Decision ID: cec8d9ea-5d11-5cfe-bfc8-cc181680e836
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – ohne den Beschwerdeführer 2, aber in Be-
gleitung dessen weiteren Kindes H._ (N [...]) – reisten am 20. No-
vember 2014 auf dem Luftweg legal mit einem von der schweizerischen
Vertretung in Istanbul ausgestellten Schengen-Visum in die Schweiz ein.
Der Beschwerdeführer 2 gelangte zuvor bereits illegal in die Schweiz. Am
21. November 2014 stellten sämtliche acht Familienmitglieder im damali-
gen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel Asylgesuche, wobei
das SEM dem Beschwerdeführer 1 und H._ als volljährigen Kindern
eigene N-Nummern zuwies. Anlässlich der im EVZ durchgeführten Befra-
gungen zur Person (BzP) vom 1. und vom 5. Dezember 2014 sowie der
Anhörungen vom 2. und vom 17. Juni 2015 zu den Asylgründen machten
die Beschwerdeführenden im Wesentlichen Folgendes geltend:
Sie seien ethnische Kurden und stammten aus I._, wo sie stets ge-
lebt hätten. Die Beschwerdeführerin 3 habe sich um Haus und Familie ge-
kümmert. Sie seien immer wieder von den Behörden als Oppositionelle be-
lästigt und behelligt worden. Selber sei sie aber nicht politisch tätig gewe-
sen, ausser dass sie manchmal kurdische Aktivisten beherbergt habe. Im
Jahre 2004 sei sie einmal von einer behördlichen Hausdurchsuchung über-
rascht worden und habe zusammen mit weiteren Hausbewohnerinnen die
Polizisten zu vertreiben vermocht. Die Frauen hätten sich in der Folge ver-
steckt gehalten, und die Angelegenheit habe mit einer Geldzahlung berei-
nigt werden können beziehungsweise ihr Mann, der Beschwerdeführer 2,
habe sich den Behörden gestellt. Weiter erwähnte sie zunehmende Druck-
versuche der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zwecks Rekrutierung ihrer
Söhne sowie die behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer 1 auf-
grund dessen Militärdienstverweigerung; auch Apo-Leute würden diesen
zwangsrekrutieren wollen. Der Beschwerdeführer 2 seinerseits machte
geltend, er sei Autohändler gewesen, entstamme einer seit langem regime-
feindlichen Familie und habe jahrelang die PKK unterstützt. Er sei bis 2009
mehrmals aufgrund des Verdachts der Waffenbeschaffung für die PKK so-
wie zwecks allgemeiner Einschüchterung wochen- beziehungsweise mo-
natelang inhaftiert und gefoltert worden. Gerichtsverhandlungen habe es
dabei nie gegeben. Der Geheimdienst habe ihn ferner erfolglos zur Kolla-
boration zu bewegen versucht. Der Beschwerdeführer 1 erklärte, selber
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 3
politisch nicht aktiv gewesen zu sein. Im (...) 2011 sei er an Stelle seines
Vaters vom Militärsicherheitsdienst festgenommen worden, weil die Behör-
den dessen nicht habhaft geworden seien. Nach einer (...)-tägigen, von
Schlägen und Elektrofolter begleiteten Haft sei er freigelassen worden, weil
der Beschwerdeführer 2 sich gestellt habe. Letzterer sei nach einem Tag
dann ebenfalls freigelassen worden. Im Jahre 2011 beziehungsweise 2012
habe der Beschwerdeführer 2 als Vermittler für (...) zwischen Angehörigen
des Assad-Regimes und der PKK fungiert. Im (...) 2012 sei er ferner an der
Erstürmung und Besetzung eines Busbahnhofes in I._ durch die
PKK beteiligt gewesen und habe aktiv und bewaffnet bei der Vertreibung
der darin befindlichen Angehörigen des syrischen Regimes mitgeholfen.
Ebenso habe er – jeweils unter Absprache mit PKK-Kadern – bei Verhaf-
tungen von Regimeangehörigen mitgewirkt. Nachdem sein Bruder
J._ unter undurchsichtigen Umständen, vermutlich von Mitgliedern
der PKK, angeschossen worden sei, habe er (Beschwerdeführer 2) sich
von der – zeitweise mit der Regierung zusammenarbeitenden – PKK
schrittweise distanziert und sei deshalb auch von dieser Seite unter Druck
gesetzt worden. Hinzu komme, dass er Träger wichtiger Geheimnisse so-
wohl der Regierung als auch der PKK sei und deshalb seine Beseitigung
befürchtet habe. Aufgrund dieser Gesamtumstände habe er sein Heimat-
land im (...) 2013 verlassen. Der Beschwerdeführer 1 sei im Jahre 2013
mehrmals schriftlich zur Rekrutierung beziehungsweise zum Militärdienst
aufgeboten und gesucht worden. Auch die PKK habe ihn zur Zusammen-
arbeit und zum Kampf in ihren Reihen aufgefordert, beziehungsweise eine
solche Zwangsrekrutierung habe er konkret befürchtet. Er sei aber gegen
Waffengewalt und habe keiner der Konfliktparteien dienen wollen. Die Be-
schwerdeführenden machten ferner auf den in ihrer Heimat herrschenden
Krieg aufmerksam. Aufgrund der erwähnten Vorfälle und Umstände hätten
sie sich zur Ausreise entschieden und bis dahin versteckt gehalten. Im (...)
2013 hätten die Beschwerdeführenden 1 und 3-7 Syrien in Begleitung ei-
nes Schleppers auf dem Landweg illegal in Richtung Türkei ebenfalls ver-
lassen, wobei die Beschwerdeführerin 3 im (...) 2014 kurzzeitig nach Sy-
rien zurückgekehrt sei. Von Istanbul aus seien sie dann am 20. November
2014 mit dem erwähnten Visum auf dem Luftweg nach Genf gelangt, wo
sie vom zuvor illegal eingereisten Beschwerdeführer 2 in Empfang genom-
men worden seien. Im (...) 2014 sei übrigens auch der Beschwerdeführer
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Seite 4
2 für einige Tage zwecks Teilnahme an einer Trauerfeier nach Syrien zu-
rückgekehrt, um im (...) 2014 definitiv in Richtung Türkei auszureisen und
via Bulgarien weiter nach Deutschland zu gelangen. Ein Einreiseversuch
(vom [...] 2014) in die Schweiz sei aufgrund seiner Papierlosigkeit und der
Einreiseverweigerung durch die Grenzwachtbehörden erfolglos geblieben.
Die Beschwerdeführenden machten zudem auf ein angespanntes und nun-
mehr distanziertes Verhältnis der Familie zur PKK aufmerksam, seit ein
Bruder des Beschwerdeführers 2 (J._) mit dieser Organisation
Probleme habe und von deren Leuten angeschossen worden sei. Die Be-
schwerdeführerin 4 machte keine persönlichen Gründe geltend, verwies
aber auf die kriegerischen Ereignisse und auf die behördliche Suche nach
dem Beschwerdeführer 1, welcher von den Behörden und anderen Leuten
bedrängt werde. Auch der Beschwerdeführer 5 erwähnte keine persönli-
chen Probleme, jedoch eine einmalige Demonstrationsteilnahme im Jahr
2012, Schüsse der PKK und eine Bombenexplosion in ihrer Gegend; zu-
dem verwies er auf die Probleme der Beschwerdeführenden 1 und 2. Die
Beschwerdeführenden machten im Übrigen auf verschiedenartige gesund-
heitliche Beeinträchtigungen aufmerksam und wiesen auf den bereits frü-
her in die Schweiz eingereisten Verwandten (...) ([...]) hin, der für ihre Vi-
sabeantragung verantwortlich gewesen sei. Für den weiteren Inhalt der
Vorbringen wird auf die Akten verwiesen.
Der Beschwerdeführer 1 reichte als Beweismittel seine Identitätskarte, das
in Istanbul ausgestellte "Laissez-Passer" und einen Marschbefehl ein. Ein
Dienstbüchlein besitze er noch nicht, weil er es nach den Erlebnissen vom
(...) 2011 und der Furcht vor einer Zwangsrekrutierung nicht gewagt habe,
ein solches ordnungsgemäss bei der Behörde abzuholen. Sein Reisepass
sei verloren gegangen; er habe ihn nie gebraucht. Weiter präsentierte er
ein Foto seines verletzten Onkels J._. Der Beschwerdeführer 2
reichte als Beweismittel eine Kopie seiner Identitätskarte, ein Foto eines
Gefängnisaufenthalts und drei Gefängnisausweise ein. Aufgrund einer
Passsperre habe er nie einen Pass gehabt. Das zuständige Strassenver-
kehrsamt stellte dem SEM zudem dessen Führerausweis zu. Die Be-
schwerdeführerin 3 reichte die Reisepässe von sich und den Beschwerde-
führenden 4-7, eine Kopie ihrer Identitätskarte sowie einen Familienregis-
terauszug ein.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 5
B.
Mit Verfügung vom 3. Februar 2016 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer 1 erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte dessen Asylge-
such unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz ab,
gewährte ihm jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
die vorläufige Aufnahme.
C.
Mit Urteil E-1417/2016 vom 6. Mai 2016 hob das Bundesverwaltungsge-
richt diese mittels Beschwerde vom 4. März 2016 angefochtene Verfügung
vom 3. Februar 2016 betreffend den Beschwerdeführer 1 auf und wies die
Sache zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung und zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück.
In der Begründung stellte das Gericht eine mangelhafte Sachverhaltsun-
tersuchung und –feststellung, eine Verletzung der Begründungspflicht, Ver-
letzungen des Akteneinsichtsrechts und der Aktenführungs- und Paginie-
rungspflicht sowie des Anspruchs auf rechtliches Gehör fest. Das Gericht
beanstandete insbesondere den unterlassenen Beizug der Befragungsak-
ten im Zusammenhang mit dem Ersuchen um ein humanitäres Visum, den
unterlassenen Beizug der Asylverfahrensakten der Familienangehörigen,
die fehlende und zeitlich nicht koordinierte Prüfung familiärer Verfolgungs-
zusammenhänge, die unterlassene Aktennahme einer Skizze des Be-
schwerdeführers, die fehlerhafte Klassifizierung, Ablage und Paginierung
von Beweismitteln sowie eine ungerechtfertigte Verweigerung der Einsicht
in solche. Das SEM wurde sodann darauf aufmerksam gemacht, dass Aus-
führungen in der Beschwerde betreffend Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz
der Asylvorbringen wie auch die auf Beschwerdeebene vorgelegten neuen
Beweismittel im Rahmen des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen
Verfahrens zur Kenntnis zu nehmen seien.
D.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2016 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
renden 2-7 erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte deren Asyl-
gesuche unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz
ab, gewährte ihnen jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges die vorläufige Aufnahme.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 6
Die im Dispositiv gleichlautende Verfügung gleichen Datums betreffend
H._ (N [...]) erwuchs im Übrigen unangefochten in Rechtskraft.
E.
Mit Urteil E-4393/2016 vom 7. September 2016 hob das Bundesverwal-
tungsgericht auch diese mittels Beschwerde vom 15. Juli 2016 angefoch-
tene Verfügung vom 15. Juni 2016 betreffend die Beschwerdeführenden 2-
7 auf und wies die Sache zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfest-
stellung und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück.
In der Begründung stellte das Gericht eine mangelhafte Sachverhaltsab-
klärung beziehungsweise -feststellung sowie Verletzungen des Aktenein-
sichtsrechts und des Anspruchs auf rechtliches Gehör fest. Das Gericht
beanstandete insbesondere den unterlassenen Beizug der Befragungsak-
ten der Familie im Zusammenhang mit dem Ersuchen um ein humanitäres
Visum, den unterlassenen Beizug der Asylverfahrensakten des Beschwer-
deführers 1, die fehlende und zeitlich nicht koordinierte Prüfung familiärer
Verfolgungszusammenhänge sowie eine fehlerhafte Klassifizierung der
Akte A26 als Akte einer anderen Behörde. Das SEM wurde sodann darauf
aufmerksam gemacht, dass Ausführungen in der Beschwerde betreffend
die Asylrelevanz der Asylvorbringen wie auch die auf Beschwerdeebene
vorgelegten neuen Beweismittel im Rahmen des wiederaufzunehmenden
erstinstanzlichen Verfahrens zur Kenntnis zu nehmen seien.
F.
Nach Ergehen der Urteile E-1417/2016 vom 6. Mai 2016 und E-4393/2016
vom 7. September 2016 nahm das SEM die erstinstanzlichen Verfahren
wieder auf und es zog insbesondere die erwähnten Visaakten bei, von de-
nen es Kopien in die beiden N-Dossiers ablegte.
G.
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2016 – eröffnet am 13. Juni 2016 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer 1 erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht und lehnte dessen Asylgesuch unter gleichzeitiger Anordnung der
Wegweisung aus der Schweiz ab (Dispositivziffern 1 bis 3), gewährte ihm
jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige
Aufnahme (Dispositivziffern 4 bis 7).
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 7
Mit Verfügung ebenfalls vom 7. Oktober 2016 – eröffnet am 13. Juni 2016
– stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden 2-7 erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft nicht und lehnte deren Asylgesuche unter gleichzeitiger
Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz ab (Dispositivziffern 1 bis 3),
gewährte ihnen jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
die vorläufige Aufnahme (Dispositivziffern 4 bis 7).
H.
Am 18. Oktober 2016 erhielten die Beschwerdeführenden Einsicht in die
aus Sicht des SEM editionspflichtigen Akten der beiden N-Dossiers.
I.
Mit Eingabe vom 9. November 2016 erhob der Beschwerdeführer 1 gegen
die ihn betreffende Verfügung des SEM vom 7. Oktober 2016 Beschwerde.
Darin beantragt er deren Aufhebung, die Rückweisung der Sache zur voll-
ständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und zur Neubeurteilung, eventualiter die Gewährung von Asyl
unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie subeventualiter die
blosse Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er ferner um Verzicht auf die Erhebung sowohl von Verfahrens-
kosten als auch eines Kostenvorschusses.
Mit Eingabe ebenfalls vom 9. November 2016 erhoben die Beschwerde-
führenden 2-7 gegen die sie betreffende Verfügung des SEM vom 7. Okto-
ber 2016 Beschwerde. Darin stellten sie die gleichen materiellen und pro-
zessualen Anträge wie der Beschwerdeführer 1.
Das Bundesverwaltungsgericht erfasste die Beschwerde des Beschwerde-
führers 1 unter der Geschäftsnummer E-6915/2016 und jene der Be-
schwerdeführenden 2-7 unter der Geschäftsnummer E-6917/2016.
J.
Mit Zwischenverfügungen je vom 16. November 2016 hiess die damals zu-
ständige Instruktionsrichterin die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung
sowohl von Verfahrenskosten als auch eines Kostenvorschusses in beiden
Beschwerdeverfahren gut. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlas-
sung zu beiden Beschwerden bis zum 6. Dezember 2016 eingeladen.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 8
K.
Mit Vernehmlassungen je vom 23. November 2016 beantragt das SEM un-
ter vollumfänglicher Festhaltung an seinen Erwägungen und bislang ein-
genommenen Standpunkten sinngemäss die Abweisung der beiden Be-
schwerden.
Die beiden Vernehmlassungen wurden den Beschwerdeführenden am
25. November 2016 zur Kenntnis gebracht.
L.
Am 9. November 2017 ergänzten sowohl der Beschwerdeführer 1 als auch
die Beschwerdeführenden 2-7 ihre Beschwerden.
Die Beschwerdeführenden 2-7 reichten mit Eingaben vom 19. und 27. Juni
2018 zudem weitere Beschwerdeergänzungen ein.
M.
Mit Instruktionsverfügungen des (infolge eines organisatorischen Wech-
sels) neu zuständig gewordenen Instruktionsrichters je vom 3. Mai 2019
wurde das SEM unter Hinweis auf die seit den ersten Vernehmlassungen
hinzugekommenen Beschwerdeakten zu ergänzenden Vernehmlassungen
bis zum 23. Mai 2019 eingeladen.
Mit ergänzenden Vernehmlassungen je vom 17. Mai 2019 nahm das SEM-
substanziell Stellung. Sinngemäss beantragt es abermals die Abweisung
der beiden Beschwerden.
Das den Beschwerdeführenden zu den ergänzenden Vernehmlassungen
gewährte Replikrecht nahmen diese mit Eingaben je vom 11. Juni 2019
wahr. Darin halten sie sinngemäss an den gestellten Begehren fest.
N.
Mit Eingaben je vom 30. Oktober 2019 ergänzten die Beschwerdeführen-
den ihre Beschwerdeakten.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 9
O.
Am 4. Januar 2020 wurden die Beschwerdeführenden 2-5 von den schwei-
zerischen Grenzwachtbehörden bei der illegalen Einreise von Deutschland
her angehalten.
P.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2020 verweigerte das SEM ein Gesuch des
Beschwerdeführers 2 um Ausstellung eines Rückreisevisums für die Wie-
dereinreise in die Schweiz. Gleichzeitig zog es den hierzu vorgelegten, am
(...) 2019 durch das Syrische Konsulat in Genf ausgestellten und vom SEM
als echt befundenen Reisepass des Beschwerdeführers 2 ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 10
Bereits auf den 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) umbenannt. Der vorliegend
anzuwendende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1-4) ist unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
1.4 Die beiden Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht wor-
den. Die Beschwerdeführenden haben an den Verfahren vor der Vor-
instanz teilgenommen, sind durch die beiden angefochtenen Verfügungen
besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der
Beschwerden legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten.
1.5 Gegenstand der Beschwerdeverfahren ist vorliegend die Frage, ob das
SEM zutreffend die Anerkennung der Beschwerdeführenden als Flücht-
linge verweigert und deren Asylgesuche abgelehnt hat (je Dispositivziffern
1 und 2 der angefochtenen Verfügungen). Die weiteren Dispositivziffern
blieben unangefochten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs der
Asylverfahren in sachverhaltlicher und prozessualer Hinsicht, der Manda-
tierung desselben Rechtsvertreters durch die Gesuchstellenden, des ein-
heitlichen Ausgangs der beiden Beschwerdeverfahren und aus prozess-
ökonomischen Gründen werden die Beschwerdeverfahren E-6915/2016
und E-6917/2016 vereinigt. Mit dem vorliegenden gemeinsamen Urteil wird
daher über beide Beschwerden gleichzeitig befunden. Das Vorgehen
rechtfertigt sich auch deshalb, weil das SEM die Asylverfahren seit deren
Wiederaufnahmen anweisungsgemäss koordiniert geführt hat.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 11
4.
4.1 Vorab ist festzustellen, dass die in den Kassationsurteilen E-1417/2016
und E-4393/2016 erkannten Mängel (vgl. Bstn. C und E. oben) nach Wie-
deraufnahme der erstinstanzlichen Verfahren durch das SEM behoben
wurden. Insbesondere hat das SEM die Akten im Zusammenhang mit dem
Ersuchen um Ausstellung humanitärer Visa beigezogen und in Kopie in die
Asylakten abgelegt sowie sämtliche Asylgesuche nunmehr sachlich und
zeitlich koordiniert unter Beizug der jeweils anderen Akten geprüft. Der in
beiden Beschwerden erhobene Einwand, wonach die Aktenbeizüge einen
Niederschlag in den Aktenverzeichnissen hätte finden müssen und eine
Deklaration der konkret beigezogenen Aktenstücke nötig gewesen wäre,
um dem Anspruch auf rechtliches Gehör in Form des Akteneinsichtsrechts
und der Aktenführungspflicht gerecht zu werden, kann nicht gestützt wer-
den. Ein solches Vorgehen würde offensichtlich dann zu weit führen, wenn
wie vorliegend die jeweiligen Aktenbeizüge aus dem Inhalt der beiden Ver-
fügungen und den Akten hervorgehen und beide angefochtenen Verfügun-
gen am gleichen Tag durch dieselbe Fachspezialistin und denselben Sek-
tionschef des SEM erlassen wurden; die Aktenkenntnis war somit betref-
fend beide N-Dossiers zum relevanten Zeitpunkt aktuell. Weiter wurde die
Aktenführung (Klassifizierung, Ablage und Paginierung) rechtsgenüglich
verbessert, abgesehen von der Aktennahme einer Skizze des Beschwer-
deführers 1, die dieser anlässlich der Anhörung anfertigte (vgl. dessen Akte
A10 F68-70). Gemäss angefochtener Verfügung sei diese Skizze in den
Akten nicht vorhanden. Das rechtliche Gehör bleibt in diesem Punkt somit
verletzt, da die Erstellung der Skizze eine Tatsache ist. Eine erneute Kas-
sation einzig in diesem Punkt wäre indessen nicht mehr zielführend, da das
Dokument offensichtlich für das SEM nicht mehr greifbar ist. Sie wäre aber
auch unverhältnismässig, weil der Beschwerdeführer die Skizze in Worten
beschreibt und der Sachverhalt in diesem Punkt somit ausreichend erkenn-
bar wird, wenngleich ohne die nur aus der Skizze eruierbare geometrische
Anordnung der Räume, die aber für die Beurteilung des Asylgesuchs ledig-
lich von untergeordneter Bedeutung ist (vgl. hierzu aber den Hinweis auf
den Substanzgehalt des Skizzenbeschriebs in E. 7.2.1 unten). Zu bean-
standen bleibt im Weiteren, dass es das SEM nicht als nötig erachtete, die
Aktenpaginierung und das Aktenverzeichnis ab der Beschwerdehängigkeit
zu aktualisieren, sobald das Dossier in seinem Besitz gelangte. Anlass
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Seite 12
dazu hätte spätestens jeweils in den Vernehmlassungsverfahren bestan-
den. Eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführenden auf recht-
liches Gehör liegt damit aber in casu nicht vor.
4.2 Die Beschwerdeführenden rügen in formeller Hinsicht, das SEM habe
verschiedene Sachverhaltselemente (vgl. unten E. 6.2 am Anfang: z.B.
Versteckthalten des Beschwerdeführers 1 vor der Ausreise, behördliche
Suchen nach ihm zwecks Rekrutierung, Fingerabdruckabnahme während
der Haft und Erkundigungen zum Vater; exponiertes Profil des Beschwer-
deführers 2 und dessen Tätigkeit als Kontakt- und Mittelsmann zwischen
PKK und syrischer Regierung, dessen frühere Inhaftierungen und Folte-
rungen, Kollaborationsabsicht des Geheimdienstes mit ihm, Passverbot
sowie den politischen Aktivismus der gesamten Familie) nicht richtig er-
fasst und gewürdigt und damit in willkürlicher Weise seine Pflicht zur Sach-
verhaltsabklärung und -feststellung und das rechtliche Gehör verletzt. Die
vom Rechtsvertreter standardisiert verwendete Rüge erweist sich auch
vorliegend als unberechtigt: Wenn das SEM Sachverhaltsteile anders ge-
wichtet und würdigt als die Beschwerdeführenden es wünschen, ist damit
noch keine Rechtsverletzung verbunden. Dies gilt auch für Sachverhalts-
vorbringen, die in der angefochtenen Verfügung nur im Erwägungsteil er-
wähnt werden; ihre Eigenschaft als Sachverhaltsteile verlieren sie dadurch
nicht. Sachverhaltlich zu erfassen ist sodann nur, was wesentlich und ent-
scheiderheblich ist und mithin ein Potenzial zur Entscheidbeeinflussung
aufweist. Wenn das SEM in seinen Erwägungen wie vorliegend zur Ansicht
gelangt, dass weite Teile des Sachvortrags mangels sachlicher und zeitli-
cher Kausalität zur Ausreise flüchtlingsrechtlich nicht bedeutsam seien,
gibt es auch keine Veranlassung, solche Sachverhaltselemente in extenso
im Sachverhaltsteil zu erfassen. Die verfügende Behörde muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Es reicht zur Be-
gründung einer Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht aus zu behaupten,
dass einzelne protokollierte Aussagen nicht Eingang in die angefochtene
Verfügung gefunden hätten. Von Bedeutung ist vielmehr die konkrete Re-
levanz der unerwähnt gebliebenen Aussagen für die Begründung einer
Verfolgungssituation und für deren Beurteilung.
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Seite 13
Soweit die Rüge spezifischer Sachverhaltsunterschlagung punktuell prü-
fenswert bleibt, ist darauf direkt im Rahmen der materiellen Würdigung in
E. 7 unten einzugehen. Bereits an dieser Stelle ist jedoch festzuhalten,
dass das SEM keinerlei Veranlassung hatte, die von den Beschwerdefüh-
renden erwähnten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sachverhaltlich
explizit zu erfassen und im Asylpunkt zu würdigen, da deren Bedeutsam-
keit auf die Beurteilung der Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges
beschränkt ist, auf dessen Anordnung das SEM aber bei allen Beschwer-
deführenden verzichtet und stattdessen die vorläufige Aufnahme angeord-
net hat.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die
Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im
Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger
Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru-
hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin-
dung der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Be-
gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach,
wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element)
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Seite 14
für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden
(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2,
je m.w.H.).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-
gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls
Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl
(vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe
geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden
sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder
Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei
die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es blei-
ben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht
massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), so-
weit nicht in den nachfolgenden Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug
zu nehmen ist.
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 15
6.
6.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids betreffend den Be-
schwerdeführer 1 qualifizierte das SEM die geltend gemachten Verfol-
gungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaf-
tigkeit und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit
nicht genügend. Die Inhaftierung vom (...) 2011 habe er hinsichtlich der
Festhaltungsorte und einer zwischenzeitlichen Haftverlegung widersprüch-
lich und unplausibel geschildert. Die Ausführungen zum Gefängnisalltag
und zu den Folterungen seien vage, schemenhaft und stereotyp ausgefal-
len und wiesen weder relevante Realkennzeichen noch vertiefende Sub-
stanz oder inhaltliche Besonderheiten auf. Auch sei schwer vorstellbar,
dass sich sein Vater (Beschwerdeführer 2), welcher das eigentliche Ziel der
Behörden gewesen wäre, (...) Tage Zeit gelassen habe, um sich zu stellen,
und nach nur einem Tage wieder freigelassen worden sei. Die im Rahmen
des ersten Beschwerdeverfahrens und somit erst nachträglich hierzu de-
ponierten Erklärungen (insb. Verständigungsschwierigkeiten mit Dolmet-
schern) seien als Schutzbehauptung zu werten und auch aktenwidrig. Die
vom Beschwerdeführer 1 ins Zentrum gestellte Frage 67 der Anhörung sei
inhaltlich von geringer Relevanz und ihm auch nicht zur Last gelegt wor-
den. Die teilweise etwas wirren Aussagen des Beschwerdeführers 1 seien
vielmehr auf dessen ausweichendes Aussageverhalten denn auf Verstän-
digungsprobleme zurückzuführen. Eine auf Beschwerdestufe geforderte
Wiederholung der Anhörung rechtfertige sich daher nicht, zumal auch man-
gels irgendwelcher Beanstandungen seitens der Hilfswerksvertretung. An
der somit zu erkennenden Unglaubhaftigkeit der Inhaftierung ändere die in
den Akten nicht vorhandene Skizze nichts. Auch Anzahl, Zeitpunkte und
Umstände seiner als fluchtauslösend dargestellten Aufbietungen zum Mili-
tärdienst habe der Beschwerdeführer 1 stereotyp und äusserst unsubstan-
ziiert geschildert. Das Informationsdefizit darüber sei nicht nachvollziehbar;
nähere Angaben zum vorgelegten Marschbefehl und zu entsprechenden
Behördenkontakten seien unterblieben, ohne dass er dies überzeugend zu
erklären vermocht hätte. Die Erklärungen zur Existenz von Marschbefehlen
trotz unterbliebener Diensttauglichkeitsprüfung und inexistenten Dienst-
büchleins seien ausweichend, nachgeschoben, auf blossen Mutmassun-
gen beruhend einzustufen und mithin blosse Schutzbehauptungen. Es sei
unwahrscheinlich, dass er gemäss dem vorgelegten, als Marschbefehl be-
zeichneten Dokument mitsamt seinem Dienstbüchlein hätte erscheinen
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 16
sollen, obwohl ein solches bekanntermassen gar nicht existieren könne.
Der Beweiswert des Beweismittels sei daher gering, zumal derartige Do-
kumente in Syrien problemlos unrechtmässig erworben werden könnten.
Die Beschreibung der befürchteten Zwangsrekrutierung durch die PKK und
des diesbezüglichen Vorgehens der PKK (Kontaktnahme einzig mit Eltern)
erscheine ebenfalls substanzarm und zudem widersprüchlich. Zudem fehle
es an einem flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Motiv. Die mithin fehlende
Asylrelevanz treffe auch auf die mit der Beschwerde geltend gemachte Ver-
schlechterung der allgemeinen Lage in Syrien und die damit begründete
erhöhte Bedrohungslage der kurdischen Bevölkerung zu, denn diese seien
kriegsbedingt und zielten nicht konkret auf den Beschwerdeführer 1 ab.
Sodann erscheine auch die im Zusammenhang mit politischen Aktivitäten
verschiedener Familienmitglieder und mit dem Vorfall von Onkel J._
(durch PKK zugefügte Schussverletzung) entstandene und von der PKK
ausgehende Gefährdungssituation der Familie nicht glaubhaft, da auch
diese Angaben hinsichtlich der zeitlichen Einordnung substanzarm ausge-
fallen seien. Zudem stamme die Verletzung von J._ gemäss dem
vorgelegten Arztzeugnis vom Jahre 2012 und sei damit nicht kausal für die
Ausreise des Beschwerdeführers 1. Ein eigenes politisches Engagement
habe er im Übrigen im erstinstanzlichen Verfahren noch ausdrücklich und
erklärend verneint, um auf Beschwerdeebene dann ein Engagement für die
PDK-S und gegen das syrische Regime geltend zu machen und mit Be-
weismitteln (insb. Fotos und Mitgliedschaftsbestätigung) zu unterlegen.
Mangels dadurch ausgelöster Verfolgungsmassnahmen sei dieses Vor-
bringen aber nicht asylrelevant und zudem aufgrund dieser nachgescho-
benen und widersprüchlichen Schilderung auch nicht glaubhaft. Schliess-
lich macht das SEM darauf aufmerksam, dass die Visa-Akten keine Anga-
ben zu seinen Asylgründen enthielten und mithin nicht asylbedeutsam
seien. Nach dem Gesagten erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlings-
eigenschaft nicht.
Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids betreffend die Be-
schwerdeführenden 2-7 qualifizierte das SEM die geltend gemachten Ver-
folgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flücht-
lingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend. Die von der Beschwerdefüh-
rerin 3 erwähnten Vorfälle vom Jahre 2004 und die Haftaufenthalte des
Beschwerdeführers 2 bis zum Jahre 2009 lägen bereits mehrere Jahre zu-
rück und wiesen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht keinen hinreichenden
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 17
Kausalzusammenhang zur Flucht im Jahre 2014 auf. Zudem habe der Be-
schwerdeführer 2 bis 2012 mit dem syrischen Regime mehrfach kollabo-
riert und auch bei (...) mitgewirkt. Im Jahre 2011 sei er mit Hilfe der PKK
bereits nach einem Tag wieder aus der Haft entlassen worden, und in die-
sem Zusammenhang sei auch auf die beim Beschwerdeführer 1 erwoge-
nen Unglaubhaftigkeitselemente zu verweisen. Eine Furcht vor Verfolgung
durch das syrische Regime erscheine daher nicht hinreichend begründet,
was auch durch den Umstand untermauert werde, dass die Beschwerde-
führenden 2 und 3 bereits im (...) 2014 erneut und freiwillig kurzzeitig in
ihre Heimat zurückgekehrt seien. Ebenso erscheine die geltend gemachte
Furcht vor Verfolgungsmassnahmen der PKK seit dem Vorfall mit
J._ und ihrer nachfolgenden Distanzierung von der PKK (auch we-
gen deren Verbündung mit dem syrischen Regime) unbegründet, zumal
der Beschwerdeführer 2 die PKK noch bis zu seiner Ausreise unterstützt
habe und von dieser nie persönlich angegriffen oder bedroht worden sei.
Der Vorfall mit J._ habe zudem zwei Jahre vor der Ausreise im
Jahre 2014 stattgefunden und weise somit keinen Kausalzusammenhang
mehr auf. Die erneute Einreise nach Syrien, notabene in Kurdisch besetz-
tes Gebiet, deute ebenso auf eine nicht hinreichend begründete Furcht vor
einer Verfolgung durch die PKK hin. Die mithin fehlende Asylrelevanz treffe
auch auf die mit der Beschwerde geltend gemachte Verschlechterung der
allgemeinen Lage in Syrien und die damit begründete erhöhte Bedro-
hungslage der kurdischen Bevölkerung zu, denn diese sei kriegsbedingt
und ziele nicht konkret auf die Beschwerdeführenden 2-7 ab. Ebenfalls
nicht asylrelevant sei die auf Beschwerdestufe vorgebrachte Demonstrati-
onsteilnahme des Beschwerdeführers 2 in K._, da sie keine hinrei-
chende politische Exponiertheit begründe. Die vom Beschwerdeführer 5
geltend gemachte einmalige Demonstrationsteilnahme in Syrien sei so-
dann unbestrittenermassen ohne Konsequenzen geblieben und vermöge
keine asylrelevante Gefährdung zu begründen. Schliesslich macht das
SEM darauf aufmerksam, dass die Visa-Akten keine Angaben zu den Asyl-
gründen der Beschwerdeführenden 2-7 enthielten und mithin nicht asylbe-
deutsam seien. Nach dem Gesagten erfüllten sie die Flüchtlingseigen-
schaft nicht.
6.2 Die Beschwerdeführenden rügen vorab eine Verletzung ihres An-
spruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs. Diese bestehe zunächst da-
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 18
rin, dass das SEM den eingereichten Marschbefehl des Beschwerdefüh-
rers 1 nicht ausreichend beachtet und gewürdigt habe und ihm gar den
Beweiswert abspreche. Weiter ignoriere das SEM Hinweise des Beschwer-
deführers 1 auf tatsächlich bestandene asylrelevante Gefahren (insb. zwei-
monatiges Versteckthalten vor der Ausreise, behördliche Suchen zwecks
Rekrutierung sowie während der Haft Fingerabdruckabnahme und Erkun-
digungen zum Vater). Weiter habe das SEM das individuelle, exponierte
Profil des Beschwerdeführers 2 nicht richtig erfasst und dessen Gefähr-
dung aufgrund seiner Tätigkeit als Kontakt- und Mittelsmann zwischen PKK
und syrischer Regierung, dessen frühere Inhaftierungen und Folterungen,
die Kollaborationsabsicht des Geheimdienstes mit ihm, das gegen ihn ver-
hängte Passverbot sowie den politischen Aktivismus der gesamten Familie
nicht ausreichend wiedergegeben und berücksichtigt. Ebenso ignoriere
das SEM den geltend gemachten Verfolgungszusammenhang zwischen
der Dienstverweigerung des Beschwerdeführers 1 und der dadurch mittel-
bar ausgelösten Gefährdungslage der Beschwerdeführenden 2-7. Aus die-
sen Beanstandungen ergebe sich auch eine Verletzung der Pflicht des
SEM zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsabklärung und –feststel-
lung sowie eine Verletzung des Willkürverbots.
Der Beschwerdeführer 1 wendet sich sodann gegen die vom SEM er-
kannte Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Die Unstimmigkeiten betref-
fend die Haft vom (...) 2011 seien entweder auf Übersetzungsprobleme
oder auf das wörtliche statt sinngemässe Abstellen auf das BzP-Protokoll
zurückzuführen oder aber – aufgrund des Unterbleibens vertiefender Ab-
klärungen – vermeintlicher Art; die ungenügende Beschreibung des
Haftorts könne ihm angesichts der erlittenen Traumatisierung und der
Grösse der Stadt I._ nicht angelastet werden und der Haftort wäre
aus der vom SEM willkürlich ignorierten Skizze hervorgegangen. Der Vor-
halt betreffend eine Haftverlegung suggeriere ferner in willkürlicher Weise
das Bestehen geografisch unterschiedlicher Haftorte, obwohl er im selben
Gebäude verlegt worden sei. Auch der Vorwurf bloss vager und schemen-
hafter Vorbringen sei nicht gerechtfertigt, zumal er betreffend seine Verhaf-
tung und die Haft durchaus konsistente, substanziierte und mit Realkenn-
zeichen und Nebensächlichkeiten angereicherte Aussagen gemacht habe.
Zudem seien alle Aussagen seiner Eltern, mithin auch zu seiner Inhaftie-
rung, als glaubhaft erkannt worden, weshalb der Vorwurf seiner unglaub-
haft geschilderten Haft aktenwidrig und völlig konstruiert sei. Weiter komme
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 19
es einer Rechtsverweigerung gleich, wenn das SEM den eingereichten
Marschbefehl ohne weitere Überprüfung implizit als Fälschung abtue und
hierfür keine überzeugende Begründung liefere. Die Substanzarmut betref-
fend die behördlichen Rekrutierungsversuche, die Marschbefehle, ein all-
fälliges Dienstbüchlein und die Rekrutierungsversuche der PKK sei sodann
darauf zurückzuführen, dass er nie persönlich anwesend gewesen sei und
nur vom Hörensagen habe berichten können. Seine diesbezüglich unter-
lassene Informationsbeschaffung erkläre sich durch das Risiko seiner Auf-
greifung. Den Umstand einer per Marschbefehl erfolgten Diensteinberu-
fung ohne vorgängige Ausstellung eines Dienstbüchleins erklärt der Be-
schwerdeführer 1 mit der kriegsbedingten Willkür und Unberechenbarkeit
der syrischen Behörden. Die Glaubhaftigkeit seiner Aufbietung ergebe sich
schon aus seinem damals eingetretenen wehrpflichtigen Alter. Das durch
sein Verstecken und die Ausreise bedingte Fernbleiben löse automatisch
seine Refraktionseigenschaft und als gleichzeitiger Regimegegner seine
Verfolgungssituation aus. Aufgrund der somit glaubhaft gemachten Vor-
bringen ergebe sich seine praxisgemäss asylrelevante Verfolgungslage
aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung, seiner regierungsoppositionel-
len und staatsfeindlichen Positionierung, einem damit bestehenden Polit-
malus, seiner Reflexverfolgung aufgrund seiner oppositionell aktiven Fami-
lienangehörigen, seiner Furcht vor Rekrutierung durch die PKK bezie-
hungsweise YPG sowie seiner kurdischen Ethnie. Hinzu kämen die von
islamistischen Gruppierungen ausgehende Gefahr und die sich durch
seine exilpolitische Betätigung und Asylgesuchstellung im Ausland erhö-
hende Verfolgungsgefahr.
Die Beschwerdeführenden 2-7 stellen ihrerseits fest, dass das SEM ihre
Vorbringen hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit nicht infrage stelle und daher
von der Glaubhaftigkeit insbesondere der Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers 2 und mithin der ganzen Familie auszugehen sei. Der vorinstanzliche
Verweis auf die beim Beschwerdeführer 1 erwogenen Unglaubhaftigkeit-
selemente betreffend dessen Inhaftierung im Jahre 2011 sei nicht statthaft,
zumal diese in dessen Beschwerde hätten ausgeräumt werden können.
Weiter machen sie darauf aufmerksam, dass die mehrtägige Rückkehr der
Beschwerdeführenden 2, 3, 6 und 7 im (...) 2014 nach Syrien zwecks Teil-
nahme an der Trauerfeier einer verstorbenen Tante erfolgt und tatsächlich
riskant gewesen sei, die Teilnahme aber für sie einen hohen Stellenwert
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 20
gehabt habe; zudem habe sich die syrische Regierung aus der betreffen-
den Region zurückgezogen und die Furcht vor der PKK habe sich gelegt.
Sodann bekräftigen die Beschwerdeführenden 2-7 den geltenden gemach-
ten Sachverhalt, aus dem sich eine offensichtliche Gefährdungslage vorab
des bei einer Rückkehr von seiner Verhaftung, Folter und Tötung bedroh-
ten Beschwerdeführers 2 ergebe. Das Argument eines fehlenden Kausal-
zusammenhanges dessen mehrjährig zurückliegender Inhaftierungen
scheitere an der Tatsache, dass dessen Name und Eigenschaft als PKK-
Aktivist und Regimegegner den Behörden bekannt und registriert gewesen
sei. Zu berücksichtigen sei weiter, dass ihre durchaus asylrelevante Verfol-
gungslage reflexiv durch die Wehrdienstverweigerung des Beschwerde-
führers 1 verschärft werde. Betreffend die Demonstrationsteilnahme des
Beschwerdeführers 5 in Syrien sei zu beachten, dass praxisgemäss auch
einfache Teilnehmer von regimefeindlichen Demonstrationen im Identifizie-
rungsfall einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien und der Beschwerde-
führer 5 Mitglied einer oppositionellen Familie sei. Hinzu komme auch beim
Beschwerdeführer 2 eine durch seine exilpolitische Betätigung und Asylge-
suchstellung im Ausland erhöhte Verfolgungsgefahr. Sie hätten somit alle
einen Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG und auf
Gewährung des Asyls, der auch durch verschiedene Berichte (insb. des
UNHCR) seine Abstützung finde. Schliesslich machen die Beschwerdefüh-
renden unter Hinweis auf verschiedene Medienberichte darauf aufmerk-
sam, dass sich das Assad-Regime aktuell nicht nur halten, sondern mit Un-
terstützung verbündeter Staaten gar stärken könne, was die Verfolgungs-
situation der Regimekritiker verschärfe.
6.3 In seinen Vernehmlassungen je vom 23. November 2016 hält das SEM
vollumfänglich an seinen Erwägungen und bislang eingenommenen Stand-
punkten fest.
6.4 In ihren Beschwerdeergänzungen je vom 9. November 2017 sowie den
weiteren Ergänzungseingaben der Beschwerdeführenden 2-7 vom 19. und
27. Juni 2018 machen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen Folgen-
des geltend: Die Beschwerdeführer 1 und 2 figurierten je in einer geleakten
Datenbank (als Web-Ausdruck beiliegend und mit Übersetzungen und Be-
gleitunterlagen versehen), in welcher Personen erfasst seien, die in Syrien
militärdienstpflichtig wären, deshalb gesucht würden und mit einem Reise-
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 21
verbot belegt seien. Weiter reichte der Beschwerdeführer 2 jeweils in (be-
glaubigter) Kopie und mitsamt Übersetzungen die Urteilsverkündung eines
Kassationsgerichts vom (...) 2007 betreffend eine gegen ihn verhängte
Geldbusse, einen Beschlagnahmebeschluss vom (...) 2001 zwecks Si-
cherstellung von ihm auferlegten Bussen und Gebühren sowie eine Mittei-
lung der militärischen Untersuchungsbehörde an die Militärstaatsanwalt-
schaft vom (...) 2001 betreffend seine Zuführung wegen (...) ein. Die Ver-
folgungssituation der Beschwerdeführenden und insbesondere die behörd-
liche Suche nach den Beschwerdeführern 1 und 2 sei damit belegt.
6.5 In seinen ergänzenden Vernehmlassungen je vom 17. Mai 2019 hält
das SEM weiterhin vollumfänglich an seinen Erwägungen und bislang ein-
genommenen Standpunkten fest. Betreffend die seit den ersten Vernehm-
lassungen hinzugekommenen Beschwerdeakten weist es darauf hin, dass
keine verlässlichen Informationen und Quellen betreffend das Zustande-
kommen der geleakten Datensätze über die vom syrischen Regime ge-
suchten Personen bestünden oder dargelegt würden und diese daher kei-
ner Überprüfung zugänglich seien. Auf der Website selber stehe denn
auch, dass es sich um eine geleakte Fahndungsliste handle, was die von
den Beschwerdeführenden bekräftigte Echtheit der Datenbank als nicht
nachvollziehbar erscheinen lasse. Sodann seien die von den Beschwerde-
führenden 2-7 vorgelegten Dokumente (Urteilsverkündung, Beschlagnah-
mebeschluss und Mitteilung an die Militärstaatsanwaltschaft) offensichtlich
nur partiell übersetzt worden. Unbesehen dessen stammten die Doku-
mente aus den Jahren 2001 und 2007 und beschlügen somit Sachverhalts-
vorbringen, die in der angefochtenen Verfügung bereits als nicht asylrele-
vant beurteilt worden seien. Weitere Ausführungen zum Beweiswert erüb-
rigten sich daher.
6.6 Replikweise halten die Beschwerdeführenden an ihren bisherigen Vor-
bringen und insbesondere den Ausführungen in ihren Beschwerden fest,
so auch betreffend die unvollständige Sachverhaltserfassung und -würdi-
gung der Jahre zurückliegenden Vorverfolgung; die nachgereichten Doku-
mente aus den Jahren 2001 und 2007 seien daher für die Beurteilung einer
begründeten Furcht vor Verfolgung durchaus entscheidrelevant. Ebenso
bekräftigen sie die Verlässlichkeit der geleakten Datenbank, zumal diese
auch schon zu Asylgewährungen geführt habe. Wenn das SEM an der
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 22
Echtheit der Datenbank zweifle, müsse es entsprechende Abklärungen
vornehmen.
6.7 In ihren Beschwerdeergänzungen je vom 30. Oktober 2019 machen die
Beschwerdeführenden auf die sich überstürzenden Ereignisse in Nordsy-
rien aufmerksam (Invasion der Türkei, Angriffe türkischer Truppen und is-
lamistischer Milizen auf Zivilbevölkerung, Verbündung der Kurden mit dem
Assad-Regime, Vorrücken syrischer Truppen in kurdische Gebiete, ethni-
sche Vertreibung der kurdischen Bevölkerung, bevorstehender Abzug der
YPG-Miliz aus der «safe zone», Übereinkunft Erdogan/Putin betreffend
Einrichtung einer Sicherheitszone mit türkischen Grenzpatrouillen und
Rückzug der YPG, brüchige Waffenruhe). Die Lage sei volatil und betref-
fend die beiden Beschwerdeverfahren aktualisierungsbedürftig.
7.
7.1 Das SEM ist in seinen Erwägungen nach nunmehr rechtsgenüglicher
Sachverhaltsabklärung und –feststellung mit einlässlicher und überzeu-
gender Begründung sowie umfassender Aktenabstützung zur zutreffenden
Erkenntnis gelangt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Be-
schwerdeführenden würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die
Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachverhalts respektive je-
nen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Bedeutsamkeit nicht ge-
nügen, weshalb sie keinen Anspruch auf Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft und auf Gewährung des Asyls hätten. Die vorinstanzlichen Er-
wägungen in beiden Verfügungen sind, abgesehen von noch zu erörtern-
den punktuellen Einschränkungen, nicht zu beanstanden. Es kann insoweit
zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Inhalt der angefochtenen
Verfügungen (vgl. dort je E. II) und der ergänzenden Vernehmlassungen
sowie auf die zusammenfassenden Wiedergaben oben (E. 6.1 und 6.5)
verwiesen werden. Im Übrigen führen die Ausführungen auf Beschwerde-
stufe – wiederum unter Vorbehalt noch zu erörternder punktueller Relati-
vierungen – zu keiner anderen Betrachtungsweise gegenüber den Er-
kenntnissen des SEM in den angefochtenen Verfügungen. Soweit sie sich
nicht in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen, Bestreitungen, Gegen-
behauptungen und Mutmassungen erschöpfen, ist im Einzelnen Folgendes
zu erwägen:
E-6915/2016 und E-6917/2016
Seite 23
7.2
7.2.1 Die Einwände des Beschwerdeführers 1 gegen die vom SEM er-
kannte Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen sind nicht stichhaltig. Eine
Traumatisierung hat er im erstinstanzlichen Verfahren nicht geltend ge-
macht und sie geht auch nicht anderweitig aus den Akten hervor. Weiter
sind weder aus den Akten nennenswerte Übersetzungsprobleme bei der
BzP oder der Anhörung ersichtlich noch kann nachvollzogen werden, wes-
halb auf protokollierte Aussagen bloss sinngemäss statt wörtlich abgestellt
werden sollte. Die Forderung nach vertiefenden Abklärungen zur Erklärung
von Unstimmigkeiten kann in der geltend gemachten Form ebenfalls nicht
gestützt werden, wenn der Beschwerdeführer 1 – insbesondere betreffend
seine Aufbietungen zum Militärdienst oder für Kampfeinsätze der PKK –
seiner Substanziierungslast und Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) nicht
im geforderten Masse nachzukommen imstande ist. Der Verweis auf Wahr-
nehmungen bloss vom Hörensagen ist dabei als Schutzbehauptung zu
werten, zumal gerade dieser Umstand zusätzlich gegen die Glaubhaftigkeit
der angeblich mehreren persönlichen Aufbietungen seitens des syrischen
Militärs beziehungsweise der PKK spricht. Im Ergebnis zu bestätigen ist
sodann die Erkenntnis des SEM, wonach die Ausführungen des Beschwer-
deführers 1 zum Gefängnisalltag und zu den Folterungen vage, schemen-
haft und stereotyp ausgefallen seien und an Realkennzeichen sowie ver-
tiefender Substanz mangelten. Diese Feststellung kann indessen nicht ka-
tegorisch getroffen werden, da der Beschwerdeführer seinen Schilderun-
gen phasenweise durchaus eine gewisse Substanz und (scheinbare) Er-
lebnisechtheit verliehen hat (vgl. A10 F59) und beispielsweise die Rauma-
nordnungen am Haftort anhand der von ihm angefertigten (und nicht mehr
auffindbaren) Skizze auch in Worten nachvollziehbar darzulegen ver-
mochte (vgl. A10 F70). Die Verfügung erscheint hier eher unausgewogen
und die betreffenden Einwände in der Rechtsmitteleingabe des Beschwer-
deführers 1 sind zumindest nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Den-
noch geht der Haftort (geografische Lokalisierung innerhalt der Stadt
I._) entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers 1 auch aus
der erwähnten Skizzenbeschreibung und mithin aus der nicht aktenkundi-
gen Skizze offensichtlich nicht hervor und Antworten auf Nachfragen zur
Haft blieben entsprechend den Erkenntnissen des SEM durchaus dünn
und vage (vgl. z.B. A10 F71).
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Seite 24
Betreffend die Beschwerdeführenden 2-7 und insbesondere den Be-
schwerdeführer 2 hat sich das SEM zwar schwergewichtig auf eine Prüfung
der Asylrelevanz der geltend gemachten Benachteiligungen und Befürch-
tungen beschränkt und auf eine Glaubhaftigkeitsprüfung weitgehend ver-
zichtet. Die behauptete umgekehrte Schlussfolgerungen der Beschwerde-
führenden, wonach das SEM somit die Vorbringen mangels expliziter Un-
glaubhaftigkeitsfeststellung als glaubhaft und erstellt betrachte und dies
darüber hinaus positiven Einfluss auf die Glaubhaftigkeitsbeurteilung des
Beschwerdeführers 1 haben müsse, ist hingegen zurückzuweisen. Viel-
mehr entspricht es einem prozssökonomischen Vorgehen, wenn bei Klar-
heit über die Asylirrelevanz von Verfolgungsvorbringen auf die Glaubhaf-
tigkeitsprüfung verzichtet wird, da selbst im hypothetischen Fall der Beja-
hung der Glaubhaftigkeit kein Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft oder
das Asyl bestünde. Im Übrigen ist festzuhalten, dass das SEM im Ansatz
dennoch zutreffend auf Unglaubhaftigkeitsaspekte hingewiesen hat, indem
es in durchaus statthafter Weise auf die beim Beschwerdeführer 1 erwo-
genen Unglaubhaftigkeitselemente hingewiesen hat (vgl. Verfügung betr.
Beschwerdeführende 2-7, II, E. 1a). Da diese zu bestätigen sind, haben sie
zwangsläufig nachteilige Auswirkungen auf die Glaubhaftigkeitsbeurteilung
von konnexen Vorbringen der Beschwerdeführenden 2-7, zumal letztere –
berechtigterweise – die vernetzte Betrachtung der Verfolgungsvorbringen
sämtlicher Beschwerdeführenden verlangen. Auch hat die Vorinstanz zu-
treffend ihr für die Glaubhaftigkeitsbeurteilung bedeutsames Erstaunen
darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Eltern mit zwei Kindern im (...)
2014 nach Syrien, dem Ort ihrer behauptungsgemässen Verfolgung und
Bedrohung durch das syrische Regime und durch die PKK, zurückgekehrt
sind.
Der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden 2-7 und der
persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers 2 massiv abträglich
ist sodann die Tatsache, dass letzterer angeblich einer verfolgungsbeding-
ten Passsperre unterliege, sich am (...) 2019 aber nachweislich durch das
Syrische Konsulat in Genf einen Reisepass hat ausstellen lassen können.
Diese Tatsache hat er dem SEM nicht nur während eineinhalb Jahre ver-
schwiegen, sondern das Dokument während dieser Zeit pflichtwidrig auch
nicht dem SEM abgegeben. Dies erstaunt umso mehr, als der Beschwer-
deführer 2 in seiner Rechtsmitteleingabe rügt, das SEM habe das gegen
ihn verhängte Passverbot weder sachverhaltlich erfasst noch gewürdigt.
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Seite 25
7.2.2 Auch die Beweismittelwürdigung durch das SEM ist nicht zu bean-
standen:
Insbesondere der eingereichte Marschbefehl des Beschwerdeführers 1
wurde entgegen dessen Einwand vom SEM durchaus sachverhaltlich er-
fasst, somit beachtet und – zutreffend – dergestalt gewürdigt, dass er einen
geringen Beweiswert aufweise. Von einer faktischen Rechtsverweigerung
kann somit keine Rede sein und es trifft offensichtlich auch nicht zu, dass
das SEM den Marschbefehl implizit als Fälschung qualifiziere, wenn es von
einem reduzierten Beweiswert ausgeht. Die überaus unstimmigen Aussa-
gen des Beschwerdeführers 1 zum Marschbefehl und zu den weiteren
Dienstaufbietungen mindern den Beweiswert des Dokumentes zusätzlich
und der Umstand einer per Marschbefehl erfolgten Diensteinberufung ohne
vorgängige medizinische Musterung und Ausstellung eines Dienstbüch-
leins wirft selbst unter Berücksichtigung kriegsbedingter Abweichungen
von zuvor standardisierten Vorgehensweisen der syrischen Behörden wei-
tere Zweifel am Militärdienstaufgebot auf. Der Einwand, wonach sich die
Glaubhaftigkeit einer Militärdienstpflicht schon aus seinem damals einge-
tretenen wehrpflichtigen Alter ergebe, ist zwar beachtenswert. Dennoch
kann daraus nicht schon eine tatsächlich erfolgte Einberufung und schon
gar nicht als direkte Folge eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame Verfolgung
abgeleitet werden (vgl. Art. 3 Abs. 3 AsylG). Die Frage, ob der Beschwer-
deführer den somit vorfluchtweise zu verneinenden Tatbestand der Dienst-
verweigerung allenfalls in Zukunft erfüllt und er daraus eine flüchtlings-
rechtlich relevante Furcht vor ernsthafter Benachteiligung ableiten kann, ist
vorliegend ebenso abschlägig zu beantworten. Zwar wäre eine Furcht des
Beschwerdeführers vor einer militärischen Musterung und Rekrutierung
durch die syrische Armee für den Fall einer Rückkehr nach Syrien keines-
falls von der Hand zu weisen. Damit ist aber selbst im syrischen Kontext
noch keine begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG verbunden. Die blosse Tatsache, im dienst-
pflichtigen Alter zu sein, genügt zur Darlegung einer begründeten Furcht
nicht. Die Möglichkeit, zukünftig in den Militärdienst eingezogen zu werden,
ist per se nicht asylrelevant, denn es fehlt an einer relevanten Verfolgungs-
motivation und an einer – im Sinne der Begründetheit der Furcht – genü-
gend hohen Wahrscheinlichkeit, dass im Verweigerungsfall überhaupt eine
Strafe drohen würde. Der Beschwerdeführer 1 ist nicht als Unterstützer ei-
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Seite 26
ner gegnerischen Konfliktpartei oder als politaktivistisch vorbelasteter Re-
gimegegner aufgefallen. Mit dem Ergebnis einer weder glaubhaften noch
asylrelevanten Refraktion des Beschwerdeführers 1 verliert das Argument
der Beschwerdeführenden 2-7 betreffend eine durch dessen Dienstverwei-
gerung mittelbar ausgelöste Gefährdungslage ihrer selbst die Angriffsflä-
che.
Im Weiteren kann betreffend die behauptungsgemäss aus den geleakten
Datensätzen und Fahndungslisten hervorgehende behördliche Suche
nach den Beschwerdeführenden 1 und 2 infolge Militärdienstverweigerung
auf die Würdigung des SEM in den ergänzenden Vernehmlassungen (vgl.
oben E. 6.5) verwiesen werden. Die beiden Beschwerdeführer beschrän-
ken sich replikweise auf die Bekräftigung der Echtheit der Listen und die
Angabe eines einzigen Falles (mittels N-Nummer), der zu Asyl geführt
habe, ohne indessen hierzu Details zu nennen oder die diesbezüglich be-
deutsamen Gutheissungsmotive des SEM zu erwähnen. Betreffend den
Beschwerdeführer 2 erstaunt im Übrigen nicht nur die Diensteinberufung
von Personen seines Jahrgangs, sondern auch der Eintrag eines Reise-
verbots, das er in seinem Begleitbrief vom 22. Juni 2018 noch bekräftigt.
Dieses Reiseverbot verträgt sich nicht mit der Tatsache der ein halbes Jahr
später erfolgten Ausstellung eines Reisepasses durch die syrischen Behör-
den. Nach dem Gesagten hatte das SEM auch keine rechtsgenügliche Ver-
anlassung zur Vornahme weiterer Abklärungen in diesem Kontext.
Auch die vom Beschwerdeführer 2 mittels Beschwerdeergänzung einge-
reichten weiteren Beweismittel (Kopien der Urteilsverkündung eines Kas-
sationsgerichts vom (...) 2007, Beschlagnahmebeschluss vom (...) 2001
sowie Mitteilung an die Militärstaatsanwaltschaft betreffend Zuführung we-
gen [...]) hat das SEM in seiner ergänzenden Vernehmlassung rechtskon-
form, insbesondere mit dem Verweis auf die Asylirrelevanz der damit ver-
suchsweise untermauerten Sachverhaltsvorbringen, gewürdigt. Darauf
kann verwiesen werden. Unbesehen davon weisen die Dokumente auch
inhaltlich noch keineswegs zwingend auf eine flüchtlingsrechtlich bedeut-
same Verfolgungssituation hin (Urteilsverkündung betreffend eine aus un-
bekannten Gründen verhängte Geldbusse, Beschlagnahmebeschluss
zwecks Sicherstellung finanzieller Ansprüche des Staates [Bussen und Ge-
bühren unbekannter Ursache] sowie blosse Zuführungsmitteilung).
E-6915/2016 und E-6917/2016
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7.2.3 Soweit sich die Beschwerdenargumentation gegen die vorinstanzlich
erkannte Asylirrelevanz richtet, ist vorab auf die Erwägungen oben betref-
fend Dienstverweigerung zu verweisen und im Weiteren festzuhalten, dass
Sachverhaltsteile, die sich gemäss den Erwägungen oben als unglaubhaft
erwiesen haben, unter dem Aspekt ihrer flüchtlingsrechtlichen Beachtlich-
keit nach Art. 3 AsylG keiner Prüfung mehr zugänglich sind, da somit keine
verwertbare Subsumptionsgrundlage besteht. Die in der angefochtenen
Verfügung gewonnenen Erkenntnisse einer nicht asylrelevanten Benach-
teiligungs- und Gefährdungslage insbesondere der Beschwerdeführenden
2-7 ist ohne Abstriche zu stützen; auf die betreffenden Erwägungen kann
verwiesen werden. Dies gilt im Speziellen betreffend den dahingefallenen
Kausalzusammenhang zwischen den je mehrere Jahre vor der Ausreise
stattgefundenen Verfolgungsvorbringen und der Flucht. Daran ändert auch
der Umstand nichts, dass dem Beschwerdeführer 2 eine zwar diffuse, aber
nicht gänzlich in Abrede zu stellende frühere Rolle zwischen dem Regime
und der PKK zuzusprechen ist. Ebenso wenig ist für das Gericht nachvoll-
ziehbar, inwiefern der angebliche Umstand, dass Name und Eigenschaft
des Beschwerdeführers 2 als PKK-Aktivist und Regimegegner den Behör-
den bekannt gewesen seien, die Erkenntnis eines fehlenden Kausalzu-
sammenhanges umstossen sollte. Das SEM hat bei der Asylrelevanzbeur-
teilung insbesondere auch zutreffend auf die mehrtägige Rückkehr der Be-
schwerdeführenden 2, 3, 6 und 7 im (...) 2014 nach Syrien hingewiesen.
Diese lässt die Annahme einer begründeten Furcht vor flüchtlingsrechtlich
bedeutsamen Benachteiligungen klar in den Hintergrund rücken. Die dies-
bezüglichen Erklärungsversuche in der Beschwerde (wichtige, wenngleich
risikobehaftete Teilnahme an der Trauerfeier einer verstorbenen Tante)
sind weder stichhaltig noch überzeugend, zumal es sich bei der Verstorbe-
nen nicht um ein nahes Familienmitglied gehandelt hat und die Beschwer-
deführenden 2 und 3 bei hypothetischer Annahme eines hohen Gefähr-
dungsrisikos kaum ihre damals [kleinen Kinder] mitgenommen hätten. Die
gewonnen Erkenntnisse einer nicht in asylrelevanter Weise begründeten
Furcht vor (unmittelbar persönlicher oder mittelbar reflexiver) Verfolgung
durch die syrischen Behörden wird schliesslich durch die Tatsache unter-
mauert, dass der Beschwerdeführer 2 – seine Person ist Dreh- und Angel-
punkt der Asylbegründungen aller Beschwerdeführenden – sich im Jahr
2019 einen Reisepass durch die syrischen Behörden hat ausstellen lassen
E-6915/2016 und E-6917/2016
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können, was die Annahme eines Pass- und Reiseverbots sowie mithin ei-
ner aktuellen, staatlich zurechenbaren Verfolgungslage weit in die Ferne
rücken lässt.
Betreffend die Demonstrationsteilnahme des Beschwerdeführers 5 in Sy-
rien ist den Erwägungen des SEM nichts hinzuzufügen. Der blosse Hinweis
in der Beschwerde, wonach wohl auch einfache Teilnehmer von Demonst-
rationen einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien, greift zu kurz. Eine
konkrete und individuell zielgerichtete Verfolgungsgefahr lässt sich aus die-
sem substanziell dünn, vage und allgemein bleibenden Vorbringen nicht
ableiten.
7.2.4 Im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene
oder zu befürchtende Nachteile (mitsamt damit verbundenen Nachteilen
wirtschaftlicher und beruflicher Art) weisen im Übrigen in Stützung der vor-
instanzlichen Erkenntnisse keine Asylrelevanz auf, soweit sie nicht auf der
Absicht beruhen, einen Menschen aus den in Art. 3 AsylG erwähnten Grün-
den zu treffen. Bislang hat das Bundesverwaltungsgericht bürgerkriegsbe-
dingten Gefährdungslagen und der Volatilität und Dynamik der Kriegsent-
wicklung in Syrien ausschliesslich unter dem Aspekt der Zumutbarkeits-
frage nach dem AIG Rechnung getragen. Von solchermassen mit den an-
gefochtenen Verfügungen gewährten vorläufigen Aufnahmen haben auch
die Beschwerdeführenden profitiert. Eine darüber hinausgehende, bei
ihnen konkret bestehende und flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit aufwei-
sende Gefährdungs- oder Bedrohungslage liegt, wie erwogen, nicht vor.
Die verschiedenen von den Beschwerdeführenden angeführten Berichte
zur volatilen allgemeinen Lage in Syrien oder spezifischen Teilen im Nord-
westen des Landes sowie zur Wiedererstarkung des syrischen Regimes
infolge Verbündungen finden daher für die vorliegende Urteilsfindung keine
weitergehende Berücksichtigung.
7.2.5 Die Frage, ob die Beschwerdeführer 1 und 2 nach Massgabe insbe-
sondere des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts D-3839/2013
vom 28. Oktober 2015 (vgl. dort insb. E. 6.4.2 f.) aufgrund ihrer exilpoliti-
schen Aktivitäten als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen
Behörden geraten seien, ist zu verneinen: Diese Vorbringen gehen nicht
über den tiefen Konkretisierungsgrad einer Demonstrationsteilname des
Beschwerdeführers 2 in K._ hinaus. Weitere konkretisierende und
E-6915/2016 und E-6917/2016
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Substanz aufweisende Angaben zu Art und Umfang des Exilaktivismus und
den dabei eingenommenen Funktionen und Exponierungen der beiden
fehlen weitgehend.
Gemäss Praxis führt im Übrigen eine (behauptungsgemäss) illegale Aus-
reise aus Syrien und ebenso das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland
noch nicht zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer flüchtlingsrechtlich bedeutsamen
und menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden.
7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden
keine Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma-
chen konnten und sie somit – wie vom SEM zutreffend erkannt – aus den
geltend gemachten Vor- oder Nachfluchtgründen weder einen Anspruch
auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft noch auf Gewährung des Asyls
ableiten können. Ebenso wenig besteht Anlass zur erneuten Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen
Bundesrecht nicht verletzen und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf
die weiteren Inhalte der Beschwerden, Stellungnahmen und Beschwerde-
ergänzungen sowie auf die vorgelegten Beweismittel weiter einzugehen,
da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerden sind
abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang der Verfahren wären die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Er-
hebung ist jedoch in Berücksichtigung der mit Zwischenverfügungen je
vom 16. November 2016 gutgeheissenen Gesuche um Erlass der Verfah-
renskosten zu verzichten.
E-6915/2016 und E-6917/2016
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