Decision ID: ec30c701-bf27-5c0a-a1d8-b882fb33fc5a
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, deutsche Staatsangehörige, Mutter dreier Kinder
(geboren 2007, 2008 und 2012; vgl. Urk. 6/17), meldete sich am 26. September 2016 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Thalwil zur Arbeits
vermittlung (Urk. 6/1) und beantragte Arbeitslosenentschädigung ab demselben Tag (Urk. 6/3). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2016 verneinte die
Arbeitslosen
kasse
des Kantons Zürich (ALK) einen Anspruch der Versicherten auf
Arbeits
losenentschädigung
ab dem 26. September 2016 (Urk. 6/5). Die dagegen von der Versicherten am 26. Oktober 2016 (Eingangsdatum) erhobene Einsprache (Urk. 6/7) wies die ALK mit Entscheid vom 7. Februar 2017 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 16. Februar 2017 Beschwerde und beantragte sinngemäss, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu bejahen (Urk. 1; vgl. auch Urk. 3). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 7. März 2017 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 8. März 2017 angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zwei
jährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem
ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG)
.
Eine der gesetzl
ichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenent
schädigung
besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat
(Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche
Anspruchsvor
aus
setzungen
erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.2
Nach Art. 11 Abs. 1 der
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parla
ments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (Grundverordnung, GVO) unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Welche Rechts
vorschriften dies sind, bestimmt sich nach diesem Titel.
Gemäss Art. 11 Abs. 3 Bst. a GVO unterliegt
eine Person, die in einem Mit
gliedstaat
eine Beschäftigung oder selbständige Erwerbstätigkeit ausübt,
- vor
behaltlich der Art. 12 bis 16 -
den Rechtsvor
schriften dieses Mitgliedstaats.
Erhält eine Person nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats Leis
tungen bei Arbeitslosigkeit gemäss Artikel 65, unterliegt sie den Rechtsvor
schriften dieses Mitgliedstaats (Art. 11 Abs. 3 Bst. c GVO). Jede andere Person, die nicht unter die Buchstaben a bis d fällt (so insbesondere eine
nichter
werbs
tätige
Person) unterliegt den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates (Art. 11 Abs. 3 Bst. e GVO).
1.3
Nach Art. 61 Abs. 1 GVO
berücksichtigt der
zuständige Träger eines Mitglied
staats, nach dessen Rechtsvorschriften der Erwerb, die Aufrechterhaltung, das Wiederaufleben oder die Dauer des Leistungsanspruchs von der Zurücklegung von Versicherungszeiten, Beschäftigungs
zeiten oder Zeiten einer selbst
ändigen Erwerbstätigkeit abhängig ist, soweit erforderlich, die Versicherungszeiten,
Be
schäftigungsz
eiten
oder Zeiten einer selbst
ändigen Erwerbstätigkeit, die nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegt wurden, als
ob sie nach den für ihn geltenden Rechtsvorschriften zurückgelegt worden wären
.
Nach Art. 61 Abs. 2 GVO gilt Abs. 1 des vorliegenden Artikels
ausser
in den Fällen des Art. 65 Abs. 5 Bst. a
nur unter der Voraussetzung, dass die be
tref
fende Person unmittelbar zuvor nach den Rechtsvorschriften, nach denen die Leistungen beantragt werden, folgende Zeiten zurückgelegt hat:
-
Versicherungszeiten, sofern diese Rechtsvorschriften Versicherungszeiten ver
langen,
-
Beschäftigungszeiten, sofern diese Rechtsvorschriften Be
schäftigungszeiten verlangen
,
-
Zeiten einer selbst
ändigen Erwerbstätigkeit, sofern diese Rechts
vo
rschrif
ten Zeiten einer selbst
ändigen Erwerbstätigkeit verlangen.
1.4
Die Berücksichtigung ausländischer Zeiten zur Erfüllung der Beitragszeit ist gemäss
Art.
61
Abs.
2 GVO nur zulässig, wenn unmittelbar vor Ei
ntritt der
Arbeits
losigkeit Versicherungszeiten in der Schweiz zurückgelegt wurden. Uner
heblich für die Zuständigkeitsbegründung ist, wie lange die letzte Beschäfti
gung gedauert hat. Es gilt das sogenannte
Eintagesprinzip
, weil ein einziger Tag beitragspflichtiger Beschäftigung vor Eintr
itt der Arbeitslosigkeit genügt (
Kreis
schreiben
ALE 883 des Staatssekretariats für Wirtschaft,
Rz
. E11).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Arbeits
losenentschädigung
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass aufgrund der widersprüchlichen Angaben der Beschwerdeführerin Zweifel auf
kämen,
ob sie tatsächlich eine beitragspfli
chtige Beschäftigung bei der
Y._ in Z._ ausgeübt habe. Die Ausübung einer bei
trags
pflichtigen Beschäftigung (und ein allfälliger Lohnbezug) in der Schweiz sei nicht mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit belegt. Nach dem Beschäftigungsstaatsprinzip von Art. 11 GVO wäre der letzte Beschäftigungsstaat Deutschland zur Ausrichtung von Leistungen bei Arbeits
losig
keit zuständig. Ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Arbeits
losenentschädigung
sei mangels Zuständigkeit der Schweiz nach den Regeln der GVO zu verneinen (Urk. 2 S. 4 f.).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass sie im Juli und August 2016 bei der Y._ in Z._ gearbeitet habe. Der Lohn sei ihr in bar ausbezahlt worden, weil sie in der Schweiz damals noch über kein Konto verfügt habe. Durch den Umzugsstress (mit drei kleinen Kin
dern) und die Arbeit sei sie nicht dazu gekommen, rechtzeitig ein Bankkonto zu eröffnen. Ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung sei daher zu bejahen (Urk. 1).
3.
3.1
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin im Antrag auf
Arbeitslosen
ent
schädigung
vom 26. September 2016 angab, zuletzt bei der A._ in B._, Deutschland, gearbeitet zu haben (Urk. 6/3). Im Weiteren erklärte die Beschwerdeführerin anlässlich des Beratungsgesprächs im RAV vom 27. September 2016, sie sei im Juni 2016 mit ihren drei Kindern in die Schweiz eingereist (Familiennachzug). Sie suche zum ersten Mal eine Stelle in der Schweiz und habe bis dato noch nie hier gearbeitet (vgl. pro
zess
orientiertes Beratungsprotokoll, Urk. 6/17).
3.2
Mit Verfügung vom 5. Oktober 2016 verneinte die Beschwerdegegnerin einen An
spruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 26. September 2016, da die Beschwerdeführerin während der massgebenden Rahmenfrist für die
Beitrags
zeit
vom 26. September 2014 bis zum 25. September 2016 keine beitragspflich
tige Beschäftigung nachweisen könne (Urk. 6/5). Daraufhin reichte die Be
schwer
deführerin mit Einsprache vom 26. Oktober 2016 (Eingangsdatum) einen Arbeitsvertrag, eine Arbeitgeberbescheinigung, zwei Lohnabrechnungen sowie eine Kündigung der Y._ nach. Dies mit der Begründung,
dass sie diese Unterlagen zunächst versehentlich nicht eingereicht habe (Urk
. 6/7). Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. Juli 2016 in einem 100%-Pensum als Büroangestellte/Buchhalterin bei der Y._ in Z._ gearbeitet habe, ehe das Arbeits
verhältnis infolge schlechter Wirtschaftslage am 22. August 2016 per 31. Aug
ust 2016 gekündigt worden sei. Der monatliche Bruttolohn habe dabei Fr. 6‘100.-- (exkl. Anteil 13. Monatslohn) betragen, wobei dieser Betrag jeweils in bar aus
bezahlt worden sei (Urk. 6/8-11).
3.3
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin hin (Urk. 6/12) gab die Beschwerdeführerin in der Eingabe vom 23. November 2016 (Eingangsdatum) an, dass der Gesellschafter und Geschäftsführer der Y._, C._, ihr Schwager sei (Urk. 6/14; vgl. auch
www.zefix.ch
). Gleich
zeitig reichte sie der Beschwerdegegnerin das Formular U1 der D._ ein, aus dem hervorgeht, dass sie vom 1. März 2012 bis zum 30. Juni 2016 in Deutschland eine versicherte Beschäftigung ausgeübt habe (Urk. 6/15).
4.
4.1
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst
oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder
anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
4.2
Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin die angebliche Tätigkeit bei der Y._ von Juli/August 2016 im Antrag auf
Arbeits
losen
entschädigung
zunächst nicht erwähnt (Urk. 6/3) und anlässlich des
Beratungs
gesprächs
im RAV vom 27. September 2016 sogar ausdrücklich erklärt hatte, bislang in der Schweiz nicht erwerbstätig gewesen zu sein (Urk. 6/17), drängen sich erhebliche Zweifel an der Beweistauglichkeit der von deren Schwager ausgestellten
Arbeitgeberscheinigung
vom 24. Oktober 2016 (Urk. 6/8), des Arbeitsvertrags vom 20. Juni 2016 (Urk. 6/9), der Kündigung vom 22. August 2016 (Urk. 6/10) sowie auch der Lohnabrechnungen vom Juli und August (Urk. 6/11) auf.
Kommt hinzu, dass sich die Beschwerdeführerin von Anfang an lediglich im Umfang eines Teilzeitpensums von 50-60% einer
Vollzeitbe
schäf
tigung
zur Verfügung stellte (Urk. 6/3) und angab, dass nur in diesem Umfang die Kinderbetreuung gewährleistet wäre (Urk. 6/17 S. 26), in Deutschland zu
letzt einen Jahreslohn von 16‘624 Euro erzielte, bei ihrem Schwager als Buch
halterin indes zu 42 Wochenstunden gearbeitet und hierbei einen Monatslohn von Fr. 6‘100.-- , ausbezahlt in bar, erhalten haben soll (Urk. 6/11). Ferner gab sie gegenüber der Beraterin am 27. September 2016 zur Auskunft, dass ihr Ehemann seit anfangs Juli 2016 in der Schweiz bei einer Firma namens „Y._“ arbeite, der genaue Ort ihr jedoch unbekannt sei (Urk. 6/17 S. 26). Ange
sichts dieser Umstände liegen keine glaubhaften Belege dafür vor
, dass die Beschwerdeführerin
bei der
Y._
eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt und einen Lohn bezogen hat.
4.3
Die Argumentation der Beschwerdeführerin in der Einsprache vom 26. Oktober 2016, wonach sie die kurze Arbeitstätigkeit in der Schweiz anfänglich nicht angegeben habe, weil sie davon ausgegangen sei, dass man in der Schweiz mindestens zwölf Monate arbeitstätig gewesen sein müsse (und nicht nur einen Tag, wie sie nun in Erfahrung gebracht habe), um Anspruch auf
Arbeitslosen
entschädigung
zu haben (Urk. 6/7), macht – wie die Beschwerdegegnerin zu
treffend feststellte (Urk. 2 S. 4) - wenig Sinn.
Diesfalls
hätte die Beschwer
deführerin wohl von Anfang an auf das Stellen eines Antrags auf
Arbeitslosen
ent
schädigung
verzichtet. Ob sie im Juli/August 2016 bereits über ein Konto in der Schweiz verfügte (Urk. 1), ist schliesslich nicht von Belang.
4.4
Es ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zufolge ihres Wohnsitzes zwar der schweizerischen Rechtsordnung untersteht (E. 1.2), jedoch davon aus
zugehen ist, dass sie vor Eintritt der Arbeitslosigkeit in der Schweiz nicht erwerbstätig gewesen war, weshalb das schweizerische Rechtsstatut nicht für Leistungen aus Arbeitslosigkeit zuständig ist. Damit steht eine Anrechenbarkeit ausländischer Versicherungszeiten zur Erfüllung der notwendigen Beitragszeit ausser Frage (E. 1.3). Ob die Beschwerdeführerin in ihrem ehemaligen Erwerbs- und Wohnstaat Deutschland gemäss Art. 64 GVO Anspruch auf (befristete) Leis
tungen bei Arbeitslosigkeit hat, ist angesichts des Umstandes, dass sie vor ihrer Ausreise keinen Antrag auf Export der Arbeitslosenleistungen gestellt haben soll (vgl. Urk. 6/15), zweifelhaft, ändert jedoch nichts am grundsätzlich zustän
digen Leistungsträger.
5.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Arbeits
losenentschädigung
ab dem 26. September 2016 somit zu Recht ver
neint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.