Decision ID: ae3cf02e-8447-5e7f-92d4-47239550d2f1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin – eine georgische Staatsangehörige – reiste
am 26. April 2017 zusammen mit ihrem damaligen Ehemann F._ (N
[...]) und ihrem ältesten Sohn B._ illegal in die Schweiz ein und
suchte am 28. April 2017 im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) des SEM in G._ um Asyl nach. Am 15. Mai 2017 wurde sie
zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Asylgründen be-
fragt (Befragung zur Person, BzP). Am 5. Juli 2017 trafen auch die Söhne
C._ und D._ im EVZ in G._ ein und wurden in das
Verfahren ihrer Eltern miteinbezogen.
A.b Mit Verfügung vom 25. August 2017 trat das SEM auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin und ihrer Familie nicht ein und ordnete die Weg-
weisung nach Deutschland an, wo die Beschwerdeführerin und ihre Fami-
lie bereits am 23. März 2015 um Asyl nachgesucht hatten und welches der
Übernahme gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig
ist (Dublin-III-VO) am 16. August 2017 zugestimmt hatte. Eine gegen die
Verfügung vom 25. August 2017 erhobene Beschwerde wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil F-5095/2017 vom 6. März 2018 ab.
B.
Am 14. Mai 2018 reichten die Beschwerdeführerin und ihre Familie ein
Wiedererwägungsgesuch ein, welches vom SEM mit Verfügung vom
15. Juni 2018 abgelehnt wurde. Die gegen diese Verfügung erhobene Be-
schwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4212/2018
abgewiesen. Am (...) wurde E._, das vierte Kind der Beschwerde-
führerin und ihres damaligen Ehemannes, in der Schweiz geboren.
C.
C.a Am 7. Februar 2019 wurden die Beschwerdeführerin und ihre Familie
zwangsweise nach Deutschland überstellt, wobei sie bereits am 8. Feb-
ruar 2019 wieder in die Schweiz gelangten, und sich bei der Migrationsbe-
hörde des Kantons H._ meldeten, welche der Beschwerdeführerin
und ihrer Familie mit E-Mail vom 22. Februar 2019 mitteilte, dass ein
Folgeasylgesuch schriftlich und begründet an das SEM zu richten sei. Mit
Eingabe vom 15. Mai 2019 (beim SEM am 16. Mai 2019 eingegangen)
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ersuchten die Beschwerdeführerin und ihre Familie das SEM um Durch-
führung eines Asylverfahrens gemäss Art. 18 ff. AsylG und um Vorladung
zu einer Befragung zu den Asylgründen.
C.b Mit Verfügung vom 12. Juli 2019 trat das SEM auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin und ihrer Familie nicht ein und ordnete die Wegwei-
sung nach Deutschland an, welches der Wiederaufnahme gestützt auf die
Dublin-III-VO am 21. Juni 2019 erneut zugestimmt hatte. Die gegen diese
Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil D-3733/2019 vom 31. Juli 2019 ab.
D.
D.a Am 5. September 2019 wurden die Beschwerdeführerin und ihre Fa-
milie erneut zwangsweise nach Deutschland überstellt, wobei sie wiede-
rum umgehend in die Schweiz zurückkehrten und am 9. September 2019
erneut ein Asylgesuch einreichten.
D.b Mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 trat das SEM auf das Asylge-
such der Beschwerdeführerin und ihrer Familie nicht ein und ordnete die
Wegweisung nach Deutschland an, welches der Wiederaufnahme gestützt
auf die Dublin-III-VO am 31. Oktober 2019 erneut zugestimmt hatte.
E.
Angesichts des Umstandes, dass die Frist zur Überstellung nach Deutsch-
land zwischenzeitlich abgelaufen war, hob die Vorinstanz mit Verfügung
vom 19. Juni 2020 ihre Verfügung vom 3. Dezember 2019 auf und nahm
das nationale Asylverfahren wieder auf.
F.
Am 13. Oktober 2020 wurde die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz
vertieft zu ihren Asylgründen angehört (Anhörung).
Zur Begründung ihres Asylgesuches und ihren persönlichen Verhältnissen
führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie in Tiflis geboren und aufge-
wachsen sei. Ihr Vater, der Direktor und Eigentümer eines Unternehmens
gewesen sei, sei (...) unerwartet an (...) verstorben. Ihre ältere Schwester
I._ (N [...]) habe fortan das Unternehmen erfolgreich weitergeführt.
2006 habe sie ein (...)studium an der Universität abgeschlossen und sei
für ein Jahr nach Deutschland gegangen, um als (...) zu arbeiten. Danach
habe sie im Familienunternehmen gearbeitet und sei gleichzeitig als (...)
tätig gewesen. Auch im (...) habe sie gewirkt und berufsbegleitend Kurse
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zur Ausbildung als (...) absolviert. 2012 habe sie ihren Ehemann geheira-
tet, den sie zuvor nur wenige Monate gekannt habe. [...] Ihrer Schwester
I._, die ihr immer eine grosse Stütze gewesen sei, habe sie von
diesen Problemen nichts erzählt, da sie eigene Schwierigkeiten gehabt
habe: I._ habe eine Freundin, welche mit einem bekannten Krimi-
nellen namens J._ verheiratet gewesen sei, in die Geschäfte des
Familienunternehmens involviert. Dieses Ehepaar habe ihre Schwester un-
ter Druck gesetzt und versucht, sich auf Kosten des Unternehmens zu be-
reichern. Im Jahr 2013 sei ihr erstes Kind kurz nach der Geburt gestorben,
[...]. Aufgrund ihrer eigenen Probleme und der Probleme ihrer Schwester
habe ihr letztere geraten, das Land zu verlassen. 2013 habe sie mit ihrem
Ehemann ein Asylgesuch in K._ eingereicht. Dort sei am (...) 2014
ihr ältester Sohn B._ zur Welt gekommen. Nach dem negativen
Asylentscheid und der Abweisung ihrer diesbezüglichen Beschwerde seien
sie im März 2015 nach Deutschland gegangen und hätten auch dort ein
Asylgesuch eingereicht. Nachdem im (...) 2015 ihr zweiter Sohn
C._ zur Welt gekommen sei, seien sie jedoch im März 2016 nach
K._ zurückgekehrt, bevor sie von den deutschen Behörden zu einer
Anhörung hätten eingeladen werden können. Im August 2016 seien sie
nach Georgien zurückgekehrt, um ihrer Mutter ihre Kinder zu zeigen. Da
ihre Schwester das Unternehmen bereits verkauft gehabt und J._
sich in Haft befunden habe, hätten sie die Rückkehr wagen können. Ihre
Schwester habe für sie eine Wohnung gekauft, in welche sie mit ihrem
Mann und ihren Kindern gezogen sei. [...] Nach ihrer Rückkehr habe der
inzwischen offenbar wieder freigekommene J._ sie zu Hause auf-
gesucht und ihre Kinder bedroht. In der Folge sei ihr Sohn C._ für
eine Weile nicht auffindbar gewesen, bevor ihr Schwager einen Anruf er-
halten habe, wo das Kind zu finden sei. Dieser Kindesentzug sei eine War-
nung gewesen, wie sie von Nachbarn, welche Verbündete von J._
gewesen seien, erfahren habe. Sie sei nicht zur Polizei gegangen, da diese
in den Jahren zuvor, als ihre Familie mehrmals Anzeige gegen J._
erstattet habe, untätig geblieben sei. Am (...) 2016 sei ihr dritter Sohn
D._ in Georgien zur Welt gekommen. Aufgrund [...] sei es ihr psy-
chisch schlecht gegangen. Da sie und ihre Kinder zusätzlich den Bedro-
hungen durch J._ ausgesetzt gewesen seien, habe ihre Schwester
ihr abermals zur Ausreise geraten. Mit ihrem Ehemann und ihrem ältesten
Sohn B._ sei sie deshalb im April 2017 erneut ausgereist. Als sie
bereits in der Schweiz angekommen seien, sei J._ zu ihrer Mutter
gegangen und habe erneut Drohungen gegen die Kinder ausgesprochen.
Ihre Söhne C._ und D._ seien zu diesem Zeitpunkt noch in
Georgien bei ihren Schwestern gewesen, im Juli 2017 jedoch ebenfalls in
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die Schweiz transferiert worden. Momentan lasse sie sich von ihrem Ehe-
mann scheiden, wobei die Scheidung in gegenseitigem Einvernehmen er-
folge. Bei einer Rückkehr nach Georgien fürchte sie sich sowohl vor [...]
als auch vor einer erneuten Bedrohung durch J._.
G.
Am 22. Oktober 2020 eröffnete die Vorinstanz aufgrund der anstehenden
Scheidung der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes unter der Num-
mer N (...) für letzteren ein eigenes Dossier.
H.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2020 – eröffnet am 26. Oktober 2020 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei-
genschaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig wurden sie
aufgefordert, die Schweiz sowie den Schengen-Raum bis zum 18. Dezem-
ber 2018 zu verlassen, ansonsten die Wegweisung unter Zwang vollzogen
werden könne; sollte diese Frist wegen der ausserordentlichen Lage auf-
grund des Coronavirus nicht ausreichen, so stehe es ihnen frei, vor Ablauf
der Frist schriftlich und begründet um Fristerstreckung zu ersuchen. Ferner
beauftragte das SEM den zuständigen Kanton (H._) mit dem Voll-
zug der Wegweisung.
I.
Mit Entscheid des Zivilgerichts des Kantons H._ vom 27. Okto-
ber 2020 wurde die Ehe der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes ge-
schieden.
J.
Mit Eingabe vom 25. November 2020 erhoben die Beschwerdeführenden
gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragten, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben
und es sei festzustellen, dass ihnen beim Wegweisungsvollzug nach Ge-
orgien Menschenrechtsverletzungen drohten und ihnen dieser nicht zuge-
mutet werden könne, weshalb die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, festzustellen,
dass die Vorinstanz den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erstellt habe
beziehungsweise ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen sei, und die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean-
tragten die Beschwerdeführenden die Gewährung der unentgeltlichen
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Rechtspflege einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Ferner
sei zur Beschwerdebegründung eine angemessene Nachfrist anzusetzen.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden diverse Arztberichte
der (...) betreffend die Beschwerdeführerin, C._ sowie B._,
einen Bestätigungsbericht betreffend Psychotherapie von L._ vom
16. November 2020, einen Arztbericht von M._ vom 21. November
2020, einen Arztbericht der [...] vom 23. November 2020, einen entwick-
lungspsychologischen Abklärungsbericht betreffend C._ vom 6. De-
zember 2019, einen Bericht der Klassenlehrperson betreffend B._
vom November 2020, ein Entscheid des Zivilgerichts des Kantons
H._ vom 27. Oktober 2020 betreffend Scheidung auf gemeinsames
Begehren, eine Ergänzungsvereinbarung des Zivilgerichts des Kantons
H._ gleichen Datums sowie eine Sozialhilfebestätigung der Sozial-
hilfe H._ vom 24. November 2020 zu den Akten.
K.
Mit Schreiben vom 26. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
L.
Das Bundesverwaltungsgericht zog die Akten des Ex-Mannes der Be-
schwerdeführerin (N [...]) sowie ihrer Schwester (N [...]) bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Eine
Auseinandersetzung mit dem Antrag, es sei eine angemessene Nachfrist
für das Einreichen einer Beschwerdebegründung zu gewähren, erübrigt
sich, zumal die Beschwerde den gesetzlichen Anforderungen an eine
rechtsgenügliche Beschwerde entspricht. Die Beschwerdeführenden
haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG i.V.m. Art. 10 der COVID-19-Verordnung Asyl; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 In der Rechtsmitteleingabe vom 25. November 2020 wurde kein
Rechtsbegehren auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewäh-
rung von Asyl gestellt. Aus der Beschwerdebegründung geht auch kein ent-
sprechendes implizites Begehren hervor. Prozessgegenstand des vorlie-
genden Verfahrens bildet somit allein die Frage, ob der Vollzug der Weg-
weisung zu Recht angeordnet wurde. Die Verneinung der Flüchtlingseigen-
schaft und die Abweisung des Asylgesuchs sind rechtskräftig geworden.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
3.
Soweit die Beschwerdeführenden eine unrichtige beziehungsweise unvoll-
ständige Sachverhaltsabklärung betreffend den Vollzug der Wegweisung
rügen, ist vorab festzuhalten, dass sich diese Rüge als unbegründet er-
weist. Die Vorinstanz würdigte im angefochtenen Entscheid die im Rahmen
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des Asylverfahrens gemachten Vorbringen. Angesichts der gesamten Ak-
tenlage konnte darauf verzichtet werden, weitere Abklärungen vorzuneh-
men. Auch hat die Vorinstanz die wesentlichen Überlegungen genannt, von
denen sie sich hat leiten lassen, so dass eine sachgerechte Anfechtung
möglich war, wie die vorliegende Beschwerde zeigt. Mit den formellen Rü-
gen wurde vielmehr explizit die Richtigkeit der materiellen Würdigung in
Frage gestellt, welche jedoch mit vorliegendem Urteil bestätigt wird. Nach
dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Entscheid
aus formellen Gründen aufzuheben.
4.
4.1 In ihrer Verfügung vom 23. Oktober 2020 beurteilt die Vorinstanz den
Wegweisungsvollzug als zulässig, zumutbar und möglich.
4.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden zu-
nächst geltend, gesundheitliche Probleme würden gegen den Wegwei-
sungsvollzug sprechen. So habe die Beschwerdeführerin seit mehreren
Jahren mit Depressionen zu kämpfen. Auch habe sie einen Suizidversuch
unternommen und wiederholt stationär behandelt werden müssen. Sie be-
finde sich derzeit immer noch in kontinuierlicher psychotherapeutischer Ab-
klärung und sei auf Medikamente angewiesen. Der Hausarzt halte eine
Wegweisung nach Georgien für nicht angebracht und unzumutbar. In Ge-
orgien bestehe eine krasse Unterversorgung von Personen mit psychi-
schen Leiden. Sodann sei bei C._ im Frühjahr 2019 eine Autismus-
Spektrums-Störung (ASS) im Sinne eines frühkindlichen Autismus festge-
stellt worden. Für die Stabilisierung von seinem Zustand sei eine heilpäda-
gogische Begleitung und psychotherapeutische Unterstützung empfohlen
worden. Wegen der traumatisierenden Eindrücke durch die Migration in die
Schweiz sei C._ stark auf fachmännische Unterstützung angewie-
sen. Aus psychologischer Sicht stelle es eine Verletzung des Kindeswohls
dar, wenn er aus seinem jetzigen bestehenden Umfeld herausgerissen
werden und die Konstanz und Stabilität, die er gegenwärtig durch den
Dienst von Heilpädagogen und Schulpsychologen im Kindergarten erfahre,
verlieren würde. Therapien und Begleitmöglichkeiten für C._ seien
kaum vorhanden und weder gratis noch kostengünstig. Auch B._,
welcher im August 2020 eingeschult worden sei, habe im Unterricht starke
psychosomatische Verhaltensweisen gezeigt, welche sehr wahrscheinlich
auf die Ausschaffungserfahrung zurückzuführen seien und auf ein Trauma
hindeuten würden. Schliesslich berufen sich die Beschwerdeführenden auf
ein angeblich fehlendes soziales Netz in Georgien. Sie würden nicht bei
der Mutter der Beschwerdeführerin unterkommen können und nach dem
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Verkauf des Familienunternehmens im Jahr 2016 seien auch keine weite-
ren Vermögensbestandteile oder irgendwelche weiteren Immobilien übrig-
geblieben. Die Mutter und die Schwester der Beschwerdeführerin würden
nicht für sie aufkommen können und die Kinderbetreuung sei nicht sicher-
gestellt. Die Beschwerdeführerin fühle sich dermassen psychisch belastet,
dass es ihr nicht möglich sei, sich umzuschulen oder weiterzubilden. Oh-
nehin würde das Geld dazu fehlen. Zwar habe sie vor Jahren (...) studiert
und als (...) gearbeitet; während der Coronavirus-Pandemie sei dies aber
kaum möglich. Wie dem Scheidungsurteil entnommen werden könne, habe
sie zudem keinen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt und Kinderali-
mente.
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.2
5.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
5.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.), zumal die Beschwerdeführerin an ihren
Asylvorbringen auf Beschwerdeebene nicht festhält. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
5.3
5.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
5.3.2 Weder die allgemeine Lage in Georgien noch individuelle Gründe
wirtschaftlicher und sozialer Natur lassen auf eine konkrete Gefährdung
der Beschwerdeführenden in ihrer Heimat schliessen. Die Mutter der Be-
schwerdeführerin sowie eine Schwester leben nach wie vor in Tiflis und die
Beschwerdeführerin pflegt fast täglichen Kontakt mit ihnen (vgl. [...]). Die
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Seite 11
Beschwerdeführerin hat bereits früher mit ihrem Ex-Mann für eine Weile
bei ihrer Mutter gelebt (vgl. [...]), warum dies, zumindest vorübergehend
bis zur Reintegration, nicht erneut möglich sein soll, wird durch die Rechts-
mitteleingabe nicht dargetan. Die in Tiflis verbliebene Schwester half auch
bereits bei der Betreuung zweier Kinder, als die Beschwerdeführerin und
ihr damaliger Ehemann ein zweites Mal aus Georgien ausgereist waren
(vgl. [...]). Die Beschwerdeführerin verfügt auch über weitere Verwandte in
anderen Regionen Georgiens (vgl. [...]). Sie hat zudem ein (...)-Studium
abgeschlossen und im familieneigenen Unternehmen sowie als (...) und
als (...) gearbeitet (vgl. [...]). Sodann hat die mittlerweile in der Schweiz
lebende Schwester der Beschwerdeführerin für letztere eine Wohnung er-
worben, in welcher die Beschwerdeführerin bereits 2016 mit ihrem Ex-
Mann gelebt hat (vgl. [...]). Es ist der Beschwerdeführerin zuzumuten den
Anspruch auf diese Wohnung geltend zu machen. Schliesslich ist auch da-
rauf hinzuweisen, dass der Ex-Mann der Beschwerdeführerin, dessen Be-
schwerde mit Urteil vom gleichen Tag ebenfalls abgelehnt wird (vgl. das
Urteil D-5835/2020 vom 22. Dezember 2020), ebenfalls nach Georgien zu-
rückkehren wird. Insofern die Beschwerdeführenden in der Rechtsmitte-
leingabe geltend machen, die Beschwerdeführerin werde keine Kinderali-
mente erhalten, stellt die durch das Scheidungsurteil genehmigte Ergän-
zungsvereinbarung vom 27. Oktober 2020 zwar fest, dass die Parteien der-
zeit nicht in der Lage seien, sich gegenseitig einen Unterhaltsbeitrag zu
leisten, indessen ist dieser Umstand der fehlenden Arbeitserlaubnis der
Beschwerdeführerin und ihres Ex-Mannes in der Schweiz geschuldet.
Sollte der Ex-Mann nach der Rückkehr nach Georgien eine Erwerbstätig-
keit aufnehmen, wird es der Beschwerdeführerin obliegen, entsprechende
Ansprüche betreffend Kinderunterhalt gegenüber ihm durchzusetzen.
5.3.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich sodann auf gesundheitliche
Probleme, die gegen den Wegweisungsvollzug sprechen würden. Diesbe-
züglich ist Folgendes festzuhalten: Bei der Beschwerdeführerin wurde zu-
nächst eine Anpassungsstörung festgestellt, wobei sie ambulant psychiat-
risch behandelt wurde (vgl. die Arztberichte [...] vom 28. Juni 2018 sowie
vom 8. November 2018). In der Folge wurde bei der Beschwerdeführerin
eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert und sie musste wie-
derholt stationär behandelt werden. Im Dezember 2019 hat die Beschwer-
deführerin mittels Medikamenten einen Suizidversuch unternommen,
konnte aber nach einer erneuten mehrtägigen stationären Behandlung
ohne akute Gefährdung entlassen werden (vgl. die Arztberichte der [...]
vom 24. Januar 2019, 13. Februar 2019, 23. August 2019 und 20. Dezem-
ber 2019 sowie der Arztbericht des (...) vom 12. Dezember 2019). Gemäss
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Seite 12
einem aktuellen Arztbericht befindet sich die Beschwerdeführerin in regel-
mässiger ambulanter Behandlung. Ein weiterer Bericht hält fest, dass für
die Beschwerdeführerin eine schwere chronische psychosoziale Belas-
tungssituation bestehe und sich mit der drohenden Ausschaffung nach Ge-
orgien die individuelle Morbidität mit drohender Suizidalität verschlechtern
werde (vgl. den Arztbericht von L._ vom 16. November 2020 sowie
den Arztbericht von M._ vom 21. November 2020).
Bei C._ wurde gemäss den Akten eine Autismus-Spektrum-Störung
im Sinne eines frühkindlichen Autismus festgestellt, wobei der entspre-
chende Arztbericht eine heilpädagogische Früherziehung und eine soziale
und sprachliche Förderung des Kindes empfiehlt (vgl. der Arztbericht der
[...] vom 8. Mai 2019). Ein entwicklungspsychologischer Abklärungsbericht
vom 6. Dezember 2019 empfiehlt eine Weiterführung der inzwischen in-
stallierten heilpädagogischen Früherziehung (vgl. den Entwicklungspsy-
chologischen Abklärungsbericht des [...] des Kantons H._ vom 6.
Dezember 2019). Bei B._ wurde sodann in der Vergangenheit eine
Anpassungsstörung diagnostiziert (vgl. Arztberichte der [...] vom 30. Okto-
ber 2018 und vom 14. Mai 2019), jedoch ist ein aktueller Behandlungsbe-
darf aus den Akten nicht ersichtlich und hat die Beschwerdeführerin in der
Anhörung angegeben, dass drei ihrer Kinder gesund seien (vgl. [...]).
Schliesslich handelt es sich bei der Einschätzung der Klassenlehrperson
von B._ nicht um eine fachärztliche Beurteilung.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann nur dann aus medi-
zinischen Gründen auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ge-
schlossen werden, wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht
zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefähr-
denden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Per-
son führt. Dabei wird diejenige allgemeine und dringende medizinische Be-
handlung als relevant erachtet, die zur Gewährleistung einer menschen-
würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls
nicht bereits dann vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht eine dem
hohen schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behand-
lung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Die gesundheitlichen Prob-
leme der Beschwerdeführenden sind nicht als derart gravierend zu qualifi-
zieren, als dass sie zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträch-
tigung des Gesundheitszustandes führen würden. Die Vorinstanz hat unter
Bezugnahme auf ein medizinisches Consulting, dessen Informationen un-
ter anderem auf Abklärungen von MedCOI (ein Projekt finanziert durch den
Europäischen Flüchtlingsfonds zur Erfassung medizinischer Informationen
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Seite 13
aus den Herkunftsländern) beruhen, aufgezeigt, dass die adäquate Betreu-
ung von Kindern mit ASS in Georgien, insbesondere in Tiflis, grundsätzlich
gewährleistet ist und es in Tiflis spezielle Integrationsklassen für Kinder mit
ASS sowie eine Sonderschule für Kinder mit Behinderungen und entspre-
chende Therapien und Tagesstrukturen für Kinder angeboten werden. In
Tiflis finanziert das Bürgermeisteramt seit 2015 im Rahmen des Autism Re-
habilitation State Sub-Program Dienstleistungen für Kinder zwischen zwei
bis fünfzehn Jahren aus Familien mit niedrigem Einkommen (vgl. Social
Service Agency, Rehabilitation of childern, 2013, http://ssa.gov.ge/in-
dex.php?lang_id=ENG&sec_id=611 sowie Autism Research and Support
Foundation [ohne Datum], http://autism.org.ge/?page_id=13&lang=en,
beide zuletzt abgerufen am 22. Dezember 2020), wobei auch die Kosten
der ABA-Therapie (Applied Behavior Analysis) übernommen werden (vgl.
agenda.ge, New, free treatment program for autism sufferers launches in
Georgia vom 3. Juli 2015, https://agenda.ge/en/news/2015/1487 sowie
agenda.ge, Tbilisi City Hall to fund 230 more children with autism,
https://agenda.ge/en/news/2020/212, beide zuletzt abgerufen am 22. De-
zember 2020). Auch hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass
die Behandlung psychischer Krankheiten in Georgien möglich ist (Social
Service Agency, Mental health, 2013, http://ssa.gov.ge/in-
dex.php?sec_id=808&lang_id=ENG, zuletzt abgerufen am 22. Dezem-
ber 2020). Im Übrigen verfügt Georgien über ein funktionierendes Gesund-
heitssystem und ein Sozialhilfeprogramm mit kostenloser Krankenversi-
cherung für Personen unter der Armutsgrenze (vgl. Urteile des BVGer E-
1825/2019 vom 2. Mai 2019 E. 9.3.2; E-1667/2019 vom 12. April 2019
E. 8.2.3). Darüber hinaus hat sich der Zugang der Bevölkerung zur Ge-
sundheitsversorgung seit der Einführung des neu organisierten, staatlich
finanzierten allgemeinen Gesundheitsprogramms „Universal Health Care
Program“ (UHCP) im Februar 2013 weiter verbessert und das Gesund-
heitssystem wurde seither stets weiter ausgebaut (agenda.ge, Society be-
nefits from Government healthcare program, 2.9.2014,
http://agenda.ge/en/news/2014/2054, zuletzt abgerufen am 22. Dezem-
ber 2020). Einer allfälligen, im Wegweisungszeitpunkt erneut auftretenden,
akuten Suizidalität der Beschwerdeführerin wäre im Rahmen der Vollzugs-
modalitäten Rechnung zu tragen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des
BVGer E-2118/2018 vom 10. Juni 2020 E. 9.4.2.2 in fine). Nach dem Ge-
sagten ist davon auszugehen, dass die geltend gemachten medizinischen
Probleme auch in Georgien behandelt werden können und bei Bedarf eine
entsprechende Behandlung faktisch zugänglich ist. Die Beschwerdefüh-
renden können bei Bedarf zudem ein Gesuch um individuelle medizinische
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Rückkehrhilfe stellen, die nicht nur in der Form des Mitgebens von Medi-
kamenten, sondern beispielsweise auch in der Organisation und Über-
nahme von Kosten für notwendige Therapien bestehen kann (Art. 93 Abs. 1
Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Fi-
nanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]).
5.3.4 Auch unter Berücksichtigung des Kindeswohles ist der Wegwei-
sungsvollzug nicht unzumutbar. Nach geltender Rechtsprechung sind bei
der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AlG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Über-
einkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK,
SR 0.107) unter dem Aspekt des Wohls des Kindes namentlich folgende
Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung:
Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Be-
ziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen, Stand und Prognose
bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration
bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2
m.w.H.). Im Lichte dieser Faktoren sind keine Aspekte zu erkennen, die zu
einer Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen könnten, zumal
die Kinder mit den Jahrgängen (...), (...), (...) und (...) noch sehr jung, mit-
hin nicht in der Schweiz verwurzelt sind, wie vorgängig dargelegt von der
Behandelbarkeit der gesundheitlichen Probleme von C._ auszuge-
hen ist und der Vater ebenfalls nach Georgien zurückkehren wird. Im Übri-
gen ist zwecks der Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden
vorinstanzlichen Erwägungen betreffend das Kindeswohl in der angefoch-
tenen Verfügung zu verweisen (vgl. a.a.O. [...]).
5.3.5 Auch die Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht
entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass
ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraus-
sichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate –
bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis bei
den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995
Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn
überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rech-
nung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im
Heimatland angepasst wird.
5.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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5.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-
figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Mit dem vorliegenden Direktentscheid ist das Gesuch um Verzicht auf
Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Die Be-
schwerdeführenden ersuchten ferner um die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb das Gesuch ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosigkeit
abzuweisen ist. Dementsprechend ist auch das Gesuch um Beiordnung
eines amtlichen Rechtsbeistands abzuweisen.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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