Decision ID: d3000b0b-c866-5e36-bcd1-feaafa9ea8f7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 22. Oktober 2016 am Flughafen
E._ um Asyl. Am 23. Oktober 2016 wurde Herr A._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführer) und am 31. Januar 2017 Frau B._ (nach-
folgend: Beschwerdeführerin) im Rahmen der Befragung zur Person (BzP)
summarisch befragt. Am 27. Juni 2017 wurden beide vertieft zu ihren Asyl-
gründen angehört.
Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Begründung seines Asylge-
suchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei su-
danesischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie aus F._, Region
Darfur. Im Jahr (...) habe er in Khartum ein Studium der (...) abgeschlossen
und anschliessend bei verschiedenen (...) und (...) gearbeitet, ab dem Jahr
2009 dann im (...), im (...) sowie als (...). Im Jahr (...) habe er die aus den
Philippinen stammende Beschwerdeführerin geheiratet und mit ihr in
G._ im Grossraum Khartum gelebt. In den Folgejahren seien sie
rund drei bis vier Mal zu Urlaubszwecken und zum Besuch der Schwieger-
familie auf die Philippinen gereist. Dort sei auch ihr erstes Kind geboren.
Ab dem Jahr 2015 habe er (der Beschwerdeführer) sich öffentlich zur poli-
tischen Lage in seiner Herkunftsregion Darfur geäussert, regierungskriti-
sche Texte verfasst und Flugblätter verteilt. Sudanesische Sicherheits-
kräfte hätten ihn deshalb ab April 2015 mehrfach zuhause aufgesucht und
ihn sowie die Beschwerdeführerin bedroht. Drei Mal sei er zu Befragungen
mitgenommen und jeweils mehrere Tage festgehalten worden. Am (...) Ap-
ril 2015 habe ein Gericht ihn in Abwesenheit wegen Aufhetzung gegen die
Regierung zu einer Haftstrafe verurteilt und per Haftbefehl zur Fahndung
ausschreiben lassen. Ausserdem sei er per 27. April 2015 mit einem Aus-
reiseverbot belegt worden. Aufgrund dieser Probleme sei die Familie im
Jahr 2016 illegal auf dem Luftweg in die Philippinen ausgereist und habe
sich dort niederlassen wollen. Allerdings habe seine (des Beschwerdefüh-
rers) Schwester ihnen später mitgeteilt, die sudanesischen Behörden hät-
ten ihn daheim gesucht und von seinem Aufenthalt auf den Philippinen
Kenntnis erlangt. Aus Angst, dort auch verfolgt zu werden, hätten sie daher
beschlossen, in Europa Schutz zu suchen. Da er (der Beschwerdeführer)
die Weiterreise nur vom Sudan aus habe organisieren können, sei die Fa-
milie im (...) 2016 dorthin zurückgekehrt und habe das Land einen Monat
später über den Flughafen von Khartum definitiv verlassen.
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Die Beschwerdeführerin brachte im Wesentlichen vor, sie sei philippinische
Staatsangehörige und stamme aus der Stadt H._, wo sie die Mittel-
schule abgeschlossen und eine Ausbildung zur (...) absolviert habe. Zwi-
schen (...) und (...) sei sie in verschiedenen Ländern als (...) oder (...) tätig
gewesen. Im Jahr (...) sei sie in den Sudan gereist und habe fortan als (...)
gearbeitet. Hinsichtlich der Ereignisse ab dem Jahr (...) machte sie ähnli-
che Angaben wie der Beschwerdeführer betreffend die familiäre Situation,
die Verhaftungen ihres Ehemannes aufgrund seines politischen Engage-
ments, die Ausreise in die Philippinen, die Rückkehr in den Sudan sowie
die Weiterreise nach Europa. Bei der Verhaftung des Beschwerdeführers
im (...) 2015 habe einer der Polizisten sie geschubst, als sie sich verbal in
das Geschehen eingemischt habe. Sie habe zudem bemerkt, dass sie von
mutmasslichen Regierungsangehörigen auf der Strasse beobachtet
werde. Nach der Ankunft in E._ habe sie ihr ungeborenes Kind ver-
loren. Aufgrund des Erlebten gehe es ihr weiterhin psychisch schlecht.
Mit dem Gesuch reichten die Beschwerdeführenden einen Geburtsregis-
terauszug des Beschwerdeführers im Original mit englischer Übersetzung,
einen Geburtsregisterauszug der Beschwerdeführerin und des ersten Kin-
des, die Taufbescheinigung des Kindes und das Ehezertifikat, alles jeweils
in Kopie, ein philippinisches «Alien Certificate of Registration» und den su-
danesischen Führerschein des Beschwerdeführers, beides im Original, ein
Schreiben eines sudanesischen Anwalts in Kopie, Kopien von Stempelein-
trägen im Pass des Beschwerdeführers sowie verschiedene Reisedoku-
mente in Kopie ein.
B.
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2018 forderte das SEM die Beschwerde-
führenden auf, die anlässlich der Anhörung geltend gemachten medizini-
schen Beschwerden der Beschwerdeführerin mit ärztlichen Berichten zu
belegen.
C.
Mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 kamen die Beschwerdeführenden
dieser Aufforderung nach und reichten acht ärztliche Berichte betreffend
die Beschwerdeführerin, datierend zwischen dem 11. Mai 2017 und dem
19. Dezember 2018, ein (vgl. für Auflistung vorinstanzliche Akte A60).
D.
Mit Verfügung vom 2. August 2019 – eröffnet am 6. August 2019 – ver-
neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden,
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lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz
sowie deren Vollzug an.
E.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 4. September 2019 erhoben die
Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragten die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die
Rückweisung der Sache zwecks Neubeurteilung und zusätzlicher Abklä-
rungen, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die
Gewährung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft und vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge, subsubeventualiter die
vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung der rubrizier-
ten Rechtsvertreterin – damals als Mitarbeiterin der Freiplatzaktion Zürich
– als amtliche Rechtsbeiständin. Mit der Beschwerdeschrift reichten sie –
neben einer Kopie des Asylentscheids und der Vollmachten – vier ärztliche
Berichte betreffend die Beschwerdeführerin und einen betreffend den Be-
schwerdeführer, ein Empfehlungsschreiben und ein Zwischenzeugnis der
(...) zugunsten des Beschwerdeführers, ein Zwischenzeugnis des (...) zu-
gunsten der Beschwerdeführerin sowie eine Unterstützungsbestätigung
ein.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 10. September 2019 hielt die Instruktionsrich-
terin fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung hiess sie gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses, jenes um Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin wies sie mangels Erfüllung der zeitlichen Voraussetzun-
gen von aArt. 110a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) ab. Zugleich forderte sie das
SEM auf, nicht paginierte Seiten in den vorinstanzlichen Akten auf ihre Auf-
nahme in das Aktenverzeichnis zu überprüfen, sie erforderlichenfalls auf-
zunehmen und zu edieren, und lud es zur Vernehmlassung ein.
G.
Nach einmaliger Fristerstreckung kam das SEM der Aufforderung zur kor-
rekten Aktenführung nach und reichte am 27. September 2019 eine Ver-
nehmlassung ein. Diese wurde den Beschwerdeführenden am 1. Oktober
2019 zur Kenntnis gebracht.
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H.
Am (...) wurde das Kind (...) der Beschwerdeführenden geboren, worüber
sie das Gericht mit Schreiben vom 18. Dezember 2019 informierten.
I.
Mit Schreiben vom 27. Dezember 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine
Kostennote zu den Akten.
J.
Mit Schreiben vom 4. August 2020 informierte die Rechtsvertreterin das
Gericht über die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses bei der Freiplatz-
aktion Zürich sowie die Fortführung ihres Mandats im vorliegenden Verfah-
ren als selbständige Rechtsanwältin und teilte ihre neue Anschrift mit.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten; für
das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-
gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die
Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Das am (...) geborene Kind D._ wird in das vorliegende Verfah-
ren einbezogen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerdeführenden begehren zur Hauptsache die Aufhebung des
Entscheids und die Rückweisung der Sache zwecks Neubeurteilung und
zusätzlicher Abklärungen wegen Verletzung der Untersuchungspflicht und
ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör, einschliesslich der Begründungs-
pflicht. Die formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls eine
Kassation der erstinstanzlichen Verfügung bewirken können (vgl. BVGE
2013/34 E. 4.2).
3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sach-
verhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden
sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesent-
lichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.
2013, Rz. 1043).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1
m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-
bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-
dung angemessen zu berücksichtigen. Aus der Begründungspflicht als Teil-
gehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich dabei, dass die Abfassung der
Begründung der betroffenen Person ermöglichen soll, den Entscheid sach-
gerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl diese als auch
die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-
chen können (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2). Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-
legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
3.2 Zunächst rügen die Beschwerdeführenden, die Anhörung des Be-
schwerdeführers sei sehr kurz gewesen, habe zeitlich nach jener der Be-
schwerdeführerin um 14.25 Uhr begonnen und erst um 19.20 Uhr geendet.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Die befragende Person selbst habe während des gesamten Tages lediglich
zwei 15-minütige Pausen gemacht, was allenfalls Einfluss auf ihre Kon-
zentration gehabt habe. Weiter sei die Anhörung äusserst unstrukturiert ab-
gelaufen (Hin- und Herspringen zwischen Themen, fortlaufende Konfron-
tation mit Widersprüchen). Insbesondere sei dem Beschwerdeführer an
keiner Stelle die Möglichkeit zur freien Erzählung seiner Asylgründe gege-
ben worden. Sodann habe das SEM es unterlassen, auch nach der Anhö-
rung weitere Abklärungen zu tätigen, obwohl es an den Vorbringen und den
eingereichten oder angebotenen Beweismitteln gezweifelt habe. Dies gelte
etwa auch für die Angaben zum sudanesischen Urteil und Haftbefehl, wel-
che über die Botschaft hätten verifiziert werden können. Das SEM habe
demnach den Untersuchungsgrundsatz verletzt.
Das Gericht stellt nicht in Abrede, dass die Anhörungen für die Beschwer-
deführenden und namentlich für den Beschwerdeführer am Ende des Ta-
ges eine grosse Herausforderung darstellten. Auch geht aus den Akten
hervor, dass sich die Anhörungen von morgens bis spät abends erstreckten
und alle Beteiligten ermüdet haben dürfte. Zu berücksichtigen ist im Weite-
ren aber, dass die einzelnen Anhörungen weniger als fünf respektive sechs
Stunden beanspruchten und mehrere Pausen, einschliesslich einer Mit-
tagspause, eingelegt wurden. Damit heben sie sich jeweils für sich nicht
aus der üblichen Dauer von Anhörungen heraus. Sodann haben die Be-
schwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren nicht – und auf Be-
schwerdeebene ebenso wenig – geltend gemacht, dass und welche Vorbrin-
gen sie aufgrund der Durchführung der Anhörungen am selben Tag nicht
hätten schildern können. Eine ergänzende Anhörung zur Abklärung weite-
rer Aspekte hat sich demnach nicht aufgedrängt. Dies gilt ebenso im Hin-
blick auf die vom SEM geäusserten Zweifel an den Vorbringen und Beweis-
mitteln. Die Untersuchungspflicht hat nicht zum Inhalt, einer asylsuchen-
den Person vor Erlass eines Entscheids Gelegenheit zur Erklärung aller
Aspekte einzuräumen, welche von der Vorinstanz wohlmöglich für nicht
oder wenig glaubhaft erachtet werden.
Hinsichtlich des Vorwurfs, die befragende Person habe die Anhörung des
Beschwerdeführers wenig strukturiert, ihn mit Widersprüchen bereits vor
dem Ende seiner Ausführungen konfrontiert und insbesondere keine Gele-
genheit eingeräumt, die Asylgründe frei zu schildern, scheint auch für das
Gericht nach Prüfung der Akten nicht ausgeschlossen, dass sich die Be-
fragungssituation auf das Antwortverhalten des Beschwerdeführers ausge-
wirkt hat. Dabei fällt vor allem der Umstand ins Gewicht, dass er nicht in
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freier Rede von seinen Asylgründen berichten konnte. Gleichwohl ist fest-
zuhalten, dass er – ungeachtet der unstrukturierten Befragungsweise und
der Vorhalte – jeweils Angaben zu den zahlreichen gestellten Fragen ma-
chen konnte. Auch hat er insoweit auf Beschwerdeebene nicht vorge-
bracht, welche Aussagen er aufgrund der Art und Weise der Befragung
nicht hätte anbringen können. Insgesamt ist daher nicht auf eine Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes zu schliessen. Festzuhalten bleibt aber,
dass der Anhörungssituation insgesamt im Rahmen der rechtlichen Würdi-
gung, namentlich der Glaubhaftmachung der Vorbringen, angemessen
Rechnung zu tragen ist. Soweit die Beschwerdeführenden darüber hinaus
im Hinblick auf die Befragungssituation die Beurteilung ihrer Aussagen
durch die Vorinstanz kritisieren, bildet diese Gegenstand der materiellen
Erwägungen (vgl. E. 6), nicht der Prüfung formellen Rechts.
3.3 Weiter wird moniert, die Ereignisse vom 21. bis 23. Oktober 2016 (Ein-
weisung der Beschwerdeführerin ins Spital, Totgeburt, Eskortierung des
Beschwerdeführers und seines Sohnes mit der Polizei ins Spital mitten in
der Nacht, Rückverbringung an den Flughafen am frühen Morgen, kurz da-
nach rund fünfstündige BzP in Anwesenheit des auf dem Boden schlafen-
den Sohnes, psychischer Ausnahmezustand für Beschwerdeführer) seien
im Entscheid mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn gewürdigt wor-
den; dies, obwohl auch sonstige Umstände zum rechtserheblichen Sach-
verhalt zählten, welche einen Einfluss auf das Aussageverhalten haben
könnten. Insoweit habe das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt un-
vollständig gewürdigt und die Begründungspflicht sowie das rechtliche Ge-
hör verletzt.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das SEM in seinem Entscheid lediglich
die Tatsache erwähnte, die Beschwerdeführerin habe nach der Ankunft in
E._ ihr ungeborenes Kind verloren. Die Umstände, unter denen der
Beschwerdeführer im Rahmen der BzP befragt wurde, blieben in der Tat
unerwähnt und fanden gemäss Aktenlage auch keine Berücksichtigung na-
mentlich bei der Glaubhaftigkeitsprüfung. Gleichwohl ist der angefochte-
nen Verfügung hinreichend differenziert zu entnehmen, von welchen mass-
geblichen Überlegungen sich das SEM in seinem abweisenden Entscheid
leiten liess. Es hat sich dabei auch mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen
der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt. Dass es dabei zu einer an-
deren Einschätzung als sie gelangt, beschlägt wiederum die Frage der
rechtlichen Würdigung, nicht jene des rechtlichen Gehörs und bewirkt noch
keine Verletzung der Begründungspflicht. Nicht zuletzt versetzte die Be-
gründung des SEM die Beschwerdeführenden in die Lage, diese in ihrer
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Beschwerde sachgerecht anzufechten. Wie bereits im Hinblick auf die Be-
fragungssituation während der Anhörung (vgl. E. 3.2) erachtet es das Ge-
richt aber auch bezüglich der Umstände der BzP des Beschwerdeführers
als angezeigt, diese bei seiner rechtlichen Beurteilung zu berücksichtigen.
3.4 Ferner habe es das SEM unterlassen, die Aussagen der Beschwerde-
führerin zur geltend gemachten Verfolgungssituation auf den Philippinen
zu würdigen. Auch habe es keine Abklärungen zur erforderlichen Regis-
trierung des Beschwerdeführers in diesem Land sowie dessen leichtes Auf-
finden vor Ort durch die sudanesischen Behörden vorgenommen und gehe
im Entscheid mit keinem Wort darauf ein. Damit habe es seine Untersu-
chungs- und Begründungspflicht verletzt.
Die Beschwerdeführenden vermengen hier mit ihrer Kritik an der Einschät-
zung der Vorinstanz erneut die Frage der Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache.
Alleine der Umstand, dass das SEM aufgrund der vorliegenden Aktenlage
zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als von ihnen
geltend gemacht, und in der Folge die Situation auf den Philippinen nicht
mehr prüft, spricht aber nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststel-
lung. Das SEM genügte zudem der Begründungspflicht, indem es – wie
bereits erwähnt (vgl. E. 3.3) – im Rahmen der Begründung die wesentli-
chen Überlegungen nannte, welche es seinem Entscheid zugrunde legte
und den Beschwerdeführenden insoweit auch ermöglichte, diesen sachge-
recht anzufechten.
3.5 Das SEM habe schliesslich im Rahmen der Prüfung des Wegweisungs-
vollzugs mit keinem Wort thematisiert, inwiefern dem Beschwerdeführer
ein dauerhafter Aufenthalt auf den Philippinen möglich sei, einschliesslich
als Familienangehöriger der Beschwerdeführerin. Auch insoweit sei die Sa-
che zur erneuten Abklärung an das SEM zurückzuweisen.
Dazu sei vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägungen (vgl. E. 3.4)
verwiesen, die hier sinngemäss ebenso Geltung erlangen. Es ist zudem
nicht Aufgabe des SEM, im Rahmen seiner Untersuchungs- und Begrün-
dungspflicht ohne entsprechende Anhaltspunkte im konkreten Fall sämtli-
che Möglichkeiten oder Hindernisse beim Vollzug der Wegweisung zu prü-
fen. Im Übrigen befähigte die Begründung des vorinstanzlichen Entscheids
die Beschwerdeführenden auch in diesem Punkt, ihre Einwände im Rah-
men der Beschwerde anzubringen. Damit wird sich das Gericht in den
nachfolgenden Erwägungen zum Wegweisungsvollzug befassen.
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3.6 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet-
zung formellen Rechts als unbegründet. Die beantragte Rückweisung der
Sache an das SEM fällt damit ausser Betracht und das Gericht hat in der
Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (...) (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM begründete seinen abweisenden Entscheid im Asylpunkt da-
mit, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien als unglaubhaft zu er-
achten. Sie wiesen mehrere Widersprüche zum Zeitpunkt und der Dauer
seiner Festhaltung durch den Sicherheitsdienst auf (BzP: im April 2015 für
zwölf Stunden, im Mai 2015 für vier Tage und im Juni 2015 für zwei Tage,
mit Hinweis auf A19 Ziff. 7.02; Anhörung: im April 2015 eineinhalb bis zwei
Tage, im Mai 2015 zunächst zweieinhalb bis drei Tage, später im Mai noch-
mals vier bis viereinhalb Tage, mit Hinweis auf A54 F140-F143). Weiter
seien seine Schilderungen zum Ablauf der ersten Festnahme im April 2015
unterschiedlich ausgefallen (BzP: Öffnung der Tür durch Ehefrau, Schub-
sen der Ehefrau gegen die Tür durch einen Sicherheitsdienstmitarbeiten-
den, Aufforderung an Beschwerdeführer mitzukommen, Nachfrage nach
schriftlicher Vorladung, trotz Fehlen Mitnahme, mit Hinweis auf A19
Ziff. 7.02; Anhörung: Öffnung der Tür durch Beschwerdeführer, weitere Un-
terredung im Haus, keine Erwähnung des Schubsens oder der Nachfrage
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Seite 11
nach schriftlicher Vorladung, mit Hinweis auf A54 F122-F127). Dies er-
staune umso mehr, als er sich an den Ablauf dieser ersten Verhaftung nach
eigenem Bekunden am besten habe erinnern können (mit Hinweis auf A54
F120). Die Widersprüche habe er auch auf entsprechenden Vorhalt nicht
aufzulösen vermocht. Seine Erklärung, wonach die Beschwerdeführerin
erst beim zweiten Behördenbesuch geschubst worden sei, stünde nicht im
Einklang mit den Angaben an der BzP. Seine Aussagen widersprächen sich
auch hinsichtlich weiterer Behördenkontakte (BzP: ab April 2015 alle zwei
bis drei Tage Aufsuchen daheim und Mitteilung, ihn nie in Ruhe zu lassen;
Anhörung: lediglich drei Verhaftungen, Observation mutmasslicher Sicher-
heitsdienstmitarbeitender jeweils aus einem Auto von der Strasse aus, mit
Hinweis auf A54 F130). Weiter falle auf, dass der Beschwerdeführer die
Verurteilung zu einer Haftstrafe im Sudan und die Ausschreibung zur Fahn-
dung per Haftbefehl in der BzP mit keinem Wort erwähnt habe (mit Hinweis
auf Anhörung: A54 F53-F58, F66, F69; BzP: nur Erwähnung einer Ausrei-
sesperre, mit Hinweis auf A19 Ziff. 7.01 f.). Aufgrund dieser unterschiedli-
chen Schilderungen bestünden bereits erhebliche Zweifel am Wahrheits-
gehalt seiner Vorbringen, zumal namentlich jene betreffend die Festnah-
men, das Gerichtsurteil und den Haftbefehl zentrale Elemente darstellten.
Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer trotz Aufforderung keine amt-
lichen Beweismittel – etwa das fragliche Gerichtsurteil oder weitere Ge-
richtsdokumente – eingereicht. Dem Schreiben des Anwalts komme als
Gefälligkeitsschreiben kaum Beweiswert zu. Angesichts der Zweifel an den
Schilderungen des Beschwerdeführers sei es auch inhaltlich in Frage zu
stellen. Überdies stimme es nicht mit den Angaben in der Anhörung überein
(Schreiben: bei Verurteilung am (...) April 2015 Aufenthalt ausser Landes,
Bedrohung der Familie, damit er in den Sudan zurückkehre; Anhörung: bei
Verurteilung im Sudan, Versteck bei Verwandten im Zentrum Khartums,
keine Erwähnung von Reflexverfolgungsmassnahmen gegen Familienan-
gehörige, mit Hinweis auf A54 F76-F77). Die weiteren Beweismittel beleg-
ten in erster Linie die Identität der Beschwerdeführenden, welche nicht an-
gezweifelt werde.
Weiter sei schwer nachvollziehbar, weshalb der Sicherheitsdienst den Be-
schwerdeführer angesichts der vorgebrachten Verurteilung und des gegen
ihn erlassenen Haftbefehls im Mai 2015 zwei Mal verhaftet, ihn aber jeweils
nach wenigen Tagen Haft wieder habe gehen lassen. Die behaupteten Ver-
haftungen daheim stünden zudem im Widerspruch zur Aussage, er habe
sich ab Ende April 2015 in Khartum bei Verwandten versteckt. Sodann sei
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die geltend gemachte Verfolgungssituation kaum vereinbar mit der Aus-
sage, wonach er im August 2015 mit der Familie zu Urlaubszwecken auf
die Philippinen gereist sei. Ferner deute das offensichtliche Unvermögen,
klare, widerspruchsfreie Angaben zum Zeitpunkt und zur Dauer der jewei-
ligen Aufenthalte auf den Philippinen ab dem Jahr 2015 zu machen (mit
Hinweis auf A54 F34, F39, F40-F42, F48, F88-F100), auf die Unglaubhaf-
tigkeit der Vorbringen hin. Es sei davon auszugehen, dass er seinen tat-
sächlichen Verbleib und den seiner Familie ab besagtem Zeitraum bewusst
bedeckt halten wolle. Letztlich vermöge nicht zu überzeugen, dass er im
(...) 2016 zusammen mit der Familie einzig deshalb in den Sudan zurück-
gekehrt sein wolle, weil er die Flucht nach Europa nur von dort aus habe
planen können. Selbst wenn er die Grenzkontrolle am Flughafen Khartum
eigenen Aussagen zufolge dank eines befreundeten Flughafenmitarbeiters
habe umgehen können, sei das mit diesem Verhalten in Kauf genommene
Risiko mit der behaupteten Verfolgung nicht zu vereinbaren.
Die Asylbegründung der Beschwerdeführerin knüpfe inhaltlich an jene des
Beschwerdeführers an. Bereits aus diesem Grunde seien ihre Aussagen in
Zweifel zu ziehen. Darüber hinaus bezögen sich die von ihr beschriebenen
Nachteile ausschliesslich auf den Sudan und damit auf einen Drittstaat. Es
könne daher darauf verzichtet werden, auf weitere Unglaubhaftigkeitsele-
mente in ihren Schilderungen einzugehen. Deren Geltendmachung werde
aber ausdrücklich vorbehalten.
5.2 In ihrer Beschwerdeschrift wiederholten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen ihre Asylvorbringen, wobei sie auch auf die Umstände ihrer
Einreise und der Befragungen eingingen (vgl. dazu E. 3.2 und E. 3.3). Be-
treffend die Widersprüche zur Dauer der ersten Haft, den Zeitraum der drit-
ten Verhaftung und die schriftliche Vorladung, die unterbliebene Erwäh-
nung der Haftstrafe bei der BzP und die unterschiedlichen Angaben betref-
fend weitere Behördenkontakte sei der Beschwerdeführer bei der BzP an-
gesichts der traumatisierenden Ereignisse im Zusammenhang mit der Tot-
geburt nicht in der Lage gewesen, seine Gedanken zu ordnen, sich zu er-
innern und korrekte Antworten auf die Fragen zu geben. Das SEM habe
jene der Beschwerdeführerin nicht gewürdigt, sondern sich isoliert auf die
Angaben des Beschwerdeführers gestützt. Ihre jeweiligen Aussagen wider-
sprächen sich aber nicht gegenseitig.
Bei genauerem Hinsehen dürfte der Beschwerdeführer die zweite und
dritte Haft in einer der Anhörungen schlicht verwechselt haben. Dies legten
auch die Schilderungen der Beschwerdeführerin nahe (mit Hinweis auf A50
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Seite 13
Ziff. 7.2). Zudem hätten sie übereinstimmend von drei Verhaftungen ge-
sprochen, was vom SEM ebenso wenig angezweifelt würde. Das SEM
gebe sodann die Aussage des Beschwerdeführers in der Anhörung nicht
ganz wieder, wenn es annehme, Letzterer habe die dritte Verhaftung auf
einen späteren Zeitpunkt im Mai datiert (mit Hinweis auf A54 F143). Über-
dies stimmten die Angaben der Beschwerdeführerin auch hier mit seinen
überein. Es verwundere angesichts der ähnlichen Länge der Festhaltun-
gen zudem nicht, wenn sie sich beide nicht mehr genau an diese erinner-
ten. Vor diesem Hintergrund dürften die Unterschiede in der Haftdauer
nicht als wesentliche Punkte erachtet werden. Bei den geltend gemachten
Widersprüchen zum Ablauf der ersten Verhaftung sei unberücksichtigt ge-
blieben, dass die Beschwerdeführerin – auf deren Erinnerung es hier an-
komme – in ihren Aussagen das Schubsen durch einen «Polizisten» eben-
falls angegeben habe. Gänzlich unerwähnt bliebe, dass die weiteren de-
taillierten Angaben des Beschwerdeführers zum Ablauf der ersten Verhaf-
tung in BzP und Anhörung übereinstimmten (mit Hinweis auf A19 Ziff. 7.02,
A54 F122, F125). Betreffend die schriftliche Vorladung habe er offensicht-
lich nur eine gedrängte Version der Ereignisse geschildert (mit Hinweis auf
A54 F125). Zudem könne aus der Aussage der Beschwerdeführerin, die
«Polizisten» hätten keinen Ausweis gezeigt, welcher zur Mitnahme ihres
Mannes berechtigen würde (mit Hinweis auf A53 F84), geschlossen wer-
den, dass eine schriftliche Vorladung thematisiert worden sei. Bezüglich
der unterschiedlichen Angaben zu den Behördenkontakten gehe aus den
Aussagen der Beschwerdeführerin hervor, sie sei von daheim bis zur
Schule verfolgt worden (mit Hinweis auf A53 F85). Mithin seien die Verfol-
ger durchaus beim Haus der Familie vorbeigekommen. Hinsichtlich der Da-
ten zu den Besuchen auf den Philippinen seien ihren Aussagen durchaus
einige Aufenthalte zu entnehmen (Geburt des Sohnes [...], weiterer Aufent-
halt 2011 oder 2012 zur Registrierung ihrer Ehe, dritter Aufenthalt über
mehrere Monate, 2016 für drei bis vier Wochen, mit Hinweis auf A53 F13
ff., F36, F58, F65; A54 F34, F40 f., F44).
Soweit das SEM die Freilassungen nach einigen Tagen Haft als nicht nach-
vollziehbar bemängele, spreche es die Plausibilität an. Diese sollte vorlie-
gend nur mit Vorsicht Anwendung finden, handle es sich bei den Ereignis-
sen doch nicht um naturwissenschaftliche Tatsachen. Weiter habe der Be-
schwerdeführer angegeben, sich am Tag der Verurteilung bei Verwandten
versteckt zu haben, nicht aber über einen längeren Zeitraum und nicht an
einem einzigen Ort (mit Hinweis auf A54 F76 f., F83). Die Hinweise zur
Plausibilität gälten auch in Bezug auf die Rückkehr in den Sudan zur Or-
ganisation der Flucht. Zudem ergebe sich aus den Protokollen, dass sie
D-4481/2019
Seite 14
dank der Kontakte am Flughafen lediglich unbeschwert hätten ein- und
ausreisen können, sich im Sudan aber hätten verstecken müssen (mit Hin-
weis etwa auf A53 F69 ff., F92; A54 F85). Überdies habe der Beschwerde-
führer im Sudan über Kontakte verfügt, um mit Schmiergeldzahlungen an
einen Reisepass zu gelangen (mit Hinweis auf A54 F119).
Das SEM habe es ferner unterlassen, die Aussagen der Beschwerdefüh-
rerin in Bezug auf die geltend gemachte Verfolgungssituation auf den Phi-
lippinen zu würdigen (mit Hinweis auf A53 F66, F106, F113 f., F148). Auf-
grund ihres Aussehens würde der Beschwerdeführer und das (erste) Kind
bei einer Einreise auf die Philippinen auffallen. Zudem müssten sie sich
registrieren und ihre Adresse angeben, womit sie leicht aufzufinden seien.
6.
Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen der Be-
schwerdeführenden nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an die Glaub-
haftmachung von Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
6.2 Wie bereits erwogen (vgl. E. 3.2 und 3.3), sind im Rahmen der Glaub-
haftigkeitsprüfung der Vorbringen die Umstände zu beachten, unter denen
der Beschwerdeführer erstmals befragt wurde. Weiter ist zu berücksichti-
gen, dass die vertieften Anhörungen über einen ganzen Tag für die Be-
schwerdeführenden sehr anstrengend waren und die Konzentration na-
mentlich auch der anhörenden Person im Laufe der Zeit sank. Dabei ist
ferner festzuhalten, dass die Anhörung des Beschwerdeführers wenig
strukturiert verlief, er bereits vor dem Ende seiner Ausführungen mit Wider-
sprüchen konfrontiert und ihm insbesondere keine Gelegenheit eingeräumt
wurde, seine Asylgründe frei zu schildern, was sich auf sein Antwortverhal-
ten ausgewirkt haben kann. Überdies bezieht das Gericht die psychische
Verfassung der Beschwerdeführerin nach der Totgeburt – wie sie aus den
eingereichten Arztberichten (vgl. näher E. 8.3.3.4) und den Protokollen er-
sichtlich werden – bei der Würdigung ihrer Aussagen ein.
6.3 Vor diesem Hintergrund ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass der
Beschwerdeführer Erinnerungslücken hatte und zeitliche Angaben mög-
licherweise etwas durcheinanderbrachte. Dies wird auch im medizinischen
D-4481/2019
Seite 15
Bericht des Ambulatoriums I._ der Psychiatrischen Universitätskli-
nik E._ vom 3. September 2019 dargelegt. Weiter ist nicht grund-
sätzlich in Abrede zu stellen, dass der Beschwerdeführer etwa zu den Um-
ständen der ersten Verhaftung durchaus detaillierte Angaben machen
konnte (vgl. A54 F122 ff.). Ebenso trifft es zu, dass sich seine Aussagen
betreffend die Verhaftungen in gewissen Aspekten teilweise mit jenen der
Beschwerdeführerin decken, soweit diese von ihr selbst erlebt wurden,
etwa zur Anzahl der Verhaftungen und deren ungefähren Zeitraum. Abge-
sehen davon überwiegen jedoch die Unglaubhaftigkeitselemente, welche
vom SEM mit überzeugender Begründung im angefochtenen Entscheid
herausgearbeitet wurden. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf
die dort erwähnten Widersprüche und unschlüssigen Angaben in den Aus-
sagen des Beschwerdeführers verwiesen werden.
6.4 Es gelingt den Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene nicht, der
vorinstanzlichen Einschätzung stichhaltige Argumente entgegenzusetzen.
Ihre sehr umfassenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift erschöpfen
sich im Wesentlichen in Wiederholungen und Hinweisen auf bereits getä-
tigte Aussagen in den Anhörungen und zielen vielfach lediglich auf deren
nachträglich andere rechtliche Beurteilung ab, mit der sie jedoch nicht
durchdringen. Angesichts der Tatsache, dass die Verhaftungen Ausgangs-
punkt der Verfolgungsgeschichte bilden, wären kohärentere und auch weit-
aus detailliertere, von Realkennzeichen geprägte Angaben dazu zu erwar-
ten gewesen. Aus dem gleichen Grund stellen der Zeitpunkt der Verhaftun-
gen und Haftdauer – entgegen der Beschwerdevorbringen – sehr wohl we-
sentliche Umstände dar. Dass sich die Angaben der Beschwerdeführenden
im Weiteren entsprächen, trifft nur teilweise zu (vgl. zuvor E. 6.3). Darüber
hinaus sind ihren Schilderungen weitere Unstimmigkeiten zu entnehmen,
einschliesslich zur Haftdauer, zudem zur zeitlichen Einordnung ihrer Auf-
enthalte auf den Philippinen und deren Dauer (vgl. etwa A50 Ziff. 7.2, A54
F135, F140, F143; bezüglich Aufenthalte auf den Philippinen vgl. E. 6.6).
Auch fällt im Hinblick auf allfällige Widersprüche auf, dass die Beschwer-
deführerin einige wesentlich Aspekte gerade nicht erwähnte, wie etwa die
Verurteilung des Beschwerdeführers. Soweit sie von sich aus angab, bei
der ersten Verhaftung geschubst worden zu sein, deckt sich ihre Aussage
zwar mit jener des Beschwerdeführers in der BzP. Dieser Umstand vermag
gleichwohl nicht zu erklären, warum Letzterer auf entsprechenden Vorhalt
in der Anhörung – wiederum abweichend von den Angaben der Beschwer-
deführerin – vorbrachte, sie sei bei der zweiten Verhaftung geschubst wor-
den, und damit den darin bestehenden Widerspruch gerade unterstrich.
D-4481/2019
Seite 16
6.5 Schwerer als diese Widersprüche wiegen für das Gericht die weiteren
Zweifel in den Vorbringen der Beschwerdeführenden. So fällt auf, dass der
Beschwerdeführer bereits wenig substantiierte Ausführungen zu seinem
politischen Engagement machen konnte und seine Politisierung auch nicht
weiter kontextualisierte (vgl. A54 F28 ff.). Aus den Akten wird auch nicht
ersichtlich, dass er vorher in irgendeiner Weise aktiv war, was seine Aktivi-
täten ab 2015 plausibel erscheinen lassen könnte. Die vorstehenden Er-
wägungen zur mangelnden Substantiierung sind gleichermassen für die
Angaben zum Gerichtsurteil und der Ausschreibung zur Fahndung anzu-
bringen. Weiter sind mit der Vorinstanz die Verhaftungen und Freilassun-
gen während der Zeit, als bereits ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden
sein soll, in der Tat wenig nachvollziehbar. Der Einwand, das SEM habe
hier nicht ohne Weiteres auf die Plausibilität seiner Angaben abstellen kön-
nen, verfängt – erst recht im Kontext der weiteren Unglaubhaftigkeitsele-
mente – nicht.
6.6 Sodann entsteht auch für das Gericht der Eindruck, dass die Aufent-
halte auf den Philippinen namentlich ab 2015 von beiden Beschwerdefüh-
renden nicht eindeutig benannt werden. Auf die entsprechenden Einwände
in der Beschwerdeschrift ist zu entgegnen, dass sich die Zweifel des SEM
erst auf die Angaben ab 2015 bezogen, weshalb sich Ausführungen zu den
Aufenthalten vor dieser Zeit erübrigen. Wenn abgesehen davon gewisse
Anhaltspunkte zu den fraglichen Daten in den Anhörungsprotokollen er-
sichtlich werden, decken sich diese vielfach nicht (vgl. A10 Ziff. 2.02; A50
Ziff. 7.2; A53 F58, F99 f.; A54 F34 ff., F88 ff.). Insgesamt lässt das Aussa-
geverhalten der Beschwerdeführenden darauf schliessen, dass sie die tat-
sächlichen Ereignisse ab dem Zeitpunkt der behaupteten Verhaftungen zu
verbergen suchen. Dies wird auch deutlich an den weiteren Aussagen der
Beschwerdeführenden, etwa zur Urlaubsreise im August 2015 oder zum
legalen Erwerb eines neuen Reisepasses für den Beschwerdeführer im
September 2015 zu einem Zeitpunkt, da er angeblich bereits verurteilt wor-
den war. Diese Vorbringen erscheinen nicht nur aufgrund der unklaren Zeit-
angaben fraglich, sondern auch, weil gemäss Aktenlage keine substanti-
ierten Angaben zum Aufenthalt auf den Philippinen gemacht wurden, vor
allem nicht, ob und welchen Problemen sie – erst recht bei einem beste-
henden Ausreiseverbot – bei der Beantragung des Passes oder bei der
Aus- und Wiedereinreise aus und in den Sudan begegneten. Diese Um-
stände erhärten die Zweifel an der vorgebrachten Verfolgung durch die su-
danesischen Behörden weiter.
D-4481/2019
Seite 17
6.7 Erst recht ist der Vorinstanz in ihren Erwägungen zur Ausreise in die
Philippinen und Rückkehr in den Sudan zwecks Vorbereitung der Flucht
nach Europa beizupflichten. Der wiederholte Einwand der besseren Kon-
takte vermag in keiner Weise zu überzeugen. Gerade wenn das Verhalten
der sudanesischen Behörden nicht berechenbar erscheinen soll, wie hin-
sichtlich der Freilassungen während des Haftbefehls geltend gemacht, er-
scheint es umso weniger wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführenden
das Risiko einer Entdeckung im Sudan eingegangen sein wollen, wenn sie
tatsächlich eine Verfolgung in der dargelegten Weise befürchteten. Der
Einwand auf Beschwerdeebene, sie hätten im Sudan leichter an einen Rei-
sepass gelangen können, verfängt auch insoweit nicht, als sie offensicht-
lich bereits über solche verfügt haben dürften, wenn sie zuvor auf die Phi-
lippinen und wieder zurück in den Sudan gereist sein wollen. Letztlich
wurde zu keinem Zeitpunkt dargelegt, warum die Beschwerdeführenden
überhaupt erst im Herbst 2016 ausreisten und nicht bereits zeitnah im An-
schluss an die Verhaftungen. Ebenso wird aus den Akten nicht klar ersicht-
lich, was genau in der Zwischenzeit passierte. Auch diese Umstände legen
den Schluss nahe, dass die Beschwerdeführenden aus einem anderen
Grund ausreisten, als von ihnen geltend gemacht.
6.8 Nach dem Gesagten musste sich das SEM folgerichtig nicht gehalten
sehen, eine allfällige Verfolgung der Beschwerdeführenden durch die su-
danesischen Behörden auf den Philippinen zu prüfen, ging es doch bereits
von der fehlenden Glaubhaftmachung der Verfolgungssituation im Sudan
aus. Im Übrigen ist auch bezüglich der zum behaupteten letzten Aufenthalt
auf den Philippinen gemachten Aussagen – abgesehen von der bereits als
wenig wahrscheinlich erachteten Rückreise in den Sudan zur Vorbereitung
der Ausreise nach Europa – festzustellen, dass diese wenig substantiiert
und wenig plausibel ausfielen. Bereits zur Dauer des Aufenthalts äusserten
sich die Beschwerdeführenden inkohärent und vage. Sie konnten zudem
keinen detaillierten Ausführungen zum Telefonat mit der Schwester des Be-
schwerdeführers machen, namentlich zum genauen Zeitpunkt und Inhalt
des Gesprächs, die darauf schliessen lassen könnten, dass sie das Er-
zählte tatsächlich erlebten (vgl. A53 F58 ff., F101; A54 F110 f.: keine direkte
Rede, keine Erwähnung von Umständen, in denen sie den Anruf erhielten,
keine Gefühlsäusserungen). Unklar bleibt überdies, warum die Beschwer-
deführenden davon ausgingen oder ausgehen mussten, auf den Philippi-
nen verfolgt werden zu können. Ihre diesbezüglichen Äusserungen erwei-
sen sich lediglich als vage Vermutungen, die unbewiesen blieben und auch
auf Beschwerdeebene nicht überzeugend substantiiert werden konnten.
D-4481/2019
Seite 18
6.9 Die im Verfahren eingereichten Beweismittel vermögen an der vorste-
henden Einschätzung nichts zu ändern. Hinsichtlich der dem SEM vorge-
legten Dokumente kann vollumfänglich auf die vorinstanzliche Begründung
verwiesen werden. Die Einwände der Beschwerdeführenden gegen die
Beurteilung des Schreibens des sudanesischen Anwalts (Verstecken bei
Verwandten nur am Tag der Verurteilung und nicht immer am gleichen Ort)
vermögen nicht zu überzeugen. Zum einen können sie ohne weiterge-
hende Erläuterungen nicht einen massgeblichen, vom SEM erwähnten Wi-
derspruch zwischen dem Schreiben und den Aussagen des Beschwerde-
führers in der Anhörung beseitigen (Aufenthalt ausser Landes versus Ver-
steck bei Verwandten). Zum anderen wurde auf Beschwerdeebene die –
behauptetermassen nach ihrer Ausreise erfolgten – Reflexverfolgungs-
massnahmen gegen ihre Familienangehörigen nicht weiter substantiiert
(vgl. die knappen Angaben der Beschwerdeführerin A53 F114). Die auf Be-
schwerdeebene eingereichten Dokumente, namentlich die Arztberichte
und Empfehlungsschreiben, können allenfalls Aufschluss über die gesund-
heitliche Situation und berufliche Integration der Beschwerdeführenden ge-
ben (vgl. dazu E. 8.3). Ihnen sind aber keine Informationen zu entnehmen,
welche die Asylvorbringen stützen könnten. Hervorzuheben ist abgesehen
davon, dass die Beschwerdeführenden auch im Rahmen des Beschwer-
deverfahrens keine Gerichtsdokumente vorgelegt haben, welche die be-
hauptete Verurteilung und Fahndung nach dem Beschwerdeführer belegen
könnten. Ebenso wenig haben sie Gründe vorgetragen, warum ihnen die
Beibringung dieser Dokumente nicht möglich oder zumutbar sei. Ohne ent-
sprechende Beweismittel oder substantiierte Hinweise zum behaupteten
Verfahren waren das SEM und das Bundesverwaltungsgericht schliesslich
nicht gehalten, Abklärungen bei der zuständigen Botschaft zu tätigen.
6.10 Angesichts der dargelegten überwiegenden Zweifel an den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers ist es schliesslich nicht zu beanstanden, dass
das SEM die Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend die Verfol-
gung des Beschwerdeführers nicht einer weitergehenden Prüfung unter-
zog. Ferner hat das SEM zutreffend festgehalten, dass sich die beschrie-
benen Nachteile hinsichtlich der Beschwerdeführerin auf den Sudan und
damit einen Drittstaat beziehen, weshalb die asyl- und flüchtlingsrechtli-
chen Vorgaben bereits insoweit nicht zum Tragen kommen. Dagegen wird
in der Beschwerdeschrift denn auch nichts vorgebracht.
6.11 Zusammenfassend ergibt sich, dass es den Beschwerdeführenden
nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Sudan beste-
D-4481/2019
Seite 19
hende oder weiterhin unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgungsge-
fahr nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Ebenso ist nicht
davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr auf die Philippinen eine
asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen hätten. Die Vorinstanz hat ihre
Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög-
lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
8.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
D-4481/2019
Seite 20
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Sudan und ebenso auf den Philippinen lassen den Wegweisungsvollzug
nicht als unzulässig erscheinen. An dieser Einschätzung vermöchten die
Ausführungen auf Beschwerdeebene zur dargelegtermassen unübersicht-
lichen Lage im Sudan und zum fehlenden Schutz seiner Bürgerinnen und
Bürger ebenso wie der Hinweis auf Länderberichte über Festnahmen, Be-
fragungen und Folter von sudanesischen Flüchtlingen bei ihrer Rückkehr
nichts zu ändern. Überdies lassen sie einen konkreten Bezug zum vorlie-
genden Fall vermissen. Zudem ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass
Art. 8 EMRK, welcher das Recht auf Privat- und Familienleben garantiere,
kein Recht auf Aufenthalt in einem bestimmten Staat enthalte. Der Vollzug
der Wegweisung ist vorliegend sowohl im Sinne der flüchtlingsrechtlichen
als auch der menschenrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Bezogen auf die Philippinen als Herkunftsstaat der Beschwerdefüh-
rerin hielt das SEM fest, dort lebten nach wie vor die Mutter, die Geschwis-
ter sowie mehrere nahe Verwandten von ihr, weshalb davon auszugehen
sei, die Beschwerdeführenden könnten bei einer Rückkehr dorthin auf ein
breit abgestütztes familiäres Netz zurückgreifen, welches sie bei der Wie-
dereingliederung unterstützen und ihnen notfalls einen gesicherten Wohn-
raum bieten könne. Des Weiteren verfügten die Beschwerdeführenden
über eine qualifizierte Berufsausbildung sowie mehrjährige Berufserfah-
rung. Finanzielle Probleme seien ihren Ausführungen nicht zu entnehmen.
Demnach sei anzunehmen, dass sie bei einer Rückkehr auf die Philippinen
selbständig für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen könnten.
Überdies hätten sie angegeben, sie hätten sich ein Leben auf den Philippi-
nen durchaus vorstellen können.
Die gemäss den eingereichten Arztberichten diagnostizierten gesundheitli-
chen Probleme der Beschwerdeführerin (arterielle Hypertonie, Anpas-
sungsstörung, [...]) seien durch eine Kontrolle der somatischen Symptome
D-4481/2019
Seite 21
der Hypertonie und der damit verbundenen Folgen sowie eine regelmäs-
sige psychotherapeutische Betreuung zu behandeln. Die psychischen Be-
schwerden seien gemäss internationaler und nationaler Rechtsprechungs-
praxis nicht als derart gravierend zu bezeichnen, dass das Leben der Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr auf die Philippinen in Gefahr geriete.
Aufgrund der medizinischen Infrastruktur auf den Philippinen könne zudem
eine allfällige Weiterbehandlung auch dort erfolgen. Die philippinische Ver-
fassung sowie Gesetze des Landes sähen weiter eine allgemeine Gesund-
heitsfürsorge für alle philippinischen Staatsangehörigen vor, weshalb es ihr
auch zuzumuten sei, die Hypertonie ebenso wie die psychischen Gesund-
heitsprobleme auf den Philippinen behandeln zu lassen. Abgesehen davon
vermöchten sich verschärfende psychische Probleme im Zusammenhang
mit einer bevorstehenden Ausreise ebenfalls keine generelle Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs zu begründen. Ihnen sei mit geeigneten
therapeutischen und medizinischen Massnahmen, einschliesslich bei der
Bestimmung der Ausreisemodalitäten, zu begegnen. Dies gelte selbst bei
drohender Suizidalität.
Im Hinblick auf das Kindswohl als Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeu-
tung sei festzuhalten, dass das erste Kind seit rund zweieinhalb Jahren
(Zeitpunkt des Asylentscheids) in der Schweiz lebe. Von einer Verwurze-
lung in der Schweiz sei daher noch nicht auszugehen. Zudem dürften an-
gesichts seines Alters seine Eltern seine engsten Bezugspersonen darstel-
len. Unter dem Aspekt des Übereinkommens vom 20. November 1989 über
die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) sei der Wegweisungsvollzugs folg-
lich ebenso zumutbar.
Da sich der Wegweisungsvollzug auf die Philippinen als zumutbar erweise,
erübrigten sich Ausführungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
in den Sudan. Gemäss Aktenlage seien aber auch keine dagegen spre-
chenden Gründe ersichtlich. Trotz der politischen Ereignisse seit Dezem-
ber 2018 und der angespannten Lage herrschten keine Kriegs- bezie-
hungsweise Bürgerkriegssituation oder ein Zustand allgemeiner Gewalt im
Sudan. Sodann hätten die Beschwerdeführenden mehrere Jahre gemein-
sam dort gelebt, verfügten über ein familiäres und soziales Beziehungsnetz
vor Ort und dürften, wie bereits in der Vergangenheit der Fall, in der Lage
sein, sich im Sudan erneut eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen.
8.3.3
8.3.3.1 Die vorstehende Begründung des SEM ist vollumfänglich zu bestä-
tigen. Die dagegen erhobenen Einwände in der Beschwerdeschrift sind
D-4481/2019
Seite 22
nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Betreffend die
Philippinen machen die Beschwerdeführenden geltend, der Beschwerde-
führer könne nach philippinischem Recht keinen dauerhaften legalen Auf-
enthaltsstatus dort erhalten und seine «Alien Certificate of Registration»
gewähre nur einen temporären, nicht verlängerbaren Aufenthaltstitel. In ih-
rer Argumentation gehen sie allerdings von einer Verurteilung des Be-
schwerdeführers im Sudan aus, welche – wie oben dargelegt (vgl. E. 6) –
nicht als glaubhaft gemacht erachtet wurde. Mithin ist anzunehmen und
den Beschwerdeführenden auch zuzumuten, dass sie für den Beschwer-
deführer ein Visum für einen dauerhaften Aufenthalt auf den Philippinen
beantragen.
8.3.3.2 Auch weitere individuelle Gründe in der Person der Beschwerde-
führenden, welche das SEM in seinem Entscheid bereits zutreffend gewür-
digt hat, stehen dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Dies gilt na-
mentlich für das bestehende familiäre Netz und den gesicherten Wohn-
raum auf den Philippinen sowie den beruflichen Hintergrund der Beschwer-
deführenden, welche ihnen eine soziale sowie wirtschaftliche Reintegration
vor Ort ermöglichen werden. Die auf Beschwerdeebene eingereichten
Empfehlungsschreiben der (zeitweiligen) Arbeitgebenden der Beschwer-
deführenden vermögen daran nichts zu ändern. Zwar sprechen sie für eine
gewisse Integration in der Schweiz, welche jedoch im Rahmen der Prüfung
des Wegweisungsvollzugs durch das Gericht nur insoweit zu berücksichti-
gen ist, als sie eine Entwurzelung im Herkunftsstaat zu untermauern ver-
mag. Davon ist vorliegend nicht auszugehen.
8.3.3.3 Weiter ist der Vorinstanz in ihren Ausführungen zum Kindeswohl
nach Art. 3 KRK zuzustimmen (vgl. für dabei zu beachtende Kriterien
BVGE 2014/20 E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). Ergänzend ist festzu-
halten, dass dieses Kind mittlerweile (...) Jahre alt ist und etwa (...) Jahre
davon in der Schweiz verbracht hat. Nichtsdestotrotz hat es noch keine
prägenden, eine Entwurzelung vom Heimatstaat begründenden Jahre hier
verbracht und wird zusammen mit seinen Eltern und seinem Geschwister-
kind auf die Philippinen zurückkehren können, wo weitere Familienange-
hörige leben. Das zweite, während des Beschwerdeverfahrens geborene
Kind ist etwa (...) Monate alt. Obschon es in der Schweiz geboren ist, kann
nach diesem Zeitraum noch nicht von einer sozialen Verwurzelung vor Ort
gesprochen werden, welche eine Rückkehr unzumutbar machen würde.
Zudem besteht in diesem Alter der Bezug der Kinder noch vorwiegend zu
den Eltern, weshalb auch hier nicht davon auszugehen ist, dass seine
Rückkehr im Familienverband dem Wegweisungsvollzug entgegensteht.
D-4481/2019
Seite 23
8.3.3.4 Schliesslich lässt die gesundzeitliche Situation der Beschwerdefüh-
renden den Wegweisungsvollzug auf die Philippinen nicht als unzumutbar
erscheinen, wie das SEM bereits unter Berücksichtigung der ihm vorgeleg-
ten Dokumente zu Recht festgestellt hat. Soweit sie auf Beschwerdeebene
weitere Beweismittel dazu einreichten, ist zu bemerken, dass der Austritts-
bericht des Universitätsspitals E._ vom 25. Oktober 2016 sich auf
die erlittene Totgeburt durch die Beschwerdeführerin bezieht. Angaben zu
ihrem psychischen Zustand sind ihm nicht zu entnehmen. Hinsichtlich der
mit der Totgeburt verbundenen psychischen Belastungen für die Be-
schwerdeführerin wurde zudem bereits vom SEM festgehalten, dass diese
auf den Philippinen psychotherapeutisch behandelt werden können. Ge-
mäss dem medizinischen Bericht des Ambulatoriums I._ der Psy-
chiatrischen Universitätsklinik E._ vom 3. September 2019 betref-
fend den Beschwerdeführer war dieser zur Behandlung einer Anpassungs-
störung von Februar 2017 bis Ende Juli 2019 in psychotherapeutischer Be-
handlung, um die Erlebnisse im Zusammenhang mit der Totgeburt aufzu-
arbeiten. Insoweit ist festzuhalten, dass er seine Therapie in der Schweiz
beendet und sie gemäss Aktenlage nicht fortgesetzt hat, weshalb auch
nicht weiter darauf einzugehen ist, ob und inwieweit er auf den Philippinen
psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen kann. Der Arztbericht von
Frau Dr. J._, Fachärztin für Neurologie, E._, vom 11. Mai
2017 sowie jener von Frau Dr. K._, Fachärztin für Innere Medizin,
E._, vom 19. Dezember 2018 wurden bereits auf vorinstanzlicher
Ebene eingereicht und geben die vom SEM zutreffend gewürdigten Diag-
nosen wieder (vgl. E. 8.3.2), weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
Aus dem vierten Arztbericht von Frau Dr. L._, Fachärztin für Gynä-
kologie und Psychosomatikerin, E._, vom 29. August 2019 geht
hervor, dass bei der Beschwerdeführerin eine Hochrisikoschwangerschaft
bestehe, welche eine engmaschige Kontrolle erfordere. Durch den unge-
wissen Aufenthaltsstatus sei sie psychisch stark belastet. Auch nach der
Geburt drohe aufgrund der Vorgeschichte eine psychiatrische Dekompen-
sation in Form einer schweren postpartalen Depression. Wie aus den Ak-
ten hervorgeht, hat die Beschwerdeführerin ihr zweites Kind geboren, wes-
halb eine engmaschige Betreuung nicht mehr erforderlich ist. Zu einer all-
fälligen postpartalen Depression oder weiteren gesundheitlichen Be-
schwerden im Nachgang der Geburt für Mutter und/oder Kind wurde seit-
her nichts vorgetragen. Hinsichtlich der psychischen Belastung im Zusam-
menhang mit der unsicheren Aufenthaltssituation hat das SEM schliesslich
zu Recht festgehalten, dass diese dem Wegweisungsvollzug – selbst bei
drohender Suizidialität – nicht entgegensteht.
D-4481/2019
Seite 24
8.3.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung der
Beschwerdeführenden auf die Philippinen auch als zumutbar.
8.3.4 Vor diesem Hintergrund erübrigen sich weitere Ausführungen zur Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Sudan. Soweit darauf gleich-
wohl auf Beschwerdeebene eingegangen wird, ist festzuhalten, dass auch
zum aktuellen Zeitpunkt der Wegweisungsvollzug in den Grossraum Khar-
tum, in welchem die Beschwerdeführenden nach eigenen Angaben zuletzt
gelebt haben, zumutbar erscheint, dies auch unter Beachtung der Herkunft
des Beschwerdeführers aus der Region Darfur (vgl. BVGE 2013/5 E. 5.4.5,
bestätigt im Urteil des BVGer D-2782/2019 vom 27. Januar 2021 E. 8.3.1).
Die Beschwerdeführenden haben abgesehen davon – ausser einer Kritik
an der Begründung des SEM zur aktuellen Situation – nichts vorgetragen,
was eine andere Beurteilung rechtfertigen könnte. Dies gilt letztlich ebenso
für die vorinstanzlichen Erwägungen zum familiären und sozialen Bezie-
hungsnetz sowie den Aussichten auf eine wirtschaftliche Reintegration na-
mentlich im Grossraum Khartum, wo auch weiterhin Geschwister des Be-
schwerdeführers leben. Der Wegweisungsvollzug ist damit auch im Hin-
blick auf den Sudan als zumutbar zu erachten.
8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Dies gilt auch für allfällige Do-
kumente im Hinblick auf die Familienzusammenführung in den einen oder
anderen Herkunftsstaat der Beschwerdeführenden.
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
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führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber ihr Antrag auf un-
entgeltliche Prozessführung mit Verfügung vom 10. September 2019 gut-
geheissen wurde und seither keine Veränderungen in den finanziellen Ver-
hältnissen ersichtlich sind, haben sie keine Verfahrenskosten zu tragen.
(Dispositiv nächste Seite)
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