Decision ID: 399eb85e-02cf-5ea9-9d72-d345d3f14b6f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, meldete sich am 3. November 2006 unter Hinweis auf Schmerzen in der Halswirbelsäule (Unfall), Schmerzen in den Schul
tern, Rücken- und Knieschmerzen, Schlafstörungen sowie Depressionen (Angst
zustän
de)
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
2/6/
4)
.
Nach Abklärung der beruflich-erwerblichen und medizinischen Ver
hält
nisse (unter
anderem Beizug der Akten der
S
uva
[Urk.
2/6/
28/1-104] und Ein
holung eines psychiat
risch-psycho
the
rapeutischen
Gutachtens bei Dr. med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie [Urk.
2/6/
51]) sowie nach Durchführung des
Vor
bescheidver
fah
rens
(vgl. Urk.
2/6/
58-76) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV
Stelle, der Versicherten mit Verfügungen vom 6. Januar 2011 (Urk.
2/6/
90-92) mit
Wir
kung ab 1. November
2006 bis 31. März
2007 und ab 1. März bis 31. August
2008 eine ganze Rente sowie ab 1. September 2008 eine halbe Rente der Eid
ge
nössischen Invalidenversicherung zu.
1.2
Anfang 2013 leitete die IV
Stelle von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfah
ren
ein (vgl. Urk.
2/6/
123-125). Nach Einholung diverser Arztberichte (vgl.
Urk.
2/6/
126 und
2/6/
129) und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
2/6/
136-137
)
hob die
IV
Stelle
die bis
her aus
gerich
tete halbe Invalidenrente
mit
Ver
fügung vom 28. August 2013 (Urk. 2/6/
145)
gestützt auf die Schlussbe
stimmungen zur
Än
derung des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) vom 18. März
2011 (
SchlB
IVG; 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) auf den ers
ten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung auf. Die dagegen geführte Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Entscheid vom 29. Juni 2015 (Urk.
2/6/
189) teilweise gut und wies die Sache zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens und anschliessender Neu
beurteilung an die IV
Stelle zurück (Prozess
-Nr.
IV.2013.0879).
1.3
In der Folge veranlasste die IV-Stelle in Umsetzung des vorgenannten Entscheides
eine polydisziplinäre Begutachtung durch die
Z._
(Expertise vom
18. Juli 2016; Urk.
2/6/
225). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
2/6/
238, Urk.
2/6/
269) hob die IV-Stelle
die Invalidenrente mit Verfügung vom 9. November 2017 (Urk.
2/
2) erneut auf den ers
ten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung auf.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 11. Dezember 2017 (Urk.
2/
1) wiederum Beschwerde und beantragte, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. November 2017 sei aufzuheben (1.), eventualiter sei die Verfügung der
Beschwerdegegnerin aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und Neu
beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurück zu weisen (2.); unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt.
) zu Lasten der Beschwerdegegnerin (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 30. Januar 2018 (Urk.
2/
5) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Urteil vom 13. August 2019 (Prozess-Nr. IV.2017.1353; Urk. 2/10) hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Beschwerde gut
und stellte einen unveränderten Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente fest. Dabei erwog es, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht ausge
wiesen sei (E. 4.3) und auch keine zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Rentenzusprache
vorliege, was bereits im Urteil vom 2
9.
Juni 2015 festgestellt worden sei (E. 4.4). Zudem habe die Beschwerdegegnerin keine Eingliederungs
massnahmen durchgeführt, weshalb sich auch aus diesem Grund keine Renten
aufhebung rechtfertige (E. 4.5.4).
Die von der IV-Stelle dagegen erhobene Beschwerde hiess d
as Bundesgericht mit Urteil 8C_652/2019 vom 18. Februar 2020 (Urk. 1) gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an das hiesige Gericht zurück.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit
oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wieder
erwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfü
gung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom 2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_76
2/6/
2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit der (substitu
ierten) Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invaliden
ver
sicherung, 3. Auflage 2014,
R
n
77 zu Art. 30–31).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 9. Novem
ber 2017 (Urk.
2/
2) im Wesentlichen, vorliegend sei im Vergleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes ausgewiesen und somit ein Revisionsgrund gegeben. Da die Beschwerdeführerin gestützt auf das Gutachten der
Z._
in der angestammten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei, werde auf einen Einkommensvergleich verzichtet. Die Erwerbseinbusse von 20 % entspreche dem IV Grad. Zum heutigen Zeitpunkt bestehe daher kein Anspruch mehr auf eine Rente der Invalidenversicherung (S. 3).
Die Beschwerdegegnerin führte weiter aus, die damalige RAD-Stellungnahme habe in keiner Weise den rechtsprechungsgemässen Kriterien entsprochen, um als beweistaugliche Grundlage für eine rechtmässige Beurteilung der Invalidität zu dienen. Zur Beurteilung hätte daher nicht ohne Weiteres auf die RAD
Stellung
nahme abgestellt werden dürfen. Dies stelle eine willkürliche Beweiswür
digung dar. Die damalige
Rentenzusprache
sei daher zweifellos unrichtig gewe
sen, wes
halb vorliegend auch ein Wiedererwägungsgrund gegeben sei (S. 4).
2.2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk.
2/
1) ein, dass hinsichtlich des aktu
ellen Gesundheitszustandes nicht auf das Gutachten der
Z._
abgestellt werden könne. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes sei somit nicht aus
gewiesen. Dass die
Rentenzusprache
unter anderem aus psychischen Gründen erfolgt sei, sei ebenfalls nicht erstellt, weshalb selbst eine Verbesserung des psychi
schen Gesundheitszustandes keinen Revisionsgrund darstellen würde. Weiter habe das hiesige Gericht bereits in seinem Urteil vom 29. Juni 2015 fest
gestellt, dass vorliegend nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden könne, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache
zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin könne sich deshalb auch nicht auf einen Wiedererwägungsgrund berufen (S. 13 f.).
2.3
Mit Rückweisungsentscheid vom 18. Februar 2020 (Urk. 1)
hielt das Bundesge
richt fest,
dass der kantonale Entscheid vom 29. Juni 2015 (Prozess-Nr. IV.2013.0879; Urk.
2/6/
189) im strittigen Punkt der zweifellosen Unrichtig
keit der ursprünglichen
Rentenzusprache
vom 6. Januar 2011 nicht in materielle Rechtskraft erw
a
chs
en sei
(vgl. Urk. 1 E. 4.2)
und
wies
das hiesige Gericht
an
zu prüfen, ob die am 6. November 2011 verfügte Zusprache einer halben Invaliden
rente ab 1. September 2008 zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG war (E. 5.1)
und allenfalls den Eingliederungsbedarf neu zu prüfen (E.
5.2.2)
.
3.
Der am 6. Januar 2011 verfügten Invalidenrente lagen nachstehende ärzt
liche Beurteilungen zugrunde:
3.
1
PD Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) der Beschwerdegegnerin erklärte am 12. Juni 2008, dass sich in zusam
men
fassender Beurteilung der vorliegend
en Befunde bei nur
niedriggradi
gen
skeletta
len
Degenerationen sowohl aus neurologischer als auch aus rheuma
to
logischer Sicht kein IV-relevanter Gesund
heitsschaden ergebe. Mit der diagnos
tizierten Depression sei aber ein IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen, wobei es aber zuletzt zu einer namhaften Besserung gekommen sei (Urk.
2/6/
57/3-4). Am 11. Dezember 2008 empfahl PD Dr.
A._
die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens (Urk.
2/6/
57/5).
3.
2
Dr.
Y._
stellte in seinem Gutachten vom 20. September 2009 (Urk.
2/6/
51) fol
gende Diagnosen (S. 14):
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
sowie (als weitere Diagnosen):
-
anamnestisch depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
-
Konsum von Tabak und Cannabinoiden (Z72.0 und Z72.2)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (Z73.1)
Aufgrund der aktuellen Untersuchungsergebnisse, der Akten und der Angaben de
r Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Neurasthenie, bestehend seit der Kindheit, ausge
gangen werden, die bis 2005/2006 die soziale, berufliche, persönliche und part
nerschaftliche Integration der Beschwerdeführerin objektiv nicht wesentlich beein
trächtigt habe (S. 17). Im Fall der Beschwerdeführerin lägen aus psychia
trisch-psychotherapeutischer Sicht keine besonderen Hinweise vor, die auf schwe
re De
fizite aufgrund eines Gesundheitsschadens und/oder eine Unzumut
barkeit zu de
ren Überwindung (beispielsweise durch fehlende krankheitsbe
dingte
Ressourcen) deuteten (S. 18 f.). Bei der Beschwerdeführerin bestünden invali
di
tätsfremde Ge
sichtspunkte (Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz sowie psy
chosoziale As
pekte) mit einer allfälligen therapeutischen Relevanz; diese Aspekte gingen je
doch nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zu
mutbar
keit einer Tätigkeit aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht ein. Eine Neu
rasthenie begründe (auch unter Berücksichtigung der Rechtsprechung) aus versi
cherungs
medizinischer Sicht keine relevante längerfristige Arbeitsun
fähigkeit. Die Wil
lensanstrengung zur Überwindung der Defizite sei der Be
schwerdeführerin zu
mutbar (S. 19).
3.3
Die Physiotherapeutin
B._
, der Ergotherapeut
C._
, die Psychologin
lic.
phil.
D._
, Assistenzarzt Dr. med.
E._
und der Leitende Arzt Prof.
Dr.
med.
F._
von der Rheumaklinik und dem Institut für Physikalische Medi
zin des Uni
versitätsspitals
G._
diagnostizierten in ihrem B
ericht vom 25. März 2010 (Urk.
2/6/
69) ein chronisches
zerviko
-thorakales Schmerzsyndrom mit/bei
Kypho
sie
rung
C3-6,
Osteochondrosen
C4/5 und C5/6 und muskulärer Insuffizienz der Brustwirbelsäule sowie einen Status nach Arthroskopie der rech
ten Schulter bei
Tendinopathia
calcarea (ohne
residuelle
Beschwerden) und eine Depression. Die
Beschwerdeführerin habe im Rahmen des Ambulanten In
terdis
ziplinären Schmerz-
P
rogramms (AISP) an physiotherapeutisch, psycholo
gisch, ergothera
peu
tisch und ärztlich geleiteten Gruppen- und Einzeltherapien teilge
nommen mit dem Ziel der Steigerung der Schmerz- und Belastungstole
ranz. Aus psy
chiatri
scher Sicht seien Hinweise auf eine Angststörung und eine Depression zu erken
nen. Die Resultate der funktionellen Testbatterie zeigten trotz der schon anfäng
lich guten Werte eine zusätzliche Steigerung. Leicht an
gestiegen sei die Schmerzintensität, was durch die Mehrbelastung des Pro
gramms auf körper
li
cher und psychischer Ebene erklärt werden könne. Auch die Schlaf
qualität habe ab
genommen. Die Auswertungen am Ende des Programms hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin weniger depressiv sei; auch die Ängste hätten abge
nommen. Aus physiotherapeutischer Sicht sei keine Einzel
therapie notwendig. Aus psycho
logischer Sicht wäre eine Weiterführung der psycho
therapeutischen Behandlung sinnvoll, um eine Stabilität in der psychi
schen Befindlichkeit bei
zu
behalten.
3.
4
Prof. Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD der Beschwerdegegnerin führte am 14. Juli 2010
aus, dass ein chronischer physischer und psychischer Gesundheitsschaden von Krankheitswert (somatisch: Schulter-Nackenbeschwerden mit Schmerzentwicklung nach dem Unfall vom
Mai
2005; psychisch: ICD-10 F45.41 [chronische Schmerzstörung mit somati
schen
und psychischen Faktoren]) aktuell die volle Ausschöpfung der funktio
nellen Leis
tungsfähigkeit für beruflich zu verwertende Tätigkeiten verhindere.
Im Mit
tel
punkt der verhaltenseinschränkenden Beschwerden stehe eine thera
peu
tisch bis
lang schwer zu beeinflussende Schmerzentwicklung mit negativer Aus
wirkung auf den geregelten Tagesablauf und das subjektive Befinden und Erle
ben. Die Beschwerdeführerin erlebe sich krankheitsbedingt verändert und bis in die Fähig
keit zur Bewältigung alltäglicher Verrichtungen hinein einge
schränkt. Sie zeige sich motiviert, ihren Zustand zu verändern und die Schmer
zent
wick
lung positiv zu beeinflussen. Eine störungsspezifische Behandlung finde lege artis ambulant durch Hausarzt und Psychiater statt mit erfolgreicher Unter
stützung einer schmerztherapeutisch orientierten Physiotherapie. Aus ver
siche
rungsmedizini
scher
Sicht könne vor dem Hintergrund des festgestellten Gesund
heitsschadens eine beruflich zu verwertende Restarbeitsfähigkeit in an
gestam
m
ter und ange
passter Tätigkeit von 50 % postuliert werden unter den Beding
ungen einer ange
messenen therapeutischen und beruflic
hen Eingliede
rungshilfe (Urk.
2/6/
7
6/
1
2).
4.
4.1
Vornehmlich gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 14. Juli 2010 gelangte die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass vom 1. November 2005 bis 31. Dezember 2006 eine 100%ige, vom 1. Januar 2007 bis 8. Dezember 2007 eine 25%ige, vom 9. Dezember 2007 bis 16. Mai 2008 wiederum eine 100%ige und schliesslich ab 17. Mai 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
ist
(vgl. Urk.
2/6/
76
/3
).
Diese Auffassung findet in
de
n
medizinischen Akten keine Stütze
. Namentlich lässt in somatischer Hinsicht lediglich der Operations
bericht vom 17. November 2005 (Urk.
2/6/
28/104-105
), wonach sich die Beschwerde
führerin am 11. November 2005 im Stadtspital
I._
einer Schulter
-
arthroskopie rechts, einer
Bursoskopie
mit partieller
Bursektomie
und einem
Débridement
der Kalkherde unterzog, zumindest eine vorübergehende Ein
schrän
kung der Leistungsfähigkeit
erkennen
.
Dementgegen
erschliesst sich
weder
aus den
aufliegenden
ärztlichen Zeugnisse
n
(vgl. Urk.
2/6/
10/5 ff., Urk.
2/6/
23, Urk.
2/6/
28/58, Urk.
2/6/
28/64, Urk.
2/6/
28/72 ff., Urk.
2/6/
28/85 ff., Urk.
2/6/
28/97, Urk.
2/6/
28/102
)
noch
den
übrigen Arz
tberichten
der Unfallver
sicherung
(vgl. Urk.
2/6/
28/
20-21,
Urk.
2/6/
28/35, Urk.
2/6/
28/61, Urk.
2/6/
28/78 f., Urk.
2/6/
28/94)
m
angels
nachvollziehbarer Befundnennung sowie Darstellung der medizinischen Zusammenhänge und der daraus abgeleite
ten funktionellen Einschränkungen
eine länger dauernde Arbeitsun
fähigkeit
.
So verneinte denn auch der Unfallversicherer mit Verfügung vom 8. Januar 2008 (
Urk.
2/6/28/3-4) den Anspruch auf weitere Leistungen mit der Begründung, die noch geklagten Beschwerden seien mit Blick auf die neurologischen Untersu
chungsergebnisse organisch als Folge des Unfalls vom 13. Mai 2005 nicht erklär
bar, es seien psychische Gründe verantwortlich.
Hierbei
diagnostizierte
insbesondere
Dr.
med.
J._
, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, im Bericht vom 21. März 2007 (Urk.
2/6/
15)
zwar mit Aus
wirkung auf die Ar
beitsfähigkeit eine depressive Reaktion, c
hronische Schulter
beschwerden, ein HWS-Schleudertrauma, Nackenschmerzen und eine Persönlich
keit mit histrionischen Zügen, erhob indes keine die attestierte 100%ige Arbeits
unfähigkeit
von November 2005 bis Januar 20
07 sowie die
25%ige Arbeitsunfä
higkeit von Januar 2007 bis auf weiteres
(S. 1)
erklärenden Befunde beziehungs
weise unterliess eine nachvollziehbare Darstellung der daraus resultierenden Funktionsein
schränkungen und deren Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit
. Vielmehr
hielt er unter den angegebenen Beschwerden fest, die Beschwerden in der Schul
ter hätten sich soweit gebessert, dass sich die Beschwerdeführerin dadurch kaum noch eingeschränkt fühle. Die Kopf- und Nackenschmerzen
waren
jedoch weiter
hin sehr unangenehm (S. 2).
Dr.
J._
resümierte,
dass es vor
dem Hintergrund
der
beschwerdeführerischen
Persönlichkeit durch die somatischen Probleme (Schleu
dertraum
a
, Schulter
beschwerden) zu einer psychischen Dekompensation und Schmerzver
arbeitungsstörung gekommen
sei
(S. 2).
4.2
Bezüglich der Befundlage
grundsätzlich übereinstimmend
bestätigte
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt FMH für physikalische Medizin speziell Rheuma
erkrankun
gen, im Bericht vom 11. März 2008 (Urk.
2/6/
26
/7-8
)
bei bekannter Rücken
prob
lematik
keine
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
wobei bei freier Wirbelsäulen
beweglichkeit mittels konventioneller Therapie eine massive Besserung
der Beschwerden erreicht wurde. Auch aus n
eurologischer Sicht erhob Prof.
Dr. med.
L._
, Neurologie FMH, keine die Leistungsfähigkeit einschränkenden Befunde und stellte in seinem Bericht vom 18. Juli 2007 (Urk.
2/6/
28/11 ff.) bei subjektiv angegebenen Schmerzen im Nacken links überhaupt keine Schonhaltung fest. Alle Bewegungen
waren
unumschränkt möglich
,
d
ie HWS-Beweglichkeit beinahe voll
ständig
mit etwa 70o Rotation und Retroflexion über
50o mit Endphasen
schmerzen. Es bestand
eine minimale Druckschmerzhaftigkeit der Nacken
musku
latur und
es
erfolg
t
e keine Abwehrreaktion.
Prof. Dr.
L._
gelangte zur Beur
teilung, dass zweifelsohne die psychische Problematik im Vordergrund
stand
(S. 2). Schliesslich ge
langte auch RAD Arzt
Dr.
A._
in seiner Stellung
nahme vom 12. Juni 2008 (E.
3.1) zur Ansicht, dass sowohl aus neurologischer als auch aus rheumatologischer Sicht kein IV-rel
evanter Gesundheitsschaden vorla
g.
Nichts
anderes
ergibt sich
aus dem Bericht der Ärzte
der Rheumaklinik und dem Institut für Physikalische Medi
zin des Uni
versitätsspitals
G._
vom 25. März 2010 (E. 3.3
)
, welche in somatischer Hinsicht ebenfalls nur geringgradige funktionelle Einschränkungen feststellten, wobei sich die Diskrepanz zwischen den objektiven Testergebnissen und der subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin nur teilweise erklären liess (S. 1).
Zudem zeigten auch die Resultate der funktionellen Testbatterien trotz schon anfänglich guter Werte eine zusätzliche Steigerung (S. 2). Die Experten empfanden denn auch aus physiotherapeutischer Sicht
eine Einzeltherapie als nicht notwendig (S. 3).
Alsdann ist in diesem Zusammenhang zu
berücksichtigen, dass in Bezug auf Schmerzen naturgemäss Beweisschwierigkeiten bestehen
und
die subjektiven
Schmerzangaben der versicherten Person für die Begründung einer (teilwei
sen) Arbeitsunfähigkeit allein nicht genügen, sondern die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sein müssen (BGE 143 V 124 E. 2.2.2).
Wie hiervor festgehalten, traf dies vorliegend gerade nicht zu
.
Demnach bleibt auch unklar
,
inwiefern
die
von der Beschwerdeführerin geschilderten
Kopf- und Nackenschmerzen, welche keinem organischen Korrelat zugeordnet werden können, eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit zu begründen vermöchten
beziehungsweise ist eine diesbezüg
lich ärztlich attestierte Leistungseinschränkung nicht ersichtlich.
4.3
Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass
zumindest ab Mai 2008
die psychische Symptomatik klar im Vordergrund stand.
Jedoch
attestierte
Dr.
med.
M._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
bereits
in seiner Expertise vom 17. Mai 2008 (Urk.
2/6/
29/6-1
6
) bei diagnostizierter depressiver Episode, gegenwärtig leicht (ICD-10 F32.0; S. 8) keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit und
hielt
eine Präsenzzeit von acht Stunden täglich für
möglich
(S. 9, S. 11)
. Namentlich zeigten sich die erhobenen Befunde
,
abgesehen von einer gewissen Weitschweifigkeit
der Erzählungen und des Denkens
,
unauffällig (S. 8) und eine vorübergehende Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründete der Experte
unter anderem auch mit einer beruflichen Dekonditionierung (S. 10). Darüber hinaus wies er
ebenso
auf den Verlust der Arbeitsstelle als Auslöser der psychi
schen Probleme hin, was
als psychosozialer Faktor
k
einen invalidisierenden psychischen
Gesundheitsschaden
zu begründen vermag, soweit sich die Proble
matik darin erschöpft
(
BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2
; S. 9 f.), wie auf die Diskrepanz zwischen der selbst empfundenen Arbeitsunfähigkeit und dem erfolgreichen Absolvieren eines Feng Shui Kurses (S. 9). In diesem Sinne
und mit vorzitiertem
Gutachten im Einklang stehend
stellte auch Dr.
Y._
im Gutachten vom 20. September 2009 (E. 3.2; Urk.
2/6/
51) keine die Leistungsfähigkeit beeinträchtigende Diagnose
und wies ebenfalls auf psychosoziale Aspekte (insbesondere Abstinenz vom und Lage am Arbeitsmarkt; S. 19) hin. Darüber hinaus erkannte er noch verstärkt Verdeut
lichungstendenzen (S. 1
9
), was sich
wiederum mit der vorstehend dargelegten somatischen Problematik
und den
organisch
nicht hinreichend erklärbaren Leiden
in Einklang bringen lässt.
Dementgegen fällt auf, dass die behandelnde
Psychiaterin
Dr.
med.
N._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
in den Berichten vom 4. Februar (Urk.
2/6/
29/19 f.)
und
2. April 2008 (Urk.
2/6/
29/17 f.) zwar eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit attestiert
e
, sich diesbezüglich
jedoch
ausschliesslich auf die subjektiven Angabe
n
der Beschwerdeführerin berief.
Die attestierte Arbeitsunfähigkeit erweist sich denn auch ob der fehlenden Nennung der die
Leistungsfähigkeit konkret beeinträchtigenden Einschränkung
en
als nicht nach
vollziehbar und eine Diskussion
der
psychosoziale
n
Faktoren
samt deren Einfluss
fand – gerade hinsichtlich der festgehaltenen lange dauernden Arbeitslosigkeit, welche der Beschwerdeführerin zusetz
t
e (vgl.
Urk.
2/6/
29/19) – nicht statt.
Nichts anderes lässt sich
aus dem Bericht vom 26. November 2008 (Urk.
2/6/
37)
ablei
ten. Weder setzte sich Dr.
N._
mit dem Gutachten
des Dr.
M._
vom 17. Mai 2008 auseinander, noch lassen die erhobenen Befunde (
b
ewusstseinsklar, orientiert, Gedächtnis intakt, Aufmerksamkeit bisweilen reduziert, manchmal ohne Befund, Denken bisweilen sprunghaft, unkonzentriert, weitschweifig, manchmal gut, Intelligenz gut, Grundstimmung verschieden je nach Zustand, affektiver Rapport manchmal gut, manchmal äusserst schwierig herstellbar, ab und zu so distanziert, dass schlechter Rapport, keine Wahnvorstellungen, Suizid
gedanken indirekt öfters geäussert, keine konkreten Vorstellungen dazu; S. 2)
eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit in der Höhe von 50 % (S.
1) nachvoll
ziehbar erscheinen.
Angesichts der
geschilderten gutachterlichen Grundlage bleibt
schliesslich auch
unverständlich, wie
Dr.
H._
(E. 3.4) zum Schluss einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2008 gelangen konnte.
Eine begrün
dete kritische Auseinandersetzung mit den Expertenmeinungen
erfolgte ebenso wenig, wie
eine Diskussion des verdeutlichenden Verhaltens.
Er begründete die attestierte Arbeitsunfähigkeit einzig mit der Schmerzproblematik, was bereits zur Zeit der
Rentenzusprache
nicht ausreichte und nicht im Einklang mit der Recht
sprechung stand.
4.4
Nach dem Gesagten
entbehren die von der Beschwerdegegnerin jeweils ange
nommenen Grade der Arbeitsunfähigkeit einer nachvollziehbaren medizinischen Grundlage
.
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen
Einschätzung der mass
geblichen
Arbeitsfähigkeit
beruhende Invaliditäts
bemessung ist nicht rechtskon
form und die entsprechende Verfügung
vom
6. Januar 2011
demnach
zweifellos unrichtig im wiedererwä
gungsrechtlichen Sinne (Urteil
des Bundesgerichts
8C_947/2010 vom
1.
April 2011 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen
)
. Deren Beri
ch
tigung ist, da es sich um eine periodische Dauerleistung hande
lt, von erheblicher Bedeutung (E. 1.3)
.
4.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verfügung vom
6. Januar 2011
zufolge zweifelloser Unrichtigkeit aufzuheben ist. Nachfolgend
ist daher recht
sprechungsgemäss in freier Beurteilung
die Anspruchsberechtigung und alle
nfalls der Umfang des Anspruchs
der Beschwerdeführer
in
pro
futuro
unter Berücksich
tigung der aktuellen Rechtsprechung
zu prüfen
(vgl. etwa Urteil des Bundesge
richts
9C_868/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinweisen).
Für die Ver
hältnisse im Zeitpunkt der Rentenaufhebung am
9.
November 2017 ergibt sich Folgendes:
5.
5.1
Im Rahmen eines für die Deutsche Rentenversicherung erstellten Gutachtens vom
30. August 2012 (Urk.
2/6/
139/9-17) diagnostizierte Dr. med.
O._
, Arzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin, ein chronisches HWS
Syndrom bei Hypermobilität im Rahmen einer chronischen Schmerz
krank
heit,
eine leichte Skoliose und eine
Calcaneodynie
beidseits. Die geschil
derten Nacken-
Schulterschmerzen seien im Wesentlichen glaubhaft und recht komple
xer Natur. Zum chronischen Schmerzgeschehen
hinzu
komme sicher die be
glei
tende psy
chische Veränderung im Sinne einer zu vermutenden chronischen Schmerz
krankheit. Aus orthopädischer Sicht sei die allgemeine Hypermobilität mit lokaler rönt
geno
lo
gisch nachweisbarer pathologischer Beweglichkeit der Segmente C2-3 und C4-5 zu erwähnen. Die anamnestische Angabe der Schmer
zen bei gleich
förmiger Hal
tung und die daraus sich ergebende Notwendigkeit des Positions
wechsels passe als Schmerzerklärung in diese Betrachtung. Die beidseitige
Cal
ca
neodynie
stelle auch bei längerem Gehen nur eine geringe Behinderung dar. Es entstehe nicht der Eindruck einer alkoholischen Persönlich
keitsveränderung. Auch Zeichen ei
ner sensiblen Polyneuropathie der Unter
schen
kel seien nicht feststellbar. Die bis
herige halbtägige Arbeit erscheine vor
läufig durchaus sinn
voll, auch weil sie keine wesentliche körperliche Belastung dar
stelle. Einschrän
kungen bestünden auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wegen der Intoleranz von gleichförmigen Hal
tungen und Bewegungen. Von schwerem Heben und T
r
agen von Lasten über 10 kg sei abzuraten (S. 8 f.).
5.2
Dr. med.
P._
, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, der
die Beschwerdeführerin ebenfalls im Auftrag der Deutschen Rentenversi
cherung
begutachtet hatte, führte in seiner Expertise vom Dezember 2012 (Urk.
2/6/
139/1-7)
aus, dass neurologisch ein WRS C5-8 links vorliege, das im Zusammenhang mit
den geschilderten orthopädischen Beschwerden (Schmerzen im Nacken- und Schul
terbereich) durchaus nachvollziehbar sei. Es lägen allge
mein toxische Zei
chen für Alkohol- und Cannabiskonsum vor sowie eine sen
sible toxische Poly
neuropathie der Beine, die ebenfalls durch den Alkohol her
vorgerufen werde. We
sentliche psychische Störungen seien bei der Exploration und Diagnostik nicht zutage getreten. Die geäusserten Beschwerden stünden durchaus im Zu
sammen
hang mit der Missbrauchssymptomatik sowie mit dem orthopädischen Schmerzsyndrom, das nicht von psychiatrischer Seite zu beur
teilen sei (S. 6).
5.3
Dr.
N._
,
welche die Beschwerdeführerin ab dem 9. Dezember 2007 behan
delte, äusserte sich in ihrem Bericht vom 11. April 2013 (Urk.
2/6/
129) dahinge
hend, dass
zwar eine mit
telgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2) bestehe, dass diese aber keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Es bestehe auch keine andere psy
chi
sche Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit begründete sie mit der Schmerzsymptomatik.
5.4
Med.
pract
.
Q._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom RAD äusserte sich am 22. Juli 2013 dahingehend, dass der Bericht von Dr.
P._
äusserst kritisch zu
hinterfragen sei, insbesondere was die Polyneuropathie angehe. Die entspre
chend
zu erwartenden Befunde (Missempfindungen in den Beinen oder Mus
kel
schwä
che
, typischerweise an der
Fusshebermuskulatur
) seien nicht erhoben worden.
Es wür
den als Hinweise auf eine Polyneuropathie lediglich ein redu
ziertes Vibra
tionsemp
finden und reduzierte Reflexe an den Beinen bei Alkohol
konsum angeführt. Diese Befunde wären zwar passend, stimmten aber nicht mit dem Untersuchungsbefund von Dr.
O._
überein. Dieser habe ein normales
Vibrationsempfinden und normale Reflexe angegeben. Im Übrigen ergäbe sich aus
einer Polyneuropathie (sollte sie denn nachträglich doch noch lege artis zu diagnostizieren sein) ohnehin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk.
2/6/
144/2-3).
5.5
Der stellvertretende Oberarzt Dr. med.
R._
und Chefärztin Dr. med.
S._
von der
Klinik
T._
stellten in ihrem Bericht vom 24. Juli 2014 (Urk.
2/6/
172/5-8
) folgende Hauptdiagnosen (S. 1):
-
Chronisches
zervikothorakales
Schmerzsyndrom
-
schmerzhafte Facettengelenke C2/3 und C3/4 links
-
belastungsverstärkter Dauerschmerz
-
DD myofasziale Komponente
-
Tarsaltunnelsyndrom
mit Reizung des Musculus
abductor
digiti
quinti
bds
. links > rechts
-
geplante operative Behandlung
-
Femoropatellarsyndrom
rechts > links bei
-
Vd
. a. mildes
Torsional
Malalignement
-
St. n. einmaliger
Viscosupplementation
24.03.2014 mit 100%igem
An
sprechen über 2 Wochen
-
Multiple Arthralgien
-
aktuell betont Schulter
bds
.; Knie
bds
. rechts > links
-
St. n. Tendinitis calcarea rechts; operative Versorgung
Objektivierbar bestehe ein linksseitig betonter
facettogener
Schmerz. Im aktuel
len Röntgenbild zeigten sich multisegmentale degenerative Veränderungen der Hals
wirbelsäule. Die Schultern seien im Wesentlichen unauffällig (S. 3).
5.6
Im Bericht des
Muskulo
-Skelettal Zentrums der
K
linik
T._
vom 21. August
2014 (Urk.
2/6/
172/9
) wurde ein chronisches
multilokuläres
Schmerzsyn
drom (Stadium
II
nach
Gerbeshagen
) mit/bei segmentaler Kyphose C4/5 bei multi
seg
men
taler
Osteochondrose
diagnostiziert.
5.7
Dr.
R._
führte am 25. August 2014 aus, dass die durchgeführte MRI-Untersu
chung mehrsegmentale degenerative Veränderungen dokumentiere. Diese Ver
än
derungen der Halswirbelsäule und die segmentale
Kyphosierung
seien mög
li
ch
erweise als beschwerdeauslösend zu werten. Die weitere Behandlung bezüg
lich
dieser Beschwerden werde durch die Wirbelsäulenchirurgie fortgeführt (Urk.
2/6/
172/10-11
).
5.8
Ihre rentenaufhebende Verfügung vom 9. November 2017 erliess die Beschwer
degegnerin insbesondere gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
vom 18. Juli 2016 (Urk.
2/6/
225). Darin nannten die verantwortlich zeich
nenden Ärzte Dr. med
.
U._
, Fachärztin für Orthopädi
sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, Dr. med.
V._
, Eidge
nössischer Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, Dr. med.
W._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin FMH, sowie Dr. med.
AA._
, Facharzt Neurologie, folgende Diagnosen mit Auswir
kun
gen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 59):
-
Chronische
Cervikocephalgien
bei Status nach dreimaliger Halswirbelsäu
len (HWS)-Distorsion
-
Muskuläre Dysbalance Nacken-/Schultergürtel
-
Fersenschmerzen und
Metatarsalgie
beidseits bei
-
Fussfehlstatik, Knick-Senk-Spreizfuss beidseits
-
Status nach erfolgloser
Tarsaltunnel
-OP links (18. November 2014)
-
Klinisch leichtgradige Bandinstabilität oberes Sprunggelenk links
-
Rezidivierende subacromiale Schmerzen rechts bei AC-Gelenksarthrose
-
Status nach Schulterarthroskopie bei
Tendinosis
calcarea 2005
Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter (S. 59 f.):
-
Chronische Kopfschmerzen
-
Migräne mit Aura
-
Akzentuierte emotional instabile,
dependente
und histrionische Persön
lichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
Schädlicher Alkoholkonsum (ICD-10 F10.25)
-
Psychogene Überlagerung der somatischen Beschwerden (ICD-10 F54)
-
Status nach Cannabiskonsum (ICD-10 F12.220)
-
Status nach depressiven Episoden schwankenden Ausmasses, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
-
Nasenatmungsbehinderung linksseitig mit/bei
-
Status nach
Septumturbinoplastik
August 2008, Universitätsspital
G._
-
Struma
multinodosa
und ektope Nebenschilddrüsengewebe links
-
Abklärung und sonographische Kontrolle (Mai 2015), Hals-Nasen-Ohren Klinik, Universitätsspital
G._
-
Aktuell: euthyreote Stoffwechselsituation
Betreffend die erhobenen Befunde notierte der psychiatrische Gutachter, bei der Beschwerdeführerin handle es sich um eine 57-jährige, gepflegte Explorandin in gutem Allgemein- und Ernährungszustand. Sie sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Sie sei freundlich und kooperativ. Sie sei redselig, das formale Denken sei etwas umständlich, jedoch insgesamt gut nachvollziehbar. Die mnestischen und kognitiven Funktionen wiesen keine groben Auffälligkeiten auf. Insbeson
dere keine Störung des Gedächtnisses, des Konzentrationsvermögens oder der Aufmerksamkeit. Auf die gestellten Fragen könne sie ohne Zögern und geordnet eingehen. Inhaltliche Denkstörungen wie Wahnstörungen, Sinnestäuschun
gen/Halluzinationen oder Ich-Störungen seien nicht
eruierbar
. Sie sei stimmungs
mässig aufgestellt, sei auch gut modulationsfähig. Sie wirke offen, der affektive Rapport lasse sich gut aufnehmen. Es bestehe eine lebhafte Mimik und Gestik. Der Antrieb sei etwas angehoben. Psychomotorisch sei sie unauffällig. Es bestün
den keine Hinweise auf Suizidalität (S. 38 f.).
Es könne derzeit keine psychiatrische Diagnose mit einer anhaltenden Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Früher, i
m
Zusammenhang mit Lebenskrisen, habe sie depressive Phasen gehabt, die auch aktenkundig seien und zu einer vorübergehenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung geführt hätten (S. 41). Eine Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwer
deführerin habe es aus psychiatrischer Sicht seit der letzten Revision nicht gege
ben. Es lägen keine psychiatrischen Diagnosen vor, die mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einhergehen würden (S. 43).
In allgemein-internistischer Hinsicht führte die beurteilende Expertin aus, es fän
den sich keine Erkrankungen von Relevanz und mit Einfluss auf die Arbeits
fä
higkeit (S. 47). Zu den früheren internistischen Einschätzungen hielt sie fest, aus den vorliegenden Unterlagen seien keine Stellungnahmen bezüglich der Arbeits
unfähigkeit aus rein allgemein-internistischer Sicht ersichtlich (S. 48).
Aus neurologischer Sicht wies der Experte darauf hin, dass sich keine Handicaps ergäben. An neurologischen Leiden liege im Wesentlichen nur die Kopf
schmerz
symptomatik vor. Diese wirke sich bei geringer Ausprägung und ohne Not
wen
digkeit zu einer medikamentösen Therapie nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Ressourcen seien bei der Beschwerdeführerin aus neurologischer Sicht vor
han
den. Sie habe keine motorischen Funktionsdefizite oder Sinnesbehinderungen und zeige eine normale neurokognitive Leistungsfähigkeit. Sie lebe zwar allein, habe aber ein gutes
soziales Netzwerk, insbesondere Rückhalt durch die Familie, mit der sie eng verbunden sei (S. 57).
Auf dem orthopädischen Fachgebiet bestünden zusammenfassend nur leichtgra
dige
myofasciale
Symptome im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule sowie fussfehlstatische Beschwerden bei Knick-Senk-Spreizfuss beidseits und begin
nendem
Hallux
valgus linksbetont. Die beklagte Beschwerdesymptomatik habe nur teilweise objektiviert werden können. Radiologisch nachweisbare Patholo
gien, die eine Beschwerdeursache erklären könnten, fänden sich nicht. Die belas
tungsabhängigen Fussbeschwerden würden als Folge der Fussfehlstatik und der muskulären Dysbalance angesehen. Differentialdiagnostisch könnte ein venöses Problem bestehen. Dies aber eher leichtgradig bei möglichen venösen Abflussstö
rungen. Als Indikator dafür würden die anamnestische Angabe der Beschwerde
führerin gesehen, die eine Besserung beim Hochlagern der Beine angegeben habe (S. 63).
Zum Verlauf hielten sie fest, der Grad der Arbeitsunfähigkeit habe sich verändert. Der Gesundheitszustand mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin sei aufgrund der klinischen Untersuchungen und der vorhan
denen Aktenlage anders beurteilt worden (S. 66).
6.
6.1
Die Gutachter der
Z._
stellten
in ihrer Expertise vom
18. Juli 2016 (E. 5.8)
lediglich in orthopädischer Hinsicht die Leistungsfähigkeit beschlagende Diagnosen und gelangten zum Schluss,
dass
die Beschwerdeführerin
aus
orthopädischer Sicht in adaptierter und in der vorangegangenen Tätigkeit zu
80
% arbeitsfähig
ist
.
Hiergegen wendet die Beschwerdeführerin vornehmlich ein, dass auf das Gutachten der
Z._
zumindest insofern nicht abgestellt werden
kann
, als dass mit dem Gutachten eine Rentenaufhebung begründet werden soll. Auf jeden Fall müsse zu Gunsten der Beschwerdeführerin wenn schon davon aus
gegangen werden, dass nur der gleiche Sachverhalt anders als noch zum Zeit
punkt der
Rentenzusprache
beurteilt w
urde
(
Urk.
2/1
S. 9 f.). Wie es sich damit im Einzelnen
v
erh
ält
,
kann vorliegend indes offen
bleiben.
Namentlich
lassen die
gutachterlich
erhobenen Befunde nicht auf eine
20 % übersteigende Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit schliessen
. Der Beschwerdeführerin ist inso
fern zuzustimmen, dass die Befunde
im Wesentlichen
den
im Zeitpunkt der
Rentenszusprache
vorgelegenen entsprechen
. So lagen bereits bei
der
erstmalige
n
Rentenzusprache
e
ine
Kyphosierung
C3-6 sowie
Osteochondrosen
C4/5 (E. 3.1.3) vor
und auch
bei
der
Rentenaufhebung
wurden
mehrsegmentale degenerative Veränderungen im Sinne einer
Kyphosierung
im
Hals
wirbelsäulenbereich
festge
stellt
(E. 5
.
7
).
Zwar muss basierend auf den medizinischen Akten neu
auf eine Fussproblematik mit entsprechendem Schmerzgeschehen geschlossen werden (
Tarsaltunnelsyndrom
mit anschliessender Operation, Fussfehlstatik, Knick-Senk-
Spreizfuss beidseits; vgl. E. 5.
5 und E.
5
.8). Jedoch lassen die diesbezüglichen Befunde nicht auf signifikante
Pathologie
s
chliessen (Urk.
2/6/
225 S. 35 f.),
ver
mögen sie denn auch die vorgetragene Beschwerdesymptomatik nur teilweise zu objektivieren
(E. 5.
8 hiervor).
Die damalige
Rentenzusprache
erfolgte vorweg aus psychischen Gründen respektive aufgrund der Schmerzproblematik, welche nicht nachweisbar war. Die bereits damals bestehenden objektivierbaren somatischen Beschwerden bildeten keine Grundlage für die
Rentenzusprache
. Dies tun sie auch pro
futuro
nicht.
6.
2
Die Beschwerdeführerin bemängelte eine Widersprüchlichkeit des Gutachtens in Bezug auf das Vorliegen eines Revisionsgrundes (
Urk.
2/1 S. 10). Die zusammen
fassende Feststellung der Gutachter, der Grad der Arbeitsunfähigkeit habe sich verändert und der Gesundheitszustand mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der klinischen Untersuchungen und vorhandenen Aktenlage anders beurteilt worden (
Urk.
2/6/225/66), ist indes offenkundig so zu verstehen, dass sich der Gesundheitszustand nicht verändert hat. Dass sich die Arbeitsunfähigkeit verändert hat, bezieht sich einzig auf die numerische Schätzung, nicht auf eine faktische Veränderung. Eine Rentenrevision ist bei dieser Ausgangslage nicht möglich, vorliegend steht aber eine Wiedererwägung im Raum, weshalb die feh
lende Veränderung irrelevant ist.
6.
3
Ansonsten bestritt die Beschwerdeführerin die Beweiswertigkeit des Gutachtens nicht substantiiert. Dieses entspricht denn auch den praxisgemässen Anforderun
gen an den Beweiswert einer Expertise.
So ist diese umfassend, gibt sie doch Auskunft über die vorliegenden Pathologien und die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Die Resultate beruhen auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtigen detailliert die geklagten Beschwerden. Das Gutachten wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben und nimmt Bezug darauf. Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet (BGE 134 V 231 E. 5.1).
So überzeugt, dass angesichts der diskreten Befunde und der remittierten Depression nur eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
besteht, welche sich mit einem erhöhten Pausenbedarf aufgrund der
Schmerzchronifizierung
begründet. Sodann ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin wegen der (
untherapierten
) Fussfehlstatik, Instabilität des linken OSG sowie Status nach erfolgloser
Tarsaltunnel
-Operation am linken Fuss auf
eine Tätigkeit angewiesen ist, welche nicht überwiegend im Stehen und Gehen zu verrichten ist (
Urk.
2/6/225/64).
6.
4
Die
Beschwerdeführerin war zuletzt in einem 40 bis 50%igen Pensum als All
rounderin für die
AB._
tätig. Dieses Arbeits
verhältnis wurde 2015 aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst (Urk.
2/6/
225 S
.
52 und S. 64). Da die somatisch bedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit zudem in jeglicher Tätigkeit attestiert wurde, sind sowohl Validen- als auch Invalideneinkommen anhand der identischen Tabellenwerte zu bestimmen (zum «Prozentvergleich» vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a). Der Invaliditätsgrad entspricht damit dem
Grad der Arbeitsunfähigkeit und beträgt maximal
20
%, womit in jedem Fall ein rentenbegründender Invaliditätsgrad zu verneinen ist.
7.
7.1
Bei diesem Ergebnis bleiben
allfällige Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Denn
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
besteht
ein beson
derer Schutzbedarf der Versicherten nach langjährigem Leistungsbezug (mehr als 15 Jahre) oder bei fortgeschrittenem
Alter (zurückgelegte 55 Jahre)
. Dem wird insofern Rechnung getragen, als diesfalls die Frage der zumutbaren Selbst
ein
gliederung bei der Revisions- oder wiedererwägungsweisen Rentenaufhebung besonders zu prüfen ist (Urteile des Bundesgerichts 8C_680/2017 vom 7. Mai 2018 E. 4.1.3.2 und 9C_920/2013 vom 20. Mai 2014 E. 4.4 mit Hinweisen).
Die Annahme der grundsätzlichen Selbsteingliederungsfähigkeit hat das Bundes
gericht im Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 dahingehend eingeschränkt, dass die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Verwaltung zuvor die Notwendigkeit von Eingliederungsmassnahmen geprüft hat (E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass diese Personen auf
grund ihres fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbständig wieder einzu
gliedern. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffenen einen Besitzstandsanspruch geltend machen können. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 E. 3.5).
7.2
Wie bereits im Entscheid vom 1
3.
August 2019 (Prozess-Nr. IV.2017.1353; Urk. 2/10) erwogen, war d
ie 1959 geborene
Beschwerdeführerin
im mass
geben
den Zeitpunkt des Erlasses der rentenaufhebenden Verfügung am 9. November 2017 (Urk.
2/
2
) mehr als 55 Jahre alt und
fällt damit
grundsätzlich
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
(
BGE 141 V 5
E. 4)
.
Dass die Beschwerdegegnerin den bundesgerichtlich geforderten Voraus
setzungen zur Aufhebung von Renten von über 55-Jährigen
G
enüge tat, brachte sie auch im bundegerichtlichen Verfahren nicht vor. Dahingegen stellte sie sich unter Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_394/2017 vom 8. August 2017 (dort E. 4.3) auf den Standpunkt, es bestehe eine nicht invali
ditäts
bedingte arbeitsmarktliche Desintegration, weshalb vor der Rentenauf
hebung kein Anspruch auf Abklärung beziehungsweise Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
gegeben sei
(Urk. 2/12).
Hierbei übersieht die Beschwerdegegnerin, dass eine nichtinvalidi
tätsbedingte arbeitsmarktliche Desintegration, aus welcher kein Anspruch auf Abklärung bzw. Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen abgeleitet werden kann, nur vorliegt, wenn einer versicherten Person die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit seit Jahren zumutbar war und die berufliche Selbstintegra
tion seither allein aus IV-fremden Gründen unterblieben ist (Urteil des Bundes
gerichts 9C_661/2014 vom 1
7.
September 2015 E. 3.3 mit Hinweisen). Dies ist bei der Beschwerdeführerin
nicht der Fall
. Sie bemühte sich um Arbeit und war zuletzt bis Mitte
2015 zumindest
teilerwerbstätig
. Von einer langjährig unter
bliebenen zumutbaren Verwertung der Restarbeitsfähigkeit kann demnach nicht
gesprochen werden. Die vorliegende Zeitspanne von knapp zweieinhalb Jahren reicht angesichts der Umstände – Alter von b
ereits 58 Jahren und subjektives
Schmerzerleben – nicht aus.
Vor der
Rentenaufhebung
sind damit
Eingliede
rungs
massnahmen
durchzu
führen, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist
.
8.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend sind die
Kosten des Verfahrens auf Fr. 1’0
00.
- festzusetzen
und beim vorliegenden Ausgang des Prozesses den Parteien je zu
r
Hälfte aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin ist sodann zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine um die Hälfte gekürzte Prozessentschädigung von Fr. 1'400.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.