Decision ID: 6cf9ca17-fd7f-483f-b685-38707837d1f4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war seit
1. Juli 2000
bei der
Y._
beschäftigt und damit bei der Allianz
Suisse Versicherungs-Gesellschaft (Allianz)
obligatorisch unfallversichert, als er sich am 20. Juli 2007 eine Schulterprellung zuzog (
Urk.
7/1 Ziff.1-6 und 9).
Mit Verfügung vom 30. November 2010 (
Urk.
7/
103
=
Urk.
2/1) stellte die Alli
anz ihre Leistungen per 31. Dezember 2009 ein (S. 3 Ziff. 1).
Dagegen erhob der Versicherte am 17. Januar 2011 Einsprache (
Urk.
7/109 =
Urk.
2/2).
2.
Am 20. Oktober 2015 erhob der Versicherte Rechtsverzögerungs- /
Rechtsver
-
wei
gerungsbeschwerde
und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei zu
ver
-
pflichten, umgehend einen
Einspracheentscheid
zu erlassen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die Allianz beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4. Dezember 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Eine Verletzung von Art. 29
Abs.
1 der Bundesverfassung (BV) - sowie gegebe
nenfalls von Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; BGE 130 I 174 mit Hinweisen) - liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sogenannte Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe - beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände - die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103
V 190 E. 3c).
2.
2.1
In der Einsprache vom 17. Januar 2011 (
Urk.
7/109) machte der Beschwerdefüh
rer geltend, die erfolgte Leistungseinstellung sei unrichtig; es sei nicht auf den von der Beschwerdegegnerin angeführten Arztbericht abzustellen, sondern ei
nen anderen, seines Erachtens schlüssigeren (S.
3 unten).
Am 18. August 2011 teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass sie eine Begutachtung in Aussicht nehme (
Urk.
7/112).
2.2
Am
29. Februar 2012 erstatteten die Ärzte der
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten
(
Urk.
7/132).
Am 10. Mai 2012 stellte die Beschwerdegegnerin das
Z._
-
Gutachten dem Be
schwerdeführer zu (
Urk.
7/133).
Am 29. August 2012 ersuchte d
er Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin, die
Z._
-
Gutachter zu ermächtigen, der behandelnden Ärztin bestimmte medi
zinische Akten auszuhändigen (
Urk.
7/140).
2.3
Am 26. Februar 2013 erkundigte er sich bei der Beschwerdegegnerin nach dem aktuellen Verfahrensstand und den geplanten nächsten Schritten (
Urk.
7/145).
Am 28. Februar 2013 teilte d
ie Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, es sei vorgesehen, den
Z._
-
Gutachtern Ergänzungs- beziehungsweise
Erläu
terungsfragen
zu stellen; leider seien diese noch nicht fertig ausformuliert (
Urk.
7/146).
Am 11. Juli 2013
unterbreitete sie dem Beschwerdeführer die vorgesehenen Fra
gen (
Urk.
7/148).
Am 30. September 2013 nahm d
er Beschwerdeführer Stellung (
Urk.
7/153) und führte aus, die Beschwerdegegnerin habe von den vorgesehen Fragen abzusehen (S. 2 f.).
Am 23. Oktober 2013 unterbreitete d
ie Beschwerdegegnerin den
Z._
-
Gutach
tern die genannten Fragen (
Urk.
7/154).
2.4
Am 13. Dezember 2013 beantworteten die
Z._
-
Gutachter die Fragen (
Urk.
7/157).
Am
2.
April 2014 ersuchte die Beschwerdegegnerin die zuständige IV-Stelle um Aktenzustellung (
Urk.
7/158).
Am 14. April 2014 erkundigte d
er Beschwerdeführer sich nach dem
Verfahrens
stand
(
Urk.
7/159).
Am 2
2.
Januar 2015 erneuerte er seine Anfrage (
Urk.
7/161).
Am 19. März 2015
erneuerte er seine Anfrage und
ersuchte die
Beschwer
-
degegne
rin
darum, eine Verjährungsverzichtserklärung abzugeben (
Urk.
7/162).
2.5
Am 8. Juli 2015
stellte
die Beschwerdegegnerin d
em Beschwerdeführer
die
er
-
gän
zende
Stellungnahme der
Z._
-Gutachter vom 13. Dezember 2013 zu und teilte ihm
unter anderem mit, sie gedenke bezüglich der von den
Z._
-Gut
achtern nicht befriedigend beantworteten
Zusatzf
rage ein Aktengutachten bei einem geeigneten Facharzt zu veranlassen (
Urk.
7/164
S. 1 Mitte).
2.6
Am 31. August 2015 (
Urk.
7/169) stellte sich d
er Beschwerdeführer unter ande
rem auf den Standpunkt, ein neues Aktengutachten ziehe das Verfahren nur unnötig in die Länge und sei nicht zielführend (S. 3 Mitte), und ersuchte darum, bis spätestens am 30. September 2015 einen
Einspracheentscheid
zu erlassen
(S. 3 unten).
Am
2.
Oktober 2015 teilte er der Beschwerdegegnerin mit, er nehme eine
Rechts
verzögerungsbeschwerde
in Aussicht (
Urk.
7/170).
Am 15. Oktober
2015
teilte d
ie Beschwerdegegnerin mit, die Angelegenheit könne voraussichtlich erst im November 2015 in Angriff genommen werden
(
Urk.
7/171)
.
Am 11. November 2015 gab sie bei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein
Ak
tengutachten
in Auftrag (
Urk.
7/173).
In der Beschwerdeantwort vom
4. Dezember 2015
führte sie unter anderem aus
,
Dr.
A._
habe ihre Stellungnahme für Mitte/Ende Dezember 2015 in Aussicht gestellt. Das weitere Vorgehen werde dann davon abhängen, zu welchen Schlussfolgerungen
Dr.
A._
komme (
Urk.
6
S. 9 f.
Ziff.
30).
3.
Es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen seit Eingang der Einsprache bei der Beschwerdegegnerin mittlerweile fünf Jahre verstrichen sind, ohne dass ein
Einspracheentscheid
ergangen wäre. Unter dem Aspekt ein
er
allfälligen
Rechts
verzögerung
ist
dabei insbesondere relevant, welche Verzögerungen der Be
schwerdeführer und welche die Beschwerdegegnerin zu verantworten hat
:
Vom Eingang der Einsprache bis zur Mitteilung der Beschwerdegegnerin, dass sie eine Begutachtung in Aussicht nehme, verstrichen rund
7 Monate
(vorstehend E. 2.1).
Vom Eingang des Gutachtens bis zu dessen Zustellung an den
Beschwer
-
defüh
rer
verstrichen über
2 Monate
(vorstehend E. 2.2).
Ein Jahr
nach Erstattung des Gutachtens erkundigte sich der
Beschwer
-
defüh
rer
nach dem Verfahrensstand; daraufhin erklärte die Be
schwerde
-
gegnerin, sie beabsichtige, den Gutachtern Zusatzfragen zu
unter
breiten
.
Diese Fragen
unterbreitete sie dem Beschwerdeführer wiederum rund
4 1⁄2 Monate
später (vorstehend E. 2.3). Vom Eingang des Gutachtens bis zur Vorlage der von der Beschwerdegegnerin formulierten Ergänzungsfragen verstrichen mithin über
16 Monate
.
Gut
4 Monate
nach Eingang der ergänzenden Stellungnahme bei der
Be
schwerdegegnerin
holte diese
Anfang April 2014
die Akten der Invaliden
versicherung ein;
eine Zustellung der Stellungnahme
an den Beschwerde
führer
war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgt. Die Anfrage
n
de
s
Be
schwerdeführers nach dem Verfahrensstand
von
Mitte April 2014
und Ja
nuar 2015
blieb
en
unbeantwortet;
im März
2015 erneuerte er seine Anfrage (vorstehend E. 2.4), nachdem er nunmehr
11 Monate
ohne Antwort geblie
ben war.
Vo
m
Eingang der ergänzenden Stellungnahme der Gutachter bis zur deren Zu
stellung an den Beschwerdeführer verstrichen über
1 1⁄2 Jahre
(vorstehend E. 2.5
). Gleiches gilt für die Ankündigung der Beschwerdegegnerin, sie ge
denke überdies ein Aktengutachten einzuholen (E. 2.5)
Ende August 2015 nahm der Beschwerdeführer zum geplanten
Aktengutach
ten
Stellung und Mitte Oktober 2015 erkundigte er sich nach dem
Verfah
rensstand
, worauf ihm die Beschwerdegegnerin mitteilte, die Angelegenheit könne voraussichtlich erst im November 2015 in Angriff genommen werden. Mitte November 2015 erging der Auftrag für ein Aktengutachten (vorste
hend E. 2.6). Vom Eingang der ergänzenden Stellungnahme der Gutachter (Mitte Dezember 2013) bis zur Auftragserteilung für ein weiteres Gutachten verstrichen mithin beinahe
zwei Jahre
.
Aus der Z
usammenstellung ergibt sich mit grösster Deutlichkeit, dass
die Verzö
gerungen enorm und allesamt
von der Beschwerdegegnerin zu verantworten sind. Praktisch jeder aktenkundigen Handlung der Beschwerdegegnerin ist eine monatelange Inaktivität vorangegang
en;
einzelne
Schritte hat
sie
zudem
fast immer
erst unternommen, wenn der Beschwerdeführer sich (einmal mehr) nach dem Verfahrensstand erkundigt hat.
Bei dieser Sachlage kann von einem fristgerechten Handeln der Beschwerde
-
gegne
rin
keine Rede sein, sondern es ist ihr eine mehrfach wieder
holte und anhaltende Rechtsverzögerung vorzuwerfen.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der Beschwerdeantwort war das Gutachten von
Dr.
A._
noch ausstehend, wenn auch auf Mitte / Ende Dezember 2015 in Aussicht gestellt (
Urk.
6
S. 9 f.
Ziff.
30).
Da das genannte Gutachten schon in Auftrag gegeben und in Bearbeitung ist, erscheint es zweckmässig, dessen Eingang vor Erlass des
Einspracheentscheids
noch abzuwarten.
4.2
Das weitere Vorgehen wird jedoch nicht - wie in
der
Beschwerdeantwort in Aus
sicht gestellt (
Urk.
6 S. 10 oben) - von den Schlussfolgerungen und der
Be
weistauglichkeit
des genannten Gutachtens abhängen.
Vielmehr wird die Beschwerdegegnerin sich umgehend - also auch, falls im
Ur
teilszeitpunkt
das Gutachten noch nicht vorliegen sollte - mit dem Beschwer
deführer darüber verständigen, ob er wünscht, dass ihm zum Gutachten das rechtliche Gehör gewährt wird, oder ob er darauf verzichtet.
4.3
Verzichtet der Beschwerdeführer auf den genannten Gehörsanspruch, so wird die Beschwerdegegnerin innert 20 Tagen nach Eingang des Gutachtens den
Einspracheentscheid
erlassen.
Verzichtet er nicht, so wird die Beschwerdegegnerin innert 20 Tagen nach Ein
gang des Stellungnahme des Beschwerdeführers den
Einspracheentscheid
erlas
sen.
5.
Dem obsiegenden Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
3‘000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.