Decision ID: 407ab596-9ee8-4e79-a720-295a4b1847c9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
war
seit November 2001 als Fachspezialistin bei der
Y._
AG, Zürich, angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl.
Urk.
7/K1).
Am 1
0.
Oktober 2008 stürzte sie von ihrem Pferd, als sich dieses beim Ausritt erschrak
(
Urk.
7/K1)
. Dabei erlitt
sie gemäss Austrittsberic
ht des Spitals
Z._
vom 13.
Oktober 2008
eine Deckplattenimpressionsfraktur
TH 12 mit deutlicher Höhenminderung
(Urk. 3/16
).
Die Helsana erbrachte die gesetzlichen Leistungen für die attestierte Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urk.
8/M2 f.) und die medizinische Behandlung
(vgl. U
rk.
7/K2 f.).
Am 2
3.
April 2019 meldete die Versicherte der Helsana
per E-Mail einen Rückfall respektive Spätfolgen des Unfalls, wobei sie auf ab November 2018 aufgetretene Rückenschmerzen
und die deswegen in Anspruch genommenen medizinischen Behandlungen
hinwies (
Urk.
7/K5).
Die Helsana holte daraufhin einen Frage
bogen
betreffend Rückfall
bei der Versicherten ein (
Urk.
7/K8)
.
Diese reichte am 1
1.
Juli 2019 zudem Unterlagen der behandelnden Fachpersonen ein (
Urk.
7/K9, Urk. 8/M5-9
), worauf die Helsana
am 21. Oktober 2019 an
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
gelangte, welcher gleichentags schriftlich Stellung nahm
und eine Kausalität
zwischen den aktuellen Beschwerden und dem Ereignis vom 1
0.
Oktober 2008
verneinte
(
Urk.
3/9,
Urk.
8/M10).
Unter Beilage weiterer medizinischer Unterlagen ersuchte die Versicherte mit Schreiben vom
5.
Februar 2020 um eine Neubeurteilung (Urk. 7/K12 f.,
Urk.
8/M11).
Am
1
2.
März 2020 legte die Helsana
die Sache erneut Prof.
Dr.
A._
vor (
Urk.
8/M12),
welcher am 1
6.
April 2020 nochmals Stellung bezog (
Urk.
8/M13).
Mit Verfügung vom 2
4.
Juni 2020 verneinte die Helsana den Anspruch auf Versicherungsleistungen, da ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 1
0.
Oktober 2008 und den nun geltend gemachten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sei (
Urk.
7/K15).
Die dagegen von der Versicherten am 2
8.
August und ergänzend am 2
7.
Oktober 2020 erhobene Einsprache (
Urk.
7/K16, 7/K18), wies
die
Helsana
mit
E
insprachee
ntscheid
vom
2.
März 2021
ab (
Urk.
2 =
Urk.
7/K20
).
2.
Dagegen erhob
X._
am
2.
April 2021 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die Helsana sei zu verpflichten, die versicherungsmässigen Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 1
0.
Oktober 2008 und dessen Spätfolgen zu erteilen. Eventualiter sei der medizinische Sachverhalt mittels eines neutralen Gutachtens abzuklären (
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 S. 2), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
3.
Mai 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür
lichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper
liche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
1.3
.1
Die in Rechtskraft erwachsene Verweigerung weiterer Leistungen durch den ob
ligatorischen Unfallversicherer schliesst die spätere Entstehung eines An
spruchs, der sich aus demselben Ereignis herleitet, nicht unter allen Umständen aus. Viel
mehr steht ein solcher Entscheid unter dem Vorbehalt späterer An
passung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invaliden
versicherung durch das Institut der Neuanmeldung geregelte Grundsatz gilt auch im Unfall
versicherungsrecht, indem es der versicherten Person jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu machen (vgl. Art. 11
der Verordnung ü
ber die Unfallversicherung, UVV
) und erneut Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeits
unfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können (BGE 144 V 245 E. 6.1, 118 V 293 E. 2c, je mit Hinweisen).
1
.3
.2
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
ereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfall
versicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheits
schädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfall
kausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeits
beweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile des Bundesgerichts 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 2.3 und 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
1.4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
2.
März 2021 hielt die Beschwerde
gegnerin im Wesentlichen fest, es obliege der Beschwerdeführerin,
das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem als Spätfolge postu
lierten Beschwerdebild und dem Unfall darzulegen.
Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sei, entstehe eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers. Dieser Nachweis sei der Beschwerde
führerin nicht gelungen. Der beratende Arzt, Prof.
Dr.
A._
, habe aus
führ
lich begründet, weshalb zwischen den Beschwerden und dem Unfall nur möglicherweise ein Kausalzusammenhang bestehe. Auf die Stellungnahme der Physiotherapeutin, auf welche die Beschwerdeführerin in erster Linie verweise, könne nicht abgestellt werden, da
die Verwaltung für die Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
auf An
gaben ärztlicher Experten angewiesen sei. Zudem habe die Physiotherapeutin selbst bestätigt, dass keine Studien vorhanden seien, die ihre Thesen stützen würden.
Im Übrigen lasse sich auch keiner der anderen ärztlichen Stellung
nahmen
rechtsgenüglich
entnehmen, dass die im Jahr 2019
(richtig: 2018)
auf
getretenen Rückenbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall aus dem Jahr 2008 zurückzuführen seien. Der Entscheid falle somit zu Lasten der Beschwerdeführerin aus, da sie aus dem unbewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusammenhang habe Rechte ableiten wollen (
Urk.
2 S. 6 f.).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 2. April 2021 zusammengefasst geltend,
ihre Physiotherapeutin verfüge über ein fundiertes medizinisches Wissen
und
über
viele Jahre Berufserfahrung. Ihren fachlich korrekten Stellungnahmen sei ge
nau so viel Gewicht beizumessen
wie denjenigen ärztlicher Experten. Zudem seien die Berichte der Physiotherapeutin geeignet, Zweifel an den Ausführungen des beratenden Arztes Prof.
Dr.
A._
zu wecken. Dieser habe
unter anderem Studien zitiert, welche andere Thematiken
zum Inhalt hätten
,
als vorliegend von Relevanz
seien
(
Urk.
1 S. 4)
.
D
ie Stellungnahme von Prof.
Dr.
A._
sei
insgesamt
zwar ausführlich, je
doch nicht überzeugend. Beim heutigen Befund handle es sich um eine Spätfolge des Unfalls von Oktober 200
8.
Jede andere Ursache könne insbesondere aufgrund der Lage des Befundes sowie
des
Alters
[der Beschwerdeführerin]
ausgeschlossen werden (
Urk.
1 S. 6)
.
3.
3.1
Gemäss Austrittsbericht des Spitals
Z._
vom 1
3.
Oktober 2008
habe
die Beschwerdeführerin anlässlich ihres Sturzes vom Pferd drei Tage zuvor eine Deckplattenimpressionsfraktur TH 12 mit deutlicher Höhenminderung
erlitten
. Unter Analgesie sei es zu einer raschen
Regredienz
der Beschwerden gekommen
, sodass die Beschwerdeführerin in gutem Allgemeinzustand habe nach Hause ent
lassen werden können. Ihr sei
en
insbesondere körperliche Schonung und das Tragen eines Dreipunktekorsetts für sechs Wochen verordnet worden
(Urk. 3/16).
3.2
Dr.
med.
B._
, Assistenzarzt an der
Klinik C._
, stellte mit Bericht vom 1
5.
Mai 2019 folgende Diagnosen (
Urk.
8/M5 S. 1):
-
unklares Schmerzsyndrom bis zur mittleren Brustwirbelsäule, ohne
radikuläre
Schmerzen mit/bei
-
Status nach BWK
12-
Deckenimpressionsfraktur nach Reitunfall im Jahre 2008, mit anschliessender erfolgreicher konservativer Therapie mittels Korsett
-
konsolidierte
r
BWK
12-
Fraktur
-
Osteochondrose
und leichte Diskusdegeneration auf Höhe BWK 9/10, ohne Neurokompression.
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, seit November 2018 wieder unter stärkeren, auch diffus auftretenden Rückenschmerzen im Bereich der erwähnten Fraktur von 2008 zu leiden, welche auch im Alltag störend seien (
Urk.
8/M5 S. 1).
Die am 1
5.
Mai 2019 durchgeführte MRI-Untersuchung der unteren Brustwirbel
säule
(vgl.
Urk.
3/15)
habe eine konsolidierte BWK 12-Fraktur ohne Zeichen
für
ein Ödem sowie eine
Osteochondrose
mit leichter Diskusdegeneration auf Höhe BWK 9/10
ergeben
.
Ob die Schmerzen
residuell
noch von der Fraktur herrühr
t
en, könne nicht klar ausgeschlossen werden (
Urk.
8/M5 S. 2).
3.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Rheumatologie, führte in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2019 aus, die MRI-Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule habe ein isoliertes Knochenmarksödem auf Niveau BWK 10/11 rechtsbetont im ventralen Abschnitt der Bandscheibe gezeigt. Manuell bestehe eine Hypomobilität der unteren Brustwirbelsäule mit paravertebralem Muskelhartspann und
Druck
dolenz
über etwa drei bis vier Segmenten ab BWK 12 aufwärts. Inwiefern die Veränderungen im MRI mit der Schmerzproblematik zusammenhäng
t
en, sei noch nicht ganz geklärt, weshalb in einem ersten Schritt von einer Injektion abgesehen werde (
Urk.
8/M7
S. 1
).
Ergänzend hielt
Dr.
D._
am
2.
Juli 2019 fest, dass die Beschwerdeführerin über Folgen ihres Unfalls mit Deckplattenfraktur BWK 12 klage. Die Beschwerden seien in angrenzenden Segmenten mittels Knochen
marksödem objektivierbar und aus seiner Sicht Folge des Unfalls, zumal ein solcher Befund in dieser Region bei einer 1980 gebore
nen Patientin nicht üblich sei
(
Urk.
8/M8).
3.4
Dr.
med.
E._
,
Chiropraktor
SCG/ECU
,
äusserte sich in seinem Bericht vom
5.
Juli 2019 dahingehend, die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom
8.
bis 1
8.
März 2019 insgesamt drei Mal
chiropraktisch
behandelt zu haben.
Nach der letzten Behandlung habe sie sich weitgehend schmerzfrei gefühlt. Er bestätige, dass nach der Wirbelfraktur (hier
Th
12) statische Veränderungen der Wirbelsäule aufträten, die in der Folge zur vermehrten
Arthrosebildung
in diesem Segment führen können. Insofern sei «eine mögliche Kausalität mit dem Unfall 2008 mög
lich»
(
Urk.
8/M9).
3.5
In der Funktion eines beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin stellte Prof.
Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom 2
1.
Oktober 2019 folgende Diagnosen:
-
Status nach Deckplattenimpressionsfraktur BWK 12
-
Osteochondrose
Th
10 und
Th
11 (Krankheit)
-
c
hronische
Dorsalgie
.
Ein Zusammenhang zwischen den heute geklagten Beschwerden und dem Ereignis vom 1
0.
Oktober 2008 bestehe nur möglicherweise. Bei der damals zugezogenen Fraktur des 1
2.
Brustwirbelkörpers hand
le es sich um eine prognostisch
sehr günstige Form
, indem nur
eine
Impression der Deckplatte eines Wirbels
vorliege
. Entsprechend habe
auch
nur eine konservative Behandlung stattgefunden.
Die heute geklagten Beschwerden würden offensichtlich etwas kranial des
Th
12 verspürt. Auch dort sei eine
O
steochondrose
erkennbar (
Th
11/
Th
12).
Im vorliegenden MRI-Bericht vom 2
4.
Mai 2019 sei ein Knochenmarks
ödem in den Wirbelkörpern nicht beschrieben worden. Die diagnostizierte Spondylose sei der übliche Ausheilungszustand nach
einer
Wirbelkörperfraktur. Es komme regelhaft zu einer Versteifung/Blockierung des Wirbelsäulen
segmentes, was aufgrund der Lokalisation
Th
12 keine Auswirkungen auf die Gesamtbeweglichkeit der Wirbelsäule habe. Eine Arthrose der angrenzenden kleinen Wirbelgelenke sei bei erhaltenem Profil der Wirbelsäule
wie bei der Beschwerdeführerin
nicht anzunehmen. Wenn ein relevanter Keilwirbel resultiert hätte, müsste der Verlauf anders bewertet werden.
Angesichts
der Häufigkeit von Rückenschmerzen in der Allgemeinbevölkerung, gleich welcher Lokalisation (durchaus auch im Bereich der Brustwirbelsäule)
,
könne aufgrund des medizinischen Sachverhaltes eine Unfallkausalität nicht überwiegend wahr
scheinlich begründet werden (
Urk.
3/9).
3.5
In einem zuhanden der Beschwerdeführerin ausgefüllten Fragebogen vom 25. Januar 2020 bejahte deren behandelnde Physiotherapeutin,
F._
,
die Frage, ob der heutige Befund mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit der Plattenepithelfraktur von 2008 stehe.
In diesem jungen Alter komme es selten bis gar nie zu einem solchen Befund in der Region der Brustwirbelsäule, wenn
nicht
eine andere Diagnose
wie beispielsweise Morbus Bechterew
zugrunde liege, was bei der Beschwerdeführerin nicht der Fall sei.
Die Beschwerden seien eine logische Folge nach längerer Zeit einseitiger B
elastung, wobei dafür die Entstehung eines falschen Bewegungsmusters durch Überbelastung hypermobiler Segmente ursächlich sei.
Durch die Impressions
fraktur würden das betroffene und die umliegenden Segmente häufig versteift und immobil, was einen grossen Einfluss auf den Stoffwechsel der verschiedenen Gewebe und die Kompensation der immobilen Segmente durch Hypermobilität der Nachbarsegmente (
Th
9-10) habe
(
Urk.
8/M11 S. 3 f.).
3.6
Im Rahmen
einer erneuten St
ellungnahme vom 1
6.
April 2020
bestätigte Prof.
Dr.
A._
seine Beurteilung, wonach nur möglicherweise eine Kausalität zwischen dem Ereignis von 2008 und dem jetzigen Zustand hergestellt werden könne.
Aufgrund verschiedener morphologischer Kriterien handle es sich beim Befund am neunten und zehnten Brustwirbelkörper um eine
erosive
Osteo
chondrose
. Der Schmerzcharakter der von der Beschwerdeführerin geklagten Dorsalgien könne durch dieses Krankheitsbild erklärt werden. Gegen eine
über
wiegend wahrscheinliche natürliche Kausalität zwischen der 2008 erlittenen Fraktur des zwölften Brustwirbels und dem aktuellen Befund spreche
der Um
stand, dass die Impressionsfraktur an BWK 12 ohne erkennbare Form
veränderungen oder Achsabweichungen mit erhalten gebliebener Bandscheibe abgeheilt sei. Diese Bruchform sei der prognostisch günstigste Typ einer Wirbel
fraktur überhaupt.
Des Weiteren sei in
Orthopädenkreisen
bekannt, dass unmit
telbar angrenzend an einen versteiften Wirbelsäulenabschnitt eine Stress
Riser
-Problematik entstehen könne, die zur Überlastung des angrenzenden Segmentes führen könne. Auch bei Blockwirbelbildungen (angeboren oder erworben) sei diese Form der Überlastung des angrenzenden Wirbelsegmentes bekannt (
Urk.
8/M13 S. 10).
Es sei ausgesprochen unwahrscheinlich, dass zehn Jahre nach einer perfekt geheilten Wirbelfraktur im Thorakalbereich aufgrund einer hypo
thetischen Wirbelblockade bei einer sonst gesunden Person eine stark schmerz
hafte
Osteochondrose
am übernächsten kr
anialen Wirbelsäulensegment indu
ziert werde. Eine Stress
Riser
-Problematik könne in diesem Fall nicht konstruiert wer
den, da sogar die Bandscheibe
Th
11/
Th
12 nach der Fraktur weitgehend intakt geblieben sei. Im MRI sei keine intravertebrale
Diskusprotrusion
ähnlich der
Schmorlschen
Knorpelknötchen im Wirbelkörper zu erkennen.
Das unmittelbar oberhalb des frakturierten Wirbels liegende Bewegungssegment
Th
10
/
Th
11 sei intakt und habe seine Schock-Absorptionsfunktion ausüben können (
Urk.
8/M13 S. 11).
3.7
Mit Stellungnahme vom 2
6.
August 2020
hielt die behandelnde Physio
therapeutin
F._
an ihrer Auffassung fest,
dass die Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Folge des Unfalles von 2008 seien. Dem
gegenüber sei eine
erosive
Osteochondrose
angesichts der Symptome und Befunde sehr unwahrscheinlich. Die leichte degenerative Veränderung der einzelnen Bandscheiben zwischen
Th
9 und
Th
10 könne nicht durch eine degenerative Grunderkrankung, sondern viel wahrscheinlicher durch eine seg
mentale Überbelastung
beziehungsweise
eine
Stress
Riser
-Problematik
erklärt werden.
Strukturelle Überbelastungen würden sich häufig erst nach einiger Zeit bemerkbar machen, was nicht bedeute, dass nicht der Unfall der Auslöser sein könne; das Gegenteil sei der Fall.
Um Studien zur Verwerfung oder Unterstützung dieser These beiziehen zu können, müsste es erst eine Studie geben, die eine Aus
sage über die Häufigkeit und den Zusammenhang des Vorkommens degenerativer Veränderungen
an den Strukturen der Wirbelsäule nach Deckplattenfrakturen von Wirbelkörpern in allen Altersstufen treffe, vor allem bei Personen in jüngerem Alter wie der Beschwerdeführerin, bei denen degenerative Veränderungen noch nicht zu erwarten seien. Die vom beratenden Arzt hinzu
gezogenen Studien seien nicht genügend aussagekräftig, da die Probanden stark von der Beschwerdeführerin abweichen würden und Thesen zu anderen Krank
heitsbildern untersucht worden seien
(
Urk.
8/M15
S. 1 f.
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in medizinischer Hinsicht
in erster Linie
auf die Ausführungen des
beratenden Arztes Prof.
Dr.
A._
vom
2
1.
Oktober 2019 (Urk. 3/9) und 1
6.
April
2020 (
Urk.
8/M13
).
Dieser hatte die
Beschwerdeführer
in
nicht persönlich untersucht, sondern jeweils eine Akten
beurteilung vorgenommen. Diesen kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fach
ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Anhand der ihm zur Verfügung gestellten
Vorakten
konnte sich der
Prof.
Dr.
A._
, welcher über die konkret notwendige fachliche Qualifikation ver
fügt, ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Behandlungsverlauf sowie den gegenwärtigen gesund
heitlichen Status der Beschwerdeführerin
verschaffen. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass auf
eine klinische Unter
suchung der Beschwerdeführerin
verzichtet wurde.
Gegenteiliges wurde von der
en Seite denn auch nicht geltend gemacht.
4.2
4.2.1
Näher zu prüfen bleibt, ob die
versicherungsinternen
Stellungnahme
n
auch
inhaltlich überzeugen.
Prof.
Dr.
A._
hat
seine Schlussfolgerung
, wonach nur möglicherweise ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den von der Beschwerdeführerin ab November 2018 geklagten Rückenschmerzen und dem Reitunfall von Oktober 2008
bestehe
,
insbesondere in seiner letzten Akten
beurteilung vom 1
6.
April 2020
nachvollziehbar begründet.
So
nahm er
zwecks
Interpretation der aktuellsten MRI-Befunde vom 24. Mai 2019 (vgl. Urk. 8/M6) Rücksprache mit
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Radiologie
,
und legte
unter Einbezug morphologischer Kriterien
einlässlich dar, weshalb
diagnostisch von einer
erosiven
Osteochondrose
Th
9/
Th
10
auszugehen
ist
(Urk.
8/M13 S. 8).
Darüber hinaus setzte er sich mit der von der behandelnden Physiotherapeutin angesprochenen Stress
Riser
-Problematik auseinander
und hielt fest, dass diese Form der Überlastung eines angrenzenden Wirbelsegmentes
zwar
auch bei Block
wirbelbildungen bekannt sei (
Urk.
8/M13 S. 10)
,
m
it überzeugender Begründung erachtete es Prof.
Dr.
A._
jedoch für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass zehn Jahre nach einer perfekt geheilten Wirbelfraktur im Thorakalbereich aufgrund einer hypothetischen Wirbelblockade
bei einer ansonsten gesunden Person
eine stark schmerzhafte
Osteochondrose
am übernächsten kranialen W
irbelsäul
ensegment verursacht werde. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass
eine Stress
Riser
-Problematik im konkreten Fall nicht vorliege, da die Bandscheibe
Th
11/
Th
12 nach der Fraktur weitgehend intakt geblieben sei. Ferner sei auch das unmittelbar oberhalb des frakturierten Wirbels liegende Bewegungssegment
Th
10/
Th
11 intakt und dieses habe demnach seine Schock-Absorptionswirkung ausüben können (Urk. 8/M13 S. 11).
4.2.2
Aus Sicht der Beschwerdeführerin sind namentlich die Ausführungen der behandelnden Physiotherapeutin
F._
geeignet, Zweifel an der versicherungsinternen Beurteilung zu wecken (vgl.
Urk.
1 S. 4).
Dem ist ent
gegenzuhalten, dass
fachärztliche Beurteilungen wie diejenige
n
von Prof.
Dr.
A._
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich nur gestützt auf eine ebenfalls fachärztlich abweichende Beurteilung entkräftet wer
den können (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_458/2021
vom 1
5.
November 2021 E. 3.3 mit Hinweisen).
Davon abgesehen
hat sich
jener
in Kenntnis der MRI-Befunde
und nach Konsultation eines Radiologen
eingehend
mit de
r Stress
Riser
-Problematik
befasst
, welche von physiotherapeutischer Seite bereits im Frage
bogen vom 2
5.
Januar 2020 argumentativ in den Vordergrund gestellt w
orden war
(
Urk.
8/M11 S. 3 f.)
.
Diesbezüglich wurden
sodann
in der physio
therapeutischen Stellungnahme vom 2
6.
August 2020 (
Urk.
8/M15 S. 1 f.) keine wesentlichen neuen Aspekte
vorgebracht.
Hinsichtlich der erhobenen K
ritik an der
von Prof.
Dr.
A._
zu Rate gezogenen
Fachliteratur ist festzuhalten, dass
er
unter anderem
Studien zitierte, welche sich zur Inzidenz degenerativer Bandscheibenveränderungen an der Brustwirbelsäule äusserten (vgl.
Urk.
8/M13 S. 9
f.
).
Die Häufigkeit eines Leidens sagt jedoch
noch
nichts darüber aus, ob dieses im konkreten Fall
auf
das versicherte Ereignis
zurückzuführen oder degenerativer Natur ist.
Entsprechend hat sich Prof.
Dr.
A._
im Rahmen der Beantwortung der Kausalitätsfrage massgeblich an den radiologischen Befunden
sowie
an fachärztlichen
Kenntnissen
und klinischen Erfahrungen
namentlich zur Stress
Riser
-Problematik
orientiert
(
Urk.
8/M13 S. 10 f.)
, um eine schlüssige Einzelfallbeurteilung vor
nehmen zu können
. Mithin
ist nicht ersichtlich,
dass
er
den
kritisierten
Studien
dabei entscheidende Bedeutung
zugemessen hat
, weshalb
kein Anlass besteht,
deren Aussagekraft im vorliegenden Fall im Detail
zu klären
.
Darüber hinaus
ist an dieser Stelle noch
mals zu betonen, dass es der Beschwerdeführerin als
Leistungsansprecherin
ob
liegt,
das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen dem als Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Reitunfall nachzuweisen. Daran sind vorliegend hohe Anforderungen zu stellen, da ein zeitlicher Abstand von rund
zehn Jahren zwischen dem Schadensereignis und dem Auftreten der gesundheit
lichen Beeinträchtigung liegt (vgl. vorstehende E. 1.3.2).
Aus dem
beschwerde
weise
behauptete
n
Fehlen einschlägiger Studien
(vgl. U
rk.
1 S. 4
sowie
Urk.
8/M15 S
.
2
)
kann jedenfalls nicht
per se
abgeleitet werden
, dass der Unfall überwiegend wahrscheinlich
die Ursache
der
2018 aufgetretenen
Rücken
beschwerden
bildet
.
Vielmehr wirkt sich dies im konkreten Fall zu Lasten der Beschwerdeführerin aus.
Die versicherungsinternen Einschätzungen
vermögen
schliesslich
auch
durch
die
übrigen
(fach
ärztlichen
)
Berichte nicht in Zweifel
gezogen zu werden
.
So fusst die Beurteilung des
Chiropraktors
Dr.
E._
vom
5.
Juli 2019 gemäss Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 5
Ziff.
13
; vgl. auch
Urk.
3/2 S. 3
)
nicht auf allen relevanten
medizinischen
Unterlagen
,
wie namentlich den Ergebnissen der Röntgenuntersuchungen
.
Ausserdem
erachtete
Dr.
E._
einen kausalen Zusammenhang zum
2008 erlittenen Unfall
bloss für möglich
(
Urk.
8/M9)
.
Selbst wenn es sich dabei um eine umgangssprachliche
und nicht juristische
Ver
wendung des Begriffs «möglich» handeln
sollte
(vgl.
Urk.
3/2 S. 3)
, kann die Aus
sage jedenfalls nicht dahingehend verstanden werden, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit
als bestehend ein
gestuft
wurde
und
realistischerweise
keine anderen Ursachen für die Rücken
beschwerden in Betracht fallen.
Soweit die Beschwerdeführerin im Übrigen auf die Einschätzung von
Dr.
D._
vom 2.
Juli 2019
Bezug nimmt (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
12),
mag
es
zwar zutreffen, dass jener die Kausalität bejahte.
Dieser Beurteilung mangelt es jedoch an einer nachvollziehbaren Begründung
, da
sich
Dr.
D._
im Wesentlichen auf
die Anmerkung
beschränkte
,
der
vorliegende Befund
sei
für eine
Person
mit
gleichem
Jahrgang
wie die
Bes
chwerdeführerin nicht üblich
(
Urk.
8/M8)
.
4.2.3
Nach dem Gesagten
bestehen keine a
uch nur geringen Zweifel an der versicherungsinternen Beurteilung
von
Prof.
Dr.
A._
. Dieser
kommt
volle Beweiskraft zu, weshalb die Beschwerdegegnerin
zu Recht darauf abgestellt hat.
Von weiteren Abklärungen me
dizinischer Art wie namentlich dem
eventu
aliter beantragten versicherungsexternen Gutachten sind
keine anderen
entscheid
relevanten
Erkenntnisse zu erwarten, wesh
alb davon abgesehen werden kann
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.
Zusammenfassend fehlt es am
rechtsgenüglichen
Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den von der Beschwerdeführerin im April 2019
gemeldeten Rückenbeschwerden und dem von ihr im Oktober 2008 erlittenen Reitunfall.
Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
für die geltend gemachten Spätfolgen
richtigerweise
verneint.
Die gegen den
Einspracheentscheid
vom
2.
März 2021 er
hobene Beschwerde erweist sich somit
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.