Decision ID: 34ece622-213e-48bd-ab1e-6ccf86e19092
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Sachbeschädigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht , vom 7. November 2019 (GG170230)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. Oktober 2017
(Urk. DS1/9) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
"1. Der Beschuldigte ist schuldig der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 50.–, wovon bis heute 1 Tagessatz durch Haft erstanden ist.
3. Die Geldstrafe wird vollzogen.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren Fr. 950.– Auslagen Polizei (Aufwand FOR)
Fr. 346.50 Institut für Rechtsmedizin (Auswertung und Beweiswert-berechnung von DNA Spuren)
Fr. 300.– Diverse Kosten Fr. 442.– FOR (Fotodokumentation) Fr. 5'888.45 amtliche Verteidigung (RA X2._) Fr. 4'300.– amtliche Verteidigung (RA X1._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
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7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der amtliche Verteidiger, Rechts-
anwalt X2._, mit Verfügung vom 20. November 2018 bereits entschä-
digt wurde.
Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt X1._, ist aus der Gerichtskasse
mit Fr. 4'300.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 75 S. 3; Urk. 85 S. 6)
1. Das Strafverfahren gegen Herrn A._ sei einzustellen;
eventualiter sei Herr A._ vom Vorwurf der Sachbeschädigung frei-
zusprechen.
2. Die Kosten der Strafuntersuchung, des gerichtlichen Verfahrens sowie
die Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
3. Herrn A._ sei für die erstandene Haft eine Genugtuung im Betrage
von Fr. 300.-- auszurichten.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 80)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
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Considerations:
Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Am 15. September 2015 wurde das Parteisekretariat der B._ (B'._)
an der C._-strasse ... in Zürich von schwarz gekleideten, vermummten Per-
sonen aufgesucht. Dabei wurden Steine gegen die Fensterscheiben und Fla-
schen, welche mit Farbe gefüllt waren, gegen die Hausfassade geworfen. An der
Fassade wurden Symbole und folgender Text angebracht: "...!". Die Spurenaus-
wertung des Forensischen Instituts Zürich (FOR) ergab auf einem der Steine,
welche ins Sekretariat der B'._ geworfen worden waren, eine Übereinstim-
mung mit dem Beschuldigten (Urk. DS2/8/1). Am 5. Februar 2018 fand die Haupt-
verhandlung vor Vorinstanz statt, anlässlich derer der Verteidiger verschiedene
Beweisergänzungsanträge stellte (Prot. I S. 10; Urk. 18). Darauf unterbrach die
Vorinstanz die Hauptverhandlung und ergänzte das Beweisverfahren. Sie zog die
Fotografien des FOR bei und forderte das FOR auf, offenzulegen, in welcher
Form die DNA auf dem Stein sichergestellt worden sei (Urk. 24). Weiter wurde ein
Gutachten zum Beweiswert der DNA-Spur eingeholt (Urk. 25) und D._ als
Zeuge einvernommen (Prot. I S. 25, Urk. 53). Nach zahlreichen Verschiebungen
wurde die Hauptverhandlung am 7. November 2019 fortgesetzt (Prot. I S. 31).
Gleichentags erging das Urteil, welches mündlich eröffnet wurde (Prot. I S. 37 ff.).
2. Der amtliche Verteidiger meldete noch vor Schranken mündlich Berufung
gegen das vorinstanzliche Urteil an (Prot. I S. 39). Der Versand des begründeten
Urteils erfolgte am 14. Januar 2020 (Urk. 72/1-2). Am 31. Januar 2020 ging hier-
orts die Berufungserklärung des amtlichen Verteidigers ein (Urk. 75). Die Staats-
anwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 10. Februar 2020 auf Anschlussberu-
fung (Urk. 80).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte in Begleitung
seines amtlichen Verteidigers.
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II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
1.1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID/JOSITSCH, StPO Praxiskommentar, 3. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2018, Art. 402 N 1).
1.2. Der amtliche Verteidiger beantragt die Einstellung des Verfahrens gegen
den Beschuldigten, eventualiter verlangt er einen Freispruch (Urk. 75 S. 2). Ange-
fochten sind damit die Dispositivziffern 1 bis 6 des erstinstanzlichen Urteils
(Urk. 73).
1.3. Nicht angefochten und demzufolge in Rechtskraft erwachsen ist somit ein-
zig Dispositivziffer 7 des Urteils vom 7. November 2019 betreffend die Entschädi-
gung des amtlichen Verteidigers, was vorab festzustellen ist. Im Übrigen ist das
ganze vorinstanzliche Urteil unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbo-
tes (reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO) zu überprüfen.
2. Strafantrag
2.1. Die Verteidigung macht geltend, es liege kein gültiger Strafantrag vor,
weshalb das Verfahren gemäss Art. 329 Abs. 4 StPO einzustellen sei (Urk. 64
S. 2 ff., S. 6; Urk. 85 S. 6 ff.). Es sei unklar, ob E._ zur Stellung eines Straf-
antrags berechtigt gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft müsse im vorliegenden
Strafprozess, welcher von der Untersuchungsmaxime beherrscht sei, aber bewei-
sen, dass E._ in seiner Funktion als Parteisekretär berechtigt gewesen sei,
die B'._ in dieser Angelegenheit zu vertreten. Wenn dieser Beweis nicht er-
bracht werde, komme der Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung (Urk. 64
S. 2 ff.; Urk. 85 S. 8).
2.2. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 6B_431/2010 vom 24. September
2010 die Frage offen gelassen, ob der Grundsatz "in dubio pro reo" auch im Be-
reich der Prozessvoraussetzungen anwendbar ist. Der Grundsatz ist aber ohnehin
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nur dann relevant, wenn sich erhebliche Zweifel an der Gültigkeit des Strafantrags
ergeben.
2.3. Bei juristischen Personen sind nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung all jene Personen berechtigt, wegen eines Deliktes gegen das Vermögen
Strafantrag zu stellen, die ausdrücklich oder stillschweigend damit beauftragt sind,
die infrage stehenden Interessen der juristischen Person zu wahren bzw. den be-
treffenden Vermögenswert zu verwalten. Demzufolge wird bei der Prüfung der
Legitimation zur Stellung eines Strafantrags nicht einzig auf die Zeichnungsbe-
rechtigung gemäss Handelsregistereintrag abgestellt. Massgebend ist, dass der
Strafantrag dem Willen der Gesellschaftsorgane nicht widerspricht und von diesen
genehmigt werden kann. Zur Stellung eines Strafantrags bedarf es keiner beson-
deren Ermächtigung im Sinne von Art. 462 Abs. 2 OR, wenn der Strafantrag ledig-
lich darauf abzielt, den öffentlichen Ankläger in die Lage zu versetzen, das Straf-
verfahren einzuleiten (Urteil des Bundesgerichts 6B_545/2016 vom 6. Februar
2017 E. 1.3, m.w.H.).
2.4. Vorliegend wurde das Parteisekretariat der B'._ an der C._-
strasse ... in Zürich beschädigt. Die B'._ des Kantons Zürich ist – wie bei po-
litischen Parteien in der Schweiz üblich – als Verein organisiert. Ihre Organisation
ist den öffentlich zugänglichen Statuten zu entnehmen
(https://B'._zh.ch/publikationen/programm-und-statuten.html, besucht am 16.
Mai 2020). Die B'._ des Kantons Zürich gehört der B'._ der Schweiz an
und gliedert sich in Bezirks-, Orts- und Kreisparteien (Art. 2 Statuten). Mitglieder
der B'._ des Kantons Zürich sind die Bezirks- und Ortsparteien sowie die
Kreisparteien der Stadt Zürich (Art. 3 Statuten). Den Statuten ist weiter zu ent-
nehmen, dass der Geschäftsleitung die Vertretung der Kantonalpartei gegen aus-
sen obliegt (Art. 14 lit. a Statuten). Der Geschäftsführer gehört von Amtes wegen
der Geschäftsleitung an (Art. 13 Statuten). E._ hat die Statuten am 22. No-
vember 2017 als Geschäftsführer unterzeichnet. Aufgrund der Statuten ist
E._ somit als Geschäftsführer mit der Vertretung der B'._ des Kantons
Zürich nach aussen betraut und deshalb ohne weiteres zur Stellung eines Straf-
antrags legitimiert. Unabhängig von der konkreten statutarischen Regelung kann
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aber mit der Vorinstanz (Urk. 73 S. 9) festgehalten werden, dass ein Parteisekre-
tär zweifellos die Interessen seiner Partei zu wahren hat. Entsprechend verfügt
ein Parteisekretär auch über die Kompetenz, einen Strafantrag zu stellen, wenn
die Partei geschädigt wurde. Bei einem entstandenen Sachschaden entspricht die
Stellung des Strafantrags durchaus dem Willen der Vereinsorgane. Die Vorbrin-
gen der Verteidigung zielen ins Leere, und es ist auch nicht weiter von Relevanz,
dass sowohl die kantonale als auch die städtische B'._ an der C._-
strasse ... in Zürich domiziliert sind (vgl. Urk. 85 S. 6 f.). Vielmehr war E._
zur Antragstellung im Interesse der B'._ berechtigt.
2.5. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erfüllen auch die von den
Geschädigten mündlich gestellten und in den jeweiligen Polizeirapporten vermerk-
ten Strafanträge die Formerfordernisse von Art. 304 Abs. 1 StPO (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1237/2018 vom 15. Mai 2019 E. 1.3.3 und E. 1.4.1). Dies gilt
auch, wenn Polizeirapporte nicht eigenhändig unterschrieben sind, sondern nur
mit einer Signatur des in allen Fällen eindeutig erkennbaren Erstellers versehen
sind (Urteil des Obergerichts Zürich SB190084 vom 30. August 2019, E. II. 2.2).
2.6. Gemäss Polizeirapport vom 18. September 2015 stellte E._ bereits
am 16. September 2015 mündlich einen Strafantrag wegen Sachbeschädigung
(Urk. DS2/1 S. 4). Dass er am 27. Oktober 2015 den Strafantrag auf dem ent-
sprechenden Formular auch noch schriftlich stellte (Urk. DS2/5), ändert nach der
erwähnten Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts an der Gültigkeit des be-
reits am 16. September 2015 mündlich gestellten und im Polizeirapport vermerk-
ten Strafantrags (Urk. DS2/1 S. 4).
2.7. Es liegt somit zweifellos ein gültiger Strafantrag seitens der B'._ des
Kantons Zürich vor.
3. Verfahrensmängel
3.1. Die Verteidigung bringt vor, die Polizei habe bereits ermittelt, bevor ein
formeller Strafantrag gestellt worden sei. Sie habe entgegen Art. 303 Abs. 2 StPO
nicht nur die unaufschiebbaren sichernden Massnahmen getroffen, sondern auch
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Spuren ausgewertet. Der Kurzbericht des FOR datiere vom 22. Oktober 2015,
während der Strafantrag erst am 27. Oktober 2015 gestellt worden sei. Es handle
sich um unzulässige Polizeiarbeit, weshalb die derart erlangten Erkenntnisse und
die daraus abgeleiteten Beweise unverwertbar seien (Urk. 64 S. 6 ff.; Urk. 85
S. 8 ff.).
3.2. Bei Straftaten, die nur auf Antrag oder nach Ermächtigung verfolgt werden,
wird ein Vorverfahren erst eingeleitet, wenn der Strafantrag gestellt oder die Er-
mächtigung erteilt wurde. Die zuständige Behörde kann schon vorher die unauf-
schiebbaren sichernden Massnahmen treffen (Art. 303 Abs. 1 und 2 StPO).
3.3. Die Geschädigte stellte bereits einen Tag nach dem Vorfall, am 16. Sep-
tember 2015, einen gültigen Strafantrag (vgl. vorstehend Ziff. 2.5 f.). Damit be-
stand für die Polizei ab dem 16. September 2015 kein Grund, die Ermittlungen auf
die unaufschiebbaren, sichernden Massnahmen zu beschränken. Vielmehr war
sie verpflichtet, die notwendigen Untersuchungshandlungen vorzunehmen, insbe-
sondere Spuren zu sichern und auszuwerten. Folglich handelt es sich beim Kurz-
bericht des FOR vom 22. Oktober 2015 nicht um unzulässige und unverwertbare
Polizeiarbeit.
4. Beweisantrag
4.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Verteidigung den Beweis-
antrag, es sei beim Institut für Rechtsmedizin, Forensische Genetik, ein Gutach-
ten zur Wahrscheinlichkeit einer Wanderung von DNA-Spuren einzuholen
(Urk. 85 S. 1). Zur Begründung ihres Antrages führt die Verteidigung aus, nicht
das Gericht habe zu beurteilen, wie wahrscheinlich eine Wanderung von DNA-
Spuren sei bzw. wie lange sich diese auf einem Spurenträger halten würden,
sondern zur Klärung dieser Fragen sei eine sachverständige Person beizuziehen.
Die vorgebrachte Erklärung, wonach diejenige Person, die den Stein geworfen
habe, Handschuhe getragen haben könnte, auf welchen sich DNA-Spuren des
Beschuldigten befunden haben könnten, welche dann von den Handschuhen auf
den Stein übertragen worden sein könnten, erscheine gestützt auf das eingereich-
te Schreiben des Instituts für Rechtsmedizin vom 29. November 2016 (Urk. 86)
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wissenschaftlich absolut plausibel. Demzufolge würden gute Gründe bestehen,
den vorinstanzlichen Schuldspruch in Zweifel zu ziehen und eine gutachterliche
Beurteilung zu beantragen (Urk. 85 S. 2 ff.).
4.2. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erübrigt sich die Abnahme weiterer
Beweismittel durch die Berufungsinstanz (Erw. III.4.).
III. Sachverhalt
1. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt. Er hat im ge-
samten Verfahren keine Aussagen zur Sache gemacht (Urk. DS2/4; Prot. I S. 8 f.
und S. 35; Prot. II S. 10 f.).
2. Beweiswürdigungsregeln
2.1. Aus der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 10 StPO statuierten Unschuldsvermu-
tung als Beweislastregel folgt, dass es nicht Sache der beschuldigten Person ist,
ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden verpflichtet sind, den
Nachweis der Schuld zu führen. Diese Pflicht obliegt den Strafverfolgungsorganen
unabhängig davon, ob die beschuldigte Person den Tatvorwurf bestreitet oder
nicht. Die Beweisführungslast des Staates umfasst nicht nur den objektiven und
subjektiven Tatbestand, sondern alle Strafbarkeitsvoraussetzungen und damit un-
ter anderem auch, soweit nach dem infrage stehenden Sachverhalt diesbezüglich
konkrete Zweifel bestehen, das Nichtvorliegen von Rechtfertigungs- und/oder
Schuldausschlussgründen (WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2014, Art. 10 N 6 f.).
2.2. Die Vorinstanz hielt fest, das Schweigen eines Beschuldigten könne unter
Umständen zu seinem Nachteil gewertet werden (Urk. 73 S. 8). Die in diesem Zu-
sammenhang zitierten Entscheide des Bundesgerichts beziehen sich jedoch auf
die Beweiswürdigung im Zusammenhang mit der Haltereigenschaft bei Strassen-
verkehrsdelikten. Die Haltereigenschaft ist bei einem Strassenverkehrsdelikt, das
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von einem nicht identifizierten Fahrzeuglenker begangen wurde, ein Indiz für die
Täterschaft. Insbesondere darf der Richter ohne Verletzung der Unschuldsvermu-
tung im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss gelangen, der Halter habe
das Fahrzeug selber gelenkt, wenn dieser sich weigere, Angaben darüber zu ma-
chen, wer der tatsächliche Lenker gewesen sei (Urteil des Bundesgerichts
6B_243/2018 vom 6. Juli 2018 E. 1.4.2 m.w.H.). Auf den vorliegenden Fall kön-
nen diese Grundsätze jedoch nicht angewendet werden. Im Urteil 6B_30/2010
vom 1. Juni 2010 hat das Bundesgericht allerdings erwogen, der Richter könne
aus der Weigerung des Beschuldigten, nähere Angaben zum Sachverhalt zu ma-
chen, seine Schlüsse ziehen, sofern eine Erklärung des Beschuldigten angesichts
der belastenden Beweiselemente vernünftigerweise erwartet werden dürfte und
dieser sich nicht zu Recht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufe. Weigere
sich der Beschuldigte, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu machen und
würden Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden Behauptungen feh-
len, dürfe das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen, dessen
Vorbringen seien als unglaubhaft zu qualifizieren, ohne dass dadurch eine Verlet-
zung des Aussageverweigerungsrechts des Beschuldigten oder eine verfas-
sungswidrige Umkehr der Beweislast vorliege (Urteil des Bundesgerichts
6B_30/2010 vom 1. Juni 2010 E. 4.1; auch Urteil des Bundesgerichts
6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4). Vorliegend hat der Beschuldigte von
seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, jedoch über seine Ver-
teidigung entlastende Angaben dazu machen lassen, wie seine DNA auf den
Stein gekommen sei. Ferner hat er diese Angaben durch einen Arztbericht betref-
fend Schuppenflechte (Urk.19/1) sowie einen Bericht des IRM betreffend Transfer
von DNA-Spuren (Urk. 86) dokumentiert. Es liegt demzufolge keine Weigerung
des Beschuldigten vor, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu machen.
Die vorgenannten Bundesgerichtsentscheide erweisen sich somit als nicht ein-
schlägig.
2.3. Im vorliegenden Kontext ebenfalls nicht einschlägig ist der Hinweis der Vo-
rinstanz, im Bereich rechtfertigender Tatsachen treffe den Beschuldigten eine ge-
wisse Beweislast. Die von der Vorinstanz wiedergegebenen Grundsätze beziehen
sich auf die Beweislastumkehr, die bei vom Beschuldigten geltend gemachten
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Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründen zum Zuge kommt (vgl.
SCHMID/JOSITSCH, StPO Praxiskommentar, a.a.O., Art. 10 N 2a; BSK StPO-
TOPHINKE, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 10 N 21). Vorliegend beruft sich der Beschul-
digte nicht etwa auf einen Rechtfertigungs- oder auf einen Schuldausschluss-
grund, sondern er bestreitet die Täterschaft als solche.
2.4. Im konkreten Fall liegt die Beweislast für die Täterschaft des Beschuldigten
aufgrund des Gesagten uneingeschränkt bei der Anklagebehörde. Entsprechend
trägt der Staat die Folgen der Beweislosigkeit, wenn der Schuldbeweis misslingt
und der Beschuldigte ist nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen.
2.5. In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht grundsätzlich frei. Es darf sich
gestützt auf Art. 10 Abs. 3 StPO von der Existenz eines für den Beschuldigten
ungünstigen Sachverhalts aber nur dann überzeugt erklären, wenn bei objektiver
Betrachtung keine erheblichen und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen,
dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat wie eingeklagt (BGE 127 I 38 E. 2a
m.w.H.; BGE 124 IV 86). Die Überzeugung des Gerichts muss auf einem verstan-
desgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Be-
obachter nachvollziehbar sein (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches
Strafprozessrecht, 6. Aufl., 2005, § 54 Rz. 11, S. 247). Soweit ein direkter Beweis
nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Ge-
samtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik", zu würdigen ist (BGE 133 I 33
E. 4.4.1 ff.; Pra 2004 Nr. 51 S. 257; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.).
3. Schäden und Schadenshöhe
3.1. Als Beweismittel für die in der Anklageschrift aufgeführten Schäden an
den zwei Fensterscheiben, an der Fassade und an der Schranktüre liegen die Fo-
tos der Stadtpolizei Zürich (Urk. DS2/2/1) und diejenigen des FOR vor (Urk. 31/3).
Darin sind die Schäden an zwei Fensterscheiben wie auch die Farbverunreini-
gungen an der Fassade dokumentiert (Urk. DS2/2/1 S. 1 ff.; Urk. 31/3 S. 5 ff., Fo-
topositionen 2 und 5, wobei in der Fotodokumentation des FOR bei der Beschrei-
bung zu Fotoposition 5 lediglich die roten Farbabtragungen erwähnt wurden).
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3.2. Mit Bezug auf die Schadenshöhe hat die Vorinstanz zu Recht darauf hin-
gewiesen, dass für die in der Anklageschrift genannten Schadensbeträge keiner-
lei Beweismittel vorliegen (Urk. 73 S. 17). Die diesbezüglichen Angaben in der
Anklageschrift scheinen auf den Polizeirapport zurückzugehen, welcher aber
selbstredend kein Beweismittel für die Höhe des entstandenen Sachschadens
darstellt. Es liegen keine Reparaturrechnungen oder ähnliches für die entstande-
nen Schäden vor. Daraus folgt, dass der Anklagesachverhalt, wonach ein Scha-
den von rund Fr. 2'000.– durch das Einschlagen der Fensterscheiben, ein solcher
von Fr. 10'000.– durch die Verunreinigung der Fassade mit Farbe und ein weite-
rer in der Höhe von Fr. 1'000.– durch das Loch in der Türe des Büroschranks ent-
standen sein sollen, nicht erstellt werden kann.
3.3. Die Vorinstanz gelangte nach einlässlicher Würdigung der vorliegenden
Beweismittel zum Schluss, dass aufgrund der Zeugenaussagen von D._
(Urk. 53), des Spurenberichts des FOR (Urk. 31/2), der Fotodokumentationen der
Stadtpolizei Zürich und des FOR (Urk. DS2/2/1; Urk. DS2/7, Urk. 31/3) und auf-
grund des Bekennerschreibens (Urk. DS2/2/2; Urk. DS2/2/3) erstellt sei, dass in
der Nacht vom 15. September 2019 (recte: 2015) um ca. 23.40 Uhr mehrere
...aktivisten das Parteisekretariat der B'._ an der C._-strasse ... in ...
Zürich mit Steinen und Farben bewarfen (Urk. 73 S. 11 f.). Um unnötige Wieder-
holungen zu vermeiden, kann an dieser Stelle auf die zutreffenden Erwägungen
im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die gegenteili-
gen Vorbringen der Verteidigung überzeugen nicht. Richtig ist zwar, dass der
Zeuge D._ anlässlich seiner Einvernahme vor Vorinstanz am 13. Juni 2019
keine detaillierten Angaben mehr zur Tatnacht machen konnte. Dies ist ange-
sichts der Tatsache, dass seine Einvernahme erst 3 Jahre und 9 Monate nach
dem Vorfall stattfand, auch nicht weiter erstaunlich. Die eher vagen Aussagen des
Zeugen stimmen jedoch mit den aus den übrigen Beweismitteln gewonnenen Er-
kenntnissen überein. Zudem wird im Bekennerschreiben (Urk. DS2/2/2) nicht nur
der Anschlag selbst ("Wir haben in der Nacht auf heute das Büro der B'._ an
der C._-strasse in Zürich mit Steinen und Farbe angegriffen.") beschrieben,
sondern es werden auch detaillierte Angaben zum Motiv des Anschlages ge-
macht. Die Angaben im Bekennerschreiben stimmen mit dem dokumentierten
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Schadensbild überein. Es bestehen deshalb keine Zweifel daran, dass in der
Nacht vom 15. September 2015 um ca. 23.40 Uhr eine Gruppe von Aktivisten das
Parteisekretariat der B'._ an der C._-strasse ... in ... Zürich mit Steinen
und Farben bewarf. Dabei wurden zwei Fensterscheiben eingeschlagen und die
Fassade mit Farbe verunreinigt.
4. Täterschaft des Beschuldigten
4.1. Wie erwähnt hat der Beschuldigte im gesamten Strafverfahren keinerlei
Aussagen zur Sache gemacht (Urk. DS2/4; Prot. I S. 8 f. und S. 35; Prot. II
S. 10 f.).
4.2. Als einziges Beweismittel, welches auf eine Täterschaft des Beschuldigten
hinweist, liegt ein Stein vor, auf welchem die DNA des Beschuldigten festgestellt
werden konnte. Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-
rich vom 16. April 2018 kommt zum Schluss, dass die DNA-analytische Auswer-
tung am Spurenasservat ab Naturstein ein DNA-Mischprofil ergeben habe. Inner-
halb dieses DNA-Mischprofils seien bestimmte DNA-Merkmale weit stärker in Er-
scheinung getreten als die übrigen, welche nur sehr schwach ausgeprägt vorge-
legen, nicht konstant nachweisbar und reproduzierbar gewesen seien, sodass sie
keine weiteren Interpretationen zulassen würden. Die sehr stark hervortretenden
DNA-Merkmale würden sich zu einem sogenannten DNA-Hauptprofil einer männ-
lichen Person zusammenfassen lassen. Dieses nachgewiesene DNA-Hauptprofil
stimme vollkommen mit dem DNA-Profil des Beschuldigten überein. Der Beweis-
wert des am Spurenasservat nachgewiesenen DNA-Profils sei ca. 9 Milliarden
mal grösser, wenn Spurengeberschaft des Beschuldigten angenommen werde,
als wenn als Spurengeber eine unbekannte, mit dem Beschuldigten genetisch
nicht verwandte Person angenommen werde (Urk. 35/1 S. 2).
4.3. Im Spurenbericht des FOR vom 22. Oktober 2015 wurde festgehalten,
dass die Spur ... auf einem Stein mit den Massen 7/7/4 cm gefunden worden sei
und dieser Stein auf der Foto-Position 11 abgebildet sei (Urk. DS2/8/1 S. 2). Die-
se Feststellung ist offensichtlich falsch. Die Verteidigung wie auch die Vorinstanz
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haben dies richtig erkannt (Urk. DS2/8/1 S. 2; Urk. 64 S. 12 f.; Urk. 73 S. 13). Im
einzelnen ist dazu Folgendes auszuführen:
4.4. Auf den in der Fotodokumentation enthaltenen Innenaufnahmen sind zwei
Steine ersichtlich (Urk. 31/3 S. 22 und 26). Ein länglicher Stein liegt am Kopfende
des vorderen der beiden Tische neben einem Stuhlbein (Urk. 31/3 S. 22). Ein
rundlicher Stein liegt an der Längsseite desselben Tisches unter einem Stuhl.
Aufgrund der Fotos lässt sich ohne weiteres erkennen, welcher der beiden Steine
die Masse 7/7/4 cm bzw. 10/7/5 cm hat. So muss es sich zweifellos bei dem Stein
mit der Grösse 7/7/4 cm um den an der Längsseite des Tisches, unter einem
Stuhl liegenden Stein handeln. Ebenso zweifelsfrei kann festgestellt werden, dass
der Stein mit der Grösse 10/7/5 cm am Tischende neben einem Stuhlbein lag.
Aufgrund der Grösse und der Form der Steine muss es sich beim Stein mit den
Massen 7/7/4 cm um den in der Fotodokumentation mit der Position 10 gekenn-
zeichneten Stein und beim Stein mit den Massen 10/7/5 cm um den mit der Posi-
tion 11 bezeichneten Stein handeln. Wie es dazu kam, dass diese beiden Steine
im Spurenbericht unter der falschen Foto-Position aufgeführt wurden, kann nicht
mehr eruiert werden. Die Vorinstanz hat jedoch zu Recht festgehalten, dass die-
ser Fehler den Spurenbericht nicht unverwertbar macht (Urk. 73 S. 13 f.). Die im
Spurenbericht angegebenen Masse der beiden Steine können ohne weiteres den
auf den Fotos ersichtlichen Steinen zugeordnet werden. Es steht somit zweifels-
frei fest, dass sich die DNA des Beschuldigten auf einem der beiden Steine be-
fand, welche durch die beiden Fenster des B'._-Sekretariats geworfen wur-
den. Da nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden kann, ob das FOR die beiden
Steine oder nur deren Foto-Position verwechselte (letzteres scheint zwar nahelie-
gender) lässt sich nur erstellen, dass sich die DNA des Beschuldigten auf einem
Stein befand, welcher eine Fensterscheibe beschädigte. Ob die DNA des Be-
schuldigten tatsächlich auf dem Stein mit der Grösse 7/7/4 cm anhaftete, der nicht
nur eine Fensterscheibe durchschlug, sondern auch noch ein Loch in der Türe
des Büroschrankes hinterliess, lässt sich jedoch nicht nachweisen.
4.5. Die Verteidigung vertritt den Standpunkt, der Beschuldigte sei zur Tatzeit
nicht am Tatort gewesen und dessen DNA habe auf unterschiedliche Art und
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Weise auf den Stein gelangen können. Zur Begründung führt sie aus, der Be-
schuldigte leide nachweislich an Schuppenflechten, weshalb sich regelmässig
Hautpartikel auf seiner Hautoberfläche und seiner Kleidung befinden würden. Da
er mit seinen Kollegen und Kolleginnen einen Umgang pflege, bei welchem Be-
rührungen alltäglich seien, so beispielsweise bei der Begrüssung mittels Klaps auf
die Schultern oder indem ein Arm um die Schultern gelegt werde, sei eine Über-
tragung seiner Hautzellen auf die Hände oder Handschuhe einer Drittperson nicht
auszuschliessen. Der Beschuldigte sei ein politisch wacher Zeitgenosse, welcher
Kontakte zu ebenfalls kritischen Kollegen und Kolleginnen habe, und es sei nicht
auszuschliessen, dass er am fraglichen Abend in grösserer oder geringerer Ent-
fernung vom Tatort jemanden getroffen habe, welcher sich kurze Zeit später ohne
Kenntnis des Beschuldigten an der inkriminierten Tat beteiligt habe. Habe diese
Drittperson beispielsweise durch ein Begrüssungsritual Hautschuppen des Be-
schuldigten an den Händen oder Handschuhen gehabt, so hätten diese Schuppen
beim Packen des Steines auf diesen wandern können. Dies sei eine Erklärung
dafür, wie die DNA des Beschuldigten auf den Stein habe gelangen können, ohne
dass dieser an der inkriminierten Tat beteiligt gewesen sei. Dass eine Wanderung
von DNA-Spuren wissenschaftlich plausibel sei, werde durch das eingereichte
Schreiben des Instituts für Rechtsmedizin vom 29. November 2016 (Urk. 86) be-
stätigt. Dem Beschuldigten könne eine Beteiligung an den anklagegegenständli-
chen Vorkommnissen somit nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, weshalb er
freizusprechen sei (Urk. 64 S. 12 ff.; Urk. 85 S. 13 f.).
4.6. Wie aus dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-
rich vom 16. April 2018 hervorgeht, wurde vor der DNA-analytischen Auswertung
keine Spurenartbestimmung durchgeführt. Das Spurenasservat sei als sogenann-
te Kontaktspur ab einem Stein zugestellt worden. Als Kontaktspuren würden Spu-
ren bezeichnet, bei denen man davon ausgehe, dass der Spurengeber durch
Hautkontakt mit einem Gegenstand Zellrückstände an diesem Gegenstand hinter-
lassen habe. Da das Spurenmaterial für die DNA-Analyse aufgebracht worden
sei, sei es nicht mehr möglich, im Nachhinein noch eine Spurenartbestimmung
durchzuführen (Urk. 35/1 S. 2). Ob es sich beim Spurenmaterial um Schuppen,
Blut oder andere Körperflüssigkeiten handelt, muss unter den gegebenen Um-
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ständen nicht geklärt werden. Der Beschuldigte leidet nachgewiesenermassen
unter massiver Schuppenflechte (Urk. 19/1A). Es ist somit grundsätzlich durchaus
denkbar, dass der Stein mit einer Schuppe des Beschuldigten in Kontakt gekom-
men sein könnte.
4.7. Gemäss Schreiben des Instituts für Rechtsmedizin vom 29. November
2016 hängt eine DNA-Übertragung wie auch ein Sekundär- oder Tertiärtransfer
von DNA-Spuren von zahlreichen verschiedenen Faktoren ab. Dabei spiele nicht
nur die Art des Materials und die Oberflächenbeschaffenheit des primären Ge-
genstandes, von dem die DNA-Spur übertragen werde, und die Art des Materials
sowie die Oberflächenbeschaffenheit des Gegenstandes, auf welchen die DNA-
Spur letztlich übertragen werde, eine wesentlich Rolle, sondern auch die Art der
Spur, beispielsweise Hautzellen oder Körpersekrete wie Speichel, Blut etc. sowie
der Zustand der Spur, ob feucht oder trocken. Entscheidend für die Transferrate
sei auch die Art, die Dauer und Intensität der Berührung. Reibung verstärke im
Vergleich zu passivem Kontakt oder Druck eine Übertragung. Auch die Haut-
feuchtigkeit einer Person spiele eine Rolle (Urk. 86 S. 2).
4.8. Da gemäss Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-
rich vom 16. April 2018 auf dem fraglichen Naturstein ein DNA-Mischprofil festge-
stellt wurde und eine Wanderung von DNA-Spuren möglich ist, was das Schrei-
ben des Instituts für Rechtsmedizin vom 29. November 2016 bestätigt, lässt sich
die Argumentation der Verteidigung, wie die DNA des Beschuldigten auf den
Stein übertragen worden sein könnte, nicht ohne rechtserhebliche Zweifel wider-
legen. Es kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die DNA des Be-
schuldigten durch einen Händedruck oder durch die Übertragung einer
Hautschuppe mittels DNA-Transfer von einer Drittperson auf den fraglichen Stein
gelangt sein könnte, welche den Stein dann warf und so die anklagegegenständli-
che Sachbeschädigung verursachte. Aufgrund des Gesagten lässt sich nicht
zweifelsfrei erstellen, dass der Beschuldigte einen der beiden Steine geworfen
hat, welcher eine Fensterscheibe des B'._-Sekretariats durchschlagen und
dieselbe beschädigt hat.
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4.9. Gemäss Anklagesachverhalt war der Beschuldigte Teil der Gruppierung,
welche die Fensterscheiben einschlug und die Fassade verunreinigte; er beteiligte
sich gleichmassgeblich an den Handlungen der anderen und war damit einver-
standen (Urk. DS1/9 S. 2). Mittäterschaft ist die gemeinschaftliche Verübung einer
Straftat in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken. Mittäter ist, wer bei der
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in mass-
gebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbetei-
ligter dasteht (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; Urteil des Obergerichts Zürich SB190084
vom 30. August 2019 E. III. 3). Der Mittäter wirkt bei der Fassung des Tatent-
schlusses mit oder macht sich den Vorsatz der übrigen an der Tat Hauptbeteilig-
ten später (bis spätestens zur Vollendung des Delikts) zu eigen, wobei eine kon-
kludente Erklärung genügt. Er ist bewusst und gewollt Teil des Ganzen, des ge-
meinsamen deliktischen Unternehmens, akzeptiert die Rolle eines Hauptbeteilig-
ten und beherrscht als solcher den zur Tatbestandsverwirklichung führenden Ge-
schehensablauf durch seinen Tatbeitrag zusammen mit den übrigen Beteiligten
(BGE 118 IV 397 E. 2b).
4.10. Da keine Beweismittel für eine Beteiligung des Beschuldigten als Mittäter
an den Sachbeschädigungen vorliegen, lässt sich nicht erstellen, dass der Be-
schuldigte sich am 15. September 2015 zusammen mit anderen Personen vor
das Parteisekretariat der B'._ an der C._-strasse ... in Zürich begeben
haben soll. Die in der Anklageschrift umschriebene Mittäterschaft des Beschuldig-
ten an der Beschädigung der zweiten Fensterscheibe und der Verunreinigung der
Fassade lässt sich folglich ebenfalls nicht erstellen.
4.11. Fazit
Der in der Anklageschrift geschilderte Sachverhalt lässt sich nicht rechtsgenü-
gend erstellen, weshalb der Beschuldigte gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO in Anwen-
dung des Grundsatzes in dubio pro reo vom Vorwurf der Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB freizusprechen ist. Demzufolge erübrigt es sich,
auf den anlässlich der Berufungsverhandlung gestellten Beweisantrag des Be-
schuldigten (vgl. vorstehend, Erw. II.4.) einzugehen.
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IV. Genugtuung
Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person, welche ganz
oder teilweise freigesprochen wird, Anspruch auf eine Genugtuung für besonders
schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Frei-
heitsentzug. Der Beschuldigte befand sich vom 1. Mai 2017, 17.30 Uhr, bis 2. Mai
2017, 16.30 Uhr, in Haft (Urk. DS3/5/1; DS3/5/6), wofür ihm eine Genugtuung in
der Höhe von Fr. 300.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 4) ist zu bestätigen. Aus-
gangsgemäss – der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im Berufungs-
verfahren – sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfahren auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 2 und Art. 428 Abs. 1 StPO). Die
amtliche Verteidigung ist für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren sodann mit
Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.; Urk. 87) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.