Decision ID: e7497769-ce3e-5ca9-8c7a-049356af7ba1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 6. Oktober 2015 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 10. Oktober 2015 und der
Anhörung vom 18. Juli 2017 führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen
aus, vor der Ausreise habe er mit seiner Ehefrau und dem Sohn im Dorf
B._, Stadt C._, Somaliland, gelebt. Er gehöre dem Familien-
clan D._, Clan E._, Subclan F._, Subsubclan
G._, Subsubsubclan H._ an. Seine Familie besitze ein
Ackerfeld, das er bewirtschaftet habe. Ein Nachbar namens I._
(nachfolgend: I._) habe ihm das Ackerfeld strittig gemacht.
I._ gehöre dem mächtigeren Subsubsubclan J._ an, wel-
cher das Sagen innerhalb des Clan Issaq habe. I._ habe wiederholt
gedroht, ihm das Land wegzunehmen und ihn zu töten, da er von einem
besseren Clan sei. Ein Gericht habe festgestellt, dass er einen Teil des
Ackerfeldes an I._ abtreten müsse. Dies sei nur erfolgt, weil
I._ einem einflussreicheren Subsubsubclan angehöre und das Ge-
richt bestochen habe. In Somalia funktioniere alles, auch die Gerichte, mit
Geld und Clan. I._ habe weiterhin das ganze Ackerfeld gewollt und
ihn deswegen regelmässig mit dem Tod bedroht und geschlagen. Er habe
sich dreimal an den Clanältesten gewandt. Dieser habe versucht zu ver-
mitteln, er habe aber ebenfalls dem mächtigen Subsubsubclan J._
angehört und nichts bewirkt. Deshalb sei er (Beschwerdeführer) zur Polizei
gegangen. Die Polizei habe nur einen Rapport verfasst; ansonsten habe
sie nichts unternommen. Eines Tages sei I._ mit einem Sackmesser
auf ihn losgegangen. Er habe sich gewehrt und ihn mit einem Metallstück
geschlagen. Nachdem ein anderer Nachbar den Tod von I._ bestä-
tigt habe, habe er sich bei einem Freund versteckt. Er habe beabsichtigt,
sich der Polizei zu stellen, um seine Familie zu schützen. Ein paar Stunden
nach dem tödlichen Unfall habe ihm seine Mutter abends telefonisch mit-
geteilt, dass die Brüder von I._ seinen Bruder getötet hätten. Wenn
er sich den Behörden gestellt hätte, wäre er ebenfalls getötet worden, da
die Behörden den Täter an die Familie des Opfers übergeben würden und
diese Familie den Täter töten würde. Deshalb habe er sich zur Flucht ent-
schieden und sei im Jahr 2013 ausgereist. Seine Ehefrau sei ebenfalls ge-
flüchtet.
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Der Beschwerdeführer reichte eine Geburtsurkunde, eine Identitätsbestä-
tigung der Gemeinde vom 17. Mai 2011 und eine Beschwerde seiner Mut-
ter ans Landesgericht von C._ gegen die Familie von I._ aus
dem Jahr 2011 (inkl. Übersetzung) ein.
B.
Mit Urteil vom 5. Juli 2017 befand das Bezirksgericht K._ den Be-
schwerdeführer der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB für schuldig und be-
strafte ihn mit einer Freiheitstrafe von 32 Monaten, deren Vollzug im Um-
fang von 16 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf drei Jahre fest-
gesetzt wurden. Im Übrigen wurde der Vollzug der Freiheitstrafe abzüglich
der bisherigen Haft (452 Tage) angeordnet. Der bedingt ausgesprochene
Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft L._ vom 12. Ja-
nuar 2016 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– gegen
den Beschwerdeführer wurde nicht widerrufen.
C.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 (eröffnet am 31. Oktober 2018) stellte
die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 30. November 2018 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, es sei die Verfügung
der Vorinstanz vom 30. Oktober 2018 aufzuheben und es sei ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Verfügung vom 30. Oktober 2018 aufzuhe-
ben und es sei festzustellen, dass die Wegweisung unzulässig beziehungs-
weise unzumutbar sei und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewäh-
ren. Subeventualiter sei die Verfügung vom 30. Oktober 2018 aufzuheben
und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es
sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Es sei ihm ein Rechts-
beistand seiner Wahl zu bestellen.
Der Beschwerdeführer reichte eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2018 hiess der Instruktionsrich-
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ter die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechts-
verbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses, forderte den Beschwerdeführer auf, eine Person als amtliche Rechts-
vertretung vorzuschlagen, und gab der Vorinstanz Gelegenheit zur Einrei-
chung einer Vernehmlassung.
F.
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2018 benannte der Beschwerdeführer
MLaw EI Uali Emmhammed Said, angestellt bei der Rechtsberatungsstelle für
Asylsuchende Aargau, als amtlichen Rechtsbeistand. Dem Schreiben war eine
Vollmacht beigelegt.
G.
Am 17. Dezember 2018 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Dezember 2018 setzte der Instruktions-
richter den vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen Rechtsvertreter als
amtlichen Rechtsbeistand ein.
I.
Mit Replik vom 17. Januar 2019 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-
lassung Stellung. Dem Schreiben war eine Honorarnote beigelegt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
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von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer
habe das Telefonat mit seiner Mutter, in welchem sie ihn über den Tod sei-
nes Bruders informiert habe, unsubstantiiert geschildert. Es wäre zu erwar-
ten gewesen, dass er das Telefonat in einer erlebnisgeprägten Weise schil-
dere und Angaben zur eigenen Gedanken- oder Gefühlswelt oder zumin-
dest zu den Interaktionen mache. Zudem habe er zu seiner Flucht wider-
sprüchliche Angaben gemacht. An der Befragung habe er gesagt, er sei
von seinem Dorf zu Fuss und mit einem Fahrzeug an die äthiopische
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Grenze gelangt. An der Anhörung habe er gemeint, er sei zu Fuss an die
äthiopische Grenze gegangen und hätte diese auch zu Fuss überquert.
Erst in Äthiopien sei er mit einem Fahrzeug weitergereist. Er habe zwar in
seinem Dialekt ein Wort benutzt, das "gehen" oder "fahren" bedeute, da er
aber an der Befragung explizit von einem Geländewagen gesprochen
habe, bleibe der Widerspruch bestehen. Zudem sei nicht nachvollziehbar,
dass er einerseits behauptet habe, seine Ehefrau und seine Mutter hätten
keine Blutrache, sondern nur verbale Beschimpfungen zu befürchten, und
andererseits angegeben habe, seine Ehefrau habe vor der Familie von
I._ flüchten müssen. Es entstehe der Eindruck, er versuche eine
Bedrohungslage für sich und seine Familie zu konstruieren. Insgesamt
habe er seine Vorbringen nicht glaubhaft dargelegt. Daran ändere die Be-
schwerde seiner Mutter ans Landgericht von C._ nichts.
5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Telefonat mit seiner Mutter
sei relativ kurz gewesen und habe stattgefunden, nachdem er I._
getötet habe. Er habe sich in einem Schockzustand befunden. Als seine
Mutter ihm von der Tötung des Bruders erzählt habe, sei ihm sofort klar
gewesen, dass der Bruder von I._ Familie getötet worden sei. Er
sei wie gelähmt gewesen und habe Angst gehabt. Aus Reflex habe er das
Telefonat beendet. Zudem seien bereits zwei Jahre vergangen, als er zum
Telefonanruf befragt worden sei. Der Tod seines Bruders sei seine Schuld
gewesen. Dies sei schwer zu verkraften gewesen und er mache sich des-
wegen Vorwürfe. Er versuche, die Erinnerung daran zu verdrängen. Aus
diesen Gründen sei nachvollziehbar, dass er sich an den Ablauf des Tele-
fonats, aber nicht mehr an alle Details erinnern könne. Es sei ihm nicht klar,
welche weiteren Erzählungen die Vorinstanz erwartet hätte. Für die Flucht
habe er stets dasselbe Wort, welches "gehen" und "fahren" bedeute, ver-
wendet. Dadurch sei es zu Verwirrungen gekommen. Während der Anhö-
rung habe er den Dolmetscher auf die falsche Übersetzung hingewiesen.
Er habe geschildert, wie weit es zu Fuss bis zur äthiopischen Grenze ge-
wesen sei. Dies stütze seine Aussage, er sei erst in Äthiopien mit einem
Fahrzeug weitergereist. Es sei normal, dass bei einem Tötungsfall die Fa-
milie des Getöteten verbale Drohungen gegen die Familie des Angreifers
ausspreche. Solche verbalen Drohungen müssten stets ernst genommen
werden, da sie häufig zu körperlichen Übergriffen führten. Er habe ge-
wusst, dass seine Familie in Gefahr sei. Er habe jedoch nicht damit ge-
rechnet, dass I._ Familie seine alte Mutter angreifen würde. Für
seine Ehefrau sei die Gefahr eines Übergriffs jedoch grösser gewesen,
weshalb sie aus Somalia geflüchtet sei. Die somalische Polizei biete den
Bedrohten keinen Schutz. Angesichts der somalischen Verhältnisse wirke
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die Angst seiner Ehefrau nicht konstruiert. Insgesamt habe die Vorinstanz
die Unglaubhaftigkeit auf äusserst wenige Aussagen abgestützt. Es sei
nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz aus einem angeblich vage
geschilderten Telefonat und einem Widerspruch bei der Fluchtschilderung
auf die Unglaubhaftigkeit der Tötung von I._ schliesse. Er habe die
Tötung von I._ sehr detailreich und folglich glaubhaft dargelegt. Mit
dem Mord an seinem Bruder habe I._ Familie bewiesen, dass sie
Rache geschworen habe. Er und seine Familie seien daher in Lebensge-
fahr. I._ Familie gehöre einem höher gestellten Subsubsubclan an
und habe grösseren Einfluss in der Region B._. Sie sei sehr gut
vernetzt, pflege Kontakt zur örtlichen Polizei und hindert diese am Eingrei-
fen. Er habe sich mehrfach an den Clanältesten gewendet. Dieser sei zwar
auf seiner Seite gewesen, habe ihm aber nicht geholfen. Er habe Anzeige
bei der Polizei erstattet. Die Polizei habe ihn angehört, jedoch bewusst
nichts unternommen, weil I._ einem höheren Subsubsubclan ange-
höre und aus einer reichen Familie stamme, welche die Polizei immer wie-
der bestochen habe. In Somaliland werde das ganze Leben durch das
Clansystem bestimmt. Einflussreiche Clanfamilien seien mit der Polizei
und anderen Behörden vernetzt und würden so mitunter Einfluss auf das
Rechtssystem nehmen. Im Falle einer Rückkehr in sein Heimatdorf sei es
wahrscheinlich, dass ihn die Polizei direkt an I._ Familie ausliefere
und er von der Familie aus Rache getötet werde. Er habe somit begründete
Furcht, bei einer Rückkehr asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein.
5.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, die Aussagen des
Beschwerdeführers zum Kontext des Mordes, der Fluchtumstände und der
Verfolgung seien unglaubhaft. Es sei indes nicht ganz auszuschliessen,
dass er ein solches Ereignis zu irgendeinem Zeitpunkt und an irgendeinem
Ort erlebt habe. Falls das Bundesverwaltungsgericht die Vorbringen des
Beschwerdeführers für glaubhaft halte, sei festzuhalten, dass die Probleme
des Beschwerdeführers mit dem Nachbarn auf einer Landstreitigkeit beruht
hätten. Die daraus resultierende Blutrache basiere nicht auf einem asylre-
levanten Motiv nach Art. 3 AsylG. Eine Asylrelevanz der Vorfluchtgründe
wäre somit zu verneinen, womit sich auch die Frage einer allfälligen
Asylunwürdigkeit des Beschwerdeführers nicht stelle.
5.4 Der Beschwerdeführer erwidert in der Replik, er habe die von der Vor-
instanz geltend gemachten Widersprüche in seiner Beschwerde aufgelöst.
Die Tatsache, dass die Vorinstanz nicht ausschliesse, dass er den Mord
und die darauffolgende Flucht zu irgendeinem Zeitpunkt erlebt habe, zeige
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die nicht zu rechtfertigende Annahme der Unglaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen auf. Sein Nachbar habe einem höher gestellten Subsubsubclan ange-
hört, grossen Einfluss in der Gegend gehabt und Kontakt zur Polizei ge-
pflegt. Die Polizei würde ihn bei einer Rückkehr in sein Heimatland nicht
schützen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer schilderte detailliert die Geschehnisse, bevor es
zur tödlichen Auseinandersetzung mit dem Nachbarn gekommen ist. An-
lässlich der Gerichtsverhandlung wegen der Landstreitigkeit habe sein
Nachbar gefälschte Dokumente vorgelegt, auf welchen ein Teil seines Lan-
des zu jenem des Nachbarn geschlagen worden sei. Das Gericht habe den
Landteil seinem Nachbarn zugesprochen, weil er zum mächtigeren Sub-
subsubclan J._ gehört und Geld gezahlt habe. Auch nach Abtreten
des Landteils habe der Nachbar ihn bedroht und sein ganzes Land gefor-
dert. Der Beschwerdeführer erzählte im Weiteren, wie er sich vergeblich
dreimal an den Clanältesten gewandt und eine Polizeianzeige gemacht
habe. Die Gespräche und Reaktionen des Clanältesten gab er anschaulich
und eingehend wider. Er schilderte, dass der Clanälteste grundsätzlich auf
seiner Seite gewesen sei, wegen des Clansystems aber nichts habe be-
wirken können. Die tödliche Auseinandersetzung erzählte er mit zahlrei-
chen Realkennzeichen versehen. So führte er aus, er sei mit Tomaten in
der Hand vom Ackerfeld gekommen als I._ aufgetaucht sei und
ohne etwas zu sagen auf ihn eingeschlagen habe. Nachdem er aufgestan-
den sei, habe ihn I._ mit einem Sackmesser in der Hand gepackt.
Er habe sich befreien können und mit einem Metallstück, das auf dem Bo-
den gelegen habe, zugeschlagen. I._ sei ohne zu bluten einfach
umgefallen. Er habe ihn gehalten und "I._" gerufen. Als dieser nicht
geantwortet habe, sei er zu einem Nachbarn gerannt. Dieser habe nach-
geschaut und ihm gesagt, I._ sei tot. Nach seiner Flucht zu einem
Freund habe er seine Mutter angerufen. Nach dem Inhalt des Telefonge-
sprächs gefragt, antwortete der Beschwerdeführer, seine Mutter habe ge-
weint und ihn gefragt, wo er sich aufhalte. Sie habe ihm gesagt, sein Bruder
M._ sei von I._ Brüdern getötet worden. Dann habe sie drei-
mal wiederholt, er solle fortgehen und nicht dortbleiben. Er habe nichts ge-
sagt, nur zugehört. Der Beschwerdeführer mag das Telefonat etwas kurz
geschildert haben, das Gesagte ist jedoch nachvollziehbar. Zudem hat der
Beschwerdeführer überzeugend erklärt, er habe sich während des Ge-
sprächs in einem Schockzustand befunden. Des Weiteren fielen die Anga-
ben des Beschwerdeführers an der Befragung und an der Anhörung zu den
Clans, zum Namen des Nachbarn und zum zeitlichen Ablauf der Ereignisse
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übereinstimmend aus. Die Vorinstanz konnte denn auch als einzigen Wi-
derspruch aufführen, der Beschwerdeführer habe an der Befragung ge-
sagt, er sei zu Fuss und mit einem Fahrzeug an die äthiopische Grenze
gelangt, während er an der Anhörung meinte, er sei den ganzen Weg zu
Fuss gegangen. Der Beschwerdeführer benutzte aber ein Wort in seinem
Dialekt, das sowohl "gehen" als auch "fahren" bedeutet, weshalb dies zum
Widerspruch hat führen können. Selbst wenn der Widerspruch bezüglich
der Flucht tatsächlich bestehen würde, so genügt er angesichts der detail-
lierten Schilderung der Vorfälle nicht, deren Glaubhaftigkeit in Frage zu
stellen, zumal er offensichtlich aus Somalia geflüchtet ist. Die Vorinstanz
meint schliesslich selbst, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der
Beschwerdeführer die Vorfälle zu irgendeinem Zeitpunkt an irgendeinem
Ort erlebt habe. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdefüh-
rer erlebte Vorfälle in einem erfundenen Kontext erzählen sollte, zumal es
unklar ist, an welchem anderen Ort sich die Vorfälle hätten abspielen kön-
nen. Die Angabe, seine Mutter und seine Ehefrau hätten vor allem verbale
Beschimpfungen durch I._ Familie zu befürchten, steht nicht im Wi-
derspruch zur Flucht seiner Ehefrau aus Somalia aus Angst vor Rache. Der
Beschwerdeführer hat gemutmasst, was seiner Ehefrau drohen könnte.
Dies schliesst nicht aus, dass seine Ehefrau angesichts der Tatsache, dass
bereits der Bruder des Beschwerdeführers durch I._ Familie getötet
worden ist, derart Angst empfand, dass sie sich zur Flucht entschloss. An-
gesichts der Nebensächlichkeit des Widerspruchs und der ansonsten
schlüssigen, detaillierten und widerspruchsfreien Schilderung sind die Vor-
bringen des Beschwerdeführers als glaubhaft einzustufen. Es steht somit
fest, dass der Beschwerdeführer mit seinem Nachbarn I._, der ei-
nem höher gestellten Subsubsubclan angehörte, einen Streit um sein
Ackerfeld hatte, er weder von dem Clanältesten noch von der örtlichen Po-
lizei Unterstützung erhielt, er I._ bei einer Auseinandersetzung ge-
tötet hat, I._ Familie seinen Bruder aus Blutrache getötet hat und er
daraufhin geflüchtet ist.
6.2 Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass die Probleme des Beschwerdefüh-
rers mit dem Nachbarn, wenn sie denn glaubhaft wären, auf einer Land-
streitigkeit und nicht auf einem asylrelevanten Motiv nach Art. 3 AsylG be-
ruhten. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers hing die Landstreitigkeit
eng mit der Clanzugehörigkeit zusammen. Das Gericht entschied zu Guns-
ten von I._, weil dieser einem höher gestellten Subsubsubclan an-
gehörte. Aus dem gleichen Grund erhielt der Beschwerdeführer keine Un-
terstützung durch den Clanältesten sowie die örtliche Polizei und befürch-
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tet, bei einer Rückkehr an I._ Familie ausgeliefert zu werden. Be-
nachteiligungen auf Grund der Clanzugehörigkeit können im somalischen
Kontext ein asylrelevantes Motiv nach Art. 3 AsylG darstellen. Im vorliegen-
den Fall gehören der Beschwerdeführer und sein Widersacher dem glei-
chen Clan an, erst im Subsubsubclan unterscheidet sich die Clanzugehö-
rigkeit. Es stellt sich somit die Frage, ob die unterschiedliche Clanzugehö-
rigkeit auch in diesem Fall im Vordergrund steht und die Probleme des Be-
schwerdeführers somit auf einem asylrelevanten Motiv beruhen. Falls dies
zu bejahen ist, stellt sich weiter die Frage, ob die somalischen Behörden in
Somaliland gegenüber einem Mitglied eines schwächeren Subsubsub-
clans schutzfähig und schutzwillig sind. Sollte dies wiederum verneint wer-
den, wäre dem Beschwerdeführer grundsätzlich Asyl zu gewähren. Der Be-
schwerdeführer wurde in der Schweiz der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
für schuldig befunden und mit einer Freiheitstrafe von 32 Monaten bestraft.
Falls die Asylgewährung im Raum stehen würde, wäre folglich zu prüfen,
ob der Beschwerdeführer asylunwürdig ist.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel reformato-
risch. Nur ausnahmsweise wird eine angefochtene Verfügung kassiert und
an die Vorinstanz zurückgewiesen. Vorliegend ist der rechtserhebliche
Sachverhalt nicht erstellt und Rechtsfragen sind offen. Es ist nicht Sache
des Gerichts als letztinstanzliche Beschwerdeinstanz Sachverhaltsabklä-
rungen durchzuführen und erstmals über sich neu stellende Rechtsfragen
zu entscheiden. Eine Kassation der angefochtenen Verfügung ist daher
gerechtfertigt. Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Verfügung vom
30. Oktober 2018 ist aufzuheben und die Sache ist im Sinne der Erwägun-
gen zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
zur Neubeurteilung, insbesondere der sich neu stellenden Rechtsfragen,
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts-
vertreter reichte eine Honorarnote in der Höhe von insgesamt Fr. 1'102.40
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(inkl. Auslagen) ein. Der Betrag erscheint angemessen. Dem Beschwerde-
führer ist zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von
Fr. 1'102.40 (inkl. Auslagen; ohne Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9
Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen.
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