Decision ID: 814f3001-06bd-4bd5-8342-1e9ecea9532d
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Entscheid Versicherungsgericht, 14.02.2007 Art. 3 Abs. 1 lit. a ELG: Entgegen der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist die Wirkung einer EL-Verfügung nicht auf das Kalenderjahr beschränkt, auf welches sich die Verfügung bezieht. (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. Februar 2007, EL 2006/31). Art. 17 Abs. 2 ATSG, Art. 25 ELV: Der Gegenstand des Revisionsverfahrens ist beschränkt auf die Beantwortung der Frage, welche Auswirkung die nachträgliche Sachverhaltsveränderung auf die laufende Leistung hat. Im Rahmen des Revisionsverfahrens ist es deshalb nicht möglich, von der nachträglichen Änderung nicht betroffene Sachverhaltselemente darauf zu prüfen, ob sie richtig ermittelt und bei der ursprünglichen Leistungszusprache korrekt gewürdigt worden sind Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_94/2007.
Vizepräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug,
Versicherungsrichter Franz Schlauri ; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 14. Februar 2007
In Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV

Considerations:
hat das Versicherungsgericht in Erwägung gezogen:
I.
A.- M._ meldete sich am 21. Oktober 2002 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Altersrente an. Er gab u.a. an, er habe am 2. Mai 2001 eine Kapitalauszahlung seiner
Pensionskasse im Betrag von Fr. 112'210.25 erhalten. Gemäss einem Kontoauszug per
31. Oktober 2002 belief sich das Sparvermögen des Versicherten noch auf Fr.
47'506.10. Die EL-Durchführungsstelle ermittelte ein hypothetisches Vermögen von Fr.
96'794.-, indem sie die Kapitalauszahlung von Fr. 112'210.- um den Kaufpreis eines
vom Versicherten angeschafften Rollers von Fr. 5240.- und um weitere belegte Kosten
von Fr. 10'176.- reduzierte. Sie übersah, dass von der Kapitalauszahlung (und dem
davor vorhandenen Sparvermögen) noch Fr. 47'543.- vorhanden waren, so dass
eigentlich nur die Differenz als hypothetisches Vermögen hätte angerechnet werden
dürfen. Deshalb rechnete sie nicht nur den vollen von ihr ermittelten Betrag des
hypothetischen Vermögens von Fr. 96'794.-, sondern auch das effektiv vorhandene
Sparvermögen von Fr. 47'543.- an. Hinzu kamen die Erträge aus den beiden
Vermögenssummen. Da ein Einnahmenüberschuss resultierte, wies die EL-
Durchführungsstelle das Leistungsgesuch am 4. März 2003 ab.
B.- Am 12. August 2003 meldete sich der Versicherte erneut an. Die EL-
Durchführungsstelle forderte die AHV-Zweigstelle auf, die Vermögensreduktion von Fr.
112'210.25 auf die nun noch angegebenen Fr. 21'036.- abzuklären und entsprechende
Belege einzuverlangen. Der Versicherte reichte daraufhin die Auszüge aus seinem
Bankkonto für die Jahre 2001 bis 2003 ein. Am 20. Oktober 2003 führte er dazu aus,
nach der Kapitalauszahlung durch die Pensionskasse habe er zur Bestreitung seines
Lebensunterhalts monatlich Geld abheben müssen. Ausserdem habe er einen
Nachholbedarf in bezug auf Kleider gehabt. Er habe das Bedürfnis nach sozialem
Kontakt und er gehe gerne zum Essen ins Restaurant. Im Frühjahr 2002 sei eine
Bypassoperation vorgenommen worden. Da er nicht sicher gewesen sei, dass er diese
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Operation überleben werde, habe er sich vorher verschiedene Anschaffungen sowie
Ferien geleistet. Er habe aber keine luxuriösen Anschaffungen gemacht. Am 20.
November 2003 reichte der Versicherte eine Abrechnung der X._ über die Prämien
und die Krankheitskosten der Jahre 2002 und 2003 ein. Er führte aus, er könne keine
Belege für die Kosten seiner Ferien beibringen, denn er sei einfach mit dem Roller in
der Schweiz umhergereist, ohne je daran zu denken, dass er später Rechenschaft
würde ablegen müssen. Die EL-Durchführungsstelle nahm eine neue Berechnung des
hypothetischen Vermögens vor. Sie reduzierte das ausbezahlte Kapital um den
Anschaffungspreis des Rollers, um die bereits früher akzeptierten
Lebenshaltungskosten und um die Krankheitskosten und Krankenkassenprämien.
Daraus resultierte ein hypothetisches Vermögen von Fr. 88'684.90. Die EL-
Durchführungsstelle berücksichtigte weiterhin zusätzlich das effektiv vorhandene
Sparvermögen. Da nach wie vor ein Einnahmenüberschuss resultierte, wies sie am 27.
November 2003 auch das zweite Leistungsgesuch ab.
C.- Der Versicherte erhob am 22. Dezember 2003 Einsprache gegen diese Verfügung.
Zur Begründung seines Antrages auf Ausrichtung einer Ergänzungsleistung führte er
aus, er habe in den vergangenen Jahren relativ viel Geld verbraucht. Er habe das Geld
aber nicht sinnlos verjubelt oder verschenkt, sondern kontinuierlich für seinen
Lebensunterhalt und für die Bezahlung der laufenden Rechnungen verbraucht. Da er
vorher mit einem bescheidenen Lohn habe leben müssen, habe er in verschiedenen
Bereichen einen Nachholbedarf gehabt. Die Altersrente von Fr. 1829.- habe bei weitem
nicht ausgereicht, um seinen Lebensbedarf zu decken. Die Herzerkrankung habe ihn in
eine schwere Lebenskrise gestürzt. Deshalb habe er das Leben noch geniessen wollen.
Die EL-Durchführungsstelle gab dem Versicherten Gelegenheit, die Verwendung des
gemäss den Kontoauszügen in bar abgehobenen Geldes nachzuweisen. Daraufhin
reichte der Versicherte Kopien aus seinem Postquittungsbüchlein ein, die aber nur die
Bezahlung der laufenden Kosten wie Miete, Krankenkassenprämien etc. auswiesen.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 22. März 2004 ab. Sie führte aus,
die Kontoauszüge für den Zeitraum 1. Januar 2001 bis 14. Oktober 2003 belegten
nicht, dass die Geldhingabe im Austausch gegen eine adäquate Gegenleistung erfolgt
sei. Für 2001 sei ein Vermögensverbrauch von Fr. 6185.25 belegt. Werde dieser Betrag
vom Stand des Kontos nach der Kapitalauszahlung, also von Fr. 124'815.- abgezogen,
ergebe sich ein Vermögen von Fr. 118'630.-. Der effektive Kontostand habe aber nur
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Fr. 95'666.- betragen. Die Differenz zwischen diesen beiden Beträgen von Fr. 22'964.-
sei als Vermögensverzicht zu betrachten. Für 2002 belaufe sich der nachgewiesene
Vermögensverbrauch auf Fr. 12'254.65. Dazu komme eine Amortisation des
hypothetischen Vermögens um Fr. 10'000.-. Da der effektive Kontostand nur Fr.
40'505.- betragen habe, sei die Differenz von Fr. 55'870.- als hypothetisches Vermögen
anzurechnen. Bei einem nachgewiesenen Vermögensverbrauch von Fr. 2273.- für 2003
und einer nochmaligen Amortisation des hypothetischen Vermögens um Fr. 10'000.-
belaufe sich das massgebende hypothetische Vermögen auf Fr. 68'136.-. Auch eine
Anspruchsberechnung unter Berücksichtigung dieses Betrages ergebe einen
Einnahmenüberschuss. Dieser Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
D.- Bereits am 20. April 2004 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug einer
Ergänzungsleistung an. Die EL-Durchführungsstelle übernahm die Angaben im
Anmeldeformular. Sie berücksichtigte das hypothetische Vermögen gemäss dem
Einspracheentscheid, allerdings amortisiert um weitere Fr. 10'000.-. Es resultierte ein
geringer Einnahmenüberschuss, weshalb die EL-Durchführungsstelle auch dieses
Leistungsgesuch abwies.
E.- Die AHV-Zweigstelle teilte der EL-Durchführungsstelle am 17. Juni 2004 u.a. mit,
gemäss den Kontoauszügen per 31. Mai 2004 sei kein Sparvermögen mehr vorhanden.
Sie warf die Frage auf, ob eine erneute Berechnung mit den veränderten
Voraussetzungen möglich sei. Die EL-Durchführungsstelle interpretierte diese Frage als
Neuanmeldung, auf die sie eintrat. Sie nahm eine Anspruchsberechnung vor, bei der
sie zwar kein Sparvermögen mehr, aber immer noch ein hypothetisches Vermögen von
Fr. 58'136.- berücksichtigte. Trotz des Fehlens eines Sparvermögens wurde weiterhin
ein Vermögensertrag angerechnet, der nicht aus dem hypothetischen Vermögen
abgeleitet war. Die Anspruchsberechnung lieferte erstmals einen Ausgabenüberschuss,
der einem monatlichen EL-Anspruch von Fr. 222.- entsprach. Mit einer Verfügung vom
15. Juli 2004 richtete die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten rückwirkend ab 1.
Juni 2004 eine Ergänzungsleistung in dieser Höhe aus. Die Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Am 1. Januar 2005 erhöhte sich die laufende
Ergänzungsleistung auf Fr. 234.- monatlich. Verändert hatten sich die gesetzliche
Pauschale für die Krankenkassenprämien, das hypothetische Vermögen (Amortisation
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um die gesetzliche Pauschale von Fr. 10'000.-), der Ertrag aus dem hypothetischen
Vermögen und die Altersrente. Nach wie vor erschien ein nicht mit dem hypothetischen
Vermögen im Zusammenhang stehender Vermögensertrag in der
Anspruchsberechnung. Die Anpassungsverfügung erging am 29. Dezember 2004. Auch
sie erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Die EL-Durchführungsstelle nahm per 1.
Januar 2006 verschiedene Veränderungen vor. Sie erhöhte die gesetzliche Pauschale
für die Krankenkassenprämien und sie reduzierte das hypothetische Vermögen um den
gesetzlich vorgesehenen Betrag von Fr. 10'000.-, so dass der Vermögensverzehr und
der Ertrag aus dem hypothetischen Vermögen entsprechend tiefer ausfielen. Ab 1.
Januar 2006 richtete sie eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 273.- aus, ohne
diese Anpassung aber formell zu verfügen. Am 9. Januar 2006 erliess sie dann doch
eine entsprechende Anpassungsverfügung per 1. Januar 2006.
F.- Der Versicherte erhob am 7. Februar 2006 Einsprache gegen diese Verfügung. Er
machte sinngemäss geltend, er habe nie auf Vermögen verzichtet. Deshalb dürften
weder ein entsprechender Vermögensverzehr noch hypothetische Zinserträge
angerechnet werden. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 8. Mai 2006
ab. Sie führte aus, die Ergänzungsleistung sei zwar eine auf ein Kalenderjahr bezogene
Leistung, so dass die Anrechnung eines hypothetischen Vermögens und eines aus dem
hypothetischen Vermögen zu erzielenden Ertrages erneut geprüft werden müsse. Weil
der Versicherte aber nichts geltend mache, dass die im rechtskräftigen
Einspracheentscheid vom 22. März 2004 beurteilte Anrechnung eines hypothetischen
Vermögens in Frage stellen könnte, bleibe es bei der Anrechnung eines hypothetischen
Vermögens von Fr. 38'136.- und eines hypothetischen Vermögensertrages von Fr.
191.-.
G.- Der Versicherte erhob am 1. Juni 2006 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Er machte geltend, massgebend bei der Beantwortung der
Frage, ob er auf Vermögen verzichtet habe, seien nicht hypothetische Lebenskosten,
sondern die wirklichen Lebenskosten, auch wenn er nicht für alle Ausgaben Quittungen
beibringen könne. Er habe weder Ausgaben getätigt, ohne eine adäquate
Gegenleistung zu erhalten, noch habe er Schenkungen vorgenommen, denn er habe
keine Verwandten, mit denen er Kontakt pflege. Deshalb könne man auch nicht
annehmen, dass er Geld auf die hohe Kante gelegt habe. Er könne keine weiteren
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Belege beibringen, da es sich hauptsächlich um Restaurantbesuche gehandelt habe
und wer sammle schon die Kassenzettel in den Wirtschaften. Beweisrechtlich müsse
es einen Spielraum geben, der es dem Richter gestatte, auf Beweisschwierigkeiten des
Leistungsansprechers Rücksicht zu nehmen. Es komme der
Wahrscheinlichkeitsbeweis zur Anwendung.
H.- Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 14. Juno 2006 die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte geltend, der Versicherte habe nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachweisen können, dass keine Vermögenshingabe ohne rechtliche
Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung erfolgt sei. Der Tatbestand des
Vermögensverzichts müsse deshalb bejaht werden.
I.- Der Versicherte machte am 28. Juni 2006 insbesondere geltend, der erforderliche
Beweisgrad sei erreicht, wenn die Wahrscheinlichkeit des Nicht-Verzichts die
Wahrscheinlichkeit des Verzichts überwiege. In BGE 115 V 356 habe das
Eidgenössische Versicherungsgericht genügen lassen, dass Bankauszüge einen
portionenweisen Verbrauch durch kleinere und grössere Barbeträge belegt hätten. Mit
den von der EL-Durchführungsstelle angenommenen Beweisanforderungen würde die
Verwirklichung des EL-Anspruchs gemäss BGE 121 V 210 in unzulässiger Weise
erschwert.
J.- Die EL-Durchführungsstelle hielt am 10. Juli 2006 an ihrem Abweisungsantrag fest.
II.
1.- a) Die Beschwerdegegnerin ist unter Verweis auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung (vgl. BGE 128 V 39 ff.) davon ausgegangen, dass die Wirkung jeder
leistungszusprechenden, aber auch jeder anpassenden (Art. 17 Abs. 2 ATSG) EL-
Verfügung auf das Kalenderjahr beschränkt sei, auf das sie sich bezieht. Daraus hat die
Beschwerdegegnerin abgeleitet, dass die bereits mit der leistungszusprechenden
Verfügung vom 15. Juli 2004 angeordnete Anrechnung eines hypothetischen
Vermögens samt einem hypothetischen Vermögensertrag auch in einem gegen die
Verfügung vom 9. Januar 2006 gerichteten Rechtsmittelverfahren wieder vollumfänglich
zum Gegenstand der Auseinandersetzung gemacht werden könne, weil die Wirkung
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der Verfügung vom 15. Juli 2004 am 31. Dezember 2004 und diejenige der Verfügung
vom 29. Dezember 2004 am 31. Dezember 2005 geendet habe. Würde die Wirkung
einer EL-Verfügung tatsächlich mit dem Ablauf des Kalenderjahres, auf das sich diese
Verfügung bezieht, enden, so wäre jeweils auf den Beginn des folgenden
Kalenderjahres ohne jede Bindung an die das Vorjahr betreffenden Verfügungen zu
prüfen, wie hoch der EL-Anspruch ist. Der EL-Bezüger könnte demnach die für
vorausgegangene Kalenderjahre rechtskräftig beantwortete Frage (beispielsweise ob
ein hypothetisches Vermögen anzurechnen sei) jeweils auf das neue Kalenderjahr
wieder zum Gegenstand einer Auseinandersetzung bis hin zur gerichtlichen Beurteilung
machen. Denn wenn die Wirkung einer EL-Verfügung mit dem Ablauf des
Kalenderjahres enden würde, müsste auch die Wirkung eines EL-Urteils mit dem Ende
des Kalenderjahres aufhören, auf das sich dieses Urteil bezogen hat. Mit dem Ende der
Wirkung der EL-Verfügung oder des EL-Urteils per 31. Dezember bliebe nämlich keine
irgendwie geartete "Bindungswirkung" bestehen, die keine schrankenlose
Neubeurteilung des EL-Anspruchs auf den 1. Januar des folgenden Jahres zulassen
würde. Auch die EL-Durchführungsstelle könnte also jeweils auf den 1. Januar ein und
dieselbe, für vergangene Kalenderjahre rechtskräftig beantwortete Frage abweichend
beantworten, und zwar selbst dann, wenn das Versicherungsgericht diese Frage für
frühere Kalenderjahre beurteilt hätte. Demnach könnte das Versicherungsgericht
sowohl vom EL-Bezüger als auch von der EL-Durchführungsstelle immer wieder
gezwungen werden, ein und dieselbe Frage erneut zu beantworten. Im vorliegenden
Fall wäre die Frage, ob der Beschwerdeführer mit dem Verzehr der Kapitalauszahlung
seiner Pensionskasse gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG auf Vermögen verzichtet habe,
völlig frei zu beantworten, obwohl diese Frage bereits mit den rechtskräftigen
Verfügungen vom 15. Juli und vom 29. Dezember 2004, allerdings nur für die Jahre
2004 und 2005, beantwortet worden ist. Der Beschwerdeführer könnte diese Frage,
auch später immer wieder zum Gegenstand einer gerichtlichen Beurteilung machen,
denn das vorliegende Urteil würde nur für das Jahr 2006 Wirkung entfalten. Erst die
endgültige Amortisation (Art. 17a Abs. 1 ELV) des hypothetischen Vermögens würde
dem ein Ende setzen.
b) Dies zeigt, dass das von der höchstrichterlichen Praxis vertretene
"Kalenderjahrkonzept" verfahrensökonomisch unhaltbar und für die EL-Bezüger und für
die Verwaltung mit einer unerträglichen Rechtsunsicherheit behaftet ist. Mit der
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Möglichkeit (aber auch der Pflicht), ein und dieselbe Frage immer wieder zu
beantworten, wäre zudem die Gefahr widersprüchlicher Verfügungen oder Entscheide
verbunden. Die Rechtsunsicherheit stünde in einem krassen Widerspruch zum
Bedürfnis des Bezügers nach einer festen Grundlage, ohne die eine Ausrichtung der
Lebensführung auf eine den Existenzbedarf deckende Ergänzungsleistung gar nicht
möglich ist. Die mit dem "Kalenderjahrkonzept" verbundenen gravierenden Nachteile
würden nicht durch irgendwelche Vorteile kompensiert. Verfahrensrechtlich ist das
"Kalenderjahrkonzept" offensichtlich unnötig, denn die bestehenden Instrumente zur
Korrektur ursprünglich unrichtiger oder nachträglich unrichtig gewordener Verfügungen
(prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG, Wiedererwägung gemäss Art. 53
Abs. 2 ATSG, Anpassung gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG) reichen – wie bei den anderen
Dauerleistungen der Sozialversicherung – völlig aus, um die Ausrichtung korrekter
Ergänzungsleistungen sicherzustellen. Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist nicht
nur überflüssig, sondern auch weder mit dem Gesetzeswortlaut noch der
Entstehungsgeschichte, der systematischen Einordnung oder dem Sinn und Zweck der
entsprechenden Gesetzesbestimmungen in Übereinstimmung zu bringen, wie in der
Literatur überzeugend nachgewiesen worden ist (vgl. SBVR Bd. XIV Soziale Sicherheit,
Ulrich Meyer [Hrsg.], 2.A., Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, S. 1655 ff.). Daraus folgt,
dass die Verfügung vom 9. Januar 2006 bzw. der angefochtene Einspracheentscheid
nicht den Charakter eine erstmaligen Leistungszusprache, sondern denjenigen einer
Anpassungsverfügung gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG hat.
2.- a) Gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG ist eine formell rechtskräftige Dauerleistung zu
erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der ihr zugrunde liegende
Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Diese Revision (im Folgenden zur
klaren Abgrenzung von der prozessualen Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG als
Anpassung bezeichnet) setzt den Erlass einer neuen Leistungsverfügung voraus. Diese
neue Leistungsverfügung ersetzt die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung
(eventuell eine vorausgegangene Anpassungsverfügung), d.h. rein formal betrachtet
stützt sich die Ausrichtung der angepassten Leistung ausschliesslich auf die
Anpassungsverfügung. Das anpassungsweise Ersetzen der ursprünglichen
leistungszusprechenden Verfügung beinhaltet aber, anders als bei der prozessualen
Revision oder bei der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG), keinen Widerruf dieser
ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung. Vielmehr wird diese frühere
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leistungszusprechende Verfügung nur für die Zukunft durch die Anpassungsverfügung
abgelöst. Im Gegensatz zur revisions- oder wiedererwägungsweise widerrufenen bleibt
die anpassungsweise abgelöste ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung als
Grundlage der bis zur Anpassung ausgerichteten Leistungen bestehen. Diese
Charakteristik des Anpassungsverfahrens hat zur Folge, dass sich der Verfahrensinhalt
bzw. –gegenstand grundlegend von demjenigen eines prozessualen
Revisionsverfahrens oder eines Wiedererwägungsverfahrens unterscheidet. Weil der
dort als Voraussetzung des Erlasses einer korrigierten Verfügung notwendige Widerruf
der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung fehlt, kann das
Anpassungsverfahren keine Überprüfung des gesamten Leistungsanspruchs ab initio
beinhalten. Es muss sich notwendigerweise auf die Ermittlung und Würdigung der
nachträglichen Sachverhaltsveränderung beschränken. Andernfalls würde das
Anpassungsverfahren nämlich auf eine – mangels Widerruf der früheren Verfügung
nicht zu rechtfertigende – umfassende Neuprüfung des Leistungsanspruchs
hinauslaufen, d.h. es würde nicht nur die nachträgliche Sachverhaltsveränderung,
sondern der Sachverhalt insgesamt geprüft oder gewürdigt. Das Anpassungsverfahren
muss auf die Beantwortung der Frage beschränkt sein, welche Auswirkungen die
nachträgliche Sachverhaltsveränderung auf die laufende Leistung hat. Ist also
beispielsweise der Mietzins angestiegen, so kann im Verfahren zur Anpassung der
laufenden Ergänzungsleistung nicht auch noch die Frage geprüft werden, ob es richtig
war, in der ursprünglichen EL-Zusprache eine Diätkostenpauschale zu berücksichtigen.
Ergäben die zusätzlichen Abklärungen zu dieser Frage nämlich, dass dem EL-Bezüger
gar nie diätbedingte Mehrkosten entstanden wären, könnte in der
Anpassungsverfügung gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG nicht mit Wirkung für die
Zukunft sowohl der Erhöhung des Mietzinses als auch dem Fehlen von diätbedingten
Mehrkosten Rechnung getragen werden. In bezug auf die Diätmehrkosten würde eine
derartige Verfügung nämlich zwingend den Widerruf der in diesem Punkt als unrichtig
erkannten ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung und damit eine Korrektur
ex tunc voraussetzen. Das Anpassungsverfahren nach Art. 17 Abs. 2 ATSG kann also
nie mehr als die Frage nach den Auswirkungen der nachträglichen
Sachverhaltsveränderung auf die laufende Leistung beantworten. Ausserhalb dieser
Frage liegende Punkte dürfen, auch wenn sie die ursprüngliche leistungszusprechende
Verfügung als offensichtlich unrichtig erscheinen lassen, nicht in die
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Anpassungsverfügung einfliessen, denn sie können definitionsgemäss nicht
Gegenstand eines Anpassungsverfahrens bilden. Ihre Berücksichtigung im Rahmen
eines Anpassungsverfahrens würde nicht nur dem eindeutigen Wortlaut des Art. 17
Abs. 2 ATSG, sondern auch dem Sinn und Zweck dieser Gesetzesbestimmung
widersprechen. An der Beschränkung des Anpassungsverfahrens auf die Würdigung
der nachträglichen Sachverhaltsveränderung kann auch die Ablösung der früheren
leistungszusprechenden Verfügung durch die Anpassungsverfügung und die damit
verbundene Notwendigkeit, im Dispositiv der Anpassungsverfügung nicht nur die
Leistungsveränderung, sondern die gesamte (angepasste) Leistung zu definieren,
nichts ändern.
b) Mit der Verfügung vom 9. Januar 2006 und auch mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin der Veränderung der pauschalen
Krankenkassenprämie und der pauschalen Amortisation des hypothetischen
Vermögens, d.h. der entsprechenden Verminderung des Vermögensverzehrs und des
hypothetischen Vermögensertrages Rechnung getragen. Das Ausmass der Erhöhung
der pauschalen Krankenkassenprämie ist vom Beschwerdeführer nicht gerügt worden.
Es entspricht den gesetzlichen Vorgaben und ist deshalb korrekt. Die zweite
Sachverhaltsveränderung betrifft die bereits am 15. Juli 2004 verfügte Anrechnung
eines hypothetischen Vermögens in der Form eines hypothetischen
Vermögensverzehrs und eines hypothetischen Vermögensertrages. Die Gutheissung
des Begehrens des Beschwerdeführers, ganz auf die Anrechnung eines hypothetischen
Vermögens zu verzichten, würde auf eine im Rahmen des Anpassungsverfahrens
gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG erfolgende Verneinung eines Vermögensverzichts und
damit auf einen Widerruf der Verfügung vom 15. Juli 2004 hinauslaufen, was
verfahrensrechtlich nicht zulässig sein kann. (Eine Wiedererwägung - oder auch eine
prozessuale Revision - müsste gesondert nach den dafür geltenden Bedingungen
erfolgen.) Ein Anpassungsverfahren muss beschränkt sein auf die Prüfung der
Auswirkung der nachträglichen Sachverhaltsveränderung auf die betroffene
Einnahmen- oder Ausgabenposition in der bisherigen Höhe. Im vorliegenden Fall ist
also gestützt auf die Verfügung vom 15. Juli 2004 zwingend davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer durch den Verzehr der Kapitalauszahlung seiner Pensionskasse
auf Vermögen verzichtet hat, so dass ab 1. Januar 2003 von einem hypothetischen
Vermögen von Fr. 68'136.- auszugehen gewesen ist, das per 1. Januar 2005 erstmals
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um Fr. 10'000.- auf Fr. Fr. 48'136.- reduziert worden ist. Die Frage, ob die Anrechnung
dieses hypothetischen Vermögens richtig ist, kann nicht aufgeworfen und damit auch
nicht beantwortet werden.
c) Gemäss Art. 17a Abs. 1 ELV ist der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten,
auf die verzichtet worden ist, um jährlich Fr. 10'000.- zu reduzieren. Diese seit dem 1.
Januar 1990 bestehende Bestimmung (vgl. ZAK 1990 S. 432) bezweckt, den Gedanken
des Verzehrs des Vermögens zur Deckung des Existenzbedarfs (Art. 3c Abs. 1 lit. c
ELG) auf das hypothetische Vermögen auszudehnen. Aus dem Sinn und Zweck der
Anrechnung eines Vermögens, auf das verzichtet worden ist, folgt nämlich nicht, dass
das hypothetische Vermögen nicht verzehrbar wäre, denn dann wäre die Anrechnung
eines entsprechenden Vermögensverzehrs als hypothetische Einnahme nicht zu
rechtfertigen. Ist ein hypothetisches Vermögen hypothetisch verzehrbar, dann muss
auch eine durch diesen Verzehr bewirkte Vermögensreduktion fingiert werden. Das
hypothetische Vermögen muss also im Zeitablauf sinken, wie es auch das effektiv
vorhandene Vermögen tut, wenn es effektiv verzehrt wird. Da ein hypothetisches
Vermögen natürlich nicht real verzehrt werden kann, muss auch das Ausmass des
Verzehrs und damit der Reduktion fingiert werden. Dabei bietet sich als erstes eine
Bemessung nach dem Ausmass des jeweiligen vorjährigen Vermögensverzehrs, soweit
er sich aus dem hypothetischen Vermögen ergibt, an. Damit würde aber unterstellt,
dass ein hohes Vermögen einen (in absoluten Zahlen) höheren Vermögensverzehr nahe
lege als ein bescheidenes Vermögen. Die Realität zeigt aber, dass effektiv vorhandene
Vermögen nicht entsprechend ihrer Höhe, sondern entsprechend dem subjektiven
Bedarf des EL-Bezügers verbraucht werden. Deshalb rechtfertigt es sich auch beim
hypothetischen Vermögen, nach dem subjektiven Bedarf und nicht nach dem
Vermögensbetrag zu amortisieren. Da sich der subjektive Bedarf nicht objektiv
bemessen lässt, muss eine Pauschalierung erfolgen. Die vom Verordnungsgeber
gewählte Lösung trägt somit dem Sinn und Zweck des Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG
vollumfänglich Rechnung (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Urs Müller, Bundesgesetz über die Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, 2. A., Rz 401). Art. 17a Abs. 1 ELV ist im vorliegenden Fall korrekt angewendet
worden. Der Beginn der Amortisation ist nicht zu prüfen, da dies im Rahmen der
Bemessung des hypothetischen Vermögens durch die Verfügung vom 15. Juli 2004
bestimmt worden ist und somit nicht Gegenstand des Anpassungsverfahrens bilden
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kann. In bezug auf die Höhe der ab 1. Januar 2006 angerechneten hypothetischen
Einnahmen aus dem Verzehr des hypothetischen Vermögens, Fr. 1413.- statt bis 31.
Dezember 2005 Fr. 2413.-, erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als
korrekt.
d) Einkünfte aus beweglichem oder unbeweglichem Vermögen sind als Einnahmen
anzurechnen (Art. 3c Abs. 1 lit. b ELG). Hätte der Beschwerdeführer nicht auf das ihm
ausbezahlte Kapital verzichtet, könnte er daraus Einkünfte erzielen. Demnach
beinhaltet der Verzicht auf das Vermögen auch einen Verzicht auf den daraus
erzielbaren Ertrag. Diesbezüglich liegt also ebenfalls ein Verzicht gemäss Art. 3c Abs. 1
lit. g ELG vor, so dass ein hypothetischer Vermögensertrag als Einnahme anzurechnen
ist. Da nicht anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer das ihm ausbezahlte Kapital,
hätte er nicht darauf verzichtet, besonders vorteilhaft hätte anlegen können, muss der
hypothetisch erzielbare Ertrag pauschaliert werden. Praxisgemäss ist dabei auf den
Durchschnittszins für die Spareinlagen aller Banken im Vorjahr abzustellen (vgl. Urs
Müller, a.a.O., Rz 344). Dieser Durchschnittszins hat 2005 0,5% betragen (vgl. Rz
2091.1 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über die
Ergänzungsleistungen, WEL). Die Anrechnung eines hypothetischen Zinsertrages von
Fr. 191.- erweist sich als korrekt. Die Beschwerdegegnerin hat nicht nur diesen
hypothetischen Zins, sondern noch einen weiteren Zinsertrag von Fr. 126.-
angerechnet. Da der Beschwerdeführer nicht mehr über Vermögen verfügt, ist die
Anrechnung dieses Zinsertrages an sich rechtswidrig. Diese Einnahmenposition beruht
aber auf der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 15. Juli 2004, d.h.
sie bildet nicht Gegenstand des Anpassungsverfahrens per 1. Januar 2006, so dass sie
auch nicht zum Streitgegenstand gehört. Das Gericht kann deshalb diesbezüglich
keine Korrektur der Anspruchsberechnung und damit des EL-Anspruchs ab 1. Januar
2006 vornehmen. Der Beschwerdeführer hätte diesen Fehler in einem gegen die
Verfügung vom 15. Juli 2004 gerichteten Rechtsmittel rügen müssen.
3.- Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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