Decision ID: 5d094d4a-e5bd-523c-b65a-9b912ada3d97
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer − ein aus B._, stammender, der Ethnie der
Saho angehörender eritreischer Staatsangehöriger − reiste am 22. Feb-
ruar 2017 in die Schweiz ein und stellte am gleichen Tag im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) C._ ein Asylgesuch. Am 2. März 2017
fand seine summarische Befragung zur Person (BzP) im EVZ statt. Am
5. Dezember 2017 wurde eine Anhörung zu den Asylgründen gemäss
Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) und am 27. Februar 2018 eine ergän-
zende Anhörung durchgeführt.
B.
B.a In der BzP gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, sein Vater sei seit
22 Jahren (1995) in Haft. Er selber sei im September 2012 zweimal fest-
genommen worden, als er sich bei den Sicherheitskräften nach dem Ver-
bleib seines Vaters erkundigt habe. Er habe im Jahr 2013 die (...) Klasse
der Schule abgeschlossen und sei danach von 2014 bis 2015 für die
"Nationale Union der Schüler und Jugend von Eritrea" (Schülerunion;
National Union of Eritrean Youth and Students, NUEYS) in B._ tätig
gewesen. Im Mai 2015 sei es in B._ zu einem Konflikt mit Soldaten
gekommen, weil mehrere Häuser, unter anderem dasjenige seiner Familie,
abgerissen worden seien. Ab Mitte des Jahres 2015 sei er drei Monate lang
in D._ im Gefängnis gewesen, nachdem er versucht habe, Eritrea
illegal zu verlassen. Im Jahr 2015 habe man ihn zwingen wollen, nach
E._ zu gehen, um dort einen politischen Unterricht zu besuchen und
danach als "Kader" (Agitator) tätig zu sein. Er habe sich diesem Ansinnen
jedoch widersetzt. Wegen dieser Weigerung, seiner Bekanntheit aufgrund
der Tätigkeit für die Schülerunion und seinen Erkundigungen nach dem
Verbleib seines Vaters sei er im Visier der Sicherheitskräfte gewesen. Am
(...) November 2015 sei er mit zwei Freunden illegal nach Äthiopien aus-
gereist. Der Fussmarsch von B._ bis zur Grenze habe zehn Tage
gedauert. Sie seien bei der Grenzüberquerung in F._ beschossen
worden. Nach seiner Ausreise sei seine Mutter aufgefordert worden,
ihn herbeizuschaffen, und sie sei für vier Monate inhaftiert worden.
B.b Im Rahmen der Anhörungen brachte der Beschwerdeführer vor, er
habe nach dem Abschluss der Schule im Jahr 2012 bis 2014 als (...)gehilfe
gearbeitet. Im September 2012 habe er sich bei der Polizei in B._
nach seinem Vater erkundigt – der seit 1995 im Gefängnis (...) inhaftiert
sei –, und er sei deswegen zehn Tage lang auf dem Polizeiposten festge-
halten worden. Daraufhin sei er wegen der gleichen Sache zum
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Sicherheitsdienst in B._ gegangen. Dort sei er zwanzig bis fünfund-
zwanzig Tage festgehalten und gefoltert worden. Er habe danach noch
wiederholt wegen seines Vaters bei den Behörden vorgesprochen und sei
dabei jeweils für einen oder zwei Tage festgehalten worden. Ab (...) 2014
sei er für die Kulturabteilung der "Hamamate" (Abkürzung der Bezeichnung
der NUEYS in der Sprache Tigrinya, Anmerkung des Gerichts) als (...) tätig
gewesen. Diese Tätigkeit sei nicht freiwillig gewesen, sondern er sei dieser
Organisation zugeteilt worden, weil er den Militärdienst in G._ nicht
habe absolvieren wollen. Im Juni 2014 sei er bei einem Ausreiseversuch
beschossen und festgenommen worden. Danach sei er in einem unterirdi-
schen Gefängnis in D._ festgehalten und regelmässig geschlagen
und getreten worden. Nach drei Monaten, (...) September 2014 respektive
am (...) Oktober 2014, habe er aus dieser Haft entkommen können, als er
und die anderen Häftlinge nach draussen gebracht worden seien, um ihre
Notdurft zu verrichten. Er sei dann nach B._ zurückgekehrt, wo er
zur "Hamamate" gegangen und dieser von seinem Fluchtversuch und der
anschliessenden Inhaftierung berichtet habe. Die "Hamamate" habe sich
dafür eingesetzt, dass er von den Behörden nicht weiter wegen seiner
Flucht behelligt worden sei. Bei einer Auseinandersetzung wegen des Ab-
risses der Häuser in B._ am (...) Mai 2015 hätten Vertreter der Be-
hörden Videoaufnahmen gemacht, und in der darauffolgenden Nacht hät-
ten sie begonnen, Leute mitzunehmen. Aus Angst vor Konsequenzen habe
er zwei Nächte im Freien verbracht. Zur Ausreise aus Eritrea habe er sich
entschlossen, weil ihm mitgeteilt worden sei, dass er ab Anfang 2016 eine
militärische Grundausbildung in D._ machen und eine Waffe tragen
müsse. Im Übrigen seien er und seine Kameraden im Jahr 2015 auch in-
formiert worden, dass sie in E._ einen politischen Kurs absolvieren
müssten. Aus ihm unbekannten Gründen sei es dazu aber nicht gekom-
men. Überdies habe er befürchtet, anhand der im Zusammenhang mit dem
Häuserabriss in B._ gemachten Videoaufnahmen von den Behör-
den gesucht zu werden. Er sei am (...) November 2015 zusammen mit zwei
Freunden illegal ausgereist. Sie seien innert etwa 11 Stunden in Begleitung
eines ortskundigen, aus seinem Dorf stammenden Soldaten zu Fuss zum
Grenzfluss gegangen, wo ihnen der Soldat den Weg über die Grenze ge-
zeigt habe. Im Dezember 2015 sei seine Mutter unter dem Vorwurf, ihn bei
der illegalen Ausreise unterstützt zu haben, festgenommen und deswegen
für etwa vier Monate festgehalten worden. Er befürchte, bei einer Rückkehr
nach Eritrea ebenfalls inhaftiert zu werden.
B.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine
Wohnsitzbescheinigung, ausgestellt am (...), in Kopie ein.
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Seite 4
C.
Mit Verfügung vom 8. Juli 2019 (eröffnet am 10. Juli 2019) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 29. Juli 2019 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde und beantragte die vollumfängliche Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und die Gewährung des Asyls; eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig
aufzunehmen, subeventualiter die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu
gewähren; subsubeventualiter die Sache an die Vorinstanz zur Neubeur-
teilung zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertre-
terin als unentgeltliche Rechtsbeiständin.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 7. August 2019 hiess der Instruktionsrichter
die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG
gut, setzte antragsgemäss MLaw Céline Benz-Desrochers als unentgeltli-
che Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehm-
lassung eingeladen.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. August 2019 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
G.
Mit Eingabe vom 5. September 2019 machte der Beschwerdeführer von
dem ihm (mit Instruktionsverfügung vom 27. August 2019) eingeräumten
Recht zur Replik Gebrauch, wobei er vollumfänglich an den Ausführungen
in der Beschwerdeeingabe festhielt.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, der Be-
schwerdeführer habe widersprüchliche Aussagen zum Zeitpunkt des Ab-
schlusses seiner Schulausbildung und zum Datum seiner dreimonatigen
Inhaftierung wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs gemacht. Ebenso
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Seite 6
widersprüchlich habe er sich dazu geäussert, ob er bei diesem Fluchtver-
such oder bei seiner Ausreise an der Grenze in F._ beschossen
worden sei, sowie zu den Umständen der Ausreise im Jahr 2015 (Anzahl
der Begleiter, Dauer der Reise vom Wohnort bis zur Grenze) und zum Aus-
stelldatum der eingereichten Einwohnerkarte. Dass er sich auch nach 2012
wiederholt bei den Behörden nach seinem Vater erkundigt habe, habe der
Beschwerdeführer in der BzP ebenso wenig erwähnt, wie dass seine Mut-
ter nach seiner Ausreise inhaftiert worden sei. In der Anhörung habe er
angegeben, er sei ausgereist, weil er in E._ hätte an der Waffe aus-
gebildet werden sollen, während er in der BzP nur seine Weigerung er-
wähnt habe, den politischen Unterricht zu besuchen. Die Ausführungen
des Beschwerdeführers zu seinem gescheiterten Fluchtversuch, zur an-
schliessenden Inhaftierung in D._ und zu seiner Flucht aus dem
Gefängnis seien trotz mehrmaliger Nachfrage sehr oberflächlich und vage
ausgefallen und würden nicht den Eindruck der Schilderung tatsächlicher
Erlebnisse vermitteln. Dass er angeblich auch nach der Flucht aus dem
Gefängnis ohne irgendwelche Probleme wiederholt Kontakt zu den Behör-
den gehabt habe, verstärke die Zweifel an seinen Asylvorbringen. Diese
vermöchten demnach den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG nicht standzuhalten.
Im Weiteren sei festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer geschilder-
ten zweimaligen Inhaftierungen und Misshandlungen im Jahr 2012 im Zeit-
punkt der Ausreise bereits mehrere Jahre zurückgelegen hätten und dem-
nach keine fluchtauslösenden Ereignisse gewesen seien. Er habe auch
nicht geltend gemacht, aus diesem Grund zu einem späteren Zeitpunkt
noch einmal Probleme gehabt zu haben. Beim Häuserabriss im Jahr 2015
und den damit verbundenen Ereignissen habe es sich nicht um eine gezielt
gegen den Beschwerdeführer gerichtete Verfolgungsmassnahme gehan-
delt. Es seien den Akten keine Hinweise für eine in diesem Zusammenhang
zu befürchtende zukünftige Verfolgung zu entnehmen. Es handle sich um
Nachteile, die auf die allgemeinen Lebensbedingungen in seinem Heimat-
staat zurückzuführen seien und demnach keine asylbeachtliche Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen würden.
Gemäss dem Koordinationsurteil D-7898/2015 des Bundesverwaltungsge-
richts sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass eritreische Staatsbürger aufgrund einer illegalen Ausreise mit asyl-
rechtlich relevanten Sanktionen rechnen müssten. Andere Anknüpfungs-
punkte, die den Beschwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes
als missliebige Person erscheinen lassen könnten, seien nicht ersichtlich.
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Im Weiteren seien den Akten keine konkreten Hinweise dafür zu entneh-
men, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Eritrea mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine gegen Art. 3 EMRK verstossende Be-
handlung oder Bestrafung drohe. Weder eine drohende Einberufung in den
Nationaldienst noch die generellen Defizite im Bereich der Menschen-
rechte würden der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenste-
hen. Ferner werde gemäss der aktuellen Lageeinschätzung des SEM und
des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer generellen Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs ausgegangen. Es seien auch keine individuel-
len Gründe ersichtlich, die auf eine existenzbedrohende Situation des Be-
schwerdeführers schliessen lassen würden. Er verfüge über eine gewisse
Schulbildung sowie Arbeitserfahrung und – mit seinen Angehörigen in
Eritrea sowie im Ausland – über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz,
auf dessen Unterstützung er zählen könne.
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer rügte zur Begründung seiner Beschwerde zu-
nächst, das SEM habe den Sachverhalt in der angefochtenen Verfügung
inhaltlich und chronologisch falsch widergegeben und deshalb die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen zu Unrecht verneint. Die unrichtigen Angaben
in der BzP hinsichtlich des Datums des Schulabschlusses seien auf die
Aufregung durch die Befragungssituation zurückzuführen; es handle sich
um einen geringfügigen Widerspruch, welcher die Glaubhaftigkeit seiner
Asylvorbringen nicht beeinträchtige. Die Frage 121 in der ersten Anhörung
sei eine "Fangfrage" gewesen. Der Befrager habe gewusst, dass er sich
vor seiner Inhaftierung in D._ im Jahr 2014 nach seinem Vater
erkundigt habe. Spätere Erkundigungen nach seinem Vater habe er in der
BzP nicht erwähnt, weil es solche nicht gegeben habe. Hinsichtlich der
befürchteten militärischen Ausbildung durch die eritreischen Behörden
liege kein Widerspruch vor. Er habe in der BzP klar geäussert, dass die
Behörden beabsichtigt hätten, ihn als Kader einzusetzen und er entspre-
chend politischen Unterricht erhalten habe. Als Kader hätte er auch an der
Waffe ausgebildet werden sollen. Er sei als Deserteur zu betrachten, weil
er vor Absolvierung dieser Ausbildung geflüchtet sei. Seine authentische
Reaktion auf den Vorhalt der unterschiedlichen Aussagen zur Dauer seiner
illegalen Ausreise aus Eritrea im Jahr 2015 zeige, dass diesbezüglich
offensichtlich ein grober Fehler im BzP-Protokoll vorliege, der ihm nicht
entgegengehalten werden könne. Bezüglich der Ereignisse bei der Aus-
reise liege kein Widerspruch vor, sondern seine diesbezüglichen Aussagen
in den Befragungen würden sich ergänzen. Auch seine Aussagen zur
Anzahl der mit ihm ausgereisten Personen seien nicht widersprüchlich;
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sie seien zu dritt gewesen und der Schlepper sei noch vor der Grenze um-
gekehrt. Ferner habe er auch in der BzP klar deklariert, dass seine Mutter
nach einer Aufforderung, ihn herbeizuschaffen, inhaftiert worden sei. Dass
er ihr hierzu anlässlich ihrer Telefongespräche keine genaueren Fragen ge-
stellt habe, sei nachvollziehbar. Seine Aussagen in Bezug auf die Wohn-
sitzbescheinigung und Einwohnerkarte seien sehr plausibel und ausführ-
lich. Auch die Fragen in Bezug auf das Gefängnis in D._ und die
erlebten Haftbedingungen habe er detailliert beantwortet, und die Flucht
aus dem Gefängnis habe er gut schildern können. Das SEM habe nicht
begründet, weshalb seine diesbezüglichen Schilderungen unglaubhaft
seien. Er sei anschliessend zur "Hamamate" zurückgekehrt und habe dort
erklärt, was ihm zugestossen sei. Seine Mitgliedschaft bei dieser Organi-
sation und der Umstand, dass er zu dieser zurückgekehrt sei, habe ihm
weitere Probleme mit den Gefängnisbehörden erspart.
3.2.2 Ferner hätten die Befragungen nicht in seiner Muttersprache Saho
sondern in Tigrinya stattgefunden, was für ihn eine Fremdsprache sei, die
er nur teilweise beherrsche. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass
es deshalb zu Missverständnissen und Widersprüchen gekommen sei.
Er habe nicht korrekt kommunizieren und die Übersetzungen nicht vollstän-
dig verstehen können. Im Übrigen gebe die protokollierte deutsche Über-
setzung lediglich einen bereinigten Dialog zwischen der asylsuchenden
Person und dem Befrager wieder, welcher nur für das grobe Verständnis
ausreiche, nicht aber um der befragten Person jedes Detail entgegenzu-
halten. Diese Umstände könnten kleine Abweichungen in den protokollier-
ten Aussagen erklären. Zu bemerken sei auch, dass die BzP sehr kurz ge-
wesen sei und ihm mehrheitlich geschlossene Fragen gestellt worden
seien, auf die er gezielte Antworten habe geben müssen, ohne frei spre-
chen zu können. Die anlässlich der BzP gemachten Aussagen könnten
deshalb nur mit Vorbehalt berücksichtigt werden, zumal diese nicht den
Zweck habe, abzuklären, ob die asylsuchende Person die Flüchtlingsei-
genschaft erfülle.
3.2.3 Er werde von den eritreischen Behörden aus verschiedenen Gründen
als missliebige Person betrachtet. Die Verhaftungen im Jahr 2012 seien
diesbezüglich durchaus relevant und müssten berücksichtigt werden.
Er sei auf den Videoaufnahmen der Auseinandersetzungen im Zusammen-
hang mit den Häuserabrissen in B._ am (...) 2015 zu erkennen und
werde deshalb von den Behörden gesucht. Aus diesen Gründen habe er
sich einige Zeit in der Wildnis versteckt. Dies sei von der Vorinstanz nicht
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berücksichtigt worden. Es müsse von einer gezielten Verfolgung ausge-
gangen werden. Zudem sei er wegen der ihm bevorstehenden militäri-
schen Ausbildung illegal ausgereist. Schliesslich sei er Mitglied der "Schü-
lerunion" gewesen und sei in dieser Funktion auch in den Massenmedien
zu sehen gewesen. Eine politische Aktivität sei daher zu bejahen. Er habe
klar dargelegt, dass er im Fokus der Polizei und der Sicherheitskräfte
stehe. Im Weiteren sei zur berücksichtigen, dass er aufgrund des erlebten
Unglücks auf der Reise in die Schweiz mit vielen Toten auf dem Mittelmeer
sowie aufgrund dessen, was ihm und seiner Familie in Eritrea zugestossen
sei, stark traumatisiert sei.
3.2.4 Unter Berücksichtigung der gesamten Situation sei davon auszuge-
hen, dass ein erhebliches Risiko einer Bestrafung aus asylrelevanten Mo-
tiven im Falle seiner Rückkehr nach Eritrea bestehe. Deshalb sei er als
Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren.
3.2.5 Im Weiteren sei der Wegweisungsvollzug auch als unzulässig zu
qualifizieren, weil er bei den eritreischen Behörden als missliebige Person
bekannt sei. Praxisgemäss setzte die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs nach Eritrea das Vorliegen begünstigender individueller Umstände
voraus. Er habe keinen Beruf erlernt und habe nur eine geringe Schulbil-
dung, weshalb ihm Arbeitslosigkeit und Armut drohe. Seine Familie sei arm
und werde weder durch die öffentliche Hand noch durch Drittpersonen un-
terstützt. Er könne deshalb bei einer Rückkehr von seinen Angehörigen
keine Unterstützung erwarten. Demnach seien in seinem Fall keine be-
günstigenden Umstände gegeben.
3.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung namentlich aus, der in
der angefochtenen Verfügung wiedergegebene Sachverhalt basiere auf
den Befragungsprotokollen. Die Erstellung des Sachverhalts habe sich auf-
grund der zahlreichen Widersprüche und unsubstanziierten Angaben des
Beschwerdeführers schwierig gestaltet, was für die Unglaubhaftigkeit der-
selben spreche. Er sei gemäss seinen Aussagen von den eritreischen Be-
hörden der Schülerunion zugewiesen worden; es könne daher nicht nach-
vollzogen werden, dass er aufgrund dieser Mitgliedschaft in ihr Visier ge-
raten sein solle. Zwar könnten Missverständnisse im Rahmen der Befra-
gungen nicht ausgeschlossen werden. Die Vorbringen des Beschwerde-
führers könnten jedoch aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten nicht ge-
glaubt werden. Bei den geltend gemachten Verständigungsproblemen
handle es sich um eine unhaltbare Behauptung. Aus den Akten würden
sich keine objektiven Hinweise hierfür ergeben und der Beschwerdeführer
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habe die Richtigkeit der ihm rückübersetzten Protokolle unterschriftlich be-
stätigt.
3.4 In der Replik hielt der Beschwerdeführer daran fest, dass es Aufgabe
der Vorinstanz sei, den Sachverhalt chronologisch und inhaltlich korrekt
widerzugeben und sie dieser Obliegenheit nicht nachgekommen sei.
Ferner sei aus seinen Aussagen klar ersichtlich, dass er wegen des Ver-
suchs, aus der Schülerunion zu fliehen, im Jahr 2014 festgenommen und
inhaftiert worden sei. Deswegen sei er ins Visier der eritreischen Behörden
geraten. Da die Befragungen in einer Fremdsprache stattgefunden hätten,
könnten Widersprüche und Ungereimtheiten trotz der Rückübersetzung
nicht ausgeschlossen werden.
4.
Vorab ist nach Durchsicht der Akten festzustellen, dass der nicht näher
ausgeführte Vorwurf, das SEM habe den Sachverhalt nicht korrekt fest-
gestellt, sich als nicht haltbar erweist. In der angefochtenen Verfügung
wurden alle wesentlichen Elemente der Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers erwähnt und angemessen gewürdigt. Demnach besteht kein Anlass,
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
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5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.2.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan-
ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen
stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö-
rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2 und 2010/57 E. 2.2 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.;
ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asyl-
verfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts, in: ASYL 2/2015 S. 5).
5.2.2 Aussagewidersprüche zwischen den Protokollen der summarischen
ersten Befragung und der einlässlichen Anhörung dürfen für die Beurtei-
lung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn klare Angaben bei
der Befragung zur Person in wesentlichen Punkten der Asylbegründung
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Seite 12
von späteren Aussagen in der Anhörung zu den Asylgründen diametral ab-
weichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche
später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Emp-
fangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 1993
Nr. 3).
6.
6.1 Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze der Glaubhaftigkeitsprüfung
gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht und mit
zutreffender Begründung den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Vor-
fluchtgründen die Glaubhaftigkeit abgesprochen hat.
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei der "Hamamate" nicht frei-
willig beigetreten, sondern sei dieser nach Abschluss des (...) Schuljahres
im Jahr 2012 oder 2013 zugeteilt worden, weil er nicht nach G._
(d.h. in den Militärdienst) habe gehen wollen (A11 S. 5 F41 ff.). Diese Aus-
sage deutet darauf hin, dass sein Engagement für die "Hamamate" im Rah-
men des sogenannten zivilen Nationaldienstes erfolgte. Die Ausführungen
des Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit für die "Hamamate" wirken je-
doch eher oberflächlich und detailarm. Zudem erscheint wenig plausibel,
dass er bis zum Alter von (...) oder (...) Jahren die Schule besucht haben
soll, zumal er gemäss seinen Angaben seit (...) verheiratet ist. Die Frage
der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens kann aber, wie in den folgenden
Erwägungen aufzuzeigen ist, letztlich offenbleiben.
6.2.2 Zu Recht stellte die Vorinstanz fest, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers zu dem von ihm behaupteten gescheiterten ersten Flucht-
versuch und der anschliessenden dreimonatigen Inhaftierung in
D._ erhebliche Ungereimtheiten aufweisen. So machte er klar wi-
dersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt dieser Ereignisse (BzP: 2015, An-
hörungen: 2014), und seine Aussage im Rahmen der zweiten Anhörung,
er sei bei diesem Fluchtversuch beschossen worden (Protokoll 2. Anhö-
rung A13 S. 6 F45 f.), steht im Gegensatz zu seiner Angabe bei der BzP,
der Beschuss habe sich bei seiner geglückten Flucht im Jahr 2015 ereig-
net. Die Erklärungen des Beschwerdeführers auf Vorhalt dieser Divergen-
zen, er habe sich in der BzP geirrt und er sei damals wegen der schlimmen
Erlebnisse bei der Überfahrt nach Europa in schlechter Verfassung gewe-
sen (Protokoll 1. Anhörung A11 S. 17 F140) beziehungsweise seine Aus-
sagen in der BzP seien möglicherweise fehlerhaft protokolliert worden (A13
S. 7 F47), vermögen nicht zu überzeugen. Das Protokoll der BzP wurde
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Seite 13
ihm rückübersetzt, und er hat dessen Richtigkeit unterschriftlich bestätigt.
Zudem lag die nach seinen Angaben traumatisierende Meeresüberque-
rung im Zeitpunkt seiner Einreise in die Schweiz bereits rund acht Monate
zurück (Aktenstück A1/1: Eurodac-Treffer vom 5. Juni 2016).
6.2.3 Das Gericht teilt sodann die Einschätzung der Vorinstanz, dass die
Schilderungen des Beschwerdeführers betreffend die Umstände seiner In-
haftierung in D._, die erlittenen Misshandlungen durch die Sicher-
heitskräfte sowie seine Flucht aus dem Gefängnis weitgehend oberfläch-
lich und substanzarm ausgefallen sind und wenig authentisch wirken. Als
unrealistisch muss zudem die Darstellung bezeichnet werden, er sei nach
der Flucht aus dem Gefängnis in seinen Herkunftsort zurückgekehrt, ohne
dort bis zu seiner Ausreise von den Behörden wegen dieser Angelegenheit
weiter behelligt worden zu sein. Seine Erklärung, die "Hamamate" habe ihn
vor weiteren Problemen mit den Sicherheitskräften bewahrt, erscheint nicht
nachvollziehbar. Insgesamt sind diese Vorbringen demnach als unglaub-
haft zu qualifizieren.
6.2.4 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben
zum Grund für seinen Ausreiseentschluss im November 2015 gemacht.
Während er im Rahmen der BzP angab, er habe sich geweigert, an einer
angekündigten politischen Schulung in E._ teilzunehmen (Protokoll
BzP, A3 S. 8), gab er in der Anhörung zu Protokoll, dieser Unterricht habe
aus ihm nicht bekannten Gründen nicht stattgefunden, er habe aber im Ok-
tober 2015 erfahren, dass er im darauffolgenden Jahr eine militärische
Grundausbildung in D._ hätte absolvieren müssen (Protokoll 1. An-
hörung A11 S. 13 f. F112 ff.). Diese Aussagen lassen sich nicht in Einklang
miteinander bringen. Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers in der An-
hörung war die bevorstehende militärische Ausbildung der hauptsächliche
Grund für seine Ausreise. Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, dass er
diese in der BzP nicht erwähnte. Die Argumentation, es sei möglicherweise
zu Missverständnissen gekommen, weil die Befragungen nicht in der Mut-
tersprache des Beschwerdeführers (Saho), sondern in Tigrinya stattgefun-
den hätten, ist nicht stichhaltig: In der BzP gab er an, die Sprache Tigrinya
genügend für die Anhörung zu beherrschen, sowie dass das Protokoll in
eine ihm verständliche Sprache (Tigrinya) übersetzt worden sei (vgl. Pro-
tokoll BzP, A3 S. 4 und 9). Ferner hat er in der BzP und bei beiden Anhö-
rungen jeweils bestätigt, die übersetzenden Personen gut zu verstehen
(A2/12 S. 9, A11/25 S. 1 und A13/11 S. 1). Aus den Befragungsprotokollen
ergeben sich überdies keinerlei Hinweise auf sprachliche Verständigungs-
probleme.
E-3837/2019
Seite 14
6.2.5 Nach dem Gesagten gelangt das Gericht zum Schluss, dass auf-
grund der Aktenlage zwar nicht auszuschliessen ist, dass der Beschwer-
deführer während einer gewissen Zeit für die "Hamamate" tätig war. Als
unglaubhaft zu erachten sind aber die von ihm behaupteten Gründe für
seine Ausreise im Jahr 2015 und damit auch, dass er die "Hamamate" ohne
Erlaubnis verlassen hat. Auch wenn der Beschwerdeführer im Rahmen des
zivilen Nationaldiensts in der Vergangenheit bei dieser Organisation einge-
setzt worden sein sollte, kann hieraus sowie aus dem Umstand, dass er im
militärdienstpflichtigen Alter ist, nicht per se darauf geschlossen werden,
dass er desertiert ist; es ist durchaus denkbar, dass er vom Nationaldienst
suspendiert oder ordentlich daraus entlassen wurde (vgl. z.B. Urteile des
BVGer E-31/2017 vom 2. Oktober 2019 E. 7 und E-2730/2017 vom 21. Au-
gust 2018 E. 5.1). Die Ausführungen des Beschwerdeführers betreffend
den angeblichen vorausgegangenen vereitelten Fluchtversuch im Jahr
2014 oder 2015 sowie die anschliessende Inhaftierung vermögen den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen.
6.3 Beim Vorbringen des Beschwerdeführers, er werde von den eritrei-
schen Behörden wegen der Proteste im Zusammenhang mit dem Abriss
des Hauses seiner Familie in B._ im Mai 2015 gesucht, weil er auf
den von den Behörden angefertigten Videoaufnahmen dieses Vorfalls zu
sehen sei, handelt es sich um eine blosse Vermutung, für deren Richtigkeit
er keine konkreten Anhaltspunkte vorzubringen vermag. Er hat in keiner
Weise substanziiert dargetan, dass er sich bei diesem Ereignis besonders
exponiert hätte und dadurch in den Fokus der Behörden geraten wäre. Es
sind denn auch keine konkreten Verfolgungsmassnahmen der eritreischen
Sicherheitskräfte in diesem Zusammenhang aktenkundig.
6.4 Dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei im Jahr 2012 zweimal
festgenommen und misshandelt worden, weil er sich bei den Sicherheits-
kräften nach dem Verbleib seines Vaters erkundigt habe, ist zwar nicht von
Vornherein die Glaubhaftigkeit abzusprechen. Indessen ist ein zeitlicher
oder kausaler Zusammenhang dieser Ereignisse mit seiner Ausreise nicht
festzustellen. In der BzP verneinte der Beschwerdeführer ausdrücklich wei-
tere Inhaftierungen (A3 S. 8). Das Vorbringen im Rahmen der ersten An-
hörung, er sei auch später noch mehrfach festgehalten worden, weil er sich
nach seinem Vater erkundigt habe, ist demnach als nachgeschoben und
damit unglaubhaft zu erachten. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, der
Befrager habe ihn mit der Frage nach Behördenkontakten wegen seines
Vaters, die nach seiner Inhaftierung in D._ stattgefunden hätten
E-3837/2019
Seite 15
(A11 S. 15 F121), in die Irre führen wollen, ist ungerechtfertigt. Auf die vor-
hergehende Frage nach Vorfällen im Zeitraum zwischen seiner Rückkehr
nach B._ und seiner Ausreise gab er zu Protokoll, dass er die "Sa-
che mit seinem Vater" nicht habe sein lassen können und Festnahmen für
ein oder zwei Nächte üblich gewesen seien, sowie auf die folgende Nach-
frage hin: "Weil ich die Sache nicht in Ruhe gelassen habe, bin ich öfters
zu den Behörden gegangen und habe gejammert: Deshalb musste ich oft
dort übernachten. Einen Tag oder zwei Tage später wurde ich entlassen"
(A11 S. 14 f., F119 und F120). Diese Aussagen hat die Vorinstanz nach-
vollziehbarerweise dahingehend interpretiert, dass der Beschwerdeführer
sich auch nach der behaupteten Haft bei den Behörden nach seinem Vater
erkundigt habe.
6.5 Nicht nachvollziehbar ist schliesslich das Vorbringen des Beschwerde-
führers, er sei wegen seiner in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Tätig-
keit für die "Hamamate" "ins Visier der Behörden geraten" (Protokoll BzP,
A3 S. 8, Beschwerde S. 6), insbesondere angesichts dessen, dass die
"Hamamate" gemäss seiner Darstellung die Rekrutierungsbemühungen
des Regimes unterstützte. Es ist nicht ersichtlich, weshalb ihm aufgrund
eines öffentlichen Engagements für diese Organisation, zu welchem er ge-
mäss seinen Aussagen von den Behörden verpflichtet wurde, Nachteile er-
wachsen sollten.
6.6 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer insgesamt nicht ge-
lungen, eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung im Zeitpunkt seiner
Ausreise aus Eritrea glaubhaft zu machen.
7.
7.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer we-
gen seiner illegalen Ausreise aus Eritrea – mithin wegen subjektiver Nach-
fluchtgründe – bei einer Rückkehr dorthin befürchten müsste, ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
7.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss
Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). Als subjektive Nach-
fluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes
(sog. Republikflucht), das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland oder
exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfol-
gung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen
illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die
E-3837/2019
Seite 16
bezüglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
darstellen (vgl. BVGE 2009/29).
7.3
7.3.1 Gemäss langjähriger früherer Praxis der schweizerischen Asylbehör-
den begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus
Eritrea ohne Weiteres die Flüchtlingseigenschaft.
7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Refe-
renzurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage, ob Eritreer-
innen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein deswegen
bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Gericht kam da-
bei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr aufrechterhal-
ten lasse und vom SEM zwischenzeitlich zu Recht angepasst worden sei.
Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeu-
tung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für
kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter ihnen
auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es ist
mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund
ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flücht-
lingsrechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur
illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsu-
chende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige
Person erscheinen lassen (vgl. a.a.O., E. 5).
7.4 Vorliegend gehen aus den Akten keine solchen Gefährdungsfaktoren
hervor, da einerseits – wie vorstehend ausgeführt – die geltend gemachten
Vorfluchtgründe nicht glaubhaft gemacht werden konnten und andererseits
auch keine anderen Anknüpfungspunkte ersichtlich sind, welche den Be-
schwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige
Person erscheinen lassen könnten. Aus diesen Gründen ist der vom Be-
schwerdeführer vorgebrachten illegalen Ausreise aus seinem Heimatstaat
praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz beizumessen. Die
Frage der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens kann demnach offenbleiben.
7.5 Gemäss dem zitierten Referenzurteil ebenfalls nicht asylrelevant ist die
Möglichkeit einer Einziehung in den Nationaldienst nach der Rückkehr ei-
nes Asylsuchenden nach Eritrea, da es sich dabei nicht um eine Mass-
nahme handelt, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgt. Ob eine
drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Aspekt von Art. 3
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29
E-3837/2019
Seite 17
EMRK oder des Verbots der Sklaverei und der Zwangsarbeit gemäss Art. 4
EMRK relevant sein könnte, betrifft jedoch die Frage der Zulässigkeit
beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. a.a.O.
E. 5.1).
7.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs-
weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flücht-
lingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit dem Grundsatzurteil BVGE
2018 VI/4 (vom 10. Juli 2018) mit der Frage befasst, ob der Vollzug der
Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritrei-
schen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar
(Art. 83 Abs. 4 AIG) qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht nach
einer ausführlichen Auswertung der zur Verfügung stehenden Länderinfor-
mationen mit den folgenden Erwägungen bejaht.
E-3837/2019
Seite 18
9.2.1 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger,
Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-
übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse durch den eritreischen Staat
bezeichnet werden. Zudem kann, auch wenn der Nationaldienst formal
nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem
dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leib-
eigenschaft vorausgesetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt
es sich demnach weder um Sklaverei noch um Leibeigenschaft im Sinne
von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4).
9.2.2 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner
Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte
Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na-
tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht
als "übliche Bürgerpflicht" im Sinne von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstan-
den werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich
als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die
Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim-
mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation
liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri-
gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh-
rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. BVGE
2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.5).
9.2.3 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea
aufgrund einer allfälligen illegalen Ausreise eine Inhaftierung und in diesem
Zusammenhang eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von
Folter oder unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte.
Auch in diesem Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Erit-
rea Misshandlungen und sexuelle Übergriffe nach einer Inhaftierung nicht
derart flächendeckend sind, dass jede Nationaldienstleistende und jeder
Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst
solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernst-
haftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl.
BVGE 2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.6).
E-3837/2019
Seite 19
9.2.4 Abschliessend stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die
drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst mangels einer
hinreichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur Feststellung der
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG
führt (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2)
9.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.3.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.3.3 Nach dem oben Gesagten ergeben sich weder aus den Aussagen
des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er
für den Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 und Art. 4 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
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Seite 20
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
9.3.4 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen.
9.3.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Gestützt auf die aktuelle Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von
einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt bezie-
hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen
in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie
vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua-
tion, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert.
Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse
Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung, auf die der Beschwer-
deführer zu Unrecht Bezug nimmt (vgl. Beschwerde S. 11), sind begünsti-
gende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung
für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des
BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.).
9.4.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen und gesun-
den Mann mit Berufserfahrung sowie einem sozialen und familiären Bezie-
hungsnetz im Heimatland. Besondere Umstände, aufgrund derer von einer
E-3837/2019
Seite 21
Existenzbedrohung ausgegangen werden müsste, sind vorliegend nicht er-
sichtlich.
9.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer die
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit
Zwischenverfügung vom 7. August 2019 sein Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und
keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seit-
her entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Verfahrens-
kosten zu verzichten.
12.
Mit der Zwischenverfügung vom 7. August 2019 wurde auch das Gesuch
des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen
(aArt. 110a Abs. 1 VwVG) und seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeistän-
din eingesetzt. Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwen-
digen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der in der
Kostennote vom 5. September 2019 ausgewiesene zeitliche Vertretungs-
aufwand erscheint grundsätzlich angemessen, doch wurde das Honorar
mit einem Stundenansatz von Fr. 200.– berechnet. Bei amtlicher Vertre-
tung geht das Bundesverwaltungsgericht für nicht-anwaltliche Vertreter
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(wie in der Zwischenverfügung vom 7. August 2019 angekündigt) praxis-
gemäss von einem Ansatz von höchstens Fr. 150.– aus. Demzufolge ist
dem amtlichen Rechtsbeistand ein Gesamtbetrag von Fr. 1670.– (inkl. Aus-
lagen) vom Bundesverwaltungsgericht auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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