Decision ID: 5322be5d-0a05-44b1-8742-8a19205b33f6
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
Z._
mit Sitz in
A._
war der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen
und
rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab
(Urk. 7/319). Mit Urteil vom 9. August 2011 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Uster über die Gesellschaft den Konkurs; am 16. August 2011 wurde
das Konkursverfahren mangels Aktiven geschlossen (Urk. 13).
Mit Verfügungen vom 22. Juni 2012 (Urk. 7/301-302) verpflichtete die
Aus
gleichs
kasse
die ehemaligen Geschäftsführer der
Konkursitin
,
X._
und
Y._
, in solidarischer Haftung zur Bezahlung von Schadenersatz für ent
gangene Beiträge in der Höhe von Fr. 43'015.90. Mit Eingabe vom 16. August 2012 (Urk. 7/308; vgl. auch Urk. 7/312) erhob
X._
Einsprache gegen die ihn betreffende Schadenersatzverfügung.
Y._
liess sich nicht vernehmen,
wobei unklar ist, ob ihm die Schadenersatzverfügung zugestellt werden konnte
(vgl. Urk. 7/313). Mit Entscheid vom 6. November 2012 (Urk. 2 = Urk. 7/317) hiess
die Ausgleichskasse die Einsprache von
X._
teilweise gut und reduzierte die von ihm geforderte Schadenersatzsumme auf Fr. 28'646.
.
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 4. Dezember 2012 (Urk. 1) Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es sei der angefochtene
Einspracheentscheid
ersatzlos aufzuheben. In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2013 (
Urk.
6) schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfü
gung vom 14. Januar 2013 (Urk. 8) wurde
Y._
zum Prozess beigeladen.
Die Verfügung konnte ihm jedoch nicht zugestellt werden (vgl. Urk. 9). Entsprechen
de Abklärungen bei der Einwohnerkontrolle betreffend den Aufenthaltsort von
Y._
waren ergebnislos (vgl. Urk. 10). Mit Verfügung vom 6. Februar 2013
(Urk. 11) wurde
X._
aufgefordert, dem Gericht mitzuteilen, wohin die Gerichtspost für
Y._
(seinen Vater) zu senden sei.
X._
beantwortete die ihm gestellte Frage jedoch nicht und liess sich auch sonst nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
derlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
52
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grobfahr
lässige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der
Aus
gleichskasse
zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch genommen
werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeit
geber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu
entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatzordnungs- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Erwerbsersatzordnung für Dienstleistende in Armee, Zivildienst und Zivilschutz) sowie auf die kantonalrechtlichen Beiträge für die Familienausgleichskasse (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 geltenden Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des
Bundesgerichts 2P.251/1996 vom 3
0.
Juni 1997) beziehungsweise die Beiträge ge
mäss dem am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c
FamZG
). Ferner haften die Arbeitgeber und ihre
Organe auch für entgangene Beiträge an die Arbeitslosenversicherung (
Art.
6 des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venz
entschädigung; BGE 113 V 186).
1.2
1.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
wei
sen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG
verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Ent
richtung wegen Z
ahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitgebers nicht
mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der
Schad
en als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170
E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt
der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsun
fähigkeit des Ar
beitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff.
AHVG erhoben werden kön
nen (BGE
123 V
12 E. 5b,
170 E. 2a,
121 III
382 E. 3bb,
113 V 256, 112 V 156 E. 2).
1.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (
Art.
52
Abs.
3 AHV
G; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für frucht
los erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resul
tiert.
Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadenersatzfor
derung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der Frucht
loserklärung beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
1.3
Das Konkursverfahren über die
Z._
wurde
- wie bereits erwähnt -
am 16. August 2011 mangels Aktiven eingestellt (Urk. 13). Damit wurde die zwei
jährige Verjährungsfrist von Art. 52 Abs. 3 AHVG ausgelöst
.
Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügung vom 22. Juni 2012 (Urk. 7/301) wahrte die
Beschwer
degegnerin
gegenüber dem Beschwerdeführer die genannte Frist. Die
streitge
genständliche
Forderung ist somit nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschulde
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie
die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189
E.
5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und
Ab
rechnungspflicht
des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
2.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber dem Beschwerdeführer
im Wesentlichen auf die Jahresabrechnungen der
Z._
für die Jahre
2004 bis 2010 (Urk. 7/28, 7/47, 7/94, 7/112, 7/127 und 7/269), die Korrekturen dieser Abrechnungen durch die Revisoren der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) und der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/155-157 und 7/268), den Bericht des Revisors über die Arbeitgeberkontrolle vom 15. September 2011 (Urk. 7/267), die Beitragsübersicht vom 9. Januar 2013 (Urk. 7/320) und den Kontoauszug desselben Datums (Urk. 7/321). Des Weiteren liegen zahlreiche
Mahnungen (Urk. 7/5, 7/8, 7/14-18, 7/31, 7/36-38, 7/42-46, 7/48, 7/60-63, 7/67
,
7/71-72, 7/83, 7/85, 7/92-93, 7/99, 7/104-108, 7/110-111, 7/119, 7/122-125, 7/143-146
, 7/148-153, 7/159-160, 7/165, 7/173-174, 7/182-183, 7/202, 7/210, 7/212-214 und 7/219), Betreibungsbegehren (Urk. 7/39, 7/73-74, 7/80, 7/129, 7/133-134, 7/166-169, 7/175-176, 7/193-195, 7/215-216, 7/220, 7/223 und
7/249-250), Zahlungsbefehle (Urk. 7/40, 7/81, 7/139, 7/141, 7/185, 7/187, 7/189,
7/191 und 7/206-207), Verzugszinsberechnungen (Urk. 7/13, 7/19, 7/25, 7/27, 7/50-51, 7/84, 7/90, 7/96, 7/109, 7/114, 7/131, 7/136 und 7/161),
Pfändungsur
kunden
(Urk. 7/87, 7/178, 7/180, 7/225, 7/227, 7/229 und 7/231) und
Verlust
ausweise
(Urk. 7/282-284, 7/286, 7/289-293, 7/295 und 7/297) bei den Akten.
Aus den Jahresabrechnungen für die Jahre 2004 bis 2010 (Urk. 7/28, 7/47, 7/94, 7/112, 7/127 und 7/269) sowie den Korrekturen der Revisoren (Urk. 7/155-157 und 7/268) ist ersichtlich, dass die
Z._
im genannten Zeitraum
Lohnzahlungen von insgesamt Fr. 1'255'274.52 (= Fr. 138'682.10 + Fr. 306'304.50
+ Fr. 261'085.95 + Fr. 155'133.45 + Fr. 170'639.02 + Fr. 106'187.50 + Fr. 72'800.
+ Fr. 15'655.
+ Fr. 21'501.
+ Fr. 7'896.
+ Fr. 4'340.
./. Fr. 4'950.
) ausgerichtet hat. Der Ausstand resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss Kontoauszug und Beitragsübersicht geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge zuzüglich Nebenkosten und der von der
Z._
geleisteten Zahlungen. Danach besteht ein Saldo von Fr. 43'015.90 zu Gunsten der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/320-321).
2.2.2
Die Beschwerdegegnerin reduzierte im angefochtenen
Einspracheentscheid
die vom Beschwerdeführer geforderte Schadenersatzsumme von Fr. 43'015.90 auf Fr. 28'646.
. Dabei berücksichtigte sie, dass der Beschwerdeführer am 6. April 2010 als Geschäftsführer der
Z._
abberufen worden war (Protokoll der Gesellschafterversammlung der
Z._
vom 6. April 2010 [Urk. 7/316/6-7]; Löschung im Handelsregister am 14. Mai 2010 [Urk. 13]). Damit falle eine Haftung für die Monate Januar bis März 2010 und später von vornherein ausser Betracht. Davon auszunehmen seien diejenigen Beitragsrech
nungen, die
aufgrund von Versäumnissen der
Z._
beziehungsweise
des Beschwerdeführers (nicht rechtzeitig beziehungsweise gänzlich unterbliebene
Lohndeklarationen) nicht früher hätten gestellt werden können (Urk. 2/1 S. 3
E. 5). Es handelt sich dabei um die Positionen 2010 0002, 2010 0003 und 2010 0006
des Kontoauszuges (Urk. 7/321).
2.2.3
Die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid
erweisen
sich als korrekt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 2/1 S. 3 E. 5). Der Be
schwerdeführer hat diese Ausführungen der Beschwerdegegnerin denn auch nicht in Zweifel gezogen. Die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene
(be
schränkte) Forderungsreduktion erweist sich aufgrund der Rechts- und Aktenlage
als rechtens. Die Schadenshöhe ist auch im Übrigen aufgrund der Akten ausge
wie
sen. Das Quantitativ der streitgegenständlichen Forderung wurde vom Be
schwerdeführer zu Recht nicht bestritten. Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für
Berechnungsfehler ist die Schadensberechnung der Ausgleichskasse zu be
stätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von Fr. 28'646.
auszugehen.
3.
3.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. AHVV schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können.
Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a
; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Z._
den ihr als Arbeitgeberi
n obliegenden Zahlungsverpflichtungen in den Jahren 2004 bis 2010 nur unvoll
ständig beziehungsweise nicht zeitgerecht nachkam. Die Beschwerdegegnerin
sah sich deshalb veranlasst, die Gesellschaft wiederholt zu mahnen und zahlrei
che Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten, die mit der Ausstellung von
Verlust
s
cheinen
endeten (vgl. dazu oben E. 2.2.1). Es blieben geschuldete Sozialversiche
rungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 43'015.90 unbe
zahlt, wovo
n vorliegend - wie ausgeführt - Fr. 28'646.
relevant sind (vgl. E.
2.2). Es be
darf keiner weiteren Ausführungen, dass die
Z._
Vorschriften
im Sinne von
Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte
Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten
auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerdefüh
rers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem
Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den
verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E.
1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um
eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist
im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, we
l
che das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen
oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Um
stände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht
lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende
Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die
Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu
differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Ar
beit
gebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
4.2.2
Nic
ht jedes einer Firma als
solcher
anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist.
Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person
übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen
Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der
Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgeh
en
d an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Ge
schäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwal
tungs
organ an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch
die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden
nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abwei
chenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwachung
der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht
angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.)
5.
5.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor, dass er die
Z._
nur eröffnet habe, weil seine Familie darauf angewiesen gewesen sei. Anfangs habe er das Geschäft auch
tatsächlich leiten und v
ieles
selbst bestimmen
dürfen
. Später habe sein Vater, der Beigeladene, die
Z._
geführt. Dieser habe sich verschuldet und sei von Kreditgebern („Kredithaien“) bedroht worden. In den Jahren 2006 und 2007 habe er (der Beschwerdeführer) zwei Unfälle erlitten. Danach habe er nur noch wenig für die
Z._
gemacht; alle Kompetenzen seien beim Beigeladenen gewesen. Dieser sei bereit, seine Schuld zu anerkennen. Überdies sei man bei der
Z._
davon ausgegangen, dass geringfügige Löhne nicht mit der Beschwerdegegnerin
abgerechnet werden müssten. Man habe aber nicht die entsprechenden Verzichts
erklärungen eingeholt (Urk. 1).
5.2
5.2.1
Der Beschwerdeführer war vom 26. April 2004 bis 6. April 2010 einziger und einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der
Z._
(Urk. 13 und Urk. 7/316/6-7). Bei der
Z._
handelte es sich um ein kleines Unternehmen mit nur wenigen Angestellten (vgl. Urk. 7/28, 7/47, 7/94, 7/112, 7/127 und 7/269). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnissen muss vom einzigen Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung verlangt
werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat.
Dabei richten sich die Anforderungen an die Geschäftsführung beziehungs
weise an die einzelnen Geschäftsführungsmitglieder nach einem objektiven Mass
stab.
Bei einfachen und überschaubaren Verhältnissen werden praxisgemäss erhöhte Anforderungen an Kenntnis und Erledigung von Abrechnungs- und Zahlungs
verkehr mit der Ausgleichskasse gestellt. Gemäss Art. 812 Abs. 1 des Obligatio
nenrechts (OR) sind die Geschäftsführer sowie Dritte, die mit der Geschäftsfüh
rung befasst sind, verpflichtet, ihre Aufgabe mit aller Sorgfalt zu erfüllen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen zu wahren. Art. 810 Abs. 2 OR enthäl
t sodann einen - im Wesentlichen
der aktienrechtlichen Bestimmung von Art. 716a Abs. 1 OR entsprechenden - Katalog unübertragbarer und
unentzieh
barer
Aufgaben. So obliegt den Geschäftsführern insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Ausge
staltung des Rechnungs
wesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Ziffer 3) und die Aufsicht über die Personen, denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statu
ten,
Reglemente
und Weisungen (Ziffer 4). Das Gesetz verbietet zwar nicht die Vornahme einer bestimmten Arbeits- und Kompetenzaufteilung, doch die
Über
wachungs
- und Kontrollpflichten verbleiben auch dann bei der (Gesamt)
Ge
schäftsführung beziehungsweise
bei
sämtlichen Geschäftsführern. Deshalb hat sich jedes Mitglied der Geschäftsführung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung periodisch über den Geschäftsgang und die wichtigsten Geschäfte, wel
che nicht zu seinem primären Aufgabenbereich gehören, zu orientieren, Rapporte
zu verlangen, diese sorgfältig zu studieren und nötigenfalls ergänzende Auskünf
te einzuholen, Irrtümer abzuklären und bei Unregelmässigkeiten einzugreifen. Die
Rechtslage ist insoweit nicht anders als bei einer Aktiengesellschaft (vgl. hier
zu BGE 114 V 223 E
. 4a).
Angesichts dessen kann sich der Beschwerdeführer nicht mit dem Hinweis auf
seine (andersartige) Kultur beziehungsweise auf seine familiären Verhältnisse (starke
Stellung des Vaters) entlasten. Das ändert nichts an den - objektiv fest
gelegten - Pflichten, die ein Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu erfüllen hat. Für eine Differenzierung dieser gesetzlichen Pflichten
und Aufgaben gemäss den kulturellen oder persönlichen Umständen des Be
schwer
deführers lässt die Rechtsordnung keinen Raum. Auch der Umstand, dass
die Geschäfte der
Z._
- gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers - vornehmlich, wenn nicht ausschliesslich vom Beigeladenen geführt worden
seien
, gereicht dem Beschwerdeführer nicht zur Entlastung. Selbst wenn d
em
tatsächlich so gewesen sein sollte, ändert dies nichts an seiner Stellung als
einziger - formell im Handelsregister eingetragener - Geschäftsführer der
Z._
. Mit der (faktischen) Delegation der Geschäftsführung an den Beigeladenen konnte sich der Beschwerdeführer nicht auch seiner Verantwortung
für die Gesellschaft entledigen. Die oben genannten Pflichten und Aufgaben
ver
blieben auch nach einer (allfälligen) Delegation der Geschäftsführung beim Be
schwerdeführer selbst. Es wäre mit anderen Worten seine Pflicht gewesen, die Ge
schäftsführung des Beigeladenen gehörig zu überwa
chen. Im
vorliegenden Kon
text hätte dies bedeutet, dass er kontrolliert, ob die
Z._
ihren Ab
rechnungs- und Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Beschwerdegegnerin korrekt
beziehungsweise
vollständig und rechtzeitig nachkommt.
Unklar ist, was der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen zu nicht
dekla
rationspflichtigen
geringen Löhnen zum Ausdruck bringen wollte (vgl. Urk. 1 und
die entsprechenden Quittungen [Urk. 3/1-40]). In den (massgebenden)
Lohnmel
dungen
der
Z._
wurden jedenfalls keine
derartigen
Lohnzahlungen
ausgewiesen. Beiträge wurden auf diesen Löhnen nicht erhoben (vgl. etwa Urk. 3/1
und Urk. 7/23: Der auf der Quittung vom 20. Juli 2005 über Fr. 600.
—
genannte Empfänger „
B._
“ ist nicht auf der Jahresabrechnung der
Z._
für das Jahr 2005 [Urk. 7/23] aufgeführt.)
5.2.2
Der Beschwerdeführer muss sich demzufolge den Vorhalt gefallen lassen, dass
die
Z._
in den Jahren 2004 bis 2011 Lohnzahlungen von insgesamt
Fr. 1'255'274.52 ausrichtete, der Beschwerdeführerin aber Sozialversicherungsbei
träge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 43'015.90 schuldig blieb, wo
von vorliegend Fr. 28'646.
relevant sind (vgl. E. 2.2). Mit anderen Worten wur
de
den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung eingeräumt. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen diese Praxis der
Z._
bezieh
ungsweise des Beigeladenen einschritt, verletzte er gegenüber der Beschwerdegeg
nerin seine
öffentlichrechtlichen
Pflichten als Geschäftsführer einer Gesell
schaft mit beschränkter Haftung. Er hätte nämlich dafür sorgen müssen, dass di
e
Z._
nur Löhne ausrichtet, für die die Gesellschaft auch die entsprech
enden Sozialversicherungsbeiträge zu leisten imstande ist (für viele etwa:
Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 26/06 vom
10. April 2006, E. 4.3 mit Hinweis
; vgl. ferner Marco
Reichmuth
. Die Haftung des
Arbeitgebers uns seiner Organe nach Art. 52 AHV 6, 2008, S. 158
Rz
674
).
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen nicht vor.
6.
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität
des Beschwerdeführers ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406
E. 4a mit Hinweisen) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen, vorlie
gen
d relevanten Schaden in der Höhe von Fr. Fr. 28'646.
(vgl. E. 2.2.3) zu be
trachten, weshalb er zu Recht verpflichtet wurde, dafür Ersatz zu leisten. Dem
zufolge ist die Beschwerde abzuweisen.