Decision ID: 53ee843a-ccd4-5670-adac-ae327d804435
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1950 geborene, geschiedene und in Deutschland wohnhafte
deutsche Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Versicherte oder Be-
schwerdeführerin) war vom (...) 1986 bis (...) 1987, d.h. insgesamt 1 Jahr
und 4 Monate, in der Schweiz erwerbstätig und leistete Beiträge an die
obligatorische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV;
Akten der Vorinstanz [nachfolgend: act.] 3; act. 13, S. 2). Die Versicherte
war insgesamt drei Mal verheiratet; vom (...) 1967 bis (...) 1973 sowie vom
(...) 1985 bis (...) 1995 mit B._, deutscher Staatsangehöriger, ge-
boren am (...) 1948, verstorben am (...) 2004 (vgl. act. 4, S. 6 ff.; act. 11,
S. 9; act. 16, S. 1, act. 20); und vom (...) 1999 bis (...) 2015 mit C._,
deutscher Staatsangehöriger, geboren am (...) 1961, verstorben am (...)
2018 (vgl. act. 4, S. 3 ff.; act. 35, S. 4 ff.). Sowohl B._ als auch
C._ waren in der Schweiz erwerbstätig und entrichteten Beiträge
an die schweizerische AHV/IV (Versicherungszeit von B._: 15 Jahre
und 6 Monate; Versicherungszeit von C._: 3 Jahre und 4 Monate,
vgl. act. 16, S. 3 f.). Aus der ersten Ehe der Versicherten mit B._
sind zwei Kinder hervorgegangen; D._, geb. (...) 1967, und
E._ geb. (...) 1969 (vgl. act. 11, S. 10; act. 16, S. 1).
B.
B.a Am 12. Juni 2015 ersuchte die rechtlich vertretene Versicherte bei der
Schweizerischen Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK oder Vorinstanz) um
Prüfung, ob ihr Rentenleistungen zustünden (act. 4, S. 1 f.).
B.b Die SAK sprach der Versicherten mit Mitteilungen vom 9. Dezember
2015 eine ordentliche Altersrente vom 1. November 2014 bis 30. April 2015
in Höhe von monatlich Fr. 68.- bzw. Fr. 69.- und ab 1. Mai 2015 von monat-
lich Fr. 84.- zu (act. 17, 18), wobei sie darauf hinwies, dass es sich – da
noch nicht alle erforderlichen Angaben vorlägen – um provisorische Ren-
tenzahlungen handle und eine Rentenverfügung erst nach der definitiven
Rentenfestsetzung zugestellt werde (act. 19).
B.c Nach erfolgter definitiver Rentenfestsetzung sprach die SAK der Ver-
sicherten mit Verfügungen vom 23. März 2016 eine ordentliche Altersrente
vom 1. November 2014 bis 30. April 2015 in Höhe von monatlich Fr. 83.-
und ab 1. Mai 2015 von monatlich Fr. 93.- zu (act. 29, 30).
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B.d Mit Schreiben vom 31. Oktober 2018 und unter Beilage einer "Nieder-
schrift" des Amtsgerichts (...) vom 13. Juni 2018 teilte die Versicherte der
SAK mit, dass C._ am (...) 2018 verstorben sei, und ersuchte
gleichzeitig um Prüfung, ob ihr in diesem Zusammenhang sowie auch in
Bezug auf die beiden früheren Ehen eine Geschiedenen-Witwenrente zu-
stehe. Zudem teilte sie mit, dass ihr die von der SAK mit Schreiben vom 9.
Dezember 2015 in Aussicht gestellte definitive Rentenverfügung nie zuge-
gangen sei (act. 35). Gemäss einer internen Aktennotiz der SAK vom 16.
Januar 2019 wurden der Versicherten die beiden Verfügungen vom
23. März 2016 eingeschrieben zur Kenntnisnahme zugeschickt (act. 36).
B.e Mit Verfügung vom 23. Januar 2019 und in Ersatz der Verfügungen
vom 23. März 2016 (ordentliche Altersrente) sprach die SAK der Versicher-
ten ab 1. Mai 2018 eine ordentliche Witwenrente in Höhe von monatlich
Fr. 171.- zu (act. 38). Die Berechnung der Witwenrente erfolgte auf Grund-
lage der Versicherungszeit und des durchschnittlichen Jahreseinkommens
von C._ (vgl. act. 38, S. 3, 5).
B.f Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 1. Februar 2019 Ein-
sprache erheben mit dem Ersuchen, es sei zu prüfen, ob ihr nicht weiter-
gehende Rentenansprüche im Hinblick auf die beiden Ehen mit B._
zustünden (act. 45).
B.g Die SAK wies die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 27. März
2019 ab. Zur Begründung hielt sie fest, dass der Versicherten aufgrund der
Ehe mit C._ eine Witwenrente zugesprochen worden sei. Diese sei
auf der Beitragsgrundlage von C._ berechnet worden. Das schwei-
zerische Rentensystem kenne keine Kumulation von Beitragsgrundlagen
bei der Berechnung der Witwenrente. Folglich könne die Versicherte keine
weitergehenden Rentenansprüche bezüglich der Ehe mit B._ gel-
tend machen, da sie zuletzt mit C._ verheiratet gewesen sei (act.
46).
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Thomas Lämmli, am 13. Mai 2019 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht und beantragte, die Verfügung (recte: der Ein-
spracheentscheid) vom 27. März 2019 sowie die Verfügung vom 13. Ja-
nuar 2019 (recte: 23. Januar 2019) seien aufzuheben und der Rentenan-
spruch sei neu zu beurteilen unter Berücksichtigung der Ehen mit
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Seite 4
B._ und C._. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Akten im Beschwerdeverfah-
ren [nachfolgend: BVGer-act.] 1). Zur Begründung führte sie aus, dass ge-
mäss Art. 24 AHVG auf die Gesamtdauer der Ehen abgestellt werde, falls
die Witwe mehrmals verheiratet gewesen sei. Somit hätte entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz die Ehe mit B._ bezüglich der Frage
der Rentenansprüche eben doch miteinbezogen werden müssen (BVGer-
act. 1, S. 3 Ziff. 2).
D.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 12. Juni 2019 die Ab-
weisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, die Beschwer-
deführerin verkenne, dass die Gesamtdauer mehrerer Ehen nur für die An-
spruchsbedingung der Mindestdauer von fünf Jahren berücksichtigt werde.
Der Gesetzestext sei deutlich und lasse keinen Raum für weitergehende
Interpretationen. In keinem Fall habe der Gesetzgeber vorgesehen, dass
bei mehreren Ehen die Berechnung der Witwenrente auf die Grundlage
von allen vorangehenden Ehen abzustellen sei. Art. 33 Abs. 2 (recte:
Abs. 1) AHVG (SR 831.10) führe deutlich aus, dass für die Berechnung auf
das Einkommen der verstorbenen Person abzustellen sei. Somit kenne das
schweizerische Rentensystem keine Kumulation von Beitragsgrundlagen
bei der Berechnung der Witwenrente (BVGer-act. 5).
E.
Nachdem die Beschwerdeführerin innert der angesetzten Frist keine Replik
eingereicht und damit implizit darauf verzichtet hatte, sich zur Vernehmlas-
sung der Vorinstanz zu äussern, wurde der Schriftenwechsel mit Instruk-
tionsverfügung vom 6. September 2019 abgeschlossen (BVGer-act. 6-8).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
Abs. 1 AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Einspracheentscheide (Art. 5
Abs. 2 VwVG) der Schweizerischen Ausgleichskasse. Eine Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
demnach für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
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1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Das VwVG findet indes keine Anwendung in Sozialversicherungssachen,
soweit das ATSG (SR 830.1) anwendbar ist (Art. 3 Bst. dbis VwVG). Ge-
mäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im
ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversicherung anwendbar,
soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch den vorliegend angefochtenen Ein-
spracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG be-
schwerdelegitimiert ist.
1.4 Da die Beschwerde vom 13. Mai 2019 im Übrigen frist- und formgerecht
eingereicht wurde (Art. 60 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 4 Bst. a ATSG; Art. 52
Abs. 1 VwVG), ist grundsätzlich darauf einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Die Beschwerdeführerin besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit,
wohnt in Deutschland und ist Hinterbliebene eines deutschen Staatsange-
hörigen mit letztem Wohnsitz in Deutschland. Damit gelangen das Freizü-
gigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die
Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz
am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR
0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-
dung (BGE 138 V 533 E. 2.1). Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch
die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012
erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der Schweiz und den
EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Soweit das FZA keine abweichenden
Bestimmungen vorsieht, erfolgt mangels einer einschlägigen gemein-
schafts- bzw. abkommensrechtlichen Regelung die Prüfung des Anspruchs
auf Leistungen der AHV nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 141 V 246
E. 2.2 mit weiteren Hinweisen; betreffend den Anspruch auf Hinterlas-
senenrente vgl. z.B. Urteile des BVGer C-2986/2017 vom 27. Juli 2018
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Seite 6
E. 3; C-114/2016 vom 19. Juni 2017 S. 3; C-11/2014 vom 31. März 2015
E. 2.4 f.).
3.
Anfechtungsobjekt ist vorliegend einzig der Einspracheentscheid vom
27. März 2019, mit welchem die Vorinstanz – in Abweisung der Einsprache
der Beschwerdeführerin vom 1. Februar 2019 – die Verfügung vom 23. Ja-
nuar 2019 bestätigt hat. Der Einspracheentscheid ersetzt die ursprüngliche
Verfügung (vgl. Urteile des BGer 8C_121/2009 vom 26. Juni 2009 E. 3.5;
8C_592/2012 vom 23. November 2012 E. 3.2; 9C_777/2013 vom 13. Feb-
ruar 2014 E. 5.2.1 mit Hinweisen; BGE 140 V 70 E. 4.2). Soweit die Be-
schwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung vom 23. Januar 2019 be-
antragt, ist deshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4.
4.1
4.1.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 AHVG haben Witwen oder Witwer Anspruch
auf eine Witwen- bzw. Witwerrente, sofern sie im Zeitpunkt der Verwitwung
Kinder haben. Der Anspruch entsteht am ersten Tag des dem Tod des Ehe-
mannes oder der Ehefrau folgenden Monats und erlischt mit der Wieder-
verheiratung oder dem Tode der Witwe oder des Witwers (vgl. Art. 23 Abs.
3 und 4 AHVG). Der Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente, der mit
der Wiederverheiratung der Witwe oder des Witwers erloschen ist, lebt am
ersten Tag des der Auflösung der Ehe folgenden Monats wieder auf, wenn
die Ehe nach weniger als zehnjähriger Dauer geschieden oder als ungültig
erklärt wird (Art. 23 Abs. 5 AHVG i.V.m. Art. 46 Abs. 3 AHVV).
4.1.2 Art. 24a Abs. 1 AHVG bestimmt, dass eine geschiedene Person einer
verwitweten gleichgestellt ist, wenn sie eines oder mehrere Kinder hat und
die geschiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat (Bst. a), die ge-
schiedene Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat und die Scheidung
nach Vollendung des 45. Altersjahres erfolgte (Bst. b) oder wenn das
jüngste Kind sein 18. Altersjahr vollendet hat, nachdem die geschiedene
Person ihr 45. Altersjahr zurückgelegt hat (Bst. c).
4.1.3 Für die Berechnung der Witwen-, Witwer- und Waisenrente sind die
Beitragsdauer und das aufgrund der ungeteilten Einkommen der verstor-
benen Person sowie ihrer Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften ermit-
telte durchschnittliche Jahreseinkommen massgebend (Art. 33 Abs. 1
AHVG).
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4.1.4 Erfüllt eine Person gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Witwen-
oder Witwerrente und für eine Altersrente oder für eine Rente gemäss dem
IVG, so wird nur die höhere Rente ausgezahlt (Art. 24b AHVG).
4.2
4.2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die geschiedene Beschwerdeführe-
rin nach Art. 24a Abs. 1 AHVG Anspruch auf eine Witwenrente hat. Sie hat
zwei Kinder, die letzte Ehe mit B._ hat über 10 Jahre gedauert ([...]
1999 bis [...] 2015) und diese Ehe wurde am [...] 2015 und damit nach
Vollendung ihres 45. Altersjahres geschieden. Somit erfüllt die Beschwer-
deführerin die Anspruchsvoraussetzungen von Art. 24a Abs. 1 AHVG so-
wohl nach Bst. a als auch nach Bst. b. Entstanden ist der Witwenrentenan-
spruch am ersten Tag des dem Tod von C._ (verstorben am [...]
2018) folgenden Monats, d.h. am 1. Mai 2018 (vgl. Art. 23 Abs. 3 AHVG),
wie es die Vorinstanz richtig festgestellt hat.
4.2.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet sinngemäss einzig die Höhe
resp. die Berechnungsgrundlage der zugesprochenen Witwenrente, da
nach ihrer Ansicht bei der "Frage der Rentenansprüche" die Ehen mit
B._ hätten miteinbezogen werden müssen und daher der Renten-
anspruch unter Berücksichtigung der Ehen mit B._ und C._
neu zu beurteilen sei. Dabei stützt sie sich auf Art. 24 Abs. 1 Satz 2 AHVG,
wonach auf die Gesamtdauer der Ehen abgestellt werde, wenn die Witwe
wie vorliegend mehrmals verheiratet gewesen sei.
4.2.3 Die Beschwerdeführerin verkennt, dass Art. 24 AHVG – wie sich aus
der Gesetzessystematik und aus dem Wortlaut eindeutig ergibt – als be-
sondere Bestimmung zu Art. 23 AHVG einzig den Witwenrentenanspruch
von Witwen regelt und dabei insbesondere die Anspruchsvoraussetzung
der erfüllten mindestens fünfjährigen Ehedauer bei Eintritt der Verwitwung
statuiert. Somit findet Art. 24 AHVG weder auf die den verwitweten lediglich
gleichgestellten geschiedenen Ehegatten, deren Anspruchsvoraussetzun-
gen in Art. 24a AHVG geregelt sind, noch für die Berechnung der Witwen-
rente (vgl. dazu Art. 33 AHVG) Anwendung.
4.2.4 Nichts anderes lässt sich aus der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ableiten: Das Bundesgericht hat in ständiger Rechtsprechung er-
kannt, dass wenn nach Scheidung der zweiten Ehe der erste Ehepartner
stirbt, ein Witwenrentenanspruch nur anerkannt werden kann, wenn ein
solcher Anspruch bereits vor der zweiten Eheschliessung entstanden ist.
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Geschiedene, die sich zu Lebzeiten des früheren Ehepartners wieder ver-
heiratet haben, haben nach dessen Tod keinen Anspruch auf Witwen- bzw.
Witwerrente, wenn dieser frühere Ehepartner später stirbt, dies auch dann
nicht, wenn die spätere Ehe zwischenzeitlich ebenfalls geschieden wurde
(BGE 127 V 78 E. 3c; BGE 116 V 69 E. 2; Urteil des EVG H 237/01 vom
6. Dezember 2001 E. 2b; vgl. auch UELI KIESER, Rechtsprechung des Bun-
desgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenver-
sicherung, 3. Aufl. 2012, Art. 23 Rz. 7 und Art. 24a Rz. 3). In dieser Kons-
tellation kann die vom zweiten Ehemann geschiedene Frau somit nicht die
geschiedene Witwe des ersten Ehemannes sein bzw. die Wiederverheira-
tung vor dem Tod des früheren Ehemannes schliesst eine aus dem späte-
ren Todesfall abgeleitete Hinterlasseneneigenschaft als Witwe aus und ein
Geschiedenenwitwenanspruch kann nur nach dem Tod des zweiten Ehe-
mannes entstehen, sofern die Voraussetzungen von Art. 24a AHVG erfüllt
sind (vgl. BAUMANN/LAUTERBURG, Scheidung, Getrenntleben und
AHV/IV - Tipps für PraktikerInnen, in: FamPra.ch 2006, S. 611-637, S. 624;
MARC HÜRZELER, System und Dogmatik der Hinterlassenensicherung im
Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht, Bern 2014, S. 398 f.). Mit ande-
ren Worten ist im Falle der Wiederverheiratung die "geschiedene Person",
welche gemäss Art. 24a AHVG einer Witwe oder einem Witwer gleichge-
stellt werden kann, nur diejenige, deren Ex-Ehemann oder Ex-Ehefrau, mit
welchem/r sie zuletzt verheiratet war, es ist, der/die verstirbt. Diese Inter-
pretation ist die einzige, die mit dem Willen des Gesetzgebers, wie er sich
aus Art. 23 Abs. 5 AHVG und Art. 46 Abs. 3 AHVV ergibt, vereinbar ist (BGE
127 V 78 E. 3b und 3d; BGE 116 V 67 2b). Es kann in diesem Zusammen-
hang auch darauf hingewiesen werden, dass sich dieses Ergebnis gemäss
HÜRZELER dogmatisch aus der Perspektive der Unterhalts- und Schaden-
ersatzfunktion der Hinterlassenenrente zugunsten des geschiedenen Ehe-
gatten begründen lässt: Da der nacheheliche Unterhaltsanspruch gegen-
über dem früheren Partner bereits im Zuge der (lebzeitigen) Wiederverhei-
ratung dahingefallen ist, besteht für die Hinterlassenensicherung kein An-
lass, ihrerseits eine weitergehende Versorgung aus der ersten Ehe zu ge-
währleisten. Das durch die Hinterlassenensicherung der geschiedenen
Person gewährleistete negative Interesse im Sinne eines Scheidungsscha-
dens ist mit der Wiederverheiratung – vom Unterhaltsrecht vorgezeichnet
– unwiderruflich beseitigt worden (MARC HÜRZELER, a.a.O. S. 399 f. mit
dem Hinweis, dass sich ein Wiederaufleben der früheren Hinterlassenen-
sicherung bei Auflösung der Zweitehe somit als nicht folgerichtig erweist).
4.2.5 Vorliegend ist unbestritten und aktenkundig, dass die Beschwerde-
führerin sich – nachdem sie sich am (...) 1995 zum zweiten Mal von
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B._ hatte scheiden lassen – am (...) 1999 und damit noch zu Leb-
zeiten von B._ (verstorben am [...] 2004) mit C._ wieder ver-
heiratet hat (vgl. oben Sachverhalt A.). Gemäss dargestellter Rechtslage
ist somit kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Geschiedenenwitwen-
rente infolge des Todes von B._ entstanden. Eine Geschiedenen-
witwenrente konnte nur nach dem Tod und infolge des Todes des letzten
Ehemannes, C._, entstehen und ist – wie bereits festgestellt – auch
entstanden. Doch selbst wenn ein Witwenrentenanspruch der Beschwer-
deführerin aufgrund der Ehen mit B._ entstanden wäre – was vor-
liegend eindeutig nicht der Fall ist – so wäre dieser durch die Wiederver-
heiratung mit C._ erloschen (Art. 23 Abs. 4 Bst. a AHVG) und hätte
aufgrund der über zehn Jahre dauernden Ehe mit C._ auch nicht
wieder aufleben können (Art. 23 Abs. 5 AHVG i.V.m. Art. 46 Abs. 3 AHVV
e contrario). Folglich beurteilt sich der Anspruch der Beschwerdeführerin
gemäss dargestelltem Recht einzig und allein aufgrund ihrer Ehe mit
C._.
4.2.6 Da somit die Ehen mit B._ bei der Beurteilung der Anspruchs-
berechtigung der Beschwerdeführerin betreffend eine Geschiedenenwit-
wenrente nicht zu berücksichtigen sind, sind sie – im Sinne des Grundsat-
zes a maiore ad minus – umso weniger bei der Berechnung der Witwen-
rente zu berücksichtigen. Gleich wie bei der Beurteilung der Anspruchsbe-
rechtigung ist für die Berechnung der Witwenrente einer mehrfach geschie-
denen Person, die sich zu Lebzeiten des früheren Ehepartners wieder ver-
heiratet hat, einzig die zuletzt geschiedene Ehe massgebend. Wie die
Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, gibt es gemäss dem AHVG keine
Kumulation von Beitragsgrundlagen bei der Berechnung der Witwenrente
(vgl. Art. 33 Abs. 1 AHVG). Dies gilt nicht nur für geschiedene Personen,
welche gemäss Art. 24a AHVG einen Anspruch auf (Geschiedenen)Wit-
wen- bzw. Witwerrente haben, sondern auch für Witwen und Witwer, wel-
che gemäss Art. 23 oder 24 AHVG einen Witwen- bzw. Witwerrentenan-
spruch haben. Gemäss Art. 33 Abs. 1 AHVG sind bei der Berechnung der
Witwen- bzw. Witwerrente die Beitragsdauer und das massgebliche durch-
schnittliche Jahreseinkommen der "verstorbenen Person" massgebend.
Die "verstorbene Person" ist bei anspruchsberechtigten Witwen und Wit-
wer der aktuelle Ehepartner, und bei anspruchsberechtigten geschiedenen
Personen der letzte Ex-Ehepartner, welcher verstorben ist. Die Witwen-
bzw. Witwerrente berechnet sich nach der Beitragsdauer und dem mass-
geblichen durchschnittlichen Jahreseinkommen allein dieses Ehepartners
ohne Berücksichtigung allfälliger früherer Ehepartner (vgl. BGE 139 V 473
E. 5.5; Urteil des BGer 9C_83/2009 vom 14. April 2010 3.1). Dass keine
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Kumulation stattfindet, zeigt sich auch daran, dass die wiederauflebende
Witwen- bzw. Witwerrente aufgrund derselben Berechnungsgrundlagen
festgesetzt wird, wie sie anlässlich der für die Wiederverheiratung erlo-
schenen Rente massgebend waren, ohne dass die zwischenzeitlich aufge-
löste Ehe bei der Berechnung berücksichtigt würde (vgl. Rz. 5640 der Weg-
leitung über die Renten in der eidgenössischen Alters- Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2003, Stand: 1. Januar 2019).
Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Berechnung der Witwenrente
der Beschwerdeführerin daher zu Recht einzig auf Grundlage der Versi-
cherungszeiten und des aufgrund der ungeteilten Einkommen ermittelten
durchschnittlichen Jahreseinkommens von C._ vorgenommen (vgl.
act. 38, S. 3, 5). Die Beschwerdeführerin hat keine konkreten Einwendun-
gen gegen diese Berechnung erhoben und diese ist auch nicht zu bean-
standen. Schliesslich hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin in Anwen-
dung von Art. 24b AHVG zu Recht ab 1. Mai 2018 die Witwenrente anstelle
der tieferen Altersrente ausgerichtet.
5.
Im Ergebnis ist somit die Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, abzu-
weisen und der Einspracheentscheid vom 27. März 2019 zu bestätigen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis
Abs. 2 AHVG), sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
6.2 Weder die in der Sache unterliegende Beschwerdeführerin noch die
obsiegende Vorinstanz haben einen Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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