Decision ID: a754fab4-89a4-4d35-b737-536d9b023f05
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962
geborene
X._
bezog vom 1. Februar 2005 bis zum 31. März 2007
und vom 1. Oktober 2007 bis
zum
30.
September 2008 eine ganze Rente der In
validenversicherung
(Urk. 9/83
, Urk.
9/
85-86
). Die
vom Versicherten ge
gen die
rentenzusprechende Verfügung vom 3. Februar 2009
erhobene Be
schwerde
wurde
mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 3. Dezember 2010
abge
wiesen
(Urk. 9/111).
Dieser Entscheid ist unangefochten
in Rechtskraft erwach
sen.
In der Folge wur
den dem
Beschwerdeführer
Rentenbetreffnisse
(einschliess
lich Kinderrenten)
samt
Verzugszins
in der Höhe von Fr.
141‘724.
-- abzüglich der Ansprüche
vorleis
tungs
pfli
chtiger
Dritter in Höhe von Fr. 82‘366.60, mithin Fr.
59‘357.40
aus
bezahlt (Urk. 9/85-86)
.
1.2
Am 20. Juli 2011 wurde die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, von der Stiftung Auffangeinrichtung BVG in Kenntnis gesetzt, dass der Versicherte
von
Februar 2005 bis September 2006
bei der
Y._
ein rentenausschliessendes
Einkommen erzielt habe
(Urk. 9/125-127).
Die IV-
Stelle liess sodann einen aktuellen Auszug aus dem Individuellen Konto des
Versicherten erstellen (Urk. 9/128).
Mit Vorbescheid vom 20.
Oktober 2011 stellte
sie dem Versicherten
wegen Meldepflichtverletzung
die Rückforderung der
un
rechtmässig bezogenen
Rentenleistungen
in der Höhe von Fr. 77‘400.--
in Aus
sicht (Urk. 9/131).
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 22. Novem
ber
2011 Einwände (Urk. 9/141).
Am 14.
August
2012 erliess die IV-Stelle die dem Vorbescheid entsprechende Rückforderungsverfügung (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
11. September 2012 Be
schwer
de und beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich auf
zuheben; eventualiter sei die Rückforderung der Rentenleistungen wegen Ver
jährung zu ver
weigern (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
11. Oktober 2012
beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
8)
.
In seiner Replik vom 20. November 2012 hielt der Beschwerdeführer an den in der Beschwerde
schrift gestellten Anträgen fest (Urk. 13). Mit Eingabe vom
7. Dezember
2012 verzich
tete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (Urk.
16
), was dem Be
schwerde
füh
rer
am
10.
Dezember
2012 mitgeteilt wurde (Urk.
17
)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Leistungen erfolgt grund
sätz
lich
durch eine Verfügung (vgl. Art.
49
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Steht diese mit den mass
gebenden rechtlichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht bzw. nicht mehr in Übereinstimmung, stellt sich die Frage einer Korrektur
der Verfü
gung. Im
i
n
validenversicherungsspezifischen
Sozialversicherungsrecht ist – neben der in die
Zukunft wirkenden Anpassung der Verfügung – die rückwi
rkende Korrektur der Verfügung
unter
der Voraussetzung, dass eine Verletzung der
Meldepflicht im Sinne von Art.
77
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
vor
liegt und diese für den unrechtmässigen Leistungsbezug kausal ist,
möglich.
Art. 25 Abs. 1 ATSG legt fest, dass für unrechtmässig bezogene Leistungen eine
Rück
er
stattungspflicht
besteht
(
vgl.
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage 2009,
Art. 25 N 2
f
f
.).
1.2
Art.
53 ATSG lässt einerseits die Wiedererwägung zu, welche die zweifellose Un
richtigkeit der Verfügung voraussetzt, wobei sowohl sachliche als auch recht
li
che
Mängel in Betracht fallen (Art. 53 Abs.
2 ATSG); andererseits ist eine Re
vi
sion vorzunehmen, wenn neue Tatsachen oder Beweise zu einer anderen recht
lichen
Beurteilung führen (Art. 53 Abs.
1 ATSG). Wird eine solche rück
wirkende Korrek
tur einer Verfügung vorgenommen, entfällt die
rechtliche Grundlage
für die zu
gesprochene Leistung
. Diese
wird
damit – im Nachhinein – zu
einer unrecht
mässigen Leistung
. Die bezogene Leistung wird somit nur zu einer unrecht
mässig
bezogenen Leistung, wenn durch eine Wiedererwägung bzw. eine Revision
eine
rückwirkend
e Korrektur
erfolgt
(
vgl.
Kieser
, a.a.O., Art.
25 N
4
ff.
)
.
Art.
53 Abs.
1
ATSG bezeichnet ausdrücklich die Verfügung und den
Einspracheent
scheid
als Objekt der Wiedererwägung. Damit wird klar
gestellt, dass Entscheide eines Ge
richts nicht in Wiedererwägung gezogen wer
den können
. Hier steht aus
schliess
lich
das In
stitut der Revision offen (Art. 61
lit
.
i ATSG
;
Kieser
, a.a.O., Art. 53 N
27).
1.3
Die Festlegung einer allfälligen Rückerstattung von Leistungen erfolgt somit in einem
zwei
stufigen Verfahren:
In einem ersten Entscheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezugs der Leistung zu befinden;
hier ist insbesondere auf Art.
53 ATSG abzustellen. Daran schliesst sich der Entscheid über die Rück
erstattung an, mit dem insbesondere zu beantworten ist, ob – bei der festge
stell
ten
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur er
folgt o
der nicht (
Kieser
, a.a.O., Art. 25 N
8).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin
hat
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
3. Febru
ar 2009
eine befristete ganze Rente (vom 1. Februar 2005 bis zum 31. März 2007
und vom 1. Oktober 2007 bis zum 30. September 2008) zuge
sprochen
(Urk. 9/83)
.
Diese rentenzusprechende Verfügung wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom
3. Dezember 2010
bestätigt
(Urk. 9/
111)
. Damit liegt ein rechtskräftiger Ge
richts
entscheid vor, welcher nicht in Wiedererwägung gezo
gen werden kann
(vgl. oben E.
1.2).
Eine allfällige Revision dieses Entscheides wäre innert 90 Tagen
seit Entdeckung des Revisionsgrundes beim hiesigen Ge
richt geltend zu machen
gewesen
(§
30 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
)
.
Da
vorliegend
jedoch
keine Korrektur des
rentenzusprechenden Entscheides
er
folgte
,
besteht weiterhin eine
rechtliche Grundlage für die
vom Beschwerde
füh
rer
bezogene Leistung
.
Es liegt somit kein unrechtmässiger Leistungsbezug vor, weshalb
eine Rückerstattungspflicht im Sinne von Art. 25 Abs. 1 ATSG zum Vornherein
ausser Betracht fällt
.
2.2
Nach dem Gesagten erweist sich d
ie Rückforderungsverfügung der
Beschwerde
gegnerin
vom 14. August 2012 als nicht rechtens und ist
daher in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben.
3.
3.1
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
3.2
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, dem vertretenen Beschwerdeführer eine angemessene Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 61
lit
. g ATSG in Ver
bindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
). Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
2‘400
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.