Decision ID: 522ea8a6-3008-497a-8687-da2e6e1c1a0b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1984 geborene
X._
arbeitete zuletzt
bis am
31. März 2016
bei der
A._
,
Zürich
.
Am 4. April 2016 meldete er sich zur Arbeitsvermitt
lung an und stellte per
1. April 2016
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
9/II/1-
3, 9/II/7
).
Die
Unia
Arbeitslosenkasse, Rüti
(
Unia
)
,
erbrachte die gesetzlich geschuldeten
Taggeldleistungen
, wobei sie den Versicherten im April 2016, Juni 2016 und März 2017 (
Urk.
9/III/47 f., 9/III/44, 9/III/12) jeweils in sei
ner Anspruchsberechtigung einstellte.
Mit Mitteilung vom 21. April 2017 infor
mierte
die
Unia
den Versicherten über die Ausschöpfung des Taggeldanspruches per 3. April 2017 (
Urk.
9/III/9)
.
Am
8. Mai 2017 wurde der Versicherte
infolge Aussteuerung
von der Arbeitsvermittlung abgemeldet (
Urk.
9/III/6).
1.2
Nach Abklärungen im Zusammenhang mit dem zur Kündigung des Versicherten geführten Grundes
(
Urk.
9/IV
S. 228
, 8/I/19
f
f
.
)
hatte die
Unia
den Versicherten
am 29. Juni 2016
rückwirkend
ab 1. März 2016
infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 45 Tagen
in der Anspruchsberechtigung
ein
gestellt
(
Urk.
8/I/18). Die hiergegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/I/17)
war
mit
Einspracheentscheid
vom 21. November 2016 (
Urk.
8/I/15) abgewiesen
worden
, wobei der Beginn der Einstellung auf
den
1. April 2016 korrigiert worden war
(S. 3)
.
Am 18. Januar 2017 (
Urk.
8/I/12
ff.
)
beantragte
der Versicherte
bei der
Unia
unter Verweis auf das inzwischen ein
gestellte Straf
verfahren die Streichung der 45
Ein
stelltage.
Nach Eingang der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (
Urk.
8/I/9)
sowie weiterer
Unterlagen zum
Arbeitsverhältnis
bei der
A._
und
zum
Strafverfahren (
Urk.
8/I/2-6)
entschied
die
Unia
am 25. April 2017 (
Urk.
8/I/1), dass das Schreiben vom 18. Januar 2017, soweit dieses ein Revisionsgesuch darstelle, abgewiesen werde. Soweit
es sich um
ein Wiedererwägungsgesuch
handle
, werde darauf nicht eingetreten.
2.
2.1
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 29. Mai 2017 (
Urk.
1) Beschwerde und bea
ntragte
sinngemäss
dessen Aufhebung.
2.2
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Juni 2017 (
Urk.
7) stellte die Beschwerde
gegnerin
Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Davon wurde dem Beschwerde
führer am
4.
Juli 2017 Kenntnis gegeben (
Urk.
11).
Die Einzelrichterin

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
30
Abs.
1
lit
.
a
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslo
sen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
ist die versicherte Per
son in der Anspruchsberechtigung ei
nzustellen, wenn sie durch eige
nes Verschul
den arbeitslos ist. Die Arbeitslosigkeit gilt namentlich dann als selbst verschuldet, wenn die versi
cherte Person durch ihr Verhalten, i
nsbesondere wegen Verletzung arbeits
vertraglicher Pflichten, d
em Arbeitgeber Anlass zur Auflö
sung des Arbeits
verhältnisses gegeben hat (
Art.
44
Abs.
1
lit
.
a
der
Verordnung über die obliga
torische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädigung,
AVIV
).
Ein Selbstverschulden liegt nicht nur bei Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten vor, sondern auch, wenn die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten in oder ausserhalb des Betriebs dem Arbeitgeber berechtigten Anlass zur
(fristlosen oder ordentlichen)
Kündigung gibt
. Es wird ein (eventual-)vorsätzliches Herbei
führen der Entlassung vorausgesetzt
.
Vorsatz liegt vor, wenn die versiche
r
te Person im Zeitpunkt ihrer Handlung weis
s
und will, dass ihr Verhalten eine Kündi
gung zur Folge haben wird. Eventualvorsätzlich ist ein Verhalten, wenn die ver
sicherte Person im Zeitpunkt ihrer Handlung zumindest für möglich hält und in Kauf nimmt, dass ihr Verhalten eine Kündigung zur Folge haben wird.
Das der versicherten zur Last gelegte Verhalten muss
schliesslich
klar feststehen
(AVIG
Praxis ALE
, D17
,
D18
,
D20,
D21
).
1.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittel
schwerem und 31
bis 60 Tag
e bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 AVIV).
Eine f
ristgerechte Kündigung der versicherten Pe
rson aufgrund ihres Verhaltens,
insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten
, kann leichtem bis schwerem Verschulden
entsprechen (AVIG-Praxis ALE, D75
, 1.B
).
Bei der individuellen Verschuldensbeurteilung sind alle Ums
tände des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen, wie
etwa
Beweggründe,
persönliche Verhältnisse wie Alter, Zivilstand, Gesundheitszustand, Suchtverhalten,
soziales Umfeld, Bil
d
ungsgrad, Sprachkenntnisse
und weiteres
,
Begleitumstände wie Verhalten des Arbeitgebers, der Arbeitskollegen, Betriebsklima
(
beispielsweise
belastende
Umstände am Arbeitsplatz)
und weiteres
,
irrtümliche
Annahmen über den Sach
verhalt, beispielsweise
betreffend Zusicherung einer
Neuanstellung (AVIG
Praxis ALE, D64).
Zur Feststellung des individuellen Verschuldens und für die Bemessung der Ein
stellung
bei schwerem Verschulden ist gemäss Bundesgericht vom Mittelwert der
Spanne von 31
bis 60 Tagen – d
as heisst
45 Tagen – auszugehen (
Art.
45
Abs.
3 Bst. c AVIV), wobei
erschwerende
oder mildernde Faktoren und das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen
sind
(BGE 123 V 153). Dieser Grundsatz gilt auch bei leichtem und mittelschwerem Verschulden
(
Art.
45
Abs.
3 Bst. a und b AVIV; AVIG-Praxis ALE, D77).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt mit Entscheid vom 25. April 2017 (
Urk.
2) fest, es stehe fest und sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer Kundengelder im Umfang von Fr. 3'000.-- zurückbehalten habe. Dass der ehemalige Arbeitgeber die Strafanzeige zurückgezogen habe, sei aus arbeitslosenversicherungs
rechtli
cher Sicht insofern nicht relevant, als es vorliegend um die Frage gehe, ob der Beschwerdeführer dem Arbeitgeber durch sein Verhalten Anlass zur Auf
lösung des Arbeitsverhältnisses gegeben habe respektive die Arbeitslosigkeit selbstver
schuldet sei. Dies sei aus Sicht der Beschwerdegegnerin zu bejahen. Der Beschwerdeführer habe davon ausgehen müssen, dass sein Verhalten eine Kün
digung zur Folge haben werde (S. 2 f.). Weiter sei der in Frage stehende Entscheid aus Sicht der Beschwerdegegnerin korrekt. Soweit das Schreiben vom 18. Januar 2017 ein Wiedererwägungsgesuch darstelle, werde darauf nicht eingetreten (S. 3).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Juni 2017 (
Urk.
7) verwies die Beschwerde
gegnerin auf ihren Entscheid vom 25. April 2017.
2.2
Der Beschwerdeführer
brachte mit Beschwerdeschrift vom 29. Mai 2017 (
Urk.
1) dagegen vor, der Entscheid der Beschwerdegegnerin spiegle einseitig nur die Sicht des ehemaligen Arbeitgebers wider und die Gründe, die aus seiner Sicht zum Zer
würfnis geführt hätten (ausstehende
Lohnzahlungen)
,
würden in keiner
Weise berücksichtigt. Gemäss der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 20. März 2017 habe sein ehemaliger Arbeitgeber ihm ein korrektes Arbeitszeugnis ausgestellt, welchem der K
ü
ndigungsgrund
der
Reorganisation des Betriebs zu entnehmen sei. Ein Verschulden
seinerseits
kö
nne daraus nicht abgeleitet werden. Die ihm auferlegten Einstelltage im Umfang von 45 Tagen sei
en
deshalb nicht gerechtfertigt.
3.
3.1
Gemäss Art. 53 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
(ATSG)
kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zwei
fellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Das wiedererwägungsweise Zurückkommen auf einen Entscheid liegt im Ermes
sen des Versicherungsträgers. Es besteht demnach kein gerichtlich durch
setz
barer Anspruch auf Wiedererwägung. Verfügungen, mit denen das Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch abgelehnt wird, sind grundsätzlich weder beschwerde- noch
einspracheweise
anfechtbar (BGE 133 V 50).
Wenn die Verwaltung hingegen auf ein Wiedererwägungsgesuch eintritt, die Wiedererwägungsvoraussetzungen prüft und anschliessend einen erneut ablehnen
den Sachentscheid trifft, ist dieser mit Einsprache und hernach beschwerdeweise anfechtbar. Die entsprechende Überprüfung hat sich in einem solchen Falle indessen auf die Frage zu beschränken, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der bestätigten Verfügung gegeben sind. Thema des Ein
sprache- und des Beschwerdeverfahrens bildet also einzig die Prüfung, ob der Versicherungsträger zu Recht die ursprüngliche, formell rechtskräftige Verfügung nicht als zweifellos unrichtig und/oder deren Korrektur als von unerheblicher Bedeutung qualifizierte (Urteil des Bundesgerichts 8C_196/2015 vom
4.
August 2015 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 119 V 475 E. 1b/cc).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein
ver
nünf
tiger
Zweifel an der
Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung
der
massgeblichen
Bestimmungen
zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden
(vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom 2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage
einschliesslich
der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus
(BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. Apri
l 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
3.2
3.2.1
Mit Blick auf das Verwaltungsverfahren
ist vorab zu bemerken, dass zwar
der E
ntscheid vom 25.
April 2017 (
Urk.
2) nicht als Verfügung bezeichnet ist
. Darin wurde jedoch
- vergleichbar mit einem Dispositiv - festgehalten, dass das Revi
sionsgesuch abgewiesen (
Ziff.
4)
und
auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein
getreten werde (
Ziff.
6). Nach dem wirklichen Gehalt
, auf den es praxisgemäss ankommt (BGE 120 V 496 E. 1a), ist dem Entscheid
demnach
ohne Weiteres Ver
fügungscharakter beizumessen.
Ferner ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin über das Gesuch des Beschwerdeführers vom 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
8/I/12) nach Aufforderung zur Ergänzung der Akten (
Urk.
8/I/10-11; vgl. auch
Urk.
8/I/2-9) am 2
5.
April 2017 entschieden und in der Rechtsmittelbelehrung - wenigstens betreffend das Revisionsgesuch - die Beschwerdemöglichkeit direkt an das zuständige Gericht genannt hat (
Urk.
2 S. 3). Laut höchstgerichtlicher Rechtsprechung hätte sie indes über das Gesuch um Revision des
Einspracheentscheides
vom 2
1.
November 2016 (
Urk.
8/1/15) in Form einer Verfügung entscheiden müssen,
die der Einsprache unterliegt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2009 vom 2
6.
Juni 2009 E. 3.7). Da kein
Einspracheverfahren
durchgeführt wurde, wäre grundsätzlich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Allerdings fällt hier ins Gewicht, dass die Beschwerdegegnerin dem angefochte
nen Entscheid keine von Amtes wegen erhobenen Abklärungen zu Grunde gelegt hat. Vielmehr hat der Beschwerdeführer selbst die massgeblichen Akten beige
bracht (
Urk.
8/I/2-12), so dass ihm diese vollumfänglich bekannt waren. Er hat sich jeweils auch dazu geäussert (
Urk.
8/I/4, 8/I/8, 8/I/12). Da das hiesige Gericht die Streitfrage mit voller Kognition
prüft, ist bereits aus prozessökono
mischen Gründen von einer Überweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur gehö
rigen Durchführung des Verwaltungsverfahrens abzusehen. Dies wurde denn auch vom Beschwerdeführer nicht verlangt, der beschwerdeweise auch keine Gehörsverletzung gerügt hat (
Urk.
1).
3.2.
2
Im Dispositiv ihres Entscheides vom 25. April 2017 (
Urk.
2
) hielt die Beschwer
de
gegnerin zwar fest, dass auf das Schreiben vom 18. Januar 2017 nicht einge
treten werde, soweit dieses ein Wiedererwägungsgesuch darstelle (S. 1). Damit wäre eine Anfechtung gemäss bundesgerichtliche
r Rechtsprechung
grundsätzlich
ausge
schlossen
gewesen
. Da die Beschwerdegegnerin sich in den Erwägungen jedoch mit der Frage der Wiedererwägungsvoraussetzungen materiell auseinan
dersetzte (S.
2 f.
), ist vorliegend zu beurteilen, ob die
se
gegeben sind (vgl. zum Ganzen: Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3. Aufl.,
Rz
.
73 ff.
zu Art.
53
mit Hin
weisen
).
3.2.
3
Den Akten sind
keine Angaben zu entnehmen, die den Entscheid der Beschwer
de
gegnerin vom 21. November 2016
als
zweifellos unrichtig erscheinen lassen.
Aus d
en im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens eingereichten
Unterlagen
geht
- wie bereits
aus
den vor
Erlass des
Einspracheentscheid
s
vom 21. No
vember 2016 aktenkundigen Un
terlagen (
Urk.
8/I/17, 8/I/19 f., 8/I/22 S. 198 f.
)
-
eindeu
tig
hervor
, dass der Beschwerdeführer Kundengelder im Gesamtumfang von Fr. 3'000.-- entgegengenommen und seinem Arbeitgeber nicht weitergegeben hat (
Urk.
8/I/6
, 8/I/9
)
,
was beschwerdeweise nicht in Abrede gestellt wurde
.
Dieses Ver
halten
rechtfertigt
zumindest eine ordentliche
Kündigung des Arbeitsverhält
n
isses seitens des Arbeitgebers
.
In diesem Zusammenhang i
st darauf hinzuweisen, dass die
(ursprünglich fristlos
)
ausgesprochene
Kündigung
offensichtlich
insbe
sondere
im dargelegten
Verhalten des Beschwerdeführers
begründet
war
(
Urk.
9/II/8,
8/I/22 f.
). Der Beschwerdeführer kann daher
aus dem nachträglich zu seinen Gunsten verfassten
Arbeitszeugnis
, welches als Kündigungsgrund eine Reorganisation nennt
(
Urk.
8/I/5)
, ni
chts zu seinen Gunsten ableiten
.
Die Kündi
gung war sodann auch
unabhängig von der Frage
gerechtfertigt
,
ob der Arbeit
geber von der Einholung der Vorauszahlungen wusste und
ob
er
dem Beschwer
deführer noch Geld schuldete
,
was unbelegt blieb
(Urk.
8/I/2,
8/I/9, 8/I/12, 8/I/20)
.
Ungeachtet
hiervon
hätte
der Beschwerdeführer die Kundengelder
im Umfang von Fr. 3'000.--
nicht zurückbehalten dürfen.
Sodann ist mindestens auf ein eventualvorsätzliches Handeln des Beschwerde
führers zu schliessen,
da
davon auszugehe
n
ist, dass
dieser
durch sein Verhalten eine Kündigung zumindest für möglich hielt und in Kauf nahm.
Damit ist
von
eine
r
selbstverschuldete
n
Arbeits
losigkeit
auszugehen
.
Auf
eine zweifel
lose Unrichtig
keit des Entscheids betref
fend Einstellung der Taggelder kann
somit
nicht geschlossen werden
.
Die Beschwerdegegnerin stellte den Beschwerdeführer für die Dauer von 45 Tagen in seiner
Anspruchsberechtigung ein (
Urk.
8/I/15, 8/I/18
).
M
it Blick auf die im
Entscheidzeitpunkt
geltende
Sach- und Rechtslage
einschliesslich
der Rechts
praxis
muss dieser Ermessensentscheid
als vertretbar
beurteilt werden
. So ist das Zurückbehalten von Kundengeldern im Umfang von Fr. 3‘000.-- als schweres Verschulden zu qualifizieren. Ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Anteile am Unternehmen hatte, kann nicht
abschliessend
beurteilt werden. Relevante
schuld
mindernde
oder
-erhöhende Faktoren sind
nicht ersichtlich
(E. 1.2)
. Die Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit scheidet damit
auch
bezüglich der Dauer der
Ein
stellung
aus.
4.
4
.1
In einem
weiteren
Schritt ist zu prüfen, ob
es
die Beschwerdegegnerin
zu Recht abgelehnt hat,
gestützt auf den
Rückkommenstitel
der
prozessuale
n
Revision
auf den
Einspracheentscheid
vom 21. November 2016 (
Urk.
8/I/15
)
zurückzukom
men
.
4
.1
.1
G
emäss
Art
.
53
Abs
.
1
ATSG
müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Diese sogenannte prozessuale Revision kommt auch bei formlosen, rechtsbestän
dig gewordenen
Leistungszusprechungen
zur Anwendung. Neue Tatsachen und Beweismittel im Sinne von
Art
.
53
Abs
.
1
ATSG
sind innert 90
Tagen nach ihrer Entdeckung geltend zu machen; nebst dieser relativen Frist gilt eine
abs
olute
1
0-jährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfügung resp. des
Einspracheentschei
des
zu laufen beginnt (vgl.
Art
. 67
Abs
.
1
des Verwaltungs
verfahrensgesetzes,
VwVG
; in Verbindung mit
Art
. 55
Abs
.
1
ATSG
; BGE 143 V 105
E. 2.
1
mit Hin
weisen).
4.
1
.2
Der Begriff „neue Tatsachen oder Beweismittel" ist bei der (prozessualen) Revision eines Verwaltungsentscheides nach
Art
.
53
Abs
.
1
ATSG
gleich auszulegen wie bei der Revision eines kantonalen Gerichtsentscheides gemäss
Art
. 6
1
lit
. i
ATSG
oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss
Art
.
1
23
Abs
. 2
lit
. a des Bundesgerichtsgesetzes (BGG).
Neu sind Tatsachen, die sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tat
sächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die tatbestandliche Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Entschei
dung zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht respektive die Verwaltung im Hauptverfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Aus
schlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tat
sächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (
BGE 143 V 105
E. 2.3 mit Hinweisen).
4.
1
.
3
Für die Revision eines Entscheides genügt es nicht, wenn die Verwaltung bereits bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist viel
mehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt waren oder unbewiesen geblieben sind (BGE
1
38 V 327 E. 3.2;
1
27 V 358 E. 5b und
11
0 V
1
4
1
E. 2).
Betrifft der Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beur
teilung massgeblich auf Schätzung oder Beweiswürdigung beruht, auf Elementen also, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgrund fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprünglichen Verfahren die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen (Urteile des Bundesgerichts 8C_349/20
1
4 vom
1
8. August 20
1
4 E. 3.3.2 und 9C_955/20
1
2 vom
1
3. Februar 20
1
3 E. 3.3.
1
).
4
.1
.
4
Grundsätzlich bestimmt sich der Zeitpunkt, in welchem die P
art
ei den angerufe
nen Revisionsgrund hätte entdecken können, nach dem Prinzip von Treu und Glauben. Praxisgemäss beginnt die relative 90-tägige Revisionsfrist zu laufen, sobald bei der P
art
ei eine sichere Kenntnis über die neue erhebliche Tatsache oder das entscheidende Beweismittel vorhanden ist. Blosse Vermutungen oder gar Gerüchte genügen dagegen nicht und vermögen den Lauf der Revisionsfristen nicht in Gang zu setzen. Die sichere Kenntnis ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht erst dann gegeben, wenn der Revisionskläger die neue erhebliche Tatsache sicher beweisen kann, sondern es genügt ein auf sicheren Grundlagen fussendes Wissen darüber (
BGE 143 V 105
E. 2.4 mit Hinweisen).
4.2
Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren die Bestätigung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl betreffend den bevorstehenden Abschluss einer strafrechtlichen Untersuchung wegen Veruntreuung gegen ihn (
Urk.
8/I/13), die Arbeitgeberbescheinigung seines ehemaligen Arbeitgebers mit den gemäss Beschwerdeführer darin enthaltenen Falschaussagen (
Urk.
8/I/14), die Ein
stellungs
verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (
Urk.
8/I/9), die Ver
einbarung betreffend einvernehmlicher Beendigung des Arbeitsverhältnisses vom 26. Januar 2017 (
Urk.
8/I/6), das seitens des
ehemaligen
Arbeitgebers neu ausge
stellte Arbeitszeugnis vom 31. März 2016 (
Urk.
8/I/5) sowie die polizeiliche Ein
vernahme des ehemaligen Arbeitgebers im Zusammenhang mit dem oben darge
legten eingeleiteten Strafverfahren (
Urk.
8/I/3) ein.
Den
zugestellten
Akten
stücken
sind keine neuen Tatsachen zu entnehmen, die
sich bereits
im Zeitpunkt des
Einspracheentscheides
vom
21. November 2016
(
Urk.
8/I/15)
verwirklicht
hatten
,
dem Beschwerdeführer jedoch
trotz hinreichen
der Sorgfalt nicht bekannt waren und eine
andere Beurteilung des Entscheids rechtfertigen würden
.
Gleiches gilt für Beweismittel, die einen anderen Entscheid rechtfertigen würden.
In diesem Zusammenhang ist insbesondere darauf hinzu
weisen, dass die Einstellung des Strafverfahrens nichts am Umstand ändert, dass
der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten - der unbestrittener
massen erfolgten
Zurückbehaltung von Kundengeldern
im Umfang von Fr. 3’000.--
(
siehe
E. 3.2.2
)
zumindest den Grund zu einer ordentlichen Kündigung gesetzt hat
,
da
hiefür
keine strafrechtliche Verfehlung erforderlich ist
. Damit sind die Voraus
setzungen für die Einstellung in der Anspruchs
berechtigung
erfüllt (E. 1
.
1
2
).
Die Dauer der Einstellung wurde mit 45 Tagen im Mittel eines schweren Verschuldens angesetzt.
Auch diesbezüglich sind den eingereichten Unterlagen
keine
neue
n
Tatsachen
oder Beweismittel
zu ent
nehmen, welche
es rechtfertigen würden,
die
Würdigung
der Beschwerdegegnerin
in Frage
zu stellen
.
So
haben sich insbesondere keine neuen Erkenntnisse
ergeben, die
auf
ein vermindertes Verschulden des Beschwer
deführers schliessen liessen (allfällige offene Zahlungen des ehemaligen Arbeit
gebers gegenüber dem Beschwerdeführer bleiben weiterhin ungeklärt
,
Urk.
8/I/3,
8/I/22
)
.
Ein Zurückkommen auf den
Einsprachee
ntscheid
vom
21. November 2016 (
Urk.
8/I/15)
gestützt auf die
prozessuale Revision fällt damit ebenfalls aus
ser Betracht.
5.
Insgesamt ist damit festzuhalten, dass
auf den
Einspracheentscheid
vom 21. November 2016 (
Urk.
8/I/15
) weder
gestützt auf
den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung noch der prozessualen Revision
zurückgekommen
werden kann. Die Beschwerde ist
daher
abzuweisen.