Decision ID: 392a0bf9-2ee3-56f3-bdae-f3bf45ddaad2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ist georgische Staatsangehörige. Sie ersuchte am
10. Dezember 2019 um Asyl in der Schweiz, am 17. Dezember 2019 wur-
den ihre Personalien aufgenommen, am 22. Januar 2020 wurde sie im
Bundesasylzentrum der Region (...) einlässlich zu ihren Asylgründen an-
gehört.
B.
Ihr Ehegatte (N [...]) hatte bereits im Herbst 2018 ein Asylgesuch einge-
reicht. Das SEM hatte dieses Gesuch mit Entscheid vom 6. Dezember
2019 abgelehnt, die Wegweisung verfügt und den Vollzug nach Georgien
angeordnet, da es die geltend gemachte Verfolgung nicht für glaubhaft
oder asylbeachtlich erachtete. Auf die gegen diesen Entscheid gerichtete
Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 21. Februar
2020 (Verfahren E-6909/2019) nicht ein, da der Beschwerdeführer den von
der Instruktionsrichterin erhobenen Kostenvorschuss nicht fristgerecht be-
zahlt hatte.
C.
Die Beschwerdeführerin hatte in der Anhörung geltend gemacht, sie habe
aufgrund der Aktivitäten ihres Ehemanns Probleme in Georgien bekom-
men. Ihr Ehemann habe Georgien 2015 verlassen, sie hätten den Kontakt
aufgegeben, erst nachdem er in der Schweiz angekommen sei, habe er sie
wieder kontaktiert. Sie selbst sei in Georgien Mitglied der «Leiborist Partei»
gewesen und habe so oft wie möglich an Parteiaktivitäten und Anlässen in
B._ teilgenommen, dies sei auch am 17. November 2019 so gewe-
sen, sie habe eine Friedenskundgebung der Partei besucht. Am nächsten
Tag sei sie von Polizeibeamten in Zivil an der Bushaltestelle abgepasst und
mitgenommen worden. Diese hätten sie verhört, insbesondere auch zu den
Aktivitäten ihres Ehemanns, der auch ein Anhänger der «Leiborist Partei»
sei. Man habe sie bedrängt, dass sie ihren Mann zur Rückkehr nach Geor-
gien bewegen sollte. Sie habe ihren Mann kontaktiert und er habe sie auf-
gefordert, in die Schweiz zu kommen. Daraufhin sei sie am 10. Dezember
2019 legal mit ihrem Pass aus Georgien ausgereist und habe sich via
C._ in die Schweiz begeben. Ihre Tochter (aus einer früheren Be-
ziehung) lebe als Studentin in Georgien. Die politischen Verhältnisse in Ge-
orgien seien unerträglich, man dürfe keine Kritik äussern, Gegner des Re-
gimes würden mundtot gemacht und verfolgt. Alle lebten in Angst.
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D.
Am 12. Februar 2020 wies das SEM das Verfahren der Beschwerdeführe-
rin dem erweiterten Verfahren zu; mit Verfügung vom 13. Februar 2020
wurde sie für die weitere Dauer des Verfahrens dem Kanton D._
zugewiesen.
E.
Das SEM lehnte das Asylgesuch mit Verfügung vom 12. März 2020 ab,
verfügte die Wegweisung und ordnete den Vollzug an. Georgien sei ein
sicheres Herkunftsland. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermöch-
ten die Vermutung der relativen Sicherheit vor Verfolgung nicht zu erschüt-
tern. Die angebliche Festhaltung auf dem Polizeiposten für einige Stunden
würde der erforderlichen Intensität entbehren, um als asylrechtlicher Nach-
teil zu gelten, zumal die Beschwerdeführerin sich in Georgien nicht um Hilfe
bemüht habe und im Übrigen das Land legal habe verlassen können. Die
von ihr geltend gemachte Bedrohung aufgrund der politischen Aktivitäten
des Ehemanns und ihrer eigenen sei nicht glaubhaft. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, dass sie und ihr Mann im November 2019 hätten die Aufmerksam-
keit der georgischen Behörden auf sich ziehen sollen, nachdem ihr politi-
sches Engagement nur niederschwellig gewesen sei und sie zuvor nie
Probleme gehabt habe. Da auch keine Wegweisungsvollzugshindernisse
ersichtlich seien, sei der Vollzug zulässig, zumutbar und auch möglich. Die
Verfügung wurde am 16. März 2020 eröffnet.
F.
Mit handgeschriebener Eingabe vom 16. März 2020 (Poststempel 19. März
2020) wandte sich die Beschwerdeführerin an das Bundesverwaltungsge-
richt. Sie erklärte, ihr Mann habe als Freiwilliger am Krieg in der Ukraine
teilgenommen, er sei der OSZE in E._ bekannt. Er habe sich für
stärkere Sanktionen gegen Russland eingesetzt. Ihre Inhaftierung habe mit
ihrem Ehemann zu tun gehabt, sie sei in Angst um sich und ihre Tochter.
Jede Woche habe sie Anrufe erhalten und sei bedroht worden. Seither
habe sie Probleme und wolle zum Arzt. In Georgien gebe es viele politische
Gefangene. Mit der Eingabe reichte sie einen früheren Entscheidentwurf
des SEM vom 6. Februar 2020 ein sowie ein Rezept für zwei Antidepres-
siva datierend vom 16. März 2020, des weiteren ihre Heiratsurkunde, zwei
Visitenkarten von Mitarbeitenden der OSZE-Mission in F._ und das
Antwortschreiben des Präsidenten der (...) an ihren Ehegatten vom
18. Oktober 2019, alles jeweils in Kopie.
E-1623/2020
Seite 4
G.
Mit Verfügung vom 20. März 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und stellte fest, die Beschwerdeführerin könne
den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.
H.
Mit weiterer Verfügung vom 3. April 2020 setzte die Instruktionsrichterin der
Beschwerdeführerin eine Frist zur Verbesserung ihrer Eingabe an, andern-
falls werde nach Aktenlage entschieden. Die Instruktionsrichterin wies die
Beschwerdeführerin auch darauf hin, dass das Bundesverwaltungsgericht
die Beschwerde des Ehegatten bereits als aussichtslos erachtet und ihn
deshalb zur Zahlung eines Kostenvorschusses aufgefordert hatte. Das Ge-
richt sei auf die Beschwerde nicht eingetreten, da er den Kostenvorschuss
innert Frist nicht bezahlt hatte.
I.
Die Beschwerdeführerin reichte bei Gericht innert Frist ein vom 12. April
2020 datierendes Schreiben ein (Eingangsstempel: 15. April 2020). Mit die-
ser Eingabe reichte sie nochmals die bereits unter Bst. F genannten Be-
weismittel ein sowie zusätzlich den Ausdruck eines Fotos, das ihren Ehe-
mann im Krankenbett zeigt, und ein fremdsprachiges Dokument mit dem
Foto ihres Ehemanns, in Kopie.
J.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. März 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab. Sie habe
nichts vorgebracht, was auf eine ihr drohende asylerhebliche Verfolgung in
ihrem Heimatland Georgien hinweisen würde. Georgien sei ein sicheres
Herkunftsland im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (Safe Country). Bei
diesen Staaten gelte grundsätzlich die Regelvermutung, dass eine flücht-
lingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfinde und der be-
hördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Die Be-
schwerdeführerin habe diese Vermutung durch ihr Vorbringen nicht er-
schüttern können. Deshalb sei der Vollzug ihrer Wegweisung auch als zu-
lässig zu erachten, zumal sie nicht vorgetragen habe, dass sie für den Fall
einer Ausschaffung nach Georgien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Daran würde auch das von ihr geschilderte Verhör
auf dem Polizeiposten von G._ am 18. November 2019 nichts än-
dern. Das SEM erachtete den Vollzug ferner als zumutbar, wie bereits in
der Vergangenheit könne die Beschwerdeführerin auch im Fall der Rück-
kehr weiterhin auf die Unterstützung der dortigen Institutionen zählen.
5.2 Die Beschwerdeführerin machte im Beschwerdeverfahren im Wesent-
lichen geltend, sie fühle sich in Georgien bedroht und habe Angst um sich
und ihre Tochter. Ihr Mann sei ein politischer Gegner und werde gesucht,
daher habe auch sie Schwierigkeiten bekommen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht, das von Amtes wegen die Beschwer-
deakten (E-6909/2019) des Ehegatten der Beschwerdeführerin beigezo-
gen hat, kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Verfol-
gung glaubhaft darzulegen. Die Erwägungen des SEM (vgl. oben Bst. E)
sind zu bestätigen. Auch in den Beschwerdeeingaben gelingt es der Be-
schwerdeführerin nicht, die zutreffenden Einschätzungen des SEM im Ent-
scheid vom 12. März 2020 zu entkräften, wonach ihr im sicheren Herkunfts-
staat Georgien keine asylbeachtliche Verfolgung drohe. Die Vorinstanz hat
das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt und ihre Weg-
weisung aus der Schweiz angeordnet.
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Seite 7
6.2 Die Vorinstanz hat nach umfassender Prüfung deshalb die Flüchtlings-
eigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da die Beschwerde-
führerin keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen vermag, findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grund-
satz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung.
Die Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführerin in
Georgien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung droht. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten
ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.5 Der Bundesrat hat Georgien am 28. August 2019 auf die Liste der ver-
folgungssicheren Staaten aufgenommen, womit Georgien ab dem 1. Okto-
ber 2019 im Sinne des Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG als sicherer Heimatstaat
(Safe Country) und als Herkunftsland, in das eine Rückkehr von abgewie-
senen Asylsuchenden grundsätzlich zumutbar ist, bezeichnet wird. Bei sol-
chen Staaten gelten grundsätzlich die Regelvermutungen, wonach eine
flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und
gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG eine Wegweisung in der Regel zumutbar ist,
wobei es der betroffenen Person obliegt, diese Legalvermutungen umzu-
stossen.
8.6 Die Beschwerdeführerin hat keine individuellen Gründe geltend ge-
macht, welche die Regelvermutung, wonach die Rückkehr nach Georgien
zumutbar ist, zu erschüttern vermögen. Sie kann entweder gemeinsam mit
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Seite 9
ihrem Ehegatten nach Georgien zurückkehren, gemäss Art. 44 AsylG wird
der Einheit der Familie im Rahmen von Vollzugshandlungen Rechnung ge-
tragen. Selbst wenn sie sich gegen eine Rückkehr mit dem Ehegatten ent-
scheiden würde, so würde sie in Georgien nicht in eine existenzielle Not-
lage geraten, sondern könnte – wie bisher – die Unterstützung dortiger Ein-
richtungen in Anspruch nehmen. Der Wegweisungsvollzug nach Georgien
ist daher zumutbar.
8.7 Auch der implizite Hinweis auf eine medizinische Notlage der Be-
schwerdeführerin steht dem Vollzug der Wegweisung nicht im Weg. Auf die
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen ist
nur dann zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung
im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen
und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands des
Betroffenen führen würde, wobei als wesentlich die allgemeine und drin-
gende medizinische Behandlung erachtet wird, die zur Gewährleistung ei-
ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist und Unzumutbar-
keit noch nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizeri-
schen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl.
BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit weiteren Hinweisen).
Nach Kenntnisstand des Gerichts verfügt Georgien über ein funktionieren-
des Gesundheitssystem, welches vor allem in den letzten Jahren grosse
Fortschritte gemacht hat (vgl. Urteil des BVGer E-4637/2019 vom 19. Sep-
tember 2019, m.w.H.). Der Zugang zu medizinischer Versorgung in Geor-
gien steht der Beschwerdeführerin offen, sie kann ihre Gesundheitsprob-
leme auch im Heimatstaat behandeln lassen, zumal nicht vorgetragen
wurde, dass diese lebensbedrohlich wären.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.8 Die Beschwerdeführerin kann mit ihrem Reisepass ohne Weiteres nach
Georgien zurückkehren, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4637/2019
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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