Decision ID: ef4ca715-836e-4872-a96c-915a285abc8b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983,
meldete sich am
3.
Juni 2010 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3).
Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 1
1.
August 2015 rückwirkend ab dem
1.
Dezember 2010 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu (Urk. 7/91). Die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde hiess das hiesige Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2015.00877 vom 3
1.
Januar 2017 gut, indem es die angefochtene Verfügung aufhob und dem Versicherten ab dem 1. Dezember 2010 eine ganze Invalidenrente zusprach (
Urk.
7/120).
1.2
Am 2
2.
März 2018 meldete sich der Versicherte zum Bezug
einer
Hilflosenent
schädigung
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/144). Am 21. Juni 2018 führte die IV-Stelle eine
Abklärung bei ihm zu Hause durch (Abklärungsbericht vom 1
5.
August 2018,
Urk.
7/155).
Des Weiteren holte sie bei der involvierten
psychiatrischen Spitex
einen Leis
tungsrapport ein (
Urk.
7/150 ff.
).
Mit Vorbe
scheid vom 1
7.
August 2018 stellte sie dem Versicherten die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/156), wogegen dieser
insbesondere unter Beilage einer Stellungnahme des zuständigen Pflegefachmanns der
psychiatri
schen Spitex
(
Urk.
7/162) Einwand erhob (Urk.
7/157, 7/163 und 7/165). Nachdem sie eine Stellungnahme des Abklärungsdienstes eingeholt hatte (Urk. 7/167
), verfügte die IV-Stelle am 5.
Dezember 2018 im angekündigten Sinne (
Urk.
7/168 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
4.
Januar 2019 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm rück
wirkend ab Februar 2013 eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit leich
ten Grades zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Seiner Beschwerde legte er ein Schreiben von
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für P
sychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
Januar 2019 (
Urk.
3/13) bei.
Mit Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
8.
Februar 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtun
gen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1
.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person aus
serhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches (
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Elter
n zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche
benötigt wird (BGE 133 V 450 E.
6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
1.4
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
anspruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergeben
den Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägli
che Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen
nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leis
tenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Betei
ligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtun
gen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliess
lich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungs
grundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grunds
ätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog
in der angefochtenen Verfügung vo
m 5.
Dezem
ber 20
18 zusammengefasst
, dass der Beschwerdeführer in sämtlichen Bereichen der alltäglichen Lebensverrichtungen selbständig sei. Es bestehe auch keine Pflege- oder Überwachungsbedürftigkeit. Seitens
von
A._
von der
psy
chiatrischen Spitex werde bei 14-täglichen oder bei Bedarf auch wöchentlichen Besuchen
Alltagshilfe im Sinne einer lebenspraktischen Begleitung geleistet. Der Anteil, welcher über die
für die Gesprächstherapie aufgewendete
Zeit
hinaus
in Anspruch genommen werde, könne dem Bedarf des selbständigen Wohnens
angerechnet werden, w
obei
der nötige Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche nicht erreicht werde. In Bezug auf den Einwand des Beschwerdeführers
könne grundsätzlich auf den umfangreichen Abklärungsbericht verwiesen wer
den. Der Beschwerdeführer habe sich individuell in seiner Wohnung eingerichtet und gehe seinen Prioritäten im Alltag nach. Es hätten keine konkreten Anzeichen für eine manifestierte Isolationsgefahr festgestellt werden können.
Das gelebte Aktivitätsmuster schliesse eine Heimeinweisung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit aus. Dar
über hinaus würden die von Herr
A._
genannten Hilfestellun
gen im Haushalt teilweise den ursprünglich im Rahmen des Erstgesprächs getä
tigten Aussagen widersprechen.
Insgesamt leide der Beschwerdeführer an einer psychischen Erkrankung, die einen gewissen Unterstützungsbedarf im Sinne einer lebenspraktischen Begleitung
nach sich ziehe
. Dabei sei jedoch gemäss den recht
lichen Bestimmungen von einer minimalen Grundsorge auszugehen, weshalb der anrechenbare Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche klar nicht erreicht werde. Die von Herr
n
A._
geleisteten Stunden könnten nicht direkt dem
Grundbedarf zugeordnet werden und würden weit darüber hinausgehen
(
Urk.
2
S.
2)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift vom 24. Januar 2019 im Wesentlichen geltend,
dass er aufgrund seiner schwerwie
genden psychischen Erkrankung seit dem
1.
Dezember 2010 eine ganze Invali
denrente beziehe. Er könne nur deshalb in einer Wohnung
leben
und
müsse nicht in ein Heim eingewiesen werden
, da
er
durch Herrn
A._
von der psychiatri
schen Spitex und andere Personen etliche Stunden pro Woche lebenspraktisch unterstützt werde. Dies sei sowohl bei der Planung des Tages als auch namentlich bei diversen Einkäufen und Besuchen von Ärzten notwendig, vor allem aber auch zwecks Verhinderung der vollständigen Isolation. Dies umfasse eine Betreuung von durchschnittlich mehr als zwei Stunden pro Woche. Die benötigte Unterstüt
zung sei durch diverse Arztberichte klar ausgewiesen, weshalb Anspruch auf eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades bestehe (
Urk.
1 S. 15).
3.
3.1
Nach Eingang der Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
veran
lasste die Beschwerdegegnerin eine Abklärung beim Beschwerdeführer zu Hause.
Nebst
diesem
waren
am 2
1.
Juni 2018
die
Abklärungsperson
sowie
A._
von der
psychiatrischen Spitex
anwesend
. In diagnostischer Hinsicht wurde vom Vorliegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften und pas
siv-aggressiven Zügen sowie einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen
(
Urk.
7/155/1).
Im Gespräch
sei berichtet worden, dass der Beschwerdeführer unterschiedliche Tag- und Nachtphasen habe; je nach Terminen wechsle er die Schlafenszeit.
Ter
mine nehme er wahr und treffe beispielsweise monatlich seine
Beiständin
, um Korrespondenzen abzugeben oder etwas zu besprechen. Kontoauszüge lasse er sich nach Hause liefern, damit er den Überblick über seine Finanzen habe.
Er esse und trinke nach Bedarf und arbeite am Computer an seinen Projekten.
Er koche alle zwei Tage frisch und
wärme
am Folgetag eine Portion auf. Dabei achte er bewusst auf seine Ernährung, um sich zu entgiften.
Da er an einer Stauballergie leide, halte er seine Wohnung reinlich und bestens in Ordnung.
Es gebe Tage, da sei er mit seinen Gedanken derart besetzt, dass er nichts unternehmen könne und sich ausruhe oder er spaziere zum Weiher mit Sitzgelegenheit im Quartier, um seine Gedanken zu sammeln.
Abends schaue er fern oder arbeite an seinen EDV-Projekt
en weiter, bis er zu Bett gehe (
Urk.
7/155/2).
Die Abklärungsperson gelangte in ihrem Bericht vom 1
5.
August 2018
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
i
n den sechs alltäglich
en Lebensverrichtun
gen (vgl. E.
1.1 vorstehend)
funktionell nicht eingeschränkt sei (
Urk.
7/155/3 f.). Im Weiteren bestehe keine Pflege- oder Überwachungsbedürftigkeit (
Urk.
7/155/6).
Für Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermöglichen, könne ein wöchentlicher Aufwand von 15 Minuten angerechnet werden. Dies betreffe die Planung und Organisation von a
n
fallenden Fragen zum selbständigen Wohnen. Die Wohnungspflege, die Essenszubereitung, die Erledigung der Wäsche und die Korrespondenzen führe der Beschwerdeführer selbst durch, weshalb kein zusätzlicher Aufwand berücksichtigt werden könne
(
Urk.
7/155/4 f.). In Bezug auf Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten sei ebenfalls ein Aufwand von einer Viertelstunde pro Woche anzurechnen, da alle vier Wochen ein Grosseinkauf mithilfe eines Fahrzeugs der psychiatrischen Spitex durch
geführt werde. Einkäufe des Wochenbedarfs würden selbständig erledigt. Der Beschwerdeführer habe im Kopf, was er benötige
,
und habe Vorräte angelegt, um nicht ständig einkaufen zu müssen. Er habe auch den Überblick über die
finan
ziellen Mittel. Die Kontaktpf
lege erweise sich als schwierig;
er bleibe gerne zu Hause in seinem gewohnten Umfeld
und
sei nur mit ausgewählten Personen
wie
seinem Bruder und sporadisch mit seiner Mutter
in Kontakt
. Mit
de
m Bruder und z
wei Kolleg
en könne er jährlich
in die Winterferien verreisen. Wöchentlich sehe er Herrn
A._
und monatlich sei er mi
t seiner
Beiständin
in Kontakt (Urk. 7/155/5 f.). Eine manifestierte Isolation liege aufgrund des Aktivitätsniveaus des Beschwerdeführers nicht vor. Dieser sei immer wieder ausser Haus, unter
nehme Spaziergänge in der Natur
,
im Quartier oder gehe einkaufen. Dadurch sei er mit verschiedenen Personen im Austausch. Herr
A._
begleite den Beschwer
deführer beispielsweise zum Einkaufen und könne sich dabei mit ihm austauschen
(
Urk.
7/155/6).
Insgesamt
sei ke
ine lebenspraktische Begleitung im Sinne der Invalide
nversicherung
ausgewiesen. Anzuerkennen sei, dass der Beschwerdefüh
rer wegen seines Gesundheitszustandes Hilfe bei der Tagesstrukturierung und Alltagsbewältigung erhalte. Die Voraussetzungen der Regelmässigkeit, der Dauer und der Intensität an Begleitung seien unter Einbezug der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht jedoch nicht erfüllt.
Anrechenbar seien 30 Minuten pro Woche, womit der erforderliche Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche nicht erreicht werde. Die faktisch geleisteten Stunden an Begleitung
wür
den
basierend auf dem vom Beschwerdeführer gelebten Aktivitätsmuster
nicht dem tatsächlichen Bedarf zur Sicherung der Grundversorgung entsprechen.
Viel
mehr scheine in diesem Rahmen
P
sychotherapie erbracht zu werden, was nicht direkt einer lebenspraktischen Begleitung angerechnet werden könne, sondern von der Grundversicherung zu decken sei (
Urk.
7/155/4).
3.2
In seiner Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 2018 führte
A._
von der
B._
GmbH
aus, dass er ausschliesslich Pflegeleistungen erbringe und keine therapeutischen Gespräche mit dem Beschwerdeführer durch
führe. Im Gespräch exploriere er Krisen- und akute Belastungssituationen, evaluiere Bewältigungsstrategien und wende diese an. Darüber hinaus benötige der Beschwerdeführer Hilfe bei der Tagesstrukturierung, um sein selbständiges Wohnen zu gewährleisten
und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Er unterstütze ihn beispielsweise dabei, den «Wach/Schlaf Rhythmus» zu normalisieren.
Abgesehen von ihm habe der Beschwerdeführer auch beinahe keine sozialen Kontakte, da er fast sein gesamtes Umfeld in sein Wahnsystem eingebunden habe. Er motiviere und begleite ihn einerseits zu
Freizeitaktivitäten
ausserhalb der Wohnung, wie etwa Zoo- und Zirkusbesuchen, und andererseits zur Kontaktpflege mit den Eltern, dem Bruder und früheren Kollegen.
Dank der Motivationsarbeit und Hilfe gelinge es dem Beschwerdeführer auch, Ordnung und Sauberkeit in seiner Wohnung zu halten. Des Weiteren brauche es Aufklärungs
arbeit in Bezug auf den Einkauf von Lebensmitteln, da der
Beschwerdeführer teil
weise an Vergiftungswahn leide und Angst vor einer Unterversorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen habe (Urk. 7/162).
3.3
Seitens des Abklärungsdienstes der Beschwerdegegnerin wurde mit Stellung
nahme vom
5.
Dezember 2018 darauf hingewiesen, dass auf die Aussagen der ersten Stunde abzustellen sei.
Wenn der Beschwerdeführer zu allen ausserhäus
lichen Aktivitäten begleitet werden müsste, wäre dies im Erstgespräch mit Sicher
heit zur Sprache gekommen (
Urk.
7/167/1).
Das Aktivitätsniveau und die ausser
häuslichen Verrichtungen des Beschwerdeführers seien im Abklärungsbericht ausführlich beschrieben worden. Von einer zwingenden direkten Begleitung sei nie gesprochen worden. Klar mitgeteilt worden sei, dass der Beschwerdeführer
monatlich zu Spezialterminen wie beispielsweise dem Grosseinkauf begleitet werde. Die Art und Weise, wie der Beschwerdeführer seinen Haushalt in Ordnung halte, habe anlässlich des Erstgesprächs ebenfalls umfassend aufgenommen wer
den können.
Die im Einwand gemachten Angaben, wonach der Beschwerdeführer in Bezug auf die Erledigung der Haushaltsaufgaben motiviert, aufgeklärt und zur Sauberkeit angeleitet werden müsse
, widerspreche den im Rahmen des Abklä
rungsgesprächs getätigten Aussagen. Festzuhalten sei, dass vor Ort keine konkre
ten Anzeichen hätten erkannt werden können,
welche
auf eine Überforderung oder eine manifestierte Isolationsgefahr hinweisen würden. Trotz der Grunder
krankung könne die Gefahr einer Einweisung in ein betreutes Wohnen aufgrund des gelebten Aktivitätsmusters überwiegend wahrscheinlich ausgeschlossen werden (Urk. 7/167/2).
4.
4.1
Streitgegenstand bildet die Frage, ob beim Beschwerdeführer, welcher ausserhalb eines Heims alleine in einer Wohnung lebt
und seit Dezember 2010 eine ganze Invalidenrente bezieht
, eine Hilflosigkeit leichten Grades im Sinne des dauernden
Angewiesenseins
auf eine lebenspraktische Begleitung vorliegt. Es wird wede
r geltend gemacht
noch ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder einer dauernden persönlichen Überwachung beziehungsweise einer ständigen und besonders aufwendigen
Pflege bedarf (vgl.
Art.
37
Abs.
3
lit
. a-c IVV). In diesem Zusammenhang besteht
daher
kein Anlass für Weiterungen.
4.2
4.2.1
In
Rz
8142 KSIH wird umschrieben, wie bei psychisch behinderten Personen, die lebenspraktische Begleitung benötigen, im Rahmen der Abklärung des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
vorzugehen ist.
Einerseits
hat die IV-Stelle einen Bericht
des behandelnden Arztes respektive der behandelnden Ärztin einzuholen. Falls sich bereits ein spezialisierter Dienst wie beispielsweise ein sozialpsychiat
rischer Dienst oder eine Beratungsstelle mit der versicherten Person befasst hat, ist
andererseits
ein Bericht dieses Dienstes einzuholen. Die Hilflosigkeit bezie
hungsweise der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung ist
sodann
an Ort und Stelle systematisch abzuklären. Zu den Angaben im Abklärungsbericht hat der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) zuhanden der Akten in geeigneter Form (etwa mit computerschriftlichem Protokolleintrag) Stellung zu nehmen.
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer
Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanze
n verbindlich (BGE 118 V 206 E.
4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall ange
passte und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim
mungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
4.2.2
Gemäss bund
esgerichtlicher Praxis
stellt der Abklärungsbericht im Haushalt im Falle einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit ein geeignetes Mittel für die Bemessung der Invalidität der betroffenen Personen dar. Stimmen jedoch die Ergebnisse der Haushaltabklärung nicht mit den ärztlichen Feststellungen der Behinderungen im gewohnten Tätigkeitsbereich überein, so haben Letztere in der Regel mehr Gewicht als die im Haushalt durchgeführte Abklärung. Diese Recht
sprechung gilt auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1 mit Hinweisen). Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilfslosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen A
rzt und Verwaltung erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 9C_578/2013 vom 1
8.
August 2014 E. 2.2).
4
.3
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine Abklärung beim Beschwerdeführer zu Hause (vgl.
Urk.
7/149, 7/155) und holte beim involvierten Pflegefachmann
,
A._
, Leistungsabrechnungen betreffend die Jahre 2016 bis 2018 ein (vgl.
Urk.
7/150
ff.
).
Sie liess
allerdings weder den RAD zum Abklärungsbericht Stellung nehmen, noch holte sie von der behandelnden Psychiaterin einen Bericht ein.
Dies
es Vorgehen
widerspricht
in
wesentlichen
Aspekten
der vorstehend zitierten Weisung in
Rz
8142 KSIH. Diese ist zwar für das Sozialversicherungs
gericht nicht bindend; es besteht jedoch kein begründeter Anlass, von dieser abzuweichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_497/2014 vom
2.
April 2015 E.
4.1.2).
Insbesondere in Anbetracht dessen, dass
die vorgängig im Rahmen der Rentenprüfung b
erücksichtigten
ärztlichen Unterlagen
wie unter anderem das psychiatrische Gutachten von Dr.
med. Dr.
rer
. nat.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychot
herapie, vom
9.
Juli 2014 (Urk.
7/67)
bereits mehrere Jahre zurücklagen, wäre die Beschwerdegegnerin
angesichts
des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG)
gehalten gewesen,
die medizi
nische
Sach
lage aufzuarbeiten.
Der Umstand, dass die Abklärungsperson Kenntnis von den damals gestellten Diagnosen hatte (vgl.
Urk.
7/155/1), vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern, da die entscheidende Frage, wie
sich der psychische Gesundheitsschaden konkret auf die alltäglichen Lebensverrichtungen des Beschwerdeführers
und den Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
auswirkt, damit nicht geklärt ist.
A
bschliessend lässt sich dies
auch
nicht
mit dem vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahre
n eingereichten Bericht von Dr.
med.
Z._
vom 1
8.
Januar 2019 beantworten
, da sich aus diesem insbesondere nic
ht ergibt, in welchem zeitlichen
Ausmass
die Unterstützung durch die psychiatrische Spitex tatsächlich notwendig ist.
Dr.
Z._
erach
tet jedenfalls
eine «engma
schige Unterstützung» als dringend indiziert. Aus ihrer Sicht sei der Beschwerde
führer in Bezug auf die eigenständige Organisation, die Planung und die Durch
führung von Alltagsaufgaben komplett überfordert und in einer selbständigen Lebensführung eingeschränkt (
Urk.
3/13).
Bereits in einem früheren Bericht des
Z
entrums
D._
vom 11. November 2013
w
urde festgehalten
, dass der Beschwerdeführer im Umgang mit Behörden überfordert sei und Termine nicht einhalte.
Er verbringe zudem mehrere Tage ohne etwas zu essen und ohne die Wohnung zu verlassen. Darüber hinaus bestehe ein ausgeprägter sozialer Rückzug ohne jegliche soziale
n
Kontakte (Urk. 7/56/1 f.).
Ein
Indiz für einen nicht unerheblichen Unterstützungsbedarf bildet
nicht zuletzt
auch der Umstand
, dass die im Jahr 2013 errichtete Begleitbeistandschaft (
Urk.
7/65)
im weiteren Verlauf zu einer kombinierten Beistandschaft
ausgeweitet wurde (vgl.
Urk.
7/145).
Vor diesem Hintergrund
kann allein gestützt auf den Abklärungsbericht
vom 15.
August 2018
(
Urk.
7/155) und die ergänzende Stellungn
ahme vom 10.
Okto
ber 2018 (Urk. 7/162)
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlos
sen werden, dass der Beschwerdeführer
mindestens zwei Stunden pro Woche (vgl. E. 1.3 vorstehend) einer lebenspraktischen Begleitung bedarf, zumal der entspre
chende Zeitaufwand
rein formal
anhand der Leistungsabrechnungen der psychi
atrischen Spitex seit 2016
unbestrittenermassen
ausgewiesen ist (vgl.
Urk.
7/152, 7/154 und 7/166).
In Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkräften bedarf es weiterer Abklärungen
betreffend die
Frage
,
in welchem Ausmass die geleisteten Stunden
tatsächlich zur Bewältigung der in
Art.
38
Abs.
1 IVV
aufgeführten
Situationen notwendig sind.
4.4
Nach dem Gesagten reichen die von der Beschwerdegegnerin durchgeführten Abklärungen nicht aus, um die Hilflosigkeit und die Notwendigkeit einer lebens
praktischen Begleitung
rechtsgenüglich
zu beurteilen. Die Sache ist demnach an sie zurückzuweisen, damit sie nach den in
Rz
8142 KSIH genannten Vorgaben medizinische Abklärungen vornehme. Des Weiteren wird sie zu entscheiden haben, ob eine erneute Abklärung an Ort und Stelle durchgeführt werden soll
oder aber der Bericht vom 1
5.
August 2018
samt ergänzender Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 2018
unter
Beizug
einer fachärztlichen Meinung
daraufhin zu überprüfen ist, inwieweit er den medizinisch festgestellten Beeinträchtigungen hinreichend Rechnung trägt.
Danach wird die Beschwerdegegnerin über das Leis
tungsbegehren neu zu befinden haben. In
Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung vom 5. Dezember 2018 (
Urk.
2)
ist die Beschwerde
in diesem Sinne
gutzu
heissen
.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsie
gende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr.
1'700.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.