Decision ID: 81de4ff5-00b1-5fbd-9ad1-9f72409c528d
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die beschwerdeführenden Ehegatten A._ und B._ ei-
genen Angaben zufolge am 15. Oktober 2016 via Italien in die Schweiz
einreisten und um Asyl ersuchten,
dass das SEM sie am 31. Oktober 2017 zur Person befragte und ihnen
aufgrund ihrer Aussagen und des Abgleichs mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank (Eurodac-Treffer vom 2. September 2016 in Lampe-
dusa) das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gewährte,
dass die Ehefrau in diesem Rahmen geltend machte, sie wolle in Italien
kein Asylverfahren durchlaufen, dort sei keine Rücksicht auf ihre Schwan-
gerschaft genommen worden, sie habe stundenlang Schlange stehen müs-
sen und gehofft, etwas zu essen zu bekommen,
dass der Ehemann im Rahmen des rechtlichen Gehörs äusserte, die itali-
enischen Behörden hätten sich nicht zur Behandlung ihrer Asylgesuche
verpflichtet gefühlt, hätten sie doch ansonsten ihn und seine Ehefrau nicht
vertrieben und im Freien schlafen lassen,
dass das SEM die italienischen Behörden am 24. November 2016 um
Rückübernahme der beschwerdeführenden Ehegatten ersuchte, dies ge-
stützt Art. 12 Abs. 4 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neu-
fassung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO),
dass das SEM in diesem Gesuch auf die Schwangerschaft der Beschwer-
deführerin und ihre voraussichtliche Niederkunft am 10. Februar 2016 hin-
wies,
dass der gemeinsame Sohn der Ehegatten, C._, am 10. Februar
2017 zur Welt kam,
dass die italienischen Behörden der Rückübernahme der gesamten Fami-
lie am 21. Februar 2017 zustimmten,
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dass das SEM mit Verfügung vom 28. Februar 2017 – in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) – auf die Asylgesuche nicht ein-
trat, die Beschwerdeführenden aus der Schweiz nach Italien wegwies und
sie aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwer-
defrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig die Aushändigung der editionspflichtigen Akten ge-
mäss Aktenverzeichnis verfügte und feststellte, einer allfälligen Beschwer-
de komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass die Beschwerdeführenden gegen die am 1. März 2017 versandte Ver-
fügung am 7. März 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
erhoben,
dass sie in ihrer Rechtsmitteleingabe beantragen, „die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben“, „das Verfahren sei zwecks vollständiger Erhebung
des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen“ und „die Vorinstanz
sei anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-
II-VO auszuüben“,
dass sie weiter beantragen, der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen,
dass sie ausserdem um unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1
VwVG) ersuchen,
dass auf die Beschwerdebegründung – soweit entscheiderheblich – in den
nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,
dass der Instruktionsrichter, gestützt auf Art. 56 VwVG, den Vollzug der
Überstellung mit superprovisorischer Massnahme vom 9. März 2017 per
sofort aussetzte,
dass die vorinstanzlichen Akten am 9. März 2017 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ‒ 33 VGG und
Art. 5 VwVG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
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dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass auch die vorliegende Beschwerde – wie sich aus Folgendem ergibt –
offensichtlich unbegründet und das Urteil folglich nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens – sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen – nach den Kriterien des Kapitels III zuständigen – Staat geprüft wird
(vgl. auch Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-VO),
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
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dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist,
Antragsteller, die in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt ha-
ben, aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 21, 22 und 29 Dublin-
III-VO),
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein-
trittsrecht),
dass die italienischen Behörden dem vom SEM am 24. November 2016
übermittelten Gesuch um Übernahme am 21. Februar 2017 explizit zu-
stimmten und die Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,
dass die Beschwerdeführerenden unter Hinweis auf Berichte der Schwei-
zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) und von ProAsyl – beide vom August 2016
– geltend machen, im Asyl- und Aufnahmesystem Italiens gebe es syste-
mische Mängel und das Land halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen
nicht ein,
dass – so ihr weiteres Vorbringen – viele Asylsuchende auf der Strasse
leben müssten und auf die Hilfe karitativer NGOs angewiesen seien,
dass die Beschwerdeführenden diesbezüglich ihre Befürchtung äussern,
in Italien keine Unterkunft, keine Sozialhilfe und keine medizinische Ver-
sorgung erhalten zu können,
dass sie ihre besondere Schutzbedürftigkeit als Familie mit Kleinkind beto-
nen und daraus ableiten, ihre Überstellung nach Italien sei nicht zumutbar
und es drohe eine Verletzung von Art. 3 EMRK,
dass ihre Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in
Italien hätten systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze
2 und 3 Dublin-III-VO, jedoch unbegründet ist,
dass – entgegen ihrer anderslautenden Behauptungen – davon ausgegan-
gen werden darf, Italien anerkenne und schütze die Rechte der Schutzsu-
chenden gemäss den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des
Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die
Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (Verfahrens-
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richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-
men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-
gen (Aufnahmerichtlinie),
dass dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zufolge
in Italien – trotz Zweifel an den dortigen Aufnahmekapazitäten – kein sys-
tematischer Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsuchende
besteht, (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel gegen Schweiz vom 4. November
2014, Grosse Kammer 29217/12, §§ 114 f. und 120),
dass die Überstellung einer Familie nach Italien – um im Sinne von Art. 3
EMRK völkerrechtskonform zu sein – jedoch das Einholen einer individu-
ellen Garantie der italienischen Behörden verlangt, dahingehend, dass für
eine kindgerechte und die Einheit der Familie wahrende Unterbringung ge-
sorgt sei (vgl. BVGE 2015/4 E. 4.3 m.H. auf das Urteil Tarakhel, a.a.O.,
§ 122),
dass im vorliegenden Fall beim Übernahmeersuchen vom 24. November
2016 auf die Schwangerschaft der Ehefrau und den voraussichtlichen Ge-
burtstermin hingewiesen wurde,
dass Italien dem Gesuch um Übernahme der Beschwerdeführenden als
Familie – unter Verwendung des Formulars Nucleo Familiare – am 21. Feb-
ruar 2017 zugestimmt hat,
dass das Formular die genauen Personalien mit dem Verwandtschaftsgrad
der Beschwerdeführenden enthält sowie die Aufforderung, die Familie
habe sich unmittelbar nach ihrer Ankunft bei der Grenzpolizei am Flugha-
fen Roma Fiumicino zu melden,
dass sich auf dem Formular ausserdem die Zusicherung befindet, diese
Familie („this family“) werde gemäss dem Rundschreiben vom 8. Juni 2015
aufgenommen,
dass das besagte, an die Mitgliedstaaten gerichtete Rundschreiben des
italienischen Dublin Office eine Liste von Aufnahmeprojekten einschliess-
lich der dort für Familien reservierten Aufnahmeplätze enthält (zum Hinter-
grund des Rundschreibens: vgl. die hierzu ausführliche Verfügung),
dass diese Liste an sich bereits eine Garantie für eine kindgerechte Unter-
bringung unter Wahrung der Familieneinheit im Sinne von BVGE 2015/4
darstellt (vgl. Urteil des BVGer D-6358/2015 vom 7. April 2016 E. 5.2 [als
Referenzurteil publiziert]),
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dass die Übernahmeerklärung vom 21. Februar 2017 und die dortige Be-
zugnahme auf das Rundschreiben vom 8. Juni 2015 folglich erst recht da-
für sprechen, dass Italien den Familiencharakter der zu übernehmenden
Personen anerkennt und die Familie im Sinne der Zusicherungen an die
Dublin-III-Partner familiengerecht unterbringen wird,
dass es im Fall der Beschwerdeführenden keine Anhaltspunkte dafür gibt,
dass Italien den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur
Ausreise in ein Land zwingen würde, in dem sie einer Gefährdung im Sinne
von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG ausgesetzt wären oder in dem sie Gefahr
laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden,
dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass aufgrund dessen die bei der Rückführung zu erwartenden Bedingun-
gen in Italien dahingehend einzuschätzen sind, dass keine Verletzung von
Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK stattfindet,
dass sich die Beschwerdeführenden lediglich zur allgemeinen Situation in
Italien geäussert, aber nicht konkret dargelegt haben, dass sie selbst im
Falle einer Rückkehr nach Italien wegen der dortigen Aufenthaltsbedingun-
gen in eine existenzielle Notlage geraten könnten,
dass sie daher auch aus den von ihnen zitierten Berichten des SFH und
von ProAsyl nichts für sich herleiten können,
dass die Beschwerdeführenden – und insbesondere auch ihr wenige Wo-
chen altes Kind – offensichtlich keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen
haben,
dass es ihnen bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung offen-
steht, sich an die zuständigen italienischen Behörden zu wenden und die
ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen gegebenenfalls auf dem
Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie),
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dass die Beschwerdeführenden demnach aus ihrer Befürchtung, in Italien
keine Hilfe zu erhalten, nichts zu ihren Gunsten ableiten können,
dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ih-
ren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen,
dass angesichts der vorstehenden Erwägungen kein Grund für die Anwen-
dung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO ersichtlich ist,
dass die Nichtausübung des Rechts zum Selbsteintritt durch das SEM so-
mit als ermessenskonform zu betrachten ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht den Nichteintretensentscheid der Vor-
instanz keiner Angemessenheitskontrolle unterziehen darf (vgl. Art. 106
AsylG in der seit 1. Februar 2014 gültigen Fassung),
dass daher weder ein Grund zur Rückweisung an die Vorinstanz (Art. 61
Abs. 1 VwVG) noch die Möglichkeit der Anweisung zum Selbsteintritt be-
steht,
dass – nach alledem – das SEM zu Recht auf die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden nicht eingetreten ist und ihre Überstellung nach Italien
angeordnet hat (Art. 31a Abs. 1 Bst. b und Art. 44 AsylG; Art. 32 Bst. a der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1]),
dass die Beschwerde demnach abzuweisen ist,
dass das Gesuch um aufschiebende Wirkung damit gegenstandslos ge-
worden ist,
dass der am 9. März 2017 angeordnete Vollzugsstopp mit dem vorliegen-
den Urteil dahinfällt,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung abzuweisen ist, da die Begehren von vornherein aussichtslos er-
schienen (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG),
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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