Decision ID: 9761a97b-2a9d-4990-a3c9-a7f906d5d54f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1964 geborene Beschwerdeführerin, zuletzt als Verkäuferin tätig gewe-
sen, meldete sich am 3. September 2019 bei der Beschwerdegegnerin zum
Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte berufliche
sowie medizinische Abklärungen, leistete Kostengutsprache für berufliche
Massnahmen und liess die Beschwerdeführerin auf Empfehlung des Re-
gionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) psychiatrisch begutachten (Gutachten
von Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Q., vom
21. November 2021). Nach dem Eingang weiterer medizinischer Berichte,
durchgeführtem Vorbescheidverfahren und Rücksprache mit dem RAD
wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführe-
rin – unter Hinweis auf einen (rentenausschliessenden) Invaliditätsgrad von
36 % – mit Verfügung vom 5. April 2022 ab.
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 5. April 2022 erhob die Beschwerdeführerin mit
Eingabe vom 23. Mai 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende
Rechtsbegehren:
"1. Die angefochtene Verfügung vom 5. April 2022 sei vollumfänglich  und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich  Leistungen, insbesondere eine Rente der Invalidenversicherung, zuzusprechen.
2. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-
gegnerin."
Gleichzeitig reichte sie eine Stellungnahme ihrer behandelnden Ärztin
Dr. med. D., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, R., vom
12. Mai 2022 ein.
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 6. Juli 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin
unter Beilage ihrer – u.a. eine nach Erlass der angefochtenen Verfügung
eingeholte ergänzende gutachterliche Stellungnahme von Dr. med. C. vom
29. Juni 2022 umfassenden – Akten die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 11. Juli 2022 wurde die berufli-
che Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren beigeladen
und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Diese liess sich in der
Folge nicht vernehmen.
- 3 -
2.4.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2022 hielt die Beschwerdeführerin an den gestell-
ten Anträgen fest.

Considerations:
Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren
der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. April 2022 (Vernehmlas-
sungsbeilage [VB] 161) zu Recht abgewiesen hat.
2.
Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der
IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere
Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-
gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-
che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-
her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-
mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-
weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April
2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1
S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar
2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021
geltende Rechtslage massgebend.
3.
In der angefochtenen Verfügung vom 5. April 2022 (VB 161) stützte sich
die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht insbesondere auf das
psychiatrische Gutachten von Dr. med. C. vom 21. November 2021. Darin
wurden nachfolgende Diagnosen gestellt (VB 143.1 S. 26):
"Neurasthenie (F48.0) bei - akzentuierten Persönlichkeitszügen - depressiver Störung (gegenwärtig remittiert, F33.4) - Status nach anhaltender Schmerzstörung (St. n. F45.4) - Status nach Anorexia nervosa (St. n. F50.0)"
In angestammter und angepasster Tätigkeit habe von Mai bis Oktober 2019
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit November 2019 bestehe
in der angestammten Tätigkeit eine 40%ige Arbeitsfähigkeit (bei einer zu-
mutbaren Anwesenheit von 6 Stunden pro Tag) und in einer angepassten
Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsfähigkeit (bei einer zumutbaren Anwesenheit
von 6 Stunden pro Tag). In einer solchen angepassten, bildungsangemes-
senen Tätigkeit ohne alleinige Verantwortung und ohne Leitungs- bzw.
- 4 -
Führungsfunktion sollten die Defizite in den Bereichen Flexibilität und Um-
stellungsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit to-
leriert werden. Die Beschwerdeführerin könne von einer wohlwollenden
Führung am Arbeitsplatz, einfachen strukturierten seriellen Aufgaben, we-
nig Zeit- und Leistungsdruck, vermehrten Pausen und einer ausgegliche-
nen Arbeitsatmosphäre profitieren. Akkord-, Schicht- und Nachtarbeiten
sowie Tätigkeiten, die hohe Stressresistenz fordern würden, seien nicht ge-
eignet (VB 143.1 S. 40 ff.).
4.
4.1.
4.1.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.1.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
4.2.
Das Gutachten von Dr. med. C. vom 21. November 2021 wird den von der
Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medi-
zinische Stellungnahme (vgl. E. 4.1.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 143.1
S. 5 ff.), gibt die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ausführlich
wieder (vgl. VB 143.1 S. 12 ff.), beruht auf einer umfassenden psychiatri-
schen Untersuchung (vgl. VB 143.1 S. 18 ff.) und der psychiatrische Gut-
achter setzte sich im Anschluss an die Herleitung der Diagnosen eingehend
mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den medizinischen Akten
auseinander (vgl. VB 143.1 S. 30 ff.). Das Gutachten ist in der Beurteilung
der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
nachvollziehbar und damit grundsätzlich geeignet, den Beweis für den an-
spruchserheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen.
- 5 -
4.3.
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, das
Gutachten von Dr. med. C. entspreche nicht den bundesgerichtlichen An-
forderungen, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (vgl. Be-
schwerde S. 4). Die Ausführungen der behandelnden Psychiaterin vom
9. Februar und 12. Mai 2022 seien hingegen schlüssig und überzeugend.
Diese zeige detailliert auf, dass objektiv wesentliche Faktoren vorliegen
würden, welche seitens des Gutachters Dr. med. C. nicht gewürdigt worden
seien und die zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bis-
herigen und in einer angepassten Tätigkeit führen würden. Ihre Überlegun-
gen habe die behandelnde Psychiaterin auf standardisierte und validierte
Standarttests gestützt, sodass nicht eingewendet werden könne, bei der
Beurteilung handle es sich bloss um eine andere Beurteilung eines an sich
gleichen Gesundheitszustandes. Gestützt auf die Einschätzung der behan-
delnden Ärztin sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der ange-
stammten Tätigkeit und einer bloss 30%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange-
passten Tätigkeit auszugehen (vgl. Beschwerde S. 20).
4.4.
4.4.1.
Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. D. stellte in ihrem Schreiben an
den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vom 9. Februar 2022 die
nachfolgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (VB 156
S. 17):
"- Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 33.10), im Verlauf chronisch und therapieresistent, aufgrund einem landanhaltenden Dyshymia [sic] (ICD-10 F34.10) und  Überbelastung am Arbeitsplatz
- Kombinierte Persönlichkeitsstörung: ängstlich-vermeidende und
zwanghaft-perfektionistische Persönlichkeitsstruktur (ICD-10 F60.90)
- Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto-
ren (ICD-10 F45.41)"
Hinsichtlich des Gutachtens von Dr. med. C. vom 21. November 2021
führte Dr. med. D. aus, dieses sei lege artis erstellt worden und es sei voll-
ständig. Schlüssig erscheine es jedoch nicht. Sie sei insbesondere nicht
mit den Diagnosen einverstanden (VB 156 S. 18 f.). Dr. med. C. habe zu-
dem die Berichte der IV-Eingliederungsberaterin und des Arbeitscoachs
des Lernwerks, in dem die Beschwerdeführerin Integrationsmassnahmen
absolviert habe, nicht beachtet. Die in den Berichten ausführlich beschrie-
benen Tatsachen seien ihrer Meinung nach relevant und könnten zu einer
anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer an-
gepassten Tätigkeit führen. Sie erachte die Beschwerdeführerin in der bis-
herigen Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig und in einer angepassten
Tätigkeit als zu 30 % arbeitsfähig (VB 156 S. 19). Seit der Begutachtung
- 6 -
sei es zu keiner wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustan-
des der Beschwerdeführerin gekommen. Die ungünstige Entscheidung
habe zwar eine Zustandsverschlechterung ausgelöst, diese könne jedoch
nicht als wesentlich betrachtet werden (VB 156 S. 20).
4.4.2.
Der RAD-Arzt med. pract. E., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Praktischer Arzt, hielt in seiner Aktenbeurteilung vom 24. März 2022
fest, das Gutachten von Dr. med. C. vom 21. November 2021 sei aus for-
malen und inhaltlichen Gesichtspunkten korrekt, insgesamt schlüssig und
medizinisch nachvollziehbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei es
entgegen der Einschätzung von Dr. med. D. vom 9. Februar 2022 genau
richtig, dass im Gutachten kein Selbsttest durchgeführt worden sei. Da
Selbstbeurteilungen in der Versicherungsmedizin "keine grosse Validität"
erlangen könnten, komme es auf die Gesamt- bzw. Fremdbeurteilung an.
Den Ausführungen, wonach der Gutachter mit der Diagnose "Neurasthe-
nie" eine nichtexistente Diagnose gestellt hätte, könne nicht gefolgt wer-
den. Dass die Protokolle der Eingliederung nicht beachtet worden seien, in
denen sinngemäss stehe, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähig-
keit nicht weiter steigern könne, sei insofern irrelevant, als es sich bei den
entsprechenden Protokolleinträgen, die primär auf den subjektiven Anga-
ben der Beschwerdeführerin beruhten, nicht um valide Arbeitsfähigkeitsbe-
urteilungen handle (VB 159 S. 3).
4.4.3.
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht von
Dr. med. D. vom 12. Mai 2022 ist zu entnehmen, dass die Argumente von
med. pract. E. in dessen Einschätzung vom 24. März 2022 ihrer Meinung
nach nicht richtig oder bei der Beurteilung dieses Falles nicht relevant
seien. Es sei eine Tatsache, dass in der Psychiatrie sehr viele Selbstbeur-
teilungen durchgeführt würden und diese ein anerkanntes Mittel zur Abklä-
rung des medizinischen Sachverhalts seien. Um die Symptome und die Di-
agnosen korrekter beurteilen zu können, mache man sowohl Selbsttests
als auch Fremdtests. Daher sei es auch falsch, dass die Protokolle der Ein-
gliederung "nicht valide Berteilungen einer Arbeitsfähigkeit" seien (Be-
schwerdebeilage [BB] 3 S. 1). Die Diagnose einer rezidivierenden depres-
siven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp-
tome, könne zudem auch nach dem jetzt gültigen Diagnosemanual gestellt
werden. Weil die Diagnose einer Depression bestehe, müsse die Diagnose
einer Neurasthenie entfallen (BB 3 S. 2).
4.4.4.
In der im Beschwerdeverfahren eingeholten ergänzenden gutachterlichen
Stellungnahme vom 29. Juni 2022 führte Dr. med. C. aus, es sei zusam-
menfassend festzustellen, dass sich aufgrund der Berichte von Dr. med. D.
vom 9. Februar und 12. Mai 2022 aus versicherungspsychiatrischer Sicht
- 7 -
keine Änderung seiner Beurteilung im Gutachten vom 21. November 2021
begründen lasse. Er halte daher daran fest. Die hierzu widersprüchliche
Meinung der behandelnden Psychiaterin sei zur Kenntnis zu nehmen. Sie
könne aber nicht kritisch differenziert nachvollzogen und nicht bestätigt
werden (VB 167 S. 3).
4.5.
Soweit die Beschwerdeführerin dem Gutachten von Dr. med. C. vom
21. November 2021 die abweichende Beurteilung ihrer behandelnden Psy-
chiaterin gegenüberstellen lässt, ist darauf hinzuweisen, dass es die unter-
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
(Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175)
nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan-
delnden Ärztinnen und Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelan-
gen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurtei-
lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen,
die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2019 vom 10. Sep-
tember 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Dr. med. C. führte in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 29. Juni
2022 aus, im Bericht der behandelnden Ärztin Dr. med. D. 9. Februar 2022
finde sich die gleiche diagnostische Einschätzung wie schon in deren Be-
richt vom 21. August 2020 (VB 96 S. 3 ff.). Dieser habe ihm bei der Erstel-
lung des Gutachtens vom 21. November 2021 vorgelegen, sei dort zitiert
und gewürdigt worden. In seinem Gutachten werde erläutert, dass die je-
weiligen Kriterien der vorgeschlagenen Kategorien gemäss ICD-10 nicht
(mehr) erfüllt seien (VB 167 S. 1). Dr. med. C. setzte sich sowohl im Gut-
achten vom 21. November 2021 wie auch in seiner ergänzenden Stellung-
nahme vom 29. Juni 2022 umfassend mit den Berichten von Dr. med. D.
wie auch mit den weiteren medizinischen und den beruflichen Akten ausei-
nander (VB 143.1 S. 26 ff., 31 ff., 167 S. 1 ff.) und kam schlüssig begründet
zu seiner Einschätzung, dass bei der Beschwerdeführerin eine Neurasthe-
nie (F48.0) festzustellen sei, die sich in der Folge einer (zwischenzeitlich
seit Oktober 2019 remittierten) depressiven Episode im Mai 2019 entwickelt
habe. Diese Entwicklung werde beeinflusst durch eine deutliche psychi-
sche Vulnerabilität der Beschwerdeführerin, die sich in langjährig rezidivie-
rend auftretenden depressiven Syndromen mit Suizidalität, akzentuierten
(ängstlich/ vermeidend, selbstunsicher, übergenau/ zwanghaft/ perfektio-
nistisch, somatoform) Persönlichkeitszügen sowie einer (ehemaligen) Ess-
und Schmerzstörung konkretisiere (VB 143.1 S. 28). "Das Postulat einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt
stell[e] auf die Selbsteinschätzung der [Beschwerdeführerin] ab". Dies sei
zur Kenntnis zu nehmen. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht könne
- 8 -
diese Einschätzung aber nicht bestätigt werden. Bei der Selbstbeurteilung
der Beschwerdeführerin sei zudem eine mögliche Übertreibung der Be-
schwerden zu beachten (VB 143.1 S. 25, 36, 41 f.).
Im Rahmen psychiatrischer Beurteilungen besteht immer ein gewisser Er-
messensspielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinische Interpre-
tationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte
lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_548/2021 vom
25. Februar 2022 E. 7.2.1 mit Hinweisen). Vorliegend sind ausweislich der
Akten weder Hinweise ersichtlich noch wurden derartige Anhaltspunkte
schlüssig dargetan, wonach die Einschätzung des psychiatrischen Gutach-
ters nicht lege artis erfolgt wäre. Dr. med. D. anerkannte denn auch selber,
dass das Gutachten von Dr. med. C. lege artis erstellt und vollständig sei
(VB 156 S. 18). Es wird von der behandelnden Psychiaterin auch keine
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwer-
deführerin seit der Begutachtung dargetan, sondern explizit festgehalten,
der Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung nicht wesentlich
verändert (VB 156 S. 20). Bei der differierenden Einschätzung von
Dr. med. D. ist damit, auch wenn sie ihre Überlegungen auf standardisierte
und validierte Tests stützt (vgl. Beschwerde S. 20), lediglich von einer un-
terschiedlichen Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhaltes
auszugehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_618/2014 vom 19. Dezember
2014 E. 2.1 mit Hinweisen), was angesichts der umfassenden gutachterli-
chen Abklärungen kein Abweichen vom Gutachten von Dr. med. C. recht-
fertigt. Dies gilt insbesondere, da der Gutachter, wie vorangehend ausge-
führt, sowohl im Gutachten vom 21. November 2021 wie auch in seiner er-
gänzenden Stellungnahme vom 29. Juni 2022 nachvollziehbar begründete,
weshalb er die Auffassung der behandelnden Psychiaterin nicht teilt. Hin-
sichtlich der Einschätzung von Dr. med. D. ist schliesslich auch der Erfah-
rungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher
zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit
weiteren Hinweisen).
4.6.
Zusammenfassend sind weder den Ausführungen des Beschwerdeführers
noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche am Gutachten
von Dr. med. C. vom 21. November 2021 (VB 143.1) Zweifel zu begründen
vermöchten (Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134
V 109 E. 9.5, mit Hinweis). Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor
diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf weitere Abklä-
rungen (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2) in antizipierter Beweiswürdigung zu
verzichten ist, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind
(vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 mit Hinweisen). Gestützt auf das Gut-
achten von Dr. med. C. vom 21. November 2021 ist demnach davon aus-
- 9 -
zugehen, dass die Beschwerdeführerin seit November 2019 in der ange-
stammten Tätigkeit zu 40 % und in einer angepassten Tätigkeit zu 60 %
arbeitsfähig ist (jeweils bei einer zumutbaren Anwesenheit von 6 Stunden
pro Tag; VB 143.1 S. 40 ff.).
5.
5.1.
Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
bringt die Beschwerdeführerin vor, die daraus resultierenden Einschrän-
kungen seien massiv. Möglich seien ihr gemäss medizinischer Einschät-
zung bloss Tätigkeiten ohne Verantwortung, ohne Stress, ohne Akkord-,
Schicht- und Nachtarbeit. Bei Tätigkeiten dieser Art bestehe ein grosses
Angebot an Arbeitskräften, da derartige Tätigkeiten seitens der Arbeitneh-
mer sehr beliebt seien. Umgekehrt bestehe sowohl im ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt wie auch im tatsächlichen Arbeitsmarkt eine bloss geringe
Nachfrage nach derartigen Arbeitskräften. Dementsprechend sei nicht da-
von auszugehen, dass für derartige Tätigkeiten ein durchschnittlicher Lohn
erzielt werden könne, weshalb gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ein Abzug vom Medianlohn in der Höhe von 15 bis 20 % vorzuneh-
men sei (vgl. Beschwerde S. 5 ff.).
5.2.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch-
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu
kürzen. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzu-
setzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umstän-
den des konkreten Einzelfalls ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad),
welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein
Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im
Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person we-
gen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte
(Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unter-
durchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der
Höhe des Abzugs ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf
das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge-
samthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellen-
lohns zu begrenzen (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2
S. 327 f. 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]).
5.3.
Den gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin – soweit
sie aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht massgebend sind – wurde
vorliegend bereits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung (mit dem für eine
angepasste Tätigkeit definierten Zumutbarkeitsprofil und der Berücksichti-
gung einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit während der auf sechs
- 10 -
Stunden pro Tag reduzierten zumutbaren Anwesenheitszeit; VB 143.1
S. 41 f.) sowie mit dem Abstellen auf den Tabellenlohn für Tätigkeiten des
Kompetenzniveaus 1 Rechnung getragen, weshalb diese nicht zu einem
Abzug vom Tabellenlohn führen können (vgl. etwa Urteil des Bundesge-
richts 9C_206/2021 vom 10. Juni 2021 E. 4.4.5). Mit Blick auf das gut-
achterlich beschriebene Zumutbarkeitsprofil (VB 143.1 S. 41) sind keine
Umstände ersichtlich, welche auf dem vorliegend relevanten (hypothetisch)
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1 S. 70 f.) als aus-
serordentlich zu bezeichnen wären. Es ist daher entgegen der Beschwer-
deführerin von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren und ihr
offenstehenden Verweisungstätigkeiten auszugehen (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E. 6.5.2 mit Hinweisen).
Andere Gründe für einen Abzug vom Tabellenlohn sind sodann keine er-
sichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. Damit ist insgesamt nicht
zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen Tabellenlohnabzug
gewährt hat. Im Übrigen wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenom-
mene Invaliditätsgradberechnung (VB 161 S. 2) von der rechtskundig ver-
tretenen Beschwerdeführerin – nach Lage der Akten zu Recht – nicht be-
anstandet.
Zusammenfassend ist die vorliegend angefochtene Verfügung vom 5. April
2022 (VB 161) damit zu bestätigen.
6.
6.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.
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