Decision ID: 809d0b56-a12d-56e6-af1b-b9a611ff75d9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ethnischer Tamile aus dem Distrikt B._ –
suchte am 18. Januar 2019 in der Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
sein Vater sei zu Zeiten des Bürgerkrieges Unterstützer der Liberation Ti-
gers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Im Jahr 2013 sei der Vater von An-
gehörigen des Criminal Investigation Department (CID) festgenommen
worden und Tage später tot wieder der Familie übergeben worden. Nach
dem Regierungswechsel habe er sich im Jahr 2016 dazu entschieden, je-
nes Ereignis zur Anzeige zu bringen und diese bei den zuständigen Behör-
den eingereicht. Am Tag nach Einreichung der Anzeige seien Angehörige
des Geheimdienstes zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach ihm
gesucht. In der Folge habe er das Land verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Es ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.
Das Vorbringen des Beschwerdeführers wurde in Bezug auf die fluchtaus-
lösenden Umstände als unglaubhaft erachtet.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 2. Juni 2020 Be-
schwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhe-
bung der vorinstanzlichen Verfügung und die Asylgewährung, eventualiter
die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Mit Urteil E-2847/2020 vom
29. Juli 2020 wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde ab. Es
stützte die Einschätzung der Vorinstanz, dass die Vorbringen nicht glaub-
haft seien.
Für das ordentliche Verfahren wird auf die entsprechenden Akten der Vor-
instanz (...) und die des Beschwerdeverfahrens E-2847/2020 verwiesen.
D.
Mit einer als «demande d’asile multiple» bezeichneten Eingabe vom 4. Ja-
nuar 2021 gelangte der Beschwerdeführer an das SEM. Darin wiederholte
er die mit Beschwerde vom 2. Juni 2020 dargelegten Sachvorbringen und
machte geltend, aufgrund neuer Tatsachen und Beweismittel sei er nun-
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mehr als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Er betä-
tige sich zwischenzeitlich exilpolitisch und habe an diversen Veranstaltun-
gen teilgenommen. Am 31. August 2020 hätten er und andere Teilnehmer
sich vor dem (...) in C._ versammelt und eine (...) an den (...) ein-
gereicht. Darin habe er auf die Lageveränderung seit dem Machtwechsel
Ende 2019 in Sri Lanka aufmerksam gemacht und den Stopp von Rück-
führungen dorthin gefordert. Nach dieser Veranstaltung hätten die sri-lan-
kischen Sicherheitsbehörden seinen Bruder in Sri Lanka aufgesucht, fest-
genommen und befragt. Weiter habe er in den Jahren 2019 und 2020 als
Mitorganisator an zwei grossen Demonstrationen in D._ teilgenom-
men. Zusammen mit einem Kollegen sei er im Kanton E._ für die
Mobilisierung und Koordination zuständig gewesen und habe vor der Ver-
anstaltung Flyer verteilt. Einmal sei er in eine Auseinandersetzung mit eth-
nischen Singhalesen geraten, weshalb die Polizei habe eingreifen müssen.
Auf diversen Fotos sei er an Veranstaltungen in C._ und D._
sowie während der Beantwortung von Fragen der Presse zu sehen. Wäh-
rend der Veranstaltung in C._ sei er von den anderen Teilnehmern
gesehen und mit seinem Namen identifiziert worden.
Er verwies ausserdem darauf, dass Rückkehrer nach Sri Lanka, welche
verdächtigt würden, den LTTE angehört zu haben sowie auch tamilische
Rückkehrer einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt
seien und dies vorliegend auch auf ihn zutreffe. Die Behörden hätten daher
und aufgrund seines Risikoprofils ein ernstzunehmendes Interesse an ihm.
Auch seien die allgemeine Lage in Sri Lanka und die ständigen Menschen-
rechtsverletzungen zu berücksichtigen.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel ein:
 ein Zeugnis von Mitgliedern der Religionsgemeinschaft F._
 Internetauszüge mit teilweise englischer Übersetzung
 ein Schreiben des Bundesrates vom 22. September 2020
 Fotos, welche den Beschwerdeführer an exilpolitischen Veranstal-
tungen in C._ und D._ zeigen
 ein USB-Stick mit zwei Videos, welche den Bruder und die sri-lan-
kischen Sicherheitsbehörden während dessen Einberufung und
Mitnahme zeigen würden
 ein Video von einer exilpolitischen Veranstaltung
 die Kopie einer Aufenthaltsbewilligung B eines sri-lankischen Kolle-
gen.
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E.
Mit Verfügung vom 15. Januar 2021 – eröffnet am 18. Januar 2021 – stellte
das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfülle, wies das als Mehrfachgesuch anhand genommene Gesuch ab,
wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug
der Wegweisung an. Es wurde eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.– erhoben.
Der Antrag auf Anhörung wurde abgelehnt.
F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch
seinen Rechtsvertreter – am 17. Februar 2021 Beschwerde vor dem Bun-
desverwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung des SEM vom 15. Ja-
nuar 2021 sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihm sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde darum
ersucht, dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten. Der bevollmächtigte Rechtsvertreter sei
ihm amtlich beizuordnen. Ferner sei festzustellen, dass der vorliegenden
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zukomme.
G.
Am 19. Februar 2021 wurde der Eingang der Beschwerde bestätigt und
festgehalten, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten könne.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls –
in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31];
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer beruft sich in seinem Gesuch vom 4. Januar
2021 im Wesentlichen auf exilpolitische Tätigkeiten aufgrund derer er die
Flüchtlingseigenschaft erfülle respektive er nunmehr ein Risikoprofil auf-
weise. Die Vorinstanz hat diese Vorbringen zu Recht im Sinne von Art. 3
AsylG im Rahmen eines Mehrfachgesuchs nach Art. 111c AsylG geprüft,
zumal dieses die formellen Voraussetzungen dieser Norm (schriftliche, be-
gründete Eingabe innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft, vgl. dazu:
BVGE 2014/9 E. 4.3 und E. 5.5) erfüllt.
4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM hat zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen er-
wogen, sofern der Beschwerdeführer die Teilnahme an exilpolitischen Ver-
anstaltungen in C._ und D._ geltend mache und in diesem
Zusammenhang Fotos und einen Videoausschnitt einreiche, sei bei Sich-
tung dieser Beweismittel festzustellen, dass das Engagement aller darauf
erkennbarer Personen als niederschwellig zu bezeichnen sei. Ein Gefähr-
dungsprofil lasse sich daraus nicht ableiten, gehe doch weder aus den ein-
gereichten Bildern noch aus dem Video oder aus den Ausführungen zum
angeblichen Engagement des Beschwerdeführers (Mitorganisation und
Koordination von Veranstaltungen, Verteilen von Flyers) hervor, dass er
von regimetreuen Bürgern oder von den sri-lankischen Behörden als re-
gimekritisch und systemrelevant identifiziert worden sei. Es sei nicht davon
auszugehen, dass er das ernsthafte Verfolgungsinteresse der heimatlichen
Behörden in rechtserheblichem Masse geweckt habe und er als konkrete
Bedrohung für das politische System Sri Lankas gelte. Diese Feststellung
gelte ungeachtet bestehender gewisser Zweifel hinsichtlich der eingereich-
ten Fotos und deren Beweistauglichkeit in Bezug auf den Besuch bestimm-
ter Veranstaltungen. Auf das unbelegte Vorbringen, der Beschwerdeführer
sei mit einer Gruppe ethnischer Singalesen in Konflikt geraten, sei nicht
weiter einzugehen. Ebenso könnten auch die zwei Videoaufnahmen von
einem Mann mit zwei Sicherheitsbeamten nicht belegen, dass es sich hier-
bei tatsächlich um den Bruder des Beschwerdeführers handle. Zudem
gehe aus den Aufnahmen nicht hervor, wann und wo sie entstanden seien
und die Videos würden auch keine Rückschlüsse auf den Kontext der fest-
gehaltenen Szenen ermöglichen. Die Videoaufnahmen könnten somit kei-
nen Beleg für eine Bedrohung nach Art. 3 AsylG darstellen. Damit einher-
gehend erübrige es sich auch, auf die geltend gemachte Gefahrenlage der
Familie einzugehen. Gleiches gelte für die Verlinkung von Beweismitteln
und die nicht (vollständig) übersetzten Internetauszüge. Internetlinks, die
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ungültig seien und die der Beschwerdeführer zudem nicht ausgedruckt bei-
gelegt habe, würden als ungenügende Beweismittel gelten. Die nicht über-
setzten Internetauszüge sowie die ungültigen Links würden sich sodann
auch in keinen erkennbaren Zusammenhang mit der Person des Be-
schwerdeführers setzen lassen. Das eingereichte Zeugnis von Mitgliedern
der Religionsgemeinschaft F._ sei als blosses Gefälligkeitsschrei-
ben ohne Beweiswert und somit als untaugliches Beweismittel zu qualifi-
zieren.
Somit sei im Falle des Beschwerdeführers offensichtlich von einem nieder-
schwelligen politischen Engagement auszugehen, welches keine flücht-
lingsrechtlich beachtliche Qualität aufweise. Die Furcht des Beschwerde-
führers, wegen seines exilpolitischen Engagements in Sri Lanka in flücht-
lingsrechtlich relevanter Weise verfolgt zu werden, sei daher unbegründet.
Der Beschwerdeführer weise auch kein Risikoprofil im Sinne der Recht-
sprechung (BVGer-Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) auf.
Dies ergebe sich auch aus der diesbezüglichen rechtskräftigen Feststel-
lung im Asylentscheid vom 12. März 2020 (recte: 30. April 2020) sowie im
Urteil des BVGer vom 12. Mai 2020 (recte: 29. Juli 2020) Auch unter Be-
rücksichtigung der neusten Lageentwicklung in Sri Lanka sei nämlich nicht
davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG drohe.
5.2 In der Beschwerde wurden im Wesentlichen die Ausführungen im Fol-
gegesuch wiederholt. Ausserdem wurde geltend gemacht, das SEM habe
das Schreiben der F._ zu Unrecht als blosses Gefälligkeitsschrei-
ben qualifiziert. Es habe keine Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen. Es
sei daher eine erneute Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen.
Zudem habe das SEM das Profil des Beschwerdeführers hinsichtlich sei-
ner exilpolitischen Tätigkeiten falsch eingeschätzt.
Der Beschwerde lagen drei Fotos bei, auf denen der Bruder des Beschwer-
deführers mit diesem zusammen zu sehen sei.
5.3 Vorab lässt sich feststellen, dass die Vorinstanz nicht verpflichtet war,
den Beschwerdeführer zu den im Rahmen seines Gesuchs neu dargeleg-
ten Verfolgungsgründen anzuhören, da eine Anhörung gemäss
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Art. 29 AsylG im Falle eines Mehrfachgesuchs grundsätzlich nicht vorge-
sehen ist (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Der Antrag auf Anhörung des Be-
schwerdeführers ist daher abzuweisen.
5.4
5.4.1 Neue Asylgründe im Sinne von Art. 110c AsylG, sind dann gegeben,
wenn sich diese nicht auf ein vorangegangenes rechtskräftig abgeschlos-
senes Asylverfahren beziehen (vgl. BVGE 2014/39 E.4.6).
5.4.2 Das erste Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde in einem or-
dentlich durchlaufenen Asylverfahren rechtskräftig abgewiesen. Die abwei-
sende Verfügung des SEM vom 30. April 2020 wurde mit Urteil E-
2847/2020 vom 29. Juli 2020 im Ergebnis bestätigt und die Beschwerde
des Beschwerdeführers abgewiesen. Es wurde rechtskräftig festgestellt,
dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, weil er
insbesondere seine individuelle Gefährdungssituation (Suche nach seiner
Person, nachdem er wegen dem Tod seines Vaters Anzeige bei der Polizei
erstattet habe) nicht glaubhaft machen konnte (vgl. a.a.O. E. 7.1). Sofern
die Begründung seines Folgegesuchs sowie auch jene in der Beschwerde
sich in blossen Wiederholungen von (unbelegten) Vorfluchtgründen er-
schöpft, die im ordentlichen Verfahren schon einer eingehenden Prüfung
unterzogen sowie für unglaubhaft befunden worden sind, ist hierauf nicht
weiter einzugehen. Das vorliegende Verfahren dient nämlich nicht dazu,
solche Vorbringen einer nochmaligen Beurteilung zuzuführen.
5.4.3 Was die im Schreiben der F._ erwähnte Mitgliedschaft des Va-
ters bei der LTTE sowie Behelligungen der Familie anbelangt, ist festzuhal-
ten, dass die LTTE-Zugehörigkeit durch das SEM als nicht glaubhaft und
vom Bundesverwaltungsgericht ungeachtet dessen als in flüchtlingsrecht-
licher Hinsicht nicht relevant erachtet wurde. Wenn sich der Beschwerde-
führer nun in seinem Folgesuch auf erwähntes, undatiertes Schreiben be-
ruft, welches die bereits geltend gemachte LTTE-Mitgliedschaft des Vaters
sowie die Behelligungen von ihm und – nunmehr auch – seiner Familie
bestätigen soll, so wäre dieses Dokument an sich durch das SEM nicht
unter dem Aspekt von Art. 111c AsylG zu prüfen gewesen, da damit nicht
neue Asylgründe, sondern allenfalls Revisionsgründe respektive revisions-
ähnliche Gründe (im Sinne einer qualifizierten Wiedererwägung) vorge-
bracht werden. Ungeachtet dessen ist aber dem SEM beizupflichten, dass
es sich dabei um ein Gefälligkeitsschreiben handelt dem kaum Beweiswert
in Bezug auf die geltend gemachte, im Jahr 2016 erfolgte Suche nach ihm,
wird doch im Schreiben lediglich pauschal von Behelligungen gegenüber
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dem Beschwerdeführer nach dem Tod seines Vaters (im Jahr 2013) sowie
– in Widerspruch zu den ursprünglichen Ausführungen des Beschwerde-
führers – auch von Behelligungen der ganzen Familie gegenüber gespro-
chen. Zum Beleg eines Gefährdungsprofils des Beschwerdeführers ist das
Schreiben daher nicht geeignet.
5.4.4 Soweit im Folgegesuch neu geltend gemacht wird, der Beschwerde-
führer betätige sich in der Schweiz exilpolitisch und nehme an Veranstal-
tungen teil, was Behelligungen seines Bruders in Sri Lanka zur Folge ge-
habt habe, und weswegen er nunmehr ein Risikoprofil aufweise, kann –
zwecks Vermeidung von Wiederholungen – vollumfänglich auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. SEM Vorhaben
act. [...]6/10 Ziff. IV, S. 4 f.). Festzustellen ist, dass auch die diesbezügli-
chen Beschwerdeausführungen, die sich nicht in substanziierter Weise mit
der Argumentation der Vorinstanz auseinandersetzen, sondern die Vorbrin-
gen im Wesentlichen wiederholen, nicht geeignet sind, zu einer anderen
Einschätzung zu führen.
Als wesentlich wird insbesondere erachtet, dass der Beschwerdeführer in
diesem Zusammenhang geltend machte, nach der Teilnahme an einer exil-
politischen Veranstaltung in der Schweiz sei er identifiziert worden und sein
im Heimatstaat lebender Bruder sei seinetwegen von Sicherheitskräften
mitgenommen und befragt worden. Dieses Vorbringen wurde aber weder
im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene ausreichend
substanziiert. Und auch die in diesem Zusammenhang beim SEM einge-
reichten beiden Videomitschnitte, die das Gericht gesichtet hat, sind – wie
das SEM zutreffend festgestellt hat – nicht tauglich zum Beweis einer Ge-
fährdungssituation, weder den Beschwerdeführer betreffend noch dessen
Bruder, um den es sich bei der aufgenommenen Person handeln soll. An
dieser Einschätzung vermögen die auf Beschwerdeebene eingereichten
Fotos des Bruders nichts zu ändern, zumal die Person in den Videomit-
schnitten kaum erkennbar und damit ein Vergleich von Vornherein nicht
möglich ist. Selbst davon ausgehend, dass es sich bei dem Videomitschnitt
um den Bruder handelt, ist damit nicht besagt, dass der Grund der (zeitlich
und inhaltlich nicht konkretisierten) Mitnahme des Bruders auf den De-
monstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers in der Schweiz beruht.
5.4.5 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich eine allgemeine Gefähr-
dungslage für nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende
nach der Machtergreifung des Rajapaksa-Clans geltend macht, bildete
dies bereits Gegenstand der Beurteilung im Urteil E-2847/2020. Es kann
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darauf als res iudicata verwiesen werden. Auch das – als unverändert zu
erachtende – Risikoprofil des Beschwerdeführers bildete Gegenstand die-
ses Urteils (a.a.O. E. 7.3).
5.5 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine nach dem rechtskräfti-
gen Abschluss seines ordentlichen Asylverfahrens entstandenen Gründe
geltend machen, die in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft zu einer
anderen Würdigung führen könnten.
6.
Nachdem der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
Verfügung wurde auch die Wegweisung vom SEM zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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Seite 11
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts – nach wie
vor – nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer
E- 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler: Urteil BVGer
E- 895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten
auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Mass-
nahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Background
Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland)
hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran ver-
mögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seither ver-
änderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug er-
weist sich somit als zulässig.
E-704/2021
Seite 12
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu vor-
stehend E. 7.4 sowie statt vieler: Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April
2020 E. 9.3).
7.4.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer ist jung und
soweit aktenkundig gesund (vgl. SEM-Akte A13/13 F74). Seine Mutter und
seine Geschwister wohnen gemäss seinen Angaben in G._, Distrikt
B._ (vgl. SEM-Akte A4/11 Ziff. 3.01), mithin verfügt er dort über ein
familiäres Beziehungsnetz. Er hat das A-Level abgeschlossen und als (...)
(...) gearbeitet und (...) betrieben (vgl. a.a.O. Ziff. 1.17.04). Es ist –entge-
gen der Auffassung in der Beschwerde – somit nach wie vor nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka in eine existentielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zumutbar.
7.5 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Identitätskarte und es obliegt
ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates weitere für
eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8
Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Weg-
weisung ist auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
E-704/2021
Seite 13
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Der Antrag, es sei festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende Wir-
kung zukomme, ist mit vorliegendem Entscheid gegenstandslos geworden.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
10.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG sind abzuweisen, da sich die in der
Beschwerde gestellten Begehren als zum vornherein aussichtslos erwei-
sen.
10.3 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 14