Decision ID: 4b91c18c-6ddd-4766-ade8-51f30d82a1f6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1979 geborene
X._
(damals
noch
Z._
), wel
che eine
Anlehre
als Gärtnerin absolviert und eine Hauswirtschaftliche Fachschule sowie einen Pflegehelferinnenkurs besucht hatte und in diesen Bereichen tätig gewesen war (vgl. Urk. 6/19 = Urk. 11/5/19), meldete sich unter Hinweis auf eine Bulimie und Alkoholabhäng
igkeit am 6. Mai 2010 (Eingangs
datum) bei der
So
zialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, I
V-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an
(Urk. 6/3 = Urk. 11/5/3). Am 9. Juni 2010 wurde die Versicherte von der Vormundschaftsbehörde
Y._
verbeiständet (Urk. 6/13 = Urk. 11/5/13). Mit Verfügung vom 24. Oktober 2011 (Urk. 6/46 f. und Urk. 6/49 = Urk. 11/5/46 f. und Urk. 11/5/49) sprach die IV-Stelle der Versicherten eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab 1. November 2010 zu und bestätigte die ganze Rente
mit Mit
teilung vom 8. Oktober 2012 (Urk. 6/61 = Urk. 11/5/61) anlässlich eines am 20. Juli 2012 eingeleiteten ordentlichen Rentenrevisionsverfahrens (vgl. Urk. 6/58/4 = Urk. 11/5/58/4).
1.2
Mit Urteil vom 14. November 2012 wurde die Versicherte geschieden (Urk. 6/65 =
Urk. 11/5/65). Am 26. Juli 2013 heiratete sie erneut und änderte ihren Namen von
Z._
in
X._
(Urk. 6/77 = Urk. 11/5/77). Mit Entscheid vom 12. November 2013 hob die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(KESB)
des Bezir
kes
A._
die Beistandschaft der Vers
icherten nach
aArt
. 394 ZGB wie
der auf (Urk. 6/78 = Urk. 11/5/78).
Im
Dezember 2013 gebar die Versicherte ihr erstes (Urk. 6/79 = Urk. 11/5/79) und
im
Februar 2015 ihr zweites Kind (Urk. 6/84 = Urk. 11/5/84).
1.3
Daraufhin
eröffnete die IV-Stelle
am 4. März 2015 vorzeitig
ein ordentliches Rentenrevisionsver
fahren (Urk. 6/85 = Urk. 11/5/85). Sie holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) der Versicherten (Urk. 6/91 = Urk. 11/5/91) sowie einen aktuellen Arztbericht von Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. September 2015 (Urk. 6/102 = Urk. 11/5/102) ein und veranlass
te eine Haushaltsabklärung, wel
che am 22. Januar 2016 bei der Versicherten zu Hause durchgeführt wurde und eine Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt von 18.4 % ergab (Urk. 6/107 = Urk. 11/5/107). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 11. April 2016 [Urk. 6/110 = Urk. 11/5/110]; Einwand vom 20. April 2016 [Urk. 6/112 = Urk. 11/5/112] bzw. 25. Mai 2016 [Urk. 6/115 = Urk. 11/5/115]) setzte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente mit Verfügung vom 6. Juni 2016 auf Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung herab; einer allfälligen dagegen gerichteten
Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Urk. 2 [= Urk. 6/118 bzw. Urk. 11/5/118]). Die Rentenherabsetzung begründete die IV-Stelle im Wesentlichen damit, dass die Versicherte als Mutter zweier (bald dreier) Kinder neben der Kinderbetreuung lediglich noch einer ausserhäuslichen Erwerbstätig
keit mit einem Pensum von 50 % nachgehen würde. In Anwendung der gemischten Methode resultiere noch ein Invaliditätsgrad von 59 %.
1.4
Im
September 2016 gebar die Versicherte ihr drittes Kind (Urk. 11/5/130), woraufhin die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. September 2016 per 1. September 2016 eine weitere Kinderrente zusprach, wobei die Kinderrenten wegen Überversicherung gekürzt wurden (Urk. 11/2 = Urk. 11/5/133).
2.
2.1
Gegen die am 6. Juni 2016 verfügte Rentenherabs
etzung (Urk. 2) erhob die Versi
cherte mit Eingabe vom 6. Juli 2016 Beschwerde (Prozess Nr. IV.2016.00786) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe
ben, und es sei ihr weiterhin eine ganze Rente, mindestens jedoch eine
Drei
viertelsrente
, auszurichten; eventuell sei die Sache – unter Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine ganze Rente – zwecks weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen (Urk. 1). Mit Beschwerdeant
wort vom 2. September 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheis
sung der Beschwerde im Sinne einer Rüc
kweisung zu weiteren Abklä
rungen, insbesondere zur Klärung des aktu
ellen psychischen Gesundheitszu
standes (Urk. 5). Am 22. September 2016 nahm die Beschwerdeführerin zur
Beschwer
deantwort
Stellung und beantragte sinngemäss, es sei aufgrund der vorliegen
den Akten zu entscheiden; die Sache s
ei nicht zur Klärung des aktuel
len psy
chischen Gesundheitszustandes an
die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen (Urk. 10).
2.2
Gegen die Verfügung vom 28. September 2016 (Urk. 11/2) erhob die Versicherte mit Eingabe vom 21. Oktober 2016 Beschwerde
(Prozess Nr. IV.2016.01163)
und beantragte, diese sei aufzu
heben, und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich
ten, mit Wirkung ab 1. September 2016 für die drei Kinder der Beschwerdefüh
rerin eine Kinderrente zur ganzen Rente, mindestens zu einer
Dreiviertelsrente
, auszurichten; eventuell sei die Sache zwecks weiterer Abklärungen a
n die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (Urk. 1 im Verfahren IV.2016.01163 = Urk. 11/1). Mit Beschwerdeantwort vom 28. November 2016 beantragte die Beschwerd
egegnerin die teilweise Gutheis
sung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zu weiteren Abklärungen (Urk. 11/4) unter Verweis auf die Ver
nehmlassung vom 2. September 2016 (vgl. vorstehende Ziff. 2.1).
2.3
Mit Verfügung vom 1. Dezember 2016 wurde
der Prozess Nr. IV.2016.01163 (Ziff. 2.2) mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2016.00786 (Ziff. 2.1) vereinigt und unter dieser Prozessnummer weitergeführt. Der Prozess Nr. IV.2016.01163 wurde als dadurch erledigt abgeschrieben. Ferner wurden der Beschwerdeführe
rin die Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 28. November 2016 (Urk. 11/4) und der Beschwerdegegnerin das Doppel der Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 22. September 2016 (Urk. 10) zugestellt.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und sei
ner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass
fremdanam
nestische
Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung
und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
6.
Juni 2016 (
Urk.
2), die Beschwerdeführerin sei im Februar 2015 zum zweiten Mal Mutter geworden, womit sich die Verhältnisse verändert hätten und weshalb eine Revision eingeleitet worden sei. In der Zwischenzeit erwarte die Beschwer
deführerin ihr drittes Kind. Anlässlich der im Revisionsverfahren durchgeführ
ten Haushaltsabklärung habe sich eine Aufteilung
Erwerbsbe
reich
/Haushaltsbereich von je 50
%
ergeben. In Anwendung der gemischten Methode resultiere
neu ein Invaliditätsgrad von 59
%, womit die bisherige ganze Rente auf eine halbe Rente herabzusetzen sei. Im Zuge dieser
Rentenher
absetzung
wurden auch die Kinderrenten herabgesetzt (
Urk.
2) bzw. wurde für das dritte Kind von Anfang an eine Kinderrente zur halben IV-Rente der Beschw
erdeführerin zugesprochen (Urk.
11/2).
2.2
.
Die Beschwerdeführerin machte dagegen
i
n erster Linie
geltend
(
Urk.
1 S. 8
und Urk. 11/1 S. 9
)
,
die Renten
herabsetzung verletze
–
gemäss Urteil 7186/09 des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz vom
2.
Februar 2016
–
Art.
14 EMRK (Diskriminierungsver
bot)
und
Art.
8 EMRK (Recht auf Ach
tung des Priv
at- und Familienlebens).
Ihr stünden daher nach wie vor eine ganze Invalidenrente sowie Kinderrenten zur ganzen Stammrente zu. Mit Beschwerdeant
wort vom 2.
September 2016
(Urk. 5) bzw. 28. November 2016 (Urk. 11/4)
beantragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde
n
im Sinne eine
r Rückweisung zu weite
ren Abklä
rungen, insbesondere zur Klärung des aktu
ellen psychischen Gesund
heitszu
standes
der Beschwerdeführerin
.
2.3
In der Stellungnahme vom
2
2.
September 2016
brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor
,
die Beschwerdegegnerin deute
an
, es hätten schon zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses (6. Juni 2016) mehrere Hinweise auf eine zwischenzeitliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes gegeben. Ob eine solche Veränderung eingetreten sei, sei im Rahmen einer ordentlichen Revision durch die Beschwerdegegnerin und nicht im Rahmen einer
Rückwei
sung
durch das Gericht zu prüfen. Die Sache sei daher nicht zurückzuweisen (Urk. 10 S. 3).
3.
In Anbetracht des am
2.
Februar 2016
ergangenen
Urteil
s
7186/09 des Europäi
schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio
gegen die Sch
weiz lässt sich die
am 6. Juni 2016 verfügte
Rentenherabsetzung nicht damit begründen, die Beschwerdeführerin sei nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr als Vollerwerbstätige zu qualifizieren. Eine Rentenherabsetzung liesse sich
aber
mit einer
allfälligen
Verbesserung des Gesundheitszustandes rechtfertigen. Die
ser
lässt sich
aufgrund der medizinischen Aktenlage
jedoch
nicht abschliessend beurteilen. Es liegt lediglich ein
von Hand verfasster
und schlecht leserlicher
Verlaufsbericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
vom 1. September 2015 (Urk. 6/102 = Urk. 6/11/5/102)
bei den Akten
. Darin wurden d
er Beschwerdeführerin ein
unveränderter
Gesundheitszustand
und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attest
iert. Besagter
Verlaufsbericht
erfüllt
die
Anforderungen an eine verlässliche Beurteilungsgrundlage
allerdings
nicht
, insbesondere auch deshalb nicht, da
Dr.
B._
in einem B
ericht vom 29. Oktober 2013
festgehalten haben soll, die Beschwerdeführerin befinde sich in einem guten und stabilen körperlichen sowie psychischen Gesundheitszustand. Die posttraumatisch begründete Disposition zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen werde von der Beschwerdeführerin gut gehandhabt und werde zunehmend auch sekundär-präventiv in der Psychotherapie angegangen (vgl. die Begründung im Entscheid der KESB
A._
vom 12. November 2013 zur Aufhebung der Bei
standschaft [Urk. 6/78]).
Zur Abklärung einer
möglichen
Veränderung des Gesundheitszustandes
seit der
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 24. Oktober 2011
ist die Sache daher zwecks Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere einer psychiatrischen Begutachtung, zurückzuweisen.
Bei Unklarheiten
drängt
es
sich sodann
allenfalls
auf, den Arztbericht von Dr.
B._
vom 29. Oktober 2013 bei der KESB
A._
einzu
fordern
.
Der Einwand der Beschwerdeführerin,
eine
allfällige
Veränderung
des Gesundheitszustandes
sei im Rahmen einer ordentlichen Revision durch die Beschwerdegegnerin und nicht im Rahmen einer Rückweis
ung durch das Gericht zu prüfen,
geht fehl;
das vorliegende Beschwerde
verfahren dient schliesslich der Überprüfung eines bereits eingelei
teten ordentlichen Revisionsverfahrens.
4.
Nach dem Gesagten beruhen
die angefochtene
n
Verfügung
en vom 6. Juni 2016 betreffend Herabsetzung der Stammrente der Beschwerdeführerin (Urk. 2) sowie vom 28. September 2016 betreffend Kinderrente zur Stammrente (Urk. 11/2) auf einem unvollstän
dig abgeklärten me
dizinischen Sachverhalt. Sie sind
deshalb aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme ergänzender medizinischer Abklä
rungen
, insbesondere zur Begutachtung der Beschwerdeführerin,
und anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen.
Da die
Beschwerdegegnerin die Rückweisung zu verantworten hat, ist der Beschw
er
deführerin für die Dauer des Verwaltungsv
erfahrens bis zu einem Neuentscheid die bisherige ganze Invalidenrente weiterhin auszurichten. Die Kinderrenten, für deren Entstehung die Geburten der drei Kinder massgebend sind, sind ebenfalls bis zu einem Neuentscheid als Kinderrenten zu einer ganzen Invalidenrente aus
zurichten.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzusetzen und, da die
Rückwei
sung
an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG).
5.2
Der Beschwerdeführerin ist eine Parteientschädigung
(für die Verfahren Prozess Nr. IV.2016.01163 und Prozess Nr. IV.2016.00786)
zuzusprechen, welche in der Höhe von
Fr.
4‘000
.-- als angemessen erscheint.