Decision ID: 88d495bc-643a-424f-aeae-d457aed56db6
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963, war
nach ihrer Einreise
in der Schweiz als Betriebs
mitarbeiterin, angelernte Fotolaborantin und zuletzt
bis am 20.
September 2008 teilzeitlich
als Verkäuferin tätig (Urk.
6/1). Am
13.
Januar 2007 verursachte die Versicherte als Personenwagenlenkerin einen Selbstunfall (Urk.
6/
47/25-36). Anschliessend klagte sie über Konzentrationsstörungen
und Vergesslichkeit
, weshalb am 20. Februar 2007 ein CT des Schädels durchgeführt wurde
(Urk.
6/47/37). Am
26.
November 2009
meldete sie sich
bei der Eidge
nössischen Invalidenversicherung wegen Depressionen, Burnout und verringer
ter Belastungsfähigkeit zum Leistungsbezug an (Urk.
6/3)
, wobei sie a
m 6.
Januar 2010 präzisierte, dass sie Massnahmen für die berufliche Eingliede
rung beantrage (Urk.
6/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (Urk.
6/8,
Urk.
6/12, Urk.
6/13, Urk.
6/32-34
, Urk.
6/57/5-7
).
Nach
erfolglos
durchgeführ
ten Arbeitsvermittlungsbemühungen
(Urk.
6/37)
teilte die IV-Stelle der Versi
cherten
am 12. Januar 2011
mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde, da es seit dem 14.
April 2010 nicht gelungen sei, sie innert angemesse
ner Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zudem benötige es gemäss
der Interinstitutionellen Zusammenarbeit (
IIZ
)
Koordination
Y._
weitere medizi
nische Abklärungen und sei eine Arbeitsvermittlung in den
ersten
Arbeitsmarkt nicht angezeigt (Urk.
6/36).
Seit dem 6.
Oktober 2010 ist die Versicherte dreimal wöchentlich vier Stunden in einem Beschäftigungsprogramm bei der
Z._
GmbH tätig (Urk.
6/37/7, Urk.
6/60).
Im Rahmen der medizinischen Abklä
rungen
beauftragte die IV-Stelle
die Psychiatrische K
linik
A._
(
A._
)
mit einem psychiatrischen Gutachten, welches am 16.
Juni 2011 erstattet wurde (Urk.
6/47) und anschliessend die ME
D
AS
O._
mit einem polydisziplinären Gutachten, welches am 12.
Dezember 2012 erstattet wurde (Urk.
6/56).
Mit Vorbescheid vom 19.
Februar 2013 wurde der Versicherten
mit
geteilt, dass die IV-Stelle von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
ausgehe, wes
halb kein Rentenanspruch bestehe
(Urk.
6/58). Die Versicherte liess dagegen am 14.
März 2013 Einwand erheben (Urk.
6/61) und diesen innert erstreckter Frist am 26.
März 2013 begründen (Urk.
6/64). Mit Verfügung vom 10.
Mai 2013 entschied die IV-Stelle im Sinne
ihres
Vorbescheids (Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Hans Stünzi, am 10.
Juni 2013
beim
Sozialversicherungsgericht Beschwerde erheben
und die
Rückweisung der Sache beantragen
. Eventuell sei ihr ab 1. Dezember 2010 eine ganze Rente zuzusprechen
(Urk.
1). Die IV-Stelle beantragte am 13.
August 2013 die Abweisung der Beschwerde (Urk.
5).
Mit Verfügung vom 26.
August 2013 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet, am 18.
September 2013
erfolgte die Replik und die IV-Stelle teilte am 24.
Oktober 2013 mit
,
auf eine Duplik zu verzichten (Urk.
7, Urk.
9, Urk.
12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei ps
ychischen Fehlent
wicklungen nötig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinan
dersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen
Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfol
g
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c;
U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte in
der angefochtenen
Verfügung vom 10.
Mai 2013 aus, dass das medizinische Gutachten
der
A._
vom 16.
Juni 2011 aus versiche
rungsmedizinischer Sicht nicht plausibel nachvollziehbar sei. Im poly
diszipli
nären Gutachten vom 12.
Dezember 2012 seien die Schlussfolgerungen aus
führlich begründet und nachvollziehbar. Es habe keine schulmedizinische Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können und bei der Versicherten bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Im MEDAS-Gutachten sei nur verdachtsweise eine mittelgradige Depression für möglich gehalten
wor
den
, wobei dieser Diagnose das Merkmal der Dauerhaftigkeit fehle, weshalb sie auch bei Bestehen nicht invalidenversicherungsrechtlich relevant wäre. Auch einer lediglich als Verdacht diagnostizierten dissoziativen Störung gehe die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz ab, da sie typischerweise zu den nicht invalidisierenden Störungen ohne objektiv
ierbares Korrelat gezählt werde
.
Daher werde im Gutachten der MEDAS
O._
von einer fehlenden medizinisch-theoretisch ausgewiesenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen und erweise sich eine
stationäre
psychiatrische Abklärung somit als entbehrlich (Urk.
2).
2.2
Die Versicherte liess
in der Beschwerde vom 10.
Juni 2013
beantragen, die Ange
legenheit sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Wenn die Gut
achter
der MEDAS
O._
selbst ausführten, eine stationäre Abklärung in einer psychiatrischen Klinik sei notwendig
,
um
die Arbeitsfähigkeit einzu
schätzen, dann habe der Versicherungsträger diese Abklärung von Amtes wegen vorzunehmen. Die Zumutbarkeit einer stationären Abklärung in einer psychiat
rischen Klinik werde ausdrücklich anerkannt und sie werde an einer solchen mitwirken. Evenutaliter liess sie die Zusprechung einer ganzen Rente basierend auf dem Gutachten der
A._
beantragen (Urk.
1).
Weiter liess die Beschwerdeführerin in der Replik vom 18.
September 2013 aus
führen, die IV-Stelle habe es unterlassen, nachvollziehbar zu begründen, wes
halb das Gutachten der
A._
nicht plausibel nachvollziehbar sein solle
,
und
sie lese
das Gutachten der MEDAS
O._
nur selektiv (Urk.
9).
3.
3.1
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
erhob
im Bericht vom 18.
Januar 2010
die Diagnose einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10 F43.21). Er hielt
fest, die Versicherte klage über Müdigkeit, Traurigkeit, Schlafstörungen, andauernde Zahnschmerzen für welche kein Grund gefunden werde, Hoffnungslosigkeit und Antriebslosig
keit.
Es seien
eine depressive Ver
stimmung mit Energielosigkeit, Adynamie
, Tagesmüdigkeit, Schlafstörungen, Gedankenkreisen um ihre Unfähigkeit
,
das Leben zu meistern, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie ein starke
r
soziale
r
Rückzug
festzustellen
.
Antidepressiva habe die Versicherte schon in kleinen Dosen nicht vertragen und die Medikamente hätten auch nicht gehol
fen. Zu tiefgründigen Gesprächen sei die Versicherte aus kulturellen und sprachlichen Gründen nicht in der Lage.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
B._
fest, es brauche dringend Wiedereingliederungsmassnahmen
,
um die Versicherte wieder schrittweise ins Arbeitsleben zu integrieren. Die Depression sei besse
rungsfähig, so dass längerfristig wieder mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne
(Urk.
6/12).
Im Verlaufsbericht vom 8.
März 2011 gab
Dr.
B._
die geänderte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.01
)
sowie de
n
Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) an. Er führte aus, die Störungen seien seit dem Jahr 2008 in mittlerem Ausmass vorhanden und seit Januar 2010 unverändert. Die Versicherte besuche seit Oktober 2010 an drei Tagen in der Woche je vier Stunden ein Arbeitsintegrationsprogramm, habe dort
jedoch
offenbar ihre Arbeitsleistung nicht wesentlich steigern können. Die Prognose sei seiner Ansicht nach im Prinzip gut und er habe keine Erklärung
dafür, weshalb das Arbeitsintegrationsprogramm keine Erfolge
erziele
(Urk.
6/38).
3.2
Das von
de
r IV-Stelle in Auftrag gegebene psychiatrische
Gutachten der
A._
datiert
vom 16.
Juni 2011
(Urk. 6/47
/1
)
. Da es allerdings Untersuchungsergeb
nisse bis und mit dem MRI des Schädels vom
8.
September 2011 berücksichtigt
hat
, muss es nach diesem Datum abgeschlossen worden sein (
Urk.
6/47/2,
Urk.
6/47/
38-39
).
Zunächst wurden
der Krankheitsverlauf, die geklagten Beschwerden, die soziale Situation, die persönliche Anamnese, die Sys
temanamnese und Fremdanamnesen bei behandelnden Ärzten, einer früheren Arbeitgeberin und dem Arbeitsintegrationsprogramm erhoben
(Urk. 6/47/7-14, Urk.
6/47/16-18)
.
Es wurde festgehalten,
Dr.
B._
habe am 9.
August 2011 telefonisch insbesondere ausgeführt, ein Behandlungsversuch mit Cipralex über vier Monate und ein Versuch mit Yarsin über längere Zeit hätten keine Verbes
serung gebr
acht. Die übrigen Antidepressiva
habe die Versicherte alle wegen Nebenwirkungen (erbr
e
chen, doppelt sehen, unwohl
fühlen) absetzen müssen (Urk.
6/47/17).
Es wurde die Diagnose einer anderen psychischen Störung auf
grund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperli
chen Krankheit / organisch emotional labile (asthenische) Störung (ICD-10 F06.6) gestellt. Zudem wurde ein Status nach
einem
Autounfall vom 13.
Januar 2007 erwähnt sowie ausgeführt, dass sich im MRI des Schädels vom 7.
September 2011 mikroangiopathische Veränderungen im Marklager und juxtakor
t
i
kal bilateral fronto
-parietal gefunden hätten
.
D
ie Versicherte nehme keine Medikamente ein
(Urk. 6/47/18-19
) und
gemäss
ihren Äusserungen stü
n
den
als
Symptome
die
Konzentrationsschwierigkeiten,
die
Vergesslichkeit,
die
bedrückte Stimmung,
das
Morgentief,
die
Ein- und Durchschlafstörungen,
die
Kopfschmerzen,
der starke soziale
Rückzug sowie
die
Zukunftsängste im Vor
dergrund.
D
iese Symptome sowie ein frontaler Druckkopfschmerz mit Beteili
gung der Augen, ein unspezifischer Schwindel mit Gleichgewichtsstörungen sowie Nackenverspannungen seien nach dem Autounfall vom 13.
Januar 2007 aufgetreten.
A
nlässlich der
psychopathologischen
Untersuchung
hatten sich
eine
örtlich unscharf
e
Orientierung
, eine schwere Merkfähigkeitsstörung, eine mittelgradige Gedächtnisstörung sowie eine Konzentrationsstörung gezeigt
(Urk. 6/47/19)
.
Die Testergebnisse der
neuropsychologischen Untersuchung
konnten gemäss den Gutachtern nicht verwertet werden
, da der Eindruck ent
standen s
ei
, dass die Versicherte ein
e Tendenz zur Aggravation zeige
(Urk.
6/47/20)
.
Die Gutachter gingen davon aus, dass
die
i
m MRI dargestellten Läsionen
mangels anderer Ursachen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine
Folge des Autounfalles vom 13.
Januar 2007 und hauptverantwortlich für die kogniti
ven und emotionalen Defizite seien
(Urk.
6/47/20)
.
Zur Arbeitsfähigkeit wurde
festgehalten, es bestehe
seit dem 13.
Januar 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit für die bisherige Tätigkeit und allgemein für den ersten Arbeitsmarkt. Im geschützten Bereich
habe aber
über die ganze Zeitdauer eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
bestanden
. Die Aufgaben im Haushalt sollte die Versicherte trotz ihrer psychischen Beschwerden wahrnehmen können
(Urk.
6/47/20-23
)
. Schliesslich wurde
noch darauf hingewiesen,
im MRI des Schädels sei ein kleines Aneu
rysma festgestellt worden und zu
m Ausschluss weiterer Aneurysmen
sowie zur besseren Charakterisierung dieses Aneurysmas werde eine konventionelle
Angi
ographie empfohlen (Urk.
6/47/24).
3.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in der Stellungnahme vom 14.
November 2011 fest, sie habe den Fall mit ihrem
Kollegen, dem
RAD-
Arzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, diskutiert und das
A._
-
Gutachten sei aus medizinischer Sicht nicht plausibel nachvollziehbar. Es werde eine weitere neurologische, psychiatrische und neuropsychologische Abklärung empfohlen (Urk.
6/57/6). Daraufhin gab die IV-Stelle ein solches polydisziplinäres Gutach
ten
bei der MEDAS
O._
in Auftrag
(Urk. 6/49)
.
3.4
Für das
von der IV-Stelle in Auftrag gegebene
polydisziplinäre
Gutachten der MEDAS
O._
vom 12.
Dezember 2012 wurde die Versicherte
neu
ropsychologisch,
psychiatrisch,
neurologisch
und allgemeininternistisch abge
klär
t
(Urk. 6/55)
.
Es wurden die Krankheitsgeschichte und die Unterlagen über den beruflichen Werdegang und die psychosoziale Situation berücksichtigt, ins
besondere das Gutachten der
A._
(
Urk.
6/56/2-12). Die Gutachter erhoben die Familienanamnese, die Sozial- und Berufsanamnese, die persönliche Anamnese, die geklagten Beschwerden und die systematische Anamnese
,
wobei dies durch die Schwerbesinnlichkeit der Versicherten und ihre Schwierigkeiten, auf eine Frage eine präzise Antwort zu geben, deutlich erschwert worden sei
.
Es wurde festgehalten, als
Medikament nehme die Versicherte Aspirin ein, wobei die Dosierung unklar sei und sie dieses Medikament sicherlich nicht täglich ein
nehme
(Urk.
6/56/13-17
,
Urk.
6/56/19-23
).
Als Hauptbefund wurde
in der zusammenfassenden Beurteilung, welche auf einer Schlussbesprechung aller beteiligten Fachleute, nach einem vorgängig im Zirkulationsverfahren erarbei
teten Konsensfindungsprozess, beruhte,
eine deutliche mentale Antriebslosigkeit und
,
als damit im Zusammenhang stehend
,
eine Art
Schwerbesinnlichkeit sowie eine spürbare Müdigkeit geschildert
(Urk.
6/56/23)
. Als deren Ursache habe die Versicherte ihre schwere Müdigkeit im ganzen Körper
,
und somit auch im Kopf mit negativen Auswirkungen auf ihre Konzentrationsfähigkeit
,
benannt.
Die für das Verständnis der Person in der Gegenwart wichtigen Themen wie Kindheit, Jugendzeit, ungewollte Schwangerschaft als Studentin, das Verschwinden des
Kindsvaters, die Unmöglichkeit das Studium abzuschliessen, die Kriegsaspekte, die Migration, die Beziehung zum Exmann und der Leidensverlauf nach dem Unfall im Jahr 2007 seien weitgehend in einer Art Nebel verborgen geblieben
(Urk.
6/56/23)
.
Neurologischerseits seien die g
eklagte Adynamie und Schlaflo
sigkeit nicht zu erklären.
Insbesondere sei es wenig wahrscheinlich, dass die Adynamie im Zusammenhang mit den im MRI nachgewiesenen unspezifischen, möglicherweise mikroangiopathischen zerebralen Läsionen
stehe
. Und diese Läsionen wiederum seien überwiegend wahrscheinlich nicht Folgen des Auto
unfalls
im
Januar 200
7.
Diesbezüglich sei die gegenteilige Einschätzung im
A._
-Gutachten nicht nachvollziehbar
(Urk. 6/56/24)
.
Anlässlich der neuropsy
chologischen Testung habe die Versicherte ähnlich wie bei der letzten Testung vor einem Jahr
in der
A._
wiederum weitgehend massiv verminderte Leistun
gen erbracht, wobei die Befunde wiederum nicht nachvollziehbar gewesen seien und sich gezeigt habe, dass die Anstrengungsbereitschaft nicht gegeben gewe
sen sei. Zudem habe die Versicherte im Gesprächsverhalten plötzlich dynamisch gewirkt, habe schnell gesprochen, nicht mehr antriebsgemindert gewirkt und Antwort geben können
(Urk.
6/56/24-25)
. Von Seiten der Psychiatrie her habe aufgrund der erschwerten Anamnese, der widersprüchlichen Angaben und de
r
Auffälligkeiten in den zwei neuropsychologischen Tests nur Vermutungen bezüglich einer allfälligen Psychopathologie angestellt werden können.
A
n sich liege aufgrund des aktuellen Psychostatus eine Depression mittelgradigen Aus
masses vor, doch aufgrund der verschiedenen Beobachtungen sei diese Diag
nose nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit plausibel
(Urk.
6/56/25)
.
Gemäss dem psychiatrischen Gutachter
seien
Zweifel angezeigt, da die Versicherte in Untersuchungssituationen, in welchen sie keine Defizite habe zeigen müssen oder sollen, affektiv
deutlich unauffälliger gewesen se
i
. Zwar sei sie während der psychiatrischen Untersuchung in gedrückter Grund
stimmung geblieben, doch auch hier habe das Auftreten nicht vollkommen schlüssig gewirkt, wobei der Wechsel zwischen ernst und jugendlich irritierend gewirkt habe (Urk.
6/56/37).
Eine organisch
-
depressive Störung wäre wahr
scheinlich gewesen, wenn die zerebralen Läsionen aktuell neurologischerseits nicht so stark abgeschwächt bewertet worden wären. Für das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung spreche nichts. Möglich sei das Vorliegen einer dissoziativen Störung, welche die verschiedenen Auffälligkeiten, Gedächtnislü
cken und Widersprüche erklären könnte. Möglich wäre auch das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode und bezüglich der Vergangenheit bestehe der Verdacht eines Status nach einer posttraumatischen Belastungsstörung
(
Urk.
6/56/25)
.
Zusammenfassend wurde ausgeführt, dass bei der sehr auffälligen und wider
sprüchlichen Versicherten keine schulmedizinischen Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gestellt werden könne. Da aber insbesondere eine dissoziative Störung nicht ausgeschlossen werden könne, werde man der Versicherten versicherungsmedi
zinisch nur dann gerecht, wenn sie unter stationären Bedingungen über einen genügend langen Zeitraum psychiatrisch beobachtet werden könne. Aus gesamtgutachterlicher Sicht komme im Ü
b
rigen auch eine Neurasthenie in Frag
e (
Urk.
6/56/25)
.
Zudem wurde unter den Diagnosen ohne wesentliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, unter anderem der Verdacht auf eine mittelgradige Depression (ICD-1
0
F32.1)
beziehungsweise die Differentialdiagnose
eine
r organischen depressiven Störung (ICD-10 F06.32)
erwähnt
(Urk.
6/56/26)
.
Es wurde ausgeführt, unter
stationären Bedingungen könne auch klarer Stellung genommen werden zur Thematik einer Regression respektive einer Aggravation oder Simulation. Dass wohl nicht nur eine Aggra
vation oder Simulation vorliege, lasse sich aufgrund der übereinstimmenden Fremdbeobachtungen am letzten Arbeitsplatz sowie im aktuellen Beschäfti
gungsprogramm und somit über einen langen Zeitraum vermuten
(Urk.
6/47/26)
.
Weiter wurde aus neurologischer Sicht eine fachärztliche Ab
klärung der Kiefergelenke als mögliche Co-Faktoren an den Gesichtsschmerzen empfohlen. Wegen des 2011 entdeckten Aneurysmas sei eine entsprechende Angiographie empfehlenswert
(Urk.
6/56/27)
. Schliesslich wurde
abschliessend
festgehalten, die Quintessenz des Gutachtens bestehe darin, dass eine stationäre psychiatrische Ab
klärung
durchgeführt werden solle, um eine Psychopathologie mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachzuweisen respektive ausschliessen zu können
(Urk.
6/5
6/27
).
3.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin, vom RAD führte in seiner Stel
lungnahme vom 19.
Dezember 2012 aus, die Schlussfolgerungen des Gutachtens der MEDAS
O._
seien ausführlich begründet und nachvollziehbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit nachgewie
sen, weshalb eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Kundenberaterin beziehungsweise Verkäuferin bestehe (
Urk.
6/57/7).
3.6
Die
Betriebsleitung der
Z._
GmbH führte in ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vom 7.
März 2013
zu Handen der Versicherten
aus, die
se
s
ei
körperlich und psychisch kaum belastbar. Sie arbeite drei Halbtage die Woche, wobei es ihr einigermassen gut gehe, wenn sie dazwischen jeweils einen Tag frei habe. Wenn sie an zwei Halbtagen hintereinander zur Arbeit kommen müsse, könne sie sich kaum dazu aufraffen und sei merklich angeschlagen, wenn s
ie
doch
erscheine
. Die Versicherte leide unter Sehstörungen, Verspan
nungen, Kopfschmerzen und könne sich kaum konzentrieren. Sie arbeite lang
sam und bedächtig. Ihre Arbeitsleistung entspreche nicht dem, was für den ers
ten Arbeitsmarkt gefordert werde. In den letzten zwei Jahren seien nur mini
male Fortschritte erzielt worden, welche nichts mit der Verbesserung ihrer Gesundheit, sondern eher mit dem Aufgehobensein in einem vertrauten Umfeld zu tun hätten.
Die Versicherte benötige einen Arbeitsplatz in einem geschützten Umfeld, in welchem sie langsam, aber konstant an ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten könne, um diese beizubehalten und nicht ganz zu verlieren. Eine Steigerung dieser Leistungsfähigkeit sei zur Zeit nicht absehbar (Urk.
6/60).
3.7
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Anästhesiologie, vom RAD hielt in seiner Stellung
nahme vom
29.
April 2013 fest, im Gutachten der MEDAS
O._
habe keine Diagnose mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähig
keit gestellt werden können. Es sei nur verdachtsweise eine mittelgradige Depression für möglich gehalten worden, wobei dieser das Merkmal der Dauer
haftigkeit fehle, weshalb sie selbst bei Bestehen nicht versicherungsrechtlich relevant wäre. Auch einer lediglich als Verdacht diagnostizierten dissoziativen Störung gehe die versicherungsrechtliche Relevanz ab, da sie typischerweise zu den nicht versicherungsrechtlich relevanten Störungen ohne objektivierbares Korrelat gezählt w
erde
. Deshalb sei im Gutachten korrekt von einer medizi
nisch-theoretisch fehlenden ausgewiesenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen worden.
Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die
Z._
GmbH beziehe sich nicht auf medizinisch fassbare Befun
de
, weshalb darauf für die Beurteilung nicht abgestellt werden könne (Urk.
6/65/2).
4.
4.1
Das Gutachten der MEDAS
O._
vom 1
2.
Dezember 2012 (Urk. 6/56)
weicht vom Gutachten der
A._
vom
16. Juni 2011 (Urk. 6/47)
ab. Es wird im Gutachten der MEDAS
O._
nämlich
anders als im Gutachten der
a._
davon ausgegangen, dass die im MRI des Schädels ersichtlichen Läsionen keinen Zusammenhang mit dem Unfall vom Januar 2007 hätten und zudem nicht
ursächlich
für die psychischen Störungen seien
. Dazu ist anzumerken, dass
sich
die Gutachte
r
der
A._
auf ein durch die Klinik
G._
erstelltes
MRI des
Schädels
stützten
. Gemäss dem Bericht der Klinik
G._
vom 8.
September 2011
wurden unspezifische kleine fokale Läsionen im Marklager
und juxtakortikal bilateral fronto-parietal
gefunden, bei welchen es sich am ehesten um mikroangiopathische Veränderungen handle.
Diesem Bericht lässt sich nichts zu den Ursachen und Auswirkungen der Läsionen entnehmen (Urk.
6/47/38-39).
Das
A._
-Gutachten wurde ohne Beizug eines Neurologen durchgeführt. Die
Richtigkeit des
A._
-Gutachtens wurde
von einem beim RAD
angestellten
Neurologen bezweifelt
, weshalb
die IV-Stelle ein
weiteres
Gutach
ten bei der MEDAS
O._
in Auftrag
gab
.
D
ie Gutachter der MEDAS
O._
, unter ihnen ein
e
Fach
ä
rzt
in
der Neurologie,
gelangten
im Rah
men eines polydisziplinären Gutachtens
daraufhin
zum Schluss, dass diese Läsionen
sehr wahrscheinlich
nicht
durch den
Unfall vom Januar 2007 entstan
den
seien
und keine
Adynamie oder Insomnie mit Ein- sowie Durchschlafstö
rungen bewirkten (Urk.
6/56/43).
Daher
ist auf die neurologisch fachärztlich begründete Meinung abzustellen und somit davon auszugehen, dass das
von psychiatrischen Fachärzten verfasste
A._
-Gutachten diesbezüglich nicht zu überzeugen vermag
, weshalb auch die Diagnose einer psychischen Störung auf
grund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperli
chen Krankheit / organisch emotional labile (asthenische) Störung (ICD-10 F06.6) nicht nachvollziehbar ist
. Die IV-Stelle stützte sich
somit
zu Recht nicht auf das Gutachten der
A._
ab
. Im Übrigen wurde
in beiden Gutachten wegen des Aneurysmas eine entsprechende Angiographie
sowie aufgrund des Alters der Versicherten ein Verlaufs-MRI empfohlen, wobei diese Empfehlung soweit ersichtlich noch nicht
umgesetzt worden ist.
4.
2
Die IV-Stelle
stellte gemäss
der angefochtenen
Verfügung vom 1
0.
Mai 2013
(
Urk.
2)
auf das Gutachten der MEDAS
O._
vom 1
2.
Dezember 2012 (
Urk.
6/56)
ab.
In der Einleitung dieses Gutachtens wird
,
wie von der Versicher
ten zu Recht kritisiert
,
fälschlicherweise festgehalten, die Versicherte arbeite seit dem 23.
November 2009
in einem Pensum von
50
%
und sei als Kundenberate
rin in einem Anstellungspens
um von 50 bis 80 erwerbstätig, obwohl
die Versi
cherte seit dem September 2008 keiner bezahlten Erwerbstätigkeit mehr nach
g
eht
(
Urk. 1,
Urk.
6/3/6,
Urk. 6/32-34, Urk. 6/37,
Urk.
6/56/1
).
Anzumerken ist zwar, dass dieser Fehler in der Einleitung den psychiatrischen Gutachter irritierte, was dieser in seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit so festhielt (Urk. 6/56/37).
Allerdings wurde die Berufsanamnese sowie der Tagesablauf im Gutachten
sodann
korrekt erhoben (Urk.
6/56/10-14, Urk.
6/56/20-21). Auf dieser korrekt ermittelten Ausgangslage basierte auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
(Urk.
6/56/26-27), welche sicherlich bei mindestens 50
% fest
gehalten worden wäre, wenn
die Gutachter
von einem
aktuell
gearbeiteten Pensum in diesem Umfang ausgegangen
wären
.
Im
Gutachten der MEDAS
O._
konnte
weder eine
abschliessende
psychiatrische
oder
neuropsychologische
Diagnose gestellt werden noch eine konkrete Äusserung zur Arbeitsfähigkeit erfolgen
(Urk.
6/56/49, Urk.
6/56/37)
. Soweit die IV-Stelle dieses Gutachten
in der Verfügung vom 1
0.
Mai 2013
(Urk. 2)
in dem Sinne verkürzt wiedergibt, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne und deshalb
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sei
(Urk.
2)
, greift dies zu kurz. Die Gutachter
der MEDAS
O._
führ
t
en vielmehr
ausdrücklich mehrfach
aus, dass weitere Abklärungen mittels eines stationären
psychiatrischen
Aufenthaltes nötig seien, um eine gesicherte Diagnose stellen
zu können
und sich
mit genü
gend hoher Wahrscheinlichkeit
zur Arbeitsfähigkeit äussern zu können, da ins
besondere unklar
sei
, ob und in welchem Umfang Aggravation und Simulation eine Rolle spielen
(Urk.
6/56/2
5
-
27)
. Auch zu berücksichtigen ist, dass
gemäss
Gutachten der MEDAS
O._
aufgrund der Rückmeldungen vom letzten Arbeitsort sowie der Institution, bei welcher die Versicherte zur Zeit ei
n Beschäftigungsprogramm besuche
, nicht von blosser Aggravation oder Simula
tion
über einen so langen Zeitraum hinweg
auszugehen sei
(Urk. 6/56/25)
. Für diese Ansicht spricht
auch
der
nach Gutachtenserstattung
von der Versicherten eingereichte
Bericht der
Z._
GmbH
vom
7.
März 2013
, bei welcher die Versicherte seit zwei Jahren ein Beschäftigungsprogramm besucht
(Urk. 6/60)
.
4.3
Die IV-Stelle führte
in ihrer Verfügung
vom 10.
Mai 2013
aus, ein solcher statio
närer psychiatrischer Aufenthalt
wie im Gutachten der MEDAS
O._
empfohlen,
sei nicht notwendig, da die Verdachtsdiagnosen
der mittel
gradigen Depression und dissoziativen Störung
auch bei Zutreffen keinen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten
(
Urk.
2)
. Es ist zwar richtig, dass für
die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung von
dissoziative
n
Störungen und
von
einer
Neu
r
asthenie die ursprünglich für somatoforme Schmerzstörungen begründete Re
chtsprechung zur Anwendung kommt
(vgl.
das
Urteil des Bundes
gerichts
9C_398/2012
vom 2
7.
September 2012 E. 3.1,
BGE 137 V 64 E.
4.2). Dies b
edeutet jedoch, dass bei Vorhandensein einer solchen psychischen Störung die
von der R
echtsprechung festgelegten
K
riter
ien geprüft werden müss
en
, um die Frage beantworten zu können, ob einer solchen Störung doch ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
zukommt
.
Dabei ist insbesondere im Hinblick auf das allfällige Vorliegen einer psychi
schen Komorbidität darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung die
inva
lidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung nicht schlecht
hin auszuschliessen
ist
; deren Annahme bedingt jedoch, dass es sich nicht bloss um die Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein s
elbststän
diges, vom psychogenen
Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden h
an
delt.
Im Weiteren ist
vorausgesetzt, dass eine konsequente Depressi
onstherapie befolgt wird, deren
Scheitern das Leiden als resistent ausweist
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_454/2013 vom 29.
Oktober 2013 E.
4.1 mit weiteren Hin
weisen)
.
Ob die
Versicherte an einer solchen depressiven Störung leidet und ob diese genannten Voraussetzungen erfüllt
sind
, müsste
allenfalls
noch geklärt werden.
Im Übrigen kann im jetzigen Zeitpunkt auch das Vorliegen einer anderen, im Gutachten der MEDAS
O._
nicht aufgeführten psychischen Störung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, da in die
sem Gutachten keine abschliessende Diagnose gestellt werden konnte.
4.4
Das Gutachten der MEDAS
O._
lässt somit zusammengefasst die von der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 10.
Mai 2013
(Urk.
2)
gezogene Schlussfolgerung
nicht
zu, die Beschwerdeführerin sei in
der bisherigen
Tätig
keit zu 100
% arbeitsfähig.
Die angefochtene Verfügung
gibt das Gutachten der MEDAS
O._
diesbezüglich
falsch wieder und
erweist sich aus diesem Grund als unzutreffend, weshalb die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass die
angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen ist. Diese ist gehalten, das Verfahren unter korrekter Berücksichtigung der Feststellungen
im Gutachten der MEDAS
O._
vom 12.
Dezember 2012
(
Urk.
6/56)
fortzusetzen, wobei der empfohlene statio
näre Aufenthalt
im Vordergrund
stehen dürfte
.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) auf Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesgericht U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E.
6 mit Hinweis auf BGE 119 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E.
3). Die Kosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Ferner hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozess
-
entschädi
gung. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des
Obsiegens bemessen (
§ 34 Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt des Kantons Zürich). Unter Anwendung des gerichtsüblichen
Stundenan
satzes von Fr.
200.-- ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwer
deführerin eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr.
1‘9
00.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) zu bezahlen.