Decision ID: 2057e4de-91a3-5f2a-b99a-ecc7e88d26b4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. A._, eine 1994 geborene kosovarische Staatsangehörige (nach-
folgend: Gesuchstellerin bzw. Eingeladene), beantragte am 5. Juli 2019 bei
der Schweizerischen Botschaft in Pristina ein Schengen-Visum für einen
30–tägigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz. Die im Kanton (...) wohn-
hafte Gastgeberin (und spätere Beschwerdeführerin) hatte zuvor am
27. Juni 2019 ein entsprechendes Einladungsschreiben zuhanden der
Schweizerischen Botschaft in Pristina verfasst, sich dabei als Schwägerin
zu erkennen gegeben und erklärt, sie wolle die Gesuchstellerin für einen
Familienbesuch in die Schweiz einladen (Akten der Vorinstanz [SEM-act.]
2/13 und 3/27 ff.).
Im Antragsformular vom 5. Juli 2019 vermerkte die Gesuchstellerin unter
einer entsprechenden Rubrik, sie habe im Jahr 2017 schon einmal ein
Schengen-Visum erhalten. Ebenfalls unter einer entsprechenden Rubrik
(zur Frage nach Arbeitgeber bzw. besuchter Bildungseinrichtung) hielt sie
auf dem Formular fest, sie studiere an einer Universität in [in Kosovo]
(SEM-act. 3/28). Dem Gesuch war die Kopie einer Studienbescheinigung
vom 26. Juni 2019 beigelegt, aus welcher hervorgeht, dass sie 2014 ihre
Studien an der medizinischen Fakultät [einer Universität in Kosovo] aufge-
nommen hatte und sich im dritten Studienjahr auf Bachelor-Level befand
(SEM-act. 3/20). Des Weiteren edierte die Gesuchstellerin – ebenfalls in
Form von Kopien – einen Notenspiegel vom 3. Juli 2019, gemäss dem sie
bis dahin 96 Kreditpunkte erhalten hatte sowie einen Studentenausweis
(SEM-act. 3/19 und 3/18).
B.
Mit Formularverfügung vom 5. August 2019 verweigerte die Schweizeri-
sche Botschaft in Pristina das Visum, weil sie die Absicht der Gesuchstel-
lerin, vor Ablauf des Visums wieder aus dem Hoheitsgebiet der Schengen-
Mitgliedstaaten auszureisen, nicht als hinreichend gesichert erachtete
(SEM-act. 4/35).
C.
Gegen die Verweigerung des Visums erhob die Gastgeberin am 11. August
2019 Einsprache bei der Vorinstanz. Dabei rügte sie im Wesentlichen, die
Einschätzung der schweizerischen Vertretung sei falsch. Die Eingeladene
wolle wirklich nur für einen Monat zu Besuch kommen und danach ihr Stu-
dium in [Kosovo] fortsetzen. Sie (die Gastgeberin) habe bereits viele ihrer
Familienmitglieder in die Schweiz eingeladen und alle seien fristgerecht
wieder zurückgekehrt (SEM-act. 5/37).
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D.
Im Rahmen des Einspracheverfahrens richtete die Migrationsbehörde des
Kantons (...) im Auftrag der Vorinstanz einen Fragenkatalog an die Gast-
geberin, den diese umgehend beantwortete (SEM-act. 8/47).
E.
Mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 wies die Vorinstanz die Einsprache
ab. In der Begründung teilte sie die Einschätzung der schweizerischen
Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederaus-
reise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt nicht als hinrei-
chend gesichert betrachtet werden könne. Dabei sei zu berücksichtigen,
dass Kosovo gemessen am dort erzielten Bruttoinlandprodukt als eines der
ärmsten Länder Europas gelte und die Schweiz eines der beliebtesten Ziel-
länder für kosovarische Emigranten sei. In den persönlichen, familiären
und wirtschaftlichen Verhältnissen der Eingeladenen seien keine Verpflich-
tungen zu erkennen, die geeignet wären, das allgemein anzunehmende
Risiko einer nicht anstandslosen Wiedereinreise entscheidend zu relativie-
ren. Die Gesuchstellerin sei jung, ledig und kinderlos. Sie lebe in wirtschaft-
lich bescheidenen Verhältnissen in der Familie eines Onkels. Zweifel seien
auch in Bezug auf die Ernsthaftigkeit anzubringen, mit der sie ihr Studium
betreibe. So habe sie offensichtlich schon seit Beginn des Studiums Mühe,
die jährlich notwendigen Kreditpunkte zu erreichen (SEM-act. 9/50 ff.).
F.
Am 24. November 2019 gelangte die Gastgeberin mit einer Beschwerde
an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte darin sinngemäss die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung eines
Schengen-Visums zugunsten der Gesuchstellerin (Akten des Bundesver-
waltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2020 hielt die Vorinstanz an ihrem
Einspracheentscheid fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 15. Januar 2020
zur Kenntnis gebracht (BVGer-act. 5 und 6).
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG
[SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich
nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorangegangenen Einspracheverfah-
ren teilgenommen und ist Gastgeberin und Verwandte der Gesuchstellerin.
Sie ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (vgl.
Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (vgl.
Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever-
fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4
VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
3.
Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer kosovarischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen Besuchsaufenthalt
im Schengen-Raum zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die
EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab-
sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Ta-
gen nicht überschreitet, fällt die Streitsache in den persönlichen und sach-
lichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit
denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen ge-
meinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3;
2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrationsgesetz und seine Ausfüh-
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rungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schen-
gen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthal-
ten (Art. 2 Abs. 4 AIG).
4.
4.1 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-
Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-
raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz eines Visums sind, falls
ein solches nach Massgabe der Verordnung (EU) 2018/1806 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 (Aufstellung der
Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aus-
sengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Dritt-
länder, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind [ABl. L
303/39 vom 28.11.2018; nachfolgend: Verordnung [EU] 2018/1806; in Kraft
seit 15. Februar 2019]) erforderlich ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. b der Verordnung
[EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der
Grenzen durch Personen [Kodifizierter Text] [Schengener Grenzkodex,
SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 6 Abs. 1 der Verordnung vom
15. August 2018 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR
142.204]); vgl. auch Art. 2 Ziff. 6 SGK; Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG). Als Staats-
angehörige der Republik Kosovo unterliegt die Eingeladene unbestrittener-
massen der Visumpflicht (Anhang I der bereits erwähnten Verordnung
Nr. 2018/1806; Art. 8 Abs. 1 VEV).
4.2 Voraussetzung zur Visumerteilung und zur Einreise ist unter anderem,
dass die drittstaatsangehörige Person keine Gefahr für die öffentliche Ord-
nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio-
nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK)
und Gewähr für die gesicherte Wiederausreise bietet (Art. 32 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visako-
dex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2011/48
E. 4.5; 2009/27 E. 5.2). Wenn die betreffende Person nicht bereit ist, das
Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist
eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e
SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben daher
zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr
einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Aus-
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reise nicht besteht respektive dass die gesuchstellende Person für die ge-
sicherte Wiederausreise Gewähr bietet (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21
Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2009/27 E. 5.2).
4.3 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten,
drittstaatsangehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen-
Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es ein-
heitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglied-
staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die
Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Vi-
sum vermittelt aber auch das Schengen-Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1
und E. 4.1.5; 2011/48 E. 4).
4.4 Sind sämtliche Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt, ist das
Schengen-Visum auszustellen. Ist hingegen einer der in Art. 32 Abs. 1 VK
(nicht abschliessend) aufgelisteten Tatbestände gegeben, darf ein einheit-
liches Visum nicht erteilt werden (vgl. Art. 21 Abs. 1 und Abs. 3 VK; Art. 32
Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.5; 2011/48 E. 4.6; Urteil des BVGer
F-7617/2016 E. 4.1). Das Schengen-Visum ist deshalb unter anderem zu
verweigern, wenn Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person
bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor
Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen (Art. 32
Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Den Behörden kommt bei der Be-
urteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein
weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5 in fine).
4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen
nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter
Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden
Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betreffende Mitglied-
staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären
Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund internatio-
naler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs.
1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK).
5.
5.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-
fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, den
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Schengen-Raum vor Ablauf des Visums wieder zu verlassen, weshalb dar-
über eine Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzel-
falles zu würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsan-
gehörigen Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II
VK; Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und
E. 6.1). Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte
Wiederausreise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im
Herkunftsland der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei
Einreisegesuchen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch,
wirtschaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine
strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfah-
rungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten
Einreisebewilligung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.).
5.2 Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage im Kosovo weist die
Vorinstanz auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und den damit
verbundenen Migrationsdruck hin. Diese Einschätzung ist nicht zu bean-
standen (vgl. etwa Urteil des BVGer F-7232/2018 vom 8. August 2019
E. 5.2 m.H.). Nach Angaben der Weltbank lag das Pro-Kopf-Einkommen
im Jahr 2015 bei 4'000 USD, das Brutto-Inland-Produkt (BIP) bei insge-
samt etwa 5,5 Mrd Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem
Balkan. Offiziellen Angaben zufolge liegt die Arbeitslosigkeit bei über 35 %,
bei Jugendlichen sogar deutlich höher. Hauptmotor der Wirtschaft bilden
nach wie vor die aus der Diaspora fliessenden Transferleistungen (Website
der Deutschen Botschaft Pristina: https://pristina.diplo.de > Themen >
Wirtschaft > Wirtschaftsübersicht Kosovo [Artikel], zuletzt besucht im Juni
2020).
5.3 Statistisch gesehen sind allein im Jahr 2018 2'491 Personen kosovari-
scher Staatsangehörigkeit in die Schweiz eingewandert. Die grosse Mehr-
heit dieser Personen gehört zur Altersgruppe der 20- bis 39-jährigen (1’949
Personen) (vgl. dazu Bundesamt für Statistik (Bfs): https://www.bfs.ad-
min.ch > Statistiken > Kataloge-Datenbanken > Tabellen > Einwanderung
der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit,
Geschlecht und Alter, 1991-2018, zuletzt besucht im Juni 2020).
5.4 Aufgrund des erhobenen statistischen Materials, der hohen Arbeitslo-
sigkeit bei kosovarischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie
der Tatsache, dass Transferzahlungen aus der Diaspora eine wichtige
Rolle in der Wirtschaft Kosovos zukommt, ist nicht zu beanstanden, dass
https://www.bfs.admin.ch/ https://www.bfs.admin.ch/
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die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise allge-
mein als erheblich einschätzt. Dieses Risiko wird erfahrungsgemäss noch
akzentuiert, wenn durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden
in der Schweiz bereits ein soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts
der restriktiven Zulassungsregelung führt dies nicht selten zur Umgehung
von ausländerrechtlichen Bestimmungen, indem nach erfolgter Einreise
versucht wird, den Aufenthalt auf eine andere rechtliche oder faktische Ba-
sis zu stellen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2 m.H.).
6.
6.1 Neben den allgemeinen Umständen im Herkunftsland sind – wie er-
wähnt – sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berück-
sichtigen. Obliegt der gesuchstellenden Person im Heimatland beispiels-
weise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verant-
wortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise
begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine be-
sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht
regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge-
schätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.).
6.2
6.2.1 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Gesuchstellerin
im Kosovo keine besonderen familiären oder gesellschaftlichen Verpflich-
tungen obliegen, welche vor dem Hintergrund der allgemeinen Situation in
diesem Land das Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise als ge-
ring erscheinen liessen. Die Gesuchstellerin ist jung, ledig und hat keine
Kinder. Zu ihren familiären Verhältnissen gab sie gegenüber der schweize-
rischen Vertretung offenbar telefonisch zur Auskunft, ihr Vater sei im Krieg
ums Leben gekommen. Ihre Mutter habe später wieder geheiratet. Deshalb
lebten sie und ihre Schwester bei der Familie ihres Onkels (Telefonnotiz
vom 5. August 2019 [SEM-act. 3/24]). Letzterer Umstand wird mit einer
eingereichten «Declaration on Joint Household» vom 1. Juli 2019 belegt
(SEM-act. 3/21).
Die Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, dass das von der Gesuch-
stellerin betriebene Studium an einer Universität in [Kosovo] wesentliche
Gewähr biete für eine Rückkehr dorthin nach dem angestrebten Besuchs-
aufenthalt in der Schweiz. Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Ver-
fügung die Ernsthaftigkeit dieses Studiums in Zweifel, zumal die Gesuch-
stellerin im Jahr 2014 begonnen und bis 2017 insgesamt bloss 85, bis Ende
Oktober 2019 total lediglich 96 Kreditpunkte gesammelt habe, anstelle der
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jährlich zu erbringenden 60. Dabei stützte sich die Vorinstanz zum einen
auf entsprechende Belege der Gesuchstellerin, zum anderen – insbeson-
dere was die Anforderungen an das Studium betrifft – auf Auskünfte der
Schweizerischen Botschaft (Aktennotizen der Vertretung vom 19. Juli 2017
[elektronisches Dossier des SEM p. 166] und 5. August 2019 [SEM-act.
3/23]). Gemäss einem von der Beschwerdeführerin mit ihrer Rechtsmitte-
leingabe edierten neueren Beleg («transkripta e notave» vom 26. Oktober
2019) verbuchte die Gesuchstellerin bis zu diesem Zeitpunkt total 106 Kre-
ditpunkte. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass die Gesuchstelle-
rin damit möglicherweise universitäre Vorgaben nicht erfüllt. In ihrer Be-
schwerde geht sie gar nicht auf diese Umstände ein. In einer unaufgefor-
dert eingereichten Eingabe vom 25. Mai 2010 (BVGer-act. 7) weist sie zwar
darauf hin, dass es für die Gesuchstellerin «wegen Corona» sehr schwierig
sei, das angefangene Studium weiterzuführen. Das kann allerdings keine
Erklärung für offenbar schon seit Jahren in zu geringem Umfang erbrachte
Leistungen sein.
Ebenfalls keine Erklärung dafür kann ein als Beilage zur Beschwerde edier-
tes, undatiertes Schreiben sein, in welchem die Gesuchstellerin ausführt,
sie müsse, da sie keine Eltern mehr habe, im Kosovo neben dem Studium
einer Arbeit nachgehen, um wirtschaftlich überleben zu können. Darunter
hätten anfänglich ihre Leistungen im Studium gelitten. Dieser Darstellung
steht entgegen, dass die Gesuchstellerin die meisten Kreditpunkte in den
ersten Jahren ihres Studiums gesammelt hat, und der mit der Beschwerde
kommentarlos eingereichte Arbeitsvertrag vom 1. September 2019 datiert.
6.2.2 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, wenn die Vor-
instanz in diesem Studium keine besondere Gewähr für eine fristgerechte
Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz zu erbli-
cken vermochte.
6.2.3 Unerheblich ist schliesslich, dass die Beschwerdeführerin für die
Rückkehr der Gesuchstellerin persönlich bürgen will. Gastgeber können für
ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihres Gastes nicht rechtswirksam
einstehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.7; 2009/27 E. 9).
7.
Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine
zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht er-
füllt. Gründe humanitärer oder anderer Art, die die Erteilung eines Visums
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mit räumlich beschränkter Gültigkeit gerechtfertigt hätten (vgl. dazu E. 4.5
vorstehend), wurden nicht geltend gemacht.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfü-
gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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