Decision ID: ba45f040-4268-4a3c-811d-b2198df393cc
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, wurde per
1.
Januar 2011 in die frei
willige Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) aufgenom
men (
Urk.
6/8)
. Mit Verfügung vom 1
2.
Januar 2016 schloss die Schweizerische
Ausgleichskasse SAK den Versicherten
von der freiwilligen AHV/IV
aus, da er die
geschuldeten
Beiträge nicht bezahlt habe
(
Urk.
6/40
)
. Am 2
6.
Januar 2016
leistete der Versicherte eine Zahlung in der Höhe von
Fr.
2'450.
-- (
Urk.
6/42
)
. Mit Schreiben vom 1
0.
Februar 2016 teilte die
SAK
dem Versicherten mit, dass der Ausschluss aufgrund des Erhalts der Zahlung aufgehoben werde
(
Urk.
6/43). Dies deshalb, weil die SAK im Zweifel davon
ausging
, dass sich die Einzahlung mit der Verfügungszustellung gekreuzt habe
(
vgl.
Urk.
5 S. 1
).
Mit Verfügung vom 1
0.
Januar 2017 schloss die SAK
den Versicherten
ausweislich der Akten
erneut von der frei
willigen AHV/IV aus, da er die geschuldeten Beiträge nicht bezahlt habe
(
Urk.
6/51
). Am 1
3.
Juni 2017 l
eistete der Versicherte
wiederum
eine Zah
lung in der Höhe von
Fr.
2'450.
-- (
Urk.
6/54
).
Mit Schreiben vom 2
1.
Juni, 2
4.
August und 1
7.
Oktober 2017
ersuchte
die SAK
den Versicherten
, zwecks Rückerstattung dieses Betrags seine Zahlungsverbi
ndung anzugeben (
Urk.
6/57-59
).
Am 2
1.
Dezember 2017
überwies die SAK
den
Betrag dem AHV-Fonds
(
Urk.
6
/64
/2
)
.
Mit Eingabe vom 2
2.
Juli 2019 teilte der Versicherte der SAK mit, dass
er seit 2018 wieder
i
n der Schweiz angemeldet sei. Zudem
beanstandete
er
das Fehlen der Kalenderjahre 2016 und 2017
in seinem
individuellen Konto
(
Urk.
6/66
/1
).
Mit Schr
eiben vom 1
4.
August 2019 erklärte die SAK dem Versicherten
, dass er mit Verfügung vom
1
0.
Januar 2017 per 3
1.
Januar 2015 von der freiwilligen AHV/IV ausgeschlossen worden sei. Die Zahlung vom
2
6.
Januar 2017 (richtig: 2016) von
Fr.
2'450.--
sei mit dem offenen Betrag von
Fr.
2'325.55 für
das Jahr 2015 verrechnet
und das individuelle Konto für die Monate Januar bis Dezember 2015 nachgeführt worden
. Damit ihm der
am 1
3.
Juni 2017
nach dem Ausschluss
überwiesene Betrag
von
Fr.
2'450.--
ausbezahlt werden könne, habe er das bei
liegende
Rückerstattungsformular
auszufüllen
(
Urk.
6/69
).
Am
2
7.
August 2019
erhob der Versicherte gegen die Ausschlussverfügung vom 1
0.
Januar 2017
beim Sozialversicher
ungsgericht Beschwerde (
Urk.
6/70/4-5
). Mit Beschluss AB.2019.00047 vom 2
3.
September 2019 trat das S
ozialversicherungsgericht auf die Beschwerde
nicht ein und überwies die Sache zur Durchführung eines
Ein
spracheverfahrens an
die SAK
(
Urk.
6/76
). Mit
Entscheid
vom 1
8.
März
2020 wies die SAK die Einsprache des Versicherten ab
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
6.
April 2020 Beschwerde und beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und der Ausschluss aus der frei
willigen AHV/IV rückgängig zu machen
; event
uell sei ihm der Betrag von Fr.
2'450.-- zurückzuerstatten
(
Urk.
1
; vgl. auch
Urk.
6/70/4-5
). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Mai 2020 auf Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2020 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das
Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
w
eise den Einspracheentscheid bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streit
gegen
stand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungsweise der Einspra
che
entscheid insgesamt angefochten wird (BGE 125 V 413).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid, hat das Ge
richt, ungeachtet der Vorbringen der beschwerdeführenden Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs-
oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sa
che (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu be
fassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Ein
sprache erhoben
werden
(Art. 52 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts, ATSG).
Ge
mäss Art. 38
Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 52 Abs. 1 ATSG
beginnt die Ein
sprachefrist
am Tag nach ihr
er Mitteilung zu laufen
.
Nach Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG ist die
30-tägige
Frist zur Einsprache gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist
dem
Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen
Handen der Schweize
rischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver
tretung überge
ben wird.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid
im Wesent
lichen
damit,
dass die Ausschlussverfügung vom 1
0.
Januar 2017 und auch die zuvor ergangene Korrespondenz an den Bevollmächtigten des Beschwerdeführers versandt worden sei
en
. Der Vorwurf, dass die Ausschlussverfügung a
n eine rechtsungültige Adresse
gelangt sei
, sei unzutreffend. Mangels fristgerechter Ein
sprache sei d
ie
Verfüg
ung vom 10.
Januar 2017 in Rechtskraft erwachsen (
Urk.
2).
2
.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass er die Ausschluss
verfügung nicht erhalten habe, da er zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Schweiz gewohnt habe. Die Ausschlussverfügung sei an eine
c/o-Adresse ver
schickt worden. Eine
Vollmacht für die
Entgegennahme
von amtlichen Doku
menten
habe nicht vorgelegen
.
Die Beschwerdegegnerin sei aufgrund der Lohn
bestätigung seines Arbeitgebers in Shanghai jederzeit darüber informiert gewe
sen, wo er sich aufhalte.
Bis z
um 1
4.
August 2019 habe er
keine Kenntnis
vom Ausschluss
gehabt (
Urk.
1 und
Urk.
6/70/4)
.
3
.
3.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Anfechtungs- und Streitgegenstand im Ein
spracheverfahren – entgegen den Ausführungen im angefochtenen Einsprache
entscheid vom 1
8.
März 2020 (
Urk.
2) – allein der von der Beschwerdegegnerin am 1
0.
Januar 2017 verfügte Ausschluss aus der freiwilligen AHV/IV (
Urk.
6/51) bildete. Über den sinngemässen Antrag des Beschwerdeführers auf Berichtigung des individuellen Kontos vom 2
2.
Juli 2019 (
Urk.
6/66/1) erging bislang formell noch gar keine Verfügung (vgl.
Urk.
6/69). Weiter ergibt sich aus der Begründung des Einspracheentscheids, wonach die Verfügung vom 1
0.
Januar 2017 mangels fristgerechter Einsprache in Rechtskraft erwachsen sei, dass es sich nicht um einen die Einsprache abweisenden Entscheid handelt, sondern vielmehr auf die Einsprache nicht eingetreten wurde.
Demnach hat das angerufene Gericht lediglich zu beurteilen, ob die Beschwerde
gegnerin zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten ist.
3
.2
Aktenkundig ist, dass
der Beschwerdeführer am 2
7.
November 2012 ein Beitrittsgesuch zur freiwilligen
AHV/IV stellte (
Urk.
6/1/1-2). Am
1.
Dezember 2012
ermächtigte er dabei
Y._
ihn zu vertreten, ins Dossier Einsicht zu nehmen, Verfügungen zu er
halten sowie in allem,
was die AHV betrifft, in seinem
Namen zu handeln (Urk.
6/5; vgl. auch
Urk.
6/2).
In der Folge wurde die Korrespondenz zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdeführer jeweils
dem Vertreter
Y._
zugest
ellt (vgl. dazu
auch dessen
bis August 2015 verfasste
E-Mails an die Beschwerdegegnerin
;
Urk.
6/4/1,
Urk.
6/22,
Urk.
6/24 und
Urk.
6/38
). Im Formular «Einkommens- und Vermögenserklärung zur Berechnung der Bei
träge 2014», unterzeichnet am 15
.
Dezember 2014, gab der Beschwerdeführer
als Korrespondenzadresse
neu seine eigene Adresse in Shanghai an (
Urk.
6
/30/1
).
Im Formular «Einkommens- und Vermögenserklärung zur Berechnung der Beiträge 2015», unterzeichnet am 2
2.
März 2016,
nannte er als
Korrespondenzadresse
aber wieder
jene von
Y._
(
Urk.
6/46/1
).
Zu Recht a
n
Y._
adressiert war
denn
auch die per Einschreiben verschickte Ausschlussverfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
0.
Januar 2017 (
Urk.
6/51).
Die vorangegangenen, ebenfalls eingeschrieben versandten Mahnungen vom 28. August 2016 (
Urk.
6/39) und vom 2
8.
Oktober 2016 (
Urk.
6/50) einschliesslich unter Beilage eines Kontoauszugs sowie der ordnungsgemässen Androhung der Rechtsfolgen bei Nichtbezahlung ergingen ebenfalls korrekterweise an den vom Beschwerde
führer ernannten Bevollmächtigten.
3.3
Anhaltspunkte dafür, dass die
Ausschlussv
erfügung
Y._
nicht zeitnah nach deren Erlass zugestellt worden sein könnte, liegen nicht vor. D
ies
hat der Beschwerdeführer auch nicht behauptet.
Er brachte vielmehr einzig vor
, dass die Beschwerdegegnerin die Ausschlussverfügung vom 1
0.
Januar 2017 ihm
selber
hätte
zustellen
müssen. Dies ist indes unzutreffend
.
Y._
war gestützt auf die Vollmacht vom
1.
Dezember 2012 b
erechtigt, die Ausschluss
v
erfügung vom 1
0.
Januar 2017
als Vertreter des Beschwerdeführers
entgegen
zunehmen. Die 30-tägige
Einsprachefris
t
begann
am Tag nach der Zustellung
der Verfügung an
Y._
zu laufen.
Mit E
-Mail vom 9.
Juni 2017 teilte
Y._
der Beschwerdegegnerin mit, dass er sich
in dieser offen
sichtlich
«
noch pendenten Geschichte
»
erlaubt habe, zwei Jahresprämien per Valuta 1
2.
Juni 2017 zu überweisen (
Urk.
6/52).
Etwas
mehr als zwei Jahre später erhob der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 2
7.
August 2019
Beschwerde respektive Einsprache
gegen
die Ausschlussverfügung vom 10.
Januar 2017 (
Urk.
6/70/4-5).
Demgemäss ist
erstellt, dass seine Einsprache gegen die Au
sschlussverfügung vom 1
0.
Januar 2017
verspätet erfolgt ist
.
Die Verfügung
ist
somit
unange
fochten in
Rechtskraft erwachsen.
Mit den materiellen Anträgen des Beschwerdeführer
s hat sich das Gericht
nicht zu befassen (vgl. E. 1.1
).
4.
Der angefochtene Entscheid erweist sich somit
im Ergebnis
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Die Beschwerdegegnerin hat die Rückerstattung des
Betrag
s
von
Fr.
2'4
50.--
au
f das in der Beschwerde
angegebene Konto des B
eschwerdeführers
(vgl.
Urk.
1)
zu veranlassen.