Decision ID: 6f3734c6-cfd7-40fd-9124-b338d080eaff
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) arbeitete teilzeitlich im elterlichen Bertrieb und
stand kurz vor der Übernahme des Geschäftes, als sie am 26. Juli 1998 zufolge eines
Autounfalls eine Rücken- und Nackenverletzung erlitt (Unfall-Anzeige vom 29. August
1998, IV-act. 50; Unfallmeldung UVG vom 28. Juli 1998, Fremdakten, act. 1-29; Bericht
Abklärung Haushalt vom 8. März 2001, IV-act. 20). Am 16. September 2000 meldete
sie sich bei der Invalidenversicherung (IV) wegen der Unfallfolgen (Schleudertrauma)
zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.a.
Die IV-Stelle sprach ihr mit Verfügungen vom 5. Juli 2001 bzw. 7. August 2001
rückwirkend ab 1. September 1999 eine ganze Rente zu (IV-act. 30 und 34). Diese
wurde in zwei Revisionsverfahren bestätigt (Mitteilungen vom 21. August 2003, IV-
act. 43, und vom 22. Februar 2011, IV-act. 67). Die IV-Stelle sprach der Versicherten im
Rahmen eines weiteren, im April 2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens am 6. Februar
2014 Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 89), hob nach Vorbescheidverfahren (IV-act. 81) mit
Verfügung vom 12. Februar 2014 die Rente gestützt auf die Schlussbestimmung der
Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) auf (IV-
act. 91) und verfügte am 13. Februar 2014 die Weiterausrichtung der ganzen Rente,
A.b.
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solange Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt würden, längstens bis
zum 1. März 2016 (max. zwei Jahre; IV-act. 93).
Am 16. März 2015 fuhr ein Fahrzeug ins Heck der Versicherten, wodurch diese
(erneut) ein Schleudertrauma erlitt (Arztzeugnis Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, vom 25. März 2015, IV-act. 111; Arztbericht Dr. med. C._,
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, vom
2. Juni 2015, IV-act. 158-4 ff.). Die Versicherte weilte vom 8. bis 28. Juli 2015 in
stationärer Rehabilitation (Austrittsbericht Reha D._ vom 28. Juli 2015, IV-
act. 158-7 ff.). Mit Vorbescheid vom 17. September 2015 gewährte ihr die IV-Stelle das
rechtliche Gehör zum Abbruch der beruflichen Massnahmen und zur Renteneinstellung
(IV-act. 117). Die Versicherte liess dagegen am 19. Oktober 2015 Einwand erheben (IV-
act. 118) und einigte sich mit der IV-Stelle auf die Weiterausrichtung der Rentenzahlung
bei gleichzeitiger Wiederaufnahme der Stellensuche (IV-act. 119 f.; Mitteilung vom
20. November 2015, IV-act. 121). Mit Mitteilung vom 9. März 2016 eröffnete die IV-
Stelle der Versicherten den Abschluss beruflicher Massnahmen und die Einstellung der
Rentenzahlung per 1. März 2016 (IV-act. 129).
A.c.
Der Rechtsvertreter der Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. M. Roos, machte mit
Schreiben vom 15. März 2016 geltend, die Renteneinstellung sei unzulässig, da sich
der Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Er verlangte eine
anfechtbare Verfügung (IV-act. 130). Die IV-Stelle führte mit Schreiben vom 22. März
2016 aus, materiell sei die bisherige Rente mit Verfügung vom 12. Februar 2014
eingestellt worden, und ersuchte um Mitteilung, falls sie eine Wiederanmeldung
wünsche und gegebenenfalls um Einreichung medizinischer Unterlagen für den
Nachweis der geltend gemachten gesundheitlichen Verschlechterung seit der
Renteneinstellungsverfügung vom 12. Februar 2014 (IV-act. 131). Die Versicherte liess
der IV-Stelle das Anmeldeformular zukommen (datiert vom 30. März 2016, Posteingang
am 18. April 2016) und am 3. Juli 2017 ein bei der unabhängigen medizinischen
Gutachterstelle (UMEG) Zürich vom Rechtsvertreter eingeholtes Gutachten vom
22. Juni 2017 (Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie; Dr. med. F._,
Facharzt für Neurologie; Dr. phil. G._, Neuropsychologin FSP; Fremdakten; act. 5)
einreichen. Die Sachverständigen diagnostizierten ein zervikothorakales
Schmerzsyndrom mit rechtskonvexer BWS-Skoliose, einen Zustand nach HWS-
A.d.
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Beschleunigungstrauma vom 26. Juli 1998 und vom 16. März 2015 mit
invalidisierendem zervikocephalem Symptomenkomplex sowie eine insgesamt leichte
neuropsychologische Funktionsstörung nach zweimaligem HWS-Distorsionstrauma
1998 und 2015. Sie attestierten der Versicherten in der angestammten Tätigkeit nach
zuvor 100 %iger Arbeitsunfähigkeit eine Leistungsfähigkeit von einem Drittel (66%ige
Arbeitsunfähigkeit) seit November 2015 sowie eine Leistungsfähigkeit von knapp 50 %
im Haushalt (Fremdakten, act. 5-31). Der RAD-Arzt Dr. H._ nahm am 10. August 2017
dahingehend Stellung, die attestierte hohe Arbeitsunfähigkeit von 66 % werde zu wenig
begründet und sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 146).
Die IV-Stelle erkannte in den Folgen des Unfalls vom März 2015 eine mögliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und trat auf die
Wiederanmeldung ein (IV-act. 147). Sie holte in der Folge bei der Versicherten
verschiedene Auskünfte ein (Angaben zum Gesuch vom 14. September 2017, IV-
act. 149; Angaben zur Rentenabklärung, Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt vom 12. Februar 2018, IV-act. 157, sowie telefonische Auskünfte vom
27. April 2018, IV-act. 164). Sodann liess sie durch die Swiss Medical Assessment- and
Business- Center (SMAB) AG Bern ein Gutachten vom 9. November 2018 erstatten (Dr.
med. I._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin; Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates; Dr. med. K._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Untersuchungen am 17. August, 3. und
10. September 2018; IV-act. 175). Die Experten diagnostizierten als die Arbeitsfähigkeit
einschränkend eine rezidivierende depressive Störung in schwerer Episode (F33.2) und
eine Agoraphobie (F40.00) sowie als die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigend unter
anderem einen Status nach HWS-Zerrung mit verbliebener subjektiver
Beschwerdesymptomatik, ohne zu objektivierende Beeinträchtigung, und degenerative
Veränderungen HWK 4-6/7 (Osteochondrose, Uncovertebralarthrose; IV-act. 175-6).
Zusammenfassend gelangten sie zum Ergebnis, aus führender psychiatrischer Sicht
bestehe weder in angestammter noch in adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit.
Durch geeignete Therapie sei nach etwa sechs Monaten von einer Verbesserung
auszugehen (IV-act. 175-9, 57 ff.).
A.e.
Die IV-Stelle ersuchte die Versicherte mit Schreiben vom 25. Januar 2019 um
Mitteilung, wo sie die vom psychiatrischen Gutachter dringend empfohlene
A.f.
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fachpsychiatrische Behandlung aufnehme (IV-act. 178). Dr. med. L._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Arztbericht vom 3. August 2019 fest, die
Versicherte habe ihn zwischen dem 26. Februar und 18. Juli 2019 viermal zur
Abklärung konsultiert. Sie leide unter einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4). Aufgrund der Chronifizierung werde sie nur teilarbeitsfähig bleiben (IV-
act. 183). Die IV-Stelle entschied sich daraufhin, ein monodisziplinäres Gutachten
einzuholen (IV-act. 184; IV-act. 186). Prof. Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, gelangte im Gutachten vom 26. Februar 2020 (Untersuchungen 27.
und 30. Januar 2020; IV-act. 192) zur Beurteilung, bei der Versicherten liege eine
Dysthymie (ICD-10: F34.1) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4) vor. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin im Geschäft der
Eltern und in einer angepassten Tätigkeit könne sie zu etwa 80 % anwesend sein.
Dabei sei von einer merkbaren Einschränkung der Leistungsfähigkeit von etwa 30 %
auszugehen. Bezogen auf ein 100 % Pensum betrage die Arbeitsfähigkeit rund 60 %
(IV-act. 192-43 f.). Aufgrund der Aktenlage und auch der Angaben der Versicherten in
der aktuellen Untersuchung sei nicht von wesentlichen Schwankungen der
Arbeitsfähigkeit in den zurückliegenden Jahren auszugehen (IV-act. 192-44). Der RAD-
Arzt Dr. med. N._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, mass
diesem Gutachten mit Hinweis auf die überdurchschnittliche Sorgfalt einen höheren
Beweiswert zu als dem Vorgutachten der SMAB AG vom 9. November 2018
(Stellungnahme vom 30. März 2020, IV-act. 193). Mit Vorbescheid vom 11. Mai 2020
stellte die IV-Stelle der Versicherten zunächst in Aussicht, das neue Gesuch
abzuweisen (IV-act. 195). Nachdem die Versicherte am 14. September 2020 dagegen
Einwand erheben liess (IV-act. 204), bejahte die IV-Stelle einen Revisionsgrund, da die
Versicherte als im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig zu qualifizieren sei
(vgl. Feststellungsblatt, IV-act. 207), und gewährte ihr am 26. November 2020 das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer Viertelsrente (IV-act. 208).
Mit Einwand vom 24. Februar 2021 liess die Versicherte vorbringen, der
vorgesehene Entscheid entspreche nicht der Rechtsprechung des Bundesgerichts. Ihr
Krankheitsbild habe sich inzwischen chronifiziert, weshalb sie Anspruch auf eine ganze
Rente habe. Selbst bei Annahme einer lediglich 40%igen Arbeitsunfähigkeit sei ihr ein
Tabellenlohnabzug von 25 % zu gewähren, was zu einem Invaliditätsgrad von 55 %
A.g.
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St.Galler Gerichte
B.
führe (IV-act. 212). Die IV-Stelle konsultierte nochmals ihren Rechtsdienst
(Stellungnahme vom 11. März 2021, IV-act. 215).
Mit Verfügung vom 22. März 2021 sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab
1. Oktober 2016 eine Viertelsrente zu. Sie führte aus, das Gutachten von Prof. M._
sei beweistauglich und werde durch die Vorbringen im Einwand nicht in Frage gestellt.
Die zusätzliche Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges würde zu einer
unzulässigen doppelten Anrechnung der bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung
berücksichtigten gesundheitsbedingten Einschränkung führen (IV-act. 219 f.).
A.h.
Mit Beschwerde vom 7. Mai 2021 lässt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), nach wie vor vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. M. Roos,
beantragen, die angefochtene Verfügung vom 22. März 2021 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben und es sei ihr eine ganze, eventualiter ab 1. Oktober
2016 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; subeventualiter sei ein unabhängiges
Obergutachten anzuordnen. Zur Begründung lässt sie ausführen, die Ausführungen der
IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) entsprächen nicht der aktuellen
Rechtsprechung. Die Beurteilung von Prof. M._ widerspreche derjenigen von
Dr. K._. Ein weiterer Hinweis auf den Schweregrad des Krankheitsgeschehens
ergebe sich daraus, dass der Ursprung der depressiven und ängstlichen Symptomatik
im bereits über 20 Jahren zurückliegenden Autounfall liege und sie noch immer unter
dessen Auswirkungen leide. Die Schlussfolgerung des Gutachters Prof. M._, wonach
sie zu 40 % arbeitsunfähig sei, sei nicht klar definiert und daher nicht begründet. Er
habe sich mit den Ausführungen des Gutachters Dr. K._ nicht wirklich
auseinandergesetzt, sondern lediglich festgestellt, dass diese nicht nachvollziehbar
seien. Die Ausführungen von Dr. L._ seien nicht als Gutachten zu qualifizieren. Vor
diesem Hintergrund sei ihr mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Zudem habe
sich ihr Krankheitsbild zwischenzeitlich chronifiziert, weshalb sie eine ganze IV-Rente
beanspruchen könne. Unter Berücksichtigung der relevanten Gutachten sei in keiner
Weise denkbar, dass sie zu mehr als 30 % arbeitsfähig sei. Nachdem sie noch im
laufenden Jahr 58 Jahre alt werde, ihr Gesundheitszustand mit einer Depression
belastet sei und sie seit über 20 Jahren keiner Arbeit mehr nachgegangen sei, sei
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/20
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äusserst fraglich, ob es ihr überhaupt möglich sei, im Arbeitsmarkt eine Anstellung zu
finden. Die Beschwerdegegnerin verneine die Gewährung eines Leidensabzuges, ohne
sich mit den einzelnen Kriterien auseinanderzusetzen (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 5. Juli 2021, die
Beschwerde sei abzuweisen. Sie erklärt, auf das SMAB-Gutachten vom 9. November
2018 sei nicht abgestellt worden, weil sie gestützt auf das Gutachten von Prof. M._
das psychiatrische Teilgutachten als nicht überzeugend und demzufolge als nicht
beweiswertig qualifiziert habe. Die psychiatrische Expertise von Prof. M._ sei lege
artis durchgeführt worden und gebe hinreichend Aufschluss über die seit der
Praxisänderung von BGE 141 V 281 im Vordergrund stehenden Standardindikatoren.
Seine Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 60 % sei nachvollziehbar, und er habe
plausibel aufgezeigt, dass die Diagnosestellung und Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit von Dr. K._ nicht nachvollziehbar seien, was auch der RAD
bestätigt habe. Damit bestehe kein Grund für die Einholung eines Obergutachtens bzw.
eines Gerichtsgutachtens. Das vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in Auftrag
gegebene UMEG-Gutachten sei vom RAD mit plausibler Begründung als nicht
überzeugend qualifiziert worden. Die von Prof. M._ begründete Reduktion der
Arbeitsfähigkeit trage den gesundheitlichen Einschränkungen umfassend Rechnung.
Die zusätzliche Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges würde unter diesen
Umständen eine unzulässige doppelte Anrechnung desselben Faktors bedeuten. Das
Alter und die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt führten im untersten
Kompetenzniveau der Hilfstätigkeiten rechtsprechungsgemäss nicht zu einem Abzug
vom Tabellenlohn. Die Beschwerdeführerin habe ab 1. Oktober 2016 Anspruch auf eine
Viertelsrente (act. G 6).
B.b.
Mit Replik vom 20. September 2021 lässt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
die Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur Beweiskraft des psychiatrischen
Gutachtens von Prof. M._ gestützt auf das Gutachten von Dr. K._ bestreiten.
Dieser habe die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung ausführlich
begründet. Auch die neuropsychologische Gutachterin des UMEG sei zum Ergebnis
gekommen, dass von einem chronifizierten Krankheitsleiden auszugehen sei. Dr. K._
habe sich eingehend mit der Symptomatik auseinandergesetzt und eine umfassende
Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes vorgenommen. Es sei daher von
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/20
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Considerations:
Erwägungen
1.
einer chronifizierten rezidivierenden Depression und einer 100%igen
Erwerbsunfähigkeit auszugehen. Aufgrund ihres Alters, ihres mit einer Depression
belasteten Gesundheitszustands und ihrer mittlerweile über 20-jährigen Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt sei unrealistisch, dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit tatsächlich noch
verwerten könne. Zudem rechtfertige der zusätzliche Pausenbedarf bzw. die
verlangsamte Arbeitsweise einen Tabellenlohnabzug (act. G 10).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 12).B.d.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 22. März 2021, mit der die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2016 eine Viertelsrente
zusprach (IV-act. 219 f.). Vorangegangen waren Verfügungen gestützt auf die
Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) vom 18. März 2011 (6. IV-Revision, erstes
Massnahmenpaket). So verfügte die Beschwerdegegnerin am 12. Februar 2014
gestützt auf deren lit. a Abs. 1 die Einstellung der bisherigen ganzen Rente (IV-act. 91)
und am 13. Februar 2014 gemäss lit. a Abs. 3 die Weiterausrichtung der Rente
während der Durchführung beruflicher Massnahmen bzw. während längstens zwei
Jahren bis 1. März 2016 (IV-act. 93). Dass die Feststellung der Einstellung der
Rentenzahlung per 1. März 2016 am 9. März 2016 erneut mit Mitteilung erfolgte
(vgl. IV-act. 129) und eine verlangte Verfügung (vgl. IV-act. 130-1 f.) nicht erlassen
wurde, wurde nicht weiter angefochten bzw. gerügt, so dass die Mitteilung vom
9. März 2016 rechtsverbindlich wurde. Im Übrigen erscheint fraglich, ob deren Inhalt in
Anbetracht der in Rechtskraft erwachsenen Verfügungen vom 12. und 13. Februar
2014 sowie der in Abs. 3 von lit. a der Übergangsbestimmungen festgehaltenen
maximal zweijährigen Weiterausrichtung der Rente neben dem rein informativen Aspekt
überhaupt Verfügungscharakter zukommt (vgl. dazu Markus Müller, Kommentar VwVG,
2. Aufl. 2018, Art. 5 Rz 94 und Rz 102; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Bern/
St. Gallen/Zürich 2020, Art. 51 Rz 7). Die Beschwerdegegnerin ist jedenfalls
richtigerweise von einer Wiederanmeldung ausgegangen.
1.1.
Da der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin bereits
am 15. März 2016 über eine seit dem erneuten Verkehrsunfall eingetretene
gesundheitliche Verschlechterung informierte (IV-act. 130), ist diese zu Recht von
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/20
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2.
diesem Datum der Wiederanmeldung ausgegangen, auch wenn das Anmeldeformular
vom 30. März 2016 erst am 18. April 2016 (Eingangsstempel, IV-act. 132-1) bei der
Beschwerdegegnerin einging (Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die
Beschwerdegegnerin ist sodann (zu Recht) auf die Wiederanmeldung eingetreten; sie
hat das neue Gesuch materiell umfassend geprüft und der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 22. März 2021 eine Viertelsrente zugesprochen. Dass dabei die
Beschwerdeführerin neu als im Gesundheitsfall 100 % erwerbstätig qualifiziert wurde,
ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten.
Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis einer lang andauernden und
erheblichen gesundheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429
E. 7.2; BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Er kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis zum 31. Dezember
2021 gültigen Fassung; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2022,
8C_803/2021, E. 3.2) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/20
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Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
gemäss Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
2.4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Kieser, a.a.O., Art. 61
N 107). Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen
durchzuführenden notwendigen Abklärungen beinhalten indes nicht das Recht des
2.4.1.
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3.
Versicherungsträgers, eine «second opinion» zum bereits in einem Gutachten
festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt. Die Notwendigkeit
der Anordnung eines weiteren Gutachtens ergibt sich aus der Beantwortung der Frage,
ob bereits bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen
Anforderungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise erfüllen (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Mai 2007, U 571/2006, E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 352
E. 3a; Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. Mai 2020; IV 2019/297, E. 1.4).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
2.5.
Umstritten ist die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer
Sicht: Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Beschwerdegegnerin nicht auf das
psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von Prof. M._ hätte abstellen dürfen,
welches ihr eine (rund) 60%ige Arbeitsfähigkeit attestiere. Vielmehr sei gemäss
psychiatrischem SMAB-Teilgutachten von Dr. K._ von keiner bzw. gestützt auf das
neuropsychologische UMEG-Teilgutachten lediglich von einer Arbeitsfähigkeit von
(höchstens) 33 % bzw. 30 % auszugehen.
3.1.
Das polydisziplinäre Gutachten der UMEG vom 22. Juni 2017 (Fremdakten, act. 5)
enthält keine psychiatrische Beurteilung. Die Gutachter begründeten ihre Einschätzung
im Wesentlichen mit einem nach zweimaligem HWS-Trauma bestehenden
invalidisierenden zervikozephalen Symptomenkomplex und einer gegenseitigen
Verstärkung von Schmerzen und eingeschränkter Belastbarkeit (Fremdakten,
act. 5-30 f.). Der RAD befand dies als nicht einleuchtend (Stellungnahme vom
10. August 2017, IV-act. 146). Zudem fehlt es an einer Würdigung der Indikatoren
gemäss strukturiertem Beweisverfahren. Die hohe attestierte Arbeitsunfähigkeit
erscheint auch nicht plausibel in Anbetracht des grösstenteils durchschnittlichen
neuropsychologischen Leistungsprofils (Fremdakten, act. 5-23). Als Parteigutachten
kommt dem UMEG-Gutachten schliesslich nicht der gleiche beweismässige Rang zu
wie einem vom Gericht oder von einem Versicherungsträger nach dem vorgegebenen
Verfahrensrecht eingeholten Gutachten (BGE 125 V 354, E. 3c).
3.2.
Der psychiatrische SMAB-Gutachter Dr. K._ diagnostizierte im Gutachten vom
9. November 2018 eine rezidivierende depressive Störung, schwere Episode (ICD-10:
F33.2). Im Befund führte er aus, die Beschwerdeführerin habe die knapp 90-minütige
3.3.
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Untersuchung nur unter Anstrengung absolvieren können. Sie sei überaus verzweifelt.
Die kognitiven und mnestischen Fähigkeiten waren bis auf eine beeinträchtigte
Konzentration unauffällig. Der Gedankengang war eher negativ fokussiert,
Willenskräfte, Antrieb und Stimmung erschienen reduziert (IV-act. 175-50 ff.). Das
Ergebnis des Depressionsinventars wies auf eine leichte depressive Symptomatik hin
(IV-act. 175-52). Weiter hielt er fest, die Beschwerdeführerin erlebe zwar noch Freude
beim Kochen und mit den Enkeln, aber in nahezu allen weiteren Lebensbereichen
beschreibe sie einen Verlust an Freude und Interessen. Berichtete
Konzentrationsstörungen hätten auch im Verlauf der Untersuchung beobachtet werden
können. Schuldgefühle gegenüber der Familie und der reduzierte Selbstwert würden
authentisch berichtet und als glaubwürdig eingeschätzt, ebenso die Suizidgedanken
und die Schlafstörungen. Somit seien die Kriterien einer schweren depressiven Episode
erfüllt. Das (abweichende) Ergebnis des Depressionsinventars könne bei langjährigen
und chronischen depressiven Störungen dadurch erklärt werden, dass die depressiven
Symptome als persönlichkeitsimmanent wahrgenommen würden. Als kombiniert mit
der depressiven Störung diagnostizierte Dr. K._ eine Agoraphobie bzw. eine
Angsterkrankung. Hingegen verneinte er das Vorliegen einer somatoformen Störung,
da die Beschwerdeführerin zwar unter einem somatischen Syndrom leide, aber keinen
Zusammenhang zu einer körperlichen Erkrankung sehe (IV-act. 175-53). Aufgrund der
insbesondere seit 2014 fehlenden fachpsychiatrischen Behandlung und Dokumentation
könne nicht beurteilt werden, weshalb die Depression bisher abweichend von der
aktuellen Einschätzung als leicht oder mittelschwer eingestuft worden sei. Das
Belastungsprofil gemäss Mini-ICF-App schilderte Dr. K._ als überwiegend schwer
eingeschränkt (vgl. IV-act. 175-56). Er beurteilte die Beschwerdeführerin als nicht
arbeitsfähig, wobei durch geeignete Therapie innerhalb von sechs Monaten eine
Besserung zu erwarten sei (IV-act. 175-57 ff.).
Die Beschwerdeführerin nahm zwischen dem 26. Februar und dem 18. Juli 2019
vier Konsultationen bei Dr. L._ wahr. Dieser diagnostizierte eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und hielt in angepasster Tätigkeit eine
Teilarbeitsfähigkeit bzw. als Hausfrau ein tägliches Arbeitspensum von vier Stunden für
zumutbar (Arztbericht vom 3. August 2019, IV-act. 183). In der interdisziplinären
Besprechung mit dem RAD vom 11. November 2019 wurde daraufhin festgehalten,
dass schwer nachvollziehbar sei, wenn ein behandelnder Psychiater eine schwere
depressive Episode nicht erkenne und behandle; angesichts des Verlaufs vor und nach
der Begutachtung bestehe weiterer Abklärungsbedarf (IV-act. 184). Diese Einschätzung
und Schlussfolgerung des RAD ist nachvollziehbar. Es ist daher beim eingeholten
3.4.
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Gutachten von Prof. M._ nicht von einer unzulässigen Zweitmeinung (second
opinion) auszugehen.
Es ist somit darüber zu befinden, ob auf das Gutachten von Prof. M._ abgestellt
werden kann.
3.5.
Die Beschwerdeführerin gab an, sie leide nicht unter psychischen Beschwerden,
sondern unter Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Schluckbeschwerden,
Unkonzentriertheit und Lichtempfindlichkeit (IV-act. 192-21). Die von Prof. M._
veranlasste neuropsychologische Untersuchung war sowohl hinsichtlich der Leistungen
als auch bezüglich der Beschwerdevalidierung unauffällig (vgl. IV-act. 192-28, 57 ff.),
was auch seinem Untersuchungsbefund entsprach (vgl. IV-act. 192-26 f.). Der
Gutachter führte aus, affektiv berichte die Beschwerdeführerin über eine deutliche
Störung der Vitalgefühle und über Insuffizienzgefühle, über Gereiztheit vor allem bei
Kopfschmerzen oder wenn etwas nicht wunschgemäss laufe, über innere Unruhe und
Schuldgefühle. Sie gebe an, gelegentlich deprimiert zu sein, vor allen Dingen, wenn sie
von früher rede. Sie berichte nicht über eine Antriebsarmut oder Antriebshemmung.
Objektiv lägen eine leichte Affektarmut und eine leichtgradig verminderte
Modulationsfähigkeit vor (vgl. IV-act. 192-27 f.). Im Gespräch wirke sie stark motorisch
unruhig. Sie beschreibe einen deutlichen sozialen Rückzug (IV-act. 192-28). Der
Gutachter diagnostizierte eine Dysthymie (ICD-10: F34.1) sowie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; IV-act. 192-38). Er hielt fest, dass
Dr. K._ seine Diagnose einer depressiven Störung in schwerer Episode kaum
begründet habe, diese diskrepant zu den von ihm selbst erhobenen Befunden und
völlig unplausibel sei (IV-act. 192-31 f.). Die Beschwerdeführerin habe in beiden
Rentenanträgen keine psychiatrische Symptomatik angegeben und in der aktuellen
Untersuchung retrospektiv keine anhaltenden Phasen schwerer psychiatrischer
Beeinträchtigung beschrieben. Zudem habe sie immer wieder auf psychosoziale
Faktoren hingewiesen (IV-act. 192-32). Entgegen der Diagnose einer depressiven
Episode gemäss ICD-10 weise die beschriebene gedrückte Stimmung eine deutliche
Abhängigkeit von den Lebensumständen auf und es liessen sich im Verlauf keine
Episoden abgrenzen (vgl. IV-act. 192-33). Ein depressives Syndrom liege allenfalls in
leichter Ausprägung vor; Antriebsstörungen, Deprimiertheit oder Schuldgefühle in
deutlicher Ausprägung seien in der Untersuchung nicht festgestellt bzw. berichtet
worden. Allerdings zeige die Beschwerdeführerin ein Erschöpfungssyndrom mit
Störung der Vitalgefühle, Insuffizienzgefühle und Hoffnungslosigkeit bezüglich einer
zukünftigen Veränderung ihres Zustands. Das ganze Gespräch sei geprägt gewesen
von einem klagsam-jammrigen Affekt (im Sinne des Fachbegriffs gemäss AMDP; IV-
3.5.1.
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act. 192-29). Das Ausmass des zervikozephalen Syndroms mit Schulter-/
Nackenschmerzen und deren über 20-jährige Dauer sei nur durch den zusätzlichen
Faktor einer psychischen Komponente bzw. einer zusätzlichen dysfunktionalen
psychischen Verarbeitung erklärbar. Insofern sei nach Prüfung der Diagnosen-Kriterien
und unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage, wie auch der Befunde in der
eigenen gutachterlichen Untersuchung, die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (F45.4) gerechtfertigt (IV-act. 192-37 f.). Aktuell ergäben sich die
Funktions- und Fähigkeitsstörungen einerseits aus den chronischen Schmerzen,
andererseits aus deren psychischen Fehlverarbeitung. Zudem habe sich aufgrund der
gesamten Lebenssituation und immer wieder sich andeutender psychosozialer
Beschwerden über die Jahre ein leichtes depressives Syndrom herausgebildet. In
diesem Sinne beeinflussten sich die Dysthymia, die dysfunktionale
Schmerzverarbeitung sowie die tatsächlich objektivierten Schmerzen gegenseitig
ungünstig. Aktuell sei die Beschwerdeführerin vor allen Dingen durch die depressive
Restsymptomatik mit starker Erschöpfbarkeit in ihrer Leistungsfähigkeit behindert (IV-
act. 192-42). Bezüglich Aktivität und Partizipation seien gemäss Mini-ICF-APP vor
allem Widerstands- und Durchhaltefähigkeit erheblich und Flexibilität und
Umstellungsfähigkeit, Proaktivität, Spontanaktivitäten sowie Gruppenfähigkeit mässig
beeinträchtigt (IV-act. 192-38). In ihrer Persönlichkeit erscheine die Beschwerdeführerin
leicht gereizt und misstrauisch. Sie sei (jedoch) durchaus beziehungsfähig, habe ein
offensichtlich gutes Verhältnis zu ihren Kindern und auch die sonstigen biographischen
Angaben über die letzten 20 Jahre deuteten nicht auf eine für eine
Persönlichkeitsstörung geforderte schwere Normabweichung ihres Erlebens oder
Verhaltens hin. Auch sei der Schweregrad einer Krankheit oder eines Unfalls, wonach
sich eine Persönlichkeitsveränderung entwickeln könne, nicht erfüllt (IV-act. 192-39).
Als Ressourcen würden die familiären Beziehungen und die unbelasteten finanziellen
Verhältnisse genannt (IV-act. 192-39 f.). Das Fehlen einer leitliniengerechten
Behandlung seit mindestens zehn Jahren führte er darauf zurück, dass die
Beschwerdeführerin keine Einsicht in die psychische Begleitkomponente ihrer
Erkrankung habe. Ein Leidensdruck bestehe lediglich in Bezug auf die somatischen
Beschwerden, das Medikament Citalopram werde aufgrund seiner
schmerzdistanzierenden Wirkung eingenommen. Die dysfunktionale
Schmerzverarbeitung sei durch die somatoforme Schmerzstörung zu erklären und
unbewusst (vgl. IV-act. 192-40 f., 46). Es bestünden keine gleichmässigen
Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen. So sei die
Beschwerdeführerin immer wieder aktiv, mache Urlaub, unternehme dafür auch längere
Autofahrten mit dem Ehemann, wenn auch immer wieder Pausen eingelegt werden
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müssten. Sie geniesse Wellness-Gelegenheiten und erledige weitgehend alleine die
Haushaltsaufgaben. Dazu sei diskrepant, dass sie bezüglich einer Erwerbstätigkeit eine
vollständige Einschränkung des Aktivitätsniveaus angebe (IV-act. 192-41).
Prof. M._ beschreibt einleuchtend das Wesen der somatoformen
Schmerzstörung, indem die Schmerzen nicht ausschliesslich psychiatrisch bedingt
seien, sondern vor dem Hintergrund einer somatischen Störung bzw. eines
"somatischen Ereignisses", hier eines durch somatische Befunde objektivierten
zervikozephalen Syndroms, aufträten (vgl. IV-act. 192-37). Das Ausmass der
funktionellen Beeinträchtigung wird anhand der einschlägigen Standardindikatoren
ausführlich erörtert und bestimmt. Der RAD-Arzt Dr. N._ hielt in seiner Stellungnahme
vom 30. März 2020 fest, das Gutachten sei mit überdurchschnittlicher Sorgfalt erstellt
worden. Ihm könne unter formellen und inhaltlichen Aspekten aus
versicherungsmedizinischer Sicht rückblickend auf den Dossierverlauf und das letzte
psychiatrische Gutachten von Herrn Dr. K._ eine höhere Aussagesicherheit attestiert
werden. Diskrepanzen zwischen dem Ausmass der beklagten Einschränkungen und
den erhobenen Befunden seien bei der Bewertung der Höhe der Arbeitsunfähigkeit
einbezogen worden. Diese resultiere aus den gutachterlich "objektivierbaren"
Befunden. Insofern sei die versicherungsmedizinische Gesamtbeurteilung in sich
konsistent und plausibel (IV-act. 193). Diese Würdigung des Gutachtens ist
nachvollziehbar. Prof. M._ hat sich an der geltenden Rechtsprechung orientiert und
seine Diagnosen und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar begründet.
Objektive Befunde, die von ihm nicht berücksichtigt wurden und geeignet wären, seine
Beurteilung in Frage zu stellen, bringt die Beschwerdeführerin nicht vor. Es ist somit auf
die Einschätzung von Prof. M._ abzustellen, wonach sie sowohl in der angestammten
wie auch in einer angepassten Tätigkeit zu rund 60 % (80 % Anwesenheit, 30 %
Leistungseinbusse) arbeitsfähig ist.
3.5.2.
Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit führte Prof. M._ aus, aufgrund der Aktenlage,
der Angaben der Beschwerdeführerin und der Inkonsistenzen des SMAB-Gutachtens
vom 9. November 2018 sei mindestens seit dem Jahr 2013 von der eingeschätzten
Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 192-44). Der RAD-Arzt Dr. N._ folgte dem
(Stellungnahme vom 30. März 2020, IV-act. 193-2). Dies erscheint für den hier
massgeblichen Zeitraum ab 1. Oktober 2016 schlüssig, zumal die in den früheren
Einschätzungen berücksichtigten Beschwerden nachvollziehbar als teilweise
inkonsistent bzw. nicht objektivierbar betrachtet und die Diagnose einer schweren
depressiven Episode einleuchtend als nicht gegeben dargelegt wurde.
3.5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/20
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4.
5.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, ihre Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr
verwertbar, geht sie von der Diagnose einer schweren depressiven Episode aus, die
jedoch nicht bestätigt wurde. Ihr Alter im massgeblichen Zeitpunkt (vgl. BGE 138 V
461 f. E. 3.3 f.) ist noch nicht dermassen fortgeschritten und die Arbeitsfähigkeit in
In somatischer Hinsicht ist unbestritten, dass auf das orthopädisch-
traumatologische SMAB-Teilgutachten vom 20. September 2018 (IV-act. 175-23 ff.)
abgestellt werden kann und keine Arbeitsunfähigkeit besteht.
4.1.
Der orthopädische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin gebe mannigfaltige
Beschwerden vor allem der HWS, aber auch vegetative Symptomatik wie
Schluckbeschwerden, Schwindel und Übelkeit an (IV-act. 175-31). Eine mindestens
dem üblichen Umfang entsprechende Untersuchung ergab vor allem passiv eine
nahezu normale Beweglichkeit, wobei die Beschwerdeführerin Schmerzen äusserte.
Isolierte Druckschmerzen der Muskulatur, der Nervenaustrittspunkte und -verläufe
waren indes nicht zu reproduzieren. Signifikante Verspannungen im Bereich der
Wirbelsäule waren nicht vorhanden. Auch die orientierende neurologische
Untersuchung ergab keine Auffälligkeiten (IV-act. 175-30). Die Bemuskelung der
Extremitäten war seitengleich (IV-act. 175-5, 29). Der Gutachter führte aus, es hätten zu
keinem Zeitpunkt Anhaltspunkte für eine strukturelle Verletzung der HWS bzw.
objektivierende Einschränkungen der HWS festgestellt werden können (IV-act. 175-31).
Dass die Beschwerdeführerin regelmässig Yoga und Pilates praktiziere (vgl. aber die
relativierende Aussage gegenüber dem psychiatrischen Gutachter, wonach sie dies
lediglich versuche, jedoch nicht mehr im vor dem Unfall ausgeübten Ausmass
betreiben könne, IV-act. 175-45), sei diskrepant zu den beklagten Beschwerden und
Funktionseinbussen. Die geschilderten Beschwerden könnten auf orthopädisch-
traumatologischem Fachgebiet nicht nachvollzogen und objektiviert werden (IV-act.
175-32 f.). Es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 175-34). Der
RAD-Arzt Dr. H._ schloss sich der Beurteilung des orthopädischen Gutachters
vorbehaltslos an (Stellungnahme vom 23. November 2018, IV-act. 176-1 f.). Es sind
keine Gründe ersichtlich, die dieser Beurteilung entgegen stehen. Der orthopädischen
Einschätzung kann somit gefolgt werden (vgl. BGE 143 V 128 f., E. 2.2.4). Es ist auch
nicht ersichtlich und wird nicht geltend gemacht, dass seit der Begutachtung durch das
SMAB in somatischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
eingetreten ist.
4.2.
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qualitativer Hinsicht nicht so sehr eingeschränkt, dass in Anbetracht der strengen
Rechtsprechung von einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen wäre
(Urteile des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Verweisen,
und vom 6. Januar 2020, 9C_797/2019, E. 5 mit Hinweisen).
6.
Die Beschwerdegegnerin hielt bereits im Zeitpunkt der Verfügung vom 7. August
2001 als mit genügender Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass die Beschwerdeführerin
das elterliche Geschäft übernommen hätte und dort mit einem Pensum von rund 75 %
tätig gewesen wäre (IV-act. 33). Dies erscheint nachvollziehbar, da sie angab, die
Finanzierung der Übernahme sei bereits geregelt gewesen und sie habe bereits Kurse
für die Ausbildung Lernender absolviert (Bericht Haushaltsabklärung vom 8. März 2001,
IV-act. 20-2). Weiter erachtete die Beschwerdegegnerin als nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin zum für die aktuelle Verfügung relevanten Zeitpunkt zu 100 %
erwerbstätig gewesen wäre (Aktennotiz vom 27. April 2018, IV-act. 164-2;
Besprechungsprotokoll vom 16. November 2020, IV-act. 205-3). Indes hielt sie für nicht
stringent, dass sich die Erwerbskarriere der Beschwerdeführerin auf Basis des früher
angenommenen Einkommens von rund Fr. 21'997.-- bei 75%iger Tätigkeit entwickelt
hätte und ermittelte das Valideneinkommen aufgrund der Lohnstrukturerhebung (LSE)
des Bundesamtes für Statistik (BFS) und den Invaliditätsgrad anhand der prozentualen
Einschränkung (vgl. Besprechungsprotokoll vom 16. November 2020, IV-act. 205;
Einkommensvergleich, IV-act. 206). Dieser Prozentvergleich ist nicht zu beanstanden,
wenn davon ausgegangen werden kann, dass sich die gesundheitlichen
Einschränkungen in der Tätigkeit als Geschäftsinhaberin gleich ausgewirkt hätten wie
damals als Mithilfe im elterlichen Betrieb.
6.1.
Die Beschwerdeführerin übernahm im elterlichen Betrieb Büroarbeiten, war im
Verkauf und in der Lehrlingsbetreuung tätig, bevor sie das erste Mal verunfallte
(Gutachten MEDAS Ostschweiz vom 12. Januar 2004, Fremdakten, act. 3-3). Es ist
daher nicht davon auszugehen, dass sich der Inhalt der Tätigkeit mit der
Geschäftsübernahme wesentlich verändert hätte. Der orthopädische Gutachter
formulierte im SMAB-Gutachten vom 9. November 2018 keine qualitativen
Einschränkungen (IV-act. 175-34). Prof. M._ attestierte sowohl für die frühere
Tätigkeit als auch für eine (andere) angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von ca.
60 % (Anwesenheit 80 %, Einschränkung der Leistungsfähigkeit ca. 30 %; IV-
act. 192-44). Die neuropsychologische Testung zeigte keine kognitive Störung (IV-
act. 192-71). Mithin kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden,
dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung auch für die Tätigkeit als Geschäftsführerin zutrifft
6.2.
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und sich der gleiche Invaliditätsgrad ergäbe, wenn er nicht anhand eines
Tabellenlohnes, sondern anhand des Valideneinkommens als Inhaberin des elterlichen
Geschäfts berechnet würde. Die Beschwerdeführerin macht denn auch zu Recht nicht
geltend, es wäre ein höheres Valideneinkommen zu berücksichtigen gewesen.
Schliesslich beantragt die Beschwerdeführerin einen leidensbedingten Abzug von
25 %. Sie begründet dies mit ihrem fortgeschrittenen Alter, dem mit einer Depression
belasteten Gesundheitszustand und der seit über 20 Jahren bestehenden Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt.
6.3.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit einem unterdurchschnittlichen erwerblichen
Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 146 V 16 E. 4.1).
6.3.1.
Nach ständiger Rechtsprechung können gesundheitliche Einschränkungen, die
bereits in der Beurteilung des medizinischen Zumutbarkeitsprofils enthalten sind, nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes führen. Bestehen jedoch über das
ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus zusätzliche Einschränkungen, wie
beispielsweise ein vermindertes Rendement pro Zeiteinheit wegen verlangsamter
Arbeitsweise oder ein Bedarf an ausserordentlichen Pausen, oder ist die funktionelle
Einschränkung ihrer besonderen Natur nach nicht ohne weiteres mit den
Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen
ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten Abzugs vom statistischen
Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2018,
8C_552/2017, E. 5.3.1, mit weiteren Verweisen). Vorliegend wurden sämtliche
medizinische Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt. Die
Leistungseinbusse wurde aufgrund vermehrt notwendiger Pausen mit 30 % beziffert.
Eine schwere Depression kann nicht zusätzlich berücksichtigt werden, da diese
Diagnose nachvollziehbar nicht bestätigt wurde.
6.3.2.
Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin aufgrund der langen Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt in Verbindung mit ihrem Alter ein Tabellenlohnabzug zu gewähren ist. Die
Rechtsprechung verneint einen solchen lediglich, wenn die Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt invaliditätsfremd ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 25. November
6.3.3.
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7.
Zu prüfen bleibt der in der angefochtenen Verfügung festgelegte Rentenbeginn auf den
1. Oktober 2016.
2020, 8C_390/2020, E. 4.5.1 und vom 30. April 2021, 8C_111/2021, E. 4.3.3) und bei
Stellen ohne Kaderfunktion bzw. im Bereich der Hilfsarbeiten (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_558/2017 vom 1. Februar 2018, E. 5.3.2). Die Beschwerdeführerin
hatte bis zur Einstellung der ganzen Rente mit Verfügung vom 12. Februar 2014 (IV-
act. 91) Anspruch auf eine ganze Rente, weshalb die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
bis zu diesem Zeitpunkt nicht invaliditätsfremd war. Gemäss der LSE-Tabelle
T1_tirage_skill_level 2016, Frauen, beträgt das durchschnittliche monatliche
Einkommen über alle Kompetenzniveaus für Frauen im Detailhandel (Ziff. 47)
Fr. 4'605.--. Gemäss Ph. Mülhauser, Lohnbuch 2016 (Hrsg.: Amt für Wirtschaft und
Arbeit des Kantons Zürich), Zürich 2016, beträgt der Lohn eines Geschäftsleiters/einer
Geschäftsleiterin im Z._ Fr. 4'900.-- . Mit Blick darauf ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin keine höhere Lohneinbusse als von 10 % hätte in Kauf nehmen
müssen, wenn sie im massgeblichen Jahr 2016 die Erwerbstätigkeit als selbständige
oder angestellte Detailhändlerin (wieder) aufgenommen hätte. Statistisch ist schliesslich
eine Einkommenseinbusse aufgrund der lediglich 80%igen zumutbaren Anwesenheit
im Sinne eines Teilzeitabzugs nicht ausgewiesen (LSE 2016, T 18). Insgesamt ist somit
ein Tabellenlohnabzug von maximal 10 % begründet. Es resultiert damit ein
Invaliditätsgrad von 46 % (1-[0,9 x 60 %]). Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch
auf eine Viertelsrente.
Die Frist von der Gesuchseinreichung am 15. März 2016 bis zum verfügten
Anspruchsbeginn am 1. Oktober 2016 entspricht der sechsmonatigen Karenzfrist
gemäss Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG. Da die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer
Wiederanmeldung ausgegangen ist (E. 1.1 f.), entstand der Rentenanspruch erst nach
Ablauf der Karenzfrist, obwohl die ihm zugrunde liegende Erwerbsunfähigkeit von 40 %
gemäss dem beweiskräftigen Gutachten (IV-act. 192-44) bereits seit der RAD-
Stellungnahme aus dem Jahr 2013 vorlag (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
8. November 2019, 8C_607/2019, E. 3.2, und vom 1. April 2019, 8C_54/2019, E. 3.2).
7.1.
Da seit dem Jahr 2013 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorlag, ist das Wartejahr
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt. Der in der angefochtenen Verfügung
festgesetzte Anspruchsbeginn ist demnach korrekt.
7.2.
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8.