Decision ID: 456a277e-7b04-4875-92a3-5716344d2917
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden sind aserbaidschanische Staatsangehörige mit
letztem Wohnsitz in D._. Sie verliessen ihren Heimatstaat eigenen
Angaben zufolge am 29. Dezember 2018 auf dem Landweg in Richtung
Georgien. Mit dem Flugzeug seien sie von Tiflis nach E._ und von
dort per Zug und Bus in die Schweiz gereist. Am 31. Dezember 2018 stell-
ten sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum F._ ein Asylgesuch.
Daraufhin wurden A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) und
B._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 18. Januar 2019 im
Rahmen von Befragungen zur Person (BzP) zu ihren persönlichen Um-
ständen, dem Reiseweg sowie summarisch zu ihren Asylgründen befragt.
Der Beschwerdeführer wurde am 15. September 2020 einlässlich ange-
hört. Da er im Laufe der Anhörung unter gesundheitlichen Problemen litt,
wurde diese jedoch – auf Wunsch und mit dem ausdrücklichen Einver-
ständnis des Beschwerdeführers – noch vor der Rückübersetzung abge-
brochen. Am 22. Oktober 2020 wurde die Beschwerdeführerin zu ihren
Asylgründen angehört. Gleichentags wurde die abgebrochene Anhörung
des Beschwerdeführers fortgesetzt.
B.
B.a Anlässlich der Befragungen führten die Beschwerdeführenden aus, sie
hätten im Jahr (...) geheiratet, wobei ihre Ehe trotz diverser medizinischer
Behandlungen viele Jahre kinderlos geblieben sei. Ab dem Jahr 2016 habe
der Beschwerdeführer begonnen, an politischen Protestkundgebungen
teilzunehmen. Am (...) 2017 sei er an einem Treffen gewesen, an welchem
eine Demonstration für die Freiheit von politischen Gefangenen hätte or-
ganisiert werden sollen. Unter den Anwesenden hätten sich jedoch auch
verdeckte Polizeiermittler befunden. Plötzlich hätten Polizisten das Lokal
gestürmt und ihn sowie weitere Personen festgenommen. Mehrere Tage
lang habe er seine Familie, welche sich grosse Sorgen gemacht habe,
nicht kontaktieren dürfen. Er sei rund zwanzig Tage in Haft gewesen und
dabei schwer gefoltert worden. Ihm sei – zu Unrecht – vorgeworfen wor-
den, dass er Zivilisten angegriffen habe, womit ihm eine mehrjährige Haft-
strafe gedroht habe. Sein Vater habe jedoch mit dem Revierleiter gespro-
chen und durch Bezahlung eines Bestechungsgeldes erreicht, dass er le-
diglich zu einer zwanzigtägigen Haftstrafe verurteilt worden sei. Die Haft-
erfahrung und die erlittenen Folterungen seien sehr schlimm gewesen und
er sei danach über längere Zeit ärztlich behandelt worden. Auf Bitte der
Beschwerdeführerin, die damals schwanger gewesen sei, habe er sich in
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der Folge für eine gewisse Zeit nicht mehr politisch betätigt. Schliesslich
habe er im (...) 2018 erneut an einer Demonstration teilgenommen, wobei
es zu Ausschreitungen gekommen sei. Als ein Polizist versucht habe, ihn
festzunehmen, habe er sich gewehrt und diesen weggestossen. Der Poli-
zist sei zu Boden gegangen und er habe den Moment genutzt, um sich vom
Ort zu entfernen. Am folgenden Tag habe er einen Anruf von einem Freund
erhalten. Dieser habe ihn über die Festnahme von verschiedenen Kundge-
bungsteilnehmern informiert und ihm geraten, sich zu verstecken. Zahlrei-
che Überwachungskameras hätten das Geschehen am Veranstaltungsort
aufgezeichnet, weshalb wohl auch er identifiziert worden sei. In der folgen-
den Zeit habe er sich teilweise bei Verwandten versteckt, sei indessen wei-
terhin zur Arbeit gegangen. Einmal seien drei zivil gekleidete Personen in
seine Wohnung gekommen und hätten nach ihm gefragt, ohne sich dabei
auszuweisen. Er habe sich stets beobachtet gefühlt und es wäre eine
Frage der Zeit gewesen, bis er verhaftet worden wäre. Die Beschwerde-
führerin habe ihn daher dazu gedrängt, das Land zu verlassen, da ein sol-
ches Leben in Angst nicht mehr möglich gewesen sei. Ausserdem habe sie
nicht gewollt, dass ihre Tochter ohne Vater aufwachse. Wäre er erneut ver-
haftet worden, hätte ihm eine mehrjährige Haftstrafe gedroht. Nach der
Ausreise sei dem Beschwerdeführer im (...) 2019 eine behördliche Vorla-
dung zugestellt worden. In der Schweiz habe er zudem an mehreren exil-
politischen Veranstaltungen teilgenommen. Nachdem sein Vater in Aser-
baidschan deswegen von der Polizei behelligt worden sei, hätten sie den
Kontakt zu ihren Angehörigen abgebrochen. Lediglich über die in Kasach-
stan lebende Schwester des Beschwerdeführers erhielten sie Informatio-
nen über ihre Familie im Heimatstaat.
B.b Die Beschwerdeführenden reichten bei der Vorinstanz folgende Be-
weismittel ein: Aserbaidschanische Identitätskarten und Geburtsurkunden,
den Führerschein sowie das Militärbüchlein des Beschwerdeführers, einen
Eheschein, Quittungen und ein Gepäcklabel, einen Haftbeschluss vom (...)
2017, eine Vorladung vom (...) 2019, ein Gerichtsurteil vom (...) 2019 (Ko-
pie), ein Schreiben der (...) vom 19. Juni 2015, ein Schreiben des Ministe-
riums für Katastrophenschutz vom (...) 2014, verschiedene Fotos, einen
USB-Stick sowie eine Bestätigung, dass der Beschwerdeführer an zwei
psychotherapeutischen Sitzungen teilgenommen habe.
C.
Mit in italienischer Sprache verfasster Verfügung vom 22. Dezember 2020
– eröffnet am 23. Dezember 2020 – stellte das SEM fest, die Beschwerde-
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führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte ihre Asylge-
suche ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Weg-
weisung an.
D.
Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe ihres damaligen Rechts-
vertreters vom 21. Januar 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragten sie, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen in der Schweiz Asyl zu ge-
währen. Eventualiter seien sie als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, sub-
eventualiter sei die Sache zur erneuten Prüfung und neuen Entscheidung
basierend auf einem vollständig und korrekt erhobenen Sachverhalt an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubeventualiter sei die Unzulässigkeit
und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und sie
seien in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht er-
suchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistands. Als Beschwerdebeilagen wurden – neben einer Voll-
macht, der angefochtenen Verfügung und einer Sozialhilfebestätigung –
die folgenden Unterlagen eingereicht: ein Farbausdruck des Gerichtsurteils
vom (...) 2019, ein Brief der Schwester des Beschwerdeführers mit Über-
setzung und Zustellbeleg sowie eine Kopie des Ausweises der Schwester,
Bilder vom Ort der Kundgebung vom (...) 2018, verschiedene Berichte über
die Lage in Aserbaidschan, ein Entscheid des Bezirksgerichts G._
vom (...) 2017 (in Kopie) mit Übersetzung, Informationen und Fotos zu den
exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers sowie drei Bewilligungs-
verfügungen der Stadt H._ für Demonstrationen.
E.
Die damals zuständige Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung
vom 11. Februar 2021 fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung sowie amtliche Rechtsverbeiständung
gut und forderte die Beschwerdeführenden auf, einen Rechtsvertreter zu
bezeichnen, welcher die Voraussetzungen für die Beiordnung als amtli-
chen Rechtsbeistand erfülle. Zudem wurde die Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung eingeladen.
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F.
Das SEM liess sich mit italienischsprachiger Eingabe vom 23. Februar
2021 zur Beschwerde vom 21. Januar 2021 vernehmen.
G.
Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter
unter Beilage von entsprechenden Vollmachten an, dass er von den Be-
schwerdeführenden mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt worden
sei. Er ersuchte um seine Einsetzung als amtlicher Rechtsbeistand und
wies darauf hin, dass er der italienischen Sprache nicht mächtig sei. Sollte
die Vernehmlassung der Vorinstanz in italienischer Sprache abgefasst
sein, bitte er um Zusendung einer Übersetzung in die deutsche Sprache.
H.
Mit Verfügung vom 4. März 2021 wurde den Beschwerdeführenden Daniel
Weber, Fürsprecher, als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Zudem
wurde ihnen eine Kopie der Vernehmlassung (ohne Übersetzung) übermit-
telt und die Gelegenheit eingeräumt, eine Replik einzureichen.
I.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 19. März 2021 eine Replik zu den Akten. Dieser lagen das Original
des Gerichtsurteils vom (...) 2019 inklusive Übersetzung, Zustellcouverts
sowie Ausdrucke von Internet-Links bei.
J.
Der Rechtsvertreter liess dem Gericht mit Schreiben vom 20. März 2021
eine vorläufige Kostennote zukommen.
K.
Mit Schreiben vom 3. April 2021 übermittelte der Rechtsvertreter dem Ge-
richt die Rechnung für die Übersetzung der Vernehmlassung und ersuchte
um Mitteilung, ob diese vom Bundesverwaltungsgericht, dem SEM oder
dem Unterzeichnenden bezahlt werden solle. Im letzteren Fall bitte er um
Zahlung eines entsprechenden Kostenvorschusses.
L.
Die Instruktionsrichterin hielt mit Zwischenverfügung vom 13. April 2021
fest, dass über die Ausrichtung einer allfälligen Parteientschädigung oder
eines amtlichen Honorars mit dem Endentscheid entschieden werde. In
diesem Rahmen werde auch über den Ersatz von geltend gemachten Aus-
lagen befunden. Eine direkte Bezahlung von Übersetzungskosten durch
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das Gericht falle ebenso wie die Leistung eines Kostenvorschusses an den
Rechtsvertreter ausser Betracht.
M.
Der Rechtsvertreter wies das Gericht mit Schreiben vom 10. Mai 2021 auf
seine Eingabe vom 3. April 2021 hin und erklärte, dass er auf seine darin
gestellten Fragen keine Antwort erhalten habe. Die Instruktionsrichterin
antwortete darauf mit Schreiben vom 12. Mai 2021, indem sie auf die Zwi-
schenverfügung vom 13. April 2021 hinwies. In der Folge wandte sich der
Rechtsvertreter telefonisch an das Gericht und teilte mit, dass er nie eine
Verfügung vom 13. April 2021 erhalten habe. Ein Zustellbeleg konnte nicht
ausfindig gemacht werden, weshalb die Verfügung dem Rechtsvertreter er-
neut zugestellt wurde.
N.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2021 wurden weitere Beweismittel zu den Akten
gereicht. Dabei handelt es sich um ein Schreiben des Vaters des Be-
schwerdeführers vom 5. März 2021 mit Übersetzung, ein Zustellcouvert
sowie die Bestätigung einer Praxis für Psychotherapie vom 15. Mai 2021.
Ebenso wurde eine aktualisierte Kostennote eingereicht.
O.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Eingabe vom 20. Dezember 2021
weitere Beweismittel ein und machten ergänzende Ausführungen. Neben
Fotos des Beschwerdeführers anlässlich einer Protestaktion in H._
wurde insbesondere ein Zeitungsbericht vom 23. Juli 2021 über die Lage
in Aserbaidschan am Beispiel der Journalistin Khadija Ismayilova zu den
Akten gegeben.
P.
Der Vorsitz des vorliegenden Verfahrens wurde aus organisatorischen
Gründen am 4. Januar 2022 auf Richterin Susanne Bolz-Reimann übertra-
gen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
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Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Beschwer-
deführer sei eigenen Angaben zufolge ausgereist, weil er eine Verhaftung
befürchtet habe aufgrund seiner Teilnahme an einer Protestveranstaltung.
Diese Befürchtung beruhe auf dem Telefonanruf eines Kollegen, der ihm
gesagt habe, er sei von Überwachungskameras identifiziert worden. Es sei
jedoch nicht klar, wie der betreffende Kollege an diese Information gelangt
sein soll. Darüber hinaus sei nicht nachvollziehbar, wie er anhand der Vi-
deoaufnahmen an einer Veranstaltung identifiziert worden sein könne, bei
welcher über 100'000 Personen zugegen gewesen seien. Weiter bleibe un-
verständlich, weshalb der Beschwerdeführer bis zur Ausreise (...) Monate
habe verstreichen lassen, wenn er tatsächlich eine Festnahme befürchtet
hätte. Selbst nach dem geltend gemachten Auftauchen von Männern in Zi-
vil bei den Beschwerdeführenden zu Hause hätten sie noch mehr als einen
Monat mit der Ausreise zugewartet. Die Angaben des Beschwerdeführers
dazu, was er in diesem Zeitraum gemacht und wo er sich aufgehalten
habe, erwiesen sich zudem als uneinheitlich. Zu Beginn habe er erklärt,
dass er sich für zehn Tage versteckt habe. Auf die spätere Frage, wo er
danach gelebt habe, habe er keine Angaben machen können. Entspre-
chendes gehe auch aus der spontanen Erzählung nicht hervor. Es sei zu-
dem nicht nachvollziehbar, weshalb die Behörden nicht intensiver nach ihm
gesucht und keinen Kontakt zu ihm aufgenommen hätten. Seine Schilde-
rungen wiesen überdies zahlreiche Widersprüche auf. So habe er bei der
BzP erklärt, er habe von bei der Protestveranstaltung inhaftierten Gefähr-
ten erfahren, dass er von Kameras erfasst worden sei und deshalb festge-
nommen werden könnte. Bei der Anhörung habe er dagegen ausgesagt,
er sei von einem Freund, der nicht verhaftet worden sei, über die wahr-
scheinlich zu erwartende Festnahme in Kenntnis gesetzt worden. Gemäss
den Aussagen bei der BzP habe die betreffende Protestveranstaltung zu-
dem am (...) 2018 stattgefunden, während er bei der Anhörung vom (...)
2018 gesprochen habe. Der Beschwerdeführer sei ferner nicht Mitglied ei-
ner Partei gewesen und habe sich unterschiedlich zu seiner Teilnahme an
politischen Versammlungen geäussert. Es könne nicht davon ausgegan-
gen werden, dass er den heimatlichen Behörden aufgrund eines besonde-
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ren politischen Profils bekannt gewesen wäre. Ausserdem habe er den Vor-
fall vom (...) 2018, bei welchem er von zivil gekleideten Personen zu Hause
gesucht worden sei, erstmals bei der Anhörung erwähnt, obwohl er bereits
während der BzP gefragt worden sei, ob ihn die Polizei zu Hause aufge-
sucht habe. Dieses Sachverhaltselement erweise sich daher als nachge-
schoben. Insgesamt seien die Vorbringen als unglaubhaft einzustufen. Da-
ran vermöchten auch die vorgelegten Beweismittel nichts zu ändern. Viel-
mehr lägen berechtigte Gründe für die Annahme vor, dass diese teilweise
mit Täuschungsabsicht im Hinblick auf das Asylverfahren angefertigt wor-
den seien. Der Beschwerdeführer mache sodann geltend, er habe sich exil-
politisch betätigt, indem er sich abwertend über die Regierung seines Hei-
matstaates geäussert habe. Davon würden Videoaufnahmen existieren,
welche im Internet abrufbar seien. Angesichts der unglaubhaften Asylvor-
bringen sei auch im unwahrscheinlichen Fall, dass diese Äusserungen den
aserbaidschanischen Behörden zur Kenntnis gelangt seien, nicht davon
auszugehen, dass dies eine unrechtmässige Strafverfolgung nach sich zie-
hen würde.
4.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, das SEM sei seiner Pflicht
zur richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts nicht nachgekommen. Wesentliche Aspekte seien in der ange-
fochtenen Verfügung unberücksichtigt geblieben und der länderspezifi-
schen Situation sei keine Beachtung geschenkt worden, womit die Vo-
rinstanz ihre Begründungspflicht und den Anspruch auf rechtliches Gehör
verletze. Es werde namentlich nicht erwähnt, dass der Beschwerdeführer
während der Haft im Jahr 2017 Folter und Misshandlungen ausgesetzt ge-
wesen sei. Zudem würden die geltend gemachten Ereignisse nach der
Ausreise und die diesbezüglichen Beweismittel, insbesondere zu den exil-
politischen Aktivitäten und deren Auswirkungen auf die Familie in Aserbaid-
schan, beinahe komplett ausser Acht gelassen. Es werde lediglich in einem
Satz erwähnt, es könnte allenfalls ein Strafverfahren wegen Beleidigung
der Behörden eingeleitet werden, was rechtsstaatlich legitim wäre. Damit
verkenne das SEM die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan und ig-
noriere Inhalt und Wirkung der exilpolitischen Aktivitäten. Der Beschwerde-
führer habe in der Schweiz an vier bedeutsamen Kundgebungen gegen die
aserbaidschanische Regierung teilgenommen. Nach einer solchen sei die
Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl zum Haus seines Vaters gekom-
men. Dieser sei zudem auf die Polizeiwache gebracht und verhört worden,
um den Aufenthaltsort der Beschwerdeführenden in Erfahrung zu bringen.
Die betreffenden Ereignisse würden in einem Schreiben der Schwester des
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Beschwerdeführers bestätigt. Weiter sei dem in Kopie eingereichten Ge-
richtsbeschluss vom (...) 2019 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
wegen grober Verletzung der öffentlichen Ordnung angeklagt und für schul-
dig befunden worden sei. Es werde darin seine Verhaftung und die Be-
schlagnahmung seines Eigentums angeordnet. Sodann sei festzuhalten,
dass das SEM die Vorbringen der Beschwerdeführerin in der angefochte-
nen Verfügung weder gehört noch gewürdigt habe. Zur Glaubhaftigkeit der
Asylvorbringen sei anzumerken, dass es sich bei der Demonstration im (...)
2018 um eine – auf Youtube dokumentierte – Kundgebung für I._
handle, welche am (...) 2018 stattgefunden habe. Das Datum sei von den
Beschwerdeführenden an der BzP korrekt wiedergegeben worden, wäh-
rend sie bei der Anhörung vom (...) 2018 gesprochen hätten. Es sei ihnen
heute schleierhaft, wie sie auf dieses Datum gekommen seien. Der Be-
schwerdeführer glaube sich zu erinnern, dass er seine Ehefrau vor der An-
hörung korrigiert und darauf hingewiesen habe, die Kundgebung sei am
(...) 2018 gewesen. Die Beschwerdeführerin habe gedacht, sie habe sich
getäuscht und das von ihrem Ehemann genannte Datum unhinterfragt
übernommen. Im erwähnten Youtube-Video sei ferner erkennbar, dass an
der Demonstration lediglich mehrere Tausend und nicht 100'000 Personen
teilgenommen haben dürften. Oppositionelle Kundgebungen könnten
Aserbaidschan ausschliesslich im (...) abgehalten werden. Dieses sei auf
allen Seiten von Wohnhäusern umgeben, in welchen Kameras installiert
seien. Zudem würden von der Polizei organisierte Personen in Zivilkleidung
jeweils Filmaufnahmen von den Demonstrationen und den Teilnehmern er-
stellen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass die Men-
schen an den Rändern der Kundgebung besonders gut ersichtlich seien
und folglich das Wegstossen des Polizisten durch den Beschwerdeführer
von einer Kamera erfasst worden sei. Zwar habe er darüber keine Gewiss-
heit; die späteren Ereignisse legten jedoch nahe, dass er tatsächlich iden-
tifiziert worden sei. Dabei sei unerheblich, dass er von den Behörden nicht
sofort respektive nicht mit der von der Vorinstanz erwarteten Intensität ge-
sucht worden sei. Vielmehr erscheine es naheliegend, dass sie ihn zu-
nächst einfach hätten mitnehmen wollen und erst dann, als er nicht auffind-
bar gewesen sei, offiziell nach ihm gesucht hätten. Der Beschwerdeführer
habe sodann lebensnah und detailliert geschildert, dass er sich zuerst zehn
Tage versteckt habe, bevor er wieder – unter Einhaltung bestimmter Vor-
sichtsmassnahmen – seiner Arbeit nachgegangen sei, wobei er sich in die-
ser Zeit nur unregelmässig zu Hause aufgehalten habe. Die Annahme der
Vorinstanz, von politischer Verfolgung betroffene Personen könnten das
Land innerhalb von Stunden oder Tagen verlassen, sei wirklichkeitsfremd.
Oft werde die Entwicklung der Situation abgewartet und es brauche Zeit,
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um den Ausreiseentscheid zu fällen sowie einen Schlepper zu organisie-
ren. Weiter sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer die Frage bei der
BzP, ob er von der Polizei gesucht worden sei, verneint habe, weil er die
Personen in zivil, die am (...) 2018 bei ihnen vorbeigekommen seien, nicht
als Polizisten wahrgenommen habe, obschon es sich tatsächlich um Mitar-
beiter der Strafverfolgungsbehörden gehandelt haben müsse. Sodann
habe die Vor-instanz jegliche Prüfung der eingereichten Beweismittel ver-
weigert, ohne konkreten Hinweis auf betrügerisches Verhalten. Es sei zu
bedenken, dass es bei der aktuellen Lage in Aserbaidschan üblich sei, Ak-
tivisten und Oppositionelle mit Festnahmen, Misshandlungen oder durch
Anhängen von erfundenen Delikten unter Druck zu setzen. Dabei könnten
nicht nur prominente Oppositionelle, sondern Personen mit ganz unter-
schiedlichen politischen Profilen ins Visier der Behörden geraten. Regel-
mässig würden ohne Beweise Haftstrafen verhängt, wenn auch oftmals nur
kurze. Die ernsthaften Nachteile seien vor allem in den Haftbedingungen
zu sehen, bei welchen Folter und Misshandlungen an der Tagesordnung
seien. Es gebe zudem Berichte, wonach die aserbaidschanischen Behör-
den Angehörige von im Exil tätigen Aktivisten befragen und einschüchtern
würden. Der Beschwerdeführer gestehe ein, dass er nur einer von Tausen-
den aserbaidschanischen Bürgern sei, welche genug hätten von der auto-
ritären "Familien"-Herrschaft und der damit einhergehenden Korruption
und Repression. Aus diesem Grund habe er begonnen, an Kundgebungen
der Opposition teilzunehmen, wobei er dieses Engagement in der Schweiz
fortgesetzt habe. Als er bei einer Veranstaltung am (...) 2019 eine Rede
gegen das diktatorische Regime gehalten habe, sei die Polizei zwei Tage
später bei seiner Familie in Aserbaidschan erschienen. Die Rede sowie die
weiteren Demonstrationen in der Schweiz seien gefilmt worden und auf
Youtube öffentlich zugänglich.
4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, dass der Beschwerde-
führer anlässlich der Anhörung im freien Bericht eine Folter nicht erwähnt
habe. Es erstaune, dass er auch bei der folgenden Frage – ob er alle
Gründe für die Ausreise genannt habe – keine solche Episode geschildert
habe. Danach sei er gefragt worden, ob er weitere Kontakte mit den Be-
hörden gehabt habe oder von den Behörden in irgendeiner Weise bestraft
worden sei, woraufhin er wiederum verschwiegen habe, gefoltert worden
zu sein. Das Auslassen eines derart wichtigen Ereignisses trotz verschie-
denen Gelegenheiten, dieses darzulegen, lasse darauf schliessen, dass es
sich nicht tatsächlich zugetragen habe. Weiter seien die Ausführungen des
Beschwerdeführers auf die konkrete Frage hin, wie sein Leben nach der
Entlassung aus der Haft ausgesehen habe, sehr vage und unsubstanziiert
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ausgefallen. Es sei daher nicht glaubhaft, dass er während seiner Haft im
Jahr 2017 gefoltert worden sei. Zu Unrecht werde weiter kritisiert, das SEM
habe die exilpolitischen Aktivitäten nicht korrekt gewürdigt. Der Beschwer-
deführer habe geltend gemacht, die aserbaidschanischen Behörden hätten
zwei Tage, nachdem er bei einer Kundgebung in H._ eine Rede
gehalten habe, seinen Vater festgenommen. Es sei weder ersichtlich noch
werde vom Beschwerdeführer erklärt, wie die Behörden von seiner Rede
hätten Kenntnis erhalten sollen. Nachdem es keine Beweise für die Fest-
nahme des Vaters gebe, handle es sich dabei um eine blosse Behauptung.
Auf Beschwerdeebene seien sodann drei Links von Youtube-Videos vor-
gelegt worden. Zwei davon wiesen weniger als hundert Views auf, während
eines gegen 100'000 Views verzeichne. Letzteres datiere indessen vom
17. Juni 2020 und erscheine nicht relevant, nachdem der Beschwerdefüh-
rer nicht habe glaubhaft machen können, dass er über ein in Aserbaid-
schan bekanntes politisches Profil verfüge. Sodann handle es sich beim
Schreiben der Schwester des Beschwerdeführers um eine blosse Partei-
behauptung. Weiter treffe es nicht zu, dass die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin im Asylentscheid in unzulässiger Weise nicht berücksich-
tigt worden seien. Grund für die Ausreise seien ausschliesslich die geltend
gemachten Probleme des Beschwerdeführers gewesen, während seine
Ehefrau nicht persönlich verfolgt worden sei. Schliesslich sei darauf hinzu-
weisen, dass die allgemeine Lage von Aktivisten und Oppositionellen in
Aserbaidschan nicht ausreiche, um die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden zu begründen. Es sei hervorzuheben, dass ein im Hei-
matstaat ersichtliches politisches Profil des Beschwerdeführers nicht vor-
liege. Folglich könne ausgeschlossen werden, dass er von Seiten heimat-
lichen Behörden aufgrund seiner politischen Ansichten verfolgt werde.
4.4 In der Replik wurde ausgeführt, es treffe zu, dass der Beschwerdefüh-
rer bei der Anhörung vom 15. September 2020 in der freien Erzählung die
– in der BzP bereits angesprochenen – Folterungen vorerst nicht erwähnt
habe. Dies liege offensichtlich daran, dass er nach den Gründen für die
Ausreise gefragt worden sei und seine Erzählung daher mit den Ereignis-
sen aus dem Jahr 2018 begonnen habe. Zwei Fragen später sei er jedoch
darauf zurückgekommen und habe seine Festnahme beschrieben sowie
deren Konsequenzen im Folgenden näher erläutert. Es habe dieses zent-
rale Ereignis somit keineswegs ausgelassen. Es sei sachfremd und tatsa-
chenwidrig, wenn das SEM aus diesen Umständen schliesse, der Vorfall
habe nicht stattgefunden. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu
seinen Erfahrungen in Haft sowie deren Folgen könnten zudem nicht als
vage und substanzlos bezeichnet werden; zudem stimmten sie mit den
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Darlegungen der Ehefrau überein. Unberechtigt sei auch der Vorwurf der
Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe nicht erklären können, wie die hei-
matlichen Behörden von seiner Rede an der Demonstration in H._
erfahren haben sollen. Zudem habe er mit der schriftlichen Bestätigung der
Schwester durchaus Belege für die Verhaftung des Vaters vorgelegt, wel-
che von der Vorinstanz jedoch nicht korrekt gewürdigt worden seien. Es
werde versucht, weitere Beweismittel zu beschaffen, was sich jedoch als
schwierig erweisen dürfte. Bereits eingereicht werden könne das Original
des Gerichtsurteils vom (...) 2019. Weiter hätte das SEM die Aussagen der
Ehefrau angemessen berücksichtigen müssen, selbst wenn die Asylgründe
nur den Ehemann beträfen. Ihre Angaben würden insbesondere wesentli-
che Vorbringen des Beschwerdeführers bestätigen und damit seine Glaub-
würdigkeit stützen. Es treffe überdies nicht zu, dass die Beschwerdefüh-
renden vage und substanzlose Behauptungen aufgestellt hätten, aus wel-
chen sich erhebliche Ungereimtheiten ergäben. In Bezug auf das politische
Profil des Beschwerdeführers sei festzuhalten, dass das korrupte Regime
in Aserbaidschan willkürlich gegen kritische Bürger vorgehe und es der
gängigen Praxis entspreche, unliebsame Personen unter falschem Vor-
wand zu verhaften. Die eingereichten Videos betreffend die exilpolitischen
Aktivitäten seien selbsterklärend und verfahrensrelevant. Abschliessend
sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer offensichtlich psy-
chisch angeschlagen sei und sich zeitweise in psychotherapeutischer Be-
handlung befunden habe.
5.
5.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
D-335/2021
Seite 14
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1).
5.2
5.2.1 Die Beschwerdeführenden gaben an, sie hätten ihren Heimatstaat
verlassen, weil sie befürchtet hätten, der Beschwerdeführer werde nach
seiner Teilnahme an einer Demonstration im (...) 2018 verhaftet. In diesem
Zusammenhang fällt auf, dass beide anlässlich der BzP erklärten, die be-
treffende Kundgebung habe am (...) 2018 stattgefunden (vgl. A6, Ziff. 7.01
und A8, Ziff. 7.01). Bei der Anhörung berichteten sie dagegen wiederum
übereinstimmend, die Ausreise sei aufgrund einer Demonstration am (...)
2018 erfolgt (vgl. A20, F34 und A25, F32 S. 6). Als der Beschwerdeführer
auf diese unterschiedlichen Daten angesprochen wurde, liess er sich die
betreffende Passage der BzP zeigen und meinte, dass es damals bestimmt
ein Missverständnis gegeben habe (vgl. A26, F44). Bei der Rücküberset-
zung machte er weitere Angaben dazu und erklärte ausdrücklich, die De-
monstration habe am (...) 2018 stattgefunden (vgl. A26, S. 9). Die Be-
schwerdeführerin konnte sich die verschiedenen Angaben ebenfalls nicht
erklären und führte aus, sie habe sich möglicherweise geirrt, aber ihr Mann
sei besser informiert, da er schliesslich an der Kundgebung teilgenommen
habe (vgl. A25, F53 f.). Auf Beschwerdeebene wurde demgegenüber unter
Verweis auf ein Youtube-Video von einer Kundgebung am (...) 2018 gel-
tend gemacht, dass das an der BzP genannte Datum korrekt gewesen sei.
Die Beschwerdeführenden könnten sich heute nicht mehr erklären, wie sie
auf das falsche Datum gekommen seien. Dieses stamme wahrscheinlich
vom Beschwerdeführer, der seine Ehefrau vor der Anhörung korrigiert und
darauf hingewiesen habe, die Kundgebung habe am (...) 2018 stattgefun-
den (vgl. Beschwerdeschrift, S. 8). Diese Erklärung erscheint wenig über-
zeugend. Einerseits bestand der Beschwerdeführer bei der Anhörung da-
rauf, dass die Kundgebung im (...) gewesen sei und die Angabe an der
BzP nicht zutreffe. Zudem machten weder er noch die Beschwerdeführerin
– die beide auf die unterschiedlichen Daten angesprochen wurden – gel-
tend, sie hätten sich im Vorfeld der Anhörung über den Zeitpunkt der Kund-
gebung unterhalten, wobei der Beschwerdeführer seine Ehefrau wegen
des vermeintlich falschen Datums korrigiert habe. Bei der betreffenden
Kundgebung handelt es sich um das entscheidende Ereignis, welches die
Ausreise veranlasst haben soll. Es wäre daher zu erwarten, dass beide
Beschwerdeführenden in der Lage wären, dieses zeitlich einzuordnen.
D-335/2021
Seite 15
5.2.2 Weiter wies das SEM zu Recht darauf hin, dass die Angaben dazu,
wo sich der Beschwerdeführer nach der angeblichen Teilnahme an der De-
monstration aufgehalten habe, nicht nachvollziehbar und widersprüchlich
ausgefallen sind. So führte dieser bei der BzP aus, dass er sich zuerst zehn
Tage lang bei den Schwiegereltern sowie einer Tante versteckt habe, bevor
er nach Hause zurückgekehrt sei (vgl. A6, Ziff. 7.01). Auch die Beschwer-
deführerin erklärte bei ihrer BzP, ihr Ehemann habe sich versteckt, indem
er vier Tage bei ihren Eltern und sieben Tage bei seiner Tante geblieben
sei. Danach sei er zu Hause gewesen und habe gearbeitet (vgl. A8,
Ziff. 7.02). Anlässlich der Anhörung brachte der Beschwerdeführer vor, er
habe – nachdem er von einem Freund telefonisch darüber informiert wor-
den sei, dass er verhaftet werden könnte – einmal bei seinem Onkel über-
nachtet und in der Folge fünfzehn Tage nicht mehr gearbeitet. Zwischen
dem (...) und dem (...) 2018 sei er bei seinen Schwiegereltern respektive
seiner Tante geblieben, bevor er die Arbeit wieder aufgenommen habe. Er
habe sich dabei abwechselnd an verschiedenen Orten aufgehalten, mal in
der eigenen Wohnung, mal bei seiner Tante oder einem Onkel. Nachdem
er von drei Personen in zivil zu Hause gesucht worden sei, habe er auch
nicht mehr jeden Tag zur Arbeit erscheinen können (vgl. A20, F34). Auf die
konkrete Frage, wo er sich ab dem (...) 2018 aufgehalten habe, erklärte er,
dass er zwar nach Hause gekommen sei, sich aber in der folgenden Zeit
kaum dort aufgehalten habe (vgl. A20, F67 f.). Die Beschwerdeführerin
sprach an der Anhörung ebenfalls davon, dass sich ihr Mann vom (...) bis
zum (...) 2018 versteckt habe (vgl. A25, F32 S. 6). Weiter führte sie aus, er
sei von (...) bis zur Ausreise lediglich drei bis vier Mal in ihrer Wohnung
gewesen (vgl. A25, F32 S. 6 f.). Dies widerspricht diametral ihren Aussagen
bei der BzP, wonach er sich etwa zehn Tagen versteckt habe und dann
wieder zu Hause gewesen sei. Eine nachvollziehbare Erklärung für die un-
terschiedlichen Angaben konnte sie nicht geben (vgl. A25, F52). Ange-
sichts der uneinheitlichen Aussagen der Beschwerdeführenden bleibt un-
klar, wo sich der Beschwerdeführer nach der Demonstration im (...) 2018
aufgehalten haben soll und ob er nur selten oder gar mehrheitlich zu Hause
gewesen sei. Es fällt zudem auf, dass die Beschwerdeführenden anlässlich
der Anhörung beide davon sprachen, dass sich der Beschwerdeführer vom
(...) bis zum (...) 2018 versteckt habe – eine Angabe, die offensichtlich nur
dann Sinn macht, wenn die Demonstration tatsächlich am (...) 2018 statt-
gefunden hätte, was indessen gemäss der Beschwerdeschrift unzutreffend
sein soll. Wäre die Kundgebung dagegen Ende (...) gewesen, hätte sich
der Beschwerdeführer danach noch rund (...) Monate im Heimatstaat auf-
gehalten, wobei er mehrheitlich seiner Arbeit nachgegangen sein will (vgl.
D-335/2021
Seite 16
A20, F11 und F34). Dies erscheint eine relativ lange Zeit, wenn er tatsäch-
lich befürchtet hätte, dass er jederzeit verhaftet werden könnte. Der Um-
stand, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelingt, konsistente Anga-
ben zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers während dieses Zeitraums
zu machen, lässt erhebliche Zweifel an ihren Vorbringen aufkommen.
5.2.3 In den Ausführungen der Beschwerdeführenden anlässlich ihrer je-
weiligen BzP finden sich sodann keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer im Anschluss an die Kundgebung im (...) 2018
behördlich gesucht worden wäre. Er selbst gab zwar an, er wisse "zu
100%", dass er gesucht werde. Diese Annahme begründete er jedoch al-
lein mit den Erlebnissen in Haft im Jahr 2017 sowie Informationen, die er
von Kollegen erhalten habe (vgl. A6, Ziff. 7.01). Er verneinte zudem aus-
drücklich, jemals zu Hause von der Polizei gesucht worden zu sein (vgl. A6,
Ziff. 7.02). Die Beschwerdeführerin erklärte auf die Frage hin, wie sich die
geltend gemachte Suche nach ihrem Ehemann geäussert habe und was
sie von dieser bemerkt habe, dass er bei der genannten Protestaktion von
Kameras registriert worden sei. Kollegen hätten ihn gewarnt, dass Mitstrei-
ter von ihnen verhaftet worden seien und er ebenfalls festgenommen wer-
den könnte (vgl. A8, Ziff. 7.02). Bei der Anhörung machten indessen beide
geltend, am (...) 2018 seien drei Männer in zivil zu ihnen nach Hause ge-
kommen. Diese hätten sich nicht ausgewiesen, nach dem (abwesenden)
Beschwerdeführer gefragt und gemeint, dieser wisse, weshalb sie nach
ihm suchten (vgl. A20, F34 S. 7 und A25, F32 S. 6). Als der Beschwerde-
führer später erneut gebeten wurde, die konkreten Hinweise dafür zu nen-
nen, dass er im Heimatland verfolgt werde, meinte er, dies habe mit seinem
"inneren Gefühl" zu tun; zudem habe sein Nachbar ihm gesagt, er habe ein
Auto gesehen, das die ganze Zeit vor seiner Wohnungstür gestanden
habe. Weitere Hinweise habe es nicht gegeben (vgl. A20, F57 ff.; vgl. auch
A26, F28 ff.). Auf Beschwerdeebene wurde diesbezüglich ausgeführt, der
Beschwerdeführer habe den Besuch der drei Personen am (...) 2018 bei
der BzP nicht erwähnt, weil diese zivil gekleidet gewesen seien und er sie
nicht als Polizisten wahrgenommen habe. Bei der Frage nach weiteren Hin-
weisen auf seine Verfolgung sei ihm nicht in den Sinn gekommen, bereits
genannte Vorfälle zu wiederholen, weshalb ihm dazu nichts eingefallen sei
(vgl. Beschwerdeschrift, S. 11). Diese Erklärungen erscheinen wenig über-
zeugend, zumal der angebliche Besuch der drei Männer der einzige kon-
krete Hinweis gewesen wäre, dass die Behörden nach dem Beschwerde-
führer suchen. Die Beschwerdeführerin wurde bei ihrer BzP ausdrücklich
danach gefragt, was sie von der Suche nach ihrem Ehemann gemerkt
habe. Da sie beim Besuch der drei Männer anwesend gewesen sein will,
D-335/2021
Seite 17
wäre zu erwarten gewesen, dass sie dieses Ereignis – den einzigen direk-
ten Kontakt, den sie mit den Behörden gehabt hätte – erwähnen würde.
Sie verwies indessen lediglich auf die Information von Kollegen ihres Man-
nes, welche ihn vor einer möglichen Verhaftung gewarnt hätten. Sodann
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf die konkrete Frage nach
Hinweisen auf eine Verfolgung sein Gefühl und das von einem Nachbarn
beobachtete Auto vor seiner Wohnung erwähnte, wobei es sich bei diesen
beiden Punkten um eine Wiederholung seiner Angaben im freien Bericht
handelte (vgl. A20, F34 und F57). Es ist nicht nachvollziehbar, dass es ihm
nicht in den Sinn gekommen sein soll, die Suche bei ihm zu Hause zu er-
wähnen, zumal er explizit gefragt wurde, ob es abgesehen von den beiden
vorgenannten Elementen – seinem Gefühl und dem geparkten Auto – noch
weitere Hinweise auf eine Verfolgung gegeben habe (vgl. A20, F59). Zu-
dem fällt auf, dass beide Beschwerdeführenden dieses wichtige Sachver-
haltselement bei der BzP ausgelassen haben, während sie bei der Anhö-
rung – wie schon betreffend das Datum der Kundgebung im (...) 2018 so-
wie den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers im Anschluss – überein-
stimmend andere Angaben gemacht haben. Dies erweckt den Eindruck,
dass es sich bei den fluchtauslösenden Ereignissen um konstruierte Vor-
bringen handelt.
5.2.4 Angesichts der dargelegten Ungereimtheiten im Zusammenhang mit
den geltend gemachten Ausreisegründen gelingt es den Beschwerdefüh-
renden nicht, die Ereignisse im (...) 2018 glaubhaft zu machen. Es ist folg-
lich nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer Ende (...) 2018
an einer Demonstration in D._ teilgenommen hat, dabei von einer
Überwachungskamera erfasst und im Anschluss von den Behörden ge-
sucht worden sein soll. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zudem
festzuhalten, dass es wenig plausibel erscheint, dass sich die aserbaid-
schanischen Behörden – wenn sie tatsächlich nach dem Beschwerdefüh-
rer gesucht hätten – darauf beschränkt hätten, während mehreren Mona-
ten lediglich ein einziges Mal inoffiziell bei ihm zu Hause zu erscheinen und
ihn weder vorzuladen noch an seinem Arbeitsplatz nach ihm zu fragen. Vor
diesem Hintergrund kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich
bei der späteren Vorladung vom (...) 2019 um ein authentisches Dokument
handelt, zumal dieses keine Sicherheitsmerkmale aufweist und im Länder-
kontext bekannt ist, dass derartige Unterlagen in Aserbaidschan leicht
käuflich erworben werden können (vgl. dazu auch Urteil des BVGer D-
6659/2018 vom 15. Juli 2021 E. 5.4). Ebenso wenig erscheint es glaubhaft,
dass der Beschwerdeführer nach seiner Ausreise am (...) 2019 in seiner
Wohnung von den Behörden gesucht worden sein soll (vgl. A26, F42).
D-335/2021
Seite 18
5.3 Neben den Ereignissen im Jahr 2018 machte der Beschwerdeführer
geltend, er sei am (...) 2017 bei einem Treffen zur Planung einer Protest-
aktion verhaftet worden. Insgesamt sei er rund zwanzig Tage in Haft gewe-
sen, wobei er im Gefängnis mit Schlägen, Elektroschocks und auf andere
Weise schwer gefoltert worden sei (vgl. A6, Ziff. 7.01 und A20, F38). Sein
Vater habe durch die Zahlung eines Bestechungsgeldes erreichen können,
dass er lediglich zu zwanzig Tagen Haft verurteilt worden sei, andernfalls
hätte ihm eine deutlich höhere Gefängnisstrafe gedroht (vgl. A20, F37 und
F40). Hinsichtlich der vorgebrachten Folter trifft es zwar zu, dass der Be-
schwerdeführer die Erlebnisse in Haft nicht besonders substanziiert be-
schrieben hat. Aus den Befragungsprotokollen geht indessen hervor, dass
es ihm offenbar schwer gefallen ist, über diese Vorfälle zu sprechen (vgl.
A6, Ziff. 7.01; A20, F38 f.; A26, F25). Die befragende Person hat in diesem
Zusammenhang nicht weiter nachgehakt. Weiter kann entgegen den Aus-
führungen in der Vernehmlassung aus dem Umstand, dass der Beschwer-
deführer die Ereignisse des Jahres 2017 bei der Anhörung nicht bereits zu
Beginn des freien Berichts, sondern erst zwei Fragen später erwähnte (vgl.
A20, F34 ff.), nicht darauf geschlossen werden, diese hätten nicht stattge-
funden. Unabhängig von der Glaubhaftigkeit der betreffenden Vorbringen
ist jedoch festzuhalten, dass diese offensichtlich nicht der Grund für die
Ausreise Ende 2018 waren. Vielmehr hielten sich die Beschwerdeführen-
den nach der geltend gemachten Haft des Beschwerdeführers im (...) 2017
noch mehr als ein Jahr lang im Heimatstaat auf. Eigenen Angaben zufolge
haben sie damals nicht daran gedacht, das Land zu verlassen (vgl. A20,
F53). Diese Ereignisse stehen somit nicht in einem zeitlichen und sachli-
chen Kausalzusammenhang zur Ausreise, weshalb sich diese unabhängig
von der Frage der Glaubhaftigkeit nicht als asylrelevant erweisen. In der
Beschwerde wird diesbezüglich angemerkt, dass sich die Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung nicht mit diesen Geschehnissen auseinanderge-
setzt hat. Dies trifft zu; erst in der Vernehmlassung äusserte sich das SEM
zu diesen Umständen und die Beschwerdeführenden erhielten die Mög-
lichkeit, im Rahmen der Replik dazu Stellung zu nehmen. Vor diesem Hin-
tergrund ist die – angesichts der fehlenden Asylrelevanz dieser Sachver-
haltselemente als nur geringfügig zu erachtende – Verletzung des An-
spruchs der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör indessen als ge-
heilt anzusehen. Es rechtfertigt sich daher nicht, die Verfügung aus diesem
Grund aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuschicken. Die auf Beschwerdeebene erfolgte Heilung ist im Rah-
men des Kostenentscheids zu berücksichtigen.
D-335/2021
Seite 19
5.4 Auf Beschwerdeebene wurde weiter gerügt, dass das SEM die Aussa-
gen der Beschwerdeführerin bei der Beurteilung der Asylgründe nicht be-
rücksichtigt habe. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass zumindest eine ge-
wisse Auseinandersetzung mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin in
der angefochtenen Verfügung wünschenswert gewesen wäre. Die Vor-
instanz wies aber zutreffend darauf hin, dass sie bei den Befragungen je-
weils ausdrücklich auf die Asylgründe ihres Ehemannes verwies und er-
klärte, sie habe persönlich keine Verfolgungsmassnahmen erlitten (vgl. A8,
Ziff. 7.01 und 7.02 sowie A25, F32 und F35). Sie machte lediglich geltend,
sie habe insofern Ungerechtigkeiten erlebt, als sie – obwohl dies gesetzlich
vorgesehen wäre – keine staatliche Unterstützung für eine Behandlung er-
halten habe, nachdem sie mehrere Jahre lang nicht schwanger geworden
sei (vgl. A25, F32 S. 6). Zudem sei ihr Haus von einem Erdrutsch bedroht
gewesen und habe Risse gehabt, wobei ihnen die zuständigen staatlichen
Behörden mitgeteilt hätten, dass für solche Fälle kein Budget bestehe
(vgl. A8, Ziff. 7.01). Auch wenn diese fehlende staatliche Unterstützung für
die Betroffenen durchaus eine gewisse Härte bedeutet haben mag, sind
diese Vorbringen offensichtlich nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. Aus der mangelhaften Berück-
sichtigung der Vorbringen der Ehefrau in der angefochtenen Verfügung ist
den Beschwerdeführenden somit kein Nachteil entstanden, da diese nicht
geeignet gewesen wären, zu einer anderen Schlussfolgerung respektive
zur Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft zu führen. Der Umstand, dass
die Vorinstanz sich gar nicht mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin
auseinandersetzte, ist wiederum im Kostenentscheid zu berücksichtigen.
5.5
5.5.1 Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, er habe sich in der
Schweiz exilpolitisch betätigt, indem er an verschiedenen Protestkundge-
bungen teilgenommen habe. Insbesondere habe er bei einer Kundgebung
in H._ am (...) 2019 eine "flammende Rede" gehalten. Zwei Tage
später sei sein Vater in Aserbaidschan festgenommen worden und habe
einen Tag auf dem Polizeirevier verbringen müssen. Ihm sei gesagt wor-
den, es liege ein Suchbefehl für seinen Sohn vor – dieser sei ihm auch
ausgehändigt worden – und es werde Konsequenzen haben, wenn er wei-
ter regierungskritisch auftrete. Nach diesem Vorfall hätten sie jegliche Kon-
takte zu ihren Angehörigen im Heimatstaat abgebrochen (vgl. A26, F10).
5.6 Aus den eingereichten Fotoaufnahmen und Videos lässt sich erkennen,
dass der Beschwerdeführer in der Schweiz an mehreren Kundgebungen
D-335/2021
Seite 20
teilgenommen hat. Darauf ist auch zu sehen, wie er anlässlich einer De-
monstration in H._ eine Rede hält. Die Veranstaltungen erscheinen
indessen eher klein und die Teilnehmerzahl bewegt sich im niedrigen zwei-
stelligen Bereich. Die vorgelegten Internetlinks führen zu Videoclips, wel-
che lediglich um die 100 Views aufweisen. Die Aufnahme, welche angeb-
lich von rund 100'000 Leuten angeschaut worden sein soll (vgl. A20, F21;
A26, F7), lässt sich im Internet unter dem angegebenen Link ([...]) nicht
abrufen. Das betreffende Video ist als privat eingestuft, womit es nur von
Personen angesehen werden kann, welchen die Erlaubnis dazu erteilt
wurde. Es ist somit nicht belegt, dass die exilpolitischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers ein grösseres Publikum erreicht oder eine massgebliche
Reichweite erlangt hätten. Zudem gibt es keine objektiven Hinweise dafür,
dass die relativ kleinen Veranstaltungen in der Schweiz die Aufmerksam-
keit der aserbaidschanischen Behörden auf sich gezogen hätten. Zwar be-
hauptete der Beschwerdeführer, dass sein Vater im Heimatstaat von den
Behörden behelligt worden sei und ein Gerichtsurteil mit einem Suchbefehl
gegen seine Person vorliege, welcher im Zusammenhang mit der Kundge-
bung vom (...) 2019 stehe. Als Beweismittel reichte er – neben dem er-
wähnten Gerichtsurteil – jeweils ein Schreiben seiner Schwester und sei-
nes Vaters ein, welche diese Ereignisse bestätigen sollen. Während beide
eine Festnahme des Vaters vom (...) 2019 erwähnen, wird lediglich im
Schreiben der Schwester ausgeführt, dass die Eltern auch danach noch
rund viermal von Polizisten aufgesucht worden seien, welche die Wohnung
durchsucht und sie unter Druck gesetzt hätten. Diese schriftlichen Bestäti-
gungen von nahen Verwandten weisen jedoch den Charakter von Gefällig-
keitsschreiben auf und sind deshalb nicht geeignet, die geltend gemachte
Verfolgung des Beschwerdeführers im Heimatstaat zu belegen. Zudem
konnte er – wie das SEM in seiner Vernehmlassung zutreffend festhielt –
nicht glaubhaft machen, dass er vor der Ausreise von den Behörden ge-
sucht wurde aufgrund seiner politischen Aktivitäten und der Teilnahme an
einer Demonstration im (...) 2018. Es ist ferner nicht davon auszugehen,
dass er in Aserbaidschan als politischer Aktivist bekannt war oder aus an-
deren Gründen unter Beobachtung der heimatlichen Behörden stand. Vor
diesem Hintergrund erscheint es schwer vorstellbar, dass die aserbaid-
schanischen Behörden nur zwei Tage nach der Kundgebung in H._
am (...) 2019 den Beschwerdeführer identifiziert, seinen Vater aufgesucht
und diesen festgenommen haben sollen. Auch das vorgelegte Gerichtsur-
teil vom (...) 2019 wirft Fragen auf. Gemäss der eingereichten Übersetzung
soll es sich um ein Urteil in Abwesenheit handeln, in welchem der Be-
schwerdeführer für schuldig befunden wird, ein "Verbrechen mit grober
D-335/2021
Seite 21
Verletzung der öffentlichen Ordnung" gemäss Art. 233 des aserbaidscha-
nischen Strafgesetzbuchs begangen zu haben, und sein Eigentum werde
beschlagnahmt. Ein Strafmass ist nicht ersichtlich, indessen enthält das
Dokument eine Anweisung an die Strafverfolgungsbehörden, den Be-
schwerdeführer ausfindig zu machen und festzunehmen. Zudem liefen Er-
mittlungsmassnahmen in Bezug auf die Straftat (vgl. BVGer act. 7, Beilage
Nr. 5). Dieses "Urteil" erscheint in sich widersprüchlich – einerseits sollen
Ermittlungsmassnahmen laufen und der Beschwerdeführer soll ausfindig
gemacht werden, andererseits soll er bereits für schuldig befunden worden
sein. Sodann wird in der Rechtsmittelbelehrung des Urteils ein Artikel 431
des Strafgesetzbuches erwähnt, obwohl dieses lediglich über 353 Artikel
verfügt. Zwar wurde das Urteil im Original eingereicht und es liegt ein Über-
mittlungscouvert für den Versand von Aserbaidschan aus vor. Dennoch be-
stehen erhebliche Zweifel an der Authentizität des Dokuments, wobei er-
neut darauf hinzuweisen ist, dass im Heimatstaat der Beschwerdeführen-
den verschiedenste Unterlagen käuflich erworben werden können und Kor-
ruption weit verbreitet ist. Der Beweiswert des Urteils vom (...) 2019 ist
daher als gering einzuschätzen und es kann nicht als belegt erachtet wer-
den, dass in Aserbaidschan ein Strafverfahren gegen den Beschwerdefüh-
rer läuft respektive ein Urteil gegen ihn ergangen ist. Im Übrigen erstaunt,
dass einzig die Kundgebung vom (...) 2019 für die Familie Konsequenzen
gehabt haben soll, nachdem der Vater – anders als die Schwester – in sei-
nem Schreiben abgesehen von seiner Festnahme am (...) 2019 keine wei-
teren behördlichen Besuche erwähnt. Es erscheint daher nicht glaubhaft,
dass die heimatlichen Behörden von den exilpolitischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers Kenntnis erlangt haben und seine Familienangehörigen
in Aserbaidschan deswegen behelligt worden sind.
5.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden
nichts vorgebracht haben, das geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat folglich
ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt. Zudem ist festzuhalten, dass die Vo-
rinstanz weder den Sachverhalt unvollständig festgestellt noch ihre Be-
gründungspflicht verletzt hat. Es ist nicht erforderlich, dass sich die Begrün-
dung eines Entscheids mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder wider-
legt. Vielmehr darf sich das SEM bei der Begründung einer Verfügung auf
die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. dazu
BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). Nachdem sich die Vorbringen der
Beschwerdeführenden als unglaubhaft erwiesen haben, bestand keine
Veranlassung, sich in der angefochtenen Verfügung vertieft mit der Lage in
D-335/2021
Seite 22
Aserbaidschan und dem Umgang mit politischen Aktivisten auseinander-
zusetzen. Die Angaben zu den Ereignissen aus dem Jahr 2017 sind als
nicht asylrelevant zu erachten, ebenso wie die von der Beschwerdeführerin
vorgebrachten Sachverhaltselemente, welche sie persönlich betreffen.
Entsprechend bestand für die Vorinstanz kein Anlass, diese Umstände in
ihrer Verfügung zu vertiefen.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
D-335/2021
Seite 23
7.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli-
che Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies
ist ihnen jedoch nicht gelungen (vgl. dazu die obenstehenden Ausführun-
gen zur Flüchtlingseigenschaft und zum Asylpunkt [E. 5]). Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 In Aserbaidschan herrscht – trotz des immer wieder aufflammenden
Konflikts mit Armenien um die Region Bergkarabach – weder Krieg noch
Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt. Eine Wegweisung in
diesen Staat ist demnach grundsätzlich als zumutbar zu qualifizieren.
Des Weiteren sind auch keine individuellen Gründe ersichtlich, welche ei-
nem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen würden. Die Beschwerde-
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Seite 24
führenden haben vor der Ausreise in einem Haus in Familienbesitz ge-
wohnt (vgl. A25, F16 f.). Im Heimatstaat leben nach wie vor zahlreiche Ver-
wandte (vgl. A6, Ziff. 3.01; A20, F13 und F17; A8; Ziff. 3.01; A25, F12), wo-
mit sie dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügen, welches sie bei
der Wiedereingliederung unterstützen kann. Der Beschwerdeführer war
stets arbeitstätig und gab an, es sei ihnen finanziell gut gegangen (vgl. A20,
F8 ff.). Auch seine Ehefrau verfügt über mehrjährige Berufserfahrung als
(...) (vgl. A25, F21). Es kann daher angenommen werden, dass sie bei ei-
ner Rückkehr in der Lage sein werden, sich eine wirtschaftliche Existenz
aufzubauen und für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Zudem geht aus
den Akten nicht hervor, dass die Beschwerdeführenden unter mass-gebli-
chen gesundheitlichen Problemen leiden würden (vgl. A25, F28 ff.). Zwar
scheint der Beschwerdeführer zeitweise psychische Problemen gehabt zu
haben. Die betreffende Behandlung beschränkte sich indessen auf zwei
psychotherapeutische Sitzungen (vgl. BVGer act. 14, Beilage 11), was
nicht auf besonders gravierende psychische Beeinträchtigungen schlies-
sen lässt. Es gibt somit keine Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführen-
den aufgrund ihres Gesundheitszustands in eine medizinische Notlage ge-
raten könnten. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass eine Rückkehr
nach Aserbaidschan auch dem Kindeswohl der zwischenzeitlich (...)jähri-
gen Tochter nicht zuwiderläuft, da sich Kinder in diesem Alter noch in erster
Linie an den Eltern orientieren. Insgesamt ist der Vollzug der Wegweisung
als zumutbar zu erachten.
7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu betrachten ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es besteht keine Veranlassung, die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
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9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach-
dem jedoch das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfü-
gung vom 11. Februar 2021 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrens-
kosten zu erheben.
9.2 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-
chen, wenn, wie vorliegend, eine Verletzung der Verfahrensrechte auf Be-
schwerdeebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Be-
messungsfaktoren (Art. 9-13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]) ist die vom SEM auszurichtende Parteientschädi-
gung auf Fr. 300.– festzusetzen.
9.3 Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren unterliegt, ist
dem mit Zwischenverfügung vom 4. März 2021 eingesetzten amtlichen
Rechtsbeistand Daniel Weber, Fürsprecher, durch die Gerichtskasse ein
Honorar auszurichten. Mit Eingabe vom 20. Juli 2021 reichte der Rechts-
vertreter eine Kostennote ein, in welcher er einen Aufwand von elf Stunden
à Fr. 270.– sowie Auslagen von Fr. 86.60 (für Porti und Telefon) geltend
machte, zuzüglich Mehrwertsteuer und Übersetzungskosten, insgesamt
Fr. 3'729.95. Das Gericht geht bei amtlicher Verbeiständung durch Rechts-
anwälte – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 4. März 2021 darge-
legt – von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220. – aus. Der ver-
anschlagte zeitliche Aufwand erscheint im Vergleich zu ähnlichen Fällen
trotz verschiedener Beweismitteleingaben überhöht, zumal die Beschwer-
deeingabe nicht durch den amtlichen Rechtsbeistand erstellt worden ist.
Die Übersetzungskosten sind demgegenüber als notwendige Auslagen zu
ersetzen. Demnach erscheint – inklusive der Eingabe vom 20. Dezember
2021 – ein zeitlicher Aufwand von neun Stunden als angemessen, womit
das amtliche Honorar für das ganze Verfahren auf Fr. 2'664. – (gerundet;
inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. Der unter dem
Titel der Parteientschädigung durch das SEM zu entrichtende Betrag ist
davon in Abzug zu bringen. Dem amtlichen Rechtsbeistand ist folglich zu-
lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 2'364.– (inklusive
Auslagen) zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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