mühe, wobei sie hierzu in der Untersu
chung keine differenzierteren Angaben habe machen können. Dr.
Z._
kon
statierte, ausgehend vom aktuell erhobenen Befund könne eine bleibende ver
wertbare Teilarbeitsfähigkeit im Haushalt auch im Rahmen des aktuellen Krank
heits
geschehens abgeleitet werden. Aus fachärztlicher psychia
trischer Sicht gehe er (
Dr.
Z._
) unter Berücksichtigung der vorliegenden Haushaltsabklärung vom 12. Juli 2011
(vgl.
Urk.
8/25; im Rahmen derer wurde der Beschwerdeführe
rin im Haushaltsbereich ein Invaliditätsgrad von 47,5
% bescheinigt)
von einer Ein
schränkung in einem mittel
gradigen Ausmass ent
sprech
end einer abzu
leiten
den steigerungsfähigen 50%igen Arbeitsfähigkeit im
Haus
halt aus.
Die
Beschwer
de
führerin
sei
auf eine intensi
vier
te fachärztlich psychia
trische und opti
mierte psycho
phar
ma
ko
logische Be
hand
lung angewiesen.
Eine solche
sei
bei der noch jungen Beschwerde
führerin
noch nie konsequent erfolgt und
aus fachärztlich psychia
trischer Sicht
trotz der bereits chronifi
zieren
den Entwicklung indiziert, da unter einer intensivierten Behand
lung zumin
dest die Erlangung einer Teilarbeits
fähig
keit bzw. mindestens Verbes
se
rung der Arbeits
fähigkeit im Haus
halt noch mög
lich sei
. Die psychosozialen Faktoren würden Einfluss auf die abgeleitete Arbeitsunfähigkeit nehmen,
deren Einfluss überwiege aber nicht
(
Urk.
8/24 S.
10-13
)
.
4.
4.1
Der rentenaufhebenden Verfügung vom
5.
April 201
9
(Urk. 2) lag im Wes
en
tli
ch
en das durch die Beschwerde
gegnerin eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
vom
2
2.
August 2016
(Urk.
8/83
) zugrunde.
4.2
Dr.
A._
hielt fest,
während der Unter
suchung habe sich eine verminderte Auf
fassung gezeigt. Die Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis
leistung
seien je
doch unauffällig gewesen (
Urk.
8/83 S. 18). Insgesamt zeige sich
bei der Be
schwer
de
führerin
im psychiatrischen Querschnittsbefund in der Untersuchung
wei
test
gehend ein
euthymer
Affekt. Eine Schwingungsfähigkeit zum positiven Pol sei gut möglich. Sie habe während der Exploration auch lachen können. Bei der Frage nach früheren traumatischen Ereignissen (Erzwingung zur Heirat) habe die Beschwerdeführerin kurzfristig weinen müssen, habe sich jedoch wieder fan
gen können. Antrieb, Gestik und Psychomotorik seien in der Untersuchung un
auf
fällig
gewesen
. Eigenanamnes
tisch wür
den Ein- und Durchschlafstörungen, Früh
erwachen und Morgentief be
stehen. Antrieb und Energie seien tagsüber wechselhaft, die Freudfähigkeit ver
mindert. Ferner habe sie von einer Grübel
neigung berichtet, wobei sie die ge
nau
en
Grübel
themen
nicht habe benennen können. Es bestehe ein ausgeprägter so
zialer Rück
zug
. Sie habe keine Freun
din
nen und nur Kontakt zur Familie. Nach Eigen
an
ga
ben habe sie ausgeprägte klaustro
phobische Ängste, Angst vor dem Fahren von Zug, U- und S-Bahnen. Vor Aufzügen und Tunnels habe sie keine Angst. Sie könne aber nicht in einem Flug
zeug fliegen. Diesbezüglich verwies Dr.
A._
auf die nur wenig später erfolgte Angabe der Beschwerdeführerin, dass sie vor einigen Monaten mit dem Flugzeug in die Türkei geflogen sei. Aktive oder passive Suizidalität habe die Beschwerde
führerin verneint. Angesichts des ver
bundenen Unterarms bestehe je
doch der Verdacht auf Selbstverletzungen, bei akten
kun
di
gen früheren Selbst
verletzungen. Dies sei von der Beschwerdeführerin auf Nach
fragen jedoch ver
neint worden
(
Urk.
8/83 S. 20f.)
.
Dr.
A._
führte weiter aus, soweit sich aus den
Vorakten
das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung ergebe, bilde sich diese in der aktuellen Untersuchung und Befund nicht ab, eigenanamnestisch würde die Beschwerde
führerin jedoch über das Vorliegen von depressiven Symptomen berichten. Bezüg
lich der Symptome einer PTBS sei eine genauere Exploration nicht möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin hierzu keine genaueren Angaben habe machen wollen. Er (
Dr.
A._
) habe auf eine detailliertere Exploration verzichtet, um eine Retraumatisierung zu vermeiden.
An der Diagnose habe er jedoch keinen begründeten Zweifel, wobei die Traumafolgestörung mit Sicherheit nicht alleine auf die erzwungene Heirat zurückzuführen sei, sondern auf biographische Ereig
nis
se in der Kindheit und Jugend, da auch Jahre vor der erzwungenen Heirat bei der Beschwerdeführerin durch die Klinikaufenthalte
,
Suizidversuche, Selbst
ver
letzungen und andere Symptome belegt seien, die zu einer Trauma
folgestörung passen würden.
Diagnostisch sei somit die Diagnose einer rezidivie
ren
den depres
si
ven Störung plausibel, anhand des klinischen Befundes aktuell remittiert, unter Beachtung der Eigenanamnese (mit diskrepanten Angaben) leicht
gradig.
Des Weiteren sei die Diagnose einer PTBS bzw. einer Traumafolgestörung im weiteren Sinne mit Neigung zu Dissoziationen und Selbstverletzungen plausibel. Hier gebe es eine erhebliche Überschneidung mit den Symptomen einer
Borderline
-Persönlich
keitsstörung. Hierzu würden auch die wechselnde instabile Stimmung bei der Beschwerdeführerin sowie die Impulsivität passen. Die mangelnde Impuls
kon
trol
le spiegle sich in der Biographie und der Aktenlage
insbesondere in der Ver
gan
gen
heit wider. So sei im Bericht der Klinik
B._
vom
1
1.
März 2005
(Urk.
8/
19/6
)
berichtet wor
den, die Beschwerdeführerin habe die Wohnung ihrer Schwester demoliert, mit einem Messer Autopneus aufgeschlitzt und mit Suizid gedroht sowie sich selbst verletzt. Überraschenderweise sei damals die Diagnose einer Anpassungs
störung gestellt worden. Diese Diagnose erscheine im Nach
hinein von der Schwe
re und auch von der Dauer des psychischen Krank
heits
bil
des her nicht ange
mes
sen. In der Summe halte er (
Dr.
A._
) die Diagnose einer
Borderline
-Persön
lich
keits
störung überwiegend wahrscheinlich, wobei die Aspekte, Impul
si
vi
tät und emo
tio
nale Instabilität, in den letzten Jahren in den Hintergrund ge
treten seien, wäh
rend andere Aspekte, wie Selbstverletzung und Suchtver
halten, noch vorhanden seien.
Bei der Beschwerdeführerin liege eine langjährige
Benzodiaze
pin
ab
hängig
keit
vor (
Urk.
8/83 S. 24ff.).
Dr.
A._
hielt zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit fest (
Urk.
8/83 S. 27):
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Episode (ICD-10: F33.0)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Borderline
-Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10
:
F.60.31)
Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe die
Benzodia
ze
pin
ab
häng
ig
keit
(ICD-10: F13.2).
Die Depression sowie die Traumafolgestörung bzw. die
Borderline
-Persönlichkeitsstörung würden die
Benzodiazepinabhängigkeit
beför
dern. Die
Benzodiazepinabhängigkeit
wiederum verschlechtere bei der Beschwer
de
führerin die langfristige Frustrationstoleran
z und psychische Belastbarkeit
(
Urk.
8/83 S. 32).
Die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit würde sich
aber
nicht gleichmässig in allen vergleichbaren Lebensbereichen bemerkbar mache
n
. So habe die Beschwerdeführerin im Haushalt, in der Freizeit und bei sozialen Akti
vi
täten ein höheres Leistungsniveau. Sie könne Autofahren
, was sie gerne tue,
könne in den Urlaub fliegen, ihren Haushalt erledigen und einige soziale Kontakte pflegen. Sie habe jedoch keine Motivation, eine Arbeits
tätig
keit aufzunehmen. Es bestehe ein stark regressives Verhalten mit aus
ge
prägtem Versorgungsdenken und Versorgungswünschen durch Sozial
leistung
en (
Urk.
8/83 S. 35).
Nach seiner (
Dr.
A._
) Einschätzung bestehe «aktuell» keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit für Haushaltstätigkeiten mehr. In einer angepassten Tätigkeit in einem geschützten Arbeitsplatz bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % (Urk. 8/83 S. 37).
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
wurde in Kenntnis der und
Aus
ein
an
dersetzung mit den
Vorakten
(vgl. Urk.
8/83 S. 3-10
) abgegeben.
Der
Gut
achter
hat
detaillierte Befunde erhoben
(vgl. Urk.
8/83 S. 17-20
), die geklagten Be
schwer
den berücksichtigt (vgl. Urk.
8/83 S. 10-16
)
und sich mit diesen sowie dem Ver
halten
der
Beschwerdeführer
in
auseinandergesetzt. Zudem
hat
er
die medizi
ni
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt
und ins
be
sondere auch die
medizinischen
Vorakten
kritisch gewürdigt
(
vgl.
Urk.
8/83 S. 20-26
) und sich einlässlich mit der vor
wiegend relevanten Frage einer Ver
änderung des Leidens auseinandergesetzt (Urk.
8/83 S. 37
)
. Das Gutachten erfüllt demnach die recht
spre
chungs
gemässen
Anfor
derungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
sc
heidungs
grund
lage (vgl. E. 1.4
).
5.2
Es steht aufgrund der Akten fest, dass
eine
posttraumatische Be
lastungsstörung
(ICD-10: F.43.1)
und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Haushalts
bereich
zu
r
Zusprache
eine
r
halbe
n
Rente führte (Ver
fügung vom 1
3.
De
zember 2012; vgl. vorstehend E. 3.2).
Im Rahmen der Rentenrevision diagnostizierte Gutach
ter Dr.
A._
in seiner psychiatrischen Begutachtung eben
falls eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F.43.1)
,
hielt jedoch im Vergleich zum Gutachten von
Dr.
Z._
aus dem Jahre 2012 (vgl. E. 3.2 hiervor) eine deutliche Verbesserung fest.
So sei die
Be
schwerdeführerin in
seiner
Untersuchung nicht mehr extrem belastet gewesen. Die Auffassung sei zwar streckenweise vermindert, die Konzentration und das Gedächtnis
seien
jedoch gut. Der Antrieb sei nicht mehr vermindert und psycho
mo
to
risch sei sie nicht mehr unruhig gewesen. Der Affekt sei adäquat und eine Dis
s
oziation sei nicht aufgetreten
(
vgl. E. 4.2,
Urk.
8/83 S. 37).
Ausserdem hat die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
A._
angegeben,
es gehe ihr insgesamt bes
ser. Vor zwei Jahren habe sie nicht alleine einkaufen können, heute gehe sie selbständig in die Apotheke (
Urk.
8/83 S. 15). Alsdann sei sie in der Lage,
den Haushalt selber zu erledigen. Früher sei sie auf die Hilfe ihrer Schwester an
ge
wiesen gewesen, heute gehe das (vgl.
Urk.
8/83 S. 11).
Vor diesem Hinter
grund ist es
plausibel
, dass
Dr.
A._
aufgrund der Eigen
angaben der Beschwer
de
füh
rerin zu ihren Aktivitäten (Autofahren, Reisen, usw.) sowie der deutlichen Ver
besserung des psy
cho
pathologischen Befundes im Ver
gleich zu 2012
keine Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit für Haushaltstätigkeiten (mehr) festhielt.
An dieser Beurteilung ändern auch die nach Erlass der Verfügung vom
5.
April 2019 ergangenen
und im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten
Arzt
bericht
e
von
Dr.
med.
C._
, Oberarzt Neurologie im Spital
D._
(Urk.
14/1-4), nichts.
Hinweise, dass d
ie darin berichteten eigentümlichen Ge
räu
sche
bei Annäherung des Expartners, die
Dr.
C._
subtil paranoid psychotisch beurteilte, bereits im Zeitpunkt der Verfügung im April 2019 be
stan
den hätten, sind aufgrund der
oben
dargelegten medizinischen Aktenlage
nicht ersichtlich, wurde die Beschwerdeführerin von
Dr.
A._
doch als affektadäquat
,
euthym
und ruhig beschrieben
und hat er (
Dr.
A._
) Misstrauen, Phobien, Zwangs
ge
danken, -impulse, -handlungen,
hypochondrische Befürchtungen, Ich-Störun
gen, Wahn und Sinnestäuschungen explizit verneint (vgl.
Urk.
8/83 S. 18)
.
Eine Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerde
führerin im Sinne eines Revisions
grundes nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist aufgrund der vor
liegenden Akten entsprechend aus
gewiesen. Der psychiatrische Gutachter ging medizinisch-
theoretisch ab
Zeitpunkt der Begutachtung
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit im Haushaltsbereich aus (vgl.
Urk.
8/83 S.
37
; E. 4.2), worauf abzustellen ist.
5.3
5.3.1
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei aufgrund ihrer bereits während der Schulzeit bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Frühinvalide zu qualifizieren
und
wäre nicht ausschliesslich
im Haushalt tätig
(
Urk.
11).
5.3.2
Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin
unter schwierigen Lebens
umständen aufgewachsen ist und viele verschiedene Be
zugspersonen wäh
rend ihrer Kindheit gehabt hat (vgl.
Urk.
8/17).
Die Eltern hätten sich wegen des erheblichen Alkoholkonsums des Vaters sowie Gewalt in der Ehe getrennt (vgl.
Urk.
8/14).
Bereits während der Schulzeit habe sie wegen familiäre
r
Probleme e
inen Beistand gehabt (vgl. Urk.
8/24 S. 5).
I
m Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung
wurde sie
im August 2004 (17-jährig
, nach Abschluss der Sekun
dar
stufe C
) mit einem de
pressiv-suizidale
n
Syndrom
und bei Selbst
ver
letzung mit einer Zigarette
zur stationären Behand
lung in das Psychia
trie-Zen
trum
E._
ein
gewiesen (vgl. Aus
trittsbericht vom 31. Au
gust 2004, Urk.
8/19/1-5).
Die behan
delnden Ärzte be
rich
teten, w
ährend der Hospi
ta
li
sation habe sich abge
zeichnet, dass die Be
schwer
de
führerin mit dem familiären Klima nicht mehr zu
recht gekommen sei und für sich keine Mög
lich
keit gesehen habe, den für sie als belastend empfun
de
nen Verhältnissen zu ent
kom
men.
Die Ärzte
diagnosti
zier
ten ein depressives Syndrom bei Anpassungs
störung (ICD-10: F43.20) im Rahmen einer psycho
sozialen Belas
tungs
reaktion und
empfahlen ihr die Platzierung in der Beobach
tungs
station
F._
, wo sie bis zum Beginn ihrer Berufsaus
bil
dung -
nach An
gaben der Beschwerdeführerin
sei
ihr
eine Lehrstelle als Kosme
ti
kerin
für den Sommer 2005 zuge
si
ch
ert worden
- eine geordnete Tages
struktur gehabt hätte und sich von ihrer familiären Situa
tion hätte distanzieren können. Die Beschwer
deführerin entschied sich auf Wunsch ihrer Familie
- ihre Mutter habe gedroht den Kontakt zu ihr abzubrechen, wenn sie sich entscheide, aus der Fa
mi
lie auszutreten und die Platzierung im
F._
anzunehmen -
jedoch
gegen einen Übertritt in die Beobachtungs
station und für ein drei
monatiges
«
Time-out
»
in der Türkei bei ihrem Onkel. Im Dezember 2004 sei die Be
schwer
deführerin in die Schweiz zurückgekehrt und bei ihrem volljährigen Freund eingezogen
, den sie übers Inter
net kennengelernt habe
.
Sie hätte die häuslichen Probleme nicht mehr ertragen und ihre Mutter hätte sie mit einem Cousin in der Türkei zwangs
verheiraten w
ollen (vgl. Arztbericht vom 29.
April 2011, Urk.
8/14).
Schliesslich hätte e
in Kon
flikt mit ihrem Freund dazu geführt, dass die Be
schwerdeführerin Ein
rich
tungs
gegenstände demo
liert und Auto
pneus auf
ge
schlitzt
habe
. Ferner hätte sie mit Suizid gedroht, wes
halb sie in der
Folge
im März 200
5 erneut
im Rahmen
einer
fürsorgerischen Un
ter
bringung notfallmässig in das Psychiatrie-Zentrum
E._
einge
wiesen wurde
(vgl. Aus
tritts
bericht vom 11.
März 2005,
Urk.
8/19/6-8).
Nach wenigen Tagen wurde die Be
schwer
de
führerin in die bekannten sozialen Verhältnisse entlassen, wobei ihr eine ambu
lan
te psychothera
peutische Beglei
tung empfohlen wurde.
Im Mai 200
5 sei sie mit ihrem Freund in die Türkei in die Ferien gefahren, wo dieser sie unter massiver körperlicher Gewaltanwendung und Bedrohung ihres Lebens (mit vor
gehaltener Pistole) zur Heirat gezwungen habe
.
Zurück in der Schweiz habe sie die Schei
dung verlangt und sei vorübergehend bei ihrer Schwester eingezogen (vgl. Urk.
8/24 S. 6).
5.3.3
Geburts- und Frühinvalide im Sinne von
Art.
26
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
sind Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit an einem Gesundheitsschaden leiden und deshalb keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso dazu gehören Versicherte, die zwar eine Berufsausbildung abschliessen, zu deren Beginn jedoch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeit
smarkt nicht in gleicher Weise
um
set
zen
können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentlichen) Aus
bil
dung. Steht dagegen fest, dass nicht invalid
itätsbedingte Gründe, sondern zum
B
eispiel
solche familiärer oder wirtschaftlicher Art den Erwerb genügender beruf
licher Kenntnisse verunmöglichten, liegt keine Geburts- oder Frühinvalidität vor (
Urteil des Bundesgerichts 9C_233/2018 vom 1
1.
April 2019 E. 1.2 mit weiteren Hinweisen).
5.3.4
Im
August 2004 sowie im März
2005 diagnostizierten die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
E._
eine Anpassungsstörung im Rahmen einer psychosozialen Be
las
tungssituation
, wobei eine Distanzierung von der als belastend empfundenen familiären Situation empfohlen wurde
(vgl.
Urk.
8/19
/3
)
.
Eine regelmässige Therapie wurde von der Beschwerdeführerin jedoch nicht in Anspruch genommen und von der Familie auch nicht gewünscht.
Dr.
Z._
beurteilte die aufgrund der psychopathologischen Untersuchungsbefunde
ermittelte
Limitierung der Arbeits
fähigkeit seit Oktober 2008
ausgewiesen
(vgl.
Urk.
8/24 S. 11)
,
mithin die Be
schwerdeführerin seit ihrem 2
1.
Lebensjahr gesundheitsbedingt in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt.
Ein seit der Geburt oder Kindheit bestehender Gesundheitsschaden ist damit jedoch nicht dargetan. Angesichts der hiervor genannten Belastungen (vgl. E. 5.3.2) durch die familiäre Konstellation ist nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage war
,
ihre nach eigenen Angaben im Sommer 2005 zugesicherte Lehrstelle als Kosmetikerin in Angriff zu nehmen.
Daran vermag auch die im Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung
erhobene
deutliche reduzierte kognitive Leistungsfähigkeit (Intelligenzquot
ient [IQ]: 62) nichts zu ändern (vgl. Arzt
bericht vom 3
0.
Oktober 2008, Urk. 8/17).
Intelligenzminderungen werden nach dem heute zur Anwendung gelangenden Klassifikationssystem ICD-10 in leichte (Intelligenzquotient [IQ] 69 bis 50), mit
tel
gradige (IQ 49 bis 35), schwere (IQ 34 bis 20) und schwerste (IQ weniger als 20) Fälle eingeteilt (ICD-10 F.70 bis F.73; vgl. auch Pschyrembel, 26
7.
Aufl. 2017, S.
881; Urteil
e des Bundegerichts 8C_608/2018 vom 1
1.
Februar 2019 E. 5.2 mit Verweis auf
9C_664/2009 vom
6.
November 2009 E. 3).
Das Vorliegen einer Intelligenzschwäche mit Krankheitswert allein besagt
noch
nicht, dass auch das Leistungsvermögen im erwerblichen Bereich in invalidenversicherungsrechtlich relevantem Ausmass beeinträchtigt wäre. Es kann durchaus sein, dass die Be
hin
derung wegen Intelligenzmangels (auch zusammen mit Einschränkungen auf
grund anderer Leiden) kein rentenrelevantes Ausmass erreicht. In einem sozio
kulturellen Umfeld, in dem wenig Wert auf schulische Ausbildung gelegt wird, stellt ein gewisses Ausmass an leichter Intelligenzminderung in der Regel denn auch kein Problem dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2013 vom 1
6.
März 2015 E. 3.2.1;
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychi
sch
er Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S. 310).
Es ist
der Gesamtheit der gesundheitlichen Beein
träch
tigu
ngen Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2018 vom 11. Fe
bruar 2019 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Mit 62 Punkten
ist die Intelligenzschwäche der Beschwerdeführerin gesundheitsbedingt,
weist mithin Krankheitswert auf
. Die untersuchenden Psy
cho
login
nen hielten be
züglich der intellektuellen Fähigkeiten jedoch fest, die frem
de Muttersprache der Be
schwer
de
führerin sowie die schlechte psychische Verfassung würden das Leistungs
vermögen zu
sätzlich einschränken, so dass eine Schwank
ung von zirka 10 IQ-Punk
ten berücksichtigt werden müsse (vgl. Arzt
bericht vom 3
0.
Oktober 2008, Urk. 8/17)
, insofern der IQ der Be
schwer
de
führerin im unteren Normbereich liegt
.
Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass
Dr.
A._
die im Psychiatrie-Zentrum
E._
gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung (vgl. Arztbericht vom
1
1.
März 2005, Urk.
8/
19/7
)
für
nicht angemessen
befand
und aufgrund der festgehaltenen Symptome vielmehr eine
Borderline
-Persönlichkeitsstörung als wahrscheinlich erachtete
(vgl. Urk.
8/83 S. 26; E. 4.2),
liegen
zwar
Hinweise vor, dass der Be
schwer
de
führerin
die erwerb
liche Auswertung ihrer Leistungs- und Arbeits
fähigkeit nach Abschluss der obli
ga
to
risch
en Schulzeit erschwert gewesen war.
Dass die Beschwerdeführerin auf
grund ihrer kognitiven Fähigkeiten oder psychischen Beeinträchtigungen jedoch nicht in der Lage gewesen sein sollte, ihre Ausbildung zur Kosmetikerin
(oder einer anderen
einfachen Hilfst
ätigkeit)
zu beginnen, wurde seitens der Ärzte des Psy
chia
trie-Zentrums
E._
nicht
in Erwägung gezogen
(vgl. Urk.
8/19) und ergibt sich nicht aus den Akten. Vielmehr gibt es
Anhaltspunkte dafür, dass insbeson
dere soziale und familiäre Umstände (
familiäre Konflikte,
kultureller Druck,
Zwangsver
hei
ra
tung
etc.; vgl. E. 5.3.2) ein
en
Eintritt ins Er
werbs
leben verunmög
lichten
, wurde die Beschwerdeführerin von ihrer Mutter doch beispielsweise unter Druck gesetzt, die Platzierung in der Beobachtungsstation
F._
bis zum Beginn ihrer Berufs
aus
bildung nicht anzunehmen, andernfalls sie den Kontakt mit ihr (der Beschwer
de
führerin) abbrechen werde (vgl.
Urk.
8/19/3).
Diese Um
stände sind invaliditäts
fremd und
legen nahe, dass
die Beschwerde
führerin
auch mit durchschnittlicher Intelli
genz und ohne frühe psy
chische Er
krankung ihre Erwerbsfähigkeit nie verwertet hätte und ausschliesslich als Haus
frau
tätig gewe
sen wäre.
5.3.5
Es ist nicht Sache der Invalidenversicherung
, die Einbusse in einer Tätigkeit aus
zugleichen, welche im hypothetischen Gesund
heitsfall nicht ausgeübt würde. D
ie Invaliditätsbemessungsmethode bestimmt sich nicht danach, ob und in welchem Ausmass der versicherten Person als Gesunde eine Erwerbsarbeit objektiv zumut
bar wäre (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_49/2008
vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3
; Reichmuth/Meyer, Rechtsprechung zum IVG, N 6 zu
Art.
28a in
fine
), sondern
beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Be
ein
trächtigung bestünde
(vgl. BGE 144 I 28 E. 2.3)
.
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypo
the
ti
sche Beurteilung, die auch die hypothe
tischen Willensent
schei
dun
gen der ver
si
cherten Person zu berücksich
tigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tat
sachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zu
gänglich und müs
sen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (
vgl. BGE 144 I 28 E.
2.4).
Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der Begutachtung bei
Dr.
Z._
an, sie habe sich schon überlegt, zu arbeiten und eigenes Geld zu verdienen. In die
sem Zusammenhang habe sie einmal versucht in einem Brockenhaus zu arbeiten, habe dann aber extreme Angst bekommen und sei nach zwei Wochen nicht mehr hin
ge
gangen
. An einem Tag wolle sie arbeiten, am nächsten Tag dann aber wie
der am liebsten gar nichts machen
(Urk. 8/24 S. 6). Angesichts
dessen sowie
der ursprünglichen Intention der Be
schwer
deführerin,
nach Beendigung der obliga
torischen Schulzeit für immer bei ihrem Vater in der Türkei zu bleiben
(
Urk.
8/24 S.
5),
und
der Tatsache, dass sie sich nie ernsthaft
darum bemüht hat, sich in den Arbeitsmarkt einzu
gliedern
(vgl.
Urk.
8/24 S. 6)
, eine finanzielle Abhängigkeit schon immer gegeben war
,
ihr Leistungsniveau in den Lebensbereichen Freizeit und soziale Aktivität aber durchaus gegeben ist (vgl.
Urk.
8/83 S. 35),
ist nicht mit
dem
Beweisgrad der über
wie
gen
den Wahrscheinlichkeit erstellt
, dass die Beschwerde
führerin im Gesundheitsfall tatsächlich erwerbstätig wäre.
Dr.
A._
erachtete die Beschwer
de
führerin nicht motiviert, eine Arbeitstätigkeit aufzu
neh
men. Es bestehe ein stark regressives Verhalten mit ausgeprägtem Ver
sor
gungs
denken und Versor
gungs
wünschen durch Sozial
leis
tungen (vgl. Urk.
8/83 S. 35; E. 4.2)
. Dieses wird
möglicherweise auch durch ihr soziales Umfeld beeinflusst, beziehen
doch
beide Eltern
teile eine Rente der Invaliden
versicherung (vgl.
Urk.
8/24 S. 4).
Im Übrigen kommt die Beschwerdeführerin aus einem bildungs
fernen Haushalt (vgl. Urk. 8/83 S. 28) und hat sie gegenüber der Abklärungsper
son im Rahmen der Befragung vor Ort angegeben, dass sie sich (wenn dies mög
lich wäre) genauso wie ihre weiblichen Verwandten um den eigenen Haushalt kümmern würde (vgl. Urk. 8/141 S. 2).
Insgesamt ist a
n der Qualifikation als 100
% im Haus
halt Tätige festzuhalten.
5.4
Soweit die Beschwerdeführerin die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht im Sinne eines mehrmonatigen Benzodiazepin-Entzuges als unzumutbar erach
tete, ist diesbezüglich festzuhalten, dass als zumutbar gemäss
Art.
7a IVG jede Massnahme gilt, die
der Eingliederung der versicherten Person dient; ausge
nom
men sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind.
Aus den Akten ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin
in
keiner
struktu
rier
ten psych
otherapeutischen
Behandlung befindet. Sie gehe nur zu ihrem Psy
chia
ter, um dort die Rezepte für die Medikamente abzuholen. Gespräche würde sie nicht führen (
Urk.
8/83 S. 17).
Dr.
A._
erachtete
einen stationären Benzo
diazepin-Entzug als indiziert
und zumutbar
. Eine störungsspezifische Psychothe
rapie der
Borderline
-Persönlichkeitsstörung sei erst bei längerdauernder, nachge
wiesener stabiler Abstinenz möglich. Die Be
schwerdeführerin sei jedoch nicht motiviert, weshalb die Erfolgsaussichten eines Benzodiazepin-Entzuges als gering einzu
schätzen seien (
Urk.
8/83 S. 33). Bei langjähriger Abhängigkeit sei ein Ent
zug sehr schwer (
Urk.
8/83 S. 29). Auf die Arbeitsfähigkeit habe die Benzodiaze
pin-Abhängigkeit (ICD-10: F13.2) keinen Einfluss (vgl.
Urk.
8/83 S. 31). Hingegen wirke sich die Benzodiazepin-Abhängig
keit negativ auf die Depression aus, welche sich unter anderem einschränkend auf die Arbeits
fähigkeit auswirke (vgl. Urk.
8/83 S. 29; E. 4.2)
, was letztlich bewirkt, dass auch die Benzodiazepin-Abhängigkeit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat.
Dr.
A._
beurteilte das unterdurchschnittliche Intelligenzniveau sowie die reduzierte Sprachkompetenz, aufgrund dessen eine vermindere Introspektionsfähigkeit und eine verminderte Fähigkeit zur produktiven Teilnahme an einer Psychotherapie bestehe, teilweise ausschlaggebend für die eingeschränkte Therapieadhärenz. Diese sei aber auch durch die fehlende Motivation, die regressiven Wünsche und das Versorgungs
denken beeinflusst. Die Beschwerdeführerin habe aus ihrer Perspektive durch eine Therapie keinen Profit
zu erwarten (vgl.
Urk.
8/83 S. 36).
Zusammenfassend ergibt sich, dass die
Entzugsbehandlung
der Eingliederung der Beschwerde
führe
rin in den Arbeitsprozess dienlich sein kann, womit sie zumutbar ist.
5.5
Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin im Haushalt nicht mehr ein
ge
schränkt ist (vgl. E. 5.2 vorstehend), ist kein
rentenbegründender
Invaliditätsgrad mehr aus
gewiesen. Die Be
schwerde erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen
.