Decision ID: 752ed0ec-aca2-565b-90a0-eb13e81cc7ba
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden, pakistanische Staatsangehörige aus
F._, der Ethnie der Q._ angehörig, verliessen ihr Heimatland
gemäss eigenen Angaben am (...) auf dem Luftweg und gelangten über
ihnen unbekannte Länder bis in die Schweiz, wo sie am (...) einreisten und
gleichentags im damaligen Asyl- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe
um Asyl nachsuchten.
B.
Am (...) wurden die Beschwerdeführenden zur Person, dem Reiseweg so-
wie summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]). Am (...) fand eine ausführliche Anhörung zu den Fluchtgründen
statt. Dabei machten sie im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer
sei seit 25 Jahren Mitglied der Partei G._, welche von den pakista-
nischen Behörden nicht toleriert werde. Angehörige dieser Partei seien ent-
führt und gefoltert und es seien künstliche Prozesse gegen sie organisiert
worden, wobei sie am Ende meist getötet worden seien. Parteiangehörige
würden entführt und unter Folter dazu gebracht, Kollegen zu verraten. Er
habe bei der G._ die Funktion eines Senior Workers innegehabt
und sei dafür zuständig gewesen, die Partei zu vertreten, die Ideologie wei-
terzugeben, über Versammlungen und Proteste zu informieren und Wer-
bung für die Partei zu machen. Eineinhalb Monate vor der Ausreise sei ein
alter Schulkollege des Beschwerdeführers und ebenfalls Parteimitglied na-
mens H._ von den Pakistan Rangers, einer paramilitärischen Orga-
nisation unter Regierungskontrolle, entführt worden und habe unter Folter
den Namen des Beschwerdeführers preisgegeben. Zwei Tage darauf hät-
ten die Behörden ihn im Büro aufgesucht, worauf er nicht mehr zur Arbeit
gegangen sei. Aufgrund dieser Informationen seien die pakistanischen Be-
hörden auch bei ihnen zu Hause vorbeigekommen, als sie nicht anwesend
gewesen seien. Der Bruder des Beschwerdeführers habe sie per SMS ge-
warnt, nicht nach Hause zu kommen. Ab diesem Zeitpunkt habe die Familie
sich stets bei anderen Familienmitgliedern aufgehalten, bis die G._
ihre Ausreise organisiert habe. Nach ihrer Ausreise seien sie bei sich zu
Hause in Pakistan nochmals aufgesucht worden.
Im vorinstanzlichen Verfahren reichten die Beschwerdeführenden eine
Wohnsitzbestätigung, eine Heiratsurkunde, mehrere Referenzschreiben,
eine Kopie aus dem Gemeindeblatt «(...)», welches sie persönlich erwähnt,
Kopien der Tweets des Beschwerdeführers auf Twitter, Fotoausdrucke aus
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dem Internet, welche bewaffnete oder verletzte Personen zeigen, Informa-
tionen zu I._ und Unterlagen betreffend die G._ und die Ver-
folgung ihrer Mitglieder, eine Email des Bruders des Beschwerdeführers,
eine Arbeitsbestätigung und zwei Bestätigungen der G._ vom (...)
und (...), zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 30. März 2017 – eröffnet am 4. April 2017 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihr
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den
Vollzug an.
D.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe
vom 12. April 2017 durch ihren damaligen Rechtsvertreter beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Darin beantragten sie die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2017 erhob die damals zuständige
Instruktionsrichterin zur Deckung der mutmasslichen Verfahrenskosten ei-
nen Kostenvorschuss.
F.
Am 24. April 2017 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht beglichen.
G.
Am 2. Mai 2017 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zu einer
Vernehmlassung ein.
H.
In seiner am 4. Mai 2017 eingereichten Vernehmlassung hielt das SEM
vollumfänglich an den bisherigen Erwägungen fest. Die Vernehmlassung
wurde den Beschwerdeführenden am 9. Mai 2017 zur Kenntnis gebracht.
I.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 reichten die Beschwerdeführenden einen
Bericht des R._ und ein Internetausdruck des S._ zu den
Akten.
J.
Mit Eingabe vom 22. September 2017 reichten die Beschwerdeführenden
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eine Einladung des Internationalen Sekretariats der G._ zu einer
Tagung in T._ sowie eine CD mit Videos und Fotos zur Tagung ein,
die angeblich nun auch in Pakistan bekannt geworden seien.
K.
Am 23. November 2017 reichten die Beschwerdeführenden eine nicht un-
terzeichnete Bestätigung des Beschwerdeführers in englischer Sprache,
womit er seine G._-Mitgliedschaft bestätigte, ein Bestätigungs-
schreiben des internationalen Sekretariats der G._ betreffend die
Gefährdung des Beschwerdeführers und eine weitere CD zu den Akten.
L.
Am 15. Oktober 2018 wurden dem Gericht weitere Unterlagen eingereicht:
ein an den Beschwerdeführer adressiertes Antwortschreiben der politi-
schen Direktion (PA) des EDA vom 19. Februar 2018, ein Schreiben von
J._, «G._» an die PA des EDA betreffend den Tod von
K._, datiert vom 26. Februar 2018, ein Antwortschreiben der PA
EDA vom (...), ein Bericht des U._, ein an den Staatssekretär der
USA gerichtetes Schreiben des Congress of United States vom 1. Oktober
2018 sowie ein unsigniertes Schreiben des Beschwerdeführers an Herrn
Bundesrat Alain Berset vom 10. Oktober 2018 (allesamt in Kopie).
M.
Am 23. November 2018 kündigte der Rechtsvertreter aufgrund seiner an-
stehenden Pensionierung die Niederlegung seines Mandats an und infor-
mierte das Gericht am 27. November 2018 darüber, dass die Beschwerde-
führenden ihre Akten zurückerhalten hätten und sich um eine neue Rechts-
vertretung bemühen würden.
N.
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2018 kündigte der neue Rechtsvertreter
seine Mandatsübernahme an und legte seinem Schreiben eine entspre-
chende Vollmacht, bereits zuvor eingereichte Beweismittel, Ausdrucke von
Twitter und Facebook betreffend die Aktivitäten des Beschwerdeführers
und einen USB-Stick mit einer aufgezeichneten Sendung des pakistani-
schen Nachrichtensenders (...) bei.
O.
Die neu zuständige Instruktionsrichterin lud die Vorinstanz am 9. Septem-
ber 2019 zu einer Vernehmlassung ein.
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Seite 5
P.
Mit Vernehmlassungsschrift vom 16. September 2019 nahm das SEM zu
den neu eingereichten Beweismitteln Stellung. Es hielt im Wesentlichen
fest, die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers seien als mas-
sentypisch zu bezeichnen, und verwies auf die Erwägungen in der Verfü-
gung vom 30. März 2017, an denen vollumfänglich festgehalten werde.
Q.
Die Beschwerdeführenden replizierten – nach erstreckter Frist – am
14. Oktober 2019 und legten ihrer Eingabe Internetausdrucke und ein für
den Beschwerdeführer verfasstes Referenzschreiben der G._, da-
tiert vom (...), bei.
R.
Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 reichten die Beschwerdeführenden Kopien
von bereits eingereichten sowie von neueren Twitteraktivitäten des Be-
schwerdeführers, eine Antwortmail von José Dupuis, dem Direktor der ka-
nadischen «Strategic Governance und Ministerial Correspondence» vom
6. November 2019, einen offenen Brief an die Schweizer Bundespräsiden-
tin und Bundesräte vom 25. Juni 2020 mit einem Beleg der Einschreiben
der Schweizerischen Post, eine Email des Beschwerdeführers an den Pre-
mierminister Kanadas vom 25. Juni 2020 mit entsprechender automati-
scher Empfangsbestätigung, eine Email des Beschwerdeführers an den
«Special Rapporteur on extrajudicial summary or arbitrary execution» des
Hochkommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR)
vom (...) (betreffend den am (...) tot aufgefundenen L._) zu den
Akten.
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Seite 6

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(SR 142.31; AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1 - 4) sind unverändert vom AuG ins AIG über-
nommen worden.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die Beschwerde führende
Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol-
che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes-
halb das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.6 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 7
2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden
(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi-
schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
2.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts beinhaltet
die Glaubhaftigkeitsprüfung eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Über-
einstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit
und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit), die für oder
gegen die gesuchstellende Person sprechen, wobei die Sachverhaltsdar-
stellung nur glaubhaft sein kann, wenn die positiven Elemente überwiegen
(vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H). Klärend sei hier auf die internati-
onal empfohlenen Kriterien des UNHCR zur Glaubhaftigkeitsprüfung ver-
wiesen, welche die in Art. 7 Abs. 3 AsylG festgeschriebenen Kriterien prä-
zisieren, wonach Vorbringen unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind: Vorbringen
der asylsuchenden Person sollten auf Folgendes überprüft werden: a) Hin-
länglichkeit und Spezifizierung der Details; b) Inneren Zusammenhang be-
ziehungsweise Kohärenz; c) die Übereinstimmung mit Informationen ande-
rer Familienmitglieder oder Zeugen; d) Kohärenz mit Country of Origin In-
formation (COI) und e) Plausibilität (vgl. dazu BEYOND PROOF, Credibility
Assessment in EU Asylum Systems, UNHCR / European Refugee Fund of
the European Commission [Hrsg.], Brüssel 2013, S. 49).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/3
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Seite 8
2.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch exilpolitische Tätigkei-
ten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht soge-
nannte subjektive Nachfluchtgründe geltend. Subjektive Nachfluchtgründe
begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, füh-
ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig
davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden
(vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
3.
3.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen der Beschwerdeführenden genügten den Anforderungen an die
Glaubhaftmachung nicht, da die Schilderungen konstruiert wirkten und Un-
gereimtheiten aufweisen würden. Im Übrigen seien sie nicht asylrelevant.
Die Darstellung, die Pakistan Rangers hätten den Eltern des Beschwerde-
führers gegenüber erwähnt, die Informationen von H._ erhalten zu
haben, wirke äusserst stereotyp, zumal zu bezweifeln sei, dass die Pakis-
tan Rangers diese Art der Informationsbeschaffung offengelegt sowie ihre
unrechtmässigen Absichten kundgetan hätten. Aufgrund der von den Be-
schwerdeführenden geltend gemachten, unmittelbar drohenden Gefahr er-
scheine es sodann äusserst ungewöhnlich, dass der Bruder des Beschwer-
deführers sie lediglich mit einer SMS gewarnt haben soll; vielmehr wäre zu
erwarten gewesen, dass der Bruder angerufen hätte, um sicherzustellen,
dass die lebenswichtige Warnung auch erhalten worden sei. Die diesbe-
zügliche Erklärung, wonach dieser wohl gestresst gewesen sei und des-
halb nicht angerufen habe, überzeuge nicht. Auch die Reaktion des Be-
schwerdeführers, auf diese Nachricht mit «OK» geantwortet zu haben, er-
staune. Insgesamt vermöchten die Beschwerdeführenden diese Momente
grösster Anspannung nicht greifbar zu machen. Es seien diesbezüglich le-
diglich eindimensionale Antworten gegeben worden. Eine lebensnahe Ver-
mittlung der Ereignisse sei ihnen jedoch nicht gelungen. Der Beschwerde-
führer habe an der Anhörung ausgesagt, H._ habe sich zu dem
Zeitpunkt, als sie in die Schweiz gekommen seien, immer noch in Haft be-
funden. Danach sei dieser untergetaucht. An der Erstbefragung habe der
Beschwerdeführer demgegenüber mit dessen Hilfe noch Dokumente be-
schaffen wollen. Dass die Rangers am (...), anderthalb Jahre nach der
Ausreise, erstmals erneut nach den Beschwerdeführenden gesucht hätten
sowie der Zeitpunkt – nämlich zweieinhalb Wochen vor der Anhörung beim
SEM und nach dem Versand der entsprechenden Vorladungen – erstaune
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Seite 9
auch. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden vermittelten den Ein-
druck, dass sie durch die angebliche erneute Suche eine fortbestehende
Verfolgungssituation zu konstruieren versuchten. Aufgrund der aufgeführ-
ten Ungereimtheiten und Widersprüche könne ihnen ihre Verfolgungssitu-
ation aber nicht geglaubt werden.
3.1.1 An diesen Feststellungen vermöchten auch die eingereichten Be-
weismittel nichts zu ändern. Da die Vorbringen nicht geglaubt werden könn-
ten, sei grundsätzlich an der Echtheit der eingereichten Dokumente zu
zweifeln. Ausserdem sei allgemein bekannt, dass solche Beweismittel
ohne Weiteres unrechtmässig erworben werden könnten, weshalb ihr Be-
weiswert als äusserst gering einzustufen sei. Zur eingereichten Zeugenbe-
stätigung sei festzuhalten, dass es sich hierbei um ein typisches Gefällig-
keitsschreiben handle. Es beinhalte einen Stempel vom (...) Mai (...) und
bestätige eine Festnahme vom (...) Juni (...): Auf Nachfrage hin habe der
Beschwerdeführer erklärt, dieses Papier könne im Voraus gekauft und der
gewünschte Text nachträglich eingefügt werden, womit – dieser Erklärung
zufolge – notarielle Bestätigungen von Vorneherein als wertlos bezeichnet
werden müssten. Auch bei den Bestätigungen des G._ vom (...)
und (...) handle es sich um Gefälligkeitsschreiben. Ausserdem gehe aus
den beiden gleichlautenden Bestätigungen hervor, dass die Pakistan
Rangers und die Polizei mehrmals zu Hause nach ihnen gesucht hätten,
hingegen hätten die Beschwerdeführenden ausgesagt, sie seien erst am
(...) zum zweiten Mal zu Hause aufgesucht worden. Zum Zeitpunkt der Be-
stätigungen seien sie demnach erst einmal zu Hause behelligt worden und
nicht «several times», wie aus den Schreiben hervorgehe. Auch die Email
des Bruders vom (...) sei als Gefälligkeitsschreiben zu werten; der Um-
stand, dass diese Mail in Englisch und nicht in Urdu, ihrer Muttersprache,
verfasst worden sei, weise darauf hin, dass es eigens zwecks späterer Ein-
reichung als Beweismittel verfasst worden sei. Die diversen Berichte und
Unterlagen betreffend die allgemeine Menschenrechtslage in Pakistan so-
wie die Verfolgung von G._-Mitgliedern wie auch die Berichte zum
Verschwinden von H._ vermöchten die persönliche Verfolgungssi-
tuation des Beschwerdeführers nicht zu belegen.
3.1.2 Es sei ferner nicht erkennbar, inwiefern die geltend gemachte kriti-
sche Situation im Jahr 1992, die den Beschwerdeführer dazu bewogen
habe, während drei bis vier Jahren bei Verwandten zu wohnen, sowie der
Besuch durch die Polizei im Jahre 1998 nach der Verhaftung eines Freun-
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Seite 10
des im heutigen Zeitpunkt zur Annahme führen könnte, dass der Beschwer-
deführer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hätte.
3.1.3 Zu seinen exilpolitischen Tätigkeiten sei festzuhalten, dass zwischen
der G._ und anderen Parteien Pakistans in der Tat ein politischer
Kampf bestehe, in welchem es auch immer wieder zu wechselseitigen Er-
mordungen führender Politiker und Arbeiter sowie zu tödlichen Auseinan-
dersetzungen und Unruhen in F._ komme. Auch gehe die Regie-
rung immer wieder gegen Mitglieder der G._ vor, gemäss eigenen
Angaben der G._ aus politischen Gründen. Gleichzeitig sei festzu-
halten, dass es sich bei der G._ um eine der stärksten politischen
Parteien in Pakistan handle, insbesondere in der Stadt F._ sei die
G._ sehr stark. Es sei nicht davon auszugehen, dass alle Mitglieder
der G._ gleichermassen von Verfolgungsmassnahmen betroffen
seien. Obwohl sich der Beschwerdeführer seit zwei Jahrzehnten für die
Partei betätige, gelinge es ihm nicht, eine individuelle Vorverfolgung darzu-
tun. Der Umstand, dass er seine politischen Tätigkeiten in der Schweiz fort-
setze, führe nicht automatisch dazu, dass er nun bei einer Rückkehr nach
Pakistan gefährdet sei. So sei er auf Twitter und Facebook zwar quantitativ
sehr umfangreich aktiv, jedoch handle es sich dabei zu einem grossen Teil
nicht um persönlich verfasste, sondern lediglich um geteilte Beiträge. Somit
gingen seine Aktivitäten insgesamt nicht über eine massentypische exilpo-
litische Tätigkeit hinaus, zumal solche Aktivitäten bei einer Vielzahl von
Asylsuchenden festzustellen seien. Es sei daher nicht davon auszugehen,
dass er den pakistanischen Behörden aufgefallen sei. So habe er selbst
geltend gemacht, die Rangers würden wohl noch davon ausgehen, dass
er und seine Familie sich in Pakistan befinden würden. Die Beschwerde-
führerin gebe an, selbst nie Probleme gehabt zu haben. Somit bestehe ins-
gesamt für die Beschwerdeführenden keine begründete Furcht, in abseh-
barer Zukunft und mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevante Nach-
teile zu erleiden. Schliesslich seien auch die Unterlagen, welche sich auf
die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers beziehen würden,
nicht dazu geeignet, eine individuelle Verfolgung glaubhaft zu machen.
3.2 Diesen Erwägungen halten die Beschwerdeführenden auf Beschwer-
deebene mitunter Wiederholungen, Präzisierungen und Ergänzungen ihrer
Asylvorbringen entgegen. Nachfolgend wird lediglich auf Ergänzendes und
Präzisierendes eingegangen.
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Seite 11
3.2.1 Sie führen zunächst aus, die Tätigkeiten der Pakistan Rangers wür-
den offensichtlich den Rückhalt der pakistanischen Behörden geniessen,
was die Tötung von G._-Mitgliedern miteinschliesse. Da den Pakis-
tan Rangers Informationen über den Beschwerdeführer vorlägen, die sie
über die Folterung von Bekannten des Beschwerdeführers erlangt hätten,
seien sie alle bei einer Rückkehr an Leib und Leben gefährdet. Aufgrund
der Hausdurchsuchungen sei ihr Leben bereits massiv bedroht worden und
sie müssten bei einer Rückkehr damit rechnen, ihr Leben zu verlieren. Die
Mitteilung der Hausdurchsuchung sei ihnen vom Bruder per SMS zugestellt
worden, damit der Anruf nicht habe abgehört werden können. Wie aus dem
Schreiben der G._ vom (...) sowie der Aussage von H._
vom (...) klar hervorgehe, müssten sie bei der Rückkehr mit Tod und Folter
rechnen. Es liege auf der Hand, dass sie gewisse Punkte zu wenig konkret
und detailliert hätten schildern können, da sie persönlich die Verhaftung
durch die Rangers glücklicherweise nicht erlebt hätten, weil sie jeweils ab-
wesend gewesen seien. Das SEM halte fest, die Schilderungen seien ober-
flächlich, womit es verkenne, dass die befürchteten Folterungen eben ge-
rade nicht erlebt worden seien. Dabei werde völlig übergangen, dass die
Beschwerdeführerin – wie sie auch ausgeführt habe – grosse Angst gehabt
und geweint habe. Der Beschwerdeführer habe eine umfassende Ausbil-
dung und in Pakistan über eine gute Arbeitsstelle verfügt; zu einem derartig
fluchtartigen Verlassen ihres Heimatlandes hätten sie sich nur wegen einer
Extremsituation, namentlich der Angst um ihr Leben, entschlossen. Es
müssten schon gravierende Gründe dafür vorliegen, sich mit drei kleinen
Kindern auf die Flucht zu begeben. Nicht Perspektivenlosigkeit, sondern
Angst um Leib und Leben habe sie zur Ausreise gezwungen. Ihre Vorbrin-
gen würden durch entsprechende öffentlich zugängliche Informationen ge-
stützt. Daher sei die vorinstanzliche Argumentation nicht nachvollziehbar.
3.2.2 Mit ergänzenden Beschwerdeeingaben reichten die Beschwerdefüh-
renden verschiedene Beweismittel ins Recht. Dabei wird mitunter geltend
gemacht, M._, der persönlich im Bericht des U._ erwähnt
werde, sei ein enger Kollege des Beschwerdeführers und er sei auch von
diesem im (...) nach T._ eingeladen worden.
3.3 In ihrer Vernehmlassungsschrift vom 16. September 2019 hält die Vo-
rinstanz fest, dass die seit der letzten Vernehmlassung eingereichten Ein-
gaben keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthielten,
welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Zum
G._-Bericht auf dem pakistanischen Nachrichtensender (...) sei
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Seite 12
festzuhalten, dass der im gleichzeitig eingereichten Schreiben des Be-
schwerdeführers erwähnte Link zum entsprechenden YouTube-Video nicht
funktioniere. Somit bleibe einzig die Aufzeichnung auf dem USB-Stick, die
sich bereits auf der am 23. November 2017 eingereichten CD befinde. Da-
raus gehe indessen nicht hervor, welche Reichweite die Nachrichtensen-
dung gehabt habe. Bereits eine kurze Internetrecherche zeige sodann,
dass es sich bei (...) nicht um einen seriösen Nachrichtensender handle.
Die Aufschaltung des Senders habe sich aufgrund eines Skandals im Jahr
2015 verzögert und im (...) 2017 sei (...) die Lizenz entzogen worden; dies
nicht zuletzt aufgrund von Hassreden verschiedener seiner Nachrichten-
sprecher. Die Sendung sei zudem bereits knapp zwei Jahre alt und es
seien in diesem Zusammenhang keine Verfolgungsmassnahmen gegen-
über dem Beschwerdeführer beziehungsweise den sich noch in Pakistan
befindenden Familienmitgliedern geltend gemacht worden. Die seit dem
Entscheid des SEM fortgeführte exilpolitische Tätigkeit des Beschwerde-
führers sei aufgrund ihres Umfangs und ihrer Qualität weiterhin als mas-
sentypisch zu bezeichnen.
3.4 Mit Replikeingabe vom 14. Oktober 2019 bestritten die Beschwerde-
führenden, dass der Link nicht funktioniere, und hielten der Vorinstanz ent-
gegen, dass die Sendung weiterhin unverändert auf YouTube publiziert sei.
Darin würden der Beschwerdeführer und die anderen auf dem Bild abge-
bildeten Personen als gefährliche Verräter und Bedrohung für Pakistan be-
zeichnet und vor den Folgen bei einer Rückkehr gewarnt werden. Die Ge-
fährdung des Beschwerdeführers gründe primär darin, dass die pakistani-
schen Behörden von seinen G._-Aktivitäten Kenntnis hätten und
ihn deshalb als politischen Gegner und Sicherheitsrisiko einstuften, insbe-
sondere auch nach seiner Aktion anlässlich der Versammlung des (...).
Dass diese Aktivitäten öffentlich gemacht worden und nach wie vor publi-
ziert seien, komme noch hinzu, wobei es auf eine allfällige journalistische
Qualifikation des relevanten Nachrichtensenders grundsätzlich nicht an-
komme. Zudem könne die Einschätzung des SEM, beim (...)-Sender
handle es sich um einen nicht ernstzunehmenden Nachrichtensender,
nicht geteilt werden, zumal dieser im Internet sowohl unter www.(...).com
als auch auf anderen Kanälen wie beispielsweise YouTube oder Facebook
aktuell aufgerufen werden könne. Dazu sei festzuhalten, dass es sich beim
dortigen Moderator, N._, um eine prominente politische Persönlich-
keit handle. (...). Wie sich aus den Akten ergebe, seien die exilpolitischen
Tätigkeiten keineswegs als massentypisch zu bezeichnen, sondern der
Beschwerdeführer sei ein prominentes, sichtbares Mitglied der G._,
http://www.bolnews.com/
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Seite 13
zumal er seit Jahren via soziale Medien ausführliche und schwerwiegende
Kritik an der pakistanischen Regierung und dem Militär veröffentliche.
4.
4.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlings-
eigenschaft verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführenden abge-
lehnt hat. Da diese im Wesentlichen eine Gefährdung aufgrund ihrer Zuge-
hörigkeit und Tätigkeit für die G._ geltend machen, drängt sich
vorab eine kurze Analyse der politischen Situation in Pakistan mit beson-
derem Blick auf die G._ auf.
Nachfolgend wird auf folgende Quellen zurückgegriffen (alle jeweils aufge-
rufen am 15. September 2020).
- V._
- W._
- X._
- Y._
- Z._
- Aa._
- Ab._
- Ac._
- Ad._
- Ae._
- Af._
4.2 G._ – (...) – wurde am (...) von I._ in F._ gegrün-
det. Die G._ hatte stets eine wichtige Rolle in der Stadt F._,
die in von verschiedenen politischen und ethnischen Gruppen kontrollierte
Quartiere unterteilt ist. Seit ihrer Gründung hat sich die G._ in di-
verse Fraktionen aufgespalten, die untereinander in (oft bewaffneten) Kon-
flikten stehen beziehungsweise standen. Diese Teilung erfolgte im Zuge
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Seite 14
der (...) lancierten Militäroperation «(...)», welche die Stadt von Milizen und
antistaatlichen Elementen säubern sollte. Die Operationen der Sicherheits-
kräfte richteten sich insbesondere gegen die G._-Fraktion rund um
I._ und ihre Anhänger, wobei die Führungsriege der «G._-
A», darunter I._, zu Straftätern erklärt, und ins Exil gezwungen
wurde. Neben internen Streitereien gerieten Mitglieder der G._
auch ins Visier der pakistanischen Sicherheitskräfte. Wie das australische
Departement of Foreign Affairs and Trade (DFAT) schreibt, behaupten
G._-Führer, dass die Pakistan Rangers im Verlauf von Sicherheits-
operationen seit 2013 gezielt gegen die G._ vorgegangen seien. So
sollen seit 2013 über 130 ihrer Mitglieder verschwunden und über 100 aus-
sergerichtlich getötet worden sein. Die G._ behauptet ferner, dass
die Regierungstruppen im gleichen Zeitraum mehr als 1000 ihrer Mitglieder
inhaftiert hatten. Im (...) 2016 hielt I._ in O._ eine Rede, in
welcher er Pakistan als Krebsgeschwür der Welt und Epizenter des Terro-
rismus bezeichnete. Er forderte seine Anhänger dazu auf, Medien anzu-
greifen, die der G._ keine ausreichende Medienberichterstattung
böten. Eine Gruppe von G._-Anhängern griff in der Folge ein Büro
der (...)-News an und bei anschliessenden gewalttätigen Zusammenstös-
sen mit der Polizei wurde eine Person getötet und mehrere Personen ver-
letzt. Die Pakistan Rangers versiegelten daraufhin das Hauptquartier der
G._ in F._ und nahmen Anführer der G._ fest. Die
Rede von N._ wurde stark kritisiert und er entschuldigte sich später
formell beim Armeechef. Die Mitglieder der G._ in Pakistan wurden
jedoch vom Militär unter Druck gesetzt und waren gezwungen sich von
I._ zu distanzieren, was zur Teilung der G._ in eine pakista-
nische (G._) und eine O._ Fraktion (G._) führte. Die
G._ sicherte sich bei den Wahlen (...) sieben Sitze in der National
Assembly und schloss sich in einer Koalition mit der Regierung unter
P._. Laut verschiedenen Quellen kam es im Jahr 2019 zu diversen
Verhaftungen und Tötungen von mutmasslichen Auftragsmördern, die der
G._ angehörten.
4.3 Vor dem Hintergrund der soeben dargelegten Lage in Pakistan ist da-
von auszugehen, dass seit der Aufspaltung der G._ die Aktionen
der Behörden vorwiegend gegen Mitglieder der G._ gerichtet zu
sein scheinen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist somit nicht anzu-
nehmen, dass sämtliche Mitglieder der G._ – insbesondere solche
der im Parlament vertretenen G._ – systematisch einer Verfolgung
durch die pakistanischen Behörden ausgesetzt wären. Nachdem der Be-
schwerdeführer vor der Aufspaltung der Partei ausgereist ist, vermag seine
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Zugehörigkeit zur früheren Gesamtpartei für sich allein keine asylrelevante
Verfolgungsgefahr zu begründen. Dessen ungeachtet sind – wie nachfol-
gend ausgeführt – die geltend gemachten Vorfluchtgründe der Beschwer-
deführenden ohnehin als unglaubhaft einzustufen.
Auf Beschwerdeebene wird geltend gemacht, eine Familie mit drei kleinen
Kindern würde ihr Heimatland nur bei Vorliegen einer Extremsituation –
womit wohl sinngemäss ein enormer psychischer Druck gemeint ist – ver-
lassen. Dies führt jedoch – entgegen der in der Beschwerdeschrift vertre-
tenen Auffassung – nicht automatisch zur Annahme eines asylrelevanten
Ausreisegrundes. Die vorgetragenen Ausreisegründe wirken nach einge-
hender Würdigung der Akten insgesamt, wie vom SEM zu Recht erwogen,
konstruiert. Zwar werden Daten und mehrere wesentliche Eckpfeiler der
Ereignisse von den Beschwerdeführenden in kongruenter Weise dargetan,
indessen fehlen den Darlegungen die überzeugenden Merkmale: So zwei-
felt die Vorinstanz angesichts der beschriebenen Umstände rund um die
SMS-Warnung durch den Bruder zu Recht an der Glaubhaftigkeit der
Hausdurchsuchung. Die auf Beschwerdeebene vorgebrachte Erklärung,
dass der Bruder des Beschwerdeführers eine SMS geschrieben habe, um
nicht einer Abhörung der pakistanischen Behörden oder der Paramilitärs
ausgesetzt zu sein, wirkt zwar plausibel. Indessen wäre zu erwarten gewe-
sen, dass die Beschwerdeführenden dies bereits an den Anhörungen vor-
bringen würden, was sie jedoch unterliessen. Stattdessen wurden auf
Nachfrage hin gesucht wirkende Argumente vorgetragen «der Bruder hatte
genug Informationen» oder «wir waren schon darauf vorbereitet». Erst auf
Beschwerdeebene eingebracht, wirkt die Furcht vor der Abhörung nachge-
schoben und eignet sich nicht dazu, den an der Anhörung vorgetragenen
Vorbringen nachträglich Plausibilität zu verleihen. Weiter widerspricht der
Umstand, dass sich die Beschwerdeführenden, anstatt nach Hause zu-
rückzukehren, während Tagen bei Familienangehörigen aufgehalten ha-
ben wollen, der Logik einer Verfolgungssituation. Werden behördliche Be-
helligungen mit lebens- oder freiheitsbedrohlichen Folgen geltend ge-
macht, ist es nicht nachvollziehbar, dass bei Familienangehörigen (in der
gleichen Ortschaft) um Schutz ersucht wird. Vielmehr wäre anzunehmen,
dass die Beschwerdeführenden solche Orte gerade nicht aufsuchen, um
ein Zusammentreffen mit den Behörden zu vermeiden, zumal diese ja of-
fenbar bereits den Arbeitsort des Beschwerdeführers ausfindig gemacht
hatten. Schliesslich lassen die Ausführungen auf Beschwerdeebene eine
plausible Erklärung dafür vermissen, weshalb die Pakistan Rangers im (...)
nochmals bei ihnen zu Hause aufgetaucht sein sollen. Zur Vermeidung von
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Wiederholungen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (vgl. E. 3.1.1 bis 3.1.3 oben).
4.4 Unter Berücksichtigung sämtlicher Kriterien der Glaubhaftigkeitsprü-
fung (siehe oben E. 2.3) – sowie der entsprechenden Hintergrundinforma-
tionen – (siehe oben E. 4.2) ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass
es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, glaubhaft zu machen, im
Zeitpunkt der Ausreise drohenden ernsthaften Nachteilen beziehungs-
weise einer begründeten Furcht vor Verfolgung ausgesetzt gewesen zu
sein.
5.
5.1 Im Folgenden sind die von den Beschwerdeführenden geltend ge-
machten exilpolitischen Tätigkeiten zu überprüfen.
5.2 Die vom Beschwerdeführer eingereichten Fotos zeigen ihn mit regime-
kritischen Plakaten in T._. Eines dieser Fotos wurde in der auf Da-
tenträgern eingereichten Nachrichtensendung des pakistanischen Nach-
richtensenders (...) aufgegriffen. Die Demonstrationsteilnahme des Be-
schwerdeführers zusammen mit vier anderen Personen, darunter höheren
Mitgliedern der G._ aus dem Vereinigten Königreich, wurde somit
offenbar in Pakistan registriert und in eine online verfügbare Fernsehsen-
dung aufgenommen. Der Moderator ist ein pakistanischer Journalist, der
(...) in der Sendung den Beschwerdeführer und die anderen Teilnehmer als
Regimegegner bezeichnete. Der Moderator liess diesbezüglich verlauten,
dass solche Aktivisten den schlimmsten Strafen unterzogen werden soll-
ten. Das Video wurde am (...) hochgeladen und verzeichnet bis dato etwas
über 19'000 Aufrufe. Zu prüfen ist demnach, ob den Beschwerdeführenden
aufgrund dieser Umstände bei einer Rückkehr eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgung droht.
5.3 Ob eine Gefährdung des Beschwerdeführers und seiner Familie vor-
liegt, misst sich an der Frage, ob seine exilpolitischen Tätigkeiten von der
pakistanischen Regierung erkannt und zudem bei einer Rückkehr mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungs-
handlungen nach sich ziehen würden.
5.4 Zunächst ist festzustellen, dass der Link der aufgezeichneten Sendung
– entgegen der Auffassung der Vorinstanz – durchaus funktioniert. Somit
ist dem vorinstanzlichen Fazit, die Tätigkeiten des Beschwerdeführers
seien nicht publik geworden, zunächst die Grundlage entzogen. Indessen
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wurde das Video am (...) – mithin vor zirka 3 Jahren – hochgeladen, wobei
nach Überprüfung des Gerichts die Aufrufe seit November 2019 bei rund
19'000 stagnieren. Es besteht offensichtlich kein grosses und insbeson-
dere kein aktuelles Interesse am besagten Video. Zudem ist aufgrund der
oben beleuchteten Entwicklungen beziehungsweise der aktuellen politi-
schen Lage eine aus diesem Video resultierende Gefährdungssituation zu
verneinen. Wie bereits aufgeführt, weist im heutigen Zeitpunkt lediglich die
Zugehörigkeit zur G._ asylrelevantes Gefährdungspotential auf.
Obwohl die auf dem im Video thematisierten Foto abgebildeten Demonst-
ranten angeblich mit der G._ in O._ in Verbindung standen,
ergibt sich aus den Akten keine klare Zugehörigkeit des Beschwerdefüh-
rers zur G._. Vielmehr twittert er heute in seinem eigenen Namen
oder unter G._-Switzerland. Schliesslich hat der Beschwerdeführer
zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht, seine Familie sei im Nachgang an
das Video in Pakistan behelligt worden. Es ist daher nicht davon auszuge-
hen, dass die pakistanischen Behörden aufgrund einer einmaligen erkenn-
baren Teilnahme an einer regimekritischen Demonstration im (...) ein aktu-
elles Interesse am Beschwerdeführer hegen.
Sodann sind die vorinstanzlichen Erwägungen zu stützen, wonach es sich
bei den eingereichten Unterlagen betreffend die Aktivitäten des Beschwer-
deführers mehrheitlich um Informationen allgemeiner Art über die Men-
schenrechtslage in Pakistan (vgl. oben Bst. I, L und Q) ohne inhaltlich per-
sönlichen Bezug zum Beschwerdeführer handelt. Zudem erschöpfen sich
seine Internetaktivitäten vorwiegend im Teilen von bestehenden Inhalten
und es finden sich wenig selbst verfasste Beiträge darunter. Die jüngst ein-
gereichten Briefe an die kanadische Regierung, das OHCHR und der of-
fene Brief an den Bundesrat sowie Quittungen, die Briefsendungen an alle
sieben Schweizer Bundesräte aufführen (vgl. oben Bst. R), vermögen die
Einschätzung, dass seine Internetaktivitäten – unter dem Namen
«G._ Switzerland» – keinen persönlichen Bezug zu ihm selbst auf-
weisen und insgesamt niederschwellig sind, nicht umzustossen. Das wird
auch durch die von ihm neu eingereichten, eigens verfassten Tweets, mit
denen er mitunter seine verfassten Schreiben auf Twitter publik macht, be-
stätigt, zumal das entsprechende Interesse daran mit 2 bis maximal 11
Retweets beziehungsweise maximal 16 Likes pro Tweet sehr gering ist.
Insgesamt gehen die Aktivitäten des Beschwerdeführers nicht über eine
massentypische exilpolitische Tätigkeit hinaus. Diese ist nicht geeignet, um
ihn in den Augen der pakistanischen Behörden als ernsthaften und gefähr-
lichen Regimegegner erscheinen zu lassen.
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Im Übrigen hat der Beschwerdeführer an der Anhörung selbst ausgeführt,
dass die pakistanischen Behörden davon ausgegangen seien, die Familie
befinde sich noch in Pakistan (A12/21 F111). Dies deutet darauf hin, dass
sie zumindest zum damaligen Zeitpunkt seinen exilpolitischen Aktivitäten
keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt haben. Inwiefern sich dies in der
Zwischenzeit geändert haben sollte, ist nicht ersichtlich. Auch seine neu
eingereichten Tweets zur Entführung des G._-Anführers L._
vermögen nicht darzulegen, inwiefern sich daraus für die Beschwerdefüh-
renden eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung ableiten liesse.
Vor dem Hintergrund des Gesagten und aufgrund der Tatsache, dass sich
sein Engagement insgesamt auf niederschwelligem Niveau hält und keine
weiteren exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers mit internatio-
naler Beachtung aktenkundig gemacht wurden, ist somit nicht anzuneh-
men, dass die Beschwerdeführenden deswegen mit grösster Wahrschein-
lichkeit Gefahr laufen, bei einer Rückkehr Opfer flüchtlingsrechtlich rele-
vanter Massnahmen zu werden.
5.5 Somit gelingt es den Beschwerdeführenden nicht, einen asylrechtlich
relevanten erlittenen Nachteil oder eine begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung darzutun. Das SEM hat demnach zu Recht ihre Flüchtlingsei-
genschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/37
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der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat-,
Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführenden nicht gelang, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Hei-
matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würden (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
E-2169/2017
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§§ 124-127 m.w.H.). Auch die von den Beschwerdeführenden geäusserten
gesundheitlichen Probleme (Eisenmangel und Schmerzen des Sohnes so-
wie Depressionen) stellen keinen Grund zur Annahme dar, es bestehe des-
halb ein «real risk», dass ihnen in Pakistan ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK
beziehungsweise – nach präzisierender Rechtsprechung des EGMR – in-
folge fehlenden Zugangs zu einer medizinischen Behandlung intensives
Leiden oder eine erhebliche Kürzung der Lebenserwartung drohe (vgl.
BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.; EGMR, Paposhvili gegen Belgien, Urteil vom
13. Dezember 2016, Beschwerde-Nr. 41738/10, § 183). Schliesslich lässt
auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat den Weg-
weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 In Pakistan herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-
bar wäre.
7.3.2 Sind Kinder von einem Wegweisungsvollzug betroffen, bildet das Kin-
deswohl Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung einen Gesichtspunkt von ge-
wichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich insbesondere aus einer völkerrechts-
konformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte von
Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom
20. November 1989 (KRK, SR 0.107; vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3 m.w.H.).
Wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt, sind insbesondere bei den
beiden jüngeren Kindern ([...] und [...] Jahre alt) aufgrund ihres Alters nach
wie vor die Eltern als vorwiegende Bezugspersonen und die Kernfamilie
als primäres und prägendes Umfeld zu betrachten. Auch dem Kindeswohl
der ältesten, knapp (...)-jährigen Tochter widerspricht es nicht, zusammen
mit ihren Eltern in den Kulturraum, in welchem sie nach wie vor den gröss-
ten Teil ihrer Kindheit verbracht hat, zurückzukehren. Insgesamt befinden
sich die Kinder in einem Alter, indem davon auszugehen ist, dass sie sich
in Pakistan schnell wieder zurechtfinden, zumal sie dort auch weitere Ver-
wandte und somit ein tragfähiges Familiennetz vorfinden. Das Kindeswohl
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/9 http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/30
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gemäss Art. 3 KRK steht einem Wegweisungsvollzug in casu somit nicht
entgegen.
7.3.3 Die Beschwerdeführenden machten im vorinstanzlichen Verfahren
gesundheitliche Beschwerden wie Eisenmangel und Schmerzen des Soh-
nes (vgl. A12 F6) sowie Depressionen und Übergewicht der Mutter
(vgl. A12 F4) geltend. Seither wurden keinerlei gesundheitliche Beschwer-
den mehr aktenkundig gemacht. Wie die Vorinstanz diesbezüglich eben-
falls zutreffend ausführt, ist in Pakistan die medizinische Gesundheitsver-
sorgung grundsätzlich gewährleistet und Behandlungen psychischer
Krankheiten sind möglich (unter vielen Urteil des BVGer D-5807/2019 vom
10. Januar 2020 E. 7.5.2). Somit lassen auch die gesundheitlichen Be-
schwerden den Wegweisungsvollzug nicht unzumutbar erscheinen.
7.3.4 Darüber hinaus sind keine weiteren Gründe ersichtlich, die gegen ei-
nen Wegweisungsvollzug sprechen. Die Eltern haben ein Studium absol-
viert (vgl. A3 S. 5 und A4 S. 4). Der Vater kann zudem auf eine langjährige
Berufserfahrung im Verkauf und zuletzt als Produktemanager in einem Me-
dizinalunternehmen zurückgreifen (vgl. A3 S.5). Seinen Ausführungen zu-
folge hat die Familie von seinem Einkommen gut gelebt. Unter Berücksich-
tigung dieser Faktoren kann davon ausgegangen werden, dass er nach
einer Rückkehr erneut eine Anstellung finden und den Lebensunterhalt der
Familie bestreiten wird. Im Heimatland leben zudem die Eltern des Be-
schwerdeführers, sein jüngerer Bruder (A3 S. 5), ein Onkel und eine Tante
(vgl. A12 F97). Die Beschwerdeführerin hat noch ihre Mutter, einen älteren
Bruder und eine jüngere Schwester in Pakistan (vgl. A4 S. 5). Somit darf
auch vom Vorhandensein eines tragfähigen familiären Beziehungsnetzes
in Pakistan ausgegangen werden, das die Familie bei Bedarf bei der Rein-
tegration unterstützen kann. Bei dieser Ausgangslage ist nicht davon aus-
zugehen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in eine exis-
tenzielle Notlage geraten würden.
7.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 22
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 24. April 2017 geleistete Kostenvorschuss
ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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