Decision ID: e65f6e47-5364-4a11-a737-3db15cbe75ba
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, hat eine Ausbildung im Detailhandel absolviert und war vom
6.
November 2001 bis zum 1
5.
Juli 2013 (letzter effektiver Arbeits
tag) bei der
Y._
, als Einkäuferin angestellt (
Urk.
7/4/4, 7/15 und 7/18/8 ff.). Unter Hinweis auf eine mittelgradige Depression sowie Angstzu
stände meldete sie sich am 2
2.
Januar 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog nebst einem aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
7/15) insbesondere einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/18/8 ff.), die Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/5, 7/22, 7/31, 7/37 und 7/48) sowie Berichte der behandelnden Ärzte bei (
Urk.
7/21, 7/23). Mit Schreiben vom
3.
Juli 2015 teilte sie der Versicherten mit, dass aktuell keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/50). Nach Eingang weiterer Arztberichte (
Urk.
7/52, 7/58) gab die IV-Stelle bei der MEDAS
Z._
ein
bidiszipli
näres
Gutachten in Auftrag (MEDAS-Gutachten vom 2
2.
August 2016,
Urk.
7/73) und ersuchte in der Folge um Beantwortung von Ergänzungsfragen
(
Urk.
7/74-78). Mit Vorbescheid vom 3
0.
Dezember 2016 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/80), wogegen diese Ein
wand erhob (
Urk.
7/81, 7/84 und 7/87). Am
6.
Juni 2017 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
7/92 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
4.
Juli 2017 Beschwerde mit folgenden Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
„
1.
Die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom
6.
Juni 2017 sei
aufzuheben und es sei der Versicherten mit Wirkung ab Ablauf des
Wartejahres eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu
gewähren.
2.
Die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom
6.
Juni 2017 sei
aufzuheben und die IV-Stelle sei zur Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen und anschliessendem neuen Entscheid
über einen allfälligen Rentenanspruch zu verpflichten (abhängig
von der gesundheitlichen Entwicklung und vom
Eingliederungs
erfolg
).
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
gegnerin
.
“
Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom 1
5.
November 2017 hielt die
Versicherte an ihren beschwerdeweise gestellten Anträgen fest (
Urk.
10), worauf die IV-Stelle mit Schreiben vom
6.
Dezember 2017 (
Urk.
12) auf das Einreichen einer Duplik verzichtete. Darüber wurde die Versicherte mit Verfügung vom
7.
Dezember 2017 (
Urk.
13) in Kenntnis gesetzt. Am 1
6.
Februar 2018 reichte deren Rechtsvertreterin eine Kostennote ein (
Urk.
14).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
Gemäss
BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten
Beweisverfahren
nach B
GE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesge
richt stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
ste
llungen anhand der nach BGE 141 V
281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schl
iessen
lassen (BGE 143 V 418 E.
7.1; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherung
sgericht [
GSVGer
]). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rüc
kweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
6.
Juni 2017 (
Urk.
2) zog die IV-Stelle im Wesentlichen in Erwägung, dass es sich um eine überprüfbare Rechtsfrage handle, ob eine psychiatrische Diagnose ein für die Invalidenversicherung relevantes Mass erreiche. Es seien nur psychische Erkrankungen invalidisierend, welche schwer und therapeutisch nicht mehr
angehbar
seien. Im konkreten Fall seien insbesondere die objektiven Befunde unauffällig. Ferner bestünden gemäss Gut
achter weitere Therapieoptionen, um die Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Hinzu komme, dass die Versicherte in ihrer Freizeit ein hohes Aktivitätsniveau zeige, sodass genügend Ressourcen vorhanden seien, um auch einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Da insgesamt kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, bestehe weder Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen, noch auf eine Rente.
2.2
Die Versicherte machte mit Beschwerdeschrift vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
1) zusam
mengefasst geltend, die Beschwerdegegnerin gehe im Widerspruch zu den Akten und insbesondere zum MEDAS-Gutachten davon aus, dass weder auffällige Befunde noch schwerwiegende Diagnosen vorliegen würden.
Vielmehr sei ein krankheitswertiger und rentenerheblicher Gesundheitsschaden ausgewiesen
, zumal die von der IV-Stelle behaupteten Ressourcen nicht gegeben seien und trotz diverser intensiver Behandlungen eine bislang therapieresistente Funktions
unfähigkeit im Arbeitsbereich bestehe.
Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin auch zu Unrecht den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen verneint. Auf
grund einer nach der Begutachtung eingetretenen Stabilisierung des Gesundheits
zustandes erscheine eine berufliche Eingliederung im geschützten Rahmen im zeitlichen Umfang von 50
%
sinnvoll (
Urk.
1 S. 5 ff.).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
6)
betonte die IV-Stelle, dass
nicht von einem therapeutisch nicht mehr angehbaren Leiden ausgegangen werden könne, da die bisherigen Behandlungen fraglich angemessen gewesen
seien. Gegen einen schweren psychischen Gesundheitsschaden würden im Wei
teren das Aktivitätsniveau der Versicherten sowie die weitgehend unauffälligen objektiven Befunde sprechen. Die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsun
fähigkeit sei daher aus Sicht des Rechtsanwenders nicht nachvollziehbar.
2.4
In ihrer Replik vom 1
5.
November 2017 (
Urk.
10)
bestritt die B
eschwerdeführerin die Absenz objektiver
krankheitswertiger
Befunde. Die IV-Stelle habe ihre Res
sourcen
ausserdem
viel zu optimistisch dargestellt
.
Es liege ein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
3.
3.1
Vom 1
1.
Februar bis 2
8.
März 2014 war die Beschwerdeführerin in der
A._
hospitalisiert, wobei dem Austrittsbericht vom 3
1.
März 2014 fol
gende Diagnosen zu entnehmen sind (
Urk.
7/22/2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
, mit Angstattacken und ängstlich vermeidender Persön
lichkeitsakzentuierung,
-
psychophysischer Erschöpfungszustand (ICD-10 Z73.0),
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psych
ischen Faktoren (ICD-10 F45.41),
-
multiple, zum Teil operierte
Arthropathien
, aktuell HWS-Syndrom rechts,
lumbospondylogenes
Syndrom rechts und multiple Fingergelenksbe
schwerden,
-
Migräne,
-
Untergewicht.
Bei Eintritt habe die Versicherte über eine grosse Kraft- und Energielosigkeit, Angst- und Beklemmungszustände in geschlossenen Räumen (bei Anwesenheit anderer Personen) sowie depressives Erleben geklagt. Im Verlauf habe sich der psychophysische Allgemeinzustand zusehends verbessert. Bei Austritt habe die Beschwerdeführerin angegeben, wieder über deutlich mehr Energie zu verfügen. Zudem h
abe
sich die depres
sive Symptomatik
stark verringert. Die A
ngst- und Beklemmungszustände im
Zusammenhang mit Personen in geschlossenen Räu
men habe sie als unve
rändert bezeichnet
.
Für die Dauer des Klinikaufenthalts und anschliessend bis zum 3
0.
April 2014 wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
7/22/3 f.).
3.2
Zusätzlich zu den obgenannten psychischen Erkrankungen führte
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, i
n ihrem Bericht vom 1
0.
April 2014 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(
Urk.
7/23/2):
-
komplexe
Traumafolgestörung
bei massiver jahrelanger emotionaler Ver
nachlässigung in der Kindheit mit Störungen der Persönlichkeitsstruktur (seit vielen Jahren),
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01, seit mindestens Januar 2013),
-
Zwangsstörung mit übertriebenen Ordnungshandlungen (ICD-10 F42.1, seit vielen Jahren).
Seit dem Austritt aus der
A._
habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten wieder verschlechter
t
. Sie leide vor allem an Angstzuständen mit Engegefühl,
Kaltschweissigkeit
und innerlichem Kribbeln. Diese seien ganztags leicht vorhanden und würden sich phasenweise sehr verstärken. Darüber hinaus klage sie über Gelenkschmerzen an den Händen und am Rücken, welche sich abhängig von der Psyche verschlechtern würden.
Es seien eine leichte Auffas
sungsstörung sowie eine Gedächtnisstörung feststellbar. Das Denken sei
zurzeit
auf die gesundheitlichen Probleme beschränkt. Es bestehe ein Misstrauen gegen
über unbekannten Menschen
. Die Versicherte beschreibe zudem Phobien und Zwangshandlungen.
Nebst einer
ängstlich-angespannt
en Grundstimmung seien namentlich ein deutlicher Antriebsmangel und ein starker sozialer Rückzug vor
handen (
Urk.
7/23/4). Seit dem
2.
August 2013 sei die Versicherte in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Einkäuferin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/23/6).
3.3
3.3.1
Zuhanden des Krankentaggeldversicherers
legte
Dr.
med.
C._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, am
8.
Juli
2014 seine Teile
xpertise vor.
Von Seiten der Versicherten seien Schmerzen an den Händen sowie am Rücken
mit Ausstrahlung in den rechten Oberschenkel
im Vordergrund gestanden. Es hätten
sowohl eine Fingerpolyarthrose
als auch ein
lumbospondy
logenes
Syndrom rechts sowie eine klinisch aktivierte AC-Gelenksarthrose links festgestellt werden können
(
Urk.
7/31/12 f.)
.
Aus rheumatologischer Sicht
sei die Versicherte in ihrer angestammten, körperlich als leicht einzustufenden Tätigkeit als Einkäuferin aufgrund der Handproblematik in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt, vor allem bezüglich länger dauernden Arbeiten an der Computertas
tatur. Die Einschränkung sei auf maximal 25
%
einzuschätzen. Eine leichte und wechselbelastende Tätigkeit ohne wesentliche Beanspruchung der Hände sei jedoch in einem vollen Pensum zumutbar (
Urk.
7/31/16 f.).
3.3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in seinem Teilgutachten
vom
8.
Oktober 2014
folgende Diagnosen (
Urk.
7/37/9):
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01),
-
Depressive Episode, inkomplett remittiert (ICD-10 F32.4), bei Persönlich
keitsakzentuierung mit
anankastischen
Zügen (ICD-10 Z73.1).
Die Versicherte habe berichtet, sich seit ihrem Zusammenbruch am
2.
August 2013 in Menschenmengen und Gruppen sehr unwohl zu fühlen. Die störenden Symptome wie Engegefühl im Hals und in der Brust, Druckgefühl auf der Brust, Kribbeln in den Händen und hohe Nervosität
würden aber auch in neuen Situa
tionen oder Umgebungen sowie bei vielen Terminen auftreten.
Zudem
leide sie unter
Schlafstörungen
und die
Konzentrationsfähigkeit sei auf höchstens drei Stunden beschränkt.
Die Stimmung sei in den letzten Wochen eher lustlos (
Urk.
7/37/6).
Im Rahmen der Untersuchung sei die Explorandin wach und allseits orientiert gewesen. Eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit habe nicht festgestellt werden können. Die Merkfähigkeitsleistung sei überdurchschnittlich gut ausgefallen.
Die Fähigkeit zum abstrakten Denken wie auch die Auffassungs
gabe hätten reduziert gewirkt. Es seien intensive agoraphobische und paroxysmale Ängste - verbunden mit massivem Vermeidungsverhalten -
vorhanden gewesen. Affektiv sei die Versicherte
euthym
und gut schwingungs
fähig gewesen. Zwangshandlungen oder -gedanken im Sinne der Definition hätten nicht eruiert werden können. Der geschilderte Tagesablauf habe eindeutig auf Antriebsstörun
gen hingewiesen (
Urk.
7/37/8).
Zum aktuellen Zeitpunkt sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in Bezug auf jegliche berufliche Tätigkeit um 70
%
reduziert. Dies sei sowohl Folge der erheblich reduzierten emotionalen Belastbarkeit und Stressresistenz, als auch der nur beschränkten Mobilisierbarkeit kognitiver Res
sourcen sowie des
Hyperarousals
(
Urk.
7/37/13).
3.4
Vom 1
0.
März bis 1
2.
Juni 2015 befand sich die Versicherte in der
E._
in teilstationärer Behandlung. Für diesen Zeitraum
wurde
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert
. Aus psychiatrischer Sicht sei dies vordergründig durch die soziale Phobie begründet, da die Versicherte nicht unter viele Leute gehen könne. Sie fühle sich schnell überfordert und reagiere auf Druck mit körperlichen Symptomen wie Atemnot, Schwitzen, Herzklopfen, Angst und Panik. Die Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit seien dadurch
ebenso
beeinträchtigt
wie die Anpassung an Regeln und Routinen. Die depressiven und selbstunsicheren Persönlichkeitsanteile seien ferner geeignet, die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit negativ zu beeinflussen (
Urk.
7/52/2 f.).
3.5
Mit Verlaufsbericht vom 2
6.
Oktober 2015 führte
Dr.
B._
insbesondere aus, der Gesundheitszustand der Versicherten sei seit April 2014 auf tiefem Niveau stationär respektive habe sich leicht gebessert
(
Urk.
7/58/3)
. Sie sei jedoch wei
terhin in ihrer Durchhalte- und Gruppenfähigkeit stark eingeschränkt. In Bezug auf die Flexibilität, die Umstellungs-
, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit sowie die Kontaktfähigkeit zu Dritten seien mittel
gradige Beeinträchtigungen vorhanden. Insgesamt sei die Leistungsfähigkeit zu
gering, um der angestammten oder einer angepassten beruflichen Tätigkeit nach
zugehen
. Eine deutliche Besserung sei aktuell und in naher Zukunft nicht zu erwarten
(
Urk.
7/58/5
f.
).
3.6
Dem
bisdisziplinären
MEDAS-Gutachten vom 2
2.
August 2016 sind im Wesent
lichen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entneh
men (
Urk.
7/73/50):
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01),
-
Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1),
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41),
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0),
-
chronische Hand- und Fingergelenksarthralgien,
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom rechts,
-
Impingementsymptomatik
der rechten Schulter vom
Supraspinatustyp
,
-
leichtes
Reizknie
rechts.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber insbesondere:
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (
abhängig und
ängstlich-unsicher,
ICD-10 Z73),
-
unterdurchschnittlicher Intelligenzquotient,
-
chronisches
tendomyotisches
zervikales Schmerzsyndrom
myofaszialer
Ausprägung.
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Inn
ere Medizin und Rheu
matologie, hielt
im
rheumatologischen Teilgutachten fest, die Versicherte habe anlässlich der Untersuchung über persistierende Schmerzen im Bereich der Fin
ger- und Handgelenke, des Rückens lumbal, der linken Hüfte sowie der Knie- und Schultergelenke, beidseits rechtsbetont, geklagt. Auf Befundebene hätten sich am Bewegungsapparat insgesamt keine schwerwiegenden pathologischen Verände
rungen gezeigt.
Bezüglich der angegebenen Hand- und Fingergelenksschmerzen weise die Versicherte bis auf einen im Daumengrundgelenk links
arthrodesierten
Daumen keine relevanten Funktionseinschränkungen auf. In Anbetracht dessen würden sich einzig Einschränkungen in Bezug auf schwere und kraftaufwändige sowie ständig mittelschwere und repetitiv-monotone
manuelle Arbeiten rechtfer
tigen lassen, nicht aber für leichte manuelle Tätigkeiten im kaufmännischen Sek
tor.
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin sei auch mit Blick auf das übrige Beschwerdebild und die klinischen Befunde weder in zeitlicher noch
in
leistungsmässiger Hinsicht eingeschränkt
(
Urk.
7/73/39 ff.).
Pract
. med
.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seiner Teilexpertise aus, d
ie Versicherte habe berichtet, bereits in der Kindheit gewisse Symptome wie die extreme Aufregung, den Druck auf der Brust sowie das Kribbeln in den Fingern entwickelt zu haben. Früher habe sie auch vor allem ein inneres Zusammenziehen verspürt, mit dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Diese Symptome hätten sich bis heute verstärkt (
Urk.
7/73/57 f.). Die
körperlichen Beschwerden seien ab dem 1
6.
Altersjahr aufgetreten und hätten seither kontinuierlich
zugenommen
(
Urk.
7/73/61).
Sie müsse sich ihre Energie jeden Tag einteilen und sei teilweise bereits morgens erschöpft. Nachmittags sei sie lustlos. Falls sie Termine habe, schlafe sie schlecht und frage sich, was sie erwarte. Sozial habe sie sich zudem eher zurückgezogen (
Urk.
7/73/64).
Hinsicht
lich des Psychostatus hielt
Dr.
G._
im Wesentlichen fest, dass keine Bewusst
seinsstörungen feststellbar gewesen seien. Probleme in Bezug auf die Konzentra
tion, die Merkfähigkeit oder die Auffassung seien nicht aufgetreten.
Das formale Denken sei
weder
eingeengt
noch umständlich gewesen.
Neben Zwängen
hätten
eine Phobie vor Menschenmengen
, ein stark eingeschränktes Vitalgefühl, eine starke innere Unruhe, eine mittlere Affektinkontinenz sowie Insuffizienzgefühle
vor
gelegen
.
Ein
sozialer Rückzug sei deutlich, aber nicht vollständig vorhanden
(
Urk.
7/73/65 ff.). In diagnostischer Hinsicht habe die aktuell vorliegende leichte depressive Episode nur einen geringen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
. Die Kri
terien für eine Agoraphobie mit Panikstörung seien deutlich erfüllt, wobei sich diese Störung über das familiäre Umfeld hinaus deutlich einschränken
d
auswirke. Auch die Zwangshandlungen würden die Leistungsfähigkeit der Versicherten ein
schränken. Klaren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe ferner die chronische
Schmerzstörung
. Insgesamt hätten die genannten Störungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit - verstärkt durch die unterdurchschnittliche Intelligenz - jeden bisherigen Rückkehrversuch in die Arbeitswelt verunmöglicht. Bereits leicht komplexe Situationen würden die Explorandin schnell überfordern. Nur das gewohnte Umfeld scheine ihr Sicherheit zu geben. Für einfache Büroarbeiten in einem ruhigen Arbeitsplatzumfeld sowie mit viel Routine und ohne besonderen Zeitdruck sei zurzeit theoretisch von einer 10%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im Homeoffice sei unter den genannten Bedingungen eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
zu attestieren (
Urk.
7/73/70 ff.).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin unter einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Beschwerden leide, wobei sich Letztere schwergewichtig auswirken würden und insbesondere im Nachgang zur Kündigung im Juli 2013 zu einer bis heute anhal
tenden Arbeitsunfähigkeit von 90
%
in der angestammten Tätigkeit und von 70
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit geführt hätten (
Urk.
7/73/49).
3.7
Auf entsprechende Rückfragen der IV-Stelle (vgl.
Urk.
7/74, 7/77) führte
pract
. med.
G._
mit
ergänzenden
Stellungnahmen vom 3
0.
September und
8.
November 2016 im Wesentlichen
aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicher
ten trotz vorhandener Ressourcen erheblich eingeschränkt sei. Grund hierfür sei, dass sich die Störungen im privaten Umfeld
weniger stark auswirken würden
als im Erwerbsleben, welches teilweise höhere Anforderungen an die Leistungsfähig
keit stelle und zu einer Überforderung
führe
. Bei der Versicherten hätten sich in
f
olge zunehmender Überlastung in der Arbeitswelt pathologische Kompensa
tionsmechanismen entwickelt
(
Urk.
7/75/3
, 7/78/4 f.
).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Versicherte Anspruch auf
Leistungen
der Inva
lidenversicherung
- namentlich eine Rente -
hat.
Uneinigkeit besteht insbeson
dere dahingehend, ob
gestützt auf
das
bidisziplinäre
MEDAS-Gutachten vom
2
2.
August 2016 (
Urk.
7/73)
von einem invalidenversicherungsrechtlich relevan
ten Gesundheitsschaden auszugehen ist, der sich leistungsbegründend auswirkt
.
In Bezug auf das rheumatologische Teilgutachten von
Dr.
F._
ist vor
weg festzuhalten, dass
dieses sämtliche praxisgemässen Kriterien
erfüllt, welche an medizinische Expertisen gestellt werden
(vgl. E. 1.4)
. So erweist es sich als für die strittigen Belange umfassend und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
7/73/1 ff.). Die von der Versicherten geklagten Leiden fanden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als
auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit überzeugend dargelegt und erläutert wurden. Ausserdem erfolgte eine ausführliche und schlüssige Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
7/73/
39 f.
,
7/73/48 f.).
Soweit ersichtlich stellen denn auch beide Parteien die Schlussfolgerung von
Dr.
F._
, wonach für die ange
stammte, körperlich leichte Tätigkeit im kaufmännischen Bereich
aus somatischer Sicht
keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden könne
,
zu Recht nicht in Frage
.
Insbesondere
bezüglich
der geklagten Beschwerden im Bereich der Fingergelenke legte der Gutachter nachvollziehbar dar, weshalb entgegen der Einschätzung von
Dr.
C._
vom
8.
Juli 2014 (vgl. E. 3.3.1)
aufgrund der Ergebnisse der radiologischen Untersuchungen (vgl.
Urk.
7/73/38) sowie der klinisch erhobenen Befunde einzig kraftaufwändige, mittelschwere bis schwere manuelle Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sind (
Urk.
7/73/43).
4.2
4.2.1
Gemäss der im November 2017 vom Bundesgericht statuierten Praxisänderung sind sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. E. 1.3). Nach altem Verfahrensstand einge
holte Gutachten verlieren damit allerdings nicht per se ihren Beweiswert. Viel
mehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spe
zifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundes
recht standhält (vgl. BGE 137 V 210 E. 6).
Mit Blick auf die psychiatrische Teil
expertise von
pract
. med.
G._
vertreten die Parteien
in diesem Zusammen
hang
unterschiedliche
Meinungen
. Während die Versicherte
gestützt
auf diese medizinische Beurteilung
von einem schweren, invalidisierenden Gesundheits
schaden ausgeht, stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, die fachärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit sei aus Sicht des Rechtsanwenders
in Anbetracht der
vorzunehmenden
Prüfung der
Standardindikatoren
nicht nach
vollziehbar
(
Urk.
6)
.
4.2.2
Pract
. med.
G._
diagnostizierte nebst einer Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41), Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1) sowie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0). Vor diesem Hintergrund attestierte er eine 10%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sowie eine 30%ige Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit im Homeoffice (
Urk.
7/73/67 und 7/73/72).
Der Beschwerdegegnerin ist insofern beizupflichten, als dies
e Beurteilung
nicht zu überzeugen vermag.
Zunächst
hat
pract
. med.
G._
trotz des Umstandes, dass
das Bundesgericht in Bezug auf Schmerzstörungen bereits mit BGE 141 V 281 die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens vorsah,
bloss
eine sehr oberflächliche Stellungnahme zu den einzelnen Indikatoren abgegeben (vgl.
Urk.
7/73/71 f.).
Im Weiteren zeichnet sich eine
anhaltende
Schmerzstörung
im Sinne von ICD-10 F45.4
durch einen andauernden, schweren und quälenden Schmerz aus, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Stö
rung nicht vollständig erklärt werden kann
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische
Leitlinien, 1
0.
Auflage, S. 233
).
Zwar lassen
sich dem MEDAS-Gutachten
unter anderem in Bezug auf das
chronische
lumbospondylo
gene
Syndrom sowie die Nackenprobleme
Hinweise
für
eine nicht-organische Komponente entnehmen (
Urk.
7/73/48 f.).
Klare
Anhaltspunkte für einen andau
ernden und quälenden Schmerz mit entsprechendem Einfluss auf die Alltagsfunk
tionen gehen daraus jedoch nicht hervor. So scheint die Schmerzproblematik gemäss
dem von der Versicherten angegebenen Tagesablauf
hauptsächlich
mor
gens aufzutreten; Beeinträchtigungen
ihres Aktivitätsniveaus
führte sie
jedoch
in erster Linie
auf eine rasche Erschöpfbarkeit zurück (
Urk.
7/73/30 f., 7/73/63 f.).
Ferner berichtete sie von schubartigen Schmerzen und einer nicht regelmässigen Inanspruchnahme von Analgetika oder Injektionen (
Urk.
7/73/32
). Einer gezielten Schmerztherapie unterzog sich die Beschwerdeführerin
überdies
erst
im Laufe des
Vorbescheidverfahren
s
(
Urk.
7/88).
Das Vorhandensein andauernder quälender Schmerzen erscheint vor diesem Hintergrund nicht gesichert
, weshalb
sich gewisse Zweifel
an der von
pract
. med.
G._
diagnostizierten Schmerzstörung nicht von der Hand weisen
lassen
.
In Bezug auf die Diagnose
„
Zwangshandlungen
“
ist im Weiteren nicht schlüssig, inwiefern sich diese wesentlich auf die
Arbeit
sfähigkeit der Versicherten auswir
ken soll
(vgl.
Urk.
7/73/70)
. Einerseits
geht aus den
Akten
hervor, dass
die mit dem Ordnungszwang verbundenen Tätigkeiten
insgesamt
nur
rund eine halbe Stunde pro Tag in Anspruch nehmen. Andererseits besteht diese Zwangssympto
matik
bereits seit
vielen Jahren, und soweit ersichtlich hatte sie
keine
erheblichen
Leistungseinbussen im Erwerbsleben zur Folge
(vgl.
zum Ganzen
Urk.
7/23/5, 7/73/66)
.
Unklarheiten bestehen schliesslich auch hinsichtlich der konkreten Aus
wirkungen der Agoraphobie auf die Arbeitsfähigkeit. Zwar ist grundsätzlich nicht auszuschliessen, dass eine derartige psychische Erkrankung zu einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen kann, wenn sich die betroffene Person
beispielsweise
nicht mehr ausserhalb ihrer privaten Wohnräume aufhalten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_261/2014 vom
8.
Oktober 2014 E. 5.1).
Eine vergleichbare Situation ist vorliegend allerdings nicht erkennbar. So ist die Ver
sicherte
durchaus in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen
,
um beispielsweise
Spaziergänge zu unternehmen, ihre Tochter zu besuchen oder kleinere Einkäufe zu erledigen
. Sie greift dabei auch auf ihren Personenwagen oder den öffentlichen Verkehr zurück, selbst wenn ihr Letzteres - wie auch der Besuch von
Restaurants - Unbehagen bereitet
(
Urk.
7/73/30 f.
, 7/73/62 ff.; vgl. auch
Urk.
7/37/7, 7/58/5
).
Nach dem Gesagten erweist sich das psychiatrische Teilgutachten von
pract
. med.
G._
in
verschiedenen Punkten
als nicht
stichhaltig
.
Nicht nur die Herleitung der einzelnen Diagnosen vermag nicht zu überzeugen; auch
hinsichtlich der
kon
kreten Auswirkungen der psychischen Störungen auf die im Erwerbsleben
- ins
besondere im angestammten Tätigkeitsbereich -
vorausgesetzten Fähigkeiten und Funktionen
ergeben sich Unklarheiten.
Wesentlich ins Gewicht fällt zudem die mangelhafte Auseinandersetzung mit dem nun prinzipiell auf sämtliche psychi
schen Störungen anwendbaren strukturierten Beweisverfahren durch den Gut
achter.
Eine Prüfung der Standardindikatoren
durch den Rechtsanwender
ist
ent
gegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
mangels einer beweiskräftigen medizinischen
Grundlage nicht möglich,
zumal sich die
massgeblichen
Fragestel
lungen auch mit den übrigen medizinischen Unterlagen nicht schlüssig beant
worten lassen. Der
entscheidrelevante
Sachverhalt erweist sich
somit
in psychi
atrischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt, weshalb die Beschwerdegegnerin diesbezüglich
ergänzende
Abklärungen zu veranlassen
hat (vgl. E. 1.5)
. In rein somatischer Hinsicht ver
fügt
das MEDAS-Gutachten vom 2
2.
August 2016 (
Urk.
7/73) indes
über vollen Beweiswert und vermag
zu überzeugen (vgl. E. 4.1). Folglich besteht in diesem Zusammenhang keine Notwendigkeit für weitere medizinische Untersuchungen. Die
bereits
vorliegenden Erkenntnisse werden allerdings aufgrund der im konkreten Fall vorhandenen Wechselwirkungen zwischen den somatischen und
den
psychischen Leiden im Zuge der weiteren psychiatrischen Abklärungen einzubeziehen sein.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit
des Invaliditätsgrades als unzulänglich
erweist. Folglich ist die angefochtene Verfü
gung vom
6.
Juni 2017
(
Urk.
2)
aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leis
tungsanspruch der Versicherten neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Verfahrensaus
gang sind sie der unterliegenden Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Mi
t Honorarnote vom 1
6.
Februar 2018
(
Urk.
14)
machte Rechtsanwältin Schwarz
einen Gesamtaufwand von 17 Stunden à
Fr.
220.-- sowie pauschale Barauslagen von
Fr.
122.20
(3
%
des Zeitaufwandes)
geltend.
Dies erscheint nicht nur ange
sichts des Umstandes, dass Rechtsanwältin Schwarz die Beschwerdeführerin bereits im
Vorbescheidverfahren
vertreten hat (vgl.
Urk.
7/81, 7/84 und 7/87 f.), und dementsprechend über Vorkenntnisse hinsichtlich der Akten verfügt, als nicht angemessen. Zu berücksichtigen ist
auch
, dass die Akten nicht ausser
ordentlich umfangreich sind und sich die Beschwerdeschrift vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
1) sowie die Replik vom 1
5.
November 2017 (
Urk.
10)
auf rund neun res
pektive fünf Seiten beschränk
t
en.
Nicht zu entschädigen ist überdies der geltend gemachte Aufwand für die Korrespondenz mit den behandelnden Ärzten, zumal für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Ver
hältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Andererseits
wurde
seitens der Versicherten
bereits im Laufe des Verwaltungsverfahrens im März 2017 ein ausführlicher Bericht von
Dr.
B._
eingereicht (
Urk.
7/86).
Gesamthaft
erscheint für die Instruktion,
den doppelten Schriftenwechsel
samt Aktenstudium
sowie das anstehende Urteilsstudium ein Aufwand von maximal 10 Stunden als gerechtfertigt. Der geltend gemachte Stundenansatz von
Fr.
220.-- entspricht dem gerichtsüblichen Betrag. Der geforderte Ersatz
für Bar
auslagen von
Fr.
122.20 ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Folglich ist der Beschwerdeführerin zu Lasten der Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer eine Prozessentschädigung von
gerundet
Fr.
2'
600.-- zuzu
sprechen
.