Decision ID: 7e9f4b3d-c7cd-4e4b-a5ab-55cecf6613cf
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Forderung
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Rechtsbegehren des Klägers (act. 1 S. 2)
1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Schadenersatz und Genugtuung in der Höhe von insgesamt Fr. 311'018.05 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 1. Dezember 2011 zu bezahlen.
2. Die Verfahrenskosten seien der Beklagten aufzuerlegen, und  sei zu verpflichten, den Kläger angemessen ausserrechtlich zu entschädigen.
Rechtsbegehren der Beklagten (act. 41 S. 1)
1. Die Klage sei abzuweisen. 2. Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers.
1. Sachverhalt; Anlass der Klage
1.1. Der Kläger ist gelernter Elektromonteur. Er war von 1999 bis Ende 2006
bei der "C._ GmbH", D._ [Ortschaft], angestellt und wurde im Stunden-
lohn entlöhnt. Als Subunternehmerin der "E._ AG", F._ [Ortschaft], führ-
te die "C._ GmbH" im Jahre 2006 auf einer Baustelle der G._" in
H._ (Kanton Jura) Elektroinstallationsarbeiten aus. Am 1. Juni 2006 stürzte
der Kläger auf der Baustelle vier Meter in die Tiefe und verletzte sich schwer: Für
die Konstruktion eines Zwischenfussbodens wurde eine Stahlträgerkonstruktion
mit Gitterrosten errichtet. Im Hinblick auf eine noch zu montierende Treppe wurde
in einer Ecke eine Fläche von 2,5 mal 2,5 Meter dieser Trägerkonstruktion ausge-
spart, wobei keine Absturzsicherung angebracht wurde. Als der Kläger beim Aus-
rollen eines Kabels rückwärts ging, stürzte er durch die ausgesparte Lücke ab und
verletzte sich schwer. Das alles ist unbestritten (act. 1 S. 3 f.; act. 41 S. 2).
1.2. Nach der Darstellung des Klägers in seiner Klageschrift war die "I._
SA" [Holding] mit Sitz in J._ in ihrer Eigenschaft als Generalunternehmerin
für "die gesamte Baustelle inklusive Baustellenleitung und Baustellensicherheit"
verantwortlich. Als Rechtsnachfolgerin der erwähnten Holdinggesellschaft fasste
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er mit seiner Klage die Beklagte ins Recht (act. 1 S. 3). Die Beklagte bzw. ihre
Rechtsvorgängerin sei gemäss Art. 3 Abs. 3 BauAV für die Schutzmassnahmen
auf der Baustelle in H._ verantwortlich gewesen. Für den entstandenen
Schaden hafte sie daher aus Art. 41 OR.
2. Prozessverlauf
2.1. Der Kläger reichte die an das Handelsgericht gerichtete Klageschrift am
23. Dezember 2011 ein (act. 1). Durch Verfügung vom 27. Dezember 2011 wur-
den die Parteien aufgefordert, zur sachlichen Zuständigkeit des angerufenen Ge-
richts Stellung zu nehmen. Während der Kläger die Zuständigkeit des Handelsge-
richts durch Eingabe vom 16. Januar 2012 bejahte (act. 6), verzichtete die Be-
klagte auf eine Stellungnahme. Am 30. März 2012 beschloss das Gericht, auf die
Klage einzutreten (act. 11B).
2.2. Mit Beschluss vom 10. Juli 2012 wies das Handelsgericht das Gesuch des
Klägers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ab; ferner setzte es dem
Kläger Frist, um im Sinne von Art. 98 ZPO einen Kostenvorschuss zu leisten
(act. 17). Dieser Aufforderung kam der Kläger fristgemäss nach (act. 20).
2.3. Mit Eingabe vom 3. September 2012 verlangte die Beklagte, dass der Klä-
ger die Parteientschädigung im Umfange von CHF 29'500.00 sicherzustellen ha-
be (act. 22). Nachdem der Kläger zu diesem Gesuch am 26. September 2012
Stellung genommen hatte (act. 25), wies das Gericht den Antrag mit Beschluss
vom 12. Oktober 2012 ab (act. 31).
2.4. Mit Eingabe vom 12. November 2012 stellte die Beklagte den Antrag, es
sei das Verfahren "auf die Frage der Passivlegitimation der Beklagten, eventuell
auf die Grundsatzfrage der Haftung der Beklagten" zu beschränken (act. 34). Auf
gerichtliche Aufforderung hin, teilte der Kläger in der Folge mit, dass er keine
Einwendungen dagegen geltend mache, dass das Prozessthema vorerst auf die
Frage der Haftung beschränkt werde (act. 38). Durch Beschluss vom 6. Dezem-
ber 2012 wies das Gericht den Antrag der Beklagten auf Beschränkung des Pro-
zessthemas indessen ab (act. 39). In der Folge reichte die Beklagte am 16. Janu-
ar 2013 eine Klageantwortschrift zum ganzen Prozessthema ein (act. 41).
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2.5. Am 18. Januar 2013 wurde die Prozessleitung im vorliegenden Verfahren
dem Instruktionsrichter übertragen (Prot. S. 14). Dieser beschränkte mit seiner
Verfügung vom 21. Januar 2013 das weitere Verfahren einstweilen auf die Frage
der Passivlegitimation der Beklagten. Ferner wies er mit der erwähnten Verfügung
auf aus dem Internet abgerufene Handelsregisterauszüge hin und forderte zu-
nächst die Beklagte im Sinne von Art. 56 ZPO zu Klarstellungen auf (act. 53). Die
Beklagte liess sich in diesem Sinne mit Eingabe vom 5. Februar 2013 vernehmen
(act. 55).
2.6. Auf entsprechende Fristansetzungen hin erstatteten die Parteien zum be-
schränkten Prozessthema ihre zweiten Rechtsschriften gemäss Art. 225 ZPO,
nämlich der Kläger am 11. März 2013 die Replik (act. 59) und die Beklagte am
16. April 2013 die Duplik (act. 62).
2.7. Mit Verfügung vom 29. April 2013 wurde den Parteien Frist angesetzt, um
zu erklären, ob sie im Sinne von Art. 233 ZPO auf eine mündliche Hauptverhand-
lung zum beschränkten Prozessthema verzichten, und zwar unter der Androhung,
dass bei Säumnis Verzicht angenommen werde (act. 65). In der Folge verzichtete
die Beklagte mit Eingabe vom 6. Mai 2013 ausdrücklich auf eine Hauptverhand-
lung (act. 69), während sich der Kläger nicht äusserte. Androhungsgemäss ist da-
her Verzicht der Parteien auf eine Hauptverhandlung anzunehmen.
2.8. Mit Verfügung vom 6. Mai 2013 (act. 67) hielt der Instruktionsrichter fest,
dass der Kläger mit seiner Replik bezüglich der Passivlegitimation der Beklagten
an seiner Sachdarstellung gemäss Klageschrift festhalte. Damit bestätige er seine
von der Beklagten bestrittene Behauptung gemäss Klageschrift, wonach seiner-
zeit die "I._ SA" (und nicht etwa die "I1._ SA") für Baustellenleitung und
Baustellensicherheit verantwortlich gewesen sei (act. 67 S. 2 mit Hinweis auf
act. 1 S. 3 Rz 3 und act. 59 S. 3 Rz 1). Der Kläger wurde mit dieser Verfügung
sodann aufgefordert, seine Beweisanträge zu verbessern, wogegen die Beklagte
aufgefordert wurde, bestimmte in ihrem Herrschaftsbereich liegende Urkunden
einzureichen.
2.8.1. Mit Eingabe vom 27. Mai 2013 stellte der Kläger klar, dass er die Edition ei-
nes bestimmten Generalunternehmervertrages bzw. eines bestimmten Subunter-
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nehmervertrages verlangte. Ferner legte er dar, dass er bis zum Vorliegen dieser
Verträge gar keine sichere Kenntnis haben könne, wer überhaupt als Generalun-
ternehmer aufgetreten sei (act. 71).
2.8.2. Mit Eingabe vom 27. Juni 2013 legte die Beklagte im Sinne der Verfügung
vom 6. Mai 2013 (act. 67) vier neue Urkunden vor (act. 72 und act. 73/29-32). In
der Folge hielt der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 1. Juli 2013 fest, dass
sich die Beklagte gemäss ihren Ausführungen in act. 41 S. 4 Rz 7 auf den Urkun-
denbeweis berufe, nämlich auf die nachgereichten act. 73/29-32 (act. 74 Disposi-
tiv-Ziff. 4). Die von der Beklagten vorgelegten neuen Urkunden wurden sodann
zum Anlass genommen, um dem Kläger Frist anzusetzen, "seine Beweisanträge
in Rz 3 der Klageschrift (act. 1 S. 3 Rz 3) im Sinne der Erwägungen zu präzisie-
ren" (act. 74 Dispositiv-Ziff. 5).
2.8.3. Mit Eingabe vom 12. Juli 2013 (act. 76) präzisierte der Kläger im Sinne der
Verfügung vom 1. Juli 2013 seine Beweisanträge, indem er sich auf einen Han-
delsregisterauszug sowie auf die von der Beklagten neu eingereichten Urkunden
act. 73/29-30 berief. Ferner legte er dar, dass erst auf Grund der von der Beklag-
ten vorgelegten Verträge act.73/29 und act.73/30 klar geworden sei, "dass die
I1._ SA in K._ als Generalunternehmerin für das Bauprojekt fungierte,
anlässlich dessen Ausführung der Kläger verunfallte". Vor der Einreichung dieser
Verträge habe der Kläger keine sichere Kenntnis darüber gehabt, welche Unter-
nehmung als Generalunternehmerin fungiert habe (act. 76 S. 1). Diese Eingabe
wurde der Beklagten mit Verfügung vom 15. Juli 2013 zugestellt (act. 77).
3. Frage des Parteiwechsels
3.1. Mit seiner Replik zum beschränkten Prozessthema fordert der Kläger die
Beklagte auf, zu sagen, welches Unternehmen passivlegitimiert sei. Dann könnte
nämlich ein Parteiwechsel erfolgen, "welchem der Kläger ohne weiteres zustim-
men würde" (act. 59 S. 3). Demgegenüber verweist die Beklagte in ihrer Duplik
auf ihre Eingabe vom 5. Februar 2013 (act. 55), wo sie genau aufgezeigt habe,
"dass und wie die Vorgänge im Bereich der I2._- und der B._-Gruppe in
öffentlich zugänglichen Dokumenten nachverfolgbar sind" (act. 62 Rz 3). Für ei-
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nen Parteiwechsel sehe sie "keinen Anlass und sie stimmt einem solchen nicht
zu" (act. 62 Rz 8).
3.2. Bei Veräusserung des Streitobjektes oder auf Grund besonderer Bestim-
mungen über die Rechtsnachfolge (Erbgang, Fusion usw.) tritt der betreffende
Rechtsnachfolger ohne weiteres in den Prozess ein (Art. 83 Abs. 1 und 4 ZPO).
Ein solcher Fall liegt hier allerdings nicht vor. In allen andern Fällen – mithin auch
im vorliegenden Fall – ist der Parteiwechsel aber nur mit Zustimmung der Gegen-
partei zulässig (Art. 83 Abs. 4 ZPO). Die Beklagte verweigert diese Zustimmung.
Ein Parteiwechsel kommt daher von vornherein nicht in Frage.
4. Die Passivlegitimation der Beklagten
4.1. Der Kläger will gemäss seinen Vorbringen in Klageschrift und Replik die
Beklagte als Rechtsnachfolgerin der "I._ SA" für die Folgen seines Unfalles
vom 1. Juni 2006 in Anspruch nehmen ist. Er begründet das damit, dass die
"I._ SA" als Generalunternehmerin "für die gesamte Baustelle inklusive
Baustellenleitung und Baustellensicherheit" verantwortlich gewesen sei (act. 1
S. 3, act. 59 S. 2).
4.2. Die Beklagte führt die Firmennummer 1. Es ist unbestritten, dass sie die
Rechtsnachfolgerin der "I._ SA" (Firmennummer 2) ist (act. 41 S. 2), welche
infolge Fusion mit der Beklagten untergegangen ist. Belegt ist dies denn auch
durch entsprechende Einträge im Handelsregister (act. 45, 46, 51), auf die ge-
mäss Art. 9 Abs. 1 ZGB bzw. Art. 179 ZPO abzustellen ist.
Mit ihrer Eingabe vom 5. Februar 2013 weist die Beklagte auf die massge-
blichen Handelsregistereinträge hin (act. 62). Daraus ergibt sich, dass die Beklag-
te nicht identisch ist, mit der Gesellschaft, welche die Firmennummer 3 trägt und
heute die Firmenbezeichnung "B1._ AG" führt. Gemäss den massgeblichen
Einträgen im Handelsregister firmierte diese Gesellschaft im Laufe der Zeit wie
folgt (act. 56/16):
- seit der Gründung bis tt.mm.1996: "Société Anonyme I3._" (act. 56/16);
- vom tt.mm.1996 bis tt.mm.2001 "I4._ SA" (act. 56/16); - vom tt.mm.2001 bis tt.mm.2006 "I1._ SA" (act. 56/16);
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- vom tt.mm.2006 bis tt.mm.2006 "B2._ SA" (act. 56/16); - am tt.mm.2006, dem Tage der Löschung im Handelsregister des Kan-
tons J._, Umfirmierung in "B2._ AG" (act. 56/16). - Löschung der Gesellschaft im Handelsregister des Kantons J._,
weil die Gesellschaft ihren Sitz nach ... (Kanton Zürich) verlegte (act. 56/16).
- tt.mm.2006, Eintragung der "B2._ AG" im Handelsregister des Kantons Zürich (act. 50);
- tt.mm.2007, Umfirmierung, neue Firmenbezeichnung "B1._ AG" (act. 50).
Anlass zu einer gewissen Verunsicherung mag Folgendes gegeben haben
(vgl. dazu auch die Verfügung des Instruktionsrichters vom 21. Januar 2013
[act. 53]): Die Umfirmierungen im Handelsregister des Kantons K._ bezüglich
der Zweigniederlassung der Gesellschaft 3 [Firmennummer] wurde nur teilweise
nachgetragen (vgl. act. 47). Bis zu ihrer Löschung am tt.mm.2006 firmierte diese
Gesellschaft gemäss Eintrag im ... Handelsregister [des Kantons K._] als
"I1._ SA". Der Hauptsitz firmiert gemäss Eintrag im Handelsregister des Kan-
tons J._ ab tt.mm.2006 mit "B2._ SA", ohne dass die Zweigniederlas-
sung in ... umfirmiert worden wäre.
Im Sinne von Art. 9 Abs. 1 ZGB bzw. Art. 179 ZPO steht fest, dass die Ge-
sellschaft mit der Firmennummer 3 vom tt.mm.2001 bis zum tt.mm.2006 die Fir-
menbezeichnung "I1._ SA" führte; heute heisst sie: "B1._ AG".
4.3. Die Beklagte trägt nun vor, dass ihre Rechtsvorgängerin "I._ SA" "in
keinem Zeitpunkt irgendwo als Generalunternehmerin tätig" gewesen sei, auch
nicht für die "G._" auf deren Baustelle in H._. Als Generalunternehmerin
sei auf dieser Baustelle vielmehr die "I1._ SA" (später "B2._ SA" bzw.
"B1._ AG") tätig gewesen (act. 41 S. 2 f.). Der Kläger bestreitet mit seiner
Replik die Sachdarstellung zunächst lediglich durch eine pauschale Formel
(act. 59 S. 2 Rz 1) und führt weiter aus, dass er "für seine Sachdarstellung den
vollumfänglichen Beweis" offeriere (act. 59 S. 2 Rz 2). Und in seiner Replik führt
der Kläger aus, dass er im Zusammenhang mit der Passivlegitimation der Beklag-
ten an seinen Ausführungen in der Klageschrift festhalte (act. 59 S. 3 Rz 1). Es
blieb daher auch im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels beim Standpunkt des
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Klägers gemäss Klageschrift, dass nicht etwa die von der Beklagten genannte
"I1._ SA", sondern die von ihm ins Feld geführte "I._ SA" für die "ge-
samte Baustelle inklusive Baustellenleitung und Baustellensicherheit" verantwort-
lich gewesen sei (act. 1 S. 3 Rz 3). Angesichts dieser unterschiedlichen Sachdar-
stellung der Parteien, kommt es daher grundsätzlich auf die von ihnen in ihren
Rechtsschriften genannten und ihren Behauptungen zugeordneten Beweisoffer-
ten an (vgl. dazu BGer 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013, E. 4.4.). Es sei in diesem
Zusammenhang auf die Verfügung des Instruktionsrichters vom 6. Mai 2013 ver-
wiesen, wo die Beweisofferten der Parteien teilweise genannt sind und die Partei-
en zu Präzisierungen bzw. Editionen aufgefordert wurden (vgl. act. 67).
4.3.1. Mit der Verfügung des Instruktionsrichters vom 6. Mai 2013 wurde der Be-
klagten unter anderem aufgegeben, den Generalunternehmervertrag für die hier
interessierende Baustelle in H._ vorzulegen (act. 67). Die Beklagte tat dies
am 27. Juni 2013 durch Vorlage des Generalunternehmervertrages ("Construction
Contract relating to the development of a new manufacturing production facility in
H._, Switzerland"), den die "G._ (Switzerland) SA" am 23. März 2006
mit der "I1._ SA" abgeschlossen hatte (act. 72 mit Hinweis auf act. 73/29).
4.3.2. In seiner Stellungnahme zu den von der Beklagten vorgelegten Beweismit-
teln anerkennt der Kläger nun, "dass die I1._ SA in K._ als Generalun-
ternehmerin für das Bauprojekt fungierte, anlässlich dessen Ausführung der Klä-
ger verunfallte" (act. 76). Damit anerkennt der Kläger – abweichend von seiner
früheren Sachdarstellung – die entsprechende Behauptung der Beklagten. Und
damit steht fest, dass der Kläger nicht die Rechtsnachfolgerin der für die Baustelle
in H._ verantwortlich gewesenen Generalunternehmerin ins Recht gefasst
hat, sondern eine Drittgesellschaft. Das führt grundsätzlich mangels Passivlegiti-
mation der Beklagten zur Abweisung der Klage.
4.4. Obwohl der Kläger im Ergebnis anerkennt, dass nicht eine Rechtsvorgän-
gerin der Beklagten, sondern eine Drittgesellschaft die Funktion der Generalun-
ternehmerin auf der Baustelle in H._ innehatte, hält er an seiner gegen die
Beklagte erhobenen Klage fest. So trägt er vor, das Bestreiten der Passivlegitima-
tion seitens der Beklagten sei rechtsmissbräuchlich, denn sie habe dem Kläger
Anlass gegeben, "in guten Treuen auf die Passivlegitimation der Beklagten ver-
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trauen [zu] dürfen". Die "Beklagte bzw. deren Haftpflichtversicherung" habe "im
Rahmen der geführten Korrespondenz" den Kläger stets im Glauben gelassen,
dass die Beklagte die "Nachfolgerin" der "zuständigen Generalunternehmerin" sei
(act. 76). Diese Argumentation brachte der Kläger ansatzweise schon mit seiner
Replik vor, indem er dort geltend machte, dass die "B._-Unternehmen
Rechtsnachfolger der I2._-Unternehmen" seien, weshalb "die Beklagte letzt-
lich auch passivlegitimiert ist" (act. 59 S. 3). Trotz Offenlegung der Klageschrift sei
seitens der Beklagten ihre Passivlegitimation nie bestritten worden (act. 59 S. 4).
4.4.1. Steht, wie hier, fest, dass die Passivlegitimation nicht gegeben ist, dann
kann das Bestreiten der Passivlegitimation von vornherein auch nicht rechtsmiss-
bräuchlich sein. Sollte sich ergeben, dass die Beklagte den Kläger wider Treu und
Glauben nicht von einer aussichtslosen Klage abgehalten hat, könnte dies allen-
falls bei den Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO
berücksichtigt werden.
4.4.2. Der Kläger meint, dass die Beklagte bzw. deren Haftpflichtversicherung "im
Zuge der vorprozessualen Gespräche und Korrespondenz nie die Frage der Pas-
sivlegitimation aufgeworfen" bzw. diese bestritten habe (act. 59 S. 3). Das stellt
die Beklagte nicht in Abrede, sondern weist darauf hin, dass der Kläger den Ent-
wurf seiner Klageschrift unaufgefordert ihrer Haftpflichtversicherung habe zu-
kommen lassen. Diese habe in der Folge "ohne Umschweife kurz und unmissver-
ständlich" erklärt, dass die Ausführungen des Klägers nicht zu überzeugen ver-
möchten, weshalb sie an der Ablehnung der Haftung festhalte (act. 62 S. 2). Das
ist durch die vom Kläger vorgelegten Urkunden, auf die sich die Beklagte beruft,
belegt, wogegen der Kläger keine Beweismittel nennt: Mit Schreiben vom
25. März 2011 verzichtete die M._ [Versicherung] zwar auf die Verjährungs-
einrede, allerdings "unter Wahrung aller Rechte unseres Versicherungsnehmers"
(act. 3/30). Und im Schreiben vom 12. Mai 2011 wird ausgeführt, man habe die
Argumentation des Klägers "gewissenhaft studiert", lehne aber die Haftung ab
und möchte damit "die Diskussion abschliessen" (act. 3/31). Weshalb bei diesem
Stand der Diskussion die Beklagte oder ihre Haftpflichtversicherung von sich aus
die Passivlegitimation hätte thematisieren müssen, ist nicht nachvollziehbar.
Treuwidriges Verhalten der Beklagten ist in diesem Zusammenhang jedenfalls
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nicht ersichtlich. Vielmehr lag es einzig in der Verantwortung des Klägers, die
Frage der Passivlegitimation der Beklagten vor Klageeinleitung genau zu prüfen.
4.4.3. Der Kläger meint, dass auch der Instruktionsrichter mit seiner Verfügung
vom 21. Januar 2013 (act. 53) die Passivlegitimation der Beklagten "bejaht" habe
(act. 59 S. 3). Das ist eine haltlose Unterstellung. In der erwähnten Verfügung
wurde lediglich dargelegt, dass die bisher vorliegenden Handelsregisterauszüge
Fragen aufwerfen würden, die indessen, wie oben dargelegt, im weiteren Pro-
zessverlauf geklärt wurden. Der Beklagten ist vielmehr zuzustimmen, dass der
Kläger vor Klageeinleitung auf Grund der öffentlich zugänglichen Registereinträge
die Verhältnisse bei der Beklagten und ihren mit ihr verwandten Gesellschaften
hätte aufklären können (act. 62 S. 2). Hätten sich dann noch Unklarheiten erge-
ben, dann hätte der Kläger eine B._-Gesellschaft vor Klageeinleitung um
Aufklärung bitten können. Das hat er indessen nicht getan. Hätte die Beklagte
oder eine andere B._-Gesellschaft sich auf eine solche Anfrage hin nicht ko-
operationsbereit gezeigt, dann hätte allerdings auch dies den Mangel der fehlen-
den Passivlegitimation nicht zu beseitigen vermocht, sondern, wie erwähnt, ge-
mäss Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO lediglich bei den Kosten- und Entschädigungsfol-
gen berücksichtigt werden können.
4.5. Nach dem Gesagten bleibt es dabei, dass der Beklagten die Passivlegiti-
mation abgeht. Das muss zur Abweisung der Klage führen.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Prozessausgang wird der Kläger kosten- und entschädigungs-
pflichtig. Der Beklagten kann namentlich nicht vorgeworfen werden, dass sie im
Sinne von Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO den Kläger wider Treu und Glauben zur Pro-
zessführung veranlasst habe (vgl. dazu oben E. 4.4.1. und 4.4.3.). Das wäre etwa
der Fall gewesen, wenn die Beklagte den Kläger vorprozessual bezüglich ihrer
Passivlegitimation in die Irre geführt hätte. Das lässt sich aber, wie oben erörtert,
nicht sagen.
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Considerations: