Decision ID: 5558a6fb-fba2-5721-9e5b-9a7bcf71a6d4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 28. Juni 2021 in der Schweiz um
Asyl nach.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 25. Mai 2021 in Rumänien ein
Asylgesuch gestellt hatte. Die Vorinstanz ersuchte die rumänischen Behör-
den am 29. Juni 2021 um Wiederaufnahme im Rahmen des Dublin-Verfah-
rens. Diese hiessen das Gesuch gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) am
9. Juli 2021 gut.
A.c Am 13. Juli 2021 trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht
ein und verfügte seine Wegweisung nach Rumänien. Mit Urteil
E-3380/2021 vom 28. Juli 2021 wies das Bundesverwaltungsgericht die
dagegen erhobene Beschwerde im vereinfachten Verfahren gemäss
Art. 111 Bst. e AsylG als offensichtlich unbegründet ab.
B.
Am 2. August 2021 wurde der Beschwerdeführer vom SEM als verschwun-
den gemeldet. Mit Schreiben an das SEM vom 3. August 2021 teilte sein
Rechtsvertreter mit, dass der Beschwerdeführer die Schweiz am 2. August
2021 freiwillig verlassen habe.
C.
Das SEM teilte den rumänischen Behörden am 9. August 2021 mit, dass
der Beschwerdeführer verschwunden sei, weshalb sich die Frist für seine
Überstellung nach Rumänien im Sinne von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO ver-
längert werde.
D.
Am 29. Dezember 2021 meldete sich der Beschwerdeführer im Bundes-
asylzentrum B._ und gab an, am 13. Dezember 2021 in die Türkei
gelangt zu sein.
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E.
Mit Eingabe vom 11. Januar 2022 gelangte der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter an die Vorinstanz und suchte mit Verweis auf
Art. 111c AsylG erneut um Asyl nach. Dabei machte er im Wesentlichen
geltend, er habe die Schweiz anfangs August 2021 in Richtung Türkei ver-
lassen, da eine konkrete Gefahr bestanden habe, dass er von den Schwei-
zer Behörden nach Rumänien zurückgeführte würde, was eine Kettenab-
schiebung in den Irak zur Folge gehabt hätte. Das SEM sei von seiner Aus-
reise aus der Schweiz bereits am 3. August 2021 durch seinen Rechtsver-
treter informiert worden. Er sei damals in die Türkei gelangt, wo er sich
ungefähr fünf Monate aufgehalten habe. Da er das Hoheitsgebiet der Dub-
lin-Staaten damit für mehr als vier Monate verlassen habe, sei die Zustän-
digkeit Rumäniens zur Durchführung seines Asylverfahrens gemäss Art. 19
Abs. 2 Dublin-III-VO erloschen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er
mehrere Beweismittel (Zugtickets, Kaufquittung, Dokumente der Poliklinik
C._) zu den Akten. Er führte aus, es bestehe im Falle einer Über-
stellung nach Rumänien die Gefahr einer Ausschaffung in den Irak und da-
mit einer Verletzung des Non-Refoulement-Gebots. Die Schweiz sei daher
unabhängig von Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO zum Selbsteintritt verpflichtet.
F.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe vom 11. Januar 2022 als Wiedererwä-
gungsgesuch im Sinne von Art. 111b AsylG entgegen. Mit Verfügung vom
17. Januar 2022 – eröffnet am 18. Januar 2022 – wies die Vorinstanz das
Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 13. Juli 2021
als rechtskräftig und vollstreckbar. Gleichzeitig erhob es eine Gebühr von
Fr. 600.– und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschie-
bende Wirkung zukomme.
G.
Mit Eingabe vom 19. Januar 2022 erhob der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Ent-
scheid Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
17. Januar 2022. Es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft
erfülle, und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässig-
keit oder die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen
und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf
die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses.
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H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. Januar 2022 vor. Die zuständige Instruktionsrichterin setzte am glei-
chen Tag mit superprovisorischer Massnahme den Vollzug der Wegwei-
sung einstweilen aus.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt (vgl. Erwägung 3 nachfolgend) – einzutre-
ten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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Seite 5
3.
Mit Eingabe vom 11 Januar 2022 beantragte der Beschwerdeführer sinn-
gemäss, es sei auf den Entscheid des SEM vom 13. Juli 2021 wiedererwä-
gungsweise zurückzukommen. Es gebe neue Tatsachen (Reise in die Tür-
kei nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens mit dem Urteil vom 28. Juli
2021), weshalb die Zuständigkeit Rumäniens für sein Asylgesuch nicht
mehr gegeben sei. Das SEM nahm deshalb diese Eingabe zu Recht als
Wiedererwägungsgesuch entgegen. Mit Verfügung vom 13. Juli 2021 trat
das SEM gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf sein Asylgesuch
nicht ein. Folglich ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz
vorliegend auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht das sinn-
gemässe Begehren abgelehnt hat, den Entscheid, auf das Asylgesuch sei
nicht einzutreten, wiedererwägungsweise aufzuheben (vgl. analog BVGE
2012/4 E. 2.2). Damit ist auf die Begehren in der Beschwerde vom 19. Ja-
nuar 2022, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlings-
eigenschaft erfülle, und es sei ihm Asyl zu gewähren respektive eventuali-
ter die vorläufige Aufnahme anzuordnen, nicht einzutreten.
4.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). In seiner praktisch relevantesten Form be-
zweckt es die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage
(vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
5.2 Die Vorinstanz hat die Rechtzeitigkeit und den Anspruch des Be-
schwerdeführers auf Behandlung seines Wiedererwägungsgesuches nicht
in Abrede gestellt. Das Bundesverwaltungsgericht hat deshalb zu prüfen,
ob das SEM zu Recht davon ausgegangen ist, dass die Voraussetzungen
für die Überstellung nach Rumänien gestützt auf die Dublin-III-VO weiter-
hin gegeben sind.
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Seite 6
6.
6.1 Das SEM begründet seinen Wiedererwägungsentscheid damit, dass
dem Beschwerdeführer der geltend gemachte Aufenthalt in der Türkei –
und damit ausserhalb des Hoheitsgebiets der Dublin-Mitgliedstaaten –
nicht geglaubt werden könne. Folglich sei Rumänien weiterhin für die
Durchführung seines weiteren Verfahrens gemäss der Dublin-III-VO zu-
ständig. Es würden keine Gründe vorliegen, um die Rechtskraft der Verfü-
gung vom 13. Juli 2021 zu beseitigen.
6.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe im We-
sentlichen dieselben Gründe wie in seiner Eingabe vom 11. Januar 2022
geltend. Gemäss seinen Ausführungen und den eingereichten Beweismit-
teln sei deutlich, dass er mehr als vier Monate das Hoheitsgebiet der
Dublin-Mitgliedstaaten verlassen habe. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-
VO sei die Zuständigkeit Rumäniens damit erloschen, selbst wenn Rumä-
nien sich bereit erklären würde, ihn zu übernehmen. Vorliegend bestehe
sodann eine konkrete Gefahr, dass die rumänischen Behörden den Be-
schwerdeführer unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in den Irak
zurückschicken würden. Gemäss Rechtsprechung des EGMR müsse auf-
grund der Gefahr einer Kettenabschiebung dann von der Abschiebung ei-
ner Person in einen Drittstaat abgesehen werden, wenn gewichtige Gründe
dafür vorlägen, dass eine tatsächliche Gefahr (real risk) einer Verletzung
von Art. 3 EMRK bestehe. Die Schweiz sei deshalb zum Selbsteintritt ver-
pflichtet.
7.
7.1 Gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG ist das Bundesverwaltungsgericht als
Beschwerdeinstanz nicht an die rechtliche Begründung der Parteibegehren
gebunden (Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen). Die Be-
schwerdeinstanz darf ihren Entscheid somit anders begründen als die Par-
teien oder die Vorinstanz. Dabei kann sie die vorinstanzliche Verfügung im
Ergebnis bestätigen, dieser aber eine andere Begründung zugrunde legen
(vgl. THOMAS HÄBERLI in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissen-
berger [Hrsg.], 2016, 2. Auflage, Art. 62 Rz 48, S. 1308; vgl. MADELEINE
CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2019, N 16 zu Art. 62 VwVG;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, S. 398, Rz. 1136). Sollte sich der neue
Entscheid auf Rechtsnormen stützen, mit deren Anwendung die Parteien
nicht rechnen mussten, ist ihnen Gelegenheit zu geben, sich vorgängig
dazu zu äussern (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,
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Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 24
Rz. 1.54; BVGE 2009/61 E. 6.1 S. 856; 2007/41 E. 2 S. 529 f.; Urteil des
BVGer D-2689/2018 vom 21. Dezember 2021, E. 5.1).
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht nimmt im vorliegenden Verfahren eine
Motivsubstitution in dem Sinne vor, als es die – vom SEM verneinte – Frage
der Glaubhaftigkeit offenlässt und eine Beurteilung der rechtlichen Rele-
vanz des Vorbringens des Beschwerdeführers vornimmt.
7.3 Hierzu ist dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör nicht zu gewäh-
ren: Einerseits stützt sich die Begründung des Bundesverwaltungsgerichts
nicht auf neue Sachverhaltselemente ab (der Beschwerdeführer durfte und
musste im Gegenteil damit rechnen, das Gericht mit seiner Glaubhaftig-
keitsargumentation überzeugen zu können, worauf es zur materiellen Be-
urteilung des neuen Sachverhaltselements schreiten würde); andererseits
stützt sich das Gericht bei der nachfolgend darzulegenden Rechtsanwen-
dung nicht auf rechtliche Grundlagen ab, mit Anwendung der Beschwerde-
führer nicht rechnen konnte.
8.
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass das SEM das Wiedererwägungsgesuch im Ergebnis zu
Recht abgelehnt hat.
9.
Gemäss Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO erlöschen die Pflichten nach Art. 18
Abs. 1 Dublin-III-VO, wenn der zuständige Mitgliedstaat nachweisen kann,
dass der Antragsteller oder eine andere Person im Sinne von Art. 18 Abs. 1
Bst. c oder d, um dessen/deren Aufnahme oder Wiederaufnahme er
ersucht wurde, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaat für mindestens drei Mo-
nate verlassen hat, es sei denn, die betreffende Person ist im Besitz eines
vom zuständigen Mitgliedstaat ausgestellten gültigen Aufenthaltstitels.
Ein nach der Periode der Abwesenheit im Sinne des Unterabsatzes 1 ge-
stellter Antrag gilt als neuer Antrag, der ein neues Verfahren zur Bestim-
mung des zuständigen Mitgliedstaats auslöst.
9.1 Die Konstellation, wie sie vom Beschwerdeführer im vorliegenden Ver-
fahren vorgebracht wird, entspricht nicht derjenigen, die in Art. 19 Abs. 2
Dublin-III-VO vorgesehen ist. So bezieht sich diese Bestimmung auf den
Fall, dass die antragstellende Person zwischen ihrem ersten Asylantrag –
vorliegend am 25. Mai 2021 in Rumänien – und ihrem nächsten Antrag –
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vorliegend am 28. Juni 2021 in der Schweiz – das Territorium der Mitglied-
staaten verlassen hat. Der Beschwerdeführer hat seinen Angaben zufolge
indes erst nach seiner Antragstellung in der Schweiz und der Beendigung
des diesbezüglichen Zuständigkeitsverfahrens (mit dem am 28. Juli 2021
ergangenen Urteil des BVGer E-3380/2021) das Hoheitsgebiet der Mit-
gliedstaaten verlassen. Es kann dazu auf das Urteil des Gerichtshofs der
Europäischen Union [EuGH] C-155/15 vom 7. Juni 2016 (George Karim
gegen Schweden [Migrationsverket]) verwiesen werden (vgl. Rz. 14–18).
Darin wird festgehalten, dass Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO dahin auszule-
gen ist, dass diese Bestimmung, insbesondere ihr Unterabsatz 2, auf einen
Drittstaatsangehörigen anwendbar ist, der nach der Stellung eines ersten
Asylantrags in einem Mitgliedstaat den Nachweis erbringt, dass er das Ho-
heitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei Monate verlassen hat,
bevor er einen neuen Asylantrag in einem anderen Mitgliedstaat gestellt
hat (vgl. Rz. 18).
9.2 Die rumänischen Behörden haben dem Ersuchen der Vorinstanz um
Übernahme des Beschwerdeführers am 9. Juli 2021 gestützt auf Art. 18
Abs. 1 Bst. c ausdrücklich zugestimmt. Zudem wurde den rumänischen
Behörden vom SEM mitgeteilt, dass die Frist für die Überstellung des Be-
schwerdeführers nach Rumänien im Sinne von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO
verlängert wurde, nachdem dieser ab dem 2. August 2021 als verschwun-
den galt (vgl. Sachverhalt A.b und C).
9.3 Der Beschwerdeführer bringt vorliegend keine neuen Elemente vor,
weshalb ihm konkret Gefahr drohe, von den rumänischen Behörden unter
Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in den Irak zurückgeschickt zu
werden. Diese Befürchtung wurde bereits mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 28. Juli 2021 als unbegründet qualifiziert. In diesem Zu-
sammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Rumänien explizit der Wieder-
aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-
III-VO zustimmte, mithin das Verfahren zur Prüfung des Antrags auf inter-
nationalen Schutz in Rumänien noch nicht abgeschlossen sein dürfte, be-
ziehungsweise wiederaufgenommen werden könnte.
9.4 Zusammenfassend liegt somit keine seit Erlass der Verfügung vom
13. Juli 2021 erheblich veränderte Sachlage vor. Aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen und Beweismittel im Wieder-
erwägungsverfahren nicht geeignet sind, zu einer Anpassung der Verfü-
gung des SEM vom 13. Juli 2021 zu führen. Die Beschwerde ist abzuwei-
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sen, soweit darauf einzutreten ist. Folglich bleibt die Zuständigkeit Rumä-
niens bestehen. Die Verfügung 13. Juli 2021 ist weiterhin rechtskräftig und
vollstreckbar.
10.
Aufgrund des direkten Entscheides in der Hauptsache wird der verfahrens-
rechtliche Antrag um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gegenstands-
los. Die am 20. Januar 2022 verfügte einstweilige Aussetzung des Vollzugs
der Wegweisung fällt dahin.
11.
11.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid ebenfalls ge-
genstandslos geworden.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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