Decision ID: 19382e31-6e1c-4403-88f8-baa15ceef5ea
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene
X._
, Mutter zweier Töchter (geboren 1999 und 2001)
,
meldete sich am 16. Oktober 2014 unter Hinweis auf eine Atta
cke auf Leib und Leben mit Hausbrand und Verlust von Hab und Gut am 2. De
zember 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizini
sche und erwerbliche Abklärungen und zog insbesondere die Akten des Kran
k
entaggeldversicherers (Urk. 6/9,
Urk. 6/
26) bei. Am 17. Februar 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit
, dass aufgrund
des
Gesundheitszustands aktuell keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 6/19).
Mit Vorbescheid vom 21. Oktober 2015 (Urk. 6/28) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte Einwand (Urk. 6/31, Urk. 6/33, Urk. 6/36) erhob. Die IV-Stelle holte in der Folge
weitere Arztberichte (Urk. 6/46, Urk. 6/48) ein und veranlasste eine Begutachtung durch Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Facharzt für Neurologie (Expertise vom 8. Februar 2017; Urk. 6/55)
.
Am 8. Mai 2017
nahm
die Versicherte
dazu Stellung, verzichtete
auf Eingliederungsmassnahmen und ersuchte die IV-Stelle, die Rentenprüfung in die Wege zu leiten (Urk. 6/57 S. 2).
Mit Verfügung vom 12. Juni 2017 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbe
gehren ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 14. Juli 2017 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 12. Juni 2017 aufzuheben und es sei ihr
vom
1. Mai 2015 bis 30. November 2016 eine ganze Invalidenrente
und
ab 1. Dezem
ber 2016 eine
halbe Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Verfügung vom 12. Juni 2017 aufzuheben und es sei ihr
vom
1. Mai 2015 bis 30. November 2016 eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2016 eine
Viertelsrente
zuzusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwo
rt vom 8. September 2017 (Urk. 5
) schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 11. September 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom 12. Juni 2017 (Urk. 2) damit, dass
kein verselbständigter Gesundheitsschaden vorliege, sondern psychosoziale Belastungsfaktoren (Bedrohungssituation) im
Vordergrund stünden. Gemäss Gutachten bestehe
in einer angepassten Tätigkeit wie
der
aktuell ausgeübte
n
Verrichtung
eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Be
schwerdeführerin verfüge über eine gute Berufsausbildung, eine langjährige er
folgreiche Berufstätigkeit, ein aktuell stabiles familiäres Umfeld, gute sozialkom
munikative Fähigkeiten, eine gute Therapiemotivation, Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft. Es seien sodann auch keine Hinweise auf Einschrän
kungen im Haushaltsbereich (20 % Haushalt) und bezüglich der Aufgaben als Mutter ersichtlich. Der Beschwerdeführerin seien Wiedereingliederungsmassnah
men zumutbar, auf welche sie jedoch verzichtet habe (S. 2).
2.2
Die Beschwerde
führerin
stellte sich demgegenüber (Urk. 1) auf den Standpunkt,
gestützt auf das psychiatrische Gutachten sei erwiesen, dass in der Vergangenheit von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegangen werden müsse
. Aufgrund der gestellten Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer rezidivierenden depressiven Störung sei
sie bis zum 30. August 2016 lediglich zu 20 % respektive bei einem Arbeitspensum von 80 %
zu 16 % arbeitsfähig gewesen
, weshalb
für die Zeit ab Mai 2015 (6 Monate nach Einrei
chung der IV-Anmeldung)
ein Anspruch auf eine ganze Rente
ausgewiesen sei (S. 7). Im Weiteren
bestehe
auch
aktuell
ein IV-relevanter ps
ychischer Gesund
heitsschaden
, da ein
komorbides
Geschehen vorliege und die depressive Störung gemäss Gutachten zu einer erhöhten Vulnerabilität für die Entwicklung einer PTBS geführt habe und die
entsprechenden
Symptome wiederum die Fähigkeiten der Beschwerdeführerin für ein adäquates Coping reduzier
t
e
n
mit den daraus re
s
ultierenden negativen Effekten (S. 8). Im Rahmen des Einkommensvergleichs er
gebe sich unter Berücksichtigung einer angepassten Tätigkeit in einem 80 %-Pensum sowie eines behinderungsbedingten Abzugs von 20 % ein Invaliditäts
grad von 50 % respektive ohne Leidensabzug ein solcher von 43 %, womit der Beschwerdeführerin eine halbe Rente beziehungsweise eine
Viertelsrente
zustehe (S. 8. f.).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom 12. Juni 2017 (Urk. 2) im Wesentlichen auf das psychiatrische
Gutachten
von Dr.
A._
vom 8. Februar 2017 (Urk. 6/55)
ab, worin
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt wurden
(S. 29):
-
PTBS
, teilremittiert (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
Der Gutachter
führte aus
, dass sich vom klinischen Befund her keine erheblichen
psychopathologischen Auffälligkeiten
zeigten. Rein vom Querschnittsbefund her sei weder die Diagnose einer Depression noch einer PTBS zu stellen. Von der Aktenlage her bestünden seit längerem depressive Beschwerden (S. 24), wobei es vom Verlauf her anhand der Eigenanamnese und der Aktenlage plausibel sei, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren vor dem Brand über ihre Leistungsgrenzen gearbeitet habe und dann durch die S
traftat des Ex-M
annes und den Verlust der Wohnung durch den Brand mit Verzögerung
dekompensiert
habe
, nachdem sie initial direkt nach dem Brand noch funktioniert habe, um die Kinder zu schützen und eine gewisse Berufstätigkeit aufrecht zu erhalten.
Die Beschwerdeführerin sei für lange Zeit über ihre Belastungsgrenzen hinausgegangen und habe bei man
gelnder Selbstfürsorge und fehlender Abgrenzungsfähigkeit ihre Ressourcen überbelastet. Es sei zu vermuten, dass die Beschwerdeführerin ohne die Straftat des Ex-Mannes und den Brand der Wohnung das bisherige Lebensmodell fortge
setzt hätte und nicht für längere Zeit arbeitsunfähig geworden wäre (S. 26).
Aktuell liege in Zusammenschau mit der Eigenanamnese ein leichtgradiges de
pressives Syndrom vor, wobei sich die im Selbstbeurteilungsfragebogen erreichte Punktzahl von 39 – welche einer schweren Dep
ression entspreche – weder im
klinischen Befund
noch
in der Eigenanamnese abbilde. Gleiches gelte mit Bezug auf die Auswertung des Selbstbeurteilungsfragebogen
s
(IES-R) für eine PTBS (
S. 23 und
S.
26).
Dr.
A._
hielt weiter fest, dass von der klinisch-psychiatrischen Diagnostik her der Brand als sogenanntes A-Kriterium geeignet sei, eine PTBS auszulösen. Wei
tere Diagnosekriterien
,
wie die verzögerte Reaktion
,
seien erfüllt, wobei die defi
nitionsgemäss geforderte maximale Latenz von
sechs
Monaten nicht überschrit
ten worden sei, mithin die Symptome früher aufgetreten seien und um entspre
chende medizinische Hilfe nachgesucht worden sei. An aktueller Symptomatik sei von der Beschwerdeführerin in der klinischen Exploration noch von Intrusionen und einem Vermeidungsverhalten berichtet worden, eine vegetative Über
er
reg
barkeit sei indessen verneint worden. Wichtig für die Einschätzung des Schwere
grades sei, dass bei der detaillierten Schilderung des Traumas keine vegetativen Reaktionen zu beobachten gewesen seien und die Beschwerdeführerin sachlich und ruhig über die genauen Abläufe des traumatischen Erlebnisses berichtet habe und keine Dissoziationen aufgetreten
seien. Dies sowie die Tatsache, dass die Be
schwerdeführerin zwar noch ein gewisses Vermeidungsverhalten habe, sprächen dafür, dass die PTBS teilremittiert sei (S. 27
und
S. 23)
.
Im Weiteren sei die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung zu stellen mit aktuell leichtgradiger Ausprägung. Im Vordergrund stehe dabei weniger eine affektive Störung als eine Störung des Antriebs und der Energie im Sinne einer Erschöpfungsdepression nach jahrelanger Überbelastung. Hierzu passe, dass die Beschwerdeführerin eine Arbeitsstelle angenommen habe, welche in qualitativer und quantitativer Hinsicht weit unter ihrem Niveau liege, wobei sicherlich auch, aber nicht ausschliesslich
,
arbeitsmarktbedingte Faktoren eine Rolle spielten (S. 28).
Der Gutachter wies
sodann darauf hin, dass die vorbestehende depressive Störung bei der Beschwerdeführerin zu einer erhöhten Vulnerabilität für die Entwicklung einer PTBS geführt habe. Die depressive Erkrankung führe zu einer reduzierten Selbstwirksamkeitserwartung bei bereits sch
on früher vorhandenem schlechten
Selbstbild und limitiertem Coping betreffend die PTBS. Die Symptome der PTBS reduzierten wiederum die
Fähigkeit
für ein adäquates Coping,
wobei
die daraus resultierenden negativen Effekte
und
die damit verbundene Enttäuschung zu einer Verstärkung der Depression führten (S. 33).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
hielt der Experte fest, dass für die Haushaltstätigkeit im Zeitpunkt der Begutachtung keine Einschrän
kungen
vorlägen
und aufgrund der Eigenanamnese und der Aktenlage auch in der Vergangenheit diesbezüglich eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Für die Tätigkeit als
banking
application
consultant
liege
das derzeitige Res
tleis
tungsvermögen bei 50 %
von 80 % respektive bei 40
%
. Aufgrund der depres
sionsbedingten psychophysischen Leistungsminderung, dem reduzierten Antrieb und der noch vorhanden
en
posttraumatischen Symptomatik (insbesondere Intru
sionen und Flashbacks bei ruhigen Tätigkeiten im Büro und vor dem Bildschirm) sei das quantitative Restleistungsvermögen für die früher ausgeübte Tätigkeit re
duziert (S. 37).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer ang
epassten Tätigkeit führte Dr.
A._
aus,
dass für die aktuell ausgeübte Tätigkeit ein Restleistungsvermögen von 80 % bestehe. Es handle sich gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin um eine leichte bis gelegentlich mittelschwere körperliche Tätigkeit, welche ohne Publi
kumsverkehr oder konfrontativen Kundenkontakt erfolge. Es bestehe nicht die Gefahr, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Tätigkeit ihrem Ex
-M
ann begegne, weshalb sich das noch teilweise vorhandene Vermeidungsverhalten nicht negativ auswirk
e. Qualitativ sei die aktuelle Arbeit deutlich weniger an
spruchsvoll als ihre frühere Tätigkeit. Das 80%ige Restleistungsvermögen bestehe seit dem Zeitpunkt der Begutachtung, wobei dazu passe, dass die Beschwerdefüh
rerin selbst um eine deutliche Stundenerhöhung nachgesucht habe, diese jedoch
vom Arbeitgeber aufgrund organisatorischer und finanzieller Gründe abgelehnt worden sei. Für die Vergangenheit sei das Restleistungsvermögen niedriger als 80 % einzuschätzen, wobei eine exakte Einschätzung nicht möglich sei, da für die Zeit vom 2011 bis 2016 nur wenige psychiatrische Unterlagen vorlägen. Es sei indessen überwiegend wahrscheinlich, dass entsprechend den attestierten Ar
beitsunfähigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 20. August 2014 vorge
legen habe. Damals sei bei der Beschwerdeführerin anhand der Arztberichte ein völliger Zusammenbruch bis zum 30. August 2016
aufgetreten
. Zu diesem Zeit
punkt sei von der behandelnden Psychiaterin eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit at
testiert worden, was bei einer 80 %-Stelle einem Restleistungsvermögen von 16 % entspreche (S. 38 f.).
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
vom 8. Februar 2017 (Urk. 6/55) entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise
, was im Übrigen von den Parteien auch nicht bestritten wird.
So ist
das Gut
achten
für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und der verbleibenden Ar
beitsfähigkeit. Der Gutachter
berücksichtigte detailliert die geklagten Beschwer
den und setzte sich damit auseinander
(
S. 5 ff.,
S. 16 f., S. 21 ff.)
. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben
,
wobei sich der Gutachter zur Krankheitsentwicklung äusserte und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahm
(S. 3 ff. und
S. 26
)
. Er setzte sich insbesondere mit abweichenden Diagnosen in Arztberichten auseinander und würdigte diese in nachvollziehbarer Weise
(S. 28 f.)
. Schliesslich leuchtet das Gutachten in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet.
In diesem Sinne ging Dr.
A._
schlüssig von einer PTBS, teilremittiert, und einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell leichtgradige Episode, aus (S. 29), wobei die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit in einem 100 %-
Arbeitsp
ensum zu 50 % respektive in einem 80 %-Pensum zu 40 % ar
beitsfähig ist (S. 37). In einer angepassten beziehungsweise
in
der aktuell ausge
übten Tätigkeit attestierte der Gutachter
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 2
0.
August
2014 bis 30. August 2016
und
eine 20%ige Arbeitsfähigkeit bei einem 100 %-Pensum respektive eine 16%ige Arbeitsfähigkeit in einem 80 %-Pensum vom 1. September 2016 bis 30. Januar 2017 (S. 38 f.).
Ab
1.
Februar 2017 attes
tierte
Dr.
A._
eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in einer angepassten beziehungs
weise der aktuell ausgeübten Tätigkeit. Im Unterschied zu seinen übrigen Anga
ben zur Arbeitsfähigkeit präzisierte
Dr.
A._
jedoch nicht, ob sich die genannte Arbeitsfähigkeit auf ein Pensum von 80
%
oder ein Pensum von 100
%
bezieht und ob sie demnach – bezogen auf ein Vollpensum – 64
%
oder 80
%
beträgt. In diesem Punkt erweist sich das Gutachten als unvollständig, weshalb sich der me
dizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erweist.
Dieser offene Punkt ist von der Beschwerdegegnerin beim Gutachter Dr.
A._
abzuklären.
4.2
Eine Beurteilung
der tatsächlichen Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin an
hand
der Standardi
ndikatoren
(vgl. BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418)
ist man
gels abschliessender gutachterlicher Stellungnahme zur attestierten 80%igen Ar
beitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit ab 1. Februar 2017 nicht möglich
(vgl. E. 4.1
hievor
)
.
Zur von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Rentenprüfung vorgenommenen Ressourcenprüfung (
Urk.
6/64 S. 4ff.) ist immerhin zu bemer
ken, dass ihrer Auffassung, wonach psychosoziale Faktoren im Vordergrund stünden und ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen sei (
Urk.
6/27 S. 4,
Urk.
6/64 S. 5), nicht beizupflichten ist. Denn
Dr.
A._
attes
tierte mit der PTBS und der Depression eigenständige psychische Leiden und nannte als invaliditätsfremden Faktor lediglich eine schwierige wirtschaftliche Lage (
Urk.
6/55 S. 30). Auch seine Vermutung, wonach die Beschwerdeführerin ohne die Straftat des Ehemannes und den Brand der Wohnung das bisherige Le
bensmodell fortgesetzt hätte und nicht für längere Zeit arbeitsunfähig geworden wäre (
Urk.
6/64 S. 26), bezieht sich auf die im vorliegenden Zusammenhang nicht interessierende Genese. Die bei der angestammten Tätigkeit auftretenden Flash
backs (
Urk.
6/55 S. 37) stellen sodann einen Teil des Krankheitsbildes der PTBS und nicht einen invaliditätsfremden Faktor dar. Inwiefern unter diesen Umstän
den eine nicht näher bezeichnete Bedrohungssituation als psychosozialer Faktor im Vordergrund stehen sollte, ist nicht erkennbar, umso mehr, als die Beschwer
deführerin bei ihrer aktuellen Tätigkeit gerade nicht damit rechnen muss, ihrem Ex-Mann zu begegnen (
Urk.
6/55 S. 38). Anzumerken ist ferner, dass infolge ge
änderter Rechtsprechung auch die Therapieresistenz der leichten depressiven Stö
rung für die Anerkennung eines invalidenversicherungsrelevanten Gesundheits
schadens nicht vorausgesetzt wird (vgl.
Urk.
6/64 S. 6).
Die Beschwerdegegnerin wird demnach nach Ergänzung des Sachverhalts (vgl. vorstehend E. 4.1) das tatsächliche Leistungsvermögen der
Beschwerdeführerin mittels
Prüfung der rechtserheblichen Indikatoren zu ermitteln haben. Dabei wer
den – anders als bei der von ihr durchgeführten Ressourcenprüfung (
Urk.
6/64
S. 4 ff.) - insbesondere auch
die gutachterlich festgestellten Wechselwirkungen
zwi
schen Depression und PTBS sowie der Erwerbsverlauf nach Eintritt des Gesund
heitsschadens angemessen zu berücksichtigen sein.
4.3
Nach abschliessender gutachterlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der Prüfung der Standardindikatoren
wird gegebenenfalls
ein Einkommensvergleich durchzuführen
sein
. Dieser hat sich nicht nur auf die Verhältnisse ab dem Zeit
punkt der gutachterlichen
Untersuchung
(1. Februar 2017
;
Urk. 6/55 S. 2), son
dern
– im Rahmen der Prüfung eines allfälligen Anspruchs auf eine befristete Rente -
auch auf jene vor dem 1. Februar 2017 zu beziehen.
4.4
Die Sache ist damit unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Ergän
zung des medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen, damit diese hernach im Sinne der Erwägungen und im Einklang mit der neuen Rechtslage den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin prüfe und darüber neu verfüge.
5.
5.1
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr. 600.-- fest
zusetzen und
entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist nach Einsicht in die Kostennote der Rechtsvertreterin vom 12. November 2018 (Urk. 8)
auf
Fr. 2'293.50 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.