Decision ID: c19d6923-9f07-4fc6-9a8a-f6dfe12571c2
Year: 2015
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
Die Staatsanwaltschaft, Abteilung Wirtschafsdelikte, führt seit März 2014 ein umfangreiches Strafverfahren gegen B_, unter anderem wegen (gewerbsmässiger) Warenfälschung und (gewerbsmässigem) Betrug, eventualiter mehrfacher Veruntreuung. Im Zuge der Ermittlungen wurden am 5. August 2014 bei A_, einem (Geschäfts-)Freund von B_, sieben Rolex-Uhren beschlagnahmt, welche diesem von C_ als Sicherheit für zwei Darlehen von CHF 100‘000.– und CHF 25‘000.– übergeben worden waren. Ein Antrag von A_ auf Aufhebung der Beschlagnahme wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 12. August 2014 abgelehnt.
Gegen diese Verfügung hat A_, vertreten durch Advokat lic. iur. [...], mit Eingabe vom 22. August 2014 Beschwerde an das Appellationsgericht erhoben, mit der er deren Aufhebung und die Rückgabe der sieben Rolex-Uhren an ihn beantragt. Die Staatsanwaltschaft hat sich am 26. September 2014 mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde vernehmen lassen. Hierzu hat der Beschwerdeführer – nach einem zwischenzeitlichen Schriftenwechsel hinsichtlich des Umfangs des dem Beschwerdeführer zustehenden Akteneinsichtsrechts, welcher mit Verfügung vom 17. November 2014 beendet worden ist – mit Eingabe vom 28. November 2014 repliziert, wobei er an seinen Begehren festgehalten hat. Die Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit sie für den Entscheid von Bedeutung sind, aus den nachfolgenden Erwägungen.

Considerations:
Erwägungen
1.
Verfügungen und Verfahrenshandlungen
der Staatsanwaltschaft können mit Beschwerde angefochten werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Zuständige Beschwerdeinstanz ist das Appellationsgericht als Einzelgericht (§§ 4 lit. c und 17 lit. b EG StPO; § 73a Abs. 1 lit. a GOG).
Der Beschwerdeführer ist von der Beschlagnahme der sich bis dahin in seinem Besitz befindenden Uhren berührt und hat ein rechtlich geschütztes Interesse an
der Aufhebung der Beschlagnahme, so dass er zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 382 Abs. 1 StPO).
Die gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO zehntägige Frist zur Beschwerdeerhebung gegen die dem Beschwerdeführer am 14. August 2014 zugestellte Verfügung der Staatsanwaltschaft ist eingehalten, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1
Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt werden, wenn sie voraussichtlich als Beweismittel (lit. a) oder zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden (lit. b), oder wenn sie voraussichtlich den Geschädigten zurückzugeben (lit. c) oder einzuziehen sind (lit. d). Die Staatsanwaltschaft beruft sich vorliegend auf den Beschlagnahmegrund von Art. 263 Abs. 1 lit. c StPO. Diese Bestimmung bildet das prozessuale Gegenstück von Art. 70 Abs. 1 letzter Satzteil StGB, wonach durch eine Straftat erlangte Vermögenswerte nur eingezogen werden, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung der rechtmässigen Zustandes auszuhändigen sind (
Bommer/Goldschmid
, in: Basler Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 263 N 48). Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt, dass die beschlagnahmten Uhren allenfalls dem Geschädigten C_ zurückzugeben sein werden.
2.2
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, bei der Strafanzeige von C_ gegen B_ gehe es nur um die mutmassliche Veruntreuung von 21 Uhren, welche C_ dem B_ übergeben habe. Die sieben Uhren, die C_ dem Beschwerdeführer als Sicherheit für zwei Darlehen übergeben habe, seien davon nicht betroffen. Diese hätten sich rechtmässig im Besitz des Beschwerdeführers befunden. Die Voraussetzungen für eine Beschlagnahme dieser Uhren lägen daher nicht vor.
3.
3.1
C_ hat am 24. Juli 2014 gegen B_ Strafanzeige wegen Veruntreuung erhoben. Anlässlich der Einvernahme vom 28. Juli 2014 zur näheren Abklärung des Sachverhalts hat er folgende Angaben gemacht (S. 3 ff.): B_, dem er früher schon einige Uhren verkauft habe, habe ihm im Frühling 2014 erzählt, er kenne einen Edelsteinhändler in Antwerpen, welcher Edelsteine zum Einstands- bzw. Händlerpreis verkaufen könne. Er sei am Kauf von Edelsteinen interessiert gewesen. Da er kein Geld, aber als Uhrensammler wertvolle Uhren gehabt habe, habe er B_ Uhren im Gegenwert des verlangten Kaufpreises von CHF 125‘000.– angeboten. Auf Vorschlag von B_, der selbst keine Uhren habe haben wollen, habe dessen Freund und Geschäftspartner A_ ihm zwei Darlehen von insgesamt CHF 125‘000.– gegeben, wofür er diesem sieben Uhren als Sicherheit übergeben habe. Vereinbarungsgemäss habe A_ den Darlehensbetrag direkt an B_ übergebe. Dieser habe im Gegenzug ihm – C_ – am 7. April 2014 einen Sack mit Edelsteinen übergeben. Entgegen seiner Versprechungen habe er jedoch keine Zertifikate der Edelsteine mitgeliefert. Stattdessen habe er anlässlich der Übergabe einem angeblichen Mitarbeiter des angeblichen holländischen Verkaufsgeschäfts/Prüfungslabors der Edelsteine telefoniert. Der Angerufene habe C_ gegenüber telefonisch die Echtheit der Steine bestätigt. Etwa eine bis zwei Wochen später habe B_ dem C_ weitere Steine, nämlich angeblich sehr günstige Diamanten in Topqualität, angeboten. Wiederum telefonisch habe ein angeblicher Gemmologe aus Süddeutschland C_ die Echtheit der Steine bestätigt, ausserdem habe auch ein angeblicher Edelsteinhändler aus Antwerpen, welcher B_ bei einem Besuch von C_ begleitet habe, deren Echtheit bezeugt. C_ habe daraufhin B_ 21 Uhren im Gesamtwert von rund CHF 100‘000.– übergeben. Es sei vereinbart worden, dass B_ ihm dafür 50 Diamanten à 1 Karat übergebe. Er habe ihm schliesslich 51 „Diamanten“ gegeben, welche allerdings nicht 1 Karat, sondern 0,81 bis 0,89 Karat gehabt hätten. Als B_ trotz mehrfacher Mahnung die versprochenen Zertifikate nicht geliefert habe, sei C_ argwöhnisch geworden. B_ habe ihm daraufhin gesagt, er habe vom SSEF, dem schweizerischen gemmologischen Institut, mündlich die Auskunft erhalten, die Diamanten seien echt, die entsprechenden Zertifikate würden aber erst am 28. April 2014 herausgegeben. Am 28. April 2014 sei C_ schliesslich selbst zum SSEF gegangen und habe einen der erhaltenen „Diamanten“ zum Schnelltest gegeben, worauf er erfahren habe, dass es sich dabei gar nicht um einen Diamanten, sondern um einen minderwertigen Moissanit handle. Daraufhin habe er das Geschäft mit B_ rückgängig machen wollen und die Uhren zurückverlangt. B_ habe gesagt, er werde schauen, was sich machen liesse. In der Folge habe C_ ihn nie mehr gesehen und nicht mehr erreichen können. Später habe er erfahren, dass B_ im Gefängnis sei. Im Internet habe er dann zufällig entdeckt, dass einige der von ihm an B_ übergebenen 21 Uhren von einem Geschäft in Lugano zum Verkauf ausgeschrieben worden seien.
Der Beschwerdeführer hat anlässlich seiner Einvernahme vom 5. August 2014 (S. 5 f.) bestätigt, dass er die CHF 125‘000.– gemäss den beiden Darlehensverträgen mit C_ direkt an B_ übergeben habe. Er hat die entsprechenden Belege zu den Akten gegeben.
2.4
Zwar richtet sich die Anzeige von C_ – wie der Beschwerdeführer zutreffend geltend macht – primär gegen B_ wegen der mutmasslichen Veruntreuung der diesem als Gegenleistung für die angeblichen Diamanten übergebenen 21 Uhren. Darauf kommt es aber nicht an. Wenn sich infolge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgrund dieser Anzeige der Verdacht weiterer (Offizial-)Delikte – auch anderer Personen – ergibt, hat die Staatsanwaltschaft die Untersuchung auf diese auszuweiten und darf dann auch die erforderlichen Zwangsmassnahmen ergreifen (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Aus den insofern vom Beschwerdeführer bestätigten und durch entsprechende Dokumente (Verträge, Quittung) objektivierten Aussagen von C_ anlässlich der Aufnahme des Anzeigesachverhalts ergibt sich klar, dass die durch die sieben beschlagnahmten Uhren gesicherten Darlehensverträge zwischen dem Beschwerdeführer und C_ in direktem Zusammenhang mit einem Edelsteingeschäft zwischen C_ und B_ standen, war doch der einzige Zweck dieser von B_ vermittelten Darlehen die Finanzierung der Edelsteine, welche C_ von B_ erwarb. Darüber hinaus besteht aufgrund der Ermittlungen der Verdacht, dass der Beschwerdeführer an diesem Edelsteingeschäft mit C_ nicht nur als Darlehensgeber beteiligt war, sondern mit B_ zusammenspannte, um C_ minderwertige synthetische Steine zu überhöhten Preisen anzudrehen. So gab B_ in der Konfrontationseinvernahme mit C_ vom 19. August 2014 (S. 7) sowie in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschwerdeführer vom 21. August 2014 (S. 3) an, er habe dem Beschwerdeführer CHF 10‘000.– oder CHF 20‘000.– der CHF 125‘000.– als Provision gegeben. Der Beschwerdeführer bestreitet dies (Konfrontationseinvernahme mit B_, S. 3 f.), doch kann er den Geldfluss nicht schlüssig nachweisen resp. (so die Formulierung der Staatsanwaltschaft) „nicht sonderlich überzeugend darstellen“. Der Sachverhalt wird noch näher abzuklären sein. Vorderhand besteht aber der Verdacht, dass der Beschwerdeführer nicht rechtmässig, sondern in Mitwirkung an einer deliktischen Handlung von B_ zum Nachteil von C_ in den Besitz der beschlagnahmten Uhren gekommen ist. Die Beschlagnahme der Uhren als vermutete producta sceleris war somit rechtmässig. Über ihre definitive Verwendung wird das Sachgericht zu entscheiden haben.
3.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind dessen Kosten gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.