Decision ID: 0a44613f-4065-5acb-8f6c-c33f194d65a6
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, war im Rahmen seiner unselbständigen Erwerbs
tätigkeit aufgrund der durch sei
nen Arbeitgeber, die Y._
,
Zürich,
bei der Helsana Zusatzversicherungen AG (nachfolgend Helsana)
abge
schlossenen kollektiven Krankentaggeldversicherung nach dem Bundesge
se
tz über den Versicherungsvertrag (VVG) gegen die wirtschaftlichen Folgen
von Krankheit versichert (Urk. 9/1, Urk. 9/10, Urk. 9/29). Am 12. Mai 2016 erfolgte die Krankmeldung ab 1. April 2016 für die Kollektivtaggeldversicherung (vgl. Urk. 9/16 Ziff. 6).
Die Helsana anerkannte ihre Leistungspflicht und richtete dem Versicherten nach Ablauf der vereinbarten 30-tägigen
Wartefrist Taggelder aus
.
Das Arbeitsverhältnis mit der Y._ wurde per 31. Mai 2016 beendet (Urk. 9/16 Ziff. 3).
Auf Veranlassung der Helsana wurde der Versicherte am 3. August 2016 durch Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und am 5. August 2016 durch Dr. med. A._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, begutachtet (Gutachten vom 28. September 2016, Urk. 9/30-31). M
it
Schreiben vom 28. Oktober 2016 teilte die Helsana dem Ver
sicherten mit, dass es ihm aufgrund der medizinischen Beurteilungen zumutbar sei, in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsleistung zu erbringen, weshalb die Taggelder ab dem 1. Februar 2017 eingestellt würden (Urk. 9/34). Mit Schreiben vom 23
.
Januar 2017 (Urk. 9/41
)
hielt sie
an ihrem Entscheid fest.
2.
Am 3. April 2017 reichte der Versicherte Klage
gegen die Hel
sana ein
und bean
tragte, der Entscheid vom 23. Januar 2017 sei vollumfänglich aufzuheben und es seien weitere 424 Taggelder in der Höhe von Fr. 165.666 pro Tag zu ge
wäh
ren, welche rückwirkend ab der Einstellung der Zahlungen per 1. Februar 2017 auszubezahlen und mit einem Zins zu 5 % seit dem 1. Februar 2017 zu belegen seien. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei von einem unabhängigen Sachverständigen ein medizinisches und psychiatrisches Gutachten einzuholen (
Urk. 1 S. 2).
Mit Klageantwort vom 22. August 2017
(Urk. 8) beantragte die Helsan
a die Ab
weisung der Klage
.
Mit Eingabe vom 30. Oktober 2017 (Urk. 10) reichte der Kläger einen weiteren medizinischen Bericht (Urk. 11) ein, welcher der Beklag
ten am 1. November 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Am 5
.
Dezember 2017
reichte
der Kläger
seine Replik (Urk. 13) ein, und die Beklagte erstattete am 26. Januar 2018 ihre Duplik (vgl. Urk. 17), welche dem Kläger mit Gerichtsverfügung vom 1. Februar 2018 (Urk. 18) zur Kenntnis ge
bracht wurde. Weiter wurden die Parteien angefragt, ob sie gemeinsam auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichteten und ausgeführt, falls innert Frist von 20 Tagen keine Mitteilung gemacht werde, das Gericht davon ausgehe,
dass auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichtet werde. Der Kläger
verzichtete mit Eingabe vom 5. Februar 2018 (Urk. 20) auf die Durchführung einer Hauptverhandlung, und die Beklagte liess sich hierzu nicht vernehmen.
3.
Mit Beschwerde vom 22. Juni 2017 gegen die Verfügung der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 22. Mai 2017 beantragte der
Versicherte unter anderem die Zusprache einer Invalidenrente in näher umschrie
benem Umfang (Urk. 1 im Verfahren Nr. IV.2017.00725). Darüber ist mit Urteil gleichen Datums befunden worden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zu beurteilen ist die Leistungspflicht aus einer Zusatzversicherung zur sozialen
Krankenversicherung. Derartige Zusatzversicherungen unterstehen gemäss Art. 2
Abs.
2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Auf
sicht
über die soziale Krankenversicherung (KVAG) dem VVG (vgl. Urteile des Bun
des
gerichts 4A_243/2017 vom 3
0.
Juni 2017 E. 1, 4A_329/2016 vom 20. Septem
ber 2016 E. 1). Streitigkeiten aus solchen Versicherungen sind privatrechtlicher Natur.
Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozess
ord
nung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist gegeben.
1.2
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das einfache Verfahren zur An
wendung gelangt (Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 ZPO). Es stellt den Sach
ver
halt von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO)
, erhebt von Amtes wegen Beweis (Art. 153 i.V.m. Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO) und bildet seine Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise (Art. 157 ZPO).
1.3
Art. 87 VVG gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht auf die Versicherungs
leistungen im Versicherungsfall gegen den Versicherer
.
1.4
Gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechts
vernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des An
spruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetz
barkeit bestreitet. Nac
h der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungs
recht die
anspruchsbegründenden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein
(BGE 130 III 321 E. 3.1 und 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 22. November 1990]).
1.5
Gemäss den vorliegend anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG (AVB, Ausgabe
vom 1. Januar
200
6; Urk. 9/10
) gewährt die Beklagte im Rahmen der vereinbarten Leistungen Versicherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von
Arbeitsunfähigkeit infolge
Krankheit und
,
sofern
vertraglich
vereinbart
,
von
Unfällen
(
Ziff
.
1
). Krank
heit ist gemäss
Ziff
.
3.1
AVB jede Beeinträchtigung
der körperlichen,
geis
ti
gen
oder psychischen
Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Ar
beits
un
fähigkeit zur Folge hat
.
Das Taggeld wird bei nachgewiesener Arbeitsun
fähigkeit von mindestens 25 % anteilsmässig entsprechend dem Grad der Arbeits
unfähigkeit ausgerichtete (Ziff. 12.1).
In
Ziff
.
3.4
AVB wird Arbeitsunfähigkeit definiert als die durch eine Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, eine im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten.
Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätig
keit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
2.
2.1
Es ist unbestritten, dass de
r Kläger aufgrund der von seiner
(ehemaligen) Arbeit
geber
in,
die Y._, Zürich,
mit der Beklagten abge
schlossenen Krankentaggeldver
sicherung (Vertrags-Nr. 60033803
) gemäss den
An
gaben im Datenblatt zur Police (Urk. 9/1) und den Allgemeinen Versiche
run
gs
bedingungen, Ausg
abe 2006 (AVB, Urk. 9/10
), für ein Taggeld versichert war.
Der versicherte Jahreslohn des
Klägers beläuft sich auf Fr. 75‘585.25
(Urk. 9/19),
das Taggeld beträgt 80 % des effektiven Lohnes und wird während 730 Tagen abzüglich einer Wartefrist v
on 30 Tagen ausgerichtet (Urk. 9/1
S. 2).
Strittig ist
die Leistungspflicht der Beklagten ab 1. Februar 2017.
2.2
Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, er sei auch ab 1.
Februar 2017
und bis auf weiteres in sämtlichen Tätigkeiten im Umfang von
100 %
arbeits- be
zieh
ungsweise erwerbsunfähi
g. Damit habe er auch über den
1.
Februar 2017
hinaus weiterhin Anspruch auf das Kra
nkentaggeld (Urk. 1
).
In seiner Replik führte er aus, die Beklagte beziehe sich auf nicht mehr aktuelle Berichte, auf die Gutachten von Dr. Z._ und Dr. A._ könne nicht abgestellt werden, zumal sie lediglich auf einer sehr kurzen Begutachtung basierten. Gemäss dem Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. B._ sei erstellt, dass bei schwerwiegender psychischer Krankheit eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit gegeben sei. Er wolle sich nicht einer stationären Massnahme unterziehen, da eine solche Massnahme für einen Vater von vier Kindern schlichtweg nicht zumutbar und das familiäre Umfeld für seine Genesung wertvoll sei (Urk. 13).
2.3
Demgegenüber
vertrat
die Beklagte
in ihrer Klageantwort
die Ansicht, dass
der Kläger
spätestens
seit dem 1. Februar 2017 wieder zu 100 % in der ange
stammten Tätigkeit arbeitsfähig gewesen sei. Ab dem 1. Februar 2017 seien kein
e Taggelder mehr geschuldet. Im Übrigen bestehe gemäss den Feststel
lungen der untersuchenden Gutachter des C._ höchstens ge
stützt auf eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit - was bestritten sei - ein Taggeld
anspruch von Fr. 66.30 (Urk. 8
).
In ihrer Duplik führte die Beklagte aus, dass es sich bei dem Bericht von Dr. B._ vom 25. Oktober 2017 lediglich um eine reine Parteibe
hauptung handle, welcher kein Beweiswert zukomme (Urk. 17).
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie,
D._
, stellten in ihrem Bericht vom 2
3.
Dezember 2015 (
Urk. 9/9
) in der Hauptsache folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
enorale Apthose
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Periarthropathia humero-scapularis beidseits
-
neuropathische Schmerzen Dig. III und palmar linke Hand
Die Ärzte führten aus, es seien am
9.
November und am 1
8.
Dezember 2015 Verlaufskontrollen erfolgt (S. 1).
Nach verschiedenen Abklärungen sei die Diag
nose eines
Morbus Behçet als eher unwahrscheinlich
zu betrachten
.
Auch bestünden keine Hinweise auf eine andere Erkrankung aus dem
entzündlich-rheumatologischen Formenkreis (S. 2 Mitte Ad. 1).
3.
2
Suva-Kreisarzt
Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie,
nannte in seinem Ber
icht vom 14. Januar 2016 (Urk. 9/23/2-8
) nach gleichentags erfolgter kreis
ärzt
licher Untersuchung des
Klägers
als
Diagnose
einen Status nach Schnitt
verletzung über dem Me
tacarpophalangealgelenk des Digitus (Dig.)
III der ado
mi
nanten linken Hand am 2
8.
Juni 2013 mit Wundexploration und Wundver
sor
gung am selben Tag. Am 2
3.
Januar 2014 sei bei weiterbestehenden Beschwerden eine Revision erfolgt mit Resektion und Glättung des Sehnen
stumpfes des radialen
f
lexor digitorum superficialis
(
FDS
)
-Zügels, Synovia
lek
tomie und A1-Ring
band
spaltung Dig. III links
(S. 7 Mitte)
.
Dr. E._
führte aus, aus medizinischer Sicht wären körperlich leichte Tätigkeiten möglich. Hierbei sollten Zug- oder Druckbelastungen auf den Dig. III vermieden werden, ebenso Kälteexpositionen. Feinmotorische Tätigkeiten könnten in vollem Umfang durchgeführt werden. Schläge und Vibrationen auf die linke obere Extremität sollten vermieden werden. Unter Beachtung der ge
nannten Einschränkungen bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 7 oben).
Objektiv fänden sich keine muskuläre Hypotrophie links und eine fast seiten
gleiche Fingerbeweglichkeit mit nur diskreten Unterschieden sowie Anhalts
punkte für mangelnde Compliance (S. 6 Mitte).
Dr. E._
führte aus, nach Subtraktion aller nicht unfallbedingten Diagnosen und Beschwerden verbleibe eine praktisch nicht eingeschränkte Beweglichkeit des Dig. III, eine nur noch angedeutete Schwanenhalsdeformität und eine anzu
nehmende Nervenschädigung mit wahrscheinlich neuropathischen Schmerzen im Bereich des Dig. III. Dies setze die Funktion des Dig. III herab. Für fein
mo
torische Tätigkeiten ergäben sich keine Einschränkungen, da diese mit Daumen und Zeigefinger durchgeführt würden. Einschränkungen ergäben sich lediglich bei Druck- oder Zugwirkungen auf den Dig. III linksseitig, so dass Ein
schränkungen bei grobmotorischen Fähigkeiten bestünden. Eine Tätigkeit als Bauarbeiter erscheine somit dauerhaft nicht möglich, da zweieinhalb Jahre nach dem Unfallereignis eine weitere Nervenregeneration nicht
überwiegend wahr
scheinlich sei
(S. 6 f. unten).
3.3
Prof.
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Ärztlicher Direktor,
G._
, stellte in seinem Bericht vom
10. Februar 2016 (Urk. 9/13
) in der Haupt
sache folgende Diagnosen (S. 1):
-
Periarthropathia humeroscapularis rechts mehr als links
-
Status nach Beugesehnenrevision mit Resektion und Glättung des Sehnen
stumpfes des radialen FDS-Zügels, Synovialektomie und A1-Ringbandspal
tung Dig. III links am 2
3.
Januar 2014
-
Nebendiagnose: Depression
Prof.
F._
führte aus,
w
eder in der klinischen Untersuchung noch bei der Konsultation des Arthro-MRI der linken Seite sei eine strukturelle Läsion nach
weisbar, welche das Beschwerdebild
des Klägers
erklären könnte (S. 2).
3.4
Dr. med. H._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte in seinem Bericht vom 14. Juni 2016 (Urk. 9/20) aus, der Kläger leide an chronischen Beschwerden von Seiten fast des gesamten Körpers, der Schulter
gelenke beidseits, der Kniegelenke, des Nackens, der Brustwirbelsäule (BWS), der Achillessehne und des Ellbogens. Weiter leide er seit gut Juni 2013 an einem p
eriarthropathia humeroscapularis
(PHS)-Impingement beidseits und klage über diverse Probleme von Seiten der gesamten Wirbelsäule inklusive über ausge
sprochene Kopfschmerzen. Es handle sich um einen chronischen Verlauf, und eine Arbeitsfähigkeit sei nicht in Erwägung zu ziehen. Seit dem 23. Januar 2014 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Kläger sei seit
dem
7.
November 2007 bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am
6.
Juni 2016 e
rfolgt (S. 1).
3.5
Am
2
8.
September 2016
erstattete Dr. Z._ das von der Beklagten veranlasste psychiatrische Gutachten (Urk. 9/30). Dr. Z._ nannte als Diagnose
eine Dys
thymia
(ICD-10 F34.1). Diese begründe bei definitionsgemässer Leichtgradig
keit keine Arbeitsunfähigkeit (S. 9 Ziff. 3).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit im angestammte
n
Bereich als Maurer und in jedem vergleichbaren Bereich sowie für den gesamten allgemeinen Arbeitsmarkt (S. 9
Ziff.
4).
Eine angepasste Tätigkeit sei ausweislich der hier erhobenen Be
funde nicht notwendig (S. 9 Ziff. 6).
Dr. Z._ führte aus, der Versicherte habe vorrangig über ein Schmerzsyndrom, ausgehend von einer Verletzung der linken Hand, das nunmehr den gesamten Körper betreffe, berichtet. Der Kläger habe über Lärmempfindlichkeit, Dünn
häu
tigkeit, Reizbarkeit, Antriebs-, Hoffnungs- und Freundlosigkeit sowie Zustände innerer Unruhe und Anspannung, Zukunftsängste, klaustrophobische Ängste, kog
nitive, mnestische sowie vegetative Beeinträchtigungen geklagt.
Dr. Z._ hielt fest, im Gegensatz zu der Beschwerdeschilderung seien ausweis
lich des hiesigen AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befundes lediglich leichtgradige Beeinträchtigungen von Stimmung und affektiver Schwingungs
fähig
keit zu objektivieren. Ein maximal leichtgradiges depressives Geschehen sei somit zu diagnostizieren (S. 7 f. Ziff. 5).
Eine Schmerzgenese im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung bestehe nicht. Ein den Schmerzen zugrundeliegender, erheblicher, unbewältigter seeli
scher Konflikt sei anamnestisch nicht herauszuarbeiten. Auch wirke der Versi
cherte nicht namhaft schmerzgeplagt (S. 8 Mitte).
Der Versicherte stehe in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung und nehme keine Antidepressiva sondern lediglich ein Johannis
kraut
präparat ein. Auch dies spreche gegen das Vorliegen einer erheblichen depressiven Verstimmung (S. 8 unten
).
3.6
Am 28. September 2016 erstattete Dr. A._ das von der Beklagten veran
lasste
rheumatologisches Gutachten
(Urk. 9/31). Er konnte nach Untersuchung des Klägers am 5. August 2016
keine rheumatologische Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S. 20
Ziff. 4
).
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Maurer wurde verneint (S. 21 Ziff. 5). Eine angepasste Tätigkeit sei nicht notwendig (S. 22 Ziff. 6 lit. a-b). Dr. A._ führte aus
, es hätten sich deutli
che Zeichen der bewusstseinsnah
en Beschwerde
demonstration gefunden
(S. 22 Ziff. 8).
Die
bisherigen Arbeitsunfähigkeitsattestierungen hätten auf einem versiche
rungs
medizinischen Missverständnis, namentlich einer Begründung auf dem Boden subjektiver Klagen
, beruht.
Weiter seien die hier deutlich herausge
arbeitete
n Aspekte einer bewusstseinsnah
en demonstrativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden bislang nicht erkennbar ausreichend geprüft und berücksichtigt worden
(S. 23 Ziff. 10).
Der Versicherte reklamiere eine Beschwerdentwicklung, die sich nach einem Handtrauma am 28. Juni 2013 mit chirurgischer Versorgung (initiale Wund
naht, FDS-Revision) von der Hand ausdehnend den gesamten Arm betreffend und letztlich in Schmerzausdehnung den gesamten Körper betreffend entwickelt habe. Sämtliche bisher durchgeführten therapeutischen Massnahmen seien ineffi
zient. Sämtliche Beschwerden würden mit hohen Schmerzskalenwerten benannt.
In der klinisch-rheumatologischen Untersuchung imponiere ein athletischer Körperhabitus ohne Zeichen einer globalen oder lokalisierten Hypotrophie der Muskulatur, ohne Zeichen einer vegetativen Dysregulierung bei Präsentation einer nahezu vollständigen Aufhebung der Funktion des linken Armes
. Im
Weiteren sei aber in der Beobachtung der Armeinsatz links uneingeschränkt möglich.
5 von 5 Waddell-Signs seien positiv. Eine bewusstseinsnahe Beschwer
de
demonstration sei mithin überwiegend wahrscheinlich. Ein somatisches Korre
lat der geklagten Beschwerden lasse sich nicht konsistent erheben (S. 20 Ziff. 5).
In der Vordiagnostik seien neurologische, neurographische und sono
graphische Untersuchungen der oberen Extremität und der Schulter ohne einen die massiven Beschwerden ausreichend erklärenden Befund. Zusammenfassend ergebe sich aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits
fähig
keit. Die zuletzt ausgeübte sowie jedwelche Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt seien somit per sofort leistbar (S. 21 oben).
3.7
Vertrauensarzt der Beklagten Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Anästhesiologie, führte in seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2016 (Urk. 9/33) aus,
es bestehe ab sofort eine 100%ige Arbeits
fähigkeit sowohl in der angestammten als auch in angepasster Tätigkeit.
Es bestehe keinerlei Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2).
3.8
Dr. H._ stellte in seinem Bericht vom 4. Januar 2017 (Urk. 9/38/2-3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
komplexes Schmerzsyndrom
-
neuropathische Schmerzen Dig. III und palmar linke Hand
-
Verdacht auf sensibles Sulcus ulnaris Syndrom links
-
Impingementsyndrom beidseits, rechts mehr als links
-
rezidivierende Nacken- und cervicothorakale Rückenschmerzen
-
chronisches multifaktorielles panvertebrales Schmerzsyndrom
-
mittelschwere bis schwere Depression
-
Verdacht auf chronische Schmerzstörungen mit somatischen und psychi
schen Faktoren
-
Verdacht auf Morbus Behçet
-
chronische Knieschmerzen links mehr als rechts
Dr. H._ führte aus, wegen seiner Handoperation könne er sich gar nicht vorstellen, dass der Kläger zu 100 % arbeitsfähig sein sollte. Maximal und mit viel Vorbehalt sei in einer leichten angepassten Tätigkeit eine 20 bis 30%ige Arbeitsfähigkeit in Erwägung zu ziehen. Es sei nicht zu verstehen, wenn man die Berichte sämtlicher Kliniken lese, wie man den Patienten zu 100 % arbeitsfähig schreiben könne (S. 2).
3.9
Vertrauensarzt Dr.
I._
führte in seiner Stellungnahme vom 19. Januar 2
017 (Urk. 9/40) aus, auf das Gutachten vom 28. September 2016 könne weiterhin abgestellt werden, da es die Anforderungen an ein Gutachten erfülle und sich aus dem Schreiben von Dr. H._ vom 4. Januar 2017 kein neuer Aspekt ergebe (S. 2).
3.10
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Neurologie,
Dr.
med.
L._
,
Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med.
M._
, Fa
ch
arzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie,
C._
, erstat
te
ten am 1
6.
Februar 2017 das von der
Invalidenversicherung
veranlasste int
er
diszi
pli
näre Gutachten (Urk. 9/42
). Sie stellten zusammenfassend folgende Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11
Ziff.
5.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit Selbstlimitierung und Symptomausweitung (ICD-10 F45.5)
-
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie in der Hauptsache einen Status nach Schnittverletzung volar über dem Metacarpo
phal
angealgelenk Dig. III links am 2
8.
Juni 2013, ein lumbovertebrales
Schmerz
syndrom, eine myotendinotische Schulterschmerzsymptomatik ohne ein
deutiges
organisches Korrelat, eine kernspintomographisch beginnende Chon
dro
pathie des medialen Kniekompartiments links, ein Asthma bronchiale sowie einen Verdacht auf einen gastroösophagealen Reflux (S. 11
Ziff.
5.2).
Die Gutachter führten aus, in der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
. Aufgrund einer chronisch stenosierenden Ten
do
vaginitis nach Partialläsion des FDS-Zügels nach einem Arbeitsunfall am 2
8.
Juni 2013 habe zunächst eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im Beruf als Bauarbeiter bestanden. Im Januar 2014 sei eine Operation an der linken Hand erfolgt.
Aktuell bestünden keine relevanten organischen Residuen dieses erlitte
nen Unfalls,
so dass aus neurologischer und rheumatologischer sowie internis
tischer Sicht spätestens drei Monate nach der Operation eine vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe.
Jedoch habe der
Kläger
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine aktuell leichte bis mittelgradige depressive Episode entwickelt. Dadurch sei seine Arbeitsfähigkeit um 40
%
eingeschränkt. Die Arbeitsunfähigkeit von 40
%
bestehe sicherlich seit
dem
Zeitpunkt des Gut
achte
n
s, das heisse seit September 2016 (S. 15
Ziff.
6.6).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit führten die Gutachter aus, aus psychiatrischer Sicht möglich seien Arbeiten ohne zu hohe Anforderungen an kreative Tätigkeiten, ohne Konflikte mit dem Arbeitgeber, mit einer klaren Aufgabenzuteilung und der Möglichkeit, sich zurückziehen zu können. Ein definitives Arbeitsprofil könne am besten anhand eines Arbeitstrainings eruiert werden. Auch in jeglichen Verweistätigkeiten bestehe eine zeitliche Präsenz
fähigkeit von 60
%
, bei einem uneingeschränkten Leistungsvermögen (S. 15
Ziff.
6.7.).
Zusammenfassend führten die Gutachter aus, dass beim
Kläger
weder neuro
logische noch rheumatologische oder entzündlich-rheumatologische Erkran
kungen bestünden, die seine Schmerzen erklären könnten. Seine Schmerzan
ga
ben seien teilweise diffus, die Schmerzen könnten teilweise nicht mehr loka
lisiert werden, und die Schmerzintensität sei als sehr hoch angegeben worden.
Schon im psychopathologischen Befund sei aufgefallen, dass sich der
Kläger
stark leidend mit einer Verdeutlichungstendenz präsentiert habe, wie sie auch bei den somatischen Gutachtern aufgefallen sei. Auf Grund der angegebenen Schmerzen ohne ausreichendes somatisches Korrelat und auf Grund der diffusen Symptomatik könne die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psy
chischen und somatischen Faktoren mit Selbstlimitierung und Symptom
aus
weitung gestellt werden (S. 13 f. unten).
3.11
Dr. B._ führte in Beantwortung der vom Kläger gestellten Fragen in seinem Bericht vom 25. Oktober 2017 (Urk. 11) aus, aktuell liege eine
mittel
-
bis schwere depressive Störun
g mit Regressionstendenzen vor (S. 1 Ziff. 2). Der Kläger sei seit
dem
8.
Juni 2017
alle drei Wochen
bei ihm in Behandlung (S. 1
Ziff. 3). Klinisch-pathologisch imponiere eine anhaltende depressive Störung m
it chronischem Verlauf. Der Krankheitswert sei aus psychiatrischer Sicht valide ausgewiesen. Es bestünden keine Hinweise auf eine Simulation oder Aggra
vation (S. 1 Ziff. 3). Betreffend die chronische Schmerzstörung und die Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit seien die Somatiker anzufragen (S. 1 Ziff. 4). Durch die Depression und Angststörung bestehe eine Störung der Aufmerk
sam
keit und Konzentration mit massiven vitalen Einschränkungen in allen Be
reichen des sozialen Lebens mit hohem Leidensdruck. Aufgrund der genannten Störungen sei der Patient aktuell nicht in der Lage eine Arbeitsleistung zu erbringen (S. 2 Ziff. 7). Unter dem aktuellen Gesundheitszustand sei der Patient voll und ganz arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 8).
Die Ablehnung der Invalidenrente
, der damit einhergehende soziale Abstieg und
die berufliche Ausweglosigkeit sowie die zunehmende Vereinsamung hätten nac
h
vollziehbar in die psychische Dekompensation geführt. Dr. B._ führte aus, trotz Ausschöpfung der psychopharmakologischen Medika
mentation sowie alternativer Therapieansätze habe sich der psychopatholo
gische Zustand des Patienten nicht geändert. Die Prognose sei ernst und die Krankheit schwerwiegend (S. 2 Ziff. 6).
4.
4.1
Der Kläger beantragt die Zus
prache von Taggeldern über den 1. Februar 2017
hinaus. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass
das Arbeitsverhältnis bereits per 31. Mai 2016 endete (vgl. Urk. 9/16 Ziff. 6, Urk. 9/31 S. 4 Ziff. 1.4 unten). Sein Leistungsanspruch ist damit im Rahmen von Ziff. 9. 4 AVB (Urk. 9/10) im Sinne der Nachleistung zu prüfen.
4.2
Der Anspruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der ver
sicherte Dritte oder der Begünstigte - hat die Tatsachen zur Begründung des Versicherungsanspruches (Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Be
stehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs.
Dies gilt auch dann, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die versicherte Person zu be
weisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Tag
gel
der hat (
BGE 141 III 241 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E. 2.2).
Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vor
gesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbindlich machen
(BGE 130 III 321 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_393/2008 vom 17. November 2008 E. 4.1).
4.3
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Ver
siche
rungs
ver
trags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schilderungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchs
berechtigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielm
ehr ge
schei
tert (BGE 130 III 321
E.
3.4 mit Hinweis, Urteil des Bundesge
richts 5C.146/2000 vom 15. Februar 2001 E. 4b mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 4A_382/2014 vom 3. März
2015 E. 5.3 und 4A_316/2013 vom 21. August 2013 E. 6.2) kann sich, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich beziehungs
weise nicht zumutbar ist, auch der Versicherer in Bezug auf Tatsachen, für wel
che ihm die Beweislast obliegt, auf eine Reduktion des Beweismasses auf den Grad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit berufen.
4.4
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel das Zeugnis (lit. a), die Urkunde (lit. b), der Augenschein (lit. c), das Gutachten (lit. d), die schriftliche Auskunft (lit. e) sowie die Parteibefragung und die Beweisaussage (lit. f) zulässig. Diese Auf
zählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein numerus clausus der Beweismittel (Urteil des Bundesgerichts 5A_957/2012 vom 28. Mai 2013 E. 2). Nach der Rechtsprechung stellen Privatgutachten keine Gutachten im Sinne von Art. 168 Abs. 1 lit. d ZPO dar. Bei Letzteren handelt es sich viel
mehr einzig um die vom Gericht eingeholten Gutachten (BGE 141 III 433 E. 2.5.2). Des Gleichen handelt es sich bei Privatgutachten nicht um Urkunden im Sinne von Art. 168 Abs. 1 lit. b ZPO (BGE 141 III 433 E. 2.5.3). Privatgut
achten stellen im Zivilprozess daher keine Beweismittel dar, sondern gelten lediglich als Parteibehauptungen beziehungsweise als Bestandteil der Parteivor
bringen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2; Urteil des Bundesgerichts 4A_505/2012 vom 6. Dezember 2012 E. 3.5; vgl. BGE 132 III 83 E. 3.4).
Zu beweisen sind nur Tatsachenbehauptungen, die ausdrücklich bestritten sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche ein
zelnen Behauptungen damit bestritten werden (BGE 117 II 113 E. 2); die Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass die Gegen
partei
weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss (BGE 115 II 1 E.
4
). Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforderlichen Grad an Substantiierung einer Bestreitung; je detaillierter ein
zelne Tatsachen eines gesamten Sachverhalts behauptet werden, desto kon
kreter muss die Gegenpartei erklären, welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet. Je detaillierter mithin ein Parteivortrag ist, desto höher sind die Anforderungen an eine substantiierte Bestreitung. Diese sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer Behauptung; pauschale Bestreitun
gen reichen in
dessen nicht aus. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird (BGE 141 III 433 E. 2.6).
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist
besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestrei
tung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, wel
che ein
zelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbe
hauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigut
achten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehaup
tungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachge
wie
se
nen - Indizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
4.5
Die Beklagte ging nach den Stellungnahmen ihres Vertrauensarztes Dr.
I._
vom Oktober 2016 und vom Januar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.7 und E. 3.9) ge
stützt auf das bidisziplinäre Gutachten von
Dr. Z._
und
Dr. A._
vom September 2016 (vgl. vorstehend E. 3.5-6) davon aus, dass
beim Kläger
in der angestammten Tätigkeit spätestens ab
1.
Februar 2017 eine 100%ige Arbeitsfähig
keit bestehe (vgl. vorstehend E. 2.3). Demgegenüber
stützte sich der
Kläger
zur Begründung
seiner
Klage auf die
Beurteilungen seines langjährig behan
delnden Arztes Dr. H._
(vgl. vorstehend E. 3.4 und E. 3.8) sowie des seit Juni 2017 behandelnden Psychiaters Dr. B._ (vgl. vorstehend E. 3.11). Zu prüfen ist somit nachfolgend, auf welche medizinische Einschätzung abzu
stellen ist, mithin welche Beweismittel beziehungsweise Parteibehauptungen überzeugender sind.
4.6
Vorliegend erweisen sich d
ie Beurteilungen durch die behandelnden Ärzte
des Klägers
aus
den nachfolgend aufgeführten Gründen als
nicht geeignet, um mit
dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Arbeit
s
unfähigkeit
auszuweisen. In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Haus
ärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist vorab auf die Erfahrungstatsache hinzu
w
eisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
In somatischer Hinsicht wird der Beweiswert der rudimentär gehaltenen Beurtei
lung des seit November 2007 behandelnden Arztes Dr. H._ vom Januar 2017 (vorstehend E. 3.8) insbesondere durch die übrige medizinische Aktenlage sowie namentlich durch die Einschätzung des Gutachters Dr. A._ vom September 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6) sowie die damit übereinstimmende Einschätzung der somatischen Gutachter des C._ in ihrem Gutachten vom Februar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.10) erheblich geschmälert.
Dr. A._ bewertete anlässlich seiner Untersuchung 5
von 5 Waddell-Zeichen als positiv und erachtete eine bewusstseinsnahe Beschwerdedemonstration als
überwiegend wahrscheinlich. Weiter verwies er auf die
Vordiagnostik, bei
wel
cher neurologische, neurographische und sonographische Untersuchungen der
oberen Extremität und der Schulter des Klägers ohne einen die massiven Be
schwerden ausreichend erklärenden Befund geblieben sei
en
.
Hinsichtlich der bisherigen Arbeitsunfähigkeitsattestierungen - namentlich durch Dr. H._
(vgl.
Urk.
9/37) - hielt
Dr. A._
fest, diese hätten auf dem Boden subjektiver Klagen
des Klägers beruht und die
deutliche
n Aspekte einer
bewusstseinsnahen demonstrativen Darbietung von Einschränkungen und Be
sch
wer
den sei
en
bislang nicht erkennbar ausreichend geprüft und berücksichtigt worden
.
Tatsächlich erschöpfen sich die Berichte von Dr. H._, so insbesondere auch jener vom Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 3.4), in der Wiedergabe der Schmerz
angaben des Klägers, ohne dass sich den Berichten allfällige objektiv festgestellten Einschränkungen entnehmen lassen würden. Zwar verweist Dr. H._ auf die zahleichen auch fachärztlichen Abklärungen, ignoriert jedoch die Tat
sache, dass in ebendessen Vorberichten, wie von Dr.
A._
festgehalten wurde,
ein Korrelat für die dargebotenen Beschwerden ausgeschlossen oder genannte Verdachtsdiagnosen nicht bestätigt wurden.
So konnten die Ärzte der Klinik für Rheumatologie, D._, im Dezember 2015 (vgl. vorstehend E. 3.1) nach umfassenden Abklärungen den Verdacht auf einen Morbus Behçet nicht bestätigen und verneinten auch das Vorliegen einer ande
ren rheumatologischen Erkrankung. Auch h
insichtlich der vom
Kläger
geltend gemachten Schulterbeschwerden führte Prof.
F._
im Februar 2016 (vgl. vorstehend E. 3.3) aus, dass weder anlässlich der klinischen Untersuchung noch bei der Konsultation des Arthro-MRI der linken Seite eine strukturelle Läsion nachweisbar gewesen sei, welche das Beschwerdebild erklären könnte.
Auch die Einschätzung von Suva-Kreisarzt Dr. E._ (vgl. vorstehend E. 3.2) ergab hinsichtlich der Handbeschwerden bereits ab Januar 2016 in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, wobei hinsichtlich seiner Einschätzung zur Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszuführen ist, dass sich diese bei weitgehend unauffälligem klinischen Befund, namentlich praktisch unein
geschränkter Fingerbeweglichkeit und fehlenden Atrophiezeichen sowie Hinweisen auf mangelnde Compliance, nicht nachvollziehen lässt.
4.7
Auch in psychiatrischer Hinsicht vermag der vom Kläger vorgelegte Bericht des seit Sommer 2017 behandelnden Psychiaters Dr. B._ vom Oktober 2017 (vgl. vorstehend E. 3.11) nicht zu überzeugen, respektive eine Arbeitsun
fähigkeit des Klägers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit auszuweisen.
So entbehrt der
Bericht von Dr. B._ einer korrekten Diagnose
stel
lung nach ICD-10, und fraglich erscheint weiter, weshalb Dr. B._ allfällige Auswirkungen der chronischen Schmerzstörung durch die Somatiker geklärt haben wollte, zumal es sich dabei um eine psychiatrische Diagnose handelt. Sofern sich das Leiden des Klägers zudem als derart schwer und invalidisierend darstellen sollte, steht dies mit der nur dreiwöchigen Behandlungs
frequenz bei Dr. B._ im Widerspruch. Auch erscheint erstaunlich, dass der in Zürich lebende Kläger einen Psychiater in Bern aufsucht, wo er doch
auch eine entsprechende Anreise in Kauf nehmen muss und er über Franzö
sisc
h- und gute Deutschkenntnisse verfügt (vgl. Urk. 9/42 S. 63). Zudem sprach Dr. B._ bereits nach kurzem Behandlungszeitraum von einem chro
nifizierten Leiden, was nicht nachvollziehbar ist. Auch kann in einem der
art kurzen Zeit
raum hinsichtlich der Medikation nicht von einer konse
quen
ten Ausschöpfung gesprochen werden. Abgesehen davon stellen Reaktionen auf das Nichtaus
richten von Versicherungsleistungen keine relevanten Krankheiten dar.
Im Gegensatz dazu konnte Dr. Z._ nach Untersuchung des Klägers im August 2016 lediglich eine Dysthymie (ICD-10 F34.1), welcher er keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zumass, feststellen. Dr. Z._ begründete dies damit, dass er lediglich leichtgradige Beeinträchtigungen von Stimmung und affektiver
Schwingungsfähigkeit habe objektivieren können. Eine Schmerzgenese im S
inne einer somatoformen Schmerzstörung verneinte er. Dr. Z._ führte aus, ein den Schmerzen zu Grunde liegender erheblicher, unbewältigter seelischer Konflikt sei anamnestisch nicht herauszuarbeiten. Auch habe der Kläger während der
Unter
suchung nicht namhaft schmerzgeplagt gewirkt. Damit einhergehend nahm
der Kläger zum Zeitpunkt der Begutachtung keine Psychopharmaka ein. Dass, wie er anlässlich der Begutachtung bei Dr. Z._ ausführte, eine fachärztliche psychiatrische Behandlung stattgefunden hätte, ist zudem nicht belegt. Auf die Einschätzung von Dr. Z._ kann daher abgestellt werden, da auch die davon
abweichende anderslautende Einschätzung der
C._
-Gutachterin Dr.
L._
vom Februar 2017 nicht zu überzeugen vermag. So war auch die Unter
suchung bei ihr im September 2016 (vgl. Urk. 9/42 S. 3), wie bereits anlässlich
sämtlicher somatischer Untersuchungen, geprägt von massiven Verdeutli
chung
s
tendenzen und demonstrativem Verhalten des Klägers. Vor dem Hintergrund, dass Dr. L._ ausführte, dass die Beurteilung des psychopatholo-gischen Zustands dadurch erschwert gewesen sei, dass der Explorand praktisch alle Symptome positiv bewertet habe, und die regelmässigen sportlichen Akti
vitäten im Widerspruch zum Ausmass der Schmerzstörung und auch des affek
ti
ven Zustandsbildes zu stehen schienen (vgl. S. 7 f. Ziff. 6.1 psychiatrisches Teilgutachten in Urk. 9/42), müsste eine Beschwerdeaggravation diskutiert werden respektive, kann auf ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht abge
stellt werden.
4.8
Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Kläger aus der von ihm bemän
gelten kurzen Begutachtungsdauer
(vgl. vorstehend E. 2.2)
. So ist festzuhalten, dass es für den Aussagegehalt einer ärztlichen Stellungnahme rechtsprechungs
gemäss nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Massgeblich ist viel
mehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom 7. September 2012 E. 8.2). Trifft dies - wie hier - zu, ist die Untersuchungsdauer grundsätzlich nicht entscheidend.
Soweit der Kläger
verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzuführen (Urk. 1 S. 2), kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 127 V 491 E. 1b mit
Hinweisen) verzichtet werden. Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theo
retische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären keine neuen Erkennt
nisse zu erwarten.
4.9
Nach dem Gesagten
stellte die Beklagte die Leistungen gestützt auf die von ihr veranlassten Abklärungen unter Berücksichtigung der übrigen medizinischen Aktenlage zu Recht per 31. Januar 2017 ein und es gelang
dem
Kläger nicht, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, dass er
über die Einstellung der Taggeldleistungen hinaus noch
arbeits- bezieh
ungs
weise erwerbsunfähig war.
Dies führt zur Abweisung der Klage.
5.
5.1
Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Gemäss Art. 114 lit. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
5.2
Der nicht berufsmässig vertretenen obsiegenden Beklagten steht praxisgemäss indes keine Parteientschädigung zu (BGE 133 III 439 E. 4).
5.3
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und der
Kläger
bedürfti
g ist (vgl. Urk. 2/15
), und zudem die an
walt
liche Verbeiständung notwendig, ist
Rechtsanwältin Carmen
Emmenegger,
Baden,
als unentgeltliche Rechtsvertreterin des
Kläger
s zu bestellen und ange
sichts der Bedeutung der Streitsache und des Schwierigke
itsgrads des Prozesses mit Fr. 3‘2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Da nur ein Aufwand für das vorliegende gerichtliche
Verfahren vergütet wird, fällt eine wie von Rechtsanwältin Carmen Emmenegger
rückwirkend ab 2. November 2016 beantragte Vergütung ihrer Aufwendung (vgl.
Urk. 1 S. 2), ausser Betracht.
Der
Kläger
wird auf
§ 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht (GSVGer) aufmerksam gemacht.