Decision ID: 64153651-40ec-5160-96b7-708788ee2c21
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. Mit Verfügung vom 22. Dezember 2005 teilte das Bundesamt für  (BAKOM) der A. die Einzelnummern xxx, xxx, xxx, xxx, xxx, xxx, xxx, xxx, xxx und xxx (nachfolgend Einzelnummern genannt) aus dem Bereich Unterhaltung, Spiele und Response zu.
B. Die A. warb auf der Webseite www.........ch u.a. mit folgendem Text:
"Wir vermitteln Freizeit-, Ferien- und Partnerschaftskontakte gemäss
Kundenwünschen über die persönliche, telefonische Betreuung. Viele Leute
haben wir auf diese Weise bereits glücklich gemacht. Einige von Ihnen haben
auch schon eine Familie gegründet.
Wir verbinden Dich einfach, schnell und diskret mit Deinem Wunschpartner
oder Deiner Wunschpartnerin für Ferien, Freizeit oder auch fürs Leben. Ruf
uns auf einer der folgenden Nummern an und gib uns Deine Vorstellungen
und Wünsche persönlich am Telefon bekannt."
Sie schaltete unter dieser und der Webseite www.........ch wie auch in Printmedien Kontaktanzeigen. Wie der Webseite www.........ch entnommen werden konnte, handelte es sich dabei um Kontakte im Bereich "Partnerschaft", "Freizeit", "Flirten/Plaudern", "Abenteuer" und "Erotische Kontakte". Als Kontaktnummer wurde dabei eine der obgenannten Einzelnummern bekannt gegeben. Die Kosten für einen Anruf beliefen sich teils auf Fr. 3.13 pro Anruf zuzüglich Fr. 3.13 pro Gesprächsminute, teils auch auf Fr. 4.99 pro Anruf zuzüglich Fr. 4.99 pro Gesprächsminute.
Einerseits riefen Personen auf die veröffentlichten Nummern an,  wurden Leute, welche auf dem Internet oder in Printmedien Kontaktinserate aufgegeben hatten, direkt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der A. angegangen, auf deren "Dienst" und (angeblich) passende Partnerinnen und Partner aufmerksam gemacht und dazu veranlasst, auf eine der genannten Mehrwertdienstnummern anzurufen.
C. Nachdem das BAKOM aufgrund von zahlreichen Meldungen von Kon-
Seite 2
http://www.live-channel.ch/ http://www.phonedating.ch/ http://www.phonedating.ch/ http://www.live-channel.ch/ http://www.live-channel.ch/ http://www.live-channel.ch/ http://www.live-channel.ch/ http://www.live-channel.ch/ http://www.live-channel.ch/
A-5335/2009
sumentinnen und Konsumenten, Berichten in der Sendung "" und in Printmedien auf die Geschäftspraktiken der A. aufmerksam geworden war, führte es drei Testanrufe, u.a. auch auf die Nummer xxx, durch, um den gehegten Verdacht der rechtswidrigen Verwendung der Nummern zu überprüfen.
D. Aufgrund dieser Testanrufe gelangte das BAKOM zur Auffassung, es werde hier "Kundenfang" betrieben, was gegen Treu und Glauben im Geschäftsverkehr verstosse. Es würden verschiedene verpönte Handlungsweisen praktiziert, die irreführende, nötigende und  Elemente umfassten. Mit Schreiben vom 16. März 2009  das BAKOM deshalb ein Nummernwiderrufsverfahren und forderte die A. auf, Stellung zu nehmen. Zugleich wies es darauf hin, dass beim Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) ein Gutachten eingeholt werde und sich die A. bei dessen Vorliegen dazu werde äussern können.
E. Mit Schreiben vom 19. März 2009 ersuchte das BAKOM das seco als die für die Lauterkeitsgesetzgebung zuständige Bundesbehörde um eine gutachterliche Überprüfung des vorgelegten Sachverhalts auf  Verletzungen des Lauterkeitsrechts hin. Diesem Schreiben  waren die (anonymisierten) Konsumentenbeschwerden, die  des Kassensturzes, des Beobachters und des Grenchner  sowie die Protokolle der Testanrufe des BAKOM.
Das Gutachten reichte das seco am 17. April 2009 ein. Darin hielt es fest, die Geschäftspraktiken der A. verletzten die Art. 2, 3 Bst. b, h und i des Bundesgesetzes vom 19. Dezember 1986 gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG, SR 241).
F. Am 29. Mai 2009 reichte die A. eine Stellungnahme zu den Vorwürfen und zum Gutachten des seco ein.
G. Mit Verfügung vom 21. August 2009 ordnete das BAKOM mit sofortiger Wirkung den Widerruf der zugeteilten Einzelnummern an und wies die Swisscom (Schweiz) AG an, diese innerhalb von drei Werktagen  Betrieb zu nehmen. Es führte dabei aus, die A. habe die vom seco festgestellte Verletzung (u.a.) von Art. 2, 3 Bst. b, h und i UWG nicht entkräften können, weshalb sich der Widerruf der Einzelnummern
Seite 3
A-5335/2009
rechtfertige. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung entzog das BAKOM die aufschiebende Wirkung.
H. Mit Beschwerde vom 25. August 2009 gelangt die A. () an das Bundesverwaltungsgericht und beantragt die Aufhebung der Widerrufsverfügung vom 21. August 2009 sowie die (superprovisorische) Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung.
I. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung am 25. August 2009 superprovisorisch wiederhergestellt hatte, wies es das Gesuch der Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nach Anhörung der Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 22. September 2009 ab.
J. Mit Eingabe vom 23. September 2009 ergänzt die Beschwerdeführerin innerhalb der Beschwerdefrist ihre Beschwerde vom 25. August 2009. Ihre Anträge lauten nun wie folgt: Die angefochtene Verfügung und der darin verfügte Widerruf der Einzelnummern xxx seien aufzuheben und das Nummernwiderrufsverfahren sei einzustellen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführerin stattdessen Frist zum Nachweis der weiteren Umsetzung der bereits eingeleiteten Korrekturmassnahmen anzusetzen. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur neuen Entscheidung an das BAKOM zurückzuweisen.
Ihre Anträge begründet sie im Wesentlichen damit, dass die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt habe und dies – aufgrund der Schwere – bei der angerufenen Beschwerdeinstanz nicht geheilt werden könne. Die Reklamationen aus der Bevölkerung seien im Lichte einer von den Medien lancierten Kampagne zu sehen und im Vergleich zu den bisher 140'000 Anrufen als üblich zu betrachten. Das Gutachten und dadurch auch die angefochtene Verfügung stützten sich auf einen unrichtigen Sachverhalt. Dieser basiere mehrheitlich auf einer Vielzahl von , bestrittenen Behauptungen und freien Interpretationen. Der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" werde dabei verletzt. Die Kunden würden auf die Dienstleistungen und die entsprechenden Tarife aufmerksam gemacht. Sie wüssten, was sie erwarte. Insofern verstosse sie nicht gegen lauterkeitsrechtliche Bestimmungen. Die Vorinstanz führe auch nicht aus, inwiefern die Beschwerdeführerin be-
Seite 4
A-5335/2009
sonders aggressive Verkaufsmethoden anwende. Der Widerruf sei im Sinne der Verhältnismässigkeit weder erforderlich noch zumutbar. Die Beschwerdeführerin habe – aufgrund der festgestellten Missstände – personelle, strukturelle und technische Korrekturmassnahmen . Diese seien aber von der Vorinstanz unberücksichtigt geblieben. Falls die Nummern widerrufen würden, scheine das Ende der A. unausweichlich. Sieben Arbeitsplätze würden verloren gehen.
K. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Oktober 2009 schliesst die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde und verweist im Wesentlichen auf die angefochtene Verfügung. Sie führt aus, es reichten , damit eine Nummer widerrufen werden könne. Die  sei darüber informiert worden, dass beim seco ein Gutachten eingeholt werde und es sei ihr Gelegenheit geboten worden, sich zum Gutachten zu äussern. Auch im vorliegenden Verfahren könne die Beschwerdeführerin nochmals Stellung nehmen. Sie suggeriere Konsumentinnen und Konsumenten, über ihre Dienste einen Partner oder eine Partnerin finden zu können. Dies sei auf www.........ch und www.........ch ersichtlich. Die Schilderungen der Konsumentinnen und Konsumenten und der Medien deckten sich mit den gemachten Erfahrungen (mittels Testanrufen) und der Einschätzung des seco. Bei Verdachtsfällen sei die Anwendung des geltend gemachten Grundsatzes "im Zweifel für den Angeklagten" per se ausgeschlossen. Gerade in sensiblen Bereichen, in denen erhöht kostenpflichtige  zum Einsatz kämen, sei zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten nicht nur auf den durchschnittlichen, sondern auf den nicht besonders gewandten und deswegen verstärkt  Konsumierenden abzustellen. Der Widerruf sei sowohl erforderlich wie auch zumutbar.
L. Die Beschwerdeführerin hält in ihren Schlussbemerkungen vom 5. November 2009 an den Anträgen gemäss Beschwerde(ergänzung) vom 23. September 2009 fest. Sie hält den Verdacht einer  für nicht zutreffend und den verfügten Widerruf der Nummern in jedem Fall für unverhältnismässig.
M. Auf weitere Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befind-
Seite 5
http://www.livechannel.ch/ http://www.phonedating.ch/
A-5335/2009
lichen Schriftstücke wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden  eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt dieses  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Eine Ausnahme ist vorliegend nicht gegeben und das BAKOM ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Demnach ist das  zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde .
1.2 Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung  betroffen und macht ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung geltend. Sie ist daher ohne Weiteres  (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten.
1.4 Die Beschwerdeführerin rügt die Verletzung des rechtlichen , indem die Vorinstanz auf die ergriffenen Korrekturmassnahmen nicht eingegangen sei und sie – die Beschwerdeführerin – sich nicht vorgängig (gegenüber dem seco) zu den Medienberichten und den diesbezüglichen Konsumentenbeschwerden habe äussern können.
1.4.1 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) folgt die grundsätzliche Pflicht der , ihren Entscheid zu begründen. Die Bürgerinnen und Bürger sollen wissen, warum die Behörde entgegen ihrem Antrag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass ihn die Betroffenen gegebenenfalls sachgerecht anfechten können. Dies ist nur möglich, wenn sowohl sie wie die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sin-
Seite 6
A-5335/2009
ne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Eine verfügende Behörde muss sich somit nicht mit jeder  Behauptung und jedem rechtlichen Einwand . Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 151 Rz. 3.103 ff.).
1.4.2 Die Vorinstanz hat sich mit den Korrekturmassnahmen insofern auseinandergesetzt, als sie bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit und der Suche nach einem milderen Mittel ausführt, eine denkbare mildere Anordnung als der Widerruf der Einzelnummern sei  die Ansetzung einer Frist zur Vornahme von  oder zum Nachweis, dass beim Betrieb der zugeteilten  alle Vorschriften eingehalten worden seien. Beide  seien der Beschwerdeführerin eingeräumt worden. Der  habe aber nicht erbracht werden können. Es handle sich um ein gewolltes, systematisches Vorgehen, um eine Geschäftspraktik. In der Vernehmlassung vom 8. Oktober 2009 fügte sie an, dass bei Verdachtsfällen nach Art. 24g Abs. 2 der Verordnung vom 6. Oktober 1997 über die Adressierungselemente im Fernmeldebereich (AEFV, SR
784.104) die Möglichkeit zur Vornahme von Korrekturmassnahmen
nicht offen stehe.
1.4.3 Diesbezüglich hat die Vorinstanz die wesentlichen Überlegungen
dargelegt, warum sie sich nicht eingehend mit den Korrekturmassnah-
men befasst hat. Sie hat im Übrigen auch umfassend begründet, wes-
halb die Einzelnummern widerrufen werden. Die Beschwerdeführerin
war daher sehr wohl in der Lage, die Verfügung sachgerecht anzufech-
ten. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör wurde insofern Genüge
getan.
1.4.4 Auch bezüglich der vorgängigen Stellungnahme an das seco zu
den Medienberichten und den betreffenden Konsumentenbeschwer-den
ist den Ausführungen der Vorinstanz zu folgen. Mit Bezug auf Rechts-
gutachten besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts im
nicht streitigen Verwaltungsverfahren mit lediglich einer Partei grund-
sätzlich kein Anspruch darauf, zu einer Expertise, welche sich auf die
blosse Beantwortung von Rechtsfragen beschränkt, vor Erlass der
Verfügung Stellung zu nehmen. Soweit die rechtlichen Erörterungen im
Seite 7
A-5335/2009
Gutachten in die Begründung des Erkenntnisses Eingang gefunden
haben, sei mit der Möglichkeit, diese Rechtsanwendung im
Rechtsmittelverfahren überprüfen zu lassen, der Gehörsanspruch
gewahrt (BGE 128 V 272 E. 5b/cc).
1.4.5 Mit der Information über die Einholung des Gutachtens beim seco
und der Gelegenheit zur zweifachen Stellungnahme, welche die
Beschwerdeführerin mit ihren Eingaben vom 17. April und 29. Mai 2009
wahrgenommen hat, ist ihrem Gehörsanspruch im vorinstanzlichen
Verfahren auch hier hinreichend Rechnung getragen worden. Die Rüge
der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich damit insgesamt als
unbegründet.
2. Gemäss Art. 11 Abs. 1 Bst. b AEFV kann die Vorinstanz die Zuteilung
von Adressierungselementen widerrufen, wenn der Inhaber des Adres-
sierungselements das anwendbare Recht, insbesondere die Bestim-
mungen der AEFV, die Vorschriften des BAKOM oder die Bestimmun-
gen der Zuteilungsverfügung missachtet. Einzeln zugeteilte Nummern
können zudem gemäss Art. 24g Abs. 2 AEFV widerrufen werden, wenn
der Verdacht besteht, dass die Inhaberin oder der Inhaber sie zu einem
rechtswidrigen Zweck oder in rechtswidriger Weise missbraucht.
2.1 Es ist damit zu prüfen, ob ein Widerrufsgrund gemäss Art. 11 AEFV oder Art. 24g AEFV vorliegt und ob der Widerruf verhältnismässig ist.
2.2 Mit der Bestimmung, dass bereits aufgrund eines Verdachtes die Nummer widerrufen werden kann, sieht die Verordnung in Bezug auf
Art. 24g Abs. 2 eine Herabsetzung des Beweismasses vor. Dies bezieht
sich indessen nur auf die Sachverhaltsfeststellung, bei der Auslegung
hingegen gibt es keine Vermutungsregeln (STEFAN TRECHSEL,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., Bern 1997,
Art. 1 N. 5 mit Verweisen). Aufgrund des sich aus den Akten er-
gebenden Sachverhaltes ist deshalb festzustellen, ob insbesondere von
einem Verstoss gegen die Lauterkeitsgesetzgebung auszugehen ist.
Nach der Verordnungsbestimmung reicht indes, wie erwähnt, bereits
der Verdacht.
2.3 Ob das Angebot der Beschwerdeführerin nun als "Partner-
vermittlung" oder als "Plauder- und Unterhaltungslinie" bezeichnet wird,
ist irrelevant. Tatsächlich wird Konsumentinnen und Konsumenten
versprochen, sie "einfach und schnell" mit real existierenden Inserenten
Seite 8
A-5335/2009
zu verbinden. Sei es für die gemeinsame Gestaltung der "Freizeit" oder
"Ferien", sei es für eine "Partnerschaft", ein "Abenteuer" oder einen
"erotischen Kontakt". Es ist die Rede von "WunschpartnerInnen" und
dass einige "auch schon eine Familie gegründet hätten". Selbst wenn
es sich "nur" um eine "Plauderlinie" handeln sollte, wird nicht nur ein
besonders schützenswerter, sondern auch ein durchschnittlicher
Konsument davon ausgehen, dass er mit ehrlich Interessierten
verbunden wird. Insofern handelt es sich, wie die Vorinstanz und das
seco richtig festgestellt haben, um eine "Partnervermittlungsagentur" –
egal ob im engeren oder im weiteren Sinne.
2.4 Wie den verschiedenen, durchaus glaubwürdigen Berichten in den
Medien (Beobachter, Kassensturz, etc. ) über die "Schicksale" von Be-
troffenen entnommen werden kann und die Testanrufe der Vorinstanz
bestätigen, sind diese Versprechen "systematisch" gebrochen worden
und ist der Konsument mit fadenscheinigen Ausreden in seinem
(Irr-)Glauben gelassen bzw. bestärkt worden, der Kontakt mit dem
Wunschpartner komme "gleich" zu Stande, er solle "jetzt" nicht aufge-
ben. Tatsächlich verstecken sich hinter den Inserentinnen und Inseren-
ten – zumindest in Einzelfällen – fiktive Personen bzw. Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Beschwerdeführerin. Sinn und Zweck dieser
Telefonlinien scheint einzig zu sein, den Konsumenten möglichst lange
in seinem Irrglauben und in der Telefonleitung zu halten oder zu
äusserst kostspieligen Anrufen zu verleiten.
2.5 Dementsprechend kann nicht die Rede davon sein, das seco bzw.
die Vorinstanz seien von einem falschen Sachverhalt ausgegangen.
Das seco hat diesen Sachverhalt beurteilt und ist auch aus Sicht des
Bundesverwaltungsgerichts zu einem nachvollziehbaren rechtlichen
Schluss gelangt. Das Gutachten lässt keinen Zweifel offen, dass mit
dem Geschäftsgebaren der Beschwerdeführerin Bestimmungen des
UWG verletzt worden sind. Selbst wenn reale Kontakte tatsächlich
schnell und rasch vermittelt worden sein sollten und es zufriedene
Kunden gäbe, so bestehen doch zahlreiche Beispiele, die auf trü-
gerische und unlautere Geschäftspraktiken im Sinne einer gewollten
und systematischen Vorgehensweise schliessen lassen. Ausserdem
war sich die Beschwerdeführerin dieses Missstandes offenbar bewusst,
andernfalls hätte sie nicht entsprechende Korrekturmassnahmen
eingeleitet. Insoweit ist daher ein Widerrufsgrund nach Art. 24g Abs. 2
AEFV zu bejahen.
Seite 9
A-5335/2009
2.6 Im Übrigen ist sowohl aus dem Gutachten (Seite 4 Ziffer 3) wie
auch aus der angefochtenen Verfügung (Seite 10 Ziffer 3) ersichtlich,
weshalb das seco und die Vorinstanz von aggressiven Verkaufsme-
thoden im Sinne von Art. 3 Bst. h UWG ausgehen. Diesen Ausführun-
gen ist zuzustimmen, und es ist ihnen nichts beizufügen. Die übrigen
Widerrufsgründe, welche die angefochtene Verfügung aufführt,
brauchen vorliegend nicht weiter behandelt zu werden.
3. In einem weiteren Schritt gilt es zu prüfen, ob der Widerruf der  verhältnismässig ist.
3.1 Jedes staatliche Handeln muss gemäss Art. 5 Abs. 2 BV im  Interesse liegen und verhältnismässig sein. Gemäss  und Lehre umfasst die Verhältnismässigkeit drei Elemente, die kumulativ beachtet werden müssen: Erstens muss die  geeignet sein, das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu erreichen. Zweitens muss die Massnahme erforderlich sein, um dieses Ziel zu erreichen, d.h. sie hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg  würde. Drittens muss das Verhältnis zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme und den durch den Eingriff  privaten Interessen vernünftig sein (BGE 128 II 297 E. 5.1 sowie ULRICH HÄFELIN / GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN, Allgemeines , 5. Auflage, Zürich 2006, N. 581 ff., je mit Hinweisen).
3.2 Das öffentliche Interesse an der von der Vorinstanz angeordneten Massnahme liegt im Schutz der Konsumierenden vor missbräuchlichen Geschäftspraktiken der Nummerninhaber (Entscheid der ehemaligen Eidgenössischen Rekurskommission für Infrastruktur und Umwelt [REKO/INUM] F-2006-63 E. 7.2 vom 6. September 2006). Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass es sich vorliegend um einen sensiblen Bereich handelt, der einen erhöhten Schutz geniessen muss (vgl. Vernehmlassung vom 8. Oktober 2009, S. 5). So hat das Bundesgericht im Zusammenhang mit Preisangaben bei der Erwachsenenunterhaltung denn auch festgehalten, es stelle bei der Beurteilung der Preisanschriften nicht nur auf durchschnittliche,  gerade auch auf nicht besonders gewandte und deswegen  schutzwürdige Konsumenten ab. Denn es gehe darum, auch diejenige potentielle Kundschaft zu schützen, die selbst zur Lösung von einfachen Rechenaufgaben nicht in der Lage sei (vgl. BGE
Seite 10
A-5335/2009
132 II 240 E. 4.3.4; BGE 128 IV 177 E. 2.3). Diese Ausführungen erfolgten im Rahmen von Preisangaben bei Mehrwertdienstnummern bei TV-Gewinnspielen und Erotikdiensten, insbesondere bei hohen Tarifen. Neben den ebenfalls hohen Tarifen kommt für den Grad an Sensibilität vorliegend hinzu, dass Personen ernsthafte  Kontakte in Aussicht gestellt werden. Dass es sich um einen sensiblen Bereich handelt, geht vor allem auch aus den geldwerten und emotionalen Verlusten der Betroffenen hervor, wie sie in den genannten Berichten erwähnt werden.
3.3 Dem Schutz der Konsumierenden dient diesbezüglich unter  auch das UWG. Der Widerruf streitiger Nummern, mit welchen  das UWG verstossen wurde, ist geeignet, dieses öffentliche  zu wahren.
3.4 Zu untersuchen ist damit weiter, ob der Widerruf der Nummern zum Erreichen dieses Zweckes erforderlich war. Der Nummernwiderruf stellt eine strenge Massnahme dar, um die anwendbaren Vorschriften im Interesse des Schutzes der Konsumentinnen und Konsumenten durchzusetzen. Darum ist es angebracht, zuerst mildere Mittel zu ermitteln und einzusetzen, wenn diese den gleichen Erfolg . Eine denkbare mildere wirksame Anordnung ist die  zur Vornahme von Korrekturmassnahmen oder zum Nachweis, dass beim Betrieb der zugeteilten Nummern, entgegen den  der Vorinstanz, alle Vorschriften eingehalten wurden (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] A-3323/2007 vom 17. Oktober 2007 E. 12.3).
3.5 Wird eine rechtswidrige Nutzung einer Nummer korrigiert, ändert dies nichts am Umstand, dass die Nummer zumindest vorübergehend
widerrechtlich genutzt wurde. Ein einmal gesetzter Widerrufsgrund liegt
damit auch bei nachträglicher Korrektur vor. Die REKO/INUM hat sich
unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit eines Widerrufs
wiederholt mit der Frage befasst, ob bei einer nachträglichen Behebung
eines Mangels von einem Widerruf abzusehen bzw. ob der
Nummerninhaberin die Möglichkeit zur Vornahme von Korrektur-
massnahmen zu bieten sei. Im Entscheid F-2004-5 E.5.4 vom 4. Mai
2004 hat sie es als verhältnismässig bezeichnet, eine Nummer im
Wiederholungsfall ohne Ansetzung einer Frist für Korrek-
turmassnahmen zu widerrufen (vgl. Entscheid der REKO/INUM F-2005-
174 vom 21. November 2005 E. 9.4.3, bestätigt in BGE 132 II 240).
Seite 11
A-5335/2009
3.6 Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine Frist zum Nach-
weis der rechtskonformen Nutzung der zugeteilten Einzelnummern ge-
setzt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist gegen die Be-
schwerdeführerin aber bisher (offenbar) noch kein Nummernwiderrufs-
verfahren eingeleitet worden. Bei der Verfügung vom 15. Mai 2009
handelt es sich nämlich um eine Verweigerung der Zuteilung neuer
Nummern und nicht um einen Widerruf (vgl. Beilage 3 zur Ver-
nehmlassung vom 8. Oktober 2009 sowie Schlussbemerkungen der
Beschwerdeführerin, S. 5). Da gegen die Beschwerdeführerin bisher
noch kein Nummernwiderrufsverfahren eingeleitet worden ist, wäre die
Ansetzung einer Frist zum Ergreifen von Korrekturmassnahmen
grundsätzlich angezeigt gewesen. Dessen ungeachtet hat sich die
Vorinstanz – zumindest im Verfahren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht – mit den Korrekturmassnahmen der Beschwerdeführerin aus-
einandergesetzt, deren Gebaren bereits in der angefochtenen
Verfügung als unlautere Geschäftspraktik bezeichnet und die
Massnahmen daher für unbehelflich befunden.
3.7 Mit der Vorinstanz geht auch das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass es sich im Falle der Beschwerdeführerin um eine rechtswidrige Geschäftspraktik handelt. Es besteht der Verdacht, dass die Beschwerdeführerin mit der Tätigkeit, für die die Nummern eingesetzt werden, selbst gewollt und systematisch gegen geltendes Recht verstösst. Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, erweisen sich die Nummern als Mittel zum Zweck und es kann nur die Unterbindung der rechtswidrigen Tätigkeit in Frage kommen. Deshalb sind die bisherigen und alle weiteren Massnahmen zu Recht für unbehelflich erklärt worden. Dieser Praktik kann insofern nur mit dem Widerruf sämtlicher Einzelnummern entgegengewirkt werden. Der Widerruf erscheint daher auch erforderlich zu sein.
3.8 In Lehre und Rechtsprechung ist statt von Verhältnismässigkeit von Eingriffszweck und Eingriffswirkung, oft auch von " im engeren Sinne", zutreffender von "Zumutbarkeit", die Rede. Eine Verwaltungsmassnahme ist nur gerechtfertigt, wenn sie ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem angestrebten Ziel und dem , den sie für den betroffenen Privaten bewirkt, wahrt. Es ist deshalb eine wertende Abwägung vorzunehmen, welche im konkreten Fall das öffentliche Interesse an der Massnahme und die durch den Eingriff  privaten Interessen der Betroffenen miteinander . Der staatliche Eingriff muss durch ein das private Interesse
Seite 12
A-5335/2009
überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt sein. Nur in  Fall ist er den Privaten zumutbar. Für die Interessenabwägung massgeblich sind also einerseits die Bedeutung der verfolgten  Interessen und andererseits das Gewicht der betroffenen  Interessen. Eine Massnahme, an der nur ein geringes öffentliches Interesse besteht, die aber tief greifende Auswirkungen auf die Rechtsstellung der Privaten hat, soll unterbleiben (HÄFELIN//UHLMANN, a.a.O., N. 613 ff.).
3.9 Die Interessen der Beschwerdeführerin am Betrieb der  sind privater, rein wirtschaftlicher Natur. Ihr Interesse begründet sie dahingehend, dass mit dem Widerruf der Nummern die A. wohl dem Ende geweiht wäre und dadurch sieben Arbeitsplätze verloren gingen.
3.10 Das öffentliche Interesse am Widerruf der Einzelnummern  im Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten vor unlauteren Geschäftspraktiken. Wie in E. 3.2 erwähnt, handelt es sich vorliegend um einen sensiblen Bereich. Das Interesse ist dementsprechend als hoch und gegenüber den Interessen der Beschwerdeführerin als überwiegend einzustufen.
3.11 Im Weiteren bedeutet der Widerruf der Nummern offenbar nicht den Untergang der Beschwerdeführerin. Wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 8. Oktober 2009, S. 9 ausführt, bietet die Beschwerdeführerin ihre Dienste nun über eine geografische Nummer (xxx) an. Bei diesem Modell könne die Beschwerdeführerin ihre Dienste nicht mehr direkt über die Telefonrechnung abrechnen lassen, sondern sie müsse selber Rechnung stellen. Somit könnten offenbar auch die betroffenen Angestellten der Beschwerdeführerin weiterbeschäftigt werden.
3.12 Aus diesen Gründen erweist sich der Widerruf der Nummern ohne weiteres auch als zumutbar.
4. Sowohl Haupt- wie auch Eventualanträge sind daher vollumfänglich abzuweisen.
5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdeführerin als unterliegend und hat die entsprechenden Kosten des Verfahrens,
Seite 13
A-5335/2009
bestimmt auf Fr. 1'500.--, zu übernehmen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe .
5.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine  zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 des  vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] e contrario).