Decision ID: 9772f2f5-3e7f-4ae7-999f-6069fdd9ebfc
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der afghanische Staatsbürger A._ (Beschwerdeführer) reichte am
26. Dezember 2021 in der Schweiz ein Asylgesuch ein.
B.
Am 13. Januar 2022 fand die Erstbefragung des Beschwerdeführers durch
das Staatssekretariat für Migration (SEM, Vorinstanz) statt. Dabei gab der
Beschwerdeführer an, er sei am (...) oder (...) 2005 geboren.
C.
Am 18. Januar 2022 gab das SEM eine Altersabklärung beim Institut für
Rechtsmedizin der Universität Basel (nachfolgend: IRM Basel) in Auftrag.
Das Gutachten vom 25. Januar 2022 ergab ein Mindestalter von 21.6 Jah-
ren. Die Ärzte führten aus, das vom Beschwerdeführer angegebene Le-
bensalter von 16 Jahren und (...) Monaten sei mit den erhobenen Befun-
den nicht zu vereinbaren. Der Beschwerdeführer habe mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet.
D.
Am 1. Februar 2022 gab die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Gelegen-
heit, sich zur beabsichtigten Anpassung seines Geburtsdatums im Zentra-
len Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den 1. Januar 2003 zu äus-
sern.
E.
Mit Schreiben vom 4. Februar 2022 nahm der Beschwerdeführer zur beab-
sichtigten Altersanpassung Stellung. Er verlangte, es sei weiterhin von sei-
ner Minderjährigkeit auszugehen. Eventualiter sei im ZEMIS ein Bestrei-
tungsvermerk anzubringen und eine entsprechende Verfügung zu erlas-
sen.
F.
Am 7. Februar 2022 trug die Vorinstanz den 1. Januar 2003 als Geburts-
datum des Beschwerdeführers im ZEMIS ein und versah den Eintrag mit
einem Bestreitungsvermerk.
G.
Am 9. Februar 2022 verfügte die Vorinstanz die Änderung des Geburtsda-
tums des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den 1. Januar 2003.
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H.
Gegen die Verfügung der Vorinstanz erhob der Beschwerdeführer am
11. März 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt,
die Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, das im
ZEMIS geführte Geburtsdatum vom 1. Januar 2003 auf den (...) 2005 zu
berichtigen. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenügenden Sachver-
haltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei die Vor-
instanz im Sinne einer superprovisorischen Massnahme anzuweisen, bis
zur Rechtskraft der angefochtenen Verfügung sein Geburtsdatum im
ZEMIS mit dem (...) 2005 festzuhalten und ihn für die Zeit des hängigen
Beschwerdeverfahrens in den Strukturen für Unbegleitete Minderjährige
Asylsuchende (UMA) unterzubringen. Schliesslich sei ihm die unentgeltli-
che Prozessführung zu gewähren.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2022 stellte das Bundesverwal-
tungsgericht fest, die Beschwerde habe aufschiebende Wirkung und der
Antrag auf Anordnung einer superprovisorischen Massnahme sei gegen-
standslos. Das Gericht hiess die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gut.
J.
Am 8. April 2022 nahm die Vorinstanz zur Beschwerde Stellung; sie bean-
tragt deren Abweisung.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG, die von einer Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d
VGG erlassen wurde. Da keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor-
liegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig (Art. 31 VGG).
Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat sich am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt
und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung sowohl formell als auch
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materiell beschwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet im vorliegenden Verfahren mit
voller Kognition: Es überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzun-
gen des Bundesrechts – einschliesslich Überschreitung und Missbrauch
des Ermessens –, auf unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts und auf Unangemessenheit (Art. 49
VwVG).
3.
3.1 Umstritten ist der Eintrag des Geburtsdatums des Beschwerdeführers
im ZEMIS.
3.2 Die Vorinstanz begründet die Änderung des Geburtsdatums des Be-
schwerdeführers auf den 1. Januar 2003 damit, dass er nur vage und un-
genaue Alters- und Zeitangaben gemacht habe. Zudem sei dem rechtsme-
dizinischen Altersgutachten zu entnehmen, dass sein Mindestalter 21.6
Jahre betrage und er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das
18. Lebensjahr vollendet habe.
3.3 Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, er habe bei der Erst-
befragung angegeben, er sei gemäss seiner Tazkira im Jahr 1984 im (...)
Monat und am (...) oder (...) Tag geboren, was dem (...) oder (...) 2005
entspreche. Zudem sei auf seiner österreichischen Verfahrenskarte das
Geburtsdatum vom 1. Januar 2005 verzeichnet. Schliesslich habe er ein
Foto seines Impfausweises eingereicht, auf dem das Geburtsdatum vom
(...) 2005 zu sehen sei. Seine Aussagen zum Geburtsdatum seien jederzeit
einheitlich und nachvollziehbar gewesen; er habe immer das gleiche Ge-
burtsdatum angegeben. Das Altersgutachten sei ungenau und es sei nicht
nachvollziehbar, warum insgesamt von einem Mindestalter von 21.6 Jah-
ren ausgegangen werde. Im Zweifelsfall sei von der Minderjährigkeit der
asylsuchenden Person auszugehen.
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4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, das der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und
dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes über
das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003, BGIAA, SR 142.51). Nach Art. 19 Abs. 1 der Verordnung
über das Zentrale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006
(ZEMIS-Verordnung, SR 142.513) richten sich die Rechte der Betroffenen
nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Datenschutz vom
19. Juni 1992 (DSG, SR 235.1) und des VwVG; dies gilt insbesondere für
die Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrechte sowie das Recht auf
Informationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Perso-
nendaten.
4.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person verlangen, dass unrichtige
Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 Bst. a
DSG); auf die Berichtigung besteht ein absoluter und uneingeschränkter
Anspruch (BVGE 2018 VI/3 E. 3.2). Die ZEMIS-Verordnung sieht zudem in
Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu
berichtigen sind.
4.3 Grundsätzlich hat die Bundesbehörde die Richtigkeit der bearbeiteten
Daten zu beweisen, wenn diese von einer betroffenen Person bestritten
wird. Demgegenüber obliegt der betroffenen Person der Beweis der Rich-
tigkeit der verlangten Änderung (BVGE 2018 VI/3 E. 3.3; Urteil des BGer
1C_613/2019, 1C_614/2019 vom 17. Juni 2020 E. 2.2 m.w.H.). Im vorlie-
genden Verfahren geht es nur um die Berichtigung des Geburtsdatums im
ZEMIS, weshalb die Beweisregeln gemäss DSG und VwVG gelten (BVGE
2018 VI/3 E. 3.3 und 4.2.3): Die beweisbelastete Person hat strittige Tatsa-
chen zu beweisen und nicht bloss – wie im Asylverfahren gemäss Art. 7
AsylG – glaubhaft zu machen. Nach den Beweisregeln des VwVG gilt eine
Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkenntnisse so
wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössli-
che Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Gemäss Untersuchungs-
grundsatz hat die mit der Berichtigung befasste Behörde den Sachverhalt
grundsätzlich von Amtes wegen abzuklären (Art. 12 VwVG). Stellt die be-
troffene Person jedoch ein Begehren, ist sie gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a
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VwVG verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts im erstinstanzli-
chen Verwaltungs- und im Beschwerdeverfahren mitzuwirken (Urteil des
BGer 1C_613/2019, 1C_614/2019 vom 17. Juni 2020 E. 2.2 m.w.H.; BVGE
2018 VI/3 E. 3.3).
4.4 Kann bei einer verlangten oder von Amtes wegen beabsichtigten Be-
richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch der neuen Personen-
daten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen noch die
anderen Daten bearbeitet werden (Art. 5 Abs. 1 DSG). Dies ist jedoch nicht
immer möglich. Bestimmte Personendaten müssen zur Erfüllung wichtiger
öffentlicher Aufgaben notwendigerweise bearbeitet werden. Dies gilt für im
ZEMIS erfasste Geburtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche
Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten das In-
teresse an deren Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2
DSG deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewie-
sen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten
ist. Spricht mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bisherigen
Angaben zunächst zu berichtigen, und die neuen mit einem Bestreitungs-
vermerk zu versehen. Verhält es sich umgekehrt – erscheint also die Rich-
tigkeit der bisher eingetragenen Daten als wahrscheinlicher oder zumin-
dest nicht als unwahrscheinlicher – sind diese zu belassen und mit einem
Bestreitungsvermerk zu versehen (Urteil des BGer 1C_44/2021 vom 4. Au-
gust 2021 E. 4; BVGE 2018 VI/3 E. 3.4). Entgegen dem Vorbringen des
Beschwerdeführers gilt im Datenschutzrecht entsprechend keine Beweis-
regel, wonach im Zweifelsfall von der Minderjährigkeit auszugehen wäre
(Urteil des BGer 1C_710/2017 vom 12. Februar 2019 E. 2.4).
5.
5.1 Im vorliegenden Fall obliegt es damit grundsätzlich der Vorinstanz zu
beweisen, dass das von ihr neu im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum des
Beschwerdeführers (1. Januar 2003) korrekt ist. Der Beschwerdeführer hat
wiederum nachzuweisen, dass das von ihm geltend gemachte Geburtsda-
tum ([...] 2005) richtig beziehungsweise zumindest wahrscheinlicher ist als
die im ZEMIS erfasste Angabe. Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis
des Geburtsdatums, ist dasjenige im ZEMIS einzutragen, dessen Richtig-
keit wahrscheinlicher ist.
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5.2 In seinem Eventualbegehren beantragt der Beschwerdeführer, die Sa-
che sei zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er er-
läutert indes nicht – und es ist bei der Aktenlage auch nicht ersichtlich –
welche Abklärungen fehlen sollten. Der Antrag ist daher abzuweisen.
5.3 Der Beschwerdeführer gab in der Erstbefragung an, er kenne sein Ge-
burtsdatum im europäischen Kalender nicht. Gemäss seiner Tazkira sei er
im Jahr 1984 im (...) Monat und am (...) oder (...) Tag geboren, was dem
(...) oder (...) 2005 entspreche. Er wisse nicht mehr, ob in der Tazkira beim
Tag eine (...) oder eine (...) stehe. Die Tazkira sei ihm beim Versuch, in die
Türkei zu gelangen, abgenommen worden. Für das beantragte Geburtsda-
tum vom (...) 2005 beruft der Beschwerdeführer sich damit hauptsächlich
auf die Angabe seines Geburtsdatums auf seiner Tazkira (afghanisches
Identitätsdokument), die er jedoch weder im Original noch als Kopie ein-
reichte und die auch im Original nur von reduziertem Beweiswert wäre (vgl.
BVGE 2019 I/6 E. 6.2). Erschwerend kommt hinzu, dass er sich gemäss
eigener Aussage nicht mehr genau an den in der Tazkira angegebenen
Geburtstag erinnert.
Die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers in der Erstbefragung er-
lauben in keiner Hinsicht eine Beurteilung seines Alters. Auf Fragen zu sei-
nem Alter bei Schuleintritt, beim Abbruch der Schule oder zum Zeitraum
zwischen dem Abbruch der Schule und der Ausreise aus Afghanistan wie-
derholt er lediglich mehrmals, das wisse er nicht oder er könne sich nicht
erinnern. Seine Angaben erlauben daher keine Rückschlüsse auf sein tat-
sächliches Alter.
Als Beleg für sein Geburtsdatum verweist der Beschwerdeführer auf seine
Verfahrenskarte der österreichischen Asylbehörden. Das dort aufgeführte
Geburtsdatum vom 1. Januar 2005 beruht jedoch auf seinen eigenen An-
gaben, weshalb es nur ein schwaches Indiz für sein Alter ist. Der Be-
schwerdeführer macht geltend, das Datum sei von einer anderen Person
umgerechnet und erfasst worden. Trotzdem fällt auf, dass er den österrei-
chischen Behörden offenbar ein anderes Geburtsdatum angab als den
schweizerischen. Der lediglich als Foto eingereichte Impfausweis hat
ebenfalls nur einen sehr geringen Beweiswert, da es sich dabei nicht um
ein amtliches Dokument handelt, dessen Zweck es wäre, die Identität ihres
Inhabers nachzuweisen. Schliesslich kommt dem Vorbringen des Be-
schwerdeführers, dass er sich in der Unterkunft der erwachsenen asylsu-
chenden Personen nicht wohl fühle und er viel Unterstützung brauche,
keine Beweiskraft für das von ihm beantragte Geburtsdatum zu.
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Seite 8
5.4
5.4.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellen
medizinische Altersabklärungen je nach Ergebnis unterschiedlich zu ge-
wichtende Indizien für das Alter einer Person dar. Die Schlüsselbein- res-
pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung sind da-
bei grundsätzlich – anders als die Handknochenanalyse und die ärztliche
Untersuchung – zum Beweis geeignet. Das Bundesverwaltungsgericht hat
in dieser Hinsicht Grundsätze zur Gewichtung der Resultate der Untersu-
chungen definiert (eingehend hierzu BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.; vgl. Urteile
des BVGer A-904/2021 vom 17. Januar 2022 E. 5.4.2 und A-4775/2020
vom 31. März 2021 E. 6.2.4). Darüber hinaus sind die üblichen verfahrens-
rechtlichen Regeln der Beweiswürdigung zu beachten, wobei es umso we-
niger auf eine Gesamtwürdigung der Beweise ankommt, je stärker die me-
dizinischen Abklärungen ein Indiz für das Vorliegen des streitigen Alters
darstellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 f., 2019 I/6 E. 6.1 ff.).
5.4.2 Im Gutachten des IRM Basel vom 25. Januar 2022 wird vorab aus-
geführt, aufgrund der körperlichen Untersuchung ergäben sich beim Be-
schwerdeführer aus medizinischer Sicht keine Hinweise auf eine Erkran-
kung oder eine manifeste Entwicklungsstörung, welche die Entwicklung
hätte beeinflussen können. Eine forensische Altersschätzung sei deshalb
ohne Einschränkungen möglich.
Nach den Ergebnissen der kinderradiologischen Untersuchung sei von ei-
ner abgeschlossenen Verknöcherung am linken Handskelett auszugehen.
Der radiologische Befund der linken Hand entspreche damit dem Referenz-
bild eines 19-jährigen Jungen. Eine solche Altersschätzung könne grund-
sätzlich nur bis zur vollständigen Verknöcherung des Handskelettes durch-
geführt werden, die bei Knaben normalerweise ab einem minimalen Alter
von 16.1 Jahren vorliege. Nach den Ergebnissen der kinderradiologischen
Untersuchung entspreche der Befund der Verknöcherung der Schlüssel-
bein-Brustbein-Gelenke einer abgeschlossenen Verknöcherung, weshalb
nur noch ein Mindestalter angegeben werden könne. Das minimale Alter,
bei welchem das vorliegende Stadium noch gesehen werden konnte, liege
bei 21.6 Jahren. Nach den Ergebnissen der zahnärztlichen Untersuchung
habe bei den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadranten ein vollständiger Abschluss
des Wurzelwachstums festgestellt werden können, was ab einem Alter von
16 Jahren anzutreffen sei; diese Angabe müsse jedoch als Mittelwert ge-
wertet werden. An den Weisheitszähnen sei ein vollständiger Abschluss
des Wurzelwachstums festgestellt worden. Es könne daher nur noch ein
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Mindestalter angegeben werden, das bei 17 Jahren liege. In der Zusam-
menschau der Befunde könne beim Beschwerdeführer von einem Mindest-
alter von 21.6 Jahren ausgegangen werden. Das von ihm angegebene Le-
bensalter von 16 Jahren und (...) Monaten sei mit den erhobenen Befun-
den nicht zu vereinbaren. Der Beschwerdeführer habe mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet.
5.4.3 Bei einem solchen medizinischen Gutachten handelt es sich – wie in
der Beschwerde zu Recht vorgebracht wird – nicht um eine zweifelsfreie
Altersbestimmung, sondern um eine Altersschätzung (vgl. BVGE 2018 VI/3
E. 6.1). Das Gutachten vom 25. Januar 2022 ist von ärztlichen Fachperso-
nen verfasst und folgt den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Fo-
rensische Altersdiagnostik der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin
(AGFAD). Es wurde nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt und basiert
nicht auf einer einzelnen, sondern auf mehreren verschiedenen Untersu-
chungen. Eine Gesamtschau der Befunde hat zum dargelegten Ergebnis
geführt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2, 2019 I/6 E. 6.1 ff.). Das im Gutach-
ten genannte Mindestalter von 21.6 Jahren erscheint aufgrund der Ausfüh-
rungen im Gutachten nachvollziehbar (abgeschlossene Verknöcherung der
Schlüsselbein-Brustbein-Gelenke). Das Gutachten erklärt schlüssig, wieso
die weiteren Ergebnisse diesem Schluss nicht widersprechen, sondern in
die gleiche Richtung weisen. Das vom Beschwerdeführer beantragte Ge-
burtsdatum liegt gänzlich ausserhalb der im Gutachten ermittelten Alters-
spanne. Das Ergebnis des Altersgutachtens ist als starkes Indiz für die Voll-
jährigkeit des Beschwerdeführers zu werten.
5.5 Insgesamt ist festzuhalten, dass das vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Geburtsdatum weder durch die Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch durch Identitätsdokumente in massgeblicher Weise untermauert
wird. Darüber hinaus ist es mit den Ergebnissen der medizinischen Alters-
einschätzung nicht in Übereinstimmung zu bringen. Dieses spricht eher für
das von der Vorinstanz eingetragene Geburtsdatum. Gestützt auf eine Ge-
samtwürdigung der genannten Umstände konnte damit weder die Vor-
instanz noch der Beschwerdeführer einen sicheren Nachweis des jeweils
behaupteten Geburtsdatums erbringen. Angesichts der aufgezeigten Indi-
zien erscheint das im ZEMIS neu eingetragene Geburtsdatum vom 1. Ja-
nuar 2003 jedoch als wahrscheinlicher als das vom Beschwerdeführer be-
antragte Geburtsdatum ([...] 2005).
Es entspricht sodann der üblichen Praxis der Vorinstanz, im ZEMIS den
1. Januar als Geburtstag einzutragen, wenn das Geburtsdatum nicht exakt
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bestimmt werden kann. Dass es sich dabei um ein fiktives Datum handelt,
ist insofern nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des BGer 1C_709/2017 vom
12. Februar 2019 E. 2.5 und Urteil des BVGer A-904/2021 vom 17. Januar
2022 E. 5.4.2).
6.
Nach dem Gesagten ist der ZEMIS-Eintrag mit dem Geburtsdatum 1. Ja-
nuar 2003 (mit Bestreitungsvermerk) unverändert zu belassen. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind jedoch keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben.
7.2 Aufgrund des Unterliegens des Beschwerdeführers ist ihm keine Par-
teientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1
VGKE). Ebenso wenig hat die obsiegende Vorinstanz einen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE).
8.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
(Dispositiv nächste Seite)
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