Decision ID: 84055292-b50f-48da-93ec-88cc48f4ebcd
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979,
arbeitete zuletzt seit September 2010 als Produktionsmitarbeiter bei der
Y._
in
Z._
(vgl.
Urk.
9/3 S. 4
Ziff.
5.4), als er
am 2
0.
November 2011
einen Autounfall mit Arm-, Knie- und Fussverletzungen erlitt
(vgl.
Urk.
9/3 S. 4
Ziff.
6.1 bis 6.3)
.
Am 2
0.
Januar 2012 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten de
r Schweizerischen
Unfallversicher
ungsanstalt (SUVA)
bei (
Urk.
9/2,
Urk.
9/9,
Urk.
9/12,
Urk.
9/14,
Urk.
9/17) und holte einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versiche
rten (IK-Auszug;
Urk.
9/7) sowie
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
9/8)
ein.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
9/28-
57
)
holte die IV-Stelle weitere Akten des Unfallversicherers (
Urk.
9/34-35,
Urk.
9/41,
Urk.
9/44,
Urk.
9/47-48,
Urk.
9/50
,
Urk.
9/53
,
Urk.
9/56
) bei und
verneinte
sodann
mit Verfügung vom
8.
Mai 2013 (
Urk.
9/58 =
Urk.
2) einen Anspruch des Versicherten auf
eine Rente
der Invalidenversicherung.
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom
8.
Mai 2013 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am
7.
Juni 2013 Besch
werde (
Urk.
1) und beantragte, es sei das vorliegende Verfahren bis zum Abschluss der unfallversicherungsrechtlichen Angelegenheit zu sistieren (S.
2
Ziff.
1), eventuell sei die Verfügung vom
8.
Mai 2013 aufzuheben und er sei verwaltungsextern zu begutachten (S. 2
Ziff.
2), subeventuell sei ihm eine Rente nach Gesetz zuzusprechen (S. 2
Ziff.
3),
und
es seien ihm weitere berufliche Massnahmen (Arbeitsvermittlung, Umschulung, Arbeitstraining und derglei
chen) zu gewähren (S. 2
Ziff.
4).
Gleichzeitig ersuchte er um Gewährung der un
entgeltlichen Rechtspflege (S. 2
Ziff.
5). Mit Beschwerdeantwort vom
9.
August 2013 (
Urk.
8) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Mit Schreiben vom 2
3.
August 2013 zog der Beschwerdeführer sein Gesuch um Ge
währung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück (
Urk.
10). Mit Eingabe vom 1
2.
November 2013
(
Urk.
11)
reichte der Beschwerdeführer
e
inen weiteren Arztbericht seiner
behandelnde
n
Psychiaterin
(
Urk.
12) zu den Akten und machte geltend, dieser
Bericht
zeige die Notwendigkeit einer zumindest
bidisziplinären
Begutachtung (orthopädischer und psychiatrischer Art) auf. Auf Aufforderung des Gerichts
(
Urk.
13)
reichte die Beschwerdegegnerin am 2
8.
Januar 2014 ihre Stellungnahme zur Eingabe des Beschwerdeführers ein (
Urk.
14) und beantragte
gestützt auf den Bericht de
r behandelnden
Psychiaterin
des Beschwerdeführers
die Rückweisung de
r Sache zu weiteren Abklärungen
. Mit Eingabe vom
7.
Februar 2014 (
Urk.
16) nahm der Beschwerdeführer
Stellung
zum Antrag der Beschwerdegegnerin und machte geltend, er habe keine Einwände gegen ein
ver
waltungsexternes
Gutachten
, beantragte jedoch in erster Linie ein
Gerichts
gutachten
.
Am Sistierungsantrag halte er sodann nicht mehr fest.
Die Stellung
nahme des Beschwerdeführers wurde der Beschwerdegegnerin am 1
3.
Februar 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18).
2.2
Bezüglich des am 20. November 2011 erlittenen Unfalls stellte die SUVA die
Heil
kosten
- und Taggeldleistungen per 28. Februar 2013 ein und sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15. April 2013 mit Wirkung ab dem
1.
März 2013 aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von 17
%
eine Invalidenrente der Unfallversicherung sowie eine
Integritätsent
schädi
gung
gestützt auf eine Integritätseinbusse von 30 % zu (
Urk.
9/48,
Urk.
9/56). Da die SUVA die dage
gen erhobene Einsprache vom 14. Mai 2013 (Urk. 15/161 im Verfahren Nr.
UV.2013.00181) mit
Einsprache
entscheid
vom
3.
Juli 2013 abwies (Urk. 2 im Verfahren Nr. UV.2013.00181), erhob der Beschwerdeführer am 30. Juli 2013 am hiesigen Gericht ebenfalls Beschwerde. Über die gestellten Anträge hat das
Sozialversicherungs
gericht
des Kantons Zürich im Verfahren Nr. UV.2013.00181 mit heutigem Urteil entschie
den.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin stütze sich ausschliesslich auf die Abklärungen des Unfallversicherers, weshalb die im Unfallversicherungsverfahren gerügten Mängel auch im vorliegenden Verfahren Geltung hätten (S. 5
Ziff.
6). So sei die Einschätzung des Integritätsschadens, allein was den Fussschaden anbelange, unzutreffend, womit bereits Zweifel an den Schlussfolgerungen der
A._
existierten. Es sei deshalb eine verwaltungsexterne, orthopädische Begutachtung in Auftrag zu geben (S. 3 f.).
Mit Eingabe vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
11) machte der Beschwerdeführer sodann geltend, dass die psychischen Beschwerden gemäss Ausführungen
der behandelnden
Psychiater
in
Dr.
B._
mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen seien. In einer angepassten Tätigkeit könne je nach klinischem Verlauf maximal eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Aus diesem Bericht
von
Dr.
B._
zeige sich die Notwendigkeit einer zumin
dest
bidisziplinären
(orthopädische
n
und psychiatrische
n
)
Begutachtung. Die psychischen Beschwerden seien bis anhin nie abgeklärt worden, weshalb ein abklärungswürdiger Sachverhalt vorliege
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
davon aus, dass der Beschwerdeführer seit November 2011 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei (S. 1 unten). Nach Ablauf der Wartezeit se
i ihm aus medizinischer Sicht
seine bisherige Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter
nicht
mehr zumutbar. Als angepasste Tätigkeit sei
ihm
eine überwiegend sitzend aus
geübte Arbeit mit leichter Wechselbelastung,
teils sitzend, teils ebenerdig ge
hend, zu 100
%
zumutbar.
Gestützt d
a
rauf errechnete die Beschwerdegegnerin
einen Invaliditätsgrad von 8
%
(S. 2 oben).
Die Unfallversicherung habe einen Invaliditätsgrad von 17
%
er
rechnet, wobei auch dieser kein
en
Anspruch auf eine Invalidenrente begründe
(S. 2 Mitte)
.
In ihrer Stellungnahme vom
2
8.
Januar 2014 (
Urk.
14)
beantragte die
Beschwer
degegnerin
sodann die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen, da sich aus dem vom Beschwerdeführe
r eingereichten Bericht der
behandelnden Psychiater
in
Dr.
B._
neue medizinische Tatsachen ergäben. Es würden nun Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht vorgebracht, wobei aufgrund des kurzen Berichts
von
Dr.
B._
keine abschliessende Beurteilung möglich sei.
3.
3.1
Die Ärzte der
A._
berichteten mit Austrittsbericht vom 1
3.
Februar 2013 (
Urk.
9/
2/9-21) über den Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 1
7.
Dezember 2012 bis
1.
Februar 2013 und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
dislozierte distale,
transkondyläre
Humerusfraktur
links
wenig dislozierte
Ulnaschaftfraktur
links
Patellalängsfraktur
links
Patellamehrfragment
-Fraktur rechts
Trauma Fuss rechts und links (konservativ)
Rissquetschwunde
frontotemporal
rechts
Anpassungsstörungen mit depressiver und teilremittierter
psychotrauma
tologischer
Symptomatik (ICD-10 F43.23)
Sie führten aus, die festgestellte psychische Störung begründe keine
arbeitsrele
vante
Leistungsminderung. Aufgrund der erhöhten Reizbarkeit und der vermin
derten Stress- und Frustrationstoleranz sei
en
allenfalls ein gestaffelter Einstieg, zumindest
initial
aber vermehrte Pausen, zu empfehlen. Grundsätzlich würde sich eine Wiederaufnahme einer Arbeit mit grosser Wahrscheinlichkeit positiv auf die Psyche des Beschwerdeführers auswirken (S.
2 unten). Eine angepasste leichte Tätigkeit (wechselbelastend, vorwiegend sitzend, keine Schläge und Vibrationen für den linken Arm, keine wiederholte Einnahme von
Zwangshal
tungen
wie Knien, Kauern, Hocken, kein längerdauerndes Gehen und Stehen, kein Gehen auf unebenem Gelände, kein wiederholtes Treppensteigen, kein Besteigen von Leitern) sei dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar (S. 3 oben). Die psychosomatische Abklärung während der Rehabilitation sei durch
lic
. phil.
C._
erfolgt (S. 3 unten).
3.2
PD
Dr.
med.
D._
, Oberarzt, und
E._
, Ergo-/Physiotherapeut,
F._
, Rheumaklinik, berichteten am 3
1.
Mai 2013 (
Urk.
3/4 im Verfahren
UV.2013.00181)
über das
auf Veranlassung des Haus
arztes
des Beschwerdeführers
durchgeführte
Arbeitsassessment
vom 2
2.
Mai 201
3.
Sie nannten folgende a
rbeitsrelevante
n
Diagnosen
(S. 2
Ziff.
1)
:
Femorop
atellar
-Arthrose rechts
Ellenbogenarthrose links
mit
Epikondylopathia
radialis
mehr als
medialis
Als andere (nicht arbeitsrelevante) Diagnosen nannten sie die Folgenden (S. 2
Ziff.
2):
b
eginnende
Femoropatellar
-Arthrose links
Periarthropathie
an den oberen Sprunggelenken beidseits
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion
(ICD-10 F43.21)
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung gemäss dem Bericht der
J._
vom 2
5.
Februar 2013 (ICD-10 F43.1)
Sie führten aus, e
in allfälliges arbeitsrelevantes Problem habe nicht erhoben wer
den können, da während der Tests
das Schmerzverhalten mit ausgeprägter Selbstlimitierung im Vordergrund gestanden habe. Es sei ein ausgeprägtes Schonverhalten mit Entlastu
ng des rechten Beines in statischen Ausgangsstel
lungen und mit einem
Hinkmechanismus
mit verkürzter Standbeinphase rechts
beobachtet worden.
I
m linken Arm und im rechten Bein
hätten jedoch
Funk
tionsdefizite
im Sinne von Bewegungseinschränkungen objektiviert werden kön
nen.
Die ergonomischen Arbeitstechniken des Beschwerdeführers seien auf
grund der Selbstlimitierung und behinderungsbedingten
Bewegungseinschrän
kungen
nicht beurteilbar. Der Beschwerdeführer habe
bei den Tests
eine
schlechte Leistungsbereitschaft
gezeigt
,
wobei eine
deutliche Selbstlimitierung
habe festgestellt und sechs
Inkonsistenzpunkte
hätten beobachtet werden kön
nen (S. 2
Ziff.
2 Mitte)
.
Die zumutbare
A
rbeitsfähigkeit
in
einer
leidensange
passte
n
Tätigkeit
betrage 75
%
(S. 4
Ziff.
5.2
).
Es werde d
ie Tei
lnahme an einem Schmerzprogramm
empfohlen
, wobei
das
Aufhalten des
Chronifizierungspro
zesses
,
die
Verbesserung der Lebensqualität
sowie die Verbesserung der physi
schen und psychischen Belastbarkeit als Ziele zu betrachten seien. Im
Weiter
en
werde
die Aufnahme von mehr körperlichen Eigenaktivitäten empfohlen (S.
4 f.
Ziff.
6
).
3.3
Dr.
med.
G._
, Orthopädische Chirurgie FMH, erstattete sein ortho
pädisches Gutachten zuhanden des Beschwerdeführers am
5.
Juni 2013 (
Urk.
3/5 im Verfahren UV.2013.00181) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerdeführers. Er führte aus, der Beschwerdeführer absolviere den Barfussgang langsam, vorsichtig und
kurzschrittig
. Sowohl der Zehenspitzen-
als auch der Fersengang seien beidseits deutlich erschwert (S. 4 oben).
Die heute noch geltend gemachten Restbeschwerden seien als absolut glaubhaft zu betrachten und seien sowohl klinisch als auch radiologisch objek
tivierbar (S. 9 Mitte). Als Produktionsmitarbeiter in einer Kunststofffabrik sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. In ein
er bestmöglich
leidens
an
gepassten
Tätigkeit sei
er
hingegen zu 100
%
arbeitsfähig
(S. 10)
.
Dem Be
schwerdeführer seien - im Wesentlichen mit der Einschätzung der
A._
übereinstimmend – noch leichte, wechselbelastende oder vorwiegend sitzende Tätigkeiten ohne Schläge und Vibrationen den linken Arm betreffend, ohne wiederholte Einnahme von Zwangshaltungen wie Knien, Kauern oder Hocken, ohne längerdauerndes Gehen und Stehen, ohne Gehen auf unebenem Gelände, ohne wiederholtes Treppensteigen und ohne Besteigen von Leitern
zu 100
%
zumutbar
;
e
ine solche Tätigkeit sei
kaum
mit zusätzlichen Pausen ver
bunden (S. 11 oben).
Die psychische Situation des Beschwerdeführers sei nicht beurteilt worden, da es sich um ein rein orthopädisches Gutachten handle.
E
r habe bei der Untersuchung
jedoch
einen äusserst kooperativen und psychisch gesunden Eindruck gemacht (S. 12).
3.4
Dr.
med.
H._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, berichtete am 1
0.
Juli 2013
zuhanden des Beschwerdeführers
(
Urk.
3/3 im Verfahren UV.2013.00181) und führte aus,
der Beschwerdeführer sei noch lange nicht so
weit rehabilitiert, dass er die Arbeitsfähigkeit erreicht habe. Er leide an einer
massive
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung
. Ausserdem habe der Beschwer
deführer weiterhin Schmerzen, zurzeit vor allem im linken Arm.
3.5
Dr.
med.
I._
, Oberarzt
J._
, berichtete am 2
2.
Juli 2013 zuhanden des Beschwerdeführers (
Urk.
8/1 im Verfahren UV.2013.00181) und
nannte folgende Diagnosen (S. 2
Ziff.
2):
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
Differentialdiagnose: depressive Störung (ICD-10 F32)
Differentialdiagnose:
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0)
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
Nikotinabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
Er
führte aus, der psychische Zustand des Beschwerdeführers habe sich auch nach dessen Rückkehr im März 2013 aus den Ferien im
K._
nicht verändert
(S.
1 unten)
. Der Beschwerdeführer habe die
verordneten
Psychopharmaka
angeblich wegen Nebenwirkungen
nicht r
egelmässig eingenommen beziehungs
weise
habe sie abgesetzt
. Er sei der Überzeugung, dass ihm weder eine psycho
therapeutische, noch eine psychiatrische Behandlung habe helfen können, weswegen er auf eigenen Wunsch und gegen den ärztlichen Rat die Behandlung
abgebrochen habe (S. 1 f.).
Es sei davon auszugehen, dass ein Teil der Be
schwerden, vor allem die Anpassungsstörung, als Folge des erlebten
Unfaller
eignisses
entstanden seien.
Er
kenne den Beschwerdeführer jedoch zu wenig, um die Teilkausalität zu bestätigen oder zu verneinen.
Die Frage der Arbeitsfähig
keit
könne nicht beurteilt werden,
da der Beschwerdeführer sehr kurz in seiner Behandlung gewesen sei und er ihn zum letzten Mal vor mehr als zwei Monaten gesehen habe. E
s sei eine unabhängige psychiatrische Begutachtung durchzu
führen.
Aus psychiatrischer Sicht sei bei Anpassungsstörungen mit einer guten Prognose zu rechnen (S. 2).
3.6
Dr.
med.
L._
, Oberärztin
J._
, berichtete am
8.
November 2013 zuhanden des Beschwerdeführers (
Urk.
12) und nannte fol
gende Diagnosen (S. 2):
p
osttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
somatische Diagnosen
gemäss
Dr.
med.
M._
, Schmerzmedizin
N._
:
komplexes Schmerzsyndrom nach Verkehrsunfall am 2
0.
November 2011 mit multiplen Verletzungen
bewegungsabhängiger Schmerz des Ellbogens mit
Bewegungsein
schrän
kung
, wie auch neuropathischer Schmerz mit Verdacht auf
ein
Complex
regional
pain
syndrome
(
CRPS
)
Kniegelenkschmerz: Retropatellararthrose mit zusätzlich neuropathi
schem Schmerz
Füsse beidseits: Verdacht auf
geringgradige
CRPS-ähnliche Schmer
zen
myofasziales
Schmerzsyndrom
Iliosakralgelenk
(
ISG
):
Syndrom und
Facettensyndrom der unteren
Len
denwirbelsäule
(LWS)
Verdacht auf Schlafapnoe
Sie führte aus,
der Beschwerdeführer leide unter intrusiven Erlebnissen in Form von Flashback-Erleben tagsüber und Albträumen in der Nacht über das
Unfall
ereignis
und auch über erlebte Kriegsszenen und Folter im Rahmen der Inhaf
tierung im
O._
. Ausserdem lege der Beschwerdeführer ein
Vermeidungsver
halten
an den Tag, indem er nur noch tagsüber Auto fahre, jedoch nie bei Dunkelheit (S. 1 f.).
Es sei mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein Grossteil der Beschwerden als Folge des erlebten Unfallereignisses ent
standen sei. Dies betreffe vor allem die Schmerzen, die Konzentrations- und Schlafstörungen. In der angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig. Zum jetzigen Zeitpunkt sei in einer leidensangepassten
Tätigkeit
ein
stundenweiser Einstieg mit Steigerung der A
rbeitsfähigkeit
bis max
imal
50
%
vorstellbar (S. 2).
4.
4.1
Gestützt auf die Akten ist übereinstimmend davon auszugehen, dass dem Be
schwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter aus soma
tischer Sicht nicht mehr zumutbar ist
(vgl. vorstehend E. 3.3, E. 3.6).
Hin
ge
gen ging
Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.3)
in Übereinstimmung mit
den Ärz
ten der
A._
(vgl. vorstehend E. 3.1)
davon aus, dass
dem Be
schwe
rdeführer aus somatischer Sicht
e
ine leichte angepasste Tätigkeit ge
mäss beschrie
benem Zumutbarkeitsprofil
zu 100
%
zumutbar
sei
.
Unter Berück
sichti
gung der Ausführungen im Verfahren UV.2013.00181, E. 4.2-4.4, auf die ver
wiesen werden kann, ist auf die Einschätzung von
Dr.
G._
und
der Ärzte
der
A._
abzustellen und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit auszugehen.
Weitere Abklärungen in somatischer
Hinsicht sind nicht nötig (anti
zipierte Beweiswürdigung).
4.2
Der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht lassen sich gestützt auf die vorliegenden Akten jedoch nur ungenügend beurteilen.
So hat die Beschwerdegegnerin diesbezüglich keine
eigenen
Abklärungen
getätigt
,
und
die
zwei vorliegenden
psychiatrische
n
Be
richte der
Ärzte der
J._
erscheinen in Bezug auf die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie der vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht ohne weiteres
als
nachvollziehbar.
Sodann kann a
uch a
uf die
Einschätzung
der Ärzte der
A._
,
wo
nach beim Beschwerdeführer Anpassungsstörungen mit depressiver und
teil
re
mit
tierter
psychotraumatologischer
Symptomatik vorlägen,
welche
jedoch keine
ar
beitsrelevante
Leistungsminderung begründe
ten
(vgl. vorstehend E. 3.1)
,
nicht
ohne Weiteres
abgestellt werden, zumal
bei der Beurteilung
– soweit ersichtlich –
kein Psychiater mitgewirkt hat.
Dasselbe hat für die Einschätzung
von
Dr.
H._
,
wonach der Beschwerdeführer an einer massiven post
trau
ma
tischen
Belastungsstörung leide
,
zu gelten (vgl. vorstehend E. 3.4).
Auch er ist kein Fach
arzt
für Psychiatrie, weshalb seinen Ausführungen
nur
wenig Aussa
gekraft
zu
kommen mag.
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Ar
beits
fä
hig
keit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht kann des
halb nicht auf die vorliegenden Berichte abgestellt werden.
4.3
Zusammenfassend lässt die zum Teil widersprüchliche medizinische Aktenlage eine abschliessende Beurteilung der relevanten Frage nach dem Gesundheitszu
stand beziehungsweise der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätigkeit im relevanten Zeitraum aus psychiatrischer Sicht
nicht zu, weshalb die übereinstimmenden Parteianträge auf Rückweisung der Sache vorliegend als gerechtfertigt erscheinen.
Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie entsprechende Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit
des Beschwer
deführers
vornehme. Anschliessend wird die IV-Stelle über den Rentenanspruch neu
ver
fügen.
Weitere Au
sführungen zu den Einwänden des Beschwerdeführers, insbes
ondere
zur Invaliditätsbemessung
sowie zu den beruflichen
Massnahmen
, erübrigen sich somit.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gutz
uheissen, dass die ange
fochtene
Verfügung
vom 8
.
Mai
2013 aufzuheben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückzuweisen ist, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu ver
füge.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Praxisgemäss wird die Rückweisung einem Obsiegen gleichgestellt, womit dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zusteht, die beim praxisgemässen Ansatz von Fr. 200.-- pro Stunde (zuzüglich Mehr
wert
steuer) ermessensweise auf Fr. 2'200.-- (inkl. Barauslagen und Mehr
wert
steuer) festzuset
zen ist.