Decision ID: 1ee93cc5-d709-4bd3-b1f5-f1e4b2e68423
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
meldete sich am 1
0.
Februar 2009
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Züric
h, IV-Stelle, zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung
an (
Urk.
8/3-4). Die IV-Stelle traf darauf
hin medizinische und erwerbliche Abklärungen und verneinte
– unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 20
%
–
mit Verfügung vom 2
3.
April 2010
einen Rentenanspruch (
Urk.
8/51).
Am 1
6.
Februar 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/54-56). Mit Vorbescheid
vom
1.
März 2012 stellte die Verwaltung
–
mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit Erlass der letzten Verfügung
–
das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht
(
Urk.
8/62). In der Folge erhob
X._
, neu vertreten durch Rechtsanwalt Dominique
Chopard
, dagegen Ein
wand (
Urk.
8/64, 8/66 und 8/78) und legte Berichte der behandelnden Ärzte auf
(
Urk.
8/69 und
Urk.
8/77). Zusätzlich fand eine
orthopädische Untersuchung
durch
den
r
egionalen
ä
rztlichen
Dienst der IV-Stelle (RAD) statt (
Urk.
8/94).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/
99 und
Urk.
8/102) verneint
e die IV-Stelle
den Rentenanspruch des Versicherten – nun bei einem
Inva
lidi
tätsgrad
von
10 %
–
mit Verfügung vom 1
9.
Juli 2013 abermals (
Urk.
8/108 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
6.
September 2013 Be
schwer
de und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente auszurichten; eventuell seien ihm berufliche Mass
nahmen
zu gewähren.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unent
gelt
lichen Rechtspflege (
Urk.
1 S.
2 f.). Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2013
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit
Gerichtsver
fü
gung
vom 1
4.
Januar 2014 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Pro
zessführung
gewährt und ihm in der Person von Rechtsan
walt Domini
que
Chopard
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter für das
Beschwer
deverfahren
be
stellt
. Gleichzeitig wurde ihm das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
14).
Am 15. Januar 2015 reichte der Beschwerdeführer Unter
lagen nach (Urk. 16/1-4).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG
]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden
und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung [IVV]), so ist im
Beschwerdeverfah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch re
le
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG)
. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
standes
auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne
von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beur
tei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die
letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheent
scheid,
welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
mess
ung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
ne
n (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Be
richt
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlagge
bend
für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch
die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebe
nen Stellung
nah
me als Bericht oder
Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 und
BGE 125 V 351 E. 3a).
Auch auf Stellungnahmen des RAD kann nur abgestellt werden, wenn sie den
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht ge
nü
gen (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 1
4.
Juli 2009 E.
4.3.1 mit wei
teren Hinweisen; siehe auch BGE 135 V 254 E. 3.3.2 mit weiteren Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die erneute
Abweisung des
Leistungsbe
geh
rens
damit, der Rentenanspruch könne frühestens sechs Monate nach Ein
gang der Neuanmeldung entstehen, was vorliegend im August 2012 der Fall ge
wesen sei. Zeitnah sei der Beschwerdeführer im RAD untersucht wor
den. Dabei sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit festgestellt worden.
Da Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom sel
ben Tabellenlohn zu berechnen seien
, entspreche der Invaliditätsgrad dem
lei
densbedingten
Abzug, der 10
%
betrage und damit keinen Anspruch auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung begründe. Die
Zusprache
von beruflichen Massnahmen sei ebenfalls nicht angezeigt, da der Beschwerdeführer in geeig
neten Erwerbstätigkeiten voll arbeitsfähig und bei der Stellensuche nicht
behin
derungsbedingt
eingeschränkt sei (
Urk.
2 und
Urk.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
die
Be
schwerdegegnerin
habe mit Verfügung vom 2
3.
April 2010 mit Wirkung per 1. Oktober 2008 einen Invaliditätsgrad von 20
%
rechtskräftig festgestellt. Die mit Unfallereignis vom 2
3.
Oktober 2007 eröffnete Wartezeit sei demnach per
petuiert worden.
Alle nach dem 2
3.
April 2010 als Folge von akuten Erkran
kungen, Unfällen oder Operationen eingetretenen Arbeitsunfähigkeiten seien daher geeignet, mit sofortiger Wirkung einen Rentenanspruch auszulösen.
Dies gelte insbesondere für die am 1
2.
Mai 2010
durchgeführte
Kreuzbandplastik
, den Sturz in der Dusche vom 1
9.
März 2012 und die am 16. Mai 2012 erfolgte
Totalendoprothese
(
Urk.
1 S. 5 f.).
Der Vergleich der Zumutbarkeitsbeurteilung aus dem Jahr 2010 mit derjenigen aus dem Jahr 2012 ergebe eine erhebliche qualitative Verschlechterung. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass in der angefochtenen Verfügung ein
Lei
dens
a
bzug
von 10
%
zugestanden werde
, nachdem in der Verfügung vom 2
3.
April 2010
ein solcher von 20
%
gewährt worden sei.
Der leidensbedingte Abzug habe dah
er mindestens 25
%
zu betragen
(Urk. 1 S. 7 f.).
3.
3.1
Der rentenablehnenden Verfügung vom 2
3.
April 2010 (
Urk.
8/51) lagen im Wesentlichen die folgenden medizinischen Berichte zugrunde:
Nachdem sich der Beschwerdeführer bei einem Treppensturz am 2
3.
Oktober 2007
einen Korbhenkelriss am linken Meniskus zugezogen hatte, führte Dr. med.
Y._
, Facharzt FMH für Chirurgie, Oberarzt am
Spital Z._
,
am 3
1.
Oktober 2007 eine
Meniskusrefixation
und am 9. Oktober 2008 eine mediale Meniskus-Teilresektion durch (
Urk.
8/1/9-10 und
Urk.
8/1/20). Er atte
stier
te eine volle Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Arbeit seit der ersten Ope
ration und hielt die Ausübung einer sitzenden Tätigkeit für uneingeschränkt mög
lich (
Urk.
8/10/22
; vgl. auch
Urk.
8/11/2-5).
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin, stellte am 27. Febru
ar 2009 (
Urk.
8/13/2-5) folgende Diagnosen (S. 1):
Chronische Knieinstabilität links bei Status nach alter vorderer
Kreuz
bandruptur
medialer Meniskuskorbhenkelriss nach Kniedistorsion, Status nach
Meniskusrefixation
Oktober 2007
Spital Z._
Status nach Meniskusteilresektion Oktober 2008
Spital Z._
Verdacht auf ältere
posteromediale
Kapselbandläsion
Sie bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der Ausübung der bisheri
gen Arbeit und ging – nach Durchführung einer Operation mit vorderer
Kreuz
bandplastik
– von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungs
angepassten
Tätigkeit aus (S. 3 f.).
3.3
I
n der
Klinik B._
, Zürich,
fand am 1
5.
Juni 2009
eine Arthro
skopie des linken Knies mit Entfernung von
posterioren
Ossik
eln
statt (Bericht vom 23. Juni 2009 [
Urk.
8/35/8-9]).
Sechs Monate später hielten die behandeln
den Ärzte der nämlichen Klinik fest, nach wie vor sei der Beschwerdeführer für körperlich belastende Arbeiten zu 100
%
arbeitsunfähig, was auch für seine erlernte Tätigkeit als Gipser gelte.
Wünschenswert sei hingegen die
Ausübung einer hauptsächlich sitzenden Tätigkeit
(Bericht vom 1
1.
Dezember 2009 [Urk. 8/42/6-7 S. 2]; siehe auch
Urk.
8/45).
3.4
In ihrer aufgrund der Akten verfassten Stellungnahme vom 2
2.
Februar 2010 gelangten die
Dres
. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, und
D._
, Praktische Ärztin, vom RAD zum Schluss,
die Ausübung der bisherigen Arbeit als Gipser sei
dem Beschwerdeführer
nicht mehr zumutbar. I
n einer behinderungsangepassten Tätigkeit mit Schonung des linken Beins und Vermeidung von statischer Flexion und Extension bestehe
jedoch
– einzig un
terbrochen durch operative Eingriffe – eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/50 S. 3)
.
4.
4.1
Im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 1
9.
Juli 2013 (
Urk.
2) präsentierte sich der medizinische Sachverhalt
im Wesentlichen
wie folgt:
Nachdem am 1
2.
Mai 2010 im Spital E._
, eine Kniearthroskopie und eine vordere Kreuzbandplastik durchgeführt worden war, wurde der Be
schwer
deführer am 1
7.
Mai 2010 in gutem Allgemeinzustand nach Hause ent
lassen (
Urk.
8/58/3).
4.2
Dr.
med.
F._
, Oberarzt Orthopädie an der
Klinik G._
, stellte am 3
0.
November 2011 (
Urk.
8/54/13-14) folgende Diagnosen (S. 1):
Hüftdysplasie rechts mit
femoroacetabulärem
Impingement
rechts bei degenerativer
Labrumlä
sion
beginnende
n
,
sonographisch
verifizierte
n
Inguinalhernien
beidseits, links mehr wie rechts
Insertionsendoperiostose
der Adduktoren am
Tuberculum
pubicum
rechts
Status nach vierfacher Knieoperation links mit
Teilmeniskektomie
, VKB-Rekonstruktion, wahrscheinlich
Hamstrings
, Fremdkörperentfernung (vier Operationen innerhalb von drei Jahren)
4.3
V
erglichen mit der MRI-Voruntersuchung vom 1
9.
Januar 2010
zeige das MRI des linken Knies vom
4.
Mai 2012
einen Status nach vorderer Kreuzbandplastik, welche intakt zur Darstellung komm
e
,
so PD
Dr.
med.
H._
,
Facharzt FMH für Radiologie
.
Es bestünden
progrediente Zeichen einer medial betonten
Pan
gonarthrose
mit progredienter
Chondropathie
am lateralen
Femurkondylus
mit neu
subchondral
reaktiven Veränderungen ventral im lateralen
Femurkon
dylus
. Es sei eine stationäre Darstellung mehrerer
randsklerosierter
ossärer
Fragmente medial und lateral am
Tibiaplateau
ersichtlich (
Urk.
8/77/3).
4.4
Der an der
Klinik B._
tätige
Dr.
med.
I._
, Fach
arzt
FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates, nannte am 1
7.
August 2012 (
Urk.
8/82) nachstehende Diagnosen (S. 1):
Knieschmerzen links bei
Status nach VKB-Rekonstruktion (
Spital E._
) und
Status nach mehrfachen Eingriffen in der
Klinik B._
und im
Spital
Z._
mit medialer
Teilmeniskektomie
nach Versorgung einer
Meniskus
r
efixation
bei Korbhenkelriss
Status nach Kniedistorsion 2007
Status nach VKB-Ruptur in Portugal 2000
Status nach Hüfttotalprothese rechts vom 1
6.
Mai 2012 bei symptomati
scher Hüftdysplasie rechts und beginnender Arthrose und ausgeprägter Offset-Störung Kopfschenkelhals wie auch verminderte Antetorsion des Schenkelhalses von 2°
Oligosymptomatische
Hüftdysplasie links
Er berichtete, nebst einer
Chronifizierung
des Schmerzes bestehe eine muskuläre
Dysbalance
. Im Knie seien aktuell keine Massnahmen sinnvoll (S. 2).
4.5
Gestützt auf die Ergebnisse der orthopädischen Untersuchung vom
6.
September 2012 stellte der RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in seinem Bericht vom 12. Novem
ber 2012 (
Urk.
8/94) folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit (S. 6 f.):
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des linken Knie
gelenks bei
Status nach zwei Kniegelenkstraumata (1
9.
und 2
3.
Oktober 2007)
Status nach Innenmeniskusteilresektion am 3
0.
Oktober 2007
Status nach Nachresektion linker Innenmeniskus am
9.
Oktober 2008
Status nach Gelenkstoilette linkes Knie am 1
5.
Juni 2009
Status nach Kreuzbandplastik linkes Kniegelenk am 1
2.
Mai 2010
Status nach Läsion des
N
ervus
saphenus
mit persistierender Hypäs
the
sie
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des rechten Hüft
gelenks bei
Status nach
totalendoprothetischem
Hüftgelenksersatz rechts am 16.
Mai 2012 bei Dysplasie
–
Coxarthrose
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des linken Hüft
gelenks bei
Dysplasie
Er
berichtete
, bezüglich des linken Kniegelenks habe sich im Vergleich zur letz
ten Stellungnahme des RAD vom 2
2.
Februar 2010 eine Veränderung ergeben,
da
eine Kreuzbandplastik durchgeführt worden sei
. Diese habe eine stabile Situ
ation im Kniegelenk herstellen können. Der Beschwerdeführer sei damit zufrie
den, da sein Knie wieder stabil sei und er keine wesentlichen Schmerzen mehr
habe. Aufgrund der eigenen Untersuchungs- wie auch der Fremdbefunde be
stehe
zurzeit keine Indikation zur Implantation einer
Knietotalendoprothese
, weshalb auch die entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers
nicht
überzeug
end
seien
. Die geäusserten Schmerzen seien subjektiver Natur und würden sich nicht objektivieren lassen. Seit der letzten RAD-Stellungnahme sei zudem eine Implantation einer
Totalendoprothese
der rechten Hüfte bei
Dyspla
sie-Cox
ar
throse
vorgenommen worden. Es bestehe noch eine leichte
Bewe
gungsein
schrän
kung
in allen Bewegungsgraden sowie
endgradige
Schmerzan
gaben
. Das Ausmass der geklagten Schmerzen lasse sich anhand der Untersu
chungsbefunde jedoch nicht nachvollziehen (S. 7).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führte er aus, in der bisherigen
Arbeit
als Gipser sei der Beschwerdeführer weiterhin nicht arbeitsfähig.
In einer
behinderungsan
gepassten
Tätigkeit
(mit körperlich leicht
er, wechselbelastender Arbeit
vorwie
gend im Sitzen, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über zehn Ki
lo
gramm, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppenstei
gen, ohne häufige hüftgelenks- und kniegelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten [Bücken, Hocken, Knien], ohne Gehen auf unebenem Gelände, ohne
andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-/Kälteexposition) bestehe hinge
ge
n eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme der durch die
akutmedi
zinisch
be
dingten
peri
- und postoperativen Rehabilitationszeiten. Mit einer op
timalen An
passung des Arbeitsumfelds und der Tätigkeit ergebe sich im Ver
gleich zur zu
letzt
abgegebenen Stellungnahme des RAD keine weitere quantita
tive Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit bei erforderlicher qualitativ
er Anpas
sung des
Arbeitsum
felds
(S. 7 f.).
4.6
Nachdem sie die Beschwerdeführerin am
4.
Juni 2013 ambulant u
ntersuch
t hat
ten, nannten die behandelnden Ärzte der
Klinik B._
im
Bericht vom 1
3.
Juni 2013 (
Urk.
8/105) nebst den am 1
7.
August 2012 erhobe
nen
Diagnosen (
Urk.
8/82) eine
Pangonarthrose
medial betont im linken Knie
(S. 1)
.
Sie führten aus, dem Beschwerdeführer könne aktuell kein chirurgisches Vor
gehen angeboten werden, welches die Situation v
erbessern würde.
Somit erfolge das Fortführen der konservativen Therapie mit Physiotherapie und ins
besondere dem
Aufdehnen
der kontrakten
Hamstrings
-Muskulatur. Bei weiter
hin besteh
e
n
den Schmerzen in den Hüften sollte eine Zuweisung zur Betreuung in der Schmerz
klinik erfolgen (S. 2).
5.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, alle nach dem 2
3.
April 2010 als Folge von akuten Erkrankungen, Unfällen oder Operationen eingetretenen Ar
beitsunfähigkeiten seien geeignet, mit sofortiger Wirkung einen Rentenanspruch auszulösen
(
Urk.
1 S. 5 f.)
, ist anzumerken, dass
ein solcher
gemäss
Art.
29 IVG
–
Art.
29
bis
IVV findet vorliegend keine Anwendung –
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG entsteh
en kann, d.h. hier
frühestens im August 2012 (
Neuan
mel
dung
am 1
6.
Februar 2012 [
Urk.
8/55])
.
6.
6
.1
Nach Lage der Akten hat sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdefüh
rers seit Erlass der (unangefochten in Rechtskraft erwachsenen) Verfügung vom 2
3.
April 2010 (
Urk.
8/51)
insoweit verändert, als
zwar
die am 12. Mai 2010 durch
geführte Kreuzbandplastik zu einer stabilen
und schmerzreduzierten
Situa
tion
des linken Knies
geführt hat
(
Urk.
8/94 S. 2 und S. 7),
dagegen neu
andere
Beschwerden – so insbesondere bezüglich des rechten Hüftgelenkes – dazuge
kommen sind.
Allein daraus
muss
jedoch
nicht
zwingend
eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit
resultieren
. Denn invalidenversicherungsrechtlich sind nicht die Diag
nosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesund
heitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E. 3.2.1
mit Hinweis auf BGE 127 V 294).
Der
auf einer einlässlichen
orthopädischen Untersuchung beruhende, die
fallre
le
vanten
Vorakten
sowie die geklagten Beschwerden
berücksichtigende
ortho
pädische Untersuchungsbericht
von
Dr.
I._
entspricht den
rechtsprechungs
gemässen
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungs
grundlage
(vgl. E.
1.5
hievor
). Nach einleuchtender Darlegung der medizini
schen
Zusammenhänge gelangte der RAD-Arzt
– scheinbar in anfänglicher Überein
stimmung mit dem Beschwerdeführer (
Urk.
1 S.
7) –
zur begründeten Schluss
folgerung, dass
die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
seit der letz
ten
Ren
ten
beurteilung
zwar
eine
qualitative
Anpassung des Arbeitsumfeldes
erfordert
,
dies aber an der (weiterhin) bestehenden vollen Arbeitsfähig
keit in
angepasster Tätigkeit
nichts ändert.
Betreffend den zeitlich zumutbaren Umfang der Arbeitstätigkeit ist
hierzu
im
Bericht der behandelnden Ärzte der
Klinik B._
vom 1
3.
März 2013
(Urk. 3/3) kein Widerspruch zu sehen.
Diese konnten a
ufgrund der durch
ge
führten Untersuchungen alle objektivierbaren Parameter für eine nicht gut funktionierende Hüfte so weit wie möglich ausschliessen
und führten ausserdem aus
, dass nach wie vor
die verkürzte Muskulatur
imponiere
.
Vor diesem Hinter
grund
und da sich die verkürzte Muskulatur mittels Dehnungsübungen und Therapiebehandlungen beheben lässt,
ist im Vergleich zur Beurteilung durch den RAD-Arzt von keiner weiteren Einschränkung des funktionellen Leistungs
vermögens auszugehen.
In diesem Zusammenhang
und aufgrund des Umstan
des, dass die Ärzte der nämlichen Klinik die Zuweisung zur Betreuung in
d
er
Schmerzklinik als weitere Behandlung empfahlen (Urk. 8/105 S. 2),
ist ergän
zend
darauf hinzuweisen, dass Schmerzen an sich keine
relevante Einschrän
kung der Arbeits
fähigkeit be
dingen
(Urteil des Bundesgerichts I
994/
06 vom 2
9.
Aug
ust 2007 E. 3.3 mit Hinweisen).
Auch das
keine Angaben zum Befund
enthaltende
Arbeitsunfähigkeitszeugnis von
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, vom 2
2.
August 2012,
in dem dieser
vom 1
8.
Juli 2011 bis am 30. September 2012 eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (
Urk.
8/
83 S.
7), stellt die Beweis
kraft des RAD-Berichts nicht in Frage, wobei
ohnehin
unklar bleibt, ob sich die Angaben auf die bisherige
Arbeit
oder auch auf leidensangepasste Tätigkeiten beziehen
(vgl. dazu auch Urk. 8/94 S.
7)
. Dies gilt umso mehr
, als die den Be
schwerdeführer nach seiner Hüftoperation behan
delnden Ärzte der
Klinik B._
, die
die
erste
Kontrolluntersu
chung
für den
1
7.
August 2012 vor
sahen, einzig eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis am 3
0.
Juni 2012 attestierten (
Urk.
8/83/1-2).
6.2
Was die vom Beschwerdeführer am 15. Januar 2015 eingereichten Berichte der
Klinik B._
vom 19. und 22. Dezember 2014 (Urk. 16/3-4) be
trifft,
ist anzumerken, dass der Erlass des angefochtenen Entscheids
rechtsprechungs
gemäss
die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (vgl. etwa BGE
131 V 407 E.
2.1.2.1 und BGE 129 V 354 E.
1). Eine allfällige seither einge
tretene gesundheitliche Verschlechterung bildet daher nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
6
.
3
Bei dieser Sachlage
und insbesondere angesichts der schlüssigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den RAD-Arzt ist nicht ersichtlich, inwiefern die
Durch
führung einer Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL; vgl.
Urk.
1 S. 8) neue, für die Beurteilung des vorliegenden Falls entschei
dende Erkenntnisse liefern könnte, sodass darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit weiteren Hinweisen).
6
.
4
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar gesundheitliche Beeinträchtigungen hinnehmen musste, eine die Arbeitsfähigkeit massgeblich
weiter einschränkende Verschlechterung des Gesundheitszustands aber nicht aus
gewiesen ist.
Unter diesen Umständen
ist
einzig noch zu prüfen, ob eine
wes
ent
liche
Veränderung in
erwerblicher Hinsicht
stattgefunden hat.
7.
Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer vor, das
Gipsergewerbe
sei ange
sichts eines für allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrags (GAV) – insbesondere hinsichtlich Mindestlöhne und Lohnerhöhungen – stark reglemen
tiert. Das
Valideneinkommen
könne daher nicht mehr aufgrund des im Jahr 2007
von seiner damaligen Arbeitgeberin bezahlten Einstiegslohns ermittelt werden.
Es sei vielmehr auf den Mindestlohn für Berufsarbeiter (Gipser ohne
Berufs
lehre
)
gemäss GAV abzustellen
(
Urk.
1 S. 7 f.).
Wie es sich damit verhält, braucht indes nicht weiter geprüft zu werden. Selbst wenn der Invaliditätsberechnung das vom Beschwerdeführer geltend gemachte
Valideneinkommen
von
Fr.
64‘000.-- zu Grunde gelegt würde und von dem vom
Versicherten zu Recht nicht bestrittenen, von der Beschwerdegegnerin
– im Rahmen
des
Vorbescheidverfahrens
–
gestützt auf die
vom Bundesamt für Sta
tistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
korrekt auf
Fr.
62‘394.--
ermittelten Invalideneinkommen für Hilfsarbeiten
sogar
der
Maxi
malab
zug
von 25
%
in A
bzug gebracht würde, resultiert
e
kein
rentenbe
grün
dender
In
validitätsgrad
(
Valideneinkommen
:
Fr.
64‘000.--;
Invalidenein
kommen
: Fr.
46‘796.--;
Invaliditätsgrad:
27
%
).
8.
Da der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
vollzeit
lich
arbeitsfähig ist und die fehlende berufliche Eingliederung im Sinne der Verwer
tung einer bestehenden Arbeitsfähigkeit nicht auf gesundheitlich be
dingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche zurückzuführen ist (vgl. Meyer/
Reichmuth
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage, Zürich 2014, S. 215), ist die Durchführung von beruflichen Massnahmen nicht angezeigt.
9
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verf
ügung nicht zu beanstanden ist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.
10
.
10
.1
Gestützt auf
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für den unterliegenden Be
schwerdeführer kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand festzulegen und vorliegend auf Fr.
6
00.-- anzu
setzen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
10
.2
Der mit Gerichtsverfügung vom
1
4.
Januar 2014
bestellte unentgeltliche Rechts
beistand des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Dominique
Chopard
macht mit seine
r Honorarnote
vom
1
2.
Januar 2015
(Urk.
15
) einen Aufwand von
vier Stunden und 45
Minuten sowie Auslagen von Fr.
46
.-- geltend, wofür ihm eine Entschädigung in der Höhe von Fr.
1
‘
075.70
(inklusive Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.