Decision ID: 4a33b905-5d6a-576d-8a2c-423ba6aa68ad
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Schreiben vom 3. Februar 2011 (Eingangsstempel der schweizeri-
schen Botschaft für Sudan und Eritrea in Khartum) suchte der Beschwer-
deführer um Asyl in der Schweiz nach.
B.
Die Schweizer Botschaft in Khartum (nachfolgend: Botschaft) übermittelte
dem BFM am 14. Februar 2011 das vorgenannte Asylgesuch.
C.
Mit Schreiben vom 6. Juni 2011 teilte das BFM dem Beschwerdeführer
unter anderem mit, gemäss Mitteilung der Botschaft vom 23. März 2010
sei sie aufgrund des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender Vor-
aussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht
mehr in der Lage, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen.
Gleichzeitig ersuchte das BFM den Beschwerdeführer um schriftliche Be-
antwortung eines Fragenkatalogs zur Vervollständigung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts bis spätestens am 6. Juli 2011.
D.
Mit E-Mail vom 13. November 2011 teilte der Beschwerdeführer der Bot-
schaft mit, dass er C._ worden sei und sich nun in Israel aufhalte.
E.
Das BFM forderte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. Novem-
ber 2011 erneut auf, zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sach-
verhalts eine ergänzende Stellungnahme zu verschiedenen Punkten ein-
zureichen. Am 20. Dezember 2011 reichte der Beschwerdeführer die
Antworten zum Fragenkatalog und verschiedene Beweismittel bei der
Schweizer Botschaft in Tel Aviv ein.
F.
Mit Verfügung vom 19. März 2013 – eröffnet am 8. April 2013 – verwei-
gerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und
lehnte das Asylgesuch aus dem Ausland ab. Zur Begründung führte die
Vorinstanz im Wesentlichen aus, es sei aus den Akten zu schliessen,
dass er ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behör-
den gehabt habe, jedoch in Israel über effektiven Schutz vor einer Rück-
führung verfüge und sich legal in diesem Land aufhalten könne. Damit
verfüge er über die praktische Möglichkeit einer anderweitigen Schutzsu-
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che. Überdies sei es dem Beschwerdeführer auf jeden Fall möglich, in Is-
rael eine menschenwürdige Existenz zu führen, wo für Asylsuchende
auch Arbeitsbewilligungen ausgestellt werden könnten. Insofern erschie-
nen die Assimilationsmöglichkeiten für Eritreer in der Schweiz oder in Is-
rael vergleichbar. Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass er über einen
Anknüpfungspunkt zur Schweiz verfügen würde. Eine Abwägung der Ge-
samtumstände führe nicht zur Annahme, es müsste gerade die Schweiz
sein, die den erforderlichen Schutz gewähren sollte. Sodann sei festzu-
halten, dass der Beschwerdeführer bereits seit über D._ Jahren in
Israel lebe und es keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gebe,
die die vorangegangenen Feststellungen umzustossen vermöchte. Zu-
sammenfassend sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer in Israel
über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge und effektiven Schutz vor Rück-
schiebung geniesse, weshalb sein Einreise- beziehungsweise Asylgesuch
im Rahmen des den Schweizer Asylbehörden zur Verfügung stehenden
Ermessensspielraums abzulehnen sei.
G.
Mit Eingabe vom 8. Mai 2013 erhob der Beschwerdeführer via die
Schweizer Botschaft in Tel Aviv gegen die Verfügung des BFM beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Darin ersuchte er sinngemäss um
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, um Bewilligung der Einreise in
die Schweiz sowie um Gewährung von Asyl. Auf die Begründung der
Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu
den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und
entscheidet in der Regel auf dem Gebiet des Asyls – so auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG,
SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der
Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in
Kraft getreten – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches
aus dem Ausland weggefallen (vgl. BBl 2012 5359). Das vorliegende Ur-
teil – welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum
Gegenstand hat – ergeht demzufolge gestützt auf die Übergangsbestim-
mung zur Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylgesuche,
die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September
2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in
der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. Wird demnach nachfolgend
auf eine dieser Bestimmung oder auf die Asylverordnung 1 verwiesen,
bezieht sich dies stets auf die bisherige Fassung der entsprechenden Be-
stimmungen.
4.
4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer
schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an
das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver-
fahrens bei der Schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1,
SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel
eine Befragung durchführt. Davon kann nur abgewichen werden, wenn
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eine Befragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmäs-
sigen Gründen unmöglich ist, oder wenn der Sachverhalt bereits aufgrund
des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint (vgl.
BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine Befragung im Ausland nicht mög-
lich, ist die asylsuchende Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich
festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine
Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE
2007/30 E. 5.8 S. 368).
4.2 Ebenfalls in den erwähnten dringlichen Änderungen hat der Gesetz-
geber neu Art. 3 Abs. 3 AsylG eingeführt, wonach Personen, die wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge-
setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt
zu werden, keine Flüchtlinge sind. Vorbehalten bleibt das Abkommen vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30).
Bei den am 29. September 2012 hängigen Verfahren stellt sich deshalb
die Frage der intertemporalen Geltung dieser neuen Gesetzesbestim-
mung. Art. 3 Abs. 3 AsylG ist in Beschwerdeverfahren bezüglich Verfü-
gungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Norm am
29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. Hingegen findet die neue
gesetzliche Bestimmung in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu –
seit dem 29. September 2012 vom BFM entschieden wurden bezie-
hungsweise werden (vgl. BVGE 2013/20 E. 3.2).
5.
Das BFM hat die Eingabe vom 3. Februar 2011 zu Recht als Asylgesuch
aus dem Ausland entgegengenommen. Im Weiteren ist vor dem Hinter-
grund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus
dem Ausland und Einreisebewilligung sowie unter Berücksichtigung der
Aktenlage festzustellen, dass in vorliegender Sache auf eine Befragung
des Beschwerdeführers durch die schweizerische Vertretung in Khartum
verzichtet werden durfte und von der Vorinstanz mit der Einladung zur
Stellungnahme vom 6. Juni 2011 beziehungsweise 21. November 2011
den massgeblichen verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan
wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30 E. 5).
6.
6.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz
zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden
kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen ande-
ren Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein
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Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig
ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ih-
rem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer
Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei-
len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen
ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
6.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und
damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin-
weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen
oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü-
hen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG).
6.3 Der Beschwerdeführer macht eine Gefährdung im Sinne von Art. 3
AsylG geltend. Er bringt vor, er habe sein Heimatland Eritrea am {.......}
verlassen, weil er in den Militärdienst hätte einrücken müssen. {.......} und
seither halte er sich in Israel auf, wo er am {.......} als Flüchtling aner-
kannt worden sei.
Das BFM legte dazu in der angefochtenen Verfügung dar, die Ausführun-
gen des Beschwerdeführers in seinem schriftlichen Gesuch vom
3. Februar 2011 sowie die Erläuterungen in seinem Schreiben vom
20. Dezember 2011 liessen darauf schliessen, dass er ernstzunehmende
Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt habe. Bei der an-
schliessenden Prüfung des Asylausschlussgrundes von aArt. 52 Abs. 2
AsylG bejahte die Vorinstanz die Zumutbarkeit eines Verbleibs in Israel.
6.4 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in
Israel den Schutz eines Drittstaates geniessen und ihm zuzumuten ist,
dort zu verbleiben.
6.4.1 Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung
sind grundsätzlich restriktiv umschrieben. Den Asylbehörden kommt da-
bei ein weiter Ermessensspielraum zu. Neben der erforderlichen Gefähr-
dung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund
von aArt. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz
und zu anderen Staaten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch ei-
nen anderen Staat, die praktische und objektive Zumutbarkeit einer an-
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derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und
Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10
E. 3.3, mit weiteren Hinweisen).
6.4.2 Hält sich die asylsuchende Person wie im vorliegenden Verfahren in
einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne der Vermutung davon auszugehen,
sie habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder
könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzu-
muten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu
bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die
Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19
E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des
Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prü-
fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung ge-
funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des
Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In je-
dem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in die-
sem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer
allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwä-
gung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person
zur Schweiz ein wesentliches Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit
weiteren Hinweisen).
6.4.3 Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist hinsichtlich des
Verwandtschaftsgrades nicht auf den eng gefassten Personenkreis des
Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG beschränkt. Auch verwandtschaftli-
che Beziehungen zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die
Abwägung mit einzubeziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass ge-
gebenenfalls auch aus anderen Gründen als aufgrund einer Verwandt-
schaft zu in der Schweiz lebenden Personen eine enge Beziehung zur
Schweiz anzunehmen sein könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa
S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zu-
dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie
die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in
der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Al-
lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezie-
hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylgesu-
ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2 f. S. 131 f.).
Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise
in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin-
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reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine Ab-
schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch
wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt
(vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand,
dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier an-
sässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kri-
terien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist.
6.4.4 Das BFM führte in seiner Verfügung zur Situation des Beschwerde-
führers in Israel insbesondere aus, gemäss gesicherten Erkenntnissen
des Bundesamtes würden eritreische Staatsangehörige im Allgemeinen
wie auch der Beschwerdeführer persönlich den Schutzstatus für Gruppen
geniessen. Solange eritreische Staatsangehörige des subsidiären
Schutzstatus für Gruppen erhielten, werde in Israel kein individuelles
Asylverfahren durchgeführt. Erst nach Aufhebung des Schutzstatus für
Gruppen bestehe die Möglichkeit, beim Innenministerium ein Asylverfah-
ren zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft durchführen zu lassen.
Der effektive Schutz vor einer Rückführung nach Eritrea sei gewährleistet.
Das BFM sei sich bewusst, dass sich die Situation für eritreische Staats-
angehörige mit Schutzstatus für Gruppen in Israel schwieriger darstelle
als für Flüchtlinge in der Schweiz. Doch sei die eritreische Gemeinschaft
in Israel gut untereinander vernetzt und zahlreiche NGOs kümmerten sich
um die Anliegen von Asylsuchenden und Flüchtlingen. Es sei dem Be-
schwerdeführer auf jeden Fall möglich, in Israel eine menschenwürdige
Existenz zu führen, zumal für Asylsuchende auch Arbeitsbewilligungen
ausgestellt würden. Was die Assimilationsmöglichkeiten anbelange,
scheine diese für Eritreer in der Schweiz oder in Israel vergleichbar zu
sein.
6.4.5 Der Beschwerdeführer macht zwar nicht geltend, er fürchte sich vor
einer Ausschaffung nach Eritrea. Jedoch gibt er an, sich vor Verfolgung
zu fürchten. Seit seiner E._ halte er sich in Israel auf, wo er ledig-
lich den Flüchtlingsstatus habe und weder einer Arbeit nachgehen noch
studieren könne.
6.4.6 Was die Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Israel an-
belangt, lässt sich Folgendes festhalten: Bis 2005 gab es jährlich nur eine
sehr geringe Anzahl Asylgesuche. Seither sind die Zahlen aber markant
gestiegen. Im Jahr 2011 sollen knapp 17'000 Personen via Ägypten nach
Israel gelangt sein, davon 96% eritreische und sudanesische Staatsan-
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gehörige. Das Land kennt erst seit 2009 ein nationales Asylverfahren; zu-
vor war das UNHCR für die Gesuche zuständig. Seit der Gründung Isra-
els im Jahr 1948 haben 200 Personen einen Flüchtlingsstatus erhalten;
seit 2005 wurden 30 Personen als Flüchtlinge anerkannt (vgl. SFH-
Länderanalyse Eritrea: Situation eritreischer Flüchtlinge in Israel, vom
13. August 2012 S. 1 f.). Neuankömmlinge werden in Immigrationshaft
genommen. Die Zahl der Haftplätze wird kontinuierlich erhöht (a.a.O.
S. 2). Gemäss UNHCR – verwiesen wird dabei allerdings nicht auf eine
UNHCR-Publikation, sondern auf den Bericht von Human Rights Watch
(HRW): Israel: Amend 'Anti-Infiltration-Law', vom 10. Juni 2012, welcher
diese Auskunft dem UNHCR ohne Quellenangabe zuschreibt – wurden
im Jahr 2011 4603 Asylgesuche geprüft und davon 3692 Gesuche abge-
lehnt; anderen Quellen zufolge wurden von 990 Gesuchen 8 positiv ent-
schieden (a.a.O. S. 3). In den Jahren 2009 und 2010 war ebenfalls eine
sehr geringe Gutheissungsquote zu verzeichnen. Ohnehin hat aber der
grösste Teil der Asylsuchenden keinen Zugang zur Asylprüfung. Personen
aus Eritrea und dem Sudan erhalten zwar Schutz entsprechend dem
Non-Refoulement-Gebot. Die damit verbundene Ausstellung einer "Condi-
tional Release" ohne Arbeitserlaubnis ist jeweils für drei Monate gültig; die
Verlängerung ist oftmals mit langen Wartezeiten und Schikanen der israe-
lischen Behörden verbunden (vgl. a.a.O. S. 3 f.).
Am 10. Januar 2012 verabschiedete das israelische Parlament Ergänzun-
gen zum Prevention of Infiltration Law. In diesem Gesetz werden nun-
mehr alle Ausländer, die illegal einreisen, als "Eindringlinge" bezeichnet.
Das Gesetz erlaubt den israelischen Behörden, Asylsuchende und deren
Kinder bis zu drei Jahren zu inhaftieren. Die Inhaftierten haben keinen
Zugang zu einem Anwalt. Der Inhaftierungsentscheid wird erstmals nach
14 Tagen und in der Folge alle 60 Tage überprüft. Auch ein Asylsuchender
kann wegen "Infiltration" strafrechtlich verfolgt und zu einer mehrjährigen
Gefängnisstrafe verurteilt werden (a.a.O. S. 6 f.).
Gemäss Aussagen der israelischen Regierungsspitze kommen Deportati-
onen von eritreischen Asylsuchenden zwar aktuell nicht in Betracht. Für
deren Unterbringung sollen indes die Kapazitäten im Saharonim-
Gefängnis von Negev vergrössert werden. Überdies äusserte sich ein
anderes Regierungsmitglied in einem Radiointerview zur Situation der
Eritreer; dabei legte es dar, es gehe davon aus, dass deren Deportation
in Zukunft möglich sein werde. Es bekräftigte seine Hoffnung, dass Erit-
reer, die ein Conditional-Release-Dokument hätten, bald aus Tel Aviv und
anderen Städten entfernt und im Haftzentrum von Negev untergebracht
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werden könnten. Generell haben Hetzkampagnen von Knesset-
Abgeordneten und hochrangigen Beamten gegen Afrikaner erheblich zu-
genommen. In der Folge kam es zu schwerwiegenden Übergriffen (a.a.O.
S. 8 ff.; vgl. auch HRW, a.a.O.). Einer neusten Quelle zufolge hat sich die
Situation für eritreische Asylsuchende in Israel offenbar noch verschärft.
Wiederholt sollen Asylsuchende inhaftiert und unter Drohungen zur Aus-
reise genötigt worden sein. Auch Personen, welche schon während Jah-
ren dort lebten, sollen in Haft genommen worden sein (vgl. HRW, Israel:
Detained Asylum Seekers Pressured to Leave, vom 13. März 2013, und
Israel: New Pressure on Asylum Seekers to Leave, vom 23. Juli 2013).
6.4.7 Mit dem BFM – und dem Beschwerdeführer selbst – ist davon aus-
zugehen, dass dieser nicht konkret von einer Ausschaffung nach Eritrea
bedroht ist, da er gemäss den eingereichten Beweismitteln im Besitz ei-
ner "Conditional Release" ist, deren Gültigkeitsdauer verlängerbar ist. In-
soweit muss er zumindest vorläufig nicht mit einer Rückschaffung ins
Heimatland rechnen. Die nicht zufriedenstellende Lebenssituation in Be-
zug auf Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten vermag für sich allein be-
sehen die Unzumutbarkeit der Schutzinanspruchnahme vor Ort nicht zu
begründen. Hingegen besteht gemäss verfügbaren Quellen die reale Ge-
fahr, dass er in Haft genommen, in einem Haftzentrum für längere Zeit
festgehalten und zur Ausreise genötigt wird (vgl. HRW vom 13. März
2013 und 23. Juli 2013, wo von der beabsichtigten Inhaftierung von Tau-
senden von Eritreern die Rede ist). Demzufolge ist es ihm objektiv kaum
zumutbar, weiterhin in Israel zu verbleiben (vgl. zum Ganzen auch
EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.3). Die voraussichtlichen Eingliederungs- und
Assimilationsmöglichkeiten in Israel müssen jedenfalls als marginal be-
zeichnet werden.
6.4.8 Weiter ist zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände gebo-
ten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die dem Beschwerdeführer
den notwendigen Schutz zukommen lassen soll. Bei dieser Abwägung
bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person bezie-
hungsweise Personen zur Schweiz ein zentrales, wenn auch – wie vorne
in E. 6.4.1–6.4.3 ausgeführt – nicht das einzige Kriterium (vgl. EMARK
2004 Nr. 21 E. 4.b.aa). Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerde-
führer keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz hat. Wie vorgängig
angeführt, kann jedoch für eine Ablehnung eines Asylgesuchs nicht allei-
ne die fehlende Beziehungsnähe zur Schweiz ausschlaggebend sein. So
ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der
Drittstaat keine hinreichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren
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bietet und eine Abschiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen er-
scheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur
Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). In casu liegen
sodann durchaus hinreichende Hinweise auf eine relevante Gefährdungs-
lage vor, die eine genügende Grundlage bilden, um seinen Verbleib in Is-
rael als unzumutbar zu qualifizieren. Das BFM hat die Ausschlussklausel
nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG demnach zu Unrecht angewendet.
6.5 Nach dem Gesagten ist dem Beschwerdeführer die Einreise in die
Schweiz zur Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens zu bewilligen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer ist
nicht anwaltlich vertreten und hat auch nicht dargetan – noch ist aus den
Akten ersichtlich –, dass und inwiefern ihm verhältnismässig hohe Kosten
entstanden sind. Aus diesem Grund ist keine Parteientschädigung zuzu-
sprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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