Decision ID: 885ca118-d913-4e67-995a-7f735c22bb63
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war vom 7. Januar bis 14. März 2015 (zuletzt) in
einem Pensum von 80 % als B._ bei der C._ GmbH angestellt und dadurch bei der
Swica Versicherungen AG (nachfolgend: Swica) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert (UV-act. 6).
A.a.
Am 5. März 2015 rutschte die Versicherte zu Hause in der Badewanne aus und
zog sich dabei eine Luxationsfraktur am oberen Sprunggelenk (OSG) links zu, welche
gleichentags im Spital D._ operativ versorgt wurde (UV-act. 1 ff.). Die Swica
anerkannte ihre Leistungspflicht (UV-act. 8). Bei diagnostizierter Re-Dislokation der
OSG-Fraktur links mit Auslockerung des Osteosynthesematerials am Aussenknöchel
erfolgte am 21. April 2015 ein weiterer operativer Eingriff im Spital D._ mit
anschliessender Ruhigstellung im Gips (UV-act. 25 ff.). In der Folge wurde die
Versicherte bei anhaltenden Schmerzen im Bereich des linken OSG dem Kantonsspital
St. Gallen (KSSG), Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, zugewiesen und dort am 18. August 2015 bei
Syndesmoseinsuffizienz mit valgisch verkippter Malleolengabel links operiert (UV-act.
43 ff.). Die anschliessenden Kontrolluntersuchungen im KSSG zeigten radiologisch
einen regelrechten Verlauf (UV-act. 59, 65). Die Versicherte klagte indes weiterhin über
persistierende Schmerzen im linken Fuss (UV-act. 91). Am 22. Januar und 14. April
2016 wurden therapeutische Infiltrationen durchgeführt (UV-act. 148) und mit
Untersuchungsbericht vom 16. September 2016 eine posttraumatische Valgusarthrose
OSG links diagnostiziert (UV-act. 166).
A.b.
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Am 3. Februar 2017 erlitt die Versicherte im Rahmen eines epileptischen Anfalls
einen Schienbeinbruch links (UV-act. 202). Dieser wurde mittels Plattenosteosynthese
versorgt, woraufhin die Fraktur nach anfänglicher Komplikation (Wundinfekt) letztlich
vollständig verheilte (UV-act. 209).
A.c.
Am 13. Juli 2017 zog sich die Versicherte wiederum anlässlich eines epileptischen
Anfalls eine mehrfragmentäre nach dorsal und kaudal dislozierte Tuberculum-majus-
Fraktur zu, welche am 18. Juli 2017 einen operativen Eingriff erforderte. Aufgrund eines
Osteosynthese-Versagens wurde am 18. September 2017 eine Metallentfernung und
Reosteosynthese mittels Ankerfixation und transossären Nähten nötig (UV-act. 209).
A.d.
Am 25. April 2018 wurde die Versicherte bei chronischer Schmerzproblematik im
Kantonsspital E._ erneut am linken Fuss operiert (supramalleoläre closed-wedge-
Korrekturosteotomie Tibia; UV-act. 230). In der Folge kam es zu weiteren Eingriffen am
linken OSG (18. Mai 2018: Wundrevision, Biopsieentnahme, Schraubenwechsel [UV-
act. 236], 20. Dezember 2018: Metallentfernung, Biopsieentnahme [UV-act. 211]).
A.e.
Im Verlauf zeigte sich - wie zuvor bereits in der Vergangenheit - immer wieder auch
eine psychische Problematik bei der Versicherten (vgl. dazu u.a. UV-act. 11, 16, 21 f.).
A.f.
Am 30. April 2019 veranlasste die Swica bei der medexperts AG (nachfolgend:
medexperts), St. Gallen, eine Begutachtung der Versicherten in den Disziplinen
Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie (UV-act. 282, 292). Das Gutachten wurde am
20. August 2019 versandt (UV-act. 304-2). Die Experten diagnostizierten unfallbedingt
eine Abnützung am OSG links mit einer Fehlstellung nach einem schweren
Verrenkungsbruch am 5. März 2015, einen Unterschenkelschaftbruch links nach einem
Sturz am 3. Februar 2017 sowie ein Schulterengpasssyndrom rechts mit einer
traumatischen Schädigung nach einem operativ versorgten Oberarmkopfbruch 2017
der Rotatorenmanschette. Im Weiteren wurden nicht unfallkausale psychische
Diagnosen gestellt und eine Epilepsie unklarer Ätiologie diagnostiziert (UV-act. 304-7).
Durch die unfallbedingten Beschwerden bzw. Einschränkungen seien die
Belastungsfähigkeit und Mobilität aufgrund der Schmerzen am linken Sprunggelenk
bzw. Unterschenkel deutlich eingeschränkt. Dies habe eine erhebliche Minderung der
Arbeitsfähigkeit zur Folge. Die neurologischen und psychiatrischen Diagnosen würden
A.g.
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B.
Gegen die Verfügung vom 15. Juni 2020 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten,
Rechtsanwalt Markus Schmid, Basel, am 14. August 2020 Einsprache. Es sei die
Verfügung aufzuheben und es seien der Versicherten über den 29. Februar 2020 hinaus
Taggeldleistungen nach Massgabe einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit zu erbringen.
in keinem Zusammenhang mit einem Unfallgeschehen stehen (UV-act. 304-8). In einer
leichten körperlichen Arbeit in einer sitzenden Arbeitsposition und ohne manuelle
Grobarbeiten mit dem rechten Arm betrage die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit 50 %
(UV-act. 304-25), die krankheitsbedingte ebenfalls 50 %. Insgesamt sei von einer 30%-
igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die unfallbedingte Einschränkung sei auf das
chronische Schmerzsyndrom und die notwendigen deutlich vermehrten Ruhepausen
zurückzuführen. Die zusätzliche krankheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
führe zu einer Potenzierung der unfallbedingten Leistungseinschränkung. Die lokalen
Schmerzen und die Schwellneigung könnten durch eine stabilisierende Kompressions-
Bandage/Orthese günstig beeinflusst werden. Im Verlauf sei erfahrungsgemäss in
Hinsicht auf die unfallbedingte Abnützung am Sprunggelenk mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine Versteifung notwendig. Der Verlauf bleibe diesbezüglich
abzuwarten (UV-act. 308-9). Der Integritätsschaden am Unterschenkel bzw.
Sprunggelenk links sei auf 30 % zu beziffern, derjenige am Oberarm bzw. an der
Schulter rechts auf 10 % (UV-act. 304-26).
Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 stellte die Swica die Taggeldleistungen per Ende
Februar 2020 ein und sprach der Versicherten als Behandlungsmassnahmen nach
Fallabschluss eine stabilisierende Kompressions-Bandage/Orthese sowie regelmässige
Kontrollen in einer spezialisierten Fachklinik für Fuss bzw. Sprunggelenk zu. Im
Weiteren wurde der Versicherten ab 1. März 2020 eine Rente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 40 % (bei einem versicherten Verdienst von Fr. 35'880.--) sowie bei
einer Integritätseinbusse von 30 % für den Gesundheitsschaden am linken Fuss/
Unterschenkel eine Integritätsentschädigung von Fr. 37'800.-- zugesprochen (UV-act.
336). Bezüglich des Integritätsschadens an der rechten Schulter wurde in der
Verfügung festgehalten, dass die diesbezügliche Integritätsentschädigung mit dem
Abschluss des Unfallereignisses vom 13. Juli 2017 am 2. Februar 2019 bereits
ausgerichtet worden sei (UV-act. 336-5 f.).
A.h.
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Im Weiteren seien zur Ermittlung des versicherten Verdienstes die Kinderzulagen
hinzuzurechnen, die Vergleichseinkommen zu parallelisieren und beim
Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 20 % vorzunehmen. Letztlich
werde auch bestritten, dass die Versicherte in angepasster Tätigkeit zu 50 %
leistungsfähig sei (UV-act. 340). Mit Entscheid vom 22. Dezember 2020 wies die Swica
die Einsprache ab (UV-act. 350).
C.
Gegen den Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2020 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 1. Februar 2021 durch Rechtsanwalt Schmid
fristgerecht (vgl. Stillstand der Fristen nach Art. 38 Abs. 4 lit. a des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1])
Beschwerde erheben. Der Einspracheentscheid der Swica (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. März 2020 eine Invalidenrente ausgehend
von einem Invaliditätsgrad von mindestens 55 % auszurichten. Der der
Rentenberechnung zugrunde gelegte versicherte Verdienst von Fr. 35'880.-- sei um
den Betrag der jährlichen Kinderzulagen für die am 5. Dezember 2011 geborene
Tochter Laura zu erhöhen. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(act. G 1).
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 5. März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 3). Mit
der Beschwerdeantwort reichte sie eine Stellungnahme der medexperts vom 26.
Februar 2021 ein (act. G 3.1).
C.b.
Mit Replik vom 26. Mai 2021 (act. G 7) sowie Duplik vom 24. Juni 2021 (act. G 9)
hielten die Parteien unverändert an ihren Anträgen fest.
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet der Einspracheentscheid
vom 22. Dezember 2020 (UV-act. 350), welchem die Verfügung vom 15. Juni 2020 (UV-
act. 336) zugrunde liegt. Mit dieser hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung, basierend auf einer
Integritätseinbusse von 30 %, und eine Rente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von
40 %, zugesprochen. In der Folge hat die Beschwerdeführerin gegen den
Rentenentscheid, nicht aber gegen die Integritätsentschädigung Einsprache erhoben
(UV-act. 340). Der Verfügungsteil betreffend die Integritätsentschädigung ist damit
unangefochten in Rechtskraft erwachsen und bildet nicht Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Zwischen den Parteien streitig und zu prüfen ist
damit einzig ein Rentenanspruch bzw. dessen Höhe.
2.
Vorab ist festzuhalten, dass der Zeitpunkt des Fallabschlusses (vgl. zum Fallabschluss
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 143) auf Ende Februar
2020 mit der Beschwerde nicht mehr bestritten wird und mangels Erwartung einer
weiteren namhaften Besserung der Unfallfolgen im Sinne der Rechtsprechung
rechtsgenüglich ausgewiesen ist (vgl. dazu UV-act. 304-9 Ziff. 4.10 und UV-act. 304-24
Ziff. 8.3). Entsprechend beantragte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
lediglich einen Neuentscheid über die Höhe der Invalidenrente (Dauerleistung; vgl. dazu
die Anträge in der Beschwerdeschrift vom 1. Februar 2021 [act. G 1] sowie die dortigen
Ausführungen auf S. 4 II 9.) und nicht mehr - wie noch mit Einsprache vom 14. August
2020 (UV-act. 340) - auch die Weiterausrichtung der Taggeldleistungen. Damit erfolgte
zu Recht die Prüfung eines Rentenanspruchs per 1. März 2020 (vgl. Art. 19 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Unbestritten ist weiter,
dass über den Fallabschluss hinaus Restfolgen, herrührend von den Ereignissen aus
den Jahren 2015 und 2017 (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.b, c und d), verbleiben.
Umstritten sind die Auswirkungen dieser Restfolgen in Bezug auf die verbleibende
Arbeitsfähigkeit sowie die Höhe des Invaliditätsgrads.
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3.
Ist die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8
ATSG), hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
3.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
3.2.
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4.
Um den Invaliditätsgrad ermitteln zu können, muss die unfallkausale
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Zu beantworten ist in diesem Zusammenhang zunächst
die Frage, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht rechtsgenüglich erstellt ist. Die
Beschwerdegegnerin bejaht dies und stützt sich bezüglich des medizinischen
Sachverhalts und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit auf das Administrativgutachten der
medexperts vom 20. August 2019 und die nachträglich eingeholte Stellungnahme vom
26. Februar 2021, welche der Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit
unfallbedingt eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit bescheinigen (UV-act. 304-9, 25, act. G
3.1). Die Beschwerdeführerin lehnt ein Abstellen auf diese Beurteilungen ab.
4.1.
Die Beschwerdeführerin führt gegen den Beweiswert des medexperts-Gutachtens
aus, dass den Experten die Akten im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 13.
Juli 2017, welches zu einer rechtsseitigen Schulterverletzung geführt habe, nicht zur
Verfügung gestanden hätten. Diese Rüge ist begründet (vgl. UV-act. 304-13 Ziff. 3.2.2)
und wird seitens der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht bestritten (vgl. in der
Beschwerdeantwort vom 5. März 2021 S. 3 Ziff. 3.2). Entsprechend stellte sie der
medexperts diese Akten nachträglich zur Verfügung und ersuchte um eine
Stellungnahme (act. G 3.1), womit dieser Mangel geheilt wurde. Im Weiteren trägt die
Beschwerdeführerin keine substantiierten Einwände gegen den Beweiswert des
Gutachtens vor. Solche sind auch nicht erkennbar. Beim Gutachten der medexperts
vom 20. August 2019 handelt es sich um ein im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholtes Administrativgutachten von versicherungsexternen Experten. Die
Beurteilungen in den Disziplinen Orthopädie (UV-act. 304-12 ff.), Neurologie (UV-act.
304-27 ff.) und Psychiatrie/Psychotherapie (UV-act. 304-36 ff.) ergingen nach
ausführlichen persönlichen Untersuchungen, scheinen für die streitigen Belange
umfassend, beantworten die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin und berücksichtigen die geklagten Beschwerden. Gestützt darauf
kamen die Experten anlässlich der interdisziplinären Gesamtbeurteilung in Beachtung
aller drei Unfallereignisse bei anhaltenden Beschwerden am linken Sprunggelenk/
Unterschenkel sowie an der rechten Schulter (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.b, c und d)
nachvollziehbar zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als B._ nicht mehr zumutbar sei, in einer leidensangepassten Tätigkeit
unfallbedingt indes weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe. Die (quantitative)
Einschränkung sei auf das chronische Schmerzsyndrom (in der linken unteren
Extremität) und die dadurch notwendigen deutlich vermehrten Ruhepausen
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/13
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5.
zurückzuführen (UV-act. 304-9). Schlüssig ist weiter, dass die unfallbedingten
Belastungsschmerzen mit Bewegungseinschränkung an der rechten Schulter zwar
qualitative, indes keine zusätzlichen quantitativen Einschränkungen zur Folge haben
und dass sich auf neurologischer und psychiatrischer Seite ausschliesslich Diagnosen
zeigen, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in keinem Zusammenhang mit
einem Unfallgeschehen stehen (UV-act. 304-6; vgl. zu den Diagnosen UV-act. 304-7;
vgl. weiter zur Bereinigung von Unklarheiten UV-act. 322). Mit dem beschriebenen
Zumutbarkeitsprofil aufgrund der unfallkausalen Verletzungen am linken Sprunggelenk/
Unterschenkel (keine Tätigkeiten mit stehender bzw. gehender Arbeitshaltung, keine
Arbeitshaltungen im Knien bzw. in Hockestellung, keine höhenexponierten Arbeiten,
keine Arbeiten mit Heben von Gewichten in stehender Position bzw. Tragen von
Gewichten, keine Tätigkeiten mit einer Belastung des linken Beins) und an der rechten
Schulter (keine Überkopfarbeiten, keine höhenexponierten Arbeiten, kein Heben/Tragen
von Gewichten über 15 Kilogramm, keine Grobarbeiten mit dem rechten Arm [z.B. mit
einem schweren Hammer, Schlagbohrer, Graben mit einer Schaufel etc.]) scheint den
Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen in diesen Körperregionen genügend
Rechnung getragen. Gestützt auf das schlüssige Gutachten sind der
Beschwerdeführerin damit leichte körperliche Tätigkeiten in sitzender Arbeitsposition
ohne Grobarbeiten mit dem rechten Arm weiterhin mit einer Leistungsfähigkeit von 50
% zumutbar, wobei in der veranschlagten 50%-igen Leistungseinschränkung die
schmerzbedingt notwendigen zusätzlichen Pausen entgegen der Meinung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin Berücksichtigung finden und nicht von einer
zusätzlichen Leistungseinbusse auszugehen ist. Bereits an dieser Stelle sei erwähnt,
dass der Beschwerdeführerin bei diesem Zumutbarkeitsprofil auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt offensichtlich noch ein genügend weites Feld an
Beschäftigungsmöglichkeiten offensteht bzw. die Arbeitsfähigkeit verwertbar ist. Ihr
sind beispielsweise noch Stellen als Hilfsarbeiterin im Bereich von Überwachungs-,
Administrativ-, und Kontrolltätigkeiten wie auch leichtere Verpackungs-,
Maschinenbedienungs- und Sortierarbeiten zumutbar (vgl. dazu auch Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 30. Juli 2004, U 337/03, E. 3.3).
Ausgehend von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl. dazu
vorstehende E. 3.1).
5.1.
Für die Bemessung des hypothetischen Verdienstes ohne Gesundheitsschaden
(Valideneinkommen) ist grundsätzlich entscheidend, was die versicherte Person im
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/13
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massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen könnte (vgl. Art.
16 Abs. 1 ATSG). Bei der Bestimmung des Valideneinkommens wird in der Regel am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325
E. 4.1). Bei ihrer letzten Tätigkeit als B._ (ohne Lehrabschluss [UV-act. 304-28, 38])
hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 bei einem Pensum von 80 %
unbestrittenermassen ein Einkommen von Fr. 35'880.-- (Fr. 2'760.-- x 13) erzielt (UV-
act. 6, 50). Hochgerechnet auf ein Pensum von 100 % resultierte ein Jahreseinkommen
von Fr. 44'850.-- (Fr. 35'880.-- / 4 x 5). Nominallohnindexiert bis 2020 resultierte ein
Lohn von Fr. 46'350.-- (Fr. 44'850.-- x 1.007 x 1.004 x 1.005 x 1.009 x 1.008). Da die
Akten keinerlei Anhaltspunkte dafür liefern, dass die Beschwerdeführerin freiwillig auf
ein höheres Einkommen (in der Höhe des durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohns)
verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit ihres Validenlohns
auf die für die Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge des realen
Arbeitsmarktes zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das Valideneinkommen
grundsätzlich anhand des Tabellenlohns für Hilfsarbeiterinnen (Total) zu bemessen (vgl.
zur Höhe nachfolgende E. 5.3.2).
5.3.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 135 V 301 E. 5.2
mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin hat nach den Unfällen bis zum Fallabschluss
Ende Februar 2020 nicht mehr gearbeitet und entsprechend kein Erwerbseinkommen
mehr erzielt (UV-act. 304-42). Es ist damit nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin zur Festsetzung des Invalideneinkommens die LSE-Tabellenlöhne
beigezogen hat.
5.3.1.
Gestützt auf das Belastungsprofil (leichte körperliche Tätigkeiten in sitzender
Arbeitsposition ohne Grobarbeiten mit dem rechten Arm) sind der Beschwerdeführerin
als Verweistätigkeiten leidensangepasste Hilfsarbeiterinnentätigkeiten zuzumuten. Der
LSE-Hilfsarbeiterinnenlohn hat im Jahr 2018 Fr. 54'681.-- betragen (Fr. 4'371.-- x 12 /
5.3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/13
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6.
40 x 41.7; vgl. LSE-Tabellenlöhne 2018, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen).
Nominallohnindexiert bis 2020 resultiert damit ein Einkommen von Fr. 55'614.-- (Fr.
54'681.-- x 1.009 x 1.008). Da im vorliegenden Fall sowohl hinsichtlich des
hypothetischen Valideneinkommens (vgl. dazu vorstehende E. 5.2) als auch bezüglich
des Invalideneinkommens derselbe Lohn für ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen
ist, kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Januar, 9C_734/2016, E. 4.1, mit Hinweis).
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten beschränkt
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3). Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V
301 E. 5.2). Wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführt (act. G 3 S. 4 Ziff. 4.2 f.), sind
die schmerzbedingten Beeinträchtigungen und damit die zusätzlich notwendigen
Pausen mit der veranschlagten 50%-igen Leistungseinschränkung abgedeckt. Im
Weiteren rechtfertigen die qualitativen Einschränkungen bzw. der Umstand, dass
lediglich noch leichte körperliche Tätigkeiten in sitzender Arbeitsposition ohne
Grobarbeiten mit dem rechten Arm zumutbar sind, keinen Abzug, nachdem der
Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (vgl. nebst vielen das Urteil des Bundesgerichts
vom 6. Oktober 2017, 8C_439/2017, E. 5.5). Auch der Beschäftigungsgrad von 50 %
führt bei Frauen ohne Kaderfunktion zu keinen relevanten Lohnnachteilen (vgl. Tabelle
T18 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher
Anstellung und Geschlecht). Abzugsgründe sind damit keine ersichtlich, weshalb von
einem Invalideneinkommen von Fr. 27'807.-- (Fr. 55'614.-- / 2) auszugehen ist.
5.3.3.
Gestützt auf das Gesagte resultiert ein Invaliditätsgrad von 50 %. In diesem
Umfang ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.4.
Letztlich beanstandet die Beschwerdeführerin die Höhe des versicherten
Verdienstes.
6.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/13
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7.
Taggelder und Renten werden nach dem versicherten Verdienst bemessen. Als
versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall
bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem
Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs. 1 und 2 UVG). Dauerte das Arbeitsverhältnis nicht
das ganze Jahr, so wird der in dieser Zeit bezogene Lohn auf ein volles Jahr
umgerechnet (vgl. Art. 22 Abs. 4 der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV; SR
832.202]). Ebenfalls als versicherter Verdienst gelten Familienzulagen, die als Kinder ,
Ausbildungs- oder Haushaltszulagen im orts- oder branchenüblichen Rahmen gewährt
werden (Art. 22 Abs. 2 lit. b UVV).
6.2.
Es ist unbestritten, dass grundsätzlich von einem versicherten Verdienst von Fr.
35'880.-- (13 x Fr. 2'760.--) auszugehen ist. Strittig ist hingegen, ob dieser der
Rentenberechnung zugrunde gelegte Verdienst um die jährlichen Kinderzulagen für die
Tochter Laura zu erhöhen ist. Zwar erhielt die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des
Unfalls im Jahr 2015 und auch im Jahr davor keine Kinderzulagen für Laura (UV-act.
335). Aus den Unterlagen ist indes nicht ersichtlich, ob diese der Kindsvater bezogen
hat. Nur wenn dies der Fall war, ist der versicherte Verdienst in Höhe von Fr. 35'880.--
nicht um die Kinderzulagen für Laura zu erhöhen. Ansonsten hätte ein Anspruch der
Beschwerdeführerin bestanden und der versicherte Verdienst wäre entsprechend zu
erhöhen. Zur diesbezüglichen Abklärung wird die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen, zumal der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bereits mit
Einsprache vom 1. August 2020 auf diese Unklarheit hingewiesen hat (Suva-act.
340-2). Die Beschwerdeführerin wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihren
Auskunfts- und Mitwirkungspflichten nachzukommen hat.
6.3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass der
angefochtene Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2020 aufzuheben und der
Beschwerdeführerin ab 1. März 2020 eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 50 % zuzusprechen ist. Im Weiteren ist die Sache im Sinne der
Erwägungen zur Bestimmung des versicherten Verdienstes sowie zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im
darüberhinausgehenden Umfang ist die Beschwerde abzuweisen.
7.1.
Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben
(vgl. dazu Art. 61 lit. f ATSG).
7.2. bis
Die obsiegende Beschwerdeführerin hat hingegen Anspruch auf eine
Parteientschädigung gegenüber der Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG). Es
7.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
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