Decision ID: bc3ad08e-f2f8-59a0-ade4-ba7acb017ffd
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 18. November 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und wurde am 30. Dezember 2020 im Rahmen der Anhörung
nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) und am 10. März 2021 im Rahmen der er-
gänzenden Anhörung im erweiterten Verfahren zu seinen persönlichen
Verhältnissen, zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt.
Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er aus, er sei eritreischer
Staatsbürger und im Dorf B._, Provinz Debub, geboren und aufge-
wachsen. Bis zur Ausreise aus Eritrea habe er dort mit seiner Mutter und
den fünf Geschwistern zusammengewohnt. Nach dem Weggang seines
Vaters habe er als Ältester der Familie die Verantwortung für diese über-
nehmen müssen. So habe er seine Mutter etwa bei der Feldarbeit unter-
stützen müssen. Wegen dieser Umstände habe er oft die Schule versäumt
und sei aufgrund der daraus folgenden Fehlzeiten im Jahr (...) von der
Schule verwiesen worden.
Nachdem er die Schule abgebrochen habe, sei eines Tages ein Mitarbeiter
der Verwaltung zu ihm nachhause gekommen und habe seiner Mutter eine
Vorladung für den Einzug in den Militärdienst überbracht, welche an ihn
gerichtet gewesen sei. Nachdem seine Mutter ihn vom Erhalt der Vorla-
dung in Kenntnis gesetzt habe, habe er, da er nicht in den Militärdienst
habe gehen wollen, sich – ohne die Mutter oder seine Geschwister zu in-
formieren – einer Gruppe von Dorfbewohnern, die ihr Vieh nach C._
hätten bringen wollen, angeschlossen und sei mit ihnen mitgegangen.
Nach fünf Tagen Fussmarsch habe er C._ erreicht, von wo er zu-
sammen mit einem anderen Mann illegal aus Eritrea ausgereist sei. Innert
zwei Tagen sei er nach Äthiopien gelangt, wo er zunächst ins Auffanglager
D._ gekommen sei. Zwei Monate später sei seine Mutter, zusam-
men mit seinen Geschwistern, ebenfalls nach Äthiopien ausgereist, wo er
sie per Zufall im Flüchtlingslager wiedergetroffen habe. Anschliessend
seien sie zusammen nach E._ gereist. Seine Familie sei via Fami-
liennachzug in die Schweiz gereist, er habe aber aufgrund seiner Volljäh-
rigkeit nicht in den Familiennachzug miteingebunden werden können.
Nach der Ausreise der Mutter und der Geschwister aus Äthiopien habe der
Vater für seine Beherbergung eine äthiopische Frau organisiert. Trotzdem
habe er mit der Zeit, aufgrund der Trennung von seiner Familie, psychische
Probleme bekommen. Daher habe er ein Gesuch um Erteilung eines hu-
manitären Visums zwecks Einreise in die Schweiz gestellt. Dieses sei nach
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anfänglicher Abweisung am 10. September 2020 gutgeheissen worden
und so sei er am (...) November 2020 in die Schweiz eingereist.
A.b Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente oder Be-
weismittel zu den Akten. Den Taufschein hatte seine Mutter anlässlich ihrer
eigenen Einreise in die Schweiz eingereicht.
B.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegwei-
sung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme auf.
C.
C.a Mit Eingabe vom 9. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter
sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig festzustellen und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen, subeventualiter seien die Akten der Vorinstanz zur
neuen Entscheidung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit
Eingabe vom 1. Juli 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwer-
deschrift.
C.b Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil E-
2698/2021 vom 4. August 2021 gut, hob die angefochtene Verfügung auf
und wies die Sache zur Abklärung des Sachverhalts im Sinne der Erwä-
gungen und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück.
C.c Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 16. August 2021 fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug
der Wegweisung schob sie wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vor-
läufigen Aufnahme auf. Der Kanton F._ werde mit der Umsetzung
der vorläufigen Aufnahme beauftragt. Zudem stellte die Vorinstanz fest,
dass dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis ausgehändigt worden sind.
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C.d Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 16. September 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft sei anzuerkennen, eventualiter sei der Wegweisungsvoll-
zug als unzulässig festzustellen und die vorläufige Aufnahme sei anzuord-
nen, subeventualiter seien die Akten der Vorinstanz zur neuen Entschei-
dung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-
gen.
C.e Der Beschwerde wurde eine gültige Vollmacht beigelegt.
D.
Dem Vater des Beschwerdeführers wurde mit Verfügung vom (...) 2016 in
der Schweiz Asyl gewährt. Seine Mutter und seine fünf Schwestern wurden
mit Verfügung des SEM vom (...) 2018 gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG als
Flüchtlinge anerkannt und es wurde ihnen Asyl gewährt. Die Verfahrens-
akten der Familienangehörigen (N [...]) wurden im vorliegenden Beschwer-
deverfahren beigezogen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist, unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung, einzutreten.
1.3 An der Beurteilung des Rechtsbegehrens 4, der Feststellung der Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, besteht kein schutzwürdiges Inte-
resse, da die Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugs-
hindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Auf das
Rechtsbegehren 4 ist daher nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft und der Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug
ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen
hat (vgl. auch E. 1.3).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1
6.1.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung insbesondere aus,
der Beschwerdeführer habe bereits zu Beginn der Anhörung und noch vor
der freien Schilderung der Ausreisegründe angegeben, dass seine Mutter
die Vorladung von der Verwaltung erhalten habe. Aus Angst vor dem Ein-
zug in den Militärdienst und das damit verbundene Tragen einer Waffe
habe er sich versteckt und sogar im Wald übernachtet. Er habe sich sodann
zur Ausreise entschieden, ohne aber die Mutter über diese Absicht zu in-
formieren.
6.1.2 Im Verlaufe der Anhörung sei der Beschwerdeführer aufgefordert
worden, sich präzise und detailliert zu den Ausreisegründen zu äussern.
Trotzdem habe er lediglich in äusserst knapper Darlegung erklärt, dass er
sich nach dem Erhalt der an ihn gerichteten Vorladung zur Ausreise ent-
schieden habe. Auf Nachfrage hin habe er präzisiert, dass die Vorladung
nicht an ihn persönlich, sondern an seine Mutter gerichtet gewesen sei,
wobei diese Aussage im Widerspruch zu einer seiner früheren Aussagen
stehe (Akten der Vorinstanz A22/F36, A22/F48-49).
Hinsichtlich des Inhalts der Vorladung sei seine Mutter gebeten worden,
sich nach G._ zu begeben, wo ihr ein Datum mitgeteilt worden sei,
an welchem sie den Beschwerdeführer den Behörden abzuliefern habe. In
einer späteren Aussage habe er erwähnt, dass unmittelbar in der Vorla-
dung ein solches Datum erwähnt worden sei. Den Gang der Mutter nach
G._ sei dann auch nicht mehr Inhalt der späteren Aussage gewe-
sen.
Der Beschwerdeführer habe im Weiteren nicht nachvollziehbar erklären
können, weshalb die Vorladung der Mutter und nicht ihm persönlich – er
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sei zu diesem Zeitpunkt volljährig gewesen – zugestellt worden sei. Seine
Erklärung, die Mutter sei «Chefin des Hauses» gewesen, überzeuge nicht,
zumal er angegeben habe, dass er nach der Ausreise seines Vaters die
Verantwortung für die ganze Familie übernommen habe. Ebenfalls werfe
der Zeitpunkt der Ausreise, welche nur einen Tag nach dem Erhalt der Vor-
ladung stattgefunden habe, Fragen auf. Der Beschwerdeführer habe ein-
mal erklärt, er habe Angst bekommen und sei daher unverzüglich ausge-
reist, ein anderes Mal habe er gesagt, dass er die Vorladung nicht akzep-
tieren könne, und ein weiteres Mal habe er auf eine entsprechende Frage
lediglich geantwortet, er sei ausgereist, ohne der Mutter Bescheid zu ge-
ben. Diese überwiegend gefühls- und bezugslosen Antworten seien er-
staunlich. Auch sei es wenig nachvollziehbar, dass er die Mutter über die
geplante Ausreise nicht informiert habe, weil er Angst davor gehabt habe,
dass diese ihm die Ausreise nicht gestattet hätte.
Sodann habe die Aussage erstaunt, er habe keine Kenntnis vom Inhalt der
Vorladung erlangt, es aber offensichtlich gewesen sei, dass es sich um
eine Aufforderung zum Militärdienst gehandelt habe. Der Beschwerdefüh-
rer habe ausgesagt, er habe das Schreiben gar nicht selber gesehen, somit
könne er sich auch zum Inhalt nicht äussern, wobei er später ausgeführt
habe, dass das Schreiben aussen von Hand beschriftet worden sei. Das
Desinteresse an diesem Schreiben und der Umstand, dass der Beschwer-
deführer das Schreiben von aussen gesehen habe, erstaune.
Die Antworten zum Schulabbruch seien persönlicher und detaillierter aus-
gefallen. Angesichts dessen erstaune es umso mehr, dass die Schilderun-
gen zum Erhalt der Vorladung und dem Ausreisemoment derart oberfläch-
lich ausgefallen seien.
Ebenfalls sei der Beschwerdeführer zu den Ausreisegründen seiner Mutter
und Schwestern befragt worden, wobei er erklärt habe, dass diese Eritrea
verlassen hätten, da die Situation nach seinem Weggang sehr schwierig
geworden sei. Dabei erstaune, dass seine Mutter und seine Schwerstern
die Vorladung, seine separate Ausreise oder gar die darauffolgenden
Schwierigkeiten für die Familie anlässlich deren Befragungen zur Person
mit keinem Wort erwähnt hätten. Vielmehr habe beispielsweise seine Mut-
ter angegeben, dass sie mit ihren Kindern zusammen, also auch mit dem
Beschwerdeführer, ausgereist sei (N [...], A9-11). Aufgrund des Einbezugs
der Familie in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters seien diese zwar nicht
ausführlich angehört worden. Es werfe aber trotzdem Fragen auf, wieso
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diese keine Angaben zum Zusammenhang zwischen der Ausreise des Be-
schwerdeführers und derjenigen der Familie gemacht hätten.
Im Allgemeinen seien die Antworten unpersönlich, pauschal und wider-
sprüchlich ausgefallen und hielten den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, wobei deren Asylrelevanz nicht zu
prüfen sei.
6.1.3 Hinsichtlich der Ausreise des Vaters des Beschwerdeführers führt die
Vorinstanz aus, dass gemäss Koordinationsurteil des BVGer D-7898/2015
vom 30. Januar 2017 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen sei, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer il-
legalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen
würden, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation des
Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AslyG darstellen wür-
den. Entgegen der Ansicht seines Rechtsvertreters sei hervorzuheben,
dass der Beschwerdeführer während der Anhörung und in Bezug auf sei-
nen Vater lediglich geltend gemacht habe, aufgrund seiner Abwesenheit
und seiner damit einhergehenden Fehlzeit in der Schule während der Ern-
tezeit 2017 einen Schulverweis erhalten zu haben (Akten der Vorinstanz
A22/F10-11). Sein Vater sei anlässlich seiner Anhörungen im (...) und (...)
2016 ebenfalls nach der Situation seiner Familie in Eritrea gefragt worden.
Dabei habe er ausschliesslich finanzielle Schwierigkeiten erwähnt (N [...],
A21/F12-26). Die Frage, ob sich nach seiner Ausreise noch etwas zugetra-
gen habe, habe er verneint (N [...], A17/F132-133). Die Mutter und die
Schwestern hätten in ihren Befragungen ausgeführt, dass die Familie Erit-
rea verlassen habe, weil sie gehungert hätten; die Mutter selber habe keine
eigenen Asylgründe dargelegt (N [...], A9/S.9 und A10/S.6). Hinweise auf
allfällige asylrechtlich relevante Schwierigkeiten aufgrund der Ausreise sei-
nes Vaters seien in sämtlichen Anhörungsprotokollen des Beschwerdefüh-
rers und denjenigen seiner Familie keine ersichtlich. Die geltend gemachte
illegale Ausreise alleine – in Anbetracht seiner vom SEM als unglaubhaft
erachteten Ausreisegründe und der fehlenden konkreten Hinweise bezüg-
lich einer Reflexverfolgung – begründe keine Furcht vor einer zukünftigen
flüchtlingsrechtlichen relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG.
6.2 Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, Eritrea illegal
verlassen zu haben, um nach Äthiopien zu gelangen. Die illegale Ausreise
alleine würde allerdings gemäss Referenzurteil des BVGer D-7898/2015
vom 30. Januar 2017 zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht
ausreichen, es benötige dafür noch zusätzliche individuelle Elemente. Sein
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Vater sei in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden, es lege daher im
Interesse der eritreischen Behörden, nach ihm, dem Beschwerdeführer, zu
suchen und, würde er nach Eritrea zurückkehren, ihn zu befragen und ihn
dabei einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK auszusetzen. Dies sei ein subjektiver Nachfluchtgrund ge-
mäss Art. 54 AsylG. Seine Asylgründe würden dadurch verstärkt, dass er
in Anbetracht seines derzeitigen Alters in den Militärdienst eingezogen wer-
den würde. Die Tatsache, dass er, seine Mutter sowie seine Geschwister
nach der Ausreise des Vaters nicht verfolgt worden seien, könne eine Ab-
weisung der Beschwerde nicht rechtfertigen, da seine Verfolgung nur auf-
grund der Kombination der illegalen Ausreise und der Schutzgewährung
des Vaters in der Schweiz begründet sei. Somit sei er verfolgt und es sei
die Flüchtlingseigenschaft festzustellen.
7.
7.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung eingehend und in
zutreffender Weise dargelegt, aus welchen Gründen die Ausführungen des
Beschwerdeführers – unter anderem unter Verweis auf seine unpersönli-
chen und widersprüchlichen Angaben betreffend die Vorladung für den Mi-
litärdienst und den unkonkreten und oftmals nicht nachvollziehbaren
Äusserungen betreffend den Ausreisegrund – realitätsfremd, widersprüch-
lich, unplausibel und damit insgesamt nicht glaubhaft sind. In der Be-
schwerdeschrift werden diese Ausführungen nicht bestritten. Auch das
Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den Schlussfolgerungen der Vor-
instanz an und erachtet die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Vor-
ladung für den Militärdienst als unglaubhaft.
7.2
7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging bis im Januar 2017 davon aus,
dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an-
zusehen war, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit
erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl.
Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). Diese Recht-
sprechung ist in der Folge jedoch aufgegeben worden. Im Referenzurteil
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht
nach einer eingehenden quellengestützten Lageanalyse (E. 4.6 – 4.11)
zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per
se zur Flüchtlingseigenschaft führte, nicht mehr aufrechterhalten werden
könne (E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise
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aus Eritrea eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohe. Nicht asylrele-
vant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den Na-
tionaldienst eingezogen werde; ob eine drohende Einziehung in den Nati-
onaldienst unter dem Blickwinkel von Art. 3 und Art. 4 EMRK relevant sein
könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft
im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzli-
cher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und
dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen
könnten (E. 5.2).
7.2.2 Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, zusätzliche Anknüpfungs-
punkte, welche in Kombination zu seiner illegalen Ausreise gemäss oben-
genannter Rechtsprechung zur Flüchtlingseigenschaft führen würden, dar-
zulegen. Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie ausführt, dass aus den
Schilderungen des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren nir-
gends hervorgeht, er würde aufgrund der Schutzgewährung des Vaters in
der Schweiz in Eritrea verfolgt werden. Auch die Aussagen der Familien-
mitglieder im Verfahren N (...) ergeben keine Hinweise auf eine Reflexver-
folgung aufgrund der Asylgewährung seines Vaters in der Schweiz. Anläss-
lich der Zweitanhörung vom (...) 2016 sagte dieser aus, die Familie lebe
normalerweise von der Landwirtschaft. Da er, der Vater des Beschwerde-
führers, nicht mehr da sei, und sein Sohn, der Beschwerdeführer, in die
Schule gehe, würde auch niemand mehr die Felder bestellen. Die Familie
hätte daher keine Einnahmequelle. Jedoch hätten Nachbarn oder Be-
kannte ihnen manchmal geholfen, die Felder zu bestellen (N [...], A21/F12-
21). Die Mutter des Beschwerdeführers sagte anlässlich ihrer eigenen Be-
fragung zur Person aus, dass sie keine eigenen Asylgründe darzulegen
habe. Sie sei ausgereist, weil sie gehungert habe (N [...], A9/ Ziff. 7.01).
Die älteste Schwerster des Beschwerdeführers bestätigte die Aussagen ih-
rer Mutter in ihrer Befragung zur Person, und ergänzte, sie wolle bei ihrem
Vater leben (N [...], A10/ Ziff. 7.01). Zusammengefasst ist festzuhalten,
dass die Ausreise seiner Mutter und der fünf Schwestern in erster Linie aus
finanziellen Gründen geschah. Von den Familienmitgliedern wurden keine
Fluchtgründe genannt, die aus der Asylgewährung des Vaters hervorgehen
würden.
Im Weiteren beschränkt sich die Beschwerdeschrift lediglich auf Mutmas-
sungen, welche für das Glaubhaftmachen einer Reflexverfolgung nicht ge-
nügen. Da auch seine Aussagen betreffend die Vorladung für den Militär-
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dienst unglaubhaft sind (vgl. E. 7.1) und er damit ebenfalls keinen zusätz-
lichen Anknüpfungspunkt zu begründen vermag, erfüllt der Beschwerde-
führer im Lichte der obengenannten Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts die Flüchtlingseigenschaft nicht.
7.3 Zusammengefasst lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerde-
führers zurecht ab.
8.
Es besteht nach dem Gesagten auch keine Veranlassung zur Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz, zumal dieses Begehren in der Be-
schwerdeschrift nicht begründet ist.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 16. August 2021
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeord-
net. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässig-
keit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs und zu den
diesbezüglich beschwerdeseitigen Ausführungen betreffend die Verletzung
des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV (vgl. auch E. 1.3).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, sofern darauf einzutreten ist.
12.
Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung sind abzuweisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehenden
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Seite 12
Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Vorausset-
zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m AsylG sind somit – unge-
achtet der geltend gemachten Bedürftigkeit – nicht erfüllt.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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