Decision ID: 1d3b77d9-9778-5308-ba81-90ae6ee6d511
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus Serbien stammende Beschwerdeführer (geb. [...]) reiste im April
1990 im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei den Eltern in die
Schweiz ein und erhielt in der Folge die Niederlassungsbewilligung. Am
25. Juli 1997 heiratete er in Serbien eine Landsfrau, welche er im Februar
2000 in die Schweiz nachzog. Aus der Ehe gingen drei Kinder (geb. 2002,
2006 und 2007) hervor. Die Ehefrau und die gemeinsamen Kinder waren
anfänglich im Besitze einer Niederlassungsbewilligung, im Herbst 2017 er-
warben sie das Schweizer Bürgerrecht.
B.
Bereits als Jugendlicher wurde der Beschwerdeführer, in der Zeitspanne
von 1992 bis 1997, wegen Hehlerei, Sachbeschädigung, Diebstahls, Rauf-
handels und weiterer Delikte bestraft. Auch als Erwachsener geriet er an-
schliessend wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt.
B.a Am 15. März 2002 verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich den
Beschwerdeführer wegen mehrfachen Raubes (teilweise unter Mitführens
einer Waffe und in bandenmässiger Begehung), mehrfachen Diebstahls,
mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfa-
cher Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch sowie missbräuch-
licher Verwendung von Ausweisen und Kontrollschildern zu einer Zucht-
hausstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Der Vollzug der Strafe
wurde zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben. Mit Verfü-
gung vom 16. Dezember 2002 drohte ihm die Direktion für Soziales und
Sicherheit des Kantons Zürich deshalb die Ausweisung aus der Schweiz
an, sollte er erneut in schwerwiegender Weise delinquieren (vgl. Akten der
Vorinstanz [SEM act.] 1).
B.b Am 20. Juni 2005 wurde Beschwerdeführer von der Staatsanwalt-
schaft II des Kantons Zürich wegen Widerhandlungen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz (schwerer Fall) zu einer unbedingten Gefängnisstrafe
von drei Monaten verurteilt. Die Verstösse hatten am 19. August 2005 eine
förmliche Verwarnung durch das Migrationsamt des Kantons Zürich zur
Folge.
B.c Der Beschwerdeführer blieb auch danach straffällig. So sprach ihn das
Bezirksgericht Zürich am 21. Juni 2010 des Angriffs, der mehrfachen ein-
fachen Körperverletzung, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie der
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Irreführung der Rechtspflege schuldig. Das Obergericht des Kantons Zü-
rich bestätigte diese Schuldsprüche mit Urteil vom 26. März 2012 und ver-
urteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Der Vollzug der Strafe
wurde zwecks Durchführung einer stationären therapeutischen Mass-
nahme aufgeschoben.
Im Auftrag des Migrationsamtes des Kantons Zürich gewährte die Stadtpo-
lizei Zürich am 30. Januar 2013 der Ehefrau des Beschwerdeführers und
am 11. Februar 2013 ihm selbst im Rahmen einer mündlichen Befragung
das rechtliche Gehör zum allfälligen Erlass einer Entfernungsmassnahme.
B.d Mit Strafbefehl vom 3. Februar 2014 sprach die Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Sihl den Beschwerdeführer der groben Verletzung von Verkehrsregeln
schuldig, was eine unbedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je
Fr. 60.– nach sich zog.
B.e Am 26. Oktober 2015 verurteilte das Bezirksgericht Zürich den Be-
schwerdeführer wegen Angriffs zu einer unbedingten Geldstrafe von 330
Tagessätzen à Fr. 40.–.
C.
Aufgrund dieses Sachverhalts widerrief das Migrationsamt des Kantons
Zürich mit Verfügung vom 12. Februar 2016 die Niederlassungsbewilligung
des Beschwerdeführers und wies ihn aus der Schweiz weg (SEM act. 3).
Die dagegen erhobenen kantonalen Rechtsmittel blieben erfolglos (Re-
kursentscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich vom 18. Juli
2016 [SEM act. 4], Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom
21. Dezember 2016 [SEM act. 5]). In letzter Instanz wies das Bundesge-
richt eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten am 12. Ja-
nuar 2018 ebenfalls ab (Urteil 2C_140/2017).
D.
Am 9. April 2018 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer im Hin-
blick auf die Anordnung einer Fernhaltemassnahme das rechtliche Gehör
(SEM act. 9), wovon er mit Schreiben vom 14. Mai 2018 innert erstreckter
Frist Gebrauch machte (SEM act. pag. 120/121).
E.
Mit Verfügung vom 16. Mai 2018 verhängte die Vorinstanz über den Be-
schwerdeführer ein Einreiseverbot für die Dauer von zehn Jahren. Gleich-
zeitig ordnete sie die Ausschreibung dieser Massnahme im Schengener
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Seite 4
Informationssystem (SIS II) an und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung (SEM act. 12).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 18. Juni 2018 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung; eventualiter sei das Einreiseverbot auf zwei Jahre zu befristen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Wiederherstellung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung (BVGer act. 1).
Das Rechtsmittel war mit Kopien der Identitätskarten von Ehefrau und Kin-
dern, einem Gesuch um Erstreckung der Ausreisefrist vom 28. Mai 2018,
der entsprechenden Erstreckung durch das Migrationsamt des Kantons
Zürich vom 31. Mai 2018, dem Schlussbericht der behandelnden Psycho-
login vom 20. März 2017 und einer Arbeitsbestätigung vom 22. März 2018
ergänzt.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2018 wies das Bundesverwaltungsge-
richt das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Über das
Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde wurde nicht befunden, der Beschwerdeführer jedoch darauf hin-
gewiesen, dass er das Gesuch nach erfolgter Ausreise aktualisieren könne
(BVGer act. 2).
H.
Am 13. Juli 2018 hat der Beschwerdeführer die Schweiz innert der ihm von
der Migrationsbehörde des Kantons Zürich erstreckten Ausreisefrist verlas-
sen.
I.
Mit Eingabe vom 25. Juli 2018 reichte der Parteivertreter die Kopie eines
«Beschwerdeformulars» nach. Daraus ging hervor, dass er im Zusammen-
hang mit dem rechtskräftig abgeschlossenen Aufenthaltsverfahren am
11. Juli 2018 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
(EGMR) gelangt war (BVGer act. 3).
J.
Das SEM schliesst in seiner Vernehmlassung vom 11. Oktober 2018 auf
Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 10).
F-3551/2018
Seite 5
Mit Schreiben vom 23. Oktober 2018 wurde dem Beschwerdeführer ein
Doppel der Vernehmlassung zur Kenntnis zugestellt (BVGer act. 11).
K.
Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts beim Bundesamt für Justiz
(BJ) ergaben am 6. Februar 2020, dass die beim EGMR eingereichte Be-
schwerde bis dato nicht weitergeführt worden war (BVGer act. 14).
L.
Auf den weiteren Akteninhalt – einschliesslich der beigezogenen Akten des
Migrationsamtes des Kantons Zürich – wird, soweit rechtserheblich, in den
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und
daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme
nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver-
letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
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Seite 6
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-
zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei
wurde der Titel des Gesetzes in „Ausländer- und Integrationsgesetz“ (AIG)
umbenannt. Das Gericht wendet ab diesem Zeitpunkt die neue Bezeich-
nung an, mit dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behandelten wesent-
lichen Bestimmungen nicht geändert wurden. Gleiches gilt für die Bestim-
mungen der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201).
4.
In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter, die Vorinstanz habe die Be-
gründungspflicht verletzt. In der angefochtenen Verfügung befasse sie sich
weder mit der konkreten Rückfallgefahr noch ziehe sie die spezifischen
Umstände des Falles, insbesondere die familiäre Situation, in Betracht.
4.1 Was die Begründungspflicht gemäss Art. 35 VwVG anbelangt, so soll
sie den Betroffenen in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht an-
zufechten. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu
nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid
stützt (BGE 141 V 557 E. 3.2.1; 136 I 229 E. 5.2; Urteile des BGer
2D_14/2018 vom 13. August 2018 E. 3.1 sowie 2C_633/2017 vom 2. Mai
2018 E. 3.2 je m.H.). Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer
die Sach- und Rechtslage der betroffenen Person, desto höhere Anforde-
rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. etwa BGE 137 II 266 E. 3.2
und BGE 136 I 229 E. 5.2 oder BVGE 2012/24 E. 3.2). Das Bundesverwal-
tungsgericht hat in seiner Rechtsprechung verschiedentlich darauf hinge-
wiesen, dass die Vorinstanz bei einem Einreiseverbot von mehr als fünf
Jahren Dauer eine Gefährdungsprognose zu erstellen und nachvollziehbar
darzulegen hat, weshalb von einer aktuellen und schwerwiegenden Gefahr
auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer F-5350/2016 vom 6. März 2017
F-3551/2018
Seite 7
E. 3.4 m.H. oder auch KILIAN MEYER, Anforderungen an die erstinstanzliche
Begründung von Einreiseverboten, in: dRSK, publiziert am 9. Juli 2015).
4.2 Aus der angefochtenen Verfügung wird klar, weshalb das SEM über
den Beschwerdeführer ein langjähriges Einreiseverbot verhängte. Mit der
Fokussierung auf die wiederholte Straffälligkeit, die Schwere der Taten und
die bedrohten Rechtsgüter wird, unter ausdrücklicher Bezugnahme auf
Art. 67 Abs. 3 AIG, ein bestehendes, erhebliches öffentliches Fernhaltein-
teresse aufgezeigt. Wohl trifft zu, dass die Begründung der angefochtenen
Verfügung den Prozess der Interessenabwägung nicht widerspiegelt und
die diesbezüglichen Ausführungen implizite Aspekte beinhalten. Insbeson-
dere gilt dies bezüglich des Verweises auf das Verfahren i.S. Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. In jenem Verfahren sind die betroffenen öffent-
lichen und privaten Interessen von den kantonalen Instanzen und in letzter
Instanz vom Bundesgericht allerdings bereits umfassend gewürdigt wor-
den (vgl. Urteil 2C_140/2017) und der dort beurteilte Gesamtsachverhalt
bildete auch die Grundlage für das Verfahren zum Erlass einer Fernhalte-
massnahme. Ob eine Verfügung hinreichend begründet ist oder nicht, be-
stimmt sich nämlich nicht aus der Sicht eines unbeteiligten Dritten. Die Ver-
fügung muss mit anderen Worten nicht notwendigerweise aus sich selbst
und für jedermann verständlich sein. Als massgebend erweist sich, dass
für die Partei erkennbar ist, von welchen Gründen sich die Behörde bei
ihrem Entscheid leiten liess. Für die Beantwortung der Fragen der Erkenn-
barkeit ist das spezielle Wissen der Partei miteinzubeziehen. Über dieses
besondere Wissen verfügte der Beschwerdeführer aufgrund der gegen ihn
ergangenen Strafurteile und der widerrufenen Niederlassungsbewilligung
zweifellos (vgl. Urteil des BVGer F-953/2017 vom 20. Dezember 2018
E. 3.3 m.H.).
4.3 Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass Einreiseverbote zu den men-
genmässig häufigsten Anordnungen der schweizerischen Verwaltungspra-
xis zählen und die Vorinstanz speditiv zu entscheiden hat (Effizienzgrund-
satz). Auch kann und muss die Begründungsdichte erstinstanzlicher Ent-
scheide nicht derjenigen höherer Instanzen entsprechen (vgl. beispiels-
weise Urteil des BVGer F-7605/2016 vom 26. Oktober 2018 E. 3.3 m.H.).
Entscheidend ist, dass es dem Beschwerdeführer vorliegend möglich war,
sich sachgerecht gegen die vorinstanzliche Verfügung zur Wehr zu setzen.
Damit ist das SEM seiner Begründungspflicht hinreichend nachgekommen.
F-3551/2018
Seite 8
5.
5.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann das SEM gegen ausländische
Personen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz
oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein Einreisever-
bot verfügen. Dieses wird – so Art. 67 Abs. 3 AIG – für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt, kann aber für eine längere Dauer angeord-
net werden, wenn von der ausländischen Person eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (vgl. BVGE
2014/20 E. 5). Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann von
der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder ein Einreiseverbot
vollständig oder vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AIG).
5.2 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden:
Botschaft] BBl 2002 3813, welche in Bezug auf die Regelungen zum Ein-
reiseverbot weiterhin massgeblich ist). Die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die
Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die
Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Ein-
zelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor,
wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet
werden (Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]; inhaltlich
identisch mit 80 Abs. 1 Bst. a VZAE in der bis zum 31. Dezember 2018
geltenden Fassung). Demgegenüber müssen bei Annahme einer Gefähr-
dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung konkrete Anhaltspunkte da-
für bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz
mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung führen wird (Art. 77a Abs. 2 VZAE; inhaltlich iden-
tisch mit 80 Abs. 2 VZAE in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Fassung). Bestand ein solches Verhalten in der Vergangenheit, so wird die
Gefahr entsprechender künftiger Störungen vermutet (vgl. BVGE 2017
VII/2 E. 4.4 oder Urteil des BVGer F-7649/2016 vom 13. März 2018 E. 3.2
m.H.).
5.3 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG setzt mehr voraus als
eine einfache Gefährdung nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AIG.
F-3551/2018
Seite 9
Verlangt wird eine qualifizierte Gefährdungslage, über deren Vorliegen
nach Massgabe aller Umstände des Einzelfalles zu befinden ist. Eine sol-
che Gefährdungslage darf nicht leichthin angenommen werden. Nach der
Rechtsprechung kann sie sich beispielsweise aus der Hochwertigkeit des
deliktisch bedrohten Rechtsguts ergeben (z.B. Leib und Leben, körperliche
und sexuelle Integrität, Gesundheit), aber auch aus der Zugehörigkeit des
drohenden Delikts zur besonders schweren Kriminalität mit grenzüber-
schreitender Dimension (z.B. Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel,
organisierte Kriminalität), aus der wiederholten Delinquenz und ihrer zu-
nehmenden Schwere oder aus der Abwesenheit einer günstigen Prognose
(vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3; Urteil des BGer 2C_270/2015 vom 6. August
2015 E. 4.2; BVGE 2013/4 E. 7.2.4; Urteil des BVGer F-5596/2016 vom
6. August 2019 E. 5.3 m.H.).
5.4 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaates der EU oder der EFTA besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so
wird sie nach Massgabe der Bedeutung des Falles im SIS II zur Einreise-
verweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG]
Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. De-
zember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation, Abl. L 381/4
vom 28. Dezember 2016 sowie Art. 20–22 der Verordnung vom 8. März
2013 über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems [N-
SIS] und das SIRENE-Büro [N-SIS-Verordnung, SR 362.0]).
6.
6.1 Das SEM listet in der angefochtenen Verfügung die in die Zeitspanne
von 2002 bis 2015 fallenden Strafurteile auf und hält fest, aufgrund der
wiederholten, schweren Verstösse gegen die Gesetzgebung sei die Nie-
derlassungsbewilligung des Beschwerdeführers widerrufen und er aus der
Schweiz weggewiesen worden. Die begangenen Straftaten stellten einen
schweren Verstoss gegen die Gesetzgebung dar, womit eine schwerwie-
gende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einhergehe.
Der Erlass einer zehnjährigen Fernhaltemassnahme zwecks Vermeidung
künftiger Delikte erscheine auch in Berücksichtigung der geltend gemach-
ten privaten Interessen als gerechtfertigt und verhältnismässig (Art. 67
Abs. 3 AIG). Der Beschwerdeführer habe während der Dauer des Einrei-
severbots zu beweisen, dass er gewillt und fähig sei, sich in Zukunft an die
geltende Rechtsordnung zu halten.
F-3551/2018
Seite 10
6.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, sich nun bereits über län-
gere Zeit hinweg bewährt zu haben. Die letzte strafrechtlich relevante
Handlung liege zirka fünf Jahre zurück. Die strafrechtliche bzw. stationäre
Massnahme sowie die im Frühjahr 2017 beendete ambulante Therapie hät-
ten eine beispiellos positive Wirkung gezeigt, wie dem Schlussbericht der
behandelnden Psychologin vom 20. März 2017 entnommen werden könne.
Ferner sei er durchgehend einer Erwerbstätigkeit nachgegangen und vom
Arbeitgeber erhalte er gute Zeugnisse. Überdies habe der Delinquenz
keine Steigerung innegewohnt. Bei dieser Sachlage sei keine konkrete
Rückfallgefahr auszumachen. Damit erweise sich das Einreiseverbot als
nicht notwendig und unverhältnismässig. Des Weiteren habe der Be-
schwerdeführer alle privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Verbin-
dungen in der Schweiz. Er sei hierzulande aufgewachsen und habe in Ser-
bien keinerlei Perspektiven. Die Fernhaltemassnahme greife mithin zu
stark in die private und berufliche Zukunftsplanung der Betroffenen (nebst
ihm in diejenige der Ehefrau und der drei hierzulande geborenen Kinder,
alle mit Schweizer Bürgerrecht) ein und verletze dadurch Art. 13 BV und
Art. 8 EMRK. Die angefochtene Verfügung sei auch aus diesen Gründen
aufzuheben oder es sei, wenn überhaupt, ein kurzes Einreiseverbot von
zwei Jahren auszusprechen.
7.
7.1 Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer ab seinem fünf-
zehnten Lebensjahr (1992) zu Klagen Anlass gegeben hat (vgl. Akten des
Migrationsamtes des Kantons Zürich [ZH act.] pag. 3/4) und er – ab 2002
bis 2015 – auch als Erwachsener strafrechtlich weiterhin mit teilweise
schwerwiegenden Delikten in Erscheinung trat (siehe Auflistung unter
Sachverhalt Bst. B.a - B.e). Die letzten Schuldsprüche betrafen Verurtei-
lungen wegen Angriffs, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Fahrens in
fahrunfähigem Zustand und Irreführung der Rechtspflege (Freiheitsstrafe
von 18 Monaten durch das Obergericht des Kantons Zürich mit Urteil vom
26. März 2012), wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln (unbedingte
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 60.– durch die Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl mit Strafbefehl vom 3. Februar 2014) und wegen Angriffs (un-
bedingte Geldstrafe von 330 Tagessätzen à Fr. 40.– durch das Bezirksge-
richt Zürich mit Urteil vom 26. Oktober 2015). Der Beschwerdeführer erwies
sich in all den Jahren als uneinsichtiger Delinquent, der trotz Vorstrafen
und mehrerer ausländerrechtlicher Verwarnungen immer wieder straffällig
wurde, teilweise auch in der Probezeit. Angesichts dieser Straftaten, die
sich über eine sehr lange Zeitspanne hinweg erstreckten und mit welchen
zum Teil hochwertige Rechtsgüter verletzt bzw. gefährdet wurden, kann
F-3551/2018
Seite 11
kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass von ihm eine schwerwie-
gende Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG ausgeht. Die
Regelmaximaldauer eines Einreiseverbots von fünf Jahren gelangt daher
nicht zur Anwendung, womit eine zweijährigen Fernhaltemassnahme im
Sinne des gestellten Eventualbegehrens ausser Betracht fällt.
7.2 Bei der Frage, wie es sich zum heutigen Zeitpunkt mit der Gefahr einer
künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verhält, kommt
es wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Nach Auffassung des Beschwer-
deführers besteht inzwischen keine konkrete Rückfallgefahr mehr. Hierzu
gilt es vorweg festzuhalten, dass Straf- und Ausländerrecht unterschiedli-
che Ziele verfolgen, andere Interessen schützen und unabhängig vonei-
nander sind. Während der Straf- und Massnahmenvollzug neben der Si-
cherheitsfunktion eine resozialisierende bzw. therapeutische Zielsetzung
hat, steht für die Migrationsbehörden der Schutz der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung vor (weiteren) Straftaten im Vordergrund, woraus für die Le-
galprognose ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab resultiert (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2
oder Urteil des BGer 2C_516/2014 vom 24. März 2015 E. 4.3.2 je m.H.).
Das ausländerrechtliche Verschulden ergibt sich vorliegend aus den weiter
vorne geschilderten Straftaten. Selbst die engen familiären Banden zur
Schweiz vermochten den Beschwerdeführer nicht von regelmässiger De-
linquenz abzubringen.
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht übersieht bei der Bejahung der schwer-
wiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von
Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG nicht, dass die gravierendsten Taten (die
letzten Gewaltdelikte wurden im Mai 2009 bzw. im März 2014 begangen)
zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung mindestens vier
Jahre oder mehr zurücklagen. Für die Berechnung der Dauer des klaglo-
sen Verhaltens ist allerdings nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeit-
punkt abzustellen. Von vorrangiger Bedeutung erscheint stattdessen, wie
lange sich eine straffällig gewordene Person nach ihrer Entlassung aus der
Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.). Den kanto-
nalen Akten kann hierzu entnommen werden, dass sich der Beschwerde-
führer zwischen dem 2. Dezember 2010 und 20. Dezember 2012 im Rah-
men einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB in einem geschlossenen Massnahmezentrum aufhielt, bevor er
zwecks Durchführung des Arbeitsexternats in eine andere Vollzugsinstitu-
tion überwiesen wurde. Eine weitere Lockerung erfolgte am 1. Juli 2013 mit
F-3551/2018
Seite 12
der Aufnahme des Wohn- und Arbeitsexternats in der Wohnung des Be-
troffenen in Zürich. Mit Verfügung der Bewährungs- und Vollzugsdienste
des Kantons Zürich vom 21. März 2014 wurde der Beschwerdeführer per
1. April 2014 bedingt aus der stationären Massnahme entlassen (Probe-
zeit: drei Jahre) und eine Bewährungshilfe angeordnet. Zugleich hat man
ihm damals die Weisung erteilt, auf den Konsum von illegalen Suchtmitteln
zu verzichten und sich einer forensisch orientierten, ambulanten psychiat-
risch-psychologischen Nachbehandlung zu unterziehen (zum Ganzen sie-
he ZH act. 389-393). Die ambulante therapeutische Massnahme endete im
Frühjahr 2017. Die Zeit, während welcher er sich im Massnahmevollzug
befand, kann mithin nicht als Basis für die Beurteilung der Rückfallgefahr
dienen. Die seither verstrichene Zeit erscheint in Anbetracht des belasteten
Vorlebens und der verletzten Rechtsgüter als zu kurz, als dass bereits von
einer grundsätzlichen persönlichen Wandlung ausgegangen werden könn-
te. Dies gilt umso mehr, als bei schweren Delikten gegen Leib und Leben,
denen sich der Beschwerdeführer u.a. schuldig machte, selbst ein geringes
Rückfallrisiko nicht hingenommen werden muss (vgl. BGE 139 I 31
E. 2.3.2).
7.4 Aus den gleichen Gründen vermag der Beschwerdeführer aus den im
Rechtsmittelverfahren eingereichten Unterlagen, insbesondere dem Ver-
laufsbericht der behandelnden Psychotherapeutin vom 20. März 2017,
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Hierzu gilt es vorweg anzumerken,
dass er selbst im Rahmen strafrechtlicher Massnahmen weiterdelinquierte.
Es genügt an dieser Stelle der Verweis auf den aus nichtigem Anlass be-
gangenen brutalen Angriff, dessen sich der Beschwerdeführer am 30. März
2014, einen Tag vor der Entlassung aus der mehrjährigen therapeutischen
Massnahme, schuldig machte (vgl. hierzu ZH act. 394 - 402 und 407 - 422).
Damit ist auch dem Einwand, der Delinquenz habe keine Steigerung inne-
gewohnt, die Grundlage entzogen. Wohl kommt die Psychotherapeutin im
obgenannten Bericht zum Schluss, dass beim Betroffenen bei einem zur-
zeit moderaten strukturellen Rückfallrisiko mittel- bis langfristig ein gerin-
ges Rückfallrisiko für Delikte im Bereich Gewalthandlungen besteht
(BVGer act. 1, Beilage 4). Selbst unter Zugrundelegung besagter Einschät-
zung ist ein gewisses Rückfallrisiko im Kontext der vorangehenden Aus-
führungen aber nach wie vor vorhanden. Kommt hinzu, dass dem Verhal-
ten im Massnahmevollzug, wie dargetan, keine signifikante Bedeutung zu-
kommt und der Beschwerdeführer ab anfangs 2016 überdies unter dem
Druck des Verfahrens betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung
stand. Aufgrund dessen kann eine schwerwiegende Rückfallgefahr bis auf
weiteres als nicht gebannt betrachtet werden.
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7.5 Als Zwischenergebnis ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
den qualifizierten Fernhaltegrund der schwerwiegenden Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz
AIG erfüllt. Das gegen ihn verhängte Einreiseverbot darf damit die Dauer
von fünf Jahren überschreiten.
8.
8.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
8.2 Die vom Beschwerdeführer ausgehende schwerwiegende Gefahr für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung (vgl. E. 7.1 - 7.4) spricht für ein nach
wie vor grosses öffentliches Fernhalteinteresse (vgl. BVGE 2013/4 E. 5.2
und 7.2). Das Hauptaugenmerk der Fernhaltemassnahme liegt in ihrer spe-
zialpräventiven Zielsetzung. Das Einreiseverbot soll weiteren Straftaten
des Beschwerdeführers in der Schweiz und im Schengen-Raum entgegen-
wirken und ihn überdies anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wiederein-
reise nach Ablauf der Dauer des Einreiseverbots keine weiteren Verstösse
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu begehen. Als gewichtig
zu erachten ist ebenfalls das generalpräventiv motivierte Interesse, die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmen-
praxis zu schützen (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.).
8.3 Den vorstehenden Interessen stellt der Beschwerdeführer seine priva-
ten Interessen gegenüber. Er sei in der Schweiz aufgewachsen, wo auch
seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder lebten, die inzwischen alle
eingebürgert seien.
8.3.1 Dem Beschwerdeführer ist vorweg zu entgegnen, dass Einschrän-
kungen in seinem Privat- und Familienleben aufgrund sachlicher und funk-
tioneller Unzuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts nicht Verfah-
rensgegenstand sein können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften
Aufenthaltsrechts hierzulande zurückzuführen sind. Der Beschwerdeführer
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musste die Schweiz nach dem durch das Bundesgericht in letzter Instanz
bestätigten Widerruf der Niederlassungsbewilligung (Urteil 2C_140/2017)
verlassen. Die Pflege regelmässiger Kontakte zu seinen hierzulande le-
benden Familienangehörigen scheitert daher bereits an einem fehlenden
Aufenthaltsrecht.
8.3.2 Eine dauerhafte Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz
steht somit ausser Frage. Der durch Art. 8 EMRK und Art. 13 BV geschütz-
ten Garantie des Familienlebens kommt bei der vorliegenden Beurteilung
nur so weit Bedeutung zu, als das Einreiseverbot das durch das fehlende
Aufenthaltsrecht ohnehin auf kurzzeitige Besuche beschränkte Familienle-
ben zusätzlich erschwert. Die Fernhaltemassnahme stellt damit einen ad-
ministrativen Mehraufwand dar, da für Besuche in der Schweiz vorgängig
um die Aussetzung des Einreiseverbots ersucht werden muss (vgl. Art. 67
Abs. 5 AIG). Sodann herrscht bezüglich der Gewährung von Suspensionen
eine restriktive Praxis. In diesem Sinne lehnte das SEM zwei Gesuche des
Beschwerdeführers um Suspendierung des Einreiseverbots mit Schreiben
vom 27. Juni 2019 bzw. 13. Januar 2020 ab und verwies dabei auf die noch
überwiegenden öffentlichen Interessen sowie das Erfordernis zwingender
humanitärer Gründe für einen Besuchsaufenthalt in der Schweiz (BVGer
act. 12 und 13). Daneben haben es die Betroffenen grundsätzlich hinzu-
nehmen, die Kontakte untereinander bis auf weiteres mit modernen Kom-
munikationsmitteln aufrecht zu erhalten. Zudem können ihn seine aus Ser-
bien stammende Gattin und die Kinder im Heimatland besuchen. Damit ist
ein gewisses Mass an Familienleben gewährleistet, bei dem auch das Kin-
deswohl gebührend berücksichtigt wird (vgl. Urteil des BVGer F-4301/2018
vom 24. Mai 2019 E. 7.6 m.H.). Im Übrigen konnte das Familienleben be-
reits im Rahmen des Massnahmevollzugs nur eingeschränkt gepflegt wer-
den.
8.3.3 Zu den privaten Interessen ist ausserdem zu bemerken, dass der Be-
schwerdeführer im Alter von dreizehn Jahren in die Schweiz kam und er
rund 28 Jahre hierzulande verbracht hat. Ein Einreiseverbot ist aber auch
in derartigen Konstellationen zulässig (BGE 135 II 110; E. 2.1; 130 II 176
E. 4.2.2; Urteil des BGer 2C_109/2016 vom 15. Februar 2016 E. 2.1). Ab-
gesehen davon kann angesichts der mehrfachen Begehung von Gewalt-
delikten und sonstiger Delinquenz, die sich über einen Zeitraum von über
dreizehn Jahren erstreckte, nicht von einer erfolgreichen Integration ge-
sprochen werden (vgl. Art. 4 Bst. a der mit Wirkung ab 1. Januar 2019 auf-
gehobenen, hier anwendbaren Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die
Integration von Ausländerinnen und Ausländer [aVIntA, AS 2007 5551
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5552]). Wie schon erwähnt, vermochte ihn selbst die Präsenz der nächsten
Angehörigen nicht davon abzuhalten, immer wieder straffällig zu werden.
8.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das auf zehn
Jahre befristete Einreiseverbot nicht nur dem Grundsatz nach, sondern
auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige und angemessene
Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
9.
Nicht zu beanstanden ist schliesslich, dass dem Beschwerdeführer die Ein-
reise in das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten wurde
(vgl. Art. 21. i.V.m. Art. 24 SIS-II-Verordnung). Die Schweiz ist als Folge
des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit bei der Administration des
gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, auf dem
das Schengen-System beruht, zur getreuen Wahrung der Interessen der
Gesamtheit der Schengen-Staaten verpflichtet (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1).
Hinzu tritt, dass wegen des Wegfalls systematischer Personenkontrollen
an den Schengen-Innengrenzen Einreiseverbote und ähnliche Massnah-
men ihre volle Wirksamkeit nur entfalten können, wenn sich ihre Geltung
und die Durchsetzbarkeit nicht auf einzelne Schengen-Staaten beschrän-
ken. Angesichts der festgestellten, vom Beschwerdeführer ausgehenden
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung (siehe Art. 24 Ziff. 2 Bst. a
SIS-II-VO) liegt die Ausschreibung des Einreiseverbots im zwingenden ge-
meinsamen Interesse der Schweiz und der übrigen Schengen-Staaten.
Eine mit der Ausschreibung des Einreiseverbots einhergehende zusätzli-
che Beeinträchtigung seiner persönlichen Bewegungsfreiheit hat der Be-
schwerdeführer in Kauf zu nehmen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen.
11.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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