Decision ID: 99910876-007f-529d-b42d-eaa4f7a6c229
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-
scher Ethnie aus der Provinz B._ stammend – verliess Afghanistan
gemäss eigenen Angaben im April/Mai 2020 und gelangte über den Iran,
die Türkei, Bulgarien und Österreich am 13. Februar 2021 in die Schweiz,
wo er gleichentags als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA)
ein Asylgesuch stellte.
B.
Am 16. Februar 2021 gelangte das SEM mit Informationsersuchen bezüg-
lich des Asylverfahrens des Beschwerdeführers an Bulgarien und Öster-
reich. Am gleichen Tag antworteten die österreichischen Behörden, der Be-
schwerdeführer sei mit dem Geburtsdatum (...) 2006 in Österreich regis-
triert. Es liege noch kein Sachentscheid vor. Mit Antwortschreiben vom
24. Februar 2021 führten die bulgarischen Behörden aus, der Beschwer-
deführer sei in ihrem System mit dem Geburtsdatum (...) 2005 registriert.
Es liege ebenfalls noch kein Sachentscheid vor.
C.
Am 19. März 2021 führte das SEM eine Befragung (Erstbefragung unbe-
gleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch.
D.
Am 26. März 2021 gab das SEM beim Institut für Rechtsmedizin der Uni-
versität Bern ein Gutachten zur Altersschätzung in Auftrag. Das Altersgut-
achten vom 6. April 2021 bestätigte die Minderjährigkeit des Beschwerde-
führers.
E.
Am 19. April 2021 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asyl-
gründen angehört.
F.
Zur Begründung seines Gesuchs machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, sein Bruder habe eine militärische Ausbildung in der
Türkei absolviert. Anschliessend habe dieser in der afghanischen Nation-
alarmee gedient, wo er eine hohe Position gehabt und ungefähr 150-170
Personen kommandiert habe. Weil er erfolgreich im Ausland studiert habe
– dies sei unter anderem aufgrund von Facebook-Einträgen bekannt ge-
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wesen – hätten die Dorfbewohner vom Militärdienst seines Bruders ge-
wusst, weswegen die Familie ins Visier der Taliban geraten sei. Die Taliban
hätten seinem Vater einen Drohbrief (Anm. des Gerichts: datiert auf
(...) August 2018) geschickt und verlangt, dass der Bruder des Beschwer-
deführers seinen Militärdienst verlasse. Dies habe er aber nicht tun wollen,
da er viel Zeit in seine Ausbildung investiert habe und seinem Heimatland
habe dienen wollen. Eines Tages – ungefähr zehn Tage vor dem Ramadan
2019 – sei der Beschwerdeführer mit seinem Vater in einem Taxi vom Ba-
zar unterwegs nach Hause gewesen als drei Motorradfahrräder mit sechs
Taliban angehalten und seinen Vater aus dem Auto gezerrt hätten. Er habe
dazwischen gehen wollen, sei aber von den Taliban mit einem Gewehrkol-
ben niedergeschlagen worden. Er sei erst im Spital wieder aufgewacht;
sein linker Arm sei gebrochen gewesen. Zuhause habe er vom Tod seines
Vaters beim Taliban-Angriff und dem Drohbrief erfahren. Aus Angst vor den
Taliban sei er fortan nur noch eine Woche beziehungsweise nicht mehr zur
Schule gegangen und meist zuhause geblieben. Seine Familie habe Hilfe
bei der Polizei gesucht, diese habe aber nichts tun können beziehungs-
weise sie hätte sich nicht an die Polizei gewandt, da diese sowieso nicht
habe helfen können.
Ungefähr ein Jahr nach diesem Vorfall – und nachdem die Taliban mehrere
Male versucht hätten, den Bruder des Beschwerdeführers zu töten – habe
seine Mutter vor dem Haus einen zweiten an den Beschwerdeführer und
seinen Bruder adressierten Drohbrief (Anm. des Gerichts: datiert auf Feb-
ruar 2020) gefunden. In diesem sei sein Bruder erneut aufgefordert wor-
den, den Militärdienst zu verlassen, oder den Beschwerdeführer den Tali-
ban zu übergeben, ansonsten würde Letzterer wie sein Vater bestraft. Aus
Furcht um sein Leben und vor einer Zwangsrekrutierung durch die Taliban
sei er dank der finanziellen Unterstützung seines Onkels und Bruders ein-
einhalb bis zwei beziehungsweise zwei bis zweieinhalb Monate später ille-
gal aus Afghanistan ausgereist.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine
Tazkira, einen Drohbrief der Taliban an seinen Vater, einen Drohbrief der
Taliban an ihn und seinen Bruder, ein Diplom seines Bruders des «(...)»,
ein Diplom seines Bruders betreffend Weiterbildung, vier Fotos seines Bru-
ders in Militäruniform sowie diverse medizinische Akten aus Afghanistan,
Griechenland und der Schweiz betreffend seinen Herzfehler zu den Akten
(alle in Kopie).
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G.
Nachdem die Vorinstanz am 26. April 2021 den Entscheidentwurf – wohl
versehentlich datiert auf den 28. April 2021 – der Rechtsvertretung zur
Stellungnahme unterbreitet hatte, nahm diese am 27. April 2021 dazu Stel-
lung. Die Vorinstanz wurde mit Nachdruck darum ersucht, den in Aussicht
gestellten Entscheid zu überdenken. Der Beschwerdeführer habe sich in
ungefähren Zeitangaben geäussert, da er noch sehr jung gewesen sei und
deshalb keine genauen Angaben zu den Zeitspannen zwischen den Erleb-
nissen habe machen können, wobei auf seine Traumatisierung verwiesen
wurde. Er habe erst von seiner Mutter vom ersten Drohbrief erfahren, wes-
halb seine diesbezüglichen Aussagen lediglich auf Hörensagen basieren
würden. In seiner freien Rede habe er sich substantiiert, lebensnah und
unter Zuhilfenahme von Gesten zum Taliban-Vorfall geäussert. Seine Schil-
derungen bezüglich der zentralen Asylgründe seien für einen 15-jährigen
UMA mit eher geringer Schulbildung ausreichend erlebnisbasiert. Bezüg-
lich des weiteren Inhalts der Stellungnahme kann auf die Akten verwiesen
werden.
H.
Mit Verfügung vom 28. April 2021 – gleichentags eröffnet – lehnte das SEM
das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des beschleunigten
Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung an, nahm den Beschwerde-
führer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der
Schweiz vorläufig auf.
I.
Mit Eingabe vom 27. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer durch seine bis-
herige Rechtsvertretung gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erheben. Beantragt wurde die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und
die Asylgewährung sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht wurde um vollum-
fängliche unentgeltliche Rechtspflege sowie Verzicht auf Kostenvorschuss
ersucht.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Juni 2021 stellte die Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht
gut. Das Gesuch um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes wies
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sie jedoch ab, da es sich um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsver-
tretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelte, deren Leistungen vom
Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden.
K.
In seiner Vernehmlassung vom 10. Juni 2021 hielt das SEM vollumfänglich
an seinen Erwägungen fest.
L.
Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am
15. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-
lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-
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sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufgenommen hat.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
Im Sinne eines Eventualantrages beantragte der Beschwerdeführer zu-
nächst die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Dieser Antrag wurde
in der Folge kaum begründet, weshalb – auch in Anbetracht der nachfol-
genden Erwägungen, insbesondere hinsichtlich der Befragungsumstände
eines UMAs – auf weitere diesbezügliche Ausführungen verzichtet werden
kann. Das Gericht entscheidet in der Sache selbst (vgl. Art. 61 Abs. 1
VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
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Seite 7
6.
6.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung fest, es gehe davon
aus, dass der Bruder des Beschwerdeführers in der afghanischen Nation-
alarmee gedient habe. Es schliesse ebenfalls nicht aus, dass sein Vater
zunächst bedroht und später getötet worden sei – die Vorinstanz bedauere
die tragischen Umstände und die vom Beschwerdeführer erlittenen Miss-
handlungen. Es habe sich bei diesem Ereignis aber um eine einmalige und
nun abgeschlossene Bedrohung gegenüber seiner Familie gehandelt. Der
Überfall durch die Taliban stehe nicht in einem Zusammenhang mit seiner
späteren Ausreise aus Afghanistan, weshalb dieser nicht mehr als flucht-
auslösendes Ereignis gewertet werden könne. Auch die generell schlechte
Sicherheitssituation in Afghanistan entfalte keine Asylrelevanz.
Zwar könnten Familienangehörige einer Person, die für die Regierung tätig
sei, einer Reflexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt sein. Die Angaben
des Beschwerdeführers, er sei kurz vor seiner Ausreise durch die Taliban
verfolgt worden, seien allerdings nicht glaubhaft. Er habe in Bezug auf den
Erhalt des ersten Drohbriefs und seiner Ausreise verschiedentlich wider-
sprüchliche und ungenaue Angaben gemacht. So habe er bei der EB UMA
angegeben, er habe von den Taliban einen Drohbrief erhalten, weshalb er
die Schule habe abbrechen müssen und in die Schweiz gekommen sei. Er
habe angegeben die achte Klasse nicht abgeschlossen zu haben und vier-
zehn Jahre alt gewesen zu sein, als er die Schule verlassen habe. Hinge-
gen habe er bei der Anhörung gesagt, er sei nach dem Tod des Vaters nur
kurz, ungefähr eine Woche in die Schule gegangen. Weil sein Vater ein
Jahr vor dem zweiten Drohbrief gestorben sei und er im Jahr 2020 noch
die Schule besucht habe, würden seine Angaben zu diesem zentralen Er-
eignis – auch vor dem Hintergrund seines Alters (dem das SEM im Übrigen
zusammen mit seiner Schulbildung Rechnung getragen habe) – nicht stim-
men.
Hinsichtlich des Datums des zweiten Drohbriefs habe der Beschwerdefüh-
rer unpräzise und widersprüchliche Angaben gemacht. Er habe bei der EB
UMA gesagt, diesen vor ungefähr zwei Jahren erhalten zu haben, somit im
Jahr 2019. Er habe sich nicht an den Monat erinnern können, habe den
Brief aber zwei bis vier Monate nach dem Tod seines Vaters erhalten. In
der Anhörung habe er dann bestätigt, den zweiten Drohbrief ungefähr ein
Jahr nach dem Tod seines Vaters erhalten zu haben. Der erste Drohbrief
sei am (...) August 2018 ausgestellt worden. Sein Vater sei angeblich zwei
oder drei Monate nach Erhalt des ersten Drohbriefs gestorben – er müsse
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also zwischen Oktober und November 2018 verstorben sein. Der Be-
schwerdeführer habe in der Anhörung aber gesagt, die Bedrohungen hät-
ten erst im Jahr 2019 begonnen. Er hätte den zweiten Drohbrief demnach
zwischen Oktober und November 2019 erhalten müssen. Der zweite Droh-
brief sei aber auf den 2. Februar 2020 datiert. Seine Angaben zum Ausrei-
sedatum seien ebenfalls unklar ausgefallen (Ausreise vor ein oder einein-
halb Monaten [EB UMA] beziehungsweise vor zwei bis zweieinhalb Mona-
ten [Anhörung]). An anderer Stelle habe er angegeben, vor 10 Monaten (ab
Datum EB UMA) ausgereist zu sein, was Mai 2020 bedeuten würde. Es
bestehe ein erheblicher Unterschied darin, ob er nach Erhalt des Droh-
briefs nach einem Monat oder erst nach drei Monaten ausgereist sei. Wei-
ter habe er einerseits in der EB UMA ausgesagt, Afghanistan mit zwei
Freunden verlassen zu haben, während er andererseits bei der Anhörung
gesagt habe, sein Onkel habe einen Schlepper organisiert. In Begleitung
von sechs bis sieben Personen habe er Afghanistan verlassen. Auf den
Widerspruch angesprochen, habe er bloss gesagt, er habe diese Freunde
in der Unterkunft kennengelernt und versucht bei ihnen zu bleiben. Diese
Erklärung vermöge nicht zu überzeugen, zumal er die organisierte Aus-
reise durch den Schlepper bei der EB UMA nicht erwähnt habe.
Es sei auch widersprüchlich, dass er bei der EB UMA angegeben habe, er
sei nach Erhalt des Drohbriefs zur Polizei gegangen, er aber bei der Anhö-
rung angegeben habe, er habe sich nicht an die Behörden gewandt. Auf
die unterschiedliche Darstellung angesprochen, habe er gemeint, die Poli-
zei habe nicht helfen können. Er sei langsam müde geworden und habe
deshalb Erinnerungslücken. Das SEM habe Verständnis für seine Müdig-
keit aufgrund des Ramadans und der Befragungssituation. Es seien aber
regelmässig Pausen gemacht worden, inklusive einer Mittagspause von
eineinhalb Stunden. Die Müdigkeit erkläre seine unterschiedlichen Anga-
ben nicht, zumal er konkret auf die behördliche Schutzsuche angespro-
chen worden sei. Deshalb sei davon auszugehen, dass er die Umstände
des Ramadans als Erklärung für seine unterschiedlichen Darstellungen
hinzuziehen wolle. Aufgrund dieser Widersprüche entstünden schwerwie-
gende Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen.
Seine Ausführungen zur Zeit zwischen dem Tod seines Vaters, allfälliger
Sicherheitsvorkehrungen und seiner Ausreise beziehungsweise dem zwei-
ten angeblichen Drohbrief seien ungenau, vage und unsubstantiiert ausge-
fallen. Einerseits habe er angegeben, ihm sei die Gefahr gegenüber der
Familie nach dem Tod des Vaters bewusst geworden. Gleichzeitig habe er
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gesagt, er sei damals noch jung gewesen und habe nicht erwartet, in Ge-
fahr zu geraten, was sich mit dem Drohbrief geändert habe. Es sei nicht
nachvollziehbar, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise den genauen Inhalt
des zweiten Drohbriefs nicht gekannt habe. Trotz seines jugendlichen Al-
ters hätte er die Gründe für seine Ausreise in Erfahrung bringen und die
diesbezüglichen Ängste und Gedanken erlebnigsgeprägt schilden können.
Schliesslich sei der eingereichte Drohbrief nicht fälschungssicher und be-
inhalte widersprüchliche Angaben (Rekrutierung und Todesdrohung), was
dessen Echtheit wiederum in Zweifel ziehe. Aufgrund seines jungen Alters
zum Zeitpunkt der Ausreise sei nicht ersichtlich, welchen Mehrwert die Ta-
liban an ihm gehabt hätten. Die Taliban würden keine neuen Mitglieder an-
werben, die ihnen gegenüber allenfalls eine oppositionelle Position einneh-
men würden. Insgesamt könne ihm die geltend gemachte Reflexverfolgung
im Zusammenhang mit dem zweiten Drohbrief nicht geglaubt werden.
6.2 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Rechtsmitteleingabe fest, die
Glaubhaftigkeitsprüfung sei selektiv und unsachgemäss ausgefallen. Er
habe anlässlich der beiden Anhörungen konsistente und ausführliche An-
gaben zum Verfolgungsmotiv, den Verfolgungen durch die Taliban sowie
zum Inhalt der Drohbriefe und den Gesprächen mit seiner Familie und Ver-
wandten gemacht. Seine Ausführungen wiesen etliche Einzelheiten auf,
ohne dass gegen die logische Konsistenz verstossen werde. Sie seien in
sich stimmig und könnten von einer unbeteiligten Drittperson nicht ohne
Weiteres nacherzählt werden. Zudem habe er stets kohärent erzählt. Seine
Angaben stünden weder im Widerspruch zu Tatsachen und Herkunftslän-
derinformationen noch zu den eingereichten Beweismitteln. Er habe aus-
führliche und authentische Angaben zur Zeit nach dem Tod seines Vaters
und dem Erhalt und Inhalt des zweiten Drohbriefs sowie zur Planung und
Organisation seiner Ausreise durch seinen Onkel gemacht. Seine Ausfüh-
rungen zum zweiten Drohbrief und wie seine Familie diesen erhalten habe,
seien völlig ausser Acht gelassen worden. Unberücksichtigt geblieben
seien auch sein Alter, sein Gesundheitszustand sowie seine Müdigkeit bei
der Anhörung anlässlich des Ramadans. Seine in sich stimmigen Schilde-
rungen würden zum Schluss führen, dass er wegen der Tätigkeit und Po-
sition seines Bruders in der Nationalarmee eine Verfolgung durch die Tali-
ban zu befürchten habe.
Zum Vorhalt der Vorinstanz, es erstaune, dass er zum Zeitpunkt seiner
Ausreise vom Inhalt des zweiten Drohbriefs nicht genügend Kenntnis ge-
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habt habe, führte er aus, er sei darauf hingewiesen worden, nur das We-
sentliche beziehungsweise zusammenfassend zu erzählen. Er habe den
wesentlichen Inhalt des Drohbriefs vollständig wiedergegeben. Die Ermor-
dung seines Vaters in seiner Anwesenheit, der ebenfalls einen Drohbrief
erhalten habe, habe sich als Schicksal dargestellt, das ihm wohl ebenfalls
drohen würde. Angesichts dieser traumatischen Erlebnisse und seines Kin-
desalters sei nachvollziehbar, dass er keinen Antrieb gehabt habe, den ge-
nauen Inhalt des Drohbriefs zu lesen, was im Übrigen für die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen spreche, zumal er diesen auch hätte auswendig
lernen können. Es scheine weiter heikel, einem UMA aus einer äusserst
summarischen EB UMA Widersprüche vorhalten zu wollen. Seine Schilde-
rungen bezüglich der zentralen Gründe seien für einen traumatisierten
UMA mit geringer Schulbildung ausreichend erlebnisorientiert und detail-
reich. Er habe die Drohungen der Taliban glaubhaft geschildert und durch
die beiden Drohbriefe belegt. Die Würdigung dieser Beweismittel müsse im
Gesamtkontext erfolgen.
Ferner würde sich die Vorinstanz auf unwesentliche Nebenpunkte bezie-
hen, wie etwa unterschiedliche Angaben, ob er mit zwei Freunden oder mit
einem Schlepper ausgereist sei, obwohl er diese habe schlüssig auflösen
können. Zudem werde fast ausschliesslich auf zeitliche Ungereimtheiten
abgestellt und der chronologisch stimmige Ablauf in seinen Ausführungen
verkannt, selbst wenn sich in der exakten zeitlichen Einordnung vereinzelt
kleinere Widersprüche ergeben würden. Ebenfalls sei die überspitzt forma-
listische Methodik der Glaubhaftigkeitsprüfung eines traumatisierten Kin-
des fragwürdig – dem Beschwerdeführer werde vorgeworfen, er habe ein-
mal von ungefähr ein oder eineinhalb Monaten, ein anderes Mal von unge-
fähr zwei oder zweieinhalb Monaten gesprochen. Der Vorhalt der Vo-
rinstanz zu den Jahresangaben zum Schulbesuch sei entschieden zurück-
zuweisen. An der EB UMA habe er gesagt, dass er mit sechs eingeschult
worden sei und acht Jahre die Schule besucht habe, die achte Klasse aber
nicht abgeschlossen habe. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz
habe er nie gesagt, dass er im Jahr 2020 die Schule noch besucht habe.
Er habe wiederholt angegeben, sein Vater sei vor zirka zwei Jahren getötet
worden. Er sei heute ungefähr 16 Jahre alt, weshalb seine Angabe stimme,
er habe die Schule mit 14 Jahren verlassen. Die Vorinstanz habe die Um-
rechnungen zwischen dem afghanischen und gregorianischen Kalender –
der Beschwerdeführer sei im Jahr 1384 nach afghanischem Kalender ge-
boren, das zwischen März 2005 und März 2006 liege – nicht gebührend
berücksichtigt. Zudem spreche es für seine persönliche Glaubwürdigkeit,
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dass sich seine Angaben mit den Befunden aus dem Altersgutachten de-
cken würden.
Tatsachenwidrig sei die Behauptung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer
habe angegeben, die Bedrohungen hätten erst im Jahr 2019, 10 Tage vor
dem Ramadan, somit Ende April 2019, stattgefunden. Mit Verweis auf
Ziff. 7.01 EB UMA führte er aus, er habe auf die Frage nach dem Zeitpunkt
des Angriffs und der Ermordung seines Vaters von 10 Tagen vor dem Ra-
madan gesprochen.
Zur Asylrelevanz führte der Beschwerdeführer aus, sein Bruder habe eine
Führungsposition in der afghanischen Armee gehabt, weshalb nicht von
einer einmaligen Verfolgung ausgegangen werden könne. Der Taliban-Vor-
fall zeige, dass die Bedrohung real sei und der Beschwerdeführer gezielt
angegriffen worden sei. Da die Vorinstanz die Vorbringen bezüglich des
ersten Drohbriefs und des Überfalls als glaubhaft erachte, sei nachvollzieh-
bar, dass er in den Augen der Taliban der afghanischen Regierung nahe-
stehe und die Furcht nach dem zweiten Drohbrief sowohl subjektiv als auch
objektiv begründet erscheine. Bezüglich der subjektiven Furcht sei zu be-
rücksichtigen, was die betroffene Person bereits erlebt habe und über wel-
ches Wissen sie bezüglich allfälliger Konsequenzen der Verfolgung ver-
füge. Er habe selbst massive Gewalt erlebt und dauerhafte Verletzungen
davongetragen und sein Vater sei von den Taliban getötet worden. Auf-
grund dieser Erlebnisse habe er grosse Furcht vor Verfolgung.
Es sei zu berücksichtigen, dass der Bruder des Beschwerdeführers von
den Taliban mehrfach angegriffen worden sei. Weil in Afghanistan keine
funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung stehe,
würden objektive Hinweise auf eine begründete Furcht vor Verfolgung vor-
liegen. Er habe seine Verfolgungssituation belegen können, indem er Fotos
und Diplome seines Bruders eingereicht habe, der in der afghanischen Ar-
mee als Major gedient habe. Er verfüge über ein Gefährdungsprofil, womit
eine erhöhte Gefahr bestehe, über die allgemeine Bedrohungslage hinaus
Opfer gezielter Verfolgungshandlungen seitens der Taliban zu werden. Der
Vorwurf der Vorinstanz, die Taliban hätten kein Interesse an ihm, sei reali-
tätsfremd und stehe im Widerspruch zur Länderinformation. Gemäss ver-
schiedener Länderberichte würden die Taliban Kinder zwangsrekrutieren.
Im Falle einer Weigerung sei mit schwerer körperlicher Schädigung oder
Tötung zu rechnen. Überdies liege es nicht am Beschwerdeführer die Logik
der Verfolger nachvollziehen zu müssen. Nachdem sich die Sicherheits-
lage in Afghanistan verschlechtert habe, habe er im Falle einer Rückkehr
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nach Afghanistan aktuell auch künftige begründete Furcht vor Verfolgung.
Es sei auch gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
keine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur vorhanden. Als Fa-
milienangehöriger einer Person, die für die Regierung tätig gewesen sei,
sei er einer Reflexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt, weshalb er die
Flüchtlingseigenschaft erfülle.
7.
7.1 Es wird vom SEM nicht bestritten, dass der Bruder des Beschwerde-
führers im Ausland militärisch ausgebildet wurde und eine hohe Position in
der afghanischen Armee innehatte. Auch das Bundesverwaltungsgericht
sieht keine Veranlassung dazu, dieses Vorbringen in Frage zu stellen. Der
Beschwerdeführer hat substantiiert von der militärischen Karriere seines
Bruders erzählt, der aufgrund seiner Leistungen in der Türkei eine Militär-
akademie besuchen konnte. Dies wird durch die eingereichten Beweismit-
tel (zwei Diplome des Bruders betreffend Aus- und Weiterbildung sowie vier
Fotos des Bruders in Militäruniform und mit Kommilitonen vor einem türki-
schen Militärgebäude) belegt. Seinen substantiierten Ausführungen ist zu
entnehmen, dass sein Bruder sowohl gegen die Taliban als auch den so-
genannten Islamischen Staat gekämpft hat, in den Provinzen C._
und D._ verschiedene Stämme leitete und etwa 150-170 Soldaten
kommandierte (vgl. Anhörung F75-78). Diesen insgesamt übereinstim-
menden Angaben zufolge erlangte sein Bruder durch seine militärische
Karriere und dem Studium im Ausland Bekanntheit im Heimatdorf.
7.2 Wie die Vorinstanz betrachtet das Gericht die Erklärungen zum ersten
Drohbrief sowie die Umstände betreffend den Taliban-Angriff ebenfalls als
glaubhaft. Seine Erklärungen zur Weigerung des Bruders, seine militäri-
sche Karriere zu beenden, weil er so lange studiert habe und dem Heimat-
land habe dienen wollen (vgl. Anhörung F57), sind hinreichend detailliert
und realistisch. Auch den Taliban-Angriff hat der Beschwerdeführer anhand
von zahlreichen Realkennzeichen (der Gewehrkolben, die Motorräder der
sechs Taliban und die Schläge, vgl. Anhörung F111) detailliert veranschau-
licht und auch die beteiligten Personen und Ereignisse präzise umschrie-
ben («Die anderen 4 standen immer noch vor dem Fahrzeug. Eine von
diesen 2 hatte die Türe des Fahrzeugs geöffnet und der andere hat meinen
Vater gepackt und rausgezogen. Der andere hat die Türe wieder zuge-
macht und mit seinem Waffenkolben 2 Mal geschlagen» vgl. Anhörung
F111). Wie er bewusstlos geschlagen wurde und zuhause vom Tod des
Vaters bei diesem Angriff sowie dem vorausgehenden Drohbrief erfahren
hat sowie die Stimmung in dieser Zeit konnte er ebenso erlebnisbasiert
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schildern. Gemäss den glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers
wurde der Taliban-Angriff aufgrund der Tätigkeit seines Bruders auf den
Vater verübt.
7.3 Zudem ist die geltend gemachte Verfolgung des Bruders des Be-
schwerdeführers sowie die entsprechende Reflexverfolgung mit den Ge-
gebenheiten im afghanischen Kontext vereinbar. Gemäss aktueller Bericht-
erstattung gehören Armeeangehörige zu den vulnerabelsten Personen
überhaupt und sind aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-
gungsrisiko ausgesetzt (vgl. The Danish Immigration Service, Afghanistan,
Recent developments in the security situation, impact on civilians and tar-
geted individuals, September 2021, <https://www.ecoi.net/en/file/lo-
cal/2060188/Afghanistan_Targetedindiv_FINAL.pdf>, abgerufen am
7.12.2021). Demgemäss betrachten die Taliban Angehörige der afghani-
schen Sicherheitskräfte als Feinde ihrer Sache. Dies gilt umso mehr für
Personen, welche sich in besonderer Weise exponiert haben – wie der
ranghohe Bruder des Beschwerdeführers (vgl. Urteil des BVGer D-
2720/2021 E. 6.2.1). Auch das SEM anerkennt schliesslich zu Recht, dass
«Familienangehörige einer Person, die für die Regierung tätig ist, einer Re-
flexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt sein [können]» (vgl. angefoch-
tene Verfügung, S. 5).
7.4 Somit ist erstellt, dass die Familie des Beschwerdeführers in den Fokus
der Taliban geraten war und ernsthafte Nachteile erlitten hatte. Die Vo-
rinstanz bezweifelt indessen, dass die Bedrohungslage im Zeitpunkt der
Ausreise, die ca. ein Jahr nach dem Tod des Vaters erfolgte, noch anhielt
beziehungsweise geht das SEM davon aus, dass die Verfolgung mit der
Ermordung des Vaters abgeschlossen gewesen sei. Diese Einschätzung
überzeugt jedoch nicht.
7.4.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das ursprüngliche Verfol-
gungsmotiv der Taliban weiterhin Bestand hatte. Sein Bruder blieb als rang-
hohes Militärmitglied im Dienst der afghanischen Armee. Entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz besteht ein enger Kausalzusammenhang
zwischen dem Taliban-Angriff, den der Beschwerdeführer miterlebt hat,
und dem zweiten Drohbrief. Nach dem Tod des Vaters verübten die Taliban
erfolglose Angriffe auf den Bruder des Beschwerdeführers; sodann über-
trug sich die Verfolgung auf den Beschwerdeführer, als ältestes männliches
Mitglied der Familie. Auch dies ist mit den Gegebenheiten vor Ort ohne
weiteres in Übereinstimmung zu bringen.
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Seite 14
7.4.2 Die Vorinstanz hat sodann zumindest implizit die Echtheit des ersten
Drohbriefs anerkannt. Der in Format und Verfassungsart übereinstim-
mende zweite Drohbrief – dessen Authentizität das Gericht zwar nicht über-
prüfen kann (vgl. Urteil des BVGer E-1581/2018 vom 25. Februar 2020
E. 7.2) – stützt seine Schilderungen im Gesamtkontext. Die Umstände be-
treffend den zweiten Drohbrief und seine Ausreise hat der Beschwerdefüh-
rer präzise beschrieben (vgl. Anhörung F58, F62 und F66). Es findet sich
insbesondere auch kein Bruch im Erzählstil der ersten (glaubhaften) Be-
drohungslage und den Folgeereignissen. Die Aussagen sind vielmehr mit
seiner bereits erlittenen Verfolgung verknüpft, wirken nicht übertrieben o-
der konstruiert und weisen verschiedene Realkennzeichen auf. So habe
seine Mutter den Drohbrief auf dem Weg zum Vieh Hüten entdeckt. Dessen
Inhalt hat er bereits anlässlich der EB UMA wiedergegeben (vgl. EB UMA
Ziff. 7.01). Auch das Gespräch betreffend die Ausreise sowie seine Emoti-
onen stellte er anschaulich dar. Er habe Angst gehabt, sich «sehr schlecht»
gefühlt (vgl. Anhörung F155) und sich gefragt, «was wollen die [Taliban]
von mir in diesem jungen Alter» (vgl. Anhörung F146). Zum zweiten Droh-
brief machte er somit insgesamt konsistente Angaben.
7.4.3 Die vom SEM aufgeführten Ungereimtheiten sind, wie der Beschwer-
deführer zu Recht einwendet, entweder nicht stichhaltig, weil sie auf fal-
schen Grundannahmen fussen, oder beziehen sich nur auf Unwesentli-
ches.
7.4.3.1 Zunächst ist auffallend, dass sich die Vorinstanz auf teilweise
schwer nachvollziehbare zeitliche Unstimmigkeiten berufen hat, die offen-
sichtlich auf einseitigen, ungenauen oder formalistischen Berechnungen
beruhen. Gesamthaft verwendete der Beschwerdeführer keine konkreten
(gregorianischen) Zeitangaben, sondern setzte diese stets in den Kontext
der Ereignisse. Gefragt nach dem Ausreisedatum gab er beispielsweise
an, er sei «vor circa 10 Monaten [ab Datum EB UMA] ausgereist» (vgl. EB
UMA Ziff. 5.01) und der Überfall der Taliban habe «ungefähr 10 Tage vor
dem Ramadan [2019]» stattgefunden (vgl. EB UMA Ziff. 7.01). Seine zeit-
lichen Angaben waren dennoch stets in sich konsistent und konzeptionell
mit seinen Erlebnissen, dem örtlichen, zeitlichen sowie biographischen
Kontext im Einklang. Allenfalls verbleibende unwesentliche Abweichungen
bei Zahlen- und Datenangaben vermögen die Glaubhaftigkeit seiner Aus-
sagen nicht in Zweifel zu ziehen und dürfen ihm vorliegend nicht vorgehal-
ten werden (vgl. STEPHAN PARAK, Was stimmt denn jetzt?, in:
LUDEWIG/BAUMER/TAVOR [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspra-
xis, 2017, S. 391).
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7.4.3.2 Dem Vorhalt der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe wider-
sprüchliche Zeitangaben zum Zeitpunkt des Erhalts des zweiten Drohbriefs
und seiner Ausreise gemacht, kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Der Be-
schwerdeführer wurde nach afghanischem Kalender im Jahr 1384 gebo-
ren. Gemäss der Anmerkung der dolmetschenden Person liegt dieses Da-
tum im gregorianischen Kalender zwischen März 2005 und März 2006
(vgl. EB UMA Ziff. 1.06) und nicht zwingend im Jahr 2006. Offenbar hat das
SEM das Jahr 2006 als Grundlage für seine Berechnungen verwendet,
weshalb es zum Schluss kam, er habe die Schule erst im Jahr 2020 ver-
lassen, was angesichts des Erhalts des zweiten Drohbriefs im Februar
2020 nicht stimmen könne. Allerdings hat der Beschwerdeführer selbst nie
gesagt, er habe die Schule im Jahr 2020 verlassen, sondern angegeben,
mit sechs Jahren – also im Jahr 2011 oder 2012 – eingeschult worden zu
sein und in der achten Klasse die Schule verlassen zu haben (vgl. EB UMA
Ziff. 1.17.04). Im Jahr 2019 oder 2020 war er also in der achten Klasse.
Somit sind seine Angaben, er habe die Schule aufgrund der Bedrohungs-
lage im Zusammenhang mit dem ersten Drohbrief – also im Jahr 2019 –
verlassen, in sich stimmig und nachvollziehbar. Auch stellt seine Aussage
in der Anhörung, er habe die Schule nach dem Tod des Vaters noch eine
Woche besucht, eine Konkretisierung dar. Ebenso stimmen seine Antwor-
ten zu Vertiefungsfragen bezüglich des Alters seiner Mutter bei seiner Ge-
burt sowie seines Alters bei der Einschulung und in der achten Klasse mit
den übrigen Zeitangaben überein und passen in die Chronologie seiner
Verfolgungsgeschichte (vgl. EB UMA Ziff. 1.16.04 und 1.17.04).
7.4.3.3 Das SEM geht sodann stets davon aus, dass das Datum des Er-
halts der Drohbriefe mit dem Ausstellungsdatum übereinstimmt. Diese An-
nahme überzeugt nicht, da sein Vater zwei oder drei Monate nach dem
Erhalt des ersten Drohbriefs – nicht drei Monate nach Ausstellungsdatum
– getötet worden ist (vgl. EB UMA Ziff. 7.02). Der erste Drohbrief ist zwar
auf den (...) August 2018 datiert, was jedoch nicht mit dem Zeitpunkt der
Veröffentlichung oder Übergabe übereinstimmen muss. Im ruralen Afgha-
nistan ist es durchaus möglich, dass ein Drohbrief erst einige Zeit später
bekannt wird, was mit dem Taliban-Vorfall im April 2019 und den stets über-
einstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers vereinbar ist. So hat
denn auch sein Vater «an einem Tag früh am Morgen» vor dem Haus den
Drohbrief gefunden (vgl. Anhörung F57). Zudem hatte seine Familie dem
Beschwerdeführer zunächst nichts vom ersten Drohbrief erzählt, weshalb
selbst verbleibende zeitliche Ungenauigkeiten angesichts der im Übrigen
glaubhaften Angaben kein gewichtiges Indiz gegen die Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen sind. Schliesslich ist auch nachvollziehbar, dass der zweite
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Drohbrief, ausgestellt im Februar 2020, ungefähr im Februar/März 2020
von der Mutter gefunden wurde, was mit dem Ausreisezeitpunkt im Ap-
ril/Mai 2020 vereinbar ist. Damit fallen auch die vermeintlichen Widersprü-
che bezüglich des zeitlichen Ablaufs in sich zusammen.
7.4.3.4 Auch dem Vorwurf der fehlenden Plausibilität kann nicht gefolgt
werden; Zwangsrekrutierung von Minderjährigen, auch mittels Drohbriefen,
sind in Afghanistan Alltag: «Die Rekrutierung von Kindern für die Taliban
[bedeutet] im Allgemeinen nicht [...], dass Taliban-Kommandeure Kinder
mit vorgehaltener Waffe aus ihren Familien holen, sondern dass mit ande-
ren Mitteln (einschließlich Drohungen) Druck auf die Familie ausgeübt
wird» (vgl. European Asylum Support Office [EASO], Informationsbericht
über das Herkunftsland Afghanistan – Rekrutierung durch bewaffnete
Gruppen, 2016, S. 48, <https://coi.easo.europa.eu/administra-
tion/easo/PLib/Afghanistan_Recruitment_German.pdf>, abgerufen am
7.1.2022). Weil er wie die Taliban Paschtune ist, ist auch ein Interesse ih-
rerseits am Beschwerdeführer nachvollziehbar. Hierzu wandte er auf Be-
schwerdeebene zu Recht ein, von ihm könne nicht erwartet werden, das
Verhalten seiner Verfolger zu erklären (vgl. Urteil des BVGer E-2720/2021
vom 19. Oktober 2021 E. 6.1).
7.4.3.5 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz spricht für die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen, dass er den Inhalt des Briefs an der EB UMA nicht
wortwörtlich, sondern summarisch – inhaltlich aber korrekt –
wiedergegeben hatte (EB UMA Ziff. 7.01). Dass er seine Ermordung, nicht
aber die Zwangsrekrutierung (die im Weigerungsfall ebenso den Tod nach
sich gezogen hätte), bei der EB UMA erwähnt hatte, spricht nicht gegen
die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Entgegen der Ansicht des SEM hatte
er genügende Kenntnis vom zweiten Drohbrief. Es kann ihm nicht
vorgehalten werden, er habe sich zu wenig über den Inhalt des Drohbriefs
informiert, denn er «wusste, dass vorher [s]ein Vater sein Leben wegen so
einem Brief verloren hat» (vgl. Anhörung F165). Auch seine Aussagen zur
Gefahrensituation und Organisation der Ausreise schilderte er
erlebnisgeprägt. Angesichts seines damals sehr jungen Alters von 14
Jahren ist sodann nachvollziehbar, dass die entsprechenden
Entscheidungen von seinem Onkel und Bruder getroffen wurden. Es lässt
sich auch kein Widerspruch bezüglich der Organisation durch den
Schlepper erkennen. Bereits in seinen Ausführungen bei der EB UMA
finden sich Hinweise auf den Schlepper (hohe Reisekosten von [...] Euros
und die Organisation durch den Onkel, vgl. EB UMA Ziff. 5.02), wobei er
äusserst kurz zum Reiseweg befragt wurde. Ohnehin dürfen dem
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minderjährigen Beschwerdeführer unwesentliche Aussagewidersprüche
zwischen der summarischen EB UMA und der einlässlichen Anhörung
gemäss konstanter Praxis nicht vorgehalten werden (vgl. statt vieler Urteil
des BVGer E-5136/2019 vom 21. September 2021 E. 5.1).
7.4.3.6 Schliesslich lässt sich eine marginale Ungereimtheit hinsichtlich der
Inanspruchnahme staatlicher Hilfe erkennen. Gerade in Anbetracht des-
sen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ereignisse noch sehr
jung war, im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters die Behörden invol-
viert gewesen sein dürften und der Bruder ebenfalls Teil der Streitkräfte ist,
sind diese Unstimmigkeiten jedoch zu relativieren. Aus dem Kontext und
den Antworten des Beschwerdeführers ergibt sich, dass er sich vor allem
auf die Machtlosigkeit der Behörden berief, indem er bei der Anhörung er-
klärte, keine Hilfe in Anspruch genommen zu haben («die Behörden kön-
nen sich selbst nicht schützen. Wie können sie uns helfen», vgl. Anhörung
F164, siehe auch F174), und er bereits an der EB UMA erwähnte «sie [die
Polizei] sagten, sie hätten keine Möglichkeiten, uns zu schützen (vgl. EB
UMA Ziff. 7.02). Schliesslich wurde die Frage zur Inanspruchnahme staat-
licher Hilfe am Ende der Anhörung gestellt. Sowohl sein Rechtsvertreter
als auch der Beschwerdeführer wiesen auf seine Erschöpfung aufgrund
seiner Herzkrankheit sowie des Ramadans hin (vgl. Anhörung F165 und
F174). So bestätigte er auch, dass er aufgrund des Ramadans während
der Anhörung weder esse noch trinke (vgl. Anhörung F108). Zwar wurden
seine Herzprobleme und allgemeine Befindlichkeit angesprochen. Aller-
dings wurden ihm während der über sechsstündigen Befragung (von 9:00
bis 15:45 Uhr, inkl. Pausen) kaum offene Fragen gestellt und es lässt sich
nach Durchsicht der Protokolle auch kein besonderes Vertrauensklima o-
der eine angemessene empathische Reaktion der befragenden Person er-
kennen (vgl. zur Anhörung von UMAs BVGE 2014/30 E. 2.4). Im Lichte
dieser Umstände, die bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen
sind, erscheinen seine konsistenten Ausführungen überwiegend glaubhaft.
7.5 In einer Gesamtwürdigung überwiegen die Gründe, die für die Richtig-
keit der vorgebrachten Sachverhaltsdarstellung sprechen. Der Beschwer-
deführer hat weitgehend substantiiert und schlüssige Aussagen zu den
zentralen Asylgründen gemacht. Seine Erzählungen sind erlebnisbasiert
wie es von einem UMA in Berücksichtigung aller Umstände erwartet wer-
den kann. Die bestehenden Unstimmigkeiten lassen sich entweder auflö-
sen oder sind als marginal zu qualifizieren. Dass er die nachfolgende Ver-
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folgung hätte frei erfinden können, ist – unter Berücksichtigung eines in-
folge der glaubhaft gemachten Minderjährigkeit reduzierten Beweismas-
stabs – weitgehend auszuschliessen.
8.
8.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein.
Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem
Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-
gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu
BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).
8.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, aufgrund der militärischen Tä-
tigkeit seines Bruders einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen zu sein.
Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen
Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung
vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-
gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2
AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss (zum
Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 m.w.H.).
8.3 Zwar kann die Sicherheitslage in Afghanistan nicht abschliessend be-
urteilt werden, sie hat sich jedoch nach der Machtübernahme der Taliban
im August 2021 stark verschlechtert (vgl. Urteil des BVGer E-4649/2021
vom 15. November 2021 E. 7.4.1 und 7.4.2). Bereits bei der Beurteilung
der Sicherheitslage in Afghanistan im Jahr 2017 (vgl. Urteil D-5800/2016
vom 13. Oktober 2017, als Referenzurteil publiziert) hatte das Gericht fest-
gestellt, dass sich Gruppen von Personen definieren lassen, die in diesem
Land aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus-
gesetzt sind. Derzeit sind Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte
besonders gefährdet (vgl. Urteil des BVGer D-2720/2021 E. 6.2.1). Der
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erste Drohbrief und die Tötung des Vaters richtete sich gegen das militäri-
sche Engagement des Bruders des Beschwerdeführers. Gezielt ins Visier
der Taliban geriet der Beschwerdeführer spätestens mit dem zweiten Droh-
brief, womit von einer Reflexverfolgung und einer politisch motivierten Ver-
folgung auszugehen ist.
8.4 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den
erlittenen Misshandlungen und der Tötung seines Vaters bereits ernsthaf-
ten Nachteilen ausgesetzt. Angesichts der erneuten Bedrohung durch den
zweiten Drohbrief war die Furcht vor Verfolgung des Beschwerdeführers
zum Zeitpunkt der Ausreise sowohl subjektiv als auch objektiv begründet.
(vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen,
dass er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan auch aktuell künftige
Verfolgung vor Übergriffen seitens der Taliban zu befürchten hat (vgl. zur
Regelvermutung, dass von erlittener, mit der Ausreise in Kausalzusam-
menhang stehender Vorverfolgung ohne Weiteres auf das Bestehen einer
begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung zu schliessen ist: BVGE
2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.).
8.5 Angesichts der aktuellen Situation und des zusehends manifestierten
Einflusses der Taliban in allen Landesteilen ist – mit Blick auf den nunmehr
vollzogenen vollständigen Abzug der amerikanischen und ausländischen
Streitkräfte und der faktischen Machtübernahme durch die Taliban (vgl. Af-
ghanistan Analysts Network, The Moment in Between: After the Americans,
before the new regime, 1. September 2021, <https://www.afghanistan-ana-
lysts.org/en/reports/war-and-peace/the-moment-in-between-after-the-
americans-before-the-new-regime/>, abgerufen am 7.1.2022) – im vorlie-
genden Fall auch nicht vom Bestehen einer sicheren innerstaatlichen
Flucht- respektive Schutzalternative auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-
2720/2021 E. 7).
8.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer als Bruder
eines Armeeangehörigen sowie der erlittenen Nachteile zum Zeitpunkt sei-
ner Ausreise aus Afghanistan begründete Furcht vor Verfolgung hatte und
auch heute, insbesondere angesichts der Machtübernahme durch die Tali-
ban, begründete Furcht vor Verfolgung hegen muss. Das SEM hat demzu-
folge sein Asylgesuch zu Unrecht abgelehnt.
8.7 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefoch-
tene Verfügung ist aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling anzu-
file:///C:/Users/U80860881/AppData/Local/Temp/juris-temp/juris-export-307241435106769329.html%23ctx6055
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erkennen und das SEM ist anzuweisen, ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh-
ren. Konkrete Hinweise für das Vorliegen von Asylausschlussgründen im
Sinne von Art. 53 AsylG liegen aufgrund der Aktenlage nicht vor.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-
zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen
vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden
(vgl. auch Art. 111ater AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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