Decision ID: f36a938b-8df9-572c-97a1-aaacc4aeef90
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1967 geborene, in Deutschland wohnhafte deutsche
Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwer-
deführer) arbeitete in den Jahren 1998 bis 2003 in der Schweiz und ent-
richtete Beiträge an die obligatorische Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denversicherung (AHV/IV; vgl. Akten der Vorinstanz [act.] 2 S. 1, 12).
A.b Am 28. März 2012 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leis-
tungen der Deutschen Rentenversicherung an. Das zwischenstaatliche
Verfahren wurde am 13. Dezember 2012 bei der Invalidenversicherungs-
stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) ein-
geleitet (vgl. act. 2). In der Folge tätigte die IVSTA medizinische und beruf-
lich-erwerbliche Abklärungen (act. 13 ff.). Gestützt auf die medizinischen
Unterlagen des deutschen Rentenverfahrens sprach sie dem promovierten
Chemiker, der zuletzt als Scientist, NMR-Manager (Laborleiter) gearbeitet
hatte (act. 19 S. 1, 3; 20), mit Verfügung vom 30. April 2013 eine ganze
Rente der Invalidenversicherung samt Kinderrenten für seine beiden Kin-
der mit Wirkung ab 1. September 2012 zu (act. 28, 44).
A.c Am 7. April 2017 leitete die IVSTA ein Revisionsverfahren zur Überprü-
fung des Rentenanspruchs ein und holte medizinische Berichte und Gut-
achten ein (act. 61 ff.). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens
(act. 108) ersetzte die IVSTA mit Verfügung vom 11. April 2018 die bisher
bezahlte ganze Invalidenrente des Beschwerdeführers samt Kinderrenten
durch halbe Renten (act. 111).
B.
B.a Mit Schreiben vom 2. Mai 2018 übermittelte die IVSTA dem Bundes-
verwaltungsgericht die bei ihr am 20. April 2018 eingegangene Be-
schwerde vom 13. April 2018. Der Beschwerdeführer beantragte sinnge-
mäss die Aufhebung der Verfügung und Weiterausrichtung der ganzen In-
validenrente samt Kinderrenten (BVGer act. 1).
B.b Der Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2018
aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– bis zum
8. Juni 2018 zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen (BVGer act. 3).
Am 23. Mai 2018 ging der Betrag von Fr. 800.74 in der Gerichtskasse ein
(BVGer act. 6).
C-2654/2018
Seite 3
B.c Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 die
Abweisung der Beschwerde, soweit auf diese einzutreten sei (BVGer
act. 10).
B.d Mit Instruktionsverfügung vom 27. Juni 2018 wurde dem Beschwerde-
führer Gelegenheit gegeben, dem Bundesverwaltungsgericht bis zum
28. August 2018 eine Stellungnahme (Replik) einzureichen (BVGer
act. 11). Am 3. August 2018 übermittelte die Vorinstanz ein Schreiben des
Beschwerdeführers vom 28. Juli 2018 (BVGer act. 12). Dieses Schreiben
wurde gemäss Instruktionsverfügung vom 15. August 2018 als Replik zu
den Akten genommen (BVGer act. 13).
B.e Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 20. August 2018 an ihren Anträgen
fest (BVGer act. 14).
B.f Mit Instruktionsverfügung vom 29. August 2018 wurde der Schriften-
wechsel unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen per 10. Sep-
tember 2018 abgeschlossen. Ferner wurde darauf hingewiesen, dass in
einem nächsten Schritt ein Urteilsentwurf vorbereitet werde, der durch drei
Bundesverwaltungsrichter geprüft und genehmigt werden müsse. Das ge-
nehmigte Urteil werde dann zu gegebener Zeit dem Beschwerdeführer er-
öffnet (BVGer act. 15).
C.
C.a Mit Instruktionsverfügung vom 30. September 2019 wurde dem Be-
schwerdeführer Kenntnis gegeben, dass sich das Bundesverwaltungsge-
richt als eine der möglichen Entscheidvarianten vorbehalte, die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, damit diese nach einer umfassenden Begutachtung erneut über den
Rentenanspruch verfüge. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit ge-
geben, sich bis zum 30. Oktober 2018 zur Möglichkeit der reformatio in
peius zu äussern und allenfalls seine Beschwerde zurückzuziehen, an-
dernfalls das Beschwerdeverfahren fortgesetzt werde (BVGer act. 17).
C.b Die Vorinstanz übermittelte am 21. November 2019 dem Bundesver-
waltungsgericht das Schreiben des Beschwerdeführers vom 8. November
2019, welches am 20. November 2019 bei ihr eingegangen war (BVGer
act. 19).
C-2654/2018
Seite 4
C.c Mit Instruktionsverfügung vom 25. November 2019 wurde zur Kenntnis
genommen, dass der Beschwerdeführer auf einen Rückzug der Be-
schwerde verzichtet hat. Zudem wurde erläutert, dass in einem nächsten
Schritt ein Urteilsentwurf ausgearbeitet werde, der im schriftlichen Zirkula-
tionsverfahren von zwei Richtern und einer Richterin geprüft und geneh-
migt werde; danach erfolge die Urteilseröffnung (BVGer act. 20).
D.
D.a Mit Instruktionsverfügung vom 4. Dezember 2019 wurde die Vor-
instanz aufgefordert, bis zum 3. Januar 2020 das vollständige fachneuro-
logische Sachverständigengutachten von Dr. med. B._ vom
26. Juni 2017 (act. 103) nachzureichen (BVGer act. 21).
D.b Innert erstreckter Frist übermittelte die Vorinstanz mit Schreiben vom
23. Januar 2020 das genannte Gutachten (BVGer act. 25).
E.
E.a Die Eingabe des Beschwerdeführers vom 24. Januar 2020 wurde als
Antrag um erneute Fristansetzung betreffend eine Prüfung des Rückzugs
der Beschwerde zu den Akten genommen. Mit Instruktionsverfügung vom
3. Februar 2020 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, bis
zum 4. März 2020 eine entsprechende Stellungnahme abzugeben. Ferner
wurde darauf hingewiesen, dass ohne Einreichung einer Stellungnahme
das Beschwerdeverfahren fortgesetzt werde (BVGer act. 27 f.).
E.b Der Beschwerdeführer liess sich innert Frist nicht vernehmen (BVGer
act. 29).
F.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit von Amtes wegen
zu prüfen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Es ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
C-2654/2018
Seite 5
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Ver-
fügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung,
womit er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet, sodass auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. April 2018 ein-
zutreten ist (Art. 60 Abs. 1 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 11. April 2018, mit der die Vorinstanz die bisher bezahlte
ganze Invalidenrente des Beschwerdeführers samt Kinderrenten ab 1. Juni
2018 durch halbe Renten ersetzt hat.
2.2 Der Beschwerdeführer hat neben der Rentenherabsetzung gemäss
Verfügung vom 11. April 2018 zunächst auch eine Kürzung um die Kinder-
renten nach seiner Ehescheidung vom 4. März 2016 (act. 50 S. 3 f.) bean-
standet. Mit Schreiben vom 8. November 2019 hat er aber entsprechend
den vorinstanzlichen Ausführungen eingeräumt, dass die Kinderrenten an
seine Ex-Ehefrau ausbezahlt worden seien (BVGer act. 19). Damit hat sich
die Rüge der vermeintlichen Rentenkürzung infolge Ehescheidung erüb-
rigt.
2.3 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren streitig und vom Bundesverwal-
tungsgericht zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die Invalidenrente des Be-
schwerdeführers samt zugehörigen Kinderrenten zu Recht gekürzt hat.
3.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 11. April 2018) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 445 E. 1.2). Tatsachen, die jenen Sach-
verhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer
neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des BGer
8C_136/2017 vom 7. August 2017 E. 3). Immerhin sind indes Tatsachen,
die sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit
dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet
sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(BGE 121 V 362 E. 1b; Urteile des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.1; 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1).
C-2654/2018
Seite 6
3.2 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als
50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbe-
zahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
C-2654/2018
Seite 7
in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch
nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so
wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft ent-
sprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
4.3.1 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat-
sächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist
die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes re-
vidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheits-
zustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbe-
reich von Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hinge-
gen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen
gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe-
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3; 130 V 343 E. 3.5).
4.3.2 Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenan-
spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu
prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141
V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Ist dagegen eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen
Rechtszustand (vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014
E. 3.1.1 mit Hinweis).
4.3.3 Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum
Abschluss eines Rentenrevisionsverfahrens eine anspruchsrelevante Än-
derung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte Beurteilung,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechts-
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und – bei Anhalts-
punkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen eines Ge-
sundheitsschadens – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht
(BGE 133 V 108 E. 5.4; 130 V 343 E. 3.5.2).
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und
im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
C-2654/2018
Seite 8
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
4.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
tin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson muss über die not-
wendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des BGer
9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.6 Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens
hängt wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema
– erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein
betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizini-
schen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren-
tenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am recht-
lich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abwei-
chende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, in-
wiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefun-
den hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die
gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des BGer
9C_113/2019 vom 29. August 2019 E. 2.2; 9C_418/2010 vom 29. August
2011 E. 4.2, in: SVR 2012 IV Nr. 18; 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013
E. 6.1.2, in: SVR 2013 IV Nr. 44).
4.7 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-
matoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches
Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409 E. 4.5.2), sind für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berück-
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
C-2654/2018
Seite 9
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht unter Hinweis auf den Kurzentlassungs-
bericht der Klinik C._ vom 9. Oktober 2017 geltend, er sei in
Deutschland berufsunfähig bzw. vermindert berufsfähig mit einer negativen
Prognose, wonach sich sein Zustand innert 2–3 Jahren nicht weitgehend
verbessern werde (vgl. BVGer act. 1).
5.2 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung sowie in ihrer Ver-
nehmlassung zusammengefasst fest, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers verbessert habe. In den Gutachten von Dr. med.
D._ vom 1. September 2016 und Dr. med. B._ vom 20. Juni
2017 sei eine Besserung in neurologischer und neuropsychologischer Hin-
sicht festgestellt worden. Die Gutachter seien übereinstimmend zur Beur-
teilung gelangt, dass der Beschwerdeführer auch in seiner angestammten
Tätigkeit als Diplom-Chemiker wieder für 3 bis unter 6 Stunden täglich ar-
beitsfähig sei. Zwei beurteilende Ärzte des ärztlichen Dienstes hätten so-
dann ab 1. September 2016 das Bestehen einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
im angestammten Beruf festgestellt (vgl. act. 111; BVGer act. 10).
C-2654/2018
Seite 10
6.
Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob eine rentenrelevante Verän-
derung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
eingetreten ist, welche die Herabsetzung der Rente rechtfertigt.
6.1 Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 11. April 2018 eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, bilden die Verhältnisse im
Zeitpunkt der ursprünglichen Zusprache der ganzen Rente mit Verfügung
vom 30. April 2013. Die Vorinstanz sprach damals eine ganze Rente ge-
stützt auf die Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 8. März 2013 zu. Darin wurden als Hauptdiagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen ein erhebliches dysexekutives
Frontalhirnsyndrom im Sinne einer organisch bedingten Persönlichkeits-
störung (ICD-10 F07) und eine expressiv betonte globale Aphasie (ICD-10
F80.1) genannt. Als Nebendiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit wurde ein depressives Syndrom erwähnt. In der Beurteilung wurde
ausgeführt, der 45-jährige bislang gesunde Versicherte habe im Mai 2011
die Diagnose einer akuten myeloblastischen Leukämie (AML) erhalten. Im
Zusammenhang mit der Chemotherapie sei es zu einer Hirnblutung ge-
kommen, welche zu einer Hemiparese links mit globaler Aphasie geführt
habe. Aufgrund dieser Hirnblutung habe sich im weiteren Verlauf ein er-
hebliches dysexekutives Frontalhirnsyndrom entwickelt mit massiver Stö-
rung der Planungsfähigkeit und des Arbeitsgedächtnisses, gestörter Auf-
merksamkeit sowie erheblicher Interferenzanfälligkeit und einer Neigung
zu verbaler und motorischer Perseveration. Dieses sei aus psychiatrischer
Sicht im Sinne einer organisch bedingten Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F07) zu sehen und bewirke eine vermutlich dauerhaft geltende totale Min-
derung der Erwerbsfähigkeit des Versicherten. Mit einer wesentlichen Bes-
serung des Gesundheitszustandes des Versicherten sei trotz intensivster
Therapiemassnahmen und trotz seines jungen Alters eher nicht zu rech-
nen. Der Beschwerdeführer werde durch die Ehefrau gepflegt und nutze
einen Rollstuhl. Ferner sei eine Handorthese vorgesehen (vgl. act. 28).
6.2 Die relevante medizinische Aktenlage seit der ursprünglichen Renten-
zusprache präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
6.2.1 Zunächst ist hinsichtlich der AML festzuhalten, dass in den Berichten
vom 4. August 2014 und 13. Januar 2015 der Klinik E._ eine kom-
plette molekulare Remission der AML dokumentiert worden ist (act. 73,
83 f.).
C-2654/2018
Seite 11
6.2.2 Der Beschwerdeführer wurde vom 11. November bis 21. Dezember
2013 im Zentrum F._ stationär behandelt. Gemäss Bericht vom
16. Januar 2014 sei der Beschwerdeführer Rechtshänder. Der neurologi-
sche Untersuchungsbefund bei Aufnahme wurde zusammenfassend wie
folgt umschrieben: brachiofazial betonte Hemiparese links, Hörminderung
links, Feinmotorik- und Koordinationsstörung links, Wortfindungsstörung,
Verlangsamung des Sprachflusses, Störung der Konzentration und Auf-
merksamkeit, Minderbelastbarkeit. Die Symptomatik sei bei Entlassung
leicht gebessert gewesen. Im Rahmen der sozialmedizinischen Beurtei-
lung wurde festgehalten, die Anforderungen der zuletzt ausgeübten Tätig-
keit würden bis auf den Stundenumfang weitgehend dem positiven und ne-
gativen Leistungsvermögen entsprechen. Die erforderliche Fachkompe-
tenz erscheine erhalten, so dass der Beschwerdeführer für dieses spezielle
Arbeitsfeld der NMR-Spektroskopie über 3 bis unter 6 Stunden am Tag
leistungsfähig sei. Es wurde daher eine innerbetriebliche Umsetzung auf
einen leidensgerechten Teilzeitarbeitsplatz unter ambulanter neuropsycho-
logischer Begleitung empfohlen (act. 75 S. 3 und 6).
6.2.3 Gemäss nervenärztlichem verkehrsmedizinischem Gutachten vom
28. September 2014 von Dr. med. G._, Arzt für Neurologie/Psychi-
atrie, Psychotherapie, Palliativmedizin, hätten sich die ausgeprägten neu-
ropsychologischen Störungen am Anfang der Erkrankung unter stationärer
wie ambulanter neuropsychologischer Therapie wesentlich verbessert. So
habe der Beschwerdeführer 2012 noch deutliche Störungen im Sinne eines
Neglects gezeigt und sich Anfang 2013 noch mit Gehhilfen bewegt. Nun
könne er frei gehen und mit dem Fahrrad fahren. Aus neuropsychologi-
scher und psychiatrischer Sicht sei das Führen eines Fahrzeugs (mit Auto-
matikgetriebe und Einhandbetrieb wegen der halbseitigen Lähmung) mög-
lich, trotz der noch leichten Störungen durch einen Neglect links und einer
Störung der Aufmerksamkeit, was jedoch vom Neuropsychologen gut-
achterlich bestätigt werden müsse (act. 67).
6.2.4 Mit Schreiben vom 8. Dezember 2014 führte Dr. med. H._,
Arzt für Neurologie, aus, der Beschwerdeführer sei durch intensive kran-
kengymnastische und ergotherapeutische Unterstützung wieder gut geh-
fähig geworden und habe eine relativ gute Grobmotorik der linken oberen
Extremität entwickelt. Es bestehe noch eine Restaphasie sowie ein visuel-
ler Neglect nach links. Über die Restaphasie hinaus seien keine auffälligen
kognitiven Defizite erkennbar. Der Beschwerdeführer organisiere seinen
Alltag völlig selbständig. Er sei affektiv ausgeglichen und stabil, wirke sehr
C-2654/2018
Seite 12
motiviert und sei bemüht, zumindest teilweise in eine Erwerbsfähigkeit zu-
rückzukehren (act. 92).
6.2.5 Gemäss Bericht vom 16. Januar 2015 der Klinik E._ sei zu-
letzt am 31. Mai 2012 ein epileptisches Ereignis aufgetreten. Aus epilepto-
logischer Sicht sei die Fahrtüchtigkeit wieder gegeben (act. 74, 85). Laut
Berichten vom 5. April 2015, 29. September 2015 und 25. Februar 2016
sei der Beschwerdeführer weiterhin anfallsfrei gewesen (act. 76, 86, 87).
6.2.6 Der Beschwerdeführer wurde vom 1. Oktober bis 12. November
2015 erneut stationär im Zentrum F._ behandelt. Im entsprechen-
den Bericht vom 17. November 2015 wurde zum neurologischen Befund
insbesondere Folgendes festgehalten: Rechtshänder, Hypästhesie der lin-
ken Gesichtshälfte, Fazialismundastschwäche links, Hypakusis links (Hör-
gerät), spastische Tonussteigerung der linken Seite, leichtgradige
brachiofaziale Hemiparese links, Stand sowie Gang und Gangvarianten si-
cher. Im Rahmen der sozialmedizinischen Beurteilung wurde ausgeführt,
die Entlassung des Beschwerdeführers erfolge arbeitsunfähig und mit wei-
terhin aufgehobenem Leistungsvermögen für den Beruf des Chemikers so-
wie für jedwede Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das Leis-
tungsvermögen sei aufgrund einer leichten brachiofazial betonten spasti-
schen Hemiparese links, eines Neglects nach links, einer Hörminderung
links, Feinmotorik- und Koordinationsstörungen links, einem HOPS (Hirn-
organisches Psychosyndrom) mit residueller Aphasie sowie kognitiver Be-
einträchtigungen in den überprüften Kernfunktionsbereichen visuelle
Wahrnehmung (visuelles Explorationsvermögen), Aufmerksamkeit (Reak-
tionsbereitschaft, geteilte Aufmerksamkeit), Gedächtnis (Arbeitsgedächt-
niskapazität) sowie exekutive Funktionen (Fluency-Aufgaben) nicht hinrei-
chend für alternative berufliche Tätigkeiten oder die Teilnahme an berufs-
fördernden Massnahmen (act. 89 S. 1, 3, 7).
6.2.7 Der Neurologe Dr. med. H._ hielt in seinem Schreiben vom
22. April 2016 fest, der Beschwerdeführer habe einen Mediainfarkt links
erlitten, in dessen Folge sich eine ausgeprägte Hemispastik rechts [recte:
links] ausgebildet habe. Im Vordergrund würden eine Restaphasie sowie
eine Armspastik mit Flexion vor allem in den Fingergelenken stehen. Dabei
sei die Willküraktivierung nicht schlecht, allerdings sei die Feinmotorik
deutlich beeinträchtigt (act. 88).
6.2.8 Mit Bericht vom 11. Mai 2016 nannte Dr. med. I._, Arzt für All-
gemeinmedizin, als aktuelle Beschwerden und Funktionseinschränkungen
C-2654/2018
Seite 13
die Störung der Feinmotorik durch Spastik der linken Hand. Eine Arbeits-
unfähigkeit habe weder aktuell noch in den letzten zwei Jahren vorgelegen
(act. 82).
6.2.9 Im schwer lesbaren Bericht vom 11. Juli 2016 erwähnt Dr. med.
H._ unter den Diagnosen insbesondere eine spastische Hemi-
parese und eine residuelle Aphasie. Ferner attestiert er dem Beschwerde-
führer ohne weitere Ausführungen eine seit 2011 bestehende Arbeitsunfä-
higkeit (act. 93).
6.2.10 Dr. med. D._, Neurologe/Psychiater, nannte in seinem Gut-
achten vom 1. September 2016 folgende Diagnosen: 1. Intracranielle ce-
rebrale Blutung (ICD-10 I61.9) bei AML (ICD-10 C95.00) und Panzytopenie
(ICD-10 D61.9); 2. Zustand nach osteoplastischer Kraniotomie und Häma-
toevakuation 12.06.2011, dekompressive Hemikraniektomie rechtsseitig
am 20.06.2011, Anlage eines VP-Shunts bei Hydrozephalus malresorp-
tivus am 19.08.2011, einmaliger generalisierter cerebraler Krampfanfall am
31.12.2012, Implantation einer industriell gefertigten Schädeldachplastik
am 17.10.2011; 3. Neurologische Residuen: Hörminderung links, Feinmo-
torik- und Koordinationsstörung links, armbetonte Hemispastik,
brachiofazialbetont links, neuropsychologische Störungen mit Wortfin-
dungsstörungen, Verlangsamung, Störung der kognitiven und mnestischen
Leistungen sowie allgemeine Minderbelastung (act. 97 S. 18 f.). Im Rah-
men der Beurteilung führte Dr. med. D._ aus, klinisch-neurologisch
imponiere eine Hemisymptomatik links mit brachiofazialer Betonung ohne
Beeinträchtigung der Mobilität. Die Feinmotorik der linken Hand sei beein-
trächtigt. Das An- und Auskleiden sei physiologisch möglich. Die linke Hand
werde als Beihand benutzt. Die Alltagsangelegenheiten erledige der Be-
schwerdeführer selbständig in allen Einzelheiten. Das Schwergewicht der
Störung liege auf neuropsychologischer Ebene mit Rest-Aphasie, Wortfin-
dungsstörungen, Verlangsamung, Reaktionsverzögerung und mit zum Teil
unvollständigem sowie schlichtem Satzbau. Das Sprachverständnis sei in-
takt. Psychopathologisch querschnittsmässig liege ansonsten eine ausge-
glichene Stimmungslage vor, wenngleich der Beschwerdeführer durch die
familiäre Situation (Ehescheidung) belastet werde. Die Residuen würden
seit 2011 bestehen, mit wesentlicher Änderung sei in Zukunft zu rechnen.
Die Einschränkungen seien von Dauer. In sozialmedizinischer Hinsicht er-
achtete Dr. med. D._ die Ausübung der letzten Tätigkeit als Diplom-
Chemiker an 3 bis unter 6 Stunden als möglich. Unter leidensgerechten
Arbeitsbedingungen bestehe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ebenfalls
C-2654/2018
Seite 14
eine Leistungsfähigkeit für 3 bis unter 6 Stunden. Auf dem allgemeinen Ar-
beitsmarkt könnten leichte körperliche Arbeiten im Wechsel in der Körper-
haltung in Tagesschicht ausgeübt werden. Die geistig-psychische Belast-
barkeit sei beeinträchtigt. Einfache Anforderungen ohne besondere Verant-
wortung, ohne Publikumsverkehr, ohne Anforderungen an Flexibilität, An-
passungsvermögen sowie Wendigkeit könnten bewältigt werden (act. 97
S. 19 ff.).
6.2.11 Im Krankenberichtsformular vom 6. September 2016 nannte die All-
gemeinmedizinerin Dr. med. J._ als Diagnosen eine in Remission
befindliche AML sowie eine zweimalige Hirnblutung mit Störung des Broca-
Zentrums und Halbseitenparese links. Unter intensiven rehabilitativen
Massnahmen sei es zunehmend zu einer Besserung der Hemiparese ge-
kommen. Der Beschwerdeführer habe allerdings noch einen Kraftverlust,
eine Tiefensensibilitätsstörung, Wortfindungsstörungen und das Sprechen
strenge ihn an. Nach ein paar hundert Metern verliere er die Kraft im Bein.
Er könne keine feinmotorischen Arbeiten verrichten. Seinen Haushalt
könne er nicht alleine verrichten und seine Konzentration sei immer noch
erheblich gestört. Die Gebrauchsfähigkeit der linken Hand sei einge-
schränkt. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz könne innerhalb von 12 Mo-
naten erwogen werden. Eine erneute Arbeitstherapie und Arbeitstrainings-
massnahme sollten zur Verbesserung der Konzentration und der Sprach-
störung durchgeführt werden. Anschliessend bestehe die Chance einer
Wiederaufnahme der Tätigkeit (act. 95 S. 3, 4, 5, 8, 12, 33; vgl. auch act. 97
S. 24 f.).
6.2.12 Gemäss sozialmedizinischer Leistungsbeurteilung von Dr.
K._ vom 13. Oktober 2016 könne der Beschwerdeführer seine
letzte berufliche Tätigkeit wie auch eine dem Leistungsbild entsprechende
Tätigkeit für 3 bis unter 6 Stunden ausüben. Das Leistungsbild wird wie
folgt umschrieben: körperlich leicht, in wechselnden Haltungen, kein
schweres Heben und Tragen, nicht in Wechsel- oder Nachtschicht, ohne
besonderen Zeitdruck, ohne Publikumsverkehr, ohne besondere Anforde-
rungen an schnelle Umstellung und Anpassung, nicht an gefährlichen Ar-
beitsplätzen. Dieser Zustand bestehe seit 1. September 2016, dem Datum
des Gutachtens von Dr. med. D._ (act. 98).
6.2.13 Laut Bericht des Krankenhauses L._ vom 6. April 2017 be-
fand sich der Beschwerdeführer an diesem Tag wegen eines generalisier-
ten epileptischen Anfalls in der Notfallsprechstunde. In diesem Bericht wird
zudem erwähnt, dass der letzte Anfall im Januar 2017 gewesen sei. Ferner
C-2654/2018
Seite 15
wird angeführt, der Beschwerdeführer sei über das Fahrverbot für die
Dauer eines Jahres aufgeklärt worden. Zum neurologischen Befund wurde
insbesondere folgendes festgehalten: Rechtshänder, Dysarthrie mit auch
skandierender Sprache, leichte Mundastschwäche links, Keratokonus links
mit verzerrtem Sehen auf dem linken Auge, spastische Arm- und distal-
betonte Hemiparese links, selbständig ohne Hilfsmittel mobil, Gangbild ein-
geschränkt bei vorbestehender Hemiparese links (act. 64).
6.2.14 RAD-Arzt Dr. med. M._, Facharzt Allgemeine Medizin FMH,
führte in seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2017 im Wesentlichen aus, es
frage sich, ob dem Beschwerdeführer nicht eine gewisse Tätigkeit zumut-
bar sei. Es komme dabei vor allem darauf an, was von dem anfangs er-
wähnten Frontalhirnsyndrom verbleibe. Hiervon sei gar nicht mehr die
Rede. Die ursächliche Leukämie sei remittiert, also nicht invalidisierend. Er
empfahl die Einholung eines ausführlichen neurologischen Berichts
(act. 99 S. 2).
6.2.15 Im daraufhin eingeholten fachneurologischen Sachverständigen-
gutachten vom 26. Juni 2017 nannte Dr. med. B._, Fachärztin für
Neurologie, folgende Diagnosen: spastische armbetonte Hemiparese links
(ICD-10 G81.9); Störung der Sprache und des Sprechens (ICD-10 R47.8);
hirnorganisches Anfallsleiden (ICD-10 F40.2). Im neurologischen Untersu-
chungsbefund hielt sie insbesondere Folgendes fest: Rechtshänder, Beu-
gespastik des linken Armes mit deutlicher Einschränkung der Handfunktion
sowie latente Streckspastik des linken Beines bei guter Gangfähigkeit. Im
Rahmen der Beurteilung führte Dr. med. B._ insbesondere aus, es
zeige sich im Vergleich zum neurologischen Residualsyndrom im Novem-
ber 2015 keine Änderung. Es würden weiterhin das linksseitige residuale
Halbseitensyndrom sowie die leichten Auffälligkeiten in der höheren Hirn-
leistung bestehen. Die letzte berufliche Tätigkeit als Chemiker könne 3 bis
unter 6 Stunden ausgeübt werden. Eine angepasste Tätigkeit sei zu 6
Stunden und mehr möglich. Zum negativen Leistungsbild führte Dr. med.
B._ aus, aufgrund der residualen Hemiparese links bestehe eine
hochgradige Einschränkung der linksseitigen Armfunktion, welche nur un-
terstützend zum groben Festhalten von Gegenständen benutzt werden
könne. Die ausdauernde Gehfähigkeit sei durch die leichte Streckspastik
beeinträchtigt. Es würden eine leichte Sprechverlangsamung und einzelne
Wortfindungsstörungen sowie bei orientierender Testung eine leichte Ein-
schränkung der Exekutivfunktion bestehen. Eine Besserung der Leistungs-
minderung sei unwahrscheinlich (BVGer act. 25).
C-2654/2018
Seite 16
6.2.16 In der Folge führte RAD-Arzt Dr. med. M._ in seinem
Schlussbericht vom 29. August 2017 aus, anlässlich der aktuellen neuro-
logischen Beurteilung werde eine Besserung festgestellt und eine Tätigkeit
von 50 % zugemutet. Es würden eine andauernde somatische Behinde-
rung sowie auch leichte neuropsychologische Störungen bestehen. Der
Beschwerdeführer betätige sich tatsächlich auch wenige Stunden pro Wo-
che. Eine angepasste Tätigkeit werde bei den Einschränkungen nicht hö-
her sein. Eine weitere Besserung sei kaum zu erwarten, maximal eine Kon-
solidierung auf dem jetzigen Niveau. Grundsätzlich könne es wieder
Schwierigkeiten von Seiten der Leukämie geben (act. 105).
6.2.17 Die Vorinstanz holte sodann eine neurologische Zweitansicht ein.
Die IV-Neurologin Dr. med. N._ hielt in ihrer Stellungnahme vom
11. Dezember 2017 zusammenfassend fest, die vorliegenden Berichte
würden eine Verbesserung des neurologischen Zustands beschreiben. Die
Leukämie sei remittiert. Die Verbesserung werde im Bericht über die Hos-
pitalisation vom 11. November bis 21. Dezember 2013 gut beschrieben.
Der Arzt berichte, dass der Beschwerdeführer eigenständig gehen könne,
was zuvor nur mit Hilfe möglich gewesen sei. In neuropsychologischer Hin-
sicht würden leichte kognitive Störungen beschrieben, währendem zuvor
eine erhebliche motorische Aphasie bestanden habe. Auch die neueren
Berichte würden eine Verbesserung der Beschwerden bei Persistenz der-
selben und der funktionellen Einschränkungen dokumentieren. Dr. med.
N._ schloss sich der Einschätzung an, dass eine Arbeitsfähigkeit
zwischen 3 bis 6 Stunden möglich sei und geht von einer Arbeitsfähigkeit
von 50 % für sämtliche Tätigkeiten ab dem 1. September 2016 (Datum des
Gutachtens von Dr. med. D._) aus. In diesem Gutachten werde
ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in der Lage sei, die Alltagsangele-
genheiten selbständig zu erledigen, weiter würden die funktionellen Ein-
schränkungen erwähnt und es werde festgehalten, dass auf dem freien Ar-
beitsmarkt eine Leistungsfähigkeit von 3 bis unter 6 Stunden bestehe.
Schliesslich informiere ein Bericht vom 6. April 2017 über ein Rezidiv der
epileptischen Anfälle im Januar und April 2017. Die epileptischen Anfälle
seien bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigt wor-
den. Es sei von einer Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % auszugehen,
sofern die Tätigkeit mit den funktionellen Einschränkungen und dem Risiko
von rezidivierenden epileptischen Anfällen vereinbar sei (act. 107 S. 3).
6.2.18 Mit Beschwerde vom 13. April 2018 reichte der Beschwerdeführer
den – der Vorinstanz bislang nicht bekannten – Kurzentlassungsbericht
vom 9. Oktober 2017 der Klinik C._ ein. Laut diesem Bericht befand
C-2654/2018
Seite 17
sich der Beschwerdeführer vom 28. August bis 9. Oktober 2017 in statio-
närer neurologischer Rehabilitationsbehandlung. Es wurde eine weitere
Behandlung auf neurophysiologischer Basis zur Verbesserung der Funkti-
onsstörungen empfohlen. Ferner wurde ausgeführt, dass der Beschwerde-
führer aus neuropsychologischer Sicht «für seine bisherige Tätigkeit und
Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt über einen Zeitraum von
drei bis unter sechs Stunden belastbar und somit nicht arbeitsfähig» sei. In
Anbetracht der trotz guter Kompensationsmöglichkeiten weiterhin beste-
henden kognitiven Einschränkungen sowie reduzierten Belastbarkeit sei
innerhalb der nächsten 6 Monate das Erreichen der vollen Arbeitsfähigkeit
nicht zu erwarten. Bei Entlassung sei von einer negativen Erwerbsprog-
nose ausgegangen worden (BVGer act. 1 Beilage 1).
6.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizini-
schen Akten im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 11. April 2018
im Vergleich zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache am
30. April 2013 eine rentenrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhält-
nisse ausgewiesen ist.
6.3.1 Hinsichtlich der AML ergeben sich keine relevanten Änderungen,
denn diese war bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache
remittiert (vgl. act. 28 S. 1). In epileptologischer Hinsicht ergibt sich aus den
Akten, dass der Beschwerdeführer nach dem Anfall am 31. Mai 2012 zu-
nächst während mehreren Jahren keine weiteren Anfälle mehr erlitten hat.
Erst im Januar und April 2017 wurden erneut epileptische Anfälle dokumen-
tiert. Sodann bestehen nach wie vor somatische und neurologische Funk-
tionsstörungen, insbesondere Hemiparese links, Feinmotorik- und Koordi-
nationsstörungen links, Beeinträchtigung der ausdauernden Gehfähigkeit,
Rest-Aphasie, Sprechverlangsamung, Wortfindungsstörung und kognitive
Einschränkungen. Psychopathologisch wird eine ausgeglichene Stim-
mungslage dokumentiert.
6.3.2 Aus der unveränderten Situation betreffend der AML lässt sich keine
Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ableiten.
Hingegen ergeben sich aus den vorliegenden Berichten Anhaltspunkte für
eine Verbesserung der motorischen und neurologischen Funktionsstörun-
gen des Beschwerdeführers. So ist der Beschwerdeführer in der Lage, wie-
der ohne Hilfe zu gehen, und in neurologischer Hinsicht ist nicht mehr von
«massiven» Störungen die Rede. Zudem wurde er – wenn auch vorüber-
gehend und unter gewissen Vorgaben (Automatikgetriebe und Einhandbe-
trieb) – als fahrtüchtig eingeschätzt. Ferner gaben Dr. med. H._ in
C-2654/2018
Seite 18
seinem Schreiben vom 8. Dezember 2014 und Dr. med. D._ in sei-
nem Gutachten vom 1. September 2016 an, der Beschwerdeführer könne
den Alltag selbständig bewältigen. Im Widerspruch dazu steht jedoch die
Feststellung von Dr. med. J._ im Krankenberichtsformular vom
6. September 2016, wonach der Beschwerdeführer seinen Haushalt nicht
alleine verrichten könne. Weiter ist anzufügen, dass der Beschwerdeführer
im September 2015 im Umfang von 38.5 Stunden als Spüler/Aushilfskraft
in einem Restaurant zu einem Stundenlohn von € 8.50 gearbeitet hat
(act. 63 S. 6 f.). Sodann war er gemäss eigenen Angaben vom 25. Oktober
2016 bis 31. Dezember 2016 bei O._ angestellt. Diese Tätigkeit
habe er beendet, weil er zur Pflege der an Leukämie erkrankten Mutter von
(...) nach (...) umgezogen sei (act. 63 S. 1, 6). Anlässlich der Begutachtung
im Juni 2017 bei Dr. med. B._ gab der Beschwerdeführer aber wie-
derum an, 3–4 Stunden wöchentlich als Dozent bei O._ in (...) zu
arbeiten (BVGer act. 25). Alsdann war der Beschwerdeführer gemäss Ho-
norarvereinbarung mit dem P._ e.V. als Dozent im Zeitraum vom
8. November 2016 bis 31. Dezember 2017 im Umfang von durchschnittlich
maximal 8 Stunden pro Woche zu einem Stundenlohn von € 15.40 tätig
(act. 63 S. 9). In welchem Umfang der Beschwerdeführer effektiv für das
P._ gearbeitet hat, geht aus den Akten jedoch nicht hervor. All diese
Erwerbstätigkeiten sowie der Umstand, dass der Beschwerdeführer seine
an Leukämie erkrankte Mutter pflegt, deuten ebenfalls auf eine Verbesse-
rung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Indessen beste-
hen in den medizinischen Akten Diskrepanzen bezüglich des Ausmasses
der verbleibenden Einschränkungen und den entsprechenden ärztlichen
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen, soweit sich die vorliegenden Berichte
überhaupt diesbezüglich äussern.
6.3.3 Gemäss Bericht des Zentrums F._ vom 16. Januar 2014 sei
die neurologische Symptomatik bei Entlassung leicht gebessert gewesen
und es wurde dem Beschwerdeführer eine Leistungsfähigkeit von 3 bis un-
ter 6 Stunden täglich attestiert, jedoch ausdrücklich nur für die letzte beruf-
liche Tätigkeit im speziellen Arbeitsfeld der NMR-Spektroskopie und unter
ambulanter neuropsychologischer Begleitung (act. 75 S. 6). Nach dem
zweiten Reha-Aufenthalt wurde der Beschwerdeführer gemäss Bericht
vom 17. November 2015 arbeitsunfähig und mit einem weiterhin aufgeho-
benen Leistungsvermögen für den Beruf des Chemikers sowie jedwede
Tätigkeit entlassen (act. 89 S. 7). In diesem Zusammenhang ist anzufügen,
dass das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers im September 2014 ge-
endet hatte (act. 89 S. 2, 97 S. 5), womit eine Beschäftigung gemäss der
Empfehlung im Anschluss an den ersten Reha-Aufenthalt nicht mehr in
C-2654/2018
Seite 19
Frage kam. Zur Frage nach dem Eintritt einer erheblichen rentenwirksamen
Änderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
kann aus diesen Berichten nichts abgeleitet werden.
6.3.4 Sodann spricht Dr. med. G._ in seinem verkehrsmedizini-
schen Gutachten vom 28. September 2014 insbesondere von einer we-
sentlichen Verbesserung der anfänglich ausgeprägten neuropsychologi-
schen Störungen, sodass er den Beschwerdeführer als grundsätzlich fahr-
tüchtig einstufte (act. 67). Dieser Bericht deutet zwar auf eine Verbesse-
rung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mit nur noch leich-
ten Aufmerksamkeitsstörungen (Neglect links) und einer wieder erlangten
Gehfähigkeit hin, jedoch lässt es sich anhand desselben nicht beurteilen,
ob und gegebenenfalls inwiefern sich die verbleibenden funktionellen Ein-
schränkungen auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Zur Leistungs- bzw.
Arbeitsfähigkeit hat sich Dr. med. G._ denn auch nicht geäussert.
6.3.5 Gemäss den Berichten des Neurologen Dr. med. H._ habe
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aufgrund der inten-
siven therapeutischen Unterstützung bereits im 2014 verbessert. Im 2016
seien noch eine Restaphasie und eine Armspastik im Vordergrund gestan-
den. In seinem Bericht vom 11. Juli 2016 attestierte Dr. med. H._
dem Beschwerdeführer eine seit 2011 bestehende Arbeitsunfähigkeit. Aus
diesen Berichten ergibt sich zwar ebenfalls eine Verbesserung des Ge-
sundheitszustands des Beschwerdeführers, jedoch lässt sich aufgrund
derselben nicht beurteilen, ob und inwiefern sich diese Verbesserungen auf
die funktionelle Leistungsfähigkeit auswirken, zumal Dr. med. H._
seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht näher begründet hat.
6.3.6 Aus dem kurzen, nicht weiter begründeten Bericht vom 11. Mai 2016
des Allgemeinmediziners Dr. med. I._, wonach beim Beschwerde-
führer aktuell noch eine Störung der Feinmotorik vorliege ohne Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit in den letzten zwei Jahren, kann für das vorlie-
gende Rentenrevisionsverfahren ebenfalls nichts abgeleitet werden.
6.3.7 Mit Gutachten vom 1. September 2016 stellte Dr. med. D._
den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers fest. Aufgrund
der erhobenen funktionellen Einschränkungen sei sowohl die Ausübung
der letzten Tätigkeit als Chemiker als auch einer leidensangepassten Tä-
tigkeit an 3 bis unter 6 Stunden möglich. Vor dem Hintergrund, dass
Dr. med. D._ ausführt, die Residuen würden seit 2011 bestehen
C-2654/2018
Seite 20
und mit einer wesentlichen Änderung sei in Zukunft nicht zu rechnen, ver-
mag dieses Gutachten jedoch nicht hinreichend darüber Auskunft zu ge-
ben, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass sich der Gesundheitszu-
stand des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rentenzusprache
2013 tatsächlich verändert hat. Sollten die von Dr. med. D._ festge-
stellten funktionellen Einschränkungen bereits 2011 im gleichen Ausmass
vorgelegen haben, so wäre seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung lediglich
eine im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtliche unterschiedliche Beur-
teilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts. Abgese-
hen davon ist anzumerken, dass die Deutsche Rentenversicherung ein von
der schweizerischen Invalidenversicherung wesentlich abweichendes
Rentenabstufungssystem kennt. Gemäss § 43 Abs. 1 des SGB VI (Sozial-
gesetzbuch Sechstes Buch) gelten Versicherte als teilweise erwerbsge-
mindert, wenn sie wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare
Zeit ausserstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen
Arbeitsmarktes mindestens sechs Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Als
voll erwerbsgemindert werden demgegenüber insbesondere Versicherte
eingestuft, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit
ausserstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Ar-
beitsmarktes mindestens 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein (§ 43
Abs. 2 SGB). Mit Blick auf diese vom schweizerischen IV-Rentenabstu-
fungssystem abweichende Regelung weisen die (an das deutsche Bemes-
sungssystem anknüpfenden) Schlussfolgerungen des deutschen Gutach-
ters Dr. med. D._ jedenfalls im vorliegenden Fall nicht die für die
schweizerische Rentenbemessung erforderliche, rechtsgenügliche Präzi-
sion auf (vgl. zur feineren Rentenabstufung nach schweizerischem Recht:
Art. 28 Abs. 2 IVG sowie vorstehende E. 4.2). Das Gutachten vom 1. Sep-
tember 2016 bildet demnach keine genügende Grundlage für die Beurtei-
lung der Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenzusprache eine renten-
relevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist.
6.3.8 Die sozialmedizinische Leistungsbeurteilung von Dr. K._ vom
13. Oktober 2016 stützt sich im Wesentlichen auf das Gutachten vom
1. September 2016 von Dr. med. D._. Entsprechend kann nach
dem soeben Gesagten im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht darauf
abgestellt werden.
6.3.9 Aus dem Krankenberichtsformular vom 6. September 2016 von
Dr. med. J._ ergeben sich zwar Hinweise für eine Verbesserung
des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Dennoch setzt
C-2654/2018
Seite 21
Dr. med. J._ für die allfällige Rückkehr an den Arbeitsplatz eine er-
neute Arbeitstherapie und Arbeitstrainingsmassnahme zur Verbesserung
der Konzentration und der Sprachstörung des Beschwerdeführers voraus.
Im Übrigen enthält dieser Bericht keine Angaben dazu, in welchem Aus-
mass sich die verbleibenden Funktionsstörungen auf die Leistungsfähig-
keit des Beschwerdeführers auswirken.
6.3.10 Im neurologischen Sachverständigengutachten vom 26. Juni 2017
führte Dr. med. B._ aus, der Beschwerdeführer sei in seinem letz-
ten Beruf als Chemiker im Umfang von 3 bis unter 6 Stunden täglich leis-
tungsfähig. Eine angepasste Tätigkeit sei zu 6 Stunden und mehr möglich.
Ferner hielt sie fest, im Vergleich zum neurologischen Residualsyndrom im
November 2015 zeige sich keine Änderung. Hingegen finden sich keine
Ausführungen dazu, ob und inwiefern eine effektive Veränderung des Ge-
sundheitszustands seit der ursprünglichen Rentenzusprache im April 2013
stattgefunden hat und wie sich diese Veränderung gegebenenfalls auf die
funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgewirkt hat. Da-
mit mangelt es dem Gutachten im vorliegenden revisionsrechtlichen Kon-
text am rechtlich erforderlichen Beweiswert. Hinzu kommt, dass Dr. med.
B._ ihre Arbeitsfähigkeitseinschätzung anhand der für die Deutsche
Rentenversicherung massgebenden Abstufung abgegeben hat. Diese
grobe Abstufung des deutschen Rentensystems kann jedoch – wie bereits
erwähnt – nicht auf die feinere Abstufung im schweizerischen Invalidenver-
sicherungsrecht übertragen werden. Das neurologische Sachverständi-
gengutachten vom 26. Juni 2017 vermag somit den im rentenrevisions-
rechtlichen Kontext besonderen beweisrechtlichen Anforderungen nicht zu
genügen.
6.3.11 Schliesslich enthält auch der Kurzentlassungsbericht vom 9. Okto-
ber 2017 der Klinik C._ keine hinreichenden Angaben für die Frage
nach einer rentenrelevanten Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse.
Hinzu kommt, dass die angeführte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in
sich widersprüchlich ist. So sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig.
Gleichzeitig wird aber angeführt, er sei für seine bisherige Tätigkeit und für
Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt im Umfang von 3 bis unter
6 Stunden belastbar, was einer teilweisen Arbeitsfähigkeit entspricht.
6.3.12 Nach dem Gesagten erweisen sich die aktenkundigen medizini-
schen Berichte und Gutachten für die Beurteilung der Frage, ob und inwie-
fern seit der ursprünglichen Rentenzusprache im April 2013 eine rentenre-
levante Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
C-2654/2018
Seite 22
eingetreten ist, als ungenügend. Zwar liegen Anhaltspunkte für eine Ver-
besserung seines Gesundheitszustands vor. Doch lässt sich aufgrund der
vorliegenden Akten weder deren Ausmass noch deren Auswirkung auf die
funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers abschliessend be-
urteilen. Hinzu kommt, dass sich die Arbeitsfähigkeitseinschätzungen in
den einzelnen Berichten teilweise massiv widersprechen.
6.3.13 Was die Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. med. M._ und
der IV-Neurologin Dr. med. N._ anbelangt, ist festzuhalten, dass
Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, wie Aktengutachten
beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es
im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest-
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Ur-
teile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3). Da die Stellungnahmen von Dr. med. M._ und Dr. med.
N._ letztlich auf ungenügenden medizinischen Akten beruhen, ver-
mögen sie den beweisrechtlichen Anforderungen nicht zu genügen. Über-
dies setzen sie sich in keiner Weise mit den sich widersprechenden Ar-
beitsfähigkeitseinschätzungen in den einzelnen Berichten auseinander,
sondern schliessen ohne fundierte und nachvollziehbare Begründung aus
der Arbeitsfähigkeitseinschätzung der deutschen Gutachter Dr. med.
C-2654/2018
Seite 23
D._ und Dr. med. B._ im Umfang von 3 bis unter 6 Stunden
täglich auf eine Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit von 50 %.
6.3.14 Damit resultiert, dass sich aufgrund der vorliegenden medizinischen
Akten nicht beurteilen lässt, ob im Vergleich zum Zeitpunkt der ursprüngli-
chen Rentenzusprache am 30. April 2013 eine rentenrelevante Verände-
rung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist.
6.4 Überdies ist darauf hinzuweisen, dass der Sachverhalt auch in erwerb-
licher Hinsicht unvollständig abgeklärt ist.
6.4.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass die angestammte Tätigkeit des
Beschwerdeführers die Tätigkeit als promovierter Chemiker sei (vgl. BVGer
act. 10 S. 1; act. 99 S. 2; 107 S. 3). Chemiker können jedoch unterschied-
liche Funktionen ausüben. Der Beschwerdeführer gab an, zuletzt die Tä-
tigkeit als «Scientist, NMR-Manager (Laborleiter)» ausgeübt zu haben
(act. 19 S. 1). Dem Bericht vom 17. November 2015 des Zentrums
F._ ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zuletzt
in einer Forschungseinheit mit 250 Mitarbeitern als NMR-Manager einge-
setzt gewesen sei und Analysen für Pharmaprodukte erstellt habe. Es habe
sich überwiegend um eine körperlich leichte PC-Tätigkeit im Sitzen gehan-
delt. Die Tätigkeit habe präzises Arbeiten, gutes Konzentrationsvermögen
und hohe Sachkompetenz sowie gute schriftsprachliche Kenntnisse in eng-
lischer Fachsprache erfordert (act. 89 S. 2). Weiter ist dem Krankenbe-
richtsformular vom 6. September 2016 zu entnehmen, dass der Beschwer-
deführer als promovierter Chemiker in einer Führungsposition tätig gewe-
sen sei (act. 95 S. 4).
6.4.2 Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob sich die Vorinstanz mit dem
Anforderungsprofil der letzten Arbeitsstelle des Beschwerdeführers, insbe-
sondere hinsichtlich der Forschungstätigkeit sowie der Führungsfunktion
bzw. Laborleitung, auseinandergesetzt hat. Das von Dr. med. D._
in seinem Gutachten vom 1. September 2016 umschriebene negative Leis-
tungsbild (einfache Anforderungen ohne besondere Verantwortung, ohne
Publikumsverkehr, ohne Anforderungen an Flexibilität, Anpassungsvermö-
gen sowie Wendigkeit; act. 97 S. 21) lässt sich mit einer Führungsfunktion
jedenfalls kaum vereinbaren. Diesbezüglich ist demnach in einem ersten
Schritt das Anforderungsprofil der letzten Tätigkeit des Beschwerdeführers
im Detail abzuklären. In einem zweiten Schritt wird im Rahmen der erfor-
C-2654/2018
Seite 24
derlichen weiteren medizinischen Abklärung zu erörtern sein, ob und ge-
gebenenfalls inwiefern der angestammte Beruf dem Beschwerdeführer zu-
mutbar ist.
6.4.3 Aus den Abklärungen anlässlich der aktuellen Rentenrevision geht
sodann hervor, dass der Beschwerdeführer im 2016 und 2017 auf Stun-
denbasis als Dozent tätig gewesen ist. Laut Honorarvereinbarung mit dem
P._ war der Beschwerdeführer namentlich mit der Vorbereitung und
Durchführung eines Lernangebotes für die Teilnehmenden der Berufsbil-
dungsprogramme betraut (act. 63 S. 9). Gemäss eigenen Angaben ist der
Beschwerdeführer 1998 bis 2003 als Postdoktorand an der Universität
Q._ und an der Hochschule R._ tätig gewesen (act. 31; 38
S. 1). Ob er dabei auch als Dozent gearbeitet hat, ist unklar. Im Zusam-
menhang mit der erwerblichen Abklärung wird daher auch abzuklären sein,
inwiefern dem Beschwerdeführer eine Dozententätigkeit zumutbar ist.
6.5 Die angefochtene Verfügung ist folglich gestützt auf eine unvollstän-
dige Sachverhaltsabklärung sowohl in medizinischer als auch erwerblicher
Hinsicht ergangen, weshalb die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1
VwVG zur Vornahme der notwendigen medizinischen und erwerblichen
Abklärungen und hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzu-
weisen ist.
6.5.1 Diese Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt in Übereinstimmung mit
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher eine Rückwei-
sung an die IV-Stelle im Falle einer notwendigen Erhebung einer bisher
vollständig ungeklärten Frage möglich ist. Ebenso steht es dem Bundes-
verwaltungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klar-
stellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen
erforderlich ist (BGE 139 V 99 E. 1.1; 137 V 210 E. 4.4.1.4).
6.5.2 Aufgrund der neurologischen Funktionsstörungen des Beschwerde-
führers ist die Vorinstanz anzuweisen, den Beschwerdeführer in der
Schweiz zumindest neurologisch begutachten zu lassen. Der Beizug allfäl-
liger weiterer Spezialisten – namentlich eines Facharztes in Psychiatrie –
ist in das pflichtgemässe Ermessen der Vorinstanz bzw. des Gutachters zu
stellen.
6.5.3 Das Gutachten hat dabei nicht nur Auskunft über den aktuellen Ge-
sundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerde-
C-2654/2018
Seite 25
führers sowohl in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als auch eine Ver-
weistätigkeit zu geben, sondern auch darüber, ob und gegebenenfalls in-
wiefern sich die Verhältnisse im Vergleich zu denjenigen im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache im April 2013 effektiv verändert haben.
6.5.4 Sollten sich im Rahmen der Begutachtung psychiatrische Diagnosen
ergeben, ist darauf hinzuweisen, dass diese gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung einem strukturierten Beweisverfahren anhand der Stan-
dardindikatoren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. vorste-
hende E. 4.7 und BGE 143 V 409; 143 V 418).
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der massgebliche Sachverhalt
sowohl in medizinischer als auch erwerblicher Hinsicht unvollständig abge-
klärt worden ist. Damit lässt sich anhand der vorliegenden Aktenlage nicht
abschliessend beurteilen, ob und gegebenenfalls inwiefern eine rentenre-
levante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist. Die Be-
schwerde ist deshalb insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache zur weiteren medizinischen und erwerbli-
chen Abklärung und anschliessenden Neuverfügung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen ist. Dabei ist die Vorinstanz anzuweisen, den Beschwerde-
führer in der Schweiz zumindest durch einen Facharzt in der Disziplin Neu-
rologie begutachten zu lassen. Der Beizug allfälliger weiterer Fachärzte ist
in das pflichtgemässe Ermessen der Vorinstanz bzw. des Gutachters zu
stellen.
8.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei die Verfahrenskosten grundsätzlich der unterlie-
genden Partei auferlegt werden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Rückweisung
der Sache zu erneuter Abklärung gilt für die Frage der Auferlegung der Ge-
richtskosten und der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (vgl.
BGE 137 V 210 E. 7.1; 132 V 215 E. 6; Urteil des BGer 8C_897/2017 vom
14. Mai 2018 E. 4.1). Entsprechend sind dem obsiegenden Beschwerde-
führer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.74 ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
C-2654/2018
Seite 26
8.2 Dem nicht anwaltlich vertretenen, obsiegenden Beschwerdeführer sind
keine unverhältnismässig hohen Kosten entstanden, weshalb ihm keine
Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).