Decision ID: 8956c393-0a15-446e-b302-4fa0cffbcc82
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1970 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 3. Juli 2019 bei
der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) an. Diese tätigte verschiedene Abklärungen in
beruflicher und medizinischer Hinsicht und liess die Beschwerdeführerin
polydisziplinär (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neurologie) begut-
achten (Gutachten der Swiss Medical Assessment- and Business-Center
[SMAB] vom 21. Dezember 2020). Die Beschwerdegegnerin stellte gestützt
auf das am 21. Dezember 2020 erstattete Gutachten der SMAB der Be-
schwerdeführerin mit Vorbescheid vom 18. Februar 2021 die Abweisung
ihres Rentenbegehrens in Aussicht. Aufgrund der dagegen erhobenen Ein-
wände holte die Beschwerdegegnerin eine ergänzende Stellungnahme des
internistischen und psychiatrischen Gutachters vom 4. Mai 2021 ein. Mit
Verfügung vom 5. Oktober 2021 entschied die Beschwerdegegnerin im
Sinne ihres Vorbescheids.
2.
2.1.
Am 4. November 2021 erhob die Beschwerdeführerin fristgerecht Be-
schwerde dagegen und beantragte Folgendes:
"1. Die Verfügung vom 05.10.2021 sei aufzuheben und es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer Abklärungen , damit diese hernach erneut über die gesetzlichen  der Beschwerdeführerin entscheidet;
Unter Kosten und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 2. Dezember 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 8. Dezember 2021 wurde die B.
als berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin zum Verfahren
beigeladen. Diese verzichtete mit Schreiben vom 10. Dezember 2021 auf
eine Stellungnahme.
- 3 -

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
2.1.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der Verfügung vom 5. Okto-
ber 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 91) in medizinischer Hinsicht auf
das polydisziplinäre SMAB-Gutachten vom 21. Dezember 2020 (VB 52.1)
sowie die ergänzende Stellungnahme des internistischen und psychiatri-
schen Gutachters vom 4. Mai 2021 (VB 85).
2.2.
Die Beschwerdeführerin wurde zwischen dem 21. Oktober 2020 und dem
3. Dezember 2020 polydisziplinär durch die Dres. med. D., Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, E., Fachärztin für Neurologie, und F.,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, begutachtet (VB 52.1 S. 3). Das
Gutachten wurde am 21. Dezember 2020 erstellt.
Die Gutachter stellten die folgenden Diagnosen (VB 52.1 S. 8):
"Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgra-
dige Episode (ICD-10: F33.0/F33.1) 2. Schädlicher Gebrauch von Cannabis (ICD-10: F12.1)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) 1. Transsexualismus (ICD-10: F64.0) 2. Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional-instabilen Anteilen (ICD-
10: Z73) 3. Ösophagus-Achalasie (ED 2005)
- Z. n. Thalscher Fundoplastik am 05.02.2010 4. Gastroösophageale Refluxbeschwerden bei leichter Kardiainsuffizienz
(Gastroskopie 02/2020 und 04/2020) 5. Subklinische Hypothyreose"
Die Gutachter hielten fest, auf psychiatrischem Gebiet bestehe bei der Ver-
sicherten eine gegenwärtig leichte bis mittelgradige rezidivierende depres-
sive Störung. Eine deutliche Besserung sei betreffend Schweregrad einge-
treten, sodass nicht mehr eine durchgehende Depressivität bei der Versi-
cherten vorliege. Die Versicherte berichte über einen zwar seltenen, aber
dennoch problematischen Cannabiskonsum. Cannabis könne depressive
Symptome induzieren, insofern sei hier die Diagnose schädlicher Gebrauch
von Cannabis gerechtfertigt (VB 52.1 S. 6 f.). Die Gutachter hielten weiter
fest, aus neurologischer und allgemeininternistischer Sicht könnten keine
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden (vgl.
VB 52.1 S. 7 f.).
- 4 -
Die Gutachter hielten fest, die Arbeitsfähigkeit betrage gesamthaft in der
bisherigen sowie in leidensangepassten Tätigkeiten "75 % (8.5 Stunden
täglich: Leistungsminderung 25 %)" (VB 52.1 S. 9). Bezüglich des retro-
spektiven Verlaufs stellten die Gutachter fest, dass die Versicherte zwi-
schen dem 15. Januar 2019 und dem 31. Oktober 2019 100 % arbeitsun-
fähig gewesen sei. Ab dem 1. November 2019 liege die Arbeitsfähigkeit bei
75 % (VB 52.1 S. 9). Nach gutachterlicher Einschätzung erreiche die Ver-
sicherte in sechs bis zwölf Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 100 %
(VB 52.1 S. 10).
2.3.
Im Rahmen der ergänzenden Stellungnahme der SMAB vom 4. Mai 2021
nahm der psychiatrische Gutachter Dr. med. D. zum Bericht der behandeln-
den Ärztin Dr. med. G., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
17. März 2021 (VB 78) Stellung (VB 85). Dr. med. G. hatte in ihrem Bericht
die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Ursachen, einer rezidivierenden depressiven Störung, ggw.
leichte bis mittelgradige Episode sowie eines Abhängigkeitssyndroms von
Opioiden, iatrogen verursacht, gestellt und das psychiatrische Gutachten
kritisiert (VB 78 S. 2 f.). Dr. med. D. hielt diesbezüglich fest, eine anhal-
tende somatoforme Schmerzstörung sei gemäss ICD-10 nicht zu diskutie-
ren, wenn ein vermutlich psychogener Schmerz im Lauf einer depressiven
Störung vorliege. Genau das sei bei der Beschwerdeführerin der Fall. Aus
psychiatrischer Sicht werde eingeschätzt, dass vor dem Hintergrund der
Depression die vorliegenden Schmerzen bis zu einem gewissen Grad
durch eine psychogene Überlagerung plausibel seien, denn Schmerzen
würden bei Vorliegen einer Depression häufig verstärkt wahrgenommen.
Die Diskrepanz zwischen den gemäss SMAB-Gutachten nicht ausreichend
organisch erklärbaren Schmerzen und den von der Versicherten mitgeteil-
ten Beschwerden sei durch die diagnostische Einordnung im SMAB-Gut-
achten korrekt und ICD-10-konform erfolgt (VB 85 S. 2). Der psychiatrische
Gutachter Dr. med. D. legte weiter dar, warum keine Opioid-Abhängigkeit
bestehe und die Diagnose von Dr. med. G. gemäss ICD-10 (F11.2) klar
fehlerhaft sei. Insgesamt hielt der psychiatrische Gutachter an den Beurtei-
lungen gemäss Gutachten vom 21. Dezember 2020 fest (VB 85 S. 4).
3.
3.1.
Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG)
haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-
geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die strei-
tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
- 5 -
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
3.2.
Soweit die versicherte Person dem Gutachten die abweichenden Beurtei-
lungen behandelnder Ärzte gegenüberstellen lässt, trifft es zwar grundsätz-
lich zu, dass die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende
Betreuung durch einen behandelnden Arzt oft wertvolle Erkenntnisse zu
erbringen vermag. Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des
therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag
des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124
I 170 E. 4 S. 175) lässt es aber nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts-
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät-
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei-
chende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige As-
pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge-
würdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06
E. 2.1.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2019 vom 10. September 2019
E. 3.4 mit Hinweisen).
4.
4.1.
Die Beschwerdeführerin wurde im Rahmen des polydisziplinären SMAB-
Gutachtens fachärztlich umfassend und in Kenntnis der Vorakten (VB 52.2;
52.5 S. 2) sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden
(VB 52.3 S. 2 ff.; 52.4 S. 2 ff.; 52.5 S. 3 ff.) untersucht. Das SMAB-Gutach-
ten beruht auf allseitigen Untersuchungen der beteiligten medizinischen
Fachrichtungen und bezieht die entsprechenden Teilgutachten mit ein
(VB 52.1 S. 5 ff.). Die Beurteilungen der medizinischen Situation sowie die
fachärztlichen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet
(VB 52.1 S. 6 ff.; 52.3 S. 7 ff.; 52.4 S. 5 ff.; 52.5 S. 5 ff.). Das Gutachten
wird den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine be-
weiskräftige medizinische Stellungnahme demnach gerecht (vgl. E. 3),
weshalb es grundsätzlich geeignet ist, den Beweis für den anspruchser-
heblichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen.
- 6 -
4.2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, das psychiatrische Gutachten sei
unvollständig. Sie beanstandet im Wesentlichen, dass der psychiatrische
Gutachter die verminderte Leistungsfähigkeit von 25 % nicht begründe (Be-
schwerde, Ziff. 14).
Im psychiatrischen Teilgutachten werden die leichte bis mittelgradige re-
zidivierende depressive Störung sowie der schädliche Gebrauch von Can-
nabis als Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit gestellt
(VB 52.3 S. 11). Es wurden weiter Ausführungen zu den Fähigkeitsbeein-
trächtigungen gemäss Mini-ICF-APP gemacht und die einzelnen Fähig-
keitsbereiche aufgeführt mit der jeweiligen Bemerkung, ob eine Beeinträch-
tigung bestehe bzw. in welchem Ausmass eine solche bestehe (VB 52.3
S. 13). In der polydisziplinären Gesamtbeurteilung wurde sodann gesamt-
haft festgehalten, dass "Fähigkeitsbeeinträchtigungen in den Bereichen
Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfä-
higkeit, sowie Widerstands- und Durchhaltefähigkeit" bestünden (VB 52.1
S. 8). Vor diesem Hintergrund leuchtet es ohne Weiteres ein, dass die at-
testierte verminderte Leistungsfähigkeit auf die gestellten Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und auf die Fähigkeitsbeeinträchti-
gungen in den genannten Bereichen zurückzuführen ist und damit begrün-
det sowie nachvollziehbar ist. Das Gutachten erweist sich in dieser Hinsicht
somit nicht als unvollständig.
4.3.
4.3.1.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter, im Gutachten sei die Diagnose eines
schädlichen Gebrauchs von Opioiden verneint worden, weshalb das Gut-
achten in diesem Punkt unvollständig sei. Die behandelnde Psychiaterin
Dr. med. G. habe die Diagnose eines iatrogen verursachten Abhängigkeits-
syndroms von Opioiden gestellt. Dazu finde weder im psychiatrischen Teil-
gutachten noch in der ergänzenden Stellungnahme eine eingehende Dis-
kussion durch den psychiatrischen Gutachter statt, was zwingend hätte er-
folgen müssen (Beschwerde, Ziff. 15).
4.3.2.
Gemäss den Akten wurde im Austrittsbericht der Klinik H. vom 7. Oktober
2019 die Diagnose psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide bei
schädlichem Gebrauch gestellt (VB 22 S. 3). Dem psychiatrischen Gutach-
ter war dieser Bericht bekannt (VB 52.3 S. 2 und S. 12; 52.2 S. 2 f.). Zudem
wusste der psychiatrische Gutachter Bescheid über die Schmerzmittelein-
nahme der Versicherten, weswegen im psychiatrischen Teilgutachten eine
vertiefte Befragung zu dieser Thematik bzw. zu dieser Diagnose erfolgte
und abgeklärt wurde, ob eine Suchtentwicklung vorliege oder die Medika-
mente nicht gemäss ärztlicher Verordnung eingenommen würden (VB 52.3
S. 2 f. und S. 12). Die Versicherte teilte dem psychiatrischen Gutachter mit,
- 7 -
sie nehme wegen der Schmerzen Tramal ein aufgrund ärztlicher Verord-
nung. Wegen den starken Nebenwirkungen habe sie ein Schmerzzentrum
aufgesucht und ein Wechsel auf ein anderes Medikament sei vorgesehen
(VB 52.3 S. 2 f.).
Aufgrund dieser Abklärung wurde eine Suchterkrankung durch den psychi-
atrischen Gutachter verneint. Er sehe die Diagnose eines schädlichen Ge-
brauchs von Opioiden nicht, zumal aktuell eine Umstellung der Schmerz-
medikation geplant sei (VB 52.3 S. 12). Im psychiatrischen Teilgutachten
findet somit entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin eine Aus-
einandersetzung mit der Diagnose eines schädlichen Gebrauchs von Opi-
oiden statt (VB 52.3 S. 2 und S. 12).
4.3.3.
Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med. G., stellt in ihrer Stellungnahme
vom 17. März 2021 die Diagnose einer Abhängigkeit von Opioiden, iatro-
gen verursacht. Begründet wird dies damit, dass eine kontinuierliche Zu-
nahme der Dosis erfolge, ein Absetzversuch gescheitert sei und die Ein-
nahme trotz starker Nebenwirkungen erfolge (VB 78 S. 2 f.). Es seien vier
von sechs Suchtkriterien erfüllt, weshalb die Diagnose einer Abhängigkeit
von Opioiden gestellt werden könne (VB 78 S. 3).
In der Stellungnahme der SMAB vom 4. Mai 2021 nimmt der psychiatrische
Gutachter folgendermassen Bezug auf diese Thematik (VB 85 S. 2): Er hielt
fest, die Herleitung der behandelnden Psychiaterin bezüglich der vorliegen-
den iatrogen verursachten Opioid-Abhängigkeit sei fehlerhaft, da unter-
schieden werden müsse zwischen "Begleiterscheinungen einer Schmerz-
medikation mit Opioiden ohne jegliche Suchtproblematik und des Konsums
von Opioiden im Sinne einer Suchtkrankheit im Sinne einer Abhängigkeits-
erkrankung gemäss ICD-10". Die Toleranzentwicklung bei der Versicherten
sei kein Suchtkriterium, sondern dies sei eine Folge der über längere Zeit
dauernden Medikation mit opiathaltigen Schmerzmitteln. Ein starkes Ver-
langen nach der Substanz ergebe sich aus der Symptomatik und stelle kein
Suchtkriterium dar. Jemand, der starke Schmerzen habe, habe gegebe-
nenfalls auch ein Verlangen nach einem Schmerzmittel, das habe mit Sucht
nichts zu tun. Auch die Einnahme des Medikaments trotz Nebenwirkungen
stelle keine Sucht dar, denn wer Schmerzen habe, werde abwägen, ob Ne-
benwirkungen in Kauf genommen würden, um eine schmerzlindernde Wir-
kung zu erreichen, und sich dann möglicherweise für das Schmerzmittel
entscheiden. Daher sei die Diagnose der behandelnden Psychiaterin,
Dr. med. G., es liege eine Opioid-Abhängigkeit vor, klar fehlerhaft (VB 85
S. 3).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die psychiatrische
Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann
- 8 -
und dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewis-
sen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psy-
chiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, so-
fern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteile des Bundesgerichts
9C_494/2018 vom 6. November 2018; 8C_100/2013 vom 28. Mai 2013
E. 4.2.2 mit Hinweisen). Die von Dr. med. D. vorgenommene Einschätzung
des psychischen Gesundheitszustands und insbesondere betreffend die
Diagnosen eines schädlichen Gebrauchs von Opioiden bzw. einer Opioid-
Abhängigkeit erfolgte schlüssig und nachvollziehbar, womit darauf abzu-
stellen ist.
4.4.
4.4.1.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter, das psychiatrische Gutachten sei wi-
dersprüchlich. Gemäss dem psychiatrischen Gutachter liege keine Ein-
schränkung der Kontaktfähigkeit zu Dritten vor. Im Rahmen des Belas-
tungsprofils habe er jedoch festgehalten, Kundenkontakt sei bei noch nicht
abgeschlossenem Transitionsprozess zu belastend und sollte vermieden
werden (Beschwerde, Ziff. 17 f.).
4.4.2.
Im psychiatrischen Gutachten nahm der Gutachter eine Beurteilung der Fä-
higkeitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin gemäss Mini-ICF-APP
vor. Er erachtete die Versicherte dabei weder in der Konversation und der
Kontaktfähigkeit zu Dritten noch in der Gruppenfähigkeit als beeinträchtigt
(VB 52.3 S. 13). Auch die Beschwerdeführerin gab gegenüber dem Gut-
achter nicht an, sie sei in ihrem Kontaktverhalten zu anderen Personen ein-
geschränkt. Der Gutachter konnte einzig themenbezogen (Transsexualis-
mus) ein leichtes Misstrauen und eine leicht sensitive Tendenz (bezüglich
des Transsexualismus eine Ablehnung zu vermuten, die gegebenenfalls
gar nicht vorliege) feststellen (VB 52.3 S. 10). Es ist allerdings nicht zu be-
anstanden, dass der Gutachter daraus keine grundsätzliche Einschrän-
kung der Kontaktfähigkeit zu Dritten ableitete.
Soweit der Gutachter im Rahmen des Belastungsprofils festhielt, Kunden-
kontakt sei bei noch nicht abgeschlossenem Transitionsprozess zu belas-
tend und sollte vermieden werden (VB 52.3 S. 14), bezog er sich damit
nicht auf die grundsätzlich gegebene Kontaktfähigkeit der Beschwerdefüh-
rerin, sondern auf den gesellschaftlich zum Teil ablehnenden bis auch stig-
matisierenden Umgang mit der Thematik Transsexualismus Mann-zu-Frau
(vgl. VB 52.3 S. 12). Er erachtete dabei einen Kundenkontakt im Rahmen
der von ihm gestellten Diagnose einer depressiven Störung als zu belas-
tend. Zudem sollte der laufende Transitionsprozess nicht durch zusätzliche
Belastungen wie Kundenkontakt gehindert werden, weswegen dieser zu
vermeiden sei und ein entsprechendes Belastungsprofil formuliert wurde;
hierbei wurde explizit die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Marketing ohne
Kundenkontakte als grundsätzlich zumutbar erachtet (vgl. VB 52.3
- 9 -
S. 12 ff.). Dies erscheint schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf ab-
zustellen ist.
4.5.
4.5.1.
In den Akten findet sich der Verlaufsbericht vom 10. März 2020 der früher
behandelnden Psychiaterin, Dr. med. I., Fachärztin für Kinder- und Jugend-
psychiatrie und -psychotherapie, in dem diese der Beschwerdeführerin eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (VB 25 S. 1 und S. 4 f.). Die Be-
schwerdeführerin rügt diesbezüglich, das Gutachten sei nicht schlüssig,
weil eine gutachterliche Auseinandersetzung mit dieser Beurteilung von
Dr. med. I. zur Arbeitsunfähigkeit fehle (Beschwerde, Ziff. 21).
4.5.2.
Dem psychiatrischen Gutachter Dr. med. D. waren diese Ausführungen von
Dr. med. I. zur Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin bekannt (VB
52.2 S. 2; 52.3 S. 2). Im psychiatrischen Gutachten findet sodann eine Aus-
einandersetzung mit dem Verlaufsbericht von Dr. med. I. statt (VB 52.3 S.
12 und 14). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, dass die im Verlaufs-
bericht von Dr. med. I. genannte schwere depressive Episode nicht nach-
vollziehbar sei, insbesondere, weil die Patientin in einem stabilisierten, teil-
remittierten Zustandsbild aus der Klinik H., in der sie zuvor behandelt wor-
den sei, ausgetreten sei und dort deutlich stimmungsstabiler und hoff-
nungsvoller erlebt worden sei (VB 22 S. 10; 52.3 S. 12). Damit hat der psy-
chiatrische Gutachter nachvollziehbar und begründet dargelegt, weshalb er
die Diagnose einer schweren depressiven Episode als nicht nachvollzieh-
bar erachtet. Im psychiatrischen Gutachten nahm Dr. med. D. daraufhin
eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor und hielt fest, dass eine Arbeits-
fähigkeit von 75 % vorliege in der bisherigen wie in einer angepassten Tä-
tigkeit (VB 52.3 S. 12 ff.). Damit äusserte sich Dr. med. D. zu der von
Dr. med. I. festgestellten Arbeitsunfähigkeit, womit dieser Aspekt aus dem
Verlaufsbericht von Dr. med. I. im Rahmen der Begutachtung weder uner-
kannt noch ungewürdigt geblieben ist (vgl. E. 3.2.).
4.6.
Zusammenfassend ist somit bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Beschwer-
deführerin auf das beweiskräftige polydisziplinäre Gutachten der SMAB ab-
zustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % seit 1. November 2019
in der bisherigen sowie in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen.
Vor diesem Hintergrund erscheint der medizinische Sachverhalt als voll-
ständig abgeklärt, weshalb auf weitere Abklärungen in antizipierter Beweis-
würdigung verzichtet werden kann (BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 139 I 229
E. 5.3 S. 236; Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2015 vom 8. August 2015
E. 2.3).
- 10 -
5.
Im Rahmen der Ermittlung des Invaliditätsgrades ging die Beschwerdegeg-
nerin in ihrer Verfügung vom 5. Oktober 2021 davon aus, die angestammte
Tätigkeit als Marketing Managerin entspreche einer ideal angepassten Tä-
tigkeit, weswegen vorliegend die medizinisch attestierte Arbeitseinschrän-
kung mit dem Invaliditätsgrad gleichgesetzt werden könne (VB 91 S. 1).
Vor Eintritt des Gesundheitsschadens war die Beschwerdeführerin zu
100 % in ihrer angestammten Tätigkeit arbeitsfähig und ab dem 1. Novem-
ber 2019 ist die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu
75 % arbeitsfähig. Damit entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Ar-
beitsunfähigkeit. Dies stellt keinen "Prozentvergleich" im Sinne von
BGE 104 V 135 E. 2b S. 137 dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfa-
chung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_675/2016 vom 18. April 2017
E. 3.2.1). Daraus ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 25 %. Da auf das Gut-
achten abgestützt werden kann (vgl. E. 4.), erfolgte die in der Verfügung
der Beschwerdegegnerin vorgenommene Berechnung des Invaliditätsgra-
des korrekt. Entsprechend ist – entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
rerin (Beschwerde, Ziff. 20) – kein Einkommensvergleich vorzunehmen. Es
ist auf die Verfügung abzustellen und von einem Invaliditätsgrad von 25 %
auszugehen. Damit besteht kein Anspruch auf eine Rente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
6.
6.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu.