Decision ID: a48f99da-3fc7-46fd-8f78-929a84b0d8ef
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren 1990,
war seit
1.
Mai 2016 bei der
Y._AG als
angestellt und dadurch bei der
SWICA
Versicherungen AG (nachfolgend:
Swica
)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
(
Urk.
7/1)
, als er
am 1
6.
Dezember 2016 beim Überqueren der Strasse
als Fussgänger
von eine
m
Auto angefahren wurde
(
Urk.
7/27-28
,
Urk.
7/107
).
Dabei zog er sich l
aut den
Berichten des Spitals Z._
vom 2
0.
Dezember
2016 un
d des Universitätsspitals A._
vom 2
2.
Dezember 2016, wo er na
ch dem Ereignis hospitalisiert war, ein mittelschweres
Schädel-Hirn-Trauma
mit
Kalottenfraktur
und ein
Thoraxtrauma
zu (
Urk.
7/12/1,
Urk.
7/18/1).
Die
Swica
anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Urk.
7/6
).
Gemäss Telefonnotiz der
Swica
vom 3
1.
Jan
u
ar 2017 nahm der Ver
sicherte a
m 2
8.
Januar 2017 seine
Arbeit zu 100
%
wieder auf (
Urk.
7/20), stand
indes weiterhin in ärztlicher Behandlung (vgl. etwa
Urk.
7/32,
Urk.
7/36,
Urk.
7/42).
1.2
Die Verfügung vom
6.
September 2017, mit welcher die
Swica
ihre Leistungen
per 2
4.
Februar 2017 (psychische Beschwerden) beziehungsweise per 3
0.
Juni 2017
(somatische Beschwerden) ein
ge
stellt
hatte (
Urk.
7/55), zog diese am 9.
November
2017 zurück (
Urk.
7/
61
) und leitete weitere Abklärungen
, namentlich eine poly
dis
ziplinäre Begutachtung im
B._
in die Wege
(Urk.
7/
84
)
. Die Expertise wurde am 2
7.
September 2018 erstattet (Urk.
7/94/2-5,
Urk.
7/90-93).
Gestützt darauf verfügte die
Swica
a
m 2
9.
Januar 2019
, der Versicherte sei ab dem 2
8.
Januar 2017 voll arbeitsfähig gewesen, die somatischen Beschwerden
seien
abgeheilt und
die neuropsychologischen, neurologischen und psychia
tri
sc
hen Beschwerden
seien
ab 2
8.
September 2018 nicht mehr auf das Unfaller
eignis zu
rückzuführen; der Anspruch auf Heilbehandlungen, Kostenvergütungen und Tag
geldleistungen wurde ab diesem Zeitpunkt verneint (
Urk.
7/104).
D
ie
Einsprache
des Versicherten vom 1.
März 2019 (
Urk.
7/109)
sowie den miteingereichten Be
richt von Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt
für
Neurologie, vom 2
5.
Februar 2019 (U
rk.
7/120/114
115) legte die
Swica
dem Gutachter
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, vom
B._
vor (Stellungnahme vom 2
0.
Dezember 2019
,
Urk.
7/123
) und wies die Einsprache
daraufhin
mit Entscheid vom
9.
Januar 2020
ab (Urk.
7/125
= Urk. 2).
2.
Hiegegen
erhob der Versicherte
mit Eingabe vom 1
0.
Februar 2020
Beschwerde mit
folgenden
Rechtsbegehren
(
Urk.
1 S. 2):
«1.
Der Einsprache-Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 9.1.2020 sei aufzu
heben und es sei ein Gerichtsgutachten aus den Disziplinen der
Neurologie
, der Neuropsychologie und der Psychiatrie anzuordnen.
2.
Vom Verzicht des Beschwerdeführers auf nochmalige Durchführung des Administrativverfahrens sei
Vormerk
zu nehmen.
3.
Gutachten und Stellungnahme der Gutachter des
B._
sind aus dem Recht zu
weisen.»
Die
Swica
schloss mit
Beschwerdeantwort vom
1
6.
März 2020
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
)
,
wovon
dem
Beschwerdeführer am
1
7.
März 2020
Kenntnis ge
geben wur
de (Urk.
8
)
. Zur unaufgefordert ein
gereichten Stellungnahme vom 6.
April 2020, mit welcher der Beschwerdeführer sein
e
Rechtsbegehren erneuerte (Urk.
9), äusserte sich die Beschwerdegegnerin nicht (
Urk.
12-13).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
6.
Dezember 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zu
sammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte
zusammengefasst
die Leistungen
ab 2
9.
Septem
ber 2018
mit der Begründung ein,
aufgrund des
beweiswertigen
interdisziplinären Gutachtens des
B._
vom 2
8.
September 2018
sei mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass die bestehenden Beschwerde
n
nicht natürlich kausal zum Unfall und die Adä
quanz der nicht objektivierbaren Beschwerden zu verneinen seien (
Urk.
2 S.
1
2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein (Urk. 1),
das Gutachten sei parteiisch
und unprofessionell (S. 10). Die
Swica
habe - ohne
ihn zu
informieren
- den Gut
achter zur Stellungnahme zu seiner Einsprache ersucht und hernach den
Ein
spracheentscheid
erlassen, ohne ihn dazu anzuhören. Die Beschwerdegegnerin verletze damit sein rechtliches Gehör und den Datenschutz und die Gut
ach
ter
stelle verstosse gegen Berufsregeln, die ärztliche Geheimhaltungspflicht und die Datenschutzbestimmungen, was das Gericht zu ahnden habe (S. 7 f.).
Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) verlangte er die Edition von Unterlagen betref
fend das generelle Vertragsverhältnis zw
ischen der
Swica
und der Gutachterstelle,
wie
etwa Vertragsgrundlagen, Weisungen,
sowie
sämtliche von der Gutachter
stelle
B._
bzw. den Gutachtern im Auftrag der Versicherung erstellten (anonymisierten) Gutachten, Statistiken und Listen betreffend die Zu
sammenarbeit (S. 9). Die enge und versteckte Beziehung zwischen Versicherer und Gutachterstelle erwecke den Anschein der Befangenheit und stelle einen
Ausstandsgrund
im Sinne von
Art.
36 und
Art.
44 ATSG dar (S.
9 f.). Das Admini
strativgutachten sei nicht beweistauglich und es bedürfe eines gerichtlichen Gut
achtens aus den Disziplinen Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychologie (S. 11).
Infolge des Beweisverwertungsverbots sei das Gutachten des
B._
aus dem Recht zu weisen (S. 11)
. F
alls das Gericht die Sache zur Sach
verhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückweise, sei diese - wie die Invalidenversicherung mittels
med@ap
- zur Zuweisung der Gutachtensaufträge nach
dem
Zuf
allsprinzip zu verpflichten (S.
12 f.).
2.3
In der Vernehmlassung (
Urk.
6) ergänzte
die Beschwerdegegnerin
, das interdis
zi
plinäre Gutachten des
B._
sei im gegenseitigen Einver
stän
dnis mit dem Beschwerdeführer veranlasst worden (S. 3). Sie habe von der Gut
achterstelle rechtsprechungsgemäss
eine Stellungnahme
zur Kritik des Beschwer
deführers am Gutachten sowie zum abweichenden Bericht des behandelnden Neurologen eingeholt. Dabei handle es sich nicht um Ergänzungs- und Zusatz
fragen, weshalb sie das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt
habe
, genauso wenig wie den Datenschutz. Auf das Gutachten sei abzustellen (S.
4
).
Ihr Vorgehen sei aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes geboten gewesen; es lägen keine Ausstands- und Ablehnungsgründe vor. Das BGÖ finde auf das Ver
fahren der Verwaltungsrechtspflege keine Anwendung. Mit der Herausgabe der Dokumente wäre bei vollständiger Anonymisierung zudem ein unverhältnis
mässiger Aufwand verbunden, was ihren Geschäftsgang lahmlegen würde (S. 5).
Von eine
m
Gerichtsgutachten sei kein verlässlicher neuer Aufschluss zu erwarten (S. 6).
2.4
Der Beschwerdeführer
fügte
mit Eingabe vom
6.
April 2020
an
, rechtspre
chungs
gemäss habe ein Gutachter eine beamtenrechtliche Stellung inne, was nicht nur für die Invaliden-, sondern auch für die Unfallversicherung gelte. Aus dieser Be
amtenfunktion ergäben sich noch höhere Anforderungen an die Unparteilichkeit. Aus dem erläuterten Anschein der Befangenheit resultiere ein Anspruch auf Offenlegung der Zusammenarbeit zwischen Gutachter und
Swica
(
Urk.
9).
2.5
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Sachlage
rechtsge
nüglich
abgeklärt hat.
3.
3
.1
Zu prüfen
sind vorweg die vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen in Bezug auf die Unparteilichkeit der Gutachter
:
Im Verwaltungsverfahren müssen Personen, die Entscheidungen über Rechte und Pflichten zu treffen oder vorzubereiten haben, darunter auch Sachverständige, in den Ausstand treten, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten (
Art.
29
Abs.
1
der Bundesverfassung,
BV;
Art.
36
Abs.
1 ATSG
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2019 vom
9.
August 2019 E. 5.
1
).
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss
trauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sach
verständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenom
men
heit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befan
genheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das sub
jektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, die den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen. Die for
melle Natur der Verletzung des Anspruchs auf einen unabhängigen Experten führt dazu, dass ein Gutachten, das die erforderlichen Attribute nicht aufweist, als Beweismittel auszuschliessen ist, unabhängig davon, wie es sich mit den materiellen Einwendungen tatsächlich verhält (BGE 137 V 210 E. 2.1.3
; Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2019 vom 9. August 2019 E. 5.2
)
.
Das Verhalten eines Sachverständigen (oder eines Richters) gegenüber einer Partei
kann den Anschein der Befangenheit begründen, wenn daraus nach objektiver Betrachtung inhaltlich oder durch die Art der Kommunikation auf besondere Sympathien oder Antipathien oder (was hier besonders hervorzuheben ist) auf eine Ungleichbehandlung der Prozessbeteiligten geschlossen werden kann. Inso
fern begründen namentlich einseitige Kontakte eines gerichtlichen Experten zu einer Partei oder deren Vertreter den Befangenheitsanschein
(
Urteil
des Bundes
gerichts
5A_663
/2015 vom
7.
März 2016 E. 3.4.1).
3.2
Die Vergabe des Gutachtensauftrages am 1
8.
Mai 2018 an das
B._
erfo
lgte
in Nachachtung
des
vom Beschwerdeführer am 1
4.
Mai 2018
geäusserten
Wunsches
sowie
unter Berücksichtigung der von ihm
ergänzend
formulierten Fragen und de
r
angeregten (weiteren) Disziplin (
Psychiatrie;
Urk.
7/83/2,
Urk.
7/84).
Ausstands- oder Ablehnungsgründe
sind
gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung so früh wie möglich geltend
zu machen
. Es verstösst gegen Treu und Glauben, Einwendungen dieser Art erst im Rechtsmittelverfahren vorzubringen, wenn dies schon vorher möglich und zumutbar gewesen wäre. Wird eine sachverständige Person nicht unverzüglich als befangen abgelehnt, wenn die betroffene Person vom Ablehnungsgrund Kenntnis erhält, verwirkt sie den Anspruch auf spätere Anrufung dieser Verfahrensgarantie (BGE 137 V 210
E. 6.1.1 mit Hinweisen).
Es
erübrigen sich
daher
weitere Ausführungen des Ge
richts gegen den
erst
beschwerdeweise
erhobenen Vorhalt, es handle sich dabei um
«Vertrauensärzte der
Swica
»
(
Urk.
1 S. 7)
.
Anders als im Bereich der
Invalidenversicherung
(
Art.
72
bis
Abs.
1
der Verord
nung über die Invalidenversicherung,
IVV)
muss im Bereich
der Unfallver
siche
rung bei polydisziplinären Gutachten eine Gutachtensvergabe
nicht
nach dem Zufallsprinzip erfolgen,
weshalb
vorliegend
die Gutachtenszuteilung an sich nicht zu beanstanden ist.
3.3
Der Beschwerdeführer monierte
des Weiteren
, dass die Beschwerdegegnerin ohne Rücksprache mit ihm seine Einsprache und den miteingereichten Bericht von Prof.
Dr.
C._
dem Gutachter
Dr.
D._
zur Stellungnahme unter
breitet ha
be
, was er als «pragmatische(r) Austausch sensibler Daten» und infor
melle Beauftragung zu
r
weitere
n
Abklärung bezeichnete
. Die
gutachterliche
Stellungnahme
sei ihm
zudem
erst mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
zuge
stellt worden (Urk.
1 S. 7)
. Das Gericht habe deshalb
eine Strafanzeige vorzunehmen
und
das Gut
achten als Beweismittel auszuschliessen
(
Urk.
1 S
.
8).
Auf die Einsprache des Versicherten hin gelangte die Beschwerdegegnerin n
ach Lage der Akten mit E-Mail vom 4. September
2019 an
den Gutachtachter Dr.
D._
und ersuchte ihn um Stellung
nahme hinsichtlich der Beanstan
dungen des Beschwerdeführers zum
Gutachten
sowie zum Bericht von Prof. Dr.
C._
vom 2
5.
Februar 2019 (
Urk.
7/108-109,
Urk.
7/113
/1-2
).
Die Akten geben keine Anhaltspunkte
dafür
, dass darüber
hinaus zwischen der Be
schwerdegegnerin und dem Gutachter ein Kontakt beständen hätte, der dessen Befangenheit
oder auch nur einen Anschein der Befangenheit
begründen könnte.
Es kann daher nicht angenommen werden, da
ss dieser nicht mehr bereit gewesen wäre, den Einwänden des Beschwerdeführers - sofern begründet - Gehör zu schenken
oder
den neuen Arztbericht zu berücksichtigen. Vielmehr
war das
Ergebnis der
durch Dr.
D._
zu erstattenden
ergänzenden Stellungnahme nach wie vor offen und
in keiner Weise
vorbestimmt
.
Seine Aufgabe bestand
in erster Linie darin,
sich zu den vom Beschwerdeführer und von Prof.
Dr.
C._
im Zusammenhang mit dem Gutachte
n
aufge
worfenen Fragen auseinanderzusetzen
. Dies ist
nicht zu beanstanden, da der Rechtsanwender
zur Beurteilung der medizinischen Sachverhalte
auf das Wissen und die Erfahrung fachärztlicher Sachverständiger angewiesen
ist.
Vor diesem Hintergrund liegt es nicht nur im Ermessen
der Beschwerdegegnerin
, sondern
es
ist regelmässig angezeigt, die im Verwaltungsverfahren beigebrachten medizini
schen Unterlagen mit abweichenden ärztlichen Einschätzungen oder auch die in
einer Rechtsschrift hinsichtlich der medizinischen Verhältnisse aufgeworfene
n
Fragen dem Gutachter zu unterbreiten (vgl. etwa Urteil des Sozialver
sicherungs
gericht
s
UV.2018.00215 vom 2
7.
März 2019 E. 4.2)
, ohne dass
- entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 7) -
hiefür
das Einverständnis des Ver
sicherte
n
erforderlich wäre. Z
ur Annahme von Befangenheit
müssen
weitere Umstände (beispielsweise ein in unsachlichem Duktus verfasster Bericht) hinzu
kommen (Urteil
des Bundesgerichts 9C_441/2014 vom 1
8.
Juni 2014 E. 2.2.3), wovon hier nicht die Rede sein kann.
Ebenso wenig
ergeben sich aus dem
Vor
gehen der Beschwerdegegnerin Anhaltspunkte
für
eine «enge und versteckte Beziehung» zum Gutachter, zumal
ausser der E-Mail-Anfrage
keine
weiteren
Kontaktnahmen
aktenkundig oder dargetan sind
.
Die Beschwerdegegnerin
wertete
das Gutachten im Rahmen
ihrer
Beweis
wür
digung aus
und
mass
ihm volle Beweiskraft
zu
, wie der
Beschwerdeführer
dem mit
eine
r
Kopie des Gutachtens
eröffneten
Schreiben vom
5.
November 2018
ent
nehmen konnte
und wozu ihm
das rechtliche Gehör gewährt
wurde
(
Urk.
7/95)
.
Die
eingeräumte
Gelegenheit zur Stellungnahme liess
der Beschwerdeführer
innert erstreckter Frist (
Urk.
7/101)
unbenutzt verstreichen
. Daraufhin verfügte die Beschwerdegegnerin im angekündigten Sinn (
Urk.
7/104)
, wogegen
der Be
schwerdeführer
Einsprache erhob
(
Urk.
7/109)
.
Ob
die
Weiterleitung
der Eingabe
an den Gutachter als Ergänzungsfragen
des Besch
w
erdeführers
oder - wie
dies
er
geltend macht - als solche des Versicherungsträgers zu werten sind, braucht hier nicht weiter vertieft zu werden
(
vgl. dazu
BGE 136 V 113)
.
De
nn
der Be
schwerdeführer
legte beschwerdeweise
nicht dar, welche seiner
mangels Rück
sprache nicht gestellten
Zusatzfragen
unbeantwortet geblieben wären und inwie
weit
daraus
in Bezug auf die hier zu beurteilende Frage ein
entscheidrelevanter
Erkenntnisgewinn zu erwarten gewesen wäre (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9
C_614/2015 vom 2
1.
Juni 2016 E.
5.5).
Vor diesem Hintergrund ist
im
Vorgehen
der
Swica
keine Verletzung des recht
lichen Gehörs des Beschwerdeführers ersichtlich.
Im Übrigen kann entgegen den beschwerdeweisen Vorbringen in der direkten Weiterleitung der
Einwände
de
s
Beschwerdeführer
s
und des Arztberichts
keine unzulässige Beeinflussung
des Gutachters
erblickt werden, die zu seiner Vorbefassung und demzufolge zum Ausstand geführt hätte
(Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2019 vom 3
0.
April 2019 E.
4.4).
Insoweit liegt demnach keine Verletzung der Mitwirkungsrechte des Beschwer
de
f
ührers vor und
es ist
kein
strafrechtlich
relevanter
Sachverhalt
ersichtlich
.
3
.4
Die Rüge des Beschwerdeführers betreffend die Verletzung des Daten
schutz
ge
setzes durch die Beschwerdegegnerin, begangen mittels Weiterleitung seiner Ein
gaben und des Berichts von Prof.
Dr.
C._
an den Gutachter, zielt ins Leere. Das Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG) sieht vor, dass Organe des Bundes, worunter auch die Unfallversicherer fallen, Personendaten nur bearbei
ten dürfen, wenn dafür eine gesetzliche Grundlage besteht (
Art.
17
Abs.
1 DSG). Die Bearbeitung besonders schützenswerter Personendaten und von Persönlich
keitsprofilen bedarf einer formell-gesetzlichen Ermächtigung. Gleiches gilt für die
Bekannt- und Weitergabe von Personendaten (
Art.
19 DSG).
Art.
96 f. UVG stellen
ebendiese Gr
undlage für die Datensammlung,
bearbeitung
und -weiterleitung durch die Unfallversicherer dar, weshalb diese spezialgesetzlichen Bestimmungen zur Datenbearbeitung im Bereich des UVG den Normen des DSG vorgehen. Für die eigenständige Anwendung allgemeiner datenschutzrechtlicher Grundsätze besteht kein Raum mehr (
Kieser
Ueli/Gehring Kaspar/Bollinger Susanne,
in: KVG/UVG Kommentar, Bundesgesetze über die Krankenversicherung, die Unfall
versicherung und den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] mit weiteren Erlassen, Zürich 2018, Navigator,
Art.
96 N 6 und N
8).
Im Übrigen hat der Unfallversicherer nach den allgemeinen Regeln des Sozial
versicherungsrechts den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforder
lichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versiche
rungs
träger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (in BGE
139 V 585 nicht publizierte E.
3.4 des Urteils des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013).
3
.
5
Dem Beschwerdeführer
ist jedoch inso
fern
beizupflichten, als
ihm
die Beschwer
degegnerin vor Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
die Möglichkeit hätte einräumen müssen, sich
zur von
Dr.
D._
eingeholten
Stellungnahme
vom 2
0.
Dezember 2019 zu äussern.
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sach
aufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzu
wirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet
ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Auch wenn
sich das
Vorgehen
der Beschwerdegegnerin unter dem Aspekt des recht
lichen Gehörs nicht als
gänzlich
korrekt erweist,
erhielt der Beschwerdeführer
im Beschwerdeverfahren
jedenfalls
Gelegenheit, sich
umfassend zur Sache
verneh
men
zu
lassen.
Er
konnte sich
vor einer Beschwerdeinstanz äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüf
t
,
so dass
seinen Gehörs
rechten Genüge getan
ist (
BGE 127 V 431 E.
3d/
aa
).
Dies gilt umso mehr, als sich der Beschwerdeführer inhaltlich nicht mit der ergänzenden Stellungnahme auseinandersetzte
und diesbezüglich keine Rügen formulierte
.
Seine Vorbringen
erschöpfen sich
- wie gesagt zu Unrecht -
darin,
mit
dieser eine Befangenheit zu begründen.
Aus prozessökonomischen Gründen ist unter
diesem Umständen
von
einer Rück
weisung der Sache an die Verwaltung abzusehen,
da diese
zu einem formalis
ti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3
.
6
Zum beschwerdeweise erstmals
gestellten
Antrag, das Gutachten des
B._
und die ergänzende Stellungnahme von
Dr.
D._
aus den Akten zu entfernen (
Urk.
1 S. 11), erübrigen si
ch
in Anbetracht
de
r
nach
folgenden
gerichtlichen Erwägungen zum Beweiswert der Expertise
und zur Befangenheit
der Gutachter
weitere
Ausführungen, zum
a
l das
beschwerdeführerische
Gesuch
diesbezüglich
jegliche Begründung vermissen lässt.
4
.
4
.1
Im Weiteren verlangte der
Beschwerdeführer
unter Berufung auf
Art.
5 BGÖ seitens der
Swica
die Edition
beziehungsweise Auskunftserteilung
folgender Unterlagen (
Urk.
1 S. 9):
-
Vertragsgrundlagen/Memoranden oder Merkblätter der Zusammenarbeit
mit der Gutachterstelle
B._
bzw. mit Gutachtern der Stelle
-
Weisungen, Instruktionen, Merkblätter oder anderweitige Schriftstücke,
welche die Zusammenarbeit bzw. die A
u
ftragserfüllung betreffen
-
Sämtliche von der Gutachterstelle
B._
bzw. den Gutachtern im
Auftrag der Versicherung erstellten (anonymisierten) Gutachten oder Berichte
-
Versicherungsinterne Listen, Statistiken, Auftragsbücher oder dergleichen,
welche die Zusammenarbeit mit der Gutachterstelle xxx bzw. den Gut
achtern
betreffen
-
Schriftstücke, welche eine anderweitige Zusammenarbeit mit der Gut
achterstelle
(z.B. im Zusammenhang mit der Erbringung von medizi
ni
schen
Leistungen etc.) belegen
Dazu führte er aus, es sei zu vermuten
, dass beste und dauerhafte Beziehungen zwischen der Beschwerdegegnerin und
Dr.
D._
bzw. der Gutachterstelle
B._
bestünden, dass ein generelles Vertragsverhältnis zwischen diesen Parteien über die Begutachtung bestehe, dass unzählige Aufträge an letztere erteilt und letztere eine
n
hohen Gewinn mit Boni im Falle der Verneinung der Kausalität oder der
Arbeitsfähigkeit spreche. Eine so enge und versteckte Beziehung zwischen Versicherer und Gutachter erwecke den Anschein von Be
fangenheit und stelle Ausstands- und Ablehnungsgründe dar (S. 9 f.).
Die Beschwerdegegnerin
lehnte den Zugang
zu den verlangten Informationen und
Dokumenten ab
mit der Begründung, Akten eines hängigen oder abge
schlossenen Verwaltungsbeschwerdeverfahrens bl
i
eben gemäss
Art.
3
Abs.
1
lit
. a
Ziff
5 BGÖ
vom Öffentlichkeitsprinzip ausgeschlossen. Selbst wenn das BGÖ anwendbar wär
e
, würde die Herausgabe der Dokumente wegen des damit verbundenen auss
er
or
dentlichen und unverhältnismässigen Aufwands, der ihren ordentlichen Ge
schäfts
gan
g
nahezu lahmlegen würde, ausser Betracht fallen. Im Übrigen sei die Edition unbegründet, denn es lägen weder der Anschein von Befangenheit
s-
noch
Aus
stands
gründe
n
vor (
Urk.
6 S. 5).
4
.2
Die Unfallversicherer fallen in den Anwendungsbereich von
Art.
2 BGÖ. Somit kann – sofern sich aus
Art.
97 UVG kein Recht auf Dateneinsicht ableiten lässt –
ein Unfallversicherer nach den Grundsätzen des BGÖ informationspflichtig werden
(
Kieser
Ueli/Gehring Kaspar/Bollinger Susanne, in:
a.a.O.,
Art.
96 N 6
).
Die Beschwerdegegnerin wies in Bezug auf den sachlichen Geltungsbereich des BGÖ indes zu Recht darauf hin, dass das BGÖ
weder anwendbar ist für den Zugang zu amtlichen Dokumenten betreffend Verfahren der Staats- und Verwaltungs
rechts
pflege (
Art.
3
Abs.
1
lit
. a
Ziff.
5 BGÖ) noch au
f die Einsichtnahme einer Partei in die Akten eines erstinstanzlichen Verwaltungsverfahrens (
Art.
3
Abs.
1
lit
. b BGÖ
; BGE 142 II 268 E. 4.2.5.1
).
Insoweit bleiben
die verfahrensrechtlichen Regelungen vorbehalten
(Waldmann Bernhard/
Oeschger
Magnus, in: Waldmann Bernhard/Weissenberger Philippe
[
Hrsg.
]
,
VwVG
- Praxiskommentar Verwal
tungs
ver
fahrensgesetz,
2.
Aufl., Zürich - Basel - Genf 2016,
Art.
26 N 20).
Eine Edition der verlangten Unterlagen im vorliegenden Verfahren gestützt auf das BGÖ fällt demnach von vornherein ausser Betracht.
4
.3
Zu prüfen bleibt, ob
der
Beschwerde
führer
gestützt auf
den
im
vorliegende
n
Ver
waltungsverfahren zur Anwendung gelangende
n
Art.
47 ATSG
die Einsicht
nah
me
fordern kann.
Das Bundesgericht bejahte i
n BGE 14
4
I 170
E. 7.6
grundsätzlich das Interesse
einer Einzelperson, welche aufgrund eines eingereichten Leistungs
begehrens konkret mit dem Einsatz eines bestimmten Gutachters in ihrem Fall
rechnen muss
, a
m Aktenzugang zur Gewährleistung von gewissen Überwa
chungs
mechanismen hinsichtlich medizinische
r
Gutachten,
sofern sie konkret mit dem Einsatz eines bestimmten Gutachters rechnen muss
, so dass sie umgehend ihr
Ablehnungsrecht beanspruch
en
kann
.
Da hier - wie gesagt - die Beschwerdegegnerin die vom Beschwerdeführer vor
geschlagene Gutachterstelle mit der Untersuchung betraut
e
, erscheint es als rechts
missbräuchlich, wenn
der Beschwerdeführer später
der - allenfalls nicht genehmen - Expertise die Beweiskraft infolge einer allfälligen
Tendenz des Gut
achters, Arbeitsunfähigkeit eher zurückhaltend oder grosszügig anzuerkennen
, ab
spricht
. Die erstmals im Beschwerdeverfahren
geforderte Aktene
dition
entbehrt vor diesem Hintergrund
eines
schutzwürdigen Interesses
. Darüber hinaus würde
nach
unwidersprochen gebliebener
Aussage der Beschwerdegegnerin
die Aufbe
reitung der entsprechenden Unterlagen
wie etwa die Anonymisierung deren Ge
schäftsgang lahmlegen
.
Festzuhalten bleibt sodann, dass
selbst ein regelmässige
r
Beizug
eines Gutachters durch den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gege
benen Gutachten und Berichte
oder
das Honorarvolumen nach gefestigter bun
des
gerichtlicher Rechtsprechung für sich allein genommen keine Zweifel an der Unabhängigkeit eines Gutachters zu erwecken
vermögen
(vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_96/2018 vom 1
9.
März 2018 E. 3.2.1 unter Hinwe
is auf BGE 137 V 210 E.
1.3.3). Es ist auch nicht ersichtlich und dargetan, inwiefern die Kenntnis sämtlicher vom
B._
oder von
Dr.
D._
in anderen Fällen attestierten Arbeitsunfähigkeiten den Beweiswert seiner
hier interessie
renden
gutachterlichen Einschätzung in Frage stellen
würde
.
Auch
wenn sich bei der Auswertung der Häufigkeitsverteilung von attestierten Arbeitsunfähigkeiten eine starke Abweichung nachweisen liesse, wäre damit noch nicht ausgewiesen, worauf dies zurückzuführen wäre. Denn Begutachtungen sind allein aufgrund der individuellen Sachlage vorzunehmen, so dass allfällige allgemeine Tendenzen
nicht geeignet sind, den Beweiswert der vorliegenden
Einschätzung in Frage zu stellen
. Es rechtfertigt sich daher, in antizipierter Beweiswürdigung auf
im Zu
sammenhang mit
der gutachterlichen Ergebnisoffenheit verlangte Beweismass
nahme
n
zu verzichten (vgl.
auch die
Urteile des Bundesgerichts 8C_25/2020 vom
2
2.
April
2020 E.
5.1.2.2, 9C_582/2018 vom
7.
Januar
2019 E.
2.1 und 8C_627/2016
vom 1
7.
November 2016 E. 4.3).
Nichts
A
nderes
ergibt sich aus dem Gesetzesentwurf, wonach künftig die IV-Stellen eine Liste mit Angaben zu allen
beauftragten Sachverständigen und Gutachterstellen führen und veröffentlichen werden (
Art.
57
Abs.
1 Bst. n E
IVG und
Art.
41b E-IVV), da diese Bestimmungen noch nicht in Kraft stehen
.
5.
5.1
Zu prüfen ist demnach, ob
in materieller Hinsicht
auf das Gutachten des
B._
und dessen Ergänzung abgestellt werden kann.
5.2
Laut dem interdisziplinären Konsens
der Sachverständigen des
B._
vom 2
7.
September 2018 leidet der Beschwerdeführer auf neuropsy
cho
logischem Fachgebiet an einer leichten bis mittelgradigen neuropsycho
logi
schen Störung.
Die Gutachter führten aus, dass d
ie Funktionsfähigkeit im Alltag
und unter den meisten beruflichen Anforderungen leicht eingeschränkt sein
könne
. Nur in Berufen und Aufgaben mit hohe
n
kognitiven Anforderungen könne die Funktionsfähigkeit möglicherweise mittelgradig eingeschränkt sein. Die neuro
psy
chologische Störung sei
ätiopathogenetisch
nicht sicher einzuordnen, es sei jedoch wahrscheinlich von einer multifaktoriellen Ätiologie auszugehen. Ein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 16. Dezember 2016 bestehe nicht.
Auf orthopädisch-unfallchirurgischem Fachgebiet
nannten
d
ie
Gutachter
die Dia
gnose einer stattgehabten Innenmeniskus-
Hinterhornnaht
rechts. Der Unfall vom 16. Dezember 2016 sei nicht Mitursache der gesundheitlichen Störung am rechten Kniegelenk. Diesbezüglich sei erst im März 2017 eine ärztliche Behandlung dokumentiert. Bei den Untersuchungsterminen nach d
em stationären Aufenthalt im A._
und während der dortigen
Hospitalisation
nach dem Verkehrsunfall seien weder eine Symptomatik beschrieben noch Beschwerden dokumentiert. Bezüglich des Bewegungsapparates, insbesondere des rechten Kniegelenks, sei der Be
schwer
deführer sowohl als Call Agent als auch in denkbaren Verweistätigkeiten ohne Einschränkung arbeitsfähig
(
Urk.
7/94 S. 3).
Auf psychiatrischen Fachgebiet lasse sich keine anhaltende Störung nach den Kriterien des ICD-10 feststellen, das Ereignis vom 1
6.
Dezember 2016 habe keinen dauerhaften anhaltenden Gesundheitsschaden verursacht. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht wesentlich ein
geschränkt (
Urk.
7/94 S. 3 f.).
Auf neurologischem Fachgebiet lasse sich keine anhaltende Diagnose stellen. Beim Beschwerdeführer sei es am 1
6.
Dezember 2016 zu einem leichten Schä
del
hirntrauma mit einer kleinen kortikalen Blutung links frontal gekommen, zu
sätzlich zu einer
epiduralen
und einer subduralen Blutung. Die Blutungen hätten sich vollständig resorbiert. Strukturelle Läsionen hätten sich im Schädel-MRI vom
9.
März 2017 nicht mehr nachweisen lassen. Das Schädelhirntrauma sei somit als ausgeheilt zu betrachten. Anhaltend beklagte Beschwerden seien nicht über
wie
gend wahrscheinlich als unfallkausal zu klassifizieren. Gesamthaft bestehe keine unfallbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/94/4).
5.3
Der behandelnde Neurologe Prof.
Dr.
C._
nannte
im Bericht vom 25. Februar 2019 aufgrund seiner Untersuchungen vom 2
1.
März 2017 und vom
23. Januar
2019
als Diagnosen
einen Zus
tand nach Verkehrsunfall am 16.
Dezem
ber 2016 mit (
Urk.
7/120/114):
-
mittelschwerem Schädelhirntrauma bei
Kalottenfraktur
,
Subduralhäma
tom
, Zustand nach Kraniotomie, initial tonisch-klonischem
Krampfanfall
und kognitiven Störungen links-
fronto
-temporal und links-
fronto
-tem
poral betont
-
Thoraxtrauma
mit Kontusion des rechten Lungenunterlappens
-
links posttraumatisch kleinen
Hämosiderinablagerungen
am Kortes des
Tyrus
frontalis
medius
und Veränderungen der
frontotemporalen
Schädel
kalotte gemäss Schädel-MRI vom
9.
März 2017
-
normaler zerebraler Farbduplexsonografie
Prof.
Dr.
C._
hielt fest, der Beschwerdeführer habe i
n der Folge kog
nitive Defizite, nämlich Symptome einer motorischen
Dysphasie
mit semanti
schen
Paraphasien
bemerkt, die nur durch links
fronto
-temporale Hirnfunk
tions
störungen verursacht werden könnten. Zudem verwies
er
auf den Bericht der Verhaltensneurologin
Dr.
med. E._
und der Neuropsychologin
lic
. phil.
F._
vom
5.
Mai 2017 (Urk. 7/59), worin weitere kognitive Minder
leis
tungen, einschliesslich affektiven und Verhaltenssymptomen beschrieben seien; diese wiesen auf Dysfunktionen linksbetont frontaler und
fronto
-temporaler, sub
kortikaler Hirnareale und Regelkreise hin (
Urk.
7/120/114). Für vorbeste
hen
de, neuropsychologische Defizite etwa im Rahmen eines gelegentlichen Drogen-(Kokain
-)Konsums
(vgl. dazu die Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den Gutachtern,
Urk.
7/91/13 unten) ergäben sich keine objektivierbaren Hinweise (
Urk.
7/120/115).
5.4
Der begutachtende Neurologe
Dr.
D._
führte zur Einsprache des Be
schwerdeführers und zum Bericht von Prof. Dr.
C._
am 2
0.
Dezember 2019 aus, es sei unerheblich, ob es zu einem leichten oder zu einem mittel
schweren Schädelhirntrauma gekommen sei. Es komme auf die tatsächlichen Verletzungen und Heilungsvorgänge sowie auf die zum Untersuchungszeitpunkt bestehenden Befunde an. Die ätiologische Zuordnung durch
Dr.
E._
und
lic
. phil.
F._
sei eine mögliche, keinesfalls jedoch eine überwiegend wahr
scheinliche Kausalität (
Urk.
7/123/3). Eine
fronto
-temporal lokalisierte Störung der Hirnfunktion begründe für sich genommen noch keine Unfallkausalität mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit (Urk.
7/123/5). Zudem seien komplexe neuro
psy
chologische beziehungsweise kognitive oder mentale Funktionen nicht auf isolierte Bereiche des zerebralen Kortex zu beziehen. Im Bericht über das Schädel-MRI sei weder von subkortikalen Hirnarealen noch von temporalen Hirnläsionen oder linksbetont frontalen Störungen die Rede, sondern von einer kleinen
Hämo
siderinablagerung
im
Gyrus
frontalis
medius
(
Urk.
7/123/7). Es bestehe nur ein sehr kleiner lokalisierte
r
Defekt im Assoziationskortex, der die kognitivem Min
derleistungen des Beschwerdeführers gerade nicht gesamthaft erklären könne (
Urk.
7/123/8).
6
.
6.1
Mit de
r Expertise
des
B._
vom 2
7.
September 2018 in den Disziplinen Neuropsychologie, Chirurgie/Unfallchirurgie, Psychiatrie und
Neuro
logie
(
Urk.
7/94/5) liegt in medizinischer Hinsicht eine umfassende Begutachtung vor, welche auf den erforderlichen Untersuchungen beruht und unter Berück
sichtigung der geklagten Beschwerden, des Verhaltens des
Beschwerdeführer
s sowie der
Vorakten
erfolgte. Die
medizinischen Zusammenhänge
wurden sowohl bezüglich der somatischen als auch bezüglich der nicht organischen Beschwerden nachvollziehbar aufgezeigt
und
die Beurteilung der
gesundheitlichen Verhält
nisse
und die Frage der Kausalität der geklagten Beschwerden
wurden
schlüssig begründet dargelegt. Auch wurden die getroffenen Schlussfolgerungen ausführ
lich und nachvollziehbar erläutert.
Die Experten legten dar, weshalb die Beur
teilung
en
von Prof. Dr.
C._
beziehungsweise und von
Dr.
E._
die eigene
Einschätzung
nicht entkräfte
n
.
Das polydisziplinäre Gutachten erfüllt damit grundsätzlich alle rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für be
weis
kräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid in somatischer Hinsicht auf die gutachterliche Einschätzung ab und verneinte das Vorliegen von unfallkausalen organisch objektiv ausgewiesenen Folgen des Unfalls (Urk. 2 S. 12). Diese materielle Beurteilung hat der Beschwerdeführer beschwerdeweise nicht substantiiert bestritten, weshalb in Anbetracht des schlüssigen Gutachtens und dessen Ergänzung ohne Weiteres davon auszugehen ist.
Festzuhalten bleibt
, dass die - trotz Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin
im Verwaltungsverfahren
um Beibringung
von
Videosequenzen (
Urk.
7/83/1), - erst beschwerdeweise aufgelegte
Video-
Aufzeichnung des Unfalls (Urk. 3/6), welche laut dem Beschwerdeführer die Schwere des Ereignisses dokumentiert (
Urk.
1 S.
4
f.)
und den Gutachtern nicht vorlag
,
von vornherein
keine zuver
lässige
re
n Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Leistungseinstellung zulässt als die Abklärung durch die medizi
nischen Sachverständigen
.
Insbesondere psychiatrische Beschwerden wie auch die
Folgen
von
Schädelhirntraumen erfordern rechtsprechungsgemäss die
Ge
spräch
e
mit dem Patienten, da der persönliche Eindruck von ausschlaggebender Bedeu
tu
ng
ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_721/2014 vom 2
7.
April 2015 E. 7.3)
. Dieser
Anforderung
kamen
die Experten mit
ihren
ausführlichen und sorgfältigen Be
fragungen des Beschwerdeführers zweifelsfrei
nach
(
Urk.
7/90/7, Urk. 7/91/12-15
,
Urk.
7/92/10-16,
Urk.
7/93/3). Dagegen liegt
dem Bericht von Prof.
Dr.
C._
zwar eine persönliche Untersuchung zu Grunde, aber
es sind ihm
keine nachvollziehbaren anam
nestischen Angaben zu entnehmen. Zudem fehlt eine Auseinandersetzung mit den gutachterlichen Einschätzungen, soweit sich diese nicht mit den eigenen decken
, und allein die neurologische Beurteilung des Be
handlers vermag die Schlussfolgerung der polydisziplinären Untersuchung nicht in
Zweifel
zu ziehen.
Die Beschwerdegegnerin erkannte im Weiteren
mit Blick auf die Kausalitätsbeur
teilung
zu Recht, dass
allein die
Formulierung
«Zustand nach»
beziehungsweise «Status nach»
keine hinreichende Aussage zur Frage der Kausalität
liefern (Urteil des Bundesgerichts U 263/06 vom 2
3.
Juli 2007 E. 4.3.3)
. Ebenso wenig gilt
der von Prof.
Dr.
C._
angeführte Umstand, dass keine Hinweise auf vorbe
stehende Defizite vorlägen (
Urk.
7/108/2)
,
beweisrechtlich
als Unfallursache
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_772/2019 vom
4.
August 2020 E. 4.2.2).
Selbst der Beschwerdeführer vertrat im Übrigen nicht
die
Ansicht, dass die Be
richte von
Dr.
E._
oder von Prof.
Dr.
C._
geeignet wären, vom Gutachten
abweichende
Schlussfolgerungen zu ziehen; vielmehr ersuchte er um Anordnung eines Gerichtsgutachtens (
Urk.
1 S. 2).
Da d
as Gutachten
indes
nach dem
Gesagten
eine verlässliche Beurteilung des Leistungsanspruches de
s
Be
schwerdeführer
s
erlaub
t und ein Gerichtsgutachten
keine neuen
entscheid
rele
vanten
Erkenntnisse verspr
icht
, ist entgegen der Auffassung de
s
Beschwerde
führer
s
(
Urk.
1 S.
10 f.,
Urk.
9 S. 2
) darauf zu verzichten (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 162 E. 1d).
6.2
Nach dem Gesagten hat es bei der Kausalitätsbeurteilung der somatischen Be
schwerden gestützt auf das Gutachten
des
B._
sein Bewen
den. Zu prüfen bleibt, ob die neuropsychologische Störung des Beschwer
defüh
rers, denen die Gutachter die natürliche Kausalität zum Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit absprachen (
Urk.
7/94/3)
,
adäquat
kausal
zum Ereignis ist. Ist dies zu verneinen, erübrigen sich nähere Ausführungen zum natürlichen Kausal
zusammenhang in Bezug auf die nicht organischen Beschwerden.
6.3
Der begutachtende Neurologe schloss aufgrund der echtzeitlichen
Vorakten
(Urk.
7/8-9
) zutreffend,
dass der Beschwerdeführer am 1
6.
Dezember 2016, als er als Fussgänger von einem Personenwagen angefahren wurde, ein Schädelhirn
trauma erlitt. Es sei zu einer kurzen Bewusstlosigkeit für einige Sekunden ge
kommen und anschliessend zu einem epileptischen Anfall. Beim Eintreffen der Ambulanz habe der Glasgow
Coma
Score (GCS) 13 bis 14 betragen
, in der Not
aufnahme durchgehend 15
(vgl.
Urk.
7/12/1-2,
Urk.
7/18)
,
also normal,
sodass er das Schädelhirntrauma
folgerichtig
als leicht einstufte. Für das Ereignis bestehe eine Amnesie
, aber aus
dem MRI vom
9.
März 2017
ersah er
keine strukturellen Läsionen mehr und
er
erachtete das erlittene Schädelhirntrauma dement
spre
chend als ausgeheilt (
Urk.
7/94/4).
Organische Unfallfolgen können daher nicht angenommen werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_636/2018 vom 2
8.
November 2018 E. 4.3), woran auch die Vide
o
aufzeichnungen der
Dashka
mera
nichts ändern, denn so oder anders könnte v
on organisch objektiv ausge
wiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Be
funde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt
würden (BGE 138 V 248 E. 5.1).
6.4
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden wie folgt zu differen
zie
ren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleu
dertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Recht
spre
chung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
(sogenannte Psychorechtsprechung) zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die
zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträch
tigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze (BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
) massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E. 6a und E. 4b festgelegten Kriterien (BGE 123 V 98 E. 2a).
Eine analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt sich gemäss Rechtsprechung nur dann, wenn eine erlittene Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen einer Commotio und einer
Contusio
cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen reichen hierfür nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_270/2011 E. 2.1).
Wie dargelegt
ist eine
Schädigung mindestens im Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri
nicht erstellt.
Die Adäquanz ist folglich gemäss den in BGE 115 V 133 aufgeführten Kriterien zu prüfen.
6.
5
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE
115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf
zwischen
banale
n
beziehungsweise leichte
n
Unfälle
n
einerseits, schwere
n
Unfälle
n
anderseits und schliesslich de
m
dazwischen liegende
n
mittlere
n
Bereich
unterschieden wird
(BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109
E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR
1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszu
lösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver
schlimmert
;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bezie
hungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die mög
licher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten
(BGE
115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
6.
6
Die Beschwerdegegnerin ging von einem mittelschweren Unfall
höchstens im mittleren B
ereich aus
(
Urk.
2 S. 12)
, was
unbestritten blieb
und wovon auszu
gehen ist. Zur Bejahung der adäquaten Kausalität wäre daher erforderlich, dass ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder dass mehrere der nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien ge
geben sind.
6.
7
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_624/2008 vom 12. Dezember 2008 E. 4.3.1). Dabei ist jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). Der Beschwerdeführer legte auch
mit Blick auf die eingereichten
Video-
Aufzeichnungen (Beilage zu
Urk.
3/6)
nicht näher dar, wo
raus sich die besondere Eindrücklichkeit oder besonders dramatische Begleitum
stände ergeben sollen und solche sind aufgrund des
Unfallablaufs
auch nicht ersichtlich.
Bei
den
vom Beschwerdeführer erlittenen
Traumen
handelt es sich nicht um schwere Verletzungen oder um solche, die erfahrungsgemäss geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Anlässlich der Konsultation
im A._
, Klinik für Neurochirurgie, vom 2
7.
Januar 2017
,
klagte der Beschwerdeführer zwar über Schmerzen im Kiefer, doch
verneinte
er
Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
,
und
der zuständige Arzt berichtete von einem erfreulichen Verlauf
(Urk.
7/38/2). Am Folgetag nahm der Beschwerdeführer seine Arbeit wieder in vollem Pensum auf (
Urk.
7/20
).
Es folgten am
9.
März 2017 eine neurologische Untersuchung bei Prof.
Dr.
C._
, der eine neuropsychologische Abklä
rung anregte (
Urk.
7/34), die
Dr.
E._ und
lic
. phil. G._
am
5.
Mai 2
017 durchführte
n
(
Urk.
7/37). Nach der seitens des A._
, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, angeordneten Physiotherapie wurde dort die Behandlung laut Bericht vom 1
2.
Juni 2017 abgeschlossen (
Urk.
7/45). Es kann unter diesen Um
ständen
selbst unter Berücksichtigung der auf die nicht organischen Leiden ge
richteten Behandlungen nicht auf eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden, ein
en
schwierige
n
Heilungsverlauf
geschlossen werden, während die Arbeitsunfähigkeit nicht länger anhielt.
Eine
ärztliche Fehl
behandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte,
ist nicht er
sichtlich.
Damit sind keine Zusatzkriterien erfüllt, womit der adäquate Kausalzu
sammen
hang der geklagten, nicht objektivierbaren Beschwerden zum Unfallereignis nicht gegeben ist, weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht in Bezug auf die psychogenen Beschwerden zu Recht verneint hat.
7
.
Zusammenfassend
hat die B
eschwerdegegnerin
ihre weitere Leistungspflicht
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.