Decision ID: 8c773b94-7ced-4fef-8555-e4c59f4e1932
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ bezog wegen einer autistischen Persönlichkeitsstörung („Asperger
Syndrom“; vgl. IV-act. 61 und 58) gestützt auf eine Verfügung vom 7. November 2002
ab dem 1. Januar 2002 eine ganze Rente der Invalidenversicherung bei einem
Invaliditätsgrad von 100 Prozent (IV-act. 66). Da er kein volles Beitragsjahr geleistet
hatte, hatte ihm keine ordentliche, sondern nur eine ausserordentliche Rente
zugesprochen werden können (vgl. AK-act. 110). Im Mai 2011 teilte der Vater des
Versicherten mit (IV-act. 158), dass sich sein Sohn bereits seit längerer Zeit in B._
aufhalte. Der Versicherte sei dort zur Welt gekommen und habe dort auch seine ersten
Lebensjahre verbracht. Seine Mutter halte sich regelmässig für einige Monate in B._
auf. Nach ihrem letzten Aufenthalt im Jahr 2010 habe sie nicht zurückkehren können,
weil sie schwer erkrankt sei. Der Versicherte halte sich nun bei ihr auf. Er wolle die
Gelegenheit nutzen, um an einer Schule richtig C._ zu lernen. Wie lange der
Aufenthalt insgesamt dauern werde, sei noch offen. Mit einer Verfügung vom 30. Mai
2011 hob die IV-Stelle die laufende Rente per 1. Mai 2011 auf (IV-act. 160). Zur
Begründung führte sie an, eine ausserordentliche Rente könne nur gewährt werden,
solange der Rentenbezüger in der Schweiz wohne. Der Versicherte beziehe eine
ausserordentliche Rente, weil er beim Eintritt der Invalidität noch kein volles
Beitragsjahr aufgewiesen habe. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft. Im August/September 2014 erfuhr die IV-Stelle, dass der Versicherte
seinen Wohnsitz seit Juli 2014 wieder in der Schweiz hatte (IV-act. 162 f.). Mit einer
Mitteilung vom 19. September 2014 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Zeit
ab dem 1. Juli 2014 die bisherige Rente wieder zu (IV-act. 166).
A.a.
Im August 2019 informierte der Vater des Versicherten die IV-Stelle darüber, dass
dieser im Juni 2018 in D._ eine W._-in geheiratet hatte (IV-act. 175 f.). Im
September 2019 liess er mitteilen, dass er Vater geworden sei und sich aktuell bei
A.b.
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B.
seiner Frau und seinem Kind in E._ aufhalte (IV-act. 177). Die Ehefrau sei bereits
Ende März 2019 aus der Schweiz nach E._ zurückgekehrt und habe im Juli 2019
dann das Kind zur Welt gebracht; der Versicherte sei anlässlich der Geburt des Kindes
nach E._ gereist (IV-act. 178). Im November 2019 liess er der IV-Stelle mitteilen, dass
er plane, im Frühjahr 2020 in die Schweiz zurückzukehren (IV-act. 183). Am 21.
September 2020 wies der Vater des Versicherten die IV-Stelle darauf hin (IV-act. 184),
dass dieser E._ „seit der Corona-Krise“ nicht verlassen habe. Selbst wenn es ihm
möglich gewesen wäre, das Land zu verlassen, hätte er anschliessend jedenfalls nicht
mehr einreisen können; er wäre definitiv von seiner Familie getrennt gewesen. Mit einer
Verfügung vom 1. Februar 2021 „sistierte“ die IV-Stelle die Rente des Versicherten (IV-
act. 186). Zur Begründung führte sie an, eine ausserordentliche Invalidenrente werde
nur ausgerichtet, solange der Rentenbezüger seinen Wohnsitz und seinen
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz habe. Kurzfristige Auslandaufenthalte
unterbrächen die Rentenberechtigung nicht. Verlängere sich ein solcher Aufenthalt
wegen unvorhergesehener Umstände, so könne die Rente höchstens für ein Jahr, in
Ausnahmefällen auch über ein Jahr hinaus, weiter ausgerichtet werden. Der Versicherte
halte sich nun seit über 18 Monaten im Ausland auf. Trotz der „Corona-Massnahmen“
wäre es ihm möglich gewesen, aus E._ in die Schweiz zurück zu kehren. Die Rente
werde deshalb mit Wirkung ab dem 1. Februar 2021 „sistiert“.
Am 26. Februar 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. Februar 2021 erheben (act. G 1). Sein
Vertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Weiterausrichtung der Rente. Zur Begründung führte er aus, der Beschwerdeführer
habe nur für die Zeit der Geburt seiner Tochter und die anschliessende Erholungszeit
seiner Ehefrau nach E._ reisen und dann im Frühjahr 2020 in die Schweiz
zurückkehren wollen. Die „Corona-Krise“ habe das dann aber unerwartet
verunmöglicht. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung verhalte sich der
Beschwerdeführer eher wie ein Kind als wie ein Erwachsener. Es sei kaum möglich, ihn
unter Hinweis auf die Konsequenzen zu einem bestimmten Verhalten zu überzeugen.
So habe er sich bereits in früheren Jahren einmal entgegen der ausdrücklichen
Empfehlungen heimlich ins Ausland abgesetzt, um bei seiner kranken Mutter leben zu
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
können. Die geltenden Gesetzesbestimmungen würden der konkreten Situation nicht
gerecht. Im März 2021 liess der Beschwerdeführer ergänzend geltend machen (act. G
4), seine Ehefrau habe sich vor der Heirat nur für eine kurze Zeit in der Schweiz
aufhalten dürfen. Der Beschwerdeführer habe für E._ nur ein Touristenvisum erhalten.
Letztlich sei er gezwungen gewesen, seine Verlobte in D._ zu heiraten. Wenn seine
Ehefrau eine Daueraufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhalten hätte, wäre sie hier
geblieben.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 10. Mai 2021
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Ein Fachmitarbeiter hatte am 23. März 2021
festgehalten (act. G 6.1), die Rückreise in die Schweiz wäre durchaus möglich
gewesen, weshalb kein Spielraum für die Weiterausrichtung der ausserordentlichen
Rente bestehe. Im Übrigen habe man die Rente nur für die Zukunft sistiert, obwohl sich
der Beschwerdeführer im Februar 2021 schon während weit mehr als zwölf Monaten
im Ausland aufgehalten habe.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 15. und am 19 Juni 2021 an seinen Anträgen
festhalten (act. G 9 f.). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
B.c.
Am 8. Dezember 2021 wies das Versicherungsgericht den Beschwerdeführer
darauf hin (act. G 14), dass es möglicherweise zur Auffassung gelangen könnte, die
Rentenauszahlungen hätten schon vor dem 1. Februar 2021 gestoppt werden müssen,
was eine Rückforderung von bereits ausbezahlten Rentenleistungen zur Folge haben
könnte. Da das Gericht gesetzlich verpflichtet sei, auf eine mögliche reformatio in peius
hinzuweisen, räume es dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, seine Beschwerde
zurückzuziehen oder zur möglichen reformatio in peius Stellung zu nehmen. Der
Beschwerdeführer hielt mit einem Schreiben vom 11. Januar 2022 an seiner
Beschwerde fest (act. G 15). Er kritisierte das Vorgehen der Beschwerdegegnerin in
verschiedener Hinsicht, forderte „Gerechtigkeit“ und wies darauf hin, dass er einen
negativen Entscheid bestimmt an die nächsthöhere Instanz weiterziehen werde.
B.d.
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vom 1. Februar 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dem Wortlaut ihres
Dispositivs zufolge hat sich die Verfügung vom 1. Februar 2021 auf eine „Sistierung“
der laufenden ausserordentlichen Rente beschränkt. Diese „Sistierung“ kann aber kein
vorübergehender Auszahlungsstopp (bei einem unverändert gebliebenen materiellen
Rentenanspruch) gewesen sein, denn der Schweizer Wohnsitz und der gewöhnliche
Aufenthaltsort des Rentenbezügers in der Schweiz bilden gemäss dem Art. 39 Abs. 1
IVG in Verbindung mit dem Art. 42 Abs. 1 und 2 AHVG materielle
Anspruchsvoraussetzungen. Gemäss der Rz. 7111 der Wegleitung über die Renten
(RWL) erlischt der Anspruch auf eine ausserordentliche Rente bei einer
Wohnsitzverlegung ins Ausland. Bei einer späteren Rückkehr in die Schweiz kann die
Rente neu zugesprochen werden. Nachdem der Beschwerdeführer im Jahr 2010 die
Schweiz für unbestimmte Zeit verlassen hatte, hat die Beschwerdegegnerin die
laufende Rente mit einer Verfügung vom 30. Mai 2011 per 1. Mai 2011 aufgehoben,
was bedeutet, dass der materielle Rentenanspruch des Beschwerdeführers damals
(„definitiv“) untergegangen ist. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Juli 2014 hat
die Beschwerdegegnerin deshalb die Rente neu zusprechen müssen, was sie dann mit
der Mitteilung vom 19. September 2014 auch getan hat. Diese neuerliche
Rentenzusprache ist nicht etwa rückwirkend per 1. Mai 2011, sondern nur für die Zeit
ab dem 1. Juli 2014 erfolgt, was zeigt, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 1.
Mai 2011 bis zum 30. Juni 2014 („definitiv“) keinen materiellen Rentenanspruch gehabt
hat. Die Tatsache, dass es sich beim Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der
Schweiz um materielle Anspruchsvoraussetzungen handelt, zeigt sich auch darin, dass
ein Begehren eines im Ausland lebenden Schweizers um eine ausserordentliche Rente
ohne Weiteres abgewiesen werden müsste; erst nach der Einreise in die Schweiz
könnte die Zusprache einer ausserordentlichen Rente in Frage kommen. Weshalb die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung den Terminus „Sistierung“
gebraucht hat, lässt sich also nicht nachvollziehen. Fest steht aber, dass es sich nur
um eine materielle Rentenaufhebung gehandelt haben kann. In diesem
Beschwerdeverfahren ist also zu prüfen, ob es rechtmässig gewesen ist, die laufende
ausserordentliche Rente des Beschwerdeführers mit Wirkung per 1. Februar 2021
materiell aufzuheben.
2.
Die Aufhebung einer formell rechtskräftig zugesprochenen, laufenden Rente mit
Wirkung ex nunc et pro futuro wegen einer nachträglich (nach der Rentenzusprache)
eingetretenen Sachverhaltsveränderung ist nur revisionsweise, das heisst in
2.1.
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Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG möglich. Der Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG
lautet: „Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben“. Bezüglich eines
Rentenanspruchs kann nach dem unmissverständlich klaren Wortlaut des Art. 17 Abs.
1 ATSG also nur eine Veränderung des Invaliditätsgrades revisionsrechtlich relevant
sein. Der klare Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG schliesst eine revisionsweise
Rentenanpassung wegen einer anderen – nicht den Invaliditätsgrad betreffenden –
Sachverhaltsveränderung aus. Nach der bundesgerichtlichen Auffassung (vgl. etwa
BGE 136 V 231 E. 5.1 S. 236 mit zahlreichen Hinweisen) bildet der Wortlaut einer
Bestimmung den Ausgangspunkt jeder Auslegung. Ist der Text nicht ganz klar und sind
verschiedene Interpretationen möglich, so muss unter Berücksichtigung aller
Auslegungselemente nach der wahren Tragweite gesucht werden. Wenn sich allerdings
aus dem Wortlaut zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergibt, ist allein auf das
grammatikalische Element abzustellen. Damit kann nur gemeint sein, dass sich die
Interpretation einer Gesetzesbestimmung immer dann auf eine rein grammatikalische
Auslegung beschränken muss, wenn der Wortlaut der Bestimmung klar und eindeutig
ist. Das ist in Bezug auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG offenkundig der Fall, weshalb gestützt
auf die eben wiedergegebene bundesgerichtliche Auffassung von einer historischen,
systematischen und teleologischen Interpretation des Art. 17 Abs. 1 ATSG abgesehen
werden müsste. Das hätte aber zur Folge, dass die Verlegung des Wohnsitzes oder
zumindest des gewöhnlichen Aufenthaltsortes des Beschwerdeführers ins Ausland als
eine revisionsrechtlich irrelevante Sachverhaltsveränderung qualifiziert werden müsste
(weil sie mit dem Invaliditätsgrad nichts zu tun hat) und dass es deshalb zum
Vorneherein unzulässig gewesen wäre, die Rente zufolge Wegfalls des Wohnsitzes
respektive des gewöhnlichen Aufenthaltes in der Schweiz revisionsweise aufzuheben.
Die angefochtene Verfügung müsste also ersatzlos aufgehoben werden; der
Beschwerdeführer hätte weiterhin einen Anspruch auf die bisherige Rente.
Gerade im vorliegenden Fall sticht aber ins Auge, dass die sich nur am klaren
Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG orientierende Auslegung zu einem falschen Ergebnis
führt, denn natürlich muss es zulässig sein, eine formell rechtskräftig zugesprochene,
laufende Rente auch bei anderen als nur den Invaliditätsgrad betreffenden
Sachverhaltsveränderungen revisionsweise anzupassen. Der Art. 17 Abs. 2 ATSG kann
für solche Fälle nicht (gleichsam „behelfsweise“) beigezogen werden, da sich sein
Anwendungsbereich auf „andere“ Dauerleistungen beschränkt, was Invalidenrenten
ausschliesst. Bei genauer Betrachtung deckt also der Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG
nicht all jene Fälle ab, die er eigentlich abdecken müsste. Die klare, abschliessende
2.2.
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Formulierung im Art. 17 Abs. 1 ATSG schliesst nämlich nicht nur eine revisionsweise
Aufhebung einer ausserordentlichen Rente bei einer Wohnsitz- oder
Aufenthaltsverlegung ins Ausland, sondern auch die revisionsweise Anpassung einer
(ordentlichen oder ausserordentlichen) Rente infolge einer Veränderung der für die
Höhe des Rentenbetrages massgebenden Berechnungsgrundlagen (z.B. „Splitting“
infolge Scheidung o.ä.) aus, was ganz offensichtlich nicht dem Willen des
Gesetzgebers entsprechen kann. Die teleologische Auslegung lässt keinen anderen
Schluss als jenen zu, dass der Art. 17 Abs. 1 ATSG die revisionsweise
Rentenanpassung bei jeder für den Rentenanspruch massgebenden nachträglichen
Sachverhaltsveränderung vorsieht. Der Wortlaut ist zwar klar, aber er entspricht nicht
dem wahren Sinn und Zweck der Bestimmung. Der Gesetzgeber hätte dieses
Auslegungsproblem verhindern können, wenn er den Art. 17 Abs. 1 ATSG komplett
weggelassen und aus dem Art. 17 Abs. 2 ATSG das Wort „andere“ entfernt hätte, denn
dann hätte der Wortlaut des Art. 17 ATSG alle nur denkbaren Fälle vollständig
abgedeckt. Die (unechte) ausfüllungsbedürftige Lücke im Wortlaut des Art. 17 Abs. 1
ATSG ist modo legislatoris zu füllen, indem die Wendung „ändert sich der
Invaliditätsgrad“ um den Zusatz „oder ein anderes anspruchsrelevantes
Sachverhaltselement“ zu ergänzen ist. Die Verlegung des Wohnsitzes oder des
gewöhnlichen Aufenthaltsortes des Bezügers einer ausserordentlichen Rente stellt ein
solches „anderes anspruchsrelevantes Sachverhaltselement“ dar, weshalb die
revisionsweise Aufhebung einer ausserordentlichen Rente in einem solchen Fall
grundsätzlich zulässig ist.
Gemäss der Rz. 7111 RWL erlischt der Anspruch auf eine ausserordentliche Rente
bei einer Wohnsitzverlegung ins Ausland mit Ablauf des Monats der
Wohnsitzverlegung. Verlegt der Rentenbezüger nicht seinen Wohnsitz, sondern nur
seinen Aufenthaltsort (vorübergehend) ins Ausland, ist laut den Rz. 7112 ff. RWL zu
unterscheiden: Nur kurzfristige Auslandsaufenthalte aus triftigen Gründen, wie etwa zu
Besuchs-, Ferien-, Geschäfts-, Kur- oder Ausbildungszwecken, unterbrechen die
Rentenberechtigung nicht. Erstreckt sich ein solcher Aufenthalt aufgrund bestimmter
unvorhergesehener Umstände auf längere Zeit, kann die Rente ebenfalls weiter
ausgerichtet werden, grundsätzlich jedoch höchstens während eines Jahres. Dauert
der Auslandsaufenthalt länger als ein Jahr, fällt die Rentenberechtigung dahin, selbst
wenn der Auslandsaufenthalt aus einem triftigen Grund erfolgt und nur für eine
vorübergehende Zeit gedacht war. Ausnahmsweise kann die ausserordentliche Rente
aber länger als nur für ein Jahr ausgerichtet werden, wenn der Schweizer Wohnsitz
beibehalten wird, wenn also der als kurzfristig beabsichtigte Auslandsaufenthalt wegen
zwingender unvorhergesehener Umstände (z.B. wegen Erkrankung oder Unfall usw.)
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/9
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über ein Jahr hinaus verlängert werden muss oder wenn zum Vorneherein zwingende
Gründe (z.B. Fürsorgemassnahmen, Ausbildung, Krankheitsbehandlung usw.) einen
voraussichtlich überjährigen Auslandaufenthalt erfordert haben. Diese
Ausnahmeregelung in der RWL muss mit Blick auf den vom Gesetzgeber geforderten
Grundsatz, dass ausserordentliche Renten generell nicht ins Ausland exportiert werden
sollen, als sehr grosszügig qualifiziert werden, denn sie zielt im Ergebnis darauf ab, das
gesetzliche Erfordernis des gewöhnlichen Aufenthaltes in der Schweiz (zusätzlich zum
Erfordernis des Schweizer Wohnsitzes) weitgehend auszuhebeln, da sie die
Rentenaufhebung erst zulässt, wenn der Rentenbezüger seinen gewöhnlichen
Aufenthaltsort für sehr lange Zeit, nämlich für mindestens ein Jahr, ins Ausland verlegt.
Im Bereich der Ergänzungsleistungen, deren Bezug ebenfalls den Wohnsitz und den
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz voraussetzt, führen bereits sehr viel kürzere
Auslandsaufenthalte zum Dahinfallen des EL-Anspruchs: Hält sich ein EL-Bezüger für
mehr als 92 Tage am Stück im Ausland auf oder verbringt er insgesamt mehr als 92
Tage innerhalb eines Jahres im Ausland, hat er keinen Anspruch mehr auf eine
Ergänzungsleistung, wobei das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
praxisgemäss nicht auf die entsprechende Regelung in der Wegleitung, sondern darauf
abstellt, ob angesichts der gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls davon
ausgegangen werden muss, dass der EL-Bezüger seinen Aufenthaltsort nicht bloss
kurzfristig (für Einkäufe, Besuche oder Ferien) ins Ausland hat verlegen wollen (vgl.
etwa den Entscheid EL 2019/52 vom 12. Januar 2021, E. 2).
Der Beschwerdeführer ist im Juli 2019 (vgl. IV-act. 178) aus der Schweiz
ausgereist. Sein Vertreter hat überzeugend aufgezeigt, dass der Auslandsaufenthalt
aus familiären Gründen erfolgt ist. Nach der (allzu) grosszügigen Regelung in den Rz.
7112 ff. RWL hätte der Beschwerdeführer spätestens im Juli 2020 in die Schweiz
zurückkehren müssen, um seine ausserordentliche Rente weiterhin beziehen zu
können. Er hat geltend gemacht, er habe eigentlich im Frühjahr 2020 in die Schweiz
zurückkehren wollen, aber die COVID-19-Pandemie habe die Rückreise verunmöglicht.
Diese Begründung überzeugt nicht, da die Schweiz ihren Staatsangehörigen die
Rückreise in die Heimat selbst während des „Lockdowns“ im Frühjahr 2020 jederzeit
ermöglicht hat. Der Vertreter des Beschwerdeführers hat denn auch nicht geltend
gemacht, die Rückreise in die Schweiz sei völlig ausgeschlossen gewesen. Vielmehr
hat er versucht zu erklären, wie umständlich und mühselig die Organisation einer
solchen Reise gewesen wäre. Selbst nach der (allzu) grosszügigen Regelung der Rz.
7112 ff. RWL haben solche Erschwernisse, die zudem ab dem Sommer 2020 für
mehrere Wochen bis Monate weitgehend dahingefallen sind, keine Verlängerung der
Rentenauszahlung über den Monat Juli 2020 hinaus rechtfertigen können.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/9
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3.
Dieser Verfahrensausgang gilt hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als
ein vollständiges Unterliegen des Beschwerdeführers. Die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten sind deshalb dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Sie sind durch den
von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.