Decision ID: 299e9b9c-7172-50fe-9a55-ce37848bfbb9
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law
Law Sub-area: Oeffentliches Bau-, Raumplanungs- und Umweltrecht
Label: approval

Facts:
I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Hindelbank Grundbuchblatt
Nr. C._ (D._strasse 6). Das Gebäude an der D._strasse 6 wird
im Bauinventar der Gemeinde Hindelbank als K-Objekte mit der Einstufung
«schützenswert» geführt.1
1 Bauinventar der Gemeinde Hindelbank, S. 15
RA Nr. 110/2018/28 2
2. Der Beschwerdeführer verlangte mit Schreiben an die Denkmalpflege des Kantons
Bern (KDP) vom 6. April 2017, sein Haus sei aus dem Bauinventar zu streichen. Die KDP
teilte dem Beschwerdeführer daraufhin mit Schreiben vom 10. April 2017 mit, eine
Streichung könne nur im Rahmen eines Nutzungsplan- oder Baubewilligungsverfahrens
beantragt werden. Da derzeit kein Gesuch für ein baubewilligungspflichtiges Bauvorhaben
hängig sei, könne dem Antrag auf Überprüfung der Einstufung und Entlassung aus dem
Bauinventar nicht nachgekommen werden.
3. Am 22. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer bei der Gemeinde Hindelbank ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Carports für zwei Autos auf seinem Grundstück.
Zugleich wiederholte er seinen Antrag, die Liegenschaft aus dem Bauinventar zu
entfernen.
4. Die Vorinstanz zog für das Baubewilligungsverfahren die KDP bei. Die KDP stellte
mit Bericht vom 14. November 2017 den Antrag, das Bauvorhaben zu bewilligen. Die
Entfernung des Gebäudes aus dem Bauinventar lehnte sie dagegen ab. Gestützt auf
diesen Bericht bewilligte die Vorinstanz mit Entscheid vom 10. Januar 2018 die Erstellung
des Carports auf der Parzelle Hindelbank Grundbuchblatt Nr. C._. Den Antrag auf
Entfernung des Gebäudes aus dem Bauinventar wies sie in Ziffer 4.2 des Entscheids ab
und hielt fest, dass es sich bei der Liegenschaft D._strasse 6 um ein
schützenswertes Baudenkmal handle.
5. Gegen Ziffer 4.2 des Entscheids vom 10. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer
am 12. Februar 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) ein.
Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Ziffer und die Streichung des Wohnhauses
auf der Parzelle Hindelbank Grundbuchblatt Nr. C._ aus dem kantonalen
Bauinventar.
RA Nr. 110/2018/28 3
6. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die Vorakten
ein und gab der Gemeinde Hindelbank und der KDP Gelegenheit zur Stellungnahme. Die
Gemeinde Hindelbank beantragt mit Stellungnahme vom 13. März 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Die KDP nahm für ihre Vernehmlassung Kontakt zum Beschwerdeführer auf,
um einen Termin für eine bisher nicht erfolgte Innenbesichtigung der Räumlichkeiten des
Hauses zu vereinbaren. Der Beschwerdeführer teilte der KDP mit Schreiben vom
2. März 2018 mit, er lehne eine Besichtigung der Liegenschaft zum jetzigen Zeitpunkt und
ausserhalb eines durch die Beschwerdeinstanz angeordneten Augenscheins ab. Die KDP
hielt in der Folge mit Stellungnahme an das Rechtsamt vom 15. März 2018 an ihrer
ursprünglichen Einstufung des Gebäudes als schützenswert fest, ohne einen
ausdrücklichen Antrag zu stellen. Sie wies allerdings darauf hin, dass sie keine
Innenbesichtigung des Hauses habe vornehmen können.
7. Das Rechtsamt führte am 18. Mai 2018 im Beisein des Beschwerdeführers sowie
einer Vertretung der Vorinstanz und der KDP einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch und besichtigte u.a. das Gebäudeinnere. Die Beteiligten
erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern. Die KDP reichte
einen ergänzten Bericht zur Einstufung des Objekts ein, der auch das Gebäudeinnere
berücksichtigt. Darin beurteilt die KDP das Objekt neu als erhaltenswert und nicht mehr als
schützenswert.
8. Das Rechtsamt gab den Beteiligten mit Verfügung vom 6. Juli 2018 Gelegenheit für
Schlussbemerkungen. Der Beschwerdeführer hält in seinen Schlussbemerkungen vom
29. August 2018 an seinem Antrag auf komplette Entfernung seines Wohnhauses aus dem
Bauinventar fest.
9. Auf die Rechtsschriften, die Vorakten sowie das Ergebnis des Beweisverfahrens
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2018/28 4

Considerations:
II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde gegen den Entscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher und die
zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Betreffend das Bauinventar kann die
Grundeigentümerin oder der Grundeigentümer im Nutzungsplanverfahren oder, wenn seit
der Errichtung des Inventars kein solches durchgeführt worden ist, im
Baubewilligungsverfahren den Nachweis verlangen, dass ein Inventar richtig ist (Art. 10d
Abs. 2 BauG, Art. 13c Abs. 2 BauV4).
Das Bauinventar der Gemeinde Hindelbank stammt aus dem Jahr 2004. Die Gemeinde hat
nach diesem Zeitpunkt zwar ein Nutzungsplanverfahren durchgeführt, das Bauinventar
aber nicht in ihre Nutzungsplanung überführt, d.h. nicht grundeigentümerverbindlich
gemacht. Die Schutzobjekte gemäss Bauinventar sind im Zonenplan der Gemeinde nicht
gekennzeichnet, ausser jene Objekte, die durch einen Regierungsratsbeschluss unter
Schutz gestellt wurden. Aber auch diese werden nur im Sinne eines Hinweises aufgeführt.5
Der Beschwerdeführer, dessen Antrag auf Entfernung seiner Liegenschaft aus dem
Bauinventar der Gemeinde Hindelbank im Bauentscheid vom 10. Januar 2018 abgewiesen
wurde, ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 5 Zonenplan der Gemeinde Hindelbank, beschlossen am 29. Juni 2005, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 5. Dezember 2005; vgl. auch Art. 51 des Baureglements der Gemeinde Hindelbank vom 29. Juni 2005
RA Nr. 110/2018/28 5
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt in einem Beschwerdeverfahren ist die Verfügung der Vorinstanz.
Der Streitgegenstand bezeichnet denjenigen Teil des Anfechtungsobjektes, den die
beschwerdeführende Partei von der Rechtsmittelinstanz überprüfen lassen will. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber nicht
über dieses hinausgehen. Er wird mit dem Antrag und der Begründung in der Beschwerde
festgelegt.6
b) Die Beschwerde des Beschwerdeführers richtet sich einzig gegen Ziffer 4.2 des
Entscheids vom 10. Januar 2018. Diese lautet wie folgt: «4.2.1 Bei der Liegenschaft D._strasse 6 handelt es sich um ein schützenswertes
Baudenkmal gemäss Art. 10a BauG.
4.2.2 Die Einstufung des Gebäudes als schützenswertes Baudenkmal im Bauinventar der
Gemeinde Hindelbank, wird nach wie vor als richtig beurteil[t].
4.2.3 Dem Antrag der Entfernung des eingestuften Objekts aus dem Bauinventar wird nicht
entsprochen.
4.2.4 Der Fachbericht der Kantonalen Denkmalpflege vom 14. November 2017, bildet einen
integrierenden Bestandteil dieses Entscheides.»
Die angefochtene Ziffer 4.2 betrifft somit die Frage der Entfernung des Objekts aus dem
Bauinventar. Der Streitgegenstand im Beschwerdeverfahren ist daher auf die Einstufung
des Wohnhauses «D._strasse 6» beschränkt.
3. Rechtliches Gehör, Begründungspflicht
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 32 N 13 und Art. 72 N 6 ff.; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 148 ff.
RA Nr. 110/2018/28 6
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, der Bericht der KDP vom 14. November 2017
erschöpfe sich in pauschalen, inhaltsleeren Formulierungen und lasse eine konkrete
Auseinandersetzung mit den relevanten Kriterien des Einzelfalls vermissen. Damit werde
eine sachgerechte Auseinandersetzung und Anfechtung des Entscheids verunmöglicht.
Die Vorinstanz habe die Begründungspflicht verletzt.
b) Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie
sich stützt (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG7). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die
Betroffenen den Entscheid sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde
mindestens kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf
die sie ihren Entscheid stützt. Sie kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken.8
c) Betreffend die Einstufung des Hauses verweist die Gemeinde im angefochtenen
Entscheid vom 10. Januar 2018 im Wesentlichen auf die Ausführungen der KDP im Bericht
vom 14. November 2017. Diesem Bericht lässt sich u.a. Folgendes entnehmen: «Das Wohnhaus D._strasse 6 in Hindelbank ist ein qualitätsvoller Massiv- und Ständerbau
aus dem Jahr 1911. Typisch für den in dieser Zeit aufkommenden Reformstil, bzw. Heimatstil sind
die vielfältig gestalteten Fassaden und Dachformen. Ebenfalls bemerkenswert sind die zahlreich
erhaltenen und ursprünglichen dekorativen Elemente. Die Qualitäten des Gebäudes zeigen sich im
Quervergleich mit ähnlichen Objekten aus der Region und derselben Bauzeit. Daraus geht hervor,
dass das Wohnhaus an der D._strasse 6 eines der frühen Beispiele dieses Baustils in der
Region darstellt, welches zudem durch seinen Detailreichtum und Erhaltungszustand herausragt. In
ähnlicher aber oft einfacherer Ausprägung tritt dieser Baustil erst bei Wohnhäusern ab der Mitte der
1920er Jahre in Erscheinung. Insgesamt erscheint damit die Einstufung des Gebäudes als
schützenswertes Baudenkmal nach wie vor richtig.»
Die Vorinstanz erklärte diesen Bericht der KDP explizit zum Bestandteil ihres Entscheids
vom 10. Januar 2018.9 Aus dem Bericht gehen die wesentlichen Überlegungen, die zur
Bestätigung der Unterschutzstellung führten, hervor. So werden etwa die vielfältig
gestalteten Fassaden und Dachformen sowie die ursprünglichen dekorativen Elemente
hervorgehoben. Auch der Zustand des Gebäudes wird positiv gewürdigt. Der
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 8 BGE 136 I 229 E. 5.2 m.w.H.; VGE 2011/206 vom 4. Mai 2012 E. 4.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6 ff. 9 vgl. Ziff. 4.2.4 des Dispositivs im Entscheid vom 10. Januar 2018
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Beschwerdeführer konnte den angefochtenen Entscheid anhand dieser Ausführungen
sachgerecht anfechten. Die Vorinstanz ist der Begründungspflicht genügend
nachgekommen und hat insofern den Anspruch auf rechtliches Gehör des
Beschwerdeführers nicht verletzt.
4. Rechtliches Gehör, Untersuchungsgrundsatz
a) Der Beschwerdeführer machte am Augenschein vom 18. Mai 2018 und in seinen
Schlussbemerkungen vom 29. August 2018 geltend, die Gemeinde und die KDP hätten im
vorinstanzlichen Verfahren den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie es unterlassen
hätten, den rechtsrelevanten Sachverhalt – insbesondere die Besichtigung des
Gebäudeinnern – ordnungsgemäss und vollständig festzustellen. Dadurch sei auch der
Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt worden.
b) Die verfügende Behörde hat die entscheidwesentlichen Sachverhaltselemente von
Amtes wegen zu erheben (Art. 18 VRPG; sog. Untersuchungsmaxime). Die
Sachverhaltsfeststellung umfasst das Zusammentragen, Nachprüfen und Bewerten der
Sachumstände (Tatsachen), die für die Rechtsanwendung massgebend sind. Die Behörde
muss demnach nicht alles und jedes in Erfahrung bringen, was sich im Zusammenhang mit
den interessierenden Lebensvorgängen abgespielt hat, sondern nur, was im Hinblick auf
die Regelung des Rechtsverhältnisses bedeutsam ist. Unvollständig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde nicht alle für den Entscheid wesentlichen
Sachumstände bzw. Beweismittel erhoben hat. Unrichtig ist sie, wenn die Behörde die
Beweismittel falsch gewürdigt oder einen rechtserheblichen Sachumstand nicht in das
Beweisverfahren einbezogen hat.10 Verletzungen der Untersuchungspflicht können im
ordentlichen Rechtsmittelverfahren gerügt werden. Die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des Sachverhalts stellt eine Rechtsverletzung dar, ein Verstoss gegen die
Beweisregeln, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und damit eine
Verfassungsverletzung.11 Eine Grenze des Untersuchungsgrundsatzes bildet die
Mitwirkungspflicht der Parteien: Gemäss Art. 20 Abs. 1 VRPG sind die Parteien
verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Damit lastet die
10 Vgl. BVR 2010 S. 13 E. 5.2 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 11
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Verantwortung für das Sammeln der Entscheidgrundlagen nicht ausschliesslich auf den
Behörden.12
c) Im vorinstanzlichen Verfahren verlangte der Beschwerdeführer, das eingestufte
Objekt aus dem Bauinventar zu entlassen. Die Vorinstanz holte in der Folge einen
Fachbericht der KDP ein und wies gestützt darauf den Antrag des Beschwerdeführers ab.
Es ist unbestritten, dass bis dahin keine Innenbesichtigung des Objekts des
Beschwerdeführers stattgefunden hatte. Dies, obwohl die KDP selbst die Meinung vertritt,
dass die Innenräume für die Einstufung eines Gebäudes relevant sind. So hielt sie im
Beschwerdeverfahren mit Schreiben vom 15. März 2018 Folgendes fest: «Da nach Art. 10b
Abs. 2 BauG innere Bauteile, Raumstrukturen und feste Ausstattungen Teil des
Schutzumfangs sind, ist für die einlässliche Abklärung der Schutzwürdigkeit eine
Innenbesichtigung [...] zwingend.» Dass die innere Beschaffenheit des Gebäudes auch
vorliegend bedeutsam ist, zeigt sich bereits darin, dass die KDP im Beschwerdeverfahren
nach der Besichtigung der Innenräume ihre ursprüngliche Beurteilung revidierte. Indem im
vorinstanzlichen Verfahren ohne die notwendige Kenntnis der Innenräume die Bestätigung
der Einstufung des Objekts erfolgte, wurde der rechtserhebliche Sachverhalt unvollständig
festgestellt. Diese Unvollständigkeit ist nicht dem Beschwerdeführer anzulasten: Zwar
lehnte er eine Anfrage der KDP ab, als diese für ihre Stellungnahme das Gebäudeinnere
besichtigen wollte.13 Dies betrifft allerdings das Beschwerdeverfahren vor der BVE. Dass
der Beschwerdeführer der KDP bereits im vorinstanzlichen Verfahren die Besichtigung
der Innenräume verwehrt hätte, ist nicht ersichtlich.
d) Die Beschwerdeinstanz ist grundsätzlich gehalten, den durch die Vorinstanz
unvollständig festgestellten Sachverhalt selber zu ermitteln und anschliessend einen
Entscheid in der Sache zu fällen. Von der Möglichkeit der Rückweisung sollte sie bei
Rechtsfehlern in der Sachverhaltserhebung nur ausnahmsweise und bei Vorliegen von
besonderen Gründen Gebrauch machen.14 Im Beschwerdeverfahren vor der BVE wurde
die vollständige Besichtigung des Objekts nachgeholt. Die unvollständige
Sachverhaltsfeststellung wurde somit korrigiert. Weil die KDP bereits eine neue Beurteilung
vorgenommen hat und die BVE bei der Überprüfung der vom Beschwerdeführer
vorgebrachten Rügen über dieselbe Kognition verfügt wie die Vorinstanz, rechtfertigt sich
12 BVR 2004 S. 133 E. 4.2.1 13 Schreiben des Beschwerdeführers an die KDP vom 2. März 2018 14 Vgl. BVR 2010 S. 13 E. 5.3
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eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung mit Rücksicht auf die
Verfahrensökonomie nicht. Die rechtsfehlerhafte Feststellung des Sachverhalts im
vorinstanzlichen Verfahren wird allerdings bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen
sein.
5. Hinweisinventar und Bauinventar
a) Der Beschwerdeführer rügt, im Hinweisinventar der besonderen Einzelbauten der
Gemeinde Hindelbank von 1986 sei das Wohnhaus des Beschwerdeführers im
Situationswert C eingestuft worden. Diese Kategorie sei für Gebäude gedacht, die keinen
besonderen baulichen Eigenwert besitzen würden, also weder schützenswert noch
erhaltenswert seien. Demgegenüber sei später im Bauinventar der Gemeinde Hindelbank
das Wohnhaus des Beschwerdeführers als schützenswertes Baudenkmal eingestuft
worden. Damit weiche die Einstufung in diesem neu erstellten Inventar klar von jener im
alten Hinweisinventar ab. Die Liegenschaft sei zudem gegen den Willen des ehemaligen
Eigentümers in das Inventar aufgenommen worden. Es mute willkürlich und aleatorisch an,
dass es bei einem Übergang von einem altrechtlichen zu einem neurechtlichen
Bauinventar letztlich der Gebäudeeigentümer in der Hand habe, die Aufnahme und
Einstufung im Inventar zu beeinflussen. Wären anlässlich der Renovation des Hauses im
Jahr 1987 «brutale» Veränderungen vorgenommen worden, wäre das Objekt Jahre später
nicht inventarisiert und der höchsten Kategorie zugewiesen worden.
b) Zwischen dem 1. Januar 1986 und dem 31. Dezember 1994 sah das Baugesetz vor,
dass auf besonders schutzwürdige Bauten und Anlagen in besonderem Masse Rücksicht
zu nehmen ist (Art. 9 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 1 BauG 85). Den Gemeinden war es
freigestellt, Inventare zu schaffen, welche auf besonders schutzwürdige Objekte hinweisen
(Art. 10 Abs. 3 BauG 85). Die Gemeinde Hindelbank hatte von dieser Möglichkeit
Gebrauch gemacht und in ihrem Baureglement vom 6. Februar 1990 im Anhang II Objekte
von kulturhistorischer, architektonischer oder für das Ortsbild wichtigen Gründen von
Bedeutung aufgeführt (Hinweisinventar, Art. 53 Abs. 1 GBR 90). Einem solchen Inventar
kam unter der altrechtlichen Ordnung aber nur Hinweischarakter zu; die Aufnahme eines
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Objekts in ein solches Inventar bildete gemäss Art. 13 Abs. 5 der damaligen
Bauverordnung ausdrücklich nicht Voraussetzung des Schutzes. Die Inventare hatten
somit keine negative Wirkung. Per 1. Januar 1995 trat eine Rechtsänderung in Kraft, mit
der die Gemeinden verpflichtet wurden, Inventare der besonders schutzwürdigen Objekte
zu errichten (Art. 10 Abs. 2 i.V.m. Art. 152 Abs. 1 BauG 94). Die Aufnahme eines solchen
Objekts im neu vorgeschriebenen Inventar bildete nunmehr Voraussetzung des
besonderen Schutzes. Dem Inventar kam mit anderen Worten negative Rechtswirkung zu.
Es hatte aber keine positive Rechtswirkung, d.h. es war nicht grundeigentümerverbindlich.
Dem Grundeigentümer stand im Nutzungsplanverfahren oder, wenn kein solches
durchgeführt worden war, im Baubewilligungsverfahren der Nachweis offen, dass das
Inventar nicht richtig ist (Art. 10 Abs. 2 BauG 94). Am 1. Januar 2001 trat schliesslich das
Gesetz vom 8. September 1999 über die Denkmalpflege15 in Kraft, mit welchem die Art. 9
ff. BauG 94 revidiert und ergänzt wurden. An Stelle des bisherigen Begriffs der «besonders
schutzwürdigen Objekte» ist jener der «Baudenkmäler» getreten, welche entweder
schützens- oder erhaltenswert sind. Die mit dem BauG 94 eingeführten Grundsätze der
Inventarpflicht und der negativen Rechtswirkung des Inventars wurden bestätigt.16
c) Dem Haus des Beschwerdeführers kam im altrechtlichen Hinweisinventar der
Gemeinde Hindelbank ausschliesslich Situationswert zu. Das Haus war weder als
schützenswert noch als erhaltenswert gekennzeichnet. Wie dargelegt, konnte altrechtlich
aus einer fehlenden Inventarisierung jedoch nicht gefolgert werden, ein Objekt sei weder
schutz- noch erhaltenswert. Trotz fehlendem Eintrag hätte jederzeit bei jeder sich
bietenden Gelegenheit vorgebracht werden können, beim umstrittenen Gebäude handle es
sich um ein Schutzobjekt.17 Anders als der Beschwerdeführer geltend macht, durfte die
Eigentümerschaft daher auch unter altem Recht nicht damit rechnen, «brutale»
Veränderungen am umstrittenen Objekt vornehmen und eine allfällige Denkmalqualität
herabsetzten zu können. Umgekehrt bedeutet die Aufnahme in das neurechtliche
Bauinventar nicht automatisch, dass es sich beim erfassten Objekt tatsächlich um ein
Schutzobjekt handelt. Vielmehr stellt ein Eintrag vorerst eine Schutzvermutung dar, die auf
ihre sachliche Richtigkeit hin überprüft werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die
15 Gesetz vom 8. September 1999 über die Denkmalpflege (Denkmalpflegegesetz, DPG; BSG 426.41) 16 Vgl. zum Ganzen BVR 2005 S. 219 E. 3; BVR 2001 S. 495 E. 5.b); Christophe Cueni, Bezeichnung von Baudenkmälern: In Bauinventaren oder Nutzungsplänen?, in: KPG-Bulletin Nr. 6/2002 S. 142 ff.; Juerg Schweizer, Das Bauinventar (nach Art. 10d BauG), in: KPG-Bulletin Nr. 6/2002 S. 159 ff. 17 Vgl. Juerg Schweizer, a.a.O., S. 159
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unterschiedliche Einstufung im altrechtlichen Hinweisinventar und im neurechtlichen
Bauinventar nicht widersprüchlich und auch nicht zu beanstanden.
6. Denkmalqualität, Allgemeines
Die Baugesetzgebung umschreibt Baudenkmäler als herausragende Objekte und
Ensembles von kulturellem, historischem oder ästhetischem Wert. Dazu gehören
namentlich Ortsbilder, Baugruppen, Bauten, Gärten, Anlagen, innere Bauteile,
Raumstrukturen und feste Ausstattungen (Art. 10a Abs. 1 BauG). Baudenkmäler sind
schützenswert, wenn sie wegen ihrer bedeutenden architektonischen Qualität oder ihrer
ausgeprägten Eigenschaften ungeschmälert bewahrt werden sollen (Art. 10a Abs. 2
BauG). Sie sind erhaltenswert, wenn sie wegen ihrer ansprechenden architektonischen
Qualität oder ihrer charakteristischen Eigenschaften geschont werden sollen (Art. 10a Abs.
3 BauG). In welchem Ausmass ein Objekt denkmalpflegerischen Schutz verdient, ist im
Einzelfall sorgfältig zu prüfen. Verlangt wird eine auf sachliche und wissenschaftliche
Kriterien abgestützte Gesamtbeurteilung, die den kulturellen, geschichtlichen,
künstlerischen und städtebaulichen Zusammenhang eines Bauwerkes berücksichtigt. Eine
Baute soll als Zeuge und Ausdruck einer historischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen
und technischen Situation erhalten bleiben. Da Denkmalschutzmassnahmen oft
schwerwiegende Eingriffe in das Eigentum zur Folge haben, dürfen sie nicht bloss im
Interesse eines begrenzten Kreises von Fachleuten erlassen werden. Sie müssen auf
objektive und grundsätzliche Kriterien abgestützt sein, um Anspruch auf eine gewisse
Allgemeingültigkeit erheben zu können.18 Gemäss der Rubrik «Was ist ein Baudenkmal?»
auf der Homepage der KDP erfolgt die Bezeichnung der Baudenkmäler für das
Bauinventar anhand folgender Kriterien:19
- Künstlerische Kriterien: Architektonische Qualität, Ausdruckskraft und Schmuck,
Erhaltung des ursprünglichen Konzepts.
- Kunstwissenschaftliche Kriterien: Architekturgeschichtliche und stilistische Bedeutung,
Einordnung des Bautyps.
- Technische Kriterien: Bedeutung innerhalb der bautechnischen Entwicklung, Qualität
der Konstruktion, handwerkliche und/oder technische Qualität der Ausführung.
18 Vgl. BGE 120 Ia 270 E. 4.a), m.w.H. 19 Abrufbar unter:
«https://www.erz.be.ch/erz/de/index/kultur/denkmalpflege/bauinventar/was_ist_ein_baudenkmal.html»
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- Historische Kriterien: Kultur-, wirtschafts-, sozial-, ereignis- oder personengeschichtliche
Bedeutung.
- Rahmenkriterien: Qualität und Zustand der Nahumgebung (Vorland, Garten, Einfriedung
usw.).
- Situation: Stellung und Wirkung im städtischen oder dörflichen Raum und im Ortsbild.
Stellung innerhalb einer historischen oder räumlich zusammengehörigen Baugruppe.
7. Denkmalqualität des Wohnhauses «D._strasse 6»
a) Das Gebäude des Beschwerdeführers ist im Bauinventar der Gemeinde Hindelbank
als schützenswertes Objekt eingetragen («K-Objekte») und wird wie folgt beschrieben: «Wohnhaus von 1911
Villenartiger Wohnsitz. Durch Quergiebel, Stubenerker, Eckveranda und -risalit lebendig gestaltetes
Gebäude unter ebenfalls aufgegliedertem, leicht geknicktem Walmdach. Massives, grob verputztes
EG mit kräftig eingefassten Fenstern und Türen; wulstige Fensterbänke. Über den geschossweise
vorkragenden Balkenköpfen schindelverrandete OG (wohl Riegwerk) und Ründifelder mit fein
profilierten, aufwändigen Holzgliederungen. Gepflegte, gut erhaltene Einzelformen (u.a.
Eingangsvorbau mit originaler Tür). Ansprechender, charakteristischer Vertreter der Baumeister-
Architektur als Mischform zwischen Historismus und Heimatstil. Von einem grosszügigen, reich
begrünten Garten umgeben.»
b) Im Beschwerdeverfahren hielt die KDP in der eingereichten Baudokumentation vom
7. März 2018 zusammengefasst fest, das Wohnhaus habe sich als Einzelbau in
Bahnhofsnähe vom Dorfkern im Südwesten abgesetzt, als dieses errichtet worden sei. Die
Bebauungsverdichtung habe erst nachträglich stattgefunden. Das Gebäude stehe an der
zum Bahnhof führenden Strasse und präge das Strassenbild. Der Gebäudeentwurf
stamme laut Bauinventar wohl aus der Hand des Baumeisters E._, der am
F._weg 1 ein weiteres Gebäude in Hindelbank gezeichnet habe. Einschneidende
Änderungen am Aussenbau seien nicht ersichtlich. Eine Besonderheit des Wohnhauses
sei seine villenartige Gestalt, hervorgerufen durch das stattliche Bauvolumen, die prägende
Gebäudezier und den grosszügigen Garten. Volumetrisch bestehe das Haus aus einem
zentralen rechteckigen Baukörper mit Vollwalmdach, dessen Strenge zeittypisch durch
RA Nr. 110/2018/28 13
Quergiebelbauten aufgebrochen werde. Die geschlossen Loggien auf zwei Geschossen,
die Eckveranda und der Eckrisalit würden eine lebendige Fassadengliederung erzeugen,
wie sie vielfach bei Gebäuden des Heimatstils in weiten Teilen des Kantonsgebiets,
insbesondere in den städtischen Gebieten, anzutreffen seien. Das stattliche Wohnhaus sei
als villenartiger Einzelbau und Beispiel einer Architektur vom Übergang des ausgehenden
19. Jahrhunderts in den Heimatstil ein gut gestalteter und qualitätsvoller Vertreter seiner
Baugattung. Es seien seit der Inventaraufnahme im Jahr 2004 äusserlich keine
wesentlichen Veränderungen am Gebäude festzustellen.
c) Am Augenschein vom 18. Mai 2018 äusserte sich die KDP wie folgt zu den einzelnen
Punkten des genannten Kriterienkatalogs (vgl. E. 6):
Kunsthistorisch vereine das Haus des Beschwerdeführers Elemente des Spätklassizismus
und des Heimatstils. Spätklassizistisch sei der Gesamthabitus des Baukörpers oder die
klare Axierung der Fenster. Vom Heimatstil zeugten etwa das aufgelockerte, heimelige
Dach mit Vorkrag und die vollwulstigen, barock inspirierten Fensterbänke. Die lokalen
Baumeister hätten die stilistischen Erneuerungen der führenden Heimatstil-Architekten
teilweise in ihre Entwürfe übernommen und so qualitätvolle Architektur am Puls der Zeit
geschaffen, die auch Baumeister-Architektur genannt werde. Das Objekt des
Beschwerdeführers sei ein Vertreter dieser Architektur. Das Haus sei zeittypisch und trotz
seines Detailreichtums eher schlicht.20 Zwar sei nachträglich ein Anbau an der Rückseite
des Hauses erstellt worden. Die Fensterbänke des Anbaus seien kantig, währenddessen
die originalen Fensterbänke wulstig seien. Je älter ein Haus sei, desto höher sei die
Chance, dass es umgebaut worden sei. Anbauten seien nicht aussergewöhnlich. Der
vorliegende Anbau würde aber den Schutzwert nicht beeinträchtigen, weil es sich um eine
stilistisch gute Ergänzung handle und auch die Materialisierung gut gewählt worden sei.21
Künstlerisch gebe es beim Objekt des Beschwerdeführers solide Details wie z.B. die
zahlreichen Balkenköpfe unter dem Dach, die Fensterrahmen und Fensterbänke sowie die
Lisenen, die zu einer eher älteren Stilphase gehörten.22 Das Haus bestehe gut sichtbar aus
drei unterschiedlich strukturierten Geschossigkeiten. Der Sockel sei repräsentativ und
optisch prägend. Das Erdgeschoss mit einem relativ glatten Putz sei bewusst feiner
20 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 5, 6, 7, Voten G._ und H._; Stellungnahme der KDP vom 3. Juli 2018 zum Protokoll, S. 2 21 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 7 und 8, Voten G._ und H._ 22 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 9, Votum G._
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strukturiert worden. Es sei massiv erbaut und besitze schöne Fenster mit Gewänden aus
Kunststein. Das äussere Fenster, das man im Sommer wegnehmen könne, habe
Espagnoletten. Das wiederum anders materialisierte und gestaltete erste Obergeschoss
besitze eine Schindelverrandung und Brettlisenen. Ebenfalls bemerkenswert seien die
Konsolen.23 Die geschwungene Ründi weise zudem gezöpfte Bügen auf.24 Beim Eingang
(nordöstlich) würden sich Holzpfosten und bei der Veranda Lisenen befinden, welche die
Gebäudeecken betonen. Der Eingangsbereich weise strukturierte Pfosten,
Schmuckornamente und gestaltete Türen auf.25 Zwar sei das Dach auf der Rückseite
einfacher gestaltet als auf der Vorderseite. Es sei jedoch häufig so, dass an der
Vorderseite Richtung Strasse mehr investiert werde als an der Hinterseite Richtung
Garten.26
In technischer Hinsicht hob die KDP den architektonischen Entwurf hervor. Innerhalb des
Massstabs der schützenswerten Objekte weise das Haus des Beschwerdeführers eine
gute Qualität auf.27
Historisch sei das Haus Teil der Entwicklung des Bahnhofquartiers. Mit dem Bau des
Bahnhofs im Jahr 1857 habe eine Bauverdichtung in Bahnhofsnähe eingesetzt, welche
durch die Liegenschaft des Beschwerdeführers ausgedrückt werde.28
Zu den Rahmenkriterien führte die KDP aus, der vorhandene, schöne und grosszügige
Garten unterstützte die Wirkung des repräsentativen Charakters des Hauses.29 Die
Umgebung und deren Gestaltung seien wichtig für die Wertigkeit und die Erscheinung des
Anwesens.30
23 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 9, Votum H._; Stellungnahme der KDP vom 3. Juli 2018 zum Protokoll, S. 2, 3 24 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 10, Votum G._ 25 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 10, Voten G._ und H._; Stellungnahme der KDP vom 3. Juli 2018 zum Protokoll, S. 3 26 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 9, Votum H._ 27 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 12, Voten G._ und H._ 28 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 12 und 13, Voten G._ und H._ 29 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 13 und 14, Votum G._ 30 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 14, Votum H._
RA Nr. 110/2018/28 15
Betreffend die Situation stehe das Haus an der früheren _. Dort sei es eines der
ersten Häuser gewesen.31 Früher sei es zwar prominenter gewesen. Jedoch präge es auch
heute das Ortsbild zusammen mit den anderen Häusern an der Strasse noch mit. In der
Häuserzeile falle das Haus des Beschwerdeführers positiv ins Auge, auch wenn es heute
keine exponierte Lage mehr habe. Zwar bestehe keine inventarisierte Baugruppe. Ein Objekt könne auf das Umfeld und Ortsbild aber auch dann einen Einfluss haben, wenn es
nicht Teil einer Baugruppe ist.32
d) Anlässlich des Augenscheins wurden auch die Innenräume des Objekts besichtigt.
Die KDP machte eine erste kurze Beurteilung vor Ort und kündigte an, einen Bericht zu
schreiben, in welchem sie nach der nun vollständigen Besichtigung inklusive Innenräume
nochmals ausführlich Stellung nehme zum Schutzumfang des Objekts. Diesen Bericht
reichte die KDP dem Rechtsamt mit Schreiben vom 3. Juli 2018 ein. Darin führte sie zur
Innenausstattung aus, die ursprünglichen Raumstrukturen seien im Wesentlichen erhalten
geblieben. Von herausragendem ästhetischem Wert seien die gut erhaltenen, bauzeitliche
Eingangstüren und die schöne Treppenanlage mit Gusseisenstaketen-Geländer und
hölzernem Handlauf in die oberen Etagen. Dasselbe gelte im Obergeschoss für die innere
Eingangstüre mit farbiger Verglasung sowie für einen Kachelofen mit grüner Glasur.
Allerdings gebe es kein Stubenbuffet, keine Stuckaturen oder keinen Täfer, obwohl man
das aufgrund der Aussenansicht erwarten würde. Insgesamt sei die Innenausstattung zwar
schön und wertig, aber nicht sehr exklusiv oder besonders reich. Das Gebäudeinnere sei
daher nicht überdurchschnittlich.
e) Im Sinne einer Gesamtbeurteilung kam die KDP im ergänzten Bericht vom
3. Juli 2018 zu folgendem Schlussergebnis: «[...]. Die Innenausstattung ist durchwegs wertig und stilistisch der Bauzeit entsprechend gestaltet.
Der Vergleich mit ähnlichen Objekten zeigt, dass das Interieur von guter aber nicht
überdurchschnittlicher Qualität ist. Der baukünstlerische Ausdruck des Interieurs vermag in seiner
eher schlichten Ausprägung dem festgestellten repräsentativen Anspruch und baukünstlerischen
Ausdruck des Gebäudeäusseren nicht standzuhalten (beispielsweise sind weder Stukkaturen noch
Malereien oder Täfer vorhanden). Aufgrund dieser durch den Augenschein erhaltenen Information
ist die bisherige Bewertung in Erwägung zu ziehen. Im Vergleich mit ähnlichen Objekten ist
festzustellen, dass sich hier eine beträchtliche Qualitäts-Differenz zwischen der Gestaltung des
31 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 14, Votum G._ 32 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 15, Voten G._ und H._
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Innern und des Äussern ergibt. Diese ist relevant für die Gesamtbewertung. Das Wohnhaus erfüllt
demnach aufgrund der qualitativ eher durchschnittlich zu beurteilenden inneren Elemente die
Kriterien eines schützenswerten Baudenkmals gemäss Art. 10 Abs. 2 BauG nicht. Hingegen
entsprechen die Qualitäten des Objekts in ihrer Gesamtheit vollumfänglich den Kriterien für ein
erhaltenswertes Baudenkmal gemäss Art. 10a Abs. 2 BauG.»
f) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Anwendung der Bewertungskriterien auf
das umstrittene Objekt durch die KDP erscheine über weite Strecken zufällig. Einerseits
werde das Gebäude als früher Zeuge des Heimatstils gelobt, andererseits werde darauf
hingewiesen, dass es sich beim Objekt um eine Verflechtung verschiedener Baustile
handle. Zudem sei auf die wulstigen Fensterbänke hingewiesen worden, obwohl am
ganzen Gebäude nur gerade 9 von insgesamt 27 Fensterbänken dieses Merkmal
aufweisen würden. Positiv hervorgehoben worden sei auch die grosszügige Befensterung.
Diese sei aber neuzeitlich und nicht bauzeitlich. Obwohl das Haus aus der Richtung des
Bahnhofs von der Strassenseite her gar nicht zu sehen sei und in der Gegenrichtung
Busch- und Baumwerk die Sicht auf das Wohnhaus grösstenteils verstelle, habe die KDP
festgehalten, das Haus präge das Ortsbild. Jedes der Bewertungskriterien könne so
angepasst bzw. begründet werden, dass die einmal gebildete Meinung der Fachbehörde
gestützt werde. Eine auf objektiven Kriterien beruhende, gerichtlich nachprüfbare
Einstufungsbewertung fehle gänzlich. Diese rechtsstaatlich nicht haltbare Zufälligkeit
belege auch der Umstand, dass nach dem Augenschein mehr oder weniger ansatzlos auch
eine Herabstufung des Objekts habe begründet werden können.
g) Das Rechtsamt konnte sich am Augenschein vom 18. Mai 2018 selbst ein Bild der
Liegenschaft «D._strasse 6» machen. Das Objekt ist eine handwerklich gut
ausgeführte Baute und weist bemerkenswerte handwerkliche und künstlerische Details auf.
Die unterschiedlichen Strukturierungen der drei Geschossigkeiten mit Sockel, Erdgeschoss
und Obergeschoss sind gut ersichtlich.33 Hervorzuheben sind auch die schönen
Balkenköpfe und die Konsolen.34 Die nordwestliche, geschwungene Ründe weist zudem
gezöpfte Bügen auf35 und der nordöstliche Eingangsbereich enthält strukturierte Pfosten.36 Die Einschätzung der KDP, wonach der schöne und grosszügige Garten den
33 Fotos Nrn. 2-5, 7-10, 12-14, 16-19 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 34 Fotos Nrn. 5, 7-9, 12-14 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 35 Fotos Nrn. 13, 14 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 36 Fotos Nrn. 8-11 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018
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repräsentativen Charakter des Hauses unterstütze, ist ebenfalls nachvollziehbar.37 Die
KDP führte am Augenschein zudem nachvollziehbar aus, dass das Anfang des
20. Jahrhunderts erbaute Haus Elemente verschiedener Stilrichtungen aufweist und
zeittypisch ist. Ein Widerspruch in der kunsthistorischen Zuordnung besteht, anders als der
Beschwerdeführer geltend macht, nicht. Zwar wurden am Haus Veränderungen
vorgenommen wie z.B. der seitliche Anbau, der gemäss Einschätzung der KDP vermutlich
aus den 1920er Jahren stammt.38 Auch wurde ein neuer Blechschutz montiert und das
Dach neu gedeckt. Die KDP wies allerdings zu Recht darauf hin, dass bei älteren Häusern
die Wahrscheinlichkeit eines Umbaus hoch ist. Veränderungen am Objekt stehen der
Denkmalqualität daher nicht zum Vornherein entgegen. Von Bedeutung ist vielmehr, wie
diese Neuerungen vorgenommen worden sind. Die vorliegenden Veränderungen erfolgten
bauzeitlich und beeinträchtigen die wesentlichen Merkmale des Gebäudes nicht. Dies war
anlässlich des Augenscheins deutlich zu erkennen. So sind beispielsweise die neueren
Fensterbänke zwar kantig, fügen sich aber gut ins Bild ein und schmälern die Qualität der
originalen, wulstigen Fensterbänke nicht.39 Daran ändert nichts, dass das Haus mittlerweile
mehr kantige als wulstige Fensterbänke aufweist. Dasselbe gilt für den gut integrierten,
neuen Blechschutz.40 Historisch zeugt das Haus immerhin vom Beginn der eintretenden
Bauverdichtung im Bahnhofsquartier. Es war das erste Haus, das bei der Erweiterung
gebaut worden war.41 Strassenseitig tritt das Haus zwar aufgrund der Bepflanzung nicht
wesentlich in Erscheinung. Es hebt sich optisch von der Häuserzeile kaum ab und ist auch
nicht Bestandteil einer Baugruppe. Die Situation des Gebäudes ist damit nicht
aussergewöhnlich. Es ist allerdings auch nicht notwendig, dass jedes Kriterium für sich
genommen zum selben Ergebnis führt. Die Gesamtgewichtung ist massgebend.42 Die KDP
schätzte am Augenschein das Haus der äusseren Merkmale inkl. der historischen
Bedeutung als gut schützenswert ein.43 Dabei handelte es sich nicht um eine
Endbeurteilung, sondern um ein Zwischenergebnis vor Besichtigung der Innenräume.
37 Fotos Nrn. 6, 11, 19 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018; Foto Nr. 3 der Fotodokumentation der KDP zum Augenschein vom 18. Mai 2018 38 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 9, Votum H._; Stellungnahme der KDP vom 3. Juli 2018 zum Protokoll, S. 2 39 Fotos Nrn. 2, 3 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018; Fotos Nrn. 3, 5 der Fotodokumentation der KDP zum Augenschein vom 18. Mai 2018 40 Foto Nr. 12, 14, 16-19 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 41 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 12, Votum G._ 42 So auch sinngemäss Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 13, Votum G._ 43 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 12, Votum G._
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Im Innern des Gebäudes sind die ursprünglichen Strukturen noch weitgehend erhalten.
Einige wenige Elemente, wie z.B. die Treppenanlage mit dem speziellen Geländer oder der
Kachelofen im Obergeschoss, weisen besonderen ästhetischen Wert. Insgesamt sind die
Räume aber eher schlicht gestaltet. Es fehlen Stuckaturen oder Täfer. Der zwar wertige,
aber nicht überdurchschnittliche Innenbereich des Hauses weist demnach nicht dieselbe
Denkmalqualität auf wie der besonders qualitätsvolle Aussenbereich. Entsprechend kam
die KDP zum Schluss, das Objekt «D._strasse 6» sei unter Würdigung der
Gesamtumstände als erhaltenswert einzustufen. Die BVE sieht keine Veranlassung, von
dieser überzeugenden Einschätzung abzuweichen: Die Fachbehörde nahm gestützt auf
objektiv überprüfbare Kriterien eine nachvollziehbare Subsumtion und Gewichtung der
einzelnen Punkte vor und gelangte zu einem schlüssigen Gesamtergebnis. Von einer
«Zufälligkeit» des Ergebnisses kann keine Rede sein.
h) Am Erhalt des Gebäudes besteht ein grosses öffentliches Interesse, welches das
private Interesse des Beschwerdeführers an uneingeschränkter Nutzung seiner
Liegenschaften überwiegt.44 Der Beschwerdeführer macht denn auch nicht geltend, dass er
überwiegende private Interessen habe. Er bringt zwar vor, auch ohne Beizug der KDP
Sorge zum Haus zu tragen. Die BVE zweifelt daran nicht. Bereits der gute Zustand des
Hauses und die wertigen Erneuerungen zeugen von einem sorgsamen Umgang des
aktuellen Eigentümers und der früheren Eigentümerschaft mit dem Haus. Die
Inventarisierung eines Objekts ist denn auch nicht Ausdruck von einem Misstrauen
gegenüber der jeweiligen Eigentümerin bzw. des jeweiligen Eigentümers, sondern erfolgt
unabhängig von den Eigentumsverhältnissen und trägt dem öffentlichen Interesse
Rechnung, Denkmäler zu schützen oder zu erhalten. Die Einstufung als erhaltenswertes
Baudenkmal und die damit für den Grundeigentümer verbundenen Einschränkungen sind
daher zur Sicherung der Erhaltung der Gebäude erforderlich, geeignet und dem
Grundeigentümer auch zumutbar. Die Einstufung ist verhältnismässig. Dass danach
gewisse Veränderungen und zusätzliche Anlagen möglich sind, zeigt die mit dem
angefochtenen Entscheid erteilte Baubewilligung.
Anders als der vorinstanzliche Entscheid und der Fachbericht der KDP vom 14.
November 2017 festhalten, ist das Objekt des Beschwerdeführers somit als erhaltenswert
und nicht weiterhin als schützenswert im Bauinventar der Gemeinde Hindelbank
44 Vgl. VGE 22935 vom 28. November 2007 E. 5.2; BGE 126 I 219 E. 2.c); Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Auflage, Band I, Bern 2007, Art. 10a -10f N. 3, m.w.H.
RA Nr. 110/2018/28 19
einzustufen. Die Ziffern 4.2.1, 4.2.2 und 4.2.4 des angefochtenen Entscheids vom 10.
Januar 2018 sind daher aufzuheben und es ist festzustellen, dass das Bauinventar der
Gemeinde Hindelbank nicht richtig ist (vgl. Art. 10d Abs. 2 BauG).
8. Rechtsgleichheit
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, der angefochtene Entscheid verletzte das
Rechtsgleichheitsgebot. Sein Haus sei im selben Stil errichtet und stamme aus der
gleichen Bauzeit wie auch weitere Objekte im umliegenden Neufeldquartier. Dennoch sei
sein Haus das einzige, das als schützenswert qualifiziert worden sei. Am Augenschein
einigten sich die Anwesenden mit der Zustimmung des Beschwerdeführers, die zu
vergleichenden Objekte zu beschränken auf die D._strasse 4, den
F._weg 1 und 8 sowie den J._weg 5.45
b) Das Gebot rechtsgleicher Behandlung nach Art. 8 Abs. 1 BV46 ist ein selbständiges
verfassungsmässiges Recht. Es garantiert in allgemeiner Weise die Gleichbehandlung von
Personen durch alle staatlichen Organe. Die Rechtsgleichheit gebietet, Gleiches nach
Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit
ungleich zu behandeln. Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen nicht oder nicht
richtig angewandt worden ist, gibt dem Bürger grundsätzlich keinen Anspruch darauf,
ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Denn der Grundsatz der
Gesetzmässigkeit der Verwaltung geht dem Rechtsgleichheitsprinzip, und damit dem
Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, in der Regel vor.47
c) Das Objekt an der D._ 4 ist nicht inventarisiert. Am Augenschein vom
18. Mai 2018 hielt die KDP dazu fest, das Haus weise grosse Differenzen zum Haus des
Beschwerdeführers auf. Der architektonische Entwurf sei in allen Kriterien weniger gut. Der
Quergibel passe nicht zum Haus und es handle sich in der Gesamtform nicht um eine
gefällige Erscheinung. Es habe bloss schlichte Fensterbänke und eine Putzfassade.48 Die
Einschätzung der KDP lässt sich ohne weiteres nachvollziehen. Die am Augenschein
45 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 3, Voten Vorsitzender, Rechtsanwalt Jäger und Beschwerdeführer (inkl. Verbal); Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 20, Votum Vorsitzender (inkl. Verbal) 46 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 47 Vgl. BGE 144 I 113 E. 5.1.1; BGE 127 I 1 E. 3.a); BGE 123 II 248 E. 3.c); BGE 122 II 451 E. 4.a) 48 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 20 und 21, Voten H._ und G._
RA Nr. 110/2018/28 20
gemachten Fotos zeigen, dass sich das Haus an der D._strasse 4 in mehrfacher
Hinsicht deutlich von jenem des Beschwerdeführers unterscheidet. Bereits die
Fassadengestaltung ist weniger wertig und vielschichtig gestaltet als jene beim Objekt des
Beschwerdeführers.49 Anders als der Beschwerdeführer geltend macht, sind die Gebäude
nicht vergleichbar.
Das Haus am F._weg 1 ist als erhaltenswert im Bauinventar eingetragen. Der
Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde dazu geltend, beide Häuser seien
ungefähr in derselben Bauzeit errichtet und im selben Stil gebaut worden. Die
unterschiedliche Einstufung verdeutliche, dass gleiche Sachverhalte ungleich behandelt
würden. Die KDP stufte das Objekt des Beschwerdeführers im Verlauf des
Beschwerdeverfahrens neu ebenfalls als erhaltenswert ein. Damit ist fraglich, ob die
Objekte am F._weg 1 und an der D._strasse 6 überhaupt noch ungleich
behandelt werden. Dies kann aber offen bleiben, da die Objekte ohnehin zu unterschiedlich
sind, um unter dem Aspekt der Rechtsgleichheit miteinander verglichen zu werden: Das
äussere Erscheinungsbild des Hauses F._weg 1 weist zwar einen gewissen
Eigenwert auf, ist im Vergleich mit dem Haus des Beschwerdeführers aber einfacher.50 So
wies die KDP zu Recht auf die weniger aufwändige Fassadengliederung und auf die
andere Dachform hin. Auch stilistisch sei das Objekt des Beschwerdeführers mit seiner
Mischform spezieller.51 Entsprechend kam die KDP betreffend das äussere
Erscheinungsbild zum nachvollziehbaren Schluss, das Objekt des Beschwerdeführers sei
schützenswert und jenes am F._weg 1 erhaltenswert. Erst die weniger
gehaltvollen Innenräume führten dazu, dass die KDP das Haus des Beschwerdeführers
ebenfalls als insgesamt erhaltenswert beurteilte. Die Gründe für die im Ergebnis gleiche
Einstufung weichen voneinander ab. Eine Vergleichbarkeit liegt damit nicht vor.
Das Haus am F._weg 8 ist nicht im Bauinventar eingetragen. Die KDP führte am
Augenschein aus, das Haus sei Mitte der 1920er Jahre erstellt worden und damit jünger als
das Haus des Beschwerdeführers. Es weise expressionistische Elemente auf. Dieser
Baustil sei jedoch weiter verbreitet als jener des Hauses des Beschwerdeführers. Am Haus
F._weg 8 habe es zudem Veränderungen gegeben in Form eines Kamins und
eines Anbaus. Die Veränderungen treten beim Haus am F._weg 8 prominenter in
49 Fotos Nrn. 43-45 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 50 Fotos Nrn. 46-48 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 51 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 21, Voten G._ und H._
RA Nr. 110/2018/28 21
Erscheinung als beim Objekt des Beschwerdeführers.52 Die KDP wies schlüssig auf die
Unterschiede zum Objekt des Beschwerdeführers hin.53 Unter dem Aspekt der
Rechtsgleichheit kann der Beschwerdeführer auch beim F._weg 8 nichts zu
seinen Gunsten ableiten.
Zum nicht im Bauinventar eingetragenen Haus am J._weg 5 führte die KDP aus,
dieses sei jünger, weise einen tieferen Detaillierungsgrad auf und sei weniger künstlerisch.
Das Haus weise keinen Innovationsgeist auf. Es habe keinen Schmuck und die Fassade
erscheine flacher. Zudem hätten Veränderungen dem Haus nicht gut getan und die
Umgebung mit der Garage sei nicht schön. Es handle sich klar nicht um ein
Inventarobjekt.54 Wie die BVE am Augenschein selbst feststellen konnte, besteht keine
Ähnlichkeit zwischen dem Objekt des Beschwerdeführers und jenem am
J._weg 5.55 Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Gebäude vergleichbar sein
sollten.
Eine Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots liegt nicht vor. Der Antrag des
Beschwerdeführers auf Streichung seines Objekts aus dem Bauinventar ist damit
abzuweisen.
9. Externes Gutachten und Unterlagen zur Ortsplanungsrevision Hindelbank
a) Der Beschwerdeführer beantragt die Begutachtung und Beurteilung des Wohnhauses
durch einen unabhängigen Sachverständigen. Die Denkmalpflege des Kantons Bern habe
den von der Vorinstanz eingeholten Fachbericht vom 14. November 2017 nicht
rechtsgenüglich begründet und den Nachweis der Unterschutzstellung nicht erbracht. Die
kantonale Denkmalpflege sei auch jene Behörde, die den Erlass des Bauinventars
begleitet und veröffentlicht habe. Für das vorliegende Verfahren bedürfe es daher einer
von der involvierten Fachbehörde unabhängig durchgeführten Begutachtung.
52 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 22, Voten G._ und H._ 53 Fotos Nrn. 50-53 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018 54 Protokoll des Augenscheins vom 18. Mai 2018, S. 23, Voten G._ und H._ 55 Fotos Nrn. 54-57 der Fotodokumentation zum Augenschein vom 18. Mai 2018
RA Nr. 110/2018/28 22
b) Betrifft ein Bauvorhaben ein Objekt oder die Umgebung eines Objektes, das
Gegenstand eines Inventars oder eines Verzeichnisses von Bund oder Kanton ist, bezieht
die Baubewilligungsbehörde die kantonalen Fachstellen in jedem Fall ein (Art. 22 Abs. 3
BewD56; vgl. auch Art. 10c BauG und Art. 14 Abs. 2 BauV). Kantonale Fachstelle ist die
KDP (Art. 37 Abs. 1 und 2 DPV57).
c) Eine Person, die eine Verfügung oder einen Entscheid zu treffen oder vorzubereiten
hat, muss gemäss Art. 9 Abs. 1 VRPG u.a. dann in den Ausstand treten, wenn sie in der
Sache ein persönliches Interesse hat (Bst. a), wenn sie am Vorentscheid mitgewirkt hat
(Bst. b) oder wenn sie aus andern Gründen in der Sache befangen sein könnte (Bst. f).
Eine Befangenheit ist dann anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit eines Behördenmitgliedes zu erwecken.58 Die Rüge der
Befangenheit bzw. Ausstandsgründe können allerdings gemäss dem klaren Wortlaut von
Art. 9 Abs. 1 VRPG nur gegen einzelne Mitglieder einer Behörde vorgebracht werden, nicht
aber gegen eine Behörde als solche. Ausstands- und Ablehnungsvorschriften gelten also
für Personen als Träger einer staatlichen Funktion und nicht für die staatliche Funktion an
sich.59 Für die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit nichtrichterlicher Behördenmitglieder
gelten zudem nicht die gleichen Grundsätze wie für Mitglieder von Gerichtsbehörden. Bei
nichtrichterlichen Behördenmitgliedern ist dem spezifischen Umfeld und Aufgabenbereich
von Verwaltungs- und Exekutivbehörden Rechnung zu tragen und die Anforderungen an
die Unparteilichkeit sind unter Berücksichtigung ihrer gesetzlich vorgegebenen Funktion
und Organisation zu ermitteln.60
d) Das Objekt des Beschwerdeführers war im vorinstanzlichen Verfahren als
schützenswertes K-Objekt inventarisiert. Der Beizug einer Fachstelle durch die
Baubewilligungsbehörde war daher zwingend. Zuständige Fachstelle im Kanton Bern ist
die KDP (vgl. auch Art. 51 des Baureglements der Gemeinde Hindelbank vom 29. Juni
2005). Es war somit notwendig und richtig, dass die Vorinstanz eine Beurteilung der KDP
einholte. Der Beschwerdeführer bemängelte in seiner Beschwerde den im vorinstanzlichen
56 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 57 Verordnung vom 25. Oktober 2000 über die Denkmalpflege (Denkmalpflegeverordnung, DPV; BSG 426.411) 58 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 15; BVR 2002 S. 426 59 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 7; BVR 2002 S. 426 E. 1.b.bb) mit Hinweisen, BVR 1999 S. 86 E. 3.a) 60 VGE 2012/283 vom 15. Mai 2013 E. 4.2 mit Hinweisen; BVR 2011 S. 128 E. 2.2; BGE 140 I 326 E. 5.2
RA Nr. 110/2018/28 23
Verfahren verfassten Bericht der KDP. Ob diese Rüge zutrifft, ist keine Frage der
Unabhängigkeit der involvierten Behörde, sondern der Begründetheit der Beschwerde.
Dass die KDP die Einstufung im Laufe des Beschwerdeverfahrens gestützt auf neue
Sachverhaltskenntnisse anpasste, zeigt zudem gerade, dass sie ihre Beurteilung frei von
früheren Wertungen vornimmt. Ebenfalls unerheblich ist, dass die KDP an der Erstellung
des Bauinventars beteiligt war. Bei der Erstinventarisierung handelte es sich, wie
dargelegt, um eine blosse Schutzvermutung. Die KDP hat sich also bei der
Inventaraufnahme noch nicht abschliessend mit dem Schutzumfang der aufgenommenen
Objekte befasst. Schliesslich können nach dem klaren Wortlaut von Art. 9 Abs. 1 VRPG
Ausstands- und Ablehnungsbegehren nur gegen einzelne Mitglieder einer Behörde geltend
gemacht werden, nicht aber gegen eine Behörde als solche. Der Beschwerdeführer legt
nicht dar, inwiefern die seitens der KDP involvierten Personen befangen sein sollten. Es
sind auch keine entsprechenden Hinweise ersichtlich. Im Übrigen geben die Vertreter der
KDP nur eine fachliche Stellungnahme ab; Entscheidbehörde ist die BVE. Gründe für den
Beizug eines externen Sachverständigen gibt es daher nicht. Der Beweisantrag ist
abzulehnen.
e) Der Beschwerdeführer verlangt zudem, es seien die vollständigen Verfahrensakten
der Ortsplanungsrevision der Gemeinde Hindelbank (Geschäfts-Nr. 150 05 382) hinter dem
Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) zu edieren. Mit Verfügung vom 13.
September 2018 teilte das Rechtsamt den Beteiligten mit, es habe die diesbezügliche
Genehmigungsverfügung des AGR beigezogen. Zusätzliche Unterlagen der
Ortsplanungsrevision versprechen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Soweit der
Beschwerdeführer den Beizug weiterer Unterlagen betreffend die Ortsplanungsrevision
Hindelbank verlangt, ist dieser Beweisantrag insoweit ebenfalls abzuweisen.
10. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend wird die Beschwerde insoweit gutgeheissen, als dass Ziffer 4.2
des Entscheids der Vorinstanz teilweise aufgehoben wird. Das Objekt des
Beschwerdeführers wird allerdings nicht aus dem Bauinventar entlassen, sondern als
erhaltenswert eingestuft. Die KDP wird die entsprechende Änderung im Bauinventar der
Gemeinde Hindelbank vorzunehmen haben (vgl. Art. 13d BauV).
RA Nr. 110/2018/28 24
b) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird auf Fr. 1'800.--
festgesetzt (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV61). Für den
Augenschein vom 18. Mai 2018 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine
zusätzliche Gebühr von Fr. 600.-- erhoben. Die Verfahrenskosten belaufen sich demnach
gesamthaft auf Fr. 2'400.--.
Der Beschwerdeführer verlangt im Rechtsbegehren Nr. 1 seiner Beschwerde die
Aufhebung der angefochtenen Ziffer 4.2 des Entscheids vom 10. Januar 2018. In
Rechtsbegehren Nr. 2 beantragt er die Streichung des Wohnhauses an der
D._strasse 6 aus dem Bauinventar. In seinen Schlussbemerkungen bestätigte er
die gestellten Rechtsbegehren. Der Beschwerdeführer dringt also rund zur Hälfte durch,
womit er als zur Hälfte obsiegend gilt. Auf den Beschwerdeführer entfällt somit ein
Verfahrenskostenanteil von Fr. 1'200.--. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs (E. 4) stellt
allerdings einen besonderen Umstand dar und ist bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen. Der Verfahrenskostenanteil des Beschwerdeführers wird daher reduziert
um einen Drittel. Der Beschwerdeführer hat somit Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu
tragen. Auf die Erhebung der übrigen Fr. 1'600.-- der Verfahrenskosten wird verzichtet.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV62 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
61 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 62 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811)
RA Nr. 110/2018/28 25
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG63). Der Anwalt
des Beschwerdeführers macht ein Honorar von Fr. 8'500.--, Auslagen von Fr. 200.-- und
Mehrwertsteuern geltend. Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand angesichts
der notwendigen Eingaben und des längeren Augenscheins leicht überdurchschnittlich. Die
Schwierigkeit des Prozesses und die Bedeutung der Streitsache sind als leicht
unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des
Gebührenrahmens zu 50 % und damit ein Honorar von Fr. 6'100.-- als angemessen. Die
Parteikosten des Beschwerdeführers werden somit festgelegt auf Fr. 6'785.10 (Honorar
Fr. 6'100.--, Auslagen Fr. 200.--, Mehrwertsteuern 485.10). Der Beschwerdeführer hat
damit aufgrund seines hälftigen Obsiegens Anspruch auf Ersatz eines Parteikostenanteils
von Fr. 3'392.55. Zusätzlich sind jedoch auch hier die bei den Verfahrenskosten genannten
besonderen Umstände zu berücksichtigen.64 Aufgrund der Verletzung des rechtlichen
Gehörs hat der Beschwerdeführer Anspruch auf einen Drittel der übrigen Parteikosten,
ausmachend Fr. 1'130.85. Dem Beschwerdeführer sind also Parteikosten von insgesamt
Fr. 4'523.40 zu ersetzen. Weil am Verfahren keine Gegenpartei beteiligt ist und
Fachbehörden keine Kosten auferlegt werden können, hat die Vorinstanz für die Bezahlung
der Parteikosten von Fr. 4'523.40 aufzukommen.