Decision ID: cfbe91aa-18d6-5d66-8d82-163c6248fb2b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 25. März 2021 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte (Akten der Vorinstanz 1091753 [SEM act.] 1),
dass er gemäss Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fin-
gerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am 24. Februar 2021 in
Österreich ein Asylgesuch gestellt hatte (SEM act. 7),
dass das SEM am 1. April 2021 mit dem Beschwerdeführer das persönli-
che Gespräch nach Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) führte und ihm das rechtliche Gehör zur mut-
masslichen Zuständigkeit Österreichs für die Behandlung seines Asylge-
suchs sowie zu seinem Gesundheitszustand gewährte (SEM act. 13),
dass die Vorinstanz die österreichischen Behörden am 1. April 2021 um
Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-
lin-III-VO ersuchte und jene das Übernahmeersuchen am 2. April 2020 gut-
hiessen (SEM act. 15 und act. 17),
dass das SEM mit Verfügung vom 6. April 2021 – eröffnet am 7. April 2021
– in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Österreich
anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte (SEM act. 20),
dass die dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Man-
dat am 7. April 2021 niederlegte (SEM act. 22),
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom gleichen Tag gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Vorinstanz
sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und ein nationales Asyl-
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verfahren zu eröffnen; eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich ge-
stützt auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) für sein Verfahren zuständig zu erklären; subeven-
tualiter sei die Sache wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs an die Vor-
instanz zurückzuweisen,
dass er in prozessualer Hinsicht darum ersuchte, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen, und die Vollzugsbehörden seien anzu-
weisen, von einer Überstellung nach Österreich abzusehen, bis das Bun-
desverwaltungsgericht über die Beschwerde entschieden habe,
dass er weiter die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und den
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragte,
dass die Instruktionsrichterin am 8. April 2021 einen superprovisorischen
Vollzugsstopp anordnete und die vorinstanzlichen Akten dem Bundesver-
waltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vorlagen,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ-
ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsuchende
erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO),
dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back)
demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach
Kapitel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1
m.w.H.),
dass gemäss Art. 18 Abs. 1 Dublin-III-VO der nach dieser Verordnung zu-
ständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der während der
Prüfung seines Antrags (Bst. b) oder nach Rückzug seines Antrags wäh-
rend der Antragsprüfung (Bst. c) in einem anderen Mitgliedstaat einen An-
trag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitglied-
staats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und
29 Dublin-III-VO wiederaufzunehmen,
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dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 24. Februar 2021 in Österreich
ein Asylgesuch eingereicht hatte,
dass die österreichischen Behörden dem Gesuch des SEM um Übernahme
gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO am 2. April 2021 zustimmten,
womit die Zuständigkeit Österreichs gegeben ist, was vom Beschwerde-
führer nicht in Abrede gestellt wird,
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Österreich würden systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf-
weisen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-1065/2021 vom 17. März
E. 4.2.1),
dass der Beschwerdeführer auch nicht aufzeigt, eine Überstellung nach
Österreich würde völkerrechtliche Normen verletzen,
dass sich eine solche Verletzung auch nicht aus dem Umstand ergibt, dass
mit dem am 20. Juni 2019 in Österreich in Kraft getretenen BBU-Errich-
tungsgesetz die Rechtsberatung im österreichischen Asylverfahren ver-
staatlicht wurde und der Rechtsanspruch darauf gewissen Einschränkun-
gen unterliegt (siehe dazu www.oesterreich.gv.at/themen/leben_in_oester-
reich/asyl/Seite.3210005.html),
dass der Beschwerdeführer überdies in Österreich einen Rechtsbeistand
erhalten hat, machte er doch anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 1. April
2021 geltend, er habe gegen den in Österreich erhaltenen negativen Asyl-
entscheid mit Hilfe eines Anwalts Beschwerde eingereicht (SEM act. 13),
dass er in seiner Rechtsmitteleingabe weiter ausführt, er sei in Österreich
inhaftiert worden und aufgrund der schlechten politischen Lage drohe ihm
dort eine lange Haftstrafe, ohne dass er etwas verbrochen habe,
dass er gemäss eigenen Aussagen in Österreich aufgegriffen sowie einen
Tag inhaftiert worden sei (vgl. SEM act. 13) und davon auszugehen ist, die
kurze Haft sei im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und dem an-
wendbaren Völkerrecht angeordnet worden,
dass Österreich ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem
ist und bereits das SEM in seiner ablehnenden Verfügung vom 6. April 2021
darauf hinwies, der Beschwerdeführer könne bei der dafür zuständigen
http://www.oesterreich.gv.at/themen/leben_in_oesterreich/asyl/Seite.3210005.html http://www.oesterreich.gv.at/themen/leben_in_oesterreich/asyl/Seite.3210005.html
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Stelle Beschwerde einreichen, sollte er sich ungerecht oder rechtswidrig
behandelt fühlen,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss
dieser Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln
kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass Österreich Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die österreichischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder-
aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal-
tung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Österreich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden,
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dass der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 1. April
2021 geltend machte, es gehe ihm physisch nicht gut; im Kopf gehe es ihm
nicht gut; er sei beunruhigt und gestresst (SEM act. 13), den Akten aber
keine medizinischen Unterlagen zu entnehmen sind,
dass Österreich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt
und der Beschwerdeführer – sollte er medizinische Hilfe benötigen – dort
ohne weiteres behandelt werden könnte,
dass davon auszugehen ist, Österreich komme seiner sich aus Art. 19 der
Aufnahmerichtlinie ergebenden Verpflichtung nach, dem Beschwerdefüh-
rer die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren,
dass andere Gründe, die der Schweiz Anlass geben würden, von ihrem
Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO Gebrauch zu
machen, weder geltend gemacht werden noch ersichtlich sind, wobei an
dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchen-
den kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszu-
wählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass schliesslich auch keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör ersichtlich ist und der Beschwerdeführer eine solche Verletzung auch
nicht weiter darlegt (vgl. Antrag 4 der Beschwerde),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Österreich ange-
ordnet hat,
dass die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestäti-
gen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen
sind, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
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dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG.
(Dispositiv nächste Seite)
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