Decision ID: f5a8dea1-fb32-5937-af24-ad746d89085e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
war
seit dem
3.
Juni 1991 bei der
Y._
Ge
nossen
schaft
als
Produktionsmitarbeiterin
tätig
(
Urk.
7/14
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7
)
und meldete
sich am
8.
September 2016
u
nter Hinweis auf
Erschöpfung, Gelenkbeschwerden und Arthrose
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1
Ziff.
6.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentag
geld
ver
sicherung
bei (
Urk.
7/9,
Urk.
7/19,
Urk.
7/22
)
und verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
7/35
;
Urk.
7/38
) mit Verfügung vom
9.
Juli 2018 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
7/
41
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
7.
September 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
9.
Juli 2018
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es seien
ihr
Leistungen der Invalidenversicherung (Rente, berufliche Massnahmen etc.) zuzu
sprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
Dezember 2018
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
7.
Januar 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgeh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
die Arbeits
unfähigkeit der Beschwerdeführerin
sei durch schwierige Belastungssituationen in Verbindung mit Konflikten am Arbeitsplatz sowie einer Doppelbelas
tung
durch
d
ie 100%ige
Erwerbsstelle und den
Haushalt
sowie die
Beaufsichtigung der Enkel
kinder ausgelöst worden. Verschiedene Behandlungen seien von der B
eschwerde
führerin
abgebrochen worden, was auf einen geringen Leidensdruck schliessen lasse. Demnach bestehe kein invalidisierender Gesundheitsschaden. Dem
einge
reichten
Arztbericht vom
14
.
Juni
2018 lasse sich nichts Neues entnehmen
(S.
1
f.)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass sie
zumindest seit dem 2
3.
Juni 2016
unter einer
schwergradigen
, thera
pie
resistenten und mittlerweile
chronischen depressiven Störung
leide,
wobei sich die Agoraphobie mit Panikstörung leicht geb
essert habe. Somatisch leide sie
an einer Arthrose, welche mit starken Schmerzen einhergehe
.
Aus fachärztlich psy
chiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bis
herigen als auch in einer angepassten Tätigkeit (S. 3 f.
Ziff.
2).
Der Bericht
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
genüge nicht. Vielmehr sei auf die Ausfüh
rungen der behandelnden Ärzte und
auf die im Auftrag der Krankentag
geld
versicherung erstellte Kurzbeurteilung
und von einer vollen A
rbeitsunfähigkeit
im ersten Arbeitsmarkt und somit von einem Invaliditätsgrad von 100
%
aus
zu
gehen
(S. 4
ff.
Ziff.
4-6)
. Zudem seien ihre physisch bedingten Einschränkungen vollständig ausser Acht gelassen worden
(S. 9 f.
Ziff.
7)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom
2.
November 2016
(
Urk.
7/10/1-6
)
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1):
-
Erschöpfungsdepression und Panikattacken, bestehend seit dem 2
0.
April 2016
-
chronisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom, überwiegend degenerativer und
myofascialer
Genese, bestehend seit 2015/2016
-
chronisches
Panvertebralsyndrom
-
chronisches
myofasziales
Schmerzsyndrom im Nacken- und Schulter
gürtelbereich
-
Impingement
rechte Schulter
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
Z._
einen Vitamin D-Mangel und eine Adipositas (
Ziff.
1.1).
Dr.
Z._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit 1992 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 1
8.
Oktober 2016 erfolgt (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin der
Y._
bestehe seit dem 2
0.
April 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). Mit einer Wiederauf
nahme einer beruflichen Tätigkeit könne nur in einer angepassten Tätigkeit gerechnet werden. Wann das sein werde, sei noch nicht voraussehbar (
Ziff.
1.9).
Sich
er sei keine Arbeit mit schwerem
körperlichem Einsatz möglich (Ziff. 1.4).
3.2
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum
B._
,
stellte in ihrem
Bericht vom
7.
November 2016
(
Urk.
7/11/1-6)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
schwere depressive Episode, ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2),
vermutlich seit Anfang 2016
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F41.0), vermutlich seit Anfang 2016
Dr.
A._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
3.
Juni 2016 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 3
1.
Oktober 2016 erfolgt (
Ziff.
1.2)
. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem 2
3.
Juni 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). Es bestünden
massive psychische Beeinträchti
gung
en im Sinne von Konzentrationsstörungen
, Ängsten, einer bedrückten Stim
mung, Freudlosigkeit, Gedankenkreisen
,
einem stark reduzierten Antrieb und einer deutlich erhöhten Erschöpfbarkeit. Es bestehe eine stark reduzierte Belast
barkeit. Auch für eine behinderungsangepa
sste Tätigkeit bestehe eine 100%
ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.7).
Dr.
A._
führte aus, die Erhebung des Psycho
status sei aufgrund
der Sprachbarriere
etwas erschwert gewesen. Die Tochter habe teilweise übersetzt (
Ziff.
1.4).
3.3
Dr.
med.
C._
,
Fachärztin für Rheumatologie und für Allge
meine Innere Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom
1
9.
November 2016 (
Urk.
7/12
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronisches
Panvertebralsyndrom
-
chronisches
myofasziales
Schmerzsyndrom im Nacken- und Schulter
gürtel
bereich
-
aktivierte Gonarthrose rechts
-
Impingement
der rechten Schulter bei Bursitis
subakromialis
Dr.
C._
führte aus,
die Beschwerdeführerin sei seit dem 3
0.
Mai 2016 bei ihr in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 2
6.
September 2016 erfolgt (
Ziff.
1.2). I
n der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin in der
Y._
bestehe seit April
2016 bis
mindestens September 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). Es bestehe eine verminderte Belastbarkeit des rechten Armes und des rechten Knies. Die Beschwerdeführerin sei eingeschränkt beim Heben und Tragen von grösseren Gewichten. Es bestünden Einschrän
kungen bei Überkopftätigkeiten und repetitivem Knien. Für eine leichte, wechsel
belastende
,
nicht ausschliesslich sitzende Tätigkeit, ohne Krafteinsatz des rechten Armes und ohne repetitives Knien
,
sei die Patientin aus rheumatologischer Sicht wahrscheinlich mindestens
zu
70
%
arbeitsfähig
(
Ziff.
1.7).
3.4
Am 1
4.
Dezember 2016 erstattete
Dr.
med. D._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
seine
p
sychiatrische Kurzbeurteilung
(
Urk.
7/19
/10-
30
).
Dr.
D._
stellte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19 f.):
-
organisch-depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
sode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F06.32) aufgrund der ausge
prägten Suchterkrankung
(
Lorazepam
-Abhängigkeit)
-
organisch bedingte Angststörung mit Panikattacken und generalisierten Ängsten (ICD-10 F06.4), überwiegend wahrscheinlich ebenfalls induziert durch die
Lorazepam
-Abhängigkeit
-
Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastungssituation (ICD-10 F43.2)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Differenzialdiagnose undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.
1), begleitet von diffusen Beschwerden (Schmerzen, Schwindel, An
fälle, Missempfindungen)
Dr.
D._
führte aus, die Untersuchung der Versicherten habe am
6.
Dezember 2016 in seiner Praxis stattgefunden (S. 1 Mitte).
In der Selbsteinschätzung erlebe sich die Beschwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsunfähig. Der Selbsteinschätzung der Versicherten könne aufgrund der im Rahmen der aktuellen Exploration erho
benen medizinischen Befunde gefolgt werden (S. 19 Mitte). Gegenwärtig bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. Diese Einschränkung gelte seit dem Erkrankungsbeginn am 2
1.
April 2016 (S. 21
oben).
Dr.
D._
führte aus, im Rahmen der Untersuchung hätten sich keine Beein
trächtigungen der Bewusstseinsklarheit und der Bewusstseinshelligkeit gezeigt. Die Versicherte sei zu allen Qualitäten vollständig orientiert gewesen. Die Auf
merksamkeit habe für die Dauer des Gesprächs durchgehend aufrechterhalten werden können.
Sie
habe über die gesamte Zeitspanne von 120 Minuten aufmerk
sam das Gespräch verfolgt. Die Konzentration sei durchgehend ungestört gewe
sen.
Es hätten sich keine Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und keine Merk
fähig
keitsstörungen gezeigt. Auch das Langzeitgedächtnis habe sich klinisch unauf
fällig gezeigt (S. 14 Mitte). Inhaltlich habe die Versicher
t
e über diffuse Ängste, Panikattacken, ein Unruhegefühl und über die Angst vor dem Sterben berichtet (S. 14 unten). Die Stimmung sei durchgehend gedrückt und zum depressiven Pol verschoben gewesen.
Sie
sei vermindert schwingungsfähig
, und der
Antrieb sei vorübergehend leicht
gesteigert. Psychomotorisch habe eine reduzierte Mimik und Gestik bestanden,
und
die Beschwerdeführerin habe sich sehr gequält gege
ben (S. 15 Mitte).
Dr.
D._
führte aus, es
handle
sich um eine durchaus
authentische Beschwerde
schilderung
, und die gutachterliche Konsistenzprüfung habe keine
n
Hinweis auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionseinschränkungen ergeben
(S.
17 oben).
3.5
Med.
pract
.
E._
, Oberärztin, Psychiatriezentrum
F._
,
Klinik
G._
, nannte in ihrem Austrittsbericht vom 3
0.
Januar 2017 (
Urk.
7/17) nach der
tages
klinischen Behandlung der Beschwerdeführerin vom 1
4.
Oktober bis 2
2.
Novem
ber 2016
als Diagnose eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01).
Zum psychopathologischen Befund bei Eintritt führte med.
pract
.
E._
aus, die Beschwerdeführerin sei wach und zu allen Qualitäten orientiert. Es bestünden keine Hinweise auf Auffassungs-, Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen. Die Patientin wirke sehr ängstlich und angespannt und sei affektiv affektarm. Es bestehe eine starke Störung der Vitalgefühle. Sie sei deprimiert und ängstlich, innerlich unruhig und der Antrieb sei vermindert (S. 2 Mitte).
L
aut
ihren
Angaben habe sie seit etwa April 2016
aufgrund einer Angst- und Paniksymptomatik nicht mehr arbeiten können. Sie könne den Haushalt
nicht mehr
erledigen und
nicht mehr auf die Enkelkinder aufpassen.
Auch
gehe
sie
nicht mehr nach draussen und könne nicht mehr alleine sein
. Sie könne sich auch nicht in Räumen aufhalten, da sie sonst Panik
bekomme.
Sie habe Ängste, dass der Familie etwas Schlimmes passieren könnte
,
fühle sich innerlich unruhig und sei ständig nervös (S. 1
Mitte
).
Zum Verlauf führte med.
pract
.
E._
aus,
während der Therapie h
abe
eine zum Teil wechselnde Symptomatik beobachtet werden können, jedoch sei die Patientin überwiegend weinerlich, deprimiert und ängstlich gewesen. Sie habe an innerer
Unruhe gelitten. Trotz der grossen Motivation sei es ihr nicht gelungen, regel
mässig
und auf Dauer das einmal wöchentliche Therapieprogramm am Dienstagnach
mittag zu besuchen. Anschliessend sei sie der Therapie ferngeblieben und diese sei beendet worden (S. 2 Mitte).
3.6
Dr.
C._
führte in ihrem Bericht vom
8.
März 2017 (
Urk.
7/19/8-9) aus, es liege eine aktivierte Gonarthrose rechts sowie eine
Periarthropathia
hume
roscapularis
(
PHS
) rechts
mit fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der
Rotatorenmanschette
vor
. Zudem bestehe ein
Panvertebralsyndrom
und ein chro
nisches
myofasciales
Schmerzsyndrom der Nacken- und Schultergürtelmusku
latur bei Fehlhaltung und degenerativen Veränderungen. Alle diese Diagnosen beeinflussten die Arbeitsfähigkeit. Die MRI-Untersuchung habe als Hauptbefund eine Ruptur der
Supraspinatus
- und der
Subscapularissehne
ergeben (S. 1
Ziff.
3).
Aufgrund der multiplen gesundheitlichen Problemen von Seiten des Bewegungs
apparates sei davon auszugehen, dass die Patientin als Produktionsmitarbeiterin
wahrscheinlich dauernd arbeitsunfähig bleibe (S. 2
Ziff.
7).
Dr.
C
._
führte
aus, sie könne zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit keine
aktuell
An
gaben machen. Die orthopädische Beurteilung müsse abgewartet werden
. So
fern eine Operation
(der rechten Schulter)
erfolge, sei die Patientin anschlies
send sicher mehrere Monate für jegliche Tätigkeit nicht arbeitsfähig (S. 2
Ziff.
8).
Eine bleibende Einschränkung der Belastbarkeit ist eher wahrscheinlich (S. 1 Ziff.
5)
.
3.7
Dr.
med.
H._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
I._
, Assistenzarzt, Ortho
pädie Obere Extremitäten
,
Klinik
J._
,
stellten in ihrem Bericht vom
3
0.
März
2017 (
Urk.
7/20
/2-4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schulterschmerzen rechts mit/bei
-
transmuraler
Supraspinatus
- und
Subscapularissehnenruptur
-
Status nach mehreren Infiltrationen, letztmalig
subacromial
Ende September 2016
-
multilokuläre
Schmerzsymptomatik mit/bei
-
chronischem
Panvertebralsyndrom
-
chronischem
myofaszialem
Schmerzsyndrom im Nacken- und Schulter
gürtelbereich beidseits
-
Gonarthrosen, rechts aktiviert
Als Nebendiagnosen nannten die Ärzte eine Erschöpfungsdepression und Panik
attacken, eine Adipositas sowie eine Allergie gegen Paracetamol (S. 1).
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin sei zur
Reevaluation
der
seit gut einem Jahr bestehenden Schulterschmerzen rechts zugewiesen worden. Ohne auslösendes Ereignis hätten sich Dauerschmerzen mit bewegungsabhängiger Exazerbation im Bereich der rechten Schulter eingestellt.
Dies so stark, dass die Patientin ihren Aufgaben
in der
Y._
mit dem Heben schwerer Gegenstände nicht mehr habe nachkommen können
. Insgesamt best
ehe
aufgrund der sozialen Situation mit drohendem Arbeitsplatzverlust aufgrund der langen Arbeitsunfähigkeit sowie der IV
-Berentung des Ehemannes und der finanziellen Probleme eine Erschöp
fungs
depression (S. 1 unten).
Die Ärzte
hielten abschliessend fest, dass
vor dem Hintergrund der ubiquitären Schmerzproblematik und des nur geringen Erfolgs der stattgehabten Infiltra
tio
nen operativ
keine wesentliche Befundänderung
zu erwarten wäre
(S. 2 unten).
3.8
Dr.
med.
K._
,
Leitender Arzt Sportmedizin,
Klinik
J._
, nannte
in seinem
am 1
5
.
November 2017 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen Bericht
(
Urk.
7/26
/6-10
)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine somatische Dysfunktion der gesamten schulterführenden Muskulatur rechts mit/bei
transmuraler
Supraspinatus
- und
Subscapularissehnenruptur
und Status nach mehreren Infiltrationen, letztmalig
subacromial
im
September 2016.
Als Nebendiagnosen nannte
Dr.
K._
eine reaktive
psycho-physische
Erschöp
fungsreaktion im Sinne einer reaktiven Depression mit Angststörung und Panik
attacken, ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom, eine somatische Dys
funktion des
cervikothorakalen
und
lumbosakralen
Überganges mit konsekutiver Blockierung
des
Iliosakralgelenkes
(ISG)
rechts, eine beidseitige Gonarthrose, rechts aktiviert
,
und eine Allergie gegen Paracetamol (
Ziff.
1.1).
Dr.
K._
führte aus, die Beschwerdeführer
in
sei seit dem
4.
Juli 2017 in seiner Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 3
0.
Oktober 2017 erfolgt. Voraus
sichtlich werde die Behandlung bis am 1
3.
November 2017 dauern
(
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Die Beschwerden der Patientin bei bestehenden umfänglichen Nebendiagnosen und psychophysischer Erschöpfung und Vorer
kran
kung würden auch im Rahmen einer chronischen Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren gesehen, die prognostisch einen sehr schwie
rigen Kontext darstellten. Das Erreichen einer mehr als für den Haushalt aus
reichenden Gesamtsituation erscheine aus derzeitiger Kenntnis der Patientin für nicht sehr wahrscheinlich (
Ziff.
1.11).
3.
9
Die Fachpersonen
der
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Klinik
G._
,
stellten in ihrem Bericht vom 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
7/29) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Adipositas
-
Gonarthrose beidseits, nicht näher bezeichnet
-
Schmerzen in der rechten Schulter seit 2016 bei
Rotatoren
man
schetten
ruptur
, inoperabel
Die Fachpersonen führten aus, die Beschwerdeführerin habe sich vom 1
0.
bis 2
5.
Januar 2017 und vom
5.
bis 2
7.
Oktober 2017 in ihrer stationären Behand
lung befunden (
Ziff.
1.3). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Angestellte in einer Bäckerei einer
Y._
Filiale habe vom
5.
bis 2
7.
Oktober 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (
Ziff.
1.6).
Die Arbeitsfähigkeit könne lediglich für den Zeitraum der
Hospitalisation
der Patientin an ihrer Klinik beurteilt werden, wobei sie für diesen Zeitpunkt zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Die nach
folgende Arbeitsfähigkeit müsse durch die ambulant betreuenden Ärztinnen beu
rteilt werden (
Ziff.
1.7).
Die Fachpersonen führten aus,
d
a die Patientin nicht ausreichend fähig
gewesen sei
, sich auf die Therapie einzulassen und eine erhebliche Sprachbarriere bestan
den habe, sei eine stationäre Psychotherapie im engeren Sinn nicht möglich gewesen
.
Die
Patientin
sei
durch die Schmerzen im Schulter- und Kniebereich zu stark eingenommen gewesen, als dass sie sich hinreichend auf eine psycho
the
rapeutische Behandlung hätte einlassen können. Auf Wunsch der Patientin und in Absprache mit
ihrer Familie sei in gegenseitigem Einvernehmen der Austritt aus der stationären Betreuung entschieden worden (
Ziff.
1.4).
3.10
Dr.
A._
stellte in ihrem Bericht vom
2
8.
Februar 2018
(
Urk.
7/30/1-5) folgende
Diagnose
n mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
schwere depressive Episode, ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2), mittlerweile chronisch und therapieresistent, vermutlich seit mindestens Anfang 2016
-
Agoraphobie und Panikstörung (ICD-10 F41.0), vermutlich seit Anfang 2016
-
Arthro
se mit diffusen Gelenk- und Muskel
beschwerden
Dr.
A._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
3.
Juni 2016 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 1
3.
Februar 2018 erfolgt (
Ziff.
3.1). Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.1).
3.11
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Chirurgie,
RAD, nannte in seiner Stellung
nahme vom
5.
März 2018 (
Urk.
7/34/7-8) als Diagnosen mit dauerhafter Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine somatische Dysfunktion der gesamten schul
ter
führenden Muskulatur rechts mit/bei
transmuraler
Supraspinatus
- und
Subsca
pularissehnenruptur
und Zustand nach mehreren Infiltrationen, letztmalig
subacro
mial
im September 201
6.
Als Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
L._
eine Adipositas, eine reaktive psycho
physische Erschöpfungsreaktion im Sinne einer reaktiven Depression (ICD-10 F32.2), eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F41.0), ein chronisches pan
verte
brales Schmerzsyndrom, eine somatische Dysfunktion de
s
cervikothorakalen
und
lumbosak
ralen
Überganges mit konsekutiver ISG-Blockierung rechts sowie eine Gonarthrose beidseits, rechts aktiviert.
Dr.
L._
führt
e aus
,
in der bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin bestehe seit dem 2
0.
April 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer be
hinderungsangepassten Tätigkeit bestehe seit jeher keine Arbeitsunfähigkeit.
Leichte angepasste Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von L
asten über 5 kg, ohne beidseitiges Arbeiten in Armvorhalte und
ohne
Über
kopfarbeiten seien zu 100
%
medizinisch-theoretisch zumutbar.
3.12
Med.
pract
.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie
, RAD, führte in seiner Stellungnahme
vom
9.
Mai 2018 (
Urk.
7/34/9-12)
aus, auf
grund der vorliegenden Unterlagen bestehe keine psychiatrische Diagnose mit Aus
wirkung auf
die Arbeitsfähigkeit. Es liege mit überwiegender Wahrschein
lich
keit aus psychiatrischer Sicht kein die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkender Gesundheitsschaden vor.
In der Zusammenschau aller verfügbaren Unterlagen
überwiegten
die Hinweise auf Aggravation, Selbstlimitierung und mangelnde Moti
vation deutlich. Der ambulanten
Behandlerin
hätten möglicherweise die ent
sprechenden Dokumente und Informationen nicht oder nicht vollumfänglich vor
ge
legen, sodass die Beurteilung einer schweren psychiatrischen Erkrankung dad
urch zu erklären sei. Es lägen die nachfolgend genannten Hinweise auf ver
si
cherungsfremde Faktoren vor. So sei die Arbeitsunfähigkeit nach mehrfach doku
mentierten Konflikten am Arbeits
platz und in direktem zeitlichem
Zusammen
hang mit der Verlegung des Arbeitsplatzes nach
Schafisheim
im Kanton Aargau aufgetreten.
Erst später sei die erstmalige psychiatrische ambulante Behandlung erfolgt.
Med.
pract
.
M._
führte aus, dass verschiedene empfohlene Behandlungen von der Kundin abgebrochen worden seien.
Sofern
ihre Angaben
im Bericht der Tagesklinik vom April 2016 korrekt seien und sie vor April 2016
zu
100
%
habe
arbeiten müssen, den Haushalt erledigen und auf die Enkelkinder
habe
aufpassen
müssen, sei eine Überforderung rein zeitlich auch ohne vorliegende psychia
tri
sche
Erkrankung plausibel. Die Versicherte sei bei allgemeiner Passivität auffallend gut in der Lage zu begründen und auszudrücken, warum sie aus ihrer Sicht nich
t mehr arbeiten könne. Zudem habe sie
ab dem 2
4.
Juli 2017 vier Wochen Ferien in Mazedonien verbracht. Aus Sicht des RAD sei eine Reisefähigkeit nach Maze
donien mit der gestellten
Diagnose einer Depression in schwerster Ausprägung nicht zu vereinbaren. Auch spreche der psychopathologische Befund gegen die gestellte Diagnose.
Med.
pract
.
M._
hielt fest, der im Rahmen verschiedener Behandlungen und Untersuchungen präsentierten Verhaltensweise, der auffälligen Einnahme sedie
ren
der Medikamente während der Untersuchung ohne Hinweise auf Symptome einer Panikattacke sowie der Forderung nach offen gehaltener Zimmertüre sei ein demonstrativer Anteil zuzuschreiben. Für d
ie diagnostizierten Störungen (schwer
depressiv/
Angst, Panik)
sei die beschriebene Verhaltensweise aller Erfahrung nach
eher
- wenn nicht vollkommen - untypisch.
Selbstkritisch müsse auf das IV-Verfahren beim Ehemann der Beschwerdeführerin
hingewiesen werden. Trotz vorheriger Abweisung der Beschwerde durch das Sozi
al
versicherungsgericht sei vom RAD nach längerer juristischer Auseinander
setzung und Parteigutachten eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden. In der Stellungnahme werde Verwundern über die Herkunft der Bezahlung des Gut
achtens ausgedrückt und
schliesslich sei aufgrund des Gutachtens eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, «um den Fall endlich abzuschliessen
»
.
Med.
pract
.
M._
hielt abschliessend fest, durch die damals gewählte Vorgehens
weise sei der weitere Verlauf des aktuellen Falles unschwer vorhersehbar.
3.13
Dr.
A._
fü
hrte in ihrem
ebenfalls von der Beschwerdeführerin unterzeichneten
Einwand
vom 1
4.
Juni 2018 (
Urk.
7/38)
gegen den Vorbescheid vom
2
4.
Mai 20
18 (
Urk.
7/35)
aus, die Beschwerdeführerin leide mindestens seit Behandlungs
beginn
am 2
3.
Juni 2016 unter einer
schwergradigen
, therapieresistenten und mittler
weile
chronischen depressiven Störung. Die initial
komorbid
bestehende Agora
phobie mit Panikstörung habe sich leicht gebessert. Somatisch bestehe eine Arthrose, welche mit starken Schmerzen einhergehe (S. 1 Mitte).
A
us psychiatrischer Sicht
resultiere
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und auch in einer angepassten Tätigkeit (S. 2 Mitte).
Dr.
A._
führte aus, die Patientin habe zudem sämtlichen psychopharma
ko
lo
gischen
Behandlungsvorschlägen
zugestimmt, trotz teils starken Nebenwir
kunge
n
,
und sei regelmässig und zuverlässig zu den Konsul
t
ationen gekommen (S.
1 unten
f.
).
Zudem sei sie
trotz der bestehenden Sprachbarriere und dem starken Heimweh
zweimalig bereit gewesen, sich stationär psychiatrisch behandeln zu lassen
und habe überdies
die Tagesklinik der
G._
besucht.
Die Beschwerde
führerin
sei
compliant
und die Therapiemotivation
sei
gegeben (S. 2 oben).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes med.
pract
.
M._
vom
Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 3.12
)
auf den Standpunkt,
dass kein die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkender Gesund
heits
schaden ausgewiesen sei, indem
das B
eschwerdebild durch die schwierigen
psychosozialen Belastungssituationen seine hinreichende Erklärung finde
(vgl. vor
stehend E. 2.1
).
4.2
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerde
gegn
erin die somatische Komponente trotz
erfolgter
Vorlage
der Akten an
den
RAD-Arzt
Dr.
L._
u
nd dessen im März 2018 erfolgter
Stell
ungnahme (vgl. vorstehend E. 3.11
)
im
ab
schliessenden
Entscheid
vollständig ignorierte.
Unabhängig davon, ob die Arbeitsniederlegung in der
Y._
durch die Beschwerdeführerin
im April 2016 auch durch einen Arbei
tsplatzkonflikt
und die
Verlegung des Arbeitsplatzes
mitbeeinflusst
gewesen
war, wie das versch
iedent
lich aus den Akten hervor
geht,
erachteten weder die behandelnde Hausärztin
Dr.
Z._
in ihrem Bericht vom November 2016 (vgl. vorstehend E. 3.1) noch die Rheumatologin
Dr.
C._
in ihren
Bericht
en
vom
November 2016 und vom
März 2017 (vgl. vorstehend E.
3.3 und E.
3.6)
eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aufgrund der somatischen Beschwerden noch für gegeben. In ihrem Bericht vom März 2017 ging
Dr.
C._
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit aufgrund der multi
plen Probleme von Seiten des Bewegungsapparates keine Arbeitsfähigkeit mehr erlangen werde. Auch
Dr.
K._
erachtete die Beschwerdeführerin in
seinem Bericht vom November 2017 (vgl. vorstehend E. 3.8)
in
ihrer angestammten Tätig
keit bei somatischer Dysfunktion der gesamten schulterführenden Muskulatur rechts bei
transmuraler
Supraspinatus
- und
Subscapularissehnenruptur
als zu 100
%
arbeitsunfähig.
Eine operative Sanierungsmöglichkeit der Schulter wurde zuvor von
Dr.
H._
und
Dr.
I._
in ihrem Bericht vom März 2017 (vgl. vorstehend E. 3.7) für wenig erfolgsversprechend eingeschätzt. Nach Einsicht in die Aktenlage kam
auch RAD-Arzt
Dr.
L._
in seiner Stellungnahme vom
5.
März 2018
zum Schluss
(vgl. vorstehend E. 3.11)
, dass in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei
.
In einer leichten behin
de
rungsangepassten Tätigkeit ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne beidseitiges Arbeiten in Armvorhalte und ohne Überkopfarbeiten erachtete er die Beschwerdeführerin
jedoch
als seit jeher
für
vollständig arbeits
fähig.
Wie der RAD-Arzt zu dieser Einschätzung gelangte, bleibt indes mit der Be
schwer
deführerin (Urk. 1 S. 9) nicht gänzlich nachvollziehbar. Bezüglich einer aus
somatischer Sicht zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ist den Akten denn auch einzig zu entnehmen, dass die Hausärztin Dr.
Z._
die Wiederaufnahme einer angepassten Tätigkeit zwar als wahrscheinlich erach
tete, den genauen Zeitpunkt und genauen Umfang indes nicht zu nennen ver
mochte (siehe vorstehend E. 3.1 und ihren Bericht vom 19. Juli 2016, in welchem sie eine aktuelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, indes von einer Wieder
erlangung der Arbeitsfähigkeit von 50 % bis 70 % in den nächsten drei bis sechs Monaten sprach, vgl. Urk. 7/9/2-4 Ziff. 7). Die Rheumatologin
C._
erachtete ihrerseits im November 2016 eine mindestens 70%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit als wahrscheinlich (vgl. vorstehend E. 3.3), sah sich aber in der Folge im März 2017 nicht in der Lage, die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zu beurteilen, da die orthopädische Beurteilung abgewartet
werden müsse. Sie hielt indes fest, dass eine bleibende Einschränkung der Belastbarkeit eher wahrscheinlich sei (vgl. vorstehend E. 3.6). Die Orthopäden der
Klinik
J._
erachteten daraufhin, dass operativ keine wesentliche Befundänderung zu erwarten wäre (vgl. vorstehend E. 3.7). Der Leitende Arzt der Sportmedizin an der
Klinik
J._
, an welchen die Beschwerdeführerin in der Folge weiterver
wie
sen wurde, nannte seinerseits eine eher verhaltene Prognose. Das Erreichen einer
mehr als für den Haushalt ausreichenden Gesamtsituation erscheine aus derzeit
i
ger Kenntnis der Beschwerdeführerin als nicht sehr wahrscheinlich (vgl. vorsteh
end E. 3.8).
Aus somatischer Sicht erscheint nach Gesagtem eine gewisse Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit als plausibel, doch kann nicht mit dem rechtsgenügenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gesagt werden, ab wann und in welchem Umfang eine solche vorlag bezieh
ungs
weise vorliegt. Damit erweist sich der Sachverhalt in somatischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt.
4
.
3
Auf den Umstand, dass die Arbeitsniederlegung im April 2016
massgeblich
auch durch somatische Schmerzen mitbeeinflusst war
(vgl.
vorstehend E. 4.2
)
, welche sich in den
erfolgten
Untersuchungen objektivieren
liessen
, ging
RAD-Arzt med.
pract
.
M._
in
seiner Beurteilung der psychischen Situation der Beschwerde
führerin vom
Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 3.12
) mit keinem Wort ein. Stattdessen
befand er die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführer
in
massgeblich
durch Aggra
vation, Selbstlimitierung und mangelnde Motivation geprägt
,
und die Arbeits
niederlegung sah er in alleinigem Zusammenhang mit den dokumentierten Konflikten am Arbeitspla
tz und dessen Verlegung stehend, welche Einschätzung der
gesundheitlichen
Situation der Beschwerdeführerin nicht gerecht wird.
Hingegen ist med.
pract
.
M._
insoweit zu folgen, dass auch die übrige Akten
lage hinsichtlich der psychischen Problematik der Beschwerdeführer
in
keine v
er
lässlichen Schlüsse zu
lässt.
Als schlichtweg nicht nachvollziehbar erweist sich namentlich das Gutachten von
Dr.
D._
vom Dezember 2016 (
vgl. vorstehend
E.
3.4
). Abgesehen davon, dass sich die objektive Befunderhebung
durch
Dr.
D._
nicht mit der attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit vereinbaren lässt, liess
Dr.
D._
bei seiner Diagnosestellung,
bei welcher
er verschiedene Diagnosen mit der
Lorazepam
-Abhängigkeit der Beschwerdeführerin
begründe
te
, ausser Acht, dass der durchgeführte Medikamentenspiegel betreffend
Lorazepam
negativ aus
fiel (vgl.
Urk.
7/19/1
0
-30 S. 16 Mitte
, S. 18 unten
).
Zudem erweist sich auch seine Diagnosestellung für nicht nachv
ollziehbar, da die F06 Diagnose
als Kategorie
verschiedene Krankheitsbilder umfasst, die ursächlich m
it einer Hirnfunktions
störung in
Zusammenhang stehen und primär Folge von zerebralen Erkran
kung
en oder systemischen Erkrankungen sind, die sekundär das Gehirn betreffen (vgl.
Dilling
/
Mambour
/
Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F]: Klinisch diagnostische
Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 93
f
.).
D
ie Angaben der Beschwerdeführerin
gegenüber
Dr.
D._
, dass sie sich bei ihrem wöchentlichen Besuch
in
der Tagesklinik für 2.5 Stunden jeweils die Arme zer
kratze (vgl.
Urk.
7/19/10-30 S. 8 Mitte, S. 10 Mitte)
, fanden
in de
m Bericht
von
med.
pract
.
E._
vom 3
0.
Jan
uar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.5
)
keine Bestä
ti
gung.
Im Übrigen befand sich die Beschwerdeführerin zuletzt Mitte November 2016 in der
einmal
pro Woche stattfindenden
Therapie, welche
von
ihrer Seite
dann
abgebrochen wurde.
Med.
pract
.
E._
diagnostizierte auch kein depres
sives Leiden, sondern
(
nur
)
eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01).
Auch
dem Bericht der
Fachpersonen der
Klinik
G._
,
Privatklinik für Psy
chia
trie und Psychotherapie
,
vom Februar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.9)
kann
kein
e verlässliche Aussage zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin e
ntnommen werden, zumal sich die
diesbezüglichen Angaben
auf die beiden zwei- bis drei
wöchigen stationären Aufenthalte in
der
Klinik
beschränkten
, wobei
eine Ver
mi
schung von psychiatrischen mit fachfremden somatischen Diagnosen
statt
fand
.
Dem
Bericht lässt sich
jedoch
entnehmen, dass
aufgrund der Sprachbarriere
,
der Schmerzproblematik und der mangelnden Motivation der Beschwerdeführerin keine effektive Therapie habe durchgeführt werden können.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch fraglich, wie die behandelnde Psychia
terin
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.2, E. 3.10 und E. 3.13) eine sinnvolle
The
rapie durchführen will, zumal
, wie sie selbst ausführte (vgl. vorstehend E. 3.2)
,
aufgrund der Sprachbarriere bereits die Befunderhebung erschwert gewesen sei.
Auch konnten die von
Dr.
A._
in ihrem Bericht vom November 2016 festge
stellten Konzentrationsstörungen weder von
Dr.
D._
in seinem Gutachten vom Dezember 2016 (vgl. vorstehend E. 3.4) noch von med.
pract
.
E._
in
ihrem Bericht vom Januar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.5)
bestätigt werden. Ohnehin ist
mit Hinblick auf
die
auftragsrechtliche Vertrauensstellung
von
Dr.
A._
bei der Würdigung ihrer Berichte
eine gewisse Zurückhaltung
angebracht
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
.
Nach Gesagtem
ist eine Beurteilung der psychischen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht möglich.
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rück
weisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nich
t eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.
5
Aufgrund des Gesagten
erweist sich
der medizinische Sachverhalt
als unge
nü
gend abgeklärt, indem
von Seiten der behandelnden Ärzte keine verlässliche Beur
teilung vorliegt
und
sich
die
Stellungnahme
n
de
r
RAD-
Ärzte
als ungenügend erweis
en
. Es
fehlt
demnach
vorliegend an verlässlichen medizinischen Grund
lagen zur Beurteilung der Arbeit
sfähigkeit der Beschwerdeführerin
in
somatischer und
psychiatrischer Hinsicht. Zur Beurteilung
ihrer
invalidenversi
cherungs
recht
lichen Ansprüche bedarf es daher zusätz
licher medizinischer Grundlagen, welche
sich zu den offenen Fragen
,
gegebenenfalls
unter Berücksichtigung der Anfor
derunge
n
gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. vorstehend E.
1.3-4
)
,
äusser
n
.
Die angefochtene Verfügung vom
9
.
Juli 2018
(Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entscheid über den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis
tungen der Invalidenversicherung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’5
00.-- (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.