Decision ID: 83c4344a-bc2b-4ae8-a892-efb53d91229a
Year: 2021
Language: de
Court: NW_OG
Chamber: NW_OG_001
Canton: NW
Region: Central_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der 1963 geborene A._ («Beschwerdeführer»/«Versicherter») arbeitete als Baufacharbeiter
der B._ AG und war in dieser Eigenschaft bei der SUVA obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 12. Oktober 2017 von einem Baugerüst fiel und sich dabei
diverse Verletzungen zuzog. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen.
Im Übrigen wird auf die Sachverhaltsdarstellung im angefochtenen Einspracheentscheid
verwiesen (dortige lit. A-J).
Mit Schreiben vom 4. März 2020 teilte die SUVA dem Versicherten die Einstellung der
Heilkostenleistung per sofort sowie der Taggeldleistungen per Ende März 2020 mit (SUVA-
act. 212). Mit Verfügung vom 24. März 2020 sprach die SUVA dem Versicherten für die
verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfall vom 12. Oktober 2017 eine
Integritätsentschädigung von 20% (Fr. 29'640) zu, verneinte indes einen Anspruch auf eine
Invalidenrente mangels Erheblichkeit (Suva-act. 224). Die dagegen erhobene Einsprache des
Versicherten (SUVA-act. 232) wies die SUVA mit Entscheid vom 1. Juli 2020 ab (SUVA-act.
238).
B.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2020 erhob der Versicherte Beschwerde mit den Anträgen:
«1. Der Einspracheentscheid vom 1. Juli 2020 und damit die Verfügung vom 24. März 2020
sei dahingehend aufzuheben und abzuändern, dass dem Beschwerdeführer spätestens
ab 1. April 2020 eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auszurichten
sei.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.»
C.
Mit Beschwerdeantwort vom 4. August 2020 beantragte die SUVA die Beschwerdeabweisung
und Bestätigung ihres Einspracheentscheids.
D.
Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die vorliegende
Streitsache anlässlich ihrer Sitzung vom 19. Oktober 2020 abschliessend beraten und
3
beurteilt. Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in den Akten wird –
soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.
E.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 orientierte Rechtsanwalt Christian Haag über einen
Anwaltswechsel. Gleichzeitig gab er inhaltliche Bemerkungen zu Protokoll. Mit Schreiben vom
8. Juni 2021 wurde Rechtsanwalt Haag mitgeteilt, dass die Streitsache bereits abschliessend
beurteilt sei und seine Eingabe nicht mehr berücksichtigt werden könne, indessen der
Anwaltswechsel vermerkt worden sei (amtl. Bel. 7).

Considerations:
Erwägungen:
1.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 1. Juli 2020 ist in Anwendung des UVG
ergangen. Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 ATSG kann
gegen Einspracheentscheide des Unfallversicherers beim zuständigen kantonalen
Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Der Verfügungsadressat hat Wohnsitz im
Kanton Nidwalden, womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts Nidwalden
gegeben ist. Sachlich zuständig ist die Sozialversicherungsabteilung, die in Dreierbesetzung
entscheidet (Art. 39 GerG i.V.m. Art. 33 Ziff. 2 GerG [NG 261.1]). Der Beschwerdeführer ist
als Adressat des angefochtenen Entscheids berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
dessen gerichtlicher Überprüfung (Art. 59 ATSG). Auf die im Weiteren form- und fristgerecht
(Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden ‒ soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt ‒ die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt.
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so
steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu
4
mindestens 10% invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18
Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit
dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1
UVG).
2.3
Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Ausmass die
versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist.
2.4
Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbesondere auch bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das
Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute
zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E.
4 f. mit weiteren Hinweisen).
2.5
Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess
gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen
Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu
würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
5
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1,
125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c).
2.6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen
Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und
Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall
jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so
sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V
465 E. 4.4 und E. 4.7).
3.
3.1
Die SUVA erachtet den Beschwerdeführer gestützt auf den kreisärztlichen Abschlussbericht
vom 12. Februar 2020 in einer Verweistätigkeit als vollumfänglich arbeitsfähig. Auf das
tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers könne nicht abgestellt
werden, da er in seinem 30%-Pensum bei der B._ AG mit einem Jahreseinkommen von
Fr. 19'110.– (Fr. 1'470.– x 13), die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit bei Weitem nicht
ausschöpfe. Die SUVA zog für die Bemessung des (hypothetischen) Invalideneinkommens die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) bei (vgl. BGE 143 V 295 E. 2.2). Dabei stellte sie auf die
LSE 2018, TA1, Männer, Kompetenzniveau 1, Total ab. Unter Berücksichtigung der
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden und Anpassung an die branchenübliche
Nominallohnentwicklung errechnete sie für das Jahr 2019 und 2020 ‒ nach Vornahme eines
leidensbedingten Abzugs von 15% ‒ ein Invalideneinkommen von Fr. 68'446.05.
6
Das Valideneinkommen errechnete die SUVA gestützt auf die Lohnangaben der B._ AG vom
4. März 2020 mit Fr. 63'700.– (Fr. 4'900.– x 13 [SUVA-act. 207]). Die B._ AG sei dem Landes-
GAV für das Plattenleger- und Ofenbaugewerbe unter- und der Versicherte als Handlanger für
Plattenleger-Ofenbau in der Lohnkategorie B angestellt. Gemäss der ab dem 1. Januar 2020
gültigen Lohnvereinbarung zu dem ab dem 1. Juli 2018 gültigen Landes-GAV 2018-2020 für
das Plattenleger- und Ofenbaugewerbe betrage der Mindestlohn in der Kategorie B jedoch
Fr. 4'670.–, weshalb das Valideneinkommen des Versicherten nicht unterdurchschnittlich und
folglich auch nicht zu parallelisieren sei. Eine Gegenüberstellung des Validen- und
Invalideneinkommens ergebe, dass der Versicherte trotz seiner körperlichen Unfallfolgen in
der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Infolge fehlender
Invalidität im Erheblichkeitsgrad von mindestens 10%, bestehe kein Anspruch auf eine
Invalidenrente.
3.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, er schöpfe mit seiner 30%igen Tätigkeit bei der B._
AG die verbliebene Arbeitsfähigkeit voll aus. Entsprechend sei auf das tatsächlich erzielte
Einkommen von monatlich Fr. 1'470.– abzustellen. Eventualiter sei davon auszugehen, dass
die Restarbeitsfähigkeit in einer zumutbaren Verweistätigkeit nicht besser verwertbar sei.
Diesbezüglich habe die SUVA auch gar nicht erläutert bzw. abgeklärt, welche Verweistätigkeit
beim formulierten, sehr restriktiven Belastungsprofil konkret in Frage käme. Er könne nicht als
Hilfskraft tätig sein, wobei namentlich das fortgeschrittene Alter und die beschränkten
Sprachkenntnisse zu berücksichtigen seien. Ebenso sei der Leidensabzug auf 25%
festzusetzen. Vor dem Unfall sei er physisch stark beansprucht tätig gewesen, heute könne er
auch körperlich leichte Arbeiten nur noch erheblich eingeschränkt verrichten. Unter
Berücksichtigung dieser Tatsache sowie der Kriterien des Alters, der Dienstjahre, der
Nationalität, der Sprache und des Beschäftigungsgrades rechtfertige sich ein maximaler
leidensbedingter Abzug.
4.
4.1
Laut Austrittsbericht des Spitals C._ vom 16. Oktober 2017 erlitt der Beschwerdeführer am
12. Oktober 2017 bei einem Sturz von einem Baugerüst eine undislozierte Acetabulumfraktur
durchs Azetabulumdach links mit Frakturausläufer durch die linke Beckenschaufel, eine
Commotio cerebri, eine undislozierte Acromionfraktur links und eine Rissquetschwunde frontal
7
links. Er konnte nach konservativer Behandlung am 16. Oktober 2017 entlassen werden
(SUVA-act. 9).
4.2
Nach einem stationären Aufenthalt in der Rehaklinik D._ vom 21. März bis 25. April 2018
erachteten die dortigen Ärzte die angestammte Tätigkeit als Gipser für den Versicherten nicht
mehr zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit (mittelschwer, ohne länger andauernde
Tätigkeiten über Schulterhöhe, ohne Ersteigen von Leitern mit Zusatzgewicht) erachteten sie
ganztags zumutbar und empfahlen die berufliche Wiedereingliederung (Austrittsbericht vom
26. April 2018 [SUVA-act. 45]). Daraufhin nahm der Beschwerdeführer seine Tätigkeit bei der
B._ AG wieder im Umfang von 50% auf (Ärztlicher Zwischenbericht des Hausarztes E._ vom
3. August 2018 [SUVA-act. 72]).
4.3
Aufgrund der weiterhin geklagten Schulterbeschwerden veranlasste der Orthopäde Dr. med.
F._ im Oktober 2018 eine Arthro-MRI-Untersuchung des linken Schultergelenks und
diagnostizierte eine ausgeprägte SLAP-Läsion Typ II (u.a. Berichte vom 7. September 2018,
8. November 2018 [SUVA-act. 81, 86, 87, 91, 93, 94]). In der Folge wurde die linke Schulter
infiltriert (Operationsbericht vom 29. November 2018 [SUVA-act. 97]). Da der Versicherte nach
kurzer Beschwerdebesserung wieder Schmerzen beklagte (SUVA-act. 100, 116) wurde am
12. März 2019 eine Schultergelenksarthroskopie mit Bizepstendomie, Labrumrefixation,
subakromialer Dekompression und AC-Gelenksresektion durchgeführt (Austrittsbericht vom
12. März 2019 [SUVA-act. 127]).
4.4
Am 17. Juni 2019 berichtete der behandelnde Orthopäde F._, der Versicherte klage immer
noch über belastungsabhängige aber verminderte Schmerzen. Per 1. August 2018 sei die
Wiederaufnahme der Tätigkeit im Umfang von 50% geplant (SUVA-act. 144). Im Bericht vom
19. August 2019 hielt der Orthopäde fest, die Beschwerden hätten sich gebessert, aber
Überkopf-belastende Arbeiten seien nach wie vor noch nicht möglich. Seit Anfang August
arbeite der Versicherte zu 50% halbtags bis sichtlich Ende August. Nach 100%iger
Arbeitsaufnahme sei eine klinische Verlaufskontrolle vorgesehen (SUVA-act. 146). Im
Sprechstundenbericht vom 21. Oktober 2019 berichtete der Orthopäde F._, MR-tomografisch
8
ergäben sich keine Hinweise auf eine Reruptur. Gemäss SUVA sei die Arbeitsfähigkeit auf
30% attestiert. Ansonsten äusserte sich der Arzt nicht zur Arbeitsfähigkeit (SUVA-act. 168).
4.5
Aufgrund der am 15. November 2019 erfolgten Untersuchung hielt der Kreisarzt Dr. med. G._,
Facharzt für Chirurgie, orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats
u.a. fest, der Beschwerdeführer könne in seiner angestammten Tätigkeit als Gipser nicht mehr
konkurrenzfähig arbeiten (SUVA-act. 186).
4.6
Am 12. Februar 2020 erfolgte die kreisärztliche Abschlussuntersuchung durch Dr. med. G._.
Dieser erklärte in seinem Bericht vom 17. Februar 2020, der medizinische Endzustand sei
erreicht und der Beschwerdeführer in einer dem Belastungsprofil angepassten Tätigkeit zu
100% arbeitsfähig. Das Belastungsprofil definierte er wie folgt (SUVA-act. 197):
«Unter Berücksichtigung des nachstehenden Belastungsprofils (keine Arbeiten in der Höhe – auf
Dächern, Gerüsten, Leitern etc., da der Einsatz des linken Arms zur Abwehr von Gefahren nicht
gewährleistet ist; kein Arbeiten über die Brusthöhe; kein Tragen von Gegenständen in der linken
Hand des ausgestreckten linken Arms die schwerer als 10-15 kg sind; kein körperfernes Heben in
der linken Hand von Gegenständen, die schwerer als 5-10 kg sind; kein Arbeiten unter Einfluss von
Stössen und Vibrationen, die sich negativ auf das linke Schultergelenk auswirken würden; kein
Arbeiten mit permanenten Rotationsbewegungen des linken Schultergelenks, kein permanentes
Arbeiten unter Einfluss von Kälte) wäre medizinisch-theoretisch auf dem unfallchirurgisch-
orthopädischen Fachgebiet eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben.»
4.7
Die Arbeitgeberin erklärte im Rahmen der Besprechung vom 4. März 2020, der Versicherte
sei schon länger im Fassadenbau tätig und habe Hilfsarbeiten erledigt; man werde ihn weiter
in diesem Bereich im Rahmen eines 30%-Pensums anstellen. Andere leichtere Arbeiten, mit
denen der Versicherte trotz seinen Einschränkungen mehr Lohn erzielen könnte, gäbe es bei
ihnen nicht (SUVA-act. 207).
5.
9
5.1
Der Abschlussbericht des Kreisarztes G._ vom 12. Februar 2020 erfüllt die Anforderungen
an den Beweiswert eines ärztlichen Berichts (vorstehende E. 2.5 f.). Er erweist sich für die
streitigen Belange umfassend, erfolgte in Kenntnis und Auseinandersetzung mit den Vorakten
und trägt den geklagten Beschwerden und Einschränkungen im formulierten Belastungsprofil
ausreichend Rechnung. Gestützt auf die persönliche Untersuchung und die erhobenen
Befunde war der Kreisarzt durchaus in der Lage, die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Verweistätigkeit einzuschätzen. Die Tätigkeit als Gipser hatte der Kreisarzt bereits vor der
Abschlussuntersuchung verneint (vorstehende E. 4.5). Inwiefern der vom Beschwerdeführer
explizit erwähnte Austrittsbericht vom 12. März 2019 (vgl. vorstehende E. 4.3) daran etwas
ändern könnte, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht konkret aufgezeigt. Anderslautende,
überzeugende Arztberichte, die auf eine fehlerhafte Einschätzung des Kreisarztes schliessen
lassen, liegen nicht vor, sodass auf dessen Abschlussbericht abgestellt werden kann. Es ist
an dieser Stelle daran zu erinnern, dass mit jeder Zumutbarkeitsbeurteilung ärztliches
Ermessen verbunden ist und es sich überdies immer um eine Momentaufnahme handelt. Es
erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit sowie die Einholung
eines Gerichtsgutachtens.
5.2
Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der Versicherte in einer dem
Belastungsprofil entsprechenden Verweistätigkeit vollständig arbeitsfähig ist.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer bestreitet eine erwerbliche Verwertung der ihm als zumutbar
erachteten Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
6.2
Bei der kreisärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit handelt es sich um eine medizinisch-
theoretische Einschätzung. Damit ist der Rahmen vorgegeben, innerhalb welchem die
versicherte Person ihr vorhandenes Arbeitspotential ausschöpfen könnte. Die tatsächliche
Umsetzbarkeit des nach medizinisch-theoretischer Einschätzung an sich bestehenden
10
funktionellen Leistungsvermögens bzw. die wirtschaftliche Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit richtet sich aber nicht nach dem aktuellen Arbeitsmarkt, sondern nach
einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16 ATSG). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist
ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht,
umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch fiktive Stellenangebote und sieht von den
fehlenden oder verringerten Chancen teilinvalider Personen, eine zumutbare und geeignete
Arbeitsstelle zu finden, ab (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1). Es kommt für die
Invaliditätsbemessung mithin nicht darauf an, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und
Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2019 vom
28. November 2019 E. 5.4 mit Hinweisen). Dabei ist nicht zu vergessen, dass der
ausgeglichene Arbeitsmarkt der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger
Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und persönlichen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des EVG I 636/06
vom 22. September 2006 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 110 V 273, 276, E. 4b). Dazu gehören
auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, bei welchen teilinvalide Personen mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin rechnen können (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E. 7). Eine Konkretisierung
der Arbeitsgelegenheiten auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt ist nicht
erforderlich (BGE 138 V 457 E. 3.1).
6.3
Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer
Arbeitsgelegenheit in einem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl. Art. 7 Abs. 1 und
Art. 16 ATSG) dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt
oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum
Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile EVG I 636/06 vom 22. September 2006
E. 3.2; I 617/02 vom 10. März 2003 E. 3.1 mit Hinweisen).
11
6.4
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der
Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und
beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr
nachgefragt wird. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene
Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach
einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen,
der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher
Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein.
Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (BGE
145 V 216 E. 5.3.1 mit Hinweis auf BGE 138 V 457, 460 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
8C_892/2017 vom 23. August 2018 E. 3.2).
6.5
Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu
verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine
berufliche Tätigkeit noch zur Verfügung steht. Massgeblicher Stichtag für die Beantwortung
der Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter ist der
Zeitpunkt, in welchem die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit feststeht.
Dies ist der Fall, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige
Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; 138 V 457 E. 3.3).
6.6
Vorliegend steht fest, dass dem Versicherten ab Februar 2020 die Ausübung einer
leidensangepassten Verweistätigkeit zumutbar ist. Im Februar 2020 war der Versicherte knapp
561⁄2 Jahre alt. Die verbleibende Aktivitätsdauer bis zur ordentlichen Pensionierung betrug
somit über 8 Jahre. Dies führt für sich alleine noch nicht zwingend zur Annahme einer
Verwertbarkeit der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts
9C_505/2016 vom 6. Juli 2016 E. 4.1). Das Belastungsprofil erscheint auf den ersten Blick
zwar vielfältig einschränkend, aber bei genauer Betrachtung ist es nicht so restriktiv, dass eine
12
Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit ausgeschlossen wäre. Das definierte
Zumutbarkeitsprofil schränkt den Beschwerdeführer hauptsächlich hinsichtlich schweren bzw.
risikobelasteten (Höhe, Kälte, Vibrationen) Tätigkeiten ein. Bei diesem Profil und einer
Arbeitsfähigkeit von 100% verbleibt auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein weites
Spektrum von verfügbaren Tätigkeiten, insbesondere Hilfsarbeiten, namentlich leichte oder
unterstützende (Hilfs-)Arbeiten im Bau- oder einem anderen Sektor, die mit einem nur
geringen oder gar keinem Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand verbunden sind und
grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden (Urteile des Bundesgerichts
9C_284/2018 vom 17. Juli 2018 E. 2.2.3; 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1;
8C_17/2011 vom 21. April 2011 E. 6.2 je mit Hinweisen). Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung hat wiederholt darauf hingewiesen, dass körperlich leichte und
wechselbelastende Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden
sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 6.3), wobei an
Tätigkeiten in der Produktion oder Kontrolltätigkeiten zu denken ist. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass in Industrie und Gewerbe Arbeiten, welche physische Kraft verlangen,
seit vielen Jahren und in ständig zunehmendem Ausmass durch Maschinen verrichtet werden,
während den Überwachungsfunktionen wie auch dem Dienstleistungsbereich grosse und
wachsende Bedeutung zukommt. Auch die sinngemäss geltend gemachten fehlenden
Sprachkenntnisse stehen der Aufnahme einer (Hilfs-)Tätigkeit nicht entgegen. Ausserdem
versteht der Beschwerdeführer Anleitungen und Anweisungen gut und kann sie umsetzen
(SUVA-act. 52 S. 1). Im Lichte der relativ hohen Hürden, welche das Bundesgericht für die
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen entwickelt hat (u.a. Urteil des
Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.4) kann bei vorliegender Sachlage nicht
gesagt werden, die dem Versicherten zumutbaren Verweistätigkeiten seien nur in so
eingeschränkter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt nicht kennt und das
Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (BGE
138 V 457 E. 3.1). Exemplarisch zeigt sich dies an seiner bisherigen Arbeitsstelle, wo dem
Zumutbarkeitsprofil entsprechende Betätigungsfelder gefunden wurden, aber keine Anstellung
im entsprechenden Vollpensum (vgl. SUVA-act. 64; 158). Schliesslich ist daran zu erinnern,
dass laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch
genügend realistische Betätigungen für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu
betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeiten verrichten können (u.a. Urteile des
Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.1; 8C_31/2017 vom 30. März 2017 E.
6.2). Gestützt auf diese Ausführungen ist zu schliessen, dass der Versicherte – abstrakt
13
betrachtet ‒ das ihm attestierte Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verwerten könnte.
7.
7.1
In erwerblicher Hinsicht ist zu prüfen, ob die SUVA den Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführers korrekt ermittelt hat.
7.2
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad
bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau
ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu
schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (BGE
128 IV 29 E. 1).
7.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen
Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt
der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der (kumulativ) besonders stabile
Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende
Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der
Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der von
ihm tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_720/2012
vom 11. Februar 2013). Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich,
weil der Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihm
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung Tabellenlöhne beigezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2; 126 V 75 E. 3b).
14
7.4
Wird auf Tabellenlöhne abgestellt, gilt es zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen
müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE
134 V 322, 327 f. E. 5.2; 129 V 472, 481 E. 4.2.3). Die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Zu beachten ist jedoch, dass
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene
gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen
dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1). Der Einfluss
sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen ist
(BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). Nach ständiger Rechtsprechung darf das
(kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des
Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten abstützen können,
welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen
(BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
7.5
Das Invalideneinkommen hat die SUVA ‒ da der Beschwerdeführer nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat
bzw. seine Restarbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll ausschöpft ‒ zu Recht unter
Beizug der Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BfS) periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ermittelt. Dabei stellte sie auf die LSE 2018,
TA1, Kompetenzniveau 1, einfache Tätigkeiten, Total, Männer, ab. Unter Berücksichtigung der
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden und Anpassung an die
15
Nominallohnentwicklung errechnete sie in ihrem Einspracheentscheid für das Jahr 2020 ein
Invalideneinkommen von Fr. 65'023.75 und gewährte einen Leidensabzug von 5%.
7.6
Im Hinblick auf die streitige Höhe des Leidensabzugs ist vorab festzuhalten, dass die
Festlegung des leidensbedingten Abzugs auf 5% aufgrund der unfallbedingten körperlichen
Einschränkungen und der damit verbundenen, leicht unterdurchschnittlichen Verwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers grundsätzlich angemessen ist. Weder der
Umstand, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind noch das Alter oder
die mangelhaften Sprachkenntnisse (gemäss Angaben der Arbeitgeberin verstand er
Anleitungen und Anweisungen gut [SUVA-act. 52 S. 1]) rechtfertigen einen weitergehenden
leidensbedingten Abzug. Auf dem für den Beschwerdeführer noch relevanten
(ausgeglichenen) Stellenmarkt (Kompetenzniveau 1) finden sich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten, namentlich Hilfsarbeiten, welche einerseits altersunabhängig nachgefragt sind,
andererseits auch keine umfassenderen Sprachkenntnisse erfordern. Die fehlende
Berücksichtigung dieser Umstände durch die SUVA ist nicht zu beanstanden.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass praxisgemäss im Rahmen der
Invaliditätsbemessung unter Beizug der statistischen Durchschnittslöhne das kantonale
Gericht nicht gehalten ist, die Arbeitsgelegenheiten auf dem massgeblichen ausgeglichenen
Arbeitsmarkt weitergehend zu konkretisieren (BGE 138 V 457 E. 3.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_815/2019 vom 30. Januar 2020 E. 6.2; 8C_ 587/2019 vom 30. Oktober
2019 E. 6.2).
8.
8.1
Umstritten ist auch das Valideneinkommen. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe mit
Fr. 4'900.– aus invaliditätsfremden Faktoren ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen
erzielt. Er sei viele Jahre ungelernt als Facharbeiter eingesetzt worden; zudem könne nicht auf
den GAV für Plattenleger und Ofenbauer abgestellt werden, da er lediglich als Facharbeiter im
Fassadenbau/Gipser arbeite.
8.2
Für die Ermittlung des Einkommens, welches der Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte
(Valideneinkommen), ist entscheidend, was er im Zeitpunkt des frühestmöglichen
16
Rentenbeginns, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der
Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1). Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden
Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde
Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein
deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der
Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte
dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren
Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf
invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt
nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind. Diese
Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten
Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende
Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1)
8.3
Wie vorerwähnt, ist der Beschwerdeführer auch nach dem Unfall für seine frühere
Arbeitgeberin tätig; aufgrund der beschränkten Einsatzmöglichkeiten konnte ihn die
Arbeitgeberin bloss in einem Teilzeitpensum anstellen (u.a. SUVA-act. 207). Die Arbeitgeberin
deklarierte anlässlich einer Besprechung vom 4. März 2020, dass sie dem Versicherten für
sein 30%-Pensum einen Monatslohn von Fr. 1'470.– entrichte, was in einem Vollpensum einen
Monatslohn von Fr. 4'900.– ergeben würde (SUVA-act. 207; vor dem Unfall:
Fr. 4768.35/Monat [SUVA-act. 1]). Darauf kann für die Ermittlung des Einkommens, welches
der Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte, grundsätzlich abgestellt werden. Anlass für
eine Parallelisierung dieses Einkommens besteht nicht. Der nun theoretisch erzielbare Lohn
liegt (hochgerechnet auf ein Vollpensum) leicht über demjenigen, welcher er bei derselben
Arbeitgeberin vor seinem Unfall erzielte. Er liegt denn auch über dem GAV-Mindestlohn von
Fr. 4'670.– für die Mitarbeiterkategorie B der Plattenleger und Ofenbauern (L-GAV für das
Plattenleger- und Ofenbaugewerbe für die ganze Schweiz ohne, FR, BS, BL, VD, VS, NE, GE,
TI, JU), in welcher der Beschwerdeführer als ungelernter, bei einer diesem L-GAV unterstellten
Arbeitgeberin tätiger Mitarbeiter einzuordnen ist (SUVA-act. 52, 128). Dasselbe ergibt sich
17
mittels eines Vergleichs auf andere branchenübliche Mindestlohnansätze (Fr. 4'920.– im
Gebäudehüllengewerbe [GAV im Schweizerischen Gebäudehüllengewerbe]; Fr. 4'487.– als
Maler bzw. Fr. 4'661.– als Gipser [GAV für das Maler- und Gipsergewerbe Deutschschweiz
und Tessin]). Ob und falls ja, welcher GAV-Mindestlohn konkret anwendbar ist, ist im Übrigen
von untergeordneter Bedeutung; es geht einzig um einen (summarischen)
Branchenüblichkeitsabgleich des beschwerdeführerischen Validenlohns. Zusammenfassend
bestehen aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer aufgrund
invaliditätsfremder Umstände einen deutlich unterdurchschnittlichen Lohn erzielen würde.
Damit hat sich die SUVA im angefochtenen Einspracheentscheid auch auseinandergesetzt
(dortige E. 6a/bb S. 9), ohne dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde konkret
darlegen würde, weshalb ein Lohn von Fr. 4'900.– für die von ihm bei der B._ AG ausgeübte
Tätigkeit deutlich unterdurchschnittlich wäre. Konkret beläuft sich das massgebende
Valideneinkommen demzufolge auf Fr. 63'700.– (Fr. 4'900.– x 13).
9.
Die Integritätsentschädigung ist nicht angefochten und aus den Akten ergibt sich keine
Veranlassung zur näheren Prüfung. Im Ergebnis erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid vom 11. März 2020 als rechtens. Die dagegen erhobene Beschwerde ist
unbegründet und demzufolge abzuweisen.
10.
Das kantonale Beschwerdeverfahren in unfallversicherungsrechtlichen Streitigkeiten ist
kostenlos (Art. 61 lit. ATSG und Art. 18 PKoG [Prozesskostengesetz; NG 261.2]). Bei diesem
Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).
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