Decision ID: 1609efe2-c1b6-453b-9565-8f12cb489dd5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
wurde am 16. Februar 2002 auf Gran Cana
ria von einem Personenwagen angefahren (Urk.
6
/10/86). Dabei erlitt sie gemäss Bericht ihres Hausarztes, Dr. med.
Y._
, Spezialarzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 18. Februar 2003 eine offene Unterschenkelfraktur sowie ver
schiedene Platzwunden am Kopf und am ganzen Körper. Zusätzlich
trat
ein Kon
tusionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) mit sekundärem
Panvertebral
syndrom
auf (Urk.
6
/10/96). Am 12. Februar 2003 meldete sich die Ver
sicherte zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
6
/2).
1.2
Die IV-Stelle holte zahlreiche spezialärztliche Berichte ein und nahm erwerbli
che Abklärungen vor.
Nach durchgeführtem
Einsprache
verfahren
hielt die IV-Stelle in ihrem Entscheid vom 1. Februar 2006 fest, dass die Versicherte ab 15. Februar 2003 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. Juli 2004 Anspruch auf
eine
Viertelsrente
habe (Urk. 6
/7
5
).
Im Rahmen einer Rentenrevision verfügte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
am 24. Juli 2008 die Einstellung der Rentenleistungen bei ei
nem angenommenen Invaliditätsgrad von 22 % auf Ende des der Zustellung folgenden Monats (Urk.
6/111
).
In Gutheissung der
dagegen geführte
n
Beschwerde
bestätigte
das hiesige Gericht mit Urteil vom 25. Mai 2010 (Urk. 6/124)
den Anspruch der Versicherten auf eine
Viertelsrente
.
1.3
Im Rahmen
eines weiteren Revisionsverfahren
s
sprach
die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 8. Oktober 2012 (Urk. 6/181-184) der Versicherten
rückwirkend ab 1. März 2012
eine ganze Rente
zu, welchen Anspruch sie mit
Mitteilung vom
6. Juni 2014 (Urk. 6/219)
bestätigte
.
1.4
Im Oktober 2015 (Urk. 6/221) leitete die IV-Stelle wiederum ein amtliches Revi
sionsverfahren ein.
Die Verwaltung tätigte berufliche und medizinische Abklä
rungen und veranlasste insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung bei der
Z._
ag
(Expertise vom 4. Juli 2017
mit ergänzenden Stellungnahmen vom 1
6.
u
nd 3
0.
August 2017
; Urk. 6/270
,
Urk.
6/277-278
).
Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/281) verfügte die IV-Stelle am 1. Dezem
ber 2017 (Urk.
2
) eine Reduktion der bisherigen ganzen Rente auf eine
Viertels
rente
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 22. Januar 2018 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 1. Dezember 2017 sei
aufzuhe
ben (1.) und ihr
sei weiterhin eine ganze Rente nach Massgabe des Invaliditäts
gr
ades von 80 % auszurichten (2.);
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzüglich 7,7 %
MwSt
(3.; S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 27. Februar 2018 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 28. Februar 2018 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann
ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (
IVV
)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 1. Dezem
ber 2017 (Urk. 2) zur Hauptsache, aus den medizinischen Unterlagen gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verbessert habe. Sie sei in einer Tätigkeit ohne hohe intellektuelle Leistungsansprüche 70 % arbeitsfähig.
Basierend auf einem Einkommensvergleich resultiere somit ein Invaliditätsgrad von 48 %, womit a
b Dezember 2017
noch ein
Anspruch auf eine
Viertels
r
ente
bestehe
(S. 3).
2.2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk. 1)
in formeller Hinsicht
im Wesentlichen ein, der Sozialversicherungsträger habe ohne
ihr
Wissen Zusatzfra
gen gestellt. Somit sei das rechtliche Gehör verletzt worden.
Sodann stelle der Bericht der RAD-Ärztin eine unzulässige «Second Opinion» dar und sei daher aus dem Recht zu weisen (S. 9).
In materieller Hinsicht beanstandet sie zusammengefasst, dass die Einwände der Beschwerdegegnerin, weshalb nicht auf das
Z._
Gutachten abgestellt werden
könne, nicht verfangen würden
(S. 11).
Auf dieses Gutachten
könne und müsse
abgestellt werden
, und auf die
tumorassoziierte
Fatigue
sei die Schmerz
rechtsprechung nicht anwendbar (S. 13).
Demgegenüber sei die Meinung der RAD-
Ärztin
beweisrechtlich nicht einem Gutachten gleichzusetzen
(S. 14).
Mangels einer nachgewiesenen Veränderung bestehe der Rentenanspruch weiter
hin (S. 14 f.).
2.3
Vergleichszeitpunkt für eine revisionsrechtlich relevante Veränderung des Gesundheitszustandes de
r
Beschwerdeführer
in
bildet die Mitteilung
der
Beschwer
degegnerin
vom
6. Juni 2014 (
Sachverhalt 1.3;
Urk. 6/219)
, mit
welcher sie
die ganze Invalidenrente der Beschwerdeführerin bestätigte
(E. 1.4 hiervor)
.
3.
3.1
Der
Mitteilung vom 6. Juni 2014
lagen im Wesentlichen nachstehende medizini
sche Unterlagen zugrunde:
3.2
Der Hausarzt Dr.
Y._
stellte in seinem Bericht vom 20. Januar 2014 (Urk. 6/210/6-9) unter Verweis auf die Berichte der
A._
AG vom 7. Mai 2012 (ambulante Behandlung vom 27. Juli bis 19. Dezember 2011; Urk. 6/210/10-13), der behandelnden Psychiaterin Dr.
B._
vom 15. Novem
ber 2013 (Urk. 6/210/14-16) sowie des
C._
vom 7. Novem
ber 2013 (Urk. 6/210/17-18) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin (S. 1):
-
Invasiv
duktales
Mammakarzinom rechts pT1 pN2a (9/10) M0, G3
-
Status nach Tumorektomie und
axillärer
Lymphadenomie
22. Dezem
ber 2011
-
Status nach Verkehrsunfall 2002 mit
-
Mehrfacher Unterschenkelfraktur
-
Chronischem
cervico-cephalem
Beschleunigungstrauma
-
Reaktive Depression mit raschem Erschöpfungszustand
-
Mediale Diskushernie L5/S1 mit
-
Nervenkompressionsschmerzen
Im Weiteren bestätigte er die von Dr.
B._
bescheinigte 100%ige Arbeitsunfä
higkeit und führte aus, die Beschwerdeführerin befinde sich nach wie vor in einem Erschöpfungszustand, sei stressintolerant und habe Panikattacken sowie Angstzustände. Eine Wiederaufnahme der Arbeit sei aus seiner Sicht nicht mög
lich (S. 2).
3.
3
In ihrem Bericht vom 14.
November
2014 (Urk. 6/207)
hielt
die behandelnde Psychiaterin Dr. med.
B._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, Fach
ärztin Neurologie, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit fest (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Episode, aktuell mittelgradig (ICD-10 F33.1)
-
Bösartige Neubildung in Eigenanamnese (ICD-10 Z85)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung nach Polytrauma (ICD
10 F43.1)
-
Panikattacken (ICD-10 F41.0)
-
Fatigue
-
Mammakarzinom Erstdiagnose 2012
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit attestierte sie der Beschwerdeführerin
vom 11. November 2013 bis auf Weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zufolge einer verminderten physischen sowie psychischen Belastbarkeit (S. 3).
3.4
Die Ärztin des regionalen ärztlichen Dienstes
(RAD) der Beschwerdegegnerin gelangte am 28. Februar 2014 (Urk. 6/218) in Würdigung der medizinischen Akten zum Schluss, der behandelnde Hausarzt und die neu involvierte Spe
zialistin für Psycho-Onkologie würden eine 100 % Arbeitsunfähigkeit bei psychi
scher und somatisch deutlich eingeschränkter Resilienz beurteilen.
Die dargestell
ten Befunde und die damit verbundene Arbeitsunfähigkeit
von
100 %
könnten nachvollzogen werden. Eine intensive fachärztliche psychiatrische Behandlung und
,
wenn als angezeigt beurteilt eine Psychotherapie
,
sei
en
weiterhin angezeigt und empfohlen.
Insgesamt sei die Prognose dennoch eingeschränkt durch das
Krebsleiden, den früheren Unfall 2002 und die psychische Problematik bestehend seit dem Unfall und reaktiviert durch das Brustkrebsleiden (S. 3).
4.
4.1
Die am 1. Dezember 2017 (Urk. 2) verfügte Rentenreduktion basiert auf den fol
genden ärztlichen Beurteilungen:
4.2
Hausarzt Dr.
Y._
diagnostizierte in Abweichung zu seinem letzten Bericht vom 20. Januar 2014 (E. 3.3 hiervor) zusätzlich eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10 F45.41) bei ansonsten unver
änderter Diagnosestellung. Den Gesundheitszustand beurteilte er als stationär und stellte fest, dass nach wie vor die depressive Grundstimmung im Vordergrund stehe (Urk. 6/224/
5-7 S. 1
; undatierter Bericht
).
4.3
Vom 7. Juni bis 4. Juli 2015 war d
ie Beschwerdeführerin
zur psychosomatischen Rehabilitation
im
D._
hospitalisiert. Dem Versicherungs
bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 27. Januar 2016 (Urk. 6/237)
sind
die Hauptdiagnosen eines Erschöpfungszustandes, eines invasiven
duktalen
Mammakarzinoms rechts, eines Status nach Verkehrsunfall 2002, eines Status nach reaktiver Depression mit raschem Erschöpfungszustand, einer medialen Diskushernie L5/S1 mit Nervenkomp
re
ssionssc
hmerzen, eines Status nach Ovarektomie rechts bei
rupturierter
Ovarialzyste Oktober 2004 sowie einer Penicillin- und Jodallergie (Exanthem-Bildung) und Laktoseintoleranz
zu ent
nehmen
(S. 1).
4.4
Der behandelnde Arzt Dr. med.
E._
wies in seinem Bericht vom 13. Mai 2016
(
Urk.
6/241)
zuhanden der IV-Stelle auf eine erneute Chemotherapie der Beschwerdeführerin seit Februar 2016 hin (S. 1), ersah keine veränderten Befunde (S. 2) und konstatierte, momentan dürfte eine Arbeitsfähigkeit aufgrund der Gesamt
beschwerden kaum gegeben sein (S. 3).
4.5
4.5.1
Die für das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
ag
vom 4. Juli 2017 (Urk. 6/270) verantwortlich zeichnenden Ärzte Dr. med.
F._
, Facharzt Allge
meine Innere Medizin / Rheumatologie FMH, Dr. med.
G._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
H._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin FMH, sowie PD Dr. Dr. med.
I._
, Facharzt Medizinische Onkologie und Hämatologie, stellten aus interdisziplinärer Sicht die folgenden
Hauptd
iag
nosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 89 f.):
-
Tumorassoziierte
Fatigue
nach Mammakarzinom 2011
-
Schmerzen im Arm/Schulterbereich rechts bei/mit chronischem Lymph
ödem Arm rechts
-
Chronisch persistierendes Schmerzsyndrom Unterschenkel rechts
-
Retropatelläre
Chondromalazie
IV rechts (MRI 15. März 2017
)
-
Chronisches
Cervicalsyndrom
-
Rezidivierendes
Thoracolum
b
overtebralsyndrom
-
Prolongierte Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (DSM-5: 309.4)
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie zur Hauptsache (S. 90):
-
Invasiv
duktales
Mammakarzinom rechts, Erstdiagnose Dezember 2011
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
Rupturierte
Ovarialzyste (Erstdiagnose Oktober 2004)
-
Aktenanamnestisch Penicil
lin- und fraglich Jodallergie (Exanthem)
-
Aktenanamnestisch Laktoseintoleranz und
Glutenunverträglichkeit
-
Status nach Appendektomie und Tonsille
k
tomie
-
Status nach OSG (oberes
Sprunggelenk)-
Bandläsion und Bandrevision (zirka 2000)
4.5.2
In ihrer medizinischen Beurteilung hielten die Gutachter aus allgemein-inter
nistischer Sicht keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 94).
4.5.3
Aus rheumatologischer Sicht führten sie aus, die von der Beschwerdeführerin geschilderten
muskuloskelettalen
Beschwerden hätten mit den objektivierbaren pathologischen klinischen rheumatologischen und radiologischen Befunden korreliert. Trotz der radiologisch nachgewiesenen Progredienz der degenerativen axialen Veränderungen und der neu festgestellten
retropatellären
Chondro
malazie
hätten sich im Vergleich zum rheumatologischen Vorgutachten 2008 (Frau med.
Exer
) keine relevanten neuen Befunde von Relevanz hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gezeigt.
Aus rheumatologischer Sicht sei bereits im Vorgutachten 2008 eine Einschränkung der körperlichen Leistungsfä
higkeit bezüglich körperlich schwerer Arbeiten, Arbeiten in Zwangshaltungen, länger dauernder Arbeiten über Kopfhöhe sowie Hebens/Tragens schwerer Lasten attestiert worden. Eine Arbeitsunfähigkeit über die im polydisziplinären medizi
nischen Vorgutachten 2008 aus polydisziplinärer Sicht attestierten 30 % könne auch aus aktueller rheumato
logischer Sicht nicht begründet
werden. Aus rheumatologischer Sicht sei von weiteren therapeutischen Massnahmen auch keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S.
94 f.
).
4.5.4
In onkologischer Hinsicht hielten sie fest, eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % in körperlich adaptierten beruflichen Tätigkeiten ab August 2012 sei als nachvoll
ziehbar erachtet worden. In der angestammten Tätigkeit als Produktmanagement-Assistentin sei eine volle Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2011 (Diagnose des Mammakarzinoms recht
s
) attestiert worden. Die im IV-Arztbericht von Dr.
med.
J._
vom 1. Dezember 2015 gemachten Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit seien relativiert worden. Das Bild einer tumor- und behandlungs
assoziierten
Fatigue
sei konklusiv, über die Jahre gut dokumentiert und nach
vollziehbar. Bei
chronifizierter
Fatigue
sei von medizinischen Massnahmen keine Besserung zu erwarten, weshalb prognostisch nicht mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei. Berufliche Massnahmen seien als nicht sinnvoll erachtet worden, da es sich bei der tumoras
soziierten
Fatigue
nicht um ein
Leiden handle, welches durch Willensanstrengung zu überwinden wäre (S. 95)
.
Zu den im Alltag aus der Erschöpfung und den Schmerzen im rechten Arm resultierenden Einschränkungen gab die Beschwerdeführerin im onkologischen Teilgutachten an, dass aufgrund der Erschöpfung die Belastbarkeit deutlich zurückgegangen sei. Ihre körperliche Belastbarkeit komme nach einer Stunde Spazieren an die Grenze. Geistig
sei sie nicht mehr Multitasking
fähig, sei sehr leicht ablenkbar und gestört durch eine laute Umgebung. Zu Hause könne sie aufgrund der Erschöpfung nur noch ein Zimmer staubsaugen, dann müsse sie eine Pause machen. Den Boden nass aufzunehmen oder Wäsche zu waschen seien ihr nicht mehr möglich, auch Fenster putzen sei eine Tätigkeit, der sie nicht mehr nachgehen könne. Geistig sei sie insofern eingeschränkt, als sie bei komplexeren Vorgängen wie Formulare für Ämter oder Behörden ausfüllen Hilfe brauche. Beim Lesen könne sie sich maximal noch eine Stunde auf etwas konzentrieren. Auf
grund der Schmerzen und der Schwellung des rechten Armes könne sie maximal noch 5 kg Gewicht heben oder halten. Bei längerer Belastung des rechten Armes käme es rasch zu einer Schwellung. Diese Einschränkungen führten subjektiv zu einer Belastbarkeit von nur noch etwa 20
%
des früheren Leistungsniveaus, und diese 20
%
könne sie nur leisten, wenn sie nicht überfordert würde und die Mög
lichkeit zu regelmässigen Pausen habe (S. 80 unten).
In der Exploration hinsichtlich
Fatigue
gab die Beschwerdeführerin an, sich ver
stärkt müde und abgeschlagen zu fühlen, und dass diese Erschöpfung in keinem Zusammenhang mit einer körperlichen Belastung stehe. Sie verspüre häufig Schwäche und auch schwere Glieder. Insgesamt habe ihre Fähigkeit zur Kon
zentration und Aufmerksamkeit deutlich nachgelassen. Sie müsse aktuell mehr schlafen als früher, der Schlaf sei auch nicht mehr so erholsam. Es koste sie grosse Anstrengung, um Inaktivität zu überwinden. Ihre Erschöpfung und Abgeschla
genheit machten sie häufig wütend. Sie sei deswegen häufig auch frustriert und
schnell reizbar. Die Müdigkeit würde es ihr erschweren, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Sie habe Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und müsse sich deshalb oft Listen anlegen (S. 82 Mitte).
4.5.5
Aus psychiatrischer Sich
t
legten sie dar, es sei eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit in jeglicher beruflichen Tätigkeit von 10 % ab Mitte 2014 aufgrund einer prolongierten Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten attestiert worden. Als psychiatrische Nebendiagnosen ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine Panikstörung und akzentuierte Persön
lichkeitszüge erwähnt worden. Es sei eine Optimierung der psychopharmakologi
schen Behandlung (
Aufdosierung
von
Venlafaxin
bis mindestens 150 mg täglich) empfohlen worden. Insbesondere aufgrund der Verbitterungsthematik sei empfohlen worden, das therapeutische Augenmerk auf die Aspekte der Akzeptanz zu lenken (zum Beispiel Dauerbelastbarkeitstest
s
,
Akzeptanz- und
Communi
cations
training
). Die Beschwerdeführerin zeige aber eher Motivation für alter
native Behandlungsansätze. Bei gutem Verlauf sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit das Wiedererreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 95).
Den
Anhalt für ein Aggravationsverhalten
stützte der psychiatrische Fachgutach
ter
auf eine ausführliche Prüfung
des Kriterienkatalogs
, in deren Rahmen er
die
Kriterien für eine Aggravation
mehrheitlich
verneinte
. Als erfüllt betrachtete er
die Kriterien vage Symptomschilderung,
l
eicht theatralische Schilderung der Defizite, häufige Themenwechsel u
n
d intakte
s
psychosoziale
s
Funktionsniveau (S. 69 f.).
Ein Anhalt für eine Simulation habe sich nicht gezeigt (S. 70).
4.5.6
Aus polydisziplinärer medizinischer Sicht bestehe in der angestammten Berufs
tätigkeit als
Product
Management Assistentin eine volle Arbeitsunfähigkeit sei
t
Diagnosestellung des Mammakarzinoms rechts (Dezember 2011). In körperlich leichten, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten ohne rücken
belastende Arbeiten sowie ohne kniend oder in der Hocke auszuführende Arbeiten sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 80 % seit Ende der Radiotherapie
im
August 2012 auszugehen. Die Prognose hinsichtlich der
die
Arbeitsunfähigkeit
begründenden chronischen tumorassoziierten
Fatigue
sei ungünstig. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu erwarten (S. 95).
4.5.7
Zum gesundheitlichen Verlauf ist dem Gutachten zu entnehmen,
dass sich die arbeitsrelevante Hauptdiagnose der chronischen tumorassoziierten
Fatigue
gegenüber der letzten IV-Revision vom
1.
März 2012 nicht verändert habe.
A
us psychiatrischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand der
Beschwerd
eführerin – soweit retrospektiv beurteilbar – seit der letzten IV-Revision vom 1. März 2012 verbessert. Zusätzlich zu der aus psychiatrischer Sicht festgestellten Verbesserung
des Gesundheitszustandes sei allenfalls eine andere Beurteilung psychosozialer Aspekte erfolgt. Im Übrigen hätten sich aus polydisziplinärer Sicht gegenüber der letzten Revision der Invalidenrente März 2012 keine neuen Gesichtspunkte erge
ben (S. 97).
Weiter erklärte die Beschwerdeführerin,
die Schmerzen im rechten Bein seien gegenüber dem polydisziplinären medizinischen Vorgutachten de
s
K._
vom 8. Februar 2008 unverändert. Sie könne aber besser mit
ihren Schmerzen umge
hen (S. 54) und ihre Selbsteinschätzung in Bezug auf ihre Arbeitsfähigkeit lautete 20 % in adaptierter Tätigkeit (S. 88).
4.6
Mit ergänzender Stellungnahme vom 1
6.
August 2017 (
Urk.
6/278) führte der onkologische Gutachter aus, dass es – wie im Gutachten dargelegt – keine objek
tiven Tests zur Erfassung der
Fatigue
gebe. Im Versuch, die Symptomatik zu objek
tiveren sei jedoch fachgerecht nach den für diese Diagnose formulierten Kriterien gefragt und auch der sogenannte BFI (Brief
Fatigue
Inventory
) in der deutschen Übersetzung eingesetzt worden.
Am 3
0.
August 2017 bestätigte der rheumatologische Gutachter im Wesentlichen die bereits im Gutachten gemachten Ausführungen (
Urk.
2/277).
5.
5.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
der versicherten Person im Rahmen des recht
lichen Gehörs das Recht zusteht, sich nach Erstattung des Gutachtens zum Beweisergebnis zu äussern, Erläuterung, Ergänzung des Gutachtens oder eine neue Begutach
tung zu beantragen sowie weitere Beweisanträge vorzubringen (BGE 137 V 210 E. 3.4
.
1.5 in
fine
; vgl. Art. 60 Abs. 1 BZP). Soweit nun
die Beschwerdegegnerin
nach Erstattung des polydisziplinären Gutachtens vom
4. Juli 2017
den Gutachtern der
Z._
ag
am 17. Juli 2017 (Urk. 6/273)
Zusatzfragen stellte, ohne
diese
der Beschwerdeführerin vorgängig zur Kenntnis zu bringen und ihr Gelegenheit einzuräumen, sich ihrerseits dazu zu äussern, Einwände zu erheben und Zusatz- beziehungsweise Ergänzungsfragen zu stellen (Urk. 1 S. 8 f.), verletzte sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör
(
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung
[
KSVI
]
Rz
208
3
)
.
Indes konnte die Beschwerdeführerin in
diesem
Beschwerdeverfahren
vor
einem
den Sachverhalt
und
die Rechtslage frei prüfen
den Gericht
(
vgl. Art.
61
lit
.
c und d ATSG; BGE 132 V 387 E.
5.1
) umfassend zu den vorliegenden Beweis
mitteln Stellung nehmen
und sich zu allen Aspekten des Verfahrens äussern
(vgl. Urk. 1)
.
Es wäre ihr zudem auch möglich gewesen,
neue Beweismittel ein
zu
bringen beziehungsweise
ihrerseits
Ergänzungs
fragen zu for
mulieren, was
sie
unterlassen hat.
Unter diesen Umständen ist
davon auszugehen, dass der festge
stellte
Gehörsmangel im
vorliegenden
Rechtsmittel
v
erfahren geheilt
wurde
.
5.2
Im Weiteren monierte die Beschwerdeführerin, die auf Rückfrage der Beschwer
de
gegnerin
von deren eigene
m
RAD überlassene Stellungnahme
sei als rechts
widrige
«
second
o
pinion
»
unbeachtlich (Urk. 1 S. 9). Soweit ersichtlich, nimmt die Beschwerdeführerin Bezug auf die im
vom 10
.
Oktober 2017
(Urk. 6/280)
datierenden
Feststellungsblatt für den Beschluss vermerkte Stellungnahme der RAD-Ärztin
dip
l
.-med.
L._
vom 6. Oktober 2017 (S. 9).
Hierzu ist festzu
hal
ten, dass
die Frage betreffend eine
«
second
opinion
» rechtsprechungs
gemäss von Beginn weg nur
Gutachten beschlagen kann (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.3.1). Sodann besteht d
ie Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen
i
nsbe
son
dere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch zu würdigen (
Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen
)
,
wobei RAD-Berichte als versicherungsinterne Dokumente von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden (
Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4
). Bereits daraus erhellt, dass die Stellungnahme des RAD
der Beschwerdegegnerin
keine unzulässige
second
opinion
darstellen kann, erfolgte diese doch gerade pflicht
gemäss
,
um
der Verwaltung
in versicher
ungsmedizinischer Würdigung des medizinischen Sachverhaltes eine Hilfestellung zur
Entscheidfindung
zu gewähren
und ohne den Anspruch auf ein beweiskräftiges Gutachten zu erheben
.
6.
6.1
Gestützt auf die medizinischen Akten erweist sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht seit dem massgebenden Ver
gleichszeitpunkt (
6.
Juni 2014, vgl. E. 2.3) unbestrittenermassen als unverändert und es bleibt bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30
%
in einer angepassten Tätigkeit (E. 4.5.3, E. 4.6). Ebenfalls unbestritten ist der daraus resultierende Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Viertelsrente
.
6.2
Im Vergleichszeitpunkt lagen ferner eine mittelgradige Depression sowie eine
nur möglicherweise auf die Chemo- und Radiotherapie zurückzuführende (
Urk.
6/207
Ziff.
1.4) - nicht näher bezeichnete «
Fatigue
» vor, und der Beschwer
de
führerin wurde zufolge einer verminderten physischen sowie psychischen Belastbarkeit insgesamt eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (vorstehend E. 3). Im Vergleich dazu verneinten die Gutachter der
Z._
aus psychiatrischer Sicht
das Vorliegen einer Depression und ordneten die erhobenen Befunde einer Anpassungsstörung zu, aus welcher eine Einschränkung von 10
%
resultiere. Ferner diagnostizierten sie aus onkologisc
her Sicht eine tumorassoziierte
Fatigue
und Schulter-/Armschmerzen rechts, wobei sie aus polydisziplinärer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 80
%
ausgingen. Zur tumorassoziierte
n
Fatigue
hielt der Teilgutachter fest, dass der Zustand im Vergleich zu 2012 unverändert und eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
nachvollziehbar sei; da die Beschwerde
führerin sich aber in der Selbsteinschätzung für 20
%
arbeitsfähig halte, sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 80
%
auszugehen. Strittig und zu prüfen ist, ob diesbezüglich ein veränderter Gesundheitszustand und damit ein Revisionsgrund vorliegt.
6.
3
Krebsbedingte
Fatigue
(Cancer-
related
Fatigue
,
CrF
) ist ein multidimensionales Syndrom, unter dem die Mehrheit der Krebspatientinnen und -patienten während der Therapie leidet. Die
CrF
kann viele Jahre nach Therapieabschluss andauern und wird durch physische, psychologische und auch soziale Faktoren beeinflusst. In der medizinischen Fachwelt besteht Einigkeit darüber, dass Ursache und Ent
stehung komplex sind und somatische, emotionale, kognitive und psychosoziale Faktoren zusammenspielen. Die
CrF
kann in 30 bis 40
%
der Fälle noch längere Zeit nach Therapieabschluss andauern. Definitionsbedingt tritt diese Form der
Fatigue
zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die somatoformen Störungen findet sich in der medizini
schen Literatur nicht. Damit grenzt sich die tumorassoziierte
Fatigue
auch klar vom
Chronic
Fatigue
Syndrome (CFS; ICD-10 G93.3) als eigenständiges Krank
heitsbild ab, wenngleich die
CrF
nicht als eigene Krankheitsentität Eingang in die ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) gefunden hat. Als Begleitsymptom onkologischer Erkran
kungen und ihrer Therapie liegt der
CrF
zumindest mittelbar eine organische Ursache zugrunde, weshalb eine analoge Anwendung der für somatoforme Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze sich nicht rechtfertigt (BGE 139 V 346 E. 3.2-3.4 mit weiteren Hinweisen). Die tumorassoziierte
Fatigue
unterliegt somit – anders als psychische Erkrankungen – nicht dem strukturierten Beweis
verfahren und die Prüfung des Leistungsvermögens nicht den in diesem Ver
fahren geltenden Standardindikatoren. Indessen besteht auch bei
der
CrF
keine Korrelation zwischen Diagnose und Arbeitsunfähigkeit; vielmehr ist massgebend, ob und in welchem Ausmass die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_799/2014 vom 2
0.
Februar 2015 E. 3.3.1).
6.
4
Dr.
I._
zog zur Objektivierung der
CrF
den «Brief-
Fatigue
-
Inventory
» bei (S. 82 f.) und zeigte im Gutachten detailliert die zur Begründung der Diagnose
herangezogenen Kriterien auf, wobei er einschränkend auch auf das Fehlen all
gemein akzeptierter Kriterien für die Diagnosestellung hinwies. Der Umstand, dass er auf die Schwierigkeiten bei der Objektivierung und Quantifizierung - und auch auf die hohe Bedeutung der Selbsteinschätzung durch die Beschwerde
führerin -
hinwies
, schmälert den Beweiswert seiner Einschätzung nicht, zumal es sich bei den Erschöpfungs- und Müdigkeitszuständen um interpretationsbe
dürftige Befunde handelt, deren unterschiedliche Erfassung und Bewertung durch medizinische Sachverständige bis zu einem gewissen Grad in der Natur der Sache liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_799/2014 vom 2
0.
Februar 2015 E. 3.3.2). Vor diesem Hintergrund erscheint das Gutachten hinsichtlich der Diagnose eine
r
CrF
grundsätzlich als überzeugend.
6.5
Dr.
I._
ging hinsichtlich der
CrF
im Verlauf von einem unveränderten Gesundheitszustand aus, ohne darauf einzugehen, dass 2014 lediglich von einer nicht näher spezifizierten und nur möglicherweise tumorassoziierten
Fatigue
die Rede war (vgl. E. 6.2). Die Arbeitsfähigkeit bezeichnete er ebenfalls als unverän
dert, ohne zum Anteil der damals diagnostizierten
Fatigue
an der attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit Stellung zu beziehen. Das Gutachten erscheint dem
nach hinsichtlich der Beurteilung des Verlaufs – wozu es sich im Revisionsver
fahren rechtsprechungsgemäss zwingend zu äussern hat
(
vgl. Urteil des Bundes
gerichts
8C_889/2015 vom 2
9.
September 2016 E. 3.2
)
- nicht als schlüssig.
Was die Arbeitsfähigkeitsschätzung angeht, so ging
Dr.
I._
von einer mittel- bis
schwergradig
ausgeprägten
CrF
(S. 82 Mitte, S. 83 oben) aus und hielt eine volle Arbeitsunfähigkeit für nachvollziehbar, stellte aber – ohne dies näher zu diskutieren – aufgrund der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin auf eine solche von 80
%
ab (S. 89). Wohl erhob er die Angaben der Beschwerde
führerin zu den für sie im Alltag resultierenden Einschränkungen (S.
80 unten, S.
82 Mitte), welche hinsichtlich des Ausmasses im Wesentlichen mit den im Frage
bogen gemachten Angaben korrelieren. Darüber hinaus unterliess er es aber, aus ärztlicher Sicht aufzuzeigen, wie sich die
CrF
im Alltag auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt und die attestierte (hohe) Arbeitsunfähigkeit von 80
%
begründet. Zwar erscheint eine solche durchaus als möglich, gerade auch in Anbetracht dessen, dass sich die Beschwerdeführerin im Jahre 2016 offenbar erneut einer Chemotherapie unterzog
(vgl. E. 4.4)
und dass sie weitge
hende Beschwerden schildert. Aktenkundig
ist
dazu indessen nur die Selbstein
schätzung der Beschwerdeführerin. Auch wenn, wie von
Dr.
I._
dargelegt, als Diagnoseinstrument bei der
CrF
die Selbsteinschätzung durch die Beschwer
deführerin im Vordergrund stehen mag, so entbindet dies den Arzt nicht davon, aus seiner Sicht darzulegen, wie sich die geschilderten Einschränkungen im Alltag
und auf die Arbeitsfähigkeit auswirken und wie sich daraus die attestierte Arbeits
un
fähigkeit von 80
%
herleitet.
Sodann fehlt auch eine Auseinandersetzung mit der Diskrepanz zwischen der von der Beschwerdeführerin geschilderten und im BFI berücksichtigten Müdigkeit und den Konzentrationsschwierigkeiten einerseits und den davon abweichenden Fest
stellungen des psychiatrischen Gutachters
andererseits
(
Urk.
6/270 S. 61
). Dieser nannte auch einen Anhalt für ein mögliches Aggravationsverhalten, worauf ebenfalls einzugehen gewesen wäre. Immerhin ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass nur einige (wenige) auf ein Aggravationsverhalten deutende Kriterien bejaht, die übrigen Kriterien hingegen mehrheitlich verneint wurden (vgl. vorstehend E. 4.5.5). Sodann ist festzuhalten, dass v
or dem Hinter
grund der von der Beschwerdeführerin selber gemachten Angaben zu ihrer Alltagsgestaltung und ihrem Aktivitätsniveau
die vom Gutachter attestierte Minderung
der Arbeitsfähigkeit im Umfang
von 80 % nicht
ohne weitere Ausführungen
nachvollziehbar
ist
. So ist die Beschwerde
führerin – trotz gewisser Einschränkungen
(vgl. E. 4.5.4)
– in der Lage, ihren Alltag alleine zu meistern, das Essen zuzubereiten, den Haushalt zu erledigen, täglich Spaziergänge zu machen sowie Arzt- und Therapietermine wahrzu
nehmen; sie vermag ihren Tagesablauf zu strukturieren und besitzt einen regel
mässigen Schlafrhythmus
(
Urk.
6/270 S. 84 und S. 51 f.)
. Eine gutachterliche Auseinandersetzung mit der von der Beschwerdeführerin geschilderten Sympto
matik und deren Einfluss auf den Alltag fand – soweit erkennbar – nicht statt.
Zusammenfassend fehlt es dem Gutachten in der Beurteilung sowohl des Verlaufs als auch der funktionellen Auswirkungen der
CrF
an schlüssigen Aussagen.
6.6
Unter diesen Umständen lässt sich nicht zuverlässig beurteilen, wie sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verändert hat, weshalb die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen wäre, weitere Abklärungen zu tätigen. Ohne andere (dies stützende) fachärztliche Beurteilungen durfte die Beschwerde
gegnerin sich nicht über die gutachterliche Beurteilung hinwegsetzen und der diagnostizierten
CrF
jegliche Arbeitsunfähigkeit absprechen; allein die – ohne eigene Untersuchung – erfolgte Beurteilung der fachfremden RAD-Ärztin genügte hierfür nicht. Soweit sie das Gutachten für ungenügend hielt, hätte sie demnach weitere Abklärungen veranlassen müssen.
In Ermangelung einer zuverlässigen ärztlichen Beurteilung ist ein Revisionsgrund nicht mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit erstellt, wobei trotz der bestehenden Einschränkungen (E. 4.5.4)
durchaus Hinweise auf eine mögliche Verbesserung (E. 6.5) bestehen.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist, damit sie die offenen medizinischen Fragen kläre und hernach über den Rentenanspruch der Beschwer
deführerin neu verfüge.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), auf
Fr. 1’0
00.-- festzusetzen und dem Ausgang des Ver
fahrens entsprechend der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.
2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung (Art. 61
lit
. g ATSG).
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, der obsiegenden Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessent
schädigung auszurichten. Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rück
sicht auf den Streitwert (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht). Die Entschädigung gemäss
§
7 Absatz 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) kann vom Gericht festgesetzt werden. Beim praxisgemässen Stun
denansatz von Fr
.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) sowie unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses recht
fertigt sich vorliegend die
Zusprache
einer Prozessentschädigung von Fr. 2’
200
.
- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).