Decision ID: 6cb962d0-3c72-4fda-bc22-a11daef6b0c1
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
meldete sich
am 4. Juli 1995
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an
.
Mit Verfügung vom 28. Juli 1995 (Urk. 10/1) wies d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sein
Leistungsbegehren ab, weil
seine
Alkoholabhängigkeit nicht invalidisierend sei.
1.2
A
m 3. Januar 2013 (Urk. 10/4)
stellte der Versicherte erneut ein
Leistungsbegeh
ren
(berufliche Integration, Rente; Urk. 10/4)
. Die IV-Stelle traf
daraufhin berufliche, erwerbliche und medizinische Abklärungen. Mit Vorbe
scheid vom 1. März 2013 (Urk. 10/13) stellte sie ih
m – unter Hinweis darauf, dass
k
ein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen
sei -
die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nachdem der Versicherte am
25. März 2012
(richtig: 2013, vgl.
Urk.
10/16)
hiegegen
Einwand
erhoben hatte (Urk. 10/17), liess
die IV-Stelle
ihn am 13. September 2013 von Dr. med.
Y._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Zertifizierter
medi
zinischer Gutachter SIM, untersuchen (vgl. Expertise vom 23. Oktober 2013, Urk. 10/27). Daraufhin verfügte sie am 25. November 2013 die Abweisung des Leistungsbegehrens (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung (Urk. 2) liess
X._
am 7. Januar 2014 mit folgen
den Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 1):
„1.
Die Verfügung vom 25. November 2013 sei aufzuheben.
2.
Es sei dem Versicherten eine Rente zuzusprechen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
-
geg
nerin
.
4.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
5.
Es sei dem Versicherten die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh
ren.“
Die IV-Stelle schloss am 13. Februar 2014 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 9). Nachdem
ihm
mit Verfügung vom 20. Februar 2014 (Urk. 11) die unentgeltliche Prozessführung gewährt worden war, liess der Beschwerdeführer
replicando
(Urk. 14) an seinen Anträgen festhalten. Die IV-Stelle teilte am 26. Mai 2014 ihren Verzicht auf eine Duplik mit (Urk. 20), was dem – nun nicht mehr von der
Pro
Infirmis
Zürich vertretenen (Urk. 14 S. 1, Urk. 1
8 f.
) – Beschwerdeführer am 27. Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invalidenein
kommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
validenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Ge
sundheitsschadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das
ganze
für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzube
ziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Sucht
mittelabhängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/
01 vom 5. November 2002 E. 3.2
und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkohol
sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhän
gigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete
Gesundheits
störung
zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alko
holsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002
E. 1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeord
nete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bun
desgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die
suchtbe
dingten
Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage be
antworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alko
holsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen
Komorbidität
auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen;
Urteile des Bundesgerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27.
September 2010 E. 2).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die
Leistungsverweigerung – unter Hinweis auf das psychiatrische Gutachten von Dr
.
Y._
vom 23. Oktober 2013 (Urk. 10/27) – damit,
dass es sich beim
chronische
n
Aet
h
ylabusus
des Beschwerdeführers
um ein reines Suchtgeschehen und damit um keinen invalidisierenden
Gesund
heitsschaden
handle (Urk. 2, Urk. 9).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
– unter Hinweis auf d
i
e Be
richt
e
von Dr. med.
Z._
,
Fachärztin FMH für Neurologie, vom
26. Novem
ber 2012 (Urk. 10/2) und vom
18. Dezember 2013 (Urk. 15) -
auf den Stand
punkt, er leide an den Folgen einer frühkindlichen
zerebralen
Entwicklungs
störung und sei daher
– unabhängig vom Alkoholkonsum -
zu maximal 50 % arbeitsfähig (Urk. 1 S. 1
, Urk. 14 S. 1
).
3.
3.1
Im Rahmen der – wegen einer motorischen Ungeschicklichkeit veranlassten - neuropsychologischen Untersuchung vom 22. November 2012
zeigte
sich
der Beschwerdeführer
gemäss
Dr.
Z._
allseits orientiert und arbeitete sehr langsam, aber genau. Der Beschwerdeführer verfüge über ein vermindertes Selbstreflexionsvermögen (Miniautismus), neige zur Selbstüberschätzung und weise eine Dissimulationstendenz auf. Es seien folgende kognitive Befunde er
hoben worden: deutliche sprachlich-betonte Lern- und Gedächtnisschwäche, deutliche
visuo
-konstruktiv planerische Schwierigkeiten sowie
sprachlich-
be
tontes eingeschränktes konzeptuelles Denken und Umstellen mit Fehlern in Form von Regelbrüchen. Unter Berücksichtigung der motorischen Ungeschick
lichkeit seit dem Kindesalter (ohne sonstige Hinweise auf fokal-
neurologische Ausfälle) und der anamnestischen Angaben entsprächen die Befunde
vorbeste
henden
, frühkindlich erworbenen Leistungsschwächen unklarer Ätiologie, die in Stresssituationen und altersbedingt zur Abnahme kompensatorischer Mecha
nismen führten
und die Leistungsfähigkeit zunehmend einschränkten. Aufgrund der Verhaltenssy
m
ptome und der kognitiven Befunde sei der Beschwerdeführer auf dem freien Arbeitsmarkt nur eingeschränkt vermittelbar. Insgesamt sei - insbesondere aufgrund der Langsamkeit - von einer Leistungsfähigkeit von höchstens 50 % auszugehen. In einer einfachen,
supervidierten
Tätigkeit mit
strukturierten Arbeitsbedingungen u
nd ohne Zeitdruck (am ehesten in ge
schütztem
Rahmen)
bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
(vgl.
Bericht vom 26. November 2012
,
Urk. 10/2 S. 2)
.
3.2
Am 29. Juli 2013 gaben Dr.
Z._
und die Neuropsychologin Prof. Dr. phil.
A._
an, der Beschwerdeführer sei auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht
vermit
telbar
. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihm zu 50 % zumutbar. Was die In
telligenz anbelang
e, bestehe keine Minderbegabung;
es seien a
ber selektive kognitive Teilleistungsschwächen
sowie eine motorische Ungeschicklichkeit in
folge einer frühkindlich erworbenen zerebralen Dysfunktion
(ICD-10 F83; Urk. 10/23)
vorhanden
.
3.3
Gestützt auf die Ergebnisse
d
er psychiatrischen Untersuchung vom 13. September 2013 diagnostizierte Dr.
Y._
in seinem Gutachten vom 23. Oktober 2013
einen chronischen
Aethylabusus
(ICD-10 F10.25; Urk. 10/27 S. 12). Aufgrund – ausschliesslich – des
Alkoholabusus
erheblichen Ausmasses sei der Explorand weder arbeitsfähig noch vermittelbar. Mit der 50%igen Tätig
keit in einer betreuten W
erkstatt schöpfe
er seine Restarbeitsfähigkeit voll aus (Urk. 10/27 S. 14). Aufgrund des chronischen Verlaufs und insbesondere der fehlenden Krankheitseinsicht lasse sich die Arbeitsfähigkeit mit medizinischen Massnahmen nicht verbessern (Urk. 10/27 S. 15).
3.4
Nach Kenntnisnahme des Gutachtens von Dr.
Y._
(Urk. 10/27) hielt Dr.
Z._
am 18.
Dezember 2013 fest,
ihr sei,
als sie den Beschwerdeführer im
November 2012
untersucht habe,
der
chronische
Alkoholabusus
erheblichen Ausmasses
nicht bekannt gewesen
. Im Rahmen der Begutachtung durch Dr.
Y._
sei keine detaillierte neuropsychologische Untersuchung erfolgt. Am Vorliegen einer frühkindlichen zerebralen Entwicklungsstörung bestünden auf
grund der Anamnese, der Verhaltensbeobachtung (neben Weitschweifigkeit und Dissimulation auch miniautistische Züge) und der Phänomenologie der Befunde keine Zweifel. Zerebrale Entwicklungsstörungen gälten bekanntlich als Risiko
faktor für die spätere Such
t
behandlung. Zudem vermöge der
Alkoholabusus
die im Bericht vom 26. November 2012 (Urk. 10/2)
angeführten Befunde
nicht voll
umfänglich zu erklären. Anlässlich der damals durchgeführten neuropsycholo
gischen Untersuchung hätten sich sprachlich betonte Schwächen, aber kein für einen chronischen
Alkoholabusus
typisches
Korsakow
-Syndrom gezeigt. Eine A
ggravat
i
on der Gedächtniseinschränkungen sei indes anzunehmen. Die im ge
nannten Bericht erwähnte motorische Ungeschicklichkeit bestehe seit der Kind
heit und könne demnach nicht Folge des
Alkoholabusus
sein, wie die
s
Dr
.
Y._
angenommen habe.
Klinisch ha
be kein – im Rahmen eines
Alkohol
abusus
typischerweise auftretendes –
zerebelläres
Syndrom festgestellt werden können.
Angesichts des chronischen Alkoholüberkonsums sei vordergründig eine Suchtbehandlung indiziert. Eine Normalisierung der kognitiven Befunde werde sich dadurch aber nicht erzielen lassen. Der Beschwerdeführer werde auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch künftig nur eingeschränkt vermittelbar sein (Urk. 15).
4.
Die IV-Stelle hat, wie sie selbst anerkannte (Urk. 9 S. 1 f.), den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör
(Art. 29
Abs.
2 der Bundesverfassung [BV])
verletzt, indem sie diesem vor Erlass der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) das Gutachten von
Dr.
Y._
vom 23. Oktober 2013 (Urk. 10/27) nicht
zur Stellungnahme
zustellte.
N
ach der Rechtsprechung kann e
ine - nicht beson
ders schwerwie
gende - Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei über
prüfen kann. Die Heilung eines - allfälli
gen - Mangels soll aber die Aus
nahme bleiben (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
mit Hinweisen). Von der Rückweisung der Sa
che an die Verwaltung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtli
chen Gehörs nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnöti
gen Verzöge
rungen führen würde, di
e mit dem der Anhörung gleichge
stellten Interesse an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung des
Leistungsanspruchs nicht zu ver
einbaren ist (vgl. BGE 116 V 182 E. 3d). Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer im Rahmen dieses Verfahrens Gelegenheit hatte, sich vor einem Gericht, dem in der streitigen Angelegenheit eine umfassende Kogni
tion zusteht (Art. 61
lit
. c
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]), zu äussern, kann
die Gehörsverletzung
als geheilt betrachtet werden. Es widerspräche der Verfahrensökonomie, wenn die Beschwerdegegnerin einen neuen, im Ergebnis gleich lautenden
E
ntscheid zu erlassen hätte. Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung aus for
mellen Gründen ist daher abzusehen
, zumal der Beschwerdeführer dies auch gar nicht beantragt hat.
5.
5.1
Aufgrund der zitieren medizinischen Berichte steht fest, dass der Beschwerdefüh
rer einen – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt zeitigenden – Gesundheitsschaden aufweist. Was die Natur der gesundheitlichen Störung anbelangt, ging die IV-Stelle ge
stützt auf das Gutachten von Dr.
Y._
vom 23. Oktober 2013 (Urk. 10/27) davon aus,
dass
der Beschwerdeführer (ausschliesslich) an einem chronischen
Aethylabusus
leide.
Dr.
Y._
gelangte
aufgrund der
Ergebnisse seiner fun
dierten psychiatrischen
Untersuchung
(Urk. 10/27 S. 8 ff.) sowie des
Laborbe
funds
vom 14. September 2013 (Urk. 10/27 S. 11)
und unter Berücksichtigung sowohl der medizinischen
Vorakten
(Urk. 10/27 S. 3 ff.)
als auch der vom Be
schwerdeführer geklagten Beschwerden
(Urk. 10/27 S. 7 f.)
zum Schluss, dass die bestehende Symptomatik unter die
Diagnose eines chronischen
Aethylabu
sus
zu subsumieren sei und der Beschwerdeführer keine anderen relevanten Gesundheitsstörungen aufweise
(
Urk. 10/27 S. 12 ff.;
zum Beweiswert eines me
dizinischen Gutachtens vgl.
BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Dies be
gründete Dr.
Y._
einleuchtend damit, dass sich im Rahmen des Mini-IF-Ra
tings für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP) keine vollständ
i
ge
n
oder
schweren Beeinträchtigungen ergeben hätten. Mittelgradig eingeschränkt sei der Beschwerdeführer im Bereich der Pla
nung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität und
Umstellungsfähig
keit
, der Durchhaltefähigkeit sowie der Selbstpflege (Urk. 10/27 S. 9 f.). Eine leichte Einschränkung bestehe bei der Anpassung an Regeln und Routinen, bei der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie bei der Selbstbehauptung. In der Anwendung fachlicher Kompetenzen und in der Kontaktfähigkeit zu Dritten
, in der Gruppenfähigkeit, bei familiären beziehungsweise intimen Beziehungen, bei Spontan-Aktivitäten und in der Verkehrsfähigkeit
sei der Beschwerdeführer nicht beeinträchtigt (Urk. 10/27 S. 10
f.
).
Die Blutuntersuchung habe
hochauf
fällige
Befunde ergeben. So seien sämtliche Leberenzym
e
deutlich bis stark und das
Carbohydrate
Deficient
Transferrin
(CDT), welches zum Nachweis des Alko
holabusus diene, signifikant erhöht gewesen. Der
festgestellte Blutalkoholgehalt von 1,7 °/
°°
entspreche
der Einnahme von über 100
g reinen Alkohols. Diese Befunde rel
ativierten
die Ergebnisse der
– unter Ausserachtlassung des
Alkohol
abusus
ergangenen -
neurologischen Untersuchung im November 2012 stark.
Die motorische Ungeschicklichkeit sei vor dem Hintergrund des chronischen
Aethylabusus
zu sehen (Urk. 10/27 S. 13). Nachdem das erste Leistungsgesuch von der IV-Stelle im Jahr 1995 abgelehnt worden sei, habe sich der – nicht krankheitseinsichtige – Beschwerdeführer weder einer En
t
zugs- noch einer psy
chotherapeutischen Behandlung unterzogen. Er habe sich indes beruflich offen
bar nochmals
so weit
auf
zu
fange
n
vermocht
, dass er
noch während mehrer
er
Jahre in der Lage gewesen sei zu arbeiten. Nach dem Abgleiten
zuerst
in die Arbeitslosigkeit und dann in die Sozialhilfeabhängigkeit sei er
schliesslich
nicht mehr in der Lage gewesen, wieder eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu erreichen (Urk. 10/27 S.
3 f.
).
5.2
Diese überzeugende
gutachterliche
Beurteilung wird durch die Einschätzung
en
von Dr.
Z._
, die auf einer einmaligen neuropsychologische
n
Untersuchung im
November 20
12 beruht, nicht in Frage gestellt.
D
ie Berichte der genannten Neurologin
vom 26. November 2012
(Urk. 10/
2
) und
vom 29. Juli 2013 (Urk. 10/23
)
sind
schon deshalb wenig aussagekräftig, weil sie in Unkenntnis des massiven
Alkoholabusus
des Beschwerdeführer
s
verfasst wurden
. Auf
das
Schreiben
Dr.
Z._
vom 18. Dezember 2013 (Urk. 15)
kann schliesslich deshalb nicht abgestellt werden, weil Dr.
Z._
darin den – aufgrund der Blutbefunde
eindeutig
nachgewiesenen – chronischen
Alkoholabusus
(zumin
dest implizit) in Frage stellte, in d
em sie auf das F
ehlen
sowohl
eines
Korsakow
-
als auch eines
zerebellären
Syndroms hinwies. Anzumerken ist in diesem Zu
sammenhang, dass der Beschwerdeführer gegen die von der IV-Stelle schon am 28.
Juli 1995 wegen Alkoholabhängigkeit verfügte Leistungsverweigerung (Urk. 10/1) keine Beschwerde erhoben hatte.
Eine frühkindliche Entwicklun
gs
störung, wie sie Dr.
Z._
annahm
, war
gemäss den
anamnestischen Anga
ben des – mittlerweile 53jährigen - Beschwerdeführers zuvor offenbar nie fest
gestellt worden. Dass dieser nach dem Abschluss der Sekundarschule
mit einem Notendurchschnitt von 5,2
in der Lage war
, eine d
reijährige
L
ehre
zum
Detail
handelsfachmann
erfolgreich abzuschliessen und dann zwanzig
Jahre
als In
formatiker und als Installateur bei
B._
beziehungsweise als
Notenkon
trolleur
bei einer Bank
tätig
zu sein sowie
Militärdienst
zu leisten (
Rekruten
schule
und sechs Wiederholungskurse; vgl. Urk.
10/2 S.
1
,
Urk. 10/10,
Urk. 10/27 S. 5 f.
)
,
lässt darauf schliessen, dass eine allfällige derartige Störung jedenfalls nicht ursächlich für die gänzliche Arbeitsunfähigkeit auch in einer Verweistätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ist.
Was Dr.
Z._
Hinweis darauf, dass zerebrale Entwicklungsstörungen als Risikofaktor für eine spätere Suchtbehandlung
gälten
(Urk. 15)
,
betrifft, ist festzuhalten, dass ein allfälliges derartiges Leiden
nach Lage der Akten vorliegend
jedenfalls keine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeig
nete Gesundheitsstörung
darstellte
, welche zumindest
als
erhebliche Teilur
sache der Alkoholsucht zu betrachten wäre. Daher kommt der Alkoholabhängigkeit des
Beschwerdeführers k
eine invalidenversicherungsrechtliche Relevanz
zu (vgl. E. 1.4).
5.3
Nach dem Gesagten ging die IV-Stelle zu Recht davon aus, dass
die Einschrän
k
ung der Arbeitsfähigkeit auf den
Aethylabusus
zurückzuführen und dieser we
der Ursache noch Folge eines invalidisierenden Gesundheitsschadens ist (Urk. 2 S. 2, Urk. 9 S. 1). Da demnach ein reines Suchtgeschehen vorliegt, ist die Be
schwerde abzuweisen.
6.
Gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistun
gen abweichend von Art. 61
lit
.
a
ATSG vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streit
wert im Rahmen von Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die
Gerichtskosten in Höhe von Fr. 7
00.-- de
m Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der Be
schwerdeführer ist auf
Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen.