Decision ID: 07e02229-ebc3-4906-8743-e54481738a9c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1955, war vom 1. März 2015 bis 31. Dezember 2015 beim Z._ angestellt (Urk. 2/1 und Urk. 2/5-6). Die Berufs
vorsorgeversicherung der Versicherten erfolgte durch die Stadt Y._ im Rahmen des mit der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich (nachfolgend: BVK) beste
henden Anschlussverhältnisses (Urk. 8/3). Gegenüber der BVK trat jeweils die Stadt Y._ als Arbeitgeberin in Erscheinung (Urk. 8/4, Urk. 8/6-7). Mit Email vom 20. Dezember 2015 schickte die Versicherte der BVK den mit Datum vom 15. Dezember 2015 versehenen Antrag auf Überbrückungszuschuss zur Alters
rente (Urk. 8/8/1-2).
Der Rechtsvertreter der Versicherten forderte d
en
Beigelade
ne
n
2 mit Schreiben vom 2
2.
Dezember 2015 auf, das Formular für Arbeitgeber betreffend vorzeitige Entlassung altershalber an die BVK einzureichen (
Urk.
8/9/1).
Der Z._ liess der BVK das am 23. Dezember 2015 unter
zeichnete Formular für Arbeitgeber betreffend vorzeitige Entlassung altershalber sowie erneut den von der Versicherten unterzeichneten Antrag auf Überbrü
ckungszuschuss zur Altersrente zukommen (Urk. 8/10+11; beides eingegangen am 29. Dezember 2015). Am 4. Januar 2016 widerrief der Z._ die vor
zeitige Entlassung altershalber mit dem Hinweis, diese werde ersetzt durch eine Alterspensionierung (Urk. 2/10). Das Formular „Alterspensionierung” wurde am 26. April 2016 von der Stadt Y._ sowie vom Z._ unterzeichnet (Urk. 2/11). Die BVK wandte sich mit Schreiben vom 8. Juli 2016 an die Versi
cherte und führte aus, es liege gemäss den ihr vorliegenden Unterlagen ein Al
tersrücktritt der Versicherten per 31. Dezember 2015 vor (Urk. 2/12).
2.
Am 29. Juli 2016 erhob die Versicherte Klage gegen die BVK und stellte folgendes Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
„1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine Altersrente im Sinne
von Art. 8 (vorzeitige Entlassung altershalber) i.V.m. Art. 31 des Vorsorge-
reglements unter Miteinbezug der
Überbrückungszuschüsse
zur Altersrente
im Sinne von Art. 32 des Vorsorgereglements der Beklagten auszurichten.
2.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zulasten der
Beklagten, soweit solche zu sprechen sind.”
In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Beiladung des Z._ sowie die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels.
Mit Klageantwort vom 16. November 2016 stellte die BVK folgendes Rechtsbe
gehren (Urk. 7 S. 1 f.):
„1.
Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.
2.
Evtl. sei die Klage dahingehend gutzuheissen, dass:
a)
festzustellen sei, dass die Klägerin gegenüber der Beklagten mit
Wirkung ab 1. Januar 2016 Anspruch auf Leistungen infolge vorzeitiger
Entlassung altershalber i.S.v. Art. 8 i.V.m. Art. 31 des Vorsorgereglements
hat, einschliesslich eines
Überbrückungszuschusses
i.S.v. Art. 32 f. des
Vorsorgereglements;
b)
die Stadt Y._ und der Verein
„
Z._ für berufliche und soziale
Integration” unter solidarischer Haftung zu verpflichten seien, der
Beklagten die zur Finanzierung der Ergänzung des Sparguthabens (i.S.v.
Art. 31 Abs. 2 Vorsorgereglement) nötigen Beiträge gemäss Art. 81 des
Vorsorgereglements sowie die zur Finanzierung des
Überbrückungs
-
zuschusses
nötigen Arbeitgeberbeiträge gemäss Art. 80 des Vorsorge-
reglements jeweils auf erste Aufforderung hin zu erstatten.
Alles ohne Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten.”
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beklagte um Beiladung der Stadt Y._ und des Z._ als Streitberufene, um Beizug der vollständigen Personalakten der Klägerin sowie der Akten eines allfälligen arbeits- beziehungsweise personal
rechtlichen Verfahrens in Sachen der Klägerin, und um Durchführung eines zwei
ten Schriftenwechsels (Urk. 7 S. 2 oben).
Mit Gerichtsverfügung vom 24. November 2016 wurden die Stadt Y._ und der Z._ zum Prozess beigeladen (Urk. 9). In der Folge reichte der Z._ eine auf Klageabweisung schliessende Stellungnahme vom 3. Februar 2017 ein (Urk. 16). Die Stadt Y._ liess sich nicht vernehmen. Mit Replik vom 7. Juli 2017 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest (Urk. 25). Die Beklagte stellte mit Duplik vom 21. Juli 2017 folgende Anträgen (Urk. 28 S. 2 oben):
„1.
Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass:
a)
der Streitberufene
/Beigeladene 2 die Finanzierungsverpflichtung ge
genüber der Beklagten (ergänzende Spargutschriften sowie
Über
-
brückungs
zuschuss) für den Fall des Vorliegens einer anspruchs
-
begründenden vor
zeitigen Entlassung altershalber der Klägerin
vollumfänglich anerkannt hat;
b)
der Streitberufene/Beigeladene 2 seine solidarische Haftbarkeit mit der
Streitberufenen/Beigeladenen 1 für die Finanzierungsverpflichtung
gegenüber der Beklagten (ergänzende Spargutschriften sowie Über-
brückungszuschuss) für den Fall des Vorliegens einer anspruchs-
begründenden vorzeitigen Entlassung altershalber der Klägerin anerkannt
hat;
c)
der Streitberufene/Beigeladene 2 erklärt hat, die Streitberu-
fene/Beigeladene 1 für deren Finanzierungsverpflichtung gegenüber
der Beklagten (ergänzende Spargutschriften sowie Überbrückungszuschuss) für den Fall des Vorliegens einer anspruchsbegründenden
vorzeitigen Entlassung altershalber der Klägerin schadlos zu halten;
d)
der Streitberufene/Beigeladene 2 zugunsten der Beklagten interveniert und
die Prozessführung betreffend das Vorliegen der Anspruchsvorausset
zungen für Leistungen infolge vorzeitiger Entlassung altershalber
zugunsten der Klägerin, insbes. bezüglich der Frage des Verschuldens an
der (Arbeit
geber-)Kündigung, übernommen hat.
2.
Es sei über den reglementarischen Anspruch der Klägerin auf Berufs-
vorsorgeleistungen infolge vorzeitiger Entlassung altershalber (inkl.
Ü
ber-
brückungszuschuss) mit Wirkung ab 1. Januar 2016 von Amtes wegen zu
entscheiden.
3.
Es sei
die S
t
r
eitberufene/Beigeladene 1 für den Fall der gerichtlichen
Zuerkennung eines klägerischen Anspruchs auf Berufsvorsorgeleistungen
infolge vorzeitiger Entlassung altershalber (inkl.
Ü
berbrückungszuschuss)
mit Wirkung ab 1. Januar 2016 zu verpflichten, der Beklagten die
entsprechenden Finanzierungsbeiträge auf erste Aufforderung hin zu
erstatten.
Alles ohne Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten.”
Je ein Doppel der Replik und Duplik wurden den Beigeladenen zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 30), wobei die Frist für die Beigeladene 1 ungenutzt ablief. Der Beigeladene 2 hielt am 25. Oktober 2017 an den Anträgen fest (Urk. 34). Dies wurde den Parteien am 26. Oktober 2017 zur Kenntnisnahme gebracht (Urk. 35).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 8 Abs. 1 Satz 1 des Vorsorgereglements (VR; gültig ab 1. Januar 2016, Urk. 8/13) kann eine versicherte Person durch den Kanton oder den angeschlos
senen Arbeitgeber nach Vollendung des 58. Altersjahres vorzeitig altershalber entlassen werden (vorzeitige Entlassung altershalber).
Art. 8 Abs. 2 VR hält die Voraussetzungen für das Vorliegen einer anspruchsbe
gründenden vorzeitigen Entlassung altershalber fest (lit. a-d). Eine solche liegt vor, wenn:
a)
die Kündigung nach Ablauf der Probezeit gesprochen wird,
b)
die Kündigung nicht auf ein Verschulden der versicherten Person zurückzu
führen ist,
c)
das Arbeitsverhältnis ohne Berücksichtigung einer allfälligen, anstelle einer Abgangsentschädigung bzw. Abfindung gleichen Charakters vereinbarten Anstellungsverlängerung nach Vollendung des 58. Altersjahres oder im Falle einer betrieblichen Umstrukturierung nach Vollendung des 55. Altersjahres endet,
d)
vorgängig noch keine Leistungen infolge vorzeitiger Entlassung altershalber ausgerichtet wurden.
Das Verschulden im Sinne von Abs. 2 lit. b beurteilt sich nach dem Verschul
densbegriff des kantonalen Personalrechts. Für angeschlossene Arbeitgeber gilt dieser sinngemäss (Abs. 3).
Bezüglich des Verschuldens stützt sich die Beklagte auf den Entscheid bezie
hungsweise die Meldung des Kantons oder des angeschlossenen Arbeitgebers (Abs. 5).
1.2
Art. 8 Abs. 3 VR verweist bezüglich Verschuldensbegriff auf das kantonale Per
sonalrecht. Das Personalgesetz des Kantons Zürich (PG) enthält keine Legaldefi
nition. § 19 Abs. 1 PG hält bezüglich Kündigung aufgrund mangelnder Leistung oder unbefriedigendem Verhalten fest, dass einer solchen eine angemessene Be
währungsfrist von längstens sechs Monaten vorauszugehen ist. Von einer Be
währungsfrist kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen kann.
Vorwürfe, die zu einer Kündigung Anlass geben, müssen durch eine Mitarbeiter
beurteilung oder durch ein gleichwertiges Verfahren belegt werden (Abs. 2).
2.
2.1
Die Klägerin stellte sich in ihrer Klageschrift (Urk. 1) auf den Standpunkt, sie habe die seitens des Beigeladenen 2 ausgesprochene Kündigung des Arbeitsverhältnis
ses nicht verschuldet. Der Beigeladene 2 habe bisher nicht dargelegt, worauf das Verschulden zurückzuführen sein solle. Auch sei kein Verfahren, wie es im Per
sonalgesetz (PG) des Kantons Zürich in § 19 Abs. 2 PG vorgesehen sei, durchge
führt worden (S. 5 f. Ziff. 13 f.).
Dem Beigeladenen 2 sei bewusst gewesen, dass die Klägerin kein Verschulden trage, weshalb er auch das Kündigungsschreiben angepasst und das Formular für die vorzeitige Entlassung altershalber ausgefüllt habe. Erst als der Beigeladene 2 erfahren habe, welche finanziellen Folgen dies mit sich bringe, habe er die Vor
gehensweise geändert und sich auf den Standpunkt des Verschuldens der Klägerin gestellt. Dies ändere nichts daran, dass kein Verschulden vorliege und in einem solchen Fall die Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung altershalber ge
geben seien (S. 6 Ziff. 15). Aus diesem Grund sei die Beklagte verpflichtet, ihr eine Altersrente im Sinne von Art. 8 in Verbindung mit Art. 31 des Vorsorgereg
lements unter Miteinbezug der
Überbrückungszuschüsse
zur Altersrente im Sinne von Art. 32 des Vorsorgereglements auszurichten (S. 6 Ziff. 16, S. 2 Mitte).
2.2
Demgegenüber führte die Beklagte in ihrer Klageantwort (Urk. 7) unter anderem aus, aufgrund der Aktenlage werde der Klägerin arbeitgeberseits ein schuldhaftes Verhalten zur Last gelegt. Hinweise, wonach die Arbeitgeberkündigung sachlich völlig unbegründet oder gar missbräuchlich gewesen wäre, seien den Akten nicht zu entnehmen. Gestützt auf die Arbeitgeberangaben müsse sie einstweilen davon ausgehen, dass die Gründe, welche zur Kündigung geführt hätten, von der Klä
gerin zu vertreten seien (S. 12 Ziff. 28).
Daran hielt sie mit Replik vom 21. Juli 2017 im Wesentlichen fest (Urk. 28).
2.3
Mit Stellungnahme vom 3. Februar 2017 (Urk. 16) machte der Beigeladene 2 un
ter anderem Ausführungen zum Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der Klägerin und stellte sich auf den Standpunkt, die Klägerin habe die Kündigung verschul
det.
2.4
Strittig ist, ob die Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung altershalber gemäss Art. 8 des Reglements gegeben sind. Insbesondere strittig ist dabei die Frage des Verschuldens der Klägerin an der Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Beigeladenen 2.
Hingegen bildet das Innenverhältnis zwischen der Beklagten und der Beigelade
nen 1 sowie dem Beigeladenen 2 nicht Streitgegenstand des vorliegenden Ver
fahrens, weshalb auf die entsprechenden Ausführungen und Anträge der Beklag
ten nicht einzugehen ist, zumal die Beigeladenen im Endentscheid zu nichts ver
pflichtet werden können (Urteil des Bundesgerichts 9C_245/2017 vom 11. De
zember 2017 E. 3.2.2).
3.
3.1
Am 1. März 2015 trat die Klägerin die Anstellung bei dem Beigeladenen 2 in der Funktion als Leiterin Zentrale Dienste/Buchhaltung an (Urk. 2/1). Den Akten ist Folgendes zum Arbeitsverhältnis zwischen der Klägerin und dem Beigeladenen 2 zu entnehmen:
3.2
Dem Beschlussprotokoll zur Sitzung vom 19. Mai 2015 gehen unter anderem fol
gende Traktanden und deren Beschrieb hervor (Urk. 17/1):
-
Arbeitsplätze am Dienstag: Problem muss nochmals angegangen werden - Sit
zung! Doodle erstellen
-
Zusammenarbeit bk (Kürzel A._, Untergebene der Klägerin und iw (Kürzel der Klägerin): Iw und bk nehmen sich dafür Zeit, um dies zu besprechen.
3.3
Am 21. Mai 2015 erfolgte ein Probezeitbericht (Urk. 17/2): Die Klägerin habe sich sehr schnell und gut in die neue Aufgabe eingearbeitet (Ziff. 1). Hinsichtlich Qua
lität wurde sie mit einem „B” (hohe Qualität, geringfügige Fehler, sehr zuverlässig) bewertet (Ziff. 2). Sie erreiche eine normale Arbeitsquantität ohne zu viele Unter
brechungen trotz der vielen Störungen (Ziff. 3). Bezüglich Eingliederung und Teamarbeit sei eine normale Einordnung erfolgt (Ziff. 4) und das Verhalten ge
genüber Vorgesetzten sei aufmerksam, interessiert, flexibel und offen (Bewertung „B”; Ziff. 6). Der Aspekt „Führungsverhalten” sei bisher noch kein Thema gewe
sen, weshalb die Bewertung unter Ziffer 5 offengelassen wurde. Als Massnahmen für die Förderung/Schwachstellen wurden folgende Punkte festgehalten (Ziff. 8; vgl. auch Anhang Urk. 17/2 „C Jahresziele und Förderplan”):
„a)
Übersicht/Durchblick Angebote und Verein ist sicher weiterhin ein Thema.
b)
Kommunikation zwischen X._ und mir sorgt für mein Empfinden hin
und wieder für Missverständnisse. Klärung rsp. Schaffen einer ge
meinsamen Basis notwendig.
c)
Führung A._: Zeitpunkt der „Uebernahme”, Vorgehen
d)
Aufteilung Arbeiten/Kompetenzen ZD müssen detailliert geregelt werden.”
Es erfolgte eine definitive Anstellung (Ziff. 9).
Aus einer Aktennotiz zum Probezeitgespräch geht hervor, dass die Klägerin mit der Bewertung sehr unzufrieden war. Sie habe noch nie eine so schlechte Bewer
tung erhalten. Ihr sei mehrmals erklärt worden, dass das System nicht wie in der Schule zu verstehen sei. „C” bedeute „richtiger Mensch am richtigen Job, macht alles richtig” (Anhang Urk. 17/2).
3.4
Dem Beschlussprotokoll zur Sitzung vom 23. Juni 2015 sind weitgehend organi
satorische Traktanden, unter anderem auch eine Aufgabenliste und Ferienvertre
tungsregelung zwischen der Klägerin und ihrer Mitarbeiterin, zu entnehmen (Urk. 17/4).
3.5
Die Mitarbeiterin der Klägerin ersuchte mit E-Mail vom 26. August 2015 (Urk. 17/5) um ein gemeinsames Gespräch mit der Klägerin und deren Vorgesetz
ten zum Thema „Stellenbeschrieb/Aufgabenteilung schriftlich sowie Stimmung in den ZD”. Ein Solches ist nicht dokumentiert.
3.6
Am 27. August 2015 wurde der Klägerin per 30. November 2015 gekündigt (Urk. 2/2). Dem Kündigungsschreiben ist Folgendes zu entnehmen:
„Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, da wir auf eine gute Zusammenar
beit der Mitarbeiterinnen unserer Zentralen Dienste angewiesen sind. Trotz zahl
reichen Gesprächen in den vergangenen sechs Monaten mit den Beteiligten kam diese bedauerlicherweise nicht zu Stande. Abmachungen, die zur Verbesserung der Situation getroffen wurden, haben Sie nicht eingehalten.”
3.7
Am 2. September 2015 fand zwischen der Klägerin und ihrer Vorgesetzten sowie der Präsidentin des Beigeladenen 2 ein Gespräch statt (Schreiben vom 3. Septem
ber 2015, Beilage von Urk. 17/20/27). Unter der Voraussetzung, die Klägerin ver
breite kein negatives Bild des Beigeladenen 2 und verhalte sich loyal, wurde ver
einbart, dass der mittlere Abschnitt des Kündigungsschreibens mit dem Kündi
gungsgrund (vgl. vorstehend E. 3.6) weggelassen werde (S. 2; vgl. dazu schliess
lich das angepasste Kündigungsschreiben Urk. 2/5). Zudem wurde der Klägerin angeboten, das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einverständnis zu kündigen, sofern die Klägerin davon bis 4. September 2015 Gebrauch mache (S. 1).
Aus einer handschriftlichen Notiz geht hervor, dass die Klägerin von der Mög
lichkeit einer Kündigung in gegenseitigem Einverständnis keinen Gebrauch ge
macht hat (Urk. 17/20/27).
3.8
Einer E-Mail vom 20. Oktober 2015 der Vorgesetzten der Klägerin an die Präsi
dentin des Beigeladenen 2 ist zu entnehmen, dass die Stimmung „schrecklich” sei und die Mitarbeiterin der Klägerin kein Wort mehr mit letzterer spreche. Die Klä
gerin habe während der Ferienabwesenheit ihrer Vorgesetzten die Mitarbeiterin „mit Vorwürfen regelrecht zugedeckelt”. Es wurde eine Freistellung in Erwägung gezogen (Urk. 17/20/22 Beilage).
3.9
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2015 wurde der Klägerin mitgeteilt, die aktuelle Stimmung beeinflusse den Alltagsbetrieb negativ und die Situation sei für alle Beteiligten sehr unbefriedigend. Daher werde sie bis zum - krankheitsbedingt bis 31. Dezember 2015 verlängerten - Ende des Arbeitsverhältnisses freigestellt (Urk. 17/7).
3.10
Der Klägerin wurde per 31. Oktober 2015 ein Zwischenzeugnis ausgestellt (Urk. 17/10).
3.11
Am 8. Januar 2016 beantwortete die Vorgesetzte der Klägerin den ihr vom Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich zugestellten Fragebogen zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses (Urk. 17/20/21): Zur Frage, welche konkreten Vorkommnisse zu Kündigung geführt hätten (Ziff. 1), führte die Vorgesetzte aus, die Zusammen
arbeit der Mitarbeiterinnen Zentrale Dienste (bestehend aus zwei Personen, der Klägerin und der ihr unterstellten Mitarbeiterin) habe nicht funktioniert. Es sei immer wieder zu Auseinandersetzungen und Diskussionen gekommen. Der All
tagsbetrieb sei dadurch beeinflusst und die Stimmung oft schlecht gewesen. Nach den Ferien der Mitarbeiterin sei die Situation eskaliert. Hinsichtlich der Frage, ob dienstvertragliche Pflichten verletzt worden seien (Ziff. 2), wurde ausgeführt, Vertrauen und Respekt gegenüber der der Klägerin unterstellten Mitarbeiterin seien nicht gegeben gewesen. Auf die Frage, ob die Klägerin auf das beanstandete Verhalten aufmerksam gemacht worden sei, und wenn ja, wann letztmals (Ziff. 3), wurde geantwortet: „Es fanden mehrere Gespräche gemeinsam mit den verschie
denen Beteiligten statt und Abmachungen bezüglich der Zusammenarbeit usw. wurden vereinbart. Dies führte jedoch leider nicht zum gewünschten Resultat, so dass eine Entscheidung in Form einer Kündigung gefällt werden musste.”
Weiter gab die Vorgesetzte auf die Frage, ob ohne diesen Vorfall in der nächsten Zeit die Kündigung ausgesprochen worden wäre, an, die Zusammenarbeit zwi
schen der Geschäftsleitung und der Klägerin sei ebenfalls ein Thema gewesen. Bei der Position, die die Klägerin innegehabt habe, sei ein gutes gegenseitiges Ver
trauensverhältnis zwingend notwendig gewesen. Dieses habe nicht vollumfäng
lich bestanden. Dadurch wäre voraussichtlich ein Problem entstanden, das mit
telfristig zu einer Kündigung hätte führen können (Ziff. 4).
Schliesslich wurde die Frage, ob die Beendigung des Arbeitsverhältnisses auf aus
schliessliches Selbstverschulden der Klägerin zurückzuführen sei, verneint (Ziff. 5).
3.12
Mit Schreiben vom 19. Januar 2016 (Urk. 17/12/1) wurde der Klägerin das Ar
beitszeugnis vom 31. Dezember 2015 zugestellt (Urk. 17/12/2).
3.13
Im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens zwischen der Klägerin und dem Beige
ladenen 2 vor dem Friedensrichteramt Y._ (vgl. Urk. 17/20/4-5) wurde unter anderem das Arbeitszeugnis vom 31. Dezember 2015 überarbeitet (vgl. Urk. 17/20/2 Beilage).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass es kein arbeitsrechtliches Gerichtsverfahren zwischen der Klägerin und dem Beigeladenen 2 gab (vgl. Urk. 16 S. 33 Ziff. 25).
4.2
Aus dem in der ersten Version des Kündigungsschreibens enthaltenen Absatz zum Kündigungsgrund ist ersichtlich, dass der Beigeladene 2 das Arbeitsverhältnis wegen einer geltend gemachten fehlenden guten Zusammenarbeit mit der Kläge
rin aufgelöst hatte (vorstehend E. 3.6). Dasselbe geht aus dem Schreiben vom 8. Januar 2016 hervor. Es habe an Vertrauen und Respekt der Klägerin gegenüber der ihr unterstellten Mitarbeiterin gefehlt (vorstehend E. 3.11). Konkrete Vorwürfe sind nicht dokumentiert - ebenso wenig angebliche Abmachungen oder gar Ab
mahnungen in den erwähnten, mehrfach durchgeführten Gesprächen. Solche sind auch dem Protokoll der Sitzung vom 19. Mai 2015 (vorstehend E. 3.2) und vom 23. Juni 2015 nicht zu entnehmen. Im Rahmen der Probezeitbeurteilung wurde eine insgesamt gute Bewertung vorgenommen („richtiger Mensch am richtigen Job”), was insbesondere auch für die Eingliederung und Teamarbeit sowie das Verhalten gegenüber Vorgesetzten galt (vorstehend E. 3.3).
4.3
Das Arbeitszeugnis vom 31. Dezember 2015, welches auf dem Zwischenzeugnis vom 31. Oktober 2015 (vorstehend E. 3.10) basiert, wurde mehrfach angepasst: Die Vorgesetzte der Klägerin strich den Satz „Sie informierte die Vorgesetzten dem jeweiligen Bedarf entsprechend” in der Anfang Januar 2016 ausgestellten Version (vgl. Urk. 17/12/1-2). Dies mit der Begründung, die Klägerin habe ver
schiedentlich nicht informiert. Die Klägerin sei mehrfach darauf hingewiesen worden, sie könne Anpassungen machen, müsse dies aber besprechen oder zu
mindest darüber informieren (vgl. Urk. 17/11). Auch in dieser Hinsicht sind weder Gesprächsnotizen oder ein formelles Dokument mit konkreten Vorwürfen noch konkret getroffene Abmachungen aktenkundig.
4.4
Aus dem Arbeitszeugnis vom 31. Dezember 2015 (Urk. 17/12/2) - sowie der im Rahmen der Schlichtungsverhandlung überarbeiteten Version (vgl. Urk. 17/20/2 Beilage) - geht hervor, dass die Klägerin die ihr übertragenen Aufgaben engagiert, selbständig und in einer guten Qualität ausgeführt hat. Sie habe sehr effizient gearbeitet, Prioritäten richtig gesetzt und Termine stets eingehalten. Auftretende Probleme habe sie sofort erkannt und entsprechende Lösungsvorschläge unter
breitet. Die Arbeiten habe die Klägerin zu „unserer guten Zufriedenheit” ausge
führt. Sie sei eine aufmerksame, flexible Mitarbeiterin mit einer schnellen Auf
fassungsgabe, die den Kontakt zu den verschiedenen Mitarbeitenden des Beige
ladenen 2 gepflegt habe. Gegenüber den Teilnehmenden habe sie sich stets kor
rekt verhalten (S. 2 des Zeugnisses). In der Schlussversion, welche im Rahmen des Schlichtungsverfahrens erarbeitet wurde, wurde zudem eingefügt, dass die Klägerin über angenehme Umgangsformen verfügt (Urk. 17/20/2 Arbeitszeugnis S. 2).
Vor dem Hintergrund, dass keine formellen Dokumente vorliegen, welche kon
krete Vorwürfe an die Klägerin ausweisen, die Klägerin in der Probezeitbeurtei
lung als genügend qualifiziert wurde (vorstehend E. 3.3), anderweitige Mitarbei
terqualifikationen fehlen (vgl. vorstehend E. 1.2), sie offenbar gute Arbeit leistete und
ihr im Arbeitszeugnis ein Verhalten mit insbesondere angenehmen Um
gangsformen bescheinigt wurde, und eine Abmahnung nicht aktenkundig ist, ist ein Fehlverhalten, welches ein Verschulden an der Kündigung begründen könnte, nicht ausgewiesen. Der Beigeladene 2 hielt im Übrigen schriftlich fest, dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus seiner Sicht nicht auf ausschliessliches Selbstverschulden der Klägerin zurückzuführen sei (vorstehend E. 3.11).
Unter diesem Gesichtspunkt sind die vom Beigeladenen 2 in der Stellungnahme vom 3. Februar 2017 (Urk. 16) gegenüber der Klägerin geäusserten, massiven Vorhaltungen (S. 6 ff.) im vorliegenden Zusammenhang von untergeordneter Be
deutung. Auf die beantragte Zeugeneinvernahme der Vorgesetzten ist sodann zu verzichten, weil auch ihre Aussage eines Fehlverhaltens – bei Bestreitung durch die Klägerin – nichts am Ergebnis änderte. Durch den Verweis auf das kantonale Personalrecht kann wohl nicht ohne Weiteres darauf geschlossen werden, dass auch die angeschlossenen Arbeitgeber, welche ihre Mitarbeiter privatrechtlich be
schäftigen, das kantonalrechtliche Verfahren bei Entlassung durchzuführen ha
ben. Allerdings liegt die Beweislast des Fehlverhaltens beim Beigeladenen 2 und das Fehlen einer dokumentierten Abmahnung – welche im kantonalen Personal
recht mittels (Zwischen-) Qualifikation zu erfolgen hat – wirkt sich zu Lasten des beweisbelasteten Beigeladenen 2 aus.
4.5
Die übrigen Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung altershalber (vgl. vorstehend E. 1.1) sind gegeben, was seitens der Beklagten anerkannt ist (vgl. Urk. 28 S. 7 Ziff. 14). Insbesondere ändert auch der Widerruf des ausgefüllten Formulars zur vorzeitigen Entlassung altershalber (vgl. Urk. 2/10) nichts am be
stehenden Anspruch, da nach dem Gesagten nicht von einem seitens des Beige
ladenen 2 geltend gemachten Irrtum (vgl. Urk. 16 S. 19 f. Ziff. 9.1) auszugehen ist. Dementsprechend hat die Beklagte der Klägerin die entsprechenden Leistun
gen auszurichten.
Die Voraussetzungen für die Ausrichtung eines Überbrückungszuschusses (Art. 32 VR) sind ebenfalls erfüllt (vgl. Urk. 8/11).
Die Klage ist nach dem Gesagten gutzuheissen.
5.
Gemäss
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) haben die Parteien auf Antrag nach Massgabe ihres Obsiegens An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Dieser wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Unter Berücksichtigung der massge
blichen Kriterien erscheint die Zusprache e
iner Prozessentschädigung für die
anwaltlich vertretene Kläger
in
von
Fr.
2‘900.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) als angemessen.
Dass die Beklagte kein wesentliches Interesse am Ausgang des Pro
zesses hat und die Mehrkosten der Pensionierung der Klägerin erstattet erhält, mithin als interessierte Prozesspartei die Klägerin den Beigeladenen gegenüber
steht, ändert nichts an ihrer Pflicht zum Ersatz der Parteikosten, ist sie doch als leistungspflichtige Vorsorgeeinrichtung Prozesspartei und unterliegt mit ihren Anträgen. Die direkte Klageerhebung ohne Durchlaufen des kostenlosen regle
mentarischen Einspracheverfahrens (Urk. 7 S. 14 f.) ändert ebenfalls nichts an der Kostenersatzpflicht, steht doch der Rechtsweg bei kommunizierter Leistungsab
lehnung nach Bundesrecht offen ohne Rücksicht auf reglementarische Regeln.