Decision ID: f63a01ba-d1b6-49fd-8ae8-8b669f295bef
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Mit
dem
Formular
«Nachmeldung für nicht gemeldete Familienmitglieder»
vom 11. Januar 2019 teilte
die
Stadt
Z._
, Departement Soziales,
der
Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
mit, dass die als Person mit Anspruch auf eine Prämienverbilligung für das Jahr 2018 gemeldete
Y._
eine Tochter namens
X._
, geboren 20
0
5
(vgl. Urk. 6/8)
, habe
(Urk.
6/12).
Mit Schreiben vom 8. Februar 2019 ersuchte die SVA die Stadt
Z._
um Ergänzung der Nachmeldung mit den Steuerzahlen aus den Jahren 2017 und 2018, um den Anspruch
auf eine individuelle Prämienverbilligung für die Jahr
e
2018 und 2019 prüfen zu können (Urk. 6/11).
Mit Schreiben vom
14. Februar 2019 teilte die Stadt
Z._
der Mutter mit,
dass sie für die Tochter keine Prämienverbilligung geltend
machen könne,
da
diese
nicht bei ihr wohne und demzufolge bei ihr keinen Steuerabzug generiere
(Urk. 6/10). In der Folge
verneinte
sie
mit Verfügung vom 18. April 2019,
eben
falls
adressiert an die Mutter, einen Anspruch auf Prämienverbilligung für
X._
mit der Begründung, die Steuerfaktoren von deren Pflege
e
ltern würden über der von der Gesundheitsdirektion festgesetzten
Limite
von Fr.
53'800.-- liegen (Urk. 6/9).
Die
dage
gen erhobene Einsprache vom 25.
April
2019, unterzeichnet
von der
Mutter
(Urk. 6/7)
,
wies die Stadt
Z._
am 4.
Dezember 2019 ab (Urk. 2
)
.
2.
Gegen
diesen
Einspracheentscheid erhob
X._
, vertreten durch
Y._
als Inhaberin der elterlichen Sorge, diese wiederum vertreten durch Rechtsan
walt Blum, mit Eingabe vom 30.
Dezember 2019 Beschwerde (Urk. 1).
Darin beantragte sie,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und
die Sache zur neuen Verfügung über ihren Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung an die Stadt
Z._
zurückzuweisen, wobei festzustellen sei, d
ass hierfür die Steuerfaktoren von
Y._
massgebend seien; die Stadt
Z._
sei ferner zu verpflichten, ihr eine Prozessentschädigung von Fr. 750.--
zzgl.
7.7
% MWSt zu bezahlen sowie die Kosten des Verfahrens zu übernehmen
(Urk. 1
S. 1)
.
Die Stadt
Z._
schloss in der Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Die Beschwerdeantwort wurde der Gegenpartei mit Verfügung vom 11. Februar 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Streitgegenstand bildet der Anspruch der mi
nderjährigen
X._
auf Prämienverbilligung
für die Jahre 2018 und 2019. In Anbetracht der für Kinder in Frage kommenden Prämienverbilligungsbeiträge, wie sie mit den Be
schlüssen des Regierungsrates des Kantons Zürich vom 20. September 2017 (RRB Nr. 857/2017) und 19. September 2018 (RRB Nr. 787/2018) für die entspre
chen
den Jahre festgelegt wurden, beträgt der Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer, in der bis 31. Mai 2020 gültig gewesenen Fassung).
2.
2.1
Gemäss Art. 65 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) gewähren die Kantone Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Ver
hältnissen Prämienverbilligungen.
Sie sorgen dafür,
dass bei der Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen, insbesondere auf Antrag der versicherten Person, die
aktuellsten Einkommens- und Familienverhältnisse berücksichtigt werden (Art.
65
Abs. 3 KVG)
.
Am
1. Januar 2019 trat überdies Art. 65 Abs. 1
bis
KVG in Kraft, wonach die Kantone f
ür untere und mittlere Einkommen die Prämien der Kinder
um mindestens 80 % und die Prämien der jungen Erwachsenen in Ausbildung um
mindestens 50
% verbilligen. Gemäss
der dazugehörigen
Übergangs
bestim
mung zur Änderung vom 17. März 2017
haben
die Kantone
nach Inkrafttreten derselben zwei Jahre Zeit, um
das neue System der Prämienverbilligung für Kinder
um
zusetzen.
2.2
Für den Vollzug der Prämienverbilligung sind die Kantone zuständig. In ihren Ausführungserlassen zu Art. 65 KVG haben sie die Anspruchsberechtigung sowie das Verfahren für die Ermittlung der Berechtigten, die Festsetzung und die Aus
zahlung der Beiträge zu bestimmen. Nach der Rechtsprechung geniessen die
Kan
tone eine erhebliche Freiheit in der Ausgestaltung der Prämienverbilligung, indem sie
etwa
autonom festlegen können, was unter "bescheidenen wirtschaft
lichen Verhältnissen" zu verstehen ist. Deshalb stellen die von den Kantonen erlassenen Bestimmungen bezüglich der Prämienverbilligung in der Kranken
ver
sicherung grundsätzlich autonomes kantonales Ausführungsrecht zu Bundesrecht dar (BGE 136 I 220 E. 4.1; BGE 134 I 313 E. 3 mit weiteren Hinweisen
; Urteil des Bundesgerichts 8C_345/2015 vom 9. Dezember 2015 E. 3.1
).
2.3
Im Kanton Zürich traten am 1. April 2020
das
neue
Einführungsgesetz zum Krankenversicherungsgesetz
vom 29. April 2019
(EG KVG)
zusammen mit einer
neue
n
Verordnung zu
m
EG KVG
vom 25. März 2020
(VEG KVG)
in Kraft
.
Gemäss ihrer Schlussbestimmung § 62 ist die neue
VEG KVG
indessen
erstmals für das Prämienverbilligungsjahr (Anspruchsjahr) 2021 anwendbar. Ansprüche und Ver
fahren bis und mit Prämienverbilligungsjahr 2020 – wie sie vorliegend zu beur
teilen sind – richten sich nach dem bisherigen Recht. Mit den Parteien
ist deshalb von der Anwendbarkeit des
aEG
KVG vom 13. Juni 1999 sowie
der
a
VEG
KVG vom 6. November 2013 auszugehen.
2.4
Laut § 8
a
EG
KVG wird die Prämienverbilligung Personen in bescheidenen wirt
schaftlichen Verhältnissen mit steuerrechtlichem Aufenthalt oder Wohnsitz und zivilrechtlichem Wohnsitz im Kanton gewährt
(Abs. 1)
.
Der Regierungsrat legt die Einkommens- und Vermögensgrenzen, unter denen der Anspruch besteht, so fest, dass mindestens 30 % der Versicherten und mindestens 30 % der Haushalte mit Kindern anspruchsberechtigt sind (Abs. 2). Für Kinder in bescheidenen wirt
schaft
lichen Verhältnissen nach Art. 65 Abs. 1 KVG ist eine einheitliche Verbilligung in Höhe von mindestens 85 % der regionalen Durchschnittsprämie zu gewähren (§ 17 Abs. 4
aEG
KVG).
D
er Anspruch auf Prämienverbilligung beurteilt sich nach den persönlichen Ver
hältnissen am 1.
April des dem Auszahlungsjahr vorangehenden Jahres (Stich
tag) und den am Stichtag bekannten wirtschaftlichen Ver
hältnissen (§ 9 Abs. 1 EG KVG).
Die wirtschaftlichen Verhältnisse bestimmen sich nach dem steuerbaren Gesamteinkommen und steuerbaren Gesamtvermögen gemäss der am Stichtag im Kanton vorliegenden jüngsten Steuereinschätzung. Einschätzungen für Steuer
per
ioden, die mehr als vier Jahre hinter dem Auszahlungsjahr zurückliegen, werden
nicht berücksichtigt (§ 9 Abs. 2 EG KVG). Liegt am Stichtag keine den Anfor
de
rungen von Abs. 2 genügende Einschätzung vor oder weichen die aktuellen per
sönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse von jenen gemäss Abs. 1 bzw. Abs. 2
ab, wird auf Antrag der anspruchsberechtigten Person auf die jüngste Steuerer
klärung abgestellt (§ 9 Abs. 3 EG KVG). Liegt in den Fällen von Abs. 3 keine Steuererklärung vor, ist die nächste Steuererklärung abzuwarten, sofern diese innert sechs Monaten nach Antragsstellung ordentlich fällig wird (Abs. 4). In den übrigen Fällen kann auf andere Ausweise über die aktuellen wirtschaftlichen Ver
hältnisse abgestellt werden (Abs. 5).
Bei Personen bis zum vollendeten 18. Altersjahr sind die wirtschaftlichen Ver
hältnisse der Eltern oder des Elternteils massgebend, unter deren oder dessen elterlicher Sorge
oder Obhut sie stehen (§ 11 Abs. 2
aEG
KVG). Für Personen ab dem vollendeten 18. Altersjahr gelten bis zum Vorliegen einer eigenen Steuer
einschätzung ein steuerbares Gesamteinkommen und –vermögen von Franken null.
Anspruchsberechtigte Personen ab dem vollendeten 18. Altersjahr erhalten eine Kinder-Prämienverbilligung, längste
ns aber bis zum vollendeten 25.
Alters
jahr. Bezahlen sie eine Erwachsenenprämie, erhalten sie eine Prämienverbilligung für Erwachsene (§ 12 a EG KVG). Die Prämienverbilligung für junge Erwachsene in Ausbildung gemäss Art. 65 Abs. 1
bis
KVG beträgt mindestens 50 % der regio
nalen Durchschnittsprämie für junge Erwachsene
. Als Ausbildung gilt jeder be
ruf
liche Erstausbildungsgang, für den ein Kinderabzug im Sinne von § 34 Abs. 1 lit. a. des Steuergesetzes geltend gemacht werden kann
(§ 13
a
EG
KVG).
2.5
Gemäss § 19a
a
EG
KVG ermittelt die Gemeinde die Personen, die auf der Grund
lage von § 9 Abs. 1 und 2
a
EG
KVG Anspruch auf Prämienverbilligung haben, und übermittelt der SVA die erforderlich
en Daten (Abs. 1). Diese stellt
den berech
tigten Personen ein Antragsformular zu (Abs. 2, ordentliches Verfahren).
P
ersonen,
welche die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, aber kein Antragsformular für die IPV erhalten haben, können nach § 19b
a
EG
KVG bei der Gemeinde einen Antrag auf Prämienverbilligung stellen (Abs. 1, ausserordentliches Verfahren). Die Gemeinde entscheidet über den Antrag. Heisst sie den Antrag gut, weist sie die SVA zur Auszahlung der Prämienverbilligung
an den Versicherer an (Abs. 2).
Gewährt die Gemeinde eine Prämienverbilligung auf anderer Grundlage als einer Steuereinschätzung nach § 9 Abs. 2
a
EG
KVG, überprüft sie ihren Entscheid, sobald eine rechtskräftige Steuereinschätzung für das dem Auszahlungsjahr vor
angehende Jahr vorliegt. Wurde der Person eine zu hohe Prämienverbilligung gewährt, meldet die Gemeinde dies der SVA (Abs. 3). Diese fordert gemäss § 20 Abs. 1
a
EG
KVG den unrechtmässig ausbezahlten Betrag von der versicherten Person zurück.
Anstelle der versicherten Person kann alsdann nach § 11
aVEG
KVG die Gemeinde Antrag auf Prämienverbilligung stellen, wenn sie für diese Person Prämien gemäss § 18 Abs. 1
aEG
KVG übernommen hat (lit. a) oder für diese Person eine Betreibungsmeldung gemäss § 18 a Abs. 3
aEG
KVG vorliegt (lit. b).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegeg
nerin erwog im angefochtenen Entscheid, die Tochter wohne nach wie vor bei Pflegeeltern,
die
auch
den Steuerabzug vornehme
n
würden. Aufgrund der
tatsächlichen Obhut seien
nach § 11 Abs. 2 EG KVG die Pflegeeltern
für die Meldung bzw. Stellung der Prämienverbilligung der Tochter zuständig – unabhängig des alleinigen Sorgerechts der M
utter. Da das steuerbare Einkom
men der Pflegeltern über dem von
der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich fest
gelegten Limit von Fr. 53'800.-- liege, könnten sie
indes
keinen Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung
für die Tochter
geltend machen. Soweit die Mutter
vorbringe
, in den Jahren 2012 bis 2017 eine individuelle Prämien
ver
billigung für die Tochter erhalten zu haben
,
könne sie aus dieser falschen Rechts
anwendung nichts zu ihren Gunsten ableiten (Urk. 2).
3
.2
Die Beschwerdeführerin liess
da
gegen vorbringen, sie unterstehe der elterlichen Sorge ihrer Mutter
Y._
, welche somit auch unterhaltspflichtig für sie sei. Nach dem Wortlaut von § 11 Abs. 2 EG KVG bestehe kein Spielraum, um andere Steuerfaktoren als diejenigen der Eltern
als Berechnungsgrundlage heran
zuziehen. Die Beschwerdegegnerin habe nicht dargelegt, weshalb die Steuerfak
toren der Pflegeeltern massgebend sein sollen, womit sie zudem ihre Begrün
d
ungspflicht verletzt habe (Urk.
1 Ziff. 3 f.).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist umstritten, ob
sich der
Anspruch der Tochter auf Prämienverbilligung
für die Jahre 2018 und 2019 nach den
wirtschaftlichen Ver
hältnisse
n
ihrer
Pflegeeltern oder
ihrer Mutter richtet
und wer von diesen beiden antragsberechtigt ist
.
Die Beschwerdegegnerin stellte dabei nicht in Abrede, dass der Mutter, wie von ihr behauptet,
die alleinige elterliche Sorge zu
steht
(vgl. Urk.
7).
Wie eingangs dargelegt sind gemäss § 11 Abs. 2
aEG
KVG bei Personen bis zum vollendeten 18. Altersjahr, worunter auch die im Jahr 2005 geborene Tochter gehört, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern oder des Elternteils massgebend, unter deren oder dessen elterlicher Sorge oder Obhut sie stehen.
Strittig ist demnach die
Auslegung des Begriffs «Eltern»
respektive
«Elternteil»
in dieser Bestimmung.
4.2
Ausgangspunkt der Auslegung eines Rechtssatzes bildet der Wortlaut der Bestim
mung (grammatikalisches Element; BGE 142 V 402 E. 4.1). Ist der Wortlaut der Bestimmung klar, d. h. eindeutig und unmissverständlich, darf davon nur abge
wichen werden, wenn
ein
triftiger Grund für die Annahme besteht, der Wortlaut ziele am "wahren Sinn" der Regelung vorbei. Anlass für eine solche Annahme können die Entstehungsgeschichte der Bestimmung (historisches Element), ihr Zweck
(teleologisches Element) oder der Zusammenhang mit andern Vorschriften (systematisches Element) geben (BGE 142 I 135 E. 1.1.1; BGE 142 III 695 E. 4.1.2; BGE 141 II 57 E. 3.2). Nur für den Fall, dass der Wortlaut der Bestimmung unklar
bzw. nicht restlos klar ist und verschiedene Interpretationen möglich bleiben, muss
nach der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht werden. Dabei sind alle anerkannten Auslegungselemente zu berücksichtigen (pragmatischer Methoden
pluralismus; BGE 142 I 135 E. 1.1.1; BGE 142 III 695 E. 4.1.2). Auch eine solche Auslegung findet ihre Grenzen aber am klaren Wortlaut und Sinn einer Ge
setzesbestimmung, indem der eindeutige Wortsinn nicht zugunsten einer solchen Interpretation beiseitegeschoben werden darf (BGE 141 V 221 E. 5.2.1
; zum Ganzen: BGE 143 I 272 E. 2.2.3
).
4.3
Die Pflegeeltern
werden
in
§ 11 Abs. 2
a
EG
KVG
nicht expl
izit erwähnt.
Die Bestimmung
sieht
indessen seit jeher als e
ntscheidendes
Kriterium
zur Bestim
mung der Person, deren wirtschaftliche Verhältnisse als Berechnungsgrundlage für den Anspruch eines minderjährigen Kind
es auf Prämienverbilligung dienen
, die
elterliche Sorge oder Obhut
vor
.
So lautete die Bestimmung in ihrer
bis 1.
Januar 2014 geltenden Fassung: «
Personen bis zum vollendeten 18. A
ltersjahr erhalten eine Kinder-
Prämienverbilligung. Die massgebenden definitiven Steuer
faktoren richten sich nach denjenigen der Eltern oder des Elternteils, unter dessen elterlichen Gewalt oder Obhut sie
stehen.
»
De
m Wortlaut nach zu urteilen, erfuhr d
ie Bestimmung bis zur
Totalrevision des EG KVG
per 1. April 2020
also
nur insoweit
eine Änderung,
als
anstelle der definitiven Steuerdaten ab dem 1. Januar 2014 die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem
per 1. Januar 2014
neugefa
ssten § 9
aEG
KVG massgebend
sind
.
Allerdings
traten per 1. Juli 2014 die revidierten Bestimmungen des Zivilge
setz
buches (ZGB) über die elterliche Sorge in Kraft. S
either ist die gemeinsame elter
liche Sorge unabhängig vom Zivilstand der Eltern der
Regelfall (Art. 296 Abs. 2 ZGB), d
ie alleinige elterliche Sorge soll die eng begrenzte Ausnahme sein (BGE 142 III 1 E. 3.3 mit Hinweis). Von der elterlichen Sorge
zu unterscheiden
ist die
in § 11 Abs. 2
aEG
KVG ebenfalls erwähnte
Obhut.
Unter der Herrschaft des alten Rechts war das "
Obhutsrecht
" Bestandteil des elterlichen Sorgerechts. "Obhut" im Rechtssinne bedeutete das Recht, den Auf
enthaltsort des Kindes und die Modalitäten seiner Betreuung zu bestimmen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kamen d
ie Pflegeeltern
deshalb
nicht
als Träger des
Obhutsrechts
des Kindes in Frage. Wurde
das
Obhutsrecht
den Eltern entzogen, konnte es allein der Vormundschaftsbehörde zustehen (BGE 128 III 9 E. 4).
Im
neuen
Recht umfasst die elterliche Sorge
indessen
auch das "Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen" (s. Art. 301a Abs. 1 ZGB). Die Be
deutung der "Obhut" reduziert sich
damit
- losgelöst vom Sorgerecht - auf die "faktische Obhut", das heisst auf die Befugnis zur täglichen Betreuung des Kindes und auf die Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und laufenden Erziehung (
zum Ganzen: BGE 142 III 612 E. 4.1
).
4.4
Wird ein Kind
Dritten zur Pflege anvertraut, so vertreten sie, unter Vorbehalt abweichender Anordnungen, die Eltern in der Ausübung der elterlichen Sorge, soweit es zur gehörigen Erfüllung ihrer Aufgabe angez
eigt ist (Art. 300 Abs. 1 ZGB). Der Umfang der Vertretungsmacht hängt in der Alltagserziehung vor allem
von der Art des Pflegeverhältnisses (Tagespflege, Familienpflege, Pflege zur Adop
tion
, institutionelles Pflegeverhältnis) und dessen Dauer ab. Darunter fallen etwa die alltägliche Erziehung, die Pflege und die Ernährung des Kindes, die Be
stimmung über seinen alltäglichen Aufenthaltsort, die Begleitung in schulischen und berufliche Fragen, die Überwachung des Kontaktes mit Dritten, die Unter
stützung und Mitgestaltung der sozialen Beziehung und die Begleitung und För
de
rung in der Freizeitgestaltung.
Ausserhalb der Alltagserziehung steht
(
ohne Ermächtigung des Inhabers der elter
lichen Sorge
)
den Pflegeeltern die Vertretungskompetenz für Entscheidungen, die das Kind betreffen, nur zu, wenn eine Vertretungshandlung aufgrund zeitlicher Dringlichkeit notwendig ist. Der Inhaber der elterlichen Sorge ist gestützt auf Art. 304 ZGB gesetzlicher Vertreter des Kindes und nimmt diese Vertretung auch bei Fremdbetreuung seines Kindes wahr. So stehen etwa Entscheidungen über Wohn
ortswechsel, Unterbringung in einem Internat, Schulbildung, Berufswahl, medizi
nische Eingriffe oder vertragliche Verpflichtungen nicht den Pflegeeltern zu (Kurt Affolter-
Fringeli
/Urs Vogel
, in: Berner Kommentar,
2016
,
N25-31 zu Art. 300 ZGB).
4.5
Demnach ist eine Ausdehnung des Begriffs «Eltern» bzw. «Elternteil» in § 11 Abs.
2
aEG
KVG
auf Pflegeeltern
über den Begriff
«Obhut», wie er unter neuem Recht vom Bundesgericht erörtert wurde, zwar grundsätzlich
denkbar.
Für die Geltendmachung eines rechtlichen Anspruchs des
K
indes bedarf es
jedoch
mehr als
einer bloss
«faktischen» Obhut.
In Anbet
racht der unterschiedlichen Ausge
staltung von Pflegeverhältnissen mit entsprechend variablem Umfang der Ver
tretungsmacht sowie des grundsätzlichen Verbleibs der elterlichen Sorge bei den Eltern,
die
auch
ein
(durch behördliche Anordnungen und das Kindswohl be
grenztes)
Weisungsrecht gegenüber den Pflegeeltern beinhaltet (vgl. dazu Kurt Affolter-
Fringeli
/Urs Vogel
, in: Berner
Kommentar,
2016
,
N 25-27 zu Art. 300 ZGB),
würde sich
eine entsprechende
Auslegung
letztlich
nicht bei allen
Pflege
eltern
rechtfertigen
und m
üsste jeweils im Einzelfall geprüft werden
.
Dies
e
rsche
int
bei einem Massengeschäft wie der Prämienverbilligung
nicht nur
wenig prakti
kabel
, sondern würde auch
zu einer grossen
Rechtsunsicherheit
führen
.
Durch die Beschränkung auf «Eltern
(-
teil)
»
würde
zudem
eine Ungleichheit
unter den fremd
platzierten Kindern je nach Unterbringung geschaffen (z.B.
Heim).
Es kommt hinzu, dass
sich der
Bedeutungsgehalt organisatorischer und kompe
tenzbezogener Bestimmungen primär nach dem Zeitpunkt der Entstehung der Norm
richtet
. Eine solche Ordnung kann nicht allein unter Hinweis auf den Bedeutungswandel eines Instituts oder veränderte gesellschaftliche Anschauung
en hinfällig werden. Wird in der zu interpretierenden Norm indessen ein Recht respektive Anspruch statuiert, ist bei der Konkretisierung auch sich wandelnden geschichtlichen Bedingungen und gesellschaftlichen Vorstellungen Rechnung zu tragen (vgl. dazu
etwa
BGE 112 Ia 208 E. 2.a und 2.c.dd
)
.
§ 11 Abs. 2
aEG
KVG
ist
letztlich
eine Vollzugsnorm zu Art. 65 KVG
und definiert, auf welcher Grundlage der Anspruch minderjähriger Kinder zu prüfen ist, indem es ihnen die wirtschaftlichen Verhältnisse einer bestimmten Person zuordnet. Die Bestimmung
regelt
daher im weitesten Sinne das Vorgehen und
nicht
die
materiell
-
rechtlich
bedeutsame
Frage, wann wirtschaftliche Verhältnisse als bescheiden zu gelten haben.
Die
Erweiterung des
möglichen
Personenkreises au
f Pflegeeltern
bedürfte daher wohl
über den Bedeutungswandel der Obhut hinaus
einer
gesetzgeberi
schen
Anpassung.
Der Gesetzgeber
hat im Rahmen der Neuregelung der Prämienverbilligung, die erstmals für das Jahr 2021 zum Tragen
kommt
,
allerdings
einen anderen Weg
gewählt
.
In § 6 Abs. 1 EG KVG ist
neu
ausdrücklich festgelegt, für welche Personengruppen die Höhe der Prämienverbilligung gemeinsam zu bestimmen ist. Dabei handelt es sich zunächst um
gemeinsam besteuerte
Erwachsene (lit. a), alsdann um Eltern bzw. Elternteile und ihre im gleichen Haushalt lebenden
minderjährigen
Kinder (lit. b-d, vgl. auch §
14 und
15 VEG KVG) und schliesslich Eltern bzw
. Elternteile und die ihnen gegenüber unterhaltsberechtigten
erwachse
nen Kinder in Ausbildung
(lit. e, vgl. auch § 16 Abs. 3 VEG
KVG).
Ergänzend ergibt sich aus den von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich heraus
ge
gebenen Erläuterung
en
zum Vorentwurf zur neuen VEG KVG vom 2. Dezember 2019, S. 16 zu § 17
(entsprechend
übernommen
auch
im
Sozialhilfe-Behörden
H
andbuch
des Kantons Zürich, Kap.
11.1.10, Krankenver
sicherung: Prämienverbilligung und Prämienübernahme, Ziff. 5.3 Gemeinsame
Bestimmung der Prämienverbilligung,
Version vom
29. April 2020
),
dass für min
derjährige Kinder, die weder bei den Eltern noch bei einem Elternteil leben, die Prämienverbilligung separat zu bestimmen ist. Liegen keine separaten Steuer
daten vor, soll dabei
von einem Ei
nkommen und Vermögen von Fr. 0.
--
ausge
gangen werden (§ 10 Abs. 1 EG KVG analog).
In
Kenntnis dieser Vorgabe für die Praxis hat der Gesetzgeber darauf verzichtet, die
augenscheinlich bestehende Ge
setzeslücke betreffend den Ausnahmefall, dass minderjährige
Kinder
ausserhalb des Haushaltes ihrer Eltern leben, zu füllen.
4
.6
Dem ist hinzuzufügen, dass
§ 11 Abs. 2
aEG
KVG anders als in anderen Kantonen nicht direkt auf die Unterhalts- bzw. Unterstützungspflicht
ab
stellt
. Dennoch ist festzuhalten, dass gemäss Art. 276 ZGB die Eltern für den Unterhalt des Kindes aufzukommen haben, inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Abs. 1); der Unterhalt wird durch Pflege und Erzie
hung oder, wenn das Kind nicht unter der Obhut der Eltern steht, durch Geld
zahlung geleistet (Abs. 2). Die Eltern bleiben mithin auch bei einer Fremd
unter
bringungen des Kindes unterhaltspflichtig. Wo ihre primäre und ausschliessliche Unterhaltspflicht versagt, müssen subsidiär (unterhaltspflichtige) Dritte einsprin
gen; sind weder Unterhalts- noch Unterstützungspflichtige vorhanden oder diese
nicht (ausreichend) leistungsfähig, hat das Gemeinwesen die (verbleibenden) Kosten
des Unterhalts nach den einschlägigen Bestimmungen des öffentlichen Rechts zu tragen (Art. 293 ZGB; vgl.
etwa
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.
2018.00394 vom 37. März 2019 E.
3.2
und Urteil des Bun
desgerichts 5A_635/2014 vom 3. September 2015 E. 4
). Der Gemeinde steht dementsprechend gestützt auf Art. 289 Abs. 2 ZGB auch ein Regressrecht gegen die Eltern zu, beispielsweise wenn sie bei der behördlichen Fremdplatzierung selbst Schuldnerin des Pflegevertrages ist (vgl.
Sozialhilfe-Behörden
H
andbuch
des Kantons Zürich, Kap.
12.2.09
,
Pflegekinder
, Ziff.
1.4 Pflegegeld und ange
hängte Rechtsprechung, Version vom 7. August 2019, zu finden unter www.sozial
hilfe.zh.ch
; Kurt Affolter-
Fringeli
/Urs Vogel
, in: Berner Kommentar,
2016
,
N
41 zu Art. 300 ZG
B
).
Für die Krankenkassenprämie im Besonderen gilt § 18 Abs. 1
aEG
KVG, wonach die Gemeinde die durch die Prämienverbilligung nicht gedeckten Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung von versicherten Personen mit zivil
recht
lichem Wohnsitz in der Gemeinde übernimmt, soweit das nach dem Sozial
hilferecht berechnete soziale Existenzminimum nicht gewährleistet ist. In diesen Fällen ist die
Gemeinde nach § 11 lit. a
aVEG
KVG auch berechtigt, anstelle der versicherten Person Antrag auf Prämienverbilligung zu stellen.
Nicht unterhaltspflichtig sind die Pflegeeltern. Vielmehr haben sie nach Art. 294 ZGB Anspruch auf ein angemessenes Pflegegeld, sofern nichts Abweichendes ver
einbart ist oder sich eindeutig aus den Umständen ergibt (Abs. 1). Unentgelt
lich
keit ist zu vermuten, wenn Kinder von nahen Verwandten oder zum Zweck späte
rer Adoption aufgenommen werden (Abs. 2). Das Pflegegeld beinhaltet einerseits eine Entschädigung für die Betreuung und Erziehung, andererseits Auslagen für
Unterkunft, Ernährung, Nebenkosten (z.B. Toilettenartikel, Bettwäsche, Reini
gung
, Freizeit und Taschen) und gegebenenfalls Bekleidung. Auslagen für Abonnements des öffentlichen Verkehrs, Krankenkassenprämien, Selbstbehalte von Arztrech
nungen, Zahnarztkosten, Ferien, Lager, Sport, Musikunterricht, Kurse und Ähn
liches werden separat verrechnet. Sie sind im Voraus abzumachen und müssen auf Verlangen belegt werden. Kommen die Pflegeeltern für solche Kosten auf, haben sie einen Rückforderungsanspruch gegenüber den unterhaltspflichtigen Eltern gestützt auf Art. 402 bzw. 419 ff. des
Obligationenrecht
s (
OR)
. Inwiefern dies auch auf unentgeltliche Pflegeverhältnisse zutrifft,
ist in der Lehre umstritten
(vgl. erwähntes
Sozialhilfe-Behörden
H
andbuch
des Kantons Zürich, Kap.
12.2.09
,
Pflegekinder
, Ziff.
1.4 Pflegegeld
, Version vom
7. August 2019; Kurt Affolter-
Fringeli
/Urs Vogel
, in: Berner Kommentar,
2016
,
N40 und 43 zu Art. 300 ZG
B
; zur Krankenkassenprämie im Besonderen:
oberwähntes
Bundesgerichts
urteil 5A_635/2014
vom 3. September 2015
E. 4.3
).
4.7
Es würde folglich Sinn und Zweck von Art. 65 KVG zu widerlaufen, den Anspruch des Pflegekindes auf Prämienverbilligung auf der Grundlage der wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Pflegeeltern zu prüfen, da diese grundsätzlich nicht für seinen Unterhalt, insbesondere auch nicht
für
die Krankenkassenprämie, aufzukommen haben. Sinn und Zwecke der Bestimmung besteht nämlich darin, Versicherten in
bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewäh
re
n, um die wirtschaftliche Last der Krankenversicherungsprämien zu mildern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_345/2015 vom 9. Dezember 2015 E. 5.2.2 mit Hin
weis). Dieser kann sich nicht erfüllen, wenn auf ein Einkommen und Vermögen abgestellt wird, das die entsprechende Prämienlast nicht trägt.
Soweit die Beschwerdegegnerin argumentierte, dass die Pflegeeltern den
«Steuer
abzug
» vornehmen würden, ist ein Kinderabzug
gemäss Weisung der Finanz
di
rek
tion über Sozialabzüge und Steuertarife (ab Steuerperiode 2015) vom 7. April 2015 im
Kanton Zürich für Pflegekinder nicht möglich (vgl. Rz 13). In Frage kämen gegebenenfalls ein Unterstützungs- (vgl. Rz 39) oder ein Kinderdritt
be
t
reuungskostenabzug (vgl. Rz 43), welche die primäre Unterhaltspflicht der Mut
ter indessen nicht ausschliessen würden. Sollten die Pflegeeltern in einem anderen Kanton besteuert werden, der eine andere Regelung des Kinderabzugs kennt, ändert dies zumindest nichts an den vorstehenden Überlegungen zur fehlenden Unterhaltspflicht der Pflegeeltern.
5
.
5
.1
Zusammenfassend lässt sich allein aus dem Bedeutungswandel, welchen
der Be
griff der
«
Obhut
»
im Rahmen der Neuregelung der elterlichen Sorge im Jahr 2014 vollzog
en hat
, nicht darauf schliessen, dass Pflegeeltern
allgemein
unter den Begriff der «Eltern» in § 11 Abs. 2
aEG
KVG zu subsumieren sind
. Dies rechtfertigt sich insbesondere nicht, wenn die Obhut nur von kurzer Dauer oder
den Pflegeeltern die Unterhaltskosten des Kindes ersetzt werden.
Eine
differenzierte
Prüfung
der Pflegeverhältnisse
würde
über den Wortlaut der Bestimmung hinaus
gehen
und
zu
sachlich nicht gerechtfertigte
n
Ungleichheiten
f
ühren. Der Auffas
sung der Beschwerdegegnerin, gestützt auf § 11 Abs. 2
aEG
KVG seien für den Prämienanspruch der Versicherten die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Pflege
eltern massgebend, kann somit nicht gefolgt werden.
5
.2
Es braucht
alsdann
nicht
gemutmasst zu werden, welche Anpassungen
der Ge
setzgeber
an die revidierten Bestimmungen des ZGB bzw.
welche Ergänzungen er
im Hinblick auf
fremdplatzierte
Kinder
vorgenommen hätte, wäre er sich eines Handlungsbedarfs bewusst gewesen. Der Gesetzgeber hat
seinen diesbezüglichen Willen im Rahmen der
kürzlich erfolgten
Totalrevision des EG KVG und der
VEG KVG
kundgetan
: Entscheidend
ist, wer von den Eltern mit dem
minderjährigen
Kind hauptsächlich
im gleichen Haushalt
lebt.
Wenn das Kind weder bei den Eltern noch bei einem Elternteil lebt, ist seine Prämienverbilligung separat
(
gege
be
nenfalls anhand seiner eigenen Steuerdaten, ansonsten anhand eines Einkom
mens und Vermögens von Fr. 0.
--)
zu bestimmen. Der neue
§ 10 Abs. 1 EG KVG
entspricht dabei
§ 12 Abs. 1
aEG
KVG
, weshalb es sich aufdrängt, vorliegend die
se Bestimmung analog anzuwenden.
Die umfassende Neuregelung sowie die dazugehörigen Erläuterungen zeigen
auf
,
dass
die bisherige Regelung in § 11 Abs. 2
aEG
KVG
in verschiedener Hinsicht
ergänzungsbedürftig
war
(z.B
. Eltern
mit alternierender Obhut
, Eltern mit
ge
trennter
Besteuerung
oder Eltern, denen die Obhut und die elterliche Sorge ent
zogen wurde
)
, weil der
Gesetzgeber
jeweils nur den Normalfall
(
minderjährige Kinder
wohnen bei ihren
gemeinsam sorgeberechtigten
Eltern oder
dem
obhuts
berechtigten
Elternteil)
im Blickfeld hatt
e
.
5
.3
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass sich d
ie
aufgezeigte
Lösung
– die Verhältnisse für das Kind separat
und unabhängig von den finan
ziellen Verhältnissen der Eltern
zu prüfen - auch in den anderen Bereichen des Sozialversicherungsrechts
als praxisgerecht erwiesen hat.
Minderjährige, unter elterlicher Sorge stehende und wirtschaftlich nicht selbstän
dige Kinder haben
etwa
einen eigenen Unterstützungswohnsitz am Ort, wo sie zuletzt mit den Eltern oder einem Elternteil zusammengelebt habe
n
, wenn sie dauernd nicht bei diesen bzw. diesem leben (Ar
t
. 7 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die Zuständigkeit Bedürftiger, ZUG; § 37 Abs. 2 lit. c des Sozialhilfegesetzes des Kantons Zürich). Erfasst werden sowohl freiwillige wie auch behördliche Platzierungen. Bei vorübergehend nicht bei den Eltern lebenden Kindern richtet sich der Unterstützungswohnsitz zwar nach Art. 7 Abs. 1 oder 2 ZUG bzw. § 37 Abs. 1 oder 2 SHG (vgl.
Sozialhilfe-Behörden
H
andbuch
des Kantons Zürich,
Kap.
3.2.03, Unterstützungswohnsitz Minderjähriger, Ziff.
3.3, Version vom 9.
Janu
ar 2019). Praxisgemäss wird das nicht dauerhaft fremdplatzierte Kind ge
stützt auf § 17 Abs. 1 letzter Satz der Verordnung zum Sozialhilfegesetz (SHV) aber als eigener Unterstützungsfall geführt, wenn die Mittel der Familie nicht zur Deckung der Kosten ausreichen. Damit soll verhindert werden, dass alle Familien
mitglieder sozialhilfeabhängig werden. Als eigener Unterstützungsfall geführt wird das nicht dauernd fremdplatzierte Kind auch, wenn sich die Eltern weigern, für das Pflegegeld und weitere Auslagen aufzukommen, obschon sie hierzu in der Lage wären (vgl. erwähntes
Sozialhilfe-Behörden
H
andbuch
des Kantons Zürich, Kap.
12.2.09
,
Pflegekinder
, Ziff.
1.4 Pflegegeld
, Version vom
7. August 2019).
Die jährliche Ergänzungsleistung für Kinder, die einen Anspruch auf eine Kinder
rente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV) oder der Invalidenver
sicherung (IV) begründen, wird nach Art. 7 Abs. 1 der
Verordnung über Ergän
zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV)
alsdann wie folgt berechnet: Leben die Kinder mit den Eltern zusammen, erfolgt eine gemeinsame Berechnung der Ergänzungsleistung (lit. a). Leben die Kinder nur mit einem Elternteil zusammen, der rentenberechtigt ist oder für den An
spruch auf eine Zusatzrente der AHV besteht, so wird die Ergänzungsleistung zusammen mit diesem Elternteil festgelegt (lit. b). Lebt
das Kind indessen nicht bei den Eltern oder lebt es bei einem Elternteil, der nicht rentenberechtigt ist und für den auch kein Anspruch auf eine Zusatzrente besteht, so ist die Ergän
zungs
leistung gesondert zu berechnen (lit. c). Dementsprechend setzt sein Anspruch auch keinen Ergänzungsleistungsanspruch des rentenberechtigten Elternteils vor
aus (vgl. BGE 141 V
155). Das Bundesgericht wies darauf hin, dass die getrennte Berechnung eine klare Vereinfachung darstelle,
namentlich
wenn eine Fürsorge
behörde die finanziellen Angelegenheiten der in einem Heim, bei Verwandten, in einer Grossfamilie oder bei Drittpersonen platzierten Kinder regele (vgl. BGE 141 V 155 E. 4.2).
6.
Nach dem vorstehend Ausgeführten
ist festzustellen, dass der Anspruch auf Prä
mienverbilligung von
X._
für die Jahre 2018 und 2019, wäh
rend welcher si
e
unstrittig dauernd fremdplatziert war,
nicht aufgrund der wirt
schaftlichen Verhältnisse ihrer Pflegeeltern, sondern
analog § 12 Abs. 1
aEG
KVG zu prüfen ist.
Der angefochtene Entscheid ist folglich aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Anspruch in Nach
achtung dieser Feststellung erneut prüfe und darüber verfüge. Die Be
schwer
de ist in diesem Sinne gutz
uheissen.
7.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung
nach Art. 61 lit g
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
hat.
Der von der Inhaberin der elter
lichen Sorge mandatierte
Rechtsanwalt Blum beantragte für seinen Aufwand eine Prozessentschädigung von Fr. 750.-- zuzüglich 7.7
%
MWSt
unter Berücksich
ti
gung eines Stundenansatzes von Fr. 250.
-- (vgl. Urk. 1 S. 1 und 4)
.
Ungeachtet des leicht erhöhten Stundenansatzes erscheint der
geforderte Gesamtbetrag
der Bedeutung der Streitsache und des Schwierigkeitsgrades des Prozess
es
letztlich
als angemessen
. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, der Beschwer
deführerin eine Prozessentschädigung von
Fr. 80
8
.-- (inkl. MWSt
und allfällige Barauslagen) zu bezahlen.