Decision ID: afe17cd7-577e-4df5-b221-3f91fb141790
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1963 geborene Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin
obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Mit Unfallmeldung vom 4. März
2020 meldete sie dieser, sie habe sich am 20. Februar 2020, als sie sich
umgedreht habe, mit dem rechten Handgelenk kräftig an einer Tischkante
"angeschlagen" und sich dabei verletzt (VB 1). Für dieses Ereignis er-
brachte die Beschwerdegegnerin in der Folge vorübergehende Leistungen
(Heilbehandlung/Taggelder ab dem 12. März 2020) (vgl. VB 7). Mit Verfü-
gung vom 13. Januar 2021 stellte sie die Leistungen per 11. März 2020 ein,
da die noch über diesen Zeitpunkt hinaus geklagten Beschwerden nicht
mehr unfallkausal seien; auf eine Rückforderung der darüber hinaus er-
brachten Leistungen verzichtete sie (VB 180). Die dagegen erhobene Ein-
sprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 23. März 2022 ab (VB 345).
2.
2.1.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 12. April 2022
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
" 1. Es seien der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom
23.02.2022 sowie die diesem zugrundeliegende Verfügung vom 13.01.2021 vollumfänglich aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin
ab 20.02.2020 und über den 11.03.2020 hinaus weiterhin Taggelder nach Massgabe eines Taggeldansatzes von mindestens Fr. 80.40 und der attestierten Arbeitsunfähigkeit zu entrichten und die  Heilbehandlungen zu übernehmen.
3. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Be-
schwerdeführerin eine UVG-Invalidenrente nach Massgabe eines  von 100% sowie eine Integritätsentschädigung nach Massgabe des noch zu bestimmenden Integritätsschadens und Heilbehandlungen nach Art. 21 UVG zu gewähren.
4. Subeventualiter sei eine externe handchirurgische Begutachtung
durchzuführen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-
gegnerin."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegne-
rin die Abweisung der Beschwerde.
- 3 -
2.3.
Am 12. Juli 2022 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zur Vernehmlas-
sung der Beschwerdegegnerin und hielt an ihren Anträgen fest.
2.4.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2022 hielt die Beschwerdegegnerin am Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest.

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Der Einspracheentscheid tritt an die Stelle der Verfügung. Er ist alleiniger
Anfechtungsgegenstand des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens. Die
Verfügung, soweit angefochten, hat mit Erlass des Einspracheentscheides
jede rechtliche Bedeutung verloren (vgl. etwa Urteil des Bundesge-
richts 9C_66/2016 vom 10. August 2016 E. 1.2 mit Hinweisen). Soweit die
Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung vom 13. Januar 2021
beantragt, ist daher auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre mit Einspracheentscheid vom
23. März 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 345 ff.) vorgenommene
Leistungseinstellung damit, dass der Unfall vom 20. Februar 2020 lediglich
zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines pathologischen Vorzu-
standes geführt habe und der status quo sine per 11. März 2020 erreicht
worden sei. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen im Wesentlichen vor,
die Stellungnahmen der beratenden Ärzte der Beschwerdegegnerin seien
nicht überzeugend. Den behandelnden Ärzten zufolge habe das Unfaller-
eignis zu einer richtunggebenden Verschlimmerung des Vorzustandes ge-
führt. Mit der Bandläsion liege sodann eine unfallähnliche Körperschädi-
gung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vor. Die Beschwerdegegnerin sei daher
jedenfalls nach wie vor leistungspflichtig für die Beschwerden am rechten
Handgelenk. Zudem habe die Beschwerdegegnerin die Höhe des ab dem
12. März 2020 ausgerichteten Taggeldes auf Grundlage eines zu tiefen
versicherten Verdienstes berechnet.
1.3.
Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit des angefochtenen Ein-
spracheentscheides.
- 4 -
2.
2.1.
Vorab ist auf das Vorbringen einzugehen, indem die Beschwerdegegnerin
während des laufenden Einspracheverfahrens eine Beurteilung ihres bera-
tenden Arztes Dr. med. E. eingeholt habe, habe sie die notwendigen
Abklärungen unrechtmässig ins Einspracheverfahren verlegt und das
rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt (vgl. Beschwerde S. 14).
2.2.
Die Verwaltung hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor Verfügungser-
lass abzuklären und darf diese Aufgabe nicht ins Einsprachever-
fahren verlegen. Vorbehalten bleiben indes ergänzende Abklärungen, zu
denen die in der Einsprache vorgebrachten Einwände Anlass geben
(BGE 132 V 368 Regeste). Die Beschwerdegegnerin hat vor Erlass der
Verfügung vom 13. Januar 2021 (VB 180) zwei Beurteilungen ihres
beratenden Arztes PD Dr. med. Dr. iur. F., Facharzt für Chirurgie sowie für
Intensivmedizin, eingeholt. Die zusätzliche Stellungnahme von Dr. med. E.,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, vom 22. Februar 2022, veranlasste sie, weil die Beschwerde-
führerin in deren Einsprache gegen die Verfügung vom 13. Januar 2021 die
Schlüssigkeit der Beurteilungen von PD Dr. med. Dr. iur. F. in Frage
gestellt hatte (vgl. VB 197 ff.). Die an Dr. med. E. gerichtete Frage lautete
denn auch, ob die Einsprache der Beschwerdeführerin etwas an den
versicherungsmedizinischen Einschätzungen von PD. Dr. med. Dr. iur. F.
vom 17. September und vom 12. November 2020 zu ändern vermöge (vgl.
VB 340). Es kann daher nicht die Rede davon sein, dass die Erhebung des
rechtserheblichen Sachverhalts ins Einspracheverfahren verschoben
worden sei. Inwiefern die Beschwerdegegnerin "[m]it dieser Vorgehens-
weise" das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt haben soll, ist
nicht ersichtlich und wurde von dieser auch nicht dargelegt. Das Vorgehen
der Beschwerdegegnerin ist daher nicht zu beanstanden.
3.
3.1.
Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, werden die Versicherungs-
leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG). Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Un-
fallversicherung ihre Leistungen auch für Knochenbrüche, Verrenkungen
von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnen-
risse, Bandläsionen und Trommelfellverletzungen, sofern diese Körper-
schädigungen nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu-
führen sind.
3.2.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
- 5 -
(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-
treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-
getreten gedacht werden kann (BGE 147 V 161 E. 3.2 S. 163; 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und
129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
3.3.
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in
rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-
derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-
kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-
gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (Urteil des Bundesge-
richts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2). Ebenso wie der leistungs-
begründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen je-
der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits-
schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (BGE 146
V 51 E. 5.1 S. 56).
4.
4.1.
Betreffend den gesundheitlichen Zustand des rechten Handgelenks der
Beschwerdeführerin ist den medizinischen Unterlagen im Wesentlichen
Folgendes zu entnehmen:
4.2.
Im Bericht von Dr. med. G., Facharzt für Radiologie, vom 11. März 2020
betreffend das gleichentags durchgeführte MR des rechten Handgelenks
stellte dieser eine "Tenovaginitis stenosans de Quervain betreffend die
Abductor pollicis longus- und die Extensor pollicis brevis-Sehne mit kleinem
Sehnenscheidenganglion auf Höhe Radiusstyloid, entsprechend des
Tastbefundes", eine "Tenovaginitis der Extensor carpi ulnaris-Sehne am
Ulnastyloid/proximale Handwurzelreihe", Zeichen eines membranösen
skapholunären Banddefektes sowie eine mässige TFCC-Degeneration und
eine mittelgradige STT-Arthrose fest. Eine Fraktur sei keine festgestellt
worden. Der Befund sei "fast analog zur letzten MR vom 7.8.19" (VB 91).
- 6 -
4.3.
Am 7. Juli 2020 führten med. pract. I., Fachärztin für Chirurgie, und
Dr. med. J., Facharzt für Handchirurgie sowie für Plastische, Rekon-
struktive und Ästhetische Chirurgie, Kantonsspital B., im Rahmen eines
operativen Eingriffs eine Erweiterungsplastik des ersten Strecksehnen-
fachs "mit Abtragung Knochensporn palmar, Entfernung Sehnenscheiden-
ganglion sowie Infiltration ECU und STT" durch (VB 112 f.). In ihrem Bericht
vom 16. September 2020, führten sie daraufhin zusammengefasst aus, der
etwas protrahierte Verlauf sei sicherlich zum einen auf vermehrte
Adhäsionen durch den postoperativen Wundinfekt und zum anderen durch
die bereits präoperativ lange bestehende Symptomatik zu erklären
(VB 106).
4.4.
Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin PD Dr. med. Dr. iur. F. führte
am 17. September 2020 zusammengefasst aus, im Bilddatensatz zur MRI-
Untersuchung des rechten Handgelenks vom 11. März 2020 komme kein
"Sachverhalt zur Darstellung", welcher mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit auf die geltend gemachte Handgelenkskontusion vom 20. Februar
2020 zurückzuführen sei. Die dargestellten pathologischen Befunde seien
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorbestehend. Dies sei gut
vereinbar mit der Schilderung von wiederholten Sehnenscheidenent-
zündungen. Der Status quo sine sei anlässlich der MRI-Untersuchung vom
11. März 2020 "dokumentiert" worden (VB 123).
4.5.
Med. pract. I. und Dr. med. J., Kantonsspital B., legten in ihrem – auf ent-
sprechende Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin verfass-
ten – Schreiben vom 29. Oktober 2020 sodann dar, es sei bereits im MRI
vom 7. August 2019 eine Tendovaginitis stenosans nachgewiesen worden.
Durch den Unfall vom 20. Februar 2020 sei es anamnestisch zu einer deut-
lichen Exazerbation der Beschwerden gekommen. Infolgedessen sei auf-
grund persistierender Beschwerden der operative Eingriff notwendig ge-
worden. Die Beschwerdeführerin habe "sowohl anamnestisch als auch bild-
gebend [...] immer wieder" über Sehnenscheidenentzündungen berichtet.
Bereits 2019 sei bildmorphologisch eine Tendovaginitis stenosans nachge-
wiesen worden und schon vor dem Unfall hätten intermittierende Be-
schwerden bestanden. Durch das Trauma sei eine exazerbierte Situation
mit persistierenden Beschwerden ohne Besserung aufgetreten. Der pro-
zentuale Umfang der unfallbedingten bzw. unfallfremden Faktoren könne
"nicht sicher" beurteilt werden. Ob ohne Unfallereignis "aus eigener Dyna-
mik" eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit resultiert hätte, sei ebenfalls
"nicht sicher zu beurteilen". Durch den Unfall sei es zu einer Verschlimme-
rung der bereits vorbestehenden Gesundheitsschädigung gekommen. Auf-
grund der erfolgten operativen Versorgung sei der Status quo sine oder quo
ante nicht beurteilbar (VB 166).
- 7 -
4.6.
PD Dr. med. Dr. iur. F. nahm am 12. November 2020 erneut Stellung.
Zusammengefasst führte er aus, im Bericht des Kantonsspitals B. vom
29. Oktober 2020 sei festgehalten worden, dass bereits 2019, also vor dem
geltend gemachten Ereignis, bildmorphologisch Tendovaginitiden hätten
nachgewiesen werden können. Zwar werde darauf hingewiesen, dass das
Trauma eine Exazerbation der Situation ausgelöst habe. In dem Bericht
fänden sich indes keine verbindlichen Angaben dafür, dass es aufgrund
des Ereignisses vom 20. Februar 2020 zu richtunggebenden strukturellen
Veränderungen der vorbestehenden Tendovaginitiden im Bereich des
rechten Handgelenkes gekommen sei. Sodann sei ausgeführt worden, es
müsse offen gelassen werden, wie sich die Problematik der Tendo-
vaginitiden ohne das geltend gemachte Ereignis aus eigener Dynamik
weiterentwickelt hätte. Dies unterstreiche zusätzlich, dass keine durch das
fragliche Ereignis vom 20. Februar 2020 bedingten richtunggebenden
strukturellen pathologischen Veränderungen hätten dokumentiert werden
können. Schliesslich werde an mehreren Stellen explizit festgehalten, dass
die darin enthaltenen Beurteilungen ausschliesslich auf den anam-
nestischen Angaben der Beschwerdeführerin beruhen würden. An der
Beurteilung vom 17. September 2020 könne somit festgehalten werden
(VB 159 f.).
4.7.
Schliesslich holte die Beschwerdegegnerin während des Einsprachever-
fahrens (gegen die Verfügung vom 13. Januar 2021) eine Beurteilung ihres
beratenden Arztes Dr. med. E. ein. Dieser führte am 22. Februar 2022
zusammengefasst aus, am rechten Handgelenk der Beschwerdeführerin
bestehe mindestens seit August 2019 ein klinisch und MR-tomographisch
bekannter pathologischer Vorzustand mit einer symptomatischen Tendova-
ginitis stenosans des 1. Sehnenstreckfaches als Hauptbefund, begleitet
von degenerativen Veränderungen im SST-Gelenk, am SL-Bandapparat
sowie am TFCC. Beim Trauma vom 20. Februar 2020, einer direkten Kon-
tusion des rechten Handgelenkes von radial, sei es zu einer schmerzhaften
Aktivierung dieser Pathologien (vorwiegend der Tendovaginitis stenosans)
gekommen. Im MRI vom 11. März 2020 hätten sich fast ausschliesslich die
bereits bekannten pathologischen Befunde bestätigt, die jedoch mittler-
weile teilweise leicht progredient gewesen seien. Strukturelle Läsionen,
welche beim Ereignis vom 20. Februar 2020 neu entstanden seien oder
sich in objektivierbarer Weise strukturell verschlimmert hätten, hätten nicht
nachgewiesen werden können. Somit sei auszuschliessen, dass "beim Un-
fall" vom 20. Februar 2020 eine richtunggebende Verschlimmerung des
Vorzustandes eingetreten sei, da eine solche aus versicherungsmedizini-
scher Sicht das Vorliegen von objektiv nachweisbaren neuen und traumab-
edingten morphologischen Alterationen zwingend voraussetze. Hinsichtlich
der geltend gemachten unfallähnlichen Körperschädigung gemäss Art. 6
- 8 -
Abs. 2 UVG führte Dr. med. E. sodann aus, diesbezüglich erfüllte einzig der
im MRI vom 11. März 2020 erhobene Befund einer Affektion des SL-
Bandapparates die Bedingungen einer Listendiagnose (gemäss Art. 6
Abs. 2 lit. g UVG). Da sich bereits im MRT vom 7. August 2019 gewisse
Degenerationen am SL-Gelenk gezeigt hätten, sei indes erstellt, dass diese
vorwiegend auf Abnutzung oder Erkrankung zurückzuführen sei (VB 342).
5.
5.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134
V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
5.2.
Beratende Ärzte eines Versicherungsträgers sind, was den Beweiswert ih-
rer ärztlichen Beurteilungen anbelangt, versicherungsinternen Ärzten
gleichzusetzen (Urteile des Bundesgerichts 8C_355/2021 vom 25. Novem-
ber 2021 E. 3.2; 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweis).
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder
einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen
Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde
Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee
S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135
V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
5.3.
Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-
dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-
chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss
sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild
machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2008 vom 9. April
2009 E. 3.3.1 und U 224/06 1. November 2007 E. 3.5; je mit Hinweisen).
- 9 -
6.
6.1.
Die Beurteilung der beratenden Ärzte der Beschwerdegegnerin, wonach
die im MRI vom 11. März 2020 dargestellten pathologischen Befunde nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Handgelenkskontusion vom
20. Februar 2020 zurückzuführen, sondern vorbestehend seien (VB 123),
ist einleuchtend. So führte Dr. med. E. unter anderem aus, der patho-
logische Vorzustand sei schon mindestens seit der MR-Untersuchung vom
August 2019 (vgl. diesbezüglich den Bericht der Radiologin Dr. med. O.
vom 7. August 2019 in VB 282) bekannt. Dies steht im Einklang mit der
Beurteilung des Radiologen Dr. med. G., der im Bericht vom 11. März 2020
betreffend die MRI-Untersuchung vom selben Tag darauf hinwies, dass der
Befund "fast analog zur letzten MR vom 7.8.19" sei (VB 91). Dies wurde
auch von med. pract. I. und Dr. med. J. nicht in Abrede gestellt. Im
Gegenteil führten diese in ihrem Bericht vom 29. Oktober 2020 selbst aus,
die Beschwerdeführerin habe immer wieder über Sehnenscheiden-
entzündungen berichtet und es sei bereits 2019 bildmorphologisch eine
Tendovaginitis stenosans nachgewiesen worden (VB 166).
Des Weiteren schloss Dr. med. E. auch eine unfallbedingte richtung-
gebende Verschlimmerung des Vorzustandes – mit der (ebenfalls) über-
zeugenden Begründung, strukturelle Läsionen, die durch das Ereignis vom
20. Februar 2020 neu entstanden wären oder sich in objektivierbarer Weise
strukturell verschlimmert hätten, hätten nicht nachgewiesen werden kön-
nen – aus (VB 342). Diesbezüglich führten med. pract. I. und Dr. med. J.
zwar aus, durch das Trauma sei eine exazerbierte Situation mit persis-
tierenden Beschwerden ohne Besserung entstanden. Diese Aussage
beruht – wie die beratenden Ärzte der Beschwerdegegnerin zu Recht fest-
hielten – einzig auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin. Ob-
jektivierbare Befunde, die dies stützten, vermochten die genannten Ärzte
des Kantonsspitals B. indes ebenfalls nicht festzustellen. Daran ändert
auch nichts, dass med. pract. I. und Dr. med. J. sich ausserstande sahen,
den prozentualen Umfang der unfallbedingten Schädigung bzw. der unfall-
fremden Faktoren bzw. ob es ohne Unfallereignis aus eigener Dynamik zu
einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit gekommen wäre, "sicher zu
beurteilen". Den übrigen aktenkundigen medizinischen Unterlagen sind
keine Anhaltspunkte zu entnehmen, welche den schlüssigen Beurteilungen
der beratenden Ärzte entgegenstehen. Dass PD. Dr. med. Dr. iur. F. den
Zeitpunkt des Erreichens des status quo sine auf das Datum des nach dem
Unfall durchgeführten MRI des rechten Handgelenks, also auf den 11. März
2020 festsetzte, ist vor diesem Hintergrund ohne Weiteres nachvollziehbar.
6.2.
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass es beim Unfall vom
20. Februar 2020 lediglich zu einer Kontusion des rechten Handgelenks mit
- 10 -
einer vorübergehenden Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustan-
des kam. Die Beschwerdegegnerin hat demnach den Nachweis dafür er-
bracht, dass das fragliche Ereignis keine auch nur geringe Teilursache der
am rechten Handgelenk festgestellten objektivierbaren pathologischen Be-
funde, mithin auch der Affektion des SL-Bandapparates, ist. Damit ist aber
gleichzeitig auch erstellt, dass diese Listenverletzung (vgl. E. 3.1) vorwie-
gend, d.h. zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzufüh-
ren ist, zumal es in den Akten keinen Hinweis auf ein nach dem Unfall vom
20. Februar 2020 eingetretenes initiales Ereignis gibt, das Anlass zu Wei-
terungen geben könnte. Die Vermutung der Leistungspflicht gemäss Art. 6
Abs. 2 UVG ist demnach umgestossen (vgl. BGE 146 V 51 S. 71 E. 9.2).
7.
Da die Beschwerdegegnerin die Leistungen für die ihr am 4. März 2020
gemeldeten rechtsseitigen Handgelenksbeschwerden, wie gesehen, zu
Recht per 11. März 2020 eingestellt hat, ist auf das Vorbringen, das ab
12. März 2020 ausgerichtete Taggeld (vgl. VB 7) sei falsch berechnet wor-
den (Beschwerde S. 19 ff.), nicht weiter einzugehen.
8.
8.1.
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 20. Februar 2020 mit Einsprache-
entscheid vom 23. März 2022 zu Recht per 11. März 2020 eingestellt. Die
dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist.
8.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
8.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu.