Decision ID: 5a37c61d-eff5-42f0-9f5b-f5fed68f9774
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
B.
Mit Zwischenentscheid vom 19. Juni 2020 stellte das Versicherungsgericht fest,
dass die B._ AG (nachfolgend: Beklagte) der A._ (nachfolgend: Klägerin) gestützt
auf Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages vom Februar bzw. März 2004 einen
Deckungszuschlag in noch zu bestimmender Höhe zu bezahlen hat (act. G 14; auf
diesen Entscheid sei auch für den Sachverhalt, wie er sich bis zum 19. Juni 2020
ereignet hat, verwiesen).
A.a.
Mit Mitteilung vom 18. September 2020 informierte das Bundesgericht das
Versicherungsgericht darüber, dass bis zum damaligen Zeitpunkt kein
Rechtsmittelverfahren gegen den Entscheid vom 19. Juni 2020 eröffnet worden sei
(act. G 16; zur Anfrage seitens des Versicherungsgerichts vgl. act. G 15).
A.b.
Mit Schreiben vom 21. September 2020 forderte das Versicherungsgericht die
durch Rechtsanwalt lic. iur. M. Hubatka, Schindellegi, vertretene Klägerin dazu auf, die
Höhe des von ihr eingeklagten Deckungszuschlages bis zum 12. Oktober 2020 mittels
Unterlagen zu belegen und zu erläutern (act. G 17).
B.a.
Am 10. Oktober 2020 reichte die Klägerin eine von der C._ AG am 6. Oktober
2020 vorgenommene Berechnung des Deckungszuschlages in der Höhe von Fr.
118'487.-- ein (act. G 18.1) und hielt an ihrem in der Klage vom 5. Juni 2019 (vgl. dazu
act. G 1) gestellten Begehren, wonach die Beklagte zu verpflichten sei, ihr den Betrag
B.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von Fr. 118'487.-- samt Zins zu 5 % seit Anhebung der Klage zu bezahlen (vgl. act. G 1
S. 1), fest (vgl. act. G 18).
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 beantragte die Beklagte, dass das Begehren
der Klägerin um Zusprache eines Deckungszuschlages im Betrag von Fr. 118'487.--
abzuweisen sei. Bei der Berechnung des Deckungszuschlages seien weder Beiträge an
den Sicherheitsfond noch die Erhöhung des Vorsorgekapitals Rentner bei Senkung des
technischen Zinssatzes zu berücksichtigen. Die Deckungsbeiträge für die
Teuerungszulagen seien nur soweit zu berücksichtigen, als sie auch tatsächlich
gewährt würden. Die bisher von ihr, der Beklagten, seit Vertragsbeginn via
Umlagebeiträge an die Klägerin geleisteten Deckungsbeiträge für die Finanzierung der
Teuerungszulagen und der Langlebigkeit seien vom errechneten Deckungszuschlag in
Abzug zu bringen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin (act.
G 20).
B.c.
Mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 nahm die Klägerin zu den Ausführungen
der Beklagten vom 26. Oktober 2020 Stellung (vgl. act. G 24).
B.d.
Am 8. April 2021 informierte die verfahrensleitende Richterin die Parteien darüber,
dass die zuständige Gerichtsabteilung beschlossen habe, bezüglich der eingereichten
Berechnung des Deckungszuschlages mit Rückfragen an die Klägerin bzw. die C._
AG zu gelangen. Sie bat die Klägerin, die auf einem Beiblatt aufgeführten Fragen der
C._ AG zur Beantwortung vorzulegen (act. G 26).
B.e.
Mit Schreiben vom 3. Mai 2021 reichte die Klägerin die Antworten der C._ AG auf
die vom Gericht gestellten Fragen ein (act. G 27 und 27.1).
B.f.
Am 18. Juni 2021 nahm die Beklagte zu den von der C._ AG gegebenen
Antworten Stellung (vgl. act. G 31).
B.g.
Am 10. August 2021 äusserte sich die Klägerin zu den Ausführungen der
Beklagten vom 18. Juni 2021 bzw. zu den der C._ AG gestellten Fragen (vgl. act. G
35).
B.h.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Nachdem unterdessen im Grundsatz rechtskräftig feststeht, dass die Beklagte der
Klägerin gestützt auf Ziff. 4.3 des zwischen den Parteien abgeschlossenen
Anschlussvertrages einen Deckungszuschlag zu bezahlen hat, bleibt im vorliegenden
Verfahren dessen Höhe zu prüfen.
2.
Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages lautet wie folgt: "Grundsätzlich bleiben die
Rentenbezüger weiterhin bei der Pensionskasse rentenberechtigt. Die Pensionskasse
ist berechtigt für die Zunahme der Lebenserwartung und die Anpassung der Renten an
die Teuerung einen Deckungszuschlag von der austretenden (...) zu erheben" (act. G
1.2 S. 3).
3.
Versicherte Lohnsumme aktive Versicherte:
Bezüglich des Deckungszuschlagsanteils für die Zunahme der Lebenserwartung
der Rentner hat die C._ AG erklärend ausgeführt, dass das Vorsorgekapital der
Rentner jährlich um 0.5 % verstärkt werde. Der Deckungszuschlag für die nächsten
zehn Jahre entspreche 5 % des Vorsorgekapitals (VK) der Rentner des abgehenden
Anschlusses (act. G 18.1).
3.1.
Zum Anteil für die Finanzierung der Teuerungszulagen hat die C._ AG
angemerkt, dass die Teuerungszulagen durch einen Umlagebeitrag von 2 % der
versicherten Lohnsumme (vL) finanziert würden. Der Deckungszuschlag für die
nächsten zehn Jahre betrage somit 20 % der versicherten Lohnsumme des
Anschlusses, welcher die Klägerin verlasse. Damit der Deckungszuschlag für die
abgehenden Anschlüsse mit vielen aktiven Versicherten und wenigen Rentnern zu
vertretbaren Ergebnissen führe, werde die Komponente "Finanzierung der
Teuerungszulagen" mit folgendem Faktor gewichtet: Minimum (vL [total] / vL
[abgehend] x VK Rentner [abgehend] / VK Rentner [total]; 1) (act. G 18.1).
3.2.
Als Basisgrössen zur Berechnung des Deckungszuschlages hat die C._ AG
folgende Werte genannt (act. G 18.1):
3.3.
Gesamtbestand: Fr. 313'696'067.--–
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorsorgekapital Rentner:
Unter Berücksichtigung der obgenannten Basisgrössen hat die C._ AG den
Deckungszuschlag schliesslich wie folgt berechnet: 5 % x Fr. 800'124.-- + Minimum
([Fr. 313'696'067.-- / Fr. 1'217'091.--] x [Fr. 800'124.-- / Fr. 639'634'027.--]; 1) x 20 % x
Fr. 1'217'091.-- = Fr. 118'487.-- (vgl. act. G 18.1).
3.4. Die Klägerin stellt sich mit Verweis auf die von der C._ AG am 6. Oktober 2020
vorgenommene Berechnung auf den Standpunkt, es sei ein Deckungszuschlag in der
Höhe von Fr. 118'487.-- geschuldet (vgl. act. G 18, 24 und 35). Demgegenüber
erachtet die Beklagte diesen Betrag als zu hoch. Sie bringt gegen die Berechnung der
C._ AG verschiedene Einwände vor (vgl. act. G 20 und 31), auf die nachfolgend näher
eingegangen wird.
3.5. Zunächst bemängelt die Beklagte, dass die von der C._ AG vorgenommene
Berechnung des Anteils am Deckungszuschlag für die Zunahme der Lebenserwartung
des Rentners mit 5 % des Vorsorgekapitals des Rentners (5 % von Fr. 800'124.--) nicht
überprüfbar dargelegt worden sei. So sei nicht ersichtlich, von welcher
Lebenserwartung die Klägerin bei der Berechnung der Altersrente für den bei ihr
verbleibenden Rentner ausgehe und mit welcher konkreten Zunahme der
Lebenserwartung gerechnet werde. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die
Vorsorgeeinrichtungen von überhöhten Lebenserwartungen und nicht von der aktuell
bekannten Lebenserwartung von 19.8 Jahren bei männlichen Rentnern im Alter von 65
Jahren ausgehen würden (act. G 20 S. 3).
3.6. Demgegenüber bringt die Klägerin vor, dass es bei sogenannten Periodentafeln
nach den allgemeinen Grundsätzen der Pensionskassen und speziell aufgrund der
Fachrichtlinien FRP 2 verpflichtend sei, der Zunahme der Lebenserwartung
kontinuierlich mit einem Zuschlag auf dem Rentendeckungskapital Rechnung zu
tragen. Sie mache dies mit dem weitherum verwendeten Wert von 0.5 % pro Jahr,
Austritt Beklagte: Fr. 1'217'091.--–
Gesamtbestand: Fr. 639'634'027.--–
Davon Beklagte: Fr. 800'124.--–
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
welcher im Rückstellungsreglement verankert und damit überprüfbar sei. Auch wende
sie die aktuellen technischen Grundlagen BVG 2015 an. Diese stünden bei rund 75 %
der Pensionskassen in der Schweiz in Gebrauch und seien damit die mit Abstand am
meisten verwendeten technischen Grundlagen. Die Behauptung, es würde von
überhöhten Lebenserwartungen ausgegangen, sei haltlos (vgl. act. G 24 S. 2).
3.7. Wie die Klägerin zu Recht ausführt, ergibt sich der Prozentsatz von jährlich 0.5 %,
mit welchem die C._ AG bei der Bestimmung des Anteils des Deckungszuschlages
für die Zunahme der Lebenserwartung rechnet (vgl. act. G 18.1), aus dem
Rückstellungsreglement der Klägerin (Stand 1. Dezember 2017; ._, abgerufen am 24.
August 2021 [nachfolgend: Rückstellungsreglement]), wonach sich der Satz für die
Rückstellung Langlebigkeit jedes Jahr um 0.5 % erhöht (S. 4). Der verwendete
Prozentsatz ist somit überprüfbar. Zum Zeitraum von zehn Jahren, den die C._ AG in
ihrer Berechnung vom 6. Oktober 2020 verwendet hat (vgl. act. G 18.1), hat das
Versicherungsgericht eine Rückfrage gestellt (vgl. act. G 26). In ihrer Stellungnahme
vom 29. April 2021 hat die C._ AG nachvollziehbar ausgeführt, dass die in der
Berechnung veranschlagten 10 Jahre eine konservativ geschätzte
Restlebenserwartung eines abgehenden Rentnerbestandes repräsentierten. Bei der
Beklagten sei die Restlebenserwartung des einen Rentners sogar deutlich höher und
ein Faktor von 20 wäre angemessener gewesen (vgl. act. G 27.1). Nachdem die
Beklagte selbst eine durchschnittliche Lebenserwartung von 19.8 Jahren erwähnt hat
(vgl. E. 3.5), sind die in der Berechnung verwendeten 10 Jahre jedenfalls offenkundig
nicht zu ihren Ungunsten zu hoch. Dieser Wert kann insgesamt als im Minimum
ausgewiesen erachtet werden. Folglich ist die von der C._ AG vorgenommene
Berechnung des Anteils am Deckungszuschlag für die Zunahme der Lebenserwartung
des Rentners (5 % von Fr. 800'124.-- = Fr. 40'006.20) nachvollziehbar und schlüssig,
weshalb darauf abgestellt werden kann (vgl. act. G 18.1).
4.
4.1. Die von der C._ AG vorgenommene Berechnung des Deckungszuschlags zur
Finanzierung der Teuerungszulagen kritisiert die Beklagte dahingehend, dass der
Umlagebeitrag von 2 % nicht ausschliesslich dem Teuerungsausgleich der Renten,
sondern weiteren Komponenten wie der Finanzierung von Beiträgen an den
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sicherheitsfonds und der Erhöhung des Vorsorgekapitals bei der Senkung des
technischen Zinssatzes diene. Für die Überbindung dieser Komponenten fehle jedoch
eine rechtliche Grundlage, weshalb sie nicht in die Berechnung des
Deckungszuschlags einfliessen dürften. Durch die Übernahme eines Umlagebeitrags
von 2 % würde also mehr als lediglich der Teuerungsausgleich der Renten finanziert.
Ein wesentlicher bzw. sogar überwiegender Teil des Umlagebeitrags diene der
Erhöhung von Deckungskapitalien bei Senkung des technischen Zinssatzes. Der
effektive Finanzierungszweck des Umlagebeitrags beschlage folglich eine
Komponente, die in Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages nicht erwähnt sei (vgl. act. G 20 S.
3 f.). Im Übrigen würde aktuell die Grundlage für die Erhebung eines
Deckungszuschlages ohnehin entfallen. Denn gemäss Art. 36 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG; SR 831.40) und Art. ._ des Vorsorgereglements hätten die Versicherten keinen
Anspruch auf Teuerungsanpassung. Die laufenden Renten würden nur im Rahmen der
finanziellen Möglichkeiten der Kasse der Teuerung angepasst werden. Angesichts der
strukturellen Herausforderungen der Klägerin dürfte ein Teuerungsausgleich bis auf
Weiteres nicht möglich sein. Da nicht absehbar sei, dass ein Teuerungsausgleich
stattfinden werde, entfalle die Grundlage zur Erhebung eines entsprechenden
Deckungszuschlages (vgl. act. G 20 S. 5).
4.2. Die Klägerin streitet nicht ab, dass der Umlagebeitrag neben dem
Teuerungsausgleich der Renten auch für die Beiträge an den Sicherheitsfond und zur
Erhöhung des Vorsorgekapitals der Rentner bei Senkung des technischen Zinssatzes
diene. Sie gesteht sogar ein, dass aktuell die Erhöhung des Vorsorgekapitals der
Rentner bei Senkung des technischen Zinssatzes im Vordergrund stehe und der
Teuerungsausgleich auf den Altersrenten in den letzten Jahren wegen der sehr
geringen Teuerung im Hintergrund gestanden habe. Dies sei aber in den 90er Jahren
anders gewesen. Die Klägerin ist der Ansicht, dass "ein Auseinanderdividieren und eine
künstliche Aufteilung des Umlagebeitrages" nicht gerechtfertigt seien (act. G 35 S. 3).
Der technische Zins werde weiter gesenkt werden müssen. Dies allein werde Kosten
von mehreren zehntausend Franken für den von der Beklagten übernommenen Rentner
verursachen. Infolge der Kündigung durch die Beklagte entgingen ihr selbstredend die
Umlagebeiträge von deren Aktivversicherten. Sie, die Klägerin, sei nicht verpflichtet,
diese vorzufinanzieren. Die von ihr vorgenommene Finanzierung durch die
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Umlagebeiträge sei in der Praxis anerkannt und weit verbreitet. Die künftigen Kosten
für den von der Beklagten bei der Klägerin zurückgelassenen Rentnerbestand
überstiegen die Umlagebeiträge bei Weitem. Die Beklagte versuche dahingehend zu
argumentieren, dass im Anschlussvertrag nur vom Teuerungsausgleich die Rede sei.
Die Welt verändere sich jedoch bekanntlich. Mit dem Anschlussvertrag habe die
Beklagte das Vorsorgereglement und dessen künftigen Änderungen anerkannt.
Dadurch sei der Umlagebeitrag und dessen Zweck von der Beklagten anerkannt
worden (zum Ganzen vgl. act. G 24 S. 2 ff. und 35 S. 2 f.).
4.3. Der Klägerin wird die Legitimation zur Bildung von Reserven bzw. zur Erhebung
von Beiträgen aufgrund von Senkungen des technischen Zinssatzes freilich nicht
abgesprochen. Wie sie richtig anmerkt, ist die Bildung entsprechender Reserven
gerade wesentlich, damit sie ihre Verpflichtungen langfristig erfüllen kann (vgl. dazu
Ziff. ._ des Rückstellungsreglements). Auch ist es durchaus nachvollziehbar, dass die
Klägerin aufgrund erwarteter zukünftiger Senkungen des technischen Zinssatzes
erhöhte Kosten auf sich zukommen sieht. Dies ändert aber nichts daran, dass in Ziff.
4.3 des zwischen der Klägerin und der Beklagten abgeschlossenen Anschlussvertrages
die Erhebung eines Deckungszuschlages lediglich für die Zunahme der
Lebenserwartung und die Anpassung der Renten an die Teuerung vorgesehen ist (vgl.
act. G 1.2 S. 3). Zur Bezahlung eines Deckungszuschlages für andere Zwecke hat sich
die Beklagte im Rahmen des Anschlussvertrages folglich nicht verpflichtet. Nichts zu
ändern vermag daran auch der Umstand, dass die Anhänge ._ des
Vorsorgereglements (Stand 1. Januar 2018) der Klägerin (nachfolgend:
Vorsorgereglement) einen Umlagebeitrag von 2 % vorsehen (._; abgerufen am 24.
August 2021), dessen Erhebung gemäss Ziff. ._ des Rückstellungsreglements drei
Zielrichtungen (Finanzierung von künftigen Teuerungszulagen an Rentner, Beiträge an
den Sicherheitsfonds und Erhöhung des Vorsorgekapitals Rentner infolge einer
Senkung des technischen Zinssatzes) dient. Vielmehr ist aus dem Wortlaut von Ziff. 4.3
des Anschlussvertrages zu schliessen, dass die Erhebung des Deckungszuschlages in
einem Zusammenhang mit der Finanzierung der Zunahme der Lebenserwartung oder
der Anpassung der Renten an die Teuerung zu stehen hat. Demzufolge erfordert die
Berechnung des Deckungszuschlages, die sich gemäss den Experten der C._ AG für
die Finanzierung der Teuerungszulagen am Umlagebeitrag orientiert (vgl. act. G 18.1
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und 27.1), eine möglichst präzise Ausscheidung desjenigen Anteils des
Umlagebeitrags, der effektiv dem Teuerungsausgleich dient.
4.4. Dass eine präzise Aufteilung nur schwer möglich ist, hat die C._ AG in ihrer
Stellungnahme vom 29. April 2021 einleuchtend erklärt. Sie hat nachvollziehbar
ausgeführt, dass der Umlagebeitrag im Total von 2 % der versicherten Lohnsumme
(Versicherten ab BVG-Alter 25) erhoben und nicht speziell auf die Finanzierung der drei
verschiedenen Verwendungszwecke aufgeteilt werde. Der Beitrag an den
Sicherheitsfonds mache nur einen kleinen Teil des Umlagebeitrags aus (rund 1.5%). Je
nach Wirtschaftssituation sei dann der Zweck "Teuerungsausgleich der Renten" oder
der Zweck "Finanzierung Erhöhung des Vorsorgekapitals Rentner bei Senkung
technischer Zinssatz" dominant. In den letzten Jahren mit Tiefzinsphase und zum Teil
Negativteuerungen sei der technische Zinssatz zweimal von ursprünglich ._ %
auf ._ % gesenkt worden. Die Kosten dafür seien teilweise aus der Umlagereserve
finanziert worden. Über einen längeren Konjunkturzyklus von mehreren Jahrzehnten
dürften nach dem Abzug des Beitrags an den Sicherheitsfonds rund die Hälfte der
Umlagebeiträge für den Teuerungsausgleich der Renten und die andere Hälfte für die
Finanzierung der Erhöhung des Vorsorgekapitals der Rentner bei Senkung des
technischen Zinssatzes verwendet werden. Gehe man von der Schätzung aus, dass
der Umlagebeitrag für den Zweck "Teuerungsausgleich der Renten" rund die Hälfte
aller Umlagebeiträge ausmache, ergebe sich für die Finanzierung der
Teuerungszulagen ein Deckungszuschlag von Fr. 79'247.-- (vgl. act. G 27.1).
4.5. Eine noch genauere Aufteilung, wie sie die Beklagte fordert (vgl. act. G 31 S. 2,
oben), dürfte, wie von der C._ AG nachvollziehbar erläutert (vgl. act. G 27.1), kaum
möglich sein und kann daher nicht verlangt werden. Vielmehr ist auf die plausible
Schätzung der C._ AG, wonach unter Berücksichtigung eines längeren
Konjunkturzyklus rund die Hälfte der Umlagebeiträge dem Teuerungsausgleich dienen
(vgl. act. G 27.1 und E. 6.4), abzustellen. Soweit die Beklagte überhaupt keinen
Deckungszuschlag für die Finanzierung des Teuerungsausgleichs bezahlen will, da ein
Teuerungsausgleich in nächster Zeit nicht zu erwarten sei (vgl. act G 20 S. 5 und 31 S.
2 f.), kann ihr nicht gefolgt werden. Selbst wenn die Altersrenten, wie von der Beklagten
behauptet, in nächster Zeit nicht durch Teuerungszulagen erhöht werden sollten, ist es
der Klägerin nicht verwehrt (bzw. erscheint es vielmehr durchaus geboten), Reserven
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für allfällige spätere Teuerungszulagen aufzubauen (vgl. dazu auch Ziff. ._ des
Rückstellungsreglements und Art. ._des Vorsorgereglements).
5.
5.1. Nach dem Gesagten kann zur Berechnung des von der Beklagten zu bezahlenden
Deckungszuschlages grundsätzlich auf die Berechnung der C._ AG vom 6. Oktober
2020 abgestellt werden (vgl. act. G 18.1; vgl. ferner E. 3). Allerdings ist der für die
Finanzierung der Teuerungszulagen eingesetzte Umlagebeitrag von 2 % auf 1 % zu
kürzen. Dadurch wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die von der Klägerin von
den aktiven Versicherten eingezogenen Umlagebeiträge nicht nur der Finanzierung des
Teuerungsausgleichs dienen (vgl. E. 6). Ausserdem ist bei dem von der C._ AG am 6.
Oktober 2020 als Basisgrösse aufgeführten Gesamtbestand des Vorsorgekapitals
Rentner in der Höhe von Fr. 639'634'027.-- (vgl. act. G 18.1) eine Korrektur
vorzunehmen. Die Beklagte weist nämlich zu Recht darauf hin, dass in Ziff. ._ der
Jahresrechnung 2018 der Klägerin das Vorsorgekapital der Rentner per 31. Dezember
2018 mit Fr. 676'247'000.-- angegeben worden sei (vgl. act. G 20 S. 5, unten; vgl. G
20.3 S. 21). Diesbezüglich hat die Klägerin nachvollziehbar dargelegt, dass im
Zeitpunkt vom 6. Oktober 2020, als die C._ AG die Berechnung vorgenommen hatte
(vgl. act. G 18.1), die Rentnerdaten per 31. Dezember 2018 noch nicht vorgelegen
hätten, weshalb das Vorsorgekapital Rentner mit dem Rentnerbestand per 31.
Dezember 2017, jedoch per Austrittsdatum der Beklagten, sprich per 31. Dezember
2018, berechnet worden sei. Dies erkläre die Differenz zwischen dem Betrag in der
Bilanz von Fr. 676'247'000.-- und dem in der Rechnung der C._ AG vom 6. Oktober
2020 aufgeführten Betrag von Fr. 639'634'027.-- (vgl. act. G 24 S. 4). Daraus ist zu
schliessen, dass für die Berechnung des von der Beklagten an die Klägerin zu
zahlenden Deckungszuschlages von einem Vorsorgekapital-Rentner-Gesamtbestand
von Fr. 676'247'000.-- auszugehen ist.
5.2. Nach dem Gesagten lässt sich der von der Beklagten an die Klägerin zu
entrichtende Deckungszuschlag wie folgt berechnen (vgl. act. G 18.1; vgl. E. 3 und 7.1):
Deckungszuschlag für die Zunahme der Lebenserwartung:
Fr. 800'124.-- x 0.05 = Fr. 40'006.20
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Deckungszuschlag für die Finanzierung der Teuerungszulagen:
(Fr. 313'696'067.-- [Gesamtbestand der versicherten Lohnsumme der aktiven
Versicherten] / Fr. 1'217'091.-- [versicherte Lohnsumme abgehend]) x (Fr. 800'124.--
[Vorsorgekapital Rentner abgehend] / Fr. 676'247'000.-- [Vorsorgekapital Rentner
Gesamtbestand]) x 10 % x Fr. 1'217'091.-- (versicherte Lohnsumme abgehend) =
gerundet Fr. 37'116.--
Deckungszuschlag gesamt:
Fr. 40'006.20 + Fr. 37'116.-- = Fr. 77'122.20
5.3. Zusammenfassend ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Deckungs
zuschlag in der Höhe von Fr. 77'122.20 zu bezahlen. Die beantragten Verzugszinsen
von 5 % seit Anhebung der Klage (vgl. act. G 1 S. 1) sind gerechtfertigt (vgl. Art. 104 f.
des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
- Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR; SR 220]; vgl. BGE 119 V 133 f. E. 4; vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Februar 2020, BV
2018/13, E. 6).
6.
Soweit die Beklagte schliesslich geltend macht, die von ihr seit Vertragsbeginn via
Umlagebeiträgen an die Klägerin geleisteten Deckungsbeiträge für die Finanzierung der
Teuerungszulagen und der Langlebigkeit seien vom errechneten Deckungszuschlag in
Abzug zu bringen (vgl. act. G 20 S. 2 und 5), kann ihr nicht gefolgt werden. Die Klägerin
hat bereits in ihrer Replik nachvollziehbar erläutert, dass sie zur Berechnung der
Deckungskapitalien und Rückstellungen Periodentafeln verwende und es das Wesen
dieser Periodentafeln sei, dass die zukünftige Zunahme der Lebenserwartung und die
künftige Anpassung der Renten an die Teuerung nicht enthalten und somit nicht
gedeckt seien. Die Beklagte verlasse mit allen aktiven Versicherten das Kollektiv und
hinterlasse einen Rentner. Sie trage somit nicht mehr zur Abdeckung der Zunahme der
Lebenserwartung und der zukünftigen Teuerung bei. Deshalb sei es fair, wenn die
Beklagte beim Austritt aus der Solidarität den Barwert dieser beiden Rückstellungen für
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Rentner bezahle, ansonsten die verbleibenden aktiven Versicherten diese Kosten
künftig tragen müssten. Die Rückstellung für die Zunahme der Lebenserwartung
berücksichtige nur die bislang gegenüber den Tarifgrundlagen aufgelaufene, nicht aber
die zukünftige Zunahme (vgl. act. G 8 S. 4 f.; vgl. dazu ferner auch act. G 24 S. 2).
Ferner ist der Klägerin darin zuzustimmen, dass Risikobeiträge dem Grundsatz nach für
ein laufendes Risiko zu entrichten sind und nicht zurückgefordert werden können,
wenn sich dieses Risiko nicht verwirklicht. Folglich ist nicht ersichtlich, inwiefern
geleistete Risikobeiträge zu einem Abzug vom Deckungszuschlag berechtigen könnten
(vgl. dazu act. G 20 S. 3), zumal die Klägerin darauf hingewiesen hat, dass sie noch
immer ein Risiko trage, falls nach dem Austritt der Beklagten Fälle von Invalidität
auftreten sollten, deren Beginn der Arbeitsunfähigkeit in den Zeitraum fällt, in welchem
eine Versicherungsdeckung bei der Klägerin bestanden hat (vgl. act. G 24 S. 2).
7.
7.1. Zusammenfassend ist die Beklagte in teilweiser Gutheissung der Klage zu
verpflichten, der Klägerin einen Deckungszuschlag in der Höhe von Fr. 77'122.20
zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 5. Juni 2019 zu bezahlen.
7.2. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Dies gilt auch für den
Zwischenentscheid vom 19. Juni 2020.
7.3. Gemessen am vor Erlass des Zwischenentscheids vom 19. Juni 2020 (act. G 14)
gestellten Antrag auf Abweisung der Klage (vgl. act. G 5 S. 2 und 12 S. 2) unterliegt die
Beklagte überwiegend. Mangels Rechtsvertretung und mangels geltend gemachter
anderweitiger ausserordentlicher Aufwendungen fällt die Zusprache einer Parteient
schädigung jedoch auch für den Anteil ihres Obsiegens nicht in Betracht (vgl. BGE 110
V 134 f. E. 4d; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 217 zu Art. 61). Die zu
einem grösseren Teil obsiegende Klägerin hat als Vorsorgeeinrichtung praxisgemäss
ebenfalls keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, soweit - wie vorliegend - die
Prozessführung der Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist
(BGE 128 V 323). Der Zwischenentscheid vom 19. Juni 2020 zieht aus denselben
Gründen keine Entschädigungsfolgen nach sich.