Decision ID: 26c6f083-0828-4337-b28b-401c024aa3aa
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1976 geborene
X._
arbeitete bei der
Z._
, ehe ihm die Arbeitgeberin
während laufender Probezeit
am 14. Oktober 2019 per 29. Ok
tober 2019 kündigte (Urk. 7/14) und er si
ch
am 2
4.
Oktober
per 30. Oktober 2019 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
A._
zur Arbeits
vermittlung anmeldete (Urk. 7/15). Mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 forderte die
Syna
Arbeitslosenkasse (fortan:
Syna
)
den Versicherten auf,
die
benötigte
n
Unterlagen für die Bearbeitung der Anmeldung einzureichen (Urk. 7/13 [=
Urk.
7/8]). Am 29. Januar 2020 teilte die Arbeitslosenkasse dem Versicherten mit, dass die angeforderten Unterlagen nicht eingereicht worden seien und setzte ihm Frist zu deren Einreichung an (Urk. 7/7). Mit Verfügung vom 12. Februar 2020 lehnte die
Syna
den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ab dem 30. Oktober 2019 wegen Aktenunvollständigkeit ab (Urk. 7/5). Die dagegen erhobene Einsprache vom 11. März 2020
(
Urk.
7/3)
wies die
Syna
mit Entscheid vom 15. Mai 2020 ab (Urk. 7/1 [= Urk. 2]).
2.
Dagegen
erhob
der Versicherte, vertreten durch seine
Ehefrau
,
am 16. Juni 2020 Beschwerde und beantragte sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzu
heben und es seien dem Beschwerdeführer die ihm zustehenden Arbeitslosen
taggelder auszubezahlen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 16. Juli 2020 ver
zichtete die Beschwerdegegnerin auf
die Erstattung einer Beschwerdeantwort
(Urk. 6), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 21. Juli 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) macht die arbeitslose Person den Entschädigungsanspruch bei einer Kasse geltend, die sie frei wählen kann.
Für die erste Kontrollperiode während der Rahmenfrist (sowie bei jeder erneuten Arbeitslosigkeit, die nach einem Unterbruch von wenigstens sechs Monaten ein
tritt) macht die versicherte Person ihren Anspruch geltend, indem sie der Kasse die folgenden Unterlagen einreicht (Art. 29 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV]): den vollständig ausgefüllten Entschädigungsantrag (lit. a), das Doppel des amtlichen Anmeldeformulars (lit. b), die Arbeitsbescheinigungen für die letzten zwei Jahre (lit. c), das Formular «Angaben der versicherten Person» (lit. d) sowie alle weiteren
U
nterlagen, welche die Kasse zur Beurteilung des Anspruchs verlangt (lit. e).
Zur Geltendmachung ihres Anspruchs für die weiteren Kontrollperioden legt die versicherte Person der Arbeitslosenkasse Folgendes vor (Art. 29 Abs. 2 AVIV): das Formular «Angaben der versicherten Person» (lit. a), die Arbeits
bescheinigungen für Zwischenverdienste (lit. b) und alle weiteren Unterlagen, welche die Kasse zur Beurteilung des Anspruchs verlangt (lit. c).
Als Kontrollperiode gilt der jeweilige Kalendermonat (Art. 27a AVIV in Verbin
dung mit Art. 18a AVIG). Laut Art. 29 Abs. 3 AVIV setzt die Arbeitslosenkasse der versicherten Person nötigenfalls eine angemessene Frist für die Vervoll
ständigung der Unterlagen und macht sie auf die Folgen der Unterlassung auf
merksam.
1.2
Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erlischt, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG).
Nach der Rechtsprechung handelt es sich bei der in Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG für die Geltendmachung des Entschädigungsanspruchs gesetzten Frist um eine Verwirkungsfrist. Sie ist weder der Erstreckung noch der Unterbrechung zugänglich (
Art.
40 Abs. 1 ATSG), kann aber unter gewissen Voraussetzungen wiederhergestellt werden (Art. 41 ATSG; BGE 117 V 244 E. 3a). Nach der Recht
sprechung tritt die Verwirkungsfolge auch dann ein, wenn der Anspruch zwar innert der Anmeldefrist geltend gemacht wird, die versicherte Person aber inner
halb dieses Zeitraums oder einer ihr allenfalls – gestützt auf Art. 29 Abs. 3 AVIV – gesetzten Nachfrist nicht alle für die Anspruchsbeurteilung erforderlichen Unter
lagen beibringt. Dies gilt jedoch – da die Verweigerung der Leistung im Säumnisfall eine für den Betroffenen schwerwiegende Rechtsfolge darstellt – nur, wenn die Arbeitslosenkasse die antragsstellende Person ausdrücklich und unmiss
verständlich auf die Verwirkungsfolge bei verspäteter Einreichung der für die Beur
teilung des Leistungsanspruchs wesentlichen Unterlagen hingewiesen hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_935/2011 vom 25. Februar 2012 E. 2 mit Hin
weisen).
1.3
Nach einem im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Grundsatz dürfen schwere Rechtsnachteile als Folge pflichtwidrigen Verhaltens nur dann Platz grei
fen, wenn die versicherte Person vorgängig ausdrücklich und unmissverständlich auf diese Rechtsfolge hingewiesen wurde (ARV 2002 S. 188 E. 3c mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist dieser Grundsatz seinerseits Ausfluss des verfas
sungsrechtlichen Verhältnismässigkeitsprinzips und findet namentlich in Art. 29 Abs. 3 AVIV und im gleichlautenden Art. 77 Abs. 2 AVIV seinen Niederschlag. Nach der Rechtsprechung kommt die Schutznorm von Art. 29 Abs. 3 AVIV ihrem Wortlaut entsprechend jedoch nur dann zum Tragen und es ist nur dann die Ansetzung einer Nachfrist erforderlich, wenn es um die Vervollständigung der erforderlichen Dokumente geht. Nicht dem Zweck von Art. 29 Abs. 3 AVIV ent
spricht es dagegen, das Fehlen jeglicher Unterlagen zu verschleiern;
diesfalls
muss die Arbeitslosenversicherung die säumige Person weder mahnen noch ihr eine zusätzliche Frist einräumen (Urteil des Bundesgerichts C 7/03 vom 31. August 2004 E. 5.3.2 mit Hinweis auf ARV 1998 Nr. 48 S. 281).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrem angefochtenen Einspracheentscheid fest, der Beschwerdeführer habe für die Anspruchsprüfung der Arbeitslosen
entschädigung keine Unterlagen eingereicht, weshalb es ihr nicht möglich gewesen sei, fehlende Unterlagen bei Arbeitgebern direkt zu verlangen. Zudem habe der Beschwerdeführer das Formular «Angaben der versicherten Person» von Oktober 2019 bis
zum Erlass des Einspracheentscheids
nicht
eingereicht.
Mit dem Formular «Angaben der versicherten Person»
hätte er seinen Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung monatlich gelten
d
machen müssen. Durch sein Unter
lassen sei der Beschwerdeführer seiner Auskunfts- und Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen und
er
habe den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung nicht geltend gemacht. Die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
entschädigung sei
en daher
ab dem 30. Oktober 2019 nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, er habe sich am 24. Oktober 2019 beim RAV angemeldet und dort seinen Antrag auf Arbeitslosen
entschädigung mit den nötigen Dokumenten eingereicht. Er habe seitdem alle seine Verpflichtungen gegenüber dem RAV erfüllt.
Im
Verwaltungsverfahrens habe er wegen seine
r
mangelhaften Deutschkenntnisse einiges nicht oder falsch verstanden. Die verlangten Dokumente habe er nicht eingereicht, weil er von
seiner früheren Arbeitgeberin das ausgefüllte Formular «Arbeitgeberbeschei
nigung» nicht erhalten
habe
(Urk. 1).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosen
entschädigung ab dem 30. Oktober 201
9.
3.2
Der Anmeldebestätigung kann entnommen werden, dass sich der Beschwerde
führer am 24. Oktober 2019 beim RAV
A._
anmeldet
e
(Urk. 7/15).
Den Akten liegen lediglich ein nicht unterzeichneter temporärer Arbeits
vertrag (Urk. 7/12) sowie das Kündigungsschreiben der
Z._
bei (Urk. 7/14).
Die Beschwerdegegnerin forderte den Beschwerdeführer mit Sch
reiben vom 28. Oktober 2019 auf
,
den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung, das Formular betreffend Unterhaltspflichten gegenüber Kindern sowie eine Arbeit
geberbescheinigung
(
ausgefüllt durch den letzten Arbeitgeber
)
einzu
reichen. Zudem verlangte sie weitere Unterlagen, um das Dossier zu erste
lle
n und den Taggeldanspruch zu prüfen. Die Beschwerdegegnerin wies
den Versicherten
im genannten Schreiben
darauf hin, dass sie auf seine Mitwirkung angewiesen sei und eine Auszahlung erst erfolgen werde,
wenn
die verlangten Unterlagen komplett ausgefüllt zur Bearbeitung eingetroffen
seien
(Urk. 7/13). Am 29. Januar 2020 setzte die Beschwerdegegnerin
unter Beilage des Schreibens vom 28. Oktober 2019
dem Beschwerdeführer Frist bis am 5. Februar 2020 zur Ein
reichung der
dort genannten
Unterlagen an. Sie wies ihn darauf hin, dass ohne die Unterlagen sein Anspruch nicht weiter abgeklärt werden könne und der An
spruch auf Arbeitslosenentschädigung erlöschen würde, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontroll
periode, auf die er sich beziehe
, geltend gemacht
werde
.
Diese Frist war mit der Androhung verbunden, dass bei Säumnis
sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung abgelehnt werde (Urk. 7/7).
D
er Beschwerdeführer
liess die Frist
ungenutzt verstreichen.
3.3
Der Beschwerdeführer hat damit innert der von der Beschwerdegegnerin ange
setzten Frist keines der
einverlangten
Dokumente der Beschwerdegegnerin ein
gereicht.
Dafür, d
ass er die Unterlagen, wie von seiner Ehefrau behauptet, bereits bei der Anmeldung beim RAV eingereicht haben sollte (Urk. 1 S. 1), bestehen keine Anhaltspunkte. So liess er sowohl das Schreiben vom 28. Oktober 2019 wie auch jenes vom 29. Januar 2020 unbeantwortet. Erst
nach Erlass der Verfügung vom 12. Februar 2020 erklärte er
mit Einsprache vom 11. März 2020
,
er habe die Arbeitgeberbescheinigung nicht einreichen können, da seine frühere Arbeit
geberin ihm diese nicht zugeschickt habe. Ihm
hätten
daher nicht alle Unterlagen
zur Verfügung gestanden (Urk. 7/3).
Der Einsprache legte der
Beschwerdeführer
jedoch
weder das ausgefüllte Antragsformular zur Arbeits
losen
entschädigung noch das Formular «Angaben der versicherten Person»
bei.
Zur Einreichung der angeforderten Unterlagen
war
er, abgesehen von der Arbeitgeberbescheinigung, nicht auf die Unterstützung seines früheren Arbeitgebers angewiesen.
Ein ent
schuldbare
r
Grund, weshalb er die
einverlangten
Unterlagen nicht einreichte, ist daher nicht ersichtlich und wurde
vom Beschwerdeführer
auch nicht substantiiert vorgebracht.
Dass der Beschwerdeführer lediglich über mangelhafte Deutsch
kenntnisse verfügen würde,
geht aus den Akten ebenfalls nicht hervor (vgl. Urk. 1 S. 1). Die Einsprache reichte der Beschwerdeführer
in Deutsch und
in eigenem Namen
ein, weshalb davon auszugehen ist, dass er über die
erforderlichen
Deutschkenntnisse verfügt oder allenfalls Hilfe von Dritten
in Anspruch
hätten
nehmen könne
n
, um seiner Mitwirkungspflicht bereits im Verwaltungsverfahren nachzukommen
(vgl. Urk. 7/3)
. Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers, wonach er die ihm zur Verfügung gestandenen Dokumente zusammen mit der Einsprache eingereicht habe (Urk. 1 S. 2), sind den Akten
ebenfalls
keine Anhalts
punkte hierzu zu entnehmen.
Die
Beschwerdegegnerin
machte den Beschwerde
führer
sodann
trotz gänzlich fehlenden Unterlagen
mit Schreiben vom 29. Januar 2020 auf die Säumnisfolgen aufmerksam und setzte ihm eine angemessene Frist zur Einreichung der notwen
d
igen Unterlagen
an
(vgl. E. 1.3)
, weshalb zu Recht von einer
Missachtung seiner Mitwirkungspflicht
ausgegangen wurde. Da der Beschwerde
führer
innert Frist
keine Unterlagen
einreichte und auch bis zum Erlass des Einspracheentscheides keinerlei Unterlagen vorlagen,
lehnte die Beschwerde
gegnerin
mit Verfügung vom 12. Februar 2020
einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ab Oktober 2019
zu Recht
ab
. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und ist abzuweisen
.
4.
Es bleibt dem Beschwerdeführer jedoch unbenommen, seinen Anspruch auf Arbeitslosen
entschädigung für spätere Kontrollperioden durch Einreichen der hierfür notwendigen aktuellen Dokumente (vgl. E.1.1) bei der Beschwerde
gegnerin zu wahren.