Decision ID: 2f6df7c8-cb3a-4bbb-bd41-bd0039bb6aa4
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 12. Februar 2018 wegen Rückenbeschwerden zum Bezug
von IV-Leistungen an (IV-act. 9; zur vorausgegangenen Früherfassungsmeldung durch
das Sozialamt B._ vom 22. Januar 2018 siehe IV-act. 1). Der behandelnde med.
pract. C._, Facharzt für Innere Medizin, nannte im Bericht vom 29. April 2018
folgende Diagnosen, denen er eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass: eine
Methadonsubstitution seit mehr als 10 Jahren, ein degeneratives Wirbelsäulensyndrom
und eine Kardiomyopathie. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei dem Versicherten
4 Stunden pro Tag möglich (IV-act. 18). Die RAD-Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin, empfahl zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts
eine polydisziplinäre (allgemein-internistische, neuropsychologische, orthopädische
und psychiatrische) Begutachtung (Stellungnahme vom 3. September 2018, IV-act. 37).
Nachdem die E._ GmbH, Basel (nachfolgend: E._), den Gutachtensauftrag erhalten
hatte, meldete sie der IV-Stelle zurück, dass sie «vor ev. Neuropsychologie primär
klinische Evaluation bezüglich aktuellem Substanzkonsum» vornehmen werde (IV-
act. 40). Am 29. Oktober 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die Anordnung einer
polydisziplinären Begutachtung mit und gab die Rückmeldung der E._ wieder (IV-
act. 41).
A.a.
Am 4. Dezember 2018 wurde der Versicherte polydisziplinär (allgemein-internis
tisch, orthopädisch und psychiatrisch) in der E._ untersucht. Die Gutachter stellten
folgende Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen:
eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) und ein chronisch intermittierendes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.5).
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie der u.a. diagnostizierten Störung
A.b.
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durch multiplen Substanzkonsum, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich
verordneten Ersatzdrogenprogramm mit Methadon (ICD-10: F19.22), zu. Für die
angestammten Tätigkeiten als Hilfsarbeiter, Velomechaniker, Reinigungsmitarbeiter
oder Küchenhilfe ebenso wie für andere körperlich mittelschwere bis schwer
belastende Tätigkeiten oder Tätigkeiten, die mehrheitlich stehend und gehend zu
verrichten seien, bescheinigten die Gutachter eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Eine
leidensangepasste Tätigkeit sei dem Versicherten 7 bis 8 Stunden pro Tag zumutbar.
Dabei bestehe bezogen auf ein 100%iges Arbeitspensum eine 80%ige Arbeitsfähigkeit.
Die bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten könnten «über die Zeit gemittelt» seit Februar
2018 angenommen werden (Gutachten vom 11. Februar 2019, IV-act. 44, insbesondere
IV-act. 44-7 ff.). In der Stellungnahme vom 6. März 2019 vertrat die RAD-Ärztin
Dr. D._ die Ansicht, dass auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der E._-Gutachter
abgestellt werden könne (IV-act. 45). Ein am 17. April 2019 begonnener Versuch, das
Pensum des Versicherten an seinem Arbeitsplatz im 2. Arbeitsmarkt von 50%
(entspricht 15 Stunden pro Woche) auf 100% (entspricht 30 Stunden pro Woche) zu
steigern, scheiterte. Der zuständige Betriebsleiter meldete der IV-Stelle, es sei ein
direkter Zusammenhang zwischen der angeordneten Pensumsteigerung und der
Verschlechterung der psychischen Verfassung des Versicherten feststellbar. Meist
zeige sich das mit somatischen Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und
Zahn- oder Kopfweh (E-Mail vom 20. Juni 2019, IV-act. 50). Daraufhin teilte die IV-
Stelle dem Versicherten am 25. Juni 2019 mit, dass sein Gesuch um berufliche
Massnahmen abgewiesen werde (IV-act. 56). Dieser stellte am 29. Juli 2019 das
Gesuch um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung und beantragte, nochmals
einen Probemonat mit Pensumerhöhung durchzuführen (IV-act. 57).
F._, Sachbearbeiterin der IV-Stelle, erklärte dem Versicherten am 5. August
2019 telefonisch «die Konsequenzen einer beschwerdefähigen Verfügung». Es sei nicht
in seinem Sinn, eine Beschwerde beim Versicherungsgericht einzureichen. Er habe
lediglich gewollt, dass ihn die IV-Stelle nochmals einen Monat im Einsatzprogramm
unterstütze. Auf die Frage, aus welchen Gründen die IV-Stelle erneut eine
Unterstützung aufnehmen solle, habe er keine Antwort geben können. Sie (die
Sachbearbeiterin) habe ihm erklärt, wenn er keinen schriftlichen Einwand mit
Begründung auf die Mitteilung vom 25. Juni 2019 einreiche, werde sein Schreiben vom
A.c.
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B.
29. Juli 2019 als gegenstandslos betrachtet. Der Versicherte habe dies verstanden (IV-
act. 58).
Mit Vorbescheid vom 26. August 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie
habe einen Invaliditätsgrad von 20% ermittelt und werde das Rentengesuch abweisen
(IV-act. 61). Dagegen erhob der Versicherte am 19. September 2019 Einwand, worin er
erneut beantragte, einen «Probemonat» durchzuführen (IV-act. 62). Die IV-Stelle teilte
dem Versicherten daraufhin mit, es sei weiterhin von der gutachterlich bescheinigten
80%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen. Sollte sich in der Zwischenzeit sein
Gesundheitszustand verändert haben, werde um Zustellung eines ausführlichen
medizinischen Berichts gebeten. Hierzu werde ihm eine Frist bis zum 22. Oktober 2019
gesetzt. Nach Ablauf dieser Frist werde eine Verfügung erlassen, sofern keine weiteren
Unterlagen eintreffen würden, welche die Einschätzung der Begutachtung widerlegen
könnten (Schreiben vom 23. September 2019, IV-act. 63). Nachdem diese Frist
unbenützt geblieben war, verfügte die IV-Stelle am 4. November 2019 die Abweisung
des Rentengesuchs (IV-act. 64).
A.d.
Gegen die Verfügung vom 4. November 2019 erhob der Versicherte am
4. Dezember 2019 Beschwerde. Er beantragte darin deren Aufhebung und die
Ausrichtung einer Invalidenrente; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im
Wesentlichen machte er geltend, dass die gutachterlich bescheinigte 80%ige
Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten nicht beweiskräftig sei (act.
G 1). In der ergänzenden Begründung vom 17. Januar 2020 beantragte er die
Ausrichtung einer Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von mindestens
50%. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Abklärung des
Gesundheitszustands zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer bemängelte, dass die
gutachterliche Beurteilung im Widerspruch zur Einschätzung von med. pract. C._
stehe und zudem noch vor der Änderung der Rechtsprechung zur invalidisierenden
Wirkung von Suchtleiden (BGE 145 V 215) ergangen sei. Die unternommenen
Eingliederungsbemühungen zur Steigerung des Arbeitspensums seien als gescheitert
zu betrachten, was ebenfalls gegen die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
spreche (act. G 3; zum miteingereichten Bericht von med. pract. C._ vom 14. Januar
2020 siehe act. G 3.11).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 31. März
2020 die Abweisung der Beschwerde. Sie brachte vor, das E._-Gutachten sei
beweiskräftig. Die Polytoxikomanie mit Methadonprogramm, die
Benzodiazepineinnahme und der Alkoholkonsum seien in der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nachvollziehbar berücksichtigt worden (act. G 7).
B.b.
Dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) wurde am 8. April 2020
entsprochen (act. G 8).
B.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf eine Replik (act. G 9).
Dessen Rechtsvertreter reichte am 7. Juli 2020 eine Honorarnote ein (act. G 11).
B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
1.1.
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die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Mit BGE 145 V 215 hat das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung, wonach
primäre Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen zum Vornherein
keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen
können und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung
bedürfen, fallen gelassen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass fortan - gleich wie
bei allen anderen psychischen Erkrankungen - auf der Grundlage eines strukturierten
Beweisverfahrens (Standardindikatorenprüfung) nach BGE 141 V 281 zu ermitteln ist,
ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes
Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person
auswirkt. Dabei kann und muss im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens
insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung
getragen werden (BGE 145 V 228 E. 6.3 und E. 7). Diese neue Rechtsprechung ist auf
alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden und
somit auch im vorliegenden Fall massgebend (siehe zum Ganzen das Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Oktober 2020, 9C_845/2019, E. 2 mit Hinweis).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
1.5.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_845%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-V-215%3Ade&number_of_ranks=0#page215 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_845%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
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2.
Zwischen den Parteien ist der Beweiswert des E._-Gutachtens umstritten. Der
Beschwerdeführer hält die gutachterliche Beurteilung aus verschiedenen Gründen nicht
für überzeugend.
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Anzufügen ist, dass nach früherem Verfahrensstandard eingeholte
Gutachten rechtsprechungsgemäss nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr
ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In
sinngemässer Anwendung auf die materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen
ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgebenden
Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter
Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (Urteil des Bundesgerichts vom
6. Oktober 2020, 9C_845/2019, E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 141 V 309 E. 8).
Er bringt vor, die gutachterliche Auffassung, dass die diagnostizierte Störung
durch multiplen Substanzkonsum, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich
verordneten Ersatzdrogenprogramm mit Methadon (ICD-10: F19.22), keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe, sei nicht begründet (act. G 3, Rz 22 f.).
Dieser Kritik ist nicht zu folgen, wie sich aus nachfolgenden Gründen ergibt:
2.1.
Die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters erging in Kenntnis sowie
Auseinandersetzung mit der Suchtproblematik. Dabei berücksichtigte er, dass der
Beschwerdeführer zusätzlich zur Teilnahme am Methadonprogramm seit Jahren keine
illegalen Drogen mehr konsumiere. Zum Alkoholkonsum von rund einem Liter Bier
täglich hielt er nachvollziehbar fest, dass dieser lediglich kontrollbedürftig sei. Der
alkoholspezifische CDT-Wert lag denn auch lediglich an der oberen Normgrenze (IV-
act. 44-8 und IV-act. 44-33; siehe auch zum Ganzen IV-act. 44-30). Zudem führte der
2.1.1.
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psychiatrische Gutachter plausibel aus, dass es durch den Suchtmittelkonsum zu
vermehrten affektiven Symptomen kommen könne. So bestehe tatsächlich eine leichte
depressive Episode, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen mit
verminderter Freude, eine erhöhte Ermüdbarkeit, leichte Konzentrationsstörungen und
etwas negative Zukunftsperspektiven (IV-act. 44-33). Folglich ging der psychiatrische
Gutachter in einleuchtender Weise davon aus, dass die Folgen des
Suchtmittelkonsums im leichten depressiven Leiden aufgehen und keine davon
unabhängigen, zusätzlichen Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit begründen. Im
Übrigen legte der allgemeininternistische Gutachter schlüssig dar, dass die
Blutbildveränderungen infolge Suchtmittelkonsums keinen (zusätzlichen) Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit hätten (IV-act. 44-18 Mitte).
In mit der gutachterlichen Beurteilung zu vereinbarender Weise klagte der
Beschwerdeführer befragt zum arbeitsbezogenen Beschwerdebild nicht über kognitive
Defizite, die ihn bei der Arbeit beeinträchtigen würden (IV-act. 44-31 oben), und hielt
auch eine psychiatrische Behandlung nicht für erforderlich («Einen Psychiater brauche
er nicht», IV-act. 44-31 unten). Auch aus dem ausführlichen Alltagsverhalten ergeben
sich keine relevanten Beeinträchtigungen des Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers. Vielmehr gehen daraus erhebliche Ressourcen hervor. So steht
der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben um 8:00 Uhr auf und geht einkaufen.
Er koche für sich und wasche das Geschirr ab. Danach gehe er nachmittags arbeiten.
Die Haushaltsarbeiten erledige er selbst. Er pflege Kontakte zu Geschwistern und
Kollegen, mit denen er auch gerne velofahren und im Sommer grillieren gehe. Er gehe
gerne spazieren und zum Teil auch wandern. Zwischen 22:30 und 23:00 Uhr gehe er
schlafen (IV-act. 44-31). Anlässlich der 55-minütigen psychiatrischen Untersuchung
zeigte der Beschwerdeführer «keine Zeichen einer Beschwerdewahrnehmung» (IV-
act. 44-32 oben). Die Befunderhebung durch den psychiatrischen Gutachter erscheint
schlüssig und ergab, abgesehen von einer leichten Depressivität mit etwas
verminderter Freude, etwas eingeschränkter affektiver Modulation und leichten
Konzentrationsstörungen («nicht so genaue Angaben bezüglich der Daten seiner
beruflichen Tätigkeit») keine Auffälligkeiten (siehe auch vorstehende E. 2.1.1).
Insbesondere wurden die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis
grundsätzlich als intakt befunden (IV-act. 44-32). Im Übrigen ergibt sich aus dem aus
führlichen Befund im Bericht des Psychiatrie-Zentrums G._ vom 23. August 2013,
worin eine Methadon-Substitution bei Zustand nach Drogenabusus und ein
chronischer Benzodiazepinabusus diagnostiert wurden, dass der Beschwerdeführer
auch früher nicht an stärkeren psychischen Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit
2.1.2.
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litt (IV-act. 33). Unter diesen Umständen durfte auf eine zusätzliche
neuropsychologische Begutachtung verzichtet werden, was vom Beschwerdeführer
auch unbestritten blieb.
Gegen die Beweiskraft der gutachterlichen Beurteilung spricht nach der
Auffassung des Beschwerdeführers zudem, dass sie noch vor der
Rechtsprechungsänderung (BGE 145 V 215) ergangen sei. Es sei deshalb
anzunehmen, dass die Kenntnis dieser neuen rechtlichen Relevanz der
Suchterkrankungen Einfluss auch auf die medizinische Beurteilung gehabt hätte. Das
Gutachten der E._ genüge den Anforderungen gemäss der neuen Rechtsprechung
nicht (act. G 3, Rz 28 ff.). Zwar trifft es zu, dass die gutachterliche Beurteilung noch vor
der Praxisänderung des Bundesgerichts am 11. Juli 2019 (BGE 145 V 215) erstellt
wurde (siehe hierzu vorstehende E. 1.2). Allerdings fand die alte Praxis keinen
erkennbaren Niederschlag in der Beurteilung des psychiatrischen Gutachters. So nahm
er keine Ausführungen zum primären oder sekundären Charakter des Suchtleidens vor.
Er begründete seine Arbeitsfähigkeitsschätzung auch nicht mit der Zumutbarkeit eines
Suchtmittelentzugs bzw. gestützt auf die altrechtliche Vermutung der willentlichen
Vermeid- oder Überwindbarkeit der Sucht an sich bzw. der allenfalls dadurch
begründeten Erwerbsunfähigkeit (siehe zum Inhalt der früheren Praxis des
Bundesgerichts BGE 145 V 220 f. E. 4.1 ff.). Vielmehr stützte sich der psychiatrische
Gutachter bei seiner Arbeitsfähigkeitsbeurteilung auf eine umfassende Beurteilung
sämtlicher relevanter Lebensaspekte des Beschwerdeführers, wie sie in der
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum strukturierten Beweisverfahren als
beispielhafte Indikatoren enthalten sind (siehe hierzu BGE 141 V 281). Der
Fragenkatalog der Beschwerdegegnerin enthält denn auch keine suchtspezifischen
Fragestellungen im Sinn der alten bundesgerichtlichen Praxis, sondern orientiert sich
am strukturierten Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 (IV-act. 38). Der
psychiatrische Gutachter legte, namentlich unter Einbezug der Ressourcen des
Beschwerdeführers (siehe vorstehende E. 2.1.2) und von Diskrepanzen (siehe hierzu
nachstehende E. 2.4), schlüssig in einer BGE 141 V 281 genügenden Weise dar, dass
die Folgen des Suchtleidens in der depressiven Erkrankung aufgehen und zu keiner
davon unabhängigen, höheren Arbeitsunfähigkeit führen (siehe vorstehende E. 2.1.1).
2.2.
Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, dass die gutachterliche Beurteilung im
klaren Widerspruch zur Einschätzung von med. pract. C._ stehe (act. G 3, Rz 24 f.).
2.3.
Weder aus dem knapp begründeten «ärztlichen Attest» von med. pract. C._
vom 14. Januar 2020 (act. G 3.11), der weder über eine psychiatrische noch eine
2.3.1.
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orthopädische Facharztausbildung verfügt, noch aus seinem früheren, schwer
leserlichen Bericht vom 29. April 2018 (siehe IV-act. 18) ergeben sich objektiv relevante
Gesichtspunkte, welche die E._-Gutachter übersehen hätten. Insbesondere
berücksichtigte der psychiatrische Gutachter Einschränkungen der
Konzentrationsfähigkeit.
Ausserdem enthält die Einschätzung von med. pract. C._ keine erkennbare
Konsistenz- und Ressourcenprüfung. Vielmehr scheint sie in einer vorbehaltlosen
Übernahme der Leidensangaben des Beschwerdeführers aufzugehen. Das ärztliche
Attest vom 14. Januar 2020 enthält auch keine schlüssige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten. Die von med. pract. C._ darin
bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit bezog sich ausdrücklich auf eine mehrstündige
körperliche Arbeitstätigkeit, die zu stärkeren Wirbelsäulenbeschwerden führe (act.
G 3.11), nicht jedoch auf eine leidensangepasste Tätigkeit.
2.3.2.
Aus der Sicht des Beschwerdeführers ergeben sich auch aus den tatsächlichen
Arbeitsverhältnissen Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung. So sei den Akten an
diversen Stellen zu entnehmen, dass er (der Beschwerdeführer) seit längerer Zeit keiner
Arbeitstätigkeit im als möglich befundenen Arbeitspensum mehr nachgehe. Sein zuletzt
gelebtes Arbeitspensum entspreche 50%. Dass eine Arbeitstätigkeit im Rahmen von
über 50% vorliegend nicht realistisch sei, zeige schliesslich auch die probeweise
durchgeführte Erhöhung des Arbeitspensums (act. G 3, Rz 26 f.). In diesem
Zusammenhang ist von Bedeutung, dass sich - worauf auch die Beschwerdegegnerin
hinwies (act. G 7, III. Rz 9 am Schluss) - aus den Akten mehrere Hinweise auf eine
fehlende Motivation des Beschwerdeführers ergeben. So hielt bereits die mit einer
psychiatrischen Evaluation beauftragte Oberärztin am Psychiatrie-Zentrum G._ im
Bericht vom 23. August 2013 fest, «die grosse Problematik» beim Beschwerdeführer
«stellt seine nicht vorhandene Motivation dar» (IV-act. 33-3). Der psychiatrische
Gutachter stellte eine deutlich ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung
fest (IV-act. 44-34 oben). Auch im Rahmen der Eingliederungsbemühungen war
fraglich, ob der Beschwerdeführer über eine ausreichende Grundmotivation verfüge
(IV-act. 53-4, Eintrag vom 2. April 2019). In damit zu vereinbarender Weise zeigte der
Beschwerdeführer Unzuverlässigkeiten beim Einhalten von Terminen (IV-act. 50 sowie
IV-act. 53-4 oben, Eintrag vom 1. April 2019) oder bei Absenzmeldungen (IV-act. 53-5
oben, Einträge vom 18. Juni und 20. Juni 2019 am Schluss). Ausserdem begründete
der Beschwerdeführer seine Absenzen während des Versuchs der Pensumsteigerung
weder mit dem Rückenleiden noch psychischen Beschwerden. Stattdessen machte er
«Übelkeit, Bauchschmerzen und Zahn- oder Kopfweh» geltend (IV-act. 50). Dabei
2.4.
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3. Weder aus dem beruflichen Werdegang (siehe IV-act. 6) noch aus den vom
Beschwerdeführer in der Vergangenheit erzielten, stark schwankenden
Jahresverdiensten (siehe zum Auszug aus dem individuellen Konto IV-act. 15) gehen
Hinweise hervor, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall über eine
Erwerbsfähigkeit verfügen würde, die ein über dem Hilfsarbeiterlohn gemäss der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung liegendes Einkommen ermöglicht (siehe hierzu
Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2019). Da sowohl für die Bestimmung des Validen- als auch des
handelt es sich um eine Symptomatik, der weder med. pract. C._ (act. G 3.11) noch
die E._-Gutachter (siehe etwa IV-act. 44-8) eine relevante Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit beimassen. Vor diesem Hintergrund vermag die vom
Beschwerdeführer präsentierte Leistung die gutachterliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht in Zweifel zu ziehen.
Bei der Würdigung des E._-Gutachtens fällt ausserdem ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden wurden umfassend sowie interdisziplinär berücksichtigt und
namentlich im Rahmen einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung gewürdigt. Die
sowohl für die angestammte als auch für eine leidensangepasste Tätigkeit
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten leuchten in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung ist deshalb
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
bezogen auf ein 100%iges Pensum über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit verfügt. Hinzu
kommt allerdings, dass ihm lediglich noch eine Präsenz von 7 bis 8 Stunden täglich
zumutbar ist, was zu einer zusätzlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führt (IV-
act. 44-9 und IV-act. 44-35). Eine gemittelte tägliche Präsenz von 71⁄2 Stunden (zur
Berücksichtigung des Mittelwerts einer angegebenen Spannbreite siehe etwa das Urteil
des Bundesgerichts vom 8. November 2018, 8C_49/2018, E. 4) entspricht gerundet
90% (7.5 Stunden / 8.34 Stunden) einer durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit von
8.34 Stunden (41.7 Stunden / 5). Somit verfügt der Beschwerdeführer gemäss
gutachterlicher Beurteilung über eine 72%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte (act.
G 7, III. Rz 9) und vom Beschwerdeführer unbestritten blieb, ist für die Zeit nach dem
E._-Gutachten bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung keine gesundheitliche
Verschlechterung eingetreten.
2.5.
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Invalideneinkommens auf den LSE-Hilfsarbeiterlohn abzustellen ist, kann auf eine
konkrete Ermittlung der Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG verzichtet und ein
Prozentvergleich vorgenommen werden (siehe zum Prozentvergleich etwa das Urteil
des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Die
leidensbedingten Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
wurden bereits im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung umfassend berücksichtigt.
Der Beschwerdeführer steht auch nicht im fortgeschrittenen Alter. Die lediglich
geringfügig begrenzte Arbeitszeit mit zusätzlich eingeschränktem Rendement vermag -
wenn überhaupt - höchstens einen 5%igen Tabellenlohnabzug zu begründen. Aus den
Ausführungen des Beschwerdeführers zur Invaliditätsgradbemessung ergibt sich
zudem nichts, was einen (zusätzlichen) Tabellenlohnabzug begründen würde. Selbst
wenn ein 5%iger Tabellenlohnabzug berücksichtigt würde, resultiert bei einer 72%igen
Restarbeitsfähigkeit ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet
32% (28% + [72% x 5%]).
4.
Nach den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
machte in der Honorarnote vom 7. Juli 2020 eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 7'840.60 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) bzw. in
Berücksichtigung der Fünftelskürzung bei der Bemessung der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70)
von Fr. 6'332.80 geltend (act. G 11). Das Versicherungsgericht hält praxisgemäss bei
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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