Decision ID: 7e8eeb71-182e-5e8f-87ae-fbb1fe8023c0
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A. Der 1962 geborene A._ war seit Februar 1997 als Buchhalter/kaufmännischer
Sachbearbeiter im Architekturbüro B._, angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfälle versichert
(IV-Dossier I, act. 42.2-80/435). Am 17. September 1997 stürzte er auf einer Bergtour ab
und erlitt ein Polytrauma (IV-Dossier I, act. 42.2-75/435). Die SUVA erbrachte die gesetzli-
chen Leistungen und sprach A._ mit Verfügung vom 3. Mai 1999 eine In-
tegritätsentschädigung von 20% sowie – gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 50% –
ab 1. April 1999 eine Invalidenrente zu (IV-Dossier I, act. 42.2-91/435). Gestützt auf den
rechtskräftigen Entscheid der Liechtensteinischen AHV-IV-FAK vom 13. April 2007 (IV-
Dossier III, act. 15.2-170/446) verfügte die SUVA am 21. September 2007 rückwirkend ab
1. Juni 2005 eine Reduzierung der Rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 21%
(IV-Dossier I, act. 42.2-5/435). Die dagegen erhobene Einsprache von A._ hiess
die SUVA mit Entscheid vom 10. April 2008 insoweit teilweise gut, als die Rente erst ab
dem 1. Oktober 2007 herabgesetzt wurde (IV-Dossier III, act. 15.2-211ff/446). Das Ver-
sicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies mit Entscheid vom 31. Juli 2009 die von
A._ dagegen erhobene Beschwerde ab (IV-Dossier III, act. 15.2-306ff/446). Mit
Seite 3
Entscheid vom 29. Januar 2010 wies auch das Bundesgericht die dagegen erhobene
Beschwerde ab (Urteil des Bundesgerichts 8C_775/2009 vom 29. Januar 2010).
B. Am 23. Dezember 1997 meldete sich A._ wegen Einschränkungen der Mobilität
der linken Hand und Hirnfunktionsstörung bei der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen an
und beanspruchte Leistungen (IV-Dossier I, act. 42.2-60/435). Mit Schreiben vom 9.
September 2000 zog A._ die Anmeldung zurück, worauf die Sozial-
versicherungsanstalt St. Gallen das Verfahren wegen Rückzugs des Leistungsbegehrens
abschrieb (IV-Dossier I, act. 42.2-175/435 und IV-Dossier I, act. 42.2-176/435). Am 19. No-
vember 2003 meldete sich A._ erneut zum Bezug von Invalidenleistungen bei
der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen an (IV-Dossier II, act. 42.2-422/435). Am 24. No-
vember 2003 ging der Antrag von A._ um Ausrichtung einer Invalidenrente bei
der Liechtensteinischen AHV-IV-FAK ein (IV-Dossier I, act. 42.2-41/435). Mit Verfügung
vom 11. April 2006 wies die Liechtensteinische AHV-IV-FAK den Antrag auf Ausrichtung
einer Invalidenrente ab (IV-Dossier I, act. 42.2-16ff/435). Das dagegen von A._
erhobene Rechtsmittel wies die Liechtensteinische AHV-IV-FAK am 13. April 2007 ab (IV-
Dossier III, act. 15.2-170ff/446). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft (IV-Dossier III,
act. 15.2-169/446). Mit Verfügung vom 17. Juli 2008 wies die Sozialversicherungsanstalt
St. Gallen das Gesuch von A._ vom 19. November 2003 ab (IV-Dossier I, act.
42.2-1/435). Die dagegen erhobene Beschwerde von A._ schrieb das Ver-
sicherungsgericht St. Gallen mit Entscheid vom 29. April 2010 infolge Rückzugs ab (IV-
Dossier II, act. 41.8).
C. Am 8. September 2015 meldete sich A._ wegen ab 2007 kontinuierlich ab-
nehmender neurologischer Leistungsfähigkeit bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden an
und beanspruchte Leistungen (Dossier I, act. 58.15-13ff/26). Die IV-Stelle führte in der
Folge erwerbliche Abklärungen durch und holte bei der SUVA und den bisherigen beteilig-
ten Sozialversicherungsanstalten die Akten ein.
D. Mit Verfügung vom 26. April 2016 wies die SUVA ein Gesuch von A._ um
Erhöhung der Invalidenrente ab (IV-Dossier I, act. 58.12-1). Die dagegen erhobene Ein-
sprache von A._ wies die SUVA mit Einspracheentscheid vom 5. September
2016 ab (IV-Dossier I, act. 44-2/2 und IV-Dossier I, act. 50). Dieser Entscheid erwuchs in
Rechtskraft (IV-Dossier I, act. 54).
E. Mit Vorbescheid vom 12. Januar 2017 kündigte die IV-Stelle A._ an, es bestehe
mangels relevanter Veränderung seines Gesundheitszustands kein Rentenanspruch (IV-
Dossier I, act. 63). Dagegen liess A._ am 8. Februar 2017 Einwand erheben
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(IV-Dossier I, act. 68 und act. 72). Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 hielt die IV-Stelle an
ihrem Entscheid fest und wies das Leistungsbegehren ab (IV-Dossier I, act. 89).
F. Gegen die Verfügung vom 16. Juli 2018 liess A._ am 11. September 2018 mit
den eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom
27. September 2018 die Abweisung der Beschwerde (act. 4). Mit Verfügung vom
15. Oktober 2018 hiess der Einzelrichter des Obergerichts das Gesuch von A._
im Verfahren ERV 18 61 um unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Ver-
beiständung durch RA AA._, Zug, für das vorliegende Beschwerdeverfahren gut
(act. 8).
G. Am 22. November 2018 liess A._ die Replik einreichen (act. 10). Die IV-Stelle
verzichtete stillschweigend auf eine Duplik.

Considerations:
Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. Materielles
2.1
2.1.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar-
beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht ein Anspruch auf eine Viertels-
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem In-
validitätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditäts-
grad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.1.2
Wurde ein Rentenanspruch wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verneint, so wird
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad
der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3
i.V.m. Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201); BGE 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Gelingt der versicherten Person dies
nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung
glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzu-
treten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bun-
desgerichts 8C_876/2017 vom 15. Mai 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.1.3
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären
und sich zu vergewissern, ob die vom Versicherten glaubhaft gemachte Veränderung des
Seite 6
Invaliditätsgrades oder der Hilflosigkeit auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Ablehnungsverfügung keine
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich
zu prüfen, ob nunmehr ein anspruchsbegründender oder ein anspruchserhöhender Invali-
ditätsgrad zu bejahen ist. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht
dem Gericht (MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl.
2014, N. 120 zu Art. 30-31 IVG mit Hinweis auf BGE 117 V 198 E. 3.a und BGE 109 V 108
E. 2).
Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante Veränderung des
Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der letzten umfassenden materiellen Prü-
fung. Der Vergleichszeitraum erstreckt sich grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung
des Gesuchs, d.h. bis zum Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (Urteil des
Bundesgerichts 9C_226/2016 vom 31. August 2016 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 133 V 108
E. 5.4; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 122 zu Art. 30-31 IVG).
2.1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar-
beitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklag-
ten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1).
2.2
2.2.1
Die IV-Stelle stellt sich auf den Standpunkt, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen
ausschliesslich unfallbedingt seien. Auch nach den neu eingereichten Abklärungsberichten
lägen keine unfallunabhängigen Diagnosen beziehungsweise Krankheiten vor.
Seite 7
2.2.2
Der Beschwerdeführer wendet ein, die im Einwandverfahren eingereichten medizinischen
Berichte seien Beleg dafür, dass nicht ausschliesslich unfallkausale Beschwerden vorlägen.
Der Neurologe Dr. med. C _, Facharzt FMH für Neurologie, Baden, D _
und die Neuropsychologin Dr. phil. D._, Fachpsychologin für Neuropsychologie
FSP, Olten, gingen von einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt aus und die
Psychiaterin Dr. med. E._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, Hitzkirch,
habe die Diagnose einer anderen psychischen Schädigung aufgrund einer Schädigung
oder Funktionsstörung des Gehirns gestellt (ICD-10: F06.8) sowie die Verdachtsdiagnose
einer Autismus-Spektrum-Störung oder Persönlichkeitsstörung. Die Beurteilung der
Fachärzte würden Zweifel wecken an der Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD), weshalb eine umfassende medizinische Begutachtung erforderlich sei.
Zumal die Leistungspflicht der Invalidenversicherung beim Vorliegen einer psychischen
Erkrankung weitergehen könne als jene im Unfallbereich.
2.2.3
Zu prüfen ist, ob seit der leistungsablehnenden Verfügung der Sozialversicherungsanstalt
St. Gallen vom 17. Juli 2008, welche auf einer umfassenden Sachverhaltsabklärung be-
ruhte, bis zur angefochtenen Verfügung vom 16. Juli 2018 eine anspruchsbegründende
Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist. Die Eintre-
tensfrage bildet nicht Streitgegenstand, da die Vorinstanz auf die Neuanmeldung vom 8.
September 2015 eingetreten ist und daher eine richterliche Beurteilung der Eintretensfrage
zu unterbleiben hat (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 119 zu Art. 30-31 IVG mit Hinweis auf
BGE 109 V 108 E. 2b).
2.3
2.3.1
Die leistungsverneinende Verfügung der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen vom 17. Juli
2008 beruhte auf dem Entscheid der SUVA vom 10. April 2008, welche seinerseits im
Wesentlichen auf das Gutachten der Klinik Valens vom 7. Januar 2005 sowie auf den Ent-
scheid der Liechtensteinischen AHV-IV-FAK vom 13. April 2007 abstellte (IV-Dossier I, act.
42.2-1ff/435; IV-Dossier III, act. 15.2-211ff/446; IV-Dossier I, act. 42.2-192ff/435 und IV-
Dossier III, act. 15.2-170ff/446).
2.3.1.1
Im Gutachten der Klinik Valens vom 7. Januar 2005 wurde von Prof. Dr. med.
F._, Facharzt FMH Neurologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation,
und Dr. med. G._, Fachärztin FMH Neurologie und Pharmazeutische Medizin,
Seite 8
ausgeführt, dass aus neuropsychologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-
Dossier I, act. 42.2-192ff/435). In ihrer Stellungnahme vom 28. Februar 2005 führten die
Gutachter aus, dass es äusserst fraglich sei, ob eine neuropsychologische Testung die Re-
alität in der Arbeitswelt genügend abbilde und den möglichen Störungen des Beschwerde-
führers gerecht werden könne. Dies zumal sich mögliche Störungen im Rahmen eines dis-
kreten posttraumatischen Frontalhirnsyndroms mit leichter Anosognosie, wie sie beim Be-
schwerdeführer vorhanden sein könnten, in einer strukturierten neuropsychologischen Un-
tersuchung nicht nachweisen liesse, sondern erst im sozialen Kontext und in besonderen
Situationen zu Verhaltensauffälligkeiten führen könne (IV-Dossier I, act. 42.2-180/435).
2.3.1.2
Die Liechtensteinische AHV-IV-FAK berücksichtigte in ihrem Entscheid vom 13. April 2007
insoweit das Gutachten der Klinik Valens vom 7. Januar 2005, als es die Schätzung der Ar-
beitsfähigkeit – bezogen auf die Arbeit bei der letzten Arbeitsstelle – vollumfänglich über-
nahm. Der Einkommensvergleich ergab ein Ausmass der Invalidität erheblich unter 40%
(IV-Dossier III, act. 15.2-180ff/446).
2.3.1.2
Auch die SUVA stützte sich in ihrem Einspracheentscheid vom 10. April 2008 auf das Gut-
achten der Klinik Valens vom 7. Januar 2005 ab, wonach der Beschwerdeführer aus neu-
rologischer und neuropsychologischer Sicht voll arbeitsfähig sei. Ihr Einkommensvergleich
ergab einen Invaliditätsgrad von 21% (IV-Dossier III, act. 15.2-213/446).
2.3.2
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 16. Juli 2018 liegt folgende
medizinische Aktenlage vor:
2.3.2.1
Dr. med. H._, Fachärztin Anästhesiologie, Buchs, stellte im Arztbericht vom 29.
August 2013 zuhanden der SUVA die Diagnose eines chronischen HWS Syndroms mit
vertebragenen Schwindelattacken, teilweise bis zu Doppelbildsehen und massiven
Konzentrationsstörungen. Durch die Behandlung sei eine Verbesserung eingetreten (IV-
Dossier III, act. 15.2-399/446).
2.3.2.2
Im Schreiben vom 20. März 2014 an die SUVA hielt Dr. med. H._ fest, dass
beim Beschwerdeführer aufgrund des ausgeprägten Schädel-, Hirn-Traumas ausgeprägter
Seite 9
Schwindel bestanden habe und daneben auch Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie
doppelt sehen (IV-Dossier III, act. 15.2-411/446).
2.3.2.3
Dr. med. I._, Facharzt FMH Oto-Rhino-Laryngologie, Sargans, stellte im Arztbe-
richt vom 4. Juni 2014 zuhanden der SUVA die Diagnosen Hochtoninnenohrschwer-
hörigkeit beidseits und Exostosen beidseits. Es liege nur eine leichte Hochtoninnenohr-
schwerhörigkeit vor, weshalb aktuell keine Hörgeräteindikation bestehe (IV-Dossier III, act.
15.2-420/446).
2.3.2.4
Dr. med. J._ , Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, RAD Ostschweiz,
wies in ihrem Bericht vom 23. Dezember 2016 darauf hin, dass sich im Dossier keine
Anhaltspunkte dafür finden liessen, dass eine relevante anhaltende Veränderung des
Gesundheitszustands im Vergleich zur Referenzlage (Gutachten 2005) stattgefunden habe
(IV-Dossier I, act. 61-3/3). Im Bericht vom 6. April 2017 bekräftigte sie nochmals, dass die
beigebrachten Unterlagen eine relevante anhaltende Veränderung nicht glaubhaft haben
machen können (IV-Dossier I, act. 74-2/3).
2.3.2.5
Im Bericht vom 6. November 2017 über die konsiliarische Untersuchung des Beschwerde-
führers führte die Psychiaterin Dr. med. E._ aus, sie könne aufgrund der ein-
maligen Untersuchung nicht vollumfänglich beurteilen, ob die sehr distanzierte, eher etwas
schizoid anmutende Art des Beschwerdeführers im Rahmen einer entsprechenden Persön-
lichkeitsstörung oder lediglich durch akzentuierte Persönlichkeitszüge zu erklären sei. Dif-
ferentialdiagnostisch käme ebenfalls eine Autismus-Spektrum-Störung in Frage. Es sei
wahrscheinlich, dass die kognitiven Einschränkungen des Beschwerdeführers ihn daran
hindern, seine berufliche und damit auch finanzielle Situation zu verbessern. Dies könne
am ehesten im Rahmen einer anderen psychischen Störung aufgrund einer Schädigung
oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F06.8) erklärt werden. Aktuell könne keine
posttraumatische Belastungsstörung festgestellt werden. Die konsiliarische Untersuchung
habe die Frage ergeben, ob eine Persönlichkeitsstörung, allenfalls eine Autismus-
Spektrum-Störung bestehe. Diese Abklärung sei relevant, da dadurch die Bewältigung von
massiven Veränderungen deutlich verringert werden könne. Ein ausführliches psychiatri-
sches Gutachten, inklusive eingehender Persönlichkeitsdiagnostik, wäre nötig. Im Übrigen
sei aus ihrer Sicht die Aktenlage nicht vollständig. Es sei unklar, woher die Diagnose eines
Frontalhirnsyndroms komme. Für eine genauere Abklärung sei eine neurologische Beur-
teilung mit entsprechender Würdigung der Vor- und aktuellen Befunde indiziert. Insgesamt
Seite 10
lasse sich die Situation nur durch ein polydisziplinäres Gutachten beurteilen (IV-Dossier I,
act. 84-3ff/20).
2.3.2.6
Der Neurologe Dr. med. C _ führte in der neurologischen Standortbestimmung
vom 5. April 2018 aus, dass der Beschwerdeführer beim Bergunfall 1997 eine schwere
traumatische Hirnverletzung erlitten habe. Die Frage, ob kognitive Folgen der Hirnver-
letzung persistieren und ob sich dies auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, sei mehrfach un-
tersucht worden, wobei die entsprechenden Berichte erhebliche Lücken aufwiesen. Im
langjährigen Verlauf sei durch die Fremdanamnese, die sich aus den Beobachtungen der
Arbeitgeber ergebe, hinreichend belegt, dass eine deutliche Hirnfunktionsstörung vorliege.
Unter Berücksichtigung der Verhaltensstörung müsse mindestens eine mittelschwere neu-
ropsychologische Störung vorliegen. Die Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei erheb-
lich vermindert (IV-Dossier I, act. 84-7ff/20).
2.3.2.7
Im Bericht vom 12. April 2018 führte die Neuropsychologin Dr. phil. D._ aus, die
subjektiv beklagten Beschwerden des Beschwerdeführers – eine verminderte Konz-
entrationsfähigkeit sowie eine relevant eingeschränkte Stressresistenz und Belastbarkeit –
erschienen vor dem Hintergrund des stattgehabten Schädel-Hirntraumas mit einer mög-
licherweise zusätzlichen Überlagerung durch eine psychische Komponente als durchaus
plausibel. Aus neuropsychologischer Sicht könne nicht ausgeschlossen werden, dass rele-
vante und den Beschwerdeführer in seiner beruflichen Ausübung limitierende kognitive
Einbussen beständen. Es sei eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung in
einem polydisziplinären Kontext – zusätzlich Neurologie und Psychiatrie –angezeigt (IV-
Dossier I, act. 84-14ff/20).
2.3.2.8
Die RAD-Ärztin Dr. med. K._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie,
machte im Bericht vom 4. Mai 2018 geltend, den neuen medizinischen Berichten seien
keine unfallunabhängigen Diagnosen zu entnehmen (IV-Dossier I, act. 85-2/2). Im Bericht
vom 12. Juli 2018 hielt sie an ihrer Beurteilung, wonach die vorgelegten neuen Unterlagen
aus versicherungsmedizinischer Sicht reine Unfallfolgen dokumentieren, fest (IV-Dossier I,
act. 88-2/3).
2.3.3
Indem die IV-Stelle auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten ist, hat sie
anerkannt, dass der Beschwerdeführer eine Veränderung glaubhaft gemacht hat. Es obliegt
Seite 11
ihr daher, diese glaubhaft gemachte Veränderung materiell abzuklären und sich zu verge-
wissern, ob diese auch tatsächlich eingetreten ist (vgl. E. 2.1.2 und E. 2.1.3 mit Hinweisen;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 16 zu Art. 17 ATSG; UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 16 zu Art. 17 ATSG). Dieser Pflicht kam die IV-Stelle nicht
hinreichend nach. Währenddessen im Gutachten der Klinik Valens vom 7. Januar 2005
noch von möglichen Störungen des Beschwerdeführers die Rede ist, erachten die mit einer
konsiliarischen Untersuchung beauftragten Fachärzte das Vorliegen einer nicht unfallbe-
dingten Störung als sehr wahrscheinlich und daher eine erneute polydisziplinäre Abklärung
des Beschwerdeführers als unerlässlich. Insbesondere die Psychiaterin Dr. med.
E._ wirft die Frage nach einer psychiatrischen Diagnose auf, welche allenfalls
unabhängig vom Unfall 1997 besteht. Somit bestehen gewisse Anhaltspunkte für eine
Veränderung, denen nachzugehen ist. Die Sache ist daher zu weiteren Abklärungen an die
IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese ergänzend zu den vorliegenden Berichten der
erwähnten Fachärzte ein polydisziplinäres Gutachten – allenfalls im stationären Rahmen
oder im Rahmen einer Tagesklinik – der Fachdisziplinen Psychiatrie, Neurologie und
Neuropsychologie einholt.
2.4
Die Beschwerde erweist sich somit als begründet; sie ist gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung der IV-Stelle vom 16. Juli 2018 ist aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle
zur ergänzenden Abklärung zurückzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Vorin-
stanz unterliegt im vorliegenden Verfahren, da die Rückweisung der Sache zu weiterer Ab-
klärung und neuer Verfügung für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch
der Parteientschädigung praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2017 vom
30. November 2017 E. 6; UELI KIESER, a.a.O., N. 205 zu Art. 61 ATSG). Da der Vorinstanz
gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt werden können, werden
keine Kosten erhoben.
3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerde-
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
Seite 12
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend wird die Be-
schwerde an die Vorinstanz zurückgewiesen, womit der Beschwerdeführer obsiegt. Dem-
nach hat er Anspruch auf eine Entschädigung zulasten der Vorinstanz.
Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG nach
kantonalem Recht, mithin nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 14. März 1995 über den
Anwaltstarif (AT, bGS 145.53; UELI KIESER, a.a.O., N. 187 und 208 ff zu Art. 61 ATSG).
Vorliegend handelt es sich um einen durchschnittlichen leichten Fall mit leicht überdurch-
schnittlicher Menge an Akten sowie keinen besonders aufwändig zu beantwortenden Sach-
verhalts- und Rechtsfragen. Unter diesen Umständen ist die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers mit gerundet Fr. 3‘500.-- (Pauschalhonorar Fr. 3‘100.-- und
4% Barauslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) zulasten der Vorinstanz zu entschädigen.
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