Decision ID: e451bb65-5c12-562f-bf24-7d85598e45cd
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a
Der Beschwerdeführer – eigenen Angaben entsprechend ein Staatsange-
höriger Afghanistans und der Ethnie der Usbeken zugehörend – sei unge-
fähr im Jahr 2011 in den Iran ausgereist. Dabei sei er von seinem letzten
Wohnort B._ über C._ (Provinz Faryab), Mazar-i-Sharif, He-
rat, Kabul in die Provinz Nimrus gefahren, von wo aus er die pakistanische
Grenze überquert habe (A7 S. 6; A15 F168 ff.). Nach einem einstündigen
Aufenthalt in diesem Land sei er schliesslich weiter in den Iran gereist, wo
er – in der Nähe von Teheran – für vier Jahre geblieben sei (A7 S. 6; A15
F43 ff.). Ungefähr im (...) 2015 sei er über die Türkei nach Europa (A7 S. 6)
und am 10. November 2015 in die Schweiz gelangt, wo er gleichentags bei
den hiesigen Behörden um Asyl nachsuchte. Als Asylbegründung gab er
im Wesentlichen die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan und die Prä-
senz der Taliban an (A15 F82 ff.).
A.b
Eine Handknochenanalyse des Spitals D._ vom 18. November
2015 ergab, dass der Beschwerdeführer, welcher sein Alter dort mit (...)
und (...) angegeben habe, ein männliches Skelettalter von (...) aufweise.
Bei einem (...) Jugendlichen ergebe sich daraus, unter der Berücksichti-
gung einer doppelten Standardabweichung, eine Abweichung bis über
zwei Jahre.
A.c
Anlässlich der summarischen Befragung im Empfangs- und Verfahrensze-
ntrum (EVZ) Kreuzlingen vom 20. November 2015 und der eingehenden
Anhörung vom 14. Februar 2017 brachte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen vor, er habe die ersten Jahre im Dorf E._ (Provinz Fa-
ryab) verbracht (A7 S. 3; A15 F21 ff.). Danach sei er mit seiner Mutter und
seinen Geschwistern nach B._ zu einem Onkel umgezogen (A7
S. 4; A15 F35 ff.).
Ein Jahr bevor er in den Iran gegangen sei (A15 F12), habe er sich in
C._ mit Hilfe eines Bekannten eine Tazkara ausstellen lassen, indes
stehe dort als Name des Vaters derjenige seines Bekannten statt derjenige
seines eigenen Vaters (F._; A7 S. 3 f.), da er diesen nicht gekannt
habe (A7 S. 5; A15 F93 ff.). In den Unterlagen der Vorinstanz befindet sich
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eine Tazkara (A15 F3 ff.), ausgestellt am (...) ([...]). Mangels Sicherheits-
merkmale sei dieses Dokument nach Angaben des SEM kaum zu überprü-
fen (A21).
B.
Mit Eingabe vom 28. März 2017 äusserte der Beschwerdeführer Zweifel
über die Qualität der Anhörung; seine Muttersprache sei Usbekisch, doch
die Anhörung habe auf Persisch beziehungsweise Dari stattgefunden, wes-
halb es zu Missverständnissen gekommen sei. Daher stelle er einen Antrag
auf eine erneute Ansetzung einer Anhörung auf Usbekisch.
C.
Mit Verfügung vom 7. April 2017 – eröffnet am 18. April 2017 – lehnte das
SEM das Asylgesuch ab, wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg
und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Es begründete diesen Ent-
scheid dahingehend, dass aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Aussagen
nicht davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer aus der angege-
benen Region stamme und dort sozialisiert worden sei (Art. 7 AsylG
[SR 142.31]). Daraus ergebe sich, dass er kein Staatsangehöriger Afgha-
nistans sei. Fermer sei es nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden
Hinweisen nach allfälligen Vollzugshindernissen zu forschen. Der Vollzug
der Wegweisung sei daher als zulässig, zumutbar und möglich zu betrach-
ten.
Das SEM führte weiter aus, dass dem Begehren, die Anhörung erneut an-
zusetzen, nicht zu entsprechen sei, da der Beschwerdeführer während der
Anhörung zu keinem Zeitpunkt angegeben habe, Probleme mit der Ver-
ständigung zu haben.
D.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 reichte der Beschwerdeführer gegen die
Verfügung vom 7. April 2017 eine Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht ein und beantragte, nach der vollumfänglichen Aufhebung der Ver-
fügung sei die Unzumutbarkeit festzustellen und er sei vorläufig aufzuneh-
men. Ausserdem sei er als afghanischer Staatsbürger zu registrieren.
Eventualiter sei die Sache aufgrund ungenügender Abklärung des Sach-
verhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessrechtlicher Hinsicht
sei die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechstverbei-
ständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) zu gewähren.
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E.
Am 30. Mai 2017 wurde ein Ausdruck seiner Herkunftsregion aus Google
Maps; eine neue Tazkara (mit Datum vom [...] 2017, ohne Übersetzung),
welche seine Mutter habe ausstellen lassen sowie ein Schreiben eines
Mullah’s, welcher den früheren Wohnsitz des Beschwerdeführers in seiner
Heimatregion bestätige (ohne Übersetzung), zu den Akten gereicht.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
unter nachfolgendem Vorbehalt einzutreten.
1.3 Vorliegend richtet sich die Beschwerde materiell lediglich gegen den
von der Vorinstanz verfügten Vollzug der Wegweisung, weshalb die Verfü-
gung des SEM vom 7. April 2017 – soweit sie die Frage der Flüchtlingsei-
genschaft und des Asyls betrifft (Ziffern 1 und 2 des Dispositivs der ange-
fochtenen Verfügung) – in Rechtskraft erwachsen ist. Das Rechtsbegehren
ist aufgrund der Beschwerdebegründung als auf den Vollzugspunkt be-
schränkt zu betrachten, weshalb einzig die Frage der Anordnung einer vor-
läufigen Aufnahme zu prüfen ist. Auf das Begehren, das SEM habe die af-
ghanische Staatsbürgerschaft zu registrieren, ist nicht einzutreten, da dies
zuerst beim SEM in einem separaten Verfahren anzustreben wäre und
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nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, wurde doch im ange-
fochtenen Entscheid nichts dazu verfügt. Damit bildet Gegenstand des Be-
schwerdeverfahrens lediglich die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen
oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde ferner auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Rechtsmittelschrift vom 17. Mai 2017 rügte der Beschwerdefüh-
rer zur Begründung seines Eventualantrags auf Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz eine unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts. Im Verwaltungsverfahren – wie in jedem Rechtsanwen-
dungsverfahren – sind die Abklärungen sowie die Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts von zentraler Bedeutung. Die für die Entscheid-
findung vorzunehmende Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die
Sachlage korrekt und vollständig ermittelt wurde (Art. 12 VwVG; vgl.
KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar Verwaltungsver-
fahrensgesetz VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 2. Aufl. 2016,
Art. 12 Rz. 1).
4.2 Während der Anhörung vom 14. Februar 2017 hätten, so der Be-
schwerdeführer, zwischen ihm und der Dolmetscherin Kommunikations-
sowie Verständigungsschwierigkeiten bestanden; dies sei auch im Bericht
der Hilfswerkvertretung vermerkt. Diese Missverständnisse würden sich
beispielsweise beim Namen des Dorfes G._ – fälschlicherweise
vom SEM als H._ angegeben – manifestieren. Des Weiteren sei der
Beschwerdeführer nicht über die Wichtigkeit seiner Antworten auf die Her-
kunftsfragen aufgeklärt worden. Aus diesen Gründen sei eine erneute An-
hörung in usbekischer Sprache anzusetzen.
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4.3 Die Anhörung des Beschwerdeführers fand in Dari (A15 S. 21) statt,
welche er an der Befragung als weitere Sprache angab, welche für eine
Anhörung genügen würde (A7 S. 4). Dementsprechend bestätigte er an-
lässlich der Anhörung, die Dolmetscherin gut zu verstehen (A15 F1). Auf
dem Beiblatt der Hilfswerkvertretung (A15 S. 22) finden sich des Weiteren
keine diesbezüglichen Einwände. Die Fragen, welche während der Anhö-
rung wiederholt wurden (vgl. A15 F14, 44, 110 und 157), lassen nicht er-
kennen, ob er diese aufgrund der Sprache oder aus anderen Gründen nicht
verstanden hat. Nach erfolgter Rückübersetzung hat er ausserdem bestä-
tigt, dass das Protokoll vollständig sei und seinen freien Äusserungen ent-
spreche (A15 S. 21). Überdies ist er über das Ziel der Anhörung, Fakten zu
sammeln beziehungsweise den Sachverhalt zu erstellen, aufgeklärt wor-
den (A15 S. 1). Dementsprechend war er sich bewusst, dass alle Antwor-
ten – irrelevant ob sich diese auf die Herkunft oder andere Themenberei-
che beziehen – für die Sachverhaltsermittlung wichtig sind.
Im Übrigen werden länderspezifische Eigenheiten wie Ortsnamen während
der Befragung beziehungsweise Anhörung meist phonetisch aufgezeich-
net; ihre Falschschreibung hat denn auch keinen Einfluss auf eine negative
Begründung einer Verfügung.
Die Rüge des unvollständig und unrichtig erhobenen Sachverhalts erweist
sich dementsprechend als nicht stichhaltig, weshalb auch der Antrag auf
eine erneute Ansetzung einer Anhörung abgewiesen wird.
5.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Die Verfügung des SEM vom 7. April 2017 wurde dahingehend begrün-
det, dass der Beschwerdeführer sich hinsichtlich verschiedener Zeitanga-
ben in Widersprüche verwickelt habe. Dies zum einen bezüglich des Aus-
stellungszeitpunktes der Tazkara, weshalb erste Zweifel über die Echtheit
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dieses Dokuments aufgekommen seien, zumal der darauf vermerkte Nach-
name anders laute und die Erklärung des Beschwerdeführers nicht über-
zeugt habe. Auch erscheine der Jugendliche auf dem Foto wesentlich jün-
ger als der Beschwerdeführer. Ferner sei dieser nicht im Stande gewesen,
detailliert zu beschreiben, wie er die Tazkara erhalten habe. Überdies ent-
spreche die Aussage, dieses Identitätspapier sei kostenlos, nicht den
Kenntnissen des SEM. Aufgrund der insgesamt falschen, unstimmigen und
unsubstantiierten Aussagen im Hinblick auf die Tazkara sei offensichtlich,
dass diese nicht echt sei, weswegen auch Zweifel an der geltend gemach-
ten Staatsangehörigkeit bestehen würden. Zum anderen würden sich auch
die Zeitangaben hinsichtlich des Schuleintritts, des Schulbesuchs über-
haupt, des Umzugs nach B._ sowie der Ausreise aus Afghanistan
widersprechen. Überdies sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Umständlichkeit des Ausreisewegs und die Widersprüche bezüglich des-
sen Schilderung zu erklären. Ferner sei sein Wissen über seine Herkunfts-
region mangelhaft. Die Begründung, der Beschwerdeführer sei ein Anal-
phabet, vermöge nicht zu überzeugen. Die Zweifel an der geltend gemach-
ten Herkunft würden sich demnach weiter erhärten.
Zusammenfassend seien die geschilderte Lebensgeschichte und die Her-
kunft des Beschwerdeführers nicht glaubhaft; folglich sei weder davon aus-
zugehen, dass er aus dem von ihm angegeben Ort stamme oder dort so-
zialisiert worden sei, noch dass er ein Staatsangehöriger Afghanistans sei.
6.2 Zur Begründung seiner Rechtsmitteleingabe brachte der Beschwerde-
führer vor, dass seine Aussagen glaubhaft seien. Er sei als unbegleiteter
Minderjähriger in die Schweiz eingereist, habe in seiner Heimat wenig
Schulbildung genossen und fühle sich in der westlichen Kultur äusserst
verunsichert. Sinnbildlich dafür sei sein verzerrtes Zeitempfinden, was die
widersprüchlichen Zeitangaben erkläre. Seine Umschreibung der Region
sei sehr typisch für jemanden aus dieser Gegend mit wenig Schulbildung.
Auch habe er Namen von nahe gelegenen Bergen sowie Ortschaften be-
nennen können. Hinsichtlich der Ausstellung der Tazkara sei er von einem
Cousin begleitet worden, der ihn als seinen Bruder ausgegeben habe, wes-
halb nun ein anderer Name auf dem Dokument stehe. Seine Mutter bean-
trage derzeit eine neue Tazkara, weshalb der Beschwerdeführer um eine
Frist für die Einreichung derselben ersuche.
Aufgrund seiner Herkunft aus der Nähe von C._ und seines kleinen
Beziehungsnetzes erweise sich ein Vollzug nach Afghanistan als unzumut-
bar.
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6.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die Verfü-
gung der Vorinstanz vom 7. April 2017 zu bestätigen ist. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann an dieser Stelle vollumfänglich auf die entspre-
chenden ausführlichen Erwägungen der angefochtenen Verfügung verwie-
sen werden. Darüber hinaus sind weitere Unklarheiten feststellbar: Es ist
beispielsweise nicht einsichtig, dass der dannzumal noch minderjährige
Beschwerdeführer für die Ausstellung seiner Tazkara mit einem ihm kaum
bekannten Jungen (A15 F99 ff.) nach C._ gefahren sein soll, zumal
er diese Stadt ansonsten immer nur in Begleitung seiner Mutter für diverse
Einkäufe besucht habe (A15 F136 ff.). Auch widersprechen diese Angaben
der Darstellung in der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer mit ei-
nem Cousin seine Tazkara ausstellen gegangen sei. Die Ausführungen in
der Beschwerdeschrift sind insgesamt nicht geeignet, zu einer anderen
Einschätzung als das SEM zu gelangen.
6.4 Daran ändern auch die auf Beschwerdestufe eingereichten Beweismit-
tel – eine neue Tazkara sowie ein Schreiben eines Mullah’s – nichts. Die
Tazkara ist kein amtliches Reisepapier, auch wenn es sich dabei um das
meist verbreitete Identitätspapier Afghanistans handelt. Es ist somit ein
amtliches Dokument mit Fotografie, welches zum Zweck des Nachweises
der Identität seines Inhabers ausgestellt werden kann. Die Tazkara ist je-
doch keineswegs fälschungssicher, weswegen ihr ein verminderter Be-
weiswert zukommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 5.1 und BVGE 2013/30 E. 4.2.2 m.w.H.). Ausserdem
kann die Tazkara weder aus dem Ausland beantragt werden – die Person
muss für den Antrag und die Ausstellung immer nach Afghanistan reisen –
noch kann sie legal durch eine verwandte Vertretungsperson vor Ort be-
schafft werden (vgl. SFH [Schweizerische Flüchtlingshilfe], Schnellrecher-
che vom 11. Februar 2016 zu Afghanistan: Antrag und Ausstellung einer
Tazkira im Ausland, S. 1 und 3). Das Schreiben des Mullah’s ist kein amtli-
ches Dokument und beweist die Herkunft des Beschwerdeführers nicht.
Im Übrigen ist die beantragte Frist für die Einreichung einer neuen Tazkara
mit der Eingabe vom 30. Mai 2017 hinfällig geworden.
6.5 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, seine Herkunft aus
Afghanistan mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzulegen. Die Staats-
bürgerschaft des Beschwerdeführers gilt daher weiterhin als unbekannt.
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6.6 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Unmöglich-
keit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unter-
suchungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der
asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungs-
last trägt (Art. 7 AsylG). Das SEM hat in seiner Verfügung vom 7. April 2017
zu Recht darauf hingewiesen, dass es nicht Sache der Behörden ist, bei
fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen, nach allfälligen
Wegweisungvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu
forschen. Vermutungseise ist daher davon auszugehen, einer Wegweisung
stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen (vgl.
BVGE 2015/10 E. 8.2).
6.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
6.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Der Beschwerdeführer ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung
der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos er-
scheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund obiger Erwägungen ist die einge-
reichte Beschwerde als aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG abzuweisen ist. Dementsprechend ist das Gesuch um unent-
geltliche Rechtsverbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) mangels Erfüllens
der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
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festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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