Decision ID: 4c584d3c-1c04-5485-9360-eb6a16990ad0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Die Vorinstanz prüfte das Asylgesuch im beschleunigten Ver-
fahren nach Art. 26c AsylG [SR 142.31]. Anlässlich der Personalienauf-
nahme (PA) vom 29. September 2019 (Akten Vorinstanz 1076161-11/11,
nachfolgend A11) und der Anhörung vom 20. Januar 2021 (Akten Vo-
rinstanz 1076161-31/13, nachfolgend A31) machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei algerischer Staatsangehöriger, in B._ geboren, wo er zusam-
men mit seiner Familie – zuletzt noch mit seinen (...) –– bis zu seiner Aus-
reise gewohnt habe. Er habe (...) Jahre lang die Schule besucht und da-
nach viele diverse Berufe – etwa an (...), in (...), als (...) – ausgeübt. Die
(...), in der er gearbeitet habe, habe seiner Familie gehört. Sein Vater habe
sich geweigert, bei der Bestellung von (...) Bestechungsgelder zu bezah-
len. Ausserdem habe er sehr hohe Steuern entrichten müssen. Sein Vater
sei aufgrund des grossen Drucks im Jahr 2004 an (...) gestorben. Sie hät-
ten danach Konkurs anmelden und alles verkaufen müssen, um die ange-
fallenen Kosten begleichen zu können. Nebenbei habe er seine kranke
Mutter gepflegt. Da er ihr aber nicht habe helfen können und sie im Jahr
2010 gestorben sei, sei er depressiv geworden. Nach dem Tod seiner Mut-
ter, habe er (...) zur Hochzeit freigegeben. Als die Hochzeitsurkunde unter-
zeichnet worden sei, habe er sich frei gefühlt zu gehen. Da er nicht mehr
an einem Ort habe weiterleben wollen, der ihn an die Vergangenheit erin-
nere und wo er keine berufliche Perspektive gesehen habe, sei er (...) 2014
nach Erhalt eines gekauften (...) Visums ausgereist. Nach dreijährigem
Aufenthalt in der Schweiz sei er in diversen anderen europäischen Ländern
gewesen, bevor er im Juni/Juli 2020 wieder in die Schweiz gereist sei, wo
er zunächst eine (...) Haftstrafe (insgesamt fünf Monate wegen [...]) habe
absitzen müssen. Danach habe er ein Asylgesuch gestellt. Er befürchte,
bei einer Rückkehr nach Algerien inhaftiert zu werden, da er das gefälschte
Visum gekauft habe. Dies sei heute sein Hauptgrund, weshalb er nicht zu-
rückreisen könne.
Anlässlich des Dublingesprächs vom 5. Oktober 2020 sowie seiner Anhö-
rung machte der Beschwerdeführer geltend, seit ungefähr dreieinhalb Jah-
ren an (...) zu leiden. Er habe sich deshalb in ärztliche Behandlung bege-
ben. Er bekomme ab und zu Flashbacks, psychisch gehe es ihm aber seit
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seinem Asylgesuch besser. Vor 20 Jahren habe er überdies eine "(...)" er-
litten und leide seither an Gedächtnisproblemen. Er könne sich weder Zah-
len oder Namen merken noch an "eine Phase" seines Lebens erinnern.
Als Beweismittel reichte er eine Kopie seines Reisepasses sowie einen
Arztbericht vom 11. Dezember 2020 der C._ ins Recht.
B.
Am 27. Januar 2021 erhielt der Beschwerdeführer von der Vorinstanz die
Gelegenheit, zum Entwurf des ablehnenden Asyl- und Wegweisungsent-
scheids Stellung zu nehmen, wovon er gleichentags Gebrauch machte.
C.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 – gleichentags eröffnet – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug.
D.
Die Rechtsvertretung legte ihr Mandat mit Schreiben vom 29. Januar 2021
nieder.
E.
Am 8. Februar 2021 übernahmen die Mitarbeiter der Freiplatzaktion Basel
die Vertretung des Beschwerdeführers und ersuchten das SEM um Akten-
einsicht.
F.
Gegen die Verfügung vom 29. Januar 2021 erhob der unvertretene Be-
schwerdeführer am 26. Februar 2021 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung
sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei festzustellen, dass der
Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und die
vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung un-
ter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Ernen-
nung eines amtlichen Rechtsbeistands.
G.
Aufgrund der Überschreitung der Höchstdauer des Aufenthaltes in den
Zentren des Bundes von 140 Tagen gemäss Art. 24 Abs. 4 AsylG, wies die
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Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2. März 2021 dem
Kanton Solothurn zu.
H.
Mit Verfügung vom 2. März 2021 bestätigte die Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 10 der Verordnung über Massnahmen
im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom 1. April 2020
[Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318] ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Ihren Asylentscheid begründete die Vorinstanz mit der Asylirrelevanz
der geltend gemachten Nachteile, welche auf die allgemeinen politischen,
wirtschaftlichen oder sozialen Lebensbedingungen in einem Staat zurück-
zuführen seien und nicht auf der Absicht beruhten, einen Menschen aus
einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Gründe zu treffen. Das SEM
stelle die schwierigen wirtschaftlichen und familiären Lebensumstände des
Beschwerdeführers nicht in Abrede. Seinen Aussagen könne jedoch ent-
nommen werden, dass seine Vorbringen keine Verfolgung im Sinne von
Art. 18 AsylG (recte Art. 3 AsylG) darstellten, sondern sich vielmehr auf die
allgemeine Lage in seinem Heimatstaat sowie seine familiäre Situation be-
ziehen würden. Dies bestätigend habe er angegeben, bei einer Rückkehr
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einzig im Zusammenhang mit dem gefälschten Visum Probleme zu be-
fürchten. Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung liege grundsätzlich
nicht vor, wenn staatliche Massnahmen rechtsstaatlich legitimen Zwecken
dienten. Sowohl aus objektiver als auch subjektiver Sicht sei nachvollzieh-
bar, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner illegalen Ausreise Nach-
teile befürchte. Der Erwerb eines gefälschten Visums stelle aber eine Straf-
tat dar, deren Ahndung einem rechtstaatlich legitimen Zweck diene. Allfäl-
lige diesbezügliche künftige staatliche Massnahmen seien daher asylrecht-
lich nicht relevant. Vorliegend seien keine Anhaltspunkte vorhanden, die
zur Annahme führten, dass allfällige, in diesem Rahmen von den algeri-
schen Behörden angewendeten Massnahmen den rechtsstaatlich legiti-
men Mitteln zur Aufklärung entsprechender Straftaten grundsätzlich nicht
standhielten.
5.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift, er
und seine Familie seien als Mitglieder der finanziell benachteiligen Gesell-
schaftsschicht Opfer von massiven Schmiergelderpressungen geworden.
Diese Erpressungen hätten ein so grosses Ausmass angenommen, dass
sie ihr Überleben schlussendlich nicht mehr hätten sichern können und
seine Mutter aufgrund des mangelnden Zugangs zu einer medizinischen
Versorgung gestorben sei. Es gebe keinen staatlichen Schutz dagegen,
weswegen nach dem Tod seiner beiden Eltern für ihn nur noch die Flucht
übriggeblieben sei. In Algerien fänden überdies willkürliche Verhaftungen
statt und die Menschenrechte würden nicht beachtet. Daher befürchte er,
kein faires Verfahren [aufgrund des Kaufs eines gefälschten Visums] zu
erhalten. Er sei daher als Flüchtling anzuerkennen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die gesuchbegründenden Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen
vermögen. Die Rechtsmitteleingabe stellt der Schlussfolgerung des SEM
nichts Stichhaltiges entgegen und erschöpft sich vielmehr in Wiederholun-
gen des bereits bekannten Sachverhalts, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern
die vorinstanzliche Beurteilung falsch sein sollte.
Das SEM legte zu Recht dar, dass der Erwerb eines gefälschten Visums
eine Straftat darstelle, deren Ahndung einem rechtstaatlich legitimen
Zweck diene. Der Beschwerdeführer entgegnet dem auf Beschwerde-
ebene lediglich, er könne aufgrund der allgemeinen Situation in Algerien
kein faires Verfahren bezüglich seines strafbaren Verhaltens erwarten. Die
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Durchführung eines Strafverfahrens respektive die Verurteilung wegen ei-
nes gemeinrechtlichen Delikts kann nur ausnahmsweise eine Verfolgung
im asylrechtlichen Sinne darstellen. Dies trifft unter anderem dann zu,
wenn einer Person eine gemeinrechtliche Tat untergeschoben wird, um sie
wegen ihrer äusseren oder inneren Merkmale – namentlich ihrer Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder ihrer politischen Anschauungen – zu verfolgen, oder wenn die Situa-
tion eines Täters, der ein gemeinrechtliches Delikt tatsächlich begangen
hat, aus einem solchen Motiv in bedeutender Weise erschwert wird. Es
liegen in casu keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass einem allfälligen
Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer ein asylrechtlich relevantes
Motiv zugrunde gelegt würde, oder er damit rechnen müsste, aus einem
solchen Grund im Rahmen des Strafverfahrens oder bei der Strafzumes-
sung diskriminiert zu werden. Insbesondere ist keine konkrete Grundlage
ersichtlich für die vom Beschwerdeführer geäusserte Furcht vor schlechten
Haftbedingungen, weshalb hieraus nicht auf eine begründete Furcht vor
asylrechtlich relevanten Nachteilen geschlossen werden kann. Ausserdem
behauptet der Beschwerdeführer lediglich, ein gefälschtes Visum gekauft
zu haben, belegt diese Aussage aber nicht. Er gab sogar an, legal aus Al-
gerien ausgereist zu sein (vgl. A11 Ziff. 5.01 und A31 F61).
Bei den vom Beschwerdeführer monierten generell schwierigen Lebensbe-
dingungen in Algerien handelt es sich um Nachteile, welche auf die in Al-
gerien herrschenden allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Bedingungen zurückzuführen sind. Derartige Nachteile stellen keine indivi-
duelle Verfolgung dar, da sie die gesamte Bevölkerung oder zumindest ei-
nen grossen Teil derselben in gleichem Ausmass treffen. Entsprechend hat
der Beschwerdeführer selbst dargelegt, sich lediglich vor der Bestrafung
durch die algerischen Behörden aufgrund des Kaufs eines Visums zu
fürchten (vgl. A31 F90 und F101).
6.2 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine im
Zeitpunkt seiner Ausreise aus Algerien bestehende oder gegenwärtig dro-
hende asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.3
8.3.1 Die Vorinstanz kam in ihrem Entscheidentwurf betreffend die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs zum Schluss, dass vorliegend keine in-
dividuellen Gründe gegen eine Wegweisung des Beschwerdeführers nach
Algerien sprechen würden. Dem ärztlichen Bericht vom 11. Dezember
2020 könne zudem entnommen werden, dass keine (...) festgestellt wor-
den seien und die Beschwerden des Beschwerdeführers eher (...) seien.
Ausserdem liege eine Neigung zu (...) sowie eine (...) vor. Seine angeführ-
ten gesundheitlichen Probleme seien nicht als derart schwerwiegend zu
qualifizieren, dass sie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs her-
beiführen könnten, zumal diese in seinem Heimatstaat durchaus behandelt
werden könnten. Ausserdem bestehe die Möglichkeit der medizinischen
Rückkehrhilfe. Es würden im Übrigen auch keine anderen individuellen
Gründe vorliegen, die einem Wegweisungsvollzug entgegenstünden. Der
Beschwerdeführer habe (...) Jahre lang die Schule besucht und in seinem
Heimatland viele verschiedene Berufe ausgeübt. Im Ausland habe er in der
(...) gearbeitet. Mit seinem Verdienst habe er in der Vergangenheit sein
Leben finanzieren und seine Mutter unterstützen können. Es sei davon
auszugehen, dass er aufgrund seiner Arbeitserfahrung bei einer Rückkehr
über solide Chancen auf dem Arbeitsmarkt verfüge. Ausserdem lebten
seine (...) Geschwister in Algerien. Mit ihnen stünde er noch immer in Kon-
takt. Es sei davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr einer Arbeit
nachgehen und für seinen Lebensunterhalt aufkommen könne, wobei sein
solides Beziehungsnetz ihm dabei allfällige Unterstützung leisten könne.
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8.3.2 Der Beschwerdeführer führte in seiner Stellungnahme zum Entwurf
des Asylentscheides aus, er sei gesundheitlich stark angeschlagen und
derzeit nicht in der Lage zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt selbst zu
verdienen. Er bezweifle auch, dass seine Geschwister in Algerien in der
Lage seien, ihn finanziell zu unterstützen. Er habe von seinem Arzt neue
Medikamente erhalten und hoffe, dass es ihm bald wieder gut gehe und er
sich in der Schweiz ein neues Leben aufbauen könne.
8.3.3 Das SEM entgegnete dem im definitiven Asylentscheid, dass keine
weiteren ärztlichen Berichte eingereicht worden seien, weshalb davon aus-
zugehen sei, dass anlässlich des Arztbesuches keine anderweitige Diag-
nose zu seiner Gesundheit gemacht worden sei.
8.3.4 Auf Beschwerdeebene bringt der Beschwerdeführer vor, dass seit
April 2019 Aufstände in Algerien herrschten. Die Protestführer – die Hiraks
– würden auf verschiedene Probleme aufmerksam machen, wie zum Bei-
spiel die herrschende Korruption im Land, die Einschränkung der Mitbe-
stimmungsrechte und vieles mehr. Durch den Abtritt des Präsidenten Abd
al-Aziz Bouteflika sei ein Machtvakuum entstanden, welches durch den Ar-
meechef Ahmed Gaïd Salah gefüllt worden sei. Es sei offensichtlich, dass
das Militär zu den Einflussreichsten Akteuren der Regierung zähle. Trotz
der Neuwahl im Dezember 2019 habe die Protestbewegung weiterhin an-
gehalten. Die Massenproteste seien durch die Sicherheitskräfte mit exzes-
siver oder unnötiger Gewalt beendet und hunderte von Demonstranten will-
kürlich verhaftet worden. Aufgrund dieser Geschehnisse sei er sehr be-
sorgt, zurück nach Algerien zu gehen. Es herrsche polizeiliche beziehungs-
weise militärische Willkür, der er schutzlos ausgeliefert wäre. Die Folterbe-
schreibungen durch Aktivisten oder auch Journalisten bestätigten diese
Angst.
Des Weiteren sei er gesundheitlich immer noch angeschlagen. Es stimme
etwas mit (...), sein Arzt habe ihn aber noch nicht an einen Spezialisten
weitergeleitet. Vielleicht habe er diese (...) in seinen Genen, zumal (...) sei.
Alleine schon darum, sollte seine Besorgnis ernst genommen werden und
er sollte umgehend zu einem Spezialisten überwiesen werden. Er be-
fürchte, dass ihm, wie dazumal seiner Mutter in Algerien, die nötige medi-
zinische Behandlung verwehrt werde. Auch seine (...) bereite ihm Sorgen.
Die Aussicht darauf, wieder in B._ zu sein und das Erlebte wieder
vor Augen zu haben, mache ihn depressiv. Seine medizinischen Leiden
würden in Algerien nicht genügend behandelt, da der vollumgängliche Zu-
gang zu medizinscher Versorgung nur finanzstarken Personen offen
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stünde. Er habe zwar Geschwister, die in Algerien lebten, aber sie hätten
kein enges Verhältnis zueinander. Jeder lebe sein eigenes Leben mit sei-
ner Familie und er habe dort niemanden. Das Haus, in dem er mit seiner
Familie gelebt habe, sei bei seiner Ausreise verkauft worden. 70% der Be-
völkerung Algeriens sei unter 30 Jahre alt und die Arbeitslosenquote astro-
nomisch hoch. Ohne ein familiäres und soziales Beziehungsnetz sei es
kaum möglich, wirtschaftlich unabhängig zu sein. Durch die Gefängnis-
strafe und die weitere Verfolgung werde diese Chance der Unabhängigkeit
verunmöglicht. Eine Resozialisierung nach seiner Haftstrafe stelle sich in
Algerien als sehr schwer dar.
9.
9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK
nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen ein völkerrechtliches
Wegweisungsvollzugshindernis dar (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili ge-
gen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, § 183).
Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen sich die von einer
Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr befindet zu ster-
ben, sondern auch dann, wenn Personen darunter fallen, die angesichts
fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Ausschaffung einem
realen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und irreversiblen Ver-
schlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt werden, die zu hefti-
gen Leiden oder einer erheblichen Reduktion der Lebenserwartung führen
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3). Solche ausser-
gewöhnlichen Umstände können in diesem Fall hinlänglich ausgeschlos-
sen werden.
9.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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Seite 12
10.2 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den vorinstanzlichen
Erwägungen vollumfänglich an. Unter Berücksichtigung der allgemeinen
heutigen Sicherheitslage in Algerien sind keine Hinweise dafür ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland in kon-
kreter Weise gefährdet wäre. Eine Situation allgemeiner Gewalt oder krie-
gerischer oder bürgerkriegsähnlicher Verhältnisse liegt in Algerien nicht
vor. Daran vermögen auch die durch den Beschwerdeführer zitierten Län-
derberichte nichts zu ändern.
10.3 In Bezug auf die geltend gemachten medizinischen Probleme des Be-
schwerdeführers ist zunächst festzuhalten, dass nur dann auf Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine
notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung
steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-
trächtigung des Gesundheitszustandes führen würde. Dabei wird als we-
sentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet,
welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz notwendig
ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht vor, wenn im Heimat- oder Her-
kunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende me-
dizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, m.w.H.).
Dem eingereichten ärztlichen Bericht der (...) vom 1. Dezember 2020 kann
entnommen werden, dass beim Beschwerdeführer keine (...) vorliegen.
Seine Beschwerden sind eher (...) Ursache (vgl. auch A31 F12 und F15).
Aus diesem Bericht lassen sich klar keine Vollzugshindernisse ableiten.
Auch aus den Akten ergibt sich mithin keine schwerwiegende Erkrankung
des Beschwerdeführers, die zur Annahme führen würde, bei einer Rück-
kehr in sein Heimatland käme es zu einer raschen und lebensgefährden-
den Bedrohung seiner Gesundheit. Ebenso wenig lässt die geltend ge-
machte, aber nicht nachgewiesene (...) Erkrankung des Beschwerdefüh-
rers auf eine medizinische Notlage schliessen, die in seinem Heimatland
nicht behandelbar wäre. Er weist zudem selbst darauf hin, dass es ihm seit
dem Asylantrag in der Schweiz besser gehe (vgl. A31 F6). Das SEM ver-
weist zurecht auf die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten, die ihm in
Algerien zur Verfügung stehen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann
auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (vgl. Verfügung S.
6 f., vgl. auch: UK Home Office: „Country Policy and Information Note Al-
geria: Internal relocation and background information‟, September 2020,
S. 24–26, assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/sys-
tem/uploads/attachment_data/file/924924/Algeria_Back-
E-879/2021
Seite 13
ground_Note_v1.0_September_2020.pdf, abgerufen am 9. März 2021; Ur-
teile des E-5209/2020 vom 14. Dezember 2020 E. 7.3.4; D-5045/2020
vom 23. Oktober 2020 E. 8.3.3; D-3516/2019 Urteil vom 25. Juli 2019
E.8.3.2; D-1763/2019 vom 29. April 2019 E. 7.5; E-6848/2018 vom 18. De-
zember 2018 E. 7.4.4 f. m.w.H.). Zur Überbrückung möglicher finanzieller
Schwierigkeiten in Zusammenhang mit einer notwendigen Behandlung ist
auf die Möglichkeit der medizinischen Rückkehrhilfe zu verweisen (Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG). Zwar ist eine auf Dauer ausgerichtete Hilfe ausge-
schlossen (Art. 75 Abs. 1 Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [SR
142.312]). Eine zeitlich limitierte Unterstützung dürfte dem Beschwerdefüh-
rer aber in hinreichendem Masse ermöglichen, eine allenfalls benötigte me-
dizinische Betreuung solange erhältlich zu machen, bis er in wirtschaftli-
cher und sozialer Hinsicht wieder Fuss gefasst und eine Krankenversiche-
rung sowie die nötige Stabilität erlangt hat.
10.4 Ferner sind – wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – auch
keine individuellen Gründe ersichtlich, welche die Rückkehr des Beschwer-
deführers nach Algerien als unzumutbar erscheinen liessen. Es deutet
nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer aus Gründen wirtschaftli-
cher, sozialer oder gesundheitlicher Natur bei einer Rückkehr in eine exis-
tenzbedrohende Situation geraten würde. Der Beschwerdeführer verfügt
mit seinen (...) Geschwistern in Algerien über ein gutes und tragfähiges
Beziehungsnetz (vgl. A31 F48 f., F57), welches ihm bei einer Rückkehr und
Reintegration zur Seite stehen kann.
10.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
12.2 Die mit der Beschwerde gestellten Anträge auf Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung sowie um Ernennung einer Rechtsvertretung
sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt – als aussichtlos zu gelten haben.
12.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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