Decision ID: e1812807-f0fb-4e29-a751-8a8e1bcab866
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 27. Dezember 2021 im B._ um
Asyl, wobei sie zum Nachweis ihrer Identität ihre Tazkira (samt Überset-
zung) im Original einreichte.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 30. August 2021 in
Rumänien um Asyl nachgesucht hatte und ihr am 29. Oktober 2021 von
den rumänischen Behörden internationaler Schutz gewährt worden war.
C.
Am 13. Januar 2022 fand das persönliche Gespräche gemäss Art. 5 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 23. Mai 2019 (nachfolgend: Dublin-Ge-
spräche) statt. In diesem Rahmen wurde der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und zur
Möglichkeit einer Überstellung nach Rumänien gewährt.
Die Beschwerdeführerin bestätigte, dass ihr in Rumänien internationaler
Schutz gewährt worden sei. Sie habe aber nicht dort bleiben wollen.
Sie sei im November 2019 als Studentin nach Rumänien gereist. Sie habe
dort an einer rumänischen Universität Medizin studiert. Sie habe auch die
Sprache des Landes gelernt. Leider seien die Lebensumstände in Rumä-
nien einschränkend gewesen (angeblich Kontoeröffnung nicht möglich we-
gen afghanischem Reisepass, keine Arbeit wegen ihrer afghanischen Her-
kunft). Auch die übrigen Umstände seien schwierig gewesen (kleines,
schmutziges Zimmer in einem Hostel, angeblich rassistisches Verhalten ihr
gegenüber an der Universität und in den öffentlichen Verkehrsmitteln). Aus
diesen Gründen habe sie ausreisen wollen. Jemand habe ihr versprochen,
ihr ein Schengen-Visum zu besorgen, sie aber «abgezockt», wobei die Po-
lizei in der Folge trotz Anzeige gegen diese Person untätig geblieben sei.
Hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes gab sie an, sie habe mentale
Probleme (Schlafstörungen, Panik, unregelmässige Monatsblutung).
D.
In ihrer Stellungnahme vom 21. Januar 2022 zum rechtlichen Gehör zur
Möglichkeit einer Überstellung nach Rumänien wies die Rechtsvertretung
auf die im Wesentlichen bereits von der Beschwerdeführerin geschilderte
Situation in Rumänien hin und ergänzte diese. Ferner führte sie aus, dass
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«gemäss dem Arztbericht der C._ vom 9. Januar 2022 zur gynäko-
logischen Sprechstunde die Menstruationsbeschwerden untersucht wor-
den und eine erste Behandlung mit Schmerztabletten in die Wege geleitet
worden seien. Eine Wiedervorstellung wurde mit «möglich» festgehalten.
Ferner sei aus ihrer Sicht eine nähere psychologische Abklärung ange-
bracht.
E.
Am 30. Dezember 2021 ersuchte die Vorinstanz die rumänischen Behör-
den gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und
Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und bilaterale
Rückübernahmeabkommen zwischen der Schweiz und Rumänien schrift-
lich um Rückübernahme der Beschwerdeführerin.
F.
Am 27. Januar 2022 stimmten die rumänischen Behörden dem Übernah-
meersuchen des SEM vom 30. Dezember 2021 zu.
G.
Am 22. Februar 2022 reichte die Rechtsvertretung einen zuhanden des
B._ verfassten ärztlichen Bericht des behandelnden Arztes vom
10. Februar 2022 sowie eine ergänzende Stellungnahme hinsichtlich der
Wegweisung nach Rumänien ein.
H.
Mit Schreiben vom 1. April 2022 informierte die Rechtsvertretung über den
aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin.
I.
Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens wurden mehrere ärztliche
Zeugnisse eingereicht (gynäkologischer Arztbericht des D._ vom
19. Januar 2022, allgemeinärztlicher Bericht vom 19. Januar 2022, Bericht
einer psychiatrischen Konsultation des D._ vom 10. Februar 2022,
ein weiterer ärztlicher Bericht des D._ vom 11. Februar 2022, Aus-
trittsbericht des E._ vom 28. Februar 2022, Austrittsbericht der
F._ vom 16. Juni 2022, ärztliche Berichte des D._ vom 22.
Juni 2022 und vom 6. Juli 2022).
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Seite 4
J.
Am 11. Juli 2022 stellte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin den Ent-
scheidentwurf zu und gewährte ihr das rechtliche Gehör. Mit Eingabe vom
12. Juli 2022 nahm die Rechtsvertretung Stellung.
K.
Mit Entscheid vom 12. Juli 2022 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg und forderte
sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen, ansonsten sie in Haft genommen und unter Zwang nach Rumä-
nien zurückgeführt würde. Gleichzeitig beauftragte sie den zuständigen
Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte der Beschwerde-
führerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
L.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 19. Juli 2022 erhob die Beschwer-
deführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Es wurde deren Aufhebung und die Gewährung der vorläufigen
Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs, eventualiter die Anweisung an die Vorinstanz, von
den rumänischen Behörden eine individuelle Garantieerklärung einzuho-
len, beantragt. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Rechtsvertretung um
Erlass vorsorglicher Massnahmen und um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2022 wurde darauf hingewiesen, dass
der Beschwerde bereits von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
komme (Art. 55 VwVG und Art. 107a AsylG e contrario) und das SEM diese
nicht entzogen habe, weshalb der Antrag um Erlass vorsorglicher Mass-
nahmen mangels Notwendigkeit abzuweisen sei. Die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf das Erheben
eines Kostenvorschusses wurden abgewiesen. Die Beschwerdeführerin
wurde unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall zur Zah-
lung eines Kostenvorschusses aufgefordert, der in der Folge dann auch
fristgerecht geleistet wurde.
N.
Mit Eingabe vom 4. August 2022 informierte die Rechtsvertretung über den
aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin.
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Seite 5

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
4.
4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
4.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
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Seite 6
5.
5.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, dass Ru-
mänien (Mitglied der EU und damit sicherer Drittstaat) der Beschwerdefüh-
rerin am 29. Oktober 2021 internationalen Schutz gewährt und sich am
27. Januar 2022 dazu bereit erklärt habe, sie zurückzunehmen. Gestützt
auf das Übereinkommen über die Abschaffung des Visumzwanges für
Flüchtlinge vom 20. April 1959 hätten die rumänischen Behörden sodann
mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin in Rumänien über einen Flücht-
lingsstatus verfüge. Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geschil-
derten medizinischen Umständen und Befürchtungen hielt die Vorinstanz
fest, dass eine angemessene Behandlung in Rumänien gewährleistet sei.
Hierbei verwies die Vorinstanz unter anderem auf Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts (vgl. u.a. Urteil BVGer D-2216/2020 vom 6. Mai 2022).
Ferner sei anzumerken, dass der Beschwerdeführerin in Rumänien ein in-
ternationaler Schutzstatus gewährt worden sei, womit sie rumänischen
Staatsangehörigen gleichgestellt sei.
5.2 In Ergänzung der Angaben anlässlich des persönlichen Gesprächs, an
Depressionen und Panikattacken zu leiden, habe die Rechtsvertretung in
ihrer Stellungnahme vom 21. Januar 2022 ergänzt, dass die Missstände in
Rumänien die Psyche der Beschwerdeführerin belastet hätten, so dass sie
an Schlaflosigkeit, Depression, Panikattacken und Engegefühl leiden und
Ihre Menstruation ausbleiben würde.
Dem beiliegenden gynäkologischen Arztbericht des D._ sei zu ent-
nehmen, dass bei der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den er-
wähnten Menstruationsbeschwerden Bauch- und Beckenschmerzen diag-
nostiziert worden seien. Im allgemeinärztlichen Bericht vom 19. Januar
2022 sei zudem festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin vorerst
nicht habe physiotherapeutisch behandelt werden wollen. Es seien Reak-
tionen auf Belastungen und Anpassungsstörungen, eine Panikstörung (epi-
sodisch paroxysmale Angst) sowie Ein- und Durchschlafstörungen diag-
nostiziert und die Einnahme der pflanzlichen Arzneimittel Relaxane und
Redormin (500mg) verschrieben sowie für bei unzureichender Wirkung Tri-
mipramin (25mg) in Reserve und Temesta Expidet (1 mg) als Notfallreserve
(vor-)verordnet worden.
Mit Schreiben vom 22. Februar 2022 habe die Rechtsvertretung einen Be-
richt einer psychiatrischen Konsultation vom 10. Februar 2022 des
D._ eingereicht. Dem Arztbericht sei zu entnehmen, dass bei der
Beschwerdeführerin anlässlich der Konsultation verdachtsdiagnostisch
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eine posttraumatische Belastungsstörung (DD: Panikstörung [episodisch
paroxysmale Angst]) festgestellt worden sei. Zudem sei der Beschwerde-
führerin eine regelmässige Einnahme von Trimipramin (25mg) und auf-
grund des Abhängigkeitspotential von Temesta Expidet (1 mg) eine spar-
same Einnahme ebendieses Medikaments empfohlen worden.
Aus dem Arztbericht des D._ vom 11. Februar 2022 sei ersichtlich,
dass der Vitamin-D-Mangel der Beschwerdeführerin gleichentags mittels
einmaliger Injektion behandelt und zur Behandlung des Eisenmangels ein
Eisenkomplex verschrieben worden sei. Im Weiteren seien sonstige Rü-
ckenschmerzen im Lumbosakralbereich diagnostiziert und die Beschwer-
deführerin zu Physiotherapie angemeldet worden. Dem Bericht der ärztli-
chen Konsultation vom 22. Februar 2022 des D._ seien keine den
Arztbericht vom 11. Februar 2022 ergänzenden Diagnosen oder Behand-
lungen zu entnehmen.
Im Austrittsbericht des E._ vom 28. Februar 2022 werde festgehal-
ten, dass die Beschwerdeführerin vom 24. bis 28. Februar 2022 aufgrund
einer laparoskopischen Appendektomie (Entfernung des Bilddarms) am
25. Februar 2022 dort stationär behandelt worden sei. Dem Bericht gemäss
sei der postoperative Verlauf komplikationslos gewesen. Bei Austritt seien
zwei Schmerzmittel (Novalgin [500mg]; Dafalgan [500mg]) zur Behandlung
bei Bedarf verschrieben worden.
Vom 4. April bis zum 23. Mai 2022 sei die Beschwerdeführerin in Behand-
lung in der F._ gewesen. Dem Austrittsbericht vom 16. Juni 2022
sei zu entnehmen, dass ihr Eintritt damals freiwillig erfolgt sei. Der Bericht
halte eine posttraumatische Belastungsstörung als Diagnose fest sowie ei-
nen Eisenmangel als Nebendiagnose. Im erwähnten Austrittsbericht werde
weiter festgehalten, dass die Beschwerdeführerin unter anderem durch die
unklare Lebenssituation belastet sei und wegen dieser Belastung wieder-
kehrende Suizidgedanken zeige.
Im nachfolgenden Arztbericht des D._ vom 22. Juni 2022 seien
keine bisher unbenannten Diagnosen enthalten. Am 6. Juli 2022 sei die
entsprechende gynäkologische Untersuchung im D._ erfolgt. Im
ärztlichen Bericht sei festgehalten, dass die Regelblutung seit der Ent-
nahme des Blinddarms im Februar dieses Jahres weniger stark und
schmerzhaft sei.
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In Würdigung der Aussagen, der vorliegenden Arztberichte und der getä-
tigten Abklärungen sei der medizinische Sachverhalt erstellt. Gegenwärtig
seien keine weiteren medizinischen Abklärungen vorgesehen. Diese Fest-
stellung betreffe insbesondere auch die psychische Verfassung der Be-
schwerdeführerin. Gemäss den vorliegenden ärztlichen Berichten seien
weiterhin psychopharmakologische und psychiatrisch-psychotherapeuti-
sche Behandlungen indiziert sowie auch eine Eisensubstitution.
5.3 Die materiellen Voraussetzungen für den vorliegenden Nichteintreten-
sentscheid seien auch bezüglich des Gesundheitszustands der Beschwer-
deführerin gegeben.
5.4 Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung hielt das SEM fest, dass ge-
mäss Art. 6a AsylG zugunsten sicherer Drittstaaten – wie der EU-Staat Ru-
mänien es sei – die Vermutung bestehe, dass diese ihre völkerrechtlichen
Verpflichtungen einhielten. Es obliege der betroffenen Person, diese Legal-
vermutung umzustossen.
5.4.1 In Ergänzung der Angaben anlässlich des persönlichen Gesprächs,
aufgrund der angespannten Situation in Rumänien (Wohn- und Sicher-
heitssituation) das Land verlassen zu haben, habe die Rechtsvertretung in
ihrer Stellungnahme vom 21. Januar 2022 geltend gemacht, dass die Be-
schwerdeführerin in Rumänien behauptungsweise seit November 2019
Rassismus und Übergriffen ausgesetzt gewesen sei. Auch nach Erhalt des
internationalen Schutzstatus Ende Oktober 2021 habe sich ihre Situation
nicht verbessert (keine finanzielle staatliche Unterstützung und medizini-
sche Versorgung, keine Schutzgewährung vor Übergriffen im öffentlichen
Raum, Untätigkeit der Sicherheitsbehörden).
5.4.2 In ihrer Stellungnahme vom 22. Februar 2022 habe die Rechtsvertre-
tung zudem geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei in Rumänien
missbraucht worden. So habe ein Student zusammen mit einem Freund
versucht, sie in ihrem Zimmer zu missbrauchen und habe dies gefilmt und
sie damit unter Druck gesetzt. Aus Angst vor weiteren Übergriffen und auf-
grund ihrer Annahme eines wohl ohnehin fehlenden Schutzes der rumäni-
schen Behörden habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Im Fall einer
Wegweisung nach Rumänien bestehe das reale Risiko einer Retraumati-
sierung. Die Gesundheitsversorgung in Rumänien weise bezüglich psychi-
scher Erkrankungen und auch sonst Defizite auf. In ihrer Stellungnahme
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zu Entscheidentwurf vom 11. Juli 2022 habe die Rechtsvertretung im Wei-
teren auf die aktuelle Überlastung des rumänischen Asyl- und Gesund-
heitssystems durch den Flüchtlingsstrom aus der Ukraine hingewiesen.
5.5 In Berücksichtigung dieser Vorbringen wies das SEM in der angefoch-
tenen Verfügung darauf hin, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf die
Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) und die Qualifikationsrichtlinie
(2011/95/EU) das Recht habe, Sozialhilfe und Unterkunft zu erhalten und
zum nationalen Arbeitsmarkt zugelassen zu werden. Sollte Rumänien sei-
nen Verpflichtungen nicht nachkommen, stehe es der Beschwerdeführerin
offen, die ihr zustehenden Leistungen auf dem Rechtsweg einzufordern.
Im Weiteren sei auch die medizinische Versorgung im Rumänien gewähr-
leistet. Gemäss Art. 20 der Qualifikationsrichtlinie hätten Personen, denen
internationaler Schutz gewährt worden sei, zu denselben Bedingungen Zu-
gang zu angemessener medizinischer Versorgung wie Staatsangehörige
des diesen Schutz gewährleistenden Mitgliedstaates. Es lägen keine er-
härteten Hinweise vor, dass Rumänien der Beschwerdeführerin eine not-
wendige medizinische Behandlung verweigert hätte oder künftig verwei-
gern würde. Bei Hürden betreffend den Zugang zu medizinischer Versor-
gung habe die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, sich bei einer der in
Rumänien vorhandenen Nichtregierungsorganisationen zu melden (vgl.
AIDA Country Report: Romania, Update 2021 S. 183f). Hinsichtlich der im
Austrittsbericht der F._ vom 16. Juni 2022 festgehaltenen psychi-
schen Belastung der Beschwerdeführerin und den damit verbundenen wie-
derkehrenden Suizidgedanken sei darauf hinzuweisen, dass bei Suizidali-
tät im Falle eines Vollzugs der Wegweisung aus der Schweiz einzig aus-
schlaggebend sei, ob aufgrund des tatsächlichen Gesundheitszustands ei-
ner Gesuchstellerin beziehungsweise eines Gesuchstellers eine Verlet-
zung von Art. 3 EMRK im Vorfeld beziehungsweise bei der Überstellung
oder im Zielland drohe, was vorliegend zu verneinen sei. Einer allfälligen
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands in Zusammen-
hang mit der Überstellung nach Rumänien könne überdies mit einer adä-
quaten psychiatrisch-psychologischen Betreuung im Vorfeld und bei Be-
darf während der Überstellung Rechnung getragen werden. Nach Ihrer
Überstellung nach Rumänien stehe es der Beschwerdeführerin frei, in Ru-
mänien bezüglich Ihrer psychischen Beschwerden medizinische Unterstüt-
zung in Anspruch zu nehmen.
Zur Situation in Rumänien im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewe-
gung hielt das SEM fest, dass keine begründeten Hinweise für eine Über-
lastung des rumänischen Asylsystems durch die Flüchtlingsbewegung aus
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der Ukraine bestehen würden. Gemäss den Zahlen des UNHCR seien ak-
tuell 83’704 Geflüchtete aus der Ukraine in Rumänien erfasst; insgesamt
42’742 Personen hätten bisher einen temporären Schutzstatus in Rumä-
nien erhalten (Stand: 4. Juli 2022). Das UNHCR weise für Rumänien eine
totale Kapazität an Unterbringungsplätzen von 50’599 aus, wovon aktueII
8’813 Plätze belegt seien. Überdies vermöge eine Überlastung des rumä-
nischen Asylsystems kein Wegweisungsvollzugshindernis aufzuzeigen, da
die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Flüchtlingsstatus in Rumänien nicht
auf den Zugang zu asylrechtlichen Aufnahmestrukturen in Rumänien an-
gewiesen sei.
5.6 Zusammenfassend sei festzuhalten, dass keine Hinweise darauf vorlä-
gen, dass sich Rumänen der Beschwerdeführerin gegenüber nicht an
seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halte. Der Wegweisungsvollzug
nach Rumänien sei zulässig.
5.7 Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hielt das SEM
bezüglich der geltend gemachten Belästigungen und Übergriffen (im öffent-
lichen Raum und im geschilderten privaten Rahmen) fest, dass Rumänien
ein Rechtsstaat sei und über eine funktionierende Polizeibehörde verfüge,
die sowohl als schutzwillig wie auch als schutzfähig gelte. Die Beschwer-
deführerin verfüge über die Möglichkeit, die nach Ihren Angaben in Rumä-
nien erlittenen Übergriffe bei den rumänischen Behörden zur Anzeige zu
bringen. Sollte sie sich durch die Sicherheitsbehörden nicht ausreichend
geschützt fühlen, könne sie sich mit einer Beschwerde an die zuständigen
Stellen wenden. Mithin gelte Rumänien als ein sicherer Drittstaat.
Unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands sowie der von der
Rechtsvertretung geltend gemachten Lebensumstände und Erlebnisse in
Rumänien lägen keine ausreichenden Hinweise vor, um die Regelvermu-
tung der Zumutbarkeit der Wegweisung nach Rumänien umzustossen.
Diesbezüglich halte das SEM noch einmal fest, dass Rumänien an die
Qualifikationsrichtlinie gebunden sei, zumal der Beschwerdeführerin sämt-
liche Rechte aus der Flüchtlingskonvention zustehen würden.
5.8 Weder die in Rumänien herrschende Situation noch andere Gründe
sprächen gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
6.
In der Beschwerde wurde (ohne weiterführende Angaben) in allgemeiner
Weise auf Mängel im rumänischen Aufnahme- und Gesundheitssystem
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Seite 11
und die schwierige Situation von Personen mit einem Schutzstatus in Ru-
mänien hingewiesen. Im Weiteren sei durch den Zustrom von Kriegsflüch-
tenden aus der Ukraine das Gesundheitssystem in Rumänien überlastet,
zumal bei den aus der Ukraine stammenden Asylsuchenden mit einem ho-
hen Grad an Traumatisierung zu rechnen sei (vgl. BVGer-Urteil D-
1128/2022 vom 8. April 2022 E. 8. 5). Hinsichtlich des Gesundheitszu-
stands der Beschwerdeführerin sei darauf hinzuweisen, dass sich diese
am 11. Juli 2022 erneut notfallmässig in die F._ begeben habe,
nachdem sie erfahren habe, dass sie nach Rumänien zurückkehren sollte.
Auch sei die Schutzfähigkeit beziehungsweise der Schutzwille der rumäni-
schen Behörden fraglich. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin
ergebe sich, dass die Polizeibehörden die von der Beschwerdeführerin vor-
gebrachten Behelligungen wohl gar nicht ernst genommen hätten. Aus die-
sen Gründen sei die Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufzuneh-
men. Sollte das Gericht diesbezüglich zu einer anderen Einschätzung ge-
langen, so sei das SEM zumindest anzuweisen, von den rumänischen Be-
hörden individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zu adäquater
Unterbringung und gegebenfalls medizinischer Behandlung einzuholen.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
7.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Rumänien, als Mitglied der EU, um einen sicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die rumänischen Behörden die Beschwerdeführerin als
Flüchtling anerkannt, ihr eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und ihrer Rück-
übernahme am 27. Januar 2022 ausdrücklich zugestimmt haben. Das
Land ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder ob-
jektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rück-
schiebung in ihren Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots.
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Seite 12
Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
(Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt.
8.
8.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt in der Regel die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt
dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der
Beschwerde nicht bestritten.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass der
Vollzug zulässig sei, weil die Beschwerdeführerin im Drittstaat Rumänien
Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würde
und das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunfts-
staates nicht zu prüfen sei.
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Seite 13
9.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Ge-
stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist.
9.4 Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen
umzustossen. Dass dies gelingen könnte, hätte sie ernsthafte Anhalt-
punkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden
Staates im konkreten Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den not-
wendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensum-
ständen aussetzen würden respektive dass sie im in Frage stehenden
Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder
gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt
vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
9.5 Dies gelingt der Beschwerdeführerin offensichtlich nicht. Der Vollzug
der Wegweisung ist somit zulässig.
10.
Hinsichtlich der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
ist vorliegend vorab auf die Besonderheiten des Einzelfalls hinzuweisen,
die einen massgeblichen Einfluss auf die geltend gemachten schwierigen
Lebensumstände in Rumänien aufweisen.
Im Vergleich zu anderen ausländischen Personen in gleicher Situation ver-
fügt die Beschwerdeführerin nämlich über eine Vielzahl sehr begünstigen-
der Zusatzaspekte, die im vorliegenden Verfahren positiv zu berücksichti-
gen sind. So ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführe-
rin seit 2019 an einer rumänischen Universität immatrikuliert war und dort
erfolgreich ihrem Studium der Medizin nachgegangen ist. Sie verfügt somit
über einen deutlich überdurchschnittlichen Bildungsgrad. Ferner ist davon
auszugehen, dass sie als angehende Akademikerin, die selbständig aus-
serhalb ihres Heimatland einem Studium nachgehend konnte, über die Be-
fähigung verfügt, selbständig zu agieren, nötige Behördengänge vorzuneh-
men und sich erfolgreich zu behaupten. Der Umstand, dass sie als afgha-
nische Frau fernab ihres Heimatlands einem Studium nachgehen konnte,
lässt ferner auch darauf schliessen, dass sie in wirtschaftlicher Hinsicht
über gewisse finanzielle Unterstützung verfügen wird. Zusätzlich ist darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin in Rumänien die Landesspra-
che erlernt hat und somit auch in sprachlicher Hinsicht befähigt ist, die An-
forderungen des Alltags erfolgreich zu meistern. Ferner beherrscht sie die
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englische Sprache. Hinsichtlich der Bewältigung allfälliger medizinischen
Anliegen ist weiter herauszustreichen, dass sie als Studentin der Medizin
und somit als angehende Ärztin auch fachlich befähigt ist, ihre Bedürfnisse
zu artikulieren und im Rahmen allfähiger medizinischer Behandlungen ihre
Anliegen adäquat vorzutragen; Umstände, die sie von anderen ausländi-
schen Personen in gleicher Situation deutlich unterscheidet.
11.
11.1 Die Beschwerdeführerin machte geltend, an ihrem Wohnort in Rumä-
nien im öffentlichen Raum und von einem Studenten und dessen Freund
in ihrer Wohnung belästigt, dabei gefilmt und damit unter Druck gesetzt
worden zu sein. Auf eine entsprechende Anzeige habe sie aber angeblich
pauschal verzichtet, weil sie davon ausgegangen sei, dass die Polizei oh-
nehin wohl untätig bleiben würde. Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass
es sich bei den geltend gemachten Übergriffen um nicht bewiesene Be-
hauptungen der Beschwerdeführerin handelt. Ferner vermag im vorliegen-
den Fall zu erstaunen, dass die Beschwerdeführerin trotz des Umstandes,
dass sie mit kompromittierendem Videomaterial unter Druck gesetzt wor-
den sei, keinerlei Beweismittel vorlegen oder nähere Angaben zu diesen
Umständen machen konnte. Weiter erscheint auch wenig nachvollziehbar,
dass die Beschwerdeführerin, die seit längere Zeit als Studentin in Rumä-
nien erfolgreich ihrem Studium nachgegangen ist und sich in Rumänien im
Alltag erfolgreich behaupten konnte, nach diesen angeblichen Vorfällen
passiv geblieben ist. Dass sie als sehr gebildete und sogar die Landes-
sprache beherrschende Person einfach pauschal darauf verzichtet haben
sollte, die Polizei oder die Strafverfolgungsbehörden zu kontaktieren er-
scheint wenig lebensnah. Dies auch vor dem Hintergrund, dass soweit sie
behauptungsweise mit kompromittierenden Filmaufnahmen unter Druck
gesetzt worden sei, sie ein augenscheinliches Eigeninteresse daran ge-
habt hätte, dass die Polizei diese Aufnahmen umgehend beschlagnahmt
und eine allfällige Weiterverbreitung dadurch umgehend verhindert. Ein
pauschaler Verzicht, die Polizei überhaupt zu kontaktieren, erscheint daher
weder vor dem Bildungshintergrund der Beschwerdeführerin, noch vor de-
ren Interessenslage nachvollziehbar. Die simple Begründung, sie habe
ganz einfach angenommen, die Polizei würde vermutlich ohnehin für sie
nichts tun, erscheint daher kaum lebensnah. Insbesondere ist in diesem
Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin seit
2019 in Rumänien als Studentin lebte und sie somit die für eine Zulassung
an einer rumänischen Universität erforderlichen Behördengänge erfolg-
reich gemeistert hat und die rumänischen Behörden ihr gegenüber folglich
auch korrekt die erforderlichen Bewilligungen und Zulassungen ausgestellt
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haben. Auch in diesem Lichte betrachtet, erscheint die – nicht begründete
– Behauptung, die rumänischen Behörden hätten ihr wohl nicht geholfen,
als nicht nachvollziehbar.
Aber auch bei Wahrunterstellung dieser behaupteten Vorbringen wäre es
der Beschwerdeführerin zuzumuten gewesen, bei den polizeilichen Behör-
den vorstellig zu werden und bei deren allfälliger Untätigkeit an eine höhere
Instanz zu gelangen, zumal es sich bei der Beschwerdeführerin – wie er-
wähnt – um eine gebildete Person handelt, die im Rumänien eine Univer-
sität besucht hat und daher in der Lage sein wird, die entsprechenden Stel-
len aufzusuchen und ihre Anliegen vorzutragen.
11.2 Hinsichtlich der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ist
festzuhalten, dass das SEM den diesbezüglichen Sachverhalt vollständig
festgestellt und diesen eingehend gewürdigt hat.
Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, ha-
ben gemäss Art. 20 der Qualifikationsrichtlinie Personen, denen internatio-
naler Schutz gewährt wurde, zu denselben Bedingungen Zugang zu ange-
messener medizinischer Versorgung wie Staatsangehörige des diesen
Schutz gewährleistenden Mitgliedstaates. Bei Hürden betreffend den Zu-
gang zu medizinischer Versorgung hat die Beschwerdeführerin die Mög-
lichkeit, sich bei einer der in Rumänien vorhandenen Nichtregierungsorga-
nisationen zu melden, zumal die Beschwerdeführerin aufgrund ihres über-
durchschnittlichen Bildungsgrades, ihrer sehr guten Sprachkenntnisse so-
wie zusätzlich aufgrund ihrer medizinischen Fachkenntnisse als Studentin
der Medizin sowie auch letztlich ihrer – während der Dauer ihres Studiums
in Rumänien erworbenen – Kenntnisse der Gepflogenheiten des Landes
ganz offenkundig in der Lage sein wird, sich in Rumänien zurechtzufinden
und im Bedarfsfall notwenige Behandlungsmöglichkeiten oder anderwei-
tige Hilfen einzufordern. Hinsichtlich der im Austrittsbericht der F._
vom 16. Juni 2022 festgehaltenen psychischen Belastung der Beschwer-
deführerin und den damit verbundenen wiederkehrenden Suizidgedanken
ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass bei einer allfälligen Ver-
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands in Zusammenhang
mit der Überstellung nach Rumänienmit einer adäquaten psychiatrisch-
psychologischen Betreuung im Vorfeld und bei Bedarf während der Über-
stellung Rechnung getragen werden kann. Nach ihrer Überstellung nach
Rumänien hat die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, in Rumänien be-
züglich Ihrer mentalen Anliegen medizinische Unterstützung in Anspruch
zu nehmen.
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11.3 Zwar sind die allgemeinen Lebensbedingungen in Rumänien auf-
grund der wirtschaftlichen Lage nicht einfach, jedoch sieht die Qualifikati-
onsrichtlinie vor, dass Personen, denen internationaler Schutz zuerkannt
worden ist, in dem Mitgliedstaat, der diesen Schutz gewährt hat, die not-
wendige Sozialhilfe erhalten, und die Beschwerdeführerin daher gehalten
ist, die ihr zustehenden Unterstützungsleistungen bei den zuständigen ru-
mänischen Behörden einzufordern, falls notwendig, auf dem Rechtsweg.
11.4 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass es der Beschwerdeführerin
nicht gelungen ist, die genannte Legalvermutung nach Art. 83 Abs. 5 AIG
umzustossen.
11.5 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung indi-
vidueller Garantien betreffend adäquate Unterbringung und medizinische
Betreuung (vgl. Urteil E-2169/2020 des BVGer vom 13. Mai 2020, E. 8.4).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug somit auch als zumutbar.
11.6 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben.
12.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Ru-
mänien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
14.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2022 wurde das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen und unter Andro-
hung des Nichteintretens im Unterlassungsfall ein Kostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 750.– mit Zahlungsfrist bis zum 4. August 2022 erhoben, der
in der Folge fristgerecht einging. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind
die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 VwVG), welche durch den geleisteten Kostenvorschuss in gleicher
Höhe gedeckt sind.
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