Decision ID: 418dd658-b0e8-4351-90a8-f8d1339e555b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Obhut und Unterhalt (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im vereinfachten  am Bezirksgericht Pfäffikon vom 22. März 2017 (FP160018-H)
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Rechtsbegehren: (Urk. 7/15 i.V.m. Prot. I S. 9 und S. 31)
Es sei die Vereinbarung der Parteien betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 22. März 2017 – was die Kinderbelange betrifft – zu genehmigen und im Übrigen sei von ihr Vormerk zu nehmen.
Verfügung des Einzelgerichts am Bezirk Pfäffikon vom 22. März 2017: (Urk. 2 = Urk. 7/56)
1. Der Sohn C._, geboren tt.mm.2013, wird für die Dauer des Verfahrens
unter die Obhut der Mutter gestellt.
2. Die Vereinbarung der Parteien vom 22. März 2017 wird – was die Kinderbe-
lange betrifft – genehmigt und im Übrigen wird von der Vereinbarung Vor-
merk genommen. Sie lautet wie folgt:
"1. Obhut und Besuchsrecht
a) Obhut
[...]
b) Besuchsrecht
Der Vater ist berechtigt und verpflichtet, den Sohn auf eigene Kosten wie folgt zu sich
oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
- an jedem zweiten Wochenende von Freitag, 17.30 Uhr, bis Montag nach Ende
des Schwimmunterrichts und in der darauffolgenden Woche von Dienstag, eine
Stunde vor der Frühberatung gemäss Plan Stellungnahme RAin Z._, bis
Mittwoch, 17.30 Uhr bzw. 12.00 Uhr falls der Vater arbeiten muss;
- von Karfreitag, 10.00 Uhr, bis Samstag 17.30 Uhr;
- jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr (von
10.00 Uhr bis 17.30 Uhr);
Weitergehende oder abweichende Wochenend-, Feiertags- oder Ferienkontakte nach
gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten.
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2. Weitere Vereinbarungen
Der Vater verpflichtet sich, der Mutter bis spätestens 20. April 2017 mitzuteilen, ob er
die Betreuung von C._ am Mittwoch Nachmittag bis 17.30 Uhr übernehmen
kann.
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Massnahmeverfahren
Die Parteien übernehmen die Gerichtskosten für das Massnahmeverfahren je zur
Hälfte und verzichten diesbezüglich gegenseitig auf eine Parteientschädigung. Die
Mehrkosten für einen begründeten Massnahmenentscheid trägt diejenige Partei, die
eine Begründung verlangt."
3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen werden im Endentscheid geregelt.
(4./5. Mitteilung, Rechtsmittelbelehrung)
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 1 S. 3):
"1. Die unterzeichnete Vereinbarung betreff Obhut und Besuchsrecht wird in folgenden Punkten widerrufen und sei neu wie folgt festzulegen: a. Der Vater sei berechtigt und verpflichtet, den Sohn auf eigene Kosten wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen: - Von Freitagabend 18 Uhr bis am Mittwochmorgen 8 Uhr und in der  Woche von Sonntagabend 19 Uhr bis Mittwochmittag 12 Uhr.
2. Der Unterhalt sei ab neuem Entscheid wie folgt zu regeln:
a. Der Vater zahlt der Mutter monatlich einen Beitrag von Fr. 80.00 für die Krankenkassenkosten. b. Der Vater leistet seinen Betreuungsunterhalt durch die eigene Betreuung des Sohnes zur hälftigen Zeit in natura. c. Ausserordentliche Kosten werden hälftig bezahlt und sind immer Ende Monat dem anderen Elternteil mit Beleg vorzulegen. d. Die Hilflosenentschädigung der IV ist nach Nächten geschuldet und ist auch so aufzuteilen.
3. Unter Kostenfolgen zu Lasten der Beklagten."
der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 13 S. 2):
1. Auf die Berufung sei nicht einzutreten. 2. Eventualiter sei die Berufung abzuweisen.
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3 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MwSt.) zu Lasten des .
des Verfahrensbeteiligten (Urk. 16 S. 1):
1. Es sei die Berufung des Klägers abzuweisen. 2. Es seien die Verfahrensakten unverzüglich der Vorinstanz zurückzusenden,
damit diese baldmöglichst das angekündigte Gutachten in Auftrag geben kann.
3. Dem Verfahrensbeteiligten seien keine Kosten aufzuerlegen, eventualiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

Considerations:
Erwägungen:
I.
1. C._ (Verfahrensbeteiligter) wurde am tt.mm.2013 als Sohn der Be-
klagten und Berufungsbeklagten (nachfolgend Beklagte) und des Klägers und Be-
rufungsklägers (nachfolgend Kläger), welche nie miteinander verheiratet waren
und mittlerweilen getrennt wohnen, geboren. Bei C._ wurde eine "Vanishing
White Matter Disease" mit dystoner Bewegungsstörung, Untergewicht, Klein-
wuchs und Mikrozephalie diagnostiziert. Die "Vanishing White Matter Disease" ist
eine Erkrankung, die mit Ataxie und Spastik einhergeht. Weiter wird eine milde
kognitive Beeinträchtigung beschrieben. Typisch für diese Erkrankung sind Epi-
soden mit Verschlechterung des Allgemeinzustandes nach Schädel-Hirn-Trauma,
bei Fieber oder Angst. In diesen Episoden werden die Kinder sehr hypoton, verlie-
ren motorische Fähigkeiten, zeigen Anfälle, Irritabilität oder Erbrechen und kön-
nen ins Koma fallen. Sie erholen sich zum Teil nur inkomplett von diesen Episo-
den. Zur Zeit gibt es keine kurative Therapie für diese Erkrankung (Urk. 7/50/1).
2. Der Kläger erhob bei der Vorinstanz mit Eingabe vom 19. Dezember 2016
Klage betreffend Regelung der Obhut und des Kinderunterhalts (Urk. 7/1). Mit
Schreiben vom 11. Januar 2017 übermittelte die KESB des Bezirks Pfäffikon der
Vorinstanz einen Antrag der Beklagten vom 10. Januar 2017, in welchem diese
um sofortige Regelung des Obhuts- und Besuchsrechts ersuchte (Urk. 7/15;
7/16). Die Vorinstanz nahm das Schreiben als Gesuch um Anordnung vorsorgli-
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cher Massnahmen entgegen. Am 22. März 2017 schlossen die Parteien anläss-
lich der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen eine Vereinbarung
über die Obhut und das Besuchsrecht sowie die entsprechenden Kosten- und
Entschädigungsfolgen (Urk. 7/51; Prot. I S. 9 und S. 31). Am gleichen Tag beriet
die Vorinstanz und erliess die eingangs zitierte Verfügung (Prot. I S. 31;
Urk. 7/56). Der Entscheid wurde indes erst am 26. April 2017 versandt und dem
Kläger am 27. April 2017 zugestellt (Urk. 7/56 S. 5; Urk. 7/57/4).
3. Mit Eingabe vom 4. Mai 2017 erhob der Kläger rechtzeitig Berufung ge-
gen die vorinstanzliche Verfügung mit den obgenannten Anträgen (Urk. 1). Er leis-
tete fristgerecht den Kostenvorschuss (Urk. 9). Die Berufungsantwort datiert vom
15. Juni 2017 und schloss auf kostenfällige Abweisung (Urk. 13). Die Berufungs-
antwort wurde dem Kläger zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 12). Mit Eingabe
vom 27. Juli 2017 beantragte der Verfahrensbeteiligte die Abweisung der Beru-
fung (Urk. 26). Diese Eingabe wurde mit Verfügung vom 28. Juli 2017 den Partei-
en zur Kenntnis gebracht (Urk. 19). Keine der Parteien liess sich mehr verneh-
men. Das Verfahren erweist sich als spruchreif. Auf die Parteivorbringen ist nach-
folgend nur insoweit einzugehen, als dies für die Entscheidfindung notwendig ist.
II.
1. Die Berufung hemmt den Eintritt der Rechtskraft nur im Umfang der An-
träge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Nicht angefochten wurden die Dispositivziffern 1,
2.1.a, 2.2, 2.3 sowie 3 der Verfügung. In diesem Umfang ist sie rechtskräftig, wo-
von Vormerk zu nehmen ist.
2. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrich-
tige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die
Berufungsinstanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streit-
sache, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, ein-
schliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung;
BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbe-
gründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstin-
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stanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten
ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetz-
lichen Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht
die Rechtsmittelinstanz nicht zu überprüfen. Das gilt zumindest solange, als ein
Mangel nicht geradezu ins Auge springt (BGer 4A_258/2015 vom 21. Oktober
2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 5).
3. Anfechtungsobjekt der vorliegenden Berufung ist die im Entscheid geneh-
migte Vereinbarung der Parteien betreffend das Besuchsrecht. Soweit der Kläger
neu Anträge zum Kindesunterhalt stellt (Urk. 1 S. 3, S. 7 f.), ist darauf von vornhe-
rein nicht einzutreten, da die im Hauptverfahren festzusetzenden Kinderunter-
haltsbeiträge nicht Gegenstand der Vereinbarung bildeten und somit nicht Beru-
fungsgegenstand sind.
III.
1. Die Beklagte beantragt, es sei auf die Berufung nicht einzutreten (Urk. 13
S. 2 ff.). Der Kläger müsse gegen den Vergleich der Parteien vielmehr eine Revi-
sion bei der Vorinstanz einlegen (Art. 241 ZPO i.V.m. Art. 328 Abs. 1 lit. c ZPO).
2. Vorliegend konnten die Parteien das Verfahren nicht vorzeitig durch einen
Vergleich beenden, da die Kinderbelange betreffend C._ aufgrund der Offi-
zialmaxime den Parteien entzogen waren. Einer Vereinbarung der Parteien be-
treffend Kinderbelange kommt stets lediglich die Bedeutung eines übereinstim-
menden Parteiantrags zu, an den der Richter aufgrund der Offizialmaxime nicht
gebunden ist (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Das Verfahren muss hinsichtlich der Kinder-
belange immer durch ein Urteil erledigt werden (vgl. ZK ZPO-Sutter-Somm/von
Arx, Art. 58 N 27; ZK ZPO-Schweighauser, Art. 296 N 39). Folglich ist daher
grundsätzlich auf die Berufung des Klägers hinsichtlich des Besuchsrechts einzu-
treten.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/d14b19c8-5e79-4de6-89de-e2501acd79f5/b9b74d9a-620a-400f-af16-e19527ccb1af?source=document-link&SP=8|sp4kag
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IV.
1. Der Kläger führt zur Begründung seiner Berufung sinngemäss Folgendes
aus: Im Zeitpunkt der Hauptverhandlung habe er in D._ gelebt. Die Fahrzeit
zwischen D._ und dem Wohnort von C._ in E._ habe eine Stunde
betragen. Nur um C._ diese lange Fahrzeiten möglichst zu ersparen, seien
die Besuchszeiten so knapp ausgefallen. Der Kläger habe daher vor der Unter-
zeichnung des an der Hauptverhandlung geschlossenen Vergleichs "alle" darauf
hingewiesen, er werde möglichst bald von D._ in die Nähe von C._ zie-
hen. Nun werde er ab 1. Juni 2017 in F._ wohnen, das nur sieben Fahrminu-
ten vom Wohnort von C._ entfernt sei. Dazu verweist er auf einen von ihm
am 21. April 2017 unterschriebenen Mietvertrag, der als Mietbeginn den 1. Juni
2017 aufführt (Urk. 5/3). Damit liege – so der Kläger weiter – eine wesentlich an-
dere Wohnsituation als im Zeitpunkt der Hauptverhandlung vor. Entsprechend
müsse die Besuchsregelung gestützt auf Art. 268 ZPO angepasst werden (Urk. 1
S. 4 f.). Der Verfahrensbeteiligte wendet in diesem Zusammenhang ein, dass die
veränderte Wohnsituation im Rahmen eines neuen Verfahrens und nicht auf dem
Weg der Berufung geltend zu machen sei. Die Berufung des Klägers sei entspre-
chend abzuweisen (Urk. 16 S. 1 f.).
2. Neue Vorbringen, mit denen geänderte Verhältnisse behauptet und belegt
werden, dürfen nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht einfach in das
Abänderungsverfahren verwiesen werden, sondern sind im Rahmen der Berufung
gegen das Urteil zu prüfen und zu berücksichtigen, wenn und soweit sie sich nach
Art. 317 Abs. 1 ZPO als zulässig erweisen (vgl. BGE 143 III 42 E. 5.3. m.w.H.).
Richtigerweise hätte der Kläger somit seine veränderte Wohnsituation als Novum
im Sinne von 317 Abs. 1 ZPO geltend machen müssen. Sein unzutreffender Hin-
weis auf Art. 268 ZPO schadet ihm jedoch nicht.
Ob zulässige Noven vorgetragen werden, entscheidet das Gericht von Am-
tes wegen. Es ist daher zu prüfen, ob die vom Kläger neu vorgebrachte Tatsache,
wonach er ab 1. Juni 2017 nur noch sieben Fahrminuten von C._ entfernt
wohne, als zulässiges Novum zu qualifizieren ist. Bei diesem neuen Vorbringen
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handelt es sich um ein echtes Novum, da der Kläger den Mietvertrag am 21. April
2017 und damit nach dem am 22. März 2017 beendeten erstinstanzlichen Verfah-
ren unterzeichnet hat (vgl. Urk. 5/3; Urk. 7/56 S. 5; vgl. ZK ZPO-Reetz/Hilber,
Art. 317 N 51, wonach Noven, welche nach dem Ende des erstinstanzlichen Ver-
fahrens entstehen, einzig noch im Rechtsmittelverfahren unter den Vorausset-
zungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO vorgebracht werden können). Der Kläger hat das
Novum mit seiner Berufungsschrift und damit ohne Verzug vorgebracht (Art. 317
Abs. 1 lit. b ZPO). Zusammenfassend ist die neue im Berufungsverfahren unbe-
stritten gebliebenen Tatsache, dass der Kläger seit 1. Juni 2017 nur sieben Fahr-
minuten vom Wohnort des Kindes wohnt, ein echtes zulässiges Novum, das mit
dem Einreichen des Mietvertrags genügend belegt wurde. Es ist daher im Beru-
fungsverfahren zu berücksichtigen.
V.
1. Der Kläger kritisiert sinngemäss weiter, er habe der Vereinbarung an der
Hauptverhandlung nur zugestimmt, da der von der Vorinstanz in Aussicht gestell-
te Entscheid ihm keinen höheren Anteil an Besuchszeit "garantiert" habe und auf
seine mitgeteilte Umzugsbereitschaft von seinem damaligen Wohnort D._ an
einen näher von E._ gelegenen Wohnort keine Rücksicht genommen worden
sei. Ausserdem sei das Gericht nicht bereit gewesen, eine mögliche Verschie-
bung der vielen Termine (Schwimmen, Komplementärmedizin, Frühberatung etc.)
von C._ in Betracht zu ziehen. Dies obwohl die Termine mehrheitlich freiwillig
bzw. nicht ärztlich verordnet seien. Das Hauptkriterium für die getroffene Rege-
lung sei gewesen, dass C._ die bisher besuchten Termine an den gleichen
Tagen einhalten könne, ohne jedes Mal von D._ nach E._ fahren zu
müssen. Weiter rügt der Kläger, er sei an der Verhandlung vom 22. März 2017
"getäuscht" worden, da die Beklagte plötzlich vorgebracht habe, er solle aufgrund
seines Umzugs nach D._ C._ nur noch jedes zweite Wochenende be-
treuen. Demgegenüber habe die Beklagte selber noch im November 2016 beim
"kjz" ein Betreuungsmodell von 40/60 vorgeschlagen. Zudem hätten an der vo-
rinstanzlichen Verhandlung sowohl die Kindsvertreterin als auch der Richter diese
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reduzierte Betreuungszeit für unbefriedigend gehalten. Der "Entscheid des Ge-
richtes" über die geringere Betreuung als das ursprünglich vorgeschlagene Modell
der Beklagten (40/60) sei daher für den Kläger schockierend gewesen und nur
aufgrund der zum Zeitpunkt der Verhandlung bestehenden weiten Wohndistanz
nachvollziehbar. Sodann moniert der Kläger, er habe keine Möglichkeit gehabt,
die Vorschläge der Gegenpartei in Ruhe zu überdenken (Urk. 1 S. 4 f.).
Diese Kritikpunkte des Klägers sind nicht zielführend, da er an der Verhand-
lung mit unerwarteten Argumenten der Gegenseite rechnen musste. Abgesehen
davon war er sowohl an der Verhandlung wie auch im Vorfeld dazu juristisch ver-
treten (Prot. I S. 9). Dass er keine Zeit gehabt habe, um die Vorschläge der Be-
klagten in Ruhe zu überdenken, überzeugt nicht, da er an der vierstündigen Ver-
handlung weder neue einschlägige Unterlagen der Gegenseite prüfen noch kom-
plexe Sachverhalte analysieren musste (Prot. I S. 9 ff.). Auch hat er den Vergleich
ohne Widerrufsvorbehalt unterschrieben (Urk. 7/51).
2. Der weitere Vorwurf des Klägers, die Beklagte führe aus finanziellen
Gründen oder aus Wut und Enttäuschung einen Kampf gegen ihn und verschlep-
pe das Verfahren (Urk. 1 S. 5 f.), stellt keine konkrete Beanstandung der ange-
fochtenen Verfügung dar, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist (vgl. vorne
E. II.2.).
3. Der Kläger macht sodann geltend, zur Zeit könne C._ ihn jede zweite
Woche 7.5 Tage lang nicht sehen. Dies sei zu lange für Kinder in C._s Alter
(Urk. 1 S. 6). Diese pauschale Rüge dringt nicht durch. Zwar muss das kindliche
Zeitgefühl beachtet werden, so dass insbesondere bei Kleinkindern der Abstand
zwischen den Besuchen zwei Wochen nicht überschreiten soll (BSK ZGB I-
Schwenzer, Art. 273 N 14). In der strittigen Besuchsrechtsvereinbarung wird diese
allgemeine Regel jedoch ohne weiteres eingehalten.
4.1. Schliesslich bringt der Kläger vor, die Oberärztin des Kinder- und Ju-
gendpsychologischen Dienstes des Spitals G._ habe ihm telefonisch mitge-
teilt, dass es für die Mutter eines schwerkranken Kindes sehr gut sei, wenn das
Kind abwechselnd betreut werde. Dies sei im Wohl des Kindes. Ausserdem – so
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der Kläger weiter – liebe C._ beide Eltern und sei bisher immer in ihrer Nähe
gewesen. Aufgrund seiner Krankheit brauche C._ diese Nähe mehr als ande-
re Kinder. Die Betreuung werde schwieriger, je älter er werde. Es gebe nichts
Besseres, als wenn die Eltern diese Betreuung gemeinsam leisten könnten und
die Beklagte in Zukunft nicht mehr auf externe Hilfe angewiesen sein werde, was
jedoch mit der jetzigen Betreuungsregelung der Fall sei. Schliesslich bedeute
zwar die Zuteilung der faktischen Obhut an die Beklagte bis zur Hauptverhand-
lung keine Gefahr für C._. Ein eingeschränkter Besuchskontakt zu ihm als
Vater jedoch schon (Urk. 1 S. 6 f.).
4.2. Hinsichtlich des Besuchsrechts gilt allgemein Folgendes: Die Bemes-
sung des Besuchsrechts hat aufgrund der konkreten Umstände zu erfolgen und
auf die Bedürfnisse und Interessen des Kindes sowie die Bedürfnisse und Mög-
lichkeiten beider Eltern Rücksicht zu nehmen. Es gilt somit Alter, körperliche und
geistige Gesundheit, Freizeitinteressen sowie Einstellung des Kindes gegenüber
dem nicht obhutsberechtigten Elternteil zu berücksichtigen. Massgebend sind so-
dann auch Persönlichkeit, Wohnort, Freizeit, Umgebung und Beziehung des nicht
obhutsberechtigten Elternteiles zum Kind sowie die Situation des obhutsberech-
tigten Elternteiles (BSK ZGB I-Schwenzer, Art. 273 N 9 mit weiteren Hinweisen).
4.3. Im vorliegenden Fall machte die Beklagte an der Hauptverhandlung ins-
besondere geltend, es sei problematisch, dass der Kläger seinen Wohnsitz nach
D._ verlegt habe. Die Distanz betrage 60 km und die Fahrzeit dauere rund
eine Stunde, was speziell für C._ angesichts seines Gesundheitszustandes
ungünstig sei. Daher sei einzig eine Wochenendbesuchsregelung angezeigt
(Prot. I S. 9, S. 11).
4.4. Wie oben ausgeführt, ist die neue, unbestritten gebliebene Tatsache,
dass der Kläger seit 1. Juni 2017 nur noch sieben Fahrminuten von C._
wohnt, als zulässiges Novum im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO zu beachten (vgl.
E. IV.2.) . Es stellt sich daher in der Tat die Frage, ob es nicht im objektivierten
Kindeswohl von C._ liege, dass er häufiger vom Kläger betreut werde, als es
die Parteien vorinstanzlich vereinbart hatten und von der Vorinstanz im Rahmen
von vorsorglichen Massnahmen genehmigt wurde.
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4.5. Allerdings ist vorliegend das Besuchsrecht betreffend ein Kind mit
einem prekären Gesundheitszustand strittig. Entsprechend ist es für das Gericht
bereits mangels ausreichenden Fachwissens schwierig festzustellen, welche Be-
treuungslösung dem Kindeswohl von C._ am Besten entspricht bzw. was ei-
ne Veränderung der geltenden Betreuungsregelung mit sich bringen würde. Zu
Recht hat die Vorinstanz daher am 18. September 2017 ein Sachverständigen-
gutachten in Auftrag gegeben. In diesem Gutachtensauftrag stellte die Vorinstanz
folgende Fragen (Urk. 5/76):
a) Wie ist der psychische und physische Entwicklungsstand des Kindes C._?
b) Welche Massnahmen sind notwendig, um allenfalls bereits vorhandene Defizite abzu-
bauen und/oder drohende Defizite aufzufangen?
c) Wie beurteilen Sie die persönliche Beziehung der Mutter zum Kind? Ist die Mutter in
der Lage, die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen? Woran ist das erkennbar?
d) Wie beurteilen Sie die persönliche Beziehung des Vaters zum Kind? Ist der Vater in
der Lage, die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen? Woran ist das erkennbar?
e) Bietet die Mutter Gewähr für eine optimale Entwicklung und Entfaltung des Kindes?
Wie fördert die Mutter die Entwicklung von C._? Woran ist das erkennbar?
f) Bietet der Vater Gewähr für eine optimale Entwicklung und Entfaltung des Kindes? Wie
fördert der Vater die Entwicklung von C._? Woran ist das erkennbar?
g) Ist eine geteilte Obhut im Zusammenhang mit der Gesundheit von C._ und den
angeordneten Therapien denkbar bzw. damit vereinbar?
h) Wie wichtig ist die gewohnte Umgebung für ihn? Wie beurteilen Sie die Situation für
C._, wenn er zur Ausübung des Besuchsrechts resp. zur Ausübung der alternieren-
den Obhut von einem Haushalt zum anderen pendeln muss? Ganz generell? In Bezug
auf seinen Gesundheitszustand?
i) Was für einen Einfluss haben Veränderungen auf seine Gesundheit?
j) Ist ein Plan für die Medikamenteneinnahme vorhanden?
k) Wie strikt haben sich die Eltern daran zu halten?
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l) Ist eine geteilte Obhut damit vereinbar?
m) Hat das Kind einen Wunsch betreffend die Regelung des Besuchsrechts, und wenn
ja, wie lautet dieser?
n) Was sind Ihre Empfehlungen bezüglich der Regelung des Besuchsrechts und aus wel-
chen Gründen?
o) Worauf muss bei der Regelung eines Besuchsrechts geachtet werden?
p) Sind aus fachlicher Sicht (andere) Kindesschutzmassnahmen angebracht?
q) Welcher Elternteil ist primäre Bezugsperson von C._? Begründen Sie Ihre Ant-
wort bitte.
r) Welcher Elternteil ist besser in der Lage, künftig die Betreuung von C._ sicherzu-
stellen? Begründen Sie Ihre Antwort bitte.
s) Wie beurteilen Sie den möglichen Abbruch des gelebten Familienlebens mit den Halb-
geschwistern von C._, der bei einer alternierenden Obhut eintreten könnte?
t) Geben Ihre Untersuchungen Anlass zu weiteren Bemerkungen?
4.6. Diese detaillierten Fragen zeigen, dass aufgrund des Gesundheits- und
Entwicklungszustands von C._ spezielle Bedürfnisse vorliegen. Daher recht-
fertigt es sich nicht, zum jetzigen Zeitpunkt dem Fachgutachten vorzugreifen und
bereits für die Dauer des laufenden Verfahrens das Besuchsrecht zu ändern bzw.
über die Besuchsrechtsregelung faktisch ein Wechselmodell einzuführen, nach-
dem C._ für das laufende Verfahren unangefochten unter die alleinige Obhut
der Beklagten gestellt wurde. Auch macht der Kläger weder glaubhaft noch liegen
Anhaltspunkte vor, dass es dem Kind bei der jetzigen eingespielten Betreuungs-
regelung nicht gut gehe bzw. sein Kindswohl gefährdet sei. Somit spricht nichts
gegen die gerichtlich genehmigte Besuchsrechtsregelung für das laufende Ver-
fahren. Welche Betreuungsregelung im längerfristigen optimalen Interesse
C._s liegt, ist vorerst durch das Gutachten abzuklären.
5. Zusammenfassend erweist sich die Berufung als unzulässig sowie unbe-
gründet. Demgemäss ist sie abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und die
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angefochtene Dispositivziffer 2.1.b der vorinstanzlichen Verfügung ist zu bestäti-
gen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
VI.
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 5
Abs. 1, § 8 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 GebV OG auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Praxis-
gemäss sind betreffend Kinderbelange die Kosten den Parteien je hälftig aufzuer-
legen und die Parteientschädigungen wettzuschlagen, sofern diese unter dem
Gesichtspunkt des Kindesinteresses gute Gründe für ihre Prozessstandpunkte
hatten (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr. 41). Diese Voraussetzung ist erfüllt,
weshalb die Kosten des Berufungsverfahrens den Parteien je zur Hälfte aufzuer-
legen und keine Parteientschädigungen zuzusprechen sind.