Decision ID: c58f8ca6-2a03-4d6f-9cc2-8ed3b9af7ddf
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer
Ethnie – suchte am 25. Mai 2017 im Flughafen B._ um Asyl nach.
Am 27. Mai 2017 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Mit Schreiben
vom 2. Juni 2017 äusserte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) Si-
cherheitsbedenken. Mit Verfügung des SEM vom 9. Juni 2017 wurde dem
Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zur Prüfung des Asylge-
suchs bewilligt. Mit Verfügung selben Datums wies ihn das SEM für die
Dauer des Verfahrens dem Kanton C._ zu.
A.b Mit Schreiben vom 22. Juni 2017 informierte das SEM das kantonale
Migrationsamt vorsorglich über die Sicherheitsbedenken des NDB. Ge-
stützt auf diese Informationen erliess das Migrationsamt gleichentags eine
den Beschwerdeführer betreffende, ab dem 22. Juni 2017 geltende Ein-
grenzungsverfügung und verlängerte diese jeweils (letztmals am 3. Okto-
ber 2019 mit Gültigkeit bis zum 12. April 2020). Mit Entscheid vom 18. März
2020 hob das Verwaltungsgericht des Kantons C._ die bestehende
Eingrenzungsverfügung auf.
A.c Am 23. Oktober 2017 hörte das SEM den Beschwerdeführer einläss-
lich zu den Asylgründen an. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er
stamme aus der direkt an der irakischen Grenze gelegenen Bezirksstadt
D._ (kurdisch E._) in der Provinz F._. Er betrachte
sich als einen kurdischen Patrioten und habe aus Gewissensgründen bis
anhin keinen Militärdienst für den türkischen Staat geleistet. Deshalb sei
gegen ihn ein entsprechendes militärgerichtliches Verfahren eröffnet und
er auch bereits gebüsst worden. Demgegenüber habe er angesichts der
seitens des sogenannten «Islamischen Staates» (IS) drohenden Gefahr im
März 2014 mit der (syrischen) (...) ([...]) Kontakt geknüpft. Bei der (...)
handle es sich um die «(...)», den «bewaffneten Arm» der kurdisch-syri-
schen (...) ([...]). Anschliessend habe er sich im Frühjahr 2014 über
G._ in die syrische Stadt H._ begeben und sich den dortigen
(...)-Kämpfern angeschlossen. Bis April 2015 habe er in deren Reihen ge-
gen den IS gekämpft. Zuletzt sei er Kommandant eines Teams mit insge-
samt rund (...) Mitgliedern gewesen. Er sei indessen ausschliesslich in ei-
nem rückwärtigen Bereich im Einsatz gewesen, ohne sich selbst an eigent-
lichen Kampfhandlungen beteiligt zu haben. Am (...) April 2015 sei er wie-
der in die Türkei zurückgekehrt, von wo aus er in Grenznähe zunächst wei-
terhin die (...) unterstützt habe. Im Frühjahr 2015 habe er sich nach
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I._ begeben. Dort habe er zuletzt in einem (...) gearbeitet. Bereits
im April 2015 sei er in I._ aufgrund eines sich aus «Facebook» er-
gebenden Verdachts einer Mitgliedschaft bei der (...) vorübergehend fest-
genommen, massiv bedroht und polizeilich misshandelt worden. Am (...)
Mai 2015 sei er durch die Staatsanwaltschaft (...) angeklagt und am (...)
November 2015 durch die (...) vom Vorwurf einer «Mitgliedschaft bei der
bewaffneten Terrororganisation (...)» und damit einer Kampfteilnahme in
H._ mangels ausreichender Beweise freigesprochen worden. Im
Sommer 2015 habe er sich von I._ zunächst erneut nach
D._ und in der Folge 2016 wiederum nach H._ begeben, um
sich einem möglichen Zugriff der türkischen Behörden zu entziehen. In
H._ habe er bis zum Frühling 2017 vorab (...) betreut und begleitet.
Aufgrund seiner schlechten psychischen Verfassung habe er sich im Früh-
ling 2017 veranlasst gesehen, H._ und die (...) – mit Einwilligung
seiner Vorgesetzten – endgültig zu verlassen. Darauf sei er abermals in die
Türkei zurückgekehrt, zunächst vorübergehend nach D._ und an-
schliessend nach I._. In der ersten Maihälfte 2017 sei er von
I._ aus – im Besitz seines im Jahr 2015 beziehungsweise 2017 in
J._ (Provinz Tekirdag) ausgestellten beziehungsweise 2017 in
J._ verlängerten türkischen Reisepasses – über K._,
L._ und (...) M._ am (...) Mai 2017 in die Schweiz gereist.
Am 5. Oktober 2017 hätten Polizisten seine Mutter auf der Suche nach ihm
zuhause aufgesucht und das Haus durchsucht. Sie habe ihnen mitgeteilt,
dass sie seinen Aufenthaltsort nicht kenne.
Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte (Nüfus) und seinen tür-
kischen Führerausweis ein. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte
er zahlreiche Beweismittel zu den Akten.
A.d Mit Schreiben vom 4. April 2019 ersuchte das SEM die Schweizer Bot-
schaft in Ankara um Abklärungen.
A.e Mit Eingabe vom 23. Dezember 2019 brachte der Beschwerdeführer
vor, am (...) 2019 hätten türkische Sicherheitskräfte in seinem Elternhaus
in D._ eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei namentlich
(...) beschlagnahmt.
A.f Über die Person des Beschwerdeführers, dessen Beteiligung am
Kampf um H._ auf Seiten der (...) und die ihn betreffende Eingren-
zung in der Schweiz erschienen sowohl in der Schweiz als auch in der Tür-
kei verschiedene Presseberichte, so unter anderem am (...) 2019 (samt
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Namensnennung und Foto) in der «(...)» und am (...) 2019 in der «(...)»
sowie ferner in der Zeitschrift «(...)». Auch sei der Beschwerdeführer selbst
von der Schweiz aus in den Sozialen Medien ([...]) in Erscheinung getre-
ten.
A.g Am 8. Mai 2020 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde ein.
A.h Zum Bericht der Schweizer Botschaft vom 10. Juli 2019 sowie den
Stellungnahmen des NDB – dieser hielt in seiner ergänzenden Kurzstel-
lungnahme vom 16. Juni 2020 an seinen in der Stellungnahme vom 2. Juni
2017 geäusserten Sicherheitsbedenken fest – wurde dem Beschwerdefüh-
rer mit Schreiben vom 23. Juni 2020 das rechtliche Gehör gewährt. Seine
Stellungnahme datiert vom 3. Juli 2020.
B.
B.a Mit Verfügung vom 15. Juli 2020 – eröffnet am 17. Juli 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft,
lehnte sein Asylgesuch jedoch wegen Asylunwürdigkeit ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an. Den Wegweisungsvollzug schob es we-
gen Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
B.b Mit Entscheid D-2433/2020 vom 28. Juli 2020 schrieb das Bundesver-
waltungsgericht das Beschwerdeverfahren wegen Rechtsverzögerung als
gegenstandslos geworden ab.
C.
Mit Eingabe vom 17. August 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei be-
antragte er, die Dispositivziffern 2 (Ablehnung des Asylgesuchs) und 3 (An-
ordnung der Wegweisung) der Verfügung des SEM vom 15. Juli 2020 seien
aufzuheben. Es sei die vollumfängliche Einsicht in das Schreiben des NDB
vom 2. Juni 2020 (recte: 2017) zu gewähren, eventualiter sei das rechtliche
Gehör zu gewähren und eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be-
schwerdeergänzung anzusetzen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, dem Be-
schwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewahren. Eventualiter sei der Ent-
scheid des SEM vom 15. Juli 2020 aufzuheben und zur ergänzenden Sach-
verhaltsabklärung sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Im Weiteren beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlicher Rechtsbeistand.
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D.
Mit Zwischenverfügung vom 25. August 2020 hiess die damals zuständige
Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gut und ordnete dem Beschwerdeführer den bisherigen
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Marcel Bosonnet, als amtlicher Rechtsbei-
stand bei.
E.
Mit Schreiben vom 21. August 2020 (Eingang beim BVGer: 2. September
2020) reichte der Beschwerdeführer eine korrigierte, inhaltlich identische
Version seiner Beschwerde vom 17. August 2020 ein.
F.
In seiner Vernehmlassung vom 15. September 2020 hielt das SEM fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen Tatsachen oder Beweismittel, wel-
che eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
G.
Nach mehrfach erstreckter Frist replizierte der Beschwerdeführer am
20. Oktober 2020.
H.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever-
fahren per 9. Juni 2022 Richter Thomas Segessenmann (Instruktion und
Vorsitz) zur Behandlung übertragen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
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Seite 6
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Nachdem das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers mit
Verfügung vom 15. Juli 2020 anerkannt und ihn wegen Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen hat, be-
schränkt sich der Prozessgegenstand vorliegend auf die Frage, ob die Vor-
instanz zu Recht vom Bestehen des Asylausschlussgrundes der Asylun-
würdigkeit gemäss Art. 53 AsylG ausgegangen ist und deshalb das Asyl-
gesuch abgelehnt hat. Die Frage der Flüchtlingseigenschaft bildet damit
nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens und die angefochtene Ver-
fügung ist diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen.
4.
4.1 Bezüglich der Asylunwürdigkeit unter dem Aspekt von Art. 53 Bst. a
AsylG begründete das SEM seine Einschätzung namentlich damit, der Be-
schwerdeführer habe gemäss seinen eigenen Angaben von März 2014 bis
April 2015 aus eigenem Antrieb in der syrischen (...)stadt H._ in
den Reihen der syrischen (...) gegen den IS gekämpft. Er sei zuletzt Kom-
mandant eines Teams von rund (...) Personen gewesen, jedoch lediglich
in einem rückwärtigen Bereich zum Einsatz gekommen und deshalb nie an
eigentlichen Kampfhandlungen beteiligt gewesen. Von 2016 bis zum Früh-
ling 2017 habe er sich erneut in H._ aufgehalten, wo er (...) betreut
und begleitet habe. Obwohl letztlich nicht überprüfbar sei, ob er tatsächlich
lediglich im rückwärtigen Bereich im Einsatz gewesen sei, sei aufgrund der
gesamten Aktenlage im Zweifel davon auszugehen, dass er keinen indivi-
duellen Tatbeitrag an verwerflichen und insbesondere kriegsvölkerrechts-
widrigen Handlungen zu verantworten habe. Dies gelte insbesondere
auch, weil der militärische Kernauftrag der (...) darin bestanden habe, die
Stadt H._ vor einem Zugriff des IS – einer rein kriminellen und auch
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hierzulande verbotenen bewaffneten Bande – zu bewahren und mithin ei-
nen reinen Verteidigungscharakter aufgewiesen habe. Angesichts dessen
bestünden keine genügenden und konkreten Anhaltspunkte für die An-
nahme einer Asylunwürdigkeit wegen verwerflicher Handlungen. Eine Be-
jahung einer solchen lediglich aufgrund der Beteiligung an der militärischen
Verteidigung der Stadt H._ in den Reihen der (...) erschiene zudem
als unverhältnismässig. Demzufolge verzichtete das SEM auf die Anwen-
dung von Art. 53 Bst. a AsylG.
4.2 Unter dem Aspekt von Art. 53 Bst. b AsylG führte das SEM aus, es habe
aufgrund der spezifischen Biographie des Beschwerdeführers als ehema-
liger «H._-Kämpfer» den NDB noch im Rahmen des Flughafenver-
fahrens um eine Stellungnahme im Hinblick auf eine mögliche Gefährdung
der Sicherheit der Schweiz durch dessen Person ersucht. Mit Schreiben
vom 2. Juni 2017 habe sich der NDB inhaltlich ausführlich vernehmen las-
sen, dabei explizite Sicherheitsbedenken geäussert und dem Beschwerde-
führer im Hinblick auf mögliche Aktivitäten auch in der Schweiz ein «Risi-
koprofil» zugeschrieben. Mit ergänzenden Kurzstellungnahmen vom
28. Juni 2017, 31. Oktober 2017 sowie insbesondere vom 16. Juni 2020
habe der NDB ausdrücklich an seiner inhaltlichen Stellungnahme vom
2. Juni 2017 festgehalten. Wie das SEM in seinem Schreiben vom 23. Juni
2020 zum rechtlichen Gehör erläutert habe, enthalte die Stellungnahme
des NDB Angaben, an deren Geheimhaltung ein wesentliches öffentliches
Interesse im Sinne von Art. 27 Abs. 1 Bst. a VwVG bestehe. Aus diesem
Grund habe es im Schreiben vom 23. Juni 2020 ebenfalls festgehalten,
dass dem Beschwerdeführer der Bericht des NDB als solcher nicht offen-
gelegt werden könne. Der im Schreiben vom 23. Juni 2020 wiedergege-
bene Tenor und Umfang des dem Beschwerdeführer zu gewährenden
rechtlichen Gehörs sei nach Rücksprache mit dem NDB redigiert worden.
Dabei seien sowohl das wesentliche öffentliche Interesse des Bundes an
einer Geheimhaltung (insbesondere die innere oder äussere Sicherheit der
Schweiz) als auch der diesbezügliche Anspruch des Beschwerdeführers
auf rechtliches Gehör berücksichtigt und abgewogen worden. Gemäss Zif-
fer 3 der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 3. Juli 2020 habe
dieser im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor dem Verwaltungsgericht
des Kantons C._ betreffend Eingrenzung direkte Einsicht in das
Schreiben des NDB vom 2. Juni 2017 erhalten. Folglich habe der Be-
schwerdeführer sich in seiner Stellungnahme vom 3. Juli 2020 ausführlich
zum wesentlichen Inhalt des Berichts des NDB zu äussern vermocht.
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In der besagten Stellungnahme habe er insbesondere auf seine seit 2017
bestehende Eingrenzung verwiesen, die mit Entscheid des Verwaltungs-
gerichts C._ vom (...) März 2020 infolge Unverhältnismässigkeit
dieser Massnahme aufgehoben worden sei. Darin habe er weiter ausge-
führt, dass die Aufhebung der Eingrenzung deutlich mache, dass das Ver-
waltungsgericht davon ausgehe, dass von ihm keine Gefahr für die innere
und äussere Sicherheit der Schweiz ausgehe; zudem erscheine die im
Schreiben des SEM vom 23. Juni 2020 enthaltene Begründung für die Ab-
sicht, den Beschwerdeführer vom Asyl auszuschliessen, nicht rechtsgenü-
gend und ein solcher Entscheid auch als unverhältnismässig; entspre-
chend habe er eine Asylgewährung beantragt.
Deshalb gab das SEM den wesentlichen Inhalt des Berichts des NDB vom
2. Juni 2017 in der angefochtenen Verfügung noch einmal wieder. Demge-
mäss habe der NDB hinsichtlich der Person des Beschwerdeführers Si-
cherheitsbedenken geäussert. Dieser sei als kurdischer Aktivist zu betrach-
ten, der auch in der Schweiz für die kurdische Sache aktiv werden könnte.
Er sei Mitglied der kurdischen (...) gewesen und habe mit dieser Organisa-
tion an den Kämpfen im syrischen H._ teilgenommen. Aufgrund sei-
ner spezifischen Biographie weise er ein Risikoprofil auf.
Auch in seiner ergänzenden Kurzstellungnahme vom 16. Juni 2020 habe
der NDB ausdrücklich an seinem Standpunkt festgehalten. Gestützt auf
seine Erkenntnisse gehe der NDB demnach davon aus, dass der Be-
schwerdeführer ein potentielles Risiko für die innere oder äussere Sicher-
heit der Schweiz darstelle. Im Lichte der ihn prägenden Erfahrung des
«E._-Massakers» von 2011, das er in seinem Heimat-und Wohnort
D._ vor Ort miterlebt habe und seiner aus eigenem Antrieb erfolgten
Kampfteilnahme in H._ auf Seiten der (...) könne sich das SEM bei
seiner Entscheidfindung ohne Weiteres der Einschätzung des NDB an-
schliessen, wonach er in der Tat ein entsprechendes, abstraktes Risikopro-
fil aufweise, welches geeignet erscheine, die innere oder (beziehungs-
weise und) äussere Sicherheit der Schweiz zu gefährden.
Der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 3. Juli 2020 hielt das SEM
entgegen, dass sich die Gefährdungsbeurteilung durch den NDB auf ob-
jektiv nachvollziehbare Kriterien und auf das öffentliche Sicherheitsinte-
resse der Schweiz abstütze und nicht mit einer politisch-moralischen Wer-
tung dessen Engagements in H._ verbunden sei. Es erscheine da-
bei insbesondere irrelevant, ob der Beschwerdeführer im Rahmen der
Kampfhandlungen um H._ lediglich in einem rückwärtigen Bereich
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oder direkt an der Front eingesetzt gewesen sei. Er habe zuletzt eine
Gruppe von rund (...) Personen geführt, eine Uniform getragen und sei be-
waffnet gewesen. Damit habe er offenkundig in Kauf genommen, je nach
Entwicklung der militärischen Lage, allenfalls auch unmittelbar an der Front
eingesetzt zu werden. Diese Gefährdungseinschätzung des NDB gelte so-
dann insbesondere auch unabhängig vom zwischenzeitlich ergangenen
Entscheid des Verwaltungsgerichtes des Kantons C._ vom 18.
März 2020, welcher sich lediglich auf die Frage der Verhältnismässigkeit
der kantonalen Anordnung einer Eingrenzung auf das Territorium des Kan-
tons bezogen habe.
Im Weiteren gelte es, sich auch die nach wie vor bestehende und ausge-
sprochen volatile innen- und aussenpolitische Spannungslage in und um
die Türkei und die sich immer stärker manifestierende Verwicklung der Tür-
kei in mehrere nahöstliche Spannungsherde zu vergegenwärtigen, na-
mentlich in Syrien und Libyen, die jederzeit zu verschiedensten und unvor-
hersehbaren Weiterungen auch in Europa und mithin auch in der Schweiz
führen könne.
Eine Anwendung von Art. 53 Bst. b AsylG erscheine vor diesem Hinter-
grund und im Lichte des manifesten öffentlichen Interesses der Schweiz an
einer Verhinderung allfälliger und jederzeit möglicher innertürkischer Aus-
einandersetzungen auf Schweizer Boden auch im Sinne eines generalprä-
ventiven Zeichens als geboten und auch als verhältnismässig. Dabei gelte
es, im Rahmen der Güterabwägung umgekehrt auch zu bedenken, dass
die Rechtsstellung des Beschwerdeführers als Flüchtling weitgehend den-
jenigen Personen entspreche, denen die Schweiz Asyl gewähre.
Der Beschwerdeführer, welcher die Flüchtlingseigenschaft erfülle, sei dem-
nach in Anwendung von Art. 53 Bst. b AsylG vom Asyl auszuschliessen.
4.3 Der Beschwerdeführer hielt dieser Argumentation im Wesentlichen ent-
gegen, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf gleiche und gerechte Be-
handlung nicht respektiert. Der Sachbearbeiter sei bei der BzP voreinge-
nommen und auch die Haltung des Befragers anlässlich der Anhörung vom
23. Oktober 2020 sei problematisch gewesen. Zudem habe die Vorinstanz
seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Die sinngemässe Über-
mittlung der wesentlichen Angaben des NDB-Berichts sei unvollständig ge-
wesen. Ihm vorenthalten worden, dass er dem NDB nicht nachteilig be-
kannt sei. Sodann sei insgesamt davon auszugehen, dass die Stellung-
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Seite 10
nahme des NDB keine hinreichend konkreten und ernstzunehmenden Ele-
mente enthalte, welche die Bejahung der Gefährdung der inneren und
äusseren Sicherheit der Schweiz zulassen würden. Des Weiteren habe es
die Vorinstanz unterlassen, eine eigene, seriöse und vertiefte Prüfung un-
ter Berücksichtigung der gesamten Umstände und unter Beizug der voll-
ständigen Akten vorzunehmen. Es lägen keinerlei personen- oder einzel-
fallbezogene Ausführungen vor. Von Seiten des NDB oder des SEM seien
– abgesehen von der ersten Einschätzung respektive Weitermeldung – in
der Folge keine neuen Informationen geliefert worden. Darauf habe sich
das SEM im angefochtenen Entscheid gestützt. Mit Blick auf die Begrün-
dungspflicht genüge es nicht, ihm pauschal vorzuwerfen, dass er aufgrund
seines Einsatzes für die kurdische Sache eine potentielle Gefahr für die
innere und äussere Sicherheit der Schweiz darstelle. Die Vorinstanz habe
es auch unterlassen, mit Herkunftsländerinformationen zu belegen, inwie-
fern sie die (...) als radikale Organisation erachte und sich dies insbeson-
dere für den Zeitraum, in welchem er sich für die (...) eingesetzt habe,
rechtfertigen lasse. Hinzu komme, dass ihm das SEM nicht einmal ansatz-
weise vorwerfe, in der Schweiz für eine klandestine Organisation aktiv zu
sein. Schliesslich sei die Verhältnismässigkeitsprüfung beziehungsweise
Güterabwägung mangelhaft ausgefallen. Es lägen keinerlei Hinweise auf
politische Aktivitäten seinerseits vor, welche die Ausübung von Grundrech-
ten überschreiten würden und die innere und äussere Sicherheit der
Schweiz gefährden könnten, geschweige denn auf Rekrutierungs- oder
Geldbeschaffungshandlungen.
4.4 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, sie habe dem Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 23. Juni 2020 in rechtsgenüglicher
Weise das rechtliche Gehör insbesondere zu den Erkenntnissen des Nach-
richtendienstes NDB gewährt. ln seiner Stellungnahme vom 3. Juli 2020
habe der Beschwerdeführer zudem ausdrücklich festgehalten, dass er be-
reits im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor dem Verwaltungsgericht
C._ betreffend Eingrenzung umfassende Einsicht in die betreffende
Akte des NDB erhalten habe. Dementsprechend habe er in seiner Stellung-
nahme aus dieser Akte auch eine Passage in der französischen Original-
version zitiert. Damit habe sich die Frage einer allfälligen weitergehenden
Einsicht in die Stellungnahme des NDB von vorneherein erübrigt. ln mate-
rieller Hinsicht habe sich das SEM sodann auf die einzelfallspezifische Bi-
ographie des Beschwerdeführers abgestützt und dabei eine umfassende
Würdigung der gesamten Aktenlage vorgenommen, nicht zuletzt auch ge-
stützt auf eine ausführliche Anhörung zu den Asylgründen. ln ihrem Asyl-
entscheid habe sie die Gründe für eine Anwendung von Art. 53 Bst. b AsylG
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Seite 11
ebenfalls klar dargelegt. Entgegen den diesbezüglichen Ausführungen in
der Beschwerdeschrift sei es dabei in keiner Weise die Absicht des SEM,
die Bestimmung von Art. 53 Bst. b AsylG «als Auffangtatbestand zu benut-
zen, um politisch missliebige Asylsuchende abzustrafen». Die Vorinstanz
habe in ihrem Asylentscheid vielmehr festgehalten, dass ihr Entscheid aus-
drücklich nicht mit einer politisch-moralischen Wertung des Engagements
des Beschwerdeführers in H._ verbunden sei. Im Übrigen verwies
sie auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfänglich festhielt.
4.5 In der Replik vom 20. Oktober 2020 hielt der Beschwerdeführer unter
sinngemässer Wiederholung seiner Ausführungen in der Beschwerde-
schrift an seinen Vorbringen fest.
5.
5.1 Die formellen Rügen des Beschwerdeführers sind vorab zu behandeln,
da sie gegebenenfalls zu einer Kassation führen könnten. In der Be-
schwerde wird geltend gemacht, das SEM habe seinen Anspruch auf glei-
che und gerechte Behandlung nicht respektiert. Zudem wird im Zusam-
menhang mit der Stellungnahme des NDB die Gewährung der Aktenein-
sicht beanstandet und der Vorwurf der mangelhaften Gewährung des
rechtlichen Gehörs erhoben. Schliesslich habe die Vorinstanz den Unter-
suchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt.
5.2 Art. 29 Abs. 1 BV garantiert den Anspruch auf gleiche und gerechte
Behandlung sowohl in verwaltungsinternen als auch in gerichtlichen Ver-
fahren (vgl. BGE 131 II 169 E. 2.2.3). Die Rechtsprechung hat verschie-
dene spezifische Teilgehalte des Anspruchs auf gleiche und gerechte Be-
handlung entwickelt. Als Auffangtatbestand bildet Art. 29 Abs. 1 BV darüber
hinaus ein offenes Grundprinzip zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren
und ist damit Ausdruck des prozessualen Fairnessgrundsatzes (vgl. GE-
ROLD STEINMANN, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.],
Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 2. Aufl. 2014,
Rz. 39 ff. zu Art. 29 BV).
5.3 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6
AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, die
für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich re-
levanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu
führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für
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den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden, un-
richtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-
grunde gelegt wird (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3).
5.4 Die Begründungspflicht ergibt sich aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV nor-
mierten Anspruch auf rechtliches Gehör und ist in Art. 35 Abs. 1 VwVG aus-
drücklich geregelt. Danach obliegt es der verfügenden Behörde, alle er-
heblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen, wobei sich das Er-
gebnis der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat.
Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die Behörde
im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von
denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begrün-
dung des Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn ge-
gebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1).
Ebenfalls Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist der verfahrensrechtliche An-
spruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG). So können sich die Betroffenen
in einem Verfahren nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignet Be-
weis führen beziehungsweise Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen die
Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche die
Behörde ihren Entscheid stützt (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3).
5.5 Der Vorwurf der Voreingenommenheit des Befragers wird in der Be-
schwerde vorweg mit der folgenden Protokollstelle der BzP begründet:
«F: Es ist seit langem bekannt, dass Regierungsgegner in der Türkei von
der Regierung gesucht und bestraft werden. Sie haben es selber ausge-
sucht gegen die Regierung zu sein. Die Bestrafung der Regierung ist eine
Konsequenz welche Sie bewusst in Kauf nahmen. Weshalb laufen Sie nun
davo[r] weg?» (vgl. SEM-act. A15/16 Ziff. 7.02). Allein daraus vermag der
Beschwerdeführer keine Befangenheit abzuleiten, welche die Unparteilich-
keit und Unvoreingenommenheit des Befragers in Frage zu stellen vermag.
Dasselbe gilt bezüglich der weiteren in der Beschwerdeschrift zitierten Pro-
tokollstellen der BzP ebenso wie der Anhörung vom 23. Oktober 2017. So-
dann ist nicht zu beanstanden, dass das SEM aufgrund der BzP den NDB
ein erstes Mal um eine Stellungnahme betreffend den Beschwerdeführer
ersuchte, setzt doch das Vorliegen einer möglichen Gefährdung der inne-
ren oder äusseren Sicherheit der Schweiz eine vorgängige Absprache mit
dem NDB voraus (vgl. E. 6.1 hiernach).
5.6 Soweit in der Beschwerde eingewendet wird, die sinngemässe Über-
mittlung der wesentlichen Angaben des NDB-Berichts sei unvollständig ge-
wesen, da dem Beschwerdeführer die positiven Elemente vorenthalten
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worden seien, ist dazu Folgendes festzuhalten: Vorliegend ist nicht nach-
vollziehbar, weshalb dem Beschwerdeführer im Rahmen der Gewährung
des rechtlichen Gehörs der Inhalt der Stellungnahme des NDB vom 2. Juni
2017 lediglich in Form einer Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts
übermittelt wurde (vgl. SEM-act. A111/5). Soweit sich das SEM dabei auf
Art. 27 Abs. 1 Bst. a VwVG stützte, ist zudem nicht ersichtlich, weshalb ge-
heim zu haltende Inhalte nicht durch Abdecken oder Schwärzen der Ein-
sicht entzogen wurden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 4 und 5, 1994
Nr. 26 E. 2d cc). Indes wurde der Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör vorliegend letztlich nicht verletzt, da ihm im Rahmen des
Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht C._ (unter Abdeckung von
Stellen mit wesentlichem öffentlichen Geheimhaltungsinteresse) umfas-
sendere und rechtsgenügliche Einsicht in die Stellungnahme des NDB ge-
währt wurde (vgl. SEM-act. A112/4). Demzufolge ist der entsprechende
Antrag abzuweisen.
5.7 Entgegen der Ausführungen in der Beschwerde liegen sodann weder
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch der Begründungs-
pflicht vor. Der vorinstanzliche Entscheid erfolgte auf der Grundlage der
ausführlichen Anhörung des Beschwerdeführers und den von diesem zu
den Akten gereichten Beweismitteln, aus welchen insbesondere hervor-
geht, wie sich der Beschwerdeführer zwei Mal nach H._ begeben
hat, um die (...) bei der Verteidigung der Stadt gegen den (...) zu unterstüt-
zen. Die Vorinstanz durfte unter diesen Umständen darauf verzichten, mit
Herkunftsländerinformationen zu belegen, inwiefern sie die (...) als radi-
kale Organisation erachte und sich dies insbesondere für den Zeitraum, in
welchem sich der Beschwerdeführer für die (...) eingesetzt hat, rechtferti-
gen lasse. Zudem hat die Vorinstanz – entgegen den Ausführungen in der
Beschwerdeschrift – die Vorbringen des Beschwerdeführers unter Berück-
sichtigung der gesamten Umstände und unter Beizug der vollständigen Ak-
ten umfassend geprüft. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung
nachvollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen
Überlegungen es sich leiten liess. Es hat sich auch mit sämtlichen zentra-
len Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Der Umstand,
dass der Beschwerdeführer die Auffassung und die Schlussfolgerungen
des SEM nicht teilt, stellt weder eine Verletzung der Begründungspflicht
noch eine mangelhafte Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts dar.
Sodann zeigt die umfangreiche Beschwerde deutlich, dass eine sachge-
rechte Anfechtung ohne Weiteres möglich war.
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5.8 Was den Vorwurf anbelangt, es lägen keine hinreichend konkreten und
ernstzunehmenden Elemente vor, welche die Bejahung der Gefährdung
der inneren und äusseren Sicherheit der Schweiz durch den Beschwerde-
führer zulassen würden, betrifft diese Kritik die Würdigung des Sachver-
halts und damit eine materielle Frage (vgl. E. 6.2 hiernach). Diesbezüglich
vermengt der Beschwerdeführer die Frage der Feststellung des Sachver-
haltes mit der rechtlichen Würdigung der Sache.
5.9 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Sachver-
haltsabklärung sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Die diesbezüglichen Anträge sind somit abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sind (Bst. a), sie die
innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefähr-
den (Bst. b) oder gegen sie eine Landesverweisung nach Art. 66a oder
66abis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937
(StGB, SR 311.0) oder Art. 49a oder 49abis des Militärstrafgesetzes vom
13. Juni 1927 (MStG, SR 321.0) ausgesprochen wurde (Bst. c). Hat sich
ergeben, dass vom Vorliegen eines dieser drei Tatbestände auszugehen
ist, ist gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
in einem weiteren Schritt die Verhältnismässigkeit der Rechtsfolge eines
Asylausschlusses zu prüfen. In Betracht zu ziehen sind dabei praxisge-
mäss unter anderem das Alter der betreffenden Person zum Zeitpunkt der
Tatbegehung, allfällige Veränderungen der Lebensverhältnisse nach der
Tat, die Wahrscheinlichkeit der erneuten Begehung von Straftaten sowie
die Frage, wie lange die Tat bereits zurückliegt, wobei die strafrechtlichen
Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind (vgl. BVGE 2011/10
E. 6 S. 132, 2011/29 E. 9.2.4; bspw. auch Urteile des BVGer D-4291/2012
vom 26. Juli 2013 E. 5.5, D-4698/2013 vom 23. Juli 2014 E. 6.3,
D-1071/2015 vom 19. April 2016 E. 5.5.1; vgl. ausserdem EMARK 1996
Nr. 40, 2002 Nr. 9 E. 7d).
6.2 Der Asylausschlussgrund von Art. 53 Bst. b AsylG kommt wie erwähnt
dann zur Anwendung, wenn Flüchtlinge die innere oder äussere Sicherheit
der Schweiz verletzt haben oder gefährden. Die «innere Sicherheit» be-
zieht sich auf die Förderung des friedlichen Zusammenlebens im nationa-
len, die «äussere» auf die Förderung des friedlichen Zusammenlebens im
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internationalen Rahmen. Massnahmen zur Wahrung der inneren und
äusseren Sicherheit als Instrumente des Staats haben einen präventiven
Charakter, weshalb keine strafbare Handlung vorliegen muss. Dabei ist
das SEM nicht dazu gehalten, einen strikten Beweis zu erbringen. Jedoch
muss es auch in diesem Zusammenhang selbst unter Berücksichtigung
des präventiven Charakters einer gestützt auf diese Gesetzesbestimmung
angeordneten Massnahme substantielle Verdachtsmomente aufzeigen,
die sich auf konkrete Indizien stützen; blosse Mutmassungen genügen
nicht. Das Vorliegen einer möglichen Gefährdung der inneren oder äusse-
ren Sicherheit der Schweiz setzt eine vorgängige Absprache mit dem NDB
voraus. Die Zuständigkeit für den Entscheid über die Asylunwürdigkeit liegt
aber beim SEM. Dieses kann sich deshalb nicht ausschliesslich auf die
Einschätzung des NDB abstützen (vgl. zum Ganzen Urteile des BVGer
E-4549/2018 vom 15. Februar 2018 E. 4.3 und D-3420/2020 vom 26. Mai
2021 E. 5.3.1; BVGE 2018 VI/5 E. 3 und 2013/23 E. 3.3 und 8 je m.w.H.).
6.3 Das SEM begründete die Asylunwürdigkeit des Beschwerdeführers da-
mit, dass er als kurdischer Aktivist zu betrachten sei, der auch in der
Schweiz für die kurdische Sache aktiv werden könnte. Er sei Mitglied der
kurdischen YPG gewesen und habe mit dieser Organisation an den Kämp-
fen im syrischen Kobane teilgenommen. Aufgrund seiner spezifischen Bio-
graphie weise er ein Risikoprofil auf. Im Weiteren verwies die Vorinstanz
auf die nach wie vor bestehende und ausgesprochen volatile innen- und
aussenpolitische Spannungslage in und um die Türkei und die sich immer
stärker manifestierende Verwicklung der Türkei in mehrere nahöstliche
Spannungsherde, die jederzeit zu verschiedensten und unvorhersehbaren
Weiterungen auch in Europa und mithin auch in der Schweiz führen könne.
Das SEM schloss sich hinsichtlich des Gefährdungspotentials explizit der
Einschätzung des NDB an. Dies ist vorliegend nicht zu beanstanden, da
sich der NDB seinerseits auf objektiv nachvollziehbare Kriterien abstützt,
nämlich auf die spezifische Biographie des Beschwerdeführers, welche
sich ihrerseits vorab aus dessen Aussagen anlässlich der BzP ergibt. Ob-
wohl der Beschwerdeführer in der Anhörung vom 23. Oktober 2017 glaub-
haft ausführte, er sei in Kobane ausschliesslich in einem rückwärtigen Be-
reich tätig gewesen, ohne sich selbst an eigentlichen Kampfhandlungen
beteiligt zu haben, schloss das SEM gestützt auf die sich aus dem geltend
gemachten Engagement in Kobane ergebenden Indizien zu Recht auf ein
abstraktes Risikoprofil. Bei den erwähnten Indizien handelt es sich entge-
gen den Ausführungen in der Beschwerde nicht lediglich um Mutmassun-
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gen. Daran vermag aufgrund der Aktenlage nichts zu ändern, dass der Be-
schwerdeführer vermutlich nicht selbst aktiv an eigentlichen Kampfhand-
lungen beteiligt war. Insoweit hat das SEM grundsätzlich zu Recht festge-
stellt, dass der Beschwerdeführer den Tatbestand von Art. 53 Bst. b AsylG
erfüllt.
6.4 Indessen vermag der Entscheid des SEM unter dem Gesichtspunkt der
Prüfung der Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses den rechtlichen
Anforderungen nicht zu genügen. Diesbezüglich wird in der Beschwerde
zu Recht eingewendet, die Verhältnismässigkeitsprüfung sei nur kursorisch
vorgenommen worden und nicht im Sinne einer umfassenden Berücksich-
tigung der generellen und individuellen Umstände. Insbesondere zu Guns-
ten des Beschwerdeführers sprechende Elemente seien von der Vor-
instanz nicht erwähnt worden. Namentlich legte der Beschwerdeführer bei
der Anhörung vom 23. Oktober 2017 glaubhaft dar, seine Motivation sei
ausschliesslich darauf gerichtet gewesen, Kobane und insbesondere die
dort lebende (kurdische) Zivilbevölkerung vor den Angriffen des IS zu
schützen. Ebenso scheint glaubhaft, dass er – aufgrund der belastenden
persönlichen Erlebnisse und der durch medizinische Unterlagen unterleg-
ten Traumatisierung – keinen Kontakt mehr zur YPG pflegt und keine Be-
reitschaft zu einem nochmaligen Einsatz in Syrien hat. Sodann erwähnte
die Vorinstanz das unauffällige Verhalten des Beschwerdeführers in der
Schweiz seit der Einreise nicht. In diesem Zusammenhang ist auch auf die
zwischenzeitlich erfolgte Aufhebung der Eingrenzungsverfügung durch das
kantonale Verwaltungsgericht hinzuweisen (vgl. Sachverhalt Bst. A.b). Zu-
dem beruhte die letztmalige Bestätigung des Risikoprofils durch den NDB
vom 16. Juni 2020 offenbar nicht auf neuen, gegen den Beschwerdeführer
sprechenden Erkenntnissen, sondern immer noch auf der Einschätzung
vom 2. Juni 2017, welche nur auf den Aussagen anlässlich der BzP und
nicht auch der ausführlichen Anhörung vom 23. Oktober 2017 beruht. An
dieser Aktenlage hat sich seit dem Erlass der vorinstanzlichen Verfügung
nichts geändert. Bei einer umfassenden Würdigung sämtlicher positiv und
negativ zu berücksichtigenden Gesichtspunkte des vorliegenden Einzel-
falls erweist sich ein Ausschluss des Beschwerdeführers vom Asyl – zu-
mindest in dem für die Feststellung des Sachverhalts massgeblichen Ur-
teilszeitpunkt (BVGE 2014/1 E. 2) – als unverhältnismässig.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung ist betreffend die Dispositivziffern 2–6 aufzuheben und das SEM
ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.
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8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwen-
dung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendi-
gerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kos-
tennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-
grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von
der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung wird in Anwendung
der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der massgebli-
chen Bemessungsfaktoren demnach von Amtes wegen auf insgesamt
Fr. 3'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festgelegt.
8.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar des als amtlicher Rechtsbeistand
im Sinne von aArt. 110a AsylG eingesetzten Rechtsvertreters wird damit
gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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