Decision ID: 3bf9bf76-67a0-4097-83dc-32a1af2dd31c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, meldete sich am 1
3.
Juni 2005 unter Hinweis auf eine Depression und Schmerzen bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
7.
September 2006
bei einem
Invaliditäts
grad
von
100
%
eine
ganze
Rente ab
September 2004
zu (Urk.
7/28;
Urk.
7/33).
1.2
Nach Eingang eines am
2
8.
März 2011
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
7/38
) holte die IV-Stelle unter anderem ein
psychiatrisches
Gutachten ein, das am
8.
Oktober 2012
erstattet wurde (Urk.
7/49/5-30
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/59
;
Urk.
7/60,
Urk.
7/66
,
Urk.
7/102
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
8.
Juli 2014
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
7/104
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
9.
September 2014
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
8.
Juli 2014
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiterhin eine ganze Rente auszurichten
.
Eventuell sei der Gesundheitszustand neu zu beurteilen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
Oktober 2014
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom
3
1.
Oktober 2014
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
11
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sach
te
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Ände
rung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Inten
sität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheent
scheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das psychi
atrische Gutachten vom
8.
Oktober 2012 (
Urk.
7/49/5-30), davon aus, dass
keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes mehr vorliege (S. 2 Mitte). Gestützt darauf hob
sie
die bis
her ausgerichtete ganze Invalidenrente auf (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin
machte demgegenüber
im Wesentlichen geltend, dass
das
psychiatrische Gutachten vom
8.
Oktober 2012 nicht nachvollziehbar sei
und darauf entsprechend nicht abgestützt werden könne (
Urk.
1 S. 5 ff.
Ziff.
16-25).
Ihr
gesundheitliche
r
Zustand
habe sich
keinesfalls verbessert und
sie
leide
seit mindestens 9 Jahren an einer schweren Depression und unter starken Schmer
zen, so dass nach wie vor von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus
zugehen sei. Damit sei dargetan, dass eine unüberwindbare Erwerbsunfähigkeit vorliege, womit der Anspruch auf Ausrichtung der bisherigen Invalidenrente nach wie vor gegeben sei und diese nicht aufgehoben werden könne (
S. 12
Ziff.
39
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob bei der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom
7.
September 2006 (
Urk.
7/33) eine Verbesserung des Gesund
heitszustandes respektive der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist.
3.
Der
mit Verfügung vom
7.
September 2006 zugesprochene
n ganzen
Invaliden
rente
(Urk.
7/28,
Urk.
7/33
) lag
im Wesentlichen das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
9.
Nove
mber 2005 (
Urk.
7/26) zugrunde.
Dieser nannte als Diagnosen (S. 4
Ziff.
5) eine schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10 F32.2), eine Agoraphobie (ICD-10 F40.00) so
wie
eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Dazu führte er aus, bei der Beschwerdeführerin sei zurzeit von einer 100%igen Arbeitsunfä
hig
keit auszugehen, was auch das selbständige Führen eines eigenen Haushaltes betreffe (S. 4
Ziff.
6).
Eine Erwerbsfähigkeit sei aufgrund der Schwere der Er
krankung aktuell
,
aber auch in weiterer Zukunft
auszuschliessen
. Es sei auch für die Zukunft davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage sein werde
,
ohne Hilfe einen Haushalt selbständig zu führen. Dafür sei die Chronizität und die Invalidisierung zu weit fortgeschritten (S. 4
Ziff.
8
.2
).
Auf
grund der Schwere und der Chronizität sei eine Wiedererlangung einer Teiler
werbstätigkeit ausgeschlossen (S. 5
Ziff.
8.4/8.5).
4.
4.1
Im Rahmen der
vorliegenden Rentenrevision
holte die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Dem Bericht vom 1
5.
Juli 2010 über eine
nephrologische
Abklärung am
Z._
(
Urk.
7/44/13-15) lässt sich entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin eine Schrumpfniere rechts mit kompensatorischer Hyper
trophie der linken Niere
bestehe
, wobei die Gesamt-Nierenfunktion leicht ein
geschränkt sei. Insgesamt würden sich aus dieser leichten Einschränkung keine negativen Konsequenzen ergeben (S.
2
unten). Ausserdem bestünden keine Hin
weise auf eine rheumatische Erkrankung im engeren Sinne. Daher werde emp
fohlen, die Beschwerdeführerin von einem Schmerzspezialisten in Zusam
men
arbeit mit dem
behandelnden
Psychiater evaluieren zu lassen (S. 3 Mitte).
4.3
Nach der Beurteilung vom 1
7.
und 2
3.
August 2010 nannten die Ärzte
des
Z._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin,
im Bericht vom
7.
Oktober 2010 (
Urk.
7/44/6-12) folgende
, hier leicht gekürzt an
ge
führte
Diagnosen (S. 1):
c
hronisches panvertebrales Syndrom, zervikal und lumbal betont
m
yofasziale
Befunde Schulter- und Beckengürtel beidseits
l
eichtgradige
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
links
a
ktenanamnestisch
Rotatorenmanschet
t
enläsion
links, Bursitis
suba
cr
omia
l
is
und Mikrozyste im Bereich der
Supraspinatussehn
e
Genu
valgum
beidseits und
Verdacht auf
asymptomatische
Retropatelar
arthrose
beidseits
s
chwerer Vitamin
D
-
Mangel
m
etabolisches Syndrom ohne Diabetes mellitus
Adipositas (BM
I
33
kg/ m
2
)
s
ubstituierte Hypothyreose
c
hronische Niereninsuf
f
izienz
bei Nierenhypoplasie rechts
c
h
ronisches depressives Syndrom
a
mbulante Psychotherapie alle 2- 4 Wochen seit 2006
l
eichtgradiges
Ekzem am Haaransatz
occipital
und retroaurikulär beid
seits
Die Ärzte führten dazu aus, die Rückenschmerzen seien primär
myofaszial
be
dingt bei Haltungsinsuffizienz und muskulärer
Dekonditionierung
. In der klini
schen Untersuchung habe sich global eine fast normale Beweglichkeit der Wir
belsäule gezeigt, es
hätten
jedoch leichte bis mittelschwere
myofasziale
Befunde im Schulter-/Beckengürtel beidseits nachgewiesen werden können. Konventio
nell-radiologisch hätten sich ausser einer möglichen
atlantodentalen
Arthrose
keine degenerativen oder entzündlichen Veränderungen der Wirbelsäule
ge
zeigt.
Die Beschwerden im Bereich der linken Schulter beurteilten die Ärzte primär bedingt durch die
myofaszialen
Befunde im Schultergürtel beidseits
(S. 2 unten)
.
Zusammenfassend würden panvertebrale Beschwerden bei muskulärer
Dekondi
tionierung
und
myofaszialen
Befunden im Schulter-/Beckengürtelbereich beid
seits sowie ein schwerer Vitamin D-Mangel bestehen. Der schwere Vitamin D-Mangel habe wahrscheinlich zu der von der Beschwerdeführerin beschriebenen
ausgeprägten Kraftlosigkeit geführt. Ein schwerer Vitamin D-Mangel könne auch
generalisierte Myalgien verursachen. Ursächlich sei die mangelnde
Son
nen
ex
position
durch muslimisch-traditionelle Kleidung sowie häufigem Liegen tags
über im verdunkelten Zimmer. Nebst der muskulären
Dekonditionierung
und dem schweren Vitamin D-Mangel sei auch eine
somatoforme
Schmerzstö
rung
im Rahmen des chronisch depressiven Syndroms in Erwägung zu ziehen
(S. 3 oben)
.
4.
4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte in seinem Bericht vom 1
1.
September 2011 (
Urk.
7/44/1-
5
) aus, er behandle die Beschwer
de
führerin seit Juni 2010 (
Ziff.
1.2) und führte dabei unter Beilage der vorste
h
enden Berichte (vgl. E. 4.2-3) im Wesentlichen die dort genannten Diagnosen auf. Er hielt weiter fest,
bei der Beschwerdeführerin stehe die Depression im Vordergrund und sie sei deshalb seit Jahren in psychologischer Behandlung (
Ziff.
1.4). Eine Arbeitsfähigkeit sei keine mehr gegeben (
Ziff.
1.6-7). Eine Ar
beitsaufnahme sei keine möglich, da die Depression trotz der antidepressiven Medikation im Vordergrund stehe. Nur durch Gespräche könne eine gewisse Stabilität erreicht werden. Es komme immer wieder zu Exazerbationen mit Ady
namie (S. 5).
4.5
4.5.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, nannte im psychiatrischen Gutachten vom
8.
Oktober
2012 (
Urk.
7/49/5-30)
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
19
Ziff.
3.2).
Als psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S.
20
Ziff.
3.3) nannte er eine
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
, eine paroxysmal aufsteigende Angst unklarer Genese und mit
psychove
getativer
Begleitsymptomatik (ICD-10 F41.0) verbunden mit einem
Vermei
dungsverhalten
und Generalisierungstendenz, eine la
r
vierte depressive Episode, rezidivierend (ICD-10 F33.9)
,
sowie vermeidende Persönlichkeitszüge mit
Selbstwertproble
matik
(ICD-10
Z73.1).
Dazu hielt er fest, die Beschwerdeführerin habe die Schmerzsymptomatik im
Rahmen der Begutachtung ganz in den Vordergrund gestellt. Die Schilderung sei
dabei sehr diffus erfolgt
(S.
17 unten)
.
Gemäss eigener Befundung (vgl. S.
12 ff.) hätten p
sychopathologisch hingegen nur wenige Auffälligkeiten registriert werden können. Die Schmerzsymptomatik sei sehr demonstrativ vorgetragen worden. Die Schilderungen
seien, entgegen der übrigen Darstellung und
Selbst
präsentation
, recht flüssig und ausführlich vorgetragen worden. Leichte bis al
len
falls mittelgradige Minderungen seien lediglich in den Funktionsbereichen der Auffassung und der Konzentration festgestellt worden, auch das Durchhal
te
vermögen, zusammenhängend aber auch mit der Motivation und der Willens
bildung, seien etwas vermindert gewesen (S.
17 unten). Die geschilderte Symp
to
matik in Form des Hörens von Stimmen oder von Geräuschen, ohne objektive
physikalische Quelle, seien nicht im Sinne einer Erstrangsymptomatik zu deu
ten
. Diese seien, wenn überhaupt, aus einer inneren Anspannung heraus im Rahmen einer inadäquaten Verarbeitung der Symptomatik und einschliesslich einer dys
funktionalen Schmerzbewältigung entstanden. Sie seien nicht im Rah
men des klini
schen Bildes einer Depression mit psychotischen Symptomen zu interpre
tieren, da diese ganz anderer Art und Qualität seien (S. 18 oben).
4.5.2
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden würden die beiden Berichte des
Z._
aus dem Jahre 2010 zeigen, dass die objektiven Be
funde, welche auf dem rheumatologischen und
nephrologischen
Fachgebiet er
ho
ben worden seien, nicht ausreichen würden, die vorgebrachte
Schmerzsymp
tomatik
in befriedigender Weise zu erklären.
Hinsichtlich des darin in Erwägung gezogenen Befunds einer
somatoformen
Schmerzstörung sei festzuhalten, dass
die sogenannten Foerster-Kriterien ganz überwiegend nicht erfüllt seien. Es geb
e zwar ein rezidivierendes depressives Geschehen in der
Krankheitsge
schichte
, dieses
hätte aber niemals das Ausmass einer Major Depression erreicht. Bei einer zweifelsfrei
auffallenden Persönlichkeit mit vermeidenden Zügen und Selbstwertproblematik sei festzuhalten, dass diese zwar
pathodynamisch
in Zu
sammenhang mit der dysfunktionalen Schmerzverarbeitung und einer mittler
weile etablierten sogenannten „erlernten Hilflosigkeit“ stehen würden, aber nicht
den Ausprägungsgrad einer schweren Persönlichkeitsstörung hätten (S.
18 Mitte).
Wohl aber sei diese prädisponierende Persönlichkeitsorganisation in die Ent
steh
ung sowohl der dysfunktionalen Schmerzverarbeitung, des schon lange zu konstatierenden sozialen Rückzugs- und Vermeidungsverhaltens, aber auch in die
Ätiopathogenese
einer depressiven Störung, auch wenn diese klinisch keine allzu grosse Ausprägung gehabt habe, mit eingebunden gewesen.
Heute akzep
tiere man allgemein
neben anderen, biologischen wie psychosozialen Kompo
nen
ten, einen ätiologischen Zusammenhang zwischen der Entstehung einer Depressi
on und einem schwankenden Selbstwerterleben, wie das bei der Be
schwer
de
führerin zu beobachten sei (S. 18 unten).
4.5.3
Eine erhebliche somatische Komorbidität sei anhand der bestehenden somati
schen Diagnostik aus dem Jahr 2010 zu verneinen.
Der soziale Rückzug sei auf
die Persönlichkeit und die inadäquate Abwehr- und
Copingmechanismen
bei der
Bewältigung der Schmerzsymptomatik und der persönlichen, aber auch so
zial entstandenen Schwierigkeiten geschuldet. Dieser resultiere nicht etwa aus einer schweren Antriebshemmung im Rahmen einer Major Depression (S.
19 oben).
Die bisherigen
frustranen
Behandlungsversuche würden aller Voraussicht
nach
mit dem beschriebenen, allerdings zur Persönlichkeitsformation gehören
den
A
b
wehrverhalten
im Sinne einer Vermeidung und regressiven Verarbeitung der ent
standenen Problematik (im Sinne eines Rückzugs) zusammenhängen (S.
19 Mitte).
4.5.4
Aus psychiatrischer Sicht könne daher keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden (S. 19 unten).
Bei der Beschwerdeführerin wür
den
sich
weiterhin bestehende, nie bearbeitete oder gar gelöste schwere Kon
flikte mit den früheren und gegenwärtigen Bezugsgruppen und im weiteren sozialen Um
feld ergeben. Diese Sachverhalte könnten auch als Z-Diagnosen gefasst werden. Dabei handle es sich um Belastungen in der eigentlichen
Her
kunftsfamilie
, um schwere Enttäuschungen bei drei gescheiterten Ehen mit Nach
wirkungen bis in die aktuelle Zeit hinein sowie um
ein
en unerfüllt ge
blie
benen Kinderwunsch. Hinzu komme die lange Abwesenheit aus dem Erwerbs
leben und ein mittlerweile ent
standener, doch erheblicher sekundärer
Krank
heitsgewinn
in Verbindung mit einem Vermeidungsverhalten
(S.
20 unten).
Ge
mäss globaler Erfassung des Funktionsniveaus (Global Assessment
of
Func
tioning
;
GAF) resultiere eine mässig ausgeprägte Einschränkung der sozialen und beruflichen Leistungsfä
higkeit. Ein
psychiatrischer Gesundheitsschaden, aus dem diese Einschränkun
gen ableitbar wären, liege nicht vor
(S. 21 oben)
.
Leichtgradig
eingeschränkt seien die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung etwas komplexerer Aufgaben, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit (im All
tag und Beruf), die psychophysische, aber auch mentale Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit wie auch die Gruppenfähigkeit, die Fähigkeit zu intimen Beziehungen und zu Spontanaktivitäten.
Gar nicht bis nur minim ein
geschränkt seien die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Fä
higkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen (zum Beispiel beim Bügeln, bei Arbeiten mit Textilien usw.), die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Kon
taktfähigkeit zu Dritten, die Fähigkeit zur Selbstpflege und die (passive)
Ver
kehrsfähigkeit
(S. 22 unten).
Demnach
gebe
es
keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Die Arbeitsunfähigkeit betrage maximal 20
%
(S. 23 oben).
4.5.5
Eine genuin psychiatrische Behandlung finde nicht statt. Die delegierte Psycho
therapie finde derzeit nur ein bis zweimal pro Monat statt (S. 11 unten). Weiter falle in der Medikation auf, dass der Anteil der Psychopharmaka an der
Ge
samtmedikation
, aber auch die Dosierung, mehr als auffällig wäre, wenn es sich
tatsächlich um eine schwere oder sogar rezidivierende Depression handeln würde.
Pharmakologisch bestehe noch ein erheblicher Spielraum (S. 23 Mitte).
4.5.6
Es gebe psychosoziale Faktoren, die tatsächlich einen erheblichen Einfluss n
ä
hmen u
nd zwar primär auf den Transfer
(
weniger auf die Arbeitsfähigkeit als sol
che) der gerade an sich vorhandenen Arbeitsfähigkeit
in relevante, volks
wirtschaftlich verwertb
are Arbeitsleistungen
. Diese Realisierung des gegebenen
Arbeitspotentials werde durch die angespro
chenen Faktoren
mindestens er
schwert,
letztlich sogar verhindert (S.
24 f.). Es handle sich hier um ein Rüc
k
zugs- und Vermeidungsverhalten
bei einem psychischen Gesundheitsschaden, aus dem Konsequenzen und Handicaps ent
standen seien, die prinzipiell durch eine subjektive Willensanstrengung über
wunden werden könn
t
en. So gesehen könne von einem erheblichen sekundären Krankheitsgewinn mit Wegfall sub
jek
tiv unangenehmer Folgen und einem konsekutiv entstandenen
selbstlimi
tie
renden
Verhalten des ans sich ausreichen
den Leistungsvermögens gesprochen werden. Psy
chosoziale Faktoren würden also
die psychiatrischen
Faktoren im engeren Sinne
in ganz erheblichem Ausmasse überwiegen (S. 25 oben).
4.5.7
Der Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2005 als solcher wie auch hin
sichtlich seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verbessert. Die psychiat
rische Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symp
tome, welche zur damaligen
Rentenzusprache
geführt habe, könne so heute nicht mehr gestellt werden. Aufgrund des Wegfalls dieser schwerwiegenden Diagnose sei diagnostisch tatsächlich eine Verbesserung des
Gesundheits
scha
dens
eingetreten. Eine solche Verbesserung bestehe aber auch hinsichtlich der Aus
wirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit. Heute stehe
diag
nostisch eine
somatoforme
Schmerzstörung im Vordergrund, ohne dass dabei
die Foerster-Kriterien erfüllt seien. Es liege weder eine relevante somatische noch eine psychiatrische Komorbidität vor (S. 25 unten). Es handle sich also allenfalls sekundär um einen im psychopathologischen Kern invariant gebliebe
nen Gesundheitsschaden, welcher sich selbst aber sehr wohl verbessert habe
,
und damit auch seine vormals negativen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit, welche drastisch zurückgegangen seien. Die Arbeitsfähigkeit liege nun bei 80
%
und mehr, wobei aber nicht genau datiert werden könne, ab wann diese verän
derten Verhältnisse zeitlich anzunehmen seien
, da zwischen dem Zeitraum von November 2005 bis August 2010 keine Arztberichte vorliegen würden. Der Zeit
punkt der Verbesserung des Gesundheitsschadens müsse daher in Ermange
lung zureichender objektivierender Berichte auf den Zeitpunkt der Begut
ach
tung an
genommen werden. Mit guten Gründen dürfe jedoch darüber hinaus postuliert werden, dass die objektiv
konstatierbare
Verbesserung des
Gesund
heits
schadens
und damit der Arbeitsfähigkeit noch schneller hätte erreicht werden können, wenn schon seinerzeit - ab Ende 2005 - eine entsprechende Opti
mierung der Behandlung, vor allem der Pharmakotherapie hätte installiert
wer
den können. Eine
somatoforme
Schmerzstörung - bei Fehlen jedweder Komor
bidität - be
wirke ja im Allgemeinen, das sei heute allgemeiner klinischer Konsens, keine so hochgradige und lang anhaltende Arbeitsunfähigkeit, es sei denn, es seien tat
sächlich wesentliche der Foerster-Kriterien erfüllt, was sehr wohl vorkomme, bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht der Fall gewesen sei (S. 26).
4.
6
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
naler
Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom
6.
Dezem
ber 2012 (
Urk.
7/57/3-4)
unter anderem
aus, dass es sich bei der Be
urteilung im psychiatrischen Gutachten vom
8.
Oktober 2012 (vgl. E. 4.5) nicht um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts handle, sondern um eine effektive Verbesserung des Gesundheitszustands.
Diese liege darin, dass die an
lässlich der psychiatrischen Begutachtung im Jahr 2005 diagnostizierten schwe
ren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (vgl. E.
3) wegge
fallen sei
.
4.7
Dr.
A._
führte in seinem Bericht vom 3
0.
Oktober 2013 (
Urk.
7/63) aus, im Gut
achten werde dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren
-
mindestens seit 2005
-
durch den Psychologen Mehmet Meral betreut werde, nicht Rechnung getragen. Die Medikation werde durch ihn weitergeführt. Die Beschwerdeführerin sei von keinem türkisch sprechenden Psychiater akzep
tiert worden.
Also sei ihm keine andere Möglichkeit geblieben, als die Medika
tion weiterzuführen.
4.
8
Die Ärzte der
D._
nannten im
Aus
trittsbericht
über die stationäre Behandlung vom 2
4.
September bis 2
2.
Novem
ber 2013 vom
1.
April 2014 (
Urk.
7/86) als psychiatrische Diagnosen eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3), eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie
Anpas
sungs
stö
rungen
(ICD-10 F43.2). Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin sei nach somatischer Abklärung aufgrund von Kopfschmerzen und Verdacht auf
mus
kuloskelettale
Schmerzen und Erschöp
fung bei bekannter rezidivierender De
pression
freiwillig
in die
D._
ein
getreten
. Seit dem Tode des Bruders vor zwölf Jahren leide sie an einer depressiven Störung, wel
che nach ihrer Scheidung vor elf Jahren anhaltend mit Symptomen einer
so
matoformen
Schmerzstörung und funktionellen Syndromen einhergehe. Die Situation habe sich in den letzten
Wochen
aggraviert
, die Beschwerdeführerin könne dafür keine Gründe benennen.
Gemäss Kurzaustrittsbericht des
E._
Spitals sei der Beschwerdeführerin vor drei Wochen die Beendigung der IV-Rente mitgeteilt worden. Es bestehe ein ausgeprägter sozialer Rückzug mit
all
gemeinkörperlicher
Reduktion (S. 2 oben)
.
Die Beschwerdeführerin habe den Be
zug zur Depression selbständig hergestellt. Sie sei im Affekt ratlos, hilfesuchend, gleichzeitig jedoch hoffnungslos hinsich
t
lich einer somatischen Besserung. Ap
petit und Schlaf seien stabil. Es bestehe ein sozialer Rückzug über 10 Jahre (S. 2 unten).
Die Beschwerdeführerin sei insgesamt einer psychiatrischen
Hospitalisation
ge
genüber offen gestanden. Aufgrund der psychosomatischen Akzentuierung
sei
zur Fortsetzung der Behandlung eine Verlegung auf eine
Rehabilitati
onsstation
empfohlen
worden
, was die Beschwerdeführerin jedoch überraschend vehe
ment abgelehnt habe. Einerseits habe sich die Beschwerdeführerin gut in den
Sta
tionsalltag
einer Akutstation integrieren können. Andererseits habe sie ver
sucht, die Abläufe nach ihren Vorstellungen zu dominieren, was immer wieder Konf
likte mit anderen Patienten der Station oder mit dem Pflege- und thera
peu
tischen Personal zur Folge gehabt habe. Sie habe insgesamt eine nur gering ent
wickelte Ambiguitätstoleranz gezeigt, niederschwellig habe eine hohe
Kränk
barkeit
dominiert, welche rasch in einen
dysphorisch
-wütenden Affekt mit im
pulsiven Durchbrüchen umgeschlagen habe
. Vereinzelt habe si
e
mit erhobe
ner Hand gedroht,
einmal habe sie in Wut die Tasse gegen die Wand geworfen, ein anderes Mal habe sie eine Büroklammer versteckt, mit welcher sie sich am Hand
gelenk verletzt habe. Die Beschwerdeführerin habe dabei überhöhte famili
äre Beziehungsvorstellung zu einzelnen Mitarbeitern entwickelt, sie ihre Töchter und Söhne genannt und gleichsam mit Liebesentzug zu strafen versucht, wenn sie deren professionelle Distanz nicht habe nachvollziehen können.
Es sei auch die Beschwerdeführerin selbst ge
wesen, die trotz der erreichten
und von ihr erlebten Fortschritte die Entlassung wiederholt hinauszuzögern versucht habe, in
dem sie sich gegen einen Wochenendurlaub allein zu Hause gestemmt habe
(S. 4 Mitte)
.
Nach zähem Beginn habe die Beschwerdeführerin von der Physio- und Bewe
gungstherapie deutlich profitieren können. Das allgemeine Schmerzniveau und die Fokussierung auf körperliche Situationen h
ätt
en zumindest während der
Hos
pitalisation
gesenkt werden können. Der Beschwerdeführerin sei es gelung
en
,
auch bei persistierenden Schmerzen aktiv zu bleiben und gegebenenfalls ihren Aktionsradius je nach Schmerzerleben lediglich zu reduzieren anstatt sich ins Bett zurückzuziehen
(S.
4 unten
). Bei regelmässigen Kontrollen der
Blut
medi
kamentenspiegel
sei eine Intoxikation durch
Duloxetin
und
Venlafaxin
festge
stellt worden, worauf diese reduziert worden seien.
Auch dies könne eine Re
duktion der von der Beschwerdeführerin beschriebenen, körperlichen Sensa
tio
nen mitbedingt haben (S. 5 oben). In psychotherapeutischen Gesprächen sei es der Beschwerdeführerin überraschen
d
schnell gelungen, sich aus der vorder
gründigen Fixierung auf körperliche Symptome zu lösen und ihre Biographie einschliesslich ihrer aktuellen Situation zu reflektieren. Die Beschwerdeführerin habe erst in den letzten Wochen der
Hospitalisation
motiviert werden können, Wochenendurlaube wahrzunehmen. Eine Unterstützung durch die Spitex habe sie ebenso zurückgewiesen wie die durch
den
Sozialdienst angebotene Un
ter
stützung gegenüber der IV-Stelle (S. 5 Mitte).
4.9
Die Ärzte der
D._
führten im Bericht vom
8.
Mai 2014 (
Urk.
7/85) weiter aus,
die weitere Prognose sei massgeblich von der Stabilisierung
, im besten Falle ei
ner
Ausweitung des aktuell nur ungenügend erreichten Bewegungs- und
Akti
vitäts
niveaus
abhängig
. Das nur geringe Bildungs- und Ausbildungsniveau erschwere einen günstigen Krankheitsverlauf. Zumindest mittelfristig sei nicht von einer
massgeblichen Besserung sowohl der körperlichen wie somatischen Beschwer
den
auszugehen (S. 3 unten).
Aufgrund des krankheitsspezifischen komplexen Zusammenspiels zwischen kör
perlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen sei die Beschwerdefüh
rerin gegenwärtig kaum in der Lage, ihren Haushalt selbständig zu führen, so
dass sie auf die Unterstützung
ihr
er Schwester angewiesen bleibe. Die Erle
di
gung komplexerer,
immer noch alltäglicher Aufgaben scheitere sowohl an den beste
henden körperlichen Einschränkungen - die bereits einfaches Spazieren
gehen zur Herausforderung machen würden - als auch an der damit einher
gehenden ängstlich betonten Fixation auf körperliche Sensationen. Im Rahmen der De
pression bestehe eine Antriebsstörung mit ausgeprägter
Antriebs
hemm
ung
, wel
che eine fortgesetzte Motivation zur Mobilisation notwendig werden lasse
(S. 5 oben). Die Beschwerdeführerin leide unter Schmerzen, welche sie als
bedrohlich erlebe und daraufhin entsprechende Tätigkeiten angstbesetzt vermei
de
. Im Rahmen der Depression sei sie nicht in der Lage
,
ohne externe
Moti
va
tionsarbeit
neue Aufgaben zu übernehmen oder zu Ende zu führen (S. 5 Mitte).
Ausser et
was Haushaltsarbeit (inklusiv Einkauf) seien keine Tätigkeiten zumut
bar.
Die Einschränkungen würden sich durch fortgesetzte Psychotherapie,
Be
wegungs
training
, Ergotherapie und in ferner Zukunft durch Arbeitstherapie ver
mindern lassen (S. 5 unten). Primäres Ziel sei dabei die Stabilisierung und die Ausdeh
nung des Aktivitäts- und Bewegungsniveaus. Sekundär könne unter fort
ge
führter Medikation möglicherweise eine Besserung der depressiven Symp
to
ma
tik erreicht werden. Eine Arbeitsaufnahme werde davon abhängig gemacht (S. 6 oben).
5.
5.1
Zur Beurteilung der Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise
verbessert
hat (vorstehend E.
2.3)
und somit ein Revisionsgrund vorliegt
,
ist auf das psychiatrische Gut
achten (vorstehend E.
4.5
) abzustellen.
Es
beruht auf für die strittigen Belange umfassenden Untersuchungen und berücksichtigt die von der Beschwerde
füh
rerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Sodann wurde es in Kennt
nis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung.
Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet.
Folglich ist
es
für die Beant
wortung der Fragen umfassend und erfüllt die
praxisgemässen
Kriterien (vgl. vor
stehend E.
1.
4
)
vollumfänglich, so dass für die Entscheidfindung darauf ab
gestellt werden kann.
Insbesondere wird im Gutachten die veränderte gesundheitliche Situation in psychischer Hinsicht im Vergleich zum Gesundheitszustand anlässlich der Be
gutachtung im Jahr 2005 (vgl. vorstehend E. 3) dargelegt und begründet. So geht
aus dem Gutachten klar hervor, dass
aus psychiatrischer Sicht keine Diag
nose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden k
o
nn
te
(vgl. vorste
hend E.
4.5.4),
die Schmerzproblematik im Rahmen einer
somatoformen
Schmerzstö
rung
klar im Vordergrund st
and
und
sich
psychopathologisch nur wenige Auffälligkeiten gezeigt haben (vgl. vorstehend E. 4.5.1)
.
In nachvoll
ziehbarer Weise wird weiter aufgezeigt, dass
die psychiatrische Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome nicht mehr gestellt werden k
o
nn
te,
sich
mithin
aufgrund des Wegfalls dieser schwerwiegenden Diagnose nicht nur diagnostisch eine Verbesserung ergeben
hat
, sondern auch hinsicht
lich der Auswirkungen des Gesundheitszustandes eine
Besserung
eingetreten ist (vgl.
vorstehend
E. 4.5.
7
).
5.2
5.2.1
Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, anhand der
Diagnosen der
statio
nären
Hospitalisation
sei ihre Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
(vgl.
Urk.
1 S. 9
Rz
28 f.)
, ist zu b
emerken, dass
für die
Eignung eines Gesundheitsschadens, die Leistungsfähigkeit rechtserheblich einzu
schränken, nicht bereits die Befunde und Diagnosen, sondern erst deren Folgenabschätzung entscheidend sind.
Die unterschiedliche Schwerebeurteilung einer Symptomatik durch Gutachter und behandelnde Ärzte ergibt sich indessen aus deren unterschiedlicher
auf
tragsrechtlicher
Situation. Denn bei behandelnden Ärzten gehört die Beurtei
lung der Auswirkungen von Krankheitssymptomen auf die Arbeitsfähigkeit zum therapeutischen Auftrag. Sie müssen daher ihre Beurteilung - soweit medizi
nisch nur vertretbar - mit der Selbsteinschätzung des Patienten in Einklang bringen (ihn überzeugen) können und gegebenenfalls - aus Rücksicht auf das für den Therapieerfolg wichtige Vertrauensverhältnis - bei der Bewertung der
krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen dessen Einschätzung folgen. Dem
gegenüber hat der von einem Sozialversicherungsträger oder von einem Gericht beauftragte Gutachter die Krankheits- bzw. Behinderungsüberzeugung des Exploranden zwar auch in seine Beurteilung einzubeziehen, ist aber ver
pflichtet, die Schwere der (von ihm selbst klinisch festgestellten oder von an
de
ren - insbesondere behandelnden - Ärzten berichteten) Symptomatik auf
grund aller aktenkundigen Informationen über Defizite und Ressourcen des Ex
plo
ran
den zu validieren.
Folglich verschaffen die mitunter schwierige Abgrenzung von
invaliditätsfrem
den
Faktoren sowie die auf die IV-spezifischen Tatfragen zugeschnittenen Schlussfolgerungen einem Gutachten einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Berichten der behandelnden Ärzte, welche aus therapeutischen Zusammen
hängen erstattet wurden (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 1.2.4 mit Hinweisen).
5.2.2
Die anderslautende Beurteilung der
Ärzte der
D._
(
sowie
auch diejenige von
Dr.
A._
)
ist
daher
aufgrund der Erfahrungstatsache zu relativieren, dass
Haus
ärztinnen
und Hausärzte wie überhaupt behandelnde Arztpersonen beziehungs
weise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
V
ertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135
V
465 E. 4.5, 125
V
351 E. 3b/cc).
Bei der Würdigung der divergierenden ärztlichen Stellungnahmen zur Arbeits
fähigkeit ist
vorliegend
ebenfalls
dem Umstand Rechnung zu tragen,
dass der Gutachter - wohl im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten - die psychosozia
len und soziokulturellen Gegebenheiten, welche seiner Einschätzung nach einen erheblichen Einfluss hätten und in überwiegendem
Ausmass
vorhanden gewe
sen seien (vorstehend E. 4.5.6), entsprechend ausklammerte.
5.2.3
Schliesslich
vermag d
ie a
nderslautende Einschätzung der
Ärzte der
D._
auch
inhaltlich
nicht zu überzeugen
. Die Ärzte der
D._
diagnostizierten im Bericht
vom
1.
April
2014
(vorstehend E.
4.8)
zuhanden des Hausarztes eine schwere de
pres
sive Episode mit psychotischen Symptomen, wogegen im Bericht vom
8.
Mai
2014
(vorstehend E.
4.9)
zuhanden der Beschwerdegegnerin - bei sonst über
wiegend gleichem Inhalt - bei den Diagnosen keine psychotischen Symptome mehr aufgeführt werden. Inwiefern die Beschwerdeführerin an psychotischen Symptomen leiden soll, geht aus den Berichten indes nicht hervor
und wird auch durch die Beschwerdeführerin nicht weiter begründet
. Den entsprechenden
Befunden lassen sich weder Anhaltspunkte für Wahnideen, Halluzinationen noch
für einen depressiven Stupor (vgl.
Weltgesundheitsorganisation, Internati
onale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-di
agnos
tische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl. 2014,
Ziff.
F32.3 S.
175)
entnehmen
.
I
n den
genannten
Berichten der
D._
ist zudem wenig plausibel, dass
gleichzei
tig eine depressive Episode und eine Anpassungsstörung diagnostiziert wurden. Bei Patienten mit Anpassungsstörungen findet sich eine deutlich geringer aus
geprägte Symptomatik, wo keines der Symptome schwer genug oder an sich so markant ist, dass es eine spezifischere Diagnose rechtfertigt (vgl.
Dil
ling
/
Mom
bour
/Schmidt,
a.a.O.,
Ziff.
F43.2 S.
209). Vor dem Hintergrund dieser unter
schied
lichen Ausprägung ist die gleichzeitige Diagnose dieser beiden
Stö
rungs
bilder
nicht nachvollziehbar.
So
wird die Anpassungsstörung in den kli
nisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 zu den depressiven Episoden unter dem Titel Ausschluss aufgeführt (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
a.a.O.,
Ziff.
F32 S.
172).
5.2.4
Nach dem Gesagten vermögen
die Berichte der
D._
die anderslautende fach
ärzt
liche Einschätzung im Gutachten nicht zu widerlegen
oder in Zweifel zu ziehen
.
Sodann sind die Berichte nicht geeignet, eine seit der Begutachtung ein
getretene (langandauernde) Verschlechterung nachzuweisen.
5.
3
An den getroffenen Feststellungen vermag auch die Einschätzung des
behan
deln
den
Arztes
Dr.
A._
(vorstehend E.
4.4
und E.
4.7)
nicht
s
zu ändern
.
Dr.
A._
ist
kein
psychiatrischer Facharzt
,
was den Beweiswert seiner Stel
lung
nahmen
zum psychischen Gesundheitszustand
und insbesondere zum
Be
weis
wert
des psychiatrischen Gutachtens
entsprechend mindert
(
v
gl. Urteil des Bun
desgericht 9C_736/2009
v
om 26. Januar 2010 E. 2.1).
5.
4
Soweit die Beschwerdeführerin beanstandet, dass keine konkrete Beurteilung des Ausmasses beziehungsweise der Auswirkungen der somatischen Beschwer
den vorliege (vgl.
Urk.
1 S.
8
Rz
24
), vermag dies nicht zu überzeugen. Aus
dem Bericht des
Z._
vom
7.
Oktober 2010 (vorstehend E. 4.3) geht hervor, dass die Rückenschmerzen der Beschwerdeführerin primär
myofaszial
bei
Haltungsin
suffizienz
und muskulärer
Dekonditionierung
bedingt seien und sich keine de
ge
nerativen oder entzündliche
n Veränderungen gezeigt hätten.
Diesbezüglich ist zu bemerken, dass sich das
im Rahmen der rheumatologi
schen
Untersuchung geklagte Beschwerdeausmass vor dem Hintergrund, dass sich die Beschwerdeführerin
in diesem Zeitpunkt
gemäss eigenen Angaben
seit zirka ei
nem Jahr nicht mehr in ambulanter
physiotherapeutischer
Behandlung befand
(vgl.
Urk.
7/44/6 unten)
und zwei Tage nach
der
Untersuchung
am
Z._
, also ab dem 2
5.
August 2010
,
für drei Monate in die
F._
reiste
um ihre kranke Mutter zu pflegen
(vgl.
Urk.
7/44/8 Mitte)
, nicht nachvollziehen
lässt
.
Sodann lässt sich d
em Bericht der
nephrologischen
Abklärung vom 1
5.
Juli 2010
(vorstehend E.
4.2) entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
bereits
im Juni 2010
Ferien in der
F._
machte
(vgl.
Urk.
7/44/13 Mitte)
.
Das
Verhalten
der Beschwerdeführerin lässt
hinsichtlich des geklagten
Be
schwerdeausmasses
auf einen fehlenden erheblichen
Leidensdruck
schliessen
. Zumindest muss davon ausgegangen werden, dass dieser
gleich wie die psychi
schen Beschwerden
nicht derart ausgeprägt
zu sein scheint
, dass die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin
da
d
urch
erheblich und dauerhaft einge
schränkt
wird.
Angesichts
der
wenig ausgeprägten Symptomatik ist der Gutachter
daher
zu Recht von keiner erheblichen somatischen
(
wie auch psych
iatrischen; vgl. vor
stehend E.
5.1)
Komorbidität ausgegangen. Etwas anderes lässt sich entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
1 S. 7 f.
Rz
21-25
)
auch au
s dem Gutachten nicht ableiten.
6.
6.1
Der psychiatrische Gutachter
nannte als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter anderem eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (vorstehend E. 4.5.
1
).
6.2
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht unlängst von der Rechtsprechung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ähnliche Störungen und ihre Folgen vermutungsweise mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3), Abstand genommen und eine neue Basis für die Beurteilung
somatoformer
Schmerzstörungen und ihrer Auswirkungen auf die juristisch zu beurteilende Arbeitsunfähigkeit be
gründet
:
Die Beurteilung der Invalidität
bei psychosomati
schen Störungen
hat
stärker als
bisher den Aspekt der funktionellen Aus
wirkungen zu berücksichtigen
, was sich schon in den diagnostischen Anforder
ungen niederschlagen muss
. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit be
zweckte die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung die Sicherstel
lung eines
gesetzmässigen
Versicherungsvollzuges mittels der Re
gel/Ausnahme-Vorgabe bzw. (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsn
atur kann offen bleiben
. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturier
tes
Beweisverfahren ersetzt
. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG -
ausschliessliche
Berücksichti
gung der Folgen der gesundheitlichen Be
einträchtigung und objektivierte
Zu
mutbarkeitsprüfung
bei materieller Beweis
last der rentenansprechenden Person (Art. 7 Abs. 2 ATSG) - änd
ert sich dadurch nichts
. An die Stelle des bisherigen
Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleich
baren
psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beach
tliche
Standardin
di
katoren
. Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der
funktionellen Auswir
kungen einteilen
. Auf den Begriff des primären
Krankheit
s
gewinnes
und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu ver
zichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren
–
recht
lich gebotener – Anwendung
im Einzelfall zusammen
. Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die mate
riell beweisbelastete versicherte Person zu tragen
(BGE 141 V 281 E. 6)
.
6.3
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 S. 533 und 541
;
BGE 141 V 281
E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
Komplex „G
esundheitsschädigung"
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, pe
rsönliche Res
sourcen;
Komplex „Sozialer Kontext"
Kategorie „Konsistenz" (Gesich
tspunkte des Verhaltens;
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener
Lei
dens
druck
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zel
f
all relevanten) Indikatoren geben, ver
schaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung
der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (
BGE 141 V 281
E. 4.1.3).
6.4
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrund
lagen vor Bundesrecht standhält
. In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
ni
strativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebe
nen
falls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
6.5
Das
Gutachten
(vorstehend E.
4
.5) hat sich mit dem funktionellen Schweregrad der Beeinträchtigung
hinreichend
auseinander gesetzt: Die
Gesundheitsschädi
gung
betreffend wurde die Ausprägung der relevanten Befunde thematisiert
.
E
benso
wurde
der bisherige Therapieverlauf und die Frage von beg
leitenden Erkrankungen erörtert
sowie
auf
erheblichen sekundären Krankheitsgewinn und Vermeidungsverhalten
hingewiesen
.
Der Komplex der Persönlichkeit ist direkt
in die Diagnostik eingeflossen
, das Leistungsvermögen ausführlich dargelegt
und
der soziale Kontext wurde im Gutachten ebenfalls angesprochen und be
rück
sichtigt
(
zum Ganzen
vorstehend E. 4.5.
1
-6)
. Unter dem Aspekt der Konsis
tenz erscheinen sowohl der Umfang der bestehenden Lebensaktivitäten wie auch der Leidensdruck als berücksichtigt.
Der
Gutachter
kam
dabei zum
Schluss, ge
mäss
globaler Erfassung des Funktionsniveaus resultiere eine
mässig
ausge
prägte Ein
schränkung der sozialen und berufl
ichen Leistungsfähigkeit, woraus eine maxi
mal 20%ige Arbeitsunfähigkeit resultiere
.
6.6
Vorliegend erhellt aus dem psychiatrischen Gutachten hinreichend, dass die Ausprägung der psychischen diagnoserelevanten Befunde nicht derart stark ins Gewicht fällt, dass sie einer (teilweisen) Arbeitsfähigkeit entgegenstehen würde
.
Ferner ergibt sich a
us
den medizinischen Akten, dass sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin im Rahmen des stationären Auf
enthaltes zu
sehends verbesserte,
die Beschwerdeführerin von der Physio- und Bewegungs
therapie deutlich profitiert habe
und
es ihr i
n psychotherapeutischen Gesprä
chen überraschend schnell gelungen
sei
, sich aus der vordergründigen Fixierung auf körperliche Symptome zu lösen (vorstehend E. 4.8).
Es ist somit davon aus
zugehen,
dass der Beschwerdeführerin
trotz der bereits seit Jahren bestehenden Symptomatik
noch therapeutische Optionen offen stehen und eine
Behand
lungsresistenz
nach Lage der Akten ausgeschlossen werden kann
.
Von einer
therapeutisch nicht mehr angehbare
n
Störung
ist daher
nicht auszugehen
.
Weiter ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
wiederholt
- teils mehrmonatige -
Ferien
in der
F._
machte
(vgl. vorstehend E.
5.5)
, die
Verlegung in eine Rehabilitationseinrichtung und auch eine Unterstützung durch
die Spitex vehement ablehnte
(vorstehend E. 4.8)
, bisher von keinem Psy
chiater ambulant betreut wurde
(vorstehend E. 4.
7)
und die delegierte Psycho
therapie
unter Auf
sicht eines Allgemeinmediziners
nur ein bis zweimal pro Mo
nat statt
finde
t
(vorstehend E.
4.5.5)
.
Angesichts
der raschen
Zustandsverbesse
rung
wäh
rend des stationären Aufenthalts
(vorstehend E. 4.8)
ist davon auszu
gehen, dass
sich die Beschwerdeführerin bis dahin keiner adäquaten und konse
quenten
somatische
n
wie auch
psychiatrische
n
Therapie
unterzogen hat
.
Dies
bezüglich
konstatierte bereits der Gutachter
im Jahr 2011
, dass eine genuin psychiatrische Behandlung nicht stattfinde und der Anteil und die Dosierung der Psycho
phar
maka
hinsichtlich der geklagten Beschwerden mehr als auffällig sei
(vor
stehend E. 4.5.
5
).
6.7
Gesamthaft ist aufgrund dieser Feststellungen der Schweregrad
wie
auch die Konsistenz der funktionellen Auswirkungen der Schmerzstörung als gering zu werten. Demnach ist auch unter Berücksichtigung der beachtlichen
Standar
d
in
dikatoren
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
somatoforme
Schmerzstörung keine Auswirkungen au
f die Arbeitsfähigkeit zeitigt,
weshalb
der
Gutachter die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung in nachvollziehbarer Weise als Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit aufführte.
Folglich erlaubt das Gutachten auch im Lichte der
massgeblichen
Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 eine umfassende und schlüssige Beurtei
lung. so dass darauf abgestellt werden kann.
7.
7.1
Hinsichtlich der im Gutachten attestierten (mindestens) 80%igen Arbeitsfähig
keit (vgl. vorstehend E. 4.5.7) ist zu bemerken, dass die Beurteilung, ob ein in
va
lidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den rechtsanwendenden Behörden o
bliegt (BGE 140 V 193 E. 3.1 f.
). Dabei gilt es zu beachten, dass ärztliche Gutachten und Berichte zwar zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen haben und diese Aus
führungen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letztlich der rechtsanwendenden Be
hörde – der Verwaltung, oder im Streitfall, dem Gericht – obliegt, zu beurteilen, ob eine Invalidität im Rechtssinne, bejahendenfalls eine solche
renten
be
grün
dender
Art eingetreten ist.
Folglich können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der in einem
medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne
dass dieses seinen Beweiswert verlöre (U
rteil des Bundesgerichts 9C_651/
2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
7.2
Unter dem Blickwinkel der
aktuelle
n Rechtsprechung
und der Tatsache, dass im Gutachten trotz Fehlens einer Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert wurde,
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die geltend gemachten Einschrän
kungen anders begründet sind als durch eine versicherte
Gesundheitsbeein
träch
tigung
.
Zusammenfassend ist damit der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise verbessert hat
und
ihr
bei objek
tiver Betrachtung ein
ganztägiges
Arbeitspensum zumutbar ist.
Auf weitere
Abklärungen kann im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung (BGE 127 V 491
E. 1b mit Hinweisen
) verzichtet werden
.
7.3
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung, mit welcher die bisher aus
gerichtete Invalidenrente aufgehoben wurde, nicht zu beanstanden. Die Be
schwerde ist daher abzuweisen.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzu
erlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden diese jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, dies mit Hinweis auf §16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
8.2
Der von
Rechtsanwältin Dina
Raewel
mit Eingabe vom
26
.
Januar
201
6
geltend gemachte Aufwand von
13
Stunden
18 Minuten
und Fr.
87.80
Barauslagen (Urk.
13
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
nicht
angemessen
. Insbesondere erscheint ein Aufwand von
10
Stunden
und
30
Mi
nuten
für das Aktenstudium sowie die Beschwerdeschrift als überhöht,
insbe
sondere aufgrund der Tatsache, dass sie
die
Beschwerdeführer
in
schon im
Vor
bescheidverfahren
vertrat und die Akten somit bekannt waren. Sodann ent
spricht die Beschwerdeschrift
in
grossen
Teilen
de
m
Einwandschreiben
vom
4.
November
201
3
(Urk.
7
/
66
; vgl. auch Stellungnahme vom
4.
Juli 2014,
Urk.
7/102
).
Angesichts der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge
erscheint f
ür das Abfassen der Beschwerdeschrift deshalb ein Aufwand von
6
Stunden als
ange
messen
, womit sich eine Kürzung um
4
Stunden
30 Minuten
ergibt und dem
entsprechend ein Aufwand von
8
Stunden
48
Minuten zu entschädigen ist.
Bei Anwendung
des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.-- bis Ende Dezember 2014 und von
Fr.
220.-- ab dem
1.
Januar 2015
ist die Entschädi
gung somit auf Fr.
2‘000
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.