Decision ID: 49505ce2-bbea-419d-a6b6-4d849f3b2458
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970,
reiste 2001 aus Pakistan in die Schweiz ein.
Nach ihrer Einreise ging sie keiner Erwerbstätigkeit nach, sondern widmete sich der Haushaltsführung sowie der Betreuung und Erziehung ihrer vier in den Jahren 2000, 2001 und 2002 (Zwillinge) geborenen Kinder. Wegen diversen gesundheit
lichen Beeinträchtigungen meldete sie sich am 2
2.
Juli 2015 (Datum des Post
eingangs) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte die Arztberichte von
Dr.
Y._
, FMH Physikalische Medizin, vom
8.
September 2015 (
Urk.
6/18) und vom 1
9.
Februar 2016 (
Urk.
6/24)
sowie der Universitäts
klinik
Z._
vom 2
8.
April
und 28. Juli
2016
(
Urk.
6/32
und Urk. 6/35
)
ein.
Am 1
9.
Oktober 2016 führte sie eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durch (vgl. Abklärungsbericht vom
4.
November 2016,
Urk.
6
/38). Mit Vorbescheid vom 23. November 2016 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie den Anspruch auf eine Invalidenrente verneinen werde
(Urk. 6/41)
. Dagegen erhob
X._
durch Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
am
9.
Januar 2017 Einwand (Urk. 6/46). Die IV-Stelle holte weitere Arztberichte der Universitätsklinik
Z._
vom 2
3.
Februar 2017 (
Urk.
6/54)
und vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
6/55) sowie
der diplomierten Ärztin
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
, vom 3
0.
Mai 2017 (
Urk.
6/59/6-11) ein. Mit Verfügung vom 2
4.
Juli 2017 wies sie das Leistungsbegehren der Versicherten ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwältin
Sintzel
am 1
2.
September 2017 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1.
Februar 2016 eine ganze
IV-Rente zuzusprechen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen und es sei ihr in der Person der Unterzeichneten eine unentgeltliche Rechts
vertreterin zu
bestellen.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 2
4.
Oktober 2017 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am 3
0.
Oktober 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.3
1.3.1
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E.
3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146
; vgl.
Art.
27 und 27
bis
IVV in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtin
va
lidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.3.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der
Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tät
s
bemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gun
gs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs-
und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei
gungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl.
BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 2
4.
Juli 2017 (
Urk.
2) damit, dass ihre Abklärungen ergeben hätten, dass die Beschwerde
führerin bei voller Gesundheit zu 80
%
einer Erwerbstätigkeit als Hilfskraft nach
gehen würde und zu 20
%
im Aufgabenbereich Haushalt tätig wäre. Im Haushalt bestehe eine Einschränkung von 29
%
. In einer behinderungsangepassten Tätig
keit sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig. Ihren Einschränkungen sei mit einem Abzug von 5
%
Rechnung zu tragen. Die Einkommenseinbusse im Er
werbs
bereich belaufe sich damit auf 5
%
. Insgesamt betrage der Invaliditätsgrad 10
%
(Erwerbsbereich: An
teil 80
%
, Einschrän
k
ung 5 %, Teili
nvaliditätsgrad 4
%
; Haushalt: Anteil
20
%
, Einschränkung: 29
%
, Teili
nvaliditätsgrad 6
%
).
2.2
Demgegenüber macht
e
die Beschwerdeführerin geltend, die Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass sie bei voller Gesundheit lediglich zu 80 % erwerbstätig wäre. Um den Unterhalt für sich und ihre 4 Kinder decken zu können, wäre sie
als alleinerziehende Mutter
auf ein Einkommen aus einer 100%ig
en Erwerbstätigkeit angewiesen und
das
Alter der Kinder würde die Aus
übung einer vollen Erwerbstätigkeit zulassen. Dementsprechend sei davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 100
%
erwerbs
tätig wäre. Im Weiteren sei die Beurteilung der verbleibenden Arbeits
fähigkeit durch die Beschwerdegegnerin ungenügend und
deshalb
unrechtmässig vorge
nommen worden. Die Beschwerdeführerin habe einen umfassenden und komplexen Ge
sund
heitsschaden. Die in einem solchen Fall notwendige polydiszi
plinäre Abklä
rung habe die Beschwerdegegnerin aber nicht vorge
nommen
und sie stütze sich auf eine veraltete medizinische Aktenlage
. Insbesondere werde das rheumato
logische Leiden nicht berücksichtigt, welches überdies schnell progredient ver
laufe.
Sodann
sei es widersprüchlich, wenn die Beschwerde
gegnerin
von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit ausgehe, welche einerseits überwiegend sitzend und andererseits wechselbelastend sein müsse. Eine sitzende Tätigkeit komme für die Beschwerdeführerin ausserdem kaum in Frage, da sie weder über eine Ausbildung noch über Sprachkenntnisse in einer hier gängigen Sprache verfüge und ihr feinmotorische Tätigkeiten nur in eingeschränktem Mass zumut
bar seien. Die psychischen Beeinträchtigungen habe die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht beachtet.
Es sei davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführer
in
nicht möglich sei, ein Invalideneinkommen von über 30 % des errechneten Valideneinkommens zu erwirtschaften, weshalb sie Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe
(Urk. 1)
.
3
.
3
.1
3.1.1
Laut dem Arztbericht von
Dr.
Y._
vom
8.
September 2015 (
Urk.
6/18) be
stehen bei der Beschwerdeführerin eine
Varusgonarthrose
beidseits, links
dekom
pensiert
bei
Chondropathia
patellae
beidseits
, ein chronische
s
lumbospondy
logene
s
Syndrom bei degenerativen Veränderungen der LWS, eine ISG-Arthrose beidseits sowie eine
chronische
Periarthropathia
humeroscapularis
bei
Rotatoren
manschetten
läsion
bei
transmuraler
Ruptur der
Supraspinatussehne
. In der angestammten Tätigkeit sei sie seit dem
1.
Janu
ar 2015 bis auf weiteres zu 100
% arbeitsunfähig. Als Hausfrau könne
die Beschwerdeführerin für die Kniegelenke belastende Arbeiten nicht mehr ausüben, leichte Arbeiten seien ihr möglich.
Es könne davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Hausfrau bis auf weiteres zu 50
%
ausüben könne. Wechselbelastende Tätigkeiten seien ihr zu 50
%
zumutbar.
3.1.2
Im Verlaufsbericht vom 1
9.
Februar 2016 (
Urk.
6/24) hi
elt
Dr.
Y._
fest, sämt
liche
Arbeiten mit Belastung der oberen und unteren Extremitäten seien nur reduziert möglich. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
3
.2
3
.2.1
Gemäss dem Bericht der Universitätsklinik
Z._
, Orthopädie,
vom 2
8.
April 2016 (
Urk.
6/
32/
4-6) bestehen bei der Beschwerdeführerin (1.) eine
Varusgon
arthrose
beidseits, links beschwerdeführend, (2.) ein chronisches lumbospondy
logenes Syndrom bei diskreter degenerativer Veränderung der LWS mit Hypäs
thesie im Bereich des lateralen distalen Unterschenkels und Fussrandes ohne motorisches Defizit sowie (3.) eine depressive Entwicklung.
Neu seien zusätzlich Schulterschmerzen vorhanden.
Eine körperlich nicht belastende Tätigkeit (Büro
tätig
keit) sei der Beschwerdeführerin prinzipiell im Umfang von bis zu 8 Stunden pro Tag möglich.
3
.2.2
Im Verlaufsbericht vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
6/35/4-6) hielten die Ärzte der Uni
versitätsklinik
Z._
,
Orthopädie,
fest,
der Zustand sei stationär. Der Verlauf der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hausfrau könne akten
anam
nestisch nicht beurteilt werden. Unverändert sei der Beschwerde
führerin eine körperlich nicht belastende Tätigkeit (Bürotätigkeit) im Umfang von bis zu 8 Stunden pro Tag zumutbar.
3
.2.3
Am 2
3.
Februar 2017 (
Urk.
6/
54/
6-9) führten die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
,
Orthopädie,
aus, aktuell werde die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Klinik für Orthopädie
(Kniechirurgie)
, sondern in der Klink für Rheumatologie behandelt. Über die Arbeitsfähigkeit könnten deshalb keine konkreten Angaben gemacht werden. Aufgrund des üblichen Verlaufs bei dem Krankheitsbild der Beschwerdeführerin lasse sich sagen, dass medizinisch-theoretisch gesehen wech
sel
belastende Tätigkeiten von Vorteil seien. Es bestehe eine relevante Einschrän
kung bezüglich körperlicher Belastung u
nd intensive
Belastungen seien so kurz als möglich und in Abhängigkeit der Beschwerdesymptomatik zu halten.
Inwie
fern dies der Beschwerdeführerin möglich sei, entziehe sich aktuell ihrer Kenntnis, und für die Quantifizierung der
Möglichkeiten bedürfe es einer arbeitsmedi
zini
schen Untersuchung oder einer erneuten Untersuchung durch sie im Rahmen eines ärztlichen Gutachtens.
3
.
3
Die Ärzte der Rheumatologischen Klinik der Universitätsklinik
Z._
führten im Bericht vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
6/55/6-9) aus,
es bestünden bei der Be
schwerdeführerin
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(1.) Polyarthralgien der MCP-Gelenke, Differentialdiagnose:
seropositive
rheumatoide Arthritis
, (2.) eine
Varusgonarthrose
beidseits, links beschwerdeführend, (3.) ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei diskreten degenerativen Veränderungen der LWS,
sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(4.) ein depressive Ent
wicklung, (5.) deutliche Knick-Senk-Spreizfüsse, (6.) Adipositas (BMI 32
kg/m
2
), (7.) ein deutlicher 25-OH-Vitamin D3-Mangel (22
nmol
/l, Norm > 50) 10/2016) und
(8.)
zunehmende
cervikocephale
und
cervikobrachiale
Beschwer
den. Für körperlich schwer belastende Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig
. Leichte wechselbelastende Tätigkeiten in vorwiegend sitzender Position s
eien zu 80-100
% durchführbar.
Aufgrund der Gonarthrose sei die Be
schwerdeführerin nicht fähig, Berufstätigkeiten durchzuführen, welche längeres Stehen oder Gehen beinhalteten. Aufgrund der Lumbalgien sei das Heben und
Arbeiten in Zwangspositionen nicht möglich und auch aufgrund der Schulter-/
Nacken
beschwerden. Feinmotorische Tätigkeiten und die Hände belastende Tätig
keiten seien über mehrere Stunden pro Tag ebenfalls aufgrund der Poly
arthral
gien nicht möglich.
3
.
4
Gemäss dem
Bericht der Psychiaterin
A._
vom 3
0.
Mai 2017 (
Urk.
6/59/5-11) bestehen bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seit vielen Jahren (ICD-10 F45.41), eine
Varusgonarthrose
beidseits, ein Verdacht auf rheumatoide Arthritis, Schulterschmerzen beidseits und ein chronisches lumbo
spondylogenes Schmerzsyndrom sowie ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit ein Vitamin-D-Mangelsyndrom und eine anhaltende psycho
soziale Konflikt
situa
tion.
Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 2
8.
April 2017 in psychia
tri
scher Behandlung. Die Frage nach der Arbeitsfähigkeit könne
psychiatrischer
seits
nicht beantwortet werden, da die
skelettomuskulären
Probleme im Vorder
grund stünden bei ihrer Arbeitsunfähigkeit.
Sie sei jedoch offensichtlich gehbehindert und Knie und
Körperhaltung seien deutlich
sichtbar deformiert. Die anhaltenden Schmerzen und die psychosozialen Probleme, die aus ihrer Erkrankung resul
tierten, führten zur psychischen Problematik, deren Prognose im Wesentlichen vom Verlauf der körperlichen Einschränkungen und Stabilisierung der psycho
so
zialen Probleme
abhänge. Die Beschwerdeführerin könne wegen ihrer Schmerzen das Haus kaum mehr verlassen und auch nicht mehr lange sitzen. Sie habe vier Kinder, welche bei ihr leben würden und den überwiegenden Teile der Haus
arbeiten erledigen müssten, wofür sie sich sehr schäme. Der Ehemann habe ein eigenes Geschäft gehabt, dieses aber wegen eines kapitalen Schadens verloren. Er sei mit unbekannter Adresse abwesend. Die gesamte Familie sei dadurch psy
chisch sehr belastet. Die Beschwerdeführerin schäme sich sehr, weil die Familie auf Sozialhilfe angewiesen sei.
Die Prognose hänge überwiegende vom Verlauf der
skelettomuskulären
Erkrankungen ab. Es würden 1-2 Mal im Monat stützende psychotherapeutische Gespräche durchgeführt.
Die psychische Belastbarkeit, die Stresstoleranz und die Konzentration seien allgemein seit mehreren Jahren stark eingeschränkt.
3
.
5
Laut der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
B._
, Facharzt Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, vom
9.
August 2016 (
Urk.
6/40/5-6) ist die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau durch die Schmerzen an den Kniegelenken, am Rücken und an der linken Schulter ein
ge
schränkt. In einer leichten wechselbelastenden, kniesc
honenden Tätigkeit, über
wiegend
sitzend, mit wenig Überkopfarbeit
sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig.
4.
4.1
Bezüglich der Frage, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin bei voller Ge
sundheit einer E
rwerbstätigkeit nachgehen würde
(Statusfrage, vgl. E. 1.3.2)
, hat die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin in ihrem Bericht vom
4.
Novem
ber 2016 (
Urk.
6/38) festgehalten,
die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie könne nicht sagen, in welchem Umfang sie erwerbstätig wäre. Sie habe immer den Kindern geschaut und seit 2002 habe sie gesundheitliche Probleme. Eine Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei daher auch durch das Sozialzentrum nie thematisiert worden. Bei guter Gesundheit wäre sie sicherlich erwerbstätig, aus finanziellen Gründen. Wenn sie einen subventionierten Hortplatz für die Kinder bekommen hätte, wäre sie seit Jahren erwerbstätig, sicher bereits kurz nach der Geburt der Zwillinge (2002), spätestens aber nach der Trennung von ihrem Ehe
mann (Mai 2013). Sie müsste monatlich
Fr.
4'000.-- erzielen, um über die Runden zu kommen. Die Abklärungsperson anerkannte in der Folge, dass
die Beschwer
deführerin bei guter Gesundheit aus finanziellen Gründen gezwungen
wäre
, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dass sie bereits kurz nach der Geburt ihrer beiden jüngsten Kinder erwerbstätig
gewesen
wäre, könne
allerdings
nicht nachvoll
zogen werden. Die Beschwerdeführerin habe in der Schweiz keine Erwerbs
tätig
keit ausgeübt. Sie habe zwar angegeben, dass sie seit 2002 an gesundheitlichen Problemen leide, habe sich aber erst 2015 bei der IV angemeldet. Ihr Ehemann sei nicht mehr in der Schweiz wohnhaft. Die
Beschwerdeführerin sei bei der Betreuung ihrer 4 Kinder somit völlig auf sich alleine gestellt. Sie sei deshalb maximal zu 80
%
als erwerbstätig, frühestens ab Trennungsdatum im Mai 2013 zu qualifizieren.
4.2
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist diese – von der Beschwer
de
gegnerin übernommene (Urk. 2) – Einschätzung der Abklärungsperson in Anbetracht der für die Beurteilung der Statusfrage relevanten Umstände (vgl. E.
1.3.2) sogar als grosszügig zu erachten:
Die vier Kinder der Beschwerdeführerin waren im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung alle
noch
minder
jährig und gingen
zur Schule. Dass die für die Betreuung der Kinder alleine verantwortliche Beschwerde
führerin, welche in der Schweiz noch nie erwerbstätig gewesen ist, unter diesen Umständen
seit 2013
zu 100
%
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, ist nicht überw
iegend wahrscheinlich. Zwar ist
sie aufgrund der fehlenden
Unterhaltsleistungen des Ehemannes für die Kinder
(vgl. Ehe
schutz
entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 1
2.
Dezember 2013,
Urk.
6/7/4) auf ein eigenes Einkommen angewiesen. Das Erwerbseinkommen der Beschwer
de
führerin könnte aber auch bei Ausübung eines 100%-Pensums
kaum den Unterhalt für sie und die vier Kinder decken, mithin müsste sie ohnehin Sozial
hilfe in Anspruch nehmen.
5.
5.1
Es geht aus den medizinischen Akten hervor, dass die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit an einer
Varusgonarthrose
beidseits leidet und
ihr körperlich be
lastende sowie überwiegend gehende und stehende Tätigkeiten
deshalb
nicht mehr zumutbar sind.
Strittig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit für über
wiegend sitzende, behinderungsangepasste Tätigkeiten. Hierzu gilt es festzu
hal
ten, dass die Universitätsklinik
Z._
, Orthopädie, bei welcher die Beschwerde
führerin
seit Juli 2014
wegen ihrer Knieprobleme behandelt worden ist
(vgl. Urk.
6
/59/12 f.)
, davon ausgeht, dass der Beschwerdeführerin eine körperlich nicht belastende Tätigkeit prinzipiell im Umfang von bis zu 8 Stunden pro Tag und damit zu einem Pensum von
annähernd
100
%
möglich ist.
Zusätzlich leidet die Beschwerdeführerin jedoch auch unter Schulter- und Rückenschmerzen
,
und die Rheumatologin
Dr.
Y._
bescheinigt
ihr in wechselbelastenden Tätigkeiten lediglich eine
Arbeitsfähigkeit von 50
%
. RAD-
Arzt
Dr.
B._
führt diese zwei voneinander abweichenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit in seiner Beur
tei
lung vom
9.
August 2016 (
Urk.
6/40/5-6) auf, wobei er in behinderungsan
ge
passter Tätigkeit die Beurteilung der Universitätsklinik
Z._
übernimmt und offenbar davon ausgeht, dass die von
Dr.
Y._
attestierte Arbeitsunfähigkeit lediglich in der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau gilt. Weshalb
Dr.
B._
in behinderungs
angepasster Tätigkeit
die Beurteilung der Universitätsklinik
Z._
für überzeugender hält als diejenige von
Dr.
Y._
, ergibt sich aus seiner Stellungnahme nicht.
Es ist zudem zu beachten, dass die Ärzte der Universi
tätsklinik
Z._
, Orthopädie (Kniechirurgie), im nach der Beurteilung durch RAD-Arzt Dr.
B._
erstatteten Bericht vom 23. Februar 2017 anführten, zur Quantifizierung der Möglichkeiten der Beschwerdeführerin seien zusätzliche Abklärungen erforderlich (vgl. E. 3.2.3).
5.2
Der
– ebenfalls -
nach der Beurteilung durch
Dr.
B._
ergangene Bericht der Universitätsklinik
Z._
, Rheumatologie, vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
6/55/6-9) hält zusätzlich zu den bisherigen Diagnosen Polyarthralgien an den Finger
ge
lenken fest. In sitzender Position wird der Beschwerdeführerin eine Arbeits
fähigkeit von 80 bis 100
%
bescheinigt. Aufgrund der Polyarthralgien
wird
der Beschwerdeführerin
aber für sitzende Tätigkeiten insof
ern eine
weitergehende Einschränkung
attestiert
, als feinmotorische und die Hände belastende Tätig
keiten nicht über mehrere Stunden pro Tag als möglich bezeichnet werden.
5.3
In psychiatrischer Hinsicht ist zu beachten, dass die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
eine depressive Entwicklung festhalten (
Urk.
6/32/4
; vgl. bereits den Sprechstundenbericht dieser Klinik vom 9. Juli 2014, Urk. 6/59/12
). Demgegenüber ordnet die Psychiaterin
A._
die psychischen Faktoren im Rahmen der chronischen Schmerzstörung ein und diagnostiziert keine depressive Erkrankung mit eigenständiger Bedeutung. Trotzdem
besteht
jedoch bei der Be
schwerde
führerin eine Diagnose
,
bei welcher
nach der seit
BGE 141 V 281
g
eltenden Rechtsprechung
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren
zu beurteilen ist.
Vorliegend fehlt es an einer Auseinandersetzung mit den Indi
katoren gemäss BGE 141 V 28
1
(vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3)
.
Mangels genügender und nachvollziehbarer Angaben
in den vorhandenen
medizinischen Akten erweist sich eine Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit beziehungsweise des tatsächlich noch erreichbaren restlichen
Leistungsvermögens der Be
schwerdeführerin anhand der Indikatoren im Sinne der Rechtsprechung vorliegend als unmöglich.
Zu beachten ist sodann auch, dass bei der Beschwerdeführerin orthopädische und rheumatologische Beeinträchti
gungen der Gesundheit bestehen und nicht klar ist, welche Auswirkungen diese auf den psychischen Gesundheitszustand haben.
5.4
Zusammenfassend erweist sich der medizinische Sachverhalt als unzureichend abgeklärt, indem einerseits die Feststellungen hinsichtlich der Frage eines Schmerz
syndroms und der damit verbundenen Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit lückenhaft sind. Sodann fehlt es auch an einer polydisziplinären
Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit. Schliesslich kann keine Beurteilung der Arbeits
fähig
keit anhand der Standardindikatoren
gemäss BGE 141 V 281 (vgl. dazu auch BGE 143 V 409 und BGE 148 V 418)
vorgenommen werden.
Die angefochtene Verfügung vom 2
4.
Juli 2017 ist damit aufzuheben und die Sache
ist an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit
sie
weitere medizi
nische Abklärungen – im Vordergrund steht die Einholung eines polydiszipli
nä
ren Gutachtens –
veranlasse
und danach
über den Rentenanspruch der Beschwer
deführerin neu verfüge
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
6
.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), auf
Fr.
600.-- festzusetzen und dem Ausgang des Verfahrens ent
sprechend der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.3
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, der obsiegenden Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten. Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht). Die Entschädigung gemäss
§
7 Absatz 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem S
ozial
versicherungsgericht (
GebV
SVGer
) kann vom Gericht
ermessungsweise
festge
setzt werden
(vgl. Urk. 7)
.
Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
1'800.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) angemessen.
Das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege
vom 1
2.
September
2017 (
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.