Decision ID: 810c79bc-a872-4c3e-8de8-50f93f334629
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
diverse Punkte der Sachverhaltsfeststellung des Beschwerdegegners. Sie
schilderte dabei im Detail die Vorgänge rund um ihre Arbeitsbemühungen
und Stellenbewerbungen im konkreten Fall. Sie vermerkte dazu, dass sie
auf keinerlei Weise darauf hingewiesen worden sei, dass ein möglicher
Arbeitgeber versuchen werde, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Ihre
Bereitschaft sei vorhanden gewesen wie auch ihr Wissen, erreichbar sein
zu müssen. Selbst wenn sie ihren Spam-Ordner regelmässig überprüft
hätte, wäre sie nicht auf die Idee gekommen, eine unbekannte "info@Mail"
zu öffnen. Mit einer direkten Stellenzuweisung an sie wäre dies nicht
geschehen. Die Rückmeldung zum Kandidatenvorschlag habe die
Personalverantwortliche des Hotels geschrieben, bevor sie überhaupt
geahnt hätte, dass ihre Mail unbeantwortet blieb und wahrscheinlich im
Spam landete. Die Aufforderung zur Stellungnahme am 23. Juli 2019 sei
wenig aufschlussreich gewesen. Um sicher zu gehen, habe die
Beschwerdeführerin ihre Anrufsliste vom 1. Juli 2019 überprüft und
festgestellt, dass nie ein Anruf des Hotels stattgefunden habe, was sie von
Anfang an beteuert habe. Sie habe von beiden Mail Accounts die
Posteingänge überprüft, diese Suche sei auch erfolglos geblieben. In der
Stellungnahme vom 2. August 2019 habe sie dies niedergeschrieben und
persönlich (beim KIGA) abgegeben. Auf telefonische Rückfrage würde die
Personalverantwortliche des Hotels bestätigen, dass die
Beschwerdeführerin für die vakante Servicestelle nicht in Frage gekommen
wäre. Über die "verloren gegangene Mail" sei ebenfalls gesprochen
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worden. Offenbar sei der Personalverantwortlichen die Sache mit dem
Spam bekannt gewesen und sie habe erklärt, die fragliche E-Mail könnte
im Spam gelandet sein. Dies habe sie dem RAV auch mitgeteilt. Die
Sanktion von 30 Einstellungstagen sei wegen Nichtzustandekommens
eines Arbeitsverhältnisses ausgesprochen worden. Hingegen wäre sie für
diese Service-Stelle mangels entsprechenden Anforderungsprofils gar
nicht in Frage gekommen. Auf Rückfrage würde die
Personalverantwortliche dies telefonisch bestätigen. Zur gegenwärtigen
Situation brachte die Beschwerdeführerin noch vor, dass sie auf eigenen
Wunsch seit Wochen Kurse besuche und damit schon vor Monaten
begonnen habe, mit dem Ziel, ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt
breiter zu fächern. Sie bemühe sich darum zusätzlich auch in anderen
Sektoren, in denen sie vorher nicht direkt gearbeitet habe. Zuletzt habe sie
im Frühjahr dieses Jahres gearbeitet, allerdings sei ihre
Anspruchsberechtigung bis etwa Mitte Dezember beschränkt. Ihre Tage bis
zur Aussteuerung seien gezählt. Sie gebe sich alle mögliche Mühe, um
einen Arbeitsplatz zu erlangen, und tue bereits alles ihr in der Macht
stehende aus Eigeninteresse. Es sei für sie unverständlich, dass man ihre
Existenz gefährde und ihr das wenige, auf das sie Anspruch habe,
sanktioniere aufgrund einer Mail, die sie nie gesehen habe und obschon
sie das bestmögliche daraus gemacht habe. Es hätte für sie kein Problem
dargestellt, dem besagten Hotel ihre Bewerbungsunterlagen einfach
zukommen zu lassen. Sie sei in ihrer Arbeitslosigkeit immer ihren Pflichten
nachgekommen.
11. Am 23. Oktober 2019 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik in dieser Streitsache.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie
auf den angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG
i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02)
ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einsprachenentscheid wurde vom Amt für Industrie,
Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) als kantonale Amtsstelle im Sinne
von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden ergibt sich aus Art. 57
ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die Beschwerdeführerin berührt und weist
ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf
(Art. 59 ATSG). Ihre Beschwerdelegitimation ist damit zu bejahen und auf
die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und
Art. 61 lit. a ATSG) einzutreten.
1.2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht in
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einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG)
vorgeschrieben ist. Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist
vorliegend der versicherte Verdienst der Beschwerdeführerin von Fr.
4'658.-- (vgl. dazu Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 1). Dieser
Verdienst wird zum Taggeldsatz von 70 % entschädigt (Bg-act. 1). Die
Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 150.25
(ermittelt aus: Fr. 4'658.-- x 0.7 : 21.7 Tage [pro Monat]). Bei einer vom
Beschwerdegegner verfügten und von der Beschwerdeführerin
angefochtenen Einstellungsdauer von 30 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt dies einen Streitwert von Fr. 4'507.50 (30 x
Fr. 150.25), was unterhalb der Grenze von Fr. 5'000.-- liegt, weshalb hier
die einzelrichterliche Spruchkompetenz gegeben ist.
1.3. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der
Entscheid des Beschwerdegegners vom 11. September 2019, worin dieser
die Beschwerdeführerin in der Anspruchsberechtigung auf
Arbeitslosenentschädigung für 30 Tage einstellte wegen Nichtbefolgung
der Kontrollvorschriften/Weisungen des RAV im Sinne von Art. 30 Abs. 1
lit. d AVIG. Dabei ist der Sachverhalt (inklusive eingereichter Beweismittel)
bis zum Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Entscheids
massgebend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2017 vom 20. April
2017 E.8.2.1).
1.4. Zur Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs gilt es verfahrensrechtlich
klarzustellen, dass die Parteien einen Anspruch auf Begründung der
Verfügung (bzw. des angefochtenen Entscheids) durch die Behörden
haben. Dieser zeigt den Parteien, ob sich die Behörde mit ihren
Argumenten auseinandergesetzt hat, und erlaubt ihnen eine sachgerechte
Anfechtung. Die Begründung ist Bestandteil einer korrekten Eröffnung der
Verfügung (siehe HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, S. 226, Rz. 1038). Die
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Begründung einer Verfügung entspricht den Anforderungen von 29 Abs. 2
(Gehörsanspruch) der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101), wenn die Betroffenen dadurch in die
Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und
sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen.
Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der
Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist,
von welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., S. 233, Rz. 1071; BGE 136 V 351 E.4.2).
Aufgrund dieser Vorgaben ist das streitberufene Gericht zur Auffassung
gelangt, dass vorliegend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs gemäss
Art. 29 Abs. 2 BV vorliegt, da sich der Beschwerdegegner mit den
wesentlichen Punkten, die zur Abweisung der Einsprache führten, im
angefochtenen Entscheid vom 11. September 2019 auseinandersetzte und
die Beschwerdeführerin in Anbetracht ihrer Beschwerde vom 23.
September 2019 und ihrer Replik vom 15. Oktober 2019 offenkundig in der
Lage war, sich zur Begründung im angefochtenen Entscheid
(Nichterfüllung der Kontrollvorschriften) umfassend zu äussern. Auch war
der Beschwerdegegner nicht verpflichtet, sich mit jedem Argument der
Beschwerdeführerin auseinanderzusetzen. Der Beschwerdegegner durfte
sich auf die relevanten Erwägungen beschränken, was er rechtsgenüglich
tat. Die Begründungspflicht wurde ausreichend gewahrt. Eine
Gehörsverletzung der Beschwerdeführerin ist damit zu verneinen.
2.1. In materieller Hinsicht ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
zu Recht für 30 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist,
weil sie sich nur ungenügend um den Erhalt einer Arbeitsstelle gekümmert
hat bzw. ihre Chancen auf eine neue Stelle und Beendigung ihrer
Arbeitslosigkeit durch eigenes (Fehl-)Verhalten verspielt hat. Es geht dabei
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einerseits um die Rechtmässigkeit der Anspruchskürzung und andererseits
um die Höhe der Einstellungsdauer von 30 Tagen.
2.1.1. Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist die Arbeitslose vermittlungsfähig, wenn sie
bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen
und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Nach Art. 16 Abs. 1
AVIG muss die Versicherte zur Schadensminderung grundsätzlich jede
Arbeit unverzüglich annehmen. Laut Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die
Versicherte, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare
unternehmen, um ihre Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen
(vgl. AVIG-Praxis ALE [Arbeitslosenentschädigung], Januar 2020, Rz.
B311). Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch
ausserhalb ihres bisherigen Berufes, und sie muss ihre Bemühungen
nachweisen können. Gemäss Art. 17 Abs. 3 Satz 1 AVIG muss die
Versicherte eine vermittelte zumutbare Arbeit annehmen. Nach Art. 21 Abs.
1 Satz 2 AVIV muss die Versicherte sicherstellen, dass sie in der Regel
innert Tagesfrist von der zuständigen Amtsstelle erreicht werden kann. Bei
Art. 17 AVIG, der die Pflichten der Versicherten und deren
Kontrollvorschriften regelt, handelt es sich um den Ausdruck der im
Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht. Kommt
die versicherte Person diesen Pflichten nicht nach, verursacht sie schulhaft
einen Schaden im Sinne des Sozialversicherungsrechts, was grundsätzlich
laut Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung
zur Folge hat (CHOPARD, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung,
Diss. Zürich 1998, S. 34 f.). Der Einstellungstatbestand ist auch dann erfüllt,
wenn eine versicherte Person die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnt,
durch ihr Verhalten aber in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt
wird (BGE 122 V 34 E.3b; Urteile des Verwaltungsgerichts Graubünden
[VGU] S 18 65 vom 21. August 2018 E.3.1 sowie S 18 6 vom 19. Juni 2018
E.2.1). Bei einer arbeitslosen Stellensuchenden ist von einer kurzfristigen
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zeitlichen Verfügbarkeit und somit von einer erhöhten Flexibilität
auszugehen, zumal die Versicherte gehalten ist, sich der öffentlichen
Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit
anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumutbaren Stelle
umzusehen (vgl. KUPFER BUCHER, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum AVIG, in STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.], 5. Aufl., Zürich, Basel, Genf
2019, S. 226 ff., mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts C 125/06 vom
9. März 2007 E.4). Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG erfasst neben der
Nichtannahme einer von der zuständigen Amtsstelle zugewiesenen
zumutbaren Arbeit auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen
zumutbaren Arbeit oder einer von Dritten vermittelten oder angebotenen
zumutbaren Stelle (Urteil des Bundesgerichts C 17/07 vom 22. Februar
2007 E.2.2). Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung setzt nicht
(zwingend) den Nachweis eines Kausalzusammenhangs zwischen dem
Verhalten der versicherten Person und der Verlängerung der
Arbeitslosigkeit voraus. Vielmehr werden bestimmte Handlungen und
Unterlassungen bereits dann sanktioniert, wenn sie ein Schadensrisiko in
sich bergen (Urteil des Bundesgerichts 8C_491/2014 vom 23. Dezember
2014 E.2).
2.1.2. Zur Ablehnung zugewiesener Arbeit hat die Rechtsprechung festgehalten:
Wird eine nach den Umständen gebotene ausdrückliche
Annahmeerklärung unterlassen, gilt dies als Ablehnung zumutbarer Arbeit.
Dasselbe gilt für eine verspätete oder unterlassene Vorsprache beim
Arbeitgeber auf Zuweisung hin (ARV 1982 N 5 S. 43 E.3a, 1984 N 14 S.
167, 1977 N 32 S. 157). Das Nichteinreichen von Bewerbungsunterlagen
ist als Ausdruck mangelnder Bereitschaft zum Vertragsabschluss und
damit zur Beendigung der Arbeitslosigkeit zu werten (ARV 1991 N 9 S. 91
E.3). Eine versicherte Person muss nach Art. 21 Abs. 1 letzter Satz AVIV
innerhalb Tagesfrist von der zuständigen Amtsstelle erreicht werden
können. In der gleichen Frist muss sie auch auf eine Aufforderung hin
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reagieren können. Indem eine Versicherte durch Unachtsamkeit, die auch
ein Desinteresse zeigt, auf den Verlust von Unterlagen überhaupt nicht
reagierte, hatte sie eine Verlängerung der Arbeitslosigkeit in Kauf
genommen und dadurch den Tatbestand des Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG
erfüllt (Urteil des Bundesgerichts C 27/07 vom 8. Mai 2007 E.4.1). Eine
Nichtannahme zumutbarer Arbeit liegt nicht nur dann vor, wenn die
versicherte Person eine Stelle ausdrücklich zurückweist oder eine nach
den Umständen gebotene ausdrückliche Annahmeerklärung unterlässt,
sondern dieser Einstellungstatbestand erfasst grundsätzlich jedes
Verhalten, welches das Zustandekommen eines Arbeitsvertrages scheitern
lässt. Konkret hatte sich der Versicherte wegen seiner Passivität nicht
ernsthaft um die Aufnahme von Vertragsverhandlungen bemüht. Er hätte
aktiv zu erkennen geben müssen, dass er sich auch mit einem tieferen
Lohn zufriedengeben würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2008 vom
1. Juli 2008 E.3.3.1). Indem sich der Versicherte nicht genügend um die
Übermittlung seiner Bewerbung für die zugewiesene Stelle bemühte, hatte
er durch sein Verhalten in Kauf genommen, dass diese anderweitig besetzt
würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_339/2016 vom 29. Juni 2016
E.4.5.3).
2.1.3. Zur Zuweisung und Bewerbung per E-Mail wurde höchstrichterlich bereits
entschieden: Verkehrt eine Behörde mit den Anspruchsberechtigten per E-
Mail, so ist ein Ausdruck der Mitteilung zu den Akten zu legen. Im konkreten
Fall wurde dem Versicherten die Zuweisung per E-Mail geschickt, woraus
nicht ersichtlich war, ob die Bewerbung zwingend schriftlich zu erfolgen
hatte (Urteil des Bundesgerichts 8C_727/2009 vom 19. November 2019
E.3.2 f.). Die beiden ganz offensichtlich aus Versehen falsch eingegebenen
E-Mail-Adressen bei der Stellenbewerbung (R._ anstatt RR._; vh
anstatt ch) liessen das Verschulden des Versicherten nicht als derart
gravierend erscheinen, dass es eine mit über 40 Tagen doch recht massive
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Einstellung in der Anspruchsberechtigung rechtfertigen könnte (Urteil des
Bundesgerichts 8C_854/2010 vom 27. Oktober 2010 E.2.3).
2.1.4. Laut Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die Versicherte in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften
oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich
eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche
Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren
Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder
verunmöglicht (AVIG-Praxis ALE Rz. D34 mit Verweis auf Urteil des
Bundesgerichts C 133/05 vom 3. August 2005 i.S. Vereitelung einer
möglichen Anstellung). Die kantonale Amtsstelle (KIGA) verfügt
Einstellungen u.a. nach Abs. 1 lit. d, sofern die Auskunfts- oder Meldepflicht
gegenüber ihr oder dem Arbeitsamt verletzt wurde. In den übrigen Fällen
verfügen die Kassen (Art. 30 Abs. 2 AVIG). Die Dauer der Einstellung
bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (AVIG-Praxis ALE Rz. D59-
D64) und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3
Satz 3 AVIG). In Art. 45 Abs. 3 AVIV (Sanktionsraster; vgl. AVIG-Praxis
ALE Rz. 72 ff.) wird präzisierend zur Einstellungsdauer bestimmt:
lit. a 1-15 Tage bei leichtem Verschulden; lit. b 16-30 Tage bei mittelschwerem Verschulden; lit. c 31-60 Tage bei schwerem Verschulden.
Nach Art. 45 Abs. 4 AVIV liegt ein schweres Verschulden vor, wenn die
versicherte Person ohne entschuldbaren Grund:
lit. a eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat; oder lit. b eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat.
2.1.5. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung dient dazu, die
Schadenminderungspflicht der Versicherten durchzusetzen. Sie hat die
Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche
die Versicherten hätten vermeiden oder vermindern können. Als
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versicherungsrechtliche Sanktion bezweckt sie die angemessene
Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr
Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter Weise natürlich
und adäquat kausal verursacht hat (vgl. BGE 133 V 89 E.6.2.2). Als
Verwaltungssanktion ist die Einstellung vom Gesetzmässigkeits-,
Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht. Ein
Selbstverschulden der versicherten Person liegt vor, wenn und soweit der
Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren
zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen
und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten liegt, für das die Versicherung
die Haftung nicht übernimmt. In beweisrechtlicher Hinsicht muss der
Einstellungstatbestand mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfüllt sein. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen für die wahrscheinlichste hält (vgl. BGE 125 V 193
E.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_867/2017 vom 20. September 2018
E.3.2).
2.1.6. Die Höhe der Einstellungsdauer ist eine typische Ermessensfrage, in die
das Bundesgericht auf Beschwerde hin nur eingreift, wenn die Vorinstanz
den gesetzlichen Rahmen über- oder unterschritten hat, wenn sie von
rechtlich nicht massgebenden Kriterien ausgegangen ist oder wesentliche
Gesichtspunkte ausser Acht gelassen bzw. in Überschreitung oder
Missbrauch ihres Ermessens falsch gewichtet hat (KUPFER BUCHER, a.a.O.,
S. 237 ff. mit Verweis auf Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2007 vom 14.
Mai 2008 E.3.3). Der Grad des Verschuldens ist das einzige Kriterium für
die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung. Bei der
Ablehnung von zumutbarer Arbeit muss, gemäss Art. 45 Abs. 4 AVIV, im
Bereich des schweren Verschuldens sanktioniert werden, eine
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Einstellungsdauer von weniger als 31 Tagen ist unzulässig (AVIG-Praxis
ALE Rz. D79 Ziff. 2.B 1 [bei 1. Ablehnung]). Bei Vorliegen eines
entschuldbaren Grundes ist auch bei Ablehnung einer amtlich oder von
Dritten zugewiesenen, zumutbaren Arbeit nicht zwingend von einem
schweren Verschulden auszugehen. Unter einem entschuldbaren Grund ist
ein Grund zu verstehen, der das Verschulden als mittelschwer oder leicht
erscheinen lassen kann. Ein solcher im konkreten Einzelfall liegender
Grund kann die subjektive Situation der betroffenen Person (etwa
gesundheitliche Probleme, familiäre Situation, Religionszugehörigkeit)
oder eine objektive Gegebenheit (z.B. befristete Stelle) beschlagen (BGE
130 V 125 E.3.4.3 und E.3.5).
3.1. Im konkreten Fall ist aktenkundig, dass die verwendete E-Mail-Adresse
"_@gmail.com" den Angaben entspricht, die gegenüber dem RAV
Y._ in der Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 11. April 2019
gemacht wurden (siehe Bg-act. 10 mit Anmeldebestätigung vom 12. April
2019; Rubrik "Kontakt"). Damit ist für das Gericht erstellt, dass die
Kontaktaufnahme und die Korrespondenz auf dem elektronischen Weg
mittels E-Mails von der Beschwerdeführerin anerkannt wurde und sie somit
auch grundsätzlich für den Empfang zu sorgen hatte. Die Verantwortlichkeit
für den Empfang solcher Mitteilungen ist dabei bereits dann gegeben, wenn
die nachweislich korrekt versandten E-Mails in den Empfangsbereich und
damit die Risikosphäre der Empfängerin (Beschwerdeführerin) gelangt
sind. Wie der nachgereichten E-Mail vom 1. Juli 2019 der potentiellen
Arbeitgeberin an den Beschwerdegegner entnommen werden kann, wurde
die besagte E-Mail nachweislich am 1. Juli 2019 um 11:42 Uhr an die
zutreffende E-Mail-Adresse ("_@gmail.com") von der potentiellen
Arbeitgeberin ("info@B_.ch") direkt an die Beschwerdeführerin
versandt (vgl. Bf-act. 2; Bg-act. 5 und im Besonderen Bg-act. 7). Die von
der Beschwerdeführerin gegenüber den zuständigen Behörden selbst
angegebene E-Mail-Adresse wäre von ihr ab deren Bekanntgabe aber
mailto:_@gmail.com mailto:_@gmail.com mailto:info@B_.ch
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regelmässig zu bewirtschaften gewesen, was sowohl den Empfang der
ordentlichen E-Mails als auch die Durchsicht des Spam-Ordners
mitumfasst hätte. Dem ist vorliegend umso mehr beizupflichten, als der
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben (vgl. Beschwerdeschrift vom
23. September 2019, S. 1 letzter Absatz) die Empfangsproblematik mit dem
vorgetragenen Spam-Phänomen offenbar bereits aus früheren
Vorkommnissen (Kontaktnahmen mittels E-Mail durch mögliche
Arbeitgeber) bekannt war, weshalb sie mehrmals zu Stellungnahmen
aufgefordert worden war. Daher wäre es ihre Obliegenheit gewesen und in
ihrem Verantwortungsbereich gelegen, den friktionslosen E-Mail-Empfang
durch potentielle Arbeitgeber betreffend
Stellenzuweisung/Vorstellungsgespräch – auch mit Durchsicht des Spam-
Ordners – sicherzustellen. Durch ihr sorgloses Verhalten hat die
Beschwerdeführerin demnach in Kauf genommen, nicht innert vernünftiger
Frist (laut Art. 21 Abs. 1 AVIV innert eines Tages) auf das E-Mail vom 1.
Juli 2019 reagieren zu können. Selbst bei Durchsicht und Überprüfung ihrer
Mail-Accounts am 23. Juli 2019 wäre die Löschung des Spam-Ordners
nach einem Monat noch nicht erfolgt gewesen (vgl. Beschwerde, S. 1
[zweitletzter Absatz] und Replik zu Punkt 3), was ebenfalls dafürspricht,
dass die Beschwerdeführerin nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit noch vor Ablauf der automatischen Löschungsfrist vom
'verschwundenen' E-Mail Kenntnis erlangt hat oder zumindest hätte
erlangen können, darauf aber – aus welchen Gründen auch immer – aus
eigener Initiative verzichtete. Damit hat die Beschwerdeführerin allerdings
gegen die Kontrollvorschriften gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG verstossen
sowie ihre Schadenminderungspflicht gemäss Art. 17 AVIG verletzt, da die
Erfolgschancen auf den Erhalt einer neuen Stelle und damit die rasche
Beendigung der Arbeitslosigkeit unnötig erschwert bzw. im Einzelfall von
vorneherein verunmöglicht wurden. In dieser Hinsicht ist die Beschwerde
deshalb unbegründet und abzuweisen.
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3.2. Gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG hat der Beschwerdegegner im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 11. September 2019 die schon
am 20. August 2019 verfügte Einstellungsdauer von 30 Tagen in der
Anspruchsberechtigung bestätigt. Diese Ausübung des pflichtgemässen
Ermessens des Beschwerdegegners ist nicht zu beanstanden, da aufgrund
des vorgesehenen Sanktionsrahmens für schweres Verschulden von 31-
60 Tagen (Art. 45 Abs. 3 lit. c AVIV) bzw. für mittelschweres Verschulden
von 16-30 Tagen (Art. 45 Abs. 3 lit. b AVIV) eine klar unzulässige
Ermessensüberschreitung/-unterschreitung oder ein anderweitiger
Ermessensmissbrauch a priori ausgeschlossen werden kann. In
Nachachtung von Art. 45 Abs. 4 AVIV ist zwingend auf ein schweres
Verschulden zu erkennen, wenn eine zumutbare Arbeitsstelle abgelehnt
wurde (lit. b). Im konkreten Fall ist das Verhalten der Beschwerdeführerin
bezüglich des lediglich vermeintlichen Nichteingangs bzw. Nichtempfangs
eines nachweislich korrekt versandten E-Mails durch einen potentiellen
Arbeitgeber als unentschuldbarer Grund für das Nichtzustandekommen
eines (zu jenem Zeitpunkt) möglichen, zumutbaren Arbeitsverhältnisses als
Service-Angestellte in einem Hotel- und Restaurationsbetrieb zu werten,
was der Ablehnung einer zumutbaren Arbeit im Sinne von Art. 45 Abs. 4 lit.
b AVIV entspricht. Bei Bejahung eines solch schweren Verschuldens hätte
die Einstellungsdauer jedoch mindestens 31 Tage in der
Anspruchsberechtigung betragen müssen, was aufgrund des
wohlbekannten Spam-Phänomens vertretbar gewesen wäre. In
rechtskonformer Ausübung seines Ermessens und Wahrung des
Verhältnismässigkeitsprinzips hat der Beschwerdegegner das Verschulden
der Beschwerdeführerin angesichts des Umstands, dass es sich um eine
Teilzeitstelle gehandelt hätte, noch als mittelschwer taxiert und gestützt
darauf die Einstellungsdauer am obersten Rand von Art. 45 Abs. 3 lit. b
AVIV festgesetzt, was mit der verfügten Anspruchseinstellung von maximal
30 Tagen übereinstimmt. An der Höhe der verhängten Einstellungsdauer
gilt es daher nichts zu korrigieren.
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4.1. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
Sozialversicherungsstreitsachen – ausser bei leichtsinniger oder
mutwilliger Prozessführung – kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten
erhoben werden.
4.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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