Decision ID: 9fd17884-4351-5a19-ac5c-7f789cb5ceae
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 28. Oktober 2019 reiste der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._ −
in die Schweiz ein und suchte am gleichen Tag hier um Asyl nach. Am 4.
November 2019 fand die Personalienaufnahme im Bundesasylzentrum
C._ statt. Am 28. November 2019 wurde der Beschwerdeführer –
in Anwesenheit seines damaligen Rechtsvertreters – zu seinen Asylgrün-
den angehört (Protokoll in den SEM-Akten: A22/24).
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen vor, bis 2007 mit seiner Familie in Jaffna gelebt zu haben. Er
und sein älterer Bruder, D._, hätten in einer Werkstatt gearbeitet,
die (...) – unter anderem auch für Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) – repariert habe. Rund drei Kilometer von ihnen entfernt
habe sich das Büro von E._ der «E._» befunden (Anmer-
kung des Gerichts: die tamilische F._, die von E._ mitbe-
gründet wurde, agierte während des Bürgerkrieges in Kooperation mit der
sri-lankischen Regierung als politische und paramilitärische Gruppierung
gegen die LTTE; noch heute ist sie aktiv). Angehörige dieser Gruppierung
hätten seinen Bruder mehrfach gewarnt, mit den Reparaturen für LTTE-
Mitglieder aufzuhören. Am (...) 2007 sei sein Bruder von einem weissen
Van angefahren und es sei auf ihn geschossen worden. Vom Bruder hätten
sie seither nie mehr etwas gehört. Er (Beschwerdeführer) sei in der Folge
in das G._ geflüchtet. Als es vermehrt zu Rekrutierungen durch die
LTTE gekommen sei, sei er nach B._ gegangen, wo er sich nicht
habe registrieren lassen und sich unauffällig verhalten habe. (...) sei er
vom Criminal Investigation Department (CID) aufgegriffen und in der Folge
für rund acht Monate inhaftiert worden. Während der Haftzeit sei er gefol-
tert worden, wovon noch heute Narben zeugten. Auf Intervention des Inter-
nationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) hin, sei er freigelassen
worden. Da es ihm danach gesundheitlich nicht gut gegangen sei, sei er
nach Indien gegangen, wo er sich für sechs oder sieben Monate aufgehal-
ten habe. Im (...) 2010 sei er nach Sri Lanka zurückgekehrt. In diesem
Zusammenhang sei sein Pass konfisziert worden.
Im (...) 2019 als er seine Familie im Norden Sri Lankas besucht habe, habe
er an einer Veranstaltung von E._ teilgenommen, wo dieser im Rah-
men der damals bevorstehenden Präsidentschaftswahlen gesprochen
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habe. Der Beschwerdeführer habe ihn mit dem Verschwinden einer Viel-
zahl von Personen in der Region konfrontiert und ihn aufgefordert, ihm In-
formationen über seinen Bruder zu geben. E._ habe ihn daraufhin
in sein Büro eingeladen, von wo aus er verschleppt und für zwei Tage fest-
gehalten worden sei. Zusammen mit einer weiteren Person, die in dem
Haus festgehalten worden sei, sei ihm die Flucht gelungen. Nachdem er
sich in der Folge zwei Monate lang bei seinem Schlepper in B._
aufgehalten habe, sei er mit einem gefälschten Pass ausgereist.
Seine Mutter und seine Schwägerin hätten viel unternommen, um etwas
über den Verbleib seines Bruders herauszufinden. Unter anderem hätten
sie die Entführung der Human Rights Commission gemeldet und seien an
verschiedene Veranstaltungen gegangen. Die Schwägerin sei aufgrund
von Problemen, welche ihr im Zusammenhang mit seinem Bruder entstan-
den seien, nach H._ umgezogen.
Zu seinen persönlichen Umständen gab er darüber hinaus an, bis zur
12. Klasse die Schule besucht zu haben. In B._ habe er diverse
Arbeiten ausgeführt, so als (...). Seine Ehefrau lebe mit ihren beiden ge-
meinsamen Kindern in I._ (Region Jaffna). Seine Mutter und zwei
weitere Geschwister lebten ebenfalls in der Region Jaffna. Sein Vater sei
gestorben, als er drei Jahre alt gewesen sei.
B.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er nebst seiner Identitätskarte
eine Haftbestätigung des regionalen Büros des IKRK in B._ vom
(...) 2019 und eine Beschwerdebestätigung des Regionalbüros Jaffna der
sri-lankischen Menschrechtskommission vom (...) 2007 ein.
C.
C.a Am 4. Dezember 2019 unterbreitete die Vorinstanz der damaligen
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers einen Verfügungsentwurf zur
Stellungnahme.
C.b Mit Eingabe vom 5. Dezember 2019 nahm die Rechtsvertretung zum
Entwurf des Entscheides des SEM schriftlich Stellung.
D.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2019 – eröffnet am gleichen Tag − stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
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Seite 4
E.
Mit Eingabe seiner neuen Rechtsvertreterin vom 17. Dezember 2019 er-
hob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er beantragt, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und dem Be-
schwerdeführer sei Asyl in der Schweiz zu gewähren, eventualiter sei die
Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventua-
liter sei die Sache zur vollständigen Sachverhaltserhebung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung der Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbei-
ständin.
F.
Die vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers lagen dem Bundesver-
waltungsgericht am 18. Dezember 2019 in elektronischer Form vor (vgl.
Art. 109 Abs. 1 AsylG).
G.
G.a Mit Zwischenverfügung vom 19. Dezember 2019 hiess das Bundes-
verwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und ordnete dem Beschwerdeführer die mandatierte Rechtsvertreterin als
amtliche Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig lud es das SEM zur Vernehm-
lassung ein.
G.b Das SEM liess sich am 30. Dezember 2019 vernehmen.
G.c Mit Replik vom 15. Januar 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Ver-
nehmlassung Stellung.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-
satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be-
schwerdeführers. Für das Glaubhaftmachen reicht es jedoch nicht aus,
wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der
gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die
vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihrer Verfügung aus, es sei dem
Beschwerdeführer nicht gelungen, die unmittelbaren Ausreisegründe
glaubhaft zu machen. Insbesondere habe er nicht nachvollziehbar erklären
können, weshalb er sich, nachdem er sich etliche Jahre möglichst unauf-
fällig verhalten habe, im (...) 2019 plötzlich in der umschriebenen Weise
exponiert habe. Unwahrscheinlich mute an, dass er den Personen, von de-
nen er sich bis dahin angeblich verfolgt gefühlt habe, einfach ohne Weite-
res seine persönlichen Daten bekannt gegeben habe. Angesichts des Pro-
fils des Beschwerdeführers erscheine es auch wenig realistisch, dass eine
derart einflussreiche Person wie E._ sich durch ihn beziehungs-
weise seine Anschuldigungen in Gefahr sehen könnte. Seine Aussage, er
habe das Land mit einem gefälschten Reisepass verlassen, da er Angst
gehabt habe, dass E._ Informationen über ihn an die Behörden wei-
tergegeben habe, sei nicht mit der Darstellung in Übereinstimmung zu brin-
gen, wonach sein Ausweis von der Behörde – je nach Schilderung in Indien
oder erst nach seiner Rückreise in Sri Lanka – eingezogen worden sei.
Die Schilderungen der konkreten Ereignisse seien sodann nicht subtanti-
iert ausgefallen, und es hätten sich Ungereimtheiten ergeben. Die Angabe,
wonach die Verhaftung an einem Montag zwischen dem Geburtstag seiner
Frau am (...) 2019 und dem (...) 2019 stattgefunden habe, korrespondiere
mit dem Zeitraum, in welchem die Haftbestätigung erstellt worden sei. Es
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erstaune sodann, dass er zwar habe angeben können, dass die Veranstal-
tung von E._ an einem Freitag und die Verhaftung an einem Montag
gewesen sei, das eigentliche Datum aber nicht genauer habe präzisieren
können. Auch die Anzahl Personen, die ihn verhaftet hätten, habe er nicht
genau angeben können. Die Umschreibung der Haftbedingungen sei –
auch nach Aufforderung, detaillierter zu berichten – ebenso allgemein und
stereotyp ausgefallen. Auf den Widerspruch angesprochen betreffend die
Frage, ob er den Namen des Mithäftlings gekannt habe oder nicht, habe er
keine nachvollziehbare Erklärung geben können. Die geltend gemachten
Umstände, welche zur Flucht geführt hätten, seien demnach nicht glaub-
haft.
Soweit der Beschwerdeführer vorgebracht habe, (...) inhaftiert gewesen zu
sein, sei dies nicht asylrelevant, da dieses Ereignis nicht der Grund für die
zehn Jahr später erfolgte Flucht gewesen sei.
Auch unter dem Aspekt der Risikofaktoren ergebe sich keine flüchtlings-
rechtlich relevante Furcht vor Verfolgung. Insbesondere habe er in Sri
Lanka nach dem Bürgerkrieg über ein Jahrzehnt bis im (...) 2019 ohne
asylrechtlich relevante glaubhaft gemachte Nachteile gelebt. Aus seinen
Akten würden sich keine konkreten Anhaltspunkte ergeben, dass er bei ei-
ner Rückkehr ins Visier der Behörden gelangen und von diesen verfolgt
würde. An dieser Einschätzung ändere auch die Wahl von Gotabaya vom
16. November 2019 nichts.
Dem wurde in der Beschwerde entgegengehalten, der geltend gemachte
Sachverhalt sei sehr wohl glaubhaft; das SEM führe vor allem Plausibili-
tätsgründe als Merkmale gegen die Glaubhaftigkeit auf, was nicht über-
zeuge. Bei der Argumentation, das Verhalten des Beschwerdeführers sei
angesichts des jahrelangen Versteckhaltens unlogisch, habe das SEM un-
berücksichtigt gelassen, dass er in B._ über Jahre hinweg Nachfor-
schungen, so unter anderem in Gefängnissen, zu seinem Bruder gemacht
habe. Als er vom Treffen mit E._ erfahren habe, habe er Mut gefasst
und sich zur Konfrontation entschlossen, zumal er zuvor bereits alles in
seiner Macht Stehende versucht habe, um seinen Bruder ausfindig zu ma-
chen. Da die Parteien im Wahlkampf gestanden seien, habe er sich in Si-
cherheit gewiegt, davon ausgehend, E._ würde sich während die-
ser Zeit nichts zu Schulden lassen kommen.
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Es sei bekannt, dass die F._ in durch die sri-lankische Behörden
gedeckte kriminelle Tätigkeiten, namentlich Entführungsfälle, involviert ge-
wesen sei. Dass sie öffentliche Kritiker oder Zeugen von kriminellen Ma-
chenschaften unschädlich machen wolle, verstehe sich von selbst. Genau
dies habe der Beschwerdeführer mit seinen Aussagen bei dem Treffen zum
Ausdruck gebracht. Der Vorwurf des SEM betreffend die inkohärenten Er-
klärungen des Beschwerdeführers zum Grund, weshalb er für E._
eine Gefahr darstellen sollte, sei deshalb nicht nachvollziehbar.
Mit der Ausführung, er habe nicht mit seinem Reisepass das Land verlas-
sen wollen, habe der Beschwerdeführer zum Ausdruck gebracht, dass er
angesichts der Beschlagnahmung des Dokuments durch das CID nicht un-
ter seiner eigenen Identität, sondern nur unter fremdem Namen habe aus-
reisen können. Dass bei der BzP protokolliert worden sei, der Pass sei ihm
in Indien weggenommen worden, sei für ihn nicht erklärbar; möglicher-
weise habe er dort gesagt, der Pass sei «nach» Indien beschlagnahmt wor-
den, und es handle es sich um einen Übersetzungsfehler. Dies dürfe nicht
ins Gewicht fallen, zumal das entsprechende Protokoll nicht rückübersetzt
worden sei. Der Vorwurf der unpräzisen Angaben sei nicht korrekt, zumal
sich der Beschwerdeführer nicht an Daten orientiere und die Ausführungen
zur Gefangenschaft und dem Haftalltag angesichts der Augenbinden, die
er die meiste Zeit getragen habe, nicht detailliert habe beschreiben können.
Es sei sodann offensichtlich zu Übersetzungsfehlern gekommen. Auffal-
lend sei, dass die Vorinstanz die äusserst substantiierten und mit Real-
kennzeichen gespickten Angaben bezüglich der vorangehenden Ereig-
nisse, so das Treffen mit E._, die Flucht an sich und die Gescheh-
nisse nach der Flucht nicht gewürdigt habe. Insgesamt habe sich die
Vorinstanz mit den Aussagen, die für die Glaubhaftigkeit sprächen, nicht
auseinandergesetzt.
Der Beschwerdeführer habe durch die Entführung und die erlittene Folter
Nachteile von erheblicher Intensität erfahren, weshalb die Voraussetzun-
gen von Art. 3 AsylG gegeben seien. Er habe auch begründete Furcht vor
zukünftig asylrelevanter Verfolgung, zumal er bereits mehrmals inhaftiert
worden sei und dabei die erwähnten erheblichen Nachteile erfahren habe.
Die Personen, die den Beschwerdeführer 2019 entführt hätten, hätten klar
zum Ausdruck gebracht, dass er beseitigt werden solle. Die Furcht vor wei-
terer Verfolgung sei begründet und – angesichts der Kenntnisse zu den
Methoden der F._, der vom Beschwerdeführer an dieser geäusser-
ten öffentlichen Kritik und der unmittelbar darauf erfolgten Entführung –
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konkret und objektiv nachvollziehbar. Die aktuelle Lage habe das SEM da-
bei komplett ausser Acht gelassen. Beim Beschwerdeführer seien im Fall
einer Rückkehr mehrere risikobegründende Faktoren gegeben. Ohne sri-
lankischen Reisepass mit nur temporärem Identitätsdokument sei er bei
seiner Rückkehr als Person mit einem durchlaufenen Asylverfahren identi-
fizierbar und werde von den Einreisebehörden und dem CID einer Perso-
nenüberprüfung unterzogen. Den Behörden sei bekannt, dass er bereits
(...) in Haft gewesen sei. Sodann habe er mehrere, gut sichtbare Narben,
unter anderem im Gesicht. Angesichts des grossen Einfluss von
E._, der einen entsprechenden Eintrag ohne Weiteres in die Wege
leiten könnte, könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass er auf der
«stop-list» oder zumindest der «watch-list» vermerkt sei. Durch den aktu-
ellen Regierungswechsel und die damit zugespitzte Lage für politische
Gegner des Rajapaksa-Clans erhöhe sich die Gefährdung noch, welche
sich im Zusammenhang mit den Risikofaktoren ergebe.
4.2 Das SEM hielt in der Vernehmlassung insbesondere fest, in der Be-
schwerde sei es bezüglich der Anzahl Misshandlungen während der kurz
vor der Ausreise stattgefundenen Festnahme zu weiteren Widersprüchen
gekommen. Die in der Verfügung aufgeführten Unklarheiten seien sodann
nicht mit Übersetzungsproblemen erklärbar. Was die Entführung einer sri-
lankischen Mitarbeiterin der schweizerischen Botschaft in B._ be-
treffe, so seien – gemäss Auskunft der Botschaft – auf diesem Weg keine
Informationen über den Beschwerdeführer an die sri-lankischen Behörden
gelangt.
4.3 In seiner Replik macht der Beschwerdeführer geltend, der in der Ver-
nehmlassung genannte Widerspruch sei auf ein Missverständnis zurück-
zuführen und erklärbar. Dass es zu Verständigungsschwierigkeiten gekom-
men sei, habe der Rechtsvertreter während der Anhörung festgehalten.
Der Beschwerdeführer sei unter der Führung des Rajapaksa-Clans bereits
einmal inhaftiert und schwer gefoltert worden. Insofern habe die Wahl vom
16. November 2019 sehr wohl eine Auswirkung, zumal es keinerlei Indizien
dafür gebe, dass sich die Lage für die tamilische Bevölkerungsgruppe ver-
bessern könnte. Die Inhaftierung einer Mitarbeiterin der schweizerischen
Botschaft stelle eine weitere Stufe der Eskalation dar und weise darauf hin,
dass das neue Regime gegenüber zurückgeschaffenen, abgewiesenen
Asylsuchenden aus der Schweiz vermehrt vorgehen werde.
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Seite 10
5.
5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Einschätzung des SEM zutreffend ist. Auf die Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung kann – mit nachfolgenden Ergänzun-
gen – verwiesen werden.
5.2 Die vom SEM dargelegten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Sachver-
haltsdarstellung des Beschwerdeführers sind berechtigt und werden auch
durch die Ausführungen in der Beschwerde nicht aufgelöst.
Zwar ist einerseits nicht auszuschliessen, dass der Bruder des Beschwer-
deführers (...) von Angehörigen der F._ entführt worden ist. Ande-
rerseits gelingt es dem Beschwerdeführer aber nicht, nachvollziehbar zu
erklären, weshalb er deswegen ein Jahrzehnt später noch gezielt ins Visier
dieser Partei beziehungsweise von E._ persönlich geraten sei. Er
macht zwar geltend, der Grund liege darin, dass sein Bruder im Rahmen
seiner Arbeit auch (...) von Mitgliedern der LTTE repariert habe. Darüber
hinaus sind aber weder in Bezug auf ihn noch auf seinen Bruder Hinweise
auf massgebliche Verbindungen zur LTTE ersichtlich. Vielmehr gab er an,
weder er noch sein Bruder seien politisch tätig gewesen, und er habe kei-
nerlei Beziehungen zur LTTE gehabt (vgl. A22 F126 ff., F133). Trotz mehr-
fachen Nachfragen des SEM-Mitarbeiters vermochte er nicht plausibel dar-
zulegen, was der genaue Grund dafür sein könnte, dass ein hoher Politiker
wie E._ ein derartiges Interesse an ihm aufweisen könnte (vgl. insb.
A22 F136 ff.). Die von Seiten des Beschwerdeführers in der Öffentlichkeit
geäusserte Kritik für sich alleine, erscheint angesichts der bekannten Me-
thoden der F._ keine hinreichende Erklärung. Dies zeigt auch der
Umstand, dass die Mutter des Beschwerdeführers, welche sich gemäss
seinen Aussagen, aktiv bei der Suche des Bruders eingesetzt und auch
Veranstaltungen von E._ besucht habe, offenbar keine schwerwie-
genderen Probleme erhalten hat. Auch der Einwand des SEM, das lang-
jährige unauffällige Verhalten in B._ passe nicht mit seinem plötz-
lich äusserst exponierten Auftreten gegenüber E._ zusammen, ist
berechtigt. Insbesondere erscheint es unwahrscheinlich, dass er bei der
geltend gemachten subjektiv empfundenen Bedrohung, dem angeblichen
Verfolger ohne Weiteres seine Identität bekannt gegeben hätte. Die dies-
bezüglichen Argumente in der Rechtsmitteleingabe vermögen die Unge-
reimtheiten nicht zu erklären.
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Es gelang dem Beschwerdeführer sodann, nach der Entlassung aus der
Haft (...), jahrelang in B._ zu leben und dort verschiedenste Arbei-
ten auszuführen, ohne massgebliche Probleme mit den Behörden gehabt
zu haben. Die Ausführungen zur Konfiskation des Reisepasses hat das
SEM zu Recht als unglaubhaft qualifiziert. Die Aussage, wonach er aus
Angst vor E._ nicht mit seinem Reisepass ausgereist sei (vgl. A20
F140), kann durch den Hinweis in der Rechtsmitteleingabe, damit habe er
gemeint, dass er nicht unter seiner wahren Identität ausgereist sei, nicht
hinreichend erklärt werden. Ob sich darüber hinaus ein weiterer Wider-
spruch zur Angabe in der – wie in der Replik zu Recht ausgeführt, nicht
rückübersetzten – BzP ergeben hat, wonach der Pass in Indien konfisziert
worden sei (vgl. A13 Ziff. 4.02), kann unter diesen Umständen offengelas-
sen werden.
Die Aussagen zur Festnahme nach der Veranstaltung im (...) 2019 und das
zweitägige Festhalten in einem Haus unmittelbar vor der Ausreise sind ins-
gesamt nicht glaubhaft. Es wird zwar nicht in Abrede gestellt, dass den
Ausführungen gewisse sogenannte Realkennzeichen zu entnehmen sind.
In ihrer Gesamtheit hinterlassen die Ausführungen jedoch ein wenig au-
thentisches Bild ohne Substanz. Insbesondere vermittelt die Beschreibung,
wie ihm und dem Mitinsassen die Flucht aus dem abgelegenen Haus ge-
lungen sei, nicht den Eindruck, der Beschwerdeführer habe dieses Ereignis
tatsächlich erlebt; das SEM hat diesbezüglich zu Recht auch auf Aussa-
genwidersprüche verwiesen. Nicht authentisch wirkt unter anderem die Be-
schreibung, wie er am zweiten Tag erwacht sei, sowohl er als auch die
zweite Person von den unbekannten Personen erneut geschlagen worden
seien, bevor diese den Raum wieder verlassen hätten, er jedoch dann erst
gegen Abend die zweite Person angesprochen habe (vgl. A20 F68 S. 11).
Dass er weder den Namen noch sonst etwas über diesen Mitinsassen be-
richten kann, wirkt nicht überzeugend, zumal sie dann auch noch während
mehreren Stunden gemeinsam auf der Flucht gewesen seien (vgl. insb.
A20 F43, F78, F85).
Nach dem Gesagten gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu
machen, dass er ins persönliche Visier von E._ geraten ist, kurz vor
seiner Ausreise in dessen Auftrag entführt und misshandelt wurde und des-
halb geflüchtet ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er Sri Lanka aus
anderen als den dargelegten Problemen verlassen hat. Was die Inhaftie-
rung (...) und die dabei möglicherweise erlittenen Misshandlungen betrifft,
welche das SEM nicht in Frage gestellt hat, so ist festzuhalten, dass auch
diesbezüglich der geltend gemachte Zusammenhang zur F._ nicht
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glaubhaft gemacht ist. Das SEM hat, unabhängig davon, zu Recht ausge-
führt, dass dem Ereignis keine Asylrelevanz zukomme, da es diesem an
einem sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhang zur Ausreise 2019
fehlt. In der Beschwerde wird zwar zu Recht ausgeführt, dass die Anforde-
rungen an die begründete Furcht bei bereits erlebten Nachteilen tiefer aus-
fallen (vgl. ebd. S11; BVGE 2010/9 E. 5.2), nachdem der Beschwerdefüh-
rer vorliegend aber nach seiner Inhaftierung jahrelang ohne erheblichen
behördlichen Probleme in B._ leben konnte, liegen keine konkreten
Anhaltspunkte für eine im heutigen Zeitpunkt bestehende Verfolgungsge-
fahr dar und eine allfällige subjektive Furcht davor ist objektiv nicht im er-
forderlichen Sinne begründet.
5.3 Schliesslich ergibt sich auch unter Berücksichtigung allfälliger Risiko-
faktoren im Hinblick auf die Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich
relevante Gefährdung beziehungsweise eine im heutigen Zeitpunkt be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichtes E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publi-
ziert], E. 8.4). Das SEM hat zwar die Narben des Beschwerdeführers, die
gemäss zuvor erwähnten Referenzurteil ein schwach risikobegründender
Faktor darstellen (vgl. ebd. E. 8.5.5), nicht ausdrücklich erwähnt. Es hat
aber zu Recht darauf hingewiesen, dass er sich nach der Inhaftierung (...)
und dem Ende des Bürgerkriegs über Jahre hinweg unbehelligt in
B._ habe aufhalten können. Der Beschwerdeführer zog demnach
in all den Jahren – trotz offenbar sichtbaren Narben – die Aufmerksamkeit
der Behörden nicht auf sich und zwar weder bei der Ein- und Ausreise nach
Indien noch bei der Ausreise über den Flughafen im Jahr 2019. Er hat Ver-
bindungen zur LTTE ausdrücklich verneint, und dass er ins Visier von Mit-
gliedern der F._ beziehungsweise von E._ selbst, einem
hochrangigen Regierungsmitglied, geraten ist, konnte er nicht glaubhaft
machen. Dass er auf der Stop- oder der Watch-List aufgeführt ist, ist unter
diesen Umständen nicht überwiegend wahrscheinlich und eine in der Be-
schwerde nicht näher konkretisierte Behauptung. Auch unter dem Aspekt
der vom Bundesverwaltungsgericht formulierten Risikofaktoren ergibt sich
somit keine flüchtlingsrelevante Gefährdung des Beschwerdeführers.
5.4 An dieser Einschätzung ändern weder der Regierungswechsel vom
16. November 2019 noch die kürzlich erfolgte Verhaftung einer sri-lanki-
schen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo, da diesbe-
züglich kein individueller Bezug zum Beschwerdeführer ersichtlich ist. Ge-
mäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft sind im Zusammenhang mit
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Seite 13
der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin keine Informationen in Bezug
auf den Beschwerdeführer an die sri-lankischen Behörden gelangt, so dass
keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefährdungssituation hinweisen.
Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt festzuhalten:
Gotabaya Rajapaksa wurde damals zum neuen Präsidenten Sri Lankas
gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapa-
ksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-
premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Er war unter sei-
nem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der
von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde an-
geklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten so-
wie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für
Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich ge-
macht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World
Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der
neue Präsident seinen Bruder Mahinda sodann zum Premierminister und
band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die
drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im
neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen
oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/ne ws/world/asia/sri-lanka-
35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-
of-state20191127174753/, abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und
ethnische/religiöse Minderheiten befürchten verstärkte Repression und die
vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,
Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen
Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel
weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Go-
tabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an
(vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie
bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW,
Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch
gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
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Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
Die vom Beschwerdeführer geäusserte Angst, dass sich die Situation für
ihn und seine Familie unter dem neuen Präsidenten wieder verschlechtern
könnte, ist zwar aufgrund des erlebten Bürgerkrieges und der Entführung
seines Bruders subjektiv nachvollziehbar, angesichts des zuvor dargeleg-
ten Profils, insbesondere dem fehlenden politischen Konnex, ist jedoch
nicht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sich für ihn persönlich die Gefahr einer asylrelevanten Verfolgung erhöht.
Im Übrigen kann auf die Ausführungen des SEM verwiesen werden, wobei
die Einwände in der Beschwerde nichts zu verändern vermögen.
5.5 Dem Beschwerdeführer ist es aufgrund des Gesagten nicht gelungen,
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaub-
haft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
Weder die Vorbringen in der Beschwerde noch die eingereichten Beweis-
mittel vermögen an dieser Einschätzung etwas zu ändern.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Wegweisungsvollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen
(Art. 83 Abs. 3 AIG).
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges
beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrecht-
lichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen
Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein lässt
den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Auch der EGMR hatte
sich wiederholt mit der Gefährdungssituation für Tamilen auseinanderge-
setzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müs-
sen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K.
gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde
Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller
Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-
menschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung,
ob Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung ihrer Festnahme und
Befragung vorbringen können, verschiedene Aspekte beziehungsweise
persönliche Risikofaktoren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N.
gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien,
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a.a.O., § 13 und 69 sowie das bereits erwähnte Referenzurteil des Bun-
desverwaltungsgerichts E-1866/2015).
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste, die Aufmerksamkeit der sri-
lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf
sich zu ziehen (vgl. E. 5), bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm
würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in
seinem Heimatstaat drohen. Daran vermögen der Regierungswechsel vom
November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu
ändern.
Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich demzu-
folge als zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Im bereits zitierten Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesver-
waltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) be-
stätigt, wonach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz zu-
mutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann. Für Personen, die aus dem übrigen
Staatsgebiet von Sri Lanka (das heisst aus den Provinzen North Central,
North Western, Central, Western [namentlich: der Grossraum Colombo],
Southern, Sabarugamuwa und der Uva-Provinz) stammen und dorthin zu-
rückkehren, ist der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (vgl.
ebd.).
7.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna, Nordprovinz,
und hat die letzten zehn Jahre in B._ gelebt. An beide Orte ist der
Vollzug grundsätzlich zumutbar. Das SEM hat zu Recht ausgeführt, dass
er in verschiedenen Bereichen über Berufserfahrung verfügt und nicht mit
hinreichender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass er sich bei
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einer Rückkehr keine Existenzgrundlage erarbeiten kann. Mit seiner Ehe-
frau, seinen Kindern, seiner Mutter sowie zwei Geschwistern verfügt er im
Norden über ein familiäres Beziehungsnetz und es ist davon auszugehen,
dass auch in B._ ein soziales Umfeld vorliegt. Ausserdem machte
er keine gesundheitlichen Probleme in einem Ausmass geltend, die gegen
seine Rückkehr nach Sri Lanka sprechen würden. Vielmehr hat das SEM
zu Recht darauf hingewiesen, dass die von ihm erwähnten Beschwerden
in Sri Lanka behandelt werden können. Auf die diesbezüglichen Erwägun-
gen kann verwiesen werden.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit insgesamt auch als zumut-
bar.
7.4 Der Vollzug ist schliesslich auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). Der Be-
schwerdeführer hat seine sri-lankische Identitätskarte zu den Akten gege-
ben, weshalb auch in technischer Hinsicht kein Wegweisungsvollzugshin-
dernis ersichtlich ist. Ohnehin würde es ihm obliegen, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34
E. 12).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist
(Art. 49 Bst. c VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sein Gesuch um unent-
geltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfü-
gung vom 19. Dezember 2019 gutgeheissen wurde und keine Anhalts-
punkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither entscheid-
relevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzu-
sehen.
9.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde auch das Gesuch des Be-
schwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a
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Abs. 1 VwVG) und seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin
eingesetzt. Dieser ist ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwen-
dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Rechtsbeiständin hat
zusammen mit der Beschwerde eine Kostennote eingereicht, in der sie ei-
nen Zeitaufwand von 12 Honorarstunden à Fr. 150.– ausweist, was als (ge-
rade noch) angemessen einzuschätzen ist. Unter Berücksichtigung der
Replik vom 15. Januar 2020 ist das amtliche Honorar auf Fr. 1924.– (inkl.
Auslagen) festzusetzen und durch die Gerichtskasse zu vergüten.
(Dispositiv nächste Seite)
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