Decision ID: fbe1524e-3f78-4924-83f0-91733649d672
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
war bei der Unfallversicherung Stadt Zürich (UVZ) versi
chert, als sie am 2
2.
November
2013 einen Unfall erlitt. Am 1
4.
Januar
2015 teilte ihr die UVZ mit, mit der
Zusprache
einer Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades ab
1.
November 2014 entfielen für die UVZ gewisse Aufwen
dungen
im
Pflegebereich
,
vor allem im Bereich der nicht medizinischen Pflege zu Hause. Ab
1.
Februar
2015 könne nur noch die medizinische Pflege (
Be
hand
lungs
pflege
) zu Hause übernommen werden,
für die nichtmedizinische Pflege zu Hause entfalle jeder Anspruch aufgrund der
Zusprache
der
Hilflo
senent
schädi
gung
(
Urk.
8/1 =
Urk.
3/3).
1.2
Am 2
5.
Januar
2015 ersuchte die Versicherte die SWICA
Gesundheitsorganisa
tion
, bei der
sie obligatorisch krankenversichert ist,
um eine Beteiligung an den Grundpflegekosten (
Urk.
8/2).
Die SWICA hielt mit Verfügung vom 1
5.
Juni
2015 (
Urk.
8/6) fest, sie über
nehme keine Beiträge an die unfallbedingten Heilungskosten (S. 2
Ziff.
3). Die dagegen von der Versicherten am
1.
Juli
2015 (
Urk.
8/7) und der UVZ am 1
0.
Juli
2015 (
Urk.
8/8) erhobenen Einsprachen wies sie am 2
7.
Juli
2015 ab (
Urk.
8/9 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Juli 2015 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
4.
September
2015 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die Kosten der Grundpflege zu ver
güten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
I.1).
Die
Swica
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
September 2015 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 1
8.
Januar
2016 (
Urk.
13) und Duplik vom 2
1.
Januar
2016 (
Urk.
17) hielten die
Parteien an ihren Standpunkten fest.
Die zum Prozess beigeladene UVZ gab am 2
3.
Februar
2016 eine Stellungnahme ab (
Urk.
20), welche den übrigen Verfahrensbeteiligten am 2
9.
Februar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
21).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin führte in ihrem Leistungsgesuch vom 2
5.
Januar
2015 an die Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/2) aus, die ihr ausgerichtete
Hilflosenent
schä
digung
betrage
Fr.
2‘076.-- pro Monat,
während die Kosten der
von der
Spitex erbrachten
Grundpflege rund
Fr.
3‘208.-- (November
2014) und
Fr.
2‘826.-- (Dezember
2014) betragen hätten.
Dementsprechend beantragte sie die Übernahme eines Teils der ihr verbleibenden Kosten für die Grundpflege von über
Fr.
1‘000.-- pro Monat durch die Beschwerdegegnerin.
1.2
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk. 2
) davon aus, gemäss
Art.
64
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) habe bei Heilbehandlung nur ein einziger Sozialversicherungszweig Leistungen zu erbringen (S. 2 f.
Ziff.
1).
Die obligato
ri
sche Unfallversicherung habe ihre Leistungspflicht aufgrund des
Unfaller
eig
nis
ses
vom 2
2.
November
2013 vollumfänglich anerkannt; damit bleibe grund
sätzlich kein Raum für Leistungen der subsidiär zuständigen Krankenversiche
rung
(S. 3
Ziff.
3).
Die von der Beschwerdeführerin angeführte Rechtsprechung stamme aus der Zeit vor der Geltung des ATSG und sei deshalb nicht massge
bend (S. 3 f.
Ziff.
4). Eine allfällige Leistungspflicht würde überdies an der kla
ren Prioritätenordnung von
Art.
64
Abs.
2 ATSG scheitern, der gemäss die Leistungspflicht der Unfallversicherung vorgehe (S. 4
Ziff.
5).
1.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Unfallversicherung erbringe Leistunge
n an ihre Behandlungspflege, eine dementsprechende Leistungspflicht der Krankenversicherung entfalle, da keine ungedeckten Kosten entstünden.
Anders sei es hingegen bei der Grundpflege im Sinne von
Art.
7
Abs.
2
lit
. c
der Verordnung über Leistungen in der obligato
ri
schen Krankenpflegeversicherung
(
KLV)
; in diesem Bereich sähen das Bundes
gesetz über
die Unfallversicherung (UVG) und die Verordnung über die Unfall
ver
sicherung (UVV) keine Pflicht zur Kostenübernahme vor. Deshalb könne die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht nicht mit Berufung auf
Art.
64 ATSG bestreiten (S. 4 oben). Die Koordinationsnorm
Art.
64 ATSG
beziehe sich auf Sachleistungen. Die
Hilflosenentschädigung
, mit welcher die
Beschwerdegegne
rin
koordinieren wolle,
sei jedoch eine Geldleistung, deren Koordination in
Art.
66 ATSG abschliessend geregelt sei (S. 4 unten). Der Anspruch auf
Hilflo
senent
schädigung
sei nicht an die Pflegebedürftigkeit geknüpft; so werde sie auch ausgerichtet, wenn die Hilfe beispielsweise durch Familienangehörige er
bracht werde, und decke auch die Hilfsbedürftigkeit beispielsweise bei der Fort
be
wegung ausser Haus ab, welche mit Grundpflegeleistungen nichts zu tun habe (S. 5 oben).
1.4
Strittig und zu prüfen ist ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Kostenüber
nahme
für die von ihr benötigte Hauspflege.
2.
2.1
Gemäss
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf - näher umschriebene - zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen. Gemäss
Art.
10
Abs.
3 UVG kann der Bundesrat die Leistungspflicht der Versicherung näher umschreiben.
2.2
Gemäss
Art.
21 UVG werden einer versicherten Person nach der Festsetzung
einer Invalidenrente Pflegeleistungen und Kostenvergütungen im Sinne von
Art.
10-13 UVG gewährt unter anderem, wenn sie zur Erhaltung ihrer verblei
ben
den Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf (
Abs.
1
lit
. c) oder wenn sie erwerbsunfähig
ist und ihr Gesundheitszustand unter anderem vor wesentlicher Beeinträchtigung bewahrt werden kann (
Abs.
1
lit
. d).
2.3
Gemäss
Art.
18
Abs.
1 UVV hat die versicherte Person Anspruch auf eine ärzt
lich angeordnete Hauspflege, sofern diese durch eine gemäss KVG zugelassene Person oder Organisation durchgeführt wird. Ausnahmsweise können auch Bei
träge an die Hauspflege durch eine nicht zugelassene Person gewährt werden (
Art.
18
Abs.
2 UVV).
2.4
Der Begriff der Hauspflege umfasst zunächst die - weder ambulant noch in ei
nem Spital, sondern eben zu Hause applizierten
- Heilanwendungen mit thera
peuti
scher Zielrichtung, die von einem Arzt vollzogen oder angeordnet werden. Haus
pflege ist aber auch die zu Hause stattfindende medizinische Pflege im Sinne der
Krankenpflege, der zwar das therapeutische (heilende) Agens fehlt, die aber für die Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes doch unerlässlich ist.
Das trifft insbesondere auf medizinische Vorkehren im Sinne von
Art.
21
Abs.
1
lit
. d UVG zu, welche lebensnotwendige
organische Funktionen ermöglichen, unterstützen, sichern oder gleichsam ersetzen. Eine dritte Form von Hauspflege ist die nichtmedizinische Pflege, sei es am Betroffenen selber in Form von Hil
fe
leistungen bei den alltäglichen Lebensverrichtungen, sei es als Hilfestellungen in seiner Umgebung durch Führung des Haushaltes oder Besorgung der alltägli
chen Angelegenheiten (BGE 116 V 41 E. 5a).
2.5
Im Bereich der Unfallversicherung hat der Bundesrat die Leistungspflicht der Versicherer für Hauspflege in
Art.
18 UVV ausdrücklich geregelt. Diese Bestim
mung verpflichtet zu Beiträgen „an eine vom Arzt angeordnete Hauspflege" (
Abs.
1). Daraus ist zu schliessen, dass die Leistungspflicht auf Heilbehandlung und medizinische Pflege beschränkt sein soll. Denn von ärztlicher Anordnung kann sinnvollerweise nur bei Vorkehren medizinischen Charakters gesprochen werden; nichtmedizinische Betreuung bedarf ihrer Natur nach keiner ärztlichen Anordnung. Jedoch ist das Erfordernis der ärztlichen Anordnung nicht in einem streng formellen Sinne zu verstehen. Es genügt vielmehr, dass die fraglichen medizinischen Vorkehren, die zu Hause durchgeführt werden, medizinisch indi
ziert sind (BGE 116 V 41 E. 5c).
2.6
Bei
manifester Hilfsbedürftigkeit in allen sechs massgeblichen alltäglichen
Lebens
verrichtungen
- wie dies
etwa
bei einem
Tetraplegiker
offensichtlich zu
trifft - bedarf
es
zur Annahme schwerer Hilflosigkeit nur noch einer minimalen
Erfüllung des zusätzlichen Erfordernisses der dauernden Pflege. Deshalb „kann keine Rede davon sein, dass die effektiv vollzogenen umfangreichen
Pflegeleis
tun
gen
pauschal durch die
Hilflosenentschädigung
abgegolten seien“; es bleibt daher durchaus Raum für eine zusätzliche Vergütung im Rahmen von
Art.
18
Abs.
1 UVV
(BGE 116 V 41 E.
6c
)
.
3.
3.1
Die genannten massgebenden rechtlichen Bestimmungen und die zugehörige Gerichtspraxis lassen deutlich werden, dass die Beschwerdeführerin gegenüber der Unfallversicherung einen Anspruch auf Hauspflege hat. Deren - formlos
mitgeteilter - Standpunkt, die zugesprochene
Hilflosenentschädigung
trete gleich
sam an die Stelle der Leistungspflicht für die Hauspflege (
Urk.
8/1), er
weist sich als unzutreffend.
3.2
Leistungspflichtig ist die Unfallversicherung, mithin die beigeladene UVZ. Da
mit entfällt eine allfällige Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
Somit ist die gegen den
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde mit der Feststellung abzuweisen, dass die Beschwerdeführerin ge
gen
über der
Beigeladenen
Anspruch auf Hauspflege hat.