Decision ID: 90828263-0be4-5e46-80ca-1a93b732c4d2
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, meldete sich am 1
0.
April 2009 bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/2). Ab
1.
April 2010 war
sie
bei der
Y._
als
Director
HR
Operations
tätig (
Urk.
7/26). Die Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
9.
Mai 2011 eine ganze Rente ab Oktober 2009 und eine
Viertelsrente
ab April 2010 zu (
Urk.
7/38). Mit Verfügung vom
9.
April 2013 (
Urk.
7/56)
hob die IV
Stelle die bislang ausgerichtete Rente auf.
Diese Verfügung erwuchs unange
fochten in Rechtskraft.
1.2
Mit Eingabe vom
8.
Dezember 2015 beantragte die Versicherte die
Zusprache
einer Übergangsleistung (
Urk.
6/172).
Mit Vorbescheid vom 1
8.
Dezember 2015 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen solchen Anspruch zu verneinen (
Urk.
6/176). Dagegen erhob die Versicherte am 2
8.
Januar 2016 Einwände (
Urk.
6/189). Mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2016 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Übergangsleistung (
Urk.
6/201 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
6.
März 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Februar 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Übergangsleistung, auszurichten (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1.).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
8.
April 2016 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde.
Am 1
9.
August 2016 erstattete die Beschwerdeführerin eine Replik (
Urk.
9) und am 1
3.
September 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf Duplik (
Urk.
11), was der Beschwerdeführerin am 1
5.
September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
M
it Verfügung vom 3
0.
September 2016
verneinte die Beschwerdegegnerin
einen Leistungsanspr
uch der Versicherten
.
Über die dagegen erhobene Beschwerde wurde im Verfahren Nr. IV.2016.01203 mit Urteil vom heutigen Datum entschieden.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
32
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat eine versicherte Person Anspruch auf eine Übergangsleistung, wenn sie im Laufe der drei auf die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente folgenden Jahre zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig wird (
lit
. a), diese Arbeitsunfä
higkeit mindestens 30 Tage gedauert hat und weiter andauert (
lit
. b), und sie vor Herabsetzung oder Aufhebung der Rente an Massnahmen zur Wiedereingliede
rung nach Artikel 8a IVG teilgenommen hat oder die Rente wegen der Wieder
aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder der Erhöhung des Beschäftigungsgrades herabgesetzt oder aufgehoben wurde (
lit
. c).
Gemäss
Art.
32
Abs.
2 IVG entsteht der Anspruch auf eine Übergangsleistung am Anfang des Monats, in welchem die Voraussetzungen nach
Art.
32
Abs.
1 IVG erfüllt sind.
Art.
32 IVG wurde im Rahmen der
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, eingeführt und ist seit
1.
Januar 2012 in Kraft (AS 2011 5659
)
.
1.2
In der
bundesrätlichen
Botschaft zur
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, vom 2
4.
Februar 2010 (
BBl
2010 1817) wurde
zu
Art.
32
Abs.
1 IVG
unter anderem ausgeführt,
die Ausrichtung einer Übergangsleistung und das erleich
terte Wiederaufleben einer Rente (
Art.
32–34 IVG) bei einer erneuten Ver
schlechterung der Situation nach erfolgreicher Eingliederung stelle nicht nur einen Schutz für die versicherte Person, sondern auch für die potenziellen neu
en Arbeitgeber dar. Erfolge eine Übergangsleistung rasch genug
-
idealer
weise in der Wartezeit, bevor allfällige Krankentaggelder auszurichten seien - müsse der Arbeitgeber den Versicherungsfall der Krankentaggeld
ver
sicherung nicht melden und sei daher vor allfälligen Prämienerhöhungen oder einer Kündigung geschützt (
BBl
2010 1851).
Ferner wurde ausgeführt,
im Gegenzug z
u
m weitgefassten Ansatz, der eine Übergangsleistung
sowohl für bisherige als
auch
für neue Leiden zulasse (
lit
. b), «erfolgt durch Buchstabe c eine gewisse Einschränkung, indem die Regelung an eine erfolgreiche Wiedereingliederung geknüpft wird» (
BBl
2010 1897).
1.3
Art.
32
Abs.
1
lit
. c IVG sieht vor, dass eine versicherte Person Anspruch auf eine Übergangsleistung in Form einer Rente haben soll, wenn sie vor Herab
setzung oder Aufhebung der Rente an Massnahmen zur Wiederein
gliederung teilgenommen hat oder die Rente wegen der Wiederaufnahme einer Erwerbs
tätigkeit oder der Erhöhung des Beschäftigungsgrades herabgesetzt oder aufge
hoben wurde. Der letzte
Teilsatz
verdeutlicht - so das Bundesgericht - das Er
fordernis des durch erneute Aufnahme beziehungsweise Erweiterung einer erwerblichen Beschäftigung realiter erzielten Einkommens (BGE 136 V 216 E.
5.3.2.2).
1.
4
Gemäss
Art.
30
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) wird eine Übergangsleistung ausgerichtet, wenn
die Prüfung der IV-Stelle ergibt, dass die Voraussetzungen nach
Art.
32 IVG erfüllt sind (
lit
. a) und
die versicherte Person ein ärztliches Attest vorlegt, das
ihre Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent bestätigt, und
eine medizinische Prognose enthält, nach der die Arbeitsunfähigkeit
weiter andauert
(
lit
. b)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
davon aus,
die sogenannte Schutzfrist von
Art.
32 IVG würde mit der Verfügung vom
9.
Mai 2011 (
Zusprache
einer
Viertelsrente
) zu laufen begonnen haben (S. 1 unten). Da die Rente vor dem
1.
Januar 2012 herabgesetzt worden sei, seien Übergangsleistungen gar nicht möglich (S. 2 oben).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) machte sie geltend, keine
n
Anspruch auf eine Übergangsleistung hätten Personen, deren Rente lediglich aufgrund einer Ver
besserung des Gesundheitszustandes herabgesetzt oder aufgehoben worden sei oder deren Einkommen sich ohne Veränderung des Pensums, etwa durch einen Stellenwechsel, rentenwirksam erhöht habe (S. 1
Ziff.
1). Die
Renten
zusprache
vom
9.
Mai 2011 sei vor dem Hintergrund einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 60
%
in der angestammten Tätigkeit erfolgt, während bei der Auf
hebung vom
9.
April 2013 von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
ausge
gangen worden sei. Ausschlaggebend für die Aufhebung sei weder eine Wieder
auf
nahme der Erwerbstätigkeit noch eine Erhöhung des Beschäftigungs
grades gewesen, son
dern ausschliesslich eine Verbesserung des Gesundheits
zustandes (S. 1 f.
Ziff.
2).
Eine Berufung auf den Vertrauensschutz könne aus näher dar
ge
legten Gründen ebenfalls nicht erfolgen (S. 2
Ziff.
3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die anspruchsauslösende Arbeitsunfähigkeit sei ab dem
3.
Dezember 2013 aus
ge
wiesen (S. 3 f.
Ziff.
6).
Auch die Bedingung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. c IVG sei erfüllt: Die Beschwerdegegnerin gehe von einer Einkommensverbesserung aus, die zur Rentenaufhebung geführt habe. Diese Einkommensverbesserung sei allein auf die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zurückzuführen. Zudem entspreche die Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von 60
%
auf 100
%
einer Erhöhung des faktischen Beschäftigungsgrades (S. 4 f.
Ziff.
7).
Weiter
habe sie
auf den Hinweis in der Verfügung vom
9.
April 2013, fall
s sie innert
der drei folgenden
Jahre
zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig werde, habe sie Anspruch auf eine Übergangsleistung, vertraut und vertrauen dürfen (S. 5 f.
Ziff.
8 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Anspruchsvoraussetzungen für eine Über
gangsleistung erfüllt sind oder allenfalls gestützt auf das Prinzip des Ver
trauensschutzes ein Anspruch zu bejahen ist.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin war
von April 1999 bis Dezember 2008
als
Head HR IT
Shared
Services bei
der
Z._
tätig
gewesen
, wobei der letzte effektive Arbeitstag d
er 1
9.
Dezember 2007 war (
Urk.
6
/9
Ziff.
2.1, 2.3 und 2.7
).
S
eit
1.
April 2010
war sei
bei der
Y._
als
Director
HR
Ope
rations
tätig (
Urk.
6/26).
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 2
6.
Februar 2010 (
Urk.
6/19/1-6) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit 2
4.
August 2008 behandle (
Ziff.
1.2). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine schwere Depression, ICD
10 F32.21 (
Ziff.
1.1).
Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
als Managerin im oberen Kader; der genaue Beginn sei bei der Hausärztin zu erfragen (
Ziff.
1.6). Sie führ
te ferner aus, es sei ein Wiedereinstieg Anfang März geplant mit einer Arbeits
fähigkeit von 25
%
bis voraussichtlich zirka 2
0.
März 2010, dann einer Arbeits
fähigkeit von 60
%
als Arbeitsversuch (
Ziff.
1.7).
3.3
Die Beschwerdegegnerin ging in der Folge von einer
Arbeitsfähigkeit von 60
%
aus und legte der Invaliditätsbemessung das von der Beschwerdeführerin effek
tiv erzielte Einkommen von
Fr.
202'600.-- zugrunde, womit ein Invalidi
tätsgrad von 45
%
und ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab April 2010 resul
tierte (
Urk.
6/34 S. 2).
3.4
Dr.
A._
stellte im von der Beschwerdeführerin am
8.
Oktober 2012 unter
zeichneten Revisionsformular (
Urk.
6/50) keine psychiatrischen Diagnosen und
führte aus, es sei eine Restsymptomatik nach schwerer Depression vorhanden (
Ziff.
5.4). D
ie Beschwerdeführerin sei in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeits
fähig
(
Ziff.
5.5).
Bei gleicher Funktion wie bei der früheren bei
Z._
würde die Arbeitsfähigkeit dadurch eingeschränkt sein (
Ziff.
5).
3.5
Mit Bericht vom 1
8.
Januar 2013 (
Urk.
6/52) nannte
Dr.
A._
als Diagnose
eine depressive Residualsymptomatik nach schwerer Depression
, I
CD-10 F32.9
(
Ziff.
1.1). In der angestammten Tätigkeit als Managerin im oberen Kader sei die
Beschwerdeführerin seit 2
3.
April 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Die Arbeit in Bereich Human Resources in einer Pharmafirma sei voll möglich, ent
spreche aber in den Leistungsansprüchen nicht der Tätigkeit bei
Z._
. Die behinderungsangepasste Tätigkeit sei zu einem vollen Pensum bei niedrige
rem Verdienst und geringerer Leistungsanforderung seit April 2010 möglich (
Ziff.
1.7).
3.5
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin und für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 1
3.
Februar 2013 (
Urk.
6/53 S. 3
) fest, es sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ausge
wiesen. Die seit der Kindheit bestehende Skoliose sei aus arbeitsmedizinischer Sicht für eine Bürotätigkeit mit ergonomischer Arbeitsplatzanpassung nicht leistungsmindernd. Das von
Dr.
A._
beschriebene Burnout in der Bürotätigkeit als Managerin im oberen Kader von
Z._
bilde keinen dauerhaften Gesund
heitsschaden und könne die Leistungsfähigkeit nicht längerfristig einschränken. Ab Januar 2013 sei von voller Leistungsfähigkeit in einer Bürotätigkeit auszu
gehen.
3.6
Mit Verfügung vom
9.
April 2013 (
Urk.
6/56
=
Urk.
6/104
) hob die Beschwerde
gegnerin die bisher ausgerichtete Rente auf. Als Abklärungsergebnis führte sie aus, ab Oktober 2009 sei eine ganze Rente und ab April 2010 eine
Viertelsrente
ausgerichtet worden. Gemäss den eingeholten medizinischen Unterlagen bestehe seit Anfang 2013 wieder eine volle Leistungsfähigkeit in der angestammten Bürotätigkeit. Zwar sei das Einkommen beim neuen Arbeitgeber tiefer, aber die Beschwerdeführerin habe bereits 2011 ein Einkommen von
Fr.
267'600.-- erzielen können, womit die Erwerbseinbusse unter 40
%
gelegen habe (S. 2 Mit
te). Ferner führte sie mit dem Vermerk «Mitteilung» aus: «Falls Sie im Laufe der drei auf die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente folgenden Jahre zu min
destens 50
%
arbeitsunfähig werden, haben Sie Anspruch auf eine Übergangs
leistung in Form einer Rente, wenn die Arbeitsunfähigkeit mindestens 30 Tage gedauert hat und weiter andauern
wird.»
(S. 2 unten).
3.7
Die
Y._
löste gemäss Arbeitgeberberi
cht vom
4.
Dezember 2014 (
Urk.
6
/86)
das Arbeitsverhältnis per 3
0.
Juni 2014
auf (
Ziff.
2.1), da die Ver
trauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben gewesen sei (
Ziff.
2.3), wobei der letzte Arbeitstag am 2
3.
August 2013
gewesen sei
(
Ziff.
2.3). Der Gesundheitsschaden sei erst nach erfolgter Kündigung während der Dauer der Freistellung eingetreten (
Ziff.
2.8).
3.8
Am 1
2.
Februar 2012
(richtig: 2014)
e
rfolgte eine M
eldung zur Früherfassung (
Urk.
6
/60) unter Beilage von
Arztzeugnisse
n
, in denen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
3.
Dezember
2013 bis 1
3.
Januar 2014 (
Urk.
6
/58/1)
beziehungs
weise vom 2
8.
Dezember
2013 bis 1
8.
Januar 2014 (
Urk.
6
/58/2) attestiert wurde.
Am 1
9.
Februar 2014 teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit, ihre Abklärungen hätten ergeben, dass sie nicht zuständig sei, weshalb von einer formellen IV-Anmeldung abzusehen sei. Die Beschwerdeführerin könne bei einer allfälligen Veränderung ihres Gesundheitszustandes jederzeit eine
IV
Anmeldung einreichen (
Urk.
6
/64).
3.9
Am 1
5.
Oktober 2014 erfolgte eine weitere Meldung zu Früherfassung (
Urk.
6/74).
Am 1
3.
November 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine erneute Anmel
dung ein (
Urk.
6/80).
Mit Eingabe vom
8.
Dezember 2015 machte die Beschwerdeführerin (unter anderem) geltend, sie habe Anspruch auf eine Übergangsleistung (
Urk.
6/172)
4.
4.1
Im Mai 2011 wurde der Beschwerdeführerin unter anderem eine
Viertelsrente
ab April 2010 zugesprochen. Ab dem
gleichen
Zeitpunkt war sie bei der
Y._
als
Director
HR
Operations
tätig (vorstehend E. 3.1).
Die
Viertelsrente
wurde mit Verfügung vom
9.
April 2013 aufgehoben, dies mit der Begründung, gemäss den medizinischen Unterlagen bestehe seit Anfang 2013 wieder eine volle Leistungsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit; bereits das im Jahr 2011 erzielte Einkommen habe zu einer Einkommensein
busse unter 40
%
geführt (vorstehend E. 3.6).
Am 2
3.
August 2013 wurde die Beschwerdeführerin
seitens der
Y._
freigestellt, dies bis zum Erreichen des Kündigungstermins am 3
0.
Juni 2014 (vorstehend E. 3.7).
Im Februar 2014 wurden im Rahmen einer Meldung zur Früherfassung Arzt
zeugnisse eingereicht, in denen eine Arbeitsunfähigkeit ab
3.
oder 2
8.
De
zember 2013 attestiert wurde (vorstehend E. 3.8).
A
m
8.
Dezember 2015
- nach erneuter Anmeldung am 1
3.
November 2014 - machte die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf eine Übergangsleistung gel
tend (vorstehend E. 3.9).
4.2
Zu prüfen ist, ob
die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Übergangs
leistung erfüllt sind.
Die gesetzliche Regelung ist auf ein erleichtertes Wiederaufleben einer Rente (als Übergangslei
s
tung) ausgerichtet, wenn sich nach erfolgreicher Eingliede
rung (aus Rente)
die Situation
wieder verschlechtert (vorstehend E.
1.2).
Gemäss
Art.
32
Abs.
1
lit
. c IVG ist das Erfordernis der vorangegangenen erfolgreichen Wiedereingliederung in zwei Fällen erfüllt, nämlich entweder der
Teilnahme an Massnahmen der Wiedereingliederung
oder aufgrund dessen,
dass eine Rente
«
wegen der Wiederaufnahme
einer Erwerbstätigkeit oder der Erhöhung des Beschäftigungsgrades herabgesetzt oder aufgehoben wurde
» (vor
stehend E. 1.1). Dafür kennzeichnend ist das durch erneute Aufnahme beziehungsweise Erweiterung einer Erwerbstätigkeit erzielte Einkommen (vor
stehend E. 1.3).
4.3
Die Anspruchsvoraussetzung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. c IVG ist vorliegend nicht erfüllt.
Dass die Beschwerdeführerin
bis zum Zeitpunkt der Rentenaufhebung
an keinen Massnahmen der Wiedereingliederung teilgenommen hat, ist unbestritten. Schon im Dezember 2009 - als
noch
von einer aktuell vollständigen Arbeitsun
fähigkeit, allerdings mit guter Prognose, ausgegangen wurde (vorstehend E.
3.2)
hatte sie erklärt, diesbezüglich keinen Bedarf zu haben (vgl.
Urk.
6/17)
. Einla
dungen zu einer Informationsveranstaltung im Juli 2011 (
Urk.
6/43) oder im September 2011 (
Urk.
6/39) leistete sie nach Lage der Akten keine Folge.
Auch die (zweite) Variante einer
Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit oder der Erhöhung des Beschäftigungsgrades
als Grund für die Rentenaufhebung trifft vorliegend nicht zu. Die Beschwerdeführerin war seit April 201
0
, mithin gleichzeitig mit dem Einsetzen einer
Viertelsrente
, und über den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung (April 2013)
hinaus
bei der gleichen Arbeitgeberin tätig, dies bis zur Freistellung im August 2013 beziehungsweise Kündigung per Ende Juni 201
4.
Eine - den Anspruch auf die zugesprochene
Viertelsrente
beein
flussende - Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit liegt somit nicht vor. Schliesslich ist auch keine Erweiterung der Erwerbstätigkeit im Sinne einer Erhöhung des Beschäftigungsgrades dokumentiert. Dies räumte im Ergebnis auch die Beschwerdeführerin ein, indem sie geltend machte, die Erhöhung der Arbeitsfähigkeit entspreche einer Erhöhung des «faktischen Beschäftigungs
grads»
(
Urk.
1 S. 4 unten). Vielmehr ist insbesondere diese gedankliche Kon
struktion nicht überzeugend und nicht zulässig, denn bei einer (blossen) Ver
besserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit handelt es sich gerade nicht um die (Wieder-) Aufnahme oder den Ausbau einer Erwerbs
tätigkeit.
4.4
In diesem - entscheidenden - Punkt ist der von der Beschwerdegegnerin ver
tretene Standpunkt zutreffend, so dass festzuhalten bleibt, dass die Renten
auf
hebung im April 2013 nicht geeignet war, einen Anspruch auf eine Über
gangs
leistung zu begründen, da die Anspruchsvoraussetzung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. c nicht erfüllt war beziehungsweise ist.
5.
5.1
Damit erweist sich der Hinweis in der Verfügung vom
9.
April 2013, die Beschwerdeführerin habe Anspruch auf eine Übergangsleistung, falls
sie
innert dreier Jahre zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig werde (vorstehend E. 3.6)
,
als inhaltlich falsch. Die Voraussetzungen für einen solchen Anspruch waren nicht erfüllt (vorstehend E. 4.4).
5.2
Die genannte Feststellung in der damaligen Verfügung könnte allenfalls, obwohl objektiv falsch, unter dem Aspekt des Vertrauensschutzes
relevant sein.
Nach dem in
Art.
9 der Bundesverfassung (BV) verankerten Grundsatz von Treu und Glauben kann eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen Umständen Rechtswirkungen entfalten
(BGE 143 V 95 E.
3.6.2). Voraussetzung dafür ist, dass
a)
es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt;
b)
die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit bezieht;
c)
die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder der Bürger sie
aus zureichenden
Gründen als zuständig betrachten durfte;
d)
der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können;
e)
der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat;
f)
die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeit
punkt der Auskunftserteilung;
g)
das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt.
5.3
Dass die Beschwerdeführerin
im Vertrauen
auf die unrichtige Auskunft für sie nachteilige Dispositionen getroffen haben soll,
ist
nicht ersichtlich. Vielmehr zeigen alle Umstände, dass sie der (unrichtigen) Auskunft keine Bedeutung bei
gemessen hat, diese also gerade keine Vertrauensgrundlage geschaffen hat. Eine
- wenn auch falsche - Auskunft kann, wenn sie von der Adressatin oder dem Adressaten gar nicht zur Kenntnis genommen wird, diese nicht zu einer irrigen Annahme und darauf basierenden Dispositionen verleiten.
So verhält es sich hier: Hätte die Beschwerdeführerin nämlich die genannte Auskunft
zur Kenntnis genommen und
als zutreffend erachtet, so hätte sie im Zeitpunkt der erneut attestierten Arbeitsunfähigkeit unter Berufung auf diese Auskunft die Ausrichtung einer Übergangsleistung beantragt.
Vielmehr erfolg
t
e
jedoch
nach Eintritt der erneuten Arbeitsunfähigkeit zweimal eine Meldung zur Früherfassung und schliesslich eine erneute Anmeldung (vorstehend E. 3.8 und 3.9).
Damit ist dokumentiert, dass die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeit
punkt keineswegs im Vertrauen auf die (unzutreffende) Auskunft gehandelt hat, denn
diesfalls
hätte sie die entsprechende Leistung beantragt.
Dies hat sie nicht getan.
Alle nach Eintritt der erneuten Arbeitsunfähigkeit erfolgten Vorkehren erfolgten, als würde die betreffende (falsche) Auskunft gar nicht existieren.
5.4
Die Berufung auf den Vertrauensschutz scheitert demnach am Kriterium der gestützt auf ein erwecktes Vertrauen getroffene Dispositionen (e). Daran
vermag
auch eine
nachträgliche, annähernd drei Jahre nach Eintritt der erneuten Arbeitsunfähigkeit erfolgte Antragstellung (vorstehend E. 3.9) nichts zu ändern.
6.
Somit bleibt zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Übergangsleistung zu Recht verneint hat. Die angefochtene Verfügung ist mithin zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.