Decision ID: 5abbc971-3f1f-5904-925b-8f1e21fc03bc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Am 24. September 2013 erhob
X._
Beschwerde gegen die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 28. August 2013 (Urk. 2) betreffend
Einstellung der Invalidenrente
und ersuchte um
Weiteraus
richtung
der gesetzlichen Leistungen, insbesondere
einer
Rente übe
r den 30. September 2013 hinaus.
Sodann beantragte sie – nebst anderem – die Durchführung
einer öffentlichen Verhandlung
im Sinne von Art. 6
Ziff.
1 EMRK,
wobei die Beschwerdeführerin vorzuladen und anzuhören sei (Urk. 1). Am 29. Oktober 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Am 24. März 2015 fand unter dem Vorsitz von
Sozialversicherungs
richter
Mosimann
die Hauptverhandlung
statt (Protokoll S. 3 f. und Urk. 17).
2.
Am 31. März 2015
stellte
die Beschwerdeführerin unter anderem
ein
Aus
-
standsbe
gehren
gegen
Sozialver
sicherungsrichter
Mosimann
(Urk. 2
0
S. 4
Ziff.
1).
Hierzu nahm
Sozialversicherungsrichter
Mosimann
am 5. Mai 2015
Stellung (Urk. 25). Die Stellungnahme
, zu welcher die Beschwerdeführerin am 27. Mai 2015 unaufgefordert Stellung nahm (Urk. 27),
wurde den Parteien
am 12. Mai 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 26).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) und Art. 6 Ziff. 1 der Konven
tion zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) hat der Ein
zelne Anspruch darauf, dass seine Sache von einem unabhängigen und unpar
teiischen Gericht ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters ist verletzt, wenn bei objektiver Be
trachtungsweise Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen (BGE 135 I 14 E. 2; 131 I 113 E. 3.4). Voreingenommenheit und Befangenheit in diesem Sinne werden nach der Rechtsprechung angenommen, wenn im Einzelfall an
hand aller tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Umstände Gegebenheiten vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Richters zu erwecken. Da Befangenheit ein innerer, schwer nachweisbarer Zustand ist, braucht sein tatsächliches Vorliegen nicht bewiesen zu werden. Es genügt viel
mehr, wenn Umstände bestehen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Solche Umstände können namentlich in einem bestimmten Verhalten des Richters begründet sein.
Auf das bloss subjektive Empfinden einer Partei kann bei dieser Beurteilung al
lerdings nicht abgestellt werden. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen (BGE 134 I 238 E. 2.1 S. 240 mit Hinweisen).
Der Anschein der Befangenheit kann durch unterschiedlichste Umstände und Gegebenheiten erweckt werden. Dazu können nach der Rechtsprechung insbe
sondere vor oder während eines Prozesses abgegebene Äusserungen eines Richters zählen, die den Schluss zulassen, dass sich dieser bereits eine feste Meinung über den Ausgang des Verfahrens gebildet hat (BGE 134 I 238 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.2
Gemäss § 12
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) in Verbindung mit § 5a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) treten Perso
nen, die eine Anordnung zu treffen, dabei mitzuwirken oder sie vorzubereiten haben, in den Ausstand, wenn sie in der Sache persönlich befangen erscheinen, insbesondere:
in der Sache ein persönliches Interesse haben;
mit einer Partei in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung, eingetragene Partnerschaft, faktische Lebensgemeinschaft oder Kindesannahme verbunden sind;
Vertreter einer Partei sind oder für eine Partei in der gleichen Sache tätig wa
ren.
1.3
Über
Ausstandsbegehren
entscheiden die voll- und teilamtlichen Mitglieder ei
ner Kammer, wenn sie unter anderem gerichtet sind gegen die Mitwirkung von Angehörigen des Gerichts in einer Kammer (§ 5c Abs. 2
lit
. a
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin begründete
das
Ausstandsbegehren
im Wesentlichen damit (Urk.
20),
Sozialversicherungsr
ichter
Mosimann
habe anlässlich der Hauptverhandlung – mitten
in den Parteivorträgen
– das Wort ergriffen und sei unter anderem, soweit für ihren Vertreter als auch für sie nachvollziehbar, sinn
gemäss der Meinung gewesen, dass das „falsche Verfahren“
gewählt worden sei
, respektive eine Instruktionsverhandlung hätte beantragt werden müssen. Weiter habe er angeführt, der Rechtsvertreter verursache eine „Riesenübung“ mit un
nötigen Kosten. Er habe sich auch dahingehend in dem Sinne geäussert, dass die einzureichende Ho
norarnote deshalb gekürzt werde
. Der Ton von Richter
Mosimann
sei – soweit erinnerlich - aufgebracht und an
gespannt gewesen (
lit
. b S. 2).
2.2
Sozialversicherungsrichter
Mosimann
antwortete auf
die Vorwürfe der
Be
-
schwer
deführerin
(Urk. 25), er habe zu Beginn der Verhandlung, ausserhalb des Protokolls, darauf hingewiesen, dass ausdrücklich eine Hauptverhandlung beantragt worden sei
en
, so dass – nachdem Beschwerde und Beschwerdeantwort schriftlich erstattet worden sei
en
–
nurmehr
eine mündliche Replik und Duplik, gegeben
enfalls Triplik und
Quadruplik
in Aussicht stünden. Am Ende seiner Triplik habe der Rechtsvertreter beantragt, der Beschwerdeführerin sei Gelegen
heit zu geben
,
sich zu äussern. Darauf
hin habe er festgehalten, dass dies im Rahmen der ausdrücklich beantragten Hauptverhandlung nicht vorgesehen sei, und habe den Rechtsvertreter darauf hingewiesen, dass er das Angebot des Ge
richts, eine dafür geeignete Instruktionsverhandlung durchzuführen, abgelehnt und auf der Durchführung einer Hauptverhandlung bestanden habe. Dennoch sei der Beschwerdeführerin das Wort erteilt worden, mit dem Hinweis an den Rechtsvertreter, dass dies als Ausnahme zu betrachten sei.
Mit der Aufforderung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter, seine Honorarnote einzureichen, habe er daran erinnert, dass unnötiger Aufwand nicht entschädigt werde.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin beantragte in der Beschwerde die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6
Ziff.
1 EMRK, wobei sie insbe
sondere vorzuladen und anzuhören sei (Urk. 1 S. 2
Ziff.
3 des Rechtsbegehrens).
Der Antrag wurde damit begründet, es handle sich bei der Würdigung medizini
scher Berichte und
der
Beurteilung der Beweiskraft einander widersprechender ärztlicher Aussagen um eine auf dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts all
tägliche und damit nicht um eine hochtechnische Thematik im Sinne der Rechtsprechung. Nicht zu übersehen sei sodann, dass eine öffentliche Verhand
lung i
n
einzelnen Fällen mit mediz
i
nischer Fragestellung geeignet sein k
önne
, zu einer Klärung offener Tatf
ragen beizutragen. Es sei unbestritten, dass sich widersprechende ärztliche
Au
ssagen vorlägen
,
und der Sachverhalt betreffe nicht eine hochtechnische Angelegenheit, welche eine öffentliche Verhandlung nach Art. 6
Ziff.
1 EMRK nicht zulassen würde
(Urk. 1 S. 7 f. Ziff. 11)
.
3.2
In Prozessen über zivilrechtliche Ansprüche gewährleistet Art. 6
Ziff.
1 EMRK nicht generell, jedoch dann einen Anspruch auf persönliches Erscheinen oder persönliche Anhörung vor Gericht, wenn dies für die Entscheidung der Sache
von unmittelbarer Bedeutung ist (SVR 2010 UV Nr. 3 S. 11,
Urteil des Bundes
gerichts
8C_283/2009
vom 18. September 2009
E. 2.2.1 mit Hinweisen; Urteil 8C_743/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 2.3.2). Es betrifft dies insbesondere Fälle, in welchen der persönliche Eindruck des Gerichts von der Partei und ihren Lebensumständen für die zu treffende Entscheidung erheblich sein kann (bei
spielsweise in familienrechtlichen Streitigkeiten betreffend Entziehung oder Zuteilung der elterlichen Sorge oder Regelung des persönlichen Verkehrs oder auch in Haftungsprozessen; vgl. das bereits zitierte Urteil 8C_283/2009
vom
18. September 2009
E. 2.2.1).
3.3
Im vorliegenden Prozess hat das Gericht
zu beurteilen, ob die
Beschwer
-
degegne
rin
die Invalidenrente der Beschwerdeführerin zu Recht ein
gestellt hat.
Dabei ist
die von der Beschwerdegegnerin angenommene Verbes
serung des Gesundheitszustandes umstritten.
Hie
r
zu konnte sich der Rechtsver
treter de
r
Beschwerdeführerin
nicht nur in de
r
eingereichten Rechtsschrift, son
dern auch an
lässlich
der
Hauptverhandlung
, an welcher er teilgenommen hat, äussern.
Aus den Akten
ist nicht ersichtlich, inwiefern es für die Beurteilung der Streitsache auf das persönliche Erscheinen oder die mündliche Anhörung de
r
Beschwer
-
deführerin
an der Verhandlung
ankommt
.
Der Rechtsvertreter begrün
dete denn auch nur den Antrag auf öffentliche Verhandlung, nicht aber denje
nigen auf mündliche Anhörung der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S.
Ziff.
11 S. 7 f.).
Entgegenkommenderweise wurde der Beschwerdeführerin an der öffent
lichen Verhandlung dennoch das Wort erteilt.
3.4
Wird in Beschwerdeverfahren der Antrag auf öffentliche Verhandlung samt per
sönlicher Befragung oder mündlicher Anhörung gestellt, teilt das hiesige Ge
richt den Parteivertretern mit, dass anlässlich einer Hauptverhandlung
im Sinne von § 28
lit
. b
GSVGer
in Verbindung mit Art. 228 der Zivilprozessord
nung (ZPO)
in der Regel nur Parteivorträge zugelassen sind und bietet den Rechtsvertretern an, anstelle der Durchführung einer Hauptverhandlung die Durchführung einer Instruktionsverhandlung
im Sinne von § 28
lit
. b
GSVGer
in Verbindung mit Art. 226 ZPO
mit
persönlich
er
Befragung
und
/oder
mündli
ch
er
Anhörung
wählen zu
können. Anlässlich einer telefonischen Nachfrage hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ausdrücklich an der Durch
führung einer Hauptverhandlung fest (vgl. Urk. 1
3
).
3.5
Wenn Richter
Mosimann
den Rechtsvertreter anlässlich der Hauptverhandlung
nochmals
darauf hinwies, dass an öffentlichen Verhandlungen am hiesigen Ge
richt in der Regel nur Parteivorträge zugelassen werden,
kann darin keine Be
fangenheit erblickt wer
den, hätte er auch die Möglichkeit gehabt, den Antrag auf mündliche Anhörung abzuweisen.
Die Begründung, dass
mit der Durch
führung einer Hauptverhandlung unnötige Kosten generiert werden, ist aus
schliesslich dahingehend zu verstehen, dass an einer Hauptverhandlung der ganze Spruchkörper, an einer Instruktionsverhandlung dagegen nur ein dele
giertes Mitglied teilnimmt
(Roger Dürr, in
Stämp
f
lis
Handkommentar, ZPO, 1. Auflage, Bern 2010, Art. 226 N 7)
. Auch aus
dem
Hinweis
des Richters
, es w
e
rde nur der notwendige Aufwand entschädigt, kann nicht auf eine Befangen
heit geschlossen werden, werden
unentgeltliche
Rechtsvertreter
doch
regelmäs
sig darauf aufmerksam gemacht, dass nur der notwendige Aufwand entschädigt wird (vgl. auch § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor Sozialversicherungsgericht).
4.
Nach dem Dargelegten kann aus den Äusserungen anlässlich der Hauptverhand
lung vom 24. März 2015 nicht auf eine Befangenheit des abgelehnten Richters geschlossen werden, weshalb das
Ausstandsbegehren
abzuweisen ist.