Decision ID: 403fcc7a-af33-5a6c-a5e0-a374311ddf70
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960,
Mutter einer 1989 geborenen Toch
ter
,
war - seit 1976 gemäss eigenen Angaben (
Urk.
6
/4
Ziff.
5.4), seit 1999 ge
mäss Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
6
/12
Ziff.
2.1) - bei der
Y._
im Um
fang von 60
%
als Sachbearbeiterin tätig (
Urk.
6
/12
Ziff.
2.7 und 2.9). Sie mel
dete sich am 2
0.
Dezember 2011 mit Hinweis auf ein Burnout durch Mob
bing bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6
/4
Ziff.
6.5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter ande
rem
einen Arztbericht (
Urk.
6
/13) und
den Bericht über eine Haushaltabklärung (
Urk.
6/
26) ein und
zog ein
im Auftrag
der
BVK Personalvorsorge Kanton Zü
rich
(nachstehend: BVK)
am
3.
September 2012 erstattetes Gutachten (
Urk.
6
/19
=
Urk.
3/9
) bei. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6
/29,
Urk.
6
/31
,
Urk.
6
/37-38)
verneinte
sie
mit Verfügung
vom 2
2.
August 2013
ei
nen
Leis
tungs
anspruch
(
Urk.
6
/42 =
Urk.
2).
2.
Die BVK erhob am 1
2.
September 2013 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
August 2013 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
es
seien der Versicherten die gesetzlichen Rentenleistungen zuzusprechen (
Urk.
1 S.
2 oben
Ziff.
1-2), eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
3).
Am 2
6.
September 2013 erhob die Versicherte Beschwerde und beantragte, es sei ihr ab April 2012 eine ganze, mindestens eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
7/1
S
. 2 oben).
Mit Beschwerdeantworten vom
1.
Oktober 2013 (
Urk.
5) und vom 2
3.
Oktober 201
3
(
Urk.
7/6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerden.
Am 2
9.
November 2013 wurde die beiden Verfahren vereinigt (
Urk.
7/8,
Urk.
8).
Am
9.
Januar 2014 nahm die Versicherte noch einmal Stellung (
Urk.
9), was den
anderen Verfahrensbeteiligten am 1
0.
Januar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht
eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer
zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Per
son alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien.
Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheb
li
cher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein kön
nen auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chro
ni
sche körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krank
heitsverlauf
mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne län
ger
dauernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belan
gen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
in
ner
see
lischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Kon
flikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
un
befriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambu
lanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem the
rapeu
tischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhan
dener
Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person.
Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entspre
chenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vorausset
zungen für
eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
ne
n (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon
aus, die Versicherte leide an einer atypischen Depression und einer
somatofor
men
Schmerzstörung (S.
1 unten). Aus beidem ergebe sich - aus näher darge
legten Gründen (S. 2) - keine Invalidität im Sinne des Gesetzes (S. 2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerinnen stellten sich demgegenüber auf den Standpunkt, mass
gebend sei die gutachterlich attestierte (vollständige) Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
1 S.
10
Ziff.
23)
,
und die Kriterien der sogenannten
Schmerzrechtspre
ch
ung
kämen nicht zur Anwendung (
Urk.
7/1 S. 6 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist mithin, ob eine versicherungsrelevante Einschränkung der Leistungsfähigkeit vorliegt und wie es sich gegebenenfalls mit einem Ren
tenanspruch verhält.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
A._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, erstatteten am
6.
März 2012 einen Bericht (
Urk.
6
/13).
Sie führten aus, dass sie die
Versicherte
seit dem 1
1.
April 2011 behandelten (
Ziff.
1.2) und
nannten folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
dependenten
und vermeidenden Elementen (F61.0)
permanente Persönlichkeitsänderung nach anhaltender Belastung (F62)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
mittelgradige depressive Episode (F32.1)
Sie
attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit diesem Datum (
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei zurzeit nicht zumutbar, langfristig sei dies unklar; es bestünden erhebliche Einschränkungen vor allem kognitiver Art durch Dissozi
ationen (
Ziff.
1.7). Langfristig könne mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden, der Zeitpunkt sei unklar (
Ziff.
1.9).
Im Textteil des Berichts (
Urk.
6
/13/5-9) führten sie unter anderem aus, die Patien
tin wirke heute weitgehend unauffällig. Sobald sie jedoch in Kontakt mit Stress, Leistungsansprüchen, Termindruck etc. komme, liessen sich mit bis heute un
ver
änderter Regelmässigkeit folgende Veränderungen beobachten: Die Pati
entin habe auf einmal kognitive Aussetzer, die mehrere Minuten dauerten, sie werde von Gefühlen überschwemmt, die sie weder qualitativ beschreiben noch inhal
t
lich in einen Zusammenhang bringen könne, und somatisch sei eine er
höhte An
spannung sichtbar (S.
3 Mitte). Das Durchbrechen in die aktuelle Er
schöpf
ung mit dissoziativen Episoden sei im Gesamtkontext einer belastenden Biographie - der Vater erkrankte an Alzheimer, als sie
zehnjährig war, und starb, als sie 22-jährig war, die Mutter erkrankte an Demenz, als die
Versicherte
46-jährig war - zu sehen. Das Mobbing am letzten Arbeitsplatz sei lediglich als Auslöser für die Dekompensation zu sehen (S. 3).
Die Patientin verfüge über gute innere und äussere Ressourcen, die den
Hei
lung
s
verlauf
wirkungsvoll unterstützen könnten (S. 5 oben).
Schliesslich führten sie aus, kurz- und mittelfristig hielten sie „eine volle Beren
tung für angezeigt, damit sich die Patientin die nötige Zeit für die Stabilisierung und Genesung nehmen“ könne. Mittel- bis langfristig gingen sie von einer Wie
dererlangung der Arbeitsfähigkeit aus (S. 5).
3.2
Am
3.
September 2012 erstattete
Dr.
med.
B._
, Fachärztin Psy
chiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten (
Urk.
6
/19), dies gestützt auf die ihr überlassenen Akten und ihre Untersuchungen am 2
4.
November 2011 und am 3
0.
August 2012 (S. 1 unten).
Die Gutachterin führte unter anderem aus,
betreffend Hobbies berichte die
Ver
si
cherte
, sie sei sehr gerne draussen; bei schönem Wetter arbeite sie im Garten und gehe wandern. Dabei fühle sie sich ‚recht gut‘. Sie besuche immer wieder Kurse und lese sehr gerne. Sie gehe ab und zu mit Freundinnen aus (S. 10 oben).
Bis vor
drei
Jahren sei es der
Versicherten
gemäss
eigenen
Angaben gut gegangen,
dann seien - näher beschriebene - Spannungen am Arbeitsplatz aufgetreten (S.
10
Ziff.
2.1.4).
Im Januar 201
1
sei sie für vier Wochen nach
C._
ge
fah
ren; die Sonne, die Wärme und das Nichtstun hätten ihr sehr gut getan (S.
11 oben).
Seitdem sie zuhause sei, hätten sich gewisse Sachen verbessert: Die Ge
danken seien nicht mehr
am
Rasen, sie sei weniger nervös und habe mehr Ge
duld
(S.
11).
Betreffend Tagesstruktur versuche die
Versicherte
, sich mit Terminen zu be
schäftigen. Zum Beispiel besuche sie ihren Ehemann bei der Arbeit und trinke dort mit ihm einen Kaffee, sie treffe sich mit Freundinnen, surfe im Internet, lese
die Zeitung, erledige den Haushalt und koche am Abend für die Familie. Ende Dezember möchte sie für drei Wochen nach
D._
fahren, um dort einen Yoga-Kurs zu besuchen. Es sei bereits alles organisiert, und bereits das Be
wusstsein dieser Reise würde ihr über diese Zeit hinweg helfen (S. 11 Mitte).
Betreffend subjektive Beschwerde
n
berichte die
Versicherte
, sie brauche viel
Über
windung, um den Haushalt zu besorgen. Alles, was sie nicht so gern ma
che,
sei nun noch schwieriger. Sie habe Denkstörungen, leide an
Gedankenlü
cken
, Blackouts. Das logische Denken sei für sie schwierig. Auch die Anreise zur Gut
achterin zu organisieren sei ih
r schwer
gefallen; sie sei alleine mit dem Auto angereist. Die Konzentration sei gut. Sie sei nicht deprimiert, aber sie fühle sich auch nicht super gut. Wenn das Wetter grau sei, dann sei ihre Stimmung ge
dämpft (S. 12).
Beim zweiten Gesprächstermin berichtete die
Versicherte
unter anderem, der drei
wöchige Yogaaufenthalt in
D._
habe stattgefunden. Diesen Sommer sei sie in
E._
gewesen; eine andere Umgebung tue ihr jeweils sehr gut (S. 13 oben).
Sie sei noch immer zu 100
%
krankgeschrieben. Betreffend Tages
struktur versuche sie, tagsüber viele Termine zu haben. Sie stehe zirka um 8 Uhr auf,
erledige gewisse Haushalt- und Gartenarbeiten, den Einkauf und das Ko
chen, sie
treffe
sich mit Freundinnen, sitze am PC und lese Zeitungen, dazu Turnen und Laufen (S. 13 Mitte).
Betreffend subjektive Beschwerden berichtete die
Versicherte
, sie vertrage noch
immer keinen Stress und lasse sich von allem unter Druck setzen. Sie habe im
mer
noch Blackouts, zum Teil mit Sprachstörungen. Positiv verändert habe sich der Schlaf. Die Kopfschmerzen seien schlimmer geworden (S.
13
Ziff.
2.2.2). Im Sommer sei die Stimmung jeweils sehr gut, im Herbst und Winter verschlechtere
sie sich wieder. Die Konzentration sei gut. Autofahren gehe gut, bei
Stausituati
o
nen
werde sie ungeduldig (S. 14 oben).
Diagnostisch führte die Gutachterin auf, die von behandelnder Seite genannte Persönlichkeitsstörung (F61) werde von ihr lediglich als Verdachtsdiagnose auf
geführt; die Versicherte habe trotz erheblichen
Belastungen und Leiden in ihrer Biographie ein lineares Leben
„
mit Ausbildung, Arbeit und Affekte
“
geführt, ohne grosse Verhaltensauffälligkeiten aufzuweisen (S.
18 Mitte). Um die Diag
no
se einer permanenten Persönlichkeitsänderung nach anhaltender Belastung zu
stellen (F62), bestehe keine verlässliche Grundlage (S.
18 f.).
Die Diagnose einer
anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (F45.4) könne, wenn auch mit einem
gewissen Vorbehalt, gestellt werden (S.
19 oben). Das vorhandene
Zu
standsbild
entspreche nicht einer klassischen depressiven Episode, wie sie diag
nos
tiziert worden sei (F32.1); so sei nirgends von einem depressiven Affekt die Rede und die Versicherte habe in der Krankheitszeit Reisen organisiert und un
ternommen,
und sich dabei wohlgefühlt. Dennoch sei „der Gesamteindruck de
pressiver Natur“,
so dass au
s
Sicht der Gutachterin eher eine atypische Depres
sion (F32.8) vor
liege (S. 19 Mitte).
Zusammengefasst stellte die Gutachterin folgende Diagnosen (S. 22
Ziff.
9d):
atypische
Depression (F32.8)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0)
Verdacht auf leichte organische Störung (F06.07)
*
* Gemäss ICD-10 bezeichnet F06.0 eine organische
Halluzinose
und F06.7 eine leichte kognitive Störung; F06.07 gibt es nicht. Vermutlich meinte die Gutach
terin
nicht
„F06.07“, sondern
„F06.7“, mithin eine leichte kognitive Störung.
Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit verwendete die Gutachterin die von Lin
den, Baron und
Muschalla
adaptierte ICF-Systematik (S. 20 oben). Sie bezeich
nete folgende Fähigkeiten als nicht beeinträchtigt (S. 20):
Anpassung an Regeln und Routinen
familiäre beziehungsweise intime Beziehungen
Selbstpflege
Verkehrsfähigkeit
Als leicht beeinträchtigt bezeichnete sie die ‚Spontan-Aktivitäten‘.
Als mittelgradig beeinträchtigt bezeichnete sie folgende Fähigkeiten:
Planung und Strukturierung von Aufgaben
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit
Kontakt zu Dritten
Gruppenfähigkeit
Als mittelgradig bis schwer beeinträchtigt bezeichnete sie die Fähigkeit ‚Anwen
dung fachlicher Kompetenzen‘, und als schwer beeinträchtigt die
Durchhaltefä
higkeit
.
Aufgrund dieser Einschränkungen sei die Versicherte aktuell und auf längere Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig; dies gelte für jede Arbeitstätigkeit (S. 21 Mitte).
Am 3
1.
Oktober 2012 beantwortete die Gutachterin Nachfragen der A
uftrag
geberin (
Urk.
7/21 =
Urk.
7/36)
.
4.
4.1
Auf den Bericht von behandelnder Seite (vorstehend E. 3.1) kann nicht abge
stellt werden: Dass darin „eine volle Berentung für angezeigt“ erachtet wurde, damit sich die Patientin die nötige Zeit für die Stabilisierung und Genesung nehmen könne, dokumentiert eine wohl achtenswerte, therapeutisch motivierte und ganzheitlich orientierte Fürsorge, widerspricht jedoch der
Zuständigkeits
aufteilung
zwischen medizinischer Beurteilung und rechtsanwendender
An
spruchsprüfung
(vorstehend E.
1.4) in einer Deutlichkeit, die nur mit dem
auf
tragsrechtlich
geprägten
Vertrauensverhältnis (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc) er
klärt werden kann.
Immerhin bleibt festzuhalten, dass aus behandelnder Sicht mittel- und lang
fristig ein
Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit angenommen wurde.
4.2
Das eingeholte Gutachten (vorstehend E.
3.2) wirft vorab in diagnostischer Hin
sicht Fragen auf:
Die Gutachterin wies daraufhin, dass aufgrund der bisherigen
Lebensbewälti
gung
keine Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren sei, führte eine solche aber den
noch als Verdachtsdiagnose auf, dies mit der Begründung, möglicher
weise ver
füg
ten die behandelnden Fachleute (von denen die Diagnose gestellt wurde) übe
r
mehr Informationen. Dies vermag nicht zu überzeugen, zumal völ
lig offen blieb, worin denn solche Informationen bestehen könnten.
Sodann wies die Gutachterin darauf hin, dass nirgends von einem depressiven Aspekt die Rede sei, und auch das rege Aktivitätsniveau der
Versicherten
gegen das Vorliegen einer depressiven Episode spreche. Dass sie (dennoch) eine soge
nannt atypische Depression diagnostizierte, begründete sie le
di
glich mit einem „Gesamteindruck depressiver Natur“. Dies überzeugt nicht, wird doch vor dem Hintergrund aller anderen Angaben im Gutachten nicht ersichtlich, worauf sich dieser „Gesamteindruck“ gründen könnte.
4.3
Betreffend Arbeitsfähigkeit vermag das Gutachten nicht zu überzeugen. Zwar ist
die Verwendung des Mini-ICF grundsätzlich positiv zu würdigen.
Nicht nach
voll
z
iehbar ist aber, dass etwa die Funktionen Planung und Strukturierung von Auf
gaben, Entsch
eidungs- und Urteilsfähigkeit,
Kontakt zu Dritten und
Gruppen
fähigkeit
mittelgradig (und die Durchhaltefähigkeit sogar schwer) be
einträchtigt
sein sollen. Der vielseitige, ereignisreiche und auch mit sozialer In
teraktion statt
findende Alltag der
Versicherten
ebenso wie die
Planung, Vorbe
reitung und
Pflege erholsamer Ferienzeiten lassen allesamt nicht erkennen, wo
rin die ge
nann
ten Beeinträchtigungen bestehen sollten. Die einzige Limitation, die sicht
bar wird, ist, dass sich die
Versicherte
der Zumutung einer
Erwerbsar
beits
struk
tur
und den dort zu gewärtigenden Anforderungen nicht gewachsen fühlt.
4.4
Laut Gutachten ist diagnostisch von einer anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
und einer atypischen Depression sowie zwei weiteren, lediglich als
Ver
dachtsdiagnosen
formulierten Diagnosen auszugehen.
Damit steht fest, dass die im Zusammenhang mit
somatoformen
Schmerzstörun
gen
entwickelte Rechtsprechung (vorstehend E. 1.2) zur Anwendung kommt, so dass die unbefriedigende Ausgangslage hinsichtlich der medizinischen Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 4.3)
in dem Sinne folgenlos bleibt, als eine allfällige Arbeitsunfähigkeit ohnehin zusätzlich im Rahmen der Rechtsan
wen
dung zu würdigen ist.
4.5
Die Gutachterin verneinte das Vorliegen einer depressiven Episode, wie sie von behandelnder Seite diagnostiziert wurde, und postulierte stattdessen eine aty
pi
sche Depression, was sie mit einem - nicht näher ausgeführten - „Gesamtein
druck
depressiver Natur“ begründete (vorstehend E. 4.2).
Ob die genannte Diagnose in ausreichendem Mass nachvollziehbar begründet erscheint, kann offen bleiben, denn entscheidend ist im Hinblick auf die Rechts
anwendung
, ob die nebst der Schmerzstörung bestehende psychische - hier: de
pressive - Beeinträchtigung von hinreichend erheblicher Schwere, Intensität, Aus
prägung und Dauer
ist, um eine
Komorbidität
im Sinne der Rechtsprechung zu begründen
(vorstehend E. 1.2)
.
Dies ist klar zu verneinen.
Die Gutachterin hielt explizit fest, es sei nirgends von einem depressiven Affekt die Rede, und sie erwähnte ausserdem das bemer
kenswerte Aktivitätsniveau der
Versicherten
. Eine im
Sinne der Rechtsprechung erhebliche psychische Einschränkung lässt sich vor diesem Hintergrund nicht erkennen.
4.6
Es wurden keine Diagnosen aus dem somatischen Bereich gestellt. Somit liegen - mit Blick auf die alternativ zu berücksichtigenden Kriterien
(vorstehend E. 1.2) - weder c
hronische körperliche Begleiterkrankungen
noch
ein mehrjähriger,
chro
ni
fizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symp
to
matik ohne längerdauernde Rückbildung
vor.
Von einem
ausgewiesene
n sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens
so
dann kann keine Rede sein. Vielmehr weist das Aktivitätsspektrum der
Versi
cherten
- mit Ausnahme des Erwerbsbereichs - eine mindestens durchschnittli
che Vielfalt auf.
Hinweise auf einen verfestigte
n
, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren
inner
seelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber en
tlastenden
Kon
fliktbewältigung
im Sinne eines primären
Krankheitsgewinn
s gibt es keine.
Schliesslich liegt auch nicht ein unbefriedigendes Behandlungsergebnis trotz kon
sequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung
vor; die
Prognose bezüglich der
stattfindende
n
Psychotherapie ist - bei guten inne
ren und
äusseren Ressourcen - positiv (vorstehend E. 4.1).
4.7
Zusammengefasst ergibt sich, dass in Anwendung der dafür massgebenden Recht
sprechung keine versicherungsrelevante Einschränkung der Erwerbsfähig
keit der Versicherten festzustellen ist.
Damit hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint. Die angefochtene Verfügung ist mithin zu bestätigen und die dagegen erhobenen Beschwerden sind abzuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die In
va
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss je zur Hälfte den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen.