Decision ID: feb3c7bd-c2ec-4800-9c13-a21766cc61d3
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft führt gegen A. (nachfolgend: Beschwer-
deführer) eine Strafuntersuchung wegen des Vorwurfs banden- und ge-
werbsmässiger Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der
Beschwerdeführer wurde am 12. Juni 2021 festgenommen.
1.2.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft stellte mit Eingabe vom 13. Juni 2021
beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau einen Antrag auf
Anordnung von Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei Mona-
ten. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau ordnete diese
mit Verfügung vom 14. Juni 2021 einstweilen bis zum 12. September 2021
an. In der Folge wurde die Untersuchungshaft auf Antrag der Kantonalen
Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 16. September 2021 bis zum
12. Dezember 2021 verlängert.
2.
2.1.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft stellte mit Eingabe vom 7. Dezember
2021 beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau ein Gesuch
um Verlängerung der Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei
Monaten, d.h. bis zum 12. März 2022.
2.2.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Stellungnahme vom 15. Dezember
2021 die Abweisung des Verlängerungsantrages und die Anordnung von
Ersatzmassnahmen in Form einer Ausweis- und/oder Schriftensperre
und/oder einer Meldepflicht, subeventualiter die Befristung der Untersu-
chungshaft auf maximal einen Monat.
2.3.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2021 verlängerte das Zwangsmassnah-
mengericht des Kantons Aargau die Untersuchungshaft bis zum 12. März
2022.
3.
3.1.
Gegen diese ihm am 28. Dezember 2021 zugestellte Verfügung erhob der
Beschwerdeführer mit Eingabe 5. Januar 2022 (Postaufgabe: 6. Januar
2022) bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des
Kantons Aargau Beschwerde mit folgenden Anträgen:
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" 1. Das Urteil des Zwangsmassnahmengerichts Bremgarten vom 17.  2021 sei aufzuheben und der Beschwerdeführer umgehend aus der Untersuchungshaft zu entlassen.
2. Es seien als Ersatzmassnahmen eine Ausweis- und/oder eine  und/oder die Auflage, sich regelmässig bei einer richterlich zu  Amtsstelle zu melden, anzuordnen.
3. Subeventuell: Es sei die Untersuchungshaft von maximal 1 Monat .
4. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
5. Über die Kosten sei im Hauptverfahren zu entscheiden, wobei davon  zu nehmen sei, dass der amtliche Verteidiger zu Lasten der  entschädigt wird."
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Januar 2022 beantragte die Kantonale
Staatsanwaltschaft die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.
3.3.
Mit Eingabe vom 11. Januar 2022 verzichtete das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau auf eine Stellungnahme.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer kann als inhaftierte Person die Verfügung des
Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 17. Dezember
2021, mit der seine Untersuchungshaft bis zum 12. März 2022 verlängert
wurde, mit Beschwerde anfechten (Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. c
StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde (vgl. Art. 396
StPO) ist einzutreten.
2.
Grundsätzlich bleibt eine beschuldigte Person in Freiheit. Sie darf nur im
Rahmen der Bestimmungen der StPO freiheitsentziehenden Zwangsmass-
nahmen unterworfen werden (Art. 212 Abs. 1 StPO). Die Untersuchungs-
haft – als eine der vom Gesetz vorgesehenen freiheitsentziehenden
Zwangsmassnahmen (Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO) – ist gemäss Art. 221
Abs. 1 StPO nur zulässig und darf lediglich dann angeordnet oder aufrecht-
erhalten werden, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder
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Vergehens dringend verdächtigt wird (allgemeiner Haftgrund des dringen-
den Tatverdachts) und zusätzlich ein besonderer Haftgrund vorliegt, also
ernsthaft zu befürchten ist, dass die beschuldigte Person sich durch Flucht
dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtge-
fahr; lit. a), Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die
Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Kollusionsgefahr; lit. b), oder durch
schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich ge-
fährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat (Fort-
setzungsgefahr; lit. c). Haft ist ferner zulässig, wenn ernsthaft zu befürchten
ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszufüh-
ren, wahrmachen (Ausführungsgefahr; Art. 221 Abs. 2 StPO). Freiheitsent-
ziehende Zwangsmassnahmen sind aufzuheben, sobald ihre Vorausset-
zungen nicht mehr erfüllt sind (Art. 212 Abs. 2 lit. a StPO), die von der StPO
vorgesehene oder von einem Gericht bewilligte Dauer abgelaufen ist
(Art. 212 Abs. 2 lit. b StPO) oder Ersatzmassnahmen zum gleichen Ziel
führen (Art. 212 Abs. 2 lit. c und Art. 237 ff. StPO). Die Untersuchungshaft
darf nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe (Art. 212
Abs. 3 StPO).
3.
3.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau hielt zur Begrün-
dung der angefochtenen Verfügung fest, in Bezug auf den dringenden Tat-
verdacht sei auf die bisherigen Verfügungen zu verweisen. In diesen führte
es aus, der Beschwerdeführer sei zusammen mit seinem Bruder am
12. Juni 2021 auf einem Rastplatz in einem PW von der Polizei angehalten
worden, nachdem im Laufe einer Observation festgestellt worden sei, dass
der PW wenige Meter vor dem dahinterfahrenden Reisebus den Grenz-
übergang Frankreich/Schweiz überquert habe. Bei der Durchsuchung des
Reisebusses hätten hinter einer Rückwand von dessen Anhänger mind.
100 kg Marihuana festgestellt werden können. Der Beschwerdeführer habe
in seiner Einvernahme bestätigt, dass der Reisebus zwar nicht auf seine
GmbH eingelöst worden sei, dieser aber gehöre. Der Beschwerdeführer sei
dringend verdächtig, in den Drogenhandel – u.U. als Hauptverantwortlicher
– involviert zu sein. Im Übrigen bestehe Fluchtgefahr. Vor der Verhaftung
habe der Beschwerdeführer keinen eigentlichen Aufenthalt in der Schweiz
gehabt, weshalb sich auch sein Lebensmittelpunkt nicht hier befunden
habe. Er habe zwar eine Ehefrau und Kinder in der Schweiz, von welchen
er jedoch getrennt lebe. Zudem habe der Beschwerdeführer eine Partnerin
in Albanien und fliege nur in die Schweiz, wenn er arbeiten müsse. Er miete
dann jeweils ein Zimmer. Es sei keine geeignete Ersatzmassnahme er-
sichtlich, die bei ausreichender Sicherung der obgenannten Gefahr einen
geringeren Eingriff in die Freiheit des Beschwerdeführers darstellen würde.
Eine Ausweis- und Schriftensperre würde dessen Flucht ins Ausland nur
unwesentlich erschweren, bzw. liesse sich eine Ausreise mit dem Auto in
den Schengenraum und anschliessend in den Kosovo aufgrund der bloss
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lückenhaften Personenkontrollen nicht verhindern. Eine Meldepflicht könne
die effektive Ausreise nicht verhindern. Die Haftdauer betrage bisher rund
sechs Monate. Die Verlängerung erweise sich angesichts der möglichen
Strafe nicht als unverhältnismässig. Aussergewöhnliche Umstände lägen
nicht vor.
3.2.
3.2.1.
Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen des dringenden Tatver-
dachts.
3.2.2.
Bei der Überprüfung des dringenden Tatverdachts eines Verbrechens oder
Vergehens (vgl. Art. 221 Abs. 1 Ingress StPO) ist gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belasten-
der und entlastender Beweise vorzunehmen. Zu prüfen ist vielmehr, ob auf-
grund der bisherigen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete An-
haltspunkte für eine Straftat und eine Beteiligung der inhaftierten Person
an dieser Tat vorliegen, die Untersuchungsbehörden somit das Bestehen
eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften.
Im Haftprüfungsverfahren genügt der Nachweis von konkreten Verdachts-
momenten, wonach das untersuchte Verhalten mit erheblicher Wahr-
scheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte. Das
Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt keinen Raum für ausgedehnte
Beweismassnahmen. Zur Frage des dringenden Tatverdachts hat das Haft-
gericht weder ein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen noch dem
erkennenden Strafgericht vorzugreifen (BGE 143 IV 330 E. 2.1, 137 IV 122
E. 3.2, Urteil des Bundesgerichts 1B_558/2021 vom 3. November 2021
E. 2.2).
3.2.3.
Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, in Reisebussen der GmbH, des-
sen Geschäftsführer er ist, grosse Mengen Marihuana von Spanien in die
Schweiz eingeführt und damit hierzulande gehandelt zu haben. Dabei soll
zwecks Sicherung des Reisecars jeweils ein PW in einigem Abstand vor-
ausgefahren sein, um vor allfälligen Polizeikontrollen zu warnen (Antrag auf
Anordnung von Untersuchungshaft vom 13. Juni 2021, S. 2). Anlässlich der
Observation durch die Kantonspolizei Aargau am 12. Juni 2021 wurde fest-
gestellt, wie der PW mit dem Beschwerdeführer als Beifahrer direkt wenige
Meter vor dem Reisebus seines Reiseunternehmens, in der Rückwand
dessen Anhängers mindestens 100 kg Marihuana versteckt wurden, den
Grenzübergang Frankreich/Schweiz überquerte (Sachverhaltsbericht der
Kantonspolizei Aargau vom 13. Juni 2021, S. 3). Der Anhänger soll einzig
mitgeführt worden sein, um die Drogen zu schmuggeln, nachdem sich im
Reisebus keine Passagiere befunden haben (Protokoll der delegierten Ein-
vernahme des Beschwerdeführers durch die Kantonspolizei Aargau vom
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28. Juli 2021, Nr. 1, S. 17). Im streitgegenständlichen Anhänger wurden
Werkzeuge gefunden, die für die Montage der doppelten Rückwand ge-
braucht worden sein sollen und vom Bruder des Beschwerdeführers mit der
Geschäftskreditkarte des betroffenen Reisecarunternehmens erworben
worden waren. Laut dem Bruder erteilte der Beschwerdeführer ihm den
Auftrag, die Gegenstände zu erwerben, was dieser bestätigte (Protokoll der
delegierten Einvernahme des Beschwerdeführers durch die Kantonspolizei
Aargau vom 27. August 2021, Nr. 4, S. 3 ff.). Laut einem der Busfahrer
habe der Beschwerdeführer in Spanien mit ihm und dem anderen Busfah-
rer im Hotelzimmer übernachtet. Dieser räumte ein, dass der Bus ihm ge-
höre, jedoch vermietet gewesen sei. Sodann legte er dar, dass er zufällig
im selben Zimmer übernachtet habe wie die Fahrer des Reisecars, weil
kein anderes Zimmer mehr frei gewesen sei. Es sei auch Zufall gewesen,
dass er mehrfach zur gleichen Zeit fast am gleichen Ort gewesen sei wie
der Reisecar (Protokoll der Befragung des Beschwerdeführers anlässlich
der Eröffnung der Festnahme vom 13. Juni 2021, S. 2 ff.). Diese Ausfüh-
rungen erscheinen nicht besonders glaubwürdig, die abschliessende Beur-
teilung obliegt jedoch dem Sachgericht. Vorliegend bestehen damit kon-
krete Verdachtsmomente, wonach das untersuchte Verhalten mit erhebli-
cher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen
könnte.
Der Vorinstanz ist somit dahingehend zu folgen, dass der Beschwerdefüh-
rer dringend verdächtigt wird, in den Drogenhandel involviert zu sein. Er
konnte weder in seinen früheren Einvernahmen noch beschwerdeweise et-
was Überzeugendes zu seiner Entlastung vorbringen und beruft sich ledig-
lich auf eine Reihe von Zufällen. Aufgrund der massiven Vorwürfe ist der
dringende Tatverdacht, welcher vom Beschwerdeführer nicht substantiiert
bestritten wird, auch in diesem Verfahrensstadium weiterhin ausreichend.
3.3.
3.3.1.
Sodann macht der Beschwerdeführer geltend, es bestehe keine Fluchtge-
fahr. Er verfüge über eine Niederlassungsbewilligung C und sei sprachlich,
wirtschaftlich und sozial integriert. Als Inhaber eines Reiseunternehmens
mit Sitz hierzulande und seiner Chauffeur-Tätigkeit liege es auf der Hand,
dass sein Lebensmittelpunkt in der Schweiz sei. Seine GmbH verfüge u.a.
über eine Konzession für die Linie Schweiz-Kosovo, welche zweimal wö-
chentlich gefahren werde. Als Reisecarchauffeur sei der Beschwerdeführer
der Arbeit wegen öfters im Ausland. Zwar habe er zuweilen seine in Alba-
nien lebende Freundin besucht, diese sei aber auch bei ihm in der Schweiz
gewesen. Der Beschwerdeführer verfüge seit über zehn Jahren über eine
Mietwohnung in B. Seine von ihm getrenntlebende Ehefrau, seine Kinder,
sein Bruder, seine Schwester und seine Eltern wohnten allesamt in der
Schweiz. Er habe bis vor seiner Inhaftierung regelmässig die Miete und die
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Krankenkassenkosten seiner Kinder bezahlt. Die Kantonale Staatsanwalt-
schaft habe sowohl seine privaten als auch die Gesellschaftskonten ge-
sperrt, weshalb er derzeit weder über genügend Einkommen noch Vermö-
gen verfüge, um sich längerfristig ins Ausland abzusetzen oder hierzulande
unterzutauchen. Der Beschwerdeführer habe sich zuvor auch nicht durch
Flucht dem früheren Strafverfahren entzogen.
3.3.2.
Die Annahme von Fluchtgefahr als besonderer Haftgrund setzt ernsthafte
Anhaltspunkte dafür voraus, dass die beschuldigte Person sich dem Straf-
verfahren oder der zu erwartenden Sanktion durch Flucht entziehen könnte
(Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerich-
tes darf die Schwere der drohenden Sanktion zwar als ein Indiz für Flucht-
gefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um einen
Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände des be-
treffenden Falles, insbesondere die gesamten Lebensverhältnisse der be-
schuldigten Person, in Betracht gezogen werden. So ist es zulässig, ihre
familiären und sozialen Bindungen, ihre berufliche Situation und Schulden
sowie Kontakte ins Ausland und Ähnliches mitzuberücksichtigen (BGE 145
IV 503 E. 2.2 und BGE 143 IV 160 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts
1B_548/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 2.1).
3.3.3.
Der Beschwerdeführer ist einschlägig vorbestraft. So wurde er bereits am
25. April 2018 vom Obergericht des Kantons Aarau (SST.2018.36) u.a. zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten bei einer Probezeit von
5 Jahren wegen Widerhandlungen gegen das BetmG verurteilt; der Be-
schwerdeführer wurde damals schuldig gesprochen, knapp 120 kg Ha-
schisch in einem von ihm gelenkten Reisebus in die Schweiz eingeführt zu
haben. Zunächst droht ihm der Widerruf dieser bedingt ausgesprochenen
Freiheitsstrafe. Dem Beschwerdeführer wird nunmehr banden- und ge-
werbsmässige Widerhandlung gegen das BetmG nach Art. 19 Abs. 2 lit. b
BetmG und Art. 19 Abs. 2 lit. c BetmG vorgeworfen. Beide Bestimmungen
sehen eine Strafandrohung von einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr
vor. Der Beschwerdeführer hat mit Blick auf diese – und auch weitere sei-
nem Strafregisterauszug zu entnehmende Vorstrafen – mit einer unbeding-
ten mehrjährigen Freiheitsstrafe zu rechnen, da ihm kaum eine gute Prog-
nose zu stellen sein wird. Die Höhe der ihm drohenden Strafe ist ein starker
Anreiz zur Flucht.
Da dem Beschwerdeführer eine Verurteilung wegen Art. 19 Abs. 2 BetmG
droht, hat er nach Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB mit einer Landesverweisung
zu rechnen, die nach einer allfälligen unbedingten Freiheitsstrafe zu voll-
ziehen ist (vgl. Art. 66c Abs. 2 und Abs. 3 StGB). Überdies wurde der Be-
schwerdeführer mit Urteil des Bundesgerichts 2C_667/2020 vom 19. Okto-
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ber 2021, E. 7.1, bereits migrationsrechtlich verwarnt und der sofortige Wi-
derruf seiner Bewilligung und die Wegweisung aus der Schweiz angedroht,
sollte er weiterhin zu namhaften Klagen Anlass geben. Offensichtlich ist,
dass es sich bei der Verurteilung wegen gewerbs- und bandenmässigen
Betäubungsmittelhandels um eine solche namhafte Klage handeln würde.
Dem Beschwerdeführer ist dahingehend zuzustimmen, dass gegen die
Fluchtgefahr spricht, dass er seit 1990 in der Schweiz lebt, die Niederlas-
sungsbewilligung C besitzt und sprachlich integriert ist. Ferner ist er Inha-
ber eines Reiseunternehmens mit Sitz in der Schweiz und gleichzeitig des-
sen Chauffeur. Überdies hat er in der Schweiz Kinder, die er offenbar finan-
ziell unterstützt. Sodann leben verschiedene Familienmitglieder in der
Schweiz (Protokoll der Befragung des Beschwerdeführers anlässlich der
Eröffnung der Festnahme vom 13. Juni 2021, S. 1 und 8). Nachdem rechts-
kräftig erstellt ist, dass er seine berufliche Tätigkeit für seine kriminellen
Machenschaften nutzte, kann diese nicht zum Nachweis seiner Integration
in der Schweiz dienen.
Der blosse Umstand, dass eine beschuldigte Person in der Schweiz jahre-
lang ihren Lebensmittelpunkt hatte, schliesst Fluchtgefahr allerdings nicht
ohne Weiteres aus (Urteil des Bundesgerichts 1B_548/2021 vom 26. Okto-
ber 2021 E. 2.6). Wenn der Beschwerdeführer sich in der Schweiz befinde,
miete er laut eigenen Angaben für ein paar Tage ein Zimmer in einem Ho-
tel. Sodann wohne er an verschiedenen Orten. Während der Pandemie sei
er oft im Kosovo oder bei der Mutter in Z., Schwyz, gewesen. Bis Dezember
2020 habe er ein Studio für Fr. 600.00 in Zürich gemietet. Seine persönli-
chen Sachen befänden sich in seinem Koffer. Zudem habe er einen Bruder
im Kosovo, bei dem er lebe, wenn er im Ausland sei. Dort verfüge er auch
über persönliche Sachen (Kleider). Ferner habe er seit mehreren Jahren in
Albanien eine Partnerin, die er auch oft besuche. Der Beschwerdeführer
fliege nur in die Schweiz, wenn er hier arbeiten gehe. Zuletzt habe er sich
für vier Wochen in seiner Heimat befunden, um Ferien zu machen (Proto-
koll der Befragung des Beschwerdeführers anlässlich der Eröffnung der
Festnahme vom 13. Juni 2021, S. 8 f.). Dass er seit 2011 eine Wohnung in
B. mietet, wie er es jetzt beschwerdeweise unter Beilage des Mietvertrages
(Beschwerdebeilage 2) behauptet, erwähnte er an der Befragung vom
13. Juni 2021 nicht. Weshalb dem so ist, bleibt im Dunkeln. Bei den zahl-
reichen möglichen Domizilen des Beschwerdeführers in der Schweiz er-
scheint das Risiko des Untertauchens im Inland bereits als erheblich. So-
dann ist unklar, ob der Beschwerdeführer nicht noch weitere Wohnungen
in der Schweiz mietet, die er bisher nicht erwähnte. Diese bisher unerwähnt
gebliebenen Wohnungen würden sich naturgemäss bestens für ein Unter-
tauchen im Inland eignen. Sodann besteht die Möglichkeit einer Flucht in
die Wohnung seines Bruders in den Kosovo, wo er persönliche Dinge be-
sitzt, oder zu seiner langjährigen Partnerin. Ohnehin scheint er die ganze
Zeit unterwegs zu sein. In der Schweiz lebt er nur aus einem Koffer, was
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einerseits gegen einen eigentlichen Lebensmittelpunkt hierzulande spricht
und andererseits eine Flucht erleichtert. Nachdem so viele Gründe für eine
erhebliche Fluchtgefahr ins Ausland oder ein Untertauchen im Inland spre-
chen, braucht nicht auf seine finanzielle Situation eingegangen zu werden.
Es rechtfertigt sich lediglich der Hinweis, dass die eigentlichen Fahrtkosten
für das Absetzen in den angrenzenden Schengenraum marginal sind. Das
Obergericht hegt sodann starke Zweifel daran, dass sich die finanzielle Si-
tuation derart schlecht gestaltet, wie er es behauptet, nachdem er bei ei-
nem Transport von 120 kg Haschisch erwischt wurde und die kriminellen
Machenschaften zusätzlich zu seiner beruflichen Tätigkeit ausübte.
Unter den gegebenen Umständen ist die Annahme einer ausgeprägten
Fluchtgefahr zu bejahen. Durch die Bestreitung entsprechender Absichten
und das Vorbringen, er habe sich auch in einem früheren Strafverfahren
nicht durch Flucht entzogen, vermag der Beschwerdeführer diese nicht zu
entkräften.
Nachdem mit der Fluchtgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO ein Haft-
grund vorliegt, erübrigt sich die Prüfung weiterer Haftgründe (Urteil des
Bundesgerichts 1B_142/2021 vom 15. April 2021 E. 4.4).
3.4.
Sodann beantragt der Beschwerdeführer an Stelle von Haft eine Ausweis-
oder Schriftensperre, allenfalls verbunden mit einer Meldepflicht.
Das zuständige Gericht ordnet an Stelle der Untersuchungs- oder der Si-
cherheitshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen an, wenn sie den
gleichen Zweck wie die Haft erfüllen (Art. 237 Abs. 1 StPO).
Vorliegend ist die Fluchtgefahr als ausgeprägt einzustufen. Mildere Ersatz-
massnahmen nach Art. 237 StPO, welche sie hinreichend bannen könnten,
sind nicht erkennbar und bei ausgeprägter Fluchtgefahr gemäss einschlä-
giger Praxis des Bundesgerichts ohnehin nicht ausreichend (Urteil des
Bundesgerichts 1B_51/2017 vom 7. März 2017 E. 3.5). Die vom Beschwer-
deführer angeregte Ausweis- und Schriftensperre ist bei ausländischen
Staatsangehörigen kaum wirksam, da die schweizerischen Behörden den
ausländischen nicht verbieten können, dem Beschuldigten neue Reisepa-
piere auszustellen (Urteile des Bundesgerichts 1B_142/2021 vom 15. April
2021 E. 5, 1B_181/2013 vom 4. Juni 2013 E. 3.3.2). Im Übrigen finden im
Schengenraum grundsätzlich keine Personenkontrollen statt, weshalb in-
soweit die Grenze auch ohne Ausweispapiere leicht überschritten werden
kann (BGE 145 IV 503 E. 3.2, Urteil des Bundesgerichts 1B_142/2021 vom
15. April 2021 E. 5). Daran vermag die bestehende Coronapandemie nichts
zu ändern. Ob dem Beschwerdeführer nach Ausreise aus der Schweiz die
Einreise in den Kosovo oder nach Albanien gelingt, ist für die hiesigen Straf-
behörden nicht weiter von Relevanz, hat er sich ihnen ja bereits durch das
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Absetzen in ein anderes Land entzogen. Eine Meldepflicht verhindert eine
Flucht effektiv nicht.
3.5.
Die Dauer der seit dem 12. Juni 2021 erstandenen und einstweilen um drei
Monate bis zum 12. März 2022 zu verlängernden Untersuchungshaft er-
scheint angesichts der dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Delikte
und der bei einer Verurteilung zu erwartenden (mehrjährigen) Freiheits-
strafe als verhältnismässig. Es besteht daher noch keine Gefahr für eine
Überhaft.
3.6.
Zusammenfassend ist die am 17. Dezember 2021 vom Zwangsmassnah-
mengericht des Kantons Aargau verfügte Verlängerung der Untersu-
chungshaft um drei Monate bis zum 12. März 2022 nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
4.
4.1.
Bei diesem Ausgang hat der Beschwerdeführer die Kosten des Beschwer-
deverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
4.2.
Die dem amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers für das vorliegende
Beschwerdeverfahren auszurichtende Entschädigung ist am Ende des
Strafverfahrens von der zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2
StPO).