Decision ID: a84a3577-2ce8-490f-8d1f-222edf6a6cfd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Beschimpfung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 30. Oktober 2017 (GG170012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 16. Juni 2017
(Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist der Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB so-
wie der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB nicht schuldig und
wird von diesen Vorwürfen freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.
3. Der Antrag der Privatklägerin, wonach der Beschuldigte zu verpflichten sei,
ihr eine Prozessentschädigung von CHF 5'508.– zu bezahlen, wird abgewie-
sen.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten, bestehend
aus:
CHF 1'100.– ; Gebühr für das Vorverfahren
CHF 550.– Auslagen (Gutachten) CHF 1'650.– TOTAL
werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Der Beschuldigte wird für seine Aufwendungen für die Ausübung seiner Ver-
fahrensrechte aus der Gerichtskasse mit CHF 6'203.95 (8 % MWST in die-
sem Betrag eingeschlossen) entschädigt.
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Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Privatklägerin:
(Urk. 66 S. 1 f.)
1. (Der Beschuldigte sei der Verleumdung im Sinne von Art. 174 StGB, eventualiter
wegen übler Nachrede gemäss Art. 173 StGB zu verurteilen.)
Korrektur (vgl. Prot. II S. 16):
Der Beschuldigte sei der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB zu
verurteilen.
2. Der Beschuldgite sei wegen Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB zu
verurteilen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine
Genugtuung in Höhe von Fr. 1'500.-- zu bezahlen.
4. Er sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Prozessentschädigung in
Höhe von Fr. 5'508.-- (erste Instanz) und Fr. 5'823.25 (zweite Instanz),
mithin total Fr. 11'331.25 zu bezahlen.
5. Alles unter im Übrigen ausgangsgemässer Kosten- und
Entschädigungsfolgen.
b) Des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 2)
1. In Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Meilen, Einzelgericht in
Strafsachen, vom 30. Oktober 2017 sei die Berufung der Privatklägerin
abzuweisen.
2. Allfällige Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen,
eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
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3. Die Verfahrens- und Gerichtskosten seien der Privatklägerin
auzuerlegen.
4. Dem Beschuldigten sei zulasten der Privatklägerin eine angemessene
persönliche Entschädigugn sowie eine Anwaltskostenentschädigung
auch für das zweitinstanzliche Verfahren zuzusprechen.
_

Considerations:
Erwägungen:
I.
Mit Urteil vom 30. Oktober 2017 sprach das Bezirksgericht Meilen, Einzelgericht
in Strafsachen, den Beschuldigten sowohl der Beschimpfung gemäss Art. 177
StGB als auch der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB frei. Die Zivil-
klage der Privatklägerin und deren Antrag auf Zahlung einer Prozessentschädi-
gung wurden abgewiesen (Urk. 49).
Gegen das Urteil liess die Privatklägerin mit Eingabe vom 9. November 2017 in-
nert Frist Berufung anmelden (Urk. 43). Das schriftlich begründete Urteil wurde
den Parteien am 20. Dezember 2017 zugestellt (Urk. 48/1-3). Die Berufungserklä-
rung der Privatklägerin erfolgte fristgerecht mit Eingabe vom 8. Januar 2018
(Urk. 51). Dabei liess sie das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten; der
Beschuldigte sei anklagegemäss schuldig zu sprechen, ihr sei eine Genugtuung
von Fr. 1'500.-- zu zahlen und der Beschuldigte sei zu verpflichten, ihr eine Pro-
zessentschädigung zu leisten. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits verzichtete auf
Anschlussberufung und die Stellung von Anträgen (Urk. 60).
Mit Präsidialverfügung des hiesigen Gerichts vom 12. Januar 2018 wurde der Pri-
vatklägerin Frist angesetzt, eine Prozesskaution von einstweilen Fr. 6'000.-- zur
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Deckung allfälliger Prozesskosten und Entschädigungen an die Gegenpartei zu
leisten (Urk. 54). Der Vorschuss ging am 31. Januar 2018 rechtzeitig ein (Urk.
56).
Die Berufungsverhandlung fand am 22. Juni 2018 statt. Dabei erschienen der Be-
schuldigte und sein Verteidiger sowie die Privatklägerin in Begleitung ihres
Rechtsanwalts (Prot. II S. 4).
II.
Die Vorinstanz hat den Anklagevorwurf und die Sachdarstellung der Beteiligten
ausführlich und korrekt wiedergegeben. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann
darauf verwiesen werden (Urk. 49 S. 5 ff.). Sie hat dabei festgehalten, dass der
Beschuldigte die gegen ihn gerichteten Vorwürfe konsequent in Abrede stellte, die
Privatklägerin hingegen daran festhielt, der Beschuldigte habe sie mit dem Paket-
scanner der Post absichtlich geblendet und sie "Puttana" (zu Deutsch "Hure") ge-
nannt (Urk. 49 S. 13).
Auf die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Beweiswürdigung kann
ebenfalls verwiesen werden (Urk. 49 S. 15 f.); insbesondere hat sie den Grund-
satz "in dubio pro reo" sowie die Grundlagen zur Würdigung von Personalbewei-
sen und anhand welcher Kriterien die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu beurteilen
sind korrekt dargelegt (vgl. Realitätskriterien und Lügensignale, Urk. 49 S. 16 f.).
Sie hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte als direkt Betroffe-
ner ein erhebliches und grundsätzlich legitimes Interesse daran habe, die Ge-
schehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen, weshalb seine Aussa-
gen mit Vorsicht zu würdigen seien (Urk. 49 S. 17). Dabei ist Folgendes zu beach-
ten: die besondere Motivationslage des Beschuldigten ist durchaus im Auge zu
behalten, seine Aussagen sind aber nicht generell mit grosser Zurückhaltung zu
würdigen. Es liefe auf eine unerlaubte Benachteiligung des Beschuldigten hinaus,
wenn der Anschein erweckt würde, man glaube ihm von vornherein weniger.
Was die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Privatklägerin anbelangt, hat die Vor-
instanz zu Recht erwähnt, dass die Privatklägerin bereits zuvor Probleme mit der
Post hatte (d.h. sich von Angestellten der Post schlecht behandelt fühlte) und zu-
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dem Zivilansprüche geltend mache. Auch sie verfolge somit gewisse Eigeninte-
ressen, weshalb ihre Aussagen ebenfalls mit einer gewissen Zurückhaltung zu
würdigen seien (Urk. 49 S. 17). Dem ist zuzustimmen.
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht auf die
generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften per-
sonalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt in der Regel
kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahr-
heitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch metho-
dische Analyse ihres Inhalts darauf geprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Ge-
schehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden
entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3).
Nach Gegenüberstellung der Aussagen der Beteiligten sowie sorgfältiger Prüfung
der weiteren Beweismittel kam die Vorinstanz zum Schluss, dass sie die Aussa-
gen des Beschuldigten als glaubhaft, diejenigen der Privatklägerin dagegen als
weniger glaubhaft erachte. Es bestünden begründete Zweifel, dass sich der
Sachverhalt gemäss Anklage abgespielt habe. Folglich ging sie (in dubio pro reo)
von der für den Beschuldigten günstigeren Sachverhaltsvariante aus (wonach er
die Privatklägerin weder absichtlich geblendet, noch beschimpft habe, Urk. 49
S. 22). Die Beurteilung ist zutreffend, dennoch ist sie wie folgt zu ergänzen, bzw.
mit Nachdruck zu verdeutlichen:
Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Aussagen des Beschuldigten von Kon-
stanz geprägt sind (Urk. 49 S. 18). Den Ablauf des Geschehens legte er bei sämt-
lichen Einvernahmen und verschiedener Fragestellung gleichermassen anschau-
lich dar, wie es von jemandem zu erwarten ist, der die Situation selbst miterlebt
hat. Der Beschuldigte nahm nicht nur auf das Kerngeschehen an sich Bezug,
sondern ergänzte dieses mit diversen passenden Nebensächlichkeiten. Seine
Darstellung erweist sich damit insgesamt als nachvollziehbar und in sich schlüssig
(vgl. wiederholt gleiche Schilderung des Hoch- und Runtertragens der Pakete,
Verwunderung über das Verhalten der Privatklägerin, Problematik der verweiger-
ten Unterschrift, Ausfüllen des Abholscheins, Bezeichnung der Privatklägerin als
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schwierige Kundin und letztlich Mitnehmen der Pakete, Urk. 9/1 und 9/43,
vgl. auch Urk. 49 S. 18).
Der Beschuldigte schilderte im Übrigen nicht nur den äusseren Geschehensablauf
präzise, sondern bezog sich stets auch auf innere Aspekte wie Überlegungen und
Befindlichkeiten seinerseits in der entsprechenden Situation, was die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen noch verstärkt. Als die Privatklägerin beispielsweise un-
erwartet die Haustüre wieder geschlossen habe, ohne die Pakete entgegenzu-
nehmen, habe er zuerst gewartet und sich dann gefragt, was los sei (Urk. 9/3
S. 2). Er habe nicht gewusst, weshalb sie die Türe vor seiner Nase wieder ge-
schlossen habe (Urk. 9/1 S. 1).
Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte noch während des Geschehens stets über
die Korrektheit des eigenen Vorgehens reflektierte. So habe er der Privatklägerin
gesagt, er müsse die Pakete wieder mitnehmen und einen Abholschein einwer-
fen, wenn sie den Empfang der Pakete nicht unterschreibe. Als sie ihm mit einer
Reklamation bei der Post gedroht habe, sei ihm dies egal gewesen, denn er habe
sich gedacht, er habe nach den Vorschriften der Post gehandelt und alles richtig
gemacht (Urk. 9/3 S. 3, vgl. auch Urk. 49 S. 19).
Der Beschuldigte gab überdies von sich aus zu, der Privatklägerin gesagt zu ha-
ben, sie sei eine schwierige Kundin (dies sei aber mehr eine Feststellung als eine
Beleidigung gewesen, Urk. 9/3 S. 4). Damit stellte er seine eigene Rolle nicht nur
vorteilhaft dar und versuchte sein eigenes Verhalten auch nicht zu beschönigen
(vgl. auch Urk. 49 S. 19).
Weiter bestritt er nicht einfach kategorisch, dass die Privatklägerin beim Scannen
der Pakete (kurz) geblendet worden sein könnte. Dies sei zwar unwahrscheinlich,
er könne es aber nicht ganz ausschliessen. Dabei müsste er, als er den Scanner
aus der Tasche gehoben habe, (versehentlich) auf den Knopf gekommen sein.
Dies wäre für ihn die einzige Erklärung. Er gehe aber davon aus, dass er sie nicht
geblendet habe (schon gar nicht absichtlich, Urk. 9/1 S. 2). Der Beschuldigte be-
fasste sich somit differenziert mit der konkreten Situation, er versetzte sich quasi
in die Perspektive der Privatklägerin und suchte nach Erklärungen, inwiefern sie
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durch sein Verhalten allenfalls doch geblendet worden sein könnte (vgl. auch
Urk. 49 S. 19).
Damit sind diverse Realitätskriterien erfüllt, welche klar für die Glaubhaftigkeit der
Aussagen des Beschuldigten sprechen (vgl. Vorinstanz Urk. 49 S. 19).
Die Schilderungen der Privatklägerin weisen dahingegen einige Ungereimtheiten
auf. Die Vorinstanz hat die entsprechenden Aussagen ausführlich dargelegt und
zutreffend analysiert; darauf kann verwiesen werden (Urk. 49 S. 19 ff.). Beson-
ders kritisch erweisen sich die Aussagen der Privatklägerin in Bezug auf den
Vorwurf des Blendens:
Sie sagte wiederholt aus, wie schockiert, gar sprachlos, sie gewesen sei, als der
Beschuldigte ihr mit dem Paketscanner mitten ins Auge geblendet resp. in die
Augen gezündet habe. Sie sei erschrocken, dass dies so passiert sei. Sie habe
ihn gefragt, was er da mache, und ihn dann angewiesen, die Pakete unten bei der
Garage zu platzieren. Gleich darauf sei sie im Inneren des Hauses zur Garage
runtergerannt (Urk. 9/2 S. 2 und Urk. 9/4 S. 4). Dieses Verhalten der Privatkläge-
rin in der entsprechenden Situation erstaunt. Auf ein Blenden oder Blitzen mitten
ins Auge wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich reflexartig vom Beschuldigten
weggedreht oder schützend die Arme vor ihr Gesicht gehoben hätte, um das star-
ke Licht abzuwenden. Realistisch wäre auch gewesen, einen kurzen Laut (Auf-
schrei) von sich zu geben oder den Beschuldigten zu ermahnen, das Blenden so-
fort zu unterlassen. Eine solche physische oder verbale Abwehrreaktion beschrieb
die Privatklägerin aber mit keinem Wort (auch der Beschuldigte hielt fest, die Pri-
vatklägerin habe ihm nichts von einem Blenden gesagt, Urk. 9/1 S. 1). Nach eige-
nen Angaben fragte sie ihn lediglich, was er da mache, und ging dann gleich dazu
über, zu sagen, wo die Pakete abzustellen seien. Wäre die Privatklägerin tatsäch-
lich derart erschrocken, wären die Pakete zweitrangig gewesen und sie hätte sich
wohl auch nicht direkt in die Garage begeben, um dort erneut den Beschuldigten
anzutreffen (vgl. hierzu die Erwägungen der Vorinstanz, es wäre naheliegend ge-
wesen, wenn sie abgewartet hätte, bis der Täter sich entfernt hätte, Urk. 49
S. 20).
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Auffällig ist dabei auch, dass in der Notiz des Kundendienstes der Post zur Re-
klamation der Privatklägerin das Blenden mit dem Paketscanner nicht erwähnt,
sondern lediglich die Beschimpfung als Grund der Meldung aufgeführt wurde
(Urk. 8).
Die Vorinstanz hat bereits dargelegt, inwiefern sich bei der von der Privatklägerin
geltend gemachten Augenproblematik diverse Ungereimtheiten ergeben (Urk. 49
S. 21). So fand die "notfallmässige" Konsultation bei der Augenärztin nicht direkt
nach dem Vorfall, sondern erst eine Woche später statt (vgl. Urk. 11/4). Des Wei-
teren machte die Privatklägerin als Folge des vermeintlichen Blendens eine Ge-
sichtsschwellung und Hautreizungen (links im Gesicht) geltend. Die behandelnde
Fachärztin für Ohren-Nasen-Hals-Krankheiten FMH hatte in ihrem Bericht noch
vor dem eigentlichen Vorfall Hinweise auf eine Nebenhöhlenentzündung bei der
Privatklägerin vermerkt. Von einer Schädigung der Patientin durch einen Scanner
wusste sie aber nichts; auch hatte sie im weiteren Verlauf der Behandlung, d.h.
nach dem Vorfall, keine entsprechenden Einträge gemacht (Urk. 11/5). Dieser
Umstand weckt an der Darstellung des Geschehens durch die Privatklägerin er-
hebliche Zweifel. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Privatklägerin die Folgen
des vermeintlichen Blendens für ihre Augen fortlaufend immer drastischer schil-
derte, was letztlich den Eindruck von Übertreibungen hinterlässt.
Der Rechtsvertreter der Privatklägerin erklärte anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung, seine Klientin habe keinen Grund, den Beschuldigten fälsch-
lich eines Delikts zu bezichtigen. Dem fügte er an, ihr sei ein ähnlicher Vorfall
(Blenden mit dem Paketscanner) bereits einmal widerfahren, sie hätte nun genug
davon. Einige Postangestellte hätten zudem schlecht über sie gesprochen und
sich über sie lustig gemacht (Urk. 35 S. 1). Über eine Motivation der Privatkläge-
rin, allenfalls falsch gegen den Beschuldigten ausgesagt zu haben, soll nicht spe-
kuliert werden. Doch erfolgte der Einwand der Verteidigung, dass gerade in den
früheren Schwierigkeiten der Privatklägerin mit der Post die Krux liege und am
Beschuldigten nun ein Exempel statuiert werde, nicht ganz zu Unrecht (Prot. I
S. 16). So ist bei der Privatklägerin durchaus eine gewisse Frustration erkennbar,
indem sie aussagte, sie werde bereits seit mehreren Jahren von Mitarbeitern der
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Post schikaniert und glaube, auch den Beschuldigten in diesem Zusammenhang
wieder erkannt zu haben, wobei sie sich nicht sicher sei (Urk. 9/2 S. 4; Urk. 9/4
S. 6). Die Vorinstanz hat unter dem Titel der Glaubwürdigkeit bereits zu Recht auf
diesen Umstand hingewiesen (Urk. 49 S. 17).
Was den Vorwurf angeht, der Beschuldigte habe die Privatklägerin "Puttana" ge-
nannt, steht Aussage gegen Aussage. Der Beschuldigte verneinte stets vehe-
ment, dies je gesagt zu haben (Urk. 9/1 S. 1; Urk. 9/3 S. 4). Die Privatklägerin
hingegen bestätigte diesen Vorwurf wiederholt (Urk. 9/2 S. 4; Urk. 9/4 S. 3). Beide
behaupteten zudem, den Ausdruck vorher nicht näher gekannt resp. nicht ver-
wendet zu haben. Bei dieser Ausgangslage ist auch hier im Zweifel davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte dies nicht gesagt hat (zudem erweisen sich die
Aussagen der Privatklägerin betreffend die angebliche Beschimpfung in zeitlicher
und örtlicher Hinsicht als unklar, da voneinander abweichend).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in entscheidenden
Punkten widersprüchlich, zur Aktenlage oder früheren Aussagen abweichend und
teils kaum nachvollziehbar aussagte, was gehörige Zweifel an dem von ihr ge-
schilderten Geschehen weckt. Zutreffend hielt die Vorinstanz denn auch fest,
dass ihre Aussagen im Vergleich zu denjenigen des Beschuldigten qualitativ deut-
lich abfallen (Urk. 49 S. 21 f.).
Somit verbleiben erhebliche, unüberwindbare Zweifel daran, dass sich der Sach-
verhalt tatsächlich gemäss Anklage ereignet hat. Ob die Aussagen des Beschul-
digten gänzlich der Realität entsprechen (oder nicht) kann dahingestellt bleiben,
denn gemäss dem Grundsatz "in dubio pro reo" im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO
ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von dem für ihn günstigeren Sachver-
halt auszugehen (wonach er die Privatklägerin weder absichtlich geblendet noch
beschimpft hat; vgl. Urk. 49 S. 22). Es hat deshalb ein Freispruch zu erfolgen.
III.
Folglich sind auch die Voraussetzungen der von der Privatklägerin beantragten
Genugtuung nicht gegeben, weshalb das entsprechende Begehren abzuweisen
ist (Urk. 49 S. 24).
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IV.
Die Kosten- und Entschädigungsregelung der Vorinstanz ist bei diesem Ausgang
des Verfahrens zu bestätigen (Disp. Ziff. 3, 4 und 5).
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Wird die gegen ein freispre-
chendes Urteil einzig von der Privatklägerschaft erhobene Berufung (mit dem An-
trag auf Verurteilung) abgewiesen, hat jene gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung auch die Verteidigungskosten der beschuldigten Person zu tragen
(BGE 139 IV 45).
Allein die Privatklägerin hat Berufung erhoben und dabei u.a. die Verurteilung des
Beschuldigten beantragt. Sie unterliegt in sämtlichen Punkten. Folglich sind ihr die
Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen und sie ist zu verpflichten, dem
Beschuldigten eine persönliche Umtriebsentschädigung von Fr. 600.-- sowie eine
Prozessentschädigung im Betrag von Fr. Fr. 2'900.-- zu zahlen. Ein Anspruch der
Privatklägerin auf Genugtuung besteht ausgangsgemäss nicht.
Zur Deckung der Berufungskosten sowie der Umtriebs- und Prozessentschädi-
gung an den Beschuldigten ist die von der Privatklägerin geleistete Prozesskauti-
on von Fr. 6'000.-- zu verwenden.