Decision ID: 27661482-bcb2-4cc5-a8e5-81ea9be785ca
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, war von
2006 bis 2011 bei verschiedenen Arbeit
gebern in Italien, von
2011 bis 2013 bei der
Y._
,
Z._
,
sowie
von 2013 bis 2016 bei diversen Ar
beitgebern
in der Schweiz
als Bauarbeiter
tätig
und
ist seit
2016
bei der
A._
,
B._
als Bauarbeiter im Strassen- und Tiefbaubereich
angestellt
(Urk. 6/11; Urk. 6/12
; Urk. 6/29
). Unter Hinweis auf
eine Verletzung am linken Knie
meldete er sich am
6. April 2018
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/6
). Die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situa
tion ab und
zog Akten der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (
SUVA
)
als Unfallversicherung
bei (Urk.
6/4-5; Urk. 6/14-17; Urk. 6/19; Urk. 6/24; Urk. 6/28; Urk. 6/33; Urk. 6/38;
Urk. 6/42-43).
Am
7. Februar 2019
teilte
die IV-
Stelle
mit, dass derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 6/
23)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/32; Urk. 6/34; Urk. 6/44
) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
11. Dezember 2019
einen
Anspruch auf eine Rente oder auf
berufliche
Massnahmen
(Urk.
6/51
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
24. Januar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
11. Dezember 2019
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
Arbeitsvermittlung
zuzusprechen,
anschliessend an die Arbeitsvermittlung bezie
h
ungsweise an die beruflichen Massnahmen
sei
über den Rentenanspruch zu ent
scheiden
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2. März 2020
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
6. März 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sic
h im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
).
Drohende Invalidität liegt gemäss
Art.
1
novies
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist uner
heblich.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss
Art. 8
Abs. 3
IVG
in medizi
ni
schen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die be
rufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
Eine
Eingliederungsmassnahme hat neben den
in Art. 8 Abs. 1 ATSG
aus
drück
lich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjeni
gen der Angemessenheit (Verhält
nis
mässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnismässig
keits
grundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliede
rungs
ziel stehen. Hinsichtlich der Ange
mes
senheit lassen sich vier Teilaspekte unter
scheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die
Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf
weisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungs
erfolg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten
Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die Massnahme dem Betrof
fe
nen auch zumutbar sein (BG
E 142 V 523 E. 2.3
).
1.4
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Satz 1 ATSG).
Arbeitsunfähige Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeig
neten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
Vorausgesetzt ist die Eingliederungs
fähigkeit des Versicherten, das heisst
seine objektive Möglichkeit und subjektive Bereitschaft, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_594/2016 vom 18. November 2016, E. 3.2)
.
Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung bedarf weder der Invalidität noch eines Min
destinvaliditätsgrades (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Janu
ar 2016, E. 2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine mittelschwere angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Aus dem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditäts
grad von 4
%
und folglich kein Rentenanspruch (S. 2 oben). Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung bestehe nur, wenn eine Per
son durch die gesundheitliche Einschränkung erheblich in der Stellensuche einge
schränkt sei. Der Beschwerdeführer sei jedoch vorwiegend durch die Sprach
kenntnisse sowie die fehlende Ausbildung eingeschränkt. Somit sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig für eine Arbeitsvermittlung (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
nach dem Wortlaut von Art. 18 Abs. 1 IVG sei
allen Personen eine Arbeits
ver
mittlung zu gewähren, die infolge einer Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr im bisherigen Beruf erwerbstätig sein könnten und arbeitslos seien (S. 3 f
.
Ziff. 1
).
Die Voraussetzung der Eingliederungsfähigkeit im Sinne der objektiven Möglich
keit und der subjektiven Bereitschaft, von einem Arbeitgeber angestellt zu wer
den, sei erfüllt, da er immer bereit (gewesen) sei, bei einer Arbeitsvermittlung mitzumachen. Bis heute sei ihm diese Gelegenheit jedoch nicht gewährt worden (S. 5 Ziff. 4)
.
Der Rentenanspruch sei nach den Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Momen
tan sei er auch in angepasster Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig, da der Endzustand noch nicht erreicht sei. Wahrscheinlich sei eine weitere Operation notwendig (S. 5 Ziff.
5
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit
der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers.
Dabei steht die Frage im Zentrum, ob ein Anspruch auf berufliche Eingliederungs
massnahmen, insbesondere auf Arbeitsvermittlung, besteht.
3.
3.1
Gemäss Schadenmeldung UVG vom 24. August 2016 (Urk.
6/4/5 = Urk.
6/15/6) sei der Beschwerdeführer am 22. August 2016 auf der Baustelle gestolpert und mit dem Knie auf einen Stein gefallen (Ziff. 4-6).
3.2
Die Ärzte des
C._
des
D._
hielten in ihrem Bericht vom 15. September 2016 (
Urk. 6/4/15 = Urk. 6/4/32 =
Urk. 6/15/16
= Urk. 6/15/33
) zur gleichentags durchgeführten Sonografie des linken Knies fest, es habe sich ein Normalbefund am linken Knie
gelenk ohne
sonographisch
erkennbare
Traumafolgen
gezeigt, insbesondere auch kein Kniegelenkserguss.
Im Bericht gleichen Datums zur Magnetresonanztomographie (MR
I
) des linken
Kniegelenks am selben Tag (Urk.
6/4/18 = Urk.
6/15/19)
wurde ausgeführt, es li
ege
ein
Bone
bruise
anteromedial
im medialen
Femurkondylus
vor, mit
da
rü
ber
lie
gen
dem
subkutanem Weichteilöde
m. Es gebe ein prä- und
suprapatelläres
sub
kutanes Weichteilödem, welches sich ab Höhe
Patellamitte
nach kranial aus
dehne. Beide Veränderungen seien wahrscheinlich auf ein direktes Trauma zurückzuführen.
3.3
Die Ärzte des
E._
berichteten am 25. April 2017 (Urk.
6/4/148 = Urk.
6/15/149) über das am gleichen Tag durchgeführte MRI des linken Knies. Dabei habe sich ein diskreter Oberflächeneinriss des
Innen
menis
kushinterhorns
sowie ein zarter radiärer Einriss der Pars
intermedia
des Aussen
meniskus gezeigt. Weiter bestehe ventral des lateralen Kollateralbandes eine bis
an den
Tractus
iliobialis
reichende, zystisch imponierende Läsion, Differential
dia
g
nose (DD) laterale Meniskuszyste bei fraglichem Kontakt zum Meniskus, DD late
rale
Synovialzyste
bei fokaler Kapselläsion
mit angrenzendem Weichteilödem,
DD a
kzessorische Bursa mit Bursitis.
Schliesslich
habe
sich eine
Bakerzyste
gezeigt
.
3.
4
Dr. med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates
, berichte
te
am 11. Mai 2017 (Urk.
6/4/69-70 = Urk. 6/4
/77-78 = Urk.
6/15/70
-71 = Urk. 6/15/78-79
) über die am 9. Mai 2017 durchgeführte Operation im Sinne einer
arthroskopischen
medialen und lateralen
Teilmeniskektom
ie
und einer
Plica
-Entfernung links
. Es bestehe eine deutliche Beeinträchtigung im Alltag, insbesonder
e
bei der Arbeit.
3.5
Gemäss Telefonnotiz der SUVA vom 8. Juni 2017 (Urk. 6/15/82-83)
hab
e der Be
schwerdeführer an diesem Tag zum
Traumahergang
aus
geführt
, er sei unter einer Kanalisation gewesen. Plötzlich seien Erde und Steine hinuntergekommen. Die Steine seien auf sein Knie geschlagen. Er sei bis zum Hals verschüttet worden. In der Schadenmeldung (vgl. vorstehend E. 3.1) habe er einen abweichenden Sach
verhalt angegeben, weil er nicht gut Deutsch verstehe und im Spital nicht bei der Sache gewesen sei (S. 1 oben).
3.6
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4) führte im Bericht vom 23. August
2017 (Urk.
6/4/124 = Urk.
6/15/125) aus, der Verlauf sei an sich günstig. Der Patient benötige jedoch eine etwas längere Rehabilitationszeit für die Reintegration in den Arbeitsprozess. Nach Kraftaufbau sei nun die Arbeit am 24. August
2017 wieder voll aufzunehmen.
Dr.
F._
liess der SUVA mehr oder weniger kontinuierlich Auszüge aus der Krankengeschichte betreffend den Beschwerdeführer zukommen.
Im Eintrag in der Krankengeschichte zur Sprechstunde vom
19. September 2017 (
Urk. 6/15/131 = Urk. 6/14/135 =
Urk. 6/15/132 = Urk.
6/15/
136
) hielt Dr.
F._
fest, es
gebe einen
weiterhin günstigen Verlauf. Die Muskulatur sei links im Oberschenkel
bereich noch deutlich weicher als rechts, weshalb Training empfohlen werde. Dieses sei für den Patienten
aber bei sechs
Arbeitstagen relativ schwierig. Auch subjektiv gebe es eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorzustand.
3.7
Die Ärzte des
E._
(vorstehend E. 3.3) berichteten am 30. Oktober 2017 (Urk.
6/4/149 = Urk.
6/15/150) über das
gleichentags durch
ge
führte
MRI des linken Knies. Sie führten aus, es seien keine Re-Läsionen
fassbar.
Es lägen Zeichen einer leichten
Synovitis
vor sowie eine
Bakerzyste
.
3.8
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4)
notierte
in der Krankengeschichte zur Sprech
stunde vom 1. November 2017
(Urk. 6/4/146 = Urk. 6/15/147)
betreffend die
MRI-
Untersuchung (vorstehend E. 3.7
)
, die starke Belastung müsse reduziert werden. Der Patient könne so nicht arbeiten. Langfristig werde wahrscheinlich ein Ar
beits
platzwechsel notwendig werden, auch wenn dies nicht einfach sei. Die I
nva
lidenversicherung
werde hier eventuell unterstützen, ein neuer Arbeitsplatz sei deswegen aber noch nicht gesichert. Ab dem 2. November 2017 kö
nne der Patient für mindestens zwei
Wochen nicht mehr arbeiten bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Am 2. November 2017
(Urk.
6/4/161-162 = Urk.
6/15/162-163)
notierte
Dr.
F._
einen Anruf des Baupoliers.
Dieser habe berichtet
,
dass
d
er Patient zur Arbeit erschienen
sei
,
obschon er arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Offenbar habe dieser ab dem ersten Monat nur 80
%
des Lohns erhalten, deshalb wolle er wahrscheinlich
arbeiten
.
Zur
Sprechstunde vom 2. März 2018
hielt Dr.
F._
in der Krankengeschichte fest
(Urk.
6/4/167 = Urk.
6/15/168),
der Patient habe bei Anstrengung Beschwer
den vor allem im
Kniekehlenbereich
. Klinisch bestehe eine leicht diffuse Schwel
lung, eine deutliche
Quadrizepsatrophie
links im Vergleich zu rechts, eine leichte Vorwölbung auch im
Kniekehlenbereich
,
Druckdolenz
im medialen und lateralen Gelenkspalt. Es bestehe eine Restschmerzhaftigkeit, vor allem lateral und dorsal. Eine Restmeniskusläsion sei zwar nicht sehr wahrscheinlich, müsse aber bei Beschwerdepersistenz langfristig mittels MRI ausgeschlossen werden. Die Arbeit sei sicher für das Kniegelenk u
ngünstig, eine leichtere Arbeit
werde er aber kaum finden. Eine weniger belastende Arbeit habe dem Patienten offenbar bishe
r nicht zugetraut werden können.
3.9
Im Bericht der SUVA zur Besprechung vom 27. März 2018 (Urk.
6/4/168-170 = Urk.
6/15/169-171)
mit dem Beschwerdeführer und der
Arbeitgeber
in
wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer am 5. Februar 2018 die Arbeit
wieder
aufgenommen
habe und seither
-
beziehungsweise seit Ende der darauffolgenden krankheitsbedingten Abwesenheit
-
zu 100
%
anwesend sei und alle anfallenden Arbeiten vollumfänglich ausführe. Dies geschehe jedoch zum Teil u
nter Schmer
zen und unter Einnahme von Medikamenten (S. 1 f.). Mit diesem Zustand sei die SUVA nicht zufrieden. Im Strassenbau fielen s
chwere Arbeiten an, welche oft
Schaufelarbeiten, Heben von schwerem Material, Begehen von Gräben, Begehen
von Leitern sowie kniende und hockende Arbeiten, längeres Gehen und Stehen be
in
halteten. Sollte keine Veränderung oder Besserung der Beschwerden eintre
ten, werde ein Einsatz im Strassenbau nicht mehr möglich sein (S. 2 oben).
Mit der
Arbeitgeber
in
sei vereinbart worden, den Beschwerdeführer vorerst nicht für die sehr schweren Arbeiten und für stark kniebelastende Tätigkeiten ein
zu
setzen. Im Gegenzug richte die SUVA ab 27. März 2018 ein Taggeld auf Basis einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
aus, dies vorerst bis zur nächsten Kontrolle vom 13. April 2018 (S. 2 Mitte).
3.10
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4)
notierte in der Krankengeschichte zur
Sprech
stunde
vom 13. April 2018
(Urk. 6/15/202)
, der Patient habe nach wie vor Beschwerden. Man habe zwar gesagt
, es bestehe eine
50
%
ige
Arbeitsfähigkeit, er arbeite aber den ganzen Tag voll. Kaum sei der Chef weg gewesen, habe er wieder sein volles Pensum gehabt.
Klinisch bestünden
Druckdolenz
im lateralen und medialen Ge
lenkspalt bei leichter diffuser Schwellung und gewisse Überstreckschmerzen im
Kniekehlenbereich
. Eine MRI-Untersuchung sei jetzt sinnvoll.
3.11
Das
E._
(vorstehend E. 3.7)
berichtete am 19. April 2018 (Urk. 6/15/213) über das gleichentags durchgeführte MRI des Knies: Persistierend sei ein
residueller
Gelenkserguss und eine
Bakerzyste
mit freiem Gelenkskörper. Weiter persistiere ein diskreter Unterflächeneinriss im
Hinterhorn
des medialen Meniskus unklarer Signifikanz (nur eine Schicht).
3.12
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4) notierte zur
Sprechstunde vom 23. Mai
2018
(Urk. 6/15/224), e
s sei trotz allem nochmals die Arthroskopie zu disk
u
tieren, da
gemäss
MRI eine gewisse Wahrscheinlichkeit einer Restmeniskusläsion bestehe. Ein Weiterfahren mit den zwar deutlich geringeren Schmerzen als präoperativ, aber doch spürbaren Beschwerden, sei auf lange Dauer nicht sinnvoll.
3.
13
Gemäss Telefonnotiz der SUVA-Sachbearbeiterin zum Gespräch mit dem Be
schwe
rdeführer vom 1. Juni 2018 (Urk.
6/15/216) habe dieser berichtet, e
r arbeite zu 100
%
aus Angst, den Job zu verlieren.
Er
habe
um
Hilfe angefragt
für den Fall
,
dass
er den Job nich
t mehr ausführen könne, worauf s
ie
ihm
geantwortet habe, solche Unterstützung werde ihm durch die Invalidenversicherung gewährt. Vorerst sei sicher die Operation abzuwarten
.
3.
14
Am 10. Juli 2018 (Urk. 6/17/3
-
4) berichtete Dr.
F._
über die am Vortag durch
geführte Operation. Dies
e
habe eine
arthroskopische
mediale und laterale
Teil
me
niskektomie
, eine
Pli
ca
-Entfernung und
Synovektomie
suprapatellär
links sowie ein
Knorpeldébridement
im medialen
Tibiaplateau
umfasst (S. 1 Mitte).
3.15
Gemäss Telefonnotiz der SUVA-Sachbearbeiterin
(Urk. 6/17/9-10 = Urk. 6/19/35-36)
habe
der
Beschwerdeführer
im Gespräch
vom 11. Oktober 2018
ausgeführt
, Dr.
F._
habe gemeint, dass, wenn der Beschwerdeführer wieder arbeiten gehe wie letztes Mal,
er
sicher nochmals operiert werden müsse. Er habe ihm einen Jobwechsel empfohlen. Der Beschwerdeführer habe die Sachbearbeiterin gefragt wegen
eines
Jobwechsel
s
, worauf sie unter anderem geantwortet habe, für all
fällige Unterstützung sei die Invalidenversicherung
zuständig. Sie habe erneut da
ran appelliert, dass er dringend seine Deutschkenntnisse verbessern solle und kon
krete Vorschläge gemacht. Er habe geantwortet, dass ihm dies schon bewusst sei.
3.16
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4) notierte zur
Sprechstunde vom 8.
November 2018 (Urk. 6/19/14), d
er Patient habe bei Anstrengung Schmerzen im ganzen Kniege
lenk,
dies auch bis in die Muskulatur am Oberschenkel ziehend. Seit der Operation gebe es subjektiv eine Besserung.
Eventuell sei eine
SUVA-Rehabilitation
günstig
, auch zur Evaluation möglicher beruflicher Schrit
te. Der Patient sei dazu bereit
und motiviert.
3.17
Gemäss Telefonnotiz der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/22) h
abe sie am 7. Februar 2019 mit der Sachbearbeiterin der SUVA gesprochen. Ge
mäss
letzterer
seien keine weiteren Operationen vorgesehen. Der Kunde sehe sich
als
nicht arbeitsfähig
an
, auch nicht angepasst. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz sei nicht möglich.
Gleichentags
teilte
die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer schriftlich mit
,
es seien derzeit keine
Eingliederungsmassnahmen
möglich (Urk. 6/23)
. Weil der Beschwerdeführer sich nicht arbeitsfähig fühle und aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse würden berufliche Massnahmen im Moment keinen Sinn machen (S.
2
).
3.18
Vom 8. Januar bis am 12. Februar 2019 weilte der Beschwerdeführer
zur
arbeits
orientierten Rehabilitation
in
der
G._
. Im Austrittsbericht vom
13. Februar
2019 (Urk. 6/26/1-6) wurden folgende Probleme bei Austritt beschri
e
ben: Es bestünden Schmerzen im linken Kniegelenk in Ruhe, bei Bewegung und bei Belastung, insbesondere betreffend Rückseite und Vorderseite, sodann ein Be
weglichkeitsdefizit im linken Knie für Extension und Flexion, ziehende Schmer
zen in der
Hamstring
-Muskulatur links sowie nachts Kribbelparästhesien im Bereich des proximalen linken Schienbeins und der linken Wade. Schliesslich liege eine psychosoziale Belastungssituation vor, da juristis
che Auseinan
der
setz
ungen mit der
Arbeitgeber
in
betreffend unklare Lohnabzüge und Unfallhaf
tung/
mangelnde Sicherung der Baustelle im Gange seien (S. 2 oben).
Die bisherige berufli
c
he Tätigkeit als Tiefbauarbeiter sei nicht zumutbar, die An
forderungen seien zu hoch. Denn dies sei eine körperlich schwere, ausschliesslich stehend/gehend zu verrichtende Tätigkeit mit häufigem Treppen- und Leitern
steigen sowie Gehen über unebene Böden
. Eine andere, mittelschwere Arbeit sei ganztags zumutbar. Im Sinne spezieller Einschränkungen wegen des linken Knies müsse die Tätigkeit wechselbelastend (Stehen/Gehen am Stück bis maximal etwa eineinhalb Stunden) sein, ohne häufiges Treppen- und/oder Leiternsteigen sowie längeres Gehen über unebene Böden (S. 2 unten).
Eine berufliche Neuorientierung erscheine mit Blick auf die schon relativ lange anda
uernde Leidensgeschichte und die gescheiterte
Arbeitswiederaufnahme bei
diesem noch jungen Patienten wohl unausweichlich. In einem er
sten Schritt gehe es darum, bei der
angestammten Arbeitgeber
in
abschliessend zu klären, ob ihm eine angepasste Arbeitsmöglichkeit angeboten werden könne. Falls ja, sollte ein Arbeitsversuch in die Wege geleitet werden. Falls nein, gelte es
,
in beruflicher Hinsicht alternative Schritte zu planen und nach Möglichkeit in die Wege zu le
iten. In erster Linie sei die Invalidenversicherung
dafür zuständig. Der Be
schwerdeführer benötige eine angepasste Arbeitsstelle. Auf Grund seiner unfall
bedingten, aber auch unfallfremden Voraussetzungen (mässige Deutschkennt
nisse, geringe berufliche Qualifikation) werde jedoch davon ausgegangen, dass seine Chancen auf Anstellung im ersten Arbeitsmarkt erheblich eingeschränkt seien (S. 3 Mitte
).
Am 9. Januar 2019 sei ein MRI des linken Knies mit folgendem Ergebnis durch
geführt worden (vgl. auch Urk.
6/26/16-17)
: Status nach ausgedehnter Innen
me
nis
kus-Teilresektion der Pars
intermedia
sowie der
anterioren
Teile des
Hin
terh
orns
; etwas verkürztes Aussenmeniskus-
Hinterhorn
sowie verkürzte Pars
inter
media
;
kurzstreckiger
horizontaler Riss mit Kontakt zur Oberfläche im Aussen
meniskusvorderhorn; angedeutete
Osteophyten
betont im lateralen
femo
rotibalen
Kompartiment; im Vergleich zur letzten Voruntersuchung etwas deut
licher abgrenzbarer horizontaler Riss im Aussenmeniskusvorderhorn (S. 4 oben)
.
Das orthopädische
Konsil
bei Dr. med.
H._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 29. Januar 2019 (vgl. auch Urk. 6/26/13-15) habe ergeben, dass am ehesten muskuläre
inser
tionstendopathische
Restbeschwerden vorlägen,
aktuell mit Schwerpunkt am An
satz des
Pes
anserinus
am linken Kniegelenk nach zweimaliger Arthroskopie und Meniskusteilresektionen. Die verbliebenen
Restmenisci
seien aus orthopädischer Sicht ausreichend intakt und bedürften keiner weiteren Intervention. Jegliche weitere Operation im
Knie sei daher nicht angezeigt
(S. 4 Mitte).
Das Ausmass der physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklä
rungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht zwar im Wesentlichen erklä
ren. Das Beschwerdebild werde jedoch durch eine ängstlich-vermeidend gefärbte Umgangsweise mit den Schmerzen etwas überlagert, am ehesten auf dem Hinter
grund der dargelegten psychosozialen Konstellation mit Opferrollenproblematik. Der Patient habe dennoch gewissenhaft an der Therapie teilgenommen und habe sich bei den Hebe- und Tragetests leistungsbereit gezeigt (S. 4 unten).
3.19
Med.
pract
. I._
, Fachärztin für Chirurgie, SUVA-Kreisärztin, hielt in ihrer Stellungnahme vom 21. Februar 2019 (Urk. 6/28/18) fest, eine namhafte Ver
besserung sei im Gesamtkontext nicht mehr überwiegend
wahrscheinlich
zu erwarten. Aufgrund der Perspektive
n
losigkeit beruflicher Natur sei ein
fr
ustraner
Verlauf zu befürchten.
3.20
Im Bericht der SUVA zur Berufsberaterbesprechung vom 4. März
2019 (Urk. 6/28
/3-5) mit dem Beschwerdeführer wurde festgehalten, dass der
jetzige
Betrieb das Zumutbarkeit
sprofil
erhalten und informiert habe, dass keine Alter
nativarbeit vorhanden sei. Konkret müsse der Beschwerdeführer weg vom Bau
.
Von der Sprache her sehe es gar nicht so schlecht aus (B1). Wegen den beiden Kindern sei er finanziell auf einen Job angewiesen und habe erklärt, er sei auch motiviert. Besprochen worden sei eine eventuelle Tätigkeit in der Produktein
du
strie/ Montage von Kleingeräten wie Lampen/Uhren/Holz/Aluminium.
Dabei sollt
en mehrheitlich
Kopf, Hände und Augen eingesetzt werden. In einem solchen
Bereich habe der Beschwerdeführer noch nie gearbeitet. Kontrollfunktionen kämen
eventuell auch in Frage. Weiter sei über den Postbriefträger und den Busschauf
feur gesprochen worden. Der Beschwerdeführer habe einen Kollegen, welcher mit
geringen
Deutschkenntnissen bei Stadtbus
Z._
als Chauffeur tätig sei. Von der Belastung her sei dies gut machbar und der Beschwerdeführer traue sich dies auch zu. Er solle nun den Kontakt mit Stadtbus
Z._
suchen, konkret müsse er die Zeit nun
nutzen. Es wäre toll, wenn die I
nvalidenversicherung
Unter
stütz
ung bieten könnte
(S. 1 f.).
3.21
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4) bot den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. Mai 2019 (Urk. 6/38
/5
) für eine Zweitmeinung in der
J._
auf. Das in
G._
am 19. Januar 2019 durchgeführte MRI
(vorstehend E. 3.18)
habe eine fragliche Restmeniskus-Läsion l
ateral gezeigt. Er habe Skrupel,
eine noch
malige Arthroskopie mit lateraler ausgedehnter Meniskusresektion durchzu
füh
ren, da er nicht von einem guten Endresultat überzeugt sei. Deshalb erbitte er eine zusätzliche Meinung.
3.22
Die Ärzte der Abteilung Orthopädie der
J._
berichteten am 25. Juni 2019 über die Sprechstunde vom 20. Juni 2019 (Urk. 6/42/9-10
= Urk. 6/42/27-28 = Urk. 6/42/29-30 = Urk. 6/43/11-12
). Dabei führten sie aus, der Patient zeige klinisch gewisse Restbeschwerden, welche aber auch mit einem Restmeniskusriss nicht eindeutig geklärt seien. Da der Patient aber noch sehr jung sei und die externen MRI-Bilder einen degenerierten Restmeniskus zeigten, bestehe die Mög
lichkeit einer erneuten Nachresektion des Meniskus und gleichzeitig Evaluation,
ob der Patient für einen
Meniskusallograft
qualifiziere. Der Ruheschmerz und der nächtliche Schmerz liessen
auch an einen
low
-grade Infekt denken, auch wenn dies bei einem jungen gesunden Patienten eher unwahrscheinlich sei (S. 2 unten).
3.23
Med.
pract
.
I._
_
(vorstehend E. 3.19) führte in ihrer kreisärztlichen Stellung
nahme vom 24. Juli 2019 (Urk. 6/42/13-15
= Urk. 6/43/15-17
) aus, es sei fraglich, ob durch eine nochmalige Operation eine mindestens namhafte Besserung zu erreichen sei.
Diesbezüglich sei sie a
ufgrund des bisherigen Verlaufs eher kritisch.
Es sei nicht davon auszugehen, dass die Zumutbarkeitsbeurteilung betreffend Knie
wesentlich besser sein werde. Eine Tätigkeit als Bauarbeiter werde danach weiter
hin nicht zumutbar sein (S.
3
).
4.
4.1
Um die
sich vorliegend stellenden
Fragen beantworten zu können, sind sowohl die medizinischen Dokumente als auch die
vorhandenen
Schriftstücke
betreffend die Entwicklungen, Bemühungen und Perspe
ktiven
des Beschwerdeführers
in beruf
licher Hinsicht
zu würdigen (vgl. vorstehend E.
3).
4.2
Ein Kernstück der medizinischen
Dokumentation ist d
er Abschlussbericht der Ärzte der
G._
vom Februar 2019
nach einem fünfwöchigen Auf
enthalt des Beschwerdeführers in der arbeitsorientierten Rehabilitation
(vorsteh
end E. 3.18). Er erfüllt die Voraussetzungen eines beweiskräftigen ärztlichen Berichts (vgl. vorstehend E. 1.5), weshalb grundsätzlich auf ihn abgestellt werden kann. Die dort getroffene Schlussfolgerung, dass die bisherige körperlich schwere Tätigkeit als Tie
f
bauarbeiter, welche auch häufiges Treppen- und Leiternsteigen sowie Gehen über unebene Böden beinhaltet, dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar sei, überzeugt.
Sie
deckt sich mit den Einschätzungen des behandelnden Orthopäden Dr.
F._
in den kontinuierlich stattfindenden Sprechstunden.
So
hatte
dieser
schon im November 2017 festgehalten,
die starke Belastung müsse reduziert werden, lang
fristig sei wahrscheinlich ein Arbeitsplatzwechsel notwendig.
Trotz Schmerzen und teilweise selbst bei ärztlich attestierter Arbeitsunfähigkeit ging der Beschwer
deführer jedoch immer wieder zur Arbeit,
wohl
aus Angst um den
Arbeitsplatz und
möglicherweise
auf Druck der Arbeitgeberin
hin (vorstehend E. 3.8 und E. 3.13). Auch die SUVA machte sich – offenbar ver
geblich – bei der Arbeit
geberin
dafür
stark
, dass der Beschwerdeführer von den sehr schweren Arbeiten entbunden werde (vgl. vorstehend E. 3.8). Deren Kreisärztin ging davon aus, dass selbst bei einer erneuten Operation keine namhafte Verbesserung zu erwarten sei
und die Tätigkeit als Bauarbeiter
weiterhin unzumutbar bleibe (vorstehend E.
3.23). Schliesslich
wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten
, dass die
bisherige Tätigkeit
als Bauarbeiter im Tiefbau
nicht mehr z
umutbar sei (vorsteh
end E. 2.1
). Dies ist somit erstellt.
Schlüssig ist auch die Einschätzung der Ärzte der
G._
, was die vollzeitliche Arbeitsfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit anbelangt
. Das be
treffende Belastungsprofil sieht mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten vor, wobei Stehen oder Gehen maximal eineinhalb Stunden am Stück stattfinden dürfen und häufiges Treppen- oder Leiternsteigen sowie längeres Gehen über un
ebene Böden zu vermeiden sind. Diese Einschränkungen ergeben sich aus den
trotz zwei Operationen
persistierenden
Kniebeschwerden und tragen diesen Rech
nung. Weitere Beschwerden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
sind nicht ersichtlich
. Nicht gefolgt werden kann dem
Standpunkt des
Beschwerdeführer
s
(vorstehend E. 2.2), er sei auch in angepasster Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig, wahrscheinlich sei eine weitere Operation notwendig.
Die
geltend gemachte
Unzumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit wurde von ihm nicht
näher
be
gründet, eine weitere Operation ist zudem keineswegs eindeutig indiziert und hat
gemäss Aktenlage
bislang auch nicht stattgefunden, obschon sie bereits im Juni 2019 diskutiert worden war
(vgl. vorstehend E. 3.18, E. 3.
21-23). Zudem wäre zu hoffen, dass eine solche das Feld der mögl
ichen Tätigkeiten eher erweitern und nicht weiter einschränken würde
.
Somit
ist erstellt, dass eine angepasste Tätigkeit mit dem beschriebenen Belas
tungsprofil dem Beschwerdeführer zu 100
%
zumutbar ist.
4.3
Gesichert ist nach dem Gesagten, dass der Beschwerdeführer
zum Verfügungs
zeitpunkt in seiner
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt und deshalb zumindest von einer Invalidität bedroht war
.
Ob auch die weiteren allgemeinen Anspruchs
vor
aussetzungen für Eingliederungs
massnahmen nach Art. 8 Abs. 1 IVG erfüllt sind (vgl. vorstehend E. 1.3), ist nachfolgend im Rahmen der Prüfung des geltend ge
machten Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zu
überprüfen
.
4.4
Aufgrund der Unzumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit handelt
es
sich bei
m
Beschwerdeführer
um einen arbeitsunfähigen Versicherten im Sinne von Art. 6 ATSG (vgl. vorstehend E. 1.4).
Hinsichtlich der Eingliederungsfähigkeit besteht
seinerseits
d
ie subjektive Bereitschaft, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber
angestellt zu werden, wobei seine
Motivation
legitimer Weise
vor allem
dem Bedürfnis nach Erfüllung
seiner finanziellen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie zu
entspringen scheint
. Diese treiben den Beschwerdeführer offen
bar
derart um, dass er
trotz Schmerzen und selbst bei attestierter Arbeitsunfähigkeit aus Angst vor einem Arbeitsplatzverlust weiterhin zur Arbeit ging. Einzig in der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom 7. Februar 2019 wurde eine fehlende Motivation des Beschwerdeführers beschrieben und
ihm darauffolgend mitgeteilt, es seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich
(vorstehend E. 3.17). Dies geschah notabene ohne direktes Gespräch mit dem Beschwerdeführer selber und ohne ersichtliche Berücksichtigung dessen, dass
er
sich zu diesem Zeitpunkt
gerade
in der arbeitsorientierten Rehabilitation der
G._
befand (vorstehend E. 3.18).
Aus
diese
r
Telefonnotiz
der Beschwerdegegnerin,
welche wesentliche Punkte ohnehin nicht zu belegen vermag (BGE 130 II 473 E. 4.2) und
welche zudem ber
eits über ein Jahr her ist, können
folglich
keine gültigen Rückschlüsse auf die derzeitige Motivationslage des Beschwerdeführers gezogen werden
.
Jedenfalls
hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
zu keinem Zeitpunkt
konkrete Unterstützung bei der Arbeitssuche offeriert, worauf dieser zu Recht hinwies (vorstehend E. 2.2
).
Eine genügende Motivation betreffend
Arbeitssuche sowie ein entsprechender Hilfsbedarf
zeigt sich auch darin, dass
sich der
Beschwerdeführer bei der SUVA wiederholt um Unterstützung bei der Stellensuche bemühte, wobei
ihn
diese je
weils
auf die Beschwerdegegnerin
verwies (vorstehend E. 3.13 und E. 3.15). O
b er den Ratschlag
der SUVA-Sachbearbeiterin
, seine Deutschkenntnisse zu verbes
sern, umsetzte, ist nicht dokumentiert.
Hat er es nicht getan, so
liesse sich
allein daraus
aber
im Gesamtkontext
ohnehin
noch
nicht auf eine fehlende Motivation schliessen. Dies umso weniger, als anlässlich der Berufsberaterbesprechung vom März 2019 festgehalten wurde, von der Sprache her (B1) sehe es gar nicht so schlecht aus (vorstehend E. 3.20).
Die objektive Möglichkeit, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden
(vgl. vorstehend E. 1.4)
, besteht, auch wenn dies
aus verschiedenen Gründen
kein einfach
es Unterfangen darstellen dürfte
.
So hielt
Dr.
F._
im November 2017 fest, ein Arbeitsplatzwechsel sei wahrscheinlich notwendig, aber nicht einfach umzusetzen. Im März 2018 führte er gar aus, eine leichtere Arbeit als die bisherige werde der Beschwerdeführer kaum finden (vorstehend E. 3.8). Auch die Ärzte der
G._
gingen im Februar 2019 davon aus, dass seine Chancen auf Anstellung im ersten Arbeitsmarkt sowohl
aus unfallbedingten als auch unfallfremden Gründen erheblich eingeschränkt seien (vorstehend E. 3.18). Klare Worte fand schliesslich Dr.
I._
, Kreisärztin der SUVA, welche
gar
von einer
bestehenden «
Perspektive
n
losigkeit beruflicher Natur
»
sprach (vorsteh
e
nd E. 3.19).
In objektiver Hi
nsicht gibt es jedoch durchaus Arbeitss
tellen, welche für den Beschwerdeführer
in Berücksichtigung seiner Fähigkeiten und des erstellten Be
las
tungsprofils (vorstehend E. 4.2) in Frage kommen
. Solche wurden denn auch anläss
lich der Berufsberaterbesprechung mit der SUVA vom März 2019 thema
tisiert (vorstehend E. 3.20).
Ein Minimum an Unterstützung bei der Stellensuche erfolgte somit seitens der SUVA bereits. Es handelte sich indes um ein einmaliges Gespräch. In den dort diskutierten Tätigkeitsbereichen hat der Beschwerdeführer
sodann noch keinerlei Erfahrung, nachdem er bislang praktisch ausschliesslich im Hoch- und Tiefbau gearbeitet hat (vgl. Urk. 6/29).
Die Eingliederungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
im Sinne von Art. 18 Abs. 1 IVG ist nach dem Gesagten also gegeben.
Angesichts der bestehenden Einschränkungen im Knie
, dem sich daraus ergeben
den spezifischen Belastungsprofil
und der fehlenden
Berufserfahrung
des Be
schwe
rdeführers
in anderen Bereichen als im dem Belastungsprofil widerspre
chenden Hoch- und Tiefbau
ist sowohl die Evaluation in Frage kommender Arbeitsstellen
relativ
komplex als auch ist der entsprechende Bewerbungsprozess mit einigen Tücken behaftet.
Je nachdem muss etwa
ein
potentielle
r
Arbeitgeber im Detail über das Belastungsprofil orientiert und müssen mit
diesem konkrete Einsatzmöglichkeiten
evaluiert werden, was den Bewerbungsprozess umständli
cher macht und seine Erfolgsaussichten schmälert
.
Es bedarf für die Stellensuche somit der aktiven Unterstützung durch die Be
schwerdegegnerin, worauf d
enn auch die SUVA wiederholt hinge
wiesen hatte (vgl.
vorstehend E. 3.13, E. 3.15 und E. 3.20).
Eine Arbeitsvermittlung im Sinne von
Art. 18 Abs. 1 IVG ist also notwendig und
grundsätzlich
geeignet, um die Erwer
bs
fähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Angesichts des noch jungen Alters des Beschwerdeführers und seiner vollzeitlichen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit erweisen sich vorliegend berufliche Massnahmen auch ohne Weiteres als
angemessen (vgl. vorstehend E. 1.3).
Prognostisch weist eine Unterstützung in Form von Arbeitsvermittlung wie gefor
dert ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf, da sie die Chancen auf eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt erheblich steigern dürfte. Ob sie indes effektiv ausreichen wird für eine erfolgreiche Eingliederung, ist bei der aktuellen Aktenlage allerdings schwierig zu beurteilen. Die Erforderlichkeit weiterer oder anderer
Massnahmen beruflicher Art (vgl. vorstehend E. 1.3) kann daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.
4.5
Damit ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Anspruchsvoraussetzungen
für Eingliederungsmassnahmen erfüllt. Mangels weitergehender Erhebungen durch
die Beschwerdegegnerin kann allerdings nicht restlos geklärt werden, welche konkreten Massnahmen beruflicher Art im Sinne von Art. 8 Abs. 3
lit
. b bezieh
ungsweise Art. 15-18d IVG vorliegend geeignet sind.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
entsprechender Abklärung die geeigneten Eingliederungsmassnahmen beruflicher
Art prüfe und durchführe.
4.6
Zusammenfassend ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der Be
schwerdeführer Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
beruflicher Art
hat, wo
bei die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Rückweisung der Sache die erfor
derlichen Abklärungen zu tätigen und über die konkreten Massnahmen zu be
finden hat.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
spre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung
und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
), weshalb der vertretene Beschwer
deführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 2’300.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.