Decision ID: a449b36f-d5ed-4878-adbf-40ba989ba16a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1971
geborene
X._
arbeitete ab
April 1989 als Maurer beziehungs
weise ab
1.
Juli 2011 als Bauvorarbeiter
.
Am 2
8.
Juni 2012 erlitt er einen Heck
auffahrunfall und am 2
3.
Mai 2013 einen Treppensturz (vgl.
Urk.
6/5/65-66
,
6/98/1).
Am 1
9.
Februar 2014 meldete er sich
unter Hinweis auf diese beiden Unfälle sowie auf eine schwere Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Unfall- und des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
6/
5, 6/14, 6/28
) und führte erwerbliche sowie m
edizinische Abklärungen durch (
Urk.
6/17, 6/18, 6/19
, 6/30-31,
6/33
). Unter anderem veranlasste sie eine Begutachtung bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Gutachten vom
6.
März 2016,
Urk.
6/71). Nachdem ihr Regionaler Ärztlicher Dienst dazu Stell
ung genommen hatte (
Urk.
6/102/5),
liess sie durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychiatrie,
ein weiteres Gutachten
(Ober
gutachten)
erstellen (Gutachten vom
6.
Juli 2016,
Urk.
6/98
). Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/
103, 6/111) wies
sie
mit Verfügung vo
m 2
4.
Oktober 2016 das Leistungsbegehren ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
3.
November 2016 Beschwerde und bean
tragte die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen, eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung (
Urk.
1 S. 2)
. Die IV-Stelle schloss in der Be
schwerdeantwort vom 1
1.
Januar 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen od
er psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke
iten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aussch
liesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesund
heit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidi
tät im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invaliden
versicherungs
rechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbs
fähigk
eit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welch
em Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Be
ein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigk
eit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
An
spruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindes
tens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28 Abs. 2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Zu prüfen ist, ob die mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2016 erkannte
Verneinung
eines Leistungsanspruchs zu Recht erfolgte. Strittig
zwischen den Parteien ist
die Auswirkung des psychischen Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit.
2.2
Das Gutachten von
Dr.
Z._
wird von beiden Parteien als beweiskräftig aner
kannt.
Der Beschwerdeführer berief sich in der Beschwerde auf die darin attes
tierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
1).
Die IV-Stelle verneinte in der angefochtenen Verfügung einen invalidisierenden Gesundheitsscha
den mit der Begründung,
die psychiatrische Erkrankung sei therapierbar. Der Beschwerdeführer habe die Behandlungsmöglichkeiten bislang nicht ausge
schöpft (
Urk.
2).
2
.3
Nach der früheren Rechtsprechung wurde bei leichten bis mittelschweren Störun
gen aus dem depressiven Formenkreis, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, angenommen, dass - aufgrund der nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung regelmässig guten Therapierbarkeit - hieraus keine IV-rechtlich rele
vante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiert. Den leichten bis mittel
schweren depressiven Erkrankungen fehlt
e
es, solange sie therapeutisch
angehbar
sind, an einem hinreichenden Schweregrad der Störung, um diese als invalidisie
rend anzusehen (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3, Bundesgerichtsurteil 8C_753/2016 vom 1
5.
Mai 2017). Nur in der seltenen Konstellation mit Therapieresistenz war den normativen Anforderungen des
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG für eine objekti
vierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3).
Mit
BGE 143 V 409 und 143 V 418 - welche beiden
höchstrichterlichen
Ent
scheide am 3
0.
November 2017, mithin nach Erla
ss der angefochtenen Verfü
gung
, ergingen - hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung geändert und fest
gestellt, dass die Therapierbarkeit allein keine abschliessende evidente Aussage über das Gesamtmass der Beeinträchtigung und deren Relevanz im IV-rechtlichen Kontext zu liefern vermöge. Weiter hat es erkannt, dass sämtliche psychischen Erkrankungen, namentlich auch depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur, grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind, welches bislang bei Vorliegen somatoformer Schmerz
störungen anhand eines Kataloges von Indikatoren durchgeführt wird. Dieses bleibt entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise
verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztli
cher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen wer
den kann
.
3.
3.1
Infolge der Unfälle vom 2
8.
Juni 2012 und 2
3.
Mai 2013
war der Beschwerde
führer vom
7.
November bis 1
2.
Dezember 2013 in der Rehaklinik
A._
hos
pitalisiert. Ein organisches Substrat für die geklagten Schmerzen im Sinne einer bildgebend oder sonst nachweisb
aren strukturellen Veränderung
konnte ausge
schlossen werden (
Urk.
6/5/33
, vgl. auch
Urk.
6/38/8). Die Klinikärzte hielten eine erhebliche Symptomausweitung fest. Es sei davon au
szugehen, d
ass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könne, als im Rahmen der Leistungs
tests
im Behandlungsprogramm gezeigt worden sei. Das Ausmass der demons
trierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren patho
logischen Befunden nur zum Teil erklären. Eine psychiatrische Diagnose ste
llten die Ärzte nicht. S
ie hielten bloss fest, die festgestellte psychische Störung be
gründe aktuell keine arbe
itsrelevante Leistungsminderung.
Dem Beschwerde
führer attestierten sie ab 1
0.
Januar 2014 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit als Vorarbeiter. Aufgrund seines subjektiven Schwindelgefühls brachten sie dazu den Vorbehalt an, dass
aktuell noch kein Ersteigen von Leitern und Gerüsten möglich sei (Bericht vo
m 1
2.
Dezember 2013,
Urk.
6/5/33-41
).
3.2
Der behandelnde Psychiater
PD
Dr.
med.
B._
diagnostizierte im Bericht vom
3.
April 2014 eine schwere,
chron
ifizierte
Depression (ICD-10 F32.2), bestehend sei mindestens Juni 201
3.
Er wies darauf hin, dass der Beschwerdeführ
er seit September 2013 wieder zu
20
%
arbeite. Es handle sich um einfache Hilfstätig
keiten, die er in
einem langsamen Tempo täglich während
ca. zwei Stunden aus
führe. Danach müsse er die Arbeit wegen verstärkter Besch
werden und Erschöp
fung beenden (
Urk.
6/17/6).
PD
Dr.
B._
bescheinigte
dem Beschwerdeführer
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80
%
(
Urk.
6/17/10
, vgl. auch
Urk.
6/14/1-3
).
3.3
Im Auftrag des zuständigen Krankentaggeldversicherers wurde der Beschwerde
führer durch das
C._
orthopä
disc
h-psychiatrisch begutachtet
.
A
us somatischer Sicht
wurde
eine Einschränkung
der Arbeits
fähigkeit verneint. Das Ausmass der Nackenschmerzen und der subjektiven Limi
tierung konnte nicht plausibilisiert werden. Die Evaluation der funktionellen Leis
tungsfähigkeit ergab eine mässige Symptomausweitung
(
Urk.
6/28/5-7).
Aus psychiatrischer Sicht
wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD F32.1, F32.2) diagnostiziert
.
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) beigemessen.
Dazu wurde ausgeführt, der Be
schwerdeführer habe
etwa einen Monat nach dem Auffahrunfall vom 2
8.
Februar 2012 eine depressive Störung entwickelt. Seit mindestens Juni 2013 könne eine mittelgradige bis schwere depressive Episode erhoben werden, gekennzeichnet durch
eine
niedergeschlagene Stimmungslage mit Lustlosigkeit, Freudlosigkeit, Affektstörungen und psychomotorischer Unruhe. Der Beschwerdeführer wirke im Denken auf seine körperlichen Beschwerden und soziale Situation völlig
negativistisch
eingeengt mit Grübeln, fehlenden Zukunftsperspektiven sowie Zukunfts- und Existenzängsten.
Sodann bestünden Suizidgedanken ohne Hinweise für eine suizidale Einengung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Insuffizienzgefühle, ver
mindertes Selbstvertrauen, Schlafstörungen, verminderte Motivation, Interessen
losigkeit und
ein
sozialer Rückzug. Trotzdem habe der Beschwerdeführer
nach eigenen Angaben
soziale Kontakte. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens lasse sich nicht feststellen
.
Aus psychiatrischer Sicht res
pektive im Rahmen der Gesamtbeurteilung wurde dem Beschwerdeführer
für die Tätigkeit als Maurer eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80
%
und in einer Verweistätigkeit eine Einschränkung von 60
%
attestiert
(
Urk.
6/28/7-8, 6/28/22
-25).
3.4
Dr.
Y._
hielt im Gutachten vom
6.
März 2016 eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungssituation (ICD-10 F43.21
) fest, welcher Diagnose er indes
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass.
Mithin bescheinigte er aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsfähig
keit.
Er führte aus, der
athletisch und gepflegt erscheinende
Beschwerdeführer sei
w
ährend der gesamten Untersuchung auf dem Stuhl gesessen und habe sich ohne Schmerzen bewegt. Bei der Beantwortung der Fragen hab
e er sich jeweils problemlos zur
nebe
n ihm sitzenden Dolmetscherin
gewandt. Die Mimik und Gestik seien verhalten gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich wach und allseits ori
entiert gezeigt. Auffassung, Konzentration und Gedächtnis seien unauffällig ge
wesen. Im Denken sei er auf die körperlichen Beschwerden eingeengt, im Affekt eher herabgestimmt, wenig schwingungsfähig gewesen. Hinweise auf eine akute Suizidalität bei anamnestisch vorhandenen Suizidgedanken hätten keine bestan
den (
Urk.
6/71/13-14).
I
m Rahmen der Begutachtung seien
zahlreiche Inkongruenzen und Diskrepanzen zwischen den ge
schilderten Beschwerden und d
en berichteten Aktivitäten aufge
falle
n. So gebe der Beschwerdeführer
an, auf
grund seiner Schmerzen nach einer
Gehstrecke
von 500 m
eine Pause einlegen zu müssen. Gleichzeitig habe er
detailliert und nach intensivem Nachfragen ausgeführt, wie er
kürzlich
eine 15-stündige Autofahrt nach Kalabrien mit seinem Personenwagen in Begleitung eines Kollegen absolviert habe. Dabei hätten
sie sich beim Fahren
abgewechselt und seien ohne Pausen die ganze Strecke durchgefahren (
Urk.
6/
71/12-13+
20).
Der
Beschwerdeführer
sei
fähig, alle ein bis zwei Monate mit dem Auto nach Kalabrien zu seiner Familie zu fahren
, obschon er nach eigenen Angaben unter
schwersten Konzentrationsstörungen
leide
, die es ihm sogar verunmögli
chten, längere Zeit TV zu sehen
(
Urk.
6/71/21). Bezüglich der aktuellen psychischen Beschwerden
bleibe die Situation unklar. Der Beschwerdeführer
betone, dass die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit primär aufgrund von körper
lichen Schmer
zen zustande kämen
. Die depressiven Beschwerden interpretiere er als Folge die
ser körperlichen Schmerzen. Allerdings befinde er sich seit längerer Zeit nicht mehr in Beha
ndlung für die
körperlichen Leiden, sondern nur no
ch in psycho
therapeutischer Behandlung. Die antidepressive Medikation habe wegen Wir
kungslosigkeit mehrmals umgestellt werden müssen. Mittlerwei
le nehme der Beschwerdeführer
nur noch 100 mg
Saroten
abends ein. Insgesamt sei
die
Schilde
rung des invalidisierenden Beschwerdebilds, welches mit chronischen Schmerzen begründet werde, aus psychiatrischer Sicht wenig nachvollziehbar. Es fänden sich weder in den
Vorakten
noch in der aktuellen gutachterlichen Untersuchung klare Hinweise auf einen relevanten psychischen Gesundheitsschaden, der die Arbeits
fähigkeit einschränken würde (
Urk.
6/71/22).
3.5
PD
Dr.
B._
kritisierte in der Stellungnahme vom
7.
April 2016, dass der Gut
achter
Dr.
Y._
es versäumt habe, die nötige elementare Evalu
ation für das Bestehen eines dep
ressi
v
en Syndroms durchzuführen (
Urk.
6/76). Der Regionale Ärztliche Dienst
beanstandete in der Stellungnahme vom
9.
Mai 2016, dass
Dr.
Y._
die Frage, ob ein psychischer Gesundheitsschaden vorliege,
offen lasse
. Allein der Hinweis, dass sich ein solcher in den Akten nicht wiederfände, genüge nicht zur Beantwortung dieser Frage. Angesichts der unterschiedlichen Beurteilungen der Gutachter des
C._
, des behandelnden Psychiaters und des Gutachters
Dr.
Y._
sei eine erneute Begutachtung angezeigt (
Urk.
6/102/5).
3.6
Dr.
Z._
stellte im Gutachten vom
6.
Juli 2016 die Diagnosen einer mittelgra
digen bis schweren
depressiven
Episode (ICD-10 F32.1/2
), chronische Schmerzen bei gleichzeitig bestehenden psychosozialen Belastungen mit somatoformer Kom
ponente im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsänderung im Sinne einer
chronifizierten
Entwicklung bei multiplen psychosozialen Belastungen. Zur diagnostizierten depressiven Episode ergänzte
er
, diese sei im langjährigen Ver
lauf fluktuierend. Im Durchschnitt sei von einer mittelgradigen depressiven Symptomatik auszugehen
, bestehend
seit mindestens Juni 2013
(
Urk.
6/98/18)
.
D
en Beschwerdeführer
beschrieb
Dr.
Z._
als in der Grundstimmung niederge
schlagen und in der affektiven Modulation eingeschränkt. Der Beschwerdeführer habe über eingeschränkte Interessen, Freudverminderung, ve
rminderten Antrieb, gesteigerte Ermüdbarkeit, deutlich
verminderte
s
Selbstwertgefühl und Suizidge
danken berichtet.
Eine
perakute
Suizidalität bestehe aber nicht. Auch Selbstvor
würfe oder Schuldgefühle würden verneint respektive auf Nachfrage nicht bestätigt.
Das formale Denken sei geordnet und kohärent. Konzentration, Aufmerk
samkeit und Gedächtnis seien klinisch nicht beeinträchtigt
gewesen
. Der Beschwerdeführer
habe
jedoch subjektiv über Konzentrationsstörungen
geklagt
.
Beim Besprechen der sozi
alen Situation habe sich
der Beschwerdeführer plötzlich gereizt und weniger kooperativ
gezeigt
. Nachdem er aber erneut auf den Sinn der Untersuchung hingewiesen
worden sei, habe
er wieder präziser auf die Fragen geantwortet
. Über eine
geregelte
Tagesstruktur verfüge der Beschwerdeführer
nicht. Sozial werde ein Rückzug be
schrieben. Ein Leidensdruck sei
deutlich spür
bar. Mehrmals täglich habe
d
er
Beschwerdeführer
via WhatsApp telefonischen Kontakt mit seiner Familie in Italien (
Urk.
6/98/13-14).
Hinsichtlich der diagnostischen Beurteilung führte
Dr.
Z._
aus, bei der aktu
ellen gutachterlichen Untersuchung habe der Beschwerdeführer klinisch ein mit
telgradiges depressives Syndrom aufgewiesen
. Unter Mitberücksichtigung d
er subjektiven Beschwerdeschilderungen seien die diagnostischen Kriterien gemäss ICD-10 für eine schwere depressive Episode erfüllt. Festzuhalten sei jedoch, dass
zur Zeit
keine adäquate medikamentöse antidepressive Behandlung durchgeführt werde. Vor etwa einem Monat sei die antidepressive Medikation abgesetzt worden. Es falle auf, dass die bisherigen me
dikamentösen Behandlungen mit Aus
nahme des Versuchs mit
Cymbalta
wegen Nebenwirkungen nur tief dosiert durch
geführt worden seien. Die fehlende Tagesstruktur habe zusätzlich zur Aufrecht
erhaltung der depressiven Symptomatik beigetragen. Eine tagesklinische oder stationäre psychiatrische Behandlung sei bisher nicht erfolgt. Der Beschwerdeführer lehne dies ab. Von einer solchen Behandlung in Kombination mit einer adäquaten antidepressiven Medikat
ion
sei eine Verbesserung des depressiven Syndroms zu erwarten. Ein neuer antidepressiver Behandlungsversuch sei
gemäss Angaben des behandelnden Psychiaters vorgesehen (
Urk.
6/98/16).
Auszugehen sei von einem Mischbild einer depressiven Entwicklung reaktiv auf den Unfall vom Juni 2012 in Kombination mit einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode gemäss ICD-10-Kriterien. Die
Chronifizierung
der Depression sei mit der psychosozialen Situation (Trennung von der Familie) sowie der vom Beschwerdeführer schlecht tolerierten medikamentösen Behandlung zu erklären. Der Beschwerdeführer
führe ein
e
Vita
minima
mit sozialem Rückzug.
Gemäss
Schilderungen des B
eschwerdeführers sei im Rahmen d
er depressiven Entwick
lung eine Persönlichkeitsänderung eingetreten. Er beschreibe sich
als
deutlich in
aktiver, passiver und sozial zurückgezogener als früher
(
Urk.
6/98/17-18)
Medizinisch-theoretisch bestehe für adaptierte Tätigkeiten eine Teilarbeitsfähig
keit von etwa 50
%
. Unter Mitberücksichtigung der IV-fremden psychosozialen Faktoren sei die von PD
Dr.
B._
angenommene vollständige Arbeitsunfähig
keit nachvollziehbar. Diese Angaben gälten für sämtliche Tätigkeit
en
. Aufgrund der erhöhten Unfallgefahr seien Tätigkeiten in der H
öhe oder mit Maschinen un
günstig. Im bisherigen Arbeitsbereich seien diese Vorgaben wahrscheinlich nur bei optimaler Adaption des Arbeits
platzes umsetzbar (
Urk.
6/98/
18).
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
Z._
wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Der Gutachter erhob detaillierte Be
fu
nde, berücksichtigte die geklag
ten Beschwerden und setzte sich mit di
esen so
wie mit dem Verhalten des Beschwerdeführers
auseinander. Zudem legte er die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar. Das Gutacht
en erfüllt mithin die rechtspre
chungsgemässen Anforderungen an beweisk
räftige ärztliche Entscheidungs
grundlagen (B
GE 134 V 231 E. 5.1, vgl. E. 1.4
hiervor).
4.2
Davon gehen
auch die Parteien aus. Soweit der
Beschwerdeführer die Annahme einer
in der Höhe
variierenden Arbeitsfähigkeit
seit Juli 2013 in Betracht zieht (
Urk.
1 S. 7), ist ihm nicht zu folgen. Die von
Dr.
Z._
attestierte Arbeitsfähig
keit von 50
%
erstreckt sich über den gesamten Zeitraum ab Juli 2013 bis zur Begutachtung. Dass zeitweilig eine wesentliche Veränder
ung eingetreten wäre, ist
auch aufgrund der üb
rigen Arztber
ichte nicht anzunehmen, da in diesen k
ein wesentlich abweichender Sachverhalt geschildert
wird.
5.
5.1
Mit
BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418 änderte das Bundesgericht se
ine bisherige Praxis insofern
, als es er
kannte, dass die für somato
forme Schmerzstörungen ent
wickelte Rechts
prechung, wonach in einem struk
turierten Beweisverfahren an
hand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der be
troffenen Person zu ermitteln ist, künftig auf sämtliche psychischen Erkrankun
gen Anwendung findet.
5.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichba
ren psychosomatischen
Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beacht
lich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Bundesgerichtsurteil 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
5.3
Neben den durch den Rechtsanwender zu prüfenden allgemeinen beweisrechtli
chen Vorgaben (E. 4.2.1 u. 4.2.2) ergibt sich daher aus BGE 141 V 281 Folgendes: Die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, kann zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfä
higkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
an
schliessende
juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachver
ständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall
gemäss
der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingun
gen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
las
sen (
BGE
143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (
BGE
141 V 281 E.
5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Eine rentenbegründende Invalidität ist nur dann anzunehmen, wenn funktionelle Auswirkungen medizinisch anhand der Indika
toren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt sind und somit den versiche
rungsmedizinischen Vorgaben Rechnung getragen wurde (BGE 141 V 281 E. 6).
Gelangt der Rechtsanwender nach dieser Beweiswürdigung zum Schluss, ein Gut
achten erfülle sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten versicherungsmedizini
schen
Massstäbe
wie auch die allgemeinen rechtlichen Beweisanforderungen, ist es beweiskräftig und die darin formulierten Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit sind zu übernehmen. Eine davon losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens soll nicht stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli
Kieser
[Hrsg.], Sozialversiche
rungsrechtstagung 2016, S. 142 Ziff. 3.3.3).
6.
6.1
Aus dem Gutachten von
Dr.
Z._
geht hervor, dass die bestehende Depression
ein Mischbild einer reaktiven (als Folge des Unfalls
vom 2
8.
Juni 2012
) und einer eigenständigen Depression darstellt. Sie wird auch
durch psychosoziale Faktoren unterh
alten, die
zu ihrer
Chronifizierung
bei
getragen haben. Kern der Depres
sion ist indes eine psychische Erkrankung (
Urk.
6/98/17+21). Im Durchschnitt liegt eine
mittelgradige Gesundheitsschädigung vor (
Urk.
6/98/21). Bloss unter Be
rücksichtigung der subjektiven Beschwerdeschilderung lässt sich auf eine schwere depressive Episode schliessen (
Urk.
6/98/16). Dazu ist jedoch relativierend zu be
rücksichtigen, dass bewusstseinsnahe Elemente, wie Selbstlimitierung und Dis
krepanzen, ausgewiesen sind. Darauf wird näher unter der Kategorie «Konsistenz»
(E. 6.5)
einzugehen sein.
Die diagnoserelevanten Befunde und Symptome, die im Komplex «Gesundheits
schädigung» zu prüfen sind (BGE 141 V 281 E. 4.3.1)
,
sind nicht besonders aus
geprägt: Der
Beschwerdeführer zeigt ein
mit
dem Gesundheitsschaden korrelie
rendes Beschwerdebild. Er ist affektiv deprimiert, ratlos und affektarm. Der Antrieb ist gehemmt, die affektive
Schwingungsfähigkeit ist klinisch gehemmt und zum depressiven Pol verschoben (
Urk.
6/98/13). Die geklagten Konzentrations
störungen lassen sich klinisch nicht bestätigen. Auch wird aus
gutachterlicher Sicht das Vorliegen einer Suizidalität
trotz
der
vom Beschwerdeführer geäusser
ten Suizidgedanken
verneint (
Urk.
6/98/14).
6
.2
Bezüglich des Indikators
„B
ehandlungs
- und Eingliederungserfolg oder
–
resis
tenz
“
ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer seit Juni 2013 zw
eiwö
chentlich in psychiatrische und psychologische Therapie
in die Praxis von PD
Dr.
B._
begibt. Die Psychologin spricht Italienisch, nicht
jedoch PD
Dr.
B._
, was die
Kommunikation mit dem nur schlecht
Deutsch
sprechenden
Beschwerdeführer erschwert. Für die medikamen
töse Behandlung zeichnet sich PD
Dr.
B._
verantwortlich. A
nsonsten wird die Behandlung primär von der Psychologin durchgeführt (
Urk.
6/17/8
,
Urk.
6/71/12+13+17+18,
Urk.
6/98/9). Dass der Gutachter
Dr.
Z._
die
zum Zeitpunkt der Begutachtung
bestehende medikamentöse Behandlung
als inadäquat
seit einem Monat
bezeichnete (
Urk.
6/98
/16+
18), fällt vorliegend nicht ins Gewicht. PD
Dr.
B._
vermochte nachvollziehbar darzulegen
, dass
dies auf
eine übliche Pause vor dem
damals bevorstehenden
Wechsel der Medikamente zurückzuführen war
(
Urk.
6/11
1/3). Abgesehen davon
beurteilte Gutachter
Dr.
Z._
die durchgeführten medika
mentösen Behandlungsversuche als adäquat, wenngleich er betonte,
dass diese
mit Ausnahme d
er
Cymbalta
-Behandlungsversuche
wegen der Nebenwirkungen
nur
tief dosiert erfolgt
seien
(
Urk.
6/98/16).
Dr.
Z._
hielt eine Verbesserung des Gesundheitszustands bei einer Kombina
tion von einer adäquaten antidepressiven Medikation mit einer tagesklinischen oder stationär
en psychiatrischen Behandlung für erreichbar
. Eine solche lehnt der Beschwerdeführer
aber
ab (
Urk.
6/98/16
+22
)
.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten noch nicht voll
ständig ausgeschöpft sind. Der Beschwerdeführer weist zwar in der Beschwerde zu Recht darauf hin, dass er sich vom
3.
bis 1
9.
November 2014 im
D._
, Klinik für Rheumatologie, stationär aufgehalten hatte (
Urk.
1 S. 5). Dort war indessen keine psychiatrische Behandlung erfolgt. Bei Austritt wurde von der Fortführung von physiotherapeutischen Massnahmen abgeraten. Statt
dessen wurde empfohlen
,
die Depression besser einzustellen, eventuell in Anbin
dung an eine Tagesklinik (
Urk.
6/30/2). Darüber hinaus hatte sich der Beschwer
deführer vom
7.
November bis 1
2.
Dezember 2013 in der Rehaklinik
A._
auf
gehalten. Im Rahmen dieses Aufenthalts war er
auch psychologisch begleitet
wor
den. Zumindest zum damaligen Zeitpunkt konnten die Klinikärzte
keine relevante psychische Störung feststellen (
Urk.
6/98/34-36).
6
.3
Unter dem Indikator Komorb
i
dität (BGE 141 V 281 E. 4.1.3.1) ist eine Gesamtbe
trachtung der Wechselwirkung und sonstigen Bezüge zwischen der mittelgradi
gen Episode, der chronischen Schmerzen und des Verdachts auf eine Persönlich
keitsänderung im Sinne einer
chronifizierten
depressiven Entwicklung erforder
lich. In Präzisierung von BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 fallen Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumes
sen sind (BGE 143 V 418 E. 8.1). Den Komorbiditäten trug der Gerichtsgutachter bei der Einschätzung de
r
Arbeitsfähigkeit Rechnung. In diesem Rahmen berück
sichtigte er auch, dass sie wesentlich
durch psychosoziale Belastungsfaktoren
un
terhalten werden (
Urk.
6/98/
21).
6
.4
Beim Komplex
„
Persönlichkeit
“
und
„
sozialer Kontext
“
ergibt sich Folgendes: Der Beschwerdeführer ist verheiratet und Vater einer im
Jahr
1997 geborenen Tochter und eines 2000 geborenen Sohnes (
Urk.
6/2/2, 6/71/2). Die Ehefrau u
nd die bei
den Kinder leben
in Italien (Kalabrien). Der Beschwerdeführer besucht sie re
gel
mässig, wobei er jeweils im Auto mit einem Kollegen dorthin fährt. Er besucht die Familie zwei
-
bis viermal pro Jahr (
Urk.
6/28/19,
6/71/11, vgl. auch
Urk.
6/
98/13). In der Schweiz lebt er in einer Einzimmerwohnung. Nach den
er
littenen
Unfällen nahm er ab September 2013 versuchsweise eine leichte Tätigkeit bei seinem bisherigen Arbeitgeber auf (
Urk.
6/28/18). Beendet wurde der Versuch im Januar 2015 (
Urk.
1 S. 5, vgl.
Urk.
6/33). Während dieser Zeit wurde der
Tagesablauf zumindest am Morgen
durch die Arbeit bestimmt (
Urk.
6/28/19). Seit
her schläft er bis 10 Uhr, trink
t danach Kaffee und wäscht sich.
Den Tag verbringt er
mit
Fernsehen, Spazieren
, Essen, je nachdem nochmals mit Schlafen
und bei Bedarf mit Einkaufen (
Urk.
6/98/13, vgl. auch
Urk.
6/71/12). Der Beschwerde
füh
rer ist gut trainiert und verfügt über
recht gute muskuläre Verhältnis
se. Vor dem Unfall ging er ins Fitnessstudio. Seither übt er zu Hause (
Urk.
6/71/13, 6/94/6).
Zirka alle
zwei Wochen pflegt er Kontakt mit
seinen zwei in
E._
lebenden Brüdern (
Urk.
6/98/13). Mit seiner Familie hat er mehrmals täglich via WhatsApp telefonischen Kontakt (
Urk.
6/98/14). Von einem ausgeprägten sozia
len Rückzug
, geschweige denn von einer
Vita
minima
kann daher nicht gespro
chen werden.
6
.5
I
n der
Kategorie „Konsistenz“ zielt
der Indikator „
gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nicht
erwerbstä
tigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbe
reichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Akti
vitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfä
higkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Der verhaltensbezogene Gesichtspunkt
der „Konsistenz“ ist beweisrechtlich entscheidend (BGE 141 V 281 E. 4.4; E. 6.2 hiervor).
Dr.
Z._
wies im Gutachte
n darauf hin, dass im Rahmen d
er ambulanten Un
tersuchung die Konsistenz der Angaben des Beschwerdeführers nur annäherungs
weise überprüfbar seien. Im Laufe der 2 3⁄4-stündigen Untersuchung sei der Akti
vitätszustand des Beschwerdeführers unterschiedlich ge
wesen. Teilweise habe er passiv und
zurückhaltend
gewirkt und habe mit wenig modulierter Stimme ge
sprochen. Beim Abfragen der
sozialen
Situation
sei eine Reizbarkeit feststellbar gewesen. Der Beschwerdeführer habe deutlich energischer gewirkt, sei aufgestan
den und habe sich gegenüber dem Untersucher mit lauter Stimme beklagt. Inso
fern bestehe eine gewisse Diskrepanz zwischen der Schilderung seiner raschen Erschöpfbarkeit respektive Energielosigkeit, die den ganzen Tag anhalten würde, und diesem Verhalten (
Urk.
6/98/22).
Ähnliches berichtete die Gesundheits
managerin der ehemaligen Arbeitgeberin im Mail vom
3.
Mai 201
6.
Sie
stiess
sich daran, dass der Beschwerdeführer anlässlich eines Beratungsgesprächs heftig und emotional r
eagierte, und vermutete gestützt darauf
ziemlich viel schlummernde Energie beim Beschwerdeführer (
Urk.
6/78).
E
ine erhebliche Symptomausweitung und Selbstlimitierung
ist insbesondere aufgrund des Berichts der Rehaklinik
A._
a
usgewiesen. Im Rahmen der dort durchgeführten Leistungstests zeigte
der Beschwerdeführer
eine mangelhafte Motivation
(
Urk.
6/5/33-42
). Angesichts seiner Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können (
Urk.
6/98/13, 6/71/11), er
staunt nicht weiter, dass der über 16 Monate dauernde Arbeitsversuch
bei der bisherigen Arbeitgeberin letztlich scheiterte, obschon
er
in
dess
en Rahmen
bloss
leichteste Tätigkeit
en
in einem Pensum von zwei bis
drei Stunden pro Tag zu verrichten hatte
.
Von einem
Beizug
der entsprechenden Akten, wie vom Be
schwerdeführer beantragt (
Urk.
1 S. 5), sind daher keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist
(antizipierte Beweiswürdigung)
.
Als widersprüchlich erscheint auch, dass der Beschwerdeführer über starke Schmerzen klagt, im Rahmen der Begutachtungen
aber
ein Schmerzerleben nicht zu beobachten war (
Urk.
6/71/13,
6/98/14). Mit den angegebenen Beschwerden ist auch nicht vereinbar, worauf bereits der orthopädische Teilgutachter des
C._
hinwies,
dass der Beschwerdeführer angibt, lediglich
30 respektive 60 min. sitzen zu können, ihm es aber gleichzeitig möglich ist,
regelmässig
, offenba
r zum Teil ohne Pausen
,
bis nach Süditalien zu reisen
(
Urk.
6/28/5-7, 6/71/13, 6/98/12)
. Was die geklagten Schwindelbeschwerden anbelangt, ist sodann zu erwäh
n
en, dass diese trotz fachärztlichen Untersuchungen nicht objektivierbar waren (
Urk.
6/5/43).
Der Beschwerdeführer verfügt zudem über ein Auto un
d fährt
re
gelmässig
damit (
Urk.
6/71/13
). Dies erfordert physische und kognitive Fähigkei
ten und ist
durchaus
ressourcenrelevant.
Be
i dieser Sachlage
ist festzuhalten, dass eine
gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbare Lebensbereichen nicht als erstellt ange
sehen werden kann
.
6.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und e
ingliederungsanamnestisch aus
ge
wiesener Leidensdruck“ weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Opti
onen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berück
sichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2016 vom 2
9.
Juni 2016 E. 4.1.2).
Der Beschwerdeführer st
eht wie dargelegt seit Juni 2013
in psychiatrischer Be
handlung.
Die Therapie findet zweiwöchentlich statt, was nicht als konsequente Behandlung zu betrachten ist (Bundes
gerichtsurteil 9C_454/
20
13 vom 2
9.
Oktober 2013 E. 4.1). Dazu kommt
, dass d
ie Behandlung primär durch die Psychologin wahrgenommen wird.
I
n Anbe
tracht der Behandlungsintensität ohne stationäre Therapie
respektive der Weigerung, sich einer solchen zu unterziehen,
ka
nn nicht von einem erheblichen
Leidensdruck
gesprochen werden.
In Bezug auf die gescheiterte berufliche Wiedereingliederung im Rahmen des Arbeitsver
suchs kann auf die obigen Ausführungen (E. 6.5) verwiesen werden.
6
.7
Bei gesamthafter Betrachtung
der
massgeb
lichen Indikatoren ist eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkei
t in einer angepassten Tätigkeit, worunter auch die bis
herige fällt, nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
7.
Bei diesem Ergebnis ist eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Patholog
i
e nich
t
ausgewiesen. Aufgrund der vollen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätig
keit ist eine
Erwerbseinbusse auszuschliessen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.