Decision ID: 42f2f837-d729-4874-b994-b80baecdf688
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1964
geborene X._
war
seit dem 1. Juli 2019
bei der
Y._ AG in Z._
als Aushilfsangestellter
beschäftigt
(
Urk. 10/1
) und über seine
Arbeitgeberin bei der SWICA Krankenversicherung AG (
nachfolgend: SWICA) im Rahmen einer kollektiven Krankentaggeldversicherung gemäss dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (Versicheru
ngsvertragsgesetz, VVG) taggeld
versichert (Urk. 10/
156
).
Mit Krankmeldung vom 19. März 2020
meldete die Arbeitgeberin der SWICA, dass der Versicherte seit 24. Februar 2020 krank
heitsbedingt vollständig arbeitsunfähig sei
(Urk. 10/1)
.
Im Anschluss an die tele
fonische Erstabklärung vom 20. April 2020 (Urk. 10/5) holte die SWICA zur Klä
rung ihrer
Leistungspflicht
Arztberichte ein
(Urk. 10/13, 10/22, 10/31-10/34)
und
richtete Taggelder aus (
vgl. auch
Urk.
10/
66
).
Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Versicherten und der
Y._
AG wurde per
31. Dezember 2020
aufgelöst (Urk. 10/
76
).
Infolge einer Anmeldung des Versicherten bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle (Urk. 10/14 und 10/38)
,
stellte die
S
WICA einen Antrag
auf Verrechnung ihrer Krankentaggeldleistungen mit allfälligen Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 10/19).
Mit Schreiben vom 24. November 2020 veranlasste die SWICA sodann eine ver
trauensärztliche Untersuchung des Versicherten (Urk.
10/40-10/43); Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychia
tri
sches Gutachten am 4. Januar 2021 (Urk. 10/57).
Mit Schreiben vom 26. Januar 2021
teilte die SWICA dem Versicherten mit, die medizinische Beurteilung habe ergeben, dass er ab 1. Februar 2021 wieder zu 100 % arbeitsfähig sei, weshalb ab diesem Datum kein Anspruch auf Krankentaggelder mehr bestehe (Urk. 10/66).
1.2
Infolge einer
Hospitalisation
reichte der Versicherte am 6. April 2021 bei der SWICA einen weiteren Arztbericht (Urk. 10/79
; vgl. auch Urk. 10/100
) sowie
die
Stellungnahme
seines
behandelnden Arztes
, Dr. med. (BIH) B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
zur Beurteilung von Dr. A._
ein (Urk. 10/82).
Dieser wiederum nahm am 29. April 2021 Stellung zur Einschätzung von Dr.
B._
und hielt fest, er erachte eine neuropsychologische Unter
suchung als
nicht
erforderlich (Urk. 10/86).
Alsdann reichte der Versicherte am 4. Juni
2021
sowie am 11. Juni
2021 weitere Arztbericht
e
ein (Urk. 10/91
und 10/96
)
, woraufhin die SWICA am 9. Juni 2021 eine Aktenbeurteilung
durch
Dr. med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neu
rologie,
vornehmen
liess
(Urk. 10/93)
;
in seiner
Aktenbeurteilung
vom
13. Juli 2021
empfahl
Dr.
C._
, den Versicherten
sowohl
neurologisch
als
auch neuro
psychologisch
begutachten zu lassen
(Urk. 10/104)
.
In der Folge veranlasste die SWICA eine neurologische sowie eine neuropsychologische Untersuchung des Versicherten (Urk. 10/128); Dr.
C._
erstattete sein neurologisches Gutachten am 17. September 2021 (Urk. 10/132),
Dr. sc. hum. D._
, Fachpsycholo
gin für Neuropsychologie FSP, erstattete ihr neuropsychologisches Gutachten am 3. Oktober 2021 (Urk. 10/136).
Am 15. Oktober 2021
beauftragte die SWICA die E._
AG mit der Observation des Versicherten
(
Observationsbericht
vom 11. November 2021,
Urk. 10/146
)
und veranlasste am 22. November 2021 eine anschliessende Aktenbeurteilung
aus neurologischer Sicht
durch
Dr. me
d. F._
, Facharzt
für
Neuro
logie, und Dr. med. G._
, Fach
arzt
für
Innere Medizin,
Zentrum H._
,
welche
am 1. Februar 2022
erstattet wurde
(Urk. 10/160
; Beant
wortung der Zusatzfragen am 25. Februar 2022, Urk. 10/161
).
Mit Schreiben vom 25. Januar 2022 stellte die IV-Stelle der SWICA eine Kopie ihres Vorbescheids zu, worin sie dem Versicherten
die
Zusprache
einer
ganze
n
Rente der Invalidenversicherung
in Aussicht stellte (Urk. 10/157).
2.
Mit Eingabe vom 1. Dezember 2021 erhob der Versicherte Klage gegen die SWICA und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm die vertraglichen Taggelder für die Zeitperiode von 1. März 2021
(richtig: 1
.
Februar 2021)
bis jedenfalls 30. November 2021 zuzüglich 5 % Zins ab 13. November 2021 zu bezahlen, unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten (Urk. 1
S.
2 und
S.
7
f.
).
Mit Klage
antwort vom 1. April 202
2
beantragte die Beklage die Abweisung der Klage, even
tua
liter die Anordnung einer medizini
schen Begutachtung durch das Gericht, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers (Urk. 9)
und
reichte
die Akten ein (Urk. 10/1-163)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art. 2 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes betreffend die Auf
sicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsaufsichtsgesetz [KVAG]) dem VVG und sind privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1). Kollek
tive Kranken
taggeld
versicherungen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren
Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (BGE 142 V 448 E. 4.1).
1.2
Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitig
keiten über den Anspruch aus einer Zusatzversicherung sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt diese Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
GSVGer
; vgl. auch BGE 138 III 2 E. 1.2.2).
Die für das Sozialversicherungsgericht verbindliche Regelung der örtlichen Zu
ständigkeit im Bereich der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung findet sich in Art. 32 ZPO. Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsumentenver
trägen, worunter regelmässig auch Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen fal
len (Urteil des Bundesgerichts 4A_695/2011 vom 18. Januar 2012 E. 3.1), das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (Art. 32 Abs. 1
lit
. a ZPO).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unstr
ittig gegeben (vgl. Urk. 1 S. 2 f.
).
1.3
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei nach Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO das vereinfachte Verfahren zur Anwendung gelangt und die Klage direkt – mithin ohne vorgängiges Schlichtungsverfahren – beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Nach Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO untersteht die Streitigkeit der Untersuchungsmaxime. Danach stellt das Gericht den Sach
verhalt von Amtes wegen fest. Nach dem Willen des Gesetzgebers ist das Gericht im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO allerdings nur einer erhöhten Fragepflicht unterworfen (vgl. Art. 247 Abs. 1 ZPO). Wie unter der Verhandlungsmaxime müssen die Parteien folglich selbst den Stoff beschaffen; das Gericht kommt ihnen lediglich mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen Behauptungen und die entsprechenden Beweismittel genau aufgezählt werden, es ermittelt jedoch nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt vertreten, kann und muss sich das Gericht ihr gegen
über wie bei der Geltung der Verhandlungsmaxime zurückhalten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom 23. März 2017 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 141 III 569 E. 2.3.1-2.3.3 und die dortigen Verweise).
Im Übrigen gelten die Bestimmungen der ZPO für das ordentliche Verfahren sinn
gemäss für das vereinfachte Verfahren, soweit die ZPO für letzteres nichts
anderes
bestimmt (Art. 219 ZPO).
1.4
1.4.1
N
ach Art. 8 des Schweizerisches Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demnach hat die Partei, die einen An
spruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden respektive rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet.
1.4.2
Im Rahmen des Versicherungsvertrages hat somit der Anspruchsberechtigte die Tatsachen zur Begründung des Versicherungsanspruchs (Art. 39 VVG) zu be
haupten und zu beweisen. Dem Versicherer steht sodann das Recht auf Gegen
beweis zu; für dessen Gelingen ist nur erforderlich, dass der Hauptbeweis er
schüttert wird (Urteil des Bundesgerichts 4A_592/2015 vom 18. März 2016 mit Hinweisen).
Nach diesen Grundsätzen sind konkret der Eintritt des Versicherungs
falles wie auch der Umfang des Anspruchs vom Anspruchsberechtigten zu be
weisen. Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung be
rechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberech
tigten unverbindlich machen (BGE 141 III 241 E. 3.1; 130 III 321 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_432/2015 vom 8. Februar 2016 E. 2.1). Daran ändert nichts, dass der Versicherer zunächst Taggelder ausbezahlt hat. Macht dieser gel
tend, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die versicherte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht der Versicherer, sondern die versicherte Person die Beweislast (Urteile des Bundesgerichts 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E. 2.2; 4A_243/2017 vom 30. Juni 2017 E. 3.2.2). Der Versicherer kann den Gegenbeweis antreten, etwa in
dem er die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit nachweist; dabei handelt es sich jedoch nicht um einen von ihm zu erbringenden Hauptbeweis (Urteil des Bundesgerichts 4A_66/2017 vom 14. Juli 2017 E. 3.2).
1.4.3
Der Beweis gilt dabei als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven Gesichts
punkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute Gewissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht am Vor
liegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allen
falls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen. Ausnahmen von diesem Regelbe
weismass, in denen eine überwiegende Wahrscheinlichkeit als aus
reichend be
trachtet wird, ergeben sich einerseits aus dem Gesetz selbst und
sind
andererseits durch Rechtsprechung und Lehre herausgearbeitet worden. Im Zu
sammenhang mit dem Eintritt des Versicherungsfalls geht die Rechtsprechung davon aus, dass namentlich bei der Diebstahlversicherung in der Regel eine Be
weis
not gegeben ist, so dass sich die Herabsetzung des Beweismasses recht
fertigt. Dies gilt hin
gegen nicht für eine behauptete Arbeitsunfähigkeit, welche ohne
wei
teres mit einem entsprechenden Zeugnis bewiesen werden kann. Dies
bezüglich gilt das ordentliche Beweismass der vollen Überzeugung (Urteil des Bundes
gerichts 4A_117/2021 vom 31. August 2021 E. 3.3.1).
1.4.4
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numerus
clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO ledigli
ch die Bestimmungen über Kinder
belange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Beweismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2),
was auch für Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, gilt (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017 E. 3.2 am Ende).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss
Art. 130
Abs. 1
ZPO
sind dem Gericht Eingaben in Papierform oder elek
tronisch einzureichen und zu unterzeichnen
.
Um das unerlässliche Erfordernis der Schriftlichkeit zu erfüllen und damit gültig eingereicht und beachtlich zu sein,
muss
die
Eingabe
von der Partei oder von der
gehörig bevollmäch
tigten
Ver
tre
tung der Partei entweder eigenhändig unterzeichnet (Art. 13 und Art. 14 Abs. 1 des O
bligationenrechtes
[OR]
) oder mit einer anerkannten elektronischen Signatur versehen werden (Art. 14 Abs. 2
bis
OR; vgl.
Julia
Gschwend
, in:
Spühler
/
Tenchio
/
Infanger [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kommen
tar, 3. Auflage, Basel 2017, Art. 130 N 3
; ferner Roger Weber, in: Oberhammer/
Domej
/Haas [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kurzkommentar, 3. Auflage, Basel 2021, Art. 130
-132
N
3
).
Unter Eingaben im Sinne von Art. 130-132 ZPO fallen dabei die schriftlich zu erstattenden Eingaben, welche im Hinblick respektive in Zusammenhang mit einem beim Gericht einzuleitenden oder bereits hängigen Verfahren stehen und von Bedeutung sind, so namentlich
Klageschriften, Klageantworten, Replik- und
Duplikschriften
(
Gschwend
, a.a.O., Art. 132 N 2; Weber, a.a.O., Art. 130-132 N 2).
2.1.2
Fehlt die Unterschrift, führt dieses Fehlen nicht zwingend zur
Unbeachtlichkeit
d
er Eingabe, sondern es ist der betroffenen Partei respektive ihrer Vertretung eine angemessene Nachfrist zur Behebung des Mangels anzusetzen
(
Gschwend
, a.a.O., Art. 132 N 10)
.
Dies gilt indes nicht in denjenigen Fällen, in denen die Unter
schrift zwar
angebracht worden ist, es sich dabei jedoch um eine
nicht
rechtsge
nüglich
angebrachte Unterschrift handelt.
Wie das Bundesgericht anlässlich einer per Fax eingereichten Eingabe entschied
en hatte
,
ist von einer Nachfrist für die eigenhändige Unterzeichnung
dann
abzusehen, wenn eine per Fax eingereichte Eingabe zwangsläufig bloss eine Fotokopie der Unterschrift aufweist und daher das Erfordernis der Schriftlichkeit nicht erfüllt, zumal in diesem Fall die Unter
schrift nicht versehentlich unterlassen, sondern nicht rechtsgültig angebracht worden ist
(
BGE 121 II 252 E. 4b;
Gschwend
, a.a.O., Art. 132 N 11; ferner Weber, a.a.O., Art. 130-132 N 4)
.
Anders als beim Versand einer nicht unterzeichneten Eingabe reicht der gerichtsgewandte Verfasser in der Regel allerdings bewusst, oder zumindest nicht unverschuldet, eine mangelhafte Eingabe ein und ein nicht nur versehentlich produzierter Mangel ist nicht heilbar (
Gschwend
, a.a.O., Art. 132 N 6;
Weber, a.a.O., Art. 130-132 N 4
und N 18b
; vgl. auch BGE 121 II 252 E. 4b, wonach
sich
ein solches Vorgehen an der Grenze zum Rechtsmiss
brauch
bewege
, zumal
eine
P
artei, die wissentlich eine mangelhafte Eingabe ein
reiche und d
arauf vertrau
e
, dass ihr eine Frist zur Nachbesserung angesetzt
werde
, in Wahrheit mit einer Verlängerung der Eingabefrist rechne
).
Das Ansetzen einer Nachfrist
zur
rechtsgenüglichen
Unterzeichnung
fällt
diesfalls
höchstens
bei
ein
er prozessunerfahrenen Partei in Betracht
(
Gschwend
, a.a.O., Art. 132 N
11
;
ferner
Weber, a.a.O., Art. 130-132 N
4
)
oder
aber
wenn das Gericht den Fehler bemerkt, solange eine Frist noch läuft
(BGE 142 V 152 E. 4.6 f.; Weber, a.a.O., Art. 130
132 N 4
und N 8
).
2.1.3
Nach Art. 132 Abs. 1 ZPO
sind Mängel wie eine fehlende Unterschrift grundsätz
lich innert einer gerichtlich angesetzten Nachfrist zu verbessern, andernfalls gilt die Eingabe als nicht erfolgt. Das Ansetzen einer Nachfrist entfällt indes bei nicht versehentlich oder nicht unverschuldeten Mängeln (vgl. E. 2.1.2)
. Die Säumnis
folge besteht alsdann in der Fortführung des Verfahrens, wie wenn die Eingabe nicht erstattet worden wäre (Weber, a.a.O., Art. 130-132 N 18
und N 18b
).
2.2
2.2.1
Die
Klageantwort vom 1. April 2022 (Urk. 9)
wurde
von I._
unter
zeichnet (Urk. 9 S. 4)
, welcher gemäss Auszug aus dem Handelsregister für die Beklagte
zwar
z
eichnungsberechtigt ist, jedoch
nicht
über eine Einzelzeichnungs
berechtigung
, sondern
bloss
über eine Kollektivunterschrift zu zweien verfügt
(vgl.
Urk. 11
S. 5
).
Dies bedeutet, dass er die Beklagte zwar vollumfänglich ver
treten kann, allerdings nur zusammen mit einer anderen Person, welche gemäss Handelsregister ebenfalls zeichnungsberechtigt ist.
2.2.2
Da die Klageantwort unterzeichnet ist, handelt es sich vorliegend
nicht um
den Fall
eine
r
versehentlich oder unverschuldet nicht unterzeichnete
n
Eingabe, son
dern um
den Fall
eine
r
nicht rechtsgültig angebrachte
n
Unterschrift, indem
ent
gegen der aus dem Handelsregisterauszug ersichtlichen Zeichnungsart
auf die Unterschrift durch einen zweiten Zeichnungsberechtigten verzichtet wurde.
Da es rechtsprechungsgemäss bereits an einem unverschuldeten Versehen fehlt, wenn sich ein ausländischer Rechtsvertreter nicht über die einzuhaltende Form erkundigt hat (BGE 142 IV 299 E. 1.3.5; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts 5A_2008 vom 16. September 2008 E. 3.4; Weber, a.a.O., Art. 130-132 N 4)
,
ist
ein unverschuldetes Versehen
bei der Beklagten
, welche vor dem hiesigen Gericht bereits häufig Parteistellung innehatte (und innehat) und zwar sowohl als Beklagte als auch als Klägerin (vgl. statt vieler
die
Verfahrens-Nr. KK.2021.00008, KK.2020.00054, KK.2019.00028, KK.2018.00034, KK.2017.00048),
klar zu ver
neinen.
Dies gilt umso mehr,
als die Beklagte bereits im Rahmen eines anderen Ver
fahrens auf ihre
nicht rechtsgültig
unterzeichnete Klageantwort hingewiesen worden war (Verfahrens-Nr. KK.2020.00054 E. 2.1 des Sachverhaltes) und
als die
Zeichnungsart
aus dem Handelsregisterauszug
unmissverständlich
ersichtlich
ist
, es dem für die Beklagte Unterzeichnenden folglich ohne weiteres möglich ge
we
sen wäre,
die Klageantwort
rechtsgenüglich
(kollektiv zu zweien)
innerhalb der zweifach erstreckten Frist (vgl. Urk.
6 und 7
)
zu unterzeichnen.
2.2.3
Die Beklagte
vermag
denn auch keine der beiden Varianten, in denen eine Nach
frist dennoch anzusetzen
gewesen
wäre, für sich in Anspruch zu nehmen.
So fällt zunächst d
as Ansetzen einer Nachfrist
für prozessunerfahrene Parteien
(vgl.
E.
2.1.2)
ausser Betracht, zumal es sich bei der Beklagten
angesichts der vielen vor diesem Gericht bereits geführten
Verfahren
(vgl. E. 2.2.2)
gerade nicht um eine prozessunerfahrene Partei handelt.
Ebenso wenig
war es ihr möglich,
den Mangel innert laufender Frist zu verbes
sern,
weil
das hiesige Gericht den Mangel der
rechtsungenüglichen
Unterschrift nicht innert
Frist entdeckt hatte
(vgl. E. 2.1.2)
.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2021 (Urk. 4) wurde der Beklagten eine Frist von 30 Tagen ab Zustellung der Verfügung zur Erstattung ihrer Klageantwort angesetzt; die Verfügung wurde der Beklagten am 15. Dezember 2021 zugestellt (Urk. 5)
,
folglich
begann die Frist von 30 Tagen am 16. Dezember 2021 zu laufen. Mit Eingabe
n
vom 27. Januar 2022
(Urk. 6) und vom 28. Februar 2022 (Urk. 7) ersuchte die Beklagte um Gewährung eine
r
Fristerstreckung um jeweils 30 Tage
, wobei ihr letztere bis 1. April 2022
mit dem Hinweis, dass mit einer
wei
teren Fristerstreckung nicht gerechnet werden könne,
bewilligt worden war
.
Die Beklagte erstattete ihre Klageantwort sodann am
Freitag,
1. April 2022,
mithin
am letzten Tag de
r erstreckten Frist.
Angesichts dessen war es dem hiesigen Gericht nicht möglich, den Mangel der
rechtsunge
nüglichen
Unterschrift
noch am selben Tag
zu entdecken
, weshalb
die Beklagte den Mangel nicht mehr innert Frist beheben konnte.
2.3
Nach dem Gesagten
ist die nicht
rechtsgenüglich
unterzeichnete Klageantwort der Beklagten (Urk. 9) nicht beachtlich
(vgl. E. 2.1.3)
.
Dies hat zur Folge, dass
die vom Kläger
in der Klage vom 1. Dezember 2021 (Urk. 1)
behauptete Sachverhalts
darstellung nicht bestritten
ist, was zur Gutheissung der Klage führt.
3.
Im Übrigen ist die Beklagte darauf hinzuweisen, dass
das
von ihr gestützt auf den Observationsbericht vom 11. November 2021 (Urk. 10/146) veranlasste Akten
gutacht
en
durch Dr.
F._
und Dr.
G._
vom 1. Februar 2022 (Urk. 10/160 f.) die – ebenfalls von ihr in Auftrag gegebenen – Gutachten von Dr.
C._
und Dr.
D._
vom 17. September 2021 und vom 3. Oktober 2021 (Urk. 10/132 und 10/136)
kaum zu entkräften
vermöchte
.
Dr.
C._
stellte in seinem Gutachten die Diagnose
n
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen auf
grund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns: sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8) mit/bei rezidi
vierenden ischämischen
zerebrovaskulären
I
nsulten
;
a
ndere psychische Störun
gen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns und der kör
perlichen Krankheit: organisch bedingte affektive Störung (ICD-10: F06.3) schweren Ausmasses mit/bei rezidivierenden ischämischen
zerebrovaskulären
I
nsulten;
aktenkundig mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung (ICD-10: F06.8
;
vgl. Urk. 10/132 S. 63) und attestierte aufgrund dieser Diagnosen dem Kläger eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in seiner angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 10/132 S. 81 und S. 84).
Diese Dia
gnosen stellte er aufgrund der von ihm erhobenen
neurologischen und psychia
trischen
Befunde
;
auch nahm
er
in seiner anschliessenden Beurteilung Bezug auf die
Vorakten
(besonders auf die Ergebnisse der MRT-Untersuchungen)
,
setzte sich ausführlich mit diesen – und insbesonder
e mit dem Gutachten von Dr. A._
– auseinander und hielt ausdrücklich fest, es lägen keine Hinweise auf Inkon
sis
tenzen vor (Urk. 10/132 S. 80 f.), vielmehr ergebe sich in der G
esamt
schau ein kon
sistentes und schlüssiges
Bild (Urk. 10/136 S. 7).
Darüber hinaus decken sich
d
ie von Dr.
C._
beobachtete gebeugte Körperhaltung,
das verlang
samte Gang
bild
sowie die wenig lebhafte Mimik (Urk.
10/
132 S. 58
und S. 60
)
mit den im Observationsbericht festgehaltenen Beobachtungen
, wonach
die Gesamter
scheinung des Klägers «eher nicht vital» sei,
wozu der leicht gekrümmte Rücken, der oftmals gesenkte Kopf sowie die Unterarmgehstütze beitragen wür
den (Urk. 10/146 S. 8). Auch wenn im Observationsbericht festgehalten wurde, der Be
we
gungsablauf erscheine flüssig und gleichmässig, wird dennoch ein mehr
heit
lich gemächliches Schritttempo beschrieben (Urk. 10/146 S. 8).
Angesichts
dessen vermag die Aktenbeurteilung von
Dr.
F._
und Dr.
G._
, welche
einzig
aufgrund der offenbar nicht durchwegs eingesetzten Unterarmgehstütze sowie des Umstandes, dass der Kläger beim Überqueren der Strasse zügiger zu gehen und einmal für
wenige
Meter zu joggen vermochte
(Urk. 10/146 S. 8 f.)
,
fest
hielten, die geschilderte Gehbehinderung
lasse sich nicht mit den Ergebnissen der Observation vereinbaren
und sei nicht organischer Genese
(Urk. 10/160 S. 17; Urk. 161 S. 2)
,
das Gutachten von Dr.
C._
jedenfalls
kaum
zu entkräften.
4.
Gemäss Art. 114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos. Diese Bestimmung betrifft indes nur die Gerichtskosten, nicht jedoch die Parteientschädigung an die Gegen
partei (in BGE 137 III 47 nicht publizierte E. 2.1 des Urteils des Bundesgerichts 4A_194/2010 vom 17. November 2010). Die Bemessung der Parteientschädigung richtet sich nach § 34
GSVGer
sowie den §§ 1, 6 und 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
).
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rück
sicht auf den Streitwert (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Als weitere Bemessungskriterien nennt § 7
GebV
SVGer
den Zeitauf
wand und die Barauslagen.
Entsprechend dem Verfahrensausgang
hat der vertretene Kläger Anspruch auf eine Parteientschädigung
, welche
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und
bei Anwendung des gerichts
üblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr. 1’
7
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.