Decision ID: 4eb44226-3bb0-490d-ac8e-74a5f66d98f2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 13. Dezember 2001 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 2). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 27. Dezember 2001, der Versicherte leide an einem Status nach
Quetschverletzung der dominanten rechten Hand mit Sehnenverletzungen des dritten
und vierten Fingers, an einem Lumbovertebralschmerzsyndrom bei Diskushernie L4/L5
mit vermuteter L5-Nervenwurzelkompression rechts und an einer posttraumatischen
Belastungsstörung nach Gefangenenlager/Folter 1992. Bezogen auf den
angestammten Beruf als Metallarbeiter an einer Stanzmaschine bestehe seit 6. Juni
2001 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Falls sich die Beschwerden
aller drei Diagnosen in den nächsten Monaten bessern würden, könnte der Versicherte
wahrscheinlich höchstens zu 50 % wieder eingegliedert werden (IV-act. 4; zum
Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 29. November 2001 betreffend die
stationäre Rehabilitation vom 10. September bis 10. Oktober 2001 siehe IV-act. 4-3 ff.).
Der behandelnde Dr. med. C._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erhob
die folgenden Diagnosen: depressive Störung mit starken Angstsymptomen nach
einem Arbeitsunfall mit Verletzung der rechten Hand; eine posttraumatische
Persönlichkeitsänderung als Folge der traumatisierenden Erlebnisse in einem D._-
ischen Lager in E._ und ein chronifiziertes Schmerzsyndrom. Der Zustand habe sich
chronifiziert und einen invalidisierenden Verlauf genommen. Aus psychiatrischer Sicht
sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig (Bericht vom 1. Oktober 2002, fremd-
act. 3-104 ff.). Die RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, schloss sich der Beurteilung von Dr. C._ an (Stellungnahme vom
A.a.
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2. Dezember 2002, IV-act. 17). Mit Verfügung vom 14. April 2003 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Juni 2002 eine ganze Rente zu (IV-act. 23).
Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens (vgl. IV-
act. 27) wurde der Versicherte am 30. Mai 2005 von den RAD-Ärzten Dr. med. G._,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, und Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädie,
interdisziplinär untersucht. Die RAD-Ärzte stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: 1. ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Diskushernie
L4/L5 rechts, Bandscheibenprotrusion L3/L4, Osteochondrose L3/L4 mit
Wurzelirritation L4 rechts und lumbo-sakraler Übergangsanomalie; 2. eine
Funktionsstörung der rechten dominanten Hand nach Quetschverletzung am 6. Juni
2001 mit Revision im Bereich P2 Dig. II, Naht der tiefen Beugesehne Dig. III und Dig. IV
und Revision des PIP Dig. V; 3. eine chronische Kopfschmerzsymptomatik; 4. eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) und
5. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Auch wenn im
psychischen Bereich ein gewisser Diagnosewandel stattgefunden habe, so bestehe
weitgehend die gleiche Problematik mit negativen Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. In der Beurteilung der Gesamtsituation müsse somit davon
ausgegangen werden, dass gegenüber dem Jahr der erstmaligen Rentenzusprache
keine relevanten Veränderungen aufgetreten seien und dass für sämtliche
Berufstätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vorliege (Untersuchungsbericht
vom 2. Juni 2005, IV-act. 36). Daraufhin teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 1. Juli
2005 mit, er habe weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente (IV-act. 38). Weitere im
August 2009 und im Januar 2014 von Amtes wegen eingeleitete Revisionsverfahren
(vgl. IV-act. 44 und IV-act. 63 f.) führten ebenfalls je zum Ergebnis, dass kein
Revisionsgrund vorliege (Mitteilungen vom 29. Januar 2010, IV-act. 54, und vom
17. Juli 2014, IV-act. 72).
A.b.
Die leistungspflichtige berufliche Vorsorgeeinrichtung (I._ AG) gab am
20. November 2015 eine Überwachung des Versicherten in Auftrag (IV-act. 85). Im
Zeitraum vom 20. November 2015 bis 12. Februar 2016 wurde der Versicherte an
mehreren Tagen grösstenteils während mehrerer Stunden observiert. Im
Ermittlungsbericht vom 20. Februar 2016 wurde ausgeführt, dass anlässlich der
Beobachtungen keinerlei physische oder psychische gesundheitliche
A.c.
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Beeinträchtigungen hätten festgestellt werden können. Der Versicherte habe wiederholt
bei Einkäufen und anderen Erledigungen beobachtet werden können. Teilweise sei er
allein, teilweise zusammen mit seiner Ehefrau gewesen (fremd-act. 7).
Im Auftrag der I._ wurde der Versicherte am 18. Februar 2016 von Dr. med.
J._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Dieser
diagnostizierte einen Zustand nach vermuteter, ausschliesslich eigenanamnestisch
dokumentierter posttraumatischer Belastungsstörung, entstanden im Rahmen einer
Hafterfahrung mit Folter 1992 (ICD-10: F43.1); Opfer von Verbrechen oder Terrorismus
(eigenanamnestisch; ICD-10: Z65.2/65.4); narzisstisch akzentuierte Persönlichkeitszüge
(ICD-10: Z73.1); Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(ICD-10: F68.0). Die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung sei weder anamnestisch, noch aufgrund der Befunde genügend
ausgewiesen. Es bestehe während des Untersuchungsintervalls eine mehrheitlich
bewusstseinsnah motivierte Selbstdarstellung, die auf einen gekränkten, schwer
invalidisierten und gezeichneten Menschen hinweisen solle. Die Darstellung der
Invalidisierung im Rahmen der Beobachtung durch den Untersucher seien deutlich
stärker ausgeprägt, als sie in unbeobachteten Situationen im Rahmen der
Observationen hätten festgestellt werden können. Die Diskrepanzen liessen Zweifel am
Vorhandensein einer schwerwiegenden Störung aufkommen. Für leichte bis
mittelgradig körperlich belastende Arbeiten als Maschinist oder als Sanitärmonteur
bestehe eine volle Leistungsfähigkeit. Dies gelte auch für eine leidensangepasste
Tätigkeit. Aus medizinischer Sicht sei es sinnvoll, zunächst mit einem Teilpensum zu
starten. Ein Beginn mit einem 50%igen Pensum während 2 Monaten sei
empfehlenswert (Gutachten vom 15. Juli 2016, IV-act. 82). Daraufhin stellte die I._ die
Leistungszahlungen per 31. Juli 2016 ein (Schreiben vom 4. August 2016, fremd-
act. 6-14 f.). Mit Schreiben vom 19. September 2016 beantragte sie bei der IV-Stelle
«die Revision des Rentenentscheids vom 14.04.2003 gemäss Art. 53 Abs. 1 und 2
ATSG» (IV-act. 80).
A.d.
Dr. med. K._, Fachärztin für Neurologie, Mitarbeiterin der IV-Stelle, gelangte
nach einer Würdigung der Akten zur Auffassung, dass sich zum heutigen Zeitpunkt ein
deutlich höheres Funktionsniveau postulieren lasse als aufgrund der Berichte der
behandelnden Ärzte angenommen werden müsste. Das Gutachten von Dr. J._ erfülle
A.e.
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die Qualitätsanforderungen. Aus somatischer Sicht liessen sich den Akten keine
Diagnosen entnehmen, die zum heutigen Zeitpunkt eine längerdauernde
Erwerbsunfähigkeit begründen würden. Aufgrund der radiologisch nachgewiesenen
degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule müsste eine
wechselbelastende Tätigkeit angestrebt werden. Wegen der 2001 erlittenen Verletzung
der «nicht dominanten» Hand wären auch Tätigkeiten mit einer übermässigen
Beanspruchung oder grossen feinmotorischen Anforderungen ungeeignet. Dies müsste
aber gutachterlich abgeklärt werden. Sie empfahl die Vornahme eines
rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens (Stellungnahme vom 17. März 2017, IV-
act. 105).
Die IV-Stelle zeigte dem Versicherten am 16. Mai 2018 die vorsorgliche
Renteneinstellung an und gewährte ihm dazu das rechtliche Gehör (IV-act. 132). Der
Versicherte bestritt in der Stellungnahme vom 28. Mai 2018, dass die Voraussetzungen
für eine vorsorgliche Einstellung der Rentenleistungen erfüllt seien (IV-act. 134). Am
14. Juni 2018 verfügte die IV-Stelle die vorsorgliche Einstellung der Invalidenrente «ab
sofort». Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung (IV-
act. 136). Die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde vom 13. August 2018
wies das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 14. Januar 2019, IV 2018/255, ab
(IV-act. 154).
A.f.
Nachdem die IV-Stelle u.a. bei Dr. C._ einen Verlaufsbericht vom 26. Juli 2019
(IV-act. 169) eingeholt und diesen von Dr. K._ würdigen lassen hatte (Stellungnahme
vom 23. Oktober 2019, IV-act. 176), liess sie sich von der medexperts ag am
31. August 2020 ein polydisziplinäres (neurologisches, psychiatrisches,
orthopädisches, neuropsychologisches, allgemeininternistisches, rheumatologisches
und pneumologisches) Gutachten erstatten (zu den zwischen den Parteien im Rahmen
der Begutachtungsanordnung umstrittenen Punkten, u.a. zur umstrittenen
Verwertbarkeit des Observationsmaterials, siehe den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 24. Oktober 2018, IV 2018/87, IV-act. 146, und das Urteil
des Bundesgerichts vom 16. April 2019, 8C_810/2018, IV-act. 157). Die medexperts-
Sachverständigen diagnostizierten folgende Leiden, denen sie einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beimassen: 1. rechte Hand: leicht verminderte Faustschlusskraft,
Streckhemmung PIP-Gelenk Dig. IV und Dig. III, Flexionshemmung PIP IV und V bei
A.g.
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Status nach Quetschverletzung S66.1; 2. leichte Spondylarthrosen der gesamten HWS,
leichte Protrusionen der Bandscheiben C3/4 und C5/6 (ICD-10: M45.82); 3. eine
mässige Spondylosis der gesamten LWS, mässige Spondylarthrosen caudale LWS,
Sakralisation LWK5 links (ICD-10: M47.86) und 4. einen Mischkopfschmerz (ICD-10:
G44.8). Ohne Folgen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden u.a. akzentuierte
Persönlichkeitszüge (ICD-10: F73.1) mit narzisstischen Anteilen, ein Status nach
posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10: F43.0), eine Entwicklung körperlicher
Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F68.0) und eine sonstige Reaktion auf
schwere Belastung (ICD-10: F43.8). Der psychiatrische Gutachter führte aus, die
psychischen Funktionseinschränkungen verschiedener Lebensbereiche könnten
aufgrund der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehenden, nicht authentischen
Beschwerdeschilderung nicht abschliessend beurteilt werden. Nach der ambulanten
Begutachtung bestünden aktuell keine Diagnosen mit Einschränkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Dennoch werde psychiatrisch keine abschliessende Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit abgegeben wegen noch offener Fragen zur Persönlichkeit, die den
Versicherten dazu gebracht hätten, im Explorationsgespräch fremdgefährdendes
Verhalten in Worte zu fassen. Insofern werde eine abschliessende psychiatrische
Beurteilung stationär empfohlen. Im Rahmen der Gesamtbeurteilung gelangten die
medexperts-Sachverständigen zum Schluss, sowohl bezogen auf die bisherige
Tätigkeit als auch für leidensangepasste Tätigkeiten verfüge der Versicherte aus
somatischer Sicht über eine 70%ige Restarbeitsfähigkeit. Diese Einschätzung gelte ab
November 2013. Bezüglich der Entwicklung des Gesundheitszustands seit April 2003
bzw. seit Juli 2005 verwies der psychiatrische medexperts-Gutachter auf die
Beurteilung des Vorgutachters (Dr. J._). Aus somatischer Sicht wurde angefügt, dass
seit Juni 2005 chronische Mischkopfschmerzen hinzugetreten seien. Ansonsten habe
lediglich eine Zunahme der degenerativen Veränderungen der HWS und LWS
stattgefunden (IV-act. 204, insbesondere IV-act. 204-9 f. und -14 ff.; zu den einzelnen
Teilgutachten siehe IV-act. 205 ff.). Dr. K._ vertrat die Auffassung, das medexperts-
Gutachten erfülle sämtliche geforderten Qualitätskriterien. Hervorzuheben sei, dass
aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen und Diskrepanzen psychiatrischerseits mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ein nicht-authentisches Krankheitsbild vorliege.
Aufgrund der als gering beurteilten Unsicherheit, ob eventuell nicht doch eine
Persönlichkeitsstörung vorliege, sei zur weiteren Evaluation eine stationäre Abklärung
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B.
empfohlen worden. Ein versicherungsmedizinisch relevanter Erkenntnisgewinn aus
einer weiteren psychiatrischen Abklärung erscheine jedoch fraglich bzw. eine solche sei
nicht zielführend. Dr. K._ bejahte eine Änderung des medizinischen Sachverhalts seit
Juni 2005 (Stellungnahme vom 10. September 2020, IV-act. 210).
Auf der Grundlage einer 30%igen Restarbeitsfähigkeit ermittelte die IV-Stelle einen
26%igen Invaliditätsgrad und zeigte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
17. September 2020 die per Ende Dezember 2015 vorgesehene Einstellung der
Invalidenrente an (IV-act. 211), wogegen er am 19. Oktober 2020 Einwand erhob (IV-
act. 214; zur ergänzenden Begründung vom 26. November 2020 siehe IV-act. 219). Am
8. März 2021 verfügte die IV-Stelle die revisionsweise Einstellung der Rente auf Ende
Dezember 2015. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die
aufschiebende Wirkung (IV-act. 221).
A.h.
Gegen die Verfügung vom 8. März 2021 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 21. April 2021. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur abschliessenden Abklärung des
medizinischen Sachverhalts sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Eventualiter sei die
Sache zur rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und anschliessender Neuverfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
vor, der Sachverhalt sei mit dem medexperts-Gutachten noch nicht spruchreif
abgeklärt. Zudem hätte die Beschwerdegegnerin vor einer Einstellung der Rente die
erforderlichen Eingliederungsmassnahmen durchführen müssen (act. G 1). In der
Eingabe vom 20. September 2021 ergänzte der Beschwerdeführer, dass sich der
Sachverhalt nicht in revisionserheblicher Weise verändert habe. Beim medexperts-
Gutachten handle es sich um eine originäre Neubeurteilung eines im Wesentlichen
unveränderten Sachverhalts (act. G 10).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde. Des Weiteren erscheine es aus ihrer Sicht
fraglich, ob die Beschwerdeanträge die Voraussetzungen für ein Eintreten erfüllen
würden. Im Wesentlichen macht die Beschwerdegegnerin geltend, dass ein
B.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/21
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Considerations:
Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin bezweifelt, dass der Beschwerdeführer einen zureichenden
Beschwerdeantrag gestellt habe (act. G 14, III. Rz 1). Diese Zweifel sind unbegründet.
Bereits zu Beginn seiner Anträge hat der Beschwerdeführer ausdrücklich um
Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 8. März 2021 ersucht und damit
inhaltlich in unzweideutiger Weise den Antrag gestellt, dass die Einstellung der
Rentenleistung aufzuheben sei. Die Beschwerdegegnerin legt weder dar noch ist
erkennbar, inwiefern diese Formulierung zwingend einer weiteren Konkretisierung im
Rahmen der Rechtsbegehren bedurft hätte. Daran vermag nichts zu ändern, dass der
Beschwerdeführer noch zusätzlich die Zusprache der gesetzlichen Leistungen
beantragte, bleiben doch die rechtlichen Folgen der Aufhebung der angefochtenen
Verfügung dennoch klar: die Weiterausrichtung der bisherigen Rentenleistungen, was
sich auch ohne weiteres aus der Begründung ergibt (siehe etwa act. G 1, Rz 4, und act.
G 10, Rz 29). Lediglich der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, dass selbst
ein fehlender Antrag nicht unmittelbar zu einem Nichteintreten führt, sondern diese
Revisionsgrund vorliege und gestützt auf das beweiskräftige medexperts-Gutachten
ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad ermittelt worden sei. Weitere
medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich und auch nicht zielführend, zumal
mit der ausgewiesenen Aggravation ein Ausschlussgrund für eine Erwerbsunfähigkeit
vorliege. Der Wirkungszeitpunkt sei auf den Beginn der Observation anzuknüpfen, da
dem Beschwerdeführer spätestens damals habe bewusst sein müssen, dass sich seine
Leistungsfähigkeit längst wesentlich verbessert habe (act. G 14).
In der Replik vom 17. Januar 2022 hält der Beschwerdeführer unverändert an den
Beschwerdeanträgen fest (act. G 17).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 18. Februar 2022 ihrerseits
unverändert an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 19).
B.d.
Am 7. März 2022 reicht der Beschwerdeführer die anlässlich der Begutachtung in
der medexperts ag angefertigten Tonaufnahmen ein (act. G 21). Hierzu nimmt die
Beschwerdegegnerin am 11. April 2022 Stellung (act. G 25), woraufhin sich der
Beschwerdeführer am 4. Mai 2022 nochmals zu den Tonaufnahmen äussert (act. G 27).
B.e.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/21
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Folge erst greifen könnte, wenn der Mangel vom Versicherungsgericht vorgängig
abgemahnt und mit der Androhung eines Nichteintretens verbunden worden wäre
(Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 48 Abs. 2 f. des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Dafür bestand vorliegend kein Anlass.
Deshalb und da die übrigen Eintretensvoraussetzungen unbestrittenermassen erfüllt
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Materieller Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 8. März 2021 ist
ausschliesslich die Einstellung der Rente auf Ende Dezember 2015 (siehe zum
Verfügungsdispositiv IV-act. 221-1). Betreffend die Frage einer allfälligen
Rückerstattungsforderung enthält die Verfügung keine konkreten Anordnungen,
sondern lediglich einen generell-abstrakten Hinweis, dass zu Unrecht erbrachte
Leistungen zurückzuerstatten sind (IV-act. 221-4 Mitte).
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar
2022, 8C_455/2021, E. 2).
2.1.
Die Beschwerdegegnerin hält die von ihr angeordnete Renteneinstellung gestützt
auf den Anpassungsgrund der Revision für rechtmässig. Ändert sich der
Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (aArt. 17 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
umfassend («allseitig») zu prüfen, sobald ein einzelner Revisionsgrund vorliegt, wobei
keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht. Dabei kann gemäss Bundesgericht
selbst eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes Anlass für eine Aufhebung der
Rente sein (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2021, 9C_361/2020, E. 3.2).
Unter Umständen kann auch ein früher nicht gezeigtes Verhalten eine im Sinn von
aArt. 17 Abs. 1 ATSG relevante Tatsachenänderung darstellen, wenn sich dieses auf
den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auswirken kann.
2.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
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Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das die
Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anwendbar ist (zur Anwendbarkeit dieser
Rechtsprechung auch auf sämtliche psychischen Erkrankungen siehe BGE 143 V 418),
wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, d.h. die Leistungseinschränkung auf Aggravation
oder einer ähnlichen Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste)
Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgeht (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. November 2021, 9C_302/2021, E. 4.2). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE
130 V 349 f. E. 3.5). Ob eine Änderung im Sinn von aArt. 17 Abs. 1 ATSG eingetreten
ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der
versicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, die auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruhte, mit demjenigen zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung (BGE 133 V 108 E. 5.4). Vorliegend kann offenbleiben, ob
als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrades der Sachverhalt heranzuziehen ist, wie er der ursprünglichen
Rentenverfügung vom 14. April 2003 (IV-act. 23) oder der Mitteilung vom 1. Juli 2005
zugrunde gelegt wurde, worin im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten
Revisionsverfahrens die Voraussetzungen für eine anpassungsrechtliche Korrektur der
Verfügung vom 14. April 2003 verneint worden waren (IV-act. 38). Denn eine im Sinn
von aArt. 17 Abs. 1 ATSG relevante Sachverhaltsänderung ist so oder anders zu
bejahen (siehe nachfolgende E. 2.3 ff.).
2.3.
Im für die ursprüngliche Rentenzusprache massgeblichen Bericht vom
1. Oktober 2002 gab Dr. C._ zum Befund u.a. an, dass der Beschwerdeführer häufig
gestottert und gewisse Situationen paranoid interpretiert habe. Er habe den Eindruck
einer durch die Kriegsgeschehnisse sehr beschädigten Person gemacht. Der
Beschwerdeführer sei schwer depressiv und leide unter starken Ängsten (fremd-
act. 3-105). Eine starke Beeinträchtigung des Affekts wurde auch im
psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik Bellikon vom 12. Oktober 2001 berichtet
(IV-act. 4-9; zur dysphorischen Grundstimmung mit ausgeprägter Affektlabilität siehe
IV-act. 4-10). In damit zu vereinbarender Weise wurde im RAD-Untersuchungsbericht
vom 2. Juni 2005 bei unverändertem psychischem Gesundheitszustand festgehalten,
der Beschwerdeführer sei recht dysphorisch, ein affektiver Kontakt habe nur mit Mühe
hergestellt werden können (IV-act. 36-5 unten). Der «Alltagshabitus» wurde als
nachlässig beschrieben (IV-act. 36-10 unten). Die affektive Schwingungsfähigkeit sei
2.3.1.
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erheblich reduziert gewesen (IV-act. 36-11 oben). Zudem wurden erhebliche
Fähigkeitseinschränkungen u.a. mit Blick auf den Antrieb und ein ausgeprägter sozialer
Rückzug mit «Vita minima in vielen Lebenslagen» festgestellt (IV-act. 36-11 Mitte).
Dr. C._ bescheinigte im Bericht vom 30. Mai 2005 ebenfalls, insbesondere auch
rückwirkend («die ganze Zeit»), dass der Beschwerdeführer völlig zurückgezogen lebe
(IV-act. 34-21). In keinen der erwähnten medizinischen Akten wurde ein
aggravatorisches oder sonst wie ausgeprägt unglaubwürdiges Verhalten des
Beschwerdeführers bei der Leidenspräsentation erwähnt und erst recht nicht in den
Vordergrund gerückt.
Demgegenüber ergeben sich aus den Observationsunterlagen deutliche
Hinweise für eine erheblich verbesserte soziale Aktivität und Partizipationsfähigkeit des
Beschwerdeführers sowie eine verbesserte Affektlage bzw. ein insgesamt deutlich
höheres Funktionsniveau (siehe hierzu fremd-act. 7 und bezüglich der
Bewegtbildaufnahmen act. G 14.1 f.), wie sie von Dr. K._ eingehend und schlüssig
gewürdigt wurden (IV-act. 105-4 ff.). Der psychiatrische medexperts-Gutachter teilte
zudem diese Würdigung (IV-act. 206-6). Dr. J._ legte ausserdem überzeugend
begründet und im Einklang mit den Observationsergebnissen dar, dass die
diagnostischen Kriterien der Persönlichkeitsänderungen nach Extremtrauma (wie u.a.
kompletter sozialer Rückzug sowie Gefühle der Leere und Hoffnungslosigkeit) nicht
mehr vorliegen würden. Der Beschwerdeführer sei auch beziehungs- und genussfähig
(IV-act. 82-31 f.; siehe auch IV-act. 82-33 oben). Dessen Antrieb sei unauffällig (IV-
act. 82-22 Mitte). Der psychiatrische medexperts-Gutachter bestätigte ebenfalls, dass
der affektive Rapport gut herstellbar sei und die affektive Schwingungsfähigkeit
erhalten sei. Antrieb und Psychomotorik sowie den Allgemeinzustand des
Beschwerdeführers beschrieb er als unauffällig (IV-act. 206-7). Allein schon auf
Befundebene ist folglich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine erhebliche
Verbesserung des Gesundheitszustands und der Funktionsfähigkeit zu bejahen.
2.3.2.
Zwar verneinte Dr. J._ bei der Verlaufsbeurteilung eine massgebliche
Veränderung (IV-act. 82-34). Diese Einschätzung beruht allerdings nicht auf einem
Vergleich des der ursprünglichen Rentenverfügung vom 14. April 2003 bzw. der
Mitteilung vom 1. Juli 2005 zugrunde gelegten Sachverhalts (siehe zu den damaligen
tatsächlichen Feststellungen vorstehende E. 2.3.1) mit den von Dr. J._ erhobenen
Befunden. Vielmehr ersetzt Dr. J._ bei seiner Verlaufsbeurteilung die von Dr. C._
vor vielen Jahren im Bericht vom 1. Oktober 2002 wiedergegebenen – und vom RAD
gestützt auf eine persönliche Untersuchung wenige Jahre später bestätigten (IV-
act. 36) – Befunde (fremd-act. 3-104 ff.) bzw. Sachverhaltsfeststellungen mit
2.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/21
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denjenigen seiner eigenen Wahrnehmungen, was allein schon mit Blick auf den
zwischenzeitlich eingetretenen Zeitablauf und dem im Sozialversicherungsrecht
massgebenden Beweismass nicht überzeugt. Im Sozialversicherungsrecht ist nämlich
der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 181 E. 3.1) und
nicht derjenige der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit massgebend.
Entscheide werden deshalb zwangsläufig trotz bestehender Unsicherheiten bezüglich
tatsächlicher Verhältnisse gefällt. Die Mutmassungen von Dr. J._ zum früheren
Zustand des Beschwerdeführers vermögen deshalb nichts daran zu ändern, dass die
früheren tatsächlichen Feststellungen von Dr. C._ und des RAD mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zutrafen. Dass Dr. J._ gestützt auf die von ihm erhobenen
Befunde die lange Zeit davor erfolgte Befunderhebung von Dr. C._ rückwirkend
anzweifelt, ändert jedenfalls nichts daran, dass der Vergleich der Befunde objektiv eine
deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands und der Funktionsfähigkeit des
Beschwerdeführers nahelegt (siehe vorstehende E. 2.3.2). Der psychiatrische
medexperts-Gutachter nahm keine eingehende Verlaufsbeurteilung vor, sondern
beschränkte sich hauptsächlich auf die Ausführung, «diesbezüglich kann der
Beschreibung des Gesundheitszustandes des Vorgutachtens gefolgt werden. Eine
Reaktivierung des Traumas kann nicht nachvollzogen werden» (IV-act. 206-21). Auch
diese Stellungnahme stellt die auf Befundebene ausgewiesenen tatsächlichen
Veränderungen nicht in Frage, zumal im medexperts-Gutachten an anderer Stelle eine
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmende Veränderung bestätigt wird
(«Zudem kontrastieren die schnelle Verberentung des Versicherten mit fehlender
Überprüfung der IV-Rente mit dem jetzigen Zustand subjektiven Leidens im Rahmen
der Abklärung mit erlebter Kränkung in Form der Observationen und der Begutachtung
2016, in welcher dem Versicherten, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffend,
aufgezeigt wird, dass die Erkrankung, welche durch die Vorbehandler und die
Versicherung über Jahre bestätigt wurde, nun nicht mehr gelte [...]», IV-act. 204-8;
«Aktuell können mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die geäusserten
Einschränkungen nicht durch eine psychiatrische Krankheit erklärt werden. Insofern ist
aktuell die psychiatrische Situation im Vergleich zu der Sichtweise durch Dr. C._ am
04.07.2002 geändert.», IV-act. 204-20 Mitte).
Selbst wenn eine relevante Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands
verneint würde, ist mit der Beschwerdegegnerin (act. G 14, III. Rz 12) und entgegen der
nicht näher substanziierten Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 17, Rz 9 am
Schluss) das Vorliegen eines früher nicht gezeigten Verhaltens in Form eines auch
revisionsrechtlich relevanten Ausschlussgrundes im Sinn der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (siehe hierzu vorstehende E. 2.2) zu bejahen. So legte Dr. J._ mit
2.4.
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3.
Zu prüfen ist in einem weiteren Schritt, ob der medizinische Sachverhalt bezüglich der
Arbeitsfähigkeit und deren Verlaufs spruchreif abgeklärt ist.
überzeugender Begründung dar, dass Diskrepanzen zwischen den beklagten
Einschränkungen und dem objektiven Verhalten des Beschwerdeführers mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen bewusstseinsnaher Übertreibungen und
Dramatisierungen hindeuten würden (IV-act. 82-26; siehe auch die Ausführungen in IV-
act. 82-33). Im medexperts-Gutachten wurde ebenfalls auf nicht authentische
Beschwerden (IV-act. 204-7 unten) bzw. auf eine nicht authentische
Beschwerdeschilderung (IV-act. 204-19 unten) sowie auf erhebliche Diskrepanzen (IV-
act. 204-7 Mitte und IV-act. 204-20 oben) hingewiesen. Ergänzend kann auf die
nachvollziehbare Würdigung der Inkonsistenzen durch Dr. K._ verwiesen werden (IV-
act. 210-4).
Im Licht der vorstehend genannten Verhältnisse ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die der ursprünglichen Rentenzusprache
zugrunde gelegten psychiatrischen Befunde sowie die damit verbundenen
Einschränkungen des Funktionsniveaus nicht mehr, spätestens ab dem Beginn der
Observation jedenfalls in einem deutlich weniger ausgeprägten krankheitsbedingten
Ausmass vorlagen. Daran vermag die davon abweichende Beurteilung von Dr. C._
nichts zu ändern, beruht sie doch hauptsächlich auf einer vorbehaltlosen Übernahme
der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers (siehe den Bericht vom 26. Juli 2019,
IV-act. 169). Unter diesen Umständen kann offenbleiben, ob sich auch bezüglich des
Leidens an der rechten Hand eine revisionsrechtlich wesentliche Veränderung
eingestellt hat, wie die Beschwerdegegnerin geltend macht (act. G 14, III. Rz 5).
2.5.
Aufgabe der medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und insbesondere zur Frage Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261
E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob
er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachpersonen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.1.
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Bezüglich des vom Beschwerdeführer beklagten psychischen Leidensbilds gilt es
das Folgende zu beachten: Bei psychischen oder psychosomatischen
Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, da sich die Beurteilung
dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten –
mangels zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die
Angaben der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an
einer eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist
die umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung
sowie -präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
3.2.
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sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Im Bestreben, eine möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers vorzunehmen, hat Dr. J._ bei seiner Beurteilung u.a. eine
einlässliche und überzeugende Konsistenz- und Ressourcenprüfung vorgenommen
und dabei insbesondere das vom Beschwerdeführer im Alltag gezeigte, im
Observationsmaterial dokumentierte Aktivitätsniveau miteinbezogen (siehe
insbesondere IV-act. 82-24 ff.). Seine eingehend und schlüssig begründete
Einschätzung, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht über eine
100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge, leuchtet ein (IV-act. 82-37 oben). Ergänzend kann
auf die Stellungnahme von Dr. K._ vom 17. März 2017 verwiesen werden, worin sie
gestützt auf eine einlässliche Würdigung zum Ergebnis gelangte, dass das Gutachten
von Dr. J._ versicherungsmedizinisch überzeugt (IV-act. 105-6).
3.3.
Bei der Bewertung des psychiatrischen Teils des medexperts-Gutachtens gilt es
vorab zu wiederholen, dass im Sozialversicherungsrecht der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 181 E. 3.1) und nicht derjenige der an
Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit massgebend ist (siehe bereits vorstehende
E. 2.3.3). Die Beurteilung des psychiatrischen medexperts-Gutachter enthält –
entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers (act. G 10, Rz 23, und act. G 17,
Rz 9) – die einleuchtende, mit der Einschätzung von Dr. J._ übereinstimmende
Schlussfolgerung, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus psychiatrischer
Sicht keine Diagnosen (mehr) vorliegen, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen
(«mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffend», IV-act. 204-8; «Nach der
ambulanten Begutachtung bestehen aktuell keine Diagnosen mit Einschränkung auf die
Arbeitsfähigkeit», IV-act. 204-11; «mit grosser Wahrscheinlichkeit» können die
geäusserten Einschränkungen nicht durch eine psychiatrische Krankheit erklärt
werden, IV-act. 204-20 oben und Mitte). Er verneinte zudem, dass ausreichende
Gründe bestehen würden, um eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren zu können
(IV-act. 204-19 unten). Die vom psychiatrischen medexperts-Gutachter allein aufgrund
3.4.
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einer einzigen fremdaggressiven Äusserung des Beschwerdeführers («Auch die Leute
von der IV wollte er erwürgen.», IV-act. 206-3; Tonaufnahme zur psychiatrischen
Begutachtung, ab 1:08:15 ff., act. G 21.1) gemachte Empfehlung einer stationären
Begutachtung des Beschwerdeführers erfolgte offenbar, weil der Beschwerdeführer
dies etwas überraschend anlässlich der Nachfrage einer Suizidalität angegeben hatte
(IV-act. 206-14 Mitte und IV-act. 206-16 Mitte) und zudem hinsichtlich einer
Beurteilung, die mit dem – vorliegend nicht relevanten – Beweismass der an Sicherheit
grenzenden Wahrscheinlichkeit eine für die Arbeitsfähigkeit relevante
Persönlichkeitsstörung ausschliessen wollte («Aus psychiatrischer Sicht kann dies nicht
sicher beantwortet werden», IV-act. 204-21 oben; «Erst dann kann auch die
Arbeitsfähigkeit genauer eingeschätzt werden.», IV-act. 204-19 und IV-act. 206-18).
Diese Würdigung der Abklärungsempfehlung bestätigte Dr. K._ in der Stellungnahme
vom 10. September 2020 (IV-act. 210-5). Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist
weiter, dass sich aus den übrigen medizinischen Akten keine Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung ergeben, wie der psychiatrische medexperts-Gutachter
zutreffend festhält (IV-act. 204-7 unten). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer
«einmalig» lauter wurde, als es um die misslichen finanziellen Umstände und
insbesondere die Leidtragenden wie die Ehefrau und die Familie des
Beschwerdeführers ging. Ansonsten verhielt sich der Beschwerdeführer bei der
psychiatrischen Begutachtung kooperativ und freundlich (IV-act. 206-6). Damit ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit insgesamt davon auszugehen, dass das fremd
aggressive Verhalten primär eine unmittelbare Folge des Unmuts des
Beschwerdeführers über seine schwierige psychosoziale Situation ist und nur in
diesem Kontext auftrat (zur Relevanz der psychosozialen Umstände auf das Verhalten
des Beschwerdeführers siehe auch IV-act. 204-14). Das fremdaggressive
Gefährdungspotenzial scheint damit einerseits nicht auf einem Gesundheitsschaden zu
beruhen und andererseits in keinem Kontext mit der Ausübung einer Erwerbstätigkeit
zu stehen. Entsprechende Abklärungen beschlagen folglich keine
invalidenversicherungsrechtliche Problematik.
Sowohl die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ als auch das zur gleichen
Beurteilung gelangende psychiatrische medexperts-Teilgutachten erfüllen die
Anforderungen an beweiskräftige medizinische Gutachten. Die davon abweichende
Einschätzung von Dr. C._ (IV-act. 169) vermag daran keine Zweifel zu begründen, da
sie keine objektive Konsistenz- und Ressourcenprüfung enthält und in einer
vorbehaltlosen Übernahme der Selbsteinschätzung und der inkonsistenten
Leidensdarstellung des Beschwerdeführers aufgeht. Entgegen dem Standpunkt des
Beschwerdeführers (act. G 10, Rz 22 ff.) erweist sich der Sachverhalt in psychiatrischer
3.5.
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4.
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads fällt ins Gewicht, dass sich die gutachterlich
bescheinigte Restarbeitsfähigkeit sowohl auf die bisherige als auch eine (andere)
leidensangepasste Tätigkeit bezieht, weshalb ein Prozentvergleich (siehe zum
Prozentvergleich etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015,
E. 5.3.1 mit Hinweisen) vorzunehmen ist, zumal sich aus den vom Beschwerdeführer
erzielten Jahreseinkommen (siehe IV-act. 3) nicht ergibt, dass er als Gesunder im
Vergleich mit dem Medianlohn für Hilfsarbeiter gemäss der schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2005) überdurchschnittlich verdient hätte. Gründe
für die Gewährung eines Tabellenlohnabzugs liegen nicht vor. Wie bereits erwähnt,
vermag der Beschwerdeführer die Restarbeitsfähigkeit auch im früher ausgeübten
Bereich zu verwerten. Er steht auch noch nicht im weit fortgeschrittenen Erwerbsalter.
Selbst wenn dem Beschwerdeführer ein Tabellenlohnabzug von – wenn überhaupt
höchstens – 10 % zugebilligt würde, resultierte ein nicht mehr rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 37 % (30 % + [70 % x 10 %]).
Hinsicht spruchreif abgeklärt. Gegen den somatischen Teil des medexperts-
Gutachtens bringt der Beschwerdeführer keine (substanziierten) Einwände vor. Es sind
auch keine Mängel ersichtlich. Das Gesuch des Beschwerdeführers um weitere
medizinische Abklärungen (act. G 1) ist damit abzuweisen. Gestützt auf die
gutachterlichen Beurteilungen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer sowohl für die bisherige Tätigkeit als auch
eine leidensangepasste Tätigkeit über eine (aus somatischen Gründen beeinträchtigte)
70%ige Arbeitsfähigkeit verfügt (IV-act. 204-14 f.).
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5.
Bezüglich des Zeitpunkts des verbesserten Gesundheitszustands ist der
Beschwerdegegnerin darin zu folgen, dass mit dem in den Dezember 2015 fallenden
Teil der Observation das erhöhte Funktionsniveau des Beschwerdeführers (spätestens)
ausgewiesen ist (zu den damaligen Wahrnehmungen siehe den Überwachungsbericht
vom 20. Februar 2016, insbesondere fremd-act. 7-3 f., fremd-act. 7-12 ff und act.
G 14.1; siehe auch die Stellungnahme von Dr. K._ vom 17. März 2017, IV-act. 105-5
Mitte). Es ist folglich mit der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 221) davon auszugehen,
dass sich der Gesundheitszustand (spätestens) im Dezember 2015 verbessert hatte.
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der Hilflosenentschädigungen und
der Assistenzbeiträge erfolgt frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an (Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV); oder rückwirkend ab Eintritt
der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu
Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist (Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss Art. 77 IVV haben die
Berechtigten oder ihre gesetzlichen Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die
Leistung zukommt, jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung,
insbesondere eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder
Erwerbsfähigkeit sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen
Verhältnisse der versicherten Person unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen. Die
Meldepflicht stellt eine Konkretisierung des Grundsatzes von Treu und Glauben dar.
Die versicherte Person, die Leistungen beziehen will oder solche bezieht, hat zur
Ermittlung des anspruchsrelevanten Sachverhalts beizutragen. Sie weiss über ihre
persönlichen Verhältnisse am besten Bescheid. Durch die Erfüllung der Meldepflicht
wird dem Versicherungsträger die Abklärung des massgeblichen Sachverhalts
erleichtert (Art. 43 Abs. 1 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2018,
8C_26/2018, E. 4.3.2 mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung setzt eine
Meldepflichtverletzung ein schuldhaftes Fehlverhalten voraus, wobei bereits eine
leichte Fahrlässigkeit genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2018,
9C_221/2018, E. 6.1 mit Hinweisen).
5.1.
bis
bis
Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV wurde auf den 1. Januar 2015 hin revidiert. Seit dieser
Revision und der damit eingefügten Ergänzung um den zweiten Satzteil kann bei einer
Meldepflichtverletzung oder einer unrechtmässigen Erwirkung der Rente die Leistung
rückwirkend auf den Zeitpunkt der erheblichen Änderung angepasst werden, ohne
dass die Meldepflichtverletzung (oder die unrechtmässige Erwirkung) kausal für die
5.2. bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/21
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Weiterausrichtung der Rente gewesen sein muss. Aus dieser Verordnungsänderung
ergibt sich, dass der Zeitpunkt der Kenntnis der IV-Stelle über die Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Versicherten im Falle einer Meldepflichtverletzung nicht
länger die Grenze der Rückforderbarkeit bildet (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai
2018, 8C_859/2017, E. 4.3). Vorliegend kann in intertemporalrechtlicher Hinsicht
offenbleiben, welche Fassung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV Anwendung findet, da die
dem Beschwerdeführer vorgeworfene Meldepflichtverletzung kausal für die weiteren
bis zur vorsorglichen Renteneinstellung im Juni 2018 (IV-act. 136) ausgerichteten
Rentenleistungen gewesen war.
bis
Der Beschwerdeführer wurde bereits in der Verfügung vom 14. April 2003
ausdrücklich unter der Überschrift «Meldepflicht» darauf hingewiesen, dass er «jede
Änderung der Verhältnisse, welche den Wegfall, die Herabsetzung oder Erhöhung
zugesprochener Leistungen zur Folge haben kann», der Beschwerdegegnerin
unverzüglich zu melden hat. In der beispielhaften Aufzählung wurde u.a. ein veränderter
Gesundheitszustand genannt (IV-act. 23-4). In der Folge wurde er wiederholt an diese
Meldepflicht erinnert (Mitteilungen vom 1. Juli 2005, IV-act. 38, vom 29. Januar 2010,
IV-act. 54, und vom 17. Juli 2014, IV-act. 72).
5.3.
Spätestens ab Dezember 2015 (siehe vorsehende E. 5) entsprachen die Befunde
bzw. das Funktionsniveau des Beschwerdeführers nicht mehr dem gravierenden
Zustand, wie er der ursprünglichen Rentenzusprache in tatsächlicher Hinsicht zugrunde
gelegt worden war (siehe hierzu vorstehende E. 2.3.1). Diese objektiv wahrnehmbare
erhebliche positive Entwicklung des Gesundheitszustands und dessen Bedeutung für
die Arbeitsfähigkeit konnte dem Beschwerdeführer nicht verborgen geblieben sein. Er
unterliess jedoch eine entsprechende Meldung bzw. Mitteilung des veränderten
Funktionsniveaus. Vor diesem Hintergrund kann ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben,
zumindest in fahrlässiger Weise die Meldepflicht verletzt zu haben. Gerade im
vorliegenden Fall, in dem der frühere Gesundheitszustand in massivsten
Beeinträchtigungen des Funktionsniveaus bestanden hatte (siehe vorstehende E. 2.3.1,
insbesondere zur «Vita minima in vielen Lebenslagen» siehe IV-act. 36-11 Mitte und
zum völligen sozialen Rückzug IV-act. 34-21), waren rechtzeitige, umfassende
tatsachengetreue Angaben über die Alltagsaktivitäten und das Funktionsniveau – wie
sie im Rahmen der Observation festgehalten worden waren – für eine
Verlaufsbeurteilung von elementarer Bedeutung. Es kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Beschwerdegegnerin in Kenntnis
des tatsächlichen Funktionsniveaus umgehend umfassende Abklärungen betreffend
den gesundheitlichen Verlauf und die effektiv vorhandene Arbeitsfähigkeit in die Wege
5.4.
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6.
Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, als langjähriger Rentenbezüger hätte die
Beschwerdegegnerin noch vor einer Renteneinstellung Eingliederungsmassnahmen
prüfen müssen (act. G 1, Rz 6).
geleitet und bei korrekter Mitwirkung des Beschwerdeführers den Leistungsanspruch
zeitnah angepasst und die Rente nicht weiter bis zur vorsorglichen Renteneinstellung
im Juni 2018 ausgerichtet hätte. Somit hat die Beschwerdegegnerin die
Rentenaufhebung in Nachachtung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV zu Recht rückwirkend
angeordnet.
bis
Fehlt der Eingliederungswille bzw. die subjektive Eingliederungsfähigkeit, d.h. ist
die Eingliederungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben, darf die
Rente auch bei qualifizierten Fällen (Rentenaufhebung bzw. -herabsetzung nach mehr
als 15-jähriger Bezugsdauer oder bei Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt
haben; vgl. hierzu BGE 145 V 212 E. 5.2.3) ohne vorgängige Prüfung von Massnahmen
der (Wieder-)Eingliederung und ohne Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens nach Art. 21 Abs. 4 ATSG herabgesetzt oder aufgehoben
werden. Berufliche Massnahmen können zwar unter anderem dazu dienen, subjektive
Eingliederungshindernisse im Sinn einer Krankheitsüberzeugung der versicherten
Person zu beseitigen. Es bedarf indessen auch diesfalls eines Eingliederungswillens
bzw. einer entsprechenden Motivation der versicherten Person. Es sind insbesondere
die gegenüber der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen
betreffend Krankheitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu berücksichtigen.
Ebenfalls von Belang sein können die im Vorbescheidverfahren und vor kantonalem
Versicherungsgericht gemachten Ausführungen resp. gestellten Anträge (Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2021, 8C_138/2021, E. 5.1 mit Hinweisen).
6.1.
Im gesamten Verwaltungsverfahren und auch noch im Beschwerdeverfahren
verharrte der Beschwerdeführer in seiner (gemäss gutachterlicher Beurteilung nicht
authentischen) Krankheitsüberzeugung, dass er für jegliche Erwerbstätigkeiten
vollumfänglich arbeitsunfähig sei. Insbesondere lässt er auch im Beschwerdeverfahren
keine ernsthafte Motivation für Eingliederungsmassnahmen erkennen. Der Verweis des
Beschwerdeführers auf die Rechtsprechung bezüglich (unzumutbarer)
Selbsteingliederungspflicht bei langjährigem Rentenbezug (act. G 1, Rz 6) ist denn
auch nicht näher begründet worden. Deshalb hatte die Beschwerdegegnerin vor der
Rentenaufhebung keine weitere Wiedereingliederungsunterstützung zu erbringen. Mit
Blick auf das noch nicht allzu weit fortgeschrittene Erwerbsalter des
6.2.
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7.