Decision ID: 2b2111a8-4117-4687-82e3-5d1abd259d9d
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1985, wohnhaft in C._, war seit dem 1. Januar
2018 bei der D._ AG, E._, als Produktionsmitarbeiter tätig, und
gestützt auf dieses Arbeitsverhältnis bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert. Gemäss Schadensmeldung vom 14. März
2019 verletzte er sich am 11. März 2019 während der Arbeit an der rechten
Hand. Gleichentags erfolgte die Erstbehandlung bei Dr. med. F._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie, G._, welcher eine Quetschung
des rechten Ringfingers diagnostizierte. A._ war vom 11. März bis
zum 29. März 2019 zu 100 % arbeitsunfähig, anschliessend nahm er seine
Arbeit wieder vollständig auf. Dr. med. F._ schloss die Behandlung
am 22. März 2019 ab. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlungskosten und Taggelder).
2. Aufgrund von persistierenden Beschwerden erfolgten ab August 2019
weitere Behandlungen bei Facharzt Dr. med. F._, der A._ ab
dem 11. September 2019 bis zum 30. November 2019 erneut eine 100 %-
ige Arbeitsunfähigkeit attestierte.
3. Mit Schreiben vom 29. Juni 2020 teilte die SUVA Chur und Linth A._
vorab mit, dass eine Leistungseinstellung per 26. August 2019 erfolge. Mit
Verfügung vom 13. August 2020 stellte die SUVA Chur und Linth ihre
Leistungen per 26. August 2019 ein und verneinte den Anspruch auf
weitere Versicherungsleistungen, da sie den Status quo sine spätestens
am 26. August 2019 als erreicht betrachtete.
4. Gegen diese Verfügung erhob A._ am 14. September 2020
Einsprache und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung, die
weitere Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen und die unentgeltliche
Verbeiständung im Einspracheverfahren. Mit Einspracheentscheid vom
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30. November 2020 wies die SUVA die Einsprache ab, ebenso das
Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung aufgrund Aussichtslosigkeit.
Begründend führte sie im Wesentlichen an, mit dem Kreisarzt Dr. med.
H._ sei davon auszugehen, dass der Unfall vom 11. März 2019 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nur zu einer vorübergehenden
Verschlimmerung des krankhaften Vorzustandes an der rechten Hand
geführt habe und der Status quo sine spätestens am 26. August 2019
erreicht gewesen sei, so dass die Versicherungsleistungen zu Recht auf
diesen Zeitpunkt eingestellt worden seien.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 18. Januar
2021 (Poststempel) Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit folgenden Rechtsbegehren:
1. Es sei der gegenständlichen Beschwerde Folge zu geben, der
Einspracheentscheid sowie die Verfügung der Beschwerdegegnerin
aufzuheben und dieser aufzutragen, dem Beschwerdeführer seine
nach dem UVG zustehenden Ansprüche auch ab 27. August 2019
auszurichten sowie den bekämpften Einspracheentscheid der
Vorinstanz dergestalt abzuändern, dass dem Beschwerdeführer im
Einspracheverfahren vor der Vorinstanz die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt wird; in eventu es sei der Beschwerde
Folge zu geben und der Entscheid der Vorinstanz sowie die Verfügung
der Vorinstanz aufzuheben und die Rechtssache zur neuerlichen
Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuleiten.
2. Unter o-/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
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Im Weiteren ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im versicherungsgerichtlichen
Verfahren. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, die
Vorinstanz habe sich einerseits mit den Argumenten des
Beschwerdeführers in seiner Einsprache ungenügend auseinandergesetzt
und andererseits den massgeblichen Sachverhalt unrichtig abgeklärt und
festgestellt. Der Kreisarzt Dr. med. H._ stütze sich bei seiner
Beurteilung auf die Untersuchung durch den Hausarzt Dr. med. F._,
welcher am Unfalltag lediglich eine Quetschung des Endgliedes des
rechten Ringfingers festgestellt habe, hingegen keine Kontusion am Dig.
IV und V der rechten Hand. Daran anknüpfend mutmasse Dr. med.
H._ und mit ihm die
Vorinstanz, dass die Verletzungen im Bereich Dig. IV und V der rechten
Hand nicht auf den Unfall zurückzuführen, sondern krankhafter Natur
seien. Dr. med. I._, ein ausgewiesener Facharzt für Handchirurgie
und damit ein Spezialist, habe in seinem von der Beschwerdegegnerin in
Auftrag gegebenen Gutachten nach ausführlicher Untersuchung
festgestellt, der Beschwerdeführer habe eine A-Ringbandspaltung Dig. IV
und V der rechten Hand wegen einer FDP-Sehnenläsion Dig. V der
rechten Hand erlitten, was auf vorliegendes Unfallereignis zurückzuführen
sei und entsprechende Auswirkungen auf die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers habe. Zudem sei ein operativer
Eingriff durch Dr. med. I._ erfolgt, wobei dieser die Diagnosen
bestätigt habe. Die Einschätzung des Kreisarztes Dr. med. H._
beruhe hingegen lediglich auf einer Aktenbeurteilung. Bei Kreisarzt Dr.
med. H._ handle es sich um einen Facharzt für Orthopädie, und nicht
um einen ausgewiesenen Spezialisten und Facharzt für Handchirurgie, so
dass diesem bereits die entsprechenden fachärztlichen Qualifikationen
fehlten. Beim Hausarzt Dr. med. F._ handle es sich um einen
Allgemeinmediziner, der über keine tieferen Fachkenntnisse im Bereich
Orthopädie und Handchirurgie verfüge. Er habe im Wesentlichen lediglich
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die äusserlich festzustellenden Verletzungen dokumentiert, ohne tiefere
Abklärungen und Untersuchungen vorzunehmen. Der Beschwerdeführer
habe anlässlich des Unfalles, und nicht erst später, eine Sehnenläsion,
d.h. eine unfallähnliche Körperschädigung, erlitten, die für seine
Beschwerden in der rechten Hand verantwortlich seien, was durch Dr.
med. I._ bestätigt worden sei. Bei einer unfallähnlichen
Körperschädigung sei kein Nachweis der Unfallkausalität erforderlich.
Vielmehr sei die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig, wenn aufgrund
des unfallähnlichen Ereignisses eine allenfalls vorbestehende
Sehnenläsion bzw. deren Folgen aktiviert worden seien. Der
Beschwerdeführer habe bis zum Unfall keinerlei Beschwerden gehabt. Die
Abweisung des Gesuchs um unentgeltlichen Rechtsbeistand im
Einspracheverfahren aufgrund Aussichtslosigkeit erweise sich damit als
unrechtmässig.
6. In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2021 schloss die SUVA
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf den
Einspracheentscheid vom 30. November 2020 auf Abweisung der
Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheids.
Sie führte dazu im Wesentlichen an, Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, habe in seinen Beurteilungen vom 11. August 2020
und 17. September 2020 nachvollziehbar und schlüssig begründet, dass
das Ereignis vom 11. März 2019 lediglich eine Quetschung am Endglied
des rechten Ringfingers, nicht aber strukturelle Läsionen verursacht habe.
Der Unfall habe nur zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des
krankhaften Vorzustandes an Dig. IV und V der rechten Hand geführt und
der Status quo sine sei am 26. August 2019 erreicht gewesen. Es könne
vollumfänglich auf die kreisärztlichen Beurteilungen abgestellt werden,
erfüllten sie doch die Voraussetzungen für den Beweiswert. Dr. med.
F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, habe am Unfalltag nur
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eine Schwellung und Druckdolenz am Endglied des rechten Ringfingers
festgestellt und ausschliesslich eine Quetschung des rechten Ringfingers
diagnostiziert. Echtzeitlich sei damit keine Verletzung an Dig. V der
rechten Hand dokumentiert. Die MR-Untersuchung der rechten Hand vom
26. August 2019 habe milde degenerative Veränderungen der
miterfassten Gelenke und intakte Beuge- und Strecksehnen ergeben.
Auch bei der MR-Untersuchung der Finger rechts vom 18. Dezember 2019
habe eine posttraumatische Läsion ausgeschlossen werden können und
sei ein Normalbefund festgestellt worden. Sodann bestehe auch am kontralateralen Ringfinger eine Schwanenhalsdeformität und habe sich
intraoperativ im Endgliedbereich von Dig. IV eine intakte FDP-Sehne
gefunden. Die Aktenbeurteilungen von Kreisarzt Dr. med. H._ seien
nicht zu beanstanden, ebensowenig sei seine Fachlichkeit unter Hinweis
auf die unlängst ergangene Rechtsprechung des Bundesgerichts
anzuzweifeln. Dr. med. I._ habe entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers kein Gutachten, sondern lediglich ein Konsilium
durchgeführt. Zudem sei er aufgrund der durch ihn vorgenommenen
Operation als behandelnder Arzt zu qualifizieren. Vorliegend sei der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der
Listenverletzung zu verneinen, so dass sich eine Prüfung der
Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG erübrige. Auch nicht zu
beanstanden sei die Beurteilung der Einsprache als aussichtslos und
damit die Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Entscheid sowie die übrigen Verfahrensakten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen einen
Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung Beschwerde
beim Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in dem
die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung Wohnsitz
hat. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, ist
gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen
Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz
befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hat.
Der Beschwerdeführer ist im Fürstentum Liechtenstein wohnhaft. Da
jedoch seine letzte Arbeitgeberin, die D._ AG, ihren Sitz in der
bündnerischen Gemeinde E._ hat, ist das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
örtlich zuständig. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts
ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach
das Verwaltungsgericht als kantonales Versicherungsgericht
Beschwerden gegen Einspracheentscheide und Verfügungen in
Sozialversicherungssachen beurteilt, die nach Bundesrecht der
Beschwerde unterliegen. Der Einspracheentscheid vom 30. November
2020, mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache des heutigen
Beschwerdeführers vom 14. September 2020 abwies und damit ihre
Verfügung vom 13. August 2020 betreffend Einstellung der
Versicherungsleistungen für das Ereignis vom 11. März 2019 bestätigte,
stellt somit ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Als formeller und
materieller Adressat des Einspracheentscheids ist der Beschwerdeführer
berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung
oder Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und
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formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit – vorbehältlich
nachfolgender Erwägung 1.2 – einzutreten (vgl. Art. 60 f. i.V.m. Art. 38
Abs. 4 ATSG).
1.2. Bei Erhebung einer Einsprache wird das Verwaltungsverfahren erst durch
den Einspracheentscheid abgeschlossen, welcher die ursprüngliche
Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung sind denn
auch grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses
des strittigen Einspracheentscheids massgebend (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_310/2015 vom 16. Dezember 2015 E.5.2). Da der
Einspracheentscheid vom 30. November 2020 an die Stelle der vorgängig
erlassenen Verfügung vom 13. August 2020 getreten ist, hat jene jede
rechtliche Bedeutung verloren (vgl. BGE 132 V 368 E.6.1, 131 V 407
E.2.1.2.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_848/2019 vom 24. September
2020 E.1, 9C_66/2016 vom 10. August 2016 E.1.2, 9C_386/2013 vom 20.
September 2013 E.4). Auf das Begehren um Aufhebung der Verfügung
vom 13. August 2020 ist somit nicht einzutreten (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_648/2020 vom 21. Januar 2021 E.1.2).
1.3. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer die Verletzung des
rechtlichen Gehörs, indem die Beschwerdegegnerin "sich mit darauf (Anm.
des Gerichts: gemeint ist auf den Sachverhalt) bezogenen Argumenten
des Beschwerdeführers in seiner Einsprache nicht ausreichend
auseinandergesetzt" habe. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
(siehe Urteil des Bundesgerichts 9C_187/2020 vom 11. November 2020
E.2.1.2) fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101) die Pflicht der Behörden, die Vorbringen des von einem
Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich zu hören, zu
prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Behörden mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich
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widerlegen (BGE 142 III 433 E.4.3.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_483/2021 vom 11. Februar 2022 E.3.2, 8C_287/2021 vom 6.
Dezember 2021 E.5.1). Vielmehr können sich die Behörden auf die für
einen Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung
muss so abgefasst sein, dass sich die Betroffenen über die Tragweite
eines Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der
Sache an die höhere Instanz weiterziehen können. In diesem Sinne
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen
sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl.
BGE 142 I 135 E.2.1, 138 I 232 E.5.1, 136 I 229 E.5.2).
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte, aber nicht weiter substanziierte
Rüge der Gehörsverletzung verfängt nicht. Vorliegend genügt der
angefochtene Einspracheentscheid vom 30. November 2020 den
vorgenannten Anforderungen. Dem Einspracheentscheid lässt sich
genügend klar entnehmen, weshalb die Beschwerdegegnerin die
Einsprache des Beschwerdeführers abwies. So hält die
Beschwerdegegnerin u.a. als Begründung fest, dass auf die umfassenden
und nachvollziehbaren kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. med.
H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 11. August 2020 und 17. September 2020
abgestellt werden könne, der insbesondere überzeugend darlege, dass es
entgegen den Feststellungen von Dr. med. I._ durch das Ereignis
vom 11. März 2019 lediglich zu einer Quetschung am Endglied des
rechten Ringfingers und nicht zu strukturellen Läsionen gekommen sei,
der Unfall nur zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des
krankhaften Vorzustandes an Dig. 4 und 5 der rechten Hand geführt habe
und der Status quo sine spätestens am 26. August 2019 erreicht gewesen
sei (vgl. Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 168 E.3a und 4a). Wie
die Beschwerde vom 18. Januar 2021 zeigt, war der Beschwerdeführer
jedenfalls in der Lage, den Einspracheentscheid sachgerecht
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anzufechten. Dass dies nicht der Fall gewesen sein sollte, macht er selber
nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Folglich ist die
Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht hinreichend
nachgekommen und damit der Anspruch auf rechtliches Gehör nach dem
Gesagten nicht verletzt.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die aufgrund des
Unfalls vom 11. März 2019 erbrachten Leistungen zu Recht per 26. August
2019 eingestellt hat.
3.1. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder
nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass
ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des
Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden
Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung
bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 147 V 161 E.3.2, 129 V 177 E.3.1,
119 V 335 E.1 mit weiteren Hinweisen).
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3.2. Hat ein Unfallversicherer die Unfallkausalität bejaht und Leistungen
erbracht, entfällt seine Leistungspflicht erst, wenn der gesundheitliche
Schaden nur noch ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht.
Dies trifft dann zu, wenn entweder der "krankhafte" Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder
aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen
eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht
allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist –
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dabei muss
nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche
Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es
Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative
Veränderungen sind, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, ob diese also dahingefallen sind. Ebenso
wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu
verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteile des
Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2 und 8C_840/2019
vom 14. Februar 2020 E.3.2, mit weiteren Hinweisen).
3.3. Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale
Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben
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Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht
dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben
erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts
8C_701/2018 vom 28. Februar 2019 E.4.1, 8C_281/2018 vom 25. Juni
2018 E.3.2.1, 8C_715/2016 vom 6. März 2017 E.5.1, und 8C_616/2013
vom 28. Januar 2014 E.2.1 mit Hinweisen; KIESER, Kommentar ATSG, 4.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 20; RUMO-JUNGO/HOLZER, in:
Murer/Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 1, S. 3 f.).
3.4. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1 mit weiteren
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3,
mit weiteren Hinweisen). Weiter ist gemäss Rechtsprechung auch eine
reine medizinische Aktenbeurteilung beweiskräftig, wenn die Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergeben und diese Daten unbestritten sind, sodass ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines
an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_476/2021 vom 2. März 2022 E.5.1 mit weiteren
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Hinweisen), mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten
Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_527/2020 vom 2. November 2020 E.3.2, 8C_322/2020 vom 9. Juli
2020 E.3, 8C_788/2019 vom 30. Juni 2020 E.3 und 8C_397/2019 vom
6. August 2019 E.4.3). Schliesslich kommt auch den Berichten und
Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen
(BGE 135 V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/ee). Soll ein Versicherungsfall
ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind
an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4, 122
V 157 E.1d).
3.5. Soweit ersichtlich ist vorliegend unbestritten, dass die
Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 11. März
2019 gesetzliche Versicherungsleistungen erbrachte, diese aber mit
Verfügung vom 13. August 2020 und Einspracheentscheid vom 30.
November 2020 per 26. August 2019 eingestellt hat. Gestützt auf die
Beurteilungen von Kreisarzt Dr. med. H._ vom 11. August 2020 und
17. September 2020 gelangte die Beschwerdegegnerin zum Schluss,
dass der Status quo sine per 26. August 2020 eingetreten war.
Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf die Beurteilungen von Kreisarzt Dr. med. H._ abgestellt hat oder
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ob Indizien bestehen, die gegen die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
dieser Beurteilungen sprechen.
4. Gemäss Aktenlage hat sich der Beschwerde- und Behandlungsverlauf wie
folgt zugetragen:
4.1.1. Gemäss Schadenmeldung UVG der Arbeitgeberin vom 14. März 2019 hat
sich der Beschwerdeführer an der rechten Hand beim 4. und 5. Finger
verletzt bzw. einen Bluterguss und eine Zerrung zugezogen. Die
Schädigung war eine Prellung (vgl. Bg-act. 1). Laut der (echtzeitlichen)
Beurteilung von Dr. med. F._, Facharzt Orthopädische Chirurgie,
G._, am Unfalltag hat der Beschwerdeführer bei der Arbeit die rechte
Hand eingeklemmt, wobei eine Schwellung und Druckdolenz am Endglied
des rechten Ringfingers festgestellt und eine Quetschung des rechten
Ringfingers diagnostiziert wurde. Es bestand eine 100 %-ige
Arbeitsunfähigkeit vom 11. März 2019 bis zum 29. März 2019 (vgl. Bg-act.
3 und 7). Der Behandlungsabschluss bei Facharzt Dr. med. F._
erfolgte am 22. März 2019. Am 30. März 2019 nahm der
Beschwerdeführer seine Arbeit als Produktionsmitarbeiter wieder
vollständig auf (vgl. Bg-act. 7).
4.1.2. Aufgrund persistierender Beschwerden erfolgte eine MR-Untersuchung
der rechten Hand am 26. August 2019 durch Dr. med. J._, Facharzt
Radiologie, K._, die milde degenerative Veränderungen der
miterfassten Gelenke ohne Hinweis auf aktivierte Arthrosen oder
Arthritiden ergab. Ferner lag kein Hinweis auf Verletzungen der IP-
Gelenke IV und V vor, auch waren die Beuge- und Strecksehnen intakt;
es bestand der Verdacht auf narbige subkutane Veränderungen
ulnarseitig proximal des PIP-Gelenks IV mit möglicherweise auch
Beeinträchtigung des angrenzenden Gefässnervenbündels (vgl. Bg-act.
12).
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4.1.3. Auch hielt PD Dr. med. L._, Leitender Arzt Radiologe, M._, am
18. Dezember 2019 bei seiner MR-Untersuchung des rechten Ringfingers
fest, es sei keine posttraumatische Läsion nachweisbar und es finde sich
ein Normalbefund (vgl. Bg-act. 47).
4.1.4. Mit E-Mail vom 23. Dezember 2019 hielt Dr. med. F._, ohne den MRI-
Befund von PD Dr. med. L._ vom 18. Dezember 2019 gesehen zu
haben, fest, dass die Beschwerden am Ring- und Kleinfinger der rechten
Hand auf den Unfall vom 11. März 2019 zurückgingen und somit als
posttraumatisch anzusehen seien (vgl. Bg-act. 64).
4.1.5. Ebenfalls am 23. Dezember 2019 beurteilte Kreisarzt Dr. med. H._
die MRI vom 26. August 2019 (vgl. Bg-act. 12) und vom 18. Dezember
2019 (vgl. Bg-act. 47). Dabei hielt er fest, dass MR-morphologisch am 26.
August 2019 kein Nachweis unfallbedingter struktureller Traumafolgen an
Ring- und Kleinfinger der rechten Hand festgestellt wurde und die Befunde
einen degenerativen Vorzustand adressierten. Auch in der MR-
morphologischen Verlaufskontrolle am 18. Dezember 2019 seien
unfallbedingte strukturelle Traumafolgen ausgeschlossen worden. Er kam
zum Schluss, dass die geltend gemachten Beschwerden am rechten
Finger nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis
vom 11. März 2019 zurückzuführen seien, da alleinige Folgen nach
Quetschverletzung zum Zeitpunkt des MR-morphologischen
Ausschlusses struktureller Traumafolgen am 26. August 2019 abgeheilt
gewesen seien (vgl. Bg-act. 49 S. 2).
4.1.6. Dr. med. I._, Facharzt Allgemein-, Unfall- und Handchirurgie,
N._, befundete inspektorisch eine fehlende Hautfältelung über den
DIP-Gelenken Dig IV und V rechts bei sonst unauffälliger Hand mit
unauffälliger Trophik, Sensibilität und Durchblutungsverhältnissen. Ferner
sei die Fingerbeweglichkeit stark eingeschränkt. Er hielt in seinem
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konsiliarischen Bericht vom 25. Mai 2020 fest, die Ursache für die
Bewegungseinschränkung sei unklar (vgl. Bg-act. 108).
4.1.7. Am 3. Juni 2020 befundete und beurteilte Dr. med. O._, Facharzt für
Radiologie, N._, mittels Ultraschall folgendes: "Im Bereich des Dig.
IV sieht man volarseits ein regelrechtes Gleiten der Beugesehnen bei
passiver und aktiver Bewegung (FDS). Bei aktiver Bewegung reduzierte
Beweglichkeit der Beugesehne am Endglied (FDP) ohne erkennbares
Hindernis. Am Dig. V sieht man volarseits auf Höhe des Metacarpo-
Phalangealgelenkes eine fokale Strukturinhomogenität der Beugesehne
mit fokaler Verdickung (FDS), die bei passiver Bewegung die
angrenzenden volaren Weichteile verdrängt. Ein Bewegungsdefizit könnte
hierdurch möglicherweise erklärt werden. Die Extensorensehnen im
Bereich des Dig. IV und Dig. V sind regelrecht hypoechogen dargestellt
mit normaler Beweglichkeit bei passiver Bewegung." (vgl. Bg-act. 112).
4.1.8. Am 15. Juni 2020 hielt Kreisarzt Dr. med. H._ fest, es gebe keinen
Nachweis struktureller Traumafolgen bei milden degenerativen
Veränderungen fünf Monate nach dem Unfallereignis, d.h. am 26. August
2019 sei überwiegend wahrscheinlich die Gesundheit des
Beschwerdeführers am rechten Finger schon vor dem Unfall in stummer
oder manifester Weise beeinträchtigt gewesen (vgl. Bg-act. 109).
4.1.9. Bei diagnostizierter FDP-Sehnenläsion Dig. V an der rechten Hand bei
Zustand nach starker Kontusion von Dig. IV und V rechts wurden am
6. August 2020 durch Dr. med. I._ eine Wundrevision der Hohlhand
bis zum Endglied Dig. V rechts und eine A-Ringbandspaltung Dig. IV und
V an der rechten Hand durchgeführt (vgl. Bg-act.138).
4.1.10. Auf Frage der Beschwerdegegnerin, ob der Unfall mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu zusätzlichen strukturellen Läsionen, welche
objektivierbar sind, geführt hat und ab wann die Unfallfolgen im
- 17 -
Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Rolle mehr
spielen, nahm Kreisarzt Dr. med. H._ am 11. August 2020 wie folgt
Stellung (vgl. Bg-act. 141 S. 3): "Entgegen den Feststellungen von Dr.
I._ im ambulanten Behandlungsbericht vom 25.05.2020 hat sich der
Versicherte im Rahmen des erwähnten Ereignisses vom 11.03.2019 keine
Kontusion am Dig. 4 und 5 der rechten Hand, sondern lediglich eine
Quetschung am Endglied des rechten Ringfingers zugezogen, bestätigt im
Rahmen der klinischen Untersuchung durch D. F._ am Unfalltag
(Arztzeugnis UVG vom 01.04.2019). Wiederholt bildmorphologisch im MRI
am 26.08.2019 und 18.12.2019 Ausschluss strukturelle Traumafolgen am
Endglied Dig 5 bei intraoperativ am 06.08.2020 erkennbarem Nachweis
der FDP-Sehne im Endgliedbereich Dig 4. Die am 06.08.2020
durchgeführte Operation ist überwiegend wahrscheinlich an einen
verschleissbedingten Vorzustand adressiert, da es weder unfallbedingt zu
Traumafolgen im Bereich der proximalen Phalanx noch im PIP-
Gelenkbereich oder im Bereich der Mittelphalanx gekommen ist. Zudem
spricht der im Rahmen der ambulanten Untersuchung am 20.05.2020
klinisch erkennbare Befund am kontralateralen Ringfinger der Gegenseite
mit ebenfalls Schwanenhals-Deformität geringerer Ausprägung am Dig. 4
als Indiz für das überwiegend wahrscheinliche Vorliegen eines
verschleissbedingten, unfallfremden Vorzustandes. Zusammenfassend
hat somit der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu keinen
strukturellen Läsionen, welche objektivierbar sind, geführt. Die
Unfallfolgen spielen im Beschwerdebild mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nach MR-morphologischem Ausschluss
unfallbedingter struktureller Traumafolgen ab dem 26.08.2019 keine Rolle
mehr."
4.1.11. Am 17. September 2020 erfolgte eine erneute Beurteilung durch Kreisarzt
Dr. med. H._, wobei er an seiner Beurteilung vom 11. August 2020
festhielt (vgl. Bg-act. 159). Er führte dabei aus, unfallbedingt seien
- 18 -
echtzeitlich medizinisch lediglich Traumafolgen am Endglied des
Ringfingers dokumentiert. Der Behandlungsabschluss sei elf Tage nach
dem Unfallereignis erfolgt, die vom Versicherten erwähnte
Wiederaufnahme der Arbeit ca. zwei Wochen nach dem Unfallereignis
spreche eher gegen eine relevante Traumafolge am Ringfinger. Zudem
sei fünf Monate nach dem Unfallereignis MR-morphologisch lediglich ein
Verdacht auf Narbenbildungen subcutan am 4. Finger knapp proximal des
PIP-Gelenks, ohne Hinweis auf eine Ruptur oder signifikante Retraktion,
festgehalten worden.
4.2.1. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts besitzen die kreisärztlichen
Beurteilungen von Dr. med. H._ vollen Beweiswert, sie erscheinen
schlüssig, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei und
es bestehen keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit, zumal die
Beurteilungen von Dr. med. I._ und das E-Mail von Dr. med. F._
keine derartigen Indizien bilden. Vielmehr setzt sich Dr. med. F._ mit
dem E-Mail vom 23. Dezember 2019, wonach der Beschwerdeführer die
Störung im Bereiche des Ring-/Kleinfingers der rechten Hand seit dem 11.
März 2019 habe, in Widerspruch zu seiner echtzeitlichen Untersuchung
am Unfalltag, als er die Diagnose einer Quetschung Ringfinger rechts und
den Befund von Schwellung und Druckdolenz Endglied rechter Ringfinger
stellte. Zudem gab er diese Stellungnahme ohne Kenntnis sämtlicher
Vorakten ab: Insbesondere erwähnte er das Fehlen des MRI-Befunds von
PD Dr. L._ vom 18. Dezember 2019, worin festgestellt wurde, es sei
keine posttraumatische Läsion nachweisbar und es finde sich ein
Normalbefund des rechten Ringfingers (vgl. Bg-act. 47). Weiter
argumentiert Dr. med. F._ nach der unzulässigen Beweisregel "post
hoc ergo propter hoc", wenn er festhält, dass die Störung im Bereich des
Ring-/Kleinfingers der rechten Hand seit dem 11. März 2019 bestehe und
somit als posttraumatisch anzusehen sei. Es ist hierbei auch der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte
- 19 -
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im
Zweifelsfall zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb im Streitfall
eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte kaum je in Frage kommt (BGE 135 V
465 E.4.5, 125 V 351 E.3a/cc). Jedenfalls vermag diese Stellungnahme
von Dr. med. F._ vom 23. Dezember 2019 keine Zweifel an den
kreisärztlichen Beurteilungen zu wecken. Im Weiteren ist Dr. med. I._
– entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers – nicht als Gutachter
im Sinne von Art. 44 ATSG berufen worden, sondern konsiliarisch (vgl. Bg-
act. 108). Was die Kausalität der Bewegungseinschränkungen der Dig. IV
und V anbelangt, hielt er im konsiliarischen Bericht vom 25. Mai 2020
ausdrücklich fest, die Ursache für die Bewegungseinschränkung sei unklar
(vgl. Bg-act. 108 S. 2). Das Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 6. August
2020 (vgl. Bg-act. 137) ist zudem der einzige Beleg für ein "Unfall"-Ereignis
gemäss Dr. med. I._, was dieser aber nicht weiter begründet.
Als unfallkausal ist daher allein die Verletzung des Ringfingers rechts zu
bezeichnen. Dies stimmt auch überein mit den Verordnungen, welche der
Facharzt Dr. med. F._ jeweils für die Ergotherapie erliess,
differenzierte er dafür doch bezüglich Therapie aufgrund der Quetschung
Ringfinger rechts mit dem Kostenträger SUVA (vgl. Bg-act. 27 und 92) und
bezüglich Therapie aufgrund eingeschränkter Flexion DIP Dig. IV/Dig. V
rechts ohne Nennung des Kostenträgers (vgl. Bg-act. 14=28).
4.2.2. Dass es sich bei den Beurteilungen von Kreisarzt Dr. med. H._ um
reine Aktenbeurteilungen handelt, führt zu keinem anderen Schluss, ist es
doch gemäss Rechtsprechung zulässig, auf Aktenberichte abzustellen,
wenn ein lückenloser Befund bzw. ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status vorliegt und diese Daten unbestritten
sind, und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
- 20 -
(Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3). Kreisärzte
der SUVA sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach ihrer
Funktion und beruflichen Stellung Fachärzten im Bereich der
Unfallmedizin gleichzustellen. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten,
Körperschädigungen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG und
Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen und therapeutisch begleiten,
verfügen sie über besonders ausgeprägte traumatologische Kenntnisse
und Erfahrungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom 6.
Dezember 2021 E.4.2.1). Demnach verfängt die Rüge mangelnder
fachlicher Qualifikation von Kreisarzt Dr. med. H._ – insbesondere im
beschwerdeführerischerseits vorgenommenen Vergleich zu Facharzt Dr.
med. I._ – nicht. Die Einschätzungen von Kreisarzt Dr. med. H._
finden – über seine eigene Beurteilung hinaus – ihre Grundlage in den
Beurteilungen von Facharzt Dr. med. F._ vom 1. April 2019, der
echtzeitlich lediglich eine Quetschung des rechten Ringfingers
diagnostizierte (vgl. Bg-act. 7). Überdies in derjenigen von Dr. med.
J._ vom 26. August 2019, wonach die MR-Untersuchung vom
26. August 2019 keinen Hinweis auf eine Verletzung der IP-Gelenke IV
und V ergab und auch die Beuge- und Strecksehnen intakt waren.
Festzustellen waren von Dr. med. J._ lediglich milde degenerative
Veränderungen der miterfassten Gelenke ohne Hinweis auf aktivierte
Arthrosen oder Arthritiden; es bestand der Verdacht auf narbige subkutane
Veränderungen ulnarseitig proximal des PIP-Gelenks IV mit
möglicherweise auch Beeinträchtigung des angrenzenden
Gefässnervenbündels (vgl. Bg-act. 12). Gemäss der im
Sozialversicherungsrecht notwendigen überwiegenden
Wahrscheinlichkeit eines Sachverhalts genügt ein "Verdacht" und die
"Möglichkeit" eines bestimmten Sachverhalts nicht, um Zweifel an den
kreisärztlichen Beurteilungen zu wecken, zumal über die Kausalität
möglicher Gesundheitsschäden von Dr. med. J._ nichts gesagt wird.
Zudem geht die Indikation eines Zustands nach Fingerverletzung Dig. IV
- 21 -
und V rechts am 11. März 2019, was den Dig. V anbelangt, einzig auf das
Vorbringen des Beschwerdeführers zurück (vgl. Bg-act. 1 und 10) und
nicht auf die ärztliche Diagnostizierung und Befundung durch den Facharzt
Dr. med. F._ (vgl. Bg-act. 7 und 22). Im Weiteren finden die
kreisärztlichen Beurteilungen ihre Stütze auch in der Beurteilung von Dr.
med. L._ vom 18. Dezember 2019, der anhand des gleichentags
erstellten MRI des rechten Ringfingers einen Normalbefund feststellte und
eine posttraumatische Läsion als nicht nachweisbar beurteilte (vgl. Bg-act.
47) wie auch in der Beurteilung von Dr. med. O._ vom 3. Juni 2020,
der bei der Ultraschalluntersuchung der rechten Hand im Bereich des Dig.
IV volarseits ein regelrechtes Gleiten der Beugesehnen bei passiver und
aktiver Bewegung (FDS), bei aktiver Bewegung eine reduzierte
Beweglichkeit der Beugesehne am Endglied (FDP) ohne erkennbares
Hindernis sowie am Dig. V volarseits eine fokale Strukturinhomogenität
der Beugesehne mit fokaler Verdickung (FDS) befundete, die bei passiver
Bewegung die angrenzenden volaren Weichteile verdrängt, wodurch
möglicherweise ein Bewegungsdefizit erklärt werden könnte. Er beurteilte
die Extensorensehnen im Bereich des Dig. IV und V als normal beweglich
bei passiver Bewegung (vgl. Bg-act. 112). Aus den vorstehenden
Ausführungen folgt, dass Dr. med. F._ mit seiner Einschätzung im E-
Mail vom 23. Dezember 2019 und Dr. med. I._ mit seiner
konsiliarischen Beurteilung vom 25. Mai 2020 und seiner Diagnose resp.
seinem Arztzeugnis vom 6. August 2020 keine Indizien gegen die
Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Beurteilungen von
Dr. med. H._ hervorbringen. Es bestehen keine geringen Zweifel, die
weitere Abklärungen nötig machen. Demnach hat der Unfall mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu keinen strukturellen Läsionen
geführt und spielen die Unfallfolgen ab dem 26. August 2019 keine Rolle
mehr, d.h. der Status quo sine war am 26. August 2019 erreicht.
- 22 -
4.3. Besteht kein natürlicher Kausalzusammenhang (mehr) zwischen einem
Unfallereignis und einer Listenverletzung erübrigt sich eine Prüfung der
Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG, jedenfalls solange kein anderes
initiales Ereignis als Verletzungsursache in Frage kommt (vgl. BGE 146 V
51 E.9.2). Dr. med. J._ befundete am 26. August 2019 intakte Beuge-
und Strecksehnen bei Dig. IV und V. Es fanden sich keine Hinweise auf
Verletzungen der IP-Gelenke IV und V, auf eine Verletzung der
Kollateralbänder bzw. der dorsalen und palmaren Gelenkskapsel
betreffend die IP-Gelenke IV und V, und auch kein Hinweis auf eine Ruptur
oder signifikante Retraktion der Beugesehnen IV. Beurteilt wurden
insgesamt milde degenerative Veränderungen der miterfassten Gelenke
ohne Hinweis auf aktivierte Arthrosen oder Arthritiden sowie ein Verdacht
auf narbige subkutane Veränderungen ulnarseitig proximal des PIP-
Gelenks IV mit möglicherweise auch Beeinträchtigung des angrenzenden
Gefässnervenbündels (vgl. Bg-act. 12). Am 18. Dezember 2019 befundete
Dr. med. L._ in der Verlaufskontrolle intakte Flexorensehnen und
Extensorensehnen, einen intakten Kapsel-Bandapparat der
Metakarpophalangealgelenke, proximalen Interphalangealgelenke und
distalen Interphalangealgelenke Digitus III-V rechts; überdies fand er keine
Anhaltspunkte für eine Pulleyläsion oder des Aufhängeapparates der
Extensorensehnen. Er beurteilte einen Normalbefund (Bg-act. 47). Auch
Dr. med. O._ befundete am 3. Juni 2020 im Bereich des Dig. IV
volarseits ein regelrechtes Gleiten der Beugesehnen und bei Dig. V eine
fokale Strukturinhomogenität der Beugesehne mit fokaler Verdickung
(FDS), womit ein Bewegungsdefizit möglicherweise erklärt werden könnte,
und überdies regelrecht hypoechogen dargestellte Extensorensehnen im
Bereich des Dig. IV und V mit normaler Beweglichkeit (vgl. Bg-act. 112).
Ein Sehnenriss, wie ihn Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG vorsieht, wurde hingegen
nicht festgestellt. Lediglich der Operationsbericht von Dr. med. I._
beinhaltet die Diagnose "FDP-Sehnen-Läsion Dig. V rechte Hand bei
Zustand nach starker Kontusion Dig. IV und V rechts" (vgl. Bg-act. 138),
- 23 -
was sich als "Läsion" aber nicht herleiten lässt, zumal Dr. med. I._ in
seinem Konsilium vom 25. Mai 2020 eine solche "Läsion" nicht
diagnostizierte, sondern Bewegungseinschränkungen der Finger IV und V
beschrieb, deren Ursache aber unklar war (vgl. Bg-act. 108). Eine allfällige
Sehnenschädigung ist gemäss Aktenlage weder an Dig. IV noch an Dig.
V der rechten Hand überwiegend wahrscheinlich erstellt – bezüglich Dig.
V fehlt es überdies an einem initialen Ereignis – so dass sich eine Prüfung
der Leistungspflicht erübrigt.
4.4. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen
vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht
bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener
Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als
überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere
Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr
ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine
Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör (antizipierte
Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3; Urteile des
Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.3.2; 8C_68/2020 vom
11. März 2020 E.5.2, 8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1). Was den
Beweisantrag des Beschwerdeführers (ergänzendes
Sachverständigengutachten Dr. med. I._) anbelangt, kann das
Gericht darauf verzichten, wenn es anhand der vorliegenden Unterlagen
den Sachverhalt als hinreichend erstellt und abgeklärt erachtet, was
vorliegend der Fall ist. Da von der Einholung eines ergänzenden
Sachverständigengutachtens vorliegendenfalls keine entscheidrelevanten
Ergebnisse zu erwarten sind, kann in antizipierter Beweiswürdigung
darauf verzichtet werden (BGE 144 V 361 E.6.5, 136 I 229 E.5.3; vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_754/2019 vom 6. Februar 2020 E.5.3).
4.5. Zusammenfassend ist die Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin
per 26. August 2019 somit nicht zu beanstanden. Der angefochtene
- 24 -
Einspracheentscheid vom 30. November 2020 erweist sich als rechtens,
womit die Beschwerde diesbezüglich abzuweisen ist.
5. Es bleibt zu prüfen, ob die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren zu Recht abgewiesen worden ist und ob im
vorliegenden Verfahren ein Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung
besteht.
5.1. Die Beschwerdegegnerin wies im Einspracheentscheid das Gesuch um
unentgeltliche Verbeiständung (vgl. Bg-act. 158 S. 7 ff.) mit der
Begründung der Aussichtslosigkeit ab.
5.2. Nach Art. 29 Abs. 3 BV hat jede Person, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer
Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Die Bejahung der unentgeltlichen
anwaltlichen Verbeiständung im sozialversicherungsrechtlichen
Verwaltungsverfahren setzt kumulativ voraus, dass diese sachlich
geboten, das Rechtsbegehren nicht aussichtslos und die Partei bedürftig
ist (Art. 37 Abs. 4 ATSG; vgl. KIESER, a.a.O., Art. 37 Rz. 38 ff.). Das
Bundesgericht hielt im Urteil 9C_688/2019 vom 30. Juni 2020 E.3.2
folgendes fest: "Die Notwendigkeit der anwaltlichen Verbeiständung ist im
Verwaltungsverfahren, in welchem der Untersuchungsgrundsatz gilt
(Art. 43 ATSG), nur in Ausnahmefällen zu bejahen. Es müssen sich
schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu
berücksichtigen sind die konkreten Umstände des Einzelfalls, Eigenheiten
der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie weitere Besonderheiten
des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität der Rechtsfragen und
der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch bei der versicherten
Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im
Verfahren zurechtzufinden. Des Weiteren muss eine gehörige
- 25 -
Interessenwahrung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere
Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen ausser Betracht fallen
(BGE 125 V 32 E.4b S. 35; Urteil 9C_29/2017 vom 6. April 2017 E.1 mit
Hinweisen). Grundsätzlich geboten ist die Verbeiständung auch, falls ein
besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht;
andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere
tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der
Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht gewachsen ist (BGE 130 I 182
E.2.2 mit Hinweisen; Urteil 9C_786/2019 vom 20. Dezember 2019 E 5.1)."
Bedürftig ist eine Partei, die zur Leistung der Parteikosten die Mittel zur
Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie angreifen müsste.
Dabei liegt die Grenze der Bedürftigkeit höher als diejenige des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums (SVR 2007 AHV Nr. 7 S. 20).
Ein Verfahren gilt als aussichtslos, wenn die Gewinnaussichten kaum
mehr als ernsthaft bezeichnet werden können und die Anhebung eines
Verfahrens geradezu rechtsmissbräuchlich wäre (vgl. BGE 98 V 119).
Angesichts der Komplexität der Fragestellungen im
Sozialversicherungsrecht wird eine solche Aussichtslosigkeit nur
zurückhaltend angenommen (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 61 Rz. 192).
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei
vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 142
III 138 E.5.1, 138 III 217 E.2.2.4, 129 I 129 E.2.3.1; KIESER, a.a.O., Art. 61
Rz. 192).
5.3. Gestützt auf diese Rechtsprechung ist das streitberufene Gericht der
Auffassung, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer im
angefochtenen Einspracheentscheid die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung in nicht zu beanstandender Weise verweigert hat.
Allerdings ist die Verweigerung nicht mit der Aussichtslosigkeit
(Gewinnaussichten sind beträchtlich geringer als die Verlustgefahren und
können deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden; vgl. BGE 142 III
- 26 -
138 E.5.1) zu begründen, sondern aufgrund der substituierten
Begründung (vgl. BGE 125 V 368 E.3; Urteile des Bundesgerichts
9C_725/2018 vom 6. März 2019 E.5.1.2, 9C_396/2012 vom 30. Oktober
2012 E.2.2) damit, dass sich vorliegend keine schwierigen Fragen
rechtlicher oder tatsächlicher Natur gestellt haben. Der Sachverhalt mit
den vorhandenen Akten war überschaubar und übersichtlich. (Verfahrens-
)rechtlich waren keine Schwierigkeiten zu bewältigen und aufgrund der
Abklärungspflicht bzw. dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 ATSG) war
die Beschwerdegegnerin verpflichtet, auf Einsprache hin den Sachverhalt
nochmals umfassend zu überprüfen und rechtlich mit voller Kognition zu
würdigen. Verfügungs- wie Einspracheverfahren gehören zur
verwaltungsinternen Rechtspflege (BGE 133 V 50 E.4.2.2). Dieser Pflicht
kam die Beschwerdegegnerin nach und holte auf Einsprache hin eine
erneute kreisärztliche Beurteilung von Dr. med. H._ vom 17.
September 2020 ein (vgl. Bg-act. 159). Dass es dem Beschwerdeführer
aus sprachlichen oder anderen Gründen nicht möglich gewesen wäre,
selbst – bzw. mit Beratung von privater oder institutioneller Seite –
Einsprache zu erheben oder sich im Einspracheverfahren
zurechtzufinden, wird von ihm selbst nicht vorgetragen (vgl. Bg-act. 158),
sondern er lässt in der Einsprache lediglich die Bedürftigkeit vorbringen,
welche unbestritten blieb. Gründe, dass der Beschwerdeführer auf sich
allein gestellt bzw. ohne anwaltlichen Rechtsbeistand dem
Einspracheverfahren nicht gewachsen gewesen sein sollte, sind nicht
ersichtlich. Damit ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen.
6. Ebenfalls beantragt der Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Beschwerdeverfahren.
6.1. Anders als im Einspracheverfahren (Art. 37 Abs. 4 ATSG), wo die
Verhältnisse es erfordern müssen, der gesuchstellenden Person einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen, sind die Voraussetzungen
im Beschwerdeverfahren weniger streng. So besagt für das
- 27 -
Beschwerdeverfahren Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG, dass, wo die Verhältnisse
es rechtfertigen, der Beschwerde führenden Person ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt wird. Die unterschiedlichen Formulierungen
lassen vermuten, dass der Gesetzgeber die Anforderungen an die
anwaltschaftliche Verbeiständung im Sozialversicherungsverfahren etwas
strenger ausgestalten wollte als im Rechtspflegeverfahren (vgl. hierzu
auch den Bericht der Kommission des Nationalrates für soziale Sicherheit
und Gesundheit vom 26. März 1999, BBl 1999 4523 ff., 4595, wonach die
Rechtsprechung bezüglich der Voraussetzungen der unentgeltlichen
Verbeiständung im Sozialversicherungsverfahren streng sei und dies ihren
Niederschlag in der Formulierung der Bestimmung gefunden habe).
6.2. Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ist aufgrund der eingereichten
Unterlagen ausgewiesen und blieb auch unbestritten. Der
Beschwerdeführer ist verheiratet und Vater von drei minderjährigen
Kindern (im Zeitpunkt des Einspracheentscheides 11-, 8- und 6-jährig). Er
war im Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheids
Krankentaggeldbezüger, das steuerbare Einkommen der Eheleute betrug
2019 CHF 8'585.-- (vgl. Bf-act. 3). Ausserdem waren die Gewinnchancen
in der vorliegenden Angelegenheit nicht von vornherein deutlich geringer
als die hiermit verbundene Verlustgefahr. Die interessierende Streitigkeit
ist folglich nicht als aussichtslos einzustufen. Zudem kann auch von einer
gesteigerten Komplexität der zu beurteilenden Rechts- und Sachfragen im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren ausgegangen werden,
bedurfte doch die Beschwerdeschrift – im Gegensatz zur Einsprache auf
die dreiseitige Verfügung vom 13. August 2020 hin – einer vertieften
Auseinandersetzung und Argumentation in Bezug auf den ausführlicher
begründeten und rechtsterminologisch anspruchsvolleren
Einspracheentscheid vom 30. November 2020. Um seine Interessen im
Beschwerdeverfahren wahren zu können, hat der Beschwerdeführer
gerechtfertigterweise einen anwaltlichen Rechtsbeistand beigezogen.
- 28 -
Demzufolge ist dem Beschwerdeführer entsprechend seinem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege für das vorliegende Beschwerdeverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person von Rechtsanwalt Mag. iur.
Antonius Falkner zu bewilligen.
7. Der Rechtsvertreter, der bereits im Einspracheverfahren mit der
Angelegenheit befasst war, hat dem Gericht keine Honorarnote
eingereicht. Die Entschädigung ist mithin vom Gericht nach kantonalem
Recht zu bemessen (KIESER, a.a.O., Art. 61 Rz. 181). Nach Art. 5 Abs. 1
und 2 der kantonalen Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) ist von einem Stundenansatz von CHF 200.-- zuzüglich
notwendige Barauslagen und Mehrwertsteuer auszugehen und das
Honorar der unentgeltlichen Vertretung wird mangels Einreichung einer
Honorarnote nach Ermessen festgesetzt. In Anbetracht der Umstände,
insbesondere der Komplexität des Sachverhalts und der sich stellenden
Rechtsfragen sowie des einfachen Schriftenwechsels, rechtfertigt es sich
nach Auffassung des Gerichts, dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eine pauschale Entschädigung von CHF 1'500.-- (inkl.
Spesen und MWST) zuzusprechen, welche in Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege zunächst zu Lasten der Gerichtskasse geht.
Diese Kosten der Rechtsvertretung hat der Beschwerdeführer zu
erstatten, wenn sich seine Einkommens- oder Vermögensverhältnisse
gebessert haben und er hierzu in der Lage ist (Art. 77 VRG).
8. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG sind Verfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Art. 105 ff. UVG
sehen keine generelle Kostenpflicht vor. Damit sind
unfallversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren über Leistungen in
der Regel weiterhin kostenlos. Vorbehalten bleibt die Kostenauflage
infolge mutwilligen oder leichtsinnigen Verhaltens (Art. 61 lit. fbis in fine
- 29 -
ATSG). Für das vorliegende Verfahren sind daher keine Kosten zu
erheben.
- 30 -