Decision ID: f80cc287-b818-5fa5-a427-bdd967b4ea1c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a A._, deutscher Staatsangehöriger, wohnhaft in Deutschland,
war ab 1. Mai 1989 als Grenzgänger in der Klinik B._ in (...) als
Pfleger tätig gewesen (100%-Pensum). Die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland (IVSTA) sprach ihm ab 1. August 1997 auf Grund der Folgen eines
am 31. August 1996 erlittenen Unfalls eine halbe und ab 1. Juni 2000 eine
ganze Invalidenrente zu (Verfügungen vom 29. April 1999 und 25. Septem-
ber 2001). Mit Mitteilung vom 3. Juli 2007 stellte die IV-Stelle (...) (nachfol-
gend kantonale IV-Stelle) unveränderte Rentenverhältnisse fest (vgl. Urteil
des BGer 9C_315/2018 vom 5. März 2019 Sachverhalt Bst. A.a und Urteil
des BVGer C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014 vom 13. März 2018
Sachverhalt Bst. A.a ff.).
A.b Auf Grund eines anonymen Hinweises an die kantonale IV-Stelle, dem-
zufolge der Versicherte seit 1991 Mitglied einer professionellen Band sei,
die etwa 100 Auftritte jährlich und zehn CDs produziert habe, verfügte die
IVSTA am 13. Dezember 2010, u.a. gestützt auf eine Stellungnahme ihres
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 21. April 2010, vorsorglich "per
sofort" die Renteneinstellung. Dieser Beschluss wurde vom Bundesverwal-
tungsgericht auf Beschwerde hin durch das unangefochten gebliebene Ur-
teil B-860/2011 vom 8. September 2011 bestätigt. Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens hob die IVSTA die bisherige Invalidenrente gestützt
auf einen neu ermittelten Invaliditätsgrad von 16 % und unter Annahme
einer Meldepflichtverletzung rückwirkend zum 1. August 1997 auf (Verfü-
gungen vom 11. Juni/4. Juli 2014). Am 10. Dezember 2014 verfügte sie die
Rückforderung von in der Zeit vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember 2010 an
A._ ausgerichteten IV-Rentenleistungen in der Höhe von
CHF 17'917.- (vgl. Urteil 9C_315/2018 Bst. A.b sowie Urteil C-4032/2014;
C-7520/2014; C-7605/2014 Bst. B und C.f).
A.c A._ liess sowohl gegen die Rentenaufhebungs- wie auch ge-
gen die Rückforderungsverfügung Beschwerden an das Bundesverwal-
tungsgericht erheben (Verfahren C-4032/2014 und C-7520/2014). Diesem
wurde ferner eine von A._ gegen die IVSTA gerichtete Rechtsver-
weigerungs-/-verzögerungsbeschwerde vom 29. April 2014 übermittelt
(Verfahren C-7605/2014; vgl. Urteil 9C_315/2018 Bst. B.a. sowie Urteil
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014 Bst. C.a, C.i, C.m).
C-1697/2019
Seite 3
A.d Parallel zur Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht vom 26. De-
zember 2014 gegen die Rückforderungsverfügung (im Verfahren
C-7520/2014) stellte der Beschwerdeführer bei der IVSTA ein vorsorgliches
Gesuch um Schuldenerlass (Akten der IVSTA [IVSTA-act.] 178). Dabei
machte er geltend, dass die Schuld nicht rechtskräftig festgestellt worden
sei und die Rückerstattung für ihn angesichts seiner Verhältnisse eine
grosse Härte bedeuten würde, wofür er auf die beigefügten Unterlagen
über die wirtschaftlichen Verhältnisse verwies.
A.e Mit Entscheid vom 13. März 2018 schrieb das Bundesverwaltungsge-
richt die Rechtsverzögerungsbeschwerde infolge Gegenstandslosigkeit
ab, soweit es darauf eintrat (Verfahren C-7605/2014). Es hiess die gegen
die Rentenaufhebungsverfügungen vom 11. Juni/4. Juli 2014 gerichtete
Beschwerde teilweise gut und hob die angefochtenen Verfügungen inso-
weit auf, als darin der Rentenanspruch für die Zeit vom 1. August 1997 bis
31. Dezember 2001 verneint worden war (Verfahren C-4032/2014). Die ge-
gen die Rückforderungsverfügung vom 10. Dezember 2014 eingelegte Be-
schwerde wies es ab (Verfahren C-7520/2014; vgl. Urteil des BGer
9C_315/2018 Bst. B.b sowie Ziffern 1-4 des Dispositivs des Urteils des
BVGer C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014).
A.f A._ liess Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
führen und beantragte vor Bundesgericht, in Aufhebung des angefochte-
nen Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. März 2018 sowie
der Verfügungen der IVSTA vom 11. Juni/4. Juli und 10. Dezember 2014
sei ihm die bisherige ganze Invalidenrente weiterhin bis zum 30. April 2012
(Erreichen des AHV-Rentenalters) auszurichten (vgl. Urteil 9C_315/2018
Bst. C).
A.g Mit Urteil 9C_315/2018 wies das Bundesgericht die Beschwerde ab,
soweit darauf einzutreten sei. Es bestätigte namentlich, dass infolge der
Unrechtmässigkeit der vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2010 ausge-
richteten Rentenbetreffnisse sich die den Leistungszeitraum vom 1. Juni
2009 bis 31. Dezember 2010 betreffende Rückforderungsverfügung der
Beschwerdegegnerin vom 10. Dezember 2014 in allen Teilen als korrekt
erweise und nicht bundesrechtwidrig sei (vgl. Urteil 9C_315/2018 E. 7.2).
B.
Mit Verfügung vom 22. März 2019 lehnte die IVSTA den von A._
beantragten Erlass der Rückerstattungsforderung von CHF 17'917.- ab
(vgl. IVSTA-act. 339; Beschwerdebeilage).
C-1697/2019
Seite 4
C.
C.a Mit Eingabe vom 6. April 2019 (Datum Poststempel: 08.04.2019) führte
A._ gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht (Akten des Beschwerdeverfahrens [BVGer-act.] 1) und beantragt:
1. Die Verfügung kostenpflichtig aufzuheben und dem Erlassgesuch
stattzugeben,
2. dem Beschwerdeführer [A._] wird für die vorliegende Be-
schwerde und das vorangegangene Verwaltungsantragsverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege unter Verbeiständung von Rechtsanwalt
Dr. Wolfram Kuss, (...) (D) bewilligt.
C.b Mit ausgefülltem Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege"
vom 3. Mai 2019 und damit eingereichten Belegen wiederholte der Be-
schwerdeführer seinen Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im vorliegenden Beschwerdeverfahren (BVGer-act. 5).
C.c Die IVSTA liess sich am 20. Mai 2019 vernehmen und beantragte die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ver-
fügung (vgl. BVGer-act. 10).
C.d Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2019 (BVGer-act. 11) trat das
Bundesverwaltungsgericht auf das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege im Verwaltungsverfahren nicht ein und wies die
Vorinstanz an, das mit der Beschwerde vom 8. April 2019 gestellte Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Verwaltungsverfahren
entgegen zu nehmen und diesbezüglich einen Entscheid zu treffen (Dispo-
sitiv-Ziffern 1, 2). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und unentgeltlichen Verbeiständung im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren wurden gutgeheissen, und dem Beschwerdeführer
wurde Dr. Wolfram Kuss, Rechtsanwalt, DE-(...), als amtlich bestellter An-
walt beigeordnet (Dispositiv-Ziffern 3, 4).
C.e Mit Replik vom 30. Mai 2019 beantragte der Beschwerdeführer die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung (BVGer-act.12).
C.f Am 22. Juli 2019 nahm das Bundesverwaltungsgericht zur Kenntnis,
dass die IVSTA innert angesetzter Frist keine Duplik eingereicht habe und
schloss den Schriftenwechsel ab (BVGer-act. 15).
C-1697/2019
Seite 5
C.g Mit Begleitzettel vom 23. Juli 2019 reichte die IVSTA ihre Duplik vom
4. Juli 2019 ein, die zuvor noch nicht beim Bundesverwaltungsgericht ein-
gegangen war (vgl. BVGer-act. 16, 17). Die IVSTA führte aus, dass sich
aus der Replik keine neuen Aspekte ergäben, welche Anlass zu weiteren
Bemerkungen oder zu einer geänderten Betrachtungsweise geben wür-
den. Sie verweise deshalb vollumfänglich auf ihre Vernehmlassung vom
20. Mai 2019 und die darin gestellten Anträge.
C.h Mit Schreiben vom 31. Juli 2019 liess das Bundesverwaltungsgericht
dem Beschwerdeführer diese Duplik zukommen und erklärte, dass der
Schriftenwechsel weiter abgeschlossen bleibe (BVGer-act. 18).
C.h.a Am 19. August 2019 ging diese an den Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers adressierte Postsendung – von der Post retourniert und
den Vermerk "Sendung nicht abgeholt" tragend – beim Bundesverwal-
tungsgericht ein (vgl. BVGer-act. 19).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist daher zur Behandlung dieser Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1) vorbehal-
ten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die
bundesgesetzlich geregelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und
soweit die einzelnen Sozialversicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1
IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis
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Seite 6
und 28 - 70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom
ATSG vorsieht.
1.3 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes bil-
det die Verfügung der IVSTA vom 22. März 2019, mit welcher die IVSTA
das Gesuch des Beschwerdeführers um Erlass der Rückerstattung im Be-
trag von total CHF 17'917.- abgewiesen hat. Nicht zum Beschwerdegegen-
stand gehört hingegen der mit Urteil 9C_315/2018 rechtskräftig bestätigte
Rückerstattungsanspruch der IVSTA (s. unten E. 5.3).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung
durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde vom 8. April 2019 ist daher einzutreten (Art. 60
Abs. 1 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Zunächst wirft der Beschwerdeführer der IVSTA unter Berufung auf
Art. 42 ATSG vor, sie habe ihm das Rechtsmittel der Einsprache verweigert
und habe ihm auch nicht subsidiär das rechtliche Gehör gewährt.
2.2 Gemäss Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Ge-
hör. Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Ein-
sprache anfechtbar sind.
2.3 Gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG sind Verfügungen der IVSTA in Abweichung
von den Artikeln 52 und 58 ATSG direkt beim Bundesverwaltungsgericht
anfechtbar. Daher geht der Vorwurf der unrechtmässigen Verweigerung ei-
ner Einsprache fehl.
2.4 Der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs ist formeller Na-
tur. Daher wäre er grundsätzlich vor Prüfung der materiellen Fragen zu be-
handeln. Vorliegend bietet es sich zur besseren Nachvollziehbarkeit hinge-
gen an, den Vorwurf der Verweigerung des rechtlichen Gehörs in An-
schluss an die Auseinandersetzung mit den materiellen Einwänden zu prü-
fen (unten E. 7).
3.
Das Beschwerdeverfahren ist von der Untersuchungsmaxime beherrscht,
C-1697/2019
Seite 7
weshalb das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat. Dieser Grund-
satz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a,
je m.w.H.) und der Rügemaxime, wonach der angefochtene Akt nicht auf
sämtliche denkbaren Mängel hin zu untersuchen ist, sondern das Gericht
sich nur mit jenen Einwänden auseinandersetzen muss, die in der Be-
schwerde thematisiert wurden (vgl. Urteile des BVGer C-4633/2016 vom
29. Mai 2019 E. 4.1 und C-5196/2013 vom 5. Januar 2016 E. 6.2 m.w.H.).
4.
4.1 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 220 E. 3.1.1; 131 V 242 E. 2.1). Demnach ist vorliegend
auf den Sachverhalt bis 22. März 2019 (Datum der angefochtenen Verfü-
gung) abzustellen.
4.2 Die Sache beurteilt sich grundsätzlich nach denjenigen materiellen
Rechtssätzen, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbe-
standes Geltung hatten (vgl. BGE 130 V 329). Dementsprechend finden
vorliegend insbesondere die per 1. Januar 2021 revidierten Bestimmungen
von ATSG und ATSV (SR 830.11) keine Anwendung (vgl. AS 2020 5137,
5149).
4.3 Der Beschwerdeführer kann im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder
der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des Sachverhalts sowie die Unangemessenheit des Ent-
scheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen (teilweise) gutheissen
oder den angefochtenen Entscheid auch mit einer von der Vorinstanz ab-
weichenden Begründung (teilweise) bestätigen (vgl. für viele: Urteil des
BVGer C-6591/2012 vom 7. Oktober 2015 E. 3.3 m.w.H.).
C-1697/2019
Seite 8
4.5 Die Beurteilung der Frage, ob die Rückerstattung von CHF 17'917.- zu
erlassen ist, bestimmt sich vorliegend ausschliesslich nach den schweize-
rischen Rechtsvorschriften (vgl. auch Urteil C-4032/2014; C-7520/2014;
C-7605/2014 [nachfolgend Urteil C-7520/2014] E. 3).
5.
Nachfolgend sind die für die Rückforderung von IV-Leistungen (E. 5.1) und
den Erlass der Rückerstattung (E. 5.2) massgebenden Bestimmungen,
Rechtsprechung und Lehre darzulegen.
5.1
5.1.1 Nach Art. 25 Abs. 1 erster Satz ATSG sind unrechtmässig bezogene
Leistungen zurückzuerstatten. Gemäss Art. 3 ATSV (Titel: "Rückforde-
rungsverfügung") wird über den Umfang der Rückforderung eine Verfü-
gung erlassen (Abs. 1). Der Versicherer weist in der Rückforderungsverfü-
gung auf die Möglichkeit des Erlasses hin (Abs. 2). Der Versicherer verfügt
den Verzicht auf die Rückforderung, wenn offensichtlich ist, dass die Vo-
raussetzungen für den Erlass gegeben sind (Abs. 3).
5.1.2 Die Rückerstattungspflicht gemäss Art. 25 Abs. 1 erster Satz ATSG
knüpft an die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs an. Die Unrecht-
mässigkeit einer bezogenen Leistung kann sich namentlich aus einer Wie-
dererwägung der leistungszusprechenden Verfügung (Art. 53 Abs. 2
ATSG), der prozessualen Revision der leistungszusprechenden Verfügung
(Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder der Anpassung einer zugesprochenen Leistung
(Art. 17 ATSG) ergeben (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020
[nachfolgend: KIESER, ATSG], Art. 25, Rz. 27; vgl. auch Urteil C-7520/2014
E. 9.1).
5.1.3 Mit Urteil des Bundesgerichts 9C_315/2018 in Verbindung mit dem
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-7520/2014 und der Verfügung der
IVSTA vom 10. Dezember 2014 wurde der IVSTA für die vom Beschwerde-
führer für den Zeitraum vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember 2010 bezoge-
nen Rentenleistungen eine Rückforderung in der Höhe von CHF 17'917.-
zugesprochen.
5.2
5.2.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 zweiter Satz ATSG muss, wer Leistungen in
gutem Glauben empfangen hat, sie nicht zurückerstatten, wenn eine
C-1697/2019
Seite 9
grosse Härte vorliegt. Gemäss Art. 4 ATSV (Titel: "Erlass") wird die Rück-
erstattung unrechtmässig gewährter Leistungen, die in gutem Glauben
empfangen wurden, bei Vorliegen einer grossen Härte ganz oder teilweise
erlassen (Abs. 1). Der Erlass wird auf schriftliches Gesuch gewährt. Das
Gesuch ist zu begründen, mit den nötigen Belegen zu versehen und spä-
testens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung
einzureichen (Abs. 4). Über den Erlass wird eine Verfügung erlassen (Abs.
5).
5.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 1 erster Satz ATSG und Art. 4 Abs. 1 ATSV setzt
der Erlass einer verfügten Leistungsrückerstattung kumulativ guten Glau-
ben betreffend den Leistungsempfang und grosse Härte voraus. Der gute
Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des
Rechtsmangels gegeben. Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht
nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit
schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit einerseits von
vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine
arglistige oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zu-
rückzuführen ist. Anderseits kann sich die rückerstattungspflichtige Person
auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht
fahrlässig war. Wie in anderen Bereichen beurteilt sich das Mass der erfor-
derlichen Sorgfalt nach einem objektiven Massstab, wobei aber das den
Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit,
Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf
(SVR 2020 IV Nr. 12 [Urteil des BGer 8C_458/2019 vom 24. September
2019] E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 138 V 218 E. 4 S. 220; 112 V 97 E. 2c
S. 103; SVR 2019 IV Nr. 6 S. 18, 8C_353/2018 E. 3.1). Soweit der Be-
schwerdeführer geltend macht, dass es sich bei Art. 25 Abs. 1 ATSG nicht
um eine "Kann-Vorschrift" handle, ist ihm zuzustimmen. Daraus kann er
vorliegend aber nichts zu seinen Gunsten ableiten.
5.3 Notwendig ist die Abgrenzung zwischen Festlegung einer Rückerstat-
tungspflicht und Entscheid über den Erlass einer Rückerstattung. Nach Er-
gehen der Rückerstattungsverfügung (ohne Erlass der Forderung nach Art.
3 Abs. 3 ATSV) stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen: Einerseits
kann die Rückerstattung im Bereich der Invalidenversicherung mit Be-
schwerde angefochten werden (vgl. Art. 69 IVG); andererseits kann ein Er-
lassgesuch gestellt werden. In Kombination dieser Möglichkeiten kann der
Empfänger der Rückerstattungsverfügung auch von beiden Rechtsbehel-
fen gleichzeitig Gebrauch machen, wie er dies mit der vorliegenden Be-
schwerde vom 8. April 2019 an das Bundesverwaltungsgericht und dem
C-1697/2019
Seite 10
vorsorglichen an die IVSTA adressierten Erlassgesuch vom 26. Dezember
2014 an die IVSTA getan hat. In jedem Fall kann die Erlassfrage aber erst
geprüft werden, wenn die Rechtsbeständigkeit der Rückerstattungsforde-
rung feststeht. Somit sind die Fragen nach der Rückerstattungspflicht ei-
nerseits und dem Erlass andererseits in zwei getrennten Verfahren zu be-
antworten. Die Rechtmässigkeit der rückwirkenden Rentenaufhebung oder
eines anderen Aspekts der Rückerstattungspflicht an sich kann im Erlass-
verfahren nicht mehr geprüft werden (vgl. KIESER, ATSG, Art. 25, Rz. 76;
JOHANNA DORMANN, in: Frésard-Fellay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020 [nachfol-
gend: Basler Kommentar ATSG], Art. 25 Rz. 90, 93 mit Hinweis auf die
Urteile des BGer 8C_77/2018 vom 30. April 2018 E. 3.2; 9C_181/2017 vom
6. Juni 2017 E. 4.1).
6.
6.1 Mit Erlass des Urteils des Bundesgerichts 9C_315/2018 vom 5. März
2019 in Verbindung mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-7520/2014 wurde dem Beschwerdeführer eine Rückerstattungsforde-
rung für die für den Zeitraum vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember 2010
bezogenen Rentenleistungen in der Höhe von CHF 17'917.- rechtskräftig
auferlegt. Vorliegend umstritten und zu prüfen ist, ob diese Rückerstattung
dem Beschwerdeführer zu erlassen ist. Nicht mehr in Frage gestellt und
geprüft werden kann die Rechtmässigkeit der rückwirkenden Rentenauf-
hebung oder eines anderen Aspekts der Rückerstattungspflicht.
6.2 In materieller Hinsicht streiten die Parteien sich vorliegend über die
Auslegung des Urteils des BGer 9C_315/2018, mit welchem die Rücker-
stattungspflicht bejaht wurde. Sie versuchen daraus herzuleiten, dass die
für den Erlass notwendige Voraussetzung des guten Glaubens des Be-
schwerdeführers gemäss diesem Bundesgerichturteil gegeben bzw. nicht
gegeben ist.
6.3 Das Bundesgericht hat in diesem Urteil festgehalten, dass der Be-
schwerdeführer seine Mitwirkung verweigert habe und der ihm obliegen-
den Auskunfts- und Mitwirkungspflicht von Beginn weg schuldhaft nicht
nachgekommen sei (E. 6.3.2). Da dies Aspekt der Rückerstattungspflicht
bzw. Teil der Beurteilung der Rechtmässigkeit der rückwirkenden Renten-
aufhebung darstellt und diese im Erlassverfahren nicht neu in Frage ge-
stellt bzw. beurteilt werden können (s. oben E. 5.3), ist auf diese aus dem
Bundesgerichtsurteil hergeleiteten Argumente nicht einzugehen. Nicht vom
C-1697/2019
Seite 11
Bundesgericht beurteilt wurde und zu prüfen ist hingegen, ob dieses
schuldhafte Verhalten (nur) eine leichte Fahrlässigkeit darstellt (in welchem
Fall das Vorliegen des guten Glaubens zu bejahen wäre) oder als grobfahr-
lässig oder sogar arglistig zu werten ist (in welchem Fall das Vorliegen des
guten Glaubens zu verneinen wäre).
6.4 Aus den Vorakten ergibt sich dazu Folgendes:
6.4.1 Der Beschwerdeführer übte die vorliegend thematisierte Musikertä-
tigkeit seit den frühen 1990er-Jahren aus. Trotzdem strich er auf dem For-
mular "Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen für Erwachsene" vom
26. März 1997 (IVSTA-act. 5) das Antwortfeld für die Frage 5.5 "Nebenbe-
schäftigungen" durch, wobei er mit seiner Unterschrift bestätigte, dass er
"seine Antworten wahrheitsgetreu und vollständig erteilt" habe. Auch hat er
seine Nebenbeschäftigung als Musiker anlässlich des am 23. Juni 2000
angehobenen Revisionsverfahrens nicht erwähnt, obgleich entsprechende
Fragestellungen klar vorlag ("Tätigkeit"/"Nebenberuflich Erwerbstätige").
Weiter hat er in der Revisionsprüfung im Jahr 2007 die Frage, ob er eine
nebenberufliche Tätigkeit ausübe, explizit verneint. Ausserdem fand die
Tatsache seiner musikalischen Betätigung keinen Eingang in die Akten des
Unfallversicherers, welche die IVSTA beigezogen hat (vgl. Urteil
9C_315/2018 E. 6.3.2.2; Urteil C-7520/2014 E. 8.3).
6.4.2 In der Verfügung vom 29. April 1999 (IVSTA-act. 4), der Revisions-
mitteilung der kantonalen IV-Stelle vom 10. Mai 1999 (IVSTA-act. 9), der
Verfügung der IVSTA vom 25. September 2001 (IVSTA-act. 11) und den
Revisionsmitteilungen der kantonalen IV-Stelle vom 13. September 2002
und 3. Juli 2007 (IVSTA-act. 14, 20) wurde der Beschwerdeführer auf seine
Meldepflichten hingewiesen, wonach er jede (wesentliche) Änderung (in
den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen), die einen Einfluss
über die Art oder den Betrag der Leistung zur Folge haben könnte, unver-
züglich derjenigen Kasse zu melden habe, welche die Rente auszahle.
Dies gelte insbesondere für Änderungen in der Erwerbslage, der Arbeits-
fähigkeit und im Gesundheitszustand bzw. sei insbesondere notwendig bei
Änderungen in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen, z.B. Auf-
nahme oder Aufgabe einer Erwerbstätigkeit. Obwohl seine Musikertätigkeit
in Bezug auf Tätigkeitsaufwand und Einkünfte jährlich schwankte, hat der
Beschwerdeführer (auch) diese jährlichen Änderungen weder der IVSTA
noch der kantonalen IV-Stelle mitgeteilt.
C-1697/2019
Seite 12
6.4.3 Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdeführer den ihm obliegen-
den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten von Beginn weg nicht nur schuld-
haft nicht nachgekommen (vgl. Urteil 9C_315/2018 E. 6.3.2.2), sondern hat
mindestens grobfahrlässig gehandelt (vgl. z.B. analog das Urteil des Ver-
waltungsgerichts des Kantons Bern 200 15 396 IV vom 29. September
2015 E. 4.4). Daher liegt kein guter Glaube im Sinne von Art. 25 Abs. 1
zweiter Satz ATSG und Art. 4 Abs. 1 ATSV vor. Damit entfällt eine der not-
wendigen Voraussetzungen für einen Erlassanspruch, weshalb dem Be-
schwerdeführer kein solcher zusteht (s. oben E. 5.2.2).
6.5 Diese Feststellung steht im Übrigen im Wesentlichen im Einklang da-
mit, dass das zweitinstanzliche Appellationsgericht des Kantons
C._ den Beschwerdeführer mit Urteil SB.2015.94 (AG.2019.202)
vom 11. Januar 2019 wegen mehrfachen Vergehens gegen das IVG zu ei-
ner Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 20.- verurteilt hat (vgl.
https://rechtsprechung.gerichte.bs.ch/, abgerufen am 04.02.2021). Dieses
Urteil ist in Rechtskraft erwachsen (vgl. auch Urteil des BGer 6B_469/2019,
6B_495/2019 vom 7. November 2019 E. 3.3; für die dahinführende Verfah-
rensgeschichte des ursprünglich von der IV-Stelle des Kantons C._
eingeleiteten Strafverfahrens vgl. namentlich Urteil 6B_469/2019,
6B_495/2019 Sachverhalt Bst. B, C und die im Urteil C-7250/2014 E. 8.3
zweiter Absatz angeführten Urteile). Da gemäss Art. 12 Abs. 1 StGB
(SR 311.0) – bestimmt es das Gesetz nicht ausdrücklich anders – nur straf-
bar ist, wer ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich begeht, setzt die Be-
strafung nach den vom Appellationsgericht angerufenen Bestimmungen
(Art. 70 IVG i.V.m. Art. 87 AHVG [SR 831.10; "Vergehen"]) Vorsatz voraus
(vgl. auch BGE 113 V 256 E. 4c in Bezug auf aArt. 18 Abs. 1 StGB). Da
das Appellationsgericht im Rahmen des maximalen Strafrahmens einer
Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen (vgl. Art. 87 AHVG letztes Lemma) dem
Beschwerdeführer eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen auferlegt hat, wer-
tet es sein Verschulden offenbar nicht als gering.
6.6 Da die Erlassvoraussetzungen des guten Glaubens und der grossen
Härte kumulativ erfüllt sein müssen, kann die Frage, ob die Rückerstattung
für den Beschwerdeführer eine grosse Härte bedeuten würde, offengelas-
sen werden.
6.7 Im Sinne eines Zwischenresultats ist daher – unter Vorbehalt der Prü-
fung der Verweigerung des rechtlichen Gehörs (s. nachfolgend E. 7) – fest-
zuhalten, dass die IVSTA das Erlassgesuch zu Recht abgewiesen hat, die
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Beschwerde abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu bestätigen
ist.
7.
Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung seines Anspruchs auf recht-
liches Gehör gemäss Art. 42 erster Satz ATSG (s. oben E. 2).
7.1
7.1.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2
BV; Art. 42 erster Satz ATSG; Art. 26 ff. VwVG). Die Gehörsgewährung
dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlich-
keitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass
von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört ins-
besondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines in ihre Rechts-
stellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Be-
weise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be-
weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE
127 I 54 E. 2b, 127 III 576 E. 2c, 126 V 130 E. 2a; SVR 2008 UV Nr. 1 S.
2 E. 3.2 mit Hinweis).
7.1.2 Der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs ist formeller
Natur. Die Verletzung dieses Rechts führt ungeachtet der Erfolgsaussich-
ten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen
Verfügung. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs nicht besonders schwer wiegt und dadurch
geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich
vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 305 E. 2h, bestätigt in BGE 127 V
437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b mit weiteren Hinweisen). Die Heilung eines
allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 120 V 83 E. 2a,
118 V 315 E. 3c, 116 V 32 E. 3, je mit Hinweisen). Von einer Rückweisung
der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im
Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs aber dann abzusehen, wenn und soweit
die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti-
gen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen
Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren
wäre (BGE 116 V 187 E. 3d; zum Ganzen ausführlich BGE 132 V 387).
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7.2 Mit Bundesgerichtsurteil vom 5. März 2019 erwuchs die von der IVSTA
verfügte Rückforderung in Rechtskraft. 17 Tage später wies die IVSTA das
vom Beschwerdeführer am 26. Dezember 2014 vorsorglich gestellte Er-
lassgesuch ab, ohne ihm dazwischen diesbezüglich Gelegenheit zur Stel-
lungahme zu geben. Da der formelle Anspruch auf Gewährung des recht-
lichen Gehörs nicht von den Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sa-
che selbst abhängig und die Frage des Erlasses einer Rückforderung von
der Frage des Rückforderungsanspruches als solches getrennt zu prüfen
ist (s. oben E. 5.3), dringt die IVSTA mit ihrem Argument, der Sachverhalt
sei gerichtlich umfassend und abschliessend abgeklärt worden, weshalb
eine zusätzliche Anhörung im Verwaltungsverfahren sich als unnötig er-
weise, nicht durch. Unter diesen Umständen ist eine Verletzung des An-
spruches des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör grundsätzlich zu
bejahen.
7.3 Zu prüfen bleibt, ob diese Verletzung vorliegend als geheilt zu beurtei-
len ist.
7.3.1 Als der Beschwerdeführer am 26. Dezember 2014 unter Bezug-
nahme auf die Rückforderungsverfügung vom 10. Dezember 2014 "vor-
sorglich" ein Erlassgesuch stellte (s. oben Bst. A.d), hatte er eine erste Ge-
legenheit, um dieses Gesuch zu begründen und belegen. Dies hat er denn
auch – unter Vorbehalt des ausstehenden Rückforderungsurteils – in Be-
zug auf die Erlassvoraussetzung der grossen Härte getan.
7.3.2 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren, in welchem das Bundesver-
waltungsgericht sowohl Tat- als auch Rechtsfragen uneingeschränkt über-
prüft, hatte der Beschwerdeführer im Rahmen des doppelten Schriften-
wechsels (erneut) Gelegenheit sich zu seinem Erlassgesuch zu äussern
und zur verfügten Abweisung desselben Stellung zu nehmen, wobei er in
der Replik die Rüge der Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör nicht wiederholt hat.
In materieller Hinsicht machte der Beschwerdeführer im Beschwerdever-
fahren von der Gelegenheit zur Stellungnahme betreffend den umstrittenen
Erlass nur eingeschränkten Gebrauch: Im Wesentlichen beschränkte er
sich auf eine Auslegung des Urteils des BGer 9C_315/2018, das allerdings
nicht Gegenstand des Erlassverfahrens ist (s. oben E. 5.3). Neue, für den
Erlass der Rückerstattung spezifische Ausführungen hat der Beschwerde-
führer – in seiner insgesamt (nur) vier Seiten umfassenden Beschwerde
und Replik – hingegen nicht gemacht.
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7.4 Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass die Rückweisung
zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs zu einem formalistischen Leer-
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die Verletzung
des rechtlichen Gehörs vorliegend geheilt werden konnte, und eine Aufhe-
bung der Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht ange-
zeigt ist (vgl. Urteil des BGer 8C_607/2011 vom 16. März 2012 E. 4.1).
7.5 Somit ist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen
und die angefochtene Verfügung zu bestätigen.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten sowie eine allfällige Partei-
entschädigung und/oder Zusprache eines amtlichen Honorars zulasten der
Gerichtskasse.
8.1 Da Streitigkeiten über den Erlass der IV-Rückerstattungsschuld nicht
als Streit um Versicherungsleistungen im Sinne von Art. 69 Abs. 1bis IVG
gelten (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversiche-
rungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], Stauf-
fer/Cardinaux [Hrsg.], 3. Aufl. 2014, Art. 69 Rz. 4 mit Hinweis auf BGE 122
V 221 E. 2), ist das vorliegende Verfahren kostenlos, und es werden keine
Verfahrenskosten erhoben. Damit wird die mit Zwischenverfügung vom
27. Mai 2019 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos.
8.2 Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist entsprechend dem Verfah-
rensausgang keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario). Als Bundesbehörde hat die obsiegende Vorinstanz kei-
nen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE
[SR 173.320.2]).
8.3 Da der Beschwerdeführer unterliegt, hat der Rechtsvertreter, der mit
Zwischenverfügung vom 27. Mai 2019 gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG als
amtlich bestellter Anwalt eingesetzt worden ist, Anspruch auf ein amtliches
Honorar zu Lasten der Gerichtskasse. Da keine Kostennote eingereicht
wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14
Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des gebotenen und akten-
kundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in ver-
gleichbaren Fällen gesprochenen Entschädigungen ist eine Parteientschä-
digung von CHF 800.- (inkl. Auslagen) angemessen, die als amtliches Ho-
norar aus der Gerichtskasse zu leisten ist.
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8.4 Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer
der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er zu hinreichenden Mitteln
gelangt (Art. 65 Abs. 4 VwVG).