Decision ID: 04b0cb29-daec-448b-a494-e5d5e8082a0c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) Juli 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 19. Juli 2016 (Pro-
tokoll in den SEM-Akten A6) und der Anhörung vom 2. Juli 2018 (Protokoll
in den SEM-Akten A18) machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei sudanesischer Staatsangehöriger, der Ethnie Zaghawa und in
B._ bei C._, Distrikt D._, Bundesstaat Süd-Darfur
geboren und aufgewachsen. Er habe (...) Jahre lang die Schule besucht
(BzP) beziehungsweise sei nie zur Schule gegangen (Anhörung).
An der BzP erklärte er, des Krieges wegen ausgereist zu sein, anlässlich
welchem im Mai 2013 sein Heimatdorf bombardiert worden sei. Sein Vater
und sein Bruder seien damals nach E._ und seine Mutter mit seinen
weiteren Geschwistern nach D._ geflohen. Auf Nachfrage nach
weiteren Asylgründen gab er an, gebe es in B._ weder Schulen
noch Apotheken oder Krankenhäuser. An der Anhörung fügte der Be-
schwerdeführer hinzu, die Janjaweed (Anmerkung BVGer: sudanesische
arabischstämmige bewaffnete Miliz; Akteur im Darfur-Konflikt) und die Be-
wegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (Justice & Equality Movement
[JEM]) hätten sich in seiner Heimatregion bekämpft. Sein Vater sei ur-
sprünglich (...) gewesen, aber seit (...) für die JEM tätig und jeweils mit
deren Armee monatelang – auch in E._ und im Süden – unterwegs;
er (...). Anlässlich des Bombenangriffs durch die sudanesische Regierung
auf sein Heimatdorf habe er (Beschwerdeführer) zusammen mit anderen
Leuten zu fliehen versucht, sei aber von den Janjaweed gefasst, misshan-
delt und während zwei Tagen festgehalten worden. Sie hätten ihn beschul-
digt, die JEM zu unterstützen, da sein Vater für diese aktiv sei. Er habe den
Janjaweed dann erklärt, dass er im Auftrag seines Vaters lediglich (...)
habe. Diese hätten ihn später – wegen seines jungen Alters – von der
Gruppe getrennt und in einen Wald gebracht, wo er Schafe und Kamele
eines Janjaweed-Kämpfers habe hüten müssen. Er habe insgesamt (...)
Monate lang dort gearbeitet und sei währenddessen von diesem Kämpfer
immer wieder belästigt und geschlagen worden. Mit der Zeit habe er fest-
gestellt, dass dieser am Freitag regelmässig mit seinen Söhnen unterwegs
und manchmal erst am Samstag wieder zurückgekehrt sei, weshalb er an
einem Freitag schliesslich einen Fluchtversuch gewagt habe. Mit einem
Kamel sei er in die nächstgrösste Stadt geritten und danach von einem
Mann nach F._ gebracht worden. Unterwegs habe er vergeblich
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seine Mutter und weitere Bekannte gesucht und sei daher alleine nach
E._ gereist, wo er sich über ein Jahr lang aufgehalten habe, bevor
er sich im Juni 2016 auf die Reise in die Schweiz begeben habe.
Hier in der Schweiz habe er sich der JEM angeschlossen und auch diverse
Veranstaltungen von weiteren Organisationen besucht. Ausserdem habe
er an einer politischen Sendung des Radios "G._" mitgewirkt und
an einer Demonstration in H._ teilgenommen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Fotos, welche den Pass
seines Vaters zeigten (mit teilweiser Übersetzung), einen Mitgliederaus-
weis der JEM (mit Übersetzung), zwei Schreiben vom 29. Juli 2018 von
I._, Präsident der JEM Schweiz, einen von ihm unterzeichneten
Schwur gegenüber der JEM, ein Foto eines Anlasses der Organisation
Frieden für die Entwicklung Afrikas, zwei Schreiben des Radiosenders
"G._" vom 21. Juni und 7. November 2017, ein Foto des Beschwer-
deführers mit dem aktuellen Präsidenten der JEM, Gibril Ibrahim, zwei Fo-
tos einer Veranstaltung der Kommission zur Unterstützung des zivilen Wi-
derstandes, je ein Foto des Beschwerdeführers an einer Demonstration
H._ und anlässlich einer Diskussion im Radiostudio "G._".
B.
Mit Verfügung vom 13. Februar 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab.
Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung aus der Schweiz an und nahm
ihn aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in
der Schweiz auf.
C.
Mit Beschwerde vom 18. März 2019 an das Bundesverwaltungsgericht be-
antragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3
der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und es sei die vorläufige Aufnahme gestützt auf Art. 83
Abs. 8 AIG (SR 142.20) zu verfügen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um die Einsetzung des rubri-
zierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 28. März 2019 hiess die Instruktionsrichterin
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des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche des Beschwerdeführers um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung – unter Vorbehalt einer
nachträglichen Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse – und Rechts-
verbeiständung gut und setzte den mandatierten Rechtsvertreter, lic. iur.
LL.M. Tarig Hassan, als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig lud sie
die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
E.
Die Vorinstanz liess sich am 8. April 2019 zur Beschwerde vernehmen, wo-
raufhin die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit Instruktions-
verfügung vom 11. April 2019 Gelegenheit zur Replik bot. Diese nahm der
Beschwerdeführer am 3. Mai 2019 wahr. Der Eingabe legte er einen Arzt-
bericht von J._, Spezialärztin für (...)krankheiten FMH, vom 28. No-
vember 2017, eine Mitgliedschaftsbestätigung der JEM von Gibril lbrahim
vom 15. März 2019 sowie eine Honorarnote seines Rechtsvertreters bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
Hinsichtlich des AsylG kommt das alte Recht zur Anwendung (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
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Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Die Vorinstanz begründet ihren Asylentscheid mit der Unglaubhaftigkeit
der Vorbringen des Beschwerdeführers. An der BzP habe er einzig die krie-
gerischen Auseinandersetzungen vorgebracht. Die JEM-Mitgliedschaft sei-
nes Vaters, dessen Unterstützung durch (...), die zweitägige Haft bei den
Janjaweed wegen Verdachts der Unterstützung der JEM sowie die zehn-
monatige Zwangsarbeit in einem Lager der Janjaweed habe er erst anläss-
lich der Anhörung nachgeschoben. Die Angaben des Beschwerdeführers
zur angeblichen zweitägigen Haft bei den Janjaweed sowie zum zehnmo-
natigen Aufenthalt in deren Lager seien überdies wenig detailliert und le-
bensnah ausgefallen. Auch hinsichtlich der Unterstützungstätigkeiten
seien die Angaben teils abschweifend, teils allgemein erfolgt. Ausserdem
sei angesichts der Einfachheit seiner Flucht nicht nachvollziehbar, weshalb
er nicht bereits viel früher geflohen und er als vermeintlicher JEM-Unter-
stützer nicht intensiver bewacht worden sei. Ebenfalls sei nicht ersichtlich,
wieso er von den Janjaweed nach der angeblichen zweitägigen Haft nicht
an die sudanesischen Behörden für die Einleitung weiterer strafrechtlicher
Massnahmen übergeben worden sei, zumal Erstere ihn angeblich der Un-
terstützung der JEM verdächtigten. Die Überführung in ein offenbar wenig
kontrolliertes und gesichertes Janjaweed-Lager mache angesichts der ge-
gen ihn erhobenen Vorwürfe keinen Sinn.
Des Weiteren sei auch die Kontaktaufnahme durch seinen Vater nicht
glaubhaft, zumal dieser – sollte er tatsächlich Mitglied der JEM gewesen
sein – wohl den Kontakt mit Familienmitgliedern gemieden hätte, um diese
nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Die Äusserungen, wonach sich der Va-
ter mit der JEM teils in Darfur und teils in E._ aufgehalten habe,
liessen sich nicht mit der eingereichten Kopie des sudanesischen Passes
des Vaters vereinbaren. Es erscheine nämlich eigentümlich, dass sich der
Vater als angeblich von den sudanesischen Behörden verfolgtes JEM-Mit-
glied in Khartum von diesen Behörden einen Pass ausstellen lasse.
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Den kriegerischen Auseinandersetzungen in Darfur, insbesondere dem
Luftangriff im Mai 2013, würden keine in Art. 3 AsylG definierten Verfol-
gungsmotive zugrunde liegen. Dieses Vorbringen sei daher asylrechtlich
nicht relevant.
Bei den anlässlich der Bundesanhörung erstmals geltend gemachten exil-
politischen Tätigkeiten sei aufgrund der Aktenlage nicht davon auszuge-
hen, dass der Beschwerdeführer eine exponierte Kaderstelle innegehabt
habe. Es sei folglich unwahrscheinlich, dass seitens des sudanesischen
Regimes ein besonderes Interesse an ihm als ausserordentlich engagier-
tem und exponiertem Regimegegner bestehe. Dies umso weniger, als er
vor seiner Ausreise aus dem Sudan nicht ins Blickfeld der sudanesischen
Behörden gelangt sei.
3.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerdeschrift entgegen,
er sei zu Beginn der BzP darauf aufmerksam gemacht worden, nur das
Wichtige zu seinen Fluchtgründen auszuführen. Für ihn sei der Luftangriff
auf sein Dorf das einschneidendste Erlebnis gewesen, zumal er damals
seine Familie zum letzten Mal gesehen habe. Er habe erklärt, weshalb er
weggerannt sei und habe nicht wissen können, dass er auch hätte angeben
müssen, was vorher und nachher geschehen sei. Folglich seien die zwei-
tägige Haft und die Zwangsarbeit nicht als nachgeschoben zu qualifizieren.
Ferner habe er bereits anlässlich der BzP mitgeteilt, Probleme (...) zu ha-
ben. Ausserdem sei er gleich zu Beginn der BzP stark eingeschüchtert wor-
den. Als er anstatt des Distrikts von B._ zunächst die nächste grös-
sere Ortschaft genannt habe – was sich problemlos mit seiner fehlenden
Schulbildung oder Übersetzungsproblemen erklären liesse – sei er sofort
zurecht- und darauf hingewiesen worden, dass an seiner Herkunft gezwei-
felt werde, sollte er den Distrikt nicht nennen können.
Auch an der Anhörung sei er nicht nach weiteren Details zum Transport
zum Lager, dem dortigen Tagesablauf sowie seiner Flucht gefragt worden.
Überdies enthielten seine Erzählungen mehrere Realkennzeichen und
seine Flucht widerspreche keineswegs der allgemeinen Erfahrung oder der
Logik des Handelns. Er habe das Verhalten des Janjaweed-Mitglieds über
Monate hinweg beobachtet, um schliesslich einen Fluchtversuch zu wa-
gen. Daraus, dass dieser auf Anhieb gelungen sei, könne nicht geschlos-
sen werden, dass er nicht mit grossen Risiken verbunden gewesen sei. Es
sei im Übrigen unklar, wie die Vorinstanz zur Annahme komme, er hätte
besser bewacht werden sollen. Ausserdem habe er erklärt, dass er wohl
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aufgrund seines jugendlichen Alters von den anderen Gefangenen ge-
trennt worden sei. Diese Erklärung sei von der Vorinstanz nicht beachtet
worden, obwohl sie relevant sei. Auch die Annahme der Vorinstanz, wo-
nach es wenig Sinn mache, dass er nach der zweitätigen Haft in ein wenig
kontrolliertes Janjaweed-Lager gebracht und nicht der sudanesischen Be-
hörde übergeben worden sei, stütze die Vorinstanz auf keinerlei Quellen.
Für den Entführer, bei welchem er als Schafhirte habe arbeiten müssen,
habe es sehr wohl Sinn gemacht, dass er nicht den Behörden übergeben
worden sei, zumal er so eine unbezahlte Arbeitskraft erhalten habe.
Hinsichtlich der Kontaktaufnahme seitens des Vaters spekuliere die Vo-
rinstanz lediglich und begründe ihre Annahme nicht. Es sei durchaus nach-
vollziehbar, dass die JEM den Sohn eines Mitglieds anweise, (...). Dies
gelte auch für die gelegentlichen Kontaktaufnahmen durch den Vater, der
seiner Familie ab und zu habe zeigen wollen, dass er noch lebe. Ausser-
dem sei der Pass seines Vaters bereits (...) Jahre vor seiner Geburt aus-
gestellt worden, als sein Vater noch nicht bei der JEM gewesen sei. Dass
der Wohnort seines Vaters K._ gewesen sei, widerspreche seinen
Angaben keineswegs, zumal sich diese auf die Zeit nach seiner Geburt
bezogen hätten.
Insgesamt habe die Vorinstanz den herabgesetzten Beweisanforderungen
gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen und folglich die-
sen Artikel, den Untersuchungsgrundsatz sowie die Begründungspflicht
verletzt.
Im Übrigen sei die JEM – insbesondere seit ihrem Angriff auf Khartum im
Jahr 2008 – eine der bedeutendsten Organisationen der sudanesischen
Opposition, die sowohl gegen die Janjaweed als auch gegen die Regierung
kämpfe. Sie sei Teil der Sudan Revolutionary Front (SRF), einer Allianz von
oppositionellen Gruppen. JEM-Mitglieder würden daher von der Regierung
schon seit Jahren verfolgt und teilweise mit dem Tod bestraft. Die Janja-
weed-Kämpfer seien demgegenüber offiziell in den staatlichen Sicherheits-
apparat eingebunden worden, weshalb er auch eine Verfolgung durch die
sudanesischen Behörden selbst fürchte. Personen nicht-arabischer Eth-
nien – so auch Angehörige der Zaghawa-Ethnie aus Darfur und Umge-
bung, den „Hotspots"' oder "Rebellenhochburgen", – seien bei einer Rück-
kehr in den Sudan mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit der Gefahr ausge-
setzt, festgehalten, registriert, verhaftet, verhört, misshandelt sowie nach
ihrer Entlassung systematisch überwacht zu werden. Als Angehöriger der
Opposition, der aktiven JEM-Unterstützung durch die Bevölkerung seines
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Heimatdorfes, der JEM-Tätigkeit seines Vaters sowie seiner ethnischen
Zugehörigkeit weise er folglich ein deutliches Gefährdungsprofil auf. Auf-
grund seiner Flucht, des Diebstahls eines Kamels sowie seiner Volljährig-
keit sei davon auszugehen, dass die Janjaweed ihn im Falle einer Rück-
kehr noch brutaler behandeln würden, als vor seiner Flucht. Ausserdem
seien bereits die Luftangriffe auf sein Heimatdorf als zielgerichtete Verfol-
gungsmassnahme zu verstehen. Eine innerstaatliche Fluchtalternative
stehe ihm insbesondere aufgrund der Verbindung der Janjaweed zum su-
danesischen Staat nicht zur Verfügung.
Entgegen der Auffassung des SEM sei er im Übrigen auch aufgrund seiner
exilpolitischen Aktivitäten in seinem Heimatland gefährdet, insbesondere,
weil er als Sohn eines (...) sowie als dessen Kontaktperson bereits in sei-
nem Heimatland von den Janjaweed verdächtigt worden sei, die JEM zu
unterstützen. Auch in der Schweiz sei er politisch sehr aktiv und habe in
Kontakt zu Gibril lbrahim, einem prominenten Mitglied der sudanesischen
Exilopposition, gestanden, weshalb sehr wohl subjektive Nachfluchtgründe
vorlägen. Dies gelte umso mehr, als der sudanesische Präsident Omar al-
Bashir durch Ausrufung des Ausnahmezustands am 22. Februar 2019
seine Machtbefugnisse drastisch ausgeweitet habe.
3.3 In ihrer Vernehmlassung entgegnet die Vorinstanz zu den geltend ge-
machten (...)problemen und Einschüchterungen anlässlich der BzP, das
Protokoll sei ihm rückübersetzt worden und er habe dessen Vollständigkeit
und Richtigkeit mit seiner Unterschrift bestätigt und erklärt, den Dolmet-
scher gut zu verstehen. Hinweise auf Einschüchterungen gebe es auch
nicht. Auch die übrigen Einwände überzeugten nicht. Da er keine asylrele-
vante Verfolgung habe glaubhaft machen können, habe das SEM auch
keine innerstaatliche Fluchtalternative prüfen müssen. Gezielt gegen ein
spezifisches Kollektiv (nichtarabische Gruppen) gerichtete Massnahmen
lägen nicht vor. Der gewaltsame Konflikt in Darfur halte zwar an, das ur-
sprüngliche Schema der von der Regierung unterstützten arabischen Mili-
zen (Janjaweed) versus nichtarabische Gruppen sei jedoch inzwischen ei-
ner Fragmentierung der Konfliktparteien gewichen. Die sudanesischen Si-
cherheitsbehörden seien überdies in der Lage, zwischen politisch enga-
gierten Sudanesen, die das Regime gefährden könnten, und Exilaktivisten,
die es darauf anlegten, sich durch ihre Aktionen bekannt zu machen, um
ihre Chancen auf ein Bleiberecht in der Schweiz zu erhöhen, zu unterschei-
den. Die JEM-Mitgliedschaft, die Ablichtung mit Gibril lbrahim und die Teil-
nahme an exilpolitischen Anlässen würden dem Beschwerdeführer kein ex-
poniertes exilpolitisches Profil verleihen. Ausserdem seien den Akten keine
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Hinweise zu entnehmen, wonach im Sudan aufgrund der genannten exil-
politischen Aktivitäten ein Strafverfahren oder andere behördliche Massah-
men gegen ihn eingeleitet worden wären.
3.4 Der Beschwerdeführer repliziert darauf, mit der Unterzeichnung des
Protokolls der BzP habe er lediglich inhaltlich dessen Wahrheit bestätigt,
und nicht, dass er bereits sämtliche Fluchtgründe bis ins Detail vorgebracht
habe. Die JEM-Tätigkeit seines Vaters – Verantwortung für das L._
– könne er mit einem Schreiben des Vorsitzenden der JEM stützen. Sein
Fall sei mit der Konstellation im Urteil des BVGer E-186/2017 vom 26. No-
vember 2018 vergleichbar, weshalb anzunehmen sei, auch er sei den su-
danesischen Behörden als ernstzunehmender Regimekritiker aufgefallen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein
reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände
und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob
die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhalts-
darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti-
vierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine die eigenen Erlebnisse betref-
fende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete
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Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schil-
derung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch
Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstim-
mung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere
bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine
Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-
sentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben,
persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller
sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven
Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht
aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung
der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen
die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Überprüfung der Akten
zum Schluss, dass das SEM zutreffend festgestellt hat, die Vorbringen des
Beschwerdeführers seien teilweise nicht glaubhaft, teilweise nicht asylre-
levant. Die Einwände in der Beschwerde vermögen nicht zu einer anderen
Gewichtung führen.
Es ist dem Beschwerdeführer zwar dahingehend beizupflichten, dass die
Atmosphäre anlässlich der BzP nicht sehr freundlich gewesen zu sein
scheint. Dies lässt sich etwa ableiten aus dem Befragungsstil, der Vielzahl
von mit Ausrufezeichen versehenen Aufforderungen an den Beschwerde-
führer, den Distrikt seines Heimatorts zu nennen sowie die bereits zu Be-
ginn erfolgten Vorhalte, dass er sich widerspreche (v.a. A6 Ziff. 1.07). Un-
besehen dessen war der Beschwerdeführer aber in der Lage, relativ detail-
liert über seinen Reiseweg zu berichten (ebd. Ziff. 5.02). Gerade vor dem
Hintergrund der geltend gemachten familiären Vorgeschichte und politi-
schen Involvierung in das Geschehen im Mai 2013 wäre sodann – wie die
Vorinstanz zu Recht festhält – zu erwarten gewesen, dass er die Tätigkeit
seines Vaters sowie seine Festnahme, die Misshandlungen und die
Zwangsarbeit – seine zentralen Asylgründe also – zumindest angetönt
hätte. Entgegen seiner Darstellung hat die Vorinstanz dann auch nachge-
fragt, ob er weitere Gründe gehabt habe, das Land zu verlassen (vgl. A6
Ziff. 7.03). Auf diese Frage hin brachte er aber lediglich vor, es habe in
B._ weder Schulen noch Apotheken oder Krankenhäuser gegeben.
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Insbesondere angesichts der Nennung dieser im Vergleich eher unbedeu-
tenden Probleme, ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer die
JEM-Mitgliedschaft seines Vaters – welche dessen jahrelange Abwesen-
heit zur Folge gehabt habe – sowie insbesondere seine angebliche Haft
und Zwangsarbeit, Ereignisse die um vieles prägender gewesen sein
müssten, nicht einmal andeutungsweise genannt hat. Es ist zwar festzu-
stellen, dass der Beschwerdeführer erklärt hat, am (...) 2014 von
C._ nach M._ gereist zu sein, ziemlich genau ein Jahr nach
dem Bombenanschlag auf sein Heimatdorf also, und damit rein zeitlich ver-
einbar mit der angeblichen Festhaltung. Allerdings fällt gleichzeitig auf,
dass er bei der Beschreibung seines Ausreisewegs anlässlich der BzP je-
weils die Zeiträume angab, während welchen er sich an einem Ort aufge-
halten habe (vgl. A6 Ziff. 5.02), weshalb wiederum nicht erklärbar ist, wes-
halb er die zehn Monate im Lager der Janjaweed nicht erwähnte. Ausser-
dem gab er an, von C._ nach M._ "gefahren" zu sein; einen
Kamelritt zwischen diesen zwei Ortschaften erwähnte er nicht (ebd. A6
Ziff. 5.02). Der blosse Hinweis auf die spätere, detailliertere Anhörung ver-
mag daher nicht zu überzeugen. Die (...)probleme, insbesondere rechts,
sind unbestritten und werden auf Beschwerdestufe mit einem ärztlichen
Bericht belegt. Es sind aber dem Protokoll der BzP (und auch jenem der
Anhörung) keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer die Fragen nicht verstanden hätte oder es zu Missverständnissen
gekommen wäre. Auch die Hilfswerksvertretung hat keinerlei diesbezügli-
che Anmerkungen gemacht.
Die Erzählungen des Beschwerdeführers beinhalten sodann tatsächlich ei-
nige Details, die gut in den Gesamtkontext passen, wie zum Beispiel die
Grösse des Dorfes, in das die Entführten zunächst gebracht worden seien
(vgl. A18 F18), die Entgegennahme von Aufträgen seines Vaters (vgl. A18
F48 f.) oder die hohe Dichte an JEM-Mitgliedern in seinem Heimatdorf
(vgl. A18 F56, F62). Ausserdem gab er Gespräche zum Teil in direkter
Rede wieder (vgl. etwa A18 F18, F59). Demgegenüber ist der freie Bericht
zur angeblichen Haft und zehnmonatigen Zwangsarbeit eher oberflächlich
und kurz ausgefallen – selbst wenn er nicht überall lebensfern wirkt, wie
das SEM festhält – insbesondere auch im Vergleich zur Beschreibung der
darauffolgenden Ausreise (vgl. A18 F18). Zwar ist das Argument des Be-
schwerdeführers, der Entführer habe aufgrund der Arbeit, die er für ihn
habe leisten müssen, durchaus Interesse an ihm gehabt, nicht ganz von
der Hand zu weisen. Dennoch bleibt die Einschätzung des SEM, es wären
andere Massnahmen getroffen worden, hätte man ihn tatsächlich der Un-
terstützung der JEM verdächtigt, zutreffend.
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Seite 12
Hinsichtlich des Vorhalts des SEM im Zusammenhang mit der Ausstellung
des Reisepasses seines Vaters wendet der Beschwerdeführer zwar zu
Recht ein, dieser sei bereits lange vor der geltend gemachten JEM-Mit-
gliedschaft des Vaters ausgestellt worden (vgl. Fotos des Passes des Va-
ters, Jahr (...) nach islamischem Kalender, d.h. (...) nach gregorianischem
Kalender). Entscheidend zu seinen Gunsten vermag er aber daraus nichts
abzuleiten, zumal auch noch weitere Unstimmigkeiten auffallen. Sie erge-
ben sich beispielsweise aus den Aussagen zu seiner Schulbildung. Er gab
anlässlich der BzP deutlich zu Protokoll, er habe (...) Jahre lang die Schule
besucht (vgl. A6 Ziff. 1.17.04). Demgegenüber erklärt er sein Unwissen
über die JEM mit der Aussage, dass er nie zur Schule gegangen sei (vgl.
A18 F 66 ff.). Seine Erklärung, die Angabe in der BzP sei aufgrund von
(...)problemen entstanden überzeugt angesichts der proaktiven Aussage
nicht. Auch die Erklärungen, weshalb er nicht zur Schule gegangen sei –
insbesondere habe der Vater ihn als er noch klein gewesen sei gefragt, ob
er in die Schule gehen wolle oder lieber zu Hause spielen wolle, worauf er
sich für Spielen entschieden – sind nicht nachvollziehbar, gerade vor dem
Hintergrund, dass der Vater (...) gewesen sei (vgl. A18 F67). Mit der erst
an der Anhörung eingereichten Mitgliederkarte der JEM, die gemäss Über-
setzung (...) in Darfur ausgestellt worden sein soll, vermag der Beschwer-
deführer sodann angesichts des offenkundig geringen Beweiswertes keine
eigene Aktivität für die JEM vor seiner Ausreise geltend zu machen, zumal
er auch an der Anhörung gar nicht geltend gemacht hat, er sei der Organi-
sation bereits vor seiner Ausreise beigetreten. Das Schreiben des Präsi-
denten der JEM vom 15. März 2019 ist von vornherein untauglich, bezieht
es sich doch gar nicht auf den Beschwerdeführer, sondern auf eine andere
Person. Abgesehen davon wird dort eine Mitgliedschaft des Vaters ab dem
Jahr (...) bestätigt, während der Beschwerdeführer das Jahr (...) nennt
(vgl. A18 F49 und F53). Schliesslich habe der Vater einerseits seit dem
Jahr (...) nicht mehr zu Hause gewohnt respektive sei er nicht mehr dahin
zurückgekehrt (vgl. A18 F53 f., F60), was nicht vereinbar ist mit der Aus-
sage an der BzP, der Beschwerdeführer habe im (...) 2013 seinen Wohnort
verlassen als der Krieg ausgebrochen sei, weshalb auch sein Vater und
sein Bruder nach E._ ausgereist seien (vgl. A6 Ziff. 7.01).
Schliesslich ist die geltend gemachte Art und Weise der Flucht des Be-
schwerdeführers nicht nachvollziehbar. Zwar ist teilweise verständlich,
dass der Beschwerdeführer zunächst das Verhalten seines Entführers be-
obachten und Mut habe fassen wollen für die Flucht; dass er angesichts
der nicht sehr strengen Bewachung doch zehn Monate gewartet habe, ist
dann allerdings tatsächlich schwer nachvollziehbar. Auch überzeugt der
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konkret gewählte Zeitpunkt der Flucht nicht, zumal er angibt, der Entführer
sei an diesem Tag ohne seine Söhne zurückgekehrt (vgl. A18 F18), woraus
zu schliessen ist, dass er im Moment der Flucht im Lager war.
In einer Gesamtbetrachtung ist festzustellen, dass keine Kassationsgründe
vorliegen, wie dies im Rahmen der materiellen Beschwerdebegründung
vorgebracht wird, selbst wenn der Ton an der Befragung nicht überall opti-
mal war und an gewissen Stellen der Anhörung auch Rückfragen wün-
schenswert gewesen wären. Auch hat das SEM seine Verfügung hinläng-
lich begründet, die diesbezüglichen Einwände sind überwiegend als mate-
rielle Kritik an der Würdigung zu verstehen. Das SEM hat sodann zutref-
fend festgestellt, der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht,
dass er aufgrund der Position seines Vaters bei der JEM und wegen eige-
ner Tätigkeiten für sie festgenommen und misshandelt, der JEM-Unterstüt-
zung beschuldigt und für (...) Monate in ein Lager gebracht worden sei, wo
er habe Zwangsarbeit leisten müssen, bis ihm die Flucht gelungen sei.
Zutreffend ist schliesslich die Einschätzung des SEM, die kriegerischen
Auseinandersetzungen oder die schlechten Lebensbedingungen, die der
Beschwerdeführer im Rahmen der BzP als Ausreisegründe genannt hatte,
erwiesen sich nicht als asylrelevant, zumal der geltend gemachte Angriff
auf das Dorf in die vierte Phase des Darfur-Konflikts fällt (vgl. dazu BVGE
2013/21 E. 9.3.2).
5.2 Hinsichtlich einer allfälligen Kollektivverfolgung aufgrund seiner Ethnie,
ist festzustellen, dass die entsprechenden hohen Anforderungen
(vgl. BVGE 2013/21 E. 9.1.) nicht erfüllt sind.
Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass das Bundesverwaltungsgericht in
konstanter Rechtsprechung die Kollektivverfolgung der nichtarabischen
Ethnien in Darfur verneint (vgl. zuletzt: Urteil des BVGer D-167/2018 vom
14. Juli 2020 E. 5.2.3). Das vom Beschwerdeführer zitierte Urteil
D-2794/2016 vom 2. Februar 2017 bestätigt diese Praxis des Gerichts –
entgegen seiner Auffassung – ebenfalls. Die Beschwerde wurde in jenem
Fall nicht alleine aufgrund der Ethnie der betroffenen Person gutgeheissen,
sondern diese hatte – im Gegensatz zum Beschwerdeführer – glaubhaft
gemacht, bereits vor ihrer Ausreise ernsthafte Nachteile aus einem Grunde
nach Art. 3 AsylG erlitten zu haben. Der Beschwerdeführer kann aus die-
sem Entscheid folglich nichts zu seinen Gunsten ableiten. An diesem
Schluss vermögen auch die zahlreichen zitierten Berichte zur Lage in Dar-
fur nichts zu ändern.
E-1329/2019
Seite 14
5.3 Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer nicht glaubhaft zu
machen, dass er aufgrund tatsächlicher oder unterschobener Aktivitäten
für die JEM und/oder alleine aufgrund seiner Ethnie vor seiner Ausreise in
einer flüchtlingsrechtlich relevanten Weise in den Fokus der Janjaweed
respektive der sudanesischen Behörden geraten und deswegen im Zeit-
punkt der Ausreise beziehungsweise heute begründete Furcht vor Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG hat.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, er sei Mitglied der
Schweizer Sektion der JEM und beteilige sich an politischen Diskussions-
sendungen des Radios "G._". Ausserdem habe er an diversen Ver-
anstaltungen von politischen Organisationen sowie an einer Demonstration
teilgenommen. Es verbleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer allenfalls
aufgrund exilpolitischer Tätigkeit die Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ent-
sprechend ein subjektiver Nachfluchtgrund vorliegt.
6.2 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-
son erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunfts-
staat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung zu
befürchten hat; in diesen Fällen wird kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG;
vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.).
In seinem Referenzurteil D-2899/2016 vom 24. August 2017 beschäftigte
sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Rechtsprechung des EGMR
betreffend den Sudan. In den Entscheiden A. I. gegen die Schweiz (Be-
schwerde Nr. 23378/15) und N. A. gegen die Schweiz (Beschwerde
Nr. 50364/14) vom 30. Mai 2017 habe der Gerichtshof seine bisherige Ein-
schätzung, dass sich die Gefährdung des sudanesischen Staats nicht aus-
schliesslich auf Oppositionelle mit ausgeprägtem Profil zu beschränken
scheine, sondern jede Person treffen könne, die sich dem Regime wider-
setze oder entsprechend verdächtigt werde, wiederholt. Auch habe der Ge-
richtshof erneut darauf hingewiesen, dass das sudanesische Regime die
Aktivitäten der politischen Opposition im Ausland überwache. In beiden Ur-
teilen habe der EGMR allerdings auch eine gewisse Präzisierung vorge-
nommen. Gestützt auf die Feststellung, dass die Überwachung der Aktivi-
täten der regimekritischen Opposition im Ausland durch die sudanesischen
Geheimdienste nicht systematisch sei, habe der Gerichtshof festgehalten,
dass bei der Beurteilung des Verfolgungsrisikos bei einer Rückkehr in den
Sudan verschiedene Kriterien zu berücksichtigen seien: das allfällige Inte-
E-1329/2019
Seite 15
resse der sudanesischen Behörden an den Betroffenen aufgrund von de-
ren Vergangenheit, sei es im Sudan oder im Ausland; die Zugehörigkeit zu
einer regimekritischen Organisation im Sudan unter Berücksichtigung des
Charakters und der Weise, in welcher diese Organisation durch die suda-
nesische Regierung anvisiert werde; der Charakter des politischen Enga-
gements der Betroffenen in ihrem Aufenthaltsland, insbesondere ihre Be-
teiligung an Versammlungen und Kundgebungen sowie ihre Aktivitäten im
Internet; ihre persönlichen oder familiären Verbindungen mit prominenten
Mitgliedern der Opposition im Exil (ebd. 4.5 f.).
6.3
6.3.1 Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der Anhörung geltend, je-
den, der für seine Rechte einstehe oder gegen die sudanesische Regie-
rung agiere, zu unterstützen. Ausserdem würden "sie" Leuten bei der Or-
ganisation von Demonstrationen behilflich sein. Wenn es politische Diskus-
sionen am Radio gebe, sei er immer dabei. Er machte geltend, an einer
Demonstration in H._ und diversen Veranstaltungen des JEM, der
Organisation Frieden für die Entwicklung Afrikas sowie der Kommission zur
Unterstützung des zivilen Widerstands teilgenommen zu haben und reichte
dazu Fotos, die an diesen Veranstaltungen gemacht worden seien sowie
ein Foto von ihm mit dem Präsidenten der JEM zu den Akten. Sodann gab
er einen Mitgliederausweis des JEM inklusive Übersetzung, einen von ihm
unterzeichneten Schwur gegenüber dem JEM sowie zwei Unterstützungs-
schreiben des Präsidenten des JEM-Büros Schweiz zu den Akten (A18 F75
f.).
6.3.2 Den beim SEM und dem Bundesverwaltungsgericht eingereichten
Beweismitteln lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich im
Vergleich zu den anderen Teilnehmern nicht in besonderem Masse expo-
niert hat und jeweils Teil einer Gruppe gewesen ist (vgl. beigebrachte Fotos
der Organisation Frieden für die Entwicklung Afrikas und der Kommission
zur Unterstützung des zivilen Widerstandes). Er hat offenbar an einer ein-
zigen Demonstration teilgenommen, wobei das Datum nicht bekannt ist.
Sein Engagement ist als sehr niederschwellig zu qualifizieren, umso mehr
als er dabei keine besondere Rolle innehatte. Das blosse Tragen eines
Plakats dürfte den sudanesischen Behörden nicht bekannt geworden sein,
zumal eine namentliche Nennung des Beschwerdeführers in diesem Zu-
sammenhang nicht geltend gemacht wird. Aus einem der beim SEM ein-
gereichten Fotos ist zu schliessen, dass sich der Beschwerdeführer mit
dem Vorsitzenden des JEM, fotografieren liess. Unbesehen des Umstands,
dass das Foto über den Ort oder den Zeitpunkt der Aufnahme keinerlei
E-1329/2019
Seite 16
Rückschlüsse zulässt, belegt es auch noch keine näheren Verbindungen
zu prominenten Mitgliedern der JEM oder gar selber eine gewichtigere Po-
sition innerhalb der Bewegung hätte. An der Einschätzung, dass der Be-
schwerdeführer nur in sehr geringem Masse politisch tätig ist, ändern auch
die beiden Schreiben des Präsidenten der JEM-Schweiz vom 29. Juli 2019,
die als Gefälligkeitsschreiben ohne wesentlichen Beweiswert einzustufen
sind, nichts.
Eine andere Einschätzung ergibt sodann auch nicht aus dem Vorbringen
des Beschwerdeführers, er habe sich an mehreren politischen Beiträgen
des von Radio "G._" zum Sudan beteiligt. Er hat als Beweismittel
zwei Schreiben des Radiosenders und ein Foto eingereicht, das ihn im Stu-
dio des Radiosenders "G._" zeige. Er erklärt, er habe dort regel-
mässig mit anderen jungen Sudanesen über die politischen Probleme und
einmal auch über den internationalen Gerichtshof gesprochen. Daraus
ergibt sich nicht einmal ein konkreter Inhalt allfälliger Sendungen und erst
recht nicht, wie sich der Beschwerdeführer geäussert hätten. Die beiden
an den Beschwerdeführer gerichteten Schreiben des Radiosenders
"G._" vom 21. Juni und vom 7. November 2017 enthalten im We-
sentlichen administrative Informationen und Werbeaufrufe des Senders.
Das Foto zeigt den Beschwerdeführer in einer Interviewsituation, inhaltli-
che Angaben sind nicht ersichtlich. Es ist somit nicht erkennbar, inwiefern
der Beschwerdeführer sich regimekritisch geäussert hätte und/oder na-
mentlich genannt worden wäre. Abgesehen davon handelt es sich beim
Radiosender "G._" gemäss seiner Website ([...]) um ein nicht-kom-
merzielles Lokalradio H._, das während 24 Stunden täglich in (...)
verschiedenen Sprachen Beiträge von Hunderten von Sendungsmachern
ausstrahlt. Das Risiko, dass der sudanesische Geheimdienst seine Sen-
dungen systematisch auswertet, ist angesichts dessen eingeschränkten fi-
nanziellen, technischen und personellen Möglichkeiten als äusserst gering
einzustufen (vgl. Urteil des BVGer D-6310/2018 vom 13. Dezember 2019
E. 6.5.4.
Wie bereits oben dargelegt, wurde auch die Mitgliedschaft des Vaters des
Beschwerdeführers beim JEM nicht substanziiert vorgebracht. Die bereits
erwähnte, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichte Bestäti-
gung des Vorsitzenden des JEM, vom 15. März 2019 betreffend die JEM-
Mitgliedschaft des Vaters des Beschwerdeführers betrifft von vornherein
nicht den Beschwerdeführer und ist – unabhängig von der zutreffenden
Würdigung als Gefälligkeitsschreiben – schon aus diesem Grunde beweis-
untauglich.
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Seite 17
Was das vom Beschwerdeführer erwähnte Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts E-186/2017 vom 26. November 2018 betrifft, ist vorliegender
Sachverhalt nicht mit demjenigen, der diesem Urteil zugrunde liegt ver-
gleichbar. Insbesondere wurde dort ein, wenn auch niederschwelliges, re-
gierungskritisches Engagement bereits während der Studienzeit des Be-
troffenen im Sudan anerkannt (vgl. ebd. E. 6.4.1 und E. 6.4.4). Dies ist vor-
liegend nicht der Fall, war doch der Beschwerdeführer – wie bereits erwo-
gen – vor der Ausreise aus dem Sudan nicht politisch aktiv und er gehörte
auch nicht zur Bildungselite.
6.3.3 Insgesamt ist festzustellen, dass zwar das SEM zu Unrecht davon
auszugehen scheint, in Bezug auf den Sudan gerieten nur besonders her-
ausragende Regimekritiker in einen flüchtlingsrelevanten Fokus. Nichts
desto trotz ist im Falle des Beschwerdeführers die hohe Wahrscheinlich-
keit, aufgrund seiner kaum erkennbaren politischen Aktivitäten in der
Schweiz bei einer heutigen (hypothetischen) Rückkehr ernsthafte Nachtei-
len im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen zu haben, nicht gegeben.
7.
Zusammenfassend vermochte der Beschwerdeführer nicht darzutun, dass
er im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatstaat beziehungsweise im
heutigen Zeitpunkt in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Fokus der su-
danesischen Behörden gestanden wäre beziehungsweise heute steht. Die
Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers dem-
nach zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgewiesen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 18
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Da das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch des Beschwerde-
führers um Erlass der Verfahrenskosten mit Zwischenverfügung vom 28.
März 2019 gutgeheissen hat und keine Veränderung seiner finanziellen
Verhältnisse ersichtlich ist, sind indes keine Kosten zu erheben.
10.2 Mit derselben Verfügung wurde auch das Gesuch um unentgeltliche
Verbeiständung gutgeheissen und der rubrizierte Rechtsvertreter als amt-
licher Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingesetzt. Dieser hat am
3. Mai 2019 eine Kostennote zu den Akten gereicht, die einen zeitlichen
Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 13.95 Stunden ausweist, was an-
gemessen erscheint. Allerdings erscheinen die geltend gemachten Ausla-
gen zu hoch. Die für den Druck und den Versand der Beschwerdeschrift
(im Doppel) berechneten Fr. 60.– sind auf Fr. 18.– zu reduzieren (insge-
samt 58 Seiten à Fr. 0.20 plus Porto Einschreiben à Fr. 6.30), was einen
Gesamtaufwand von gerundet Fr. 32.– ergibt. Bei amtlicher Vertretung wird
ausserdem in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis
Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen
(Art. 8 Abs. 2, Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2), weshalb der angeführte Stundenansatz von
Fr. 300.– praxisgemäss auf Fr. 150.– zu reduzieren ist (vgl. die entspre-
chenden Hinweise in der Zwischenverfügung vom 28. März 2019). Das
amtliche Honorar für den Rechtsvertreter ist somit gerundet auf insgesamt
Fr. 2'290.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteueranteil, Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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