Decision ID: 51179c03-2d6f-493d-9eca-81e5b4e7c24f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, war von März 2011 bis April 2014 bei der
Y._
AG tätig, wobei das Arbeitsverhältnis fristlos per 1
1.
April 2014 aufgelöst wurde (
Urk.
7/28). Unter Hinweis auf psychische und neurologische Beschwerden meldete sich die Versicherte am 1
9.
November 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und er
werblich
e Situation ab, zog Akten der Unfallversicherung
(
Urk.
7/19,
Urk.
7/26,
Urk.
7/51-52
)
sowie der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/36) bei und holte bei der
Z._
ein
inter
diszipl
inäres Gutachten ein, das am
9.
Oktober 2017 erstattet wurde (
Urk.
7/112
).
Mit Schreiben vom
8.
November 2017 (
Urk.
7/115) wurde der Versicherten eine Schadenminderungspflicht auferlegt, indem sie für mindestens sechs Monate eine integrative psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung aufzunehmen habe.
Am 3
0.
August 2018 (
Urk.
7/139) wurde der Versicherten ein Arbeitsversuch vom 2
0.
August bis 3
1.
Dezember 2018 zugesprochen.
Nach
durchgeführtem
Vorbes
cheidverfahren
(
Urk.
7/
148-155
) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
April 2019
ei
nen Rentenanspruch (
Urk.
7/156
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 1
5.
Mai 2019
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfügung vom
2.
April 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese
sei aufzuheben
und
die Be
schwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr vom
1.
April 2015 bis 3
0.
Juni 2017 eine ganze Invalidenrente und ab
1.
Juli 2017 eine halbe Invalidenrente auszu
richten (S. 2
Ziff.
1), eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr ab
1.
April 2015 bis 3
0.
Juni 2017 eine ganze Invalidenrente und ab
1.
Juli 2017 bis 3
1.
Juli 2018 eine befristete halbe Invalidenrente auszurichten (S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantr
agte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juni 2019 (
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
6.
August 2019
wurd
en antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 10;
Urk
5
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
13
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung der versicherten Person die invalidisierenden Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit ver
mutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290 E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines ob
jektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Ar
beitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die An
spruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau-ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines
rentenbe
-gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen
Auswir-kungen
der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen
im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin hielt
im angefochtenen Entscheid fest,
die Prüfung der persönlichen Ressourcen habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin sozial sehr aktiv sei. Sie betreibe einige Hobbies wie Klavier spielen und Sport. Auch habe sie einen vollen und klar strukturierten Tagesablauf. Dagegen würden die Thera
piemöglichkeiten nicht voll ausgeschöpft und es bestehe Verbesserungspotential. Dass die Therapien aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt werden könnten, könne nicht nachvollzogen werden, da diese Koste
n
bei Bedarf von der Kranken
kasse oder dem Sozialamt übernommen würden. Es sei insgesamt von einem ge
ringen Leidensdruck auszugehen und die Beschwerdeführerin könne sich gut selbst organisieren (
Urk.
2 S. 1).
Aufgrund des Unfalls im
Skillspark
mit dem Velo sei ebenfalls nicht von einer langandauernden Einschränkung der Arbeitsfähig
keit auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe von August bis Dezember 2018 in einem 80
%
Pensum arbeiten und dabei eine gute Leistung erbringen können. Sie hätte dies auch weiterhin gekonnt, jedoch sei das Projekt zu Ende gegangen und es habe keine Anschlusslösung gefunden werden können. Zusammenfassend sei aufgrund der persönlichen Aktivitäten und auch mit den erbrachten Leistungen bei den Eingliederungsmassnahmen keine längerdauernde gesundheitliche Ein
schränkung gegeben. Es bestehe kein Anspruch auf Rentenleistungen (S. 2 oben).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie sei seit April 2014 ununterbrochen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Gemäss den vorliegenden Akten bestehe seit April 2014 bis April 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit und danach eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 7).
Hinsicht
lich des sozialen Umfeldes und der sozialen Kontakte würden ihr von der Be
schwerdegegnerin Ressourcen attestiert, welche so nicht gegeben seien. Vielmehr ergebe sich aus dem
Z._
-Gutachten und den Berichten der behandelnden Ärzte, dass sie im sozialen Umfeld immer wieder auf Probleme stosse. Der volle Tages
ablauf diene gemäss dem Gutachten der Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur, welche ihr sonst krankheitsbedingt nicht möglich wäre (S. 7 unten). Zum von ihr selbst organisierten Arbeitsversuch im 80
%
-Pensum in der zweiten Hälfte von
2018 sei zu bemerken, dass sie bezüglich Arbeitsbeginn morgens, in der Eintei
lung der Arbeitszeit, im Pause machen etc. frei gewesen sei. Auf ihre Bedürfnisse und die krankheitsbedingten Absenzen sei stark Rücksicht genommen worden. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Beurteilung stehe in krassem Widerspruch zu den erwiesenen Tatsachen, zu den gutachterlichen Feststellungen und der Beurteilung durch die eigene Ärztin.
Die angebrachten Gründe vermöch
ten die ärztlichen Beurteilungen nicht zu entkräften
(S. 8)
.
Vorliegend sei auf das eingeholte Gutachten und die RAD-Ärztin abzustellen (S. 9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch und in diesem Zusammenhang, ob auf das
Z._
-Gutachten vom
9.
Oktober 2017 abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Taggeldversicherung am
2.
Juli 2014 (
Urk.
7/19)
und nannte folgende Diagnose
(S. 3):
-
depressives Zustandsbild (ICD-10 F33.1) nach Überlastungssituation am Arbeitsplatz (ICD-10 Z56) mit aktuell ausgeprägter emotionaler Instabili
tät, Differentialdiagnose (DD) im Rahmen F6-Erkrankung, anamnestisch Erkrankung aus dem F6-Spektrum (ICD-10 F60.31)
Er führte aus,
im Rahmen des ausgeprägt instabilen Zustandsbildes mit fehlender Belastbarkeit, Durchhaltefähigkeit, Anpassungsfähigkeit und eingeschränkter kognitiver Leistungsfähigkeit/Durchhaltefähigkeit sei die Beschwerdeführerin zum Untersuchungszeitpunkt als nicht arbeitsfähig für Tätigkeiten unter Bedin
gungen der freien Wirtschaft zu qualifizieren (S. 3 f.). Die Beschwerdeführerin sei aktuell auf eine intensivierte fachärztlich psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung inklusive stabilisierender Psychopharmaka-Medikation angewiesen. Die Prognose sei zum jetzigen Zeitpunkt im Rahmen der anzunehmenden psychi
schen Grunderkrankung unsicher, bei optimalem Verlauf sei in den nächsten 4-6 Wochen eine Stabilisierung mit zunächst Wiedererlangung einer 50%igen Teil
arbeitsfähigkeit ab Juli 2014 grundsätzlich möglich
(S. 4)
.
3.2
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neurologie und für Psychiatrie und Psycho
therapie, berichtete am 1
7.
Dezember 2014 (
Urk.
7/27/2-3) und nannte als Diag
nosen einen Verdacht auf
Borrelien
-Infekt sowie einen Verdacht auf eine Persön
lichkeitsstörung. Sie führte aus, der eingehend erhobene neurologische Status sei regelrecht gewesen, der psychische Befund habe geschwankt und es hätten sich Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung ergeben (S. 1).
3.3
Med.
pract
.
C._
, praktischer Arzt, Facharzt für Urologie, berichtete am 2
0.
Januar 2015 (
Urk.
7/22/1-4) und
nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
Er führte aus, die Prognose sei langfristig gut (S. 2
Ziff.
1.4). Aktuell finde eine regelmässige psychosomatische Betreuung statt (S. 2
Ziff.
1.5). Es bestehe eine eingeschränkte Konzentration und die Beschwerdeführerin sei eingeschränkt be
lastbar (S. 2
Ziff.
1.7).
Am 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
7/26/2-3) führte med.
pract
.
C._
aus, aktuell be
stünden bei der Beschwerdeführerin Symptome einer leichten bis mittelgradigen Depression mit Schlafstörungen und sozialem Rückzug. Aufgrund einer Belas
tungsreaktion im Beruf sei es zu einer Anpassungsstörung mit anschliessend de
pressiven Symptomen gekommen. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem
1.
Dezember 201
4.
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
1.
Juli 2015 (
Urk.
7/39) und nannte folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
bei Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeits
störung:
Borderline
Typ (ICD-10 F60.31)
Er führte aus, bei ihm habe nach Vereinbarung eine
coaching
-artige Begleitung stattgefunden, mit dem Ziel der Stärkung des Selbstvertrauens und der Sozial-/Beziehungskompetenz. Die Beschwerdeführerin
zeige
eine ängstliche Ablehnung von Medikamenten (S. 2
Ziff.
1.5). Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit April 2014 (S. 2 f.
Ziff.
1.6), sowohl angestammt als auch angepasst (S. 3
Ziff.
1.7).
3.5
Dr.
A._
erstattete am
3.
September 2015 sein psychiatrisches Verlaufsgut
achten zuhanden der Taggeldversicherung (
Urk.
7/40/2-6) und führte aus,
auf
grund des Längsverlaufs, der aktuellen Untersuchung und erhobenen Befunde sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im vorliegenden völlig instabi
len und nicht belastbarem Zustandsbild akut behandlungsbedürftig und nicht ar
beitsfähig sei für Tätigkeiten unter Anstellungsbedingungen der freien Wirt
schaft. Die diesbezüglich bereits im Juni 2014 als sehr unsicher angenommene Prognose hinsichtlich der Wi
e
dererlangung einer Teilarbeitsfähigkeit müsse leider aktuell rückblickend bestätigt werden. Die seinerzeit unter optimalstem Verlauf für möglich gehaltene Wiedererlangung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit habe nicht
umgesetzt werden können, vielmehr müsse von einer zunehmenden De
stabilisierung und Zustandsverschlechterung ausgegangen werden. Die Be
schwerdeführerin sei auf eine intensivierte fachärztlich psychiatrisch-psychothe
rapeutische Behandlung und kombiniert stimmungsstabilisierend-antidepressive Psychopharmaka-Medikation angewiesen, die aktuell nicht erfolge. Es sollte aus
gehen
d
vom Verlauf und der aktuellen Abklärung und erhobenen Befunde auch die Therapieintensivierung und medikamentöse Behandlung im stationären oder mindestens teilstationären Rahmen überprüft werden (S. 4).
Die Prognose sei wei
terhin als sehr unsicher zu formulieren und es müsse mit einem mehrmonatigen Behandlungs- und Rehabilitationszeitraum gerechnet werden (S. 5).
3.6
Dr.
D._
berichtete am
5.
April 2016 (
Urk.
7/54) und führte aus,
die Einschrän
kungen bestünden unverändert und es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.7). Die Beschwerdeführerin sei aus medizinisch-psy
chiatrischen Gründen nicht in der Lage, auf äussere Massnahmen stabil zu rea
gieren (S. 3
Ziff.
1.11).
3.7
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, be
richtete am
3.
Januar 2017 (
Urk.
7/74/1-7) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Störungen/Schwäche in den komplexen Ich-Funktionen, wahrscheinlich im Sinne von ICD-10 F60.31
-
a
namnestisch Status nach dissoziativen Zuständen
-
mögliche komplexe posttraumatische Belastungsstörung auf Lebzeiterleb
nisse (ICD-10 Z60)
-
Herauslösen aus dem Elternhaus mit Heimerziehung (ICD-10 Z61.1 und ICD-10 Z62.2)
-
i
n der Familienanamnese schädlicher Gebrauch von Alkohol des Vaters (ICD-10 Z81.1)
-
v
erkannte, angeborene Taubheit der Mutter mit Übergriffen (ICD-10 Z82.0)
-
Status nach zweimaligem Suizidversuch (ICD-10 Z91.5), zuletzt im 2010 (ICD-10 Z64.0)
-
Interruptiones 2007, 2008, 2009, 2010 (ICD-10 Z64.0)
-
f
ehlender Berufsabschluss als kaufmännische Angestellte (ICD-10 Z55)
-
Cannabiskonsum (ICD-10 F12.1), seit der Jugend
-
Migräne mit Aura 2016 oder früher
-
Verdacht auf zusätzlichen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
-
Sehstörungen intermittierend 2014
-
DD im Rahmen einer Migräne
-
DD Neuroborreliose
-
DD
Zervikospondylogen
-schmerzbedingt
-
DD dissoziativ
-
DD Status nach
Contusio
bulbi
2012
-
Kribbelgefühl Arm links, Bein rechts, Gesicht rechts von schwankender Intensität und Lokalität
-
p
hasenweise schwerste Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes, deren Symptome nicht auf eine messbare Veränderung anato
misch/physiologisch/bildgebend zurückgeführt werden könne
Sie führte aus, sie betreue die Beschwerdeführerin hausärztlich und kläre sie ab bei den geschilderten Symptomen. Aus Kostengründen durch den Selbstbehalt von 10
%
(die Beschwerdeführerin habe sich bislang noch nicht durchringen kön
nen, sich bei der Sozialhilfe zu melden wegen den dann eingeforderten Verpflich
tungen) gehe sie seit längerem nicht mehr zu
Dr.
D._
, welcher sie psychiatrisch begleitet, aber nicht therapiert habe (S. 3
Ziff.
1.5). Als Bürohilfe bestehe seit dem 3
0.
März 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 3
Ziff.
1.6). Aufgrund der wechselnden körperlichen Beschwerden und dem Ausweichen von Einforderun
gen könne eine geregelte, regelmässige Arbeitszeit nicht eingehalten werden aus diversen Gründen. Sie wirke so als unzuverlässige Arbeitnehmerin (S. 3
Ziff.
1.7).
3.8
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie und Handchirurgie, berichtete am 2
7.
April 2017 (
Urk.
7/90/1-2) und nannte folgende Diagnosen:
-
dislozierte Schaftfraktur Grundphalanx
Dig
4 rechts
-
Zustand nach Kontusionstrauma vom 1
5.
April 2017
Er führte aus, die Beschwerdeführerin berichte, am 1
5.
April 2017 beim
Wakesur
fen
ins Wasser gestürzt zu sein und beim Wiederaufsteigen auf das Brett sei plötz
lich eine Fehlstellung und eine Schmerzsymptomatik
auf Höhe der rechten Ring
fingergrundphalanx aufgefallen. Die Inspektion heute zeige schlanke Weichteil
verhältnisse bei in Streckung gut ausgerichteten Ringfingerstrahl. Auffallend sei eine deutliche Pronationsfehlstellung, die beim Versuch des Faustschlusses zu einer Überkreuzung des Kleinfingers führe. Er habe der Beschwerdeführerin vor allem aufgrund der sportlichen Ambitionen eine Korrektur der Rotationsfehlstel
lung im Sinne einer offenen Reposition und Schraubenosteosynthese empfohlen. Die Operation werde am 2
5.
April 2017 stattfinden (S. 1).
3.9
Die Ärzte der
Z._
erstatteten ihr interdisziplinäres Gut
achten am
9.
Oktober 2017
(
Urk.
7/112)
und
nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11
Ziff.
5.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und ängst
lich vermeidenden Zügen (ICD-10 F61)
-
aktenanamnestisch Status nach zweimaligem Suizidversuch mittels Tablettenintoxikation
2009
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie folgende (S. 11
Ziff.
5.2; verkürzt wiedergegeben):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
migräneförmiges chronisches Kopfschmerzsyndrom
-
ektoper
atrialer
Fokus Ruhe Juni 2016
-
hämatologische Beurteilung Dezember 2016
-
unklare chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen
-
Contusio
capitis
(Nacken-Schulter-Kontusion links) Dezember 2015
-
Status nach Verdacht auf Sinusitis
maxillaris
links April 2012
-
Interruptio, zweimal medikamentös, zweimal chirurgisch 2007, 2008, 2009, 2010
-
Verkehrsunfall mit Schädelkontusion
frontoparietal
rechts, HWS-Distorsion, LWS-Kontusion, Ellbogen-Kontusion rechts und Kniedistor
sion rechts Januar 2014
-
Anlegung der Ohrmuscheln
-
rezidivierende
Extremitätenschmerzen
und Kribbelparästhesien unklarer Zuordnung, DD Somatisierung
Sie führten aus,
anlässlich der Untersuchungssituation falle au
f
, dass die Be
schwerdeführerin nahezu ausnahmslos nicht spontan von belastenden Lebens
situationen berichtet habe. Sie habe jeweils konkret, anhand der Vorberichte, da
rauf angesprochen werden müssen. Sie habe angegeben, dass sie sich gerne davor drücke.
Sie habe teilweise kindlich, sehr unsicher und ratlos hinsichtlich ihrer Ziele und Zukunftsvorstellungen gewirkt (S. 13 oben).
Im Rahmen der aktuellen Untersuchung habe sich ein sehr unsicheres Selbstbild hinsichtlich Zielen und Präferenzen gezeigt. In der Vorgeschichte sei eine Neigung zu intensiven aber instabilen Beziehungen und zu Handlungen mit Selbstbeschädigung erkennbar. Gesamthaft seien die Kriterien für eine kombinierte Persönlichkeitsstörung erfüllt. Die Dynamik der Persönlichkeitsstörung werde zum Gutachtenszeitpunkt als
entaktualisiert
und maximal mittelgradig im Schweregrad eingeschätzt. Die in den Vorberichten diagnostizierte depressive Episode werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt als remittiert eingeschätzt. Die Beschwerdeführerin zeige
k
einen stabil depressiven Affekt und es seien keine Antriebsstörungen oder ein Interessenver
lust und Freudeverlust
eruierbar
. Gegenteilig habe die Beschwerdeführerin wieder begonnen
,
ihre Hobbies aufzunehmen wie Musizieren und Sport. Dadurch habe
sich ihr Zustandsbild wesentlich verbessert (S. 13).
Die von der Beschwerdefüh
rerin erwähnten somatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Sehstörungen würden aus gutachterlicher Sicht als Somatisierung im Rahmen einer insuffizien
ten
Copingstrategie
bei verminderter Stress- und Frustrationstoleranz vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung eingeschätzt (S. 14 oben).
Aufgrund der Aktenlage, der Anamnese und der aktuell erhobenen neurologi
schen Untersuchungen bestehe aus neurologischer Sicht ein chronisches Kopf
schmerzsyndrom von
migräniforme
n
Charakter.
In der neurologischen Untersu
chung fänden sich aktuell keine fokalen neurologischen Ausfälle (S. 14). Hin
sichtlich der diffusen somatischen Beschwerden ohne klinisch oder apparativ nachweisbares Korrelat sei von einer
Somatisierungstendenz
auszugehen (S. 16 unten).
Aufgrund der Persönlichkeitsstörung bestehe eine ausgeprägte Vermeidungs
problematik. Dies führe dazu, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
Herausforderungen gar nicht annehme oder abbreche. Es führe dazu, dass sie sich nur eingeschränkt Organisations- und Routineabläufen einfügen könne. Gesamthaft behindere die Symptomatik das Aufrechterhalten eines durchgehenden Leistungsniveaus. Die funktionellen Einschränkungen durch die Somatisierungsstörung schienen stark schwankend und von der psychiatrischen Situation der Beschwerdeführerin ab
hängig zu sein. Grundsätzlich bestehe aus somatischer allgemeininternistischer Sicht keine relevante funktionelle Einschränkung (S. 17).
Ungünstig stelle sich der Umstand dar, dass die Beschwerdeführerin sich derzeit nicht mehr in ambulanter psychiatrischer Behandlung befinde. Sie gebe an, dass dies aus finanziellen Gründen geschehen sei, da sie sich den Selbstbehalt nicht mehr habe leisten können. Es sei jedoch auch davon auszugehen, dass es sich hier (zumindest teilweise) um eine Vermeidungsproblematik handle. Aus gutachterli
cher Sicht sollte die ambulante Behandlung schnellstmöglich wieder aufgenom
men werden. Als positiv sei anzusehen, dass die Beschwerdeführerin über eine Vielzahl von sozialen Kontakten verfüge, welche einer sozialen Isolation und teil
weise der Vermeidungsproblematik entgegenwirken würden. Des Weiteren sei sie bemüht, eine selbstauferlegte Tagesstruktur mit Sport und Musizieren einzuhal
ten. Ebenfalls positiv erscheine ihre Motivation, eine Arbeitstätigkeit wieder auf
nehmen zu wollen (S. 18 oben).
Die Beschwerdeführerin scheine etwas schwankende Vorstellungen bezüglich ihrer beruflichen Zukunft zu haben. Die genannten Inkonsistenzen hätten keine Relevanz bezüglich Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin und Aussage des
Gutachtens (S. 18). Es habe kein Anhalt für Aggravations- oder Simulationsten
denzen gegeben (S. 19 oben).
Aus psychiatrischer Sicht sei wegen fehlender Vorberichte ab September 2015 retrospektiv das Datum nur ungenau festzulegen. Es werde jedoch eingeschätzt, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab dem Datum der aktuellen Gutachten
erstellung wieder zu 50
%
arbeitsfähig gewesen sei, dies sowohl in der ange
stammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit. Die gesamtgutachterliche Sicht decke sich mit der psychiatrischen Stellungnahme (S. 19).
Aus psychiatrischer Sicht sei unter Etablierung einer ambulanten psychiatrischen Behandlung von einer weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit im Verlauf aus
zugehen. Aus neurologischer Sicht seien die therapeutischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft (S. 21).
3.10
Die Ärzte des Kantonsspitals
G._
berichteten am 2
7.
November 2017 (
Urk.
7/123/10-11) über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 2
0.
bis 2
5.
November 2017 und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
dislozierte distale, intraartikuläre
Tibiafraktur
mit einem abgerissenen
Tu
bercule
de Chaput und hinteren
Tibiakantenfragment
sowie mehrfrag
mentäre distale
Fibulafraktur
rechts
-
OSG-Distorsion links ohne klinische Instabilität
-
Hageman
-Faktor (Faktor XII) Leiden
-
subklinisch bei 55
%
Inaktivität
-
chronische Migräne
-
Sehstörung im Rahmen der Migräne
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
Schlafstörung
-
Cannabis-Konsum, schädlicher C2-Konsum
Sie führten aus,
es seien eine geschlossene Reposition der schräg verlaufenen distalen
Tibiafraktur
und eine eingeschobene Plattenosteosynthese, eine offene Reposition des hinteren
Tibiakantenfragments
und Antigleitplatte, eine offene Reposition und
dorsolaterale
Plattenosteosynthese der distalen Fibula sowie eine Reposition und Antigleitplatte der
Tubercule
du Chaput rechts erfolgt (S. 1). Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
0.
November bis 1
2.
Dezember 2017 (S. 2 unten). Die Beschwerdeführerin sei im Skills Park beim Sprung mit dem Velo gestürzt und mit dem rechten Unterschenkel umgeknickt.
Sie
sei pro
fessionelle
Wakeboard
-Fahrerin und habe im Skills Park einen neuen Sponso
ring-Vertrag gefeiert (S. 3).
3.11
Dr.
E._
nahm
am 1
3.
Dezember 2017 (
Urk.
7/122)
Stellung zum
Z._
-Gutachten
und führte aus,
die
Gesamtbeurteilung und die psychiatrische und n
eurologische Einzelbeurteilung
seien sorgfältig gemacht.
Was in den Gut
achten, möglicherweise aus Scham oder Ignorieren der Beschwerdeführerin nicht erwähnt sei, seien die multiplen Traumatisierungen, welche sie über viele Jahre durchgemacht habe. Die meisten dieser aufgeführten Angaben seien von der Mut
ter der Beschwerdeführerin (S. 2). Die Arbeitskompetenz werde von der Beschwer
deführerin selber und von den Gutachtern überschätzt. Die Selbsteinschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit basiere auf der Intelligenz der Beschwerdeführe
rin, sich rasch Neues aneignen zu können, nicht auf ihre
r
Kontinuität als Arbeit
nehmerin (S. 3). Die Beschwerdeführerin benötige eine 100
%
Rente mit den Er
gänzungen einer 50
%
Arbeit in einer Arbeitsstelle im
2.
Arbeitsmarkt, noch bes
ser in einem sozialtherapeutischen Setting mit liebevoll betreutem Heranbringen an die Arbeitswelt (S. 4).
3.12
Die Ärzte der
Z._
nahmen am 1
8.
April 2018 (
Urk.
7/138) Stellung zum Bericht von
Dr.
E._
und führten aus, in der ausführlichen
tridiszipl
i
nären
Begutachtung seien alle Angaben der Beschwerdeführerin gewürdigt und in die gutachterliche Beurteilung einbezogen worden. Es sei zudem die gesamte doku
mentierte Krankengeschichte gewürdigt worden.
Die grossenteils auf den Schil
derungen der Beschwerdeführerin beruhenden Informationen sowie die ärztliche Stellungnahme im Bericht vom 1
3.
Dezember 2017 würden keine neuen Gesichts
punkte bieten, welche zu einer Abweichung der fachgutachterlichen psychiatri
schen Einschätzung Anlass gäbe
n
. Bezüglich der Funktionalität der Beschwerde
führerin sei anzufügen, dass diese nicht nur auf Basis der Schilderungen zu vor
herigen Beschäftigungsverhältnissen, sondern auch basierend auf den Schilde
rungen zur Tagesstrukturierung beziehungsweise des Tagesablaufs und zum all
gemeinen Aktivitätsniveau eingeschätzt worden sei (S. 1).
Wie im Gutachten aus
führlich dargelegt, sei die Wiederaufnahme einer ambulanten psychiatrischen Be
handlung dringend indiziert.
D
ie berufliche Wiedereingliederung sollte zwingend therapeutisch begleitet werden (S. 2).
4.
4.1
Das interdisziplinäre
Z._
-Gutachten vom
9.
Oktober 2017 ist
für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, be
rück
sichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis und kritischer Wür
digung der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion ein und seine Schlussfolgerungen werden begründet. Auf das Gutachten, welches entsprechend vollen Beweiswert
geniesst (vgl. vorstehend E. 1.7
), ist grundsätz
lich abzustel
len.
Einer näheren Prüfung bedarf jedoch die getroffene Einschät
zung der Arbeitsunfähigkeit.
Nach ausführlicher Anamneseerhebung (vgl. Urk. 7/112/1-39 S. 5 ff.,
Urk.
7/112/40-59 S. 6 ff.,
Urk.
7/112/60-69 S. 3 ff.)
sowie
pathologischer Befund
aufnahme (vgl. Urk. 7/
112
/
1-39 S. 9 f.,
Urk.
7/112/40-59 S. 12 f.,
Urk.
7/112/60-69 S. 6)
diagnostizierte
n
die
Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/112/1-39 S. 11)
eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und ängstlich vermeidenden Zügen (ICD-10 F61) sowie aktenanamnes
tisch einen Status nach zweimaligem Suizidversuch mittels Tablettenintoxikation 2009 und führten dazu aus,
es zeige sich in der aktuellen Begutachtung ein sehr unsicheres Selbstbild hinsichtlich Zielen und Präferenzen, in der Vorgeschichte sei eine Neigung zu intensiven aber instabilen Beziehungen und zu Handlungen mit Selbstbeschädigung erkennbar. Die Lehrabbrüche beziehungsweise Absagen von angebotenen Lehrstellen wirkten impulsiv und ziellos. Zudem scheine ein andauerndes Gefühl von Anspannung und Besorgtheit allgegenwärtig. Die Be
schwerdeführerin fühle sich sozial unbeholfen und minderwertig und es scheine eine übertriebene Sorge zu bestehen, in sozialen Institutionen abgelehnt zu wer
den. Teilweise würden berufliche Aktivitäten vermieden aus Furcht vor Kritik, Missbilligung und Ablehnung. Die Dynamik der Persönlichkeitsstörung werde zum Gutachtenszeitpunkt als
entaktualisiert
und maximal mittelgradig im Schweregrad eingeschätzt (
Urk.
7/112/1-39 S. 13).
In schlüssiger
und nachvollziehbarer Weise
sowie
unter Bezugnahme auf die Kri
terien des ICD-10 erklärte
n die Gutachter
sodann ausführlich,
dass die in den Vorberichten diagnostizierte depressive Episode (im Rahmen einer rezidivieren
den depressiven Störung) zum gegenwärtigen Zeitpunkt als remittiert einge
schätzt werde.
So zeige die Beschwerdeführerin weder einen stabil depressiven Affekt und es seien keine Antriebsstörungen oder ein Interesseverlust und Freu
deverlust
eruierbar
(
Urk.
7/112/1-39 S. 13 unten)
.
Angesichts der psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin ist ein struk
turiertes Beweisverfahren
ge
mäss
BGE 141 V 281 durchzuführen. Da das Gutach
ten eine schlüssige Beurtei
lung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin im Lichte
der nunmehr
massgeblichen
Indikatoren
(vgl. vorstehend E. 1.5) er
laubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Rentenprüfung dienen.
4.2
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten,
dass
sich die psychiatrische Gut
achterin eingehend mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung auseinandergesetzt hat. Die psychopathologische Befundaufnahme (vgl. Urk. 7/112/40-59 S. 13) war weitgehend unauffällig,
insbesondere war die Ge
dächtnisleistung nicht auffallend vermindert, der Antrieb und die Psychomotorik waren unauffällig und im formalen Gedankengang sei die Beschwerdeführerin adäquat und kohärent. Im Affekt sei sie ausgeglichen und die Schwingungsmo
dulationsfähigkeit war erhalten.
Die Funktionalität sei durch die Symptomatik der kombinierten Persönlichkeitsstörung teilweise mittelgradig beeinträchtigt (S. 13 unten).
Die Dynamik der Persönlichkeitsstörung wurde aus gutachterlicher Sicht als
entaktualisiert
und maximal mittelgradig im Schweregrad eingeschätzt (S. 16 Mitte).
Der Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde er
weist sich damit in Bezug auf die gestellte Diagnose als höchstens mittelgradig ausgeprägt, womit eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens ausser Be
tracht fällt.
In Bezug auf den Behandlungserfolg oder -resistenz, also den Verlauf und den Ausgang von Therapien, welche wichtige Sch
weregradindikatoren darstellen, ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin
seit 2016
nicht mehr in ambulan
ter psychiatrischer Behandlung befindet und auch keine Medikamente einnimmt.
Die in den Vorberichten diagnostizierte depressive Episode ist dennoch zum ge
genwärtigen Zeitpunkt als remittiert eingeschätzt worden (vgl.
Urk.
7/112/40-59 S. 16). Die Beschwerdeführerin
gibt an, die Therapie habe ihr sehr gut getan, habe sie jedoch aus finanziellen Gründen abbrechen müssen, da sie den Selbstbehalt nicht mehr habe bezahlen können. Die Einnahme psychiatrischer Medikamente lehne sie ab (S. 10).
Gemäss
gutachterlicher
Beurteilung
sei die Wiederaufnahme einer ambulanten psychiatrischen Behandlung dringend indiziert. Die berufliche Wiedereingliederung sollte zwingend therapeutisch begleitet werden. Ebenso sollte die ambulante psychiatrische Behandlung dazu dienen, eine allfällige wie
derauftretende depressive Symptomatik rasch medikamentös abfangen zu kön
nen
. Unter Etablierung einer ambulanten psychiatrischen Behandlung werde von einer weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit im Verlauf ausgegangen. Gemäss Schilderungen der Beschwerdeführerin habe sie auf therapeutische Interventio
nen sehr gut reagiert und es sei eine Besserung des Zustandsbildes eingetroffen
(
S. 17,
S. 19).
Die Gutachterin weist diesbezüglich auch auf die bei der Beschwer
deführerin bestehende ausgeprägte Vermeidungsproblematik hin (S. 17).
Es be
stünden somit erfolgsversprechende Therapiemöglichkeiten, die jedoch von der
Beschwerdeführerin nicht in Anspruch genommen werden.
Es liegt dem
nach
keine
Behandlungsresistenz vor.
Im Sinne einer Komorbidität ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin neben einer Persönlichkeitsstörung auch an einer
rezidivierenden depressiven Störung leidet. Die von der Beschwerdeführerin erwähnten somatischen Be
schwerden werden aus gutachterlicher Sicht als Somatisierung im Rahmen einer insuffizienten
Copingstrategie
vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung eingeschätzt (
Urk.
7/112/1-39 S. 14 oben).
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass eine
Störung
derselben vo
r
liegt, welche sich in
einer mittelgradigen Einschränkung der Fähigkeit der An
passung an Regeln und Routinen, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dritten und bei der Gruppenfähigkeit sowie in einer leichten Einschränkung bei der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit und bei familiären und intimen Bezie
hungen äussert (
Urk.
7/112/40-59 S.
13).
Aufgrund der Persönlichkeitsstörung bestehe bei der Beschwerdeführerin zudem eine ausgeprägte Vermeidungs
problematik. Sie nehme sich als minderwertig
wahr
, habe ständig Angst, Anfor
derungen nicht erfüllen zu können und alles falsch zu machen. Dies führe dazu, dass sie Herausforderungen gar nicht annehme oder abbreche
. Ihre Fähigkeit, sich an verändernde Situationen anzupassen
,
sei ebenfalls reduziert. Gesamthaft be
hindere die Symptomatik das Aufrechterhalten eines durchgehenden Leistungs
niveaus (S, 16 f.). Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass die Beschwerdeführerin, a
uch wenn sie wenig Vertrauen in ihre Leistungs
fähigkeit hat, doch über diverse positive Ressourcen
verfügt
wie eine
mehrjährige Berufserfahrung im kaufmän
nischen sowie in diversen anderen Bereichen
sowie eine gute Intelligenz aufweist (vgl.
Urk.
7/10,
Urk.
7/12 S. 3,
Urk.
7/46). Die Besc
hwerdeführerin arbeitete so
dann ab Januar 2018 (vgl.
Urk.
7/145 S. 5)
in einem 80
%
-Pensum (vgl.
Urk.
7/139,
Urk.
7/142,
Urk.
7/
145), wobei der Vorgesetzte ausführte, sie sei meist pünktlich, gebe sich Mühe, sei engagiert und arbeite immer sehr gerne an den Projekten (
Urk.
7/145 S. 10 ff.). Das Arbeitsverhältnis wurde per Ende Dezember 2018 sodann nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst, sondern weil keine passenden
Projekte mehr vorhanden waren. B
ei guter Auftragslage
hätte eine Weiteranstellung sofort
stattgefunden (
Urk.
7/145 S. 12)
. Aus dem Verhalten der Beschwerdeführerin, indem sie
angibt, sich aus finanziellen Problemen die psy
chiatrische Behandlung
sowie die aus neurologischer Sicht empfohlene Dauerme
dikation
(vgl.
Urk.
7/112/1-39 S. 21 oben)
nicht leisten zu können und
sich
trotz
dem
vehement gegen eine Anmeldung bei der Sozialhilfe stellt
sowie
anlässlich der Begutachtung die Blutentnahme verweigert (vgl.
Urk.
7/112/1-39 S. 9 unten)
,
kann durchaus
auf
eine
erhebliche
Durchsetzungsfähigkeit
geschlossen
werden.
Ihre
emotional
instabile, ängstlich vermeidende Grundhaltung wirkt sich zwar
hemmend aus, insgesamt sind jedoch ausreichend persönliche Ressourcen vor
handen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
über eine Vielzahl von sozialen Kontakten verfügt, welche einer sozialen Isolation und teilweise auch der Vermeidungsproblematik entgegenwirken (vgl.
Urk.
7/112/1-39 S. 18 oben). Sie lebt seit
Anfang
2016 in einer festen Beziehung mit einem Partner, hat regelmässigen und guten Kontakt zu den zwei älteren Brüdern sowie zur Mutter, zu welcher sie fast täglich Kontakt habe.
Auch zur Familie ihres Freundes habe sie einen guten Kontakt (
Urk.
7/112/40-59 S. 9 unten) und treffe sich mit ehemaligen Arbeitskollegen (
Urk.
7/112/40-59 S. 11).
Ihre Hobbies seien Klavierspielen und Sport treiben (Wake-Skateboard und Wake-Surfen;
Urk.
7/112/1-39 S. 5 unten).
Durch den Sport könne sie wieder unter Leute gehen und habe sich ein Umfeld aufbauen können, das ihr guttue (
Urk.
7/112/40-59 S.
6). Der von der Beschwerdeführerin geschilderte Tagesablauf ist weitgehend strukturiert (vgl.
Urk.
7/112/40-59 S. 11). Da ihre Mutter ihr finanziell aushelfe, putze sie regelmässig bei ihr. Zudem treffe sie sich mindestens einmal pro Woche mit ihrem Freund am Zürichsee zum
Wakeboarden
und Surfen, ansonsten komme ihr Freund drei- bis viermal pro Woche bei ihr vorbei. Ab und an gehe sie ein
kaufen. Für Termine nutze sie die öffentlichen Verkehrsmittel
(
Urk.
7/112/40-59 S. 11).
Offenkundig bezeichnete sie sich kurz nach der
Z._
-Begutachtung selbst als professionelle
Wakeboard
-Fahrerin und war fähig, einen
Sponsoringvertrag
abzuschliessen (vgl. vorstehend E. 3.10).
Angesichts des Lebenskontextes der
Be
schwerde
führer
in
enthält dieser damit bestätigende, sich potentiell
günstig auf die
Ressour
cen auswirkende Faktoren.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts des
Aktivi
tätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen ist auf das hohe
Aktivitä
ten
niveau
der Beschwerdeführerin im privaten Bereich zu verweisen
(vgl. vorste
hend sozialer Kontext)
, wobei sich die
psychischen Einschränkungen
diesbezüg
lich
gering
auswirken.
Therapiebemühungen wurden
zudem
trotz guten
Erfah
rungen und
Erfolgsaussichten
seit 2016
nicht
mehr vorgenommen.
Es ist ange
sichts dieser akti
ven Lebensführung nicht konsistent, dass die Beschwerdeführe
rin nicht vollzeitig arbeiten kann.
Der Leidensdruck erscheint aufgrund des Ge
sagten nicht genug ausgeprägt zu sein, um eine durchgreifende Verhaltensände
rung zu erzeugen und die Beschwerdeführerin zu motivieren, ihr Vermeidungs
verhalten betreffend Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aufzugeben. D
amit ist
auch
der Gesichtspunkt des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewie
senen Leidensdrucks teilweise schon vorweggenommen: Es mag sein, dass die Beschwerdeführerin eine ambivalente Haltung gegenüber der Akzeptanz der Hilfe von aussen einnimmt. Es mag sein, dass diese zum Tei
l auch durch die selbstun
sichere, ängstlich vermeidende
Persönlichkeits
störung
verursacht wird. Dass es der Beschwerdeführerin jedoch unmöglich gewesen wäre,
wieder
eine Therapie aufzusu
chen
,
erscheint nicht
abwegig, nachdem
sie
sich
bis 2016
einer regelmäs
sig s
tattfindenden psychiatrischen Behandlung
unterzogen hatte
und selber aus
führte, diese habe ihr gutgetan und geholfen.
Behandlungs
anamnestisch ist somit kein Leidensdruck ausgewiesen.
Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichb
aren Lebensbereichen liegt
nicht vor.
Hinsichtlich Konsistenz ergibt sich, dass die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild ergeben.
Nach der Prüfung der In
dikato
ren ist daher von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit
wie auch in sämtlichen angepassten Tätigkeiten
auszugehen. Eine lang an
dauernde und erhebliche
Arbeitsunfähigkeit
ist somit nicht ausgewiesen.
4.3
Zusammenfassend fehlt es der psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung der Be
schwerdeführerin
am vorausgesetzten funktionellen Schweregrad und die Kon
sistenzprüfung ergibt keine deutliche sowie gleichmässige Einschränkung des Ak
tivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Eine im invalidenver
sicherungsrechtlichen Sinne hinreichende funktionelle Leistungseinschränkung ist daher nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ausgewiesen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Bewe
islast zu Ungunsten der Beschwerdeführerin
auswirkt (vorstehend E. 1.3-4). Insoweit ist von der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abzuweichen, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 3.2).
Da die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nach dem Gesagten weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit während einer relevanten Dauer gesundheitsbedingt massgeblich eingeschränkt war, ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Besch
werdegegnerin einen Anspruch der Beschwerdefüh
rerin
auf Leistungen der Invalidenversicherung ver
neinte.
4.4
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin
sind nicht geeignet, zu einem abwei
chenden Ergebnis zu führen.
An der vorliegenden Beurteilung vermögen denn auch die Berichte der behandelnden Ärzte ab dem Zeitpunkt de
s Wartejahres nichts zu ändern. So sind den Berichten zu wenig verlässliche Angaben über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu
entnehmen und es muss auch
der Er
fahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinwei
sen).
Zwar kann die einen längeren Zeitraum ab
deckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenntnisse hervorbringen. Jedoch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera
peu
tisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des bestell
ten fachmedizinischen Experten andererseits nicht zu, eine medizinische Ad
ministrativ- oder Gerichtsexpertise stets in Frage zu stellen und zum Anlass wei
terer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Ärzte zu anderslau
tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, da die behan
delnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benen
nen, wel
che im Rahmen der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_278/2011 vom 26.
Juli
2011 E. 5.3; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.1).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Schliesslich ist zu bemerken, dass soziokulturelle Faktoren (Beziehungskonflikte)
und die fehlende
abgeschlossene
Berufs
aus
bildung invaliditätsfremde Faktoren darstellen.
Die Erwerbsbiographie der
Beschwerde
führerin
zeigt auf, dass
sie
in der Lage war, einen durchaus markt
üblichen Lohn zu erzielen
. Die Invalidenver
sicherung hat rechtsprechungsgemäss nicht dafür einzustehen, wenn Versicherte wegen invali
ditätsfremder Faktoren keine entsprechende Arbeit finden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2007 vom 27. August 2008 E. 10).
4.
5
Die angefochtene Verfügung erweist sich nach dem Gesagten als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
D
a es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerle
gen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden diese jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, dies mit Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
5.2
Nachdem die unentgeltliche Rechtsvertreterin trotz Aufforderung (vgl. Urk. 13) keine Honorarnote eingereicht hat, ist ihr Aufwand nach Ermessen festzulegen. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.-- zuzüglich Mehr
wert
steuer ist die Parteientschädigung auf Fr. 1‘900.-- (inkl. Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen) festzusetzen.