Decision ID: 3a6b7996-24a5-447d-8460-cc5ebe3874aa
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1990 geborene Beigeladene war seit November 2018 bei der B. als
Koch angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin ob-
ligatorisch gegen die Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten versichert. Im Frühjahr 2019 teilte er dieser mit, er sei
am 10. März 2019 in einer Linkskurve mit dem Trottinett auf nassem Boden
ausgerutscht und mit dem linken Knie eingeknickt, als er sich zur Vermei-
dung eines Sturzes mit dem linken Bein abzustützen versucht habe. Dabei
habe er sich am linken Knie verletzt. In der Folge anerkannte die Beschwer-
degegnerin ihre Leistungspflicht für die Folgen des fraglichen Unfalls und
richtete die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aus.
Nach weiteren medizinischen Abklärungen schloss sie den Fall mit Verfü-
gung vom 27. August 2021 ab und stellte ihre Leistungen gestützt auf ein
von ihr eingeholtes Gutachten mangels natürlicher Kausalität des Unfalls
für die noch geklagten Beschwerden per 3. April 2019 ein. Die dagegen am
13. September 2021 von der Beschwerdeführerin, die im Zusammenhang
mit einem vom Versicherten am 12. Oktober 2009 erlittenen Unfall mit links-
seitiger Knieverletzung Leistungen nach UVG erbracht hatte, erhobene
Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 5. Januar 2022 ab.
2.
2.1.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 2. Februar 2022 fristgerecht
Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1. Der Einspracheentscheid der Hotela Versicherungen AG vom 5. Januar 2022 sei aufzuheben und die Hotela Versicherungen AG sei anzuweisen, dem Versicherten die gesetzlichen Leistungen im Nachgang an das  vom 10. März 2019 auch über den 3. April 2019 hinaus zu .
2. Eventualiter sei die Kausalitätsbeurteilung mittels eines  genauer abzuklären."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 11. März 2022 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 15. März 2022 wurde der be-
troffene Versicherte zum Verfahren beigeladen und ihm Gelegenheit zur
Stellungnahme eingeräumt. Dieser liess sich innert Frist nicht vernehmen.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 5. Ja-
nuar 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] A4; vgl. auch die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 27. August 2021 in VB A8) gestützt auf ein von
ihr eingeholtes Gutachten von Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chi-
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, P., vom "22. März"
(sic!; wohl Mai) 2021 (VB B5) im Wesentlichen davon aus, dass zwischen
den gesundheitlichen Beschwerden des Beigeladenen nach dem 3. April
2019 und dem Ereignis vom 10. März 2019 kein natürlicher Kausalzusam-
menhang (mehr) gegeben sei. Eine (weitere) Leistungspflicht ihrerseits
über den 3. April 2019 hinaus bestehe daher nicht. Die Beschwerdeführerin
macht demgegenüber zusammengefasst geltend, auf die gutachterliche
Beurteilung könne nicht abgestellt werden. Vielmehr habe der Unfall vom
10. März 2019 zumindest im Sinne einer Teilursache zu einer richtungge-
benden Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens
geführt. Die Beschwerdegegnerin sei für diese Unfallfolgen auch weiterhin
leistungspflichtig.
Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. März 2019
mit Einspracheentscheid vom 5. Januar 2022 zu Recht per 3. April 2019
eingestellt hat.
2.
2.1.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit
das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-
len sowie Berufskrankheiten gewährt. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die ver-
sicherte Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung der Unfall-
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat
sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wird sie infolge
des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie nach Art. 18 Abs. 1
UVG Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2.
2.2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-
heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein
- 4 -
Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-
dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109
E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
2.2.2.
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl.
(BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs ge-
nügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Die Sozialversicherungsorgane und das Ge-
richt haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen
(BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Der Beweis des natürlichen Kausalzusam-
menhangs ist in erster Linie mittels Angaben medizinischer Fachpersonen
zu führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 21. August 2015
E. 2.2.3.1; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver-
sicherung, 4. Aufl. 2012, S. 55).
2.2.3.
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in
rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-
derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-
kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-
gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (BGE 147 V 161 E. 3.3
S. 163). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusam-
menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbe-
dingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversiche-
rungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänz-
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es
- 5 -
sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die ent-
sprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegrün-
dender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versi-
cherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten
sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für
sämtliche Leistungsarten massgebend. Diese Rechtsprechung beschlägt
dabei einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als dem Unfall-
versicherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt
bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden
Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der
Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrund-
satzes richtig und vollständig zu klären (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9,
8C_354/2007 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.3.
2.3.1.
Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG)
haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-
geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-
deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-
den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1
S. 396). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entschei-
dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlaggebend
für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be-
weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gege-
benen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a
S. 352, 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Be-
zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtli-
nien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352).
2.3.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten externer Spezialärzte darf Beweiswert zuerkannt werden,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
- 6 -
sprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_737/2019 vom 19. Juli 2020
E. 5.1.4 mit Verweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470). Gutachten kommt
somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversicherung überra-
gende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bundesgesetz über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2020, N. 13
zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105).
3.
3.1.
Der Beigeladene leidet seit Jahren an Beschwerden am linken Knie. So
wurde im Jahr 2008 nach VKB-Ruptur erstmals eine VKB-Ersatzplastik vor-
genommen (vgl. die Angaben im Sprechstundenbericht von Dr. med. D.,
Spital Q., vom 16. November 2009 in Beschwerdebeilage [BB] 3/8). Nach
einem Sturz am 12. Oktober 2009 (vgl. die Unfallmeldung vom 29. Oktober
2009 in BB 3/2 ff.) wurden ein frisches Distorsionstrauma des linken Knie-
gelenks mit Re-Ruptur des vorderen Kreuzbandtransplantats links und ei-
ner eingeschlagenen Korbhenkelläsion des medialen Meniskus sowie ein
Status nach VKB-Ersatzplastik links diagnostiziert und am 11. November
2009 eine Meniskussanierung und Entfernung des rupturierten VKB-Trans-
plantats durchgeführt (vgl. den Operationsbericht von Dr. med. D. vom
16. November 2009 in VB B36; siehe ferner den Bericht von Dr. med. E.,
Facharzt für Radiologie, Röntgeninstitut R., vom 20. Oktober 2009 über
eine MRI-Untersuchung des linken Knies gleichen Datums in BB 3/6). Am
12. April 2010 erfolgte eine VBK-Ersatzplastik (vgl. den Operationsbericht
von Dr. med. D. vom 13. April 2010 in VB B35). Die Folgen eines Treppen-
sturzes vom 15. März 2011 mit Kniegelenksdistorsionstrauma wurden kon-
servativ behandelt (vgl. den Austrittsbericht von Dr. med. D. und Assistenz-
arzt Dr. med. F., Spital Q., vom 17. März 2011 in BB 3/101 f. und den
Sprechstundenbericht von Dr. med. D. vom 7. April 2011 in VB 3/103 f.). Im
Frühling 2014 erneut beklagte linksseitige Knieschmerzen führten ebenfalls
nicht zu einem operativen Vorgehen (vgl. den Sprechstundenbericht von
Dr. med. D. vom 22. April 2014 in BB 1/19 f.). Die Beschwerdeführerin an-
erkannte ihr Leistungspflicht für das Ereignis vom 12. Oktober 2009 (vgl.
deren Schreiben an den Beigeladenen vom 15. Januar 2010 in BB 3/20)
und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld).
Letztmals übernahm sie im Juni 2014 Heilbehandlungskosten (vgl.
BB 2/1 f.).
3.2.
Bezüglich des hier in Frage stehenden Ereignisses vom 10. März 2019
ergibt sich aus den Akten zusammengefasst folgender massgebender
Sachverhalt: Gemäss Unfallmeldung vom 25. März 2019 (BB 1/27)
rutschte der Beigeladene am 10. März 2019 in einer Linkskurve mit dem
Trottinett auf nassem Boden aus und knickte mit dem linken Knie ein, als
er sich zur Vermeidung eines Sturzes mit dem linken Bein abzustützen ver-
suchte. In der Folge wurde ein Innenmeniskushinterhorn-Lappenriss links
- 7 -
nach Distorsionstrauma diagnostiziert und am 26. April 2019 eine Arthro-
skopie am linken Knie mit unter anderem einer subtotalen Meniskusresek-
tion medial durchgeführt (vgl. den undatierten Operationsbericht von
Dr. med. G., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Klinik S., in VB B21, sowie den Austrittsbericht von
Dr. med. G. und Stationsarzt pract. med. H., Klinik S., vom 29. April 2019
in VB B20; siehe ferner den Bericht von Dr. med. I., Facharzt für Radiolo-
gie, Röntgeninstitut T., vom 21. März 2019 über eine MRI-Untersuchung
des linken Knies gleichen Datums in VB B25, den Eintrag in der Kranken-
geschichte der Klinik S. vom 3. April 2019 in VB B23). Am 16. September
2019 erfolgte eine weitere Arthroskopie am linken Knie mit unter anderem
einer VKB-Plastik-Resektion (vgl. den undatierten Operationsbericht von
Dr. med. G. in VB B14) und am 17. Februar 2020 eine Re-Arthroskopie mit
vorderer Kreuzbandplastik mit Quadrizepssehnentransplantat sowie eine
Tibiaosteotomie mit Tomofix-Implantat (vgl. den undatierten Operationsbe-
richt von Dr. med. G. in VB B12).
3.3.
Die beratenden Ärzte der Beschwerdeführerin (vgl. die Einschätzung von
Dr. med. J., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 6. Februar 2020 in VB B13) und der Beschwer-
degegnerin (vgl. die Beurteilungen von Dr. med. K., Facharzt für Orthopä-
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom
20. Juni 2019 in VB B18 und vom 20. Februar [VB B11] sowie vom 26. No-
vember 2020 [VB B6]) beurteilten die Frage der Bedeutung des Unfalls vom
10. März 2019 für die ab diesem Zeitpunkt vom Beigeladenen beklagten
Beschwerden und durchgeführten Behandlungen gegensätzlich. Die Be-
schwerdegegnerin veranlasste daher in Absprache mit der Beschwerde-
führerin (vgl. VB A48 f., A47 f, A31 f. und A23) eine Begutachtung des Bei-
geladenen durch Dr. med. C.. Dieser kam im Wesentlichen zum Ergebnis,
dass der Unfall vom 10. März 2019 mit einfacher Distorsion des linken
Knies einzig zu einer vorübergehenden, nicht aber zu einer richtunggeben-
den Verschlimmerung des vorbestehenden Meniskusschadens links ge-
führt habe, wobei "anzunehmen wäre, dass [die] Folgen [dieser Distorsion]
ohne die vorbestehenden Schädigungen spätestens nach vier Wochen ab-
geklungen wären". Der mediale Meniskus sei bereits vor dem Unfall vom
10. März 2019 derart geschädigt gewesen, dass dem Ereignis keine zu-
sätzliche Bedeutung zuzumessen sei (vgl. VB B5, S. 18 ff.).
4.
4.1.
Dr. med. C. führt in seinem nach persönlicher Befragung und Untersuchung
vom 27. April 2021 erstatteten Gutachten aus, es habe am linken Knie des
Beigeladenen eine unfallbedingte Vorschädigung bestanden (VB B5,
S. 18 ff.), was im Wesentlichen – und mit Blick auf die Aktenlage zu Recht
– unumstritten ist. Insbesondere seine Ausführungen den linken medialen
- 8 -
Meniskus betreffend lassen indes als unklar erscheinen, ob Dr. med. C. von
einem aus rechtlicher Sicht zutreffenden Kausalitätsbegriff ausgeht. So ist
dem Gutachten zu entnehmen, dass "der mediale Meniskus bereits vor
dem Ereignis vom 10.03.2019 derart geschädigt" gewesen sei, dass dem
Ereignis nicht die überwiegende Ursache an der Schädigung [...] beige-
messen werden" könne und dass "die Schädigung [...] zu mehr als 50 %
der vorbestehenden, den früheren Ereignissen anzulastenden Schädigung
geschuldet" sei (VB B5, S. 21). Es ist in diesem Zusammenhang daran zu
erinnern, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 10. März 2019 anerkannt hat (vgl. VB A91) und ihre Leistungs-
pflicht folglich erst entfällt, wenn der Gesundheitsschaden nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (Erreichen des status
quo sine vel ante; vgl. vorne E. 2.2.3.). Auf die Frage, ob dies beim Beige-
ladenen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung der Fall gewesen sei, findet
sich im Gutachten von Dr. med. C. keine abschliessende Antwort, denn der
von diesem angeführte Anteil nicht durch den Unfall vom 10. März 2019
bedingter Schädigung von 50 % lässt nicht zweifelsfrei auf den Wegfall jeg-
licher Bedeutung des Unfalls vom 10. März 2019 für die linksseitigen Knie-
beschwerden vier Wochen nach dem fraglichen Ereignis schliessen. Auch
kann daraus – und aus den weiteren Ausführungen von Dr. med. C.
(VB B5, S. 18 ff.) – nicht geschlossen werden, es habe sich beim Ereignis
vom 10. März 2019 um eine blosse Gelegenheitsursache gehandelt. Ins-
besondere lässt der Umstand alleine, dass "der initiale Schaden schick-
salshaft in einem erheblichen Anteil der Fälle zu weiteren Schäden" führe
(VB B5, S. 18), diesen Schluss nicht zu, denn ein Ereignis wirkt rechtspre-
chungsgemäss selbst dann (gegenüber dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen
Unfallversicherer) leistungsbegründend, wenn der betreffende Schaden
auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später eingetreten wäre und
dieses somit lediglich hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts von
Bedeutung war. Eine Gelegenheitsursache darf folglich erst angenommen
werden, wenn ein Ereignis auf einen derart labilen und prekären Vorzu-
stand trifft, dass jederzeit aus eigener Dynamik der pathogenen Schadens-
anlage oder wegen Ansprechens auf einen beliebigen anderen Zufallsan-
lass mit einem Eintritt der Schädigung zu rechnen gewesen wäre, oder
wenn ein alltäglicher alternativer Belastungsfaktor zu annähernd gleicher
Zeit dieselbe Gesundheitsschädigung hätte bewirken können, so dass das
Ereignis als austauschbarer Anlass erscheint und die Leistungspflicht des
obligatorischen Unfallversicherers nicht entsteht (vgl. zum Ganzen statt vie-
ler Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 4).
4.2.
Nach dem Dargelegten kann die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
für die noch über den 3. April 2019 hinaus persistierenden linksseitigen
Kniebeschwerden gestützt auf das Gutachten von Dr. med. C. aktuell nicht
abschliessend beurteilt werden. Es sind gutachterliche Präzisierungen be-
ziehungsweise eine Ergänzung im Sinne obiger Ausführungen notwendig.
- 9 -
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
diese veranlasse und alsdann ihre Leistungspflicht erneut beurteile
(BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f. mit Hinweisen).
5.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, der an-
gefochtene Einspracheentscheid vom 5. Januar 2022 aufzuheben sowie
die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neu-
verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Der Beschwerdegegnerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu.