Decision ID: 5e7b4512-11ba-572b-b6d0-49a4251e472a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.- Die Eheleute X und Y wohnen in C. X ist Inhaber des Einzelunternehmens "Z" mit
Sitz in C. Das Unternehmen bezweckt das Ausführen von Tätigkeiten im Bereich des
Baumanagements, insbesondere Malerarbeiten, Entsorgungen und Umbauten.
B.- X und Y deklarierten in der Steuererklärung 2016 ein steuerbares Einkommen von
Fr. 188'100.– und kein steuerbares Vermögen. Das Einkommen setzte sich zusammen
aus den Einkünften des Ehemannes aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
Fr. 174'462.– und der Ehefrau aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 42'050.–.
Die Eheleute hatten die Steuererklärung 2016 am 8. November 2017 elektronisch
eingereicht, und zwar mit der unterschriebenen e-Taxes-Quittung 2016. Die
Steuerbehörde veranlagte das Ehepaar am 5. März 2019 für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2016 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 186'100.–, ohne
steuerbares Vermögen, und für die direkte Bundessteuer 2016 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 179'500.–. Dagegen reichten X und Y am 12. März 2019
Einsprache ein und ersuchten gleichzeitig um eine Fristverlängerung zur
Vervollständigung der Einsprache. Am 17. Juni 2019 ging ein Schreiben von A
(nachfolgend: die Treuhänderin) vom 13. Juni 2019 ein, worin diese darauf hinwies,
dass sie die fehlenden Unterlagen erhalten und gestützt darauf den Reingewinn für das
Jahr 2016 unter Berücksichtigung des Drittaufwands (im Zusammenhang mit der
Beauftragung der B GmbH [nachfolgend: Unterakkordantin]) berechnet habe. Sie
beantragte eine Anpassung der Steuerbeträge auf der Basis eines Reingewinns von
Fr. 65'462.08 (statt Fr. 174'462.–). Am 2. Oktober 2019 und 18. März 2020 verlangte
das Steueramt jeweils weitere Dokumente zur Beurteilung der Einsprache. Am
29. Oktober 2019, 14. und 21. April 2020 reichten die Steuerpflichtigen diverse
Unterlagen ein (Kontokorrentauszug Raiffeisenbank 2016, Kontoauszüge 2016,
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mietvertrag und zwei Autokaufverträge). Mit Entscheiden vom 17. Juni 2020 wies das
kantonale Steueramt die Einsprachen ab.
C.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 16. Juli 2020 erhoben X und Y Rekurs und
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Sie
beantragten, dass die Einspracheentscheide vom 17. Juni 2020 aufzuheben seien. Die
Veranlagungsverfügungen seien gemäss der nachträglichen Deklaration zu erlassen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 7. September 2020 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses und der Beschwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat auf eine
Stellungnahme zur Beschwerde verzichtet. X und Y nahmen zur vorinstanzlichen
Vernehmlassung mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 schriftlich Stellung.
Die in den Akten fehlenden Dokumente der Steuerveranlagung vom 5. März 2019
reichte die Vorinstanz mit E-Mail vom 26. November 2020 nach.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuern 2016 und der direkten Bundessteuer 2016. Hierbei handelt es sich
um verschiedene Steuern, welche verschiedenen Gemeinwesen zufliessen und welche
Gegenstand getrennter Veranlagungen und Verfahren sind. Dies bedeutet, dass zwei
Entscheide zu fällen sind, die in einem einzigen Dokument enthalten sein können – der
eine für die Kantons- und Gemeindesteuern und der andere für die direkte
Bundessteuer – mit getrennten Begründungen, wobei Verweisungen zulässig sind, und
eigenen Rechtssprüchen (Dispositiven) oder zumindest einem Rechtsspruch, der die
beiden Steuern ausdrücklich auseinanderhält (BGE 130 II 509 E. 8.3 = Pra 94 [2005]
Nr. 114). Dementsprechend werden der Rekurs und die Beschwerde in einem einzigen
Dokument behandelt und die Steuern im gemeinsamen Rechtsspruch
auseinandergehalten. Spätere höchstrichterliche Differenzierungen bezüglich Form und
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Inhalt von Entscheiden (BGE 135 II 260 E. 1.3.1 und 142 II 293 E. 1.2) haben an der
Zulässigkeit dieser Vorgehensweise nichts geändert.
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sach-entscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Rekurs
und Beschwerde vom 16. Juli 2020 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer,
SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten.
3.- Im Rekurs- und Beschwerdeverfahren ist streitig und zu prüfen, wie hoch das
Einkommen des Ehemannes aus selbständiger Erwerbstätigkeit in der Steuerperiode
2016 ist. Die Steuerbehörde stützt sich auf den mit der Steuererklärung 2016
eingereichten Jahresabschluss des Einzelunternehmens "Z", woraus sich ein
Reingewinn von Fr. 174'462.– ergibt. Demgegenüber berufen sich die Steuerpflichtigen
auf die im Einspracheverfahren abgeänderte Jahresrechnung mit einem Reingewinn
von Fr. 65'462.08. Die Differenz ergibt sich deshalb, weil in der Erfolgsrechnung
zusätzlich ein Aufwand von Fr. 109'000.– für Leistungen einer Unterakkordantin
verbucht wurde.
a) Die Vorinstanz bringt vor, dass die steuerliche Massgeblichkeit der
handelsrechtlichen Jahresrechnung auch für die Abänderung der Bilanzen
Konsequenzen habe. Die Verbindlichkeit einer handelsrechtskonformen
Jahresrechnung verbiete es ihr, nach dem Einreichen der Steuererklärung auf eine
geänderte Bilanz einzugehen. Dies gelte dann nicht, wenn eine handelsrechtswidrige
Bilanz vorliege; dann könne diese für die Veranlagung nicht massgeblich sein. Es sei
fraglich, ob der Umstand des nicht verbuchten Geschäftsaufwands aufgrund der
Leistungen der Unterakkordantin eine Bilanzkorrektur rechtfertigen könne. Aufgrund
der fehlenden Nachweise seien diverse Unterlagen eingefordert worden (unter anderem
sämtliche Buchungsbelege mit den Grundaufschrieben). Die Steuerpflichtigen hätten
die entsprechenden Dokumente aber nur teilweise eingereicht. Dass die Kasse
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
teilweise einen sehr hohen Bestand ausweise, fährt die Vorinstanz fort, widerspreche
einem üblichen Geschäftsgebaren genauso wie die Barzahlungen an die
Unterakkordantin. Die nachgereichten Rechnungen seien bei der Unterakkordantin
nachweislich nicht verbucht worden. Weitere Abklärungen seien nicht mehr möglich,
da über Letztere der Konkurs am 10. Januar 2019 eröffnet und am 18. Februar 2019
mangels Aktiven wieder eingestellt worden sei. Entgegen den Ausführungen der
Steuerpflichtigen sei das Einkommen nicht ermessensweise veranlagt worden, vielmehr
seien die deklarierten Werte der am 17. November 2017 eingereichten Steuererklärung
übernommen worden. Gegen die Glaubwürdigkeit der eingereichten Belege, welche die
Zahlung an die Unterakkordantin belegen sollten, spreche, dass die Daten der
einzelnen Rechnungen exakt den Buchungsdaten entsprechen würden. Dies bedeute,
dass jede Rechnung nach deren Ausfertigung gleichentags bar bezahlt worden sein
solle. Weiter habe der Firmenstempel auf den Rechnungen der Unterakkordantin
bereits am 4. Januar 2016 auf "D-Strasse, in E" gelautet, obwohl gemäss
Handelsregisterauszug das Firmendomizil erst per 29. November 2016 gewechselt
habe. Zudem hätten die Steuerpflichtigen ausgeführt, dass die Barbeträge jeweils der
Inhaberin der Unterakkordantin (F) übergeben worden seien, obwohl diese die
Geschäftsführung gemäss Handelsregister erst am 18. November 2016 übernommen
habe. Überdies seien die Lebenshaltungskosten der Eheleute mit den behaupteten
Verhältnissen unmöglich finanzierbar. So stehe dem beantragten Reineinkommen von
Fr. 97'273.– ein Vermögenszuwachs von Fr. 91'126.– gegenüber. Damit verbleibe zur
Deckung der Lebenshaltungskosten gerade noch ein Betrag von Fr. 6'146.–. Dem
Einwand, dass die Grundbedürfnisse mit einem zinslosen Darlehen des Sohnes und
den geltend gemachten Einkünften zu decken gewesen seien, wurde
entgegengehalten, dass weder der Sohn noch der Vater in der Steuererklärung 2016
diesen Darlehensvertrag deklariert hätten.
b) Die Steuerpflichtigen halten demgegenüber zusammenfassend fest, dass sie
korrekte und vollständige Unterlagen eingereicht hätten. Aufgrund der Einhaltung der
Verfahrenspflichten lasse das Gesetz keinen Raum für eine ermessensweise
Veranlagung. Die Vorinstanz versuche, die zuerst fälschlicherweise eingereichte
Jahresrechnung als einzig
massgebenden Beleg zu qualifizieren. Dabei verkenne sie, dass gemäss gefestigter
Praxis des Bundesgerichts eine Bilanzberichtigung bis zur rechtskräftigen Veranlagung
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
immer vorgenommen werden könne. Zudem sei diese von Amtes wegen
durchzuführen, weil damit die Richtigstellung einer Bilanzposition erreicht werde,
welche gegen zwingende handelsrechtliche Vorschriften verstosse. Nur der
handelsrechtlich korrekt ausgewiesene Saldo könne für die Steuerbilanz massgebend
sein. Vorliegend sei zuerst gerade keine handelsrechtlich ordnungsgemässe
Buchhaltung eingereicht worden. Die Regeln des Handelsrechts seien unabsichtlich
verletzt worden, womit ein handelsrechtswidriger Jahresabschluss vorliegen würde,
welcher in der Folge berichtigt werden müsse. Es handle sich gerade nicht um eine zu
berichtigende Bilanzänderung, wie etwa eine Wertkorrektur oder Ähnliches. Der
Ehemann habe umgehend nach der Zustellung der Rechnungen der Unterakkordantin
jeweils die entsprechenden Beträge von der Bank abgehoben und im Restaurant "G" in
Winterthur übergeben. Die Transaktionen seien aus den Kontoblättern ohne Ausnahme
ersichtlich und damit belegt. Schliesslich sei nicht ausdrücklich bestritten und auch
nicht belegt, dass die Quittungen nicht durch die Unterakkordantin erstellt worden
seien, weshalb von deren Gültigkeit auszugehen sei. Die Inhaberin der
Unterakkordantin sei während des gesamten Jahres 2016 tätig gewesen und habe in
deren Namen die Zahlungen angenommen. Die Buchhaltung der Unterakkordantin
stelle zudem keinerlei Indiz für den vorliegenden Sachverhalt dar. Die geforderten
Arbeitsrapporte könnten nicht von den Steuerpflichtigen beigebracht werden, da der in
Frage stehende Aufwand von der Unterakkordantin erbracht worden sei.
4.- a) Steuerbar sind alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land-
und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen
selbständigen Erwerbstätigkeit (Art. 31 Abs. 1 StG, Art. 18 Abs. 1 DBG). Das
Erwerbseinkommen Selbständigerwerbender ist – wirtschaftlich betrachtet – im
Wesentlichen gleichbedeutend mit dem Unternehmensgewinn. Bei den natürlichen
Personen oder Personenunternehmen, die eine ordnungsgemässe Buchhaltung führen,
gelten hinsichtlich der Gewinnermittelung, abgesehen von ein paar Abweichungen, die
gleichen Grundsätze wie bei den juristischen Personen (vgl. Art. 31 Abs. 3 mit
Verweisung auf Art. 82 StG, Art. 18 Abs. 3 mit Verweisung auf Art. 58 DBG; Zigerlig/
Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II. Teil N 144 f.).
Ausgangslage für die Bemessung des steuerbaren Reingewinns ist der Saldo der
Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung des Saldovortrages des Vorjahres (Art. 82
Abs. 1 lit. b StG und Art. 58 Abs. 1 lit. a DBG). Dieser Saldo wird unter anderem ergänzt
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch alle vor Berechnung des Saldos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teile des
Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung des geschäftsmässig begründeten
Aufwandes verwendet werden, wie zum Beispiel die Kosten für die Anschaffung,
Herstellung oder Wertvermehrung von Gegenständen des Anlagevermögens (Art. 82
Abs. 1 lit. b Ziff. 1 StG und Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG).
Aufwendungen werden bei der Berechnung des Reingewinns berücksichtigt, sofern sie
geschäftsmässig begründet sind (Art. 84 Abs. 1 StG und Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG).
Mangels gesetzlicher Definition des Begriffs des geschäftsmässig begründeten oder
geschäftsmässig nicht begründeten Aufwands muss jeweils im Einzelfall unter
Würdigung aller Umstände bestimmt werden, ob ein steuerlich abzugsfähiger Aufwand
vorliegt. Neben den in Art. 84 StG und Art. 59 DBG aufgeführten Beispielen
geschäftsmässig begründeter Aufwendungen ist generell nur jener Aufwand
abzugsfähig, welcher einem geschäftlichen Zweck dient. Eine Aufwendung ist
grundsätzlich dann geschäftsmässig begründet, wenn der Betrieb und der mit ihm
verfolgte Zweck der Gewinnerzielung mit der Aufwendung in einem kausalen
Zusammenhang stehen (Brülisauer/Mühlemann, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], 3. Aufl.
2017, Art. 58 DBG N 182 f.). Beweisbelastet für diese steuermindernden Tatsachen ist
gemäss der allgemeinen Beweislastregel die steuerpflichtige Person (BGE 144 II 427
E. 8.3.1 S. 449; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.,
Art. 123 N 77). Bei einem buchführenden Steuerpflichtigen gilt der
Massgeblichkeitsgrundsatz. Der Steuerpflichtige erbringt den Beweis für grundsätzlich
steuermindernde Aufwendungen (geschäftsmässige Begründetheit von Ausgaben
usw.) durch die Vorlage einer Erfolgsrechnung, die auf einer ordnungsgemässen
Buchhaltung beruht (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 123 N 85). Nach dem
Belegprinzip müssen unter anderem nachprüfbare Belegnachweise für die einzelnen
Buchungsvorgänge vorhanden sein (vgl. Art. 957a Abs. 2 Ziff. 2 und 5 OR). Als
Buchungsbelege gelten schriftliche Aufzeichnungen auf Papier oder in elektronischer
oder vergleichbarer Form, die notwendig sind, um den einer Buchung
zugrundeliegenden Geschäftsvorfall oder Sachverhalt nachvollziehen zu können (Abs.
3). Kann die Steuerbehörde den Hauptbeweis der buchführenden steuerpflichtigen
Person erschüttern (indem sie z.B. Umstände darzutun vermag, die Zweifel an der
geschäftsmässigen Begründetheit von gewissen Aufwendungen aufkommen lassen),
ist es wiederum an der steuerpflichtigen Person, diese Zweifel auszuräumen (vgl.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 123 N 85). Im vorliegenden Fall obliegt es
den Steuerpflichtigen, die steuermindernden Tatsachen der Aufwendungen aufgrund
der geltend gemachten Drittleistung durch die Unterakkordantin nachzuweisen.
b) Gewinnsteuerrechtlich ist vom Handelsrecht auszugehen. Dieses bildet in Fragen der
Buchführung und Rechnungslegung das "Leitrecht" und beruht seinerseits auf der
Betriebswirtschaftslehre. Die Massgeblichkeit wird eingeschränkt durch Korrekturen
aufgrund abgaberechtlicher Vorschriften. Die handelsrechtskonforme Jahresrechnung
bindet neben der Veranlagungsbehörde auch die Steuerpflichtigen. In begründeten
Fällen ist jedoch denkbar, von der Massgeblichkeit abzuweichen. Bilanzkorrekturen
werden in Bilanzänderungen und Bilanzberichtigungen unterschieden. Eine
Bilanzänderung liegt vor, wenn die buchführende Person eine handelsrechtskonforme
Buchung durch eine andere handelsrechtskonforme Buchung ersetzen will, was
grundsätzlich nur bis zum Einreichen der Steuererklärung möglich ist. Eine Änderung
der Bilanz durch den Steuerpflichtigen im Laufe des Veranlagungsverfahrens ist jedoch
auch danach noch zulässig, wenn sich herausstellt, dass der Steuerpflichtige die
Buchung in einem entschuldbaren Irrtum über die steuerlichen Folgen vorgenommen
hat. In der Regel ausgeschlossen sind demgegenüber Bilanzänderungen, mit denen
Wertveränderungen zum Ausgleich von Aufrechnungen im Veranlagungsverfahren
erfolgen oder lediglich aus Gründen der Steuerersparnis vorgenommen werden (Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 2C_576/2020 vom 17. August 2020 E. 2.1 und 2.2.1).
Anders als bei einer Bilanzänderung geht es bei einer Bilanzberichtigung um den Ersatz
einer handelsrechtswidrigen durch eine handelsrechtskonforme Buchung.
Bilanzberichtigungen dienen somit der Behebung von Verstössen gegen das
Handelsrecht und sind von Amtes wegen durchzuführen, bis die
Veranlagungsverfügung in Rechtskraft erwachsen ist. Sie schlagen sich in der
Steuerbilanz nieder und können zugunsten oder zuungunsten des Steuerpflichtigen
ausfallen. Nach Eintritt der Rechtskraft der Veranlagungsverfügung ist eine
Bilanzberichtigung nur bei einem Revisionsgrund (zugunsten des Steuerpflichtigen)
oder im Fall eines Nachsteuerverfahrens (zuungunsten des Steuerpflichtigen) zulässig
(BGer 2C_576/2020 vom 17. August 2020 E. 2.2.2).
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Die Steuerpflichtigen machen geltend, dass die Jahresrechnung und die
Steuererklärung für das Jahr 2016 fehlerhaft gewesen seien. Die während des
Einspracheverfahrens eingereichte korrigierte Einkommenssituation stimme mit der
korrigierten Jahresrechnung überein. Ob es sich bei der Bilanzkorrektur durch die
Steuerpflichtigen um eine Bilanzänderung oder eine Bilanzberichtigung handelt, kann
offenbleiben. Namentlich kommen beide Varianten der Bilanzkorrekturen nur dann in
Frage, wenn die geltend gemachten Zahlungen nachvollziehbar sind. Wie es sich damit
verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
aa) Die Steuerpflichtigen reichten am 13. Juni 2019 eine abgeänderte Erfolgsrechnung
nach. Der Reingewinn war im Vergleich zur ursprünglichen Jahresrechnung um
Fr. 109'000.– geringer (act. 6/I/6). Der entsprechende Aufwand bestehe aus den
Drittleistungen durch die Unterakkordantin. Um die Begründetheit dieses Aufwands zu
überprüfen, forderte die Vorinstanz die Steuerpflichtigen auf, Nachweise zu erbringen,
wie der Drittaufwand bezahlt, verbucht und finanziert worden sei (act. 6/I/7). Die
Steuerpflichtigen reichten daraufhin den Auszug des Kontokorrentkontos für die Zeit
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2016 ein. Darauf waren verschiedene Positionen
(Auszahlungen an den Steuerpflichtigen, Bancomat-Bezüge und Barauszahlungen) im
Gesamtbetrag von Fr. 158'184.05 rot markiert. Die Vorinstanz berechnete in der Folge,
dass der vierköpfigen Familie beim geltend gemachten Reineinkommen und aufgrund
der Vermögensentwicklung nur gerade ein Betrag von Fr. 6'146.– zur Bestreitung des
Lebensunterhalts zur Verfügung stünde, weshalb sie am 18. März 2020 zusätzliche
Unterlagen anforderte (act. 6/I/9). Die Treuhänderin und die Steuerpflichtigen reichten
am 14. und 20. April 2020 weitere Unterlagen ein (act. 6/I/10 und 11).
bb) Der eingereichte Auszug des Kontokorrentkontos belegt einzig, dass in der
Steuerperiode 2016 insgesamt 39-mal Bargeld in Beträgen zwischen jeweils Fr. 1'000.–
und Fr. 10'000.– bezogen wurde. In den meisten Fällen wurde das Geld an den
Ehemann ausbezahlt; es gab aber auch Bancomat-Bezüge und Barauszahlungen, bei
welchen die Bank den Empfänger des Geldes nicht bezeichnete (act. 6/I/8). Ob dieses
Geld mit einem Gesamtbetrag von rund Fr. 160'000.– an Gläubiger weitergeleitet
wurde, geht aus den Bankunterlagen nicht hervor. Die Steuerpflichtigen machen
sinngemäss geltend, dass davon Fr. 109'000.– der Unterakkordantin zugeflossen
seien. in der ursprünglichen Erfolgsrechnung für das Steuerjahr 2016 war für diesen
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Betrag indessen kein Aufwand für Drittleistungen verbucht (act. 6/II/2). Während des
Einspracheverfahrens liessen die Steuerpflichtigen durch die Treuhänderin insgesamt
dreizehn Rechnungen einreichen. Darin stellte die Unterakkordantin für ausgeführte
Arbeiten Rechnung für insgesamt Fr. 109'000.–. Die Geschäftsführerin der
Unterakkordantin bestätigte jeweils mit Stempel und Unterschrift, den entsprechenden
Betrag in bar erhalten zu haben (act. 6/I/6). Im Zusammenhang mit diesen Rechnungen
fällt Verschiedenes auf: Die Daten der Rechnungen stimmen – abgesehen von einer
Ausnahme (23. Mai 2016) mit den Daten von Barbezügen überein. Zu berücksichtigen
ist indessen, dass die einzelnen Bargeldbeträge in keinem einzigen Fall mit den
Rechnungsbeträgen übereinstimmten. Der Auszug des Kontokorrentkontos ist deshalb
nicht geeignet, den Nachweis für die geltend gemachten Drittleistungen zu erbringen.
cc) Die Rechnungen der Unterakkordantin, die mit der Steuererklärung nicht
eingereicht wurden, sind ebenfalls nicht geeignet, die Behauptung der
Steuerpflichtigen zu stützen. Die Geschäftsführerin der Unterakkordantin bestätigte
jeweils, die in Rechnung gestellten Beträge in bar erhalten zu haben. Für diese
Bestätigungen zwischen 4. Januar und 29. August 2016 benützte sie einen Stempel,
der mit dem damaligen Firmensitz und der Adresse im Briefkopf nicht übereinstimmte.
Die "D-Strasse, in E" war erst ab 23. November 2016 das Firmendomizil. Ungewöhnlich
ist auch die geschilderte Abwicklung der Übergabe der Bargeldbeträge; und zwar soll
dies immer in einer Pizzeria in Winterthur stattgefunden haben. Unklar ist zudem, wem
das Geld tatsächlich übergeben worden sein soll. Im Rekurs und in der Beschwerde
wurde ausgeführt, dass die Geschäftsführerin das Bargeld entgegengenommen habe
(act. 1 Ziff. 10). Gemäss der schriftlichen Stellungnahme der Steuerpflichtigen vom 8.
Oktober 2020 war es "der Vertreter" der Unterakkordantin, welcher das Geld erhalten
habe (act. 10 Ziff. 2). Schliesslich erscheint auch merkwürdig, dass die entsprechenden
Bargeldbeträge immer am Rechnungsdatum übergeben worden sein sollen, wenn der
Ehemann jeweils eine Zahlungsfrist von 14 Tagen hatte. Wie die Rechnungen zugestellt
wurden, ist nicht bekannt. Auf dem Postweg konnte dies jedenfalls nicht sein, denn
sonst hätte der Steuerpflichtige nicht gewusst, wieviel Geld er bei der Bank holen
muss. Dass er bereits früher über die Rechnungsbeträge informiert worden wäre, wird
nicht geltend gemacht und geht aus den Akten nicht hervor.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dd) Würde überdies der Behauptung der Steuerpflichtigen gefolgt, wonach in ihrer
Branche Bargeldzahlungen üblich seien, wäre sie gehalten gewesen, ein Kassabuch zu
führen. Wer überwiegend Einnahmen und Ausgaben aus formlos geschlossenen
Verträgen erzielt, in der Regel bar bezahlt oder bezahlt wird und nicht regelmässig
Rechnungen oder zumindest Quittungen auszustellen hat, ist zur Führung eines
Kassabuches verpflichtet. Dieses bildet den Dreh- und Angelpunkt der
Aufzeichnungen. Soll das Kassabuch für die Richtigkeit des erfassten Bargeldverkehrs
Beweis erbringen, ist unerlässlich, dass die Bareinnahmen und -ausgaben in ihm
fortlaufend, lückenlos und zeitnah aufgezeichnet werden und durch Kassenstürze
regelmässig kontrolliert werden (vgl. BGer 2C-973/2018 vom 9. Januar 2019 E. 2.4.2).
Ein Kassabuch wurde von den Steuerpflichtigen nicht eingereicht, weshalb davon
auszugehen ist, dass der Ehemann ein solches nicht führt. Die Bargeldzu- und abflüsse
sind damit nicht nachvollziehbar.
ee) Zusätzliche Zweifel an der Begründetheit des geltend gemachten Drittaufwands
bestehen, weil die Steuerpflichtigen neben der rudimentären Rechnungsstellung keine
weiteren Belege zu dieser Geschäftsbeziehung eingereicht haben, obwohl sie von der
Vorinstanz dazu aufgefordert wurden. Falls der Ehemann mit seinem
Einzelunternehmen in keiner näheren Beziehung zur Unterakkordantin gestanden
haben sollte, wäre umso mehr zu erwarten, dass er sich schriftlich absichert und die
entsprechenden Dokumente aufbewahrt. Wegen des Konkurses der Unterakkordantin
im Jahr 2019 sind weitere Abklärungen nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass die
Steuerpflichtigen nicht plausibel darlegen konnten, wie sie mit dem nachträglich
deklarierten Einkommen den Lebensunterhalt bestritten haben. Die Vorinstanz zeigte
auf, dass das Reineinkommen bei einem Reingewinn von Fr. 65'462.– insgesamt
Fr. 97'723.– betragen würde. Aufgrund des Vermögenszuwachses von Fr. 91'127.–
zum Vorjahr hätte nur ein Betrag von Fr. 6'146.– für die Deckung der
Lebenshaltungskosten zur Verfügung gestanden. Selbst bei grösster Sparsamkeit ist es
nicht möglich, damit über die Runden zu kommen. Insbesondere betragen die
monatlichen Mietkosten schon Fr. 1'000.– (act. 2/9). Gemäss Art. 38 Abs. 2 StG
entspricht das Reineinkommen wenigstens dem Aufwand der davon lebenden
Personen, wenn nicht die Steuerpflichtigen nachweisen, dass der Aufwand aus
steuerfreien Einkünften oder aus Vermögen bestritten wurde, was die Steuerpflichtigen
nicht aufzuzeigen vermocht haben. Daran würde auch nichts ändern, wenn der
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ehemann von seinem Sohn am 28. November 2016 ein Darlehen von Fr. 16'000.–
erhalten haben sollte (vgl. act. 2/12). Weder der Darlehensnehmer noch der
Darlehensgeber haben dieses Darlehen in ihren Steuererklärungen angegeben. Der
Steuerpflichtige sei der irrigen Annahme gewesen, dass er dieses wegen Zinslosigkeit
nicht habe deklarieren müssen (act. 1 Ziff. 18). Die Steuerpflichtigen führen weiter aus,
dass der Sohn das Darlehen gewährt habe, weil sie aufgrund des Berufsunfalls des
Steuerpflichtigen und des sich daraus ergebenden schlechteren Geschäftsverlaufs nur
über wenig finanzielle Mittel verfügt hätten (act. 1 Ziff. 18). Dies steht aber in einem
gewissen Widerspruch zum Umstand, dass der Steuerpflichtige am 4. November 2016
Fr. 22'000.– für einen achtjährigen Mercedes Benz S 320 CDI und am 26. Dezember
2016 Fr. 11'000.– für einen zehnjährigen Fiat Doblo bezahlte (act. 6/I/11). Die
Vorinstanz hat korrekterweise darauf hingewiesen, dass die Gesamtbetrachtung der
Vermögensveränderung in Relation zum Reineinkommen massgebend sei. Auf
welchem Konto welche Mittel bezogen wurden, ist nicht entscheidend. Die
Gesamtbetrachtung zeigt eindeutig, dass mit dem nachträglich deklarierten, massiv
tieferen Reingewinn eine Deckung der Lebenshaltungskosten nicht möglich ist.
ff) Zweifel an der Begründetheit der Drittleistungen ergeben sich zudem auch aus den
Dokumenten und der Buchführung der Unterakkordantin. Insbesondere wurden die hier
in Frage stehenden Aufträge in ihrer Buchhaltung nicht vermerkt (act. 6/II/5). Daran
ändert auch nichts, dass die Verantwortung für eine korrekte Buchführung der
Unterakkordantin nicht bei den Steuerpflichtigen liegt.
d) Zusammenfassend gelingt es den Steuerpflichtigen nicht, den Aufwand der
Unterakkordantin im Umfang von Fr. 109'000.– nachzuweisen. Die Voraussetzungen für
eine Bilanzkorrektur sind damit nicht gegeben. Daran würde auch die Befragung des
Steuerpflichtigen nichts ändern. Die ausschlaggebenden Tatsachen sind mit Belegen
und Dokumenten zu untermauern. Die Steuerpflichtigen hatten Gelegenheit, ihren
Standpunkt schriftlich darzulegen und machten ausführlich Gebrauch davon. Fehlende
Belege, die zum Beweis einer Tatsache notwendig sind, können beweismässig nicht
durch mündliche Angaben der Steuerpflichtigen aufgewogen werden. Im Übrigen ist
der Zeugenbeweis im ordentlichen Steuerverfahren ausgeschlossen (Urteil des
Verwaltungsgerichts B 2011/243 vom 15. Oktober 2012 E. 2.1.1, im Internet abrufbar
unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung; GVP 1993 Nr.19),
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weshalb die beantragte Befragung des Steuerpflichtigen als Zeuge abzuweisen ist.
Massgebend ist die Veranlagungsberechnung gemäss den Einspracheentscheiden
vom 17. Juni 2020. Diesen liegen die Werte des Jahresabschlusses 2016 zugrunde,
welche mit der Steuererklärung 2016 eingereicht wurden. Damit ist gleichzeitig gesagt,
dass es sich nicht um eine Ermessensveranlagung handelt. Der Rekurs und die
Beschwerde sind abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des Rekurs- und
Beschwerdeverfahrens den Steuerpflichtigen aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP und
Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je Fr. 800.– erscheint angemessen
(Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Die Kostenvorschüsse von je Fr. 800.– sind damit zu verrechnen.