Decision ID: 76d854ce-cd80-50aa-8102-57c08457c2f4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 26. Oktober 2020 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 10. November 2020 und
der Anhörung vom 3. Dezember 2020 gab er im Wesentlichen an, er
stamme aus dem Dorf B._, Distrikt C._, Provinz D._,
und sei islamischen Glaubens. Sein Grossvater väterlicherseits sei ein re-
ligiöser Gelehrter, ein "Alam", der islamischen Glaubensbewegung
"E._" gewesen und habe religiöse Veranstaltungen organisiert und
geleitet. Im Februar 2015 habe sein Grossvater im Nachbarsdorf
F._ eine religiöse Veranstaltung organisiert und über den schiiti-
schen Glauben gesprochen. Nach der Veranstaltung sei er von drei jungen
Männern einer schiitischen Gemeinde aus F._ getötet worden. Ein
Nachtwächter habe den Vorfall beobachtet. Einige Zeit nach der Beerdi-
gung seines Grossvaters seien sein Vater und sein Onkel väterlicherseits
zur Aufklärung der Todesursache seines Grossvaters nach F._ zu
einem religiösen Treffpunkt gegangen. Acht bis zehn Tage später sei es
ausserhalb von B._ zu einem weiteren Treffen mit schiitischen
Gläubigen gekommen, welche sich bei ihnen entschuldigt und zur Frie-
densschlichtung Geld angeboten hätten. Sein Onkel väterlicherseits sei
wütend geworden und habe zwei Schiiten erschossen, woraufhin schiiti-
sche Gläubige seinen Onkel und zwei Cousins getötet und den Beschwer-
deführer, seinen Vater und seinen Bruder geschlagen hätten. Er habe sich
dabei den Arm gebrochen. Die pakistanische Polizei habe in der Folge sei-
nen Vater und einen schiitischen Gläubigen festgenommen. Weil sein On-
kel zwei ihrer Gläubigen getötet habe, hätten die Schiiten Todesdrohungen
gegenüber seiner Familie ausgesprochen, weshalb er sich in einem Wald-
stück versteckt habe. Am darauffolgen Tag habe er an der Beerdigung sei-
nes Onkels und seiner beiden Cousins teilgenommen. Nach der Beerdi-
gung sei er aus Angst vor den Schiiten nach G._ und sein Bruder
nach H._ umgezogen. In seinem Heimatdorf hätten die Schiiten
weiterhin nach ihm gefragt, weshalb er am 1. Januar 2018 aus Pakistan
ausgereist sei. Sein Vater sei ungefähr im Februar 2018 verstorben.
Der Beschwerdeführer reichte seine pakistanische Identitätskarte und sei-
nen pakistanischen Pass (beides in Kopie) ein.
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B.
Mit Verfügung vom 22. April 2021 (eröffnet am 28. April 2021) verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 26. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der
Vorinstanz vom 22. April 2021 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzu-
erkennen und sein Asylgesuch sei gutzuheissen. Eventualiter sei er vor-
läufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihm die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei
abzusehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet
sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
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3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt implizit eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs. Dabei handelt es sich um eine formelle Rüge, welche vorab zu beur-
teilen ist, da sie gegebenenfalls geeignet wäre, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
3.3 Der Beschwerdeführer moniert, aufgrund der traumatisierenden Ereig-
nisse und weil er sich nicht gewohnt sei, seine Gefühle auszudrücken,
habe er nicht alle Vorbringen detailliert schildern können. Daraus abzulei-
ten, dass seine Angaben nicht stimmen würden, sei falsch.
Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
sich trotz einer möglichen psychischen Belastung wegen des Erlebten nicht
hätte verständlich ausdrücken können. In der Anhörung wird zwar ange-
merkt, dass die Mittagspause emotional gewesen sei, auf entsprechende
Nachfrage gab er hingegen zu verstehen, dass die Anhörung fortgesetzt
werden kann. Ob die Glaubhaftigkeitsprüfung seiner Aussagen zutreffend
ist, ist hingegen nicht eine formelle, sondern eine materielle Frage der
rechtlichen Würdigung der Vorbringen. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs liegt somit nicht vor.
3.4 Die formelle Rüge erweist sich angesichts dieser Sachlage als unbe-
gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
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Seite 5
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Vorbringen des
Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Furcht, aufgrund religiös begründe-
ter Auseinandersetzungen zwischen der schiitischen Gemeinde von
F._ und seinem Grossvater von Schiiten getötet zu werden, seien
nicht substantiiert und wenig konkret. Seine Schilderungen hinsichtlich des
Konflikts mit der schiitischen Gemeinde von F._, bei welcher sein
Onkel und seine beiden Cousins getötet worden seien und er verletzt wor-
den sei, seien in einem vagen und allgemeinen Erzählmuster ausgefallen.
Ebenso unsubtantiiert und ohne persönlichen Erlebnisbezug seien seine
Ausführungen zu seinem Versteck und zu seinem Entschluss des Umzugs
nach G._ ausgefallen.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe detailliert darüber berichtet,
dass sein Grossvater aufgrund religiöser Motive umgebracht worden sei
und er deshalb verfolgt werde. Seine Familie habe sich an die pakistani-
schen Behörden gewandt, doch hätten diese ihnen nicht geholfen. Bei ei-
ner Rückkehr nach Pakistan drohe ihm eine erhebliche Gefahr seitens der
schiitischen Gemeinde aus F._. Er habe seine Flüchtlingseigen-
schaft glaubhaft darlegen können, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei.
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Seite 6
6.
6.1
Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft sind. Seine
Ausführungen zur Tötung seines Grossvaters, seines Onkels und seiner
beiden Cousins aus religiösen Gründen durch Schiiten, zu seinem Versteck
und zum Entschluss seines Umzugs nach G._ sind vage, unsub-
stantiiert und widersprüchlich ausgefallen. Selbst nach mehrmaligem
Nachfragen, detaillierte Angaben zu machen, gelang es ihm nicht, seine
Vorbringen mit einem persönlichen Erlebnisbezug zu versehen. Es darf
vom Beschwerdeführer erwartet werden, dass er die Hauptelemente seiner
Asylvorbringen nachvollziehbar schildern kann. Seine Aussagen zur Be-
richterstattung des Nachtwächters zum Tod seines Grossvaters fallen äus-
serst rudimentär aus. Den Vorfall, bei welchem sein Onkel und seine bei-
den Cousins getötet wurden und sein Vater inhaftiert wurde, schilderte er
ebenfalls sehr kurz und substanzarm. Zudem sind seine Aussagen zu sei-
nem Versteck widersprüchlich. So erklärt er zunächst, dass sie sich aus
Angst vor den Schiiten in einem abgelegenen Haus versteckt hätten. Nach-
dem er darauf hingewiesen wurde, ausführlich zu antworten, gab er hinge-
gen an, sie hätten sich in einem kleinen Waldstück versteckt, welches sich
neben dem abgelegenen Haus befunden habe. Nachdem die Polizei sei-
nen Vater verhaftet habe, seien sie zum Tatort zurückgekehrt, um die Leich-
name seines Onkels und seiner beiden Cousins abzuholen. Auf Nachfra-
gen, mit wem er sich versteckt habe, erklärte er, er habe sich alleine ver-
steckt, obwohl er zuvor wiederholt von "wir" gesprochen hat (act. A18 F131
f., F 140). Es ist nicht nachvollziehbar, dass er zur einmonatigen Haft sei-
nes Vaters keine genauen Angaben machen kann. Sein Erklärungsver-
such, er sei während der Haftzeit seines Vaters nach G._ umgezo-
gen, er habe Probleme mit seinem Arm gehabt und die Schiiten hätten ge-
droht ihn umzubringen, kann nicht gehört werden. Insgesamt sind seine
geltend gemachten Probleme aufgrund der oberflächlichen Aussagen, Un-
gereimtheiten und Widersprüche als unglaubhaft einzustufen. In seiner
Rechtsmitteleingabe gelingt es ihm nicht, die Oberflächlichkeiten zu präzi-
sieren und die Widersprüche in seinen Aussagen zu beseitigen. Hätten die
Schiiten tatsächlich ein Interesse an ihm gehabt, hätten sie ihn während
seines dreijährigen Aufenthalts in G._ aufsuchen können, zumal er
in der Anhörung angab, An-hänger der schiitischen Gemeinde von
F._ würden sich in G._ aufhalten, weshalb er sich auch dort
vor ihnen gefürchtet habe. Für die Einschätzung der Unglaubhaftigkeit sei-
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ner Vorbringen spricht zudem, dass sich seine Familie nach wie vor in Pa-
kistan befindet und er nicht vorbringt, dass es nach seiner Ausreise – seit
drei Jahren – zu weiteren Vorfällen gekommen ist.
6.2 Insgesamt hat der Beschwerdeführer keine asylrelevanten Nachteile
erlitten und es besteht auch kein Hinweis darauf, dass ihm eine künftige
asylrelevante Verfolgung drohen würde. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch
des Beschwerdeführers somit zu Recht abgewiesen.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Pakistan dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der
Wegweisung ist zulässig.
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Seite 8
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise an-
gespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die zur
Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvollzug
ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu das Referenzurteil des
BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie das Urteil des
BVGer D-2534/19 vom 7. April 2021 E. 8.4.2). Sodann lassen auch keine
individuellen Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdefüh-
rers in seinem Heimatland schliessen. Er ist ein junger, gesunder Mann mit
einer achtjährigen Schulbildung. Danach hat er seinen Lebensunterhalt
verdient, indem er mit Wasserbüffeln und später drei Jahre als Koch gear-
beitet hat. Mit seiner Mutter, seinen Schwestern, Brüdern und seinem On-
kel mütterlicherseits verfügt er über ein familiäres Beziehungsnetz. Es ist
davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr wieder bei seiner Familie
wohnen kann und diese ihn bei seiner sozialen und wirtschaftlichen Wie-
dereingliederung unterstützen wird. Dies auch unter Berücksichtigung der
allenfalls erschwerten Situation aufgrund der Corona-Pandemie. Der Voll-
zug der Wegweisung erweist sich somit auch in individueller Hinsicht als
zumutbar.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 9
10.
10.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-
halb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un-
geachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem
Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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