Decision ID: 37454d4a-c4f6-4c5f-ae66-385f847e22da
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene
X._
war als arbeitslose Person bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 1
7.
Februar 2011 erlitt er einen Verkehrsunfall und zog sich dabei eine AC-Gelenksluxation links sowie eine Kontusion der Hals- und der Brustwirbelsäule zu
(
Urk.
13/11
)
. Die Suva erbrachte in der Folge Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen
und stellte diese
vorerst
mit Mitteilung vom
7.
März 2012 per
1.
April
2012 (
Urk.
13/
99
)
und nach weiteren Abklärungen mit Verfügung vom 2
3.
April 2013 (
Urk.
13/154) per 3
0.
April 2013 ein
unter Hinweis auf eine vollständige Arbeitsfähigkeit seit
1.
April 201
3.
Die dag
egen erhobene Einsprache
(
Urk.
13/159)
hiess die Suva
mit Entscheid vom 2
7.
Juni 2013 (
Urk.
13/164) in dem Sinne
teilweise gut
,
als sie die
Taggeldleist
ungen per 3
0.
April 2013
terminierte
. Die dagegen erhobene Be
schwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom
9.
Oktober 20
14 (Urteil UV.2013.00194,
Urk.
13/187
) ab.
Am
7.
Oktober 2017 erlitt der Versicherte einen
weiteren
Verkehrsunfall. Die erst
behandelnde Ärztin,
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin FMH
, stellte am 11.
Oktober 2017 (
Urk.
12/9
) eine Distorsion der Halswirbelsäule sowie eine Schulterkontusion links fest.
Die Suva erbrach
te die gesetzlichen Leis
tungen in Form von Taggeld und Heilbehandlung
.
Nach
eingeholten
medizinischen
Unterlagen
und bildgebenden Abklärungen
schlo
ss die Suva mit Verfügung vom 1
3.
Juni 2018 den Fall per 2
0.
Juni 2018 ab und stellte ihre Leistungen ein.
Einen Anspruch auf weitere Versiche
rungsleis
tungen verneinte sie mit der Begründung, die heute noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar und nach Prüfung der massge
benden Kriterien sei die Adäquanz zu verneinen (
Urk.
12/62
).
Die vom Ver
sicher
ten gegen den Entscheid
erhobenen Einsprachen vom 1
3.
Juli 2018 (
Urk.
12/68
) und 18. September 2018 (
Urk.
12/75
) wies die Suva
mit Einspracheentscheid vom 21.
Januar 2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
1.
Februar 2019 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen
auszurichten, insbesondere seien weiterhin Taggelder auszurichten und die Heilbehandlungskosten zu übernehmen. Eventualiter sei eine Begutach
tung anzuordnen
(S. 2)
.
Am 2
5.
Februar 2019 (
Urk.
6) reichte er zwei medizi
nische Berichte ein (
Urk.
7/1-2). Die Suva beantragte am 2
9.
März 2019 (
Urk.
11) die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom
6.
Juni 2019 (Urk. 17) und Duplik vom 1
8.
Juli 2019 (
Urk.
20) hielten die Parteien an
den gestellten Anträgen
fest,
was ihnen
mit
Verfügung vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
18) und 2
2.
Juli 2019 (
Urk.
21) jeweils zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzu
sammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschrei
bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforder
lich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, De
pression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausalzu
sammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- be
ziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesund
heit
liche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzu
führen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausal
zu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herange
zogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trau
ma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.5
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
che
n Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cher
ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V
109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von
weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger
therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem
Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nos
tisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, ins
be
son
dere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezem
ber 2014 E. 3).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Einspracheentscheid vom 21. Januar 2019 (Urk. 2) im Wesentlichen, dass
die vom Beschwerdeführer ge
klagten Schulterbeschwerden links
vorbestehend und
nicht auf das Unfallereig
nis vom
7.
Oktober
2017 zurückzuführen, sondern degenerativer Natur seien
(S. 8)
. Die
Nackenb
eschwerden würden nicht auf einem objektivierbaren organischen Substrat beruhen, welches bei diesem
Unfall gesetzt worden wäre, und
in Anwen
dung der Schleudertrauma-Praxis (S. 10) sei – ausgehend von einem mittelschwe
ren Unfall im Grenzbereich zu leichten Unfällen – die Adäquanz zu verneinen; insbesondere sei keines der Adäquanzkriterien erfüllt (S. 14 f.)
. Da von einer Fortsetzung der physiotherapeutischen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten gewesen sei, sei die Suva befugt gewesen, den adäquaten Kausalzusammenhang im Zeitpunkt der kreisärztlichen Beurteilung vom 1
3.
Juni 2018 zu prüfen (S. 13).
Daran ändere auch der Hinweis des Beschwerdeführers nichts, wonach nach unfallmedizinischer Erfahrung eine unfallbedingte Wirbelsäulenverletzung ohne Hervorrufen organisch-struktureller Läsionen an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätes
tens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten sei, denn die Suva habe ihre Leistungen über acht Monate nach dem Unfallereignis eingestellt, wo
mit sie auch diese Frist klar eingehalten habe (S. 15).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
11) ergänzte sie, dass hinsichtlich der linken Schulter der Beschwerdeführer beweispflichtig sei für
das Bestehen einer
Kausalität
, da diese gar nie geprüft worden sei,
und nicht erstellt sei, dass
an der linken Schulter eine schädigende
Einwirkung erfolgt sei. Infolgedessen sei der natürliche Kausalzusammenhang insbesondere in Bezug auf die adhäsive
Kapsulitis
zu verneinen (S. 5 f.).
Die diag
nostizierte chronische Schmerzstörung habe sodann bereits vor dem Unfall vor
gelegen, die Adäquanzprüfung habe in Anwendung der Psycho-Praxis zu erfol
gen und sei ausgehend von einem leichten Unfall bereits von vornherein zu ver
neinen (S. 9).
Daran hielt sie mit Duplik
(
Urk.
20)
fest.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Beschwerdegegnerin habe nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit dargetan, dass die Schulterbeschwerden links
und insbesondere die adhäsive
Kapsulitis
bereits vor dem Unfall vom
7.
Oktober 2017 in einer derart ausgeprägten Weise vorgelegen hätten
, der Status quo sine erreicht sei
und kein
natürlicher
Kausalzusammenhang (mehr) bestehe (S. 10 f.).
Es liege mindestens eine Teilkausalität zwischen dem Unfall und den heute noch beste
henden Beeinträchtigungen vor, weshalb die Beschwerdegegnerin nach wie vor leistungspflichtig sei
(S. 12)
.
Hinsichtlich der physischen sowie der psychischen
Schleudertraumabeschwerden
stehe er nach wie vor in Behandlung. Dadurch sei mit einer Besserung der Beschwerden zu rechnen und eine positive Wirkung auf die
noch eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Die Beschwerdegegnerin sei daher nicht berechtigt
gewesen
,
den Fall abzuschliessen (S. 13).
Insgesamt seien drei Adäquanzkriterien erfüllt, was bei einem schweren Unfall im mittleren Bereich für die Bejahung der Adäquanz genüge (S. 15).
Zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sei zudem eventualiter eine Begutachtung anzu
ordnen. Eine Begutachtung sei auch dann anzuordnen, wenn die Beschwerden, welche aus einem Schleudertraum
a
herrühren, länger als ein halbes Jahr an
dauern würden (S. 16).
Mit Replik (
Urk.
17) führte der Beschwerdeführer aus, es
sei durch den Druck des Sicherheitsgurtes zu einer Schulterkontusion und da
durch
zur Verschlechterung des vorgeschädigten Schultergelenks gekommen
, und der Sachverhalt erweise sich bezüglich der adhäsiven
Kapsulitis
als unzureichend ab
geklärt (S. 3 ff.). Angesichts der im Vordergrund stehenden
Schleudertraumabe
schwerden
sei die Psychopraxis nicht anwendbar, ferner sei der Unfall nicht als leicht einzustufen (S. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht hin
sichtlich des Unfalls vom 7. Oktober 2017 gestützt auf die vorhandene medizi
nische Aktenlage und unter Ablehnung weiterer Dauerleistungen zu Recht per 20. Juni 2018 eingestellt hat oder ob weitere Abklärungen zur Frage der Unfall
kausalität der Restbeschwerden notwendig sind.
3.
3.1
Im
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
einem
kranio
-zervikale
n
Be
schleunigungstrauma
hielt
Dr.
med
Y._
am
1
1.
Oktober 2017
fest
(
Urk.
12/9)
,
der Beschwerdeführer
habe
zum Beschwerdeverlauf
seit dem Unfall
zeitpunkt
Nackenschmerzen und Schmerzen in der linken Schulter angegeben (Punkt 4).
Als Befunde bei der Halswirbelsäule erhob sie anlässlich ihrer Untersuchung einen Druck- und einen Stauchungsschmerz ohne Ausstrahlung, keine weiteren Schmerzen sowie Kribbelparästhesien im Arm und der linken Hand (Punkt 6).
Als Diagnose in Anlehnung an die Quebec Task Force (QTF)-Klassifikation gab
Dr.
Y._
den Grad II an (Punkt 7).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie FMH, diagnostizierte in seinem Bericht
vom 8. November 2017
zuhanden des Hausarztes
Dr.
med.
A._
(
Urk.
12/13) ein post
traumatisches, cervico-cephales Schmerzsyndrom bei Status nach Beschleu
ni
gungstrauma der Halswirbelsäule am
7.
Oktober 2017
(S. 1)
. Als relevante Befunde nannte er eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der Halswir
bel
säule, mit
palpatorisch
verdickter und
druckdolenter
Nacken- und Schulter
mus
kulatur
. Bei einem normalen neurologischen Status sei eine Verletzung am Nervensystem nicht anzunehmen.
Es bestehe ein Status nach Schulter- und Kopfprellungen links aufgrund des Unfalls vom 1
7.
Februar 2011 bei bis anfangs 2012 andauernden Beschwerden.
Vor dem Unfall sei der Beschwerdeführer seit 2012 beschwerdefrei gewesen.
Er empfahl zudem die
unveränderte
Fortführung der Physiotherapie, da diese bis anhin etwas geholfen habe
(S. 2)
.
3.3
Anlässlich des Gesprächs mit einer Aussendienstmitarbeiterin der Beschwerde
gegnerin vom 4. Dezember 2017 (Urk. 12/20) schil
derte der Beschwerdeführer unter anderem den Unfallhergang vom 7. Oktober 2017 und erklärte dabei, die Nacken- und Schulterschmerzen links seien innerhalb einer Stunde nach dem Unfall aufgetaucht. Er habe zudem Kribbelparästhesien in der linken Hand gespürt und der linke Arm habe von der Schulter bis in den Ellbogen geschmerzt (S. 3). Die Schulterbeschwerden links seien nach dem Unfall im Jahr 2011 abge
heilt und nach dem aktuellen Unfall wieder aufgetreten, jedoch stärker als zuvor (S. 4).
3.
4
Das am 1
4.
Dezember 2017 am Stadtspital
B._
durchgeführte Schädel-CT (Urk. 12/32)
zeigte
eine leichtgradig
infratentoriell
und
parietookzipital
akzen
tuierte Hirnvolumenminderung. Anhaltspunkte für frische traumatische Läsionen
ossär
oder eine intrakranielle Blutung
seien nicht
festgestellt worden. Als Indi
kation für das CT wurde ein Status nach
Sturz auf den Hinterkopf am 9.
Dezember 2017, zunehmende okzipitale Schmerzen und Schwindel festgehalten.
3.5
Im unfallanalytischen Gutachten vom 2
2.
Dezember 2017 (
Urk.
12/31)
wurde fest
gehalten, dass die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung
(Delta-v-Wert)
des Fahrzeugs des Beschwerdeführers zwischen 4.5 und 7.5 km/h bezie
hungs
weise etwas tiefer (bis zu 2 km/h) gewesen sei. Es könne also von einem Mittelwert von ca. 6 km/h ausgegangen werden
(S. 1 und 11).
Der Beschwer
deführer und die übrigen Mitfahrer hätten sich infolge der Kollision in einem Winkel von ca. 0°
zur Fahrzeuglängsachse
etwas nach hinten bewegt (S. 1
4
).
Bei der Kollision habe eine mittlere Besc
hleunigung zwischen 0.9 und 2.1
g gewirkt. Dies sei etwa vergleichbar mit dem 1- bis 2.5-fachen Wert, der bei einer Voll
bremsung erzielt werde (S. 16).
3.6
Dr.
med
.
C._
, Fachärztin für Rechtsmedizin,
Dr.
sc. techn.
D._
, Privatdo
zent für Trauma-Biomechanik und Biomechanik von Sportverletzungen
F._
,
sowie
Dr.
sc. techn.
G._
, Dipl.-Ing. ETH und Dozent für Trauma-Bio
mechanik
F._
, hielten in ihrer biomechanischen Kurzbeurteilung (Triage) vom 2
0.
Februar 2018 (
Urk.
12/41) fest,
dass im Zuge der Heckkollision das Fahr
zeug des Beschwerdeführers eine Geschwindigkeitsänderung unterhalb des Berei
ches von 10-15 km/h erfahren habe. Der nicht auf das Ereignis gefasste, aufrecht sitzende Beschwerdeführer habe sich dadurch relativ zu seinem Fahrzeug gerade nach hinten bewegt, wobei er eventuell einen Anprall des Kopfes an der korrekt eingestellten Kopfstütze erlitten habe.
Der Bereich für die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v), innerhalb welchem nach Heckkollisionen der kritische Wert für nicht unerhebliche HWS-Beschwerden anzunehmen sei, liege für
das angestossene Fahrzeug im Normalfall zwischen 10 und 15 km/h. Es sei im individuellen Fall abzuklären, ob Abweichungen vom Normalfall vorl
ä
gen beziehungsweise diese Abweichungen biomechanisch relevant seien. Als mögli
cherweise biomechanisch relevante Besonderheit seien die aufgeführten früheren bereits ausgeheilten Beschwerden (Nacken- und Schulterbeschwerde
n
) infolge früherer Unfälle (2011 Tramunfall, 2012 Treppensturz) zu diskutieren. Aufgrund der grossen zeitlichen Distanz zum aktuellen Ereignis sei nicht von einer rele
vanten Abweichung vom Normalfall auszugehen. Aus biomechanischer Sicht ergebe sich
aufgrund der technischen Bewertung und der medizinischen Unter
lagen, dass die anschliessend an das Ereignis beim Beschwerdeführer festge
stellten von der Halswirbelsäule ausgehenden Beschwerden und Befunde isoliert
durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall, wie im hier vorliegenden Fall, nicht
erklärbar seien
(S. 4).
3.7
Dr.
med. univ.
H._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Reha
bili
tation FMH, beide von der Rehaklinik
J._
, hielten
in
ihrem Bericht vom
2
6.
Februar 2018
über das ambulante Assessment
(
Urk.
12/44) folgende Diag
nosen
fest (S. 1):
-
Unfall vom
7.
Oktober 2017: Personenwagen-Heckaufprall
-
HWS-Distorsion QTF II
-
Schulterkontusion links
-
Diabetes mellitus Typ II insulinpflichtig
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad I
Als aktuelle Probleme
nannten die Ärzte
insbesondere die Bewegungsein
schrän
kung der Halswirbelsäule und Nackenschmerzen links, nach
occipital
und bis zum Ellbogen ausstrahlend,
sowie
Schmerzen und
eine
Bewegungseinschränkung der linken
Schulter
und
hielten fest, e
s sei insgesamt eine mässige Symptom
auswei
tung beobachtet worden (S. 3).
3.8
Dr.
med.
K._
, Facharzt Radiologie FMH,
gab in seinem Bericht zur
MR-Arthographie
links vom 18. April 2018 (Untersuchung datiert vom gleichen Tag;
Urk.
12/50) folgende Beurteilung ab:
-
Verglichen mit der MR Voruntersuchung der linken Schulter vom 23. März 2012 progrediente Zeichen einer adhäsiven
Kapsulitis
bei erschwerter intraartikulärer Kontrastmittelapplikation, verminderter
Dis
ten
sion
des
Recessus
axillar, Verdickung der Gelenkskapsel im
Recessus
und Verdickung des
coracohumeralen
Ligamentes
-
Etwas progrediente AC-Gelenksarthrose. Stationäre diskrete Bursitis
suba
cromialis
und stationäre
Insertionstendinopathie
der Supraspinatussehne mit Oberflächen-Irregularitäten
bursaseitig
als auch gelenkseitig bei insgesamt intakter
Rotatorenmanschette
3.9
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Radiologie FMH, führte in seinem Bericht vom 31. Mai 2018 (
Urk.
12/59) zum durchgeführten MRI der Halswirbelsäule aus, es sei
en
keine Wirbelkörperhöhenverminderung, kein Knochenmarksödem und keine interspinale Weichteilalteration festgestellt worden.
Er stellte
degenerative Veränderung
en
in den Segmenten C2/3 bis C4/5, in C2/3 Facettengelenks
arthro
sen rechtsbetont mit
foraminaler
Enge für C3 rechts, in
C3/4 eine diskrete mediane
Bandscheibenverwölbung
,
Retrospondylophyten
und Facettengelenks
arthro
sen
mit
foraminaler
Enge für C4 beidseits, in C4/5 rechtsbetonte Facetten
gelenksarthrosen sowie eine beginnende Einengung des
Neuroforamens
für C5 rechts fest.
3.10
Med. pract.
M._
, beraten
der Arzt der Beschwerdegegnerin
,
hielt
in seiner Aktenbeurteilung vom 1
3.
Juni 2018 (
Urk.
12/61) fest
(S. 2)
, es würden
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
keine strukturell objektivierbaren Folgen des Un
falls vom
7.
Oktober 2017 vorliegen. Sowohl an der Schulter als auch an der Halswirbelsäule
bestünden
Vorzustände im Sinne degenerativer Veränderungen.
Mit einer weiteren Behandlung der Unfallfolgen könne mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden.
Beim
Untersuchungsergebnis
habe es sich um eine Distorsion sowohl der Schulter als auch der Halswirbelsäule gehandelt. Solche vorübergehenden, aber nicht richtungsgebenden Veränderungen seien nach allgemeiner Lehrauffassung nach sechs Monaten ausgeheilt. Im vorliegenden Fall liege somit ab Ende April 2018 ein Status quo sine für beide Regionen vor, dann spiele das
Untersuchu
ngsergebnis
im weiteren Verlauf keine Rolle mehr.
Die Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers werde als gut beurteilt. Der Beschwerdeführer sei bezüglich Unfallfolgen ab sofort vollzeitig und ohne Einschränkungen einsetzbar.
3.11
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates FMH, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, führte in seinem Be
rich
t vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
12/91) aus,
in der Zusammenschau der Bildge
bung ergebe sich au
s
der Bildgebung von 2011, 2012, 2013 und 2018 die nat
ür
liche Progredienz des Vorschadens, welcher vorübergehend verschlimmert
,
aber nicht
durch dokumentierte traumatische Läsionen richtungsgebend verschlimmert wor
den
sei. Der Status quo sine bezüglich der postulierten Distorsion des Schulter
gelenks links sei überwiegend wahrscheinlich bereits vor dem 1
8.
April 2018 erreicht
gewesen
, da zu diesem Zeitpunkt keine unfallkausalen Läsionen doku
mentiert seien. Jedoch könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der 1
8.
April 2018 als Datum für
den
Status quo sine in Bezug auf das linke Schultergelenk attestiert werden. Bei ebenfalls fehlenden bildgebend darstellbaren Läsionen unfallkausal im Bereich der Halswirbelsäule könne mit MRI-Befund der Hals
wirbelsäule vom 3
1.
Mai 2018 der Status quo sine in Bezug auf die geklagten Nackenbeschwerden attestiert werden. Zudem gab Dr.
N._
an, im Bereich des linken Schultergelenks habe das Ereignis zu einer vorübergehenden Verschlim
merung des Gesundheitszustandes an der linken Schulter geführt, wobei der Status quo sine mit dem 1
8.
April 2018
mit
überwiegend
er
Wahrscheinlich
keit
erreicht
worden
sei (S. 5).
3.12
Dr.
med. univ.
O._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, hielt in seinem Bericht vom 2
1.
Februar 2019 (Urk. 7/2) fest,
der Beschwerdeführer habe S
chulterschmerzen links und spür
e eine deutliche Bewegungseinschränkung (S. 1). Nach dem Unfall vom 17. Februar 2011 habe sich in der MRI Abklärung noch keine ACG Arthrose gezeigt. Am 13. März 2012 habe sich eine neu
aufgetretene ACG Arthrose gezeigt, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit posttraumatisch bedingt sei aufgrund der damals erlittenen AC Luxation
Tossy
I mit Kontusion des AC-Gelenkes. Am 1
8.
April 2018 sei
en
eine progrediente ACG Arthrose und eine adhäsive
Kapsulitis
erkenn
bar gewesen. Es würden somit immer noch Unfallfolgen des damaligen Unfalls
vom 1
7.
Februar 2011 vorliegen und es könne somit nicht von einer Krankheit ausgegangen werden. Durch den Unfall vom
7.
Oktober 2017 habe sich auch eine adhäsive
Kapsulitis
entwickelt
(S. 2
und 4
).
In
der
Stellungnahme zuhanden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 2
1.
Februar 2019 (
Urk.
7/1) führte
Dr.
O._
aus, die Kapselsteife sei auf den Unfall vom
7.
Oktober 2017 zurückzuführen. Bei einer Kapselsteife komme es zu einer pathologisch verdickten und entzündeten Gelenkskapsel des
g
lenohu
me
ralen
Gelenkes und zu einer Schrumpfung der Kapsel, sodass der Patient eine entsprechende Bewegungseinschränkung verspüre.
Im März 2013 hätten nur geringe Zeichen einer
Kapsulitis
vorgelegen, erst s
eit dem Unfall vom
7.
Oktober 2017 habe sich die Situation an der linken Schulter verschlechtert. Es sei daher von einer unfallbedingten Verschlimmerung einer vorbestehende
n
Kapsulitis
aus
zugehen
. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sei es durch die schmerzbedingte Immo
bilität kombiniert mit dem vorbestehenden Diabetes Mellitus zu dieser Ver
schlechterung gekommen
(S. 1). Bei einer Kapselsteife sei es schwieriger das Ge
lenk zu punktieren. Der Radiologe habe jedoch eindeutige Zeichen eine
r
Kapsel
steife beschrieben (S. 2).
Die vorgeschädigte HWS des Beschwerdeführers habe eine vorübergehende Verschlimmerung erfahren und benötige einfach noch Zeit zur Genesung (S. 3).
4.
Strittig und zu prüfen ist zunächst der Zeitpunkt des Fallabschlusses
, mithin die Frage, ob
am 2
0.
Juni 2018
von einer weiteren ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Steigerung der
unfallbedingt eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit zu erwarten
war
.
Bereits die erstbehandelnde Ärztin
Dr.
Y._
verordnete im Oktober 2017 eine aktive Physiotherapie (
Urk.
12/9
S. 4
), deren Fortführung
Dr.
Z._
im Novem
ber 2017 (E. 3.2) empfahl.
Im
Bericht der Rehaklinik
J._
vom 2
6.
Februar 2018 (
Urk.
12/44
) hielten die
zuständigen
Fachpersonen fest, dass die Häufigkeit und Dauer der bisherigen Therapie und der Anteil der Bewegungstherapie zu gering gewesen
sei
(S. 2)
. Sie empfahlen
eine intensivierte ambulante Therapie, zunächst zwei Mal wöchentlich Einzelphysiotherapie sowie zwei bis drei Mal wöchentlich eine medizinische Trainingstherapie
, mit dem Ziel,
längerfristig und sukzessive eine Steigerung der Belastbarkeit zur Verbesserung der allgemeinen Ausdauer und der berufsspezifischen Kraft- und Ausdauerkomponente
zu bewir
ken
.
Unter diesen Therapieempfehlungen gingen die Ärzte von einer raschen Steigerung der Arbeitsfähigkeit aus (S. 3).
Med. pract
.
M._
ging in seiner kreis
ärztlichen Beurteil
ung vom 1
3.
Juni 2018 (vgl. E. 3.10
hiervor)
vom Fehlen einer unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit aus und führte
aus, dass die unfallbedingten,
vorübergehenden Veränderungen an der Halswirbelsäule nach allgemeiner Lehr
auf
fassung nach sechs Monaten ausgeheilt sein sollten
und
ein Status quo sine ab Ende April 2018 erreicht sei.
Aus den Akten ergeben sich
ferner
keine Hinweise darauf,
ob
der Beschwerdeführer mit der von den Ärzten der Rehaklinik
J._
vorgeschlagenen Therapie begonnen hat oder erste Erfolge zu verzeichnen
waren
, und der
Beschwerdeführer
machte nicht
geltend, dass bis anhin eine namhafte Verbesserung der Beschwerden erreicht werden konnte. Erst
Dr.
O._
gab in seinem Bericht vom 2
1.
Februar 2019 (vgl. E. 3.12 hiervor) an, die HWS des Beschwerdeführers brauche weiterhin Zeit zur Genesung und er sei weiterhin zwei Mal pro Woche in Physiotherapie.
Zusammenfassend wurde
seit dem Unfallereignis im Oktober 2017
als Therapie
massnahme
einzig
Physiotherapie empfohlen
,
zuletzt im Februar 2018
, und
eine
rasche
Steigerung der Arbeitsfähigkeit
mittels intensivierter Physiotherapie
wurde
als möglich erachtet
. Im
Juni 2018
ging
der Kreisarzt
bezüglich Unfallfolgen
von einer voll
zeitig
en
und uneingeschränkten
Einsatzfähigkeit
des Beschwerdeführers
aus
.
Bei dieser Aktenlage war e
ine namhafte
B
esserung
nicht zu erwarten
, sodass
die Beschwerdegegnerin
den Fallabschluss zu Recht per 2
0.
Juni 2018
vornahm.
Daran ändert auch der Hinweis des Beschwerdeführers nichts, wonach
d
ie zeitliche Dauer, während welcher eine vorbestehende Wirbelsäulenerkran
kung durch einen Unfall - bei Fehlen unfallbedingter Wirbelkörperfrakturen oder struktureller Läsionen an der Wirbelsäule - im Sinne einer vorübergehenden Verschlimmerung beeinflusst wird, nach unfallmedizinischer Erfahrung sechs bis neun Monate, längstens jedoch ein Jahr
beträgt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_321/2010 vom 29. Juni
2010 E.
4.3 mit weiteren Hinweisen)
, denn die Beschwerdegegnerin ver
fügte den Fallabschluss über acht Monate nach dem Unfallereignis, was innerhalb des genannten zeitlichen Rahmens liegt.
Dem Fallabschluss standen sodann auch die
geltend gemachten psychischen Beschwerden (
Urk.
1 S. 12)
nicht entgegen, denn
laut Bericht des behandelnden Psychiaters vom 1
0.
Februar 2019 (
Urk.
3/5)
stand der Beschwerdeführer
diesbe
züglich bereits
seit dem 2
0.
August 2017
und damit schon
vor dem Unfall dort in Behandlung
(S. 1)
. Weder
wird im
Bericht bezogen auf den 2017
erlittenen Unfall e
ine Verschlechterung
der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung und der depressiven Störung
genannt
(S. 2 f.)
noch
wird aufgrund der verfolgten Therapie (S. 3) eine zu erwartende Steigerung der Arbeitsfähigkeit in Aussicht gestellt
.
5.
5.1
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden im Bereich der linken Schulter mit Ausstrahlung in den linken Arm auf das Unfallereignis vom
7.
Oktober 2017 zurückzuführen sind.
Dr.
med.
Y._
hielt fest, dass der Beschwerdeführer
anlässlich
der
Erstunter
suchung Schmerzen in der linken Schulter angab (E. 3.1) und die Ärzte der Reha
klinik
J._
diagnostizierten eine Schulterkontusion links
aufgrund des Un
falls
(E. 3.7).
Damit ist von
einer infolge des
Unfall
s
vom 1
7.
Oktober 2017
erlittenen
Schulterverletzung
auszugehen
.
Im Übrigen anerkannte d
ie Beschwer
degegnerin
ihre Leistungspflicht für den Unfall
mit Schreiben vom 2
5.
Oktober 2017 (
Urk.
12/4)
. Auch
wenn
eine
nähere Prüfung
sowie eine
Differenzierung zwischen
den Schulter- und Nackenbeschwerden
erst im
angefochtenen Ein
spracheentscheid
stattfand,
ist
damit
die Beschwerdegegnerin beweispflichtig für den Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs.
Auf die erst mit Beschwer
deantwort vorgebrachte Auffassung
, dass bezüglich der linken Schulter der Un
fallbegriff nicht erfüllt sei und ein natürlicher Kausalzusammenhang nie bestan
den habe
(
Urk.
11 S. 5
Ziff.
5.2)
, ist damit nicht weiter einzugehen
.
5.2
Aktenkundig
ist
ein
krankhafter Vorzustand der linken Schulter
(E. 3.8)
.
So wurden im MRI der Schulter links vom 1
3.
März 2012 (
Urk.
13/103) eine AC-Gelenksarthrose festgestellt sowie eine leichte Bursitis
subdeltoidea
, eine kleinste
bursaseitige
Partialruptur der Supraspinatussehne, eine feinste
SLAP
2-Läsion mit einem kleinen Labrumganglion.
Aus der MRI-Untersuchung vom 1
1.
März 2013 (Urk. 13/149)
gehen
sodann eine geringe AC-Arthrose, eine
Tendinopathie
der Subscapularissehne und der
Bizepssehne
sowie geringe Zeichen einer
Kapsulitis
adhäsiva
hervor
.
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publi
ziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits
scha
dens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sam
menhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfall
versicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Dr.
K._
stellte im Rahmen seines Berich
ts vom 1
8.
April 2018 (vgl. E. 3.8
hiervor) im Vergleich zur Voruntersuchung der linken Schulter vom 23. März 2012 progrediente Zeichen einer adhäsiven
Kapsulitis
bei erschwerter intraartiku
lärer Kontrastmittelapplikation, verminderter
Distension
des
Recessus
axillar, Verdickung der Gelenkskapsel im
Recessus
und Verdickung des
coracohumeralen
Ligamentes fest. Zudem diagnostizierte er eine etwas progrediente AC-Gelenks
arthrose, eine stationäre diskrete Bursitis
subacromialis
und stationäre
Insertion
stendinopathie
der Supraspinatussehne mit Oberflächen-Irregularitäten
bursasei
tig
als auch gelenkseitig bei insgesamt intakter
Rotatorenmanschette
.
Med. pract.
M._
ging
bei der Schulterdistorsion davon aus, dass es sich um eine vor
über
gehende, aber nicht richtungsgebende
V
eränderung handle, welche nach all
ge
mei
ner Lehrauffassung nach sechs Monaten ausgeheilt sei (E. 3.10).
Dr.
N._
ging
mangels an der Schulter dokumentierter unfallkausaler Läsionen
vom Fehlen einer richtungsgebenden Verschlimmerung
aus
. Vielmehr ergebe sich aus der Bildgebung 2011, 2012, 2013 und 2018
eine natürliche Progredienz des Vorschadens
, der vorübergehend verschlimmert worden sei.
Zudem
seien
keine Befunde bildgebend zur Darstellung gekommen, welche nicht bereits in den Jahren 2012 oder 2013 bekannt gewesen seien
, dies gelte namentlich für die vor
bestehende progrediente Gelenksarthrose
(vgl. E. 3.11 hiervor).
Zu prüfen ist, ob hinsichtlich der vorbestehenden
Gelenksarthrose
und
Kapsulitis
adhäsiva
(«
frozen
shoulder
», Schultersteife) der Status quo sine erreicht worden war.
O
b
es sich bei Letzterer um eine primäre, idiopathische Form handelt, welche häufig in Verbindung mit Diabetes
oder Schilddrüsenstörungen
auftritt,
oder
um eine sekundäre Form, welche unter anderem Folge einer Sehnenverletzung, Arth
r
os
e
oder
eines
Knochenbr
uchs
sein kann
(
Urk.
14)
, kann
dabei
offenbleiben.
Denn fest steht, dass die
bildgebend nachgewiesene
Gelenksarthrose und die Schultersteife schon in den Jahren 2012 und 2013 bestanden. Rund fünf bezie
hungsweise sechs Jahre später
lag
der gleiche Befund vor
, als neu
wurde
lediglich
ein progredienter Verlauf
vermerkt
.
Unter Berücksichtigung des weiteren Um
stands, dass an der Schulter im Zusammenhang mit dem vorliegend zu beurtei
lenden Unfall weder Brüche noch Läsionen dokumentiert
w
urden
, erscheint der kreisärztliche Schluss,
dass
eine allfällige Verschlechterung der Gelenksarthrose und der Schultersteife aufgrund des Unfalls jedenfalls nur vorübergehender Natur gewesen und der Status quo sine jedenfalls per
1
8.
April 2018
erreicht worden war, als überzeugend.
Damit
erscheint auf diesen Zeitpunkt hin das Dahinfallen
jeder kausalen Bedeutung überwiegend wahrscheinlich
, womit
offen bleiben
ka
nn, inwieweit der Unfall überhaupt zu einer Verschlechterung der Gelenksarthrose und der Schultersteife geführt hat und die Progredienz nicht vielmehr aus
schliesslich einem natürlichen Verlauf entspricht
.
6.
6.1
Unter den Parteien ist unbestritten, dass es in Bezug auf die Nackenbeschwerden an einem organischen Substrat fehlt.
Dies stimmt mit der Aktenlage überein:
So schloss
Dr.
Z._
in
seiner neurologische
n
Untersuchung vom
8.
November 2017 (E. 3.2 hiervor)
e
ine Verletzung am Nervensystem bei einem normalen neu
ro
logischen Status
aus
.
Auch
Dr.
L._
stellte aufgrund der
MRI-Unter
suchung vom 3
1.
Mai 2018 (E.
3.9 hiervor) an der Halswirbelsäule
lediglich
degenerative Veränderungen fest
und konnte insbesondere keine
Wirbelkörperhöhenverminderung,
k
ein Knochen
marksödem und
k
eine interspinale Weichteilalteration feststellen.
Med. pract.
M._
und
Dr.
N._
hielten in ihren kreisärztlichen Beurtei
lungen vom 1
3.
Juni 2018 (E. 3.10
h
iervor) und 1
7.
Janu
ar 2019 (E. 3.11
hiervor)
dies
bezüglich
fest, dass keine unfallbedingten organisch-strukturelle
n
Läsionen vor
liegen und an der Halswirbelsäule ein Vorzustand im Sinne degenerativer Verän
derungen besteh
t
.
Nach der Rechtsprechung kann von organisch objektiv ausgewiesenen Unfall
folgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit appara
tiven/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesge
richts 8C_123/2018 vom 1
8.
September 2019 E. 4.1.1 mit Hinweisen). In den auf
geführten medizinischen Abklärungen konnt
en lediglich degenerative Verände
rungen festgestellt werden. Weder die neurologische Untersuchung noch das MRI ergaben traumatisch
e
Verletzungen. Wie die Beschwerdegegnerin diesbezüglich richtig festgestellt hat, handelt es sich bei den noch geklagten Nacken
be
schwer
den höchstens noch um Beschwerden, welche zwar als organisch imponieren, weil sie klinisch fassbar sind, denen aber ein organisches Substrat im Sinne einer strukturellen Läsion fehlt. Es ist daher
vom Fehlen von
unfallkausalen, struktu
rellen Läsionen und Beschwerden in diesem Zusammenhang auszugehen.
6.2
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die geklagten Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom
7
.
Oktober 2017
stehen.
Ob dabei der adäquate Kausalzusammenhang nach den in BGE 115 V 133 ge
nannten Grundsätzen (sogenannte Psycho-Praxis) oder nach der vom Bundes
gericht mit BGE 117 V 359 begründeten und in BGE 134 V 109 präzisierten Recht
sprechung (sogenannte Schleudertraum
a- oder HWS-Praxis, vgl. dazu
E. 1.4
hie
r
vor) zu prüfen ist, kann offen bleiben, wenn die Adäquanz des Kausal
zusam
menhangs auch bei Anwendung der für die versicherte Person günstige
ren HWS-Praxis zu verneinen ist (vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
2012, S.
60).
Die Adäquanz ist nach der Schleudertrauma-Praxis
dabei
in jenem Zeitpunkt zu prüfen, in dem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung insgesamt
– so
wohl in Bezug auf somatische wie auf psychische Leiden -
keine namhafte Bes
serung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (134 V 109 E. 4.1 S. 113 f.)
, was vorliegend der Fall ist (vgl. E. 4)
.
7.
7.1
Bei der Adäquanzprüfung ist die Schwere des Unfalls aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE 134 V 109 E. 10.1). Aufgrund des Verkehrsunfall-Rapports
der Kantonspolizei Zürich (
Urk.
12/28
), dem un
fallanalytischen Gutachten (E. 3.5
hiervor) sowie der biomech
anischen Beurteilung (E. 3.6
hiervor) ist aktenkundig, dass
der Beschwer
deführer mit seinem Personenwagen auf der Autobahn auf dem Normalstreifen unterwegs war, als er aufgrund von Verkehrsstockungen abbremsen musste.
Der hinter ihm fahrende Lenke
r
konnte ebenfalls abbremsen, jedoch nicht auch die
da
hinter folgende Lenkerin. Diese prallte ins Heck des dem Beschwerdeführer folgenden Wagens, wodurch
dessen
Fahrzeug in das Heck des Wagens des Be
schwerdeführers geschoben wurde.
Durch die Kollision wurde das Heck des Be
schwerdeführers eingedrückt. Sowohl nach dem unfallanalytischen Gutachten als auch nach der biomechanischen Kurzbeurteilung dürfte die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung (delta-v) für das Fahrzeug des Beschwerdeführers zwi
schen 4.5 und 7.5 km/h
betragen
haben. Der Wert liegt damit unter der für Heck
kollisionen im Normalfall angenommenen Harmlosigkeitsgrenze von 10-15 km/h
. Gemäss dem von Dr.
Y._
ausgefüllten Beschleunigungstrauma-Dokumen
tationsbogen
(E. 3.1 hiervor)
verspürte der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall Nackenschmerzen, wobei später nach eigenen Angaben noch Schlaf
störungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, manchmal Schwindel sowie psychische Störungen
dazu
gekommen
seien
.
Der Beschwerdeführer war nach dem Unfall jedoch weder bewusstlos noch musste er erbrechen, auch wies er keine äusseren Verletzungen auf. Entsprechend der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 6.2, 8C_163/2009
vom 25. März
2009 E.
3.2, 8C_1020/2008 vom
8.
April
2009 E.
5.1 und 8C_714/2009 vom 1
4.
April 2010 E. 6.2) ist
höchstens
von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen auszugehen.
Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzube
zie
henden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mindestens vier der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009 E. 5).
7.2
7.2.1
Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Zur Be
jahung dieses Kriteriums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleu
dertrauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verletzung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beein
flussen können. Es kann sich dabei zum Beispiel um eine beim Unfall einge
nommene
spezielle Körperhaltung
und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln. Auch erhebliche
Verletzungen
, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (
BGE 134 V 109
E. 10.2.2).
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die «typischen» Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist. Dabei ist allerdings in der Regel vorausgesetzt, dass die versicherte Person aufgrund der Vorschädigung unmittel
bar vor dem Unfall mindestens
teilweise arbeitsunfähig
war (Urteil des Bundes
gerichts 8C_757/2013 vom
4.
März 2014 E. 4.3 mit Hinweisen, insbes. auf SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1).
Eine Verletzung besonderer Art ist nicht schon deshalb anzunehmen, weil die versicherte Person bereits in der Vergangenheit Autounfälle erlitten hat. Vielmehr rechtfertigt sich eine entsprechende Qualifikation der erlittenen Verletzungen nur bei Vorliegen einer erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule (Urteil des Bundes
gerichts 8C_682/2013 vom 14. Februar 2014 E. 11.1 mit Hinweis auf Urteil 8C_413/2008 E. 6.3.2).
Das MRI der HWS vom 3
1.
Mai 2018 ergab kei
ne Hinweise auf
ossäre
Läsionen.
Der
Beschwerdeführer wies auch keine äusseren Verletzungen auf. Auch sonst kann nicht von erheblichen Verletzungen oder einer besonderen Schwere der am Unfalltag geklagten Beschwerden gesprochen werden. Eine beim Unfall einge
nommene spezielle Körperhaltung und dadurch bewirkte Komplikationen sind
nicht auszumachen
, im Gegenteil bewegte sich der Beschwerdeführer gerade nach hinten (E. 3.6)
.
Der
im Zeitpunkt de
s
Unfalls arbeitslose
Beschwerdeführer
hatte
zwar bereits vor dem Unfall vom
7.
Oktober 2017 mehrere Unfälle
erlitten
, doch
ist bei den
festgestellten degenerativen Beschwerden an der Wirbelsäule
nicht von einer
erhebliche
n
Vorschädigung
auszugehen
und auch
der Beschwerde
führer selbst
gab
an, vor dem Unfall am
7.
Oktober 2017 beschwerdefrei gewesen zu sein
(E. 3.4
hiervor).
Das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung ist damit zu verneinen.
Selbst wenn eine erhebliche Vor
schädigung vorhanden und das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen zu bejahen wären, so beständen jedenfalls keine Anhalts
punkte dafür, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre.
7.2.2
Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bis zum Fallabschluss (
BGE 134 V 109
E. 10.2.3) bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Ge
sundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer.
Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen sowie
manualtherapeutische
und medikamentöse Behandlungen vermögen das Krite
rium nicht zu erfüllen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013 E. 8.3
). Dies gilt auch für ärztlich/physiotherapeutische Behandlungen, medizinische Trainingstherapie sowie für einen stationären Aufenthalt in einer Rehaklinik, soweit sich die Behandlungen in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang bewegen. Insbesondere können Behandlungen mit Massage, Heimgymnastik, Atlastherapie,
Kraniosakraltherapie
, Neuraltherapie sowie
Korti
son
infiltration
oder Lymphdrainage nicht als überdurchschnittlich belastend im Sinne der Rechtsprechung bezeichnet werden; praxisgemäss werden an dieses Kriterium deutlich höhere Anforderungen gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2013 vom 9. April 2014 E.
4.4.3
mit Hinweis auf Urteil 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4
).
Daran ändert auch nichts, wenn Schmerzmittel verab
reicht oder Psychopharmaka eingenommen wurden und letztere allenfalls Neben
wirkungen aufwiesen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Okto
ber
2013 E.
7.3.2 und
8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3).
Einzig aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerden seit dem Unfall bei verschiedenen Fachpersonen zu lindern versuchte,
resultiert noch keine erhebliche Belastung im Sinne der Rechtsprechung, zumal eine Be
handlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS respektive äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_402/2007 vom 23. April 2008 E. 5.2.3
). Ein unfa
ll
be
dingter Behandlungsbedarf über den
2
0.
Juni 2018
hinaus, welcher zu einer
zusätzlichen Belastung führen könnte, ist zudem - wie bereits dargelegt - nicht erstellt. Das Kriterium der fortgesetzten s
pezifischen, belastenden ärztli
chen Be
handlung ist damit nicht erfüllt.
7.2.3
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fall
abschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.2
mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 10.2.4).
Der Beschwerdeführer leidet unter anderem an Nacken-, Schulter- und Kopf
schmerzen und hat Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Er ist demnach in seinem Lebensalltag eingeschränkt. Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist damit grundsätzlich zu bejahen. Die Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen übliche Mass jedoch nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom 3
0.
August 2010 E. 5.3.2 mit weiterem
Hinweis).
7.2.4
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der blossen Dauer der ärztlichen Behand
lung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf vielmehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt hierfür nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Ebenso wenig genügt der Umstand, dass die versicherte Person unter verschieden
artigen Symptomen leidet, die sich im Rahmen umfassender medizi
nischer Unter
suchungen keinem organisch nachweisbaren Substrat zuordnen lassen, handelt es sich dabei doch gerade um ein für eine Schleudertrauma-Verletzung charak
teristisches Phänomen (vgl.
BGE 117 V 359 E. 4b
). Auch eine
Schmerzchroni
fizierung
oder eine psychische Überlagerung reichen dazu nicht aus, weil sie zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören (Urteil des Bundesge
richts
U 365/05 vom 11. Juli 2007
E. 5.2).
B
esondere
Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben, sind vorliegend keine auszumachen. Dass der Beschwer
deführer bei mehreren Fachpersonen in Behandlung war, ändert daran nichts. Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist das Kriterium des schwie
rigen Heilungsverlaufs oder der erheblichen Komplikationen damit zu verneinen.
7.2.5
Was das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener An
strengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher mass
gebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstren
gungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkenn
bar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmöglichst
wieder optimal in den
Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person kö
n
nen sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persön
li
cher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.7.1 mit Hinweis
auf
BGE 134 V 109
E. 10.2.7; vgl. auch
Urteil 8C_635/2013 vom
9.
April 2014 E. 4.4.5
).
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstren
gun
gen bis zum Fallabschluss bezieht sich nicht nur auf den angestammten Beruf, sondern auch auf alternative leidensangepasste Arbeiten (Urteil des Bundesge
richts
8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.7 mit Hinweis auf BGE 134 V
109
E. 10.2.7).
Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer irgendwelche Anstrengungen unternommen hat oder bis zum Fallabschluss einen Arbeitsver
such gestartet hätte. Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz aus
gewiesener Anstrengungen ist damit nicht erfüllt.
7.2.6
Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Kriterien der
besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls oder der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, erfüllt sein könnten, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
7.3
Von den sieben relevanten Kriterien
ist
demnach höchstens
eines
und dieses
in nicht beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genügt beim gegebenen Schwere
grad des Unfalls nicht
für die Bejahung der Adäquanz.
7.
4
Die vom Beschwerdeführer weiterhin beklagten Gesundheitsstörungen stehen damit
in keinem
adäquaten Kausalzusammenhang
zum Verkehrsunfall vom 7. Oktober 201
7.
Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, kann unter diesen Umständen
offen gelassen
werden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_571/2015 vom 14. Oktober 2015 E. 2.2.5). Es ist deshalb nicht zu bean
stan
den, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen hinsichtlich der HWS-Be
schwerden per 20. Juni 2018 einstellte.
8.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.