Decision ID: 0f999cec-48e5-4969-9fa7-74b3d8d41717
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, war seit 31. August 2009 bei der
Y._
GmbH in
Z._
als
Operations
Managerin angestellt und damit bei der Helsana Unfall AG (Helsana) obligatorisch unfallversichert, als sie am 24. April 2019 am Flughafen
A._
nach dem
Anheben und Abstellen eines Koffers
Schulterschmerzen verspürte
(vgl. Urk. 7/1).
1.2
Mit Verfügung vom 29. Mai 2020
verneinte
die Helsana
einen
Anspruch
der Ver
sicherten
auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung (Urk. 7/10). Die vom zuständigen Krankenversicherer erhobene vorsorgliche Einsprache (Urk.
7
/14) wurde am 24. Juni 2020 wieder zurückgezogen (Urk.
7
/16). Die von der Versicherten am
3. Juni 2020
erhobene Einsprache (Urk.
7/12
) wies die
Helsana
am
20. August 2020
ab (Urk.
7/24
= Urk. 2).
2.
2.1
Die Versicherte erhob am
11. September 2020
Beschwerde gegen den
Ein
sprache
entscheid
vom
20. August 2020 (Urk. 2) und beantragte die Übernahme der durch das Ereignis vom 24. April 2019 verursachten Behandlungskosten durch die Helsana (Urk. 1
).
Mit Beschwerdeantwort vom
19. Oktober 2020
(Urk.
6
) beantragte die
Helsana
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
22. Okto
ber 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
9
).
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom 23. Februar 2021 (Urk. 10)
wurde festgehalten
, dass
es sich bei den am 28. Juli 2020 erhobenen intraoperativen Befunden einer
Pulley
-
Läsion und einer Partial
ruptur der
Supraspinatussehne
gemäss Recht
spre
chung des Bundesgerichts um Listendiagnosen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG handle
(vgl. nachstehend E. 1.3-4)
. Gleichzeitig wurde der Beschwerdegegnerin Frist
zur Stellungnahme und allfälligen Beweisführung betreffend Entlastungsbeweis an
ge
setzt.
Am 15. April 2021 (Urk. 12) hielt die Beschwerdegegnerin unter Beilage einer Stellungnahme ihres beratenden Arztes vom 20. März 2021 (Urk. 13) an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest. Am 14. Mai 2021 (Urk. 16) teilte die Beschwerdeführerin mit, sie halte an ihrem Antrag auf
Beschwerdegutheissung
fest. Mit Gerichtsverfügung vom 18. Mai 2021 (Urk. 18) wurde der Beschwerde
gegnerin Frist zur erneuten Stellungnahme
angesetzt
, worauf sie sich nicht mehr verlauten liess.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Der äussere Faktor ist
gemäss Rechtsprechung
ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich All
täglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt
(BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussen
welt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 130 V 117 E. 2.1). Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorlie
gen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
1.3
Gemäss Art. 6 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädi
gun
gen
, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkran
kung zurückzu
füh
ren sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsio
nen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 146 V 51 E. 7.1 sowie BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.4
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der
Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend
auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfall
verhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zu
letzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
si
cherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
tei
lenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehen
den Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch
die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu be
leuch
ten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung spre
chen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungs
beweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, das heisst im ge
samten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Ent
lastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklä
run
gen erübrigen (E. 8.6).
1.5
UV170510
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
08.2018
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) da
von aus, dass der Unfallbegriff nicht erfüllt sei. Denn ein ungewöhnlicher äusserer Faktor lasse sich aus der Unfallschilderung («
while
lifting
a
suitca
s
e
an
d
leaving
it
on
the
floor
again
, I hurt
my
shoulder
–
some
tissue
cracked
») nicht ableiten (S. 4 Ziff. 3.3-4).
Auch eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG liege nicht vor.
Gestützt auf die Magnetresonanztomographie (MRI) vom 29. Mai 2019 sei das Vorliegen einer durch das Ereignis vom 24. April 2019 ausgelösten
Rotatorenmanschettenruptur
zu verneinen (S. 5 Ziff. 4.3). Eine Kim-Läsion sei nur von Dr.
B._
diagnostiziert worden und würde gemäss dem beratenden Arzt Prof.
C._
eine vorausgegangene Luxation oder Subluxation der Schulter voraussetzen. Eine Luxation habe jedoch nicht vorgelegen und eine Subluxation wäre gemäss Bundegericht keine Listendiagnose (S. 5 Ziff. 4.4). Gleiches gelte für die neue Diagnose einer
Bizepstendinopathie
(S. 5 Ziff. 4.5).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
es sei am 24. April 2019 beim Herabnehmen eines schweren Koffers vom Flug
hafen-Gepäckband, der kurz vor dem Abstellen umzufallen gedroht habe, zu einer ungeschickten Bewegung und einem akuten Schmerzereignis in der rechten Schulter gekommen (S. 1 oben).
I
m Operationsbericht vom 28. Juli 2020 seien multiple strukturelle Schäden inklusive Sehnenrisse
dokumentiert, die mit einer Schädigung infolge einer unkoordinierten Bewegung – nämlich eines einmaligen plötzlichen starken Zuges auf die
Bizepssehne
mit in der Folge typischem unfall
bedingtem Verletzungsmuster - vereinbar seien: SLAP-Läsion Typ 2 (Abriss
Bizeps
anker
nach kranial) mit
Pulley
-Ruptur (Bindegewebsschlingenriss) sowie Partialruptur der
Supraspinatussehne
. Es sei somit primär von einer akuten Schädigung der rechten Schulter auszugehen und nicht von einem Schadensbild, welches überwiegend durch chronische Prozesse (Krankheit/Abnützung) verur
sacht worden sei (S. 1 f.).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) machte die Beschwerdegegnerin gelte
nd, es liessen sich den mit
der Beschwerdeschrift eingereichten Operationsberichten keine neuen Aspekte entnehmen, die im Zeitpunkt des
Einspracheentscheids
nicht schon bekannt gewesen seien, weshalb auf diesen verwiesen werde (S. 3 Ziff. 4
).
2.4
Mit Stellungnahme vom 15. April 2021 (Urk. 12) führte die Beschwerdegegnerin aus, sie habe die Unterlagen ein weiteres Mal ihrem beratenden Arzt vorgelegt, welcher zum Schluss gekommen sei, dass die SLAP 2-Läsion überwiegend wahr
scheinlich zu mehr als 50
%
auf degenerative Vorschädigungen der Weichteil
strukturen zurückzuführen sei (S. 2 Ziff. 3). Es bestünden keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit dieser Einschätzung, womit der Entlastungsbeweis nach Art. 6 Abs. 2 UVG erbracht worden sei (S. 2 Ziff. 4).
2.5
Di
e Beschwerdeführerin machte mit
Stellungnahme vom 14. Mai 2021 (Urk. 16) geltend,
es ergäben sich Zweifel an der Zuverlässigkeit der
aktuellen
B
eurteilung
durch den beratenden Arzt (S. 2 Ziff. 3). So sei nicht korrekt, dass
beim
von diesem
zitierten
Schulter
trauma-Check
der Schweizerischen Ärztezeitung genü
gend Kri
terien für eine mehrheitlich degenerative Genese erfüllt seien. Die über
wältigende Mehrzahl der Indizien spreche im Gegenteil für ein Schädigungs
muster aufgrund einer frischen Traumatisierung von nicht relevant vorgeschä
digtem Gewebe im Rahmen des Ereignisses vom 24. April 2019 (S. 2 Ziff. 7). Von allen beteiligten Ärzten sei sodann die Kausalität der Schulterverletzung zum Ereignis vom 24. April 2019 bestätigt worden, zu keinem Zeitpunkt seien rele
vante degene
rative Komponenten als hauptursächlich für das Geschehen auch nur ansatzweise diskutiert worden (S. 7 Mitte).
2.6
Zu Recht wird von der Beschwerdeführerin nicht
explizit
bestritten, dass das Ereignis vom 24. April 2019
den Unfallbegriff
nicht erfüllt, nachdem beim Vor
gang des Anhebens eines Koffers vom
Rollband
und nachfolgenden Abstellens
(vgl. nachstehend E. 3.1 und E. 3.4) auch
dann kein ungewöhnlicher äusserer Faktor erkennbar
ist
,
wenn der Koffer vor dem Abstellen tatsächlich umzukippen gedroht hat, wie die Beschwerdeführerin dies
-
allerdings erst
in der Beschwer
deschrift
-
geltend machte (E. 2.2), ist doch auch dies ein alltäglicher Vorgang (E. 1.1-2
). Dass
sie dabei
zusätzlich noch
eine
unbeabsichtigte
Bewegung gemacht habe,
erwähnte sie
mit ihrer Stellungnahme vom 14. Mai 2021
(
Urk. 16
)
erstmals
. Auf diese sehr spät angepasste Darstellung kann rechtsprechungsgemäss nicht abgestellt werden (
vgl. BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Unbestritten ist sodann, dass es sich bei den beiden
am 28. Juli 2020 festgestellten
intraoperativen Befunden einer
Pulley
-Läsion und einer Partial
ruptur der
Supra
spinatussehne
gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts um Listendiagnosen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG handelt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_618/2019 vom 18. Februar 2020, E. 6.1 und E. 6.2.3
f.
), wie dies
mit
Gerichts
verfügung vom 23. Februar 2021 bereits festgehalten wurde
(Urk. 10; vgl. vorste
hend Sachverhalt E. 2.2)
.
Streitig und zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdegegnerin der Entlastungsbeweis im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG gelingt, ob sie sich mithin von der Leistungs
pflicht durch den Beweis befreien kann, dass die genannten Schulterschä
di
gungen vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen sind
(E. 1.4)
.
3.
3.1
Gemäss der in englischer Sprache ausgefüllten
Unfallmeldung vom 29. April 2019 (Urk. 7/1)
wurde angegeben, die Beschwerdeführerin habe sich am 24. April 2019 am Flughafen
A._
b
eim Anheben eines Koffers und dem erneuten Abstellen auf dem Boden an der Schulter
verletzt, wobei
etwas Gewebe
ge
riss
en sei («
some
tissue
cracked
»; Ziff. 4-6).
3.2
Dr. med.
D._
, Fachärztin für Radiologie,
Radiologie Klinik
E._
, führte
im Bericht vom 29. Mai 2019 (Urk. 8/1) zur
gleichentags durchgeführten
Magnetresonanz (MR)-
Arthrographie
der rechten Schulter aus, gemäss Klinik hätten ein Verdacht auf eine
Limbusläsion
und eine instabile lange
Bizepss
ehne
vorgelegen. Der Befund erge
be insgesamt weite Kapselverhältnisse, es sei kein
Labrumeinriss feststellbar, es lägen eine intakte
Rotatorenmanschette
und Zeichen
einer Bursitis
subakromialis
/
subdeltoidea
vor.
3.3
Dr. med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates, Klinik
E._
,
nannte im Bericht vom 24. September 2019 zur Sprechstunde vom 19. September 2019 (Urk. 8/5) als Dia
gnose ein posttraumatisches belastungsabhängiges Schmerzsyndrom der rechten Schulter mit klinischem Verdacht auf eine instabile
Biceps
longus
Sehne nach Distorsionstrauma der rechten Schulter vom 24. April 201
9.
Es bestünden bei Belastung und rapiden Abduktionen oder Flexionen des rechten Arms noch Schmerzen, die
anterior
in den rechten Oberarm ausstrahlten. Insgesamt sei die Schmerzsymptomatik nicht mehr so stark ausgeprägt wie unmittelbar nach dem Trauma
.
Sehr wahrscheinlich liege ein leicht instabile
Biceps
longus
Sehne vor. Damit könne die
Patientin
beruflich und im Alltag funktionieren.
3.4
PD Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, notierte in der Krankengeschichte zur Sprech
stunde vom 30. Oktober 2019 (Urk. 8/2
,
Urk. 8/3
) als Diagnose eine traumatische Schultergelenkverrenkung mit sekundärer Binnenschädigung rechts (traumatisch/
dominant).
I
m April habe es ein
Verhebetrauma
bei der Abduktion (Heben eines Koffers vom
Rollband
) gegeben.
Seither bestü
nden anhaltende Beschwerden.
Ein – allerdings nicht vorliegendes – MRI im Mai sei weitgehend unauffällig gewesen.
Der Befund ergebe
einen zart positiven Kim-Test. Es bestehe der Verdacht auf eine Schultergelenkverrenkung mit konservativer Instabilität, die in weiterer Folge zu einer Überlastung der Sehne geführt habe, die nun hier Beschwerden mache.
Die Empfehlung sei, eine mögliche Kim-Läsion mittels eines nochmaligen
Arthro
-MRI auszuschliessen.
3.5
Dr. med.
G._
, Facharzt für Radiologie, Medizinisch Radiologisches In
sti
tut, hielt im Bericht zur MR
Arthrographie
der rechten Schulter vom 8. Novem
ber 2019 (Urk. 8/4) fest,
die Fragestellung sei gewesen, ob eine Läsion der
Rotatorenmanschette
beziehungsweise eine
Pulleyläsion
vorliege. E
s bestehe eine Unregelmässigkeit der Unterfläche der distalen
Supraspinatussehne
ohne eigent
lichen Sehneneinriss. Es zeige sich keine Läsion der langen
Bizepssehne
und keine
Pulleyläsion
.
Es bestehe eine abgrenzbare Flüssigkeit in der Bursa
subdeltoidea
et
subacromiale
.
3.6
PD Dr.
B._
notierte in der Krankengeschichte zur Sprechstunde vom 8. No
vem
ber 2019 (Urk. 8/2
; gedruckt am 17. Februar 2020
)
als Diagnose eine Partialruptur des
Supr
aspinatus
und Kim-Läsion rechts.
Es zeige
sich im neuen MRI eine
arti
kulärseitige
Partialruptur des
Supraspinatus
und eine im Befund nicht beschriebene Kim-Läsion des hinteren Labrums. Dies passe in der Summe zum Trauma mit einer
osteoinferioren
Verschiebung der Schulter und einer Quetschung des Labrums respektive Traktion des
Supraspinatus
, was die strukturellen Verletzungen an beiden Strukturen
verursacht habe.
Dem
späteren
Ausdruck
der Krankengeschichte (Urk. 8/3; gedruckt am 9. Juni 2020)
ist im
Eintrag vom 8. November 2019
die Ergänzung zu entnehmen
,
der MRI-Befund passe in Summe zum Trauma mit einer
osteoinferioren
Verschiebung der Schulter und einer Quetschung des Labrums respektive Traktion des
Supra
spinatus
, was die strukturellen Verletzungen an beiden Strukturen entsprechend
Art. 6 Abs. 2 UVG (2017)
verursacht habe
.
Gemäss Eintrag vom
13. Mai 2020 (Urk. 8/3 S. 2) sehe
die Patientin
unter kon
ser
vativer Therapie keine relevanten Verbesserungen und würde nun gerne ope
rativ weitermachen. Die für die Patientin derzeit organisatorisch noch nicht passende Operation werde aus einer Sehnenreparatur und einer Schulterstabilisierung bestehen
.
3.7
Prof. Dr. med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, führte in seiner Beurteilung vom 22. Mai 2020 (Urk. 8/7) aus, es bestünden unterschiedliche (Verdachts-)Diagnosen im Zusammenhang mit den anhaltenden Schulterbeschwerden rechts nach einem Ereignis am Gepäckrollband
in A._
vor einem Jahr
(Ziff. 1
).
Zur Frage, ob eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vorliege, führte er aus (Ziff. 2.1), es sei unwahrscheinlich, dass bei dem Manöver am Gepäckband eine Schulterluxation stattgefunden habe. Diese Diagnose tauche denn im zwei
ten Bericht von PD Dr.
B._
(vorstehend E. 3.6) auch nicht mehr auf, sondern es werde nun nach einer MRI-Untersuchung vom 8. November 2019 von einer Partialruptur der
Supraspinatussehne
sowie einer Kim-Läsion gesprochen. Eine
Supraspinatus
-Sehnenläsion sei anlässlich der ersten MRI-Untersuchung vom 29. Mai 2019 nicht diagnostiziert worden. Insofern könne eine Partialruptur (es bestünden dazu auch nur vorsichtige Hinweise) im ersten MRI nicht bestätigt werden. Die Lage der langen
Bizepssehne
werde im MRI vom 8. November 2019 als unauffällig beschrieben. Die Kim-Läsion sei eine inverse Bankart-Läsion und setze eine Instabilität der Schulter, sprich eine vorausgegangene Luxation oder
Subluxation, voraus. Eine Luxation habe nicht vorgelegen. Eine Subluxation werde
in den Berichten nicht erwähnt und wäre auch keine Listendiagnose.
Zusammenfassend könne in den verschiedenen Berichten keine uni
sono
-Dia
gnose identifiziert werden, die den Kriterien
einer unfallähnlichen Körperschä
digung
von Art. 6 (Abs. 2) UVG entsprechen würde (S. 3
).
3.8
Dr. med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Klinik
E._
, nannte in seinem Bericht vom 5. Juni 2020 (Urk. 8/6) als Diagnose eine
Bizepstendinopathie
bei
antero-superiorer
Partialruptur der
Rotatorenmanschette
mit Verdacht auf
Pulleyläsion
der rechten dominanten Schulter bei Status nach
Verhebetrauma
am 24. April 201
9.
An diesem Tag habe die Patientin beim Anheben eines schweren Gegenstandes plötzlich Schmerzen in der Schulter verspürt
(S. 1 oben
).
Gemäss dem
Arthro
-MRI der rechten Schulter vom 8. November 2019 (vorstehend E. 3.5) sei die
Rotatorenmanschette
grösstenteils intakt. Im Vorderrand des
Supra
spina
tus
sowie im
Oberrand
des
Subscapularis
zeige sich eine sehr feine Partialläsion
,
weniger als 10
%
des
Footprints
. Es bestehe keine Subluxation der
Bizepssehne
und keine SLAP-Läsion (S. 2 oben).
Nach dem erwähnten Ereignis habe die Patientin nach über einem Jahr eine klinisch klar persistierende
Bizepstendinopathie
. Klinisch sei sie von Seiten der
Rotatorenmanschette
suffizient. Im MRI zeige sich bis auf eine sehr feine Partialruptur im Austrittsbereich der
Bizepssehne
aus dem Gelenk eine intakte
Rotatorenmanschette
. Wahrscheinlich liege auch eine
Pulley
Ruptur vor, die jedoch im MRI nicht diagnostizierbar sei
(S. 2 Mitte)
.
Nach Ausschöpfen der konservativen Massnahmen mit Physiotherapie und Infiltrationen und bei entsprechendem Leidensdruck sei eine Schulterarthroskopie mit
Bizepstenodese
eine weitere Behandlungsoption
. Die Kim-Läsion, die im MRI nicht eindeutig verifiziert werden könne, sei auch klinisch nicht symptomatisch und schon gar nicht behandlungsbedürftig. Auch von Seiten der
Rotatoren
man
schette
sei sie kräftig, so dass eine Rekonstruktion bei der sehr feinen Partial
ruptur nicht in Frage komme (S. 2 Mitte).
Um einen allfälligen Gewinn der erwähnten Operation zu quantifizieren, sei eine Infiltration sinnvoll. Damit könne der Erfolg der Operation simuliert werden. Hierfür werde die Patientin bei Dr.
I._
angemeldet (S. 2 unten
).
3.9
Dr. med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, führte im Bericht vom 23. Juni 2020 (Urk. 8/8
)
aus, unmittelbar nach der gewünschten Infiltration habe er die Patientin Bewegungen durchführen lassen, welche im Alltag schmerzhaft seien, was deutlich
besser
gegangen
sei
.
3.10
Mit
Operationsbericht vom 28. Juli 2020 (Urk. 3/1) dokumentierte Dr.
H._
(vorstehend E. 3.8)
eine
an diesem Tag stattgehabte Schulterarthroskopie rechts, eine
Bizepstenotomie
, ein
Débridement
des
Supraspinatus
, eine
subakriomale
Bursektomie
und eine
mini
-offene
suprapectorale
Bizepstenodese
rechts
. Als Diagnose nannte er
(S.
1 Mitte):
-
SLAP-II-Läsion mit
Pulley
-Ruptur und Partialruptur der
Supra
spina
tus
sehne
mit sekundärem
Impingement
Schulter rechts
-
Status nach
Verhebetrauma
am 24. April 2019
Am
Humerus
und am
Glenoid
lägen physiologische Knorpelverhältnisse vor. Das Labrum sei
zirkumferentiell
intakt zwischen 11:00 und 1:0
0.
Dort zeige sich eine SLAP-II Läsion
, die sich mit dem Tasthaken luxieren lasse. Auch das
Pulley
auf der Seite des
Supraspinatus
sei aufgeraut, auf der Seite des
Subscapularis
rup
turiert
. Der
Supraspinatus
zeige sich mit einer feinen Partialruptur im ven
tralen Drittel, weniger als zwei Millimeter (S. 1 unten).
4.
4.
1
Prof.
C._
(vorstehend E. 3.7)
führte in seiner Aktenbeurteilung vom 20. März 2021 (Urk. 13) aus, im Sinne einer versicherungsmedizinischen Hilfe
stellung sei in diesen Tagen in der Schweizerischen Ärztezeitung «Der Schul
tertrauma-Check» von Schweizer Autoren publiziert worden, die sich mit diesem Thema seit langer Zeit beschäftigten. Dadurch
solle
die medizinische Beurteilung eines akut entstanden Schulterschmerzes zwecks Abgrenzung von traumatischen Veränderungen zu solchen bei Abnützung und Erkrankung erleichtert werden. Vergleichsweise habe der Knietrauma-Check 2016 die Entscheidungspraxis der Versicherungen verändert (S. 4 Mitte).
Beim Vergleich dieser Elemente spreche das Alter der Beschwerdeführerin mit 45
Jahren diskret für eine durch Krankheit bedingte Pathologie. Die konzen
trische Krafteinwirkung auf das Schultergelenk bei muskulärer Anspannung mit der Absicht, das Gepäckstück zu manövrieren, sei ein weiteres biomechanisches Kriterium für eine mangelnde Trauma-Einwirkung. Schliesslich sei die im MRI vom 8. November 2019 gemessene
acromio-humerale
Distanz von 6 mm (statt mindestens 7 mm) ein weiteres Indiz für einen Schulterschaden, der zu mehr als 50
%
auf degenerativer Basis entstanden sei (S. 5 Mitte).
Eine SLAP-II-Läsion sei anlässlich der Konsultation
vom 5. Juni 2020 durch
Dr.
H._
ausgeschlossen, dann aber intraoperativ am 28. Juli 2020 adres
siert worden. Die häufig nicht gute Darstellbarkeit der SLAP-Läsion im MRI sei in Expertenkreisen bekannt
.
Am 8. November 2019 habe sich im MRI keine
Pulley
-Läsion gezeigt, anlässlich der Operation vom 28. Juli 2020 sei diese hin
gegen nachgewiesen worden (S. 5 Mitte).
Im Ergebnis sei in der Verlaufsbeobachtung davon auszugehen, dass die intra
artikulären Schäden an den Weichteilen des Schultergelenks nicht ausschliesslich am 24. April 2019 gesetzt worden seien, sondern Ausdruck der bekannten degenerativen Vorgänge im Schultergelenk ab dem 5. Lebensjahrzehnt seien. Verschiedene morphologische pathologische Befunde am Schultergelenk hätten sich überwiegend wahrscheinlich erst nach dem Ereignis vom 24. April 2019 entwickelt und könnten somit nicht kausal damit verbunden werden (S. 5 unten
).
Da eine MRI-Untersuchung vor dem 24. April 2019 nicht vorliege, also eventuelle morphologische Auffälligkeiten vor dem Ereignis nicht bekannt seien, müsse auf den Schultercheck verwiesen werden, der vorliegend genügend Kriterien auf
zähle, die für einen mehr als 50% betragenden degenerativen Vorschaden sprä
chen (S. 6 oben).
Aus Sicht der Biomechanik werde ein Weichteilschaden an der Schulter nicht durch einen von der betreffenden Person selbst initiierten Bewegungsablauf gesetzt, denn die neuralen Rezeptoren in den Geweben des Bewegungsapparates liessen einen solchen selbstgefährdenden Vorgang
nicht zu, es sei denn, es liege ein Vorschaden der Gewebequalität vor, der bereits bei unterschwelliger Bean
spruchung einen Schaden an den Strukturen auslöse. Dies sei überwiegend wahr
scheinlich bei der Versicherten der Fall. Es müsse daher von einer mehr als 50%igen degenerativen Vorschädigung der Weichteilstrukturen des Schulterge
lenkes gesprochen werden (S. 6 Mitte).
4.2
Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Stellungnahme vom 14. Mai 2021 (Urk. 16)
aus, es lägen keinerlei Anhaltspunkte für relevante degenerative Schäden an der rechten Schulter vor, weder anamnestisch, noch in den klinischen Untersu
chun
gen, noch in den bildgebenden Verfahren und insbesondere nicht in der als Gold-Standard zu betrachtenden Schulterarthroskopie. Vor dem Ereignis sei sie kom
plett beschwerdefrei gewesen (S. 2 Ziff. 4). Die Einwirkung eines schweren Koffers mit plötzlichem starkem Zug auf die
Bizepssehne
sei nicht unterschwellig und bei einer ungeschickten Bewegung griffen physiologische neuronale Schutz
mechanismen nicht. Der beschriebene Unfallmechanismus werde in der Literatur als einer der häufigsten für das hier vorliegende Schadensbild genannt (S. 2 Ziff. 5). Von allen an der Behandlung beteiligten Ärzten werde eine dominant traumatische Genese des Verletzungsmusters an der rechten Schulter diagnos
tiziert (S. 2 Ziff. 6).
Im Folgenden ging die Beschwerdeführerin auf die einzelnen Kriterien gemäss dem von Prof.
C._
zitierten (vgl. E. 4.1)
und auf S. 324-326
der Schwei
zerischen Ärztezeitung
vom 3. März
2021 publizierten (vgl. Urk. 17
sowie www.saez.ch
) Schultertrauma-Check
ein (S.
3-6), wobei sie wiederholt auch aus dem medizinischen
Nachschlagewek
UpToDate
(www.uptodate.com) zitierte.
Betreffend das Patientenmerkmal des Alters von über 40 Jahren rühre dessen niedrige Gewichtung daher, dass relevante degenerative Prozesse insbesondere bei Patienten ohne signifikante Komorbiditäten und vor allem bei SLAP-Läsionen erst in der 7. Lebensdekade deutlich ins Gewicht fielen. Relevante Komorbiditäten seien aber ebenso wenig vorhanden wie die weiteren Komponenten, die unter diesem Punkt als auf eine degenerative Ursache hinweisend erwähnt würden (S. 3 Mitte).
Betreffend die Exposition seien keine berufs- oder freizeitbedingte Überkopf
be
wegungen in der Anamnese, welche Abnützungsprozesse in den vergangenen Jahren potentiell gefördert hätten (S. 3 unten).
Betreffend Vorschädigung hätten vor dem Ereignis keinerlei Symptome an der rechten Schulter bestanden (S. 3 unten).
Der in der Tabelle stark gewichtete Schädigungsmechanismus sei im vorliegenden Fall a
ls
traumabedingt
einzustufen: «Plötzliche reissende exzentrische Belastung des Armes», zum Beispiel durch einen plötzlichen starken Zug auf die
Bizepssehne
(S. 4 oben).
Betreffend das funktionelle Schadensbild und den Schmerzverlauf habe sie direkt im Anschluss an das Ereignis starke Schmerzen gehabt und im Verlauf aufgrund unzureichender Besserung einen Arzt aufgesucht. Es handle sich demnach um einen Decrescendo-Verlauf des Schmerzcharakters. Es sei eine Infiltration bei Dr.
F._
erfolgt mit im Verlauf wieder nachlassendem Effekt. Somit sei der Schmerzcharakter als typisch für ein
Traumageschehen
anzusehen. Dies sei auch im Bericht von Dr.
H._
vom 5. Juni 2020 so erwähnt: «Im April 2019 hat die rechts dominante Patientin beim Anheben eines schweren Gegenstandes plötzlich Schmerzen in der Schulter verspürt. Diese waren lateral sowie
anterior
ausgeprägt. Sie konnte die Sc
hulter praktisch nicht bewegen»
(S. 4 Mitte).
Betreffend bildgebende Charakteristika
könne der Punkt «
akromiohumerale
Distanz» im vorliegenden Fall nicht als Argument für das Vorliegen relevanter chronischer Veränderungen herangezogen werden, sondern sei als ein Zeichen des stattgehabten Binnentraumas – unter anderem mit entsprechenden Sehnen
rupturen – zu werten. Es müsse bedacht werden, dass zwischen dem Ereignis und der MRI-Untersuchung bereits über 6 Monate vergangen seien und somit sekun
däre Störungen aufgrund des Traumas vom 24. April 2019 diesen Befund führend bedingt hätten (S. 5 unten). Alle übrigen Kriterien in der Kategorie «Bildgebung» sprächen für eine auf ein Trauma zurückgehende Läsion: Bänderverletzungen vorhanden, keine relevanten degenerativen Texturveränderungen an den Sehnen der
Rotatorenmanschette
und des Bizeps-Labrum-Komplexes, keine relevanten
Knorpelschäden, kein
subacromialer
Ausschliff, kein
Rotatorenmanschetten
de
fekt
tuberculumnahe
an Prädilektionsstelle mit
ossären
Veränderungen am
Tubercu
lum
, keine muskulären
Verfettungen
, keine Sehnenretraktionen (S. 6 oben).
Betreffend den Operations-Situs seien im Operationsbericht vom 28. Juli 2020 multiple strukturelle Schäden inklusive Sehnenrisse dokumentiert, die durch den Unfallhergang vollständig erklärt seien. Hinweise auf relevante Abnützungser
scheinungen aufgrund eines chronisch-krankhaften Geschehens ergäben sich nich
t (S. 6 Mitte)
Zusammenfassend seien somit zwei der drei von Prof.
C._
dargelegten Kriterien, die für einen chronischen Prozess sprächen, zu relativieren. Alle ande
ren
- weit über zehn -
Kriterien sprächen für ein T
rauma. Würden alle Faktoren ausreichend berücksichtigt, könne eine relevante durch Krankheit bedingte Pathologie ausgeschlossen werden (S. 6 Mitte).
5.
5.1
Prof.
C._
erwähnte in seiner Aktenbeurteilung vom 20. März 2021
(E. 4.1)
«verschiedene morphologische pathologische Vorgänge im Schultergelenk», welche
sich erst nach dem Ereignis vom 24. April 2019 entwickelt hätten.
Diese Vor
gänge bezeichnete er
allerdings
nicht näher.
Unklar bleibt zudem, ob und inwie
fern ein Zusammenhang
besteht mit den gemäss Prof.
C._
schon vor dem 24. April 2019 bestehenden, ebenfalls nicht näher bezeichneten degenerativen Vorgängen. Diese Beurteilung ist entsprechend für sich gesehen nicht überprüf- und somit auch nicht nachvollziehbar.
Nicht mit entsprechenden Fundstellen aus der Literatur belegt wurde die Aussage von Prof.
C._
,
wonach
ein Weichte
ilschaden an der Schulter nicht durch einen von der betreffenden Person selbst initiierten Bewegungsablauf gesetzt werden könne, sofern das Gewebe nicht vorgeschädigt sei. Sie wirft die
Folgef
rage auf, ob ein
grundsätzlich gewollter
, die eigenen Weichteile gefährdender
Vorgang generell nicht möglich sei. Die Lebenserfahrung spricht hier dagegen, zumal auch das
Rechtsi
nstitut der unfallähnlichen Körperschädigung obsolet würde, wenn ein traumatischer Weichteilschaden nur
durch einen
ungewöhnlichen äusseren Faktor verursacht werden könnte
(vgl. E. 1.1-4)
.
5.2
Was die Kriterien des von beiden Parteien zitierten «Schultertrauma-Checks» (vgl
. E. 4.1-2) anbelangt, so ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass einige Kriterien auch für eine traumatische Genese der Schulterverletzungen sprechen könnten. So ist etwa ein Decrescendo-Verlauf des Schmerzcharakters plausibel, nachdem Dr.
F._
im September 2019 (E. 3.3) festgehalten hatte, die Schmerzsymptomatik sei nicht mehr so ausgeprägt wie unmittelbar nach dem Trauma.
Als glaubhaft erscheint
bei der derzeitigen Aktenlage
, dass vor dem Ereignis weder eine relevante Exposition noch eine Vorschädigung der rechten Schulter bestanden hatte. Augenfällig ist zudem, dass
sowohl
mit 44 Jahren die kritische Altersschwelle von 40 Jahren als auch mit einer
acromio-humeralen
Distanz von 6 mm die kritische
diesbezügliche
Schwelle von 7 mm nur knapp unterschritten wurden. Betreffend beide Kriterien brachte die Beschwerdeführerin sodann
ausführlich begründete Relativierungen vor, welche zumindest nicht zum Vornherein abwegig erscheinen.
Zwar ist die Beschwerdeführerin selber
keine Ärztin
, ihre Ausführungen erschei
nen jedoch
auch
betreffend bildgebende Charakteristika und Operations-Situs fundiert genug, um
insgesamt
zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen durch Prof.
C._
zu wecken
beziehungsweise die bereits
bestehenden
Zweifel (E. 5.1)
noch weiter
zu verstärken. Auf die Aktenbeurteilung durch Prof.
C._
vom 20. März 2021 (E. 4.1) kann daher nicht abgestellt werden (E. 1.6).
Gestützt auf
die Ausführungen der Beschwerdeführerin
(E. 4.2)
als Partei und medizinischer Laiin
kann der Sachverhalt ebenfalls nicht
erstellt werden.
5.3
Anlässlich der Operation vom 2
8.
Juli 2020 (E. 3.10) wurden eine Partialruptur der
Supraspinatussehne
und eine
Pulleyläsion
bestätigt. Diese stellen Listendia
gnosen im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 UVG dar (Sehnenriss,
lit
. f, Bandläsion,
lit
. g)
. Der fehlende (sichere) Nachweis im MRI schadet dabei nicht, denn d
ass sich partielle Sehnenrisse regelmässig nur intraoperativ sicher nachweisen lassen, ist notorisch. Entsprechend verlangt die höchstrichterliche Rechtsprechung bei solchen denn auch einen zweifelsfreien intraoperativen Nachweis (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_618/2019 vom 18. Februar 2020 E. 6.2.3)
.
Nach dem Gesagten
(E. 5.2)
lassen die bei den Akten befindlichen medizinischen Unterlagen keine zuverlässige Beantwortung der rechtserheblichen Tatfrage zu
,
und es steht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass
die
genannten Listenverletzungen
vorwiegend
auf Abnützung oder Erkrankung beruhen
. Erfor
derlich wäre der Nachweis, dass die Listenverletzung im gesamten Ursachen
spek
trum zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Mit den Darlegungen von Prof.
C._
lässt sich dieser Nachweis nicht erbringen. Vielmehr erscheint angesichts der fundierten Vorbringen der Beschwerdeführerin eine traumatische Ursache ebenso wahrscheinlich
. Unter diesen Umständen kann
die gesetzliche Vermutung, bei der Beschwerdeführerin
liege eine von der Be
schwerdegegnerin zu übernehmende unfallähnliche Körperschädigung vor, (noch)
nicht
zum Zuge kommen.
Diese hat vielmehr aufgrund des
Untersuchungs
grund
satzes (Art.
43 ATSG) ein klärendes medizinisches Gutachten nach
Art.
44 ATSG zu veranlassen und danach über
ihre Leistungspflicht
erneut zu verfügen
(Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_267
/2019 vom 30. Oktober
2019
E. 7.2.2, sowie
8C_618/2019 vom 18. Februar 2020 E. 8.2).
5.4
Demnach ist der
Einspracheentscheid
vom 2
0.
August 2020 (
Urk.
2) aufzuheben und die
Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
,
damit sie die erforderlichen Abklärungen veranlasse und hernach über ihre Leistungspflicht neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.