Decision ID: 8ce799b8-1f53-57a4-8cd0-dc9359aee149
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine ethnische Tigrinya aus D._,
E._, F._ – verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zu-
folge Ende 2013 und reiste über Äthiopien und den Sudan nach Libyen.
Am 12. August 2015 sei sie weitergereist und am 2. September 2015 in die
Schweiz gelangt, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 15. Sep-
tember 2015 wurde sie zur Person befragt (BzP). Am 29. Mai 2017 folgte
eine einlässliche Anhörung zu ihren Asylgründen.
Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen da-
mit, sie habe die Schule in der 10. Klasse im Juli 2011 abgebrochen, weil
ihre Mutter krank gewesen sei. Seither habe sie (...) betrieben. Im Septem-
ber 2012 sei sie zwangsweise von zu Hause in den Militärdienst mitgenom-
men worden. Nach einer dreimonatigen Ausbildung in G._ sei sie
bei der Einheit (...) in D._ eingesetzt worden. Sie habe Getreide
und Holz tragen und auf dem Bau Arbeiten verrichten müssen. Es sei von
ihr verlangt worden, dass sie sich ihrem Vorgesetzten sexuell zur Verfü-
gung zu halten habe. Aufgrund dieser Situation sei sie aus dem Militär-
dienst desertiert und sei einige Zeit später illegal nach Äthiopien ausge-
reist. In Äthiopien habe sie erfahren, dass wegen ihr ihre Mutter festge-
nommen und einige Monate inhaftiert worden sei.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte sie ein Foto der Identitätskarte
ihrer Mutter als Beweismittel ein.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
B.
Mit Verfügung vom 20. März 2018 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab
und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Die
Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten.
C.
Mit Eingabe vom 19. April 2018 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht durch ihre Rechtsvertreterin dagegen Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückwei-
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sung an die Vorinstanz zur Abklärung des vollständigen Sachverhalts so-
wie Neubeurteilung, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der
Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und die
Gewährung der vorläufigen Aufnahme.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege unter Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin ersucht.
Mit der Beschwerdeeingabe wurden ein Kurzbericht der bei der Anhörung
anwesenden Hilfswerksvertretung und eine Fürsorgebestätigung einge-
reicht.
D.
Mit Verfügung vom 27. April 2018 hiess die Instruktionsrichterin die Gesu-
che um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung einer amtli-
chen Rechtsverbeiständung gut, und ordnete der Beschwerdeführerin die
unterzeichnende Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei.
Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung
ein.
E.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2018 die
Abweisung der Beschwerde.
F.
Die Beschwerdeführerin nahm dazu in ihrer Replik vom 25. Mai 2018 Stel-
lung.
G.
Am (...) und (...) wurden die Kinder H._ und I._ geboren.
H.
Am (...) 2020 anerkannte der Partner der Beschwerdeführerin – J._
– , dem in der Schweiz als Flüchtling originär Asyl gewährt worden ist, die
beiden Kinder (Vaterschaftsanerkennung).
Der Wohnsitzkanton des Partners stimmte in der Folge einem Kantons-
wechsel der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder zu.
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I.
Die Vorinstanz hob am 25. September 2020 im Rahmen eines weiteren
Schriftenwechsels den Asylentscheid vom 20. März 2018 teilweise wieder-
erwägungsweise auf und stellte fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kin-
der erfüllten die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG
(SR 142.31) nicht (originär), anerkannte sie gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG
(derivativ) und gewährte ihnen in der Schweiz Asyl.
J.
Mit Instruktionsverfügung vom 22. Oktober 2020 wurde angesichts dieser
Sachlage die Beschwerdeführerin aufgefordert, mitzuteilen, ob sie die am
19. April 2018 eingereichte Beschwerde – soweit sie nicht durch die Verfü-
gung des SEM vom 25. September 2020 gegenstandslos geworden ist –
zurückziehen wolle.
K.
Die Rechtsvertreterin teilte mit Eingabe vom 17. November 2020 mit, dass
sie die Beschwerdeführerin bisher nicht erreicht habe. Sie gehe jedoch da-
von aus, dass diese an ihrer Beschwerde festhalten wolle.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
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(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten, soweit diese nicht gegenstandslos geworden
ist.
1.5 Die am (...) und (...) geborenen Kinder werden in das vorliegende Be-
schwerdeverfahren einbezogen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Die Vorinstanz hat im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels am 25. Sep-
tember 2020 die angefochtene Verfügung teilweise in Wiedererwägung ge-
zogen. Dabei hielt sie fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder erfüll-
ten die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht (ori-
ginär). Jedoch anerkannte sie sie im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG als
Flüchtlinge (derivativ) und gewährte ihnen in der Schweiz Asyl. Nachfol-
gend wird deshalb lediglich noch zu prüfen sein, ob die Vorinstanz zu Recht
festgestellt hat, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die originäre Flücht-
lingseigenschaft nicht (vgl. dazu BVGE 2013/21).
Demzufolge ist die Beschwerde vom 19. April 2018, soweit sie die Weg-
weisung und den Vollzug der Wegweisung betrifft, gegenstandslos gewor-
den, und die Beschwerde ist diesbezüglich abzuschreiben (Art. 58 VwVG).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Rechtsmitteleingabe die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz aufgrund einer Verletzung des rechtlichen Gehörs, nament-
lich des Untersuchungsgrundsatzes wegen einer unvollständigen Sachver-
haltsfeststellung. Zudem liege eine Verletzung der Begründungspflicht vor.
Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine
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Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.; BGE 144 IV 302 E. 3.1
m.w.H.).
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, was als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei
einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam
zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 f.; BVGE 2009/35
E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle
form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klä-
rung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die we-
sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143
III 65 E. 5.2 S. 70).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufgelis-
teten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Dazu gehört, die Identität (vgl. dazu Art. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) offenzulegen und vorhandene
Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mit-
zuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweis-
mittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei
der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 7
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wird gerügt, die Beschwerdeführerin sei we-
gen einer offensichtlichen Traumatisierung nicht in der Lage gewesen, die
Fragen anlässlich der Anhörung zu beantworten und habe sich nicht an
ihre Erlebnisse erinnern können. Die Anhörung habe sich als äusserst
schwierig gestaltet. Zwar habe der Befrager die Beschwerdeführerin auf
ihre Mitwirkungspflicht hingewiesen und allfällige Sprachschwierigkeiten
angesprochen. Jedoch habe er die Situation nicht richtig eingeschätzt. Ins-
besondere wird der Befragungsstil kritisiert und die Qualifikation des Be-
fragers in Frage gestellt. Mit dem Befragungsstil sei dem Umstand, dass
die Beschwerdeführerin Opfer von frauenspezifischer Gewalt sei, nicht
ausreichend Rechnung getragen worden. Es sei zu bezweifeln, ob der Be-
frager die vom SEM in seinem Handbuch umschriebene Qualifikation vor-
weisen könne. Es wären dringend Abklärungen zum psychischen Zustand
der Beschwerdeführerin notwendig gewesen. Auch die anwesende Hilfs-
werksvertreterin habe in ihrem detaillierten Bericht auf die Problematik hin-
gewiesen. Zudem seien zu den frauenspezifischen Gründen keine vertief-
ten Abklärungen vorgenommen worden. Deshalb sei eine erneute Anhö-
rung der Beschwerdeführerin in einem Frauenteam und von einer auf trau-
matisierte Personen geschulte Mitarbeiterin durchzuführen.
5.2 Die Vorinstanz führte dazu in ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2018
aus, die Beschwerdeführerin habe sowohl in der BzP als auch zwei Jahre
später anlässlich der Anhörung ausgesagt, dass sie bei guter Gesundheit
sei. Bei einem derart schlechten Gesundheitszustand, wie er in der Be-
schwerdeschrift vorgebracht werde, hätte sie dies nicht mehrfach gesagt.
Auch sei aus den Akten nicht ersichtlich, dass sie in den letzten zwei Jah-
ren in betreuter ärztlicher oder psychologischer Behandlung gewesen wäre
oder eine diesbezügliche Hilfe angefordert oder in Anspruch genommen
hätte. Zudem könne gestützt auf ihre Antworten auf die ihr vorgehaltenen
Widersprüche zwischen der BzP und der Anhörung davon ausgegangen
werden, dass ihre Angaben bei gutem psychischen Zustand und mit klarem
Geist vorgetragen worden seien, auch wenn sie etwas unkonzentriert ge-
wesen sein sollte.
5.3 Soweit in der Beschwerdeschrift moniert wird, die Anhörung sei aus
verschiedenen Gründen mangelhaft gewesen und deshalb zu wiederholen,
kann dem diesbezüglichen Protokoll nichts entnommen werden, das auf
eine schlechte Befragungstechnik deutet oder dass sich der Befrager nicht
an die Vorgaben für eine Anhörung gehalten hätte. Auch gibt es keine Hin-
weise auf Mängel bei der Befragungsleitung oder an der Protokollierung
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(vgl. auch Kurzbericht der Hilfswerksvertreterin, Bst. A E.1.2 und 1.6). Ein-
leitend erkundigte sich der Befrager nach dem gesundheitlichen Befinden
der Beschwerdeführerin, welche diese als gut bezeichnet hat (vgl. A15 F8f.,
F114). Das strukturierte Vorgehen des Befragers, die Beschwerdeführerin
zunächst zu ihrer Person sowie ihrem Umfeld und danach zu ihren Asyl-
gründen zu befragen, ist nicht zu beanstanden. Es fällt zwar auf, dass die
Beschwerdeführerin mehrere Fragen nicht richtig verstand oder aufgrund
ihres Aussageverhaltens auf eine davon auszugehen ist, dass sie unkon-
zentriert war. Auch die Hilfswerksvertreterin hielt in ihrem Kurzbericht fest,
dass die Beschwerdeführerin sehr abwesend gewirkt habe und nur phy-
sisch anwesend gewesen sei. Daher regte sie an, die Beschwerdeführerin
von Fachkräften abklären zu lassen. Sie führte dazu mehrere Beispiele,
wie die Reaktion der Beschwerdeführerin auf einzelne Fragen auf. Es sei
nicht immer klar gewesen, ob die Beschwerdeführerin die Fragen verstehe.
Zudem habe die Beschwerdeführerin jeweils sehr leise, kaum verständlich
geantwortet. Dem Anhörungsprotokoll kann indes entnommen werden,
dass der Befrager stets die Fragen regelmässig wiederholen oder anders
hätte formulieren müssen. Er stellte wiederholt ergänzende Fragen, worauf
die Beschwerdeführerin meist klare Antworten geben konnte (vgl. A15
F10 ff.). An einzelnen Stellen musste sie auf ihre Mitwirkungs- oder Wahr-
heitspflicht hingewiesen werden (vgl. A15 F33, F38, F113, F139; Kurzbe-
richt der Hilfswerksvertreterin). Der Befrager liess auch Fragen durch die
Hilfswerksvertreterin zu und gab ihr weitere Gelegenheiten dazu (vgl.
F102 ff., F195 ff., F214, F226). Nachdem die Beschwerdeführerin erwähnt
hatte, dass sie während des Militärdienstes mit dem Vorgesetzten sexuelle
Gewalterfahrungen gemacht habe, wurde sie darauf aufmerksam ge-
macht, dass sie das Recht habe, ausschliesslich in Gegenwart von Frauen
angehört zu werden, und ihr Recht gemäss Art. 6 AsylV1 in Anspruch neh-
men könne. Die Beschwerdeführerin erkundigte sich danach, worüber man
sie befragen wolle und antwortete wiederholt, man könne sie über das Er-
lebte im Militärdienst befragen (F131 ff.). Auch die Hilfswerksvertreterin er-
wähnte dies in ihrem Kurzbericht. In der Folge wurde die Beschwerdefüh-
rerin zu den Umständen des Einzugs ins Militär und ihrem dortigen Aufent-
halt (Zeitpunkt und Ort der Abholung, anwesende Personen, Ankunft im
Militärlager, Beschreibung und Organisation des Militärlagers, Ausbildung,
besondere Erlebnisse, Dauer/Ende der Ausbildung und Dienstzeit, Flucht-
umstände, etc.) eingehend befragt. Dabei wurden ihr auch Fragen zu ihren
persönlichen Erlebnissen während des Militärdienstes gestellt. Dem Vor-
wurf, der Befrager habe den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin
nicht berücksichtigt und diese sei aufgrund einer Traumatisierung und feh-
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lenden kognitiven Fähigkeiten nicht in der Lage gewesen, angehört zu wer-
den, kann nach dem Gesagten nicht gefolgt werden. Zudem können den
Akten, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht festgestellt
hat, keine Hinweise darauf entnommen werden, die Beschwerdeführerin
sei wegen psychischen Problemen in ärztlicher oder therapeutischer Be-
handlung. Jedenfalls wäre von der durch eine im Asylrecht spezialisierten
Rechtsvertreterin vertretenen Beschwerdeführerin zu erwarten gewesen,
dass sie entsprechende Unterlagen im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht
(Art. 8 AsylG) einreiche. Auch wurden auf Beschwerdeebene keine diesbe-
züglichen Ausführungen gemacht oder entsprechende Beweismittel einge-
reicht, die eine weitere Abklärung notwendig machen würden. Schliesslich
hatte der Befrager, nachdem sich bezüglich des Militärdienstes ein Wider-
spruch ergeben hatte, – in der BzP verneinte die Beschwerdeführerin aus-
drücklich, Militärdienst geleistet zu haben oder je eingezogen worden zu
sein, währenddem sie anlässlich der Anhörung von einem über zweijähri-
gen Militärdienst (inklusive Ausbildung) berichtete – keinen Anlass, weitere
Abklärungen zu Erlebnissen (sexuelle Übergriffe) während dieser Zeit vor-
zunehmen oder eine weitere Anhörung durch ein reines Frauenteam vor-
nehmen zu lassen. Selbst wenn die Beschwerdeführerin tatsächlich sol-
chen Übergriffen ausgesetzt gewesen sein sollte, standen diese offensicht-
lich nicht im Zusammenhang mit ihrem Vorbringen zum Nationaldienst.
Insgesamt bestehen keine stichhaltigen Gründe, von einem unkorrekt er-
fassten Sachverhalt in Bezug auf die Asylvorbringen auszugehen.
5.4 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die Begründungspflicht sei ver-
letzt, weil die Vorinstanz nicht auf die geltend gemachte Vergewaltigung
eingegangen sei, ist festzustellen, dass sie nicht gehalten war, sich näher
damit auseinanderzusetzen, nachdem sie die Ausführungen zum Militär-
dienst, während dem sich diese zugetragen haben soll, als unglaubhaft er-
achtet hat. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist demnach zu vernei-
nen.
5.5 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen angesichts dieser Sach-
lage als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache auf-
zuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche An-
trag ist somit abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS
SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick
über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015
S. 5).
7.
7.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Beschwerdefüh-
rerin habe in der BzP angegeben, nie für den Militärdienst vorgeladen wor-
den zu sein und keinen solchen geleistet zu haben. Sie habe ihre Heimat
im September 2013 verlassen, weil sie keinen Militärdienst habe leisten
wollen. Demgegenüber habe sie anlässlich der Anhörung angegeben,
zwangsweise in den Militärdienst eingezogen worden zu sein. Dort sei ihr
gesagt worden, dass sie sich ihrem Vorgesetzten zur Verfügung zu halten
habe. Sie sei aus dem Militärdienst desertiert und im September 2014 aus
Eritrea ausgereist. Daraufhin sei ihre Mutter wegen ihr einige Monate fest-
gehalten worden. Damit seien ihre Asylvorbringen in den Kernelementen
vollständig widersprüchlich ausgefallen. Ihre Erklärungsversuche in der
Anhörung könnten diese Widersprüche nicht auflösen. Zudem bestünden
bezüglich der Festnahme ihrer Mutter, welche sie in der BzP nicht erwähnt
habe, innerhalb der Anhörung Widersprüche. Abgesehen davon seien ihre
Schilderungen zum Einzug in den Militärdienst, zur Zeit im Militärdienst, zur
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Desertion aus dem Dienst und zur Flucht aus Eritrea substanzlos und de-
tailarm ausgefallen. Trotz mehrfacher Aufforderung seien die Aussagen
oberflächlich, ohne Realkennzeichen und ohne persönlichen Bezug geblie-
ben. Daher sei nicht glaubhaft, dass sie aufgrund der geltend gemachten
Umstände ausgereist sei.
Überdies kam die Vorinstanz zum Schluss, dass nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass sich eritreische Staatsan-
gehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatlan-
des konfrontiert sehen würden, die bezüglich ihrer Intensität und der politi-
schen Motivation des Staates asylrechtlich relevante Nachteile darstellen
würden.
7.2 Die Beschwerdeführerin hielt den vorinstanzlichen Argumenten entge-
gen, die geltend gemachte Vergewaltigung sei nicht schon deshalb un-
glaubhaft, weil sie diese nicht von Anfang an erwähnt habe. Auf diese sei
zudem gar nicht eingegangen worden. Der von der Vorinstanz festgestellte
Widerspruch, wonach sie nie ausgesagt habe, für den Militärdienst vorge-
laden worden zu sein und keinen Militärdienst geleistet zu haben, sei
falsch. Sie habe das Land lediglich verlassen, um keinen Militärdienst leis-
ten zu müssen. Aus diesem kurzen Satz sei nicht erkennbar, ob sie vor
dem Einzug geflohen oder bereits im Militärdienst gewesen sei. Zudem sei
die vierzigminütige Befragung stark verkürzt gewesen, weshalb sie kaum
einen Beweiswert aufweise. Die Vorinstanz werfe ihr zudem vor, sich nur
oberflächlich zum Einzug und zu ihrer Zeit im Militärdienst geäussert zu
haben. Die frauenspezifischen Vorbringen seien nicht berücksichtigt wor-
den. Dem angefochtenen Entscheid könne nicht entnommen werden, wel-
che detaillierten Ausführungen von ihr als vergewaltigte und traumatisierte
Frau mit ihrem kulturellen Hintergrund hätten erwartet werden können. Ihr
Zustand anlässlich der Anhörung habe ihr dies verunmöglicht. Die geltend
gemachte Verfolgung durch die eritreischen Vorgesetzten im Militär würden
die Anforderungen an die Asylrelevanz erfüllen.
7.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihrem Standpunkt fest.
Insbesondere führte sie aus, in der Beschwerdeschrift sei wohl übersehen
worden, dass die Angaben der Beschwerdeführerin in der BzP, Seite 9,
zweiter Abschnitt ("nie Militärdienst geleistet ... vorgeladen ..."), zu ihren
Aussagen in der Anhörung im elementaren Widerspruch stünden. Zudem
habe sie in der Anhörung grundsätzlich bestätigt, diese Angaben in der BzP
gemacht zu haben. Dort habe sie angegeben, alles besser verstanden zu
haben und dass es ihr gut gehe. Es könne davon ausgegangen werden,
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dass sie ihre Angaben, auch wenn sie etwas unkonzentriert gewesen sein
sollte, in einem psychisch gesunden Zustand und mit klarem Geist vorge-
tragen habe. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Protokolle wegen
ihres gesundheitlichen Zustandes nicht beigezogen werden dürften, sie in-
des geltend mache, ihre Asylvorbringen glaubhaft dargelegt zu haben. Da-
mit werde suggeriert, dass sie sich in der BzP als auch in der Anhörung in
vollem Bewusstsein geäussert habe und ihre Angaben trotzdem verwendet
werden könnten. Ihre Angaben betreffend ihre Militärdienstleistung und so-
mit auch die dabei angeblich vorgefallenen sexuellen Nötigungen müssten
aufgrund der erklärten Widersprüche und der Substanzlosigkeit in allen Be-
reichen ihrer Asylvorbringen als unglaubhaft beurteilt werden.
7.4 Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Replik dazu aus, sie habe tat-
sächlich ihre Aussagen in der BzP unter E. 1.17.06 nicht beigezogen. Den-
noch sei in der BzP nicht wortwörtlich protokolliert, sondern lediglich der
Inhalt ihrer Aussagen ins Protokoll aufgenommen worden. Wegen des un-
genauen Protokollierungsstils könne das Protokoll der BzP für die Glaub-
haftigkeitsprüfung nicht beigezogen werden.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu
Recht abgelehnt hat. Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffen-
den Erkenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen der Beschwerde-
führerin den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Die
Entgegnungen auf Beschwerdeebene vermögen zu keiner anderen Be-
trachtungsweise zu führen.
8.2 Der Vorinstanz ist zunächst darin zu folgen, dass sie in den Aussagen
der Beschwerdeführerin hinsichtlich des Militärdienstes zu Recht einen Wi-
derspruch festgestellt hat. Dabei handelt es sich um den zentralen Punkt
ihrer Asylvorbringen, der schliesslich zu ihrer Ausreise geführt haben soll.
Dem Einwand auf Beschwerdeebene, wonach es sich bei der BzP um eine
stark verkürzte Befragung handle, die zudem nicht wortwörtlich protokol-
liert worden sei, kann nicht gefolgt werden. Zwar kommt den Aussagen der
BzP angesichts des summarischen Charakters dieser Befragung für die
Beurteilung der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Asylgründe nur ein be-
schränkter Beweiswert zu. Widersprüche dürfen für die Beurteilung der
Glaubhaftigkeit aber dann herangezogen werden, wenn Aussagen in der
BzP in wesentlichen Punkten von den späteren Aussagen in der Anhörung
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diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtun-
gen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits
in der BzP zumindest ansatzweise erwähnt worden sind. Vorliegend wur-
den die Aussagen der Beschwerdeführerin in der BzP – so auch die (ent-
scheidende) Stelle unter Punkt 1.17.05 – wortwörtlich wiedergegeben res-
pektive ins Protokoll aufgenommen. Der Annahme, dass es sich lediglich
um eine Inhaltsangabe handeln soll, kann nicht gefolgt werden. Jedenfalls
lässt sich damit der festgestellte Widerspruch nicht erklären. Deshalb muss
die Beschwerdeführerin sich auf ihren Aussagen behaften lassen. Nach-
dem sich die Militärdienstausübung und die Desertion als unglaubhaft er-
wiesen haben, hat die Vorinstanz auch die damit zusammenhängenden
Vorbringen – sexuelle Übergriffe während des Militärdienstes – zu Recht
als unglaubhaft bezeichnet. Die festgestellten Ungereimtheiten können
auch nicht mit dem psychischen Zustand der Beschwerdeführerin erklärt
werden. Zwar wird die seitens der bei der Anhörung anwesenden Hilfs-
werksvertreterin und der Rechtsvertreterin geltend gemachte Traumatisie-
rung der Beschwerdeführerin – obwohl bis heute keinerlei Angaben zu ei-
ner ärztlichen oder psychologischen Behandlung seit ihrer Einreise in die
Schweiz vorliegen – nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Indessen müssen
allfällige psychische Probleme einen anderen Ursprung als den von der
Beschwerdeführerin angegebenen Grund haben. Jedenfalls stehen sie
nicht im Zusammenhang mit ihren als unglaubhaft bezeichneten Vorbrin-
gen.
Darüber hinaus bestehen weitere Widersprüche zwischen den Aussagen
in der BzP und der Anhörung – namentlich betreffend der Ausreise – , wel-
che sie nicht zu erklären vermocht hat. Auch der Umstand, dass ihre Mutter
nach ihrer Ausreise festgenommen worden sei, erwähnte sie in der BzP mit
keinem Wort, obwohl dies von ihr hätte erwartet werden können, wäre
diese Festnahme tatsächlich wegen ihr – der Beschwerdeführerin – erfolgt.
Nachdem der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden kann, dass sie
ins Militär eingezogen wurde und nach über zwei Jahren desertiert sei, er-
übrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen, welche
von der Vorinstanz als unsubstanziiert und zu wenig detailliert bezeichnet
worden sind.
8.3 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und
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deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat die ori-
ginäre Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder so-
mit zu Recht verneint. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
9.
9.1 Die Verfahrenskosten sind der unterliegenden Partei aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund des teilweisen Unterliegens der Be-
schwerdeführerinnen betreffend ihren Antrag um Gewährung der originä-
ren Flüchtlingseigenschaft wäre ihnen ein Drittel der Verfahrenskosten auf-
zuerlegen. Nachdem mit Verfügung vom 27. April 2018 das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen worden war
und aufgrund der Akten weiterhin von der Bedürftigkeit der Beschwerde-
führerinnen ausgegangen werden kann, ist auf die Erhebung von Verfah-
renskosten (weiterhin) zu verzichten. Für diesen Drittel ist der amtlich bei-
geordneten Rechtsvertreterin (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG)
zudem ein Honorar auszurichten.
9.2 Bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens – vorliegend infolge Gewäh-
rung des Asyls – werden die Verfahrenskosten aufgrund der Sachlage (Er-
folgsaussichten) vor dem Eintritt des Erledigungsgrunds festgelegt, sofern
die Gegenstandslosigkeit – wie vorliegend – ohne prozessuales Zutun der
Parteien erfolgte (Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
9.2.1 Da die Zuerkennung der derivativen Flüchtlingseigenschaft mangels
entsprechendem Begehren vorliegend nicht Prüfungsgegenstand gewe-
sen war, ist diesbezüglich keine Prüfung allfälliger Erfolgschancen vorzu-
nehmen. Entsprechend bestanden für eine Aufhebung der angeordneten
Wegweisung keine Erfolgsaussichten, weshalb dafür Verfahrenskosten
aufzuerlegen wären. Für dieses Drittel ist indes aufgrund der Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung darauf zu verzichten. Zudem ist für die-
ses Drittel der amtlich beigeordneten Rechtsvertreterin (Art. 65 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG) ein Honorar auszurichten.
9.2.2 Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs ist im vorliegenden Fall auf-
grund der Aktenlage vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit davon auszuge-
hen, dass die Beschwerdeführerinnen mit ihrem Subeventualbegehren –
Verzicht auf Vollzug der Wegweisung und Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme – durchgedrungen wären. Folglich sind für dieses Obsiegen, aus-
machend ein Drittel, keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Ferner ist den
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Beschwerdeführerinnen für diesen Drittel eine Parteientschädigung auszu-
richten.
9.3 Die Rechtsvertreterin reichte mit der Beschwerdeschrift eine Aufstel-
lung ihres Aufwandes ein, wofür sie 615 Minuten veranschlagt hat. Dieser
Aufwand erscheint als angemessen. Unter Berücksichtigung der seither
gemachten Eingaben geht das Gericht von einem Gesamtaufwand von
zwölf Stunden aus. Ausgehend von einem Stundenansatz von Fr. 150.– für
Parteientschädigung und Honorar ist demnach von einem Totalbetrag von
Fr. 1'800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) auszugehen. Das
SEM hat den Beschwerdeführerinnen für den Teil ihres Obsiegens
(ein Drittel) eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 600.– zu entrich-
ten. Für den Teil des Unterliegens (zwei Drittel) wird ihnen vom Gericht ein
amtliches Honorar von insgesamt Fr. 1'200.– zugesprochen.
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