Decision ID: c8c6b8f7-024f-5c19-ba79-4bbdabb8b670
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die X._ AG (nachfolgend: Abgabepflichtige) ist eine hundertprozen-
tige Tochtergesellschaft der A._ Stiftung mit Sitz im Fürstentum
Liechtenstein. Die Abgabepflichtige hielt ihrerseits, von September 2005
bis März 2012, 100 % der Aktien der B._ AG. Einziges Mitglied des
Verwaltungsrats sowohl der letzteren Gesellschaft als auch der Abgabe-
pflichtigen war bzw. ist C._.
B.
B.a Nachdem das kantonale Steueramt [...] im Rahmen der Steuerein-
schätzungen und der Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuern
sowie für die direkte Bundessteuer für die Geschäftsjahre 2012 und 2013
eine Buchprüfung der Abgabepflichtigen durchgeführt hatte, übermittelte
es der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) am 15. Mai 2017 das
ausgefüllte Meldeformular «Rechnungen und Zahlungen» (M 9), wobei es
das Protokoll der genannten Buchprüfung vom 30. Juni und 1. Juli 2016
beilegte. Darin war unter anderem und soweit hier noch relevant eine Leis-
tung in der Höhe von Fr. 116'145.-- für «Entnahme und Verkauf, ohne Ent-
schädigung an die X._ AG, [...]», datierend vom 31. März 2012,
enthalten. In der Beilage zum Einschätzungsvorschlag (dort: Nr. 3 Beteili-
gungen, S. 2) wurde ausgeführt, dass es sich dabei um eine von der Ab-
gabepflichtigen gehaltene Beteiligung an der B._ AG, [...] handle,
welche im Jahr 2012 veräussert worden sei und deren bei der Abgabe-
pflichtigen nicht verbuchter Verkaufserlös dem Substanzwert letzterer Ge-
sellschaft von Fr. 116'145.-- entspreche, der – im Rahmen der direkten
Steuern – als verdeckte Gewinnausschüttung aufzurechnen sei.
B.b Am 23. Juni 2017 teilte die ESTV der Abgabepflichtigen mit, dass sie
aufgrund der Meldung des kantonalen Steueramtes [...] davon ausgehe,
dass die Abgabepflichtige ihrem «Aktionär» C._ geldwerte Leistun-
gen erbracht habe.
B.c Mit Schreiben vom 6. Juli 2017 teilte die Abgabepflichtige der ESTV
mit, C._ sei nicht ihr Aktionär. Ihm gegenüber könne keine geld-
werte Leistung erbracht worden sein.
B.d Die ESTV teilte der Abgabepflichtigen am 14. Juli 2017 mit, dass es
ohne Belang sei, ob die Leistung dem Aktionär oder einer ihm nahestehen-
den Person erbracht worden sei. C._ sei überdies bis zum Verkauf
der B._ AG deren einziger Verwaltungsrat gewesen.
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B.e Während des folgenden Schriftenwechsels zwischen der ESTV und
der Abgabepflichtigen teilte das kantonale Steueramt [...] der ESTV am
6. September 2017 mit, dass die Tochter von C._ Begünstigte der
A._ Stiftung sei. Daher habe es (das kantonale Steueramt [...])
C._ als nahestehende Person betrachtet und ihm die geldwerte
Leistung zugerechnet.
B.f Am 26. Oktober 2017 verlangte die Abgabepflichtige (zum zweiten Mal)
von der ESTV den Erlass einer einsprachefähigen Verfügung.
B.g Eine solche erliess die ESTV am 9. Januar 2019. Darin bestätigte sie
die Verrechnungssteuerforderung von – soweit vorliegend wesentlich –
Fr. 40'650.75 auf einer geldwerten Leistung in Höhe von Fr. 116'145.-- an
C._ aus dem Verkauf der Beteiligung an der B._ AG im Jahr
2012.
B.h Am 8. Februar 2019 erhob die Abgabepflichtige gegen diese Verfü-
gung vom 9. Januar 2019 Einsprache. Sie erklärte insbesondere, der Ver-
kaufserlös für den Verkauf der B._ AG habe lediglich Fr. 4'000.--
betragen. Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf dieser Gesellschaft
habe es sich um einen Mantelhandel gehandelt. Der Verkaufserlös sei bei
ihr integral verbucht worden.
Im Verlauf des Einspracheverfahrens liess die Abgabepflichtige vorbringen,
im Jahr 2012 habe keine Entnahme der Beteiligung der B._ AG
stattgefunden. Diese sei erst im Jahr 2015 erfolgt (Schreiben an die ESTV
vom 26. Juli 2019).
Am 18. November 2019 hielt die Abgabepflichtige zudem fest, der Ver-
kaufspreis von Fr. 4'000.-- sei auf das private Konto von C._ über-
wiesen worden und ergebe sich aus der Bilanz des Verkaufsobjektes. Das
«Kontokorrent Aktionäre» in der Bilanz der B._ AG per 31. Dezem-
ber 2005 sei von den vorherigen Inhabern, den Eheleuten D._, nie
zurückgeführt worden. Es handle sich dabei um einen Nonvaleur, der in
der Berechnung des Wertes der Beteiligung und der Ermittlung des Ver-
kaufspreises nicht berücksichtigt werden könne. Einen schriftlichen Kauf-
vertrag für die Aktien der Beteiligung gebe es nicht. Der Verkaufszeitpunkt
im Jahr 2015 sei in der Eingabe vom 26. Juli 2019 deshalb erwähnt wor-
den, weil die Beteiligung bis zum Geschäftsjahr 2015 in ihrer Bilanz (der
Bilanz der Abgabepflichtigen) aufgeführt worden sei. Erst im Geschäftsjahr
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2015 sei eine Wertberichtigung gebucht worden, weil die Beteiligung seit
dem Jahr 2012 nicht mehr existent gewesen sei.
B.i Mit Einspracheentscheid vom 25. Juni 2021 wies die ESTV die Einspra-
che ab (Dispositivziffer 1) und bestätigte unter anderem die noch umstrit-
tene Forderung der Verrechnungssteuer in Höhe von Fr. 40'650.75 für das
Jahr 2012 (Dispositivziffer 2). Auf diesem Betrag sei ein Verzugszins von
5 % ab dem 31. Januar 2013 bis zum Tage der Entrichtung geschuldet
(Dispositivziffer 4).
Die ESTV führte kurz zusammengefasst aus, strittig sei die Höhe des Ver-
kaufspreises der B._ AG und die Frage, ob der Erlös einer nahe-
stehenden Person, konkret C._, zugeflossen sei. Die Beteiligung
an der B._ AG sei in der Buchhaltung der Abgabepflichtigen in Höhe
von Fr. 100'000.-- geführt worden. Aus der Bilanz der B._ AG selbst
ergebe sich ein Substanzwert von Fr. 116'145.--. Bei C._ handle es
sich um eine nahestehende Person. Zudem sei der angeblich Fr. 4'000.--
betragende Erlös für den Verkauf der Beteiligung an der B._ AG auf
sein Konto einbezahlt worden.
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid vom 25. Juni 2021 erhob die Abgabe-
pflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 28. Juli 2021 Be-
schwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt sinngemäss, den
Einspracheentscheid in Bezug auf die noch umstrittene Forderung der Ver-
rechnungssteuer und den Verzugszins (siehe Bst. B.i) aufzuheben. Weiter
beantragt sie, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin für das
Geschäftsjahr 2012 keine Verrechnungssteuer in der Höhe von
Fr. 40'650.75 und keinen Verzugszins auf dieser Verrechnungssteuer
schulde. Ferner sei sie nicht zu verpflichten, die entsprechende Verrech-
nungssteuer auf den Leistungsempfänger, C._, zu überwälzen.
Schliesslich sei sie nicht zu verpflichten, der Vorinstanz eine Verrechnungs-
steuer in der Höhe von Fr. 40'650.75 für das Geschäftsjahr 2012 inklusive
Zins auf dieser Verrechnungssteuer ab 31. Januar 2013 zu überweisen.
Eventualiter sei von einer geldwerten Leistung ihrerseits an C._ im
Geschäftsjahr 2012 in der Höhe von Fr. 4'000.-- auszugehen und sie sei
zu verpflichten, eine Verrechnungssteuer in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu-
züglich 5 % Zins ab 31. Januar 2013 an die Vorinstanz zu entrichten  alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz.
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Ihre Anträge begründet die Beschwerdeführerin insbesondere damit, die
Vorinstanz habe den Sachverhalt falsch erstellt. Bei der Beteiligung an der
B._ AG habe es sich sowohl beim Erwerb im September 2005 als
auch bei der Veräusserung im März 2012 um einen sogenannten Aktien-
mantel gehandelt. Ein solcher zeichne sich dadurch aus, dass auf der Ak-
tivseite der Bilanz hauptsächlich eine Forderung bzw. ein Darlehen gegen-
über dem Allein- oder Hauptaktionär der Gesellschaft bilanziert sei, woge-
gen die Passivseite der Bilanz im Wesentlichen aus dem Aktienkapital der
Gesellschaft bestehe. Die Vorinstanz gehe von der falschen Annahme aus,
der B._ AG hätte per 31. Dezember 2011 als einziges Aktivum eine
Darlehensforderung gegenüber der A._ Stiftung in der Höhe von
Fr. 117'945.-- zugestanden. Eine solche Forderung der B._ AG ge-
genüber der A._ Stiftung habe es jedoch nie gegeben. Die jeweili-
gen Organe der A._ Stiftung hätten bestätigt, dass ihnen die
B._ AG unbekannt sei. Die A._ Stiftung habe kein Bank-
konto, auf das ihr Geld hätte überwiesen werden können, und es seien
gemäss den vorliegenden Unterlagen der A._ Stiftung keine Gelder
im Zusammenhang mit der B._ AG über die Stiftung geflossen. Die
Bilanz der B._ AG habe per 31. Dezember 2005, also nach dem
Erwerb durch sie (die Beschwerdeführerin) auf der Aktivseite ein «Konto-
korrent Aktionäre» in der Höhe von Fr. 104'637.10 aufgewiesen. Es sei
nicht bekannt, wieso in späteren Bilanzen der B._ AG ein Darlehen
der A._ Stiftung ausgewiesen werde. Es handle sich jedenfalls um
einen Fehler. Möglicherweise sei angenommen worden, dass die
A._ Stiftung Aktionärin der B._ AG sei und damit die Be-
zeichnung «Kontokorrent Aktionäre» gleichbedeutend sei mit der Bezeich-
nung «Darlehen A._ Stiftung».
Diese Ausführungen würden bestätigt durch die Bilanz der B._ AG
per 31. Dezember 2014. Demnach habe sich der Saldo der Aktiven auf ins-
gesamt Fr. 118'422.95 belaufen, wovon die grössten Aktiven ein Darlehen
in der Höhe von Fr. 61'292.92 und ein Personenwagen im Wert von
Fr. 54'000.-- gewesen seien. Die Erklärung dieses Bilanzbildes liege auf
der Hand. Der neue Alleinaktionär der B._ AG, E._, habe
aus seinem Privatvermögen ein Fahrzeug in die B._ AG einge-
bracht zu einem Wert von mindestens Fr. 54'000.--. Im Zuge dieser Pri-
vateinlage in die B._ AG habe E._ den Kaufpreis der
B._ AG für das Fahrzeug von seiner eigenen Darlehensverpflich-
tung gegenüber der Gesellschaft abgezogen und es resultierte eine restli-
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Seite 6
che Darlehensverpflichtung des Alleinaktionärs gegenüber der Gesell-
schaft per 31. Dezember 2014 in der Höhe von Fr. 61'292.92. Tatsächlich
sei die B._ AG für Fr. 4'000.-- verkauft worden.
Zum Beweis dieser Vorbringen bietet die Beschwerdeführerin die Befra-
gung diverser Personen als Zeugen an.
Weiter macht die Beschwerdeführerin Ausführungen zum Beweisrecht.
D.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. September 2021 beantragt die Vor-
instanz die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Sinngemäss hält
sie fest, den Sachverhalt nicht falsch festgestellt zu haben. Insbesondere
bringt sie vor, in der massgeblichen Bilanz der B._ AG per 31. De-
zember 2011 figuriere ein Aktivum in der Höhe von Fr. 117'945.--, das als
«Darlehen A._ Stiftung» ausgewiesen worden sei. Die von der Be-
schwerdeführerin in diesem Zusammenhang geltend gemachte Verwechs-
lung ohne jegliche Geschäftsbeziehung zur A._ Stiftung erscheine
als unglaubhaft und nicht stichhaltig. Den E-Mails, die die Beschwerdefüh-
rerin eingereicht habe, seien keine belegten Aussagen zu entnehmen.
Die Beschwerdeführerin belege den Kaufpreis für den angeblichen Mantel-
handel im September 2005 nicht. Hingegen habe der Buchwert der Betei-
ligung an der B._ AG während der gesamten Haltedauer in den Bi-
lanzen der Beschwerdeführerin Fr. 100'000.-- betragen. Gehe man davon
aus, dass  gemäss Obligationenrecht  die Aktiven bei ihrer Ersterfassung
höchstens und in ihrer Folgebewertung nicht höher als zu den Anschaf-
fungskosten zu bewerten seien, sei der von der Beschwerdeführerin im
September 2005 bezahlte Kaufpreis für die Beteiligung an der B._
AG nicht unter Fr. 100'000.-- gelegen. Da die handelsrechtliche Bilanz und
Erfolgsrechnung gemäss dem Grundsatz der Massgeblichkeit der Han-
delsbilanz Ausgangspunkt und Grundlage der steuerrechtlichen Gewinner-
mittlung bilden würden, sei darauf abzustellen. Als Verwaltungsrat der Be-
schwerdeführerin und der B._ AG habe C._ einen allfälligen
Wertberichtigungsbedarf betreffend die Beteiligung an der B._ AG
mangels Werthaltigkeit des in der Bilanz ausgewiesenen Darlehens an die
A._ Stiftung kennen müssen. Der Beschwerdeführerin sei das Wis-
sen ihres Organs zuzurechnen, welches die Beteiligung an der B._
AG während Jahren in der eigenen Bilanz sowie in der Bilanz der Be-
schwerdeführerin per 31. Dezember 2011 als werthaltig habe einstufen las-
sen.
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Seite 7
Nicht erklärt habe die Beschwerdeführerin, gestützt auf welchen Rechts-
grund eine Drittperson (d.h. nicht der Käufer, sondern eine Gesellschaft,
welche zum Zeitpunkt der Überweisung nicht mehr im Handelsregister ein-
getragen war) den von ihr behaupteten Verkaufserlös für die Beteiligung
an der B._ AG auf das private Konto von C._ (anstatt auf
das Konto der Beschwerdeführerin) überwiesen haben solle.
Die Beschwerdeführerin habe in Zustimmungserklärungen vom 30. No-
vember 2016 und vom 16. Januar 2017 den Einschätzungen des kantona-
len Steueramtes [...] und damit der verdeckten Gewinnausschüttung in der
Höhe von F. 116'145.-- hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern so-
wie der direkten Bundessteuer für das Geschäftsjahr 2012 bereits zuge-
stimmt. Sie verhalte sich widersprüchlich, wenn sie nun ihr (der ESTV) ge-
genüber eine entsprechende geldwerte Leistung verneine.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit dies
für den Entscheid wesentlich ist, im Rahmen der folgenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt dieses Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Als anfecht-
bare Verfügungen gelten auch Einspracheentscheide der ESTV (Art. 5
Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist
für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren
vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die Beschwerdeführerin ist
zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach – unter Vorbehalt
des in E. 1.3 Ausgeführten – einzutreten.
1.2 Die Beschwerdeführerin beantragt nicht die vollständige Aufhebung
des Einspracheentscheids vom 25. Juni 2021, der die Jahre 2012 und
2013 umfasst, sondern nur die Aufhebung der Dispositivziffern 1, 2 und 4
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des genannten Einspracheentscheids, welche das Jahr 2012 (Verrech-
nungssteuer und Zinsfolgen) betreffen. Eine solche Beschränkung des
Streitgegenstandes ist ohne Weiteres zulässig.
1.3
1.3.1 Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG ist dem Begehren um Erlass einer
Feststellungsverfügung zu entsprechen, wenn die Gesuchstellerin ein ent-
sprechendes schutzwürdiges Interesse nachweist. Der Anspruch auf Er-
lass einer Feststellungsverfügung ist dabei subsidiär gegenüber rechtsge-
staltenden Verfügungen (BGE 142 V 2 E. 1.1, 137 II 199 E. 6.5, 126 II 300
E. 2c; BVGE 2015/35 E. 2.2.2, 2010/12 E. 2.3, 2007/24 E. 1.3; Urteil des
BVGer A-5065/2018 vom 17. März 2021 E. 1.3.2).
1.3.2 Die Beschwerdeführerin hat ihre Anträge teilweise als Feststellungs-
begehren formuliert. Diese sind jedoch inhaltlich bereits von den negativen
Leistungsbegehren, nämlich den Anträgen auf teilweise Aufhebung des an-
gefochtenen Einspracheentscheids und teilweisen Aufhebung der Verrech-
nungssteuerforderung sowie Nichtüberwälzung derselben auf C._,
umfasst und es kommt ihnen insofern keine eigenständige Bedeutung zu.
Mangels Feststellungsinteresses ist auf die Feststellungsbegehren nicht
einzutreten.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einsprache-
entscheid in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann ne-
ben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrich-
tigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49
Bst. c VwVG).
1.5 Im Beschwerdeverfahren gelten die Untersuchungsmaxime, wonach
die entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich
aus abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss, und der
Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. Art. 62 Abs. 4
VwVG; vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N. 988, 990 und 998; ANDRÉ MOSER/MI-
CHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.52 und 1.54; PIERRE MOOR/ETIENNE
POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, S. 292 ff., 300 f., 820 f.,
Ziff. 2.2.6.3, 2.2.6.5 und 5.8.3.5).
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Seite 9
1.6
1.6.1 Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101; s.a. Art. 29 VwVG) garantiert
jeder Verfahrenspartei den Anspruch auf rechtliches Gehör. Dazu gehört
insbesondere, dass die Behörde die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
tatsächlich hört, prüft und in ihrer Entscheidfindung berücksichtigt.
1.6.2 Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Per-
son die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern,
die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei prüfen kann. Unter
dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Man-
gels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ab-
zusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem
(der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE
142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2; Urteile des BVGer A-6416/2019 vom
20. Januar 2022 E. 4.2, A-1761/2021 vom 2. Dezember 2021 E. 1.5.2.4,
A-1336/2020 vom 12. Oktober 2021 E. 2.2; vgl. PATRICK SUTTER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG Kommentar, 2. Aufl. 2019, Art. 29
N. 19).
2.
2.1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer unter anderem auf dem Er-
trag beweglichen Kapitalvermögens (Art. 132 Abs. 2 BV, Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über die Verrechnungssteuer
[VStG, SR 642.21]). Gegenstand der Verrechnungssteuer sind unter ande-
rem die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonstigen Erträge der von ei-
nem Inländer ausgegebenen Aktien, Stammanteile an Gesellschaften mit
beschränkter Haftung, Genossenschaftsanteile, Partizipationsscheine und
Genussscheine (Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG).
2.2 Die Verrechnungssteuer wird – ihrem Charakter als Sicherungssteuer
entsprechend (statt vieler: BGE 142 II 446 E. 2.3, 136 II 525 E. 3.3.1; Urteil
des BVGer A-3737/2017 vom 7. Juni 2018 E. 2.4) – an der Quelle erhoben.
Dabei ist die ausschüttende inländische Gesellschaft nicht nur Steuer-
schuldnerin (Steuerpflichtige), sondern auch Steuersubjekt (Art. 10 Abs. 1
VStG; THOMAS JAUSSI, in: Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kom-
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Seite 10
mentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Verrech-
nungssteuer, 2. Aufl. 2012 [nachfolgend: Kommentar VStG], Art. 10
N. 1 ff.). Der Sicherungs- und der Fiskalzweck der Verrechnungssteuer
verlangen in der Folge deren Überwälzung auf den Empfänger, wozu der
Steuerpflichtige unter Strafandrohung (Art. 63 VStG) öffentlich-rechtlich
verpflichtet ist (Art. 14 Abs. 1 VStG; BGE 136 II 525 E. 3.3.1, 131 III 546
E. 2.1; vgl. MARKUS REICH/MAJA BAUER-BALMELLI, in: Kommentar VStG,
Art. 14 N. 9). Schliesslich wird die Verrechnungssteuer dem Empfänger der
um die Steuer gekürzten Leistung nach Massgabe des Verrechnungssteu-
ergesetzes oder im internationalen Verhältnis aufgrund eines Staatsvertra-
ges (teilweise) zurückerstattet (Art. 1 Abs. 2 VStG; Urteile des BVGer
A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.2, A-5361/2013 vom 17. Dezember
2015 E. 3.2; vgl. MAJA BAUER-BALMELLI/MARKUS REICH, in: Kommentar
VStG, Vorbemerkungen N. 48 f.; MAJA BAUER-BALMELLI, Der Sicherungs-
zweck der Verrechnungssteuer, 2001, S. 3).
Diese Aufteilung in die Phase der Steuererhebung (Art. 1 Abs. 1 VStG) und
diejenige der Steuerrückerstattung (Art. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 30 VStG) ist
wesentlich für die Funktion der Verrechnungssteuer (Urteile des BVGer
A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.2, A-3066/2017 vom 3. Mai 2018
E. 3.1, A-5361/2013 vom 17. Dezember 2015 E. 3.2; vgl. BAUER-BALMELLI,
a.a.O., S. 46 ff.).
2.3 Zu den steuerbaren Erträgen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG
gehört grundsätzlich jede geldwerte Leistung der Gesellschaft an die Inha-
ber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte oder ihnen nahestehende Dritte,
die sich weder als Rückzahlung der im Zeitpunkt der Leistung bestehenden
Anteile am einbezahlten Grundkapital (Art. 20 Abs. 1 der Verordnung vom
19. Dezember 1966 über die Verrechnungssteuer [VStV, SR 642.211])
noch als Rückzahlung im Sinne von Art. 5 Abs. 1bis VStG darstellt. Das
Bundesgericht hat festgehalten, dass die Steuerverwaltungen bei der An-
wendung dieser Bestimmung nicht strikt an die zivilrechtliche Gestaltung
des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden sind, sondern der Sachver-
halt steuerrechtlich auch entsprechend seinem wirtschaftlichen Gehalt zu
würdigen ist (vgl. BGE 138 II 57 E. 2.1; Urteil des BGer 2C_177/2016 und
2C_178/2016 vom 30. Januar 2017 E. 4.2; Urteile des BVGer A-1623/2018
vom 16. Mai 2019 E. 3.3, A-3822/2016 vom 19. Dezember 2017 E. 4.1.1,
A-1427/2016 vom 9. August 2017 E. 2.2.2.2).
A-3440/2021
Seite 11
2.4
2.4.1 Der Begriff der geldwerten Leistung im Sinne von Art. 20 VStV ent-
spricht grundsätzlichen jenem der geldwerten Vorteile von Art. 20 Abs. 1
Bst. c des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bun-
dessteuer (DBG, SR 642.11; BGE 143 IV 228 E. 4.1; Urteil des BGer
2C_123/2016 vom 21. November 2017 E. 3.3; Urteile des BVGer
A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.4.1, A-3822/2016 vom 19. Dezember
2017 E. 4.1.1, A-1427/2016 vom 9. August 2017 E. 2.2.1 und 2.2.2.2).
2.4.2 Zu den geldwerten Leistungen in diesem Sinne zählen auch ver-
deckte Gewinnausschüttungen (vgl. auch Art. 58 Abs. 1 Bst. b DBG; vgl.
PETER LOCHER, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2. Aufl. 2019, Art. 20 Rz. 84).
Im Einzelnen setzt die Annahme einer geldwerten Leistung in Form einer
verdeckten Gewinnausschüttung gemäss ständiger Rechtsprechung vo-
raus, dass die folgenden Voraussetzungen (kumulativ) erfüllt sind (Urteile
des BVGer A-479/2021 vom 8. September 2021 E. 2.1.3.3, A-1623/2018
vom 16. Mai 2019 E. 2.4.2, A-4091/2016 vom 24. Januar 2018 E. 2.3.2
m.Hw.):
(1) Eine Leistung, die keine Rückzahlung des einbezahlten Kapitals dar-
stellt, wird ohne entsprechende, gleichwertige Gegenleistung erbracht,
was eine Entreicherung der Gesellschaft zur Folge hat.
(2) Die Leistung wird einem Inhaber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte
direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahestehende Person oder Unter-
nehmung) zugewendet.
(3) Sie hat ihren Rechtsgrund im Beteiligungsverhältnis, das heisst, sie
wäre – eben weil die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Gegen-
leistung erhält – unter den gleichen Verhältnissen einem unbeteiligten Drit-
ten nicht erbracht worden. Insoweit erscheint die Leistung als ungewöhn-
lich.
(4) Der ungewöhnliche Charakter der Leistung, insbesondere das Missver-
hältnis zwischen der gewährten Leistung und der erhaltenen Gegenleis-
tung, muss für die handelnden Gesellschaftsorgane erkennbar gewesen
sein.
Die Kriterien (2) und (3) werden oft zusammen betrachtet. Die neuere bun-
desgerichtliche Rechtsprechung zählt sie indessen einzeln auf (BGE 140
II 88 E. 4.1; Urteil der BGer 2C_578/2019 vom 31. März 2020 E. 3.3 i.V.m.
3.2; vgl. BGE 144 II 427 E. 6.1).
A-3440/2021
Seite 12
2.4.3 Die Prüfung dieser Kriterien erfolgt einzig aus Sicht der leistenden
Gesellschaft und nicht aus jener des Leistungsempfängers (Urteile des
BVGer A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.4.3, A-1427/2016 vom 9. Au-
gust 2017 E. 2.2.3, A-2637/2016 vom 7. April 2017 E. 2.3).
2.4.4 Leistungen, die die Gesellschaft gegenüber ihren Aktionären oder
diesen Nahestehenden erbringt und die ihren Grund nicht im Beteiligungs-
verhältnis haben, sondern zum Beispiel in einem privatrechtlichen Vertrag,
der auch mit aussenstehenden Dritten in gleicher Weise hätte geschlossen
werden können, sind nicht der Verrechnungssteuer unterworfen (vgl. BGE
144 II 427 E. 6.1, 119 Ib 431 E. 2b; Urteile des BVGer A-3822/2016 vom
19. Dezember 2017 E. 4.1.2, A-1427/2016 vom 9. August 2017 E. 2.3.1).
Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Missverhältnis zwischen Leistung
und Gegenleistung vorliegt, darf die ESTV nicht ihr eigenes Ermessen an
dasjenige des Steuerpflichtigen setzen (Urteil des BGer 2C_708/2012 vom
21. Dezember 2012 [in BGE 139 I 64 nicht publizierte] E. 4.2; Urteil des
BVGer A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.4.4; in Bezug auf Darlehen:
PETER BRÜLISAUER/MARCO MÜHLEMANN, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kom-
mentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, 3. Aufl. 2017 [nachfolgend: Kommentar DBG], Art. 58
N. 310).
2.5 Ein Element der steuerlichen Erfassung einer verdeckten Gewinnaus-
schüttung ist die Bestimmung der Angemessenheit von Leistung und Ge-
genleistung (vgl. E. 2.4.2 Voraussetzung 1). Rechtsgeschäfte zwischen
Kapitalgesellschaften und Beteiligungsinhabern werden steuerlich aner-
kannt, soweit die vereinbarten Vertragsbedingungen einem «sachgemäs-
sen Geschäftsgebaren» entsprechen. Sie müssen – aus der einzig rele-
vanten Sicht der Gesellschaft – geschäftsmässig begründet sein. Für die
Beurteilung der Angemessenheit von Leistung und Gegenleistung und so-
mit auch der geschäftsmässigen Begründetheit einer Transaktion wird der
sogenannte Drittvergleich angestellt (auch Prinzip des «dealing at arm's
length»). Verlangt wird, dass Rechtsgeschäfte mit Beteiligungsinhabern zu
den gleichen Bedingungen abzuwickeln sind, wie sie mit aussenstehenden
Dritten zu Wettbewerbs- und Marktbedingungen vereinbart werden würden
(BGE 140 II 88 E. 4.1, 138 II 545 E. 3.2; Urteile des BVGer A-1623/2018
vom 16. Mai 2019 E. 3.5.1, A-1200/2018 vom 13. Februar 2019 E. 2.3.1
m.Hw.).
A-3440/2021
Seite 13
2.6 Nahestehende Personen (vgl. E. 2.4.2 Voraussetzung 2) sind vorab
dem Aktionär verwandtschaftlich verbundene natürliche Personen oder
vom gleichen Aktionär beherrschte juristische Personen. Damit eine geld-
werte Leistung vorliegt, muss der Rechtsgrund für die Leistung an eine sol-
che Person im Beteiligungsverhältnis liegen (vgl. E. 2.4.2 Voraussetzung
(3); Urteile des BVGer A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.6, A-4091/2016
vom 24. Januar 2018 E. 2.5 m.Hw.). Eine der Verrechnungssteuer unter-
liegende geldwerte Leistung kann auch dann vorliegen, wenn sich die An-
nahme, die Leistung sei den Aktionären oder diesen nahestehenden Per-
sonen zugekommen, zwingend aufdrängt und eine andere Erklärung für
die Vorgänge nicht zu finden ist (BGE 119 Ib 431 E. 3b; Urteil des BGer
2C_377/2009 vom 9. September 2009 E. 3.4; vgl. Urteile des BGer
2C_777/2019 vom 28. April 2020 E. 5.2, 2C_177/2016 und 2C_178/2016
vom 30. Januar 2017 E. 4.3).
2.7
2.7.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung bildet sich die Be-
hörde unvoreingenommen, gewissenhaft und sorgfältig ihre Meinung da-
rüber, ob der Sachverhalt als rechtsgenügend erstellt zu gelten hat. Sie ist
dabei nicht an bestimmte förmliche Beweisregeln gebunden, die genau
vorschreiben, wie ein gültiger Beweis zu Stande kommt und welchen Be-
weiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben (MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.140).
2.7.2 Die Beweiswürdigung endet mit dem Entscheid darüber, ob eine
rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Be-
weis ist geleistet, wenn die Behörde gestützt auf die freie Beweiswürdigung
zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand
verwirklicht hat (BGE 130 III 321 E. 3.2; vgl. auch BGE 140 III 610 E. 4.1).
Bei Beweislosigkeit ist zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der die Be-
weislast trägt (Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. De-
zember 1907 [ZGB, SR 210]; BGE 142 V 389 E. 2.2 und 3.3). Die Steuer-
behörde trägt die Beweislast für die steuerbegründenden und steuererhö-
henden, der Steuerpflichtige für die steueraufhebenden und -mindernden
Tatsachen (BGE 140 II 248 E. 3.5, 121 II 257 E. 4c/aa; Urteil des BGer
2C_127/2021 vom 29. November 2021 E. 2.2; Urteile des BVGer
A-1623/2018 vom 16. Mai 2019 E. 3.7.2, A-7956/2015 vom 30. Juni 2016
E. 2.4, A-1335/2014 vom 14. Dezember 2015 E. 2.3).
A-3440/2021
Seite 14
2.7.3 Die Beweislast für das Vorliegen eines Steuerobjekts als steuerbe-
gründende Tatsache und damit auch für das Bestehen einer geldwerten
Leistung obliegt demnach der Steuerbehörde (Urteile des BGer
2C_674/2015 und 2C_675/2015 vom 26. Oktober 2017 E. 7.4,
2C_263/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.2 m.Hw.; BVGE 2011/45
E. 4.3.2.2; Urteil des BVGer A-1427/2016 vom 9. August 2017 E. 2.2.2.2;
MARCO DUSS/ANDREAS HELBING/FABIAN DUSS, in: Kommentar VStG, Art. 4
N. 132a). Diese Beweislast der Steuerbehörde gilt für alle drei bzw. vier
Elemente der geldwerten Leistung (E. 2.4.2). Daran ändert auch nichts,
dass diese teilweise negative Tatsachen betreffen. Folglich kann der Steu-
erpflichtige nicht von vornherein die Beweislast dafür tragen, dass keine
geldwerte Leistung gegeben ist. Erst wenn die Steuerbehörde das Vorlie-
gen der drei bzw. vier Elemente der geldwerten Leistung mit der erforderli-
chen Wahrscheinlichkeit aufzuzeigen vermag (vgl. E. 2.7.2), ist es am
Steuerpflichtigen, diesen Beweis mit einem Gegenbeweis zu entkräften.
Selbstveranlagungsprinzip und Mitwirkungspflicht (Art. 38 f. VStG) ändern
grundsätzlich nichts an der Beweislastverteilung. Jedoch kann eine Verlet-
zung der Mitwirkungspflicht mit der Folge einer Beweisnot der Steuerbe-
hörde gegebenenfalls zu einer Umkehr der Beweislast führen (ausführlich
dazu: Urteil des BVGer A-629/2010 vom 29. April 2011 E. 3.4 und 4.3.2.2,
teilweise publiziert in: BVGE 2011/45).
2.7.4 Der Grundsatz der Massgeblichkeit der Handelsbilanz (sog. Massge-
blichkeitsprinzip) stammt aus dem Gewinnsteuerrecht und besagt, dass die
handelsrechtliche Bilanz und Erfolgsrechnung Ausgangspunkt und Grund-
lage der steuerrechtlichen Gewinnermittlung bilden (JÜRG ALTORFER/
MARCO GRETER, in: Kommentar VStG, Art. 5 N. 156). Die Steuerbehörden
sind verpflichtet, auf die von den Organen verabschiedete Jahresrechnung
abzustellen, ebenso hat sich die Gesellschaft auf ihrer Handelsbilanz be-
haften zu lassen (BGE 141 II 83 E. 3.1 f., 137 II 353 E. 6.2; Urteil des
BVGer A-7248/2016 vom 3. April 2018 E. 2.5; ERNST BLUMENSTEIN/PETER
LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl. 2016,
S. 325 f. m.Hw.). Damit kommt dem Massgeblichkeitsprinzip unter ande-
rem auch eine Beweisfunktion zu. Die Steuerbehörden sollen sich auf die
Angaben des Steuerpflichtigen verlassen dürfen (zum Ganzen auch: BRÜ-
LISAUER/MÜHLEMANN, in: Kommentar DBG, Art. 58 N. 18).
A-3440/2021
Seite 15
Das Massgeblichkeitsprinzip bedeutet nicht, dass eine Handelsbilanz per
se bindend ist. Massgeblich sind einzig die nach den zwingenden Bestim-
mungen des Handelsrechts ordnungsgemäss geführten Bücher. Entschei-
dend ist gemäss dem Grundsatz der Massgeblichkeit der Handelsbilanz
somit der wirtschaftliche Sachverhalt, wie er nach den handelsrechtlichen
Vorschriften in den Geschäftsbüchern dargestellt werden muss (ROLAND
BURKHALTER, Massgeblichkeitsgrundsatz, 2003, Rz. 168 ff.; MARKUS
REICH, Steuerrecht, 2. Aufl. 2012, § 15 Rz. 65).
Auch wenn das Massgeblichkeitsprinzip aus dem Gewinnsteuerrecht
stammt, ist bei der Verrechnungssteuer ebenfalls der nach handelsrechtli-
chen Grundsätzen bestimmte Gewinn für die Ermittlung des verrechnungs-
steuerpflichtigen Gewinnanteils (vgl. Art. 4 Abs. 1 VStG) massgebend, in-
dem das VStG ohne Umschreibung des Begriffes des Gewinns direkt an
den handelsrechtlichen Gewinn anknüpft (zum Ganzen: BVGE 2015/25
E. 3.3; Urteil des BVGer A-7248/2016 vom 3. April 2018 E. 2.5; vgl. FLO-
RIAN REGLI, Grundlagen für die Konzernbesteuerung im schweizerischen
Steuerrecht, 2013, Rz. 500).
2.7.5 Kommt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Über-
zeugung, die Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die
Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung, kann sie auf die Erhe-
bung weiterer Beweise verzichten (sog. antizipierte Beweiswürdigung),
ohne dadurch den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2
BV zu verletzen (vgl. statt vieler: BGE 145 I 167 E. 4.1, 136 I 229 E. 5.3,
m.Hw.; Urteile des BVGer A-4447/2019 vom 20. Januar 2022 E. 2.3.1,
A-6037/2018 vom 9. Juni 2020 E. 2.3.2).
3.
Im vorliegenden Verfahren geht es um den Verkauf der hundertprozentigen
Beteiligung an der B._ AG durch die Beschwerdeführerin. Die Vor-
instanz geht davon aus, dass die Beteiligung für Fr. 116'145.-- von der Be-
schwerdeführerin an E._ veräussert worden sei und dass dieser
Verkaufserlös dem Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin (und bis zu de-
ren Verkauf der B._ AG), C._, zugekommen sei. Die Be-
schwerdeführerin hält dagegen, die Beteiligung sei für Fr. 4'000.-- verkauft
worden und es sei C._ keine geldwerte Leistung erbracht worden.
Damit ist im Folgenden zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin C._
eine geldwerte Leistung erbracht hat (E. 3.1) und, wenn ja, wie hoch diese
A-3440/2021
Seite 16
Leistung war (E. 3.2). Schliesslich wird auf die Frage der Überwälzung ein-
zugehen sein (E. 3.3).
3.1 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin ihre Beteiligung an der
B._ AG im März 2012 an E._ veräusserte.
3.1.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass der Erlös aus dem Verkauf der
Beteiligung an der B._ AG C._ zugekommen ist.
Nicht gänzlich klar wird, ob sich die Beschwerdeführerin dem anschliesst.
So hält sie einerseits verschiedentlich fest, der Erlös (in Höhe von
Fr. 4'000.--) sei auf das Konto von C._ überwiesen worden (Schrei-
ben an die Vorinstanz vom 18. November 2019; Vernehmlassungsbei-
lage 4). Aus einem von der Beschwerdeführerin eingereichten Kontoaus-
zug (Vernehmlassungsbeilage 11/3), den sie in ihrer Einsprache vom
19. Januar 2019 (Vernehmlassungsbeilage 11) als ihr eigenes Konto be-
zeichnete, der aber gemäss ihren Ausführungen im Schreiben vom 18. No-
vember 2019 (Vernehmlassungsbeilage 4) vom Privatkonto von
C._ stammen muss, ergibt sich am 9. April 2012 eine Überweisung
in Höhe von Fr. 4'000.--, die von der F._ AG [...] in Auftrag gegeben
wurde. Als Mitteilung wurde «B._ AG» angegeben, wobei hand-
schriftlich der Vermerk «Verkaufspreis» hinzugefügt worden war. Anderer-
seits brachte die Beschwerdeführerin auch vor, der Verkaufserlös aus dem
Verkauf der Beteiligung an der B._ AG sei bei ihr «integral» ver-
bucht worden (Einsprache vom 9. Januar 2019; Vernehmlassungsbei-
lage 11). Später erklärte sie zudem, die Entnahme der Beteiligung
B._ AG sei erst im Jahr 2015 erfolgt, bzw. erst dann sei die Wert-
berichtigung erfolgt (Schreiben der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz
vom 26. Juli 2019 [Vernehmlassungsbeilage 7] und vom 18. November
2019 [Vernehmlassungsbeilage 4]).
In der Beschwerde vom 28. Juli 2021 ans Bundesverwaltungsgericht äus-
sert sich die Beschwerdeführerin nicht mehr explizit zur Frage, wem der
Verkaufserlös zugeflossen ist. Sie bringt vor, C._ sei keine geld-
werte Leistung erbracht worden, eventualiter eine solche von Fr. 4'000.--.
3.1.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin erweisen sich als nicht
schlüssig. Sie hat jene immer wieder geändert. Damit blieb der (beweisbe-
lasteten) Vorinstanz nur, sich auf die vorhandenen Unterlagen und Indizien
zu stützen.
A-3440/2021
Seite 17
Aus der Buchhaltung der Beschwerdeführerin ergibt sich nicht, dass dort
ein Verkaufserlös verbucht worden ist, auch wenn die Beschwerdeführerin
zumindest in ihrer Einsprache vom 9. Januar 2019 (Vernehmlassungsbei-
lage 11) davon sprach.
Hingegen ist auf dem Privatkonto von C._ ein Eingang von
Fr. 4'000.-- verzeichnet, der mit der B._ AG im Zusammenhang
steht. Dass die Zahlung von einer gemäss Handelsregisterauszug zu die-
sem Zeitpunkt nicht mehr existierenden Treuhandgesellschaft vorgenom-
men wurde, ist ein weiteres Element, dass die ganze Transaktion als selt-
sam erscheinen lässt, ändert aber nichts daran, dass sich hier ein Akten-
stück findet, dem sich entnehmen lässt, dass C._ kurz nach dem
Verkauf der Beteiligung an der B._ AG eine Leistung im Zusam-
menhang mit dieser Gesellschaft zugeflossen ist. Da es sich dabei angeb-
lich um den Erlös aus dem Verkauf der Beteiligung an der B._ AG
durch die Beschwerdeführerin handelt, hat die Beschwerdeführerin
C._ gegenüber eine geldwerte Leistung erbracht.
Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Entnahme der Beteiligung
B._ AG sei erst im Jahr 2015 erfolgt, bzw. erst dann sei die Wert-
berichtigung erfolgt (Schreiben der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz
vom 26. Juli 2019 [Vernehmlassungsbeilage 7] und vom 18. November
2019 [Vernehmlassungsbeilage 4]), ist für die Frage, ob C._ eine
geldwerte Leistung erbracht wurde, unbehelflich.
3.1.3 Da C._ nicht Aktionär der Beschwerdeführerin ist, kann es
sich nicht um die Rückzahlung von einbezahltem Kapital handeln. Auch ist
weder ersichtlich noch behauptet, dass C._ der Beschwerdeführe-
rin eine Gegenleistung erbracht hätte. Eine solche Leistung ohne Gegen-
leistung führt zwangsläufig zu einer Entreicherung der Gesellschaft, hier
der Beschwerdeführerin. Damit ist die erste in E. 2.4.2 erwähnte Voraus-
setzung für das Vorliegen einer geldwerten Leistung erfüllt.
3.1.4 In Bezug auf die zweite in E. 2.4.2 genannte Voraussetzung ist zu
berücksichtigen, dass die Tochter von C._ unbestrittenermassen
Begünstigte der A._ Stiftung ist, welche ihrerseits 100 % der Aktien
an der Beschwerdeführerin hält. Mit anderen Worten liegt ein verwand-
schaftliches Verhältnis zwischen der Begünstigten der Aktionärin und
C._ vor. Bezeichnend ist auch, dass die Beschwerdeführerin auch
in anderem Zusammenhang geldwerte Leistungen an C._ erbracht
hat. So wurden ihm unbestrittenermassen und aktenkundig ein Fahrzeug,
A-3440/2021
Seite 18
Büromaterial, Telefon, Beratungsleistungen und Reisespesen auch für pri-
vate Zwecke zur Verfügung gestellt. Im weiteren beläuft sich sein Konto-
korrent bei der Beschwerdeführerin per Ende 2012 auf Fr. 889'230.--. Aus
alledem ergibt sich, dass C._ eine der Inhaberin der Beteiligungs-
rechte der Beschwerdeführerin nahestehende Person ist (vgl. E. 2.6). Auch
das zweite Kriterium ist damit erfüllt.
3.1.5 Eine Leistung, wie die vorliegende, ohne jegliche Gegenleistung, bei
der nicht z.B. Goodwill geschaffen werden soll, wäre einer unabhängigen
Drittperson nicht erbracht worden. Somit erscheint die Leistung als unge-
wöhnlich, womit auch die dritte in E. 2.4.2 genannte Voraussetzung erfüllt
ist.
3.1.6 Bereits wenn von einem Verkaufserlös von Fr. 4'000.-- ausgegangen
wird (über die tatsächliche Höhe der Leistung ist in E. 3.2 zu befinden), der
C._ zugeflossen ist, musste der ungewöhnliche Charakter dieser
Leistung für die handelnden Gesellschaftsorgane, vorliegend (auch)
C._ selbst, erkennbar sein. Auch das letzte Kriterium für das Vorlie-
gen einer geldwerten Leistung ist damit erfüllt (E. 2.4.2).
3.1.7 Damit ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gegenüber
C._ eine geldwerte Leistung erbracht hat.
3.2 Nun ist auf die Höhe dieser Leistung einzugehen.
3.2.1 Die Vorinstanz geht von einem Verkaufserlös der Beteiligung an der
B._ AG von Fr. 116'145.-- aus, welcher dem Substanzwert der
B._ AG im Zeitpunkt der Veräusserung entspreche. Dieser Sub-
stanzwert ergebe sich aus der Bilanz der B._ AG vom 31. Dezem-
ber 2011. Dort sei eine Darlehensforderung der B._ AG gegenüber
der A._ Stiftung in Höhe von Fr. 117'945.-- ausgewiesen. Davon
seien transitorische Passiven in Höhe von Fr. 1'800.-- abzuziehen, was den
Substanzwert von Fr. 116'145.-- ergebe. Dieser Substanzwert ergebe sich
auch, wenn zum Aktienkapital von Fr. 100'000.-- die Reserven in Höhe von
Fr. 1'000.-- und der Gewinn von Fr. 15'145.-- hinzugezählt würden. In der
Bilanz der Beschwerdeführerin wiederum sei die Beteiligung an der
B._ AG in Höhe von Fr. 100'000.-- geführt worden, was  wenn von
einem Substanzwert von Fr. 116'145.-- ausgegangen würde  dem Grund-
satz der vorsichtigen Bilanzierung gemäss Art. 960 Abs. 2 des Obligatio-
nenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220) entspreche.
A-3440/2021
Seite 19
Diese, sich auf die Akten stützenden Ausführungen der Vorinstanz sind
schlüssig und nachvollziehbar.
3.2.2 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, verfängt nicht. Den
von ihr behaupteten Mantelhandel hat sie nicht ansatzweise belegen kön-
nen. Mit dem Umstand, dass die Beteiligung an der B._ AG in der
Bilanz der Beschwerdeführerin mit einem Wert von Fr. 100'000.-- ausge-
wiesen war, ist ihre Behauptung, dabei habe es sich um einen «Nonvaleur»
gehandelt, unvereinbar. Auch der Verkaufspreis von Fr. 4'000.-- ergibt sich
nicht schlüssig aus den Akten. Aus dem beigelegten Auszug des Privatkon-
tos von C._ wird nicht ersichtlich, ob es sich bei der Überweisung
im Zusammenhang mit der B._ AG, wie behauptet, um den gesam-
ten Kaufpreis oder um eine An- oder Teilzahlung handelt. Zweckdienliche
Unterlagen, wie einen Kaufvertrag, konnte die Beschwerdeführerin nicht
beibringen. Bei ihrer Begründung, dass das in den Büchern der B._
AG verzeichnete Darlehen an die A._ Stiftung gar kein Darlehen an
diese Gesellschaft sein solle, bringt die Beschwerdeführerin widersprüch-
liche Erklärungen vor. So erklärt sie einerseits, es habe sich um ein Konto-
korrent der ehemaligen Aktionäre der B._ AG, der Eheleute
D._, gehandelt, welches diese nie zurückgeführt hätten. Später
macht sie zumindest sinngemäss geltend, der neue Alleinaktionär der
B._ AG habe eine Darlehensverpflichtung gegenüber der
B._ AG gehabt. Wie beides zutreffen soll, erklärt die Beschwerde-
führerin nicht. Auch ihre Erklärung, dass die Position «Kontokorrent Aktio-
näre» in der Bilanz der B._ AG aufgrund eines Irrtums zu «Darlehen
A._ Stiftung» geworden sei, überzeugt nicht. Immerhin handelt es
sich bei der A._ Stiftung um die Grossmuttergesellschaft der
B._ AG (und nicht etwa die Aktionärin). Zwar reicht die Beschwer-
deführerin E-Mails der ehemaligen und aktuellen Organe der A._
Stiftung ein. Aber die darin enthaltene Aussage, die B._ AG sei der
A._ Stiftung nicht bekannt, überzeugt vor dem bisher dargestellten
Hintergrund nicht. Ob die A._ Stiftung über ein Bankkonto verfügt,
ist dabei unerheblich. Für die Gewährung eines Darlehens ist ein Bank-
konto nicht zwingend notwendig.
Es bleibt dabei, dass die Berechnung des Substanzwertes durch die Vor-
instanz überzeugt. Die unbelegten und überdies wenig konsistenten Be-
hauptungen der Beschwerdeführerin vermögen daran nichts zu ändern.
Überdies hat die Beschwerdeführerin die Einschätzung des kantonalen
A-3440/2021
Seite 20
Steueramtes [...], in der unter anderem eine verdeckte Gewinnausschüt-
tung an C._ in Höhe von Fr. 116'145.-- enthalten war, in Bezug auf
die direkten Steuern akzeptiert (Vernehmlassungsbeilage 3).
3.2.3 Es ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Erlös aus
dem Verkauf der Beteiligung an der B._ AG C._ zugeflossen
ist. Der betroffene Verkaufserlös ist auf Fr. 116'145.-- festzusetzen. Insge-
samt hat damit die Beschwerdeführerin C._ eine geldwerte Leis-
tung in Höhe von Fr. 116'145.-- erbracht und schuldet darauf eine Verrech-
nungssteuer von Fr. 40'650.75. Dass die Beschwerdeführerin der Vor-
instanz auf dieser Forderung die gesetzlich vorgesehenen Verzugszinsen
schuldet, bestreitet die Beschwerdeführerin nicht. Der Antrag, die vor-
instanzliche Verfügung sei in Bezug auf die genannte Verrechnungssteu-
erforderung und den entsprechenden Verzugszins aufzuheben, ist damit
abzuweisen.
3.2.4 Es bleibt, auf die Beweisanträge der Beschwerdeführerin einzuge-
hen, welche die Befragung mehrerer Personen als Zeugen beantragt. Vor-
wegzunehmen ist, dass es bloss um die Befragung geht. Dass diese z.B.
Kaufverträge edieren könnten, ist schon deshalb nicht möglich, weil die
Beschwerdeführerin explizit darauf hingewiesen hat, dass solche Verträge
nicht existieren (Schreiben der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz vom
18. November 2019 [Vernehmlassungsbeilage 4]).
3.2.4.1 Das Organ der A._ Stiftung, G._, könnte nicht mehr
aussagen, als sie in ihrem E-Mail vom 11. August 2017 schreibt, nämlich,
dass die B._ AG ihrem verstorbenen Bruder nicht bekannt gewesen
sei und sich in den Unterlagen der Stiftung, abgesehen von den Anfragen,
ob der Stiftung die B._ AG bekannt sei, keine Hinweise auf diese
Gesellschaft finden würden. Auf ihre Befragung kann daher in antizipierter
Beweiswürdigung verzichtet werden.
3.2.4.2 Was den neuen Aktionär der B._ AG, E._, anbe-
langt, wäre zwar möglich, dass er die Ausführungen der Beschwerdeführe-
rin zum Kaufpreis der Beteiligung der B._ AG sowie zur Bilanz die-
ser Gesellschaft bestätigen würde. Dies würde aber nichts daran ändern,
dass den Akten und insbesondere den massgeblichen Büchern der betei-
ligten Gesellschaften (der Beschwerdeführerin und der B._ AG) et-
was anderes zu entnehmen ist. Diesen käme nach Auffassung des Bun-
A-3440/2021
Seite 21
desverwaltungsgerichts ein höherer Beweiswert zu (vgl. E. 2.7.4: Massge-
blichkeitsprinzip). Auch auf diese Befragung ist in antizipierter Beweiswür-
digung zu verzichten.
3.2.4.3 Die Befragung von C._ ist ebenfalls in antizipierter Beweis-
würdigung abzuweisen. Er ist bzw. war Verwaltungsrat der beteiligten Ge-
sellschaften. Die Einträge in die Buchhaltung wurden während seiner Zeit
als Verwaltungsrat vorgenommen. Er hat den Rechtsvertreter im vorliegen-
den Verfahren beauftragt. Er kann zwar den von der Beschwerdeführerin
dargestellten Sachverhalt wiederholen, wird jedoch nichts zur weiteren Klä-
rung beitragen können, hätte er dies doch sonst mit Sicherheit bereits ge-
genüber dem die Gesellschaft vertretenden Rechtsanwalt getan.
3.2.4.4 Schliesslich ist auch auf die Befragung [der Eheleute D._]
in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten. Selbst wenn diese bestäti-
gen würden, dass das «Kontokorrent Aktionäre» nie zurückgeführt worden
sei, würde dies nichts daran ändern, dass später in den Büchern der
B._ AG ein Darlehen der A._ Stiftung verzeichnet wurde.
Auch die Bestätigung eines Mantelhandels würde nichts an den Büchern
sowohl der B._ AG als auch der Beschwerdeführerin ändern
(E. 2.7.4).
3.2.4.5 Damit sind alle Anträge der Beschwerdeführerin auf Zeugenbefra-
gung in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen (E. 2.7.5). Anzumerken
ist jedoch, dass die Vorinstanz gehalten gewesen wäre, sich zu den ent-
sprechenden – bereits vor der Vorinstanz gestellten – Beweisanträgen der
Beschwerdeführerin zu äussern. Dies hat sie unterlassen und insofern de-
ren rechtliches Gehör verletzt (E. 1.6.1). Allerdings vermag diese Verlet-
zung nichts am Ergebnis zu ändern, womit die Verletzung als geheilt zu
betrachten ist, weil sich eine Rückweisung als formaljuristischer Leerlauf
erweisen würde (vgl. E. 1.6.2). Zwar hat die Beschwerdeführerin in Bezug
auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs keinen Antrag gestellt, diese je-
doch gerügt. Dass sie diesbezüglich Recht erhält, wird im Rahmen der
Festlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (E. 4) zu berücksichti-
gen sein.
3.3 Es bleibt, auf die Frage der Überwälzung der Verrechnungssteuer auf
C._ einzugehen.
3.3.1 Die Vorinstanz hat sich im Dispositiv ihres Einspracheentscheids vom
25. Juni 2021 nicht zur Frage der Überwälzung der Verrechnungssteuer
A-3440/2021
Seite 22
geäussert, obwohl sie in ihrer Verfügung vom 9. Januar 2019 im Dispositiv
festgehalten hat, die Verrechnungssteuer sei auf C._ zu überwäl-
zen, und obwohl die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache vom 8. Feb-
ruar 2019 beantragt hatte, sie sei nicht zu verpflichten, die entsprechende
Verrechnungssteuer auf C._ zu überwälzen.
Die Vorinstanz äussert sich jedoch in der Begründung des Einspracheent-
scheids kurz zur Frage der Überwälzung («II. Erwägungen» Ziff. 1.5). Die
Auffassung der Vorinstanz ist damit klar und eine Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz zur Behandlung des entsprechenden Antrags würde sich
als formaljuristischer Leerlauf erweisen (vgl. E. 1.6.1).
3.3.2 Art. 14 Abs. 1 VStG hält fest, dass die steuerbare Leistung, hier also
die geldwerte Leistung, unter Strafandrohung bei der Auszahlung, Über-
weisung, Gutschrift oder Verrechnung ohne Rücksicht auf die Person des
Gläubigers um den Steuerbetrag zu kürzen ist und dass Vereinbarungen,
die dieser Verpflichtung widersprechen, nichtig sind (E. 2.2; ausführlich
auch zu den Gründen dieser Überwälzungspflicht: Urteil des BVGer
A-3066/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.12).
Da – wie zuvor festgestellt (E. 3.1 und 3.2) – die Beschwerdeführerin
C._ eine geldwerte Leistung in Höhe von Fr. 116'145.-- erbracht
hat, hat sie die Verrechnungssteuer in Höhe von Fr. 40'650.75 (35 % von
Fr. 116'145.--) zwingend auf diesen zu überwälzen.
Auch der Antrag, dass die Beschwerdeführerin die Verrechnungssteuer
nicht auf C._ überwälzen müsse, ist damit abzuweisen.
3.4 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
4.
4.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten von insgesamt
Fr. 4'000.-- der unterliegenden Beschwerdeführerin – unter Berücksichti-
gung der Verletzung von deren rechtlichem Gehör vor der Vorinstanz
(E. 3.2.4.5) – in Höhe von Fr. 3'000.-- aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
und Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Dieser Betrag ist dem von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss zu entnehmen. Der Restbetrag in Höhe von Fr. 1'000.--
ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstat-
ten.
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4.2 Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteient-
schädigung zu bezahlen (vgl. E. 3.2.4.5 und 4.1; Art. 64 Abs. 1 VwVG und
Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Mangels Kostennote wird diese praxisgemäss
auf Fr. 1'500.-- festgesetzt. Der Vorinstanz steht als Bundesbehörde keine
Parteientschädigung zu (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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