Decision ID: 368cee0b-f30b-4c78-b93b-39f59bcfc679
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe eine Berufslehre als Koch
absolviert und zuletzt als Gruppenleiter des „Mittagstisches“ einer sozialen Institution
gearbeitet, wofür er einen Lohn von 6’400 Franken pro Monat erhalten habe. Die
ehemalige Arbeitgeberin berichtete im Oktober 2006 (IV-act. 7), der Versicherte sei in
einem Pensum von 80 Prozent tätig gewesen und habe einen Lohn von 5’067.20
Franken erhalten. Das Arbeitsverhältnis sei im gegenseitigen Einverständnis aufgelöst
worden, da der Versicherte nicht über genügend Erfahrung und Kenntnisse in der
Rehabilitationsarbeit verfügt habe. Der Psychiater Dr. med. B._ teilte der IV-Stelle im
Juli 2007 mit (IV-act. 22), der Versicherte leide an einer Anpassungsstörung und an
einer längeren depressiven Reaktion seit einer im Jahr 2004 erfolgten Ehescheidung
sowie an einer seit dem Jahr 2006 bestehenden Dysthymia bei einem Status nach einer
schweren depressiven Episode. Seit dem 1. Februar 2007 könne ihm ein
Arbeitspensum von 50 Prozent zugemutet werden. In einer selbständigen und
eigenverantwortlichen Tätigkeit könne die Belastbarkeit des Versicherten
wahrscheinlich gesteigert werden.
A.a.
Vom 1. August 2008 bis zum 31. Juli 2009 absolvierte der Versicherte eine
berufliche Abklärung im C._ (vgl. IV-act. 37). Der Vorgesetzte berichtete am 13. Juli
2009, der Versicherte habe sowohl gute technische Fertigkeiten als auch die Fähigkeit
gezeigt, Arbeitskollegen fachlich und persönlich angemessen anzuleiten (IV-act. 61).
Die IV-Stelle erteilte dem Versicherten in der Folge eine Kostengutsprache für eine
einjährige schulische Ausbildung zum technischen Kaufmann mit einem schulinternen
Abschluss (IV-act. 56). Diese Ausbildung schloss der Versicherte mit einem
Notendurchschnitt von etwas mehr als 5,3 ab (IV-act. 66). Ein Berufsberater der IV-
Stelle notierte im November 2010, der Versicherte sei nun in der Lage, ein Einkommen
A.b.
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von 12 × 5’000 Franken zu erzielen (IV-act. 67). Mit einer Mitteilung vom 2. Dezember
2010 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf weitere berufliche
Massnahmen oder auf eine Rente (IV-act. 70).
Im Juli 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
76). Die Oberärztin des Ambulatoriums des psychiatrischen Zentrums D._, Dr. med.
E._, berichtete am 31. August 2012, der Versicherte leide an einer rezidivierenden
depressiven Störung bei einer gegenwärtig mittelgradigen Episode mit einem
somatischen Anteil, an einer Dysthymia sowie an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden und Borderline-Anteilen (IV-act. 85).
Im April 2013 teilte die Tagesklinik des psychiatrischen Zentrums D._ der IV-Stelle
mit, der Versicherte sei zu 50 Prozent arbeitsfähig; der Arbeitsfähigkeitsgrad sei
steigerbar (IV-act. 91 f.). Mit einer Mitteilung vom 23. Oktober 2013 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten eine Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 108). Ab dem 22. September 2014
konnte der Versicherte einen dreimonatigen Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50
Prozent antreten (IV-act. 116). Der Arbeitsversuch wurde in der Folge um drei Monate
verlängert (IV-act. 124). Obwohl sich nach dem Arbeitsversuch keine Anschlusslösung
ergeben hatte, wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um weitere berufliche
Massnahmen mit einer Mitteilung vom 18. Mai 2015 ab (IV-act. 138). Eine
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle hatte notiert (IV-act. 136), gemäss der
Einschätzung des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) sei der Versicherte
als technischer Kaufmann uneingeschränkt arbeitsfähig. Er habe aber keinen
Arbeitsversuch bei der Stadtverwaltung absolvieren wollen und er habe auch keinen
konkreten Grund genannt, weshalb er nicht mehr als technischer Kaufmann arbeiten
wolle. Nachdem die IV-Stelle aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt hatte,
verglich eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle das Einkommen eines Kochs mit einem
Hilfsarbeiterlohn bei einem Pensum von 50 Prozent, was einen Invaliditätsgrad von
60,6 Prozent ergab (IV-act. 154). Die IV-Stelle beauftragte die Ausgleichskasse am 15.
Februar 2016 mit der Berechnung der Rentenbeträge bei einem Invaliditätsgrad von 61
Prozent und einem Rentenbeginn ab dem 1. Juni 2013 (IV-act. 160).
A.c.
Am 3. April 2016 meldete der Versicherte, er habe im Oktober 2015 ein
Arbeitsverhältnis als Mitarbeiter in der Küche angetreten, das ursprünglich per Ende
April 2016 befristet gewesen, nun aber um sechs Monate verlängert worden sei (IV-act.
A.d.
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161). Das Arbeitspensum betrage 100 Prozent. Der Lohn belief sich auf 75’000 Franken
(IV-act. 162). Am 8. April 2016 verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer
Dreiviertelsrente ab dem 1. Juni 2013 (IV-act. 163). Am 15. April 2016 widerrief sie die
rentenzusprechende Verfügung vom 8. April 2016 (IV-act. 164). Mit einer Verfügung
vom 21. Juni 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten mangels
eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 171). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob diese Verfügung mit einem Entscheid
vom 13. September 2018 auf (IV 2016/241; vgl. IV-act. 183). Es hielt fest, die vom
Versicherten beantragte Zusprache einer befristeten Rente für die Zeit vom 24. Juli
2012 (Anmeldung zum Leistungsbezug) bis zum 21. September 2014 (Beginn eines
Arbeitsversuches) komme nicht in Frage, weil der Versicherte damals noch
eingliederungsfähig und damit definitionsgemäss nicht rentenbegründend invalid
gewesen sei. Für die Zeit ab dem 23. März 2015 (Ende des Arbeitsversuches) sei
massgebend, dass die IV-Stelle die Umschulung zum technischen Kaufmann
verbindlich abgeschlossen habe, obwohl ein schulinterner Abschluss (zum technischen
Kaufmann) natürlich nicht mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (als Koch)
verglichen werden könne und obwohl die Verdienstaussichten des Versicherten (12 ×
5’000 Franken) deutlich tiefer als im ursprünglich erlernten Beruf (zuletzt: 13 × 6’400
Franken) gewesen seien. Die Mitteilung vom 2. Dezember 2010 habe aber keine über
den Abschluss jener Umschulung hinausgehende rechtsgestaltende Anordnung –
namentlich eine generelle Verweigerung von weiteren Eingliederungsmassnahmen –
enthalten, denn sonst hätte die IV-Stelle ja im September 2014 keinen Arbeitsversuch
finanziert. Damit stehe nach wie vor die Frage im Raum, ob die Tätigkeit als Koch ideal
leidensadaptiert sei. Sollte dies nämlich nicht der Fall sein, könnte die Erwerbsfähigkeit
des Versicherten wohl mit weiteren Eingliederungsmassnahmen verbessert werden,
was bedeuten würde, dass die erste Voraussetzung für die Zusprache einer Rente nicht
erfüllt wäre. Diesbezüglich erweise sich der massgebende Sachverhalt als ungenügend
abgeklärt. Die IV-Stelle werde zunächst die Frage klären, in welchem Umfang dem
Versicherten die erlernte Tätigkeit als Koch zumutbar sei. Sollte die Arbeitsfähigkeit als
Koch eingeschränkt sein, werde die IV-Stelle eine Arbeitsfähigkeitsschätzung für eine
adaptierte Tätigkeit als technischer Kaufmann einholen. Sollte sich herausstellen, dass
der Versicherte auch als technischer Kaufmann in einem rentenauslösenden Ausmass
arbeitsunfähig sei, müsste er wohl erneut umgeschult werden. Für die Beantwortung
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dieser Fragen werde die IV-Stelle nicht nur medizinische, sondern auch
berufsberaterische Abklärungen tätigen, das heisst einen Berufsberater damit
beauftragen, konkrete Belastungsprofile für die Tätigkeit als Koch, für die Tätigkeit als
technischer Kaufmann und für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit zu erstellen, die sie
den medizinischen Sachverständigen für deren Arbeitsfähigkeitsschätzung zur
Verfügung stellen werde.
Auf eine Anfrage der IV-Stelle hin teilte die kantonale Arbeitslosenkasse im
November 2018 mit (IV-act. 189), der Versicherte sei ab dem 1. November 2016
arbeitslos gewesen. Er habe eine Vollzeitstelle gesucht. Der versicherte Lohn habe sich
auf 6’250 Franken pro Monat belaufen. Die Allgemeinmedizinerin Dr. med. F._
berichtete im Februar 2019 (IV-act. 195), der Versicherte leide an einer chronischen
depressiven Verstimmung und an einem „Angstzustand“, an einer Hypothyreose, an
Schulterschmerzen rechts sowie an einer Occipitalneuralgie. Er sei nicht arbeitsfähig.
Die Psychiaterin Dr. med. G._ teilte der IV-Stelle im März 2019 mit (IV-act. 200), der
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
mittelgradigen Episode und einem somatischen Syndrom. Aktuell sei er vollständig
arbeitsunfähig. Die Prognose sei schlecht. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-
Stelle nahm zwei allgemeine Tätigkeitsbeschriebe – Koch und technischer Kaufmann –
zu den Akten (IV-act. 204 und 206). Anschliessend erteilte die IV-Stelle der
medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Interlaken GmbH den Auftrag, den
Versicherten polydisziplinär zu begutachten (IV-act. 210). Die MEDAS Interlaken GmbH
erstattete das Gutachten am 16. Oktober 2019 (IV-act. 219). Die internistische
Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an einer substituierten Hypothyreose,
an einem Nikotinabusus und an einem Status nach einer therapierten Malaria. Zudem
bestehe anamnestisch der Verdacht auf eine primär biliäre Zirrhose. Keine dieser
Gesundheitsbeeinträchtigungen schränke die Arbeitsfähigkeit ein. Aus internistischer
Sicht sei folglich eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Der
orthopädische Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einem
Taubheitsgefühl am rechten lateralen Oberschenkel bei Spondylarthrosen und
muskulären Dysbalancen der Rumpfmuskulatur sowie an muskulären Dysbalancen im
Bereich der rechten Schulter. Die Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit werde dadurch nicht beeinträchtigt. Für die
A.e.
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Tätigkeit als Koch oder als technischer Kaufmann sei aufgrund der körperlichen
Dekonditionierung ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent „bei einer um 20 Prozent
eingeschränkten Leistung“ auszugehen, die „sich durch die subjektiv empfundenen
Schmerzen bekräftigen“ lasse. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, in der
Untersuchung seien keine kognitiven Defizite aufgefallen, die das
Untersuchungsergebnis verfälscht hätten. Die Merkfähigkeit, die Aufmerksamkeit, die
Wachheit und das Durchhaltevermögen, das Sprachverhalten, die Intelligenz und die
Auffassungsgabe seien nicht relevant eingeschränkt gewesen. Klinisch hätten eine
leichte depressive Verstimmung, eine geringe Reduktion von Interessen und Freude,
eine leichte Antriebseinschränkung, ein mittelgradig vermindertes Selbstwertgefühl,
leichte Selbstvorwürfe, eine leichte Hoffnungslosigkeit sowie ein leichter sozialer
Rückzug objektiviert werden können. Insgesamt habe eindeutig kein für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit bedeutsames depressives Zustandsbild vorgelegen. Die
erfassbaren depressiven Symptome hätten den Grad einer dem neurotischen
Symptomenkreis zugehörigen Dysthymia erreicht. Psychotische Symptome, Hinweise
auf eine generelle Angst- oder Zwangserkrankung, Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung, Anhaltspunkte für das Vorliegen einer relevanten
Suchterkrankung oder Hinweise auf eine Aggravation oder gar Simulation hätten nicht
festgestellt werden können. Der Versicherte leide an einem chronifizierten depressiven
Zustandsbild im Sinne einer Dysthymia sowie an einer ausgeprägten Akzentuierung
von verschiedenen Persönlichkeitsanteilen. Die in den Vorakten enthaltene Diagnose
einer depressiven Störung mit Krankheitswertigkeit habe sich in der Untersuchung
eindeutig nicht bestätigen lassen. Weder eine Dysthymia noch eine
Persönlichkeitsakzentuierung schränke die Arbeitsfähigkeit ein. In Kombination
auftretend seien diese psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen aber nur erschwert
willentlich überwindbar. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei allerdings nicht aus der
Diagnose, sondern aus den erhobenen klinischen Untersuchungsbefunde abzuleiten.
Massgebend seien dabei eine mittelgradig eingeschränkte Flexibilität und
Umstellungsfähigkeit, eine mittelgradig eingeschränkte Durchhaltefähigkeit sowie eine
mittelgradig eingeschränkte Selbstbehauptungsfähigkeit. Diese Einschränkungen
beträfen alle beruflichen Tätigkeiten. Die Arbeitsfähigkeit betrage 70 Prozent. Nach der
Konsensbesprechung führten die Sachverständigen aus, massgebend für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung seien das chronifizierte depressive Zustandsbild im Sinne
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einer Dysthymia, die ausgeprägte Akzentuierung von verschiedenen
Persönlichkeitsanteilen sowie das lumbo-spondylogene Syndrom rechts. Für die
Tätigkeit als Küchenmitarbeiter in einer Heimküche sowie für die Tätigkeit als
technischer Kaufmann sei aus interdisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 30
Prozent seit April 2016 zu attestieren. Bei der ursprünglich erlernten Tätigkeit als Koch,
gerade in einem Betrieb mit rascherem Arbeitstempo, mehr Hektik und Zeitdruck, wie
in einem A la carte-Restaurant, müsse zusätzlich eine weitere Reduktion der
Leistungsfähigkeit wegen der allgemeinen Dekonditionierung berücksichtigt werden,
die sich auf 20 Prozent belaufe, sodass für solche Tätigkeiten ein Arbeitsfähigkeitsgrad
von lediglich 56 Prozent attestiert werden könne. Für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten sei ebenfalls ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 Prozent zu attestieren. Der
RAD-Arzt Dr. med. H._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 220).
Mit einem Vorbescheid vom 24. Januar 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 223), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe. Zur Begründung führte sie an, der
Versicherte könne gemäss dem überzeugenden Gutachten der MEDAS Interlaken
GmbH seinen erlernten Beruf als Koch in einem Pensum von 70 Prozent ausüben,
weshalb er zu 30 Prozent invalid sei. Die Zusprache einer Rente der
Invalidenversicherung setze aber einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent
voraus. Der Versicherte reagierte nicht auf den Vorbescheid. Mit einer Verfügung vom
12. März 2020 wies die IV-Stelle sein Rentenbegehren ab (IV-act. 224). Nachdem der
Versicherte eine Beschwerde gegen diese Verfügung erhoben hatte (vgl. IV-act. 226),
notierte ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes am 29. Mai 2020 (IV-act. 229), aus dem
Gutachten der MEDAS Interlaken GmbH gehe nicht eindeutig hervor, dass der
Versicherte im angestammten Beruf als Koch zu 70 Prozent arbeitsfähig sei, denn es
sei fraglich, ob diese Tätigkeit als ideal leidensadaptiert qualifiziert werden könne.
Diesbezüglich seien weitere Abklärungen erforderlich, weshalb die Verfügung zu
widerrufen sei. Am 29. Mai 2020 widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 12. März
2020 (IV-act. 231). Das Beschwerdeverfahren wurde in der Folge als gegenstandslos
abgeschrieben (Verfügung des Versicherungsgerichtes IV 2020/68 vom 5. Juni 2020;
vgl. IV-act. 237). Auf eine Rückfrage der IV-Stelle hin gab der ehemalige Vorgesetzte
des Versicherten am 19. Juni 2020 an (IV-act. 239), der Versicherte habe vom 1.
A.f.
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B.
Oktober 2015 bis zum 31. Oktober 2016 als Mitarbeiter in der Küche eines
Asylzentrums gearbeitet. Die Arbeitsbelastung sei damals besonders gross gewesen,
weshalb man den Versicherten als Unterstützung des Küchenchefs eingestellt habe.
Der Versicherte habe sich als ein fachlich kompetenter Koch und als ein loyaler
Mitarbeiter ausgezeichnet. Er sei vom Team wie auch von den Asylsuchenden sehr
geschätzt worden. Seine angeschlagene Gesundheit sei aber spürbar gewesen. Er
habe seine Aufgaben gut erfüllt, aber viele Pausen benötigt. Zudem habe er keine
zusätzlichen Aufgaben (Einkauf, Planung etc.) übernehmen können. Die Einschätzung
der Leistungsfähigkeit sei nach so langer Zeit schwierig, „persönlich und frei“ geschätzt
habe die Leistungsfähigkeit etwa 70 Prozent betragen. Ein Berufsberater notierte am
29. Oktober 2020 (IV-act. 240), ein Bereichsleiter von I._ habe erklärt, dass sich die
von den Sachverständigen der MEDAS Interlaken GmbH attestierte Arbeitsfähigkeit
von 70 Prozent in einem Altersheim, Spital oder dergleichen umsetzen lasse, wo kein
öffentliches Restaurant angehängt sei. Eine Leiterin der Küche des Hotels J._ habe
die Umsetzung in einer Produktionsküche eines Spitals, eines grossen
Lebensmittelherstellers oder eines Altersheims für möglich erachtet. Aus
berufsberaterischer Sicht seien diese Angaben überzeugend. Die Tätigkeit, die der
Versicherte im Asylzentrum ausgeübt habe, bestätige das.
Die IV-Stelle verglich das zuletzt erzielte Einkommen von 76’764 Franken (2017)
mit 70 Prozent des statistischen Zentralwertes der Löhne im Gastgewerbe, „Stufe 3“,
was 46’992 Franken entsprach, und errechnete so einen Invaliditätsgrad von 39,17
Prozent (IV-act. 242 f.). Mit einem Vorbescheid vom 18. November 2020 teilte sie dem
Versicherten mit, dass sie nach wie vor die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe
(IV-act. 244). Der Versicherte nahm dazu keine Stellung. Mit einer Verfügung vom 18.
Januar 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 245).
A.g.
Am 17. Februar 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. Januar 2021 erheben (act. G 1). Die ihn
vertretenden Sozialen Dienste beantragten die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Ausrichtung der dem Beschwerdeführer „zustehenden Leistungen
aus IVG“. Zur Begründung führten sie aus, das Gutachten der MEDAS Interlaken
B.a.
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GmbH überzeuge nicht. Die Sachverständigen hätten sich nicht hinreichend mit den
Berichten der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt. Für die Bemessung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens könne nicht auf den statistischen
Zentralwert der Löhne im Kompetenzniveau 3 abgestellt werden, da der
Beschwerdeführer die entsprechenden Anforderungen nicht erfülle. Massgebend
müsse der Zentralwert der Löhne im Kompetenzniveau 1 sein. Zudem müsse ein
Tabellenlohnabzug von 20 Prozent berücksichtigt werden. Der so berechnete
Invaliditätsgrad liege bei über 60 Prozent. Der Beschwerdeführer könne seine
Arbeitsfähigkeit aber realistischerweise gar nicht mehr verwerten. Folglich habe er
einen Anspruch auf eine ganze Rente.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 8. April 2021
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, die Kritik des
Beschwerdeführers wecke keinen Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens
der MEDAS Interlaken GmbH. Die beruflichen Abklärungen hätten ergeben, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers realistischerweise durchaus noch verwertbar
sei. Das Valideneinkommen müsse tiefer angesetzt werden, da der Beschwerdeführer
seinen erlernten Beruf schon vor über 20 Jahren aufgegeben habe. Massgebend sei
die Tätigkeit als Betreuer im sozialen Bereich, was einer Tätigkeit im Kompetenzniveau
2 im Gesundheits- und Sozialwesen entspreche. Für die Bemessung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens sei auf den statistischen
Zentralwert aller Hilfsarbeiterlöhne abzustellen. Ein Abzug vom Tabellenlohn sei nicht
gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad betrage 34 Prozent.
B.b.
Am 13. April 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (act. G 4).
B.c.
Der Beschwerdeführer liess am 11. Mai 2021 an seinen Anträgen festhalten (act. G
7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).
B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
2.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen
Verfügung auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat die Frage
nach einem Rentenanspruch des Beschwerdeführers für die Zeit ab dem 1. Januar
2013 (Anmeldung im Juli 2012; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) zum Gegenstand gehabt. Da es
sich bei der Anmeldung für eine Rente im Juli 2012 um eine sogenannte
Neuanmeldung gehandelt hat, hat der Beschwerdeführer die Eintretenshürde des Art.
87 Abs. 3 IVV meistern, das heisst glaubhaft machen müssen, dass sich der relevante
Sachverhalt nach dem 2. Dezember 2010 wesentlich verändert hatte, was ihm mit dem
Bericht von Dr. E._ vom 31. August 2012 gelungen ist (vgl. den Entscheid IV
2016/241 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 13. September 2018, E. 2).
1.1.
Das Versicherungsgericht hat im formell rechtskräftigen Entscheid IV 2016/241
vom 13. September 2018 festgehalten, dass die Zusprache einer Rente für den
Zeitraum vor dem Beginn des Arbeitsversuchs im September 2014 nicht in Frage
komme, weil der Beschwerdeführer damals noch eingliederungsfähig gewesen sei,
weshalb die Anspruchsvoraussetzung des Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG nicht erfüllt gewesen
sei (E. 3.2). Der Arbeitsversuch hat bis Ende März 2015 gedauert. Da der
Beschwerdeführer in dieser Zeit ein Taggeld erhalten hat, fällt die Zusprache einer
Rente auch für diesen Zeitraum nicht in Betracht (Art. 29 Abs. 2 IVG). Der
Rentenanspruch kann somit frühestens am 1. April 2015 entstanden sein.
1.2.
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ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
3.
Der Beschwerdeführer hat eine Berufslehre zum Koch absolviert und auch als Koch
gearbeitet. Zwar hat er später – vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung – in
eine Tätigkeit als sozialer Betreuer gewechselt, aber seine beruflichen Fertigkeiten als
Koch hat er dadurch nicht verloren. Der befristete Arbeitseinsatz von Oktober 2015 bis
September 2016 hat gemäss den Ausführungen des damaligen Vorgesetzten gezeigt,
dass der Beschwerdeführer zu jener Zeit – lange nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung – immer noch über gute fachliche Qualitäten als Koch
verfügt hat und dass er seine Berufskenntnisse ohne weiteres hat abrufen können. Das
belegt, dass er im hypothetischen „Gesundheitsfall“ („Validitätsfall“) jederzeit eine
Arbeitsstelle als ausgebildeter Koch hätte antreten können und dass er einen
entsprechenden Lohn erzielt hätte. Damit erweist sich die Behauptung der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort, der Beschwerdeführer habe durch
den Berufswechsel einen Teil seiner Erwerbsfähigkeit eingebüsst, als aktenwidrig. Im
Übrigen hat der Beschwerdeführer an seiner letzten Arbeitsstelle vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung einen wesentlich höheren als den von der
Beschwerdegegnerin angenommenen Lohn erzielt, weshalb das in der
Beschwerdeantwort errechnete Valideneinkommen selbst dann nicht massgebend sein
könnte, wenn die Validenkarriere die Tätigkeit als Betreuer im sozialen Bereich wäre.
Auch der technische Kaufmann kann nicht die (neue) Validenkarriere sein, obwohl eine
Umschulung normalerweise dazu führen müsste, dass die „alte“ Validenkarriere durch
eine „neue“ Karriere im während der Umschulung neu erlernten Beruf ersetzt wird. Die
von der Beschwerdegegnerin finanzierte Umschulung ist nämlich nicht gleichwertig zur
ursprünglichen Berufsausbildung gewesen, denn der Beschwerdeführer hatte über ein
eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Koch verfügt, die Beschwerdegegnerin hat ihn
aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen nur zum technischen Kaufmann mit einem
schulinternen Abschluss umgeschult, der nicht mit einem eidgenössischen
Fähigkeitszeugnis verglichen werden kann. Das zeigt bereits die Notiz des
Berufsberaters vom November 2010, der die Lohnaussichten des Beschwerdeführers
als technischer Kaufmann als wesentlich tiefer als jene geschätzt hat, die der
Beschwerdeführer als Koch gehabt hätte. Die Validenkarriere ist also (nach wie vor)
jene als Koch, weshalb das Valideneinkommen dem statistischen Zentralwert der
Löhne von Köchen mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis entspricht.
4.
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Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
ausschlaggebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
in welchem Umfang noch zugemutet werden können. Die Sachverständigen der
MEDAS Interlaken GmbH haben nach einer eingehenden Würdigung der Akten und
einer umfassenden persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers mit einer
überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass dieser aus somatischer Sicht für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist. Das Spektrum
der zumutbaren Tätigkeiten ist lediglich durch mehr oder weniger altersentsprechende
degenerative Veränderungen am Bewegungsapparat und durch eine körperliche
Dekonditionierung eingeschränkt gewesen. Letztere hätte bei hektischen Tätigkeiten
zusätzliche Pausen im Umfang von 20 Prozent erfordert. Anhaltspunkte, die Zweifel an
dieser (somatischen) Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken würden, sind in den Akten
nicht ersichtlich. In psychiatrischer Hinsicht besteht ein erheblicher Widerspruch
zwischen der Beurteilung des Sachverständigen der MEDAS Interlaken GmbH und
jener der behandelnden Ärzte: Die Psychiaterin Dr. G._ hat eine mittelgradige
depressive Störung diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bei einer
schlechten Prognose attestiert; der Sachverständige der MEDAS Interlaken GmbH hat
ein chronifiziertes depressives Zustandsbild im Sinne einer Dysthymia sowie eine
ausgeprägte Akzentuierung von verschiedenen Persönlichkeitsanteilen diagnostiziert
und eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent attestiert. Entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers hat sich der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Interlaken
GmbH eingehend mit den Berichten der behandelnden Ärzte (inkl. Dr. G._)
auseinandergesetzt. Er hat überzeugend aufgezeigt, dass er in der persönlichen
Untersuchung des Beschwerdeführers objektiv keine klinischen Befunde hatte erheben
können, die die Diagnose einer depressiven Störung gerechtfertigt hätten. Angesichts
der ausführlichen Wiedergabe sowohl der subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers als auch der objektiven klinischen Befunde (einschliesslich der
Ergebnisse mehrerer Testverfahren) im psychiatrischen Teilgutachten besteht kein
Grund zur Annahme, der psychiatrische Sachverständige hätte einen wesentlichen
Aspekt übersehen. In der kurzen Befundschilderung im Bericht von Dr. G._ vom 27.
März 2019 finden sich keine Hinweise auf objektive klinische Befunde, die im
psychiatrischen Teilgutachten nicht erwähnt wären. Auffallend ist aber, dass Dr. G._
die objektiven Befunde teilweise mit subjektiven Angaben vermischt und dass offenbar
der (vom Beschwerdeführer geschilderte) ausgeprägte soziale Rückzug für ihre
Beurteilung eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat. Möglicherweise hat sich Dr.
G._ auch (zu sehr) von den schwierigen sozialen Umständen des Beschwerdeführers
beeinflussen lassen, das heisst fachfremde Aspekte (im Sinne des bio-psycho-sozialen
Krankheitsmodells) in ihre Beurteilung einfliessen lassen. Anders als Dr. G._ hat der
4.1.
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psychiatrische Sachverständige der MEDAS Interlaken GmbH auch seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausführlich, nachvollziehbar und überzeugend anhand der
von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde begründet. Im Bericht von Dr. G._
findet sich nämlich keine Begründung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Das Attest
einer vollständig aufgehobenen Arbeitsfähigkeit lässt sich mit Blick auf die
diagnostizierte mittelgradige depressive Störung und die wenigen im Bericht erwähnten
objektiven Befunde nicht nachvollziehen. Aus der Sicht eines medizinischen Laien
erweist sich sogar die vom psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Interlaken
GmbH attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent selbst für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten angesichts der objektiven Befunde und der Diagnosen als eher zu hoch.
Diesbezüglich bestehen also leichte Zweifel an der Überzeugungskraft des
psychiatrischen Teilgutachtens der MEDAS Interlaken GmbH. Allerdings steht gestützt
auf das ansonsten in jeder Hinsicht überzeugende Gutachten mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu mindestens 70 Prozent arbeitsfähig gewesen
ist. Die Sachverständigen haben sich zwar nur zur Arbeitsfähigkeit ab April 2016
geäussert, aber in den Akten fehlt ein Hinweis darauf, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit zwischen April 2015 und April
2016 wesentlich verändert hätte. Zudem hat der damalige Vorgesetzte am 19. Juni
2020 bestätigt, dass der Beschwerdeführer in jener Zeit effektiv als Koch eine
Arbeitsleistung von 70 Prozent erbracht hatte, weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung
der Sachverständigen der MEDAS Interlaken GmbH überwiegend wahrscheinlich auch
für die Zeit zwischen April 2015 und April 2016 massgebend ist.
Die Beschwerdegegnerin muss die im Entscheid IV 2016/241 vom 13. September
2018 enthaltene verbindliche Vorgabe, den medizinischen Sachverständigen je ein
konkretes Anforderungsprofil für eine Tätigkeit als Koch und als technischer Kaufmann
vorzulegen, missverstanden haben, denn sie hat sich damit begnügt, den
Sachverständigen der MEDAS Interlaken GmbH allgemeine Tätigkeitsbeschreibungen
vorzulegen. Diese allgemeinen Beschreibungen haben es den Sachverständigen aber
nicht erlaubt, spezifisch Stellung zu den konkreten Belastungen in den beiden Berufen
zu nehmen. Dieser Mangel fällt jedoch nicht ins Gewicht, weil sich die massgebende
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit gemäss dem aktuellen Gutachten in allen in
Frage kommenden Tätigkeiten gleichermassen auswirkt und weil die Sachverständigen
genau beschrieben haben, unter welchen Arbeitsbedingungen eine zusätzliche
Leistungseinbusse von 20 Prozent zu berücksichtigen wäre. Diese Angabe hat es der
Beschwerdegegnerin erlaubt, sich mittels einer berufsberaterischen Abklärung gezielt
nach (realistischen) Möglichkeiten des Beschwerdeführers zu erkundigen, sich im
4.2.
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5.
Da die Invalidenkarriere mit der Validenkarriere identisch ist und da der Ausgangswert
des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens folglich dem
Valideneinkommen entspricht, kann der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs berechnet werden. Er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad,
korrigiert um einen allfälligen dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug.
Ein solcher Abzug wird berücksichtigt, wenn davon ausgegangen werden muss, dass
die versicherte Person ihre Arbeitsfähigkeit nicht mit demselben ökonomischen Erfolg
verwerten kann wie eine gesunde, im selben Pensum tätige Person. Das ist der Fall,
wenn anzunehmen ist, dass ein strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender,
also keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber der versicherten Person keinen
durchschnittlichen, sondern nur einen unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen wird,
um seinen aus der Anstellung der versicherten Person resultierenden
„Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen dem ökonomischen Wert der
Arbeitsleistung für den Arbeitgeber und den direkten und indirekten Lohn- und
Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen. Kann eine
versicherte Person nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen Mehrwert
generieren oder sind die indirekten Lohnkosten oder die Lohnnebenkosten
überdurchschnittlich hoch, resultiert für den Arbeitgeber nämlich nur ein
unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“. Ein strikt betriebswirtschaftlich operierender
Arbeitgeber wird das nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf den Arbeitnehmer
überwälzen, indem er diesem nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass
für den Arbeitgeber ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Dem Bericht
erlernten Beruf als Koch zu betätigen und dabei eine Leistung von 70 Prozent zu
erbringen. Der Berufsberater hat anhand von konkreten Aussagen von potentiellen
Arbeitgebern und anhand einer eigenen berufsberaterischen Einschätzung
überzeugend aufgezeigt, dass es Arbeitsstellen gibt, an denen der Beschwerdeführer
als Koch seine Arbeitsfähigkeit hätte verwerten können. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer selbst mit seinem befristeten Arbeitseinsatz von Oktober 2015 bis
September 2016 den Tatbeweis dafür angetreten hat, dass es ihm trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung möglich gewesen ist, als gelernter Koch eine
Arbeitsleistung von 70 Prozent zu erbringen, wie sein ehemaliger Vorgesetzter bestätigt
hat. Gründe, die gegen eine Verwertung dieser Arbeitsfähigkeit auf dem
invalidenversicherungsrechtlich massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt sprechen würden, sind nicht ersichtlich. Die Invalidenkarriere besteht
damit in einer Tätigkeit als gelernter Koch bei einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 70
Prozent.
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des Vorgesetzten an der letzten Arbeitsstelle des Beschwerdeführers lässt sich
entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht mit derselben Flexibilität in einem Betrieb
eingesetzt werden kann wie ein gesunder Koch. Zudem muss der Beschwerdeführer
den ganzen Tag am Arbeitsplatz anwesend sein, um eine Arbeitsleistung von 70
Prozent erbringen zu können, denn er muss immer wieder zusätzliche Pausen einlegen,
worauf der damalige Vorgesetzte ebenfalls hingewiesen hat. Der Beschwerdeführer
„belegt“ also ganztags einen Arbeitsplatz, erbringt aber nur eine Arbeitsleistung von 70
Prozent, weshalb ein potentieller Arbeitgeber also beispielsweise nicht einfach einen
zusätzlichen Koch mit einem Pensum von 30 Prozent anstellen kann, um den
Arbeitsplatz voll auszulasten. Die zusätzlichen Pausen dürften auch den Betriebsablauf
in der Küche in einem für einen strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch operierenden
Arbeitgeber relevanten Ausmass stören. Gesamthaft kann der betriebswirtschaftlich-
ökonomische „Arbeitsmehrwert“ des Beschwerdeführers also nicht ganz demjenigen
eines gesunden, in einem Pensum von 70 Prozent angestellten Kochs entsprechen.
Diesem Umstand ist mit einem dem Tabellenlohnabzug analogen Abzug von zehn
Prozent Rechnung zu tragen. Damit ergibt sich ein Invaliditätsgrad von maximal 37
Prozent (= 100% – 90% × 70%). Weil erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht, erweist sich die das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abweisende angefochtene Verfügung im
Ergebnis als rechtmässig.
6.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da ihm aber die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt worden ist, ist er von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, befreit.
Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird er zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m.
Art. 123 ZPO). Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Da er durch das Sozialamt der Stadt St. Gallen vertreten worden
ist, sind ihm keine Kosten für die Rechtsverbeiständung entstanden, die im Sinne einer
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu entschädigen wären.