Decision ID: f712a572-d926-47a5-946b-3214e8d1ca6f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
6
, absolvierte
eine Schreinerlehre
und
arbeite
te
seit Juni 2004 bei der
Y._
AG
in einem Vollzeitpensum als Strassen
transportdisponent
,
als er am 6. Januar 2014 vom Balkon stürzte und sich ein Schädel-Hirn-Trauma zuzog
(
vgl.
Urk.
7
/
3 S.
1
ff.
, Urk. 7/8/9-10, Urk. 7/8/
125,
Urk. 7/11 S. 2
, Urk. 7/16 S. 6
).
Am
25
.
August
2014
meldete er sich unter Hinweis auf
Konzentrationsmängel, Geruchsverlust und Müdigkeit
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7
/
3
). Nach mediz
inischen und erwerb
lichen Abklä
rungen
verneinte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 21.
Januar
2015
(Urk.
7
/
15
)
einen Rentenanspruch
.
Ab 7. Januar 2017 arbeite
te
der Versicherte
als Strassentransportdisponent bei
der Z._
in einem Vollzeitpensum (vgl. Urk. 7/16 S.
6
)
. Unter Hinweis auf diverse auf den Unfall vom 6. Januar 2014 zurück
gehende Beeinträchtigungen meldete er sich am 9. Mai 2018 (Urk. 7/16) erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle
tätigte
in der Folge
unter anderem
medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und
legte die eingeholten medizinischen Akten dem regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
zur Beurteilung vor (v
gl. Urk. 7/85 S. 7 f. und Urk. 7
/106 S. 3 f.). Mit
Verfügung vom
4
.
März
2021
(Urk.
7
/
108
)
wies sie
das Leistungsbegehren ab
.
1.2
Am
8
.
November 2021
(Urk.
7
/
120
) meldete sich der Versicherte
mit einer als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichneten Eingabe
unter Beilage diverser medizinischer Unterlagen erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an.
Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2022 (Urk. 7/123) stellte die IV-Stelle dem Versicherten ein Nichteintreten auf seine Neuanmeldung vom 8. November 2021 in Aussicht. Mit Einwand vom 31. Januar 2022 (Urk. 7/124) machte der Versicherte unter Beilage eines aktuellen Verlaufsberichts seiner behandelnden Psychologin geltend, dass sich sein Gesundheitszustand
verschlechtert habe. Nachdem die IV-Stelle die eingereichten Berichte
dem RAD
vorgelegt hatte (vgl. Urk. 7/122 S. 2, Urk. 7/129 S. 2),
trat
sie
mit Verfügung vom
1
.
März 2022
(Urk. 2) auf das Leis
tungs
begehren mangels Glaubhaftmachens einer wesent
lichen Verände
rung der tat
sächlichen Verhältnisse nicht ein.
2.
Der Versicherte erhob am
9
.
Mai
2022
(Urk. 1) Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
.
März 2022
und beantragte, dies
e sei aufzuheben und es sei ihm spätestens mit Wirkung ab 1. Mai 2022 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzu
sprechen; eventualiter sei die Beschwerdegegnerin vorab zu verpflichten, eine medizinische Begutachtung zur Abklärung seiner Arbeitsfähigkeit zu veran
lassen. Zudem beantragte
der Beschwerdeführer
die Bewilligung der unentgelt
lichen Prozessführung und die Bestellung von Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
, Zürich, als seine unentgeltliche Rechtsvertreterin
(S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13
.
Juni
202
2
(Urk.
6
) Ab
weisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
14
.
Juni
202
2
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Am 8. Juli 2022 reichte die Vertreterin des Beschwerdeführers ihre Kostennote ein (Urk. 9 und 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
,
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten
Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwi
egenden Wahr
scheinlichkeit (BGE
138 V 218 E. 6) erstellt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2). Für das Beweismass des Glaubhaft
machens genügt es, dass für das Vorhandensein des behaupteten rechts
erheb
lichen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt per se, um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage. Je länger die letzte materielle Prüfung zurückliegt, umso weniger strenge Anforderungen sind an die Glaubhaftmachung zu stellen (
vgl. BGE 109 V 108 E. 2b;
Urteile des Bundesgerichts 9C_556/2021 vom 3. Januar 2022 E. 6.1 und 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2, je mit Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete das am 1.
März
20
22 (Urk.
2
)
verfügte Nicht
eintreten damit,
am 10. November 2021 habe sie ein neues Gesuch erhalten. Im Rahmen dieser Anmeldung
hätte
mit entsprechenden Unterlagen eine Ver
änderung der Verhältnisse glaubhaft gemacht werden
müssen
. Die Prüfung der Aktenlage habe keine Veränderung gezeigt, weshalb nicht auf das Gesuch ein
ge
treten werden könne (S. 1 f
.
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich
in seiner Beschwerde vom 9. Mai 2022 (Urk. 1)
d
emgegenüber auf den Standpunkt, seine gesundheitliche Situation habe sich seit
Erlass
der Verfügung vom 4. März 2021 - sofern diese überhaupt korrekt eröffnet und somit formell rechtskräftig geworden sei - bis zum Zeitpunkt der
hier
an
gefochtenen Verfügung vom 1. März 2022 weiter verändert. Bei ihm liege eine zunehmende
Chronifizierung
sowohl der rezidivierenden depressiven Störung (mindestens mittelschwer bis schwer und mittlerweile therapie
re
fraktär) als auch der immer manifester werdenden Persönlichkeitsstörung vor. Zudem werde auf
grund der massivsten Traumatisierungen in der Kindheit neu eine posttrauma
tische Belastungsstörung diagnostiziert (S. 6-8).
2.3
2.3.1
Vorweg ist festzustellen, dass sich
die Beschwerde gegen den vorinstanzlichen
Nichteintretensentscheid
richtet. Das Sozialversicherungsgericht hat daher zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf die bei ihr erhobene Einsprache nicht eingetreten ist. Dagegen kann auf den in der Beschwerde gestellten materiellen Antrag nicht eingetreten werden (BGE 132 V 74 E. 1.1 mit Hinweis).
Entgegen der
Annahme
der Vertreterin
des Beschwerdeführers
(
vgl.
Urk. 1 S.
7
)
wurde
dem Beschwerdeführer
die leistungsabweisende
Verfügung vom
4
.
März
2021
korrekt eröffnet und erwuchs
- da nicht angefochten -
in Rechtskraft
.
Der Beschwerdeführer
hatte
am 21. Oktober 2019 (Urk. 7/68)
A._
vom Sozialamt
B._
bevollmächtigt,
seine Interessen gegenüber der IV-Stelle wahrzunehmen und ihn zu vertreten. An diese wurden denn auch der Vorbescheid vom 27. Juli 2020 (Urk. 7/86) rechtsgültig zugestellt und sie erhob am 15. September 2020 (Urk. 7/99) - wie auch der Beschwerdeführer
selbst
mit einem als «Rekurs» betitelten Schreiben vom 9. September 2020 (Urk. 7/95) - Einwand dagegen.
Danach erfolgte
die
Zustellung
der Verfügung vom 4. März 2021
(Urk. 7/108) sowohl an die bevollmächtigte
A._
respektive adressiert ans Sozialamt
B._
sowie auch
an den Beschwerdeführer
selbst
mit Schreiben
vom 9.
März 2021
(
vgl. Urk. 7/108 und
Urk. 7/109)
. Ein Widerruf der Vollmacht war jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt nicht aktenkundig. Die recht
mässig zugestellte Verfügung blieb in der Folge unangefochten.
2.3.2
Strittig und zu prüfen bleibt daher, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die
vom Beschwerdeführer als «
Wiedererwägungsgesuch» betitelte und von der Beschwerdegegnerin zu Recht als Neua
nmeldung vom
8
.
November
2021
(Urk.
7
/
120
)
entgegengenommene Eingabe
eingetreten
ist und in diesem Zusammenhang insbesondere, ob d
er Beschwerdeführer eine renten
relevante Ve
ränderung der tatsächlichen Ver
hältnisse
für den Vergleichsz
eitraum vom 4. März 2021 bis am 1. März 2022
glaubhaft gemacht hat.
Angesichts der nur sieben Monate nach der rechtskräftig verfügten Renten
abweisung eingereichten N
euanmeldung rechtfertigt es sich dabei nicht, an die Glaubhaftmachung erleichterte Anforderungen zu stellen (E. 1.3)
.
Mit Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Rentenverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 130 V 64 E. 5.2.3; 117 V 198 E. 4b mit Hinweisen
).
Das Neuanmeldungsverfahren dient
denn auch
nicht dazu, ein zuvor gegen eine rentenverweigernde Verfügung versäumtes Rechtmittel
nachzuholen.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
stützte sich zu
r
Beurteilung des
Leistungsanspruch
s
für die Verfügung vom 4. März 2021 (Urk. 7/108)
hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes,
in dessen Zusammenhang nunmehr
eine Verschlechterung geltend gemacht wird (vgl. E. 2.2 vorstehend),
im Wesentlichen
auf folgende medizinische
Unterlagen
(vgl.
die versicherungsinternen Feststellungsblätter vom
27. Juli 2020
[Urk. 7/
85
]
und vom
4. März 2021
[
Urk.
7
/
106
]
):
3.
2
Dr. med.
C._
und Dr. phil.
D._
von der
Psychiatrie E._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 3. Juli bis 4. Dezember 2019 in am
bulanter Behandlung befand, nannten in ihrem Bericht vom 31. Januar 2020 (Urk. 7/77) folgende
psychiatrische
n
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 3):
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit emotional-instabilen und narzisstischen Anteilen
Die
Psychiatrie E._
-Fachpersonen führten aus,
trotz abklingender depressiver Symptomatik
bestünden
weiterhin alltagsrelevante Funktionseinschränkungen, welche eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bei Austritt aus der
Klinik J._
begründeten. Dies aufgrund der Beobachtungen im milieutherapeutischen Kontext der
Klinik J._
,
welche sich psychopathologisch als Störung der Impulskontrolle mit teils läppischem, distanzgemindertem Verhalten und emotionaler Instabilität mit latent aggressivem Auftreten gezeigt habe. Daneben
seien
bei Austritt
fort
bestehend
einzelne depressive Symptome wie Konzentrationsstörungen mit ver
mehrte
r
Erschöpfbarkeit sowie
eine
Tendenz zu negativem Gedankenkreisen bei insgesamt jedoch deutlich aufgehelltem Affekt
vorgelegen
. Aus der
psychiatrischen
Krankheitsanamnese ergäben sich Hinweis
e auf eine vorbe
stehende Persönl
ichkeitsakzentuierung mit emotional-instabilen
und narzisstischen Anteilen, jedoch ohne wesentliche Einschränkungen im beruf
lichen oder familiären
Bereich
(Ziff. 2.2)
.
Zum Befund hielten die
Psychiatrie E._
-Fach
personen fest,
es
sei eine leichte Störung der Konzentration ohne Hinweise auf Störungen des Gedächtnisses feststellbar. Formalgedanklich bestehe ein starkes Gedankenkreisen, eingeengt auf Zukunftsängste. Im Affekt sei der Beschwerde
führer äusserlich affektarm, vorwiegend ratlos und deprimiert, teils paranoid-misstrauisch im Kontakt. Es bestünden Insuffizienzgefühle, eine innere Unruhe und eine Störung der Vitalgefühle mit verminderter Belastbarkeit. Der Beschwerdeführer sei nur gering schwingungsfähig, anamnestisch teilweise affektlabil mit impulsiven Durchbrüchen. Der Antrieb sei mittelgradig gehemmt. Die Psychomotorik sei mit auffal
l
end starrer Mimik und starrem Blick, wirke oft angespannt. Ein- und Durchschlafstörungen bestünden
, ebenso
starke soziale Rückzugstendenzen (Ziff. 2.4).
3.
3
Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom
28.
März
2020
(Urk. 7/79) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Aktenanamnestisch: Akzentuierung von Persönlichkeitszügen
Zum Befund
notierte
Dr.
F._
, es
bestünden leichte Konzentrationsstörungen und kein Hinweis auf
eine
Gedächtnisstörung. Formalgedanklich sei ein aus
geprägtes Gedankenkreisen eingeengt auf Zukunftsängste bezüglich Arbeitsstelle und finanzielle Belange festzustellen. Der Beschwerdeführer habe ü
ber
ag
o
r
a
phob
anmutende Ängste in öffentlichen Verkehrsmitteln berichtet. Im Affekt zeige sich der Beschwerdeführer äusserlich affektarm, ratlos und niedergestimmt.
Er
habe
eine
Motivation- und Interessenlosigkeit beschrieben. Es bestehe eine geringe Schwingungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer habe über impulsive Durchbrüche berichtet. Der Antrieb sei reduziert. Die Psychomotorik zeige sich mit leicht starrer Mimik und starrem Blick. Es bestehe eine erhöhte Ermüdbarkeit (Ziff. 2.4). Die Tätigkeit als Disponent sei nicht zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei zu 50 % (vier Stunden) zumutbar (Ziff. 4.1-2)
, wobei Dr.
F._
auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/80) konkretisierte, dass sich diese Beurteilung auf eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen beziehe (Urk. 7/81)
.
3.
4
Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
RAD
hielt in ihrer aktengestützten Stellungnahme vom 6. Juli 2020 (Urk. 7/85 S. 7 f.) fest, den vorliegenden Berichten sei zu entnehmen, dass der psychische Gesund
heitszustand für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führen
d
sei. Unter konsequenter medikamentöser Behandlung sei die Remission der mittelgradigen depressiven Episode und die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Aus den medizinischen Unterlagen könnten keine versicherungsmedizinisch relevanten objektiven Befunde und daraus abgeleitete Diagnosen herangezogen werden, welche eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen
könnten (S. 8 Mitte).
3.
5
Dr.
F._
und
lic
. phil.
H._
,
eidg
.
anerkannte
Psychotherapeutin, nannten in ihrem
Bericht v
om
10
.
September
2020 (Urk. 7/
96
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und paranoiden Anteilen (ICD-10 F61.0) nach schwerstem frühkindlichem sexuelle
m
, körperliche
m
und emotionale
m
Missbrauch (ICD-10 T74), erst
malig diagnostiziert Juli 2020
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), 1. Oktober 2017
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Ge
brauch (ICD-10 F10.1)
-
Status nach Schädelhirntrauma:
-
Blutung mit geringer
subarachnoidaler
und
intraparenchymaler
Komponente frontal
-
Schädelbasisfraktur
occipital
links
-
Subduralhämatom
occipital
links mit Sprengung der
occipitalen
Sutur links
Zur aktuellen medizinischen Symptomatik führten
die Fachpersonen
aus
,
der Beschwerdeführer berichte von Konzentrations-, Merkfähigkeit
s
- und Gedächt
nisstörungen, welche im Gespräch auch auffällig würden. Im formalen Denken sei
er
umständlich, grübelnd. Er hege ein Misstrauen. Die Affektivität sei negativ herabgestimmt. Es
bestehe
eine Störung der Vitalgefühle. Der Beschwerdeführer sei deprimiert, hoffnungslos, innerlich unruhig. Er hege In
suffizienzgefühle, Ver
armungsgefühle, ein Gefühl der Gefühllosigkeit und sei affektstarr. Er sei An
triebsarm und antriebsgehemmt. Es
bestünden
ein aus
geprägter sozialer Rückzug sowie Ein- und Durchschlafstörungen und Müdigkeit (Ziff. 2.2).
Gemäss dem klinischen Befund litt der Beschwerdeführer
weiterhin unter affektiver Nieder
gestimmtheit, Schlafstörungen, ausgeprägter Müdigkeit sowie Konzentrations
störungen. Im Rahmen von Belastungen greife er weiterhin auf dysfunktionale
Copingstrategien
wie ausgeprägten sozialen Rückzug, Grübeln, Misstrauen und
impulshaftes
Verhalten,
zum Beispiel dem Äussern von Vorwürfen,
zurück.
Zu
dem lasse sich eine rasche Ermüdbarkeit feststellen (Ziff. 2.4).
Im zweiten Arbeits
markt sei dem Beschwerdeführer
die
bisherige Tätigkeit
(gemeint wohl: Tätigkeit im Rahmen des Belastbarkeitstraining
s
bei der Arbeitsintegration
I._
, vgl. Urk. 7/97,
7/101)
vier
Stunden pro Tag
zumut
bar. Es handle sich um ein komplexes,
chronifiziertes
Krankheitsbild, weshalb die Eingliederungsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt unsicher sei. Sie würden daher einen Aufbau durch ein IV
-
gestütztes Belastbarkeits- und Aufbautraining empfehlen (Ziff. 4.1-3).
Die depressive Symptomatik zeige sich keinesfalls in Remission. Zudem
sei
erst bei leichter Besserung der depressiven Symptomatik durch die Behandlung in der
Klinik J._
deutlich
geworden
, dass deut
liche interaktionelle Ein
schränkungen
vorlägen
, welche durch eine bisher nicht diagnostizierte Persönlichkeitsstörung erklärt werden könnten. Es bestehe ein einheitliches Bild der Leistungseinschränkungen über alle Lebensbereiche (Ziff. 5).
3.
6
RAD-Ärztin
Dr.
G._
führte
in ihrer aktengestützten Stellungnahme vom
5
.
Dezember
2020 (Urk. 7/
106
S.
3
f.)
aus
,
bei Persönlichkeitsstörungen blieben die Persönlichkeitszüge seit der Kindheit/Adoleszenz gleich. Es könne lediglich die Intensität einzelner Symptome des Leidens und der Konflikte im Verlauf ver
ändert werden. Der bisher unauffällige berufliche (absolvierte Lehre als Schreiner und bis 2014 unauffällige Arbeitsanamnese) und private Verlauf (stabile Ehe seit 2007)
wider
spiegelten eine solche Störung nicht.
Die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung könne daher ausgeschlossen werden.
Die beschriebenen Auffälligkeiten seien unter der Diagnose der Persönlichkeits
akzentuierung ausreichend erfasst.
Im Bericht
von
Dr.
F._
vom 28. März 2020 würden als Ressourcen noch die Hobbies Bush-
Craft
und
Kochen aufgeführt. Die depressive Symptomatik zeige sich
gemäss Dr.
F._
keinesfalls in Remission. Der Beschwerdeführer werde weiterhin medikamentös behandelt.
Laut
Einwandschreiben
des Sozialamts der Gemeinde
B._
vom 15. September 2020 sei
aber
eine konsequente medikamentöse Behandlung unrealistisch, auch laut gutachterlicher Stellungnahme bestehe eine fragliche medikamentöse Compliance.
Daraus sei zu schliessen, dass die medikamentöse Behandlung bisher nicht adäquat umgesetzt worden sei. Unter konsequenter Medikation, im Idealfall mit Spiegelkontrollen zur Überprüfung
von
Compliance und Response, sei daher weiter überwiegend wahrscheinlich eine Remission der Depression zu erwarten.
Der Beschwerdeführer sei stark belastet durch diverse private Angelegenheiten, wie zum Beispiel regelmässige Arzttermine, Wohnungssuche oder den Einwand gegen den IV-Vorbescheid. Die Belastung durch seine Gesamtsituation sei schliesslich zu hoch. Psychosoziale Belastungen und nicht
die
krankheitsbedingte Symptomatik stünden demnach im Vordergrund. Es seien keine neuen, unberück
sichtigten medizinischen Fakten oder Tatsachen vorgebracht worden. Aus ihrer Sicht könne daher an der Stellungnahme vom 6. Juli 2020
(E. 3.4)
fest
gehalten werden.
3.
7
Gestützt
auf die RAD-Beurteilung
en
schloss die Beschwerdegegnerin mit
Ver
fügung vom 4. März 2021 (Urk. 7/108)
das
Vorliegen einer dauerhaften gesund
heitlichen Einschränkung weiterhin aus.
(S. 1 f.).
4.
4.1
Im Zug des Verfahrens bezüglich Neuanmeldung vom
8. November 2021 (Urk. 7/120)
legte der Beschwerdeführer folgende medizinische Unterlagen auf:
4.2
Oberarzt
Dr. med.
C._
und Assistenzärztin Dr. med.
K._
von der
Psychiatrie E._
nann
te
n in ihrem Abschlussbericht vom 3
.
November
20
21
(Urk.
7/118/3-5
)
über eine teilstationäre Behandlung vom 17. Mai bis 17. September 2021
folgende
psychiatrische
n
Diagnosen (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung; Erstdiagnose 2020 (ICD-10 F61)
Die
Psychiatrie E._
-Ärzte
erfass
t
en zum Psychostatus,
im
Kontakt sei
der Beschwerdeführer
freundlich, teils misstrauisch. Es seien leichte Störung
en
der Konzentration, der Auffassung und des Gedächtnisses feststellbar. Form
al
gedanklich sei der Beschwerdeführer leicht verlangsamt und umständlich,
wenn auch
kohärent, so
wie
eingeengt auf Zukunftsängste mit ausgeprägtem Grübeln. Im Affekt sei der Beschwerdeführer äusserlich affektarm,
die Mimik und der Blick seien
auffallend starr,
er
sei ratlos und deprimiert. Festzustellen seien Insuffizienzgefühle, Scham
gefühle, eine innere Unruhe und eine Störung der Vitalgefühle. Der Antrieb sei reduziert
.
Es bestünden Ein- und Durchschlafstörungen sowie ein sozialer Rück
zug (S. 2).
Zudem hielten sie fest,
eine antidepressive Medikation lehne der Beschwerdeführer klar und durchgehend ab aufgrund seiner bisherigen Erfahrung mit ausbleibender Wirkung und belastenden Nebenwirkungen. Es
zeige sich bei einem
chronifzierten
klinischen Zustandsbild nur eine minime Veränderung bezüglich der anhaltend depressiven Symptomatik
(S.
3
).
4.3
Dr. med.
F._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
attestierte dem Beschwerdeführer in Arbeitsunfähigkeitszeugnissen vom 1. Januar bis 30. April 2021 und vom 17. September bis 30. November 2021 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/118/1-2 und Urk. 7/118/6-7).
4.4
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
lic
. phil.
H._
, bei welchen sich der Beschwerdeführer seit dem 18. September 2019 (Ziff. 3.1) in Behandlung befindet, nannten in ihrem
undatierten
Bericht
mit letzter vorgängiger Kontrolle am 2. Dezember 2022 [richtig
wohl
: 2021
; Urk. 7/126
]
folgende
psychiatrische
n
Diagnosen (Ziff. 1.2):
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1, gemäss ICD-11 komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, Erstdiagnose 2021)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und paranoiden Anteilen (ICD-10 F61.0) nach schwerstem frühkindlichem sexuellen, körperlichen und emotionalen Missbrauch (ICD-10 T74) erst
malig diagnostiziert Juli 2020
-
Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig
schwere Episode (ICD-10 F33.2)
, Erstdiagnose 2021
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Al
kohol, schädlicher Ge
brauch, gegenwärtig
abstinent (ICD-10 F10.10)
Die Fachpersonen führten aus, seit
dem letzten Bericht am 10. September 2020 sei eine erneute Verschlechterung der depressiven Symptomatik mit ausgeprägter Antriebsarmut und
-
hemmung, grosser Traurigkeit und Hilflosigkeit, sozialem Rückzug und ausgeprägter Müdigkeit erfolgt
, was
eine erneute teilstationäre Behandlung in der
Klinik
J._
vom 17. Mai bis zum 17. September 2021
nach sich gezogen habe
. In deren Verlauf sei eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert worden. Bei Austritt habe sich trotz intensiver Therapie bei
chronifiziertem
klinischen Zustandsbild eine nur minime Veränderung bezüg
lich der anhaltend depressiven Symptomatik gezeigt. Nachdem sich das Zustands
bild nur kurze Zeit nach Austritt aus der
Klinik J._
erneut verschlechtert habe, sei ein Versuch
,
eine antidepressive Medikation erfolgreich zu etablieren
,
erfolgt.
Auch diese antidepressive Medikation habe bisher nur ungenügende Wirkung gezeigt. In den nächsten Wochen sei deshalb ein weiterer Wechsel geplant.
Beim Beschwerdeführer sei im Verlauf der Behandlung zudem erstmalig 2021 die Diagnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung gestellt worden.
W
ieder
holte Traumatisierungen
hätten
infolge von Erfahrungen körperlicher beziehungsweise emotionaler Vernachlässigung in der frühesten Kindheit erheb
liche Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, F
ü
hlens und auch der Inter
aktion mit der Umwelt nach sich gezogen. Zudem bestünden Veränderungen in der Selbstwahrnehmung sowie der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins. Der Beschwerdeführer erlebe wiederholt dissoziative Episoden mit Depersonalisationserleben
(Ziff. 1.3
S. 1 f.).
Zum psychopathologischen Befund hielten die Fachpersonen fest, die Schwingungsfähigkeit sei reduziert. Der Beschwerdeführer habe von Konzentrations-, Merkfähigkeit
s
- und Gedächtnisstörungen berichtet, welche im Gespräch leichtgradig auffällig geworden seien. Im formalen Denken sei er um
ständlich, grübelnd. Es bestehe ein Misstrauen. Die Affektivität sei negativ her
abgestimmt. Eine Störung der Vitalgefühle sei feststellbar. Der Beschwerdeführe
r
sei deprimiert, hoffnungslos, gereizt und innerlich unruhig. Es bestünden In
suffizienzgefühle, Verarmungsgefühle, ein Gefühl der Gefühllosigkeit. Der Beschwerdeführer sei ratlos, affektstarr, äusserlich affektarm, mit auffallend starre
r
Mimik und
starrem
Blick. Zudem sei er antriebsarm und antriebsgehemmt. Es
bestünden
ein ausgeprägter sozialer Rückzug, Ein- und Durchschlafstörungen sowie eine ausgeprägte Müdigkeit (
Ziff. 1.3
S. 2 oben
).
Hinsichtlich der funktionellen Einschränkungen berichteten Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
,
die misstrauische Persönlichkeits-Struktur des
Beschwerdeführers
falle
gleichermassen bei der Arbeit wie auch im Privaten
auf
. So fühle er sich rasch unfair behandelt und nicht ernst genommen. Zudem sei eine fehlende Nähe-Distanz-Regulation beobachtet worden. Er duze Vorgesetz
t
e, stelle schnell eine übermässige emotionale sowie physische Nähe her, welche Kunden wie Mitarbeiter gleichermassen irritierten. Zudem zeige er insbesondere in Belastungssituationen impulsives Verhalten mit einer erhöhten Konflikt
neigung. Dies
habe
in der Vergangenheit zu wiederholten Behandlungs- und Beziehungsabbrüchen
geführt
. Sowohl die Stress- als auch Frustrationstoleranz
seien
deutlich reduziert.
Durch die beschriebenen Defizite
bestehe
eine
deutliche Überforderung bei der Arbeit sowie dem familiären
Alltag
(Ziff. 1.3 S. 2 Mitte)
.
Die zuletzt ausgeführte Tätigkeit könne auf dem zweiten Arbeitsmarkt vier Stunden pro Tag ausgeübt werden (Ziff. 2.1).
5.
5.1
Der
Beschwerdeführer
reichte im Verwaltungsverfahren
den
Psychiatrie
E._
-
Abschluss
bericht vom 3.
November 2021 (
E. 4.2
)
, den Bericht von Dr.
F._
und Psychotherapeutin
lic
. phil.
H._
vom 2. Dezember 2021 (E. 4.4) sowie
Arbeits
unfähigkeitszeugnisse von Dr.
F._
(E. 4.3)
ein
. Da in erster Linie eine ver
änderte Befundlage für die Beurteilung einer wesentlichen Veränderung
ent
scheidend
ist,
bilden die
eingereichten
Arbeitsunfähigkeitszeugni
s
se von Dr.
F._
keine Grundlage
hierfür
(E. 1.3)
.
5.2
Die von
den
Psychiatrie
E._
-Ärzten in ihrem Bericht vom 3. November 2021 (E. 4.2) beschriebene Symptomatik und
die
Befunde finden sich in Ausprägung und Aus
mass bereits in ihrem Bericht vom 31.
Januar 2020 (E. 3.2) wieder, welcher unter anderem Grundlage der leistungsverweigernden Verfügung
vom 4. März 2021
bildete (vgl. E. 3.4 und E. 3.6-7).
Die abweichende Diagnosestellung (
mittel
gradige depressive Episode sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten der Lebensbewältigung mi
t
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen
gegenüber
aktuell
:
rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
) ändert daran nichts
(vgl. E. 1.3)
.
Was
die im Vordergrund stehende depressive Störung angeht, wird wiederum
eine
mittelgradige Episode
diagnostiziert
.
Der Schweregrad
und damit die entscheidenden funktionellen Auswirkungen
ha
ben
sich nicht verändert.
Die
Psychiatrie E._
-Ärzte folgerten denn in ihrem Bericht auch, dass sich
–
wenn auch
bei
chronifiziertem
Zustandsbild - nur eine minime Veränderung bezüglich der depressiven Symptomatik ergeben ha
be
(E. 4.2).
Entsprechend empfahlen sie dem
Beschwerdeführer
,
mit
seinem
«Verschlechterungsgesuch»
bei aktuell gleich
bleibender gesundheitlicher und therapeutischer Situation bis mindestens 2022
zuzuwarten (Urk. 7/118/5)
.
Der im wesentlichen unverändert
e
Gesundheitszustand
bestätigt sich mit Blick auf
den
von
den
Psychiatrie
E._
-Ärzten
erhobenen
psychopathologischen
B
efund
.
Die in den B
erichten vom 31.
Januar 2020 (E. 3.2) und vom 3. November 2021 (E. 4.2)
wiedergegebenen Ergebnisse der psychologisch/psychiatrischen Untersuchung
en
zeigen sich
weitgehend
deckungsgleich
(leichte Störung der Konzentration, formalgedankliche Einengung auf Zukunftsängste mit starkem Gedankenkreisen respektive Grübeln, im Affekt äusserlich affektarm mit auffallend starrem Blick und Mimik, Ein- und Durchschlafstörungen, ratlos und deprimiert, teils miss
trauisch respektive teils paranoid-misstrauisch, sozialer Rückzug, mittelgradig gehemmter Antrieb respektive reduzierter Antrieb,
Insuffizienzgefühle, innere Unruhe, Störung der Vitalgefühle
)
.
Neu im
Psychiatrie E._
-Bericht vom 3. November 2021
wurden
gegenüber
dem
Bericht vom 31. Januar 2020 leichte Gedächtnis
störungen festgestellt
;
diese
finden sich aber
bereits, wie auch
die
Chronifizierung
der depressiven Störung
,
im
Bericht
von Dr.
F._
vom 10. September 2020 (E. 3.5)
und lassen nicht auf eine neuanmeldungsrechtlich relevante veränderte B
efundlage schliessen
. Auch betonten die
Psychiatrie E._
-Ärzte in ihrem Bericht vom 3. November 2021
wiederum
die mangelnde Compliance des Beschwerdeführers hinsichtlich der Medikation,
was
auch bei der Verfügung vom 4. März 2021 ein
e
Rolle
ge
spielt
hatte
(vgl. E.3.7).
Demnach
beschrieben
die
Psychiatrie E._
-Ärzte in ihrem Bericht vom 3. November 2021 (E. 4.2)
weder einen
psychopathologischen Befund
noch
einen Schweregrad der Symptomatik, die in ihrer Ausprägung oder im Ausmass e
ine Verschlechterung des Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers - insbeson
dere hinsichtlich möglicher hin
zugetretener funktioneller Einschränkungen - glaubhaft machen.
5.3
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
postulierten
in ihrem Bericht mit letzter vorgängiger Kontrolle am 2. Dezember 2021 (E.
4.4), der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers habe sich gegenüber ihrem Vorbericht vom 10. September 2020
(E. 3.5)
verschlechtert. Sie diagnostizierten
nunmehr
eine gegenwärtig schwere Episode
der rezidivierenden depressiven Störung
und stellten
neu
auch die Diagnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung.
Da
gegen gingen sie im Zusammenhang mit der
Diagnose
psychische
und Ver
haltensstörungen durch Alkohol
von einer aktuellen Abstinenz
und nicht mehr von einem schädlichen Gebrauch
aus.
Wie
dargelegt (E. 1.3)
,
genügt
eine
ab
weichende Diagnosestellung
für sich alleine
nicht
,
um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen
;
notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage, welche Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der funktionellen Leistungsfähigkeit
bietet
(vgl
. E. 1.3 und E. 5.2 vorstehend)
.
Die im Bericht über die Kontrolle vom 2. Dezember 2021 (E. 4.4)
beschriebene Symptomatik und
die psychopathologischen
Befunde
deck
en sich in Ausprägung und Ausmass
ganz wesentlich
mit den von D
r.
F._
in den Vorberichten vom
28. März 2020 (E. 3.3)
und vom
10. September 2020
(E.
3
.
5
)
aufgeführten
, wobei
der Befund
in letzteren
teilweise
gar leicht
gravierender umschrieben
worden war
(u
rsprünglich
geringe und aktuell reduzierte Schwingungsfähigkeit
, u
rsprünglich auffällige und aktuell leichte
Konzentrations-, Merkfähigkeit
s
- und Gedächtnis
störungen
). Neu stellten Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
ausdrücklich eine Traurigkeit fest, wobei der Beschwerdeführer
zuvor
schon als deprimiert
und
hoffnungslos beschrieben
worden war
. Das Fazit im Bericht über die Kontrolle vom 2. Dezember 2021
von Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
lautete denn auch, dass
sich hinsichtlich der depressiven Symptomatik nur minime Ver
änderungen gezeigt hätten. Gerade was die Umschreibung der funktionellen Ein
schränkungen im Bericht über die Kontrolle vom 2. Dezember 2021 angeht
(E. 4.4 dritter Abschnitt)
, finden sich darin nur Hinweise auf die zuvor festgestellten und bekannten impulsiven Ausbrüche des Beschwerdeführers
sowie die mit dem Miss
trauen gegenüber anderen einhergehenden Auswirkungen (vgl. E. 3.2-3, E. 3.5)
.
Im Zusammenhang mit der neu diagnostizierten posttraumatischen Belastungs
störung verwiesen Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
denn auch
auf die unter Ziffer 2.1 im Bericht vom 10. September 2020 wiedergegebene Vor
geschichte und Entwicklung des Beschwerdeführers
, gemäss welcher er bereits im frühen Jugendalter Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation bekundet und früh Interaktionsstörungen gezeigt habe
(Urk. 7/9
6 S. 2 f., 7/126 S. 1 f.)
. Dass sich diese Symptomatik im Zusammenhang mit der nunmehrigen Diagnostik seit Er
lass der Verfügung vom 4. März 2021 verschlechtert haben soll, lässt sich dem Bericht zur Kontrolle vom 2. Dezember 2021 nicht entnehmen.
Nach dem Gesagten
erfassten
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
H._
keinen psychopathologischen Befund oder einen Schweregrad der Symptomatik, die in ihrer Ausprägung oder im Ausmass eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes des Beschwerdeführers - insbeson
dere hinsichtlich möglicher hin
zu
getretener funktioneller Eins
chränkungen - glaubhaft machen.
Dies lässt sich denn auch gut in der von ihnen
unverändert
postulierten Arbeitsfähigkeit von 50 %
respektive vier Stunden täglich
im
zweiten
Arbeitsmarkt ablesen.
5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit den im Ver
waltungsverfahren eingereichten
Unterlagen
(E. 4.2-E. 4.4) keine rentenrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen vermochte.
Es ist daher
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuan
meldung nicht eingetreten ist. Die Beschwerde ist in der Folge
abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist
.
6.
6.1
Der
Beschwerdeführer
beantragte (Urk. 1 S.
2) die unentgeltliche Rechtspflege unter Bestellung von
Rechtsanwältin
Yolanda
Schweri
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Prozessführung schien zum Zeitpunkt der Verfahrens
einleitung nicht aussichtlos, die
Bedürftigkeit des
Beschwerdeführer
s
ist aus
gewiesen (Urk. 3/4
) und eine
Rechtsverbeiständung
geboten.
Ihm
ist daher die unentgeltliche Rechtspflege unter Bestellung von
Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
, Zürich,
als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu gewähren (vgl. BGE
103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
6
.2
D
ie Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- festzu
setzen. Ausgangsgemäss sind sie
dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der bewilligten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
, Zürich,
ist als unentgeltliche Rechtsvertreterin aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Mit Kostennote vom 8. Juli 2022 wies
die Rechtsvertreterin
einen Zeit
aufwand von 9.2 Stunden und Barauslagen von Fr. 20.30 aus (Urk. 10). Diese Aufwendungen erscheinen als gerechtfertigt. Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- resultiert daraus eine Ent
schädigung von Fr. 2'201.70
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
Der Beschwerdeführer
ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Auslagen für die Vertretung ver
pflich
tet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.