Decision ID: c2cc021c-f4cd-5446-9001-7b19a272cdab
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977,
arbeitete bei der
Y._
als Gerüstbauer, als er
sich am 2. Oktober 2012 mit einer Glasscherbe am rechten Handgelenk
verletzte
(Urk. 10/3/105)
,
und meldete sich am 18. Februar 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2).
Nach me
dizinischen und erwerblichen Abklärungen
kündigte
die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherte
n
mit Vorbescheid vom 6. März 2015
an
, dass kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 10/34)
,
und wies sein Leistungsgesuch mit Verfügung vom 5. Mai 2015 ab (Urk. 10/41).
Die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde vom 4. Juni 2015 (Urk. 10/42/3-8) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 10. November 2015 im Prozess Nr. IV.2015.00616 in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies (Urk. 10/47).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle weitere medizinische Unterlagen ein und ordnete
am 7. November 2016
die polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten bei de
r Z._
, medizinische Beguta
chtungen
,
an
(Urk. 10/80).
Nach den gutachterlichen Untersuchungen, jedoch
vor
der Erstat
tung des
Gutachten
s
vom
15. Juni 2017
(Urk. 10/101)
,
stürzte
der Versicherte am 21. Februar 2017 auf den Rücken und
zog
sich eine Rückenkontusion zu (Urk. 10/156/146-147).
Mit Vorbescheid vom 20. November 2017 stellte
die IV-Stelle
die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (Urk. 10/115).
Nachdem der Versicherte d
agegen am 27. November 2017 (Urk. 10/116) und 17. Januar 2018 (Urk. 10/120)
Einwände
erhoben hatte, verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 14. September 2018 (Urk. 10/161 = Urk. 2)
.
1.3
Die Suva sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 9. April 2018 gestützt auf eine Erwerbseinbusse von 21 % ab 1. Dezember 2016 eine Invalidenrente (Fr. 783.45
pro Monat
) und gestützt auf eine Integritätseinbusse von 7.5 % eine Integritätsentschädigung (Fr. 9'450.--) zu (Urk. 10/145/374-378). Dagegen erhob der Versicherte am 9. Mai 2018 Einsprache (Urk. 10/145/398-404). Das
Ein
spracheverfahren
ist noch hängig (vgl. Urk. 13).
1.4
Für die Folgen des Sturzes vom
21. Februar 2017
erbrachte d
ie Suva Leistungen, stellte diese indessen mit durch
Einspracheentscheid
vom 28. Juni 2018 (Urk. 10/156/47-56) bestätigter Verfügung vom 3
0. Oktober 2017 ein
(Urk. 10/156
/123-125). Dagegen erhob der Versichert
e am 31. August 2018 Be
schwerde
. Das
entsprechende Verfahren Nr. UV.2018.00190
wurde mit Urteil
vom heutigen T
ag
erledigt
.
2.
Am 9. Oktober 2018 erhob der Versicherte gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 14. September
2018 (Urk. 2) Beschwerde und beantragte deren Aufhebung und die
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine unbefristete ganze Rente (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. November
2018 schloss die IV
Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Am 19. November 2018 wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihm Rechtsanwalt Kaspar Gehring als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt (Urk. 11).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
ging bei ihrem Entscheid
(Urk. 2)
davon aus, dass die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70
%
in einer angepassten Tätig
keit massgeblich durch die
Schmerzstörung begründet werde
, die vergleichbar mit einem nicht-somatischen Leiden
im Sinne einer somatoformen Schmerzstö
rung
nicht
hinreichend
objektiviert werden könne und eine
Standardindikatoren
prüfung
erfordere. Die
(
Budapest
)
-Kriterien seien nicht erfüllt
(S. 2 unten)
.
Bei den
nach dem
Unfall vom 21. Februar 2017
aufgetretenen Rückenbeschwerden
handle es sich um
eine vorübergehende Verschlimmerung bei allenfalls diskretem Vorzustand
. Kontusionen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit und nach allgemeiner Lebenserfahrung spätestens nach
sechs
Monaten abgeheilt.
Die Ar
beitsunfähigkeit als Gerüstbauer stehe ausser Frage, in einer optimal angepassten leichten körperlichen Tätigkeit bestehe indessen eine Arbeitsfähigkeit ohne er
hebliche Einschränkungen
(S. 3
oben
).
In einer solchen Tätigkeit bestehe eine Er
werbseinbusse von lediglich 4 % (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen
zusammengefasst
ein (Urk. 1),
die Gut
achter seien zum Schluss gekommen, dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gerüstbauer und eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit in einer Verweistätigkeit bestehe (Ziff. 1 S. 2). Das Gutachten sei schlüssig und festgestellte Inkonsistenzen seien vollumfänglich gewürdigt und berücksichtigt worden. Gestützt darauf könne der Rentenanspruch bemessen werden (S. 8 Mitte). Auch unabhängig von der Rückenproblematik bestehe
ausgewiesenermassen
ein Rentenanspruch. Die Rückenproblematik sei
daher
nicht von grosser Relevanz (Ziff. 7 S. 8). Bei der Invaliditätsbemessung sei ein Tabellenlohnabzug von 20 % zu berücksichtigen (Ziff. 8.2 S. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente hat und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von der gut
achterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgewichen ist.
3.
3.1
Mit Urteil vom 10. November 2015 im Prozess Nr. IV.2015.00616
(Urk. 10/47)
wies das
hiesige
Gericht in Gutheissung der Beschwerde des Beschwerdeführers die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück, damit sie weitere medizinische Ab
klärungen vornehme und hernach über den Rentenanspruch neu verfüge
(
Dispo
sitiv-Ziffer 1).
In der Folge holte die Beschwerdegegnerin die
unten aufgeführten
medizinischen Berichte ein.
3.2
Nach einem stationären Aufenthalt vom 2
9.
bis 30. Oktober 2015 führten die Ärzte
des
A._
,
im Austrittbericht
vom 30. Oktober 2015 (Urk. 10/51/5-6) fol
gende Diagnosen
auf
(S. 1)
:
-
phlegmonöse
Weichteilentzündung Arm rechts mit/bei
-
Verdacht auf Bursitis
olecrani
-
neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten Hand (dominant) mit Aus
strahlung nach proximal, vor allem an
Digitus
(
Dig
.
)
III rechts bei
-
Status nach Glassplitter-Teilläsion des
Nervus
(N.)
medianus
rechts proximal des Handgelenks am 1. Oktober 2012
-
Erstversorgung durch
B._
am 3. Oktober 2012
-
Revision,
Neurolyse
faszikulär
N.
medianus
rechts am 22. Januar 2013
-
Ultraschall-assistierter Nervenblockade im N
ovember 2014 mit aus
bleibendem T
herapieerfolg
-
Status nach Spaltung
Sulcus
ulnaris
links,
Neurolyse
N.
medianus
Zone 4-5, Deckung mit Unterarm-
Faszienlappen
am 25. September 2015
-
Status nach Amputation
Dig
. V Hand rechts 2
010 auf Höhe proxi
male Grundphalanx
-
arterielle Hypertonie
-
Asthma b
ronchiale
-
Steatosis
hepatis
-
r
ezidivierende depressive Episoden
Bei Spitaleintritt sei eine starke Rötung des gesamten medialen Ellbogens und Oberarms auslaufend bis in die
Axilla
, eine diskrete Rötung am Unterarm perifo
kal um die Narbe, eine
Druckdolenz
mit
Punctum
maximu
m
im Bereich des
Su
l
cus
ulnaris
sowie eine Schwellung über dem
Olekranon
, ohne eindeutige pal
pable Fluktuation festzustellen gewesen. Die Lymphknoten
axillär
seien
druck
dolent
und vergrössert gewesen
(S. 2)
.
Es wurde eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit vom 29. Oktober bis 8. November 2015 attestiert
(S. 2)
.
3.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diag
nostizierte im Bericht vom 10. Februar 2016 (Urk. 10/51/1-4) persistierende Be
schwerde
n
Arm/Hand rechts bei Status nach F
remdkörperv
erletzung (Glas) im Bereich des Handgelenks rechts
(
Ziff.
1.1)
. Trotz diverser Operationen persistier
ten die Beschwerden
(
Ziff.
1.4)
.
Es bestehe seit dem 5. Oktober 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.6)
.
3.4
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 24. März 2016 (Urk. 10/55) neben somatischen Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2
;
Ziff.
1.1
).
Die bisherige ambulante Behandlung sei mit wöchentlichen Terminen geplant ge
wesen, die Therapie
sei
jedoch immer wieder unterbrochen worden durch Abwesen
heiten und auch längere Urlaubszeiten des Beschwerdeführers. Ein ganz wesent
licher Faktor für die Prognose sei die Frage, ob der Beschwerdeführer die
Mög
lichkeit be
komme, an einem
Deutschkurs teilzunehmen. Eine solche Teilnah
me könnte die Prognose stark besseren, denn trotz der Depression sei der Be
schwer
deführer in dieser Hinsicht stark motiviert
(
Ziff.
1.4)
.
Als Metallbauer bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.6)
. Aufgrund der schweren Einschränkung der Belastbarkeit im Rahmen der schweren Depres
sion sei keine Arbeit möglich
(
Ziff.
1.7)
.
3.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie,
Suva,
stellte im Bericht vom 21. September 2016 (Urk. 10/145/202-208) über die gleichentags stattgefundene kreisärztliche Untersuchung folgende Diagnose (S. 6
oben
):
-
Status nach Fremdkörperkorporation (Glasscherben) im Bereich des rech
ten Handgelenks mit
/bei
-
Teilläsion des
N.
medianus
rechts am 1. Oktober 2012 und
Neurolyse
des
N.
medianus
rechts am 22. Januar 2012 (richtig: 2013)
-
neuropathischem Schmerzsyndrom mit schwerer, aber nicht kompletter
axonaler
faszikulärer
Schädigung der
Medianusfa
szikel
zum
Dig
. III und
Dig
. IV
-
Neurolyse
des
N.
medianus
Zone 4-5 und Deckung mittels
Unterarm
faszienlappens
und Spaltung des
Sulcus
ulnaris
links am 25. September 2015.
Als Nebendiagnose nannte er eine Depression (S. 6
oben
).
Subjektiv persistierten Schmerzen und Elektrisieren vor allem im Unterarm-
und
Handbereich, teilweise jedoch auch bis zur rechten Schulter ausstrahlend, und verminderte Kraft rechtsseitig
(S. 6
Mitte
).
Objektiv fänden sich eine Einschränkung der Handgelenksbeweglichkeit rechts in Bezug auf die Dorsalflexion, ein
Tinel
-artiges Phänomen im Bereich des
N.
ulna
ris
und
N.
medianus
rechts,
jedoch
kein Anhalt für eine muskuläre Atrophie im Bereich des Oberarms und Unterarms. Insgesamt habe der Beschwerdeführer nicht sehr schmerzgeplagt gewirkt, er habe jedoch während der einzelnen Untersu
chungsgänge jeweils immer Schmerzen angegeben. Gesamthaft sei die Stim
mungslage etwas gedrückt gewesen (S. 6
Mitte
).
Die frühere körperlich schwere Tätigkeit im Gerüstbau sei nicht mehr zumutbar, aus medizinischer Sicht möglich wäre eine körperlich sehr leichte Tätigkeit, bei der die rechte Hand nur als
Zudienhand
einzusetzen wäre
,
ohne Heben und Tra
gen von Lasten, ohne Zug-, Druck- und Stossbelastungen
sowie
ohne Schläge und Vibrationen auf die rechte obere Extremität. Bei
Schmerzexazerbation
sollte auch die Möglichkeit vermehrter Pausen bestehen, sodass bei einer 100%igen Ar
beitsfähigkeit eine 80%ige Leistungsfähigkeit resultiere (S. 6
unten
).
3.6
3.
6
.1
Am 15. Juni 2017 erstatten
Dr.
med
.
F._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Innere Medizin, Prof.
H._
, Facharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
,
das polydisziplinäre Gut
achten der
Z._
(Urk. 10/101
/2
-44
) und stellten folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 4.4 S. 28):
-
Zustand nach G
lassplitter-Teilläsion des
N.
medianus
rechts proximal des Handgelenks am 1. Oktober 2012
-
Zustand nach Revision
Neurolyse
faszikulär
N.
medianus
rechts am 22. Januar 2013
-
Neurolyse
N.
medianus
Zone 4-5, Deckung mit Unterarm
Faszienlappen
am 25. September 2015
-
CRPS mit
myofaszialer
Überlagerung
-
neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten Hand, Teilläsion des
N.
medianus
rechts durch Glassplitterverletzung am 1. Oktober 2012 (Erstversorgung
B._
)
-
Spaltung des
Sulcus
ulnaris
links am 3. Oktober 2012
-
Zustand nach Amputation
Dig
.
V
rechte Hand 2010 auf Höhe proximale Grundphalanx
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (Ziff. 4.4 S. 28)
:
-
Zustand nach
phlegmonöser
Weichteilentzündung Arm rechts bei Ver
dacht auf Bursitis
olecrani
-
arterielle Hypertonie
-
Asthma bronchiale
-
Steatosis
hepatis
-
Adipositas, WHO Grad I
-
Nikotinabhängigkeit
-
weitgehend remittierte depressive Störung, F32.8 (DD: Anpassungsstö
rung, F43.2)
-
dysfunktionale Krankheitsverarbeitung, F54
3.
6
.2
Die orthopädisch-chirurgische Untersuchung
habe
eine leicht verminderte Behaa
rung im Bereich des rechten Handrückens
gezeigt
. Das Hautkolorit erscheine ins
gesamt etwas dunkler. Zum Zeitpunkt der Untersuchung fänden sich vereinzelte lokale Hautinfektionen von ca. 0.3 cm Durchmesser im Bereich des Handrückens in Verlängerung vom 2. Strahl dorsalseitig. Die Amputationswunde im Bereich des
V
. Fingers der rechten Hand sei reizlos verheilt. Sie habe eine
Gesamtlänge
von 8 cm, sei
nicht
keloidartig
verändert, sei
verschieblich
und weich. Die Sensi
bilität im Bereich des rechten distalen Unterarms und des Handrückens sei vor
handen, die Sensibilität des
IV
. Fingers der rechten Hand dorsalseitig sei
voll
ständig erhalten, die Sensi
bilität des III. Fingers der rechten Hand dorsalseitig sei
bis zur Fingerkuppe unauffällig, die Fingerkuppe werde als leicht gemindert in der Empfindung beschrieben. Der
II
. Finger der rechten Hand sei dorsalseitig in der Sensibilität erhalten. Die Sensibilität im Bereich des Daumens sei
vollstän
dig
dorsalseitig erhalten, im Bereich der vier Langfinger dorsalseitig könne keine Schmerzsensation ausgelöst werden. Im Bereich des rechten Unterarmes, etwa 10
cm unterhalb des Ellenbogengelenkes
,
fände sich eine z-förmig geschwungene Narbe, die bis in die Mitte der
Hohlhand
reiche. Sie sei reizlos, leicht verbreitert, aber nicht
keloidartig
verändert. Sie sei gegen die Unterfläche
verschieblich
. Die Narbe messe eine Gesamtlänge von 30 cm. Beim Klopfen de
s Unterarm
s werden Stromschläge im Bereich der Finger
II
bis
IV
wahrgenommen. Sie seien teilweise unerträglich, sodass der Beschwerdeführer zusätzlich Tabletten einnehmen müsse. Im Bereich des Daumenballens sei die Sensibilität gemindert
, aber wahr
nehmbar. Die Sensibilität im Bereich der
Hohlhand
sei laut Angaben des Beschwerd
eführers nicht mehr vorhanden (z
entraler Anteil), die grobe Kraft sei mas
siv vermindert, beim Zugreifen
gebe der Beschwerdeführer
unerträgliche Schmer
zen an, sodass er bei dieser Untersuchung die Hand sofort öffne. Die Untersu
chung mit dem
Virgometer
ergebe an
der linken Hand 0.7 bar,
an
der rechten Hand 0.3 bar. Beim Zugreifen sei auffällig, dass sofortige massivste Schmerzen im Bereich der
Hohlhand
ausgelöst würden. Die Schmerzen seien glaubhaft (Ziff. 2.2 S. 20 f.).
Zwischen den subjektiven Beschwerden und den objektiven Befunden fänden sich keine Diskrepanzen (S. 23).
Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Gerüstbauer betrage 100 %. In einer Verweisungstätigkeit (zum Beispiel in einem Sicherheitsunter
nehmen, Wachtätigkeit als Pförtner, Sicherheitszentrale Monitorüberwachung) betrage
sie
30 % (S. 23).
3.
6
.3
Der Neurologe fand normale Verhältnisse im Bereich des
N.
medianus
und
ulnaris
beidseits. Sensibel zeige sich rechts an der
ulnaren
Handseite sowie an der
Ulnar
seite
von
Dig
. IV ein normaler Befund, die Radialseite von
Dig
. IV spüre schlech
ter. In einer schmalen Zone im Bereich der rechten
Hohlhand
sei die Berührungs- und Schmerzempfindung praktisch fehlend, diese reiche bis
zum III. Finger. Auf Höhe des distalen
Interphalangelenks
(DIP)
von
D
ig
. III rechts bestehe
ulnar
eine kleine
fünfrappengro
sse Zone mit Restsensibilität. A
n
Dig
. II gebe der Beschwer
deführer
radialseits
ebenfalls eine verlorene Sensibilität an.
Dig
. IV distal radial zeige eine diskrete Restsensibilität. Im Narbenbereich auf Ha
ndgelenkshöhe zeige sich unmitt
elbar
radialseits
vom
N.
medianus
ein heftiges
Tinel
-Phänomen, wel
ches in alle
Medianus
-Finger ausstrahle. Neurographisch lasse sich keine signifi
kante motorische oder sensible Schädigung des
N.
medianus
rechts auf Höhe des Handgelenks nachweisen. Im
N.
medianus
links lägen völlig normale Verhältnisse vor, ebenso im
N.
ulnaris
links. Die motorischen Leitungswerte des
N.
ulnaris
rechts seien in Ordnung. Die sensible Leitung lasse sich distal nicht prüfen, da an
Dig
. IV kein eindeutiges
andidrom
-sensibles Antwortpotenzial nachweisbar sei
(neurologisches T
eilgutachten, Urk. 10/101/56-61
S. 4 f.)
.
Bezüglich Arbeitsfähigkeit müsse in der bisherigen Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. In einer angepassten Tätigkeit sei beim Rechtshänder allenfalls eine
geringgradige
Restarbeitsfähigkeit gegeben, sofern eine Tätigkeit nicht mit der Führungshand durchgeführt werden müsse.
Pragma
tisch betrachtet bleibe die Chance sehr gering, dass eine Restarbeitsfähigkeit er
reicht werden könne (
Urk. 10/101/56-61
Ziff. 2.5 S. 6).
3.
6
.4
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde darauf hingewiesen, dass die Compliance unklar sei, der Beschwerdeführer ordne dem psychiatrisch-therapeutischen Ge
schehen nur auf mehrfaches Rückfragen hin e
ine gewisse Bedeutung zu. Stelle
man die Frage, ob die berichteten, nicht direkt beobachtbaren Beschwerden stim
mig seien, ergäben sich zahlreiche Diskrepanzen. Der Leidensdruck sei nicht sicher
eruierbar
, es dominierten immer wieder Inkonsistenzen, einerseits gar nichts mehr machen zu können, and
ererseits Reisen nach Spanien, L
eben im eigenen Haus dort, regelmässiges Besuchen d
er Tochter. Die Konsistenzparam
eter nach Widder seien teilwei
se
positiv, etwa im Sinne der Diskrepanzen zwischen den geschilderten Symptomen und dem Verhalten in der Untersuchungssituation (stärkste Migräne, erbrechen müssen). Auf konkrete Nachfrage ergäben sich oft wechselhafte oder unpräzis ausweichende Schilderungen von Beschwerden und in Bezug auf den Krankheitsverlauf. Die angegebenen Beschwerden könnten nicht in allen Lebensbereichen verifiziert werden. Darüber hinaus seien sie wenig moduliert dargestellt, blieben oft diffus und die Funktionsbeeinträchtigungen im Alltag liessen si
ch nicht konkret verifizieren (p
sychiatrisches Teilgutachten, Urk. 10/101/72-87, Ziff. 4.3.2.4 S. 10
f.)
.
Die Arbeitsfähigkeit sei weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätig
keit dauerhaft eingeschränkt (
Urk. 10/101/72-87
Ziff. 5.3.5.6 S. 16).
3.
6
.5
Aus internistischer Sicht wurde festgehalten, das Sitzen sei problemlos während 70 Minuten möglich gewesen. Ein Nachlassen der Konzentration habe anhand der gleichbleibenden Qualität der Antworten nicht gesehen werden können. Am Ende der Untersuchung sei etwas verwunderlich gewesen, dass der Beschwerde
führer die rechte Hand zum Anziehen der Schuhe verwendet habe und nicht die gesunde linke. Der Händedruck zur Verabschiedung
sei
seitens des Untersuchers bewusst kräftig ausgeführt
worden
, wobei der Beschwerdeführer überraschender
weise nicht mit Schmerzen der rechten Hand reagiert habe (anders als anamnes
tisch geschilde
rt
, wonach schon bei leichter Berührung der Hand ein Schmerz ausgelöst werde). Weitere konkrete Anhaltspunkte für Aggravation oder Simula
tion seien nicht vorhanden (
i
nternistisches Teilgutachten, Urk. 10/101
/
45-55, Ziff. 2
.
2 S. 8).
Aufgrund der aktuellen Anamnese, der körperlichen Untersuchung sowie hin
sichtlich der Aktenlage ergäben sich auf allgemein-internistischem Fachgebiet keine IV-relevante
n
Diagnosen oder Funktionseinschränkungen. Vorbeschrieben sei ein Asthma bronchiale, welches auch therapiert werde
, allerdings seien vom Beschwerdeführer keine Atembeschwerde
n
angegeben worden. Eine IV-Relevanz könnte sich daher allenfalls bei Aufnahme einer körperlich anstrengenden Arbeit er
ge
ben. Bei einer erneuten Arbeitsaufnahme sollten asthmaauslösende Faktoren vermieden werden (
Urk. 10/101/45-55
Ziff. 2.5 S. 10 f.).
3.
6
.6
Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit von 100 %
und in einer Verweistätigkeit von 70
%
. In einer angepassten Tätigkeit sei beim Rechtshänder allenfalls eine
geringgradige
Rest
arbeitsfähigkeit gegeben, sofern er
die Tätigkeit
mit der
adominanten
Hand durchführen könne. S
omit bleibe pragmatisch betrachtet auch hier die Chance sehr gering, dass eine Restarbeitsfähigkeit erreicht werden könne. Im Falle einer erneuten Arbeitsaufnahme sollten asthmaauslösende Faktoren vermieden werden (
Urk. 10/101/2
-44
Ziff. 5.7.2
S. 38).
3.6.7
Auf entsprechende Fragen der Beschwerdegegnerin
hin
(vgl. Urk. 10/102) bekräf
tigte
Dr.
F._
am
1. September 2017 (Urk. 10/106), die geschilderten Symptome und Schmerzen seien glaubhaft und nachvollziehbar. Aufgrund
d
er erfüllten Budapest-Kriterien könne mit hohem Grad an Gewissheit davon ausgegangen wer
den, dass ein CRPS vorliege. Die diagnostischen Kriterien
:
-
anhaltender Schmerz, der durch das Anfangstrauma nicht mehr erklärt werden könne
-
Hyperalgesie, Hyperästhesie der rechten Hand
-
verminderte Behaarung der rechten Hand
-
Veränderung der Hautfarbe (dun
kles Hautkolorit)
-
reduzierte Beweglichkeit, Paresen im Sinne von Schwäch
e
seien erfüllt.
3.7
Med.
pract
.
J._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst
(RAD)
, stellte am 18. September 2017 (Feststellungsblatt vom 20. November 2017, Urk. 10/113) fest, gesamthaft sei die Einschränkung der Beweglichkeit der rechten Hand beziehung
sweise des gesamten rechten Arm
s infolge des Schmerzsyndroms mit
Triggerung
von Schmerzen im Sinne eines CRPS durch Berührung o
der Bewegung nachvollziehbar
. Dies führe zu einer Schonhaltung und Vermeidung beziehungsweise einer weitergehenden funktionellen
Einarmig
keit
in Bezug auf manuelle Arbeiten. Durch
die Therapie sei keine hinreichende Verbesserung der Schmerzen erzielt worden. Insofern seien die Ausführungen in Bezug auf die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 100 % als Gerüstbauer seit Oktober 2012 plausibel
(S. 4 Mitte)
.
Die Arbeitsunfähigkeit von 70 % in Bezug auf eine diesem negativen Leistungs
vermögen angepasste Tätigkeit sei hingegen nicht nachvollziehbar. Jenseits des einschränkenden Gesundheitsschadens (CRPS rechts durch
Medianusläsion
mit Veränderung
en
im Sinne einer Veränderung des Hautkolorits und der Behaarung, Zustand nach Amputation des
5.
Fingers rechts) lägen keine weiteren Diagnosen vor, die zu einer Reduktion des Leistungsvermögens in dieser angepasste
n
Tätig
keit führten. IV-fremd komme hinzu, dass der Beschwerdeführer in Deutsch nicht
ausreichend kommunizieren könne.
Hinweise dafür, dass das Aktivitätsniveau re
lativ gut sei, ergäben sich dadurch, dass er die psychiatrische Behandlung auf
grund längerer Urlaubszeiten nicht regelmässig habe wahrnehmen können und im Alltag aktiv sei (Kochen, Freunde besuchen, Einkaufen, frühes Aufstehen). Eine angepasste Tätigkeit sei somit für eine Dauer von 8 Stunden pro Tag zumut
bar
(S. 4 Mitte)
.
Bei dieser Einschätzung sei zu bedenken, dass Hinweise für Inkonsistenzen im versicherungsmedizinischen Kontext aus gutachterlicher Perspektive hinreichend diskutiert werden müssten, was im vorliegenden Gutachten nicht erfolgt sei. Auch im aktuellen Gutachten seien
psychiatrischerseits
Diskrepanzen dahingehend ge
nannt worden, dass sich die Funktionsbeeinträchtigungen im Alltag nicht konkret verifiz
ie
ren liessen. E
ine Aggravation sei klar bejaht worden und wesentliche In
konsistenzen seien plausibel dargestellt worden: keine Schmerzen beim kräftigen
Händedruck bei der Verabschiedung, während in der Untersuchung bereits bei leichter Berührung ein massiver Schmerz ausgelöst worden sei
(S. 4 unten f.)
.
Da d
iese klaren und offensichtlichen Inkonsistenzen
im Gutachten hinsichtlich der Schlussfolgerungen nicht berücksichtigt worden seien, sei die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit angepasst nicht verwertbar, während die Arbeitsunfähigkeit an
gestammt aufgrund der elektrophysiologisch und histologisch gesicherten Ner
venläsion
rechts und dem
dadurch bedingten Gesundheitsschaden - auch wenn dieser
agg
ravierend
zur Darstellung komme -
ausreichend gesichert sei
(S. 5 oben)
.
3.
8
PD
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation,
L._
, Rheumatologie, diagnostizierte im Sprechstun
denbericht vom 25. Januar 2018 (Urk. 10/145/352-
353)
in seinem Fachbereich
F
olgendes:
-
neuropathisches Schmerzsyndrom Hand rechts
-
Status nach Glassplitterteilläsion des
N.
medianus
rechts proximal des
Handgelenks
am 1. Oktober 2012
-
Status nach Revision
Neurolyse
faszikulär
N.
medianus
rechts am 21. Januar 2013
-
Status nach
Neurolyse
N.
medianus
am 25. September 2015
-
Spaltung
Sulcus
ulnaris
links am 3. Oktober 2012
-
Status nach Amputation
Dig
. V H
an
d rechts 2010
Der Beschwerdeführer
berichte
über Dauerschmerzen bis
cervical
mit Exazerba
tion bei Bewegung und Belastung. Daneben bestünden auch ausgeprägte Nacht
schmerzen. Die Schmerzen betrügen auf der S
chmerz
skala 4-9/1
0.
Der Schmerz selbst sei inkonstant, der Schmerzcharakter könne nicht weiter beschrieben wer
den. Initial werde der Arm rechts in Schonhaltung präsentiert. Vorderarm und Hand rechts
zeigten sich
mit reizlosen Operationsnarben,
ohne
Schwellung,
ohne
Verfärbung,
ohne
Hy
p
erhidrose,
ohne
Hypertrichose,
ohne
trophische
Störungen der Nägel
und mit
symmetrische
r Hauttemperatur.
Der Faustschluss sei knapp möglich,
die Dorsalextension des
Handgelenk
s
rechts
sei
zu 2/3
eingeschränkt.
Ellbogen und Schulter seien
endgradig
eingeschränkt.
3.9
Am 21. August 2018
(Feststellungsblatt vom 14. September 2018, Urk. 10/157)
gab med.
pract
.
J._
erneut eine Stellungnahm
e ab: Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei im Wesentlichen auf eine Schmerzstörung infolge einer Teilläsion des
Nervus
medianus
rechts durch einen Glassplitter zurückzuführen. Motorische Einschränkungen der rechten Hand seien nicht vorhanden. Solche würden im neurologischen Befund nicht beschrieben und seien aufgrund der ana
tomischen
Lokalisation der Verletzung auch nicht zu erwarten. Sensible Ein
schränkungen im Bereich der rechten
Hohlhand
(Finger II und III) seien im Gut
achten beschrieben worden und trotz einer unauffälligen sensiblen Neurographie als glaubwürdig erachtet worden
,
w
odurch si
ch
ein gewisser Widerspruch ergebe. Auch unter der positiven Annahme, dass tatsächlich eine Beeinträchtigung des Berührungsempfindens im
II
. und
III
. Finger vorliege, hielten sich die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Funktionalität in Grenzen. Aus versiche
rungsmedizinischer Optik könne sich eine Beeinträchtigung des Berührungsemp
findens funktionell auf Tätigkeiten auswirken, die eine intakte Sensibilität erfor
derten (Ergreifen/Ertasten von Gegenständen usw.). Beim Beschwerdeführer seien erhebliche Störungen allerdings nicht erkennbar, da er die rechte Hand zur Ver
abschiedung
nach der Begutachtung verwende
und die rechte Hand auch zum Anziehen der Schuhe einsetze
n
könne, woraus eine verwertbare Funktionalität abgeleitet werden könne
(S. 5 unten f.)
.
4.
4.1
Am 21. Februar 2017 rutschte der Beschwerdeführer auf einer Treppe aus und fiel auf den Rücken. Die Ärzte des
A._
, diagnostizierten im Austrittsbericht vom 21. Februar 2017 (Urk. 10/156/146-147) eine Kontusion der Halswirbel-, Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule bei radiologisch ausge
schlossener Fraktur.
4.2
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Allgemein
e Innere Medizin
, diagnostizierte im Bericht vom 5. Juli 2017
(Urk. 10/156/168-169)
persistierende lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in beide Knie. Der Beschwerdeführer beschreibe ste
chende Schmer
zen am
thorakolumbalen
Übergang und
breit lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung gegen die Kniekehlen beidseits, die beim Gehen innert 20 Mi
nuten unerträglich würden.
4.3
Dr.
med.
N._
und
Dr.
med.
O._
, Fachärzte für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
L._
, Orthopädie, diagnostizierten im Bericht vom 16. August 2017 (Urk. 10/1
5
6/150-151)
, nachdem sie Kenntnis über den Befund der MRI-Untersuchung vom 10. August 2017 (vgl. Urk. 10/156
/137
)
gehabt
hatten,
unspe
zifische, panvertebrale Rückenschmerzen ohne
pathomorphologisches
Korrelat im MRI der gesamten Wirbelsäule bei Status nach Treppensturz im Februar 2017
(S. 1)
.
4.4
Dr.
med. P._
, Fachärztin für Neurologie,
Q._
, diagnostizierte im Bericht vom 13. Juli 2018 (Urk. 10/156/12-13)
ein
lumboradikuläres
Reizsyndrom S1 beidseits rechtsbetont, Erstmanifestation nach Treppensturz im Februar 2017
(S. 1)
. Bei sehr
gutem An
sprechen auf die Wurzelinfiltration vom 31. Mai 2018 scheine eine Nervenwur
zelirritation S1 beidseits rechtsbetont in Folge der
D
iskusprotrusion
L5/S1 bestä
tigt,
vor allem, da auch die Beinschmerzen fast vollständig
regredient
gewesen seien und die Gehstrecke nicht mehr limitiert gewesen sei
(S. 2)
.
5.
5.1
Gestützt auf
die versicherungsmedizinische Beurteilung
ihres RAD-Arztes,
med. pract.
J._
(E. 3.7 und
E.
3.9)
,
wich die Beschwerdegegnerin von den Schluss
folgerungen der
Z._
-Gutachter (E. 3.6), welche dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gerüstbauer und eine solche von 70 % in einer angepassten Tätigkeit attestiert
hatten
, insoweit ab, als sie
in Anwendung
der Standardindikatoren zum Schluss
kam
, dass in behin
derungsangepasster Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben sei.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung
). Die
Z._
-Gutachter diagnostizierten vorlie
gend keine die Arbeitsfähigkeit beeinflussende psychische Erkrankung, und u
nter den Ärzten - inklusive RAD-Arzt -
besteht Ein
ig
keit,
dass die
Beschwerden an
Hand
, Handgelenk
und Arm
rechts
auf eine objektivierbare Teilläsion des
N.
me
dianus
rechts durch einen Glassplitter zurückzuführen sind, und eine Arbeitsfä
higkeit in
der angestammten Tätigkeit
als Ger
üstbauer nicht mehr gegeben ist.
Folglich ist
das strukturierte Beweisverfahren zu
m Vornherein nicht anwendbar
.
Unterschiedlicher Meinung sind die
Gutachter, RAD-Arzt und Suva-Kreisarzt
(E. 3.5)
bezüglich
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in behinderungsange
passter Tätigkeit.
5.2
Der Beschwerdeführer zeigte in den Untersuchungen offenbar ein teilweise dis
krepantes Verhalten: So wurde anlässlich der internistischen Untersuchung beo
bachtet, dass er trotz behaupteter Schmerzauslösung bei nur geringer Berührung der rechten Hand und eingeschränkter Handgelenksbeweglichkeit die Schuhe mit der rechten und nicht mit der gesunden linken Hand anzog
und beim Verabschie
den mit festem Händedruck nicht mit Schmerzen reagierte
(
vgl. vorstehende E. 3.6.5
). Die neurographischen Untersuchungen ergaben, dass keine signifikante motorische oder sensible Schädigung des
N.
medianus
rechts auf Höhe des Hand
gelenks nachzuweisen
und die motorischen Leitungswerte des
N.
ulnaris
rechts in Ordnung waren. In der psychiatrischen Untersuchung gab der Beschwerdefüh
rer oft wechselhafte oder unpräzis ausweichende Schilderungen von Beschwerden und auch in Bezug auf den Krankheitsverlauf an. Dass die Gutachter in der Ge
samtbeurteilung unter diesen Umständen lediglich die vom Psychiater, der im Übrigen von keinem die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsschaden ausging
,
festgestellten Diskrepanzen erwäh
nt
en und
versicherten
, dass sich aus allen anderen Teilgutachten keine Diskrepanzen zwischen den subjektiven Be
schwerden und den objektiven Befunden ergäben, widerspricht offensichtlich den
in
den einzelnen Teilgutachte
n
beschriebenen
Beobachtungen und
den
Untersu
chungsergebnisse
n
. Hätten die Gutachter die festgestellten Inkonsistenzen für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts
als
nicht relevant erachtet, hätten sie dies
darlegen
und vor allem
erklären müssen
, weshalb sie
die vom Beschwerde
führer dargetanen Beschwerden
trotz
der Diskrepanzen und Inkonsistenzen den
noch
als glaubhaft erachteten.
Aus den von den Gutachtern wie
dergegeben Schmerzschilderungen
ist
zu schlies
sen, dass die Schmerzen vor allem bei Berührung sowie Bewegung auftreten und der Beschwerdeführer den rechten Arm/die rechte Hand deswegen und aufgrund einer verminderten Kraft und der
angegebenen
Sensibilitätsstörungen nicht mehr einsetzen kann. Dauerschmerzen
oder
Einschränkungen in anderen Körperpartien wurden nicht beschrieben
,
ausser dass
aus internistischer Sicht asthmaauslösende Faktoren vermieden werden
sollten
. Weshalb die Gutachter
eine derart hohe Ein
schränkung der Arbeit
sfähigkeit in einer
funktionell einarmigen
Tätigkeit attes
tierten, wurde im Gutachten nicht weiter ausgeführt.
Dies und die nicht diskutierten Diskrepanzen und Inkonsistenzen
erwecken
den Eindruck, dass sich
die Gutachter
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit viel
mehr von den subjektiven Klagen des Beschwerdeführers als von den objektiven Befunden leiten liessen. Darauf deutet im Übrigen auch ihre Bemerkung hin, pragmatisch betrachtet
,
bleibe die Chance sehr gering, dass der Beschwerdeführer die von ihnen attestierte Restarbeitsfähigkeit erreichen könne, ist
es
doch Auf
gabe der Mediziner, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang
ein
Versicherte
r
medizinisch-theoretisch
arbeitsunfähig ist
(
vgl. vorstehende E. 1.3)
.
Die Beurteilung, o
b die
von den Medizinern
festgestellte
(verbliebene)
Arbeitsfä
higkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist,
obliegt dage
gen dem Rechtsanwender.
Insgesamt ist d
er Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass das
Z._
-
Gutachten in Bezug auf die attestierte Restarbeitsfähigkeit
nicht schlüssig ist, weshalb es hierzu ergänzender Abklärungen bedarf.
5.
3
Nach der Begutachtung durch die Ärzte der
Z._
erlitt der
Beschwerdeführer im Februar 2017
bei einem Sturz
auf den Rücken
eine Rückenkontusion
und klagt
e
seither über R
ückenbeschwerden.
Dr.
P._
(E. 4.4) diagnostizierte ein
lumboradikuläres
Reizsyndrom S1 beidseits rechtsbetont.
Die Beschwerdegegne
rin ging davon aus, dass es sich hierbei um eine vorübergehende Verschlimme
rung bei allenfalls diskretem Vorzustand handle
, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit und nach allgemeiner L
ebenserfahrung spätestens nach sechs
Monaten als abgeheilt gelte.
Mit ihrer Argumentation
bediente
sich
die Beschwerdegegnerin
e
ine
r
Erfahrungs
regel
,
welche
für die Beantwortung
des Wegfalls
der
kausalen Bedeutung eines Unfalls und damit
zur Begründung der Einstellung von Unfallversicherungsleis
tungen
herangezogen wird
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1009/2009 vom 4. Mai 2010 E. 3.1.1 mit Hinweisen)
.
Abgesehen davon, dass eine allgemeine Er
fahrungsregel für sich allein genommen nicht geeignet ist, den erforderlichen Nachweis für das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung des Unfalls zu erbringen, sondern die abstrakte Vermutung im konkreten Fall anhand der einzelnen Um
stände nachvollziehbar dargetan werden muss
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2010 vom 16. Dezember 2010 E. 4.6 mit Hinweis)
, geht es vorliegend nicht
um die Frage des
Wegfalls des
natürlichen Kausalzusammenhangs,
sondern um die Frage, ob
und in welcher Art sich die Rückenbeschwerden
auf die Arbeits
fähigkeit
des Beschwerdeführers
auswirken
. Die medizinischen Akten geben dies
bezüglich keinen Aufschluss, weshalb
auch
hinsichtlich
der nach dem Unfall im Februar 2017 eingetretenen Rückenproblematik weitere medizinische Abklärun
gen vorzunehmen
sind
.
5.4
Nach dem
Dargelegten
, hat die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachver
halt nur ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache in Aufhebung der Verfügung vom 14. September 2018 zu ergänzenden Abklärungen an sie zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
6.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
6.3
Nach §
34 Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§
34 Abs.
3
GSVGer
)
.
Nachdem der
unentgeltliche
Rechtsvertreter des Be
schwerdeführers trotz entsprechender Aufforderung (vgl. Urk. 14) keine Kosten
note eingereicht hat, ist die Entschädigung nach § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach Ermessen festzusetzen. Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) erscheint vorliegend eine Prozessent
schädigung im Betrag von Fr. 1'800.-- inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer als angemessen.