Decision ID: fd94d471-9782-4af9-8929-2a163e401515
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, absolvierte eine
Anlehre
als
Coiffeuse
(Urk. 7/2/
2 und 4
). In den Jahren 1987 bis 1999 arbeitete sie bei verschiedenen
Arbeitgebern als
Coiffeuse
, Verkäuferin, Reinigungsangestellte sowie Lagermit
ar
beiterin
in einem Teilzeitpensum
(Urk.
7/2/4, Urk.
7/6,
Urk. 7/16/4,
Urk. 7/86/1 f.).
Seit dem Jahr 1995 litt die Versicherte zunehmend an Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Arme und Beine (Urk. 7/5/3, Urk. 7/86/2).
Am 17. Oktober 2000 meldete
sie
sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/
2/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und liess die Versicherte durch die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Y._
interdisziplinär begutachten
(Gutachten vom 4. März 2003, Urk. 7/55/2 ff.).
Mit Verfügung vom 16. April 2003
verneinte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch bei einem I
nvaliditätsgrad von 17 % (Urk. 7/58). Die dagegen erhobene Einsprache vom 23. Mai 2003 (Urk. 7/61) wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 1. Oktober 2003 ab (Urk. 7/73). Auf Be
schwerde der Versicherten vom 3. November 2003 (Urk. 7/78/3 ff.) hin, hob das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
mit Urteil vom 29. Oktober 2004 im Verfahren IV.2003.00418
den
Einspracheentscheid
vom 1. Oktober 2003 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zur erneuten Abklärung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht
und neuem Entscheid über den Rentenanspruch
zurück
(Urk. 7/86).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle beim
Z._
, MEDAS, ein Gut
achten in den Fachbereichen
Innere Medizin,
Rheumatologie und Psychiatrie vom 18. April 2006 ein (Urk. 7/98). Gestützt darauf wies sie das Leistungsbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 29. März 2007 erneut ab (Urk. 7/107). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 12. August 2018 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine akute Arthrose sowie Fibromyalgie
und eine Muskeleinschränkung in der
Ischiasum
ge
bung
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/117/6 und 8). Mit Vorbescheid vom 3. Dezember 2018 kündigte die IV-Stelle der Ver
sicherten an, auf ihr Leistungsbegehren nicht einzutreten (Urk. 7/123). Dagegen erhob diese am 11. Januar, ergänzt am 30. April 2019, Einwand und reichte weitere Berichte ein (Urk. 7/124, Urk. 7/140, Urk. 7/138 f.). Daraufhin liess die IV-Stelle die Versicherte durch Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Inne
re Medizin sowie Rheumatologie,
begutachten (Gutachten vom 30. Septem
ber 2019, Urk. 7/147).
Mit neuem Vorbescheid vom 11. November 2019
stellte
die IV-Stelle der Ver
sicherten die Abwe
isung des Leistungsbegehrens
in Aussicht
(Urk. 7/158). Am 15. November 2019, ergänzt am 13. Januar 2020, erhob die Versicherte Einwand und reichte
eine Stellungnahme von Dr. med.
B._
, Facharzt für Physika
lische Medizin und Rehabilitation sowie Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie, Spital
C._
, vom 18. Dezember 2019 ein (Urk. 7/159, Urk. 7/162 f.). Mit Ver
fügung vom 17. Januar 2020 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 18 % (Urk. 7/166 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 18. Februar 2020 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 17. Januar 2020 seien ihr die gesetzlichen Leistungen
zu erbringen
und es sei ihr ab 1. Februar 2019 mindestens eine
Vier
telsrente
auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Ihrer Beschwerde legte sie
unter anderem
nochmals den Bericht von Dr.
B._
vom 18. Dezember 2019 bei (Urk. 3/5).
Die Beschwerdegegnerin schloss am 25. März 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Replik vom 15. Juni 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (Urk. 11), während die Beschwerdegegnerin am 3
1.
Juli 2020 auf das Einreichen einer Duplik verzichtete
(
Urk. 13). Am 15. September 2020 reichte die Beschwerdeführe
rin einen Bericht von Dr. phil.
D._
, Psycho
thera
peutin, vom 11. September 2020 zu den Akten (Urk. 16). Dieser wurde
der Be
schwerdegegnerin am 18. September 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 17).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG
).
1.
3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung ü
ber die Invalidenversicherung,
I
VV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
4
Anlass zur
Rentenrevision im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG
gibt jede wes
entliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Ge
sund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
be
reich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revi
sionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung,
aufgrund der medizinischen Unterlagen sei keine Veränderung der gesundheitlichen Situation seit der letzten Verfügung vom 2
9.
März 2019 festgestellt worden. G
emäss der medizinischen Begutachtung sei der Beschwerdeführerin die Tätigkeit als
Rep
r
o
grafin
seit dem 27. November 2017 noch in einem 50 %-Pensum zumutbar. In einer leichten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit, unter Berücksichtigung eines er
höh
ten Pausenbedarfs, sei ihr ein Pensum von 80 % zumutbar. Der durchge
führte Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 18 %. Beim neu einge
reichten Bericht des Spitals
C._
vom 18. Dezember 2019 handle es
sich lediglich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts
(Urk. 2 S.
1-
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
das Gut
achten von Dr.
A._
sei nicht schlüssig.
Es seien weitere Abklärungen vor
zu
nehmen und
es sei
ein polydisziplinäres Gutachten
zu erstell
en, welches
min
des
tens die Fachrichtungen Rheumatolo
gie, Neurologie und Psychiatrie
berücksich
tige
(Urk. 1 S. 8). Grundsätzlich seien sämtliche psychischen Erkrankungen einer Prüfung
durch ein
strukturierte
s
Beweisverfahren zu unterziehen (Urk. 1 S. 9). Nach Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens sei entsprechend der Beurteilung von Dr.
B._
von einer invalidisierenden Gesundheitsbeein
träch
tigung auszugehen. Es sei sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen (Urk. 1 S. 10).
Damit
resultiere ein Invaliditätsgrad von 49 %, weshalb ihr ab 1. Februar 2019 mindestens eine
Viertelsrente
auszurichten sei (Urk. 1 S. 11).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin,
es fehlten Hin
weise auf das Bestehen von nicht-rheumatologischen Einschränkungen. Demzu
folge sei eine polydisziplinäre Begutachtung nicht angezeigt.
Im vorliegenden
Fall seien keine psychiatrischen Diagnosen gestellt worden. Es sei deshalb frag
lich, ob überhaupt eine
Indikatorenprüfung
durchzuführen sei. Auch wenn eine solche vorzunehmen sei, könne diese nicht dazu führen, dass von einer höheren Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werde, als im Gutachten attestiert worden sei. Dr.
A._
habe aus rheumatologischer Hinsicht lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % attestiert. Eine Prüfung der Standardindikatoren sei vorliegend über
flüssig (Urk. 6 S. 2).
2.4
Replicando
brachte
die Beschwerdeführerin vor
, die Feststellung, es sei keine psychiatrische Diagnose gestellt worden
,
sei aktenwidrig und willkürlich. Den Akten könne entnommen werden, dass sie unter einer Fibromyalgie leide. Daher
hätte
eine
Indikatorenprüfung
vorgenommen werden müssen (Urk. 11 S. 2).
2.5
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
12. August 2018
(Urk. 7/
117
) eingetreten.
Zu prüfen ist somit, ob sich der Ge
sundheitszustand seit
der letzten Anspruchsprüfung mit Verfügung vom
29. März 2007 (Urk. 7/107)
anspruchsrelevant verändert hat
und ob diesbezüglich der Sachverhalt hinreichend abgeklärt ist.
3.
Im Zuge der anspruchsverneinenden Verfügung vom 29. März 2007 stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das MEDAS-Gutachten
des
Z._
vom 18. April 2006
in den Bereichen Innere Medizin, Rheu
matologie und
Psychiatrie
(Urk. 7/98). Darin
hielten
die Gutachter als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine undifferenzierte Somatisierungs
störung (ICD-10 F45.1)
fest
. Ohne leistungsmindernde Wirkung sei demgegenüber das generalisierte Schmerzsyndrom mit/bei vegetativen Begleitbeschwerden, Hin
weisen für nicht-organischen Schmerz, einer diskreten Dehydration der Band
scheibe L3/4 und L4/5 sowie einer Fehlhaltung und einer insuffizienten mus
kulären Rumpfstabilisation. Radiologisch seien eine Retropatellararthrose rechts sowie eine
Akromioklavikulargelenksarthrose
links möglich, wobei die Gelenke in der klinischen Untersuchung unauffällig gewesen seien (Urk. 7/98/15).
Dem interdisziplinären Konsens ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in der Untersuchung über Beschwerden berichtet habe, die seit etwa neun Jahren bestünden. Sie hätten als Rückenschmerzen begonnen und sich mit der Zeit
im
ganzen Körper ausgebreitet. Der Schmerzcharakter sei zwischen stechend bis brennend variierend. Sie sei nie ohne Schmerzen. Es sei die Diagnose einer un
differenzierten Somatisierungsstörung zu stellen. Die von der Beschwerdeführerin geklagten, teilweise als extrem geschilderten Schmerzen an diversen Körperlo
kalisationen liessen sich somatisch in keiner Weise erklären oder auf fassbare
Befunde zurückführen. Es fänden sich in jeder klinischen Untersuchung erheb
liche Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten Einschränkungen
und der Spontanbeweglichkeit, wie auch zwischen den angegebenen Schmerzen und den klinisch zu erhebenden Befunden am Bewegungsapparat, die gänzlich unspezi
fisch und wenig fassbar seien (Urk. 7/98/16).
Die gleiche Diskrepanz finde sich zwischen der Selbsteinschätzung der psychi
schen Befindlichkeit und de
n
in der psychiatrischen Untersuchung
erhobenen,
objektivierbaren Befunde. In der Untersuchung finde sich eine psychopatholo
gisch weitgehend unauffällig wirkende
Beschwerdeführerin
, die zwar auf die körperlichen Beschwerden eingeengt wirke, jedoch in keiner Weise depressiv oder psychomotorisch und kognitiv beeinträchtigt sei. Es bestehe ein normaler Denk
fluss und sie habe eine kräftige und modulierte Stimme sowie eine adäquate Ge
stik und Mimik. Es könne keine gravierende depressive Symptomatik objekti
viert werden. Allenfalls könne eine Tendenz zu einer Anpassungsstörung ver
mu
tet werden, die jedoch ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit bleibe (Urk. 7/98/16).
Auch die Selbsteinschätzung der körperlichen Einschränkungen liesse sich in keiner Weise objektivieren. Nebst an verschiedenen Körperstellen beklagte
n
Schmerzen bestünden diverse vegetative Begleitbeschwerden wie Schwellungs
gefühle, Herzrasen, Verdauungsstörungen, wiederholter vaginaler Ausfluss sowie
Dysmenorrhoe oder
Dyspareunie
. Die Beschwerden hätten in diversen ambu
lan
ten
Untersuchungen weder einer fassbaren Pathologie zugeordnet noch durch thera
peutische Massnahmen wesentlich beeinflusst werden können (Urk. 7/98/16 f.). Das aktuell angegebene Schmerzniveau von 8/10 Punkten sei mit den klinischen Befunden und der Spontanbeweglichkeit nicht in Einklang zu bringen.
Während bei der Eintrittsuntersuchung anlässlich der
Hospitalisation
in der Rehaklinik
E._
(September 2000) sowie wohl auch in früheren Untersuchungen durch den Hausarzt eine auf die Fibromyalgie typischen Tender
points beschränkte
Druckdolenz
bestanden habe, finde sich jetzt, wie bereits an
lässlich der Untersuchung durch die MEDAS
Y._
im Februar 2003, eine ausgeprägte, generalisierte
Druckdolenz
. Es seien nicht nur sämtliche Weichteil
strukturen
druckdolent
und dies bereits auf leichtesten Druck, sondern es bestehe auch eine
Druckdolenz
frontal, über den Schienbeinen sowie sämtlicher
Processus
spinosi
.
Ein
Fibromyalgiesyndro
m
könne gemäss K
riterien lediglich diagnostiziert werden, wenn eine ausgeprägte
Druckdolenz
von mindestens 11 der 18 Tender
points
bestehe, wobei die Druc
kempfindlichkeit auf die Tender
points beschränkt sein solle.
Bei der Beschwerdeführerin könne die Diagnose eines
Fibromyal
gie
syndroms
nicht mehr gestellt werden, sondern es müsse von einem generalisierten Schmerzsyndrom ausgegangen werden. Begleitet werde dieses durch diverse
vegetative Symptome. Die Schmerzen seien du
rch die lediglich
geringgradigen
degenerativen Veränderungen und die diskrete Fehlhaltung nicht genügend erklär
bar
.
Es fänden sich keinerlei Hinweise für ein entzündlich-rheumato
lo
g
isches Geschehen oder andere spezifische Schmerzursachen (Urk. 7/98/17).
Gesamthaft liessen sich die Beschwerden am besten als generalisiertes, unspezi
fisches Schmerzsyndrom im Rahmen einer undifferenzierten Somatisierungsstö
rung interpretieren, wie dies bereits durch die MEDAS
Y._
erfolgt sei
. Trotz fehlender organischer Grundlage l
a
sse sich eine
geringgradige
Beeinträch
tigung der Leistungsfähigkeit durch die als chronisch erlebten Schmerzen begründen, jedoch nie in dem Ausmass, wie es die Beschwerdeführerin selber sehe
(Urk. 7/98/18).
Aus gesamtmedizinischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit in einem 80 %-Pen
sum mit normaler Leistungsfähigkeit. Die zeitliche Einschränkung begründe sich mit der verminderten Belastbarkeit durch die psychiatrische Diagnose. Aus somatischer Sicht seien folgende Bedingungen einzuhalten: Körperlich schwere Arbeiten seien nicht zumutbar. Leichte bis maximal mittelschwere, wechselbe
lastende Tätigkeiten seien möglich. Ungünstig und deshalb zu vermeiden seien langdauernde Zwangshaltungen der Wirbelsäule oder der Gliedmassen sowie lang
an
dauerndes / anhaltendes Arbeiten über der Horizontalen. Die Beschwerdefüh
rerin sei zuletzt vorwiegend in verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als
Ver
packerin
von Medikamentensendungen und als Putzfrau tätig gewesen. Diese Arbeiten seien als leicht bis mittelschwer zu erachten und daher zumutbar
.
Da die Arbeitsfähigkeit aus somatisch-rheumatologischer Sicht sowohl für das
Fibro
myalgiesyndrom
wie auch das generalisierte Schmerzsyndrom gleich ausfalle und sei
t
dem Jahr 2000 keine wesentliche Verschlechterung der organischen Befunde eingetreten sei, sei die Arbeitsfähigkeit seit 2000 gleichgeblieben und
betrage
seit diesem Zeitraum etwa 80 % (Urk. 7/98/18). Die Frage,
ob es sich um eine Fibro
myalgie,
eine somatoforme Schmerzstörung oder eine undifferenzierte Somati
sierungsstörung handle, sei für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vermutlich weitgehend sekundär und untergeordne
t. Dies,
da nicht die Diagnose als solche ausschlaggebend sei und zwischen den Diagnosen teils fliessende und je nach Blickwindel schwer abgrenzbare Übergänge bestünden, sondern
die klinisch
fass
bare Einschränkung der Leistungsfähigkeit (Urk. 7/98/20).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
12. A
ugust
2018
(Urk. 7/
117) sind
im Wesentlichen
die
folgende
n
medizinische
n
Unterlagen
aktenkundig:
4.2
Die Behandler
der Universitätsklinik
F._
, Abteilung Rheumatologie und Phy
sikalische Medizin
,
stellten mit Sprechstundenbericht vom 7. August 2018
unter anderem
die Diagnosen eines chronischen
lumbospondyloge
nen
Schmerzsyn
droms linksbetont
(
Erstmanifestation 2010,
Schmerzexazerbation
Sommer 2017
)
, eines Hypermobilitätssyndroms sowie
einer Fibromyalgie (an
amnestisch, Erst
diagnose 1998,
Urk. 7/138/1). Die Beschwerdeführerin
berichte
über eine
Schmer
zexazerbation
des
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms linksbetont seit Sommer 2017, mit
Schmerzexazerbation
nach längerem Sitzen, Laufen oder Stehen
und
teilweise meh
r
maligem nächtlichen Erwachen. Es seien lumbale Beschwerden mit Ausstrahlung vom lateralen Oberschenkel bis zum medialen Unterschenkel linksbetont.
MR-tomographisch
hätten
sich im März 2018 eine Wirbelsäulenfehlhaltung mit Hyperlordose und konsekutiver
Spondylarthrose
der unteren beiden Segmente, vor allem
der
Lendenwirbelkörper (LWK) 4/5 mit Zeichen einer aktivierten
Spondylarthrose
links mit Knochenmarksödem sowie ein leichtes
Diskusbulging
LWK 2/3 bis LWK 4/5 nachweisen lassen (Urk. 7/138/2). In der Gesamtschau sei von einem mechanisch bedingten
lumbo
spondylogenen
Schmerzsyndrom bei beginnenden degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule (LWS) auszugehen (Urk. 7/138/2 f.).
Therapeutisch sei
eine
hausinterne physiotherapeutische Massnahme zur Kräftigung der para
spinalen und Rumpfmuskulatur
mit dem Ziel eines Überganges in eine medizi
nische Trainingstherapie verordnet worden (Urk. 7/138/3).
4.
3
Am 30. September 2019 erstattete Dr.
A._
sein rheumatologisches Gutachten.
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er die folgenden fest (Urk. 7/147/13):
-
Chronisches, beschwerdeprogredientes,
lumbovertebrales
Schmerzsyn
dr
om mit
-
l
inksseitig
en
Fa
z
ettengelenksschmerzen
bei aktivierter
Fa
z
ettenge
l
enksarthrose
L4/L5
links
-
k
linisch
en
Hinweise
n
für eine sensorische Narbe der
S
1-Nervenwurzel links, aktuell ohne Hinweise für eine anhaltende
radikuläre
Sympto
matik
-
p
rogrediente
degenerative Veränderungen
mit aktuell fortgeschrittener
Spondylarthrosebildung
linksbetont L4/L5, etwas weniger ausgeprägt
bei
L5/S1, ohne Diskushernie
-
k
onstante
m
Einhalten eines
lumbovertebralen
Schonverhaltens, ohne Diskrepanzen
-
Ausgeprägtes weichteilrheumatische
s Schmerzsyndrom im Sinne einer g
eneralisierenden Fibromyalgie/
Allodynie
mit Betonung der linken Kör
perhälfte gegenüber
der rechten,
im Rahmen einer Somatisierungsstörung
und Schmerzwahrnehmungs-/
verarbeitungsstörung
,
Widespread-Pain-lndex
(WPI
) 8, Symptomschwere
5, Total 13
Die beginnende
Chondropathie
des AC-Gelenks links und
retropatellär
beidseits, asymptomatisch, sowie das Hypermobi
litätssyndrom (
Beighton
-Score 5/
9)
hätten
demgegenüber
keine leistungsmindernde Wirkung
(Urk. 7/147/13).
Dazu erwog der Gutachter, es handle sich um eine komplexe Schmerzentwicklung im Rahmen einer progredient degenerativ veränderten lumbalen Wirbelsäule, mit
Fazettengelenksschmerzen
links, ausgehend vom Gelenk L4/L5
mit
Hinweise
n
für eine sensorische Narbe der Nervenwurzel S1 links. Zudem habe sich
vor 21 Jahren
eine generalisierende Fibromyalgie entwickelt, mit einem
WPI
von 13 gemäss ACR-Kriterien 201
5.
Diese beiden Diagnosen seien
im Verlaufe der vergangenen Jahre
in der Entwicklung nicht nur betreffend
die
reproduzierbare
n
klinische
n
und objektivierbare
n
radiologische
n
Befunde progredient, sondern auch in der Schmerzperzeption.
Entsprechend sei das Bewegungsverhalten von einem Schon
verhalten lumbal begleitet. Die Mitwirkung sei gut, die Verdeutlichungstendenz sei nicht als demonstratives Element, sondern als Schmerzpräsentation auch im Rahmen des kulturellen Hintergrundes zu beurteilen
(Urk. 7/147/14)
.
Weiter erwähnenswert sei eine deutliche Stabilisierung der Psyche.
Die Beschwer
deführerin bestätige, dass sie in früheren Jahren depressive Stimmungs
schwan
kungen gehabt habe. Gemäss ihrer Aussage sei dies jetzt nicht mehr der Fall. Sie könne ihre psychischen Schwankungen kontrollieren und steuern und nehme keine Psychopharmaka mehr ein. Dies könne bestätigt werden. Der affektive Rapport sei gut, mit differenzierten Angaben in der Anamnese und Besp
rechung. Entsprechend könne zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr von
psychischen
Faktoren für die Schmerzentwicklung
ausgegangen werden
, wie dies früher noch der Fall gewesen sei (Urk. 7/147/15).
Im Gutachten des
Z._
vom 16. März 2006 sei im MRI der LWS lediglich eine leichte Dehydratation der Bandscheibe L3-L5 beschrieben worden. Die
heutige
Situation habe sich radiologisch deutlich verschlechtert. Bei damals fehlenden lumbalen Beschwerden habe der Gutachter die LWS in der Diagnose nicht aufgeführt, sondern lediglich das generalisierende weichteilrheu
matische Schmer
zsyndrom
und
er habe
für wechselbelastende Tätigkeiten eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit attestiert.
Offensichtlich sei es seit der Begut
achtung im Jahr 2006
im Verlauf
nicht nur zu einer Verstärkung der Schmerzen
gekommen. Es hätten sich auch die reproduzierbaren klinischen und objektivier
baren radiologischen Befunde betreffend die LWS verschlechtert. Zusammen
fas
send bestehe eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Es resultiere eine bleibende somatisch begründete Belastbarkeitsverminderung. Diese sei einer
seits bedingt durch die Fibromyalgie mit einem erheblichen Beschwerdeausmass. An
de
rerseits sei sie bedingt durch die zusätzlich progredienten Degenerationen an der LWS. Die Fibromyalgie führe zu einer ungünstigen zusätzlichen Beein
flussung mit Verstärkung der Schmerzperzeption im Rahmen der
Schmerzwahr
nehmungs
-
/
verarbeitungsstörung
(Urk. 7/147/16).
Die Schmerzverarbeitungsstörung entspreche einer
Somatisierungsstörung mit Betonung der Schmerzen in der linken Körperhälfte und bewirke eine genera
lisierende Fibromyalgie/
Allodynie
. Dies führe zu einer erhöhten subjektiven Schmerzperzeption mit Generalisierungstendenz. Dieser Anteil der Beschwerden
habe
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, da die Weichteilbeschwerden ausgeprägt
seien, kombiniert mit verschiedenen vegetativ unterhaltenden Beschwerden, ein
em schmerzbedingt schlechten Durchschlaf und konsekutiv erhöhter Müdigkeit.
Dies wirke sich
ungünstig auf die lumbal degenerativ bedingten Veränderungen
aus durch eine
Aktivierung und
Knochenmarksödembildung
. Entsprechend sei die Schmerzperzeption lumbal bei der Beschwerdeführerin tendenziell höher als bei jemandem, der ohne weichteilrheumatische Komponente sei (Urk. 7/147/17).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
führte der Gutachter aus,
das Problem bei der
Arbeit
in der Druckerei sei das praktisch ausschliessliche Stehen gewesen.
Die letzten Monate habe die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben
derart verstärkte lumbale Schmerzen gehabt, dass sie im Stehen das linke Bein immer leicht flektiert gehalten habe.
Die Arbeitsfähigkeit sei mit 50 % seit Anfang Dezember 2017 zu bewerten, ohne Aussicht auf eine Steigerung (Urk. 7/147/18 f.). In einer adaptierten Beschäftigung sei der Beschwerdeführerin
seit Anfang Dezember 2017
ein 80 %-Pensum zumutbar. Die Tätigkeit solle leicht, mit vorwiegend sitzenden Arbeitsabläufen, aufgeteilt in ein Teilpensum vormit
tags und nachmittags, ohne wiederholt gebückte Arbeitsabläufe und ohne repe
titives
Heben von Gewichten über 10 kg
und ohne
Exposition in kalt
feuchtem Milieu sein. Die verbleibenden 20 % der Arbeitsunfähigkeit dienten dazu, reg
el
mässig Pausen einzuhalten (Urk. 7/147/19).
4.
4
Mit Stellungnahme vom 18. Dezember 2019 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
erklärte Dr.
B._
,
die Beurteilung durch Dr.
A._
sei grundsätzlich nachvollziehbar und konsistent. Was hingegen in die Bewertung zu wenig eingehe, sei die Hy
permobilität mit
einem
Beighton
-
Score
von 5-6/9,
was wahrscheinlich für die Beschwerdeführerin eine nicht unerhebliche Ein
schrän
kung der Ausdauerleistung im Rahmen der Gesamtsymptomatik bedeute. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit solle eine qualitative und quantitative Einschränkung beinhalten, mit dem Ziel, Belas
tungen unterhalb der schmerzauslösenden Schwelle zu halten. Bei einer Arbeits
fähigkeit von 80 % mit den genannten Einschränkungen
sei in der Gesamtschau bei der Beschwerdeführerin mit stark gestörtem Nachtschlaf und Hypermobili
tätssyndrom, Fibromyalgie und chronischem
lumbospondylogene
n
Schmerzsyn
drom linksbetont zu erwarten, dass bei einer quantitativen Belastung von 80 % Anwesenheit am Arbeitsplatz
die
Belastung deutlich oberhalb der schmerz
aus
lösenden Schwelle liege
. Es
sei daher
,
rein aus Kenntnis der Akten
geschätzt,
quantitativ
eine maximal halbtägige Zumutbarkeit (entsprechend 50 %)
zu empfehlen
. Die vom Gutachter als optimal angepasste leichte Tätigkeit mit vor
wiegend sitzenden Arbeitsabläufen, aufgeteilt in ein Teilpensum (vormittags und nachmittags), ohne wiederholt gebückte Arbeitsabläufe und ohne repetitives Heben von Gewichten über 10 kg
ohne
Exposition in kalt-feuchtem Milieu
,
sei korrekt (Urk. 3/5 S. 2
,
Urk. 7/162/2,
).
4.
5
Mit Bericht vom 11. September 2020 zuhanden des Rechtsvertreters der Be
schwerdeführerin führte Dr. phil.
D._
aus, die Beschwerdeführerin sei ihr bei einer schwierigen persönlichen und beruflichen Situation zugewiesen worden. Die Beschwerdeführerin habe sie bis zum jetzigen Zeitpunkt drei Mal aufgesucht, erstmals am 9. März, letztmals am 4. August 2020 (Urk. 16 S. 1).
Sie
fühle sich angesichts der dauernden Schmerzen und der Arbeitslosigkeit motivations- und perspektivlos – «dies fresse einen auf». Als Diagnose nannte Dr. phil.
D._
eine
mittelgradige reaktive Depression aufgrund eines starken Schmerzsyndroms
(ICD-10
F32.1). Angesichts des chronischen Verlaufes und der Verschlechterung des Zustandes sei die Beschwerdeführerin trotz ihrer ursprünglich positiven Einstellung nicht mehr arbeitsfähig und solle deshalb unbedingt eine 100%ige Kostengutsprache der Invalidenversicherung erhalten. Es sei
in Absprache mit der Beschwerdeführerin eine Behandlung mit Antidepressiva in Erwägung zu ziehen. Diese könn
t
e
n
von
Dr.
med
.
Richard
Walter
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie,
verordnet werden. Die Gesprächstherapie könne auf Wunsch der Beschwerdeführerin einmal monatlich weitergeführt werden (Urk. 16 S. 1).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte – dem Gutachten von Dr.
A._
folgend – einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, da sie in einer angepassten Tätig
keit zu 80 % arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 2).
Aus den Akten geht hervor, dass sich
der Gesundheitszustand der Beschwer
de
führerin
seit der letzten Begutachtung im Jahr 2006 durch die MEDAS
Z._
in somatischer Hinsicht
verschlechtert hat.
Dr.
A._
statu
ierte
in seinem Gutachten insbesondere, dass
im MRI aus dem
Jahr 2006 lediglich eine leichte Dehydratation der Bandscheiben L3/4 und L4/5 festgestellt werden
konnte
(Urk. 7/98/7, Urk. 7/98/15).
Demgegenüber
stellte
er in seiner Untersu
chung vom September 2019
insbesondere
linksseitige
Fazettengelenksschmerzen
bei aktivierter
Fazettengelenksarthrose
L4/L5 links
fest und wies auf
die an
läs
s
lich der MR-tomographischen Untersuchungen vom 2. März 2018 und 4. April 2019
nachgewiesenen
progredienten degenerativen Veränderungen mit aktuell fortgeschrittener
Spondylarthrosebildung
linksbetont
in Höhe von
L4/L5
(Urk. 7/147/12
f.)
hin
. Ferner
ist eine deutliche
Schmerzexazerbation
im Dezem
ber 2017
dokumentiert
(Urk. 7/147/16).
Im Gegensatz zu den Gutachtern der MEDAS
Z._
sprach Dr.
A._
auch nicht
mehr
von einer fehlenden organischen Grundlage der Beschwerden (Urk. 7/98/18), sondern von einer somatisch begründeten Belastbarkeitsverminderung, bedingt durch die Fibromyalgie und die progredienten Degenerationen der LWS (Urk. 7/147/16).
Damit liegt eine seit der erstmaligen Rentenabweisung wesentliche Änderung vor, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad zu beeinflussen. Der Rentenanspruch ist daher in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen (vgl. E. 1.
4
).
5.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich zunächst auf den Standpunkt, es seien weitere Abklärungen im Sinne einer polydisziplinären Begutachtung in den Bereichen Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie durchzuführen (Urk. 1 S. 8). Diesbe
züglich ist zu beachten, dass gemäss Gutachten von Dr.
A._
zwar klinische Hinweise auf eine sensorische Narbe der S1-Nervenwurzel links bestehen, welche aber aktuell
nicht mit einer
anhaltende
n
radikuläre
n
Symptomatik
einhergeht
(Urk. 7/147/13). Auch die Behandler der Universitätsklinik
F._
empfahlen keine weiteren neurologischen Abklärungen, sondern leiteten physiothera
peu
ti
sche Massnahmen und eine Labordiagnostik aufgrund der persistierenden Müdig
keit ein (Urk. 7/138/3). Dr.
B._
sprach in seine
r Beurteilung des Gutachtens von
Dr.
A._
vom 18. Dezember 2019 ebenfalls nicht von der Notwendigkeit weitergehender neurologischer Untersuchungen (
Urk
. 3/5, Urk. 7/162).
Mit Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand konnten die Gutachter der MEDAS
Z._
anlässlich ihrer Untersuchung im Jahr 2006 keine gravierende depressive Symptomatik feststellen (Urk. 7/98/16). Anzeichen dafür, dass sich die psychische Situation
bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens
verschlechtert hätte, bestehen nicht. Dr. phil.
D._
diagnostizierte in ihrem Be
richt vom 11. September 2020 zwar eine mittelgradige reaktive Depression auf
grund des starken Schmerzsyndroms (Urk. 16 S. 2). Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine fachärztliche Beurteilung. Zudem fehlen Angaben zum psycho
pathologischen Befund, sodass ihre Diagnose nicht nachvollzogen werden kann. Überdies nahm die Beschwerdeführerin die Behandlung bei Dr. phil.
D._
erst am 9. März 2020 und damit nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17. Janu
ar 2020 auf, welche rechtsprechungsgemäss
die zeitliche Grenze
der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (
BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweisen)
. Davon abgesehen empfahl auch Dr. phil.
D._
nicht ausdrücklich eine weitergehende
psychiatrische
Abklärung oder
Behandlung, indem sie erklärte, die Gesprächs
therapie könne auf Wunsch der Beschwerdeführerin einmal monatlich weiterge
führt werden (Urk. 16 S. 2).
Gegen eine
n weiteren Abklärungsbedarf hinsichtlich des
psychischen Gesund
heitszustandes spricht ferner, dass die Beschwerdeführerin gegenüber Dr.
A._
erwähnte, sie sei psychisch recht stabil, habe früher Depressionen gehabt, was nun aber nicht mehr der Fall sei (Urk. 7/147/8). Sie nehme auch keine Psycho
pharmaka mehr ein (Urk. 7/147/15). Dass Dr.
A._
daher nicht mehr von psy
chischen Faktoren für die Schmerzentwicklung ausging (Urk. 7/147/15), mag zwar eine fachfremde Beurteilung sein, korreliert jedoch mit der übrigen Akten
lage, weshalb darauf abzustellen ist.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind daher keine zusätzlichen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (
BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3)
.
5.3
Das rheumatologische
Gutachten
von Dr.
A._
erfüllt
sodann
die formalen Anforderungen
an den
Beweiswert
einer Expertise
(
vgl.
E. 1
.
5
vorstehend
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen de
r
Beschwerdeführe
rin
, berücksichtigt auch die geklagten Be
schwerden
und
ihr
Verhalten
und wurde in Kenntnis
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
sowie
in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar
begründete Schluss
folgerungen.
Daran vermag entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(Urk. 1 S. 8)
auch der Bericht von Dr.
B._
nichts zu ändern. Denn dieser beurteilte die Ein
schät
zung von Dr.
A._
als grundsätzlich nachvollziehbar und konsistent.
Weshalb Dr.
A._
das bestehende Hypermobilitätssyndrom zu wenig in seine Beurteilung einbezogen haben sollte, leuchtet nicht ein. Denn
auch Dr.
B._
beurteilte die dadurch bewirkte Einschränkung der Ausdauerleistung im Rahmen der Gesamt
symptomatik lediglich als wahrscheinlich (
Urk
. 3/5 S. 2
, Urk. 7/162/2
).
Überdies ist das Hypermobilitätssyndrom bei der Beschwerdeführerin lediglich mässig aus
geprägt (Urk. 7/147/12). Daher besteht kein Grund, die Schlussfolgerung von Dr.
A._
, wonach das Hypermobilitätssyndrom keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat, anzuzweifeln.
Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach ein WPI von
8 sowie eine Symptomschwere von 5, total
13
,
einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit entgegenstehe (Urk. 1 S. 8), geht fehl. Dr.
A._
legte diesbezüglich insbesondere dar, dass der WPI betreffend
die
Fibromyalgie über all die Jahre zugenommen hat und
die Fibromyalgie im Rahmen der Schmerzverar
beitungs
störung zu einer erhöhten Schmerzperzeption an allen Abschnitten des Bewe
gungsapparates führt
(Urk. 7/147/14). Zudem berücksichtigte er die ausgeprägten Weichteilbeschwerden, kombiniert mit verschiedenen vegetativ unterhaltenden Beschwerden, einem schmerzbedingt schlechten Durchschlaf und konsekutiv erhöhter Müdigkeit
(Urk. 7/147/17).
Entsprechend schloss er auf eine somatisch begründete, bleibende Belastbarkeitsverminderung, bedingt durch die Fibromyal
gie und die zusätzlich progredienten Degenerationen an der LWS (Urk. 7/147/16).
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin an ihrem vorherigen Arbeitsplatz praktisch ausschliesslich stehend arbeiten konnte und dies ihre lumbalen Schmerzen verstärkte (Urk. 7/147/1
8
),
ist
die Einschätzung einer verbleibenden 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
schlüssig
(
Urk.
7/147/19)
. Hingegen
beinhaltet das Belastungsprofil einer adap
tierten Tätigkeit unter anderem leichte, vorwiegend sitzende Arbeitsabläufe und zusätzliche Pausen
(Urk. 7/147/19)
. Es ist daher
nachvollziehbar, dass die Be
schwerdeführerin einer solchen Arbeit in einem höheren Arbeitspensum von
80 %
nachgehen kann.
Das Belastungsprofil wurde im Übrigen auch von Dr.
B._
als korrekt erachtet (Urk. 3/5 S. 2).
Dr.
B._
vertrat
zwar
die Auffassung,
der Beschwerdeführerin sei auch
eine
adaptierte
Arbeit lediglich im Umfang von 50 % zumutbar
. Er führte jedoch selbst aus
, dass er diese Einschätzung rein aufgrund der Kenntnis der Akten abgab
. Daher ist
sie nicht geeignet, das auf einer ausführlichen Untersuchung beruhende
Gutachten zu entkräften.
Auch die behandelnde Dr. phil.
D._
sah die Beschwer
de
führerin als nicht mehr arbeitsfähig an
(Urk. 16 S. 2)
.
Allerdings handelt es sich bei ihrer Beurteilung nicht um eine fachärztliche Einschätzung. Weiter ist in Bezug auf Berichte von behandelnden Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Eine zurückhaltende Wür
digung ist hier insbesondere angezeigt mit Blick auf die Aussage der Psychologin, die Beschwerdeführerin solle unbedingt eine 100%ige Kostengutsprache der Inva
lidenversicherung erhalten (Urk. 16 S. 2)
. Dies belegt
eine besondere Nähe zur Beschwerdeführerin und
schmälert
den Beweiswert ihres Berichts, weshalb auch er die gutachterliche
Beurteilung
nicht
in Zweifel zu ziehen
vermag
.
Im Übrigen
ist ein Administrativgutachten
ganz grundsätzlich
nicht stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn behandelnde Ärzte zu einem anderen Ergebnis gelangen; vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil sie wichtige Aspekte be
nennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g
eblieben sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_119/2020 vom 1
8.
Mai 2020 E. 3.2.3 sowie
9C_338/2015
vom 1
2.
November 2015
E. 5.5). Inwiefern solche Aspekte aus den medizinischen Akten hervorgingen, ist weder ersichtlich noch in der Beschwerde
rechtsgenüglich
dargetan.
5.4
Zusammenfassend ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit dem 27. November 2017 respektive seit Anfang Dezember 2017 noch zu 50 % arbeitsfähig ist, hingegen eine adaptierte Tätigkeit seit diesem Zeitpunkt zu 80 % ausüben kann.
6.
6.1
Die Frage,
ob ei
n psychisches Leiden respektive
ein
fibromyalgieformes
Schmerz
syndrom zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, welche auch rechtlich bedeutsam ist,
beurteilt sich
in Nachachtung von
Art. 7 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auf der Grundlage eines strukturierten Beweisverfahrens (
Standardindikatorenprüfung
) nach BGE 141 V 281 und BGE 143 V 418
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_568/2019 vom 22. November 2019 E. 5.6)
.
Vorliegend erübrigt sich indessen die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens.
Unabhängig davon, ob die
Indikatorenprüfung
die seitens
des Gutachters
bescheinigte
Arbeitsunfähig
keit von 20 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
bestätigen würde, führt
diese Einschränkung nicht zu einem Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente, wie im Folgenden dargelegt wird
.
6.2
Die Beschwerdegegnerin ermittelte den Invaliditätsgrad korrekterweise gestützt auf einen Einkommensvergleich.
Dabei
stützte sie sich für die Berechnung des
Valideneinkomm
en
s
auf den zuletzt erzielten Lohn bei der
G._
AG
in einem 80 %-Pensum. Diesen rechnete sie auf
ein
100 %-Pensum
hoch
(
Fr. 50'400.--,
Urk. 7/155/3, Urk. 7/156/1).
Für das Invalideneinkommen
zog
sie zu Recht den Tabellenlohn
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(
LSE
)
2016 TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1
heran
. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung sowie der betriebsüblichen Arbeitszeit errechnete sie ein Invalideneinkommen von Fr. 44'028.50 in einem zumutbaren 80 %-Pensum (Urk. 7/156/1).
Da die Beschwerdeführerin im Vergleich zur massgebenden Branch
e unterdurchschnittlich verdiente
, parallelisierte die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen
richtigerweise
bis zum
Erheblichkeitsgrenzwert
von 5 % (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3)
der
LSE 2016
(Ziffer 16-18
,
Herstellung von Holzwaren und Papier, Druckerzeugnisse
)
.
Insgesamt resultiert ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 41'432.
68
(Urk. 7/156/1 und 3).
Die so ermittelte invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 8'967.32
im Jahr 2018
ergibt einen Invaliditätsgrad von 18 %, welcher keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
begründet.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung vom
17. Januar 2020
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.