Decision ID: 207f880b-a391-4536-b6b7-8f2215660d09
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1960 geborene
X._
durch
lief in Brasilien
eine Ausbildung als
Krankenpflegerin. Nach ihrer Einreise in die Schweiz
im
März 1989
war sie ab Dezember 1997 als Hilfsgärtnerin bei der
Z._
AG angestellt mit einem Pensum von 80
%
. Infolge seit April 2006 bestehender Kniebeschwerden meldete sie sich
am
1
2.
Juni 2007 bei der Sozi
al
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/5,
Urk.
7/13). Nach erfolgten Abklärungen wies diese einen Rentenan
spruch mit Verfügung vom 2
7.
August 2008 ab, ausgehend von einem Invalidi
tätsgrad von 9
%
(
Urk.
7/28).
1.2
Wegen der Folgen
einer Morbus Bechterew
-Erkrankung meldete sich die Versi
cherte am 1
0.
August 2010 erneut bei der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/34). Der Arbeitgeber äusserte sich dabei dahingehend, dass ab anfangs 2010 bei einem Pensum von 80
%
noch von einer Leistung von 50
%
auszugehen sei (
Urk.
7/39 S. 2). In der Folge wurde am
1.
November 2010 ein
Arbeitsassess
ment
durchgeführt (
Urk.
7/49). Mit Mitteilung vom
4.
Februar 2011 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Frühinterventionsmassnahme in Form einer arbeitsbezogenen Rehabilitation (
Urk.
7/54)
, worüber am 2
7.
Mai 2011 berichtet wurde (
Urk.
7/64)
. Mit Mitteilung vom
9.
Mai 2011 übernahm die IV-Stelle die Kosten für orthopädische Serienschuhe (Urk. 7/63). Mit Verfügung vom 1
7.
Feb
ruar 2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren – ausgehend von einem Invali
ditätsgrad von 5
%
- erneut ab (
Urk.
7/83)
.
1.3
Nach einer Reduktion des Pensums auf 60
%
ab dem
1.
Januar 2017 meldete
die
Arbeitgeberin
die Versicherte am 2
8.
Juni 2018 zur Früherfassung bei der IV
Stelle (
Urk.
7/101). Mit Vorbescheid vom
7.
August 2018 stellte diese das Nicht
eintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (
Urk.
7/104)
, wogegen die Ver
sicherte Einwände erhob (
Urk.
7/105)
.
Nachdem die Versicherte diverse Arzt
be
richt
e
eingereicht hatte (
Urk.
7/110-111), zog die IV-Stelle die Akten
des Kollek
tiv-Krankentaggeldversicherers (Mobiliar)
bei,
darunter der Bericht über das
Assessment Orthopädie durch
die
A._
vom
7.
Mai 2019 (
Urk.
7/117/6 ff.). Mit Vorbescheid vom
2.
März 2020
ersetzte die IV-Stelle den ergangenen Vorbescheid vom
7.
August 2018 und stellte die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/125)
, wogegen die Versicherte unter Beilage eines weiteren Arztberichts (
Urk.
7/133) Einwände erhob (
Urk.
7/128,
Urk.
134)
.
Hierauf
holte
die IV-Stelle einen aktu
ellen A
rbeitgeberbericht ein
(
Urk.
7/136) und führte a
m 1
4.
Juli 2020 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (
Urk.
7/137).
Anlässlich derselben
nahm
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für orthopädische Chirur
gie und T
raumatologie sowie
Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
eine Untersuchung der Versicherten und eine Beurteilung
der
Restarbeits
fähigkeit vor
(
Urk.
7/139/
2-5).
Mit Vorbescheid vom 2
7.
Oktober 2020 wurde derjenige vom
2.
März 2020 ersetzt und
nunmehr gestützt auf einen Invaliditäts
grad von 17
%
weiterhin die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (Urk. 7/140). Mit Verfügung vom
5.
Januar 2021 hielt die IV-Stelle an der zuletzt erfolgten Einschätzung der Sachlage fest (
Urk.
7/145 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 2
1.
Januar 2021 Beschwerde und beantragte, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und eine halbe IV-Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zur erneuten Abklä
rung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Februar 2021 beantragte die Beschwerdegeg
nerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1.
März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG)
.
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung
eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
)
, so ist im Beschwerdever
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich
im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäf
tigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
be
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall zu 80
%
einer erwerblichen Tätigkeit nachgehen würde und zu 20
%
im Haushalt tätig wäre. Im erwerblichen Bereich sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 75
%
auszu
gehen, was zu einer Einschränkung von 18
%
und zu einer Teilinvalidität von 14.4
%
führe. Im Bereich Haushalt sei von einer Einschränkung von 14.8
%
aus
zugehen, was zu einer Teilinvalidität von 2.96
%
und insgesamt zu einem renten
ausschliessenden Invaliditätsgrad von 17
%
führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
in der Haushaltsabklärung das
zumutbare
Mass der Mithilfe des
Partners der Beschwerdeführerin überschritten worden sei; in den Bereichen Ernäh
rung, Wohnung- und Hauspflege, Einkauf sowie Wäsche und Kleiderpflege sei eine
(näher ausgeführte)
Neueinschätzung vorzunehmen, was zu einer Teilin
validität von 9
%
führe (Urk. 1 S. 6). Im erwerblichen Bereich sei gestützt auf die Angaben des behandelnden Arztes,
Dr.
med.
C._
,
sowie der effektiv erfolgten Lohnzahlungen von einer Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit von 45
%
auszugehen, was zu einer Einschränkung von 57
%
und insgesamt zu einem Invaliditätsgrad von 54.6
%
führe. Alternativ sei
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben (S. 7 f.).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
7.
Februar 2012, welche sich in medizinischer Hin
sicht im Wesentlichen auf
die Einschätzung der Fachärzte der Rheumaklinik und
des
Institut
s
für Physikalische Medizin,
Spital D._
, stützte (
ambulante arbeitsbezogene Rehabilitation;
Urk.
7/64
). Diese ging
en in ihrem Bericht vom 2
7.
Mai
2011 von den folgenden Diagnosen aus
(S. 4)
:
-
Undifferenzierte
Spondarthropathie
(ED 06/2007)
-
Rezidivierende intra- und
periartikuläre
Knieschmerzen rechts
-
Rezidivierende teils
beid
- teils einseitig linksbetonte Kopfschmerzen
-
Hallux
valgus
beidseits, linksbetont
In
der angestammten
Tätigkeit
als Mitarbeiterin in der Gärtnerei
ergebe sich bei einem Pensum von 80
%
eine Leistungsminderung von 25
%
, bei einem solchen von 100
%
eine solche von 30
%
.
In einer angepassten Tätigkeit sei bei einem Pensum von 100
%
von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen (S. 3). Im
Rahmen des
Arbeitsassessments
(Bericht vom
1.
November 2010) gingen die Fachärzte des
Spitals D._
in einer angepassten Tätigkeit noch von einer 75%igen Arbeits
fähigkeit aus (
Urk.
7/49 S. 5).
Die Fachärztin des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
hielt in ihrer abschliessenden Beurteilung in einer angepassten Tätigkeit
bei einem Pensum von 100 %
eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
für zumut
bar (
Urk.
7/77 S. 6).
3.
3.1
Die für das
A._
-Assessment verantwortlichen Fachärzte
gingen in ihrem Bericht vom
7.
Mai 2019
von den folgenden Diagnosen aus
(Urk. 7/117/11)
:
-
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung des linken Schultergelenks bei Stat
us nach Implantation einer zement
i
e
rten inversen Schulter-
TEP links am 1
7.
August 2018 bei
Supraspinatus
-Sehnenruptur
-
Anamnestisch angegebene
seronegative
Spondylarthropathie
(M. Bech
terew)
In der bisherigen
, bis Ende 2018 ausgeführten
Tätigkeit in der Gärtnerei sei ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
,
bezogen auf ein Pensum von 30,5 Stunden,
anzunehmen.
In der Tätigkeit, die sie aktuell seit Mitte Januar 2019 in der Gärt
nerei durchführe und die eine leichte
Tätigkeit
sei,
ohne schweres Heben und ohne Überkopfarbeiten
,
sei ab sofort von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszu
gehen. Eine weitere Steigerung in den nächsten vier Wochen soll
t
e versucht werden, ab Anfang Juni 2019 sei mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
(bezogen auf das bisherige wöchentliche Arbeitspensum von 30,5 Stunden)
zu rechnen (Urk. 7/117/12).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Rheumatologie (
Klinik E._
), stellte in seinem Bericht vom
3.
Juni 2020 die folgenden Diagnosen:
-
Aktuell akute Exazerbation des
lumboradikulären
Reizsyndromes
L5/S1 bei
Foraminalstenose
L5/S1 rechts mit Gelenkszyste und
Anterolisthesis
L4/5 ebenfalls mit
Foraminalstenose
rechts
-
MRI LWS vom 1
2.
Juni 2019: deutliche
Diskopathie
der unteren LWS Abschnitte mit
Bandscheibenprotrusion
und Hernie vor allem L5/S1 mit Neurokompression der Nervenwurzel S1 und weniger L5 rechts
-
1
8.
Mai 2020: BV gesteuerte Infiltration
epidural
sakral mit 12 mg
Mefameson
-
Physiotherapie weiter
-
Gegebenenfalls erneute Beurteilung bei Herrn Kollege
F._
(Neuro
chirurg)
-
Status nach Implantation einer
zementierten, inversen Schulter-
TP li
nks am 1
7.
August 2018 bei irre
parabler, grosser
Supraspinatussehnenruptur
mit Beteiligung der
cranialen
Infraspinatus
links
-
Rezidivierend akute
Schmerzexazerbation
der
periartikulären
Weich
teile bei Überlastung
-
Axiale und periphere HLA-B27 neg.
Spondylarthropathie
(
Spondylitits
ankylosans
) ED 2007
-
MRI mit Spondylitis und ISG-Arthritis
-
2018
Synovitiden
der MCP
-
und PIP
-
Gelenke, Status nach
Synovitiden
grosser Gelenke (Schultern, Kniegelenke)
-
Sekundäre
Siccasym
ptomatik
(Augen)
-
Rezidivierende
Enthesitiden
-
Ausgeprägt
e
muskuläre
Dekonditionierung
-
Seit Ende Februar 2017 TNF Hemmer (
Cimzia
) in Kombination mit
Salazopyrin
(in der Vorgeschichte Unverträglichkeit von
Methotrexat
), aktuell gute Krankheitskontrolle
-
Gonarthrose mit
Bakercyste
Knie rechts, Gonarthrose links
-
PHS
calcarea
Schulter rechts bei Ansatzverkalkung
en
der
Supraspinatus
sehne
und rezidivierender Bursitis
-
Rezidivierendes
zerviko
-,
thorakospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Muskulär insuffiziente Stabilisierungsfähigkeit, rezidivierende Dys
funktion
costovertebral
thorakal
-
Vitamin D Mangel unter Substitution
-
Status nach Verbrennung abdominal – zwischenzeitlich verheilt
Seit 2012 leide die Beschwerdeführerin an einem
lumboradikuläre
n
Reizsyndrom, wobei teilweise Infiltrationen geholfen hätten. Gegebenenfalls müsste am Rücken eine Operation (Dekompression und
Spondylodese
) durchgeführt werden. Die Gon
arthrose rechts mit
Bakercyste
habe teilweise beim Stehen und Gehen zu Problemen geführt. Die linke Schulter sei im Alltag kaum belastbar und Über
kopfarbeiten seien unmöglich. Der langjährige Verlauf der
Spon
d
yloarthritis
sei langsam chronisch-progredient. Aus rheumatologischer Sicht sei langfristig die Belastbarkeit der Wirbelsäule sowie der peripheren Gelenke stark vermindert. Die bisherige Tätigkeit sei daher eigentlich nicht zumutbar. Denkbar sei höchstens eine sehr leichte Verweistätigkeit mit einem Pensum von ca. 40
%
(
Urk.
7/133).
3.3
Laut Angaben des behandelnden Psychotherapeuten
Dr.
phil.
G._
im Schrei
ben vom 2
0.
Oktober 2018 (
Urk.
7/110) leidet die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33).
3.
4
Die für den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
6.
Juli 2020 verantwortliche Fach
person stellte allein in de
n
Bereichen Ernährung und Wohnungs- und Hauspflege, Haustierhaltung eine Einschränkung von je 20
%
fest. Bei einer Gewichtung der entsprechenden Bereiche mit 40 respektive 33
%
führt
e
dies zu einer Einschrän
kung im Haushalt von 14.6
%
. In den Bereichen Einkauf sowie weitere Besorgun
gen wie auch Wäsche und Kleiderpflege
rechnete
der Bericht
keine Einschrän
kung
an
(
Urk.
7/137 S.
6 ff.).
3.5
Dr.
B._
untersuchte die Beschwerdeführern anlässlich der Haushaltsab
klä
rung am 1
4.
Juli 2020 (
Urk.
7/139/3 f.). Hierbei konstatierte sie deutliche Inkon
sis
tenzen und erachtete die angestammte Tätigkeit hinsichtlich der Schwere der B
elastungen
als angepasst. Eine Einschränkung ergebe sich ausschliesslich für stehende
und
gehende Arbeiten, so dass ein erhöhter Pausen- und Erholungs
bedarf bestehe. In der angestammten, das heiss
e
teilweise angepassten Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit im bisherigen Pensum von 60
%
weiterhin zumutbar, für eine optimal angepasste Tätigkeit in Wechselbelastung von Stehen, Gehen und Sitzen wäre medizinisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zumutbar. Daran hielt RAD-Arzt
Dr.
med.
H._
nach Einsicht in den A
rbeitge
berfragebog
en vom 2
3.
Juli 2020 (vgl. nachstehend E. 3.6) fest (
Urk.
7/139/5 f.).
3.6
Die Arbeitgeberin berichtete, dass die Beschwerdeführerin ursprünglich zu einem Pensum von 34 Stunden bei einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 42,5 Stunden gearbeitet habe und seit zirka 2015 als Hilfsgärtnerin mit massiver Leistungsreduktion eingesetzt werde. Sie arbeite effektiv zirka 25,5 Stunden und werde für 19 Stunden bezahlt
(
Urk.
7/136).
4.
4.1
Bezüglich des
A._
-Assessmentberichts vom
7.
Mai 2019 ist anzumerken, dass
die dafür verantwortlichen Fachärzte
in einer optimal angepassten Tätigkeit allein aufgrund der Beschwerden an der linken Schulter sowie der
Spondylarthropathie
grundsätzlich von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit
in einem rund 72%igen Pen
sum (30,
5 :
42,5 Stunden)
ausg
ingen
(E. 3.1)
, was effektiv, bezogen auf ein Voll
zeit
pensum, einer Arbeitsfähigkeit von 36
%
entsprechen würde
. Die Ausfüh
run
gen über eine mögliche Steigerung der Leistungsfähigkeit ab Juni 2019 (100%ige Arbeitsfähigkeit
bezogen auf das 72%ige Pensum
) stellen
ausserdem
eine reine Prognose dar, welche die echtzeitlichen medizinischen Akten bestä
tigen müssten. Aufgrund des Berichts von
Dr.
C._
vom
3.
Juni 2020
erscheint die prognosti
zierte Entwicklung der
Arbeitsfähigkeit infolge
akuter Exazerbation des
lumbo
radi
ku
lären
Reizsyndroms
nicht eingetreten zu sein
(
Urk.
7/133 S.
1
).
Damit
trägt der
A._
-Bericht den weiteren gesundheitlichen Problemen der Beschwerde
führerin zu wenig Rechnung. Auch wenn es theoretisch möglich ist, dass die LWS- und Kniebeschwerden im Zeitpunkt des Assessments neben den Schulter
beschwerden im Hintergrund gestanden haben -
sie werden
diagnostisch in keiner Weise erwähnt – so gilt dies im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung nicht
mehr. Hinsichtlich der LWS-Beschwerden ist bereits am 1
2.
Juni 2019 eine
Verschlechterung der gesundheitlichen Situation bildgebend dokumen
tiert,
welche es im Rahmen einer Gesamtbeurteilung zu berücksic
htigen gilt (
Urk.
7/133
S. 1). Zudem wirkt sich gemäss der Einschätzung von
Dr.
C._
zumindest die Gonarthrose rechts auf die Arbeitsfähigkeit d
er Beschwerdefüh
rerin aus (Urk.
7/133 S. 2).
Insgesamt erscheint die
A._
-Beurteilung vom
7.
Mai 2019 damit in verschie
dener Hinsicht keine verlässliche Grundlage für die Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit zu sein.
4.2
Nicht zu überzeugen vermag weiter die Ein
schätzung von
Dr.
med.
B._
vom 2
0.
Juli 2020
(E. 3.5)
. So geht die RAD-Ärztin aufgrund der Wiederaufnahme der angestammten
(jedoch bereits teilweise angepassten)
Tätigkeit ab November 2019 im bisherigen Umfang von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit angestammt von 60
%
aus und schliesst daraus auf eine Arbeitsfähigkeit in einer optimal ange
passten Tätigkeit von 80
%
(
Urk.
7/139 S. 4). Diesbezüglich ist anzumerken, dass bereits
mit
Arbeitgeberfragebogen vom 1
9.
August 2010 – zu einem Zeitpunkt, als die Beschwerdeführerin noch
in ihrer ursprünglichen, körperlich
mehr belas
tenden
Tätigkeit
ein Pensum von 80
%
verrichtete –
angegeben worden war,
dass die Leistung
seit
anfangs 2010 nur noch ca. 50
%
betrage
(
Urk.
7/39 S. 2).
Nach Angaben des Arbeitgebers
vom 2
3.
Juli 2020 ist weiter bei einem Pensum von 60
%
(25,5/42,5 x 100)
von einer Leistungsfähigkeit von
rund
45 % auszugehen (
Urk.
7/136 S. 6); in diesem Sinne
äusserte
sich auch
Dr.
C._
(vgl. E. 3.2). Eine Auseinandersetzung mit den genannten Akten fehlt im Rahmen der RAD-Stel
lung
nahme, sodass darauf nicht abgestellt werden kann.
4.3
Bezüglich de
r
Angaben von
Dr.
C._
ist anzumerken, dass i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arzt
personen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hin
zuweisen
ist
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Insbesondere zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit erscheinen deshalb weitere Abklärung nötig.
Zweifellos unzulässig erscheint es bei der vorliegenden Aktenlage, von einer gegenüber 2012 unveränderten Aktenlage auszugehen. So leidet die Beschwerdeführerin neu auch an objektivierten Schulter- und LWS-Beschwerden; zudem ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei
der
Spondyloarth
ritis
um ein chronisch-progredientes Leiden handelt.
4.4
Insgesamt erscheint es vorliegend unumgänglich, die Sache zur polydisziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach Ermittlung des konkreten Anforde
rungsprofils
für
eine angepasste
Tätigkeit wird
je nach deren Ausgang
auch die Haushaltsabklärung einer kritischen Prüfung zu unterziehen sein, da diese zuweilen an die – allenfalls nicht mehr zumutbare – Leistungs
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit anknüpft (vgl. etwas
Urk.
7/137 S. 6).
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
1'7
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.