Decision ID: 295a2cd2-cd05-5980-9ca2-1d5e62aae8ef
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Steuerpflichtiger) betreibt in der Rechtsform der
Einzelunternehmung ein Taxiunternehmen in der Stadt Basel und Umge-
bung. Gestützt auf eine am 20. März 2017 von der Eidgenössischen Steu-
erverwaltung (ESTV) durchgeführte Mehrwertsteuerkontrolle am Domizil
des Treuhänders wurde der Steuerpflichtige rückwirkend per 1. Januar
2015 ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen.
B.
Die ESTV stellte unter anderem fest, dass die Buchführung den gesetzli-
chen Anforderungen nicht genüge, weshalb sie die erzielten Umsätze nach
pflichtgemässem Ermessen festsetze. Mit der Einschätzungsmitteilung
[EM] Nr. (...) für die Steuerperiode 2015, datierend vom 12. April 2017, for-
derte die ESTV vom Steuerpflichtigen Mehrwertsteuern im Betrag von
Fr. 6'238.-- nebst Verzugszins ab 30. November 2015 (mittlerer Verfall)
nach (Steuerkorrektur zugunsten der ESTV).
C.
Mit Schreiben vom 28. April 2017 wurde die Ermessenseinschätzung der
ESTV vom Steuerpflichtigen bestritten und es wurde vorgebracht, dass
nicht mit einem Durchschnitts-Kilometer Preis von Fr. 2.40 gerechnet wer-
den könne. Der Steuerpflichtige sei am Flughafen stationiert und müsse
immer eine Leerfahrt an den Standplatz machen. Es sei mit einem Kilome-
ter Preis von Fr. 1.90 zu rechnen.
D.
Mit Datum vom 10. Januar 2019 bestätigte die ESTV die rückwirkende Ein-
tragung ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen per 1. Januar 2015 und
setzte die Steuernachforderung auf Fr. 6'238.-- nebst Verzugszins ab
30. November 2015 (mittlerer Verfall) fest. Dabei kalkulierte die ESTV er-
neut mit dem Erfahrungs- bzw. Durchschnittswert von Fr. 2.40 pro ge-
schäftlich gefahrenem Kilometer (vgl. Ziff. 3.3 der Verfügung).
E.
Dagegen erhob der Steuerpflichtige am 7. Februar 2019 Einsprache und
führte unter anderem aus, dass er zu Unrecht für das Steuerjahr 2015 ins
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Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen worden sei. Er habe
sämtliche Fahrten in Tagesrapporten aufgezeichnet. Betreffend das Fahr-
zeug Modell B._ dürfe im Jahr 2014 keine Schätzung durchgeführt
werden, da dieses Auto damals nicht für Taxifahrten eingesetzt worden sei.
Auch der Kilometerpreis von Fr. 2.40 entspreche nicht der Realität.
F.
Daraufhin instruierte die ESTV den Steuerpflichtigen mit Schreiben vom
19. Februar 2019 dahingehend, als dass dieser sämtliche Tagesrapporte,
Tagesabrechnungen, Kontrollkarten und Fahrtenschreiberkarten von allen
auf seine Einzelfirma eingelösten Taxifahrzeuge einreichen solle, damit die
Buchhaltung überprüft werden könne. Zudem sei anhand geeigneter Un-
terlagen zu belegen, dass das Fahrzeug Modell B._ im Jahr 2014
nicht für Taxifahrten eingesetzt worden sei.
G.
Mit Eingabe vom 21. März 2019 reichte der Steuerpflichtige innert Frist di-
verse Unterlagen ein.
H.
Mit Schreiben vom 18. April 2019 forderte die ESTV den Steuerpflichtigen
auf, seine Unterlagen zu vervollständigen und insbesondere die noch aus-
stehenden Tagesrapporte, Fahrtenschreiberkarten sowie Kontrollkarten
einzureichen.
I.
Am 19. Mai 2019 teilte der Steuerpflichtige der ESTV mit, dass er bereits
sämtliche Fahrtenschreiberkarten und Kontrollkarten eingereicht habe. Zu-
sätzlich reichte der Steuerpflichtige diverse Prüfberichte betreffend die
Fahrtenschreiber ein.
J.
Mit Einspracheentscheid vom 24. September 2019 hiess die ESTV die Ein-
sprache des Steuerpflichtigen teilweise gut (Dispositiv-Ziff. 1) und verfügte
weiter, dass der Steuerpflichtige ab dem 1. Januar 2016 mehrwertsteuer-
pflichtig sei (Dispositiv-Ziff. 2). Er sei per 1. Januar 2015 im Register der
Mehrwertsteuerpflichtigen zu löschen und stattdessen rückwirkend per
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1. Januar 2016 ins Register einzutragen (Dispositiv-Ziff. 3). Der Steuer-
pflichtige schulde der ESTV für die Steuerperiode 2015 (Zeit vom 1. Januar
2015 bis 31. Dezember 2015) keine Mehrwertsteuern (Dispositiv-Ziff. 4).
In Bezug auf den Beginn der Steuerpflicht führte die ESTV insbesondere
aus, dass aufgrund der vom Steuerpflichtigen eingereichten Nachweise
der ermessensweise zu ermittelnde Umsatz des Jahres 2014 weniger als
Fr. 100'000.-- betragen habe, weswegen die Steuerpflicht per 1. Januar
2015 nicht gegeben sei (vgl. Einspracheentscheid Ziff. 3.1 und 3.2).
In einem zweiten Schritt sei weiter zu prüfen, ob der Einsprecher im Jahr
2015 über Fr. 100'000.-- Umsatz erzieht habe und allenfalls per 1. Januar
2016 ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen einzutragen sei. In Bezug
auf die Steuerperiode 2015 führte die ESTV insbesondere aus, dass der
Steuerpflichtige zwei mit Fahrtenschreiber ausgerüstete Fahrzeuge beses-
sen habe (vgl. Einspracheentscheid Ziff. 3.4). Die nachgereichten Tages-
rapporte würden nicht dem geforderten Kassabuch für bargeldintensive
Betriebe entsprechen. Die Tagesrapporte würden lediglich die Erträge ent-
halten, weswegen eine regelmässige Kontrolle der Saldi nicht möglich sei.
Zudem würden betreffend das Fahrzeug Modell B._ die Tagesrapp-
orte ab dem 11. August 2015 sowie der grösste Teil der Fahrtenschreiber-
karten ab diesem Zeitpunkt fehlen. Auch die Kontrollkarten seien nur un-
vollständig vorhanden und würden bezüglich April, Mai, Juni, Juli, Novem-
ber und Dezember 2015 sogar gänzlich fehlen. Infolgedessen könne ein
Grossteil der zurückgelegten Kilometer – insbesondere betreffend das
Fahrzeug Modell B._ – nicht nachvollzogen werden (Einsprache-
entscheid Ziff. 3.4). Auch hinsichtlich des zweiten Fahrzeugs, dem Fahr-
zeug Modell C._, seien nicht sämtliche Fahrten in den Rapporten
aufgeführt. Die ESTV erwähnt hierzu vier auf der Fahrtenschreiberkarte
aufgezeichnete und als «geschäftlich» geschaltene Fahrten (insgesamt
1'165 km), welche in den Tagesrapporten nicht aufgeführt seien. Aus den
genannten Gründen habe die ESTV der Buchhaltung für diese Steuerperi-
ode die Beweiskraft abgesprochen und eine Ermessenseinschätzung vor-
genommen (Einspracheentscheid Ziff. 3.4, letzter Absatz). Grundlage der
Umsatzkalkulation hätten die gemäss den Fahrtenschreiberkarten gefah-
renen Kilometer gebildet. Dabei sei im vorliegenden Fall am eingesetzten
Erfahrungswert von Fr. 2.40 pro Kilometer festzuhalten (vgl. insb. Ein-
spracheentscheid Ziff. 3.6.3).
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Seite 5
K.
Mit Eingabe vom 22. Oktober erhebt der Steuerpflichte (nachfolgend auch:
Beschwerdeführer) am Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid der ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) vom
24. September 2019 und bessert diese innert der angesetzten Frist mit Ein-
gabe vom 2. November 2019 nach. In Bezug auf die Ausführungen der
ESTV zur Zulässigkeit der Ermessenseinschätzung (E. 3.4 des Ein-
spracheentscheids) führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus,
seine Steuererklärungen enthielten eine übersichtliche chronologische
Aufstellung betreffend Einnahmen und Ausgaben und eine regelmässige
Kontrolle der Saldi sei anhand der Unterlagen jederzeit möglich. Des Wei-
teren sei der berechnete Umsatz des Jahres 2015 betreffend das Fahrzeug
Modell B._ durch zwei selbständige Fahrer erwirtschaftet worden,
wobei die Umsätze beider Fahrer weit unter Fr. 100'000.-- liegen würden.
Dies erkläre auch die von der ESTV erwähnten fehlenden Fahrtenschrei-
berkarten/Tachoscheiben (April, Mai, Juni, Juli, November und Dezember),
da diese dem zweiten Fahrer gehören würden und ebenfalls vorhanden
seien. Zudem seien die Fahrten betreffend das Fahrzeug Modell
C._ ausgewiesen. Des Weiteren sei der von der ESTV angewandte
Erfahrungswert nicht zutreffend. Diesbezüglich wird unter anderem ausge-
führt, wenn der deklarierte Umsatz von 2015 durch die von der ESTV be-
rechnete Kilometerzahl geteilt werde, ergebe dies einen Wert von Fr. 2.24
pro Kilometer. Weiter hebt der Beschwerdeführer hervor, dass in seinem
Jahresumsatz auch Limousinenfahrten enthalten seien, welche teurer
seien als der Taxipreis, weswegen er schätzungsweise auf einen Kilome-
terschnitt von unter Fr. 2.00 käme. Laut seines beigelegten Kontenplans
liege der Umsatz bei Fr. 93'011.30.
L.
In der Eingabe vom 10. November führt der Beschwerdeführer aus, dass
bei der Mehrwertsteuerkontrolle durch die ESTV im April 2017 alle Rech-
nungen mit dem Betreff «L» der GmbH des Beschwerdeführers zugewie-
sen worden seien, obwohl der Beschwerdeführer mit dem Fahrzeug Modell
C._ gefahren sei und dies auch in seiner Einzelfirma deklariert
habe. Nach Abzug des der GmbH zugewiesenen Umsatzes in der Höhe
von Fr. 50'516.50 ergebe sich nun ein Umsatz der Einzelfirma von
Fr. 42'494.80 für das Jahr 2015. Die gemäss ESTV «fehlenden Fahrten»
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Seite 6
seien überdies unter Limousinen Service in den entsprechenden Tages-
rapporten angegeben worden.
M.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. Dezember 2019 beantragt die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde sowie die Bestätigung des Einspracheent-
scheids vom 24. September 2019. Die Kosten des Verfahrens seien dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen.
N.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 bekräftigt der Beschwerdeführer seine
bereits gemachten Ausführungen. Zudem würden seine Unterlagen noch
immer bei der ESTV sein, weswegen er nur Erklärungen zu Belegen aus
dem Jahr 2016 machen könne. Die Ermessenseinschätzung der ESTV sei
nicht zu akzeptieren, da sämtliche Unterlagen bzw. Nachweise während
der Mehrwertsteuerkontrolle im März 2017 vor Ort gewesen seien (vgl.
dazu Schreiben Ziff. 1). Zudem reicht der Beschwerdeführer Tachoschei-
ben ein, welche aber nicht ihm, sondern dem zweiten Fahrer gehören wür-
den (vgl. Schreiben Ziff. 2). Die Behauptung der ESTV, die eingereichten
Rechnungen hätten der ESTV nicht vorgelegen, entspreche nicht der
Wahrheit. Bei den MWST-Kontrollen seien alle Unterlagen – betreffend die
Einzelfirma und die GmbH – vorgelegen (vgl. Schreiben Ziff. 3). Die ESTV
würde bei der Kilometerberechnung Taxi- und Limousinenpreise vermi-
schen. Zudem wurden auch Unterlagen und Belege der GmbH des Be-
schwerdeführers eingereicht. Das Fahrzeug Modell C._ sei in der
Regel für Taxifahrten eingesetzt worden. Es sei aber auch vorgekommen,
dass er das Fahrzeug Modell C._ für Limousinenanfahrten benötigt
habe, weswegen diese Fahrten dann nicht im Tagesrapport notiert worden
seien (vgl. Schreiben Ziff. 3). Er habe alle Fahrten mit dem Fahrzeug Mo-
dell C._ der Einzelfirma zugewiesen. Jedoch habe die ESTV diese
Deklarationsart nicht bewilligt. Da auf den Rechnungen Angaben der
GmbH aufgeführt waren, habe die ESTV diese Fahrten mit dem Fahrzeug
Modell C._ bzw. diesen Umsatz von Fr. 50'516.50 der GmbH belas-
tetet (vgl. Schreiben Ziff. 4). Damit sei dieser Teil des Umsatzes in der Höhe
von Fr. 50'516.50 bereits versteuert worden (Schreiben Ziff. IV). Weiter sei
daran festzuhalten, dass der Preis von Fr. 2.40 von einem Flughafentaxi
nicht erreicht werden könne (Ziff. 6).
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Seite 7
O.
Mit Stellungnahme vom 20. Februar 2020 teilte die Vorinstanz unter ande-
rem mit, dass sie mit der Vernehmlassung (abgesehen von den Fahrten-
schreiberkarten) sämtliche Unterlagen und Belege an das Bundesverwal-
tungsgericht weitergereicht habe. Zusätzlich reiche sie nun noch die teil-
weise unvollständigen Fahrtenschreiberkarten des Fahrzeugs Modell
C._ und des Fahrzeugs Modell B._, je betreffend das Jahr
2015, ein. Die Vorinstanz hält daran fest, dass die vom Beschwerdeführer
eingereichten Belege nur beschränkt aussagekräftig und nicht geeignet
seien, um die im Jahr 2015 erzielten Umsätze abschliessend festzustellen.
Der Beschwerdeführer habe die ESTV nie über einen zweiten – angeblich
selbständigen – Fahrer informiert. Es sei auch nicht rechtsgenüglich nach-
gewiesen, dass der «zweite Fahrer», D._, als selbständige Taxifah-
rerin eigene Umsätze generiert habe. Die Unterlagen würden vielmehr den
Schluss zulassen, dass sie für den Beschwerdeführer Taxifahrten ausge-
führt habe und die von ihr zurückgelegten Kilometer (bzw. erzielten Um-
sätze) ihm zuzurechnen seien. Auch dass der Beschwerdeführer mit dem
Fahrzeug Modell C._ zusätzlich Taxifahrten für seine GmbH ausge-
führt habe, gehe aus den nachgereichten Unterlagen nicht hervor. Die mit
dem Briefkopf der GmbH ausgestellten Rechnungen habe die ESTV tat-
sächlich – aufgrund des Aussenauftritts – der GmbH zugeordnet. Dass ein
Teil dieser auf den Rechnungen aufgeführten Taxifahrten mit dem Fahr-
zeug Modell C._ durchgeführt worden seien, werde vom Beschwer-
deführer hingegen nicht nachgewiesen.
P.
In der Stellungnahme vom 18. April 2020 bestätigte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen noch einmal seine Auffassung. In Bezug auf die «zweite
Fahrerin» D._ macht er zudem geltend, die Suva habe diese als
selbständige Limousinenfahrerin akzeptiert (die Bestätigung werde einge-
reicht). Es würden auch andere Selbständige für ihn Fahrten ausführen,
auch diese seien (wie D._) auf den Rechnungen der GmbH hand-
schriftlich notiert. Er habe weder in der Einzelfirma noch in der GmbH An-
gestellte. Weiter wird wiederholt, dass sämtliche Rechnungen mit Endung
«L» (L = Limousine) vom Gesamtumsatz der Einzelfirma abzuziehen seien,
weil die ESTV anlässlich der Kontrolle diese Fakturen der GmbH zugeord-
net habe. Auf die Beträge «in der Höhe von Fr. 52'403» seien bereits Mehr-
wertsteuern entrichtet worden.
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Seite 8
Q.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwal-
tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021). Eine Aus-
nahme in sachlicher Hinsicht nach Art. 32 VGG liegt nicht vor und die Vor-
instanz ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem
VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1
VwVG), hat diese rechtzeitig und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) sowie den Vorschuss für die Verfahrenskosten
fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 i.V.m. Art. 21 Abs. 3 VwVG).
Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
1.2 Der vorliegende Sachverhalt betrifft die Steuerperiode 2016. In materi-
eller Hinsicht findet daher vorliegend ausschliesslich das am 1. Januar
2010 in Kraft getretene Mehrwertsteuergesetz (MWSTG, AS 2009 5203)
bzw. die dazugehörige Mehrwertsteuerverordnung vom 27. November
2009 (MWSTV, AS 2009 6743) Anwendung, auf welche nachfolgend refe-
renziert wird. Nicht zu berücksichtigen sind im vorliegenden Fall namentlich
die per 1. Januar 2018 und 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Änderungen
des MWSTG (SR 641.20).
Soweit im Folgenden auch auf die Rechtsprechung zum früheren Mehr-
wertsteuergesetz vom 2. September 1999 (aMWSTG, AS 2000 1300) bzw.
zur Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (aMWSTV, AS
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Seite 9
1994 1464) verwiesen wird, liegt der Grund darin, dass die gesetzlichen
Vorschriften soweit hier interessierend inhaltlich nicht geändert haben und
die Rechtsprechung für das MWSTG übernommen werden kann.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
1.4 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die
entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus
abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss (teilweise ein-
geschränkt durch Mitwirkungspflichten der Verfahrensbeteiligten). Die Be-
schwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätzliche Sachver-
haltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstandpunkte, für die
sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht zumindest An-
haltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1).
1.5 Gelangt das Gericht trotz genügender Abklärung des Sachverhalts un-
ter Respektierung des Untersuchungsgrundsatzes und aufgrund der
(freien) Beweiswürdigung (vgl. Art. 81 Abs. 3 MWSTG) nicht zur Überzeu-
gung, eine rechtserhebliche Tatsache habe sich verwirklicht, so stellt sich
die Frage, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt
grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-
chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-
forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-
gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und
steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-
chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken
(anstelle vieler: Urteil des BGer 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014
E. 2.3.3; Urteile des BVGer A-4544/2019 vom 5. Mai 2020, E. 1.6,
A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September 2017 E. 1.4, m.w.H.).
2.
2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland von steuerpflichtigen
Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen; sie sind steuerbar, soweit
das MWSTG keine Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer, Art. 18 Abs. 1
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Seite 10
MWSTG). Als Leistung gilt die Einräumung eines verbrauchsfähigen wirt-
schaftlichen Wertes an eine Drittperson in Erwartung eines Entgelts (Art. 3
Bst. c MWSTG). Sie besteht in einer Lieferung oder einer Dienstleistung
(vgl. Art. 3 Bst. d und e MWSTG).
2.2 Mehrwertsteuerpflichtig ist, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck
und Gewinnabsicht ein Unternehmen betreibt und nicht von der Steuer-
pflicht befreit ist. Ein Unternehmen betreibt, wer eine auf die nachhaltige
Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtete berufliche oder
gewerbliche Tätigkeit selbständig ausübt und unter eigenem Namen nach
aussen auftritt (Art. 10 Abs. 1 Bst. a und b MWSTG, in der hier massgebli-
chen Fassung, vgl. E. 1.2 [dies gilt auch im Folgenden]). Befreit ist ein
Steuerpflichtiger unter anderem, wenn er im Inland innerhalb eines Jahres
weniger als Fr. 100'000.-- Umsatz aus steuerbaren Leistungen erzielt, so-
fern er nicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht verzichtet (Art. 10
Abs. 2 Bst. a MWSTG). Die Befreiung von der Steuerpflicht endet, sobald
das Total der im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsätze die Grenze von
Fr. 100'000.-- erreicht hat oder absehbar ist, dass diese Grenze innerhalb
von 12 Monaten nach der Aufnahme oder Ausweitung der unternehmeri-
schen Tätigkeit überschritten wird (Art. 14 Abs. 3 MWSTG).
2.3 Die Mehrwertsteuer wird vom tatsächlich empfangenen Entgelt berech-
net (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 MWSTG).
2.4
2.4.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach dem
Selbstveranlagungsprinzip. Der Steuerpflichtige stellt dabei eigenständig
fest, ob er die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht erfüllt (Art. 10
und 66 MWSTG), ermittelt die Steuerforderung selber (Art. 71 MWSTG)
und begleicht diese innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode (Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Dies bedeutet vorab, dass der Leistungs-
erbringer bereits für die Feststellung seiner Mehrwertsteuerpflicht selbst
verantwortlich ist und sich gegebenenfalls unaufgefordert anzumelden hat
(Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteil des BVGer A-4922/2012 vom 14. Juni
2013 E. 2.3). Bei festgestellter Steuerpflicht hat er sodann selbst und un-
aufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und die
Steuer an die ESTV abzuliefern (vgl. Urteil des BGer 2C_1077/2012,
2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.1; vgl. Urteil des BVGer
A-5551/2019
Seite 11
A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.5.1, m.w.H.). Allerdings kann die
ESTV bei steuerpflichtigen Personen Kontrollen durchführen (Art. 78
MWSTG). Solche Kontrollen sind innert 360 Tagen seit der Ankündigung
mit einer Einschätzungsmitteilung abzuschliessen, wobei darin der Umfang
der Steuerforderung für den kontrollierten Zeitraum festgehalten wird
(Art. 78 Abs. 5 MWSTG; Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. November
2016 E. 3.2; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-1618/2018 vom 26. März
2019 E. 2.2.1).
2.4.2 Zu den Pflichten der mehrwertsteuerpflichtigen Person gehört insbe-
sondere auch die ordentliche Buchführung. Der Mehrwertsteuerpflichtige
hat seine Geschäftsbücher und Aufzeichnungen nach den handelsrechtli-
chen Grundsätzen zu führen (Art. 70 Abs. 1 MWSTG). Die Buchführung ist
das lückenlose und planmässige Aufzeichnen sämtlicher Geschäftsvorfälle
einer Unternehmung auf der Grundlage von Belegen. Sie schlägt sich in
den Geschäftsbüchern und den zugehörigen Aufzeichnungen nieder (vgl.
Urteile des BVGer A-4580/2014 vom 9. Juni 2015 E. 3.4.2 und
A-6198/2012 vom 3. September 2013 E. 2.7.2; BEATRICE BLUM, in: Gei-
ger/Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, 2012 [nachfolgend:
MWSTG Kommentar], Rz. 3 ff. zu Art. 70 MWSTG; vgl. zum Ganzen: Urteil
des BVGer A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.5.2).
Da das Selbstveranlagungsprinzip auch die Anmeldepflicht umfasst
(Art. 66 MWSTG und vorne E. 2.4.1), sind auch Unternehmerinnen und
Unternehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten, durch
geeignete Massnahmen periodisch zu überprüfen, ob sie der Mehrwert-
steuerpflicht unterliegen (BVGE 2009/60 E. 2.5.1; Urteile des BVGer
A-4922/2012 vom 14. Juni 2013 E. 2.4.2 und 3.1, A-4876/2012 vom
11. März 2013 E. 2.6.2).
2.4.3 Nach der Rechtsprechung ist die steuerpflichtige Person, die einen
bargeldintensiven Betrieb führt, ohne Einschränkung zur Führung eines
Kassabuchs verpflichtet. Bei einem bargeldintensiven Betrieb hat der Steu-
erpflichtige die Bareinnahmen und -ausgaben fortlaufend, lückenlos und
grundsätzlich tagfertig in einem Kassabuch aufzuzeichnen und täglich ei-
nen Kassensturz vorzunehmen (Urteile des BGer 2C_885/2019 vom
5. März 2020 E. 5.2, 2C_530/2019 vom 23. Januar 2020 E. 4.3.1). Nur auf
A-5551/2019
Seite 12
diese Weise ist gewährleistet, dass die erfassten Bareinnahmen vollstän-
dig sind, das heisst den effektiven Bareinnahmen entsprechen. Die zent-
rale Bedeutung eines korrekt geführten Kassabuchs ist allen Steuerarten
gleichermassen eigen (Urteil des BGer 2C_950/2015 vom 11. März 2016
E. 4.2; Urteile des BVGer A-1098/2019 vom 10. September 2019 E. 2.2.2
mit zahlreichen Hinweisen, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.4.3
und A-7088/2016 vom 11. Dezember 2017 E. 2.3.3, A-5875/2009 vom
16. Juni 2010 E. 3.2.2 und E. 3.3).
Wer einen bargeldintensiven Betrieb unterhält und weder tägliche Kassen-
stürze vornimmt noch überhaupt ein tagfertiges Kassabuch führt, nimmt
billigend in Kauf, dass eine Unterbesteuerung eintritt und akzeptiert eine
Ermessenseinschätzung (Urteile des BGer 2C_885/2019 vom 5. März
2020 E. 5.2, 2C_530/2019 vom 23. Januar 2020 E. 4.3.1, je m.w.H.).
2.5
2.5.1 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor (Verstoss
gegen die formellen Buchführungsvorschriften) oder stimmen die ausge-
wiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht
überein (Verstoss gegen die materiellen Buchführungsregeln), so schätzt
die ESTV die Steuerforderung nach pflichtgemässem Ermessen ein
(Art. 79 Abs. 1 MWSTG) und die Festsetzung der Steuerforderung erfolgt
mit einer Einschätzungsmitteilung (Art. 79 Abs. 2 MWSTG; weiterführend
zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_885/2019 vom 5. März 2020 E. 5.3
m.w.H.; Urteile des BVGer A-1098/2019 vom 10. September 2019 E. 2.2.2,
A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.5.2, je m.w.H.).
2.5.2 Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist
die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach
pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen. Die ESTV hat dabei alle Um-
stände zu beachten, von denen sie Kenntnis hat. Wohl hat die Steuerbe-
hörde eine vorsichtige Schätzung anzustellen, doch ist sie nicht verpflich-
tet, im Zweifelsfall die für die steuerpflichtige Person günstigste Annahme
zu treffen. Im Gegenteil, es soll vermieden werden, dass Steuerpflichtige,
die ihren Mitwirkungspflichten nicht nachkommen, am Ende bessergestellt
werden als solche, die es tun. Die Verletzung von Verfahrenspflichten darf
sich nicht lohnen. Fälle, in denen die Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungs-
pflichten nicht wahrnehmen bzw. keine, unvollständige oder ungenügende
A-5551/2019
Seite 13
Aufzeichnungen über ihre Umsätze (bzw. hinsichtlich der Feststellung oder
Überprüfung der Steuerpflicht) führen, dürfen keine Steuerausfälle zur
Folge haben (vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_1077/2012,
2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.3, m.w.H.; Urteile des BVGer
A-5892/2018 vom 4. Juli 2019 E. 2.6.1, A-7088/2016 vom 11. Dezember
2017 E. 2.5.1 und A-874/2017 vom 23. August 2017 E. 2.6.3, m.w.H.).
2.5.3 Ist die ESTV verpflichtet, eine Schätzung nach pflichtgemässem Er-
messen vorzunehmen, hat sie diejenige Schätzungsmethode zu wählen,
die den individuellen Verhältnissen im Betrieb der steuerpflichtigen Person
soweit als möglich Rechnung trägt, auf plausiblen Annahmen beruht und
deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe kommt (statt vieler:
Urteile des BGer 2C_950/2015 vom 11. März 2016 E. 4.5, 2C_576/2015
vom 29. Februar 2016 E. 3.4 und 2C_1077/2012, 2C_1078/2012 vom
24. Mai 2014 E. 2.3). In Betracht kommen Schätzungsmethoden, die auf
eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhaltung hin-
auslaufen, aber auch Umsatzschätzungen aufgrund unbestrittener Teil-
Rechnungsergebnisse in Verbindung mit Erfahrungssätzen. Die brauchba-
ren Teile der Buchhaltung und allenfalls vorhandene Belege sind soweit als
möglich bei der Schätzung zu berücksichtigen. Sie können durchaus als
Basiswerte der Ermessenstaxation fungieren (statt vieler: Urteile des
BVGer A-874/2017 vom 23. August 2017 E. 2.6.4, A-3050/2015 vom 6. Ok-
tober 2015 E. 2.7.2 und A-665/2013 vom 10. Oktober 2013 E. 2.6.2, je
m.w.H.; PASCAL MOLLARD, TVA et taxation par estimation, ASA 69
S. 530 ff.).
2.5.4 Die Vorinstanz zieht bei ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es
im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen für eine Ermessensveranla-
gung, sei es für die Vornahme der Schätzung. Nach der Rechtsprechung
ist das Abstellen auf Erfahrungszahlen grundsätzlich nicht zu beanstanden
(statt vieler: BVGE 2009/60 E. 2.8; Urteil des BVGer A-1133/2018 vom
26. September 2018 E. 2.7).
Erfahrungszahlen sind Ergebnisse, die aus zuverlässigen Buchhaltungen
gewonnen und nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten statistisch
verarbeitet werden. Sie sind keine Rechtssätze und auch keine Beweismit-
tel (solange sie nicht z.B. durch ein Sachverständigengutachten erwiesen
sind), die den ordnungsgemäss geführten Geschäftsbüchern gleichgestellt
A-5551/2019
Seite 14
wären (ZWEIFEL/HUNZIKER, Beweis und Beweislast im Steuerverfahren bei
der Prüfung von Leistung und Gegenleistung unter dem Gesichtswinkel
des Drittvergleichs [«dealing at arm's length»], ASA 77 S. 658 ff., S. 665,
S. 679, m.w.H.; statt vieler: Urteile des BVGer A-1133/2018 vom 26. Sep-
tember 2018 E. 2.7.1 und A-5175/2015 vom 1. März 2016 E. 2.7.1).
Erfahrungszahlen drücken Gesetzmässigkeiten in den Verdienstverhältnis-
sen einzelner Branchen aus. Diese Funktion kommt ihnen aber nur dann
zu, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen (ZWEIFEL/HUNZIKER,
a.a.O., S. 679). Sollen Erfahrungswerte Aufschluss über durchschnittliche
Umsatzziffern geben, müssen sie breit abgestützt sein und sollten nebst
der Betriebsstruktur und den regionalen Gegebenheiten auch die Be-
triebsgrösse berücksichtigen (MOLLARD, a.a.O., S. 553). Mit anderen Wor-
ten müssen sie aufgrund umfassender, repräsentativer, homogener und
aktueller Stichproben gewonnen werden. Das verlangt, dass sie aufgrund
einer genügenden Anzahl von Fällen ermittelt werden. Der Stichprobenum-
fang lässt sich nicht in einer absoluten Zahl bestimmen, welche für alle
Branchen gültig wäre. Die Wahl der Stichproben darf nicht einseitig nur
günstige oder ungünstige Verhältnisse betreffen. Sie muss alle Verhält-
nisse in angemessener Anzahl umfassen, um repräsentative Ergebnisse
ermitteln zu können (BVGE 2009/60 E. 2.8.2; statt vieler: Urteile des BVGer
A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.7.2 und A-5175/2015 vom
1. März 2016 E. 2.7.2; ausführlich: Urteil des BVGer A-3821/2017 vom
24. April 2019 E. 2.4.3).
Aus der Begründungspflicht folgt, dass die Steuerbehörde der steuerpflich-
tigen Person die Grundlagen der Erfahrungszahlen kundzugeben hat
(ZWEIFEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 682 f.). Insbesondere hat die Behörde der
steuerpflichtigen Person die Art und Weise, wie die Ermessensveranla-
gung zustande gekommen ist – umfassend auch die Zahlen und Erfah-
rungswerte – bekannt zu geben. Sodann hat sie zu erläutern, dass die zum
Vergleich herangezogenen Betriebe nicht nur der gleichen Branche ent-
stammen wie das eingeschätzte (gegebenenfalls) steuerpflichtige Unter-
nehmen, sondern auch in anderer Hinsicht vergleichbar sind, wie zum Bei-
spiel betreffend Standort, Betriebsgrösse, Kundenkreis usw. Nur so ist es
der steuerpflichtigen Person möglich, die Veranlagung sachgerecht anzu-
fechten (BVGE 2009/60 E. 2.8.4, m.w.H.; Urteile des BVGer A-5892/2018
A-5551/2019
Seite 15
vom 4. Juli 2019 E. 2.7.3, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.7.3
und A-5175/2015 vom 1. März 2016 E. 2.7.3).
Da es sich bei Erfahrungszahlen prinzipiell um Durchschnittswerte handelt,
dürfen sie im Einzelfall nicht lediglich in schematischer Weise angewendet
werden. In Ausübung des pflichtgemässen Ermessens muss bei der An-
wendung von Erfahrungszahlen deshalb deren Streubreite (zwischen Ma-
ximal- und Minimalwert) beachtet werden, wenn eine den individuellen Ver-
hältnissen gerecht werdende Schätzung erfolgen soll. Inwiefern die Ver-
waltung ihr Ermessen ausgeübt hat, ist in der Entscheidbegründung dar-
zulegen (BVGE 2009/60 E. 2.8.4; Urteile des BVGer A-1133/2018 vom
26. September 2018 E. 2.7.4 und A-5175/2015 vom 1. März 2016 E. 2.7.4,
m.w.H.).
2.5.5 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft das Vorliegen der Voraus-
setzungen für die Vornahme einer Ermessenstaxation uneingeschränkt.
Bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagun-
gen auferlegt sich das Bundesverwaltungsgericht als ausserhalb der Ver-
waltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes, von der richter-
lichen Unabhängigkeit bestimmtes Gericht trotz des möglichen Rügegrun-
des der Unangemessenheit (vgl. vorne E. 1.3) eine gewisse Zurückhaltung
und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich setzt das
Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle
desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der Schätzung erhebliche Er-
messensfehler unterlaufen sind. Diese Praxis wurde vom Bundesgericht
wiederholt bestätigt (vgl. Urteile des BGer 2C_950/2015 vom 11. März
2016 E. 4.5, 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3 und 2C_426/2007 vom
22. November 2007 E. 4.3; Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli
2019 E. 2.8.1, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.8.1).
2.5.6 Für das Vorliegen der Voraussetzungen einer Ermessenseinschät-
zung ist nach der allgemeinen Beweislastregel die ESTV beweisbelastet
(E. 1.5). Sind die Voraussetzungen erfüllt («erste Stufe») und erscheint die
vorinstanzliche Schätzung nicht bereits im Rahmen der durch das Bundes-
verwaltungsgericht mit der gebotenen Zurückhaltung (E. 2.5.5) vorzuneh-
menden Prüfung als pflichtwidrig («zweite Stufe»), obliegt es – in Umkehr
der allgemeinen Beweislast – der steuerpflichtigen Person, den Nachweis
für die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen («dritte Stufe»).
A-5551/2019
Seite 16
Weil das Ergebnis der Ermessensveranlagung selbst auf einer Schätzung
beruht, kann sich die steuerpflichtige Person gegen eine zulässigerweise
durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemeiner Kritik zur
Wehr setzen. Namentlich kann sie sich nicht darauf beschränken, die Kal-
kulationsgrundlagen der Ermessenseinschätzung pauschal zu kritisieren.
Vielmehr hat sie anhand von Belegen nachzuweisen, dass die von der
ESTV vorgenommene Schätzung offensichtlich unrichtig ist (statt vieler:
Urteile des BGer 2C_1077/2012, 2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.5
und 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3; vgl. zum Ganzen statt vieler:
Urteil des BVGer A-7088/2016 vom 11. Dezember 2017 E. 2.6.3, m.w.H.).
Gelingt es der steuerpflichtigen Person nicht, zu beweisen, dass das Er-
gebnis der Ermessenseinschätzung klarerweise nicht mit den tatsächli-
chen Gegebenheiten übereinstimmt, hat sie die Folgen der Beweislosigkeit
zu tragen und es bleibt bei der bisherigen Schätzung. Dies ist das Resultat
einer Situation, die sie letztlich selber zu vertreten hat. Die steuerpflichtige
Person muss somit die Ungewissheit tragen, die eine Schätzung zwangs-
läufig mit sich bringt (vgl. Urteile des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli 2019
E. 2.8, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.8.2 und A-7215/2014
vom 2. September 2015 E. 2.8.3).
2.6 Die Steuerforderung ist innert 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode durch die steuerpflichtige Person zu begleichen (Zahlungsfrist;
Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Bei verspäteter Zahlung ist ohne Mahnung und
unabhängig vom Verschulden ein Verzugszins zu bezahlen (Art. 87
MWSTG). Der Verzugszinssatz beläuft sich gemäss der massgeblichen
Verordnung für die Zeit bis zum 31. Dezember 2009 auf 5 % und vom 1. Ja-
nuar 2010 bis zum 31. Dezember 2011 auf 4.5 %. Ab dem 1. Januar 2012
beträgt er noch 4 % (Art. 108 Bst. a MWSTG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Bst. a-c
der Verordnung des EFD vom 11. Dezember 2009 über die Verzugs- und
Vergütungszinssätze [SR 641.207.1]). Vom 20. März 2020 bis zum 31. De-
zember 2020 ist bei verspäteter Zahlung der Mehrwertsteuer allerdings
kein Verzugszins geschuldet (Art. 2 der Verordnung über den befristeten
Verzicht auf Verzugszinsen bei verspäteter Zahlung von Steuern, Len-
kungsabgaben und Zollabgaben sowie Verzicht auf die Darlehensrücker-
stattung durch die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit vom
20. März 2020 [SR 641.207.2]). Sind mehrere Abrechnungsperioden be-
A-5551/2019
Seite 17
troffen wird der Verzugszins praxisgemäss ab dem mittleren Verfall erho-
ben (Urteile des BVGer A-719/2018 vom 2. Mai 2019 E. 3.8 und
A-6905/2015 vom 22. Juni 2016 E. 15.1, m.w.H.).
2.7 Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht,
ist einerseits für den Tatbestand der Selbständigkeit massgeblich und nach
dem neuen Recht ausdrückliches Erfordernis für die subjektive Steuer-
pflicht (Art. 10 Abs. 1 Bst. b MWSTG). Andererseits ist das Auftreten in ei-
genem Namen im Aussenverhältnis für die Zurechnung der einzelnen Um-
sätze bzw. die Bestimmung des mehrwertsteuerlichen Leistungserbringers
entscheidend (vgl. Art. 20 Abs. 1 MWSTG). Das Handeln wird grundsätz-
lich demjenigen mehrwertsteuerlich zugerechnet, der nach aussen, gegen-
über Dritten im eigenen Namen als Leistungserbringer auftritt (zum Gan-
zen statt vieler: Urteil des BGer 2C_1001/2015 vom 5. Juli 2016 E. 3.2;
BVGE 2016/23 E. 2.2.2; Urteil des BVGer A-3050/2015 vom 6. Oktober
2015 E. 2.2.2; RALF IMSTEPF, Der mehrwertsteuerliche «Aussenauftritt»,
ASA 82 S. 451 ff.).
2.8 Ob eine Tätigkeit im Sinn von Art. 10 Abs. 1 MWSTG (vgl. vorne E. 2.2)
als selbständig oder unselbständig zu qualifizieren ist, bestimmt sich recht-
sprechungsgemäss aufgrund einer umfassenden Würdigung sämtlicher
einschlägiger Faktoren (Urteile des BGer 2C_554/2010 vom 21. Septem-
ber 2011 E. 2.2, 2C_426/2008 und 2C_432/2008 vom 18. Februar 2009
E. 2.2, 2C_430/2008 vom 18. Februar 2009 E. 2.2). Dabei hat die Beurtei-
lung der Tätigkeit in erster Linie nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Krite-
rien zu erfolgen (sog. «wirtschaftliche Betrachtungsweise»). Die zivil- bzw.
vertragsrechtliche Sicht ist nicht entscheidend, hat aber immerhin Indizwir-
kung (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-5431/2015 vom 28. April 2016
E. 2.2.4, mit weiteren Hinweisen).
Wichtige Indizien für die selbständige Ausübung einer Tätigkeit sind insbe-
sondere das Handeln und Auftreten in eigenem Namen gegenüber Dritten
(sog. Aussenauftritt, vgl. soeben E. 2.7), das Tragen des unternehmeri-
schen Risikos (Gewinn und Verlust), die Wahlfreiheit, eine Aufgabe anzu-
nehmen oder nicht, und die Freiheit, die Erfüllung der Aufgaben selbstän-
dig organisieren zu können. Eine Rolle spielen können ferner die Beschäf-
tigung von Personal, die Vornahme erheblicher Investitionen, eigene Ge-
schäftsräumlichkeiten, verschiedene und wechselnde Auftraggeber sowie
A-5551/2019
Seite 18
die betriebswirtschaftliche und arbeitsorganisatorische Unabhängigkeit
(statt vieler: BGE 138 II 251 E. 2.4.2; Urteile des BGer 2C_1001/2015 vom
5. Juli 2016 E. 3.4, 2C_554/2010 vom 21. September 2011 E. 2.2; Urteil
des BVGer A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 2.2.1).
Weitere – aber nicht allein ausschlaggebende – Indizien für die mehrwert-
steuerliche Behandlung einer Tätigkeit bildet ferner die Art der Abrechnung
der Sozialversicherungsbeiträge (statt vieler: Urteil des BGer 2A.47/2006
vom 6. Juli 2006 E. 3.2). Aufgrund der verschiedenen Zielsetzungen der
betreffenden Rechtsgebiete können sich jedoch zwischen der Beurteilung
nach mehrwertsteuerlichen Überlegungen und jener nach sozialversiche-
rungsrechtlichen Regeln Abweichungen ergeben. Es ist somit durchaus
möglich, dass ein und dieselbe Person in den verschiedenen Bereichen
unterschiedlich eingestuft wird. Letztlich ist angesichts des Wesens der
Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer der Begriff der Selbstän-
digkeit eher weit zu verstehen (zum Ganzen: Urteile des BVGer
A-904/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 3.2, A-565/2014 vom 27. August
2014 E. 2.2.2, A-6180/2012 vom 3. September 2013 E. 2.2.2 f.).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz den Umsatz des Beschwerde-
führers ermessensweise ermittelt. Aufgrund der Tatsache, dass die Um-
satzschätzung betreffend das Jahr 2015 einen Umsatz von über
Fr. 100'000 ergab, hat sie dessen Steuerpflicht per 1. Januar 2016 festge-
stellt (vgl. dazu E. 2.2). Der Beschwerdeführer bestreitet sowohl die Zuläs-
sigkeit der Ermessenseinschätzung als auch deren Höhe. In einem ersten
Schritt ist deshalb darüber zu befinden, ob die ESTV zu Recht das Vorlie-
gen der Voraussetzungen für eine Schätzung bejaht hat (E. 3.2). Erst und
nur falls dies zutrifft, gilt es in einem zweiten Schritt zu überprüfen, ob sich
die Ermessensveranlagung in ihrer Höhe als korrekt erweist und die Vo-
rinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, dass der Umsatz den Betrag
von Fr. 100'000 übersteigt, womit der Beschwerdeführer steuerpflichtig ge-
worden ist (E. 3.3 f.).
3.2
3.2.1 Die Vorinstanz begründet die Vornahme der Ermessenseinschätzung
mit lediglich summarischen bzw. lückenhaften Aufzeichnungen und insbe-
A-5551/2019
Seite 19
sondere dem fehlenden Kassabuch des Beschwerdeführers. Die nachge-
reichten Tagesrapporte würden nicht dem erforderlichen Kassabuch für
bargeldintensive Betriebe entsprechen. Die Tagesrapporte würden ledig-
lich die Erträge enthalten, weswegen eine regelmässige Kontrolle der Saldi
nicht möglich sei. Die Buchhaltung würde den Anforderungen an einen bar-
geldintensiven Betrieb nicht genügen. Die Aussagekraft der aktenkundigen
und die Steuerperiode 2015 betreffenden Belege sei nur beschränkt und
nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer erzielten Umsätze abschlies-
send festzustellen. Daran ändere auch die mit Schreiben vom 2. November
2019 ins Recht gelegte Aufstellung «A._ Taxi Service, Einzelfirma
2015» nichts, seien daraus doch keineswegs fortlaufende, lückenlose und
zeitnahe Ausgaben zu entnehmen. Weiterhin nicht belegt seien insbeson-
dere die Verpflegungs- und Benzinkosten im Jahr 2015, welche lediglich in
einem Gesamtbetrag ausgewiesen würden. Ebenfalls nur monatlich aufge-
führt würden die vom Beschwerdeführer erzielten Umsätze. Tägliche Kas-
senstürze seien somit auch mithilfe dieser Aufstellung ausgeschlossen,
denn es sei unmöglich zu bestimmen, wieviel Geld an einem bestimmten
Tag in der Kasse gewesen sei. Bei nur periodisch zusammengefassten Bu-
chungen wäre mittels separater Journale der Ein- und Ausgaben sicherzu-
stellen, dass die Prüfspur der jeweiligen Einzelbeträge gewährleistet
bliebe.
Nach der Rechtsprechung war der Beschwerdeführer gehalten, durch ge-
eignete Massnahmen periodisch zu überprüfen, ob er die Voraussetzun-
gen der Steuerpflicht erfüllt (vgl. dazu vorne E. 2.4.1 f.). Ein Taxibetrieb der
vorliegenden Art ist ein bargeldintensiver Betrieb (was auch unbestritten
ist; vgl. im Übrigen auch Urteil des BGer 2C_569/2012 vom 6. Dezember
2012 E. 4; Urteile des BVGer A-104/2013 vom 22. Juli 2013 E. 3.1.2,
A-4922/2012 vom 14. Juni 2013 E. 3.1, A-4876/2012 vom 11. März 2013
E. 3.1.2), weshalb die Führung eines tagfertigen Kassabuches zwingend
erforderlich ist bzw. gewesen wäre. Die Bareinnahmen und Barausgaben
müssen darin fortlaufend, lückenlos und zeitnah aufgezeichnet und durch
tägliche Kassenstürze kontrolliert werden (vgl. E. 2.4.3; vgl. auch Urteil des
BGer 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.2 und E. 4.3 mit ähnlicher
Sachverhaltskonstellation). Dies gilt auch für den Beschwerdeführer, denn
für die ihm obliegende periodische Überprüfung der Steuerpflicht wäre die
Führung eines tagfertigen Kassabuchs ebenfalls erforderlich gewesen (vgl.
vorne E. 2.4.1 sowie Urteil des BVGer A-4922/2012 vom 14. Juni 2013
A-5551/2019
Seite 20
E. 3.1). Auch unter der Berücksichtigung der erst im Verlaufe des Verfah-
rens vor Bundesverwaltungsgericht eingereichten Unterlagen ist der Vo-
rinstanz zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer kein Kassabuch im vor-
stehend genannten Sinn geführt hat: Die vom Beschwerdeführer einge-
reichten Tagesrapporte (Vernehmlassungsbeilage 11, 13) beinhalten nur
die Einnahmen, womit keine Kontrolle der Saldi möglich ist, wie die Vo-
rinstanz zu Recht geltend macht. Auch die mit Schreiben vom 2. November
2019 eingereichte Auflistung «A._ Taxi Service, Einzelfirma 2015»,
welche die Einnahmen und auch gewisse Ausgaben nur monatlich aufführt,
genügt den Anforderungen an ein ordentlich geführtes Kassabuch nicht.
Bereits angesichts des nicht erfüllten Erfordernisses eines tagfertigen Kas-
sabuchs war die ESTV zur Ermessenseinschätzung befugt und verpflich-
tet.
3.3 Im Nachfolgenden ist nun zu prüfen, ob die Vorinstanz die Ermessens-
veranlagung pflichtgemäss vorgenommen hat (sog. „zweite Stufe“
[E. 2.5.3 f.]; dazu nachfolgend E. 3.4) und, falls dies zu bejahen ist, ob es
dem Beschwerdeführer gelingt, die Unrichtigkeit der vorinstanzlichen
Schätzung nachzuweisen (sog. „dritte Stufe“ [E. 2.5.6]; dazu nachfolgend
E. 3.5).
Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Schätzung des Umsatzes des Jah-
res 2015 im vorliegenden Fall einzig für die Frage des Eintritts der Steuer-
pflicht des Beschwerdeführers per 1. Januar 2016 entscheidend ist (vgl.
E. 3.1 und 2.2.). Es muss somit im Folgenden einzig geprüft werden, ob
die Schätzung richtigerweise einen Umsatz von über Fr. 100'000.-- im Jahr
2015 ergeben hat, hingegen muss nicht im Detail überprüft werden, ob die
Schätzung (soweit sie richtigerweise Fr. 100'000.-- übersteigt) betragsmäs-
sig korrekt ist.
3.4 Zunächst ist also zu prüfen, ob das Vorgehen der Vorinstanz bei der
Ermessensveranlagung zu schützen ist (sog. zweite Stufe, E. 2.5.3 f.). Das
Bundesverwaltungsgericht übt bei dieser Prüfung Zurückhaltung und setzt
nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz,
wenn dieser erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind, sie ihr Ermes-
sen mit anderen Worten nicht pflichtgemäss ausgeübt hat (E. 2.5.5).
A-5551/2019
Seite 21
3.4.1 Die Vorinstanz stützte sich, wie sie im Einspracheentscheid (Ziff. 3.5)
ausführt, bei ihrer Umsatzkalkulation auf die Daten auf den Fahrtenschrei-
berkarten aus dem Jahr 2015, womit die total gefahrenen Kilometer be-
rechnet werden konnten. Gemäss Praxis der ESTV wurde für private Kilo-
meter zudem eine Pauschale von 100 Kilometer pro Arbeitswoche ge-
währt. Betreffend das Fahrzeug Modell C._ seien den Unterlagen
46 Arbeitswochen zu entnehmen und betreffend das Fahrzeug Modell
B._ sechs Arbeitswochen. Die geschäftlich gefahrenen Kilometer
wurden anschliessend mit dem Erfahrungswert der ESTV für den Umsatz
pro geschäftlich gefahrenen Kilometer für Taxichauffeure in der Stadt Basel
(Fr. 2.40 pro km) multipliziert, was zu einem kalkulierten Umsatz in der
Höhe von Fr. 119'978 führte.
3.4.2 Die Methodik der Ermittlung der geschäftlich gefahrenen Kilometer
und die Multiplikation mit einem durchschnittlichen Preis pro Kilometer (Er-
fahrungszahl) wurde sowohl vom Bundesverwaltungsgericht als auch vom
Bundesgericht in anderen Fällen bereits überprüft und als sachgerecht be-
urteilt (vgl. Urteile des BGer 2C_1010/2018 vom 21. Dezember 2018
E. 2.3, 2C_950/2015 vom 11. März 2016 E. 5.2, 2A.109/2005 vom
10. März 2006 E. 4.3 sowie 2C_835/2011 vom 4. Juni 2012 E. 4.5; Urteile
des BVGer A-7215/2014 vom 2. September 2015 E. 3.5 ff., A-4918/2012
vom 2. Juli 2013 E. 3.3 ff., A-1237/2012 vom 23. Oktober 2012 E. 3.4). Der
pauschale Abzug von 100 Kilometer pro Woche, welche als «private Kilo-
meter» eingestuft werden, ist ebenfalls nicht zu beanstanden (vgl. Urteile
des BGer 2C_1010/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.2, 2C_569/2012
vom 6. Dezember 2012 E. 6, 2C_206/2012 vom 6. September 2012 E. 4).
Die von der Vorinstanz angewendete Methode ist somit zulässig.
3.4.3 Die Vorinstanz hat sodann die Anzahl Kilometer mit einem Erfah-
rungswert von Fr. 2.40 multipliziert. Nach den Angaben der Vorinstanz er-
mittelte sie diesen Erfahrungswert gestützt auf Daten von 43 angestellten
Chauffeuren aus mehreren Taxibetrieben der Stadt Basel, erhoben in den
Jahren 2009 bis 2012. Dabei handle es sich sowohl um Tag- als auch um
Nachtchauffeure, um Vollzeit- und Teilzeitchauffeure. Der Mittelwert be-
trage dabei Fr. 2.31 pro Kilometer. Um die Trinkgelder zu berücksichtigen,
welche von den angestellten Taxifahrern abgeliefert werden müssen, nicht
jedoch von Selbständigerwerbenden, sei dieser Betrag auf Fr. 2.40 Umsatz
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Seite 22
pro geschäftlich gefahrenem Kilometer aufgerundet worden, was einem
geschätzten Trinkgeld von etwa 5% entspreche. Im Erfahrungswert enthal-
ten seien auch diverse Fahrten zu Spezialtarifen wie Kundenkarten, Flug-
hafenfahrten, Kreditfahrten, Fahrten für grosse Chemiekonzerne etc. (zum
Ganzen: Einspracheentscheid, S. 9).
Die Vorinstanz hat somit den von ihr angewendeten Erfahrungswert genü-
gend geschildert und begründet (vgl. dazu vorne E. 2.5.4). Zusätzlich dazu
illustrierte sie anhand diverser, aus den Tagesrapporten des Beschwerde-
führers entnommenen Beispielen, dass der Kilometerpreis des Beschwer-
deführers nicht unter dem angesetzten Erfahrungswert gelegen hat (siehe
dazu Einspracheentscheid, S. 10 f.). Der Erfahrungswert in der Höhe von
Fr. 2.40 pro geschäftlich gefahrenem Kilometer kann (im Rahmen der vor-
liegenden Prüfung unter «Stufe 2», vgl. vorne E. 2.5.3 f.) nicht beanstandet
werden und wurde bereits in dieser Höhe von der Rechtsprechung bestä-
tigt (so in Urteil des BGer 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 4.3; vgl. fer-
ner zu gutgeheissenen Kilometeransätzen von gar über Fr. 2.40 pro ge-
schäftlich gefahrenem Kilometer Urteile des BGer 2C_1010/2018 vom
21. Dezember 2018 E. 2.3 f. sowie 2C_835/2011 vom 4. Juni 2012 E. 2.5
m.w.H.).
3.5 Auf der sog. dritten Stufe obliegt es nun dem Beschwerdeführer aufzu-
zeigen bzw. nachzuweisen, in welchen Punkten die Schätzung der Vo-
rinstanz offensichtlich unrichtig sein soll (vgl. vorne E. 2.5.6). Im Folgenden
ist somit auf die Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen, mit wel-
chen er die Ermessenseinschätzung beanstanden möchte.
3.5.1 Was den Ansatz von Fr. 2.40 anbelangt (welcher wie erläutert im
Grundsatz nicht zu beanstanden ist, siehe vorne E. 3.4.3), so macht der
Beschwerdeführer geltend, dass der für ihn zu wählende Ansatz niedriger
sein müsse, nämlich «schätzungsweise unter Fr. 2.00». Jedoch hat er die
Richtigkeit dieses eigenen Ansatzes von «schätzungsweise unter Fr. 2.00»
nicht nachvollziehbar begründet und auch nicht mit Belegen untermauert.
Auch sein Vorbringen, dass ein Flughafentaxi mit Stadttaxis nicht vergli-
chen werden könne und ein Flughafentaxi den Preis von Fr. 2.40 nicht er-
reichen könne, hat er nicht bewiesen. Ebensowenig ist dem Beschwerde-
führer der Nachweis gelungen, dass der Ansatz der Vorinstanz offensicht-
lich unrichtig ist.
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3.5.2 Der Beschwerdeführer macht sodann – und zwar erstmals im Ver-
fahren vor dem Bundesverwaltungsgericht – geltend, dass das Fahrzeug
Modell B._ auch noch von einer weiteren Fahrerin gelenkt worden
sei, welche selbständig Umsätze erwirtschaftet habe. Hierzu reicht der Be-
schwerdeführer neu Fahrtenschreiberkarten des Jahres 2015 ein (blauer
Karton, beschrieben mit «D._ 2015 Fahrzeug Modell B._»),
auf welchen «D._» als Fahrerin aufgeführt ist.
Es kann somit grundsätzlich (und in Übereinstimmung mit der Vorinstanz)
davon ausgegangen werden, dass es tatsächlich eine zweite Fahrerin gab,
welche mit den Fahrzeugen des Beschwerdeführers Fahrten durchführte.
Aus mehrwertsteuerlicher Sicht ist nun aber entscheidend, in wessen Na-
men die Taxifahrten ausgeführt wurden (E. 2.7 f.). Unterlagen, welche be-
legen würden, dass D._ mit dem fraglichen Fahrzeug des Be-
schwerdeführers Fahrten ausgeführt hat, die sie in eigenem Namen faktu-
riert hat oder für die sie in anderer Weise in eigenem Namen handelte,
liegen jedoch nicht vor und die Behauptung des Beschwerdeführers kann
nicht als belegt angesehen werden.
Der Beschwerdeführer hat dem Bundesverwaltungsgericht im Übrigen
Rechnungen (mit Briefkopf der GmbH) eingereicht, auf welchen teilweise
der Name «D._» handschriftlich notiert wurde. Daraus könnte ab-
geleitet werden, dass gewisse (möglicherweise) von der zweiten Fahrerin
zurückgelegte Fahrten von der GmbH fakturiert wurden. Auch dies lässt die
Behauptung, D._ habe ihre Fahrten als selbständige Unternehme-
rin ausgeführt, wenig glaubwürdig erscheinen, sondern würde eher nahe-
legen, dass diese zweite Fahrerin bezüglich ihrer Fahrten gerade nicht in
eigenem Namen gehandelt hat.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass D._ auch von der
Suva als selbständige Limousinenfahrerin akzeptiert worden sei und reicht
hierzu ein Schreiben der Suva vom 22. September 2017 ein, worin festge-
halten wird, dass besagte D._ ab dem 16. März 2015 für ihre Tätig-
keit im Bereich Limousinenservice als selbständigerwerbend gelte. Das
Schreiben der Suva ändert jedoch nichts am vorstehend Gesagten. Zu-
nächst beurteilt die Suva lediglich die Tätigkeit von D._ aus sozial-
versicherungsrechtlicher Sicht, nicht jedoch aus mehrwertsteuerrechtli-
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cher. Es ist keine Bindungswirkung in Bezug auf die mehrwertsteuerrecht-
liche Qualifikation gegeben und es bleiben unterschiedliche Ergebnisse
denkbar (vgl. vorne E. 2.8). Überdies gilt festzuhalten, dass selbst wenn
D._ tatsächlich während der vorliegend interessierenden Zeit-
spanne selbständig erwerbstätig gewesen wäre, es trotzdem nicht ausge-
schlossen wäre, dass sie gleichzeitig auch einer unselbständigen Tätigkeit
nachgegangen ist und Fahrten (aus mehrwertsteuerlicher Sicht) für den
Beschwerdeführer ausgeführt hat. Ebenfalls schwierig nachvollziehbar er-
scheint dem Gericht, dass während des gesamten Verfahrens vor der Vo-
rinstanz mit keinem Wort eine angeblich selbständige zweite Fahrerin er-
wähnt wurde.
Weil der Beschwerdeführer letztlich die Folgen der Beweislosigkeit zu tra-
gen hat, kann er auch in diesem Punkt aufgrund des Ausgeführten nichts
zu seinen Gunsten ableiten.
3.5.3 In einem weiteren erstmals vor Bundesverwaltungsgericht vorge-
brachten Argument macht der Beschwerdeführer geltend (so namentlich in
der Eingabe vom 10. November 2019), es seien sämtliche Rechnungen mit
der Endung «L» (L=Limousine) vom gesamten Umsatz abzuziehen, weil
diese Fakturen von der Vorinstanz bereits seiner GmbH zugeordnet wor-
den seien. Konkret seien im von ihm selbst verbuchten und deklarierten
Umsatz der Einzelunternehmung von Fr. 93'011.30 bereits «Fr. 50'516.50
GmbH Fahrten» enthalten. Eine nochmalige Besteuerung dieses Betrags
würde eine Doppelbesteuerung bewirken. Um sein Vorbringen zu belegen,
reichte der Beschwerdeführer die Einschätzungsmitteilung Nr. (...) betref-
fend E._ GmbH vom 7. April 2017 ein, woraus sich ergibt, dass der
Umsatz der GmbH im hier relevanten Jahr 2015 aufgrund der Addition der
Rechnungen effektiv ermittelt und auf Fr. 271'449 festgesetzt wurde. Zu-
sätzlich werden von der GmbH ausgestellte Rechnungen eingereicht. Der
Beschwerdeführer ist der Meinung, dass diejenigen Rechnungen betref-
fend Fahrten mit dem Fahrzeug Modell C._ aufgrund der erfolgten
Berücksichtigung bei der Besteuerung der GmbH für die Einschätzung sei-
ner Einzelfirma unberücksichtigt bleiben müssten.
Die Vorinstanz schildert in ihrer Eingabe vom 20. Februar 2020, dass die
mit dem Briefkopf der E._ GmbH ausgestellten Rechnungen tat-
sächlich – aufgrund des Aussenauftritts – mittels Einschätzungsmitteilung
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Nr. (...) der genannten GmbH zugeordnet worden seien. Dass ein Teil die-
ser auf den Rechnungen aufgeführten Taxifahrten angeblich mit dem Fahr-
zeug Modell C._ durchgeführt worden seien, werde vom Beschwer-
deführer hingegen nicht nachgewiesen. Dieser Auffassung stimmt das Ge-
richt zu. Auf einigen der nachgereichten Belege findet sich zwar das hand-
schriftlich hinzugefügte Wort «Modell C._», weitere Unterlagen,
welche zu belegen vermöchten, dass der Beschwerdeführer mit dem Fahr-
zeug Modell C._ auch Umsätze erzielt hat, die der GmbH zugerech-
net wurden, hat er aber nicht eingereicht.
Des Weiteren fehlt eine nachvollziehbare Auflistung der fraglichen Fahrten.
So kann das Gericht aufgrund der Unterlagen nicht nachvollziehen, wie der
Beschwerdeführer auf den von ihm geltend gemachten Betrag von
Fr. 50'516.50 gekommen ist (wobei in einer früheren Eingabe vom 2. No-
vember 2019 noch von Fr. 20'000 die Rede ist, während in einer späteren
Eingabe vom 18. April 2020 dann ein Betrag von CHF 52'403.30 genannt
wird, was kaum zur Klärung des Sachverhalts beiträgt). Die Summe der
Totale der Spalte Limousinenservice auf den eingereichten Tagesabrech-
nungen (Vernehmlassungsbeilage 12 und 14) entspricht jedenfalls keinem
dieser vom Beschwerdeführer genannten Beträge.
Sodann enthalten diese Tagesabrechnungen, auf welche sich der Be-
schwerdeführer immer wieder bezieht, zwar Hinweise, dass mit dem Fahr-
zeug Modell C._ Limousinenfahrten durchgeführt worden sind.
Nicht nachgewiesen bleibt jedoch, dass diese Fahrten mit dem Fahrzeug
Modell C._ von der GmbH fakturiert wurden. Auch wenn es gewisse
Übereinstimmungen gibt, lassen sich die auf den Tagesabrechnungen auf-
geführten Fahrten nicht zweifelsfrei den eingereichten Rechnungen der
GmbH (und den Fahrten mit handschriftlichem Vermerk «Modell
C._») zuordnen bzw. auf diesen ablesen. Es ist grundsätzlich nicht
am Bundesverwaltungsgericht, jede einzelne Position auf den Tagesab-
rechnungen mit den Rechnungen abzugleichen. Unter diesen Umständen
vermögen somit auch die Tagesabrechnungen in Verbindung mit den ein-
gereichten Rechnungen der GmbH keinen genügenden Beweis zu erbrin-
gen. Unklar ist im Übrigen, zu welchem Zeitpunkt die handschriftlichen Ver-
merke «Modell C._» auf den Rechnungen angebracht worden sind.
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Ebenfalls zu erwähnen bleibt, dass der Beschwerdeführer auch dieses Ar-
gument der «Doppelbesteuerung» erst im Verfahren vor dem Bundesver-
waltungsgericht vorgebracht hat, was zusätzliche Fragen aufwirft. Insge-
samt vermag der Beschwerdeführer nicht nachzuweisen, dass mit dem
Fahrzeug Modell C._ Fahrten durchgeführt wurden, welche der
GmbH zuzurechnen wären und bereits von dieser versteuert worden sind.
Auch mit diesem Argument gelingt es dem Beschwerdeführer somit nicht,
den ihm obliegenden Nachweis für die offensichtliche Unrichtigkeit der
Schätzung zu erbringen.
3.5.4 Im Ergebnis misslingt dem Beschwerdeführer damit der Nachweis
der offensichtlichen Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Schätzung.
3.6 Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich insgesamt als
rechtmässig. Die Beschwerde ist infolgedessen abzuweisen.
4.
4.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind in Anwendung von
Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2)
auf Fr. 1'000.-- festzusetzen. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
4.2 Parteientschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario sowie Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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