Decision ID: 25e4ea83-f10c-5ce9-abb3-b0a50a8b7a0f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die kolumbianische Beschwerdeführerin A._ (vormals C._)
– mit letzter Wohnadresse in Bogotá – verliess gemäss eigenen Angaben
mit ihrem (Kind) ihr Heimatland am (...) 2015. Zusammen reisten sie am
1. Januar 2016 in die Schweiz ein und suchten am 29. März 2016 um Asyl
nach. Am 1. April 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 9. Au-
gust 2017 eine eingehende Anhörung der Beschwerdeführerin statt.
B.
B.a Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie – unter Einreichung
zahlreicher Beweismittel – vor, sie sei in Bogotá geboren und habe mit ihrer
Familie ab dem Jahr 1989 in D._ (Departamento Nariño) gelebt, wo
ihre Eltern und ihre Geschwister auch heute noch leben würden. In
D._ habe sie E._ (nachfolgend T.) kennengelernt. Ab dem
Jahr 2002 habe sie, damals noch minderjährig, mit ihm in F._ (De-
partamento Antioquia) gelebt (A23 F46 f.). Fünf Jahre später habe sie dort
ihre Schulen beendet und zwischen 2008 und 2010 eine Ausbildung als
(...) absolviert (A8 S. 3 f.). Im Jahr 2010 habe sie begonnen, für drei Jahre
in einem (...) in G._ (Departamento Antioquia) zu arbeiten, wo sie
zeitweise (neben dem Hauptwohnort in F._) in einer Wohnung ihres
Arbeitgebers gewohnt habe (A23 F17 ff. und 27 ff.). Als sie im (...) Monat
von T. schwanger gewesen sei (November 2009, A23 F97), sei dieser ver-
haftet worden; erst so habe sie erfahren, dass er ein Mitglied des «(...)»
([...], welcher als Teil von «[...]» auch den «Autodefensas Unidas de Co-
lombia» [AUC] angehört, ein Dachverband rechtsgerichteter paramilitäri-
scher Gruppen [Anmerkung des Gerichts]) gewesen sei (A8 S. 7; A23 F52).
Selbst nach dessen Demobilisierung im Jahr (...) (A25 F52) hätten er und
seine Leute ihre Geschäfte – Drogenhandel, Erpressung, Mord – fortge-
führt. So sei der Grund seiner Verhaftung der Mord an einer (...) gewesen
(A23 F53).
Anfang (...) 2010 sei ihr (Kind) auf die Welt gekommen. Dieses sei damals
krank gewesen, weshalb sie bis auf weiteres bei T. geblieben sei. Im (...)
2010 – nach nur (...) Monaten Haft – sei T. gegen Bestechung entlassen
worden (A23 F97 und 53). In dieser Zeit sei sie Zeugin seiner Geschäfte
geworden und habe viele Leute des Militärs und der Staatsanwaltschaft
kennengelernt (A23 F59).
Im Jahr 2011 habe sie T. trotz Drohungen verlassen und fortan mit ihrem
Kind in F._ in einer eigenen Wohnung gelebt (A23 F25 f., 30, 59
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und 98). Wenn sie in G._ gewesen sei, habe die Familie von T. je-
weils auf ihr Kind aufgepasst (A23 F32 und 99 f.). Sie und ihre Familie
seien jedoch von T. immer wieder bedroht worden (A23 F59). Im gleichen
Jahr habe sie sich bei der Opferhilfe gemeldet, um Unterstützung zu erhal-
ten (A23 F52). Im (...) 2013, als sie unter Polizeischutz noch letzte Sachen
bei T. habe abholen wollen, sei ihr Kind von seinem Vater entführt worden
(A8 S. 7; A23 F37, 40 und 59); daraufhin habe sie F._ verlassen
und sich an verschiedenen Orten wie H._, I._ oder Bogotá
(ab [...] 2013, [...] [A23 F84 ff.] [...]) versteckt (A23 F33 ff. und 62 ff.). Sie
habe ihr Kind erfolglos gesucht. Sie habe im (...) 2013 bei der Staatsan-
waltschaft eine Anzeige erstattet und sich beim Staatssekretariat für Men-
schenrechte gemeldet. Nichtsdestotrotz sei sie weiterhin von T., dem Mili-
tär, der Guerilla und diversen Politikern bedroht worden, weil diese befürch-
tet hätten, sie könne von den Geschäften von T. berichten (A23 F59 und
100).
Im Jahr 2014 habe sie schliesslich von einer Freundin erfahren, dass sich
ihr Kind bei der Guerilla aufhalte; als Pfand für einen Drogendeal von T.
Ohne staatliche Hilfe habe sie sodann ihr Kind befreien können und sei mit
einem Taxi zunächst nach I._ gefahren, um sich zu verstecken.
Nach acht Tagen seien sie im (...) 2014 nach Bogotá, ihrem damaligen
Wohnort, weitergefahren (A23 F59, 71 ff. und 82 f.). Doch auch dort sei sie
(und ihre Familie an ihrem Wohnort) immer wieder bedroht worden; einmal
sei sie am Wohnort ihrer Eltern von einem Unbekannten, der vermutlich
zur Gruppierung von T. gehöre, vergewaltigt worden (A23 F89 ff.). Ende
(...) 2014, als sie sich bei einem Familienangehörigen aufgehalten habe,
sei sie von zwei Personen auf einem Motorrad angeschossen worden (A8
S. 7; A23 F59).
Im Sommer 2015 sei sie (...) mit einem Schengen-Visum in die Schweiz
gereist und habe einen Schweizer Staatsbürger kennengelernt. Nach einer
kurzen Rückkehr nach Bogotá sei sie Ende (...) 2015 – diesmal mit ihrem
Kind – wieder in die Schweiz eingereist, um diesen Schweizer Bürger zu
heiraten. Nachdem dieser jedoch die Beziehung beendet habe, habe sie
um Asyl nachgesucht (A8 S. 4 und 7; A23 F106 ff.).
B.b Die Beschwerdeführerin erwähnte ausserdem, dass sie zwischen
2011 und 2015 diverse Länder in Südamerika als Touristin besucht und im
Jahr 2013 ein Visum für die USA erhalten habe (A8 S. 4; vgl. Reisepässe
Bst. T).
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C.
Am 22. August 2017 ersuchte die Vorinstanz die Schweizer Botschaft in
Bogotá um Abklärungen spezifischer Fragen (A25), welche mit Schreiben
vom 21. und 29. Mai 2018 (A34 f.) teilweise beantwortet wurden.
D.
Am 25. September 2017 kam J._ auf die Welt, (...) der Beschwer-
deführerin und des französischen Staatsangehörigen K._, wohn-
haft in L._. Das (...) hat die französische Staatsangehörigkeit (A36).
E.
Am 17. Oktober 2018 heirateten die Beschwerdeführerin und K._
und sie nahm seinen Familiennamen an. Aufgrund des sich daraus erge-
benden Anspruchs auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung schlug das
SEM den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 22. November 2018
vor, die Asylgesuche zurückzuziehen. Dies wurde am 30. November 2018
von den Beschwerdeführenden abgelehnt, da sie in Kolumbien immer noch
gefährdet seien. Erst kürzlich habe die Beschwerdeführerin von ihrer
Schwester erfahren, dass T. wisse, dass sie sein Kind ausser Landes ge-
bracht habe.
F.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 verneinte das SEM die Flüchtlings-
eigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihre Asylgesuche ab.
Der Entscheid über ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz oder eine all-
fällige Wegweisung falle in die Zuständigkeit der kantonalen Behörden. Auf
Details dieses Entscheides wird – soweit entscheidwesentlich – in den Er-
wägungen eingegangen.
Die Verfügung beziehe sich laut SEM auch auf M._ alias J._
(geboren am [...], Frankreich) respektive J._ alias N._ (ge-
boren am (...), Kolumbien).
G.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden am 23. Ja-
nuar 2019 – unter Einreichung diverser Beweismittel – Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die Ziffern 1 und 2 des Verfü-
gungsdispositivs seien aufzuheben und die Sache sei zur rechtsgenügli-
chen Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei
ihre Flüchtlingseigenschaft unter Asylgewährung festzustellen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht sei der Rechtsvertretung Einsicht in die von der
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Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweis-
mittel zu gewähren; weiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu ge-
währen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die
Rechtsvertretung als amtlichen Rechtsbeistand zu bestellen. Es wurde so-
dann darauf hingewiesen, dass die (...) M._ keine Beschwerde er-
hebe. Auf die Begründung dieses Rechtsmittels (sowie auf die eingereich-
ten Beweismittel) wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen
eingegangen.
H.
Am 25. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
I.
Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 wurde das SEM angewiesen, Einsicht
in die beantragten Akten zu gewähren. Das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbin-
dung mit aArt. 110a Abs. 1 AsylG wurde auf einen späteren Zeitpunkt ver-
schoben und die Beschwerdeführenden wurden eingeladen, das Formular
«Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» ausgefüllt und unterschrieben
innert Frist zu retournieren. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wurde verzichtet und die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlassung ein-
zureichen.
J.
Am 12. Februar 2019 stellte das SEM der Rechtsvertretung die gewünsch-
ten Akten zu. Mit gleichem Datum reichte es dem Bundesverwaltungsge-
richt eine Vernehmlassung ein, welche der Rechtsvertretung am 19. Feb-
ruar 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde.
K.
Am 18. Februar 2019 wurde dem Bundesverwaltungsgericht das Formular
«Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» eingereicht. Gleichzeitig wurde
eine Frist für eine Ergänzung der Beschwerde beantragt.
L.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2019 wurde das Formular «Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege» im Original an die Beschwerdeführenden zur
Ergänzung retourniert. Gleichzeitig wurde ihnen eine Frist zur Ergänzung
ihrer Beschwerde und zur Einreichung des erwähnten Formulars ange-
setzt.
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M.
Am 11. März 2019 wurden das erwähnte Formular und eine Erklärung der
Wohngemeinde mit Datum vom 7. März 2019 betreffend die Sozialhilfe zu
den Akten gereicht.
N.
Mit Verfügung vom 20. März 2019 lehnte die Instruktionsrichterin die Ge-
suche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeiständung
mangels Bedürftigkeit ab.
O.
Mit Eingabe vom 21. März 2019 beantragte die Rechtsvertretung, die Ver-
fügung vom 20. März 2019 sei in Wiedererwägung zu ziehen.
P.
Dieses Gesuch wurde mit Verfügung vom 2. April 2019 mit der Begründung
abgewiesen, nach einer summarischen Überprüfung dürfte von der
Schutzfähigkeit und -willigkeit von Kolumbien ausgegangen werden, wes-
halb die Begehren als aussichtslos zu bezeichnen sein dürften.
Q.
Am 2. Dezember 2019 und 5. Oktober 2020 reichte die Beschwerdeführe-
rin bezüglich ihrer Gefährdung in Kolumbien persönlich weitere Beweismit-
tel (teilweise mit Übersetzungen) dem Gericht ein, deren Kopien am
29. Dezember 2020 dem Rechtsvertreter zur Kenntnis zugestellt wurden:
 eine Kopie einer eidesstattlichen Erklärung vom 15. Oktober 2019
von O._ («Notaria Única del Círculo de D._»);
 eine Kopie eines Screenshots bezüglich anonymer Telefonanrufe;
 eine Kopie einer eidesstaatlichen Erklärung vom 15. Oktober 2019
von P._ («Notario 29 de Q._»);
 ein Schreiben der Beschwerdeführerin mit Datum vom 29. Oktober
2019;
 Eine Kopie einer «Resolución No. (...) del (...) de 2020» samt ein
dazugehörendes E-Mail der «Unidad para las Víctimas» und
 ein Screenshot eines Briefes der «Autodefensas Gaitanistas de Co-
lombia» vom (...) 2020, den ihre Mutter am (...) 2020 erhalten habe.
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Damit sei belegt, dass sie vom kolumbianischen Staat als Opfer schwerer
Menschenrechtsverletzungen (Morddrohungen und Vertreibung) aner-
kannt worden sei. Ausserdem hätten die «Autodefensas Gaitanistas de Co-
lombia» sie zum militärischen Ziel erklärt.
R.
Der Rechtsvertreter bestätigte am 31. Dezember 2020 den Eingang dieser
Akten und bat das Gericht, die Nachreichung des Originals des Drohbriefes
der «Autodefensas Gaitanistas de Colombia» vom (...) 2020 bis mindes-
tens am 31. Januar 2021 abzuwarten.
S.
Mit Schreiben vom 30. Januar und 7. Februar 2021 erklärte die Beschwer-
deführerin dieses noch nicht erhalten zu haben, reichte indes das Original
eines weiteren Drohschreibens (mit demselben Absender, Datum und In-
halt) zu den Akten, welches an ihrer alten Adresse in Bogotá (wo sie bei
ihrer Freundin P._ gewohnt habe) aufgefunden worden sei.
Des Weiteren habe sie erfahren, dass der Ehemann der Frau, welche ihr
bei der Suche nach ihrem (damals entführten) Kind geholfen habe, auf-
grund dieser Hilfe ermordet worden sei (unter Beilage eines Zeitungsbe-
richts). Ferner reichte sie ein Gerichtsurteil vom (...) 2017 bezüglich des
kriminellen «(...)» ein, welchem T. angehört habe, zu den Akten; (...)
(Bm. 9).
T.
In den Akten der Vorinstanz (A2 und A30) liegen folgende Dokumente:
 eine Kopie eines Berichts des Hospital (...) in D._ vom
6. März 2016 bezüglich C._ (Diagnose: Angststörung und
Depression; Konsultationsgrund: Schmerzen bei Narbe [Projektil]
im rechten Bein; Bm. 1);
 eine Kopie eines dringenden Untersuchungsauftrags der Staatsan-
waltschaft vom (...) 2013 an das Comisaria de F._, dass das
Kind seit dem (...) 2013 bei T. sei und dieser den Kontakt zur Mutter
unterbinde, die den gemeinsamen Haushalt aufgrund familiärer Ge-
walt verlassen habe; T. habe das Kind in seiner Gewalt, um Druck
auf die Mutter auszuüben (Bm. 2);
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 ein Brief der Beschwerdeführerin an die Staatsanwaltschaft vom
(...) 2013 (Anzeigeerstattung wegen regelmässiger Bedrohung
[seit (...) 2013]; Bm. 3 und 19);
 Kopien eines Auszugs aus dem Geburtsregister von B._ der
Gemeinde R._ (ohne Angaben des Kindsvaters; Bm. 4) und
eines beglaubigten Auszugs aus dem Geburtsregister von
S._ der Gemeinde F._ vom (...) 2010 (mit Angaben
des Kindsvaters; Bm. 5 und 22);
 Kopien eines Auszugs aus dem Geburtsregister von C._ der
Gemeinde Bogotá (Bm. 6) und einer Vaterschaftsanerkennung von
T. («Notaria Primera» in T._) vom (...) 2010 (Bm. 7);
 eine Kopie eines Bestätigungsschreibens der «Unidad para la Aten-
ción y Reparación Integral a las Víctimas» (UARIV) in Bogotá vom
(...) 2012, dass die Beschwerdeführerin am (...) 2012 als Opfer re-
gistriert worden sei (Bm. 8);
 ein Auszug aus dem Internet vom (...) 2009, dass T. alias
«U._» oder «V._» («exjefe paramilitar») in
F._ festgenommen worden sei (Verdacht der Teilnahme an
kriminellen Gruppen – Geldwäscherei von Drogengeld «nar-
cotráfico» durch seine «(...)»; Bm. 9);
 ein Auszug aus dem Internet (Pressemitteilungen von «[...]»), dass
T. am (...) 2009 in F._ festgenommen worden sei (Bm. 10);
 Berichte über die Demobilisierung des «(...)» (Bm. 11), über den
Mord an (...) W._ in D._ am (...) 2001 (Bm. 14) so-
wie über die lokale Sicherheitslage (Bm. 16 und 20);
 zwei Waffenscheine der Republik Kolumbien von T. für zwei be-
stimmte Waffen (gültig bis (...) 2005 respektive (...) 2009; Bm. 12);
 ein Auszug aus dem Internet bezüglich des Handelsregistereintrags
von T. («[...]»; Bm. 13);
 ein Ausweis «Programa para la Reincorporación a la Vida Civil” von
T. (ausgestellt am [...] 2005; Bm. 15);
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 eine polizeiliche Meldung vom (...) 2013 bezüglich der Kindesent-
führung von S._ und Drohungen seitens T. (Bm. 17);
 eine Kopie eines Schreibens des Staatssekretariats für Menschen-
rechte in F._ vom (...) 2013 (Bm. 18);
 zwei Zertifikate der Universidad (...) in Bogotá vom 3. Dezember
2014 und 12. Juni 2015 (Bm. 21) und ein kolumbianischer Fahraus-
weis der Beschwerdeführerin, ausgestellt am (...) 2013;
 ein annullierter (ausgestellt am [...] 2007, u.a. mit einem Visum der
USA [gültig vom (...) 2013 bis (...) 2023] und einem Schengen-Vi-
sum [gültig vom (...) 2015 bis (...) 2015]) und ein aktueller kolum-
bianischer Reisepass der Beschwerdeführerin (ausgestellt am [...]
2015, u.a. mit einem Schengen-Visum [gültig vom (...) 2015 bis (...)
2016]);
 ein Reisepass der Republik Kolumbien von B._ (ausgestellt
am [...] 2015, u.a mit einem Visum der USA [gültig vom (...) 2015
bis (...) 2025] und einem Schengen-Visum [gültig vom (...) 2015 bis
(...) 2016]);

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
E-420/2019
Seite 10
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Weil die Beschwerdeführenden über ein Aufenthaltsrecht in der
Schweiz verfügen, äusserte sich das SEM in seiner Verfügung vom 20. De-
zember 2018 nur zur Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung, jedoch
nicht zur Wegweisung und deren Vollzug.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Vorweg ist die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung und
der ungenügenden Beweiswürdigung zu prüfen, da ein allfälliger formeller
Fehler eine materielle Behandlung verunmöglichen würde.
3.2 In der Beschwerde wurde moniert, dass die Vorinstanz den Sachver-
halt nur äusserst knapp und unvollständig dargestellt habe. So habe sie
die Funktion von T. beim (...) und den neuen Formationen sowie die juris-
tischen Vorwürfe, welche gegen ihn erhoben worden seien, völlig ausser
Acht gelassen. Des Weiteren habe das SEM die Rolle der Beschwerdefüh-
rerin, sie sei eine wichtige Zeugin von verschiedenen Geschäften von T.
gewesen, ignoriert. Dabei handle es sich indes um zentrale Argumente,
denn aufgrund ihres Wissens rund um die Aktivitäten von T. und seinen
Verflechtungen befinde sie sich in einer akuten Gefahrenlage – ähnlich wie
damals die (...) W._, welche umgebracht worden sei. Ferner habe
das SEM auch die Modalitäten der Ausstellung des Reisepasses von
S._, die Einleitung eines diesbezüglichen Strafverfahrens (Fäl-
schung der Geburtsurkunde) gegen die Beschwerdeführerin sowie den
Umstand, dass T. weiterhin auf der Suche nach seinem Kind sei (vgl. hierzu
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Seite 11
seine Anzeige gegen die Beschwerdeführerin wegen missbräuchlicher
Ausübung des Sorgerechts), nicht berücksichtigt.
3.2.1 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.2.2 Das SEM hat in seiner Verfügung zunächst die Vorbringen auf deren
Glaubhaftigkeit geprüft. Dabei hat es bezüglich der geltend gemachten
Entführung des Kindes sowie des Umstandes, dass die Beschwerdeführe-
rin sich vor T. habe verstecken müssen, Widersprüche festgehalten. In der
Tat mag diese Prüfung dürftig erscheinen, doch zeigt sie auf, dass aus
Sicht des SEM eine Verfolgungshandlung durch T. – mithin die Entführung
des Kindes – sowie eine Verfolgung durch das Militär, die Guerilla oder
verschiedene Politiker aufgrund von Widersprüchen bezweifelt und somit
als unglaubhaft erachtet wurden. Damit hatte die Vorinstanz keinen Anlass
die weiteren Vorbringen im Einzelnen zu berücksichtigen. Allein der Um-
stand, dass die Beschwerdeführenden zu einer anderen Würdigung ihrer
Vorbringen gelangen, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsdar-
stellung. Folglich ist diesbezüglich kein formeller Mangel erkennbar.
3.3 Ferner wurde gerügt, dass Art. 17 Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 5
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) verletzt
sei. Art. 5 AsylV 1 bezieht sich darauf, dass bei Asylgesuchen von Ehepaa-
ren, eingetragenen Partnerinnen und Partnern oder Familien jede urteils-
fähige asylsuchende Person Anspruch auf Prüfung ihrer eigenen Asylvor-
bringen hat. Die Rüge wurde dahingehend begründet, dass – nachdem die
Beschwerdeführenden Aussicht auf die Ausstellung einer ausländerrechtli-
chen Bewilligung durch den Kanton hatten – das SEM nicht mehr an einer
Prüfung der Asylgesuche interessiert gewesen sei. Folglich habe es sich
scheinbar nicht ernsthaft mit den geltend gemachten Vorbringen auseinan-
dergesetzt.
Hierzu ist festzuhalten, dass Art. 5 AsylV 1 auf die vorliegende Konstella-
tion nicht anwendbar ist, da der französische Ehemann der Beschwerde-
führerin nicht in das Asylverfahren involviert ist. Ausserdem wurden die
Vorbringen der Beschwerdeführerin vom SEM in seiner Verfügung gewür-
digt, weshalb die Rüge fehlschlägt.
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Seite 12
3.4 Schliesslich monierten die Beschwerdeführenden eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Gemäss Art. 29
VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mit-
wirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind,
damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung brin-
gen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 und BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1).
3.4.1 Den Beweismitteln sei, so die Beschwerdeführenden, von vornherein
ohne sachliche Begründung jede Erheblichkeit abgesprochen worden. So
sei durch das Schreiben des Opferbüros (A2 Bm. 8) bestätigt, dass die Be-
schwerdeführerin ein Opfer des kolumbianischen Bürgerkrieges sei. Die
Vaterschaftsanerkennung (A2 Bm. 7) belege, dass T. zu dieser Zeit in ei-
nem Hochsicherheitsgefängnis gewesen sei. Ferner sei bewiesen, dass T.
auch nach seiner Demobilisierung Waffen besessen habe (A2 Bm. 12 und
15) und illegalen Geschäften nachgegangen respektive kriminell gewesen
sei (A2 Bm. 13 und 16), wie der Mord an W._ belege (A2 Bm. 14).
Ferner sei klar, dass T. aufgrund seiner Mitgliedschaft bei den AUC verhaf-
tet worden sei (A2 Bm. 9 f.).
Nachdem die Vorinstanz die wesentlichen Vorbringen – Verfolgungshand-
lungen durch T. sowie durch die Guerilla, das Militär oder diverse Politiker
– geprüft und angezweifelt hat (Art. 7 AsylG), hat sie bezüglich der Beweis-
mittel festgehalten, dass eine Anzeigeerstattung (A2 Bm. 2 f. und 17 bis
19) respektive ein Eintrag ins Opferregister (A2 Bm. 8) kein Hinweis darauf
seien, dass sich die Ereignisse wie geschildert zugetragen hätten. Damit
hat das SEM, die zu den konkreten Verfolgungsvorbringen gehörenden Be-
weismittel gewürdigt und angemessen berücksichtigt. Die Begründung
wurde so abgefasst, dass die Beschwerdeführenden den Entscheid sach-
gerecht anfechten konnten. Ausserdem wurden die wesentlichen Überle-
gungen genannt, von denen sich das SEM hat leiten lassen.
3.4.2 Das Vorgehen der Vorinstanz, so die Beschwerdeführenden weiter,
am Wahrheitsgehalt der Beweismittel zu zweifeln, weil die Verfolgung nicht
glaubhaft gemacht worden sei, sei unzutreffend. In diesem Fall könne eine
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Seite 13
Verfolgung nie durch Beweismittel glaubhaft dargelegt werden (vgl. hierzu
Urteil BVGer E-3686/2017 vom 1. Februar 2018 E. 6.4.2).
Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr
Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält
(Art. 7 Abs. 2 AsylG). Das SEM hat vorliegend aufgrund von widersprüch-
lichen Angaben und Ungereimtheiten die Meinung vertreten, die Vorbrin-
gen seien unglaubhaft. Sodann hat es bezüglich der Beweismittel festge-
halten, dass diese die Vorbringen – eine Verfolgung aufgrund eines flücht-
lingsrelevanten Motivs – nicht belegen würden. Daher ist das Vorgehen
des SEM im vorliegenden Fall nicht als unzutreffend zu bezeichnen. Diese
Feststellung widerspricht nicht dem von den Beschwerdeführenden heran-
gezogenen Urteil BVGer E-3686/2017 vom 1. Februar 2018. Darin hat das
SEM – im Gegensatz zum vorliegenden Fall – aufgrund der unglaubhaft
dargelegten Vorbringen von vornherein auf eine eingehende Würdigung
der Beweismittel verzichtet (vgl. a.a.O. E. 6.4.1), was vom Gericht als un-
zutreffend bezeichnet wurde (vgl. a.a.O. E. 6.4.2).
3.5 Die vorgebrachten Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage
als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus for-
mellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
diesbezügliche Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz
nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann auf Beschwerdeebene
eine Substitution der Motive vornehmen.
5.
5.1 Das SEM hat zur Begründung seiner ablehnenden Verfügung festge-
halten, dass die Beschwerdeführerin zur geltend gemachten Entführung
ihres Kindes beziehungsweise zu seiner Befreiung widersprüchliche Anga-
ben gemacht habe. Ferner habe sie an der BzP trotz Nachfrage nicht er-
wähnt, dass sie Drohungen von Angehörigen des Militärs, der Guerilla, der
AUC oder von Politikern erhalten habe. Ausserdem sei es seltsam, dass
sie sich vor T. habe verstecken müssen, jedoch gleichzeitig an der Univer-
sität studiert habe und diversen Jobs – wie in einer (...) oder in einer (...) –
nachgegangen sei. Weiter sei unklar, ob sie als Touristin verschiedene süd-
amerikanische Länder sowie die Schweiz besucht oder ob sie dort jeweils
um Schutz nachgesucht habe.
Angesichts dieser Ungereimtheiten und Widersprüche sei es ihr nicht ge-
lungen, die geltend gemachte Furcht vor Verfolgung glaubhaft darzulegen.
Die eingereichten Beweismittel könnten diese Feststellung nicht umstos-
sen. Weil die Vorbringen unglaubhaft seien, sei deren Asylrelevanz nicht
zu prüfen.
5.2 In der Beschwerde wurde hinsichtlich der Glaubhaftigkeit vorgebracht,
dass die Schilderungen der Ereignisse ab dem Jahr 2002 substantiiert,
plausibel und lebensecht seien. Gemäss Reportagen aus dem Internet sei
klar, dass T. (bekannt als «U._», «X._» oder «V._»)
als Chef der AUC demobilisiert worden sei, jedoch später durch seine (...)
Geld gewaschen habe. T. lege grössten Wert darauf, nicht in den Medien
zu erscheinen, weshalb es schwierig sei, Belege über seine aktuelle Tätig-
keit zu finden. Jedoch sei aus dem ähnlichen Werdegang eines engen
Weggefährten mit Decknamen «Y._» erkennbar, dass dieser nach
der Demobilisierung sich der Gruppe «Los Urabeños» (heute «Clan del
Golfo») angeschlossen habe; ein Indiz für die aktuelle Tätigkeit von T. Es
sei ausserdem bekannt, dass die Nachfolgeorganisationen der paramilitä-
rischen Gruppen weiterhin schwerwiegende Verbrechen begehen würden
und mit diversen Behörden oder Politikern verflochten seien.
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Die Beschwerdeführenden seien in Kolumbien von T. und dessen parami-
litärischen Gruppen verfolgt worden, weil die Beschwerdeführerin über viel
Wissen aus dem kriminellen Umfeld von T. verfüge. Deswegen sei
S._ von seinem Vater entführt und die Beschwerdeführerin mit dem
Tod bedroht worden. Ausserdem habe sie eine Schussverletzung erlitten
und sei vergewaltigt worden. Kurz nach ihrer Ausreise sei überdies ein
Freund ihres Vaters ermordet worden und T. habe sie wegen missbräuch-
licher Ausübung des Sorgerechts angezeigt. Ferner werde sie von der
Guerilla in Z._ verfolgt, da sie dieser ihr Kind entrissen habe, als er
sich als Pfand bei der Guerilla befunden habe. Weil sie – wie bereits er-
wähnt – über viele Informationen rund um die kriminellen Verflechtungen
verfüge, sei sie auch von lokalen Militärangehörigen und Politikern verfolgt.
Eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure sei flüchtlingsrelevant, wenn
– wie vorliegend – die asylsuchende Person vom Staat keinen adäquaten
Schutz erhalte (vgl. hierzu Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
[SFH] und Amnesty International sowie Urteil BVGer D-6271/2018 vom
18. Dezember 2018). Die Beschwerdeführerin habe sich mehrmals erfolg-
los an staatliche Institutionen gewandt. So oder so würde staatlicher
Schutz aufgrund all der Verflechtungen nicht helfen. Dies zeige der nur sie-
benmonatige Gefängnisaufenthalt von T., obwohl ihm Mittäterschaft bei der
Ermordung einer (...), Drogenhandel und Geldwäscherei vorgeworfen wor-
den seien. Schliesslich bestehe im vorliegenden Fall auch keine interne
Schutzalternative, da T. nicht nur lokal grossen Einfluss habe.
6.
6.1 Bezüglich der Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG gilt Folgendes fest-
zuhalten:
6.1.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass
glaubhaft ist, dass die Beschwerdeführerin aus subjektiver Sicht befürch-
tet, T. sei aufgrund des gemeinsamen Kindes auf der Suche nach ihnen
(A23 F60 und 68). Sie habe T. als Minderjährige kennengelernt und sei
gegen den Willen ihrer Eltern im Jahr 2002 zu ihm nach F._ gezo-
gen (A23 F47 f.). Dass T. ein Mitglied diverser krimineller Banden war oder
ist, wurde von der Vorinstanz nicht bestritten (A2 Bm. 9 bis 16). Nach der
Geburt des gemeinsamen Kindes habe sie sich im Jahr 2011 von T. ge-
trennt (vermutlich auch wegen häuslicher Gewalt, A2 Bm. 2 und 17) und in
F._ eine eigene Wohnung bezogen, wobei die Familie von T. sich
trotz den Umständen um das gemeinsame Kind gekümmert habe (A23 F32
und 99 f.). Auch scheint glaubhaft, dass sich T. im Jahr 2013 seines Kindes
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ohne Einwilligung der Beschwerdeführerin behändigt habe (vgl. Bm. 2
und 17). Wie S._ schliesslich befreit worden sei, gemäss der Vor-
instanz habe sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich in Widersprüche
verwickelt, kann offengelassen werden. Ferner ist nachvollziehbar, dass
die Beschwerdeführerin von T., weil sie sich von ihm getrennt hat, bedroht
wurde (A23 F59, 92 f. und 100). Dass sie sich deshalb vor ihm und seinem
– gemäss ihren Aussagen einflussreichen – Umfeld fürchtet, ist ebenfalls
plausibel. Diese Furcht wird dadurch untermauert, dass sie sich eine Ge-
burtsurkunde von Jeronimo hat anfertigen lassen, um das Land ohne die
Einwilligung des Vaters verlassen zu können. In dieser Geburtsurkunde,
bei welcher es sich gemäss der Botschaftsabklärung um eine Fälschung
handle (A35), ist der Name des Vaters nicht aufgezeigt (A2 Bm. 4). Ge-
mäss der Beschwerde wurde wegen dieser Fälschung ein Strafverfahren
gegen die Beschwerdeführerin eingeleitet (A23 F125).
6.1.2 Unglaubhaft ist indes, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres
Wissens rund um die kriminellen Handlungen von T. sowie von der Guerilla
oder anderen kriminellen Banden verfolgt wurde respektive wird (A23 F53).
Ihre Antworten bezüglich ihres Wissens blieben immer sehr unkonkret (z.B.
«... Zeugin vieler Sachen» [A23 F59, 93 und 100]; «Ich war Zeugin dessen,
dass diejenigen, die Attentate angeordnet haben, sich mit Aa._ zum
Kaffee in unser Wohnzimmer gesetzt haben ...» [vgl. Eingabe vom 7. Feb-
ruar 2021, S. 5 des Briefes auf Deutsch]). Ausserdem ist unwahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Trennung von T. im Jahr 2011 von
dessen Geschäften konkret noch etwas mitbekommen haben soll, zumal
er bereits während ihres Zusammenlebens sehr diskret gewesen sei. Von
diesen scheint sie, nach der Festnahme von T. im (...) 2009, über die Me-
dien erfahren und daraus Schlüsse über die Zusammenhänge zwischen
dessen Geschäften und gewissen Personen gezogen zu haben (A23 F53).
Folglich ist nicht davon auszugehen, dass sie eine Geheimnisträgerin ist,
die im Fokus mächtiger Organisationen oder Personen steht.
6.1.3 Bezüglich der Beweismittel ist Folgendes zu sagen: Das Schreiben
der Opferhilfe (A2 Bm. 8; A23 F52), soweit erkennbar, bestätigt einen Geld-
transfer zuhanden der Beschwerdeführerin; indes ist offen, weshalb sie
konkret als Opfer anerkannt wurde. Gemäss der «Resolución No. (...)»
vom (...) 2020 (vgl. Eingabe vom 5. Oktober 2020) wurde sie aufgrund ei-
ner Zwangsvertreibung vom (...) 2011 («Desplazamiento Forzado» von
G._ nach F._), als Folge von Aktivitäten von mutmasslich
bewaffneten Gruppen dieser Zone, als Opfer anerkannt. Damit gilt sie in
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Kolumbien als intern Vertriebene, jedoch ist keine gezielt gegen sie gerich-
tete Verfolgung daraus erkennbar.
Durch eine eidesstattliche Aussage brachte ihre Schwester O._ zu
Protokoll, dass sie bezüglich ihrer Schwester auch heute noch anonyme
Anrufe erhalte und an ihrem Wohnort bedroht werde (vgl. Eingabe vom
2. Dezember 2019). Dies belegt lediglich, dass Unbekannte, vermutlich T.
oder Personen aus seinem Umfeld, weiterhin auf der Suche nach der Be-
schwerdeführerin (aus privaten Gründen) sind. Es sagt indes nichts über
ein allfälliges flüchtlingsrechtliches Verfolgungsmotiv aus. Auch die eides-
stattliche Aussage von P._ belegt lediglich, dass die Beschwerde-
führerin zwischen 2012 und 2015 bei ihr in Bogotá gewohnt habe (vgl. Ein-
gabe vom 2. Dezember 2019).
Hinsichtlich des Schreibens der «Autodefensas Gaitanistas de Colombia»
vom (...) 2020 ist festzustellen, dass es kein Motiv nennt, weshalb die Or-
ganisation die Beschwerdeführerin zum militärischen Ziel erklärt habe.
Auch wenn die Gaitanistas davon ausgehen würden, sie sei eine Geheim-
nisträgerin, ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Schreiben, erst neun
Jahre nachdem sie T. im Jahre 2011 verlassen habe, verfasst worden sein
soll. Des Weiteren stellt dieses Dokument lediglich einen Ausdruck eines
auf einem Computer geschriebenen Briefes ohne Unterschrift oder ande-
ren Merkmalen dar, der von irgendeiner Person hätte verfasst werden kön-
nen.
6.1.4 Als Zwischenergebnis gilt festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
glaubhaft dargelegt hat, dass sie von T. verfolgt wird; vermutlich weil sie
nach der Trennung das gemeinsame Kind mitgenommen hat. Indes ist
nicht glaubhaft, dass T. sie als Mitglied einer paramilitärischen Gruppe auf-
grund ihres Wissens rund um seine vermutlich kriminellen Machenschaften
verfolgt.
6.2 Als flüchtlingsrechtlich relevante Motive einer Verfolgung werden ab-
schliessend Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm-
ten sozialen Gruppe und politische Anschauung genannt (Art. 3 AsylG).
Diese fünf Verfolgungsmotive sind über ihre sprachlich allenfalls enge Be-
deutung hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder
innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder der Persönlichkeit
des Opfers verbunden sind, erfolgt. Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes
erfolgt immer wegen des Seins, nicht wegen des Tuns (vgl. BVGE 2014/28
E. 8.4.1 und EMARK 2006 Nr. 32 E. 8.7.1).
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6.2.1 Vorliegend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden
aus einem rein privaten persönlichen Motiv heraus von T. bedroht werden
und er ihnen deswegen nachgestellt hat. Ein Verfolgungsmotiv im Sinne
von Art. 3 Abs. 1 AsylG – auch nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten
sozialen Gruppe – ist nicht auszumachen.
In den weiteren geschilderten Ereignissen ist ebenfalls kein flüchtlingsrele-
vantes Motiv erkennbar: So basiert der Grund, weshalb die Beschwerde-
führerin im (...) 2014 angeschossen (A2 Bm. 1 und A23 F59) respektive
vergewaltigt worden sei (A23 F89 ff.), nur auf Vermutungen. Auch ist ihren
Aussagen betreffend den Mord an einem Freund ihres Vaters (A23 F94)
kein Zusammenhang mit den Belästigungen seitens T. zu entnehmen.
6.2.2 Das Motiv bei einer nichtstaatlichen Verfolgung kann sich indes so-
wohl auf die eigentliche Verfolgung als auch auf die fehlende Schutzwillig-
keit der Behörden beziehen. Die entsprechende Motivation kann somit –
alternativ – sowohl die eigentliche Verfolgung als auch die Schutzunwillig-
keit bezüglich dieser Verfolgung betreffen (vgl. beispielsweise Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-4533/2017 vom 22. Februar 2021 E. 6.3).
Vorliegend ist kein flüchtlingsrechtlich motivierter Schutzunwille des kolum-
bianischen Staates auszumachen. Die Beschwerdeführerin hat sich im
Rahmen der Suche nach ihrem Kind an die Behörden wenden können.
Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sich diese aus einem flücht-
lingsrechtlichen Grund geweigert hätten – sollten sie tatsächlich nicht wei-
ter aktiv geworden sein – behilflich zu sein.
6.3 Die glaubhaften Vorbringen der Beschwerdeführenden sind folglich
nicht asylrelevant, weshalb das SEM die Asylgesuche im Ergebnis zu
Recht abgewiesen hat. Auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Be-
weismittel vermögen, wie erwähnt, an dieser Einschätzung insgesamt
nichts zu ändern. Folglich erfüllen die Beschwerdeführenden die Anforde-
rungen der Flüchtlingseigenschaft nicht.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
8.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
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Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde mit Verfügung vom 2. April 2019 abgelehnt. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführen-
den aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Weil mit Verfügung vom 2. April 2019 auch das Gesuch um amtliche
Rechtsverbeiständung abgelehnt wurde, ist kein amtliches Honorar zu ent-
richten.
(Dispositiv nächste Seite)
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