Decision ID: 20e824f1-7146-588a-b0a0-790f0aa7bf5b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Maschinenbautechniker bei der B._
GmbH angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom 13.
August 2018 liess er durch seine Arbeitgeberin melden, er sei am 2. August 2018 in
den Ferien in C._ mit dem Fahrrad gestürzt. Die Erstbehandlung habe bei Dr. med.
D._ in E._ (C._), stattgefunden. Ab dem 2. August 2018 habe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden und am 13. August 2018 habe er die Arbeit wieder ganz
aufgenommen (Suva-act. 1, vgl. auch Suva-act. 3).
A.a.
Am 15. August 2018 konsultierte der Versicherte seinen Hausarzt Dr. med. F._,
Allgemeine Medizin, der in einer klinischen Untersuchung eine Druckdolenz im Bereich
des rechten Kniegelenks erhob und den Verdacht auf eine Seitenband- sowie
Meniskusläsion stellte (Suva-act. 14). Dr. F._ überwies den Versicherten für eine MRI-
Untersuchung des rechten Knies an die Radiologie G._, Diagnosezentrum H._
(nachfolgend: Radiologie G._). Die Untersuchung fand am 16. August 2018 durch Dr.
med. I._, Fachärztin für Radiologie, statt, die in der Beurteilung ihres
Untersuchungsberichts vom 17. August 2018 als Befunde Hinweise auf eine Zerrung
des medialen Bandapparates, kleine Risse des medialen Meniskus, nicht disolziert,
sowie einen begleitenden Kniegelenkserguss festhielt (Suva-act. 21). Ebenfalls auf
Zuweisung von Dr. F._ wurde der Versicherte sodann am 7. September 2018 durch
Dr. med. J._, Orthopädische Chirurgie FMH, untersucht. Im Untersuchungsbericht
vom 20. September 2018 hielt dieser fest, dass er die MRI-Bilder anders als die
A.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Radiologin beurteile. Er diagnostizierte einen Innenmeniskusschrägriss rechts mit
Innenbandzerrung, eine Bone Bruise Tibiakopf rechts medial sowie einen
Knorpelschaden laterales Tibiaplateau notchseitig. Die Radiologie G._ bat er um eine
nochmalige Befundung des MRI vom 16. August 2018 (Suva-act. 13). Noch am
Untersuchungstag nahm Dr. med. K._, ebenfalls Facharzt für Radiologie der
Radiologie G._, diese Beurteilung vor und ergänzte die Befunde von Dr. I._ (Suva-
act. 23).
Anlässlich einer Nachkontrolle vom 16. Oktober 2018 durch Dr. J._ war der
Versicherte fast vollständig beschwerdefrei; sein Gang war hinkfrei, es zeigten sich
keine Meniskuszeichen und kein Erguss, die Bänder waren stabil, das rechte Knie voll
beweglich und in Bauchlage bestand kein Rotationsschmerz. Dr. J._ beurteilte den
Verlauf als günstig, betrachtete eine Arthroskopie vorerst nicht als notwendig und
vereinbarte mit dem Versicherten, er solle sich nach Bedarf melden (Suva-act. 20).
A.c.
In einem Fragebogen der Suva erklärte der Versicherte am 23. Januar 2019, dass
die Behandlung bei Dr. J._ nicht abgeschlossen sei. Am 31. Januar 2019 finde eine
nächste Behandlung statt (Suva-act. 25). Dasselbe bestätigte er gegenüber der Suva
am 25. Januar 2019 telefonisch (Suva-act. 24). Am 31. Januar 2019 notierte Dr. J._ in
der Krankengeschichte des Versicherten, dieser habe nach einer vorübergehenden
Besserung wieder mehr Schmerzen im rechten Knie. Er wünsche eine Infiltration. Für
eine Operation habe er keine Zeit. Als Befunde schrieb er eine Klopfdolenz am
medialen Plateau, einen minimen Erguss, ein positives Meniskuszeichen, einen
negativen Lachmann und einen Bewegungsumfang von Flexion/Extension von 130/0/0°
auf. Schliesslich wurde eine Infiltration Knie rechts mit Kenacort und Lidocain
festgehalten (Suva-act. 30).
A.d.
Am 13. September 2019 führte Dr. J._ beim Versicherten eine arthroskopische
mediale Teilmeniskektomie rechts sowie eine Gelenktoilette mit partieller Synovektomie
rechts durch (Suva-act. 33).
A.e.
Am 19. September 2019 informierte der Versicherte die Suva über die Operation,
welche aufgrund der Befunde eines Kontroll-MRI vom 14. August 2019 (der
Untersuchungsbericht liegt nicht bei den Akten) und nach einer nur vorübergehenden
A.f.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
C.
Besserung durch die Infiltration des rechten Knies vorgenommen worden sei. Seit der
Operation bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 34).
Am 20. September 2019 legte die Suva den Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med.
L._, Facharzt für Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, vor, der gleichentags in einer
Kurzbeurteilung festhielt, dass die Operation vom 13. September 2019 einzig auf einen
Erkrankungsschaden des rechten Knies an Meniskus und Knorpel abgezielt habe und
somit nicht vom Unfallversicherer, sondern vom Krankenversicherer zu übernehmen sei
(Suva-act. 35).
A.g.
Gestützt auf die Beurteilung von Dr. L._, wies die Suva mit Verfügung vom 4.
Oktober 2019 ihre Leistungspflicht für die Knieoperation und eine weitere ärztliche
Behandlung ab (Suva-act. 37).
A.h.
Gegen diese Verfügung wandte sich der Versicherte am 10. Oktober 2019
telefonisch (Suva-act. 43).
B.a.
Mit Schreiben vom 11. Oktober 2019 liess sich auch Dr. J._ gegenüber der Suva
zur verfügungsweisen Leistungsablehnung vernehmen (Suva-act. 44).
B.b.
Am 15. Oktober 2019 gab der Versicherte seine Einsprache zu Protokoll (Suva-act.
43).
B.c.
Nach Einholung einer ausführlichen ärztlichen Beurteilung ihres Kreisarztes Dr.
med. M._, Facharzt Orthopädische Chirurgie (Suva-act. 46), wies die Suva die
Einsprache vom 15. Oktober 2019 mit Entscheid vom 18. März 2020 ab (Suva-act. 51).
B.d.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, mit
Eingabe vom 18. Mai 2020 Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen: 1. Der
angefochtene Einspracheentscheid vom 18. März 2020 sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer seien die UVG-Leistungen, insbesondere die Heilbehandlung und
das Taggeld während der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit, weiterhin zu gewähren. 2.
C.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Eventualiter sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und es sei eine
fachmännische Abklärung direkt durch das Gericht in Auftrag zu geben, woraufhin neu
zu entscheiden sei. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
In Ergänzung der Beschwerde vom 18. Mai 2020 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers am 22. Mai 2020 eine Stellungnahme von Dr. J._ vom 19. Mai
2020 ein (act. G 2, G 2.1).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juli 2020 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
C.c.
Mit Replik vom 28. Oktober 2020 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an seinen Anträgen gemäss Beschwerdeeingabe fest (act. G 12) und reichte - bereits
aktenkundige (vgl. Suva-act. 44) - Bilder der Arthroskopie vom 13. September 2019 ein
(act. G 12.1).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine umfassende Duplik und reichte am
9. Dezember 2020 eine kurze Stellungnahme ein. Am Antrag auf
Beschwerdeabweisung hielt sie unverändert fest (act. G 14).
C.e.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat der Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls (vgl. dazu Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser
in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis
steht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 E. 3.1 ff. mit Hinweisen; André Nabold, N 48 ff. zu Art.
6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert:
KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S.
53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
1.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 und 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 158 f. E. b mit zahlreichen Hinweisen; SZS 2018 S.
357 f.). Bei physischen Unfallfolgen hat indessen die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch
keine selbstständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, N 130 zu Art. 61). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen
Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Insofern kann
rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen
während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen,
Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis kann jedoch nicht abgestellt
werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
bestehen. In diesem Fall sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225
1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014,
8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet sodann Aktengutachten als
zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist
ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die Expertin imstande
ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1). Insbesondere die
ärztliche Beurteilung von Dr. M._ vom 18. November 2019 wurde in Kenntnis der
Vorakten ("Aktenmässiger Verlauf") und nach Einsichtnahme in die MRI-Bilder vom 16.
August 2018 und 14. August 2019 sowie in die intraoperativen Bilder der Arthroskopie
vom 13. September 2019 vorgenommen (Suva-act. 46). Sie enthält ausführliche
Erwägungen zur Kausalitätsfrage der Meniskusproblematik rechts. Vor diesem
Hintergrund sprechen angesichts der obigen Darlegungen keine formellrechtlichen
Gründe gegen den Einbezug der Aktenbeurteilung von Dr. M._. Ob letztlich auf diese
abgestellt werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen
Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion oder eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRI, CT, Arthroskopie) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SRV
2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
2.1.
2.2.
Dr. I._ hat laut Untersuchungsbericht vom 17. August 2018 in der am 16.
August 2018 durchgeführten MRI-Untersuchung des rechten Knies im medialen
Kompartiment eine "degenerative Veränderung" des medialen Meniskus mit multiplen
filiformen Signalalterationen, schräg bis horizontal verlaufend, im Sinne von nicht
dislozierten kleinen Rissen, keinen Korbhenkelriss, wenig Gelenkserguss im medialen
Tibiaplateau sowie einen leicht verdickten und ödematösen, jedoch durchgängigen
medialen Bandapparat erhoben. Im lateralen Kompartiment sah die Radiologin einen
2.2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
intakten Meniskus, einen altersentsprechenden femoro-tibialen Knorpelbelag und einen
durchgängigen lateralen Bandapparat. Im zentralen Kompartiment erhob sie
schliesslich eine degenerative Veränderung der Kreuzbänder, diese seien jedoch
durchgängig, einen retropatellären Knorpelbelag, einen Extensorenapparat ohne
pathologischen Befund sowie wenig Kniegelenkserguss. In der Beurteilung führte die
Radiologin Hinweise auf eine Zerrung des medialen Bandapparates, kleine Risse des
medialen Meniskus, nicht disloziert, sowie einen begleitenden Kniegelenkserguss auf
(Suva-act. 21).
Dr. K._ sah laut Zusatzbefund vom 13. September 2018 in den MRI-Bildern
einen lappenförmigen Schrägriss des Innenmeniskus posterior am Übergang des
Korpus zum Hinterhorn mit radiärer Einstrahlung in den freien inneren Rand;
angrenzend ein leichtes subchondrales Knochenödem entlang des medialen
Tibiaplateau-Randes (DD: Bone bruise, reaktives Knochenödem im Rahmen der
Meniskopathie); in einer queren Ausdehnung von 1.1 cm eine Chondropathie Grad 2-3
dorso-zentral an der Belastungszone des lateralen Tibiaplateaus; eine myxoide
Binnendegeneration beider Kreuzbänder; einen leichten reaktiven Reizzustand des
rechten Kniegelenks mit Reizsynovialitis an der Hoffa-Spitze sowie auch an der
Oberfläche der medio-patellären Plica begleitet von wenig Gelenkerguss anterior in der
Notch und suprapatellär (Suva-act. 23).
2.2.2.
Im Bericht über die Operation vom 13. September 2019 hielt Dr. J._ fest, die
Patella im Recessus zeige in der Arthroskopie einen glatten Knorpelbelag. Auch das
Gleitlager habe einen schönen Knorpelbelag. Im oberen Recessus sei eine deutliche
Synovitis. Lose herumschwimmende freie Gelenkkörper (Knorpelteile) würden entfernt.
Eine partielle Synovektomie mit Inzision der Plica mediopatellaris werde durchgeführt.
Im Zentralpfeiler seien das VKB und HKB kräftig und die Plica segelförmig. Diese
werde belassen. Der Knorpel des lateralen Kompartiments sei altersentsprechend.
Insbesondere zeige sich arthroskopisch die im MRI beschriebe Knorpelläsion in keiner
Art und Weise. Der Knorpel sei unverletzt, glatt und von guter Konsistenz. Der
Meniskus sei intakt. Im medialen Kompartiment zeige sich ein Riss des Innenmeniskus
im Hinterhornbereich. Der Knorpel sei medial altersentsprechend noch gut erhalten
(Suva-act. 33).
2.2.3.
Als unfallkausaler Gesundheitsschaden steht neben der unbestrittenen
Innenbandzerrung die sowohl von Dr. I._ und Dr. K._ in den MRI-Bildern als auch
von Dr. J._ in der Arthroskopie gesehene Veränderung des Innenmeniskus des
rechten Kniegelenks zur Diskussion. Während eine Unfallkausalität der
Meniskusschädigung von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilung von Dr.
2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
M._ vom 18. November 2019 (Suva-act. 46) verneint und damit insbesondere eine
Leistungspflicht hinsichtlich der Knieoperation vom 13. September 2019 abgelehnt
wird, vertritt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vornehmlich gestützt auf die
Stellungnahme von Dr. J._ vom 19. Mai 2020 (act. G 2.1) den gegenteiligen
Standpunkt.
Meniskusläsionen können als Folge eines Traumas auftreten, indem die Menisken
bei akuten schweren Knieverletzungen ein- oder abreissen. Hinsichtlich
Meniskusläsionen gilt es aber auch zu beachten, dass die Kniegelenksmenisken zur
Degeneration neigen. Zudem sind sie starker mechanischer Beanspruchung
ausgesetzt. Entsprechend wird der Meniskusriss in der medizinischen Literatur im
Regelfall als degenerative bzw. chronische Schädigung beschrieben (vgl. Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S. 1056 f.;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1146; Roche Lexikon,
Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1204, 1852; Evalotta Samuelsson, Neuregelung der
unfallähnlichen Körperschädigung, Das Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018, S.
344 f.). Nachfolgend ist mithin zu entscheiden, ob mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem traumatisch oder von einem degenerativ
bedingten Meniskusriss auszugehen ist.
3.1.
Der Vergleich bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach
dem Unfall würde für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue unfallbedingte strukturelle
Schädigung eine bedeutsame Beweisgrundlage darstellen (vgl. dazu BGE 134 V 232 E.
5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E.
2). Im konkreten Fall liegen indes keine vor dem Unfall erstellten radiologischen Bilder
vor, weshalb diesbezügliche Erkenntnisse fehlen. Die Veränderungen des medialen
Meniskus rechts wurden bereits im Rahmen der MRI-Untersuchung vom 16. August
2018, also unfallnah, erhoben (Suva-act. 21). Damit ist an sich nicht ausgeschlossen,
dass sich der Beschwerdeführer die am 13. September 2019 operierte
Meniskusschädigung beim Unfall vom 2. August 2018 zugezogen hat. Sowohl Dr. I._,
Dr. K._ und Dr. M._ als auch Dr. J._ sprechen von einem Riss, von Einrissen
bzw. von einer Läsion. Diese Ausdrücke allein sprechen jedoch weder deutlich für eine
traumatische noch für eine degenerative Verursachung der Meniskusschädigung. Mit
dem alleinigen Vorliegen von Rissen, Einrissen oder Läsionen ist nicht in jedem Fall
auch mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die Unfallkausalität
oder die degenerative Verursachung eines Risses, Einrisses oder einer Läsion
ausgewiesen (Debrunner, a.a.O., S. 412, 628, 724 f. 728 ff.; Roche Lexikon, a.a.O., S.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1681; Pschyrembel, a.a.O., S. 1576, 1646). Es bleibt also immer noch zu entscheiden,
von welcher Kausalität der Meniskusschädigung des Beschwerdeführers auszugehen
ist.
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, kann anhand der Beurteilung von Dr.
M._ vom 18. November 2019 (Suva-act. 46) nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als nachgewiesen gelten, dass die
Meniskusschädigung des Beschwerdeführers nicht durch den Unfall vom 2. August
2018 verursacht wurde.
3.3.
Dr. M._ weist zwar zutreffend darauf hin, dass Dr. I._ (Suva-act. 21) die sich
am Innenmeniskus befindenden Veränderungen als verschleissbedingte kleine
Rissbildungen und Fibrillationen beurteilte. Sie spricht explizit von einer degenerativen
Veränderung des medialen Meniskus. Würden die vorgenannten Veränderungen
tatsächlich vorliegen, wären in ihnen Stadien bzw. Zeichen einer Meniskusdegeneration
zu sehen (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 123 f., 725). Eine radiologische Untersuchung
sowie eine Arthroskopie liefern MRI- und Arthroskopiebilder, welche zwar grundsätzlich
Fakten zeigen, doch müssen diese vom Mediziner eingeordnet und beurteilt werden.
Diese Expertise enthält eine subjektive, d.h. persönliche, Komponente, was bei
verschiedenen Medizinern zu unterschiedlichen Beurteilungen und letztlich
voneinander abweichenden Befunden und Diagnosen führen kann. Auch kann die
Expertise ergeben, dass die Zuordnung der Fakten unterschiedlich erfolgt. So beurteilt
Dr. J._, wie von Dr. M._ ebenfalls richtig erwähnt, die sich im Hinterhorn des
Innenmeniskus darstellenden Veränderungen, anders als Dr. I._, als Innenmeniskus-
Schrägriss. Eine unterschiedliche Befundsituation von MRI und Arthroskopie kann
damit erklärt werden, dass die Arthroskopie gegenüber dem MRI durch direkten
Einblick in die intraartikulären Strukturen in vielen Fällen eine nochmals feinere
diagnostische Differenzierung zulässt (Pschyrembel, a.a.O., S. 153 f.; Debrunner,
a.a.O., S. 247 f., 725 f., 1036 f.). Dem von Dr. J._ in der Arthroskopie erhobenen
Befund könnte demnach ein höherer Beweiswert beigemessen werden als demjenigen
von Dr. I._, der auf MRI-Bildern basiert (vgl. Erwägungen 2.2.1 und 2.2.3). Dr. J._
hatte jedoch laut seinem Bericht vom 20. September 2018 (Suva-act. 13) bereits die
MRI-Bilder vom 16. August 2018 anders als Dr. I._ beurteilt. Seine Feststellung, aus
seiner Sicht bestehe ein Meniskusriss medial, ist hier offensichtlich als traumatischer
Riss, im Gegensatz zu einer (blossen) Auffaserung und Fibrillation, zu verstehen. Dr.
M._ nennt weiter auch den Befund von Dr. K._ (Suva-act. 23), der - wie Dr. J._ -
von einem lappenförmigen Schrägriss des Innenmeniskus spricht, worauf dieser in
seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2020 auch verweist (vgl. act. G 2.1). Auf diese
3.3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Übereinstimmung nimmt Dr. M._ gar keinen Bezug. Er nahm jedoch auch selbst
Einsicht in die kernspintomographischen sowie die intraoperativen Bilder vom 16.
August 2018 bzw. 13. September 2019. In den kernspintomographischen Bildern
beurteilte er die lineare Signalerhöhung im Innenmeniskushinterhorn als Zeichen einer
mukoiden Degeneration mit Ausläufern bis in den tibialen Unterrand des
Innenmeniskus und instabiler Rissbildung und damit übereinstimmend mit Dr. I._ als
Verschleisserscheinung des Innenmeniskus ohne Zeichen einer Traumatisierung. Bei
den intraoperativen Bildern bezeichnete er insbesondere das Bild 4 als
ausschlaggebend für die Beurteilung des Meniskusschadens. Die Übersicht über den
gesamten Meniskus zeige keine Hinweise auf eine akut traumatische Schädigung des
Innenmeniskus mit scharfkantigen Läsionen oder gar einem radiären Einriss.
Randständig fänden sich leichte Auffaserungen und eine randständige Aufwalzung des
Innenmeniskus-Gewebes in der Pars intermedia. Insofern entspreche das
intraoperative Bild des Meniskus exakt der kernspintomographischen Darstellung einer
flächigen verschleissbedingten Schädigung an der Unterseite des Innenmeniskus. Aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sowohl hinsichtlich der
kernspintomographischen als auch der arthroskopischen Bilder zwei voneinander
abweichende Beurteilungen vorliegen. Wie in Erwägung 2.1 dargelegt, kommt im
Rahmen der Kausalitätsbeurteilung der Auswertung der radiologischen und
arthroskopischen Bilder die zentrale Bedeutung zu. Aufgrund der dargelegten
unterschiedlichen Faktenzuordnungen von Dr. I._, Dr. K._, Dr. J._ und Dr. M._
allein erschliesst sich jedoch dem Gericht gerade nicht, ob die Beurteilung von Dr.
M._ dem überwiegend wahrscheinlichen Sachverhalt entspricht. Die Prüfung der
Kausalität findet häufig anhand verschiedener zusätzlicher Beurteilungskriterien statt.
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, vermögen jedoch auch diese keine
hinreichende Klarheit zu schaffen.
Einen degenerativ und nicht traumatisch bedingten Meniskusschaden begründet
Dr. M._ insbesondere auch mit einer O-Bein-Fehlstellung beim Beschwerdeführer als
prädisponierendem Faktor für eine Entwicklung von Knorpel- und Meniskusschäden.
Laut medizinischer Literatur ist die Beanspruchung des Gelenkknorpels bei O-Beinen
im medialen Gelenkspalt übermässig gross. Eine Varusfehlstellung kann somit zu
Degenerationen führen (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 612 f., 616, 618, 1069 f.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 329 "Chondropathia patellae", 655; Roche Lexikon, a.a.O., S.
134; Leitlinien der Orthopädie, Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und
Orthopädische Chirurgie und Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte
Aufl. 2002, S. 53, 141). Das Beurteilungskriterium der Achsenfehlstellung ist jedoch, wie
3.3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beispielsweise auch dasjenige der Epidemiologie, lediglich ein Beurteilungskriterium,
welches Entwicklungen im Allgemeinen beschreiben, und damit nicht - wie die
Beurteilungskriterien Unfallhergang, initiale Beschwerdesymptomatik, Diagnosen,
Befunde, radiologische Untersuchungsergebnisse sowie zeitlicher Ablauf – sich mit
dem konkreten Fall befassen. Sprechen einzelfallbezogene Beurteilungskriterien
massgebend für eine traumatische Genese, kann im Einzelfall durchaus auch bei einer
Achsenfehlstellung eine traumatische Läsion vorkommen. Laut Untersuchungsbericht
von Dr. J._ vom 20. September 2018 ist die Varusfehlstellung im Kniegelenk des
Beschwerdeführers nur leicht ausgeprägt (Suva-act. 13). Allein aufgrund dieses von Dr.
M._ angeführten Beurteilungskriteriums kann mithin eine traumatische
Meniskusläsion nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden.
Weitere Ausführungen zur Kausalität bzw. weitere relevante Indizien, anhand
derer beurteilt werden könnte, welche Kausalität - eine traumatische oder eine
degenerative - wahrscheinlicher erscheint, sind der ärztlichen Beurteilung von Dr.
M._ nicht zu entnehmen. Hingegen nimmt Dr. J._ in seinem Schreiben vom 11.
Oktober 2019 (Suva-act. 44) und in seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2020 (act. G 2.1)
schlüssig und überzeugend auf die Gesamtsituation des rechten Kniegelenks Bezug.
Weist ein Gelenk umfassende, unstreitig degenerative Veränderungen auf, sind diese
häufig auch miteinander verbunden und stellen insofern gegenseitige
Begleitpathologien dar (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., S. 724 ff.). Damit ist zu
prüfen, weshalb eine bestimmte strukturelle Veränderung losgelöst von den übrigen
degenerativen Veränderungen als unfallbedingt zu betrachten ist. Grundsätzlich wären
in der von Dr. K._ in den MRI-Bildern vom 16. August 2018 erhobenen
Chondropathie Grad 2-3 dorso-zentral an der Belastungszone des lateralen
Tibiaplateaus sowie der myxoiden Binnendegeneration beider Kreuzbänder (Suva-act.
23; vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 124, 582, 1048 f., 1067; Pschyrembel, a.a.O., S.
329; Roche Lexikon, a.a.O., S. 326) weitere degenerative Veränderungen zu sehen,
welche zusammen mit der Meniskusschädigung im medialen Kompartiment eine
umfassende degenerative Situation darstellen würden. In seinem Schreiben vom 11.
Oktober 2019 hielt Dr. J._ allerdings fest, dass man bei der Arthroskopie im ganzen
Gelenk keinerlei Degeneration gesehen habe. Alle Knorpelflächen seien glatt, prall
elastisch und ohne degenerative Fibrillationen gewesen (Suva-act. 44). In seiner
Stellungnahme vom 19. Mai 2020 wiederholte Dr. J._, dass sowohl die Kniescheibe
wie auch das Gleitlager für die Kniescheibe einen schönen Knorpelbelag ohne
Abnützung oder Degeneration gezeigt hätten. Auch im lateralen Kompartiment habe
3.3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich ein altersentsprechend gesunder Knorpel ohne jegliche Knorpelabnützung
dargestellt. Insbesondere sei in der Arthroskopie die im MRI beschriebene
Knorpelläsion in keiner Art und Weise zu sehen gewesen. Der Knorpel sei unverletzt,
glatt und von guter Konsistenz gewesen, ohne Abnützungszeichen oder Degeneration.
Nur der Innenmeniskus habe einen Riss im Hinterhorn gezeigt, die Randleiste habe
hingegen keine Degeneration, keine Cholesterineinlagerung oder sonstige
Abnutzungserscheinungen gezeigt. Auch der Knorpel sei im inneren (medialen)
Kompartiment altersentsprechend unverletzt und glatt gewesen. Zusammenfassend
könne sich arthroskopisch keine Abnützung/Degeneration bestätigen lassen (vgl. dazu
den Operationsbericht vom 13. September 2019, Suva-act. 33; vgl. Erwägung 2.2.3).
Dr. J._ bezeichnet es schliesslich als unglücklich, dass Dr. I._ im MRI-
Untersuchungsbericht vom 17. August 2018 beim Innenmeniskus, aber auch bei den
Kreuzbändern degenerative Veränderungen beschreibe. Er fügt zutreffend an, dass Dr.
K._ im Zusatzbefund vom 7. September 2018 intakte Kreuzbänder beschreibe (vgl.
Suva-act. 23). Angesichts der dargelegten Sachlage sowie des bereits erwähnten
Umstandes, dass die Arthroskopie gegenüber dem MRI eine nochmals feinere
diagnostische Differenzierung zulässt (vgl. Erwägung 3.3.1), wäre also in der
Gesamtsituation des rechten Kniegelenks des Beschwerdeführers weniger ein Indiz
gegen eine traumatische als gegen eine degenerative Genese des Meniskusrisses zu
sehen. Allerdings sah Dr. K._ gemäss Zusatzbefund vom 7. September 2018 in den
MRI-Bildern vom 16. August 2018 im Femoro-Patellargelenk einen reaktiven
Reizzustand mit Reizsynovialitis an der Hoffa-Spitze sowie auch an der Oberfläche der
medio-patellären Plica (Suva-act. 23). Dr. J._ führte sodann in der Arthroskopie vom
13. September 2019 auch eine partielle Synovektomie mit Inzision der Plica
mediopatellaris durch und nannte unter anderem freie Gelenkskörper in der
Beschreibung des Operationsverlaufs (Suva-act. 33), also nicht nur - wie von Dr. M._
beschrieben - im Vorspann des Operationsberichts vom 17. Dezember 2018 als
Diagnose. Die vorgenannten Befunde werden in der medizinischen Literatur
insbesondere auch als krankhaft bzw. degenerativ beschrieben werden (Debrunner,
a.a.O., S. 492; Pschyrembel, a.a.O., S. 650, 1764 f.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 688,
1792 f.). Vor diesem Hintergrund erscheint die Schlussfolgerung von Dr. J._ in der
Stellungnahme vom 19. Mai 2020 (act. G 2.1) zumindest teilweise wieder in Frage
gestellt.
Weder von Dr. M._ noch von Dr. J._ diskutiert wurde sodann der im Rahmen
einer Kausalitätsbeurteilung grundsätzlich ein massgebendes Beurteilungskriterium
bildende Unfallmechanismus. So führt nicht jeder Unfall bzw. Unfallmechanismus zu
3.3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aus den vorliegenden, sich teilweise
widersprechenden ärztlichen Beurteilungen nicht hinreichend klar wird, ob eine
unfallkausale oder eine unfallfremde Genese hinsichtlich der Schädigung des
Innenmeniskus rechts vorliegt. Insbesondere die Auswertungen bzw.
Befunderhebungen anhand der kernspintomographischen und arthroskopischen Bilder
sind widersprüchlich. Doch auch die Auswertung letzerer durch Dr. J._ sowie seine
diesbezügliche Schlussfolgerung lassen Fragen offen. Dem Gericht ist es jedenfalls
insbesondere gestützt auf die ärztliche Beurteilung von Dr. M._ vom 18. November
2019 (Suva-act. 46) sowie die Stellungnahme von Dr. J._ vom 19. Mai 2020 (act. G
2.1) und dessen Operationsbericht vom 17. Dezember 2018 (Suva-act. 33) nicht
möglich, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob
die auf dem MRI und den intraoperativen Bildern ersichtliche Schädigung des
Innenmeniskus Folge des Unfalls vom 2. August 2018 ist oder einen degenerativen
Vorzustand darstellt. Die Beschwerdegegnerin wäre gestützt auf den
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen hinsichtlich der Unfallkausalität verpflichtet gewesen. Nachdem - wie
gesagt - geringe Zweifel an der Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner
einer Verletzung oder zumindest nicht zu einer derart körperlich gravierenden
strukturellen Verletzung, dass anhaltende Beschwerden auftreten oder eine operative
Behandlung notwendig wird. Insbesondere für Meniskusläsionen wird in der
medizinischen Literatur ein konkreter Bewegungsmechanismus - eine Distorsion oder
ein Rotationstrauma (Verletzung durch Drehbewegung) - gefordert, der geeignet ist,
eine solche Verletzung hervorzurufen (Debrunner, a.a.O., S. 1057; Pschyrembel, a.a.O.,
S. 1146; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1146; Leitlinie der Orthopädie, a.a.O., S. 141; S2k
Leitlinie Meniskuserkrankung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie [DGOU], abrufbar unter https://gelenkzentrum-rheinmain.de/app/
uploads/2017/08/Allgemeine-Leitlinie-Meniskus.pdf, abgerufen am 22. März 2021).
Laut Dr. M._ ist bei dem vom Beschwerdeführer geschilderten Unfallereignis u.a. von
einer Distorsionsverletzung auszugehen (Suva-act. 46). Zudem erlitt der
Beschwerdeführer beim Sturz vom Fahrrad am 2. August 2018 unbestrittenermassen
eine Seitenbandläsion bzw. eine Zerrung des medialen Bandapparates (Suva-act. 14,
21, 46). Angesichts dessen, dass für eine Bandläsion derselbe Unfallmechanismus
typisch ist wie für eine Meniskusschädigung (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 636, 1097;
Pschyrembel, a.a.O., S. 951) und die Seitenbandläsion zudem ebenfalls im medialen
Kompartiment erhoben wurde, ist ein weiteres Indiz für eine traumatische Genese der
Meniskusschädigung gegeben.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ärztinnen und Ärzte ergänzende Abklärungen erforderlich machen, wird sie solche
nachzuholen haben. Da bislang noch kein Administrativgutachten erstattet wurde,
besteht kein Anlass für das vom Beschwerdeführer eventualiter beantragte
Gerichtsgutachten. Die Angelegenheit ist mithin zur Veranlassung einer externen
fachmedizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.