Decision ID: 441ed8f0-c8a4-4bf8-969c-e372f13e9d0f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 19. Mai 2008 unter Hinweis auf
eine Migräne, Nierenbeschwerden, eine Depression, eine arterielle Hypertonie und eine
Anämie zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie gab an, Hausfrau
und Analphabetin zu sein (IV-act. 1). Am 4. November 2008 fand eine Abklärung vor Ort
statt (IV-act. 24). Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 33) wurde die Versicherte am 26. Mai
2009 durch Dr. med. B._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch
begutachtet (IV-act. 35). Dr. B._ diagnostizierte eine chronische mittelschwere
depressive Störung ohne somatisches Syndrom, eine Anpassungsstörung mit
paranoid-halluzinatorischen Symptomen nach Tod des Sohnes unter besonders
belastenden Umständen im Juni 2008 und eine Migräne. Sie schätzte die
Einschränkung der Leistungsfähigkeit auf 33 % ein (IV-act. 35-9). Mit Verfügung vom
25. Mai wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem Invaliditätsgrad von 13 % bei
Qualifikation als Nichterwerbstätige ab (IV-act. 61).
A.a.
Die Versicherte meldete sich am 14. Februar 2012 (IV-act. 62), am 24. Februar
2014 (IV-act. 68) und am 17. August 2016 (IV-act. 80) erneut zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an, ohne neue medizinische Unterlagen einzureichen. Die IV-
Stelle trat mit Verfügungen vom 14. Mai 2012 (IV-act. 67), vom 1. April 2014 (IV-act. 76)
und vom 20. September 2016 (IV-act. 85) auf die jeweiligen Leistungsbegehren nicht
ein, da eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse seit der letzten Verfügung nicht
glaubhaft gemacht worden sei.
A.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/25
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Am 12. September 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine
psychische Erkrankung seit 2007 erneut zum Leistungsbezug an (IV-act. 87). Die
behandelnden Ärzte des Z._ hielten im Bericht vom 19. März 2018 als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung, eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig depressive Episode und
eine Migräne fest. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 106-5 ff.). Nach
Würdigung der medizinischen Berichte durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
und durchgeführtem Vorbescheidverfahren trat die IV-Stelle mit Verfügung vom
17. September 2018 auf das Leistungsbegehren nicht ein, da die Versicherte eine
Verschlechterung der Verhältnisse seit der letzten Verfügung nicht glaubhaft habe
darlegen können (IV-act. 114).
A.c.
Mit Schreiben vom 24. April 2019 liess die durch Rechtsanwalt lic. iur. E. Koller
vertretene Versicherte bei der IV-Stelle eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes geltend machen und sich erneut zum Leistungsbezug anmelden
(IV-act. 124). Dem beigelegten Arztbericht des Z._ vom 25. Februar 2019 ist zu
entnehmen, dass die Versicherte aufgrund der depressiven und posttraumatischen
Belastungsstörung sowie der chronischen Schmerzen im Haushalt weiterhin zu 100 %
eingeschränkt sei (IV-act. 124-2 ff.).
A.d.
Die IV-Stelle trat auf das Leistungsbegehen nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens (vgl. IV-act. 136) mit Verfügung vom 25. September 2019 nicht
ein, da eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse seit der letzten Verfügung nicht
glaubhaft dargelegt worden sei (IV-act. 137). Dagegen liess die Versicherte durch ihren
Rechtsvertreter am 28. Oktober 2019 Beschwerde beim hiesigen Gericht erheben (IV-
act. 138). Am 2. Dezember 2019 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom
25. September 2019 (IV-act. 143) und das Versicherungsgericht schrieb das hängige
Beschwerdeverfahren mit der Geschäftsnummer IV 2019/279 infolge
Gegenstandslosigkeit am 10. Januar 2020 ab (IV-act. 150).
A.e.
Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Versicherte am 17. Februar 2020 an, im Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit als
Reinigungsangestellte oder Küchenhilfe mit einem Pensum von 100 % auszuüben. Im
Haushalt werde sie von ihren Kindern und ihrem Ehemann sowie dem Y._-Dienst
A.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/25
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unterstützt (IV-act. 155). Die IV-Stelle qualifizierte die Versicherte daraufhin unter
Berücksichtigung der angespannten finanziellen Mittel und der Angabe im
Haushaltsfragebogen als Erwerbstätige und verzichtete auf eine Abklärung vor Ort (IV-
act. 167).
Dem Arztbericht des Z._ vom 23. März 2020 lässt sich entnehmen, dass die
Versicherte seit 2008 wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer
schweren Depression und Schmerzen 100 % arbeitsunfähig sei und dies auch für die
Tätigkeit im Haushalt gelte. Aus Sicht der Versicherten würden die Beschwerden mit
dem Tod des Sohnes im Jahr 2008 zusammenhängen, ihre Schlafstörungen seien
seither schlimmer geworden und sie komme über den Tod des Sohnes nicht hinweg.
Infolge der fortgeschrittenen Chronifizierung und dem ungenügenden Therapieerfolg
sei die Prognose als negativ zu beurteilen. Es bestünden starke
Konzentrationsstörungen und soziale Situationen könnten Flashbacks und starke
Ängste auslösen (IV-act. 162-7 ff.).
A.g.
Die Versicherte wurde im Auftrag der IV-Stelle (vgl. RAD-Stellungnahme vom 17.
Juni 2020, IV-act. 171) durch die ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(nachfolgend: ABI) am 4. November 2020 polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch und neurologisch) untersucht. Dem ABI-Gutachten vom 30.
November 2020 sind als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Funktions-
und Belastungsdefizit des linken Kniegelenks, belastungsabhängige Gonalgien rechts
und ein chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom zu entnehmen. Kein
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde insbesondere der rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig leichte Episode, dem multifaktoriellen Kopfschmerzsyndrom mit
Migräne- sowie Spannungskopfschmerz und funktioneller Komponente sowie dem
anamnestisch panvertebralen Schmerzsyndrom beigemessen (IV-act. 183-8). Aus
polydisziplinärer Sicht bestehe infolge der Funktions- und Belastungsdefizite der
Kniegelenke eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 70 % in der angestammten
Tätigkeit als Hausfrau. In einer körperlich leichten, adaptierten Erwerbstätigkeit sei die
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig (IV-act. 183-9). Die gutachterlich attestierte
Arbeitsfähigkeit gelte ab Januar 2019, für die Zeit vor Juni 2018 sei auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der letzten Verfügung zu verweisen (IV-act. 183-10).
A.h.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/25
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Der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und
Physikalische Medizin/Rehabilitation, hielt in der Stellungnahme vom 16. Dezember
2020 fest, das Gutachten erfülle die geltenden Qualitätskriterien, weshalb darauf
abgestellt werden könne. Die mittelschwere Depression und die Anpassungsstörung,
welche im psychiatrischen Referenzgutachten 2009 festgestellt wurden, seien
weitgehend remittiert und würden die Arbeitsfähigkeit in einer adaptieren Tätigkeit nicht
mehr einschränken. Die degenerativen Veränderungen am Bewegungsapparat hätten
sich wohl seither entwickelt, hätten aber keinen Einfluss auf eine leidensangepasste
Tätigkeit. Die von der Versicherten hochgradig beklagte Leistungsunfähigkeit infolge
Kopfschmerzen sei nach dem neurologischen Gutachter nicht nachvollziehbar (IV-
act. 184).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2021 stellte die IV-Stelle gestützt auf die
gutachterlich attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und unter
Qualifikation als Vollerwerbstätige bei einem Invaliditätsgrad von 0 % die Abweisung
des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 188).
A.j.
Die anwaltlich vertretene Versicherte liess am 3. Februar 2021 Einwand erheben
und sprach dem ABI-Gutachten die Beweiskraft ab. Der psychiatrische Zustand habe
sich entgegen den Ausführungen im psychiatrischen Gutachten nicht gebessert. Die
ABI-Gutachter hätten sich mit dem Bericht des Z._ vom 25. Februar 2019 nicht
genügend auseinandergesetzt (IV-act. 191).
A.k.
Der RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Arbeitsmedizin, kam nach erneuter
Prüfung zum Schluss, dass in Anbetracht der dokumentierten Vorgeschichte und unter
Würdigung des Arztberichts des Z._ vom 25. Februar 2019 weiterhin auf das ABI-
Gutachten abgestellt werden könne. Eine Indikatorenprüfung sei durch den Internisten
(diese sei versicherungsmedizinisch inakzeptabel, aber auch nicht zwingend gefordert),
den Psychiater (diese sei schlüssig) und den Rheumatologen (nicht sauber hergeleitet,
aber auch nicht zwingend erforderlich) erfolgt (IV-act. 192-2).
A.l.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie
angekündigt ab. Zur Begründung hielt sie fest, versicherungsmedizinisch ergäben sich
A.m.
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B.
aus dem Einwand keine neuen Gesichtspunkte. Zudem sei kein Leidensabzug
anzuerkennen (IV-act. 193).
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 22. März
2021. Die nach wie vor vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) lässt
beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zu
zusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zusätzlich ersucht sie um
unentgeltliche Prozessführung und Prozessvertretung. Zur Begründung macht sie
geltend, dass entgegen der Einschätzung der Gutachter nicht von einer
uneingeschränkten Arbeits- und Leistungsfähigkeit ausgegangen werden könne. Der
psychiatrische Gutachter habe keine Indikatorenprüfung vorgenommen, weshalb das
Gutachten unvollständig sei und nicht darauf abgestellt werden könne. Auch die
Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit sei fraglich. Bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades sei ein Leidensabzug von 25 % zu berücksichtigen (act. G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2021 beantragt die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachte Kritik am Gutachten vermöge den Beweiswert
des ABI Gutachtens nicht zu schmälern und es sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit auszugehen. Die Restarbeitsfähigkeit sei auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar und es sei kein Tabellenlohnabzug zu
gewähren (act. G3).
B.b.
Am 31. Mai 2021 bewilligt die Präsidentin der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G4).
B.c.
Mit Replik vom 30. August 2021 hält die Beschwerdeführerin am Rechtsbegehren
fest. Bei der Begutachtung hätte eine X._-sprechende Dolmetscherin beigezogen
werden müssen, weshalb es nicht erstaune, wenn aufgrund der Sprachschwierigkeiten
widersprüchliche Antworten vorliegen bzw. diese nicht richtig verstanden oder
übersetzt worden seien. Die psychiatrische Beurteilung sei widersprüchlich und
unvollständig. Der neurologische Gutachter hätte nicht begründet dargelegt, weshalb
B.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/25
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Z._ nicht abgestellt werden könne und von
welcher Intensität der Kopfschmerzen auszugehen sei (act. G8).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 21. September 2021 auf eine Duplik (act.
G10).
B.e.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem 1.
Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung (Urteil
des Bundesgerichts vom 22. März 2022, 8C_736/2021, E. 2.2, siehe auch
Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in
der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.). Sie werden deshalb
nachfolgend in der bis Ende 2021 gültig gewesenen Fassung zitiert.
1.2.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/25
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Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
1.5.
Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist
rechtsprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4, BGE 135 V 469 E. 4.4;
Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020, E. 4.1, und vom 13.
Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
entspricht es einer Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Angaben zurückhaltend zu werten sind (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2021, 9C_683/2020, E. 5.1.2, mit
Hinweisen). Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist. Bei der Abschätzung des
Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen
allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte beachtet
werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner
stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die
einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde
Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
1.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/25
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2.
(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben sind (Urteile des Bundesgerichts vom 17. Februar 2021,
8C_783/2020, E. 5.2, und vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2, mit Hinweisen).
Zudem ist auch dem Umstand, dass die ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache
her unausweichlich Ermessenszüge trägt, Rechnung zu tragen (BGE 145 V 361 E.
4.1.2; Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 9C_804/2018, E. 2.2 mit
Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 107 zu Art. 61). Im Sozialversicherungsrecht hat das
Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353
E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
1.7.
Mit Verfügung vom 17. September 2018 wies die Beschwerdegegnerin das letzte
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin ab (IV-act. 114). Auf das neue Gesuch der
Beschwerdeführerin vom 24. April 2019 (IV-act. 124) ist sie eingetreten, weshalb auf die
entsprechenden Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV nicht mehr
einzugehen und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand seit dem Ergehen des
abweisenden Entscheids rentenwirksam verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 3. September 2019, 8C_467/2019, E. 3.2).
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/25
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Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
wurde. Der angefochtenen Verfügung liegt das polydisziplinäre (internistisch,
psychiatrisch, rheumatologisch und neurologisch) Gutachten des ABI vom 30.
November 2020 zugrunde. Die Beschwerdeführerin hält dieses infolge eines
mangelhaften psychiatrischen Teilgutachtens und einer fehlenden Indikatorenprüfung
für nicht beweiskräftig. Auch die neurologischen und rheumatologischen Teilgutachten
seien nur beschränkt beweiskräftig.
2.2.
Zur Entwicklung des gesundheitlichen Beschwerdebildes lässt sich den Akten
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Juni und Juli 2008 zweimal den Notfall
des Kantonsspitals St. Gallen infolge exazerbierter Kopfschmerzen bei Migräne,
Spannungskopfschmerzen und einer psychosozialen Belastungssituation aufsuchte
(vgl. Berichte vom 20. Juni 2008 [IV-act. 23-8], vom 16. Juli 2008 [IV-act. 23-9] und
vom 18. Juli 2008 [IV-act. 23-5]). Dr. B._ legte im psychiatrischen Gutachten vom 10.
Juni 2009 nachvollziehend dar, dass die Beschwerdeführerin nach ihrem Umzug in die
Schweiz an Migräne zu leiden begann und sich eine depressive Störung entwickelte,
wobei letztere hauptsächlich reaktiv bedingt sei. Die vorbestehende und seit dem Tod
des Sohnes verstärkte Depression dürfte eine angemessene Verarbeitung stark
erschweren und eine pathologische Trauerreaktion verlängern. Die Migräne habe sich
seit dem Todesfall ebenfalls verstärkt (IV-act. 35-7). Eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit im Tätigkeitsbereich, wobei aktuell von einer reduzierten
Leistungsfähigkeit von 30 % auszugehen sei, erachtete die Gutachterin als möglich,
zumal nicht alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien (IV-act. 35-8). In der
Folge nahm die Beschwerdeführerin im August 2009 eine psychiatrische Therapie im
Psychiatrischen Zentrum E._ auf (IV-at. 45), welche sie im Oktober 2012 abschloss
(IV-act. 102). Ab März 2015 gab sie sich in psychiatrische und psychologische
Behandlung im Z._ (IV-act. 97-3). Trotz gleichbleibender Diagnose in Bezug auf die
Depression verschlechterte sich nach den Angaben der Ärzte des Z._ im Mai 2016
die Arbeitsfähigkeit (vgl. Bericht vom 10. Mai 2016, IV-act. 97-4), wobei im Arztbericht
keine Veränderung des Gesundheitszustandes beschrieben wird. Aus dem Arztbericht
vom 10. Mai 2016 lässt sich zudem entnehmen, dass aus somatischer Sicht in einer
leidensangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 97-4). Im
weiteren Verlauf hielten die behandelnden Ärzte des Z._ an der 100%igen
Arbeitsunfähigkeit infolge der psychischen Beschwerden fest (IV-act. 106-7, 124-8,
140-12, 162-9). Im August 2018 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer Operation
am linken Kniegelenk zur Einsetzung einer Knieteilprothese im Kantonsspital St. Gallen
(vgl. IV-act. 124-4). Diese Operation habe eine leichte Besserung der Kniebeschwerden
gebracht, laut den behandelnden Ärzten sei noch eine leichte Verbesserung der
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/25
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Belastbarkeit der Knie zu erwarten. Als leidensadaptierte Tätigkeit komme eine
vorwiegend sitzende Tätigkeit in Frage (IV-act. 164-15).
Vorliegend sind sich alle involvierten (behandelnde und begutachtende) Ärzte darin
einig, dass die Beschwerdeführerin an einer depressiven Symptomatik leidet.
Uneinigkeit besteht aber betreffend Schweregrad und Auswirkungen der depressiven
Störung auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. In diesem Zusammenhang
ist zu betonen, dass aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht letztlich nicht die
Schwere einer Erkrankung entscheidend ist, sondern deren Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Unabhängig von der klassifikatorischen Einordnung einer Krankheit
resultiert aus einer Diagnose - mit oder ohne diagnoseinhärentem Bezug zum
Schweregrad – allein keine verlässliche Aussage über das Ausmass der mit dem
Gesundheitsschaden korrelierenden funktionellen Leistungseinbussen bei psychischen
Störungen (Urteil des Bundesgerichtes vom 17. November 2021, 8C_280/2021, E.
6.2.2 mit Hinweisen). Soweit die Beschwerdeführerin die Schlüssigkeit des
psychiatrischen Gutachtens aufgrund der angeblich kurzen Dauer des
Explorationsgespräches bemängelt, ist darauf hinzuweisen, dass es nicht auf die Dauer
der Untersuchung ankommt; massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020,
8C_767/2019, E. 3.4).
2.4.
Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2
und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung
und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das
Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach
jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit
vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar
bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene
Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig,
reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen"
Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude,
Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit,
Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere
der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu
bezeichnen. Bei einer leichten depressiven Episode sind gewöhnlich mindestens zwei
oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im
Allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten
fortzusetzen. Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome bei
2.4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/25
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einer mittelgradigen Episode vorhanden, und der betroffene Patient hat meist große
Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen (vgl. zum Ganzen: Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte [Herausgeber], bearbeitet von Prof. Dr. med.
Thomas Auer, ICD-10-GM 2021, Systematisches Verzeichnis, S. 173).
Der psychiatrische Gutachter des ABI hielt zu den Untersuchungsbefunden fest,
die Klagen über die Kopfschmerzen seien im Vordergrund gestanden. Die Stimmung
sei herabgesetzt, bedrückt gelegentlich etwas depressiv. Die Beschwerdeführerin
mache einen freudlosen und resignierten Eindruck. Der affektive Kontakt zur
Dolmetscherin und zum Gutachter sei gut. Sie sei bereitwillig auf die gestellten Fragen
eingegangen und habe diese ausführlich beantwortet. In der Untersuchung hätten sich
keine Konzentrationsschwächen gezeigt und die Merkfähigkeit sowie
Gedächtnisleistungen seien intakt (IV-act. 183-29). Zur Herleitung der Diagnosen führt
er aus, die psychosozialen Belastungen hätten zur Entwicklung der depressiven
Störung geführt. Diese sei leichtgradig ausgeprägt. Die Beschwerdeführerin habe auf
explizite Nachfrage angegeben, sie könne mit Hilfe der Medikamente gut schlafen,
leide nicht unter angstbesetzten Träumen und habe keine Mühe morgens aufzustehen.
Sie bereite ein Frühstück zu, mache Spaziergänge, besuche ihre Tochter und koche
regelmässig. Im Haushalt habe sie Unterstützung von der Spitex. Sie sei in der Lage,
Einkäufe zu erledigen und einmal pro Jahr mit ihren Kinder in die Heimat zu reisen. In
der psychiatrischen Untersuchung habe sie einen aktiven Eindruck gemacht, viel
gesprochen und es sei ein guter affektiver Rapport entstanden. Es hätten sich keine
Hinweise für mittelgradige oder schwere depressive Störungen finden lassen. Vor dem
Hintergrund der leichtgradig depressiven Störung seien die geklagten Kopfschmerzen
psychisch überlagert. Mit den Kopfschmerzen habe sie eine Rechtfertigung nicht
arbeiten zu können und Hilfe im Haushalt anzufordern (IV-act. 183-30 f.). Zur von den
Ärzten des Z._ diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung hielt der
psychiatrische Gutachter fest, dass die Beschwerdeführerin nie gefoltert, verhaftet oder
geschlagen worden sei. Sie habe aber darunter gelitten, dass ihr Mann wiederholt von
der Polizei verhaftet worden sei. Über den Tod ihres Sohnes habe die
Beschwerdeführerin ohne vegetative Erregung (Weinkrämpfe oder Dissoziationen)
erzählen können. Der Gutachter kam zum Schluss, dass die vom Z._ erwähnten
psychopathologischen Befunde in keiner Weise bestätigt werden könnten (IV-act.
183-32). Dem psychiatrischen Gutachten ist weiter zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin immer in der Lage gewesen sei, sich um ihre Familie zu kümmern
und aufgrund ihrer Persönlichkeit die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt sei (IV-act.
2.4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/25
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183-31). Die Beschwerdeführerin würde den Haushalt weitgehend selbständig führen
und sich um den psychisch kranken Sohn kümmern (IV-act. 183-32).
Sofern die Beschwerdeführerin geltend macht, dass der Gutachter zu Unrecht
nicht berücksichtigt hätte, dass sie schlecht schlafe und Albträume habe und deshalb
von einer falschen Annahme für die Diagnosestellung und Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit betreffend die depressive Störung ausgehe (act. G1), kann sie nichts
zu ihren Gunsten ableiten. Zwar mutet es durchaus seltsam an, dass im internistischen
(IV-act. 183-21) und im rheumatologischen (IV-act. 183-36) Teilgutachten von einem
schlechten Schlaf berichtet wird. Allerdings erfolgten diese Äusserungen im Rahmen
eines offenen Interviews und es kommt ihnen in den beiden Teilgutachten nicht
dieselbe Bedeutung wie im psychiatrischen Gutachten zu. Weshalb es genau in diesem
Punkt, wie von der Beschwerdeführerin behauptet, zu einem Übersetzungsfehler
gekommen sein müsse, ist nicht nachvollziehbar. So handelt es sich um eine Antwort
auf eine explizit gestellte Rückfrage des psychiatrischen Gutachters über den Schlaf
der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 183-28 und 183-32), da in Vorakten von
Schlafstörungen und Albträumen berichtet wurde. Andererseits wird an keiner Stelle im
Gutachten angebracht, dass es zu Schwierigkeiten bei der Übersetzung gekommen sei
und von der Beschwerdeführerin wird im Beschwerdeverfahren denn auch einzig
betreffend diese Aussage ein Übersetzungsfehler geltend gemacht. Insgesamt ist
festzuhalten, dass ungeachtet der Gründe, weshalb verschiedene Angaben in den
Teilgutachten zum Schlaf zu finden sind, allfällige Schlafstörungen lediglich ein
Zusatzsymptom (vgl. E. 2.4.1 vorstehend) einer Depression darstellen und dieses
grundsätzlich alleine nicht ausreicht, um das Vorliegen einer mittelgradig depressiven
Störung oder auch einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen. Der
psychiatrische Gutachter verneint sodann das Vorliegen einer mittelgradig oder
schweren depressiven Störung. Zudem ist letztlich nicht der Schweregrad
entscheidend, sondern ob die Störung Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Nach der
Aktenlage geht die Beschwerdeführerin einem relativ geregelten Tagesablauf nach und
steht zu den gleichen Zeiten auf. Während der Begutachtung gab die
Beschwerdeführerin keine erhöhte Ermüdbarkeit (z.B. kein Morgentief oder
Tagesschläfrigkeit), keinen Verlust von Freude und Interessen an Aktivitäten (z.B. beim
Kochen oder bei Besuch ihrer Tochter und Enkelkinder) und keine gedrückte Stimmung
(auch keine Schwankungen während des Tages oder von Tag zu Tag) an. Der
psychiatrische Gutachter mass der rezidivierenden leichtgradigen depressiven
Störungen sodann keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (IV-act. 183-33). Die von
den behandelnden Ärzten vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung aus
2.4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/25
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psychiatrischen Gründen enthält teilweise auch Einschränkungen aus somatischer
Sicht (vgl. Bericht vom 25. Februar 2019, IV-act. 124-8) und erweckt in mancher
Hinsicht den Eindruck, hauptsächlich die Leidensdarstellung der Beschwerdeführerin
unkritisch übernommen zu haben (Bericht vom 23. März 2020, IV-act. 162-9).
Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter, dass die ABI-Gutachter die von ihr
angegebenen Beschwerden und das funktionelle Leistungsvermögen nicht nach den
massgeblichen Indikatoren gewürdigt hätten. Vorab ist festzuhalten, dass die
Würdigung der Indikatoren infolge der fehlenden Integration der Beschwerdeführerin
seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 199_ erschwert ist. Da sie weder sprachlich
noch sozial in die Gesellschaft integriert ist und bis auf einen einwöchigen
Arbeitsversuch in der Reinigung und der kurzen Tätigkeit bei der D._ AG (vgl. IV-act.
128) in der Schweiz nie gearbeitet hat, beruhen die Schilderungen betreffend
Tagesablauf und Haushalt auf Selbstangaben der Beschwerdeführerin. Vor diesem
Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Ausführungen des psychiatrischen Gutachters
zu den Indikatoren relativ kurz ausfielen.
2.5.
Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen) und psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl.
dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2; BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S.
298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein
stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für
die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427 E. 6a. E.). Ärztlicherseits ist
also substantiiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die
erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen
Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen
(BGE 145 V 361 E. 4.3; BGE 143 V 418 E. 6). Auch im Rahmen eines strukturierten
Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 gilt der Grundsatz, wonach das
Invalidenversicherungsrecht soziale Faktoren so weit ausklammert, als es darum geht,
die für die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu
umschreiben. Die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen werden
hingegen auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren
abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung
beeinflussen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1). Soweit sie direkt negative funktionelle Folgen
zeitigen, bleiben sie mithin ausser Acht (BGE 141 V 281 E. 3.4.3.3). Psychosoziale
2.5.1.
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Belastungsfaktoren können jedoch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit
sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der psychischen Integrität als solcher
führen, welche ihrerseits eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, wenn sie
einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad
seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen
verschlimmern (Urteil des Bundesgericht vom 7. Oktober 2019, 9C_371/2019, E. 5.1.3).
Zur Kategorie des funktionellen Schweregrads, welcher sich nach den konkreten
funktionellen Auswirkungen beurteilt und insbesondere danach, wie stark die
versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen
leidensbedingt beeinträchtigt ist (Urteil des Bundesgerichtes vom 30. November 2017,
8C_130/2017, E. 5.2.2 f.), bzw. zum Aspekt des Ausprägungsgrads der
Gesundheitsschädigung lassen sich dem ABI-Gutachten folgende Informationen
entnehmen: Hinsichtlich der depressiven Entwicklung würde das Leiden im
Ausprägungsgrad und der Intensität einer leichten depressiven Episode entsprechen
(IV-act. 183-32). Dabei grenzt der psychiatrische Gutachter die mitbeteiligten
psychosozialen Belastungsfaktoren ab (vgl. IV-act. 183-30) und legt nachvollziehbar
dar, dass die psychosozialen Belastungen (fehlende Integration in der Schweiz, keine
sozialen Kontakte ausserhalb der Familie, schwierige Beziehung mit ihrem Ehemann,
Tod eines Sohnes und psychische Erkrankung eines anderen Sohnes) zur Entwicklung
einer depressiven Störung geführt hätten. Der leichten depressiven Störung mass der
psychiatrische Gutachter dann wie erwähnt keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu (IV-act. 183-32 f.).
2.5.2.
In Bezug auf die Kategorie "Konsistenz" berichtet der psychiatrische Gutachter,
dass trotz der Kopfschmerzen eine recht aktive Tagesgestaltung bestehe. Sie mache
Spaziergänge und besuche regelmässig die Tochter. Im Haushalt erhalte sie
Unterstützung von der Spitex und sie sei in der Lage, Einkäufe zu erledigen. Die
subjektive Überzeugung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit lasse sich psychiatrisch
nicht begründen (IV-act. 183-31). Zur Inanspruchnahmen von therapeutischen
Optionen hält der psychiatrische Gutachter fest, dass die Beschwerdeführerin seit
Jahren in ambulanter psychologischer und psychiatrischer Behandlung sei,
antidepressiv behandelt werde und ihre Medikamente einnehme. Die Behandlung sei
adäquat. Die ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung lasse sich weder aus
psychiatrischer noch aus somatischer Sicht hinreichend objektivieren, sei weitgehend
invaliditätsfremd und werde sich durch eine psychiatrische Behandlung auch kaum
beeinflussen lassen (IV-act. 183-31). Aus der Aktenlage ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin die ambulante psychiatrische Behandlung in der Psychiatrie E._
2.5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/25
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im Oktober 2012 abschloss (IV-act. 102) und erst im März 2015 wieder eine
psychiatrische und psychologische Behandlung am Z._ in Anspruch nahm (IV-act.
97-3). Zudem wurde sie nie stationär behandelt, was für einen leichtgradigen Verlauf
der depressiven Störung spreche (IV-act. 183-34). Betreffend die somatischen
Beschwerden geht sie einmal pro Woche in die Physiotherapie und betätigt sich pro
Tag ca. 20 Minuten auf dem Crosstrainer (IV-act. 97-36).
Betreffend die Ressourcen und damit die Frage, welche Faktoren sich positiv auf
das Leistungsvermögen der versicherten Person auswirken ist dem psychiatrischen
Gutachten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin den Haushalt bis auf schwere
Arbeiten selbständig führe, eine gute Beziehung zu ihrer Tochter habe und regelmässig
in die Heimat reise (IV-act. 183-32). Da die Beschwerdeführerin bis auf die sehr kurze
Arbeitstätigkeit bei der D._ AG und dem Arbeitsversuch in der Reinigung nie einer
ausserhäuslichen Arbeitstätigkeit nachgegangen ist, fehlen einschlägige Ressourcen zu
diesem Bereich. Nach dem psychiatrischen Gutachter sei die Beschwerdeführerin von
ihrer Persönlichkeit her in der Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Sie lebe aber in der
Schweiz isoliert und habe ausserhalb ihrer Familie keine sozialen Kontakte, werde
andauernd von ihrem Mann herabgesetzt und leide unter dem Verlust eines Sohnes
sowie den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der anderen Söhne (IV-act. 183-31).
Als psychosozialer Belastungsfaktor kommt vorliegend hinzu, dass die
Beschwerdeführerin Analphabetin ist und nur sehr rudimentäre Deutschkenntnisse hat.
Die vorhandenen psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren wurden im
Sinne der Rechtsprechung bei der Umschreibung der für die Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren (vgl. E. 2.5.1 vorstehend) vom
psychiatrischen Gutachter ausgeklammert. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
die Angaben im Gutachten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben. Zum selben Schluss gelangte auch der RAD in der
Stellungnahme vom 11. Februar 2021 (IV-act. 192).
2.5.4.
Die Beschwerdeführerin hält das polydisziplinäre Gutachten für offensichtlich
unvollständig und damit nicht beweiskräftig, weil keine neuropsychologische Testung
durchgeführt worden ist.
2.6.
Es ist grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit
unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite abzuschätzen. Eine
neuropsychologische Abklärung stellt lediglich eine Zusatzuntersuchung dar, welche
bei begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist (Urteile des Bundesgerichtes vom
12. April 2019, 9C_752/2018, E. 5.3, und vom 20. November 2017, 9C_566/2017, E.
2.6.1.
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2.1; je mit Hinweis auf Ziff. 4.3.2.2 der Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in
der Eidgenössischen Invalidenversicherung der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie, 2016).
Die behandelnden Ärzte des Z._ hielten seit dem ersten Bericht vom 30. März
2016 (IV-act. 98) und in den folgenden Berichten jeweils im exakt gleichen Wortlaut
fest, dass die Beschwerdeführerin kognitiv in Aufmerksamkeit, Konzentration,
Merkfähigkeit sowie Gedächtnis verlangsamt bzw. deutlich eingeschränkt sei und eine
deutliche Vergesslichkeit bestehe (IV-act. 97, 98, 106, 124, 140-10). Aus dem Bericht
vom 23. März 2020 des Z._ (IV-act. 162-8) geht zusätzlich hervor, dass der Kontakt
durch erhebliche Konzentrationsdefizite gekennzeichnet sei und die Kognition
unabhängig vom subjektiven und affektiven Zustand verlangsamt bzw. deutlich
eingeschränkt sei. Eine neuropsychologische Abklärung wurde durch die Behandler
trotz der über Jahre beschriebenen bzw. beklagten Konzentrationsstörung nicht
angeregt. Weder der RAD-Arzt noch der psychiatrische Gutachter haben sich zur
Notwendigkeit einer neuropsychologischen Testung geäussert, weshalb eine
begründete Indikation nach der Aktenlage fehlt. Nach dem psychiatrischen Gutachter
habe die Beschwerdeführerin während der Untersuchung keine Zeichen von
Konzentrationsschwäche gezeigt und gut auf die gestellten Fragen eingehen können.
Die Merkfähigkeit und Gedächtnisleistungen seien intakt (IV-act. 183-30). Der
neurologische Gutachter hielt fest, dass die Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit erhalten
und keine mnestischen Defizite vorhanden seien (IV-act. 183-46). Im Übrigen konnten
auch in den anderen Teilgutachten keine Einschränkung in der Konzentration,
Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit festgestellt werden. Zwar ist den Teilgutachten
nicht zu entnehmen, wie lange die jeweiligen Untersuchungen gedauert haben. Fest
steht jedoch, dass alle Untersuchungen am 4. November 2020 in der folgenden
Reihenfolge stattfanden: psychiatrische, rheumatologische, internistische und
neurologische Untersuchung (vgl. Aufgebot vom 18. September 2020, IV-act. 177-3).
Mit Blick darauf, dass es sich bei der neuropsychologischen Abklärung um eine
Zusatzuntersuchung handelt, eine begründete Indikation aus den Akten nicht
hervorgeht, die Beschwerdeführerin nur sehr rudimentär deutsch spricht und
Analphabetin ist, spricht der Verzicht auf eine neuropsychologische Abklärung nicht
gegen die Beweiskraft des ABI-Gutachtens.
2.6.2.
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Beurteilung der Kopfschmerzen
durch den neurologischen Gutachter sei nicht nachvollziehbar. Der Gutachter ordne
zwar die flüssigkeitsgefüllte Sella turcica als objektivierenden Befund für die
Kopfschmerzen zu, um dann zu erklären, dass die Intensität der Schmerzen sich damit
2.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/25
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nicht hinreichend erklären lassen würde. Die Beschwerdeführerin bringt vor, wenn von
einer chronischen Migräne auszugehen sei, seien auch die Schmerzen erklärbar. Dem
Gutachten lasse sich keine Antwort entnehmen, weshalb entgegen der behandelnden
Ärzte des Z._ der Migräne kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukomme (act. G1,
Rz 14)
Der neurologische Gutachter hielt fest, dass die Berichte des Kantonsspitals St.
Gallen vom 16. Juli 2008 (IV-act. 23-3), 18. Juli 2008 (IV-act. 23-5), 5. Januar 2009 (IV-
act. 28-6) und 21. Januar 2009 (IV-act. 28-4) betreffend die vermutete Migräne- und
Spannungskopfschmerzkomponente gut nachvollzogen werden könnten. Letztere
seien im Zusammenhang mit dem Panvertebralsyndrom erklärbar. Das radiologische
Phänomen der flüssigkeitsgefüllten Sella turcica werde wohl mit Kopfschmerzen,
Übergewicht und Hypertonie assoziiert. Die symptomlose Prävalenz sei aber
wesentlich höher, so dass dieser Befund keine zwingende Erklärung für die beklagten
Schmerzen darstelle. Überdies sei der Kausalzusammenhang mit der Hypertonie offen,
welche ohnehin primär zu behandeln sei. Hinweise für eine intrakranielle
Drucksteigerung hätten sich nicht ergeben. Die Kopfschmerzen seien wie letztlich im
Jahr 2008 und 2009 als multifaktoriell einzuordnen. Eine frühere Migränekomponente
möge mitspielen sowie die wahrscheinlich seit mehreren Jahren vorliegende
wesentliche funktionelle Komponente im Rahmen der Belastungs- und depressiven
Störung. Ein kleiner organischer Anteil der Kopfschmerzen würde bestehen, dieser
werde aber wesentlich funktionell überlagert. Die hochgradig beklagte
Leistungsunfähigkeit sei neurologisch-organisch nicht nachvollziehbar (IV-act. 186-47
f.). Aus neurologischer Sicht bestehe für eine kognitiv sehr einfache Tätigkeit ohne
Schichtdienst eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 183-49).
2.7.1.
Entgegen dem Verständnis der Beschwerdeführerin kann von der (erhobenen)
Diagnose nicht ohne weiteres auf einen invalidisierenden Gesundheitsschaden und
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, da zwischen ärztlich
gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit keine unmittelbare Korrelation besteht (BGE
140 V 193 E. 3.1). Wie bereits unter E. 2.4 ausgeführt, sind
invalidenversicherungsrechtlich auch nicht die genaue Diagnose als solche, sondern
deren funktionelle Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit entscheidend
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1, Urteil des Bundesgerichtes vom 18. Februar 2019,
9C_570/2018, E. 3.2.1). Vorliegend war die Kopfschmerzproblematik seit der ersten
Anmeldung zum Leistungsbezug im Mai 2008 bekannt (vgl. IV-act. 28). Die
behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen empfahlen bereits seit dem Jahr
2008 eine psychologische Begleittherapie, da ansonsten bei schwierigen
2.7.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/25
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psychosozialen Verhältnisse keine dauerhafte Lösung der Kopfschmerzproblematik
erreicht werden könne (IV-act. 28-5). Die Migräne und die Kopfschmerzen fanden
sodann auch im psychiatrischen Gutachten vom 10. Juni 2009 Eingang, diesen wurde
jedoch kein Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin beigemessen
(IV-act. 35-8). Auch der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 29. Mai 2018 fest, dass
eine chronische Cephalea mit teilmigräniformem Charakter keine Arbeitsunfähigkeit
begründen könne (IV-act. 107-2). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die
Einschätzung des Gutachters und der behandelnden Ärzte des Z._ weitgehend auf
den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin basieren. So wird gemäss Aktenlage
kein Kopfschmerzkalender geführt, welcher über die Häufigkeit und Ausprägung über
einen längeren Verlauf hinweg Auskunft geben könnte. Im Übrigen enthalten auch die
Arztberichte des Z._ praktisch keine Angaben betreffend die Intensität und Häufigkeit
der Kopfschmerzen und Migräneattacken. Weshalb sich ab dem Behandlungsbeginn
beim Z._ trotz der medikamentösen, physiotherapeutischen und psychologischen
Behandlung keine Besserung zeigte, sondern vielmehr eine Verschlechterung des
gesamten Gesundheitszustandes mit einer bescheinigten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
eingetreten sein sollte und die Kopfschmerzen entgegen dem psychiatrischen
Gutachten von Juni 2009 plötzlich Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben sollen,
lässt sich durch die Ausführungen der Ärzte des Z._ nicht erklären und erscheint
nicht nachvollziehbar. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass gemäss den ABI-
Gutachtern (IV-act. 183-28, 183-45) ein im Gegensatz zur medizinischen Situation im
Jahr 2008 und 2009 (vgl. psychiatrisches Gutachten von Dr. B._, IV-act. 35-4;
Berichte zu Notfallkonsultationen infolge Kopfschmerzen, IV-act. 28) doch recht aktiver
Tagesablauf besteht und die Beschwerdeführerin trotz den Kopfschmerzen diesen
Aktivitäten nachgehen kann. Der neurologische Gutachter legt dann auch einleuchtend
dar, dass die Kopfschmerzen multifaktoriell bedingt seien, zwar eine organische
Beschwerdegrundlage für die Kopfschmerzen bestehe, diese aber zu einem
wesentlichen Teil funktionell durch die Belastungs- und depressive Störung überlagert
würden und die hochgradig beklagte Leistungsunfähigkeit neurologisch-organisch
nicht nachvollziehbar sei (IV-act. 183-47).
Betreffend die rheumatologische Begutachtung bemängelt die Beschwerdeführerin
die fehlende Berücksichtigung der geplanten Knieteilprothesenoperation am rechten
Knie. Die Schmerzen würden auch bei einer Aufnahme einer leidensangepassten
Erwerbstätigkeit zunehmen.
2.8.
Die rheumatologische Gutachterin hielt als Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit ein Funktions- und Belastungsdefizit des linken Kniegelenks,
2.8.1.
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belastungsabhängige Gonalgien rechts und ein chronisches zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit Zervikozephalgien bei Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur
fest. Aufgrund der Funktions- und Belastungsdefizite bestehe in der angestammten
Tätigkeit als Hausfrau eine 30%ige Einschränkung in der Leistungsfähigkeit. In einer
leidensangepassten Tätigkeit sei sie in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
Darunter falle eine körperlich leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit mit der
Möglichkeit jederzeit aufstehen und herumgehen zu können, ohne Tätigkeiten in
kniender und hockender Haltung, ohne ausschliessliche Geh- und Stehbelastung, ohne
Notwendigkeit des regelmässigen Treppensteigens und ohne häufige
Überkopfarbeiten. In solchen Tätigkeiten bestehe keine Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit. Die von Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie, angegebene 50%ige
Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten sei anhand der
objektivierbaren Befunde als zu niedrig anzusehen. Bei zunehmender
Beschwerdesymptomatik im Bereich des rechten Kniegelenks könne mittelfristig eine
Knieteilprothese empfohlen werden. Beschwerden im Thorakal- oder Lumbalbereich
seien in der gutachterlichen Untersuchung nicht angegeben worden und die
Halswirbelsäule sei in der Untersuchung frei beweglich gewesen. (IV-act. 183-40 ff.).
Die rheumatologische Gutachterin legte gestützt auf die klinischen Befunde und
die dadurch objektivierten funktionellen Einschränkungen sowie der Vorberichte
nachvollziehbar dar, welche Tätigkeiten die Beschwerdeführerin noch ausüben kann
und welche ihr nicht mehr zumutbar sind. Damit wurde das Ausmass der
Einschränkungen beider Knie entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
berücksichtigt. Sofern eine Operation stattfinden würde, müsste diese nach einer
vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit eher eine Verbesserung des Knieleidens mit sich
bringen. Der verminderten Belastbarkeit der Halswirbelsäule wurde bei Umschreibung
der leidensangepassten Tätigkeit ebenfalls Rechnung getragen und löst keinen
Widerspruch zur Aussage der frei beweglichen Halswirbelsäule aus. Das beschriebene
Zumutbarkeitsprofil entspricht zudem der Einschätzung des behandelnden Dr. med.
G._, Facharzt für orthopädische Chirurgie (vgl. IV-act. 183-40, 164-15). Betreffend
die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ im Bericht des Z._ vom 25. Februar
2019 ist anzumerken, dass nach ihm die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im
Wesentlichen vom Behandlungserfolg der Migräne abhänge. Er führte aus, dass in
einer leidensangepassten Tätigkeit die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nur
zu 50 % arbeitsfähig sei. Die rheumatologische Gutachterin hielt dazu fest, dass die
degenerativen Veränderungen im Zervikalbereich keine derartige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für leichte adaptierte Tätigkeiten rechtfertigen würden (IV-act. 183-40).
2.8.2.
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Bei der von Dr. F._ attestierten Arbeitsfähigkeit ist zudem unklar, welche somatische
Beschwerden die Arbeitsfähigkeit beeinflussen würden und insbesondere eine
Vermischung der Rückenbeschwerden und der Migräne erscheint bei der Schätzung
der Arbeitsfähigkeit nicht ausgeschlossen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin kann auch von der 30%igen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt nicht
automatisch auf eine gleich hohe Arbeitsunfähigkeit in jeder anderen Tätigkeit
geschlossen werden. Insbesondere werden bei der Festlegung des
Zumutbarkeitsprofils einer angepassten Tätigkeit die geklagten und festgestellten
gesundheitlichen Einschränkungen berücksichtigt. Die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit durch die rheumatologische Gutachterin des ABI erscheint nach dem
Gesagten nachvollziehbar sowie begründet und die Knieschmerzen und Funktions-
bzw. Belastungsdefizite wurden beim Zumutbarkeitsprofil berücksichtigt.
Die Gutachter des ABI haben nachvollziehbar aufgezeigt, dass die Arbeitsfähigkeit
wegen der somatischen und psychischen Leiden in einer leidensangepassten Tätigkeit
nicht eingeschränkt ist. Die Gutachter berücksichtigten die geschilderten Beschwerden
und die Vorakten. Die einzelnen Befunde sowie Diagnosen und die aus Sicht der
einzelnen Disziplinen attestierte Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten erscheinen
einleuchtend. Seitens der Beschwerdeführerin wurden keine Arztberichte eingereicht,
welche sich mit den Beurteilungen und Einschätzungen des ABI-Gutachtens
auseinandersetzen und ernsthafte Zweifel daran zu begründen vermögen. Die
eingereichten Arztberichte des Z._ aus dem Jahr 2019 und 2020 vermögen aus
verschiedenen Gründen nicht zu überzeugen. So halten die behandelnden Ärzte im
Bericht vom 20. März 2020 zur Prognose der Arbeitsfähigkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin nicht lange sitzen könne, bei geringer Belastung nervös werde,
keine Ausdauer habe und auch für eine angepasste Tätigkeit 100 % arbeitsunfähig sei
(IV-act. 162-9). Dies widerspricht den Feststellungen im ABI-Gutachten, da aus keinem
Teilgutachten hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin während der Begutachtung
nervös gewirkt hat und zwischendurch aufstehen und herumgehen musste. Vielmehr
erachteten die Gutachter eine überwiegend sitzende Tätigkeit als ideal. Die Berichte
des Z._ enthalten zudem seit dem ersten Bericht vom 10. Mai 2016 (IV-act. 97) über
weite Strecken den exakt selben Wortlaut (vgl. Bericht vom 19. März 2018, IV-act.
106-6 betreffend aktuelle Beschwerden und ärztlicher Befund). Trotz Kenntnis des
psychiatrischen Gutachtens vom Juni 2009 attestieren die Ärzte des Z._ eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit ab November 2011 bzw. rückwirkend ab dem Jahr 2008,
also vor dem Gutachten, ohne weitere Begründung hinsichtlich einer Verschlechterung
des Gesundheitszustandes. Widersprüchlich mutet auch an, dass die Ärzte des Z._
bei den Diagnosen von einer mittelgradigen depressiven Störung sprechen und dann
2.9.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/25
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3.
unter der Arbeitsfähigkeitsschätzung von einer schweren Depression ausgehen (IV-act.
162-9). Die behandelnden Ärzte benennen in ihren Berichten keine wichtigen – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringenden – Aspekte, die im Rahmen
der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Auch die Darstellung
des retrospektiven Verlaufs des Gesundheitszustands sowie der
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt (IV-act. 183-11; vgl. dazu auch die korrekten
Feststellungen des RAD vom 16. Dezember 2020 und vom 11. Februar 2021, IV-
act. 184 und 192). In Würdigung der gesamten Umstände und Aktenlage gibt es keine
Veranlassung, nicht auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung von 100 % in
adaptierter Tätigkeit abzustellen.
Im Weiteren ist der Grad der Invalidität zu bestimmen. Die Beschwerdeführerin
macht geltend, dass ihre Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sei, da diese
aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll
verwertet werden könne. Zudem sei ein Tabellenlohnabzug von 25 % vorzunehmen, da
sie gegenüber anderen Stellensuchenden infolge der fehlenden Ausbildung, der
gesundheitlichen Einschränkungen und der kaum vorhandenen Deutschkenntnisse
erheblich benachteiligt sei (act. G1).
3.1.
Massgeblich für die Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit ist der
ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16 ATSG), der durch ein gewisses Gleichgewicht
zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekennzeichnet ist und einen
Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist. Das gilt sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten
auszugehen. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten
sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Je restriktiver indessen das
medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto eingehender ist in der Regel
die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen.
Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die
zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichtes vom 25. Februar 2020, 9C_473/2019, E. 5.1.1). Sodann kann das
(vorgerückte) Alter, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, zusammen mit
weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen, dass die einer
3.2.
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versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird (BGE 138 V 457 E. 3.1 S.
460).
Weder die zu berücksichtigenden gesundheitlichen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin (vgl. zu den Adaptionskriterien, E. 2.8.1) noch ihr Alter respektive
die verbleibende Aktivitätsdauer oder weitere invaliditätsfremde Aspekte wie eine
fehlende Schul- und Berufsausbildung noch geringe Sprachkenntnisse sprechen gegen
die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Insbesondere erfordern einfache Kontroll-, Überwachungs-, Sortier- und
Verpackungstätigkeiten sowie leichte Montagearbeiten in der Regel keine (besonderen)
intellektuellen Fähigkeiten, Sprachkenntnisse oder lange Einarbeitungszeit (Urteil des
Bundesgerichtes vom 25. Februar 2020, 9C_473/2019, E. 5.1.2). Wie sich dem Auszug
aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin entnehmen lässt, war sie von
Januar bis Juli 2002 bei der D._ AG angestellt (IV-act. 128) und hat somit bereits eine
erste berufliche Erfahrung gemacht. Quantitativ ist die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten Tätigkeit nicht eingeschränkt, qualitativ stellt das
Anforderungsprofil nicht derart hohe Anforderungen an eine adaptierte Arbeitstätigkeit,
als dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt keine solche Stellen kennt. Insbesondere
umfasst der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, bei
welchen behinderte Personen mit einem sozialen Entgegenkommen seitens des
Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichtes vom 6. Mai 2020,
8C_30/2020, E. 5.3). Auch das Alter der Beschwerdeführerin spielt für die
Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit keine Rolle. Im hier zu beurteilenden
Fall stand die medizinische Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit mit der Erstattung des
ABI Gutachtens am 30. November 2020 fest. Im massgebenden Zeitpunkt war die
Beschwerdeführerin 5_ Jahre alt. Bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters verblieb
ihr somit eine Aktivitätsdauer von _ Jahren. Im Übrigen hat die Rechtsprechung für die
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen, wobei grundsätzlich
frühestens eine solche ab dem Alter von 60 Jahren im Raum steht, relativ hohe Hürden
aufgestellt (vgl. unter vielen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2020,
9C_797/2019, E. 5).
3.3.
Da die Beschwerdeführerin noch nie einer Erwerbstätigkeit nachging und auch
weiterhin keine Arbeitstätigkeit ausführt, stellte die Beschwerdegegnerin sowohl beim
Valideneinkommen als auch beim Invalideneinkommen zu Recht auf den Tabellenlohn
(Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE] des Bundesamtes für Statistik,
Kompetenzniveau 1, Frauen) ab. Somit kann ein sogenannter Prozentvergleich
3.4.
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4.
vorgenommen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2019,
9C_851/2018, E. 5.1). Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2017, 9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis;
zum Tabellenlohnabzug vgl. BGE 126 V 75). Dies wird von der Beschwerdeführerin
denn auch nicht bestritten. Sie macht einzig geltend, dass ihr aufgrund der fehlenden
Ausbildung und der vielfältigen gesundheitlichen Einschränkungen ein Leidensabzug
von 25 % zu gewähren sei. Selbst bei Vornahme des Höchstabzugs von 25 % ergäbe
sich jedoch kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, weshalb sich weitere
Ausführungen hinsichtlich der konkreten Höhe des Abzugs erübrigen. Nach der geltend
gemachten Änderung des Gesundheitszustands und der neuen allseitigen Prüfung des
Anspruchs ergibt sich somit wiederum kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
Dementsprechend erweist sich die abweisende Rentenverfügung als korrekt.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege (act. G4) ist sie von der Bezahlung
zu befreien.
4.2.
bis
Ausgangsgemäss besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der Staat
bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung (act. G4) die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
keine Honorarnote eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint unter Berücksichtigung ähnlich gelagerter Fälle eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
4.3.
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