Decision ID: e8cd0c90-46a4-4763-accd-dfb3dbe29f98
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) Juni 2022 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Erstbefragung UMA (unbegleitete minderjährige Asyl-
suchende) vom 25. Juli 2022 und der Anhörung vom 3. Oktober 2022
machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei afghanischer Staatsangehöriger, paschtunischer Ethnie und stamme
aus dem Dorf B._, in der Provinz Nangarhar, wo er gemeinsam mit
seinen Eltern und seinen Geschwistern aufgewachsen sei.
Sein ältester Bruder sei in Kabul als (...) respektive als (...) tätig gewesen;
er sei jeweils monatlich wieder nach Hause zurückgekehrt, zumal auch
dessen Familie im selben Haushalt mit ihnen gelebt habe. Die Taliban hät-
ten den Bruder und seine Frau, welche (...) gewesen sei, mehrmals be-
droht. Sein zweitältester Bruder habe seit ein oder zwei Jahren in Kabul als
(...) gearbeitet. Der drittälteste Bruder habe in C._ ein Studium der
(...) absolviert und dort gewohnt – nun lebe er jedoch Zuhause.
Als sich der Sturz der Regierung abgezeichnet habe, hätten seine beiden
ältesten Brüder den Heimatstaat Richtung D._ verlassen. Einige
Tage nach dem Sturz der Regierung seien die Taliban zum Haus der Fa-
milie gekommen und hätten sich nach dem Verbleib der beiden Brüder er-
kundigt. Als der Vater erklärt habe, deren Aufenthaltsort nicht zu kennen,
sei der Familie gedroht worden, ihn – den Beschwerdeführer – an Stelle
der Brüder mitzunehmen. Die Taliban hätten den Vater und ihn geschlagen;
infolge eines Schlags auf den Kopf sei er ohnmächtig geworden und erst
im Spital in Kabul wieder zu sich gekommen. Nach einer Woche im Spital
habe sein Onkel einen Anruf erhalten, wonach seine Sicherheit auch im
Spital nicht gewährleistet sei. Daraufhin sei er zu einem Onkel mütterlicher-
seits in Kabul gebracht worden. Seinen Heimatstaat habe er von dort aus
etwa 15 Tage nach der Machtübernahme der Taliban Richtung Pakistan
verlassen. Auch nach der Ausreise werde regelmässig bei ihm Zuhause
nach den beiden ältesten Brüdern sowie nach ihm gesucht. Seine Familie
werde auch wegen der Tätigkeit der Frau des ältesten Bruders belästigt.
Die Familie wechsle daher den Aufenthaltsort regelmässig und halte sich
mal im Dorf mal in der Stadt auf.
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Als Nachweis für seine Identität legte der Beschwerdeführer eine Kopie
seiner Tazkera ins Recht. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er im We-
sentlichen Dokumente den ältesten Bruder betreffend zu den Akten, wo-
nach dieser im Jahr 2016 bei der Nichtregierungsorganisation (...) ange-
stellt gewesen sei und im Jahr 2019 als (...) gearbeitet habe. Weitere Do-
kumente betreffen die Ausbildung respektive Tätigkeiten der Frau des äl-
testen Bruders. Schliesslich wurde ein an den ältesten Bruder und dessen
Frau gerichteter Drohbrief, datierend vom (...) 2015, zu den Akten gereicht,
wonach diese ihre Tätigkeiten für die ausländische Nichtregierungsorgani-
sationen einstellen sollen.
B.
Am 10. Oktober 2022 wurde der zugewiesenen Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers der Entwurf des Asylentscheids zur Stellungnahme zuge-
stellt.
C.
Die Rechtsvertretung nahm am 11. Oktober 2022 entsprechend Stellung.
D.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2022 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an,
wobei es den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme wegen Unzumutbarkeit aufschob.
E.
Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
11. November 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-
ben. Er beantragte die Asylgewährung unter Anerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft, eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu bewilligen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten.
F.
Am 14. November 2022 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang
der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
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1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-Verordnung Asyl [SR 142.318];
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Zur Begründung des Asylentscheids führte die Vorinstanz im Wesentli-
chen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich
ausgefallen. So habe er zunächst erklärt, einer seiner Brüder, der im Hei-
matstaat verblieben sei, sei nicht durch die Taliban gefährdet, weil dieser
die Schule nicht lange besucht habe. In der Anhörung habe er hingegen zu
Protokoll gegeben, besagter Bruder habe (...) studiert, was er erst kürzlich
erfahren habe. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer
nicht gewusst habe, womit sich sein Bruder im Alltag befasse, zumal er im
Laufe der Anhörung plötzlich Details zu dessen Studentenleben genannt
habe. Auf erneute Nachfrage habe er erklärt, die Taliban hätten nach ihm
– dem Beschwerdeführer – gesucht, weil er der jüngste der Brüder sei, die
angeblich geringere Bildung sei hingegen unerwähnt geblieben. Im Verlauf
der Anhörung habe er schliesslich ausgeführt, sein älterer Bruder sei «ein
bisschen krank». Daher vermöge die Erklärung, weshalb die Taliban kei-
nerlei Interesse an seinem älteren Bruder gehabt hätten, nicht zu überzeu-
gen. Ebenso widersprüchlich seien seine Aussagen zur angeblichen Flucht
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ausgefallen. So habe er einerseits zu Protokoll gegeben, sein Onkel habe
ihn Zuhause abgeholt und er habe erst in Kabul davon erfahren, dass er
ausreisen müsse. Anlässlich der Anhörung habe er ausgeführt, er sei vor
der Ausreise im Spital in Kabul gewesen, von wo aus er die Ausreise an-
getreten habe. Weitere Ungereimtheiten fänden sich in den Schilderungen
betreffend die Anzahl der Besuche durch Angehörige der Taliban und zum
Aufenthaltsort der im Heimatstaat verbliebenen Familienangehörigen. Da-
her erstaune es nicht, dass es ihm nicht gelungen sei, substantiiert von den
angeblichen Vorfällen mit den Taliban zu berichten. Seine im Rahmen des
freien Berichts gemachten Ausführungen seien oberflächlich ausgefallen
und würden jeglicher Details oder persönlicher Empfindungen entbehren.
Auf entsprechende Nachfrage habe er zwar etwas konkretere Angaben ge-
macht. Jedoch liessen auch diese Ausführungen die zu erwartenden De-
tails und Realkennzeichen vermissen. Gleiches gelte auch für den vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten Aufenthalt im Spital. Die zentralen Wi-
dersprüche stammten nicht aus der Wiedergabe der Fluchtgründe, son-
dern aus den Ausführungen zum Reiseweg. Der in der Stellungnahme ge-
machte Hinweis auf den summarischen Charakter der Erstbefragung greife
deshalb ins Leere. Schliesslich habe der Beschwerdeführer während der
Befragung zu keinem Zeitpunkt angeführt, es gehe im gesundheitlich
schlecht, mithin gehe auch dieser Einwand in der Stellungnahme zum Ver-
fügungsentwurf fehl. Die zu den Akten gereichten Beweismittel würden
zwar belegen, dass ein Bruder und dessen Frau für internationale Nichtre-
gierungsorganisationen gearbeitet hätten und vor einiger Zeit von den Ta-
liban bedroht worden seien. Eine aktuelle Gefährdung des Beschwerde-
führers lasse sich daraus aber nicht ableiten. Insgesamt hielten die Vor-
bringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand, weshalb de-
ren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei.
5.2 In der Beschwerde wird dem im Wesentlichen entgegengehalten, die
Angaben der Erstbefragung UMA hätten summarischen Charakter, wes-
halb diese grundsätzlich ungeeignet seien, um mit den Angaben der Anhö-
rung verglichen zu werden. Die aufgeführten Widersprüche wirkten zudem
konstruiert. Es sei nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer nicht im
Detail wisse, womit sich seine Brüder im Alltag beschäftigt hätten, habe er
doch seinem Vater auf den Feldern geholfen. Warum der im Heimatstaat
verbliebene drittälteste der Brüder nicht in den Fokus der Taliban geraten
sei, könne nur vermutet werden. Ob dies an der Krankheit oder seinem –
im Vergleich zu den anderen Brüdern – geringeren Schulbildung respektive
dem tieferen Profil liege, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es sei
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nicht am Beschwerdeführer die Motive der Taliban nachzuvollziehen. Hin-
sichtlich des von der Vorinstanz erkannten Widerspruchs betreffend seine
Ausreise bestehe dieser einzig darin, dass er seinen Aufenthalt im Spital
anlässlich der summarischen Erstbefragung nicht erwähnt habe. Unter
«Zuhause» sei sein Aufenthaltsort und nicht sein Wohnort zu verstehen,
weshalb sich mithin auch betreffend Ausreise keine Widersprüche erken-
nen liessen. Sodann hätten die Taliban mehrmals nach den Brüdern ge-
sucht, was nicht impliziere, er selbst sei mehrmals von Taliban direkt be-
droht worden. Die Angaben zu den Taliban – diese seien maskiert gewesen
– stelle ebenfalls keinen Widerspruch zu den Ausführungen dar, es habe
sich um zwei zivil gekleidete und fünf bewaffnete Männer gehandelt.
Schliesslich ändere auch der Umstand, dass sich die Familie manchmal in
der Stadt aufhalte, nichts an ihrem generellen Wohnort, mithin seien auch
diese Angaben weder unrichtig noch widersprüchlich. Bei der Beurteilung
der Glaubhaftigkeit sei den persönlichen Fähigkeiten des Beschwerdefüh-
rers zu wenig Rechnung getragen worden. Er sei minderjährig, habe neun
Jahre die Schule besucht und sei in der Landwirtschaft tätig gewesen.
Dass er eher knapp antworte, sei seinem persönlichen Erzählstil geschul-
det. Insgesamt habe er die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen
beantwortet und glaubhaft dargelegt, was ihm in seinem Heimatstaat wi-
derfahren sei, mithin sei eine Subsumtion der Vorbringen unter Art. 3 AsylG
angezeigt.
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Verfügung zu
bestätigen ist. Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen, seine Vorbringen glaubhaft darzulegen.
Diesbezüglich kann in Ergänzung der nachfolgenden Erwägungen auf die
Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden, denen
der Beschwerdeführer in seinem Rechtsmittel nichts Stichhaltiges entge-
genzusetzen vermag.
6.2 Das Gericht teilt die von der Vorinstanz vorgenommene Einschätzung,
wonach die Ausführungen des Beschwerdeführers zur angeblichen Bedro-
hungssituation durch Angehörige der Taliban unsubstantiiert ausgefallen
sind. Den vorliegenden Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, wonach
das SEM den persönlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers – einem
(...)-Jährigen mit immerhin neun Jahren Schulbildung – zu wenig Rech-
nung getragen hätte. Die anlässlich des freien Berichts gemachten Ausfüh-
rungen sind wenig detailliert und nicht individuell konnotiert ausgefallen
(vgl. SEM-act A26/11 F39 f.). Auf entsprechende Vertiefungsfragen blieben
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diese oberflächlich. Der Beschwerdeführer vermochte kaum differenzier-
tere Angaben zum eigentlichen Kerngeschehen zu machen (vgl. a.a.O.
F47 f.). Seine Angaben wirken stereotyp und nicht erlebnisbasiert. Seinen
Antworten fehlt es – unter Berücksichtigung seiner Biografie – am erforder-
lichen Detailreichtum.
6.3 Hinsichtlich der vom SEM aufgeführten Widersprüche vermögen die
rechtfertigenden Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nicht zu über-
zeugen. Zunächst ist nicht erkennbar, inwiefern die festgestellten Wider-
sprüche von der Vorinstanz konstruiert worden sein sollen und inwiefern
das SEM dem summarischen Charakter der Erstbefragung zu wenig Rech-
nung getragen haben soll. Vielmehr teilt das Gericht die Ansicht, dass die
unterschiedlichen Angaben des Beschwerdeführers zum Ablauf der Ge-
schehnisse nicht als Konkretisierung zu qualifizieren sind, sondern sich in
der Tat als widersprüchlich erweisen. Der Beschwerdeführer hat seine Aus-
reise anlässlich der Erstbefragung mehrmals so geschildert, dass er von
seinem Onkel von Zuhause abgeholt und nach Kabul gebracht worden sei,
wo er schliesslich erfahren habe, er müsse ausreisen (vgl. SEM-act A16/10
Pkt. 5.02 und 7.01). Demgegenüber bringt er im Rahmen der Anhörung
vor, er sei direkt vom Spital in Kabul zu einem anderen Onkel in der Stadt
gebracht worden und habe von dort seine Ausreise angetreten (vgl. SEM-
act A26/11 F55 f.). Mit seinen unterschiedlichen Angaben zu seinem im
Heimatstaat verbliebenen Bruder und dem Umstand, dass dieser nicht in
den Fokus der Taliban geraten sei – der Bruder habe nicht so lange wie er
die Schule besucht, er wisse nicht, was dieser im Alltag mache, dieser habe
Medizin studiert, respektive sei dieser ein bisschen krank (vgl. SEM-act
A16/10 Pkt. 5.02, A26/11 F27 f., F87) – vermag der Beschwerdeführer nicht
nachvollziehbar darzulegen, warum die Taliban an diesem Bruder keinerlei
Interesse haben sollten, zumal die zugrundeliegende Verfolgungsmotiva-
tion bei der Staatsanstellung der beiden ältesten Brüder liegen solle. Letzt-
lich offengelassen werden kann, ob sich die Familienangehörigen effektiv
mal in der Stadt, mal im Dorf aufhalten, wie vom Beschwerdeführer vorge-
tragen, deutet doch auch der nur gelegentliche Aufenthalt im Dorf nicht auf
eine unmittelbare und konkrete Bedrohung hin.
6.4 Insgesamt ist auch das Gericht der Ansicht, dass es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, seine Vorbringen glaubhaft im Sinne von Art. 7
AsylG darzulegen. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht
verneint und sein Asylgesuch abgewiesen hat.
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7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 12. Oktober 2022 angesichts
der Lage am Herkunftsort des Beschwerdeführers die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festgestellt und seine vorläufige Aufnahme ange-
ordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig festgestellt hat (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für die eventua-
liter beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht keine
Veranlassung. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass
seine Begehren aussichtslos waren, womit eine der kumulativ zu erfüllen-
den Voraussetzungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben und sein
Gesuch abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind folglich
die Kosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG dem Beschwerdeführer aufzuer-
legen und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.2 Der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses wird
mit diesem Entscheid gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite)
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