Decision ID: 99adbf86-1722-4316-81cc-c0b2eaab76f2
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1988 geborene Beschwerdeführer stellte am 17. Januar 2022 Antrag
auf Insolvenzentschädigung für offene Lohnforderungen gegenüber der C.
für den Zeitraum vom 1. Mai 2021 bis 31. August 2021. Über diese war am
23. November 2021 der Konkurs eröffnet worden. Die Be-
schwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer in der Folge eine Ent-
schädigung für die Zeit vom 31. März 2021 bis zum 30. Juli 2021 in der
Höhe von brutto Fr. 14'877.85 zu. Hierauf verlangte der Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 10. Februar 2022 eine Verfügung. Die Beschwerdegeg-
nerin bestätigte ihre Abrechnung mit Verfügung vom 17. Februar 2022. Die
dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom
11. April 2022 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 11. April 2022 erhob der Beschwer-
deführer mit Eingabe vom 19. Mai 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte
folgende Rechtsbegehren:
" 1. Der Einsprache-Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 11. April 2022 sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den massgeblichen Zeit-
raum für die Insolvenzentschädigung des Beschwerdeführers auf den 1. Mai 2021 bis zum 31. August 2021 festzulegen.
3. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
zuzüglich zu den CHF 14'743.95 gemäss Verfügung vom 17.  2022 CHF 5'911.35 zu bezahlen.
Eventualiter
In Gutheissung der Beschwerde sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-
gegnerin."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 25. August 2022 stellte die Beschwerdegegnerin
folgenden Antrag:
" Der Einspracheentscheid vom 11. April 2022 sei aufzuheben.
Die Sache sei zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz ."
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Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdegegnerin beantra-
gen nunmehr übereinstimmend, den Einspracheentscheid vom
11. April 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 167) aufzuheben
(Beschwerde Ziff. 1; Vernehmlassung Rechtsbegehren) und die Sache zur
Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Beschwerde
Ziff. 3 Eventualbegehren; Vernehmlassung Rechtsbegehren).
Die Beschwerdegegnerin bringt in ihrer Vernehmlassung vom 25. August
2022 vor, sie habe nach erneuter Prüfung des Falles festgestellt, dass der
Bemessungszeitraum vom 31. März 2021 bis 30. Juli 2021 falsch festge-
setzt worden sei. Dies sei aufgrund der falschen Annahme geschehen,
dass Ferien nicht durch Insolvenzentschädigung zu entschädigen seien.
Interne Abklärungen hätten ergäben, dass bezogene Ferien geleisteter Ar-
beit gleichzustellen seien. Für die Festsetzung des Bemessungszeitrau-
mes stelle sich allerdings die Frage, ob der Beschwerdeführer so viele Fe-
rientage zugute gehabt habe. Da dies nicht klar sei und die genaue Höhe
berechnet werden müsse, sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Insolvenzentschädigung setzt eine Lohnforderung der versicherten
Person gegenüber dem insolventen Arbeitgeber voraus. Unter Lohnforde-
rung im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich der massgebende
Lohn gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG zu verstehen (BGE 137 V 96
E. 6.1.S. 99). In der fraglichen Zeitspanne bezogene Ferien und Feiertage
sind der geleisteten Arbeit gleichzustellen und – sofern eine Lohnzahlungs-
pflicht des Arbeitgebers besteht – durch die Insolvenzentschädigung zu
entschädigen (AVIG-Praxis IE Rz. A5; THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosen-
versicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd.
XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 620). Die Beschwerdegegnerin
ging in ihrem Einspracheentscheid fälschlicherweise davon aus, dass be-
zogene Ferien nicht zu entschädigen seien und setzte den Bemessungs-
zeitraum vom 31. März bis zum 30. Juli 2021 falsch fest. Entsprechend
wurde von ihr auch nicht geprüft, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
die von ihm geltend gemachten Ferien hatte.
Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist zur neuerli-
chen Entscheidung über den Anspruch des Beschwerdeführers an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.
2.1.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
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2.2.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-
terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-
weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-
klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215
E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).