Decision ID: 52a3b8b9-05c4-41ba-af4c-0d67e08cd303
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 29. April 2022 im Bundesasylzentrum in
Chiasso ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der
«Eurodac»-Datenbank ergab, dass er am 24. November 2015 bereits in
Schweden um Asyl nachgesucht hatte (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM
act.] 5).
B.
Nach Klärung der Identität gewährte das SEM dem Beschwerdeführer am
12. Mai 2022 im Rahmen des Dublin-Gesprächs und im Beisein der zuge-
wiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zu-
ständigkeit Schwedens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-
verfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen
Sachverhalt. Hierbei bestätigte er, 2015 in Schweden ein Asylgesuch ge-
stellt und danach einige Jahre in diesem Land verbracht zu haben. Wäh-
rend dieser Zeit habe er mehrere Ablehnungen bekommen. Die letzte Ab-
lehnung liege zwei bis zweieinhalb Monate zurück. Den Grund für die Ab-
lehnung habe er nicht erfahren. Er sei im Besitze einer befristeten Aufent-
haltserlaubnis gemäss dem Gesetz «Gymnasia» gewesen. Dies habe ihm
erlaubt, eine dreijährige Ausbildung zu absolvieren und innerhalb von
sechs Monaten eine unbefristete Arbeitsstelle zu suchen. Gegen eine
Rückkehr nach Schweden spreche, dass er dort nur Ablehnungen erhalten
habe, wiewohl er den Behörden die kritische Lage in Afghanistan erklärt
habe. Er habe nicht gewusst, was er in dieser Situation sonst hätte tun
können. Zum Gesundheitszustand gab er an, dass es ihm gut gehe. Seit
einigen Tagen habe er jedoch eine Erkältung mit Glieder- und Halsschmer-
zen. In Schweden sei es ihm psychisch nicht gut gegangen, weswegen er
Schlafprobleme bekommen habe. Er sei um seine Familie besorgt gewe-
sen, zu welcher er seit langem keinen Kontakt mehr habe (SEM act. 13).
C.
Am 13. Mai 2022 ersuchte das SEM die schwedischen Behörden um Über-
nahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
F-2521/2022
Seite 3
D.
Die schwedischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 19. Mai 2022 ge-
stützt auf diese Bestimmung zu (SEM act. 21).
E.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2022 (eröffnet am 30. Mai 2022) trat die Vor-
instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstellung
nach Schweden und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kan-
ton Thurgau mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwer-
deführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und
stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine
aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 23 und 25).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 7. Juni
2022 beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten
und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventua-
liter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Erlass vor-
sorglicher Massnahmen, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses (BVGer act. 1).
G.
Am 8. Juni 2022 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG
den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2).
Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten des SEM in
elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
F-2521/2022
Seite 4
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die
Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Behandlung des Asyl-
gesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-
staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das
Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
F-2521/2022
Seite 5
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-
tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten
Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7
Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-
punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-
über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
die antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-
nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO). Analoges gilt bei einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt wurde und der in einem anderen
Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines
anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält (Art. 18 Abs. 1 Bst. d
Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht
ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE
2010/45 E. 8.3).
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 24. November 2015 in Schweden ein
Asylgesuch gestellt hatte. Das SEM ersuchte die schwedischen Behörden
deshalb am 13. Mai 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers (SEM
act. 16). Diese stimmten dem Übernahmeersuchen am 19. Mai 2022 zu.
Die Zustimmung stützte sich auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO (SEM
act. 21). Die grundsätzliche Zuständigkeit Schwedens ist somit gegeben.
Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.
5.2 Nachfolgend ist demnach im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Schweden würden
F-2521/2022
Seite 6
systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-
lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Schweden ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wei-
sen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Schweden keine
systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf
(vgl. anstelle vieler: Urteile des BVGer F-5303/2021 vom 13. Dezember
2021 E. 5.2; F-3766/2021 vom 3. September 2021 E. 5.1; F-2693/2021
vom 11. Juni 2021 E. 5.1; F-2855/2021 vom 28. Juni 2021 E. 4.2;
F-535/2021 vom 8. März 2021 E. 7.1).
6.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer fordert in erster Linie die Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und von Art. 29a Abs. 3
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). In die-
sem Zusammenhang verweist er auf eine Wegweisungsentscheidung der
schwedischen Behörden vom 5. Mai 2022. Es ist daher zu prüfen, ob auf-
grund seiner persönlichen Situation von einer Überstellung nach Schwe-
den abzusehen ist, weil sie für ihn das reelle und naheliegende Risiko einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-
F-2521/2022
Seite 7
Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würde (BVGE
2012/27 E. 6.4; 2010/45 E. 7.4; Urteile des BVGer F-7195/2018 vom
11. Februar 2020 E. 6.6.9; E-3356/2018 vom 27. Juni 2018 E. 4.2; Urteil
des EGMR Tarakhel gegen Schweiz vom 4. November 2014, Grosse Kam-
mer 29217/12, § 104; Urteil des EuGH vom 19. März 2019 C-163/17 Jawo
Rn. 76 ff.).
7.2 Als Schweden am 19. Mai 2022 der Wiederaufnahme des Beschwer-
deführers zustimmte, ergänzte es, der Entscheid, ihn in sein Herkunftsland
wegzuweisen, sei am 5. Mai 2022 in Rechtskraft erwachsen (SEM act. 21).
7.3 Negative Asylentscheide der schwedischen Behörden, welche der Be-
schwerdeführer erhalten haben will, bilden genauso wenig ein Überstel-
lungshindernis wie die von diesem Land nach erfolgter Weiterreise in die
Schweiz ausgesprochene Wegweisung. Nach Abweisung des Asylgesuchs
bleibt Schweden auch für die Wegweisung des Beschwerdeführers aus
dem Dublin-Raum zuständig. Es gilt das Prinzip, dass ein Asylgesuch le-
diglich von einem einzigen Dublin-Mitgliedstaat zu prüfen ist (Art. 3
Abs. 1 Dublin-III-VO; BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Konkrete Anhaltspunkte
dafür, dass die schwedischen Behörden seinen Antrag auf internationalen
Schutz nicht unter Einhaltung der Verfahrensrichtlinie geprüft oder das
Asylverfahren mangelhaft durchgeführt hätten, sind nicht ersichtlich. Un-
glaubhaft erscheint diesbezüglich, dass der Beschwerdeführer die Gründe
für die früheren Ablehnungen nicht erfahren haben will. Als unberechtigt er-
weist sich sodann die Sorge, die schwedischen Behörden könnten ihn in
Missachtung des Grundsatzes des Non-Refoulement zur Ausreise nach Af-
ghanistan, oder in ein anderes Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben
oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden. Dem Beschwerdeführer steht es denn frei, nach sei-
ner Überstellung in Schweden ein Mehrfach- oder ein Wiedererwägungs-
gesuch zu stellen (Art. 40 ff. Verfahrensrichtlinie) und sich solcherart um
eine erneute Überprüfung des negativen Asyl- und Wegweisungsentschei-
des bzw. dessen Vollzugs zu bemühen (siehe dazu bspw. F-5303/2021
E. 6.2 oder F-3766/2021 E. 5.2.2).
7.4 Schliesslich sind die vom Beschwerdeführer während des erstinstanz-
lichen Verfahrens angeführten gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Er-
kältung mit Glieder- und Halsschmerzen, Schlafprobleme, psychische Be-
lastung aufgrund fehlender Kontakte zur Familie) bei Weitem nicht derart
http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5
F-2521/2022
Seite 8
gravierend, dass von einer Überstellung nach Schweden abgesehen wer-
den müsste (vgl. dazu Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De-
zember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Im Übri-
gen verfügt Schweden über eine ausreichende medizinische Infrastruktur.
7.5 Somit bleibt es bei der Zuständigkeit Schwedens für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens.
8.
Der angefochtene Entscheid verletzt weder Art. 3 EMRK, noch eine an-
dere, die Schweiz bindende völkerrechtliche Bestimmung. Eine gesetzes-
widrige Ermessensausübung der Vorinstanz ist nicht ersichtlich. Demzu-
folge ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von dem in Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO und in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verankerten Selbstein-
trittsrecht keinen Gebrauch gemacht hat.
9.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Schweden in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
11.
Mit dem Entscheid in der Sache wird der Antrag auf Erteilung der aufschie-
benden Wirkung gegenstandslos. Der am 8. Juni 2022 angeordnete Voll-
zugstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin.
12.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die
Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Die Verfah-
renskosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
F-2521/2022
Seite 9