Decision ID: 3a469bf0-f5c7-5a11-8755-67d62855257b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1996, wurde erstmals im Zusammenhang mit
der Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 342 der Verordnung über Geburts
gebrechen (GgV) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 7/2), welche ihr mit Mitteilung vom 22. Oktober 2008 Kostengutsprache für medizinische Massnahmen gewährte (Urk. 7/9).
Unter Hinweis auf
psychische Beschwerden meldete sich
die Versicherte
am 20. April 2014 erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und erteilte mit Mitteilung vom
27. Januar 2015 (Urk. 7/35) Kostengutsprache für ambulante Psychotherapie nach
Art. 12 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Mit Mit
teilung vom 12. Februar 2015 wurde das Leistungsbegehren für Eingliederungs
massnahmen abgewiesen (Urk. 7/36). Die IV-Stelle holte daraufhin ein psychia
trisches Gutachten ein, das am 23. November 2015 erstattet wurde (Urk. 7/61). Mit Mitteilung vom 25. Februar 2016 wurde der Anspruch auf berufliche Ein
glie
derungsmassnahmen erneut verneint (Urk. 7/73). Nach durchgeführtem Vor
b
escheidverfahren (Urk. 7/75; Urk. 7/76, Urk. 7/78) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. Mai 2016 einen Rentenanspruch (Urk. 7/81 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
16. Juni 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 17. Mai 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt eine Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2. August 2016 (Urk. 6) di
e Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 4. Januar 2017 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechts
ver
tretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zuge
stellt (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
ch
i
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzie
len (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychia
trische
Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014
vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2
). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähig
keiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zu
mut
bar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die vorliegende Diagnose aus medizinischer Sicht eine Erkrankung darstelle, jedoch das Erfordernis einer langandauernden, schweren Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit nicht erfülle. Damit bestehe kein Gesundheitsschaden,
der IV-Leistungen auszulösen vermöge (S. 1 unten). Die Beschwerdeführerin ver
füge über Ressourcen, welche gegen eine psychiatrische Erkrankung erheb
lichen Schweregrades sprächen. Sie arbeite Teilzeit, erledige Haushaltsarbeiten, pflege Kontakte und gehe Freizeitbeschäftigungen nach. Ein sozialer Rückzug sei zu verneinen. Ferner würden keine ins Gewicht fallenden weiteren somatischen Beschwerden bestehen. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente sei damit nicht entstanden (S. 2 oben).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (Urk. 1), dass die behandelnden Fachärzte sowie der Gutachter über
einstimmend von derselben psychiatrischen Diagnose mit Krankheitswert ausgehen und seit September 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestieren würden. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) empfehle ebenfalls, auf die Beur
teilung des Gutachters abzustellen (S. 6 Mitte). Im Urteil
8C_371/2014
habe
das
Bundesgericht festgehalten, dass eine Angststörung aufgrund klinischer psy
chia
trischer Untersuchungen klar diagnostiziert werden
könne
und damit überprüf- respektive objektivierbar
sei
. Dieses Störungsbild
gehöre
nicht zu den patho
genetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern. Die Ausfüh
rungen der
Beschwerdegegnerin
, wonach das Leiden der Beschwerdeführerin angeblich keine langdauernde und schwere Erkrankung mit erheblicher und dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
darstelle
,
würden ins
Leere
greifen
und im vorliegenden Fall fehl
gehen (S. 6 unten)
. Im Übrigen
werde
die Behauptung der Beschwerdegegnerin bestritten, wonach angeblich Ressourcen vorlägen, die gegen eine schwerwiegende
psychiatrische Erkrankung sprächen.
Dieser pauschalen Behauptung steh
e
einerseits entgegen, dass
sie von der Psy
chiatrie-Spitex unterstützt
werde
, was aktenkundig
sei
. Andererseits
habe
sich der Gutachter ausführlich mit der Kranke
ngeschichte und ihrer Tagesge
stal
tung befasst und
sei in Kenntnis der genauen Um
stände des vorliegenden
Einzelfalles „medizinisch-theoretisch und unter Berücksichtigung des Aktivi
tät
s
niv
eaus im Alltag“
zur
Einschätzung gelangt,
dass
aus psychiatrischer Sicht die Leistungs-und Erwerbsfähigkeit
seit September 2012
in erheblichem Masse ein
ge
schränkt und lediglich eine Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahm
en zumut
bar
sei (S. 7 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin verhält und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisie
ren
den Gesundheitsschaden verneint hat.
2.4
Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht (vgl. Urk. 1 S. 6), wäre diese - falls sie überhaupt zu bejahen wäre – jedenfalls leicht und als geheilt zu betrachten, handelt es sich beim hiesigen Gericht doch um eine Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa).
3.
3.1
Dr. med. Y._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, sowie lic. phil. Z._, Psychologin, A._
,
nannten im Bericht vom 10. März 2014 (Urk. 7/14/2-4) als Verdachtsdiagnosen eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) sowie eine sonstige emo
tio
nale Störung des Kindesalters (ICD-10 F93.8).
Dazu hielten sie fest, die Beschwerdeführerin habe sich im Juni 2013 erneut gemeldet, um bis zum geplanten stationären Eintritt begleitet zu werden. In dieser Zeit habe sie sich aufgrund der Ängste sehr ambivalent gezeigt. Einerseits habe sie sich eine stationäre Behandlung gewünscht, andererseits habe sie sich nicht zugetraut, den Schritt in die Klinik zu machen und all das Unbekannte zu schaffen. Der Eintritt in die B._ sei im September 2013 doch gelungen.
3.2
Dr.
Y._
und lic. phil.
Z._
nannten im Bericht vom 3. Juni 2014 (Urk. 7/14/5-7
) als Diagnosen (Ziff. 1.1) eine Anpassungsstörung mit Angst und
de
pressiver Reaktion (Erstdiagnose 2006; ICD-10 F43.2), eine soziale Pho
bie (Erst
diagnose 2008; ICD-10 F40.1), eine Panikstörung (Erstdiagnose 20
12; ICD-10 F41.0), eine Agoraphobie mit Panikstörung (Erstdiagnose 2014; ICD-10 F40.01), eine generalisierte Angststörung (Erstdiagnose B._ 2014; ICD-10 F41.1) sowie eine sekundäre Depression (Erstdiagnose B._ 2014, ICD-10 F32.1).
Bis September 2013 (seither sei die Beschwerdeführerin in stationärer Behand
lung) sei es ihr aufgrund ihrer starken Angst und ihres ausgeprägten Vermei
dungs
verhaltens nicht möglich gewesen, eine Ausbildung in Angriff zu nehmen. Eine Lehre hätte sie aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes bereits abgebrochen (Ziff. 1.2).
3.3
Die Ärzte der B._ berichteten im Austrittsbericht vom 15. August 2014 (Urk. 7/18) über die dritte Hospitalisation vom 13. Februar bis 16. Mai 2014 und nannten als Diagnosen eine Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.01) sowie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1).
Dazu führten sie aus, die beschriebene Symptomatik erfülle die Kriterien einer
Panikstörung mit Agoraphobie mit depressiver Entwicklung. Ein mögliches trau
matisches Erleben in der frühen Kindheit aufgrund einer Trennungs
proble
matik habe nicht abschliessend geklärt werden können. Im Rahmen der Entwick
lungs
aufgaben der Adoleszenz (Ablösung, Berufswahl) könne von einer Reaktivie
rung
tiefer liegender Ängste vor dem Hintergrund eines insgesamt stark belasten
den Familiensystems ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin habe ausgespro
chen gute Ressourcen in den Bereichen sozialer Kompetenzen und kreativer Fähig
keiten. Es scheine, dass ihre starke Ambivalenz, sowie eine fehlende innere Erlaubnis zur gesunden altersentsprechenden Weiterentwicklung, die möglicher
weise systembedingt sei, den psychischen Entwicklungsprozess stagnieren lasse.
Eine unterstützende medikamentöse Therapie zur Angstreduktion und Stimm
ungs
auf
hellung habe in der subjektiven Wahrnehmung der Beschwerdeführerin keinen Effekt erbracht. Nach Erleben der ersten Panikattacke, die die Beschwer
deführerin als Rückfall erlebt habe, habe sich die Angst vor der Angst verstärkt, so dass weitere Expositionen im Rahmen einer verhaltenstherapeutischen Be
hand
lung vermieden worden seien. Differentialdiagnostisch sei ausserdem an die
Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung vom ängstlich vermeidenden Typ zu denken. Es erfolgte schliesslich die Entlassung auf drängenden eigenen Wunsch und gegen die ärztliche Empfehlung sowie entgegen den mütterlichen Wunsch, jedoch mit ihrem Einverständnis in die ambulante Weiterbehandlung (S. 7 unten).
3.4
Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 1. Dezember 2014 (Urk. 7/26/4-7) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit dem 20. August 2014, und nannte als Diagnosen eine Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.01) sowie eine mittelgradige de
pressive Episode (ICD-10 F32.1). Diese ergänzte er durch die Diagnosen einer vorsätzlichen Selbstschädigung durch scharfen Gegenstand (ICD-10 X78), einer Depersonalisations-/Derealisationsstörung, einer abweichenden Elternsituation, einer psychischen Belastung in der Familie und einer schwerwiegenden sozialen
Beeinträchtigung in den Bereichen Familie, Ausbildung und Freundeskreis (Ziff. 1.
1).
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin besuche die Psychotherapie pünkt
lich
und regelmässig (wöchentlich). Sie gebe sich grosse Mühe, die ihr gestellten Auf
gaben zu erfüllen. So stehe sie jeden Morgen auf, gehe täglich nach draus
sen, helfe im Haushalt, übe Bus- und Zugfahrten im Sinne von Expositions
übungen, treffe Kollegen, wende die gelernten Skills an bei Spannungszu
stän
den und Verlorenheitsgefühl, versuche negative Glaubenssätze in positive umzuwandeln, mache Achtsamkeitsübungen und wende Atemübungen bei Angstzuständen an. Aus eigenem Antrieb und mit Hilfe der Psychiatriespitex kümmere sie sich um einen Hund. Sie habe das Fotografieren intensiviert, habe ihren Vater getroffen und werde ihre Grossmutter nächstens zur Arbeit begleiten. Dies alles zeige, dass sie in kleinen Schritten Fortschritte mache. Aber sie sei auch sehr schnell überfordert.
Die Beschwerdeführerin zeige sehr viel Bereitschaft, aber die Schritte seien klein und sie brauche noch sehr viel Unterstützung. Sie habe zu wenig eigenen An
trieb, um alleine Initiativen zu ergreifen und Fortschritte zu machen. Auch neun Monate in der B._ hätten nicht zu einer Besserung des Zustandes geführt und die Dauer der Zeit mit Depersonalisationsgefühlen sei bereits lang. Dies zeige, dass es noch viel Zeit und Therapie brauche, bis der Zustand stabiler werde und sie doch noch eine Ausbildung aufnehmen könne (S. 1 oben).
3.5
Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 6. März 2015 (Urk. 7/45) aus, er behandle die Beschwerde
füh
rerin seit dem 28. März 2011 (Ziff. 1.2), und nannte als Diagnosen eine Panik
störung mit Agoraphobie, eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F40.01), ein
e
ängstliche selbstunsichere Persönlichkeit (ICD-10 F60.6) sowie einen Status nac
h mittelgradiger Depression mit Selbstverletzung (ICD-10 F32.1).
Bereits 2007 habe die Beschwerdeführerin als Kind Ängste entwickelt und habe nicht mehr alleine schlafen wollen. Es sei eine ambulante Abklärung im A._ vorgenommen worden. Im Jahre 2012 mit 15 Jahren hätten sich die Ängste erneut verstärkt. Es sei zunehmend zu einer Depressionsentwicklung mit Ritzen der Haut gekommen, die dann zur Hospitalisation geführt habe. Die Beschwer
deführerin sei eine ängstliche junge Frau mit ungerichteten Ängsten sowie agoraphobischen Ängsten teilweise mit Panikattacken. Es bestünden Deperso
nalisations- und Derealisationserleben. Sie sei depressiv wirkend, grüblerisch, affektiv niedergeschlagen, labil, es komme immer wieder zu Weinattacken. Es bestehe eine innere Unruhe und ein Antriebsmangel (Ziff. 1.4). Die Beschwerde
führerin gehe regelmässig in eine delegierte Psychotherapie bei Frau E._, zu
dem bestehe eine regelmässige Begleitung durch die Psychiatriespitex (Ziff. 1.5). Es bestehe seit dem 1. August 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Bis heute sei die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig aufgrund ihrer Ängste und den depressiven Zuständen. Wie dies auf längere Sicht aussehe, könne er nicht beantworten (Ziff. 1.11).
3.6
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.4) nannte im Bericht vom 13. April 2015 (Urk. 7/
50/3-6) die bereits bekannten Diagnosen (Ziff. 1.1). Dazu führte er aus, dass die Beschwerdeführerin seit Beginn der Therapie kleine Fortschritte erzielt
habe. Sie habe gelernt, mit Angst- und Panikattacken umzugehen, habe Bus- un
d
Zugfahrten trainiert, halte Spannungszustände besser aus, schneide sich mome
n
tan nicht mehr, gehe einmal pro Woche mit dem Hund spazieren, helfe einmal pro Woche mit der Grossmutter zwei bis drei Stunden in einer Bäckerei, helfe der Mutter im Haushalt. Es bestünden nach wie vor grosse Ängstlichkeit und Verunsicherung, Derealisations- und Depersonalisationsgefühle, Panikat
tacken, grosse Spannungszustände oder Leeregefühle, die zu selbstverletzendem Verhal
ten führten, ein niedriges Selbstbewusstsein, Einschlafschwierigkeiten und Per
spek
tivlosigkeit. Es seien zaghafte Fortschritte spürbar, aber der Weg sei noch lang. Eine Prognose sei nicht möglich (Ziff. 1.4). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei im Umfang von zwei bis drei Stunden pro Woche möglich (Ziff. 1.7).
3.7
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im psychiatrischen Gutachten vom 23. November 2015 (Urk. 7/61) folgende Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14 Mitte):
-
teilremittierte Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
-
Beginn September 2012, Maximum September 2013, danach lang
same Besserung
-
aktuell: persistierende Derealisations-/Depersonalisationssympto
matik
, innere Unruhe
-
Ermüdung, Einschränkungen bei längeren Zugfahrten an fremde Orte, bei Menschenmengen in engen Räumen
-
soziale Kontakte ausser Haus und ÖV-Nahverkehr möglich
-
seit November 2014 Mitarbeit in einer Bäckerei, seit Juli 2015 regel
mässig
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 14 unten):
-
spezifische Phobien (ICD-10 F40.2)
-
Spinnenphobie, Höhenangst, Liftangst, Clownangst
Bei
der Beschwerdeführerin werde
die Arbeitsfähigkeit durch Ängste, die sich insbesondere in ständigem, bei Beanspruchung verstärktem, Derealisations-/De
per
sonalisationserleben zeigen
würden
, eingeschränkt.
Die Beschwerdeführerin habe
wenig Vertrauen in ihre Fähigkeiten und
sei
dadurch wenig belastbar. Dazu
würden
Ängste
kommen
, die die Arbeit in engen Räumen unter vielen Menschen sowie das Zurücklegen des Arbeitsweges einschränken könn
t
en. Das ständige Gefühl von Derealisation belaste
die Beschwerdeführerin
psychisch, es konsumier
e
über die ängstliche Aktivierung Energie und geh
e
deshalb mit einer leichten Ant
riebsstörung beziehungsweise
vorzeitigen Ermüdbarkeit einher. Aktuell arbeite
die Beschwerdeführerin
als Hilfsarbeiterin i
n der Produktion einer Bäckerei.
Seit Sommer
könne
sie regelmässig einen Vormittag (8.30 Uhr bis 11.30 Uhr) einschliesslich Anreise mit
den öffentlichen Verkehrsmitteln
be
wäl
tigen. Aktuell, ab November 2015,
wolle
sie das
Pensum auf zwei Vor
mittage aus
dehnen. Aus dem Aktivitätsniveau in der Freizeit geh
e
hervor, dass diese Steigerung durchaus zumutbar
sei
und in weiteren Schritten ausgebaut werden
könne
. Im Haushalt besteh
e
keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
. Im geschützten Rahmen wären aktuell täglich 4 Stunden zumutbar.
Bezogen auf die jetzige Tätigkeit in der Bäckerei
sei
ab s
ofort ein Pensum von
2 Vormittagen zumutbar. Wahrscheinlich sei ab dem 1. Januar 2016 ein Pen
sum
von drei Vormittagen zu
mutbar, ab dem
1. März
2016 von vier Vormittagen, ab dem
1. Mai
2016 von fünf Vormittagen
, was einer Arbeitsfähigkeit von 50 % entspreche (S. 18 Ziff. 9.7).
In Beantwortung der von der Beschwerdegegnerin gestellten Zusatzfragen führt
e er unter anderem weiter aus, a
ufgrund der Akten und Angaben der
Beschwerde
führerin
m
üsse
man annehmen, dass seit
September
2012 keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit
mehr
vorgelegen habe
. Seit Juli 2015
könne
die Beschwer
de
führerin
einen halben Tag in einer Bäckerei in der Produktion helfen. Diese Tätig
keit, vermittelt durch persönliche Beziehungen,
habe
aber mindestens teil
weise den Charakter einer geschützten Tätigkeit. Insofern
sei
schwer abschätz
bar, ob
die Beschwerdeführerin
jetzt schon eine auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbare Leistung
erbringen könne (S. 19 Mitte)
.
3.8
Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom 2. Dezember 2015 (Urk. 7/72/2; Urk. 7/74/7 f.) unter anderem aus, dass auf die Beurteilungen im Gutachten voll
umfänglich abgestellt werden könne.
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische Gut
ach
ten
von Dr. F._
(vorstehend E.
3.7
) auf für die strittigen Belange um
fassen
den Untersuchungen beruht und die von der Beschwerdeführerin geklag
ten Be
schwerden in angemessener Weise berücksichtigt. Sodann wurde es in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet und trägt der kon
kreten medizinischen Situation Rechnung.
Die vom Gutachter vorgenommene psychiatrische Beurteilung erweist sich hinsichtlich der Herleitung und Abgren
z
ung der Diagnosen sowie insbesondere der Derealisation- und Depersonali
sa
tionssymptomatik vorliegend als ausgesprochen fallbezogen aufschlussreich und
lässt die Schlussfolgerungen als nachvollziehbar erscheinen.
Das
psychiatrische Gut
achten
leuchtet
dementsprechend
in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesund
heits
zustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet.
Zu überzeugen vermögen insbesondere die Ausführungen zu den bestehenden Einschrän
kungen
und der geringen Belastbarkeit aufgrund der Ängste, die sich in ständigem,
bei Beanspruchung verstärktem, Derealisations-/Depersonalisa
tions
erleben zeig
en.
Die Beurteilung im
psychiatrischen Gutachten
ist nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend, womit es die praxisgemässen Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.4) vollumfänglich erfüllt und für die Entscheid
findung dar
auf abgestellt werden kann. Der psychiatrische
Gutachter kam in
seiner Gesamtbeurteilung zum Schluss, dass aktuell im geschützten Rahmen ei
ne Tätigkeit von täglich vier Stunden zumutbar wäre. Aufgrund der Akten und der Angaben der Beschwerdeführerin müsse man annehmen, dass seit September 2012 keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vorgelegen habe. Seit Juli 2015 könne die Beschwerdeführerin einen halben Tag in einer Bäckerei in der Pro
duk
tion helfen. Diese Tätigkeit habe aber mindestens teilweise den Charakter einer geschützten Tätigkeit. Insofern sei schwer abschätzbar, ob die Beschwer
de
führerin jetzt schon eine auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbare Leistung erbringe (vgl. vorstehend E.3.7).
4.2
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung recht
mässig eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange
nicht kon
krete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351
E. 3b/bb).
Entgegen der Ansicht und den Ausführungen der Beschwerdegegnerin (vgl. vor
stehend E.
2.1
sowie Urk. 6
) liegen vorliegend keine
entsprechenden
Indizien
vor, welche das
psychiatrische Gutachten
in Zweifel zu ziehen vermögen. Ins
besondere liegen in medizinischer Hinsicht keine gegensätzlichen Meinungs
äusse
rungen vor, die ein Abweichen rechtfertigen würden. So
wurde
denn auch
im
psychiatrischen Gutachten
festgehalten
, dass die
Hauptdiagnose der Agora
phobie mit Panikstörung unstrittig sei und aktuelle fachärztliche Einschätz
ungen zu Diagnosen und Arbeitsfähigkeit nicht vorliegen würden (vgl. Urk 7/61 S. 18 Ziff. 9.8)
.
Folgerichtig empfahl auch die Psychiaterin des RAD vollum
fänglich auf die Beurteilungen des Gutachtens abzustellen (Urk. 7/74/8).
4.3
Soweit die Beschwerdegegnerin die Ansicht vertritt, dass trotz fachärztlich be
scheinigter voller Arbeitsunfähigkeit kein invalidisierender Gesundheitsschaden bestehe, vermag dies nicht zu überzeugen.
Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass
einer
Arztperson bei der Folgenabschätzung der erhobe
nen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit keine ab
schliessende Beurteilungskompetenz zukommt
(vgl. Urk. 6 S. 1)
.
Soweit die Beschwer
degegnerin hingegen argumentiert, dass die Diagnose einer teilre
mittierten Agoraphobie mit Panikstörung aus medizinischer Sicht zwar eine Erkran
kung darstelle, jedoch das Erfordernis einer langandauernden, schweren Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit nicht erfülle, verkennt sie offensichtlich, dass
für die Eignung eines Gesundheitsschadens, die Leistungsfähigkeit rechts
er
heblich einzuschränken, nicht bereits die Befunde und Diagnosen, sondern erst deren Folgeabschätzung entscheidend ist.
Soweit die Beschwerdegegnerin weiter vorbringt, dass sich die im Gutachten festgestellten Einschränkungen lediglich aufgrund der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ergeben würden und sich keine objektiven Befunde erheben liessen, ist sie auf die fachärztliche Aussage des psychiatrischen Gutachters zu verweisen, wonach es in der Natur solcher Angststörungen liegen, dass sich objektive Befunde im engeren Sinne nicht hätten erheben lassen. Die Störung und die genannten Beschwerden liessen sich nur indirekt objektivieren, anhand der subjektiven Angaben, der geschilderten Einschränkungen in Arbeit und Freizeit etc. (vgl. Urk. 7/61 S. 19 Ziff. 10 Ziff. 1).
Der psychiatrische Gutachter
nahm unter B
erücksichtigung der vorhande
nen Ressourcen eine objektive Beurteilung vor, welche auf das Vorliegen eines inva
lidisierenden Gesundheitsschadens schliessen lässt. So bedarf es für
die Annahme
eines invalidisierenden Gesundheitsschadens grundsätzlich einer fach
ärztlichen
Diagnose, die sich lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifika
tions
systems abstützt (BGE 130 V 396 E. 6, Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2009 vom 30. August 2010 E. 3.2.3).
Es sind - unter sozialversicherungsrechtlichen Aspekten - keine Gründe ersichtlich, sich über diese Feststellungen hinwegzu
setzen. Die
Überprüfung der sozialversiche
rungsrechtlichen Relevanz und Trag
weite
durch
die Beschwerdegegnerin
überzeugt nicht
: So vermögen die von ihr unter anderem genannten
Ressourcen respektive Aktivitäten (vgl. Urk. 2 und Urk. 6) die Beurteilung im psychiatrischen Gutachten
nicht in
Frage zu stellen.
Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass keine wesentlichen Inkonsistenzen festgestellt werden
konnten
(
Urk.
7/61 S.
18
Ziff.
9.5)
. Gegen solche sprechen auch die Kooperation der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Ausschöpfung der therapeutischen Massnahmen und die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum in der Bäckerei von sich aus zu erhöhen versucht.
Entsprechend ist der Beschwerdegegnerin
entgegenzuhalten, dass die
von ihr erwähnten
Ressourcen
respektive Aktivitäten
angesichts der vorhandenen Diagnosen und Befunde sowie des Umfangs und
der
Art der Einschränkungen
,
insbesondere der Derealisations-/Depersonalisationssymptomatik, bei weitem nicht
genügend ausgeprägt sind, um von der lege artis festgestellten Arbeits
unfähigkeit im
psychiatrischen Gutachten abzuweichen. Wenn die Beschwerde
führerin an einem Morgen pro Woche für drei Stunden einer - gemäss Gut
achten zumindest teilweise im geschützten Rahmen stattfindenden - Tätigkeit nachgeht, bei welcher es ihr bereits nach zwei bis zweieinhalb Stunden schlech
ter geht (vgl. Urk. 7/61 S. 13 oben), kann dies entgegen der Ansicht der Be
schwerdegegnerin wohl kaum als regelmässige Tätigkeit respektive als Ressourc
e
bezeichnet werden, die gegen eine psychiatrische Erkrankung erheblichen Schwe
re
grades spricht. Angesichts der vorliegenden Hauptdiagnose einer Agoraphobie erweist sich zudem der Verweis auf das gemeinsame Haushalterledigen, das drei Stunden am Stück Zeichnen und längere Zeit in einem Buch lesen Können (vgl. Urk. 6 S. 2 Mitte), bei welchen die durch die Hauptdiagnose bedingten Ein
schrän
kungen wenig oder gar keine Auswirkungen zeitigen, als wenig über
zeu
gend. Schliesslich kann die Beschwerdegegnerin auch nichts aus der Tatsache ableiten, dass die Beschwerdeführerin zu therapeutischen Zwecken - teilweise alleine oder zusammen mit der Betreuerin der Spitex oder der Mutter - und als Übung den öffentlichen Verkehr benutzt oder sonstigen Aktivitäten im Sinne einer Exposition nachgeht, um unter Leuten zu sein (vgl. Urk. 7/61 S. 8 Mitte).
Nach dem Gesagten
erweisen sich die vorhandenen und von der Beschwerde
gegnerin teilweise genannten Ressourcen in der im
psychiatrischen G
utachten festgestellten Arbeits(un)fähigkei
t als gebührend berücksichtigt.
4.4
Zusammenfassend
vermag die Beschwerdegegnerin keine substantiellen Gesichts
punkte vorzubringen, welche ein Abweichen von der im psychiatrischen Gut
achten festgestellten Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde
n
.
Gestützt auf die vorhandenen Berichte ist damit - im hier massgeblichen Zeit
raum vom September 2012 bis zum 17. Mai 2016 - von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die vom psychiatrischen Gutachter prognosti
zierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.7) konnte – soweit aufgrund der Akten ersichtlich - offenbar nicht realisiert werden (vgl. Urk. 7/78 S. 2).
Bei diesem Grad der Arbeitsunfähigkeit
besteht
demnach
ein Invaliditätsgrad von
100 %
und somit Anspruch auf eine ganze Rente.
4.5
Die Anmeldung der
Beschwerdeführerin
datiert vom
16
.
Mai
201
4
(
Eingangs
datum; Urk. 7/13
). Nach Massgabe von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente somit ab 1.
November
2014
, sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
.
Mit dieser Feststellung ist die angefochtene Verfügung, in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde, aufzuheben.
4.6
4.6.1
Zu ergänzen bleibt Folgendes: Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit ein
zu
räumen. Behandlungs- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG). Zusätzlich sieht Art. 7 Abs. 2 IVG vor, dass die versicherte Person an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen muss. Dies sind insbesondere: Massnahmen der Frühintervention (lit. a); Integrationsmass
nah
men zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit. b); Massnahmen beruflicher Art (lit. c) medizinische Behandlungen nach Art. 25 KVG (lit. d) sowie Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Renten
bezügern nach Artikel 8a Absatz 2 (lit. e).
4.6.2
Gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
F._
vom 23. November 20
15 waren der Beschwerdeführerin medizinisch-theoretisch im Zeitpunkt der Erstat
tung des Gutachtens zwei Halbtage in angepasster Tätigkeit zumutbar. Ab dem 1. Januar 2016 erachtete er ein Pensum von drei Vormittagen, ab dem 1. März 2016 von vier Vormittagen und ab dem 1. Mai 2016 von fünf Vormittagen als wahrscheinlich zumutbar. Ab dem 1. Mai 2016 bestehe somit eine Arbeitsfähig
keit von 50 % (Urk. 7/61 S. 19 Ziff. 2). Eine psychotherapeutische Behandlung sei weiterhin indiziert und gerade hinsichtlich der Begleitung des beruflichen Reintegrationsprozesses wichtig (S. 19 unten Ziff. 3). Weiter hielt Dr. F._ fest, der Beschwerdeführerin wären berufliche Massnahmen zumutbar (S. 17 unten). Schliesslich empfahl er, der grundsätzlich motivierten Beschwerdefüh
rerin für mindestens zwei Jahre eine Schadenminderungspflicht aufzuerlegen bei gleichzeitiger psychotherapeutischer Begleitung im Umfang von mindestens zwei Terminen pro Monat (S. 20 Ziff. 4).
4.6.3
Mit Blick auf die Ausführungen des Gutachters läge es demnach nahe, dass die Beschwerdegegnerin solche im Sinne der Selbsteingliederung und damit der Schadenminderungspflicht zumutbare Massnahmen prüfen würde, zumal der Grundsatz der Schadenminderung auch nach rechtskräftiger Rentenzusprache beachtlich ist. Art. 21 Abs. 4 ATSG beschränkt das Mahn- und Bedenkzeitver
fahren nicht auf die Zeit vor der Rentenverfügung, sondern erklärt dieses ohne zeitliche Einschränkung unter anderem mit der Bedingung für anwendbar, dass eine zumutbare Behandlung eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit verspricht. Die Beschwerdegegnerin verfügt demnach mit Art. 21 Abs. 4 ATSG über das rechtliche Instrument, um die laufende Invalidenrente gegebenenfalls aufzuheben. Sie hätte zu diesem Zweck das Mahn- und Bedenkzeitverfahren einzuleiten und die Folgen einer Verletzung anzudrohen, wobei grundsätzlich auch nichts dagegen spricht, einer allfälligen mangelhaften Mitwirkung gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG anstelle der blossen Kürzung unter Umständen eine gänzliche Rentenaufhebung folgen zu lassen. Denn die durch Art. 21 Abs. 4 ATSG ersetzte Bestimmung von Art. 31 Abs. 1 alt IVG (gültig bis 31. Dezember 2002) sah ausdrücklich den Entzug der Invalidenrente als Sanktion einer ver
letz
ten Mitwirkungspflicht vor, wogegen Art. 21 Abs. 4 ATSG zwar den Ren
tenentzug nicht erwähnt, allerdings die Kürzung und Verweigerung von Leis
tungen zulässt. Darunter ist analog zur ursprünglichen Leistungsver
wei
ge
rung auch die nachträgliche Aufhebung einer laufenden Rente zu subsumieren (Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 4.4).
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss steht der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Prozessent
schädigung zu, die gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) – ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist. In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf
Fr. 2‘300
.-- (inkl. Mehr
wert
steuer und Barauslagen) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.