Decision ID: c74ea3cf-8d5e-40b3-8024-22f778e44ee2
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
A.a A._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) stellte am 3. August
2015 in der Schweiz ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2015
verneinte das SEM ihre Flüchtlingseigenschaft, lehnte ihr Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung und deren Vollzug an. Die Nationalität der
Beschwerdeführerin wurde auf «unbekannt» gesetzt.
A.b Die am 26. Oktober 2015 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6884/2015 vom 22. März 2017
abgewiesen.
II.
B.
B.a Mit als «eine kurze Stellungnahme zu meiner Nationalität und Wieder-
erwägungsgesuch» bezeichneter Eingabe vom 8. Oktober 2020 machte
die Beschwerdeführerin geltend, dass sie mit dem neu eingereichten Be-
weismittel ihre Nationalität belegen könne.
B.b Mit Verfügung vom 6. November 2020 änderte das SEM die Nationali-
tät der Beschwerdeführerin von «unbekannt» auf «Somalia» und wies an-
sonsten ihr Wiedererwägungsgesuch ab.
B.c Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 7. Dezember 2020 Be-
schwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Auf Beschwerdeebene
machte sie bis anhin unbekannte neue Sachverhaltselemente im Sinne
von frauenspezifischen Fluchtgründen geltend.
B.d Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6181/2020 vom 14. Ja-
nuar 2021 wurde die Beschwerde gutgeheissen, soweit die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz beantragt wurde. Die Dispositionsziffern 2, 3
und 4 der Verfügung des SEM vom 6. November 2020 wurden aufgehoben
und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.
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C.
C.a Am 9. Dezember 2021 gelangte der Rechtsvertreter der Beschwerde-
führerin mit einer Verfahrensstandanfrage an das SEM und bat um einen
zeitnahen Entscheid.
C.b Die Anfrage blieb unbeantwortet.
D.
D.a Mit Eingabe vom 11. Februar 2022 gelangte der Rechtsvertreter erneut
an die Vorinstanz und hielt fest, dass die erste Verfahrensstandanfrage
vom 9. Dezember 2021 unbeantwortet geblieben sei. Nach der Rückwei-
sung infolge des Urteils vom Bundeverwaltungsgericht am 14. Januar 2021
zur Neubeurteilung an das SEM sei das Verfahren nunmehr seit einem
Jahr hängig. Weiter wurde erneut um die Mitteilung des Verfahrensstands
und um eine zeitnahe Entscheidung gebeten.
D.b Die Anfrage des Rechtsvertreters blieb erneut unbeantwortet.
E.
E.a Am 15. Juli 2022 wandte sich der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-
rerin ein weiteres Mal an die Vorinstanz und bezog sich auf die beiden un-
beantworteten Verfahrensstandanfragen. Weiter hielt er fest, dass das Ver-
fahren seit über achtzehn Monaten hängig sei und verwies auf Art. 29
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 (BV, SR 101), wonach eine «Beurteilung innert ange-
messener Frist» garantiert werde. Für eine Beurteilung müsse zwar auf die
einzelfallspezifischen Umstände Rücksicht genommen werden, jedoch sei
gemäss Rechtsprechung eine hohe Geschäftslast kein rechtfertigender
Grund für eine Verfahrensverzögerung. Vorliegend stelle die Verzögerung
der Beurteilung des Wiedererwägungsgesuchs eine unzumutbare Unge-
wissheit für die Beschwerdeführerin dar. Er ersuchte um eine Mitteilung
zum Verfahrensstand und bat um einen raschen Entscheid. Gleichzeitig
kündigte er an, dass eine Rechtsverzögerungsbeschwerde eingereicht
werde, sollte bis Ende August 2022 kein Entscheid gefällt werden.
E.b Auch diese Anfrage blieb von der Vorinstanz unbeantwortet.
F.
Mit einer als Rechtsverweigerungs- / Rechtsverzögerungsbeschwerde be-
titelten Eingabe vom 5. September 2022 (Datum Poststempel) gelangte die
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Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – an das Bun-
desverwaltungsgericht und beantragte die Feststellung einer ungerechtfer-
tigten Rechtsverzögerung in ihrem Asylverfahren und die Verletzung des
Beschleunigungsgebots. Die Vorinstanz sei anzuweisen, in ihrem Verfah-
ren baldmöglichst einen Entscheid zu fällen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde wurde eine Kostennote
sowie die Kopien der drei beim SEM eingereichten Verfahrensstandanfra-
gen beigelegt.
G.
Mit Verfügung vom 12. September 2022 wurde das Gesuch um unentgelt-
liche Prozessführung gutgeheissen und es wurde auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingela-
den, sich vernehmen zu lassen.
H.
Am 26. September 2022 nahm die Vorinstanz Stellung.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-
gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110];
Art. 105 AsylG).
Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba-
ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung
einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-
ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch
MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu
Art. 46a VwVG).
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Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden
Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerde zu-
ständig.
1.2 Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerden
richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Be-
schwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zu-
vor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch
darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflich-
tet ist, in Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach
Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/
15 E. 3.2 m.w.H.).
Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 ein Wie-
dererwägungsgesuch beim SEM ein. Die gegen die Verfügung des SEM
vom 6. November 2020 erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil D-6181/2020 vom 14. Januar 2021 gutgeheissen
und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Dar-
über hat das SEM in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine
solche ist bis anhin nicht ergangen. Die Beschwerdeführerin ist daher zur
Beschwerdeführung legitimiert.
1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern
einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die
zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine
bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten
Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbe-
schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die
Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes-
sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der
der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen,
dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin
aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten
Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechts-
verzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜH-
LER/MARTIN KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
3. Aufl. 2022, Rz. 5.23).
Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-
den. Das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführerin resultiert aus
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der mutmasslich verzögerten Amtshandlung der Vorinstanz und am Erge-
hen eines zeitnahen Entscheids, worum sie in ihren Verfahrensstandanfra-
gen gebeten hat, sowie aus der Tatsache, dass die Vorinstanz in der Sache
noch nicht verfügt hat.
1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-
gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverweigerungs- respektive Rechts-
verzögerungsbeschwerde einzutreten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverweigerungs- res-
pektive Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung
der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die
Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht
dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie gegebenenfalls ein unrechtmässig
verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial-
konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be-
hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und mög-
licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl.
BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung respektive Rechtsverzögerung
ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von
Art. 29 Abs. 1 BV. Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde
sich weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der
einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre (vgl. Urteil des BVGer
E-3553/2021 vom 1. November 2021 E. 3.1). Darüber hinaus hat jede Per-
son Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener Frist
(sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsgarantien gelten für alle
Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174
E. 2.2 m.w.H.).
3.2 Von einer hier interessierenden Rechtsverzögerung im Sinne des Ge-
setzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln
zwar nicht (wie bei einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich in-
frage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der
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Natur der Sache objektiv noch als angemessen erscheint. Die Angemes-
senheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung
der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei
namentlich die Komplexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Be-
teiligten und der Behörden, die Bedeutung des Verfahrens für die be-
troffene Partei sowie einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum
Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 m.w.H.).
3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-
setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt,
wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-
sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c;
103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be-
urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen
(vgl. etwa das Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2
m.w.H.).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin rügte, dass seit der Rückweisung ihres Wie-
dererwägungsgesuchs durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom
14. Januar 2021 an das SEM inzwischen fast zwei Jahre vergangen seien,
ohne dass seither ersichtliche Verfahrensschritte durch die Vorinstanz vor-
genommen worden seien. Das vorliegende Asylverfahren sei weder beson-
ders komplex, noch überdurchschnittlich umfangreich. Ferner seien ihre
drei Verfahrensstandanfragen (vom 9. Dezember 2021, 11. Februar 2022
und 15. Juli 2022) unbeantwortet geblieben. Für sie, die Beschwerdefüh-
rerin, stünden aufgrund ihres Ersuchens um Asyl hochrangige Rechtsgüter
auf dem Spiel und das Bedürfnis nach Rechtssicherheit sei erheblich.
Diese überlange Verfahrensdauer ohne ersichtliche Verfahrenshandlun-
gen und ohne Reaktionen auf ihre Anfragen sei offensichtlich unzumutbar.
Die Vorinstanz verletze somit das Beschleunigungsgebot im Sinne von
Art. 29 Abs. 1 BV und es liege eine ungerechtfertigte Rechtsverzögerung
vor.
4.2 Die Vorinstanz begründete in ihrer Vernehmlassung die lange Verfah-
rensdauer damit, dass eine Verfahrensdauer von rund eineinhalb Jahren
zwar unbefriedigend sei. Jedoch sei es dem SEM angesichts der steigen-
den Anzahl von Asylgesuchen sowie des neu eingeführten S-Status und
der damit einhergehenden hohen Arbeitslast nicht möglich, jedes Gesuch
innerhalb der wünschenswerten Frist zu entscheiden. Zudem sei es im
Sinne des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-6130/2014 vom
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18. Dezember 2014 unvermeidbar, dass bei hoher Arbeitslast nicht jedes
Asylgesuch innerhalb der gesetzlichen Behandlungsfrist abgeschlossen
werden könne. Im vorliegenden Fall seien keine triftigen Gründe ersicht-
lich, welche geeignet wären, von dieser Prioritätenordnung abzusehen und
das Gesuch der Beschwerdeführerin vorzuziehen. Es wäre aus Gerechtig-
keitsgründen deshalb stossend, wenn aufgrund des Einreichens einer
Rechtsverzögerungsbeschwerde Vorzugshandlungen gegenüber anderen
Asylsuchenden erreicht würden, welche bereits wesentlich länger auf ei-
nen Entscheid warteten. Schliesslich sei anzufügen, dass das SEM ge-
mäss Prioritätenordnung ihr Asylgesuch in den nächsten zehn Tagen ei-
nem Entscheid zuführen werde.
5.
5.1
5.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist in Kenntnis der hohen Penden-
zenzahlen der Vorinstanz, welche letztlich auch durch die Einführung des
S-Status zugenommen haben. Es ist unvermeidbar und nachvollziehbar,
dass gewisse Verfahren, insbesondere dann, wenn sich noch Abklärungs-
massnahmen aufdrängen, länger dauern.
5.1.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt jedoch auch fest, dass seit der
Rückweisung des Wiedererwägungsgesuchs an die Vorinstanz durch das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6181/2020 vom 14. Januar 2021
bis zum heutigen Zeitpunkt nun rund ein Jahr und knapp neun Monate ver-
gangen sind, ohne dass über das Gesuch entschieden worden wäre.
Grundsätzlich kann sich im Einzelfall aus nachvollziehbaren und berech-
tigten Gründen – wie etwa durch Vornahme von zusätzlichen Abklärungen
– eine entsprechend längere Verfahrensdauer ergeben. Vorliegend kann
jedoch nicht von einer gerechtfertigten Verfahrensverzögerung ausgegan-
gen werden, insbesondere, da die Vorinstanz mehrmals und über einen
längeren Zeitraum ohne ersichtlichen Grund untätig geblieben ist und auch
die Anfragen der Beschwerdeführerin zum Verfahrensstand unbeantwortet
liess. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, dass der inhaltliche oder rechtliche
Sachverhalt besonders komplex wäre und entsprechend eine längere Ver-
fahrensdauer rechtfertigen könnte. Ferner geht weder aus den Akten noch
insbesondere aus der Vernehmlassung hervor, dass im vorliegenden Fall
weitere Abklärungen oder Instruktionshandlungen für die Entscheidfindung
vorgesehen wären, welche eine derartig lange Verfahrensdauer nachvoll-
ziehbar erscheinen lassen würden. Überdies findet die Erklärung der Vor-
instanz, dass es aufgrund der hohen Arbeitslast wegen der Einführung des
S-Status nicht möglich sei, alle Asylgesuche zeitnah zu bearbeiten, keinen
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Anklang, zumal das Verfahren der Beschwerdeführerin nach der Rückwei-
sung durch das Gericht rund ein Jahr vor dem Ausbruch des Ukrainekon-
flikts bei der Vorinstanz einging und entsprechend solange, ohne die Vor-
nahme weiterer Amtshandlungen, unbearbeitet geblieben ist. Ferner ver-
bleibt es unerklärlich, weshalb die Verfahrensstandanfragen vom 9. De-
zember 2021, 11. Februar 2022 sowie diejenige vom 15. Juli 2022 unbe-
antwortet geblieben sind, zumal eine Mitteilung, aus welchen Gründen
keine weiteren Schritte getätigt worden waren oder wie lange das Verfah-
ren voraussichtlich noch andauern werde, der Rechtssicherheit dienlich
gewesen wären. Sofern das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-6130/2014 vom 18. Dezember 2014 zitiert wird, ist anzufügen, dass sich
dessen Sachverhalt anders gestaltet, zumal in diesem Fall das SEM wei-
tere Verfahrenshandlungen getätigt und die entsprechenden Anfragen be-
antwortet hat, weshalb folglich nicht von einem vergleichbaren Sachverhalt
ausgegangen werden kann.
5.2 Somit ist die Vorinstanz zum heutigen Zeitpunkt ein Jahr und knapp
neun Monate ohne ersichtlichen Grund untätig geblieben. Eine solch lange
Verfahrensdauer erscheint im vorliegenden, nicht besonders komplexen
Wiedererwägungsverfahren und ohne die Vornahme weiterer Verfahrens-
handlungen grundsätzlich zu lange. Das Beschleunigungsgebot von
Art. 29 Abs. 1 BV ist offensichtlich verletzt, weshalb sich die Rüge der
Rechtsverzögerung als begründet erweist (vgl. auch Urteil des BVGer
D-2023/2022 vom 9. Juni 2022).
5.3 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das hängige Verfahren insgesamt zu lange gedauert hat und
die eingereichte Beschwerde gutzuheissen ist. Die Akten gehen an die Vor-
instanz zurück, verbunden mit der Anweisung, das Wiedererwägungsge-
such zu prüfen und – wie in ihrer Vernehmlassung angekündigt – zügig
einem Entscheid zuzuführen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind im Sinne von Art. 63 VwVG
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
6.2 Obsiegende oder teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf
eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz für die ihnen erwachse-
nen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
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und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
6.3 Die vom Rechtsvertreter eingereichte Kostennote vom 5. September
2022 erscheint als angemessen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden
Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das SEM anzuweisen, der Be-
schwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1’333.–
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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