Decision ID: c6648642-6017-4e8e-a684-7c1dab2e32b5
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1971, meldete sich am
3.
Juli
2012 unter Hinweis auf Depressionen, Rheuma, Neurodermitis und Brustkrebs bei der Invalidenversi
che
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/6
Ziff.
6.2). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
tätigte erwerbliche
(
Urk.
8/11,
Urk.
8/19
)
und me
di
zinische
(
Urk.
8/12,
Urk.
8/14)
Abklärungen,
gab ein psychiatrisches Gut
achten
(
Urk.
8/37)
in Auftrag
und veranlasste
eine
Haushaltabklärung (vgl.
Urk.
8/44). Am
1
7.
März
2014
erliess sie den Vorbescheid (
Urk.
8/53), wogegen die Versicherte Einwände erhob
(
Urk.
8/58-59).
Am 2
9.
Juli
2015
erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid
(
Urk.
8/64).
Mit Schreiben vom 2
9.
Juli
2015 wurde der Versicherten
zudem
die Pflicht auferlegt,
sich in eine
teilstationäre
psychiatrische Behandlung zu begeben (
Urk.
8/63).
Mit Verfügung vom
7.
März
2016 (
Urk.
8/78,
Urk.
8/72) sprach
die IV-Stelle
der Versicherten ab dem
1.
Februar 2013 eine ganze Rente zu.
1.2
Im
September 2016
wurde eine Rentenrevision eingeleitet (vgl.
Urk.
8/82 S. 3).
Am 2
7.
Januar
2017 teilte d
ie
IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie eine
bidisziplinäre
Begutachtung in den Fachgebieten Psychiatrie und Rheumatolo
gie als notwendig erachte
,
und
nannte
der Versicherten
die Namen der Gutach
ter
(
Urk.
8/89). Die Versicherte
beanstandete
in einer
Stellungnahme vom
8.
Februar
2017
die Notwendigkeit der geplanten
Begutachtung
(
Urk.
8/92).
Da
zu nahm die IV-Stelle mit Schreiben vom 1
6.
Februar 2017 (
Urk.
8/96) Stel
lung.
Mit Zwischenverfügung vom 1
6.
Februar
2017 (
Urk.
8/97 =
Urk.
2) hielt die IV-Stelle an der
bi
disziplinären
Begutachtung fest.
2.
Die Versicherte erhob am 2
2.
März 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 (
Urk.
2)
und beantragte, diese sei ersatzlos aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, ihr weiterhin eine unveränderte Rente auszurich
ten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
Juni 2017
(
Urk.
6)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2017
ordnete das Gericht einen zweiten Schriften
wechsel an und stellte der Beschwerdeführerin eine Kopie der Beschwerdeant
wort zu (
Urk.
9 Dispositiv
Ziff.
1-2). Die Beschwerdefü
hrerin reichte keine Rep
lik ein.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren ist die Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 (
Urk.
2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an
einer
bidisziplinären
psy
chiatrisch-rheumatologischen Abklärung festhielt. Bei der Anordnung eines Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
; BGE 138 V 271 E. 1.2.1), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde ange
fochten werden kann.
Die Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils ist bei der Anfechtung einer umstrittenen Gutachtensanordnung für das erstin
stanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Be
gutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur tatsächlichen Nachteil bewirkt (BGE 138 V 271 E. 1.2.1 bis 1.2.3; 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen).
1.2
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung in
Art.
42 ATSG auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bundes
verfassung (BV) garantiert wird, ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äus
sern,
erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er
heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn diese geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1).
Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der be
troffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der
Entscheidfin
dung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gege
benenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen
können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
den
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin rügte
, Berichte des
Regionalärztlichen
Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin und des behandelnden Arztes
seien ihr
nicht zugestellt worden (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
1
und 2
). Bis dato wisse sie nicht, weshalb bei gleich
bleibenden Diagnosen, gleichem Gesundheitsschaden und Schweregrad der Er
krankung eine Begutachtung indiziert sein solle (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
4).
2.2
Wie sich aus
einer Notiz über ein Telefongespräch
zwischen der Beschwerde
führe
rin und der Beschwerdegegnerin
vom
9.
Februar 2017
ergibt,
war
zunächst
unklar, ob
die
V
ollmacht für
Rechtsanwältin Samuelsson
, Zürich,
noch gültig
war oder ob die Beschwerdeführerin
einen
neuen
Rechtsvertreter bevollmächtigt hatte
(
Urk.
8/93).
Rechtsanwältin Samuelsson
bestätigte die Gültigkeit der Vollmacht
zumindest
im Hinblick auf die
angeordnete
Begut
achtung (
Urk.
8/94).
Die zeitliche Verzögerung
bei der Zustellung der Akten
ist
auf Unklarheiten über die Vollmacht der Rechtsvertreterin zurückzuführen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt daher nicht vor.
Die Beschwerdegegnerin hielt mit der angefochtenen Verfügung vom 1
6.
Februar
2017 an der Notwendigkeit einer externen
bidisziplinären
Begut
achtung fest.
In der Vernehmlassung vom
1.
Juni
2017 äusserte sie sic
h aus
führlich zu den Gründen für eine Begutachtung
(
Urk.
7)
.
Mit Gerichtsverfügung vom 21. Juni
2017 wurden der Rechtsvertreterin im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels die vorinstanzlichen Akten (Urk. 8/1-100) und das interne Feststellungsblatt der Beschwerdegegnerin vom 16. Mai
2017 (Urk. 7) mit der
Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2017 (Urk. 6) zugestellt.
Eine allfällige Verlet
zung
des rechtlichen Gehörs
infolge
ungenügender Begründung der
angefoch
tenen
Verfügung ist daher
jedenfalls
als geheilt anzusehen.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der Beschwerdeantwort aus
, mittels einer Begut
achtung solle aufgezeigt werden, ob die prognostizierte Eingliederungsfä
hig
keit der Beschwerdeführer
in
mit der auferlegten Massnahme einer teilstatio
nä
ren Behandlung und einer anschliessenden ambulanten psychotherapeuti
schen Behandlung erreicht worden sei. Entgegen der Einschätzung im psy
chia
t
ri
schen Gutachten von
Dr.
med.
Y._
vom 1
5.
November
2013 scheine dies ge
mäss einem Arztbericht vom 1
7.
Juli
2016
(richtig: 2015)
mög
lich gewesen zu sein. In diesem Bericht werde weiter von einer mittelgradigen und nicht mehr von einer schweren depressiven Episode sowie von einer Stabi
lisierung der kör
per
lichen Leistungsfähigkeit berichtet (
Urk.
6
Ziff.
3).
3.2
Die Beschwerdeführerin
bestritt die Notwendigkeit einer
bidisziplinären
Begut
achtung.
3.3
Nachfolgend ist die Notwendigkeit einer rheumatologischen und psychiatri
schen Begutachtung der Beschwerdeführerin zu prüfen.
4
.
4
.1
Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat im Kreisschreiben über das Verfah
ren in der Invalidenversicherung (
KSVI
, gültig ab 1. Januar
2010, Stand 1. Januar
2017) festgehalten, wie bei der Auftragsvergabe von mono- oder
bi
dis
ziplinären
Gutachten vorzugehen ist (
KSVI
Rz
2083 ff.).
Allgemein gilt, dass der RAD, wenn er nach Kenntnisnahme der ärztlichen Be
richte eine medizinische Begutachtung für nötig hält, er diese entweder nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) selbst durch
führt oder der IV-Stelle eine entsprechende Empfehlung unter Nennung der Fachdisziplinen abgibt. Die IV-Stelle gibt entsprechend ein mono-, bi- oder polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
KSVI
Rz
2074).
4
.2
Der Auftrag für ein medizinisches Gutachten un
d allfällige Fragen sind der versicherten Person zusammen mit der Mittei
lun
g zuzustellen. Diese muss die versicherte Person
auch auf die Möglichkeit hinweisen, Zusatzfragen in schrift
licher Form bei der IV-Stelle einreichen zu können.
Die IV-Stelle setzt der versi
cherten Person
für die Erhebung von Einwänden sowie für die Einreichung von
Zusatzfragen einen Termin innerhalb der nächsten 12
Tage ab Versand der Mit
teilung (KSVI
Rz
283.1-2).
Die versicherte Person kann folgende formelle oder materielle Einwände geltend machen (KSVI
Rz
2083.3):
-
Die begutachtende Person hat in der Sache ein persönliches Interesse
-
Die begutachtende Person ist mit einer Partei in gerader Linie oder in der Sei
ten
linie bis zum dritten Grad verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung oder Kindesannahme verbunden
-
Die begutachtende Person ist aus anderen Gründen in der Sache befangen
-
Der begutachtenden Person fehlt es an der nötigen Fachkompetenz
-
Es ist ein Gutachten aus einer anderen medizinischen Fachrichtung notwen
dig
-
Der Sachverhalt ist genügend abgeklärt und die Einholung eines neuen Gut
achtens ist nicht notwendig.
Hat die versicherte Person Einwände gegen die Begutachtung erhoben, so hat die IV-Stelle eine Zwischenverfügung vorzulegen (KSVI
Rz
2083.5). Wenn ein zulässiger Einwand formeller oder materieller Natur erhoben worden ist, muss eine Einigung gesucht werden. Ein Einigungsversuch setzt voraus, dass ein mündlicher oder schriftlicher Austausch zwischen der IV-Stelle und der versi
cherten Person stattfindet. Dieser Austausch muss in den Akten hinterlegt sein (KSVI
Rz
2083.5, 2084.1). Wird keine Einigung gefunden, erlässt die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie die Art der Begutachtung, die vorgesehenen Fachdisziplinen sowie die Namen der begutachtenden Personen festhält und be
gründet, weshalb den Einwänden nicht Rechnung getragen wurde (KSVI
Rz
2084.2).
4.3
Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführerin am 2
7.
Januar
2017 mit, sie erachte eine
bidisziplinäre
Begutachtung als notwendig, und nannte die Na
men der vorgesehenen Gutachter. Weiter
legte sie den Fragenkatalog vor
und setzte der Beschwerdeführerin Frist zur Erhebung von Einwänden und Einrei
chung von Zusatzfragen (
Urk.
8/89). Diese machte am
8.
Februar
2017 einen materiellen Einwand geltend, wonach keine Begutachtung nötig sei (
Urk.
8/92). Dazu äusserte sich die Beschwerdegegnerin am 1
6.
Februar
2017 (
Urk.
8/96) und erliess daraufhin die vorliegend angefochtene Zwischenverfügung. Den Formerfordernissen zur Vergabe eines
bidisziplinären
Gutachtens wurde somit Genüge getan. Zu prüfen ist, wie es sich mit der Notwendigkeit der Begutach
tung verhält.
5
.
5
.1
Zunächst ist auf die medizinische Aktenlage zum Zeitpunkt der
Rentenzuspra
che
vom
7.
März 2016
(
Urk.
8/76) einzugehen.
5
.2
Dr.
med.
Z._
nannte in einem Bericht vom 2
6.
September
2012 (
Urk.
8/12/1-3) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode
-
atopische
Dermatitis
-
Panikstörung
-
Verdacht auf ein Mam
m
ae-
Carcinom
(in Abklärung)
-
Status nach Autounfall vom 1
2.
Juni 2012 mit HWS-Distorsion
Dr.
Z._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
seit Mai 2010 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6).
5
.3
Dr.
med.
A._
, Medizinisches Zentrum
B._
, nannte in einem Bericht vom
7.
November 2012 (
Urk.
8/14/1-4) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Anpassungsstörungen, verlängerte depressive Reaktion, bestehend seit
einer
Brustoperation
-
Differentialdiagnose: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom
-
chronischer Schmerzzustand im Rahmen der traumatischen Erlebnisse we
gen der Brust-Operation
-
Existenzangst
Dr.
A._
gab zur
Krankengeschichte
an
, bei der Patientin sei im Jahr 2009 die Diagnose einer Neurodermitis gestellt worden. Im August
2011 sei ein Tu
mor in der rechten Brust diagnostiziert worden. In einer anschliessenden Biopsie
sei die Diagnose nicht bestätigt worden. Die Beschwerdeführerin sei
jedoch
von ihrem Gynäkologen
zu einer
Operation gedrängt worden.
Danach
sei der Befund
bland
gewesen. Die Patientin klage seit der Operation über Schlafstörungen, eine Depressionssymptomatik und Schmerzzustände
.
Der Gedankengang sei inhaltlich auf ihre Anklage bezüglich der unnötigen Ope
ra
tion mit folgeschwerem Resultat eingeengt
. Die Beschwerdeführerin fühle sich als Opfer
(S. 2
Ziff.
1.4).
5
.4
Dr.
Z._
führte in einem Schreiben vom 2
6.
August 2013 (
Urk.
8/38/1) aus, die Patientin befinde sich seit Jahren bei ihm in Behandlung. Seit einer Brustopera
tion gehe es ihr leider deutlich schlechter. Sie habe grosse Angststörungen. Die Stimmungslage gehe auf ein unverarbeitetes Trau
ma nach Entfernung eines be
nignen
Bru
s
ttumors und möglicher
Karzinophobie
zurü
ck. Die Patientin werde deshalb
im Medizinischen Zentrum
C._
psychologisch
behandelt.
5
.5
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
5.
November 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
8/37).
Dr.
Y._
führte zur Anamnese aus, die Medikamente
Atarax
und
Stilnox
sowie Schmerztabletten
verursachten bei der Beschwerdeführerin Müdigkeit und Un
konzentriertheit
. Seit dem Jahr
2006
leide sie an
Neurodermitis. Seit einer Brust
operation sei sie „wie gestorben“.
Gemäss einer
Zweitmeinung hätte man den Tumor gar nicht operieren sollen. Seither habe sie keine Lebensfreude mehr, Kontakte seien abgebrochen. Sie wolle niemanden sehen. Weiter habe sie Schmer
zen und es ziehe im ganzen Nacken (S. 5
Ziff.
3 oben).
Weil das Medi
kament
Atarax
dämpfend wirke, könne sie nicht früh aufstehen. Danach habe sie Heulanfälle und es störe sie das Jucken der Haut (S. 5 Mitte). Oft habe sie Existenzangst. Sie fühle sich verloren, gefangen und könne sich nichts mehr leisten. Beispielsweise werde sie vom Sozialamt in die Enge getrieben (S. 6 un
ten).
Dr.
Y._
nannte als Diagnosen eine
chronifizierte
Depression schweren Grades, eine chronische Panikstörung, eine abhängige, emotionale retardierte Persön
lichkeitsstörung, eine chronische Neurodermitis und Untergewicht (S. 11
Ziff.
5 oben).
Es gebe starke Hinweise für die Entwicklung einer abhängigen, astheni
schen, emotional retardierten Persönlichkeitsstörung. Hierfür sprächen eine von der Patientin selbst genannte Naivität und die schlechte Bewältigung von psy
chischem Stress mit rascher Erschöpfung, Müdigkeit, körperlichem Untergewicht und zeitweiligem Erbrechen sowie einem vermehrten Schlafbedürfnis (S. 11 Mitte). Zirka im Jahr 2003 sei eine Neurodermitis festgestellt worden. Dies habe auf psychopathologischer Ebene eine Spirale in Gang gesetzt hin zu einem im
mer schlechteren psychischen und körperlichen Zustand. Die Patientin habe noch im Jahr 2007 knapp drei Monate auf einer pakistanischen Bank gearbeitet. Sie sei auch dort persönlich und mit sexuellen Anspielungen
„
geplagt
“
worden (S. 12 oben). Heute bestehe ein psychopathologischer Zustand, der als Komorbi
dität einer depressiven Störung und einer Panikstörung einen schweren Krank
heitsgrad aufweise. Die Patientin habe keine Lebensfreude mehr und lebe sozial isolier
t. Bei einer Apathie mache
sie
tageweise gar nichts mehr. Sie habe völlig resigniert (S. 12 unten).
Die Patientin habe Zeit ihres Lebens an psychischen Störungen gelitten. In der Folge sei sie psychisch mangelhaft belastbar und reduziert arbeitsfähig gewesen. Wahrscheinlich bestehe mindestens seit August 2011 eine volle Arbeitsunfähig
keit für alle Erwerbstätigkeiten (S. 13
Ziff.
6). Aufgrund der langen Dauer der psychischen Störungen sei prognostisch auf lange Sicht nicht mit einer wesent
lichen Besserung zu rechen. Die psychiatrischen Therapieoptionen seien er
schöpft. Einer längeren stationären Therapie sei sie aufgrund der Persönlich
keitsstörung nicht gewachsen. Im Haushalt bewältige sie die Anforderungen noch knapp (S. 14).
5
.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, bestätigte in einer Stellungnahme vom 2
7.
November 2013
mit Verweis auf das
psychiat
rische Gutachten von
Dr.
Y._
seit August
2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für jede Erwerbstätigkeit (
Urk.
8/46 S. 4).
6
.
6
.1
Die Beschwerdeführerin war vom 1
1.
bis 3
1.
Mai 2015 in der Hochgebirgsklinik
E._
in stationär
er Behan
dlung (
Urk.
8/87/7).
Die Ärzte der Hochgebirgsklinik
E._
stellten im Bericht vom 1
7.
Juli 2015 (
Urk.
8/87/7-12) folgende Diagnosen (S. 1):
-
m
ittelgradige depressive Episode
-
Panikstörungen (episodisch paroxysmale Angst)
-
s
onstige Essstörungen
-
Impingement
-Syndrom der Schulter links
-
Zerrung der Halsw
irbelsäule
(HWS)
, Partialruptur
Lig
.
l
ongiduale
ante
rius
,
Lig
.
Transversum
atlantis
,
Lig
.
a
lare
, Zustand nach Trau
ma
Anamnestisch bestehe ein Verdacht auf neuropsychologische Defizite bei einem Status nach
einem
Traum
a
mit
HWS-Distorsion
und fraglicher
commotio
cerebri (Trauma vom Juni 2012, S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin habe über eine psychosoziale Instabilität berichtet. Es bestehe ein Zustand nach mittelgradiger depressiver Episode. Die Patientin habe
sodann
berichtet, dass sie seit einer Brustoperation im Jahr 2011 (Tumor) und einer HWS-Distorsion im Juni 2012 nicht mehr arbeitsfähig sei (S. 2 oben).
Die Beschwerdeführerin sei am 2
9.
Mai 2015 in stabilisierter körperlicher Leistungsfähigkeit in die weitere ambulante Betreuung entlassen worden (S. 4 unten).
6
.2
Dr.
phil.
F._
, Klinischer Psychologe, und
Dr.
med.
G._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Medizinisches Zentrum
C._
,
nannten in einem Bericht vom 1
4.
Dezember
2016 (
Urk.
8/87/5-6) als Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode ohne psychotische Symptome
-
atopische
Dermatitis (Patientenangabe)
-
Untergewicht, fragliche Entwicklung einer Anorexia
nervosa
-
Panikstörung
Dr.
F._
und
Dr.
G._
gaben zum erhobenen Befund an, es bestehe ein deut
lich schwankender Verlauf mit vollständiger Kraftlosigkeit, massivem Un
tergewicht, einem Rückzug und Vernachlässigung im Alltag. Weiter bestünden eine Antriebslosigkeit und deutlich zunehmende Aggressionen
und eine
Nervo
sität.
Die Beschwerdeführerin könne
ihren
kaufmännischen Beruf
seit dem Jahr 2014 nicht mehr
ausüben
(S. 1
Ziff.
1.3).
6
.3
Die Beschwerdegegnerin reichte im vorliegenden Beschwerdeverfahren ein inter
nes Feststellungsblatt vom 1
6.
Mai
2017 (
Urk.
7) ein.
Dieses enthält eine Stellungnahme von
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, vom
2
5.
Januar 2017 (
Urk.
7 S. 2 f.).
Dr.
H._
gab
darin
un
ter Hinweis auf die Diagnosen einer chronischen Depression schweren Grades, einer chronischen Panikstörung, einer abhängigen emotional retardierten Per
sönlichkeitsstörung und einer chronischen Neurodermitis/Untergewicht an, die Beschwerdeführerin erhalte seit Februar 2013 eine ganze Rente bei einer Ar
beitsfähigkeit von 0
%
. Dies aufgrund der psychiatrischen Begutachtung durch
Dr.
Y._
vom 1
5.
November 201
3.
Im Rahmen der Überwindbarkeitsprüfung vom 1
4.
Juli 2015 sei
der Beschwerdeführerin
im Sinne einer Schadenminde
rungspflicht eine teilstationäre Behandlung über vier Wochen und danach eine ambulante psychotherapeutische Behandlung
auferlegt
worden. Damit solle
das Ziel
eine
r
Eingliederungsfähigkeit erreicht werden.
Im Arztbericht vom 1
4.
Dezember 2016 würden weiterhin nur psychiatrische Einschränkungen aufgeführt.
Als Medikamente würden
aber auch
Dafalgan
und
Sportusal
Spray aufgeführt. Es sei eine
bidisziplinäre
Begutachtung notwendig (S. 3 oben).
6
.4
Dr.
H._
führte in einer weiteren Stellungnahme vom 1
6.
Februar 2017 aus, die Beschwerdeführerin habe in der Haushaltabklärung im März 2013 angege
ben, dass sie zweimal einen Autounfall
erlitten
habe (letztmals im Juni 2012) und noch heute unter Nackenbeschwerden leide
.
Bei den
in einem Arztbericht aufgeführten Medikamenten
Ibubrufen
und
Sportusal
Spray
handle es sich um Antirheumatika. Es seien daher klar nicht nur psychiatrische Befunde gegeben, welche einer Behandlung bedürf
t
en. Ob von
S
eiten der Skelettbefunde eine re
levante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben sei, müsse abgeklärt wer
den. Es sei daher auch eine rheumatologische Abklärung notwendig, um das gesamte Beschwerdebild zu klären (
Urk.
7
S. 3 unten).
7
.
7
.1
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versiche
rungsleistungen erforderlich sind (
Art.
28
Abs.
2 ATSG). Laut
Art.
43
Abs.
1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendi
gen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung not
wendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterzie
hen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Person vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Gegebenenfalls kann der Versiche
rungsträger das von der versicherten Person eingereichte Gesuch mit der Be
gründung abweisen, der Sachverhalt, aus dem diese ihre Rechte ableiten wolle, sei nicht erwiesen (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 9C_961/2008 vom 3
0.
November 2009 E. 3.1).
7
.2
Die Prüfung, ob, und der Beweis dafür, dass eine relevante Änderung des Invali
ditätsgrades eingetreten ist, obliegt
grundsätzlich
der IV-Stelle (Urteil des Bundesgerichts 8C_733/2010 vom 1
0.
Dezember
2010, E. 3.2 mit Hinweis).
Dieser
kommt daher bei der Entscheidung, ob weitere und wenn ja, welche Be
weismittel beizuziehen si
nd
, ein grosser Ermessensspielraum zu.
7
.3
Mit Verfügung vom
7.
März
2016 wurde der Beschwerdeführerin rückwirkend ab dem
1.
Februar
2013 eine ganze Rente zugesprochen (
Urk.
8/79).
I
m Septem
ber 2016 wurde von Amtes
wegen eine Revision eingeleitet.
RAD-Arzt
Dr.
H._
wies
in der Stellungnahme vom 1
6.
Februar
2017 darauf hin, dass
im
Bericht der Ärzte der
Hochgebirgsklinik
E._
vom 1
7.
Juli
2015 auch somatische Diagnosen
gestellt worden sei
en,
so dass eine rheumatologi
sc
he Ab
klärung gerechtfertigt sei (E. 6
.4 hiervor).
Die
Ärzte der Hochgebirgskli
nik
E._
stellten
im Bericht vom 1
7.
Juli
2015
die Diagnose einer mit
telgradi
gen depressiven Episode
.
Dr.
Y._
hatte im Gutachten vom 1
5.
November
2013
noch
die Diagnose einer
schwergradig
en
depressiven Episode gestellt
(E. 6.1 und 5
.5 hiervor).
Aufgrund der
im Vergleich zum psychiatrischen Gutachten
geän
derten Diagnose
ist nicht auszuschliessen, dass es aus psychiatrischer Sicht zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
gekom
men ist.
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin diese
Frage durch Einholen eines psychiatrischen Gutachtens abklären lassen will.
Zusammen mit dem Hinweis auf somatische Diagnosen
liegen ausreichende Anhaltspunkte vor, die eine
bidisziplinäre
Gutachtung als notwendig erscheinen lassen.
Die Beschwerdegegnerin hat den ihr im Rahmen der medizinischen Ab
klärung der versicherten Person zuko
mmenden Ermessensspielraum (E. 7
.2 hier
vor) mit der Anordnung einer
bidisziplinären
Begutachtung nicht überschritten.
Die Beschwerdeführerin begab sich im Mai
2015 in der Hochgebirgsklinik
E._
in stationäre Behandlung.
Daraus folgt, dass ihr auch eine
bidisziplinäre
Be
gut
achtung zugemutet werden kann.
Die Beschwerdeführerin machte keine
Ausstandsgründe
geltend
gegen die
Gut
achter
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, und
Dr.
J._
,
Facharzt für Allgemeine Inner
e Medizin und für Rheumatologie (
Urk.
2 S. 2).
Die geplante
bidisziplinäre
Begutachtung ist daher nicht zu beanstanden.
7
.4
Zusammenfassend
hat die Beschwerdegegnerin zu Recht an einer rheumatologi
schen und psychiatrischen Begutachtung festgehalten.
Die angefochtene Verfü
gung vom
1
6.
Februar
2017 erweist sich
demzufolge
als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (
Art.
61
lit
. a ATSG in Ver
bindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).