Decision ID: 0d3c4c1e-199a-4105-bd03-ced1fd059738
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 29. Juni 2015 erteilte die Genossenschaft Réser-
vesuisse (im Folgenden: Réservesuisse) der X._ GmbH (im Fol-
genden: Beschwerdeführerin) auf deren Gesuch hin eine Generaleinfuhr-
bewilligung (GEB) Nr. [...] für die Einfuhr von Energie- und Proteinträgern
zu Futterzwecken. Gemäss Ziff. 3 der GEB Nr. [...] verpflichtet sich der In-
haber, die «Verpflichtungen und Auflagen zur Erteilung von Generaleinfuhr-
bewilligungen» einzuhalten.
Die Beschwerdeführerin hat ihren Sitz gemäss Handelsregisterauszug in
Z._ und als Gesellschafter(in) und Geschäftsführer(in) je mit Ein-
zelunterschrift fungieren A._, B._ und C._. Die Ge-
sellschaft bezweckt überwiegend den Handel mit Fleisch.
A.b Am 16. Februar 2021 stellte die Réservesuisse der Beschwerdeführe-
rin die Zahlung eines Garantiefondsbeitrags in der Höhe von Fr. 6'041.05
in Rechnung. Diese Rechnung bezog sich auf 140'228.40 kg Mais mit der
Warenbezeichnung «zu Futterzwecken», für welchen die damalige Eidge-
nössische Zollverwaltung (im Folgenden: EZV; seit 1. Januar 2022: Bun-
desamt für Zoll und Grenzsicherheit) am 9. Februar 2021 der Beschwerde-
führerin eine Zoll- und Steuerforderung Nr. 10091 ausgestellt und diese der
Réservesuisse zur Kenntnis gebracht hatte. Diese Zoll- und Steuerforde-
rung sowie deren Mitteilung an die Réservesuisse erfolgten aufgrund einer
«Umverzollung» der erwähnten Menge Mais. Die Beschwerdeführerin
hatte den Mais zunächst als zollbegünstigte Ware unter der Verwendungs-
verpflichtung «Mais zur menschlichen Ernährung» eingeführt und bean-
tragte bei der EZV später die «Umverzollung» der Ware in «Mais zu Fut-
terzwecken».
A.c Die Réservesuisse stellte der Beschwerdeführerin am 26. März 2021
eine Zahlungserinnerung und am 8. April 2021 eine Mahnung aus. Da die
Zahlung weiterhin ausblieb, kündigte die Réservesuisse am 30. April 2021
die Verfahrenseinleitung zum Entzug der GEB Nr. [...] an.
A.d Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs entzog die Réservesuisse
mit Verfügung vom 28. Mai 2021 der Beschwerdeführerin die GEB Nr. [...].
Zugleich entzog sie einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wir-
kung und führte aus, der Entzug der GEB bleibe solange bestehen, bis der
B-456/2022
Seite 3
Nachweis für die Erfüllung der finanziellen Garantiefondsbeitragsleistun-
gen gegenüber der Réservesuisse erbracht werde. Zur Begründung
brachte die Réservesuisse im Wesentlichen vor, die Beschwerdeführerin
habe als Inhaberin der GEB gegen die Auflagen der GEB verstossen, wo-
mit die Voraussetzungen für den Entzug der GEB erfüllt seien.
A.e Mit Schreiben vom 24. Juni 2021 erhob die X._ GmbH Be-
schwerde an das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL;
im Folgenden: Vorinstanz) und beantragte sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 28. Mai 2021. Die Beschwerdeführerin be-
stritt die Rechtmässigkeit der Forderung der Réservesuisse und machte
geltend, die GEB sei zu Unrecht entzogen worden.
Mit Zwischenentscheid vom 5. August 2021 wies die Vorinstanz den Antrag
der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung ab. Gegen diese Zwischenverfügung erhob die Beschwerdeführerin
kein Rechtsmittel.
Mit Entscheid vom 13. Dezember 2021 wies das BWL die Beschwerde ab,
soweit es darauf eintrat. Es auferlegte weder Verfahrenskosten noch Par-
teientschädigungen. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die
Réservesuisse sei berechtigt, gegenüber der Beschwerdeführerin die Zah-
lung eines Garantiefondsbeitrags auf der nachträglich mittels Zoll- und
Steuerforderung Nr. 10091 vom 9. Februar 2021 «zu Futterzwecken» de-
klarierten Einfuhr von 140'228.40 kg Mais einzufordern. Es sei unbestritten,
dass die Forderung bis dato nicht beglichen worden sei. Die Beschwerde-
führerin habe damit gegen die mit der GEB verbundenen Auflagen verstos-
sen, weshalb die Réservesuisse ihr die GEB Nr. [...] zu Recht entzogen
habe.
B.
B.a Mit Eingabe vom 28. Januar 2022 erhob die X._ GmbH Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die Beschwerdeführerin ist
der Auffassung, die Vorinstanz habe «die Kritikpunkte nicht rechtlich bele-
gen» können bzw. sei «auf die ganzheitliche Betrachtung nicht eingegan-
gen» und bittet um «eine rechtliche Einordnung des Sachverhalts». In der
Vergangenheit habe die Réservesuisse in vergleichbaren Fällen auf eine
Rechnungsstellung von Garantiefondsbeiträgen verzichtet.
B-456/2022
Seite 4
B.b Das BWL beantragte mit Vernehmlassung vom 21. März 2022 die Ab-
weisung der Beschwerde.
B.c Die Réservesuisse beantragte mit Vernehmlassung vom 22. März
2022 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge (mit Verzugszin-
sen).
B.d Mit unaufgeforderten Eingaben vom 4. April bzw. 9. Mai 2022 hielt die
Beschwerdeführerin an ihren Rechtsauffassungen fest.
C.
Auf die einzelnen Vorbringen in den Eingaben der Verfahrensbeteiligten ist
– soweit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen einzuge-
hen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt hier nicht vor und die Vorinstanz
ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Das Bundesverwaltungs-
gericht ist somit zur Behandlung der Beschwerde zuständig (vgl. auch Art.
46 des Landesversorgungsgesetzes vom 17. Juni 2016 [LVG, SR 531]).
1.2 Das Verfahren richtet sich gemäss Art. 37 VGG nach den Bestimmun-
gen des VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. auch Art.
46 Abs. 4 LVG).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat vor der Vorinstanz am Verfahren teilge-
nommen, ist durch den angefochtenen Entscheid vom 13. Dezember 2021
besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhe-
bung (Art. 48 Abs. 1 Bst. a-c VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formge-
recht (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten, wenn auch einzuräumen ist, dass die Beschwer-
deschrift in gewissen Teilen die nötige Klarheit vermissen lässt. Auf eine
B-456/2022
Seite 5
Rückweisung zur Verbesserung wird indes verzichtet, da sich der Rechts-
standpunkt der Beschwerdeführerin sinngemäss herleiten lässt (vgl. Art. 52
Abs. 2 VwVG).
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde insoweit, als gewisse (sinnge-
mässe) Anträge über den Streitgegenstand hinausgehen (vgl. «Gesuch»
auf S. 3 der Beschwerde). Dies betrifft etwa das «Gesuch», die strittige
Rechnung der Réservesuisse sei zu «erlassen» bzw. das BWL habe den
Vorgang zu überwachen.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst.
c VwVG).
1.5 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen (Untersuchungsmaxime). Das Bundesverwaltungsgericht ist
demgemäss verpflichtet, auf den unter Mitwirkung der Verfahrensbeteilig-
ten festgestellten Sachverhalt die richtigen Rechtsnormen und damit jenen
Rechtssatz anzuwenden, den es als den zutreffenden erachtet, und ihm
jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BGE 119 V 347 E.
1a; Urteil des BVGer A-4078/2021 vom 31. Mai 2022 E. 1.4; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.54).
2.
2.1 Gemäss Art. 102 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft vom 18. April 1999 (SR 101, BV) stellt der Bund die Versor-
gung des Landes mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen sicher
für den Fall machtpolitischer oder kriegerischer Bedrohungen sowie in
schweren Mangellagen, denen die Wirtschaft nicht selbst zu begegnen ver-
mag. Er trifft vorsorgliche Massnahmen und kann nötigenfalls vom Grund-
satz der Wirtschaftsfreiheit abweichen. Der Gesetzgeber hat diesen Ver-
fassungsauftrag im Landesversorgungsgesetz konkretisiert (vgl. dazu den
Zweckartikel in Art. 1 LVG).
2.2 Im Rahmen der obligatorischen Pflichtlagerhaltung haben verschie-
dene Branchen zur Deckung der Lagerkosten und zum Schutz vor Preisri-
siken Garantiefonds gebildet. Garantiefonds werden von den privaten
B-456/2022
Seite 6
Selbsthilfeorganisationen der jeweiligen Branche verwaltet. Die Selbsthil-
feorganisationen sind privatrechtliche Körperschaften, welche im Rahmen
der obligatorischen Pflichtlagerhaltung in erster Linie private Zwecke ver-
folgen. Die Pflichtlagerorganisation für den Bereich Getreide, Nahrungs-
und Futtermittel ist die Réservesuisse. Die Garantiefonds verwaltenden Or-
ganisationen legen in ihren Statuten fest, nach welchen allgemeinen
Grundsätzen Beiträge erhoben und für die Pflichtlagerhaltung verwendet
werden (Art. 16 Abs. 1 und 2 LVG; Botschaft zur Totalrevision des Landes-
versorgungsgesetzes vom 3. September 2014; BBl 2014 7119, 7141 f.).
2.3 Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, müssen sich grundsätz-
lich alle Lagerpflichtigen am Garantiefonds ihrer Branche beteiligen indem
sie auf den importierten oder in Verkehr gebrachten Pflichtlagerprodukten
Beiträge leisten. Der Bund sorgt in Durchbrechung zivilrechtlicher Grund-
sätze mit der öffentlich-rechtlichen Lagerpflicht sowie der daraus folgenden
vertraglichen Verpflichtung zur Mitgliedschaft bei einer Pflichtlagerorgani-
sation dafür, dass sich jeder Lagerpflichtige am Garantiefonds beteiligen
muss. Ausgenommen davon sind insbesondere Importeure oder Erstinver-
kehrbringer, die eine vorgesehene jährliche Minimalmenge nicht über-
schreiten (Art. 16 Abs. 3 und 4 LVG; BBl 2014 7119, 7142).
2.4 Die entsprechenden Ausführungsbestimmungen hat der Bundesrat in
der Verordnung vom 10. Mai 2017 über die Pflichtlagerhaltung von Nah-
rungs- und Futtermitteln (SR 531.215.11; im Folgenden: Verordnung) er-
lassen. Gemäss Art. 1 Bst. e Verordnung sind u.a. Getreide sowie Energie-
und Proteinträger zu Futterzwecken der Pflichtlagerhaltung unterstellt. Wer
solche Waren einführen will, benötigt eine Generaleinfuhrbewilligung
(GEB), welche von der Réservesuisse erteilt wird (Art. 2 Abs. 1 und 2 Ver-
ordnung). Sie wird gemäss Art. 2 Abs. 3 Verordnung Importeuren erteilt, die
sich verpflichten, einen Pflichtlagervertrag abzuschliessen (Bst. a) oder der
Réservesuisse die gleichen finanziellen Leistungen zu erbringen, die sich
aus dem entsprechenden Pflichtlagervertrag ergeben würden (Bst. b). Ge-
mäss Art. 3 Verordnung kann die Réservesuisse einem Importeur die Er-
teilung der GEB verweigern oder ihm diese entziehen, wenn er an die GEB
geknüpfte Auflagen nicht erfüllt oder verletzt (Bst. a) oder Verpflichtungen
nach Art. 2 Abs. 3 Bst. b nicht erfüllt oder verletzt (Bst. b).
Im 2. Abschnitt «Besondere Bestimmungen für Getreide und Futtermittel»
hält Art. 10 Abs. 1 Bst. b Verordnung sodann fest, dass lagerpflichtig ist,
wer Futtermittel nach Anhang 5 Ziff. 2 einführt oder als Verarbeiter zum
B-456/2022
Seite 7
ersten Mal im Inland in Verkehr bringt. In Anhang 5 Ziff. 2 ist u.a. «Mais zu
Futterzwecken» (Zolltarifnummer 1005.9039) aufgeführt.
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin
nicht verpflichtet war, einen Pflichtlagervertrag abzuschliessen. Mit einer
Menge von 140 Tonnen lag sie, soweit aus den Akten ersichtlich, deutlich
unter der entsprechenden Grenzmenge von 4'000 Tonnen (vgl. Art. 5 i.V.m.
Anhang 5 Ziff. 3.2 der Verordnung). Gestützt auf Art. 16 Abs. 4 LVG i.V.m.
Art. 2 Abs. 1 und 3 Bst. b und Art. 5 der Verordnung untersteht sie indes
trotzdem der Pflicht zur Entrichtung von Garantiefondsbeiträgen, was im
Grundsatz auch nicht bestritten ist.
Mit Gesuch um Erteilung einer GEB für die Einfuhr von Energie- und Pro-
teinträgern zu Futterzwecken am 23. Juni 2015 hat denn auch die Be-
schwerdeführerin schriftlich bestätigt, die an die Erteilung der GEB ge-
knüpften Verpflichtungen und Auflagen zur Kenntnis genommen zu haben
und einzuhalten. Insbesondere verpflichtete sie sich ausdrücklich, die zum
Zeitpunkt der Einfuhr gültigen Garantiefondsbeiträge fristgemäss zu ent-
richten. Damit hat sich die Beschwerdeführerin verpflichtet, der Réserve-
suisse die gleichen finanziellen Leistungen zu erbringen, wie sie sich aus
einem Pflichtlagervertrag ergeben würden und hat somit den Verpflichtun-
gen nach Art. 2 Abs. 3 Bst. b Verordnung nachzukommen.
3.2 Streitgegenstand im vorliegenden Fall bildet die Frage, ob die Réser-
vesuisse mit Verfügung vom 28. Mai 2021 der Beschwerdeführerin die
GEB Nr. [...] zu Recht entzogen hat oder nicht. Damit verknüpft ist die (Vor-
)Frage, ob die Réservesuisse der Beschwerdeführerin einen Garantie-
fondsbetrag in der Höhe von Fr. 6'041.05 im Zusammenhang mit der im
Februar 2021 erfolgten «Umverzollung» von «Mais zu Futterzwecken» in
Rechnung stellen durfte.
3.2.1 Die Réservesuisse und die Vorinstanz machen geltend, der Be-
schwerdeführerin sei die GEB Nr. [...] - gestützt auf das Landesversor-
gungsgesetz und die entsprechende Verordnung - zu Recht entzogen wor-
den. Die Beschwerdeführerin habe im Dezember 2020 Mais zur menschli-
chen Ernährung importiert und verzollt. Dieser Vorgang habe zum Zeit-
punkt der Zolldeklaration keine landesversorgungsrechtlichen Auswirkun-
gen gehabt. Aufgrund der nachträglichen Änderung des Verwendungs-
zwecks der ursprünglich zollbegünstigten Ware («Mais zur menschlichen
B-456/2022
Seite 8
Ernährung») erfolgte eine neue Zollanmeldung («Mais zu Futterzwe-
cken»), was eine neue Zoll- und Steuerdeklaration zur Folge hatte. Aus der
neuen Zoll- und Steuerforderung vom 9. Februar 2021 ergebe sich, dass
die Beschwerdeführerin Einfuhren von Waren getätigt habe, die der Gene-
raleinfuhrbewilligung unterliegen würden, weshalb die Beschwerdeführerin
die geforderten Garantiefondsbeiträge an die Réservesuisse schulde. Der
Umstand, dass in einzelnen Fällen bei einer nachträglichen Änderung des
Verwendungszwecks von Importwaren keine Rechnungsstellung durch die
Réservesuisse erfolgt sei, habe für den vorliegenden Fall keine entschei-
dende Bedeutung. Weil die Beschwerdeführerin den in Rechnung gestell-
ten Garantiefondsbeitrag bis heute nicht beglichen habe, sei der Entzug
der GEB Nr. [...] zu Recht erfolgt.
3.2.2 Die Beschwerdeführerin führt dagegen sinngemäss aus, der Entzug
der GEB Nr. [...] sei nicht rechtmässig, da die Réservesuisse nicht berech-
tigt sei, für die beim Zoll deklarierten 140'228.40 kg Mais eine Forderung
des Garantiefonds in Rechnung zu stellen. Die «Umverzollung» sei «kein
erneuter oder zu betrachtender Importvorgang, sondern ein Verwaltungs-
akt im Inland». Die Vorinstanz habe «die rechtliche Tragweite und physi-
sche Handhabung einer neuen Zollanmeldung nicht dargelegt». Im Übri-
gen macht die Beschwerdeführerin geltend, einzelne Vorbringen seien im
angefochtenen Entscheid «nicht aufgeführt» worden. Sodann bringt die
Beschwerdeführerin vor, in der Vergangenheit habe die Réservesuisse bei
vergleichbaren Konstellationen mehrmalig auf eine Rechnungsstellung des
Garantiefondsbeitrags verzichtet.
4.
4.1 Soweit die Beschwerdeführerin vorab sinngemäss geltend macht, die
Vorinstanz habe ihren Entscheid ungenügend begründet, indem sie ein-
zelne Vorbringen (Gesuch A, B und D) nicht «aufgeführt» bzw. «erbracht»
habe, kann ihr nicht gefolgt werden.
4.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlangt der An-
spruch auf rechtliches Gehör, dass die Behörde die Vorbringen der vom
Entscheid in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft
und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung
der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich,
dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie
B-456/2022
Seite 9
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Be-
gründung muss so abgefasst sein, dass sich die Betroffene über die Trag-
weite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der
Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (statt vieler:
BGE 143 III 65 E. 5.2).
4.3 Diesen Voraussetzungen genügt der angefochtene Entscheid ohne
Zweifel. Die Vorinstanz führt umfassend und detailliert aus, warum aus ih-
rer Sicht der Beschwerdeführerin die GEB zu Recht entzogen worden ist.
Diese Begründung ist nachvollziehbar und ausreichend im Sinne der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung, weshalb die Rüge der Beschwerdefüh-
rerin ins Leere zielt.
5.
5.1 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin im Dezember
2020 «Mais zur menschlichen Ernährung» unter der Zolltarifnummer
1005.9021 mit einem zollpflichtigen Gesamtgewicht von 140'228.40 kg im-
portierte und verzollte. Dieser Vorgang brachte im Zeitpunkt der Zolldekla-
ration keine Auswirkungen nach dem Landesversorgungsgesetz mit sich,
da die Ware zunächst als Speisemais eingeführt wurde und deshalb der
gesetzlichen Vorratshaltung nicht unterstand. Die Einfuhr von Speisemais
unter der Zolltarifnummer 1005.9021 erfordert gemäss der massgebenden
Verordnung (vgl. E. 2.4 hiervor) weder eine GEB noch die Erfüllung der mit
der GEB-Erteilung verbundenen Pflichten. Aus diesem Grund hatte die
Réservesuisse zu diesem Zeitpunkt zu Recht (noch) keinen Garantiefonds-
beitrag erhoben.
5.2 Weiter ergibt sich aus den Akten, dass die damalige EZV am 9. Februar
2021 aufgrund der nachträglichen Änderung des Verwendungszwecks der
ursprünglich zollbegünstigten Ware («Mais zur menschlichen Ernährung»)
eine neue Zoll- und Steuerforderung ausstellte und diese der Réservesu-
isse zur Kenntnis brachte. Mit der Verwendung als «Mais zu Futterzwe-
cken» fiel der Import neu unter die Zolltarifnummer 1005.9039.
5.3 Gemäss Art. 2 Abs. 1 i.V.m Anhang 5 Ziff. 2 bzw. Art. 10 Abs. 1 Bst. b
Verordnung benötigt die Einfuhr von Mais zu Futterzwecken (Zolltarifnum-
mer 1005.9039) eine Generaleinfuhrbewilligung (GEB), da dieser Mais der
B-456/2022
Seite 10
Pflichtlagerhaltung unterstellt ist. Daraus folgt ohne Weiteres, dass die Be-
schwerdeführerin die an die Erteilung der GEB geknüpften Verpflichtungen
einhalten muss; insbesondere hat sie der Réservesuisse die gleichen fi-
nanziellen Leistungen zu erbringen, die sich aus einem entsprechenden
Pflichtlagervertrag ergeben würden (Art. 16 Abs. 4 LVG i.V.m. Art. 2 Abs. 3
Bst. b und Art. 5 Verordnung).
Daraus ergibt sich weiter, dass die Beschwerdeführerin – gestützt auf das
Landesversorgungsgesetz sowie die massgebende Verordnung – grund-
sätzlich zu Recht dazu verpflichtet wurde, Garantiefondsbeiträge an die
Réservesuisse zu zahlen. Würde man hier der Argumentation der Be-
schwerdeführerin folgen, hätte dies unerwünschte Umgehungsgeschäfte
zur Folge. So kann eine nachträgliche Änderung des Verwendungszwecks
der importierten Ware nicht unbeachtet bleiben, da ansonsten die Pflicht
zum Entrichten eines Garantiefondsbeitrags durch eine simple nachträgli-
che Änderung des Verwendungszwecks (hier von «Mais zur menschlichen
Ernährung» zu «Mais zu Futterzwecken») allzu leicht umgangen werden
könnte. Mit anderen Worten ist die Ansicht der Beschwerdeführerin schon
aufgrund des erheblichen Missbrauchspotentials zu verwerfen. Ihr Vorge-
hen führt das hier anwendbare System der Garantiefondsbeitragspflicht im
Ergebnis geradezu ad absurdum (vgl. auch Urteil A-5938/2019 vom 2. Sep-
tember 2020 E. 3.2.1).
5.4 Das Vorgehen der Réservesuisse, der Beschwerdeführerin für die
«Umverzollung» von 140'228.40 kg Mais mit der neuen Warenbezeich-
nung «zu Futterzwecken» – gestützt auf die Zoll- und Steuerforderung Nr.
10091 der damaligen EZV – einen Garantiefondsbeitrag in der Höhe von
Fr. 6'041.05 (Fr. 5'609.15 zzgl. 7.7 % MwSt.) in Rechnung zu stellen, er-
weist sich somit als grundsätzlich im Einklang mit Gesetz und Verordnung
und damit als rechtmässig. Die Beschwerdeführerin bemängelt im Übrigen
die Höhe des Betrags bzw. dessen konkrete Berechnung nicht und es lie-
gen auch keinerlei Anzeichen vor, wonach die Höhe des Betrags nicht kor-
rekt ermittelt sein könnte. So entspricht denn auch der verwendete Ansatz
von Fr./kg 0.0400 für die Ware «Mais, anderer, zu Futterzwecken» (Tarif-
nummer 1005.9039) dem im Februar 2021 geltenden öffentlichen Tarif der
Garantiefondsbeiträge (Tarife Garantiefondsbeitrag Réservesuisse,
<https://www.reservesuisse.ch/garantiefondsbeitrag-tarife>, abgerufen am
12. Juli 2022).
B-456/2022
Seite 11
5.5
5.5.1 Die Beschwerdeführerin macht indes noch geltend, in der Vergan-
genheit (2018 und 2019) habe die Réservesuisse bei vergleichbaren Kons-
tellationen «mehrmalig» auf eine Rechnungsstellung des Garantiefonds-
beitrags verzichtet und legt entsprechende Belege ins Recht. Sie rügt, es
scheine «eine interne Neubetrachtung ohne Änderung des rechtlichen
Rahmens» stattgefunden zu haben. Damit beruft sie sich sinngemäss auf
den Gleichbehandlungsgrundsatz bzw. den Vertrauensschutz, weil sie für
das Jahr 2019 bisher keine Garantiefondsbeiträge zahlen musste.
Die Réservesuisse bestreitet nicht, dass sie im Jahr 2019 bei einem iden-
tischen Meldeablauf der Beschwerdeführerin keine Rechnung für Garan-
tiefondsbeiträge gestellt habe. Sie macht dafür Übermittlungsprobleme
zwischen dem BAZG und der Réservesuisse geltend.
5.5.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geht der Grundsatz
der Gesetzmässigkeit der Verwaltung in der Regel der Rücksicht auf die
gleichmässige Rechtsanwendung vor. Der Umstand, dass das Gesetz in
anderen Fällen nicht oder nicht richtig angewendet worden ist, gibt deshalb
den Bürgerinnen und Bürgern grundsätzlich keinen Anspruch darauf, eben-
falls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Ausnahmsweise und
unter strengen Bedingungen wird jedoch im Rahmen des verfassungsmäs-
sig verbürgten Gleichheitssatzes ein Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht anerkannt (Art. 8 Abs. 1 BV). Die Gleichbehandlung im Unrecht
setzt voraus, dass die zu beurteilenden Fälle in den tatbestandserhebli-
chen Sachverhaltselementen übereinstimmen und dieselbe Behörde in
ständiger Praxis vom Gesetz abweicht und zu erkennen gibt, dass sie auch
in Zukunft nicht gesetzeskonform entscheiden werde. Nur wenn eine Be-
hörde nicht gewillt ist, eine rechtswidrige Praxis aufzugeben, überwiegt das
Interesse an der Gleichbehandlung der Betroffenen gegenüber demjeni-
gen an der Gesetzmässigkeit (statt vieler: BGE 146 I 105 E. 5.3.1; Urteil
des BVGer A-2567/2020 vom 3. März 2022 E. 4.3).
5.5.3 Es mag hier wohl zutreffen, dass die Réservesuisse in einzelnen, sei-
tens der Beschwerdeführerin angeführten Fällen auf die Geltendmachung
von Garantiefondsbeiträgen in vergleichbaren Konstellationen bisher ver-
zichtet hat. Indes ist nicht erkennbar, dass die Réservesuisse in ständiger
B-456/2022
Seite 12
Praxis vom Gesetz abweicht und gewillt ist, sich auch in Zukunft nicht ge-
setzeskonform zu entscheiden. Dies ergibt sich nur schon aus ihren Vor-
bringen im vorliegenden Beschwerdeverfahren. Damit sind im vorliegen-
den Fall die strengen Voraussetzungen für eine Gleichbehandlung im Un-
recht offensichtlich nicht erfüllt.
5.5.4 Indes ist der Vorinstanz uneingeschränkt zuzustimmen, die im ange-
fochtenen Entscheid (Ziff. III/d in fine) Folgendes ausgeführt hat: «Es ist
allerdings grundsätzlich festzuhalten, dass die Erhebung von Garantie-
fondsbeiträgen in der Rechtsanwendung durch die private Trägerschaft
des Garantiefonds in konstanter und einheitlicher Praxis zu erfolgen hat.
Davon darf nicht abgewichen werden, solange nicht ernsthafte und sachli-
che Gründe für eine Differenzierung sprechen. Die Réservesuisse ist des-
halb angehalten, die Prozesse bei der Übermittlung der Meldung der Zoll-
daten gemeinsam mit der EZV zu überprüfen. Damit soll sichergestellt wer-
den, dass sämtliche Einfuhrvorgänge unter einer Zolltarifnummer, für wel-
che gemäss Verordnung eine von der Réservesuisse erteilte GEB erfor-
derlich ist, von der Réservesuisse einheitlich erfasst und geprüft werden
können. Dazu zählen auch Zoll- und Steuerforderungen, die nachträglich
aufgrund von Änderungen des Verwendungszweckes von zu einem redu-
zierten Zollansatz veranlagten Waren erfolgen. [...]»
5.6 Damit steht als Zwischenergebnis fest, dass die Réservesuisse be-
rechtigt war, der Beschwerdeführerin für die «Umverzollung» von
140'228.40 kg Mais mit der neuen Warenbezeichnung «zu Futterzwecken»
– gestützt auf die Zoll- und Steuerforderung Nr. 10091 der damaligen EZV
– einen Garantiefondsbeitrag in der Höhe von Fr. 6'041.05 in Rechnung zu
stellen.
5.7 In einem zweiten Schritt bleibt noch zu prüfen, ob die Réservesuisse
mit Verfügung vom 28. Mai 2021 der Beschwerdeführerin die GEB Nr. [...]
zu Recht entzogen hat oder nicht.
Wie bereits in E. 2.4 hiervor dargelegt, kann die Réservesuisse gemäss
Art. 3 Verordnung einem Importeur die Erteilung der GEB verweigern oder
ihm diese entziehen, wenn er an die GEB geknüpfte Auflagen nicht erfüllt
oder verletzt (Bst. a) oder Verpflichtungen nach Art. 2 Abs. 3 Bst. b nicht
erfüllt oder verletzt (Bst. b).
B-456/2022
Seite 13
Aus den bisherigen E. 5.1 – 5.6 ergibt sich, dass die Réservesuisse im
vorliegenden Fall berechtigt war, der Beschwerdeführerin einen Garantie-
fondsbeitrag in der Höhe von Fr. 6'041.05 in Rechnung zu stellen. Es ist
weiter unbestritten geblieben, dass die Beschwerdeführerin diese Rech-
nung trotz zweimaliger Mahnung nicht beglichen hat. Weder bringt die Be-
schwerdeführerin etwas vor noch ist sonst wie ersichtlich, was die Anwen-
dung von Art. 3 Verordnung auf den vorliegenden Fall in Frage stellen
könnte. Vielmehr ist es offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin durch
das Nichtbezahlen der offenen Rechnung eine Verpflichtung nach Art. 2
Abs. 3 Bst. b Verordnung nicht erfüllt oder verletzt hat (Art. 3 Bst. b Verord-
nung).
Daraus ergibt sich, dass die Réservesuisse der Beschwerdeführerin ge-
stützt auf Art. 16 LVG sowie Art. 3 Verordnung die GEB Nr. [...] zu Recht
entzogen hat.
Soweit die Vorinstanz in Ziff. 3 Bst. f der angefochtenen Verfügung ausge-
führt hat, dass die Erhebung von Garantiefondsbeiträgen allein der Réser-
vesuisse obliege und sie als Aufsichtsbehörde keine materielle Prüfung der
einzelnen Beiträge vornehme, ist diese darauf hinzuweisen, dass sie
grundsätzlich über die zweckmässige Verwendung von Garantiefondsmit-
teln und über die angemessene Höhe der erhobenen Beiträge wacht. Bei
Bedarf verpflichtet die Vorinstanz die Pflichtlagerorganisationen, entspre-
chende Anpassungen vorzunehmen (Art. 17 LVG; BBl 2014 7119, 7142).
6.
Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstan-
den und die Beschwerde entsprechend abzuweisen, soweit darauf einge-
treten werden kann.
7.
7.1 Gemäss Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Ver-
fahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf
Fr. 2'000.– festzusetzen, wobei der in gleicher Höhe einbezahlte Kosten-
vorschuss zur Bezahlung zu verwenden ist.
7.2 Aufgrund des Unterliegens entfällt die Gewährung einer Parteientschä-
digung für die Beschwerdeführerin (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario
und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario). Die Vorinstanz hat gemäss
Art. 7 Abs. 3 VGKE keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
B-456/2022
Seite 14
Die Réservesuisse war nicht anwaltlich vertreten, weshalb sie ebenfalls
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
7.3 Soweit die Réservesuisse schliesslich beantragt, die Beschwerde sei
«unter Kostenfolge (mit Verzugszinsen)» abzuweisen, kann ihr nicht ge-
folgt werden. Beschwerdegegenstand bildete hier die angefochtene Verfü-
gung vom 28. Mai 2021, mit welcher die Réservesuisse der Beschwerde-
führerin die GEB Nr. [...] entzogen hat. Allfällige Verzugszinsen für die aus-
stehenden Garantiefondsbeitragszahlungen waren nicht Gegenstand die-
ser Verfügung und können damit auch nicht im vorliegenden Verfahren gel-
tend gemacht werden.
B-456/2022
Seite 15