Decision ID: ea0ce8b0-b672-5c73-a73c-02638c60e37f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss BE 1040/08 vom 13. August 2008 bewilligte die Bausektion
der Stadt Zürich der Sunrise Communications AG (Sunrise) die Erstellung
einer Mobilfunk-Basisstation auf den zusammengebauten Mehrfamilien-
häusern X und Y in Zürich.
B.
Einen dagegen von mehreren Nachbarn, darunter auch S. N., erhobenen
Rekurs hiess die damalige Baurekurskommission I mit Urteil BRKE I Nr.
0254/2009 vom 25. September 2009 aus formellrechtlichen Gründen gut,
hob die angefochtene Baubewilligung auf und wies die kommunale Baube-
hörde an, das streitbetroffene Bauvorhaben mit den Standortdatenblattän-
derungen vom 28. Mai 2008 nochmals zu publizieren.
C.
Mit Beschluss BE 1052/10 vom 7. Juli 2010 bewilligte die Bausektion der
Stadt Zürich das fragliche Bauvorhaben der Sunrise nach vorheriger Publi-
kation erneut. Dagegen rekurrierte S. N. am 23. Juli 2010 fristgerecht an
die Baurekurskommission I (seit 1. Januar 2011: Baurekursgericht des Kan-
tons Zürich) und beantragte:
"1. Der angefochtene Entscheid der Bausektion der Stadt Zürich, Nr.
1052/10, vom 7. Juli 2010 betr. Mobilfunkanlage für GSM und UMTS,
Mehrfamilienhäuser X und Y, Zürich, sei aufzuheben.
2. Die Kosten des Rekursverfahrens seien der Rekursgegnerin 2 aufzu-
erlegen.
3. Dem Rekurrenten sei eine angemessene Parteientschädigung zulas-
ten der Rekursgegnerin 2 zuzusprechen."
D.
Mit Verfügung vom 28. Juli 2010 wurde der Eingang des Rekurses vorge-
merkt, diesem die aufschiebende Wirkung zuerkannt und das Vernehm-
lassungsverfahren eröffnet.
R1S.2010.05118 Seite 3
E.
In ihrer Rekursantworten vom 7. September bzw. 5. Oktober 2010 bean-
tragten die Rekursgegner die Abweisung des Rekurses. Die Sunrise ver-
langte zudem die Zusprechung einer Umtriebsentschädigung. Die re-
kurrentische Replik datiert vom 5. November 2010; die Duplik der Sunrise
vom 6. Dezember 2010. Das Verfahren wurde in der Folge im Zusammen-
hang mit einem weiteren Nachbarrekurs (G.-Nr. R1S.2010.05125) gegen
das gleiche Bauvorhaben formlos sistiert.
F.
Am 28. November 2011 führte eine Delegation des Baurekursgerichts im
Beisein der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. Der Rekurs im Ver-
fahren G.-Nr. R1S.2010.05125 wurde später zurückgezogen und mit Ent-
scheid BRGE I Nr. 0036/2012 vom 12. März 2012 als erledigt abgeschrie-
ben. Der Rekurs von S. N. im vorliegenden Verfahren G.-Nr.
R1S.2010.05118 blieb mit Blick auf Einigungsverhandlungen bzw. Rückzug
oder Abänderung des strittigen Bauvorhabens sistiert. Am 25. Oktober bzw.
18. Dezember 2013 hielten die Sunrise bzw. der Rekurrent an ihren
Rekursanträgen fest.
G.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachstehenden Erwägungen Bezug genommen.

Considerations:
Es kommt in Betracht:
1.
Der Rekurrent ist als Eigentümer von Liegenschaften im gemäss bundes-
gerichtlicher Definition rechtsmittelberechtigten Umkreis der strittigen
Kommunikationsanlage (Einsprecherradius), der hier 797 m beträgt (act.
10.3, S. 5), mehr als irgendwelche Dritte oder die Allgemeinheit in seinen
eigenen Interessen betroffen und daher aufgrund der nachstehend unter
Ziffer 3.1 zusammengefassten Rügen gemäss § 338a Abs. 1 des Pla-
R1S.2010.05118 Seite 4
nungs- und Baugesetzes (PBG) rechtsmittellegitimiert. Da die übrigen Pro-
zessvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.
2.
Die auf den zusammengebauten Mehrfamilienhäusern X und Y geplante
GSM/UMTS-Basisstation der Sunrise soll mit einer Gesamtleistung von
maximal 5'060 WERP betrieben werden und besteht aus folgenden Anten-
nenmodulen, welche an einen rund 4 m hohen Mast montiert werden sol-
len:
Antenne A1 A2 A3 A4 A5 A6
Frequenz 900 MHz 900 MHz 900 MHz 2100 MHz 2100 MHz 2100 MHz
Leistung 680 WERP 430 WERP 610 WERP 1140 WERP 1140 WERP 1060 WERP
Azimut 70° 250° 340° 70° 250° 340°
Zur Anlage gehören zudem zwei Richtfunkrundantennen (MW1 und MW2).
Der Antennenmast ist auf dem Flachdach des Hausteils X vorgesehen; der
Technikschrank mit der Anlagesteuerung soll im Dachbereich der Liegen-
schaft Y realisiert werden. Das Baugrundstück liegt in der Wohnzone W2.
3.1.
Der Rekurrent führt zur Begründung zusammengefasst im Wesentlichen
an, die Standortdatenblätter bzw. die Baugesuchspläne enthielten falsche
und missverständliche Höhenangaben; dies gelte sowohl für das Standort-
datenblatt vom 28. Mai 2008 als auch für dasjenige vom 27. Januar 2010
bzw. die entsprechenden Pläne. Der für die Grenzwertberechnung mass-
gebende Höhenunterschied zwischen dem Berechnungsort und der Anten-
ne sei die Differenz zwischen der Höhe der Antenne über der Höhenkote 0
des jeweiligen OKA/OMEN. Der richtigen Bestimmung der Höhenkote 0
komme deshalb eine zentrale Bedeutung zu. Keine der im Baugesuch auf-
geführten Höhen stimme, weder 620 m.ü.M noch 631,73 m.ü.M. Es be-
stünden vielmehr unerklärliche Höhendifferenzen bis beinahe 12 m. Dies
mache die Berechnungen der Sunrise völlig unglaubhaft und nicht vertrau-
enswürdig. Stimme die 0-Kote nicht, seien auch die Grenzwertberechnun-
gen falsch. Von einem rechtsgenügenden Nachweis vor allem der Einhal-
tung der Anlagegrenzwerte könne also keine Rede sein, zumal beim meist-
belasteten OMEN 5 der Grenzwert nach den fehlerhaften rechnerischen
Immissionseruierung nur knapp eingehalten werde. Werde dort mit der kor-
R1S.2010.05118 Seite 5
rekten Höhe bzw. mit dem zutreffenden direkten Abstand zwischen Anten-
ne und OMEN gerechnet, sei der Anlagegrenzwert von 5 V/m um 0,044
V/m überschritten.
3.2.
Demgegenüber hält die Rekursgegnerschaft zur Hauptsache fest, die
Standortdatenblattberechnungen beruhten auf korrekten Parametern und
seien in rechtsgenügender Weise nachvollziehbar. Der Rekurrent gehe von
der falschen Annahme aus, dass die absolute Meereshöhe für die Bestim-
mung des Nullpunkts für die Abstandsberechnung vom OKA/OMEN zum
Antennenstandort massgebend sei. Entscheidend seien jedoch die relati-
ven Höhendifferenzen, welche im vorliegenden Fall überall stimmten. Es
treffe wohl zu, dass in den Baugesuchsunterlagen falsche bzw. uneinheitli-
che Meereshöhenangaben für den Nullpunkt des Standortgebäudes aufge-
führt worden sei. Dies sei aber lediglich ein unschönes Versehen ohne
rechnerische Konsequenz. Auch im Übrigen erfülle das Bauvorhaben der
Sunrise alle sonstigen planungs-, bau- und umweltschutzrechtlichen Be-
stimmungen.
4.
Der Schutz der Umwelt vor elektromagnetischer Strahlung wird im Bundes-
gesetz über den Umweltschutz (USG) sowie in der bundesrätlichen Ver-
ordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 23. Dezem-
ber 1999 (NISV) geregelt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU; früher
BUWAL) konkretisierte die NISV mit Vollzugsempfehlungen (Mobilfunk- und
WLL-Basisstationen, Vollzugsempfehlung zur NISV, BUWAL/BAFU, Bern
2003 [Vollzugsempfehlung NISV]). Die NISV regelt die Begrenzung von
nieder- und hochfrequenten Strahlenemissionen, welche durch den Betrieb
ortsfester Anlagen, wozu auch Mobilfunk-Basisstationen gehören, erzeugt
werden (Art. 2 Abs. 1 lit. a NISV). Es wurden gemäss den gesetzlichen
Vorgaben von Art. 13 USG Immissionsgrenzwerte und in Umsetzung des
Vorsorgeprinzips Anlagegrenzwerte festgelegt.
5.
Die Immissionsgrenzwerte (IGW) gelten an allen Orten, wo sich Menschen
normalerweise aufhalten können (Art. 13 Abs. 1 NISV) und stützen sich
konzeptionell auf die Empfehlungen bzw. Richtlinien der Weltgesundheits-
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organisation WHO und der internationalen Strahlenschutzvereinigung
ICNIRP ab.
Die Anlagegrenzwerte (AGW) der NISV, welche von Mobilfunkanlagen mit
einer Gesamtstrahlungsleistung von über 6 WERP zwingend eingehalten
werden müssen (Ziffern 61 und 64 Anhang 1 NISV), gehen deutlich über
den Schutzumfang der Immissionsgrenzwerte hinaus und verlangen in
Konkretisierung der Bestimmung von Art. 4 Abs. 1 NISV an Orten mit emp-
findlicher Nutzung (OMEN), die in Art. 3 Abs. 3 NISV genannt werden, im
Vergleich zu den Immissionsgrenzwerten durchschnittlich um den Faktor 10
tiefere elektrische Feldstärken. Die Anlagegrenzwerte bewegen sich –
abhängig von der jeweils zu beurteilenden Frequenz – zwischen 4 - 6 V/m.
Für die vorliegend strittige GSM/UMTS-Basisstation gilt ein Maximalwert
von 5 V/m (Ziffer 64 lit. c Anhang 1 NISV).
6.
Die Ermittlung der Immissions- und Anlagegrenzwerte erfolgt mit dem vom
BAFU entwickelten Berechnungsmodell für hochfrequente nichtioni-
sierende Strahlen (NIS-Berechnungsmodell), den sogenannten Standort-
datenblättern. Art. 11 Abs. 2 lit. c Ziff. 1 und 2 NISV verlangt Berechnungen
einerseits beim strahlenmässig exponiertesten OKA (Ort für den kurzfristi-
gen Aufenthalt von Menschen; Immissionsgrenzwert) und andererseits für
jene drei Orte mit empfindlicher Nutzung (OMEN), an denen die elektro-
magnetische Strahlung am grössten ist (Anlagegrenzwert). Bei komplexen
Sendeanlagen mit zahlreichen Antennen oder sonst wie speziellen Verhält-
nissen kann der Einbezug zusätzlicher OMEN sinnvoll oder gar erforderlich
sein. Darüber hinaus sind die Mobilfunkgesellschaften nicht zu weiteren
Grenzwertberechnungen verpflichtet (BRGE II Nr. 0146/2011 vom 21. Juni
2011, E. 6.5). Diese werden von den Mobilfunkgesellschaften durchgeführt
und müssen zwingend Teil des Baugesuchs sein. Es ist Aufgabe der kom-
munalen Baubehörden, das jeweilige Standortdatenblatt zusammen mit
den übrigen Baugesuchsunterlagen auf ihre Vollständigkeit und Richtigkeit
zu überprüfen oder von einer externen Fachstelle kontrollieren zu lassen.
Im vorliegenden Fall ist ausschliesslich das Standortdatenblatt vom 27. Ja-
nuar 2010, welches dasjenige vom 28. Mai 2008 ersetzt hat, für die Grenz-
wertberechnungen massgebend. Diejenigen rekurrentischen Ausführungen,
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welche sich (auch) noch mit dem ersetzten Standortblatt auseinanderset-
zen, sind folglich nicht entscheidrelevant.
Mit dem Standortdatenblatt vom 27. Januar 2010 hat die Sunrise Immissi-
onsprognosen für einen OKA sowie für insgesamt 15 OMEN vorgenommen
und dabei an allen Berechnungsorten die Einhaltung der gesetzlichen
Grenzwerte festgestellt. Die NIS-Fachstelle der Stadt Zürich ist bei ihrer
Prüfung des Baugesuchs zum selben Resultat gekommen. Der Rekurrent
rügt hingegen, die Berechnungen basierten auf unzutreffenden Höhenan-
gaben, was zu fehlerhaften Abstandsberechnungen zwischen Antenne und
OKA/OMEN und letztendlich zu einer falschen Immissionseruierung geführt
habe.
7.
Für die Grenzwertberechnungen wird u.a. der direkte Abstand (d) zwischen
den OKA/OMEN und dem Antennenstandort benötigt, welcher sich aus
dem horizontalen (d.h. planlichen) Abstand und der Höhendifferenz (verti-
kaler Abstand) zwischen den beiden Orten zusammensetzt (d= 22 dvertdhor  ).
Referenzpunkt für die Höhendifferenz ist dabei stets die Höhenkote 0 (Null-
punkt) des Standortgebäudes (BRKE I Nr. 0333/2006 vom 22. Dezember
2006, E. 13.1; bestätigt mit VB.2007.00068 vom 9. Mai 2007).
Obwohl die Niveauhöhe(n) in m.ü.M. in den Standortdatenblättern und
Baugesuchsplänen regelmässig aufgeführt werden und auch aufgeführt
werden müssen (vgl. § 3 Abs. 1 lit. b - d der Bauverfahrensverordnung),
werden diese also für die Grenzwertberechnungen nicht benötigt und sind
insoweit für die Ermittlung der elektrischen Feldstärken irrelevant. Wichtig
ist hingegen, dass die für die Immissionsberechnung verwendeten Höhen-
angaben stets auf denselben Nullpunkt referenziert werden (BGE
1C_458/2009 vom 10. Mai 2010, E. 3.5). Solches trifft hier vollumfänglich
zu. Die Höhendifferenzen der einzelnen OKA/OMEN zu den geplanten
GSM/UMTS-Antennenmodulen der Sunrise stehen immer in korrekter Rela-
tion zum Nullpunkt des Standortgebäudes. Damit braucht entgegen rekur-
rentischer Auffassung nicht weiter überprüft zu werden, welche Niveauhöhe
in m.ü.M. der Nullpunkt des Standortgebäudes nun genau aufweist.
Es bleibt jedoch immerhin anzufügen, dass eine korrekte und einheitliche
Meereshöhenangabe für den Nullpunkt des Standortgebäudes zumindest
der Transparenz des Baugesuchs dienen würde. Es ist dem Rekurrenten
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beizupflichten, dass unterschiedliche Höhenangaben im Standortdatenblatt
und in den zugehörigen Baugesuchsplänen nicht gerade vertrauensbildend
wirken und der Akzeptanz einer Baubewilligung nicht unbedingt förderlich
sind.
8.
Ergibt die mit dem NIS-Berechnungsmodell durchgeführte Immissionsprog-
nose eine deutliche Einhaltung der Immissions- und Anlagegrenzwerte, ist
eine zusätzliche Messung der elektromagnetischen Strahlung nach Inbe-
triebnahme der Anlage nicht notwendig. Abnahmemessungen als Kontroll-
massnahme rechtfertigen sich jedoch dann, wenn die Grenzwerte knapp
eingehalten werden. Nach gefestigter Rechtspraxis müssen Abnahmemes-
sungen durchgeführt werden, wenn die Grenzwerte zu 80 % oder mehr
ausgeschöpft werden, wobei die Sachumstände im konkreten Einzelfall ei-
ne tiefere Schwelle rechtfertigen können (Vollzugsempfehlung NISV, S. 18,
Ziff. 2.1.8; BGr 1A.160/2004 vom 10. März 2005, E. 3; BRKE II Nr.
0146/2011 vom 21. Juni 2011, E. 7.1).
Bei der strittigen GSM/UMTS-Mobilfunk-Basisstation der Sunrise liegen die
Immissionsgrenze bei den folgenden OKA/OMEN über der 80 % - Schwel-
le:
OKA/OMEN 1a 1b 5 11 15
el. Feldstärke 44.3 V/m 4,63 V/m 4,94 V/m 4,68 V/m 4,5 V/m
AGW in % 86 % 92,6 % 98,8 % 93,6 % 90 %
In Dispositiv-Ziffer I.3. der angefochtenen Baubewilligung wurde die Sunri-
se von der Vorinstanz zu Abnahmemessungen bei den OKA/OMEN 1a, 1b,
5, 6, 11 und 15 verpflichtet. Beim OMEN 6 wird die 80 % - Schwelle aller-
dings nicht erreicht. Ob Messungen hier zwingend notwendig sind, braucht
– da von der Sunrise nicht angefochten – nicht weiter geprüft zu werden.
Zudem wäre der Rekurrent durch an sich nicht indizierte Abnahmemessun-
gen in keiner Weise beschwert (BRGE II Nrn. 0162 – 0163/2012 vom 23.
Oktober 2012, E. 9).
9.