Decision ID: d8235495-4ac5-4d28-a19f-fbbb8f6501fe
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein (Nennung Volkszugehörigkeit) aus dem
Dorf B._, Distrikt C._, Provinz D._) – ersuchte am
(...) um Asyl in der Schweiz.
A.b Das SEM führte am 26. Juli 2022 mit dem Beschwerdeführer eine Erst-
befragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA) durch. Dabei wurde
der Beschwerdeführer zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch
zu den Gründen seiner Ausreise befragt.
A.c Am 16. August 2022 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einläss-
lich zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei machte er geltend, er habe zunächst mit seinen Angehörigen in
B._ gelebt. Später seien sie nach E._ in ein Haus umgezo-
gen, wo er ab der (...) Klasse die Schule besucht und nebenher einer Arbeit
als (Nennung Tätigkeit) nachgegangen sei. Sein Vater habe in F._
als Polizist gearbeitet und sei zudem Mitglied einer Volksaufstandsgruppe
gewesen, welche in G._ gegen die Taliban gekämpft habe. Als
G._ eingenommen worden sei, habe sein Vater den Kampf gegen
die Taliban in F._ weitergeführt. Sein (Nennung Verwandter) väter-
licherseits (A.) sei (Nennung Funktion) der Organisation H._ in
I._ gewesen. Diese Organisation habe für die Hazara gekämpft und
an Gefechten teilgenommen. Aufgrund der Tätigkeiten seines Vaters und
seines (Nennung Verwandter) sei sein Leben in Gefahr geraten, nachdem
die Taliban immer näher gerückt seien. Die Taliban hätten seinen Vater ge-
kannt, zumal es viele Spione in ihrer Wohngegend gegeben habe. Eines
Tages – dies sei (Nennung Zeitpunkt) gewesen – sei er mit seinem Vater
im Auto auf dem Weg zu einer (Nennung Verwandte) unterwegs gewesen,
als sie von vermummten Männern auf Motorrädern angehalten worden
seien. Die Männer hätten seinen Vater aufgefordert auszusteigen, ein
Stück weit vom Auto entfernt mit ihm gesprochen und ihm danach die Waf-
fen abgenommen. Sowohl sein Vater als auch er seien in der Folge von
den Männern geschlagen worden, wobei er an (Nennung Körperteil) ver-
letzt worden sei. Er könne deshalb bis heute nicht aufrecht sitzen. Er wisse
nicht, was die Männer mit seinem Vater gesprochen hätten. Auf einmal hät-
ten sie weiterfahren dürfen. Als sie bereits in E._ gewohnt hätten,
sei bei ihnen eingebrochen worden. Weil sein Vater in die Luft geschossen
habe, seien die unbekannten Personen geflohen; er sei aber sicher, dass
diese seinem Vater etwas hätten antun wollen. Am (Nennung Zeitpunkt),
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habe sein Vater eine Tasche gepackt und das Haus verlassen. Nachdem
die Taliban J._ eingenommen hätten, habe er seine Heimat verlas-
sen. Seine Mutter habe ihm damals gesagt, sein Leben sei in Gefahr, und
entschieden, dass er zusammen mit seinen (Nennung Verwandte) – die in
den Iran hätten gehen wollen – ausreisen solle. Den genauen Grund für
ihren Entscheid kenne er nicht. Erst als er in K._ gewesen sei, habe
er erfahren, dass sein Vater nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und
seither verschollen sei. Inzwischen seien seine Mutter und seine Ge-
schwister nach L._ zu einem (Nennung Verwandter) geflüchtet. Von
(Nennung Verwandter) habe er erfahren, dass das Haus in E._ von
den Taliban besetzt worden sei. (Nennung Verwandter) verstecke sich der-
zeit im Zentrum des Distrikts C._. Da den Taliban das Gesicht von
(Nennung Verwandter) bekannt sei, sei es (Nennung Verwandter) kaum
möglich, nach draussen zu gehen. Bereits vor der Machtübernahme habe
sich (Nennung Verwandter) nur auf dem Luftweg im Helikopter bewegt, da
eine Autoreise für ihn zu gefährlich gewesen wäre, und auch Personen-
schutz gehabt. Heute sei das Leben von (Nennung Verwandter) in akuter
Gefahr und (Nennung Verwandter) lebe versteckt.
Der Beschwerdeführer reichte (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
A.d Am 23. August 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer
einen ablehnenden Entscheidentwurf. Der Beschwerdeführer nahm dazu
mit Eingabe vom 24. August 2022 Stellung. Er führte aus, angesichts sei-
nes familiären Hintergrundes und vor dem Hintergrund der zitierten Län-
derberichte zur Verfolgung von Familienangehörigen mit erhöhtem Gefähr-
dungsprofil – wie (Nennung Verwandte) – bestehe ein ausgeprägtes Inte-
resse der Taliban an der Ergreifung seiner Person. Es seien auch die Fa-
milienmitglieder eines (Nennung Person) von den Taliban mitgenommen
worden und würden seither als verschollen gelten. Es bestehe die objektiv
begründete Gefahr, dass er bei einer weiteren Anwesenheit in Afghanistan
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft verfolgt worden wäre.
B.
Mit Verfügung vom 25. August 2022 – gleichentags eröffnet – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, nahm den Be-
schwerdeführer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
in der Schweiz vorläufig auf.
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C.
Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom
26. September 2022 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, es
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Vorinstanz sei anzu-
weisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu
gewähren, eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des
Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung.
D.
Am 27. September 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem
Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den Untersuchungsgrundsatz
im Sinne von Art. 12 VwVG, mithin das rechtliche Gehör, verletzt. Diese
formelle Rüge ist vorab zu prüfen.
Das SEM ging aufgrund der Parteiauskünfte und der eingereichten Be-
weismittel (Art. 12 Bstn. a und b VwVG) zu Recht davon aus, dass der
rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weiteren
Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So hat sich das SEM bei der Prü-
fung des Gesuchs an den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vor-
bringen (kurze Auflistung der Vorbringen) sowie an den eingereichten Un-
terlagen orientiert und diese entsprechend gewürdigt. Dabei hat es explizit
auf die in diesem Zusammenhang geäusserten Befürchtungen und
Schlussfolgerungen des Beschwerdeführers sowie auf die eingereichten
Beweismittel Bezug genommen und sich mit diesen Sachverhaltselemen-
ten und Dokumenten auseinandergesetzt. Der Umstand, dass es nach ge-
samtheitlicher Würdigung der Parteivorbringen und Einschätzung der spe-
zifischen Ländersituation zu einem anderen Schluss als der Beschwerde-
führer gelangte, stellt keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
oder des rechtlichen Gehörs dar. Ob die Einschätzung des SEM zur Stel-
lung und zur Funktion seines (Nennung Verwandter) und daraus folgend
zu seinem Gefährdungsprofil (vgl. Beschwerdeschrift S. 5, Ziff. 4) zutrifft,
ist indes eine Frage der rechtlichen Würdigung.
Die Rüge erweist sich als unbegründet. Das Begehren um Rückweisung
der Sache an das SEM zur Neubeurteilung ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
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Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung an, es werde nicht
grundsätzlich in Abrede gestellt, dass (Nennung Verwandte) für die ehe-
malige afghanische Regierung tätig gewesen seien und gegen die Taliban
gekämpft hätten. Alleine gestützt auf diese Verwandtschaft sei jedoch noch
nicht von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung des Beschwer-
deführers auszugehen. Familienangehörige von missliebigen Personen
könnten zwar von Übergriffen betroffen sein. Aus den öffentlich zugängli-
chen Quellen ergebe sich aber keine systematische Verfolgung gegen Fa-
milienangehörige von Angestellten der ehemaligen Regierung. Das Beste-
hen einer begründeten Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Re-
flexverfolgung sei deshalb nur bei Vorliegen von besonderen Umständen
gegeben, so beispielsweise, wenn die betreffende Person diesbezüglich
bereits schwerwiegende Nachteile erlitten habe oder bei Verdacht eigener,
in den Augen der Taliban oppositioneller Aktivitäten beziehungsweise Un-
terstützungshandlungen für die Gegner der Taliban. Auch müsse seitens
der Taliban aufgrund des spezifischen Profils der gesuchten Hauptperson
ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse an deren Ergreifung und
Festnahme bestehen. Es bestünden aufgrund seiner Schilderungen keine
hinreichenden Hinweise dafür, dass die Taliban ein Interesse an der Ver-
folgung seiner Person oder seiner Familie hätten. So würden die Mutter
und die Geschwister mittlerweile unbehelligt in L._ leben. Bei den
von ihm bereits erlittenen Nachteilen (Nennung Nachteile) habe es sich
nicht um gezielte Angriffe gegen seine Person gehandelt, zumal sein Vater
die Zielperson gewesen sei. Über die Täterschaft habe er keine konkreten
Angaben zu machen vermocht, indem er gemutmasst habe, dass der An-
griff auf der Strasse auch mit Besitzerstreitigkeiten um ein Haus in
G._ in Zusammenhang stehen könnte. Ferner stelle seine An-
nahme, dass ihn die Taliban bei einer Rückkehr nach Afghanistan köpfen
würden, eine reine Vermutung dar, die durch keine objektiven Anhalts-
punkte untermauert werde. Zwar sei seine subjektive Furcht, wegen seines
familiären Umfelds Opfer von Reflexverfolgungsmassnahmen zu werden,
nachvollziehbar. Jedoch liege die zur Begründung der Flüchtlingseigen-
schaft notwendige objektive Furcht in Bezug auf eine künftige flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung nicht vor.
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6.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, die
Vorinstanz anerkenne grundsätzlich die asylrelevante Verfolgung von Mit-
gliedern und Funktionären der früheren afghanischen Regierung unter der
Herrschaft der Taliban. In seinem Fall lägen sodann sehr wohl Umstände
für eine besondere Gefährdung seiner Person vor. Insbesondere entgehe
der Vorinstanz in diesem Zusammenhang, dass es sich bei seinem (Nen-
nung Verwandter) um einen bekannten (Nennung Funktion) handle. (Nen-
nung Verwandter) wie auch sein Vater würden ein spezifisches Profil auf-
weisen, weshalb die Taliban ein ungebrochenes Interesse an deren Ergrei-
fung hätten und von einer Reflexverfolgung für seine Person auszugehen
sei. Die Taliban hätten jüngst einen Hazara-Führer aus den eigenen Reihen
auf dessen Flucht getötet, was deren aktuelles Interesse an solchen Füh-
rern aufzeige. Es bestehe die reale Gefahr, dass die Taliban bei einer Rück-
kehr nach Afghanistan auf ihn zugreifen würden, um (Nennung Verwandte)
habhaft zu werden. Aus dem Umstand, dass seine in Afghanistan verblie-
bene Mutter und seine Geschwister solchen Repressalien bisher nicht aus-
gesetzt gewesen seien, lasse sich entgegen der Ansicht des SEM für ihn
nichts schliessen, lebten diese doch nach wie vor unerkannt in L._.
Im Gegenteil würden die aktuellen Geschehnisse um seine in Afghanistan
lebende Familie die Annahme einer konkreten Gefährdung bekräftigen. So
hätten die Taliban die frühere Familienwohnung in J._ beschlag-
nahmt.
7.
7.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche im
Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der
asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmo-
tive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die gel-
tend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 2007/31
E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor
künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrach-
tungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der glei-
chen Lage Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Be-
trachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das
Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer be-
reits (staatlichen) Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive
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Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50
E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H).
7.2 Das Gericht geht davon aus, dass die Sicherheitslage in Afghanistan
noch nicht abschliessend beurteilt werden kann, sie sich jedoch nach der
Machtübernahme der Taliban im August 2021 stark verschlechtert hat (vgl.
bspw. Urteil des BVGer D-1948/2022 vom 15. Juni 2022 E. 6.3). Bei der
Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich Gruppen von Personen defi-
nieren, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser Gruppe und ihrer Expo-
niertheit einem besonders hohen Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu
gehören unter anderem westlich orientierte oder der afghanischen Gesell-
schaft aus anderen Gründen nicht entsprechende Personen sowie Journa-
listen und Medienschaffende, die sich über heutige, aber auch über ver-
gangene Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen bezie-
hungsweise gegen machthabende Gruppen und lokale Machthaber kritisch
äussern (vgl. dazu bspw. Urteile des BVGer E-5120/2021 vom 21. Juli
2021 E. 6.3.2; D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff. m.H. auf
D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 [als Referenzurteil publiziert]).
7.3 Der Beschwerdeführer zählt nicht zu einer solchen besonders gefähr-
deten Gruppe. So hat er sich allein wegen seines Schulbesuchs und seiner
Tätigkeit (Nennung Tätigkeit) nicht herausragend exponiert. Sodann stellt
die schlechte Sicherheitslage als Folge der Machtübernahme durch die Ta-
liban als solche kein flüchtlingsrechtlich relevanter Nachteil dar, zumal von
dieser Situation eine Vielzahl von Personen in der afghanischen Bevölke-
rung betroffen war und noch immer ist.
7.4
7.4.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund der Tätigkeit
seines Vaters und seines (Nennung Verwandter) als Angestellte der frühe-
ren Regierung und wegen deren Kampf gegen die Taliban gefährdet zu
sein, macht er eine Reflexverfolgung geltend.
7.4.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kann
die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten Verfol-
gungsrisiko im Sinne der obenstehenden Erwägungen ausgesetzt ist, zu
einer Reflexverfolgung führen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf (ehe-
malige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regierungsbe-
amte oder der Regierung nahestehende Personen (vgl. Urteil des BVGer
E-5120/2021 E. 6.3.4 m.w.H.). Eine Einschätzung hat jedoch im jeweiligen
Einzelfall zu erfolgen. Vorliegend vermögen das Risikoprofil des Vaters und
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des (Nennung Verwandter) per se noch keine Reflexverfolgung für die nä-
heren Angehörigen respektive den Beschwerdeführer zu begründen. Um
eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG zu bejahen, muss ein begründeter Anlass zur Annahme bestehen,
eine solche Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und
in absehbarer Zukunft auch in Bezug auf die Angehörigen verwirklichen.
Es müssen konkrete Indizien dargelegt werden, die die Furcht vor einer
real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. bspw.
Urteil des BVGer E-4140/2014 vom 13. Oktober 2014 E. 5.4).
7.4.3 Den Schilderungen des Beschwerdeführers sind in diesem Zusam-
menhang keine konkreten Indizien zu entnehmen, aus denen aus objekti-
ven Gründen auf eine nachvollziehbar erscheinende Furcht vor Reflexver-
folgung in Bezug auf seine Person geschlossen werden kann. Aus seinen
Darlegungen geht nicht hervor, dass nebst seinem Vater und seinem (Nen-
nung Verwandter) auch die übrige Familie und namentlich er selbst durch
die Taliban gefährdet gewesen wären. Wohl führt der Beschwerdeführer
an, er und sein Vater seien vor (Nennung Zeitpunkt) (vgl. SEM act. 1175157
[nachfolgend: SEM act.] 13 Pt. 7.02) beziehungsweise vor (Nennung Zeit-
punkt) (vgl. SEM act. 18 F29) anlässlich einer Strassenkontrolle von Män-
nern geschlagen worden und ausserdem sei, als sie noch im Dorf in
M._ gewohnt hätten, in ihr Haus eingebrochen worden (vgl. SEM
act. F75 f.). Diesbezüglich ist jedoch festzustellen, dass es sich bei diesen
Vorfällen gemäss dem Protokollwortlaut nicht um gezielte Angriffe gegen
den Beschwerdeführer handelte, sondern die Angriffe gegen seinen Vater
gerichtet waren (vgl. act. 18, F28, F76). Zudem war er nicht imstande, kon-
krete und konsistente Angaben zur Täterschaft zu geben (vgl. act. 18, F28,
F77). Zwar führte er in der EB UMA an, sie seien damals von Angehörigen
der Taliban auf der Strasse angehalten und geschlagen worden (vgl. SEM
act. 13 Ziff. 7.02), um demgegenüber anlässlich der Anhörung anzugeben,
die Männer seien vermummt gewesen und sie hätten sie nicht erkennen
können und anschliessend zu mutmassen, dass die Männer vielleicht zu
den Taliban gehört hätten oder diese zu denjenigen Personen gehörten,
mit denen seine Familie Besitzstreitigkeiten um ein Haus in G._ hät-
ten (vgl. SEM act. 18 F28). Wer sodann in ihr Haus eingebrochen sei, ver-
mochte er ebenfalls nicht anzugeben (vgl. SEM act. 18 F77). Im Weiteren
ist festzustellen, dass die im Heimatstaat verbliebenen Familienangehöri-
gen, namentlich seine Mutter und seine Geschwister, seit der Machtüber-
nahme des Taliban-Regimes offenbar keine verfolgungsrelevanten Behel-
ligungen erlitten haben, auch wenn diese den Angaben zufolge mittlerweile
die Wohnung gewechselt haben (vgl. SEM act. 13 Ziff. 2.01 und 3.01; SEM
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act. 18 F56). Hinzu kommt, dass zwischen den dargelegten Ereignissen
und der Ausreise des Beschwerdeführers kein zeitlicher und sachlicher
Kausalzusammenhang besteht. Eine Reflexverfolgung des Beschwerde-
führers lässt sich ferner auch nicht aus dem Vorbringen, dass die frühere
Familienwohnung in E._ von den Taliban beschlagnahmt worden
sei, herleiten. So bringt der Beschwerdeführer diesbezüglich nicht vor, dass
diese Massnahme im Zusammenhang mit einer Suche nach ihm gestan-
den habe (vgl. act. 18, F78).
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-
bringen des Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asyl- respektive
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung respektive eine entsprechende
Verfolgungsfurcht zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-
fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz
vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der
weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-
sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da
diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der
Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als aus-
sichtslos zu erachten. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG ist daher ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürf-
tigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Ver-
fahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs.
1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
(Dispositiv nächste Seite)
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