Decision ID: 814c2fc1-7ea0-57f1-823b-1055e685f9ab
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Am 7. Februar 2017 wurde die Schweizer Marke Nr. 698'541 "HEL-
SINN Investment Fund (fig.)" der Beschwerdegegnerin im Swissreg veröf-
fentlicht. Sie ist unter anderem für folgende Dienstleistungen eingetragen:
Klasse 36: Investissement de capitaux; services d'investissements financiers; ser-
vices d'analyse d'investissements; services de conseillers en investissements;
gestion d'investissements; investissement de capitaux; gestion de fonds d'inves-
tissements de capitaux; gestion de fonds; financement du développement de pro-
duits; mise à disposition de financement pour le développement de nouvelles tech-
nologies; services de financement de capital-risque pour des entreprises émer-
gentes et des start-ups; services de financement de capital-risque pour des insti-
tuts de recherche.
Sie hat folgendes Aussehen:
A.b Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der Schweizer Marke
Nr. 683'838 "Helsana. Engagiert für das Leben." mit Hinterlegungsdatum
28. Oktober 2015. Sie erhob am 8. Mai 2017 gegen obgenannte Eintra-
gung Widerspruch und ist unter anderem für folgende Dienstleistungen ein-
getragen:
Klasse 36: Versicherungswesen; Finanzwesen; Erteilung von Auskünften in Ver-
sicherungsangelegenheiten; Erarbeiten von Dokumentationen und Gutachten auf
dem Gebiet des Versicherungswesens; Beratung für, Information über und Aus-
kunft über die vorgenannten Dienstleistungen der Klasse 36.
A.c Mit Verfügung vom 21. März 2018 wies die Vorinstanz den Wider-
spruch ab.
Sie führte aus, die Übereinstimmung der beiden Zeichen beschränke sich
auf die Silbe "Hels-", weshalb lediglich von einer entfernten Zeichenähn-
lichkeit auszugehen sei. Die Konfliktzeichen würden in ihrer Gesamtheit
B-2583/2018
Seite 3
wesentlich mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufweisen. Die von
der Beschwerdeführerin geltend gemacht erhöhte Bekanntheit ihres Zei-
chens vermöge am Verfahrensausgang nichts zu ändern. Ausserdem habe
sie keine Unterlagen eingereicht, aus welchen auf die Bekanntheit der
Marke als Ganzes geschlossen werden könne. Unter Berücksichtigung der
nur sehr entfernten Zeichenähnlichkeit sowie der erhöhten Aufmerksamkeit
der Abnehmerkreise sei die Verwechslungsgefahr der beiden Zeichen trotz
Dienstleistungsgleichheit zu verneinen.
B.
Mit Eingabe vom 3. Mai 2018 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragte, der Widerspruchsent-
scheid der Vorinstanz vom 21. März 2018 sei aufzuheben, der Widerspruch
Nr. 15'505 sei vollumfänglich gutzuheissen und die Vorinstanz sei anzuwei-
sen, die Eintragung der Schweizer Marke Nr. 698'541 "HELSINN Invest-
ment Fund (fig.)" für sämtliche beanspruchten Dienstleistungen der Klasse
36 zu widerrufen. Eventualiter sei die Sache zu einer neuen Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Sie führte im Wesentlichen aus, aus den eingereichten Unterlagen ergebe
sich eine überaus grosse Bekanntheit des Zeichenbestandteils "Helsana".
Dieser sei auch der einzig kennzeichnungskräftige Bestandteil der Marke,
da es sich bei "Engagiert für das Leben." um einen anpreisenden Slogan
handle. Die Grafik und der Bestandteil "Investment Fund" würden die jün-
gere Marke nicht prägen. Somit würden sich lediglich die kennzeichnungs-
kräftigen Bestandteile "Helsana" und "HELSINN" gegenüberstehen und
diese seien hochgradig ähnlich. Es liege somit sowohl eine unmittelbare
als auch eine mittelbare Verwechslungsgefahr vor. Darüber hinaus habe
die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt, indem sie ihre substantiierten
Angaben zur Bekanntheit der Marke nicht berücksichtigt habe und ihr keine
Möglichkeit zu einer diesbezüglichen Stellungnahme gegeben habe.
C.
Mit Eingabe vom 14. August 2018 reichte die Vorinstanz die Vernehmlas-
sung ein und beantragte die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.
D.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. September 2018 beantragte die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.
B-2583/2018
Seite 4
Sie brachte im Wesentlichen vor, vorliegend würden sich die Zeichen
"Helsana. Engagiert für das Leben." und "H HELSINN Investment Fund
(fig.)" gegenüberstehen und nicht, wie die Beschwerdeführerin behaupte,
"Helsana" und "HELSINN". Das figurative Element in ihrer Marke nehme
eine wichtige Rolle ein und präge diese wesentlich. Das visuelle Erinne-
rungsbild werde auch von den stilisierten Wortelementen geprägt. Der Satz
"Engagiert für das Leben." der Widerspruchsmarke habe keinen unmittel-
bar verständlichen Sinn, weshalb er die Marke der Beschwerdeführerin mit-
präge. Die Zeichen würden sich hinsichtlich ihrer Länge, Wortanfänge,
Klangbilder, visuellen Eindrücke und Sinngehalte deutlich unterscheiden.
Es liege gar keine Zeichenähnlichkeit vor. Bezüglich des Bestandteils
"Helsana" der Widerspruchsmarke sei höchstens von einer normalen
Kennzeichnungskraft auszugehen. Ihm komme im Gesamteindruck nicht
mehr Gewicht zu als den anderen Bestandteilen. Es bestehe weder eine
mittelbare noch eine unmittelbare Verwechslungsgefahr. Eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs der Vorinstanz liege nicht vor.
E.
Mit Eingabe vom 15. Oktober 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine
Stellungnahme ein und beantragte die Sistierung des Verfahrens. An den
in der Beschwerde gestellten Anträgen hielt sie fest.
F.
Mit Schreiben vom 19. November 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an
ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Ebenfalls beantragte sie
die Abweisung des Antrages betreffend die Sistierung des Beschwerdever-
fahrens.
G.
Die Vorinstanz hielt mit Schreiben vom 19. November 2018 ebenfalls an
ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Bezüglich des Sistie-
rungsbergehrens der Beschwerdeführerin verzichtete sie auf einen Antrag.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 28. November 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht den Antrag der Beschwerdeführerin auf Sistierung des Be-
schwerdeverfahrens ab.
I.
Mit Eingabe vom 6. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine wei-
tere Stellungnahme ein.
B-2583/2018
Seite 5
J.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2019 nahm die Beschwerdegegnerin zur
vorhergehenden Eingabe der Beschwerdeführerin Stellung.
K.
Mit Eingabe vom 3. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin erneut eine
Stellungnahme ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. e VGG). Die Beschwerdefüh-
rerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG), hat den Kostenvorschuss bezahlt (Art. 63 Abs. 4
VwVG) und die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50
Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. c des Markenschutzgesetzes vom 28. Au-
gust 1992 (MSchG, SR 232.11) sind Zeichen unter anderem dann vom
Markenschutz ausgeschlossen, wenn sie einer älteren Marke ähnlich und
für gleiche oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen bestimmt sind,
so dass sich daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt. Die Verwechslungs-
gefahr beurteilt sich nach der Kennzeichnungskraft der älteren Marke, der
Zeichenähnlichkeit und der Ähnlichkeit der Waren und Dienstleistungen,
für welche die Marken hinterlegt sind (GALLUS JOLLER, in: Noth/Bühler/
Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], 2. Aufl. 2017, Art. 3
N. 46). Zwischen der Ähnlichkeit der Waren und Dienstleistungen und der
Zeichenähnlichkeit besteht eine Wechselwirkung: An die Verschiedenheit
der Zeichen sind umso höhere Anforderungen zu stellen, je ähnlicher die
Produkte sind, und umgekehrt (STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, in:
David/Frick [Hrsg.], Kommentar zum Markenschutz- und Wappenschutz-
gesetz, 3. Aufl. 2017, Art. 3 N. 154).
2.2 Ob die Zeichen ähnlich sind, beurteilt sich nach dem Gesamteindruck,
den die Marken in der Erinnerung der angesprochenen Verkehrskreise hin-
terlassen (BGE 121 III 377 E. 2a "Boss/Books"; BGE 119 II 473 E. 2d "Ra-
dion/Radomat"; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 41).
B-2583/2018
Seite 6
Massgebend ist einzig die Eintragung, wie sie dem Register entnommen
werden kann (Urteile des BVGer B-5325/2007 vom 12. November 2007
E. 3 "Adwista/ad-vista [fig.]" m.w.H. und B-7475/2006 vom 20. Juni
2007 E. 5 "Converse All Stars [fig.]/Army tex [fig.]"). Eine Zeichenähnlich-
keit kann auch zwischen einer Wortmarke und einer aus Wort- und Bildbe-
standteilen zusammengesetzten Marke vorliegen. Bei kombinierten Wort-
/Bildmarken sind die einzelnen Bestandteile nach ihrer Kennzeichnungs-
kraft zu gewichten. Entscheidend für den Gesamteindruck sind die prägen-
den Wort- oder Bildelemente, während kennzeichnungsschwache Wort-
und Bildelemente diesen weniger beeinflussen. Enthält eine Marke sowohl
charakteristische Wort- wie auch Bildelemente, können diese den massge-
blichen Erinnerungseindruck gleichermassen prägen (Urteile des BVGer
B-4159/2009 vom 25. November 2009 E. 2.4 "Efe [fig.]/Eve" und
B-1615/2014 vom 23. März 2016 E. 2.3 "Gridstream AIM/aim [fig.]"). Für
die Ähnlichkeit von Wortelementen sind der Wortklang, das Schriftbild und
gegebenenfalls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2.b/cc
"Securitas").
2.3 Ob eine Verwechslungsgefahr besteht, hängt unter anderem vom
Schutzumfang der Widerspruchsmarke ab (Urteil des BVGer B-7017/2008
vom 11. Februar 2010 E. 2.4 "Plus/PlusPlus [fig.]" m.w.H.). Der geschützte
Ähnlichkeitsbereich ist für schwache Marken kleiner als jener für starke
Marken (BGE 122 III 382 E. 2a "Kamillosan/Kamillon, Kamillan"). Schwach
sind namentlich Marken, deren prägende Elemente beschreibenden Cha-
rakter haben (BVGE 2010/32 E. 7.3.1 "Pernaton/Pernadol 400"; Urteil des
BVGer B-7492/2006 vom 12. Juli 2007 E. 5 "Aromata/Aromathera"). Stark
sind hingegen jene Marken, welche das Ergebnis einer schöpferischen
Leistung oder langer Aufbauarbeit sind (BGE 122 III 382 E. 2a "Kamil-
losan/Kamillon, Kamillan" m.w.H.; Urteil des BVGer B-7475/2006 vom
20. Juni 2007 E. 7 "Converse All Stars [fig.]/Army tex [fig.]"; EUGEN MAR-
BACH, in: von Büren/David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter- und
Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl. 2009, N. 979 m.w.H.).
2.4 Die Verwechslungsgefahr beurteilt sich nach einem strengen Mass-
stab, wenn die strittigen Marken für Massenartikel des täglichen Gebrauchs
hinterlegt sind (BGE 117 II 321 E. 4 "Valser"), weil diese mit einem weniger
hohen Aufmerksamkeitsgrad nachgefragt werden. Nebst der Häufigkeit
des Konsums hängt der Aufmerksamkeitsgrad auch von den massgebli-
chen Verkehrskreisen im Einzelfall ab (BGE 126 III 315 E. 6 b bb "Ri-
vella").
B-2583/2018
Seite 7
3.
3.1 Für die im Widerspruch stehenden Waren und Dienstleistungen sind
die massgeblichen Verkehrskreise zu bestimmen (EUGEN MARBACH, Die
Verkehrskreise im Markenrecht, in: sic! 1/2007, S. 1, 6 f. und 11). Aus-
gangspunkt für die Bestimmung der Verkehrskreise ist das Waren- und
Dienstleistungsverzeichnis der älteren Marke (JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 51).
3.2 Die Widerspruchsmarke wird in Klasse 36 für die Dienstleistung Fi-
nanzwesen beansprucht. Diese Dienstleistung richtet sich einerseits an
Fachleute der Finanzbranche, anderseits auch an das breite Publikum. Sie
wird mit erhöhter Aufmerksamkeit in Anspruch genommen (Urteil des
BVGer B-684/2017 vom 13. März 2018 E. 3.2 "Quantex/Quantum Capital-
Partners" m.w.H.).
4.
4.1 Die Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG
setzt voraus, dass die Marken für gleiche oder gleichartige Waren oder
Dienstleistungen bestimmt sind (1. Satz, 2. Teil).
4.2 Während die Widerspruchsmarke für die Dienstleistung Finanzwesen
in Klasse 36 eingetragen ist, ist die angefochtene Marke für verschiedene
Finanzdienstleistungen eingetragen. Wie die Vorinstanz zutreffend aus-
führt, fallen sämtliche von der Beschwerdegegnerin in Klasse 36 bean-
spruchten Dienstleistungen unter den Begriff Finanzwesen. Es liegt somit
Dienstleistungsidentität vor. Dies legt in Bezug auf den Zeichenabstand ei-
nen besonders strengen Massstab nahe (BGE 122 III 382 E. 3a „Kamil-
losan/Kamillon, Kamillan“).
5.
5.1 Die Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG
setzt voraus, dass die Zeichen ähnlich sind (1. Satz, 1. Teil).
5.2
5.2.1 Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass von einer entfernten Zei-
chenähnlichkeit auszugehen sei. Die Grafik der angefochtenen Marke
könne beim Zeichenvergleich nicht vernachlässigt werden, da sie durch ih-
ren Platz am Zeichenanfang und ihre farbliche Gestaltung auf den ersten
Blick wahrgenommen werde. Die Wortfolge "Engagiert für das Leben."
B-2583/2018
Seite 8
habe keinen anpreisenden Charakter und sei daher durchaus kennzeich-
nungskräftig. Darüber hinaus könnten selbst gemeinfreie Bestandteile den
Gesamteindruck von Marken beeinflussen. Die Übereinstimmungen der
Wortelemente würden sich auf die vier Anfangsbuchstaben "HELS-" be-
schränken. Während die Widerspruchsmarke aus fünf Wörtern und
27 Buchstaben bestehe, weise die angefochtene Marke drei Wörter und
21 Buchstaben auf. Auch die Silbenzahl sei unterschiedlich. Während den
Zeichenbestandteilen "Helsana" und "HELSINN" keine Bedeutungen zu-
komme, würden die Bestandteile "Engagiert für das Leben." und "Invest-
ment Fund" klar unterschiedliche Sinngehalte aufweisen.
5.2.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, beim Vergleich der
Wortzeichen nehme die Vorinstanz die Beurteilung ohne jegliche Gewich-
tung der Kennzeichnungskraft der verschiedenen Elemente vor. Bei "Hels-
ana" handle es sich um einen kennzeichnungskräftigen Bestandteil. Das
Element "Engagiert für das Leben." sei hingegen ein Slogan, der aus einer
reklamehaften Anpreisung mit Bezug auf die vorliegenden Dienstleistun-
gen bestehe. Entsprechend sei der Markenbestandteil nicht kennzeich-
nungskräftig. Das Bildelement der angefochtenen Marke symbolisiere den
Buchstaben "H", vermöge den Gesamteindruck der Marke nicht zu prägen
und hätte daher beim Zeichenvergleich nicht berücksichtigt werden dürfen.
Auch der Bestandteil "Investment Fund" sei beschreibend für die Dienst-
leistungen der Klasse 36 und daher nicht kennzeichnungskräftig. Die gra-
fische Gestaltung der beiden Wörter bleibe im Erinnerungsbild nicht haften.
Die Vorinstanz hätte somit lediglich die prägenden Elemente "Helsana" und
"HELSINN" vergleichen dürfen und diese seien schriftbildlich und klanglich
hochgradig ähnlich. Den weiteren Elementen komme nur untergeordnete
Bedeutung zu. Die beiden prägenden Zeichenelemente würden sich in fünf
von sieben Buchstaben decken. Zudem sei der Wortanfang für die Zei-
chenähnlichkeit in der Regel viel wesentlicher als das Wortende. Einen er-
kennbaren Sinngehalt hätten beide Bestandteile nicht. Die Vorinstanz habe
die offensichtlich starke Zeichenähnlichkeit zu Unrecht verneint.
5.2.3 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin würden sich vorliegend die Zeichen "Helsana. Enga-
giert für das Leben." und "HELSINN Investment Fund (fig.)" gegenüberste-
hen und nicht etwa die Zeichen "Helsana" und "HELSINN". Die isolierte
Betrachtungsweise der einzelnen Bestandteile sei abzulehnen. Die Zei-
chen seien als Ganzes zu würdigen. Es sei richtig, dass die Grafik in der
angefochtenen Marke als stilisiertes "H" wahrgenommen werde. Jedoch
handle es sich keinesfalls um nicht unterscheidungskräftiges figuratives
B-2583/2018
Seite 9
Beiwerk. Das Element nehme eine wichtige Rolle ein und präge das Zei-
chen. Es gebe keinen Grund, dieses Element beim Zeichenvergleich aus-
ser Acht zu lassen. Das Zeichen werde somit als "H HELSINN Investment
Fund (fig.)" wahrgenommen. Auch das Wortelement "HELSINN" sei stark
stilisiert dargestellt. Des Weiteren treffe nicht zu, dass der Slogan "Enga-
giert für das Leben." rein beschreibend sei. Der Satz sei sehr wohl fanta-
sievoll und es sei nicht klar, was damit gemeint sei. Dem Bestandteil
komme daher innerhalb des älteren Zeichens eine wichtige Rolle zu, wes-
halb er ohne weiteres geeignet sei, das Zeichen mitzuprägen. Auch das
zwar beschreibende Wort "Investment Fund" vermöge aufgrund seiner
Grösse, Position und Proportionen das Erinnerungsbild zu beeinflussen.
Das Wort "Helsana" beinhalte das Element "sana", welches als "gesund"
oder "Gesundheit" verstanden werde. Ferner weise die Silbe "Hel-" auf Hel-
vatia, also den Namen der Schweiz, hin. Das Wortelement "HELSINN" der
jüngeren Marke sei hingegen eine vollumfänglich fantasiehafte Wortneu-
schöpfung und habe keinen Sinngehalt. Als Ganzes würden sich die Zei-
chen hinsichtlich ihrer Länge, ihrer Wortanfänge, ihrer Klangbilder, ihrer vi-
suellen Eindrücke und ihrer Sinngehalte deutlich unterscheiden. Die Über-
einstimmung in der Buchstabenfolge "Hels-" reiche nicht für eine rechtlich
relevante Zeichenähnlichkeit. Es liege somit nicht einmal eine entfernte,
sondern gar keine Zeichenähnlichkeit vor.
5.3 Bei der Widerspruchsmarke handelt es sich um die reine Wortmarke
"Helsana. Engagiert für das Leben."
Die angefochtene Marke ist eine kombinierte Wort-/Bildmarke. Ihr Wortbe-
standteil besteht aus dem Schriftzug "HELSINN Investment Fund". Das
Wort "HELSINN" ist dabei in fetter Schrift und grauer Farbe in Grossbuch-
staben geschrieben. Es nimmt den oberen rechten Teil des Zeichens ein.
Die beiden Wörter "Investment Fund" nehmen den unteren Bereich ein und
sind in dünneren etwas kleineren Buchstaben als "HELSINN" geschrieben.
Oben links befindet sich eine Grafik. Sie besteht aus vier gleichen Elemen-
ten. Drei Elemente sind blaufarben, während das untere linke Element in
lila gehalten ist. Die Elemente der Grafik sind annähernd viereckig, wobei
jedes Viereck an der äusseren oberen bzw. unteren Ecke eine kleine Aus-
buchtung hat. Als Ganzes gesehen erinnert das Grafikelement an den
Grossbuchstaben "H". Dies wird umso klarer, als der Anfangsbuchstaben
des nebenstehenden Wortes "HELSINN" ähnlich wie die Grafik gestaltet
ist (vgl. hier die Ausbuchtungen an den Ecken des Buchstabens "H" als
typographische Kapitälchen).
B-2583/2018
Seite 10
5.4 Wie die Parteien übereinstimmend ausführen, sind die einzelnen Ele-
mente der zu vergleichenden Zeichen nach ihrer Kennzeichnungskraft zu
gewichten. Dabei wird der Gesamteindruck in erster Linie durch die kenn-
zeichnungskräftigen Bestandteile geprägt. Jedoch dürfen auch schwache
Markenbestandteile nicht ausser Acht gelassen werden (STÄDELI/BRAUCH-
BAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 37 f.; BGE 122 III 382 E. 5b "Kamil-
losan/Kamillon, Kamillan").
5.4.1 Die Widerspruchsmarke besteht aus zwei Bestandteilen. Einerseits
aus dem Wort "Helsana". Andererseits aus dem Satz "Engagiert für das
Leben.". Während die Beschwerdeführerin vorbringt, "Helsana" sei der prä-
gende Bestandteil ihrer Marke und habe keine Bedeutung, hält die Be-
schwerdegegnerin fest, "Helsana" habe in Bezug auf bestimmte Versiche-
rungsdienstleistungen einen erkennbaren Sinngehalt. Es bedeute "ge-
sunde Schweiz".
Die Beschwerdegegnerin bringt insbesondere vor, "Hel" sei ein häufig ver-
wendetes Kurzzeichen für Helvetia, also den Namen der Schweiz. Dem ist
nicht zu folgen. Der gedankliche Weg von "Hel" zu Helvetia ist sehr weit.
Dafür, dass "Hel" eine gängige Kurzform für Helvetia ist, finden sich keine
Hinweise. Die Beschwerdegegnerin bringt auch keine vor. Kurzzeichen für
die Schweiz sind unter anderem CH (für: Confoederatio Helvetica), SUI
(für: Suisse) oder allenfalls SWI (für: Switzerland) und CHE (nach ISO
3166) – nicht jedoch "Hel".
Weiter bringt sie vor, der Wortbestandteil "sana" werde vom Publikum im
Sinne von "gesund" und "Gesundheit" verstanden. Dem ist zuzustimmen
(vgl. Urteil des BVGer B-37/2011 vom 6. Oktober 2011 E. 6.1 "Sansan/San-
tasan" m.w.H.). Die Bedeutung im Hinblick auf die Dienstleistung Finanz-
wesen ist aber nicht beschreibend. Ausserdem ist der Begriff "Helsana" als
Ganzes ohne Bedeutung, da "Hel", wie bereits erörtert, nicht als Kurzzei-
chen für "Schweiz" verstanden wird. Es handelt sich somit um ein Fanta-
siewort ohne Sinngehalt.
Auch bezüglich der Kennzeichnungskraft des zweiten Bestandteils der Wi-
derspruchsmarke sind sich die Parteien nicht einig. Während die Be-
schwerdeführerin behauptet, bei "Engagiert für das Leben." handle es sich
um einen nicht kennzeichnungskräftigen Slogan, ist die Beschwerdegeg-
nerin der Meinung, der Satz sei durchaus fantasievoll und nicht beschrei-
bend.
B-2583/2018
Seite 11
"Engagiert für das Leben." ist eine positiv konnotierte Aussage, die zwar
keinen direkten Bezug zur Dienstleistung Finanzwesen aufweist. Den Ver-
kehrskreisen wird aber mit der Aussage suggeriert, der Dienstleistungser-
bringer werde sich für die Kunden derart einsetzen, dass sie ein besseres
Leben haben. Den Adressaten wird in Bezug auf die in Frage stehende
Dienstleistung angepriesen, dass diese für finanziellen Profit sorgen wird.
Damit handelt es sich beim Slogan "Engagiert für das Leben." um eine rein
reklamehafte Anpreisung, die, wenn überhaupt, nur über eine sehr geringe
Kennzeichnungskraft verfügt.
Damit steht fest, dass das prägende Element der Widerspruchsmarke der
Bestandteil "Helsana" ist.
5.4.2 Auch die angefochtene Marke "HELSINN Investment Fund (fig.)" be-
steht aus mehreren Bestandteilen. Beim Wortelement "HELSINN" handelt
es sich offensichtlich um eine Wortneuschöpfung ohne Sinngehalt. Es ist
daher kennzeichnungskräftig. Dass das Wort stark stilisiert dargestellt ist,
kann entgegen der Meinung der Beschwerdegegnerin nicht gesagt wer-
den. Die gewählte Schrift ist eher Standard, einfach gehalten und gut les-
bar. Die Gestaltung wird daher nicht im Erinnerungsbild des Betrachters
hängenbleiben.
In Bezug auf das Wortelement "Investment Fund" sind sich die Parteien
einig, dass dieses für die Dienstleistung Finanzwesen beschreibend ist. Es
hat damit keine Kennzeichnungskraft und prägt die angefochtene Marke
nicht. Gleiches gilt für die gewählte Gestaltung des Wortes, welche keine
Besonderheiten aufweist.
Strittig ist die Kennzeichnungskraft des grafischen Elements des Zeichens.
Während die Beschwerdeführerin ausführt, das Element vermöge das Zei-
chen nicht zu prägen, bringt die Beschwerdegegnerin vor, das Element
nehme eine wichtige Rolle ein und präge die Marke.
Bei den vier Vierecken handelt es sich um einfache, leicht abgewandelte
geometrische Formen. Auch in ihrer Gesamtheit heben sich die vier Vier-
ecke nicht von den Wortelementen ab. Da das Element vom grössten Teil
der Verkehrskreise als stilisiertes "H" erkannt wird, wird es lediglich als An-
fangsbuchstabe des kennzeichnungskräftigen Bestandteils "HELSINN"
aufgefasst. Auch aufgrund seiner Grösse im Vergleich zu den Wortelemen-
B-2583/2018
Seite 12
ten wird es als untergeordnet wahrgenommen. Trotzdem kann dem stili-
sierten "H" eine gewisse Kennzeichnungskraft nicht abgesprochen wer-
den.
5.4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Widerspruchsmarke
vom kennzeichnungskräftigen Wort "Helsana" geprägt wird, während der
Slogan "Engagiert für das Leben." aufgrund seines anpreisenden Charak-
ters nur von untergeordneter Bedeutung ist. Die angefochtene Marke wird
vom Wortelement "HELSINN" geprägt. Das zweite Wortelement "Invest-
ment Fund" ist für die Dienstleistung Finanzwesen offensichtlich beschrei-
bend und daher nicht kennzeichnungskräftig. Das Grafikelement der
Marke, das stilisierte "H", ist ebenfalls von untergeordneter Bedeutung, ob-
wohl es über eine gewisse, jedoch schwache Kennzeichnungskraft verfügt.
Für den Zeichenvergleich sind deshalb vorab die beiden prägenden Wort-
elemente "Helsana" und "HELSINN" zu vergleichen, ohne die weiteren Ele-
mente aussen vor zu lassen.
5.5
5.5.1 Die beiden prägenden Bestandteile der zu vergleichenden Zeichen
("Helsana" und "HELSINN") bestehen beide aus sieben Buchstaben. Sie
stimmen dabei in fünf dieser sieben Buchstaben überein. Unter anderem
im Wortanfang "Hels-", der für den Zeichenvergleich besonders wichtig ist
(JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 148; vgl. Urteil des BVGer B-1605/2019 vom
31. Oktober 2019 E. 6.2 "Cremolan/Xerolan"). Im Schriftbild bestehen so-
mit zumindest in den prägenden Elementen der beiden Zeichen grosse
Ähnlichkeiten. Auch phonetisch weisen die prägenden Elemente aufgrund
des gemeinsamen Wortanfangs grosse Gemeinsamkeiten auf. Hingegen
besteht "Hel-sa-na" aus drei Silben, während das Wort "HEL-SINN" über
lediglich zwei Silben verfügt. Weder "Helsana" noch "HELSINN" weisen ei-
nen Sinngehalt auf, weshalb es hier weder Gemeinsamkeiten noch Unter-
schiede gibt.
5.5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die prägenden Be-
standteile der beiden zu vergleichenden Zeichen sowohl im Schriftbild als
auch phonetisch sehr ähnlich sind. Unterschiede bestehen hauptsächlich
in den schwach und nicht kennzeichnungskräftigen Elementen. Diese dür-
fen zwar nicht vernachlässigt werden, trotzdem ist insgesamt von einer kla-
ren Zeichenähnlichkeit auszugehen. Dass, wie die angefochtene Verfü-
gung feststellt, lediglich eine entfernte Zeichenähnlichkeit bestehe, trifft
B-2583/2018
Seite 13
demnach nicht zu. Die Vorinstanz hat zwar in den theoretischen Erwägun-
gen festgehalten, dass die Kennzeichnungskraft der einzelnen Elemente
für die Zeichenähnlichkeit ausschlaggebend sei. Sie hat die verschiedenen
Zeichenbestandteile aber nicht gewichtet und ist deshalb zu einer unzutref-
fenden Feststellung gekommen.
6.
6.1 Die Verwechslungsgefahr zwischen der Widerspruchsmarke und der
angefochtenen Marke im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG ist vor dem
Hintergrund der gesamten Umstände zu beurteilen (2. Satz).
6.2
6.2.1 Die Vorinstanz führt zur Verwechslungsgefahr aus, bei der Wider-
spruchsmarke "Helsana. Engagiert für das Leben." handle es sich im Gan-
zen um ein Fantasiezeichen. Sie verfüge daher zumindest über eine durch-
schnittliche Kennzeichnungskraft und einen normalen Schutzumfang. Die
Konfliktzeichen würden in ihrer Gesamtheit viel mehr Unterschiede als Ge-
meinsamkeiten aufweisen. Auch eine Bekanntheit des Markenelements
"Helsana" würde am Verfahrensausgang nichts ändern. Eine Markenserie
mit dem Bestandteil "Hels-" bestehe nicht. Unter Berücksichtigung der nur
sehr entfernten Zeichenähnlichkeit sowie der erhöhten Aufmerksamkeit der
Abnehmerkreise sei die Verwechselbarkeit trotz Dienstleistungsgleichheit
zu verneinen. Der Widerspruch sei daher abzuweisen.
6.2.2 Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, beim Zeichenbe-
standteil "Helsana" handle es sich um einen in der Schweiz überaus be-
kannten Zeichenbestandteil, womit die Marke über eine erhöhte Kenn-
zeichnungskraft und einen überdurchschnittlichen Schutzumfang verfüge.
Dies gelte auch im Bereich der Finanzdienstleistungen, da diese zu den
Versicherungsdienstleistungen, für welche "Helsana" bekannt sei, gleich-
artig seien. Zudem sei sie Inhaberin verschiedener in der Schweiz ge-
schützter Marken mit dem Bestandteil "Helsana". Die vorliegende Marke
sei deshalb Teil einer Markenserie, was ebenfalls zu einer erhöhten Kenn-
zeichnungskraft der Widerspruchsmarke führe. Die grosse Bekanntheit der
Marke sei institutsnotorisch und hätte von der Vorinstanz berücksichtigt
werden müssen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Dienstleistungs-
gleichheit und der vielen Gemeinsamkeiten führe dies sowohl zu einer un-
mittelbaren als auch zu einer mittelbaren Verwechslungsgefahr. Schliess-
lich habe die zweite Beschwerdekammer des Europäischen Markenamtes
B-2583/2018
Seite 14
(EUIPO) die Marken "Helsana. Committed to life." und "HELSINN Invest-
ment Fund (fig.)" für verwechselbar erachtet.
6.2.3 Die Beschwerdegegnerin führt aus, da das Wortelement "Helsana"
beschreibend sie, könne die Beschwerdeführerin im Bereich Krankenver-
sicherungsdienstleistungen bestenfalls eine normale Kennzeichnungskraft
geltend machen. Eine erhöhte Kennzeichnungskraft habe sie jedenfalls mit
den eingereichten Dokumenten nicht glaubhaft gemacht. Für Finanzdienst-
leistungen sei "Helsana" völlig unbekannt. Eine Gleichartigkeit zwischen
Dienstleistungen im Versicherungswesen und Finanzdienstleistungen sei
nicht gegeben. Insgesamt sei von einem normalen Schutzumfang der Wi-
derspruchsmarke auszugehen. Selbst unter der Annahme einer gesteiger-
ten Bekanntheit sei die Verwechslungsgefahr vorliegend zu verneinen.
Eine Serienmarke liege auch nicht vor. Die Beschwerdeführerin habe nicht
dargelegt, dass das relevante Publikum den Wortbestandteil "Hels-" als ge-
meinsamen Bestandteil ihrer Markenserie erkenne. Zudem gebe es keinen
Grund die Beurteilung der Verwechslungsgefahr auf die Zeichenbestand-
teile "Helsana" und "HELSINN" zu reduzieren. Die weiteren Zeichenbe-
standteile dürfen nicht ausser Acht gelassen werden. Es liege weder eine
unmittelbare noch eine mittelbare Verwechslungsgefahr vor. Der Entscheid
der zweiten Beschwerdekammer des EUIPO könne nicht herangezogen
werden, da die Widerspruchsmarken nicht übereinstimmen würden.
6.3 Die Beschwerdeführerin reicht den Entscheid R 124/2019-2 vom 4. Ok-
tober 2019 der zweiten Beschwerdekammer des EUIPO ins Recht. Darin
wird festgestellt, dass die beiden Zeichen "Helsana. Committed to life." und
"HELSINN Investment Fund (fig.)" verwechselbar sind.
Ausländische Entscheidungen haben gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts keine präjudizielle Wirkung auf die Rechtslage in der
Schweiz, auch wenn sie im Rahmen einer rechtsvergleichenden Ausle-
gung mitberücksichtigt werden können, sofern die Rechtslage vergleichbar
ist und die ausländische Rechtsprechung sich auf dieselbe Marke bezieht
(BGE 130 III 113 E. 3.2 "Montessori"; Urteil des BVGer B-7057/2016 vom
4. Mai 2018 E. 9.2.4 "7seven [fig.]/Sevenfriday"). Der Entscheid des
EUIPO, auf den die Beschwerdeführerin verweist, stützt sich jedoch nicht
auf die Widerspruchsmarke "Helsana. Engagiert für das Leben.", sondern
auf die Marke "Helsana. Committed to life.". Die Beschwerdeführerin kann
aus dem eingereichten Entscheid nichts zu ihren Gunsten ableiten.
B-2583/2018
Seite 15
6.4 Der Schutzumfang des älteren Zeichens bestimmt sich nach dessen
Kennzeichnungskraft (BGE 122 III 382 E. 2a „Kamillosan/Kamillon, Kamil-
lan“).
6.4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Zeichen habe eine er-
höhte Kennzeichnungskraft, da der Zeichenbestandteil "Helsana" sehr be-
kannt sei für Versicherungsdienstleistungen und sich diese Bekanntheit
auch auf die Dienstleistung Finanzwesen ausweite. Dass "Helsana" (und
damit ein Element der Widerspruchsmarke) für Versicherungsdienstleis-
tungen eine hohe Bekanntheit geniesst, darf als gerichtsnotorisch angese-
hen werden. Aus den eingereichten Belegen geht diesbezüglich hervor,
dass die Helsana-Gruppe, zu der auch die Beschwerdeführerin gehört,
über knapp zwei Millionen Versicherte in der Schweiz verfügt und Prämien-
einnahmen von 6.3 Mia. Fr. generiert (vgl. Beilage 2/1 der Beschwerdefüh-
rerin "Geschäftsbericht der Helsana-Gruppe 2017"). Das Bundesverwal-
tungsgericht hat in Bezug auf das Zeichen "Sansan" des gleichnamigen
damaligen Krankenversicherungsunternehmens schon bei einer weitaus
weniger bekannten Marke einen erweiterten Schutzumfang angenommen
(vgl. Urteil des BVGer B-37/2011 vom 6. Oktober 2011 E. 6.1 "Sansan/San-
tasana"). Diese Bekanntheit des Zeichenbestandteils "Helsana" bezieht
sich jedoch in erster Linie auf die Dienstleistung "Versicherungswesen".
Dies zeigen auch die zahlreichen von der Beschwerdeführerin eingereich-
ten Unterlagen (insbesondere die Beilagen 2-6 zur Beschwerde). Die er-
höhte Kennzeichnungskraft kann jedoch auch auf eng benachbarte Ge-
biete ausstrahlen (JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 106). Allerdings ist eine Aus-
dehnung der erhöhten Verkehrsgeltung nicht gegenüber allen Waren und
Dienstleistungen im Gleichartigkeitsbereich zu bejahen. Es braucht eine
enge Gleichartigkeit (Urteil des BVGer vom 17. April 2013 E. 7.4.4 "intel
inside/Galdat inside", in: sic! 2013 S. 536 ff.). Zwischen den Dienstleistun-
gen Versicherungswesen und Finanzwesen besteht zwar Gleichartigkeit
(vgl. Urteil des BVGer B-37/2011 vom 6. Oktober 2011 E. 4.2
"Sansan/Santasana" m.w.H.), jedoch können die Bereiche nicht als eng
benachbart angesehen werden. Die beiden Dienstleistungen werden zwar
im Sinne einer Allfinanzstrategie oft vom gleichen Anbieter angeboten, je-
doch handelt es sich um unterschiedliche Produkte, die sich teilweise auch
an unterschiedliche Zielgruppen wenden. Auch im Sansan-Entscheid
wurde der erweiterte Schutzumfang der Marke im Bereich Versicherungs-
wesen nicht auf den Bereich Finanzwesen ausgedehnt (Urteil des BVGer
B-37/2011 vom 6. Oktober 2011 E. 6.1 und E. 6.3 "Sansan/Santasana";
vgl. auch Urteil des BVGer vom 17. April 2013 E. 7.4.4 f. "intel in-
B-2583/2018
Seite 16
side/Galdat inside", in: sic! 2013 S. 536 ff.). Von einem erweiterten Schutz-
umfang der Widerspruchsmarke aufgrund der Bekanntheit des Zeichenbe-
standteils "Helsana" im Versicherungsbereich ist daher für die Dienstleis-
tung Finanzwesen nicht auszugehen.
6.4.2 Die Beschwerdeführerin führt weiter aus, sie sei Inhaberin verschie-
dener in der Schweiz geschützter Marken mit dem Bestandteil "Helsana".
Sie macht eine erhöhte Kennzeichnungskraft ihrer Marke aufgrund der Ver-
wendung einer Markenserie geltend.
Die Kennzeichnungskraft einer Marke kann durch deren Verwendung in ei-
ner Markenserie gestärkt werden. Eine Markenserie basiert auf einem ge-
meinsamen Stammbestandteil, der kennzeichnungskräftig sein muss. Zu-
dem müssen die Serienmarken dem Publikum durch tatsächlichen Ge-
brauch bekannt geworden sein. Der blosse Hinweis auf die Eintragung ei-
ner Markenserie genügt nicht und lässt keine Rückschlüsse auf den Ge-
brauch der Marken zu (JOLLER, a.a.O., Art. 3 N. 25 ff. m.w.H.; Urteil des
BVGer B-626/2015 vom 6. Juni 2016 E. 6.4 "Kalisan/Kalisil").
Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei Inhaber von 21 Schweizer Mar-
ken mit dem Bestandteil "Helsana" und ihre Tochtergesellschaft sei die In-
haberin der Hausmarke "Helsana" und acht weiterer Eintragungen mit die-
sem Element. Zudem finde eine starke Bewerbung der Hausmarke und der
Widerspruchsmarke statt.
Vorliegend gelingt es der Beschwerdeführerin zwar darzulegen, dass tat-
sächlich zahlreiche Marken mit dem Stammbestandteil "Helsana" eingetra-
gen sind. Sie führt indes nicht substantiiert aus, inwiefern die Serienmarken
dem Publikum durch tatsächlichen Gebrauch bekannt geworden seien. Die
eingereichten Belege für Werbekampagnen (Werbespots, Artikel aus Zeit-
schriften, Plakate, Inserate etc.) beziehen sich grösstenteils auf die Haus-
marke "Helsana", welche nicht zu den Serienmarken gehört, da sie sich
nicht aus dem Stammbestandteil und weiteren Elementen zusammensetzt.
Andere Belege zeigen Werbeanstrengungen zur Widerspruchsmarke, je-
doch kaum zu weiteren Marken der behaupteten Markenserie. Ausführun-
gen und Belege, welche zeigen, dass die Serienmarken beim Publikum
bekannt geworden sind, fehlen gänzlich (vgl. hierzu auch Urteil des BVGer
B-3756/2015 vom 14. November 2016 E. 7.2 "MOTO, MOTO X/Motoma
[fig.]"). Die Widerspruchsmarke kann somit nicht als Serienmarke behan-
delt werden.
B-2583/2018
Seite 17
6.4.3 Obwohl – wie die vorhergehenden Ausführungen zeigen – der Wider-
spruchsmarke kein erweiterter Schutzbereich zugesprochen werden kann,
muss deren Kennzeichnungskraft dennoch als durchschnittlich qualifiziert
werden. Das prägende Element der Marke ("Helsana") ist für die strittige
Dienstleistung (Finanzwesen) nicht beschreibend (vgl. E. 5.4.1). Der
zweite Bestandteil des Zeichens ("Engagiert für das Leben.") vermag auf-
grund seines anpreisenden Charakters (vgl. E. 5.4.1) das Erinnerungsver-
mögen nicht gleichermassen zu prägen. Insgesamt ist deshalb von einem
normalen Schutzumfang der Widerspruchsmarke auszugehen.
6.5 Das angefochtene Zeichen unterscheidet sich von der Widerspruchs-
marke hauptsächlich in den nicht bzw. schwach kennzeichnungskräftigen
Bestandteilen. Die beiden prägenden Elemente der beiden Marken sind
sich sehr ähnlich, nämlich in fünf von sieben Buchstaben, was zu einer
starken schriftbildlichen und phonetischen Überschneidung führt. Zudem
sind die Marken gleich aufgebaut. Dem prägenden Bestandteil folgt ein be-
schreibendes Element. Die Grafik der angefochtenen Marke, ein stilisiertes
"H", vermag an der starken Zeichenähnlichkeit der beiden Marken nichts
zu ändern. Zwar ist aufgrund der in Frage stehenden Dienstleistung (Fi-
nanzwesen) von einer erhöhten Aufmerksamkeit der massgeblichen Ver-
kehrskreise auszugehen. Die Identität der in Frage stehenden Dienstleis-
tung legt jedoch einen strengen Beurteilungsmassstab nahe. Die ange-
fochtene Marke kommt der Widerspruchsmarke aber auch zu nahe, was
deren Eintragung für Versicherungsdienstleistungen betrifft, denn auch da-
für besteht Gleichartigkeit zwischen den Dienstleistungen und geniesst die
Widerspruchsmarke einen erhöhten Schutzumfang (vgl. E. 6.4.1). Dies
führt dazu, dass die Verwechselbarkeit der beiden Zeichen in einer Ge-
samtbetrachtung zu bejahen ist.
7.
Demgemäss ist die Beschwerde im Hauptantrag gutzuheissen. Die Abwei-
sung des Widerspruchs Nr. 15'505 in Dispositivziffer 1 der angefochtenen
Verfügung ist aufzuheben und die Vorinstanz in Anwendung von Art. 61
Abs. 1 VwVG anzuweisen, die Eintragung der Schweizer Marke
Nr. 698'541 "HELSINN Investment Fund (fig.)" für alle beanspruchten
Dienstleistungen in der Klasse 36 zu widerrufen.
Der Eventualantrag der Beschwerdeführerin, die Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz, ist damit gegenstandslos geworden, weshalb auf die
Ausführungen zu einer allfälligen Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht
einzugehen ist. Ebenfalls nicht einzugehen ist auf die Ausführungen der
B-2583/2018
Seite 18
Parteien zu den Parallelverfahren, welche die Vorinstanz sistiert hat. Die
Rügen hierzu gehen über den Streitgegenstand hinaus.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdegegnerin kosten-
und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 64 Abs. 1 VwVG).
8.1 Die Gerichtsgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache,
Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzusetzen
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Bei Streitigkeiten mit Vermögensinteresse
bemisst sich die Gebühr nach dem Streitwert (Art. 4 VGKE). Der Streitwert
eines Widerspruchsbeschwerdeverfahrens richtet sich nach dem Interesse
an der Löschung beziehungsweise am Bestand der angefochtenen Marke,
wobei bei eher unbedeutenden Zeichen von einem Streitwert zwischen
Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– ausgegangen werden darf (BGE 133 III 490
E. 3.3 "Turbinenfuss" m.w.H.). In Anwendung der gesetzlichen Bemes-
sungsfaktoren sind die Verfahrenskosten auf insgesamt Fr. 4'500.– festzu-
legen. Der von der Beschwerdeführerin in dieser Höhe geleistete Kosten-
vorschuss ist ihr zurückzuerstatten.
8.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Antrag eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zugesprochen
werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VKGE). Die Parteient-
schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere not-
wendige Auslagen der Partei. Unnötiger Aufwand wird nicht entschädigt
(Art. 8 VGKE). Bei der Festsetzung der Parteientschädigung auf Basis ei-
ner Kostennote sind die ausgewiesenen Kosten nicht unbesehen zu erset-
zen. Es ist vielmehr zu überprüfen, in welchem Umfang diese als notwen-
dig für die Vertretung anerkannt werden können (MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 4.84). Gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die
Kostennote zu reduzieren ist, kürzt es sie in pauschaler Weise und ohne
einlässliche Berechnung (vgl. Urteil des BVGer A-385/2017 vom 21. Au-
gust 2017 E. 4.2.1 m.w.H.). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
reichte mit der Beschwerde eine Kostennote und später zusätzlich eine
Kostenzusammenstellung ein. In der Kostenzusammenstellung vom
15. Oktober 2018 macht er einen Gesamtaufwand (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) von Fr. 26'715.– (davon Honorarkosten von Fr. 20'422.–)
geltend. Für die zusätzlichen Eingaben beantragt er die Festsetzung der
B-2583/2018
Seite 19
Vergütung durch das Gericht anhand der Akten. Dieser Aufwand erscheint
stark überhöht, zumal die rechtliche Komplexität des vorliegenden Wider-
spruchsverfahrens als durchschnittlich bezeichnet werden kann. Darüber
hinaus fällt es auf, dass die Parteien (und insbesondere die Beschwerde-
führerin) zahlreiche unaufgeforderte Eingaben eingereicht haben, obwohl
das Gericht das Verfahren bereits nach dem ersten Schriftenwechsel als
spruchreif erachtet hat (vgl. Verfügung des BVGer vom 4. September
2018). Auch finden sich in den Eingaben der Beschwerdeführerin zahlrei-
che Wiederholungen aus den vorigen Eingaben oder es werden wortreich
Sachverhalte diskutiert, welche ausserhalb des Streitgegenstands liegen
(z.B. Sistierung der Parallelverfahren durch die Vorinstanz). Die Parteient-
schädigung ist deshalb angemessen zu reduzieren. Angemessen ist eine
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'000.–.
8.3 Aufgrund des Verfahrensausgangs vor Gericht gilt die Beschwerdegeg-
nerin nunmehr auch in Bezug auf das vorinstanzliche Verfahren als unter-
liegende Partei. Nach Art. 34 MSchG bestimmt die Vorinstanz, ob und in
welchem Masse die Kosten der obsiegenden Partei von der unterliegenden
zu ersetzen sind. Die Vorinstanz sprach der Beschwerdegegnerin in Dis-
positivziffer 3 eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.– zu. Dispositivzif-
fer 3 der angefochtenen Verfügung ist aufzuheben und dadurch zu erset-
zen, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin für das erstin-
stanzliche Verfahren mit Fr. 1'200.– zu entschädigen hat. Dispositivziffer 2
der angefochtenen Verfügung, die bestimmt, dass die Widerspruchsgebühr
der Vorinstanz verbleibt, ist nicht aufzuheben. Da die Widerspruchsgebühr
von Fr. 800.– von der Beschwerdeführerin vorgeleistet wurde, ist die Be-
schwerdegegnerin zu verpflichten, ihr diese zu ersetzen.
8.4 Gegen dieses Urteil ist die Beschwerde an das Bundesgericht nicht ge-
geben (Art. 73 BGG). Das Urteil erwächst mit Eröffnung in Rechtskraft.
B-2583/2018
Seite 20