Decision ID: 718ed959-c364-4a92-b93e-ce2a3969d82c
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit dem 1. Oktober 2019 als
Bürosachbearbeiterin bei der B._ angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG
(nachfolgend: Helsana) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung
UVG vom 15. Oktober 2019 meldete die Arbeitgeberin der Helsana, die Versicherte sei
am 13. Oktober 2019 bei einem [...]-Fussballmeisterschaftsspiel der Frauen beim
Rennen auf die Seite eingeknickt und habe danach starke Schmerzen im linken Knie
gespürt. [...] (UV-act. K1). Eine Erstbehandlung hatte am selben Tag im Spital C._
stattgefunden. Dessen Ärzte hatten nach einer Röntgenuntersuchung, die
altersentsprechend regelrechte osteoartikuläre Strukturen ohne Hinweis auf eine
frische ossäre Läsion und eine zentrierte Patella gezeigt hatte (UV-act. M1), eine
Kniedistorsion links vom 13. Oktober 2019 diagnostiziert (UV-act. M3). Am 14. Oktober
2019 war in der Radiologie X._ eine MRI-Untersuchung des linken Knies
durchgeführt worden, bei welcher ein kleinvolumiges subchondrales postkontusionelles
Knochenödem am posterioren Tibiakopf medial und lateral, ein nicht dislozierter
kurzstreckiger horizontaler Riss des Innenmeniskus sowie eine alte Ruptur des
vorderen Kreuzbandes (nachfolgend VKB) zur Darstellung gekommen war (UV-act. M2).
Anlässlich einer Untersuchung vom 15. Oktober 2019 diagnostizierten die Ärzte des
Spitals C._ schliesslich einen basisnahen Riss Innenmeniskus Übergang Hinterhorn/
Intermediärzone Knie links vom 13. Oktober 2019 bei VKB-Ruptur (konservativ) 2017.
Im Untersuchungsbericht vom 18. Oktober 2019 hielten sie fest, dass aus ihrer Sicht
zur Prävention weiterer Schäden des Kniegelenks eine operative Versorgung mittels
VKB-Ersatzplastik und Refixation des Innenmeniskus unumgänglich sei. Weiter
A.a.
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bescheinigten sie der Versicherten vom 13. bis 31. Oktober 2019 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (UV-act. M4). Am 16. Oktober 2019 wurde die Versicherte durch
Ärzte der Klinik D._ untersucht, welche folgende Diagnosen stellten: Erneute
stattgehabte Kniedistorsion links mit/bei: Status nach diagnostischer
Kniegelenksarthroskopie links, offener VKB-Refixation im Bereich der linken Eminentia
mittels transossären PDS-Nähten am 24. Juni 2013 bei disloziertem ossärem Ausriss
des VKB Knie links fecit Dr. med. E._ und VKB-Ruptur Knie links am 16. Oktober
2017 mit konservativem Vorgehen. Im Untersuchungsbericht vom 21. Oktober 2019
empfahlen auch die Ärzte der Klinik D._ eine VKB-Ersatzplastik (UV-act. M5).
Anlässlich einer Untersuchung vom 6. November 2019 wünschte die Versicherte den
operativen Eingriff (UV-act. M6). Am 24. Oktober 2019 reichte die Klinik D._ der
Helsana ein Kostengutsprachegesuch für einen Spitalaufenthalt mit Eintritt am 28.
November 2019 zur Behandlung einer VKB-Ruptur und einer Meniskusläsion links und
geplantem Austritt am 30. November 2019 ein (UV-act. K5 f.; vgl. auch UV-act. K13).
Mit Schreiben vom 25. Oktober 2019 sandte die Helsana der Versicherten einen
"Fragebogen: Mannschaftssport" mit der Aufforderung zu, diesen innert dreier Wochen
ausgefüllt und unterzeichnet zurückzusenden (UV-act. K8). Am 29. November 2019
füllte die Versicherte den Fragebogen aus (UV-act. K21).
Am 18. November 2019 legte die Helsana den Schadenfall ihrem beratenden Arzt
Dr. med. Z._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vor, der bei der Diagnose einer medialen Meniskusläsion links
eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. c des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) bejahte, jedoch davon ausging, dass die
Listenverletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei (UV-
act. M7).
A.b.
Mit Verfügung vom 20. November 2019 wies die Helsana ihre Leistungspflicht für
die Kniebeschwerden links ab. Zur Begründung führte sie an, dass die
Voraussetzungen für einen Unfall im Rechtssinne nicht erfüllt seien. Es fehle an einem
ungewöhnlichen äusseren Faktor. Bezüglich Ereignis verwies die Helsana auf die
Unfallmeldung vom 15. Oktober 2019 und den Fragebogen vom 29. November 2019.
Zwar sei ein Meniskusriss und damit eine unfallähnliche Körperschädigung
diagnostiziert worden, der Meniskusriss sei aber gemäss Beurteilung ihres beratenden
A.c.
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B.
C.
Arztes nicht auf das gemeldete Ereignis vom 13. Oktober 2019 zurückzuführen (UV-act.
K16).
Gegen die Verfügung vom 20. November 2019 erhob die Krankenversicherung
F._ AG (nachfolgend: F._) am 26. November 2019 als Krankenversicherer der
Versicherten vorsorglich Einsprache (UV-act. K20), worauf die Helsana dieser mit
Schreiben vom 13. Dezember 2019 Akteneinsicht gewährte (UV-act. K23). Die F._
liess sich nicht mehr vernehmen.
B.a.
Inzwischen hatte auch die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt M. Horschik,
Zürich, mit Eingabe vom 19. Dezember 2019 gegen die Verfügung vom 20. November
2019 Einsprache erheben lassen (UV-act. K26).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 18. März 2020 wies die Helsana die Einsprache der
Versicherten vom 19. Dezember 2019 ab (UV-act. K34).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 18. März 2020 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) durch Rechtsanwalt Horschik mit Eingabe vom 15.
Mai 2020 (Eingang am 18. Mai 2020) fristgerecht (Covid-19 Fristenstillstand vom 21.
März bis 19. April 2020) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen: 1. Der
Einspracheentscheid der Helsana (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 18. März
2020 sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen (Taggelder,
Heilungskosten, evtl. eine Rente und eine Integritätsentschädigung) zu erbringen.
Eventualiter sei vorliegend ein Gerichtsgutachten zu erstellen. Subeventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 2. Es sei im vorliegenden
Verfahren ein zweiter Schriftenwechsel - unter gleichzeitiger Zustellung der amtlichen
Akten - zur weiteren Begründung der vorliegenden Beschwerde durchzuführen. 3. Es
sei im vorliegenden Verfahren eine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR
0.101) durchzuführen, wobei insbesondere die Beschwerdeführerin vorzuladen und
anzuhören sei. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1). Zusammen mit der Beschwerde reichte der
C.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
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Considerations:
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für das von
der Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin mit der Schadenmeldung UVG vom 15.
Oktober 2019 gemeldete Ereignis vom 13. Oktober 2019 bzw. für die Knieverletzung
links zu Recht verneint hat.
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine vom 19. Februar 2020 datierte
Schilderung von H._ über deren Beobachtungen des Ereignisses vom 13. Oktober
2019 ein (act. G 1.3).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
In seiner Replik vom 28. September 2020 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an seinen Beschwerdeanträgen fest (act. G 7). Zusammen mit der
Replik reichte er eine Stellungnahme von Dr. med. G._ und Dr. med. I._, beide
Hüft- und Kniechirurgie Klinik D._, vom 25. August 2020 ein, in welcher diese
festgehalten hatten, die Beschwerdeführerin habe im Oktober 2017 eine Ruptur des
VKB erlitten. Aus ihrer Sicht sei das erneute Distorsionstrauma vom 13. Oktober 2019
auf eine Knieinstabilität als Folge der VKB-Ruptur 2017 zurückzuführen. Aus diesem
Grund handle es sich aus ihrer Sicht um eine Unfallfolge (act. G 7.1). Weiter legte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin der Beschwerde eine Leistungszusage der
Versicherungen F._ AG vom 19. Oktober 2017 für ein Taggeld aus der
Unfallversicherung mit Beginn ab 18. Oktober 2017 bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit
für ein Ereignis vom 15. Oktober 2017 bei (act. G 7.2). Die Ärzte der Klinik D._ hielten
in ihrer Stellungnahme insbesondere fest, die Beschwerdeführerin habe im Oktober
2017 eine VKB-Ruptur erlitten. Aus ihrer Sicht sei das erneute Distorsionstrauma vom
13. Oktober 2019 auf eine Knieinstabilität als Folge der Kreuzbandruptur 2017
zurückzuführen. Aus diesem Grund handle es sich aus ihrer Sicht um eine Unfallfolge
(act. G 7.1).
C.c.
Mit Duplik vom 12. Oktober 2020 hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits an ihrem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G 9).
C.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
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2.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts Anderes
bestimmt.
2.1.
Als Unfall gilt nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat (BGE 112 V 202 f. E. 1). Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn
er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen
überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die
objektiven Umstände in Betracht fallen (André Nabold, N 22 zu Art. 6, in Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 32 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 E. 2.1 E. 2.1; je mit Hinweisen). Das für den
Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach
Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam „programmwidrig“ beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin
nicht vorausgesetzt (BGE 130 V 118 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April
2014, 8C_783/2013, E. 4.2; je mit Hinweisen).
2.2.
Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 118
E. 2.2 mit Hinweis). Hingegen ist bei sportlichen Tätigkeiten ein Unfall im Rechtssinn
dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV
1992 Nr. U 156 S. 258). Wenn sich das in einer sportlichen Übung inhärente Risiko
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
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3.
einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist
auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der
Ausführung sich aber in der Spannweite des Üblichen bewegt (RKUV 2004 Nr. U 502 S.
185 E. 4.4).
Die leistungsansprechende Person muss die einzelnen Umstände, die zu einem
Unfall geführt haben, nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, ist der Unfallversicherer nicht leistungspflichtig. Zur
Glaubhaftmachung eines Unfalls genügt es nicht, einen Gesundheitsschaden
nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis zurückgehen könnte, sondern
es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue und wenn möglich ins
Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in
die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild zu machen und diese in
objektiver Weise abzuklären. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten
Person über den Unfallhergang wird in der Praxis auf die Beweismaxime abgestellt,
wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" kurze Zeit nach
dem Ereignis in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Diese Beweisregel
kommt jedoch nur dann zur Anwendung, wenn der Sachverhalt nicht auf andere Weise
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt werden kann (zum
Ganzen BSK UVG-Hofer, N 9 ff. zu Art. 6; KOSS UVG-Nabold, N 9 ff. zu Art. 6;
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 29 f.; BGE 121 V 47 E.
2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2018, 8C_470/2018, E.
4.1 mit Hinweisen).
2.4.
Zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2019 einen
Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. Diesbezüglich ist unter den
Verfahrensparteien in erster Linie streitig, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf
den Körper der Beschwerdeführerin eingewirkt hat.
3.1.
Gemäss der von der Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin am 15. Oktober 2019
eingereichten Schadenmeldung UVG ist diese bei einem [...]-Fussballmeisterschafts
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
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spiel der Frauen beim Rennen auf dem Fussballplatz auf die Seite eingeknickt und hat
danach starke Schmerzen im linken Knie verspürt (UV-act. K1). Nach Eingang der
Schadenmeldung UVG hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt mit einem Frage
bogen detailliert erhoben (UV-act. K8, K21). Darin schilderte die Beschwerdeführerin,
ihr sei an einem [...]-Fussballmatch, während sie am Ball gewesen sei, das Knie
weggeknickt. Ein Zweikampf habe nicht stattgefunden. Die Frage, ob etwas
Besonderes, Unvorhergesehenes (z.B. Ausrutschen, Sturz, Anstossen usw.) passiert
sei, bejahte die Beschwerdeführerin und antwortete, ihr sei, wie bereits erwähnt, das
Knie weggeknickt. Mit dieser Frage wird offensichtlich das Ungewöhnliche bzw.
Programmwidrige ermittelt (vgl. Erwägung 2.2). Zur weiteren Frage, wann sich welche
Beschwerden erstmals bemerkbar gemacht hätten, schrieb die Beschwerdeführerin
"Kniebeschwerden, nach Knall im Innern des Knies". Die detaillierte Erhebung der
tatsächlichen Verhältnisse erfolgt durch den Unfallversicherer oft mittels Frageblättern.
Im Vordergrund stehen entsprechend - wie auch im konkreten Fall - Fragen betreffend
die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers massgebenden Voraussetzungen
bezüglich des Unfallgeschehens. Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen
Verhältnisse mittels Frageblättern detailliert erhoben hat, ist er seiner Verpflichtung zur
richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
grundsätzlich rechtsgenüglich nachgekommen (Untersuchungsgrundsatz; vgl. BGE 125
V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Der Fragebogen datiert zwar nach Erlass der Verfügung,
was jedoch offensichtlich falsch ist, wird er doch in dieser erwähnt. Eine Beeinflussung
der Beschwerdeführerin durch nachträgliche Überlegungen versicherungsrechtlicher
oder anderer Art ist demnach nicht anzunehmen. Die Sachverhaltsschilderung bzw.
Angaben im Fragebogen stimmen jedoch ohnehin mit denjenigen in der
Schadenmeldung UVG überein. Ein entsprechender Sachverhalt wird sodann auch in
der Anamnese im Untersuchungsbericht der Ärzte der Klinik D._ vom 21. Oktober
2019 erwähnt (UV-act. M5). Gemäss dieser hatte die Beschwerdeführerin angegeben,
am 13. Oktober 2019 beim Fussballspielen ein erneutes Kniedistorsionstrauma links
erlitten zu haben. Sie sei ohne Fremdeinwirkung beim Rennen eingeknickt. Beim
Mechanismus einer Distorsion sei es zu einem Reissen im Kniegelenk gekommen. Die
erstbehandelnden Ärzte des Spitals C._ hatten davor im Untersuchungsbericht vom
18. Oktober 2019 in der Anamnese geschrieben, die Beschwerdeführerin sei am 13.
Oktober 2019 beim Fussball ohne gegnerische Einwirkung gefallen, nachdem sie sich
das Knie verdreht habe (UV-act. M4). Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
macht in der Beschwerde vom 15. Mai 2020 (act. G1) geltend, die Beschwerdeführerin
sei gestürzt. Dazu sei es gekommen, als die Beschwerdeführerin beim Stürmen an
einer Bodendelle hängen geblieben sei. Es habe zwar kein Zweikampf bzw. keine
direkte Körperberührung mit einer Gegenspielerin stattgefunden, doch sei der äussere
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
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Faktor nur schon deshalb gegeben, weil die Gegenspielerinnen auf die
Beschwerdeführerin Druck gemacht hätten. Mit der Beschwerde wurde eine
Beobachtungsschilderung des Ereignisses vom 13. Oktober 2019 von H._ vom 19.
Februar 2020, welche Zuschauerin beim Fussballspiel gewesen sein soll, eingereicht
(act. G 1.3). In dieser ist festgehalten, die Beschwerdeführerin sei im Zuge eines
Angriffs in Richtung Tor der Gegenmannschaft gewesen und habe den Ball vorwärts
geführt. Die Gegenspielerinnen hätten von allen Seiten Druck auf die
Beschwerdeführerin gemacht. Der Rasen sei holprig gewesen, da vorher auf dem
Rasen bereits gespielt worden sei. Beim Vorwärtsstürmen mit dem Ball sei die
Beschwerdeführerin plötzlich über eine braune Stelle gestolpert, die sich nachher als
Bodendelle herausgestellt habe. Sie sei zu Boden gefallen und habe dabei laut
geschrien.
Angesichts der obigen Sachverhaltsschilderungen darf davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdeführerin während des Fussballspiels rennend am
Angreifen war, als sie mit dem linken Knie auf die Seite einknickte bzw. ihr linkes Knie
wegknickte. Eine Fremdeinwirkung durch eine Gegen- oder Mitspielerin hat dabei
unbestrittenermassen nicht stattgefunden. Entsprechend haben sowohl die Ärzte des
Spitals C._ als auch diejenigen der Klinik D._ anlässlich ihrer Untersuchungen vom
13. und 16. Oktober 2019 eine Kniedistorsion links diagnostiziert (UV-act. M3, M5). Es
ist eine Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen Bewegungsablauf und insbesondere
bei sportlichen Betätigungen Verdrehungen und ein gewisser Zug auf Sehnen,
Muskeln, Bänder und Gelenke nichts Aussergewöhnliches darstellen, sondern die
genannten Körperteile gerade ein normales und verletzungsfreies Funktionieren im
täglichen Leben, wozu Bewegungen und Drehungen und dergleichen gehören,
gewährleisten. Gerade Distorsionen zeichnen sich durch unterschiedliche
Schweregrade aus (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4.
Aufl. 2005, S. 1097; vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]
vom 30. August 2001, U 277/99) und müssen nicht in jedem Fall einem Unfall mit
unphysiologischer, programmwidriger Beanspruchung eines Körperteils im Sinne eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors entsprechen. Fussball ist bekanntermassen eine
Sportart, bei welcher die Kniegelenke beansprucht und belastet werden. Allein deshalb
kann jedoch nicht von einem Überschreiten der physiologischen Bewegungsgrenze
ausgegangen werden. Auch beim Rennen besteht das Fussballspiel in der Regel in
ständigen Abfolgen plötzlicher Ereignisse wie Sprüngen, heftigen Bewegungen,
Drehungen, Richtungs- und Tempowechseln und dergleichen. Damit die körpereigene
Bewegung der Verdrehung des Knies das gemäss Art. 4 ATSG erforderliche
Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss diese damit zusätzlich eine
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
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4.
eindeutig programmwidrige Bewegung im Sinne der Erwägung 2.2 sein. Von einer
programmwidrigen Bewegung und damit von einem Unfall ist laut bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bei einem eigentlichen Fehltritt mit einem Abknicken des Fusses/
Knöchels auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2007, U 362/06, E. 4.3.2).
Das Wegknicken des Knies beim Rennen während eines Fussballspiels ohne
Fremdeinwirkung stellt zwar eine unphysiologische Bewegung dar. Das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit ist indes nicht gegeben, weil kein in der Aussenwelt begründeter
Umstand den natürlichen Ablauf des Rennens programmwidrig gestört hat. Dass sich
die Beschwerdeführerin auf den Ball konzentrieren und auf ihre Mitspielerinnen und
Gegnerinnen achten musste und von letzteren unter Druck gesetzt wurde, sind beim
Fussballspiel völlig normale Vorgänge. Zwar wurde in der Anamnese des
Untersuchungsberichts der Ärzte des Spitals C._ vom 18. Oktober 2019 (UV-act. M4)
und damit noch vor Erlass der leistungsablehnenden Verfügung vom 20. November
2019 (UV-act. K16) ein "Fallen" erwähnt. In der Schadenmeldung UVG (UV-act. K1) und
insbesondere im Fragebogen (UV-act. K21) wurde jedoch kein Sturz beschrieben. Dass
die Beschwerdeführerin im Fragebogen einen solch bedeutsamen, augenfälligen
Umstand wie einen Sturz unerwähnt gelassen haben soll, als sie zu einer ausführlichen
Schilderung des Ereignisses aufgefordert und nach besonderen bzw.
unvorhergesehenen Geschehensabläufen (z.B. Sturz) gefragt worden war, ist nicht
nachvollziehbar. Gleichwohl ist es nicht unwahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund des Meniskusrisses (vgl. dazu nachfolgende Erwägung
4) und des damit verbundenen einschiessenden Schmerzes stürzte. Für die
Beurteilung, ob der Unfallbegriff erfüllt ist, ist dies jedoch irrelevant. Die Knieverletzung
passierte nämlich schon vorher, d.h. beim Wegknicken des Knies. Die Frage, ob sich
tatsächlich ein Sturz, allenfalls wegen einer Unebenheit im Rasen, ereignet hat, kann
somit letztlich offengelassen werden. Vor diesem Hintergrund kann auch von einer
Befragung der Augenzeugin H._ (vgl. act. G 1.3) abgesehen werden.
Nach dem Gesagten, ist das Merkmal eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
nicht erfüllt, weshalb das Ereignis vom 13. Oktober 2019 keinen Unfall im Rechtssinne
darstellt.
3.4.
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die Versicherung
ihre Leistungen aber nicht nur bei einem Unfallereignis, sondern auch bei den
folgenden, abschliessend aufgelisteten Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-
Nabold, N 42 zu Art. 6), sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c.
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
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Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h.
Trommelfellverletzungen. Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die gesetzliche
(Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer bei erfüllter
Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner Leistungspflicht
befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (BGE 146 V 64 ff. E. 8.2.2; Evalotta
Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, das Beispiel des
Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358; Markus Hüsler, Erste UVG-Revision: wichtigste
Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, in: SZS 2017 S. 33). Der
Gegenbeweis der vorwiegend abnützungs- oder krankheitsbedingten Verursachung
beschlägt den natürlichen Kausalzusammenhang. Nur der Nachweis eines
rechtsgenügenden, d.h. vorwiegend degenerativ oder krankhaft verursachten
Schadens, kann zu einer Verneinung des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. der
Leistungspflicht des Unfallversicherers führen (Samuelsson, a.a.O., S. 358). Der
(Gegen-)Beweis der vorwiegend krankhaften oder degenerativen Pathogenese der
Listendiagnose ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50% auf Abnützung
oder Erkrankung beruht (BGE 146 V 64 E. 8.2.2.1 mit Hinweisen). Aus der in Art. 6 Abs.
2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises ergibt sich allerdings auch nach
der am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen UVG-Revision die Notwendigkeit der
Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen
Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer
Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers.
Insoweit bleibt auch beim Vorliegen einer Listendiagnose die Frage nach einem initialen
erinnerlichen und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung
als zeitlicher Anknüpfungspunkt für Fragen der Versicherungsdeckung oder
Zuständigkeit des Unfallversicherers - relevant (zum Ganzen BGE 146 V 69 f. E. 8.6 mit
Hinweisen). Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse, konkret zur Beurteilung
der Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die
ihr von Ärzten und Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 157 E. 1b
mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Samuelsson, a.a.O., S. 357
f.).
Da die Beschwerdeführerin ein auslösendes Ereignis genannt hat, bleibt zu prüfen,
ob eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aufgrund einer der in Art. 6 Abs. 2
UVG abschliessend aufgelisteten unfallähnlichen Körperschädigungen besteht. Im
vorliegenden Fall ist unbestritten, dass in der am 14. Oktober 2019 in der Radiologie
4.2.
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X._ durchgeführten MRI-Untersuchung des linken Kniegelenks ein kurzstreckiger
horizontaler schrägverlaufender Riss des Innenmeniskushinterhorns erhoben wurde
(UV-act. M2) und somit grundsätzlich die Listendiagnose eines Meniskusrisses (Art. 6
Abs. 2 lit. c UVG) erfüllt ist. Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr. Z._,
geht jedoch in seiner Aktenbeurteilung vom 18. November 2019, auf welche sich die
Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht bei ihrer Leistungsablehnung abstützt,
von einem vorbestehenden und vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführenden Meniskusriss aus. Zur Begründung bringt er vor, es würden für eine
traumatisch ausgelöste Meniskusläsion das entsprechende bone bruise und die
Begleitverletzungen fehlen. Ferner bestehe ein Status nach VKB-Ruptur (UV-act. M7).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäß zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a). Den Berichten versicherungsinterner oder beratender Ärzte und Ärztinnen
kann rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden. Auf deren
Ergebnis kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 229 E. 5.2, 135 V 470 E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2;
SVR 2018 IV, Nr. 4, S. 12, E. 3.2). Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass auch eine
reine Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. Z._ vorgenommen
wurde (UV-act. M7), beweiskräftig sein kann, sofern ein lückenloser Befund vorliegt
und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung
mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom
18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Die Aktenbeurteilung von Dr. Z._ befasst sich
4.3.
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mit der Meniskusproblematik und wurde offensichtlich nach Einsichtnahme in die bis
zum 13. November 2019 aufgelaufenen Akten, insbesondere in den MRI-
Untersuchungsbericht vom 14. Oktober 2019 (UV-act. M2), abgegeben. Angesichts
dessen sprechen keine formell-rechtlichen Gründe gegen den Einbezug der ärztlichen
Aktenbeurteilung von Dr. Z._. Ob letztlich auf diese abgestellt werden kann, ist im
Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu
prüfen.
4.4.
Der von Dr. Z._ vertretene Standpunkt, ein traumatischer Meniskusriss könne
nicht isoliert, sondern nur mit Begleitverletzungen auftreten, findet in der medizinischen
Literatur und in der Rechtsprechung keine eindeutige Stütze. Zumindest wird der
isolierte traumatische Meniskusriss kontrovers diskutiert. Dafür, dass das Auftreten von
isolierten traumatischen Meniskusrissen im gesunden Meniskus grundsätzlich verneint
werden müsste, gibt es jedenfalls keinen gesicherten Evidenznachweis. Der
Meniskusriss sowie Verletzungen anderer Strukturen des Knies werden als
Kombinationsverletzungen und auch als eigenständige bzw. isolierte Verletzungen
beschrieben (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 950 f. 997,
1146; Debrunner, a.a.O., S. 1060, 1098; Samuelsson, a.a.O., S. 345; vgl. auch Urteile
des Versicherungsgerichts vom 10. Juli 2020, UV 2019/18, E. 5.4, und 11. September
2018, UV 2017/56, E. 4.3). Dass ein Meniskus nicht isoliert reissen kann bzw.
gleichzeitig mit einem traumatisch bedingten Meniskusriss Verletzungen verschiedener
Strukturen auftreten müssen, kann mithin nicht generell angenommen werden. Im
Übrigen ist zu sagen, dass im konkreten Fall in der MRI-Untersuchung vom 14.
Oktober 2019 (UV-act. M2) im medialen Kompartiment, wo sich auch der Meniskusriss
gezeigt hat, ein kleinvolumiges subchondrales Knochenmarködem am posterioren
Aspekt des Tibiakopfs erhoben wurde. Letztlich kommt jedoch dem Knochenödem
bzw. dem Bone bruise (= Knochenprellung [vgl. https://flexikon.doccheck. com/de/
Spezial: Suche? q=bone+bruise, abgerufen am 7. Dezember 2020]) als möglichem
Kollateralschaden in Bezug auf die Frage der Ursächlichkeit einer Meniskusläsion
insofern keine massgebende Bedeutung zu, als dieses zumindest kein typischer
Befund einer Distorsion darstellt, wie sie die Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2019
erlitten hat (vgl. act. M3).
4.4.1.
Als weiteres Kriterium für einen vorbestandenen, nicht traumatisch bedingten
Meniskusriss nennt Dr. Z._ schliesslich die VKB-Ruptur, welche die
Beschwerdeführerin am 16. Oktober 2017 erlitten hat (UV-act. M3 ff.). Laut
4.4.2.
https://flexikon.doccheck
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Stellungnahme der Dres. E._ und G._ vom 25. August 2020 lag bei der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls vom 13. Oktober 2019 als Folge der
Kreuzbandruptur vom 16. Oktober 2017 eine Knieinstabilität vor (act. G 7.1, vgl. auch
UV-act. M4 f.). Doch hielten die Dres. E._ und G._ in ihrer Stellungnahme auch fest,
dass die Beschwerdeführerin nach der Kreuzbandruptur zunächst erfolgreich
konservativ therapiert worden sei. Zwischen den beiden Ereignissen liegen zwei Jahre
ohne aktenkundige Brückensymptome, insbesondere Instabilitätssymptome, und ohne
ärztlich belegte Behandlungen. Gegenüber den behandelnden Ärzten des Spitals C._
hielt die Beschwerdeführerin subjektiv am 15. Oktober 2019 fest, das Kniegelenk sei
stabil gewesen (UV-act. M4). Im Untersuchungsbericht der behandelnden Ärzte der
Klinik D._ vom 21. Oktober 2019 wird eine Destabilisierung lediglich
vermutungsweise, im Rahmen einer längeren Sportpause und entsprechender
Dekonditionierung, angenommen (UV-act. M5). Überdies spielte die
Beschwerdeführerin immerhin wieder Fussball auf höherem Niveau. Vor diesem
Hintergrund ist es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass für das geltend gemachte
Wegknicken bzw. den Meniskusriss vorwiegend eine Kniegelenksinstabilität
verantwortlich war.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilung von Dr. Z._ vom 18.
November 2019 (UV-act. M7), es liege hinsichtlich des objektivierten Meniskusrisses
ein Vorzustand und kein durch das Ereignis vom 13. Oktober 2019 ausgelöster
Meniskusriss vor, nicht überzeugt.
4.4.3.
Im Übrigen sprechen im vorliegenden Fall auch weitere Indizien für eine
Entstehung des Meniskusrisses anlässlich des Ereignisses vom 13. Oktober 2019. So
zeigte das linke Kniegelenk der Beschwerdeführerin anlässlich der MRI-Untersuchung
vom 14. Oktober 2019 - abgesehen vom vorbestehenden Status nach VKB-Ruptur und
von der fraglichen Meniskusläsion - keine weiteren auffälligen Befunde. Ein Kniegelenk
mit umfassenden degenerativen Gesundheitsschäden, eine Situation also, die auf einen
degenerativ entstandenen Meniskusriss hindeuten könnte, lag somit nicht vor.
Ausserdem wurde der Riss des Innenmeniskushinterhorns im MRI-
Untersuchungsbericht vom 14. Oktober 2019 als neu aufgetreten bezeichnet (UV-act.
M2). Ein weiterer wichtiger Hinweis für eine Entstehung des Meniskusrisses anlässlich
des besagten Ereignisses stellt der Umstand dar, dass die Beschwerdeführerin laut
Schadenmeldung vom 15. Oktober 2019 (UV-act. K1) einen starken Schmerz
verspürte. Im Fragebogen beschrieb sie am 29. November 2019 Kniebeschwerden und
einen Knall im Inneren des Knies und verneinte, schon früher unter ähnlichen
Beschwerden gelitten zu haben (UV-act. K21). Diese Beschwerden passen zu den in
4.5.
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5.
der medizinischen Literatur als für einen Meniskusriss als typisch beschriebenen
Symptomen (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1146; Debrunner, a.a.O., S. 1058 f.; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 1204; Leitlinie der Orthopädie, a.a.O., S. 142). Schliesslich spricht
auch die zeitliche Nähe der Beschwerden und des entdeckten Meniskusrisses für einen
Zusammenhang zum Ereignis vom 13. Oktober 2019. Eine Erstbehandlung hatte
bereits am 13. Oktober 2019 im Spital C._ stattgefunden (UV-act. M3). Die beteiligten
Ärzte konnten zwar, wie auch in der nachfolgenden Untersuchung vom 15. Oktober
2019 (UV-act. M4), keine besonders auffälligen Befunde erheben, doch wurde ein Tag
danach ein Meniskusriss objektiviert (vgl. MRI-Untersuchungsbericht vom 14. Oktober
2019, UV-act. M2).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass angesichts der Ausführungen in den
Erwägungen 4.4 und 4.5 der überwiegend wahrscheinliche Nachweis, dass der
Meniskusriss vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung bzw. auf ein
vorgeschädigtes Knie zurückzuführen ist, von der Beschwerdegegnerin nicht erbracht
werden konnte, womit sie für die Meniskusläsion die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen hat. Da die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht von Grund auf
verneinte, nahm sie keine weiteren Abklärungen bezüglich ihrer Leistungspflicht vor.
Diese Abklärungen wird sie nunmehr nachzuholen und über die Ansprüche auf
Heilbehandlung und Taggeld zu befinden haben.
4.6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 18. März 2020 (UV-act. K34) gutzuheissen und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin für den Meniskusriss die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
5.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren
Fassung).
5.2.
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen mit
zweifachem Schriftenwechsel erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr.
5.3.
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6.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragte im vorliegenden Verfahren eine
öffentliche Verhandlung (act. G 1). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann
jedoch von einer ausdrücklich beantragten öffentlichen Verhandlung abgesehen
werden, wenn das kantonale Gericht aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass
dem materiellen Rechtsbegehren der bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden
Partei zu entsprechen ist (BGE 136 I 281, E. 1 mit Hinweis auf BGE 122 V 57 f. E. 3b/
ee; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2021, 8C_495/2020, E. 2.2; vgl. zum
Ganzen: SVR 2017
UV Nr. 30 S. 99, 8C_723/2016, E. 2.3 mit Hinweisen).