Decision ID: 2825eb31-a820-4705-abf5-747932547439
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, reiste am
8.
Juli 1992 in die Schweiz ein, ist Mutter zweier erwachsener Kinder
(1991, 1994)
und seit 1997 gesc
hieden (
Urk.
7/10
)
.
Von
Februar 200
2
bis November 2003 arbei
tete sie mit einem Pensum von
70
% bei der
Y._
A
G
in
Z._
(
Urk.
7/2,
Urk.
7/
6
)
,
von
Juli 2006 bis
Novembe
r
2007 zu
nächst zu
40
%
respektive später zu
80
% als
Reinigungs
mitarbeiterin
im
A._
in
B._
(
Urk.
7/22 S. 1
,
Urk.
7/48 S.
3
). Zuletzt war die Versicherte vom
1.
Mai 2010 bis 3
0.
April 2011 als Mitarbeiterin am Empfang respektive im Kunden
dienst mit einem Pensum von 60 % bei der
C._
in
Z._
tätig
, wobei ihr effektiver letzter Arbeitstag auf de
n
1
2.
Januar 2011 fiel (
Urk.
7
/2
0/1
).
Am 2
3.
Juli 2011 meldete
die Versicherte
sich unter Hinweis auf eine rezidivierende Depression bei der
Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (
Urk.
7/10).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein
psychiatrisches
Gutachten ein (
Urk.
7/44).
Am 2
0.
März 2013 führte die IV-Stelle in der Wohnung der Beschwerdeführerin eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (
Urk.
7/48) durch.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
f
a
hren
(
Urk.
7/52
) wies die IV-Stelle m
it Verfügung vom 15.
Oktober 2013 (
Urk.
2)
das Leistungsbegehren der Versicherten ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
5.
Oktober 2013 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
4.
November 2013 Bes
chwerde (
Urk.
1) und beantragte
die Aufhebung besagter Verfügung sowie die
Zusprache
einer ganzen Rente ab
1.
Juli 201
2.
In formeller Hinsicht stellte die Beschwerdeführerin den Antrag um unentgeltliche
Prozess
führung
(S. 2).
Mit Vernehmlassung vom 1
3.
Dezember 2013 (
Urk.
6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin am 1
7.
Dezember 2013 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Nach
Art.
6
Abs.
1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
haben schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose grundsätz
lich Anspruch auf die im Gesetz
vorgesehenen Leistungen. Ausländi
sche Staatsangehörige sind gemäss
Art.
6
Abs.
2 IVG nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben.
Vorbehalten bleiben abweichende zwischenstaatli
che Vereinbarungen.
Gemäss
Art.
36
Abs.
1 IVG (in der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Fas-
sung
) haben (schweizerische oder ausländische) Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines Jahres Beiträge geleistet haben, Anspruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversicherung. Seit dem
1.
Januar 2008 wird für den Anspruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversicherung eine Beitragszeit von mindestens drei Jahren vorausgesetzt (
Art.
36
Abs.
1 IVG; in der seit
1.
Januar 2008 geltenden Fassung).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). E
rwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Nach
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.
Im Falle einer Rente gilt die Invalidität
erst mit der Ent
stehung des Rentenanspruchs als eingetreten
(BGE 138 V 475 E. 3).
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die u.a. während eines Jahres ohne wesentli
chen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG). Der Rentenanspruch ent
steht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 1
8.
Altersjahres folgt. Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG).
Unter relevanter
Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erschei
nung treten, dass der Versicherte an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die
Leistungsein
busse
muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfä
higkeit genügt nicht (SVR 2008 IV Nr. 11 S. 32, I
687/06 E. 5.1; E. 4.2 des in SZS 2003 S. 434 zusammengefassten Urteils B 13/01 vom
5.
Februar 2003). Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitli
cher
Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009 E. 5). Der Zeitpunkt des Ein
tritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen) nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträg
liche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (
Bundesgerichtsurteil 8C_41/2011 vom 1
7.
Mai 2011 E
. 2.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in de
r Expertise begründet sind (
BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefoc
htene Verfügung
damit, dass bei der Beschwerdeführerin schon seit dem 1
8.
Lebensjahr von einer 50%igen Erwerbsunfähigkeit
auszugehen sei. Entsprechend sei die Beschwerdefüh
r
erin 1992 bereits mit einem Gesundheitsschaden in die Schweiz eingereist
, weshalb sie die Voraussetzung der
Beitragspflicht nicht erfülle. Die von der Beschwer
deführerin vor 2011 ausgeführten Erwerbstäti
gkeiten mit einem Pensum von 60
bis
80 %
seien zudem
lediglich als Versuche zu qualifizieren
, mehr als 50 % zu arbeiten, welche die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden indessen wie
der habe abbrechen müssen (
Urk.
2, vgl. auch
Urk.
7 S. 2
).
2.2
D
ie Beschwerdeführerin
stellte sich demgegenüber
in ihrer Beschwe
rde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, sie habe bei drei verschiedenen Arbeitgebern zwischen
einem bis fast zwei Jahre am Stück mit einem Arbeitspensum von 60 bis 80 % gearbeitet, weshalb die Behauptung, bei ihr
habe
nie eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 50 % vorg
elegen, falsch sei (S. 3
). Unzutreffend sei
überdies
die medi
zinische Schlussfolgerung, wonach bei ihr bereits vor der Einreise in die Schweiz ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorgelegen habe. Die von der Gutachterin
Dr.
D._
aufgestellte Behauptung, wonach die Beschwerde
führerin aufgrund ihrer defizitären Persönlichkeitsstruktur nie zu mehr als 50 % in der freien Wirtschaft arbeitsfähig gewesen sei, sei weder fundiert noch nach
vollziehbar und stehe im Widerspruch zu den anderen Arztberichten,
in
welche
n
das Auftreten
von
psychiatrische
n
Erkrankungen respektive Persönlichkeitsstö
rungen erstmals
ab 2008 beziehungsweise Dezember 2011
erwähnt
werde
(S. 4
). Nachdem sie bis November 2007 in einem Arbeitspensum von 80 % gearbeitet habe, sei davon auszugehen, dass die Invalidität etwa 20
08 eingetreten sei (S.
6
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Invalidenrente
hat.
Diese Frage
ist mangels eines (ratifizierten)
Sozialversiche
rungsabkommens
zwischen der Schweiz und
E._
direkt
nach Massgabe des IVG zu prüfen.
Zu klären ist insbesondere
, ob
mit dem im
Sozialversicherungs
recht
geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 125 V 353 E. 5b mit Hinweisen) ein zu
invalidisierender Arbeitsunfähigkeit führender Gesundheitszustand bereits bei der Einreise in die Schweiz im Juli 1992 bestand
.
Unbestritten ist,
dass die Beschwerdeführerin als voll Erwerbstätige zu qualifizi
eren ist (vgl.
Urk.
8/50/5).
3.
3.1
Im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung
am
1
5.
Oktober 2013
präsentierte sich folgende medizinische Aktenlage
:
3.
2
Die behandelnden Ärzte des
F._
,
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellten in ihrem Bericht vom
9.
September 2011 (
Urk.
7/21) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S.
1):
Rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere Episode (ED 11/2010, F33.2), bestehend seit mindestens 2008
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung impulsiver Typ (F60.3) (aktenanamnestisch
J._
,
2008)
Störung durch Kokainabhängigkeitssyndrom
,
abstinent seit circa zwei Jahren (F14.20), bestehend seit mehreren Jahren
Störung durch
Benzodiazepinabhängigkeitssyndrom
, ab
stinent
, en
t
stand im Rahmen der Behandlung der
Grunderkrankung
(
F13.2
0), bestehend seit Januar 2011
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin sei erstmals im März 2009 bei bestehender depressiver Episode und in einer Belastungssituation zur B
ehand
lung erschienen.
Ab
ungefähr 2010 sei
der Zustand – auch nach Absetz
ung
der Antidepressiva -
stabil gewesen
.
Im Frühjahr 2010 habe sie eine 60 %-Stelle bei der
C._
annehmen können. Aufgrund einer
Tren
nungssituation
sei es im Dezember 2010 zu einer Verschlechterung des Zustands gekommen,
was am 3
1.
Dezember 2010
in einem Suizidversuch
ge
gipfelt
habe
. Nach
kurzer
stationärer
Hospitalisation
und Etablierung einer entsprechenden Medikation
habe sich das Befinden stabilisiert
, wobei sich aller
dings eine
Benzodiazepinabhängigkeit
entwickelt habe. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses seitens der
C._
im März/April 2011
habe die Beschwerdeführerin in eine erneute Krise gestürzt, was zur Ver
schlechterung der depressiven Symptomatik
und kurzzeitigen Zunahme von Suizidgedanken
geführt habe.
D
er Beschwerdeführerin attestierten
die Ärzte
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 3 f.
).
3.
3
In dem vom Krankentaggeldversicherer der Beschwerdeführerin in A
uftrag gege
benen
Gutachten vom 1
0.
Februar 2012 (
Urk.
7/24/4-15)
stellte
n
Prof.
Dr.
med.
G._
, Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof.
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie FMH
von
der
I._
,
folgende Diagnosen (S. 8 f.):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.1)
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10: F60.3)
Kokainabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.20)
Alkoholabusus (ICD-10: F10.10)
Tabakabhängigkeit (ICD-10: F17.2)
Die Gutachter
führten aus
, bei der Beschwerdeführerin seien im Zeitpunkt der Exploration die Symptome für eine mittelgradige depressive Symptomatik gegeben.
Während der meisten Zeit
des Tages
liege
eine depressive Stimmung von deutlich ungewöhnlichem Ausmass vor, welche im Wesentlichen unbeein
flusst von den Umständen sei. Zudem seien ein Interessen- und Freudeverlust, ein verminderter Antrieb, eine gesteigerte Ermüdbarkeit, suizidale Gedanken, Störungen des Konzentrationsvermögens, Schlafstörungen
sowie
Appetitverlust mit entsprechender Gewichtsveränderung gegeben
(
Urk.
7/
24/27
-41 S.
9-
11)
.
A
ufgrund der aktuellen Ausprägung des depressiven Störungsbildes
attestierten die Gutachter
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und bestätigten damit ihre frühere Einschätzung vom
2
8.
September 2011
, als sie die Beschwerdeführerin bereits einmal untersucht hatten (
Urk.
7/24/27-41 S. 13
)
.
3.
4
I
m Bericht vom 2
9.
März 2012 (
Urk.
7/27) nannten
die Ärzte
der
J._
folgende Diagnosen (S. 1):
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
Borderline
-Typ (ICD-10: F60.31)
Rezidivierende depressive Störung, gegenwä
rtig mittelgradige Episode (ICD
10: F33.1)
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Psychische und Verhaltensstörungen
durch Sedativa oder Hyp
notika:
Ab
hängigkeitssyndrom
, seit Januar 2011 (ICD-10: F13.2)
Die Ärzte
führten aus, die Auffassung
der Beschwerdeführerin
sei unauffällig gewesen, der Gedankengang formal kohärent und geordnet, und es hätten keine Hinweise für Wahn, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen oder Zwang vorgelegen.
D
ie Konzentration und Aufmerksamkeit
seien demgegenüber
reduziert und die Grundstimmung
sei
bedrückt gewesen. Es sei eine ausgeprägte Affek
t
labilität und Probleme in der Affektregulation feststellbar gewesen
,
und die Beschwer
d
eführerin sei innerlich unruhig und
angespannt gewesen. Die Beschwerde
führerin habe über paranoide Denkinha
lte in Krisensituation
en
, soziale Ängste
, ausgeprägte Erschöpfung und Energielosigkeit, erhöhte Tagesmüdigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen sowie Inappetenz berichtet. Der Antrieb sei reduziert gewesen, die Psychomotorik unauffällig. Bei der Beschwerdeführerin sei
en
immer wieder Suizidgedanken aufgetreten, eine Fremdgefährdung liege demge
genüber nicht vor (S. 2).
W
eiter
wiesen die Ärzte
darauf hin, dass die Befunde im bisherigen
Behandlungs
verlauf
stationär seien.
Eine
Prognose sei bei immer wiederkehren
der depressiver Symptomatik auf dem Boden einer schweren
Persönlichkeits
störung
vorsichtig zu stellen. Durch die Teilnahme an einer
störungsspezifi
schen
Therapie könne es zu einer Verbesserung der Symptomatik kommen, wobei die Frage, ob die Beschwerdeführerin in Zukunft wieder eine
Teilarbeits
fähigkeit
erreichen könne, im Verlauf zu beurteilen sei
(S. 3)
.
3.
5
Im
Gutachten vom 2
7.
November 2012 (
Urk.
7/44)
, welches auf den
Vorakten
sowie auf eigenen Untersuchungen am 2
6.
November 2011 beruhte (S. 2),
stellte
Dr.
D._
folgende Diagnosen (S. 23 f.):
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10: F60.30) mit
-
rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11)
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
I
atrogene
low
dose Sedativa- und Hyp
notika-Abhängigkeit (ICD-10: F
13.25)
Störungen durch Alkohol, Abhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.20)
Störungen durch Kokain, Abhängigkeit, gegenwärtig stabil abstinent (ICD
10: F14.202)
Die Gutachterin führte aus, die Beschwerdeführerin habe das
Gesamtbild
einer hochgradig impulsive
n
, in ohnmächtiger Wut, Selbsthass und
Frustrationserle
ben
verstrickte
n
, überforderte
n
und sehr verzweifelte
n
Person vermittelt. Die Introspektions- und
Selbstreflektionsfähigkeit
sei
en
als sehr eingeschränkt erschienen, wobei die
Reflektionsversuche
der Beschwerdeführerin in pau
schalen Entwertungen, ordinäre
n
Beschimpfungen von Bezugspersonen und Schuldzuweisungen an Dritte resultiert hätten. Die Persönlichkeit erscheine sehr einfach konstruiert und unreif mit diffusen Selbst- und Objektkonzepten und ohne klare Zielsetzungen. Es seien Widersprüche mit früheren Angaben der Beschwerdeführerin aufgefallen, die im Rahmen der sonstigen Merkmale auch der Persönlich
keitsstörung zuzuweisen
seien
(unklares Selbstbild, fehlendes eigenes Historizitätserleben,
Pseudologia
fantastica
). Das Gedächtnis, die Auf
merksamkeit und Merkfähigkeit seien ungestört, die Beschwerdeführerin habe aber bei mittelgradiger psychomotorischer Unruhe unkonzentriert und leicht ablenkbar gewirkt. Das formale Denken sei mittelgradig sprunghaft und einge
engt und es seien eine Selbstwertproblematik,
ein
Insuffizienzerleben, Schuld
gefühle, Scham und Projektionstendenzen feststellbar gewesen. Ebenso hätten Hinweise für eine fragliche Ich-Demarkation
sowie Ich-
Diffusionen
sowie
ein
anamnestisch flüchtiges psychotisches Erleben mit Illusionen und
Wahnwahr
nehmungen
respektive Sinnestäuschungen in Momenten der psychischen Hochspannung vorgelegen.
Die Schwingungsfähigkeit sei mittel- bis hochgradig vermindert gewesen und es sei eine
dysphorische
Grundstimmung sowie eine im Gespräch eindrücklich feststellbare verbale Impulsivität
und wiederholt brachi
ale „Ausbrüche“ (Drohgebärden, Faustschläge auf den Stuhl) aufgefallen. Die emotionale Modulationsfähigkeit sei vermindert gewesen und die Beschwerde
führerin habe ausgesprochen kritikunfähig, frustrationsintolerant, ungeduldig und leicht reizbar gewirkt. In den letzten
Jahren
sei eine Steigerungstendenz der selbstdestruktiven Handlungen mit immer tieferen Schnitten am ganzen Kör
per und zuletzt auch im Gesicht
aufgetreten. Bei der Beschwerdeführerin seien frei flottierende Ängste und Sozialängste, ein Vermeidungsverhalten, eine Ab
lehnung des Selbst, eine Störung der Vitalgefühle, Ein- und
Durchschlafstörun
gen
, ein sehr karges soziales Beziehungsnetz sowie eine Überforderung in Freund- und Par
tnerschaften
eruierbar
gewesen
(S. 19 f.
und S. 22
).
B
iogra
phisch-exploratorisch
erweise sich das Leiden mit Hinweis
auf
eine
hochgradige Impulsi
vität und emotionale Labilität,
fehlende Konzeptbildung,
Verla
ssenheits
ängste
und
dysfunktionale Bewältigungsstrategien wie Alkoholexzesse (in den 90er Jahren bis 2004) und
Kokainabusus
(letzter „Absturz“ 2007) und immer wiederkehrender Suizidalität, Suizidandrohungen,
-
impulsen und
-
versuchen (1999, 2008
und 3
1.
Dezember 2010
) als vielschichtig (
S. 21).
Diagnostisch ordnete die Gutachterin
die psychischen Beschwerden
einer schwe
ren strukturellen Persönlichkeitsstörung auf
Borderline-Organisationsni
veau
mit impulsiven Zügen
sowie einem als
habituell zu bezei
chnenden
dys
phorisch-depressive
m
mittelgradige
m
Zustandsbild
zu
(S. 23).
Zur Arbeitsfähig
keit erklärte sie, dass die Beschwerdeführerin
in der Schweiz nur zwischen A
pril 2010 bis April 2011
ang
estellt
gewesen
sei
, als sie mit einem 60%igen
Arbeits
p
ensum
in ei
nem Fitnessklub gearbeitet habe.
Seit dem Selbstmordversu
ch Ende Dezember 2010 respektive
s
eit dem
1.
Januar 2011
liege (erneut) eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vor.
Die psychiatrische Biographie der Beschwerdeführeri
n zeige
seit 1999 wiederkehrende Klinikaufenthalte
, ein in unmittelbarem Zusammenhang mit der psychischen Störung und
den
Komorbiditäten
stehen
des Delikt (2004)
und ein Versagen in allen Lebensbereichen, was auf eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit schon vor dem
Suizidversuch respektive dem
1.
Januar 2011 schliessen lasse. Es erscheine
daher
berechtigt anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin nie mehr als 50 % in der freien Wirtschaft arbeitsfähig gewesen sei
. Ob sie
je wieder zu einem basalen Leistungsniveau von 50 % in der freien Wirtschaft zurückkehren könne, sei aktuell fraglich, dies insbesondere im Hinblick auf die Progredienz der Erkrankung trotz psychiatri
scher und psychopharmakologischer Behandlung mit stets vehementeren Selbstverletzungen
(S. 25)
. Die Arbeitsunfähigkeit sei vollumfänglich auf die Persönlichkeitsstörung zurückzuführen
,
und es würden keine (primären) psy
chosozialen Belastungsfaktoren vorliegen
.
Valable
neue
Behandlungs
empfehlungen
könnten nicht gemacht werden, da mit der aktuellen
Gruppen
betreuung
im Tageszentrum der
J._
und der therapeutischen
Beziehung zu ihrer Ärztin schon ein hohes
Interaktionsni
veau
mit der Beschwerdeführerin erreicht sei
(S. 2
6 f.
und S. 28
).
3.6
Gestützt auf das Gutachten
von
Dr.
D._
hielt
der RAD-Arzt Dr.
med.
K._
, Facharzt Allgemeinmedizin
, in seine
n
Stellungnahme
n
vom
6.
und
1
6.
De
zember 2012 (
Urk.
7/50)
fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund einer emo
tional instabilen Persönlichkeitsstörung
vom impulsiven Typ in jeglicher
T
ätigkeit seit Januar
2011 respektive seit ihrem 18.
Lebensjahr zu 50 % arbeits
unfähig (S. 4 und S. 5).
4.
Die Annahme der Gutachterin
Dr.
D._
, wonach die Beschwerdeführerin nie mehr als 50
%
arbeitsfähig gewesen sei, erfolgte offenbar
aufgrund der falschen Angaben der Beschwerdeführerin und
ohne nähere Kenntnis des
effektiven
beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin. So ging die Gutachterin davon aus, dass die Beschwerdeführerin
vor d
e
m Stellenantritt bei der
C._
am
1.
Mai 2010
nur pun
ktuell
erwerbstätig
gewesen sei
(
Urk.
7/44/22). Dem ist nicht so. Die Beschwerdeführerin arbeitete
als Reinigungsmitarbeiterin
von Februar 2002 bis November 2003 in einem 70
%
-Pensum
für die
Y._
AG und von Juni 2006 bis November 2007 zunächst zu 40
%
, dann zu 80
%
im Spital
B._
(
Urk.
8/2
,
Urk.
8/6,
Urk.
8/48/2-3
).
Die Tätigkeit
bei der
Y._
AG übte die Beschwerdeführerin während rund 22
Monaten aus. Aufgrund dieser Dauer kann nicht mehr von einem Arbeits
versuch gesprochen werden.
Dass in dieser Zeit am Arbeitsplatz relevante Leistungseinbussen aufgetreten wären, ist nicht aktenkundig und auch nicht anzunehmen, andernfalls das A
rbeitsverhältnis wohl früher geendet hätte.
Da die Beschwerdeführerin
nach ihrer Einreise in die Schweiz
während
knapp zwei Jahren eine Arbeitsleistung von 70
%
erbrachte
(womit eine
allfällig
bestehende Teila
rbeitsunfähigkeit
unter 40
%
lag
)
,
konnte
der Versicherungsfall Invalidität erst danach
, also nach November 2003,
ein
treten (vgl. E. 1.3)
. Di
e
für die
Versi
cherungsunterstellung
nötige Beitr
agszeit
hatte sie
im Übrigen
z
u jenem Zeit
punkt
längstens erfüllt
(siehe Auszug aus dem individuellen Konto,
Urk.
7/6).
Es ist zwar nicht ausz
uschliessen, dass eine gewisse Vulnerabilität
für die psychi
sche Erkrankung
oder gar eine
Teilarbeitsunfähigkeit
bereits bei der
Einreise bestand.
Ei
ne
Invalidität
(E. 1.3)
lag
indessen zu jenem Zeitpunkt
nach dem Gesagten
noch
nicht
vor
.
Daher
vermag auch die rückwirkende Beu
rteilung der Gutachterin
Dr.
D._
zu keinem anderen Ergebnis zu führen
,
zumal
echt
zeitliche
medizinische Dokumente
fehlen
und arbeitsrechtlich relevante Auffäl
ligkeiten
nicht dokumentiert sind
. Die beweisrechtliche Frage nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
ist somit zu Gunsten
der Beschwerdeführerin zu beant
worten.
Wann die
Invalidität im weiteren Verlauf eintrat, lässt sich aufgrund der Akten nicht genau bestimmen.
Eine genaue Bestimmung kann unterbleiben, weil
ein
Rentenanspruch aufgrund der Anmeldung am 2
3.
Juni 2011 frühestens
am
1.
Dezember
201
1
entstehen konnte
und
unbestrittenermassen seit
1.
Januar 2011 eine
volle Arbeitsunfähigkeit be
s
tand
.
Nach dem Gesagten hat
d
ie
Beschwer
deführerin ab
1.
Januar 2012
Anspruc
h auf eine ganze Invalidenrente
.
5.
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 6
00.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Prozess
führung
als gegenstandslos.