Decision ID: 560bb714-a583-55f3-bdee-fdbd02e88645
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, ist Angestellter der
Y._
AG und ist bei der
Schwei
zerische
n
National-Versicherungs-Gesellschaft
(National) für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen obligatorisch versichert.
Am
1.
Dezember 2010 erlitt
X._
eine Distorsion des li
nken oberen Sprunggelenks (OSG), die während vier Wochen mit einer Spezialbandage (
Wrap
-Therapie; vgl. die Publikation „update“ der Universitätsklinik
Balgrist
von Oktober 2013,
www.balgrist.ch
) behandelt wurde (vgl. den Bericht der Kli
nik für Unfallchirurgie des
S
pitals
Z._
vom
1
1.
Januar 2011
,
Urk.
7/M3).
Am 2
1.
Dezember 2010 wurde
X._
wegen eines Panaritiums (
Nagelu
mlauf) an der mittleren Zehe des linken Fusses
in der Klinik für Unfallchirurgie des
S
pital
s
Z._
hospitalisiert; es wurde eine Exzision des Infektionsherdes durchgeführt, und am 2
5.
Dezember 2010 wurde der Versicherte wieder entlassen (Operationsbericht vom 2
1.
Dezember 2010,
Urk.
7/M1; Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 3
0.
Dezember 2010,
Urk.
7/M2).
1.2
An die
Kosten für den Spitalaufenthalt vom 2
1.
bis zum 2
5.
Dezember 2010
bezahlte die SWICA Versich
erungen AG einen Betrag von Fr.
3‘801.-- aus der
Kranken-
Zusatzversicherung
Hospita
Halbprivat nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) und stellte dem Versicherten mit Abrechnung vom 1
4.
Jul
i 2011 den Selbstbehalt von Fr.
1‘000.-- in Rechnung (
Urk.
7/K1c).
Ausserdem forderte das
S
pital Z
._
vom Versicherten einen Betrag von
Fr.
1‘451.95 für die Differenzkosten des Aufenthaltes in der privaten Abteilung (
Urk.
7/K1b).
Der Versicherte stellte sich in der nachfolgenden Korrespondenz mit dem Spital und mit der Arbeitgeberin auf den Standpunkt, die National habe die Kosten der Behandlung der Zehenverletzung zu übernehmen (Brief des Versicherten an das Spital vom 1
5.
Juli 2011,
Urk.
7/K1a; E-Mails in
Urk.
7/K2 und
Urk.
7/K3).
Die Arbeitgeberin liess der National daraufhin die
Unfallmeldung vom
3.
August 2011 zukommen und berichtete, der Versicherte sei am 1
9.
Dezember 2010 bei der Fusspflege mit der Schere abgerutscht
und habe
sich
das Nagelbett verletzt, worauf es zu einer starken Entzündung gekommen sei (
Urk.
7/UM).
1.3
D
ie National holte den Bericht des
S
pitals Z
._
vom
3.
Oktober 2011 ein (
Urk.
7/M4)
und teilte dem Versicherten anschliessend m
it Brie
f vom 2
8.
Oktober 2011
mit, dass sie für das Ereignis,
das zur
Hospitalisation
vom 21.
bis zum 2
5.
Dezember 2010 geführt habe, keine Leistungen erbringe, da dieses Ereignis nicht als Unfall im Sinne des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) zu werten sei (
Urk.
7/K6). Mit Verfügung vom 11.
Januar 2012 bestätigte die National diese
n Entscheid
(
Urk.
7/K10).
X._
, vertreten durch Fürsprecher Renato Diener und Rechtsanwältin Nadine
Meyrat
,
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG, liess mi
t Eingabe vom 13.
Februar 2012 Einsprache erheben und beantragten, die National habe die Leistungen für die Folgen des
besagten
Ereignis
ses
zu übernehmen (
Urk.
7/K11).
Mit Entscheid vom 1
8.
September 2012 wies die N
ational die Einsprache ab (
Urk.
2 =
Urk.
7/K15).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
8.
September 2012 liess
X._
durch Rechtsanwältin Nadine
Meyrat
mit Ein
gabe vom 1
9.
Oktober 2012 (Urk.
1) Beschwerde erheben mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und die National sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 1
9.
Dezember 2010 zu erbringen (
Urk.
1 S. 2). Die National schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
November 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Versicherten am 1
9.
November 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geis
tigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs.
2 UVG kann der Bundesrat Körper
schädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurück
zuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den U
nfällen gleichgestellten Körper
schädigungen ist abschliesse
nd (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E.
2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerische
s Unfall
versicherungsrecht,
2.
Auflage, 1989, S. 202).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für die Behandlungen des Panaritiums
aufzukommen hat
, das sich im Dezember 2010 an der mittleren Zehe
des Beschwerdeführers
entwickelt hatte. Dabei steht nur die Leistungspflicht aufgrund des UVG zur Diskussion
, ungeachtet dessen, dass der Beschwerdeführer im Brief an das
S
pital
Z._
vom 1
5.
Juli 2011 erwähnte, er sei durch
seine Arbeitgeberin - über das
Obligatorium
hinaus - für
die stationäre Behandlung in der Privatabteil
ung unfallversichert (vgl. Urk.
7/K1a).
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneint ihre Leistungspflicht mit der Begründung,
das Panaritium sei nicht auf ein Ereignis zurückzuführen, welches das Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors erfülle (Urk.
7/K10,
Urk.
2 S. 5 ff.,
Urk.
6
S. 3 ff.
).
2.3
In der Unfallmeldung vom
3.
August 2011 ist da
s Ereignis vom 1
9.
Dezember 2010
wie folgt beschrieben
(
Urk.
7/UM)
:
„Herr
X._
hatte Pediküre - er ist mit der Schere abgerutscht und hat das Nagelbett verletzt. 18h später hat es sich stark entzündet, so dass er in die Notfallstation musste.“
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend dartat (
Urk.
2 S. 6 f.
,
Urk.
6 S. 3)
, ist in den medizinischen Berichten
des
S
pital
s
Z
._
über die Behandlung und die
Hospitalisation
von Ende Dezember 2010 nicht von einem Abrutschen der Schere die Rede.
Vielmehr steht im Operationsbericht
nur
, der Beschwerde
führer habe sich am 1
9.
Dezember 2010 eine Kruste auf dem Nagel der dritten Zehe links entfernt, im Verlauf habe sich eine schmerzhafte Rötung entwickelt und der Befund habe sich nicht verbessert trotz konservativer Therapie mittels
Kamillosanbädern
und
Merfensalbe
(
Urk.
7/M1). Die Anamnese in der Zusam
menfassung der Krankengeschichte vom 3
0.
Dezember 2010 lautet ähnlich; es heisst dort, der Beschwerdeführer habe sich am 1
9.
Dezember 2010 beim
Zehennägelschneiden
mit der Schere eine Kruste auf dem Nagel der dritten Zehe links entfernt, anschliessend sei eine Behandlung der Zehe mit Kamillenbädern und
Merfensalbe
erfolgt, im Verlauf seien zunehmende Schmerzen ebenda aufgetreten, so dass sich der Beschwerdeführer auf dem Notfall vorgestellt habe (
Urk.
7/M2).
Zudem stellte das
S
pital
Z._
bei der Untersuchung eine gelbliche Kruste auf dem Nagel direkt beim Nagelfalz fest.
Dieser Befund
führt zur Frage, ob es sich bei der Kruste, die der Beschwerdeführer am 1
9.
Dezember 2010 vom Nagel entfernt hatte, nicht bereits um vergleichbare, von einem schon vorbestandenen Panaritium herrührende
Sekretabsonderungen
gehandelt hat.
In der Einsprache wurde
allerdings
geltend gemacht, die entfernte Kruste habe
aus
einem
G
ipsrest
des Verbandes bestanden
, den der Beschwerdeführer
im Dezember 2010 am linken Fuss getragen habe (
Urk.
7/K11 S. 2).
Auch wenn dies
zutreffen sollte und das Panaritium tatsächlich aufgrund einer erst am 1
9.
Dezember 2010 erlittenen Verletzung mit der Schere entstanden sein sollte, bestehen indessen
gemäss der zutreffenden Auffassung der Beschwerdegegnerin
zu wenig Anhaltspunkte
für ein Ereignis, das sämtliche Merkmale des Unfallbegriffs erfüllt.
Die
Ursache eines Panaritiums
ist
me
ist eine Bagatellverletzung
(vgl. Pschyrem
bel, Klinisches Wörterbuch, 26
3.
Auflage, Berlin 2012, Stichwort „Panaritium“).
Eine
solche
kann
beim
Nägelschneiden
sehr
leicht entstehen
, weshalb ein klei
ner Schnitt oder Stich mit der Schere bei der Nagelpflege für sich allein das Merkmal der Ungewöhnlichkeit nicht in sich trägt, und zwar auch dann nicht, wenn die Handhabung der
Schere, wie
vorliegendenfalls
wegen des Gipsver
bandes (vgl.
Urk.
1 S. 2,
Urk.
7/K11 S. 2), erschwert ist und deshalb nicht in jeder Hinsicht p
lang
emäss erfolgt. Die Programmwidrigkeit, die das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ausmacht (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1), wäre
vielmehr
nur
dann erfüllt,
wenn
ein besonderes Vorkommnis im Bewegungsablauf ein
Abrutschen mit der Hand
bewirkt hätte, etwa
infolge einer Erschütterung
durch einen Stoss oder
durch
eine
Gleichgewichtsproblematik. Andernfalls ist im
Übrigen auch das Merkmal der Plötzlichkeit in Frage gestellt.
Ein Geschehen der geschilderten Art wurde indessen
nicht einmal in der Unfallmeldung behaupte
t
und ist auch deswegen nicht überwiegend wahrscheinlich
im Sinne der sozial
versicherungsrechtlichen Beweisanforderungen (
vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen
). Dies gilt umso mehr, als in den Berichten des
S
pitals
Z._
keine
Wunde dokumentiert ist, wie sie
bei einem solchen Geschehen
zu erwarten wäre.
2.4
Damit ist nicht erwiesen, dass die zur Diskussion stehende Problematik an der dritten Zehe links auf einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG zurückzuführ
en ist. Dies gilt entgegen den Vorbringen in der Einsprache (vgl.
Urk.
7/K11 S. 2) ungeachtet dessen, dass das
S
pital
Z._
im Bericht vom
3.
Oktober 2011 zuhanden der Beschwerdegegnerin einen Unfall als Ursache für diese Problematik nannte (
Uvk
. 7/M4 S. 1).
Offensichtlich und unbestrittenermassen liegt auch keine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV vor.
Die Beschwerdegegnerin ist daher für die zur Diskussion stehende Behandlung nicht leistungspflicht
ig
. Daran würde auch nichts ändern, wenn ein Pfleger des
S
pitals
Z._
dem Beschwerdeführer eine gegenteilige Auskunft gegeben hätte, wie
dieser
in seinem Schreiben vom 1
5.
Juli 2011 vorbrachte (
Urk.
7/K1a).
Denn eine erfolgreiche Berufung auf das Vertrauen in eine falsche Auskunft setzt voraus, dass die
auskunftgebende
Person für die Erteilung der Auskunft zuständig war (vgl.
BGE 131 V 472 E. 5 mit Hinweisen). Dies ist
beim
Pfleger des
S
pitals
Z._
nicht der Fall;
inbesondere
gibt es keiner
lei Hinweise d
arauf, dass der Pfleger
eine Auskunft der richtigerweise zuständi
gen Beschwerdegegnerin beziehungsweise einer bei ihr angestellten Person übermittelt hätte.
D
ie Beschwerde ist deshalb abzuweisen.