Decision ID: 7531f522-ffee-4467-b074-87ad865752db
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
I. Sachverhalt:
1. A._ war zuletzt als Software Consultant bei der B._ GmbH im
Bereich der Automobilindustrie tätig. Zu ihren Aufgaben gehörten u.a. die
Installation von Software, Kundenschulungen, Echtstartbetreuungen,
Telefonsupport sowie Kundenbesuche. Ihr letzter effektiver Arbeitstag war
am 7. Dezember 2015, bevor sie freigestellt wurde. Die Kündigung erfolgte
aus wirtschaftlichen Gründen per Ende März 2016. Danach meldete sie
sich bei der Arbeitslosenversicherung an und absolvierte zwei
Einsatzprogramme bei der C._ vom 12. September 2016 bis zum 9.
Dezember 2016 sowie vom 3. April 2017 bis zum 30. Juni 2017.
2. In gesundheitlicher Hinsicht berichtete A._ über bereits seit dem
Jugendalter bestehende Schmerzen in beiden Knien, in den Schulter- und
Handgelenken sowie Daumen, Beschwerden im Nackenbereich und
massive Berührungsempfindlichkeiten an beiden Oberschenkeln und
Händen. Am 5. April 2015 erlitt sie einen Verkehrsunfall mit
Auffahrkollision. Danach beklagte A._ namentlich eine Zunahme der
Schmerzen im ganzen Körper, ein Brennen an den Fusssohlen, massive
Müdigkeit, Schlafstörungen und Darmbeschwerden. Vom 2. September
2015 bis zum 7. Oktober 2015 befand sie sich zur stationären
Rehabilitation in der Klinik D._. Dabei diagnostizierten die Dres. med.
E._ und F._ in ihrem Austrittsbericht vom 16. Oktober 2015 eine
Fibromyalgie sowie ein Hyperlaxizitätssyndrom. Zudem berichteten sie,
dass sich bei A._ unter den rehabilitativen Massnahmen insgesamt
ein erfreulicher Verlauf gezeigt habe; insbesondere hätten die
Belastbarkeit, die Mobilität und die Schmerzkontrolle deutlich verbessert
werden können.
3. Im Januar 2017 überwies der Hausarzt, Dr. med. G._, A._
wegen persistierender Beschwerden an eine Schmerzklinik. Die dort
behandelnden Ärztinnen, Dres. med. H._ und I._, bestätigten im
- 3 -
Rahmen der Erstkonsultation am 16. März 2017 die Diagnosen eines
Hyperlaxizitätsyndroms sowie einer Fibromyalgie, chronischen
Schlafstörungen und rezidivierendem Schwächegefühl. Sie stellten
chronische therapiefraktäre Schmerzen mit wechselnden
Hauptbeschwerden bei aktuell u.a. lumbalem Dauerschmerz beidseits mit
Ausstrahlung fest. Daneben berichtete A._ über
Überempfindlichkeiten, Übelkeit und Durchfall sowie einer zu wenig
starken Wirkung der medikamentösen Analgesie (Palexia). Um dies zu
korrigieren, setzten die Behandlerinnen zusätzlich neu insbesondere
niedrig dosiertes Methadon ein und verordneten Wassertherapie und
Ergotherapie u.a. zum Erlernen von Pacing- und Coping-Strategien mit
Blick auf die Schmerzsituation.
4. Im August 2018 meldete sich A._ unter Hinweis auf die Fibromyalgie
bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum
Leistungsbezug an. Letztere führte daraufhin erwerbliche und
medizinische Abklärungen durch. Am 13. November 2018 wurde A._
von Dr. med. J._, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz,
untersucht. Er konnte neben den vorbefundlichen Diagnosen auch das
bekannte Beschwerdebild mit rezidivierenden Magen-Darm-Beschwerden
mit Nausea, rezidivierendem Erbrechen, gelegentlichen Bauchkrämpfen
und Durchfällen sowie vermehrter Müdigkeit und Schwäche bzw.
Erschöpfbarkeit bestätigen. Die depressive Niederstimmung stufte er als
affektive Begleiterscheinung zum somatischen Beschwerdebild ein.
Aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen sowie der dreijährigen
Absenz vom Arbeitsprozess mit entsprechender Dekonditionierung
befand er initial ein Pensum von 40 bis 50 % mit zu Beginn noch
eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Bedarf an Zusatzpausen für
zumutbar. Auf mittlere Sicht ging er von einer Arbeitsfähigkeit von 70 bis
80 % aus. Aus medizinischer Sicht empfahl er, berufliche
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
- 4 -
5. Mit Mitteilung vom 18. März 2019 gewährte die IV-Stelle A._ in
Bejahung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche im Sinne eines
Bewerbungscoachings. Aufgrund einer fortgesetzten Suchtproblematik
wurde A._ mit Schreiben vom 27. März 2019 zu einer ärztlich
kontrollierten Abstinenz von Alkohol und anderen Suchtmitteln anhand von
regelmässig durchzuführenden Blut- und Urinproben aufgefordert.
Nachdem die Laborwerte für den Monat Mai 2019 deutlich positiv im Sinne
eines fortgesetzten Alkoholkonsums ausgefallen waren, wurde sie am 21.
Mai 2019 noch einmal auf die Suchtmittelabstinenz hingewiesen.
6. Mit Mitteilung vom 6. Juni 2019 sprach die IV-Stelle A._ eine
Vorbereitungsmassnahme im BackOffice Bürocenter der Stiftung
Arbeitsgestaltung in K._ vom 29. Mai 2019 bis zum 30. September
2019 zu. Dabei wurde vereinbart, die Arbeitsfähigkeit von zu Beginn 50 %
stufenweise zu steigern. Nachdem sie mehrmals der Aufforderung zur
Suchtmittelabstinenz nicht nachgekommen war, wurde die berufliche
Massnahme letztlich mit Mitteilung vom 27. August 2019 vorzeitig per 31.
August 2019 aufgehoben. Gleichentags informierte die IV-Stelle das
Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden darüber, dass Zweifel an
der Fahreignung bestünden.
7. Da im Rahmen der Eingliederungsmassnahme festgestellt worden war,
dass das von A._ aufgrund ihrer Ausbildung zu erwartende IT-Wissen
nicht (mehr) vorhanden war, wurde eine neuropsychologische Abklärung
in die Wege geleitet. In seinem Untersuchungsbericht vom 31. August
2019 stellte lic. phil. L._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP
und zertifizierter Gutachter SIM, gestützt auf die durchgeführten
Testverfahren eine normvariante Intelligenz (Gesamt-IQ von 95) sowie
eine minimale bis leichte neuropsychologische Hirnfunktionsstörung fest.
Er erachtete sowohl die bisherige als auch eine adaptierte Tätigkeit (d.h.
Tätigkeiten im Bereich von bekannten Inhalten im Softwarebereich ohne
- 5 -
Arbeiten mit nichtsprachlichen Informationen sowie Multitasking-
Aufgaben) ohne erhebliche zeitliche Einschränkung für zumutbar.
8. Zudem liess die IV-Stelle A._ durch die SMAB AG Bern
polydisziplinär begutachten (beteiligte Fachdisziplinen: Allgemeine Innere
Medizin, Gastroenterologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie
Rheumatologie; Explorationen im November 2019 und Januar 2020). Im
Gutachten vom 17. Februar 2020 (nachfolgend SMAB-Gutachten)
diagnostizierten die Expertin und Experten eine Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0), eine Non-Ulcer-Dyspepsia sowie ein Irritable Bowel
Syndrome vom Durchfalltyp. Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
erachteten sie u.a. die psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch ohne
körperliche Symptome (ICD-10 F10.240), die Fibromyalgie sowie das
Hypermobilitätssyndrom. Sie befanden A._ sowohl in der bisherigen
als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig.
9. Mit Vorbescheid vom 25. Februar 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Begründend führte die
IV-Stelle aus, aus gutachterlicher Sicht liege sowohl in der angestammten
Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit eine Leistungseinschränkung
von 30 % vor. Da somit weder während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
noch, im Anschluss daran, voraussichtlich während längerer Zeit eine
Erwerbsunfähigkeit in diesem Umfang bestanden habe, sei der Anspruch
auf eine Invalidenrente zu verneinen. Dagegen erhob A._ am 22.
März 2020 bzw. 20. April 2020 vorsorglich und am 22. Mai 2020 einen
begründeten Einwand. Mit Verfügung vom 13. Juli 2020 entschied die IV-
Stelle wie vorbeschieden und verneinte einen Anspruch auf eine
Invalidenrente mangels Erfüllung des Wartejahres.
- 6 -
10. Mit dagegen am 10. September 2020 beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden erhobener Beschwerde beantragte A._
(nachfolgend Beschwerdeführerin), die Verfügung vom 13. Juli 2020 sei
aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, um den
Rentenanspruch zu berechnen. Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG sei erfüllt
und daran anschliessend eine Einschränkung der Erwerbsfähigkeit von
mindestens 40 % gegeben. Ausserdem kritisierte sie das SMAB-
Gutachten vom 17. Februar 2020 hinsichtlich der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit.
11. In ihrer Vernehmlassung vom 28. September 2020 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
verwies für die Begründung primär auf die Verfügung vom 13. Juli 2020.
Die Beschwerdeführerin replizierte am 5. Oktober 2020 bei unveränderten
Rechtsbegehren. Mit Duplik vom 9. Oktober 2020 vertiefte die
Beschwerdegegnerin bei gleichgebliebenem Antrag ihren Standpunkt
punktuell. Die Beschwerdeführerin verzichtete am 20. Oktober 2020 auf
die Einreichung einer Triplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
auf die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Considerations:
II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 13.
Juli 2020 (Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 203) stellt eine solche
- 7 -
anfechtbare Verfügung der Invalidenversicherung und folglich ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als Adressatin der strittigen Verfügung ist die
Beschwerdeführerin berührt, und sie weist ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 61 lit. b ATSG), weshalb darauf einzutreten ist.
2. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin, welcher angesichts der Anmeldung am 7. August
2018 gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. Februar 2019
(d.h. sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs)
entsteht, sofern bis dahin das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt
ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin während
der Eingliederungsmassnahme vom 29. Mai 2019 bis zum 31. August
2019, anlässlich derer sie ein Taggeld bezog (vgl. Bg-act. 97, 101, 156),
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat (Art. 43 Abs. 2 IVG).
3.1. Unter den Parteien ist die Erfüllung des Wartejahrs genauso umstritten wie
die (Rest-)Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin
kritisiert dabei die im SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020
angenommene Arbeitsfähigkeit von 70 % in der angestammten Tätigkeit.
Da der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin infolge ihrer Anmeldung
im August 2018 frühestens ab dem 1. Februar 2019 entstehen kann, ist
zunächst zu prüfen, ob (zumindest) ab dem 1. Februar 2018 oder davor
- 8 -
eine ununterbrochene, durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % in der bisherigen Tätigkeit bestanden hat. Denn der
Rentenanspruch nach Art. 28 IVG setzt voraus, dass die versicherte
Person während eines Jahres (Wartezeit), ohne wesentlichen Unterbruch
im Sinne von Art. 29ter der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201), durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig
war (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 6 Abs. 1
ATSG ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich, mithin in jener Tätigkeit, die vor
Eintritt der zu beurteilenden Arbeitsunfähigkeit zuletzt ausgeübt wurde,
zumutbare Arbeit zu leisten (vgl. BGE 130 V 97 E.3.2, 105 V 159 E.2a, 97
V 231 E.2; Urteil des Verwaltungsgerichts [VGU] S 20 1 vom 21.
September 2020 E.5.3.1 und KIESER, Kommentar ATSG, 4. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2020, Art. 6 Rz. 82). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG liegt vor, wenn die
versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig war. Diesfalls beginnt die einjährige Wartezeit bei erneuter
Arbeitsunfähigkeit wieder von vorne zu laufen (vgl. Kreisschreiben über
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab
1. Januar 2015, Stand vom 1. Januar 2018, Rz. 2014).
3.2. Die Beschwerdegegnerin stellte für die Berechnung des Wartejahrs nach
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG auf die RAD-Abschlussbeurteilung vom 20.
Februar 2020 ab (vgl. Case Report [Bg-act. 204 S. 15 f.]). Darin schloss
sich RAD-Arzt Dr. med. J._ der Arbeitsfähigkeits-Einschätzung im
SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 an, in welchem sowohl für die
angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als auch für eine
angepasste Tätigkeit eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen wurde
(Bg-act. 192 S. 10 f.). Diese bestand nach Ansicht von RAD-Arzt Dr. med.
J._ ab Beginn der Behandlung im Schmerzzentrum, d.h. ab März
- 9 -
2017 (vgl. Case Report [Bg-act. 204 S. 17]). Gestützt darauf schloss die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 13. Juli 2020,
die Beschwerdeführerin sei nicht während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 %
arbeitsunfähig gewesen, womit das Wartejahr nicht erfüllt sei.
3.3. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, die Beschwerdegegnerin
irre, wenn sie annehme, das Wartejahr habe erst am 1. März 2017 zu
laufen begonnen. Vielmehr sei dessen Beginn bereits auf den 5. April
2015, als sie einen Verkehrsunfall erlitten habe, festzulegen. Seither sei
kein Unterbruch (volle Arbeitsfähigkeit während mindestens 30 Tagen)
eingetreten. Die Diagnosen einer Fibromyalgie und eines
Hyperlaxizitätssyndroms seien seit ihrem Klinikaufenthalt im Herbst 2015
unverändert. Aufgrund der persistierenden Beschwerden sei sie in ihrem
angestammten Beruf deutlich eingeschränkt. Während sie seit dem
Verkehrsunfall zu 100 % bzw. 50 % krankgeschrieben worden sei, sei
aufgrund der RAD-Beurteilung vom 21. Dezember 2018 seit Dezember
2015 von einer durchgehenden Arbeitsfähigkeit von höchstens 50 %
auszugehen. Daher sei das Wartejahr am 4. April 2016 erfüllt worden.
Selbst wenn von der im SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020
ausgewiesenen, unrealistischen 70%igen Arbeitsfähigkeit in bisheriger
Tätigkeit ausgegangen würde, wäre das Wartejahr Anfang April 2016
erfüllt. Sollte das Gericht wider Erwarten annehmen, die Wartezeit
begönne erst im März 2017, wäre das Wartejahr am 28. Februar 2018
trotzdem erfüllt. Denn das Spital M._ habe ihr im März 2017 eine
50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert und anlässlich der RAD-Abklärung im
November 2018 sei eine Arbeitsfähigkeit von 40 bis 50 % als zumutbar
erachtet worden. Somit habe ab dem 1. März 2017 eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit bestanden, weshalb das Wartejahr Ende Februar 2018
erfüllt gewesen sei. Wenn die Beschwerdegegnerin gestützt auf das
SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 von einer 70%igen
- 10 -
Arbeitsfähigkeit seit März 2017 ausgehe, übersehe sie, dass die Gutachter
gar keine Arbeitsfähigkeits-Einschätzung zu diesem Zeitraum abgegeben
hätten. Vielmehr bestehe aus gutachterlicher Sicht erst ab Ende August
2019 eine solche Arbeitsfähigkeit von 70 %.
3.4. Vorliegend bestand seit dem Verkehrsunfall der Beschwerdeführerin am
5. April 2015 nachweislich bis zum 9. April 2015 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit, bevor die Arbeit ab dem 10. April 2015 wieder zu 50 %
aufgenommen werden konnte (vgl. Arbeitszeugnis von Dr. med. G._
vom 20. April 2015 [Bf-act. 1]). Dazu bringt die Beschwerdegegnerin in der
Duplik zu Recht vor, dass entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 10. April 2015 keine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, sondern vielmehr die Tätigkeit als Software
Consultant (teilzeitlich) wieder aufgenommen wurde (vgl. dazu auch
Schreiben des Unfallversicherers vom 18. September 2015 [Bf-act. 2]).
Erst ab dem 15. Juli 2015 wurde die Beschwerdeführerin von Hausarzt Dr.
med. G._ wieder zu 100 % krankgeschrieben (vgl. Stellungnahme
von Dr. med. G._ vom 10. August 2015 [Bf-act. 4], vgl. dazu ferner
Schreiben des Unfallversicherers vom 18. September 2015 [Bf-act. 2]). Mit
Bericht vom 24. Juli 2015 wies dieser als Grund dafür auf eine
Verschlechterung der Beschwerdesymptomatik, einschliesslich
eingeschränkter kognitiver Funktionen, hin (Bf-act. 3). Für wie lange diese
Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung ausgestellt wurde, lässt sich dem
Bericht indes nicht entnehmen. In diesem Zusammenhang wird darin
einzig festgehalten, dass ab dem 27. Juli 2015 probatorisch ein
Arbeitsversuch erfolgen solle (Bf-act. 3). Sodann befand sich die
Beschwerdeführerin ab dem 2. September 2015 für etwas über einen
Monat in stationärer Rehabilitationsbehandlung in der Klinik D._,
wofür ihr bis zum 18. Oktober 2015 eine 100%ige, vom 19. Oktober 2015
bis zum 8. November 2015 eine 50%ige und vom 9. November 2015 bis
zum 22. November 2015 eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde,
- 11 -
bevor sie ab dem 23. November 2015 wieder zu 100 % arbeitsfähig
erachtet wurde (vgl. Austrittsbericht der Dres. med. E._ und F._
vom 16. Oktober 2015 [Bg-act. 9 S. 4]). Nach Angaben von Dr. med.
G._ sei diese 100 % Arbeitsfähigkeit von der Beschwerdeführerin
jedoch nicht toleriert worden, weshalb sie noch einmal vorübergehend zu
100 % habe krankgeschrieben werden müssen (vgl. Bericht von Dr. med.
G._ vom 16. August 2018 [Bg-act. 9 S. 2]). Der von der
Beschwerdeführerin beigebrachten Arbeitgeberbescheinigung vom 11.
April 2016 ist dabei zu entnehmen, dass sie vom 24. November 2015 bis
zum 27. November 2015 eine Absenz infolge Krankheit aufwies (Bf-act.
6). Soweit die Beschwerdeführerin auch für die Folgezeit eine maximal
50%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit mit den bekannten und
unverändert gebliebenen Diagnosen einer Fibromyalgie und eines
Hyperlaxizitätssyndrom sowie einer Schmerzzunahme seit dem
Verkehrsunfall mit u.a. begleitender Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zu
begründen versucht, kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr ist der
Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass für diese Zeit keine
Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen aktenkundig sind. Ohnehin kann
von einer Diagnose eines Gesundheitsschadens nicht unmittelbar auf eine
vorliegende Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden (vgl. BGE 142 V 106
E.4.4, 139 V 547 E.5.1, 136 V 279 E.3.1). Zudem waren die durch den
Verkehrsunfall verursachte Exazerbation der Schmerzen im ganzen
Körper und weitere Beschwerden, wie Übelkeit mit Erbrechen und
wässrige Diarrhoe, brennende Fusssohlen, massive Müdigkeit,
Schlafstörungen, Nackenbeschwerden und eine
Berührungsempfindlichkeit bekannt (vgl. Arztberichte von Dr. med.
G._ vom 24. Juli 2015 [Bf-act. 3], 10. August 2015 [Bf-act. 4] und
16. August 2018 [Bg-act. 9 S. 2], Zusammenfassung der
Krankengeschichte durch Dr. med. F._ vom 3. September 2015 [Bg-
act. 16 S. 6]). Dennoch erachteten die behandelnden Ärzte der Klinik
D._ aufgrund des erfreulichen Verlaufs der rheumatologischen
- 12 -
Rehabilitation während des stationären Aufenthalts im Herbst 2015 mit
deutlicher Verbesserung der Belastbarkeit, der Mobilität und der
(medikamentösen) Schmerzkontrolle letztlich ab Ende November eine
volle Arbeitsfähigkeit für zumutbar (vgl. Austrittsbericht der Dres. med.
E._ und F._ vom 16. Oktober 2015 [Bg-act. 9 S. 3 f.],
Austrittsbericht der Physiotherapie vom 6. Oktober 2015 [Bg-act. 16 S. 8]).
Dass die Beschwerdeführerin während ihrer Arbeitslosigkeit nicht
vermittelbar war und im Rahmen der bei der C._ absolvierten
Einsatzprogramme einige Krankheitstage aufwies (vgl. Bf-act. 18), vermag
daran nichts zu ändern. Vielmehr bestand während der RAV-Programme
nachweislich eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (siehe Arztbericht der Dres.
med. H._ und I._ vom 16. März 2017 [Bg- act. 9 S. 7], vgl. ferner
Zielvereinbarungen zu den Einsatzprogrammen im C._ vom 26.
September 2016 [Bg-act. 34 S. 1] und 11. April 2017 [Bg-act. 32 S. 3]).
Wenn die Beschwerdeführerin dazu in der Replik vorbringt, es habe sich
dabei um adaptierte Tätigkeiten gehandelt und ihr wären bei der Angabe
einer Teil-Arbeitsfähigkeit die Arbeitslosengelder reduziert worden,
verfängt ihr Einwand nicht, bewarb sie sich doch nachweislich
insbesondere auf Vollzeitstellen im angestammten Informatikbereich (vgl.
hierzu Nachweise der persönlichen Arbeitsbemühungen von Januar bis
Dezember 2017 [Bg-act. 31]). Insgesamt findet somit das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach das Wartejahr am 4. April 2016 erfüllt
gewesen sei, keine Stütze in den Akten.
3.5. Ferner kann ihr auch insoweit nicht gefolgt werden, als sie geltend macht,
dass selbst wenn die einjährige Wartezeit erst im März 2017 begonnen
haben soll, sie jedenfalls per Ende Februar 2018 erfüllt worden wäre. Denn
aus den Akten ergibt sich für diesen Zeitraum einzig eine von Dr. med.
G._ attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 26. April 2017 bis
zum 1. Mai 2017 wegen einer Gastroenteritis (vgl. Arztbericht vom 16.
August 2018 [Bg-act. 9 S. 2]). Zudem führten die Schmerztherapeutinnen
- 13 -
Dres. med. H._ und I._ in ihrem Bericht zur Erstkonsultation am
16. März 2017 lediglich aus, längerfristig werde wahrscheinlich eine
50%ige Arbeitsstelle sinnvoll sein (Bg-act. 9 S. 8). Dazu machten sie
weder konkrete Angaben noch attestierten sie eine eigentliche
Arbeitsunfähigkeit.
3.6. Obgleich Dr. med. H._ in ihrem Verlaufsbericht vom 29. August 2018
bei letzter Sprechstunde am 24. Juli 2018 die bisherige Tätigkeit der
Beschwerdeführerin zu maximal 50 % (jeweils nur halbtags verwertbar)
als zumutbar erachtete, hielt sie darin ausdrücklich fest, dass sie der
Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeits-Atteste ausgestellt habe
(Bg-act. 11). Entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung wies
RAD-Arzt Dr. med. J._ in seiner Abklärung vom 13. November 2018
aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen sowie der dreijährigen
Absenz vom Arbeitsprozess mit entsprechender Dekonditionierung nur
initial eine 40 bis 50%ige Arbeitsfähigkeit mit zu Beginn noch
eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Bedarf an Zusatzpausen aus; auf
mittlere Sicht, d.h. nach ca. einem halben Jahr, ging er hingegen von einer
Arbeitsfähigkeit von 70 bis 80 % aus (vgl. Abklärungsbericht vom 21.
Dezember 2018 [Bg- act. 20 S. 6]), wobei Dr. med. J._ ausserdem
festhielt, dass sich auch die Beschwerdeführerin – je nach ihrem
Gesundheitszustand – ein über 50 % liegendes Pensum im bisherigen
Tätigkeitsbereich vorstellen könnte (Bg-act. 20 S. 3 und 20 S. 6; vgl. ferner
Beurteilung vom 20. Dezember 2018, Case Report [Bg-act. 204 S. 14 f.]).
Diese Einschätzung entspricht jener im SMAB-Gutachten vom 17. Februar
2020, in welchem die Expertin und Experten in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in der
angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin schlossen, wobei sie
diese massgeblich mit den in psychiatrischer und gastroenterologischer
Sicht festgestellten Gesundheitsschäden begründeten (vgl. Bg-act. 192
S. 6 ff.). Dabei setzte sich der psychiatrische Teilgutachter Dr. med.
- 14 -
N._ auch mit der mit Bericht vom 2. Mai 2019 der Psychiatrischen
Dienste Graubünden (PDGR) aufgrund einer Komorbidität einer
"Polytoxikomanie" sowie einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit (vgl. Bericht
von Dr. med. O._ und Assistenzarzt P._ vom 2. Mai 2019 [Bg-
act. 128]) auseinander. Abgesehen davon, dass er diese Diagnosen
anhand des Kriterienkatalogs der ICD-10 nicht verifizieren konnte und
stattdessen von einer isolierten Alkoholabhängigkeit und einer
Somatisierungsstörung ausging, blieb für ihn das seinerzeitige Ausmass
der jeweils anteiligen Symptomexpression der festgestellten Störungen
sowie die entsprechende Gewichtung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
unklar (vgl. psychiatrisches Teilgutachten [Bg-act. 192 S. 34]). Insofern ist
auch nicht zu beanstanden, wenn RAD-Arzt Dr. med. J._ in seiner
Abschlussbeurteilung vom 20. Februar 2020 – und gestützt darauf die
Beschwerdegegnerin – davon ausging, dass die gutachterlicherseits
ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von 70 % in bisheriger (und einer
adaptierten) Tätigkeit seit dem Beginn der Schmerzbehandlung im März
2017 bestand (vgl. Case Report [Bg-act. 204 S. 17]):
Nachdem die Beschwerdeführerin von den rehabilitativen Massnahmen
und der eingeführten Opioidtherapie mit Palexia im Rahmen des
Klinikaufenthalts im Herbst 2015 hatte profitieren können (vgl.
Austrittsbericht vom 16. Oktober 2015 [Bg-act. 9 S. 4]), kam es Anfang
2017 zu einer Exazerbation der Schmerzen, weshalb Dr. med. G._
sie an die Schmerzklinik M._ verwies (vgl. Bericht vom 16. August
2018 [Bg-act. 9 S. 2]). In ihrem Bericht zur Erstkonsultation am 16. März
2017 bestätigten die behandelnden Ärztinnen, Dres. med. H._ und
I._, die Diagnosen eines Hyperlaxizitätsyndroms sowie einer
Fibromyalgie mit/bei u.a. Colon irritabile, Globusgefühl, chronischen
Schlafstörungen und rezidivierendem Schwächegefühl. Sie stellten
chronische therapiefraktäre Schmerzen mit wechselnden
- 15 -
Hauptbeschwerden und chronische Schlafstörungen fest. Damals
beklagte die Beschwerdeführerin einen lumbalen Dauerschmerz mit
Ausstrahlung in die rechte Leiste und Oberschenkel, Schmerzen an den
Fersen und der rechten Grosszehe bis hin zum Mittelfuss,
Missempfindungen und Überempfindlichkeiten, Durchfall und Übelkeit
sowie eine zu wenig starke Wirkung der medikamentösen Analgesie
(Opioidtherapie mit Palexia). Um letzteres zu optimieren, setzten die
Behandlerinnen neu zusätzlich insbesondere niedrig dosiertes Methadon
ein (Bericht vom 16. März 2017 [Bg-act. 9 S. 5 ff.]). Wie aus dem Bericht
von Dr. med. H._ vom 29. August 2018 hervorgeht, konnte durch die
höher dosierte Palexia/Tapentadol- und der begleitenden
Methadontherapie eine weitgehende Verbesserung der Schmerzen
erreicht werden. Indes konnten neben der Schlafproblematik
insbesondere die ausgeprägte rezidivierende Übelkeit und das Erbrechen
nicht beeinflusst werden. Auch im Zeitpunkt der letzten Konsultation am
24. Juli 2018 litt die Beschwerdeführerin nach wie vor in ca. monatlichen
Abständen unter komplett invalidisierenden Erbrechensattacken. Trotz
ausgedehnten Untersuchungen fand sich hierfür keine klare Ursache (Bg-
act. 11 S. 3). RAD-Arzt Dr. med. J._ konnte in seiner Abklärung vom
13. November 2018 das bekannte Beschwerdebild mit rezidivierenden
Magen-Darm-Beschwerden mit Nausea, rezidivierendem Erbrechen,
gelegentlichen Bauchkrämpfen und Durchfällen sowie vermehrter
Müdigkeit und Schwäche bzw. Erschöpfbarkeit bestätigen. Die depressive
Niederstimmung stufte er als affektive Begleiterscheinung zum
somatischen Beschwerdebild ein (vgl. Untersuchungsbericht vom 21.
Dezember 2018 [Bg-act. 20 S. 6]). Schliesslich berichtete die
Beschwerdeführerin auch anlässlich der Begutachtung durch die SMAB-
Expertin und Experten neben allgemeinen Motivationsschwierigkeiten und
Antriebslosigkeit über eine andauernde Müdigkeit (vgl. psychiatrisches
Teilgutachten [Bg-act. 192 S. 31] und rheumatologisches Teilgutachten
[BG-act. 192 S. 40]). Zudem beklagte sie namentlich Schmerzen in der
- 16 -
Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in die unteren Extremitäten sowie
wechselhaft lokalisierte Beschwerden in verschiedenen Körperregionen,
wie den Fersen, Zehen, Handgelenken und Daumen, wobei die aktuelle
Medikation (Palexia und Methadon) zu einer gewissen Schmerzlinderung
führe. Neben Hyperästhesien, Schlaf- und Konzentrationsstörungen gab
sie ferner insbesondere häufig auftretenden Durchfall, Bauchschmerzen,
ein eigentümliches Geschmacks- und Geruchsempfinden, Zitteranfälle mit
Schweissausbrüchen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen,
Überblähungsgefühle, nicht selten ein "Kloss im Hals", rezidivierende
Schwächeempfinden sowie selten Kopfschmerzen an (vgl. Bg-act. 192
S. 4 f., S. 25, S. 31, S. 40, S. 52 f. und S. 65).
3.7. Da sich somit das ausgewiesene Beschwerdebild und damit einhergehend
die beklagten Gesundheitsschäden seit der Erstkonsultation im
Schmerzzentrum des M._ am 16. März 2017 weitgehend
übereinstimmend präsentieren, erscheint es plausibel, wenn die
Beschwerdegegnerin zusammen mit dem RAD-Arzt Dr. med. J._
davon ausging, dass die im – wie nachfolgend aufgezeigt wird –
beweiskräftigen SMAB-Gutachten ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von
70 % in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin seit März
2017 besteht. Dass im SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 aus
psychiatrischer Sicht eine rückwirkende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
(insbesondere vor dem Jahr 2019) als kaum möglich erachtet wurde, weil
die Beschwerdeführerin erst seit März 2019 in fachpsychiatrischer
Betreuung stehe (vgl. Konsensbeurteilung [Bg-act. 192 S. 10 f.] und
psychiatrisches Teilgutachten [Bg-act. 192 S. 34]), tut deren – wie
dargelegt – schlüssigen Herleitung durch den RAD-Arzt Dr. med. J._
keinen Abbruch. Damit ging die Beschwerdegegnerin im Ergebnis auch zu
Recht davon aus, dass das Wartejahr im frühest möglichen Zeitpunkt des
Rentenbeginns am 1. Februar 2019 nicht erfüllt war.
- 17 -
4.1. Des Weiteren ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 abgestellt hat oder ob konkrete
Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen, so dass von der 70%-
igen Arbeitsfähigkeits-Einschätzung in der bisherigen (und einer
adaptierten) Tätigkeit abzuweichen wäre.
4.2. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, dass dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und dass die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl.
BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl.
BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch erachtet
es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125
V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a mit Hinweisen). So ist den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
- 18 -
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137
V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb).
4.3. Die Beschwerdeführerin bemängelt im Wesentlichen, die SMAB-Expertin
und Experten hätten sich nicht detailliert mit ihrer angestammten Tätigkeit
auseinandergesetzt. Aus dem neuropsychologischen Gutachten gehe
hervor, dass ihr ausschliesslich bekannte Inhalte im Softwarebereich
zumutbar seien. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der B._ GmbH habe
sie sich auf eine ganz spezielle Software spezialisiert, insbesondere in den
Modulen Buchhaltung und Fahrzeugablieferung. Mit der Kündigung sei
dieses spezielle Wissen nicht mehr gefragt. Auch habe das IT-Training im
BackOffice Bürocenter gezeigt, dass sie nicht mehr über das dannzumal
erworbene allgemeine IT-Wissen verfüge. Daher könne sie nicht mehr als
IT-Consultant arbeiten.
4.4. Das SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 erfüllt die von der
höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines
medizinischen Berichts gestellten Anforderungen, weshalb ihm
Beweiskraft zukommt. Es beruht auf eigenen Untersuchungen und
berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin beklagten und
aktenkundigen Beschwerden sowie den Krankheitsverlauf (vgl. Bg-act.
192 S. 4 f., S. 24 f., S. 39 f., S. 52 ff., S. 65). Die Beurteilung erfolgte in
Kenntnis der (medizinischen) Vorakten, einschliesslich der
Einschätzungen der behandelnden Ärzte, des ehemaligen Arbeitgebers
sowie der Eingliederungsfachpersonen (Bg-act. 192 S. 16 ff.). Die
Schlussfolgerungen wurden gestützt auf die eigenen klinischen
Untersuchungen, die erhobenen bildgebenden und laborchemischen
Befunde sowie in Auseinandersetzung mit vorbefundlichen Diagnosen
getroffen (vgl. Bg-act. 192 S. 27 ff., S. 42 ff., S. 57 ff.). Ferner ist es für die
streitigen Belange umfassend. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin trafen die Gutachterin und Gutachter ihre
Einschätzungen auch in Kenntnis und Würdigung ihrer bisherigen
- 19 -
Tätigkeit (siehe insbesondere Bg-act. 192 S. 44 und S. 46 f. i.V.m. S. 40
sowie S. 66, vgl. ferner Bg-act. 192 S. 3 f., S. 12, S. 26, S. 30, S. 54,
S. 60). Zudem sind die Ausführungen der Gutachterin und Gutachter zur
Beurteilung der medizinischen Situation der Beschwerdeführerin
einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum
Gesundheitszustand nachvollziehbar begründet. Als Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führten sie eine
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), eine Non-Ulcer-Dyspepsia sowie
ein Irritable Bowel Syndrome vom Durchfalltyp auf. Demgegenüber
erachteten sie u.a. die psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch ohne
körperliche Symptome (ICD-10 F10.240), die Fibromyalgie sowie das
Hypermobilitätssyndrom als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Bg-act.
192 S. 8). In der Konsensbeurteilung führten die Gutachterin und
Gutachter zur Diagnoseherleitung namentlich aus, auf der Grundlage der
aktuell erhobenen Befunde, den eigenanamnestischen Angaben der
Beschwerdeführerin sowie der zum Untersuchungszeitpunkt verfügbaren
historischen Datenlage lasse sich als grundlegende Krankheitsentität des
psychiatrischen Fachgebiets eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
identifizieren. Die seitens der ICD-10 diesbezüglich definierten Kriterien
erschienen in ausreichender Form erfüllt, vorbehaltlich der Tatsache, dass
die permanent fluktuierenden und als multipler Gesamtkomplex jene
Entität begründenden Beschwerden (Bauchschmerzen, Übelkeit,
Durchfall, Gelenk- und Gliederschmerzen) in ihrer Vielfalt, Schwere sowie
Dauer durch keine diagnostizierbare körperliche Erkrankung hätten erklärt
werden können. Darüber hinaus habe das Vorliegen psychischer und
Verhaltensstörungen durch Alkohol im Sinne eines
Abhängigkeitssyndroms mit gegenwärtigem Substanzgebrauch ohne
körperliche Symptome (ICD-10 F10.240) sowie durch Tabak als
Abhängigkeitssyndrom mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
– wie schon aktenkundig erwähnt – bestätigt werden können. Aus
- 20 -
rheumatologischer Sicht stehe für die Beschwerdeführerin ein
rechtsbetontes chronisches lumbospondylogenes Syndrom im
Vordergrund. Die fehlenden schmerzmodulierenden Faktoren, das
ungenügende Ansprechen auf die starken Analgetika und die
Physiotherapien sowie der diskrete klinische Befund sprächen für das
Vorliegen von unspezifischen Rückenschmerzen. Der radiologische
Befund einer fortgeschrittenen Spondylarthrose L4/5 rechtsbetont könnte
jedoch mit der Klinik korrelieren. Es fehlten klinische Hinweise für eine
Nervenwurzelkompression. Gemäss dem Fragebogen, welcher rein auf
subjektiven Angaben beruhe, seien die neuen Diagnosekriterien für eine
Fibromyalgie knapp erfüllt. Insbesondere sei die Schmerzausbreitung
aktuell nicht ausgeprägt. Die anamnestisch seit vielen Jahren vorliegende
Berührungsempfindlichkeit spreche für eine bereits längere Präsenz der
Fibromyalgie. Des Weiteren bestehe klinisch und diskret auch radiologisch
eine beginnende Rhizarthrose beidseits, die in Bezug auf die bisherige
Tätigkeit zu keiner Einschränkung führe. Gleichfalls klinisch ergebe sich
eine beidseitige Plantarfasziitis, welche die Gehstrecke schmerzbedingt
diskret einschränke, für eine Arbeitsausübung im bisherigen Beruf aber
nicht limitierend sei. Zudem liege ein Hypermobilitätssyndrom mit einem
Beighton Score von sieben bzw. mit zwei Hauptkriterien nach Brighton vor,
was aber weder für die angestammte Tätigkeit noch im Alltag relevant sei.
Die diagnostischen Erhebungen aus dem gastroenterologischen
Fachgebiet im Sinne imperativer Diarrhoen sowie unklarer Nausea und
Emesis bzw. eines Verdachts auf Vorliegen eines Barrett-Ösophagus
begründeten sich mit den auf Basis der Aktenlage zum
Untersuchungszeitpunkt verfügbaren Informationen sowie
eigenanamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin (Bg-act. 192
S. 6 f.). Die Gutachterin und Gutachter führten zu den funktionellen
Auswirkungen der Befunde und Diagnosen namentlich aus, die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht
partiell eingeschränkt. Die Limitierungen beträfen insbesondere das
- 21 -
derzeitige Ausmass der Flexibilität und der Umstellungs- bzw.
Durchhaltefähigkeit sowie der Fähigkeit zu Spontanaktivitäten im
allgemeinen Alltagsgeschehen. Aus gastroenterologischer Perspektive
könne festgestellt werden, dass sich die Arbeitsfähigkeit in Anbetracht der
anhaltenden imperativen Diarrhoen sowie der rezidivierenden Nausea und
möglichen Emesis reduziert darstelle (Bg-act. 192 S. 9). Insgesamt
erachteten sie die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer bisherigen als auch
in einer adaptierten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig (Bg-act. 192 S. 10 f.).
4.5. Obschon die Beschwerdeführerin eine gutachterlicherseits unzureichende
Auseinandersetzung mit ihrer angestammten Tätigkeit bemängelt, räumt
sie zugleich selbst ein, dass sich bereits der neuropsychologische
Gutachter lic. phil. L._ dieser Thematik in seinem
Untersuchungsbericht vom 31. August 2019 angenommen hat. Er wies
gestützt auf die durchgeführten Testverfahren eine normvariante
Intelligenz (Gesamt-IQ von 95) sowie eine minimale bis leichte
neuropsychologische Hirnfunktionsstörung mit leichtgradigen
Einschränkungen in Teilbereichen attentionaler, mnestischen und
visuell/visuell-perzeptiven Funktionen aus. Aufgrund der biografischen
Informationen der Beschwerdeführerin zu ihrer Aus- und Weiterbildung
sowie zu ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Software Consultant im IT-
Bereich ging lic. phil. L._ von einem durchschnittlichen prämorbiden
kognitiven Fähigkeitsniveau aus. Somit liege das aktuell gezeigte
intellektuelle Leistungsniveau etwas unter dem geschätzten prämorbiden.
In den letzten Jahren habe die Beschwerdeführerin allerdings
nachweislich auch regelmässig und in grossen Mengen Alkohol
konsumiert, was einen ungünstigen Einfluss auf die Intelligenz habe.
Relativ zum intraindividuellen Leistungsniveau hätten sich die
ausgeprägtesten Minderleistungen im Umgang mit nonverbalen Inhalten
gezeigt, insbesondere, wenn diese eher abstrakt und detailreich gewesen
seien. Eindrücklich zeige sich diese Schwierigkeit im Erfassen von Mimik
- 22 -
oder beim freien Kopieren einer komplexen geometrischen Figur. Auch
darauf habe der starke Alkoholkonsum einen Einfluss: In der Literatur
werde beschrieben, dass alkoholbedingte Schäden vor allem Strukturen
der rechten kortikalen Hemisphäre beträfen und somit hauptsächlich
Minderleistungen bei nonverbalen Anforderungen verursachten (Bg-act.
162 S. 14 f.).
Damit übereinstimmend führte lic. phil. L._ zu den funktionellen
Auswirkungen der festgestellten Funktionseinschränkungen aus, die
Beschwerdeführerin verfüge über alterskonforme intellektuelle
Fähigkeiten. Sie zeige jedoch auf ganz grundlegender Ebene
Schwierigkeiten im Umgang mit nichtsprachlichen Informationen. Müsse
sie solche Informationen aufnehmen und bei Bedarf später wieder
gedächtnismässig abrufen, gelinge dies nur ungenau und fragmentarisch.
Auch zeige sie Schwierigkeiten im Erfassen von grösseren
Zusammenhängen bzw. Inhalten, wenn sie die Informationen visuell
aufnehmen resp. erfassen müsse. Dies zeige sich eindrücklich bei
räumlich-konstruktiven Aufgabestellungen, bei denen sie sehr detailhaft
und entsprechend fehlerhaft vorgehe. Bei analogen Aufgabestellungen mit
ausschliesslich verbalen Informationen zeige sie dagegen alterskonforme
bis teilweise erfreulich gute Leistungen. Beim simultanen Überwachen,
Kontrollieren und Koordinieren von verschiedenen Abläufen und
Informationen zeige sie qualitative und tempomässige Minderleistungen.
Könne sie dagegen die Abläufe sequenziell nacheinander erledigen, zeige
sie alterskonforme Leistungen. Ferner zeigten sich räumliche
Orientierungsschwierigkeiten in diversen Testverfahren. Die
Beschwerdeführerin habe zudem angegeben, aktuell keinen Alkohol zu
trinken (neuropsychologischer Abklärungsbericht vom 31. August 2018
[BG-act. 162 S. 16]).
Der neuropsychologische Gutachter setzte sich sodann ausdrücklich mit
der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin auseinander und hielt mit
- 23 -
Blick auf die Arbeitsfähigkeit fest, die gelernte und beruflich ausgeübte
Tätigkeit im IT-Bereich sei kognitiv recht anspruchsvoll und stelle hohe
Anforderungen an die kognitive Funktionsfähigkeit. Die
Beschwerdeführerin habe in dieser Tätigkeit hauptsächlich mit Software
(spezialisiert auf Datenbankapplikationen) zu tun gehabt. Mit Hardware sei
sie dort nicht konfrontiert gewesen. Angesichts der aktuellen
neuropsychologischen Befunde sei die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit (genau wie in einer adaptierten Tätigkeit)
bezüglich der neuropsychologischen Voraussetzungen grundsätzlich
gegeben. Zu berücksichtigen sei jedoch, dass sie schon seit etlichen
Jahren nicht mehr in diesem Bereich tätig sei und deshalb aufgrund der
schnellen Entwicklung (softwaremässig, technisch etc.) wohl grössere
Wissenslücken haben werde. Insgesamt sei in der erlernten Tätigkeit im
IT-Bereich (Datenbanken) – sofern die Beschwerdeführerin nicht bzw.
kaum mit nonverbalen Inhalten konfrontiert werde – grundsätzlich nicht
von relevanten beruflichen Einschränkungen auszugehen. Mit anderen
Worten sei eine Tätigkeit, bei der die Beschwerdeführerin ausschliesslich
mit ihr bekannten Inhalten im Softwarebereich zu tun habe, aus
neuropsychologischer Sicht zumutbar (neuropsychologischer
Abklärungsbericht vom 31. August 2018 [Bg-act. 162 S. 16 f.]).
4.6. Diese Ausführungen zur Beurteilung der kognitiven Funktionsfähigkeit
sind einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zur
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin
erweisen sich auch mit Blick auf die in diesem Rahmen von ihr ausgeübten
Arbeiten als nachvollziehbar. So ergibt sich aus dem Fragebogen für
Arbeitgebende vom 7. September 2018 sowie aus den zahlreichen,
aktenkundigen
Arbeitszeugnissen, dass die Beschwerdeführerin namentlich für Software-
Installationen, Kundenschulungen, Echtstartbetreuungen, Telefonsupport,
Kundenbesuche sowie für den Einsatz und die Betreuung des
- 24 -
Datenmanagements beim Kunden in den Bereichen Finanzbuchhaltung
und Fahrzeuglagerbuch zuständig war (vgl. Fragebogen für
Arbeitgebende vom 7. September 2018 [Bg-act. 12 S. 3], Arbeitszeugnis
der B._ GmbH vom 31. März 2016 [Bg-act. 36 S. 18] sowie
Zwischenzeugnisse der Q._ GmbH vom 31. Juli 2013, 31. März 2010
und 30. Juni 2009 [Bg-act. 36 S. 20 ff.], vgl. ferner Lebenslauf der
Beschwerdeführerin [Bg-act. 19, 36 S. 6 und 59]). Gegenüber dem
neuropsychologischen Gutachter gab die Beschwerdeführerin anlässlich
der Exploration Ende August 2019 ferner an, sie sei bei ihrem ehemaligen
Arbeitgeber, welcher IT-Applikationen für Autogaragen hergestellt und
unterhalten habe, für die Software (v.a. Datenbanken) zuständig gewesen
und habe Kunden am Telefon betreut bzw. beraten. In dieser Tätigkeit
habe sie subjektiv keine Schwierigkeiten gehabt (neuropsychologischer
Abklärungsbericht vom 31. August 2018 [Bg-act. 162 S. 6]). Da bei diesen
Aufgaben, die zum Tätigkeitsbereich im bisherigen Beruf gehörten, davon
ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführerin mehrheitlich mit
verbalen Informationen und sprachlichen Inhalten konfrontiert war und
diese verarbeiten musste, was gemäss neuropsychologischem
Leistungsprofil zu ihren Stärken gehört, erscheint es plausibel, wenn diese
Tätigkeit aus gutachterlicher Sicht als grundsätzlich zumutbar erachtet
wurde. Dass die Beschwerdeführerin – wie sie vorbringt – nur über Wissen
im Bereich einer ganz speziellen Software und in den Modulen
Buchhaltung und Fahrzeugablieferung verfüge, welches jedoch nicht mehr
gefragt sei, weshalb sie nicht mehr als IT-Consultant arbeiten könne,
vermag nicht zu überzeugen. Vielmehr wies lic. phil L._ in genereller
Weise aufgrund der neuropsychologischen Testergebnisse
nachvollziehbar aus, dass in der angestammten Tätigkeit der
Beschwerdeführerin im IT-Bereich (Datenbanken), sofern sie nicht bzw.
kaum mit nonverbalen Inhalten konfrontiert werde, grundsätzlich keine
relevanten Einschränkungen bestünden (neuropsychologischer
Abklärungsbericht vom 31. August 2018 [Bg-act. 162 S. 17]).
- 25 -
4.7. Auch kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden, wenn sie mit
Blick auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf die
Feststellungen anlässlich der durchgeführten Vorbereitungsmassnahme
im BackOffice Bürocenter verweist. Zwar trifft es zu, dass zum Einsatz der
Beschwerdeführerin in der IT-Abteilung vermerkt wurde, dass das
Basiswissen, welches nach einer Ausbildung an einer Höheren
Fachschule erwartet werden könne, nicht (mehr) vorhanden sei. Es
scheine, als ob die Beschwerdeführerin mit den Grundbegriffen der IT
nichts anfangen könne. Arbeitsanweisungen und -anleitungen würden
auch nach mehrmaliger Wiederholung und Unterstützung kaum
verstanden. Sie benötige viel Zeit, um Erklärungen und Zusammenhänge
zu erkennen. Die Beschwerdeführerin arbeite unorganisiert und
unüberlegt (vgl. Schlussbericht des BackOffice Bürocenter vom 11.
Oktober 2019 [Bg-act. 183] und Stage vom 4. Juli 2019 [Bg-act. 119]).
Diese Erkenntnisse sind aber insoweit zu relativieren, als sie unmittelbar
mit dem Umstand kontrastieren, dass die Beschwerdeführerin problemlos
in der Lage war, den Word ECDL-Kurs zu bestehen (vgl.
Standortgespräch vom 21. August 2019 [Bg-act. 147]) und bereits im
Rahmen des Einsatzprogramms bei der C._ anderen Teilnehmern
gegenüber Microsoft Office Support angeboten hatte (vgl. Schlussbericht
vom 2. Dezember 2016 [Bg-act. 33 S. 2]). Insofern scheint durchaus ein
Grundwissen im IT-Bereich vorhanden zu sein, weshalb es denn auch als
nachvollziehbar erscheint, dass im Rahmen der
Vorbereitungsmassnahme im BackOffice Bürocenter weitere Tätigkeiten
im IT-Bereich ins Auge gefasst wurden (z.B. Software, Inventur etc.; vgl.
Standortgespräch vom 21. August 2019 [Bg-act. 147]), wofür letztlich
jedoch keine Zeit mehr blieb, da die berufliche Massnahme mangels
Suchtmittelabstinenz vorzeitig abgebrochen wurde (Mitteilung vom 27.
August 2019 [Bg-act. 156], vgl. Schlussbericht des BackOffice Bürocenter
vom 11. Oktober 2019 [Bg-act. 183 S. 2]). Für das Vorhandensein von
berufsrelevantem IT- Wissen spricht ferner, dass die Beschwerdeführerin
- 26 -
seit Sommer 2019 als Selbstständigerwerbende stundenweise Aufträge
für ihre ehemalige Arbeitgeberin im Bereich Kundenberatung und kleinen
Softwareaufgaben erledigte (vgl. neuropsychologischer Abklärungsbericht
vom 31. August 2019 [Bg-act. 162 S. 7 und S. 17], Bericht von Dr. med.
O._ und Assistenzarzt P._ vom 2. Mai 2019 [Bg-act. 128 S. 4]
sowie Nachrichten vom 30. August 2019 [Bg-act. 161], 2. Mai 2019 [Bg-
act. 75 S. 2] und 28. April 2019 [Bg-act. 65]). Ausserdem führte die
Beschwerdeführerin anlässlich der neuropsychologischen Exploration
selbst aus, dass sie im BackOffice Bürocenter hauptsächlich mit Hardware
zu tun gehabt habe, indem sie verschiedene Komponenten in Computer
habe einbauen müssen. Dies sei ihr schwergefallen. Sie habe sich auf
dem Motherboard nicht richtig orientieren können und habe auch einzelne
Teile falsch oder am falschen Ort eingesetzt. Auch Hilfen (z.B.
Fotografien) oder häufiges Üben hätten keine Erleichterung gebracht (vgl.
neuropsychologischer Abklärungsbericht vom 31. August 2019 [Bg-act.
162 S. 7], vgl. ferner Verlaufsprotokoll Eingliederung, Eintrag vom 24. Juni
2019 [Bg-act. 165 S. 9]). Da Aufgabestellungen im Umgang mit Hardware
aufgrund der kognitiven Defizite insbesondere im Bereich von nonverbalen
Informationen, dem Erfassen grösserer Zusammenhänge gestützt auf
visuelle Informationen sowie von räumlich-konstruktiven
Aufgabestellungen der Beschwerdeführerin nachweislich Mühe bereiten
(vgl. neuropsychologischer Abklärungsbericht vom 31. August 2019 [Bg-
act. 162 S. 16 ff.]), erstaunt es nicht, dass die im Rahmen der
Eingliederungsmassnahme im BackOffice Bürocenter festgehaltenen
Leistungen als ungenügend betrachtet wurden. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdeführerin seinerzeit erst vor Kurzem eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung aufgenommen sowie regelmässig und
in erheblichem Mass Alkohol konsumiert hatte (vgl. Bericht von Dr. med.
O._ und Assistenzarzt P._ vom 2. Mai 2019 [Bg-act. 128 S. 2],
Verlaufsprotokoll Eingliederung, Einträge vom 5. August 2019 [Bg-act. 157
S. 1] und 21. August 2019 [Bg-act. 157 S. 2] sowie neuropsychologischer
- 27 -
Abklärungsbericht vom 31. August 2019 [Bg-act. 162 S. 5]), was aufgrund
positiver Ethylglucuronidwerten im Urin (vgl. Laborwerte vom 26. Juli 2019
[Bg-act. 140] und 23. August 2019 [Bg-act. 150]) letztlich denn auch zum
Massnahmenabbruch führte. Dass sich die Alkoholabhängigkeit
insbesondere mit Blick auf die kognitive Leistungsfähigkeit
leistungsmindernd auswirken kann, wurde denn auch von lic. phil. L._
bestätigt (neuropsychologischer Abklärungsbericht vom 31. August 2019
[Bg-act. 162 S. 15]). Ausserdem wies die Beschwerdeführerin bereits im
Zeitpunkt der Eingliederungsmassnahme eine mehrjährige Abwesenheit
vom Arbeitsprozess auf, weshalb es aufgrund der damit einhergehenden
Dekonditionierung als nachvollziehbar erscheint, wenn lic. phil. L._
genauso wie RAD-Arzt Dr. med. J._ einen Bedarf für eine
Auffrischung und Aktualisierung der IT- Kenntnisse der
Beschwerdeführerin orteten (vgl. neuropsychologischer Abklärungsbericht
vom 31. August 2019 [Bg-act. 162 S. 17], RAD-Beurteilung vom 20.
Dezember 2018 [Bg-act. 204 S. 14]). Insgesamt erwiesen sich somit
sowohl die Umstände, unter denen die berufliche Mass-nahmen im IT-
Bereich durchgeführt wurden, als auch die in diesem Rahmen der
Beschwerdeführerin zugeteilten Aufgaben nicht als optimal. Letztlich ist
aber die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und
Arbeitsleistungen rechtsprechungsgemäss ohnehin nach Massgabe der
objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die
Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der
von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile
des Bundesgerichts 9C_798/2018 vom 26. Juli 2019 E.4.2.1,
8C_801/2018 vom 13. Februar 2019 E.4.3 und 9C_646/2015 vom 19. Mai
2016 E.4.4).
4.8. Insgesamt ergibt sich somit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin
nicht geeignet sind, den Beweiswert des SMAB-Gutachtens vom 17.
Februar 2020 und des neuropsychologischen Abklärungsberichts von lic.
- 28 -
phil. L._ vom 31. August 2019 zu schmälern. Es ist daher nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin auf die im Gutachten
attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen (wie auch in einer
angepassten) Tätigkeit abstellte. Es erübrigt sich daher, auf die weiteren
Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen.
5. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf Fr. 700.--
fest. Diese sind gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG von der unterliegenden
Beschwerdeführerin zu tragen.
Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf eine
Parteientschädigung zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).