Decision ID: 504ea966-721a-519f-a4e8-99924ce362f8
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 7. Juli 2016 in der Schweiz ein Asylge-
such ein. Am 20. Juli 2016 wurde er summarisch zu seiner Person, dem
Reiseweg und den Asylgründen befragt (BzP). Am 15. Juni 2018 wurde er
vertieft zu den Asylgründen durch das SEM angehört.
B.
B.a Zur Begründung des Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei ethnischer Tamile aus der Stadt B._
im gleichnamigen Distrikt in der Ostprovinz. Er entstamme einer wohlha-
benden Familie und habe die Schule bis zum A-Level absolviert. Am (...)
2008 sei sein Vater von unbekannten Personen, mutmasslich Militärdes-
serteuren beziehungsweise Angehörigen der Task Force, aus finanziellen
Gründen erschossen worden. Als ältester Sohn der Familie habe er die
Verantwortung für die Familie übernehmen müssen, namentlich auch für
die Bewirtschaftung der der Familie gehörenden Ländereien. Nach Ab-
bruch eines angefangenen Studiums habe er im November 2010 eine Ar-
beitsstelle bei einer (...) angenommen und auch seine Ehefrau, die er zwi-
schenzeitlich geheiratet habe, sei berufstätig gewesen. Parallel dazu habe
er ein eigenes Geschäft eröffnet und mit (...) gehandelt. Die Geschäfte
seien gut gelaufen. Ab (...) 2013 habe er zusätzlich zum eigenen Geschäft
bei einer (...)firma gearbeitet. Am (...) 2015 sei er, als er nach Feierabend
sein Geschäft abgeschlossen habe, von drei unbekannten Personen auf-
gehalten worden. Diese hätten ihn bedrängt, gefesselt und zu einem Stand
verbracht. Dort hätten sie ihn unter Misshandlungen und mit dem Tod be-
drohend dazu aufgefordert, binnen zwei Stunden eine hohe Summe Löse-
geld zu zahlen. Seine Mutter sei von den Entführern kontaktiert worden.
Das Lösegeld sei zum grössten Teil von seinem Schwager und einem
Cousin der Ehefrau bereitgestellt worden. Er sei schliesslich verletzt frei-
gelassen und zu seinem Laden zurückgebracht worden, habe aber aus
Angst keine medizinische Behandlung in Anspruch genommen. Seine
Stelle bei der (...)firma habe er noch im (...) 2015 gekündigt und sich um
seine privaten Geschäfte gekümmert. Die Entführung habe Angst in ihm
hervorgerufen, dies auch vor dem Hintergrund der Erinnerungen an den
gewaltsamen Tod des Vaters. Er habe daher seine Ausreise und die seines
jüngeren Bruders ins Auge gefasst. Um die Ausreise finanzieren zu können
habe er (...) und (...) verkauft. Der Bruder habe Sri Lanka im Dezember
2015 verlassen und sich nach C._ begeben. Er selbst habe die Or-
ganisation seiner eigenen Ausreise vorangetrieben. Vom Schlepper sei ihm
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die Ausreise Ende Januar 2016 in Aussicht gestellt worden. In der Nacht
des 8. Januar 2016 sei er erneut entführt worden, indem er von der Strasse
weg gewaltsam in ein Auto gezerrt worden sei. Die Entführer hätten ihn
misshandelt und wissen lassen, dass man über seine Ausreisepläne infor-
miert sei. Sie hätten die Zahlung des Erlöses gefordert, welchen er aus
dem Verkauf der Ländereien erzielt habe. Seine Mutter habe eine grosse
Lösegeldsumme geleistet. Er sei anderntags freigelassen worden und
habe seine Verletzung im Spital behandeln lassen, wo er jedoch betreffend
die Verletzungen einen Motorradunfall vorgeschoben habe. Nach diesem
Vorfall habe er sich in einen Nachbarort begeben, wo weitere Familienan-
gehörige wohnhaft gewesen seien. Im Haus seines Onkels habe er die
Ausreise abgewartet, die am (...) 2016 über den Flughafen Colombo erfolgt
sei. Nach einem mehrmonatigen Zwischenaufenthalt in D._, sei er
am 10. Juni 2016 durch unbekannte Länder in die Schweiz weitergereist,
wo er am 7. Juli 2016 angekommen sei.
B.b Mit Eingabe des Amtsgerichts B._ vom (...) 2017 fand ein amt-
licher Scheidungsantrag der Ehefrau vom (...) 2017 Eingang in die Akten.
B.c Als Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer in beglau-
bigte Kopie, die Identitätskarte, eine Geburtsurkunde und eine Heiratsur-
kunde ein. Als Beweismittel wurden folgende Dokumente eingereicht: der
Totenschein des Vaters, ein Bestätigungsschreiben eines Bischofs der Di-
ozese B._ vom 4. November 2016, zwei Internetauszüge betreffend
den Tod seines Vaters.
B.d Am 18. Februar 2019 wurden durch die Schweizerische Botschaft in
Colombo folgende Dokumente zu den Akten gereicht: eine Beschwerde-
schrift der Ehefrau vom 5. Februar 2019, eine polizeilich verbriefte Erklä-
rung der Ehefrau vom 21. Oktober 2016 bezüglich einer finanziellen Zu-
wendung der Ehefrau zu Gunsten des Beschwerdeführers, die Kopie der
Heiratsurkunde in englischer Übersetzung sowie einen auf den Namen des
Beschwerdeführers lautender Handelsregistereintrag vom 26. April 2013.
C.
Mit Verfügung des SEM vom 3. April 2020 wurde das Asylgesuch abge-
lehnt, der Beschwerdeführer aus der Schweiz weggewiesen und der Voll-
zug der Wegweisung angeordnet.
D.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
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Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei in der Schweiz
unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventu-
aliter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit und Unmöglich-
keit der Wegweisung festzustellen und er vorläufig in der Schweiz aufzu-
nehmen.
In formeller Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
beantragt sowie der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses,
eventualiter sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
E.
Am 21. April 2020 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang seiner Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht angezeigt.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – so auch vorliegend – endgültig, ausser bei
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Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be-
schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31];
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Auf den Eventualantrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung ist nicht einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung zukommt (Art. 42 AsylG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
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ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen
der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-
motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, dass die
geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist, das heisst, dass die
erlittene Verfolgung sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asy-
lentscheides noch aktuell sein muss.
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-
satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den jeweiligen Vorbringen. Für
die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-
bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-
sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-
haltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1;
2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.
6.1 Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung fest, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft nicht zu genügen vermöchten.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, im genannten Verfah-
ren habe mit Eingabe des Amtsgerichts B._ vom 13. April 2017 ein
amtlicher Scheidungsantrag der Ehefrau des Beschwerdeführers Eingang
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in die Akten gefunden. Gemäss den darin enthaltenden Angaben habe das
Geschäft des Beschwerdeführers nicht floriert, weshalb sich dieser dazu
entschlossen habe, sein Glück im Ausland zu versuchen. Weiter sei dem
Antrag zu entnehmen, dass die Ehefrau dem Beschwerdeführer zur Finan-
zierung seiner Ausreise 2,8 Millionen Rupien zur Verfügung gestellt habe.
In der Anhörung auf diesen Scheidungsantrag angesprochen, habe der
Beschwerdeführer angegeben, weder von der Eingabe noch vom Inhalt
dieser Eingabe etwas zu wissen. Seine Ehefrau habe im Übrigen lediglich
die Reise von E._ nach Europa finanziert.
Aus der Beschwerdeschrift der Ehefrau vom 18. Februar 2019, welche von
der Schweizerischen Botschaft weitergeleitet worden sei, sowie der poli-
zeilich verbrieften Erklärung vom 21. Oktober 2016 bezüglich der finanzi-
ellen Zuwendung zu Gunsten des Beschwerdeführers sei nochmals zu ent-
nehmen, dass der Beschwerdeführer den Heimatstaat aus wirtschaftlichen
Gründen verlassen habe und die Ehefrau für die Kosten der Reise von
E._ nach Europa aufgekommen sei. Die Angaben der Ehefrau
seien nicht vereinbar mit denen des Beschwerdeführers. Unabhängig da-
von seien die Angaben des Beschwerdeführers aufgrund bestehender Wi-
dersprüche unglaubhaft. So habe sich der Beschwerdeführer hinsichtlich
der ersten Entführung in der BzP und Anhörung widersprochen. Dies zum
einen in Bezug auf das Transportmittel, mit welchem er entführt worden
sein soll, habe er doch zum einen ausgeführt, mit einem Auto entführt wor-
den zu sein, hingegen in der Anhörung vorgetragen, man habe ihn auf ei-
nem Motorrad weggebracht. Auch hinsichtlich des Ortes, an welchem er
verbracht worden sein solle, habe er unterschiedliche Angaben gemacht.
In der BzP habe er angegeben, er sei in eine kleine Hütte am Strand ver-
bracht worden. Die Angaben in der Anhörung hätten sodann darauf
schliessen lassen, dass er an einen offenen Strand geführt worden sei.
Sodann habe er sich hinsichtlich der zweiten Entführung in einen Wider-
spruch bezüglich des Ortes der Mitnahme begeben. In der BzP habe er
angegeben, am 8. Januar 2016 von zu Hause entführt worden zu sein,
während er an der Anhörung ausgesagt habe, er sei aus seinem Laden
mitgenommen worden. Schliesslich habe er zur Identität der Entführer un-
gereimte sowie auffallend vage Angaben gemacht. In der BzP habe er fest-
gehalten, dass er einen der Entführer habe identifizieren können, bei dieser
Person habe es sich um ein ehemaliges Mitglied der People's Liberation
Organisation of Tamil Eelam (PLOTE) gehandelt. In der Anhörung habe er
demgegenüber angegeben, zwei Entführer, zu welchen er keine genauen
Angaben machen könne, habe er möglicherweise früher in der Nähe eines
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Camps der Eelam People's Democratic Party (EPDP) gesehen. Auf diesen
Widerspruch angesprochen, habe er diesen nicht auflösen können.
Bei den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Problemen handle es
sich sodann von vornherein nicht um eine Verfolgung aufgrund eines der
in Art. 3 AsylG genannten Motive. Gemäss Angaben des Beschwerdefüh-
rers hätten die Entführer ein rein finanzielles Interesse an seiner Person
gehabt. Es sei ihm möglich und zuzumuten, sich an die sri-lankischen Be-
hörden zu wenden und um Schutz nachzusuchen. Paramilitärische Grup-
pierungen seien zwar nicht entwaffnet worden, könnten jedoch heutzutage
nicht mehr ungehindert agieren. Ihre Mitglieder würden grundsätzlich kei-
nen Schutz der aktuellen Regierung geniessen und müssten befürchten,
wegen krimineller Handlungen strafrechtlich verfolgt zu werden.
Auch sei im Falle einer Rückkehr eine begründete Furcht vor künftigen Ver-
folgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegend zu verneinen.
Die Prüfung sei gemäss dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 anhand von Risikofaktoren vorzu-
nehmen. Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Iden-
titätsdokumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hät-
ten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hin-
tergrund befragt. Diese Befragung und das allfällige Eröffnen eines Straf-
verfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine asylrelevante Verfol-
gungsmassnahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Her-
kunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Über-
wachung der Aktivitäten der Person befragt. Diese Kontrollmassnahmen
nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an. Aufgrund der Ak-
tenlage sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr in Sri Lanka in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte, zumal er
gemäss eigenen Angaben nie Probleme mit der Regierung oder den Be-
hörden oder mit irgendwelchen Bewegungen gehabt habe.
Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem
Sieg von Gotabaya Rajapakse könne diese Einschätzung nicht umstossen.
Mit der Wahl sowie ersten Anzeichen zunehmender Überwachungsaktivi-
täten seien Befürchtungen von mehr Repression und Überwachung von
Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen, Regierungskriti-
kern und Minderheiten einhergegangen. Dennoch bestehe aktuell kein An-
lass zur Annahme, ganze Volksgruppen seien kollektiv einer Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt. Es gebe keine Berichte über asylrelevante Verfolgungs-
massnahmen gegenüber den genannten Personengruppen nach den
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Wahlen. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr auf-
grund der Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 sei ein persön-
licher Bezug der asylsuchenden Person zu diesem Ereignis respektive
dessen Folgen. Ein solcher sei vorliegend nicht gegeben.
6.2 Der Beschwerdeführer rügt in der Rechtsmitteleingabe, die Vorinstanz
habe ihn zu Unrecht nicht als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG anerkannt. Im
Wesentlichen bringt er vor, den Angaben seiner Ehefrau sei kein Glauben
zu schenken, zumal sie nach seiner Ausreise eine heimliche Beziehung zu
einem anderen Mann eingegangen sei und nun nach der Scheidung ab-
sichtlich falsche Angaben mache, um ihn in Gefahr zu bringen. Das Schrei-
ben der Ehefrau vom 5. Februar 2019 und der Polizeibericht vom 21. Ok-
tober 2016 würden zudem Widersprüche aufweisen. Was die vom SEM
festgestellten Widersprüche in seinem Vorbringen anbelangt, führte er er-
klärend aus, während der ersten Entführung sei er mit einem Auto entführt
worden, während der zweiten mit einem Motorrad. Wahrscheinlich habe er
beide Szenarien miteinander vermischt. Was das Verbringen in Bezug auf
das Ereignis am Strand anbelange, habe er von einer Hütte gesprochen.
Er sei sodann nach dem Ladenschluss auf dem Weg nach Hause entführt
worden und bezweifle daher, dass man seine Antwort in der Anhörung rich-
tig übersetzt habe. Die Camps der einzelnen bewaffneten Gruppierungen
würden sodann eng nebeneinanderliegen, so dass es schwierig sei, fest-
zustellen, welche Person zu welcher Gruppierung gehöre. Deshalb habe
er in der Anhörung angegeben, er sei sich hinsichtlich seiner Entführer
nicht sicher. Diese Gruppierungen würden im Übrigen immer noch mit der
Regierung zusammenarbeiten.
7.
7.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Verfügung zu
bestätigen ist. Die Vorinstanz hat die Vorbingen des Beschwerdeführers
zutreffend als unglaubhaft qualifiziert. Sie sind in verschiedenen, wesentli-
chen Aspekten widersprüchlich und in sich nicht kongruent. Diesbezüglich
ist vorab zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen.
Als Wesentlich erachtet wird, dass der Beschwerdeführer sowohl hinsicht-
lich der ersten als auch der zweiten Entführung in Bezug auf die Umstände
der Entführungen als auch das Fahrzeug, mit welchem er entführt worden
sein soll, unterschiedliche Angaben machte (vgl. SEM-act. A5,
F.7.01; A16, F28, S. 5 f. [betreffend die erste Entführung]; vgl. SEM-act.
A5/11 F.701; A16/18 F29 S. 8 f. [betreffend die zweite Entführung]). Der
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Beschwerdeführer macht geltend, anlässlich beider Entführungen schwer
verletzt worden zu sein. Entsprechendes wurde aber nicht belegt, insbe-
sondere auch nicht durch ärztliche Berichte, obwohl eine Behandlung nach
der zweiten Entführung im Hospital erfolgt sein soll (vgl. SEM-act. A16, F29
S. 9). Der Beschwerdeführer brachte sodann vor, ein Cousin seiner Ehe-
frau habe einen Teil des Lösegeldes bezahlt, konnte jedoch auf Nachfrage
den Namen dieser Person nicht nennen (vgl. SEM-act. A16F40). Zutref-
fend stellte die Vorinstanz sodann fest, dass der Beschwerdeführer auch
im Hinblick auf seine Entführer unterschiedliche Angaben machte
(vgl. SEM-act. A5, F7.01; A16, F46 ff.). Angesprochen auf diesen Wider-
spruch vermochte der Beschwerdeführer dem nichts Stichhaltiges entge-
genzuhalten (vgl. SEM-act. A16, F53 ff.). Es kann aufgrund dieser in sich
bereits unglaubhaften Vorbringen eine Auseinandersetzung damit unter-
bleiben, wie die Eingaben der Ex-Ehefrau aus dem Heimatstaat zu bewer-
ten sind. Feststellbar ist jedoch, dass diese in sich stimmig sind und der
Vortrag in der Beschwerdeschrift, wonach die Ehefrau aufgrund einer heim-
lichen Liebesbeziehung dem Beschwerdeführer zu schaden versuche,
nicht weiter konkretisiert wurde, dies auch in der Anhörung nicht. Aufgrund
der vorangegangenen Erwägungen kann eine weitergehende Auseinan-
dersetzung aber unterbleiben. Insgesamt konnte der Beschwerdeführer
nicht glaubhaft machen, zum Zeitpunkt seiner Ausreise von Verfolgungs-
handlungen betroffen gewesen zu sein.
7.2 Es ist sodann aus den nachfolgenden Gründen auch nicht davon aus-
zugehen, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land wegen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie oder aus anderen
Gründen ernsthafte Nachteile drohen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert (vgl. a.a.O. E. 8 ff.). Die Vorbringen des Beschwerdeführers zur
Vorverfolgung im Heimatstaat sind wie bereits festgestellt als unglaubhaft
zu beurteilen und weisen kein politisches Profil auf. Nach eigenen Angaben
hatte er mit den heimatlichen Behörden sodann keinerlei Probleme
(vgl. SEM-act. A16, F76), er erfüllt mithin keine der im Urteil E-1866/2015
herausgearbeiteten Risikofaktoren. Alleine aus der tamilischen Ethnie, sei-
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nem mehrjährigen Auslandsaufenthalt seit dem Jahr 2016 und dem allfälli-
gen Einsatz temporärer Reisepapiere kann der Beschwerdeführer eben-
falls keine Gefährdung ableiten. Es ist nicht anzunehmen, dass ihm per-
sönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
7.3 Zu einer anderen Einschätzung gelangt man auch nicht unter Berück-
sichtigung der zwischenzeitlich politisch volatilen Situation in Sri Lanka
nach dem Regierungswechsel. Von einer kollektiven Verfolgung aller Tami-
len ist nicht auszugehen. Erforderlich sind individuelle und konkrete An-
haltspunkte für die Annahme einer objektiv wahrscheinlichen Gefährdung.
Zu den in der Beschwerdeschrift aufgeführten Umständen und Entwicklun-
gen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist festzustellen, dass in
keiner Weise erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen Zeitpunkt auf den
Beschwerdeführer auswirken könnten. Diesbezüglich kann auf die zutref-
fenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
7.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen,
asylrechtlich relevante Fluchtgründe glaubhaft zu machen. Das SEM hat
sein Asylgesuch folglich zu Recht abgelehnt.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht an-
geordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-2096/2020
Seite 12
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124-127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in
Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts
nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil BVGer E-1866/2015, a.a.O.,
E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick
auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem
europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be-
fasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
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Seite 13
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K.
gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08).
Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon
auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-
handlung.
9.2.4 Es ergeben sich vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
so genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tä-
tigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er sonst per-
sönlich gefährdet wäre.
9.2.5 Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch in-
dividuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers las-
sen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzu-
lässig erscheinen.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu
auch vorstehend E. 9.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.3).
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9.3.2 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zutreffend festgehalten, dass
der Beschwerdeführer in Sri Lanka über ein tragfähiges, familiäres Bezie-
hungsnetz verfügt (vgl. A5/11 F3.01). Er stammt eigenen Angaben gemäss
aus einer wohlhabenden Familie, was er in der Beschwerde nochmals aus-
führte (vgl. Beschwerde S. 8 [Ziffer 4]). Beim Beschwerdeführer handelt es
sich gemäss Aktenlage um einen jungen gesunden Mann, welcher über
einen A-Level Schulabschluss verfügt und ein Universitätsstudium aufge-
nommen hatte, welches er aus eigenem Entschluss abbrach, um in einem
eigenen Geschäft erwerbstätig zu sein. Er hat jedoch berufliche Erfahrun-
gen im (...) (vgl. A5/11 F1.17.04 f.). Die finanziellen Verpflichtungen, wel-
che sich aus dem eingereichten Scheidungsurteil vom 19. November 2019
ergeben (vgl. Beilage 5 der Beschwerde), ändern nichts an dieser Ein-
schätzung. Es besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer
werde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage ge-
raten.
9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
in individueller Hinsicht als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-
MARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
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Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst
wird.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Zufolge Aussichtslosigkeit der Beschwerdebegehren sind die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und Be-
stellung einer amtlichen Rechtsverbeiständung (aArt. 110a AsylG) abzu-
weisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses wird mit dem vorliegenden Endentscheid gegenstandslos.
13.
Das vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren in betreffende ein-
gereichte Scheidungsurteil im Original wird dem Beschwerdeführer zur
Entlastung zurückgesandt.
(Dispositiv nächste Seite)
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