Decision ID: 28f95ce1-ec73-4cf6-8384-70316dad20c8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1984 in der
Y._
geborene und 2003 in die Schweiz eingereiste
X._
meldete sich a
m 1. Oktober 2009 unter Hinweis auf eine Angststörung und
Zwangsgedanken bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2).
Die IV-Stelle zog
in der Folge
einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten
bei
(IK-Auszug, Urk.
7/8)
und tätigte medizinische
und erwerbliche Abklärungen.
Am 15. November 2010 ordnete sie ein psychiatrisches Gutachten an (Urk. 7/36), welches am 21. März 2011 erstattet wurde (Urk. 7/44).
M
it Vorbe
scheid vom 2. September 2011
stellte sie der Versicherten
die Zusprechung einer ganzen Rente der Invalidenver
siche
rung mit Wirkung ab 1. Mai 2010 in Aus
sicht (Urk. 7/50), wogegen die
GastroSocial
Pensionskasse mit Eingaben vom 7. Oktober 2011 und 7. November 2011 Einwand erhob und ein
von ihr in Auf
trag gegebenes
psychiatrisches Gutachten einreichte (Urk. 7/58 und Urk. 7/61-62). Nach Einholung diverser Stellungnah
men zum Einwand der
GastroSocial
Pensionskasse sprach die IV-Stelle der Ver
sicherten mit Verfügung vom 7. November 2012 wie angekündigt eine ganze Rente ab 1. Mai 2010 zu (Urk. 7/79 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die
GastroSocial
Pensionskasse mit Eingabe vom 29. November 2012 Beschwerde und beantragte, es sei festzustellen, dass die angefochtene Ver
fügung für sie nicht verbindlich sei und dass sie nicht die zuständige
Vor
sorge
einrichtung
sei. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, der Invaliditätsgrad neu festzulegen und festzustellen, dass Frühinvalidität be
stehe (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2013 beantragte die
Be
schwer
de
gegnerin
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Die zum Prozess bei
gelade
n
e Versicherte stellte mit Stellungnahme vom 4. Februar 2013 ebenfalls den An
trag, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
10), was den anderen Verfah
rensbe
tei
ligten am 12. Februar 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vorab ist zu prüfen, ob die
beschwerdeführende
Vorsorgeeinrichtung zur Einrei
chung von Rechtsmitteln legitimiert ist und damit auf die Beschwerde einzutre
ten
ist.
1.2
Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die Leistungspflicht ei
nes
anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu eröffnen; dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungs
rechts
[ATSG]). Berührt im Sinne dieser Bestimmung ist, wer in einer besonde
ren beachtenswerten nahen Beziehung zur Streitsache steht, mithin in recht
lichen oder tatsächlichen Interessen spürbar betroffen ist (BGE 132 V 74 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die durch die Rechtsprechung näher umschriebene Bindungswirkung der
Invali
ditätsbemessung
der Ersten Säule (Invalidenversicherung) für die Zweite Säule (berufliche Vorsorge) ist in den Art. 23 ff. des Bundesgesetzes über die Berufli
che Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) positivrechtlich aus
drücklich verankert (BGE 115 V 208, 118 V 35 E. 2 und 3). Das zeigt sich darin, dass sich der Anspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge an den sachbezüglichen Voraussetzungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) orientiert (Art. 23 BVG), die Höhe der
berufsvor
sor
ge
rechtlichen
Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird (Art. 24 Abs. 1 BVG) und schliesslich für den Beginn des Anspruchs auf eine BVG-Inva
liden
rente gestützt auf Art. 26 Abs. 1 BVG sinngemäss die entsprechenden
in
validenversicherungsrechtlichen
Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten. Diese ge
setzliche Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen)
beruflichen Vorsorge von eigenen aufwendigen Abklärungen freizustellen, und gilt
nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren. Indem die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung für die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vor
sorge prinzipiell bindend ist, ist sie geeignet, die Leistungspflicht des BVG-Ver
sicherers in grundsätzlicher zeitlicher und
masslicher
Hinsicht im Sinne von
Art.
49
Abs.
4 ATSG (unmittelbar) zu berühren. Die Organe der beruflichen Vor
sorge sind daher zur Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle über den Rentenanspruch als solchen oder den Invaliditätsgrad berechtigt (BGE 132 V 1 E. 3.2 und 3.3.1).
1.4
Die Verbindlichkeitswirkung erstreckt sich allerdings nur auf diejenigen Fest
stellungen und Beurteilungen im IV-Verfahren, welche dort für die Festlegung des Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung entscheidend waren und über die demnach effektiv zu befinden war; andernfalls haben die Organe der beruflichen Vorsorge die Anspruchsvoraussetzungen ihrerseits frei zu prüfen (vgl. Urteil des damaligen
Eigenössischen
Versicherungsgericht [EVG] B 50/99 vom 14. August 2000 E. 2b). Die Festsetzung des Beginns des Rentenanspruchs
durch die Invalidenversicherung schliesst sodann nicht aus, dass die den An
spruch
auf Invalidenleistungen nach BVG begründende Arbeitsunfähigkeit (in geringerem Ausmass) schon mehr als ein Jahr zuvor eingetreten ist (Urteil des EVG B47/98 vom 11. Juli 2000 E.
4d; vgl. zum Ganzen SVR 2005 BVG Nr.
5 S.
16 E.
2.3.2 sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_414/2007 vom 25. Juli 2008 E. 2.1-2.3).
2.
Die Rechtsmittelbefugnis des BVG-Versicherers setzt voraus, dass die invaliden
versicherungsrechtliche Leistungszusprechung an sich beanstandet wird, sei es
grundsätzlich, der Höhe nach oder hinsichtlich ihres Beginns. Mit dem Vorbrin
gen, es liege eine Frühinvalidität vor (Urk. 1 S. 7),
bringt
die
beschwerdefüh
rende
Vorsorgeeinrichtung
zum einen
vor, der Invaliditätsgrad beruhe hinsichtlich des
Valideneinkommens
auf falschen Bemessungsgrundlagen, zum anderen macht sie
sinngemäss
geltend, der Beginn der einjährigen Wartezeit
(Mai 2009)
sei un
zutreffend festgelegt worden und beanstandet damit den
Ren
tenbeginn
. Der von
der Beschwerdegegnerin festgelegte Beginn des Rentenan
spruchs stellt
vorlie
gend
eine im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren entschei
dende und für die
beschwerdeführende
Vorsorgeeinrichtung aufgrund der
Ver
bindlichkeitswirkung
massgebende Feststellung dar, welche den
berufsvorsor
gerechtlichen
Leistungs
an
spruch
auch im Falle einer Frühinvalidität
in Bezug auf den Zeitpunkt des Ein
tritts der zur Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeit (Art.
23
lit
. c
BVG) präjudiziert. Ent
sprechend
ist
auf die Beschwerde einzutreten
.
3.
3.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folge
n der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
3.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
sche
n Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinweisen).
3.3
Nach
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheits
zustandes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (AHI 2003 S.
209 E.
2a). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine An
meldung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden An
spruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E.
2b mit Hin
wei
sen;
AHI 2002 S. 147 E. 3a).
3.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
3.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(
Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
4.
4.1
Im angefochtenen Entscheid legte die Beschwerdegegnerin den Beginn der ein
jäh
rigen Wartezeit auf den 28. Mai 2009 fest und erwog, die Abklärungen hätten
ergeben, dass die Beigeladene sowohl für ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit im
Rei
ni
gungsbereich
mit einem Pensum von 65 %
als auch für sämtliche anderen Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig sei. Sie ermittelte
unter Anwendung der ge
misch
ten Methode
einen Inval
i
ditätsgrad von 76 % und
sprach der Versicherten eine ganze Rente zu (Urk. 2).
4.2
Die
beschwerdeführende
Vorsorgeeinrichtung brachte dagegen vor, es sei frag
lich, ob sie überhaupt an den Entscheid
der IV gebunden sei
. Die Invalidität der Bei
geladenen habe schon in der Kindheit bestanden, also bereits vor dem Beste
hen einer Versicherungsdeckung. Die Beschwerdegegnerin habe die Bestim
mung
en über die Frühinvalidität
fälschlicherweise
nicht angewendet. Das Gutachten von
Dr.
Z._
sei nicht beachtet worden, obwohl daraus klar hervorgehe, dass eine Frühinvalidität bestehe. Die Beschwerdegegnerin habe dies nicht erkannt und auch nicht untersucht. Insgesamt sei das Recht falsch angewendet und der
Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt worden. Die angefochtene Verfügung sei
daher aufzuheben (Urk. 1 S. 7 ff.).
4.3
Die Beigeladene liess sich dahingehend vernehmen, dass sie seit dem 28. Mai 2009
aufgrund einer Depression nicht arbeiten könne. Vor diesem Datum habe keine psychiatrische Behandlung stattgefunden, da sie in der Lage gewesen sei,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
. Sie beantrage deshalb die Abweisung der Beschwerde (Urk. 10).
5.
5.1
In der IV-Anmeldung vom 1. Oktober 2009 gab die Beigeladene an, seit der Kind
h
eit an einer Angststörung und Zwangsgedanken zu leiden, die in letzter Zeit schlimmer geworden seien. Weiter hielt sie fest, dass sie seit dem 1. September 2008 bei der
A._
und vom 1. September 2008 bis zum 27. März 2009 bei der
B._
im Stun
denlohn tätig ge
wesen sei. Vor der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei sie Hausfrau gewesen (Urk. 7/2).
5.2
In Bezug auf die erwerblichen Verhältnisse geht aus dem Arbeitgeber
bericht
vom
21. Oktober 2009 hervor, dass die Beigeladene seit dem 1. September 2008 als Reinigungsmitarbeiterin bei der
A._
tätig gewesen sein soll
(Urk. 7/9).
Bei der
A._
handelt es sich um die Firma ihres Lebenspartners und Vater
ihres am 6. November 2009 geborenen Kindes (Urk. 7/10). Gemäss Auszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich ist der Lebenspartner der Beigeladenen,
C._
,
seit dem 13. August 2009 Gesellschafter und Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift. Vom 12. April 2005 bis zum 13. Augst 2009 war indessen die
Beigeladene als Gesellschafterin und Geschäftsführerin mit
Einzelunter
schrift
im
Handelsregister eingetragen (Urk. 7/15). Dass die Beigeladene
erst ab
1. Septem
ber
2008, als sie noch Geschäftsführerin mit Einzelunterschrift war,
Reinigungs
mit
arbeiterin
ihres eigenen Unternehmens gewesen sein soll, ist nicht nach
voll
ziehbar. Die von der Beigeladenen angegebene Erwerbstätigkeit bei der
B._
ist im Übrigen nicht aktenkundig und geht auch nicht aus dem Auszug aus dem individuellen Konto der Beigeladenen hervor (Urk. 7/8). Ins
gesamt
be
stehen in den aktenkundigen
erwerblichen Verhältnisse
n
Widersprüche, welche
von der Beschwerdegegnerin nicht hinreichend abgeklärt
worden sind
.
5.3
5.3.1
Der von der Beigeladenen erstmals im April 2009 aufgesuchte
Dr.
med.
D._
,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Bericht vom 15. Ja
nuar 2010 die Diagnosen einer generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1)
und Zwangsgedanken (ICD-10: F42.0) fest. Er führte aus, die Beigeladene habe schon seit Kindheit massive Ängste und Zwangsgedanken. Sie habe zuletzt
als Putzfrau zu 80 % gearbeitet. Sie habe bei Dunkelheit und wenn sie alleine ge
wesen sei
,
nicht arbeiten können. Auf längere Sicht werde diese Tätigkeit wie
der
möglich sein.
Dr.
D._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 30. April
2008 (
recte wohl 2009
;
Urk. 7/19). Diese Angaben bestätigte
Dr.
D._
im Wesent
lichen auch in seinem Bericht vom 9. Februar 2011 (Urk. 7/41).
5.3.2
Im psychiatrischen Gutachten vom 21. März 2011 hielt
Dr.
med.
E._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
Mittelgradige bis schwere depressive Episode
Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt (ICD-10 F42.2)
Unklare
Angsstörung
DD: Pho
b
ische Störung (ICD-10 F40.8)
Der Gutachter führte aus, die Beigeladene sei mit 18 Jahren durch Heirat in die
Schweiz gekommen. Während ca. sechs Jahren habe sie mit ihrem ersten Ehe
mann
bei dessen Eltern
gewohnt. Bereits zu dieser Zeit habe sie nie alleine sein können, weil sie Angstgefühle entwickelt habe. Nach der Trennung vom Ehemann 2008 sei sie nach
F._
gelangt, wo sie zunächst bei Ver
wandten gewohnt habe. Sie habe eine Tätigkeit in einer Schokoladenfabrik auf
genommen, wo sie den heutigen Ehemann kennengelernt habe. Nebst der Ar
beit in der Fabrik habe sie zusätzlich Reinigungsarbeiten ausgeführt. Aufgrund einer zunehmenden
Zwangs
problematik
mit hauptsächlich Kontrollzwängen sei es ihr nicht mehr gelungen, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, was Schwierig
keiten
am Arbeitsplatz mit sich
gebracht
habe. Die Tätigkeit sei nach dreiein
halb Mo
naten sistiert worden, wobei nicht klar sei, ob ihr gekündigt worden sei oder ob sie selbst den Arbeitsvertrag gekündigt habe. Im Zusammenhang mit der
Schwangerschaft habe die Versicherte zunehmend Angstgefühle und eine Ak
zen
tuierung der bisherigen Zwangssymptomatik entwickelt. Die Beigeladene habe Angstsymptome wie Schwitzen, Kältegefühl und Herzrasen bei einer Zu
nahme der Zwangsgedanken und Kontrollzwänge geschildert. Nach eigenen Angaben sei sie kaum mehr in der Lage, einfache Arbeiten zu Hause auszufüh
ren, und sie sei auf die konstante Mithilfe von Nachbarn, Verwandten des Ehe
mannes oder der eigenen Mutter angewiesen. In der fachärztlichen Exploration hätten sich eine auffällige Affektinkontinenz mit heftigem, zum Teil nicht nachvollzieh
ba
rem Weinen, eine Verlangsamung des Denkens sowie eine Ein
engung des Denkens
auf die aktuelle Krankheitssymptomatik mit Weitschwei
figkeit und
Logorrhoe
gefunden. Nebst Einschränkungen der kognitiven Funkti
onen wie Kon
zentration und Merkfähigkeit hätten einschränkende
Zwangsge
danken
mit aggressiven Inhalten gegen die kleine Tochter, Kontrollzwänge und Zählzwänge bestanden. Zusätzlich, neben einer reduzierten
Schwingungsfähig
keit
und de
pressiver Stimmungslage, sei eine deutliche Schuldthematik mit star
ken Insuffi
zienzgefühlen bei einem insgesamt negativen Selbstbild aufgefallen. Im Hinter
grund der aktuellen Fixierung auf das Krankheitsgeschehen scheine eine
Ent
wur
zel
ungsproblematik
zu bestehen. Aufgrund der mittelgradig bis schwer aus
geprägten depressiven Symptomatik bestehe eine vollständige Ar
beitsunfähig
keit. Für leichte Tätigkeiten ohne Zeit- und Leistungsdruck, zum Beispiel leichte Reinigungsarbeiten, bestehe zum heutigen Zeitpunkt eine mini
male Arbeits
fähig
keit von ca. zwei bis drei Stunden täglich. Aufgrund der aus
geprägten Psy
chopathologie müsse eine derartige Tätigkeit im betreuten Rah
men stattfinden (Urk. 7/44 S. 12 ff.).
5.3.3
In dem von der
beschwerdeführenden
Vorsorgeeinrichtung
in Auftrag gegebe
nen
Gutachten vom 5. November 2011 dia
gnostizierte
Dr.
med.
Z._
,
Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eine
Zwangs
krankheit
und eine rezidivierende depressive Störung, derzeit leichten Grades (ICD 10: F42.2; F33.0). Er führte aus, er denke nicht, dass die Beigeladene in diesem Zustand, mit so ausgeprägten Ängsten und noch schlimmeren Zwängen, arbeiten könne. Sie müsse aus gutachterlicher Sicht als nicht arbeitsfähig ein
gestuft werden. Sie habe schon mit 13/14 Jahren unter Ängsten und Zwängen gelitten. Es sei davon auszugehen, dass es ihr nicht möglich gewesen sei, ir
gendeine Ausbildung zu absolvieren. Sie sei auch nie einer geregelten Arbeit nachgegangen. Man müsse sie als Frühinvalide betrachten. Psychosoziale Fak
toren spielten auch eine wichtige Rolle (
Urk.
7/61 S. 11).
5.4
Gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten kann der Eintritt einer rele
vanten Arbeitsunfähigkeit und damit die strittige Frage des Rentenbeginns nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eru
iert
werden. Auch die Frage, ob eine Frühinvalidität vorliegt, ist aufgrund der der
zeitigen Aktenlage nicht eindeutig geklärt. Die medizinische Beurteilung beruht im Übrigen auf einer unvollständigen und widersprüchlichen
Berufsa
namnese
(vgl. E.
4.2) und ein schlüssiges Belastungsprofil liegt infolgedessen nicht vor. Eine korrekte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen ist erst nach vollständiger Abklärung der erwerblichen Verhältnisse möglich. Mit allfälligen Widersprüchen haben sich die medizinischen Gutachter auseinander
zusetzen.
5.5
Nach dem Gesagten bedarf es weiterer erwerblicher und medizinischer Abklä
rungen, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Vor
nahme ergänzender Abklärungen an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.
--
festzusetzen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtspre
chung als
vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der
Be
schwer
degegnerin
und der Beigeladenen je zur Hälfte aufzu
erlegen.
6.2
Der nicht vertretenen und in ihrer Eigenschaft als Versicherungsträgerin prozes
sierenden Beschwerdeführerin steht keine Parteientschädigung zu.