Decision ID: 44d75b87-59c0-4585-bbe8-1a0254737f2f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1973 geborene
X._
bezog
vom 1. Mai bis 31. August 2009
eine ganze und anschliessend eine halbe
Rente der Invalidenversicherung
(
Urk. 7/45 S. 8, Urk. 7/59 S. 5
,
Urk. 7/91)
.
Vor Zusprechung dieser Rente am 10. Mai 2010 (Urk. 7/91)
forderte die IV-Stelle den
Versicherten mit
S
chreiben vom 19. Februar 2010
unter Hinweis auf
dessen
Schadenminderungspflicht
sowie
auf die Folgen
einer
Missachtung
derselben
auf,
sich einer intensiven fachärztlich geleiteten Psychotherapie und Psychopharmakotherapie zu unterziehen, und künd
ig
te eine Überprüfung mit amtlicher Revision per November 2010 an (Urk. 7/60).
Im Februar 2011
führte die IV-Stelle
die angekündigte
Rentenrevision d
urch
(Urk. 7/95)
.
Entsprechend den Ergebnissen
d
er
psychiatrische
n
Abklärung im Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD; Bericht vom 16. September 2011, Urk. 7/101), wurde
im Rahmen vo
n
Eingliederungsbemühungen
eine dreimona
tige berufliche Abklärung im Bereich der industriellen Produktion bei
Y._
in
Z._
eingeleitet
.
Diese scheiterte
jedoch
bereits nach dem ersten Tag
am 4. Januar 2012
, weil sich der Versicherte
nicht arbeitsfähig
ge
fühlt hatte
(Urk. 7/105
ff.)
. Mit Schreiben vom
30. Januar 2012
bat ihn die IV-Stelle unter Hinweis auf seine Schadenminderungspflicht sowie auf die Folgen deren Missachtung, „die adäquate psychiatrische Therapie
“
bei seiner Ärztin weiterzuführen, und
sie
stellte eine Überprüfung mit amtlicher Revision per März 2013 in Aussicht
(Urk. 7/115).
Gleichentags teilte sie dem Versicherten die unveränderte Ausrichtung der
halben
Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 53 %
mit
(Urk. 7/116)
.
Im Rahmen der
nächsten
Rentenrevision zog die IV-Stelle
im April 2013
Aus
kü
nfte der behand
e
l
nden Psychiaterin und
im Juli 2013
eine Stellungnahme des RAD bei.
Gestützt darauf stellte sie m
it Verfügung vom 27. September 2013
nach Durchführung des
Vorbescheidverfahren
s
(Urk. 7/123 ff.)
die laufende
Rente
wegen mangelhafter Wahrnehmung der
Schadenminderungspflicht ein
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
22. Oktober 2013
Beschwerde mit dem sinnge
mässen Rechtsbegehren um weitere Ausrichtung der Rente
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. November 2013 schloss die Verwaltung auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Replik vom 3. Februar 2014 liess der inzwi
schen
durch Rechtsanwalt
Thomas
Wyss, Zürich,
vertretene Beschwerdeführer am gestellten Antrag festhalten und um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege
sowie um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be
schwerde
ersuchen
(Urk. 11).
Am 12. Februar 2014
legte der Beschwerdeführer eine Unterstützungsbestätigung seiner Wohngemeinde ins Recht (Urk. 15 f.).
Duplicando
ersuchte die Beschwerdegegnerin am
10. März 2014
sinngemäss um
Abweisung des Antrags auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
(Urk. 17).
Mit Verfügung vom 10. April 2014 wurde d
em
Beschwer
deführer
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihm Rechts
anwalt
Thomas
Wyss als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt.
Weiter wurde ihm ein Doppel der Duplik zugestellt (Urk. 18).
Die mit Verfügung vom 13. Mai 2014 beigeladene
Swisscanto
, Sammelstiftung der Kantonalbanken, verzichtete mit Eingabe vom 11. Juni 2014 sinngemäss auf eine Stellungnahme (Urk. 20, Urk. 24).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leistungsbe
einflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV) und die bisherige Invaliden
rente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.2
Nach Art. 7 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung
(
IVG)
muss die Person, die Versicherungsleistungen beansprucht, alles ihr Zumutbare unter
nehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt der Invalidität zu verhindern; sie muss an allen zumutbaren Massnahmen aktiv teilnehmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplat
zes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen.
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit ein
zuräumen. Behandlungs- oder Ein
glie
derungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4
ATSG
).
1.
3
Die Leistungen können gemäss Art. 7b IVG unter anderem dann nach Art. 21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 dieses Gesetzes nicht nachgekommen ist (
Abs.
1).
Beim Ent
scheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Um
stände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
2
.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Einstellung der Rentenleistungen
damit, dass der Beschwerdeführer d
er
ihm auferlegte
n
S
chaden
minderungspflicht
einer regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung nicht ausrei
chend
nachgekommen sei
.
Er habe die möglichen Behandlungsoptionen nicht wahrgenommen und keine ausreichende Behandlungsbereitschaft gezeigt
(Urk. 2, Urk.
6
).
Demgegenüber
verneint der
Beschwerdeführer
eine Verletzung der ihm auferleg
ten Schadenminderungspflicht mit der Begründung, dass er
sich in einer dauernden medikamentös gestützten Gesprächstherapie bei seiner behandelnden Psychiaterin befinde und die Termine stets wahrgenommen habe
(Urk. 1
1
S. 4, S. 7
f
f
.
).
3.
3.1
Die
Rentenzusprechung im Jahre 2010
beruht
e
auf
den
Schlussfolgerungen von Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im
Gutachten
vom 18. August 2009 (Urk. 7/45; vgl. auch Urk. 7/59 S. 5). Es wurde als erstellt erachtet, dass der Beschwerdeführer an folgenden, die Arbeitsfähigkeit
in
lei
densangepassten
, einfachen Tätigkeiten um 50 % reduzierenden
Krankheiten litt
(Urk. 7/45 S. 8, S. 11)
:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Panikstörung mit plötzlichem Beginn, Herzklopfen, Angst vor Kontrollverlust (ICD-10 F41.0)
-
Spezifische Phobien mit Angst vor geschlossenen Räumen, Dunkelheit und Don
ner (ICD-10 F40.2)
-
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen (ICD-10 F42.2)
-
Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig leicht
e
bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/1)
Weiter
empfahl Dr.
A._
eine Psychotherapie bei einem
B._
isch
sprechenden Fachpsychiater
.
W
egen der Schlafprobleme
befürwortete er neben
Efexor
150
mg
noch
Remeron
30
mg
. Die Compliance bezüglich der
Medika
menteneinnahme
beurteilte er als
gut
(Urk. 7/45 S. 11).
3.2
Nachdem der Beschwerdeführer
am 19. Februar 2010
im Rahmen seiner
Schaden
minderungspflicht
aufgefordert
worden war
, sich einer intensiven, fachärztlich geleiteten Psychotherapie und Psychopharmakotherapie zu unter
ziehen (Urk.
7/60),
b
egann er
am 15.
April 2010 eine Behandlung bei Dr. med.
C._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie.
Im Bericht vom 14. März 2011 (Urk. 7/97) stellte
die Psychiaterin
folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Anamnestisch: g
eneralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Anamnestisch:
Panikstörung mit plötzlichem Beginn, Herzklopfen, Angst vor
Kon
trollverlust
(ICD-10 F41.0)
-
Anamnestisch: s
pezifische Phobien mit Angst vor geschlossenen Räumen, Dunkel
heit und Donner (ICD-10 F40.2)
-
Anamnestisch:
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen (ICD-10 F42.2)
-
Anamnestisch: Soziophobie (Menschenansammlungen)
Die früher diagnostizierte depressive Störung beurteilte
Dr.
C._
als remittiert.
Ihren Angaben
lässt sich weiter entnehmen, dass
von anfänglich wöchentlichen
Sitzungen
ab 3. Mai 2010 auf monatliche bis zweimonatliche Sitzungen ge
wechselt wurde. Die Dosis von
E
f
ex
or
sei
von 150 mg bis auf 225
mg pro Tag
gesteigert
, w
egen des erhöhten Blutdruckes
jedoch
wieder auf 150 mg pro Tag reduziert
worden
. Unter
Trittico
seien
die Schlafstörungen
zurück
gegangen
.
Dr.
C._
empfahl sodann die Weiterführung der antidepressiven medikamen
tösen Therapie. Die Gesprächstherapie
habe
dagegen keine Besserung
gebracht
. Der Beschwerdeführer
sei mit Ausreden
der Konfrontationstherapie andauernd aus
gewichen
. Zum Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit
nahm
Dr.
C._
nicht im Detail Stellung.
Vielmehr gab sie an, a
mbulant sei es schwer, dies objektiv zu beurteilen, weil sich die speziellen Ängste während den Sitzungen nicht direkt gezeigt hätten. Sie empfahl der Beschwerdegegnerin, ei
nen Arbeitsversuch zu organisieren, weil der Beschwerdeführer aus Angst zu versagen
dies
nicht selber übernehmen
könne
.
Weiter gab Dr.
C._
an, es sei dabei
zu beachten, dass weder Dunkelheit noch Menschenansammlungen an der Lokalität vorhanden seien. Abschliessend hielt
sie
fest, der Beschwerdeführer sei der Schadenminderungspflicht nachgekommen. Er sei regelmässig zu den ver
einbarten Terminen gekommen. Eine Konfrontationstherapie mit Überflutung von Angstgefühlen im Rahmen der Verhaltenstherapie der Angststörungen habe nicht durchgeführt werden können, beziehungsweise sei ni
cht durchführbar ge
wesen, weil
er laut seinen Äusserungen nicht
in
jeder Situation Angst habe.
3.3
Die
erneute Auferlegung der Schadenminderungspflicht und gleichzeitige
B
estäti
gung der bisherigen Rente
aufgrund eines unveränderten Gesundheits
zustandes
am 30. Januar 2012 (Urk. 7/115 f.)
beruhte
n
auf dem Untersuchungs
bericht von RAD-Arzt Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 16. September 2011 (Urk. 7/101, Urk. 7/114 S. 3 f.)
. Darin wurden
folgende Diagnosen gestellt:
-
Generalisierte Angststörung mit Angaben multipler phobischer
Symptomatiken
(ICD-10 F41.1, F40.1, F40.01)
-
Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und -handlungen gemischt (ICD-10 F42.2)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit kindlich unreifen und ängstlich-vermeiden
den, abhängigen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
Anamnestisch rezidivierende depressive Störung
Dr.
D._
kam zum Schluss,
es könne
von einem praktisch gleich gebliebe
nen Symptomkomplex und unveränderten Gesundheitszustand
ausge
gangen werden, der auch unter einer bislang wohl eher formal stattfindenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung nicht wirklich habe verbesser
t werden
können.
Er ging davon aus
, dass die
bisherige
Behandlung nicht geeig
net
war
, dem Beschwerdeführer zu einer Veränderung der überwiegend passiven Erwartungshaltung
und
zu mehr Verantwortungsübernahme für das eigene Le
ben zu bewegen. Insofern
erachtete der RAD-Arzt eine
engmaschige und konti
nuierliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
als
weiterhin drin
gend notwendig,
weil
dadurch
die
durchaus vorhandenen Ressourcen des grundsätzlich nicht arbeitsunwilligen Beschwerdeführers gefördert und die me
dizinisch-theoretisch mögliche Restarbeitsfähigkeit von mindestens 50 % auch umgesetzt werden könnten.
So
nahm er an
, dass der Beschwerdeführer u
nter ei
ner
als Schadenminderungspflicht aufzuerlegenden
adäquaten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung durch eine verstärkte Kontrolle seiner Symptome eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 60 % bis 70 % mittel- bis langfristig erreichen könne.
Als
wesentliche Voraussetzung hierfür
erachtete Dr.
D._
die
vorgängige
erfolgreiche berufliche Reintegration in die Er
werbstätigkeit.
3.4
Seit 30. Januar 2012 wird der Beschwerdeführer durch
Dr. med.
E._
,
Fachärz
tin
für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelt.
In einem
u
ndatierten
Bericht
(bei der Beschwerdegegnerin am 9. April 2013 ein
gegangen;
Urk. 7/119)
stellte
Dr.
E._
folgende
Diagnosen:
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Zwangsgedanken und Handlungen (ICD-10 F42.2)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen-abhängigen Zügen (ICD-10 F61.0)
Weiter
gab die Psychiaterin an, nach einem anfänglichen vierzehntägigen Rhyth
mus fänden die Konsultationen zurzeit monatlich statt. Der
Beschwerde
führer
sei
weiterhin
zu
50
%
arbeitsunfähig
.
Sein
psychische
r
Zustand sei im vorhergehenden Jahr sehr schwankend gewesen, sodass er keiner Arbeit habe nachgehen können. Er befinde sich in einem Dilemma. Einerseits möchte er eine Arbeit zu 50 % suchen, andererseits stünden ihm seine ausgeprägten Ängste im Weg. Diese verunmöglichten eine Wiedereingliede
rung i
n den
normalen Ar
beitsprozess.
3.
5
Laut der Stellungnahme
des
RAD-
Arztes
med.
pract
.
F._
, F
acharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. Juli 2013 (Urk. 7/122 S. 4) entspr
i
ch
t
die monatliche Psychotherapie keiner intensiv fachärztlich geleiteten Behand
lung. Die bereits vorher auferlegten intensiven Behandlungsauflagen seien vom Beschwerdeführer
ebenfalls nicht eingehalten worden, beziehungsweise dieser
habe
keine ausreichende Behandlungsbereitschaft gezeigt. Der Beschwerdefüh
rer habe mehrfach die Fachärzte gewechselt, was einer Person mit
Angsterkran
kung
eigentlich sehr schwer falle. Auch habe er problemlos die Ärzte und auch den RAD aufsuchen können. Auch bei der angebotenen Arbeitsstelle habe der Beschwerdeführer keine Probleme gehabt, die Schwellenangst zu überwinden. Lediglich das Gefühl, arbeitsunfähig zu sein, habe zum A
bbruch geführt. Aus medizinisch-
psychiatrischer Sicht habe der Beschwerdeführer die möglichen Behandlungsoptionen nicht ausreichend wahrgenommen
.
3.6
Im Bericht vom
16. September 2013 (Urk. 7/128)
fügte
Dr.
E._
die Diagnose
einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) hinzu.
Sodann
führte sie aus
, der Beschwerdeführer
sei
seit mehreren Jahren in psychiatrischer Behandlung und
habe
fünf Jahre lang
Zoloft
eingenommen.
Seine damalige Hausärztin habe d
ann
von
Zoloft
auf
Efexor
umgestellt, was zu einer Verschlechterung des psy
chischen Zustandes geführt habe. Inzwischen habe er sowohl Therapeutin als auch Hausärztin gewechselt, weil er mit der Behandlung nicht einverstanden gewesen sei. Die neue Hausärztin habe ihm wieder
Zoloft
50 mg verschrieben
.
Weiter
gab
Dr.
E._
an
,
der Beschwerdeführer leide an einer
chronifizierten
Symptomatik, bestehend hauptsächlich aus depressiven sowie
ängstlichen S
ymptomen. Sie habe
Zoloft
sofort auf 100 mg erhöht
.
Im Vordergrund s
ei
so
dann der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung
gestanden
, wel
che die Basis darstelle, weitere therapeutische Ansätze zu verfolgen, wie unter anderem die Förderung von Selbstheilungskräfte
n
und Ressourcenaktivierung. Mit dem Beschwerdeführer seien verschiedene Optionen für die Reaktivierung und das Ausbrechen aus der sozialen Isolation angeschaut worden, wie die Ar
beit im geschützten Rahmen und die Behandlung in einer Tagesklinik. Er habe die Massnahmen abgelehnt, weil ein Jahr zuvor ein Arbeitsversuch im ge
schützten Rahmen gescheitert sei.
D
ie Beschwerden
hätten sich
im Rahmen der
Chronifizierung
derart verfestigt, dass die mobilisierbare Willensk
raft zur Angstbewältigung, neue
Therapieoptionen auszuprobieren beziehungsweise
sich wieder einzugliedern, nur teilweise ausreiche. Es sei von einer langfristig not
wendigen Therapie auszugehen. Eine Tätigkeit im angestammten Beruf komme aus psychiatrischen Gründen nicht mehr in Frage.
Für Tätigkeiten,
in denen der Beschwerdeführ
er nicht überfordert sei,
bestehe
aus psychiatrischen
Gründen
nach wie vor
eine
50%
ige
A
rbeitsfähig
keit
. Die Fortführung der Psychotherapie werde das Alltagsbefinden verbessern und den Leidensdruck reduzieren, die Ar
beitsfähigkeit jedoch kaum mehr positiv beeinflussen. Es brauche noch weitere therapeutische Optionen, wie stationäre oder halbstationäre Therapie, allenfalls
mit einer
Medikamentenumstellung, um eine Verbesserung der Ängste zu errei
chen und die Wiedereingliederung zu wagen.
4.
4.1
Aus dem oben dokumentierten
Verlauf der
vom Beschwerdeführer in Anspruch genommenen
psychiatrischen
Therapien
ist ersichtlich, dass
sich
dieser
nach
der ersten
Auferlegung der Schadenminderungspflicht
am 19. Februar 2010
(Urk. 7/60)
zu
Dr.
C._
in Behandlung begab. Dabei nahm er
die angesetzten Gesprächstermine wahr
.
Anzeichen dafür, dass er die verordneten Medikamente nicht eingenommen hätte, liegen keine vor
. V
ielmehr gab er Dr.
E._
gegen
über an, durch den
zwei Jahre
zuvor
von seiner damaligen Hausärztin vorge
nommenen Wechsel vom
Zoloft
auf
Efexor
hätten sich seine Beschwerden ver
schlimmert (Urk. 7/128 S. 3)
, was
für eine
genaue Befolgung der
damaligen
ärztlichen
Weisungen bei der Medikamenteneinnahme
spricht
.
Obwohl der
RAD-Arzt Dr.
D._
im RAD-Untersuchungsbericht vom 16. September 2011
die psychiatrische Behandlung durch Dr.
C._
als ungeeig
net kritisiert
hatte
(Urk. 7/101 S. 6 f.), sah er davon ab, dem Beschwerdeführer
eine
pflichtwidrige
Vereitelung der Therapieziele vorzuwerfen.
Auch
im
An
schluss an de
n
Abbruch der beruflichen
Abklärung
im Januar 2012
wurde
dem Beschwerdeführer
k
eine Verletzung der Schadenminderungspflicht
vorgeworfen. Vielmehr bestätigte
die Beschwerdegegnerin am 30
. Januar 2012 die Rente und
eröffnete
dem Beschwerdeführer ein
e erneute Auferlegung der
Schadenminde
rungspflicht
(Urk. 7/115)
.
Gegebenheiten,
die
sich vor
dieser
revisionsweisen Bestätigung der Rente ereignet haben
,
können nun
entgegen dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin
(Urk. 6 S. 2, Urk. 17)
nicht
mehr zur Begründung der
strit
tigen
Renteneinstellung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht
her
angezogen werden. Es ist vielmehr in der Folge nach einem späteren pflicht
widrigen Verhalten des Beschwerdeführers zu suchen.
4.2
Als
die erneute
Auferlegung der Schadenminderungspflicht
vom
30. Januar 2012
dem Beschwerdeführer zugestellt wurde, war
er
bereits bei
Dr.
E._
in Behandlung.
Den
Berichten
der neuen Psychiaterin
lässt sich nicht entnehme
n
, dass sich der Beschwerdeführer der psychiatrischen Behandlung in pflichtwidri
ger Weise nicht unterzogen hätte. Zwar gab Dr.
E._
an, dass der Beschwer
deführer sowohl die Arbeit im geschützten Rahmen als auch die Behandlung in einer Tagesklinik zwecks Reaktivierung und Ausbrechen aus der sozialen Isola
tion
unter Hinweis auf
den
im Januar 2012
gescheiterte
n
Arbeitsversuch
abge
lehnt habe.
Jedoch
führte
sie
zur Erklärung des
Verhalten
s
des Beschwerdefüh
rers
eine infolge
Chronifizierung
der Beschwerden nur teilweise mobilisierbare Willenskraft an.
Wiederum bestehen keine
Hinweise
auf
eine ungenügende Me
dikamenten-Compliance.
Insbesondere wurde die Medikamenteneinnahme von der Beschwerdegegnerin nicht
laborchemisch
überprüft.
Die von Dr.
E._
at
testierte minime Besserung der affektiven Lage nach
dem Wechsel von
Efexor
auf
Zoloft
mit
Erhöhung der Dosierung auf
100 mg (Urk. 7/128 S. 3)
,
weist
in
dessen
auf
eine
mehr oder weniger
korrekte Medikamenteneinnahme
hin.
Aus den Angaben von Dr.
E._
lässt sich somit kein pflichtwidriges Verhalten des Beschwerdeführers ableiten.
4.3
Die vom 30. Januar 2012 datierte Auferlegung der Schadenminderungspflicht w
ies
folgenden Inhalt auf (Urk. 7/115):
Anspruch auf eine IV-Rente:
Auferlegung der Schadenminderungspflicht
1
Aufgrund der durchgeführten Rentenrevision haben wir die weitere Ausrich
tung der halben Rente vorgesehen.
2
Die medizinische Beurteilung hat ergeben, dass sich ihre Arbeitsfähigkeit durch kontinuierliche Weiterführung regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeuti
scher Behandlung verbessern könnte. Wir bitten Sie daher, die adäquate psy
chiatrische Therapie bei Ihrer Ärztin weiterzuführen.
Die gesetzlichen Bestimmungen bei einer solchen Sachlage lauten wie folgt:
(...)
Wir erwarten deshalb, dass Sie sich der oben erwähnten Massnahme der Behand
lung unterziehen, und werden dies mit amtlicher Revision per März 2013 überprüfen.
(...)
Die von der Beschwerdegegnerin gewählte Formulierung lässt der behandelnden Psychiaterin bei der konkreten Ausgestaltung der psychiatrischen Therapie
im Rahmen der Lex
artis
einen
grossen Handlungsspielraum
.
D
abei
darf
und soll
auch eine ö
konomische Kosten-Nutzen-Bewertung
einfliessen
.
Bereits
bei
Dr.
C._
wurde der
Konsultationsrhythmus
im Behandlungsverlauf auf
monat
liche bis
zweimonatliche Gespräche verringert
(Urk. 7/97 S. 2)
. Die
niederfre
quente Ausgestaltung der Gesprächstherapie
wurde
von RAD-Arzt Dr.
D._
ausdrücklich
beanstandet (Urk. 7/101 S. 6 f.).
Im Rahmen der erneuten Auferlegung der Schadenminderungspflicht unterliess
es
d
ie
Be
schwerdegegnerin
dennoch
,
hinsichtlich des Konsultationsrhythmus
klare
Be
dingungen
zu stellen
.
Vielmehr bezeichnete
s
ie die Therapie bei Dr.
C._
als
„adäquat“.
Unter diesen Umständen darf dem
sich nun bei Dr.
E._
in Be
handlung befindenden
Beschwerdeführer
nicht
vorgeworfen
werden, sich
erneut
auf eine
(nur)
monatliche
Sitzungsf
requenz eingelassen zu haben
.
Selbst wenn
die Therapie bei Dr.
E._
mit monatlichen Konsultationen
aus psychiatrischer Sicht
nicht
einer intensiv fachärztlich geleiteten Psychotherapie
entspr
e
che
n sollte
(vgl. Urk. 7/122 S. 4)
,
darf
damit keine dem Beschwerdeführer
als medizi
nische
m
Laie
n
anzulastende Pflichtverletzung begründet werden
.
4.4
Zusammenfassend kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer aus medizi
nisch-psychiatrischer Sicht alle möglichen Behandlungsoptionen ausreichend wahrgenommen hat, denn es kann ihm keine Verletzung der am 30. Januar 2012 erteilten Weisung vorgeworfen werden. Eine Einstellung oder auch nur eine Kürzung der Rente darf daher nicht mit der in Art. 21 Abs. 4
ATSG ent
haltenen Säumnisfolge begründet werden
. Dies führt im Ergebnis zur Gutheis
sung der Beschwerde
.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der prozessuale Antrag auf Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos.
6
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7.
7
.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem unentgeltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu bezahlen (
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§ 34 Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht
;
GSVGer
).
7
.2
Nach § 34 Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksic
ht auf den Streitwert. Gemäss §
8 in Verbindung mit §
7 Abs. 1 der seit 1.
Juli 2011 in Kraft stehen
den Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
So
zialversicher
ungsgericht
(
GebV
SVGer
) wird
auch im Rahmen der un
entgeltli
chen Rechtsvertretung
namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz ge
währt.
7
.3
Der von Rechtsanwalt
Wyss
mit Eingabe vom
13. Mai 2014
geltend gemachte Aufwand von
15
Stunden
und 48 Minuten
(Urk.
23
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht
mehr
angemessen. Na
mentlich erscheint ein Aufwand von
9,5
Stunden für die Replik als überhöht.
Angesichts der zu studierenden gut
zwanzig
Aktenstücke der
Beschwerdegegne
rin
, der
zweiseitigen
Beschwerdeantwort
,
der angefallenen Barauslagen,
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechts
verbeiständung
und der nachträglich erfolgten Beiladung
sowie der in ähnli
chen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Wyss
bei Anwendung des gerichtsü
blichen Stundenansatzes von Fr. 200.
(zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
2500.
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.