Decision ID: 0516c6a0-24ec-5fac-ab1f-dac47227233b
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer die Türkei am
12. Mai 2008 und gelangte am 16. Mai 2008 illegal in die Schweiz, wo er
am selben Tag ein Asylgesuch stellte.
B.
Am 20. Mai 2008 fand die Befragung zur Person (Kurzbefragung) statt.
Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er sei türkischer Staatsan-
gehöriger kurdischer Ethnie und stamme aus C._. Am 16. Juni
2008 fand die direkte Anhörung des Beschwerdeführers zu seinen Asyl-
gründen (Anhörung) statt.
C.
C.a Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er habe sich in der Türkei weder für die Sache
der Kurden noch für den türkischen Staat einsetzen wollen. Er wolle nicht
gegen die türkische Arbeiterpartei (PKK) eingesetzt werden. Aus diesen
Gründen habe er seit seinem 20. Lebensjahr die Leistung des Militär-
dienstes verweigert. Deswegen sei er von den türkischen Behörden ge-
sucht worden. Er habe in der Türkei Verwandte, die im Zusammenhang
mit der PKK gesehen worden seien. Aus diesem Grund habe sich der
ganze Familienkreis im Visier der Behörden befunden, insbesondere aber
sein Vater. Dies sei in der ersten Hälfte der 90er Jahre gewesen. Er sei zu
jung gewesen, um wirklich belangt zu werden zu können. Er sei aber, wie
andere auch, auf den Posten mitgenommen und gegen Bezahlung einer
Geldsumme wieder freigelassen worden. Im Jahr 2006 habe ein Nachbar,
mit dem sich die Familie in Streit befunden habe, behauptet, er habe der
Guerilla geholfen. Er habe dazu keine Beweismittel, werde sich aber be-
mühen, solche zu beschaffen. Bei einer Polizeikontrolle sei ihm die Nase
gebrochen worden, er wisse nicht mehr genau, wann es gewesen sei. Da
er Geld bezahlt habe, habe man ihn gehen lassen. Mit einem Schlepper,
den er für seine Dienste nicht bezahlt habe, habe er auch Schwierigkei-
ten. Im Jahr 1994 habe er die Türkei erstmals verlassen und sich nach
Deutschland begeben. Im Jahr 1995 sei er in die Türkei zurückgekehrt.
Von 2000 bis 2005 habe er sich erneut in Deutschland aufgehalten. Er
habe dort um Asyl ersucht und sei dann wieder in die Türkei gebracht
worden. Im Jahr 2007 im Sommer habe er sich nach Österreich begeben,
von wo aus er einmal versucht habe, in die Schweiz zu gelangen. Er sei
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aber entdeckt und wieder nach Österreich zurückgebracht worden. Da-
nach sei er wieder in die Türkei zurückgekehrt.
C.b Der Beschwerdeführer legte verschiedene Unterlagen mit unter-
schiedlicher Datierung samt Übersetzung ins Recht, die Bezug auf die
Verwüstung des Dorfes und des Hauses seiner Familie nehmen.
D.
Am 12. Januar 2012 wurde der Beschwerdeführer in der Schweiz Vater
eines Kindes, welches im Besitz der russischen Staatsangehörigkeit ist.
Der Beschwerdeführer hat das Kind anerkannt.
E.
E.a Mit Verfügung vom 18. Januar 2013 - eröffnet am 21. Januar 2013 -
lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete des-
sen Wegweisung aus der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zu-
lässig, zumutbar und möglich. Zur Begründung wurde unter anderem
ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforde-
rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand.
E.b Bei der Leistung von Militärdienst handle es sich um eine staatsbür-
gerliche Pflicht für deren Durchsetzung der Staat Massnahmen vor-
nehmen könne. Die Suche nach einem Militärdienstverweigerer und al-
lenfalls ein militärstrafrechtliches Vorgehen stellten eine legitime staatli-
che Massnahme dar und seien nicht asylrelevant. Der Beschwerdeführer
habe in diesem Zusammenhang geltend gemacht, als ethnischer Kurde
befürchte er, während des Militärdienstes in seiner Heimatregion im
Kampf gegen die PKK-Guerilla eingesetzt zu werden. Die Dienstpflicht al-
lein sei jedoch nicht asylrelevant, wenn die Streitkräfte zur Bekämpfung
eines innerstaatlichen Notstands eingesetzt würden. Die Wehrpflicht die-
ne nämlich dazu, den Staat gegen Bedrohungen zu schützen, wobei das
Militär zur Abwehr sowohl äusserer wie innerer Angriffe eingesetzt werden
dürfe. Eine Stationierung des Beschwerdeführers im Osten der Türkei
würde im Rahmen einer Verschiebung seiner Truppeneinheit in das Ope-
rationsgebiet erfolgen. Ein Zusammenhang zwischen Stationierungsort
und Ethnie des Beschwerdeführers lasse sich nicht herstellen, zumal die
Einteilung in eine Truppeneinheit nach dem Zufallsprinzip vorgenommen
werde. Der Militärdienst beziehungsweise ein Einsatz des Beschwerde-
führers im Osten der Türkei (wie auch ein militärstrafrechtliches Vorgehen
gegen ein Dienstversäumnis) stellten somit keine asylbeachtliche Mass-
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nahme im Sinne des Asylgesetzes dar. Für die Bestimmung der Flücht-
lingseigenschaft sei der Zeitpunkt des Asylentscheides massgebend.
Deshalb setze die Asylgewährung voraus, dass ein Gesuchsteller im
Zeitpunkt des Asylentscheides von asylrelevanter Verfolgung bedroht sei
und somit Schutz brauche. Bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Behelligungen seiner Verwandten, insbesondere seines Va-
ters in den 1990er Jahren, insbesondere, im Jahr 1994 sei Folgendes
festzuhalten: In der Türkei sei es nach dem Militärputsch vom 12. Sep-
tember 1980 oft zu Repressalien gegenüber Familienangehörigen von
Personen gekommen, welche von den Behörden als Aktivisten separatis-
tisch oder extremistisch eingestufter Gruppierungen verdächtigt worden
seien. Derartige Reflexverfolgungsmassnahmen seitens der türkischen
Behörden seien bis Ende der 1990er Jahre verbreitet gewesen. Heute
präsentiere sich die Situation jedoch anders: Die Türkei habe seit dem
Jahr 2001 – im Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen mit der EU – eine
Reihe von Reformen beschlossen, die zu einer deutlichen Verbesserung
der Menschenrechtslage geführt und dazu beigetragen hätten, dass sich
in der Türkei eine schrittweise Annäherung an europäische Standards
vollziehe. Seit der Einführung von zusätzlichen Strafverfahrensgarantien
im Juni 2005 habe sich insbesondere die Rechtssicherheit verbessert,
wodurch die früher verbreitete behördliche Willkür weitgehend verdrängt
worden sei. Eine dennoch von Übergriffen betroffene Person habe heute
die Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, beispielsweise mit Hil-
fe eines Anwaltes oder einer Menschenrechtsorganisation. Zwar solle
nicht in Abrede gestellt werden, dass in der Türkei Angehörige von ver-
folgten Personen auch heute noch Reflexverfolgungsmassnahmen er-
leiden könnten. Gemäss den Erkenntnissen des BFM bestehe bei Ange-
hörigen von bereits inhaftierten oder ehemals verfolgten Personen in aller
Regel keine Gefahr, dass sie heute in der Türkei von Reflexverfolgung
betroffen wären. Zudem gelte es zu beachten, dass behördliche Nachfor-
schungen gegenüber Familienangehörigen von politisch missliebigen
Personen bezüglich ihrer Intensität in der Regel kein asylbeachtliches
Ausmass annehmen würden. Auch im vorliegenden Fall habe der Be-
schwerdeführer keine darüber hinausgehende Nachteile geltend ge-
macht. Im Licht obiger Erwägungen und in Würdigung der geltend ge-
machten Massnahmen sei der Beschwerdeführer zum aktuellen Zeitpunkt
nicht durch eine asylrelevante Verfolgung bedroht. So seien vorliegend
auch keine Hinweise aktenkundig, welche erwarten liessen, dass er we-
gen seines familiären Umfeldes mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und
in absehbarer Zukunft von Reflexverfolgungsmassnahmen ernsthaften
Ausmasses betroffen werden könnte. Der Beschwerdeführer habe ferner
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in Aussicht gestellt, Beweismittel im Zusammenhang mit der Anschuldi-
gung eines Nachbarn im Jahr 2006 einzureichen. Diesbezüglich sei fest-
zuhalten, dass er in den Jahren zuvor im Ausland gelebt habe (von 2000
bis 2006 in Deutschland). Er habe zudem nie Beweismittel zur Anschuldi-
gung eingereicht, so dass geschlossen werden könne, die Angelegenheit
sei nicht weiter verfolgt worden. Auch habe der Beschwerdeführer im An-
schluss daran keine Verfolgungsmassnahmen seitens der türkischen Be-
hörden geltend gemacht, obwohl er sich seinen Angaben zufolge damals
und auch später in der Türkei aufgehalten haben wolle. Somit liege kein
begründeter Anlass für die Annahme vor, er könnte deswegen mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt
werden. Der Umstand, dass ihm anlässlich einer Personenkontrolle sei-
tens der Polizei die Nase gebrochen worden sei, stelle einen Übergriff ei-
nes Beamten dar, den der Beschwerdeführer in seinem Heimatland zur
Anzeige hätte bringen können. Derartige Übergriffe würde der türkische
Staat nämlich nicht dulden, noch unterstütze er sie, sondern würde sie
strafrechtlich verfolgen. Aus den Ausführungen des Beschwerdeführers
gehe nicht hervor, dass er die Angelegenheit zur Anzeige gebracht habe.
Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass der Staat für Vergehen, über
die er nicht unterrichtet werde und über die er folglich keine Kenntnisse
habe, nicht wegen unterlassener Hilfeleistung verantwortlich gemacht
werden könne. Den Vorbringen komme somit keine Asylrelevanz zu. Es
bleibe anzufügen, dass es sich bei dem Umstand, wonach er einem
Schlepper Geld für dessen Tätigkeit schulde und dieser nun die verein-
barte Summe einfordere, um eine Privatangelegenheit handle. Der Be-
schwerdeführer lebe und arbeite seit mehreren Jahren in der Schweiz. Es
dürfte ihm somit möglich sein, die Summe zwischenzeitlich aufzubringen.
F.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2013 an das Bundesverwaltungsgericht
liess der Beschwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-
gung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von
Asyl beantragen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die
Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen. Es sei dem Beschwerdeführer (vollständi-
ge) Akteneinsicht zu gewähren. Anschliessend sei ihm eine angemesse-
ne Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. In prozessualer Hinsicht
wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, der Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die Gewährung der unent-
geltlichen Verbeiständung beantragt.
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G.
G.a Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2013 teilte das Bundesverwal-
tungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, er könne den Entscheid in der
Schweiz abwarten. Antragsgemäss wurde ihm Akteneinsicht sowie eine
Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung gewährt. Gleichzeitig
erhielt er die Gelegenheit, sich innert Frist zur beabsichtigten Motivsubsti-
tution vernehmen zu lassen.
G.b Mit Eingabe vom 6. Mai 2013 liess der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter um Erstreckung der Frist um zwei Wochen (bis zum
27. Mai 2013) ersuchen.
G.c Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Mai
2013 wurde das Gesuch gutgeheissen und die Frist antragsgemäss bis
zum 27. Mai 2013 verlängert.
G.d Mit Eingabe vom 24. Mai 2013 verzichtete der Beschwerdeführer
ausdrücklich auf eine Beschwerdeergänzung nach der gewährten Akten-
einsicht. Bezüglich der beabsichtigten Motivsubstitution verwies er grund-
sätzlich auf die (vorsorglichen) Ausführungen in der Beschwerde vom
19. Februar 2013. Die Vorbringen des Beschwerdeführers erfüllten das
sogenannte Nichtsteuerungskriterium. Der Beschwerdeführer habe zu-
rückhaltend und ohne jegliche Dramatisierungstendenz ausgesagt, und
auch im Gesamtkontext der Einvernahme lasse sich sodann feststellen,
dass die Struktur der Aussagen in der betreffenden Sequenz gleich
geblieben sei, was wiederum ein Realitätskriterium sei. Er habe den we-
sentlichen Ablauf der Geschehnisse beziehungsweise der wesentlichen
Details bekannt gegeben. Zudem seien sprunghafte Aussagen ein Reali-
tätskriterium (Nichtsteuerungskriterium), und es entspreche aussagepsy-
chologischen Erkenntnissen, dass sich das menschliche Erinnerungs-
vermögen nicht primär auf Daten beziehe. Schliesslich sei festzuhalten,
dass es als notorisch gelten könne, dass sich türkische Staatsangehöri-
ge, die keinen Militärdienst leisten (wollen), den in der Beschwerde er-
wähnten Repressalien ausgesetzt seien.
G.e Mit Schreiben vom 10. Juni 2013 machte der Rechtsanwalt des Be-
schwerdeführers dem Bundesverwaltungsgericht gegenüber genauere
Angaben zum Fluchthelfer des Beschwerdeführers.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be-
hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus-
lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende
Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
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tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden
(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi-
schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
Vorab werden in der Beschwerde formelle Rügen erhoben. Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung bezieht sich das Akteneinsichtsrecht auf
sämtliche verfahrensbezogene Akten, die geeignet sind, Grundlage des
Entscheids zu bilden. Die Akteneinsicht ist demnach auch zu gewähren,
wenn die Ausübung des Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache
nicht zu beeinflussen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1b_287/2012 vom 25. Juni 2012 m.H.a. BGE 132 V 387 E. 3 S. 389 so-
wie Urteil 1C_88/2011 vom 15. Juni 2011 E. 3.4 ). Das Gesetz hält zudem
unmissverständlich fest, dass die Einsichtnahme in eigene Eingaben der
Partei, ihre als Beweismittel eingereichte Urkunden und ihr eröffnete Ver-
fügungen nicht verweigert werden darf (Art. 27 Abs. 3 VwVG).
5.
Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer nur unvollständig Akten-
einsicht. Auf Beschwerdeebene beantragte der Beschwerdeführer voll-
ständige Akteneinsicht, da er lediglich im Besitz der beiden Befragungs-
protokolle sei (vgl. Beschwerde vom 19. Februar 2013, S. 4). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
mit Zwischenverfügung vom 26. April 2013 die vollumfängliche Aktenein-
sicht gewährt und ihm die Gelegenheit eingeräumt, eine Beschwerdeer-
gänzung einzureichen. Mit Eingabe vom 24. Mai 2013 verzichtete der Be-
schwerdeführer ausdrücklich auf eine Beschwerdeergänzung. Angesichts
der dem Beschwerdeführer gewährten Gelegenheit zur Stellungnahme
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kann der vorliegende leichte Verfahrensmangel als geheilt erachtet wer-
den (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.).
6.
Gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG ist das Bundesverwaltungsgericht als Be-
schwerdeinstanz an die rechtliche Begründung der Begehren nicht ge-
bunden. Die Beschwerdeinstanz darf also ihren Entscheid anders be-
gründen als die Parteien oder die Vorinstanz. Nach dem Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen ist es vielmehr verpflichtet, auf den
festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als den
zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es
überzeugt ist (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a). Dies bedeutet, dass es eine Be-
schwerde auch aus einem anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Be-
gründung bestätigen kann, die von jener der Vorinstanz abweicht (soge-
nannte Motivsubstitution, vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-4494/2006 vom 23. September 2008 m.H.a. EMARK 1994 Nr. 29 E.3).
7.
7.1 Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2013 teilte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, dass es
eine Motivsubstitution erwäge und gewährte dem Beschwerdeführer die
Gelegenheit zur Stellungnahme.
7.2 Zur Begründung führte das Bundesverwaltungsgericht in der Zwi-
schenverfügung vom 26. April 2013 aus, dass die Schilderung des Be-
schwerdeführers, wonach ihm die Flucht gelungen sei, weil er sich zum
Zeitpunkt der Stürmung im Garten befunden habe, und sich dies im April
2008 oder Ende März 2008 zugetragen habe, realitätsfremd sein dürfte.
Auch während der Anhörung habe der Befrager den Vorhalt angebracht,
er könne sich kaum vorstellen, dass der Beschwerdeführer einfach so
von einem Hausfreund habe abgeholt werden können, währendem im
Haus eine Stürmung stattgefunden habe. Daraufhin habe der Beschwer-
deführer präzisiert, er habe sich in aller Ruhe zum Nachbarhaus bege-
ben, und von dort einen Familienfreund angerufen. Er habe die Nacht
dort verbracht und erst am nächsten Morgen die Reise angetreten.
C._ sei zudem sehr geeignet, wenn man sich verstecken wolle, da
es von Wäldern, Bergen und Hügeln umringt sei, womit es keine Sache
sei, sich dort zu verstecken (vgl. A15/13 S. 5 F. 18 f.). Ausserdem habe
der Beschwerdeführer weder die Frage, wann er das erste Mal gesucht
worden sei (vgl. A15/13 S. 5 F. 20) , noch die Frage, wann er ein Aufgebot
für das Militär beziehungsweise, ob er ein schriftliches Militäraufgebot er-
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halten habe (vgl. A15/13 S. 10 F. 57 und F. 59), beantworten können. Der
Beschwerdeführer habe zwar geltend gemacht, dem Aufgebot keine Fol-
ge geleistet zu haben, er habe aber keine Konsequenzen nennen kön-
nen, die sein Verhalten nach sich gezogen haben müsste (vgl. A15/13 S.
10 f. F. 60 ff.).
8.
8.1 Der Beschwerdeführer bestreitet, realitätsfremd und widersprüchlich
ausgesagt zu haben. Die Feststellung der Vorinstanz, der von ihm gel-
tend gemachte Vorfall habe sich im Jahr 2006 zugetragen, sei falsch. Die
entsprechende Datierung, die sich aus dem Befragungsprotokoll ergebe
(vgl. A1/13 S. 9 oben) beruhe auf einem Missverständnis. Dies erhelle
sich daraus, dass während der Kurzbefragung der Themenkomplex der
Denunziation nicht weiter erörtert worden sei, währen dem Beschwerde-
führer bei der Anhörung diesbezüglich mehrere Fragen gestellt worden
seien.
8.2 In der Beschwerdeergänzung vom 24. Mai 2013 gesteht der Rechts-
vertreter des Beschwerdeführers hingegen ein, dass die Äusserung des
Beschwerdeführers, er habe sich "in aller Ruhe" zu seinem Nachbarn be-
geben, tatsächlich schwer nachvollziehbar sei. Es müsse sich um eine
Ungenauigkeit beim Übersetzen handeln, anders lasse sich diese Proto-
kollstelle nicht erklären. Der Beschwerdeführer habe eigentlich zum Aus-
druck bringen wollen, dass er unbehelligt in die Nachbarwohnung gelangt
sei. Es werde jedoch bestritten, dass der Beschwerdeführer je zu Proto-
koll gegeben habe, er sei während des Eindringens der Polizei von einem
Familienfreund abgeholt worden. Auf die Frage 17 ("Wo waren sie zum
Zeitpunkt der Stürmung Anfang April, Ende März 2008?" vgl. A15/13 S. 5
F. 17) habe er angegeben, wo er sich befunden habe ("Hinter dem Haus
im Garten."). Dass ihn die Frage 18, was er daraufhin gemacht habe,
veranlasst habe, die Flucht weg von der gesagten Örtlichkeit zu schildern,
und seine Antwort nicht chronologisch an die vorhergehende Frage ange-
schlossen habe, spreche nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussage
(Nichtsteuerungskriterium). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
weder die Frage habe beantworten können, wann er ein Aufgebot für den
Militärdienst erhalten habe, beziehungsweise ob er ein schriftliches Mili-
täraufgebot erhalten habe, sei darauf zurückzuführen, dass er darüber
jeweils nur über seine Familie orientiert worden und nicht persönlich zu-
gegen gewesen sei.
8.3 Diese Erklärungsversuche sind jedoch nicht geeignet, die aufgezeig-
ten Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschwerdeführers auszuräu-
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Seite 11
men. Der Beschwerdeführer hat nämlich den Wortlaut sämtlicher Proto-
kolle mit seiner Unterschrift bestätigt und muss sich deshalb seine Aussa-
gen entgegenhalten lassen, zumal er die übersetzende Person anlässlich
der Kurzbefragung "gut" (vgl. A1/13 S. 11) und anlässlich der Anhörung
"gut" (A15/13 S. 2) beziehungsweise "sehr gut" (vgl. A15/13 S. 11) ver-
standen haben will. Somit ist der Sachverhalt auch unter diesem Aspekt
als genügend erstellt zu erachten. Ausserdem bekräftigte er bei der Anhö-
rung, dass seine Angaben bei der Kurzbefragung stimmen würden (vgl.
A15/13 S. 3), er aber nur das Nötigste gesagt habe. Im Übrigen darf da-
von ausgegangen werden, dass jemand, der angeblich nur von Dritten
über den Erhalt eines militärischen Aufgebots, welches für ihn eine enor-
me Tragweite haben soll, informiert worden sein will, sich bei seinen In-
formanten akribisch erkundigt hätte, wie und wann sie in die Hände des
militärischen Aufgebotes gelangt sind. Die Behauptung des Beschwerde-
führers, wonach er gesucht worden sei, erweist sich somit als unglaub-
haft.
8.4 Entgegen der Behauptung in der Rechtsmittelschrift – ist nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt bei ei-
ner Rückkehr in sein Heimatland asylrelevante Nachteile zu befürchten
hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die diesbezüglich zu-
treffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer-
den.
8.5 Soweit der Beschwerdeführer Nachteile aufgrund seiner Zugehörig-
keit zur kurdischen Volksgruppe geltend macht, ist an dieser Stelle festzu-
halten, dass diese allfälligen Nachteile schon aufgrund deren mangelnder
Intensität nicht als asylrelevant angesehen werden können; die schweize-
rischen Asylbehörden verneinen denn auch in konstanter Praxis das Vor-
liegen einer so genannten Kollektivverfolgung von Kurden in der Türkei
(vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-48/2013 vom
26. Februar 2013 E. 6.1 S. 10 m. H. a. EMAKR 1993 Nr. 20 E. 3).
8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen,
dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG erlitten
hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle einer
Rückkehr in die Türkei befürchten müsste. Der Beschwerdeführer vermag
mit seinen Beschwerdevorbringen und den eingereichten Beweismitteln
zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen, weshalb es sich erüb-
rigt, weiter darauf einzugehen. Er erfüllt somit die Voraussetzungen zur
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Seite 12
Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb die Vorinstanz
das Asylbegehren zu Recht abgelehnt hat.
9.
9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
9.2
9.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, Vater eines am 12. Januar
2012 geborenen Kindes zu sein, dessen Mutter russische Staatsangehö-
rige ist und gemäss Auskunft der Einwohnerkontrolle von D._ vom
19. März 2013 dort mit dem Beschwerdeführer zusammen lebt.
9.2.2 Bezüglich des geltend gemachten Anspruchs auf Einheit der Familie
ist festzustellen, dass ein solcher auf Art. 44 Abs. 1, 2. Halbsatz AsylG
nur dann besteht, solange das Asylverfahren des Ehegatten nicht abge-
schlossen ist beziehungsweise dieser über ein mit dem Asylverfahren im
Zusammenhang stehendes Anwesenheitsrecht verfügt (vgl. EMARK 1995
Nr. 24 E 11b zweites Lemma S. 232; EMARK 1998 Nr. 31; EMARK 1999
Nr. 1; EMARK 2002 Nr. 7). Da weder die Kindsmutter noch das Kind ein
Asylgesuch gestellt haben noch über ein mit dem Asylverfahren im Zu-
sammenhang stehende Anwesenheitsrecht verfügen, kann sich der Be-
schwerdeführer nicht auf Art. 44 Abs. 1 AsylG berufen (vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-4943/2006 vom 8. Juli 2008 Erw. 5.2.2).
Der Beschwerdeführer verfügt jedenfalls - wie nachstehend ausgeführt
wird – weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch
über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde
demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9. S. 733 m.H.a.
EMARK 2001 Nr. 21).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG,
SR 142.20]).
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10.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt
gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor-
gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht-
lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be-
weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.
WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus-
länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).
10.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
10.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-
zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte
Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG
rechtmässig.
10.5 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
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einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16
E. 6 a S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbri-
tannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions
2001-I, S. 327 ff.). Dies ist vorliegend aufgrund der unglaubhaften Vor-
bringen zu verneinen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt kla-
rerweise nicht als unzulässig erscheinen.
10.6 Stellt sich die Frage, ob eine asylsuchende Person während hängi-
gem Asylverfahren ein fremdenpolizeiliches Verfahren um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung einleiten darf, so ist zunächst vorfrageweise zu
prüfen, ob sich die betroffene Person grundsätzlich auf einen Anspruch im
Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG berufen kann. Dabei ist die bundesgericht-
liche Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK massgeblich. Ist ein grundsätzli-
cher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu bejahen, fällt
die konkrete Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit
auch der Entscheid über die Wegweisung in die Zuständigkeit der frem-
denpolizeilichen Behörden. Hat die asylsuchende Person die zuständige
fremdenpolizeiliche Behörde mit einem Gesuch um Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung befasst, so hat das BFM nach Ablehnung des Asylge-
suchs keine Wegweisung zu verfügen beziehungsweise das Bun-
desverwaltungsgericht eine vom BFM angeordnete Wegweisung aufzu-
heben, sofern die Asylbehörde gestützt auf eine vorfrageweise Prüfung
zum Schluss gelangt, dass die asylsuchende Person grundsätzlich einen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im oben umschriebe-
nen Sinne hat. Hat die im ausländerrechtlichen Verfahren zuständige Be-
hörde über das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ent-
schieden und dabei das Bestehen eines Anspruchs verneint, haben sich
die Asylbehörden bei der Prüfung der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs nicht mehr mit Art. 8 EMRK zu befassen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21).
In casu hat sich keine Ausländerbehörde mit dem Fall befasst, weshalb
für eine vorfrageweise Prüfung durch das Bundesverwaltungsgericht
Raum bleibt.
10.7 Eine Person kann sich nur dann auf Art. 8 Ziffer 1 EMRK berufen,
wenn einerseits die familiäre Beziehung gelebt wird sowie intakt ist und
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andererseits sich die Beziehung auf eine nah verwandte Person mit ge-
festigten Anwesenheitsrecht (Bürgerrecht oder Niederlassungsrecht) be-
zieht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 S. 145 f.) Eine Aufenthaltsbewilligung
reicht nur dann aus, wenn ein gesetzlicher Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Bewilligung besteht. In casu sind diese Bedingungen
jedoch nicht erfüllt, da weder die Kindsmutter noch das gemeinsame Kind
über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz im Sinne der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung verfügen. Der Beschwerdeführer kann
sich deshalb nicht auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen. Die Kindsmutter ist ge-
schieden und war in erster Ehe mit einem italienischen Staatsangehöri-
gen verheiratet. Da weder sie noch das gemeinsame Kind Staatsangehö-
rige eines Vertragsstaates sind, kann sich der Beschwerdeführer auch
nicht auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (nachfol-
gend: FZA, SR 0.142.112.681) berufen.
10.8 Der Beschwerdeführer kann somit weder aus Art. 44 Abs. 1 AsylG
noch aus Art. 8 EMRK noch aus dem FZA etwas zu seinen Gunsten ab-
leiten, weshalb der Vollzug sowohl im Sinne der Asyl- als auch der völker-
rechtlichen Bestimmungen zulässig ist.
10.9 Vorab ist an dieser Stelle festzuhalten, dass es dem Beschwerdefüh-
rer nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfolgung in der Türkei glaub-
haft zu machen (vgl. die vorstehenden Erwägungen unter E. 8.1 ff.). So-
mit erübrigt es sich, die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Hin-
blick auf die auf Beschwerdeebene geltend gemachte besondere Situ-
ation der Angehörigen der Bevölkerungsgruppe der Zaza zu prüfen. Da-
von abgesehen verfügt das BFM über genügend aktuelle und länderspe-
zifische Kenntnisse, die es ihm gestatten, die aktuelle Lage in der Türkei
einzuschätzen. Auch unter Berücksichtigung öffentlich zugänglicher Quel-
len hat das BFM vorliegend zu Recht festgestellt, dass angesichts der
gegenwärtigen Lage in der Türkei nicht von einer Situation allgemeiner
Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen
gesprochen werden kann, welche für den Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde, selbst vor dem
Hintergrund der aktuellsten Ereignisse. Vor diesem Hintergrund erübrigt
es sich, weitere Lageberichte über die Türkei einzuholen.
Aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdeführers sind keine
Gründe ersichtlich, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
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sprechen. Der Beschwerdeführer hat sechs Jahre lang die Primarschule
in E._ besucht (vgl. A1/13 S. 4) danach hat er hin und wieder
Hilfsarbeiten verrichtet (vgl. a.a.O). Während seines Aufenthaltes in der
Schweiz hat er berufliche Erfahrung im Gastgewerbe gewonnen, weshalb
anzunehmen ist, er könne sich in seiner Heimat wieder wirtschaftlich in-
tegrieren. Abgesehen davon ist bis anhin immer sein Vater für seinen Le-
bensunterhalt aufgekommen, auch während seiner Aufenthalte in
Deutschland und in Österreich (vgl. a.a.O). Zudem hat er ihm auch die
Reise von der Türkei in die Schweiz bezahlt (vgl. A1/13 S. 10). Seine El-
tern, ein Bruder und eine verheiratete Schwester leben noch immer in
C._, eine andere Schwester lebt in E._ (vgl. A1/13 S. 5).
Der Beschwerdeführer kann somit auf ein intaktes familiäres Bezie-
hungsnetz zurückgreifen. Da sein Vater bis anhin seinen Lebensunterhalt
sowie seine Ausreise aus der Türkei finanziert hat, kann davon ausge-
gangen werden, dass er ihm auch bei seiner Rückkehr allenfalls finanziell
unter die Arme greifen wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug
der Wegweisung auch als zumutbar.
10.10 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
10.11 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten
fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1 – 4 AuG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
12.
12.1 Der Beschwerdeführer stellte mit der Beschwerde unter anderem
den Antrag, ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG zu gewähren. Die vom Beschwerdeführer gestellten Begeh-
ren erscheinen im Zeitpunkt der Beschwerdeeingabe nicht aussichtslos
und von seiner Bedürftigkeit im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG kann aus-
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gegangen werden, weshalb das Gesuch gutzuheissen ist und keine Ver-
fahrenskosten erhoben werden.
12.2 Ausschlaggebend für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ist das Kriterium, ob die
Beschwerde führende Partei zur Wahrung ihrer Rechte notwendigerweise
der professionellen juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu
BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f., BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff., BGE 120
Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorliegende – vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die
Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung anzusetzen (vgl. EMARK
2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asylrechtlichen Beschwer-
deverfahren geht es im Wesentlichen um die Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts. Besondere Rechtskenntnisse sind daher zur
wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforderlich.
Aus diesen Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von
Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisgemäss nur in den besonderen Fällen ge-
währt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte
Schwierigkeiten bestehen. Das vorliegende Verfahren erscheint weder in
tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex, weshalb
das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist.
12.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ist angesichts des Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos
geworden.
13.
Die Beschwerdeinstanz kann nur der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 2 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Sind die Kosten verhält-
nismässig gering, kann von einer Parteientschädigung abgesehen wer-
den (Art. 7 Abs. 3 VGKE). Die Rüge des Akteneinsichtsrechts rechtfertigt
keine Entschädigung. Aufgrund der Aktenlage, der Geringfügigkeit des
Aufwandes zur Begründung der Rüge sowie in Anbetracht dessen, dass
der Beschwerdeführer aus den eingereichten Beweismitteln, wären sie
ihm bereits von der Vorinstanz ediert worden, für sein Verfahren nichts zu
seinen Gunsten hätte abzuleiten vermögen, ist auf die Ausrichtung einer
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Parteientschädigung wegen verhältnismässig geringer Kosten zu verzich-
ten (vgl. Art 7 Abs. 3 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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