Decision ID: 57a50962-3fa5-5539-8924-97f7b0e97823
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a B._, die (...) Tochter der Beschwerdeführerin A._ reiste
am 17. Mai 2014 in die Schweiz ein, wo sie am 19. Mai 2014 um Asyl nach-
suchte. Am folgenden Tag wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) D._ zu ihrer Person, dem Reiseweg und summarisch zu den
Asylgründen befragt (sogenannte Befragung zur Person; BzP). Die Be-
schwerdeführerin gelangte ihrerseits am 28. August 2014 in die Schweiz
und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 8. September 2014 fand im
EVZ E._ eine Befragung zu ihrer Person statt. Am 17. September
2015 wurde sie einlässlich zu ihren Asylgründen angehört.
A.b Die Beschwerdeführerin erklärte zu ihrer Person, sie sei eritreische
Staatsangehörige und stamme aus F._. Sie habe die Schule in der
(...) abgebrochen und habe im Alter von (...) Jahren geheiratet. Aus der
Ehe würden ihre beiden älteren, (...) und (...) geborenen Kinder stammen,
die in Eritrea lebten. Im Jahr (...) habe sie sich von ihrem damaligen Ehe-
mann scheiden lassen, dieser sei inzwischen verstorben. Im Jahre (...)
habe sie in G._ in zweiter Ehe E._ geheiratet. Am (...) sei
ihre Tochter B._ zur Welt gekommen.
A.c Zur Begründung ihres Asylgesuches machte sie geltend, ihr zweiter
Ehemann habe im Rahmen des Nationaldienstes als (...) Dienst geleistet.
Im Jahr 2010 habe er mit dem (...) einen Unfall verursacht, wobei dieser
beschädigt worden sei. Er sei deswegen drei Monate in Haft gewesen und
schliesslich gegen eine Bürgschaft freigelassen worden. Danach sei ihm
eine hohe Geldstrafe auferlegt worden. Es sei ihm gesagt worden, dass er
ins Gefängnis gehen müsse, wenn er diese nicht bezahle. Aus diesem
Grund habe er Eritrea im März 2012 verlassen, während sie mit B._
in Eritrea zurückgeblieben sei. Sie habe sich danach auf dem (...), wo ihr
Ehemann (...), nach seinem Verbleib erkundigt. Man habe sie bedroht und
es sei ihr eine Frist gegeben worden, um ihren Mann herbeizuschaffen. In
der Folge habe ein Arbeitskollege ihres Ehemannes ihr mitgeteilt, dass die
Behörden Schlimmes mit ihr vorhätten. Sie habe Eritrea deshalb im Juli
2012 mit ihrer Tochter B._ illegal verlassen.
A.d Am (...) brachte die Beschwerdeführerin in der Schweiz ihren Sohn
C._ zur Welt.
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Seite 3
A.e Mit Verfügung vom 18. November 2016 anerkannte das SEM
E._, der in der Schweiz am 18. August 2014 um Asyl nachgesucht
hatte, als Flüchtling und gewährte ihm Asyl.
B.
Mit Verfügung vom 18. November 2016 – eröffnet am 21. November 2016
– stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder würden die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte die Asylgesuche ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig erachtete es den
Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat als unzumutbar und ordnete
die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder an.
C.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 21. Dezember 2016 reichte die
Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde ein. Darin wurde beantragt, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und die Beschwerdeführerin und ihre Kinder seien als
Flüchtlinge anzuerkennen. Eventualiter seien die Beschwerdeführerin und
ihre Kinder in das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft von Herrn
E._ miteinzubeziehen. Der Beschwerdeführerin und ihren Kindern
sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei
ihnen die unterzeichnende Juristin als amtliche Rechtsbeiständin beizuord-
nen. Von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei abzusehen.
D.
Mit Verfügung vom 12. Januar 2017 wurde das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung vom Instruktionsrichter des Bundesver-
waltungsgerichts – unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der
finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden – gutgeheissen und
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde
den Beschwerdeführenden MLaw Michèle Künzi als amtliche Rechtsver-
treterin beigeordnet.
E.
Mit Eingabe vom 30. Januar 2017 liess die Beschwerdeführerin durch ihre
Rechtsvertreterin einen Auszug aus dem Geburtsregister betreffend
C._ vom (...), eine Kopie der Heiratsurkunde aus G._ vom
(...) sowie ein Familienfoto aus Eritrea einreichen.
D-7925/2016
Seite 4
F.
Mit Verfügung vom 6. April 2017 wurde das SEM eingeladen, sich innert
Frist zu Beschwerde vernehmen zu lassen.
G.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2017 stellte das SEM fest, C._ werde
nicht gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG [SR 142.31], jedoch gemäss Art. 51
Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt.
Gleichzeitig hielt es in der Vernehmlassung vom selben Datum an den Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung vom 18. November 2016 fest.
Die Vernehmlassung wurde der Rechtsvetreterin der Beschwerdeführen-
den am 11. Mai 2017 zur Kenntnis zugestellt.
H.
Mit Eingabe vom 12. Juli 2017 reichte die Rechtsvertreterin ein von der
Beschwerdeführerin und E._ unterzeichnetes Bestätigungsschrei-
ben vom 18. Juni 2017 ein, in der diese erklärten, sie würden eine Liebes-
beziehung führen, sich häufig sehen und sie würden gerne zusammen le-
ben und seien intensiv daran, eine Wohnung für sich und die beiden Kinder
C._ und B._ zu suchen. E._ pflege eine enge Bezie-
hung zu B._ und möchte sie gerne als Kind anerkennen. Ausser-
dem wurde die Kopie eines Schreibens an das Zivilstandsamt (...) vom
8. Mai 2017 betreffend die Registrierung von B._ eingereicht. Dazu
wurde ausgeführt, darin bestätige E._, dass er als Vater von
B._ gelten möchte, damit er, die Beschwerdeführerin, sein Sohn
C._ und B._ auch rechtlich eine Familieneinheit seien. Die
Vorkehrungen auf dem Zivilstandsamt seien am Laufen. Das Bundesver-
waltungsgericht werde gebeten, die Beschwerdeführerin und deren Kind
B._ ebenfalls in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl von
E._ miteinzubeziehen.
I.
Mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 reichte die Rechtsvertreterin einen
Auszug aus dem schweizerischen Zivilstandsregister vom 14. November
2018 ein und teilte mit, E._ habe die Tochter B._ rechtlich
anerkannt. Dies sei als weiteres Zeichen für die gelebte Familieneinheit zu
werten und dementsprechend beim Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
und das Asyl gemäss dem Eventualbegehren zu würdigen. Es werde da-
rum gebeten, die Beschwerdeführerin und deren Kind B._ in die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl von E._ miteinzubeziehen.
D-7925/2016
Seite 5
J.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 wurden die Eingaben vom 12. Juli
2017 und vom 10. Dezember 2018 in Kopie dem SEM übermittelt und die
Vorinstanz eingeladen, bis zum 27. Dezember 2018 eine weitere Vernehm-
lassung einzureichen.
K.
Das SEM stellte sich in seiner Stellungnahme vom 21. Dezember 2018 auf
den Standpunkt, die Voraussetzungen für einen Einbezug der Beschwer-
deführerin sowie auch ihres Kindes B._ in die Flüchtlingseigen-
schaft und das Asyl von E._ seien – trotz anerkannter Vaterschaft
– nicht gegeben.
L.
Die Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 21. Dezember 2018
eingeladen, bis zum 22. Januar 2019 eine Replik zur Vernehmlassung des
SEM vom 21. Dezember 2018 einzureichen.
M.
Die Rechtsvertreterin reichte am 21. Januar 2019 eine Replik ein. Der Ein-
gabe waren Kopien von vier Fotos beigelegt (eines von B._ mit ih-
rem Vater, eines von B._ mit C._ und zwei Fotos, auf denen
jeweils (...) abgebildet sind).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 6
1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht.
Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr
Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält.
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung im Einzelnen aus, wes-
halb die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie wegen der Aus-
reise ihres angeblichen Ehemannes aus Eritrea im Jahre 2012 von den
Behörden bedroht worden sei, widersprüchlich und unlogisch und daher
unglaubhaft seien. In der Beschwerde wird nicht geltend gemacht, das
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SEM habe diese Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft beurteilt. Vor die-
sem Hintergrund ist entsprechend dem Hauptbegehren in der Beschwerde
und dessen Begründung nachfolgend (E. 4) zu prüfen, ob die Beschwer-
deführerin und ihre Tochter B._ aufgrund ihrer illegalen Ausreise die
Flüchtlingseigenschaft erfüllen.
4.
4.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend.
4.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen die Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus-
schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche
subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,
als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
4.3 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3
Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen,
die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten
können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller-
dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der
Flüchtlingskonvention relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG).
4.4 Das SEM hält fest, die Beschwerdeführerin könne als nicht national-
dienstpflichtige Frau gefahrlos nach Eritrea zurückkehren und würde für die
illegale Ausreise nicht bestraft.
4.5 In der Beschwerde wird diesbezüglich auf die (damalige) Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts verwiesen und geltend gemacht, gestützt auf
diese sei im Falle einer illegalen Ausreise unabhängig vom Alter und dem
Grund der Ausreise eine flüchtlingsrelevante Gefährdung im Falle der
Rückkehr zu bejahen. Mit der Schlussfolgerung, die illegale Ausreise der
Beschwerdeführerin aus Eritrea sei asylrechtlich unbeachtlich, weiche die
Vorinstanz von der geltenden Rechtsprechung ab. Diese Praxisänderung
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sei rechtlich nicht haltbar. Sie beruhe auf einer ungenügenden Informati-
onsgrundlage und erfülle in mehreren Punkten die in BVGE 2010/34 fest-
gelegten Zulässigkeitsvoraussetzungen für eine Abweichung von der stän-
digen Rechtsprechung nicht. Die Beschwerdeführerin habe Eritrea im Alter
von (...) Jahren im (...) 2014 illegal verlassen und habe bei einer Rückkehr
mit Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu rechnen.
4.6 Zur Praxis die illegale Ausreise aus Eritrea betreffend ist auf das Urteil
des Bundesveraltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.1 ff.
(als Referenzurteil publiziert) zu verweisen. Darin wird festgestellt, dass die
– in der Beschwerde erwähnte – bisherige Praxis, wonach eine illegale
Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhal-
ten werden kann, da eine Analyse der konsultierten Quellen ergebe, dass
zahlreiche Personen, welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, relativ
problemlos in ihre Heimat hätten zurückkehren können. Daher sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person
einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Ver-
folgung drohe. Eine geltend gemachte Furcht vor ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG erscheine allein aufgrund einer illegalen Ausreise
nicht mehr als objektiv begründet. Ein erhebliches Risiko einer Bestrafung
bei einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante Motive sei nur dann anzu-
nehmen, wenn neben der illegalen Ausreise weitere Faktoren zu bejahen
seien, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Be-
hörden als missliebige Person erscheinen lassen würden (vgl. a.a.O.
E. 5.1).
4.7 In Anbetracht der geänderten Rechtsprechung kann die Frage der
Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise der Beschwerdeführerin offen gelas-
sen werden. Sie wurde aufgrund ihrer Heirat im Alter von (...) Jahren davon
befreit, Nationaldienst leisten zu müssen (vgl. A16/20 F67 f.). Anknüp-
fungspunkte, welche sie in den Augen des eritreischen Regimes als miss-
liebige Person erscheinen lassen könnten, sind aufgrund der Akten nicht
ersichtlich. Das Vorbringen, wonach sie nach der Flucht ihres (angebli-
chen) Ehemannes E._ aus Eritrea mit den Behörden Schwierigkei-
ten gehabt habe, wurde vom SEM als unglaubhaft beurteilt, was in der Be-
schwerde nicht bestritten wird.
4.8 Somit bleibt festzuhalten, dass allein die illegale Ausreise vorliegend
keine Furcht der Beschwerdeführerin vor einer zukünftigen flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgung zu begründen vermag, da in ihrer Person
keine zusätzlichen Faktoren für ein Risikoprofil zu erkennen sind. Das SEM
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Seite 9
hat mithin die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht
verneint.
5.
5.1 Mit Verfügung vom 2. Mai 2017 hat das SEM C._ gemäss
Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl
gewährt. Die Beschwerde ist deshalb gegenstandslos geworden, soweit
beantragt wird, C._ sei in das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft
von E._ miteinzubeziehen. Entsprechend dem Eventualbegehren
zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin und ihre Tochter B._
gestützt auf Art. 51 AsylG als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen Asyl zu
gewähren ist.
5.2
5.2.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl
– Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flücht-
linge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände da-
gegen sprechen.
5.2.2 Nach der Rechtsprechung zu Art. 51 Abs. 1 AsylG genügt für den Ein-
bezug in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl des Ehepartners die ak-
tuelle Familiengemeinschaft (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 4]). Besondere Um-
stände vorbehalten sind anspruchsberechtigte Angehörige eines Flücht-
lings, die sich in der Schweiz aufhalten, gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG
auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen und es ist ihnen Asyl zu gewäh-
ren, wenn vor deren Einreise in die Schweiz keine Familiengemeinschaft
bestanden hat, die durch die Flucht des anerkannten Flüchtlings getrennt
worden ist. Die ratio legis gebietet, den Status der Familie des Flüchtlings
grundsätzlich einheitlich zu regeln, ungeachtet dessen, ob die Familienge-
meinschaft vorbestanden hat oder erst in der Schweiz begründet wurde.
Ehegatten von Flüchtlingen sind deshalb grundsätzlich als Flüchtlinge an-
zuerkennen und es ist ihnen Asyl zu gewähren, auch wenn die Ehe erst in
der Schweiz geschlossen wurde (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 4.4.1).
5.2.3 Anspruchsberechtigt im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG sind nebst
den Ehegatten von Flüchtlingen auch die in eheähnlicher Gemeinschaft
zusammenlebenden Personen (Konkubinatspaare). Sie sind den Ehegat-
ten gleichgestellt (vgl. BVGE 2012/5 E. 4.1 sowie Art. 1a Bst. e der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Sofern um Ein-
bezug eines Ehegatten oder einer Ehegattin in das Familienasyl nach
Art. 51 AsylG ersucht wird, erfordert dies das Bestehen einer gültigen Ehe;
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Seite 10
entweder nach schweizerischem Recht oder nach dem Recht des Staates,
in dem die Eheschliessung erfolgte (vgl. Art. 43 ff. IPRG [SR 291]. Eine im
Ausland geschlossene Ehe wird in der Schweiz grundsätzlich anerkannt,
sofern sie anerkennungsfähig ist (vgl. Art. 1 Abs. 2 IPRG) und nicht gegen
den schweizerischen Ordre Public (vgl. Art. 27 Abs. 1 IPRG) verstösst (vgl.
BVGE 2012/5 E. 4.5). Im Kontext Eritrea wird meist eine religiöse Trauung
geltend gemacht, welche – sofern glaubhaft – anerkennungsfähig ist (vgl.
anstelle vieler: Urteil D-5671/2015 vom 19. Juli 2017 E. 5.2). Die Asylbe-
hörden haben im Rahmen von Art. 51 AsylG über das Vorliegen der Vo-
raussetzungen zur Anerkennung der Ehe vorfrageweise zu befinden, ohne
dass sie ein selbständiges Anerkennungsverfahren durchführen oder das
Anerkennungsverfahren mit ihrem Entscheid präjudizieren (Art. 29 Abs. 3
IPRG). Im Übrigen gilt, dass nicht in erster Linie ein rechtlich begründetes
sondern ein tatsächlich gelebtes Familienleben geschützt werden soll. Ein
Anspruch auf Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG setzt dem-
nach das Bestehen einer „gelebten Familiengemeinschaft“ voraus (vgl.
BVGE 2015/29 E. 3.2; Urteil D-2471/2016 vom 2. Februar 2018 E. 5.1).
5.3
5.3.1 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung aus, es liege kein
Beweis für die Heirat im Jahr (...) vor. Sowohl die Beschwerdeführerin wie
auch ihr angeblicher Ehegatte hätten behauptet, dass die Hochzeitsdoku-
mente in einer Tasche während der Reise verloren gegangen seien. Sie
habe sich aber bisher nicht bemüht, neue Dokumente oder Kopien davon
zu beschaffen. Aufgrund dessen würden erhebliche Zweifel entstehen,
dass die Beschwerdeführerin tatsächlich mit dem angeblichen Ehemann
verheiratet sei. Dies gehe auch aus ihren Aussagen an der Anhörung her-
vor, wo sie angegeben habe, sie lebe in der Schweiz seit einiger Zeit von
ihrem Ehemann getrennt, weil sie sich nicht mehr verstanden hätten und
die Polizei schliesslich habe einschreiten müssen. Sie könnten sich in der
Schweiz jedoch nicht scheiden lassen, weil es keine offiziellen Dokumente
für die Heirat gebe. Was das Kind B._ angelange, habe ein DNA-
Test vom 21. Oktober 2014 ergeben, dass E._ nicht der leibliche
beziehungsweise biologische Vater von B._ sei. Es sei aufgrund
dessen festzustellen, dass besondere Umstände vorliegen, weshalb sie
und ihr Kind B._ nicht gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flücht-
lingseigenschaft und das Asyl von E._ einbezogen würden.
5.3.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Be-
schwerdeführerin sei seit mehr als (...) Jahren mit E._ verheiratet.
Die Papiere seien leider während der Flucht verloren gegangen. Sie hätten
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Seite 11
aber zur Hochzeit und Ehe in ihren Befragungen dieselben Angaben ge-
macht. Aufgrund der Inhaftierung des Ehemannes und Problemen mit den
eritreischen Behörden sei das Ehepaar damals vor zirka (...) Jahren eine
gewisse Zeit getrennt gewesen. In dieser schwierigen Zeit sei auch die
Schwangerschaft von B._ entstanden, zu der sich die Beschwerde-
führerin in der Anhörung (vgl. A16/20 F116 ff., S. 12 ff.) geäussert habe. Es
sei auch zu bemerken, dass das SEM die Beschwerdeführerin mit dem
Namen ihres Ehemannes anspreche. Somit scheine auch die Vorinstanz
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die Ehefrau von
E._ sei. Die Eheleute seien bemüht, ihren zivilrechtlichen Status in
der Schweiz definitiv zu klären. Die Beschwerdeführerin habe am 3. Januar
2017 einen Termin beim Zivilstandsamt. Es bestehe die gesetzliche Ver-
mutung bei Ehepaaren, dass innerhalb der Kernfamilie eine enge Bezie-
hung gepflegt werde. Es sei zwar nicht von der Hand zu weisen, dass das
Ehepaar in der Vergangenheit auch schwierige Zeiten erlebt habe. So sei
ein Streit in der Schweiz eskaliert, nachdem der DNA-Test ergeben habe,
dass E._ nicht der leibliche Vater von B._ sei. Dieser Streit
habe sich mittlerweile beruhigt. E._ sehe B._ als seine Toch-
ter an und behandle sie auch dementsprechend. Anzumerken sei, dass ein
Kind, das während der Ehe zur Welt gekommen sei, grundsätzlich der Ver-
mutung unterstehe, dass der Ehemann der Mutter der Vater sei. Um die
Vaterschaft anerkennen zu lassen, müsste der Ehemann eine zivilrechtli-
che Klage einreichen. Dies habe E._ nicht getan. Wegen des er-
wähnten Streits sei von der Behörde veranlasst worden, dass das Ehepaar
für eine gewisse Zeit nicht mehr zusammen lebe. Seitdem würden sie –
gegen ihren aktuellen Wunsch – nun über ein Jahr getrennt wohnen. Sie
hätten aber regelmässig Kontakt und es sei ihr beider Wille, zusammen zu
leben und sich gemeinsam um ihre Kinder kümmern zu können. Die Be-
schwerdeführerin und E._ würden übereinstimmend erklären, dass
sie immer noch verheiratet seien und sich nicht trennen wollten. Dass sie
momentan nicht zusammen leben würden, stehe der engen gelebten Be-
ziehung zwischen Ehefrau und Ehemann sowie Kindern und Vater nicht
entgegen. Die Beziehung werde durch regelmässige Treffen weitergeführt.
Durch die vorübergehende räumliche Trennung sei die Regelvermutung
der gepflegten engen Beziehung innerhalb der Kernfamilie noch nicht um-
gestossen. Es sei auch zu bemerken, dass kein Scheidungsverfahren ein-
geleitet worden sei. Vielmehr seien sie darum bemüht, ihren in Frage ge-
stellten Zivilstand abschliessend zu klären. Darüber hinaus sei zu betonen,
dass die Beziehung zwischen dem Vater und seinen Kindern von der vo-
rübergehenden Trennung der Eltern nicht berührt werde. Die Vater-Kind-
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Seite 12
Beziehung werde weiterhin eng geführt. Deswegen seien die Beschwerde-
führerin und B._ in das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft von
E._ miteinzubeziehen.
5.3.3 In ihrem Schreiben vom 18. Juni 2017 (vgl. Bst. H) bekräftigen die
Beschwerdeführerin und E._, dass sie als Familie gerne zusammen
leben würden und E._ eine enge Beziehung zu B._ pflege.
Im Schreiben vom 10. Dezember 2018 wurde zudem unter Beilage des
entsprechenden Auszugs aus dem Zivilstandsregister mitgeteilt,
E._ habe die Tochter B._ rechtlich anerkannt.
5.3.4 Das SEM hält zu erwähnten Schreiben in seiner Stellungnahme vom
21. Dezember 2018 fest, trotz erfolgter Anerkennung der Vaterschaft durch
E._ seien keine Hinweise für eine affektiv/emotionale und in wirt-
schaftlicher Hinsicht gelebte Eltern-Kind-Beziehung vorhanden. Die Eltern
würden nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, sondern hätten ge-
trennte Wohnungen bezogen, nachdem E._ wegen häuslicher Ge-
walt und Drohungen ein Hausverbot erhalten habe. Die Beschwerdeführe-
rin habe in der Bundesanhörung angegeben, dass sie sich nicht mehr ver-
standen hätten und die Polizei habe einschreiten müssen. Im Lichte dieser
Konstellation vermöge die Bestätigung der Kindseltern vom 18. Juni 2017,
gemäss der sie eine Liebesbeziehung führen, sich häufig sehen und gerne
zusammenleben und wohnen würden, weder zu überzeugen noch an der
momentanen Sachlage etwas zu ändern. Die Voraussetzungen eines Ein-
bezugs der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl
von E._ seien ebenfalls nicht erfüllt. So hätten beide bis anhin nicht
glaubhaft machen können, dass sie verheiratet seien. Einen entsprechen-
den Beweis hätten sie nicht erbracht. Nach einer Episode häuslicher Ge-
walt würden sie ausserdem in getrennten Wohnungen leben, was sich bis
heute nicht geändert habe.
5.3.5 Diesen Ausführungen wird in der Replik vom 21. Januar 2019 entge-
gengehalten, der Vater von B._ sei derzeit noch von der Sozialhilfe
abhängig. Mit dem bescheidenen Budget unterstütze er B._ (sowie
auch C._) dennoch regelmässig finanziell. B._ gehe zu ihm,
wenn sie neue Kleider oder Schuhe benötige. Der Vater gehe mit den Kin-
dern mindestens einmal im Monat Burger essen. Diese regelmässigen Va-
ter-Tochter-Treffen seien von grosser Bedeutung. Obwohl derzeit keine ge-
meinsame Wohnung vorliege, sehe sich die Familie regelmässig. Unter
Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4513/2016 vom
27. Oktober 2014 E. 4 ff. wurde zudem geltend gemacht, beim Einbezug
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Seite 13
von B._ dürfe nicht auf das Erfordernis des Zusammenlebens ab-
gestellt werden, ansonsten sie – analog Kinder getrennter Eltern – pau-
schal vom Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des getrennt lebenden
Elternteils ausgeschlossen würde.
Was die Beschwerdeführerin anbelange, sei bereits in der Beschwerde
ausführlich dargelegt worden, dass der Streit zwischen den Eheleuten nur
temporär und Folge des Ergebnisses des DNA-Tests gewesen sei. Dieser
Streit sei nicht mehr aktuell, was auch die Anerkennung von B._
durch E._ als seine Tochter zeige. Diese Anerkennung sei die Folge
einer guten, ernsthaften und tatsächlich gelebten Beziehung zwischen den
Eltern, die so rasch als möglich wieder zusammen wohnen möchten. Dafür
werde nach Lösungen gesucht. Die beiden würden seit mehr als (...) Jah-
ren eine intensive und ernsthafte Beziehung führen. Es sei nicht mehr zu
Gewaltanwendungen gekommen, seit die schwierige Situation betreffend
die Entstehung von B._ habe geklärt werden können. Der Einbezug
könne gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl.
BVGE 2012/32 E. 5.1, EMARK 2002 Nr. 20 E. 4b) verweigert werden, wenn
die familiäre Verbindung aufgelöst und erkennbar sei, dass die Familien-
mitglieder nicht zusammenleben wollten. Dies sei vorliegend nicht der Fall.
Mehrmals in der Woche esse die Familie zusammen und gehe am Sams-
tag gemeinsam in die Kirche. Zwei Mal in der Woche hole der Vater seinen
Sohn C._ von der (...) ab und B._ gehe mehrmals in der
Woche nach der Schule beim Vater vorbei, da dieser in der Nähe der
Schule wohne. Einmal wöchentlich übernachte sie auch beim Vater. Im Üb-
rigen werde auf das Urteil D-6855/2013 vom 1. September 2014 E. 7.2.2
verwiesen, wonach Familienmitglieder einen möglichst einheitlichen Status
erhalten sollten.
5.4
5.4.1 Die Frage, ob die Beschwerdeführerin und E._ – wie von
ihnen behauptet – in Eritrea tatsächlich verheiratet waren und dort wie von
ihnen dargelegt, eine Familiengemeinschaft gebildet haben, kann vorlie-
gend offen bleiben. Denn wie nachstehend aufgezeigt (vgl. E. 5.4.2 – 5.4.5)
lässt die zwischen den beiden in der Schweiz unterhaltene Beziehung der-
zeit (noch) nicht auf das Bestehen einer „gelebten Familiengemeinschaft“,
wie es Art. 51 Abs. 1 AsylG voraussetzt (vgl. E. 5.2.3) schliessen.
5.4.2 So lässt sich feststellen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Ein-
reise in die Schweiz zunächst zusammen mit B._ und E._
im Durchgangszentrum in F._ lebte. Dort kam es aber – nachdem
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aufgrund einer DNA-Analyse bekannt wurde, dass E._ nicht der
leibliche Vater von B._ ist – zum Streit und zu häuslicher Gewalt,
so dass gegen E._ am 26. September 2014 ein Hausverbot erlas-
sen werden musste (vgl. Akten E._ A23/1). Nachdem die Be-
schwerdeführerin mit B._ ins Durchgangszentrum G._ um
platziert wurde, musste gegen E._ am 20. Oktober 2014 auch dort
ein Hausverbot wegen Verstosses gegen die Hausordnung und häuslicher
Gewalt gegen die Beschwerdeführerin erlassen werden (vgl. Akten
E._ A26/2). Dennoch kam es zu weiteren Belästigungen der Be-
schwerdeführerin (vgl. Akten E._ A28/2). Am 31. Oktober 2014 er-
hob die Beschwerdeführerin in der Folge wegen häuslicher Gewalt Anzeige
gegen E._ (vgl. Akte 32/3). Schliesslich wurden durch die Staats-
anwaltschaft des Kantons H._ am 8. April 2015 und am 9. Februar
2016 gegen E._ Strafbefehle wegen Hausfriedensbruchs began-
gen am 29. Dezember 2014 und am 16. und 18. Juni 2015 erlassen (vgl.
Akten E._ A30/5 und A35/3). Die Beschwerdeführerin bekräftigte
alsdann in der Anhörung vom 17. September 2015, sie wolle nicht mehr mit
E._ zusammen leben. Sie könnten sich aber nicht scheiden lassen,
da sie keine offiziellen Dokumente hätten abgeben können; sie seien aber
getrennt worden und lebten nicht mehr zusammen (vgl. A16/20 F32).
5.4.3 Am (...) kam in der Schweiz der gemeinsame Sohn C._ zur
Welt, den E._ als sein Kind anerkannt hat (vgl. A34/6). Dies deutet
darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin und E._ nach ihrem
Zerwürfnis im Herbst 2015 wieder versöhnt haben. In ihrem beidseits un-
terzeichneten Bestätigungsschreiben vom 18. Juni 2017 erklären sie zu-
dem, sie würden eine Liebesbeziehung führen und sich häufig sehen. Auch
würde der mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 eingereichte Auszug aus
dem Zivilstandsregister vom 14. November 2018, wonach E._ die
Tochter B._ rechtlich anerkannt hat, indizieren, dass sich die Be-
schwerdeführerin mit dem Vater ihrer Kinder wieder versteht. Von einem
gemeinsam gelebten und insbesondere gefestigten Familienleben der El-
tern kann dennoch nicht gesprochen werden (vgl. E. 5.4.4 ff.).
5.4.4 Gemäss dem Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) woh-
nen die Beschwerdeführerin und E._ seit Juli 2017 in derselben Ge-
meinde (I._). Dort sind sie allerdings nicht an derselben Wohnad-
resse registriert. Grund dafür ist nach Rücksprache mit dem Migrations-
dienst des Kantons H._ und Einsicht in die entsprechenden Akten,
dass die Beschwerdeführerin und E._ im Juli 2017 zwar zusammen
nach I._ an die (...) in eine gemeinsame Wohnung gezogen sind,
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sie sich jedoch bereits im April 2018 wieder (freiwillig) getrennt haben.
E._ zog aus der gemeinsamen Wohnung aus und wurde zunächst
in einer Notwohnung in der Gemeinde J._ untergebracht. Die Be-
schwerdeführerin ihrerseits verblieb zusammen mit den Kindern zunächst
noch in der Wohnung an der (...) und zog anfangs Juli 2018 an die (...) in
der Gemeinde I._. E._ wohnt seit anfangs Juli 2018 erneut
an der (...) in der Gemeinde I._. Er hat die vorherige Wohnung der
Beschwerdeführerin übernommen.
5.4.5 Die Beschwerdeführerin und E._ lebten somit mit den Kindern
B._ und C._ erst ab Juli 2017 in einer gemeinsamen Woh-
nung zusammen. Dieses Zusammenleben war indes nur vorübergehend,
da sich die Eltern emotional bereits im April 2018 und räumlich im Juli 2018
(wieder) getrennt haben. Die im Schreiben vom 18. Juni 2017 dargelegte
Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und E._ war somit
bloss von kurzer Dauer. Auch im heutigen Zeitpunkt bilden sie keine Wohn-
respektive Lebensgemeinschaft. Es kann daher derzeit nicht von einer –
wie in der Replik erwähnt – ernsthaften und tatsächlich gelebten Beziehung
ausgegangen werden. Vielmehr deutet die erneute Trennung im April 2018
darauf hin, dass es sich um eine unbeständige Beziehung handelt. Dies
umso mehr, als – trotz mehrfacher Beteuerungen – eine in der Schweiz
erfolgte Anerkennung der (angeblich) in Eritrea geschlossenen Ehe bis
heute ebenfalls nicht vorliegt.
5.4.6 Insgesamt kann vor diesem Hintergrund zum heutigen Zeitpunkt
nicht davon gesprochen werden, die Beschwerdeführerin und E._
hätten in der Schweiz in einer gefestigten und auf Dauer ausgerichteten
ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaft gelebt respektive sie würden
aktuell eine Beziehung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. Entscheid des Bundesgerichts 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.2)
führen, welche als solche einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Fa-
milienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG begründen würde. An dieser Ein-
schätzung ändert auch der Einwand in der Replik nichts, die „Familienmit-
glieder“ hätten erneut den Willen bekundet, zusammen zu wohnen, zumal
diese Absicht bloss behauptet wird. Ausschlaggebend für die Gewährung
von Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG ist – wie unter E. 5.2.3
erwähnt – das Bestehen einer „gelebten Familiengemeinschaft“, was mit
Bezug auf die Beschwerdeführerin und E._ derzeit zu verneinen ist.
Vielmehr ist aufgrund der derzeitigen Sachlage davon auszugehen, dass
es sich bei den Eltern um getrennte (Ehe-)Partner handelt. Die in der Replik
erwähnten wöchentlichen Besuche von Eltern und Kindern zusammen in
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der Kirche, die monatlichen Essen des Vaters mit den beiden Kindern oder
die wöchentlichen Besuche von B._ bei ihrem Vater lassen eben-
falls – (noch) nicht – darauf schliessen, es liege hier eine auf Dauer ange-
legte Familiengemeinschaft zwischen der Beschwerdeführerin und
E._ vor. Abgesehen von erwähnten wöchentlichen Besuchen der
Kirche beider Elternteile (mit ihren Kindern) wird keine Verbundenheit dar-
gelegt, die auf ein gefestigtes Zusammenleben der Eltern schliessen lässt.
Das eingereichte Foto, welches die Eltern mit dem Sohn C._ zeigt,
vermag daran nichts zu ändern. Einen Beleg für ein gefestigtes Familien-
leben von E._ mit der Beschwerdeführerin bildet dieses nicht.
5.4.7 Auch wenn Art. 51 AsylG der Gedanke zu Grunde liegt, der gesamten
Familie eines Flüchtlings einen einheitlichen Rechtsstatus zu gewährleis-
ten (vgl. E. 5.2.2), würde dies vorliegend bedingen, dass E._ und
die Beschwerdeführerin als seine (angebliche) Ehefrau oder Konkubinats-
partnerin effektiv eine gefestigte familiäre Beziehung unterhalten würden
(vgl. dahingehend auch das Urteil des BVGer E-788/2017 vom 7. April
2017 E. 4.2). Dies ist aber aktuell (noch) nicht der Fall.
5.4.8 Was das Verhältnis von E._ zu seinen Kindern, insbesondere
jenes zu seiner, bislang durch das SEM nicht in seine Flüchtlingseigen-
schaft einbezogene, Tochter B._ anbelangt, ist festzuhalten, dass
B._ (mit ihrer Mutter und ihrem Halbbruder zusammen) zwar nur für
kurze Zeit mit E._ zusammengelebt hat. Dieser hat aber nicht nur
C._ als seinen Sohn, sondern inzwischen (im November 2018)
auch B._ als seine Tochter rechtlich anerkannt. Trotz der Trennung
von der Beschwerdeführerin, seiner (angeblichen) Ehefrau, unterhält er als
Vater zu beiden Kindern eine enge Beziehung. So unterstützt er sie beide
im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht nur finanziell, sondern er holt
C._ regelmässig von der (...) ab, geht mit beiden zusammen – wie
auf dem eingereichten Foto ersichtlich ist – essen und B._ hält sich
oft nach der Schule beim Vater auf und übernachtet zudem wöchentlich bei
ihm. Eine familiäre Beziehung respektive eine Familiengemeinschaft zwi-
schen ihm und den Kindern – und damit auch zu B._ – ist demnach
zu bejahen. B._ ist demzufolge in die Flüchtlingseigenschaft ihres
Vaters einzubeziehen.
5.5 Das SEM hat somit den Einbezug der Beschwerdeführerin in die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl von E._ zu Recht verneint.
Demgegenüber hat es den Einbezug der Tochter B._ in die Flücht-
lingseigenschaft und das Asyl ihres Vaters E._ zu Unrecht verneint.
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6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde hinsichtlich des
Hauptbegehrens um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 54 AsylG abzuweisen ist. Soweit eventualiter bean-
tragt wird, C._ sei in das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft von
E._ miteinzubeziehen, ist die Beschwerde gegenstandslos gewor-
den. Der Eventualantrag auf Einbezug der Beschwerdeführerin in die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl von E._ gestützt auf Art. 51
Abs. 1 AsylG ist abzuweisen. Hingegen ist der Antrag auf Einbezug von
B._ in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters E._ gutzu-
heissen. B._ ist demnach gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als
Flüchtling anzuerkennen und das SEM ist anzuweisen, ihr Asyl zu gewäh-
ren.
7.
7.1 Aufgrund ihres teilweisen Unterliegens (vorliegend ein Drittel) wären
den Beschwerdeführenden bei diesem Ausgang des Verfahrens anteils-
mässig die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach-
dem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Ver-
fügung vom 12. Januar 2017 jedoch gutgeheissen wurde, sind keine Ver-
fahrenskosten zu sprechen.
7.2 Das SEM hat C._ im Rahmen des Schriftenwechsels als Flücht-
ling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt, weshalb die Be-
schwerde gegenstandslos geworden ist (vgl. E. 5.1). Die Gegenstandslo-
sigkeit wurde demnach durch das SEM bewirkt, weshalb diesbezüglich
eine angemessene anteilsmässige (vorliegend ein Drittel) Parteientschädi-
gung für die den Beschwerdeführenden erwachsenen notwendigen Kosten
vom SEM auszurichten ist (Art. 5 und 15 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die vertretenen Beschwerdeführenden sind zudem im Umfang ihres Ob-
siegens (vorliegend ein Drittel) für die ihnen erwachsenen notwendigen
Kosten durch die Vorinstanz zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG;
Art. 7 ff. VGKE).
7.3 Die Rechtsbeiständin reichte am 21. Januar 2019 eine Kostennote ein.
Demnach beliefen sich ihre Bemühungen im Zusammenhang mit der Ver-
fassung und Einreichung der Beschwerde sowie weiterer Eingaben (inkl.
der Replik) auf 13 Stunden. Der geltend gemachte Stundenansatz wird mit
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Fr. 180.– aufgeführt. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 50.–
aufgeführt. Der Stundenansatz bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2
VGKE. Der Aufwand sowie die Auslagen erscheinen zudem als angemes-
sen. Der gesamte Aufwand beläuft sich demnach auf (gerundet) Fr. 2570.–
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag). Davon ist den Beschwerde-
führenden durch das SEM zwei Drittel, das heisst (gerundet) Fr. 1713.– zu
entschädigen. Das SEM ist daher anzuweisen, den Beschwerdeführenden
diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten.
7.4 Nachdem die Beschwerdeführenden zu einem Drittel unterlegen sind,
ist der amtlichen Rechtsbeiständin in diesem Umfang ein amtliches Hono-
rar auszurichten. Dieses beläuft sich auf Fr. 857.– (vgl. E. 7.1 ).
(Dispositiv nächste Seite)
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