Decision ID: ecf940d9-b4b4-4778-8475-3108ca230cf5
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im September 2020 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
seiner Altersrente der AHV an (EL-act. 34). Er gab an, dass er eine Tochter, geboren
201_, habe, für die eine Kinderrente zu seiner Altersrente der AHV ausgerichtet werde.
Er lebe alleine; der Mietzins betrage Fr. 600.-- monatlich. Seine Eigentumswohnung
habe er im Jahr 2015 verkauft. Ab Dezember 2015 bis August 2020 habe er im Ausland
Wohnsitz gehabt. Bis im Jahr 2015 sei er als B._ erwerbstätig gewesen. Seine
Altersvorsorge in der Form einer Beteiligung bei einem Geschäftspartner habe er
verloren, nachdem dieser im November 2015 Insolvenz angemeldet habe. Das Kapital
der Säule 3a habe er bezogen. Im Jahr 2015 habe er die Schweiz mit Fr. 350'000.--
verlassen. Das Geld habe er auf betrügerische Weise und wegen Korruption in C._
verloren. Er reichte einen Bankkontoauszug der D._ betreffend den Zeitraum
1. Dezember 2019 bis 16. September 2020, einen Mietvertrag, einen
Niederlassungsausweis, eine Verfügung der Schweizerischen Ausgleichskasse vom
24. März 2017 betreffend die AHV-Kinderrente und einen Eheschutzentscheid vom
18. Juni 2020 ein (EL-act. 35-40). Gemäss dem Eheschutzentscheid war der
Versicherte verpflichtet, die AHV-Kinderrente der Mutter der Tochter zu bezahlen. Ein
Ehegattenunterhalt war mangels Leistungsfähigkeit des Versicherten nicht
zugesprochen worden. In der Miete von Fr. 600.-- inklusive Heiz- und Nebenkosten
war ein nicht bezifferter Betrag für Radio- und TV-Gebühren enthalten. Der bezahlte
A.a.
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Mietzins betrug Fr. 720.--. Der Kontostand hatte per 31. Dezember 2019 Fr. 9'763.74
betragen.
Am 7. Oktober 2020 bat die EL-Durchführungsstelle den Versicherten um die
Einreichung von weiteren Unterlagen (EL-act. 32). Dieser reichte am 19. Oktober 2020
die folgenden Unterlagen ein (EL-act. 31): Öffentlich beurkundeter Kaufvertrag vom _
2015 betreffend den Verkauf der Eigentumswohnung, Rechnung des
Immobilienmaklers vom _ 2015 sowie Steuerunterlagen betreffend die Steuer
perioden 2008 bis 2015. Gemäss einer Notiz der EL-Durchführungsstelle auf dem
Schreiben vom 7. Oktober 2020 hatte der Versicherte persönlich vorgesprochen und
angegeben, die Miete für die Garage betrage Fr. 120.-- pro Monat. Am 16. November
2020 legte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten den von ihr ermittelten
Vermögensrückgang bzw. die Vermögenszunahme ab 2009 bis 2019 dar (EL-act. 29).
Sie bat den Versicherten um die Einreichung von weiteren Angaben und Dokumenten,
insbesondere um eine chronologische Aufstellung (inklusive Nachweise/Quittungen)
über aussergewöhnliche Auslagen der Jahre 2010, 2012 und 2014 bis 2019. Der
Versicherte reichte am 7./8./9. Dezember diverse Unterlagen ein (EL-act. 23-26). Er
erklärte, dass er von seinem Geschäftspartner um seine Einlagen ("Guthaben Teil-
Altersabsicherung") betrogen worden sei. Seit dem Jahr 2014 habe er keine
Provisionszahlungen mehr erhalten. Aufgrund der neuen finanziellen Situation habe ihm
die E._ im Jahr 2015 die Kündigung der Hypothek in Aussicht gestellt. Mit der
Altersrente der AHV alleine hätte er seine Wohnung nicht mehr finanzieren können,
deshalb habe er diese verkauft. Seit 199_ sei er regelmässig in C._ gewesen und
habe geglaubt, Land und Leute zu kennen und das Leben mit weniger Geld als in der
Schweiz meistern zu können. Seine Ehefrau stamme aus C._, sei mittlerweile
Schweizerin und sei in der Schweiz geblieben. Als Tourist sei das Land wunderschön,
aber als "Resident" dort zu leben, das seien zwei Welten. Mietwohnungen seien gleich
teuer wie in der Schweiz, Food im Supermarkt 100-150%, Nonfood 150-200%,
Elektronik -+200%, Strom bis +1'000%. C._ sei eines der korruptesten Länder
F._'s. Es werde gestohlen, gelogen und betrogen. Dies sei aber normal, man müsse
sich vorsehen. Er sei zweimal aus C._ wegen einer Augenoperation und eines
Meniskus zurückgekommen. Er habe bereits im März 2020 in die Schweiz
zurückkommen wollen, wegen den Corona-Massnahmen sei er aber aufgehalten
A.b.
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worden. Alle seine Belege von C._ seien, sofern es solche gebe, in C._.
Möglicherweise brauche er diese dort auch noch (vgl. Gerichtstermin wegen dem
Haus). Beträge bis G._ 100'000.-- (Fr. 1'000.--) würden per Telefon bezahlt, auch der
Hauszins. Er habe sich ein Haus kaufen wollen, weil die Mieten zu teuer seien. Das
H._ sei bezahlt, aber mit vielen Baumängeln unbewohnbar. Ausserdem sei es gar
nicht überschreibbar. Der vorgelegte "TITTLE" sei gefälscht gewesen. Beim Landoffice
in I._ (Grundbuchamt) habe er die Auskunft erhalten, dass diese Parzelle niemals auf
einen anderen Eigentümer überschrieben werden könne, weil der Eigentümer beim
Staat sehr viele Schulden habe. Er habe beim Gericht eine Klage auf Rückzahlung
gegen die Eigentümer "deponiert". Es sei eine aussichtslose Angelegenheit. Er reichte
eine Aufstellung mit grösseren Ausgaben in C._ ("Residenz", Flüge von I._ nach
J._ für "Residenz", Auto, Autoversicherung, Container Auslösung, Miete, H._,
Anwälte) ein (EL-act. 25-2). Darin gab er an, ihm seien bei der K._ am 9. November
2015 G._ 29'128'000.-- gutgeschrieben worden. Das Total der grösseren Ausgaben
ohne H._ habe G._ 23'178'000.-- betragen. Zahlungsbelege reichte er keine ein,
lediglich zwei nicht unterzeichnete Quittungen betreffend Mietzinszahlungen vom
Dezember 2018 und Januar 2020 (EL-act. 25-20, 25-23). Im Weiteren reichte er eine
Aufstellung betreffend die Hauskosten ein (EL-act. 25-3). Demnach hatte der Kaufpreis
G._ 13'000'000.-- (bezahlt mit L._ G._ 13'099'000.--) und die Kosten für
zusätzliche Investitionen hatten G._ 2'916'867.--, total also G._ 16'015'867.--,
betragen. Gemäss einem Schreiben der C._'ischen Anwältin des Versicherten vom
1. Oktober 2020 war auf den 4. Februar 2021 eine gerichtliche Anhörung in Sachen
A._ (plaintiff) gegen (1) M._, (2) N._, (3) O._ (defendants) vorgesehen (EL-
act. 25-5). Gemäss einem Bankkontoauszug der D._ war am 9. November 2015 eine
Auslandszahlung an den Versicherten im Betrag von Fr. 320'028.-- (inklusive Gebühren
von Fr. 28.--) erfolgt (EL-act. 26-4).
Mit einer Verfügung vom 28. Dezember 2020 wies die EL-Durchführungsstelle das
Gesuch um Ausrichtung von Ergänzungsleistungen aufgrund eines Einnahmen
überschusses ab (EL-act. 21). In der Anspruchsberechnung berücksichtigte sie ab
1. September 2020 bis 31. Dezember 2020 als anerkannte Ausgaben einen Betrag für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung von Fr. 5'580.--, einen Mietzins von
Fr. 6'960.-- und einen Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf von Fr. 19'450.--
A.c.
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sowie als anrechenbare Einnahmen ein Sparguthaben von Fr. 9'763.-- und ein
hypothetisches Vermögen (Vermögensverzicht) von Fr. 310'264.--, was abzüglich des
Freibetrags von Fr. 37'500.-- ein anrechenbares Vermögen von Fr. 282'527.-- ergab,
wovon sie einen Zehntel, also Fr. 28'252.--, als Einnahme anrechnete, eine Altersrente
der AHV von Fr. 26'160.-- und einen hypothetischen Ertrag (Ertrag aus
Vermögensverzicht) von Fr. 124.--. Bei anerkannten Ausgaben von Fr. 31'990.-- und
anrechenbaren Einnahmen von Fr. 54'539.-- betrug der Einnahmenüberschuss
Fr. 22'546.--. Ab 1. Januar 2021 berücksichtigte sie (Berechnung nach den
altrechtlichen Bestimmungen) als anerkannte Ausgaben einen Betrag für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung von Fr. 5'616.--, einen Mietzins von
Fr. 6'960.-- und einen Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf von Fr. 19'610.--
sowie als anrechenbare Einnahmen ein Sparguthaben von Fr. 9'763.-- und ein
hypothetisches Vermögen von Fr. 300'264.--, was abzüglich des Freibetrags von
Fr. 37'500.-- ein anrechenbares Vermögen von Fr. 272'527.-- ergab, wovon sie einen
Zehntel, also Fr. 27'252.--, als Einnahme anrechnete, eine Altersrente der AHV von
Fr. 26'376.-- und einen hypothetischen Ertrag von Fr. 90.--. Bei anerkannten Ausgaben
von Fr. 32'186.-- und anrechenbaren Einnahmen von Fr. 53'718.-- betrug der
Einnahmenüberschuss Fr. 21'532.--. Eine Berechnung nach den neuen Bestimmungen
war nicht vorgenommen worden. Zur Begründung gab die EL-Durchführungsstelle an,
aufgrund des Einnahmenüberschusses verzichte sie derzeit auf eine abschliessende
Prüfung des Vermögensverzehrs von 2010 bis 2015. Sie behalte sich vor, bei einer
Einsprache oder einer neuen Anmeldung weitere Abklärungen vorzunehmen. Während
des Aufenthalts in C._ habe er ab 1. Dezember 2015 bis 31. Dezember 2019
zusätzlich zur Altersrente der AHV ein Vermögen von Fr. 310'264.-- verbraucht. Dieses
Geld sei für einen Hauskauf, der nie stattgefunden habe, und für die
Lebenshaltungskosten im Ausland verwendet worden. Die Korruption in C._ sei
durchaus bekannt, weshalb es sich um einen fahrlässigen Vermögensverbrauch
handle. Dieser Verbrauch werde per 31. Dezember 2019 als Vermögensverzicht
gewertet. Gemäss dem Feststellungsblatt (EL-act. 22) nahm die EL-
Durchführungsstelle beim Mietzins von Fr. 600.-- einen Abzug für TV von Fr. 20.-- vor.
Das hypothetische Vermögen von Fr. 310'264.-- berechnete sie wie folgt:
Fr. 320'028.-- (Zahlung vom 9. November 2015 ins Ausland) abzüglich Fr. 9'763.74
(Kontostand per 31. Dezember 2019).
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Der Versicherte erhob am 23. Dezember 2020 (Posteingang: 29. Dezember 2020)
eine als "Rekurs" bezeichnete Einsprache gegen die Verfügung "datiert mit
28. Dezember 2020" (EL-act. 16). Er beantragte sinngemäss, dass ihm kein
hypothetisches Vermögen anzurechnen sei. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, die EL-Durchführungsstelle unterstelle ihm, dass er in fünf
Jahren Fr. 310'264.-- durch Selbstverschulden verjubelt, aus purer Lust an Kriminelle in
C._ verloren habe. Sie unterstelle ihm auch, dass er in C._ fahrlässig sein
Vermögen verbraucht habe. Er habe vielleicht etwas naiv, aber sicher nicht fahrlässig
gehandelt. Er habe sich immer über Anwälte "abgesichert". Die Darstellung, dass das
Geld für einen Hauskauf verwendet worden sei, der nie stattgefunden habe, sei falsch.
Er habe die EL-Durchführungsstelle informiert, dass das Haus vertraglich gekauft, mit
Notar bestätigt und bezahlt, aber nicht in seinen Besitz übergeben worden sei. Davon
gebe es drei Bundesordner Gerichtsakten, die wegen des laufenden
Gerichtsverfahrens jedoch in C._ seien. Er habe einer Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle "davon" einen USB (gemeint wohl: USB-Stick) übergeben wollen.
Die Sachbearbeiterin habe diesen wegen der Gefahr von infiszierten Datenträgern
abgelehnt. Er habe sich bei der Schweizer Vertretung im Konsulat in I._ erkundigt
und geglaubt, alles richtig gemacht zu haben. Er habe nachweisbar unverschuldet
Vermögen verloren und Vermögen durch den Lebensunterhalt verzehrt. Hätte er sein
Haus tatsächlich erhalten, hätte er mit der Altersrente der AHV seinen Lebensunterhalt
bestreiten können.
A.d.
Die EL-Durchführungsstelle bestätigte dem Versicherten am 1. Februar 2021 den
Eingang der Einsprache (EL-act. 13). Der Versicherte wandte sich gleichentags mit
einem Schreiben an den Rechtsdienst und machte geltend, er habe nicht freiwillig auf
Vermögen verzichtet, Vermögen verschenkt oder in unverhältnismässiger Weise
anderweitig verbraucht. Der Gegenwert sei ihm mit organisiertem Betrug vorenthalten
worden. Er habe um seine bezahlte Immobilie gekämpft; die Angelegenheit sei am
P._ in Y._ hängig. Dieser könne aber nicht als vorhandener, theoretischer Wert
angerechnet werden. Diese Investition sei eine "100% Abschreibung" (EL-act. 12). Am
8. Februar 2021 leitete der Versicherte eine E-Mail seiner C._'ischen Anwältin weiter
(EL-act. 6). Diese hatte ihn darüber informiert, dass die gerichtliche Anhörung vom
4. Februar 2021 auf den 13. Mai 2021 verschoben worden sei (EL-act. 8). Dieser E-Mail
A.e.
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war eine "Notice" des Q._ vom 18. Januar 2021 angehängt mit folgendem Text (EL-
act. 9): "Take notice that Q._ presides over by [...] will not be sitting from 2nd Feb. to
5th Feb. 2021 [...]". Mit einer weiteren E-Mail vom gleichen Tag reichte er mehrere
Fotos von zwei Häusern auf einer Baustelle, ein Foto einer Webseite zum Projekt R._,
einen Plan der Überbauung mit einer Vielzahl von Häusern, ein auf Englisch verfasstes
Dokument vom 22. November 2016 (vgl. auch act. G 1.1.6) sowie einen nicht
adressierten, nicht unterzeichneten und auf Englisch verfassten Text, datiert auf Januar
2017, betreffend Reklamationen zum Hauskauf ein (EL-act. 5). Das Dokument vom
22. November 2016 umfasste eine Seite; die Unterschriften und die darin erwähnten
Anhänge fehlten. Im Dokument war im Wesentlichen festgehalten worden, dass die
M._ registrierte Eigentümerin einer Parzelle S._ in T._ sei. Als Gegenleistung zum
Erhalt der Summe von G._ 13'000'000.-- bezahlt durch U._ übertrage sie hiermit
der U._ alle ihre Rechte an der V._ als Teil der obenerwähnten Parzelle ("In
consideration oft he sum of G._ THIRTEEN MILLION _ ONLY (G._
13,000,000.00) only paid to us by U._ [...] on or before the execution of these
presents receipt whereof ist hereby acknowledged do hereby transfer unto the said
U._ all our rights, title and interest in V._ excised from the aforesaid parcel of land
together with all improvements if any absolutely"). Der Versicherte gab an, er habe, wie
im letzten Schreiben erwähnt, angeboten, Akten und Bilder betreffend das Haus in
C._ zu überlassen, was von der Sachbearbeiterin abgelehnt worden sei. Die Bilder
zeigten die Aussicht zum "bezahlten" neuen Haus. Das Musterhaus und "sein" Haus
stünden. Bei vier weiteren Häusern sei mit dem Aushub und den Grundmauern
begonnen worden, mittlerweile sei alles wieder überwachsen.
Mit einem Entscheid vom 2. März 2021 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 3). Zur Begründung gab sie an, die angefochtene Verfügung
datiere vom 17. Dezember 2020 (vgl. dazu die Stellungnahme des Fachbereichs, dass
die Verfügung fälschlicherweise auf den 28. Dezember 2020 datiert worden sei, EL-
act. 4), weshalb das bis Ende 2020 gültige Recht anwendbar sei. Der Versicherte habe
selber eingeräumt, dass C._ ein erheblich korruptes Land sei. Demnach hätte es dem
Versicherten von vornherein klar sein müssen, dass er mit dem Kauf des Hauses
erhebliche Risiken eingegangen sei und sogar ein Totalverlust drohe. Er hätte somit
entsprechende Vorkehren vor dem Vertragsabschluss und der Geldübergabe bezüglich
A.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/17
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B.
des Hauses treffen müssen. Dies habe er nicht getan, womit er letztlich einen Verlust
von Fr. 150'000.-- erlitten habe. Entgegen der Ansicht des Versicherten reiche es nicht
aus, dass er der Ansicht gewesen sei, er habe alles richtig gemacht. Entscheidend sei
einzig, mit welchem Risiko er im Zeitpunkt des Eingehens der vertraglichen
Verpflichtungen mit entsprechenden Zahlungen im Zusammenhang mit dem Kauf des
Hauses bei realistischer Betrachtung habe rechnen müssen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Februar 2007, P 12/06). Vorliegend seien die grossen Risiken
auch für einen Laien ohne weiteres erkennbar gewesen. Demnach habe der Versicherte
grobfahrlässig eine hohe Geldsumme von rund Fr. 150'000.-- in den Hauskauf
investiert, obwohl er von Anfang an mit einem Totalverlust habe rechnen müssen. Darin
sei gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30) ein
Vermögensverzicht zu erblicken. Es könne offenbleiben, ob der Versicherte nebst
seiner Altersrente der AHV tatsächlich noch Fr. 150'000.-- für seinen Lebensunterhalt
während des rund fünfjährigen Aufenthalts in C._ verbraucht habe. Selbst bei einem
Vermögensverzicht von lediglich Fr. 150'000.-- sei immer noch kein EL-Anspruch
gegeben. Die angefochtene Verfügung sei im Ergebnis rechtmässig.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 19. April 2021 eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 2. März 2021 erheben (act. G 1).
Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids und die
Zusprache von jährlich mindestens rund Fr. 6'000.-- Ergänzungsleistungen. Ausserdem
beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung
machte sie im Wesentlichen geltend, in dem von der EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zitierten Urteil des Bundesgerichts (sowie in den
darauf Bezug nehmenden Urteilen) sei es um hochriskante Vermögensanlagen
gegangen. Auch in diesem Zusammenhang habe das Bundesgericht indes relativiert,
indem es verdeutlicht habe, dass das Risiko eines Totalverlusts für sich allein
genommen noch keinen Vermögensverzicht darstelle. Entscheidend für die
Risikoabschätzung sei die Wahrscheinlichkeit, mit der sich dieses Szenario
verwirklichen werde. In den zitierten Fällen sei für die Bejahung eines
Vermögensverzichts jeweils ausschlaggebend gewesen, dass von Anfang an mit sehr
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/17
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hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Ausfall habe gerechnet werden müssen, sodass kein
vernünftiger Mensch eine solche Anlage tätigen würde (Urteil des Bundesgerichts vom
15. Juni 2010, 9C_180/2010, E. 6). Ein solcher Fall liege hier nicht vor. Allein der
Umstand, dass C._ im Korruptions-Ranking einen unrühmlichen Platz belege, lasse
nicht im Vornherein erwarten, dass eine Investition in Wohneigentum mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit komplett verloren gehe. Zwar sei wohl damit zu rechnen, dass es
mit einer einmal vertraglich vereinbarten Investition nicht sein Bewenden haben werde,
sondern dass jedes tatsächliche oder auch nur scheinbare Hindernis Zusatzkosten in
Form von Bestechungsgeldern nach sich ziehen werde. Insofern sei die Korruption
selbstredend auch eine Hürde für Investoren, indem sie die Kalkulierbarkeit einer
Investition erschwere. Nichtsdestotrotz sei die Korruption nicht ein zum Vornherein jede
Investition zum Scheitern verurteilender Umstand. Nicht zuletzt da das
Regierungsprogramm als einen der vier zentralen Punkte erschwingliches Wohnen für
die Bevölkerung beinhalte, erlebe das Land (zumindest vor der Corona-Krise)
nachgerade einen Bauboom, derart, dass zum Beispiel die W._ günstige
Geschäftschancen für X._ Unternehmen der Immobilienbranche sähen. Damit könne
nicht gesagt werden, dass der Beschwerdeführer seine Investition grobfahrlässig mit
quasi sicherer Verlustaussicht getätigt habe. Dies umso weniger, als sein Haus sogar
gebaut worden sei. Wenngleich eher nicht damit zu rechnen sei, dass er es in
absehbarer Zeit auch werde beziehen können, sei das Projekt keinesfalls von Anfang
an zum Scheitern verurteilt und die Investition des Beschwerdeführers daher auch nicht
von Anfang an verloren gewesen (sie sei es, zufolge Rechtshängigkeit des Streits in
C._ an sich noch nicht einmal jetzt). Die Investition könne daher nicht als
Vermögensverzicht berücksichtigt werden. Das übrige Vermögen habe der
Beschwerdeführer während fünf Jahren zur Lebenshaltung verbraucht. Selbst
ausgehend von einem Höchstbetrag verbleibenden Vermögens von Fr. 150'000.--
bedeute dies einen Vermögensverzehr von jährlich Fr. 30'000.-- bzw. monatlich
Fr. 2'500.--. Ein Einkommen von Fr. 26'160.-- sei auch in C._ ungenügend. Zu
berücksichtigen sei, dass der Beschwerdeführer verheiratet und Vater einer jungen
Tochter sei. Auch unter Berücksichtigung der tieferen Lebenshaltungskosten in C._
sei das Einkommen ungenügend und der Vermögensverzehr somit statthaft. Dem
Beschwerdeführer sei somit kein Vermögensverzicht anzurechnen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/17
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Considerations:
Erwägungen
1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Aus
gaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG in der bis
31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung, aELG). Die anerkannten Ausgaben sind
in Art. 10 aELG geregelt, die anrechenbaren Einnahmen in Art. 11 aELG. Da eine
erstmalige Leistungszusprache strittig ist, muss – anders als insbesondere in einem
Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) – die gesamte Anspruchsberechnung
auf ihre Rechtmässigkeit geprüft werden, um dem Untersuchungsgrundsatz und dem
Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen Rechnung zu tragen.
2.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Mai 2021 unter Verweis auf die
Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Am 14. Juni 2021 liess der Beschwerdeführer Unterlagen zum Gesuch um die
unentgeltliche Rechtspflege einreichen (act. G 9). Der Beschwerdeführer hatte in einem
Schreiben vom 21. Mai 2021 an seine Rechtsvertreterin erwähnt, dass er die Woche
davor eine Videoanhörung mit dem Gericht in Y._ gehabt habe. Beim nächsten
Gerichtstermin am 19. Oktober (gemeint wohl: 19. Oktober 2021) müsse er persönlich
anwesend sein. Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen bewilligte am 18. Juni 2021 das Gesuch um die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren (act. G 10).
B.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (vgl. act. g 11).B.d.
Bei Altersrentnern wird ein Zehntel des Reinvermögens, soweit es bei
alleinstehenden Personen Fr. 37'500.-- übersteigt, als Einnahme angerechnet (Art. 11
Abs. 1 lit. c aELG). Angerechnet werden auch Vermögenswerte, auf die verzichtet
worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG). Ein Verzicht auf Vermögenswerte liegt vor, wenn
ein EL-Ansprecher ohne rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung
auf Vermögen verzichtet (BGE 146 V 308, E. 2.3.1; BGE 140 V 270, E. 2.2). Die Anlage
eines Vermögens ist trotz eines bestehenden Verlustrisikos grundsätzlich kein
Vermögensverzicht. Anders zu entscheiden ist, wenn unter den konkreten Umständen
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/17
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von Anfang an mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit dem Verlust des gesamten
oder eines grossen Teils des Vermögens gerechnet werden musste, sodass kein
vernünftiger Mensch eine solche Anlage getätigt hätte. Entscheidend für die
Risikoabschätzung ist die allein im Zeitpunkt der Investition zu beurteilende
Wahrscheinlichkeit, mit der sich das Szenario eines Totalverlustes verwirklicht (Urteile
des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2018, 9C_28/2018, E. 3.1, vom 15. Juni 2010,
9C_180/2010, E. 5 und 6, und vom 5. März 2012, 9C_904/2011, E. 4.1).
Die Beschwerdegegnerin ist im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2. März
2021 davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer mit dem Kauf des Hauses in
C._ einen Verlust von Fr. 150'000.-- erlitten hat. Sie hat die Anrechnung dieses
Betrags als hypothetisches Vermögen als rechtmässig erachtet. Belegt ist, dass sich
der Beschwerdeführer am 9. November 2015 Fr. 320'028.-- (inklusive Gebühren von
Fr. 28.--) auf ein ausländisches Konto hat überweisen lassen (EL-act. 26-4). Er hat
angegeben, dass ihm am gleichen Tag bei der K._ G._ 29'128'000.--
gutgeschrieben worden seien. Bankbelege betreffend diese Gutschrift fehlen. Damit ist
nicht erstellt, zu welchem Umrechnungskurs dem Beschwerdeführer die Überweisung
gutgeschrieben worden ist, was wiederum für eine allfällige Umrechnung von
Ausgaben betreffend den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Hauskauf in
C._ relevant sein kann. Der Beschwerdeführer hat vorgebracht, dass er das Geld für
einen Hauskauf und für den Lebensunterhalt in C._ verbraucht habe. Er hat erklärt,
dass er das Haus vertraglich gekauft, mit Notar bestätigt und bezahlt habe, dieses aber
nicht in seinen Besitz übergeben worden sei. Wegen der vielen Baumängel sei es
unbewohnbar und ausserdem sei es gar nicht überschreibbar. Der vorgelegte "TITTLE"
sei gefälscht gewesen. Er habe bei einem Gericht in Y._ eine Klage auf Rückzahlung
gegen die Eigentümer erhoben. Als Beweismittel betreffend den Hauskauf hat der
Beschwerdeführer ein einseitiges, unvollständiges Dokument vom 22. November 2016,
mehrere Fotos von zwei Häusern auf einer Baustelle, eine (wohl von ihm erstellte)
Aufstellung betreffend die Hauskosten von G._ 16'015'867.-- sowie Korrespondenz
mit seiner C._'ischen Anwältin betreffend einen (verschobenen) Gerichtstermin beim
Q._ eingereicht. Ein unterzeichneter Kaufvertrag sowie ein Nachweis betreffend die
Bezahlung des Hauses (z.B. ein Bankkontoauszug der K._) im Betrag von G._
13'000'000.-- bzw. G._ 13'099'000.-- fehlen. Ebenso fehlt ein Nachweis betreffend
die Bezahlung der geltend gemachten zusätzlichen Investitionen in das Haus im Betrag
von G._ 2'916'867.--. Das Dokument vom 22. November 2016, von welchem sowohl
die Unterschriften als auch die Anhänge fehlen, stellt lediglich ein Indiz dafür dar, dass
der Beschwerdeführer der M._ tatsächlich G._ 13'000'000.-- bezahlt hat. Damit
steht nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/17
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fest, dass der Beschwerdeführer in C._ ein Haus gekauft und dass er dieses bezahlt
hat. Auch die Korrespondenz mit der C._'ischen Anwältin betreffend den Termin
einer gerichtlichen Anhörung stellt lediglich ein Indiz dafür dar, dass der
Beschwerdeführer gegen die Eigentümer (gemeint wohl: Verkäufer) eine Klage auf
Rückzahlung eingereicht hat. Was der Streitgegenstand dieses Verfahrens ist, ist nicht
belegt. Sachdienliche Unterlagen, welche die Sachverhaltsdarstellung des
Beschwerdeführers belegen würden, fehlen also. Das Dokument vom 22. November
2016 weist gar – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers, das Grundstück
sei nicht in seinen Besitz übergegangen – darauf hin, dass das Eigentum am
Grundstück übertragen worden ist, denn darin wird der Vollzug der
Eigentumsübertragung an einem Grundstück von der M._ an die U._, hinter
welcher der Beschwerdeführer stehen dürfte, festgehalten. Welche Anforderungen
nach C._'ischem Recht für eine Eigentumsübertragung an einem Grundstück erfüllt
sein müssen, ist nicht bekannt, weshalb allein aus diesem Dokument nicht auf eine
tatsächliche Eigentumsübertragung geschlossen werden kann. Der Beschwerdeführer
hat im Weiteren geltend gemacht, er sei betrogen worden; der vorgelegte "TITTLE" sei
gefälscht gewesen. Ob er damit das Dokument vom 22. November 2016 gemeint hat,
ist unklar. Er hat in diesem Zusammenhang angegeben, dass er vom Landoffice in I._
die Auskunft erhalten habe, dass diese Parzelle niemals auf einen anderen Eigentümer
überschrieben werden könne. Aber auch diese Angabe des Beschwerdeführers ist
nicht belegt. Nach dem Gesagten steht weder fest, dass der Beschwerdeführer in
C._ ein Haus gekauft und bezahlt hat, noch dass er einen allfällig bezahlten Kaufpreis
ohne Erhalt eines Gegenwerts verloren hat. Der Beschwerdeführer hat jedoch
ausgeführt, dass er drei Bundesordner mit Akten betreffend den Hauskauf habe, dass
diese aber in C._ seien. Damit besteht die Möglichkeit, dass Unterlagen existieren,
welche die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers überzeugend zu belegen
vermögen. Indem die Beschwerdegegnerin ohne eine umfassende
Sachverhaltsabklärung davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführer mit dem
Kauf des Hauses in C._ einen Verlust von Fr. 150'000.-- erlitten hat, hat sie den
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) und die Beweismassregel, wonach der
massgebliche Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich bewiesen sein muss, verletzt.
Die Sache ist deshalb zur umfassenden Sachverhaltsabklärung betreffend den
Hauskauf in C._ und das dort hängige Gerichtsverfahren an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das Versicherungsgericht weist in diesem Zusammenhang auf
folgendes hin: Sollte auch nach den weiteren Sachverhaltsabklärungen (unter der –
nötigenfalls gestützt auf den Art. 43 Abs. 3 ATSG abgemahnten – Mitwirkung des
Beschwerdeführers) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststehen, dass der
Beschwerdeführer bei einem Hauskauf in C._ einen Verlust erlitten hat, würde also
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der Nachweis für die Ursache der Vermögensverminderung definitiv fehlen, so läge
kein Anwendungsfall des Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG vor, da keine Verzichtshandlung
hätte nachgewiesen werden können. Es würde jedoch auch nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad feststehen, dass der Beschwerdeführer tatsächlich über
weniger Vermögen verfügen würde, da auch keine Vermögensveräusserung hätte
nachgewiesen werden können. Demnach hätte die materielle Beweislastverteilung zum
Nachteil des Beschwerdeführers zur Folge, dass von einem nach wie vor effektiv
vorhandenen Vermögen und nicht von einem hypothetischen Verzichtsvermögen
auszugehen wäre (vgl. Ralph Jöhl/Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV,
Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 1681 ff., N 178; vgl. auch Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Dezember 2020, EL 2018/55,
E. 2.11, m.w.H.). Art. 17a Abs. 1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (in der hier massgebenden, bis
31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung), laut dem der anzurechnende Betrag
von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um Fr. 10'000.--
vermindert wird, fände dann keine Anwendung.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Anrechnung von Fr. 150'000.-- als hypothetisches Vermögen als rechtmässig erachtet.
Ihre Begründung überzeugt jedoch nicht. Sofern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
belegt werden kann, dass der Beschwerdeführer den Betrag von G._ 16'015'867.--
ganz oder teilweise verloren hat (vgl. E. 2.2), ist für die Anrechnung eines
hypothetischen Vermögens praxisgemäss nämlich massgebend, ob unter den
konkreten Umständen von Anfang an mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit dem
Verlust des gesamten oder eines grossen Teils des Vermögens hat gerechnet werden
müssen, sodass kein vernünftiger Mensch eine solche Anlage getätigt hätte.
Entscheidend für die Risikoabschätzung ist die im Zeitpunkt der Investition zu
beurteilende Wahrscheinlichkeit, mit der sich das Szenario eines Totalverlustes
verwirklichen wird (vgl. E. 2.1). Die Rechtsvertreterin hat zu Recht geltend gemacht,
aufgrund des Umstands, dass in C._ Korruption verbreitet sei, müsse bei einem
Hauskauf nicht von vornherein mit einem Totalverlust gerechnet werden. Korruption
bedeutet nämlich nur, dass zusätzlich zum Kaufpreis unter Umständen
Bestechungsgelder bezahlt werden müssen. Dies verteuert zwar einen Hauskauf,
verunmöglicht einen solchen aber nicht, weshalb nicht per se mit einem ganzen oder
teilweisen Verlust des Kaufpreises zu rechnen ist. Relevant wäre deshalb, ob der
Beschwerdeführer vor dem Hauskauf Abklärungen getätigt hat, welche eine
Beurteilung des Risikos eines ganzen oder teilweisen Verlustes erlaubt hat oder ob er
2.3.
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"blindlings" eine so hohe Summe ausgegeben hat. Er hat diesbezüglich angegeben,
dass er sich anwaltlich "abgesichert" habe und dass er sich bei der Schweizer
Vertretung im Konsulat in Mombasa erkundigt habe. Nähere Ausführungen zum Inhalt
dieser Abklärungen sowie Belege dazu fehlen. Auch diesbezüglich müssten also
gegebenenfalls weitere Sachverhaltsabklärungen durchgeführt werden.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, dass er das ins Ausland überwiesene
Vermögen von Fr. 320'000.-- auch für den Lebensunterhalt in C._ verbraucht habe;
die Altersrente der AHV von Fr. 26'160.-- jährlich sei auch in C._ ungenügend. Die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid offengelassen, ob der
Beschwerdeführer nebst seiner AHV-Altersrente tatsächlich noch Fr. 150'000.-- für
seinen Lebensunterhalt in C._ verbraucht habe, da selbst bei einem
Vermögensverzicht von lediglich Fr. 150'000.-- (wegen des Hauskaufs) kein EL-
Anspruch gegeben sei. Da der Sachverhalt betreffend den Hauskauf aber nicht
umfassend abgeklärt worden ist, es also noch nicht feststeht, ob dem
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem geltend gemachten Hauskauf ein
effektiv vorhandenes, ein hypothetisches oder kein Vermögen anzurechnen ist, ist auch
zu prüfen, ob der Beschwerdeführer das restliche Vermögen für den Lebensunterhalt
verbraucht hat. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer am 16. November
2020 um eine Aufstellung (inklusive Nachweise/Quittungen) über aussergewöhnliche
Auslagen der Jahre 2010, 2012 und 2014 bis 2019, also auch betreffend den Zeitraum,
in dem der Beschwerdeführer in C._ gelebt hat, gebeten. Der Beschwerdeführer hat
eine Aufstellung mit grösseren Ausgaben eingereicht, ohne diese jedoch zu belegen. Er
hat zwar zwei Quittungen betreffend die Zahlung von Mietzinsen eingereicht, diese sind
aber nicht unterzeichnet. Zur Prüfung, ob der Beschwerdeführer das restliche
Vermögen für den Lebensunterhalt verbraucht hat, hätte die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer zudem nicht nur auffordern müssen, grössere Ausgaben zu belegen,
sondern sämtliche Ausgaben in C._ detailliert, beispielsweise durch
Bankkontoauszüge, nachzuweisen. Der Beschwerdeführer hat vorgebracht, dass
Beträge bis G._ 100'000.--, auch der Hauszins, per Telefon bezahlt worden seien. Als
Nachweise für diese Zahlungen müssten deshalb entsprechende Telefonabrechnungen
vorhanden sein. Auch grössere Ausgaben wie ein Autokauf, der Kauf eines Flugtickets
oder ein Anwaltshonorar müssten vom Beschwerdeführer durch einen Kaufvertrag,
einen Buchungsbeleg oder eine Honorarrechnung belegt werden können. Der
Sachverhalt ist somit auch in Bezug auf den Vermögensverzehr für den
Lebensunterhalt in C._ ungenügend abgeklärt worden. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers hat ausserdem vorgebracht, dass der Beschwerdeführer
verheiratet und Vater einer (im Jahr 201_) geborenen Tochter sei. Ob er während der
2.4.
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3.
Als Einnahmen werden hypothetische Einkünfte aus Vermögen, auf welches verzichtet
worden ist, angerechnet (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG). Die Beschwerdegegnerin hat
einen hypothetischen Ertrag (Ertrag aus Vermögensverzicht) ab 1. September 2020 von
Fr. 124.-- und ab 1. Januar 2021 von Fr. 90.-- berücksichtigt. Ob und gegebenenfalls
wie hoch ein Ertrag aus einem hypothetischen Vermögen ist, kann erst ermittelt
werden, wenn die Höhe eines anzurechnenden hypothetischen Vermögens feststeht.
4.
Zeit, als er in C._ gelebt hat, seine Ehefrau und seine Tochter finanziell unterstützt
hat, ist ebenfalls nicht abgeklärt worden. Damit ist entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass der Beschwerdeführer rund die Hälfte des ins Ausland überwiesenen
Vermögens verschwendet hätte. Die Sache ist deshalb auch zu weiteren Abklärungen
betreffend den Verbrauch des Vermögens während des Aufenthalts in C._ an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Als Ausgaben werden der Mietzins einer Wohnung und die damit
zusammenhängenden Nebenkosten anerkannt; der jährliche Höchstbetrag beträgt bei
alleinstehenden Personen Fr. 13'200.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 aELG).
4.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung einen Mietzins von
Fr. 6'960.-- berücksichtigt. Sie hat vom Mietzins von Fr. 600.-- monatlich (vgl. den
Mietvertrag, EL-act. 37) pauschal Fr. 20.-- für Radio- und TV-Gebühren in Abzug
gebracht (vgl. das Feststellungsblatt, EL-act. 22). Aus dem Mietvertrag ist ersichtlich,
dass die Nebenkosten die Kosten für den Radio- und TV-Anschluss umfassen; der
Betrag ist aber nicht beziffert worden. Korrekt ist, die Radio- und TV-Gebühren von den
Wohnnebenkosten abzuziehen, denn ein Kabelanschluss deckt nicht das existentielle
Wohnbedürfnis, sondern die kulturellen Bedürfnisse eines Mieters ab. Die dafür
anfallenden Kosten stellen deshalb EL-rechtlich keine Wohnnebenkosten dar, sondern
sind vom Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf zu decken (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. März 2019, EL 2018/8, E. 3.2,
m.w.H.; Jöhl/Usinger-Egger, a.a.O., N 72 Fn 285). Die Beschwerdegegnerin hätte
jedoch den exakten Betrag abklären müssen, statt pauschal Fr. 20.-- in Abzug zu
bringen. Die Sache ist deshalb zur Abklärung der effektiven Höhe der Gebühren für den
Radio- und TV-Anschluss an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Parkplatzkosten von Fr. 120.-- monatlich hat die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht
4.2.
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5.
In Bezug auf die weiteren Berechnungspositionen ergeben sich keine Hinweise darauf,
dass die angerechneten Beträge falsch sein könnten.
6.
Die Sache ist zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (vgl. Art. 61 lit. f ATSG). Gemäss Art. 61 lit. g
ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235,
E. 6.1). Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote eingereicht. In
einem durchschnittlich aufwendigen Fall betreffend Ergänzungsleistungen spricht das
Versicherungsgericht eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der
erforderliche Vertretungsaufwand ist als leicht unterdurchschnittlich zu qualifizieren, da
der Aktenumfang gering gewesen ist, sich die Beschwerde ausschliesslich gegen die
Anrechnung eines hypothetischen Vermögens gerichtet hat und nur ein
Schriftenwechsel erfolgt ist. Eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- erscheint
deshalb als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer daher
als Mietkosten berücksichtigt. Die Kosten für einen gemieteten Parkplatz stellen EL-
rechtlich keine Wohnkosten dar, da die Nutzung eines Parkplatzes nicht direkt aus dem
Wohnbedürfnis resultiert. Der in der Anspruchsberechnung zu berücksichtigende
Mietzins dient nämlich nur der Deckung des existentiellen Wohnbedürfnisses (Jöhl/
Usinger-Egger, a.a.O., N 63 und 72). Die Kosten für die Miete eines Parkplatzes sind
deshalb aus dem Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf zu decken.
bis
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mit pauschal Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.