Decision ID: 291f4ac9-1f36-4f33-9f63-05aa59ff4626
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2003 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der 1944 geborenen
X._
ab 1. November 2000 eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 6/4). Dagegen liess die Versicherte am 6. November 2003 Einsprache erheben und gleichzeitig um unentgeltliche Rechtsvertretung im
Einspracheverfahren
ersuchen (Urk. 6/23). Auf Aufforde
rung der IV-Stelle reichte sie sodann am 14. November 2003 das Formular "Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung" ein (Urk. 6/21). Mit Verfügung vom 14. Januar 2004 wies die IV-Stelle das Gesuch mangels Be
dürftigkeit ab (Urk. 2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 16. Februar 2004 Beschwerde erheben mit fol
genden Anträgen:
"1.
Es sei die Verfügung vom 14.1.2004 aufzuheben;
2.
Es sei der Beschwerdeführerin für das
Einspracheverfahren
bei der Sozial
versi
cherungsanstalt des Kantons Zürich betreffend die Verfügung vom 3. Oktober 2003 in der Person von Rechtsanwalt
lic.
iur
. Tomas Kempf ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen;
unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin."
In der Beschwerdeantwort vom 16. März 2004 schloss die IV-Stelle auf Ab
wei
sung der Beschwerde (Urk. 5). In der Replik vom 23. April 2004 hielt die Be
schwerdeführerin an ihrem Standpunkt fest (Urk. 10). Nachdem die IV-Stelle in
nert Frist keine Duplik eingereicht hatte, so dass Verzicht darauf anzunehmen war, wurde der Schriftenwechsel am 10. Juni 2004 geschlossen (Urk. 14).
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwer
de in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann unter anderem gegen Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden. Gemäss Art. 52
Abs. 1 ATSG kann gegen prozess- und verfahrensleitende Verfügungen keine Einsprache erhoben werden. Dazu gehören auch die Verfügungen be
tref
fend unentgeltliche Rechtsvertretung.
Somit ist die Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung vom 14. Januar 2004 unter Wegfall des
Einspracheverfahrens
zulässig.
2.
2.1
Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird, wo die Verhältnisse es erfordern, der gesuch
stellenden Partei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt.
Bei der Prüfung der sachlichen Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechts
vertretung (Bedürftigkeit, fehlende Aussichtslosigkeit, erhebliche Tragweite der Sache, Schwierigkeit der aufgeworfenen Fragen, mangelnde Rechtskenntnisse des Versicherten) ist ein strenger Massstab anzulegen. Hohe Anforderungen sind insbesondere an die Notwendigkeit der
Verbeiständung
zu stellen. Eine anwalt
liche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute
sozialer
Institutionen nicht in Betracht fällt
(BGE
125
V
34
Erw
.
2 mit Hinweisen; AHI 2000 S. 164; Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 37
Rz
20).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Person bedürftig, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 232
Erw
. 2.5.1, 127 I 205
Erw
. 3b, 125 IV 164
Erw
. 4a). Massgebend sind die wirt
schaft
lichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BGE 108 V 269
Erw
. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 3. Juli 2003 in Sachen X. und K., U 114/03,
Erw
. 2.2). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das Ein
kommen beider Ehegat
ten zu berücksichtigen (BGE 115
Ia
195
Erw
. 3a, 108
Ia
10
Erw
.
3, 103
Ia
101 mit Hinweisen).
2.2
Die Grenze für die Annahme der Bedürftigkeit liegt nach der Rechtsprechung höher als diejenige des betreibungsrechtlichen Existenzminimums. Zu berück
sichtigen sind unter anderem auch fällige Steuerschulden (RKUV 2000 Nr. K 119 S. 155
Erw
. 2, 1996 Nr. U 254 S. 208
Erw
. 2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 3. Juli 2003 in Sachen X. und K., U 114/03).
Für die Ermittlung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums ist das Kreis
schreiben der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich über
die Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenz
mi
nimums vom 23. Mai 2001 massgebend (ZR 2001 S. 153).
3.
3.1
Die Verfügung der IV-Stelle datiert vom 14. Januar 2004. Demnach sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in diesem Zeitpunkt massgebend.
Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin im
Gesuchsformular
wohnt sie mit ihrem Ehemann und einem volljährigen Sohn im gleichen Haushalt. Das Ehe
paar sei vermögenlos (Urk. 6/21).
Die IV-Stelle ermittelte für das Ehepaar ein betreibungsrechtliches Existenz
mini
mum
von
monatlich
Fr. 3'203.--
(Grundbetrag Ehepaar: Fr.
1'550.--, Miet
zins: Fr. 1'253.-- [Urk. 6/21], Krankenkassenprämien: Fr. 400.--). Unter
Berücksichtung
eines Zuschlags von 30 % zum Grundbetrag von Fr. 1'550.-- (Fr. 465.--) sowie der Steuern von Fr. 350.-- ergab sich ein erweiterter Notbedarf von Fr. 4'018.--. Diesem stellte die IV-Stelle die Einnahmen des Ehepaars (Invalidenrente der Beschwerdeführerin: Fr. 227.-- [Urk. 6/4], Unfallrente und Rente aus der 3. Säule des Ehemannes: Fr. 2'583.-- und Fr. 793.75 [Urk. 6/20, Urk. 10 S. 2 f.], Beitrag des Sohnes an die Miete: Fr. 400.--, Prämienverbilligung: Fr. 84.--) von monatlich insgesamt Fr. 4'088.-- gegenüber (Urk. 2).
Die IV-Stelle stellte fest, der danach verbleibende Einkommensüberschuss von Fr. 70.-- erlaube es der Beschwerdeführerin zwar nicht, die Anwaltskosten zu bezahlen. Das Ehepaar habe jedoch im Oktober 2003 eine Nachzahlung der In
validenversicherung von Fr. 8'032.-- und im November 2003 eine solche der Unfallversicherung von Fr. 15'500.-- erhalten. Mit diesem Vermögensanfall hätten die einmalig anfallenden Anwaltskosten bezahlt werden können. Eine Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin sei daher zu verneinen (Urk. 2).
3.2
Gemäss den im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen bezieht der Ehe
mann seit dem 21. November 2003 zusätzlich zu den oben genannten Beträgen Arbeitslosenentschädigung von monatlich Fr. 859.40 (Urk. 7, Urk. 11).
Im Übrigen sind die von der IV-Stelle ermittelten Zahlen zum Einkommen und erweiterten Notbedarf nicht zu beanstanden und werden von der Beschwerde
führerin auch nicht bestritten.
Unter Berücksichtigung der Arbeitslosenentschädigung belaufen sich die Ein
nah
men des Ehepaars damit auf insgesamt Fr. 4'947.--. Nach Abzug des er
weiter
ten Notbedarfs von Fr. 4'018.-- verbleibt ein Einnahmenüberschuss von monatlich Fr.
929.--. Dieser Überschuss erlaubt es der Beschwerdeführerin, die Anwaltskosten innert angemessener Frist zu bezahlen. Die Voraussetzung der Bedürftigkeit ist damit nicht erfüllt.
Ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung
bedürftig war, ist entgegen ihren Vorbringen unerheblich. Denn nach der in
Erw
. 2.1. zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind nicht die Verhältnisse im Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung
, sondern im Zeitpunkt der Entscheidung massgeblich. Aus BGE 118 1a 369, auf den die Beschwerdeführerin verweist, ergibt sich nichts anderes. Damit kann auch offen bleiben, ob die im Oktober und Novem
ber 2003 erfolgten Rentennachzahlungen der Beschwerdeführerin in irgendeiner Form anzurechnen sind, und auch die übrigen Voraussetzungen der fehlenden Aussichtslosigkeit und der sachlichen Notwenigkeit der
Verbeiständung
brau
chen nicht geprüft zu werden.
Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 14. Januar 2004 erweist sich damit im Ergebnis als rechtens, so dass die Beschwerde abzuweisen ist.