Decision ID: 083f973b-4f7a-4f03-a64f-d5ec6d3eff86
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1949, war seit
Februar 2004
bei
der
Y._
AG als Baufacharbeiter
angestellt und damit bei der S
uva
versichert, als
er
sich am
1
9.
Juni 2008
als Fussgänger
bei
einer Kollision mit einem Radfahrer multiple Verletzungen
am Kopf
zuzog (
Urk.
9/1
).
Nach
getätigten
Abklärungen
stellte die S
uva
die bis dahin erbrachten Leistungen
mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2011
per
Ende Oktober 2011
ein und verneinte einen Rentenanspruch und einen solchen auf
Integritätsentschädigung (
Urk.
9/147).
Die vom Versicherten am
2
4.
November 2011
erhobene
(
Urk.
9/150)
und am
5.
Januar 2012
ergänzt
e
(
Urk.
9/153)
Einsprache
hiess
die S
uva
am
8.
Januar 2013 teilweise gut und setzte den Fallabschluss auf den
7.
Juni 2012 fest (
Urk.
9/181
).
Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
9/186) hiess das hiesige Gericht im Verfahren UV.2013.00048 mit Urteil vom
9.
April 2013 (
Urk.
9/190) in dem Sinne gut, dass die Sache an die Suva
zurückgewiesen
wurde
, damit sie ein interdisziplinäres Gutachten einhole und hernach über die Leistungsansprüche neu entscheide.
1.2
Die Suva holte in der Folge eine entsprechende medizinische Expertise ein (
Urk.
9/
272, vgl. auch
Urk.
9/276,
Urk.
9/273,
Urk.
9/274), die am 3
1.
Mai 2017 erstattet wurde
, und bestätigte
mit Verfügung vom
5.
Oktober 2017 (
Urk.
9/281)
die Leistungseinstellung per
7.
Juni 2012
mangels adäquater Unfallfolgen
.
Die vom Versicherten am
7.
November 2017 (
Urk.
9/283) erhobene Einsprache wies die Suva am 2
9.
Oktober 2018 ab (
Urk.
9/292 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
7.
November 2018
Beschwerde (Urk. 1) geg
en den Einspracheentscheid vom 2
9.
Oktober 2018
(Urk. 2)
und beantragte, dieser sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1), eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren medizinischen Abklärungen zurückzuweisen, damit sie hernach nochmals über die gesetzlichen Ansprüche entscheide (S. 2
Ziff.
2).
Mit Beschwerdea
ntwort vom 2
2.
März 2019
(Urk.
8
) beantragte die S
uva
die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
2
7.
März 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
ge
set
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
ver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt
ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1
9.
Juni 2008 (vgl. Urk. 9/1) ereig
net, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegen
den Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts, ATSG), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (Art.
8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte die Leistungen mit der Begründung ein (Urk. 2),
aufgrund der wiederholt durchgeführten apparativen Untersuchungen und de
r
gutachterlichen Feststellungen bestehe in Bezug auf die heute noch geklagten Beschwerden kein unfallbedingtes organisches Korrelat (S. 7 oben). Bildgebend oder mit anderweitigen apparativen Methoden liessen sich keine relevanten, unfallbedingten und objektivierbaren Schädigungen mehr nachweisen (S. 8 oben). Den medizinischen Akten seien keine Hinweise auf ein unfallbedingtes Schleudertrauma der Hals
wirbelsäule zu entnehmen und e
ine Bewusstseinsstö
rung habe nicht festgestellt werden können. Es sei höchstens von einem leicht
gradigen
Schädelhirntrauma auszugehen, weshalb die Prüfung der Adäquanz
unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentw
icklung nach Unfall zu erfolgen habe (S. 9).
Diese
führe vorliegend dazu, dass der adäquate Kausal
zusammenhang nicht gegeben sei (
S. 19).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein (Urk. 1),
beim Gutachter
Dr.
Z._
liege eine objektiv begründete Befangenheit vor, welche zur Unver
wertbarkeit des neurologischen Gutachtens führen müsse (S. 5).
Gemäss
Dr.
A._
handle es sich bei den Restbeschwerden ätiologisch um organische verursachte Folgen, bei denen die Adäquanz ohne weitere Adäquanzkriterien zu bejahen sei (S. 7 f.).
Aufgrund des Gesagten werde eine Ausrichtung einer Integritätsentschä
digung von 50
%
wegen der Folgen der erlittenen Schädel- und Gesichtsfraktu
ren, beziehungsweise wegen des gemischten chronifizierten Schmerzsyndroms, beantragt (S. 10). Sodann sei der Endzustand selbst aufgrund des Gutachtens
Z._
erst per 3
1.
Mai 2017 erreicht. Eine Rückwirkung bis ins Jahr 2012 werde nicht begründet. Die Beschwerdegegnerin bleibe bis zum 3
1.
Mai 2017
für das Taggeld
leistungspflichtig (S. 11).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob noch objektivierbare or
ganische Unfallfolgen vor
liegen.
3.
3.1
Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein Teilgutachten am 1
1.
September 2015 (
Urk.
9/276) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerdeführers.
Er nannte folgende D
i
a
gnosen (S. 14):
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
dysfunktionales Krankheitserleben und -verhalten
Er führte aus,
g
emäss fremdanamnestischen Ang
aben der Ehefrau habe
sich der
Beschwerdeführer seit dem Unfall sehr verändert. Er sei
reizbar, zurückgezogen, desinteressiert und eigenbrötlerisch geworden. Dies liesse bei einer relevanten traumatischen Hirnverletzung, insbesondere mit frontaler Lokalisation, an eine hirnorganisch (mit-)bedingte Wesensänderung denken. Gemäss den neurolo
gischen und ne
uroradiologischen Befunden liege
jedoch eine MTBI
(mild
traumatic
brain
injury
= milde traumatische Hirnverletzung)
vor, die definitions
gemäss keine mit üblichen diagnostischen Verfahren nachweisbaren und anhal
tenden organischen strukt
urellen Defizite zur Folge habe. Des Weiteren falle
auf, dass die Folgen der Wesensänderung vor a
llem im häuslichen Umfeld aufträ
ten, währenddessen sich der
Beschwerdeführer
in der U
ntersuchung gut beherrschen
könne
und das
fragliche Verhalten nicht zeige
. Ebenso w
enig scheine
es während der Arbeitstätigkeit aufgetreten zu sein. Bei einer organisch begründbaren
«
Wesensänderung
»
wäre ein etwas anderes klinisches Bild mit vermehrter Enthemmung und geringerer Steuerbarkeit in unterschiedlichen Kontexten zu erwarten. Di
eses Verhalten lasse
sich besser durch eine Depression oder aber durch dysfunktionales Krankheitserleben und -verhalten erklären,
was im Fol
genden untersucht werde
(S. 14)
.
Gemäss
den
diagnostischen Kriterien
der ICD-10 liege
mit
den Symptomen des Beschwerdeführers
eine mittelgradige depressive Episode vor und dies mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht erst aktuell, sondern bereits seit Jahren, also noch zur Zeit der Arbeitstätigkeit. Eine schwere depressive Episode wäre nicht mit dem relativ hohen Arbeitspensum von 70
%
verein
bar gewesen. Klinisch ent
spreche
der Schweregrad eher einer mittelgradigen als dem einer schweren Depression, da die einzelnen Symptome zum Teil nur in leichter
oder mittlerer Ausprägung vorlä
gen. Der Beginn der D
epression könne
aus den Unterlagen nicht sicher reko
nstruiert werden. Am ehesten sei
von ein
er langsamen Steigerung aus
zugeh
en, wobei die Arbeitstätigkeit rein aus psychiatrischer Sicht vermutlich einen stabilisierenden und antidepressiven Effekt
gehabt habe
. Au
s psychiat
rischer Sicht habe
bislang kein
e suffiziente Behandlung der Depression stattge
funden. Der Beschwerdeführer
sei
gegenüber einer solchen, insbesondere gegen
über einer Psychotherapie, ablehnend. Parallel zu der Depression ha
be der Beschwerdeführer ein dysfunktionales Krankheitserleben und -
verhalten mit ausgeprägter Vermeidung, sozialem Rückzug und Dekonditionierung und damit Absenkung der Schmerzschwelle entwickelt, das einerseits das Schmerzerleben und ander
erseits die Depression verstärke und überforme
. Schmerze
rleben und Depres
sion wiederum verstärk
t
en sich gegenseitig
. Mit dem Wegfall der Arbeit habe der Beschwerdeführer
eine wichtige Säule seiner Identität verloren, die er nicht durch andere Tätigkeiten, Interessen oder Aktivitäten ersetzt ha
be
, was jedoch nicht rein auf die Depression zurückzuführen
sei, sondern
persönlich
keits
,
bildungs- und kulturelle Ein
flü
sse ha
be
. Die Schmerzätiologie
sei
bis anhin kontrovers diskutiert
worden. Berichten, die auf nicht or
ganisch erklärbare Ausformung und Präsentation hinweisen
würden
, st
ünden solchen gegen
über, die eine vollständige organische Erklärbarkeit postulier
t
en. Aus rein psychiat
rischer Sicht
sei
den Behandlern dabei aber
e
nt
gangen
, dass selbst organische Schmerzen häufig nicht nur mit rein somatischen Mitteln bewältigt werden könn
t
en, sondern dass daneben oft eine (Schmerz-)Psychotherapie indiziert
sei. Beim Beschwerdeführer sei
allerdings zu berücksichtigen, dass er einer solchen Behandlung heute nicht offen
gegenüberstehe
,
so dass es überwiegend wahr
scheinlich einer aufwändigeren
Motivations- und Aufklärungsarbeit durch den Hausarzt gebraucht hätte, um das Verständnis und
d
ie Bereitschaft dafür zu wecken (S. 15 f.).
Die Angaben zu
den
Beschwerden oder die demonstrierten Defizite
zum Beispiel im Gedächtnisbereich seien
zum Teil nicht nachvollziehbar, so dass hier zumin
dest von einer zusätzlichen Verdeutlichung, eventuell sogar von Aggravations
t
endenzen ausgegangen werden müsse
. Letztere
seien auch im n
europsycholo
gischen Gutachten als möglich erachtet
worden
. Ge
rade in diesem Zusammen
hang gebe
auch die für eine mittelgradige Depression erstaunlich hohe realisierte Arbeitsfähigkeit von 70
%
bei zusätzlichen und subjektiv im Vordergrund stehenden Schmerzen zu denken
(S. 16)
.
Die angegebenen psychischen Beschwerden s
eien
mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit m
ittelbar auf den Unfall vom 1
9.
Juni 2008 zurückzuführen, wü
rden aber zunehmend durch das dysfunk
tionale Krankheitserleben und -
verhalten überformt
(S. 17)
.
Aus rein psychiat
risch-gutachterlicher Sicht seien
als unfa
l
lfremde Faktoren vor allem eine suboptimale Betreuung mit Vernachlässigung der integrierten psychi
atrisch-psychotherapeutischen Behandlung der Depression und der Schmerzen zu benennen. Es wäre eine rasche sch
merzpsychotherapeutische Behand
lung sinn
voll gewesen, um den Umgang des
Beschwerdeführers
mit seinen Schmerzen zu modifizieren und die Grenze der Belastbarkeit herauszufinden und mindestens wahrscheinlich auch zu verschieben. Ausserdem hätte die sich entwickelnde Depression rasch behandelt werden müssen, am besten nicht nur psychopharma
kologisch, sondern auch psychothera
peutisch. Beide Problemfelder lie
ssen sich prinzipiell in einer Behandlung integriert bearbeiten.
Der sich jahrelang hin
zie
hende Rechtsstreit mit entsprechender U
nsicherheit über den Ausgang sei
mindestens mit Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein relevanter unfa
l
lfremder Faktor. Die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit und später der altersbedingte Wegfall
der Arbeit hätt
en dem
Beschwerdeführer
die wahrscheinlich wichtigste Stütze seines Selbstwerts und einen Grossteil seines Lebensinhalts genommen. Dass der
Beschwerdeführer
dafür keinen Ersatz gesucht ha
be
, ha
be auch unfallfremde Gründe beziehungsweise
Einflüsse (S. 17).
Rein medizinisch-theoretisch sei
bei Hilfsarbeiten
ohne relevante kognitive Anfor
derungen
von einer (mindestens) 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugeh
en, zumal die Arbeit eine
n tagesstrukturierenden, selbst
wertstabilisierende
n und antidepressiven Effekt habe
.
Am ehesten sei
dies bei einer Hilfsarbeitertätigkeit auf 90
%
Arbeitsfähigkeit
in leistungsmässiger und 80
%
Arbeitsfähigkeit in zeit
licher Hinsicht aufzuteilen
(S. 18)
.
Neben der beschreibba
ren psychischen Symptomatik seien
eindeutige Auswir
kungen auf kognitive Leistungen wie Aufmerksamkeit, G
edächtnis, Konzentra
tion und An
trieb fassbar. Sie beeinträchtig
t
en das alltägliche Leben. Ob die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen Gründen reduziert
gewesen sei, lasse
sich nachträglich nicht mehr sic
her bestimmen. Begründet
worden sei
die (Selbst
)
Limitierung jedenfalls rein somatisch mit den Schmerzen. Zwar tr
ä
ten die Defizite erst bei Anforderungen, die das alltägliche Ausmass überschreiten
wür
den, auf. Es sei
jedoch medizinisch-theoretisch zu postulieren, dass bei zumutba
rer Willensanstrengung eine Therapie möglich und sinnvoll wäre. In diesem Fall bestünde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit einer signifikan
ten V
erbesserung der psychiat
rischen Symp
tomatik. Diese Voraussetzung sei
jedoch aus nicht-störungsbeding
ten Gründen nicht gegeben
(S. 19)
.
3.2
Dr.
A._
,
praktischer Arzt,
Zentrum
C._
, erstattete sein zahnmedizinisches Gutachten am
4.
Juli 2016 (
Urk.
9/274) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwer
deführers.
Er nannte folgende Diagnosen (S. 5 f.):
-
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur
-
schmerzhafte posttraumatische
Trigeminusneuropathie
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (
ICD-10 F45.41
)
Er
führte aus, dass
keine regionale Lymphadenopathie
bestanden habe
. Die Sensomotorik des Gesichtes
sei
symmetrisch bei Prüfung auf leichte Berührung und Kälte
intakt
gewesen
. Die Spitz-/Stumpf-Diskriminierung
sei
nicht konklusiv
gewesen
, wobei unklar
gewesen sei
, ob sprachliche Schwierigkeiten das Ergebnis beeinflusst
hätten.
In beiden Kiefergelenke
n sei
kein
Krepitus
auskultiert
worden. Die Kiefergelenke seien
beidseits nicht druckdolent und das Gelenkspiel unauf
fällig
gewesen
(S. 5)
.
Heute imponiere
ein gemischtes Schmerzbild im Gesichtsbereich. Der Ruhe
schmerz mit kauabhängiger Verstärkung
sei
auf eine
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur zurückzu
führen, denn die Kaumuskeln seien
druckdolent und deren Palpati
on reproduziere die
beklagten Beschwerden. Aufgrund der erlittenen Har
t- und Weichteilverletzungen sei
die gesteigerte Gesichtsempfindlichkeit (
Allodynie
und Hyperalgesie) sowie der brennende, teilweise stechende Schmerz
charakter im Bereich der Ober- und Unterlippen mit einer schmerzhaften post
traumatischen Trigeminusneuropathie zu vereinbaren
.
D
ie Kriterien für
die
Diag
nose
einer
c
hronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gemäss ICD-10
F45.41 seien
im vorliegenden Fall ebenfa
lls erfüllt. Diese Diagnose bedü
rf
e
aber der zusätzlichen psychiatrischen Einschätzung
(S. 5 f.)
.
Keine der
beklagten Beschwerden sei
organisch nachweisbar. Die Ermangelung eines
«
Biomarkers
»
für schmerzassoziierte neurobiologische und neuropsycholo
gische Prozesse
bedeute
aber keineswegs, dass diese einer strukturellen Grundlage entbehren
würden. So hätt
en
zum Beispiel
aktuell verfügbare bildgebende Verfahren eine begrenzte Auflösung. Sie könn
t
en auch keine molekularen oder zellulären Veränderungen an Nerven dokumentieren, die höchstwahrscheinlich chronischen Schmerzen zugrunde l
ä
g
en. Im forensischen Kontext gebe
es in den USA zwar Anstrengungen, mittels sogenannt
«funktioneller Magnetresonanz-Tomographie»
anhaltende Schmerzen bei organisch nicht nachweisbarem Substrat als Beweismittel vorzubringen,
aber die genutzten Verfahren seien
für diesen Zweck derzeit wissenschaftlich nicht anerkannt. Bekannt
sei
, dass Gewe
beschädigungen unterschiedlicher Art und variablen Grades chronische Schmer
zen nach sich ziehen könn
ten. Im Gesichtsbereich seien
die andernorts vielfach beobachteten trophischen Gewebeveränderungen im Sinne eines
«
chronic
regio
nal
pain
Syndroms
»
(CRPS) kaum je zu beobachten. Dass aber an diversen Körperregionen Schmerzen relativ häufig länger als 3-6 Monate anhaltenden könn
ten, sei
am besten nach chirurgischen Eingriffen
untersucht
. Welche Perso
nen nach Gewebeverletzungen chronische postoperative Schmerzen entwickeln
würden, lasse
sich ni
cht voraussehen. Ebenso wenig lie
ssen sich die vielfältigen und individuell variabel ausgeprägten Prozesse mittels heute verfügbarer Mess
methoden (Bildgebung, Elektrophysiologie, quantitative sensorische Testung) erfassen, welche dem Übergang von akuten zu c
hronischen Schmerzen zugrunde lä
gen. Entspre
chend sei
es im vorliegenden Fall nicht sinnvoll, weitere Abklärun
gen zu veranlassen in der Hoffnung, damit eine singuläre organische Schmerzu
rsache nachweisen oder widerlegen zu können
(S. 6
f.
)
.
A
ufgrund der besprochenen Limitationen hinsichtlich
des
Nachweises einer strukturellen Nervenschädigung
sei
die überwiegende Wahrscheinlichkeit eines kausalen Zusammenhangs zwischen den beklagten Beschwerden und dem Unfall vom 1
9.
Juni
2008 lediglich aufgrund des evidenten zeitlichen Zusammenhangs gegeben. Aus schmerzmed
izinischer Sicht sei
es nicht ungewöhnlich, dass sich das Beschwerdebild des
Beschwerdeführers
auch noch Monate nach der Erstver
letzung verändert
habe
. Um dieser Dynamik der komplexen Veränderung
en Ausdruck zu verleihen, bestünden im neurowissenschaftlichen
Fachjargon unter
schiedliche Begriffe wie Neuroplastizität, Neurale Sensitivierung (
Sensit
ization
), Langzeit-Potenzierung
oder
«
Dynamic Pain
Connectome
». Klinische Studien wür
den
auch beim Menschen verstärkte Schmerzempfindungen nach trigeminalen Nervenverletzungen
belegen
, wobei eine grosse Bandbreite der S
chmerzintensität
beobachtet werde
. Psychometrische Untersuchungen
würden
zudem eine ind
ivi
duell variable physische beziehungsweise
psychosoziale Beeinträchtigung
belegen.
D
ie Verteilung der Schmerzintensitäten korrelier
e in der Regel
nicht mit der Art des Traumas, dem Geschlecht, dem Alter oder der Dauer seit dem Trauma. Eine starke Fluktuation
der Schmerzintensität und des
Schmerz
c
harakters im Tagesverlauf so
wie im gesamten Zeitverlauf werde
häufig beobachtet. Für den vorliegenden F
all gelte
zu beachten, dass nicht zwingend am makroanatomisch sichtbaren Nervenstamm na
chweisbare Schäden zu sehen seien
, sondern auch Verletzungen kleinerer Nervenäste zu einer ähnlichen Symptomatik führ
t
en
. Die vom Beschwerdeführer
beschriebenen Beschwerden (Stirnkopfschmerzen, Brennen der Lippen und Kieferschmerzen) und die Befunde gemäss Untersuchung an
der Neurologischen Klinik am Universitätsspital
D._
vom 1
4.
Mai
2009 (verminderte Sensibilität für Berührung, Schmerz und Temperatur im Bereich der Stirne, der
Wangen sowie des Unterkiefers) seien
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf den Unfall vom 1
9.
Juni
2008
beziehungsweise
auf die unfallbedingte Operation zurückzuführen
(S. 7 ff.)
.
Hinsichtlich der
Tendo
myopathie
der Kaumuskulatur könne
eine erhebliche Verbesserung mittels weniger Biofeedback-Sitzungen im Rahmen einer schmerz
psychologischen Behandlung erreicht werden. Von einer verbesserten Körper
wahrnehmung und einer entspannteren Unterkief
erlage könne eine Schmerzli
n
derung des Ruheschmerzes erwartet werden. Nicht vorauszusehen
sei
, ob
sich
dadurch auch der Kauschmerz lindern w
erde
. Generell
sei
eine Akzeptanz- und
Commitmenttherapie
in ähnlichen Fällen hilfreich, wobei die Aussicht auf Erfolg im vorliegenden Fall durch die psychotherapeutische Fachexpertise zu klären
sei
.
Hinsichtlich der schmerzhaften posttraum
atischen Trigeminusneuropathie seien
in der Vergangenheit diverse Medikamente eingesetzt
worden
. Mit der aktuellen Dosierung von
Remeron
und
Ly
rica
scheine
ein akzeptabler Kompromiss zwischen Wirkung und Nebenwirkung gefunden
worden zu sein. Eine Verbesse
rung sei
von weiteren Behandlungsmassnahmen nicht zu erwarten
(S. 9)
.
3.3
Dr.
Z._
,
Facharzt für Neurologie
,
Institut E._
,
erstattete sein Gutach
ten am 3
1.
Mai 2017 (
Urk.
9/272) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerdeführers. Er nannte folgende Diagnosen (S.
49
Ziff.
1
):
-
c
hronische Kopf- und Gesichtsschmerzen im Anschluss an einen Velo
unfall am 1
9.
Juni
2008, laut Aktenlage mit Commotio cerebri, einer Gesichtsfraktur Le Fort II, weiteren Mittelgesichtsfrakturen sowie einer Rissquetschwunde supraorbital links
-
s
ubjektive Sensibilitätsstörung an Kopf und Gesicht, ohne sicheres organ
pathologisches Korrelat
-
g
estörte Schmerz- und Symptomverarbeitung, mit Symptomausweitung
und dysfunktionalem Verhalten
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD
-
10 F32.1)
-
a
nhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
-
10
F45.41)
Er führte aus,
e
ine strukturelle Hirnverletzung oder eine Läsion intrakranieller schmerzsensitiver Strukturen
sei
in der gesamten Versicherungsakte nicht nach
gewiesen worden. Das CT
des
Kopf
es vom 1
9.
Juni
2008
sei
normal
gewesen
. Es
hätten
sich keine intrakraniellen Verletzungsfolgen durch den Unfall
gezeigt
. Aufgrund anhaltender Beschwerden
sei a
m
4.
Juni
2009 ein MRI des Kopfes durchgeführt
worden
, welches einen unauffälligen Befund
ge
zeigt
habe
. Zum sicheren Ausschluss traumatischer Läsionen
sei
am 2
7.
Oktober
2009 ein MRI
des Schädels mit T
-Sequenzen
erfolgt
, die keinen Hinweis
auf
Hämosiderinablage
rungen
erge
ben
hätten
. Damit
habe
sich erneut ein normaler intrakranieller Befund ohne Hinweise für ein strukturelles Hirntrauma oder eine traumatische Verletzung intrakranie
ll
er schmerzsensitiver Strukturen wie zum Beispiel der Hirngefässe oder der Meningen
gezeigt (S. 36)
.
Die hier vor
getragenen Kopfschmerzen entsprä
chen phänotypisch am ehesten einem chronischen Spannungskopfs
chmerz. Als Schmerzqualität werde
ein Kopf
druck angegeben. Der Kopfdruck sei
holocephal
oder
fronto
-temporal beidseits lokalisiert. Vegetative Begleitbeschwerden w
ürden nicht berichtet. Es habe
sich kein Anhalt für eine Migräne oder eine andere
trigemino
-autonome Kopf
schmerzerkrankung ergeben. Die ständige Gleichheit und nicht Modulierbark
eit der Schmerzintensität spreche
für ein nicht-organisches Geschehen. Auch die teil
weise unscharfen, teilweise sogar widersprüchlichen Angaben
(
zunächst gar keine Modulierbarkeit, dann doch Verschlechterung be
i Kälte oder Wetterwechsel
)
sprä
chen nicht für ein organisches Kopfschmerzsyndrom. Eine Verstärkung bei Kopfbewegungen
sei
hier nicht vorgetragen
worden
, im Gegensatz zu manchen Berichten in der Versicherungsakte. Die Behauptung, dass die Kopfschmerzen durch Analgetika wie Paracetamol oder Metamizol ni
cht beeinflussbar seien, spreche gegen einen organpathol
ogisch verstehbaren Schmerz. Die Tatsache, dass durch Kieferbewegungen beim Kauen eine Ver
schlechterung hervorgerufen werde
,
sei
untypisch für einen Spannungskopfschmerz. Die mehrf
ach durchge
führte Bildgebung habe
keine intrakranielle strukturelle Verletzungsfolge zeigen können. Insofern
sei
es zu keiner Schädigung von Hirngewebe oder intrakraniel
len schmerzsensitiven Struk
turen gekommen. Entsprechend sei
als Dia
gnose nach dem Zusammenpral
l eine Commotio cerebri zu diagnostizieren, nicht jedoch eine
höhergradige, strukturelle Hirnverletzung. Aufgrund der
eher kurzen Bewusstlo
sigkeit sei
eine leichte Commotio cerebri zu diagnostizieren.
Leichte Gehirn
er
schütterungen
würden
in der Regel innerhalb von 4 Wochen ab
heilen
. B
ei einer verzögerten Heilung könne
es gelegentlich zu einer Kopfschmerzpersistenz von 3-6 Monaten kommen. Eine länger als 12 Monate anhalt
ende Kopfschmerzsymp
tomatik könne
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das
allenfalls leichte Schädelhirn
trauma mit Commotio cerebri kausal bezogen werden
(S. 37)
.
Die neurologischen Kollegen interpretier
t
en die mittelschweren bis schweren kog
nitiven Störungen differentialdiagnostisch entweder im Rahmen des Schmerzsyn
droms oder auch im Rahmen des milden Schädelhirntraumas. Hierzu
sei
anzu
merken, dass eine schwere kognitive Störung zunächst einmal im Alltag hätte
auffallen müssen und in den Vorbefunden nicht dokumentiert worden
sei
. Die neuropsychologische Testung
habe
keine Symptomvalidierung
inkorporiert
, insofern sei
auch eine motivationale Verzerrung als Ursache der Befunde gut denkbar, insbesondere bei einer gleichzeitigen Depression. Die Behauptung, dass eine Commotio cerebri, die initial zu keinen kognitiven Defiziten geführt ha
be
, wie in der Versicherungsakte gut dokumentiert, mit einem Abstand von fast einem Jahr nach dem Ereignis plötzlich zu einer mittelschweren bis kognitiven Störung führen soll
e, sei
ätiopathogenetisch
nicht plausibel. Der Verdacht einer Trigeminusneuralgie oder einer Trigeminusneuropathie
sei
von den Neurologen des
D._
nicht geäussert
worden
. Es
sei
auch darauf hingewiesen
worden
, dass die Gesichtsschmerzen keine sicheren Anzeichen ei
nes neuropathischen Schmer
zes hätt
en. Es
seien
keine Angaben zur
Ä
tiopathogenese der Sensibilitätsstörun
gen im Gesicht gemacht
worden
. Sollte eine organpathologische Genese angenommen werden, wäre die Diagnose eines atypischen Gesichtsschmerzes nicht zu stellen, da dies entsprechend der internationalen Krit
erien eine Ausschlussdiagnose sei und eine organpathologische Genese nicht impliziere
,
sondern ausschliesse. Insbesondere seien
nachweisbare Schädigungen oder Erkrankungen von Hirnnerven oder deren Ästen von dieser Diagnose ausge
schlossen. Insofern wiederspr
ä
chen sich die Neurologen des
D._
hier selbst
(S. 38 f.)
.
Insgesamt sei
der hiesige sensible Befund nicht konsistent mit den in der Akte vorbesc
hriebenen Befunden. Er entspreche
keinem zu erwartenden Befund bei einer Trigeminusläsion oder Trigeminusastläsion.
Auch durch diffuse Nervenen
dast
läsionen der Trigeminusäste, wie von manchen untersuchenden Ärzten postuliert, wäre dieser Befund insgesamt nicht zu erklären. Hinweise für einen neuropath
ischen Schmerz im Sinne einer
Al
lod
ynie
oder einer Hyperalgesie hätt
en si
ch nicht ergeben.
D
ie postulierte Diagnose eines neuropathischen
Schmerzsyndroms im Ansc
hluss an eine diffuse Weichteil
schädigung
sei
eine Hypothese, die ein neuropathisches Schmerzsyndrom postulier
e
,
das
nicht den internationalen dia
gnostischen Kriterien entspreche.
D
iffuse Weichteilschädigun
gen
heilten
in der Regel mehrheit
l
ich ohne entsprechende Schmerzsyndrome aus. Insbesondere im Gesicht
sei
die Heiltendenz von Weichteilverletzungen sehr gut, sodass die entsprechende Entität eines neuro
pathischen Schmerzsyndroms nach
diffusen Rezeptoren oder feinen sensiblen Endästchen eine Spekulation, nicht aber ei
ne gesicherte Diagnose darstelle. Zusammenfassend werde
festgestellt, dass aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen keine organpathologische Diagnose als Erklärung der Gesichtsschmerzen und der subjektiven Sensibilitä
tsstörung gestellt werden könne
. Eine überwiegend wahrscheinliche Kausalität der anhal
tend beklagten Beschwerden mit dem Unfall vom 1
9.
Juni
2008
sei
somit nicht gegeben
(S. 43 f.)
.
Im Zusammenhang mit den sensiblen Untersuchungsbefunden, die
Dr.
A._
selbst vorgelegt ha
be
,
sei
im Lichte der Befunde der Versicherungsakte und der Befunde der hiesigen Untersuchung eine überwiegende Unfallkausalität für die beklagten Sensibilitätsstörungen und die beklagten Gesichtsschmerzen nicht gegeben. Seine Schlussfolgerung, dass
«
die vom Versicherten beschriebenen Beschwerden
»
seines Erachtens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 1
9.
Juni
2008 beziehungsweise auf die unfallbedingte Oper
ation zurückzuführen seien, werde
von ihm nicht plausibel schlüssig nachvollziehbar begründet
(S. 47)
.
Die
vom Beschwerdeführer
beklagten Kopfschmerzen in Form von chronischem Kopfdruck und die beklagten Gesichtsschmerzen s
eien
nicht durch organpatho
logische Befunde erklärbar. Weitere Diagnostik
sei
nicht notwendig. Mehrfache bildgebende Untersuchungen des Kopfes inklusive eines MRIs mit T- Sequenzen
hätten
keine strukturellen Läsionen
gezeigt
. Ein hier durchgeführtes EEG
habe
einen normalen Befund ohne Hinweis für eine Enzephalopathie oder eine andere hirnorganische Störung
gezeigt
. Die in der Ver
gangenheit festgestellten mittel
schweren bis schweren kognitiven Störungen
hätten
sich hier und in der neuropsychologischen Testung durch
Dr.
F._
nicht mehr nachweisen
lassen
. Aufgrund von erheblicher Aggravationstendenz
seien
die Befunde teil
weise nicht schlüssig interpretierbar
gewesen
. Eine wesentliche
kognitive Störung schliesse
Dr
.
F._
aus. In der hiesigen Begutac
htung habe
sich ebenfalls im verhaltensneurologischen Befund keine wesentliche kognitive Einschränkung
gezeigt (S. 49 f.).
Die mittelschwere depressive Episode steh
e
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit im natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 1
9.
Juni
200
8.
Die
beklagten Schmerzen erklär
t
en sich am ehesten im Rahmen einer psychischen Fehlverarbeitung. Auf neurologischem Fachgebiet beziehungsweise durch organ
pa
thologische Befunde lie
ssen sich die Kopfschmerzen und die Gesichtsschmer
zen des Versicherten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal erklären
(S. 50)
.
4.
4.1
Nach der geschilderten Aktenlage kann als erwiesen gelten, dass der Beschwer
de
führer sich
ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer
commotio
cerebri, einer Le-Fort-II-Trümmerfraktur sowie
eine
r
Rissquetsch
wunde am Kopf links supraorbital
zuzog
(vgl.
Urk.
9/12
)
.
Laut Bericht der
erstbehandelnden Ärzte
wurde ein Wert von 15 Punkten gemäss der Glasgow
Coma
Scale
(GCS-Wert) konstatiert und bei Eintreffen im Spital bestätigt (vgl.
Urk.
9/
12
).
In der Folge klagte der Beschwerdeführer über
Kopf-, Gesichts- und Kiefer
schmerzen sowie über ein Kribbeln und ein Taubheitsgefühl
perioral und am Mund und gab an, seit dem Unfall schwach und vergesslicher geworden zu sein sowie seine Beweglichkeit verloren zu haben.
4.2
D
ie Würdigung der mediz
inischen Akten ergibt, dass die
Beurteilun
g durch
Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.3)
für die Beantwor
tung der gestellten Frage betreffend
die Objektivierbarkeit
der geklagten Beschwerden
umfassend ist.
Die Beurtei
lung berück
sich
tigt die medizinischen
Vorakten
ebenso wie die geklagten Beschwer
den des Be
schwerdeführers und
d
ie Darlegung der medizinischen Befunde so
wie deren Beurtei
lung leuchten ein
.
D
ie Schlussfolgerungen sind
zudem
nach
voll
ziehbar begründet. So machte
der neurologische Gutachter auf die widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers beziehungsweise Befunde betreffend Sensibilität im Gesicht und am Kopf aufmerksam (
Urk.
9/272 S. 42 f.) und führte nachvollziehbar aus, dass aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen keine organpathologische Diagnose als Erklärung der Gesichtsschmerzen und der subjektiven Sensibilitätsstörung gestellt werden könne (S. 44 oben).
Er legte zudem plausibel dar,
dass das
Elektroencephalogramm
(
EEG
)
keinen Hinweis für hirnorganische Veränderungen gezeigt habe und der Grundrhythmus normal gewesen sei, was mit den normalen Ergebnissen der strukturellen Bildgebung
übereinstimme
(S. 4
4 Mitte).
Dr.
Z._
nahm
weiter
ausdrücklich Stellung zur
Kausalitätsbegründung durch
Dr.
A._
und führte nachvollziehbar aus, weshalb diese
nicht zu überzeugen verm
öge
und
dessen
Schlussfolgerung nicht plausibel und schlüssig nachvollziehbar begründet sei (S. 45 ff.).
Einleuchtend ist in diesem Zusammenhang die Argumentation des neurologischen Gutachters,
wonach
Dr.
A._
bei der Frage der
Kausalität den Fehlschluss des «
post
hoc, ergo
propter
hoc»
zulasse
(S. 46 f.).
Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass
d
ie
se Argu
mentation von
Dr.
A._
nach der Formel
«
post
hoc ergo
propter
hoc
»
, nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädi
gung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, beweisrechtlich nicht zuläs
sig
ist
und zum
Nach
weis der Unfallkau
salität
nic
ht zu genügen vermag (BGE 119 V 335 E.
2b/
bb
, Urteil des Bundesge
richts 8
C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E.
5.1).
Schliesslich f
ührte
Dr.
Z._
schlüssig und nachvollziehbar aus,
dass die vom Beschwerdeführer beklagten Kopf- und Gesichtsschmerzen nicht durch organpathologische Befunde erklärbar seien und eine weitere Diagnostik nicht notwendig sei, da mehrfache bildgebende Untersuchungen des Kopfes keine strukturellen Läsionen gezeigt hätten (S. 49 f.).
Die
Beur
teilung
des neurologischen Gutachters
leuchtet somit in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolge
rungen werden aus
führ
lich begründet.
Sie steht zudem in Übereinstimmung mit den bildgebenden Untersuchungsberichten, wonach kein Fraktur-Nachweis im Bereich der Halswirbelsäule sowie kein prä-/paravertebrales Hämatom nachweisbar waren (
Urk.
9/164) und
die
Schädel-MRI
einen normalen Befund
ohne intrakra
nielle
Traumafolgen
zeigte
(
Urk.
9/165
,
Urk.
9/40
)
.
Zudem bestätigte a
uch
Dr.
A._
in seinem Teilgutachten, dass keine der beklagten Beschwerden organisch nachweisbar seien (
Urk.
9/274 S. 6).
Die ärztliche Beurteilung durch
Dr.
Z._
ent
spr
icht
damit den von der Rechtsprechung kon
kre
tisierten Anforderungen (vgl. E. 1.5) vollum
fänglich, so dass für die Ent
scheidfindung da
rauf abgestellt werden kann.
4.3
Zusammenfassend steht aufgrund der durchgeführten apparativen Untersuchun
gen und den gutachterlichen Feststellungen in Bezug auf die heute noch beklag
ten Beschwerden des Beschwerdeführers fest, dass kein
relevantes
unfallbedingtes organisches Korrelat für die geltend gemachten Schädigungen besteht.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge zu Recht eine gesonderte, eigenständige Adäquanzprüfung durchgeführt. Diese wurde vom Beschwerdeführers nicht bemängelt und gibt aufgrund der Akten zu keinen Beanstandungen Anlass.
So ist nach der Rechtsprechung bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden wie folgt zu differen
zie
ren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleu
der
trauma der HWS, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtspre
chung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
(sogenannte Psychorecht
sprechung) zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die ver
sicherte Person eine der soeben
erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträch
tigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze (BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
) massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E. 6a und E. 4b festgelegten Kriterien (BGE 123 V 98 E. 2a).
Eine analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt sich gemäss Rechtsprechung nur dann, wenn eine erlittene Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen einer Commotio und einer
Contusio
cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen reichen hierfür nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_270/2011
vom 2
8.
Juli 2011
E. 2.1).
Vorliegend finden sich in den echtzeitlichen Akten nach dem Unfall (vgl. hierzu
Urk.
9/12-13) keine Hinweise für eine entsprechende Schädigung mindestens im Grenz
bereich zu einer
Contusio
cerebri, konnte doch mittels bildgebender Ver
fahren keine posttraumatische Hirnschädigung objektiviert werden und auch klinisch impo
nierte der Beschwerdeführer unauffällig. Die Beschwerdegegnerin hat die Adäquanz folglich korrekterweise gemäss den in BGE 115 V 133 aufge
führten Kriterien geprüft.
4.4
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen).
Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf
folgende Einteilung vorge
nommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere
Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwieri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfall
bezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte
Erwerbs
unfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256
S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
4.5
Die Beschwerdegegnerin ging von einem
mittelschweren Unfall
aus, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wurde und wovon auszugehen ist
(vgl. auch Polizeirapport;
Urk.
9/9)
. Zur Bejahung der adäquaten Kausalität wäre daher im vorliegenden Fall erforderlich, dass ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder dass mehrere der nach der Recht
sprechung massgebenden Kriterien gegeben sind.
4.6
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Ein
drücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des sub
jektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr.
U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil
des Bundesgerichts
8C_624/2008 vom 1
2.
Dezember 2008 E. 4.3.1). Dabei ist jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_39/2008 vom 2
0.
November 2008 E. 5.2).
Aufgrund des Geschehensablaufs sind keine Umstände ersichtlich, welche die Bejahung einer besonderen Dramatik oder besonderen Eindrücklichkeit
der Begleitumstände
rechtfertigen würden.
Bei den vom Beschwerdeführer erlittenen Frakturen am Schädel und d
en
Zahn
schäden
handelt es sich nicht um
Verletzungen
besonderer Art und Schwere
oder um solche, die erfahrungsgemäss geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2017 vom 1
9.
April 2017
E. 6.2.3)
.
Die medizinischen Massnahmen zur Behandlung der somatisch bedingten und organisch ausgewiesenen Unfallfolgen des Beschwerdeführers bestanden im stationären Aufenthalt im Universitätsspital
D._
(vgl.
Urk.
9/12), im operati
ven Entfernen des Osteosynthesematerials am 1
8.
Februar 2009 (vgl.
Urk.
9/30) sowie in den ambulanten Behandlungen der Zahnschädigungen. Damit kann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt betrachtet werden.
Wie bereits ausgeführt, liegen keine körperlich bedingten Dauerschmerzen vor, welche auf strukturell belegbare Befunde zurückgeführt werden können und den Akten sind keine Hinweise für eine ärztliche Fehlbehandlung zu entnehmen.
Aus der blossen Dauer einer Behandlung und der geklagten Beschwerden darf
zudem
gemäss Rechtsprechung nicht auf einen schwierigen Heilverlauf oder erhebliche
Komplikationen geschlossen werden. Besondere Erschwernisse, welche die Genesung beeinträchtigt hätten
,
sind vorliegend nicht ersichtlich.
Schliesslich erreichte die hier zu berücksichtigende physisch bedingte Erwerbsunfähigkeit das für die Bejahung des entsprechenden Kriteriums praxisgemäss erforderliche Aus
mass nicht.
So nahm der Beschwerdeführer seine Arbeit per
1.
September 2008 bei einem Rendement von 30
%
in seinem angestammten beruflichen Umfeld wieder auf und konnte das Pensum gegen Ende September 2008 auf 50
% steigern. Im Frühjahr
2010
konnte der Beschwerdeführer das Pensum auf 60
%
erhöhen
und ab Februar 2011 lag dieses bei 70
%
(vgl.
Urk.
9/
70,
Urk.
9/86)
.
4.7
Damit sind keine Zusatzkriterien erfüllt, womit der adäquate Kausalzusammen
hang der geklagten, nicht objektivierbaren Beschwerden zum Unfallereignis nicht gegeben ist
. D
ie Vernei
nung des Anspruchs auf die Vergütung wei
te
rer Leistun
gen über den
7.
Juni 2012 hinaus erweist sich daher als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.