Decision ID: bac16927-772e-4c36-9ed9-2a305faa4336
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
gelernte Kleiderverkäuferin,
meldete sich am 20. Juni 2005 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur Be
rufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung
an (Urk. 9/6). Mit Mitteilung vom 18. Oktober 2005 informierte die
IV-Stelle
die Versicherte
über den Ab
schluss der IV-Berufsberatung, da
Umschulungsmassnahmen zurzeit nicht ange
zeigt seien
(Urk. 9/18).
Nachdem die Versicherte mit Schreiben vom 12. Dezember
20
0
5 um Wiederaufnahme der
beruflichen Massnahmen gebeten hatte
(Urk.
9/20),
teilte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. September 2006
mit, dass solche momentan nicht angezeigt seien
(Urk. 9/29).
1.2
Am 6. August 2010 meldete sich die Versicherte
, welche seit 1. März 2007 als Mitarbeiterin Hotellerie in der Stiftung
Y._
angestellt war (Urk. 9/35/5),
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 9/35). Nachdem die Versicherte ihre Tät
igkeit als Raumpflegerin
zu einem Pensum von 75 %
wieder
aufgenommen hatte,
wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 5. Januar 2011 ab (Urk. 9/49).
1.3
Nach durchgeführter
Spondylodese
L3/S1 am 28. August 2012 (vgl. Urk. 9/51/12)
meldete sich die Versicherte a
m 30. Oktober 2012 erneut bei der IV-Stelle zum Leistung
sbezug an (Urk. 9/54). Nachdem s
ie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber eine
angepasste Tätigkeit in einem 70 %-Pensum
hatte antreten können
(vgl. Urk
. 9/63/1)
, wurden die
eingeleiteten
Massnahmen zum Arbeitsplatzerhalt mit Mitteilung vom 3. April 2013 abgeschlossen (Urk. 9/62).
Mit Verfügung vom 11. März 2014 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf eine
Rente der Invalidenversicherung
(Urk. 9/78).
1.4
Unter Hinweis auf Rückenbeschwerden/
Osteochondrosen
meldete sich die Ver
sicherte a
m 28. April 2015 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk. 9/89).
Mit Mitteilung vom 3. September 2015 gewährte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für ein Bewerbungs-Coaching (Urk. 9/105). Zeitgleich wurde
n
die beruf
liche
n
Massnahmen
abgeschlossen (Urk. 9/104).
Nachdem die IV-Stelle medizinische und beruflich-erwerbliche Abklärungen
getätigt
hatte, stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 23. März 2016 die Abweisung ihres Renten
begehrens in Aussicht (Urk. 9/119).
Dagegen erhob die Versicherte am 30. April
2016 Einwand (Urk. 9/124) und begründete diesen mit Eingabe vom 15. Juni 2016
(Urk. 9/127).
Am 26. Juni 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie zur Klärung
der
Leistungsansprüche eine bidisziplinäre Begutachtung als notwen
dig erachte (Urk. 9/161
, vgl. Urk. 9/173
).
Das Gutachten in den Diszi
pli
nen Neu
rologie und Psychiatrie wurde
am 13. November 2017 vom
Z
entr
um
Z._
erstattet
(Urk. 9/180).
Nach erneut
durch
geführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 8. Januar
2018 [Urk.
9/184
];
Einwand
vom 1. Februar 2018 [Urk. 9/190]
,
Einwandergänzung
vom
16. März 2018 [Urk. 9/195])
wurde das Rentenbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 12. Februar 2019 abgewiesen (Urk. 2 = Urk. 9/214).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 18. März 2019 Beschwerde
und beantragte, die Verfügung vom 12. Februar 2019 sei aufzuheben und ihr ab wann rechtens eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter beantragte die Versicherte die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht
ersuchte sie um
Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (Urk. 1 S. 2).
Mit Be
schwerdeantwort vom 8. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 8), worüber die
Beschwerdeführerin
am 10. Mai 2019 in
formiert
wurde (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
D
ie
Beschwerdeführerin
meldete sich
bereits am 6. Oktober
2010 und am 30. Oktober
2012 unter anderem zum Bezug von Rentenleistung
en der Invaliden
versicherung an
.
Ihr
e
Gesuch
e
wurde
n
jeweils
abgewiesen,
da
sie rentenaus
schlies
send eingegliedert war
(vgl. Urk. 9/49
;
Urk. 9/78
, vgl. Urk. 9/63/6
). So
trat die
Beschwerdeführerin
am
1. Juli 2013
eine angepasste Tätigkeit
in einem 70 %-Pensum
bei der bisherigen Arbeitgeberin an
(Urk. 9/64)
. Der Anmeldung zum
Leistungsbezug vom 28. April 2015
(Urk. 9/89)
ging die
Kündigung
dieses
Arbeit
s
verhältnisses voraus
(Urk. 9/93/6)
,
womit
dieses
Leistungsgesuch nicht als Neu
anmeldung im Sinne von Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV)
, sondern gleich wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 15. Mai 2018 E. 4.1
mit Hinweisen
).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
3
.
3
.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung ihres Entscheides aus, der
Be
schwerdeführerin
sei es
gemäss Beurteilung im
Gutachten der
Z._
vom 13.
November 2017 zumutbar, in ihrer bisherigen Tätigkeit als Wäscherei-Mit
arbeiterin sowie in einer angepassten Tätigkeit weiterhin zu 70 % erwerbstätig zu sein
. Da sich sowohl die Erwerbs
einbusse
als auch der
Invaliditätsgrad auf
30 %
belaufe
n würden
,
bestehe
kein Rentenanspruch (Urk. 2).
3
.2
Dahingegen stellte sich die
Beschwerdeführerin
auf den Standpunkt,
der medi
zinische Sachverhalt sei durch die
Beschwerdegegnerin
ungenügend abgeklärt worden. Angesichts der dokumentierten degenerativen Befunde an Wirbelsäule, Hüfte und Knie wäre nicht nur ein Gutachten in den Fachbereichen Psychiatrie und Neurologie
,
sondern auch im Bereich Rheumatologie/Orthopädie erforderlich gewesen. Die relevanten Diagnosen im Bereich
Rheumatologie
/Orthopädie seien bei der Beurteilung der Frage der Arbeits- und Leistungsfähigkeit unberück
sich
tigt geblieben. Ferner entspreche das Gutachten der
Z._
aus verschiedenen Gründen nicht den bundesgerichtlichen Anforderungen.
Die
Beschwerdegegnerin
gehe zu Unrecht davon aus, dass Wäscherei-Mitarbeiterin
ihre
angestammte
Tätigkeit gewesen sei
. V
or dem Auftreten der ersten gesundheitlichen Be
schwerden
sei sie
als Kassiererin
beziehungsweise
als Reinigungsmitarbeiterin im Alters- und Pflegeheim angestellt gewesen.
Somit sei s
elbst bei einer
–
bestrit
te
nen
–
Einschränkung von
nur
30 % eine Erwerbseinbusse von 40 % möglich (Urk. 1
S. 6 ff.)
.
4.
Im
bidisziplinären
Gutachten der
Z._
vom 13. November 2017 stellten die Gutachterinnen folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/180/
16):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
-
Chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Daneben stellten sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/180/16):
-
Komplexe posttraumatische Belastungsstörung, anamnestisch Erstdiag
no
se 2016 (laut gültigen diagnostischen Manualen ICD-10 und DSM-V keine Klassifizierung möglich)
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Neurologie, erhob folgenden neurolo
gi
schen Befund: Kein Klopfschmerz über Schädelkalotte beidseitig, kein Druck
schmerz über Nervenaustrittspunkten beidseitig, Pupillen seitengleich
isocor
, normale Reaktion auf Licht, keine Augenmuskelparesen, keine Sensibilitäts
stö
rungen im Gesicht, keine Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen, Zungenmoti
lität intakt. Muske
l
eigenreflexe seitengleich lebhaft erhältlich, keine Reflexdif
ferenzen, keine pathologischen Reflexe. Oberflächen- und Tiefensensibilität seiten
gleich unauffällig. Freies Gehen verlangsamt, schwerfällig, Zehenstand und Hackenstand seitengleich unauffällig, Arme pendeln seitengleich mit. Arm- und Beinhalteversuch seitengleich unauffällig, die Prüfung der einzelnen Muskeln
habe
jeweils Kraftgrad 5
ergeben
. Bezüglich
Trophik
würden keine Auffälligkeiten bestehen, keine Atrophien, no
rmal ausgebildetes Muskelrelief,
normaler Muskel
tonus,
Romberg’scher
Stehversuch auch nach Augenschluss sicher,
Eudiadocho
kinese
beidseitig, Zeigeversuche nicht ataktisch. Fusspulse beidseitig tastbar. Unauffälliges Vegetativum. Die
Beschwerdeführerin
klage immer wieder über Schmerzen im unteren Rücken, die Bewegungen würden sehr verlangsamt aus
geführt, aber ohne neurologisches Defizit (Urk. 9/180/47).
Die ausführliche neurologische Untersuchung habe für die geklagten Schmerzen kein erklärendes neurologisches Korrelat ergeben. Der Neurostatus sei unauffällig. Es würden sich keine Hinweise für eine
Radikulopathie
,
Plexusläsion
, anders
artige Nervenschädigung oder
Myelonbeteiligung
finden. Die Reflexe seien seitengleich, die Kraft allseits erhältlich und die Sensibilität intakt. Die Arbeits
fähigkeit in der bisherigen und in einer Verweistätigkeit sei auf neurologischem Gebiet nicht eingeschränkt, da keine neurologischen Reiz- oder Ausfallerschei
nungen bestehen würden. Es handle sich um einen Schmerz im Bereich des unteren Rückens ohne neurologisches Korrelat. Eine Ausstrahlung in die Beine bestehe nicht, somit liege keine Lumbalgie vor (Urk. 9/180/48).
Im Bereich der Psychiatrie
sei klinisch von einer depressiven Phase leichter Aus
prägung auszugehen, die auch laut Hamilton Depression Skala quantifizierend habe erfasst werden können. Des Weiteren
sei
im Hinblick auf die in der Ver
gangenheit wiederholt kommentierten somatischen Befunde und
die Hinweise
auf psychische Faktoren bei aufrechterhaltender Schmerzsymptomatik die Diagnose einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen. Da sich die beiden festgestellten Krankheitsbilder (leichte depressive Störung und chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren) und die damit verbundenen Defizite praktisch vollständig überlappen würden, sei gesamt
haft von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von höchstens 30 % auszugehen
(Urk. 9/180/16-17)
.
Zusammenfassend sei bidisziplinär betrachtet von einer Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 70 % sowohl in der letzten Tätigkeit als auch in einer Ver
weistätigkeit
auszugehen.
Es
bestehe folgendes Belastungs-/Ressourcenprofil: Tätigkeiten unter einem Zeit-Leistungsdruck sowie Tätigkeiten in Nachtschichten
oder Tätigkeiten mit Akkordcharakter oder mit Schichtwechsel sollten vermieden
werden, auch Tätigkeiten mit komplexen Anforderungen seien aus psychia
tri
scher
Sicht nicht geeignet. Vorstrukturierte Arbeiten in einem stressfreien Arbeitsklima wären günstig. Aus neurologischer Sicht seien schwere Arbeiten nicht geeignet, ansonsten bestehe keine Einschränkung im Belastungsprofil (Urk. 9/180/17).
Die aktuell festgestellte Arbeitsunfähigkeit in einer Grössenordnung von 30 % sowohl in der angestammten als auch in einer le
idensadaptierten Tätigkeit dürf
e man seit Mai 2017 annehmen
(
Urk. 9/
180/18-19).
5.
5.
1
Was den Beweiswert des
bidisziplinären
Gutachtens der
Z._
vom 13. Novem
ber 2017 anbelangt, stellt sich angesichts der Parteivorbringen und der übrigen medizinischen Aktenlage, welche, wie im Folgenden ausgeführt, in somatischer Hinsicht auf eine im Wesentlichen orthopädische gesundheitliche Thematik hindeutet, zunächst die Frage, ob dieses auf den notwendigen medizi
nischen Abklärungen beruht. So sind
m
ehrsegmentale
Spondylarthrosen
der
Len
denwirbelsäule (
LWS
)
seit dem Jahr 2012
aktenmässig
ausgewiesen (Urk. 9/87/9).
A
m 28. August 2012
unterzog sich die
Beschwerdeführerin
eine
r
Versteifungs
op
e
ration L3/
S1 (Urk. 9/60).
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Neuro
chirurgie,
stellte
in seinem Bericht vom 22. März 2016
eine
Übergangs
in
stabilität LWK2/3
fest und erhob den Verdacht auf eine ISG-Dysfunktion rechts betont (Urk. 9/126/1-2). Gestützt darauf
wurde am 12. April 2016 das alte
Spondy
lodese
material
entfernt mit Re-
Spondylodese
der
LWK2/3 (Urk. 9/126/2, Urk. 9/126/6-7).
In seinem Bericht vom 21. September 2016 berichtete Dr.
B._
von einer
vor einigen Tagen stattgehabten
akuten Blocka
d
e im Kreuz
, welche bis zum Untersuchungszeitpunkt persistiert habe. Daraufhin wurde eine selektive Infiltration der ISG vorgenommen, welche zu einer Abnahme der Schmerzen
ge
führt habe
(Urk. 9/129/5-6). Die
zuständigen Fachärzte für orthopädische Chirur
gie sowie Radio- und Traumatologie des Bewegungsapparates
des
Zentrum
s
C._
hielten in ihrem Bericht vom 30. März 2017 einen Verdacht auf eine ISG-Problematik und die Differentialdiagnose einer Facetten
problematik L4/5 und L5/S1 beidseitig fest
. Die Provokationstests für die ISG
seien
positiv aus
gefallen
(Urk. 9/145/4).
Nach Auswertung der
diagnostischen
Infiltrationen und interdisziplinärer Fallkonferenz wurde im Bericht vom 18. April 2017 auf eine Flat-back-Problematik sowie auf eine Pseudoarthrose auf Höhe L5/S1 geschlossen (Urk. 9/155/7).
Für das Auftreten der Schmerzen wurden muskuläre Faktoren als entscheidend erachtet. Es falle eine
Dysbalance
mit rela
tiver Schwäche der tiefsegmentalen stabilisierenden Muskelanteile auf. Im Rönt
genbild wurde eine prominente
Apophysis
transversalis
im unteren Segment der LWS, welche vielleicht ein Gelenk mit dem
Sakrum
auf der rechten Seite bilden könnte, festgestellt. Dieses Gelenk könne eventuell einen Teil der Schmerzen erklären
(Urk. 9/155/9)
.
Zusammenfassend
ist den orthopädischen
Fach
berichten
bis
zum Zeitpunkt
der Begutachtung durch die
Z._
ein breites Spektrum an möglichen
Ursache
n
für die tieflumbalen Schmerzen
zu entnehmen
.
Neben der
nicht abschliessend geklärten
Diagnostik lässt sich
anhand
derselben
jedoch
nicht eruieren, inwiefern
sich
das Rückenleiden
aus orthopädischer Sicht
auf
die funktionelle Leistungs
fähigkeit der
Beschwerdeführerin
im
entscheidrelevanten
Zeitraum
ausgewirkt
hat
.
Selbst
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie,
erachtete es
in seiner Stellungnahme für den regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vom 23. November 2018
als sinnvoll, die
Beschwerdeführerin
auch orthopädisch zu begutachten
(Urk. 9/213/5)
.
5.2
5.2
.1
Auch die
den Zeitraum nach der
Begutachtung
betreffenden
ärztlichen
Berichte vermögen die Ungewissheiten bezüglich der
tieflumbalen
Schmerzsituation – entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
(vgl. Urk. 2, vgl. Urk. 9/213/5-7) – nicht zu be
seitigen
.
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Neuro
chirurgie,
Klinik
F._
,
führte in seinem Bericht vom 1. Februar 2018 aus, der tieflumbale Beschwerdekomplex
sei möglicherweise auf eine unzureichende Fusion beziehungsweise
residuelle
Instabilität und multisegmental degenerative Veränderungen zurückzuführen
. Bildmorphologisch
habe
sich ein Hinweis auf eine
epifusionelle
progrediente Degene
ration im Segment L2/3 und einen
mög
lichen akt
ivierten entzündlichen Prozess
insbesondere auch im Bereich der ISG
ergeben
(Urk. 9/194/13-14).
Gestützt auf neue MRI- und Röntgenaufnahmen verneinte Dr.
E._
in seinem Bericht vom 19. Februar 2018
zwar eine patho
logische Instabilität,
erachtete
aber
eine
neu festgestellte
rechtsbetonte Diskus
hernie L1/2 und L2/3 mit dementsprechenden Neurokompressionen
als für einen Teil der
Beschwerdesymptomatik
erklären
d
(Urk. 9/194/16-17).
Darüber hinaus
lässt sich den
betreffenden
Berichten von Dr.
E._
eine
beginnende
Cox
arthrose
rechts (vgl. auch Urk. 9/194/18) sowie eine mediale
Meniskopathie
links
entnehmen
(
Urk. 9/194/13-17
)
.
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Spital
H._
,
klärte
die
Beschwerdeführerin
diesbezüglich ab
(Urk. 9/205)
und implantierte am 26. Juli 2018 eine Hüft-Total-Prothese rechts
.
Dr.
G._
bestätigte einen komplikationslosen postoperativen Verlauf
(Urk. 9/211/4-6)
,
atte
stierte der
Beschwerdeführerin
in seine
m Verlaufsbericht vom 7. November
2018 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bis am
2. Dezember 2018
und erachtete sie her
nach als
voll arbeitsfähig (Urk. 9/211/4).
Seine
Einschätzung der Leistungsfähig
keit
beruht
jedoch
lediglich auf
dem
Status
im Bereich der Hüfte
sowie
am
Knie
–
ob das Rückenleiden Eingang in seine Beurteilung gefunden hat, ist seinem Bericht nicht zu entnehmen, anhand der erhobenen Befunde
aber
eher auszu
schlies
sen
. Ferner
lassen seine
Berichte
auch
keine verlaufsmässige Beurteilung
der funktionellen Leistungsfähigkeit
zu
.
Demnach handelt es sich
bei den Berichten von Dr.
E._
vom Februar 2018 um die letzte aktenkundige orthopädische
Beurteilung der tieflumbalen Rückenschmerzen
(vgl. Urk. 9/213/5-6)
. Dr.
E._
untersuchte
die
Beschwerdeführerin
erstmalig im Januar 201
8.
Er
äusserte sich nicht zu den zahlreichen
potentiellen Schmerzursachen
in den Vorberichten,
erweiterte
aber
das Spektrum
möglicher Ursachen
um die Diagnose einer Dis
kushernie.
Sodann
enthalten die Berichte von Dr.
E._
keine Einschätzung
der Auswirkungen der tieflumbalen Schmerzen auf die
funktionelle Leistungs
fähigkeit
der
Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 9/194/13-17). Damit lassen auch die im Nachgang zur Begutachtung eingereichten orthopädischen Berichte keine ab
schliessende Beurteilung des
somatischen
Gesundheitszustandes der
Beschwerde
führerin
im massgeblichen Zeitraum von Oktober 2014
(Art. 28 Abs. 1
lit
. b in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
zu.
5.2
.2
In seiner RAD-Stellungnahme vom 23. November 2018 erachtete
Dr.
D._
die Rückenschmerzen nicht als relevant. Er begründete dies
mit
einer teilweise feh
lenden Schmerzmedikation und einer
fehlenden
praktischen Umsetzung der Thera
pieempfehlungen
(Urk. 9/213/6).
Aus diesen Gründen auf weitere orthopä
dische Abklärungen zu verzichten erweist sich
bereits aufgrund
der seit dem Jahr 2012 ausg
ewiesenen degenerativen Befunde
und der seither stattgehabten drei Ope
ra
tionen
als nicht gerechtfertigt
.
Hinzu kommt
,
dass
die
Beschwerdeführerin
be
schwerdeweise einen Bericht von Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vom 12. Februar 2019 zu den Akten reichte, welchem zu entnehmen ist, dass im Jahr 2018 regelmässige rückenstärkende The
rapien verordnet und durchgeführt worden waren. Weiter bestätigte Dr.
I._
auch die wiederholte Verschreibung von Morphinpräparaten, wobei diese bei fehlender durchgreifender Wirkung nach Jahren abgesetzt worden seien (Urk. 3/3
).
Dr.
D._
verwies zur Untermauerung
seines Standpunkts
der fehlenden Relevanz der Rückenproblematik ferner auf eine Passage im Bericht
des
C._
vom
8. Mai
2017, wonach
anlässlich der orthopädischen Untersuchung vom 7. April 2017
keine Hinweise für das Vorliegen einer strukturellen Ursache
hätten festgestellt werden können (
Urk. 9/213/6
).
Diese Aussage
steht in Wider
spruch zur medizinischen Aktenlage. So wurde in eben diesem
Bericht
des
C._
festgehalten, im Röntgenbild sei eine prominente
Apophysis
transversalis
im unter
en Segment der LWS
festgestellt worden und in der interdisziplinären Fall
konferenz mit den Radiologen und den Wirbelsäulenchirurgen
sei
das Schmerz
problem durch eine Flat-back und eine Pseudoarthrose auf der Höhe LWK5/
SWLK1 erklärt
worden
(vgl. Urk. 9/155/10).
Die RAD-Stellungnahme vom 23. Novem
ber 2018 bildet somit ebenfalls keine verlässliche
Entscheidgrundlage
, um beurteilen zu können, inwieweit
orthopädischerseits
funktionelle Einschrän
kungen d
er Leistungsfähigkeit vorhanden sind.
5.
3
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der medizinische Sachverhalt in orthopä
di
scher
Hinsicht weiter abklärungsbedürftig ist.
5.4
Ebenfalls als gerechtfertigt erweist sich
zudem
die von der
Beschwerdeführerin
in Bezug auf das neurologische
Teilgutachten geäusserte Kritik
(Urk. 1 S.
8 ff. und Stellungnahme Dr.
med.
J._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
vom 19.
Februar 2018
[Urk. 3/4]
).
Aufgrund der Krankengeschichte der Beschwerde
führerin und den auch anlässlich der Untersuchung geäusserten tieflumbalen Schmerzen wäre es geboten gewesen,
der Rückenproblematik besondere Auf
merk
samkeit zu schenken
.
Diesem Aspekt wurde anlässlich der neurologischen Exploration jedoch keine Rechnung getragen
und
im
äusserst knapp
ge
haltenen
neurologische
n
Befund keine Provokationsmanöver
erwähnt (Urk. 9/180/47). Der Schluss auf das Fehlen eines neurologischen Korrelats für die tieflumbalen Schmerzen (Urk. 9/180/49) ist
auch
aufgrund der von Dr.
E._
in seinem Bericht vom 19. Februar 2018
festgestellten
Neurokompressionen im Zusammen
hang mit der rechtsbetonten Diskushernie L1/2 und L2/3
(Urk. 9/194/17)
zu
hinterfragen
.
Dr.
J._
begründete sodann nachvollziehbar, weshalb eine Lumbalgie
–
entgegen
Dr.
A._
(Urk. 9/180/48)
–
nicht
pauschal mit dem Fehlen von in die Beine ausstrahlenden Schmerzen
ausgeschlossen werden kann
(Urk. 3/4).
5.
5
Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt
in
somatisch
er Hinsicht
als
ergänzungsbedürftig. Aufgrund allfällig
er Wechselwirkungen
zwischen der soma
tischen und der psychischen Symptomatik
und insbesondere der chronischen Schmerzstörung sind auch
im Bereich der Psychiatrie
weitere Abklärungen angezeigt.
Im Rahmen dieser zusätzlichen Abklärungen wird die
Beschwerde
geg
nerin
ihr Augenmerk
auch
auf den Verlauf mit
samt
den mehrfachen Opera
tionen zu richten haben. In diesem Zusammenhang wird sodann auch ein all
fälliger befristeter oder befristet höherer Rentenanspruch zu prüfen sein.
Abschliessend
ist darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdeführerin
ihre
Tätigkeit
als Wäscherei-Angestellte
erst
im Jahr 2013 und damit
nach Eintritt des Ge
sundheitsschadens
angetreten hat
. Wie im Verlaufsprotokoll zur Eingliederungs
beratung vom 3. April 2013 notiert (Urk. 9/63/1), handelt
e
es sich dabei um einen vom damaligen Arbeitgeber ermöglichten Wechsel in eine angepasste Tätigkeit
(Urk.
9/
63-
64, Urk. 9/70/2)
. Zuvor arbeitete sie
lange
in der Raumpflege und im Verkauf (Urk. 9/35/5
, Urk. 9/103)
.
Infolgedessen
handelt
es sich bei der Tätigkeit als Wäscherei-Angestellte
– entgegen der Annahme der
Beschwerdegegnerin
(Urk. 2) – nicht um
die
angestammte
Tätigkeit
der
Beschwerdeführerin
, was es im Rahmen der Invaliditätsbemessung zu berücksichtigen gilt.
6.
Die angefochtene Verfügung vom 12. Februar 2019 (Urk. 1) ist
somit
aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin
zurück
zuweisen. Im Rahmen der Vervollständigung der medizinischen Akten wird die
Beschwerdegegnerin
ein polydisziplinäres Gutachten in den Disziplinen Ortho
pädie, Neurologie sowie P
sychiatrie zu veranlassen haben,
welches eine zuver
lässige Beurteilung
des Gesundheitszustandes
der
Beschwerdeführerin
mitsamt dessen Verlauf
im
ganzen anspruchsrelevanten Zeitraum
erlaubt
.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache zur ergän
zenden Abklärung und anschliessenden neuen Verfügung an die
Verwaltung zurück
zuweisen ist
.
7.
7.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
I
V
G
sind auf Fr. 8
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozess
füh
rung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
7.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersat
z der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
des
Gesetz
es
über das Soz
ialversicherungsgericht [
GSVGer
]
in
Verbi
ndung mit Art. 61
lit
. g ATSG).
Die Rechtsvertreterin der Be
schwerde
führerin machte mit Honorarnote
v
om 12. Juni 2019 einen Aufwand
von 10.7 Stunden geltend
(Urk. 11)
, was der Sache angemessen erscheint
. Gerichts
üblich werden für gemeinnützige Organisationen tätige Rechtsanwälte mit einem
Stundenansatz
v
on Fr. 185.--
entschädigt
.
Nicht angemessen erweist sich die Höhe der
geltend gemachten
Kosten für Kopien von
insgesamt
Fr. 373.--, zumal
die IV-Stelle
die
V
erfahrensakten
praxisgem
äss ohne entsprechendes Entgelt
in P
apier- oder elektronischer Form zur
Verfügung stellt.
Unter Berücksichtigung
des Umfangs der Eingaben der Beschwerdeführerin erscheinen maximal 50 Kopien
als angemessen, welche mit einem Ansatz zu Fr. 0.50 pro Kopie zu entschädigen sind (vgl. den Leitfaden Amtliche Mandate der Oberstaatsan
walt
schaft des
Kan
tons Zürich vom 1. Oktober 2016, S. 56). Darüber hinaus sind die geltend ge
machten Portokosten von Fr. 15.-- zu berücksichtigen.
Die
von der
Beschwerde
gegnerin zu leistende Entschädigung
beläuft sich somit
auf Fr.
2'175
.--
(inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer)
.
Das Gesuch der Beschwerde
führerin um unent
geltliche Rec
htsverbeiständung (Urk. 1 S. 2)
erweist sich damit als gegenstandlos.