Decision ID: 99d4615a-c090-5aee-aede-854cb9885256
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1962, war bei der Y._ angestellt
und dadurch
bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versi
chert
.
Am 11. Mai 1989 erlitt er einen Autounfall. Er fuhr in alkoholisiertem Zustand in einer Linkskurve geradeaus, das Fahrzeug rutschte die Böschung hinunter und kam in der Wiese zum Stillstand (Urk. 11/2 S. 6, Urk. 11/8). Dabei zog er sich laut dem Bericht des Z._, wo der Versicherte nach dem Unfall bis zum 6. Juni 1989 hospitalisiert war, ein isoliertes Schädelhirntrauma mit diffusem Hirnödem bei Contusio cerebri, ohne bildlich darstellbare Kontusions
herde, sowie eine Prellmarke an der linken Schulter zu. Gleichentags erfolgte eine Operation (Einlage einer ICP-Sonde; Urk. 11/3 = Urk. 7/1). Im Verlauf tra
ten ein posttraumatischer Pleuraerguss rechts, ein Spontanpneumothorax links sowie eine Pseudomonas mit Pneunomie bei Status nach Lungenkontusion auf (Urk. 11/3, Urk. 11/4). In der Folge erbrachte die Suva die gesetzlichen Ver
sicherungsleistungen, wobei sie die Taggelder kürzte (Urk. 2 S. 2, Urk. 11/10).
Am 9. September 2009 erfolgte eine Kernspintomographie des Neurokraniums (Urk. 11/40) und am 31. Januar 2013 eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels (Urk. 11/58). Am 17. Juli 2013 meldete der Versicherte der Suva einen Rückfall, wobei er angab, seit geraumer Zeit an neuropsychologischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel zu leiden (Urk. 11/11 S. 1). Am 24. Februar 2014 teilte die Suva dem Versicherten mit, gestützt auf die Beur
teilung ihrer Abteilung Versicherungsmedizin gehe sie davon aus, dass die gemeldeten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 11. Mai 1989 zurückzuführen seien, weshalb sie keine Leistungen ausrichten könne (Urk. 11/65). Am 20. Mai 2014 verfügte die Suva in diesem Sinne (Urk. 11/69). Die vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Urk. 11/70 S. 1-7) wurde mit Einspracheentscheid vom 10. Dezem
ber 2015 abgewiesen (Urk. 11/84 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 10. Dezember 2015 erhob der Versicherte am 29. Januar 2016 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuhe
ben und es seien ihm für den am 17. Juli 2013 gemeldeten Rückfall zum Unfall
ereignis vom 11. Mai 1989 die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 1. März 2016 (Urk. 6) reichte sie die einschlägige Kran
kengeschichte nach (Urk. 7/1-6). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. März 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10). Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten am 11. März 2016 zugestellt (Urk. 13). Nach gerichtlicher Aufforderung vom 21. Juli 2017 (Urk. 14) reichte die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 4. September 2017 (Urk. 18) das Gut
achten von Dr. med. A._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom 15. Februar 2007 ein (Urk. 17). Am 6. September 2017 wurde es dem Beschwer
deführer zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 19).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so-weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen vor, dass Versicherungs
leistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisheri
gem Recht gewährt werden (Absatz 1 der Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
11. Mai 1989
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art. 11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
1.4
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
er
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversiche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesund
heitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293
E. 2c in fine).
1.5
Da die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können, kann der Unfallversicherer bei der Leistungspflicht gemäss Art. 11 UVV für Rückfälle und Spätfolgen nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhanges beim Grundfall behaftet werden. Vielmehr obliegt es der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und dem Unfall nachzu
weisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis eines natürlichen Kausalzusammenhanges zu stellen. Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicher
ten Person aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusam
menhang als anspruchsbegründender Tatsache Rechte ableiten will (Urteile des Bundesgerichts U 163/04 vom 8. Oktober 2004, E. 3.2; 8C_113/2010 vom 7. Juli 2010, E. 2.3; 8C_506/2008 vom 5. März 2009, E. 3.1;
8C_252/2013 vom 8. Juli 2013, E. 2.2; 8C_163/2013 vom 28. November 2013, E. 2.2, je mit Hinweisen).
1.6
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversiche
rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Suva stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid gestützt auf die Beurteilungen von Dr. med. B._, Facharzt für Neurologie, Versiche
rungsmedizin Suva, vom 21. Februar 2014, 30. Oktober 2015 und 2. Dezember 2015 sowie jene von Prof. Dr. med. C._, Facharzt für Radiologie, vom 5. November 2015 auf den Standpunkt, die ab 2013 als Rückfall gemeldeten Beschwerden seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfall
ereignis vom 1. Mai 1989 zurückzuführen. Der Umstand, dass der Beschwerde
führer imstande gewesen sei, jahrelang an verschiedenen Arbeitsstellen tätig zu sein und eine Weiterbildung zu absolvieren, spreche gegen das Fortbestehen kognitiver Störungen. Auch wenn die Weiterbildung nur mit grossem Verständ
nis der Ausbildner möglich gewesen sei und der Beschwerdeführer bei der Arbeit als Bauführer bei der Firma D._ offenbar grosse Schwierigkeiten mit dem Anforderungsprofil gehabt habe, genüge dies nicht, um eine Hirnver
letzung mit relevanter Funktionseinschränkung nachzuweisen. Die Umschulung zum Bauführer sei aufgrund von Rückenbeschwerden erfolgt und die Bedenken bezüglich der Umschulung hätten vorwiegend darauf beruht, dass der Beschwerdeführer nicht so lange habe sitzen können. In den Jahren 1989 bis 2009 hätten keine Hinweise auf invalidisierenden Kopfschmerz bestanden und im Jahr 2009 hätten die Ärzte festgehalten, der Kopfschmerz bestehe seit eini
gen Monaten. Dr. B._ habe das Vorliegen einer vestibulären Migräne verneint und eine allfällige solche sei auf jeden Fall nicht posttraumatisch. Die feinmo
torischen Beeinträchtigungen seien erstmals im Jahr 2014 erwähnt worden. In Bezug auf den Schwindel liege kein echtzeitliches Verletzungskorrelat vor und die Untersuchungen im Bereich der
Otorhinolaryngologie
(P._) hätten Normal
befunde ergeben. Das MRT-Bild vom 31. Januar 2013 weise keine axonalen Scherverletzungen nach, womit es den Beschwerden mit überwie
gender Wahr
scheinlichkeit an einem organischen Korrelat fehle. Die Untersu
chungs
ergeb
nisse von
Prof. Dr. phil. E._, Neuropsycholo
gin,
würden laut Dr. B._ nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Hirnschädigung beweisen. Auch die lange beschwerdefreie Zeit von 20 Jahren spreche gegen eine Rückfallkausalität (Urk. 2 S. 15-17).
In der Beschwerdeantwort hielt sie an ihrem Standpunkt fest und führte ergän
zend aus,
Dr. B._ habe die Vorakten berücksichtigt und die medizinischen Zusammenhänge gut nachvollziehbar dargelegt. Er habe die MRI-Untersuchun
gen aus den Jahren 2009 und 2013 extern durch Prof. C._ nachbefunden lassen, was keine traumatischen Veränderungen des Gehirnparenchyms ergeben habe. Das Schädel-CT vom 13. Mai 1989 habe keinen Hinweis auf intrakranielle Verletzungen gezeigt. Sodann seien von der neurologischen Klinik des Z._ am 20. September 1993 organisch neurologisch sowie neuropsychologisch durch
wegs unauffällige Untersuchungsbefunde festgehalten worden. Laut der Beur
teilung von Dr. F._, Facharzt für Radiologie, vom 27. September 1994 sei kein pathologischer Befund erhoben worden, namentlich kein Hirnödem (Urk. 10 S. 4). Nach dem Gesagten sei ein unfallbedingtes organisches Korrelat für die geklagten Beschwerden nicht mit rechtsgenügender Sicherheit ausge
wiesen. Dr. B._ sei als Facharzt für Neurologie befähigt, die sich stellenden Kausalitätsfragen zu beurteilen. Des Weiteren führte die Beschwerdegegnerin aus, die Behauptung angeblich durchgehender Beschwerden sei nicht mit der erst am 17. Juli 2013 erfolgten Rückfallmeldung vereinbar, wonach seit gerau
mer Zeit wieder Beschwerden bestünden, derentwegen er die Arbeit habe nie
derlegen müssen. Dieser Aussage der ersten Stunde komme in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zu als späteren Darstellungen (Urk. 10 S. 5). Betref
fend den Bericht des Z._ über die Erstuntersuchung vom 27. Februar 1997 wies sie darauf hin, dass der Beschwerdeführer damals berichtet habe, bereits seit ungefähr dem zwanzigsten Lebensjahr an episodischen Spannungstyp-Kopf
schmerzen zu leiden, und dass kein Zusammenhang zum Schädelhirntrauma von 1989 gesehen worden sei. Die Beurteilung von Dr. B._ bezüglich der MRT-Untersuchung vom 31. Januar 2013 sei sowohl mit den vorhandenen bild
gebenden Abklärungen als auch mit der Rechtsprechung, wonach sich aus einer neuropsychologischen Abklärung allein weder etwas zur Unfallkausalität noch eine organische Genese ableiten lasse, gut vereinbar. Auch im neurootolo
gischen Bericht des Z._ vom 31. Juli 2013 seien die geschilderten Beschwerden als nicht objektivierbar beurteilt worden (Urk. 10 S. 6). Gemäss dem Bericht von Dr. med. G._, Fachärztin für Radiologie/Radiodiagnostik, H._, vom 10. September 2009 handle es sich um ein paar Monate zuvor neu aufgetretene Beschwerden und die darin enthaltenen Ergebnisse der Kernspintomographie würden ebenfalls gegen eine Unfallkausa
lität sprechen. Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie, habe in seinem Bericht vom 8. Januar 2013 psychosoziale Faktoren als im Vordergrund stehend erachtet. Bei latenter Gegenwart alternativer Ätiologien in Verbindung mit der fehlenden Objektivierbarkeit unfallspezifischer Verletzungen stehe der Kausal
zusammenhang mit einem Unfall zunehmend in Frage, sobald dieser infolge wachsender zeitlicher Distanz nicht mehr als dominanter Grund oder zumindest als auslösender Faktor erscheine. Bezüglich der MR-Bilder vom 31. Januar 2013 hielt die Beschwerdegegnerin fest, Prof. Dr. med. J._, Facharzt für Radiologie, habe die erhobenen Befunde bloss als Zeichen möglicher shear injuries beschrieben, wobei eine blosse Möglichkeit nicht genüge, um einen Kausalzusammenhang nachzuweisen (Urk. 10 S. 7). Dr. B._ habe ebenfalls keine Schwerverletzungen erkannt. Gemäss dem neurootologischen Bericht des Z._ vom 31. Juli 2013 hätten die geklagten Beschwerden nicht objektiviert werden können und es seien unfallfremde Faktoren genannt worden (Urk. 10 S. 8).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein, der Einspracheentscheid basiere nicht auf einer umfassenden Sachverhaltsabklärung und die Beschwerdegegne
rin habe die medizinische Aktenlage einseitig gewürdigt. Es bestünden zahl
reiche Hinweise auf langjährig bestehende Defizite respektive nachgewiesene Hirnverletzungen seien ausser Acht gelassen worden (Urk. 1 S. 2-3). Dr. B._ habe wesentliche Informationen aus den Akten, insbesondere aus dem Dossier der Invalidenversicherung, dessen Beizug beantragt werde, unberücksichtigt gelassen. Die Annahme einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn während vieler Jahre sei nachweislich falsch und das Arbeitszeugnis der Firma D._ sei offenkundig unrichtig (Urk. 1 S. 3). Die angestammte grobmotorische Tätigkeit auf dem Bau habe er aufgrund langjähriger Routine trotz der Hirnverletzung mit feinmotorischen und kognitiven Schwierigkeiten wieder aufnehmen kön
nen. Die im Zeitpunkt des Unfalls begonnene Polierschule habe er demgegen
über aufgrund von Konzentrationsstörungen nicht abschliessen können. Zudem habe er durchgehend regelmässig an Kopfschmerzen gelitten und deswegen viele Schmerzmittel konsumiert und seinen Hausarzt konsultiert. Die berufsbe
gleitende Ausbildung zum Bauführer habe er 1996 absolvieren können, da dabei kein zeitlicher Druck geherrscht habe. Anschliessend habe er bis mindes
tens 2004 weiterhin in der routinierten, grobmotorischen Tätigkeit ohne höhere kognitive Anforderungen gearbeitet (Urk. 1 S. 3-4). Selbst dabei hätten sich jedoch neuropsychologische Schwierigkeiten gezeigt. Aufgrund der Rücken
probleme habe er im August 2005 eine Stelle als Vorarbeiter/Polier angetreten, bei welcher er zu 50 % Büroarbeiten zu erledigen gehabt habe, was den Beginn invalidisierender,
immer stärker werdender
neuropsychologischer Schwierigkei
ten, Schwindel und Kopfschmerzen gesetzt habe. Seine kognitive Aufnahme
fähigkeit sei im Jahr 2005 bei den Überlegungen zu möglichen Umschulungen Thema gewesen und sein damaliger Hausarzt habe im Jahr 2007 über fortbeste
hende neuropsychologische Beeinträchtigungen und Kopfschmerzen berichtet. Im Jahr 2009 habe er vor Beginn der Umschulung zum Bauführer an der K._ auf seine Schwierigkeiten mit der Schule hingewiesen. Infolge des durch die IV-Stelle ausgeübten Drucks habe er die Ausbildung dennoch begonnen, was zu einer
Verstärkung
der vorhandenen kognitiven Beschwerden und Migräneattacken geführt habe (Urk. 1 S. 5). Nach wenigen Monaten sei er infolge der kognitiven Überforderungssituation und der Kopfschmerzen dauerhaft aus der Schule ausgeschlossen worden. Die hernach absolvierte Ausbildung zum Bauführer Hochbau im Ausbildungszentrum K._ habe er trotz seiner enormen Bemühungen nur knapp geschafft (Urk. 1 S. 6). Die Anstellung als Hilfsbauführer bei der D._ ab Juli 2011 habe er nur mit Hilfe eines Bekannten bekommen und die kognitiven Schwierigkeiten hätten sich dabei sehr bald gezeigt, woraufhin die Invalidenversicherung Einar
beitungstaggelder bezahlt habe und das Arbeitsverhältnis als Arbeitstraining weitergeführt worden sei. Bei der anschliessenden Festanstellung sei kein marktüblicher Bauführerlohn bezahlt worden und sei er ständig wegen ungenü
gender Leistungen kritisiert worden (Urk. 1 S. 6-7). Der Neurologe Dr. B._ sei nach dem Gesagten von einer falschen Grundlage ausgegangen und er habe auch den Fachärzten anderer Disziplinen widersprochen (Urk. 1 S. 8). Der Kau
salzusammenhang sei bereits aufgrund der Schwere der Ursprungsverletzung in Verbindung mit den vorliegenden Röntgenbildern zu bejahen (Urk. 1 S. 8-9). Die von Prof. J._ vorgefundenen, von Prof. C._ übersehenen und vom diesbezüglich weniger erfahrenen Dr. B._ als irrelevant bezeichneten shear injuries würden zum Unfallhergang passen und dadurch seien unfallbedingte traumatische Veränderungen im Hirn nachgewiesen (Urk. 1 S. 9-10). Darin fän
den auch die von Prof. E._ beobachteten kognitiven Defizite ihr somatisches Korrelat (Urk. 1 S. 10-11). Die von Schwindel- und Migräne-Spezialisten diag
nostizierte vestibuläre Migräne stelle Dr. B._ aufgrund falscher Annahmen in Abrede. Zusammenfassend sei die Beurteilung der Beschwerdegegnerin weder zutreffend noch nachvollziehbar. Vielmehr sei mit allen anderen Ärzten davon auszugehen, dass die heute bestehenden Beschwerden überwiegend wahrschein
lich in adäquat-kausalem Zusammenhang zur damaligen unfallbedingten Hirn
verletzung stünden (Urk. 1 S. 11). Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzu
holen (Urk. 1 S. 11-12).
3.
3.1
Am 20. Juni 1989 führte das Z._, Neurologische Klinik, Neuropsychologische Abteilung, eine neuropsychologische Untersuchung durch (Urk. 7/2 S. 1). Laut dem darüber am 21. Juni 1989 verfassten Bericht standen deutliche Konzent
rationsstörungen mit Schwankungen, eine reduzierte Belastbarkeit, ein ver
langsamtes Arbeitstempo sowie Unsicherheiten in der visuell-räumlichen Wahr
nehmung und Verarbeitung im Vordergrund. Dem Bericht lässt sich weiter ent
nehmen, im Vergleich zu den Voruntersuchungen habe sich der Beschwerde
führer erfreulich gut erholt. Prognostisch sei eine weitere Verbesserung zu erwarten. Der Wiedereinstieg in den Beruf habe unbedingt stufenweise zu erfol
gen. Bezüglich der Fahrtauglichkeit werde empfohlen, noch zwei bis drei Monate zuzuwarten und zu Beginn keine langen Strecken zu fahren. Sodann baten die Ärzte um eine erneute Zuweisung des Beschwerdeführers beim Auf
treten von Schwierigkeiten bezüglich der kognitiven Verarbeitung der beruf
lichen Anforderungen, zum Beispiel in der Ausbildung (Urk. 7/2 S. 3).
3.2
Das Z._, Neurologische Klinik, berichtete am 20. September 1993, computer
tomo
graphisch sei keine demarkierte Kontusionsmarke nachweisbar gewesen. Der Beschwerdeführer klage nach vorübergehend fast vollständiger Erholung über seit mehreren Jahren chronifiziert drei- bis viermal wöchentlich auftre
tende bi-temporale, stechende Kopfschmerzen mit Zusammenziehen im Augen
bereich und Lichtscheu. Seit einem halben Jahr bestehe deutlich verstärkt vermehrte Tagesmüdigkeit (Urk. 7/4 S. 1). Der gesamte, detailliert geprüfte neurologische Status sei ohne pathologische Befunde. Das Schädel-CT vom 6. Juli 1993 sei normal ausgefallen. Der beurteilende Arzt gelangte zum Schluss, der Beschwerdeführer habe vor nunmehr vier Jahren ein Schädelhirntrauma mit diffuser Hirndruckerhöhung, jedoch ohne Nachweis einer fokalen Kontusion erlitten. Bei einer insgesamt guten Erholung seien subjektiv als Residuum Kopfschmerzen verblieben. Die Untersuchungsbefunde hätten organisch neuro
logisch sowie neuropsychologisch durchwegs unauffällige Resultate ergeben. Einzig bestehe ein leichtes zervikales Schmerzsyndrom. Aufgrund der klinischen Befunde handle es sich um eine Mischform zervikozephaler und postkontusio
neller Kopfschmerzen. Empfohlen würden eine mehrmonatige Intervalltherapie sowie eine Reduktion des Nikotinkonsums. Falls die Intervalltherapie keine Besserung bringe, sei eine pulmonologische Abklärung angezeigt (Urk. 7/4 S. 2).
3.3
Am 27. September 1994 berichtete Dr. F._, Facharzt für Radiologie, über das von ihm durchgeführte Spiral-CT des Schädels. Er gab an, keinen pathologi
schen Befund vorgefunden zu haben, namentlich keine Hinweise für einen intrakranialen Tumor oder einen sonstigen krankhaften Befund. Ebenso wenig sei ein Infarkt oder ein Hirnödem nachweisbar gewesen (Urk. 7/5).
3.4
Dem Bericht des Z._, Neurologische Klinik und Poliklinik, Abteilung für Kopf
weh und Schmerz, vom 27. Februar 1997 ist zu entnehmen, der Beschwerde
führer leide seit August 1996 an streng rechtsseitigem Kopfweh, wobei kein auslösendes Ereignis eruierbar sei. Daneben bestünden seit zirka dem 20. Lebens
jahr episodische Spannungstyp-Kopfschmerzen, welche auf einfache Analgetika gut ansprechen würden. Anamnestisch habe zudem vom etwa fünf
ten bis zum 20. Lebensjahr eine Migräne ohne Aura bestanden (Urk. 7/6 S. 1).
3.5
Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeinmedizin, führte in seinem Bericht vom 10. Januar 2007 aus, der Beschwerdeführer sei aktuell vor allem durch seine limitierenden Rückenschmerzen beeinträchtigt. Es mache aber auch den Anschein, dass das Schädelhirntrauma von 1989 noch nicht ganz überstan
den sei. Der Beschwerdeführer gebe nach wie vor starke Konzentrationsschwie
rigkeiten und oft starke Müdigkeit an. Er erscheine im Gespräch auch als nicht sehr alert und auffassungsfähig, wobei die Hirnleistung 1993 als normalisiert betrachtet worden sei (Urk. 3/3 S. 1).
3.6
Dr. A._ berichtete am 15. Februar 2007 über ihre vertrauensärztliche Unter
suchung (Urk. 17). Sie diagnostizierte langjährig vorbestehende chronisch rezidivierende Rückenschmerzen. Weiter nannte sie als Diagnose einen Status nach unfallbedingtem Schädelhirntrauma 1989, welches
zwischenzeitlich resi
duenfrei abgeheilt sei mit einer Normalisierung der ini
tial dokumentierten neu
ropsycho
logischen Defizite
(S. 11 und S. 16)
.
Sie führte aus, weder in der grob
kursorisch durchgeführten neurologischen Untersuchung noch im vertrauens
ärztlichen Gespräch habe sich ein Hinweis für das Vorliegen einer neuropsy
chologischen Funktionsstörung ergeben (S. 13). Die in einer neuropsycholo
gischen Austestung unmittelbar nach dem Unfall festgestellten Defizite hätten sich in einer zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführten Verlaufsuntersuchung praktisch normalisiert gezeigt und prognostisch seien weitere Verbesserungen erwartet worden, sodass das Vorliegen von leistungsbeeinträchtigenden Resi
duen sehr unwahrscheinlich sei (S. 15). Dr. A._ gelangte zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in einer Tätigkeit mit leichter Körperarbeit in Wechselbe
lastung zu 100 % arbeitsfähig (S. 15).
3.7
Dr. med. M._, Facharzt für Rheumatologie und Rehabilitation, äusserte sich in seinem Bericht vom 14. Mai 2007 zu den Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers und hielt fest, möglicherweise würden auch gewisse neu
ropsychologische Ausfälle nach einem Schädelhirntrauma eine Rolle spielen (Urk. 3/4). Am 14. Juni 2015 gab er an, nebst einer körperlichen Behinderung bestehe beim Beschwerdeführer eine neuropsychologische Schwäche, welche wahrscheinlich Folge des 1989 erlittenen Schädelhirntraumas sei. Bei den sei
nen Fähigkeiten als Bauführer entsprechenden Hilfstätigkeiten scheitere er nicht nur wegen seiner Schmerzen, sondern vor allem wegen seiner neuropsycholo
gischen Verlangsamung. Die regelmässigen Kündigungen und Auseinander
setzungen mit Vorgesetzten würden immer wieder zu schwer behandelbaren Schmerzexazerbationen führen. Ab nächstem Monat sei er ausgesteuert und habe ernsthafte finanzielle Probleme, welche die belastende Situation zusätzlich erschweren würden (Urk. 11/79 S. 1).
3.8
Dr. G._ hielt in ihrem Bericht vom 1. September 2009 unter „Klinik“ fest, der Beschwerdeführer leide an seit einigen Monaten neu aufgetretenen Beschwer
den, nämlich Schwindel und Kopfschmerzen bei einem Status nach älterem massivem Schädelhirntrauma (Urk. 11/40).
3.9
Dr. I._ führte in seinem Bericht vom 8. Januar 2013 aus, der Beschwerdefüh
rer habe seit Monaten häufig Kopfschmerzen. Im Vordergrund stünden psy
chosoziale Probleme, besonders berufliche. Die Schmerzen und die Missempfin
dungen im Kopf seien wahrscheinlich durch psychosoziale Belastungen verur
sacht (Urk. 11/41).
3.10
Laut Prof. J._ zeigte die MR-Untersuchung des Schädels vom 31. Januar 2013 einen Zustand nach hämorrhagischer Kontusion frontal links und Zeichen möglicher „shear injuries“ am Marklager beider Grosshirnhemisphären und im Übrigen einen altersentsprechend normalen Befund (Urk. 11/58).
Dr. med. N._, Fachärztin für Neurologie, und Prof. E._ berichte
ten am 31. Januar 2013 beziehungsweise am
22. Februar 2013
, die neuropsy
chologische Untersuchung vom 28. Januar 2013 habe eine mit den Schmerzen verbundene Verstimmung, eine verminderte Konzentrationsspanne und eine psychomotorische Verlangsamung bei sehr genauer Arbeitsweise ergeben. Kog
nitiv im Vordergrund stünden eine nicht sprachlich betonte Lern- und Gedächt
nisschwäche, eine diskrete visuelle Erkennschwäche sowie ein vermindertes konzeptuelles Denken und Umstellen. Diese Befunde seien lokalisatorisch hin
weisend auf eine bifronto-temporale Funktionsstörung. Zusammen mit den anamnestischen Angaben und den Befunden der Zusatzuntersuchungen seien die aktuellen neuropsychologischen Symptome vereinbar mit Spätfolgen des 1989 erlittenen Schädelhirntraumas. Die aktuellen neurokognitiven Beschwer
den und die zunehmende Leistungseinschränkung im Verlauf liessen sich durch abnehmende kognitive Kompensationsmechanismen (
altersbedingte Ressour
cenlimitierung, zusätzliche Schmerzkomponente
) erklären
(
Urk. 11/11 S. 4,
Urk. 11/
22 S. 2, Urk.
11/26 S. 2, Urk. 11/31 S. 2
).
Dr.
I._ führte dazu am 28. Mai 2013 aus, entgegen dem Eindruck während der Konsultationen hätten sich nach einer neuropsychologischen Untersuchung deutliche kognitive Defizite gezeigt. Dies erkläre die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und das Überforderungsgefühl des Beschwerdeführers bei der Arbeit als Bauführer. Eventuell seien Kopfschmerzen und Schwindel auch Aus
druck dieser Überforderung und Überlastung. Nach Klinik und MRI sei keine vestibuläre und keine zerebrale Pathologie als Ursache von Schwindel oder Kopfschmerzen zu erkennen (Urk. 11/38 S. 2).
3.11
Dem Neuro-Otologie-Bericht des Z._, Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, vom 31. Juli 2013 lässt sich die Diagnose rezidi
vierender Schwankschwindelanfälle bei Verdacht auf vestibuläre Migräne bei Migräne in der Kindheit, entnehmen, wobei differentialdiagnostisch eine zusätzliche zervikogene Komponente oder eine zusätzliche psychische Belastung angeführt wurden. Die Ärzte gaben an, sie interpretierten die subjektiv geschil
derten Beschwerden weiterhin im Rahmen einer vestibulären Migräne. Die Beschwerden hätten sie nicht objektivieren können (Urk. 11/39 S. 1).
In ihrem Bericht vom 19. November 2013 nannten sie die Diagnose einer post
traumatischen vestibulären Migräne bei Status nach Autounfall mit schwerem Schädelhirntrauma 1989. Differentialdiagnostisch führten sie erneut eine zusätzliche zervikogene Komponente oder eine zusätzliche psychische Belastung an (Urk. 11/50 S. 1).
3.1
2
Das Z._ dokumentierte in der
Krankengeschichte vom 2
5.
November 2013,
d
er
Beschwerdeführer
habe schon immer Kopfschmerzen gehabt. Als Kind habe er an Migräne gelitten, wobei er diese mit circa 20 Jahren durch Akupunktur weg
gebracht habe. Seit dem Autounfall mit 27 Jahren habe er dann wieder mehr Kopfschmerzen gehabt und circa zweimal wöchentlich Schmerzmittel nehmen müssen (
Urk. 11/49
S. 1).
3.13
Dr. med. O._, Facharzt für Neurologie, Physikalische Medizin und Reha
bilitation, gab in seiner neurologischen Standortbestimmung vom 11. Januar 2014 an, die von Prof. E._ detailliert festgehaltenen erheblichen neuropsychologischen Funktionsstörungen mittelschweren Grades seien im Zeitpunkt des Fallabschlusses vor gut 20 Jahren sicher schon vorhanden gewe
sen. Bei seiner Untersuchung habe er klassisch neurologisch erhebliche Störun
gen beim Bewegungssehen und eine leichte, aber signifikante Beeinträchtigung der Beinmotorik links beim Hüpfen gefunden. Die meisten, vorwiegend auf Erfahrung und Routine basierenden Verrichtungen als Maurerpolier habe er offenbar gut verrichten könne. Sobald es aber wegen einer Rückenaffektion zu einer Umschulung zum Bauführer gekommen sei, habe er mehrheitlich aufgrund grosser Schwierigkeiten beim Lernen versagt. Dies sei absolut nachvollziehbar und entspreche seiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit hirnverletzten Menschen. Typischerweise sei es bei der damit verbundenen chronischen Über
forderung in den letzten Jahren zu verstärkten Problemen mit Kopfschmerzen verschiedener Art gekommen (Urk. 11/60 S. 6).
In seiner Stellungnahme vom 22. April 2014 merkte Dr. O._ an, der Beschwerdeführer habe angegeben, praktisch nie kopfschmerzfrei gewesen zu sein. Verstärkte Kopfschmerzen bei vermehrter Belastung, hier durch Büroarbeit und intensives Lernen, seien bei hirnverletzten Menschen klassisch (Urk. 11/70 S. 58).
3.14
Dr. B._ gab seine neurologische Beurteilung am 21. Februar 2014 ab (Urk. 11/64). Dabei führte er gestützt auf die Akten inklusive Bildgebung (Urk. 11/64 S. 1-9) aus, auch der vom Beschwerdeführer ab dem Jahr 2011 wie
derholt wegen Kopfschmerzen aufgesuchte Dr. I._ habe psychosoziale Fak
toren für die Beschwerden verantwortlich gemacht und halte den Beschwerde
führer für neuropsychologisch unauffällig. Ferner sei der Beschwerdeführer im Jahr 2007 sehr eingehend durch Dr. A._ begutachtet worden, wobei er keine auf den Unfall von 1989 zurückzuführenden Beschwerden geltend gemacht habe (Urk. 11/64 S. 10). Weiter hielt Dr. B._ fest, ein kausaler Zusammenhang sei schon aufgrund des langen beschwerdefreien Intervalls nicht als überwie
gend wahrscheinlich zu erachten. Demnach stünden die erstmals seit 2009 wie
derholt dokumentierten Schwindel- und Kopfschmerzbeschwerden mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit nicht in einem kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis vom 11. Mai 1989. Bezüglich der Kopfschmerzen seien das lange beschwerdefreie Intervall und die wechselnde Präsentation seit 2009 anzufüh
ren. Was die Schwindelbeschwerden betreffe, so liege kein echtzeitliches Verlet
zungskorrelat vor, die P._-ärztlichen Untersuchungen hätten Normalbefunde ergeben (Urk. 11/64 S. 11). Die klinischen Kriterien einer vestibulären Migräne seien nicht erfüllt (Urk. 11/64 S. 11-12). Was die beklagten kognitiven Einbus
sen betreffe, sei der berufliche Werdegang des Beschwerdeführers nach seiner Unfallverletzung das stärkste Argument gegen eine mit Funktionseinbussen verbundene Hirnschädigung. Dagegen spreche auch nicht der Nachweis kleine
rer, möglicherweise posttraumatischer, vorwiegend links frontaler Veränderun
gen in der Magnetresonanztomographie. Die erhobenen neuropsychologischen Befunde bei gleichzeitig vorliegender depressiver Verstimmung seien unspe
zifisch und im Übrigen nicht validiert worden (Urk. 11/64 S. 12).
In der Stellungnahme vom 30. Oktober 2014 nahm Dr. B._ eingehend zu den zusammen mit der Einsprache eingereichten Akten (Urk. 11/70) Stellung (Urk. 11/80 S. 2-6) und gelangte zum Schluss, er sehe sich nicht veranlasst, von seiner Beurteilung vom 21. Februar 2014 abzuweichen (Urk. 11/80 S. 6). Den
noch schlug er vor, die MRI-Untersuchungen aus den Jahren 2009 und 2013 extern nachbefunden zu lassen (Urk. 11/80 S. 6).
3.15
Die Nachbefundung erfolgte am 6. November 2015 durch Prof. C._. Dieser gab an, die auf dem MRT-Bild aus dem Jahr 2009 ersichtlichen Substanzdefekte in der Schädelkalotte frontal links sowie kortikal und subkortikal im Gyrus frontalis medialis entsprächen sehr wahrscheinlich dem Zustand nach Einlage einer Hirndruckmesssonde frontal links mit leichtgradigem Parenchymdefekt. Ansonsten bestünden keine posttraumatischen Veränderungen (Urk. 11/82 S. 1). Im MRT-Bild vom 31. Januar 2013 sei eine geringe hämorrhagische Transfor
mation des bereits genannten Substanzdefekts ersichtlich. Die sehr diskrete Hämosiderinablagerung im Sulcus frontalis superior entspreche insgesamt einem kleinen Parenchymdefekt sowie einer intraparenchymatösen und subara
chnoidalen Einblutung nach Hirndrucksonde frontal links. Ansonsten sei keine posttraumatische Veränderung nachweisbar, insbesondere keine hämorrha
gischen oder nicht hämorrhagischen duffise axonal injuries (DAI) oder Hirn
kontusionen. Entsprechend gelangte Prof. C._ zum Schluss, es lägen keine direkten traumatischen Veränderungen des Gehirnparenchyms vor. Einziger vorliegender Befund sei der Zustand nach wahrscheinlich Hirndrucksondenein
lage (Urk. 11/82 S. 2).
Gestützt auf diese Befundbeschreibung durch Prof. C._ hielt Dr. B._ an seinen Beurteilungen vom 21. Februar und 30. Oktober 2014 fest. Er gab an, die Befundbeschreibung entspreche dem klinischen Ablauf, wonach sich der Beschwerdeführer beim Unfallereignis vom 11. Mai 1989 ein primäres Hirn
ödem zugezogen habe, welches durch Einlage einer ICP-Sonde überwacht wor
den sei. Prof. C._ habe seine Auffassung bestätigt, wonach keine axonalen Scherverletzungen nachweisbar seien. Die von Prof. J._ beschriebenen Veränderungen im Marklager hätten sich als nicht nachvollziehbar erwiesen. Somit fehle den geltend gemachten Einschränkungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das organische Korrelat und die Schlussfolgerung von Prof. E._, wonach das Leistungsbild des Beschwerdeführers lokalisatorisch auf eine bifronto-temporale Funktionsstörung hinweisend sei, entbehre einer Grundlage (Urk. 11/83 S. 2).
4.
4.1
Wird eine erneute Verschlechterung eines Vorzustandes im Rahmen eines Rück
falls geltend gemacht, handelt es sich um eine anspruchsbegründende Tatfrage,
für die
die versicherte Person die Beweislast
trägt. Aufgrund des grossen zeit
lichen Abstandes zwischen dem Unfall und der Rückfallmeldung sind dabei hohe Anforderungen an den Wahrscheinlichkeitsbeweis zu stellen (vgl. E. 1.5 vorstehend). Der Beschwerdeführer brachte vor, der Kausalzusammenhang sei bereits aufgrund der Schwere der Ursprungsverletzung in Verbindung mit den vorliegenden Röntgenbildern zu bejahen. Mit den von Prof. J._ vorge
fundenen shear injuries seien unfallbedingte traumatische Veränderungen im Hirn nachgewiesen (Urk. 1 S. 9-10). Diese seien das somatische Korrelat der von Prof. E._ beobachteten kognitiven Defizite (Urk. 1 S. 8-11).
4.2
Prof. J._ bestätigte in seinem Bericht vom 31. Januar 2013 als patholo
gischen Befund einzig Zeichen möglicher shear injuries (E. 3.10 vorstehend), was angesichts der blossen Möglichkeit von Vornherein nicht mit dem Grad der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Vorhandensein von shear injuries schliessen lässt. Dies gilt umso mehr, als Prof. C._ den ersicht
lichen Substanzdefekt als Zustand nach Hirndrucksondeneinlage beschrieb und das Vorhandensein von DAI oder Hirnkontusionen respektive insgesamt von direkten traumatischen Veränderungen des Gehirnparenchyms verneinte (E. 3.15 vor
stehend). Dementsprechend hielt auch Dr. B._ fest, die von Prof. J._ beschriebenen Veränderungen im Marklager hätten sich als nicht nachvollziehbar erwiesen. Dr. G._ fand ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine neoplastische Raumforderung oder eine Veränderung intrakraniell, supra- und infratentoriell (Urk. 11/40). Bereits im Jahr 1993 fiel das Schädel-CT normal aus und es war keine fokale Kontusion nachweisbar (E.3.2 vorstehend). Die Einschätzung von Dr. B._, den geltend gemachten Einschränkungen fehle mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das organische Korrelat und die Schlussfolgerung von Prof. E._ entbehre folglich einer Grundlage (vorste
hende E. 3.15 am Ende, Urk. 11/80 S. 4), ist vor diesem Hintergrund nachvoll
ziehbar.
Wenige Monate nach dem Unfall hatte sich der Beschwerdeführer gut erholt und es wurden eine weitere Besserung sowie eine baldige Fahrtauglichkeit prognostiziert (E. 3.1 vorstehend). 1993 war der gesamte detailliert geprüfte neurologische Status ohne pathologische Befunde und auch neuropsychologisch ergaben sich durchwegs unauffällige Resultate, wobei der Beschwerdeführer nach vorübergehend fast vollständiger Erholung über Kopfschmerzen klagte
(E. 3.2 vorstehend). Streng rechtsseitiges Kopfweh wies er erst ab August 1996 auf (vorstehende E. 3.4). Gemäss dem Bericht von Dr. A._ war das Schädelhirn
trauma 2007 residuenfrei abgeheilt und die neuropsychologischen Defi
zite hat
ten sich normalisiert (E. 3.6 vorstehend). Schwindel und Kopf
schmerzen wurden im Jahr 2009 als neu aufgetreten angegeben (E. 3.8 vorstehend) und häuften sich ab Januar 2013 (E. 3.9 vorstehend). Bei diesem Verlauf, bei welchem jah
relang keine Beschwerden dokumentiert wurden und von einem vollständigen Abheilen des Schädelhirntraumas ausgegangen wurde, überzeugen die Ausfüh
rungen von Dr. B._, wonach die Kopfschmerzen und die linksseitigen fein
motorischen Störungen bereits früher aufgetreten wären, wenn sie vom Unfall herrühren würden (Urk. 11/80 S. 5-6). Die genannten Berichte bilden keine Grundlage, um von noch vorhandenen unfallbedingten Einschränkungen aus
zugehen.
Zudem ist der Hinweis von Dr. B._ zutreffend, dass die von Prof. E._ erho
benen Befunde bei gleichzeitig vorliegender depressiver Verstimmung (vgl. Urk. 11/31 S. 2) unspezifisch seien (E. 3.14 vorstehend). Zu Recht beanstandete er, dass sie mögliche Auswirkungen von Schmerzen und Verstimmung auf die Leistungsfähigkeit nicht diskutierte (Urk. 11/80 S. 5), könnten doch die kogniti
ven Funktionen auch deswegen eingeschränkt sein. Ferner wies auch Prof. E._ auf einen Einfluss des Alters sowie der Schmerzen auf die kognitiven Fähigkeiten hin (Urk. 11/31 S. 2). Selbst der Beschwerdeführer hatte im Zusam
menhang mit der Umschulung mehrfach Bedenken wegen seiner (nicht unfall
bedingten) Rückenschmerzen, der deshalb einzunehmenden Medikamente, der dadurch verursachten
Beeinträchtigung der Konzentration
sowie wegen seines Alters geäussert (Urk. 3/6 S. 1, Urk. 3/7 S. 4, Urk. 3/13, Urk. 11/80 S. 2-3), wobei er die körperlichen Einschränkungen betonte (Urk. 3/6 S. 2). Seine Auf
nahmefähigkeit erachtete er hingegen nur im Vergleich zu den jungen Kommi
litonen - also wegen des höheren Alters - als vermindert (Urk. 3/2 S. 3). Zudem zweifelte er daran, dass er das für die Umschulung nötige Grundwissen noch präsent habe (Urk. 11/80 S. 2). An Spannungstyp-Kopfschmerzen sowie an Migräne hatte er bereits vor dem Unfall gelitten (vorstehende E. 3.4 und E. 3.12). Ferner wurden von den behandelnden Ärzten als mögliche Gründe für die Kopfschmerzen psychosoziale beziehungsweise berufliche Probleme genannt (vorstehende E. 3.7 und E. 3.9). Die angegebenen Schwindel-Beschwerden konnten nicht objektiviert werden und wurden differentialdiagnostisch mit einer zusätzlichen psychischen Belastung begründet (E.3.11 vorstehend). Mithin kommen für die allfälligen kognitiven Beeinträchtigungen sowie für die Kopf
schmerzen und den Schwindel insgesamt etliche unfallfremde Ursachen in Frage, womit deren Unfallkausalität höchstens möglich, nicht hingegen über
wiegend wahrscheinlich ist.
4.3
Dr. M._ äusserte sich als Rheumatologe fachfremd zu neuropsychologischen Beeinträchtigungen. Ferner begründete er die im Jahr 2015 als wahrscheinlich bezeichnete Kausalität zum Unfall vom Jahr 1989 nicht (E. 3.7, Urk. 11/79). Folglich vermag sein Bericht keine rechtsgenügende Unfallkausalität der allfäl
ligen neuropsychologischen Schwäche darzutun.
Dr. O._ gab an, die von Prof. E._ festgehaltenen neuropsychologischen Funktionsstörungen mittelschweren Grades seien im Zeitpunkt des Fallab
schlusses sicher schon vorhanden gewesen. Eine Verstärkung der Kopfschmer
zen bei vermehrter Belastung sei bei hirnverletzten Menschen klassisch (E. 3.13 vorstehend). Hierzu merkte Dr. B._ an, aus der Tatsache, dass bei Hirnver
letzten kognitive Belastungen häufig Kopfschmerzen hervorrufen oder verstär
ken können, könne kein Rückschluss auf die Ursache der Kopfschmerz-Beschwerden des Beschwerdeführers gezogen werden, da dieses Phänomen unspezifisch und bei vielen Kopfschmerzformen zu beobachten sei. Diese An
merkung von Dr. B._ überzeugt. Dies gilt umso mehr, als Kopfschmerzen in der gesamten Bevölkerung zu den häufigsten vorkommenden Beschwerden zählen und sich selbst nach einer traumatischen Hirnverletzung mit Bewusstlo
sigkeit bei mehr als 95 % der Patienten innerhalb von weniger als einem Monat komplett zurückbilden (Urk. 11/80 S. 5). Mithin spricht auch dieser Bericht nicht gegen eine bloss mögliche Unfallkausalität.
4.4
Nach dem Gesagten steht fest, dass höchstens ein möglicher, jedoch kein überwie
gend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang der geltend gemachten Beschwerden zum Unfall erstellt werden kann. In diesem Sinne sind auch v
on weiteren Abklärungen keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwar
ten, weshalb davon abgesehen werden kann (
antizipierte Beweiswürdi
gung, BGE
136 I 299 E. 5.3 mit Hinweisen
)
.
Demzufolge ist die Beschwerde betreffend die UVG-Leistungen abzuweisen.