Decision ID: 9e8f9487-bf5c-44e2-b82f-8033916e6153
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1968,
ist Mutter einer 2007 geborenen Tochter (
Urk.
11/2
Ziff.
3).
Sie war v
on
Juni
bis 3
1.
Dezember 2010 mit einem Pensum von 60
%
als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der
Y._
angestellt (
Urk.
11/1/27,
Urk.
1
1/9/1-2
Ziff.
1, 2.1 und 2.7).
Unter Hinweis auf einen Tumor im Beckenbodenknochen
links mit starken Schmerzen im Bereich der linken Hüfte und des
linken
Beines
und Schwierig
keiten beim Laufen und Stehen meldete sich die Versicherte am 2
9.
Mai 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2
Ziff.
6.2).
Die Versicherte war sodann von August bis 3
1.
Dezember
2011 als wissen
schaft
liche Mitarbeiterin bei der
Y._
tätig (
Urk.
11/18/1).
Mit Verfügung vom 2
8.
Dezember 2011 verneinte die IV-Stelle einen Renten
an
spruch
(
Urk.
11/22). Die Versicherte erhob dagegen am
1.
Februar
2012 Be
schwer
de
(
Urk.
11/27/3-8)
. Am 2
9.
Februar 2012
zog sie die Beschwerde zurück
(
Urk.
11/31/4), worauf das Verfahren mit Gerichtsverfügung vom 1
5.
März 2012 als erledigt abgeschrieben wurde (
Urk.
11/31/1-3).
1.2
Am 1
4.
Juli 2012 meldete sich d
ie Versicherte
erneut
bei der Invalidenver
siche
rung an (
Urk.
11/35).
Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2012 (
Urk.
11/39) trat die IV-Stelle auf das Gesuch nicht ein (
Urk.
11/39). Die Verfügung erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 2
9.
März 2013
meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung an und machte eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situa
tion geltend
(
Urk.
11/41).
Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung ein und verneinte nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/60-73) mit Ver
fügung vom
4.
September 2014 (
Urk.
11/74 =
Urk.
2)
erneut
einen Renten
an
spruch
.
2.
2.1
Die Versicherte erhob am
3.
Oktober 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vo
m
4.
September 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
November
2014 (
Urk.
10)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1.
Dezem
ber 2014 wurde der Beschwerdeführerin antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt
. Des Weiteren wurde ein zweiter
Schrif
ten
wechsel
angeordnet
und
der Beschwerdeführer
in
eine Kopie der
Beschwerde
antw
ort
zugestellt (
Urk.
12
Ziff.
1-3
).
2.2
Mit
Replik vom 1
9.
Januar 2015
beantragte die Beschwerdeführerin
ergänzend, eventuell sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen und hernach über den Rentenanspruch neu zu entscheiden (
Urk.
13 S.
2
Ziff.
2).
Die
Beschwerde
geg
nerin
hielt mit Duplik vom 2
6.
Februar 2016 (
Urk.
16) am Antrag auf Ab
weisung der Beschwerde fest. Diese wurde der
Beschwerdeführerin am
2.
März 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18).
2.3
Mit Beschluss vom
1.
März 2016 stellte das hiesige Gericht in Aussicht, dass bei der
Medas
Z._
, ein
bidisziplinäres
Gut
achten in Auftrag gegeben werde
, und teilte den Parteien die vorgesehenen Fragen mit (
Urk.
20 S.
4 ff. E. 3-4). Mit Beschluss vom 1
2.
Mai 2016 beauftragte das Gericht die
Medas
Z._
mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin und gab der Begutachtungsstelle die vorgesehenen Fragen bekannt (
Urk.
27 S.
6 Dispo
sitiv
Ziff.
1-2). Nach Bekanntgabe der Gutachter seitens der
Medas
Z._
(
Urk.
31)
wurde diese mit Beschluss vom 1
4.
September 2016 definitiv
mit der Begutachtung beauftragt (
Urk.
37 S. 4 Dispositiv
Ziff.
1-2) und
es
wurde
n
der Begutachtun
gsstelle die Akten zugestellt.
2.4
Das Gutachten
der
Medas
Z._
wurde am 2
2.
Dezember
2016 (
Urk.
42
) erstattet. Die Beschwerdeführerin nahm am
3.
Februar 2017 (
Urk.
46), die
Be
schwerdegegnerin
am 2
4.
Februar 2017 (
Urk.
49) dazu Stellung. Die Stellung
nahmen wurden der jeweiligen Gegenpartei am
3.
April 2017 zur Kenntnis
nahme zugestellt (
Urk.
50).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Auf
gabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invalidi
täts
grad
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte M
eth
ode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und er
werb
lichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten M
eth
ode bestimmt sich die
Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Auf
ga
be
n
bereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die
Gesamt
invalidität
aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewich
teten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr
eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen
. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge
richt (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegneri
n
ging in der Statusfrage davon aus, dass die Beschwer
de
führerin zu 60
%
im Erwerbsbereich und zu 40
%
im Aufgabenbereich tätig
wäre
.
Weiter
stellte
sie
im angefochtenen Entscheid darauf ab
,
dass
der
Be
schwerdeführerin die bisherige Tätigkeit
zu 80
%
zumutbar sei.
Für eine ange
passte Tätigkeit s
ei ihr sogar ein Pensum von 100
% zumutbar.
Damit könne sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Im Haushalt bestünden eben
falls keine nennenswerten Einschränkungen
(
Urk.
2 S. 2 oben)
. Grundlage der Beurteilung bildete das medizinische Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, vom 1
1.
April 201
4
.
Am
2
4.
Februar 2017 (
Urk.
49)
nahm die Beschwerdegegnerin
zum
Gerichtsgut
achten
der
Medas
Z._
vom 2
2.
Dezember 2016 (
Urk.
42) Stellung.
2.2
Die Beschwerdeführerin
machte in der Replik vom 1
9.
Januar 2015 geltend
,
a
uf
grund der Auswirkungen der seltenen Erkrankung
einer
Histiozytosis
und d
er darauf zurückzuführenden Schmerz- und
Fatigue
-Symptomatik sei sie voll
um
fänglich arbeitsunfähig. Sie sei
auch
nicht einverstanden, dass die
Beschwer
degegnerin
sie als zu 60
%
erwerbstätig und zu 40
%
im Haushalt tätig ein
gestuft habe. Ohne gesundheitliche Beeinträchtigung wäre sie im Umfang von 100
%
erwerbstätig (
Urk.
13 S. 4
Ziff.
2).
Mit
Stellungnahme
vom
3.
Februar 2017 sprach sich die Beschwerdeführerin er
ne
ut dafür aus, dass sie im Gesundheitsfall zu 100
%
erwerbstätig wäre (
Urk.
46 S. 2
Ziff.
2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob
nach der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 2
9.
März 2013 ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde im Juli 2010 eine
Histiozytosis
X diag
nos
tiziert (
Urk.
11/1/3).
Mit Verfügung vom 2
8.
Dezember 2011 verneinte die Beschwerdegegnerin ein
en Rentenanspruch (
Urk.
11/22).
Am
2
9.
März 2013
meldete
sich
die Besch
werde
führerin
erneut
bei der Beschwerdegegnerin
an (
Urk.
11/41).
3
.2
Dr.
med.
B._
, Oberärztin, Klinik für Radio-Onkologie,
C._
,
stellte im Bericht vom 2
9.
März 2013 (
Urk.
11/43
/1-2
) folgende Diagnose (S
. 1):
Histiozytosis
X mit solitärem Herd im Beckenkamm links seit 2010
-
Erstdiagnose 2010, damals solitärer Herd im Beckenkamm links
-
Status nach perkutaner Radiotherapie des Beckenkammes links im
D._
mit 12 x 2 Gy, August bis September 2010
-
chronische Schmerzen am Beckenkamm trotz radiologischer Konso
lidierung
-
Januar 2013: neue fokale
Osteolyse
in der
7.
Rippe rechts
retro
lateral
, keine Biopsie durchgeführt, da technisch sehr schwierig
-
Status nach perkutaner Radiotherapie im Bereich der
7.
Rippe mit 12 x 2 Gy vom 3
1.
Januar bis 1
5.
Februar 2013
A
ktuell
seien neue
Schmerzpunkte am Rippenthorax links sowie retroaurikulär links
aufgetreten.
Nach
einem
FDG
-PET vom 2
5.
März 2013 bestünden keine
Histiozytose
-suspekten Läsionen und eine noch geringe metabolische Aktivität der bekannten Läsion der
7.
Rippe rechts.
3.3
PD
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Hämatologie,
führte
in einem
Bericht vom
9.
Se
ptember 2013 (
Urk.
11/46/1-
5
)
aus
, es handle sich um eine seltene Erkrankun
g, die unter dem Begriff
Histio
z
ytosis
X mit
ossärem
Befall zusammengefasst werde (
Ziff.
1.1).
Insgesamt be
stehe eine
infa
uste
Prognose. Die Dauer der Erkrankung und die Geschwindig
keit des Fortschreitens seien aber sehr variabel und könnten daher vorgängig nicht beziffert werden (
Ziff.
1.4).
Die Patientin sei aufgrund der Schmerzsituation derzeit zu 100
%
arbe
itsun
fähig (
Ziff.
1.6). Sie sei
aufgrund der noch bestehenden
, wenn auch nur
bild
gebend
,
leichten Krankheitsprogression
nicht eingliederungs- und arbeitsfähig.
Eine
Histiozytose
mit
ossärem
Befall könne zum Teil ausgeprägte Beschwerden hervorrufen, wie auch im vorliegenden Fall, mit Müdigkeit und Schwäche neben den bestehenden Schmerzen (
Ziff.
1.8).
Eine
Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätigkeit sei derzeit nicht absehbar und wahrscheinlich auch
nicht zu erreichen (
Ziff.
1.9).
3
.4
3
.4.1
Die Beschwerdegegnerin gab bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und
für Rheumatologie,
ein medizinisches Gutachten
in Auftrag, das am 1
1.
April 2014 erstattet wurde (
Urk.
11/57).
Dr.
A._
nannte als Diagnose
mit langdauernder Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine
Histiozytose
X mit Befall: Os
ilium
links,
7.
Rippe rechts und proximale
Femurdiaphyse
rechts.
Dr.
A._
nannte sodann als
Diagnosen ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9
Ziff.
III):
-
chronisches, sich generalisierendes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
Entwicklung eines primären Fibromyalgie-Syndroms möglich
-
betont im Bereich der oberen im Vergleich zur unteren Körperhälfte
-
Panalgie
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axialer und vieler peripherer Gelenke
-
m
ultiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Zitter
n am ganzen Körper,
ungerichtete
Steh- und Gehunsicherheit, Schwächezustände
-
Adipositas mit Body Mass Index von 30 kg/m
2
-
gestörte
Gluconeogenese
-
a
namnestisch Reizmagen-Syndrom
3.4.2
Dr.
A._
führte aus
,
die drei Lokalisationen der
Histiozytose
X könnten das chronische und sich generalisierende Schmerzsyndrom, das unterdessen betont die obere im Vergleich zur unteren Körperhälfte betreffe, nicht begründen
. Die
vordergründig nicht somatisch abstützbaren Beschwerden würden nicht mit dem
objektivierbaren somatisch-pathologischen Befund korrelieren. Die Einschät
zu
ng,
dass vordergründig nicht somatisch abstützbare Beschwerden geschildert würden
, sei für einen somatisch orientierten Arzt möglich, auch wenn er keine per
sönliche Erfahrung mit dem Krankheitsbild einer
Histiozytose
X habe. Dies, wenn er berücksichtige, dass somatisch abstützbare Beschwerden mit eindeutig schmerz
verstärkenden respektive schmerzlindernden Mechanismen einhergehen würden
. Die jeweils betroffenen Patienten würden Beschwerden mit eindeutig schmerzverstärkenden respektive schmerzlindernden Mechanismen beschreiben
und die Schmerzmechanismen könnten in Bezug zur visuellen Analog-Skala eingestuft werden
(S. 12 Mitte).
3.4.3
A
us somatisch-rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für die beruf
liche Tätigkeit als promovierte Chemikerin dann eingeschränkt, wenn
diese
vor
wiegend in stehender Körperhaltung auszuüben sei. Die Beschwerdeführerin habe diesbezüglich erwähnt, dass sie während der Anstellung als wissen
schaft
liche Mitarbeiterin an der
Y._
(Juni 2010 bis zur Kündigung per Früh
jahr 2013) vorwiegend stehend i
m Labor gearbeitet habe. Sollte
dies
zutreffen,
lasse sich
für die damals ausgeübte Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von maximal 20
%
begründen. Für Tätigkeiten als Chemikerin, die nicht vorwiegend stehend auszuüben seien und die einen Positionswechsel ermög
lich
ten und auch im Sitzen ausgeübt werden könnten, könne er keine anhal
tende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Zeitlich limitierte voll
stän
dige Arbeitsunfähigkeiten resultierten während der perkutanen Radiothera
pien nach
dem 2
4.
August 2010 für gut drei Wochen und im Spätwinter 2013 (S. 18 unten
).
Für Haushaltarbeiten mit einem leicht- bis mittelgradig körperlich belastenden
Arbeitsprofil könne aus somatisch-rheumatologischer Sicht
k
eine Einschrän
ku
ng der Arbeitsfähigkeit formuliert werden. Für eine
angepasste
Verweis
tätig
keit
könne er aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht zu keinem Zeitpunkt eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formulieren (S. 19 oben). Eine
an
gepasste Verweistätigkeit
befinde sich
in einem temperierten Raum, beschrän
ke
sich auf
lei
chtgradig
belastende
Arbeiten und lasse die Möglichkeit zu, zwischen sitzender, stehender und gehender Körperhaltung zu wechseln. Die Einhaltung einer Rückenergonomie sei wünschenswert. Die repetitiv zu bewegenden Ge
wich
te sollten nicht schwerer als 7.5 kg sein. Vereinzelt sei das Heben von Ge
wichten von 12.5 kg derzeit noch zumutbar (S. 19 Mitte).
3
.
5
.
3.5.1
Das Gerichtsgutachten der
Medas
Z._
wurde am
2
2.
Dezember 2016 (
Urk.
42
) erstattet
. Es ist
von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation und für
Rheumatologie,
unterzeichnet (S. 48).
Die Teilgutachten
von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
9.
November 2016 und
von
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Medizinische Onkologie,
vom 1
3.
Dezember 2016 sind dem
Hauptgutachten
beigelegt.
Dr.
F._
führte aus,
d
ie Beschwerdeführerin leide einerseits an Schmerzen, andererseits an einer extremen Schwäche und Müdigkeit. Beides führe dazu, dass sie tagelang fast nur im Bett verbringe und sie insgesamt sehr wenig leisten könne
(S. 27
Ziff.
1.2.5 oben). Vorwiegend wegen
ihrer
Hüft- und
Oberschenkelschmerzen links könne sie nicht längere Zeit stehen oder gehen. Sie könne etwa eine Viertelstunde gehen und benötige dann eine Pause.
Maxi
mal seien ihr
20 bis 30 Minuten
möglich
. Weiter könne sie etwa eine Stunde einigermassen bequem sitzen, dann würden die Schmerzen sehr unangenehm. Die Beschwerdeführerin sei bei der
Begutachtung
knapp zwei Stunden gesessen, bis sie dringend nach einer Ruhepause verlangt habe. Das aktuell empfundene Schmerzniveau liege
auf der Schmerzskala
zwischen 4 und 5 Punkten
. Das Minimum l
iege bei 2, das Maximum bei 1
0.
Sie benötige deswegen regelmässig Schmerzmittel
(S. 27 Mitte). Die Beschwerdeführerin könne sich in diesem Zu
stand keine ausserhä
usliche Arbeit mehr vorstellen und
auch keine Heimarbeit. Sie sei zu schwach und könne sich auch nicht auf eine Arbeit konzentrieren, schon gar nicht auf eine wissenschaftliche (S. 28
Ziff.
1.2.5).
Im ersten Moment erscheine die Beschwerdefüh
rerin
nicht als schwer leidend
. Ihre Hauptklage sei vielmehr die ausgeprägte Müdigkeit. Nach etwa 1.5 Stunden Anamneseerhebung sei eine vorzeitige Erschöpfung je
doch sichtbar zutage ge
treten. Nach einer Pause habe
sie
sich wieder deutliche besser konzentrieren können.
Die Angaben zur Schmerzanamnese wirkten präzise. Insbesondere falle
auf, dass
die Beschwerdeführerin
klar zwischen schmerzhaften und nicht schmerz
haften Körperstellen
unterscheide
.
Sie
erwähne zudem auch klar, welche Körperstellen phasenweise Schmerzen verursacht hätten und aktuell nicht mehr schmerzhaft seien
. Bei der Untersuchung sei sie kooperativ und führe alle gefor
derten Bewegungen ohne übertriebenes Schmerzgebaren aus
(S.
29
Ziff.
2 Mitte).
3.5.2
Dr.
F._
stellte
folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumut
baren Arbeitsfähigkeit (S. 43
Ziff.
4.1):
-
Langerhans-Zell
Histiozytose
mit seit 2010 progredientem Verlauf und
polyostotischem
und solitär kutanem
Befallsmuster
, chronischem
Schmerz
syndrom
und chronischer (biopsychosozial erklärbarer)
Fatigue
-
gemäss Akten definitive histologische Diagnose durch Biopsie einer
osteolytischen
Läsion des linken
os
ileium
am
8.
Juli 2010
-
analgetische Radiotherapie des Beckenkamms links mit 24 Gy vom 2
4.
August bis
9.
September 2010
-
analgetische Radiotherapie einer (technisch) nicht
biopsierbaren
Osteo
lyse
der
7.
Rippe rechts mit 24 Gy
vom 3
1.
Januar bis 1
5.
Februar 2013
-
Darstellung einer metabolisch aktiven
osteolytische
Läsion der proxi
malen
Femurdiaphyse
rechts im PET-CT und
im
kontrast
mittel
verstärktem
CT vom 1
8.
August 2013
-
Darstellung einer metabolisch aktiven Läsion der distalen
Femur
di
a
physe
links im PET-CT vom 2
1.
Januar 2015
-
Darstellung einer Knochenmarkmanifestation im distalen Drittel des linken
Femurs
, MRI vom 1
9.
Oktober 2015
-
k
omplette
metabolische Remission der am 2
1.
Januar
2015 beschrie
benen Läsion der distalen
Femurdiaphyse
links im PET-CT vom 2
9.
Oktober 2015, bei Auftreten einer
Sklerosezone
ebenda
-
umschriebene 5 mm messende Aktivität im Trochanter
minor
links im PET-CT vom 2
9.
Oktober 2015
-
gemäss Akten Konfirmation der Diagnose und eines Hautbefalls am ventralen rechten Oberschenkel durch Hautbiopsie daselbst am 2
4.
März 2016
-
aktuell: klinische Spontanheilung der Hautläsion
-
systemische Therapie mit einem
Bisphosphonat
(
Zometa
)
-
Neurasthenie, nicht streng von der
Cancer
Related
Fatigue
abgrenzbar
-
kompliziert protrahierte Trauerreaktion
Der Gutachter nannte sodann als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert
eine
Cholezystolithiasis
:
endos
kopi
sch
retrograde
Cholangiopankreatikographie
(
ERCP
)
mit
Papil
l
otomie
vom
2
9.
Oktober
2007,
laparoskopis
che
Cholezystektomie
vom 3
1.
Oktober
2007, eine
rezidivierende
Nephrolithiasis
und ein
erhöhter
Bleiwert
im Urin (S. 44
Ziff.
4.2).
3.5.3
Gemäss
Dr.
A._
spreche
die Konstellation der Beschwerdeführerin dafür, dass sie an der gutartigsten der drei Krankheitsvarianten leide.
Der Gutachter
habe sich an der Fachliteratur zu dem seltenen Krankheitsbild orientiert. Leider habe er nicht dokumentiert, welche Quellen er dabei herangezogen habe
. Dies er
schwere dem Leser die Kontrolle über die Richtigkeit seiner Angaben
(S.
35 unten). Aktuell liege
kein Fibromyalgie-Syndrom vor und d
as Beschwerdebild
lasse sich mit
der Diagnoseliste
im vorliegenden Gutachten besser abbilden
(S. 36
unten).
Bei der Langerhans-Zell
Histiozytose
handle es sich um ein derart seltenes Krankheitsbild, dass es in den einschlägigen Fachbüchern über die medizinische Begutachtung gar nicht abgehandelt werde (S. 37 unten).
M.
Girschikofsky
et al.
hätten
in ihrer Review
folgende Symptome
erwähnt
:
Dyspnoe, Husten (bei Lungenbeteiligung), Knochenschmerz
en, Rötung,
Pruritus
, vermehrter
Dur
st und
vergrösserte Lymphknoten
. Zudem komme es zu Allgemeinsymptomen wie
ein
er
Fatigue
,
eine
r
generelle
n
Schwäche, Gewichtsverlust, Nachtsch
weiss, Nausea und Fieber. In der Review würden
also explizit
eine
Fatigue
und eine generelle Schwäche als mögliche Symptomatik einer
Histiozytose
erwähnt.
Dr.
A._
habe die 2013 publizierte Review nicht in seine Erwägungen miteinbezogen (S. 38 f.).
Die
Cancer-Related
Fatigue
sei eine Müdigkeit, die bei Krebspatienten im Rahmen des Grundleidens und/oder dessen Behandlung auftrete. Das Leiden könne nicht mit bildgebenden Verfahren objektiviert werden. Müdigkeit sei ein subjektives Symptom. Objektiv sei lediglich das Tumorleiden. Die Genese sei
nicht restlos geklärt. Langzeitstudien gingen davon aus, dass
etwa ein
Drittel
bis ein
Viertel der Patienten, welche ein Krebsleiden überlebt hätten,
jahrelang an einer ausgeprägten Müdigkeit leiden würden (S. 39 Mitte). Prinzipiell kämen für eine
Fatigue
mehrere Gründe in Frage:
Sie sei
ein typisches Symptom der
Histiozytosis
X und habe vorwiegend bis ausschliesslich damit zu tun (
Ziff.
1). Sie sei auf eine psychiatrische Erkrankung zurückzuführen und entspreche weit
gehend
einer Neurasthenie (
Ziff.
2) oder
sie entspreche einem komplexen bio-psycho-sozialen Geschehen und die einzelnen Faktoren könnten nicht sauber getrennt werden (
Ziff.
3). Vermutlich treffe bei der Beschwer
deführerin Variante
Ziff.
3 zu
.
Dr.
A._
sei auf die
Fatigue
-Symptomatik nicht angemessen einge
gangen
(S. 40
Mitte
).
Sowohl die beklagten Schmerzen wie auch die geltend gemachte
Fatigue
seien mit der Symptomatik einer
Histiozytosis
X vereinbar, wenn auch Vieles dafür spreche, dass es sich bei
einer
Fatigue
nicht um ein mon
o
kausal somatisches, sondern um ein komplexes biopsychosoziales Phänomen handle.
Für
eine im Kern somatische Genese
der Schmerzen spreche
, dass die Patientin
diese
klar lokalisiere,
sie
zwischen schmerzhaften und nicht schmerzhaften Körperstellen zu unterscheiden vermöge und sie
auch ehemals schmerzhafte Stellen als heute schmerzfrei bezeichne (z. B. Rippent
h
orax rechts, rechter
Femur
). Nebenwir
kungen der
Biphosphonat
-Therapie spielten auch mit, hätten aber eine deutlich
untergeordnete Bedeutung. Chronischer Schmerz sei aber, wie auch eine
Fatigue
, ein komplexes biopsychosoziales Geschehen. Auch bei der Beschwerdeführerin ergebe sich der Verdacht, dass die beklagte Schmerzintensität nicht allein durch biol
ogische Faktoren erklärbar sei (S.
40 f.).
Das Leiden erreiche einen
Schwere
grad
, der Auswirkunge
n auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die beklagten Beschwer
den hätten vergleichbare Auswirkungen in allen Lebensbereichen. Dass eine Diskrepanz zwischen den beklagten Beschwerden und den objektivierbaren Be
funden bestehe, habe mit der Erkrankung und der Tatsache zu tun, dass sowohl Schmerzen wie auch Müdigkeit per se nicht objektivierbar seien (S. 41 oben).
3.5.4
Zur onkologischen Beurteilung wurde im Hauptgutachten ausgeführt
, die Diag
nose einer
Histiozytosis
X
begründe an sich keine
Arbeitsunfähigkeit.
Eine solche könne sich durch die konkrete Krankheitsevolution, Komplikationen und Therapienebenwirkungen ergeben. Ausser bei einem aggressiven, progredienten Verlauf und/oder einem dauerhaften Bedarf nebenwirkungsreicher Therapien ergebe sich selten eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit, ausser wenn zusätzliche, in
sbesondere psychosoziale Gründe
vorlägen
.
Vorliegend
handle
es
sich um ein Schmerzsyndrom, wobei primär die ventrale, proximale Hälfte des linken Beins und des Becken
s
betroffen sei
en
, mit häufiger, vor allem nächtlicher Generali
sation
(S.
41 unten). Die schwere Einschränkung im Alltag sei mit dem
Schmerz
syndrom
alleine nicht erklärt. Eine
Fatigue
sei bei dieser Diagnose häufig, scheine aber doch mit der Krankheitsaktivität zu korrelieren. Bei einer erfolg
reichen Therapie sollte sich auch die
Fatigue
bessern (S. 42 oben).
Die
am Gutachten beteiligten Experten seien gesamthaft der Ansicht, dass aus medizinischer Sicht ein arbeitsrelevanter Gesundheitsschaden mit konsistenten Auswirkungen auf vergleichbare Lebensbereiche ausgewiesen sei
. Das Leiden sei nur beschränkt therapierbar und die notwendigen Behandlungen seien im klini
schen Kontext mit guter Kooperation der Beschwerdeführerin appliziert. Ledig
lich die psychiatrische Behandlung habe ein gewisses Verbesserungspotenzial, das noch nicht voll ausgeschöpft worden sei. Die Einschätzung der Arbeits
fähig
keit sei im Team erfolgt, da die Gutachter der Ansicht seien, dass
hier eine strenge Aufteilung in
Soma und Psyche besonders schwierig beziehungsweise nicht zuverlässig möglich sei (S.
43 oben, S. 45
Ziff.
5.2.2
).
Die angestammte Tätigkeit als Chemikerin in der Forschung sei der Beschwer
deführerin nicht mehr zumutbar.
Aus somatischer Sicht seien Tätigkeiten nicht geeignet, die mehrheitlich in stehender Position ausgeführt werden müssten, wie beispielsweise Laborarbeiten. Eine Tätigkeit, die viele Reisen
beinhalte
, komme ebenfalls nicht in Frage. Ob die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Admini
stration des Instituts für Chemie an der
Y._
dem Zumutbarkeitsprofil optimal entspreche, lass
e
sich retrograd nicht abschliessend beurteilen. Die Beschwerde
führerin habe diese Tätigkeit im Mai 2012 zu 50
%
bewältigen können. Anfang 2013 sei es sowohl zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit
einem neuen
Herd im Rippenthorax links mit erneuter
Hospitalisation
sowie zu einem W
echsel des Chefs gekommen (S. 45 f.
Ziff.
6.1).
Aus psychiatrischer Sicht sei alles, was die Schmerzen verstärke, ungünstig, da
dies wiederum die depressive und neurasthenische Symptomatik verstärken könne
. Eine Arbeitsstelle
mit einem ungünstigen Arbeitsklima oder einer konfliktträchtigen Struktur und häufiger Hektik und Zeitdruck sei ungünstig, da die Beschwerdeführerin
damit
nicht mehr gut umgehen könne (S. 46
Ziff.
6.1). Aus medizinischer Sicht sei ihr eine optimal leidensangepasste Tätigkeit etwa zu 40
%
möglich (S. 46
Ziff.
6.2). Die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit als forschende Chemikerin im Labor sei aus gutachterlicher Sicht nach
vollziehbar. Im Gegensatz zu den Ärzten im klinischen Kontext werde da
für gehalten, dass die Beschwerdeführerin noch über Ressourcen verfüge, die es ihr ermöglichen würde
n
, eine leidensangepasste Tätigkeit
mit
einem
Teilzeit
pensum
zu realisieren (S. 46
Ziff.
7).
Sowohl chronische Schmerzen sowie eine
Cancer
Related
Fatigue
seien komp
lexe biopsychosoziale Phänomene, die nicht allein mit den biologischen Antei
len erklärt werden könnten. Andererseits sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ohne eine
Histiozytosis
X an den gleichen Schmerzen und der gleichen
Fatigue
leiden würde (S. 47
Ziff.
8.3).
3.5.5
Dr.
G._
nahm
im psychiatrischen Teilgutachten vom 2
9.
November 2016
zu den
Fragen
des Gerichts
zu
einem
psychosomatischen Leiden
Stellung
.
Dr.
G._
nannte im Teilgutachten als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Neurasthenie. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
eine komplizierte
,
protrahierte Trauerreaktio
n (
psy
chia
trisches Teilgutachten
S. 3 f.
Ziff.
4.1 und 4.2).
Dr.
G._
führte aus,
die Beschwerdeführerin habe auch
Persönlich
keits
züge
und
Copingmuster
, die günstig seien und damit Ressourcen. In ihrer Geschichte falle auf, dass sie sich nach Niederlagen und Schicksalsschlägen nach einem anfänglichen Tief doch wieder aufrapple und die Belastungen und Schicksalsschläge Geschichte sein lasse (S. 5 unten).
E
s
gebe keine anerkannten Kriterien für die Bestimmung des Schweregrades einer Neurasthenie. Die funktionellen Auswirkungen würden sich als Massstab anbieten, aber dies führe naturgemäss zu einem Zirkelschluss. Aus klinischer Sicht und im Vergleich mit anderen von dieser Krankheit Betroffenen und unter
Berücksichtigung der funktionellen Auswirkungen würde
Dr.
G._
den
Schweregrad der Neurasthenie als mittelgradig bis schwer einschätzen
. Die Diffe
rentialdiagnose zu einer chronischen
Cancer
related
fatigue
respektive einem Allgemeinsymptom der Langerhans-Zell-
Histiozytose
sei schwierig, wenn nicht sogar unmöglich
(S. 9 unten).
Es gebe keine Hinweise auf eine wesentliche Verdeutlichung, Aggravation oder Simulation.
Dr.
G._
habe
eher
den
Eindruck, dass eine Neigung zur Dissimulation vorha
nden sei und ein star
ker Wunsch
bestehe, sich so zu verhalten, wie es in den Augen der Betroffenen sozial erwünscht sei. In Bezug auf die Erschöpfbarkeit und die
Konzen
tra
tions
störungen
sei
en
die Schilderung der Beschwerden, ihr Tagesablauf, ihre Aktivi
täten und ihre sozialen Kontakte konsistent mit den Befunden und den Akten und kongruen
t mit den gestellten Diagnosen (S. 12 unten).
Die Beschwerdeführerin könne sich subjektiv mit ihrer Ermüdbarkeit, ihren Konzentrationsstörungen und der fehlenden Kraft nicht
vorstellen, wieder zu 100
%
einer Arbeit auf dem freien Arbeitsmarkt nachzugehen
. Da es sich bei der subjektiven Überzeugung, nicht mehr voll arbeitsfähig zu sein, um einen Faktor handle, der nicht einer Erkrankung entspreche, könne dieser Anteil an der Symp
to
matik keine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit bewirken
(S. 13
Ziff.
6.1 oben). Grundsätzlich habe eine Neurasthenie wie eine Depression zwar immer Auswirkungen auf den Gesundheitszustand, vor allem durch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und Einschränkungen
des
Antrieb
s-
und Durch
halte
vermögen
s
. Sie wirke sich aber nicht imme
r auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die bisherige Arbeit der Beschwerdeführerin mit Führungsverantwortung, hohen Anforderungen an die Kreativität und Flexibilität und einer besonderen Stressresistenz sei ihr nicht mehr zumutbar (S. 13
Ziff.
6.1 Mitte).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit seien aufgrund der Neurasthenie die Ausdauer der Beschwerdeführerin, ihr Selbstvertrauen, ihre kognitiven Fähigkeiten, vor allem die Konzentrationsfähigkeit und die
Gedächt
nis
funktionen
, ihr Arbeitstempo und ihr Antrieb beeinträchtigt. Sie habe Schlaf
störungen und sei vermehrt müde und kraftlos, was auch ihre Regenerations
fähigkeit einschränke. Aufgrund ihrer psychischen Störungen könne sie zeitlich nur eingeschränkt arbeiten. Eine Präsenzzeit von 2.5 Tagen pro Woche sei möglich. Aus psychiatrischer Sicht sei ihre Leistungsfähigkeit, sofern die zeit
lichen Grenzen nicht überschritten würden und sie die notwendige Erholungs
zeit bekomme, um etwa 20
%
eingeschränkt. Zusammengefasst könne aus psy
chiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa 60
%
ausgegangen werden (S. 13
Ziff.
6.2).
4
.
4
.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde im Jahr 2010 die seltene Erkrankung einer Langerhans-Zell
Histiozytose
diagnostiziert.
Im Zusammenhang
damit
ist sie
durch chronische Schmerzen
und
eine chronische
Fatigue
beziehungsweise eine Neurasthenie in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
(E. 3.5.2).
Zum Gesund
heits
zustand
und zur Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin liegen das von
der Vorinstanz in Auftrag gegebene
somatische
Gutachten von
Dr.
A._
vom 1
1.
April
2014 und das
polydisziplinäre Gerichtsgutachten
der
Medas
Z._
vom 2
2.
Dezember 2016 vor.
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
und für
eine Verweistätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit
(
hiervor
E. 3.4.3). Nach dem Gut
ach
ten der
Medas
Z._
besteht für den Erwerbsbereich in einer
leidens
angepassten
Tätigkeit eine zumu
tbare Arbeitsfähigkeit von 40
%
(E. 3.5.4).
Die Beschwerdegegnerin
ging in der Statusfrage von einem Anteil im
Erwerbs
bereich
von 60
%
und einem Anteil von 40
%
im Aufgabenbereich aus. Die Qualifikation
geht auf
eine Eintragung
im
internen
Feststellungsblatt
der
Be
schwerdegegnerin
vom 2
1.
Mai 2014
zurück (
Urk.
11/59 S. 5 unten)
.
Eine
Haus
haltabklärung
hat die Beschwerdegegnerin nicht durchgeführt.
4
.2
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8
des
Zivilgesetzbuch
es
,
ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung der versicherten Person, die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, ve
r
fügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei
Beweis
losigkeit
vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht inva
lidi
sierend auswirkt (
BGE 139 V 547
E. 8.1).
Der Nachweis der Invalidität im Rechtssinn setzt eine gesundheitlich bedingte, erhebliche und evidente, dauer
hafte sowie objektivierbare Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit voraus (BGE 139 V 547 E. 9.4). Sowohl bei Leiden, deren Ursache bekannt oder (bildgebend) zu objektivieren ist, als auch bei Beschwerden mit unklarer Ätiologie und Kau
salität vermögen die subjektiven Angaben der versicherten Person eine
invali
den
versicherungsrechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit jedenfalls nicht ohne Weiteres nachzuweisen (BGE 140 V 290 E.
3.3.1 mit Hinweisen). Eine
An
spruchs
berechtigung
setzt daher stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurtei
lung der Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit voraus (BGE 140 V 290 E. 3.3.2).
Nach neuer Gerichtspraxis ist bei
somatoformen
Schmerzstörungen und ver
gleich
baren psychosomatischen Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) d
ie
Aner
ken
nung einer rentenbegründenden Invalidität nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grund
lage
im Einzelfall anhand von Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (
BGE 141 V 281
E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_28/2016 vom 25. April 2016 E. 3.2). Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter
Zumut
barkeitsbeurteilung
anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt (BGE 141 V 574 E. 2). Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, trägt die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen (BGE 141 V 574 E. 2; vgl. BGE 141 V 585 E. 5.3, BGE 141 V 281 E. 3.7.2, BGE 139 V 547 E. 8.1; vgl. auch Urteil des Bundes
gerichtes 8C_1/2016 vom 22. Februar 2016 E. 2.2 unter Hinweis auf BGE 140 V 290 E. 4.1).
4
.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4
.4
Die Gutachter der
Medas
Z._
stellten unter anderem fest
, dass es bei Krebspatienten
im Rahmen des Grundleidens
zu einer
chroniqe
fatigue
oder einer Neurasthenie
und
zu chronischen Schmerzen komme
n könne
und dass diese Leiden per se nicht bildgebe
nd objektiviert werden könnten
(E. 3.5.3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Stellungnahme vom 2
4.
Februar 2017,
die Gutachter seien aufzufordern, zu den psychosozialen Faktoren Stellung zu nehmen und diese bei ihrer Beurteilung auszuklammern. Zudem sei nicht klar, aus welchen konkreten Gründen, die Beschwerdeführerin lediglich einem
Teil
zeit
pensum
nachgehen könne (
Urk.
49 S. 2 Mitte). Hierzu ist zu sagen, dass
die
Fragen des Gerichts
an die Gutachter
auch der Abgrenzung allfälliger
psycho
sozialer Faktoren dienten.
Dass
solche
Faktoren gleichsam im Vordergrund
des Krankheitsbildes
stünden,
lässt sich dem Gutachten
nicht entnehmen
.
Auch aus
onkologischer Sicht
wurde
festgestellt
, dass die
Fatigue
mit der
Krankheits
aktivität
beziehungsweise einem erneuten Tumorbefall
korreliere
. Nach
der Beur
teilung
der Gutachter
ist
sodann eine strenge Aufteilung der Beschwerden
in somatische und psychische
nicht zuverlässig möglich
(
hiervor
E. 3.5.4).
Die
beschriebenen
Krankheitssymptome haben mit der Krankheit
einer Langerhans-Zell-
Histiozytose
vo
r allem eine organische Ursache, wofür auch die
Schmerz
anamnese
der Beschwerdeführerin spricht (E. 3.5.3).
Die Beschwerden könne
n
daher
nicht schwergewichtig mit psychosozialen Faktoren erklärt werden, wie die Beschwerdegegnerin vermutete.
Dr.
G._
führte
die von ihm attestierte
Arbeitsunfähigkeit
auf die diagnostizierte Neurasthenie zurück
, welche er als mittelgradig bis schwer ein
schätzte
(
Teilgutachten
S.
9 unten und
S.
13 f.
).
Die von ihm attestierte Arbeits
unfähigkeit liegt daher in der Neurasthenie beziehungsweise einer
Cancer
Related
Fatigue
begründet.
Die von ihm attestier
te Arbeitsunfähigkeit von 60
%
entspricht
sodann
bezogen
auf ein Pensum von 100
%
der gesamthaft attestier
ten Arbeitsfähigkeit von 40
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit.
Das Gutachten der
Medas
Z._
vom 2
2.
Dezember 2016 erfüllt
nach dem Gesagten
die Anforderungen der Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (E. 5.3). Auf das Gutachten der
Medas
Z._
kann daher abgestellt werden.
4.5
Das Bundesgericht hielt
im Urteil BGE 139 V 346 S. 348 E. 3.4 fest, dass sich
eine tumorassoziierte
Fatigue
klar vom
Chronic
Fatigue
Syndrom (CFS) als eigen
ständiges Krankheitsbild abgrenze. Als Begleitsymptom onkologischer Erkran
kungen und ihrer Therapie liege dem
Cancer-reladed
Fatigue
zumindest mittel
bar eine organische Ursache zugrunde. Es rechtfertige sich daher nicht auf die tumorassoziierte
Fatigue
die zum invalidisierenden Charakter
somatoformer
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze analog anzuwenden.
Bei d
er Beschwerdeführerin kam es im Zusammenhang mit der
Grunder
kran
k
ung
an mehreren Körperstellen
zu einem Tumorbefall
(vgl. E.
3.5.2). Das Krank
heitsbild einer Langerhans-Zell
Histiozytose
lässt sich daher mit wiederholten Tumorerkrankungen vergleichen.
Nach der erwähnten Rechtsprechung des Bun
des
gerichts ist von einer organischen Ursa
che der Beschwerden auszugehen. Dies führt dazu, dass die Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 nicht gesondert
zu prüfen sind.
4.6
Der medizinische Sachverhalt ist gestützt auf das Gutachten der
Medas
Z._
vom 2
2.
Dezember 2016 als dahingehend erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
zugemutet werden kann.
Nicht geklär
t ist die Statusfrage.
Die Beschwerdeführerin verrichtete als Chemi
kerin bei der
Y._
zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung
ein Pensum von 60
%
.
In
der Replik vom 1
9.
Januar 2015
gab sie
an, dass sie ohne Gesundheitsschaden voll erwerbstätig wäre (
Urk.
13 S.
7
Ziff.
6). Da nicht allein auf die Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt werden kann, hat die Beschwerdegegnerin die Statusfrage
sowie
eine allfällige
Einschränkung im Haushalt abklären zu lassen
,
letzteres mit Hilfe
eine
r
Haushaltabklärung.
Bei einer Einschränkung im
Erwerbs
bereich
und einer möglichen Einschränkung im Haushalt, ist
nicht
auszu
schliessen, dass neu ein
Rentenanspruch
resultiert.
Die Sache ist daher
zur
Abklärung
der Statusfrage
– und bei Annahme einer Teilerwerbstätigkeit
im Gesundheitsfall -
zur
Durchführung einer
Haushaltab
klärung
sowie
eines
Ein
kommensvergleichs
an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
weisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Für das Verfahren sind
Gerichtskosten von
Fr.
800.-- festzusetzen.
5
.2
Die Kosten des Gerichtsgutachtens der
Medas
Z._
vom 2
2.
Dezember 2016 belaufen sich auf
Fr.
11‘950.-- (
Urk.
43). Die Beschwerdegegnerin stellte auf das somatische Gutachten von
Dr.
A._
vom 1
1.
April 2014 ab. Sie hat es jedoch unterlassen, die Beschwerdeführerin
nach der Neuanmeldung vom März 2013
auch psychiatrisch
begutachten zu lassen.
Zum Gutachten von
Dr.
A._
ist sodann zu sagen
, dass er
selber einräumte, dass er über keine
Erfahrung mit dem seltenen Krankheitsbild einer
Histiozytose
verfüge
(E. 3.4.2)
.
Die Kosten
des Gutachtens sind
deshalb
nach der mit BGE 137 V 210 E. 4.4.2
begründeten
Rechtsprechung der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Beschwerdegegnerin wies in
ihrer
Stellungnahme
vom 2
4.
Februar 2017
auf die Urteile des Bundesgerichts 9C_541/2016 vom 2
6.
Januar
2017 und
9C_672/2016 vom
2.
Februar
2017 hin.
Gemäss der Rechtsprechung des Bundes
gerichts seien d
ie Kosten nach dem Tarif festzusetzen, wie er zwischen dem BSV und den
Medas
-Stellen ausgearbeitet worden sei (
Urk.
49 S. 2 f.).
Die Kosten des
Gutachtens wurden nach
Tarmed
abgerechnet (vgl. die Rechnung vom 2
2.
Dezem
ber 2016,
Urk.
43). Es erscheint gerechtfertigt, dass die Kosten
eines
Gerichtsg
utachtens nach
Tarmed
abgerechnet werden. So sind die im Zusamm
en
hang mit der Erstellung eines Gerichtsgutachtens
erforderlichen
Abklärungen
in der Regel
umfangreicher
und die Sachlage oft komplexer
als bei der Erstellung eines
Medas
-
Gutachtens
zuhanden der IV-Stellen
.
Für
diese
würden
als
Abklä
rungsstellen
zudem falsche Anreize gesetzt, wenn auch im Falle eines
Gerichts
gutachtens
nach dem Tarif
abzurechnen wäre
, wie er zwischen dem BSV und den
Medas
-Stellen
besteht
.
Vorliegend handelt es sich beim Gerichtsgutachten im somatischen Bereich um ein Obergutachten. Dazu kommt erschwerend, dass sich die Gutachter mit einer sehr seltenen körperlichen Erkrankung zu befassen
hatten. Es darf nicht sein, dass die sorgfältige Ausführung des gerichtlichen
Gu
t
achtensauftrags
in einem komplexen Fall wie dem vorliegenden durch die pau
schale Abgeltung unterlaufen wird. Es sind hier zwar nur drei Disziplinen betei
ligt, doch sagt dies nichts über den Zeitaufwand aus, den die Erstellung dieses komplexen Gutachtens generierte. Der fakturierte Aufwand von Fr. 11‘950.-
-
liegt zu Recht über der BSV-Pauschale und ist von der Beschwerdegegnerin in vollem Umfang zu übernehmen.
Nach dem Gesagten sind der Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten in Höhe von
Fr.
800.-- und die Kosten des Gutachtens von
Fr.
11‘950.-- aufzuerlegen.
5
.3
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin machte in
der
Honorarnote
vom
3.
Februar 2017 Aufwendungen von 17 Stunden sowie Barauslagen von
Fr.
48.--
geltend (
Urk.
47).
Im vorliegenden Verfahren wurde ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt.
Die Parteien
wurde
n
zudem aufgefordert, zu den Fragen
des Gerichts
an die Gutachter und zum Gutachten Stellung zu nehmen. Gesamthaft erscheint ein
geltend gemachter
Aufwand von 17 Stunden
als
angemessen.
Bei einem
praxis
gemässen
Stundenansatz von
Fr.
185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist d
ie Be
schwerdeführerin daher
mit
Fr.
3‘450
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Baraus
l
agen
) zu entschädigen.