Decision ID: 8c75a510-9062-42c9-b36c-5aafba4aca2b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X._
, gelernter Autoelektriker, ist seit dem
1.
Oktober 2002 Hausmann. Am 2
9.
September 2011 (Eingangsdatum) mel
dete er sich unter Hinweis auf Multiple Sklerose bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/11). Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse
zog
die IV-Stelle zunächst einen Auszug aus dem individuellen Konto
bei (
Urk.
6/16)
,
holte Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
6/17,
Urk.
6/19,
Urk.
6/21, Urk.
6/23) und führte am
3.
Juli 2012 eine
Haushaltsabklärung
durch (Urk.
6/24).
Mit Ver
fügung vom 1
9.
November 2012 verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Rentenanspruch (
Urk.
6/28).
Am 1
2.
Juli 2017 (Eingangsdatum) stellte der Versicherte bei der IV-Stelle erneut ein Leistungsgesuch (
Urk.
6/33)
.
Von der IV-Stelle darauf hingewiesen, dass zur Glaubhaftmachung einer gesundheitli
chen Veränderung entsprechende
Beweis
mittel beigebracht werden müss
t
en (
Urk.
6/36), reichte der Versicherte Schreiben der behandelnden Ärzte
zu den Akten
(
Urk.
6/38-39).
In der Folge holte die IV-Stelle
Arztberichte ein
(
Urk.
6/41 und 6/43-45,
Urk.
6/49 und
Urk.
6/51)
,
zog Auszüge aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
6/42 und
Urk.
6/46) und führte am
5.
Juni 2018 eine Haushaltsabklärung durch (
Urk.
6/53).
Nach durchgeführ
tem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom
3
0.
Juli 2018
, Urk.
6/
57
; Einwand vom
30. August 2018
,
Urk.
6/
62; Einwand vom
4.
Oktober 2018,
Urk.
6/65
)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügung vom
26.
November 2018
eine Viertelsrente zu
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
der Versicherte
am
1
1.
Januar 2019
Besch
werde und beantragte, es sei ihm
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine
höhere Rente zuzu
sprechen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
der Beschwerdeführer um einen zwei
ten Schriftenwechsel
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
Februar 2019
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5
), was de
m
Beschwer
deführer mit Verfügung vom
1
3.
Februar 2019 angezeigt wurde. Das hiesige Gericht erachtete die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels als nicht erfor
derlich (Urk. 7
).
Mit Beschluss
vom
2.
April 2020 wurde dem Beschwerdeführer
Gelegenheit eingeräumt, um zu der vom Gericht nicht auszuschliessenden Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen möglichen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu
seinem
Nachteil (reformatio in peius) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen
(
Urk.
9)
. Mit Eingabe vom
2
1.
April 2020 hielt er
an
seiner
Beschwerde fest
und stellte ergänzend den Antrag auf eine gutachterliche Abklä
rung durch das hiesige Gericht
(
Urk.
11
).
3.
Auf Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforder
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in glei
cher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessen
des Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
Novem
ber 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ver
weigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der
Verordnung ü
ber die Invalidenversicherung,
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Ren
tenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweis
erhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV
Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin trat auf die Neuanmeldung ein
und erwog im angefoch
tenen Entscheid,
aus den medizinischen Akten
gehe
hervor
,
dass der Beschwer
deführer aufgrund seiner körperlichen und psychischen Beschwerden ab
1.
Januar 2017 ganz in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Aus ärztlicher Sicht sei der Beschwerdeführer im Erwerbsbereich
noch
bis auf weiteres zu 50
%
eingeschränkt. Gemäss den Abklärungen
würde der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit in einem 80%-Pensum tätig sein
. Die restlichen 20
%
würden
in den Haushaltsbereich
entfallen
, in welchem eine Einschränkung von 25
%
festgestellt worden sei. Die Berechnung des Invaliditätsgrades sei anhand statis
tis
cher Werte erfolgt, da
in der Vergangenheit unterschiedliche Einkommen erzielt worden seien. Nach der
gemischten Methode betrage der Inval
i
d
itätsgrad 49
%
,
weshalb
ein Anspruch auf eine Viertel
sre
n
t
e entstehe
. Somit habe der Beschwerdeführer nach Ablauf des gesetzlichen Wartejahres ab
1.
Januar
2018 Anspruch auf eine Viertelsrente
(
Urk.
2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass er
gemäss den Ausführungen seines Psychiaters im angestammten Beruf überhaupt nich
t
mehr arbeitsfähig
sei
und in angepasster Tätigkeit höchstens noch ei
ne Arbeitsfähigkeit von 2
5
%
aufw
e
i
se. Bei der
Beurteilung
der MS-
Erkrankung
durch seinen früheren
Neurologen
sei
en
gemäss den
Ausführungen
des Beschwerdeführers die massive Fatigue
sowie
das Beinzucken
vergessen gegan
gen
. Zudem sei durch die
Erkrankung
sei
ne Konzentration massiv gestört,
er könne nicht mehrere Stunden am Stück arbeiten
und seine
Arbeitsleistung
sei
zusätzlich
massiv
verlangsamt. Deshalb
sei
s
icher von einer
höheren
Arbeitsun
fähigkeit als 50
%
auszugehen.
Sodann würde er bei guter Gesundheit
aufgrund des höheren Lohnes
mit
überwiegender
Wahrscheinlichkeit 100
%
arbeiten
. Ins
besondere auch, da seine Ehefrau gesundheitlich ebenfalls durch die Krebserkran
kung eingeschränkt sei und nur ein sehr reduziertes Einkommen erzielen könne.
Vor seiner Erkrankung habe er immer in vielen Projekten gleichzeitig gearbeitet und somit stundenmässig immer über 100
%
gearbeitet, was er auch noch heute bei guter Gesundheit tun würde. Er sei deshalb als Vollerwerbstätig
er
zu qualifi
zieren. Die Haushaltsabklärungen vom 2
6.
Juli 2012 und vom
3.
Juli 2018 würden dies belegen. In beiden Haushaltsberichten sei festgehalten worden, dass er bei guter Gesundheit zwischen 80
%
und 100
%
beziehungsweise
mindestens 80
%
arbeiten würde. Unter diesen Umständen sei von einer Vollerwerbstätigkeit auszugehen, oder zumindest von einer 90%-igen Erwerbstätigkeit. Es sei unfair, auf den tiefst möglichen Wert abzustellen. Hinzu komme, dass be
i der Invalidi
tätsberechnung
wegen
all
d
er
schweren Beeinträchtigungen
und
des verlangsam
ten
Arbeitstempos
ein Abzug von mindestens 10
%
auf das von der Beschwerde
ge
g
nerin tabellarisch berechnete Invalideneinkommen
vorzunehmen
sei
. Zudem sei das Valideneinkommen zu tief berechnet
. Demnach habe er Anspruch auf eine höhere
Invalidenrente
(
Urk.
1).
Mit Eingabe vom
2
1.
April 2020
(
Urk.
1
1
) ergänzte
der Beschwerdeführer
, dass
die bereits sehr lange Verfahrensdauer und die ungenügenden Abklärungen der Beschwerdegegnerin dazu führten, dass vorliegend ein Gerichtsgutachten ange
zeigt sei. Die in der Beschwerde
erwähnten
Kritiken seien nämlich bereits im
Ein
wandverfahren
vorgebracht worden. Trotzdem habe
die Beschwerdegegnerin
keine
entsprechenden
Abklärungen vorgenommen. Eine Rückweisung an die Vorinstanz führe erfahrungsgemäss zu einer weiteren
Verzögerung von zwei Jahren. Bis
zu einem neuen Vorbescheid
wären
dann seit der Anmeldung
fünf Jahre
vergangen, was unzumutbar sei (Urk.
11 S. 3).
3.
Der
Verfügung vom
19. November 2012
(
Urk.
6
/
28
)
lag in medizinischer Hinsicht unter anderem der Bericht von
Dr.
Y._
vom
7.
August 2012 zugrunde
(Urk. 6/23)
. Dr.
Y._
, bei welchem der Beschwerdeführer seit September 2009 in Behandlung war,
mass der seit Herbst 2009 bestehenden s
chub
förmig
remittierende
n Multiple
n
Sklerose
, St. n. mechanischem Wurzelreizsyndrom C6 links bei degenerativ bedingter Einengung des Foramen intervertebrale C5/6 links, St. n tiefer Venenth
r
ombose des rechten Beins 2010 sowie St. n. leichter
Schädigung
des linken Nervus ulnaris im Kubitalabschnitt (Sulcus ulnaris Syndrom)
, keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu
.
Es bestehe eine leichte Sehminderung auf dem linken Auge,
Antriebsarmut, Müdigkeit, verminderte Konzentration (
potenziell
reversib
e
l
unter antidepressiver Therapie). Die leichte Sehminderung wirke sich nicht auf die
Arbeitsfähigkeit
aus. Die kognitiven Symptome könnten die
Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen, seien aber
potenziell reversibel
(
Urk.
6/23/2-3). In der bisherigen Tätigkeit als Maschinenreparateur bestehe, sofern die Fatigue-Symptomatik günstig auf die medikamentöse antidepressive Therapie angesprochen habe, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei länger anhal
tenden kognitiven Symptomen (einschliesslich Fatigue) müsse die Arbeitsfähig
keit neu evaluiert werden. Er sehe derzeit weder ein
en
Bedarf noch eine Möglich
keit einer optimal angepassten Tätigkeit (Urk.
6/23/7). Gestützt darauf hielt PD
Dr.
med. univ.
Z._
, Facharzt Neurologie, des RAD am 1
3.
September 2012 fest, dass kein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (
Urk.
6/
25/4)
.
4.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
im Rahmen der Neuanmeldung vom 1
2.
Juli 2017
(Eingangsdatum,
Urk.
6
/
33
) auf folgende Unterlagen:
4.1
Dr.
med.
A._
,
Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie, erhob in seinem Bericht vom 2
7.
September 2017 folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/41/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, ggw. mittelgradig ausgeprägte
Episode
mit
somatischem Syndrom (
ICD-10: F33.11
)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10: F40.01
)
-
Soziale Phobie (
ICD-10: F40.1
) seit Kindheit
-
Multiple Sklerose ED 09/10
-
Tieftontinnitus
-
Optikusneuritis
Aus rein psychiatrischer Sicht zeige sich seit Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 75
%
. Die Gesamta
r
b
eitsfähi
g
keit werde jedoch massgeblich durch die
somatische Erkrankung definiert. Aufgrund der Konzentrations- und Aufmerk
samkeitseinbussen sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage
,
auf längere Sicht komplexe Abläufe auszuführen. Er benötige sicher mehr Zeit
,
um seine Arbeit zu verrichten
,
und müsste mehr Pausen einlegen. Es seien auch seine körperliche Belastbarkeit und Ausdauer eingeschränkt. Näheres müsse den neurologischen Kollegen in der Einschätzung überlassen werden. Die bisherige Tätigkeit sei medizinisch nicht mehr zumutbar (
Urk.
6/41/3-4).
4.2
Dr.
Y._
hielt
in seinem Bericht vom 2
9.
September 2017
als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
schubförmige Multiple Sklerose seit 2010 fest. Unter Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein
en
Status nach psychosozialem Ausnahmezustand Ende Februar 2017 und
ein Status nach tiefer Venenthrom
b
o
se
am rechten
Bein 2010
(
Urk.
6/45/1-2). Der Beschwerdeführer sei von Januar bis Mai 2017 voll arbeitsunfähig gewesen, von Juni bis Juli 2017 75
%
und seit August 2017 zu 50 %. Nebst der paraspastisch-ataktischen Gangstörung habe der
Beschwerdeführer
seit dem letzten Schub Ende Dezember 2016 einen störenden Tinnitus und ein Vibrieren im Rumpf und in den Beinen. Dies führe zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungen
. Die bishe
rige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht
in einem 50%-Pensum
noch
zumutbar
(Urk.
6/45/3).
4.
3
Dr.
med.
B._
, Facharzt Innere Medizin, erhob am
2.
Oktober 2017 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/43/1):
-
Multiple Sklerose ED 2010
-
2010 Optikusneuritis
-
04/2011 erneute Optikusneuritis links
-
01/2017 Schub mit Gesichtsfeldeinschränkung links, Tinnitus, Parästhesien linke Körperhälfte
-
Rezidivierende depressive Störung, zuletzt mittelgradig ausgeprägt
e Episode
mit somatischem Syndrom
(
ICD
-10:
F33.11
)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
-
12.2010 Popliteal/Unterschenkelvenenthrombose rechts
-
Deze
mber 2010 Bulbitis duodeni, Era
dikationsther
a
pie bei Helicobacter pylori
-
04.2011 febriler Harnwegsinfekt, prostatogene obstruktive und irritative infravesikale Miktionsbeschwerden
-
2010 mechanisches Wurzelrei
z
syndrom C6 links bei degenerativ bedingter foraminaler Einengung C5/6 linksbetont
Bezüglich der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit verwies er auf den Bericht von
Dr.
Y._
(
Urk.
6/43/2-3).
4.4
Dr.
A._
führte in seinem Bericht vom 1
7.
J
anuar 2020 bei gleichgebliebe
nen
Diagnose
n
aus, dass aus rein psychiatrischer Sicht di
e Arbeitsunfähigkeit zum gegenwä
rtigen Moment immer noch ca. 75
%
betrage. Die Gesamtarbeitsfä
higkeit werde jedoch massgeblich durch die somatische Erkrankung definiert. In der aktuellen Situation halte er den Beschwerdeführer insgesamt für 100
%
arbeitsunfähig und auch eine
angepasste
Tätigkeit sei nicht förderlich (
Urk.
7/49/1-2).
4.5
Dr.
Y._
hielt in seinem Bericht vom 2
2.
Februar 2018 fest, dass sich seit seiner letzten
Berichterstattung
am 2
9.
September
2017
keine Befundänderung
ergeben habe
.
Da der linksseitige Tinnitus und die intermittierenden Körpervibrationen zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungen führten, sei bei dem Beschwer
deführer die maximale Arbeitsdauer eingeschränkt. Zudem solle er öfters Arbeits
pausen einlegen. Er könne an 4 Stunden pro Tag als Elektri
ker/Staubsaugerreparateur arbeiten
(
Urk.
7/51/2).
5.
5.1
Unstrittig ist, dass beim Beschwerdeführer – laut den behandelnden Ärzte
n
sowie de
m
RAD
– in somatischer Hinsicht eine
schubförmige Multiple Sklerose
b
esteht, aufgrund welcher der Beschwerdeführer nebst der paraspastisch-ataktischen Gangstörung an einem störenden Tinnitus und einem Vibrieren im Rumpf und in den Beinen leidet.
Aus psychiatrischer Sicht wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwertig mittelgradige Episode, eine Agrophobie mit Panikstörung sowie eine soziale Phobie diagnostiziert.
Strittig und zu prüfen ist hingegen, in welchem Umfang sich diese Leiden auf
die
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdefüh
rers
auswirken
. Dies kann anhand der im Recht liegenden Akten nicht
eindeutig
beurteilt werden.
5.2
Dr.
A._
hielt
in seinem Verlaufsbericht vom 1
7.
Januar 2018
aus rein psy
chiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von
ca. 75
%
fest
. Die Gesamt
arb
eitsfähigkeit werde jedoch mass
geblich durch die somatische Erkrankung definiert. Im angestammten Beruf sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfä
hig. Auch eine angepasste Tätigkeit sei «nicht förderlich» (
E. 4.4
). Demgegenüber
führte
Dr.
Y._
in seinem Verlaufsbericht vom 2
2.
Februar 2018
zwar aus, dass
der linksseitige Tinnitus und die intermittierenden Körpervibrationen zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungen
des Beschwerdeführers geführt hätten, weshalb
die maximale Arbeitsdauer eingeschränkt
sei und ein er
höhter Pausen
bedarf bestehe, j
edoch sah er ihn
in seiner angestammten
Tätigkeit
als Elektri
ker/Staubsaugerreparateur
immer noch
für
4 h pro Tag
arbeitsfähig
(
E. 4.4
).
Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge einzig eine interne Beurteilung des RAD ein. Ohne
den Beschwerdeführer
zu untersuchen
und
seine
Stellungnahme zu begründen
,
erstellte
PD
Dr.
med. univ.
Z._
folgendes Belastungsprofil: körper
lich leichte Tätigkeiten, primär im Sitzen, mit Möglichkeit zu Wechselbelastung, keine Hitzeexposition, keine Nachtschicht. Dabei hielt er fest, dass der Beschwer
deführer
sowohl
in der bisherigen Tätigkeit als Staubsaugerreparateur
als auch
in
einer
angepassten Tätigkeit nach Belastungsprofil ab dem
1.
August 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50
%
aufweise (
Urk.
6/55/5-6). Der vom behandelnden Psychiater attestierten, vollständig aufgehobenen Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit schenkte er dabei keinerlei Beachtung.
Es fehlt somit an einer
fachärzt
lichen
G
esamtbeurteilung des komplexen Krankheitsbildes
.
Insgesamt kann dem
nach nicht gesagt werden, dass keinerlei Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Stellungnahme bestehe.
6.
6.1
Nach dem Gesagten
fehlt es an einer verlässlichen medizinischen
Gesamtb
eurtei
lung der
Arbeitsfähigkeit
in bisheriger und/oder in angepasster Tätigkeit und damit an einer hinreichenden Entscheidgrundlage zur Beurteilung des Rentenan
spruches des Beschwerdeführers.
Bei
der
Beurteilung
der Gesamtarbeitsfähigkeit handelt es sich
um eine notwendige Erhebung einer bisher vollständig ungeklär
ten Frage
, da
weder eine gutachterliche Gesamtbeurteilung noch eine zweifels
freie Gesamtbeurteilung des RAD
den Akten
beiliegt
.
Demnach liegt diesbezüglich a
us dem Verwaltungsverfahren
g
ar kein
Abklärungsergebnis
vor
, was
eine
Rück
weisung zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
möglich macht.
6.2
D
ie vom Beschwerdeführer beantragte Einholung eines Gerichtsgutachtens
ist
einstweilen
somit
nicht erforderlich. D
ie angefochtene Verfügung
ist
aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medi
zinischen Sachverhalt rechtsgenüglich abkläre und gestützt darauf neu über den Rentenanspruch
des Beschwerdeführers
verfüge.
6.3
Angesichts dieser Ausgangslage erübrigen sich zu diesem Zeitpunkt Ausführun
gen zu
den
strittigen Frage
n
der Qualifikation
sowie des
leidensbedingten Abzug
s
.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
7
.2
Überdies hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1 GSVGer in Verbindung mit
Art.
61 lit. g ATSG).
Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte dem Gericht am 1
2.
März 2019 eine Honorarnote in der Höhe von gesamthaft
Fr.
1'382.95 (inklusive Barauslagen und MWSt) ein.
Die Höhe der Honorarnote erweist sich als angemessen.