Decision ID: ca6acea6-b562-41b1-8142-15c62c6b39f6
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) September 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank
(Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er am (...) 2021 in Frankreich dak-
tyloskopisch erfasst worden war und dort um Asyl ersucht hatte.
B.
Anlässlich der Befragung vom 3. Oktober 2022 wurde dem Beschwerde-
führer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid
und der Möglichkeit einer Überstellung nach Frankreich gewährt, welches
gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren
zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-
VO), grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig sei.
Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom Be-
schwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte dieser geltend, in Frank-
reich habe man sich nicht um ihn gekümmert. Die französischen Behörden
hätten sein Asylgesuch abgelehnt. Er habe gegen diesen Entscheid Be-
schwerde erhoben beziehungsweise habe er seinen Anwalt damit beauf-
tragt und dadurch noch fünf Monate länger bleiben dürfen. Von seinem An-
walt habe er nie wieder etwas gehört, er habe aber erfahren, dass sein Fall
nicht weiterverfolgt würde, da er aus einem sicheren Land stamme. Er
habe aufgrund eines Unfalles (...) und stetig heftige Schmerzen. Er (...) so
starke Schmerzen verspüre, dass er manchmal ohnmächtig werde. Er sei
in Georgien drei Mal operiert worden, danach habe man ihm gesagt, dass
man nichts mehr tun könne. In Frankreich habe man verschiedene Unter-
suchungen durchgeführt. Der Arzt habe ein paar Bilder gemacht, ihn aber
nicht behandelt und man habe ihm drei Monate lang die Diagnose vorent-
halten. Er habe die ganze Zeit nur Schmerzen gehabt und nur Schmerz-
mittel dagegen erhalten. Er sei nicht operiert worden. Ausserdem habe er
eine Wohnung mit Treppen gehabt, die er kaum habe bewältigen können;
er sei drei Mal die Treppe runtergestürzt. Aufgrund des in Frankreich Er-
lebten leide er an psychischen Problemen und Albträumen, welche er nur
mit professioneller Hilfe bewältigen könne. Ausserdem (...). Das Sozialamt
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habe ihm mitgeteilt, dass er in Frankreich keine Chance habe und die Woh-
nung verlassen müsse. Es wäre für ihn besser, vor einen Zug zu springen
als nach Frankreich zurückzukehren.
C.
Am 4. Oktober 2022 ersuchte das SEM die französischen Behörden um
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1
Bst. d Dublin-III-VO. Diese stimmten der Übernahme am 18. Oktober 2022
gestützt auf dieselbe Bestimmung zu.
D.
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2022 – tags darauf eröffnet – trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz nach Frankreich an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner beauftragte
das SEM den Kanton B._ mit dem Vollzug der Wegweisung, ver-
fügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer
allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Am 20. Oktober 2022 legte die zugewiesene Rechtsvertretung das Vertre-
tungsmandat nieder.
F.
Mit eigenständiger Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom
27. Oktober 2022 beantragt der Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Ver-
fügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Pflicht zum
Selbsteintritt auszuüben sowie sich für das Asylverfahren für zuständig zu
erklären. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich gestützt auf
Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311) für vorliegendes Asylverfahren zuständig zu erklären. Sube-
ventualtiter sei die Sache wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und der Gewährung einer angemessenen Parteientschädigung. Ferner be-
antragt er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und
die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid des Bundes-
verwaltungsgerichts von einer Überstellung nach Frankreich abzusehen.
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G.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 28. Oktober 2022 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers
antragsgemäss per sofort einstweilen aus.
H.
Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vorinstanzlichen
Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
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Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-
men des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet
grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-
III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
3.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 konkretisiert; das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Be-
stimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individu-
elle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt
zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, sich vor seiner Einreise in die
Schweiz in Frankreich aufgehalten und dort ein Asylgesuch eingereicht zu
haben. Nachdem die französischen Behörden innerhalb der in Art. 25
Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der
Vorinstanz zugestimmt haben, ist die grundsätzliche Zuständigkeit Frank-
reichs gegeben.
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4.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist Frankreich Signatar-
staat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zu-
satzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt
seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf
davon ausgegangen werden, Frankreich anerkenne und schütze die
Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen
Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-
men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen
Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben. Gemäss
konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wieder-
aufnahmeverfahren liegen im heutigen Zeitpunkt keine Gründe für die An-
nahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antrag-
stellende in Frankreich wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. statt vieler Urteil des
BVGer D-4841/20022 vom 31. Oktober 2022). Auch in Berücksichtigung
des in der Rechtsmitteleingabe Angeführten ergeben sich keine konkreten
Hinweise für die Annahme, Frankreich würde dem Beschwerdeführer dau-
erhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebens-
bedingungen vorenthalten.
4.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
5.
5.1 Die Vermutung, dass Frankreich als Mitglied des Gemeinsamen Euro-
päischen Asylsystems und Vertragsstaat der vorstehend erwähnten völker-
rechtlichen Abkommen die Menschenrechte beachtet, kann im Einzelfall
widerlegt werden. Die antragstellende Person hat dazu jedoch konkret dar-
zulegen beziehungsweise mindestens glaubhaft zu machen, dass eine ak-
tuelle und ernsthafte Gefahr einer Verletzung einer direkt anwendbaren
Norm des Völkerrechts droht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.). In diesem Zu-
sammenhang ist zu prüfen, ob allenfalls das Selbsteintrittsrecht nach
Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) – wie be-
antragt – auszuüben ist.
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5.2 Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung des Asylge-
suchs des Beschwerdeführers in Frankreich mangelhaft gewesen sein
könnte und seine Wegweisung in Verletzung des Non-Refoulement-Prin-
zips verfügt worden wäre.
5.3 Entgegen der Behauptung in der Beschwerdeschrift sind vorliegend
auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass der Beschwer-
deführer im Falle einer Wegweisung nach Frankreich wegen der dortigen
Aufenthaltsbedingungen in eine existentielle Notlage geraten würde, zumal
er selbst angibt, bis zu seiner Ausreise über eine Unterkunft verfügt und
medizinische Leistungen in Anspruch genommen zu haben. Sollte er bei
seiner Rückkehr nach Frankreich als asylsuchende Personen nicht grund-
rechtskonform, das heisst insbesondere unter Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Notversorgung, untergebracht werden, hätte er diese ge-
mäss Art. 26 der Aufnahmerichtlinie auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl.
Urteil F-4865/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 6.4), wobei er sich zur Unter-
stützung nötigenfalls auch an eine der vor Ort tätigen karitativen Organisa-
tionen wenden kann.
5.4 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, ergibt sich aus den Akten,
dass beim Beschwerdeführer (...) festgesellt wurden. Der Beschwerdefüh-
rer wurde aufgrund seiner (...) zugewiesen (vgl. SEM-Akten 1195734-18/3
ärztlicher Kurzbericht von C._, (...), z.H. des BAZ vom 14. Septem-
ber 2022 [nachfolgend A18], 1195734-20/2 Konsultationsbericht von
D._, (...) vom 29. September 2022 [nachfolgen A20]).
5.4.1 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
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EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
5.4.2 Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der aktenkundigen und
geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht gegeben. Der
Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft machen, dass eine Überstellung
seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Er legte selbst dar, dass in
Frankreich diverse Untersuchungen durchgeführt worden seien, sowohl in
E._ als auch in F._, und er mehrmals beim Arzt war (vgl.
SEM-Akte 1195734-13/3, S. 2). Dass er damit nicht zufrieden war, vermag
an der Tatsache, dass ihm in Frankreich medizinische Versorgung gewährt
wurde, nichts zu ändern. Auch hier in der Schweiz sind dem Beschwerde-
führer – neben der Medikation aufgrund (...) – lediglich Schmerztabletten
verschrieben worden (vgl. A18 und A20), wie dies auch in Frankreich der
Fall war. Es sind überdies erste Abklärungen vorgenommen worden, nach
welchen der Beschwerdeführer an einen (...) überwiesen wurde. Am
12. Oktober 2022 wurde der Beschwerdeführer das erste Mal untersucht.
Ein entsprechender Arztbericht wurde weder von der Rechtsvertretung im
vorinstanzlichen Verfahren, noch vom Beschwerdeführer auf Beschwerde-
ebene eingereicht. Welche Abklärungen noch zu tätigen wären, geht aus
den Akten nicht hervor und wird vom Beschwerdeführer auch nicht spezifi-
ziert. Es kann aber – wie die Vorinstanz zu Recht festhält – auch ohne
diesen Arztbericht und das Abwarten weiterer Untersuchungen gesagt wer-
den, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers keine Unzuläs-
sigkeit im Sinne der erwähnten restriktiven Rechtsprechung zu rechtferti-
gen vermag. Die gesundheitlichen Beschwerden sind zwar ernst zu neh-
men, aber nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären
Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Daran ändern
auch die geltend gemachten psychischen Beschwerden nichts, zumal er
diese nicht belegt. Entsprechend liegt auch keine Verletzung der Sachver-
haltsabklärungspflicht durch die Vorinstanz vor, welche eine Rückweisung
der Sache an das SEM rechtfertigen würde. Der entsprechende Antrag ist
abzuweisen.
5.4.3 Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforder-
liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls
einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
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Aufnahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Frankreich über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, weshalb sich der Be-
schwerdeführer im Bedarfsfall an das dafür zuständige medizinische Fach-
personal wenden kann. Wie die Vorinstanz zudem zutreffend ausführt, ge-
währt Frankreich auch abgewiesenen Asylsuchenden die notwendige me-
dizinische Betreuung.
5.4.4 Die geltend gemachten Beschwerden stehen einer Überstellung
nach Frankreich somit nicht entgegen und könnten höchstens die Reisefä-
higkeit tangieren, welche es im Zeitpunkt der tatsächlichen Überstellung
abzuklären gilt. Darüber hinaus werden die schweizerischen Behörden, die
mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, den medizini-
schen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die französi-
schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen me-
dizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).
5.5 Nach dem Ausgeführten besteht kein Grund für eine Anwendung der
Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1). So-
mit bleibt Frankreich der für die Behandlung des Asylgesuchs des Be-
schwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Der Voll-
ständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsu-
chenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber
auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.
6.1 Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und
hat seine Wegweisung nach Frankreich angeordnet.
6.2 Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um aufschie-
bende Wirkung gegenstandslos geworden.
6.3 Der am 28. Oktober 2022 angeordnete vorsorgliche Vollzugsstopp fällt
mit dem vorliegenden Urteil dahin.
7.
7.1 Die Begehren waren – wie sich aus den obenstehenden Erwägungen
ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen, weshalb das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG un-
besehen der geltend gemachten Bedürftigkeit abzuweisen ist.
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7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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