Decision ID: 18c1962d-9712-48be-846d-977b040bf95a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1989, verlor am 2
7.
Oktober 2007 als Fahrzeug
lenker die Kontrolle über das von ihm gelenkte Fahrzeug und kollidierte mit einem Baum (
Urk.
5
/1). Dabei zog er sich unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma mit Kontusionsblutung und Schädelfrakturen zu (Urk.
5
/21/12). Am 1
6.
März 2008 meldete sich der Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
5
/7)
. Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
ihm mit
Mitteilungen vom
1.
Juli 2009 (
Urk.
5
/28) und vom 2
1.
Juni 2010 (
Urk.
5
/53) berufliche Massnahmen im Sinne von Kosten
gutsprachen für eine erstmalige berufliche Ausbildung zu, worauf der Ver
sicher
te eine erstmalige Ausbildung zum Automobilfachmann EFZ erfolgreich abschloss. Mit Mitteilung vom
6.
August 2012 (
Urk.
5
/81) stellte die IV-Stelle fest, dass der Versicherte rentenausschliessend eingegliedert sei und schloss die beruflichen Massnahmen im Sinne einer erstmaligen beruflichen Ausbildung ab.
1.2
Mit Mitteilung vom 1
3.
Januar 2014 (
Urk.
5
/101) beziehungsweise vom 3
0.
Januar 2014 (
Urk.
5
/112) sprach die IV-Stelle dem Versicherten berufliche Massnahmen im Sinne einer Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung beim
Y._
vom
6.
Januar bis 2
8.
März 2014 zu.
Mit Verfügung vom
7.
Februar 2014 (
Urk.
5
/114) sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten ein Invalidentaggeld für die Zeit vom
6.
Januar bis 2
8.
März 2014 im B
etrag von
Fr.
77.60 im Tag zu. In Gutheissung der vom Versicherten gegen die Verfügung vom
7.
Februar 2014 (
Urk.
5/114) am 2
6.
Februar 2014 erhobe
ne
Beschwerde wies das hiesige Gericht
die Sache
mit Urteil vom 2
0.
Mai 2014 (Prozess Nr. IV.2014.00240) an die IV-Stelle zurück, damit sie das
Vorbescheid
verfahren
nachhole und anschliessend erneut über den Taggeldanspruch des Beschwerdeführers für die Zeit vom
6.
Januar bis 2
8.
März 2014 verfüge.
1.3
Mit Mitteilung vom
2.
April
2014 (
Urk.
5
/116
) sprach die IV-Stelle dem Ver
si
cherten berufliche Massnahmen im Sinne
einer Kostengutsprache für ein
Arbeitstraining beim
Y._
vom
3
1.
März bis 3
0.
Juni 2014
zu.
Mit Verfügung vom
4.
April
2014 (
Urk.
5
/119
) sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten ein Invalidentaggeld für die Zeit vom
3
1.
März bis 3
0.
Juni
2014 im Betrag von
Fr.
77.60 im Tag zu.
2.
Am
1.
Mai 2014 erhob der Versicherte
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfügung vom
4.
April 2014
(
Urk.
5/119
) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzu
heben und es sei
ihm für die Zeit
des Arbeitstrainings
vom
3
1.
März bis 3
0.
Juni
2014
beim
Y._
ein auf Grundlage eines Monatslohnes im Betrag von Fr. 3‘900.
, zuzüglich Anteil 1
3.
Monatslohn, bemessenes Taggeld zuzu
sprechen
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
6.
Mai
2014
(
Urk.
4
), die Rückweisung der Sache an sie zur Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2
0.
Mai
2014
zur Kenntnis gebracht (Urk.
6
).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist von Amtes wegen zu überprüfen (
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung, BV; BGE 126 V 130 E. 2a). Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Auf
hebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Be
hörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; 127 V 431 E. 3d/
aa
S. 437).
Vorbehalten sind rechtsprechungsgemäss diejenigen Fälle, in denen diese Ver
letzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a mit Hinweisen).
1.3
Laut
Art.
57a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Das
Vorbescheidverfahren
gemäss den in den Ratsdebatten übereinstimmend zum Ausdruck gebrachten
gesetzgeberischen Intentionen hat zum Zweck, eine unkomplizierte und
media
tionsähnliche
Diskussion des Sachverhalts zu ermöglichen, um dadurch die Akzeptanz des Entscheids bei den versicherten Personen zu verbessern (vgl. Hans-Jakob
Mosimann
,
Vorbescheidverfahren
statt
Einspracheverfahren
in der IV, SZS 2006 S. 277 ff.). Das
Vorbescheidverfahren
dient auch der Ausübung des rechtlichen Gehörs, geht aber über den verfassungsrechtlichen
Mindestan
spruch
(
Art.
29
Abs.
2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Endentscheid zu äussern, wohingegen nach dem verfassungsrechtlichen Mindestanspruch kein Anspruch besteht, zur vorgesehenen Erledigung Stellung zu nehmen (BGE 134 V 97 E. 2.8.1 und 125 V 401 E. 3e).
1.4
Gemäss
Art.
73
bis
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) sind Gegenstand des Vorbescheids nach Artikel 57a IVG Fragen, die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen nach
Art.
57
Abs.
1
lit
. c-f IVG fallen. Dazu gehören
die Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen
(
Art.
57
Abs.
1
lit
. c),
die Abklärung der Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung
(
Art.
57
Abs.
1
lit
. d IVG),
die Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen sowie die not
wendige Begleitung der versicherten Person während der Massnahmen
(Art. 57
Abs.
1
lit
. e IVG) und
die Bemessung der Invalidität, der Hilflosigkeit und der von der versicherten Person benötigten Hilfeleistungen
(
Art.
57
Abs.
1
lit
. f IVG).
1.5
Gemäss der Rechtsprechung (BGE 134 V 97 E 2.9.1)
ist vor dem Erlass einer Verfügung, durch welche eine Invalidenrente wegen Neuberechnung des mass
gebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens rückwirkend herabgesetzt wird, der versicherten Person zwar das rechtliche Gehör zu gewähren, jedoch kein
Vorbescheidverfahren
durchzuführen.
1.6
Gemäss
Ziff.
3013.5 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherun
gen (BSV)
über das Verfahren in der Invalidenversicherung
, in der ab Januar 2010 geltenden Fassung
(KSVI)
, bezieht sich der Vorbescheid einzig auf Fragen, welche im Zusammenhang mit den in
Art.
57
Abs.
1
lit
. a bis f IVG statuierten Aufgaben der IV-Stellen stehen. Die IV-Stellen beschränken sich bei den Renten auf die Mitteilung des Invaliditätsgrades, des Anspruchsbeginns sowie, im Falle einer Aufhebung oder Anpassung der Rente, des Zeitpunkts der Änderung des Rentenanspruches.
Gemäss
Ziff.
3013.6 KSVI
ist
das
Vorbescheidverfahren
nicht anzuwenden auf Fragen, die in den Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen fallen. Es handelt sich dabei in aller Regel um Fragen betreffend die Berechnung der Renten, der
Taggelder und der Entschädigung für Betreuungskosten und die Festlegung des Nachzahlungs- und Verrechnungsbetrages.
1.7
In
Art.
58 IVG in Verbindung mit
Art.
74
ter
IVV ist das formlose Verfahren gere
gelt. Gemäss diesen Bestimmungen können, wenn die
Anspruchs
vorausset
zungen
offensichtlich erfüllt sind und den Begehren der versicherten Person vollumfänglich entsprochen wird, folgende Leistungen ohne Erlass eines Vor
bescheides oder einer Verfügung zugesprochen oder weiter ausgerichtet werden:
medizinische Massnahmen (
lit
. a)
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
)
Massnahmen beruflicher Art (
lit
. b)
Hilfsmittel (
lit
. d)
Vergütung von Reisekosten (
lit
. e)
Renten und
Hilflosenentschädigungen
nach einer von Amtes wegen durch
geführten Revision, sofern dabei keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
lit
. f)
Übergangsleistung (
lit
. g).
1.8
Bei der Zusprechung von Taggeldleistungen handelt es sich um einen
Endent
scheid
über ein Leistungsbegehren, welcher der versicherten Person gemäss
Art.
57a
Abs.
1 IVG grundsätzlich mittels Vorbescheid mitzuteilen ist. Gemäss
Art.
73
bis
Abs.
1 IVV in Verbindung mit
Art.
57
Abs.
1
lit
. c IVG ist insbeson
dere die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen fallende Abklärung der
versi
cherungsmässigen
Voraussetzungen Gegenstand des Vorbescheids. Die Frage nach dem Anspruch der versicherten Person auf ein Taggeld stellt daher Gegenstand des Vorbescheids nach Artikel 57a IVG dar (vgl. Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010,
§
29 N 2068 ff.; Urteil des hiesigen Gerichts IV.2013.00837 vom
7.
Januar 2014 E.2.1).
1.9
Während der Entscheid über Massnahmen beruflicher Art gemäss
Art.
58 IVG in Verbindung mit
Art.
74
ter
lit
. b IVV grundsätzlich im formlosen Verfahren und mithin ohne Erlass eines Vorbescheids und einer Verfügung zugesprochen wer
den kann, wenn die Anspruchsvoraussetzungen offensichtlich erfüllt sind und wenn dem Begehren der versicherten Person vollumfänglich entsprochen wird, gilt dies nicht für den Renten- und den Taggeldanspruch (vgl. Urs Müller, a.a.O.,
§
29 N 2117 ff.).
2.
2.1
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin mit der
Zusprache
von beruflichen Mass
nahmen im Sinne einer Kostengutsprache für
ein Arbeitstraining
beim
Y._
vom
3
1.
März bis 3
0.
Juni
2014
(
Urk.
5/116)
dem Begehren des Beschwerde
führers vollumfänglich entsprochen
(vgl. Zielvereinbarung vom
1.
B
ezie
hungs
wei
se
3.
April 2014;
Urk.
5/120)
. Da die
Anspruchsvoraus
setzun
gen
zudem offen
sichtlich erfüllt waren, ist nicht zu beanstanden, dass die
Be
schwerdegeg
nerin
den Entscheid betreffend die beruflichen Massnahmen mit Erlass der Mit
teilung vom
2.
April 2014 (
Urk.
5/116)
im formlosen Verfahren ohne Erlass eines Vorbescheids oder einer Verfügung fällte.
2.2
Dies gilt indes nicht für die
Zusprache
des Taggeldes an den Beschwerdeführer. Denn beim Entscheid über den Taggeldanspruch handelt es sich um einen
End
entscheid
über ein Leistungsbegehren, welcher gemäss
Art.
57a
Abs.
1 IVG in Verbindung
mit
Art.
73
bis
Abs.
1 IVV und
Art.
57
Abs.
1
lit
. c IVG der versi
cherten Person mittels Vorbescheid mitzuteilen ist und welcher nicht im Rah
men des formlosen Verfahren
s
gefällt werden kann (vgl.
Art.
74
ter
IVV).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hat vor Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 4. April 2014
betreffend das Invalidentaggeld (
Urk.
2) unbestrittener
massen (
Urk.
4
) kein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt. Dieses Vorgehen der
Be
schwerde
gegnerin
widerspricht der obenerwähnten gesetzlichen Regelung des
Vorbescheidverfahrens
und stellt zugleich eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers dar, welches einer Heilung grund
sätzlich nicht zugänglich ist.
3.2
Nach Gesagtem ist die Sache daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie das
Vorbescheidverfahren
nachhole und anschliessend erneut über den Taggeldanspruch des Beschwerdeführers für die Zeit vom
3
1.
März bis 3
0.
Juni
2014 verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetz
lichen Rahmens (Fr. 20
0.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 2
00.-- fest
zusetzen
und ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.