Decision ID: 1c34d127-2ea8-4bc8-b4ca-54614dd814f4
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
aufgeführte Begründung entspreche nicht dem effektiven Sachverhalt.
6. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Mai 2012 beantragte die kantonale
Steuerverwaltung die Abweisung der Beschwerde. Zudem sei dem
Beschwerdeführer eine Busse im Sinne von Art. 18 des kantonalen Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zu erteilen. Er habe sich
trölerisch im Sinne von Art. 18 Abs. 1 VRG verhalten, indem er mehrere
Fristerstreckungen verlangt und die eingeschriebene Post nicht
entgegengenommen habe und somit das Verfahren mutwillig verzögert habe.
Zudem habe er trotz mehreren Aufforderungen keine Unterlagen zu seiner
aktuellen finanziellen Situation eingereicht. Folglich sei dem Beschwerdeführer
eine mutwillige Führung des Verfahrens vorzuwerfen und ihm eine
Ordnungsbusse aufzuerlegen.
Die Steuerverwaltung macht des Weitern geltend, es habe eine mündliche
Verhandlung stattgefunden, obwohl Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV;
SR 101) kein Anspruch auf eine mündliche Verhandlung einschliesse. Das
Revisonsgesuch vom 13. August 2010 sei ihr nie per Post zugestellt worden.
Der Beschwerdeführer habe anlässlich der mündlichen Besprechung lediglich
eine Kopie des betreffenden Schreibens ausgehändigt und sei einen Beweis
der Zustellung per Post schuldig geblieben. Auch während der mündlichen
Besprechung habe die Steuerverwaltung den Beschwerdeführer darauf
hingewiesen, dass die gesamte wirtschaftliche Situation im Zeitpunkt der
Gesuchsbehandlung bzw. im Zeitpunkt des Entscheids massgebend sei. Sie sei
demzufolge auf die aktuellen Unterlagen der finanziellen Situation des
Beschwerdeführers angewiesen. Dieser sei dieser Aufforderung trotz mehreren
Fristerstreckungen jedoch nicht nachgekommen. Das rechtliche Gehör sei
demnach nicht verletzt worden.
Das Verwaltungsgericht könne im vorliegenden Verfahren nur prüfen, ob die
Steuerbehörde zu Recht nicht auf das Revisonsgesuch eingetreten sei, weil das
Anfechtungsobjekt im vorliegenden Fall der Nichteintretensentscheid vom 12.
März 2012 sei. Es sei nicht das Ziel der Revision, versäumte Fristen
wiederherzustellen, wenn der Steuerpflichtige bei der ihm zumutbaren Sorgfalt
im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können, was er als
Revisionsgrund vorbringt, womit im vorliegenden Fall ein Nichteintretensgrund
vorliege.
7. Mit Replik vom 29. Juni 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen
Anträgen und Begründungen fest.
8. Mit Schreiben vom 12. Juli 2012 verzichtete die Steuerverwaltung auf eine
Duplik.
9. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid und in den
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 43 Abs. 3 VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist. Das vorliegende
Verfahren betrifft die Steuerjahre 2005 bis 2008, für welches der
Beschwerdeführer mit dem Steuererlass-Entscheid vom 19. Juli 2010 zur
Zahlung von Fr. 2‘215.-- an Kantonssteuern (Fr. 732.-- + Fr. 552.-- + Fr. 622.--
+ Fr. 309.--) und Fr. 231.80 an Bundessteuern (Fr. 80.85 + Fr. 53.15 + Fr. 64.70
+ Fr. 33.10) verpflichtet wurde. Da der Streitwert somit maximal Fr. 2‘446.80
betragen kann und die vorliegende Streitsache nicht in Fünferbesetzung zu
entscheiden ist, ist die Zuständigkeit des Einzelrichters offensichtlich gegeben.
2. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die Revision
des Steuererlass-Entscheides der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden
vom 12. März 2012. Streitig und zu prüfen ist, ob die Steuerbehörde zu Recht
nicht auf das Revisionsgesuch eingetreten ist.
3. a) Anwendbar auf vorliegenden Fall ist das Steuergesetz für den Kanton
Graubünden (StG; BR 720.000). Gemäss Art. 141 Abs. 1 StG können
rechtskräftige Veranlagungsverfügungen sowie Einsprache- und
Beschwerdeentscheide auf Antrag oder von Amtes wegen zugunsten des
Steuerpflichtigen revidiert werden, wenn nachträglich erhebliche Tatsachen
oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden (lit. a) oder die erkennende
Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr
bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser acht gelassen oder in
anderer Weise Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b). Gemäss Art. 141 Abs.
2 StG ist die Revision ausgeschlossen, wenn der Antragsteller bei der ihm
zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen
können, was er als Revisionsgrund vorbringt. Bei Art. 141 Abs. 2 StG handelt
es sich nach konstanter Praxis des Verwaltungsgerichts um einen
Nichteintretensgrund. Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 141 Abs. 1
lit. a StG sind somit nur dann zu berücksichtigen, wenn sie dem betroffenen
Steuerpflichtigen zur Zeit der Veranlagung noch nicht bekannt waren, bzw. nicht
beigebracht werden konnten. An die Diligenz des Steuerpflichtigen bei der
Abklärung seiner eigenen Verhältnisse und der Wahrung seiner Rechte im
Veranlagungsverfahren dürfen einige Anforderungen gestellt werden. Die
Revisionsmöglichkeit soll nicht die praktische Bedeutung der Rechtskraft von
Steuerentscheiden aushöhlen, sondern nur in sachlich begründeten
Ausnahmefällen eine nachträgliche Korrektur ermöglichen. Der Steuerpflichtige,
der die Revision beanspruchen will, muss nachweisen, dass es ihm trotz
sorgfältiger Abklärung nicht möglich war, die in Frage stehende Tatsache schon
im Veranlagungsverfahren vorzubringen. Die Revision ist also ausgeschlossen,
wenn der Gesuchsteller den Revisionsgrund bei der ihm zumutbaren Sorgfalt
schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können (PVG 1994 Nr.
57 mit weiteren Hinweisen).
b) Die Steuerbehörde teilte den vorliegend umstrittenen Steuererlass-Entscheid
dem Beschwerdeführer am 19. Juli 2010 mit. Zudem teilte sie ihm am 30. Juni
2010 mit, er könne dagegen innert einer Frist von 30 Tagen Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erheben. Der Beschwerdeführer stellte am 6. August 2010
ein Schreiben der Steuerverwaltung zu. Dieses konnte aber wie von der
Steuerverwaltung richtig erkannt nicht als Beschwerde aufgefasst werden,
weshalb eine Weiterleitung ans Verwaltungsgericht zu Recht unterblieb. Der
Beschwerdeführer brachte anlässlich des Vortritts vom 26. Januar 2012 ein
Schreiben datiert vom 13. August 2010 mit. Mit diesem Schreiben stellte er ein
Revisionsgesuch. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dieses
Revisionsgesuch sei ihr nie per Post übergeben worden. In Steuerstreitigkeiten
gilt in Lehre und Rechtsprechung der allgemein anerkannte Grundsatz, dass die
Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden Tatsachen trägt,
während den Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft, welche die
Steuerschuld mindern oder aufheben (Ernst Blumenstein/Peter Locher, System
des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 416, mit Hinweisen;
statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 2A.561/2005 vom 22. Februar 2006, E.
2.3). Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer den
Beweis schuldig bleibt, dass er das Schreiben vom 13. August 2010 innert der
Frist von 30 Tagen seit dem Steuererlass-Entscheid vom 19. Juli 2010 bereits
damals per Post rechtzeitig zur Weiterleitung der Steuerverwaltung ans
Verwaltungsgericht bzw. direkt ans Verwaltungsgericht eingereicht hat.
Demnach hat der Beschwerdeführer die Rechtsmittelfrist unbenutzt
verstreichen lassen. Angesichts der Tatsache, dass er die Rechtsmittelfrist trotz
deren Kenntnis verstreichen liess, trifft ihn das alleinige Verschulden daran und
er hat die Folgen seiner Sorgfaltspflichtverletzung selber zu verantworten und
zu tragen. Die Abgabe einer Kopie dieses Schreibens anlässlich des Vortritts
vom 26. Januar 2012 erfolgte auf die Rechtsmittelfrist bezogen rund 1,5 Jahre
zu spät und folglich nicht fristgemäss.
c) Im Sinne der in Erwägung 3 a) erwähnten Praxis des Verwaltungsgerichtes
bezüglich Art. 141 Abs. 2. StG ist auf die Revision des Beschwerdeführers nicht
einzutreten, weil er die in der Revision geltend gemachten Gründe bei der ihm
zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte vorbringen können.
Die zumutbare Sorgfalt liess der Beschwerdeführer vermissen, weil er trotz
ausdrücklicher Information der Steuerbehörde bezüglich der Beschwerdefrist
keine fristgerechte Beschwerde samt der ihm zur Verfügung stehenden
Beweismittel beim Verwaltungsgericht einreichte. Somit ist die
Steuerverwaltung zu Recht nicht auf sein Revisionsgesuch eingetreten.
4. Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Gemäss Art. 76 Abs. 1 VRG kann die Behörde durch
verfahrensleitende Verfügung oder mit dem Entscheid in der Hauptsache einer
Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag die
unentgeltliche Prozessführung bewilligen, sofern ihr Rechtsstreit nicht
offensichtlich mutwillig oder von vornherein aussichtslos ist. Da der
Beschwerdeführer die erforderlichen Belege betreffend seines Einkommens
und seines Vermögens nicht eingereicht hat, kann das Gericht ihm die
unentgeltliche Rechtspflege nicht zusprechen, weil es nicht wissen kann, wie es
um die wirtschaftliche Situation des Beschwerdeführers steht.
5. Die Beschwerdegegnerin beantragte, es sei dem Beschwerdeführer eine Busse
im Sinne von Art. 18 VRG aufzuerlegen. Gemäss Art. 18 Abs. 1 VRG haben die
am Verfahren Beteiligten und ihre Vertreterinnen und Vertreter sich gegenüber
den Behörden und unter sich anständig zu verhalten und jede mutwillige
Streitsucht und Trödlerei zu vermeiden. Gemäss Art. 18 Abs. 2 VRG ahndet die
in der Sache selbst entscheidende Behörde mit Verweis oder Ordnungsbusse
bis Fr. 1‘000.-- die mutwillige Einleitung oder Führung eines Verfahrens sowie
grobe Verletzung des Anstandes gegenüber Behörden und Mitbeteiligten. Die
Steuerverwaltung verkennt, dass gemäss Art. 18 Abs. 2 VRG sie diejenige
Behörde ist, welche in der Sache selbst einen Entscheid gefällt hat. Demnach
ist das Verwaltungsgericht nicht befugt, eine solche Ordnungsbusse dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen.
6. Zusammengefasst ergibt sich, dass die kantonale Steuerverwaltung zu Recht
nicht auf das Revisionsgesuch vom 13. August 2010 eingetreten ist. Dem
Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 76 VRG
nicht gewährt. Das Verwaltungsgericht ist für die Auferlegung einer
Ordnungsbusse im Sinne von Art. 18 VRG für Verfehlungen im Rahmen des
vorangehenden Steuerveranlagungsverfahrens nicht zuständig. Somit ist die
Beschwerde insgesamt abzuweisen.
7. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten gestützt auf Art. 73 VRG
zulasten des Beschwerdeführers. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78
Abs. 2 VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass.