Decision ID: c1d08ed4-2d25-4a0d-9b51-d5038c0829ee
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
betreffend Erbteilung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 1. Februar 2017 (CP070002-F)
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Rechtsbegehren:
Der Klägerin und Widerbeklagten Betreffend die Hauptklage:
(Urk. 11 S. 2) 1. Es seien Aktiven und Passiven im Nachlass der F._, gebo-
rene F1._, geb. tt. August 1903, verstorben tt.mm.1988, .
2. Eventualiter seien ausgleichungspflichtige lebzeitige  an die Parteien sowie Bezüge der Parteien nach dem  der Erblasserin festzustellen und zu den Nachlässen .
3. Es sei festzustellen, dass den Prozessparteien je eine Erbquote von 1/3 zusteht.
4. Es seien den drei Erben nach Berücksichtigung allfälliger  Vorbezüge und bereits erhaltener Zahlungen aus den Nachlässen die noch verbleibenden Restbetreffnisse .
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
Betreffend die Widerklage: (Urk. 30)
1. Es sei die Widerklage abzuweisen; unter Kosten- und  zu Lasten der Beklagten 2.
Des Beklagten 1 bzw. B._ als Prozessstandschafter der Erben
des Beklagten 1 Betreffend die Hauptklage:
(keine Anträge geltend gemacht)
Betreffend die Widerklage: (sinngemäss)
1. Die Klägerin sei zu verpflichten, sämtliche Erbschaftssachen, welche sie aus dem Nachlass der Mutter in ihren Besitz gebracht hat, wegen Erbunwürdigkeit an den Nachlass der Mutter ;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin.
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Der Beklagten 2 und Widerklägerin Betreffend die Hauptklage: (Urk. 15 S. 5 sinngemäss)
1. Das Verfahren ist hinsichtlich des Antrages der Klägerin auf  des Nachlasses der Erblasserin zu sistieren, bis der Nachlass des Erblassers im Verfahren CP070001 rechtsgültig  ist. Im Übrigen wird das Rechtsbegehren 1 der Klägerin .
2. Das Verfahren ist mit Ausnahme des Antrages der Klägerin auf Feststellung ausgleichungspflichtiger lebzeitiger Vorbezüge von der Erblasserin zu sistieren. Im Übrigen wird das Rechtsbegehren 2 der Klägerin anerkannt.
3. Der Antrag der Klägerin auf Feststellung einer Erbquote für jede Prozesspartei von 1/3 wird bestritten, da die Klägerin erbunwürdig ist und sie aufgrund der Erbunwürdigkeit nicht zur Anhebung  Erbteilungsklage aktivlegitimiert ist.
4. Der Antrag der Klägerin auf Zuweisung der Restbetreffnisse ist mit Bezug auf die Klägerin abzuweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin.
Betreffend die Widerklage: (Urk. 15 S. 6 sinngemäss)
2. Die Klägerin sei zu verpflichten, sämtliche Erbschaftssachen, welche sie aus dem Nachlass der Mutter in ihren Besitz gebracht hat, wegen Erbunwürdigkeit an den Nachlass der Mutter ;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin.
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Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 1. Februar 2017 (Urk. 356):
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Widerklage wird abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) wird angesetzt auf CHF 40'000.
4. Die Gerichtskosten werden im Umfang von 9/10 der Klägerin und im Umfang
von 1/10 der Beklagten 2 auferlegt und mit den von ihnen geleisteten Vor-
schüssen verrechnet.
5. Es wird vorgemerkt, dass das Obergericht Zürich die Entscheidgebühr (Pau-
schalgebühr) für das Berufungsverfahren (LB100043-O/U) auf CHF 22'000
angesetzt hat.
6. Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren vor Obergericht Zürich
(LB100043-O/U) werden der Klägerin auferlegt.
7. Die Klägerin wird verpflichtet, Rechtsanwalt B._ als Prozessstandschaf-
ter der Erben des Beklagten 1 eine reduzierte Prozessentschädigung von
CHF 8'000 zuzüglich 8 % MWST zu bezahlen.
8. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten 2 eine reduzierte Prozessent-
schädigung von CHF 25'600 zuzüglich 8 % MWST für die anwaltliche und
CHF 5'000 für die Vertretung durch deren Ehemann zu bezahlen.
9. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten 2 für das Berufungsverfahren
vor Obergericht Zürich (LB100043-O/U) eine Parteientschädigung von
CHF 15‘000 zuzüglich 8 % MWST zu bezahlen.
10. Schriftliche Mitteilung an die Parteien (je gegen Gerichtsurkunde).
11. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zustel-
lung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Obergericht
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des Kantons Zürich, Zivilkammer, Postfach 2401, 8021 Zürich, erklärt wer-
den. In der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen.
Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
Berufungsanträge:
der Klägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten (Urk. 355 S. 2 ff.):
Zur Berufung:
1. 1.1. Ziffer 1 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
1.2. Es seien stattdessen Aktiven und Passiven im Nachlass der F._, geborene F1._, geb. tt. August 1903, verstorben tt.mm.1988, festzustellen; allfällige ausgleichungspflichtige lebzeitige Zuwendungen an die Parteien sowie Bezüge der Parteien nach dem Ableben der Erblasserin seien ebenfalls festzustellen und zum Nachlass hinzuzurechnen; es sei festzustellen, dass den Prozessparteien je eine Erbquote von 1/3 zusteht und es seien den drei Erben nach  allfälliger ausgleichungspflichtiger Vorbezüge und bereits erhaltener  aus dem Nachlass die noch verbleibenden Restbetreffnisse zuzuweisen.
2. 2.1. Ziffer 4 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
2.2. Die Gerichtskosten der Vorinstanz seien stattdessen der Beklagten 2 .
3. 3.1. Ziffer 6 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
3.2. Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren vor Obergericht Zürich (LB100043-O/U) seien stattdessen der Beklagten 2 aufzuerlegen.
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4. 4.1. Ziffer 7 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
4.2. Es sei stattdessen die Beklagte 2 zu verpflichten, dem Prozessstandschafter eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen.
5. 5.1. Ziffer 8 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
5.2. Es sei stattdessen die Beklagte 2 zu verpflichten, der Klägerin eine angemessene Prozessentschädigung von mindestens CHF 32'000.00 zuzüglich 8% MWST zu bezahlen.
6. 6.1. Ziffer 9 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 1. Februar 2017 (CP070002U/MR/MH) sei aufzuheben.
6.2. Es sei stattdessen die Beklagte 2 zu verpflichten, der Klägerin für das  vor Obergericht Zürich (LB100043-O/U) eine Prozessentschädigung von CHF 15'000.00 zuzüglich 8% MWST zu bezahlen.
7. Die Gerichtskosten des vorliegenden Berufungsverfahrens seien der Beklagten 2 aufzuerlegen. Diese sei zudem zu verpflichten, der Klägerin eine angemessene Prozessentschädigung in Höhe von mindestens CHF 21'333.00 zuzüglich 8% MWST zu bezahlen.
des Beklagten 1, Berufungsbeklagten 1 und Anschlussberufungsbeklagten (Urk. 363)
keine Anträge gestellt
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der Beklagten 2, Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungsklägerin:
Berufung (Urk. 364 S. 3):
1. Das Gericht hat von Amtes wegen vorfrageweise die Parteistellung des Beklag- ten 1 und Berufungsbeklagten 1 zu prüfen und aus Gründen der Prozessöko- nomie hierzu einen Vorentscheid zu treffen.
2. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.
3. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahrens seien der Klägerin und Beru- fungsklägerin aufzuerlegen und diese sei zu verpflichten, der Beklagten und Berufungsbeklagten eine angemessene Prozessentschädigung (zzgl. Mwst.) zu entrichten.
Anschlussberufung (Urk. 364 S. 3 f.):
1. Es sei dem Beklagten 1, Berufungsbeklagten 1 und Anschlussberufungsbe- klagten die Parteistellung des Prozessstandschafters abzusprechen.
2. Es sei die Erbunwürdigkeit der Klägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberu- fungsbeklagten im Urteilsdispositiv festzustellen. Weiter sei festzustellen, dass der Klägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten keine Erbquote von 1/3 zustehe, weshalb auf deren Teilungsklage nicht einzutreten sei.
3. Es sei die Erbschaftsklage der Beklagten 2, Berufungsbeklagten 2 und An- schlussberufungsklägerin gutzuheissen und die Klägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte sei zu verpflichten, sämtliche Vorempfänge herauszugeben, wobei diese im Urteilsdispositiv im Einzelnen zu bezeichnen und betragsmässig festzusetzen seien. Sodann sei ein Erbenvertreter einzu- setzen und mit der Zwangsvollstreckung der herauszugebenden Vermögens- werte zu beauftragen.
4. Die Verfahrenskosten des Anschlussberufungsverfahrens seien der Klägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten aufzuerlegen und diese sei zu verpflichten, der Beklagten 2, Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberu- fungsklägerin eine angemessene Prozessentschädigung (zzgl. Mwst.) zu ent- richten.
5. Die Anschlussberufung sei bis zum Vorliegen des Berufungsentscheides zu sistieren.
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Considerations:
Erwägungen:
I.
1. a) Mit Eingabe vom 29. Mai 2007 reichte D._ im Parallelverfahren
CP070001 (als Klägerin) Klage ein mit den Rechtsbegehren, wonach A._
(als Beklagte 2) über ihre Vorbezüge und Schenkungen des Erblassers falsche
Angaben gemacht und deren Überprüfung erschwert habe, wodurch sie die Tei-
lung des Nachlasses widerrechtlich verzögert und damit den Erben Schaden zu-
gefügt habe, zu dessen Ersatz sie zu verpflichten sei. Der Nachlass sei per Ur-
teilstag festzustellen und zu teilen. Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, sämtliche
Vermögenswerte, die sie sich aus dem Nachlass des Erblassers angeeignet ha-
be, wegen Erbunwürdigkeit herauszugeben (Urk. 3 in CP070001; Urk. 7).
Mit Eingabe vom 29. Oktober 2007 reichte A._ als Beklagte 2 im Ver-
fahren CP070001 die Klageantwort ein (Urk. 2). Zudem reichte sie die Weisung
des Friedensrichteramtes G._ vom 24. Oktober 2007 ein und machte damit
ein neues Verfahren bei der Vorinstanz anhängig (Urk.1). Die Klageantwort im
Verfahren CP070001 stellt gleichzeitig die Klagebegründung für das vorliegende
Verfahren CP070002 dar. A._ verlangt darin als Klägerin, dass die Nachläs-
se des am tt.mm.1984 verstorbenen H._ (Vater) sowie der am tt.mm.1988
verstorbenen F._ (Mutter) ausgleichungspflichtige lebzeitige Zuwendungen
der Parteien sowie Bezüge der Parteien nach dem Ableben der Erblasser festzu-
stellen und zu den Nachlässen hinzuzurechnen seien. Es sei festzustellen, dass
den Prozessparteien (Klägerin und ihre beiden Geschwister) je eine Erbquote von
1/3 zustehe; es seien den drei Erben aus den Nachlässen die noch verbleibenden
Restbetreffnisse zuzuweisen (Urk. 2 S. 2). D._ erhob Widerklage (Urk. 1) mit
dem Begehren, wonach A._ zu verpflichten sei, sämtliche Vermögensstücke,
welche sie aus dem Nachlass der Mutter in ihren Besitz gebracht habe, wegen
Erbunwürdigkeit an den Nachlass der Mutter herauszugeben (vgl. auch Urk. 7 S.
3).
Die Vorinstanz hielt fest, dass im Verfahren CP070001 D._ als Klägerin
unter anderem die Feststellung und Teilung des Nachlasses ihres Vaters H._
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verlange. Demgegenüber fordere A._ als Klägerin im vorliegenden Verfahren
CP070002 unter anderem die Feststellung und Teilung der Nachlässe ihres Va-
ters, H._, sowie ihrer Mutter, F._. Die am 24. Oktober 2007 anhängig
gemachte Klage sei daher teilweise identisch mit der bereits am 26. Februar 2007
eingereichten Klage. Indem A._ eine identische Klage eingereicht habe,
nämlich soweit sich die Klage auf den Nachlass von H._ beziehe, sei auf
diese wegen fehlender Prozessvoraussetzung nicht einzutreten. Die Vorinstanz
erachtete eine Prozessvereinigung zwar grundsätzlich als möglich, lehnte sie je-
doch ab. Sie führte dazu aus, es sei zu berücksichtigen, dass D._ sowohl
bezüglich des Nachlasses von H._ als auch bezüglich des Nachlasses von
F._ geltend mache, dass A._ erbunwürdig sei. Die Frage der Erbunwür-
digkeit sei daher separat für jeden Nachlass zu beurteilen. Je nach Entscheidung
dieser Frage in den beiden Verfahren würden sich unterschiedliche Erbquoten
und unterschiedliche Folgen für die Erbteilung ergeben. Die Vorinstanz trat daher
in der Folge auf die Klage von A._ wegen fehlender Prozessvoraussetzung
nicht ein, soweit sie sich auf den Nachlass von H._ bezog (Urk. 7). Mit Be-
schluss vom 18. November 2008 beschränkte die Vorinstanz das Verfahren
einstweilen auf die Frage der Feststellung der Erbunwürdigkeit der Klägerin sowie
auf die Frage der Aktivlegitimation der Beklagten 2 hinsichtlich der Widerklage
(Urk. 23). Im vorliegenden Verfahren geht es einzig um den Nachlass von
F._ und die Erbunwürdigkeit der Klägerin gegenüber der Erblasserin.
In ihrem Teilurteil vom 13. April 2010 erwog die Vorinstanz Folgendes: Un-
bestritten sei, dass die Erblasserin im Zeitpunkt der Errichtung der öffentlichen
letztwilligen Verfügung vom 14. November 1983 urteilsunfähig gewesen und die
letztwillige Verfügung daher für ungültig erklärt worden sei (Urk. 60 S. 8). Auf-
grund der Verfügungsunfähigkeit der Erblasserin im Zeitpunkt der Errichtung der
öffentlichen letztwilligen Verfügung vom 14. November 1983 habe damals das
vom Gesetz vorgesehene Schutzobjekt gar nicht bestanden. Die Fähigkeit und
Freiheit der Erblasserin, ihren Willen unverfälscht in den Formen der Verfügungen
von Todes wegen zum Ausdruck zu bringen, habe vorliegend nicht mehr beein-
trächtigt werden können, da die Erblasserin aufgrund ihrer Verfügungsunfähigkeit
gar keinen solchen Willen mehr habe bilden können. Entsprechend sei es auch
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der Klägerin nicht möglich gewesen, diesen Willen der Erblasserin zu beeinflus-
sen und sie zur Errichtung einer gültigen letztwilligen Verfügung zu veranlassen.
Das Verhalten der Klägerin könne daher nicht zu ihrer Erbunwürdigkeit im Nach-
lass der Erblasserin führen. Ihr Rechtsbegehren, wonach festzustellen sei, dass
den Prozessparteien je eine Erbquote von 1/3 zustehe, sei daher gutzuheissen
(Urk. 60). Mit Beschluss vom 18. August 2011 wurde dieses Teilurteil durch die
I. Zivilkammer des Obergerichtes aufgehoben und die Sache zur Neuentschei-
dung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 110 =
Urk. 118). Das Obergericht erwog, es sei unerheblich, ob das auf ein erbunwürdi-
ges Verhalten zurückzuführende Testament wirksam sei. Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3
ZGB schütze gemäss Wortlaut, Zweck und Gesetzessystematik jede letztwillige
Willensbildung, nicht nur die wirksame letztwillige Willensbildung. Die Vorinstanz
habe daher zu prüfen, ob der Klägerin gegenüber der Erblasserin ein erbunwürdi-
ges Verhalten im Sinne von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB vorzuwerfen sei. Wenn
dies der Fall sein sollte, wäre sie vom Erbgang ausgeschlossen (Urk. 110 S. 12).
b) Aufgrund der vorgängig dieses Prozesses geführten Verfahren ging die
Klägerin davon aus, dass der von den Erblassern abgeschlossene Ehevertrag
ungültig sei, wie auch das von F._ öffentlich beurkundete Testament vom 14.
November 1983. Der von den Prozessparteien abgeschlossene Teilungsvertrag
im Nachlass H._ sei unverbindlich. Die letztwillige Verfügung von H._
vom 14. November 1983 sei dagegen gültig. Darin habe der Erblasser für den Fall
seines Ablebens vor der Ehefrau diese mit der Zuweisung der verfügbaren Quote
und der lebenslänglichen Nutzniessung am Restnachlass meistbegünstigt. Seine
Nachkommen habe er grundsätzlich und in jeder Hinsicht von der Ausgleichungs-
pflicht befreit (Urk. 2 S. 3). Die beiden Nachlässe der Eltern der Prozessparteien
sind bis heute nicht rechtskräftig geteilt; es wurde demnach auch keine definitive
güterrechtliche Auseinandersetzung vorgenommen (Urk. 2 S. 3). Das am 7. De-
zember 2017 ergangene Urteil der Vorinstanz betreffend güterrechtliche Ausei-
nandersetzung/Erbteilung des Nachlasses von H._ ist noch nicht in Rechts-
kraft erwachsen (Urk. 484 in CP070001). Im Urteil wurde festgestellt, dass
A._ gegenüber dem Erblasser H._ erbunwürdig sei. Die Erbteilung wur-
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de daher ohne Berücksichtigung der Klägerin vorgenommen (Urk. 484 in
CP070001).
Am 16. Mai 1990 hatte der in der Zwischenzeit (tt.mm.2011; Urk. 126 S. 2
und Urk. 127) verstorbene C._ am Bezirksgericht Zürich eine Erbteilungskla-
ge bezüglich des Nachlasses von F._ anhängig gemacht, mit dem vorgängi-
gen Begehren, die öffentliche letztwillige Verfügung vom 14. November 1983 für
ungültig erklären zu lassen (Urk. 3/10). Das Bezirksgericht Zürich kam nach
durchgeführtem Beweisverfahren im Urteil vom 1. Dezember 1993 zum Schluss,
dass F._ zum Zeitpunkt der Errichtung des öffentlich beurkundeten Testa-
ments nicht urteilsfähig gewesen sei, weshalb das angefochtene Testament un-
gültig sei. Es trete daher die gesetzliche Erbfolge ein (Urk. 3/10 S. 38 = Urk.
12/9). Im Rahmen dieses Urteils wurde auch die Frage eines allfälligen Irrtums
von F._ bei der Errichtung des Testaments eventualiter geprüft. Das Be-
zirksgericht kam damals zum Ergebnis, dass aufgrund des Beweisverfahrens die
heutige Klägerin (in jenem Verfahren: Beklagte 2) den Gegenbeweis erbracht ha-
be, dass sie an Multipler Sklerose leide. Mindestens zwei Ärzte hätten die Kläge-
rin während Jahren unter diesen Vorgaben behandelt. Das Bezirksgericht hielt
demgemäss fest, dass die Erblasserin im Zeitpunkt der Abfassung der letztwilli-
gen Verfügung keinem bemerkenswerten Irrtum unterlegen sei (Urk. 3/10 S. 47).
In der Folge stellte es daher den Nachlass fest und nahm dessen Teilung unter
den drei Erben vor (Urk. 3/10 S. 47 ff.). Die Erbunwürdigkeit der heutigen Klägerin
war nicht Gegenstand dieses Prozesses. Dieses Urteil erwuchs unbestrittener-
massen nie in Rechtskraft (Urk. 1 S. 9; Urk. 15 S. 2).
Ende 1994 hatte die Beklagte 2 (damals Klägerin) gegen die heutige Kläge-
rin (damals Beklagte) eine Klage betreffend Herausgabe der Erbschaft ihres ver-
storbenen Vaters H._ wegen Erbunwürdigkeit beim Bezirksgericht Zürich
eingereicht. Zuvor war im Jahre 1990 bezüglich des Nachlasses von H._ ein
Erbteilungsvertrag zustande gekommen. Die Erbanteile der drei Nachkommen
waren darin pauschal auf je Fr. 9'634.20 festgelegt und in der Folge ausbezahlt
worden. Mit ihrer Klage forderte die heutige Beklagte 2 die Hälfte des Anteils von
A._ zufolge deren Erbunwürdigkeit (Urk. 3/17 S. 2). Mit Urteil vom 20. No-
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vember 1996 des Bezirksgerichts Zürich wurde die Klage abgewiesen. Das Be-
zirksgericht ging davon aus, dass der Beklagten 2 (damalige Klägerin) der Beweis
dafür, dass die Klägerin (damalige Beklagte) ihren Vater H._ unter Vorspie-
gelung einer Erkrankung an Multipler Sklerose sowie durch massive Beeinflus-
sung und durch Mitwirkung bei der Testamentserstellung dazu gebracht habe, am
14. November 1983 ein neues Testament zu errichten, in dem sie gegenüber ih-
ren beiden Geschwistern bevorzugt wurde, misslungen sei. Die damalige Kläge-
rin, heutige Beklagte 2, habe nicht dartun können, dass sie sich beim Abschluss
des Teilungsvertrages in einem wesentlichen Irrtum befunden habe (Urk. 3/17 S.
20). Dieses Urteil ist offenbar am 20. November 1996 in Rechtskraft erwachsen
(Urk. 30 S. 7).
b) Die Beklagte 2 erhebt im vorliegenden Verfahren im Zusammenhang mit
der Abänderung des Testaments ihrer Mutter (der Erblasserin) F._ gegen-
über der Klägerin den Vorwurf, dass diese die demente Erblasserin mit Arglist da-
zu gebracht habe, ihre eigenhändige letztwillige Verfügung vom 6. November
1981 zu widerrufen und an deren Stelle am 14. November 1983 eine öffentliche
letztwillige Verfügung zu errichten. Ebenso soll sie unrechtmässig ihren Vater
(Erblasser) H._ zu einer Neufassung seines Testamentes gebracht haben. In
beiden letztwilligen Verfügungen der Eltern wurden die Beklagte 2 und ihr
verstorbener Bruder auf den Pflichtteil gesetzt und die Klägerin auch als Erbin für
die frei verfügbare Quote eingesetzt (Urk. 3/1). Wie bereits erwähnt, wurde die
letztwillige Verfügung von F._ jedoch zufolge Ungültigkeit als nichtig erklärt.
Die Beklagte 2 wirft der Klägerin Folgendes vor (act. 15 S. 6/act. 117 S. 5): Die
Klägerin soll sowohl gegenüber der Erblasserin als auch gegenüber dem beur-
kundenden Notar mit Nachdruck geltend gemacht haben, dass sie an Multipler
Sklerose (MS) leide, weshalb etwas für sie vorgekehrt werden müsse. Die Kläge-
rin habe den Erblasser, der die Übersicht verloren habe und deshalb leicht beein-
flussbar gewesen sei, dazu gebracht, sich mit der Errichtung neuer letztwilliger
Verfügungen zu befassen. Sie habe ihm hierfür eine Beratung durch ihre Freun-
de, einen Notar sowie die I._ [Gesellschaft] aufgedrängt. Sie habe den Erb-
lasser zur Vorbereitung der Testamente instruiert und angeleitet. Die Klägerin ha-
be zwei Änderungsvorschläge für die Testamente der Eltern in Ich-Form des Erb-
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lassers verfasst und den Notar glauben lassen, dass diese Papiere vom Erblasser
verfasst worden seien.
Die Klägerin habe die demente Erblasserin dem Notar so präsentiert, dass
dieser die Demenz nicht bemerkt und arglos die öffentliche letztwillige Verfügung
für die Erblasserin errichtet habe. Diese letztwillige Verfügung habe wörtlich mit
dem von der Klägerin eingebrachten ersten Änderungsvorschlag für das Testa-
ment des Erblassers übereingestimmt. Die Klägerin habe die betagten und
rechtsunkundigen Beurkundungszeugen dazu gebracht, gefälligkeitshalber die Ur-
teilsfähigkeit der dementen Erblasserin zu bezeugen.
c) Die Klägerin bestritt diese Darstellung. Hinsichtlich der MS-Erkrankung
machte sie insbesondere geltend, dass die Frage der Erbunwürdigkeit bereits
Gegenstand eines Erbteilungsprozesses im Nachlass der Erblasserin vor Be-
zirksgericht Zürich gewesen sei (Prozess-Nr. 01900936). Das Bezirksgericht Zü-
rich habe sich in diesem Urteil vom 1. Dezember 1993 eingehend mit der Frage
der Erbunwürdigkeit auseinandergesetzt und ein ausgedehntes Beweisverfahren
über diese Frage durchgeführt. Dabei sei es zum Schluss gekommen, dass die
Klägerin bei der Beurkundung der letztwilligen Verfügung der Erblasserin und bis
in die jüngste Zeit an Multipler Sklerose gelitten oder mindestens bis heute des-
wegen ärztlich behandelt worden sei (Urk. 11 S. 13; Urk. 30 S. 6 f.). Die Klägerin
leitet daraus eine res iudicata-Wirkung ab (Urk. 56 S. 2).
2. Was den Prozessverlauf der diversen Verfahren seit Anhebung des Pro-
zesses im Jahre 2007 anbelangt, kann auf deren zusammenfassende Darstellung
im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 356 S. 5 ff.).
Mit Urteil vom1. Februar 2017 wies die Vorinstanz sowohl die Klage als auch
die Widerklage ab, unter Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen
(Urk. 356 S. 125). Gegen dieses Urteil erhoben sowohl die Klägerin, Berufungs-
klägerin und Anschlussberufungsbeklagte (fortan: Klägerin) wie auch die Beklagte
2, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin (fortan: Beklagte 2) recht-
zeitig Berufung. Das von der Beklagten 2 angehobene Berufungsverfahren
(LB170022) wurde mit Beschluss vom 28. Juni 2017 erledigt, indem auf die Beru-
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fung mangels Leistung des verlangten Kostenvorschusses nicht eingetreten wur-
de (Urk. 366 im Verfahren LB170022). Auf die von der Beklagten 2 dagegen beim
Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 19. Oktober 2017
nicht eingetreten (Urk. 369 im Verfahren LB170022).
Die Berufungsschrift der Klägerin vom 3. April 2017 ging rechtzeitig am
10. April 2017 (Urk. 355) hierorts ein. Mit Verfügung vom 17. Mai 2017 (Urk. 360)
wurde der Klägerin Frist angesetzt, um für die Gerichtskosten einen Vorschuss
von Fr. 24'600.-- zu leisten. Dieser Vorschuss ging fristgemäss am 1. Juni 2017
bei der Obergerichtskasse ein (Urk. 361). Am 11. August 2017 wurde den Beru-
fungsbeklagten Frist angesetzt, um die Berufung zu beantworten (Urk. 362). Mit
Schreiben vom 16. August 2017 teilte der Beklagte 1 mit, dass er als Prozess-
standschafter für die Erben von H._ sel. eingesetzt sei. Bei diesen handle es
sich um die Klägerin und die Beklagte 2. Weil beide Erben im vorliegenden Beru-
fungsverfahren beteiligt seien, unterwerfe er sich als Prozessstandschafter dem
Prozessergebnis, unabhängig vom Ausgang des vorliegenden Berufungsverfah-
rens und anerkenne das Urteil des Obergerichtes, wie immer es auch ausfalle, als
verbindlich (Urk. 363). Am 21. September 2017 ging die vom 20. September 2017
datierende Berufungsantwort der Beklagten 2 innert Frist hierorts ein; die Beklag-
te 2 erhob darin gleichzeitig auch Anschlussberufung (Urk. 364). Mit Schreiben
vom 21. September 2017 teilte der Rechtsvertreter der Beklagten 2 mit, dass die
Eingabe der Beklagten 2 (Urk. 369) als gegenstandslos zu betrachten sei, weil er
deren Inhalt noch rechtzeitig in die Berufungsantwort/Anschlussberufung habe
einfügen können (Urk. 367).
Am 3. Oktober 2017 wurde der Beklagten 2 Frist zur Leistung eines Kos-
tenvorschusses für die angehobene Anschlussberufung in der Höhe von
Fr. 24'600.-- angesetzt (Urk. 370). Die Beklagte 2 stellte in der Folge mit Eingabe
vom 23. Oktober 2017 den Antrag, die Frist zur Leistung dieses Vorschusses ab-
zunehmen oder bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheides über die Be-
rufung der Klägerin zu erstrecken; allenfalls sei der Kostenvorschuss zu reduzie-
ren (Urk. 371). Diese Begehren wurden mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 ab-
gewiesen und der Beklagten 2 erneut Frist angesetzt, um den Kostenvorschuss
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von Fr. 24'600.-- zu bezahlen (Urk. 372). Da dies in der Folge unterblieb, wurde
auf die Anschlussberufung der Beklagten 2 mit Beschluss vom 22. November
2017 nicht eingetreten (Urk. 373). Gleichzeitig wurde der Klägerin Frist angesetzt,
um zu den von der Beklagten 2 neu eingereichten Unterlagen und neu aufgestell-
ten Behauptungen Stellung zu nehmen. Beiden Parteien wurde eine Frist anbe-
raumt, um sich zur Eingabe des Beklagten 1 vom 16. August 2017 (Urk. 363) zu
äussern. Die Klägerin ersuchte in der Folge um Abnahme der Frist zur Novenstel-
lungnahme, da die Beklagte 2 inzwischen gegen den Nichteintretensbeschluss
bezüglich der Anschlussberufung Beschwerde an das Bundesgericht erhoben ha-
be (Urk. 374). Diesem Begehren wurde mit Verfügung vom 13. Dezember 2017
entsprochen (Urk. 375). Unter dem Datum vom 19. Januar 2018 reichte die Klä-
gerin neue Unterlagen ein (Urk. 376, 377 und 378/3+4). Mit Urteil vom 14. Febru-
ar 2018 trat das Bundesgericht auf die gegen den Beschluss vom 22. November
2017 (Nichteintreten auf Anschlussberufung) erhobene Beschwerde nicht ein
(Urk. 373). Am 26. Februar 2018 wurde beiden Parteien je Frist angesetzt, um zu
den neu geltend gemachten Behauptungen bzw. neu eingereichten Urkunden der
Gegenpartei Stellung zu nehmen (Urk. 380). Die entsprechende Eingabe der Klä-
gerin datiert vom 16. April 2018 (Urk. 381); sie wurde der Gegenpartei sowie dem
Beklagten 1 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 381 und 382). Mit Verfügung vom
27. April 2018, an die Parteien am 7. Mai 2018 versandt, wurde den Parteien an-
gezeigt, dass kein weiterer Schriftenwechsel erfolgen und keine Berufungsver-
handlung durchgeführt werde. Es wurde vorgemerkt, dass das Berufungsverfah-
ren spruchreif und somit in die Phase der Urteilsberatung übergegangen sei
(Urk. 382). Mit Verfügung vom 27. Juni 2018 wurden die Parteien darüber in
Kenntnis gesetzt, dass die Akten des Verfahrens CP070001 des Bezirksgerichts
Horgen beigezogen werden (Urk. 385). Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 wurde
den Parteien mitgeteilt, welche Akten des Verfahrens CP070001 als Kopien zu
den Akten des vorliegenden Verfahrens genommen wurden (Urk. 388).
II.
1. Das vorliegende Verfahren wurde im Jahre 2007 bei der Vorinstanz an-
hängig gemacht (Urk. 1 und 2). Auf den 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Zi-
- 17 -
vilprozessordnung (ZPO) in Kraft getreten. Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO gilt für
Verfahren, die bei Inkrafttreten der Zivilprozessordnung rechtshängig sind, das
bisherige Verfahrensrecht bis zum Abschluss vor der betroffenen Instanz. Für die
Rechtsmittel gilt das Recht, das bei der Eröffnung des Entscheides in Kraft ist
(Art. 405 Abs. 1 ZPO). Der vorinstanzliche Entscheid datiert vom 1. Februar 2017
und wurde den Parteien am 2. März 2017 schriftlich eröffnet (Urk. 351/1-3). Somit
ist für das Berufungsverfahren die Schweizerische Zivilprozessordnung anwend-
bar. Demgegenüber hatte die Vorinstanz in verfahrensrechtlicher Hinsicht die bis-
herigen Bestimmungen der ZPO/ZH und des GVG/ZH anzuwenden. Soweit sich
im Rahmen der Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheids Fragen der Anwen-
dung von Verfahrensregeln stellen, wird deshalb zu prüfen sein, ob die Vorinstanz
die für ihr Verfahren massgeblichen Normen des bisherigen (kantonalen) Rechts
richtig angewandt hat; eine Rückwirkung des neuen Rechts findet nicht statt (vgl.
Art. 404 Abs. 1 ZPO; ZR 110 Nr. 6 E. 3; BGE 138 I 1 E. 2.1 S. 3; BGer
5A_330/2013 vom 24.9.2013, E. 2.2).
2. Die Berufung ist "schriftlich und begründet" einzureichen (Art. 311 ZPO).
Aus der Rechtsmittelschrift muss hervorgehen, dass und weshalb die Berufungs-
klägerin den erstinstanzlichen Entscheid anficht und inwieweit dieser geändert
oder aufgehoben werden soll. Deshalb hat die Berufungseingabe – obwohl im
Gesetz nicht ausdrücklich erwähnt – Berufungsanträge zu enthalten (BGer
4A_659/2011 vom 7.12.2011, E. 4), wobei mit Blick auf die reformatorische Natur
der Berufung (Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO) grundsätzlich ein Antrag in der Sache
selbst zu stellen ist. Dieser muss bestimmt sein. Hat ein Berufungsantrag eine
Geldzahlung zum Gegenstand, ist er nach ständiger Praxis zu beziffern, und zwar
selbst dann, wenn der Entscheid darüber der Offizial- und Untersuchungsmaxime
unterliegt. Das Erfordernis der Bezifferung gilt auch mit Bezug auf die Anfechtung
der Kosten- und Entschädigungsfolgen (vgl. BGer 1C_399/2012 vom 28.11.2012,
E. 4.2.1 m.w.H.; 4A_352/2011 vom 5.8.2011, E. 2). Werden unbezifferte Beru-
fungsanträge gestellt, ist auf die Berufung bzw. die ungenügend bestimmten Be-
rufungsanträge nicht einzutreten, ohne dass der Berufungsklägerin eine Nachfrist
nach Art. 132 Abs. 1 und 2 ZPO einzuräumen wäre. Eine Ausnahme vom Nicht-
eintreten besteht (mit Blick auf das Verbot des überspitzten Formalismus) ledig-
- 18 -
lich dann, wenn sich aus der Begründung, allenfalls in Verbindung mit dem ange-
fochtenen Entscheid, ergibt, was die Berufungsklägerin in der Sache genau ver-
langt oder – im Falle zu beziffernder Rechtsbegehren – welcher Geldbetrag ihrer
Meinung nach zuzusprechen ist (vgl. zum Ganzen BGE 137 III 617 E. 4 ff. S. 618
ff.; BGer 5A_94/2013 vom 6.3.2013, E. 2.2; 4A_383/2013 vom 2.12.2013, E.
3.2.1; BK ZPO-Sterchi, Art. 311 N 13 ff., N 21; Reetz/Theiler, in: Sutter-Somm et
al., ZPO Komm., Art. 311 N 34 f.).
In der Berufungsbegründung sind die gestellten Berufungsanträge zu be-
gründen. Es ist darzulegen, weshalb der erstinstanzliche Entscheid in den ange-
fochtenen Punkten fehlerhaft sein soll bzw. als unrichtig erachtet wird. Dazu sind
in der Berufungsschrift die zur Begründung der Berufungsanträge wesentlichen
Argumente vorzutragen. Die Berufungsschrift muss deshalb – im Gegensatz zur
Klageschrift – regelmässig nicht nur eine tatsächliche, sondern auch eine rechtli-
che Begründung enthalten (Reetz/Theiler, a.a.O., Art. 311 N 36). Die Berufungs-
klägerin hat – unter Vorbehalt des Novenrechts – mittels klarer und sauberer
Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorinstanz zu zeigen, wo sie die
massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und Einreden erho-
ben hat. Es ist nämlich nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und die
Rechtsschriften des vorinstanzlichen Verfahrens zu durchforsten, um festzustel-
len, was welche Partei wo ausgeführt hat. Damit ist gesagt, dass den gesetzlichen
Begründungsanforderungen weder durch eine pauschale Verweisung auf die bei
der Vorinstanz eingereichten Rechtsschriften noch durch eine neuerliche Darstel-
lung der Sach- oder Rechtslage Genüge getan wird, welche nicht darauf eingeht,
was vor der Vorinstanz vorgebracht und von dieser erwogen worden ist (BGE 138
III 374 E. 4.3.1 S. 375; BGer 5A_247/2013 vom 15.10.2013, E. 3.2). Pauschale
Verweisungen auf die vor der Vorinstanz eingereichten Rechtsschriften oder die
blosse Wiederholung von bereits vor Vorinstanz Vorgetragenem sind namentlich
dann unzulässig bzw. nicht genügend, wenn sich die Vorinstanz mit den Ausfüh-
rungen der Berufungsklägerin auseinandergesetzt hat. Stützt sich der angefoch-
tene Entscheid auf mehrere selbstständige Begründungen, muss sich die Beru-
fungsklägerin in der Berufungsschrift mit allen Begründungen auseinandersetzen.
Das Gleiche gilt im Falle von Haupt- und Eventualbegründung. Auch hier muss
- 19 -
sich die Berufungsklägerin mit beiden Begründungen auseinandersetzen (Ivo W.
Hungerbühler/Manuel Bucher, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 36 ff.). Wenn die Be-
rufungsklägerin eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts rügt, sollte sie auch
zeigen, dass die Korrektur der Sachverhaltsfeststellung für den Ausgang des Ver-
fahrens entscheidend ist. Hat die Vorinstanz tatsächliches Vorbringen oder zu be-
rücksichtigende aktenkundige Tatsachen übersehen, muss die Berufungsklägerin
in der Berufungsbegründung explizit darauf hinweisen, dass (und wo) die ent-
sprechenden Umstände bereits vor der Vorinstanz vorgebracht wurden bzw. in
den Akten enthalten waren (Hungerbühler/Bucher, a.a.O., Art. 311 N 37). Soweit
die Begründung diesen formellen Anforderungen nicht genügt, ist – ebenfalls oh-
ne vorgängige Ansetzung einer Nachfrist im Sinne von Art. 132 Abs. 1 und 2 ZPO
– auf die Berufung nicht einzutreten (BGer 5A_82/2013 vom 18.3.2013, E. 3.3.3;
4A_203/2013 vom 6.6.2013, E. 3.2). Die Begründungsanforderungen für die Beru-
fungsantwort entsprechen denjenigen für die Berufung (Reetz/Theiler, a.a.O.,
Art. 312 N 7, BGer 4A_258/2015 vom 21.10.2015, E. 2.4.2).
Zwar prüft die Berufungsinstanz nicht nur die geltend gemachten Rügen
(Rügeprinzip). Die Berufungsklägerin hat sich nach dem eben Ausgeführten aber
mit der Begründung des erstinstanzlichen Entscheids auseinanderzusetzen und
gibt mit ihren Beanstandungen den primären Prüfungsgegenstand des Beru-
fungsverfahrens vor. Im Gegensatz zum früheren zürcherischen Prozessrecht
(vgl. § 269 ZPO/ZH) muss das Gericht den angefochtenen Entscheid nicht von
sich aus auf Mängel untersuchen, es sei denn, der Sachverhalt sei geradezu will-
kürlich festgestellt worden oder das Recht sei geradezu willkürlich angewandt
worden und diese Fehlerhaftigkeiten träten klar zutage (Reetz/Theiler, a.a.O.,
Art. 311 N 36). Aufgrund der umfassenden Überprüfungsbefugnis ist die Beru-
fungsinstanz auch nicht an die mit den Rügen vorgebrachten Argumente oder an
die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; sie kann die Rügen auch mit abwei-
chenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (vgl. Reetz/Theiler, a.a.O.,
Art. 310 N 6). Im Ergebnis besteht für die Berufungsinstanz eine Prüfungspflicht
hinsichtlich der in der Berufungsschrift (rechtsgenügend) geltend gemachten
Mängel und ein Prüfungsrecht bezüglich allfälliger anderer Mängel des angefoch-
tenen Entscheids.
- 20 -
2. Im Berufungsverfahren sind neue Vorbringen nur noch unter den Voraus-
setzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Danach sind neue Tatsachen und
Beweismittel nur noch zu berücksichtigen, wenn sie – kumulativ – ohne Verzug
vorgebracht werden (Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b
ZPO). Die Berufungsinstanz soll zwar den erstinstanzlichen Entscheid umfassend
überprüfen, nicht aber alle Sach- und Rechtsfragen völlig neu aufarbeiten und be-
urteilen. Das Berufungsverfahren steht gewissermassen auf den Schultern des
erstinstanzlichen Entscheides und dient nicht dazu, dass die Parteien Versäumtes
nachbessern können. Alles, was relevant ist, ist deshalb in das erstinstanzliche
Verfahren einfliessen zu lassen (Reetz/Hilber, a.a.O., Art. 317 N 31). Jede Partei,
welche neue Tatsachen und Beweismittel einreicht, hat zunächst zu behaupten
und zu beweisen, dass dies ohne Verzug geschieht. Will eine Partei unechte No-
ven geltend machen, so trägt sie die Beweislast für die Zulässigkeit der Noven.
Sie muss zusätzlich Behauptungen aufstellen und Beweise benennen, aus denen
sich ergibt, dass sie umsichtig und sorgfältig gehandelt hat, aber dennoch keine
frühere Kenntnis von den neu vorgebrachten Tatsachen und Behauptungen oder
Beweismitteln hatte. Der anderen Partei steht der Gegenbeweis offen (Steininger,
DIKE-Komm-ZPO, Art. 317 N 7; vgl. zum Ganzen auch BGer 5A_330/2013 vom
24. September 2013, E. 3.5.1 m.w.H.).
III.
1.a) Vorab ist festzuhalten, dass sowohl die Berufung der Beklagten 2 als
auch deren Anschlussberufung rechtskräftig erledigt sind. Es geht demnach im
Folgenden einzig um die Berufung der Klägerin und darin primär um die Erb- bzw.
Erbunwürdigkeit der Klägerin. Entgegen der Auffassung der Beklagten 2 (Urk. 364
S. 6) spielt die Beurteilung der Erbunwürdigkeit im Verfahren CP070001 im vor-
liegenden Verfahren keine massgebliche Rolle. Zwar ist die Erbunwürdigkeit der
Klägerin Thema in beiden Verfahren, doch ist sie in den beiden Verfahren, die un-
terschiedliche Erblasser betreffen, nicht zwingend gleich zu beantworten. Die in
den beiden Verfahren erlassenen Beweisauflagebeschlüsse sind denn auch nicht
in allen Punkten identisch (Vgl. Urk. 149 und Urk. 86A im Verfahren CP070001).
- 21 -
Im Übrigen hat die Vorinstanz das Verfahren CP070001 inzwischen mit Urteil vom
7. Dezember 2017 entschieden. Darin wurde die Klägerin im Nachlass ihres am
tt.mm.1984 verstorbenen Vaters, H._, als erbunwürdig erklärt und der Nach-
lass geteilt. Der Erbenvertreter wurde angewiesen, der Klägerin (im vorliegenden
Verfahren: Beklagte 2) 9/32, der Erbengemeinschaft des am tt.mm.2011 verstor-
benen C._ 9/32 und der Erbengemeinschaft der am tt.mm.1988 verstorbe-
nen F._ 7/16 auszubezahlen (Urk. 484 im Verfahren CP070001). Das Urteil
ist noch nicht rechtskräftig.
b) Die Beklagte 2 stellte in ihrer Berufungsantwort vorab den prozessualen
Antrag, wonach das Gericht von Amtes wegen vorfrageweise die Parteistellung
des Beklagten 1 zu prüfen und aus Gründen der Prozessökonomie hiezu einen
Vorentscheid zu treffen habe (Urk. 364 S. 3). Auf diesen Antrag kann aus den
nachfolgenden Gründen nicht eingetreten werden: Vorab ist festzuhalten, dass
der Antrag zu wenig bestimmt ist. Es ist nicht klar, was mit diesem Antrag be-
zweckt werden soll, z.B. ob die Beklagte 2 dem Prozessstandschafter die Partei-
stellung absprechen will. Weil der Antrag im Rahmen der Berufungsantwort zu-
dem auch nicht begründet wird, kann der mangelhafte Antrag auch nicht im Zu-
sammenhang mit der Begründung interpretiert werden. Da zudem - wie erwähnt -
auf die Anschlussberufung nicht eingetreten wurde, können die Ausführungen in
der Anschlussberufungsschrift im Zusammenhang mit der Parteistellung des Be-
klagten 1 im Rahmen der Berufung auch nicht berücksichtigt werden. Es ist des-
halb auch nicht ersichtlich, inwiefern die Beklagte 2 überhaupt ein Rechtsschutz-
interesse an diesem Antrag haben sollte. Vor Vorinstanz hatte die Beklagte 2
selbst geltend gemacht, dass der Erbenvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. B._,
im eigenen Namen im Prozess (sog. Prozessstandschafter) auftrete, und verlangt,
dass er dementsprechend ins Rubrum aufzunehmen sei (Urk. 212 S. 3). Mit Ver-
fügung der Vorinstanz vom 31. Januar 2014 wurde diesem Begehren in Disposi-
tivziffer 1 entsprochen (Urk. 217 S. 8). Diese Verfügung wurde mit Beschluss des
Zürcher Obergerichts vom 10. März 2014 bestätigt (Urk. 224). Ab diesem Zeit-
punkt wurde der Beklagte 1 stets in diesem Sinne von den Parteien und den Ge-
richten (Bezirks- und Obergericht) in den Rechtsschriften bzw. im Rubrum aufge-
führt. Wenn die Beklagte 2 nun plötzlich der Meinung sein sollte, dass dieser Um-
- 22 -
stand falsch bzw. zu ändern sei, hätte sie, wie erwähnt, mindestens erläutern und
begründen müssen, inwiefern sie ein diesbezügliches Interesse habe, nachdem
sie vorher offenbar explizit über Jahre anderer Meinung war. Unter dem Aspekt
von Treu und Glauben im Prozess erscheint ihr widersprüchliches Verhalten zu-
mindest problematisch. Auf den Antrag ist jedenfalls mangels eines Rechtsschutz-
interesses nicht einzutreten. Im Dispositiv muss dies nicht explizit festgehalten
werden.
2. Thema im vorinstanzlichen Prozess ist wie erwähnt primär die Erbwürdig-
keit bzw. Erbunwürdigkeit der Klägerin. Die Beklagte 2 erhob gegenüber ihrer
Schwester, der Klägerin, den Vorwurf, dass sie die demente Erblasserin, ihre ge-
meinsame Mutter, mit Arglist dazu gebracht habe, ihre eigenhändige letztwillige
Verfügung vom 14. November 1981 zu widerrufen und an deren Stelle eine öffent-
liche letztwillige Verfügung vom 14. November 1983 zu errichten. Zudem habe die
Klägerin bewusst falsche Angaben über die ihr von den Erblassern gewährten
Darlehen gemacht und sich damit einen unrechtmässigen Vorteil verschafft.
Zusammenfassend kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die Klägerin sich
in unredlicher Weise in die Erbschaftsangelegenheiten der Erblasserin einge-
mischt habe. Beide Erblasser hätten sich über den Gesundheitszustand der Klä-
gerin in einem Irrtum befunden, als sie ihre Testamente von 1981 im Jahre 1983
zu Gunsten der Klägerin abänderten. Die Klägerin habe es unterlassen, ihre El-
tern darüber aufzuklären, dass eine erbrechtliche Bevorzugung aufgrund ihrer
MS-Erkrankung nicht erforderlich sei, da die Erkrankung – soweit sie überhaupt
bestehe –g einen sehr milden Verlauf genommen habe. Zudem habe die Klägerin
die Erblasser getäuscht, indem sie in den von ihr für die Erblasser verfassten No-
tizen bewusst einen tieferen Darlehensbetrag zu ihren Gunsten festgehalten ha-
be. Das Verhalten der Klägerin sei aufgrund der gesamten Umstände als unred-
lich und unmoralisch und damit als Erbschleicherei zu qualifizieren. Die Klägerin
sei im Hinblick auf eine Abänderung des Testaments durch die Erblasserin heim-
tückisch vorgegangen, indem sie in den als Basis für die Abänderung dienenden
Dokumenten zu ihren Gunsten eine falsche Darlehenssumme festgehalten habe.
Sie habe es auch unterlassen, die Erblasserin über die ausserordentlich milde
- 23 -
verlaufende MS-Erkrankung zu orientieren. Die Erbunwürdigkeit der Klägerin sei
daher zu bejahen (Urk. 356 S. 107 ff.). Die Klage wurde daher abgewiesen.
3.a) Die Klägerin kritisierte in ihrer Berufungsbegründung generell die von
der Vorinstanz vorgenommene Beweiswürdigung als willkürlich. Es sei nicht zu-
lässig, dass die Vorinstanz vom Regelbeweismass abweiche, nur weil die be-
weisverpflichtete Partei über keine Beweismittel verfüge. Das Fehlen von Be-
weismitteln führe nicht zu einer Beweiserleichterung (Urk. 355 S. 6). Auf die in
diesem Zusammenhang von der Klägerin einzeln vorgebrachten Rügen ist nach-
folgend bei der Behandlung der diversen Themenkomplexe einzugehen.
b) Im modernen Zivilprozess gilt der Grundsatz der freien richterlichen Be-
weiswürdigung durch das Gericht, welcher nun auch in Art. 157 ZPO ausdrücklich
verankert ist. Freie Beweiswürdigung heisst, dass das Gericht nach Abnahme der
erforderlichen Beweise ohne Bindung an bestimmte formelle Beweisregeln nach
pflichtgemäss ausgeübtem Ermessen und nach seiner frei gebildeten Überzeu-
gung darüber befinden soll, ob der Beweis für eine bestimmte Tatsache geleistet
worden ist oder nicht. Glaubwürdigkeit, klare Aussage, Widersprüche etc. bilden
Anhaltspunkte für die Beweiswürdigung etwa einer Zeugenaussage durch das
Gericht (Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, Zürich 2013, § 18 N 31
f.). Die freie Beweiswürdigung mündet in eine subjektive, allerdings auf die objek-
tive Wahrheit als Beweisziel gerichtete Überzeugung des Gerichts. Sie bestimmt
das Beweisergebnis verbindlich, wenn sie mit den Natur- und Denkgesetzen so-
wie den durchgesetzten Erfahrungssätzen zu vereinbaren ist. Den Kontrollmass-
stab legt nicht Art. 8 ZGB, sondern letztlich das Willkürverbot fest (BK-Walter,
N 122 zu Art. 8 ZGB). Das Beweismass regelt den Grad der Sicherheit, mit wel-
chem die tatbestandsmässigen Tatsachen nachgewiesen werden müssen, um die
Rechtsfolge auszulösen. Es bestimmt die Anforderungen an die Intensität des
Beweises und steht in engem Zusammenhang mit der Beweiswürdigung, ist be-
grifflich aber von ihr abzusetzen. Vorerst wird in der Beweiswürdigung geprüft, ob
der Beweis erbracht ist. Im Anschluss daran regelt das Beweismass, wann der
Beweis gelungen ist. Die Beweiswürdigung ist die qualitative Bewertung der erho-
benen Beweise im Einzelfall, das Beweismass die normative Stufe, welche das
- 24 -
Gericht in der konkreten Beweiswürdigung erklimmen muss, um vom non liquet
zum Beweis zu gelangen (BK-Walter, N 126 zu Art. 8 ZGB). Vorliegend gilt das
Regelbeweismass, also der volle, strenge und sichere oder strikte Beweis muss
gelingen. Er ist erbracht, wenn das Sachgericht nach objektiven Gesichtspunkten
von der Wahrheit einer Behauptung und damit vom Vorliegen einer Tatsache voll
überzeugt ist. Jeder Hauptbeweis muss im Zivilprozess als Regelbeweis erbracht
werden, sofern nicht Gesetz oder gesetzmässiges Richterrecht anderes anordnet.
Das Vorliegen der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit festzustehen, die an Si-
cherheit grenzende Wahrscheinlichkeit reicht für den Nachweis aus, selbst wenn
eine abweichende Möglichkeit nicht völlig auszuschliessen ist (BK-Walter, N 134
zu Art. 8 ZGB; Leu, DIKE-Komm-ZPO, Art. 157 N 60 ff.; BGE 130 III 113; BGE
130 III 321 E. 3.2.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann sich die
nicht beweisbelastete Gegenpartei ausnahmsweise nicht mit einfachem Bestrei-
ten begnügen, wenn sich die beweisbelastete Partei in einer Situation der Be-
weisnot befindet und die Gegenpartei näher an den zu beweisenden Tatsachen
ist. Die Mitwirkungspflicht des Beweisgegners im Beweisverfahren ist Ausfluss
des für alle Parteien geltenden Gebots des Handelns nach Treu und Glauben
(BGE 115 II 1 E. 4; BGer 4P.196/2005 vom 10. Februar 2006; Göksu, DIKE-
Komm-ZPO, Art. 52 N 24 f.; Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcheri-
schen Zivilprozessordnung, § 136 N 21 F.). Blosse faktische Beweisschwierigkei-
ten im konkreten Einzelfall vermögen dagegen nicht zu einer Beweiserleichterung
führen. Eine Beweisnot liegt nicht in der "Natur der Sache", wenn eine Tatsache,
die typischerweise dem unmittelbaren Beweis zugänglich wäre, nicht bewiesen
werden kann, weil der beweisbelasteten Partei die Beweismittel fehlen (BGE 130
III 321 E. 3.2.). Allein der Umstand, dass vorliegend Beweisschwierigkeiten be-
stehen, weil Vorgänge teilweise vor über 30 Jahren stattfanden, kann entgegen
der Auffassung der Vorinstanz die Herabsetzung des Regelbeweismasses auf die
überwiegende Wahrscheinlichkeit nicht rechtfertigen. Die Vorinstanz begründete
diese Annahme denn auch nicht näher (Urk. 356 S. 25). Insoweit ist die Kritik der
Klägerin berechtigt (Urk. 355 S. 4 ff.).
4.a) Die Vorinstanz stellte fest, dass zwischen den Parteien unbestritten sei,
dass das öffentlich beurkundete Testament der Erblasserin F._ vom 14. No-
- 25 -
vember 1983 zufolge Verfügungsunfähigkeit der Erblasserin für ungültig erklärt
wurde (Urk. 356 S. 25). Die Klägerin bestritt jedoch, dass sie bei der Errichtung
des öffentlich beurkundeten Testaments am 14. November 1983 von der Urteils-
unfähigkeit der Erblasserin gewusst habe (Urk. 30 S. 10). Die Vorinstanz führte zu
dieser Thematik ein Beweisverfahren durch; die Beweislast auferlegte sie der Be-
klagten 2 (Urk. 149 S. 9). Im Rahmen der Beweiswürdigung kam die Vorinstanz
zum Schluss, dass die Klägerin den Geisteszustand der Erblasserin zum fragli-
chen Zeitpunkt gekannt habe. Zumindest habe sie gewusst, dass die Erblasserin
geistig sehr geschwächt, wenn nicht sogar in einem sehr schlechten Zustand ge-
wesen sei. Es sei davon auszugehen, dass die Erblasserin nach aussen deutlich
wahrnehmbar stark in ihrer Gesundheit beeinträchtigt gewesen sei, was die Klä-
gerin habe bemerken müssen. Ob die Erblasserin tatsächlich dement im medizi-
nischen Sinn gewesen sei, könne indessen aufgrund des Ergebnisses des Be-
weisverfahrens nicht festgestellt werden (Urk. 356 S. 34). Diese Ausführungen
der Vorinstanz wurden im Berufungsverfahren von der Klägerin nicht gerügt. Sie
machte weder geltend, die Vorinstanz habe eine fehlerhafte Beweiswürdigung
vorgenommen, noch sie sei zu einem falschen Beweisergebnis gelangt. Die Klä-
gerin machte in ihrer Berufungsbegründung keinerlei Ausführungen zu diesen Er-
wägungen der Vorinstanz. Da die Beweiswürdigung der Vorinstanz aus Sicht der
Berufungsinstanz zu keinerlei Beanstandungen Anlass gibt, ist somit von diesem
Sachverhalt, wonach die Klägerin im Zeitpunkt der Errichtung der letztwilligen
Verfügung vom 14. November 1983 gewusst habe, dass die Erblasserin geistig
sehr geschwächt, wenn nicht sogar in einem sehr schlechten Zustand gewesen
sei, auszugehen.
b) Im Weiteren ist aufgrund des von der Vorinstanz durchgeführten Beweis-
verfahrens auch davon auszugehen, dass der Erblasser im Herbst 1983 gesund-
heitlich angeschlagen und zumindest teilweise pflegebedürftig war. Die Vorinstanz
schloss aus diesem Umstand, dass der Erblasser in seiner Wahrnehmungsfähig-
keit eingeschränkt und beeinflussbar gewesen sei. Insbesondere ihm vorgelegte
Papiere und Urkunden habe er nicht im Detail hinterfragt (Urk. 356 S. 39). Diese
Feststellungen der Vorinstanz wurden von der Klägerin im Berufungsverfahren
nicht gerügt. Sie unterliess es, diese Erwägungen der Vorinstanz überhaupt zu
- 26 -
thematisieren. Da die Beweiswürdigung und die daraus von der Vorinstanz gezo-
genen Schlussfolgerungen als zutreffend erscheinen, erübrigen sich weitere Be-
merkungen. Es ist in der Folge von diesem von der Vorinstanz bezüglich des Ge-
sundheitszustandes des Erblassers festgestellten Sachverhalt auszugehen.
5.a) Wie bereits erwähnt, hatte die Beklagte 2 sich stets auf den Standpunkt
gestellt, die Klägerin habe nie an der von ihr behaupteten MS-Erkrankung gelitten.
Vielmehr habe sie diese Erkrankung, welche im Sommer 1962 vorübergehend
vermutet worden sei, gegenüber der Beklagten 2 und insbesondere dem Erblas-
ser vorgetäuscht (Urk. 15 S. 4 und S. 11; Urk. 117 S. 4 und 12). Die Vorinstanz
kam zum Schluss, dass die ursprünglich im Jahre 1962 gestellte Diagnose betref-
fend diese Erkrankung wenig nachvollziehbar sei. Mehreren Ärzten sei es nicht
möglich gewesen, die für eine MS-Erkrankung charakteristischen Symptome ge-
stützt auf objektive Untersuchungen zu bestätigen. Vielmehr würden deren Aus-
sagen oft auf den subjektiven Angaben der Klägerin beruhen. Erst in den 1990er
und 2000er Jahren seien die untersuchenden Ärzte zum Ergebnis gelangt, dass
die Untersuchungsbefunde zu einer MS-Erkrankung passen würden. Allerdings
hätten auch diese Ärzte Vorbehalte anbringen müssen, dass die Symptome auch
andere Ursachen haben könnten (Urk. 356 S. 58). Die Vorinstanz stellte sich auf
den Standpunkt, dass Einiges gegen die von der Klägerin behauptete MS-
Erkrankung spreche. Es erscheine daher fraglich, ob die Klägerin tatsächlich an
MS erkrankt sei. Aber selbst wenn davon ausgegangen würde, sei anzunehmen,
dass die Klägerin an einer ausserordentlich milden Form von MS und seit 1962 al-
lerhöchstens an leichten Beschwerden der Krankheit leide (Urk. 356 S. 58). Es sei
unbestritten, dass die Erblasserin in ihrem am 6. November 1981 verfassten Tes-
tament alle drei Kinder gleich behandelt habe und offenbar aufgrund des ausser-
ordentlich milden Verlaufs der MS-Erkrankung für sie in jenem Zeitpunkt keine
Gründe für eine bevorzugte Behandlung der Klägerin bestanden hätten (Urk. 356
S. 58).
Wie schon erwähnt, kritisierte die Klägerin in ihrer Berufungsbegründung die
von der Vorinstanz vorgenommene Beweiswürdigung als willkürlich. Die Klägerin
rügte insbesondere die vorinstanzliche Beweiswürdigung im Zusammenhang mit
- 27 -
der Thematik der von ihr behaupteten MS-Erkrankung (Urk. 355 S. 8 ff.). Sie ver-
trat die Ansicht, dass sich die Folgerung der Vorinstanz, wonach die MS-
Erkrankung in einzelnen Arztberichten "zumindest ansatzweise" bejaht werde,
unhaltbar sei. Die Erkrankung sei in mehreren Arztberichten klar bejaht worden.
Ein Bericht stamme zudem von einem Neurologen, Dr. J._, der neben eige-
nen Untersuchungen auch auf eine aktuelle MRI-Untersuchung abgestellt habe.
Er habe festgehalten, dass an der MS-Diagnose ernsthaft nicht zu zweifeln sei
(Urk. 355 S. 14). Dass die Vorinstanz in Anbetracht aller geschilderten Beschwer-
den von nur "minimalen Beschwerden" spreche, lasse sich mit dem Grundsatz
der freien richterlichen Beweiswürdigung nach pflichtgemässen Ermessen nicht
vereinbaren (Urk. 355 S. 18). Die Vorinstanz hätte bei korrekter Vorgehensweise
feststellen müssen, dass der Beklagten 2 der Beweis dafür, dass die Klägerin bis
1983 nicht an MS gelitten und diese lediglich vorgetäuscht habe, misslungen sei
(Beweissatz 11). Zweitens hätte die Vorinstanz auch feststellen müssen, dass der
Beklagten 2 der Beweis dafür, dass bis Ende 1983 kein Arzt MS-Symptome diag-
nostiziert habe, ebenfalls misslungen sei (Beweissatz 12). Die Vorinstanz hätte
nicht von sich aus einen anderen Sachverhalt feststellen dürfen, als er von der
Beklagten 2 behauptet worden sei. Sie hätte somit nicht davon ausgehen dürfen,
dass die Klägerin, wenn überhaupt, an einer MS mit lediglich mildem Verlauf gelit-
ten habe (Urk. 355 S. 37). Dies sei geradezu anmassend (Urk. 355 S. 45).
b) Der Beklagten 2 wurde von der Vorinstanz der Hauptbeweis dafür aufer-
legt, dass die Klägerin bis Ende 1983 nicht an der von ihr behaupteten Erkran-
kung Multiple Sklerose gelitten, sondern diese lediglich vorgetäuscht habe
(Hauptbeweis Ziffer 11; Urk. 149 S. 6). Zudem wurde sie dafür beweispflichtig er-
klärt, dass bis Ende 1983 kein Arzt Symptome der behaupteten Erkrankung Mul-
tiple Sklerose bei der Klägerin diagnostizierte, insbesondere keine Erblindungen
oder Lähmungen (Hauptbeweise Ziffer 12; Urk. 149 S. 6). Die Beklagte 2 offerier-
te zum Beweissatz 11 die Urk. 5/3 und 64/8 sowie die Zeugenaussage von Dr.
K._ und die Parteibefragung der Klägerin (Urk. 243 S. 9 f.), wobei alle diese
Beweismittel im Verfahren CP070001 produziert wurden. Zu Beweissatz 12 berief
sich die Beklagte 2 auf die Urkunden 5/3, 64/7-8, 82/2 und 99/1-13 sowie auf die
Zeugenaussage von Dr. K._ und die Parteibefragung der Klägerin (Urk. 243
- 28 -
S. 10), wobei sämtliche dieser Beweismittel ebenfalls aus dem Verfahren
CP070001 stammen. Vorab ist noch zu bemerken, dass aufgrund des Beweisauf-
lagebeschlusses vorab der Zeitraum bis Ende 1983 relevant ist.
aa) Dr. L._ von der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals St. Gallen
hielt in seinem Schreiben vom 10. September 1962 an Professor M._, ...
[Funktion] der Neurochirurgischen Universitätsklinik des Kantonsspitals Zürich
fest, dass die Klägerin seit dem 31. August 1962 bei ihnen hospitalisiert sei und
die Diagnose auf Multiple Sklerose laute. Am 6. August 1962 sei eine Visusstö-
rung links aufgetreten, weshalb die Klägerin an Prof. N._, ... [Funktion] der
Augenklinik, überwiesen worden sei. Dr. L._ stellte an der rechten Fusssohle
und über dem rechten Fussrücken eine deutlich herabgesetzte Berührungsemp-
findung fest. Der Strichgang sei unsicher gewesen. Am 29. August 1962 sei der
neurologische Befund im Wesentlichen unverändert gewesen, es habe jedoch ei-
ne Zunahme der Sensibilitätsstörung an beiden Beinen festgestellt werden kön-
nen. Bei der Hospitalisation am 31. August 1962 habe man pathologische neuro-
logische Symptome gefunden, nämlich eine diskrete Ablassung der linken Papille,
eine Lidptose links, einen deutlichen Intentionstremor, links mehr als rechts, eine
Ataxic besonders beim Finger-Finger-Versuch. Die Berührungs-, Schmerz- und
Temperaturempfindung sei an den Beinen beidseitig nach unten zunehmend ge-
stört. Die Vibrationsempfindung sei aufgehoben (Urk. 5/3/B in CP070001). In sei-
nem Schreiben vom 26. September 1962 an Prof. N._ hielt Dr. O._ von
der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals St. Gallen fest, dass neurologisch
keine pathologischen (d.h. krankhaften) Zeichen mehr festzustellen seien, dass
jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit eine MS-Erkrankung vorliege (Urk. 5/3/C in
CP070001). Im Schreiben an die P._ [Krankenkasse] vom 22. Oktober 1962
ersuchte Dr. O._ im Auftrag von H._ die Krankenkasse um Kostengut-
sprache für den Klinikaufenthalt der Klägerin vom 31. August bis 22. September
1962 zufolge Abklärung eines unklaren neurologischen Syndroms (Urk. 5/3/D in
CP070001). Da Dr. O._ in diesem Schreiben nicht explizit von einer MS-
Erkrankung sprach, schloss die Vorinstanz daraus, dass er an der ursprünglich
vermuteten Diagnose einer MS-Erkrankung nicht mehr festgehalten habe
(Urk. 356 S. 45). Dieser Schlussfolgerung kann nicht beigepflichtet werden; es
- 29 -
handelt sich dabei um eine blosse Vermutung der Vorinstanz. Es scheint ohne
Weiteres plausibel, dass der Arzt den nach seiner eigenen, am 26. September
1962 geäusserten, Auffassung bestehenden Befund, wonach mit grosser Wahr-
scheinlichkeit eine MS-Erkrankung bei der Klägerin vorliege, gegenüber der Kran-
kenkasse nicht offenlegen wollte und wohl auch nicht musste. Dieses Schreiben
vermag den dringenden Verdacht auf das Bestehen einer MS-Erkrankung der
Klägerin nach damaliger ärztlicher Beurteilung jedenfalls nicht zu entkräften. Auch
den weiteren Ausführungen der Vorinstanz in diesem Zusammenhang kann nicht
gefolgt werden. Die Klägerin bejahte im Rahmen der persönlichen Befragung vor
Vorinstanz lediglich, dass sie bei ihrem Austritt aus dem Kantonsspital St. Gallen
keine relevanten Beschwerden mehr gehabt habe. Auf entsprechende Frage gab
sie jedoch an, noch unter Lähmungserscheinungen gelitten zu haben, die sie in
der Folge bei Dr. Q._ und mittels Medikamenten habe behandeln lassen. Sie
habe bei ihrem Austritt nicht frei gehen können (Protokoll S. 62 in CP070001).
Zwar ist es zutreffend, dass diese Ausführungen, welche zugunsten der Klägerin
lauten, keinen Beweis dafür bilden (§ 149 Abs. 3 ZPO/ZH), dass die Klägerin
beim Spitalaustritt noch Lähmungserscheinungen aufwies, doch ist dies unerheb-
lich, da der Klägerin der entsprechende Beweis nicht oblag, sondern der Beklag-
ten 2. Sie hatte die persönliche Befragung der Klägerin als Beweismittel angebo-
ten (Urk. 243 S. 10). Die zitierte Protokollstelle bestätigt die Version der Beklag-
ten 2 jedenfalls nicht. Im Übrigen ist noch anzumerken, dass sich aus dem Aus-
trittsbericht des Spitals vom 26. September 1962 auch nicht ergibt, dass die Klä-
gerin symptomfrei aus dem Spital entlassen wurde. Es wurde nämlich explizit er-
wähnt, dass der rechte Radiusperiostreflex etwas lebhafter war als links, rechts
habe sich ausserdem ein deutlicher Fussklonus befunden. Im Übrigen hätten kei-
ne pathologischen Zeichen mehr festgestellt werden können (Urk. 5/3/C in
CP070001). Die im Rahmen der Beweiswürdigung wiedergegebene Darstellung
der Aussagen der Klägerin bezüglich der Behandlung ihrer Restbeschwerden
kann ebenfalls nicht zu ihren Lasten und nicht zugunsten der Beklagten 2 ver-
wendet werden (Urk. 356 S. 45).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ärzte damals - mindestens mit
grosser Wahrscheinlichkeit - von einer MS-Erkrankung der Klägerin ausgingen.
- 30 -
Auch steht fest, dass die Klägerin unter Symptomen, welche von einer MS-
Erkrankung herrühren konnten, litt. Es waren Visusstörungen festgestellt worden
wie auch deutlich herabgesetzte Berührungsempfindungen. Der Strichgang war
unsicher. Am 29. August 1962 war der neurologische Befund im Wesentlichen
unverändert, es wurde jedoch eine Zunahme der Sensibilitätsstörung an beiden
Beinen festgestellt. Bei der Hospitalisation am 31. August 1962 fand man patho-
logische neurologische Symptome, nämlich eine diskrete Ablassung der linken
Papille, eine Lidptose links, einen deutlichen Intentionstremor, links mehr als
rechts, eine Ataxic besonders beim Finger-Finger-Versuch. Die Berührungs-,
Schmerz- und Temperaturempfindungen waren an den Beinen beidseitig nach
unten zunehmend gestört. Die Vibrationsempfindung war aufgehoben. Demge-
mäss konnte die Beklagte 2 mit diesen Urkunden nicht beweisen, dass die Kläge-
rin keine Symptome von MS aufgewiesen habe. Ob diese Visusstörung tatsäch-
lich eine (vorübergehende) Erblindung war und es sich bei den Beeinträchtigun-
gen im Berührungs- und Sensibilitätsbereich um wahrgenommene Lähmungen
handelte, kann offen bleiben. Jedenfalls waren neurologische Ausfälle festzustel-
len.
Es ist unbestritten, dass der Klägerin diese Diagnose vorerst von den Eltern
und Ärzten verschwiegen wurde und sie erst ungefähr 1973 von dieser Erkran-
kung, vermutlich durch Dr. R._, Kenntnis erhielt (Protokoll S. 28 in
CP070001; Urk. 356 S. 56; Urk. 5/3/Z S. 7 in CP070001). Die Klägerin machte
geltend, dass ihr diese Diagnose eröffnet worden sei, als sie 1972 habe heiraten
wollen (Urk. 5/3/Z S. 7 in CP070001). Aufgrund dieses Umstandes erscheint es
unwahrscheinlich, dass die Klägerin bis zu jenem Zeitpunkt eine MS-Erkrankung
vortäuschen wollte. Es wurde jedenfalls nicht behauptet, dass sie ohne konkrete
Anhaltspunkte, allein aufgrund ihrer Fantasie, auf eine solche Idee gekommen
wäre. Sie wusste damals nichts von einer solchen Diagnose. Dagegen wussten
ihre Eltern darüber Bescheid und gingen offenbar damals vom Vorliegen dieser
Krankheit aus. Eine Täuschung wäre somit gar nicht möglich gewesen. In ihrem
eigenen Bericht vom 27. Juni 1969 (Urk. 5/3/H in CP070001; vgl. auch Urk. 5/3/Ja
und Jb vom 22. Juli 1969 bzw. 23. Juli 1969) betreffend ihren Unfall vom 15. De-
zember 1959 erwähnte die Klägerin zwar Symptome, welche von einer MS-
- 31 -
Erkrankung herrühren könnten, subsumierte sie aber nicht darunter, sondern
sprach von einer Sehnerventzündung mit vorübergehender teilweiser Erblindung.
Daran habe sich eine sog. Polyneuritis mit Lähmungserscheinungen angeschlos-
sen. An dieser Nervenentzündung leide sie seither und sollte jede Woche den
Arzt konsultieren. Grössere Anstrengungen, auch geistige, würden zu Rückfällen
führen (Sehschwierigkeiten, Gehbehinderung). Soweit ersichtlich, liess sich die
Klägerin in dieser Zeitspanne immer wegen Beschwerden im Zusammenhang mit
dem am 15. Dezember 1959 erlittenen Turnunfall, bei dem sie eine Verletzung
des rechten Handgelenks erlitten hatte, untersuchen. In diesem Zusammenhang
hielt Dr. S._ in seinem Schreiben vom 24. Juli 1967 fest, dass eine sehr auf-
fällige Diskrepanz zwischen dem Beschwerdebild und dem minimen objektiven
Befund bestehe. Es seien erhebliche psychische Überlagerungen anzunehmen,
welche sich aus dem Unfallgeschehen und der nachfolgenden Behandlung entwi-
ckelt hätten. Die Beschwerden seien nicht als unfallfremde Faktoren zu werten
(Urk. 5/3/G in CP070001). Prof. T._ untersuchte die Klägerin offenbar eben-
falls im Zusammenhang mit dem von ihr erlittenen Turnunfall. Prof. T._ war
beauftragt worden, in diesem Kontext die Möglichkeit eines unfallfremden neuro-
logischen Leidens abzuklären. Prof. T._ ging in seinem Bericht vom 16. Sep-
tember 1969 davon aus, dass 1962 bei der Klägerin eine Neuromyelitis optica
vorhanden gewesen sei. Die später aufgetretenen Beschwerden würden für eine
rezidivierende Entzündung bzw. Demyelinisation des Nervensystems sprechen.
Er wolle jedoch keine Diagnose formulieren, weil strenggenommen Beweise fehl-
ten, dass sich tatsächlich Krankheitsschübe abgespielt hätten. Die damaligen Ak-
ten seien nicht mehr auffindbar. Heute jedenfalls bestünden keine Hinweise auf
ein unfallfremdes Nervenleiden (Urk. 5/3/K in CP070001).
Dieser Arztbericht vermag den Beweis dafür, dass die Klägerin eine MS-
Erkrankung vorgetäuscht habe, nicht zu erbringen. Dem Bericht ist nicht zu ent-
nehmen, dass eine solche Erkrankung tatsächlich nicht vorlag. Im Vordergrund
der Untersuchungen von Prof. T._ stand die Frage des Zusammenhangs der
Handgelenksverletzung mit einer allenfalls unfallbedingten Schädigung des Ner-
vensystems. Die Klägerin selbst wusste damals noch nicht, dass überhaupt ein-
mal eine solche Diagnose gestellt worden war und konnte dem Arzt daher auch
- 32 -
nichts solches berichten. Zudem fehlten gemäss den Angaben von Prof. T._
die früheren ärztlichen Unterlagen, weshalb er wohl keine Kenntnis der damaligen
Feststellungen haben konnte. Aus dem Attest geht nicht hervor, dass Prof.
T._ die Klägerin spezifisch auf MS abgeklärt hätte. Es wurde offenbar keine
Liquoruntersuchung vorgenommen und kein EEG durchgeführt. Der Beweis, wo-
nach die Klägerin eine solche Erkrankung vorgetäuscht habe, kann mit diesem
Arztbericht daher nicht erbracht werden kann.
bb) In der Folge wurde die Klägerin im Jahre 1973 von ihrem Hausarzt
Dr. U._ an Dr. R._, Spezialarzt FMH für Neurologie, überwiesen, wobei
es offenbar auch um die Frage ging, ob der Klägerin zufolge Vorliegens einer all-
fälligen MS-Erkrankung von einer Schwangerschaft abgeraten werden sollte. Wie
oben erwähnt, machte die Klägerin geltend, dass sie in diesem Zusammenhang
zum ersten Mal von der MS-Diagnose in Kenntnis gesetzt worden sei (vgl.
Urk. 5/3/Z S. 7 in CP070001). Dr. R._ kam in seinem Bericht vom 4. Oktober
1973 zum Schluss, dass die neurologischen Befunde der Klägerin durchwegs
normal seien. Zweifellos liessen sich die anamnestischen Angaben jedoch am
besten im Rahmen einer demyelinisierenden Erkrankung im Sinne einer Multiplen
Sklerose erklären. Ein völlig normaler Neurostatus mehr als 10 Jahre nach den
ersten Symptomen einer MS-Erkrankung wäre sehr ungewöhnlich, obwohl bei ei-
ner MS-Erkrankung lange symptom- und beschwerdefreie Intervalle vorkommen
könnten, wie auch eine "geheilte" Multiple Sklerose. Neben der Möglichkeit, dass
ein derart benigner Krankheitsverlauf vorliege, sei auch in Erwägung zu ziehen,
dass 1962 ein parainfektiöses neurologisches Syndrom vorgelegen haben könnte.
Allerdings wären damit die Sehstörungen aus dem Jahre 1968 nicht erklärt. Trotz
der Möglichkeit durchgemachter Manifestationen einer Multiplen Sklerose scheine
in diesem Falle ein "Verbot" von Schwangerschaften hart. Er werde sich noch-
mals mit der Patientin besprechen und ihr die Risiken "auseinandersetzen"
(Urk. 5/3/P in CP070001). Aufgrund dieses Arztberichts wurde somit nicht ab-
schliessend festgestellt, dass die Klägerin nicht an MS erkrankt war, sondern die
Möglichkeit des Bestehens dieser Krankheit offengelassen. Jedenfalls von diesem
Zeitpunkt an musste die Klägerin davon ausgehen, dass sie möglicherweise an
Multipler Sklerose erkrankt sei.
- 33 -
cc) Mit Schreiben vom 6. September 1979 wurde die Klägerin vom Stras-
senverkehrsamt der Stadt Zürich aufgefordert, ein Arztzeugnis einzureichen, wel-
ches über ihren allgemeinen Gesundheitszustand, insbesondere aber über die
Multiple Sklerose Auskunft gebe (Urk. 5/3/R in CP070001). In seinem Schreiben
an die Verkehrsmedizinische Untersuchungsstelle vom 21. September 1979 er-
klärte der damalige Hausarzt (Prot. S. 55 in CP070001) der Klägerin, Dr. V._,
dass er wegen der MS-Diagnose Nachforschungen angestellt und ein Gutachten
von Prof. R._ gefunden habe, worin dieser die Diagnose angezweifelt habe,
da die Klägerin nach einer gründlichen neurologischen Untersuchung keine MS-
Anzeichen gezeigt habe. Seit 1973 seien auch keine Symptome aufgetreten. Die
Klägerin sei voll arbeits- und leistungsfähig. Er sei der Meinung, dass man die Di-
agnose MS aus der Krankengeschichte der Klägerin streichen sollte (Urk. 5/3/R in
CP070001). Nur vier Jahre zuvor, am 23. Dezember 1975, hatte derselbe Arzt in
einem Schreiben an das kantonale Steueramt erklärt, dass bei der Klägerin seit
1962 die Diagnose einer Multiplen Sklerose bestehe. Diese chronische Erkran-
kung bedürfe regelmässiger Kontrollen; die Klägerin sollte daher steuerlich entlas-
tet werden (Urk. 99/2 in CP07001). Auf diesen Widerspruch hingewiesen, meinte
die Klägerin in der persönlichen Befragung, dass Dr. V._ mit der Bemerkung,
dass die Diagnose MS aus ihrer Krankengeschichte zu streichen sei, habe errei-
chen wollen, dass sie nicht jedes Jahr hätte Abklärungen machen müssen
(Prot. S. 55 in CP070001). Bezüglich der Würdigung dieser sich widersprechen-
den Angaben ist auf die Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 356
S. 48 f.), welche von der Klägerin nicht explizit kritisiert wurden. Da die beiden
Schreiben widersprüchlich sind, vermögen sie den fraglichen Beweis nicht zu er-
bringen. Es bleibt offen, ob es sich bei dem Schreiben von Dr. V._ an das
Strassenverkehrsamt um eine Gefälligkeitsbestätigung handelte.
In der von Dr. V._ über die Klägerin erstellten Krankenakte befinden
sich Eintragungen, welche Hinweise auf eine bestehende MS-Erkrankung geben.
Im Sommer 1979 hielt der Arzt fest, dass die Klägerin Ausfälle beim Sehen ge-
habt habe, ohne dass es zu einer Zentralblindheit gekommen sei. Mit Vitamin B-
Behandlung sei der Zustand wieder besser geworden. Unter dem Datum des
17. März 1983 stellte er fest, dass beide Beine gefühllos und schwer gewesen
- 34 -
seien. Zudem habe die Klägerin seit einer Woche ein Ziehen in den Armen be-
klagt und gehe seit drei Jahren allgemein langsamer. Diese Befunde ordnete er
offenbar einer MS-Erkrankung zu (Urk. 99/4 in CP070001). Aus dieser Kranken-
geschichte ergibt sich, dass Dr. V._ eine MS-Erkrankung der Klägerin als
mögliche Ursache für die genannten Störungen für wahrscheinlich hielt. Dafür be-
standen demgemäss objektive Hinweise. Es bestehen zudem keine Anhaltspunk-
te, dass er diese Problematik nicht auch mit der Klägerin besprach. In diesem
Sinne erscheint es plausibel, dass die Klägerin zu jenem Zeitpunkt weiterhin da-
von ausgehen musste, dass sie (möglicherweise) an dieser Krankheit litt. Wenn
sie aber subjektiv von diesem Umstand ausgehen durfte bzw. musste, kann nicht
gesagt werden, dass sie diese Krankheit gegenüber Dritten allenfalls nur vor-
täuschte. Die von Dr. V._ geführte Krankenakte vermag diesen Beweis je-
denfalls nicht zu erbringen. Auch steht fest, dass die Klägerin damals starke Seh-
störungen im Sinne von Ausfällen beim Sehen hatte, auch wenn keine Zentral-
blindheit erfolgte. Zudem waren auch beide Beine gefühllos, was die Klägerin
möglicherweise laienhaft als Lähmung bezeichnete. In diesem Sinne ist als be-
wiesen zu erachten, dass bei der Klägerin vor 1983 wiederholt Symptome von
Multipler Sklerose im Sinne des Hauptbeweises 12 auftraten.
dd) Der Nachfolger von Dr. V._, Dr. W._, bestätigte in einem ärztli-
chen Zeugnis vom 30. April 1990, dass gemäss Akten seines verstorbenen Vor-
gängers Dr. V._ die Klägerin ab 11. Januar 1975 bis 19. März 1983 von die-
sem unter der seit 1962 bekannten Diagnose einer Multiplen Sklerose behandelt
worden sei (Urk. 5/3/X [Rückseite] in CP070001). Dr. W._ wurde als Zeuge
zur Krankenakte seines Vorgängers betreffend die Klägerin befragt. Dr. W._
erklärte anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 28. September 1993 (Prozess
Nr. 01900936) auf die Frage, ob es richtig sei, dass bis zum Zeitpunkt des Gut-
achtens an das Strassenverkehrsamt, nämlich bis 21. September 1979, bei keiner
Untersuchung der Klägerin die von ihr behauptete MS bestätigt worden sei, dass
er widersprechen müsse. Die Sehstörungen seien offenbar weitergegangen. Seh-
störungen seien ein Hauptdiagnostikum für MS. Sehstörungen würden zwar nicht
nur bei dieser Krankheit auftreten. Im Zusammenhang mit der Notiz vom Dezem-
ber 1978 sei aber eine Verbindung zur Diagnose MS gezogen worden. Auf die
- 35 -
Frage, ob seit Erstellung des Gutachtens an das Strassenverkehrsamt im Sep-
tember 1979 irgendwelche Befunde vorlägen, welche die Diagnose MS stützen
würden, meinte Dr. W._, dass mit Datum vom 19. März 1983 von seinem
Vorgänger festgehalten worden sei, dass die Patientin Gefühllosigkeit in beiden
Beinen verspüre, diese bleischwer seien und ein Ziehen in den Armen vorhanden
sei. Sie stolpere mit dem rechten Fuss und sei ganz müde. Diese Angaben könn-
ten ohne Weiteres unter der Diagnose MS als vorübergehende Symptome be-
trachtet werden. Auf die Frage, ob sie könnten oder müssten, antwortete Dr.
W._, dass beim diskutierten Krankheitsverlauf ab 1962 diese Symptome im
Gesamtbild einer MS diskutiert werden müssten. Auf die weitere Frage, ob
dadurch die MS-Diagnose erhärtet, wahrscheinlich oder lediglich als nicht ausge-
schlossen dargestellt werde, meinte der Zeuge, dass diese Angaben als schub-
weise Symptome anzusehen seien. Zwar könnten sie grundsätzlich auch andere
Ursachen haben. Im Zusammenhang mit der Diagnose MS seit 1962 seien sie je-
doch zu berücksichtigen (Urk. 99/1 S. 181 f. in CP070001). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass Dr. W._ offenbar aufgrund der von seinem Vorgänger er-
stellten Krankenakte von einer MS-Erkrankung der Klägerin ausging. Ob dabei
spezialärztliche Untersuchungen stattfanden oder nicht, ist unerheblich. Entschei-
dend für das Beweisthema, ob die Klägerin bis Ende 1983 nicht an MS gelitten,
sondern diese Erkrankung lediglich vorgetäuscht habe, ist der Umstand, wie ihre
immer wieder aufgetretenen Beschwerden von den Ärzten bis zu diesem Zeit-
punkt beurteilt wurden. Für die Klägerin selbst war es unerheblich, durch welche
Untersuchungen oder Abklärungen die Ärzte zu ihrer Diagnose gelangten. Die
Klägerin als Laie in medizinischen Fragen war wohl kaum in der Lage, die Metho-
dik der Diagnosestellung zu hinterfragen. Aufgrund der Beurteilung der Kranken-
akte von Dr. V._ durch seinen Nachfolger Dr. W._ ist davon auszuge-
hen, dass Dr. V._ zu Recht von einer solchen Diagnose ausging. Da Dr.
V._ somit nicht von der ursprünglichen Diagnose abwich, ist nicht anzuneh-
men und wurde auch nicht behauptet, dass er der Klägerin etwas anderes mitge-
teilt hätte. Für die Klägerin bestand demnach im Jahre 1983 kein Anlass anzu-
nehmen, dass sie nicht an dieser Krankheit leide. Somit ist auch mittels dieser
- 36 -
Beweismittel nicht nachgewiesen, dass die Klägerin ihre MS-Erkrankung lediglich
vortäuschte.
ee) Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich aus den Schreiben von
Dr. AA._ von der Neurologischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich
vom 30. Juni und 18. Juli 1980 (Urk. 5/3/S und 5/3/U in CP070001) keine Beurtei-
lung auf eine MS-Erkrankung der Klägerin ergeben würden. Aus diesen Arztbe-
richten geht klar hervor, dass die Klägerin sich nicht wegen ihrer MS-Erkrankung,
sondern wegen einer erlittenen Hirnerschütterung in die Behandlung bei Dr.
AA._ begab. Dem Bericht vom 30. Juni 1980 ist zu entnehmen, dass die
Klägerin am 4. Mai 1980 und nochmals ca. Mitte Juni 1980 ihren Kopf angeschla-
gen habe und kurzzeitig bewusstlos gewesen sei. Seither klage sie über messer-
stichartige Schmerzen über dem Hinterkopf und Schwindel beim Rückwärtsbli-
cken. Die Patientin habe erklärt, dass sie seit 1962 schon an MS leide und alle
zwei Jahre 1-2 Schübe mit Sehstörungen und Lähmungen erleide. Vitamin B1 sei
dagegen sehr wirkungsvoll, weshalb sie täglich 900mg einnehme. Dr. AA._
ging davon aus, dass es sich bei den aktuellen Beschwerden, Kopfschmerzen,
um ein postcommotionelles Syndrom handle. Neurologische Ausfälle, die auf eine
MS hinweisen würden, hätten sie nicht gefunden, ausser den leichten Sensibili-
tätsstörungen an den Fingern der linken Hand und über dem Fuss und Unter-
schenkel rechts (Urk. 5/3/S in CP070001). Dem Bericht vom 18. Juli 1980 ist zu
entnehmen, dass bei der Klägerin vorübergehend auch Sehstörungen auftraten,
die jedoch wieder verschwunden seien. Es hätten immer noch gewisse Empfin-
dungsstörungen bestanden. Er hätte bei der Patientin noch die visuell evozierten
Potentiale abgeleitet, die aber gut im Normbereich gelegen hätten. Bei einer mul-
tiplen Sklerose-Patientin mit Sehstörungen seien diese meistens verlangsamt. Bei
der erfolgten Untersuchung hätten keine fokal neurologischen Ausfälle festgestellt
werden können (Urk. 5/3/U in CP070001). In seinem Schreiben an Dr. V._
hielt Dr. AA._ fest, dass die Kopfschmerzen der Patientin mit Dihydergot be-
handelt worden seien. Die Patientin habe das Medikament von sich aus abge-
setzt. Da sich eine weitere Behandlung erübrige, hätte er mit der Patientin verein-
bart, dass sie sich bei erneuten Beschwerden wieder bei ihm oder Dr. V._
melden würde (Urk. 5/3/T in CP070001). Auch dieses Schreiben belegt eindeutig,
- 37 -
dass die medizinischen Abklärungen die von der Klägerin erlittene Hirnerschütte-
rung betrafen. Es bestehen keine Hinweise, dass die Klägerin spezifisch auf das
Vorliegen einer MS-Erkrankung untersucht worden wäre. Dr. AA._ machte
auch keine konkreten Angaben betreffend einer MS-Erkrankung, insbesondere at-
testierte er auch nicht, dass eine solche nicht vorliege. Offensichtlich wurde nur
abgeklärt, ob die Symptome neurologisch eine andere Ursache als die erlittene
Hirnerschütterung haben könnten. Die Klägerin selbst führte aus, dass sie die
MS-Erkrankung nur erwähnt habe, weil sie vom Arzt bei der Aufnahme nach be-
stehenden Krankheiten gefragt worden sei, was ohne Weiteres plausibel er-
scheint, da allgemein üblich ist, dass ein Patient zu Beginn der Behandlung nach
vorhandenen Krankheiten gefragt wird. Im Weitern verhält es sich in der Regel
auch so, dass Ärzte Informationen von Patienten über bestehende Krankheiten
nicht in jedem Fall von Grund auf überprüfen, sondern von diesen Angaben aus-
gehen und sie so in der Krankengeschichte notieren, ausser es lägen Umstände
vor, die eine (weitergehende) Abklärung erforderlich machen würden. Es wäre un-
realistisch, von einem Arzt zu erwarten, dass er alle Angaben eines Patienten
über früher erlittene oder bestehende Krankheiten verifizieren würde, ausser es
würden begründete Zweifel bestehen. Es ist daher ohne Weiteres erklärbar, dass
die Ärzte die Diagnose ihrer Vorgänger auch im Falle der Klägerin ohne eigene
Abklärungen übernahmen und in der Folge davon ausgingen. Aus den Arztberich-
ten von Dr. AA._ lässt sich daher nichts zu Gunsten des Standpunktes der
Beklagten 2 ableiten.
ff) Bezüglich der Behandlung der Klägerin bei Dr. K._ in der Zeit zwi-
schen Mai 1981 bis November 1983 erachtete die Vorinstanz zu Recht den
Hauptbeweis der Klägerin für gelungen, wonach sie bei Dr. K._ nicht wegen
ihrer MS-Erkrankung in Behandlung gewesen sei (Urk. 356 S. 52). Demnach ist
davon auszugehen, dass die Klägerin Dr. K._ wegen einer anderen gesund-
heitlichen Störung aufsuchte. Urkunde 82/2 in CP070001 lässt sich denn auch
einzig entnehmen, dass die Klägerin in der genannten Zeitspanne fünf Konsultati-
onen bei Dr. K._ wahrnahm. Weitergehende Angaben sind in dieser Urkunde
nicht aufgeführt. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 356 S. 51),
kann daher auch nicht gesagt werden, dass keinerlei Hinweise auf eine MS-
- 38 -
Erkrankung aufgeführt seien, weil generell keinerlei Hinweise auf irgendeinen Be-
handlungsgrund genannt werden und Dr. K._ in seiner Zeugeneinvernahme
auch ausdrücklich erklärte, nicht festgehalten zu haben, weshalb die Klägerin bei
ihm in Behandlung gewesen sei. Dr. K._ erklärte lediglich, dass er eine MS-
Erkrankung nicht selbst behandelt hätte. Die Klägerin sei sicher nicht deswegen
zu ihm gekommen (Prot. S 167 in CP070001). Daraus lässt sich jedoch in keiner
Weise schliessen, dass die Klägerin nicht an einer MS-Erkrankung leidet bzw.
damals litt, weil sie ja offensichtlich aus einem anderen Grund bei Dr. K._
war.
gg) Dr. AB._ bestätigte in Vertretung seines Praxiskollegen Dr.
AC._ am 5. Februar 1991, dass die Klägerin seit 31. Juli 1984 in ihrer Ge-
meinschaftspraxis in Behandlung stehe. Die Klägerin leide unter einer seit 1962
bekannten multiplen Sklerose, welche in den letzten Jahren keine grösseren
Probleme geboten habe. Ausser seltenen kleineren Störungen, welche die Seh-
kraft kurzfristig beeinträchtigt oder sich in einer leichten Schwäche im rechten
Bein gezeigt hätten, sei sie beschwerdefrei gewesen. Die Klägerin verstehe es
sehr gut, leichtere Schübe frühzeitig zu erkennen und durch gewisse Verhaltens-
regeln zu coupieren. Sie nehme deshalb auch täglich Medikamente ein. Was die
Prognose des weiteren Verlaufs der Krankheit anbelange, könnten keine sicheren
Aussagen gemacht werden (Urk. 5/3/X in CP070001). Diesem Bericht kann je-
denfalls entnommen werden, dass Dr. AB._ von einer bestehenden MS-
Erkrankung der Klägerin ausging und die Klägerin auch leichte Störungen zeigte,
welche er offenbar mit diesem Befund in Einklang brachte. Er hielt auch fest, dass
die Klägerin Verhaltensmassnahmen gegen leichtere Schübe ergriffen habe und
ständig Medikamente gegen die Krankheit einnehme. Es lassen sich diesem
Schreiben somit keine Anhaltspunkte entnehmen, wonach die Krankheit nicht
vorhanden bzw. nur vorgetäuscht war. Auch ging der Arzt offensichtlich von MS-
Symptomen aus, auch wenn er keine gravierenden Krankheitsschübe diagnosti-
zierte. Die Urkunde ist daher nicht geeignet, den Nachweis für die der Beklagten 2
auferlegten Hauptbeweise 11 und 12 rechtsgenügend zu erbringen. Im Übrigen
wurde der Inhalt dieses Berichts in der Folge von Dr. AC._, dem Praxiskolle-
gen von Dr. AB._, am 1. September 2001 (Urk. 64/9 in CP070001) und 29.
- 39 -
Januar 2009 (Urk. 64/10 in CP070001) nochmals bestätigt. Dr. AC._ hielt
fest, dass zwar keine grösseren Schübe aufgetreten seien, die Patientin aber
durch grosse Ermüdung (Fatigue) und Beschwerden beim Gehen und Sehen so-
wie eine verminderte Belastbarkeit eingeschränkt sei. Seit dem 1. Januar 1997
bestehe deshalb Invalidität (Urk. 64/10 in CP070001). Diese Müdigkeit und die
seit 1997 stark eingeschränkte Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit der Multip-
len Sklerose wurde auch von Dr. J._ in seinem Schreiben vom 19. Oktober
2001 thematisiert: Er führte aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Klägerin seit Januar
1997 50% betrage und per 1. Mai 2001 auf 25% habe reduziert werden müssen
(Urk. 64/8 in CP070001).
Schon zuvor im Jahre 1996 hatte der Neurologe Dr. J._ den Hausarzt
der Klägerin, Dr. AC._, über die von ihm bei der Klägerin durchgeführte neu-
rologische Untersuchung vom Juni 1996 in Kenntnis gesetzt. Vorab hielt er fest,
dass die Diagnose auf Enzephalomyelitis disseminata (Multiple Sklerose) laute.
Er führte aus, dass an der Diagnose einer multiplen Sklerose als Ursache für die
seit 1962 aufgetretenen neurologischen Störungen kaum zu zweifeln sei. Etwas
ungewöhnlich sei der 1962 erhobene Liquorbefund, der als grenzwertig einzustu-
fen, jedoch mit einer multiplen Sklerose noch knapp vereinbar sei. Die übrigen
Untersuchungsbefunde seien mit einer MS dagegen gut vereinbar. Zur Zeit sei ei-
ne Behandlung nicht erforderlich, da die Krankheit keine Aktivität zeige (Urk. 64/7
in CP070001). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Dr. J._ als Facharzt
für Neurologie die Diagnose einer Multiplen Sklerose bestätigte bzw. nicht ernst-
haft in Zweifel zog, sondern von diesem Krankheitsbild ausging und zwar auch für
die vorangegangenen Jahre. Zwar konstatierte Dr. J._ für den damaligen
Zeitpunkt keine gravierenden Schubsituationen, doch sprach er klar von neurolo-
gischen Störungen, insbesondere einer (krankheitstypischen) grossen Ermü-
dungserscheinung und einer aus diesen Beeinträchtigungen resultierenden ein-
geschränkten Arbeitsfähigkeit. Es bestehen keinerlei Anhaltspunkte, dass die ein-
geschränkte Arbeitsfähigkeit der Klägerin einer anderen Ursache zuzuschreiben
wäre. Insofern kann keine Rede davon sein, dass keine Symptome dieser Krank-
heit vorhanden waren bzw. sind. Dr. J._ hielt jedoch fest, dass in den Jahren
- 40 -
1974 und 1988 (nach 1962) erneut Schübe mit Lähmungen in den Beinen aufge-
treten seien (Urk. 64/7 in CP070001).
Die Klägerin reichte mit der Berufungsbegründung ein weiteres Zeugnis von
Dr. J._ vom 20. September 2016 ein (Urk. 358/2). Diese Urkunde wurde ent-
gegen der Auffassung der Klägerin (Urk. 356 S. 10) verspätet eingereicht, wes-
halb sie nicht berücksichtigt werden kann (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO). Gemäss §
115 Ziff. 2 ZPO/ZH hätte diese Urkunde auch nach abgeschlossenem Beweisver-
fahren vor Vorinstanz noch eingereicht werden können. Das Urteil wurde erst im
Februar 2017 gefällt.
Im Verlaufe des Berufungsverfahrens erfolgte am 19. Januar 2018 eine wei-
tere Eingabe der Klägerin, mit welcher sie einen Arztbericht von Dr. J._ vom
21. November 2017 und einen Arztbericht von Dr. AD._ vom 20. Dezember
2017 (der soeben erst via Hausärztin bei ihr eingetroffen sei) einreichte (Urk. 376,
Urk. 378 /3+4). Diese Eingabe war der Gegenpartei mit Verfügung vom 26. Feb-
ruar 2018 zugestellt worden (Urk. 380); sie liess sich dazu nicht vernehmen, be-
stritt diese Behauptung demnach auch nicht. Die neu eingereichten Arztberichte
sind als zulässige Noven zu berücksichtigen (Art. 317 Abs. 1 lit. a und b ZPO).
Dem Attest von Dr. J._ vom 21. November 2017 lässt sich entnehmen, dass
es infolge der seit 1962 bekannten Multiplen Sklerose mit gutmütigem Verlauf im
Verlaufe des Monats Juli 2017 doch zu einer schubartigen Verschlechterung mit
Gefühlsstörungen an allen vier Extremitäten gekommen sei. Die Symptomatik ha-
be mit Kortision recht gut aufgefangen werden können; im Status hinterlasse der
Schub aber doch leichte Rückstände in Form einer leichten Ataxie und einer re-
duzierten Wahrnehmung des Vibrationssinnes an allen vier Extremitäten. Des
Weiteren bestehe eine für eine MS typische, allgemeine Müdigkeit mit rascher
"Erschöpfbarkeit". Die Frage einer Interferonbehandlung bleibe noch immer offen.
Falls ein weiterer Schub auftreten sollte, würde er eine solche Behandlung befür-
worten (Urk. 378/3). Dr. AD._, Facharzt für Neurologie, führte aus, dass er
aufgrund der Anamnese, der klinischen Untersuchung und der mitgebrachten MR-
Befunde klar vom Vorliegen einer Encephalomyelitis disseminata (Multiplen Skle-
rose) ausgehe, mit einer Relapsing remitting-Form. Die Klägerin habe Zeit ihres
- 41 -
Lebens mehrere bedeutende Schübe, im Sinne der unvollständigen, aufsteigen-
den, sensomotorischen Paraparese gehabt. Sie zeige entsprechend auch Herde
im oberen Vervicalmark, welche eine solche Symptomatik durchaus begründen
könnten. In der klinischen Untersuchung habe sie relativ milde Ausfälle, mehr im
Sinne einer bilateralen, leichten Gang- und Standataxie, sowie den akralen Sen-
sibilitätsstörungen der Beine. Im MR dagegen sei die Darstellung ihrer Demyelini-
sierungsherde subcortical und hochcervical doch recht deutlich. Vom Ablauf her
würde man den Verlauf, bei noch erhaltener Gehfähigkeit nach über 50 Jahren
der Krankheit, als recht milde bezeichnen (Urk. 378/4). Auch wenn diese ärztli-
chen Atteste für den Zeitraum 1983 keine konkreten Hinweise geben können,
geht aus ihnen klar hervor, dass aufgrund von Untersuchungen feststeht, dass die
Klägerin klarerweise an Multipler Sklerose leidet und schon seit ihrer Jugend und
auch bis heute immer wieder leichtere oder stärkere Schübe auftraten. Insgesamt
nimmt die Krankheit jedoch einen eher milden Verlauf, angesichts der Tatsache,
dass es bei dieser Krankheit ohne Weiteres möglich wäre, dass die Klägerin
schon längst im Rollstuhl oder gar ein Pflegefall sein könnte. In diesem Sinne ist
der milde Verlauf der Krankheit relativ. Im Jahre 1983 konnte die Prognose, wie
die Krankheit verlaufen würde, jedoch in keiner Weise gestellt werden.
Angesichts der Tatsache, dass auch Dr. AD._ die Diagnose von Dr.
J._ vollumfänglich bestätigte, erscheint die Behauptung der Beklagten 2, wo-
nach die Klägerin Dr. J._ für ihre Zwecke eingespannt und ihm arglistig ver-
schwiegen habe, dass die Diagnose der Medizinischen Klinik St. Gallen später nie
bestätigt worden sei (Urk. 364 S. 8), ohne Grundlage.
c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Schlussfolgerungen der
Vorinstanz im Zusammenhang mit der Würdigung dieser Arztberichte weitgehend
nicht gefolgt werden kann. Die meisten der genannten Ärzte gehen – wenn sich
bei ihrer Behandlung diese Problematik überhaupt stellte – zumindest von einer
grossen Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer MS-Erkrankung bei der Klägerin
aus. Im heutige Zeitpunkt bestehen offenbar keine Zweifel mehr an dieser Diag-
nose. Die Vorinstanz führte aus, dass allerdings nicht ersichtlich sei, auf welche
Untersuchungen sich diese Ärzte bei ihrer Beurteilung stützen würden (Urk. 356
- 42 -
S. 53). Es ist nicht ganz klar, was die Vorinstanz mit dieser Relativierung genau
meinte. Sollte sie der Auffassung sein, dass die Diagnose nicht nachvollziehbar
sei, ist einzuwenden, dass es den Ärzten überlassen ist, welche Untersuchungen
sie vornehmen wollen und wie sie zu ihrer Diagnose gelangen. Die Vorinstanz
kam jedenfalls nicht zum Ergebnis, dass einzelne Ärzte eine falsche Diagnose
gestellt hätten oder ihre Schlussfolgerungen unzutreffend seien. Auch wenn nicht
alle behandelnden Ärzte Neurologen waren, kann der Wert der Diagnose der an-
deren Ärzte nicht als weniger aussagekräftig qualifiziert werden. Auch Hausärzte
haben in der Regel Erfahrungen mit MS-Erkrankungen, da es sich dabei nicht um
eine selten auftretende Krankheit handelt und in der Regel von ihnen auch noch
Spezialisten konsultiert werden. So zog der damalige Hausarzt der Klägerin,
Dr. U._, Dr. R._, Spezialarzt FMH für Neurologie, zur Behandlung der
Klägerin bei. Auch zwischen Dr. AC._ (Hausarzt) und dem Neurologen Dr.
J._ bestand ein fachlicher Austausch. Solange keine besonderen neurologi-
schen Probleme auftreten, sind daher auch Allgemeinärzte in der Lage, einen
MS-Patienten zu begleiten, wenn die Diagnose feststeht. Dass den Zeugnissen
nicht im Detail entnommen werden kann, aufgrund welcher Untersuchungen die
bei der Klägerin als typische Symptome einer MS-Erkrankung zu bezeichnenden
Beschwerden festgestellt wurden, spielt keine Rolle, da nicht behauptet wurde,
dass die gezogenen Schlussfolgerungen unrichtig seien. Sämtliche detaillierte
Angaben über alle Untersuchungen, Befunde, Behandlungen und Medikamenten-
abgaben gehen in der Regel nur aus den Patientenunterlagen, insbesondere der
Krankengeschichte, hervor und nicht aus Zeugnissen. Entgegen der Auffassung
der Vorinstanz kann aufgrund der obigen Ausführungen auch nicht gesagt wer-
den, dass es kein Arzt für notwendig erachtet habe, die Diagnose zu überprüfen.
Zudem sind in Arztzeugnissen die einzelnen Untersuchungshandlungen oft nicht
konkret ausgeführt, weshalb allein daraus nichts abgeleitet werden kann. Gerade-
zu falsch ist die Annahme der Vorinstanz, wonach kein hierfür qualifizierter Fach-
arzt objektive Befunde aufgrund eigener Untersuchungen festgestellt habe
(Urk. 356 S. 54). Hiezu ist auf den Bericht von Dr. J._, Spezialarzt für Neuro-
logie FMH, betreffend die neurologische Untersuchung der Klägerin zu verweisen
(Urk. 64/7 in CP070001). Auch im Kantonsspital St. Gallen waren solche Untersu-
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chungen vorgenommen worden. Aufgrund dieser Umstände ist davon auszuge-
hen, dass bei der Klägerin schon vor 1983 das Vorliegen einer MS-Erkrankung
diagnostiziert wurde. Da diese Diagnose in der Folge nie klar dementiert bzw. als
unrichtig bezeichnet wurde, durfte und musste die Klägerin von der Richtigkeit
dieser Diagnose ausgehen. Entscheidend für die Frage, ob die Klägerin eine sol-
che Erkrankung vortäuschte, wie ihr dies von der Beklagten 2 vorgeworfen wird,
ist primär ihre subjektive Überzeugung. Das Beweisverfahren hat keine Anhalts-
punkte ergeben, wonach die Klägerin hätte davon ausgehen können bzw. müs-
sen, dass sie klarerweise nicht an dieser Krankheit litt, jedoch weiterhin vorgab,
davon betroffen zu sein. In diesem Sinne ist der Hauptbeweis 11 der Beklagten 2
als gescheitert zu erachten.
d) Aufgrund der obigen Ausführungen ist festzuhalten, dass das Beweisver-
fahren auch ergeben hat, dass bei der Klägerin von diversen Ärzten Symptome
einer MS-Erkrankung diagnostiziert wurden. Mehrere Ärzte erwähnten Sehstö-
rungen, Empfindungs- und Sensibilitätsstörungen (gefühllose Beine) sowie eine
signifikante Müdigkeit, welche schliesslich später - nach 1983 - die Arbeitsfähig-
keit erschwerte und mit der Zeit praktisch ganz verunmöglichte. In diesem Sinne
wurden diverse neurologische Ausfälle konstatiert. Zutreffend ist, dass nur leichte
Schübe, aber keine schwerwiegenden und regelmässig wiederkehrenden
Schubsituationen erwähnt wurden, mit Ausnahme der Jahre 1974 und 1988. Dort
ist von je einem mehrtägigen Schub mit Lähmung der Beine die Rede (Urk. 64/7
in CP070001), wie dies auch schon 1962 der Fall war. Der Hauptbeweis 12 der
Beklagten 2 ist daher gestützt auf die erwähnten Beweismittel als misslungen an-
zusehen, da Symptome der behaupteten Krankheit diagnostiziert wurden, auch
wenn es sich nicht nur um (teilweise) Erblindungen oder Lähmungen, aber um
ähnliche vorübergehende Beeinträchtigungen handelte. In der Summe waren Be-
schwerden feststellbar, die das Alltagsleben der Klägerin ernsthaft und nachhaltig
erschwert haben und ihre Arbeitsfähigkeit immer mehr einschränkten. Dr.
AB._ erwähnte ausdrücklich, dass über den weiteren Verlauf der Krankheit
keine Prognose gemacht werden könne (Urk. 5/3/X in CP070001). Es ist allge-
mein bekannt, dass bei dieser Krankheit eine Prognose schwierig und der Krank-
heitsverlauf offen ist.
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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beklagte 2 mit den von ihr be-
zeichneten Arztberichten sowohl den Hauptbeweis 11 als auch 12 nicht zu erbrin-
gen vermochte.
e) Als weiteres Beweismittel berief sich die Beklagte 2 auf die Parteibefra-
gung der Klägerin, protokolliert im Verfahren CP070001 (Urk. 243 S. 10 mit Ver-
weis auf Prot. S. 28-64 in CP070001). Die Klägerin warf der Vorinstanz zusam-
mengefasst sinngemäss vor, dass sie ihre Aussagen einseitig zu ihren Lasten
ausgelegt und gewürdigt habe (Urk. 355 S. 20 ff.). Dieser Vorwurf erscheint nicht
unberechtigt. Es handelt sich teilweise gar um eine fehlerhafte Beweiswürdigung
der Vorinstanz. Die Vorinstanz warf der Klägerin vor (Urk. 356 S. 55 f.), dass sie
nicht habe schlüssig aufzeigen können, welcher Arzt sie in welchem Zeitpunkt
behandelt habe. Hiezu ist zu bemerken, dass die Klägerin erstmals wegen neuro-
logischer Beschwerden 1962, mit 17 Jahren, im Kantonsspital St. Gallen behan-
delt und dort erstmals die Diagnose einer MS-Erkrankung gestellt wurde. Bis 1973
kannte die Klägerin diese Diagnose allerdings nicht. Die Befragung der Klägerin
vor Vorinstanz fand im Jahre 2010, also mehr als 40 Jahre später, statt. Es er-
scheint unrealistisch, dass sich eine Person, die während der vergangenen Jah-
ren bei über einem Dutzend Ärzte in Behandlung war, sich noch genau sollte er-
innern können, in welchem Jahr sie bei welchem Arzt wegen welcher Beschwer-
den war, welche Untersuchungen dieser durchführte und welche Aussagen er ihr
gegenüber machte. Überdies erklärte die Klägerin stets, dass sie "etwa" in diesem
oder jenem Jahr bei dem betreffenden Arzt gewesen sei (Prot. S. 30 in
CP070001), oder sie erklärte, dass sie es nicht mehr genau sagen könne
(Prot. S. 34, 41 in CP070001). Ebenso scheint es geradezu vermessen, wenn von
der Klägerin erwartet wird, dass sie nach mehr als 35 Jahren noch wissen sollte,
wann sie welche Beschwerden hatte und mit welchen Therapien sie behandelt
wurde. Ausserdem trifft es auch nicht zu, dass in den Arztberichten keine Behand-
lungen dokumentiert sind. Die von der Vorinstanz als klarer Widerspruch bezeich-
neten Differenzen in den Aussagen der Klägerin im Vergleich zum Schreiben von
Dr. J._ vom 26. Juni 1996 (Urk. 64/7 in CP070001), sind kaum als wesentlich
zu bezeichnen, zumal die Klägerin als Laie offenbar Beschwerden bereits als
kleinere Schübe bezeichnete (Auftreten von Sehstörungen und motorischen Be-
- 45 -
einträchtigungen, vgl. z.B. Prot. S. 39 in CP070001), welche ein Arzt nicht als sol-
che bezeichnen würde. Die Klägerin hatte ausgeführt, dass sie 1974 und 1988
zwei grosse Schübe gehabt habe und dazwischen einige kleinere. In der Zeit zwi-
schen 1974 und 1988 habe sie mehr Schübe erlitten als zwischen 2001 und 2009
(Prot. S. 40 in CP070001). Genau dies ergibt sich jedoch auch aus dem Schrei-
ben von Dr. J._, indem er 1974 und 1988 je einen Schub mit Lähmung in den
Beinen während ca. 4 Tagen erwähnte. Zur Frage, ob die Klägerin zwischen 2001
und 2009 Schübe erlitten habe, konnte sich Dr. J._ gar nicht äussern, weil
sein in diesem Kontext von der Vorinstanz bezeichnetes Schreiben (Urk. 64/7 in
CP070001) aus dem Jahre 1996 stammt. Im Jahre 2001 bestätigte Dr. J._
dann, dass es seit 1996 (-2001) nicht zu eigentlichen Schubsituationen bei der
Klägerin gekommen sei (Urk. 64/8 in CP070001). Dies widerspricht der Aussage
der Klägerin, dass es zwischen 2001 und 2009 zu weniger Schüben gekommen
sei, nicht, da Dr. J._ keine Aussagen für die Zeit ab 2001 machte. Zudem
hatte die Klägerin auch nicht behauptet, dass es zwischen 1996 und 2001 zu ei-
nem MS-Schub gekommen sei. Die Vorinstanz unterlässt es jedenfalls, eine ent-
sprechende Protokollstelle zu benennen. Auch wenn die Aussagen der Klägerin in
ihrer persönlichen Befragung nicht in allen Punkten mit den Angaben von Dr.
J._ übereinstimmen, ist die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen dadurch keines-
wegs in Frage gestellt. Angesichts der langen Zeitspanne, in welcher die Klägerin
bei Dr. J._ in Behandlung ist, stimmen ihre Aussagen eher überraschend gut
mit denjenigen dieses Arztes überein.
Die Vorinstanz hielt der Klägerin auch vor, dass sie ausgeführt habe, zwi-
schen 1965 und 1967 von Dr. U._ behandelt worden zu sein (Urk. 356 S. 55
mit Verweis auf Prot. S. 30 in CP070001). Vorab ist festzuhalten, dass die Kläge-
rin erklärte, dass sie "etwa" in diesen Jahren dort in Behandlung gewesen sei
(Prot. S. 30 in CP070001). Die Vorinstanz warf der Klägerin weiter vor, dass sie
keine Beweismittel angeboten habe, welche belegen würden, dass Dr. U._
überhaupt eine Behandlung durchgeführt und die MS-Erkrankung der Klägerin
festgestellt habe. Hiezu kann vorab auf die obigen Ausführungen verwiesen wer-
den, wonach Dr. U._ die Klägerin an den Neurologen Dr. R._ zwecks
Abklärung einer möglichen MS-Erkrankung überwies. Zudem ist die Klägerin für
- 46 -
die vorliegend relevanten Beweissätze 11 und 12 nicht (haupt)beweispflichtig,
weshalb sie auch keine Beweismittel nennen musste. Wenn sie auf die Benen-
nung von Gegenbeweismitteln verzichtete, kann dies nicht zu ihren Lasten ausge-
legt werden. Auch der Vorwurf der Vorinstanz, die Klägerin habe nicht angeben
können, weshalb sie bei Dr. J._ in Behandlung gewesen sei (Urk. 356 S. 56
mit Verweis auf Prot. S. 35 in CP070001), erweist sich als verfehlt. Die Frage lau-
tete nämlich nicht, weshalb sie dort in Behandlung gewesen sei, sondern, wes-
halb sie ausgerechnet zu Dr. J._ gegangen sei, was wohl eine grundlegend
andere Fragestellung ist. Auch der Umstand, dass die Klägerin nicht präzis sagen
konnte, wann nach Lähmungserscheinungen zum ersten Mal die Diagnose MS
aufgrund eigener Untersuchungen eines Arztes gestellt wurde, vermag keine
Zweifel an der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen der Klägerin zu er-
wecken. Aufgrund der Tatsache, dass die Krankheit 1962 erstmals diagnostiziert
wurde, die Klägerin aber bis 1973 davon gar nichts wusste, ist die Fragestellung
schon verfehlt oder zumindest unpräzis. Zudem kann nach einem so langen Zeit-
ablauf nicht erwartet werden, dass sich die Klägerin noch genau zu erinnern ver-
mochte. Auch der Vorhalt, wonach die Ausführungen der Klägerin betreffend ihre
Behandlung bei Dr. V._ falsch seien, weil die Klägerin behauptet habe, dass
sie unmittelbar nach Kenntnisnahme ihrer Erkrankung einen Schub erlitten habe
und daraufhin bei Dr. V._ in ärztlicher Behandlung gewesen sei, ist unbe-
rechtigt. Die Klägerin hatte sich nicht auf genaue Daten festlegen lassen. Sie hat-
te geltend gemacht, dass sie ungefähr 1973 von ihrer MS-Erkrankung erfahren
und danach einen Schub erlitten habe. Es erscheint möglich, dass sie damit den
Schub von 1974 meinte. Die Klägerin sagte weiter aus, dass sie danach bei Dr.
V._ in Behandlung gewesen sei. Dies sei etwa 1973 gewesen. Die Vo-
rinstanz machte der Klägerin dann zum Vorwurf, dass der erste Eintrag von Dr.
V._ erst 1975 erfolgt sei (Urk. 356 S. 56). Die Vorinstanz lässt bei dieser Ar-
gumentation ausser Acht, dass die Klägerin die Daten immer mit "etwa" bezeich-
nete und der erste Eintrag in der Krankenakte von Dr. V._ überdies bereits
im Januar 1975 erfolgte, weshalb die Darstellung der Klägerin zutreffend sein
könnte. Zudem hatte die Klägerin auch nicht behauptet, unmittelbar nach dem
Schub Dr. V._ aufgesucht zu haben.
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Die Beklagte 2 offerierte schliesslich zu Beweissatz 12 ein Schreiben der
Klägerin vom 24. Januar 1983, welches an sie adressiert war. Darin führte die
Klägerin aus, dass sie seit zwei Monaten in dauernder ärztlicher Behandlung ste-
he und tatsächlich krank und viel zu schwach sei (Urk. 99/9 in CP070001). Auf die
Frage, ob die Klägerin sagen könne, um welche ärztliche Behandlung es sich da-
bei gehandelt habe, erklärte die Klägerin, dass sie dies nicht beantworten könne
(Prot. S. 42 in CP070001). Auf die weitere Frage, ob die Behandlung 1983 etwas
mit der MS zu tun gehabt habe, meinte die Klägerin, dass dies 27 Jahre her sei.
Damals habe sie es gewusst, aber heute nicht mehr (Prot. S. 43 in CP070001).
Die Vorinstanz machte der Klägerin daher erneut den Vorwurf, dass sie diese
Fragen nicht konkret beantworten konnte (Urk. 356 S. 57). Dieser Vorwurf er-
scheint wiederum als verfehlt, weil dies aufgrund des inzwischen erfolgten Zeitab-
laufs mehr als verständlich erscheint.
f) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Fazit der Vorinstanz, wo-
nach die Klägerin zu zahlreichen Ungereimtheiten, welche sich aus den einge-
reichten Beweismitteln ergeben würden, keine schlüssigen Ausführungen habe
machen können, nicht bestätigt werden kann. Ebenso trifft es nicht zu, dass ver-
schiedene Erklärungen der Klägerin wenig plausibel seien und im Widerspruch zu
den Schreiben der verschiedenen Ärzte stünden. Es bestanden höchstens margi-
nale Ungereimtheiten, welche aufgrund der langen Zeitdauer seit der Vorfälle oh-
ne Weiteres entstehen können. Ausserdem ist auch nicht ersichtlich, was die Vo-
rinstanz beweismässig aus diesen Ausführungen ableiten will. Entgegen ihrer Auf-
fassung erscheinen die Aussagen der Klägerin grundsätzlich glaubhaft und ver-
mögen daher den Standpunkt der Beklagten 2 in keiner Weise zu stützen. Zudem
standen sie nie in einem wesentlichen Widerspruch zu den als Beweismittel ge-
nannten Urkunden, den betreffenden Arztberichten. Die Klägerin machte keinerlei
Aussagen zu ihren Lasten, wonach sie die MS-Erkrankung nur vorgetäuscht und
keine Lähmungen oder massive Sehstörungen gehabt habe, weshalb die Bewei-
se 11 und 12 auch mittels der Parteibefragung der Klägerin durch die Beklagte 2
nicht erbracht werden konnten.
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g) Aufgrund der obigen Ausführungen ist entgegen der Auffassung der Be-
klagten 2 (Urk. 364 S. 9) davon auszugehen, dass die der Beklagten 2 auferleg-
ten Hauptbeweise 11 und 12 nicht erbracht werden konnten, sondern als geschei-
tert zu betrachten sind. Den von der Vorinstanz gezogenen Schussfolgerungen
(Urk. 356 S. 58) kann daher nicht gefolgt werden. Insbesondere die Feststellung
der Vorinstanz, wonach, falls überhaupt, lediglich von einer milden Form der MS-
Erkrankung der Klägerin auszugehen wäre, ist nicht zutreffend und auch missver-
ständlich. Es ist nicht klar, ob die Vorinstanz damit zum Ausdruck bringen wollte,
dass der Beklagten 2 der Beweis bezüglich Beweissatz 12 gelungen sei, indem
sie habe beweisen können, dass die Klägerin bis Ende 1983 keine ärztlich festge-
stellten Symptome einer MS-Erkrankung, insbesondere Erblindungen oder Läh-
mungen, aufgewiesen habe. Wie bereits oben ausgeführt, ist der Beweis nach
Auffassung der Berufungsinstanz jedoch ohnehin als gescheitert anzusehen. Die
Frage, ob lediglich eine milde Form einer MS-Erkrankung vorlag, wurde im Be-
weisverfahren nicht gestellt und ist daher obsolet. Dies war offensichtlich auch nie
so behauptet worden, wie auch die Beklagte 2 selbst einräumte (Urk. 364 S. 9).
Die Beklagte 2 hatte stets behauptet, dass die Klägerin nie an MS erkrankt sei
und diese Erkrankung lediglich vorgetäuscht habe (vgl. auch Urk. 364 S. 9).
6. Im Zusammenhang mit der Problematik, wie es zu der Testamentsände-
rung durch F._ am 14. November 1983 gekommen sei und inwieweit die Erb-
lasserin mit Wissen der Klägerin durch AE._ beeinflusst worden sei, wurde
der Klägerin der Hauptbeweis dafür auferlegt, dass die Beratung der Erblasserin
durch AE._ ohne ihre Wissen geschehen sei, und der Beklagten 2 dafür,
dass die Klägerin ihren Freund AE._ veranlasst habe, dem Erblasser eine
Änderung des Testaments der Erblasserin aufzudrängen (Urk. 149 Beweissätze 4
und 21). Die Beklagte 2 bot zu Beweissatz 21 die Parteibefragung der Klägerin im
vorliegenden sowie im Verfahren CP070001 an und ausserdem Urk. 56 S. 5-7
aus CP070001 und Urk. 99/14-16 aus CP070001 (Urk. 243 S. 16).
Was die von der Beklagten 2 als Beweismittel (Urk. 56 S. 5-7 in CP070001)
bezeichnete Notiz vom 21. September 1982 (recte: 1983) anbelangt, kann auf die
- 49 -
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 356 S. 60),
denen nichts beizufügen ist.
a) Im Weiteren berief sich die Beklagte 2 auf die Aussagen von AE._
vom 28. September 1993 (Urk. 99/14 in CP070001) im damaligen Verfahren vor
dem Bezirksgericht Zürich (Prozessnummer 01900936). AE._ hatte als Zeu-
ge zu Protokoll gegeben, dass er die Klägerin seit ca. 1968/70 kenne. Sie habe
ihm erzählt, dass sie schon während der Gymnasialzeit erkrankt sei und Seh-
schwierigkeiten sowie motorische Hemmungen bzw. Lähmungen gehabt habe. In
den Jahren 1973/74 habe sie ihm dann erzählt, dass sie Multiple Sklerose habe.
Er habe eine Schwester, die ebenfalls an dieser Krankheit leide. Die Klägerin sei
dann mit dieser zusammengekommen, um sich über ihre Erfahrungen und Be-
handlungsmethoden auszutauschen. Er habe auch die Eltern der Klägerin in ...
[Ortschaft] besucht. Sie hätten sich sehr besorgt über diesen Zustand geäussert.
Er kenne die Eltern seit 1970 oder 1971 und sei ca. sieben- bis zehnmal dort ge-
wesen. Er habe mit dem Vater der Klägerin über ihre Erkrankung gesprochen.
Dies vor allem deshalb, weil er gesehen habe, wie es seiner Schwester zuneh-
mend schlechter gegangen sei. In diesem Sinne habe er mit dem Vater der Klä-
gerin, H._, darüber gesprochen, ohne dass er dies der Klägerin gesagt habe.
Er habe dem Vater der Klägerin erklärt, welchen Verlauf die Krankheit nehmen
könnte und welche Kosten entstehen könnten, wenn eine Totalhospitalisierung er-
folgen müsste. Er habe daher am 22. September 1983 für H._ eine hand-
schriftliche Aufstellung gemacht (vgl. Urk. 56/6 in CP070001), worin er Empfeh-
lungen abgegeben habe, inwiefern er für seine Tochter vorsorgen könnte. Er wis-
se jedoch nicht, was mit diesem Vorschlag geschehen sei. Er habe darüber keine
weiteren Nachforschungen gemacht. Auf Vorhalt des Gerichts, wonach in diesem
Strategiepapier vom 22. September 1983 lediglich Ratschläge enthalten seien
über die Form, nicht aber über den gewünschten oder möglichen Inhalt letztwilli-
ger Verfügungen und kein Wort darin von Schutzmassnahmen zugunsten der
Klägerin aufgeführt sei, meinte der Zeuge, dass dies zu weit gegangen wäre. Er
habe Vater H._ mit diesem Schreiben darauf aufmerksam gemacht, wohin er
sich wenden und von welchen Stellen er sich beraten lassen könnte. Er habe die-
se Notizen (vgl. Urk. 56/5-7 in CP070001) H._ zugestellt (Urk. 99/14 in
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CP070001). Entgegen der Annahme der Vorinstanz handelte es sich bei der Be-
fragung vom 1. April 1996 nicht um eine Zeugenbefragung von AE._, son-
dern dieser wurde als Angeschuldigter befragt (Urk. 99/16 in CP070001). Anläss-
lich dieser Einvernahme wiederholte AE._ im Wesentlichen seine zuvor als
Zeuge gemachten Angaben. Er bestätigte insbesondere, dass er mit dem Vater
der Klägerin ohne deren Wissen über dieses Thema gesprochen habe. Zwischen
ihm und der Klägerin sei dies nie ein Gesprächsthema gewesen. Was er H._
nahegelegt habe, könne er nicht mehr sagen. Er habe einfach gewollt, dass für
die Person, welche schon krank gewesen sei, erbrechtlich vorgesorgt werde. Er
habe H._ erklärt, dass es eine Versorgung geben und was diese kosten
könnte. Wahrscheinlich habe der Vater ihm gegenüber Angaben über seine bis
dahin getroffenen Massnahmen gemacht, doch könne er sich daran nicht erin-
nern. Er habe das vorherige Testament von H._ nicht gekannt. Er habe nie
Einsicht darin gehabt und nichts Genaues gewusst. Auf Vorhalt der handschriftli-
chen Notizen vom 21. und 22. September 1983 (Urk. 56 S. 5-7 in CP070001)
meinte AE._, dass er das erste nur so hingeschrieben habe. Bei der zweiten
Notiz habe er das Ganze gründlich überdacht und auch schriftlich festgehalten in
dem Sinne, sowohl Vater H._ als auch A'._, der Klägerin, zu helfen. Er
sei aber überhaupt nicht dazu gedrängt oder beeinflusst worden. Er habe gerade
einen anderen erbrechtlichen Fall gehabt, weshalb ihn die Notizen betreffend
H._s nicht so viel Zeit gekostet hätten (Urk. 99/16 S. 3 in CP070001).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass AE._ wiederholt ausführte,
dass er das Thema zur Ergreifung erbrechtlicher Massnahmen für den Schutz
und die Vorsorge von allfälligen Erben, insbesondere der Klägerin, von sich aus
gegenüber H._ aufgebracht habe. Er erklärte ausdrücklich, dass die Klägerin
darüber nichts gewusst habe. Er habe Vater H._ mit seinen Notizen darauf
aufmerksam machen wollen, wohin er sich wenden und von welchen Stellen er
sich beraten lassen könnte. Weitergehende, insbesondere konkrete, inhaltliche
erbrechtliche, Vorschläge habe er nicht gemacht. Konkrete Schutzmassnahmen
für die Klägerin vorzuschlagen, wäre zu weit gegangen. Er habe auch keine
Nachforschungen angestellt, was in der Folge geschehen sei. Er sei auch keine
Vertrauensperson von H._ gewesen. Entgegen der Auffassung der Beklag-
- 51 -
ten 2 (Urk. 364 S. 11) bestehen keine Anhaltspunkte, um an der Glaubhaftigkeit
dieser Aussagen von AE._ zu zweifeln. Die von AE._ verfassten Noti-
zen beinhalten keinerlei konkrete Vorschläge wie z.B. die Klägerin erbrechtlich
hätte bevorzugt werden können. Sie beschränken sich allein darauf aufzuzeigen,
an welche Stellen man sich zur Beratung in Erbschaftssachen im Kanton Zürich
wenden könnte und welche Anforderungen bezüglich der Errichtung letztwilliger
Verfügungen zu beachten wären. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk.
356 S. 62) ist davon auszugehen, dass die Beklagte 2 damit den Beweis, wonach
AE._ durch die Klägerin veranlasst worden sei, dem Erblasser eine Ände-
rung des Testaments aufzudrängen, nicht erbracht werden konnte. Nachdem
AE._ auch mehrfach erklärte (Urk. 99/16 S. 2; Urk. 99/14 S. 208, beide Ur-
kunden im Verfahren CP070001), dass er mit H._ gesprochen habe, ohne
der Klägerin darüber etwas gesagt zu haben, muss davon ausgegangen werden,
dass die Klägerin keine Kenntnis davon hatte, dass sich AE._ mit ihrem Va-
ter über diese Thematik austauschte. AE._ sagte zudem auch nie, dass er
sich mit der Erblasserin F._ über diese Problematik unterhalten habe, son-
dern gegenteils, dass dies nicht der Fall gewesen sei (Urk. 99/16 S. 2 in
CP070001). Auf die Ergänzungsfrage der Klägerin, ob er mit ihren Eltern über ihre
MS-Erkrankung gesprochen habe, meinte AE._, er habe nur mit ihrem Vater
darüber gesprochen (Urk. 99/14 S. 209 in CP070001). Zudem steht auch fest,
dass AE._ die erwähnten Notizen H._ zustellte (Urk. 56 S. 5 -7 in
CP070001). Somit ist anzunehmen, dass AE._ mit der Erblasserin nie über
dieses Thema gesprochen hat. Damit ist jedoch auch der der Klägerin auferlegte
Hauptbeweis, wonach die Beratung der Erblasserin durch AE._ ohne ihr
Wissen geschehen sei, als erbracht zu erachten. Es ist nicht erstellt, dass die Erb-
lasserin von AE._ beraten worden wäre. Die von der Beklagten 2 als Gegen-
beweismittel genannten Urkunden (Urk. 243 S. 4) vermögen den Beweis nicht zu
erschüttern.
b) Die Vorinstanz erwog, dass sich jedoch aus den übrigen abgenommenen
Beweismitteln ergebe, dass mehrere Indizien den Schluss nahelegen würden,
dass AE._ zumindest nach entsprechenden Gesprächen mit der Klägerin
das Gespräch mit dem Erblasser im Hinblick auf die Abänderung des Testaments
- 52 -
vom 6. November 1981 gesucht habe. Aufgrund der Ausführungen von AE._
und unter Berücksichtigung der Beweisschwierigkeiten könne nicht ernsthaft da-
ran gezweifelt werden, dass der Erblasser sein eigenes Testament wie auch das-
jenige der Erblasserin aufgrund der Gespräche mit AE._ abgeändert habe.
Es bestünden keinerlei Gründe für einen anderen Anlass und seien von den Par-
teien auch nicht behauptet worden. Zwar ergebe sich aus den abgenommenen
Beweismitteln nicht direkt, dass die Klägerin AE._ beeinflusst habe, doch sei
nicht erkennbar, weshalb AE._ sonst auf die Idee gekommen wäre, mit dem
Erblasser erbrechtliche Fragen zu diskutieren, nachdem er diesen gemäss eige-
nen Angaben zwischen 1970/71 und 1983 nur gerade sieben bis zehn Mal gese-
hen habe (Urk. 356 S. 62 ff.).
Die Klägerin selbst hatte stets bestritten, dass sie mit AE._ über diese
Thematik gesprochen habe (Prot. I S. 46 f., 52 ff.; Prot. S. 116 ff. in CP070001).
Die Klägerin hatte behauptet, dass das Motiv von AE._ darin bestanden ha-
be, dass er selber eine an dieser Krankheit leidende Schwester gehabt und sich
daher auch um sie Sorgen gemacht habe (Urk. 30 S. 6; Prot. S. 78 ff. in
CP070001). In der Tat hatte AE._ selbst erklärt, dass er mit H._ über
die Erkrankung der Klägerin und deren mögliche Folgen in finanzieller Hinsicht
gesprochen habe. Dies habe er insbesondere deshalb gemacht, weil er gesehen
habe, wie der Zustand seiner an MS erkrankten Schwester zunehmend schlimmer
geworden sei; schliesslich sei sie zum totalen Pflegefall geworden (Urk. 99/14 S.
207 ff.). Als die Klägerin ihre Stelle als Gymnasiallehrerin aus Krankheitsgründen
aufgegeben habe, habe er spontan ihrem Vater geschildert, wie diese Krankheit
noch weiter verlaufen könnte. Seine Schwester sei am Schluss in ein Heim ge-
kommen. Er habe deshalb dem Vater der Klägerin nahegelegt, eine gewisse Vor-
sorge zu treffen. Dies sei spontan aus ihm herausgekommen, weil er eben Kennt-
nisse über diese Krankheit gehabt habe (Urk. 99/16 S. 2 in CP070001). Er gab
somit einen konkreten Grund für sein Vorgehen an. In diesem Sinne kann zwar
angenommen werden, dass H._ und in der Folge auch F._ wahrschein-
lich durch dieses Gespräch bzw. die Gespräche mit AE._ inkl. dessen Noti-
zen veranlasst wurden, das Testament von 1981 abzuändern. Ein Indiz dafür fin-
det sich auch in einer Notiz, welche die Klägerin offenbar auf Ersuchen ihres Va-
- 53 -
ters verfasste und welche H._ zur Besprechung mit Notar AF._ mit sich
führte. Dem Inhalt dieser Notiz kann sinngemäss entnommen werden, dass das
Testament neu abgefasst werden sollte, um die Ehefrau und auch die Klägerin
zufolge ihrer MS-Erkrankung besser zu schützen. H._ liess darin auch fest-
halten, dass er von einem Freund, der selbst eine MS-Patientin in seiner Familie
habe, darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass eine bessere Fürsorge not-
wendig sei (Urk. 56 S. 9 in CP070001). Die Klägerin erklärte auf Befragen, dass
es sich bei dem Freund um AE._ handeln müsse (Prot. S. 78 in CP070001).
Ein anderes Motiv zur Testamentsabänderung als das genannte, ist aufgrund der
Akten nicht ersichtlich. Es kann daraus jedoch nicht der Schluss gezogen werden,
dass die Klägerin AE._ zu dieser Initiative motiviert habe. Wie bereits er-
wähnt, ergab das Beweisverfahren keine Hinweise darauf, dass diese Vorge-
hensweise von AE._ in irgendeiner Weise durch die Klägerin beeinflusst
worden wäre. Es geht daher nicht an, dass die Vorinstanz über eine andere Ar-
gumentation, unter Einbezug diverser Indizien, versucht, dieses Beweisergebnis
umzustossen. Auch wenn es für die Vorinstanz nicht plausibel erscheinen mag,
so ist – mangels anderer Anhaltspunkte – davon auszugehen, dass AE._ aus
eigenem Antrieb wegen dem genannten Grund, nämlich der schwerwiegenden
Erkrankung seiner Schwester und der Sorge um die Ungewissheit bezüglich des
Krankheitsverlaufs bei der Klägerin, das Gespräch mit dem Erblasser suchte. Ein
solches Motiv erscheint jedenfalls bei Bestehen eines freundschaftlichen Verhält-
nisses, wie es zwischen der Klägerin und AE._ bestand, nicht abwegig. Den
entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 356 S. 62 ff.) kann daher
nicht beigepflichtet werden. Es bestehen keine Anhaltspunkte (Urk. 356 S. 67),
wonach AE._ in Absprache mit der Klägerin gehandelt hat und diese über
sein Vorgehen informiert war.
7.a) Ein weiterer Vorwurf der Beklagten 2 an die Adresse der Klägerin be-
steht darin, dass diese die Erblasserin im Wissen um deren Demenz zur Abände-
rung ihres handschriftlichen Testaments verleitet haben soll. Aus den Akten sei
ersichtlich, dass die Klägerin an der Abänderung des Testamens mitgewirkt habe.
Die Klägerin habe den Erblasser zur Vorbereitung der Testamente zu ihren Guns-
ten instruiert und geleitet. Sie habe vier von ihr verfasste Papiere, welche in der
- 54 -
Ich-Form des Erblassers geschrieben worden seien, an Notar AF._ überge-
ben. Damit habe sie erreicht, dass das Testament der Erblasserin zu ihren Guns-
ten geändert worden sei. Die Erblasserin wäre ohne Mitwirkung der Klägerin gar
nicht in der Lage gewesen, ihr Testament aus dem Jahre 1981 zu widerrufen und
zu ändern. Die Änderungen würden sich ausnahmslos zu Gunsten der Klägerin
und zum Nachteil der übrigen Erben auswirken. Die Klägerin bestritt diese Aus-
führungen. Sie stellte sich auf den Standpunkt, bis zu den Gerichtsverfahren we-
der von der Existenz noch vom Inhalt der Testamente der Erblasser aus dem Jah-
re 1981 Kenntnis gehabt zu haben. Ebenso wenig habe sie massgeblich an der
Testamentsabänderung zu ihren Gunsten mitgewirkt (vgl. Urk. 356 S. 68 f.).
Zwischen den Parteien ist zudem der Ablauf der Testamentsabänderung
umstritten. Gemäss Darstellung der Klägerin hatte der Notar beide Abänderungen
für die Testamente vorgeschlagen. Es kann hiezu auf die im vorinstanzlichen Ur-
teil wiedergegebene Darstellung der Klägerin verwiesen werden (Urk. 365
S. 70 f.). Die Beklagte 2 behauptete demgegenüber, dass sich die Erblasser nicht
vom Notar hätten beraten lassen. Der Erblasser hätte am 11. Oktober 1983 über
konkrete Vorstellungen bezüglich des Testaments verfügt und Notizen dabei ge-
habt, von denen der Notar ausgegangen sei, dass sie vom Erblasser stammten.
Im letztlich unterzeichneten Testament sei die Klägerin als Erbin der frei verfügba-
ren Quote eingesetzt worden. Eine Befreiung der Nachkommen von der Ausglei-
chungspflicht fehle im Testament der Erblasserin (Urk. 356 S. 71 f.). Die Beklag-
te 2 behauptete im Zusammenhang mit der Testamentsabänderung weiter, die
Klägerin habe die betagten und rechtsunkundigen Beurkundungszeugen dazu
gebracht, die Urteilsfähigkeit der Erblasserin gefälligkeitshalber zu bezeugen
(Urk. 356 S. 72).
b) Die Fragen im Zusammenhang mit dem Ablauf der Testamentsabände-
rung und die Rolle der Klägerin bildeten im Beweisverfahren Gegenstand der Be-
weissätze 1, 2, 13, 14, 16 und 20 (Urk. 149 S. 3, 10 - 13, 15). Beiden Parteien
wurde je der Hauptbeweis dafür auferlegt, dass sich der Ablauf der Testaments-
Entwürfe nach ihrer Darstellung abgespielt habe.
- 55 -
Die Beklagte 2 hatte dazu ausgeführt, dass die Änderungsvorschläge nicht
von den Eltern stammten und sich diese auch nicht von Notar AF._ hätten
beraten lassen, sondern nachweislich sämtliche Vorschläge des Notars abgelehnt
hätten. Anlässlich des ersten Gesprächs beim Notar am 11. Oktober 1983 sei
H._ nur von seiner Tochter A._ begleitet worden. Die Klägerin habe den
Vater dreimal, die Mutter zweimal zum Notar gefahren. Der Notar habe die Kläge-
rin nach seinen Aussagen erstmals am 4. November 1983 gesehen. Gemäss An-
gaben des Notars habe H._ am 11. Oktober 1983 konkrete Vorstellungen
gehabt, welche er schriftlich notiert habe. Es seien jedoch nur 3 Notizen akten-
kundig in der Handschrift der Klägerin, welche in der Ich-Form des Vaters verfasst
worden seien. Der Notar habe ausgesagt, dass es sich nur um Notizen und nicht
um Entwürfe gehandelt habe. Er sei davon ausgegangen, dass die Notizen von
H._ persönlich stammten. Der erste Testamentsentwurf, wonach die freie
Quote lediglich mit der lebenslangen Nutzniessung durch die Klägerin belastet
gewesen wäre, sei bereits am 11. Oktober 1983 von H._ abgelehnt worden.
Die Variante 2 "Nacherbeneinsetzung" habe ganz offenkundig auf der dem Notar
am 11. Oktober 1983 übergebenen Notizen in unbekannter Handschrift mit dem
Titel: "Testament betreffend Kinder" basiert. Den Vorschlag, dass die freie Quote
nur nach Freigabe durch die zuständige Behörde angebraucht werden dürfe, ha-
be offensichtlich der Notar in Abweichung von den Notizen zusätzlich eingebracht
und zwar schon in der ersten Fassung. Es sei ausgeschlossen, dass die Klägerin
den Eltern nach Verlesen der ersten Fassung empfohlen haben soll, die andere
erste Fassung des Testaments nicht zu unterzeichnen, damit es keinen Streit un-
ter den Erben gebe. Nach Aussagen des Notars seien die Eheleute am
4. November 1983 schon mit der Absicht zu ihm gekommen, die zweite Variante
nicht zu unterzeichnen. Bekanntlich habe die Klägerin den Vater am 27. Oktober
1983 zwecks Testamentsberatung zu AG._ von der I'._ gebracht, was
wohl der Grund für die Ablehnung gewesen sei. Es sei unwahr, dass der Notar
den Eltern am 4. November 1983 empfohlen habe, statt der Variante 2 (Nacher-
beneinsetzung) die von ihm angeblich vorher verfasste erste Fassung zu unter-
zeichnen, weil die Variante 2 für die Klägerin zu kompliziert sei. Der Notar habe
also offenkundig am 4. November 1983 für die verlangte Neufassung der Testa-
- 56 -
mente keinen eigenen Vorschlag gemacht, sondern lediglich den ihm als hand-
schriftlichen Testamentsentwurf übergebenen Vorschlag der Klägerin übernom-
men. Dass die Klägerin den Eltern und dem Notar gesagt haben soll, dass bei ei-
ner Bevorzugung ihrer Person dafür ihre Geschwister von der Ausgleichungs-
pflicht befreit sein müssten, sei nicht einmal die halbe Wahrheit. Im Unterschied
zum ersten Testamentsentwurf des Notars sei die Klägerin in ihrem handschriftli-
chen Testamentsentwurf nicht mehr nur als Vorerbin der freien Quote eingesetzt
worden, sondern als Erbin der freien Quote. Die Befreiung der Nachkommen von
der Ausgleichungspflicht fehle im Testament von F._. Demnach stehe fest,
dass die Klägerin Einfluss auf die Abänderung des mütterlichen Testaments ge-
nommen habe, indem sie auf ihre Einsetzung als Erbin statt nur als Vorerbin der
freien Quote hingewirkt habe (Urk. 35A S. 5-7; Urk. 117 S. 13-15).
Der Vorwurf der Beklagten 2 lautet somit primär dahingehend, dass der
Notar am 14. November 1983 für die verlangte Neufassung der Testamente kei-
nen eigenen Vorschlag gemacht, sondern lediglich den ihm als handschriftlichen
Testamentsentwurf übergebenen Vorschlag der Klägerin übernommen, somit die
Klägerin den Inhalt des Testaments der dementen Mutter massgeblich nach ihrem
Gutdünken beeinflusst habe (Urk. 35A S. 3 ff.).
aa) Notar AF._ gab als Zeuge zu Protokoll, dass er F._ am 4. No-
vember 1993 zum ersten Mal gesehen habe anlässlich der Unterzeichnung des
Ehevertrages (vgl. Urk. 5/4 in CP070001). Die beiden Testamente seien dann je-
doch nicht akzeptiert worden (Urk. 99/26 S. 147 in CP070001), obwohl am
4. November 1983 die Erblasser zu ihm gekommen seien, um den Ehevertrag
und zwei Testamente zu unterzeichnen, mit dem Inhalt, wie er vorgängig bespro-
chen worden sei (Urk. 99/26 S. 151 in CP070001). Sie hätten jedoch nur den
Ehevertrag unterzeichnet (Urk. 99/26 S. 151 in CP070001). Die Erblasser hätten
eine neue Version des Testaments gewünscht, die er den Erblassern dann am
10. November 1983 zugestellt habe (Urk. 99/26 S. 151 in CP070001). Schliesslich
seien am 14. November 1983 zwei neue Testamente errichtet worden. Der Unter-
zeichnung sei eine längere Besprechung mit dem Erblasser vorangegangen
(Urk. 99/26 S. 147 in CP070001). Der Erblasser habe schriftliche Notizen mitge-
- 57 -
bracht, in denen konkrete Vorstellungen über den Inhalt enthalten gewesen seien.
Diese Notizen seien handschriftlich geschrieben gewesen, wobei er jedoch nicht
wisse, ob es die Handschrift des Erblassers gewesen sei. Der Erblasser habe
zwei Testamente bei sich gehabt, welche er offenbar bei der AH._ [Bank]
gemacht und auch dort deponiert habe (Urk. 99/26 S. 147 f. in CP070001). Der
Erblasser sei mit dem Ansinnen einer Testamentsänderung und eines Ehevertra-
ges ca. Ende Oktober 1983 an ihn herangetreten. Er sei allein zu ihm gekommen
(Urk. 99/26 S. 153, 156 f. in CP070001). Die Klägerin sei jedoch bei der Unter-
zeichnung der Testamente durch ihre Eltern anwesend gewesen (Urk. 99/26 S.
152 in CP070001).
Notar AF._ gab an, dass die eigenhändigen Testamente der AH._
(aus dem Jahre 1981 vgl. Urk. 56 S. 1 in CP070001) nur die Begünstigung des
überlebenden Ehegatten geregelt hätten. Wesentlich sei bei dem bei ihm unter-
zeichneten Ehevertrag die Ergänzung der Zuweisung des ganzen Vorschlags an
den überlebenden Ehegatten gewesen. Damit erreiche man bei Vorhandensein
von Kindern mehr als nur in einem Testament. Durch die Errichtung des Ehever-
trages seien die AH._-Testamente nicht mehr zutreffend gewesen. Die Ent-
würfe vom November 1983 hätten diesem Umstand Rechnung getragen. Das An-
liegen von H._ sei es gewesen, die ursprünglichen Testamente zu verstärken
(Urk. 99/26 S. 162 f.). Der Zeuge bejahte auch, dass die Entwürfe von November
1983 die Absicht enthalten hätten, die Klägerin gegenüber ihren beiden Ge-
schwistern wegen der allenfalls anfallenden Kosten im Zusammenhang mit ihrer
Krankheit besser zu stellen. Es hätten dazu verschiedene Vorschläge bestanden
(Urk. 99/26 S. 163 in CP070001). Der erste Testamentsentwurf sei von H._
sofort verworfen worden, weshalb er gar nie schriftlich formuliert worden sei. Bei
der Besprechung der Variante Nacherbeneinsetzung habe er ihm gesagt, dass er
dies so machen solle. Am 4. November 1983, als beide Ehegatten zu ihm ge-
kommen seien, hätten sie wider Erwarten seinen Vorschlag abgelehnt, weshalb
der Entwurf nicht unterschrieben worden sei. Die Eheleute seien damals offen-
sichtlich schon in der Absicht zu ihm gekommen, die zweite Variante nicht zu un-
terzeichnen (Urk 99/26 S. 165, 168 in CP070001). Der Zeuge konnte bestätigen,
- 58 -
dass sich die Eltern der Klägerin grosse Sorgen um deren Krankheit gemacht hät-
ten (Urk. 99/26 S. 170).
Aufgrund der Aussagen des Zeugen AF._ steht fest, dass die klägeri-
sche Behauptung, wonach die Eheleute H._F._ die Vorschläge des No-
tars betreffend den Inhalt ihrer Testamente abgelehnt hätten, zutrifft, jedenfalls
zumindest bezüglich der ersten beiden Versionen, die entweder von H._
schon zu Beginn verworfen (1. Version) bzw. von den Eheleuten am 4. November
1983 nicht unterzeichnet wurden (2. Version). Nicht zutreffend hat sich die Be-
hauptung der Beklagten 2 erwiesen, wonach H._ anlässlich des ersten Ge-
sprächs beim Notar am 11. Oktober 1983 von der Klägerin begleitet worden sei.
AF._ sagte, dass die Klägerin anlässlich der Unterzeichnung der Testamente
dabei gewesen sei und dies wäre am 14. November 1983 gewesen. Am 4. No-
vember 1983 fand keine Beurkundung der Testamente statt, da die Eheleute
H._F._ die Vorschläge des Notars abgelehnt hatten. Die Ausführungen
der Vorinstanz, wonach die Behauptung der Klägerin, sie sei erst bei der vorge-
sehenen Beurkundung am 11. Oktober 1983 mit dabei gewesen, nicht aber bei
den vorgängigen Besprechungen mit dem Notar, was durch die Aussage des No-
tars bestätigt würde (Urk. 356 S. 74), ist daher wohl ein Verschrieb. Richtiger-
weise war offenbar der 4. November 1983 gemeint. Die Klägerin hatte im Rahmen
der persönlichen Befragung auch erklärt, dass sie dabei gewesen sei, als ihre El-
tern beim Notar zum ersten Mal hätten unterschreiben sollen (Prot. I S. 44; Prot.
S. 95 im Verfahren CP070001). An diesem Datum wurden die Eheverträge der
Eheleute H._F._ notariell beurkundet. Dies sagte auch der Notar so
aus. Aufgrund der Angaben der Klägerin erscheint es wahrscheinlich, dass sie
auch bei der am 4. November 1983 beabsichtigen Unterzeichnung der Testamen-
te mit den Eltern beim Notar dabei war. So jedenfalls könnte man die Angaben
der Klägerin interpretieren, welche ausführte, dass der Notar den Eltern von der
Fassung "Nacherben" (2. Variante) abgeraten habe (Urk. 30 S. 8). Diese stand
aber offenbar am 4. November 1983 zur Diskussion. Der Notar habe damals da-
rauf hingewiesen, dass die beiden Miterben sich in einer wirtschaftlich guten Situ-
ation befänden. Sie habe darauf erwidert, dass die Eltern bei einer solchen Vari-
ante jedoch die Geschwister von der Anrechnung von Vorbezügen befreien müss-
- 59 -
ten. Diesen Vorschlag habe Notar AF._ dann übernehmen können, weshalb
das Testament am 14. November 1983 dann beurkundet worden sei (Urk. 30 S.
8). Ob die Klägerin diesen Einwand bezüglich ihrer Geschwister tatsächlich mach-
te, erscheint zumindest fraglich, da nach Angaben des Zeugen AF._ die El-
tern der Klägerin am 4. November 1983 schon mit der Absicht zu ihm gekommen
waren, die zweite Variante nicht zu unterzeichnen. Dieser Umstand spielt jedoch
eine untergeordnete Rolle.
Aufgrund der obigen Ausführungen ist davon auszugehen, dass die Eheleu-
te H._F._ sich eigene Vorstellungen über den Inhalt ihrer Testamente
gemacht hatten und die Vorschläge des Notars weitgehend nicht übernehmen
wollten. Zufolge der Tatsache, dass sich nur der Erblasser vorgängig mit dem
Notar über den Inhalt von Ehevertrag und Testament besprochen hat, ist davon
auszugehen, dass H._ in dieser Sache federführend war und die Erblasserin
keine aktive Rolle spielte. Dies ergibt sich auch aus den Aussagen von Notar
AF._ (Urk. 99/26 S. 151, 153 und 156 in CP070001). Ein Indiz dafür bilden
überdies auch die diversen Notizen (Urk. 56 S. 9, 11 und 123 in CP070001), wel-
che von der Klägerin gemäss ihren Angaben auf Geheiss des Erblassers verfasst
wurden und welche der Erblasser zum Notariatstermin mitbrachte. Da schon die
bei der AH._ hinterlegten Testamente der Eheleute H._F._ iden-
tisch waren (Urk. 56 S. 1 in CP070001), ist anzunehmen, dass sich die Eheleute
in dieser Sache auch einig waren und die neuen Testamente wieder (weitgehend)
so gemacht werden sollten. Der Umstand, dass die Eheleute H._F._ an-
lässlich der Unterzeichnung des Ehevertrages am 4. November 1983 den vorge-
schlagenen Testamentsentwurf des Notars ablehnten, bildet ein Indiz dafür, dass
zumindest der in dieser Angelegenheit führende Erblasser sich des Inhalts des
Testaments sehr wohl bewusst war und sich darüber eine eigene Meinung bilden
konnte. Die Klägerin bestritt, dass sie die Eltern bei der Abfassung der letztwilli-
gen Verfügung bedrängt oder in irgendeiner Weise belogen habe (Urk. 30 S. 8;
Urk. 48/1 S. 2). Den Aussagen AF._s lassen sich keine Anhaltspunkte ent-
nehmen, welche auf eine direkte Einflussnahme der Klägerin auf den Inhalt der el-
terlichen Testamente hindeuten könnten. Allein mit der Zeugenaussage von Notar
- 60 -
AF._ lässt sich daher die beklagtische Darstellung des Ablaufs der Testa-
mentsänderung nicht beweisen.
Bezüglich der von der Beklagten 2 weiter offerierten Beweismittel, aus wel-
chen sich nach Ansicht der Vorinstanz keine Erkenntnisse bezüglich des Prozes-
ses der Testamentsabänderung ergeben, kann auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 356 S. 74). Diese Erwägungen erscheinen zutref-
fend; sie wurden von den Parteien auch nicht explizit kritisiert. Urkunde 56 S. 20
bis 22 im Verfahren CP070001, welche als Beweismittel zu Beweissatz 16 von
der Beklagten 2 genannt wurde (Urk. 243 S. 13), beinhaltet lediglich den Testa-
mentsentwurf des Notars mit der Variante "Nacherbeneinsetzung". Diese Variante
wurde jedoch bekanntlich von den Eheleuten H._F._ nicht akzeptiert.
bb) Die Beklagte 2 bezeichnete als weiteres Beweismittel schliesslich auch
die Parteibefragung der Klägerin im vorliegenden Verfahren (Prot. I S. 35 ff.) so-
wie diejenige im Verfahren CP070001 (S. 91-102, 105-106 und 116-127) als Be-
weismittel (Urk. 243 S. 13). Die Vorinstanz hielt bei der Würdigung dieser Aussa-
gen der Klägerin vorab fest, dass sie nur äusserst vage Ausführungen im Zu-
sammenhang mit der Testamentsänderung gemacht habe, sich bei vielen Fragen
nicht habe festlegen wollen. Sie habe sich häufig auf Nichtwissen berufen, obwohl
diese Thematik seit Jahren Anlass für Streitigkeiten zwischen den Parteien gebe
und die Klägerin selbst erklärt habe, die Erblasser bei dieser Angelegenheit be-
gleitet zu haben. Insbesondere in der persönlichen Befragung im vorliegenden
Verfahren habe die Klägerin wiederholt und pauschal auf die persönliche Befra-
gung im Verfahren CP070001 verwiesen, ohne die genaue Protokollstelle dort
bezeichnen zu können. Teilweise habe sie auch widersprüchliche Angaben ge-
macht (Urk. 356 S. 75 f.). Die Vorinstanz zog jedoch keine konkreten Schlüsse
aus diesen Erwägungen. Insbesondere hielt sie nicht fest, dass die Aussagen der
Klägerin unglaubhaft seien und daher z.B. die Darstellung der Beklagten 2 bestä-
tigen würden. Eine solche Schlussfolgerung wäre auch nicht berechtigt. Entgegen
der Auffassung der Vorinstanz liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Klägerin
Fragen grundsätzlich nicht beantworten wollte. Aufgrund des langen Zeitablaufs
seit den fraglichen Ereignissen und auch angesichts des Alters der Klägerin er-
- 61 -
scheint es ohne Weiteres plausibel, dass sich die Klägerin nicht mehr im Detail an
die damaligen Vorgänge erinnern kann, auch wenn es sich dabei um jahrelange
Streitigkeiten mit dem immer wieder gleich lautenden Thema handelt. Es würde
geradezu seltsam anmuten, wenn sie sich heute noch genau erinnern könnte.
Auch gewisse, allfällige Widersprüche lassen die Aussagen deshalb in keiner
Weise unglaubhaft erscheinen, zumal es sich bei den von der Vorinstanz ange-
führten teilweise gar nicht um Widersprüche handelt. Ausserdem stimmen die
Aussagen in der persönlichen Befragung vom 11. Juli 2013 (Prot. I S. 35 ff.) in
weiten Teilen mit denjenigen in der persönlichen Befragung im Verfahren
CP070001 (Prot. S. 91 ff. in CP070001) überein. Da die Klägerin sich somit mit ih-
ren Aussagen nicht belastete, kann die Beklagte 2 mit diesem Beweismittel ihren
Standpunkt nicht erhärten.
Im Weiteren ist noch anzumerken, dass die Vorinstanz in diesem Zusam-
menhang ausser Acht liess, dass die Klägerin während der persönlichen Befra-
gung unter grossem Druck ihres Schwagers E._, des Vertreters der Beklag-
ten 2, stand, welcher die Klägerin stets verbal attackierte und einzuschüchtern
versuchte. Permanent unterbrach er die Befragung ungefragt mit irgendwelchen
Einwänden (Prot. I S. 35 ff.). Schon zu Beginn der Verhandlung äusserte er ge-
genüber der Klägerin, dass sie alles wiederholen müsse, weil er sie wegen
Falschaussage und Erbschaftsbetrug anzeigen wolle und sich das nicht bieten
lasse (Prot. I S. 38). Die Klägerin gab denn auch ausdrücklich zu Protokoll, dass
sie Angst habe, frei zu reden. Sie habe vor der Verhandlung im Lift von E._
schon einen Schlag auf den Kopf erhalten, als der Polizist noch nicht anwesend
gewesen sei (Prot. I S. 50). Zudem beleidigte E._ die Klägerin mehrfach
(Prot. I S. 50, 51, 64) und machte immer wieder Zwischenrufe und -bemerkungen
(z.B. Prot. I S. 56, 57). Dass die Klägerin dadurch nicht unbefangen aussagen
konnte, belegt folgendes Beispiel: Die Klägerin erklärte, dass sie sich hüte, etwas
zur körperlichen Verfassung des Erblassers ab Oktober 1983 zu sagen. Sie habe
dazu einmal eine Aussage gemacht. Wenn sie beispielsweise sagen würde, sie
hätte ein grünes Gilet an und drei Wochen später würde sie sagen, das Gilet sei
lindengrün gewesen, hätte sie einen Prozess wegen Falschaussage am Hals. So
habe der Prozess 1990 begonnen und so laufe der gesamte Prozess (Prot. I S.
- 62 -
57). Einmal erklärte sie ausdrücklich, sie mache keine Aussage, weil sie Angst
habe (Prot. I S. 89). Unter diesen Umständen scheint es einleuchtend, dass sich
die Klägerin bei gewissen Fragen nicht festlegen wollte. Es kann insgesamt nicht
davon ausgegangen werden, dass die Klägerin ihre Wahrnehmungen immer frei
äussern konnte. Wie bereits ausgeführt erscheinen sie jedoch grundsätzlich plau-
sibel.
cc) Was den von der Vorinstanz wiedergegebenen Ablauf der Testaments-
beurkundung anbelangt (Urk. 356 S. 77 f.), wurde von keiner Partei Kritik an die-
sen Ausführungen geäussert (Urk. 355; Urk. 364). Diese Darstellung ist aufgrund
der Akten nachvollziehbar, weshalb ihr zu folgen ist. Es ist demnach nicht bewie-
sen, dass die Testamentsänderung, welche nach der Testamentsversion vom
4. November 1983 erfolgte, aufgrund einer Intervention der Klägerin zustande
kam. Auch ist davon auszugehen, dass die Testamente der Erblasser von 1981
(Urk. 56 S. 1 in CP070001) identisch waren. Der Vergleich der verschiedenen
Testamentsversionen zeigt, dass das Testament der Erblasserin vom 6. Novem-
ber 1981 zugunsten der Klägerin abgeändert wurde und sie in der letztlich öffent-
lich beurkundeten letztwilligen Verfügung vom 14. November 1983 deutlich bes-
ser gestellt wurde als ihre Miterben. Im Testament vom 5. November 1981 waren
nur Teilungsvorschriften bezüglich der Begünstigung des überlebenden Ehegat-
ten vorgesehen, nicht dagegen solche bezüglich der Kinder (Urk. 56/1 in
CP070001). Dies hatte auch Notar AF._ so ausgesagt (vgl. Urk. 99/26 S. 162
in CP070001). In der von den Erblassern schliesslich öffentlich beurkundeten
Version wird die Klägerin als Erbin für die frei verfügbare Quote eingesetzt, ohne
dass deren Verwendung an irgendwelche Bedingungen geknüpft wurde. Eine Be-
freiung von der Ausgleichungspflicht der Erben wurde im Testament der Erblasse-
rin nicht statuiert, dagegen in demjenigen des Erblassers schon (Urk. 356 S. 79
f.). Die Feststellung der Vorinstanz, wonach diese Erleichterungen zugunsten der
Klägerin nicht plausibel und nachvollziehbar seien, da einerseits fraglich sei, ob
die Klägerin überhaupt an einer MS-Erkrankung leide bzw. höchstens von einer
ausserordentlich mild verlaufenden Krankheit ausgegangen werden könne
(Urk. 356 S. 79), kann nicht gefolgt werden. Aufgrund des Beweisverfahrens ist
davon auszugehen, dass die Klägerin an einer MS-Erkrankung leidet und auch
- 63 -
entsprechende Beschwerden aufweist. Es kann hiezu auf die obigen Erwägungen
verwiesen werden. Auch wenn die Klägerin bis ins Jahr 1983 (und auch bis heute)
nicht im Rollstuhl oder gar ein Pflegfall ist, konnte der Verlauf der Krankheit da-
mals in keiner Weise vorausgesagt werden und stand daher auch nicht fest, ob
nicht einmal mit wesentlich gravierenderen Beschwerden gerechnet werden
musste. Kein Arzt konnte bzw. kann diesbezüglich eine Prognose abgeben. Die
Sorge der Eltern der Klägerin um deren ungewisse gesundheitliche Zukunft ist
daher im damaligen Zeitpunkt ohne Weiteres nachvollziehbar. Wie oben auch
ausgeführt, hatte die Klägerin später Einschränkungen wegen dieser Krankheit zu
gewärtigen, indem sie insbesondere in ihrer Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt
war.
dd) Die Behauptung der Beklagten 2, wonach die Klägerin am 27. Oktober
1983 den Erblasser zu AG._ von der I._ zwecks Testamentsberatung
gebracht habe, um den Erblasser zu beeinflussen (Urk. 35A S. 6; Urk. 149 Be-
weissatz 13), konnte nicht erbracht werden. Den vorinstanzliche Erwägungen da-
zu ist zu folgen (vgl. Urk. 356 S. 80 ff.). Ebenso ist in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass mit den von der Beklagten 2 angebotenen
Beweismitteln nicht bewiesen werden konnte, dass die Klägerin die Beurkun-
dungszeugen dazu gebracht habe, gefälligkeitshalber die Urteilsfähigkeit der Erb-
lasserin zu bezeugen (Urk. 356 S. 84).
c) Die Beklagte 2 wirft der Klägerin vor, bei der Abänderung des Testaments
durch die Erblasserin erheblich mitgewirkt zu haben. In den Unterlagen von Notar
AF._ hätten sich insgesamt vier von der Klägerin handschriftlich verfasste
Papiere befunden. Zudem würde sich in einem weiteren, von Notar AF._ ver-
fassten, Papier eine handschriftliche Ergänzung ("Willensvollstrecker AI._")
der Klägerin befinden. Die Klägerin habe den Erblasser zur Vorbereitung der Tes-
tamente zu ihren Gunsten instruiert und geleitet. Sie habe die Notizen, die dem
Notar übergeben wurden, in der Ich-Form des Erblassers geschrieben. Die Be-
klagte 2 behauptete insbesondere, dass die Darlehenshöhe in diesen Papieren
falsch angegeben sei (Urk. 356 S. 68).
- 64 -
Die Vorinstanz ging davon aus, dass die Klägerin unbestrittenermassen drei
Papiere (Urk. 56 S. 9, 11 und 12) im Zusammenhang mit erbrechtlichen Fragen
geschrieben habe, sei dies auf Diktat des Erblassers oder auch nicht (vgl. auch
Prot. S. 68 in CP070001, wo die Klägerin erklärt, dass es ihre Handschrift sei).
Aufgrund der Zeugenaussage von Notar AF._ sei davon auszugehen, dass
der Erblasser bei den Besprechungen mit dem Notar diese Notizzettel mit sich ge-
führt habe (Urk. 356 S. 76). Diese Notizen hätten die Basis für den in Urk. 56 (S.
20-22 in CP070001) abgedruckten Testamentsentwurf gebildet, in welchem die in
den Notizen (Urk. 56 S. 9, 11-13 in CP070001) enthaltenen Angaben abgedruckt
seien. Dabei handle es sich um einen Auszug des ersten Entwurfs für eine Abän-
derung des Testaments des Erblassers von 1981 (Urk. 356 S. 76). Die Klägerin
anerkannte, dass sie auf dem sog. Strategiepapier (Urk. 99/20 in CP070001)
handschriftliche Bemerkungen angebracht habe (Prot. S. 106 in CP070001). Von
diesem Sachverhalt ist auszugehen. Er wurde von den Parteien im Berufungsver-
fahren auch nicht in Frage gestellt. In diesem Sinne ist der Beweis erbracht, wo-
nach die Klägerin drei Papiere mit Notizen sowie ein sog. "Strategiepapier" zu
erbrechtlichen Fragen für den Erblasser verfasste und/oder mit handschriftlichen
Bemerkungen versah, wobei offen ist, ob dies auf Diktat bzw. Geheiss des Erb-
lassers geschah.
Ob die Klägerin auch einen handschriftlichen Testamentsentwurf erstellte, ist
dagegen unbewiesen geblieben. Die Vorinstanz machte dazu keine Ausführun-
gen. Aus den von der Beklagten 2 zu Beweissatz 14 (Urk. 243 S. 11) genannten
Urkunden ergibt sich dies jedenfalls nicht. In der persönlichen Befragung antwor-
tete die Klägerin auf die Frage, ob sie angeben könne, welchen Testamentsent-
wurf sie handschriftlich erstellt habe (Urk. 36 S. 14 in CP070001), dass sie das
nicht sagen könne. Sie habe den Testamentsentwurf lediglich ergänzt; ob sie ihn
noch abgeschrieben habe, wisse sie nicht. Sie habe nur handschriftliche Ergän-
zungen angebracht (Prot. S. 106 in CP070001). Sie könne sich nicht daran erin-
nern, jemals einen handschriftlichen Testamentsentwurf für den Erblasser oder
die Erblasserin erstellt zu haben (Prot. I S. 42). Um welche Urkunde es sich bei
diesem Testamentsentwurf handeln sollte, konnte nicht restlos geklärt werden.
Die von der Klägerin verfassten, oben erwähnten Notizen (Urk. 56 S. 9, 11 und 12
- 65 -
in CP070001) bildeten offensichtlich die Basis für den Testamentsentwurf, wel-
cher nur handschriftliche Ergänzungen aufweist. Die Vorinstanz ging davon aus
(Urk. 356 S. 76), dass es sich dabei (Urk. 56 S. 20-22 in CP070001) um einen
Auszug des ersten Entwurfs für eine Abänderung des Testaments des Erblassers
von 1981 handle, was zutreffend erscheint. Auf die Frage, ob es sich bei dieser
Urkunde um den Testamentsentwurf handle, verneinte die Klägerin dies (Prot.
S. 106 in CP070001). Die handschriftlich abgefasste Urkunde 56 S. 13 (in
CP070001) wurde der Klägerin in diesem Zusammenhang nicht vorgehalten. Sie
wurde von der Beklagten 2 unter Beweissatz 14 auch nicht als Beweismittel ge-
nannt (Urk. 243 S. 11).
Zusammenfassend steht somit fest, dass die Klägerin im Zusammenhang
mit den Testamentsänderungen zumindest teilweise Kenntnisse über die von den
Erblassern beabsichtigten Vorgänge hatte und dabei auch im oben ausgeführten
Sinn mitwirkte. Allerdings ist durch die erwähnten Umstände nicht belegt bzw.
beweislos geblieben, dass die Klägerin diese Papiere auf eigene Initiative, im
Hinblick auf eine aktive Beeinflussung der Erblasser zu ihren Gunsten initiierte
und die Erblasser eigentlich instruierte, wie ihr dies von der Beklagten 2 unterstellt
wird. Zu ihren Gunsten muss davon ausgegangen werden, dass sie quasi als
Hilfsperson ihrer Eltern fungierte und diese lediglich in deren eigenem Bestreben
nach Änderung ihrer Testamente unterstützte. In diesem Sinne kann nicht von ei-
ner aktiven Rolle der Klägerin bei der Testamentsabänderung ausgegangen wer-
den.
d) Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, steht fest, dass am 11. Oktober
1983 eine Besprechung zwischen dem Erblasser und Notar AF._ stattfand.
Der Erblasser hatte anlässlich dieses Termins insbesondere den in Urk. 56 S. 12
(CP070001) abgedruckten Notizzettel bei sich, der unbestrittenermassen von der
Klägerin verfasst wurde (Urk. 356 S. 84). Die Beklagte 2 behauptete, dass die da-
rin enthaltene Angabe "Hypothek an A._ für rollstuhlgängige Wohnung - ca.
45'000.--", also die Darlehenshöhe, falsch sei. Dies habe die Klägerin selbst so
festgehalten. Die Zahl sei ihr nicht vom Vater diktiert worden. Der Vater habe ge-
wusst, dass das Darlehen in Wirklichkeit viel höher, nämlich noch insgesamt
- 66 -
Fr. 107'000.--, gewesen sei (Urk. 117 S. 20). Die Klägerin habe im Jahre 1982 to-
tal Fr. 123'000.-- an Darlehen von den Eltern erhalten, wovon sie einen Teil zu-
rückbezahlt habe. Nach durchgeführtem Beweisverfahren kam die Vorinstanz
zum Schluss, dass die Klägerin von den Erblassern insgesamt im Jahre 1982
Fr. 123'000.-- erhalten habe. Unter Berücksichtigung von Rückzahlungen betrage
der Ausstand noch Fr. 102'000.-- (Urk. 356 S. 102). Die Rückzahlungen erfolgten
teilweise nach der Errichtung der Testamente (November 1983) im Jahre 1984
(Urk. 356 S. 100 f.).
Die Klägerin machte im Berufungsverfahren geltend, dass die tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz zur Höhe der gewährten Darlehen unzutreffend
seien. Dies einerseits, weil man nur schon aufgrund der im Prozess liegenden
Beweismittel zu einem andern Schluss kommen müsste. Und andererseits, weil
mehrere von der Klägerin gestellte Beweisanträge nicht abgenommen worden
seien (Urk. 355 S. 46). Diese pauschale Kritik der Klägerin an den diesbezügli-
chen vorinstanzlichen Erwägungen genügt den formellen Anforderungen an eine
ausreichende Berufungsbegründung nicht. Die Klägerin hätte konkret angeben
müssen, inwiefern die Beweiswürdigung der Vorinstanz fehlerhaft ist und welche
Schlüsse daraus zu ziehen wären. Ebenso hätte sie explizit unter Angabe der
entsprechenden Aktenstelle darlegen müssen, welche von ihr gestellten Beweis-
anträge nicht abgenommen wurden und was dies am Beweisergebnis geändert
hätte. Da die Erwägungen der Vorinstanz in allen Punkten nachvollziehbar er-
scheinen und eine fehlerhafte oder unrichtige Beweiswürdigung nicht zu erkennen
ist, besteht kein Anlass für eine Korrektur dieser Erwägungen; es ist ihnen zu fol-
gen. Demgemäss ist davon auszugehen, dass die Klägerin von den Erblassern
insgesamt im Jahre 1982 Fr. 123'000.-- an Darlehen erhalten hat, wovon
Fr. 102'000.-- nicht zurückbezahlt wurden. Die Vorinstanz hatte ausgeführt, dass
die Richtigkeit des Inhalts dieser Notiz (Urk. 56 S. 12 in CP070001) auch für die
Frage der Erbunwürdigkeit der Klägerin von Bedeutung sei (Urk. 356 S. 85). Da-
rauf wird im Folgenden noch einzugehen sein. An dieser Stelle ist noch zu be-
merken, dass nicht bekannt ist, ob die Darlehen alle demselben Zweck, nämlich
der Finanzierung einer rollstuhlgängigen Wohnung für die Klägerin, dienten, oder
ob sie aus andern Gründen erfolgten. Die Klägerin äusserte sich in ihren Rechts-
- 67 -
schriften nicht über den Zweck der von den Erblassern erhaltenen Darlehen
(Urk. 11 S. 9 ff.; Urk. 115 S. 3 f.; Urk. 116/1; Urk. 123 S. 2 und 4; Urk. 137 S. 2
ff.). Im Rahmen der persönlichen Befragung erklärte sie nur, dass die Darlehens-
beträge (über Fr. 45'000.--) für den Kauf einer Wohnung gebraucht worden seien
(Prot. I S. 92). Sie bestritt, dass sie weitere Darlehen von den Eltern erhalten ha-
be (Prot. I S. 93). Sie dementierte, von den Eltern Schwarzgeld von Fr. 45'000.--
und "Banken-Geld" von Fr. 78'000.-- zur Finanzierung der "rollstuhlgängigen"
Wohnung erhalten zu haben (Urk. 115 S. 3). Der Umstand, dass die Zahlungen
der Erblasser an die Klägerin jedoch alle in der Zeitspanne September bis De-
zember 1982 vorgenommen wurden (Urk. 356 S. 89 f.), könnte ein Indiz dafür
sein, dass die Zahlungen alle für denselben Zweck erfolgten. Einzig für die Darle-
hen über Fr. 20'000.-- bzw. Fr. 25'000.-.- besteht jedoch ein schriftlicher Darle-
hensvertrag vom 20. August 1982 zwischen der Klägerin einerseits und der Erb-
lasserin (Urk. 37/3 in CP070001) bzw. dem Erblasser (Urk. 37/2 in CP070001)
andererseits. Über den Darlehenszweck lässt sich diesem jedoch nichts entneh-
men. In beiden Darlehensverträgen wurde eine allfällige Ausgleichungspflicht bei
einer allfälligen Erbteilung vor Rückzahlung der Darlehen vorgesehen. Es wurden
keine Behauptungen darüber aufgestellt, ob dies der Grund dafür sein könnte,
dass nur diese beiden Beträge in den Protokollnotizen für die Testamentsentwürfe
enthalten sind (Urk. 56 S. 12 in CP070001).
8. Bezüglich der Zusammenfassung des relevanten Sachverhalts betreffend
des Vorgangs der fraglichen Testamentsabänderung kann den Ausführungen der
Vorinstanz in mehreren Punkten nicht gefolgt werden. Was die behauptete MS-
Erkrankung anbelangt, ist aufgrund des Beweisverfahrens davon auszugehen,
dass eine solche Erkrankung mit entsprechenden Beschwerden bereits im fragli-
chen Zeitpunkt (und schon früher) vorlag und die Klägerin dementsprechend von
diesem Umstand auch im November 1983 ausgehen durfte. Auch der Würdigung
des Beitrags von AE._ bei der Testamentsänderung durch die Vorinstanz
kann nicht beigepflichtet werden. Zwar kann angenommen werden, dass H._
und in der Folge auch F._ wahrscheinlich durch dieses Gespräch bzw. die
Gespräche mit AE._ inkl. dessen Notizen veranlasst wurden, ihr Testament
von 1981 abzuändern. Ein anderes Motiv ist aufgrund der Akten jedenfalls nicht
- 68 -
ersichtlich. Es kann jedoch nicht der weitere Schluss gezogen werden, dass die
Klägerin AE._ zu dieser Initiative bewogen habe. Wie bereits erwähnt, ergab
das Beweisverfahren keine Hinweise darauf, dass diese Vorgehensweise von
AE._ in irgendeiner Weise durch die Klägerin beeinflusst worden war.
AE._ hatte für sein Vorgehen einen plausiblen Grund genannt, nämlich den
gravierenden Krankheitsverlauf seiner an MS erkrankten Schwester.
Mehrere Behauptungen, welche die Beklagte 2 zur Begründung ihrer Ver-
mutung machte, wonach die Klägerin die Testamentsabänderung arglistig herbei-
geführt habe, liessen sich nicht erhärten. So konnte u.a. nicht bewiesen werden,
dass die Klägerin den Erblasser zwecks Beratung zur I._ gebracht habe und
auch nicht, dass die Klägerin die beiden Beurkundungszeugen dazu gebracht ha-
be, gefälligkeitshalber die Verfügungsfähigkeit der Erblasserin zu bestätigen. Be-
züglich der von der Klägerin verfassten Notizen, welche dem Notar übergeben
worden waren, liess sich nicht erstellen, ob sie diese aus eigenem Antrieb und
zum Zwecke der Beeinflussung der Erblasser geschrieben habe oder ob diese auf
Diktat des Erblassers erfolgten. Auch daraus lässt sich daher kein planmässiges,
arglistiges Vorgehen der Klägerin zwecks Beeinflussung der Eltern zur Abände-
rung von deren Testamenten ableiten. Es kann (nur) davon ausgegangen werden,
dass die Klägerin im Zusammenhang mit den Testamentsänderungen zumindest
teilweise Kenntnisse über die von den Erblassern beabsichtigten Vorgänge hatte
und dabei auch im oben ausgeführten Sinn mitwirkte. Allerdings ist durch die er-
wähnten Umstände nicht belegt bzw. offen geblieben, ob die Klägerin diese Pa-
piere auf eigene Initiative, im Hinblick auf eine aktive Beeinflussung der Erblasser
zu ihren Gunsten initiierte und die Erblasser eigentlich instruierte, wie ihr dies von
der Beklagten 2 unterstellt wird, oder ob sie quasi als Hilfsperson ihrer Eltern fun-
gierte und diese lediglich in deren eigenem Bestreben nach Änderung ihrer Tes-
tamente unterstützte. Letztlich bliebe somit höchstens die Frage, ob die Klägerin
im Wissen um die Abänderung der Testamente zu ihren Gunsten, ihre Eltern aktiv
hätte davon abhalten und im Interesse ihrer Geschwister intervenieren müssen.
Dies wurde jedoch von niemandem so vorgebracht.
- 69 -
9.a) Für den Fall, dass eine Erbfolge dem Rechtsempfinden oder den sittli-
chen Anschauungen zuwiderläuft, sieht das schweizerische Recht mehrere In-
strumente vor, unter anderem die Erbunwürdigkeit. Sie ist die auf einen bestimm-
ten Erblasser bezogene fehlende aktive Erbfähigkeit eines Erben, tritt von Geset-
zes wegen ein und ist von Amtes wegen zu beachten (PraxKomm Erbrecht [Da-
niel Abt], Art. 540 ZGB N 1). Unwürdig, Erbe zu sein, ist gemäss Art. 540 Abs. 1
Ziff. 3 ZGB, wer den Erblasser durch Arglist, Zwang oder Drohung dazu gebracht
oder daran gehindert hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder zu
widerrufen. Das Verhindern ist durch physische Gewalt möglich, kann aber auch -
im Falle der Arglist wohl stets - durch geistige Beeinflussung stattfinden, die dann
freilich bis zum Tode des Erblassers aufrechterhalten werden muss. Das Verhin-
dern kann in einem Unterlassen bestehen, z.B. in einem Ausnützen einer beim
Erblasser vorhandenen Fehlvorstellung, die der Erbunwürdige korrigieren könnte
und müsste. Dass "verhindert", wer untätig bleibt, obwohl er handeln könnte und
müsste, ist Hauptanwendungsfall der vorstellbaren Beispiele von Erbunwürdigkeit.
Erbunwürdigkeit setzt Arglist voraus. Arglist kann in der Erregung oder der Benut-
zung einer schon vorhandenen falschen Vorstellung beim Erblasser bestehen.
Zusätzlich muss dieses Bewirken oder Ausnützen auf Grund sämtlicher Umstän-
de des konkreten Einzelfalles eine schwere Verfehlung gegen den Erblasser be-
deuten, die nach dem Empfinden der Allgemeinheit unerträglich erscheint und zu
missbilligen ist (BGE 132 III 305 ff.). Ratio legis dieses Erbunwürdigkeitsgrundsat-
zes ist der Schutz des freien Willens des Erblassers. Der Sinn von Art. 540 Abs. 1
Ziff. 3 ZGB liegt somit in der Aufrechterhaltung des freien Willens des Erblassers
(PraxKomm Erbrecht, a.a.O., Art. 540 ZGB N 27).
b) Die Vorinstanz erwog, dass Indizien und Hinweise vorhanden seien, die
darauf hinweisen würden, dass die Klägerin sich in unredlicher Weise in die Erb-
schaftsangelegenheiten der Erblasserin eingemischt habe. Noch im Jahre 1981
und schon damals im Wissen um die MS-Erkrankung der Klägerin habe die Erb-
lasserin ein Testament verfasst, worin sie die Klägerin gegenüber ihren Ge-
schwistern nicht bevorzugt habe. Rund zwei Jahre später bei der Abänderung des
Testaments zu Gunsten der Klägerin sei der Gesundheitszustand der Klägerin
nicht schlechter bzw. unverändert gewesen. Grund für diese Abänderung müsse
- 70 -
das Gespräch des Erblassers mit AE._ gewesen sei. Da die allenfalls bei der
Klägerin bestehende MS-Erkrankung jedoch zumindest einen sehr milden Verlauf
genommen habe, habe sich der Erblasser in einem Irrtum über den Gesundheits-
zustand der Klägerin befunden. Er habe unter diesem falschen Eindruck die Ab-
änderung der Testamente, mithin auch dasjenige der Erblasserin, initiiert. Die
Klägerin habe davon gewusst, dass der Erblasser die Abänderung der Testamen-
te aufgrund dieser falschen Vorstellung eingeleitet habe (Urk. 356 S. 107 ff.).
aa) Diesen Ausführungen der Vorinstanz kann in diversen Punkten nicht ge-
folgt werden. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz hat das Beweisverfahren
ergeben, dass die Klägerin an MS erkrankt ist und auch nicht von einem sehr mil-
den Krankheitsverlauf ausgegangen werden kann, nur weil nicht regelmässig
Schübe mit Lähmungen und Sehstörungen mit vorübergehender Erblindung auf-
traten. Die Krankheit führte letztlich zur Arbeitsunfähigkeit der Klägerin, was einen
massiven Einschnitt in ihrer Lebensführung bedeutete. Die Eltern der Klägerin
wussten bereits seit dem Jahre 1962, also rund zehn Jahre bevor die Klägerin
davon erfuhr, von ihrer MS-Erkrankung. Die Klägerin konnte diese Krankheit so-
mit in den ersten zehn Jahren bis 1973 gar nicht vortäuschen. Ab Kenntnisnahme
der Erkrankung musste die Klägerin stets annehmen, dass sie tatsächlich an die-
ser Krankheit leide, auch wenn die einzelnen Schübe nicht regelmässig und nicht
immer gleich stark erfolgten. Das Beweisverfahren hat eindeutig ergeben, dass
sich kein Arzt definitiv je von dieser Diagnose distanzierte und in der Folge nicht
mehr von einer solchen Erkrankung ausgegangen wurde. Der Erblasser und die
Erblasserin befanden sich demnach bei Abfassung ihrer Testamente nicht in ei-
nem Irrtum über den Gesundheitszustand der Klägerin und konnten demzufolge
von der Klägerin auch nicht in einem solchen Irrtum bestärkt werden. Aufgrund
des Beweisverfahrens steht auch fest, dass AE._ nicht in Absprache mit der
Klägerin gehandelt hat und diese über sein Vorgehen auch nicht informiert war.
Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt (Urk. 356 S. 108), konnte auch nicht bewie-
sen werden, dass die Klägerin eine aktive Rolle bei der Übermittlung der von
AE._ verfassten Anleitung zur Erstellung eines Testaments zukam und sie
diese Notizen dem Erblasser untergeschoben hätte (Urk. 356 S. 108). Dennoch
erwog die Vorinstanz, dass dies nichts daran ändere, dass der Erblasser gestützt
- 71 -
auf das Gespräch mit AE._ darauf hingewirkt habe, dass sowohl sein Testa-
ment als auch dasjenige der Erblasserin zugunsten der Klägerin aufgrund ihrer
(allenfalls bestehenden) MS-Erkrankung abgeändert werde, obwohl es für einen
solchen Vorgang aufgrund der fehlenden oder höchstens sehr milden Verlaufs-
form der klägerischen Krankheit keinen Grund gegeben habe. Diese Schlussfol-
gerungen sind insofern unrichtig, als - wie schon mehrfach erwähnt - von einer
MS-Erkrankung der Klägerin mit entsprechenden Folgen auszugehen ist und
deshalb nicht gesagt werden kann, dass dieser Grund nicht Anlass für eine Tes-
tamentsabänderung sein konnte.
bb) Die Vorinstanz stellte sich auf den Standpunkt, dass dieser - falls über-
haupt gegebene - milde Verlauf der behaupteten Krankheit der Klägerin der Erb-
lasserin F._ bewusst gewesen sei, als sie das Testament vom 6. November
1981 verfasste und die Klägerin darin trotz ihrer Krankheit gegenüber den Miter-
ben nicht begünstigt habe. Diese Feststellung erscheint unzulässig. Bezüglich des
Wissens der Erblasserin über den Gesundheitszustand der Klägerin im Jahre
1981 wurden keine genügend substantiierten Behauptungen vorgebracht. Sie wa-
ren nicht Gegenstand des Beweisverfahrens. Es wurde nicht geltend gemacht,
dass die Erblasserin damals eine bestimmte Vorstellung über den Gesundheits-
zustand der Klägerin gehabt habe und im Wissen darum das Testament entspre-
chend abgefasst habe. Aus dem Testament des Erblassers vom 5. November
1981, dessen Text wie erwähnt offenbar mit demjenigen der Erblasserin vom 6.
November 1981 identisch war (Urk. 99/26 S. 161 in CP070001; Urk. 356 S. 109),
geht hervor, dass damals lediglich Teilungsvorschriften bezüglich der Begünsti-
gung des überlebenden Ehegatten Thema waren. Betreffend der weiteren Erben,
der Kinder, waren keine Anordnungen getroffen worden (Urk. 56/1 in CP070001).
Dies hatte auch Notar AF._ so ausgesagt (vgl. Urk. 99/26 S. 162 in
CP070001). Offenbar stand damals die Besserstellung des überlebenden Ehegat-
ten im Vordergrund. Weiteres kann dem Testamentsinhalt nicht entnommen wer-
den. Richtig ist jedoch wohl die Schlussfolgerung der Vorinstanz (Urk. 356 S.
108), dass der Prozess der Testamentsabänderung durch den Erblasser nach
dessen Unterredung mit AE._ in Gang gesetzt wurde. Wie bereits erwähnt,
kann dieser Umstand jedoch nicht der Klägerin angelastet werden. Das Beweis-
- 72 -
verfahren ergab keine Hinweise darauf, dass AE._ in irgendeiner Weise
durch die Klägerin beeinflusst worden war. Möglicherweise wurde den Eltern der
Klägerin jedoch erstmals durch dieses Gespräch bewusst, welche gesundheitli-
chen und damit verbundenen finanziellen Risiken zufolge ihrer Erkrankung in Zu-
kunft auf die Klägerin noch zukommen könnten. Zutreffend ist, dass die Erblasse-
rin im Zeitpunkt der Abfassung des neuen Testaments in ihrer geistigen Gesund-
heit stark eingeschränkt war. Wie erwähnt, wurde das von ihr im November 1983
verfasste Testament in der Folge deswegen als ungültig erklärt. Es bestehen je-
doch keine konkreten Anhaltspunkte, dass die Klägerin diese Situation zu ihren
Gunsten ausnutzen wollte. Wie bereits erwähnt, ist davon auszugehen, dass sich
die Erblasserin in dieser Sache durch den Erblasser leiten liess. Es ist zwischen
den Parteien unbestritten, dass der Erblasser den Abänderungsprozess sowohl
für sein eigenes Testament als auch für dasjenige der Erblasserin in Gang setzte
(Urk. 356 S. 34). Nur der Erblasser sprach vorgängig mit dem Notar über den In-
halt von Ehevertrag und Testament. H._ war in dieser Sache federführend,
und die Erblasserin spielte keine aktive Rolle. Ein Indiz dafür bilden auch die di-
versen Notizen (Urk. 56 S. 9, 11 und 123 in CP070001), welche von der Klägerin
gemäss ihren Angaben auf Geheiss des Erblassers verfasst wurden und welche
der Erblasser zum Notariatstermin mitbrachte. Der Umstand, dass die Eheleute
H._F._ anlässlich der Unterzeichnung des Ehevertrages am 4. Novem-
ber 1983 den vorgeschlagenen Testamentsentwurf des Notars ablehnten, bildet
einen Hinweis dafür, dass zumindest der in dieser Angelegenheit führende Erb-
lasser sich des Inhalts des Testaments bewusst war und sich darüber eine eigene
Meinung bilden konnte, selbst wenn er damals gesundheitlich angeschlagen war.
Den Hirnschlag erlitt der Erblasser erst am 28. November 1983 (Prot. S. 72 in
CP070001). Der Notar machte keinerlei Aussagen (Urk. 99/26 in CP070001),
welche darauf hindeuten würden, dass der Erblasser trotz seiner gesundheitlichen
Beeinträchtigung nicht in der Lage gewesen wäre, die Vorgänge auf dem Notariat
zu erfassen. Dafür spricht auch, dass der Erblasser offenbar Vorschläge des No-
tars ablehnte und den Inhalt der Testamente selbst bestimmte, also ein aktives
Verhalten in dieser Sache zeigte. Die Vorinstanz führte in diesem Zusammenhang
zwar aus, dass der Erblasser aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung beein-
- 73 -
flussbar gewesen sei und vorgelegte Papiere und Urkunden nicht im Detail hinter-
fragt habe (Urk. 356 S. 108). Die Vorinstanz folgerte daraus jedoch nicht - und
legte auch nicht begründet dar -, dass der Erblasser auch bezüglich des Testa-
ments beeinflussbar gewesen sei und die vorgelegten Urkunden einfach unter-
schrieben habe. Hiezu bestehen auch keine konkreten Anhaltspunkte. Die oben
ausgeführten Schilderungen des Ablaufs der Testamentsabänderung und des
Verhaltens des Erblassers sprechen auch klar dagegen. Aufgrund dieser Um-
stände kann nicht geschlossen werden, dass der Erblasser praktisch willenlos
und von Dritten gesteuert diese Testamentsabänderung vornahm bzw. vorneh-
men liess.
cc) Die Vorinstanz erwog auch, dass die von der Klägerin verfassten Noti-
zen, welche als Basis für die Entwürfe der letztwilligen Verfügung gedient hätten,
inhaltlich fehlerhaft gewesen seien. Die Darlehenshöhe bezüglich der der Klägerin
gewährten Darlehen sei mit Fr. 45'000.-- angegeben worden. Das Beweisverfah-
ren habe jedoch ergeben, dass die Darlehenshöhe Fr. 123'000.-- betragen habe.
Die Klägerin als Verfasserin dieser Notizen habe somit in Kenntnis der höheren
Darlehensschuld einen zu tiefen Darlehensausstand festgehalten. Aufgrund des
Gesundheitszustandes des Erblassers sei dieses Vorgehen für die Klägerin mög-
lich gewesen. Sie habe davon ausgehen können, dass der Erblasser das Festhal-
ten eines zu tiefen Darlehensbetrages nicht bemerke (Urk. 356 S. 109). Die Klä-
gerin hatte stets behauptet, diese Notizen auf Diktat des Erblassers erstellt zu ha-
ben. Etwas anderes ist nicht belegt. In der fraglichen Notiz (Urk. 56 S. 12 in
CP070001) ist unter dem Titel "Hypothek" ein Betrag von Fr. 45'000.-- aufgeführt.
Die Klägerin hatte unbestrittenermassen zwei Darlehen über diesen Betrag von
ihren Eltern erhalten (Fr. 20'000.-- bzw. Fr. 25'000.--), welche wahrscheinlich für
die von der Klägerin damals gekaufte rollstuhlgängige Wohnung verwendet wur-
den. Einzig für die Darlehen über Fr. 20'000.-- bzw. Fr. 25'000.-- besteht – wie
schon erwähnt – ein schriftlicher Darlehensvertrag vom 20. August 1982 zwischen
der Klägerin einerseits und der Erblasserin (Urk. 37/3 in CP070001) bzw. dem
Erblasser (Urk. 37/2 in CP070001) andererseits. Wie oben ausgeführt, hatte die
Klägerin jedoch noch weitere Darlehen von ihren Eltern erhalten, nämlich insge-
samt Fr. 123'000.--, wobei im Zeitpunkt (14. November 1983) der Errichtung der
- 74 -
Testamente offenbar noch Fr. 107'000.-- an Rückzahlungen ausstehend waren
(Urk. 356 S. 102). Darüber, weshalb in dieser Notiz nur die Darlehen über
Fr. 45'000.-- aufgeführt sind, bestehen lediglich Vermutungen, aber keine konkre-
ten Anhaltspunkte. Allenfalls wurde in der Notiz nur dieser Betrag aufgeführt, weil
er der Ausgleichungspflicht unterstehen sollte. Zudem ist auch nicht bekannt, ob
die weiteren Darlehen ebenfalls als "Hypothek" bezeichnet wurden. Es blieb un-
geklärt, welchem Zweck diese weiteren Gelder dienten. Fest steht jedenfalls, dass
auch der Betrag von Fr. 45'000.-- keinen Eingang in das Testament des Erblas-
sers fand (Urk. 3/1 = Urk. 37/1 in CP070001). Entgegen der sinngemäss von der
Vorinstanz vertretenen Auffassung, wonach die Klägerin nur den Betrag von
Fr. 45'000.-- in den Notizen aufgeführt habe, um den Erblasser über den korrek-
ten ausgleichungspflichtigen Betrag zu täuschen, bestehen hierfür keine Anhalts-
punkte. Ein Täuschungsvorsatz konnte der Klägerin nicht konkret vorgeworfen
und nachgewiesen werden. Die Klägerin, welche bei den Gesprächen des Erblas-
sers mit dem Notar nicht anwesend war, konnte auch nicht wissen, inwiefern die-
se Notizen Verwendung finden sollten. Der Vorwurf des Täuschungsvorsatzes
lässt sich somit nicht aufrechterhalten.
dd) Die Vorinstanz erwog, dass der Vergleich der verschiedenen Testa-
mentsversionen zeige, dass das ursprüngliche Testament der Erblasserin vom
6. November 1981 zugunsten der Klägerin abgeändert worden sei und sie
schliesslich in der öffentlich beurkundeten letztwilligen Verfügung vom 14. No-
vember 1983 deutlich besser gestellt worden sei als ihre Miterben. Die Klägerin
werde darin als Erbin – und nicht nur als Vorerbin wie in einem früheren Entwurf
vorgesehen – für die frei verfügbare Quote eingesetzt, ohne dass an deren Ver-
wendung irgendwelche Bedingungen geknüpft worden seien. Diese Erleichterung
erscheine vor allem deshalb nicht plausibel und nachvollziehbar, weil einerseits
fraglich sei, ob überhaupt von einer MS-Erkrankung der Klägerin ausgegangen
werden könne und andererseits – selbst wenn eine solche vorliegen sollte – diese
Erkrankung im damaligen Zeitpunkt sehr milde verlaufen sei und es keine Anzei-
chen dafür gegeben habe, dass in Zukunft mit hohen Kosten gerechnet werden
müsse (Urk. 356 S. 109 f.). Beide Erblasser hätten sich über den Gesundheitszu-
stand der Klägerin in einem Irrtum befunden. Die Klägerin habe gewusst, dass der
- 75 -
Erblasser die Abänderung des Testaments aufgrund der falschen Vorstellung
über ihre MS-Erkrankung eingeleitet habe, habe es jedoch unterlassen, den oder
die Erblasser über den Irrtum aufzuklären. Insbesondere habe sie es unterlassen,
gegenüber den Erblassern dahingehend zu intervenieren, dass eine erbrechtliche
Bevorzugung aufgrund ihrer MS-Erkrankung nicht erforderlich sei, da die Krank-
heit seit der erste Diagnose einen sehr milden Verlauf genommen habe. Die Klä-
gerin habe die irrtümliche Vorstellung der Erblasser erfolgreich dahingehend aus-
genützt, indem sie die mehrmalige Abänderung der Testamentsentwürfe der Erb-
lasserin vom 6. November 1981 zu ihren Gunsten zugelassen habe, um ihren ge-
setzlichen Erbanteil zu vergrössern. Dabei sei zu berücksichtigen, dass mehrere
Entwürfe für eine öffentlich beurkundete letztwillige Verfügung verfasst worden
seien, in welchen die Klägerin immer mehr begünstigt worden sei und von wel-
chen die Klägerin Kenntnis gehabt habe. Angesichts der genannten Umstände
und der mehrmaligen Korrektur der Testamente zu Gunsten der Klägerin müsse
davon ausgegangen werden, dass sie diese Abänderungen beeinflusst habe
(Urk. 356 S. 110).
Wie bereits mehrfach erwähnt, ist aufgrund des Beweisverfahrens von einer
bestehenden MS-Erkrankung der Klägerin auszugehen, weshalb sich die Erblas-
ser bezüglich des Motivs für ihre Testamentsabänderung nicht in einem Irrtum be-
finden konnten. Es steht auch fest, dass sie zu dieser Testamentsabänderung
durch das Gespräch mit AE._ und ohne Beeinflussung durch die Klägerin
motiviert worden waren und offenbar von sich aus der Meinung waren, dass für
die Klägerin besser vorgesorgt werden sollte. Es wurde nicht nachgewiesen, dass
die Klägerin diesen Vorgang in irgendeiner Weise angestossen oder beeinflusst
hatte. Es wurde nicht behauptet, dass die Klägerin damals ihre Krankheit gegen-
über den Eltern speziell thematisierte und beispielsweise vorbrachte, dass sie
wegen ihrer Krankheit Zukunftsängste hätte und finanzielle Konsequenzen be-
fürchten müsste. Es muss aufgrund des Beweisergebnisses angenommen wer-
den, dass der Anstoss von den Eltern selbst kam, nachdem AE._ mit dem
Erblasser ein Gespräch über diese Thematik geführt hatte. Die Erblasser hatten
demnach aus ihrer Sicht einen sachlichen Grund für die erbrechtliche Begünsti-
gung der Klägerin gegenüber ihren Geschwistern. Von einem arglistigen Ausnüt-
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zen eines bestehenden Irrtums der Erblasser kann demnach nicht ausgegangen
werden. Der Klägerin oblag deshalb auch keine Aufklärungspflicht. Der Vorwurf,
wonach die Klägerin es unterlassen habe, gegenüber den Erblassern dahinge-
hend zu intervenieren, dass eine erbrechtliche Bevorzugung aufgrund ihrer MS-
Erkrankung nicht erforderlich sei, da die Krankheit seit der ersten Diagnose einen
sehr milden Verlauf genommen habe, erscheint nicht nachvollziehbar. Nachdem
die Klägerin damals erst 38 Jahre alt war, konnte niemand eine Prognose über
den weiteren Verlauf ihrer Krankheit stellen. Das Worstcase-Szenario hätte sich
ohne Weiteres einstellen können. Immerhin hat die Krankheit jedenfalls zu einer
weitgehenden Arbeitsunfähigkeit der Klägerin geführt. Die Vorinstanz unterliess
es darzulegen, inwiefern die Klägerin ausserdem arglistig gehandelt haben soll.
Allein der Umstand, dass die Klägerin nicht intervenierte, als sie Kenntnis davon
erhielt, dass sie in den Testamenten der Erblasser zufolge ihrer Krankheit be-
günstigt werden sollte und dagegen nicht aktiv einschritt, kann nicht als arglistiges
Verhalten qualifiziert werden. Zudem steht auch nicht fest, ob sich die Erblasser
durch eine Intervention der Klägerin überhaupt hätten beeinflussen lassen. Es ist
das Recht eines jeden Erblassers über sein Vermögen im Rahmen der gesetzli-
chen Möglichkeiten frei zu verfügen. Das Beweisverfahren hat in keiner Weise er-
geben, dass die Klägerin mit unlauteren Methoden auf die Testamentsabände-
rung eingewirkt hätte. Weder liess sich beweisen, dass die Klägerin AE._
beeinflusste noch, dass sie die betagten und rechtsunkundigen Beurkundungs-
zeugen dazu brachte, gefälligkeitshalber die Urteilsfähigkeit der dementen Erb-
lasserin zu bezeugen. Auch konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie dem
Erblasser eine Beratung bei der I._ aufdrängte. Es ist davon auszugehen,
dass sie die Notizen, welche der Erblasser zur Besprechung beim Notar mitbrach-
te, auf Diktat des Erblassers verfasste. Es sind keine Urkunden vorhanden, in
welchen die Klägerin eigenständige Vorschläge zum Inhalt des Testaments mach-
te. Wie mehrfach erwähnt, kam der Erblasser zunächst allein zu Besprechungen
mit dem Notar und war auch nicht bereit, dessen Vorschläge ohne Weiteres zu
akzeptieren, sondern entschied selbst, wie der Inhalt der Testamente für ihn und
die Erblasserin lauten sollte. Den Aussagen des Notars kann ebenfalls nicht ent-
nommen werden, dass die Klägerin Einfluss auf die Testamentsgestaltung nahm.
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Das Verhalten der Klägerin bildete somit nicht eine adäquat kausale Ursache für
die Testamentsabänderung. Von einem unredlichen und unmoralischen Verhal-
ten, welches als Erbschleicherei zu qualifizieren wäre, kann daher entgegen der
Auffassung der Vorinstanz (Urk. 356 S. 111) nicht ausgegangen werden. Zudem
blieb auch unklar, welches verwerfliche Verhalten der Klägerin die Vorinstanz
konkret meinte.
c) Zusammenfassend kann nicht von einem arglistigen Verhalten der Kläge-
rin ausgegangen werden, da der Klägerin aufgrund der oben dargelegten Grün-
den weder die Erregung noch die Benutzung einer schon vorhandenen falschen
Vorstellung beim Erblasser bzw. der Erblasserin vorgeworfen werden kann. Der
vorliegende Fall kann in keiner Weise mit demjenigen, welcher BGE 132 III 305
zu Grunde lag, verglichen werden. In jenem Fall handelte es sich um ein bewusst
herbeigeführtes Abhängigkeits- und vorgespieltes Freundschaftsverhältnis zwi-
schen einem Anwalt und seiner Klientin mit dem Ziel, ihn, den Anwalt, zum Allein-
erben zu machen. Dem Anwalt wurde vorgeworfen, dass er die Pflicht gehabt hät-
te, die Erblasserin von der Unzulässigkeit und Unzweckmässigkeit der getroffe-
nen Nachlassregelung zu überzeugen und ihr andere Lösungen aufzuzeigen.
Zumindest hätte er sie auf seinen Interessenkonflikt hinweisen und sie zu einem
anderen unabhängigen Berater schicken müssen. Ausserdem hätte er sie über ih-
re Fehlvorstellung bezüglich ihres Verhältnisses aufklären müssen. Die unterlas-
sene Aufklärung, verbunden mit der Bereicherungsabsicht, wurde als schwere
Verfehlung des Anwaltes bewertet, welche als unerträglich und missbilligend an-
gesehen wurde. Die vorliegende Konstellation präsentiert sich jedoch völlig an-
ders. Aufgrund der geschilderten Umstände kann der Klägerin kein zielorientiertes
Verhalten vorgeworfen werden und auch keine Bereicherungsabsicht. Sie befand
sich auch nicht in einem Interessenskonflikt und hatte keine Pflichten aus Auf-
trags- und Berufsrecht gegenüber dem Erblasser bzw. der Erblasserin. Sie hatte
offensichtlich ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Sie ging nach ihren Angaben
jedes Wochenende vorbei, um zu helfen (Prot. S. 70 in CP070001). Es kann da-
her in keiner Weise gesagt werden, dass sie sich auf unlautere Art in das Ver-
trauen der Erblasser eingeschlichen hätte, mit dem Zweck, diese zu einer erb-
rechtlichen Regelung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Es bestehen keine An-
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haltspunkte, wonach die Klägerin durch ihr Verhalten den freien Willen der Erb-
lasser beeinträchtigt hätte, indem die Erblasser bzw. die Erblasserin in ihrer Tes-
tierfreiheit eingeschränkt worden wären. Es liegt somit kein schwerer Fall von
Erbschleicherei vor. Die Klägerin ist nicht erbunwürdig im Sinne von Art. 540
Abs. 1 Ziff. 3 ZGB.
10. Die Aktivlegitimation der Klägerin im vorliegenden Verfahren ist demge-
mäss zu bejahen. Die Klägerin ist somit legitimiert, die Erbteilung etc. gemäss ih-
ren Anträgen zu verlangen. Der Entscheid der Vorinstanz ist bezüglich der Dispo-
sitivziffern 1, 3, 4, 6, 7, 8 und 9 aufzuheben und das Verfahren zur Behandlung
der klägerischen Anträge an die erste Instanz zurückzuweisen, da die Klage ohne
materielle Anspruchsprüfung abgewiesen worden war (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 1
ZPO; Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm et al., ZPO Komm., Art. 318 N 34).
IV.
1. Die Verteilung der erstinstanzlichen Gerichtskosten auf die Parteien wird
von der Vorinstanz mit Abschluss des Verfahrens entsprechend dessen Ausgang
neu festzusetzen sein, ebenso diejenige der Prozessentschädigungen.
2. Für das Berufungsverfahren ist grundsätzlich von einem Streitwert von
Fr. 693'263.-- auszugehen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der vor-
genannte Streitwert auch den Nachlass des Erblassers umfasst und dementspre-
chend die Teilungsmasse im Nachlass der Erblasserin tiefer liegen dürfte, ist die
Gerichtsgebühr auf Fr. 20'000.-- festzusetzen (§§ 4 Abs. 1 und 12 Abs. 1 GebVO;
vgl. auch die vorinstanzlichen Erwägungen in Urk. 356 S. 120 f. E. 20.1.3. und
E. 20.1.5.). Ausgangsgemäss ist die Beklagte 2 im vorliegenden Berufungsverfah-
ren als unterliegende Partei zu erachten. Der Beklagte 1 ist dagegen nicht als un-
terliegende Partei anzusehen, da er sich am Berufungsverfahren nicht beteiligte.
Er hatte ausdrücklich erklärt, dass er sich dem Prozessergebnis unabhängig vom
Ausgang des vorliegenden Berufungsverfahrens unterwerfe und das Urteil unab-
hängig von dessen Ausgang anerkenne (Urk. 363). Die Beklagte 2 hat daher die
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Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen. Diese Kosten werden mit dem geleis-
teten Kostenvorschuss von Fr. 24'600.-- (Urk. 361) verrechnet. Die Beklagte 2
wird verpflichtet, der Klägerin den geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 20'000.-- zu ersetzen.
Zudem hat die Beklagte 2 der Klägerin für das Berufungsverfahren eine Par-
teientschädigung von Fr. 15'500.-- inkl. MwSt zu bezahlen (§ 4 Abs. 1 und 2, § 13
Abs. 2 AnwGebVO).