Decision ID: b34b4285-775a-5813-af0e-87f7c59dc84a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
B.
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich im November 2012 aufgrund
anhaltender Rückenschmerzen nach einem Unfall zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1 im Verfahren IV 2017/165).
A.a.
Anlässlich eines Gesprächs mit der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) führte der Beschwerdeführer am 15. Februar 2013
aus, dass er schon seit vielen Jahren an psychischen Problemen, vermutlich an
Schizophrenie, leide. Zudem sei er spielsüchtig, weshalb er verschuldet sei (IV-act. 25
im Verfahren IV 2017/165). In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin medizinische
und erwerbliche Abklärungen vor und verneinte nach Einholung eines Gutachtens bei
der IME – Interdisziplinäre Medizinische Expertisen (nachfolgend: IME; IV-act. 134, 138,
149 im Verfahren IV 2017/165) mit Verfügung vom 21. März 2017 einen
Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 0 % (IV-act. 156 im Verfahren IV
2017/165).
A.b.
Daraufhin liess der Beschwerdeführer am 8. Mai 2017 beim Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben (act. G 1 im Verfahren IV 2017/165). Nach
Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens des Dr. med. B._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM (act. G
27.1 im Verfahren IV 2017/165; nachfolgend Gerichtsgutachten), hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 17. Februar 2020 (Verfahren IV 2017/165) die
Beschwerde gut. Es hob die Verfügung vom 21. März 2017 auf und sprach dem
Beschwerdeführer ab 1. Mai 2013 eine ganze Invalidenrente zu. Die Kosten des
B.a.
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C.
Gerichtsgutachtens (Fr. 10'559.91) und des Parteigutachtens (Fr. 1'500.--) von Dr. med.
C._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM vom 10. Oktober 2016 auferlegte es der Beschwerdegegnerin. Die
Sache wurde zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung zurückgewiesen, die
Gerichtskosten (Fr. 600.--) wurden zulasten der Beschwerdegegnerin verlegt und diese
wurde verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 4'500.--
zu bezahlen.
Das gegen diesen Entscheid von der Beschwerdegegnerin ergriffene Rechtsmittel
der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beurteilte das Bundesgericht
mit Urteil vom 23. Juli 2020 (8C_237/2020). Darin erwog es, dass es das
Versicherungsgericht unterlassen habe, vor dem Entscheid die versicherungsmässigen
Voraussetzungen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu prüfen. Denn allein aus dem Eintritt
der Arbeitsunfähigkeit sei nicht direkt auf den Eintritt der Invalidität zu schliessen.
Insbesondere fehle es an der Feststellung der rechtserheblichen Tatsache, ab welchem
konkreten Zeitpunkt der Beschwerdeführer in invalidisierendem Ausmass
arbeitsunfähig geworden sei. Sofern dieser Zeitpunkt basierend auf den Angaben des
Gerichtsgutachters angesichts der spätestens seit 1995 bekannten chronifizierten
Schizophrenie auf Juli 2011 oder früher festzusetzen sei, werde die Vorinstanz prüfen,
ob dem achtmonatigen Temporäreinsatz von Juli 2011 bis Februar 2012 mit Blick auf
die schon zuvor kaum mehr als flüchtig gewesenen beruflichen Einsätze basierend auf
ein und demselben Gesundheitsschaden trotzdem die Bedeutung eines erheblichen
Unterbruchs der Invalidität beizumessen sei, so dass ab 3. März 2012 vom Eintritt
eines neuen Versicherungsfalles auszugehen wäre. Nach Ergänzung des
rechtserheblichen Sachverhalts und Prüfung der versicherungsmässigen
Voraussetzungen gemäss IVG werde die Vorinstanz über die Beschwerde neu
entscheiden (act. G 1).
B.b.
In der Folge zog das Versicherungsgericht die Unterlagen der Arbeitslosenkassen
des Beschwerdeführers bei (act. G 3.1, 3.2, 12.1), brachte diese den Parteien zur
Kenntnis und gab ihnen Gelegenheit, eine Stellungnahme einzureichen (act. G 2 ff.)
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Mit Stellungnahme vom 1. Oktober 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde mangels Erfüllens der Anspruchsvoraussetzungen/
versicherungsmässigen Voraussetzungen (Beitragszeiten) bei Eintritt der Invalidität (act.
G 5).
C.b.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Kurt Gemperli, St.
Gallen, reichte am 8. Dezember 2020 eine Stellungnahme ein. Der Beschwerdeführer
sei nicht bereits im Juli 2011 oder früher in invalidisierendem Ausmass arbeitsunfähig
gewesen und die versicherungsmässigen Voraussetzungen seien erfüllt (act. G 15).
C.c.
Streitgegenstand bildet der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente. Eine solche steht nur zur Diskussion, wenn auch die
versicherungsmässige Anspruchsvoraussetzung nach Art. 6 Abs. 2 sowie Art. 36 Abs.
1 IVG erfüllt ist. Diese Bestimmungen halten fest, dass Anspruch auf eine ordentliche
Invalidenrente Versicherte haben, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens
drei Jahren Beiträge geleistet haben. Ausländische Staatsangehörige, wie der
Beschwerdeführer, sind nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität
während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen
während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. In der EU erworbene
Beitragszeit wird zwar an die dreijährige Mindestbeitragszeit angerechnet (vgl. Art. 6
der Verordnung [EG] Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit [SR
0.831.109.268.1]); für mindestens ein volles Jahr müssen indes Beiträge in der Schweiz
entrichtet worden sein. Die Mindestbeitragszeit muss vor Eintritt der Invalidität geleistet
sein (Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 2014, 8C_610/2014, E. 3).
1.1.
Gestützt auf das Gesagte ist entscheidrelevant, wann die Invalidität eingetreten ist.
Ist diese eingetreten, bevor der Beschwerdeführer ein volles Jahr Beiträge geleistet hat,
besteht kein Rentenanspruch. Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die
Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere
erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt
als eingetreten, in dem der Anspruch nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) und Art. 4 Abs. 2 in
1.2.
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Verbindung mit Art. 28 ff. IVG entsteht, das heisst frühestens, wenn die versicherte
Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen und nach Ablauf dieses Jahres
zu mindestens 40 % bleibend oder für längere Zeit erwerbsunfähig (Art. 7 und 8 ATSG)
ist (BGE 137 V 421 E. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 2014,
8C_610/2014, E. 3 am Ende). Nach ständiger Rechtsprechung begründet eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes grundsätzlich keinen neuen
Versicherungsfall (Urteile des Bundesgerichts vom 4. März 2014, 8C_721/2013, E. 4.2,
und vom 25. Mai 2010, 8C_1057/2009, E. 2.2).
Dr. B._ kam in seinem Gerichtsgutachten vom 30. Dezember 2019 zum Schluss,
dass der Beschwerdeführer an einer paranoiden Schizophrenie, unvollständige
Remission, ICD-10: F20.04, bzw. an einer chronifizierten paranoiden Schizophrenie mit
Restsymptomatik der kennzeichnenden schizophrenen Kernsymptome leide
(Gerichtsgutachten S. 79 ff.), deren Beginn spätestens in das Jahr 1995 zurückreiche.
Er sei im angestammten Beruf als Elektromonteur und in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Taxifahrer sowie auch in einer optimal angepassten Tätigkeit in vollem
Ausmass arbeitsunfähig. Ein mutmasslicher Beginn der herabgesetzten Arbeitsfähigkeit
lasse sich bei einer Störung, die sich über einen derart langen Zeitraum
zurückverfolgen lasse, kaum datieren. Für die Zeit vor der Einreise in die Schweiz im
Juli 2011 sei zu beachten, dass sich der Beschwerdeführer nach gescheitertem
Studium und der Berufsausbildung als Elektroniker beruflich nie habe bewähren
können und nicht über eher flüchtige berufliche Einsätze hinausgekommen sei. Dies sei
den schwerwiegenden Auswirkungen der chronifizierten Schizophrenie geschuldet. In
der Zeit ab Juli 2011 habe sich der Beschwerdeführer nach dem mehrmonatigen
Arbeitseinsatz bei D._ nicht mehr beruflich bewähren können. Das gelte für die
Tätigkeit als Taxifahrer ebenso wie nur schon für die Montagetätigkeiten im betreuten
Rahmen einer dreimonatigen beruflichen Abklärung 2015. Es hätten sich jeweils
geringes Kooperationsvermögen und geringe bis fehlende Sozialverträglichkeit durch
eine schwerwiegende, schädliche oder gar gefährliche Störung seines Verhältnisses zu
sich selbst und zu anderen gezeigt. Es hätten sich markante Verhaltensstörungen
präsentiert, die im Ergebnis bedeuten würden, dass sich der Beschwerdeführer
krankheitsbedingt nicht für ein Erwerbsleben qualifiziere (Gerichtsgutachten S. 87 f.).
1.3.
Das Gerichtsgutachten beruht auf eigenständigen gründlichen Abklärungen, ist für
die streitigen Belange umfassend und erging in ausführlicher Würdigung der
medizinischen Vorakten. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb darauf nicht
abgestellt werden könnte. Die Schlussfolgerungen sind schlüssig und nachvollziehbar
1.4.
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und werden von keiner der Parteien substantiiert in Frage gestellt. Entsprechend ist
überwiegend wahrscheinlich per Gutachtensdatum (30. Dezember 2019) von einer
100%-igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen. Zum
retrospektiven Verlauf äussert sich Dr. B._ nur vorsichtig. Bei diesem Krankheitsbild
der Schizophrenie mit Episoden und Schüben ist dies auch nachvollziehbar. Dr. B._
datiert den Eintritt einer relevanten Arbeitsunfähigkeit nicht, beschreibt in umfassender
Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage und auch aufgrund der
beruflichen Stationen und deren Dauer (Gerichtsgutachten S. 14 f.) indes Umstände,
die seines Erachtens darauf hindeuten, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich
bereits vor der Einreise in die Schweiz im Juli 2011 massgeblich bzw. medizinisch-
theoretisch gar vollumfänglich eingeschränkt gewesen sei. Von weiteren medizinischen
Abklärungen sind keine anderen bzw. in Bezug auf den retrospektiven Verlauf der
Arbeitsfähigkeit detaillierteren Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten
ist.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält dieser Einschätzung mit
Stellungnahme vom 8. Dezember 2020 entgegen, dass der Eintritt der Invalidität nicht
vor dem 16. August 2013 liegen könne (ein Jahr nach dem Unfall vom 16. August 2012;
vgl. zu diesem Ereignis den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 15. Juni 2017, UV 2015/37). Vor der Einreise in die Schweiz habe der
Beschwerdeführer vom 14. Dezember 2010 bis 24. Juni 2011 (in Immenstadt/DE) bei
der F._ GmbH mit gutem Arbeitszeugnis gearbeitet (act. G 12.1-227, IV-act. 5-1 im
Verfahren IV 2017/165). Ab dem 4. Juli 2011 bis 29. Februar 2012 sei er als Elektro
monteur Vollzeit bei D._ via die E._ AG angestellt gewesen (act. G 12.1-201 f.).
Danach habe der Beschwerdeführer Arbeitslosenentschädigung bezogen, wobei auf
dem Antrag vermerkt sei, dass er eine Vollzeitstelle suche (act. G 12.1-187). Im Juli
2012 habe er einen Zwischenverdienst als Taxifahrer auf Abruf erzielt (act. G 12.1-153),
bevor er sich am 16. August 2012 bei einem Verkehrsunfall unverschuldet schwer
verletzt habe. Es würden keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass er vorher nicht
voll arbeitsfähig gewesen sein sollte. Damit habe der Beschwerdeführer mit den
Beitragszeiten in Deutschland die Mindestbeitragszeit erfüllt (act G 15).
1.5.
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2.
Zu prüfen ist im Folgenden, welche der zwei Betrachtungsweisen (relevante
Arbeitsunfähigkeit schon vor der Einreise in die Schweiz/Eintritt der Invalidität nicht vor
dem 16. August 2013) als die wahrscheinlichere bzw. überwiegend wahrscheinliche
erscheint.
Die berufliche Laufbahn des Beschwerdeführers (vgl. dazu Gerichtsgutachten S.
14 f.) ist unbestritten. Diese weist bereits vor der Einreise in die Schweiz keine
langfristigen Arbeitseinsätze bei ein und demselben Arbeitgeber aus. Dass dies den
Auswirkungen der chronifizierten Schizophrenie geschuldet ist, wie es Dr. B._
ausführt, erscheint nachvollziehbar. Das sehr gute Arbeitszeugnis der F._ GmbH (IV-
act. 5-1 im Verfahren IV 2017/165) ändert nichts an dieser Einschätzung. Dem
Beschwerdeführer wurde noch während der Probezeit nach rund sechs Monaten
gekündigt. Der erste Einsatz in der Schweiz bei D._ endete nach rund acht Monaten.
Auch dabei handelte es sich nur um einen relativ kurzen Arbeitseinsatz. Offensichtlich
ist es dem Beschwerdeführer in der Vergangenheit immer wieder gelungen, die
Auswirkungen der Schizophrenie über mehrere Monate derart zu kompensieren, dass
er in der Lage war, Teil- oder Vollzeit zu arbeiten. Darüber hinaus scheint es ihm aber
aufgrund des Gesundheitsschadens nicht möglich gewesen zu sein, sich im
Erwerbsleben konstant zu behaupten. So kam es denn auch vor der Einreise in die
Schweiz immer wieder zu längeren krankheitsbedingten Absenzen und stationären
Behandlungen, welche ohne Zweifel zumindest unter anderem auf die Schizophrenie
zurückzuführen sind (vgl. Gerichtsgutachten S. 31 ff.). Auch am Ende des ersten
Arbeitseinsatzes in der Schweiz war der Beschwerdeführer für einen Monat
krankgeschrieben (act. G 12.1-201 f.). Die Auswirkungen der Krankheit bestimmten
sein Leben, wenn auch in unterschiedlicher Art und Ausprägung, wie es für das
Krankheitsbild der Schizophrenie typisch ist, spätestens seit dem Jahr 1995. Eine
anhaltende Remission der Krankheit, welche darauf schliessen liesse, dass der
Beschwerdeführer vor der Einreise in die Schweiz im Juni 2011 oder danach bis zum
Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. B._ im Jahr 2019 aus medizinischer Sicht
nicht in invalidisierendem Ausmass arbeitsunfähig gewesen wäre, ist aus den Akten
nicht erkennbar. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der
Beschwerdeführer beim Antrag auf Arbeitslosenentschädigung angab, dass er in der
Lage sei, Vollzeit zu arbeiten (act. G 12.1-187 f.). Dabei handelte es sich lediglich um
seine persönliche und nicht um eine medizinische Einschätzung.
2.1.
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3.
4.
Gestützt auf das Dargelegte bzw. den medizinischen Verlauf und den beruflichen
Werdegang des Beschwerdeführers, welche umfassend in die Einschätzung von Dr.
B._ einbezogen wurden, ist überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer, wie es auch aus der Beurteilung von Dr. B._ herauszulesen
ist, bereits bei Einreise in die Schweiz im Juli 2011 in invalidisierendem Ausmass
arbeitsunfähig war, womit der Versicherungsfall als eingetreten gilt, bevor der
Beschwerdeführer während mindestens eines vollen Jahres Beiträge nach Art. 6 Abs. 2
IVG leisten konnte. Es besteht damit mangels Erfüllens dieser versicherungsmässigen
Voraussetzung grundsätzlich kein Rentenanspruch.
2.2.
Zu prüfen bleibt in Beachtung des Bundesgerichtsurteils vom 23. Juli 2020
(8C_237/2020), ob es nach der Einreise in die Schweiz zu einem erheblichen
Unterbruch der Invalidität und zu einem neuen Versicherungsfall gekommen ist.
Diesfalls könnte der Beschwerdeführer die versicherungsmässige Voraussetzung der
Mindestbeitragszeit erfüllt haben.
3.1.
Ein Unterbruch der Invalidität ist nicht ausgewiesen. Dazu sei im Wesentlichen auf
E. 2 verwiesen, wo bereits dargelegt wurde, dass eine dauernde Remissionsphase mit
ausgewiesener Arbeitsfähigkeit während des Aufenthaltes in der Schweiz, die auf einen
relevanten Unterbruch der Invalidität in zeitlicher Hinsicht schliessen lassen könnte,
nicht erkennbar ist. Der achtmonatige Einsatz bei D._ und auch der
Zwischenverdienst als Taxifahrer im Juli 2012 (act. G 12.1-153) vermögen an dieser
Beurteilung nichts zu ändern. Dem Beschwerdeführer war es auch in der Schweiz
aufgrund der Auswirkungen der chronifizierten Schizophrenie nicht möglich, sich im
Erwerbsleben derart konstant zu behaupten, dass in irgendeinem Zeitpunkt von einer
Stabilität auszugehen wäre. Mit Verweis auf das schlüssige Gutachten von Dr. B._,
welcher sowohl den Krankheitsverlauf als auch die berufliche Laufbahn des
Beschwerdeführers eingehend würdigte, ist somit überwiegend wahrscheinlich
mangels Unterbruchs der Invalidität kein neuer Versicherungsfall eingetreten. Damit
bleibt es dabei, dass im Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität (vgl. vorstehende E. 2.2)
die Mindestbeitragszeit nicht erfüllt war, weshalb kein Rentenanspruch besteht und die
Beschwerde abzuweisen ist.
3.2.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 21. März 2017 im Ergebnis nicht zu
beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
4.1.
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Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit mit Rücksicht auf das
erforderliche Gerichtsgutachten als angemessen. Das anwendbare kantonale
Verfahrensrecht (siehe Art. 61 Ingress ATSG) kennt als allgemeinen Grundsatz bei der
Kostenauferlegung das Verursacherprinzip (Art. 94 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95
Abs. 1 VRP). Kosten, die ein Beteiligter, sein Rechtsbeistand oder sein Vertreter durch
Trölerei oder anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen zu seinen Lasten. Ferner hat jeder Beteiligte,
sein Rechtsbeistand oder sein Vertreter die Kosten zu übernehmen, die durch
nachträgliches Vorbringen von Begehren, Tatsachen oder Beweismitteln entstehen,
deren rechtzeitige Geltendmachung ihm möglich und zumutbar gewesen wäre (Art. 95
Abs. 2 VRP). In der hier zu beurteilenden Sache hat die Beschwerdegegnerin im Sinn
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung den Untersuchungsgrundsatz verletzt (vgl.
nachstehende E. 4.4), was nach neuerer Rechtsprechung bei der Kostenverteilung
zulasten des Versicherungsträgers auch bei vollständigem Unterliegen der versicherten
Person zu beachten ist, wenn – wie vorliegend – im kantonalen Recht das
Verursacherprinzip gilt (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2019, 9C_605/2018,
E. 7.2). In Nachachtung dieses Prinzips sind allerdings lediglich diejenigen Kosten der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, die durch die Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes entstanden sind. Der Untersuchungsmangel wurde mit der
Erstattung des Gerichtsgutachtens geheilt. Die danach entstandenen Aufwände des
Gerichts sind nicht mehr darauf zurückzuführen. Aufgrund der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes hat die Beschwerdegegnerin einen Anteil von Fr. 600.--
(vgl. zur Höhe der Gerichtsgebühr bei zu weiteren medizinischen Abklärungen
zurückweisenden Kollegialentscheiden etwa die Entscheide des Versicherungsgerichts
vom 9. April 2018, IV 2015/336, und vom 15. Februar 2016, IV 2014/144) und der
Beschwerdeführer infolge vollständigen materiellen Unterliegens einen solchen von Fr.
400.-- an der Gerichtsgebühr zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist dem Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 400.-- daran anzurechnen und im
Umfang von Fr. 200.-- zurückzuerstatten.
4.2.
bis
Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
4.3.
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Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Das kantonale Recht sieht auch bei den
ausseramtlichen Kosten bzw. der Parteientschädigung das Verursacherprinzip vor (Art.
98 VRP in Verbindung mit Art. 108 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO;
SR 272]), weshalb die Beschwerdegegnerin trotz materiellen Obsiegens
entschädigungspflichtig wird (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2019,
9C_605/2018, E. 7.2). Allerdings sind von ihr – wie bei den Gerichtskosten – bloss
diejenigen Aufwände des Beschwerdeführers nach dem Verursacherprinzip zu
ersetzen, die bis zur Heilung des Untersuchungsmangels im Gerichtsverfahren und
damit bis zur Erstattung des Gerichtsgutachtens angefallen sind. Die danach dem
Beschwerdeführer entstandenen Aufwände liegen nicht mehr im Untersuchungsmangel
begründet, sondern sind erst nach dessen Heilung angefallen. Sie wären auch
angefallen, wenn das weitere Gutachten bereits im Verwaltungsverfahren nach dem
Einwand des rechtskundig vertretenen Beschwerdeführers erstattet worden wäre.
Deshalb ist der Anspruch auf eine allfällige Parteientschädigung für diesen Teil des
Aufwands auch nicht nach dem Verursacherprinzip (Art. 98 VRP in Verbindung mit
Art. 108 ZPO), sondern nach Art. 98 VRP und damit nach Obsiegen und Unterliegen
zu beurteilen und vorliegend nicht von der Beschwerdegegnerin zu entschädigen. Wäre
anstelle des Einholens eines Gerichtsgutachtens die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen worden,
erschiene eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen (vgl. zur Höhe der
Parteientschädigung im Fall von Rückweisungen der Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen etwa die Entscheide des Versicherungsgerichts vom 9.
April 2018, IV 2015/336, und vom 15. Februar 2016, IV 2014/144). Dieser Umfang ist
deshalb für bis zur Heilung des Untersuchungsgrundsatzes durch ein
Gerichtsgutachten anfallende Aufwände als angemessen zu bezeichnen (vgl.
entsprechend auch den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 22. Februar 2019, IV
2016/327, E. 5.2 ff.).
ter
ter
bis
Zu klären bleibt, wer die Kosten des Gerichtsgutachtens zu tragen hat. Nachdem
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der IME-Expertise sprachen, erfüllte diese
die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht. In diesem Sinne
mangelte es an der genügenden Abklärung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin. Das Gerichtsgutachten von Dr.
B._ hat sich für die Beurteilung des Sachverhalts im kantonalen und
bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren als notwendiger Teil der
Sachverhaltsgrundlage erwiesen, auch wenn letztlich mangels Erfüllens der
Mindestbeitragszeit kein Rentenanspruch des Beschwerdeführers resultiert. Das
4.4.
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