Decision ID: 838c9b33-7fe4-5365-bdd8-29d91b93bc68
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Das Bundesamt für Migration BFM (heute: Staatssekretariat für Migration
[SEM]) teilte mit Schreiben vom 29. Mai 2012 A._ (nachfolgend:
Fluggesellschaft) mit, es erwäge aufgrund einer Risikoanalyse, unter an-
derem die Flugstrecke Z._ – Schweiz der Meldepflicht gemäss
Art. 104 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer vom
16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20; seit 1. Januar 2019 Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration [AIG]) zu
unterstellen. Die Meldepflicht werde voraussichtlich im Juni 2012 mit Wir-
kung ab September 2012 verfügt werden. Für die Meldung der Daten (sog.
Advance Passenger Information [API]) seien zwei alternative Übermitt-
lungsvarianten vorgesehen, die in der auf seiner Homepage abrufbaren
API-Schnittstellenspezifikation beschrieben würden. Es räumte der Flug-
gesellschaft die Möglichkeit ein, bis zum 22. Juni 2012 zur geplanten Mel-
depflicht Stellung zu nehmen. Ausserdem ersuchte es sie, bis zum gleichen
Datum namentlich mitzuteilen, welche der beiden vorgesehenen Übermitt-
lungsvarianten sie vorziehe und ob sie eine Testphase wünsche. Die Flug-
gesellschaft liess diese Frist ungenutzt verstreichen.
B.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2012 unterstellte das BFM unter anderem die
Flugstrecken X._ und Y._ in die Schweiz mit Wirkung ab
dem 19. September 2012 der Meldepflicht gemäss aArt. 104 AuG (AS
2008 5409, in Kraft bis 30. September 2015). Dabei ordnete es an, es seien
ihm für sämtliche dieser Flüge unmittelbar nach dem Abflug die im Verfü-
gungsdispositiv aufgeführten Datenkategorien zu melden. Die Meldungen
hätten unter Einhaltung der beiliegenden Schnittstellenspezifikation mittels
"Type B Messaging" oder "File Upload via Internet" zu erfolgen. In einem
mit "Hinweis" betitelten Absatz hielt es unter Verweis auf aArt. 120b Abs. 1
AuG (AS 2008 5410, in Kraft bis 30. September 2015) fest, dass die schuld-
hafte Verletzung der Meldepflicht mit Busse bis zu einer Million Franken
bestraft werde. Im Begleitschreiben zur Verfügung wies es (erneut) darauf
hin, dass die Möglichkeit bestehe, die Datenübermittlung vorgängig zu tes-
ten. Zu diesem Zweck bat es die Fluggesellschaft, ihm innerhalb von 30 Ta-
gen eine Kontaktperson sowie einige Tage vor dem Test die notwendigen
Angaben (Flugnummer und Flugdatum und -zeit) mitzuteilen.
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C.
Die Fluggesellschaft teilte dem BFM mit E-Mail vom 24. Juli 2012 eine Kon-
taktperson mit und erkundigte sich danach, welche Daten sie genau mel-
den müsse, worauf das BFM in seiner Antwortmail vom 25. Juli 2012 die
zu meldenden Datenkategorien mit den entsprechenden Daten (erneut)
aufführte.
D.
Mit E-Mail vom 12. Januar 2017 orientierte die Kantonspolizei Zürich das
SEM (vormals BFM) über "eine grössere Differenz bei den API-Daten" des
Fluges (...) vom 9. Januar 2017 der Fluggesellschaft von X._ nach
Zürich Flughafen.
E.
In der Folge wies das SEM mit E-Mail vom 17. Februar 2017 die Flugge-
sellschaft auf Fehler bei den übermittelten API-Daten hin und stellte eine
engere Datenkontrolle für die nächsten Wochen und Monate in Aussicht.
Gleichzeitig wurde die Fluggesellschaft darauf aufmerksam gemacht, dass
weitere Verletzungen der Meldepflicht sanktioniert würden.
F.
Mit E-Mail vom 21. Februar 2017 erkundigte sich die Fluggesellschaft beim
SEM nach Beispielen für eine fehlerhafte API-Datenlieferung. In seiner Ant-
wortmail vom 2. März 2017 übermittelte das SEM der Fluggesellschaft eine
nicht abschliessende Liste von Fehlern, welche bei ihr festgestellt worden
waren ("Not all passengers on the API list", "Same passenger on the list
twice", "Non existing passengers ...", "Last name in the field for first name",
"Swiss passengers are given the nationality of Swaziland", "Wrong dates
of birth", "Wrong passport numbers", "Wrong information to the type of tra-
vel document", "And so on...").
G.
Am 12. Februar 2018 wandte sich das SEM mit einem Schreiben erneut
an die Fluggesellschaft. Darin hielt es fest, dass die Fluggesellschaft vom
1. bis zum 31. März 2017 täglich zwischen zwei und vier Flüge von
Z._ nach Zürich durchgeführt habe. Insgesamt 95 ihrer Flüge seien
in diesem Zeitraum genauer überprüft worden, wobei drei Flüge nicht statt-
gefunden hätten. Nahezu jeder der 92 durchgeführten Flüge weise im über-
prüften Zeitraum fehlerhafte oder fehlende API-Daten auf. Bei 80 Flügen
seien nachweislich 175 fehlerhafte API-Daten übermittelt worden. Die Feh-
ler würden beinahe sämtliche API-Datenkategorien betreffen. Für zwei der
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92 durchgeführten Flüge (Flüge [...] vom 7. März 2017 und [...] vom
28. März 2017) sei die API-Datenübermittlung vollständig ausgeblieben. Es
sehe sich daher veranlasst, ein Verwaltungsverfahren wegen Verdachts
auf Meldepflichtverletzung zu eröffnen. Gleichzeitig setzte es der Flugge-
sellschaft eine Frist bis am 12. März 2018 (auf Gesuch hin verlängert bis
zum 26. März 2018), um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und insbe-
sondere allfällige Exkulpationsgründe im Sinne von Art. 122b Abs. 3 AuG
vorzubringen.
H.
Mit Schreiben vom 22. Februar 2018 legte die Fluggesellschaft dem SEM
dar, welche Massnahmen sie bisher getroffen habe, um die API-Datenqua-
lität zu verbessern. Ausserdem stellte sie weitere Massnahmen in Aussicht.
I.
In ihrer Stellungnahme vom 26. März 2018 zum Vorwurf der Verletzung der
Meldepflicht führte die Fluggesellschaft aus, dass sie nicht bestreite, im
fraglichen Zeitraum (1. bis 31. März 2017) fehlerhafte API-Daten geliefert
zu haben. Dies, obwohl anfangs 2017 einmal mehr sämtliche Flughäfen
ihres Streckennetzes angewiesen worden seien, korrekte API-Daten zu
übermitteln, die mit der Übermittlung beauftragten Stellen wiederholt zu in-
struieren und gemäss ihren internen Richtlinien zu überwachen, auch mit
Hinweis auf die bei Verletzung der Meldepflicht verhängten Sanktionen. In
der Folge seien diese Weisungen durch das Outstations Coordination Ma-
nagement laufend konkretisiert worden, um so weitere Fehlerquellen zu
eliminieren. Schliesslich seien nach Eingang der Mahnung des SEM am
17. Februar 2017 mittels E-Mails vom 8. März und 20. Juli 2017 weitere
konkrete Instruktionen an die Abteilungen Outstations Coordination Ma-
nagement, Visa & Passport Department und Hub Control Management er-
folgt. Seit der erneuten Kontaktaufnahme vom 12. Februar 2018 durch das
SEM habe sie nachweislich die zusätzlich erforderlichen und möglichen
Vorkehren getroffen, um die verlangten Daten für jeden einzelnen Flug kor-
rekt zu melden. Inzwischen habe ihr die Kantonspolizei Zürich eine deutlich
verbesserte Datenqualität attestiert. Ihr Hauptsitz habe so innert Monats-
frist sämtliche zusätzlich notwendigen technischen Massnahmen getroffen,
um die Infrastruktur der Flughäfen, welche im Rahmen der internen Unter-
suchungen mit den meisten Fehlerquellen identifiziert worden seien, auf
ein einheitliches technisches Niveau zu bringen, welches den gesetzlichen
Anforderungen genüge. Eine Sanktionierung erscheine deshalb entbehr-
lich.
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J.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2019 belastete das SEM die Fluggesell-
schaft wegen Verletzung der Meldepflicht bei Flügen zwischen Z._
und der Schweiz im Zeitraum vom 1. bis 31. März 2017 in 80 Fällen mit
insgesamt Fr. 320'000.– (80 x Fr. 4'000.–). Dabei führte es aus, die Flug-
gesellschaft habe zwischen dem 1. und 31. März 2017 in 175 Fällen API-
Daten nach Art. 104 Abs. 3 AIG, zu deren Übermittlung sie verpflichtet ge-
wesen sei, fehlerhaft und für den Flug (...) vom 28. März 2017 gar keine
API-Daten übermittelt. Es bestehe daher die Rechtsvermutung, dass in all
diesen Fällen eine Verletzung der Meldepflicht im Sinne von Art. 122b AIG
vorliege. Diese Vermutung vermöge sie nicht durch den Beweis des Ge-
genteils zu entkräften. Damit habe sie die ihr obliegende Meldepflicht ver-
letzt. Unter den dokumentierten Meldepflichtverletzungen würden sich we-
der leichte Fälle, bei denen gänzlich auf eine Sanktion verzichtet werden
könne, noch besonders schwere Fälle finden. Der Fluggesellschaft sei so-
mit in Anwendung von Art. 122b Abs. 1 AIG für insgesamt 80 Flüge eine
pauschale Belastung von Fr. 4'000.– pro Flug im Gesamtbetrag von
Fr. 320'000.– aufzuerlegen.
K.
Gegen diese Verfügung des SEM (nachfolgend: Vorinstanz) erhebt die
Fluggesellschaft (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 20. März 2019
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, es sei die
Verfügung aufzuheben und das Verfahren einzustellen, eventualiter sei die
Verfügung aufzuheben und sie (die Beschwerdeführerin) wegen Verlet-
zung der Meldepflicht bei Flügen zwischen Z._ und der Schweiz im
Zeitraum vom 1. März 2017 bis 31. März 2017 in einem Fall mit insgesamt
Fr. 4'000.– zu belasten, subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
sie wegen Verletzung der Meldepflicht bei Flügen zwischen Z._ und
der Schweiz im Zeitraum vom 1. März 2017 bis 31. März 2017 in 58 Fällen
mit insgesamt Fr. 232'000.– zu belasten. Zur Begründung bringt sie im We-
sentlichen vor, dass sie die vollständigen Datensätze übermittelt habe,
diese zwar vereinzelt Fehler enthalten würden, aber von der Vorinstanz
selber als nicht wesentlich für den Zweck der Meldepflicht qualifiziert wür-
den. Zudem habe sie dargelegt, dass sie fortlaufend sämtliche Vorkehren
getroffen habe, um Verstösse gegen die Meldevorschriften zu verhindern.
Es sei somit von einem leichten Fall im Sinne von Art. 122b Abs. 1 AIG
auszugehen, weshalb die Vorinstanz das Verfahren gegen sie hätte ein-
stellen müssen.
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Seite 6
L.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 8. Mai 2019 (Ein-
gang: 21. Mai 2019) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung ver-
weist sie auf ihre Erwägungen in der angefochtenen Verfügung. Im Weite-
ren geht sie auf die einzelnen Rügen der Beschwerdeführerin ein und weist
diese zurück.
M.
In ihren Schlussbemerkungen vom 18. Juli 2019 hält die Beschwerdefüh-
rerin an ihren Begehren und Ausführungen in der Beschwerde vollumfäng-
lich fest und macht einige ergänzende Bemerkungen.
N.
Die Vorinstanz hält in ihren Schlussbemerkungen vom 29. August 2019
ebenfalls an ihren Rechtsbegehren und bisherigen Erwägungen fest und
nimmt zu den einzelnen, von der Beschwerdeführerin in den Schlussbe-
merkungen vorgebrachten Punkten Stellung.
O.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 VwVG, sofern diese von einer Vorinstanz nach Art. 33
des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni
2005 (VGG, SR 173.32) stammen und keine Ausnahme gemäss Art. 32
VGG vorliegt (vgl. Art. 31 VGG). Der angefochtene Entscheid ist eine Ver-
fügung im genannten Sinn und stammt von einer Vorinstanz gemäss
Art. 33 Bst. d VGG; eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegen-
den Beschwerde zuständig.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem
VwVG, sofern das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
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Seite 7
1.2 Zur Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht ist berechtigt, wer vor
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen und ist mit ihren Begehren nicht durchge-
drungen. Sie ist durch die angefochtene Verfügung auch materiell be-
schwert und damit ohne Weiteres zur Beschwerde legitimiert.
1.3 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit voller
Kognition und überprüft angefochtene Verfügungen auf Verletzung von
Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-
sens, unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und Unangemessenheit (vgl. Art. 49 VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
Verwaltungsakte – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege-
lungen – nach der materiellen Rechtslage im Zeitpunkt ihres Ergehens zu
beurteilen (statt vieler: BGE 139 II 263 E. 6 m.H.). Vorliegend sind somit
grundsätzlich die im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 11. Feb-
ruar 2019 geltenden materiellen Bestimmungen massgebend.
3.
3.1 Gemäss aArt. 104 Abs. 1 AIG (AS 2015 3023; in Kraft bis 31. Mai 2019)
kann die Vorinstanz zur Verbesserung der Grenzkontrollen und zur wirksa-
men Bekämpfung der rechtswidrigen Einreisen in den Schengen-Raum
und Durchreisen durch die internationalen Transitzonen der Flughäfen
Luftverkehrsunternehmen verpflichten, ihr oder der für die Grenzkontrolle
zuständigen Behörde zu bestimmten Flügen Personendaten der beförder-
ten Personen sowie Daten zum Flug zu melden. Die Daten sind unmittelbar
nach dem Abflug zu übermitteln. Die massgeblichen Datenkategorien wer-
den in Art. 104 Abs. 3 AIG im Einzelnen aufgeführt und umfassen insbe-
sondere die Personalien der beförderten Personen, Angaben zu den von
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diesen mitgeführten Reisedokumenten sowie Angaben zu Abgangsflugha-
fen, Umsteigeflughäfen oder Zielflughafen in der Schweiz. Die für die Mel-
dung der Daten massgeblichen technischen Vorgaben finden sich in der
auf der Homepage der Vorinstanz publizierten API-Schnittstellenspezifika-
tion (abrufbar unter: < https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/eu/schen-
gen-dublin/api-schnittstellenspezi-d.pdf >, abgerufen am 27. April 2020).
Zu beachten ist zudem jeweils die Verfügung, mit der die Meldepflicht an-
geordnet wird.
3.2 Gemäss Art. 122b AIG wird ein Luftverkehrsunternehmen pro Flug, für
den es die Meldepflicht verletzt, mit Fr. 4‘000.– belastet. In schweren Fällen
beträgt die Belastung Fr. 12‘000.– pro Flug, in leichten Fällen kann von der
Eröffnung eines Verfahrens abgesehen werden (Abs. 1). Eine Verletzung
der Meldepflicht wird vermutet, wenn das Luftverkehrsunternehmen die
Daten nach Art. 104 Abs. 3 AIG nicht rechtzeitig, unvollständig oder falsch
übermittelt (Abs. 2). Keine Verletzung der Meldepflicht liegt vor, wenn das
Luftverkehrsunternehmen beweist, dass die Übermittlung im Einzelfall aus
technischen Gründen, die es nicht zu vertreten hat, nicht möglich war
(Abs. 3 Bst. a) oder es alle erforderlichen und zumutbaren organisatori-
schen Vorkehren getroffen hat, um eine Verletzung der Meldepflicht zu ver-
hindern (Abs. 3 Bst. b). Das Verwaltungsverfahren zur Sanktionierung der
Meldepflichtverletzung muss spätestens zwei Jahre nach dem Datum, an
dem nach Art. 104 Abs. 1 AIG die Daten hätten übermittelt werden müssen,
eröffnet werden (Art. 122c Abs. 3 Bst. b AIG).
3.3 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin, wie dargelegt
(vgl. Bst. G), für die Flüge auf der per 19. September 2012 der Meldepflicht
unterstellten Flugstrecke Z._ – Schweiz vom 1. bis 31. März 2017
bei 80 Flügen insgesamt 175 fehlerhafte bzw. nicht korrekt dargestellte
API-Daten übermittelte. Streitig und somit zu prüfen ist hingegen, ob diese
Unregelmässigkeiten bei den API-Datensätzen als "falsch übermittelt" im
Sinne von Art. 122b Abs. 2 AIG zu qualifizieren sind (vgl. E. 4), ob ein
"leichter Fall" im Sinne von Art. 122b Abs. 1 AIG vorliegt (vgl. E. 5) bzw. ob
die Beschwerdeführerin allfällige Exkulpationsgründe im Sinne von
Art. 122b Abs. 3 AIG vorzubringen vermag (vgl. E. 6). Schliesslich gilt es,
die weiteren Rügen der Beschwerdeführerin, wonach die streitgegenständ-
liche Verfügung auch aus anderen Gründen unverhältnismässig und un-
rechtmässig sei, zu prüfen (vgl. E. 7, 8 und 9).
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Seite 9
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass ihr lediglich in einem einzigen
Fall eine Verletzung der Meldepflicht vorgeworfen werden könne, nämlich
betreffend den Flug (...) vom 28. März 2017. Hinsichtlich der übrigen, be-
anstandeten API-Datensätze mache die Vorinstanz nicht geltend, dass sie
diese falsch, mithin nicht in Übereinstimmung mit der API-Schnittstellen-
spezifikation übermittelt hätte. Vielmehr werde einzig bemängelt, dass die
korrekt übermittelten Daten Fehler aufweisen würden. Eine falsche Daten-
übermittlung im Sinne von Art. 122b Abs. 2 i.V.m. Art. 104 Abs. 3 AIG liege
somit von Vorneherein nicht vor. Selbst wenn wider Erwarten die unrichtige
Rechtsauffassung geschützt werden würde, dass auch korrekt übermit-
telte, jedoch inhaltlich unkorrekte Daten als "falsch" im Sinne von Art. 122b
Abs. 2 i.V.m. Art. 104 Abs. 3 AIG qualifiziert würden, treffe der Vorwurf der
Vorinstanz nicht zu, dass sie bei insgesamt 80 Flügen 179 (recte: 175) feh-
lerhafte API-Datensätze übermittelt hätte. In 8 API-Daten-sätzen seien der
Vor- und Nachname des Fluggastes vollständig und korrekt übermittelt
worden. Die Daten seien lediglich nicht ganz korrekt dargestellt worden.
Eine Identifikation des Fluggastes sei jedoch ohne weiteres möglich. Bei
39 weiteren Datensätzen würden diese "Fehler" einzig in einem Tippfehler
oder in vergleichbaren minimen Fehlern bestehen. Die Vorinstanz könne in
ihrer Verfügung nicht ansatzweise darlegen, weshalb der Zweck der Da-
tenübermittlung aufgrund dieser "Fehler" vereitelt würde. Im Gegenteil, die
Vorinstanz selber erachte diese Fehler zum Teil als unwesentlich. Insge-
samt würden somit bei 47 Datensätzen nur geringfügige Unregelmässig-
keiten vorliegen. "Falsch" im Sinne von Art. 122b Abs. 2 i.V.m. Art. 104
Abs. 3 AIG seien diese Daten damit nicht. Auch bei den übrigen 128 API-
Datensätzen vermöge die Vorinstanz in ihrer Verfügung nicht zu begrün-
den, weshalb die dort enthaltenen Fehler den Zweck der Datenübermitt-
lung vereiteln würden. Vielmehr treffe das Gegenteil zu. Die Fehler in die-
sen übrigen 128 API-Datensätzen würden die Nationalität des Fluggastes
oder den Ausstellerstaat des Reisedokuments betreffen.
Die Unregelmässigkeiten bei den API-Datensätzen seien somit nicht derart
gravierend, dass sie als "Fehler" im Sinne von Art. 122b Abs. 2 AIG qualifi-
ziert werden könnten. Dies gelte für sämtliche 175, von der Vorinstanz be-
anstandeten API-Datensätze, im Besonderen aber – wie aufgezeigt – bei
insgesamt 47 Datensätzen. So generiere die Eintragung formell korrekt
übermittelter, jedoch inhaltlich falscher API-Daten trotzdem die gewünsch-
ten Treffermeldungen. Zusätzlich müssten die Mitarbeitenden der Vo-
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Seite 10
rinstanz die sogenannten "false positive hits" herausfiltern. Ein solcher Auf-
wand könne der Vorinstanz ohne Weiteres zugemutet werden. Eine auto-
matisierte Datenverarbeitung sei höchstens dann beeinträchtigt, wenn bei-
spielsweise der Name UND der Vorname komplett falsch erfasst worden
wären. Diese Anforderung würden vorliegend allerhöchstens 68 von 175
Datensätze erfüllen. Dem Zweck der Meldepflicht werde aber einzig dann
nicht nachgekommen, falls der Vorname, der Name und die Reisedoku-
ment-Nr. derart falsch erfasst würden, dass eine Ausschreibung der Person
oder des Reisedokuments schlicht verunmöglicht sei. Von den genannten
68 Datensätzen treffe dies auf keinen einzigen zu.
4.2 Die Vorinstanz hält diesbezüglich fest, dass gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts API-Daten nach Art. 122b Abs. 2 AIG als
falsch übermittelt gälten, wenn sie nicht den für den jeweiligen Eingangs-
kanal definierten Spezifikationen entsprächen. Die Daten müssten damit
zunächst gewisse formelle Anforderungen gemäss Schnittstellenspezifika-
tion erfüllen, damit diese korrekt ins System eingeliefert und von diesem
verarbeitet werden könnten. Da die Daten in elektronischer Form verarbei-
tet würden, seien zudem zwingend hohe Anforderungen an die inhaltliche
Richtigkeit der erfassten Daten zu stellen. Nur inhaltlich richtige Daten wür-
den beim Abgleich mit den in den Umsystemen gespeicherten Informatio-
nen eindeutige Resultate liefern. Auch vermeintlich einfache Tippfehler, die
von einem Grenzkontrollbeamten möglicherweise als solche erkannt und
manuell berichtigt werden könnten, könnten bei einem automatischen Ab-
gleich dazu führen, dass auf eine Person oder ein Dokument lautende Aus-
schreibungen nicht gefunden würden. Dies liesse sich (wenn überhaupt)
nur dadurch verhindern, dass das System mit derart unscharfen Suchpa-
rametern betrieben würde, dass es neben den eigentlichen auch zahllose
sogenannte "false positive hits", also bloss vermeintliche Treffermeldungen
anzeigen würde, die danach manuell wieder herausgefiltert werden müss-
ten. Damit würde das System aber genau jenes Vorteils beraubt, zu dessen
Zweck es geschaffen worden sei. Deshalb müsse jede Datenlieferung, die
auch nur im Geringsten von den formellen Vorgaben der Spezifikation ab-
weiche oder inhaltlich fehlerhafte Passagierdaten enthalte und dadurch die
automatisierte Verarbeitung verunmögliche oder zu falschen Suchergeb-
nissen führe, als "falsch" gelten. Dies selbst dann, wenn es einem mensch-
lichen Betrachter möglich wäre, die von der Spezifikation abweichende
Übermittlung korrekt zu interpretieren. So könne eine Beschleunigung der
Grenzkontrolle nur dann erreicht werden, wenn die automatisierte Daten-
verarbeitung eindeutige Resultate liefere, welche nicht unnötig zeitaufwän-
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Seite 11
dig manuell nachbearbeitet werden müssten. Unkorrekte API-Daten wür-
den die Beschleunigung der Grenzübertrittskontrolle gerade erschweren,
da ausgeschriebene Personen oder Dokumente nicht oder nur mit grossem
Zusatzaufwand identifiziert werden könnten oder da falsche Treffer gene-
riert würden, die in keinem tatsächlichen Bezug zur reisenden Person stün-
den. Soweit die gelieferten API-Daten nicht den formellen Vorgaben ge-
mäss der auf ihrer Homepage publizierten Schnittstellenspezifikation ent-
sprechen oder inhaltliche Mängel aufweisen würden, seien sie im Sinne
von Art. 122b Abs. 2 AIG als falsch zu qualifizieren.
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil A-1679/2016 vom
31. Januar 2017 in E. 4.4.7 die im dortigen Verfahren gemachten – und
vorliegend wiederholten (vgl. E. 4.2) – Ausführungen der Vorinstanz zur
Frage, was unter einer "falschen" Datenübermittlung gemäss Art. 122b
Abs. 2 AIG zu verstehen ist, gestützt. Es kommt im erwähnten Urteil zum
Schluss, dass eine Meldung der API-Daten nur dann Sinn mache, wenn
sie auf eine zweckkonforme Weise erfolge. Dass dies für die Luftverkehrs-
unternehmen allenfalls mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein
möge, ändere nichts daran, zumal die Vorinstanz vor Beginn der Melde-
pflicht die Möglichkeit biete, im Rahmen einer Testphase zu prüfen, ob die
Datenübermittlung reibungslos funktioniere.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin stützt das Bundesverwal-
tungsgericht in seinem Urteil somit die Ansicht der Vorinstanz, wonach der
Zweck der Meldepflicht auch dann vereitelt wird, wenn inhaltlich fehlerhafte
API-Datensätze übermittelt werden. Auch solche Passagierdaten verun-
möglichen eine automatisierte Verarbeitung der Daten oder führen zu fal-
schen Suchergebnissen, so dass eine Erleichterung und Beschleunigung
der Grenzübertrittskontrolle sowie ein schonender Einsatz knapper Perso-
nalressourcen nicht erreicht werden kann. Entsprechend gilt jede Datenlie-
ferung, die auch nur im Geringsten von den formellen Vorgaben der API-
Schnittstellenspezifikation abweicht oder inhaltlich fehlerhafte Passagier-
daten enthält, als falsch im Sinne von Art. 122b Abs. 2 AIG.
4.4 Die im relevanten Zeitpunkt (1. bis 31. März 2017) geltende API-
Schnittstellenspezifikation (vgl. Vorakten act. 2, p. 11-34) sieht in
Ziff. 4.2.12 unter anderem vor, dass Name und Vorname durch einen Dop-
pelpunkt und mehrere Namen bzw. mehrere Vornamen durch einen Leer-
schlag zu trennen sind. Der Familienname ist dabei vor dem bzw. den Vor-
namen zu erfassen (Ziff. 4.3). Hinsichtlich der Erfassung von Reisedoku-
menten schreibt die API-Schnittstellenspezifikation in den Ziffern 4.1.2 und
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Seite 12
4.2.17 vor, dass der Code für den Reisedokument-Typ aus der maschinen-
lesbaren Zone (Machine Readable Zone [MRZ]) des Reisedokuments
übernommen werden muss. Der Code kann dabei aus zwei Stellen beste-
hen, wobei an erster Stelle die Buchstaben P für Pass und I für Identitäts-
karte zu verwenden sind. Anschliessend folgt die Nummer des Reisedoku-
ments, welche aus einer Kombination von Buchstaben und Zahlen oder
nur aus Zahlen besteht.
4.5 Aufgrund des Gesagten entsprechen weder die von der Beschwerde-
führerin erwähnten 8 API-Datensätze, in welchen der Name des Fluggas-
tes "lediglich nicht ganz korrekt dargestellt" wurde, noch die weiteren 39
Datensätze, welche "einzig in einem Tippfehler oder in vergleichbaren mi-
nimen Fehlern" (z.B. Angabe des falschen Reisedokuments, falsche Num-
mer des Reisedokuments) bestehen, der im relevanten Zeitpunkt gelten-
den API-Schnittstellenspezifikation. Schliesslich erfüllen auch die Fehler in
den übrigen 128 API-Datensätzen, welche gemäss Beschwerdeführerin
"Fehler wie die Nationalität des Fluggastes oder den Ausstellerstaat des
Reisedokuments" betreffen, die Vorgaben der API-Schnittstellenspezifika-
tion nicht bzw. stellen inhaltlich fehlerhafte Passagierdaten dar. Mithin ver-
hindert die fehlerhafte Erfassung der API-Daten, dass die automatisiert
durchgeführten Abfragen der Passagierdaten in den für die Grenzkontrolle
relevanten Datenbanken korrekte Resultate liefern, weshalb der Zweck der
Datenübermittlung vereitelt wird. Dementsprechend gelten alle in der an-
gefochtenen Verfügung aufgeführten 175 API-Datensätze als "falsch über-
mittelt" im Sinne von Art. 122b Abs. 2 AIG, weshalb von Gesetzes wegen
eine Verletzung der Meldepflicht vermutet wird.
5.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob es sich bei der vermuteten Verletzung der
Meldepflicht um einen "leichten Fall" im Sinne von Art. 122b Abs. 1 AIG
handelt, bei welchem von der Eröffnung eines Verfahrens abgesehen wer-
den könnte.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, im Zentrum der
Vorschriften betreffend Meldepflichtverletzungen stehe der präventive Ge-
danke. Ein Luftverkehrsunternehmen solle nur belastet werden, wenn es
wiederholt und in ähnlicher Weise oder in groben Einzelfällen die Melde-
pflicht verletze. Ein Verzicht komme etwa bei kleineren, den Zweck der
Meldepflicht nicht wesentlich beeinträchtigenden Fehlern in Betracht, zum
Beispiel dem einmaligen Fehlen eines Geburtsdatums eines einzelnen
Passagiers. Die Regelungsabsicht des Gesetzgebers stelle sicher, dass
A-1384/2019
Seite 13
die zwingende Sanktionierung gemäss Art. 122b Abs. 1 AIG grundsätzlich
nur dort zur Anwendung komme, wo sie eine präventive Wirkung habe und
nicht zum Selbstzweck verkomme. Halte das Luftverkehrsunternehmen
seine Meldepflicht im Wesentlichen ein und seien dabei bloss einige we-
nige Fehler zu verzeichnen, die den Sinn und Zweck der Meldepflicht nicht
bzw. nur geringfügig tangieren würden, sei dies somit nicht zu beanstan-
den. Die Vorinstanz räume dabei selber ein, dass bei API-Datensätzen von
22 Flügen der Zweck der Meldepflicht nicht wesentlich beeinträchtigt
werde, ohne nur ansatzweise begründen zu können, inwiefern sich die üb-
rigen 153 API-Datensätze von diesen unterscheiden würden. Vorliegend
habe sie – mit Ausnahme eines einzigen Falles, nämlich beim Flug (...)
vom 28. März 2017 – vollständige API-Datensätze übermittelt, welche zwar
fehlerhaft seien, aber – auch gemäss Auffassung der Vorinstanz – keine
Fehler enthalten würden, welche den Zweck der Meldepflicht wesentlich
beeinträchtigen würden. Bei dieser Ausgangslage würden es Angemes-
senheitsüberlegungen rechtfertigen, auf eine Sanktionierung zu verzich-
ten. Somit stehe fest, dass ein "leichter Fall" im Sinne von Art. 122b Abs. 1
AIG vorliege. Indem die Vorinstanz einen Verstoss der Beschwerdeführerin
annehme, überschreite sie ihr Ermessen und verletze Bundesrecht.
5.2 Die Vorinstanz weist darauf hin, dass die in der angefochtenen Verfü-
gung aufgeführten – und von der Beschwerdeführerin erwähnten – 22 Da-
tenübertragungen jeweils nur einen einzigen nachweisbar fehlerhaften
Passagierdatensatz enthalten würden. Diese Datensätze würden zwar den
eigentlichen Zweck der API-Datenübermittlung – nämlich die Erleichterung
und Beschleunigung der Grenzübertrittskontrolle und den schonenden Ein-
satz knapper Personalressourcen – beeinträchtigen, diesen aber als iso-
lierte Erscheinungen nicht zum Vornherein gänzlich zu vereiteln vermögen.
Dadurch würden sich diese 22 Datenübertragungen von den übrigen 153
beanstandeten Datenübermittlungen unterscheiden, welche jeweils gleich
mehrere fehlerhafte Passagierdatensätze enthielten, somit die Qualität der
generierten Abfrageresultate in einem Ausmass an Aussagekraft einbüsse,
dass der vorbeschriebene Zweck der API-Datenübermittlung vereitelt
werde.
Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(vgl. nachfolgend E. 5.4) hält die Vorinstanz fest, dass sie vorliegend zum
Schluss gelangt sei, dass sämtliche der festgestellten 175 fehlerhaften Da-
tenübermittlungen zu sanktionieren seien und es bezüglich der fraglichen
22 Datenübertragungen nicht angemessen erscheine, auf eine Sanktion zu
verzichten. Angesichts der systematischen Übermittlung fehlerhafter API-
A-1384/2019
Seite 14
Daten (im Beobachtungszeitraum durchschnittlich mehr als 2 fehlerhafte
Passagierdatensätze pro Flug) könne schliesslich auch nicht argumentiert
werden, es handle sich bei diesen Datenübertragungen um "Ausreisser",
die selbst bei vorbildlichen Vorkehrungen angesichts der Masse der beför-
derten Passagiere nicht vollständig verhindert werden könnten. Die Be-
schwerdeführerin habe somit wiederholt und in ähnlicher Weise ihre Mel-
depflicht verletzt, weshalb für sämtliche der 80 Flüge mit Meldepflichtver-
letzung eine Sanktion auszusprechen und die Belastungen zu kumulieren
seien.
5.3 Was unter einem "leichten Fall" gemäss Art. 122b Abs. 1 AIG zu ver-
stehen ist, ergibt sich aus dem Wortlaut der Bestimmung nicht (vgl. Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] A-1679/2016 vom 31. Januar
2017 E. 4.2). Gemäss den Gesetzesmaterialien ermöglicht es die Kann-
Vorschrift in Art. 122b Abs. 1 AIG der Vorinstanz, bei leichten, vereinzelt
auftretenden Fällen von einer Verfahrenseröffnung abzusehen und vorerst
eine Mahnung auszusprechen. Das Hauptziel der Bestimmung besteht da-
rin, zu erreichen, dass die Meldepflicht von den betroffenen Unternehmen
effektiv eingehalten wird. Wie die Beschwerdeführerin richtig vorbringt,
steht dabei der präventive Gedanke im Vordergrund. Entsprechend wird
ein Luftverkehrsunternehmen nur belastet, wenn es wiederholt und in ähn-
licher Weise oder in groben Einzelfällen die Meldepflicht verletzt. Es sind
insbesondere Angemessenheitsüberlegungen, die den Verzicht auf eine
Sanktion rechtfertigen. Dies beispielsweise bei kleineren, den Zweck der
Meldepflicht nicht wesentlich beeinträchtigenden Fehlern, etwa dem ein-
maligen Fehlen eines Geburtsdatums einer einzelnen Passagierin oder ei-
nes einzelnen Passagiers. Ziel der Norm ist nicht, eine möglichst hohe An-
zahl an Belastungen auszusprechen, sondern – in Zusammenarbeit mit
den Luftverkehrsunternehmen – die Datenqualität der Meldungen zu ver-
bessern (vgl. BBl 2013 2569, 2591 f.).
5.4 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in seinem Urteil A-1679/2016
vom 31. Januar 2017 in E. 4.4.2 zum Schluss, dass bei der Grenzziehung
zwischen einem leichten und einem nicht mehr leichten Fall dem Zweck
der Sanktionierung nach dem Willen des Gesetzgebers massgebliche Be-
deutung zukomme. Art. 122b AIG solle in erster Linie präventive Wirkung
entfalten und dazu beitragen, dass die Luftverkehrsunternehmen die für
eine korrekte Erfüllung der Meldepflicht erforderlichen möglichen Vorkeh-
ren treffen. Die Sanktionierung von Meldepflichtverletzungen, die trotz ent-
sprechender Vorkehren nicht vollständig vermieden werden könnten, trage
diesem Zweck nichts bei. Lägen solche Meldepflichtverletzungen vor, sei
A-1384/2019
Seite 15
daher von einem leichten Fall auszugehen. Dies erscheine allein schon
deshalb als sinnvoll, als bei solchen Meldepflichtverletzungen grundsätz-
lich der Exkulpationsbeweis nach Art. 122b Abs. 3 AIG gelingen dürfte.
Weiter liege es nahe, auch dann von einem leichten Fall auszugehen,
wenn die zu beurteilende Meldepflichtverletzung bzw. die zu beurteilenden
Meldepflichtverletzungen eine Sanktionierung mit Blick auf die mit
Art. 122b AIG in erster Linie angestrebte präventive Wirkung sowohl in Be-
zug auf das Unternehmen, das die Meldepflicht verletzt habe, als auch in
Bezug auf die übrigen der Meldepflicht nach Art. 104 AIG unterstehenden
Luftverkehrsunternehmen als entbehrlich erscheinen lasse bzw. lassen
würden. Der Vorinstanz stehe insoweit ein gewisses Ermessen zu, das sie
pflichtgemäss auszuüben habe. Zu beachten sei dabei, dass ein "Fall" im
Sinne von Art. 122b AIG nicht zwingend mit einem einzelnen Flug mit Mel-
depflichtverletzung identisch sei. Je nach den gegebenen Umständen
könne ein "Fall", ob ein leichter, ein gewöhnlicher nicht mehr leichter oder
ein schwerer Fall vorliege, gestützt auf eine Gesamtbetrachtung beantwor-
tet werden. Je nach Antwort sei dann für die einzelnen Flüge des "Falls"
auf eine Belastung zu verzichten oder eine Belastung von Fr. 4'000.– bzw.
Fr. 12'000.– festzusetzen. Entsprechend sei die vorinstanzliche Auslegung
des Begriffs des "leichten Falls", wonach in der Regel dann von einem sol-
chen Fall auszugehen sei, wenn die Meldepflicht im Wesentlichen einge-
halten werde und bloss einige wenige Fehler zu verzeichnen seien, die den
Sinn und Zweck der Meldepflicht nicht bzw. nur geringfügig tangierten,
grundsätzlich nicht zu beanstanden (vgl. Urteil BVGer A-1679/2016 vom
31. Januar 2017 E. 4.5).
5.5 Gestützt auf die vorangehenden Ausführungen ist es nicht unangemes-
sen, wenn die Vorinstanz hinsichtlich sämtlicher 80 Flüge, für die die Be-
schwerdeführerin – vorbehältlich allfälliger Exkulpationsgründe (vgl. nach-
folgend E. 6) – die Meldepflicht verletzte, von einem nicht mehr leichten,
aber noch nicht schweren Fall ausgeht. Insbesondere der Umstand, dass
während lediglich eines Monats bei 80 Flügen 175 fehlerhafte API-Daten
geliefert wurden, lässt die Annahme eines "leichten Falls" nicht zu, handelt
es sich doch nicht mehr bloss um vereinzelt auftretende Fehler, die den
Sinn und Zweck der Meldepflicht nicht bzw. nur geringfügig tangieren wür-
den. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz zunächst eine Mahnung ausge-
sprochen hat, indem sie die Beschwerdeführerin am 17. Februar 2017 auf
Fehler bei den übermittelten API-Daten hingewiesen und eine engere Da-
tenkontrolle für die nächsten Wochen und Monate in Aussicht gestellt hat
(vgl. Bst. E). Ausserdem führte sie auf Anfrage hin am 2. März 2017 aus,
welche konkreten Fehler bisher festgestellt werden mussten (vgl. Bst. F;
A-1384/2019
Seite 16
nicht abschliessende Liste). Gestützt auf diese Gesamtbetrachtung er-
scheint es auch angemessen, bei den einzelnen Flügen der 22 Datenüber-
tragungen, welche jeweils nur einen einzigen nachweisbar fehlerhaften
Passagierdatensatz enthalten und gemäss Vorinstanz für sich allein be-
trachtet den Zweck der Meldepflicht nicht zum Vornherein gänzlich zu ver-
eiteln vermögen, von keinem "leichten Fall" auszugehen und eine Belas-
tung von je Fr. 4'000.– festzusetzen. Insgesamt handelt es sich bei der ver-
muteten Verletzung der Meldepflicht somit um keinen "leichten Fall" im
Sinne von Art. 122b Abs. 1 AIG, weshalb die angefochtene Verfügung auch
insoweit nicht zu beanstanden ist.
6.
Schliesslich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die vermutete Melde-
pflichtverletzung widerlegen kann, indem sie allfällige Exkulpationsgründe
im Sinne von Art. 122b Abs. 3 AIG vorzubringen vermag.
6.1 Die Beschwerdeführerin bringt hierzu vor, sie habe im vorinstanzlichen
Verfahren aufgezeigt, dass sie diverse Massnahmen ergriffen habe, um die
Datenqualität zu verbessern und damit Meldepflichtverletzungen zu verhin-
dern. So habe sie anfangs 2017 wiederholt sämtliche Flughäfen ihres Stre-
ckennetzes angewiesen, korrekte API-Daten zu übermitteln, die mit der
Übermittlung beauftragten Stellen wiederholt zu instruieren und gemäss
den internen Richtlinien zu überwachen. In der Folge habe das Outstations
Coordination Management diese Weisungen laufend konkretisiert, um die
Fehlerquellen weiter zu eliminieren. Schliesslich seien nach Eingang der
Mahnung der Vorinstanz vom 17. Februar 2017 mit E-Mail vom 8. März
bzw. 20. Juli 2017 weitere konkrete Instruktionen an die Abteilungen Out-
stations Coordination Management, Visa & Passport Department und Hub
Control Management erfolgt. Neben dieser internen Umsetzung habe sie
sich sodann proaktiv bei der Vorinstanz nach Beispielen für fehlerhafte
Übermittlungen von API-Datensätzen erkundigt, um die Datenqualität wei-
ter verbessern zu können.
Im Weiteren hält die Beschwerdeführerin fest, dass sie, auch nachdem die
Vorinstanz die Datensätze vom 1. bis 31. März 2017 untersucht und mit
Schreiben vom 12. Februar 2018 beanstandet habe, alle möglichen Vor-
kehrungen unternommen habe, um die Datenqualität weiter zu verbessern.
So habe sie unverzüglich eine Besprechung mit der Kantonspolizei Zürich
initiiert, um die Datenqualität zu verbessern. Zwischen dem 15. und
21. Februar 2018 sei eine tägliche Übermittlung der fehlerhaften API-Daten
an ihren Hauptsitz erfolgt. Dieser habe daraufhin sämtliche involvierten
A-1384/2019
Seite 17
Stellen dringend angewiesen, alle erforderlichen und zumutbaren organi-
satorischen Zusatzvorkehren zu treffen und in sämtlichen Kategorien voll-
ständige und korrekte API-Daten zu erfassen, um eine Verletzung der Mel-
depflicht zukünftig zu verhindern. Diese Bemühungen hätten dazu geführt,
dass ihr die Kantonspolizei Zürich inzwischen eine deutlich verbesserte
Datenqualität attestiere, was auch die Vorinstanz anerkenne bzw. nicht zu
widerlegen vermöge. Zusammengefasst stehe somit fest, dass auch unter
dem Blickwinkel der von ihr vorgenommenen und umgesetzten Massnah-
men zur Vermeidung von fehlerhaften Datenübermittlungen von einem
leichten Fall im Sinne von Art. 122b Abs. 1 AIG auszugehen sei. Ferner sei
mit dem durch die Vorinstanz eingeleiteten Verfahren und den darauf durch
sie getroffenen organisatorischen und technischen Zusatzmassnahmen
das vom Gesetzgeber mit der Gesetzesnorm angestrebte präventive Ziel,
nämlich die Qualität der API-Datensätze zu verbessern und Sorgfalts- und
Meldepflichtverletzungen zu unterbinden, zur Zufriedenheit der involvierten
Behörden erreicht. Eine Sanktionierung nach Art. 122b AIG erscheine des-
halb entbehrlich.
6.2 Die Vorinstanz hält fest, dass für die Beurteilung der Frage, ob alle er-
forderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehren getroffen wor-
den seien, nur Massnahmen berücksichtigt werden könnten, die bis zum
Zeitpunkt der letzten dokumentierten Meldepflichtverletzung getroffen wür-
den. Andernfalls würde der Exkulpationsbeweis nach Art. 122b Abs. 3
Bst. b AIG ad absurdum geführt, indem sich die Luftverkehrsunternehmen
in jedem Fall durch nachträglich getroffene Massnahmen einer drohenden
Sanktion entziehen könnten. Ausserdem könnte bei einem solchen Ver-
ständnis nicht mehr von einer präventiven Wirkung der Sanktionsnorm ge-
sprochen werden. Die bis am 31. März 2017 nachweislich getroffenen
Massnahmen würden sich auf allgemeine, per Mail erlassene Anweisun-
gen beschränken. Diese könnten jedoch nicht als ausreichend bezeichnet
werden, um die festgestellten Mängel in der Datenqualität zu beheben. Die
Beschwerdeführerin habe somit nicht alle erforderlichen und zumutbaren
organisatorischen Vorkehren getroffen, weshalb ihr der angestrebte Exkul-
pationsbeweis nicht gelinge.
6.3 Wie bereits erwähnt wird bei Vorliegen gewisser Umstände von Geset-
zes wegen eine Verletzung der Meldepflicht vermutet (Art. 122b Abs. 2
AIG; vgl. E. 3.2). Diese gesetzliche Vermutung ist notwendig, da ohne sie
die Sanktionierungsmöglichkeiten in der Praxis wegen Beweisschwierig-
keiten (u.a. Auslandsachverhalt, negative Tatsache) keine Wirkung entfal-
A-1384/2019
Seite 18
ten würden (vgl. zum Ganzen insb. BBl 2013 2569 f., 2572, 2588 ff.). Aller-
dings kann das Luftverkehrsunternehmen die Vermutung widerlegen, in-
dem es beweist, dass im Gesetz aufgeführte Exkulpationsgründe vorliegen
(Art. 122b Abs. 3 AIG). Einerseits kann es sich exkulpieren, wenn techni-
sche Probleme – namentlich der Übermittlungssysteme oder des API-Sys-
tems – die Übermittlung der Meldung verunmöglichten (Bst. a) und ande-
rerseits, wenn es nachweist, dass es alle erforderlichen und zumutbaren
organisatorischen Vorkehren getroffen hat, um eine Verletzung der Melde-
pflicht zu verhindern (Bst. b).
6.4 Vorliegend ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass entsprechend
dem Zweck der Sanktionierung (vgl. hierzu E. 5.4) als Exkulpationsgrund
nur Massnahmen berücksichtigt werden können, welche vor der vermute-
ten Meldepflichtverletzung – in casu vor dem 1. April 2017 – getroffen wur-
den.
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin, nachdem sie von
der Vorinstanz am 17. Februar 2017 auf Fehler bei den übermittelten API-
Daten hingewiesen wurde und eine engere Datenkontrolle für die nächsten
Wochen und Monate – verbunden mit dem Hinweis eines Sanktionsverfah-
rens bei weiteren Verletzungen – in Aussicht gestellt worden war, konkrete
Instruktionen an die Abteilungen Outstations Coordination Management,
Visa & Passport Department und Hub Control Management mittels zweier
E-Mails vom 8. März bzw. 20. Juli 2017 erteilt hat. Diese Anweisungen wa-
ren jedoch nicht ausreichend – und die zweite E-Mail von vornherein (zu)
spät -, um weitere Fehler bei der Datenübermittlung verhindern zu können.
Erst nachdem der Beschwerdeführerin am 12. Februar 2018 die Eröffnung
des Verwaltungsverfahrens wegen Verdachts auf Meldepflichtverletzung
mitgeteilt worden war, traf sie weitergehende Massnahmen. So hat sie bei-
spielsweise eine Besprechung mit der Kantonspolizei betreffend Daten-
qualität initiiert. Weiter hat sie eine tägliche Übermittlung der fehlerhaften
API-Daten an ihren Hauptsitz vornehmen lassen, damit dieser die Fehler
auswerten und weitere Anweisungen erteilen konnte. Erst mit diesen – Mo-
nate später veranlassten – Vorkehren konnte die Beschwerdeführerin in-
nert kürzester Zeit eine Übermittlung von API-Datensätzen mit deutlich ver-
besserter Qualität erreichen. Diese nachträglich getroffenen Massnahmen
verdeutlichen, dass die Beschwerdeführerin vor der vermuteten Melde-
pflichtverletzung nicht alle erforderlichen und zumutbaren organisatori-
schen Vorkehren getroffen hat, um eine Verletzung der Meldepflicht zu ver-
hindern, zumal sie auch von der Möglichkeit, die Datenübermittlung vor-
gängig zu testen, keinen Gebrauch gemacht hatte (vgl. Bst. A). Folglich
A-1384/2019
Seite 19
vermag die Beschwerdeführerin keinen Exkulpationsgrund im Sinne von
Art. 122b Abs. 3 Bst. b AIG vorzubringen, welcher die vermutete Melde-
pflichtverletzung widerlegen kann. Dass technische Probleme die Über-
mittlung der Meldung verunmöglicht hätten, wird nicht vorgebracht
(Art. 122b Abs. 3 Bst. a AIG).
7.
7.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass ihr hinsichtlich der
fehlerhaften Angaben keinerlei Verschulden zukomme und die Vorinstanz
ein solches weder in ihrer Verfügung noch in ihrer Vernehmlassung aufzu-
zeigen und nachzuweisen vermöge. Sie könne nicht für fehlerhafte Eintra-
gungen durch ihre Fluggäste mittels "Self-Check-In" verantwortlich ge-
macht werden. Die ihr auferlegte "Busse" stelle eine administrative Sank-
tion dar, welche nichts anderes als eine strafrechtliche Sanktion im Sinne
von Art. 6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) sei. Dies habe eine analoge Anwendung von
strafrechtlichen Grundsätzen mit verfassungs- und konventionsrechtlichen
Bezügen zur Folge. Dementsprechend sei das Schuldprinzip zu beachten,
wonach für eine Verurteilung ein Verschulden und damit eine persönliche
Verantwortlichkeit gegeben sein müsse. Die Vorinstanz habe jedoch aus
dem blossen Eintritt eines Erfolgs auf ihre Schuld geschlossen. Mangels
Nachweises eines Verschuldens könne ihr jedoch keine Sanktion auferlegt
werden.
7.2 Zunächst ist zu prüfen, ob Art. 6 EMRK vorliegend zur Anwendung ge-
langt.
7.2.1 Gemäss Art. 1 EMRK haben die Vertragsparteien allen in ihrer Ho-
heitsgewalt unterstehenden Personen die in Abschnitt I der EMRK be-
stimmten Rechte und Freiheiten zu sichern. Berechtigte der Konvention
sind sowohl natürliche als auch nichtstaatliche juristische Personen und
Personenvereinigungen (CHRISTIAN JOHANN, in: Karpenstein/Mayer
[Hrsg.], Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
Kommentar, 2. Aufl. 2015, Rz. 17 zu Art. 1 EMRK). Die Beschwerdeführe-
rin kann sich somit als nichtstaatliche juristische Person auf die EMRK be-
rufen (vgl. Urteil des BVGer A-597/2019 vom 27. Januar 2020 E. 4.3.1).
7.2.2 Art. 6 EMRK gewährleistet das Recht auf ein faires Verfahren. In den
sachlichen Schutzbereich von Art. 6 EMRK fallen Streitigkeiten über zivil-
A-1384/2019
Seite 20
rechtliche Ansprüche und Verpflichtungen sowie die Erhebung strafrechtli-
cher Anklagen (vgl. Art. 6 Abs. 1 EMRK). Gemäss einer gefestigten, lang-
jährigen Rechtsprechung des EGMR handelt es sich um eine strafrechtli-
che Anklage, wenn alternativ entweder das nationale Recht eine staatliche
Massnahme dem Strafrecht zuordnet oder wenn die Natur des Vergehens
oder die Art und Schwere des Vergehens und/oder der Sanktionen für den
strafrechtlichen Charakter spricht (sogenannte Engel-Kriterien, vgl. Urteil
des BVGer A-597/2019 vom 27. Januar 2020 E. 4.3.2 m.w.H.). Massge-
blich sind nach dieser Rechtsprechung erstens die Zuordnung der Vor-
schrift im nationalen Recht, zweitens die Natur des Vergehens sowie drit-
tens die Art und Schwere der Sanktion. Die beiden letzten Kriterien gelten
alternativ und können einen strafrechtlichen Charakter eigenständig be-
gründen. Verbleiben Zweifel bei der Einschlägigkeit des zweiten oder drit-
ten Kriteriums, können sie kumulativ in einer Gesamtwürdigung angewandt
werden. Strafrechtlich ist die Natur des Vergehens, wenn der Sanktionstat-
bestand (in Kombination mit der vorgesehenen Sanktion) eine abschre-
ckende und ahndende Funktion hat. Überschreiten Sanktionen mit ab-
schreckendem und/oder punitivem Zweck eine gewisse Mindestschwere,
so ist der strafrechtliche Charakter ebenfalls indiziert (vgl. Urteil des BVGer
A-597/2019 vom 27. Januar 2020 E. 4.3.2 m.w.H.).
Wie die Beschwerdeführerin richtig vorbringt, ist Art. 122b Abs. 1 AIG den
administrativen Sanktionen des AIG und nicht den Strafbestimmungen zu-
geordnet (vgl. Art. 121 - Art. 122c AIG), weshalb das erste Kriterium nicht
erfüllt ist. Hingegen zeichnet sich Art. 122b Abs. 1 AIG durch seinen ein-
deutig abschreckenden sowie vergeltenden Charakter aus und die
Schwere der Sanktion im Falle einer Widerhandlung ist ebenfalls gegeben.
Art. 122b Abs. 1 AIG verfügt somit – wie auch die Sanktion bei einer Sorg-
faltspflichtverletzung gemäss Art. 122a Abs. 1 AIG (vgl. Urteil des BVGer
A-597/2019 vom 27. Januar 2020 E. 4.3.2) – über einen "strafrechtsähnli-
chen" Charakter im Sinne der Rechtsprechung des EGMR, weshalb Art. 6
EMRK vorliegend zur Anwendung gelangt.
7.3 In der Folge ist die Vereinbarkeit von Art. 122b Abs. 1 AIG mit Art. 6
Abs. 2 EMRK, wonach jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, bis zum
gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig gilt, zu prüfen.
7.3.1 Gemäss der Praxis der Strassburger Organe folgt aus der Un-
schuldsvermutung von Art. 6 EMRK unter anderem, dass es Sache der An-
klagebehörde ist, genügend Beweismaterial für das Vorliegen der strafba-
A-1384/2019
Seite 21
ren Handlung beizubringen und den Nachweis für die Schuld der angeklag-
ten Person zu führen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer A-597/2019 vom
27. Januar 2020 E. 4.4.1 m.w.H.).
7.3.2 Hingegen können gesetzliche Tatsachen- und Rechtsvermutungen
im nationalen Recht zulässig sein, soweit sie nicht absolut verstanden wer-
den, einem zulässigen Ziel dienen, sich in vernünftigen Grenzen halten und
eine Würdigung der erhobenen Beweise durch das Gericht zulassen. Die
Bedeutung der Sache und die Wahrung der Verteidigungsrechte müssen
dabei berücksichtigt werden. Der Angeklagte muss in jedem Fall eine an-
gemessene Möglichkeit zum Gegenbeweis haben (Urteil des BVGer
A-597/2019 vom 27. Januar 2020 E. 4.4.2 m.w.H.).
Eine gesetzliche Vermutung schliesst von einer bekannten Tatsache (Ver-
mutungsbasis) auf eine unbekannte Tatsache (Tatsachenvermutung) oder
Rechtsfolge (Rechtsvermutung). Wird die Vermutungsbasis mit dem übli-
chen Beweismass bewiesen, vollzieht das Gesetz den Schluss auf die Ver-
mutungsfolge selbst. Die gesetzlichen Vermutungen sind normativer Aus-
druck des Üblichen, des Regelmässigen, des der allgemeinen Lebenser-
fahrung Entsprechenden. Sobald die Vermutungsfolge durch den Beweis
der Vermutungsbasis eintritt, muss die Vermutungsgegnerin den Beweis
des Gegenteils erbringen. Bei einer Rechtsvermutung handelt es sich nicht
um eine Umkehr der Beweislast, sondern um eine Erleichterung des Be-
weises jener Partei, die für die Rechtsfolge beweisbelastet ist, die Gegen-
stand der Vermutungsfolge ist (ALEXANDRA JUNGO, Beweislast, Zürcher
Kommentar, 3. Auflage, 2018, Rz. 269 f; HANS PETER WALTER, in: Haus-
heer/Walter [Hrsg.], Einleitung Art. 1 - 9 ZGB, Berner Kommentar, 2012,
Rz. 387 ff. zu Art. 8 ZGB). Man spricht in diesem Zusammenhang von einer
Beweislastverschiebung (vgl. Urteile des BVGer B-552/2015 vom 14. No-
vember 2017 E. 4.4 und B-8404/2010 vom 23. September 2014
E. 5.3.10.17; dazu ausführlich ESTHER TOPHINKE, Das Grundrecht der Un-
schuldsvermutung, Abhandlungen zum Schweizerischen Recht [ASR],
Band/Nr. 631, 2000, S. 214 ff.).
7.3.3 Der Tatbestand von Art. 122b Abs. 2 AIG beinhaltet sowohl eine Ver-
mutungsbasis (nicht rechtzeitige, unvollständige oder falsche Übermittlung
der Daten nach Art. 104 Abs. 3 AIG) als auch eine Vermutungsfolge im
Sinne einer Rechtsvermutung (Meldepflichtverletzung). Den Luftverkehrs-
unternehmen steht jedoch die Möglichkeit offen, den Gegenbeweis hin-
sichtlich der Vermutungsbasis oder gegebenenfalls den Beweis des Ge-
genteils hinsichtlich der Rechtsvermutung anzutreten (vgl. Art. 122b Abs. 3
A-1384/2019
Seite 22
Bst. a und b AIG). Mithin kommt es (bloss) zu einer Beweislastverschie-
bung (vgl. Urteil des BVGer A-1679/2016 vom 31. Januar 2017 E. 4.3.2;
BBl 2013 2592). Dabei sollte ein Luftverkehrsunternehmen in der Lage
sein, die Daten gemäss Art. 104 Abs. 3 AIG korrekt zu übermitteln. Andern-
falls dürfte die nicht rechtzeitige, unvollständige oder falsche Übermittlung
in den meisten Fällen auf eine Verletzung der Meldepflicht zurückzuführen
sein. Die Vermutungsfolge entspricht daher einer allgemeinen Lebenser-
fahrung. Demgegenüber wäre im Einzelfall der Beweis einer eigentlichen
Meldepflichtverletzung für die Vorinstanz nur äusserst schwer zu erbrin-
gen, da sich die ein allfälliges Verschulden begründenden Handlungen
oder Unterlassungen regelmässig im Ausland zutragen, wo sich diese gar
nicht oder nur mit einem nicht zu leistenden Aufwand abklären lassen (vgl.
BBl 2013 2592). Vor diesem Hintergrund erscheint die Beweislastverschie-
bung zulasten der Luftverkehrsunternehmen als sachgerecht. Überdies
verfolgt die Rechtsvermutung ein zulässiges Ziel, indem sie generell dro-
hender Beweisnot entgegenwirkt und es der Schweiz damit ermöglicht, ih-
ren internationalen Verpflichtungen wirksam nachzukommen. Weil die Luft-
verkehrsunternehmen den Beweis des Gegenteils erbringen können, be-
wegt sich die Rechtsvermutung auch in vernünftigen Grenzen. Schliesslich
sind sowohl die Beweise für die Vermutungsbasis als auch die Beweise
des Gegenteils einer Würdigung durch das Gericht zugänglich.
7.3.4 Aufgrund des Gesagten hat die Vorinstanz vorliegend – entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin – kein Verschulden der Beschwerdeführe-
rin, sondern lediglich die Vermutungsbasis, d.h. die nicht rechtzeitige, un-
vollständige oder falsche Datenübermittlung zu beweisen. Die Beschwer-
deführerin kann ihrerseits die gesetzliche Vermutung widerlegen (vgl.
Art. 122b Abs. 3 AIG). Zudem ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer in
Art. 104 AIG statuierten Pflicht zur Datenübermittlung dafür verantwortlich,
die Daten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen und nötigenfalls zu korri-
gieren, sofern sie die API-Daten von Dritten wie z.B. Flugpassagieren er-
fassen lässt. Unterlässt sie dies, hat sie sich die fehlerhafte Datenerfas-
sung zuzurechnen, sofern ihr der Exkulpationsbeweis gemäss Art. 122b
Abs. 3 AIG nicht gelingt.
7.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die administrative
Sanktion bei Meldepflichtverletzungen gemäss Art. 122b Abs. 1 AIG nicht
gegen Art. 6 Abs. 2 EMRK verstösst.
A-1384/2019
Seite 23
8.
8.1 Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, dass sich die angefochtene
Verfügung vom 11. Februar 2019 auf das Bundesgesetz über die Auslän-
derinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) stütze, sich die Vo-
rinstanz demgegenüber in ihrer Verfügung vom 20. Juli 2012 (vgl. Bst. B)
auf das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) be-
ziehe. Die angefochtene Verfügung verweise damit auf ein Gesetz, wel-
ches im Zeitraum, in welchem die Vorinstanz sie (die Beschwerdeführerin)
der Meldepflicht unterstellt habe, nicht in Kraft gewesen sei. Die angefoch-
tene Verfügung sei somit rechtswidrig und deshalb aufzuheben. Im Übrigen
sei es ihr auch gar nicht möglich gewesen, sich gehörig und wirksam zu
verteidigen, da sie gemäss Verfügung vom 20. Juli 2012 die zur Erfüllung
ihrer Meldepflicht erhobenen Daten innerhalb von 24 Stunden nach der
Landung am Zielort des Fluges habe löschen müssen und sie erst lange
nach der Löschung der Daten damit konfrontiert worden sei, dass ein Ver-
fahren wegen Verdachts auf Meldepflichtverletzung gegen sie eröffnet
werde. Hinzu komme, dass die Aufforderung der Vorinstanz, die Daten in-
nert 24 Stunden nach der Erhebung zu löschen, widerrechtlich sei. Art. 104
Abs. 6 AIG ermächtige die Fluggesellschaft, die von ihr erhobenen Daten
zu Beweiszwecken aufzubewahren, bis eine der in dieser Bestimmung ge-
nannten Bedingungen eingetreten sei.
8.2 Wie die Vorinstanz zutreffend vorbringt, wurde das Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (Ausländerge-
setz, AuG, SR 142.20) per 1. Januar 2019 in Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integ-
rationsgesetz, AIG) umbenannt (vgl. AS 2017 6521 und AS 2018 3171).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin stützt sich die angefochtene
Verfügung somit auf dieselbe Rechtsgrundlage, auf welche die Verfügung
vom 20. Juli 2012 verweist, weshalb von einer rechtswidrigen Verfügung
nicht die Rede sein kann. Betreffend die Aufbewahrungsfrist der Daten gilt
es festzuhalten, dass sich die Verfügung vom 20. Juli 2012 zwar auf den
damals geltenden aArt. 104 Abs. 5 AuG (AS 2008 5409) bezieht, wonach
die Luftverkehrsunternehmen die zu meldenden Daten innerhalb von 24
Stunden nach der Landung am Zielort des Flugs zu löschen haben. Auf
den 1. Oktober 2015 ist jedoch der von der Beschwerdeführerin erwähnte
Art. 104 Abs. 6 AIG in Kraft getreten (AS 2015 3026), welcher der Verpflich-
tung der Luftverkehrsunternehmen zur Löschung der Personendaten
Rechnung trägt, aber auch die Tatsache berücksichtigt, dass sich die Un-
ternehmen in einem Verwaltungsverfahren verteidigen können müssen
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(vgl. BBl 2013 2581). Gemäss dem hier anzuwendenden Recht war die
Beschwerdeführerin somit nicht verpflichtet, die im fraglichen Zeitraum
(1. bis 31. März 2017) gelieferten API-Daten innerhalb von 24 Stunden zu
löschen, weshalb sie gestützt darauf ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ab-
leiten kann.
9.
9.1 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, die "Busse" in der Höhe von
Fr. 320'000.– sei gänzlich unverhältnismässig, da sie nicht ansatzweise die
konkreten Umstände berücksichtige. So betreffe die Verfügung lediglich
den von ihr angeflogenen Flughafen Zürich. Zudem hätten im relevanten
Zeitraum gerade einmal 80 Flüge (recte: 92) nach Zürich stattgefunden.
Daraus folge, dass sie mit Luftbeförderungen in die Schweiz einen äusserst
bescheidenen Gewinn erziele. Mit einer derart hohen Busse begrenze die
Vorinstanz ihre gewerbliche Tätigkeit in unverhältnismässigem Mass und
zwinge sie damit faktisch, ihre Geschäftstätigkeit in Zürich einzustellen.
9.2 Hinsichtlich der Höhe der Belastung verweist der Bundesrat in seiner
Botschaft auf die massgebliche, Art. 26 des Schengener Durchführungs-
übereinkommens vom 19. Juni 1990 (SDÜ, ABl. L 239 vom 22.9.2000,
S. 19) ergänzende EU-Richtlinie (Richtlinie 2004/82/EG des Rates vom
29. April 2004 über die Verpflichtung von Beförderungsunternehmen, An-
gaben über die beförderten Personen zu übermitteln, ABl. L 261 vom
6.8.2004, S. 24) und erläutert, inwiefern die fixen Pauschalsanktionen in
Art. 122b Abs. 1 AIG mit den in der EU-Richtlinie vorgesehenen Sanktio-
nen vereinbar seien (vgl. BBl 2013, 2592). So liege die Belastung von
Fr. 4’000.– für gewöhnliche Verstösse gegen die Meldepflicht leicht unter
der Mindestsanktion von € 3’000.– gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. b der
EU-Richtlinie 2004/82/EG. Um deren Vorgaben dennoch gerecht zu wer-
den, müsse deshalb eine zweite, höhere Sanktion vorgesehen werden, die
Bst. a der genannten Bestimmung genüge, indem sie über € 5’000.– liege.
Sie greife in schweren Fällen, namentlich bei wiederholten und schwerwie-
genden Meldepflichtverletzungen (vgl. Urteil des BVGer A-1679/2016 vom
31. Januar 2017 in E. 4.3.7).
Die Sanktionen in Art. 122b Abs. 1 AIG tragen somit Art. 4 der massgebli-
chen EU-Richtlinie 2004/82/EG Rechnung, welcher verlangt, dass die
Sanktionen abschreckend, wirksam und angemessen sind, sowie pro an-
getretene Reise, für die die erforderlichen Daten nicht oder nicht korrekt
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übermittelt werden, ein minimaler Höchst- bzw. Mindestbetrag der Sanktion
in der erwähnten Höhe festzusetzen ist.
9.3 Zu prüfen bleibt, ob die Belastung in der Höhe von Fr. 320'000.– im
Widerspruch zum Verhältnismässigkeitsprinzip steht.
9.3.1 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 der Bundes-
verfassung vom 18. April 1999 [BV, SR 101]), welcher sowohl in der Recht-
setzung wie auch in der Rechtsanwendung gilt (zum Ganzen: Urteil des
BVGer A-2013/2017 vom 14. November 2017 E. 5.2 m.w.H.), umfasst drei
Elemente, die kumulativ gegeben sein müssen: Eine staatliche Mass-
nahme ist verhältnismässig, wenn sie zur Verwirklichung der im öffentli-
chen Interesse liegenden Ziele geeignet, erforderlich und zumutbar ist. Ge-
eignet ist sie dann, wenn mit ihr die angestrebten Ziele erreicht werden
können oder sie zu deren Erreichung einen nicht zu vernachlässigenden
Beitrag leisten kann (sog. Zwecktauglichkeit). Die Erforderlichkeit liegt vor,
wenn mit keiner gleichermassen geeigneten, aber für den Betroffenen we-
niger einschneidenden Massnahme der angestrebte Erfolg ebenso erreicht
werden kann. Sie ist schliesslich nur dann gerechtfertigt, wenn eine ange-
messene Zweck-Mittel-Relation (sog. Zumutbarkeit) besteht, d.h. der damit
verbundene Eingriff in die Rechtsstellung des Betroffenen im Vergleich zur
Bedeutung der verfolgten öffentlichen Interessen nicht unvertretbar schwe-
rer wiegt (vgl. BGE 136 I 29 E. 4.2; HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Auflage 2016, Rz. 320 ff.).
9.3.2 Wie erwähnt dient die Meldepflicht gemäss Art. 104 AIG der Verbes-
serung der Grenzkontrollen und der wirksamen Bekämpfung der rechts-
widrigen Einreisen in den Schengen-Raum und Durchreisen durch die in-
ternationalen Transitzonen der Flughäfen. Es besteht somit ein öffentliches
Interesse daran, dass die Luftverkehrsunternehmen ihre Meldepflicht kor-
rekt erfüllen. Zur Erreichung des angestrebten Ziels (Einhaltung der Mel-
depflicht durch die Luftverkehrsunternehmen) ist die Sanktionierung von
Meldepflichtverletzungen gemäss Art. 122b Abs. 1 AIG sowohl geeignet
als auch erforderlich. Schliesslich ist sie unter Berücksichtigung der zahl-
reichen Meldepflichtverletzungen auch zumutbar, zumal nicht ersichtlich ist
und von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert vorgebracht wird,
inwiefern die verhängte Sanktion sie in ernsthafte wirtschaftliche Schwie-
rigkeiten bringen sollte. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund,
dass die Beschwerdeführerin gemäss ihrer Homepage (...) Länder anfliegt
([...], abgerufen am 27. April 2020).
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9.3.3 Insgesamt ergibt sich somit, dass die Belastung in der Höhe von
Fr. 320'000.– das Verhältnismässigkeitsprinzip nicht verletzt.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung we-
der auf einer falschen Auslegung von Art. 122b AIG beruht noch unange-
messen ist. Ausserdem vermag die Beschwerdeführerin keine Exkulpati-
onsgründe im Sinne von Art. 122b Abs. 3 AIG vorzubringen, welche die
vermutete Meldepflichtverletzung widerlegen können. Schliesslich ist die
angefochtene Verfügung auch aus anderen Gründen weder unverhältnis-
mässig noch rechtswidrig. Die Beschwerde erweist sich somit als unbe-
gründet und ist abzuweisen.
11.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beschwerdever-
fahrens zu befinden.
11.1 Bei diesem Verfahrensausgang gilt die Beschwerdeführerin als voll-
umfänglich unterliegend. Sie hat deshalb die auf Fr. 9'000.– festzusetzen-
den Verfahrenskosten (vgl. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]) zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der einbe-
zahlte Kostenvorschuss in der gleichen Höhe wird zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten verwendet.
11.2 Die obsiegende Vorinstanz hat als Bundesbehörde keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE). Gleiches gilt für die
unterliegende Beschwerdeführerin (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1
VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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