Decision ID: 0e40a5db-1de0-5494-9d98-3a920007df6d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ bezog ab dem 1. November 2013 Ergänzungsleistungen zu seiner
Viertelsrente der Invalidenversicherung (IV-Grad von 47 %; EL-Dossier 1, act. 38). Auf
die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für den Versicherten und
seine Ehefrau war vorerst verzichtet worden (vgl. EL-Dossier 1, act. 44-2).
A.a.
Am 2. Juni 2015 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf,
Nachweise für die von ihm und von seiner Ehefrau ab 1. Februar 2015 getätigten
Arbeitsbemühungen einzureichen (EL-Dossier 1, act. 21). In der Folge reichte der
Versicherte Übersichtsblätter seiner Bewerbungsbemühungen von Januar bis März
2015 ein (EL-Dossier 1, act. 20). Auf Rückfrage hin erklärte der Versicherte am 13.
August 2015 (EL-Dossier 1, act. 18), der RAV-Berater habe ihm gesagt, er müsse seine
Arbeitsbemühungen und diejenigen seiner Ehefrau nicht mehr dem RAV zustellen.
Aufgrund seiner schlechten Deutschkenntnisse habe er das so verstanden, dass er gar
keine Bewerbungen mehr schreiben müsse. Er habe gedacht, dass die EL-
Durchführungsstelle ihn beim RAV abgemeldet habe. Das RAV habe die
Stelleninserate, Bewerbungsschreiben und Absageschreiben nicht verlangt, weshalb
sie diese nicht aufbewahrt hätten.
A.b.
Die EL-Durchführungsstelle antwortete dem Versicherten mit zwei Schreiben vom
31. August 2015, dass sie die Begründung für die nicht-getätigten Arbeitsbemühungen
A.c.
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nachvollziehen könne (EL-Dossier 1, act. 14 und 16). Ihm und seiner Ehefrau werde
daher weiterhin kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet. Sie beide hätten
jedoch weiterhin je fünf schriftliche Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen oder
acht Blindbewerbungen, davon mindestens eine bis zwei schriftlich auf
ausgeschriebene Stellen, zu tätigen. Die Nachweise der Arbeitsbemühungen seien
aufzubewahren und der EL-Durchführungsstelle auf Verlangen vorzulegen.
Am 11. November 2015 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf,
sämtliche Arbeitsbemühungen der Monate September bis November 2015 von sich
und seiner Ehefrau einzureichen (EL-Dossier 1, act. 12). Dieser Aufforderung kam der
Versicherte am 2. Dezember 2015 nach (EL-Dossier 1, act. 11). Am 11. Dezember 2015
bat die EL-Durchführungsstelle den Versicherten, die Inserate der ausgeschriebenen
Stellen und sämtliche Übersichtsblätter der Monate September bis November 2015 bis
zum 16. Januar 2016 nachzureichen (EL-Dossier 1, act. 10). Die einverlangten
Unterlagen gingen am 12. Januar 2016 bei der EL-Durchführungsstelle ein (EL-Dossier
1, act. 6).
A.d.
Bereits mit Verfügung vom 21. Dezember 2015 hatte die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistungen per 1. Januar 2016 neu festgesetzt, da sich die
anrechenbare Prämienpauschale für die Krankenversicherung und die anrechenbaren
AHV-Nichterwerbstätigenbeiträge erhöht hatten (EL-Dossier 1, act. 9). Ein
hypothetisches Erwerbseinkommen war weiterhin nicht angerechnet worden.
A.e.
Mit Verfügung vom 6. Februar 2016 eröffnete die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten, dass er ab dem 1. März 2016 keinen Anspruch mehr auf
Ergänzungsleistungen habe (EL-Dossier 1, act. 1). Der Einnahmenüberschuss war die
Folge der Anrechnung hypothetischer Erwerbseinkommen für den Versicherten (Fr.
25'720.--) und dessen Ehefrau (Fr. 35'361.--). Die EL-Durchführungsstelle hielt fest,
dass der Versicherte und seine Ehefrau die Anforderungen betreffend die
Arbeitsbemühungen in keinem Monat erfüllt hätten.
A.f.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 26. Februar 2016 Einsprache
(EL-Dossier 2, act. 24). Er erklärte, er sei mit der Anrechnung hypothetischer
Erwerbseinkommen nicht einverstanden. Er und seine Ehefrau bemühten sich nach
A.g.
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bestem Wissen und Können um eine Arbeitsstelle. Am 22. März 2016 brachte der
Versicherte ergänzend vor (EL-Dossier 2, act. 21), er sei auf Ergänzungsleistungen
angewiesen. Seine Aussichten auf eine Anstellung seien sehr gering. Sein
Gesundheitszustand habe sich seit September 2015 verschlechtert. Im Moment könne
er deshalb keine Arbeit annehmen. Seine Ehefrau spreche sehr wenig Deutsch. Für die
Arbeitsbemühungen sei sie auf die Unterstützung der Tochter angewiesen. Diese sei in
der Zeit, in der die Arbeitsbemühungen nicht ausreichend gewesen seien, beruflich und
privat sehr beansprucht gewesen, weshalb sie nur teilweise von ihr hätten unterstützt
werden können. Inzwischen habe sie wieder mehr Zeit, weshalb die
Arbeitsbemühungen die Anforderungen wieder erfüllten. Er sehe ein, dass sie die
gestellten Anforderungen nicht erfüllt hätten, und bedaure dies sehr. Der
Einspracheergänzung lagen unter anderem Kopien der Arbeitsbemühungen des
Versicherten und seiner Ehefrau ab Dezember 2015 bis März 2016 sowie ein ärztliches
Zeugnis des Hausarztes C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, bei. Dieser
hatte am 15. Februar 2016 angegeben (Dossier 2, act. 21-3), dass der Versicherte seit
Mitte September 2015 aufgrund eines Verdachts auf eine axiale Spondyloarthritis
behandelt und abgeklärt werde. Zurzeit sei der Versicherte im Kantonsspital auf der
Rheumatologie in Behandlung, wo sich die Verdachtsdiagnose zu erhärten scheine. Für
die ganze Zeit der Behandlung spreche er den Versicherten zu 100 % arbeitsunfähig.
Am 20. April 2016 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass er
bei der IV-Stelle ein schriftliches Revisionsgesuch einreichen müsse, wenn er weiterhin
arbeitsunfähig sei (EL-Dossier 2, act. 18). In der Folge stellte der Versicherte am 28.
April 2016 bei der IV-Stelle ein Rentenerhöhungsgesuch (EL-Dossier 2, act. 16-2). Er
machte geltend, voll arbeitsunfähig zu sein.
A.h.
Am 27. Juli 2016 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass das
Einspracheverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss der IV-Revision sistiert werde
(EL-Dossier 2, act. 12).
A.i.
Eine Mitarbeiterin des Fachbereichs Ergänzungsleistungen hielt in ihrer
Stellungnahme vom 20. November 2018 fest (EL-Dossier 2, act. 5), dass das Verhalten
des Versicherten widersprüchlich sei. Einerseits habe er im Jahr 2015 (richtig: 2016) ein
IV-Revisionsgesuch eingereicht, da er sich zu 100 % arbeitsunfähig fühle; andererseits
A.j.
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habe er Stellenbemühungen eingereicht. Aufgrund der subjektiven
Krankheitsüberzeugung des Versicherten müsse bis zum ablehnenden Entscheid der IV
davon ausgegangen werden, dass er keine Stelle angetreten hätte. Vielmehr sei davon
auszugehen, dass er sich lediglich beworben habe, um eine höhere EL zu erhalten.
Dem Versicherten sei daher zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet worden.
Mit Entscheid vom 19. März 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab (EL-Dossier 2, act. 2). Zur Begründung hielt sie fest, die IV-Stelle habe am 9. März
2018 festgestellt, dass rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Einreichung des
Revisionsgesuchs am 28. April 2016 aus versicherungsmedizinischer Sicht ein stabiler
und stationärer Gesundheitszustand vorliege und dem Versicherten adaptierte
Tätigkeiten im Umfang von 65 % zumutbar seien. Daran habe sie (die EL-
Durchführungsstelle) sich grundsätzlich zu halten. Folglich habe sie sowohl für den
Zeitraum nach wie auch vor der angefochtenen Verfügung von einer Arbeitsfähigkeit im
Umfang von 65 % bzw. von 50 % auszugehen. Im Rahmen der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit habe sich der Versicherte grundsätzlich um eine Arbeitsstelle zu
bemühen. Der Versicherte sei bereits am 31. August 2015 über die Anforderungen an
die Bewerbungsbemühungen orientiert worden. Im Zeitraum September 2015 bis
Januar 2016 habe er die quantitativen Vorgaben in keinem Monat erfüllt. Selbst wenn
er sie erfüllt hätte, wären die Bewerbungen den qualitativen Anforderungen, welche für
Hilfsarbeiten tiefer seien als für qualifizierte Tätigkeiten, nicht gerecht geworden. Auch
die Ehefrau des Versicherten habe die Anforderungen an die Bewerbungsbemühungen
nicht erfüllt: Im September 2015 habe sie bloss vier Blindbewerbungen und eine
gezielte Bewerbung (davon hätten drei Bewerbungen per E-Mail gar nicht zugestellt
werden können), im Oktober 2015 zwei gezielte Bewerbungen und zwei
Blindbewerbungen und im November 2015 sechs Blindbewerbungen und zwei gezielte
Bewerbungen getätigt. Sowohl im Dezember 2015 wie auch im Januar 2016 habe sie
sich siebenmal telefonisch und einmal schriftlich beworben. Insofern sei bereits das
formale Erfordernis im Sinne des Schreibens vom 31. August 2018 (gemeint wohl: 31.
August 2015) nicht erfüllt worden. Hinzu komme, dass bei schriftlichen Bewerbungen
die Chancen auf eine Anstellung wesentlich besser seien als bei telefonischen. Auch
die getätigten schriftlichen Bewerbungen seien in qualitativer Hinsicht zu bemängeln. In
A.k.
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B.
der Gesamtansicht seien somit auch die Bewerbungsbemühungen der Ehefrau als
ungenügend zu bewerten. Im Ergebnis sei dem Versicherten und dessen Ehefrau ab 1.
März 2016 somit zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet
worden.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am 10. April 2019 Beschwerde
(act. G 1). Er machte geltend, dass er ab Anfang Januar 2016 die nötigen Bewerbungen
vorgelegt habe. Seines Erachtens habe er Anrecht auf Ergänzungsleistungen. Am
8. Mai 2019 brachte er ergänzend vor (act. G 3), dass die EL-Durchführungsstelle im
Schreiben vom 31. August 2015 akzeptiert habe, dass es Lücken bei seinen
Arbeitsbemühungen gebe. Danach habe er mit der EL-Durchführungsstelle telefonisch
vereinbart, dass er eine bis zwei schriftliche Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen
und sechs bis sieben telefonische Blindbewerbungen tätige. Er habe sich das leider
nicht schriftlich bestätigen lassen, weshalb er dieses Telefonat nicht beweisen könne.
Es erkläre aber ihre Vorgehensweise. Seine Ehefrau und er hätten regelmässig, jedoch
bis heute erfolglos, Bewerbungen getätigt.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 20. Mai 2019 mit Verweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 5).
B.b.
Am 23. Oktober 2020 forderte das Gericht bei der EL-Durchführungsstelle die IV-
Akten des Versicherten an (act. G 7). Diese gingen am 12. November 2020 beim
Gericht ein (act. G 9). Der Versicherte hatte sich im September 2000 zum IV-
Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 1). Mit Verfügung vom 14. August 2003 hatte die
IV-Stelle dem Versicherten unter Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 65 % für leichtere,
wechselbelastende Tätigkeiten bei einem IV-Grad von 47 % ab 1. September 2001
eine halbe Rente zugesprochen (sog. "Härtefall-Rente"; IV-act. 69, 79). Zwei
Rentenerhöhungsgesuche des Versicherten vom November 2004 und Januar 2012
waren abgelehnt worden (IV-act. 81, 120, 125, 129, 134). Ab 1. März 2014 hatte der
Versicherte noch Anspruch auf eine Viertelsrente (Wegfall der Härtefallrente, IV-act.
137). Am 28. April 2016 hatte der Versicherte ein Rentenerhöhungsgesuch gestellt (IV-
act. 139). Sein Hausarzt hatte im Bericht vom 19. April 2016 als neue Diagnose eine
B.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/16
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axiale Spondylarthritis angegeben (EM ca. 1999, ED Januar 2016). Die RAD-Ärztin
Dr. med. B._ hatte am 23. Mai 2016 notiert, dass eine allfällige Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden sei (IV-act. 142). Nach der Einholung
weiterer medizinischer Unterlagen hatte sie am 20. Juni 2016 erklärt, dass der
Gesundheitszustand aktuell instabil sei (IV-act. 152). Zur Behandlung der
Wirbelsäulenbeschwerden sei Mitte März 2016 eine hochwirksame Therapie eingeleitet
worden. Ein Wirkungseintritt sei nach ca. vier Monaten zu beurteilen. Am 11. Oktober
2016 hatte die RAD-Ärztin festgehalten, dass der Gesundheitszustand weiterhin nicht
stabil sei; die Arbeitsfähigkeit könne noch nicht abschliessend beurteilt werden (IV-act.
159). Am 3. Februar 2017 hatte die RAD-Ärztin notiert, dass zur Klärung der
Arbeitsfähigkeit eine medizinische Abklärung notwendig sei (IV-act. 171). Das
bidisziplinäre Gutachten war am 7. Dezember 2017 erstattet worden (IV-act. 193-30 ff.).
Die Gutachter hatten die Arbeitsfähigkeit − aus psychiatrischer Sicht − als um 20 %
eingeschränkt erachtet. Am 9. März 2018 hatte die IV-Stelle das
Rentenerhöhungsgesuch abgewiesen (IV-act. 209).
Mit Entscheid vom 16. Februar 2021 hiess das Gericht die Beschwerde gut und
hob den Einspracheentscheid vom 19. März 2019 ersatzlos auf (EL 2019/21). Das
Gericht erwog, dass es dem Versicherten ab September 2015 bis mindestens zum (hier
relevanten) Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 6. Februar 2016 zwar objektiv
möglich, aber nicht zumutbar gewesen sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen; der
Versicherte sei nämlich davon überzeugt gewesen, ab September 2015 für alle für ihn
in Frage kommenden Erwerbstätigkeiten nicht mehr arbeitsfähig zu sein. Die EL-
Durchführungsstelle hätte dem Versicherten daher ab dem 1. März 2016 kein
hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen dürfen. Die von der Ehefrau im
September 2015 und Oktober 2015 getätigten Arbeitsbemühungen seien bereits
quantitativ ungenügend gewesen. Im November 2015, Dezember 2015 und Januar
2016 habe die Ehefrau die zahlenmässigen Anforderungen an die Arbeitsbemühungen
erfüllt. Die EL-Durchführungsstelle habe der Ehefrau des Versicherten nie die
Gelegenheit gegeben, die von ihr geltend gemachten Mängel ihrer Bewerbungen zu
beheben. Sie habe also das Mahn- und Bedenkzeitverfahren, welches einer
Leistungskürzung notwendigerweise vorausgehen müsse, nicht korrekt durchgeführt.
Die Bewerbungsbemühungen der Ehefrau im Zeitraum November 2015 bis und mit
B.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/16
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Januar 2016 dürften daher in qualitativer Hinsicht nicht als ungenügend bewertet
werden. Hingegen müsse dem Versicherten für die Monate September 2015 und
Oktober 2015 bewusst gewesen sein, dass die Bewerbungsbemühungen seiner
Ehefrau ungenügend gewesen seien, denn diese Bemühungen hätten zahlenmässig
nicht den von der EL-Durchführungsstelle aufgestellten Anforderungen entsprochen.
Ab 1. Oktober 2015 falle deshalb die Vermutung, dass der Ehefrau des Versicherten die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit unmöglich sei, weg. Folgerichtig sei zu fingieren, dass
die Ehefrau am 1. Oktober 2015 eine Arbeitsstelle angetreten hätte. Den ersten Lohn
hätte sie allerdings erst Ende Oktober 2015 erhalten, weshalb ihr erst ab dem 1.
November 2015 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen gewesen wäre.
Ab November 2015 seien die Bewerbungsbemühungen der Ehefrau wieder als
genügend zu betrachten. Es sei also zu fingieren, dass die Ehefrau am 1. Dezember
2015 eine Stelle angetreten und Ende Dezember 2015 den ersten Lohn erhalten hätte.
In den Monaten November 2015 und Dezember 2015 hätte der Ehefrau also ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werden dürfen, welches per 31.
Dezember 2015 jedoch wieder aus der Berechnung hätte genommen werden müssen.
Somit sei auch der Ehefrau ab dem 1. März 2016 kein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen. Der Versicherte habe daher ab dem 1. März 2016
weiterhin einen Anspruch auf eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 2'976.-- (inkl.
Prämienpauschale Krankenversicherung).
Gegen diesen Entscheid erhob die EL-Durchführungsstelle am 17. März 2021
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht. Das
Bundesgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom 8. Juli 2021 teilweise gut, hob den
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2021 auf
und wies die Sache zur neuen Entscheidung an das Versicherungsgericht zurück (Urteil
9C_179/2021). Das Bundesgericht erwog, dass die EL-Organe und
Sozialversicherungsgerichte in Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit grundsätzlich die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung zu
übernehmen hätten. Diese habe einen unveränderten Invaliditätsgrad von 47 % bei
einer Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 65 % ermittelt. Bei der hiervon
abweichenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Hausarztes habe es sich nicht
um einen invaliditätsfremden Grund gehandelt, der die gesetzliche Vermutung der
B.e.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/16
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Considerations:
Erwägungen
1.
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit umzustossen vermöchte. Zudem sei es mit der
Schadenminderungspflicht nicht vereinbar, während eines laufenden
Rentenrevisionsverfahrens die allenfalls verbleibende Restarbeitsfähigkeit nicht zu
verwerten. Das Zeugnis des Hausarztes vom 15. Februar 2016 erwähne denn auch
lediglich eine neue Verdachtsdiagnose. Dem Versicherten habe bekannt sein müssen,
dass die Sache noch nicht klar und ein Vertrauen in die Arbeitsfähigkeitsbescheinigung
des Hausarztes demnach nicht angebracht gewesen sei. Bezüglich der Ehefrau des
Versicherten hielt das Bundesgericht fest, dass einer Anwendung von Art. 21 Abs. 4
ATSG auf die Ergänzungsleistungen jeglicher sachliche Zusammenhang fehle. Im
vorinstanzlichen Entscheid fehle eine konkrete Würdigung der Arbeitsbemühungen des
Versicherten und seiner Ehefrau. Die Sache sei demnach dem Versicherungsgericht
zurückzuweisen, damit es das Versäumte nachhole.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat die Beschwerde des
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführers) gegen den Einspracheentscheid der
EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 19. März 2019 mit
Entscheid vom 16. Februar 2021 gutheissen und den Einspracheentscheid ersatzlos
aufgehoben. Das Bundesgericht hat die von der Beschwerdegegnerin dagegen
erhobene Beschwerde teilweise gutgeheissen, den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 16. Februar 2021 aufgehoben und die Sache zur neuen
Entscheidung an das Versicherungsgericht zurückgewiesen (Urteil 9C_179/2021).
1.1.
Laut der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. statt vieler Urteil vom 16.
September 2015, 9C_242/2015 E. 3 und Urteil 9C_703/2009 vom 30. Oktober 2009 E.
2.2 f. mit Hinweisen) ist nur das Dispositiv, nicht aber die Begründung eines
Entscheides anfechtbar. Nur wenn das Dispositiv eines Rückweisungsentscheides
ausdrücklich auf die Erwägungen verweist, werden diese zum Bestandteil des
anfechtbaren Entscheides und damit für die Vorinstanz verbindlich. Im Schrifttum ist
aber mit einer überzeugenden Begründung aufgezeigt worden, dass es entgegen der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine Rolle spielen kann, ob im Dispositiv eines
Entscheides explizit auf die Erwägungen verwiesen wird oder nicht. Das Dispositiv
eines Gerichtsentscheides ist vielmehr genauso auslegungsbedürftig wie jenes einer
Verwaltungsverfügung. Für die Auslegung muss – ob mit oder ohne ausdrücklichen
1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/16
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Verweis im Dispositiv – die Begründung herangezogen werden, denn dieser lassen sich
die Überlegungen und Motive entnehmen, von denen sich das Gericht bei seiner
Entscheidfindung hat leiten lassen. Die Begründung eines Entscheides ist also die
primäre Quelle, auf die bei der Auslegung eines Dispositivs zurückgegriffen werden
muss (vgl. zum Ganzen auch Philipp Geertsen, Zur Mündigkeit der Urteilsbegründung
von Rückweisungsentscheiden in der sozialversicherungsrechtlichen Rechtsprechung,
in: SZS 2018, S. 503 ff., 505 f.; Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 22. März 2019, EL 2019/3 E. 1). Der Urteilsbegründung lässt sich eindeutig
entnehmen, dass das Versicherungsgericht eine konkrete Würdigung der erfolgten
Arbeitsbemühungen vornehmen und gestützt darauf beurteilen soll, ob der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau den Nachweis erbracht haben, trotz
ausreichender Arbeitsbemühungen keine Stelle gefunden zu haben (Erwägung 3.3 des
bundesgerichtlichen Entscheides). Auch wenn das Dispositiv des Bundesgerichtsurteils
keinen ausdrücklichen Verweis auf die Begründung enthält, ist das
Versicherungsgericht bei einer korrekten Interpretation des Dispositivs also dazu
verpflichtet worden, die vom Beschwerdeführer und seiner Ehefrau getätigten
Arbeitsbemühungen zu prüfen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 10. Mai 2021, EL 2020/41 E. 1).
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid nur den EL-
Anspruch ab 1. März 2016 bzw. nur die Arbeitsbemühungen bis und mit Januar 2016
überprüft. Dieses Vorgehen steht in Widerspruch zur (bisherigen) bundesgerichtlichen
Rechtsprechung, laut der bei der Erhebung einer Einsprache das Verwaltungsverfahren
erst durch den Einspracheentscheid abgeschlossen wird, welcher die ursprüngliche
Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung sollen demnach die
tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des Einspracheentscheides
massgebend sein (BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 mit Hinweisen). Dieser (bisherigen)
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann nicht gefolgt werden: Bei der Einsprache
handelt es sich um ein förmliches Rechtsmittel, mit dem eine Verfügung bei der
verfügenden Verwaltungsbehörde zwecks Neuüberprüfung angefochten werden kann
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016,
N 1194; BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1. mit Hinweisen). Mit einem Rechtsmittel kann ein
gerichtlicher oder behördlicher Entscheid auf seine Rechtmässigkeit hin überprüft
werden. Der Streitgegenstand wird somit durch den Inhalt des angefochtenen
Entscheides definiert. Mit der Einsprache kann folglich nur angefochten werden, was
Gegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen ist (H. Seiler, Rechtsfragen des
Einspracheverfahrens in der Sozialversicherung [Art. 52 ATSG], in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 80). Die zukünftige
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/16
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2.
Sachverhaltsentwicklung, d.h. die Zeit zwischen dem Verfügungserlass und dem Erlass
des Einspracheentscheides, gehört daher nicht zum Streitgegenstand. Gegen eine
Ausdehnung des Streitgegenstandes in zeitlicher Hinsicht sprechen auch weitere
Gründe: Würde die zukünftige Sachverhaltsentwicklung zum Streitgegenstand
gehören, könnte die Beschwerdegegnerin den Streitgegenstand beliebig erweitern,
indem sie mit dem Erlass des Einspracheentscheides möglichst lange zuwarten würde.
Durch die Ausdehnung des Streitgegenstandes würde der Einsprache erhebenden
Person zudem die Möglichkeit genommen, gegen die Würdigung des Sachverhalts im
Zeitraum zwischen dem Verfügungserlass und dem Einspracheentscheid Einsprache
zu erheben (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
2. März 2015, EL 2012/37 E. 2). Ausserdem müssten alle Verfügungen, die seit der
einspracheweise angefochtenen Verfügung ergangen sind, als nichtig qualifiziert
werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die (bisherige) bundesgerichtliche
Auffassung, laut der im Einspracheentscheid die Verhältnisse bis zum Erlass des
Einspracheentscheides zu berücksichtigen seien, zwar aus einer rein
verfahrenstechnischen Sicht im Einzelfall effizient sein mag. Es geht jedoch nicht an,
mit einer rein verfahrensökonomischen Begründung den EL-beziehenden Personen
den gesetzlich vorgesehenen Rechtsmittelweg zu beschneiden (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Februar 2018, EL 2016/55 E. 1.2).
Im vorliegenden Fall hätte die Ausdehnung des Streitgegenstands bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid die Sachverhaltsveränderungen über
einen Zeitraum von mehr als drei Jahren hätte aufarbeiten müssen: Die dem
angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. März 2019 zugrundeliegende Verfügung
datiert nämlich vom 6. Februar 2016. Die Ausdehnung des Streitgegenstands bis zum
Erlass des Einspracheentscheides wäre im vorliegenden Fall also offensichtlich weder
praktikabel noch verhältnismässig gewesen. Das Bundesgericht hat sich in seinem
Rückweisungsentscheid vom 8. Juli 2021 (9C_179/2021) zur Nichtanwendung seiner
bisherigen Praxis betreffend den zeitlichen Streitgegenstand nicht geäussert. Dies kann
nur so interpretiert werden, dass es die diesbezügliche Argumentation des
Versicherungsgerichts als überzeugend angesehen hat. Die Beschwerdegegnerin hat
demnach zu Recht nur die Sachverhaltsentwicklung bis zur Eröffnung der
einspracheweise angefochtenen Verfügung, d.h. bis 6. Februar 2016, beurteilt.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/16
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3.
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen werden nach den Art. 10 und 11 ELG sowie den Art. 11 bis
18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind
gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG auch Einkünfte, auf die verzichtet worden ist.
Invaliden EL-Ansprechern wird als Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag,
den sie im massgebenden Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben (Art. 14a Abs. 1
ELV i.V.m. Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG), mindestens jedoch der in Art. 14a Abs. 2 lit. a-c ELV
angegebenen Grenzbetrag, angerechnet. Wird dieser nicht erreicht, insbesondere
wenn keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, gilt die Vermutung eines Verzichts auf
Einkünfte im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. Diese Vermutung kann durch den
Nachweis, dass invaliditätsfremde Gründe wie Alter, mangelhafte Ausbildung und
Sprachkenntnisse, persönliche Umstände oder die Arbeitsmarktsituation die
Verwertung der Resterwerbsfähigkeit übermässig erschweren oder verunmöglichen,
widerlegt werden. Massgebend für die Berechnung der Ergänzungsleistungen ist daher
das hypothetische Einkommen, das die versicherte Person tatsächlich realisieren
könnte. Unter dem Titel des bei der Berechnung der Ergänzungsleistung
anrechenbaren Verzichtseinkommens ist grundsätzlich auch ein hypothetisches
Einkommen des Ehegatten eines EL-Ansprechers zu berücksichtigen. Dabei ist auf das
Alter, den Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige
Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der
Abwesenheit vom Berufsleben abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. April
2019, 9C_515/2018 E. 2.2 f. mit Hinweisen). Auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ist zu verzichten, wenn der EL-Ansprecher resp. der Ehegatte
trotz ausreichender Arbeitsbemühungen keine Stelle findet. Diese Voraussetzung ist
unter anderem dann erfüllt, wenn der EL-Ansprecher resp. der Ehegatte beim RAV zur
Arbeitsvermittlung angemeldet ist sowie qualitativ und quantitativ ausreichende, aber
erfolglose Stellenbemühungen nachweist (vgl. Rz. 3424.07 und Rz. 3483.03 der
Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Ergänzungsleistungen
zur AHV und IV, WEL, gültig ab 1. April 2011, Stand 1. Januar 2019).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin hat die Anforderungen an die Arbeitsbemühungen in
einem Schreiben vom 31. August 2015 noch einmal neu festgelegt: Neu hat sie vom
Beschwerdeführer fünf schriftliche Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen oder
acht Blindbewerbungen, davon mindestens ein bis zwei schriftlich auf ausgeschriebene
Stellen, verlangt; mit letzterem kann sie nur entweder sieben Blindbewerbungen plus
3.1.
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eine schriftliche Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle oder aber sechs
Blindbewerbungen und zwei schriftliche Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen
gemeint haben. Das Bundesgericht hat das Versicherungsgericht in seinem Urteil vom
8. Juli 2021 angewiesen, die erfolgten Arbeitsbemühungen zu prüfen. Ob es den
Stellenbewerbungen des Beschwerdeführers von vornherein an der erforderlichen
Ernsthaftigkeit gefehlt hat − der Beschwerdeführer hat namentlich in der
Einspracheergänzung vom 22. März 2016 erklärt, dass sich sein Gesundheitszustand
verschlechtert habe und er deshalb im Moment keine Arbeit annehmen könne (Dossier
2, act. 21-1) − ist somit nicht zu prüfen.
Die Beschwerdegegnerin hat in der dem angefochtenen Einspracheentscheid
zugrunde liegenden Verfügung vom 6. Februar 2016 die im Zeitraum September bis
November 2015 getätigten Arbeitsbemühungen überprüft. Da der Beschwerdeführer
zusammen mit der Einspracheergänzung weitere Arbeitsbemühungen von sich und
seiner Ehefrau eingereicht hat, hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid auch die im Dezember 2015 und Januar 2016 getätigten
Arbeitsbemühungen überprüft. Gemäss Art. 25 Abs. 1 lit. c i.V.m. Abs. 2 lit. c ELV ist
die jährliche Ergänzungsleistung bei Eintritt einer voraussichtlich längere Zeit
dauernden Erhöhung der vom ELG anrechenbaren Einnahmen spätestens auf den
Beginn des Monats, der auf die neue Verfügung folgt, neu zu verfügen; vorbehalten
bleibt die Rückforderung (richtig: rückwirkende Anpassung) bei Verletzung der
Meldepflicht. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer in den beiden
Schreiben vom 31. August 2015 darauf hingewiesen, dass sie die Nachweise der
Arbeitsbemühungen einfordern werde. Der Beschwerdeführer hat also keine
Meldepflichtverletzung begangen, indem er die Nachweise der Arbeitsbemühungen ab
September 2015 erst auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin im November
2015 eingereicht hat. Die Beschwerdegegnerin hat die Ergänzungsleistungen zufolge
der Anrechnung von hypothetischen Erwerbseinkommen für den Beschwerdeführer
und seine Ehefrau daher zu Recht erst auf den Beginn des auf die neue Verfügung (6.
Februar 2016) folgenden Monats (1. März 2016) angepasst. Da also keine rückwirkende
Anpassung der Ergänzungsleistungen erfolgt, erübrigt es sich, die Arbeitsbemühungen
im Zeitraum 1. September 2015 bis 31. Dezember 2015 zu überprüfen. Entscheidend
ist somit lediglich, ob sich der Beschwerdeführer (und das Gleiche gilt für seine
Ehefrau, siehe die nachfolgende Erwägung 3.4) im Januar 2016 ausreichend beworben
hat: Hätte er sich genügend beworben, bestünde die Vermutung, dass er im Februar
2016 unverschuldet arbeitslos gewesen wäre. Er hätte also Ende Februar 2016
unverschuldet keinen Lohn erhalten, weshalb ihm ab 1. März 2016 weiterhin kein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen wäre. Wirtschaftlich betrachtet kann
3.2.
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ein Lohn nämlich erst zur Deckung des Bedarfs verwendet werden, wenn er ausbezahlt
worden ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai
2016, EL 2014/51 E. 3.4; Entscheid vom 5. November 2019, EL 2018/18 E. 4.1.1).
Sollten sich die Arbeitsbemühungen des Beschwerdeführers vom Januar 2016
hingegen als ungenügend erweisen, so wäre zu fingieren, dass der Beschwerdeführer
am 1. Februar 2016 eine Arbeitsstelle angetreten hätte, wenn er sich im Januar 2016
ausreichend beworben hätte. Da er den ersten Lohn erst Ende Februar 2016 erhalten
hätte, wäre ihm ab dem 1. März 2016 ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen.
Der Beschwerdeführer hat sich im Januar 2016 acht Mal beworben (Dossier 2, act.
21-28). Bei sieben Bewerbungen hat es sich um telefonische Spontanbewerbungen
gehandelt, eine Bewerbung ist auf eine ausgeschriebene Stelle erfolgt. Dabei hat es
sich um eine Vollzeitstelle als Produktions-/Betriebsmitarbeiter gehandelt, die unter
anderem sehr gute Deutschkenntnisse verlangt hat (Dossier 2, act. 21-30 f.). Gemäss
dem Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juli 2021 muss das Versicherungsgericht die
Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung übernehmen (Erw. 3.1 des
bundesgerichtlichen Entscheides). Nach der Vorgabe des Bundesgerichts ist bei der
Prüfung der Frage, ob dem Beschwerdeführer ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen ist, somit von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 65 % für adaptierte
Tätigkeiten auszugehen. Der Beschwerdeführer hat also das Anforderungsprofil der
ausgeschriebenen Stelle, auf die er sich im Januar 2016 beworben hat, nicht erfüllt:
Einerseits ist es ihm nicht möglich gewesen, ein Vollzeitpensum zu absolvieren und
andererseits spricht er gemäss eigenen Angaben sehr wenig Deutsch (Dossier 2, act.
21-1). Die Bewerbung ist daher von vornherein aussichtslos gewesen. Zwar hat die
Beschwerdegegnerin keine Vorgaben dazu gemacht, in welcher Form die
Spontanbewerbungen zu erfolgen haben. Allerdings stellt sich die Frage, wie sich der
Beschwerdeführer überzeugend hätte telefonisch bewerben sollen, wenn er sehr wenig
Deutsch spricht. Insgesamt sind die vom Beschwerdeführer im Januar 2016 getätigten
Arbeitsbemühungen in qualitativer Hinsicht jedenfalls als ungenügend zu qualifizieren.
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer daher ab dem 1. März 2016 zu
Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet.
3.3.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich Januar 2016 ebenfalls acht Mal
beworben. Bei sieben Bewerbungen hat es sich um Blindbewerbungen per Telefon
gehandelt, eine Bewerbung ist schriftlich auf eine ausgeschriebene Stelle erfolgt
(Dossier 2, act. 21-65). Die Ehefrau ist im entsprechenden Bewerbungsschreiben nicht
auf den Stellenausschrieb eingegangen (Dossier 2, act. 21-69), sondern hat ihr
3.4.
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"Standard-Motivationsschreiben" benutzt (vgl. z.B. Dossier 2, act. 21-75, 21-72). Hinzu
kommt, dass dieses sehr viele Schreib- und Sprachfehler enthalten hat. Das
Versicherungsgericht hat im vom Bundesgericht aufgehobenen Entscheid vom 16.
Februar 2021 die Frage aufgeworfen, ob von einer Hilfsarbeiterin überhaupt ein
individuell auf die jeweilige Stelle zugeschnittenes, fehlerfreies Motivationsschreiben
verlangt werden könne. Die Ehefrau des Beschwerdeführers lebt seit 198_ in der
Schweiz (Dossier 1, act. 128-1). Ihre 198_, 198_ und 199_ geborenen Kinder (Dossier 1,
act. 61-3) sind also in der Schweiz aufgewachsen. Der Beschwerdeführer hat in der
Einspracheergänzung denn auch angegeben, dass die Tochter sie bei den
Arbeitsbemühungen unterstütze. Daher ist davon auszugehen, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers mithilfe ihrer Kinder (oder aber auch von anderen Dritten) ein
(zumindest nahezu) fehlerfreies, konkret auf die jeweilige Stelle zugeschnittenes
Bewerbungsschreiben hätte verfassen können. Mit Bezug auf die telefonischen
Blindbewerbungen gilt das Gleiche wie beim Beschwerdeführer: Laut dem
Beschwerdeführer spricht auch seine Ehefrau sehr wenig Deutsch; die getätigten
telefonischen Bewerbungen können daher nicht aussichtsreich gewesen sein.
Dementsprechend muss auch der Ehefrau des Beschwerdeführers die Motivation,
tatsächlich eine Arbeitsstelle finden und antreten zu wollen, abgesprochen werden. Die
von der Ehefrau des Beschwerdeführers im Januar 2016 getätigten
Arbeitsbemühungen sind somit als ungenügend zu beurteilen. Die
Beschwerdegegnerin hat daher auch der Ehefrau ab dem 1. März 2016 zu Recht ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet.
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 14a Abs. 2
lit. a ELV ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 25'720.-- und der Ehefrau ein
solches von Fr. 35'361.-- pro Jahr angerechnet. Gemäss der Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen sind − entgegen der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung − die in Art. 14a Abs. 2 ELV genannten Erwerbseinkommen als
Mindestbeträge zu interpretieren ("Invaliden unter 60 Jahren ist als Erwerbseinkommen
jedoch mindestens anzurechnen: [...]"). Soweit es einer invaliden Person im Einzelfall
zumutbar ist, ein höheres Erwerbseinkommen zu erzielen, so ist ihr ein höheres
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen (zum Ganzen siehe RALPH JÖHL/
PATRICIA USINGER-EGGER, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer
[Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht Bd. XIV Soziale Sicherheit,
3. Auflage, N 136). Da keine zuverlässigere Grundlage vorhanden ist, ist für die
Ermittlung des Betrages des hypothetischen Erwerbseinkommens gemäss der Praxis
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen auf die Ergebnisse der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik abzustellen. Das
3.5.
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4.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).