Decision ID: 505c42b7-83b8-571b-b6f0-e3b5b69d76ce
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge Ende des Jahres (...), reiste am (...) in die Schweiz ein und er-
suchte am (...) im vormaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
(...) um Asyl. Das SEM befragte ihn am (...) zu seiner Identität, zum Rei-
seweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen (Befragung zur Person;
BzP). Ausserdem wurde ihm das rechtliche Gehör zu allfälligen gesund-
heitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Die ausführliche Anhörung zu den
Asylgründen fand am (...) statt.
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei Belutsche und stamme aus B._. In sei-
ner Herkunftsregion komme es immer wieder zu Konflikten zwischen der
Bevölkerung und den iranischen Behörden, da die Belutschen diskriminiert
würden. Er habe sich politisch für die Sache der Belutschen engagiert, in-
dem er ab Anfang (...) Flyer verteilt und Filmaufnahmen von Demonstrati-
onen gemacht habe. Er habe auch Festnahmen und Auseinandersetzun-
gen fotografiert und gefilmt, unter anderem die Festnahme von C._.
Die Aufnahmen habe er jeweils seinem Kollegen A. übergeben, von wo aus
diese via Pakistan nach Europa gelangt und auf der Website der (...) ver-
öffentlicht worden seien. Als er im Oktober oder November/Dezember (...)
zusammen mit A. und Z. (einem anderen Kollegen) in der Nähe der pakis-
tanischen Grenze im Auto unterwegs gewesen sei, seien sie von einem
Fahrzeug des iranischen Nachrichtendienstes verfolgt worden. Sie hätten
Flyer dabeigehabt, weshalb sie nicht angehalten hätten. Daraufhin hätten
die Beamten auf sie geschossen. Sie seien verunfallt, wobei Z. ums Leben
gekommen sei. Er selber habe eine Nasen- sowie eine Rückenverletzung
erlitten. Um den Beamten zu entkommen, sei er umgehend nach Pakistan
geflüchtet. Er sei einige Tage dortgeblieben und habe sich medizinisch be-
handeln lassen. Anschliessend sei er in den Iran zurückgekehrt, wo er sich
unter anderem bei seinem Onkel in B._ sowie in anderen Ortschaf-
ten versteckt habe. In dieser Zeit sei A. inhaftiert und sein Vater vorüber-
gehend mitgenommen und befragt worden. Aus Angst, von den Behörden
festgenommen und umgebracht zu werden, sei er ungefähr zehn Tage spä-
ter in Richtung Türkei aus dem Iran ausgereist. Nach seiner Ausreise habe
er erfahren, dass A. umgebracht worden sei. Der Beschwerdeführer
brachte ausserdem vor, er sei in der Schweiz politisch aktiv. Zwar habe er
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bisher nicht an einer Versammlung von (...)-Anhängern teilnehmen kön-
nen, weil ihm das Geld für die Reise gefehlt habe, aber er stehe in Kontakt
zu anderen Parteimitgliedern.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-
fahrens ein Schreiben der (...) vom 22. Januar 2017 (Kopie) zu den Akten.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 25. März 2019 fest, die Asylvorbringen
seien weder glaubhaft noch asylrelevant. Daher verneinte es die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-
zug.
C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 25. April 2019
focht der Beschwerdeführer diesen Entscheid an. Er beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben, und er sei als Flüchtling anzuerken-
nen und vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses) sowie um unentgeltliche Verbeistän-
dung.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-
macht vom 25. April 2019 (Kopie), zwei Internetausdrucke von (...) (inkl.
Übersetzung) sowie eine Bestätigung der Sozialhilfeabhängigkeit vom 23.
April 2019 bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2019 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und un-
entgeltlichen Verbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertrete-
rin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Ausserdem forderte sie den Be-
schwerdeführer auf, die ihm geeignet erscheinenden (weiteren) Beweis-
mittel innert Frist nachzureichen.
E.
Der Beschwerdeführer machte mit Eingabe vom 8. Mai 2019 ergänzende
Angaben zu seiner Beschwerde und reichte weitere Beweismittel zu den
Akten (ein Artikel aus der Zeitschrift «[...]», ein Artikel aus der Zeitung [...]
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vom 7. September 2016 sowie mehrere Screenshots seines Facebook-
Kontos mit Übersetzungen).
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 22. Juli 2019 vollumfänglich
an seiner Verfügung fest.
G.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 21. August 2019. Er be-
stätigte dabei seine Beschwerdeanträge und reichte mehrere Fotos betref-
fend seine exilpolitische Tätigkeit nach.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls,
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet lediglich die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
verneint und den Wegweisungsvollzug als durchführbar erachtet hat. Die
vorinstanzliche Verfügung ist damit im Asylpunkt (vgl. Ziff. 2 des Verfü-
gungsdispositivs) in Rechtskraft erwachsen, und auch die Frage der Weg-
weisung an sich (vgl. die Dispositivziffer 3) ist damit grundsätzlich nicht
mehr zu beurteilen.
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen An-
schauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat
die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiede-
nen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann
hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
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Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Tätigkeiten für
die (...) sowie die daraus angeblich resultierende Verfolgung durch Beamte
des Nachrichtendienstes seien unglaubhaft, da er dazu unsubstanziierte
sowie teilweise widersprüchliche und realitätsfremde Angaben gemacht
habe und auch das eingereichte Gefälligkeitsschreiben der (...) die geltend
gemachten Fluchtgründe nicht belegen könne. Ferner sei aufgrund der Ak-
tenlage nicht davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in der
Schweiz in qualifizierter Weise exilpolitisch betätigt habe; die von ihm gel-
tend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe (Mitgliedschaft bei der (...),
Kontakt zu anderen Parteimitgliedern) seien daher flüchtlingsrechtlich nicht
relevant. Die Flüchtlingseigenschaft sei somit zu verneinen und das Asyl-
gesuch abzulehnen.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde vor, er sei bereits im
Heimatland politisch tätig gewesen und führe sein Engagement für die (...)
in der Schweiz fort. Er habe sich der (...) angeschlossen und verfasse zu-
handen des (...) Hauptsitzes der Partei Berichte über die Parteiaktivitäten
in der Schweiz. Am (...) habe im Bundeshaus in Bern eine Konferenz von
Schweizer Parlamentariern, Menschenrechtsaktivisten und Vertretern eth-
nischer Minderheiten aus (...) stattgefunden, an welcher er teilgenommen
habe. Er habe Videos und Fotos gemacht, die er an die (...) weitergeleitet
habe. Auf der Internetseite (...) seien zudem ein erkennbar von ihm ver-
fasster Bericht über die Konferenz sowie ein untertiteltes Foto, welches ihn
zusammen mit D._ zeige, veröffentlicht worden. Am (...) habe er an
einer Konferenz am Sitz der UNO in Genf zum Thema (...) teilgenommen;
diese sei von der «Unrepresented Nations and People’s Organization
(UNPO)» unterstützt worden. Er habe dazu ebenfalls einen Artikel verfasst,
welcher unter seinem vollen Namen auf (...) veröffentlicht worden sei. Fer-
ner äussere er sich in den sozialen Medien kritisch zu den politischen Ver-
hältnissen im Iran. Auf seiner Facebook-Seite verbreite er Berichte über an
Belutschen begangene Menschenrechtsverletzungen und teile und kom-
mentiere Aufrufe zu Protestkundgebungen der (...). Zudem äussere er sich
in verschiedenen Foren, beispielsweise WhatsApp-Gruppen, zur Situation
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der Belutschen. Die Belutschen seien im Iran Diskriminierungen und Men-
schenrechtsverletzungen ausgesetzt (Verweis auf im Internet abrufbare
Berichte von Amnesty International und Human Rights Watch). Die (...)
setze sich für die Rechte der Belutschen ein und strebe deren Souveränität
innerhalb einer föderalen, säkularen und demokratischen Republik Iran an.
Auf der von der (...) betriebenen Homepage (...) würden regelmässig poli-
tische Berichte aus Belutschistan veröffentlicht und über Menschenrechts-
verletzungen berichtet. Unter anderem werde massive Kritik am iranischen
Regime geübt. Die Seite sei im Iran blockiert. Es handle sich bei der (...)
somit zweifellos um eine staatsfeindliche Organisation. Das Bundesverwal-
tungsgericht habe bereits in der Vergangenheit festgestellt, dass im Iran
die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Ausland
strafbar sei. Zudem sei davon auszugehen, dass der Iran die Internetseite
von (...) überwache und Personen, welche sich dort exponierten, als Re-
gimegegner identifiziere. Der Beschwerdeführer habe sich durch die dar-
gelegte exilpolitische Tätigkeit stark exponiert. Es sei davon auszugehen,
dass er als Regimegegner identifiziert worden sei und überwacht werde,
auch wenn er innerhalb der (...) keine Führungsfunktion innehabe. Im Falle
einer Rückkehr in den Iran müsse er aus diesen Gründen befürchten,
flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden. Der Be-
schwerdeführer erwähnte zudem, sein Vater sei ungefähr (...) 2019 erneut
mitgenommen und dabei gefragt worden, wo er (Beschwerdeführer) sich
aufhalte.
5.3 In der Eingabe vom 8. Mai 2019 verweist der Beschwerdeführer auf die
nachgereichten Facebook-Ausdrucke und erklärt, es handle sich dabei le-
diglich um eine Auswahl von Beiträgen, die er zwischen (...) und (...) ver-
fasst habe. Darin würden die von den iranischen Behörden an den Belut-
schen begangenen Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Das Fa-
cebook-Konto laute auf den Namen «E._». Er habe das Konto zwi-
schendurch deaktiviert, weil er von einer unbekannten Person kontaktiert
worden sei, die ihn nach seinem genauen Aufenthaltsort sowie seinen po-
litischen Tätigkeiten gefragt und er befürchtet habe, es handle sich dabei
um jemanden vom iranischen Geheimdienst. Ferner bringt der Beschwer-
deführer vor, er nehme regelmässig persönlich und virtuell (via WhatsApp)
an Sitzungen der (...) Schweiz teil. Die (...) Schweiz werde durch
F._ repräsentiert. Dieser stamme auch aus dem Iran, sei als Flücht-
ling in die Schweiz gekommen und sei ein langjähriger, bekannter belut-
schischer Polit-Aktivist. Herr F._ sei vom iranischen Regime zwei-
fellos längst als Staatsfeind identifiziert worden. Da der Beschwerdeführer
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regelmässig in der Öffentlichkeit mit F._ auftrete, müsse davon aus-
gegangen werden, dass auch er als politischer Gegner identifiziert worden
sei und überwacht werde, zumal nur eine Handvoll Belutschen in der
Schweiz lebe.
5.4 Das SEM verweist in seiner Vernehmlassung zunächst darauf, dass die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte Tätigkeit für die (...) im Iran so-
wie die damit angeblich verbundene Verfolgung für unglaubhaft befunden
worden seien, was in der Beschwerde nicht bestritten werde. Vor diesem
Hintergrund seien die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers
kritisch zu betrachten. Hinsichtlich der Facebook-Beiträge sei ausserdem
festzustellen, dass sich diese kurz nach der Anhörung zu den Asylgründen
im (...) gehäuft hätten, weshalb die Vermutung naheliege, der Beschwer-
deführer habe damit versucht, sich politisch verstärkt zu profilieren, nach-
dem er in der Anhörung nicht in der Lage gewesen sei, konkrete exilpoliti-
sche Tätigkeiten zu benennen. Sodann habe der Beschwerdeführer offen-
bar als (...) teilgenommen, letztmals im (...). Weitere Aktivitäten seien aus
den Akten nicht ersichtlich. In seinen Berichten habe er lediglich die Inhalte
der Redner widergegeben. Diese exilpolitischen Tätigkeiten sowie die ge-
suchte Nähe zu Exponenten der (...) stellten keine qualifizierten Aktivitäten
dar. Zudem bestünden keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behör-
den deshalb Massnahmen gegen den Beschwerdeführer eingeleitet hät-
ten. Es sei nicht davon auszugehen, dass er als ernsthafte und konkrete
Bedrohung für das politische System im Iran wahrgenommen werden
könnte, weshalb die Vorbringen nicht geeignet seien, eine Furcht vor flücht-
lingsrechtlich relevanter Verfolgung zu begründen. Demnach sei die gel-
tend gemachte Verhaftung und Befragung des Vaters des Beschwerdefüh-
rers im Februar 2019 nicht plausibel. Auch die angebliche respektive ver-
mutete Kontaktaufnahme durch den iranischen Geheimdienst via Face-
book sei nicht glaubhaft, zumal diese nicht belegt werde.
5.5 Der Beschwerdeführer verweist in der Replik darauf, dass es sich bei
den eingereichten Facebook-Beiträgen nur um eine Auswahl handle. Im-
merhin sei daraus ersichtlich, dass er schon vor der Anhörung, nämlich
bereits im (...), politische Inhalte auf Facebook veröffentlicht habe. Die In-
tensivierung seiner Aktivitäten ab (...) sei darauf zurückzuführen, dass er
(erst) ab diesem Zeitpunkt im Besitz eines Smartphones gewesen sei. Er
habe seine Facebook-Aktivitäten in der Anhörung nicht erwähnt, weil für
ihn der direkte persönliche Austausch mit anderen (...)-Mitgliedern im Vor-
dergrund gestanden habe; darüber habe er denn auch berichtet. Der Be-
schwerdeführer macht ferner geltend, er sei mehrmals via Facebook von
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Personen kontaktiert worden, welche sich als Belutschen ausgegeben und
ihm Fragen zu seinem Aufenthaltsort und politischen Engagement gestellt
hätten. Er habe vermutet, es könnte sich dabei um Angehörige des irani-
schen Geheimdienstes handeln, weshalb er die Chatverläufe gelöscht und
sein Facebook-Konto (im Jahr 2018) zweimal für einige Zeit deaktiviert
habe. Ab dem Jahr (...) habe er wieder regelmässig Beiträge geteilt und
kommentiert; er werde entsprechende Beweismittel nachreichen. Sodann
habe er wie erwähnt als Mitglied und (...) der (...) an zwei Konferenzen
teilgenommen. Diese Tätigkeit sei per se als regimekritisch zu werten, zu-
mal (...)-Aktivisten als Staatsfeinde betrachtet würden. Mit der Veröffentli-
chung seiner Berichte auf (...) habe er sich stark exponiert. Der Kreis der
Teilnehmer an der Veranstaltung vom (...) sei relativ klein gewesen (Ver-
weis auf die eingereichten Fotos). Ein (...) habe Filmaufnahmen gemacht,
und es sei davon auszugehen, dass der iranische Geheimdienst auch auf
diesem Weg von seiner Teilnahme erfahren und ihn als Feind des Regimes
identifiziert habe. Der Beschwerdeführer betonte schliesslich, sein politi-
sches Engagement in der Schweiz stelle die Fortsetzung seiner bereits im
Heimatland begonnenen regimekritischen Aktivitäten dar.
6.
6.1 Im Iran ist die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen
im Ausland seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1996
unter Strafe gestellt. Es ist zudem bekannt, dass die iranischen Behörden
die politischen Aktivitäten ihrer Staatsbürger auch im Ausland überwachen
und erfassen (vgl. dazu beispielsweise Urteile des BVGer E-5292/2014
und E-5296/2014 vom 25. Februar 2016 E. 7.4 m.w.H.). Insbesondere ha-
ben die iranischen Behörden auch die technischen und organisatorischen
Möglichkeiten, Personen im Ausland aufgrund ihrer Internetaktivitäten zu
überwachen und zu identifizieren (vgl. Urteil des BVGer E-5466/2019 vom
28. Juli 2020 E. 7.2.2 ff.). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die
konkret geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen
Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im asylrechtlichen Sinn nach sich ziehen. Gemäss Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die ira-
nischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die
über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpo-
litischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorge-
nommen haben, welche sie aus der Masse der mit dem Regime Unzufrie-
denen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner
erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die irani-
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schen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsäch-
lich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren
Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen
versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3 sowie das Referenzurteil D-
830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2).
6.1.1 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, die von ihm geltend gemachte politische
Tätigkeit und angeblich damit verbundene Vorverfolgung im Heimatland
glaubhaft zu machen und er die vorinstanzliche Verfügung diesbezüglich
nicht angefochten hat. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass er
im Ausreisezeitpunkt nicht als regimefeindliche Person im Visier der hei-
matlichen Behörden stand.
6.1.2 Im Weiteren ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer das Profil eines exponierten Regimegegners
erfüllt. Seine angebliche Mitgliedschaft bei der (...) ist zu bezweifeln, zumal
die (...) in ihrem Unterstützungsschreiben vom 22. Januar 2017 den Be-
schwerdeführer nicht als Mitglied bezeichnet, sondern lediglich ausgeführt
hat, er habe (...). Demzufolge ebenfalls wenig glaubhaft ist das Vorbringen
des Beschwerdeführers in der Beschwerde, er nehme regelmässig zusam-
men mit F._ an Sitzungen der (...) teil, zumal er keinerlei Beweis-
mittel für diese Behauptung vorlegt. Die übrigen geltend gemachten exil-
politischen Tätigkeiten (Teilnahme an zwei Konferenzen inklusive Bericht-
erstattung auf (...), Facebook-Aktivitäten) konnte der Beschwerdeführer
zwar glaubhaft machen, aber es ist wenig wahrscheinlich, dass er deswe-
gen in den Fokus des iranischen Geheimdienstes geraten ist und als ernst-
hafter und (potentiell) gefährlicher Regimegegner eingestuft wird. Er nahm
nämlich an den beiden Konferenzen in (...) und (...) nicht als Organisator
oder gar Redner, sondern lediglich als Zuhörer teil, stand somit bei diesen
Anlässen nicht im Rampenlicht. Ferner ist davon auszugehen, dass sich
der von ihm erwähnte (aber nicht konkret bezeichnete) Bericht eines (...)
über die Veranstaltung vom (...) auf die dort anwesenden Vertreter der
Kurden sowie allenfalls Behördenmitglieder konzentrierte, weshalb zu be-
zweifeln ist, dass der Beschwerdeführer im fraglichen (...) überhaupt zu
sehen war, geschweige denn in identifizierbarer Weise abgebildet wurde.
Die zwei von ihm verfassten und unter seinem Namen (mit einem Foto von
ihm und dem Vorsitzenden der (...) auf (...) veröffentlichten Berichte fassen
lediglich in neutraler Art und Weise den Inhalt der an den Konferenzen ge-
haltenen Reden zusammen. Der Beschwerdeführer äussert dabei keine ei-
gene Meinung. Weitere auf (...) oder anderen Portalen publizierte Texte
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des Beschwerdeführers sind nicht aktenkundig. Betreffend seine Face-
book-Aktivitäten reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. Mai
2019 mehrere Screenshots seiner Facebook-Seite zu den Akten. In der
Replik stellte er sodann die Nachreichung weiterer Facebook-Unterlagen
in Aussicht; diese sind jedoch bis heute nicht beim Gericht eingetroffen.
Auch in Bezug auf die in der Beschwerde erwähnte Teilnahme an
WhatsApp-Gruppen reichte er keinerlei Beweismittel ein. Aufgrund der Ak-
tenlage ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer sein Facebook-Konto
zwar mit einem Profilbild von sich versehen hat, jedoch unter einem Pseu-
donym («E._») auftritt und nicht seinen tatsächlichen Wohnort, son-
dern «(...)» angibt. Bei seinen Beiträgen handelt es sich überwiegend um
kommentarlos geteilte Posts von anderen Nutzern sowie um einige wenige,
kurze, von ihm selber verfasste Kommentare. Die Reichweite seiner Posts
scheint sehr gering zu sein, zumal diese offenbar kaum kommentiert wer-
den und er dafür jeweils nur wenige «Likes» erhält. Die (geteilten und ei-
genen) Beiträge thematisieren im Wesentlichen die desolate wirtschaftli-
che Lage, die schlechte Gesundheitsversorgung, das vernachlässigte Bil-
dungssystem und die marode Infrastruktur in Belutschistan sowie die Men-
schenrechtsverletzungen, welche an der belutschischen Bevölkerung be-
gangen werden, namentlich die Hinrichtungen von belutschischen Gefan-
genen. Derartige Facebook-Posts sind indessen als massentypisch zu
qualifizieren, zumal die dabei vertretenen Ansichten nicht als besonders
extrem, aggressiv oder aufwieglerisch bezeichnet werden können und da-
rauf verzichtet wird, die Vertreter der politischen und religiösen Elite direkt
zu kritisieren oder gar zu beleidigen. Der Beschwerdeführer hebt sich durch
diese Beiträge nicht von der grossen Masse unzufriedener Exiliranern ab
und kann insbesondere nicht als Meinungsmacher qualifiziert werden. Mit
Blick auf Art und Umfang seiner exilpolitischen Tätigkeit erfüllt er insgesamt
nicht das Profil eines ausserordentlich engagierten und exponierten Re-
gimegegners. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass die iranischen
Behörden ihn als ernstzunehmende Bedrohung für das politische System
des Iran wahrnehmen würden, selbst wenn sie von seinen exilpolitischen
Aktivitäten erfahren haben respektive zukünftig erfahren sollten. Die vor-
stehenden Erwägungen lassen dies indes als wenig wahrscheinlich er-
scheinen. Bei dieser Sachlage ist das gänzlich unsubstanziierte und unbe-
legte Vorbringen, wonach der Vater des Beschwerdeführers im (...) (er-
neut) nach seinem Aufenthaltsort gefragt worden sei, als unglaubhaft zu
erachten. Die vom Beschwerdeführer vermutete Kontaktaufnahme durch
den iranischen Geheimdienst via Messenger, bei welcher unbekannte Per-
sonen mehrfach nach seinem genauen Aufenthaltsort und seiner politi-
schen Tätigkeit gefragt hätten, ist ebenfalls unglaubhaft, zumal ein derart
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plumpes Vorgehen des iranischen Geheimdienstes realitätsfremd er-
scheint. Bezeichnenderweise konnte er die fraglichen Chatverläufe auch
nicht belegen.
6.2 Die geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten sind nach dem Ge-
sagten nicht geeignet, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht
zu begründen. Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-
neint.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
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Seite 13
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Dies ist ihm – wie vorstehend ausgeführt – nicht gelungen. Die
allgemeine Menschenrechtssituation in Iran lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Es ist
insbesondere darauf hinzuweisen, dass die Berichte über schwerwiegende
Menschenrechtsverletzungen in Iran für sich allein noch keine Gefahr einer
unmenschlichen Behandlung zu begründen vermögen (vgl. Urteil des
EGMR S.F. et al. gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§ 63 f.).
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Die allgemeine Lage im Iran ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg noch
durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet. Trotz der dort
herrschenden totalitären Staatsordnung und der sich daraus ergebenden
Probleme wird der Vollzug der Wegweisung in den Iran daher in konstanter
Praxis als generell zumutbar erachtet.
7.3.2 In individueller Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer über eine solide Schulbildung verfügt und vor der Ausreise
im Geschäft seines Vaters aushalf sowie gelegentlich als (...) arbeitete.
Seine Familie gehört seinen Angaben zufolge zur Mittelschicht und besitzt
Wohneigentum (vgl. A18 F55). Abgesehen von seinen Eltern und sieben
Geschwistern leben auch noch weitere Verwandte in der Herkunftsregion.
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Die soziale und wirtschaftliche Reintegration dürfte dem Beschwerdeführer
unter diesen Umständen nicht schwerfallen. Hinsichtlich seines Gesund-
heitszustandes hatte der Beschwerdeführer im Verlauf des vorinstanzli-
chen Verfahrens vorgebracht, er leide an Kopf- und Nackenschmerzen,
Schlafproblemen, innerer Anspannung sowie weiteren Symptomen (vgl.
A18 F131 f. sowie A19). In der Beschwerde machte er sodann geltend, er
befinde sich seit dem 2. Oktober 2018 in ambulanter psychotherapeuti-
scher Behandlung; ein Arztbericht werde nachgereicht, sofern er wesent-
lich erscheine. Die Instruktionsrichterin forderte den Beschwerdeführer da-
raufhin mit Zwischenverfügung vom 30. April 2019 auf, die in Aussicht ge-
stellten weiteren Beweismittel (namentlich einen Arztbericht) einzureichen.
Bis heute sind indessen keine medizinischen Unterlagen zu den Akten ge-
reicht worden. Somit liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass
der Beschwerdeführer an vollzugsrelevanten gesundheitlichen Einschrän-
kungen leidet. Im Übrigen weist das iranische Gesundheitssystem ein re-
lativ hohes Niveau auf (vgl. dazu beispielsweise Urteil des BVGer
E-5337/2018 vom 25. Juli 2020 E. 8.5.3, m.w.H.), weshalb davon auszu-
gehen ist, dass er bei Bedarf auch im Iran eine adäquate Behandlung er-
halten würde.
7.3.3 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
im Falle einer Rückkehr in den Iran aus wirtschaftlichen, sozialen oder me-
dizinischen Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten wird.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch in individueller Hinsicht als zu-
mutbar zu erachten.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen. Es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst wird.
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
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Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das
mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
mit Verfügung vom 30. April 2019 gutgeheissen worden ist und den Akten
nicht zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer nicht mehr bedürftig
wäre, werden keine Verfahrenskosten erhoben.
9.2 Mit derselben Verfügung wurde ferner auch das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen Honorars
erfolgt in Anwendung der Art. 8-11 sowie Art. 12 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In Ermangelung einer Kosten-
note sind die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen
(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) und auf pauschal Fr. 1'000.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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