Decision ID: 1d45c232-75e3-5dd6-ae60-e6c82ec24cb6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger und ethni-
scher Tamile mit letztem Wohnsitz in B._ ([...]provinz), gelangte ei-
genen Angaben zufolge am (...) 2016 illegal in die Schweiz. Am 23. März
2016 suchte er im Empfangs-und Verfahrenszentrum (EVZ) C._ um
Asyl nach. Am 5. April 2016 erhob das SEM seine Personalien und be-
fragte ihn zum Reiseweg sowie summarisch zu seinen Asylgründen (sog.
Befragung zur Person [BzP]). Mit Schreiben vom 17. Mai 2016 teilte ihm
das SEM mit, das angehobene Dublin-Verfahren sei beendet worden und
das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren werde durchgeführt. Am
29. März 2018 wurde er einlässlich zu den Asylgründen angehört (Anhö-
rung).
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei in D._ im Distrikt E._ geboren
und habe bis zum Beitritt zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)
ungefähr im Jahr 1990 an verschiedenen Orten in F._ gewohnt. Bis
etwa 1991 habe er Bunker gegraben, Verletzte abtransportiert und diese
erstversorgt. Wegen einer im Jahr 1991 bei einem Gefecht (...) erlittenen
Verletzung habe er fortan bei der Spionage weitergearbeitet. Da er sich in
eine Frau verliebt habe, diese schwanger geworden sei und er aus den
LTTE habe austreten wollen, habe er von (...) 1994 bis ungefähr 1996 im
Rahmen eines "punishment" Hilfsarbeiten für die LTTE verrichten müssen.
Im (...) 1996 habe man ihm erlaubt, nach Hause zu gehen. Fortan sei er
nicht mehr für die LTTE tätig geworden. Um den Lebensunterhalt zu be-
streiten, habe er in der Landwirtschaft und (...) gearbeitet. Im Jahr 1999 sei
er mit seiner Frau und seinen Kindern nach B._ gezogen. Dort sei
er im Jahr 2000 vom Criminal Investigation Department (CID) verhaftet und
beschuldigt worden, weiterhin für die LTTE Spionage betrieben zu haben.
Seine Frau habe durch eine Geldzahlung an die Person, die ihn verhaftet
habe, erwirkt, dass ein Zeuge mehrmals vor Gericht nicht aufgetreten sei.
Deshalb sei er im Jahr 2002 aus der Haft entlassen worden. Daraufhin sei
er zu seiner Familie zurückgekehrt und habe als Fahrer eines (...) gearbei-
tet. Mit diesem habe er auch Fahrten nach G._ durchgeführt. Aus-
ser einem einzigen Besuch durch die Terrorism Investigation Division (TID)
ungefähr ein halbes Jahr nach seiner Freilassung habe er keine weiteren
Probleme mit den Behörden gehabt. Im (...) 2007 sei er von der Special
Task Force (STF) festgenommen und der Polizei übergeben worden. Diese
habe ihn einen ganzen Tag lang durch verschiedene Personen befragt. Auf
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Anraten eines ihm angeblich bekannten CID-Angehörigen sei er mithilfe
einer Bürgschaft seiner Frau freigelassen worden. Ungefähr im (...) 2007
habe die STF bei seinem Arbeitgeber nach ihm gefragt. Deshalb sei er am
(...) 2007 mit einem Touristenvisum nach H._ ausgereist. Zwei
Jahre nach der Ausreise sei in Sri Lanka zu Hause einmal nach ihm gefragt
worden. Da seine Aufenthaltsbewilligung in H._ im (...) 2016 abge-
laufen und nicht erneuert worden wäre, habe er sich nach einem abgelehn-
ten Aufenthaltsantrag für I._ entschieden, im (...) 2016 von
H._ in die Schweiz zu reisen.
Der Beschwerdeführer reichte anlässlich seiner Anhörung folgende Be-
weismittel zu den Akten: seine Identitätskarte, eine Kopie seines Reisepas-
ses, einen Ausweis der Vertretung des Amtes des Hohen Flüchtlingskom-
missars der Vereinten Nationen (UNHCR) in H._, seinen Ehe-
schein, Geburtenregisterauszüge von sich und seinen (...) Kindern, eine
Karte und eine Haftbestätigung der Vertretung des Internationalen Komi-
tees vom Roten Kreuz (IKRK) in Sri Lanka, zwei gerichtsmedizinische Be-
richte betreffend Haft, ein Gerichtsdokument und eine Bestätigung des Ge-
fängnisses J._ betreffend Haftentlassung sowie eine diesbezügli-
che Bestätigung der sri-lankischen Human Rights Commission (HRC).
B.
Mit Verfügung vom 27. August 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständi-
gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 23. September 2019 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die Ver-
fügung vom 27. August 2019 vollumfänglich aufzuheben und ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme
anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-
ten, wobei er eine Bestätigung betreffend Fürsorgeabhängigkeit einreichte,
sowie die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei-
zuordnen.
Als Beweismittel reichte er (...) Fotografien von einer Demonstration zu den
Akten.
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D.
Am 1. Oktober 2019 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang der Be-
schwerde bestätigt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende
Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG
übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue
Gesetzesbezeichnung verwendet.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Abteillungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1
VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf ei-
nen Schriftenwechsel verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 und
2010/44 E. 3.4; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 und 2004 Nr. 1 E. 6a).
4.3 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist grundsätzlich die Si-
tuation zum Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend. Dabei ist einer-
seits die Frage nach der zum Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen
Furcht zu stellen und andererseits zu prüfen, ob die Furcht vor einer ab-
sehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. So sind Veränderungen der ob-
jektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid zu-
gunsten und zulasten des Gesuchstellers zu berücksichtigen (vgl. BVGE
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2008/4 E. 5.4 S. 38; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 1990,
S. 135 ff.).
4.4 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die
Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson-
dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in
sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge-
blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden
(Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an
das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar-
gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass die Vorbringen
des Beschwerdeführers nicht asylrelevant seien. Er habe keinen klaren An-
haltspunkt zu Protokoll gegeben, weshalb er nach dem erneuten Ausbruch
des Krieges im (...) 2007 vom CID zu einer Befragung mitgenommen wor-
den sei. So habe er erklärt, er habe nach seinem Austritt aus den LTTE
ungefähr im Jahr 1996 nichts mehr mit dieser Bewegung zu tun und nach
seiner Haftentlassung im Jahr 2002, ausser einem einzigen Besuch der
TID, die sich bei ihm nach allfälligen Problemen mit anderen Gruppierun-
gen erkundigt habe, keine weiteren Schwierigkeiten mit den Behörden ge-
habt. Den genauen Grund, weshalb er weiterhin gesucht und im (...) 2007
festgenommen worden sei, habe er nicht zu benennen vermocht. Er habe
vermutet, dass er aufgrund fehlender Meldungen betreffend seine Tätigkeit
als Fahrer eines (...) verdächtigt worden sei, obwohl er den Behörden von
dieser Arbeit erzählt habe. Nach dieser Festnahme sei er noch einmal, im
(...) 2007, von der STF an seinem Arbeitsplatz aufgesucht worden. Darauf-
hin sei ihm klargeworden, dass er seinen Heimatstaat verlassen müsse.
Vorher habe er nicht daran gedacht, da er ein schönes Leben gehabt, gut
verdient habe und mit seiner Familie glücklich gewesen sei. Nachdem er
ein Touristenvisum beantragt habe, habe er Sri Lanka mit seinem eigenen
Reisepass in Richtung H._ verlassen. Ungefähr zwei Jahre nach
seiner Ausreise hätte sich letztmals ein Angehöriger des CID bei seiner
Frau nach ihm erkundigt. Daraufhin habe er diesen angerufen. Nach die-
sem Anruf habe er (...) Rupien bezahlen müssen. Gemäss seinen Aussa-
gen sei der Grund für diese letztmalige Suche nach seiner Person ein be-
hördlicher Personalwechsel gewesen, wobei er wahrscheinlich überprüft,
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dann aber "sein gelassen" worden sei. Die im (...) 2007 eingegangene
Bürgschaft deute – so das SEM – daraufhin, dass er aus monetären Inte-
ressen festgenommen worden sei. Solche seien aber kein asylrelevanter
Verfolgungsgrund gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG. Die fehlende Intensität der
Verfolgung werde zudem durch die gleichentags erfolgte Freilassung evi-
dent. Obschon er ein halbes Jahr später erneut aufgesucht worden sei, sei
unklar, inwiefern er aufgrund seiner jahrzehntelang zurückliegenden Aktivi-
täten als LTTE-Mitglied noch Schwierigkeiten haben sollte. Als ernsthaft
verfolgte Person wäre die Ausstellung eines Touristenvisums mit anschlies-
sender problemloser Aus- und Wiedereinreise nicht möglich gewesen. Die
zwei Jahre später aufgrund eines Personalwechsels beim CID erfolgte
Kontrolle seines Dossiers und seine diesbezügliche Geldleistung manifes-
tiere erneut das monetäre Interesse der Behörden. Dabei handle es sich
gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers nicht um eine staatliche
Verfolgung in asylrelevanter Hinsicht, sondern um finanzielle Absichten der
Behörden.
Seine tamilische Ethnie und (...)jährige Landesabwesenheit seien für den
Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht ausreichend für eine begründete
Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG.
Diesbezüglich bestünden in seinem Fall auch keine anderen Faktoren. So
sei er mit einem gültigen Reisepass legal aus seinem Heimatstaat ausge-
reist, wobei er nicht darzulegen vermocht habe, vor der Auseise asylrele-
vanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Die von ihm
geltend gemachte Vorgehensweise der sri-lankischen Behörden und vor-
gebrachten behördlichen Kontakte vermöchten eine intensive Verfolgung
nicht zu bezeugen. Letztlich änderten daran auch die eingereichten Be-
weismittel nichts, zumal sich diese lediglich auf den Gefängnisaufenthalt
und das dazugehörige, abgeschlossene Gerichtsverfahren in den Jahren
2000 bis 2002 bezögen.
Zwar könne bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz darauf verzichtet wer-
den, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. Dennoch sei
abschliessend zu bemerken, dass bezüglich der vorgebrachten Erlebnisse
eine Vielzahl von Ungereimtheiten auszumachen seien. Abgesehen von
widersprüchlichen Angaben zu seinen LTTE-Tätigkeiten und zu seiner Haft
sei letztlich darauf hinzuweisen, dass er in der Anhörung anfänglich von
Rehabilitation beziehungsweise Rehabilitationsprogramm gesprochen, am
Ende jedoch seine Aussage mit der Erläuterung revidiert habe, dass es
sich dabei um Haft gehandelt habe.
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5.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen in der Rechtsmitteleingabe
ein, die vorinstanzlichen Erwägungen liessen eine Gesamtwürdigung ver-
missen. Damit seine Gefährdungslage vor seiner Ausreise korrekt einge-
schätzt werden könne, müssten seine Vorbringen als Gesamtes betrachtet
werden. Insbesondere sei er während seiner Arbeit als Fahrer in
B._ regelmässig während mehrerer Tage abwesend gewesen.
Nachdem der Krieg wieder ausgebrochen sei, sei es aus Sicht der sri-lan-
kischen Behörden naheliegend gewesen, den Beschwerdeführer zu ver-
dächtigen, weiterhin für die LTTE tätig zu sein. Deshalb lägen entgegen
den vorinstanzlichen Feststellungen Anhaltspunkte dafür vor, weshalb er
im (...) 2007 erneut inhaftiert und befragt worden sei. Bei der Bürgschaft im
Jahr 2007 seien monetäre Interessen zu verneinen, da seine Frau damals
eine Erklärung habe unterzeichnen müssen, dass er bei ihr lebe und sie
zur Rechenschaft gezogen werden könne, falls er verschwinden würde.
Zudem sei er nicht lediglich im (...) und (...) 2007 durch die STF gesucht
worden, sondern zwischendurch mehreren Kontrollen durch die STF aus-
gesetzt gewesen. Im (...) 2007 sei er erstmals bei jemand anderem gesucht
worden, wogegen sich die STF bei den vorherigen Vorfällen direkt an ihn
gewandt habe. Sodann sei nicht nachvollziehbar, weshalb er kein Touris-
tenvisum für H._ hätte erlangen können, wenn er tatsächlich ge-
sucht worden wäre, zumal dafür die (...) Botschaft zuständig gewesen sei.
Auch sei darauf hinzuweisen, dass er mit dem Visum nur ausgereist und
nicht, wie die Vorinstanz festhalte, wieder eingereist sei. Schliesslich habe
diese eine begründete Furcht sowohl bei der Ausreise wie auch für den Fall
einer Rückkehr nach Sri Lanka zu Unrecht verneint. Insbesondere sei zu
beachten, dass er verschiedene Narben am Körper trage und in der
Schweiz, wenn auch nicht in exponierter Stellung, exilpolitisch aktiv gewe-
sen sei.
5.3 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift nahm die
Vorinstanz eine Gesamtwürdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers
vor. So hielt sie insbesondere fest, dass die geltend gemachte Vorgehens-
weise der sri-lankischen Behörden und die vorgebrachten Behördenkon-
takte keine intensive Verfolgung zu bezeugen vermöchten. Dabei berück-
sichtigte sie auch die Haft des Beschwerdeführers von 2000 bis 2002 und
das dazugehörige, abgeschlossene Gerichtsverfahren. Dazu hielt die
Vorinstanz fest, dass die diesbezüglich eingereichten Beweismittel ihre
Einschätzung nicht umzustossen vermöchten. Was den Einwand anbe-
langt, der Beschwerdeführer sei im (...) 2007 festgenommen und während
eines Tages befragt worden, weil er aufgrund seiner Vergangenheit ver-
dächtigt worden sei, weiterhin für die LTTE tätig zu sein, handelt es sich
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lediglich um eine Mutmassung. So gab er zu Protokoll, dass nach Wieder-
aufflammen des Krieges im Jahr 2006 die Strassen gesperrt worden seien.
Es sei vermehrt zu Verhaftungen gekommen und die Kontrollen seien sehr
streng gewesen (vgl. act. [...]). Im (...) 2007 sei er anlässlich einer Razzia
der STF festgenommen und zum lokalen Polizeiposten in einen Raum mit
(...) bis (...) Personen gebracht worden. Bei seiner Befragung sei ihm vor-
gehalten worden, dass er auch Fahrten ins Vanni-Gebiet unternehme. Da-
rauf habe er geantwortet, diese seien arbeitsbedingt und hätten nichts mit
den LTTE zu tun. Bei seiner Freilassung sei er dazu angehalten worden,
den Behörden mitzuteilen, falls er B._ verlasse. Danach sei er nicht
mehr ins Vanni-Gebiet gefahren, weil die Strassen dorthin gesperrt worden
seien. Er sei aber nach K._, L._ und an andere Orte gefah-
ren, habe dies aber nicht gemeldet, da es nicht möglich gewesen sei, weil
er die Aufträge für die Fahrten kurzfristig erhalten habe. Er vermute, dass
er deswegen weiterhin gesucht worden sei (vgl. a.a.O., [...]). Zwar ist nach
dem Gesagten mit dem Beschwerdeführer davon auszugehen, dass seine
Festnahme im (...) 2007 nicht aus monetären Interessen im Zusammen-
hang mit einer Bürgschaft erfolgte. Hätten die Behörden aber ein ernsthaf-
tes Interesse an ihm gehabt, weil sie einen konkreten Verdacht der Koope-
ration mit den LTTE gegen ihn gehegt hätten, wäre er – mit oder ohne
Bürgschaft – nicht bereits nach einem Tag und lediglich mit der Aufforde-
rung freigelassen worden, sich bei ihnen zu melden, wenn er B._
verlasse. Sodann sprechen zwar der Umstand, dass der Beschwerdefüh-
rer aufgrund seiner vormaligen Tätigkeiten für die LTTE in der Zeit von
2000 bis 2002 inhaftiert war, und der weitere Verlauf des Bürgerkriegs in
Sri Lanka dafür, dass seine Furcht vor künftiger Verfolgung zum Zeitpunkt
seiner Ausreise subjektiv begründet war. Trotzdem sind diesbezüglich
Zweifel angebracht. So trifft zwar der Einwand zu, dass er sich für die Er-
langung des (...) Visums nicht an die sri-lankischen Behörden wenden
musste. Trotzdem erstaunt, dass er trotz der ihm bekannten strengen Kon-
trollen im Flughafen von B._ mit seinem eigenen damaligen Reise-
pass verlassen haben will (vgl. act. [...]). Zudem erklärte er, er habe sich
erst zur Ausreise entschlossen, als ihm sein Chef im (...) 2007 mitgeteilt
habe, dass die STF nach ihm gefragt habe (vgl. act. [...]). Dieses zentrale
Vorbringen erwähnte er jedoch anlässlich der BzP mit keinem Wort, wobei
er keinen plausiblen Grund für diese Unterlassung anzugeben vermochte
(vgl. a.a.O., [...]). Doch selbst wenn von einer begründeten Furcht vor einer
zukünftigen Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgegangen würde,
wäre eine solche zum heutigen Zeitpunkt zu verneinen. So wurde die Frau
des Beschwerdeführers trotz ihrer Bürgschaft nach dessen Verschwinden
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bislang offenkundig von den sri-lankischen Behörden nicht zur Rechen-
schaft gezogen. Zudem zeitigte auch die zwei Jahre nach der Ausreise des
Beschwerdeführers erfolgte Überprüfung seines Dossiers nach dem perio-
dischen Personalwechsel der Behörden keine Folge für ihn. Schliesslich ist
noch Folgendes zu erwähnen: Der Beschwerdeführer reichte anlässlich
der BzP weder Identitätsausweise oder Reisepapiere noch andere Beweis-
mittel zu den Akten. Er begründete dies damit, dass er diese Dokumente
seinem Schlepper in H._ übergeben habe (vgl. act. [...]). An seine
Verfahrenspflichten ermahnt, stellte er in Aussicht, seine Unterlagen beim
Schlepper erhältlich zu machen und einzureichen (vgl. a.a.O., [...]). Anläss-
lich der Anhörung reichte er seine Identitätskarte und alle weitere Doku-
mente, mit Ausnahme des Reisepasses, von dem er lediglich eine Kopie
abgab, im Original zu den Akten. Nach der Beschaffung der Dokumente
befragt, erklärte er, er habe die Originale in H._ bei sich gehabt. Als
er von dort in die Schweiz gereist sei, habe er dem Schlepper gesagt, er
solle sie nach Hause schicken. Nun habe seine Frau sie ihm gesandt (vgl.
act. [...]). Die Frage, ob der Schlepper seiner Frau auch seinen Original-
pass gesandt habe, verneinte er, wobei er lachte und ausführte, er habe
bei seiner Frau nachgefragt und diese habe ihm gesagt, dass sie keinen
Pass erhalten habe (vgl. a.a.O., [...]). Den Grund seines Lachens erklärte
er damit, dass er eine Kopie des Passes habe. Sein erster Pass sei abge-
laufen, und er habe in H._ einen neuen beantragt und erhalten (vgl.
a.a.O., [...]). Unter diesen Umständen kann zum einen nicht ausgeschlos-
sen werden, dass der Beschwerdeführer den Schweizer Asylbehörden das
Original seines Reisepasses bewusst vorenthält. Zum andern wurde dieser
gemäss der Kopie am [...] ausgestellt. Es ist davon auszugehen, dass sich
der Beschwerdeführer nicht zwecks Ausstellung eines Reisepasses an die
heimatlichen Behörden gewandt hätte, wenn er damals noch befürchtet
hätte, von diesen verfolgt zu werden, beziehungsweise ihm die Behörden
kein neues Reisedokument ausgestellt hätten, wenn sie ihn noch gesucht
hätten. Schliesslich sind der Passkopie auch keine Hinweise darauf zu ent-
nehmen, dass das Dokument von der sri-lankischen Vertretung in
H._ ausgestellt wurde. Vielmehr ist darauf "[...]" zu lesen. Zudem
datiert der von ihm eingereichte (...) UNHCR-Ausweis vom (...) 2013. Nach
dem Gesagten ist auch nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer
entgegen seiner Aussage (vgl. act. [...]) nach seiner Ausreise nach
H._ im Jahr 2007 von dort vor seiner Weiterreise vom (...) 2016
nach Europa in seinen Heimatstaat zurückgekehrt ist.
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5.4 Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt sein wird. Das Bundesverwaltungsgericht hält diesbezüg-
lich fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop-List», Verbindung
zur LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu
qualifizieren, da sie unter bestimmten Umständen bereits für sich alleine
genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Dem-
gegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine
zwangsweise respektive begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Nar-
ben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass
diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor
ernsthaften Nachteilen zu begründen vermögen. Jegliche glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechsel-
wirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer
Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
bejaht werden müsse (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 8.5.5 [als Referenzurteil publiziert]).
5.5 Der Beschwerdeführer vermochte keine asylrelevante Verfolgung vor
seiner Ausreise nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wobei eine da-
mals allfällig bestehende begründete Furcht vor Verfolgung zum heutigen
Zeitpunkt zu verneinen ist. Zwar hat er seine Verbindung zu den LTTE
glaubhaft gemacht, was als stark risikobegründender Faktor zu werten ist.
Ein einziger starker Risikofaktor führt aber in der Regel nicht zu einer Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG. Zudem ist er im Jahr 1996 aus den
LTTE ausgetreten und wurde seine LTTE-Vergangenheit durch eine mehr-
jährige Haft und ein Gerichtsverfahren im Jahr 2002 abgeschlossen. Durch
seine tamilische Ethnie und seine lange Abwesenheit von Sri Lanka verfügt
er zwar über ein gewisses Minimalprofil, was eine erhöhte Wachsamkeit
der sri-lankischen Behörden hervorrufen könnte, jedoch ohne weitere Fak-
toren keine asyl- beziehungsweise flüchtlingsrechtlich relevante Gefähr-
dungssituation zu begründen vermag. So wird erstmals in der Beschwer-
deschrift und lediglich pauschal vorgebracht, der Beschwerdeführer trage
verschiedene Narben am Körper. Auch die (...) als Beweismittel eingereich-
ten Fotografien von einer Demonstration vermögen sein Risikoprofil nicht
zu schärfen, brachte er doch vor, er habe im Zusammenhang mit der tami-
lischen Politik in der Schweiz lediglich (...) Mal an einer Demonstration teil-
genommen (vgl. act. [...]), und wird in der Beschwerdeschrift zu Recht aus-
geführt, er sei exilpolitisch nicht in besonders exponierter Stellung aktiv.
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Seite 12
5.6 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in
der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzuge-
hen, da sie an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu
ändern vermögen. Das SEM hat demnach zu Recht festgestellt, dass der
Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und hat das Asyl-
gesuch abgelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt; es
berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. Der Beschwer-
deführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-
gung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde zu Recht
angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1
AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Be-
gründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
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dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E- 1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 f.). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
(EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt festgestellt,
dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen
drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschät-
zung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J.
gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den
Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerde-
führer hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über einen sogenannten
„Backgroundcheck“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch persönlich ge-
fährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
7.3.1 Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in
Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass
der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des Vanni-Ge-
biets) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen
Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 13.2). In seinem neusten als Referenzurteil publizierten Entscheid er-
achtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins
Vanni-Gebiet als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 E. 9.5). Daran vermögen auch die Anschläge am 22. Ap-
ril 2019 und der gleichentags von der sri-lankischen Regierung verhängte
Ausnahmezustand (Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 22. April 2019, Co-
lombo spricht von islamistischem Terror, < https://www.msn.com/de-
ch/nachrichten/international/colombo-spricht-von-islamistischem-terror/ar-
BBWbdz3#page=1 >) nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer D-2361/2019
vom 2. Juli 2019 E. 9.3).
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Des Weiteren wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum
neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ],
In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019;
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März
2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema-
ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht
war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge-
gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben.
Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun-
gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020).
Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda
zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa,
in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten be-
fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung
von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of
"Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen
Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein
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persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts-
wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solcher
ist nach den vorstehenden Erwägungen zu verneinen.
7.3.2 Die Familie des Beschwerdeführers besitzt (...) und ein (...) (vgl. act.
[...]). Die Familie seiner Ehefrau ist wohlhabend (vgl. a.a.O., [...]). Diese
unterstützte ihn während der Haft finanziell und leistete die im Zusammen-
hang mit seiner Freilassung im Jahr 2002 erforderliche Geldzahlung. Aus-
serdem kümmere sich die Familie seiner Frau seit seiner Ausreise im Jahr
2007 um ihre (...) und seine Kinder (vgl. a.a.O., [...]). Er selbst war während
mehrerer Jahre als Fahrer eines (...) tätig und vermochte damit seine Fa-
milie gut zu ernähren. Seine Frau und seine (...) sind in B._ wohn-
haft. Zudem leben auch seine (...) Geschwister in Sri Lanka (vgl. act. [...]).
Somit ist von einem tragfähigen sozialen Beziehungsnetz in seinem Hei-
matstaat auszugehen, das ihn nötigenfalls bei der Wiedereingliederung un-
terstützen könnte. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller
Hinsicht als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 16
9.
9.1 Der Beschwerdeführer hat die amtliche Rechtsverbeiständung bean-
tragt. Bei Beschwerden insbesondere gegen ablehnende Asyl- und Weg-
weisungsentscheide bestellt das Bundesverwaltungsgericht auf Antrag der
asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten be-
freit wurde, eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechts-
beistand (vgl. aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). Die Kostenbefreiung wird auf
Antrag einer Partei gewährt, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt,
sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. Art. 65 Abs. 1
VwVG). Da sich vorliegend die Rechtsbegehren als nicht aussichtslos er-
wiesen haben und die prozessuale Bedürftigkeit nachgewiesen ist, ist das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen, weshalb dem Beschwerdeführer keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Zudem ist mit vorliegendem Urteil der
Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegen-
standslos geworden. Folglich ist auch sein Gesuch um amtliche Rechts-
verbeiständung gutzuheissen und dem Beschwerdeführer die rubrizierte
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen (aArt. 110a
Abs. 1 Bst. a AsylG). Die Rechtsvertreterin reichte mit der Beschwerde
eine Honorarrechnung im nicht mehrwertsteuerpflichtigen Totalbetrag von
Fr. 1'484.– ein. Darin wies sie eine Dossiereröffnungspauschale, einen Ar-
beitsaufwand von neun Stunden à Fr. 150.– sowie Auslagen von Fr. 84.–
(Dolmetscherin und Porto) aus. Der Aufwand ist in zeitlicher Hinsicht als
leicht überhöht zu qualifizieren und um eine Stunde zu kürzen. Die Eröff-
nungspauschale wird praxisgemäss nicht vergütet. Gestützt auf die in Be-
tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist der Gesamtaufwand auf
Fr. 1'284.– (inkl. Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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