Decision ID: 93952edb-418b-4d76-81d7-20c776754a39
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war von 1993 bis 2018 als selbständiger
Coiffeur
tätig
(Urk. 8/9 Ziff. 5.4; Urk. 8/15).
Unter Hinweis auf eine Kokainab
hängigkeit, eine rezidivierende depressive Störung, einen nichtinsulinabhängigen Diabetes mellitus Typ 2 und eine Belastungsherzinsuffizienz meldete er sich am 3. Oktober 2019 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und verneinte nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 8/25-32) mit Verfügung vom 10. Juli 2020 bei einem In
validitätsgrad von 13
%
einen Rentenanspruch (Urk. 8/34= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 5. August 2020 Beschwerde
(Urk. 1)
gegen die Verfü
gung vom 10. Juli 2020 (Urk. 2)
, wobei er
erstere
bei der IV-Stelle einreichte, welche
sie
am 17. August 2020 zuständigkeitshalber an das hiesige Gericht wei
terleitete (Urk. 4). Der Beschwerdeführer beantragte in der Beschwerdeschrift sinngemäss, die Verfügung vom 10. Juli 2020 sei aufzuheben und
es sei ihm eine Rente zuzusprechen
(Urk. 1 S. 1)
.
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom
30. September 2020
(Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde.
Am 19. Oktober 2020 erstattete der Beschwerdeführer die Replik (Urk. 11), am 10. November
2020 teilte die Be
schwerdegegnerin ihren Verzicht auf eine Duplik mit (Urk. 14).
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
16. November 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
15
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bun
desgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
ka
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.4
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht sodann die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsumstörungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung.
Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkom
petenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5). Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinisc
her Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
neh
men sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
ge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolge
run
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September
2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass dem Beschwerdeführer in der Zeit vom 16. Januar bis 27. Juni 2019 keine Tä
tigkeit zumutbar gewesen sei. Seit
dem 28. Juni 2019 sei ihm seine an
gestammte Tätigkeit als
Coiffeur
zu 60
%
und eine seinen Beschwerden ange
passte Tätigkeit zu 100
%
zumutbar
(S. 1 Mitte)
.
Als
Coiffeur
könnte er im Jahr 2019 Fr. 78'176.-- verdienen. In einer leidensangepassten Tätigkeit könne er ab
gestützt auf
statistische Werte Fr. 67'743.--
verdienen.
Aufgrund des
resultieren
den Invaliditätsgrad
es
von 13
%
habe der Beschwerdeführer keinen Rentenan
spruch (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), im Bericht der
Klinik Z._
vom 10. Januar 2020 werde von einer zumut
baren Tätigkeit in seinem angestammten Beruf als
Coiffeur
von maximal 40
%
(2
Arbeitstage à 8.4 Stunden) ausgegangen, dies vor allem aufgrund der soma
ti
schen Probleme Diabetes mellitus Typ 2 (ICD-10 E. 11.90) und Herzinsuffizienz
(I50.9). Bei einem Pensum von 40
%
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 40
%
(S. 1 un
ten). Die angefochtene Verfügung sei daher unter Berücksichtigung des Berichts vom 10. Januar
2020 und des daraus resultierenden Invaliditätsgrad
s von 40
%
zu überprüfen
respektive anzupassen
(S. 2).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 7) gab die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen die Stellungnahme durch Dr.
A._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 16. April 2020 (Urk. 8/24 S. 3-5; vgl. nachs
tehend E. 3.
7
) wi
e
der. Dieser sei zum Schluss gelangt, dass aus psychiatrischer Sicht Tätigkeiten mit ho
hen Anforderungen an Teamarbeit und soziale Kompetenzen ungeeignet seien, zumal es im zwischenmenschlichen Kontakt gelegentlich zu Konflikten kommen könne. Eine Tätigkeit mit Verantwortungsübernahme für Personen sei zu ver
meiden. Genau strukturierte Tätigkeiten und Aufgaben in ruhiger, wohlwollender und reiz
armer Atmosphäre seien bei ausreichender Anleitung und Betreuung aber zumut
bar (S. 2 unten Ziff. 3). Aus somatischer Sicht seien aufgrund der Bei
n
ödeme Tä
tigkeiten vorwiegend im
Stehen nicht zumutbar. Hingegen seien wech
selbelas
tende sowie leichte Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von mit
telschweren und
schweren Lasten vollumfänglich zumutbar (S. 3 Mitte Ziff. 3)
. Der errechnete Invaliditätsgrad von 13
%
erweise sich daher als korrekt (S. 3 un
ten Ziff. 5)
.
2.4
In der Replik (Urk. 11) verwies der Beschwerdeführer weiterhin auf den Bericht der
Klinik Z._
vom 10. Januar 202
0.
Dort sei unter anderem festgehalten worden, eine berufliche Eingliederung dürfte aufgrund der gesundheitlichen Ein
schränkungen auch zukünftig nicht über ein kleines Arbeitspensum von zirka 20
bis 40
%
hinaus möglich sein (S. 1 unten). Dieser Einschätzung sei von der Be
schwerdegegnerin nicht die nötige Beachtung geschenkt worden. Eine Arbeits
fä
higkeit von 60
%
als
Coiffeur
werde in keinem der Arztberichte so festgehalten (S. 2 oben).
2.5
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere, ob die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachver
halt genügend abgeklärt hat.
3.
-
3.1
Vom 16. Januar bis 4. März 2019 war der Beschwerdeführer im klinischen Be
reich der
Klinik B._
hospitalisiert. Im Abschlussbericht vom 1. März
2019 (Urk. 8/21/8-12) nannten med.
pract
.
C._
und med.
pract
.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fol
gende Diag
no
sen (S. 1):
Abhängigkeit von Kokain (ICD-10 F14.2)
-
rezidivierende depressive Störung als leichte Episode (F33.0)
-
nichtinsulinabhängiger Diabetes mellitus Typ 2 (E11.90)
-
Belastungsherzinsuffizienz (I50.9)
-
Influenza, saisonaler Influenzavirus nachgewiesen, ausgenommen Vogel
grippe- und Schweinegrippe-Virus (J10.1)
Der Patient sei
zum stationären Kokainentzug zugewiesen worden, wobei es sich um die erste stationäre Entzugshandlung überhaupt handle (S. 1 Mitte). Der Pa
tient berichte, seit seinem 20. Lebensjahr an Partys sporadisch Kokain zu konsu
mieren. Nach der Trennung von seiner Ehefrau und seinen Kindern im Jahre 2010 sei der Konsum ausgeartet, wobei sich ein tägliches Konsummuster entwickelt habe. Um den Konsum aufrecht erhalten zu können, habe e
r mit dem Kokainhan
del begonnen. Er sei verurteilt worden und es bestehe nun sei
t
3 Jahren eine von den Bewährungs- und Vollzugsdiensten (BVD) des Kantons Zürich verfügte am
bulante Massnahme mit der Auflage, eine Psychotherapie zu besuchen und re
gelmässig seine Abstinenz nachzuweisen. Er habe es aber in diesen 3 Jahren nie richtig geschafft, auf den Konsum zu verzichten. Im Mai 2018 habe er aufgrund finanzieller Probleme seine selbständige Arbeitstätigkeit als
Coiffeur
aufgeben müssen und habe seither keine geregelte Tagesstruktur mehr, wodurch die Häu
figkeit der Konsumereignisse mit
Kokain nochmals zugenommen habe. In einem Gespräch mit dem zuständigen Beamten des Justizvollzugs sei ihm deutlich ge
macht worden, dass eine stationäre Entzugsbehandlung indiziert sei, ansonsten die Massnahme abgebrochen und der Antritt der Gefängnisstrafe unumgänglich werde (S. 1 f.). Der Psychostatus am 16. Januar
2019 habe eine leicht gedrückte Affektivität sowie Ein- und Durchschlafstörungen
ergeben
(S. 3 oben). Der Koka
inentzug habe sich weitgehend komplikationslos gestaltet und habe nicht medi
kamentös unterstützt werden müssen (S. 3 Mitte).
Eine suchtspezifische Anschlussbehandlung mit psychotherapeutischem Fokus, wel
che der Patient in derselben Institution wahrnehmen wolle, sei deutlich ange
zeigt. Dies erlaube ihm, weitere Alternativen zur Emotions- und Spannungsregu
lation zu erlernen, auszubauen und im Alltag umzusetzen. Dieses Vorgehen wür
de die Rückfallwahrscheinlichkeit in alte Konsum- und Verhaltensmuster deutlich mindern (S. 4 unten).
Am 4. März 2019 sei der Patient in die stationäre Therapie
E._
übergetreten (S. 5 oben).
3.2
Am 4. Juli 2019 erstatte
te
n die Fachleute der
Klinik B._
ihren
Schlussbericht zur stationären Therapie
, welche vom 4. März bis zum 27. Juni 2019
gedauert hatte
(Urk. 8/21/13-21).
Auf die Abhängigkeitsthematik habe sich der Patient im Verlauf der einzelthera
peutischen Gespräche nur teilweise einlassen können. Die selbständige Umset
zung der in den Sitzungen erlernten Skills sei ihm noch nicht zuverlässig gelun
gen. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung habe er geäussert, dass er sich weiterhin in erster Linie auf seinen starken Willen verlasse, welcher ihn vor Rückfällen schützen werde (S. 2 Mitte).
Während der Berichtsperiode habe beobachtet werden können, dass der Patient teilweise einen derben Umgangston gepflegt habe. Seine impulsive und aufbrau
sende Art könne durchaus als aggressiv festgehalten werden
(S. 4 oben).
Oft sei es ihm nicht gelungen, sich an die Vorgaben bezüglich Pünktlichkeit zu halten. Er sei wiederkehrend zu spät gekommen.
Die Erledigung der allgemeinen «Ämtli» habe keinen Anlass zu Kritik gegeben. Auch habe er unaufgefordert für seine Mitklienten gekocht, was als soziale Kompetenz gewertet werden könne (S. 4 Mitte). Wenn er eine ausgeglichene Stimmung aufgewiesen habe, habe ihm eine respektvolle Haltung im Umgang mit seinem unmittelbaren sozialen Umfeld attestiert werden können. In anderen Stimmungslagen sei er als egoistisch und res
pektlos den Mitklienten gegenüber wahrgenommen worden. Altersadäquate Ge
spräche seien mitunter nicht möglich gewesen.
D
en Mitarbeitenden
habe er
oft vorgeworfen, sie seien unfähig, seine Bedürfnisse zu befriedigen (S. 4 unten).
Der Einstieg ins Arbeitstraining sei von einer deutlich reduzierten körperlichen Verfassung gekennzeichnet gewesen. Der Patient habe mit einem zu niedrigen Blutdruck und mit Schmerzen in den Beinen gekämpft, die ein Arbeiten im Stehen immer wieder verunmöglicht hätten. Nach einer entsprechenden Anpassung der Medikation durch den Kardiologen habe sich sein Zustand deutlich stabilisiert und die Arbeitsausfälle hätten abgenommen. Aus heutiger Sicht sei er nur noch bedingt in der Lage, den Anforderungen einer regulären Arbeitsanstellung zu ge
nügen. Sein Arbeitstempo sei deutlich zu langsam und die Qualität seiner Ar
beitsleistung sei sehr von der psychischen Verfassung abhängig. Inwieweit daran durch konsequentes Training wesentlich etwas zu verbessern sei, lasse sich zurzeit nicht beantworten (S. 7 oben). Auf der Basis seiner schlechten körperlichen Ver
fassung stehe derzeit
eine berufliche Tätigkeit ausser Frage (S. 8 Mitte).
Neben der Abhängigkeitserkrankung stünden in der jetzigen Lebensphase soma
tische Erkrankungen im Vordergrund (Herzinsuffizienz und Diabetes), die grosse Einschränkungen und die gegenwärtige Arbeitsunfähigkeit mit sich brächten. Der Patient habe sich kaum dazu motivieren lassen, seine Gewohnheiten zu verändern (zum Beispiel leichte Bewegung, Ernährungsumstellung,
Medikamentencompli
ance
). Als besondere Einschränkung habe sich auch seine Planung erwiesen. Von Beginn an habe er nämlich mitgeteilt, er werde den Sommer bei seiner Mutter in Italien verbringen, unabhängig von den Fortschritten der Therapie. So habe er sich in den wenigen Monaten der Behandlung auch nur bedingt auf die thera
peutische Arbeit eingelassen. Obwohl erste Fortschritte zu verzeichnen gewesen seien, seien diese voraussichtlich nicht von langer Dauer (S. 9 Mitte).
3.3
Die Ärzte der Abteilung Kardiologie des Stadtspitals
F._
nannten im Be
richt vom 26. September 2019 (Urk. 8/35/8-9) folgende, hier verkürzt wiederge
gebenen Diagnosen (S. 1):
-
dilatative Kardiomyopathie am ehesten bei langjährigem Kokain-Konsum
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Status nach schwerem langjährigen Alkohol- und Kokain-Abusus
Es sei eine vorzeitige Vorstellung zur kardiologischen Kontrolle sowie zur Defi
brillator (ICD)-Kontrolle 5 Monate nach Implantation erfolgt (S. 1 unten). Es habe sich ein kardiopulmonal stabiler Patient gezeigt, welcher über rezidivierende Schwindelattacken berichtete habe, am ehesten bedingt durch eine orthostatische Dysregulation bei ungenügender Trinkmenge. In der ICD-Kontrolle habe sich eine normale Funktion und keine Schockabgabe gezeigt (S. 2 unten).
3.4
Dr. med.
G._
, Facharzt für Urologie,
F._
,
nannte im Bericht vom 27. September
2019 (Urk. 8/19/9) folgende Diagnosen:
-
Phimose mit/bei
-
Status nach Mykose vor zirka drei Jahren
-
dilatative Kardiomyopathie mit/bei
-
Status nach Pacemaker-Implantation
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Status nach Kokain- und Alkoholabusus
Mit Operationsbericht vom 11. November
2019 (Urk. 8/19/10) dokumentierte Dr.
G._
die an diesem Tag stattgehabte Zirkumzision.
3.5
Dr. med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, verwies in sei
nem Bericht vom 25. November
2019 (Urk. 8/19/1-5) betreffend Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf den Bericht von Dr.
G._
(vor
ste
hend E. 3.
4
). Die ambulante Behandlung erfolge seit dem 14. November
2019 (S. 2 Ziff. 1.1). Der Patient fühle sich im angestammten Beruf als Coiffeur wieder arbeitsfähig (S. 2 Ziff. 2.2). Unter dem Titel «Ihre Prognose zur Arbeitsfähigkeit» (S. 3 Ziff. 2.7) gab Dr.
H._
an, vom Patienten sei eine volle Arbeitsfähigkeit in zirka 1 Woche in Aussicht gestellt worden.
3.
6
I._
, Fachbereichsleiter
des
p
sychologisch-diagnostischen
Diens
t
es
,
und Dr.
D._
,
Klinik Z._
, nannten in ihrem Bericht vom 10. Januar 2020 (Urk. 8/21/1-7) dieselben Diagnosen wie
im
Bericht vom 1. März
2019 (vorstehend E. 3.1). Betreffend die Kokainabhängigkeit (F14.2) sei der
Patient
seit dem stationären Eintritt am 16. Januar 2019 abstinent (S. 4 Ziff. 2.5). Die Behandlung erfolge seit
diesem Zeitpunkt
bis dato (S. 3 Ziff. 1.1). Im Rahmen der stationären Behandlung (Integrationswohngruppe) habe er aktuell eine wöchentliche Psychotherapiesitzung à 60 Minuten (S. 3 Ziff. 1.2). An weite
ren Behandlern wurden nebst Dr.
H._
(vorstehend E. 3.
5
)
die
Medizinische Klinik des
F._
(vorstehend E. 3.3)
und
die Kardiologie des Kantonsspitals
J._
angegeben (S. 3 Ziff. 1.4)
Der Patient erprobe seine Arbeitsfähigkeit seit dem 29. November 2019 unregel
mässig freitags von 14 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 19 Uhr in seinem angestammten Beruf als Coiffeur. Zudem sei er im Rahmen der Arbeitsintegration der
Klinik Z._
im Restaurationsbetrieb der Klinik stundenweise im Sinne einer Belastungserprobung beschäftigt. Zur Frage, inwieweit er die rund 40-prozentige Arbeit in seinem angestammten Beruf langfristig zuverlässig leis
ten könne, lasse sich in Bezug auf die psychiatrischen Probleme noch keine Prog
nose ausstellen. Für eine Prognose in Bezug auf die somatische Symptomatik werde auf die weiterbehandelnden Ärzte verwiesen (S. 4 f. Ziff. 2.7). Auch Infor
mationen über die durch die aktuelle medizinische Symptomatik bedingten
Funk
tionseinschränkungen seien bei diesen zu erfragen (S. 6 Ziff. 3.4). Die bisherige Tätigkeit sei voraussichtlich
8.4 Stunden täglich bei maximal 2 Arbeitstagen pro Woche zumutbar (S. 6 Ziff. 4.1). Eine berufliche Eingliederung dürfte aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen auch zukünftig nicht über ein kleines Ar
beitspensum von zirka 20 bis 40
%
hinaus möglich sein (S. 7 Ziff. 4.3).
3.
7
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, nannte in seiner Stellungnahme vom 16. April
2020 (Urk. 8/24 S. 3-5) als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 3 unten):
-
Herzinsuffizienz, nicht näher bezeichnet
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain und Alkohol, Abhän
gigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.20 und F10.20
)
Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Diabetes mellitus Typ 2, ohne Komplikationen (S. 3 unten).
Einschränkungen ergäben sich gemäss den klinischen Beschreibungen in Bezug auf die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen (mässig ausgeprägt), der Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten (mässig ausgeprägt) und der Fähigkeit zur Selbstpflege und Selbstversorgung (mässig ausgeprägt; S. 3 unten).
Der Beschwerdeführer habe viele Ressourcen: Er
habe sich problemlos in die Pa
tientengruppe integriert, habe alltägliche Aufgaben erledigen und an der Tages
struktur teilnehmen können, habe unaufgefordert für seine Mitklienten gekocht, was auf soziale Kompetenzen hindeute, und habe Zeit mit Freunden und Familie verbracht. Die Arbeit in der Küche habe er gut erledigen können, die küchenspe
zifischen Hygienevorschriften habe er jederzeit einhalten können, sein Erschei
nungsbild sei jederzeit gut gewesen, seinen Arbeitsplatz habe er sauber gehalten und sei in der Lage gewesen, den Sommer in Italien bei seiner Mutter zu verbrin
gen (S. 4 oben).
Aus psychiatrischer Sicht seien Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an Team
arbeit und soziale Kompetenzen ungeeignet, zumal es im zwischenmenschlichen Kontakt gelegentlich zu Konflikten kommen könne. Eine Tätigkeit mit Verant
wortungsübernahme für Personen sollte vermieden werden. Genau strukturierte Tätigkeiten und Aufgaben in ruhiger, wohlwollender und reizarmer Atmosphäre wären bei ausreichender Anleitung und Betreuung zumutbar. Aus somatischer Sicht seien aufgrund der Beinödeme Tätigkeiten vorwiegend im Stehen nicht zumutbar. Wechselbelastende Tätigkeiten sowie leichte (angepasste) Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von mittelschweren und schweren Lasten seien jedoch zumutbar. So habe Dr.
H._
aus somatischer Sicht im November 2019 eine volle Arbeitsfähigkeit beurteilt (S. 4 Mitte
).
Die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Coiffeur betrage 100
%
vom 16. Januar bis zum 27. Juni 2019 und 40
%
ab dem 28. Juni 2019 auf Dauer (ab Austritt und Abreise nach Italien). Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gemäss Belastungsprofil betrage 0
%
vom 16. Januar bis zum 27. Juni 2019 und 100
%
ab dem 28. Juni 2019 (S. 4 Mitte).
Der psychopathologische Befund bei Eintritt in die
Klinik B._
sei weitgehend unauffällig gewesen, es seien lediglich eine leicht gedrückte Affektivität sowie Ein- und Durchschlafstörungen gefunden worden. Die Krite
rien für eine depressive Episode seien nicht erfüllt: Es
seien
keine Antriebs
störung, kein Interessensverlust und keine Freudlosigkeit festgestellt
worden
. Auch seien keine depressiven Episoden in der Vergangenheit bekannt. Eine F33.0 Dia
gnose sei
daher
nicht nachvollziehbar (S. 4 unten). Die
Klinik B._
habe festgestellt, dass das Arbeitstempo deutlich zu langsam und die Qua
lität der Arbeitsleistung von der psychischen Verfassung abhängig seien. Dies sei jedoch nicht nachvollziehbar, zumal aus neurokognitiver Sicht keine Ein
schrän
kungen bestünden, welche das Arbeitstempo, das Konzentrationsvermögen oder die Arbeitsqualität negativ beeinflussen würden
.
Auch im psychopatho
logischen Befund seien keine kognitiven Einschränkungen gefunden worden
(S. 5
oben).
Der kardiologische Status sei weitgehend unauffällig: Es
seien
leichte periphere Ödeme der unteren Extremitäten gefunden
worden
, jedoch sei die Leberpalpation unauffällig, das Abdomen normal, die Lungen wiesen ein vesikuläres Atemge
räusch über allen Lungenfeldern auf und es seien keine Rasselgeräusche zu fin
den. Ausserdem sei die Elektrokardiographie (EKG) unauffällig gewesen
(S. 5 Mitte).
4.
4.1
Der Psychostatus des Beschwerdeführers wurde bislang erst ein einziges Mal er
fasst, und zwar bei Eintritt in die stationäre
Klinik B._
am 16. Januar 2019
(vorstehend E. 3.1). Er ergab eine leicht gedrückte Affektivität sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Die Frage, ob die
im betreffenden Bericht vom 1. März 2019
gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung als leichte Episode nachvollziehbar war, warf RAD-Arzt
A._
im April 2020 wohl zu Recht auf (vorstehend E. 3.
7
), auch wenn nicht dokumentiert ist, wie sich der Psychostatus beispielsweise am Berichtsdatum
vom 1. März
2019
präsentierte.
Nachdem ihm
jedenfalls
keine
rlei
weiteren fachärztlichen Berichte
vorlagen, welche sich nachvollziehbar mit den objektiven Befunden und der Anamnese auseinandersetzten und eine belastbare Diagnose schlüssig herleiteten, konnte sein
Vorhaben, den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers zuverlässig zu beurteilen,
ohne diesen selber zu untersuchen,
kaum gelingen.
4.2
Seine Begründung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepass
ten Tätigkeit stützte sich im Wesentlichen auf den Schlussbericht der Fachleute der
Klinik B._
vom 4. Juli 2019 (vorstehend E. 3.2). In diesem fand er Hinweise auf beim Beschwerdeführer bestehende Ressourcen (vgl. E. 3.
7
). Das höchstrichterlich vorgesehene strukturierte Beweisverfahren
hat
jedoch nicht nur die Ressourcen (Kompensationspotentiale), sondern auch die leistungshin
dernden äusseren Belastungsfaktoren
zu berücksichtigen
(vorstehend E. 1.3). Letztere wurden vom RAD-Arzt offenbar ausgeblendet, denn
finden lassen sie
sich im genannten Schlussbericht ebenso. Zu nennen sind etwa Mankos in sozia
ler Hinsicht, wonach der Beschwerdeführer teilweise einen derben Umgangston pflege und eine impulsive und aufbrausende
Art habe sowie
zuweilen respektlos und egoistisch aufgetreten sei.
Sich an die Vorgaben bezüglich Pünktlichkeit zu halten, sei ihm
sodann
oft nicht gelungen.
D
ass altersadäquate Gespräche mit
unter nicht möglich gewesen seien, könnte ein Hinweis auf doch erheblichere psy
chische Defizite – etwa punkto Persönlichkeit – sein.
Auch sei ihm die selb
stän
dige Umsetzung der in den Sitzungen erlernten Skills noch nicht zuverlässig ge
lungen, und die erzielten ersten Fortschritte seien wohl nicht von Dauer.
Somit erscheint die Beurteilung der Ressourcen durch den RAD-Arzt als unausgewogen, da er sich mit den
Belastungfaktoren
kaum auseinandersetzte.
Eine zentrale Aussage des
genannten
Schlussberichts
vom 4. Juli
2019
war
so
dann
, dass der Beschwerdeführer nur noch bedingt in der Lage
sei, den Anfor
derungen einer regulären Arbeitsanstellung zu genügen, da sein Arbeitstempo deut
lich zu langsam und die Qualität seiner Arbeitsleistung sehr von der psychi
schen Verfassung abhängig sei (E. 3.2). Dies sei nicht nachvollziehbar, so Dr.
A._
, weil aus neurokognitiver Sicht keine entsprechenden Ein
schrän
kungen be
stünden (vorstehend E. 3.
7
). Als Belegstelle gab er zum wieder
holten Male einen Arztbericht vom 14. Januar 2020
(S. 19)
an.
Da
ein solcher nicht existiert, muss er
mit diesem Verweis
die an diesem Datum als Urk. 8/21
akturierten
diversen Arztberichte gemeint haben (vgl. vorstehend E. 3).
In Urk. 8/21/19 findet sich in
des nur das im Schlussbericht vom 4. Juli
2019 (vor
stehend E. 3.2) wiedergege
bene Ergebnis des Deutsch- und Rechentests (DRT). Diesem ist allerdings durch
aus zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer für den Test deutlich mehr Zeit als das vorgesehene Zeitlimit benötigte. Im Übrigen er
ach
tete Dr.
A._
den Test als nicht aussagekräftig, womit eine Beleg
stelle für die angeblich fehlenden neurokognitiven Einschränkungen weiterhin fehlt. Seinem erneuten Verweis auf den Psychostatus vom
16. Januar
2019 ist sodann
dessen
bereits oben (E. 4.1) diskutierte
beschränkte
Aussagekraft ent
ge
gen
zuhalten.
4.3
Obwohl er dem RAD-Arzt vorlag (vgl. Urk. 8/24 S. 3 oben), fand schliesslich der aktuellste Bericht der Ärzte der
Klinik Z._
vom 10. Januar 2020 (vorstehend E. 3.
6
) überhaupt keinen
ersichtlichen
Eingang in die Stellung
nahme von Dr.
A._
.
Zwar ist
er
relativ knapp gehalten und enthält we
der objektive Befunde noch eine Begründung der – weiterhin
praktisch unverän
dert
aufrecht erhaltenen – Diagnosen.
Nachdem sich der Beschwerde
führer
zu diesem Zeitpunkt
aber
– abgesehen von einem Unterbruch im Sommer 2019 –
schon fast ein ganzes Jahr lang in ihrer stationären Behandlung befand, hätte ihre Einschätzung, wonach die bisherige Tätigkeit voraussichtlich 8.4
Stunden täglich bei maximal 2 Arbeitstagen pro Woche möglich und eine berufliche Ein
gliederung über ein Arbeitspensum von zirka 20 bis 40
%
hinaus auch zukünftig wohl nicht möglich sei,
mit dem Beschwerdeführer (vorstehend E. 2.4)
Beachtung
und Auseinandersetzung
verdient.
Auch die
D
auer der Behandlung spricht
zudem
für eine ernstzunehmende
, nachhaltige
psychische Problematik.
Die Einschätzung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und einer 100%
igen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit durch Dr.
A._
lässt sich
demnach
nicht nachvollziehen. Es mangelt ihr an einer differenzierten Auseinandersetzung mit der abweichenden Einschätzung
durch die Behandler. Zudem ist die Aktenlage für eine zuverlässige Beurteilung wie gesagt (vorstehend E. 4.1) nicht ausreichend. Mindestens eine eigene Unter
suchung durch den RAD-Arzt wäre vorliegend indiziert gewesen. Ohne eine sol
che kann seiner
reinen Aktenbeurteilung
mangels Schlüssigkeit kein Beweiswert zukommen, weshalb auf sie nicht abgestellt werden kann (vorstehend E. 1.5-6).
4.4
Nach dem Gesagten ergeben sich aus den Akten
bei unbestrittener
langjähriger
Kokainabhängigkeit
Anhaltspunkte für eine relevante psychische Störung. Der Sachverhalt lässt sich indes bei der derzeitigen Aktenlage nicht
abschliessend
er
stellen.
Es fehlt an einer aussagekräftigen medizinischen Grundlage
zur Beant
wortung der Frage
, ob und welche psychiatrischen Diagnosen vorliegen und wie diese unter Berücksichtigung der massgeblichen Standardindikatoren (vorstehend E. 1.3-4) die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen.
Die Beschwerdegegnerin hat
daher
zur Erfüllung ihrer Untersuchungspflicht ein
psychiatrisches Gutachten einzuho
len.
Auch in somatischer Hinsicht bestehen
Unklarheiten
,
zumal
sich der Beschwer
deführer betreffend
sein Herzleiden weiterhin
in kardiologischer Behandlung
– möglicherweise auch beim
J._
(vgl. vorstehend E. 3.6) -
befindet, jedoch keine
aktuellen kardiologischen
Berichte im Recht liegen.
Der Allgemeinarzt Dr.
H._
gab
am 25. November 2019 (E. 3.
5
)
lediglich
die Selbsteinschätzung des Be
schwerdeführers wieder, welcher sich offenbar als voll arbeitsfähig erachtet
e
.
Ob es auch
in somatischer
– insbesondere kardiologischer -
Hinsicht
eines neutralen Gutachtens bedarf, wird die Beschwerdegegnerin beziehungsweise der
von ihr
zu beauftragende psychiatrische Gutachter zu entscheiden haben.
Nachdem
es an der Grundlage für einen Entscheid
fehlt, ist d
ie Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender medizi
ni
scher Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.