Decision ID: a8ff5161-bc4b-5f23-a524-6c2280d549a0
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, ist gelernter Elektromonteur (Urk. 6/
17/13)
. Am 23. Dezember 2017 meldete er sich wegen Depressionen bei der Invaliden
versicherung an (Urk. 6/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und erteilte Kosten
gutsprache für Arbeitsvermittlung plus (Urk.
6/23; Urk. 6/29). Sodann gewährte sie dem Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (Urk. 6/33) und Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungskurses
zum Staplerfahrer
(Urk. 6/34
; Urk. 6/37
)
, den der Versicherte erfolgreich absolvierte (Urk. 6/40/1). Am 27. Februar 2019 wurde ihm ein Arbeitsversuch mit Coaching zugesprochen (Urk. 6/41
), der jedoch per 5. April 2019 beendet wurde (Urk. 6/46). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/53, Urk. 6/
54
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. September 2019 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 6/57 = Urk. 2).
2.
Am 30. September 2019 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. September 2019 (Urk. 2) und beantragte die Wiederaufnahme der Arbeitsvermittlung
mit Zusprache eines Taggelds (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2019 (Urk. 5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 31. Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die versicherte Person muss gemäss Art. 7 IVG alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verrin
gern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (Abs. 1). Die versicherte Person muss
gemäss Art. 7 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die Inva
lidenversicherung (IVG)
an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere:
a.
Massnahmen der Frühintervention (Art. 7d);
b.
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Eingliede
rung
(Art. 14a);
c.
Massnahmen beruflicher Art (Art. 15–18 und 18b);
d.
medizinische Behandlungen nach Artikel 25
des
Bundesgesetz
es
über die
Krankenversicherung (KVG)
e.
Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rent
enbezügern nach Art. 8a Abs. 2.
1.3
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schaden
minderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliede
rung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1
,
I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der Behandlung oder Eingliederungsmassnahme im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG kann auf die zu Art. 31 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geändert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1,
I 744/06; Urteile des Bundesgerichts I 1068/06 vom 31. August 2007 E. 2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Ver
hältnisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die subjektive Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S. 495, E. 3; Urteil des Bundes
gerichts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum Verhält
nis
mäs
sig
keitsgrundsatz im staatlichen Leistungsre
cht,
Diss
. Bern 1985, S. 189).
Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen
und
ist eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b). Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminde
rungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenver
sicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_128/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1).
1
.4
Die Leistungen können gemäss Art. 7b IVG nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 dieses Gesetzes oder nach Art. 43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist
(Abs. 1). Die Leistungen können in Abweichung von Art. 21 Abs. 4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach Art. 3c Abs. 6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach Art. 31 Abs. 1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (Abs. 2).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Abs. 3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt:
Die aufgenommenen beruflichen Massnahmen hätten per 5. April 2019 beendet werden müssen, da der Beschwerdeführer nicht mehr daran habe teilneh
men wollen. Aufgrund der medizinischen Unterlagen sei davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer viele
Faktoren im Privatleben vorlägen, die ihn in seiner Arbeitsfähigkeit einschränk
t
en. Zum einen lägen finanzielle Probleme vor, zum anderen auch Streitigkeiten in seinem Umfeld. Es sei nicht nachvollziehbar, wes
halb er das Arbeitstraining trotz der in Aussicht gestellten Festanstellung abge
brochen habe. Aus medizinischer Sicht sei die Tätigkeit als Lagermitarbeiter optimal angepasst. Gesundheitsbedingte Gründe, welche zum Abbruch geführt hätten, lägen nicht vor. Es bestünden Zweifel an der Motivation für eine nach
haltige Arbeitsintegration.
Es liege keine gesundheitliche Einschränkung vor, die weitere Leistungen der Invalidenversicherung begründen würde (S. 1
f.
).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor (Urk. 1),
er habe sich als Lasermaschi
nist beworben und sei in der Firma keine Minute an diesem Arbeitsplatz tätig gewesen, sondern als billige Arbeitskraft in der Produktion eingesetzt worden
(S. 1).
Es sei ihm mitgeteilt worden, dass er nach Ende des Arbeitsprogramms, in dem er einzig in der Produktion eingesetzt worden sei, zu 100 % im Schichtbetrieb hätte tätig sein sollen. Er habe von den Beratungspersonen keine genügende Unterstützung bekommen. Auch
sei
er
zuvor
in einen
Arbeitsversuch gezwungen worden, der nicht dem Abgemachten entsprochen habe
. Er frage sich, wem die
Arbeitsintegration dienen solle (S. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen und die Frage, ob die Einstellung derselben rechtens war.
3.
3.1
Vom 8. September bis 13. Oktober 2016 war der Beschwerdeführer
in der Klinik
Y._
hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 31. Oktober 2016 (Urk. 6/14) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
Grund für die Zuweisung sei eine Exazerbation der depressiven Symptomatik vor dem Hintergrund verschiedener psychosozialer Belastungsfaktoren (schwierige Wohn- und Arbeitssituation; S. 1).
Er sei in stabilisiertem, teilremittiertem Zustand entlassen worden (S. 3).
3.2
Dr.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte mit Bericht vom 9. Mai 2018 (Urk. 6/22/1-5) eine rezidivierende depressive Störung, leicht (ICD-10 F33.0)
,
sowie eine Panikstörung mit episodisch paroxysmaler Angst. Beide Diagnosen hätten Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Ziff. 2.5).
Sie habe formal keine Arbeitsunfähigkeit attestiert, beurteile den Versicherten aber als Elektromonteur zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff.
1.3).
Durch berufliche Eingliederungsmassnahmen sei eine Arbeitsfähigkeit als Elektromon
teur oder in einem angepassten verwandten Beruf im ersten Arbeitsmarkt prinzi
piell denkbar. Wichtig wäre eine Erstellung des Belastungsprofils und ein behut
samer Belastungsaufbau mit allmählicher Steigerung des Pensums
(Ziff. 2.7). Auch in angepasster Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit; die Arbeits
fähigkeit sei erst nach beruflichen Eingliederungsmassnahmen denk- und ent
wickelbar (Ziff. 4.2).
3.3
Am 1. Juni 2018 unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Zielvereinbarung betreffend Arbeitsvermittlung plus
(Assessment, Suche nach einem Trainings
arbeitsplatz, Arbeitstraining, Akquisition und Nachbetreuung). Als Durchfüh
rungsstelle war die
A._
AG vorgesehen (Urk. 6/24).
Dem Verlaufsprotokoll über die Eingliederungsberatung (Urk. 6/47) ist zu entnehmen, dass
es
gemäss Angaben der Durchführungsstelle
Mitte Juli 2018 beim ersten Schnuppereinsatz des Beschwerdeführers zu Differenzen gekommen sei. D
er Beschwerdeführer
habe mitgeteilt, der Weg von seinem Wohnort zum Einsatzort sei ihm zu weit. Am Vorstellungsgespräch habe er sehr abschätzige Bemerkungen über die Arbeiten und das Niveau der Firma gemacht
. Er habe dann mitgeteilt, dass er sowieso nicht bei dieser Firma arbeiten wolle, da dies Hilfsar
beiten seien und er sich nach zwei Wochen langweilen würde. Der Beschwerde
führer habe durch sein freches, herablassendes und auf ganzer Linie unpassendes Verhalten eine Zusammenarbeit
verunmöglicht und vermittle den Eindruck, als wolle er gar nicht zurück in den ersten Arbeitsmarkt, weshalb die Durchführungs
stelle vom Auftrag
zurücktreten wolle (S. 8). Der Beschwerdeführer habe dazu mitgeteilt, er habe die Arbeit bei dem Schnuppereinsatz sehr monoton und lang
weilig gefunden und habe sich durch die Durchführungsstelle gedrängt gefühlt, diesen Trainingsplatz anzunehmen, obwohl er dies gar nicht wolle
. Dies habe er auch unmissverständlich gesagt, was zu einem Konflikt geführt habe (S.
9 oben). Der Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin organisierte daraufhin eine zweite Durchführungsstelle, da er die Gründe des Abbruchs durch die erste Durch
führungsstelle nur bedingt nachvollziehen könne. Der Beschwerdeführer sei bis dahin motiviert und engagiert gewesen (S. 9 Mitte).
3.4
Ab 4. März bis maximal 30. August 2019 war ein Arbeitsversuch bei der
B._
AG mit Beginn einer 60%igen Präsenz mit einer geplanten Steigerung auf 100 % vorgesehen (Urk. 6/44 S. 1).
Am 29. März 2019 teilte der Beschwerdeführer mit,
er fühle sich unwohl und es würden seiner Meinung nach Versprechen nicht eingehalten. Er solle eigentlich an der Lasermaschine eingearbeitet werden, was momentan nicht der Fall sei. Er werde vertröstet und müsse 100 % präsent sein. Auch bemängle er das Betriebsklima (Eingliederungsprotokoll; Urk. 6/47; S. 11 oben). Seitens der
neuen
Durchführungsstelle wurde mitgeteilt, eine Einarbeitung an der Lasermaschine könne erst ab Ende April erfolgen, da noch ein anderer Mitarbeiter eingearbeitet werden müsse. Es gehe darum, dass sich der Beschwer
deführer im Unternehmen wohl fühle und an die Arbeit herangeführt werde. Ziel sei die Arbeit als Lasermaschinist und eine Weiterbeschäftigung werde von
der Firma in Aussicht gestellt. Der vom Beschwerdeführer berichtete Druck bestehe keineswegs. Erwartet werde Flexibilität; er sei etwas zu sehr auf die eine Aufgabe fokussiert. Nach einem Monat solle er noch keine Forderungen stellen, sondern sich auf den Einarbeitungsprozess einlassen, sonst werde eine Anstellung schwierig (S. 11 Mitte).
Am 2. April 2019 teilte die Durchführungsstelle mit, der Beschwerdeführer sei
nicht mehr zur Arbeit erschienen mit der Begründung, er habe kein Geld (S. 11 unten). Er habe sich vom Arbeitsversuch abgemeldet mit der Begründung, er könne sich keinen Znüni kaufen. Das Arbeitsklima gefalle ihm nicht, er bemängle gewisse Sicherheitsstandards und sei mit dem Vorgesetzten nicht einer Meinung. Es gehe ihm psychisch schlecht (S. 12 Mitte).
Der Beschwerdeführer selbst teilte mit, er könne sich eine Rückkehr und eine Anstellung bei der
B._
AG nicht mehr vorstellen. Er habe kein Geld für einen Znüni und das Arbeitsklima gefalle ihm nicht. Der Arbeitsversuch und die beruflichen Eingliederungsmassnahmen wurden damit beendet (
S. 12 unten; Urk. 6/46
)
.
3.5
Dem Schlussbericht der Durchführungsstelle (Urk. 6/49/3-11) ist zu entnehmen, dass
sich d
er Beschwerdeführer
gemäss
seiner
Mitteilung vom 20. März 2019
drei Wochen nach Beginn trotz einiger Fragezeichen als Mitarbeiter wohl
fühle
und mit den Aufgaben, die er bekomme, zufrieden sei. Er gab an,
die 60 % seien gut machbar, 70 % sehe er noch nicht ganz, sei sich aber bewusst, dass er dies bald angehen müsse, um bei 100 % anzukommen (S. 9 Mitte).
In der Folge
verweigerte der Beschwerdeführer ein geplantes Gespräch mit dem Vorgesetzten des Einsatz
betriebes und dem zuständigen Berater der Durchführungsstelle. Am 8. April 2019 gab er seine Sachen ab und teilte dem Betrieb mit, er breche den Arbeitsversuch ab. Dass er damit die Möglichkeit
einer Festanstellung verliere, sei ihm egal gewesen (Urk. 6/49/9 unten f.).
3.6
Die Fachpersonen des Psychiatriezentrums
C._
stellten mit Bericht vom
7. Juni 2019 (Urk. 6/51/5-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung: Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit schizoiden Anteilen (ICD-10 Z73)
Per sofort sollten halbtätige Arbeitseinsätze möglich sein. Eine langfristige, schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit
sei gegeben (Ziff. 2.7). Zu empfehlen seien Einsätze in Bereichen mit geringeren Anforderungen, beispielsweise in Industrie oder Unterhalt (Ziff. 4.2). Die Motivation für eine Eingliederung sei hoch. Bei einem schrittweisen Arbeitseinstieg mit Hilfe von beruflichen Massnah
men sei von einer günstigen Prognose auszugehen (Ziff. 4.3).
Die beiden nicht angetretenen beziehungsweise abgebrochenen Integrationsmassnahmen seien aufgrund Frustration über Nicht-Übereinstimmung mit angestammter Tätigkeit, finanziellen Problemen und Nichteinhalten von Abmachungen durch den Arbeit
geber erfolgt (Ziff. 5).
3.7
Dr.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte mit Stellungnahme vom 19. Juli 2019 (Urk. 6/52/3-4) aus, es sei an der Motivation des Beschwerdeführers zu zweifeln. Es sei keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen, die psychische Störung sei überwie
gend durch psychosoziale Faktoren bedingt. Es sei jede der beruflichen Kompe
tenz entsprechende Tätigkeit zumutbar.
Die psychischen Beschwerden hingen stark von der unmittelbaren psychosozialen Belastungssituation ab, beispiels
weise finanzielle Sorgen und Existenzängste.
4.
4.1
Die erste
Vereinbarung
mit der Beschwerdegegnerin und der
A._
AG
(Urk. 6/24)
enthielt einen Hinweis auf Art. 21 Abs. 4 ATSG, wonach Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sich die versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, entzieht oder widersetzt, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt (S. 3).
Auch am 6. Juni 2018 (Urk. 6/25/3), 27. August 2018 (Urk. 6/31/3), 3. März 2019 (Urk. 6/43/3) und 11. März 2019 (Urk. 6/44/3) nahm der Beschwerdeführer unterschriftlich K
enntnis von dieser Bestimmung. Damit waren ihm die Folgen
einer Verletzung der Schadenminderungspflicht hinreichend bekannt.
4.2
Bereits in der Zusammenarbeit mit der ersten Durchführungsstelle kam es zu Schwierigkeiten (vgl. vorstehend E. 3.3): Der Beschwerdeführer äusserte sich abschätzig über den Schnupperbetrieb und fand die Arbeit sehr monoton und langweilig
. Er habe sich durch die Durchführungsstelle gedrängt gefühlt, diesen Trainingsplatz anzunehmen, obwohl er dies gar nicht wolle. Dass der geplante Einsatz unzumutbar gewesen wäre, ist den Akten
jedoch
nicht zu entnehmen und
auch
nicht anzunehmen
, denn massgebend ist das objektiv Zumutbare und nicht die subjektive Wertung des Vers
icherten (vgl. vorstehend E. 1.3
). Selbst wenn die Arbeit
tatsächlich
monoton und
langweilig gewesen wäre
, wäre es dem Beschwer
deführer zumutbar gewesen, sich der Eingliederungsmassnahme zu unterziehen.
4.3
Entgegenkommenderweise bemühte sich die Beschwerdegegnerin um e
ine andere Durchführungsstelle, die einen Arbeitsversuch bei einem anderen Betrieb organi
sierte. D
ort
hatte der Beschwerdeführer eine Festanstellung in Aussicht (vgl. vorstehend E.
2.1
).
Er erschien
jedoch
nach nur einem Monat nicht mehr zur Arbeit
,
verweigerte ein gemeinsames Gespräch
und beendete eigenmächtig den Arbeitseinsatz mit der Begründung,
er könne sich kein Znüni kaufen, das Arbeits
klima gefalle ihm nicht, er bemängle gewisse Sicherheitsstandards und sei mit dem Vorgesetz
t
en nicht einer Meinung.
Dabei sei ihm egal gewesen, dass er die Möglichkeit einer Festanstellung
verliere (vgl. vorstehend E. 3.4
).
Eine objektive Unzumutbarkeit bestand auch bei diesem Einsatz klar nicht. Der Beschwerdefüh
rer scheint zu verkennen, dass es bei einer Eingliederung ins Arbeitsleben
durch die Invalidenversicherung
nicht um den
subjektiv
bestmöglichen Arbeitsplatz geht und es sich bei den von ihm vorgebrachten Unannehmlichkeiten - sollten sie denn tatsächlich bestanden haben - um solche handelt, die an jedem Arbeits
platz auftreten können, ohne dass dieser
dadurch
unzumutbar wird.
4.4
Somit hat der Beschwerdeführer die ihm obliegende Schadenminderung
spflicht (vgl. vorstehend E. 1.3
)
verletzt
. Ein entschuldbarer Grund liegt nicht vor, insbe
sondere können nach Lage der Akten keine gesundheitlichen Gründe
für den Abbruch der Eingliederungsmassnahmen
angenommen werden: Die behandelnde Ärztin Dr.
Z._
beurteilte den Beschwerdeführer zwar als Elektromon
teur als voll arbeitsunfähig, attestierte jedoch formell keine Arbeitsunfähigkeit
. Dies vermag mangels Schlüssigkeit ebenso wenig zu überzeugen wie ihre Einschätzung, wonach auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehen solle (vgl. vorstehend E. 3.2 und E. 1.5). Dem nach Abbruch der Eingliederungsmassnahme eingeholten Bericht
der Fachper
sonen des Psychiatriezentrums
C._
ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer an einer gegenwärtig leichten Episode einer rezidivierenden depressiven Störung sowie an Problemen in Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewäl
tigung (Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit schizoiden Anteilen) leidet
(vgl. vorstehend E. 3.6
).
L
etztere wurde
unter ICD-10 Z.73
und gehört damit zu den Faktoren, die den Gesundheitszustand be
einflussen und zur Inanspruch
nahme von Gesundheitsdiensten führen (ICD-10 Z.00-/99), denen jedoch kein versicherungsmedizinischer Krankheitswert zukommt (vgl. das Urteil des Bundes
gerichts 8C_663/2010 vom 15. November 2010, E. 5.2.4).
Da vorliegend nicht ein Rentenanspruch zu prüfen ist, ist hinsichtlich der invalidisierenden Wirkung der diagnostizierten leichten depressiven Episode kein strukturiertes Beweisverfahren (BGE 143 V 418) nötig. Die Fachpersonen des Psychiatriezentrums
C._
erachteten denn auch einen sofortigen halbtägigen Einsatz als zumutbar und eine langfristige Steigerung der Arbeitsfähigkeit als möglich.
Dass der Abbruch der beiden Integrationsmassnahmen nicht aus entschuldbaren Krankheitsgründen erfolgte, wird von ihnen bestätigt, denn dieser sei aus Frustration über Nicht-Übereinstimmung mit der angestammten Tätigkeit, finanziellen Problemen und (gemäss Beschwerdeführer) Nichteinhaltung von Abmachungen durch den Arbeitgeber erfolgt.
Der Beschwerdeführer hält sich denn auch selbst für arbeits
fähig, ansonsten er keine neue Eingliederungsmassnahme beantragen würde
(Urk. 1).
4.5
Fehlt es am Eingliederungswillen respektive der subjektiven Eingliederungsfähig
keit, so entfällt der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen ohne Weiteres (das heisst, ohne dass zunächst ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchzuführen ist [vgl. Urteils des Bundesgerichts 8C_19/2016 vom 4. April 2016 E. 5.2.3]). Geht es jedoch um die Einstellung einmal zugesprochener beruflicher Eingliederungs
massnahmen aufgrund fehlender subjektiver Eingliederungsbereitschaft, ist diese
zwingend erst nach Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
anzu
ordnen (Urteil des Bundesgerichts 9C_783/2015 v
om 7. April 2016 E. 4.8.2
; Urteil des Bundesgerichts 9C_765/2013 vom 21. Januar 20
14 E. 3.4
). Im Rahmen des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
ist der versicherten Person unter substantiierter Bezugnahme auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzuteilen, welche Folgen ihre Widersetzlichkeit nach sich ziehen kann, und sie ist aufzufordern, ihrer Schadenminderungspflicht nachzukommen (Kieser, ATSG-Kommentar,
3. Auflage 2015, N 133 ff. zu Art. 21).
4.6
Der Beschwerdeführer hat
durch sein Verhalten zwei Mal die Eingliederungs
bemühungen der Beschwerdegegnerin
ohne entschuldbaren Grund
verunmög
licht. Obwohl ihm Eingliederungsmassnahmen zugesprochen wurden, erscheint es deshalb als nicht zielführend, die Sache zur
bislang nicht vorgenommenen
Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Analog zur Si
tuation, in der ein Eingliederungsanspruch eines Rentenbezügers zu prüfen ist,
entfällt der Anspruch auf Eingliederungsmassnah
men, ohne dass zunächst ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt werden müsste
, wenn
es am Eingliederungswillen bzw. an der subjektiven
Ein
gliederungsfähigkeit
f
ehlt (Urteil des Bundesgerichts 8C_569/2015 vom
17. Feb
ruar 2016 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_19/2016 vom 4. April 2016 E. 5.2.3).
4.7
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdegeg
nerin zu Recht weitere Leistungen verneint hat. Der angefochtene Entscheid ist rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 5
00.-- a
nzusetzen und ausgangsgemäss dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.