Decision ID: f18163fa-e66b-49fa-ac76-1dc250f06a98
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das SEM mit Verfügung vom 7. Juni 2021 gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Gesuchstellers vom
1. April 2021 nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der Schweiz nach
Tschechien anordnete,
dass der Gesuchsteller am 14. Juli 2021 nach Tschechien überstellt und
gegen ihn ein Einreiseverbot gültig bis am 13. Juli 2024 verhängt wurde, er
jedoch am 29. März 2022 wieder in die Schweiz einreiste,
dass gegen den Gesuchsteller am 1. April 2022 eine Vorbereitungshaft
nach Art. 76a Abs. 3 Bst. a AIG (SR 142.20) angeordnet wurde,
dass das SEM am 5. April 2022 die tschechischen Behörden um Wieder-
aufnahme des Gesuchstellers ersuchte und diese das Ersuchen am
13. April 2022 guthiessen,
dass der Gesuchsteller am 6. April 2022 (Eingang SEM: 8. April 2022) ein
schriftliches Asylgesuch einreichte,
dass ihm das SEM am 13. April 2022 das rechtliche Gehör zu einem er-
neuten Nichteintretensentscheid gewährte und er von der Gelegenheit mit
Schreiben vom 27. April 2022 Gebrauch machte,
dass die von ihm am 13. April 2022 mandatierte Rechtsvertreterin dem
SEM am 27. April 2022 die Übernahme des Mandats anzeigte und um Ein-
sicht in die Verfahrensakten sowie um Gewährung einer Fristerstreckung
für die Einreichung einer Stellungnahme ersuchte,
dass das SEM mit Verfügung vom 2. Mai 2022 gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch (Mehrfachgesuch) des Gesuchstellers
vom 8. April 2022 nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der Schweiz
nach Tschechien anordnete,
dass die Verfügung des SEM der Rechtsvertreterin des Gesuchstellers am
4. Mai 2022 eröffnet wurde,
dass der Gesuchsteller persönlich die Verfügung des SEM mit Beschwerde
an das Bundesverwaltungsgericht vom 18. Mai 2022 (Poststempel) ange-
fochten und am 19. Mai 2022 (Poststempel) eine Beschwerdeergänzung
nachgereicht hat,
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dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2276/2022 vom 23. Mai
2022 auf die Beschwerde des Gesuchstellers vom 18. Mai 2022 wegen
offensichtlicher Unzulässigkeit nicht eintrat, da diese nicht innerhalb der
Beschwerdefrist von fünf Arbeitstagen (Art. 108 Abs. 3 AsylG) eingereicht
worden war,
dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 26. Mai 2022 (Datum Poststem-
pel: 27. Mai 2022) das Bundesverwaltungsgericht um Wiederherstellung
der Beschwerdefrist ersuchte,
dass er in prozessualer Hinsicht zudem sinngemäss um Erlass der mit Ur-
teil D-2276/2022 vom 23. Mai 2022 auferlegten Verfahrenskosten sowie
um Befreiung von der Bezahlung der Kosten im vorliegenden Verfahren
ersuchte,
dass er zum Nachweis, dass er sich bis zum 10. Mai 2022 in Haft befunden
habe, ein Schreiben des Migrationsamtes B._ vom 9. Mai 2022 und
einen Kontoauszug des (...) vom 9. Mai 2022 beilegte,
dass das Bundesverwaltungsgericht am 30. Mai 2021 den Eingang des
Gesuches bestätigte und am 31. Mai 2022 einen einstweiligen sofortigen
Vollzugsstopp anordnete,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 i.V.m. Art. 33 VGG für
die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügung des SEM nach Art. 5
VwVG zuständig ist,
dass diese Zuständigkeit auch die Beurteilung von Gesuchen um Wieder-
herstellung von Fristen im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VwVG umfasst, bei de-
nen es im Falle der Wiederherstellung über die nachgeholte Parteihand-
lung beziehungswiese Rechtsvorkehr zu befinden hat (vgl. EGLI PATRICIA,
in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl.
2016, N 6 zu Art. 24),
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig entscheidet (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG),
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dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass gemäss Art. 21 Abs. 1 VGG die Abteilungen des Bundesverwaltungs-
gerichts in der Regel in der Besetzung von drei Richtern oder Richterinnen
entscheiden und diese Regel auch für Gesuche um Wiederherstellung ei-
ner Frist im Sinne von Art. 24 VwVG gilt,
dass nach Art. 24 Abs. 1 VwVG eine ungenutzt verstrichene gesetzliche
oder richterliche Frist wiederhergestellt wird, wenn der Gesuchsteller oder
dessen Vertreter unverschuldeterweise abgehalten worden ist, binnen Frist
zu handeln, sofern er unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach
Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshand-
lung nachholt,
dass eine Fristwiederherstellung gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG auch ver-
langt werden kann, wenn das Verfahren, bei dem die Frist verpasst worden
ist, bereits abgeschlossen ist (vgl. EGLI, a.a.O., N 6 zu Art. 24),
dass die Beschwerde des Gesuchstellers vom 18. Mai 2022 gegen den
vorinstanzlichen Entscheid vom 2. Mai 2022 nach der am 11. Mai 2022
abgelaufenen Beschwerdefrist von fünf Arbeitstagen und somit offensicht-
lich verspätet eingereicht wurde,
dass der Gesuchsteller als Hindernisgrund seine Inhaftierung bis zum
10. Mai 2022 angibt,
dass der Gesuchsteller innerhalb von 30 Tagen nach Wegfall des geltend
gemachten Hindernisses (Entlassung aus der Haft) das vorliegende Frist-
wiederherstellungsgesuch eingereicht hat und zudem die versäumte
Rechtshandlung (Einreichen der Beschwerdeschrift) mit Eingabe vom
18. Mai 2022 erfolgte,
dass auf das frist- und formgerecht eingereichte Fristwiederherstellungs-
gesuch daher einzutreten ist,
dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die Rechtsnachteile zu
beseitigen, die ein Verfahrensbeteiligter wegen unverschuldeter Fristver-
säumnis erleidet (vgl. STEFAN VOGEL, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
2. Aufl. 2019, N 1 zu Art. 24),
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dass im Interesse an einem geordneten Rechtsgang, der Rechtssicherheit
und der Verfahrensdisziplin grundsätzlich ein strenger Massstab ange-
wandt wird (vgl. EGLI, a.a.O., N 4 zu Art. 24),
dass ein Versäumnis nur dann als unverschuldet gilt, wenn dafür objektive
Gründe vorliegen und dem Gesuchsteller keine Nachlässigkeit vorgewor-
fen werden kann, das heisst es sind nur solche Gründe als erheblich zu
betrachten, die dem Gesuchsteller auch bei Aufwendung der üblichen
Sorgfalt die Wahrung seiner Interessen verunmöglicht oder unzumutbar er-
schwert hätten (vgl. VOGEL, a.a.O., N 10 zu Art. 24),
dass daneben auch subjektive Gründe eine Fristwiederherstellung recht-
fertigen können, welche dann vorliegen, wenn der (objektiv betrachtet)
Handlungsfähige lediglich deshalb untätig bleibt, weil er die Situation zu-
folge eines Irrtums oder auf Grund mangelnder Kenntnisse nicht richtig ein-
zuschätzen vermag (vgl. VOGEL, a.a.O., N 12 zu Art. 24),
dass schliesslich auch eine Kumulation verschiedener Umstände, die je für
sich betrachtet das Versäumnis nicht zu entschuldigen vermöchten, die
Voraussetzungen von Art. 24 VwVG erfüllen können (vgl. VOGEL, a.a.O., N
14 zu Art. 24),
dass das Fristwiederherstellungsgesuch vorliegend damit begründet wird,
die Verfügung des SEM vom 2. Mai 2022 habe er am 5. Mai 2022 in der
Haft erhalten, aber bis zu Haftentlassung – am Abend des 10. Mai 2022 –
nicht die Möglichkeit gehabt, die Verfügung ins Belarussische übersetzen
zu lassen und eine Beschwerde zu verfassen, auszudrucken und abzu-
schicken,
dass er weder einen Anwalt noch einen Dolmetscher habe und er im Ge-
fängnis nur jeweils am Donnerstag für 50 Minuten Zugang zu einem Com-
puter gehabt habe, wofür er die Erlaubnis bereits am Montag habe einholen
müssen,
dass er vor der Auszahlung von Nothilfe am 12. Mai 2022 praktisch kein
Geld gehabt habe, um sich Briefmarken und Briefumschläge zu kaufen,
dass er seine Beschwerde daher erst am 18. Mai 2022 habe einreichen
können,
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dass die Argumentation des Gesuchstellers zu fehlendem Rechtsbeistand
nicht überzeugt, hat er doch am 13. April 2022 eine Rechtsvertretung man-
datiert (vgl. [...], act.19/5), welcher der vorinstanzliche Entscheid vom 2.
Mai 2022 am 4. Mai 2022 eröffnet wurde (vgl. [...], act. 21/1),
dass sich die gesuchstellende Person eine durch die Vertretung verschul-
dete Verspätung grundsätzlich anrechnen lassen muss (VOGEL, a.a.O.,
N 17 zu Art. 24), weshalb sich der Gesuchsteller vorliegend auch etwaiges
Verschulden der Rechtsvertretung in Bezug auf prozessuale Pflichten im
Rahmen der Beschwerdeerhebung oder einer allfälligen Mandatsniederle-
gung anrechnen lassen muss,
dass die Argumentation für die Verspätung der Beschwerde aber ohnehin
nicht überzeugt,
dass die Benutzung von Computern sowie der freie Brief- und Telefonver-
kehr im (...)gefängnis C._ grundsätzlich gewährleistet ist (vgl.
Hausordnung [...]),
da es dem Gesuchsteller denn auch ohne Unterstützung einer Rechtsver-
tretung aus der Haft möglich war, am 6. April 2022 ein schriftliches Asylge-
such einzureichen und am 27. April 2022 fristgerecht eine Stellungnahme
im Rahmen des rechtlichen Gehörs abzugeben (vgl. [...], act. 12/1 und
18/4),
dass somit nicht davon auszugehen ist, die Haftumstände im (...)gefängnis
C._ hätten die Kommunikationsmöglichkeiten des Gesuchstellers
in einer Weise eingeschränkt, die es ihm bei gehöriger Sorgfalt verunmög-
licht hätten, innerhalb der Beschwerdefrist von fünf Arbeitstagen – persön-
lich oder durch die von ihm mandatierte Rechtsvertretung – fristgerecht
Beschwerde zu erheben,
dass die Argumentation des fehlenden Computerzugangs und der fehlen-
den finanziellen Mittel als Hinderungsgründe als Schutzbehauptungen zu
werten sind,
dass der Gesuchsteller zwar geltend macht, er habe in der Haft nicht je-
derzeit und uneingeschränkt Zugang zu einem Computer gehabt, er jedoch
nicht darlegt, ihm sei in der Zeitspanne vom 5. bis zum 10. Mai 2022 trotz
zeitlicher Dringlichkeit und entsprechendem Ersuchen der allenfalls nötige
Zugang zu einem Computer verweigert worden,
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dass ferner aus der als Beweismittel eingereichten Schlussrechnung mit
einzelnen Einkaufspositionen wie beispielweise einem Kiosk-Einkauf vom
5. Mai 2022 hervorgeht, dass der Kauf einer Briefmarke und eines Brief-
umschlages für eine fristgerechte Beschwerdeerhebung durchaus möglich
gewesen wären,
dass schliesslich entsprechende Vorbringen bereits in der verspäteten Be-
schwerdeeingabe vom 18. Mai 2022 hätten eingebracht werden müssen,
hätte sich der Sachverhalt tatsächlich so zugetragen,
dass somit weder objektive noch subjektive Gründe ersichtlich sind, die
das Versäumnis als unverschuldet erkennen liessen, sondern vielmehr die
Nachlässigkeit des Gesuchstellers – beziehungsweise allenfalls (auch) sei-
ner Rechtsvertretung, deren Verschulden er sich anrechnen lassen
müsste – im Vordergrund steht, weshalb das Fristwiederherstellungsge-
such abzuweisen ist,
dass das Verfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb der
am 31. Mai 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt,
dass kein Anlass besteht, die mit Urteil D-2276/2022 vom 23. Mai 2022
auferlegten Verfahrenskosten von Fr. 250.– zu erlassen und auch das sinn-
gemässe Gesuch um Befreiung von der Bezahlung der Verfahrenskosten
im vorliegenden Verfahren abzuweisen ist, da das Begehren – wie sich aus
den obenstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen
war, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Gesuchsteller
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und angesichts des wenig aufwendi-
gen Verfahrens auf Fr. 200.– zu reduzieren sind (vgl. Art. 2 Abs. 3 VGKE).
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