Decision ID: 42538d50-1ef7-5b82-8211-4d9c05249662
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. Juni 2016 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde am 28. Juni 2016 im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP, Akten SEM A7/11) zu seinen persönlichen Verhältnissen, summa-
risch zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt. Zu seinem per-
sönlichen Hintergrund führte er aus, er sei Staatsangehöriger von Sri
Lanka, ethnischer Tamile und in Jaffna geboren. Er habe die achte Klasse
abgeschlossen und sei in der Landwirtschaft tätig gewesen.
B.
Mit Entscheid vom 20. Juli 2016 trat das SEM im Rahmen eines Dublin-
Verfahrens auf das Asylgesuch nicht ein und der Beschwerdeführer wurde
nach Ungarn weggewiesen. Die gegen diesen Entscheid erhobene Be-
schwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-4592/2016 vom
3. Juli 2017 gut, soweit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung be-
antragt wurde. Am 10. Januar 2018 wurde der Beschwerdeführer über die
Beendigung des Dublin-Verfahrens und die Durchführung des nationalen
Asyl- und Wegweisungsverfahrens in Kenntnis gesetzt.
C.
Am 13. Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführer gemäss Art. 29
Abs. 1 AsylG (SR 142.31) vertieft zu seinen Asylgründen angehört (A33/17).
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er als zentrale Aspekte gel-
tend, in den Jahren 2002 bis 2006 habe er gegen Bezahlung als LKW-
Chauffeur für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gearbeitet, bevor
er anschliessend wie früher wieder in der Landwirtschaft tätig gewesen sei.
Ansonsten sei er nie für die LTTE tätig gewesen. Wegen konfliktbedingter
Strassensperren habe er den LKW der LTTE nicht zurückbringen können,
das Fahrzeug behalten und bei sich versteckt. Später habe er den LKW
benutzt, um (...) für eine Firma zu transportieren. Die SLA (Sri-Lankische
Armee) habe ihm vorgeworfen, im Besitz eines LTTE-Fahrzeugs zu sein
und für diese Waffen geschmuggelt zu haben. Nach einer Einvernahme sei
er in einem Camp einen Monat in Haft gehalten und dort gefoltert und
schwer geschlagen worden. Wegen dieser Probleme mit der Armee sei er
zwei Monate später nach Katar ausgereist. In den Jahren 2011 bis 2013
habe er in Katar und in den Jahren 2013 bis 2015 in Kuweit gelebt. Danach
sei er aufgrund der Präsidentschaftswahlen im Jahre 2015 und der positi-
ven Entwicklung im Land nach Sri Lanka zurückgekehrt. Nach seiner Rück-
kehr hätten ihn andere tamilische Bewegungen, die als Informanten für die
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sri-lankischen Behörden gearbeitet hätten, zu Hause gesucht. Drei Perso-
nen hätten ihn aufgesucht und ihm erklärt, sie wüssten über seine Vergan-
genheit Bescheid, und hätten von ihm 100'000 Rupien verlangt. Im Gegen-
zug hätten sie ihm versprochen, ihn in Ruhe zu lassen. Obwohl er ihnen
das Geld gegeben habe, seien sie eine Woche beziehungsweise zwei oder
drei Wochen später wiedergekommen und hätten gedroht, ihn zu erschies-
sen. Diesmal hätten sie 300'000 Rupien von ihm verlangt und eine Frist
von 15 Tagen gewährt. Vor diesem Hintergrund habe er bemerkt, dass er
nicht mehr in seinem Heimatland habe bleiben können, und habe Sri Lanka
im September 2015 auf dem Luftweg via Katar nach Moskau verlassen und
sei daraufhin auf dem Landweg in die Schweiz gelangt.
Nach seiner Ausreise sei er zu Hause gesucht worden.
Im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdeführer
seine Identitätskarte und seinen Führerschein sowie Arztberichte, Medika-
mentenrezepte und Zeitungsausschnitte zu den Akten.
D.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständi-
gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
Zur Begründung führte das SEM mit Verweisen auf die entsprechenden
Aktenstellen aus, es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer,
nachdem er aufgehört habe, für die LTTE zu arbeiten, noch fünf Jahre un-
bescholten im Heimatland geblieben sei, bis er von den Behörden kontak-
tiert worden sei (A33/17 F25 ff., F77). Weiter sei nicht verständlich, dass er
einen Lastwagen, der der LTTE gehört habe, so lange unbemerkt habe
aufbewahren können, und es sei völlig unklar, wie man schliesslich über-
haupt darauf gekommen sei, dass der Lastwagen der LTTE gehören
würde, wo er doch auf eine Privatperson zugelassen gewesen sei (A33/17
F77 ff.). Er habe somit nicht plausibel erklären können, wie die Behörden
lediglich auf Grund des Vorhandenseins eines LKWs darauf hätten schlies-
sen können, dass er fünf Jahre davor für die Bewegung tätig gewesen sei
(A33/17 F35). Sein Erklärungsversuch, es habe im Dorf Informanten gege-
ben, sei unzureichend. Er sei somit nicht in der Lage glaubhaft darzulegen,
dass er wegen seiner Arbeit für die LTTE im Jahre 2011 Probleme gehabt
habe. Allein die Tatsache, dass er eventuell für die LTTE gearbeitet habe –
wie viele andere auch – und kein Mitglied der LTTE gewesen sei, mache
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ihn für den Staat nicht zu einer Person, die Aufmerksamkeit auf sich lenken
würde (A33/17 F76 ff.). Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass er
damals im Jahre 2011 tatsächlich festgenommen worden wäre, habe er
sich doch nach mehrjährigem Auslandaufenthalt freiwillig entschieden, wie-
der (in sein Heimatland) zurückzukehren. Er habe somit nicht mit einer für
ihn bestehenden Gefahr gerechnet. Es bestehe kein adäquater Kausalzu-
sammenhang zwischen dieser Haft und seiner erneuten Ausreise (A33/17
F83 ff.). Auch die Aussage, dass ihm die Behörden lediglich den Lastwagen
weggenommen und ihn dann mit einer Meldepflicht freigelassen hätten,
spreche dafür, dass kein grosses Interesse an seiner Person bestehe
(A33/17 F37).
Die Tatsache, dass er zwei Mal mit seinem Pass das Land problemlos habe
verlassen und einmal habe einreisen können, spreche ebenfalls gegen
eine ernsthafte Bedrohung seitens der Behörden (A7/11, S. 6 f.; A33/17
F42 ff., F51, F70). Hätten die Behörden tatsächlich Interesse an ihm ge-
habt, hätten sie ihn direkt bei der Einreise festnehmen können.
Der Beschwerdeführer mache geltend, nach seiner Rückkehr nach Sri
Lanka erpresst worden zu sein. Abgesehen davon, dass – wie oben dar-
gelegt – die Gründe der angeblichen Erpressung nicht glaubhaft seien,
spreche auch die Tatsache, dass er nicht einmal wisse, wer diese Leute
gewesen seien, die ihn erpresst hätten, gegen den Wahrheitsgehalt seines
Vorbringens. So habe er einerseits ausgesagt, dass es sich um eine tami-
lische Bewegung handeln würde, die als Informant für den Staat arbeite.
Auf Nachfrage, welche tamilische Bewegung es denn gewesen sei, habe
er angegeben, dass er es nicht wisse (A7/11, S. 7). Er habe gemeint, dass
einer von ihnen gebrochen tamilisch gesprochen habe, wie es die Singha-
lesen täten (A7/11, S. 7). In der Anhörung habe er dann plötzlich ausge-
sagt, dass er aufgrund des gebrochenen Tamil, das sie gesprochen hätten,
ihres strengen Blicks, der Bärte und des komischen Aussehens vermute,
dass es sich um Sicherheitskräfte, also um staatliche Kräfte, gehandelt
habe (A33/17 F62 und F62, F75). Auch zeitlich habe er sich widersprochen.
So habe er in der BzP angegeben, dass diese Leute nach einer Woche
wiedergekommen seien, um mehr Geld zu verlangen, während er in der
Anhörung zu Protokoll gegeben habe, sie seien nach zwei bis drei Wochen
wiedergekommen (A7/11, S.7; A33/17 F61). Obwohl es sich hierbei grund-
sätzlich um einen schwachen Widerspruch handle, sei er, aufgrund des-
sen, dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr aus dem Ausland
lediglich knapp drei Monate in seinem Heimatland geblieben sei, doch be-
achtlich. Gesamthaft sei er weder in der Lage gewesen anzugeben, von
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wem er erpresst worden sei, noch weshalb genau oder wie diese Personen
erfahren hätten, dass er nach vierjährigem Auslandaufenthalt ins Heimat-
land zurückgekehrt sei (A33/17 F66 ff.). Zu all den Widersprüchen und Un-
gereimtheiten sei ihm das rechtliche Gehör gewährt worden, doch sei er
nicht in der Lage gewesen, diese plausibel zu erklären (A33/17 F75-F98).
Somit habe er die Probleme, die er nach seiner Rückkehr gehabt haben
solle, nicht glaubhaft darlegen können. Auch die von ihm eingereichten Be-
weismittel würden nichts an dieser Einschätzung zu ändern vermögen. Als
Nachweis dafür, dass sein Arbeitskollege entführt worden sei, habe er ei-
nen Zeitungsartikel eingereicht. Dies habe jedoch nicht direkt mit seinen
Vorbringen zu tun. Selbst wenn sein Arbeitskollege entführt worden wäre,
lasse das nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer verfolgt
werde. Als Bestätigung dafür, dass er für die LTTE als Chauffeur gearbeitet
habe, habe er einen Fahrzeugausweis eingereicht (A33/17 F3 und F4).
Dieser bestätige, wie er selbst gesagte habe, nicht seine Tätigkeit für die
Bewegung oder seine Probleme, da der Inhaber des Fahrzeugs eine Pri-
vatperson gewesen sei (A33/17 F5).
Die Hilfswerksvertretung habe in der Anhörung beobachtet, dass er wäh-
rend dieser sehr bewegt gewesen sei und oft Angst gezeigt habe, weshalb
der von ihm eingereichte medizinische Bericht vom 5. Oktober 2018 zu
würdigen sei. Demnach würde er an einer Anpassungsstörung mit ängstli-
cher und depressiver Reaktion und an einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung leiden. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sein Aussage-
verhalten darunter gelitten hätte. Die Ungereimtheiten seien derart gravie-
rend gewesen, dass man nicht davon ausgehen könne, er sei aufgrund
seiner psychischen Probleme nicht in der Lage gewesen, seine Vorbringen
glaubhaft zu schildern, sondern weil er von nicht selbst Erlebtem erzählt
habe.
Die Vorbringen betreffend Probleme, die der Beschwerdeführer wegen sei-
ner Tätigkeit für die LTTE gehabt habe, seien nicht glaubhaft. Es gelte zu
prüfen, ob er im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka dennoch begründete
Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
haben müsste. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung
sei diese Prüfung anhand sogenannter Risikofaktoren vorzunehmen (Re-
ferenzurteil des BVGer vom 15. Juli 2016, E-1866/2015, E. 8, 9.1). Rück-
kehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdoku-
mente verfügen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten
oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hinter-
grund befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines
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Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise würden keine asylrelevante Ver-
folgungsmassnahme darstellen. Regelmässig würden Rückkehrer auch
am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur
Überwachung der Aktivitäten der Person befragt (Staatssekretariat für Mig-
ration: Focus Sri Lanka. Lagebild. Version vom 16. August 2016. Bern).
Auch diese Kontrollmassnahmen am Herkunftsort würden grundsätzlich
kein asylrelevantes Ausmass annehmen. Der Beschwerdeführer habe
nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei er bis August 2011
in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch zwei
Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Damals sei er ausgereist und im Juni
2015 nach Sri Lanka zurückgekehrt und kurze Zeit später wieder ausge-
reist. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren
hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör-
den auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich,
weshalb er bei einer erneuten Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den
Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden
sollte. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit
dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht um-
zustossen. Mit seiner Wahl zum Präsidenten seien Befürchtungen von
mehr Repression und Überwachung von Menschenrechtsaktivisten und
Minderheiten einhergegangen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt
keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volksgruppen unter Präsident
Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
Wie immer prüfe das SEM das Verfolgungsrisiko im Einzelfall. Vorausset-
zung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsident-
schaftswahlen vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der
asylsuchenden Person zu eben diesem Ereignis respektive dessen Fol-
gen. Dafür reiche es nicht aus, pauschal auf politische Entwicklungen der
jüngeren Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen.
Stattdessen wäre eine hinreichende Subsumption im Einzelfall notwendig.
Genau dies sei vorliegend allerdings nicht dargetan. Somit bestehe kein
begründeter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt
sein werde. Seine Vorbringen würden weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten.
Da das Asylgesuch abgelehnt werde, sei der Beschwerdeführer zur Aus-
reise aus der Schweiz verpflichtet (Art. 44 AsylG).
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Das SEM stellte zudem fest, dass der Vollzug der Wegweisung zulässig,
zumutbar und möglich sei.
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erschei-
nen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4). Zudem würden sich weder aus den Aus-
sagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür
ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder
Behandlung drohe. Seine Rückkehr nach Sri Lanka erweise sich somit als
zulässig.
Es sprächen auch keine generellen oder individuellen Gründe gegen die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. In Sri Lanka herrsche aktuell
keine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. In per-
sönlicher Hinsicht sei aufgrund der konkreten Verhältnisse davon auszu-
gehen, dass der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr von seiner Familie
unterstützt werden könne. Auch die gesundheitlichen Beschwerden des
Beschwerdeführers würden kein Vollzugshindernis darstellen. Gemäss
Arztbericht vom 5. Februar 2020 habe sich sein Zustand aufgrund der psy-
chotherapeutischen Behandlung, in der er sich seit dem 5. Februar 2019
befinde, verbessert, so dass die depressive Symptomatik zurückgegangen
sei und man zum aktuellen Zeitpunkt von einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Episode ausgehe. Abgesehen davon leide er an einer post-
traumatischen Belastungsstörung. Seine unklare Situation stelle für ihn
eine grosse Belastung dar und führe zu einer Verschlechterung seines psy-
chischen Zustandes. Abgesehen von der Psychotherapie würde er eine
Kunsttherapie, Sozialberatung und weiterhin die Medikation mit Trittico in
Anspruch nehmen. Gemäss Arztbericht spreche die Rückkehr an den «Ort
des Geschehens», in ein unsicheres Umfeld, und die damit verbundene
Angst vor der Konfrontation mit den Tätern gegen eine Heimreise nach Sri
Lanka, weil damit mit einer Zustandsverschlechterung und einem erhöhten
Suizidrisiko zu rechnen sei. Da der Beschwerdeführer seine Fluchtgründe
nicht habe glaubhaft machen können, könne die Ansicht des Arztes, dass
die Rückkehr an den «Ort des Geschehens» zu einer Verschlechterung
seines Zustandes führen würde, nicht geteilt werden. Die diagnostizierte
posttraumatische Belastungsstörung und die leichte bis mittelgradige de-
pressive Episode könne nicht auf die von ihm geltend gemachten Vorbrin-
gen im Asylverfahren zurückgeführt werden. Abgesehen von der Verfüg-
barkeit der notwendigen Medikamente stehe es ihm frei, seine Psychothe-
rapie in Sri Lanka fortzuführen. Eine entsprechende Behandlung sei im
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Norden Sri Lankas primär im Jaffna Teaching Hospital möglich, wo auch
die Möglichkeit zu ambulanter Psychotherapie durch Psychiater und
Psychologen bestehe (Local doctor working in the country of origin contrac-
ted by the Medical Advisors' Office in the Netherlands. MedCOI number
BMA 8804 [31.10.2016]). Sollte sein Arzt tatsächlich befürchten, dass sich
sein Zustand bei einer Rückkehr verschlechtern könnte und ein erhöhtes
Suizidrisiko bestehen würde, könnte die Rückkehr mit einer entsprechen-
den medikamentösen Überbrückung vorbereitet werden. Somit erweise
sich der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka auch in individueller Hin-
sicht als zumutbar.
Der Vollzug der Wegweisung sei ebenfalls technisch möglich und praktisch
durchführbar.
E.
Mit Eingabe vom 30. März 2020 gelangte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM anzuweisen, ihn
als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
das SEM anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und in der Schweiz
vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei das SEM anzuweisen, ihn in
der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Es sei ihm die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und insbesondere die unterzeichnende Juristin als
amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Es sei von der Erhebung eines
Kostenvorschusses abzusehen.
Zur Begründung der Beschwerde wurde vorab gerügt, die Anhörung des
Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen sei nicht rechtsgenüglich ge-
wesen und der rechtserhebliche Sachverhalt sei unvollständig erhoben
worden. Aus diesem Grund sei die Sache an die Vorinstanz zur vollständi-
gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zurückzuweisen. Die
Anhörung des Beschwerdeführers vom 13. Dezember 2018 zu seinen
Asylgründen sei aus mehreren Gründen mangelhaft gewesen. Aus dem
Protokoll werde ersichtlich, dass der Sachbearbeiter der Vorinstanz nicht
unvoreingenommen gewesen sei, was die Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhaltes negativ beeinflusst habe. Dem Beschwerdeführer sei
während der ganzen Anhörung keine Gelegenheit geboten worden, über
seine im Jahre 2011 erlittene Inhaftierung im Detail zu berichten. Als der
Beschwerdeführer detaillierter von seiner Inhaftierung habe erzählen wol-
len, sei er vom Sachbearbeiter unterbrochen worden (A33/17 F36 - 37).
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Aber auch später habe ihm der Sachbearbeiter keine Gelegenheit gege-
ben, sich hierzu zu äussern. Im Verlauf der Anhörung sei dann der Be-
schwerdeführer wieder selbst auf die erlittenen Folterungen während sei-
ner Haftzeit im Jahre 2011 zu sprechen gekommen. Der Sachbearbeiter
sei aber auch bei dieser Gelegenheit nicht auf dieses Vorbringen einge-
gangen (F85 ff.). Auch gegen Ende der Anhörung habe der Beschwerde-
führer erneut seine Foltererfahrungen respektive seine daraus resultieren-
den gesundheitlichen Probleme erwähnt. Auch hier sei der Sachbearbeiter
nicht auf diese Vorverfolgung eingegangen, sondern habe die folgende An-
schlussfrage gestellt: «Sie haben mir das schon zur Pause unaufgefordert
erzählt. Die Flasche wurde Ihnen vor vielen Jahren angeblich eingeführt.
Sie waren in den Jahren darauf in der Lage als Chauffeur zu arbeiten, wa-
ren also einen grossen Teil der Zeit sitzend. Weshalb sollte es Ihnen ge-
sundheitlich schlecht gehen?» (F106). Der Sachbearbeiter habe die erlit-
tene Vergewaltigung und die daraus resultierenden gesundheitlichen Be-
schwerden des Beschwerdeführers direkt in Frage gestellt, obwohl dieser
zu Beginn der Anhörung einen ärztlichen Bericht zu seinen psychischen
Problemen abgegeben habe. Der Sachbearbeiter habe dem Beschwerde-
führer somit zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gegeben, sich zur erlitte-
nen Vorverfolgung – die den aktuellen Verfolgungsgründen zugrunde lie-
gen würden – detaillierter zu äussern. Vielmehr sei dem Beschwerdeführer
noch während der Anhörung vorgehalten worden, dass seine geltend ge-
machte Folter und Vergewaltigung nicht glaubhaft sei. Der Sachbearbeiter
habe mangelnde sachliche Professionalität gezeigt, welche die von der
Vorinstanz definierten Qualitätsstandards für eine Anhörung zu den Asyl-
gründen nicht genüge. Der Sachbearbeiter sei weder – wie von den Quali-
tätskriterien des SEM verlangt – unvoreingenommen, noch fair und res-
pektvoll gewesen (vgl. Qualitätskriterien für die Asylanhörung,
https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/asyl/verfahren weiteres/qualikri-
terien-anhoerung-d.pdf). Dies wiege umso mehr, als es sich beim Be-
schwerdeführer um ein Folter- und Vergewaltigungsopfer handle. Sollte
das Gericht eine Rückweisung an die Vorinstanz nicht in Betracht ziehen,
seien die voran aufgezeigten Mängel der Anhörung in die Würdigung der
Glaubhaftmachung der Asylvorbringen des Beschwerdeführers einfliessen
zu lassen.
Der Beschwerdeführer habe im Rahmen seines Asylverfahrens in der
Schweiz keinen Anlass für Zweifel an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit
erweckt. Er habe seine Mitwirkungspflicht jederzeit wahrgenommen und
nicht nur seine sri-lankische Identitätskarte und seinen sri-lankischen Füh-
rerausweis, sondern auch weitere Beweismittel aus Sri Lanka eingereicht,
https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/asyl/verfahren
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um seine Asylvorbringen respektive Lebensstationen und Gefährdungs-
lage zu belegen. Der Beschwerdeführer habe seine Asylvorbringen auch
nicht übertrieben dargestellt. Er habe zu keinem Zeitpunkt versucht, die
erlittene Verfolgung und zukünftig drohende Verfolgungsgefahr zu über-
zeichnen. So habe er beispielsweise ohne weiteres angegeben, dass er im
Juni 2015 ohne Probleme am Flughafen Colombo die Sicherheitskontrolle
habe passieren und einreisen können (A33/17 F71). Er habe weiter auch
nie behauptet, Mitglied der LTTE gewesen zu sein, sondern lediglich gegen
Entgelt für diese gearbeitet zu haben. Er habe auch klar ausgesagt, dass
er nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka im Jahre 2015 nicht direkt mit dem
Staat Probleme gehabt habe, aber von unbekannten Personen, die vermu-
tungsweise den sri-lankischen Sicherheitskräften angehört hätten, erpresst
worden zu sein. Er habe somit zu keinem Zeitpunkt seine Verfolgungs-
gründe noch sein Risikoprofil überzeichnet.
Beim Beschwerdeführer sei eine Posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1) diagnostiziert worden und er werde seit dem 5. Februar
2019 mit einer Traumaexpositionstherapie und mit dem Medikament Trit-
tico behandelt. Er zeige gemäss ärztlichem Bericht der UPD vom 5. Feb-
ruar 2020 ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten was seine Traumata
betreffe. Er leide auch an dissoziativen Zuständen, die aufgrund der Be-
handlung etwas abgenommen hätten. Der Beschwerdeführer leide zudem
auch an Kopfschmerzattacken, welche die Unterzeichnende auch anläss-
lich des Klientengesprächs vom 12. März 2020 gut habe beobachten kön-
nen (siehe Beilage 3). Der Beschwerdeführer habe auch anlässlich der An-
hörung zu seinen Asylgründen starke Kopfschmerzen gehabt (A33/17
F98). Gegenüber der Unterzeichnenden habe er erklärt, dass er die ganze
Anhörung durch Kopfschmerzen gehabt habe. Nichtsdestotrotz habe er
versucht, die Fragen des Sachbearbeiters so gut wie möglich zu beantwor-
ten. Auch habe er sich zu seinen traumatischen Erlebnissen während der
Haft äussern wollen. Die vom Beschwerdeführer während der BzP und der
Anhörungen gemachten Aussagen seien in diesem Kontext zu würdigen.
Zur Plausibilität der Verfolgungsgefahr sei im Allgemeinen zu bemerken,
dass ein Gefährdungsprofil bereits dann bestehe, wenn die sri-lankischen
Sicherheitskräfte eine Affiliation zu den LTTE vermuten würden. Ob die be-
treffende Person tatsächlich Mitglied der LTTE gewesen sei oder nicht, sei
dabei nicht von Relevanz. Der Verdacht der LTTT-Mitgliedschaft könne be-
reits genügen, um Verfolgungshandlungen durch den sri-lankischen Staat
auszulösen. Der Beschwerdeführer habe in den Jahren 2002 bis 2006 –
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somit zu Friedenszeiten – als Chauffeur für die LTTE Warentransporte ge-
macht, was in seinem nahen und weiteren Umfeld allgemein bekannt ge-
wesen sei. Seit dem Ende des Bürgerkrieges im Jahre 2009 und der Zer-
schlagung der LTTE hätten sich die Bemühungen der srilankischen Sicher-
heitskräfte insbesondere darauf fokussiert, ein Wiederaufleben der LTTE
zu verhindern. Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2010 den von der LTTE
erhaltene LKW wieder in Betrieb genommen, um selbständig Warentrans-
porte zu tätigen und damit ein Einkommen zu generieren. Dies in Kombi-
nation mit der Information, dass er früher für die LTTE als Chauffeur gear-
beitet habe, könne ohne Weiteres ausreichen, das Interesse der Sicher-
heitskräfte auf seine Person zu lenken.
Der Beschwerdeführer habe anlässlich der Anhörung glaubhaft und mit Re-
alkennzeichen versehen ausgeführt, wie er den LKW nach erneutem Aus-
bruch des Bürgerkrieges im Jahr 2006 bei sich deponiert habe (F77). Er
habe dann in den Kriegsjahren wieder zu Hause in der Landwirtschaft ge-
arbeitet. Erst im Jahre 2010 habe er den LKW wieder in Betrieb genommen
und selbständig Transporte gemacht (F78). In diesem Zusammenhang
habe er – da die LTTE zerschlagen gewesen sei – mit dem Eigentümer des
LKW Kontakt aufgenommen, dass dieser ihm den LKW überschreibe. Der
Eigentümer habe dies aber verweigert (F80). Der Beschwerdeführer habe
in der Folge trotzdem Waren mit dem LKW transportiert. Er müsse dann
offenbar denunziert worden sein, denn rund zweieinhalb Monate nach dem
Gespräch mit dem Eigentümer des LKWs sei der Beschwerdeführer von
der SLA vorgeladen und später inhaftiert worden. Ob hinter der Denunzia-
tion der Eigentümer des LKW stecke, sei nicht ausgeschlossen, aber
schlussendlich nicht bekannt. Es sei aber nicht dem Beschwerdeführer an-
zulasten, dass er die genauen Umstände, die zu seiner Inhaftierung geführt
habe, nicht kenne. Es sei aber gut bekannt, dass die sri-lankischen Sicher-
heitsbehörden im Kampf gegen die LTTE regelmässig sehr willkürlich vor-
gehen würden und auch ein relativ unauffälliges Profil nicht vor gezielten
Verfolgungsmassnahmen schütze. Auch der UNO-Menschenrechtskom-
missar habe im November 2017 dem Menschenrechtsrat berichtet, dass
Personen, die verdächtigt würden, eine entfernte Verbindung zu den LTTE
zu haben, entführt und brutal gefoltert worden seien. Er habe sexuelle Ge-
walt und Vergewaltigung von Männern und Frauen durch das Militär und
die Polizei in nicht offiziellen Gefängnissen erwähnt (vgl. SEM, Focus Sri
Lanka: Lage ehemaliger Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE), 15. März 2019, Ziffer 6.2., S. 28). Somit bedürfe es in Sri Lanka in
Einzelfällen offenbar sehr wenig, um in den Fokus der sri-lankischen Si-
cherheitskräfte zu geraten und asylrelevante Verfolgungshandlungen zu
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erleiden. Im Allgemeinen werde auch anerkannt, dass die sri-lankischen
Sicherheitskräfte dabei auch sehr willkürlich vorgehen würden. Da der Be-
schwerdeführer immer noch im Besitz des LKW gewesen sei, habe es aus
Sicht der Sicherheitsbehörden durchaus Verdachtsmomente gegeben,
dass der Beschwerdeführer weiterhin für die LTTE tätig sein könnte res-
pektive Kenntnisse über allfällige Waffendepots der LTTE habe.
Zum Umstand, dass der Beschwerdeführer im Juni 2015 «freiwillig» nach
Sri Lanka zurückgekehrt sei, sei vorab anzumerken, dass er aufgrund un-
terschiedlicher Verfolgungssituationen aus Sri Lanka geflüchtet sei. Im
Jahre 2011 sei er aufgrund der erlittenen Verfolgung durch die SLA, im
Jahre 2015 hingegen vor den Erpressungsversuchen durch ihm unbe-
kannte Personen geflüchtet, die aber offensichtlich einen Bezug zum sri-
lankischen Sicherheitsapparat respektive zu der von ihm erlittenen Vorver-
folgung gehabt hätten.
Bei der Beurteilung der aktuellen Gefährdungslage für den Beschwerde-
führer in Sri Lanka sei es diesem nicht anzulasten, dass er sich im Jahre
2015 zur Rückkehr nach Sri Lanka entschieden habe. Er habe gegenüber
der Unterzeichnenden erklärt, dass der Hauptgrund für seine Rückkehr
nach Sri Lanka im Umstand begründet gewesen sei, dass sein Arbeitsvi-
sum für Kuwait ausgelaufen und nicht verlängerbar gewesen sei. Eine An-
schlusslösung in den Golfstaaten habe er nicht finden können, andernfalls
wäre er – so seine Aussage gegenüber der Unterzeichnenden – definitiv in
den Golfstaaten geblieben. Der Beschwerdeführer sei nun aber gezwun-
gen gewesen, eine Anschlusslösung zu finden. Zugleich habe ihn seine
Mutter inständig gebeten, nach Hause zurückzukehren, da sich die politi-
sche Situation und die Sicherheitslage nach dem Gewinn der Präsident-
schaftswahl durch die Opposition anfangs 2015 markant verbessert habe.
So habe sich insbesondere die sri-lankische Armee auch im tamilischen
Norden in die Kasernen zurückgezogen, und das Camp der SLA beim
Busdepot Kondavil sei sogar aufgelöst worden. Der Druck auf die tamili-
sche Bevölkerung habe merklich abgenommen und es habe sich Zuver-
sicht breitgemacht. Die Mutter des Beschwerdeführers habe sich ferner
auch gewünscht, dass der damals bereits (...)-jährige Beschwerdeführer
endlich eine Familie gründen würde. Aus all diesen Gründen habe der Be-
schwerdeführer den Entscheid gefällt, trotz der erlittenen Vorverfolgung
und psychischer Probleme sowie der Unsicherheit, ob der sri-lankische
Staat ihn in Ruhe lassen würde, nach Sri Lanka zurückzukehren. Er sei im
Juni 2015 über den Flughafen Colombo nach Sri Lanka zurückgereist. Er
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habe aber gegenüber der Unterzeichnenden angegeben, dass er nichts-
destotrotz grosse Angst vor der Rückkehr gehabt habe. Glücklicherweise
habe er aber problemlos die Sicherheitskontrolle am Flughafen in Colombo
passieren und in der Empfangshalle von seinen Eltern in Empfang genom-
men werden können. Aufgrund seiner Arbeitsvisa von Katar und Kuwait
habe er bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen keinen Verdacht erregt.
Er sei ein rückkehrender Gastarbeiter wie hunderttausende andere Lands-
leute gewesen. Er sei in der Folge mit seinen Eltern nach Kondavil zurück-
gekehrt. Der Beschwerdeführer habe aber gegenüber der Unterzeichnen-
den erklärt, dass er in den folgenden Wochen kaum das Haus verlassen
habe, da er keine Aufmerksamkeit habe auf sich ziehen wollen. Er habe
der Situation noch nicht getraut.
Dem Beschwerdeführer würden (vom SEM) bezüglich der geltend ge-
machten Erpressungen zwei Widersprüche vorgehalten. Bezüglich der
Frage, wer die Erpresser genau gewesen seien, sei anzumerken, dass der
Beschwerdeführer durchwegs angegeben habe, diese Personen nicht ge-
kannt zu haben und der Anführer der Erpresser – der als Einziger beide
Male dabei gewesen sei – mit ihm aber in gebrochenem, sehr schlechtem
Tamilisch gesprochen habe. Aus diesem Grund vermute er auch, dass
diese zu den sri-lankischen Sicherheitskräften gehören würden (F62). Wa-
rum der Beschwerdeführer in der BzP mit der Aussage protokolliert worden
sei, dass es sich bei den Erpressern um eine «tamilische Bewegung»
handle, sei nicht nachvollziehbar, denn er habe schon anlässlich der BzP
ausgeführt, dass der Erpresser gebrochen Tamilisch gesprochen habe. So-
mit werde klar, dass die Erpresser nicht einer «tamilische Bewegung» hät-
ten angehören können, sondern offensichtlich Singhalesen gewesen seien
(A7, Ziffer 7.01 ). Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Ausführungen
des Beschwerdeführers anlässlich der BzP nicht korrekt verstanden wor-
den seien und es zur Protokollierung dieser Aussage gekommen sei.
Bezüglich der Frage, wieviel Zeit zwischen dem ersten und zweiten Erpres-
sungsversuch gelegen habe, habe der Beschwerdeführer an der BzP an-
gegeben, dass die Erpresser eine Woche später wiedergekommen seien
(A7, Ziffer 7.01 ). An der Anhörung – die zweieinhalb Jahre später durch-
geführt worden sei – habe er als Zeitrahmen zwei oder drei Wochen ge-
nannt. Diese Diskrepanz wiege nicht schwer, da einerseits viel Zeit seit der
BzP respektive den Erpressungsversuchen vergangen sei und der Be-
schwerdeführer zudem offensichtlich psychisch stark angeschlagen gewe-
sen sei und immer noch sei. Auch seien die Ausführungen des Beschwer-
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deführers zu den Erpressungsversuchen ausgesprochen glaubhaft, detail-
reich und nachvollziehbar ausgefallen. So habe er beispielsweise von sich
aus berichtet, was die Erpresser ihm gesagt hätten (F67 - F69). Aus diesen
Aussagen der Erpresser werde auch erkennbar, dass diese offensichtlich
eine Beziehung zu den sri-lankischen Sicherheitskräften gehabt hätten res-
pektive höchstwahrscheinlich aktuelle oder ehemalige Angehörige der Si-
cherheitskräfte gewesen seien. Sie hätten über die Vorwürfe gewusst, wel-
che die SLA dem Beschwerdeführer im Jahre 2011 gemacht hätten, wie
auch über seine Meldepflicht Bescheid gewusst. Da sie auch nicht tamili-
scher Muttersprache gewesen seien – was in der Region Jaffna abgesehen
von den Sicherheitskräften eher ungewöhnlich sei – spreche sehr vieles
dafür, dass der Beschwerdeführer durch sri-lankische Sicherheitskräfte er-
presst worden sei. Der Beschwerdeführer sei ein ideales Opfer für diese
Erpressungsversuche gewesen. Einerseits habe er nach vier Jahren Arbeit
in den Golfstaaten über überdurchschnittliche finanzielle Mittel verfügt. An-
dererseits sei die Wahrscheinlichkeit klein gewesen, dass sich der Be-
schwerdeführer – der wegen LTTE Verbindungen bereits ins Visier der SLA
gekommen sei – an die örtliche Polizei gewandt hätte. Der Beschwerde-
führer habe selber ausgesagt, dass er enorme Angst bekommen habe:
«Ich wurde bereits einmal mitgenommen und circa einen Monat einge-
sperrt und sehr schlecht behandelt. Ich hatte panische Angst bekommen,
als ich diese Leute sah. Man muss solche Sachen erleben, dann bekommt
man Angst (F65).» Der Beschwerdeführer habe auch ausgeführt, dass sol-
che Erpressungsversuche in Sri Lanka an der Tagesordnung seien. Wenn
man nicht bezahle, bestehe die Gefahr, dass man entführt werde und für
immer verschwinde. Dieses in Sri Lanka verbreitete Phänomen habe der
Beschwerdeführer auch mit dem an der Anhörung abgegebene Zeitungs-
artikel, der über das Verschwinden eines Kollegen von ihm berichte, erklä-
ren wollen. Es sei auch nicht auszuschliessen, dass die sri-lankischen Si-
cherheitskräfte nach den politischen Umwälzungen im Jahre 2015 – da sie
nun von der neuen Regierung in die Kasernen zurückbeordert worden
seien – einfach eine neue Form gesucht hätten, vermeintliche LTTE-Mit-
glieder zu drangsalieren.
Dem Beschwerdeführer sei es in einer Gesamtwürdigung aller für die Be-
urteilung der Glaubhaftmachung der Asylvorbringen relevanten Faktoren
gelungen, seine Asylvorbringen glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu ma-
chen.
Der Beschwerdeführer habe seine Verfolgungsgründe sowohl plausibel als
auch glaubhaft gemacht. Die nach seiner Rückkehr im Juni 2015 gegen ihn
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gerichteten Erpressungsversuche seien dem sri-lankischen Staat zumin-
dest indirekt zuzuordnen. Der Beschwerdeführer sei auch klar aufgrund
seiner Affiliation zur LTTE und der Verletzung der Meldepflicht Opfer dieses
Erpressungsversuches geworden. Die Erpresser hätten versucht, da sie
aufgrund des veränderten politischen Klimas nicht mehr direkt gegen ihn
hätten vorgehen können, ihn nun mittels Erpressung unter Druck zu set-
zen. In der Zeit zwischen 2011 und 2015 sei der Beschwerdeführer auch
von der SLA bei seiner Mutter zu Hause weitergesucht worden. Seine Mut-
ter habe gegenüber den Soldaten angegeben, dass er in einem Camp der
SLA verschwunden sei (F102). Die Erpressung stelle nur eine andere Form
der Verfolgung dar und sei nicht nur kriminell, sondern auch klar politisch
motiviert. Es sei auch mehr als zweifelhaft, dass die lokale Polizei schutz-
willig oder schutzfähig gewesen wäre, hätte der Beschwerdeführer um
Schutz ersucht. Dass die lokale Polizei gegen Angehörige der sri-lanki-
schen Sicherheitskräfte vorgegangen wäre, sei sehr zweifelhaft. Auch auf-
grund der erlittenen Vorverfolgung im Jahre 2011 habe der Beschwerde-
führer berechtigten und aktuellen Grund gehabt, aufgrund der Erpressung
um sein Leben zu fürchten. Ihm hätten auch im Zeitpunkt seiner zweiten
Flucht aus Sri Lanka im September 2015 erneut asylrelevanten Verfol-
gungshandlungen gedroht. Diese Gefahr sei auch heute noch aktuell,
werde doch seine Mutter nach wie vor von den Erpressern behelligt
(F93, F101 und F111). Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführer als
Flüchtling anzuerkennen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren.
Sollte das angerufene Gericht die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Vorverfolgung als unglaubhaft einstufen, oder aber deren Asylrele-
vanz verneinen, so sei in einem weiteren Punkt zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka ein Risikoprofil
im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli
2016 (E-1866/2015) aufweise und aus diesem Grund eine begründete
Furcht vor asylrelevanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG habe.
Die Vorinstanz verneine das Bestehen von Risikofaktoren beim Beschwer-
deführer. So habe dieser noch zwei Jahre nach Kriegsende in seinem Hei-
matstaat gelebt. Er sei 2011 ausgereist und im Juni 2015 nach Sri Lanka
zurückgekehrt, um dann wieder auszureisen. Allfällige, im Zeitpunkt seiner
Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten folglich kein Verfolgungs-
interesse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen. Aufgrund der
Aktenlage sei es nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer
erneuten Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden
geraten soll. Auch der Regierungswechsel von Ende 2019 vermöge diese
E-1788/2020
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Einschätzung nicht umzustossen. Dem wird in der Rechtsmitteleingabe
entgegengehalten, der Beschwerdeführer sei im Jahre 2011 nachweislich
in Verdacht gekommen, die LTTE bei Waffentransporten und Waffendepots
behilflich gewesen zu sein. Dies habe zu einer Inhaftierung geführt. Somit
sei davon auszugehen, dass er zumindest bei den lokalen Sicherheitsbe-
hörden registriert sei. Er sei zwar zweimal mit eigenem Reisepass über den
Flughafen Colombo ausgereist, habe aber hierfür zweimal einen Schlepper
engagiert gehabt, der auch Schmiergelder bezahlt habe, um eine reibungs-
lose Ausreise zu ermöglichen (F61, F99). Bei der Wiedereinreise im Juni
2015 habe der Beschwerdeführer am Flughafen von Colombo tatsächlich
keine Probleme gehabt. Aber nach seiner Rückkehr nach B._ sei
es zu den besagten Erpressungen gekommen. Es sei sehr wahrscheinlich,
dass es sich dabei um aktuelle oder ehemalige Angehörige der sri-lanki-
schen Sicherheitskräfte gehandelt habe. Aufgrund des damals herrschen-
den politischen Klimas und der versöhnlichen Regierungspolitik hätten sie
offenbar nicht mehr offiziell gegen den Beschwerdeführer vorgehen kön-
nen. Mit der Wahl der alten Garde um die Person des neuen Präsidenten
Gotabaya Rajapaksa Ende 2019 könne nun aber nicht mehr ausgeschlos-
sen werden, dass die lokale Verfolgungsgefahr durch die sri-lankischen Si-
cherheitskräfte für den Beschwerdeführer wieder aktuell geworden sei. Der
Umstand, dass der Beschwerdeführer sich bei der zweiten Flucht aus Sri
Lanka nicht als Gastarbeiter in die Golfstaaten begeben habe, sondern
stattdessen in die Schweiz geflüchtet sei und hier ein Asylgesuch gestellt
habe und seit bald vier Jahren landesabwesend sei, werde im Falle der
Rückkehr nach Sri Lanka zusätzliche Aufmerksamkeit auf seine Person
lenken. Der Beschwerdeführer weise starke risikobegründende Faktoren
auf und er habe eine begründete Furcht davor, im Falle einer Rückkehr
nach Sri Lanka – entweder bereits am Flughafen in Colombo oder aber
spätestens nach der Rückkehr nach B._ – erneut in den Fokus der
sri-lankischen Sicherheitskräfte zu geraten und in der Folge asylrelevante
Verfolgung zu erleiden.
Zusammenfassend sei festzustellen, dass dem Beschwerdeführer bei der
Rückkehr nach Sri Lanka eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG drohe. Aus diesem Grund sei er in der Schweiz als Flüchtling
anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren.
Gemäss Vorinstanz stünden die gesundheitlichen Probleme des Be-
schwerdeführers einer Wegweisung nach Sri Lanka nicht entgegen. Der
Beschwerdeführer könne sich mit dem notwendigen Medikament Trittico
auf dem privaten Sektor eindecken und seine Psychotherapie im Jaffna
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Teaching Hospital fortführen. Bezüglich der im ärztlichen Bericht vom
5. Februar 2020 festgehaltenen Gefahr, dass im Falle der Rückkehr in das
Heimatland – dem Ort des Geschehens – mit einer Zustandsverschlechte-
rung und einem erhöhten Suizidrisiko zu rechnen sei, entgegne die
Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer seine Asylvorbringen nicht habe
glaubhaft machen können und folglich sei die diagnostizierte posttraumati-
sche Belastungsstörung und die leichte bis mittelgradige depressive Epi-
sode nicht auf diese zurückzuführen.
In der Rechtsmitteleingabe wird der Standpunkt vertreten, der Wegwei-
sungsvollzug des Beschwerdeführers nach Sri Lanka sei aus nachfolgen-
den Gründen unzulässig respektive unzumutbar. Der Beschwerdeführer
leide gemäss ärztlichem Bericht vom 5. Februar 2020 an einer Posttrau-
matischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie zurzeit an einer leicht
bis mittelgradig depressiven Episode (ICD-F32.0). Aus dem Bericht gehe
weiter hervor, dass der Beschwerdeführer seit dem 5. Februar 2019 in eng-
maschiger psychotherapeutischer Behandlung und psychosozialer Beglei-
tung befinde und derzeit neben einer wöchentlichen Traumaexpositions-
therapie auch eine Psychoedukationsgruppe bei Traumafolgestörungen
und eine Kunsttherapiegruppe besuche sowie mit Sozialberatung engma-
schig betreut werde. Er werde ergänzend auch weiterhin mit dem antide-
pressiven Medikament Trittico behandelt. Mit dieser sehr engmaschigen
Behandlung und Begleitung sei es gelungen, insbesondere die bei Über-
weisung im Februar 2019 diagnostizierten mittelgradigen bis schweren De-
pression mit teilweisen Suizidgedanken abzuschwächen. Aufgrund der un-
klaren Situation sei es aber auch immer wieder zur Verschlechterung des
psychischen Zustandes gekommen. Es habe aber eine Stabilisierung er-
reicht werden können, so dass unter anderem die dissoziativen Zustände
abgenommen hätten und der Beschwerdeführer zurzeit – neben der PTBS
– «nur» noch an einer leicht bis mittelgradig depressiven Episode leide. Im
Verlauf des Februars 2020 – und somit noch vor Erhalt des negativen Asyl-
entscheides am 3. März 2020 – sei beim Beschwerdeführer eine deutliche
Verschlechterung der psychischen Gesundheit eingetreten. Mit der vorlie-
genden Beschwerde könne erst ein vorläufiger Bericht der UPD vom
25. März 2020 zu den Akten gereicht werden. Aufgrund der COVID-Krise
sei die UPD überlastet und könne einen aktualisierten ärztlichen Bericht
erst später verfassen. Dieser werde baldmöglichst nachgereicht. Aus dem
Bericht der UPD vom 25. März 2020 gehe aber Folgendes hervor: Auslöser
der Verschlechterung der Symptome seien Konflikte am Arbeitsplatz des
Beschwerdeführers gewesen. Dies habe zu einer Exazerbation der PTBS-
Symptomatik geführt. Der Beschwerdeführer habe sich am 26. Februar
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Seite 18
2020 telefonisch bei der Sozialberaterin der UPD gemeldet, weil er von
Albträumen und Flashbacks geplagt werde und trotz Einnahme von Trittico
unter Schlafstörungen leide, die wegen der Stresssituation am Arbeitsplatz
ausgelöst worden seien. Er habe ständig Bilder von früher, wähne sich in
Sri Lanka / bei der Polizei. Zudem habe er stechende Kopfschmerzen. Kurz
darauf sei dann auch noch der negative Asylentscheid gekommen, der zu
einer zusätzlichen Zustandsverschlechterung geführt habe. In der Folge
habe die Frequenz der ambulanten Termine auf zwei Mal wöchentlich in-
tensiviert und die Medikation ergänzt werden müssen. Es hätten mehrere
ambulante Kriseninterventionen stattgefunden. Am 18. März 2020 habe
der Beschwerdeführer aber aufgrund akuter Suizidalität kurzzeitig hospita-
lisiert werden müssen und sei vorerst bis am 8. April 2020 zu 100% krank-
geschrieben worden. Er werde weiter engmaschig psychotherapeutisch
behandelt. Die erneute psychische Destabilisierung des Beschwerdefüh-
rers mit Auftreten einer akuten Suizidalität zeige auf, dass die psychische
Verfassung des Beschwerdeführers trotz der seit einem Jahr eingeleiteten
engmaschigen, psychotherapeutischen und psychosozialen Behandlun-
gen weiterhin äusserst fragil sei. Bereits alltägliche Konflikte wie beispiels-
weise am Arbeitsplatz könnten den Beschwerdeführer psychisch derart de-
stabilisieren, dass die psychotherapeutische Behandlung und Medikation
wieder intensiviert werden müssten und sogar eine stationäre Behandlung
angezeigt sei. Bereits aufgrund der psychischen Verfassung des Be-
schwerdeführers würden sich somit – unabhängig von der Frage der Be-
handlungsmöglichkeit von PTBS im Norden von Sri Lanka – grundsätzliche
Fragen in Bezug auf die Zulässigkeit respektive Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges stellen. Die psychische Verfassung des Beschwerdefüh-
rers präsentiere sich bereits heute äusserst fragil. Im Falle einer zwangs-
weisen Rückführung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka könnten die
behandelnden Ärzte nicht ausschliessen, dass es zu einer weiteren Zu-
standsverschlechterung komme und ein erhöhtes Suizidrisiko eintrete.
Dies insbesondere aufgrund des mangelnden stabilen, sicheren Umfeldes
für eine psychotherapeutische Behandlung der posttraumatischen Belas-
tungsstörung. Die ständige Angst und die mögliche Konfrontation mit den
Tätern sowie die damit verbundene Bedrohung wären höchst destabilisie-
rend für die psychische Gesundheit des Beschwerdeführers und würden
mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Verstärkung und Chronifizierung
der Symptomatik führen. Die weitere Behandlung der PTBS wäre aufgrund
des fehlenden sicheren Umfeldes nicht möglich (siehe ärztlicher Bericht
der UPD vom 5. Februar 2020, Ziffer 5.2.). Es gebe auch genügend glaub-
hafte Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimat Opfer
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von schweren Misshandlungen durch die örtlichen Sicherheitskräfte ge-
worden sei und aus diesen Gründen unter anderem an einer PTBS leide
und darum auf ein stabiles, auch subjektiv empfundenes sicheres Umfel-
des sowie auf eine engmaschige, auf Traumafolgen spezialisierte psycho-
therapeutische Behandlung und psychosozialen Begleitung dringend an-
gewiesen sei. Es sei zudem auch darauf zu verweisen, dass der Beschwer-
deführer auch im Falle der Niederlassung in einer anderen Region von Sri
Lanka unvermeidlich wieder in Kontakt mit den heimatstaatlichen Behör-
den käme und somit mit den ihn traumatisierenden früheren Erlebnissen
konfrontiert würde. Dies sei ihm nicht zumutbar. Zusammenfassend sei
festzustellen, dass in Bezug auf den Beschwerdeführer der Wegweisungs-
vollzug nach Sri Lanka unzulässig respektive unzumutbar sei.
F.
Mit Schreiben vom 1. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 14. April 2020 wurde dem Beschwerdeführer
offengestellt, sich bis zum 25. Mai 2020 zu allfälligen Optionen eines aktu-
alisierten ärztlichen Berichts zu äussern. Auf die Gesuche um unentgeltli-
che Prozessführung und Beiordnung der unterzeichnenden Juristin als
amtliche Rechtsbeiständin werde zu einem späteren Zeitpunkt eingegan-
gen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werde aktuell verzichtet.
H.
Mit Eingabe vom 29. April 2020 wurde der in Aussicht gestellte Arztbericht,
datiert vom 23. April 2020 und als Verlaufsbericht bezeichnet, nachge-
reicht. Im Bericht werden nach ICD-10 folgende Diagnosen gestellt:
• F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
• F32.1 Mittelgradige bis schwere depressive Episode
• Z65.5 Opfer von Verfolgung und Folter, Flucht
Zum Therapieverlauf wird ausgeführt:
"Wie im Bericht vom 04.02.2020 beschrieben, befand sich Herr C._
in einer Traumaexpositionstherapie. Am 05.02.2020 fand die zweite
Traumaexposition statt (Inhalt war die Festnahme mit Folterungen), welche
für ihn äussert belastend und schambehaftet war. Nach dieser Exposition
berichtete Herr C._ von verschlechtertem Schlaf (was für einige
E-1788/2020
Seite 20
Tage eine normale Reaktion sein kann). Er fühlte sich auch nicht in der
Lage, die Kunsttherapiegruppe und die Psychoedukationsgruppe in unse-
rer Sprechstunde zu besuchen. Dieses Verhalten war für ihn untypisch, da
er bis anhin immer sehr zuverlässig zu den Terminen erschienen war. Eine
weitere Verschlechterung der Symptomatik erfolgte durch Probleme am Ar-
beitsplatz (Mobbing, schlechte Arbeitsbedingungen). Am 18. Februar
musste ein Termin bei der Referentin aufgrund von Krankheit abgesagt
werden. Herr C._ meldete sich am 26. Februar 2020 telefonisch bei
unserer Sozialarbeiterin und bat um einen Termin. Er war geplagt von zu-
nehmenden Albträumen und Flashbacks, litt unter Schlafstörungen und
grübelte mehr als sonst. Am 2. März berichtete er, dass er trotz der Ein-
nahme der Medikation (Trittico) nach wie vor unter Ein- und Durchschlaf-
störungen und Intrusionen/Flashbacks litt. Hinzu kamen stechende Kopf-
schmerzen, welche für ihn fast nicht mehr aushaltbar waren. Der kurz da-
rauf eingetroffene negative Asylentscheid bewirkte eine zusätzliche Zu-
standsverschlechterung, so dass die Frequenz der ambulanten Termine
bei uns von wöchentlich auf zwei Mal wöchentlich intensiviert und die Me-
dikation ergänzt wurde. In dieser Zeit wurden sowohl die Psychoedukati-
onsgruppe als auch die Kunsttherapiegruppe aufgrund der aktuellen Situ-
ation (COVID-19) abgesagt, was für den Patienten bedeutete, dass wich-
tige Therapien und Tagesstruktur wegfielen und damit die Destabilisierung
verstärkten. Auch fielen mehrere Gespräche bei der Referentin COVID-19
bedingt aus, es fanden mehrere ambulante Gespräche zur Kriseninterven-
tion bei Stellvertreterinnen statt. Aufgrund akuter Suizidalität kam es am
18. März 2020 zu einer kurzzeitigen Hospitalisation. Der Schlaf hat sich in
der Zwischenzeit mit Hilfe der angepassten Medikation wieder etwas ver-
bessert.
Herr C._ war bis am 8. April 2020 zu 100 Prozent arbeitsunfähig.
Aktuell finden Gesprächstermine 2-mal pro Woche statt (einmal wöchent-
lich telefonisch durch die Referentin, einmal wöchentlich persönliche Ge-
spräche mit der Stellvertretung). Am 8. April 2020 rief Herr C._ sehr
aufgebracht und verängstigt an, da ihm mitgeteilt worden war, dass er das
Zentrum wechseln müsse. Abklärungen haben ergeben, dass der Wechsel
des Zentrums aufgrund der COVID-19 Situation erfolgt, was ihm erklärt
wurde. Er konnte sich in der Folge etwas beruhigen."
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Bezüglich der Beurteilung und dem Procedere hält der Bericht fest:
"Die weitere Stabilisierung der Symptomatik steht zum aktuellen Zeitpunkt
im Vordergrund. Wie schon im Bericht vom 04.02.2020 erwähnt, ist ein
stabiles, sicheres Umfeld zentral für die erfolgreiche Behandlung einer
posttraumatischen Belastungsstörung und den weiteren Verlauf der Thera-
pie. Wie auch schon in dem Bericht erwähnt, kann sich die Symptomatik
aufgrund alltäglicher psychosozialer Belastungsfaktoren innerhalb kurzer
Zeit verschlechtern, was sich auch am 08.04.2020 wieder zeigte.
Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich bei Herrn C._ einerseits
die Situation am Arbeitsplatz, andererseits Terminabsagen, der Wegfall der
Gruppentherapien und schliesslich der Negativentscheid negativ auf sein
psychisches Befinden ausgewirkt und schliesslich zur Exazerbation der
Symptomatik geführt haben. Für die Weiterführung der Traumaexpositions-
therapie ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh, der psychische Zu-
stand ist zu instabil. Und wie schon im Bericht vom 04.02.2020 erwähnt, ist
eine unsichere Situation mit Angst keine geeignete Voraussetzung für eine
Traumaexposition. In den nächsten Wochen und Monaten wird es darum
gehen, psychotherapeutisch Strategien für den besseren Umgang mit der
unsicheren Situation und für die Symptombewältigung zu erarbeiten, damit
er nicht erneut dekompensiert. Zur genaueren Abklärung der Kopfschmer-
zen wird eine Anmeldung in der Kopfschmerzsprechstunde des (...) durch
den Hausarzt vorgenommen."
I.
Mit Schreiben vom 10. Juni 2020 teilte die Rechtsvertreterin mit, aufgrund
des Umstandes, dass sie die Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen
in Not verlasse, werde per sofort ihre Kollegin Frau Mlaw Michèle Künzi die
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers übernehmen. Dem Schreiben
lag eine entsprechende Vollmacht bei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 22
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden
Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zu-
dem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49
VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann auf die Einholung einer Vernehm-
lassung verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Mit der Beschwerde wird gerügt, die Anhörung des Beschwerdeführers
vom 13. Dezember 2018 zu seinen Asylgründen sei aus mehreren Grün-
den mangelhaft gewesen. Die Anhörung sei nicht rechtsgenüglich gewe-
sen und der rechtserhebliche Sachverhalt sei unvollständig erhoben wor-
den. Der Sachbearbeiter der Vorinstanz sei nicht unvoreingenommen ge-
wesen und in Verknüpfung damit habe er den rechtserheblichen Sachver-
halt unzureichend abgeklärt. Aus diesem Grund sei die Sache an die
Vorinstanz zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes zurückzuweisen.
3.1.1 Wie aus dem Protokoll der Anhörung ersichtlich wird, ist dem Be-
schwerdeführer insoweit zuzustimmen, als er über die von ihm geltend ge-
machte Inhaftierung vom Jahr 2011 nicht einlässlicher und über die in die-
sem Zusammenhang beklagten Misshandlungen nicht im Detail befragt
wurde. Dies bedeutet aber nicht, dass der für die vorliegende Beurteilung
erhebliche Sachverhalt und die dafür notwendigen Sachumstände nicht
E-1788/2020
Seite 23
hinreichend erstellt worden wären. Auch wenn dem Beschwerdeführer zu
seiner vorgebrachten Inhaftierungszeit keine direkten Nachfragen gestellt
wurden und er entsprechend nicht detaillierter dazu befragt wurde, hatte er
anlässlich der Anhörung Gelegenheit, die wesentlichen Aspekte bezüglich
erlittener Misshandlungen während seiner Haftzeit im Jahre 2011 geltend
zu machen und zu Protokoll zu geben (vgl. hierzu A33/17 F32, F85, F105).
Der Sachverhalt musste demnach diesbezüglich auch nicht weiter und in
dessen Details abgeklärt werden. Der erhobene Einwand, der Sachbear-
beiter des SEM habe dem Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt die Mög-
lichkeit gegeben, sich zur erlittenen Vorverfolgung – die den aktuellen Ver-
folgungsgründen zugrunde liegen würden – detaillierter zu äussern, ist un-
ter dem Titel der Verletzung der Untersuchungspflicht demnach unbegrün-
det.
3.1.2 Auch die Rüge, der Sachbearbeiter habe mangelnde sachliche Pro-
fessionalität gezeigt und er sei weder – wie von den Qualitätskriterien des
SEM verlangt – unvoreingenommen noch fair und respektvoll gewesen,
findet im Anhörungsprotokoll keine hinreichende Stütze. Die mit der Be-
schwerde aus dem Gesamtzusammenhang der Anhörung gerissene Zitie-
rung der Frage F106 des Befragers vermag nicht überzeugend darzulegen,
der Sachbearbeiter hätte die geltend gemachte Vergewaltigung und die da-
raus resultierenden gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdefüh-
rers direkt in Frage gestellt. Vielmehr bezog sich die Frage beziehungs-
weise die Anmerkung des Befragers in F106 lediglich auf die konkrete Aus-
sage des Beschwerdeführers, aus seinem After tropfe (noch immer) Eiter,
und der Befrager erkundigte sich danach nach den diesbezüglichen Prob-
lemen, da diese Verletzungen doch Jahre zurückliegen würden (A33/17
F107). Die entsprechende Nachfrage diente somit der Abklärung des aktu-
ellen diesbezüglichen medizinischen Status, auch wenn die Formulierung
der Frage subjektiv kritisch anmuten könnte. Der Befrager hat zudem an-
lässlich der Anhörung die geltend gemachte Inhaftierung im Jahr 2011 und
die dabei erlittenen Misshandlungen per se nicht in Frage gestellt. Vielmehr
hat er den Beschwerdeführer – wie aus den nachstehenden Erwägungen
ersichtlich zu Recht – sinngemäss darauf aufmerksam gemacht, dass auch
in Berücksichtigung seiner Rückkehr nach Sri Lanka im Jahre 2015 der
Kausalzusammenhang zwischen der Inhaftierung und seiner erneuten
Ausreise aus dem Heimatland im Jahre 2015 als unterbrochen zu gelten
hätte und diesen Vorkommnissen somit ohnehin keine flüchtlingsrechtliche
Relevanz zukommen würde (A33/17 F86). Es spricht demnach gerade für
die Rücksichtnahme und Empathie des Befragers, wenn er darauf verzich-
E-1788/2020
Seite 24
tet hat, den Beschwerdeführer unnötigerweise mit diesbezüglichen ein-
dringlichen und detaillierten Fragen zu konfrontieren. Eine Aufhebung der
angefochtenen Verfügung aus den mit der Beschwerde in diesem Zusam-
menhang geltend gemachten Gründen ist nicht gerechtfertigt.
3.2 Es besteht demnach keine Veranlassung, die Sache wegen Verletzung
der Untersuchungspflicht an die Vorinstanz zurückzuweisen oder die an-
gefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. Das Begehren
um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen und das Ge-
richt hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1).
5.
5.1 In Übereinstimmung mit der angefochtenen Verfügung kommt das Ge-
richt zum Schluss, dass den Akten keine hinreichend glaubhaften Anhalts-
punkte darauf zu entnehmen sind, der Beschwerdeführer sei aus Gründen,
die sich vor seiner Ausreise aus dem Heimatland verwirklicht hätten, im
Sinne des Gesetzes ernsthaften Nachteilen ausgesetzt worden oder
E-1788/2020
Seite 25
müsste bei einer Rückkehr begründeterweise befürchten, solchen in sei-
nem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft ausgesetzt zu werden. Die Argumentationslinie in der vorinstanzli-
chen Verfügung und deren Folgerungen bieten in entscheidwesentlicher
Hinsicht nicht Anlass zu rechtlichen Beanstandungen und es kann auf die
entsprechenden Erwägungen verwiesen werden.
5.2 Namentlich ist entgegen den Einwänden in der Beschwerde die Ein-
schätzung des SEM zu schützen, dass der Beschwerdeführer nicht in der
Lage war, glaubhaft darzulegen, wegen seiner Chauffeur-Tätigkeit für die
LTTE in den Jahren 2002 bis 2006 dann im Jahre 2011 unvermittelt von
staatlicher Seite wegen angeblichen Waffenschmuggels angegangen, ein-
vernommen und für einen Monat inhaftiert worden zu sein. Er war kein Mit-
glied der LTTE und führte Jahre zuvor lediglich, wie Unzählige andere
auch, in Friedenszeiten eine untergeordnete Arbeit für die LTTE aus, was
es unwahrscheinlich erscheinen lässt, er hätte Jahre später die Aufmerk-
samkeit der sri-lankischen Armee und der staatlichen Behörden in flücht-
lingsrechtlich relevantem Ausmass auf sich gelenkt. Der generelle Einwand
in der Beschwerde, es sei bekannt, dass die sri-lankischen Sicherheitsbe-
hörden im Kampf gegen die LTTE regelmässig sehr willkürlich vorgehen
würden und auch ein relativ unauffälliges Profil nicht vor gezielten Verfol-
gungsmassnahmen schütze und es in Sri Lanka in Einzelfällen offenbar
sehr wenig bedürfe, um in den Fokus der sri-lankischen Sicherheitskräfte
zu geraten, vermag aufgrund der Aktenlage gerade auf den vorliegenden
Einzelfall des Beschwerdeführers nicht als stichhaltig zu erscheinen. Zu-
dem ist der Einschätzung in der Beschwerde, aus Sicht der Sicherheitsbe-
hörden habe es durchaus Verdachtsmomente gegeben, dass der Be-
schwerdeführer weiterhin für die LTTE tätig sein könnte respektive Kennt-
nisse über allfällige Waffendepots der LTTE habe, da er immer noch im
Besitz des LKW gewesen sei, kein entscheidwesentliches Gewicht beizu-
messen. Das SEM führte zu Recht aus, dass, selbst wenn von einer Fest-
nahme im Jahre 2011 ausgegangen würde, sich der Beschwerdeführer
nach mehrjährigem Auslandaufenthalt freiwillig entschieden hat, im Juni
2015 wieder nach Sri Lanka zurückzukehren und er somit nicht mit einer
für ihn bestehenden ernsthaften Gefahr gerechnet hat. Daran vermag
nichts zu ändern, wenn in der Beschwerde vorgebracht wird, der Be-
schwerdeführer habe gegenüber seiner Rechtsvertreterin erklärt, dass der
Hauptgrund für seine Rückkehr nach Sri Lanka im Umstand begründet ge-
wesen sei, dass sein Arbeitsvisum für Kuwait ausgelaufen und nicht ver-
längerbar gewesen sei und er keine Anschlusslösung in den Golfstaaten
habe finden können, andernfalls er definitiv in den Golfstaaten geblieben
E-1788/2020
Seite 26
wäre. Auch das weitere Vorbringen gegenüber der Rechtsvertreterin, er sei
trotz grosser Angst und der Unsicherheit, ob der sri-lankische Staat ihn in
Ruhe lassen würde, im Juni 2015 über den Flughafen Colombo nach Sri
Lanka zurückgereist, finden in den Akten keine Stütze. Vielmehr betonte er
auf wiederholte Nachfrage, er sei zur Rückkehr nach Sri Lanka bewogen
worden, da sich die politische Situation in verschiedenen Bereichen positiv
entwickelt und die Sicherheitslage für die Tamilen nach dem Gewinn der
Präsidentschaftswahl durch die Opposition anfangs 2015 markant verbes-
sert habe (A33/17 F48, F83). Es besteht zudem in objektiver Hinsicht kein
adäquater Kausalzusammenhang zwischen der geltend gemachten Haft
im Jahre 2011 und seiner erneuten Ausreise im September 2015. Der Be-
schwerdeführer hat im Jahre 2011 Sri Lanka mit seinem Pass offenbar
problemlos verlassen, hat im Juni 2015 die streng überwachten Einreise-
kontrollen nach Sri Lanka ohne Vorbehalte passieren können und ist im
September 2015 wiederum über den mit tauglichen Sicherheitsvorkehren
versehenen Flughafen von Colombo aus seinem Heimatland ausgereist.
Folglich kann ausgeschlossen werden, dass sein Name auf der «Stop-List»
der Behörden am Flughafen Colombo aufgeführt war, deren Einträge Hin-
weise auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Strafregistereintrag im
Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu
den LTTE enthalten.
Es bestehen demnach auch keine hinreichenden Anhaltspunkte, der Be-
schwerdeführer könnte aus dem Vorbringen, nach seiner Rückkehr nach
Sri Lanka erpresst worden zu sein, ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3
AsylG ableiten. Wie das SEM zudem zu Recht ausführte, spricht das Aus-
sageverhalten des Beschwerdeführers gegen den Wahrheitsgehalt dieses
Vorbringens. Abgesehen von widersprüchlichen Angaben – wozu auf die
Verfügung des SEM verwiesen werden kann – konnte er die Urheber der
angeblichen Erpressung nicht hinreichend konkret zuordnen, was aufgrund
entsprechender Kenntnisgrade der damals gängigen potentiellen Bedro-
hungsausgangslagen im tamilisch-gesellschaftlichen Umfeld kaum nach-
vollziehbar erscheint. Entgegen dem Einwand in der Beschwerde sind so-
dann die in zeitlicher Hinsicht unstimmigen Angaben (gemäss BzP seien
die Erpresser nach einer Woche wiedergekommen, um mehr Geld zu ver-
langen, während diese gemäss der Anhörung nach zwei bis drei Wochen
wiedergekommen seien) in Bestätigung der Begründung des SEM als be-
achtlicher Widerspruch zu werten. Das entsprechende Vorbringen der wie-
derholten Erpressungen und der damit verbundenen Bedrohungen sind so-
mit nicht glaubhaft gemacht.
E-1788/2020
Seite 27
In einer Gesamtbetrachtung der geltend gemachten Begründung des Asyl-
gesuches des Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass er bis zu
seiner Ausreise aus dem Heimatland keinen ernsthaften Nachteilen wie der
Gefährdung seines Leibes, seines Lebens oder seiner Freiheit oder in der
Form von Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck be-
wirken könnten, ausgesetzt war.
5.3 Es sind auch keine hinreichenden Anhaltspunkte gegeben, der Be-
schwerdeführer wäre künftig in seinem Heimatland mit erheblicher Wahr-
scheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt. Ge-
mäss geltender Rechtsprechung werden eine tatsächliche oder vermeintli-
che, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der
„Stop List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlun-
gen als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Beja-
hung einer begründeten Furcht führen könnten. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllen, hat jedoch nur jene
Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lan-
kischen Behörden bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wiederaufle-
ben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährdet.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung im Rahmen der Prüfung des
Risikoprofils des Beschwerdeführers die massgeblichen Kriterien hinrei-
chend dargelegt und abgewogen. Der Beschwerdeführer besitzt kein poli-
tisches Profil, das ernsthaft das Interesse der sri-lankischen Sicherheits-
kräfte wecken könnte, und aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich, wes-
halb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Be-
hörden geraten und in flüchtlingsrechtlicher Weise verfolgt werden sollte.
Er war nie aktives Mitglied der LTTE und weist auch persönlich keine aktu-
elle massgebliche direkte Verbindung zu diesen auf, womit in seiner Per-
son keine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder flüchtlingsrechtlich
erhebliche vergangene Verbindung zu den LTTE ersichtlich ist. Es ist, wie
bereits festgestellt, nicht davon auszugehen, dass er in einer "Stop-List"
vermerkt wäre und es sind keine exilpolitischen Aktivitäten des Beschwer-
deführers aktenkundig, die darauf schliessen lassen könnten, die sri-lanki-
schen Behörden hätten ein massgebliches Augenmerk auf ihn geworfen.
In Berücksichtigung aller Aspekte trifft es auf den Beschwerdeführer offen-
sichtlich nicht zu, dass er in den Augen und nach Ansicht der sri-lankischen
E-1788/2020
Seite 28
Behörden bestrebt gewesen wäre oder bestrebt wäre, den tamilischen Se-
paratismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-lankischen Einheits-
staat gefährdet.
Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausführte, ver-
mag daran auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl
mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa nichts zu ändern. Das Gericht teilt
die Einschätzung, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur An-
nahme gibt, ganze Volksgruppen wären unter Präsident Gotabaya Rajapa-
ksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Voraussetzung für die
Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen
vom 16. November 2019 wäre in der Tat ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Person im Einzelfall zu eben diesem Ereignis respektive des-
sen Folgen, was vorliegend nicht ansatzweise dargetan ist.
Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Sichtweise erscheint
aufgrund der Aktenlage eine Furcht, der Beschwerdeführer würde künftig
in seinem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrecht-
lich relevanten Nachteilen ausgesetzt, aus objektiver Sicht vernünftiger-
weise nicht begründet. Die entsprechenden Erklärungsversuche in der Be-
schwerde erscheinen nicht tauglich, den in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht
nicht erfolgversprechenden Sachschilderungen massgebliches Gewicht zu
verleihen.
5.4 Der Beschwerdeführer konnte keine asylrelevante Verfolgung vor sei-
ner Ausreise aus seinem Heimatland glaubhaft machen. Es bestehen auch
keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass ihm bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka persönlich ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen könnten. Entsprechendes ergibt sich auch nicht aus den Ausfüh-
rungen in der Beschwerde. Es erübrigt sich, auf diese weiter einzugehen,
da sie nicht geeignet sind, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Die
Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abge-
lehnt.
6.
Bezüglich des Rechtsbegehrens, eventualiter sei das SEM anzuweisen,
den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und in der Schweiz
vorläufig aufzunehmen, scheint verkannt zu werden, dass eine vorläufige
Aufnahme als Flüchtling dann in Betracht fiele, wenn der Beschwerdefüh-
rer zwar die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würde, aufgrund von Asylun-
würdigkeit von der Asylgewährung aber auszuschliessen wäre (vgl. Art. 53
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Seite 29
AsylG), was vorliegend nicht zur Diskussion steht. Wie bereits festgestellt,
hat der Beschwerdeführer durch seine Ausreise aus Sri Lanka oder sein
Verhalten nach derselben auch keine Gründe geschaffen, die im Falle sei-
ner Rückkehr zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung führten,
so dass keine subjektiven Nachfluchtgründe auszumachen sind, aufgrund
derer er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen wäre (vgl. Art. 54 AsylG). Das
Rechtsbegehren wird mit der Beschwerde denn auch nicht ausdrücklich
weiter begründet.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet
mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung und es
sind keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus-
E-1788/2020
Seite 30
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch-
liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-
men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep-
tember 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine kon-
kreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen
zu befürchten, die über einen sogenannten „Backgroundcheck“ (Befragung
und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden
oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls
zutreffend bejaht. Ihre Schlussfolgerungen sind nicht zu beanstanden. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Diese Einschätzung gilt
auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation.
Gemäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und
Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-
zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
Gemäss Aktenlage leben die Eltern und Geschwister des Beschwerdefüh-
rers in Sri Lanka. Seine Familie habe einen eigenen Bauernhof und es sei
ihnen wirtschaftlich relativ gut gegangen. Auch mit sieben Onkeln und zwei
Tanten besteht für den Beschwerdeführer ein breites familiäres Bezie-
hungsnetz. Es ist somit davon auszugehen, dass er bei seiner Rückkehr
von seiner Verwandtschaft in verschiedener Hinsicht unterstützt werden
kann. Der Beschwerdeführer verfügt über ein tragfähiges soziales Bezie-
hungsnetz in seiner Herkunftsregion. Bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land kann er demnach von einer gesicherten Existenz- und Wohnsituation
ausgehen.
E-1788/2020
Seite 31
Das SEM stellte zutreffend fest, dass der Beschwerdeführer in der BzP
bezüglich seines Gesundheitszustands angab, er sei gesund (Akte A7/11,
S.8) und in der Anhörung zahlreiche gesundheitliche Probleme, wie Schlaf-
losigkeit, Mühe mit den Beinen, den Augen und dem After geltend machte
(Akte A33/17, F104 ff.). Er reichte im vorinstanzlichen Verfahren und auf
Beschwerdeebene Arztberichte ein.
Auch in medizinischer Hinsicht besteht kein Vollzugshindernis. Das SEM
befand aufgrund des im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Arztbe-
richts zu Recht, da der Beschwerdeführer seine Fluchtgründe nicht habe
glaubhaft machen können, könne die Ansicht des Arztes, dass die Rück-
kehr an den «Ort des Geschehens» zu einer Verschlechterung seines Zu-
standes führen würde, nicht geteilt werden, und die diagnostizierte post-
traumatische Belastungsstörung und die leichte bis mittelgradige depres-
sive Episode könne nicht auf die von ihm geltend gemachten Vorbringen
im Asylverfahren zurückgeführt werden. Auch in Berücksichtigung des auf
Beschwerdeebene zu den Akten gereichten Arztberichtes steht es dem Be-
schwerdeführer abgesehen von der Verfügbarkeit der notwendigen Medi-
kamente frei, seine Psychotherapie in Sri Lanka fortzuführen. Eine entspre-
chende Behandlung ist unter anderem in Jaffna möglich. Sollte befürchtet
werden, dass sich sein Zustand bei einer Rückkehr verschlechtern könnte
und ein erhöhtes Suizidrisiko bestehen würde, könnte die Rückkehr mit ei-
ner entsprechenden medikamentösen Überbrückung vorbereitet werden.
In Würdigung der massgeblichen Aspekte ist darauf zu schliessen, dass
sich der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit
hoher Wahrscheinlichkeit einer lebensbedrohlichen Verschlechterung sei-
nes Gesundheitszustandes ausgesetzt sehen müsste. Vielmehr kann er
mit der Möglichkeit rechnen, sich einer fachärztlichen Behandlung seines
Krankheitsbildes anzuvertrauen. Dies wird ihm auch ermöglichen, ein,
wenn auch mit Einschränkungen, nicht unerträgliches Leben zu führen, wie
es auch aktuell der Fall ist.
Nach gefestigter Rechtsprechung steht selbst eine allfällige Suizidalität ei-
nem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen. Zudem wäre einer allfälligen
Suizidalität beim Wegweisungsvollzug im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten Rechnung zu tragen (vgl. statt vieler etwa Urteil des BVGer D-
3574/2016 vom 14. Juli 2016 E. 5.3.2). Somit erweist sich der Vollzug der
Wegweisung nach Sri Lanka auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
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Von einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne des Ge-
setzes und der Rechtsprechung kann bei einer Rückkehr in sein Heimat-
land nicht ausgegangen werden. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl
in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist möglich.
8.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Even-
tualbegehren ist abzuweisen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege ist gutzuheissen, da von der Prozessbedürftig-
keit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechtsbegehren sich
nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Dem Beschwerdeführer ist seine Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin zu bestellen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Die amtliche
Rechtsvertretung ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschä-
digen. Entschädigt wird der sachlich notwendige Aufwand (vgl. Art. 12
i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
Die Festsetzung des Honorars erfolgt gemäss Art. 12 VGKE in sinngemäs-
ser Anwendung von Art. 8-11 sowie Art. 14 VGKE. Bei amtlicher Vertretung
geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis
Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für
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nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE).
Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Partei-
kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Unter Berücksichtigung des massgebenden Stundenansatzes von
Fr. 150.– ist der Rechtsbeiständin vom Bundesverwaltungsgericht ein Ho-
norar in der Höhe von insgesamt Fr. 1'100.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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