Decision ID: adb59bd1-026b-44a0-bd76-d43170d03be2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
in Sachen
St._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
St._ meldete sich am 26. Juni 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab an, sie
habe keinen Beruf erlernt. Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 12. Juli 2004, die
Versicherte leide an einem chronischen Zervikobrachialsyndrom, an einer
Periarthropathie der rechten Schulter (St. n. Kontusion) und an einer
Anpassungsstörung mit reaktiver Depression, Vertigo und Abdominalkrämpfen. Als
Sigristin sei die Versicherte seit dem 26. September 2003 zu 100% arbeitsunfähig. In
einer leichten Tätigkeit in wechselnden Positionen könnte sie einige Stunden täglich
arbeiten. Dr. med. A._ legte einen Austrittsbericht der Klinik Valens vom 15. April
2004 bei. Die Versicherte hatte sich vier Wochen zur Rehabilitation dort aufgehalten.
Sie war wegen des Zervikobrachialsyndroms zugewiesen worden. Die Therapien hatten
zu einer deutlichen Schmerzminderung und zu einer Verbesserung der Beweglichkeit
geführt. Während des Aufenthalts war deutlich geworden, dass die soziale Problematik
im Vordergrund stand und dass diese zu ausgeprägten psychischen Belastungen
geführt hatte. Die Ärzte der Klinik Valens hatten für die bisherige Arbeit der Versicherten
als Sigristin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben. Für eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit waren sie von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
ausgegangen. Die evangelisch reformierte Kirchgemeinde B._ teilte der IV-Stelle am
14. August 2004 mit, sie habe die Versicherte bis 31. Juli 2004 als Mesmerin
beschäftigt. Ab dem 1. Januar 2002 habe der Monatslohn (inklusive 13. Gehalt) Fr.
4371.20 betragen. Die Versicherte sei mit einem Beschäftigungsgrad von 80% tätig
gewesen. Dr. med. C._ von der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle D._
berichtete der IV-Stelle am 12. Januar 2005, die Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10
F 43.23), an einer gemischten dissoziativen Störung (F44.7) mit
Sensibilitätsbeschwerden, Schwindel und Erbrechen, an chronischen
Schulterschmerzen rechts bei Tendinitis calcarea, an einem St. n.
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Schultergelenksarthroskopie und offener Kalkausräumung bei Tendinitis calcarea
(1995), an einem St. n. Schultergelenksmobilisation bei frozen shoulder (1995) und an
einer Zervikobrachialgie rechts. Die Versicherte klage über Schwindel, Erbrechen,
Schmerzen in der rechten Schulter und im Rücken, Kraftlosigkeit der linken Seite und
Kopfschmerzen. Sie gebe an, sie könne nur noch mit Stöcken gehen und auch das nur
noch maximal eine halbe Stunde lang. Dr. med. C._ führte weiter aus, während der
beiden Explorationen habe es keine Hinweise auf eine depressive Symptomatik
gegeben. Die Versicherte habe angegeben, dass sie gern arbeiten würde. Der erneute
Klinikaufenthalt im September/Oktober 2004, diesmal in Gais, habe nicht geholfen. Dr.
med. C._ war der Auffassung, dass eine Beschäftigung im Sitzen und ohne
körperliche Anstrengung die psychische Befindlichkeit deutlich verbessern, mehr
Lebenssinn vermitteln und der sehr arbeitswilligen Versicherten neue Perspektiven
eröffnen würde. In einem ersten Schritt wäre eine solche Erwerbstätigkeit halbtags
(4,25 Std.) möglich.
B.
Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle hielt am 23. August 2005 fest, die Versicherte
suche im Moment keine Arbeit, weil sie sich zu 100% arbeitsunfähig fühle. Die
Versicherte sei froh, dass sie überhaupt noch allein im Haus wohnen könne. Die
schwereren Hausarbeiten müssten von der Tochter erledigt werden. Bei voller
Gesundheit wäre sie zu 100% erwerbstätig, da die Kinder erwachsen seien. 1994 habe
sie einen Unfall gehabt. Vorher habe sie wegen der Kinder nicht zu 100% arbeiten
können, danach wegen der Gesundheit. Der Hausarzt habe ihr damals gesagt, sie
könne nur noch zu maximal 70% arbeiten. Sie habe dann das Pensum auf 80% erhöht,
aber das sei das absolute Maximum gewesen, das sie nach dem Unfall noch habe
arbeiten können. Die Eingliederungsberaterin vertrat die Auffassung, dass die
Arbeitsvermittlung unrealistisch und zwecklos sei, weil die Versicherte sich zu 100%
arbeitsunfähig fühle. Dr. med. D._, Chefarzt Psychosomatik der Klinik Gais berichtete
der IV-Stelle am 6. Oktober 2005, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (F43.21) und an einer gemischten dissoziativen Störung
(F44.7). Bis 17. Oktober 2004 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden.
Seither sei die Versicherte wieder zu 100% arbeitsfähig. Dies sei bereits im
Austrittsbericht der Klinik Gais attestiert worden. Am 24. Januar 2006 gab die
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Versicherte der IV-Stelle u.a. an, ohne die Behinderung würde sie als Mesmerin
arbeiten. Am 3. März 2006 erfolgte eine Haushaltabklärung. Die Abklärungsperson hielt
im entsprechenden Bericht fest, die Versicherte habe ausgeführt, sie wäre ohne die
Behinderung weiterhin im gleichen Rahmen wie bisher erwerbstätig. Die bisherige
Stelle als Mesmerin habe 80% betragen. Aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten
wäre keine zusätzliche Nebenbeschäftigung möglich gewesen. Die Versicherte müsste
aus finanziellen Gründen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Abklärung ergab eine
Einschränkung im Haushalt von 36,7%, wobei nicht klargestellt wurde, ob dabei die
Mithilfe von Familienangehörigen oder anderen Personen schadenmindernd
Berücksichtigung fand. Die Abklärungsperson betrachtete die Versicherte als zu 80%
erwerbs- und zu 20% im Haushalt tätig. Das entsprach einem anteiligen
Invaliditätsgrad im Haushalt von 7,34%. Für den Erwerbsteil ging die IV-Stelle von
einem Valideneinkommen der Versicherten als Mesmerin von Fr. 52'296.- aus, was
dem bei einem 80%-Pensum erzielbaren Lohn entsprach. Das zumutbare
Invalideneinkommen wurde anhand der Lohnstrukturerhebung 2005 (Frauen, Niveau 4)
ermittelt. Es belief sich bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% und einem
zusätzlichen Abzug von 10% auf Fr. 22'378.-. Die Erwerbseinbusse entsprach einem
Invaliditätsgrad von 57,2%. Davon berücksichtigte die IV-Stelle aber nur 80%, also
46,18%. Zusammen mit der Einschränkung im Haushalt von 7,34% resultierte ein
Invaliditätsgrad von 54%. Am 11. April 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Ausrichtung einer halben Rente ab 1. September 2004 beschlossen habe.
Die Versicherte wandte am 8. Mai 2006 ein, sie sei zu 100% invalid. Dr. med. E._
vom RAD empfahl am 12. Juni 2006 eine MEDAS-Begutachtung, da die medizinischen
Befunde mittlerweile veraltet seien und da sehr unterschiedliche
Arbeitsfähigkeitschätzungen vorlägen.
C.
Die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) am Universitätsspital Basel führte in
ihrem Gutachten vom 29. Dezember 2006 aus, die Versicherte leide an einem
generalisierten Schmerzsyndrom (mit/bei Omarthrose rechts mit frozen shoulder,
diagnostischer Arthroskopie und Schultermobilisation in Narkose April 1995 und
Halbseitenempfindungsstörung links ohne organisches Substrat), an einer Omarthrose
rechts (mit/bei St. n. Schulterarthroskopie und Kalkentfernung bei PHS calcarea und
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leicht- bis mittelgradigen Kettentendinosen zur HWS), an einer beginnenden PHS mit
Impingement-Symptomatik links sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - an
einer gemischten dissoziativen Störung (ICD-10 F 44.7)., St. n. Knieoperation rechts
1991, St. n. Strumaoperation 1992, St. n. Varizenoperation 1986 und St. n.
Appendektomie. Zur medizinischen Beurteilung führten die Sachverständigen des asim
aus, die Versicherte sei 1994 auf die rechte Schulter gefallen. Danach seien 1995 zwei
Schulteroperationen durchgeführt worden. Seither bestünden Beschwerden in dieser
Schulter, die aktuell mit Physiotherapie und Bädertherapie tolerabel sein. Die
Versicherte nehme keine Analgetika ein. Die Schulterschmerzen hätten sich
ausgeweitet. Hinzu gekommen seien Schwindel, Gangstörungen, Übelkeit, linksseitige
Sensibilitätsstörungen, Kopfschmerzen, Stimmungslabilität, Atembeschwerden und
Herzstechen. Die aktuell beschriebenen, intermittierend auftretenden
Schwindelbeschwerden und Gangstörungen, die halbseitige Gefühlsstörung und der
Brechreiz seien nicht durch organische Befunde erklärbar. Die Spannungen am
Arbeitsplatz und die darauffolgende, als Kränkung empfundene Kündigung seien
Belastungen, welche die dissoziative Störung aufrecht erhielten. Einerseits habe die
Versicherte Angst zu stürzen, weshalb sie nur an den Wänden entlang gehen könne,
und andererseits beschreibe sie eineinhalbstündige Velofahrten, die sie dreimal
wöchentlich zum Therapieort unternehme. Die Versicherte könne auch Auto fahren und
eineinhalb bis zwei Stunden gehen. Der intermittierende Charakter, die Auslösung
durch Belastung und Aufmerksamkeit und nicht zuletzt der sekundäre
Krankheitsgewinn führten zur Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung. Die
gesamte Schmerzpräsentation seitens der Schulterschmerzen lasse bei gewissen
Inkonsistenzen zwischen den beschriebenen Defiziten und dem Verhalten in
unbeobachteten Situationen eine deutliche Symptomausweitung vermuten. Die
dissoziative Störung bleibe wegen der sehr hohen Diskrepanzen und der stark
widersprüchlichen und wechselhaften Ausprägung der Einschränkungen ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit. Ausserdem erscheine eine konsequente Psychotherapie als
geeignet, die Störung zu überwinden. Aufgrund der rheumatologischen Diagnose
betreffend Schulter und St. n. zweimaliger Operation bestehe zwar eine verminderte
Belastbarkeit der oberen Extremitäten, vornehmlich des rechten Arms, für Heben und
Tragen schwerer Lasten sowie für Arbeiten mit belastendem Einsatz des rechten Arms
achsenfern und beider Arme auf und über Schulterhöhe sowie im Überkopfbereich,
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aber nicht in dem von der Versicherten subjektiv geltend gemachten Ausmass. Als
Sigristin sei die Versicherte zu 50% arbeitsfähig, falls keine körperlich schwer
belastenden Arbeiten zu verrichten seien. In körperlich leicht belastenden Tätigkeiten
mit der Möglichkeit, zur Schonung vornehmlich der rechten oberen Extremität sei die
Versicherte zu mindestens 80% arbeitsfähig. Ideal wäre eine Arbeit in
wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen stehend, gehend und sitzend wie etwa in
einer leichten Bürotätigkeit. Eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als Sigristin erscheine
schon für 2002 als gegeben.
D.
Die IV-Stelle ermittelte anhand des zuletzt erzielten Lohns ein Valideneinkommen von
Fr. 53'455.-. Dem stellte sie ein anhand der Lohnstrukturerhebung ermitteltes
Invalideneinkommen von Fr. 34'171.- (80% des Durchschnittseinkommens und
zusätzlicher Abzug 10%) gegenüber. Die Erwerbseinbusse von Fr. 19'284.- entsprach
einem Invaliditätsgrad von 36,08%. Davon berücksichtigte die IV-Stelle 80%, also
28,9%. Zusammen mit der anteiligen Einschränkung im Haushalt von 7,3% (20% von
36,7%) resultierte ein Invaliditätsgrad von 36%. Mit einem Vorbescheid vom 10. April
2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentengesuch
abzuweisen. Am 11. April 2007 versandte die IV-Stelle einen Vorbescheid, mit dem sie
die Abweisung des Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen ankündigte.
Sie begründete die vorgesehene Erledigung damit, dass aufgrund der geringfügigen
Einschränkung (20% in einer leidensangepassten Tätigkeit) kein Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen bestehe. Die Versicherte liess am 15. Juni 2007
einwenden, die Sachverständigen des asim hätten unzulässigerweise die Meinungen
der behandelnden Psychiater nicht berücksichtigt. Sie legte einen Bericht von Dr. med.
F._ und von G._ vom 7. Juni 2007 bei, laut dem sie sich bereits seit 3. Januar 2005
in Behandlung befand. In diesem Bericht waren folgende Diagnosen angegeben
worden: kombinierte Persönlichkeitsstörung (DD: Borderline Persönlichkeitsstörung),
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und gemischte dissoziative Störung. Die Therapeuten hatten weiter
angegeben, die Lebensgeschichte der Versicherten, die Kombination verschiedener
Symptome, die sich am besten in mehreren Diagnosen ausdrücken lasse, und die
lange Krankheitsdauer seien wichtig für die Beurteilung. Der Versicherten fehlten die
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innerpsychischen Ressourcen, um mit dem Schmerz besser als jetzt umgehen zu
können. Bei dieser Multimorbidität und dem Alter der Versicherten liege nicht mehr
drin. Die Arbeitsunfähigkeit betrage praktisch 100% und zwar nicht wegen einzelner
Symptome oder Symptomkomplexe, sondern wegen der Kombination. Wenn die
Versicherte beispielsweise wegen der Schmerzen verlangsamt arbeiten oder eine
Pause machen müsste, so bräuchte es wegen des schlechten Selbstwertgefühls, der
Schuldgefühle oder der Angst nur wenig, um die Arbeitsleistung ganz
zusammenbrechen zu lassen. Es gebe gar keine leidensadaptierte Tätigkeit, denn
wenn eine der körperlichen Leistungsfähigkeit angepasste Tätigkeit gefunden werden
könnte, bräuchte es wenig, beispielsweise eine Kritik am Arbeitsplatz oder einen
Konflikt mit anderen Mitarbeitern, und die Versicherte würde psychisch
dekompensieren, so dass die Arbeitsleistung drastisch sinken würde. Hätte die
Versicherte umgekehrt einen Arbeitsplatz, der ihr innerpsychische Stabilität und
Gewinn brächte, wäre die Gefahr gross, dass sie bei der ersten körperlich bedingten
Einschränkung mit Angst reagieren und psychisch dekompensieren würde. Es bestehe
deshalb wenig Hoffnung, die Versicherte in irgendeinen Arbeitsprozess einzugliedern.
Ein Einsatz in der Freiwilligenarbeit wäre hingegen möglich. Dies würde die Versicherte
zusätzlich stabilisieren.
E.
Die Sachverständigen des asim führten in ihrer Stellungnahme vom 6. September 2007
zu diesem Bericht aus, es liege zwar tatsächlich ein komplexes Störungsbild vor, das
nur unbefriedigend mit einer einzelnen Diagnosekategorie beschrieben werden könne.
Der gemischten dissoziativen Störung (F44.7) liege eine nicht näher bezeichnete
Persönlichkeitsstörung (F60.9) zugrunde, die durch unflexible, überdauernde Einfluss-
und Verhaltensmuster geprägt sei, welche im Sinne von unangepassten Coping-
Strategien zu persönlichem Leid und zwischenmenschlichen Konflikten führten und
einen Rehabilitationsprozess beeinträchtigten. Die Persönlichkeitsstörung sei geprägt
durch einen äusserst geringen Selbstwert, ein gestörtes Selbstbild mit Verdrängung
und Abspaltung von negativen Bewusstseinsinhalten, Somatisierungstendenzen,
oberflächlichen Affekten und der Tendenz zum Handlungsdialog. Unter psychosozialer
Belastung sowie durch chronische Schmerzen, Probleme am Arbeitsplatz und Verlust
desselbigen sowie durch Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz reagiere die
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Versicherte weniger depressiv, sondern mit dissoziativen Syndromen, wie
Gangstörung, Schwindel und Übelkeit bei unangemessen in positiver Weise getöntem
Affekt. Zum Zeitpunkt der Begutachtung habe ein depressives Syndrom
ausgeschlossen werden können, so dass die Diagnose einer Anpassungsstörung mit
depressiver Reaktion nicht habe gestellt werden können. In diese Konstellation passe
auch die beobachtete Wahrnehmung und Verarbeitung von körperlichen Symptomen
wie beispielsweise die Schmerzen, die bei vorhandener somatischer Ursache im
Zusammenhang mit neurotischen Konflikten und psychosozialen Belastungen die
Aufmerksamkeit auf das körperliche Symptom bannten und so zu einem primären
Krankheitsgewinn führten. Da die Versicherte ein buntes Bild an somatischen
Symptomen präsentiere und da die Schmerzen nicht die Dominanz hätten, wie sie bei
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu erwarten wären, sei diese
Diagnose nicht gerechtfertigt. Die Diagnose laute somit: nicht näher bezeichnete
Persönlichkeitsstörung (F60.4) und gemischte dissoziative Störung (F44.7). Es sei
davon auszugehen, dass die Persönlichkeitsstörung durch ein starres Repertoire von
dissoziativen Symptomen, Somatisierungstendenzen und unangepasstem, z. T.
konfliktträchtigem Verhalten eine erhöhte Vulnerabilität für psychische Störungen
darstelle und die Versicherte in der Bewältigung psychosozial belastender
Lebenssituationen sowie im rehabilitativen Prozess einschränke. Die Versicherte habe
aber auch beachtliche Ressourcen. Sie habe nach der Trennung vom gewalttätigen
Ehemann den familiären Zusammenhalt gewährleistet, sie habe sich positiv mit einer
gemeinnützigen Arbeit identifiziert, sie habe Loyalität und körperliche
Leistungsfähigkeit gezeigt. Ebenfalls zu berücksichtigen seien die körperlichen
Aktivitäten wie die regelmässigen mehrstündigen Radtouren, die Schwimmbadbesuche
und die regelmässigen Gymnastikübungen. Daher sei es nicht grundsätzlich
ausgeschlossen, dass die Versicherte in einer geeigneten Arbeitstätigkeit wieder in
einem substanziellen Umfang arbeitsfähig wäre. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe
deshalb eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Die Arbeitsunfähigkeit erkläre sich durch die tief
in der Persönlichkeit verwurzelten dysfunktionalen Erfahrungs- und Verhaltensmuster
mit unangepassten Stressbewältigungsstrategien mit verminderter Frustrationstoleranz
und mit verminderter Konfliktfähigkeit bei gleichzeitig erhöhtem konflikthaftem
Verhalten.
F.
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Mit Verfügungen vom 29. Oktober 2007 wies die IV-Stelle sowohl das Rentengesuch
als auch das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. In der Begründung
der Abweisung des Rentengesuchs wies sie darauf hin, dass sie eine Stellungnahme
des asim eingeholt habe und dass gemäss dieser Stellungnahme weiterhin von einer
Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen sei. Die Abweisung des Gesuchs um berufliche
Eingliederungsmassnahmen wurde damit begründet, dass eine geringfügige
Einschränkung der Vermittlungsfähigkeit keinen Anspruch entstehen lasse und dass
eine Arbeitsunfähigkeit von 20% in einer leidensadaptierten Erwerbstätigkeit keine
erhebliche Einschränkung darstelle.
G.
Die Versicherte liess am 29. November 2007 Beschwerde gegen diese beiden
Abweisungsverfügungen erheben. Sie beantragte die Zusprache einer halben Rente ab
1. September 2004, die Rückweisung zur weiteren Abklärung des Invaliditätsgrades ab
Januar 2007 und die Prüfung beruflicher Eingliederungsmassnahmen. Eventualiter
beantragte sie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab wann rechtens.
Schliesslich verlangte sie die Zusprache eines Verzugszinses von 5% ab 1. September
2004. Zur Begründung führte sie insbesondere aus, die IV-Stelle sei zu Recht davon
ausgegangen, dass sie als Sigristin zu 100% arbeitsunfähig sei. Es fehlten aber
Angaben darüber, ab wann eine Arbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit bestanden haben solle. Wenn überhaupt könne eine Arbeitsfähigkeit
von 80% erst ab dem Begutachtungszeitpunkt angenommen werden. Bis zu diesem
Zeitpunkt sei von echtzeitlichen Berichten auszugehen, die eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit auch für eine adaptierte Tätigkeit belegten. Deshalb bestehe
zumindest ein Anspruch auf eine befristete Rente. Nach der gemischten Methode (80%
Erwerb, 20% Haushalt) bestehe ab dem 1. September 2004 (Ablauf Wartejahr seit 26.
September 2003) ein Anspruch auf eine volle Rente zumindest bis 31. Dezember 2006.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des asim erfülle die
Anforderungen, die praxisgemäss an ein Gutachten zu stellen seien, nicht. So sei etwa
auf die Diagnose einer Borderline-Störung gar nicht eingegangen worden. Die
Möglichkeit, dass sich nach der Begutachtung wieder ein depressiver Zustand
eingestellt haben könnte, hätte es erforderlich gemacht, dass die Sachverständigen
des asim sie erneut untersucht hätten, bevor sie ihre Stellungnahme zum Bericht F._/
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G._ abgegeben hätten. Dieser Bericht lasse darauf schliessen, dass es den in die
Therapie involvierten Personen besser gelungen sei, die psychischen Vorgänge zu
beschreiben. Sollte keine Rückweisung zur weiteren medizinischen Abklärung
angeordnet werden, müsste auf den Bericht F._/G._ abgestellt werden. Da ein
Anspruch auf mindestens eine Teilrente bestehe, seien auch berufliche Massnahmen
zu prüfen. Die Entstehung des Rentenanspruchs liege mehr als 24 Monate zurück,
weshalb ein Anspruch auf einen Verzugszins bestehe.
H.
Die IV-Stelle beantragte am 24. Januar 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie wies
darauf hin, dass die Versicherte die Qualifikation als zu 80% erwerbstätig und zu 20%
im Haushalt tätig nicht bestritten habe. Demnach sei nach der sogenannten
gemischten Methode vorzugehen. Auch die im Gutachten des asim enthaltene
Einschätzung der körperlichen Beeinträchtigung sei zu Recht nicht angezweifelt
worden. In bezug auf die psychische Beeinträchtigung hätten sich die
Sachverständigen des asim einlässlich mit der Beurteilung durch den behandelnden
Psychiater auseinandergesetzt und dabei ihre Einschätzung angepasst. Sie hätten zwar
ebenso wie der behandelnde Psychiater eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert,
dieser Störung aber deutlich geringere Auswirkungen auf die zumutbare
Arbeitsfähigkeit beigemessen als der behandelnde Psychiater, weil die Versicherte über
Ressourcen verfüge. Bei der Begutachtung unerkannt gebliebene Gesichtspunkte
seien von den Sachverständigen in der Stellungnahme vom 6. September 2007
umfassend berücksichtigt und in die korrigierte Arbeitsfähigkeitsschätzung aus rein
psychiatrischer Sicht einbezogen worden. Dr. med. F._ sei auf die Therapie
fokussiert gewesen. Wohl deshalb habe er den Ressourcen und dem
Leistungspotential der Versicherten nicht gleich viel Beachtung geschenkt wie die
Sachverständigen des asim. Praxisgemäss sei der Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen des asim grössere Überzeugungskraft beizumessen als der
abweichenden Einschätzung des behandelnden Psychiaters. Es gebe keinen Hinweis
darauf, dass die Versicherte vor der Begutachtung an einem wesentlich schlechteren
psychischen Gesundheitszustand gelitten hätte. Für den Lauf des Wartejahres könne
deshalb nicht auf die Arbeitsunfähigkeit als Mesmerin abgestellt werden. Die
Versicherte hätte nämlich rechtzeitig eine angepasste Hilfsarbeit suchen müssen,
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zumal die somatischen Beschwerden wohl schon im Jahr 2002 aufgetreten seien.
Deshalb bestehe kein Anspruch auf eine befristete Rente. Da die Versicherte sich auf
ihre vollständige Arbeitsunfähigkeit berufe, fehle es an der subjektiven
Eingliederungsfähigkeit. Da der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich deutlich unter 20%
liege, falle eine Umschulung ausser Betracht.
I.
Die Versicherte wandte am 10. März 2008 ein, die Sachverständigen des asim hätten
die von den Therapeuten gestellten Diagnosen gar nicht diskutiert. Sie seien vielmehr
kommentarlos darüber hinweggegangen. Die Sachverständigen hätten deshalb nicht
einfach eine andere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen. Während die
Sachverständigen des asim es nicht geschafft hätten, das komplexe Störungsbild unter
stichhaltige psychiatrische Diagnosen zu subsumieren, hätten die Therapeuten diese
Lücke geschlossen und zudem neue objektive Gesichtspunkte hervorgebracht, die bei
der Begutachtung nicht zum Vorschein gekommen seien. Weitere medizinische
Abklärungen seien unerlässlich.
J.
Die IV-Stelle verzichtete am 17. März 2008 auf eine Duplik.

Considerations:
Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin hat zwei Verfügungen erhalten, nämlich die Abweisung ihres
Rentengesuchs und die Abweisung ihres Gesuchs um berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Sie hat beide Verfügungen angefochten, wobei sie aus
verfahrensökonomischen Gründen nur eine Beschwerdeschrift erstellt und eingereicht
hat. Das ändert aber nichts daran, dass es sich um zwei getrennte
Beschwerdeverfahren handelt, denn jede der beiden Verfügungen wäre für sich allein
rechtskraftfähig, d.h. die Beschwerdeführerin hätte eine Beschwerde zurückziehen
können, ohne damit das weiterlaufende andere Beschwerdeverfahren zu tangieren. Die
Beschwerdeführerin hat sinngemäss den Antrag gestellt, die beiden
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Beschwerdeverfahren in einem Urteil zu erledigen. Diesem Antrag kann ohne weiteres
entsprochen werden, denn der persönliche und sachliche Zusammenhang der beiden
Beschwerdeverfahren ist offensichtlich und es resultiert ein erheblicher
verfahrensökonomischer Vorteil.
2.
2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG (in der hier massgebenden, bis 31. Dez. 2007
geltenden Fassung) i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird hingegen für
die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung
besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28 Abs. 2 IVG in der
hier massgebenden, bis 31. Dez. 2007 geltenden Fassung). Als Aufgabenbereich der
im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter anderem die übliche Tätigkeit im
Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei einer versicherten Person,
die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so
wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dez.
2007 geltenden Fassung) festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der
Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(Art. 28 Abs. 2 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung). Diese
Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode bezeichnet.
Laut Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn anzunehmen ist,
dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den
Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In ständiger Praxis prüft das
Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte
Person auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand
der hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des
Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die versicherte Person ohne den
Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (persönlicher,
familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig
wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung
bis
bis
ter
bis
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einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der
versicherten Person und deren berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen
massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher
Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl.
etwa BGE 125 V 150 und BGE 133 V 504 ff.).
2.2 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen teilt diese Auffassung nach wie
vor nicht. Es vertritt weiterhin die Auffassung, dass sich die Wahl der Methode der
Invaliditätsbemessung danach richten müsse, wie weit es der versicherten Person im
hypothetischen Gesundheitsfall objektiv zumutbar wäre, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
11. Dezember 2008, IV 2007/323). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
kann sich dabei auch auf die Gesetzesmaterialien stützen. Schon die Botschaft des
Bundesrates vom 24. Oktober 1958 zum IVG hat nämlich unmissverständlich
festgehalten: "Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass bei volljährigen Versicherten,
welche vor Eintritt der Invalidität nicht erwerbstätig waren, die Unmöglichkeit, sich im
bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen, der Erwerbsunfähigkeit gleichgestellt wird,
sofern die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumutbar ist" (Separatdruck S. 26). Es
geht bei der Statusfrage, d.h. der Methodenwahl (genau gleich wie es beim
Einkommensvergleich "nicht um den Vergleich von tatsächlichen, sondern von
möglichen Erwerbseinkommen geht" [Separatdruck S. 127]) um eine Hypothese, die
aus der Zumutbarkeit abzuleiten ist. Da nun allerdings nicht damit zu rechnen ist, dass
das Bundesgericht seine Auffassung ändern wird, bleibt dem Versicherungsgericht
nichts anderes übrig, als auch im vorliegenden Fall die bundesgerichtliche Praxis zur
Anwendung zu bringen, obwohl es der Beschwerdeführerin im hypothetischen
"Gesundheitsfall" offenkundig objektiv zumutbar wäre, vollzeitlich einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.3 Die Beschwerdeführerin hat im Beschwerdeverfahren ohne weiteres akzeptiert,
dass sie als zu 80% erwerbs- und zu 20% im Haushalt tätig zu qualifizieren sei, so
dass die sogenannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung
gelange. Entgegen der von der Beschwerdegegnerin offenbar vertretenen Auffassung
bedeutet das nicht, dass dem Gericht mangels einer entsprechenden Rüge der
Beschwerdeführerin die Beurteilung der Statusfrage entzogen wäre. Gemäss Art. 61 lit.
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d Satz 1 ATSG ist das Gericht nämlich nicht an die Begehren der Parteien gebunden.
Das bedeutet, dass es den gesamten Streitgegenstand zu beurteilen hat, auch wenn
die Beschwerde führende Person nur einen Teilaspekt des Streitgegenstandes gerügt
hat. Es liesse sich weder mit dem Wortlaut noch mit dem Sinn und Zweck des Art. 61
lit. d Satz 1 ATSG in Übereinstimmung bringen, eine klar als falsch erkannte
Bemessungsmethode zur Anwendung bringen zu müssen, nur weil die Beschwerde
führende Partei die Rentenverfügung in diesem Punkt nicht als rechtswidrig gerügt
hätte. Gemäss dem Bericht über die Haushaltabklärung vom 3. März 2006 wäre die
Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung im gleichen Rahmen wie
bisher erwerbstätig gewesen, wobei "wie bisher" als "wie vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung" zu interpretieren sein dürfte. Die Beschwerdeführerin hat
dies offensichtlich auf die Art der Erwerbstätigkeit, also auf die von ihr so geschätzte
Arbeit als Mesmerin bezogen. Als Mesmerin am früheren Arbeitsort wäre die
Beschwerdeführerin ihrer eigenen Auffassung nach also weiterhin zu 80% erwerbstätig
gewesen, wenn sie nicht krank geworden wäre. Das bedeutet aber nicht, dass die
Beschwerdeführerin freiwillig nur zu 80% erwerbstätig gewesen wäre. Der
Abklärungsbericht enthält nämlich einen klaren Hinweis darauf, dass die Art der
Erwerbstätigkeit, nämlich die unregelmässigen Arbeitszeiten an der letzten
Mesmerstelle, die Ausübung einer Nebenbeschäftigung zu 20% verunmöglicht hätte.
Die Beschwerdeführerin wäre also neben der Mesmertätigkeit (80%) einer
Nebenerwerbstätigkeit (20%) nachgegangen, wenn ihr dies organisatorisch möglich
gewesen wäre. Die Frage, in welchem Ausmass eine versicherte Person im
hypothetischen "Gesundheitsfall" einer Erwerbstätigkeit nachginge, d.h. wie ihre
"Validenkarriere" aussähe, kann nicht anhand einer bestimmten Arbeitsstelle
beantwortet werden, denn es geht darum, generell die Leistungsfähigkeit ohne den
Gesundheitsschaden zu bestimmen. Die "Validenkarriere" ist also nicht die konkrete,
ungünstige Arbeitssituation, die rein aus organisatorischen Gründen keine volle
Ausschöpfung der ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung hypothetisch bestehenden
Leistungsfähigkeit zulässt. Es ist deshalb irrelevant, dass die Beschwerdeführerin sich
im hypothetischen "Gesundheitsfall" mit einem Beschäftigungsgrad von 80% begnügt
hätte, nur um ihre konkrete Mesmerstelle behalten zu können. Massgebend ist
vielmehr, dass die Beschwerdeführerin aufgrund insbesondere ihrer sehr beengten
finanziellen Verhältnisse (Scheidungsalimente von Fr. 300.- monatlich als einzige
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Einnahmenquelle) mit einem Beschäftigungsgrad von 100% einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen wäre. Entgegen der Interpretation des Abklärungsberichts durch die
Beschwerdegegnerin ergibt sich also aus den (zwar sowohl in bezug auf die
Fragestellung als auch in bezug auf die Antworten ungenügend protokollierten, aber
aufgrund der objektiven Umstände doch plausiblen) Angaben im Abklärungsbericht,
dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" zu 100% einer
Erwerbstätigkeit nachginge. Dafür sprechen auch die Angaben der Beschwerdeführerin
bei anderen Gelegenheiten. Am 27. Dezember 2006 hat sie gegenüber dem
behandelnden Psychiater angegeben, "wegen gesundheitlicher Probleme habe sie ihr
Pensum schon 1999 von 100 auf 70% reduzieren müssen". Bereits am 12. April 2005
hatte sie im Gespräch mit dem Berufsberater ausgeführt, vor dem im Jahr 1994
erlittenen Unfall habe sie wegen der Kinder nicht zu 100% arbeiten können und danach
nicht wegen der Gesundheit. Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin ist deshalb
nicht mittels der sogenannten gemischten Methode, sondern mittels eines reinen
Einkommensvergleichs zu berechnen.
3.
3.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das
Einkommen, das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung allfälliger notwendiger und zumutbarer Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens - und damit in der Regel ausschlaggebendes
Element der Invaliditätsbemessung - ist die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung.
Bereits am 15. April 2004 haben die Ärzte der Klinik Valens für eine den körperlichen
Beeinträchtigungen Rechnung tragende leichte und wechselbelastende Tätigkeit einen
Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% angegeben. Sie haben angenommen, die psychischen
Beschwerden seien nicht so ausgeprägt, dass die Beschwerdeführerin ihre subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung nicht durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwinden könnte. Der Hausarzt Dr. med. A._ hat in seinem Bericht vom 12. Juli
2004 für eine den physischen Beschwerden Rechnung tragende Erwerbstätigkeit eine
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Arbeitsunfähigkeit von höchstens 50% (einige Stunden täglich) angegeben. Der
damalige behandelnde Psychiater Dr. med. C._ hat zwar am 12. Januar 2005 nur
eine halbtägige adaptierte Erwerbstätigkeit als zumutbar betrachtet. Er hat dies aber
nur als ersten Schritt betrachtet, d.h. er ist davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin in absehbarer Zeit fähig sein werde, zu deutlich über 50% einer
adaptierten Erwerbstätigkeit nachzugehen. Weitgehend dieselbe Auffassung hat Dr.
med. D._ am 6. Oktober 2005 vertreten. Er hat die Beschwerdeführerin nämlich als
zu 100% arbeitsfähig betrachtet, wobei er auf den Austrittsbericht der Klinik Gais
verwiesen hat. Entgegen der von Dr. med. E._ vom RAD am 12. Juni 2006
geäusserten Meinung haben also bis zu diesem Zeitpunkt nicht sehr unterschiedliche,
sondern weitgehend übereinstimmende Arbeitsfähigkeitsschätzungen vorgelegen.
Einzig der Hausarzt Dr. med. A._ hat eine definitiv auf 50% reduzierte Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin angegeben. Die Sachverständigen des asim haben in ihrem
Gutachten vom 29. Dezember 2006 eine leicht pessimistischere Auffassung als die
Mehrheit der früher mit der Beschwerdeführerin befassten Ärzte vertreten, indem sie
von einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit von mindestens 80%
ausgegangen sind. Sie sind in grundsätzlicher Übereinstimmung mit früheren
Berichterstattern davon ausgegangen, dass es der Beschwerdeführerin möglich und
zumutbar sei, die Überzeugung, krankheitsbedingt vollständig arbeitsunfähig zu sein,
zu überwinden. Begründet haben sie dies damit, dass die Beschwerdeführerin
beträchtliche Differenzen zwischen den von ihr beschriebenen Defiziten und dem
Verhalten in Situationen, in denen sie sich unbeobachtet gewähnt habe, aufweise. Die
Sachverständigen des asim sind also davon ausgegangen, dass sich die zumutbare
Arbeitsfähigkeit nicht nach den Selbstangaben der Beschwerdeführerin, sondern nach
der gezeigten bzw. im Alltag demonstrierten Leistung richte. Die Therapeuten Dr. med.
F._ und G._ haben demgegenüber ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die
Angaben der Beschwerdeführerin und auf die von ihnen gestellten Diagnosen gestützt.
Dabei sind sie von einer ausserordentlich pessimistischen Prognose in bezug auf die
Fähigkeit der Beschwerdeführerin, eine Erwerbstätigkeit auszuüben, ausgegangen. Sie
haben angenommen, in einer adaptierten Erwerbstätigkeit könnte die
Beschwerdeführerin zwar langsamer arbeiten oder vermehrt Pausen einschalten.
Dadurch würde aber angesichts des schlechten Selbstwertgefühls, der Schuldgefühle
und der Angst die sehr grosse Gefahr entstehen, dass die Arbeitsleistung ganz
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zusammenbrechen würde. Auch eine Kritik am Arbeitsplatz oder ein Konflikt mit
anderen Arbeitnehmern hätte zur Folge, dass die Beschwerdeführerin psychisch
dekompensieren würde, womit die Leistung drastisch sinken würde. Hätte die
Beschwerdeführerin einen Arbeitsplatz, der ihr eine innerpsychische Stabilität und
Gewinn brächte, der also auch im Hinblick auf die Beeinträchtigung der psychischen
Gesundheit bestmöglich adaptiert wäre, bestünde nach der Auffassung von Dr. med.
F._ und G._ die grosse Gefahr, dass die Beschwerdeführerin bei der ersten
körperlich bedingten Einschränkung mit Angst reagieren und psychisch
dekompensieren würde. Aus dieser Prognose haben die beiden Therapeuten eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgeleitet. Gleichzeitig haben
sie aber einen Einsatz der Beschwerdeführerin in einer Freiwilligenarbeit als ohne
weiteres möglich und zumutbar betrachtet, allerdings ohne hier einen maximalen
Beschäftigungsgrad anzugeben. Für eine Freiwilligenarbeit haben sie also keine Gefahr
einer psychischen Dekompensation gesehen. Vielmehr sind sie sogar von einem
Stabilisierungseffekt einer Freiwilligenarbeit ausgegangen. Warum die Freiwilligenarbeit
für die Beschwerdeführerin nicht nur möglich und zumutbar, sondern sogar heilsam
sein solle, während eine - physisch und psychisch adaptierte - bezahlte Arbeit beinahe
mit Sicherheit in einer psychischen Dekompensation enden würde, ist nicht
einzusehen. Freiwilligenarbeit beinhaltet ebenfalls Stress, Unterordnung, Pflicht zu
sorgfältigem Arbeiten, Auseinandersetzung mit Personen am Arbeitsplatz usw. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. F._ und G._ bezogen auf eine adaptierte
Erwerbstätigkeit ist deshalb nicht plausibel, so dass nicht auf sie abgestellt werden
kann. Demgegenüber ist der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des
asim eine hohe Überzeugungskraft beizumessen, zumal sie weitgehend mit der
Einschätzung der meisten früheren Berichterstatter übereinstimmt. Die Einschätzung
von Dr. med. F._ und G._ vermag diese Überzeugungskraft nicht zu erschüttern.
Entscheidend ist nämlich nicht die "technisch" richtige Diagnosestellung, sondern die
Auswirkung der Krankheit auf die Fähigkeit der Beschwerdeführerin, ihre subjektive
vollständige Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine zumutbare
Willensanstrengung zu überwinden. Der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens der Beschwerdeführerin ist deshalb ein Arbeitsfähigkeitsgrad von
80% zugrunde zu legen.
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3.2 Die Beschwerdeführerin hat nach der krankheitsbedingten Auflösung des
Arbeitsverhältnisses mit der evangelisch reformierten Kirchgemeinde B._ per 31. Juli
2004 keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt. Ihr zumutbares Invalideneinkommen ist
deshalb praxisgemäss anhand lohnstatistischer Zahlen zu ermitteln. Massgebend ist
die Tabelle TA1 im Anhang zu der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung 2004 (Resultate auf nationaler Ebene). Da die der
Beschwerdeführerin noch zumutbaren, sowohl in physischer als auch in psychischer
Hinsicht adaptierten Hilfsarbeiten nicht auf eine oder wenige Branchen beschränkt
sind, sondern in praktisch jeder Branche nachgefragt werden, ist auf den
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen aller Branchen von Fr. 3893.- abzustellen.
Diese Zahl beruht auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Std. Effektiv hat die
durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Jahr 2004 aber 41,6 Std. betragen. Das
Durchschnittseinkommen ist deshalb entsprechend zu erhöhen. Es beläuft sich auf Fr.
3951.40 bzw. Fr. 47'417.-. Da die Lohnstrukturerhebung keinen Hinweis darauf enthält,
dass die Beschränkung auf eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit einen
Lohnnachteil zur Folge hätte, weil derartige Tätigkeiten generell schlechter entlöhnt
würden als körperlich beanspruchende Tätigkeiten, rechtfertigt diese Beschränkung
keinen zusätzlichen, über die Arbeitsunfähigkeit hinausgehenden Abzug vom
Durchschnittslohn. Etwas anderes gilt für die Beschränkung der Beschwerdeführerin
auf Tätigkeiten, die den psychischen Besonderheiten Rechnung tragen. Hier würde die
Beschwerdeführerin einen ganz erheblichen Lohnnachteil gegenüber gesunden
Arbeitnehmerinnen zu gewärtigen haben, denn ein potentieller Arbeitgeber müsste
durch einen deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Lohn veranlasst werden, die
hohe Stress- und Überforderungsanfälligkeit, den Bedarf nach einer Abschirmung
gegenüber negativen oder belastenden Äusserungen von Vorgesetzten und Kollegen,
die Unfähigkeit eines vorübergehenden Einsatzes an einem anderen Arbeitsplatz oder
der Leistung von Überstunden, die Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen
usw. zu tolerieren. Selbst unter Berücksichtigung des statistisch ausgewiesenen
unterproportionalen Lohnnachteils der Hilfsarbeiterinnen bei einem Beschäftigungsgrad
von 75-89% erscheint deshalb ein zusätzlicher Abzug vom statistischen
Durchschnittseinkommen von 10% als angemessen. Der Arbeitsunfähigkeitsgrad von
20% reduziert das erzielbare Einkommen von Fr. 47'417.- auf Fr. 37'934.-. Der
zusätzliche Abzug von 10% lässt es schliesslich auf Fr. 34'141.- sinken. Das
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zumutbare Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin beläuft sich somit auf Fr.
34'141.-. Gemäss den Angaben der evangelisch reformierten Kirchgemeinde B._
belief sich das Einkommen der Beschwerdeführerin im Jahr 2004 auf Fr. 4371.90 bzw.
Fr. 52'454.40. Dies beruhte auf einem Beschäftigungsgrad von 80%. Da die
Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung zu 100% hätte
erwerbstätig sein können (wenn auch nicht am selben Arbeitsplatz, weil es sich nicht
um eine Vollzeitstelle handelte), beträgt das Valideneinkommen bei voller Leistung Fr.
65'568.-. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse beläuft sich somit auf Fr.
31'427.-. Das entspricht einem Invaliditätsgrad von knapp 48%. Die
Beschwerdeführerin hat somit grundsätzlich einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Da
die Arbeitsunfähigkeit nach den übereinstimmenden Angaben des Hausarztes und des
Arbeitsgebers im September 2003 eingesetzt hat, besteht der Rentenanspruch gemäss
Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der hier massgebenden, bis 31. Dezember 2007 geltenden
Fassung) ab 1. September 2004.
3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der hier massgebenden, bis 31. Dezember 2007
geltenden Fassung) besteht ab einem Invaliditätsgrad von 40% ein Anspruch auf eine
Invalidenrente. Der Begriff 'invalid' wird in Art. 8 ATSG definiert. Es handelt sich um die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 7 ATSG ist die Erwerbsunfähigkeit der nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
an Erwerbsmöglichkeiten. Eine Erwerbsunfähigkeit und damit eine Invalidität als
Anspruchsvoraussetzung einer Invalidenrente kann also nur vorliegen, wenn entweder
sämtliche möglichen und zumutbaren Eingliederungsmöglichkeiten ausgeschöpft
worden sind oder wenn zum vornherein feststeht, dass keine (weiteren)
Eingliederungsmöglichkeiten bestehen. Diese Bedingung des Vorliegens einer
Invalidität und damit der Entstehung eines Rentenanspruchs wird als Grundsatz der
'Eingliederung vor Rente' bezeichnet. Es handelt sich um eine Ausprägung der
allgemeinen Schadenminderungspflicht (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A.,
Vorbemerkungen N. 47). Das bedeutet für den vorliegenden Fall, dass der
Beschwerdeführerin grundsätzlich keine Invalidenrente zugesprochen werden kann,
wenn eine Möglichkeit besteht, ihre behinderungsbedingte Erwerbseinbusse durch eine
berufliche Eingliederung zu reduzieren oder gar vollständig zu kompensieren, so dass
kein Rentenanspruch entstehen könnte. Die Beschwerdeführerin weist eine
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bescheidene Schulbildung auf. Sie hat keinen Beruf erlernt. Trotzdem hat sie vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung einen Lohn erzielt, der erheblich über dem
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen lag. Es ist nicht anzunehmen, dass die
Beschwerdeführerin mit der Gesundheitsbeeinträchtigung ohne jede Weiterbildung
sogar noch ein höheres Lohnniveau erreichen könnte. Deshalb bestünde die einzige
Möglichkeit, einen Invalidenrentenanspruch zu vermeiden, darin, dass die
Beschwerdeführerin sich einer sogenannt höherwertigen Umschulung unterziehen
würde, d.h. dass sie einen Beruf erlernen würde, dessen Lohnniveau so hoch wäre,
dass sie trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung und damit der reduzierten
Arbeitsfähigkeit ein Einkommen erzielen könnte, das mehr als 60% des früher
erzielbaren (Validen-) Einkommens ausmachen würde. Eine höherwertige Umschulung
kann nicht in einem Jahr absolviert werden. Die Beschwerdeführerin müsste
mindestens zwei, wahrscheinlich aber sogar drei oder vier Jahre in eine Umschulung
investieren. Auch wenn ihr dies möglich und zumutbar wäre, was aber ohne zusätzliche
Abklärungen nicht feststeht, wäre eine höherwertige Umschulung nicht sinnvoll, denn
die 1949 geborene Beschwerdeführerin stünde selbst dann, wenn die Umschulung
noch im Jahr 2009 beginnen würde, mit dem Berufsabschluss unmittelbar vor ihrer
altersbedingten Pensionierung. Unter diesen Umständen muss in antizipierender
Beweiswürdigung davon ausgegangen werden, dass eine - einzig sinnvolle -
höherwertige Umschulung nicht verhältnismässig wäre. Das bedeutet, dass keine
berufliche Eingliederungsmöglichkeit zur Verfügung steht, die geeignet wäre, den
drohenden rentenbegründenden Invaliditätsgrad zu vermeiden. Auch unter
Berücksichtigung des Grundsatzes der 'Eingliederung vor Rente' hat die
Beschwerdeführerin somit ab 1. September 2004 einen Anspruch auf eine
Viertelsrente. Da der Rentenbeginn mehr als 24 Monate zurückliegt, besteht gemäss
Art. 26 Abs. 2 ATSG ein Anspruch auf Verzugszinsen. Die Beschwerdegegnerin wird
den entsprechenden Betrag ermitteln und ausrichten.
3.4 Im Ergebnis erweist sich die Verfügung vom 29. Oktober 2007, mit welcher die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen verneint hat, als richtig, so dass die Beschwerde
abzuweisen ist. Zu prüfen bleibt, ob auch ein Anspruch auf die einzige nicht unter den
Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' zu subsumierende berufliche
Eingliederungsmassnahme, nämlich auf die Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 Satz 1
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IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung), zu Recht ebenfalls verneint
worden ist. Die Begründung der Beschwerdegegnerin, bei einer Arbeitsunfähigkeit von
20% bestehe kein Leistungsanspruch, ist offenkundig falsch, denn mit dem Verlust der
Arbeitsstelle als Mesmerin ist die Beschwerdeführerin arbeitslos geworden, womit sie
offensichtlich objektiv eine Arbeitsvermittlung benötigt hat. Da sie zudem eine
reduzierte Arbeitsfähigkeit aufgewiesen hat, ist sie gegenüber der Beschwerdegegnerin
anspruchsberechtigt gewesen, denn es hat sich um eine behinderungsspezifische
Arbeitslosigkeit gehandelt. Nun setzt die Arbeitsvermittlung aber voraus, dass eine
arbeitslose Person bereit ist, eine ihr vermittelte Arbeitsstelle auch anzunehmen (im
Bereich der Arbeitslosenversicherung als subjektive Vermittlungsfähigkeit bezeichnet).
Fehlt diese Bereitschaft, und davon ist die Beschwerdegegnerin im Fall der
Beschwerdeführerin aufgrund der klar kommunizierten subjektiven vollständigen
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu Recht ausgegangen, so besteht kein Anspruch auf
eine Arbeitsvermittlung. Da eine spätere Entstehung der Vermittlungsbereitschaft als
leistungserhebliche Sachverhaltsveränderung in Analogie zu Art. 87 Abs. 4 IVV zu
qualifizieren ist, schliesst die gerichtlich bestätigte Abweisung eines Anspruchs auf
Arbeitsvermittlung das Eintreten auf eine spätere Neuanmeldung in diesem Punkt nicht
aus.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die Verfügung
vom 29. Oktober 2007 betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen
vollumfänglich abzuweisen. Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Oktober
2007 betreffend die Invalidenrente hingegen ist gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist mit Wirkung ab 1. September 2004 eine Viertelsrente nebst den
Verzugszinsen zuzusprechen. Die Sache ist zur Vornahme der Rentenberechnung und
der Verzugszinsermittlung sowie zur entsprechenden Verfügung über den Betrag der
ab 1. September 2004 bestehenden Rente und des Verzugszinses an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Obwohl es sich um zwei Beschwerdeverfahren
handelt, hat die Gerichtsleitung nur einen Kostenvorschuss von Fr. 600.- erhoben. Sie
hat damit den engen Zusammenhang und die sich damit aufdrängende Behandlung
der beiden Beschwerden in einem Urteil vorweggenommen. Dieses Vorgehen
rechtfertigt es nämlich, die Kosten in jenem Bereich festzusetzen, den Art. 29 Abs. 1bis
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Satz 2 IVG für ein Beschwerdeverfahren vorgibt. Entsprechend dem
Verfahrensaufwand wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 600.- festgesetzt. Da die Frage der
beruflichen Eingliederung, bei deren Beantwortung die Beschwerdeführerin
vollumfänglich unterliegt, nur eine untergeordnete Bedeutung hat, rechtfertigt es sich,
der Beschwerdeführerin einen Anteil von Fr. 100.- aufzuerlegen. Die in der Rentenfrage
unterliegende Beschwerdegegnerin trägt dementsprechend einen Anteil von Fr. 500.-.
Der Beschwerdeführerin wird der überschiessende Anteil des geleisteten
Kostenvorausschusses von Fr. 600.-, also ein Betrag von Fr. 500.- zurückerstattet.
Auch in bezug auf das Begehren der Beschwerdeführerin um eine Parteientschädigung
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zwar in der Frage der beruflichen
Eingliederung unterliegt, diese Frage aber von untergeordneter Bedeutung ist. Der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Verfahrens (Art. 61 lit. g Satz 2
ATSG) in beiden Beschwerdeverfahren zusammen würde eine Parteientschädigung
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) von Fr. 3500.- entsprechen. Davon
entfallen Fr. 600.- auf die Frage der beruflichen Eingliederung und Fr. 2900.- auf die
Rentenfrage. Da die Beschwerdeführerin in der Rentenfrage vollumfänglich obsiegt, ist
sie von der Beschwerdegegnerin mit Fr. 2900.- zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG