Decision ID: 2f1faba3-c2ee-5c5a-a580-ab0dee4de28a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 9. März 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 14. März 2016 wurde er zu seiner Person sowie summarisch zu
seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 29. April
2016 beendete das SEM das eingeleitete Dublin-Verfahren. Am 27. August
2018 wurde er vertieft zu den Gründen seines Asylgesuches angehört.
Er brachte vor, er sei türkischer Staatsangehöriger, ethnischer (...) und
stamme aus B._. Aus beruflichen Gründen habe er seit dem Jahr
2007 für rund neun Jahre in der Provinz Antalya gelebt, sei jedoch regel-
mässig in seinen Heimatort zurückgekehrt.
Zur Begründung des Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend,
aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit und Herkunft aus der Osttürkei
sei er wiederholt sowohl von Privatpersonen als auch von Behördenmit-
gliedern beleidigt, schikaniert und geschlagen worden. Auch während sei-
nes Militärdienstes zwischen den Jahren 2008 und 2010 habe er aufgrund
seiner ethnischen Herkunft Nachteile erlitten. Im Rahmen einer dreimona-
tigen Haft in einem Militärgefängnis sei er schwer misshandelt worden. Im
Anschluss an einen gewaltsamen Übergriff auf ihn und seinen Bruder habe
er Anzeige gegen die beteiligten Polizeibeamten erhoben, wobei diese ih-
rerseits eine Gegenanzeige eingereicht hätten. Im diesem Zusammenhang
sei er im Jahr 2016 vom Gericht zu einer Busse sowie zu einer einjährigen
Gefängnisstrafe verurteilt worden. Aus Wut über die erlittenen Nachteile
habe er sich in den Bergen der Guerilla der PKK (Partiya Karkerên Kurdis-
tan, Arbeiterpartei Kurdistans) anschliessen wollen. Er habe jedoch seine
Entscheidung revidiert und habe, ohne jemals eine Waffe bedient zu ha-
ben, nach einigen Tagen die Guerilla wieder verlassen. Einige Zeit nach
seinem Aufenthalt bei der Guerilla sei sein Fahrzeug bei einer Autofahrt in
seinen Heimatort kurz vor seiner Ankunft mutmasslich von Militärangehöri-
gen beschossen worden. Der Vorfall stehe vermutlich in Zusammenhang
mit seinem Aufenthalt bei der Guerilla. Da er um sein Leben gefürchtet
habe, habe er umgehend seinen Heimatort verlassen. Einige Monate spä-
ter sei er illegal von der Türkei nach Griechenland ausgereist.
Nach seiner Ausreise sei – mutmasslich aufgrund seines Aufenthalts bei
der Guerilla – ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden und man habe ihn
per Festnahmebefehl an seinen ehemaligen Wohnorten und bei seinen Fa-
milienangehörigen gesucht. Die genauen Gründe für das Verfahren seien
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ihm jedoch lange Zeit nicht bekannt gewesen, da weder seinen Familien-
mitgliedern noch seinem Rechtanwalt Einsicht in die Verfahrensakten ge-
währt worden sei.
Im Zusammenhang mit seinen Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
als Beweismittel ein Schreiben des Ortsvorstehers seines Heimatdorfes zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 23. November 2018 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
der Wegweisung an.
Gegen diesen Entscheid reichte der Beschwerdeführer am 27. Dezember
2018 eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Im Rahmen
des Beschwerdeverfahrens reichte er mit Eingabe vom 12. Februar 2019
als Beweismittel folgende Dokumente türkischer Behörden nach:
 Schreiben der Oberstaatsanwaltschaft B._, Ermittlungsbüro
für Terrorismusbekämpfung vom 02.02.2016
 Ermittlungsprotokoll der Gendarmerie Kommandantur B._
vom 22.02.2016
 Wohnsitzbestätigung vom 09.03.2016
 Einvernahmeauftrag der Oberstaatsanwaltschaft B._ an
das Polizeipräsidium B._, Abteilung für Terrorismusbekämp-
fung vom 11.03.2016
 Festnahmebefehl der Strafabteilung des Amtsgerichts B._
vom 24.03.2016
 BefragungsprotokoIl von C._ vom 25.05.2016
 Ermittlungsprotokoll der TEM (Abteilung für Terrorismusbekämp-
fung) vom 27.05.2016
 Schreiben des Landratsamts D._, Bezirkspolizeidirektion
vom 30.05.2016
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Seite 4
 Anfrage der Oberstaatsanwaltschaft B._, Ermittlungsbüro
für Terrorismusbekämpfung vom 11.04.2018
 Antwortschreiben des Verhaftungsbüros der Oberstaatsanwalt-
schaft B._ vom 25.04.2018
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Februar
2019 wurde das SEM zur Vernehmlassung eingeladen. Mit Verfügung vom
21. März 2019 hob das SEM den Asylentscheid vom 23. November 2018
auf und nahm das erstinstanzliche Verfahren wieder auf. Am 28. März 2019
wurde das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos abgeschrieben
(E-7385/2018)
C.
Mit Schreiben vom 1. Juli 2019 richtete das SEM eine Botschaftsanfrage
an die Schweizer Vertretung in Ankara, welche mit Bericht vom 25. Sep-
tember 2019 beantwortet wurde. Zum Inhalt des Botschaftsberichts wurde
dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 4. Oktober 2019 das rechtliche
Gehör gewährt.
Mit Eingabe vom 26. November 2019 nahm der Beschwerdeführer zum
Abklärungsergebnis der Botschaftsanfrage Stellung. Dabei reichte er einen
Aufhebungsbeschluss des Festnahmebefehles vom 7. Juni 2018 ein und
stellte den Antrag auf weitere Abklärungsmassnahmen durch die Schwei-
zer Botschaft in Ankara. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 lehnte das
SEM diesen Antrag ab und gewährte dem Beschwerdeführer erneut die
Möglichkeit zur Nachreichung weiterer Beweismittel. Mit Eingabe vom
27. Januar 2020 teilte dieser dem SEM mit, dass er keine weiteren Beweis-
mittel habe neu erhältlich machen können.
Nach dem Asylentscheid vom 23. November 2018 machte der Beschwer-
deführer zusätzlich geltend, ihm sei der Grund der behördlichen Suche nun
bekannt. Es sei gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen der Mitglied-
schaft in einer terroristischen Organisation, namentlich der PKK, eröffnet
worden. Das Verfahren sei bislang nicht eingestellt, sondern lediglich der
Haftbefehl aufgehoben worden. Im Falle einer Rückkehr befürchte er, auf-
grund der Eröffnung eines Verfahrens und der behördlichen Suche nach
ihm von den türkischen Behörden als missliebige Person betrachtet und
deshalb asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden. Zudem hätten
die in der Türkei erlittenen Nachteile eine Traumatisierung zur Folge ge-
habt, weshalb er unter psychischen Problemen leide.
E-3225/2020
Seite 5
D.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 stellte das SEM (erneut) fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
der Wegweisung an.
Das SEM führte zur Begründung seines Entscheides im Wesentlichen an,
der Beschwerdeführer habe zu sämtlichen zentralen Aspekten der flucht-
auslösenden Ereignisse (Aufenthalt in den Bergen bei PKK-Guerilla, Be-
schuss seines Autos vermutlich durch Militärs) sowie auch der genauen
Umstände seiner Flucht teils krass widersprüchliche Angaben gemacht. Es
sei ihm somit nicht gelungen, die Vorbringen betreffend die Jahre 2014 bis
2016 glaubhaft zu machen, womit sich der dringende Verdacht aufdränge,
dass er das SEM über die tatsächlichen Umstände seiner Ausreise, seiner
Aufenthalte sowie über die Gründe für die behördliche Suche nach ihm zu
täuschen versuche. An dieser Feststellung vermöchten auch die einge-
reichten Beweismittel nichts zu ändern. Zwar sei gegen ihn ein Ermittlungs-
verfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation durch-
geführt worden, den Dokumenten seien aber keine konkreten Anhalts-
punkte betreffend einen Aufenthalt bei der PKK zu entnehmen. Auch be-
treffend das geltend gemachte Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit
einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Polizisten, das zur Verurtei-
lung zu einer Geldbusse sowie einer Gefängnisstrafe geführt habe, seien
seine Angaben über den Verfahrensverlauf widersprüchlich ausgefallen.
Die Botschaftsabklärungen der Schweizer Vertretung in Ankara hätten
schliesslich ergeben, dass nebst dem geltend gemachten Ermittlungsver-
fahren (...) keine weiteren Ermittlungen oder Verfahren gegen den Be-
schwerdeführer bestehen würden und dass er in der Türkei nicht gesucht
werde.
Trotz expliziter Nachfrage habe der Beschwerdeführer in der BzP die Frage
nach Problemen mit dem Militär verneint, womit das Vorbringen anlässlich
der Anhörung, während des Militärdienstes zwischen den Jahren 2008 und
2010 aufgrund seiner ethnischen Herkunft teils schwere Nachteile erlitten
zu haben, als nachgeschoben zu erachten sei. Abgesehen davon bestehe
zwischen diesen geltend gemachten Vorfällen und der Ausreise des Be-
schwerdeführers weder ein genügend enger zeitlicher noch sachlicher
Kausalzusammenhang. Das Vorbringen sei folglich als asylrechtlich nicht
relevant zu qualifizieren.
E-3225/2020
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Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, er sei als Angehöriger der
(...) beziehungsweise der kurdischen Bevölkerung von den türkischen Be-
hörden schikaniert und benachteiligt worden und insbesondere wiederholt
Opfer von tätlichen Übergriffen seitens Polizeibeamten geworden, handle
es sich in der Regel nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgeset-
zes, die einen Verbleib im Heimatland verunmöglichen oder unzumutbar
erschweren würden. Die allgemeine Situation, in der sich die kurdische Be-
völkerung befinde, führe gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft.
Die vom Beschwerdeführer geäusserte Befürchtung, in Zukunft von den
türkischen Behörden verfolgt zu werden, da ein Ermittlungsverfahren ge-
gen ihn eingeleitet und ein Haftbefehl erlassen worden sei, sei unbegrün-
det. Die eingereichten Dokumente seien durch die Botschaftsabklärungen
als authentisch bestätigt worden. Betreffend die Ermittlung, welche von der
Staatsanwaltschaft in B._ unter der Ermittlungsnummer (...) eröff-
net worden sei, sei am 7. Juni 2018 die Einstellung der Ermittlung be-
schlossen worden. Durch diesen Beschluss sei auch der Festnahmebe-
schluss aufgehoben worden. In der Türkei bestünden keine weiteren Er-
mittlungen oder Verfahren gegen den Beschwerdeführer und er werde in
der Türkei weder gesucht, noch bestehe ein Eintrag in der Datenbank
GBTS (Genel Bilgi Toplama Sistemi, Allgemeines Informationssystem). Die
Entgegnung des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Gehörs
vom 26. November 2019, das Ermittlungsverfahren gegen ihn sei nicht ein-
gestellt, sondern lediglich der Haftbefehl aufgehoben worden und sein
Rechtsanwalt in der Türkei habe keine Einstellungsverfügung erhalten, ver-
möge nicht zu überzeugen. Vielmehr dränge sich aufgrund der Aktenlage
der Verdacht auf, dass der Beschwerdeführer versuche, über seinen tat-
sächlichen strafrechtlichen Status in der Türkei zu täuschen. Sowohl mit
der Beschwerdeschrift vom 27. Dezember 2018 und der Beweismittelein-
gabe vom 12. Februar 2019 sowie nach Wiederaufnahme des erstinstanz-
lichen Verfahrens habe er es unterlassen, den Schweizer Behörden den
Aufhebungsbeschluss des Festnahmebefehls zur Kenntnis zu bringen be-
ziehungsweise einzureichen, sondern habe vielmehr behauptet, es be-
stehe weiterhin ein Festnahmebefehl und es werde nach ihm gefahndet.
Der Aufhebungsbeschluss des Festnahmebefehls datiere vom 7. Juni
2018, womit dieser mit Eingabe vom 12. Februar 2019 als Beweismittel
gemeinsam mit den restlichen Akten des Verfahrens (...) den Schweizer
Behörden zur Kenntnis hätte gebracht werden können. Stattdessen sei das
entsprechende Dokument erst im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Er-
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gebnis der Botschaftsabklärung nachgereicht worden, wobei die nachträg-
liche Einreichung vollständig unbegründet erfolgt sei. Vor diesem Hinter-
grund vermöge die Behauptung, wonach seinem Rechtsanwalt in der Tür-
kei lediglich der Aufhebungsbeschluss des Festnahmebefehls vorliege,
woraus wiederum zu folgern sei, dass das Verfahren nicht eingestellt und
die Botschaftsabklärung fehlerhaft sei, nicht zu überzeugen.
Beim Verfahren (...) handle es sich, wie aus den eingereichten Beweismit-
teln hervorgehe, um ein Ermittlungsverfahren und nicht – wie zum Teil in
den Eingaben des Beschwerdeführers angegeben – um ein Strafverfahren.
Diesbezüglich sei festzustellen, dass lediglich die Aufnahme von Ermittlun-
gen bei Hinweisen zu einer Organisation, welche die verfassungsmässige
Ordnung bedrohe, per se noch keine illegitime staatliche Handlung dar-
stelle. Aus den Akten würden keine Hinweise hervorgehen, dass die Be-
hörden Ermittlungen aufgrund eines konkreten Anhaltspunktes – wie z.B.
des Aufenthalts bei der Guerilla – eingeleitet hätten. Vielmehr sei dem Er-
mittlungsprotokoll der Gendarmerie Kommandantur B._ vom
22. Februar 2016 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von Dorfbe-
wohnern bei den Behörden denunziert worden sei, jedoch für eine Mitglied-
schaft bei einer illegalen Organisation keinerlei Beweise vorlägen. Aus den
Verfahrensakten würden auch keine Anhaltspunkte hervorgehen, dass die
Behörden sonst einen Nachweis für Verbindungen seiner Person zu einer
illegalen Organisation hätten ermitteln können. So wäre in diesem Falle
zumindest eine Einleitung eines Strafverfahrens erfolgt und nicht die Ein-
stellung des Ermittlungsverfahrens. Somit vermöge alleine der Umstand,
dass Ermittlungen aufgenommen worden seien, noch kein Risikoprofil zu
begründen, wonach der Beschwerdeführer mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit asylrelevante Nachteile zu befürchten hätte. Auch würden sich
sonst keine Hinweise ergeben, welche ihn in den Augen der türkischen Be-
hörden als missliebige Person erscheinen Iiessen. So habe er angegeben,
sich nie politisch engagiert und lediglich in seinem Umfeld für die HDP
(Halklarin Demokratik Partisi, Demokratische Partei der Völker) geworben
zu haben. Zudem bestünden gegen ihn keinerlei weitere Verfahren in der
Türkei. Er werde nicht gesucht und es bestehe kein Eintrag in der Daten-
bank GBTS.
Auch seine familiäre Herkunft vermöge vorliegend sein politisches Profil
nicht zu schärfen. Zwar gebe er an, sein Vater habe sich politisch für die
Sache der Kurden engagiert. Aus den diesbezüglichen Aussagen würden
sich aber keinerlei konkrete Hinweise ergeben, vielmehr seien seine Anga-
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ben sehr vage geblieben. Hingegen gehe aus dem als Beweismittel einge-
reichten EinvernahmeprotokolI seines Bruders A. vom 25. Juni 2016 her-
vor, dass sein älterer Bruder K. einer der Dorfschützer [korucu, in der Über-
setzung als «Dorfwächter»] in seinem Heimatort sei, welche bekannter-
massen gegen die PKK agieren würden. Es erscheine daher als unwahr-
scheinlich, dass seine Familie in Verbindung mit der PKK stehe bezie-
hungsweise seiner Familie eine solche Verbindung unterstellt werde.
Es bestehe demnach kein Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdefüh-
rer bei einer Rückkehr in die Türkei mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner asylrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Insgesamt sei in
objektiver Sicht festzustellen, dass es aufgrund der Einstellung des Ermitt-
lungsverfahrens und dem Fehlen weiterer risikobegründeter Faktoren nicht
als überwiegend wahrscheinlich zu erachten sei, dass die türkischen Be-
hörden weiterhin ein Verfolgungsinteresse an der Person des Beschwer-
deführers hätten.
Der Vollzug der Wegweisung sei in Beachtung der landes- und völkerrecht-
lichen Bestimmungen zulässig. Dieser sei in Berücksichtigung der allge-
meinen Situation in der Türkei sowie der individuellen Umstände auch zu-
mutbar. Der Beschwerdeführer habe – erst im Rahmen des (ersten) Be-
schwerdeverfahrens – geltend gemacht, an schweren psychischen Prob-
lemen zu leiden. Es bestünden jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass er
an einer Krankheit leide, die in der Türkei nicht behandelt werden könnte
und die derart schwer wäre, dass eine Rückkehr zu einer raschen und le-
bensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes führen
würde. Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und
praktisch durchführbar.
E.
Der Beschwerdeführer gelangte durch seine Rechtsvertreterin mit Rechts-
mitteleingabe vom 22. Juni 2020 an das Bundesverwaltungsgericht und
beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz
anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, ihn als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Sub-
eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und er wegen Un-
zulässigkeit, eventuell Unzumutbarkeit (des Wegweisungsvollzuges) vor-
läufig aufzunehmen.
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Im Fliesstext der Beschwerdeschrift wurde um Durchführung weiterer Ab-
klärungen bei der Schweizer Botschaft in Ankara ersucht, sollte das Gericht
davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Einstellung
des Ermittlungsverfahrens kein hinreichendes Risikoprofil aufweise.
Zur Begründung der Beschwerde wird vorgebracht, die Aussagen des Be-
schwerdeführers zu den von ihm geltend gemachten Sachverhalten (be-
treffend die im Militärdienst erlittenen Misshandlungen, den Aufenthalt in
den Bergen sowie den Angriff auf sein Fahrzeug durch Militärangehörige)
würden zahlreiche positive Glaubhaftigkeitselemente aufweisen und eine
Gesamtwürdigung sämtlicher Elemente, insbesondere auch die einge-
reichten Beweismittel, liessen den Schluss zu, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers – trotz der Versehen in der zeitlichen Einordnung der
Vorfälle – dem tatsächlich Erlebten entsprechen würden. Aufgrund dessen
sei von der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auszugehen.
Bezüglich der flüchtlingsrechtlichen Relevanz der geltend gemachten
Sachverhalte werde nicht bestritten, dass sich die Misshandlungen im Mi-
litärdienst lange Zeit vor der Flucht ereignet hätten und dass die einzelnen
Vorfälle mit der Polizei für sich alleine nicht hinreichend intensiv gewesen
seien. Jedoch handle es sich bei den Vorfällen ab 2004 bis 2015 um eine
Kette verschiedener staatlicher Handlungen, die in ihrer Gesamtheit be-
trachtet werden müssten. Die Vorinstanz „zerstückle“ in dieser Hinsicht
fälschlicherweise den Sachverhalt. Der Beschwerdeführer habe sich über
mehrere Jahre hinweg zahlreiche Eingriffe in seine persönliche Freiheit so-
wie in seine physische und psychische Integrität gefallen lassen müssen.
Er sei in regelmässigen Abständen beschimpft, gedemütigt, schikaniert,
misshandelt und körperlich angegriffen worden. Die Anzahl der Vorfälle so-
wie die Regelmässigkeit der erlittenen Massnahmen hätten beim Be-
schwerdeführer in ihrer Gesamtheit einen unerträglichen psychischen
Druck bewirkt. Er sei verängstigt und wütend gewesen und habe die Situ-
ation nicht mehr ausgehalten. In der Anhörung habe er an verschiedenen
Stellen darauf hingewiesen, dass es ihm in psychischer Hinsicht nicht gut
gegangen sei. Zuletzt sei er derart verzweifelt gewesen, dass er sich ent-
schieden habe, in die Berge zu gehen. Insbesondere nach den Schüssen
auf sein Fahrzeug habe er in ständiger Angst gelebt und habe zu jedem
Zeitpunkt davon ausgehen müssen, dass er wieder angegriffen oder sogar
getötet werde, weshalb dem Beschwerdeführer die Führung eines men-
schenwürdigen Lebens in der Türkei verunmöglicht worden sei. Daran ver-
möge auch der Umstand, dass er trotz der Vorfälle einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen sei, nichts zu ändern. Aufgrund der Vielzahl der Eingriffe
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sowie des gezielten Tötungsversuches seitens der Militärangehörigen
könne keinesfalls von Nachteilen die Rede sein, die weite Teile der kurdi-
schen Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen könnten. Demnach sei der
Beschwerdeführer bereits vor seiner Ausreise asylrelevanten Nachteilen
ausgesetzt gewesen.
Der Beschwerdeführer habe weder böswillig gehandelt noch die Behörden
zu täuschen versucht. Er habe anlässlich der Anhörung nachvollziehbar
erklärt, weshalb er zum damaligen Zeitpunkt nicht im Besitze von Strafak-
ten gewesen sei. Es sei bekannt, dass je nach Verfahrensstand und Ort-
schaft keine oder nur unvollständige Akten herausgegeben würden. Dies
habe auch sein ehemaliger Rechtsanwalt schriftlich bestätigt. Bekannt sei
auch, dass es aufgrund von Repressalien gegenüber Rechtsanwälten nicht
einfach sei, einen Rechtsanwalt zu finden, der bereit sei, die Mandatsfüh-
rung in einem politischen Dossier zu übernehmen. Nach Erhalt des ersten
Asylentscheids habe der Beschwerdeführer am 28. Dezember 2018
Rechtsanwalt A. mandatiert und ihn gebeten, bei den türkischen Behörden
Abklärungen zu tätigen und sich nach dem Vorhandensein von Strafakten
zu erkundigen. Der türkische Rechtsanwalt habe ihm schliesslich die mit
Eingabe vom 12. Februar 2019 zu den Beschwerdeakten E-7385/2018 ein-
gereichten Dokumente zukommen lassen. Weshalb es Rechtsanwalt A.
damals gelungen sei, die Strafakten zu organisieren, entziehe sich der
Kenntnis des Beschwerdeführers und könne aufgrund der in der Türkei
herrschenden undurchsichtigen Praxis im Zusammenhang mit politischen
Strafverfahren nicht beantwortet werden. Der Beschwerdeführer habe die-
jenigen Dokumente, die in seinem Besitze gewesen beziehungsweise ihm
durch seinen Rechtsanwalt zugestellt worden seien, umgehend zu den Ak-
ten gereicht. Dies gelte auch für den Aufhebungsbeschluss des Haftbefehls
vom 7. Juni 2018. Der Beschwerdeführer habe den Beschluss erst erhal-
ten, als er seinen Rechtsanwalt über den Inhalt der Botschaftsabklärung
informiert und ihn um Klärung gebeten habe. Der Vorwurf, der Beschwer-
deführer habe die Behörden zu täuschen versucht, sei unter Berücksichti-
gung der Tatsache, dass im Beschwerdeverfahren E-7385/2018 seitens
des Beschwerdeführers moniert worden sei, dass die Vorinstanz keine Bot-
schaftsabklärung durchgeführt habe, haltlos. Hätte der Beschwerdeführer
zum damaligen Zeitpunkt wirklich gewusst, dass der Haftbefehl aufgeho-
ben worden wäre, so hätte er bestimmt nicht die Durchführung einer Bot-
schaftsabklärung gewünscht. Schliesslich erscheine ein bewusstes Täu-
schen der Behörden auch deshalb unwahrscheinlich, weil das Vorhanden-
sein eines politisch motivierten Strafverfahrens – unabhängig davon, ob es
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noch hängig oder eingestellt worden sei – asylrelevant sei. In dieser Hin-
sicht sei schliesslich zu beachten, dass die Einflussmöglichkeiten vom Aus-
land her sehr eingeschränkt seien und die unterschiedliche sowie teilweise
willkürliche Handhabung der strafprozessualen Bestimmungen durch die
türkischen Behörden die Dokumentation erschweren würden. Der Be-
schwerdeführer habe alles ihm Zumutbare unternommen, um seiner Mit-
wirkungspflicht nachzukommen, weshalb der Vorwurf der Vorinstanz zu-
rückzuweisen sei. Die Durchführung weiterer Abklärungen bei der Schwei-
zer Botschaft in Ankara sei unter anderem aus folgenden Gründen bean-
tragt worden: Es sei davon auszugehen, dass dem türkischen Rechtsan-
walt nicht die vollständigen Akten ausgehändigt worden seien. So sei etwa
unklar, weshalb oder beziehungsweise ob gestützt auf eine Anzeigeerstat-
tung ein Ermittlungsverfahren gegen den Beschwerdeführer aufgenommen
worden sei. Dem Beschwerdeführer liege lediglich das Schreiben der
Oberstaatsanwaltschaft B._ vom 2. Februar 2020 vor, in welchem
das Polizeipräsidium von B._ um Abklärungen gebeten werde. Was
vor diesem Schreiben geschehen sei, sei dem Beschwerdeführer bezie-
hungsweise seinem türkischen Rechtsanwalt bis heute nicht bekannt. Auch
eine Einstellungsverfügung liege dem türkischen Rechtsanwalt nicht vor.
Zudem sei gemäss den Aussagen des türkischen Rechtsanwalts bei einer
Rückkehr des Beschwerdeführers mit der Wiederaufnahme des Verfah-
rens zu rechnen, was wiederum gegen eine Einstellung des Strafverfah-
rens spreche. Es werde nach wie vor davon ausgegangen, dass das Straf-
verfahren lediglich sistiert worden sei. So werde beispielsweise auch in der
Schweiz ein hängiges Strafverfahren sistiert, wenn die Täterschaft oder ihr
Aufenthalt unbekannt sei oder andere vorübergehende Verfahrenshinder-
nisse bestünden (Art. 314 Abs. 1 Bst. a StPO). Wenn der Grund der Sistie-
rung weggefallen sei, nehme die Staatsanwaltschaft die sistierte Untersu-
chung von Amtes wegen wieder an die Hand (Art. 315 Abs. 1 StPO). Wie
bereits erwähnt, habe sich in den dem türkischen Rechtsanwalt vorliegen-
den Strafakten einzig der Aufhebungsbeschluss des Haftbefehls befunden,
datiert vom 7. Juni 2018. Der Grund für die Aufhebung des Haftbefehls
werde im Beschluss nicht genannt und es werde auch nicht auf eine Ein-
stellungsverfügung verwiesen. Auch der Botschaftsabklärung könne der
Grund für die Einstellung nicht entnommen werden und es bleibe unklar,
ob die Schlussfolgerung der Vertrauensanwälte der Botschaft betreffend
die Verfahrenseinstellung auf den Aufhebungsbeschluss des Haftbefehls
beruhe oder eine Einstellungsverfügung vorliege. Schliesslich bestünden
Unklarheiten im Zusammenhang mit der Einsicht in die Datenbank GBTS.
Im Abklärungsbericht der Schweizer Botschaft in Ankara vom 25. Septem-
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ber 2019 werde darauf hingewiesen, dass betreffend den Beschwerdefüh-
rer kein Eintrag im GBTS bestehe. Gleichzeitig weise die Schweizerische
Flüchtlingshilfe in ihrem Themenpapier zur Türkei „Datenbanken der türki-
schen Sicherheitsbehörden“ vom 14. Juni 2019 darauf hin, dass Dritte nicht
autorisierte Personen und auch ausländische Botschaften oder andere
ausländische staatliche Akteure keinen Zugang zu den Einträgen im GBTS
hätten. Es stelle sich deshalb berechtigterweise die Frage nach der Zuver-
lässigkeit des Inhalts der Botschaftsabklärung. Sollte das angerufene Ge-
richt davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Einstel-
lung des Ermittlungsverfahrens kein hinreichendes Risikoprofil aufweise,
werde um Durchführung weiterer Abklärungen bei der Schweizer Botschaft
in Ankara ersucht.
Die Vorinstanz übersehe, dass ein Ermittlungsverfahren durch die Polizei
beziehungsweise die Staatsanwaltschaft Teil des Strafverfahrens sei
(vgl. Art. 299 ff. StPO). Auch die Behauptung der Vorinstanz, wonach vor-
liegend keine Hinweise bestehen würden, die den Beschwerdeführer in
den Augen der türkischen Behörden als missliebige Person erscheinen
liessen, sei unter Berücksichtigung der rigorosen und willkürlichen Vorge-
hensweise der türkischen Sicherheitsbehörden unhaltbar. Wie bereits oben
ausgeführt, sei davon auszugehen, dass das Strafverfahren nicht einge-
stellt, sondern lediglich sistiert worden sei. Das bedeute, dass bei einer
Rückkehr des Beschwerdeführers in die Türkei das Strafverfahren wieder-
aufgenommen werden würde. Der Beschwerdeführer werde einvernom-
men und inhaftiert werden. In Haft bestehe ein erhebliches Risiko für Folter
und ein fairer beziehungsweise rechtsstaatlicher Ablauf des Strafverfah-
rens werde ihm verwehrt bleiben. Selbst wenn aber – wie die Vorinstanz
vorbringe – das Strafverfahren eingestellt worden sein sollte, würden dem
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in die Türkei asylrelevante Nachteile
drohen. Das Bundesverwaltungsgericht halte in seinem Urteil D-660/2019
vom 18. Oktober 2019 folgendes fest: „Einer Gefährdung unterliegen zu-
dem Personen, welchen ein Engagement oder eine Zusammenarbeit mit
der PKK vorgeworfen wird, oder die solcher Aktivitäten verdächtig sind. Die
mutmassliche oder tatsächliche Unterstützung oder Verbindung zur PKK
oder zu ähnlichen Gruppierungen kann zu einer Verhaftung durch den tür-
kischen Staat führen. Dabei herrsche Willkür und die Verhaftungen stützten
sich teilweise auf fragwürdige Indizien oder Geständnisse. Wegen PKK-
Verbindungen Verhaftete könnten keine fairen Verfahren erwarten und es
bestehe für sie ein erhebliches Risiko, in Haft misshandelt zu werden“
(E. 5.5). Demnach reiche bereits ein Verdacht der Zusammenarbeit mit der
PKK für die Annahme von künftigen asylrelevanten Nachteilen aus. Gegen
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Seite 13
den Beschwerdeführer sei erwiesenermassen ein Strafverfahren wegen
Mitgliedschaft bei einer terroristischen Organisation eröffnet worden. Da
der Beschwerdeführer verdächtigt werde, eine Zusammenarbeit mit der
PKK zu unterhalten, bestehe – unabhängig von einer allfälligen Einstellung
des Ermittlungsverfahrens – ein beachtliches Risiko für eine Verhaftung. Er
sei ins Visier der türkischen Behörden geraten und sowohl bei den Behör-
den als auch bei den Dorfbewohnern als politisch missliebige Person re-
gistriert. Der Beschwerdeführer, der als Mitglied der PKK abgestempelt sei,
werde auch nur beim kleinsten Zwischenfall automatisch als Tatverdächti-
ger betrachtet und dementsprechend behandelt werden. Erschwerend
komme hinzu, dass die in der Vergangenheit erfolgten Kontrollen des Be-
schwerdeführers seitens der Polizei, das Ermittlungsverfahren sowie der
erlassene Haftbefehl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im
PoINet registriert seien. Aufgrund dessen werde er im Rahmen von künfti-
gen Polizeikontrollen mit zahlreichen Problemen konfrontiert sein. Unter
Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts so-
wie der Sachverhaltselemente gehöre der Beschwerdeführer unabhängig
von seiner familiären Herkunft einer besonders gefährdeten Personen-
gruppe an und habe bei einer Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit mit weiteren asylrelevanten Nachteilen zu rechnen. Er
sei somit als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren.
F.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde vom 22. Juni
2020.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2020 wurde der Beschwerdeführer auf-
gefordert, innert 30 Tagen den Erwägungen entsprechende Dokumente
samt Übersetzung in eine Amtssprache einzureichen.
In der Zwischenverfügung wurde ausgeführt:
"dass in der Beschwerde insofern zu Recht festgestellt wird, dass aus der
von der Vorinstanz eingeholten Auskunft der Schweizerischen Botschaft in
Ankara vom 25. September 2019 der Grund, weshalb das Ermittlungsver-
fahren (...) gegen den Beschwerdeführer gemäss Abklärung der Botschaft
am 7. Juni 2018 von den türkischen Behörden eingestellt worden sei, nicht
explizit hervorgeht,
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Seite 14
dass nach Ansicht des Gerichts aufgrund der Botschaftsabklärung davon
ausgegangen werden dürfte, dass ein Beschluss der Einstellung des Er-
mittlungsverfahren (...) vom 7. Juni 2018 durch die türkischen Behörden
ergangen ist,
dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe vorbringt, seinem
türkischen Rechtsanwalt liege keine Einstellungsverfügung bezüglich des
Ermittlungsverfahrens (...) vor,
dass jedoch unvermittelt daran angeschlossen wird, gemäss Auskunft des
türkischen Rechtsanwaltes sei bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers
mit der Wiederaufnahme des Verfahrens zu rechnen, was gegen eine Ein-
stellung des Strafverfahrens spreche,
dass bereits mit der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 26. No-
vember 2019 (rechtliches Gehör zur Botschaftsabklärung vom 25. Septem-
ber 2019) vorgebracht wurde, gemäss Aussagen des türkischen Anwaltes
sei das Strafverfahren nicht eingestellt worden, sondern es würden auf-
grund der Landesabwesenheit des Beschwerdeführers lediglich keine wei-
teren Untersuchungshandlungen durchgeführt und genauere Angaben sei-
tens des türkischen Rechtsanwaltes würden noch folgen (Akten SEM
A53/3),
dass daraus zu schliessen ist, dass der türkische Rechtsanwalt bezüglich
des Standes des Ermittlungsverfahrens (...) konkreten Kontakt zu den zu-
ständigen türkischen Behörden gehabt haben oder ihm zumindest entspre-
chende Akteneinsicht gewährt worden sein muss,
dass demgegenüber nicht aktenkundig gemacht wurde, auf welche Doku-
mente der türkischen Behörden sich diese Auskünfte des türkischen
Rechtsanwaltes stützen liessen,
dass entgegen der entsprechenden Einwände des Beschwerdeführers als
gerichtsnotorisch gilt, dass es einem türkischen Rechtsanwalt ohne unzu-
mutbares Exponieren seiner Person und ohne unverhältnismässigen Auf-
wand möglich ist, gerichtliche Unterlagen und insbesondere gesprochene
Einstellungsverfügungen in Ermittlungsverfahren bei den zuständigen tür-
kischen Behörden erhältlich zu machen,
dass nicht nachvollziehbar erscheinen dürfte, dass wenn die zuständigen
türkischen Behörden dem türkischen Rechtsanwalt schon konkrete Aus-
künfte über den Stand des Ermittlungsverfahrens (...) erteilen, ihm nicht
E-3225/2020
Seite 15
auch die entsprechenden Aktenstücke edieren oder zumindest den we-
sentlichen Inhalt dieser Aktenstücke schriftlich bestätigen würden,
dass demnach der türkische Rechtsanwalt im Besitz der entsprechenden
Dokumente sein müsste oder diese erhältlich machen könnte,
dass vorliegend zu berücksichtigen gilt, dass der Beschwerdeführer im
erstinstanzlichen Verfahren wiederholt gerade auch konkret in diesem Zu-
sammenhang auf seine Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht wurde,
die unter anderem namentlich die zumutbare Beibringung und unverzügli-
che Einreichung von Beweismitteln umfasst (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG),
dass unter den vorliegend gegebenen Umständen entgegen der vom Be-
schwerdeführer vertretenen Ansicht seiner Mitwirkungspflicht Vorrang vor
der Abklärungspflicht der Behörden zukommt,
dass der Beschwerdeführer demnach aufzufordern ist, über seinen
Rechtsanwalt in der Türkei ein hinreichend aussagekräftiges behördliches
Dokument der zuständigen türkischen Behörden über den Stand des Er-
mittlungsverfahrens (...) beizubringen, namentlich etwa, ob das Verfahren
und aus welchem Grund lediglich sistiert oder formell eingestellt wurde,
dass der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG innert
Frist entsprechende Dokumente samt Übersetzung in einer Amtssprache
des Bundes (Art. 8 Abs. 2 AsylG) einzureichen hat und sich die Frist nach
Art. 110 Abs. 2 AsylG bemisst,
dass im Unterlassungsfall aufgrund der Akten entschieden werden kann,"
(Ende Zitat).
Der Antrag auf Durchführung weiterer Abklärungen bei der Schweizeri-
schen Botschaft in Ankara (durch das SEM oder das Gericht) wurde abge-
wiesen.
H.
Mit Eingabe vom 10. August 2020 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht
mit, sein türkischer Anwalt habe die geforderten Dokumente noch nicht be-
schaffen können, und ersuchte zur Einreichung entsprechender Beweis-
mittel um Fristerstreckung bis zum 7. September 2020.
E-3225/2020
Seite 16
I.
Mit Verfügung vom 11. August 2020 wurde das Gesuch des Beschwerde-
führers vom 10. August 2020 um Erstreckung der mit Zwischenverfügung
vom 9. Juli 2020 angesetzten Frist von 30 Tagen zur Einreichung von Be-
weismitteln gestützt auf Art. 110 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und unter Ver-
weis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG abgewiesen.
J.
Mit Schreiben vom 14. August 2020 teilte die Rechtsvertreterin Mejreme
Omuri, Rechtsanwältin, Omuri & Massara Advokaturbüro, dem Gericht mit,
das Mandatsverhältnis zwischen ihr und dem Beschwerdeführer sei mit so-
fortiger Wirkung beendet.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Dezember 2020 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass in Berücksichtigung der Vorbringen des Beschwerdeführers
zu seinem Asylgesuch der Stand des Ermittlungsverfahrens (...) eine zent-
rale und entscheidwesentliche Bedeutung bezüglich der Gewinnaussich-
ten im vorliegenden Verfahren beizumessen sei. In der Zwischenverfügung
vom 9. Juli 2020 sei diesbezüglich festgehalten worden, nach Ansicht des
Gerichts dürfte aufgrund der von der Vorinstanz eingeholten Auskunft der
Schweizerischen Botschaft in Ankara vom 25. September 2019 davon aus-
gegangen werden, dass ein Beschluss der Einstellung des Ermittlungsver-
fahren (...) vom 7. Juni 2018 durch die türkischen Behörden ergangen sei.
Das Gericht habe dem Beschwerdeführer mit der Zwischenverfügung Ge-
legenheit eingeräumt, Gegenbeweismittel über seinen türkischen Rechts-
anwalt beizubringen. Der Beschwerdeführer habe bis dato keine entspre-
chenden Dokumente zu den Akten gereicht und sich auch sonst nicht ver-
nehmen lassen. Bei dieser Sachlage habe der Beschwerdeführer zur De-
ckung der mutmasslichen Verfahrenskosten innert Frist einen Vorschuss
zu leisten.
Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen Kostenvor-
schuss von zu leisten.
L.
Der eingeforderte Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 750.– wurde innert
Frist geleistet.
E-3225/2020
Seite 17

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdefüh-
rer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die ange-
fochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Inte-
resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.108 Abs. 1
E-3225/2020
Seite 18
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
3.
In der Beschwerde wird unter anderem angeführt, die angefochtene Verfü-
gung verletze die Verpflichtung zur vollständigen Abklärung und fehler-
freien Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts (Hervorhebung kur-
siv durch das Gericht; [Beschwerdeschrift Art.1 in fine, S. 7]). Die Rüge der
Verletzung der behördlichen Pflicht zur Erstellung des rechtserheblichen
Sachverhaltes ist unbegründet. Der entscheidrelevante Sachverhalt ist auf-
grund der vorliegenden Aktenlage hinreichend erstellt, weshalb der Be-
weisantrag des Beschwerdeführers auf Durchführung weiterer Abklärun-
gen bei der Schweizerischen Botschaft in Ankara (durch das SEM oder das
Gericht) bereits mit Zwischenverfügung des Gerichts vom 9. Juli 2020 ab-
gewiesen wurde. Es wurde in diesem Zusammenhang auch darauf hinge-
wiesen, dass unter den vorliegend gegebenen Umständen entgegen der
vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht seiner Mitwirkungspflicht Vor-
rang vor der Abklärungspflicht der Behörden zukomme. Auch im jetzigen
Urteilszeitpunkt hat dies Gültigkeit und der Beweisantrag ist auch in Be-
rücksichtigung der diesbezüglichen Untätigkeit des Beschwerdeführers
seit der Zwischenverfügung vom 9. Juli 2020 im Sinne einer antizipierten
Beweiswürdigung abzuweisen (vgl. dazu Art. 33 Abs. 1 VwVG), zumal auf-
grund der Botschaftsabklärung davon auszugehen ist, dass ein Beschluss
der Einstellung des Ermittlungsverfahrens (...) vom 7. Juni 2018 durch die
türkischen Behörden ergangen ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
E-3225/2020
Seite 19
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen in einem publizierten
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (BVGE 2015/3 E.6.5.1.).
5.
Das Gericht teilt die Feststellung des SEM, dass der Beschwerdeführer
nicht glaubhaft gemacht hat, vor seiner Ausreise in seinem Heimatland
ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu
sein. Auch ist die Einschätzung des SEM nicht zu beanstanden, der Be-
schwerdeführer würde bei einer Rückkehr in die Türkei nicht mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft einer flüchtlingsrecht-
lich relevanten Verfolgung ausgesetzt und müsste eine solche objektiv be-
trachtet auch nicht begründeterweise befürchten.
5.1
5.1.1 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, während des Militärdienstes
zwischen den Jahren 2008 und 2010 aufgrund seiner ethnischen Herkunft
teils schwere Nachteile erlitten zu haben, erachtet das Gericht als nicht
glaubhaft. Es ist aufgrund der einschneidenden Natur der Erlebnisse ver-
nünftigerweise nicht nachvollziehbar, dass er trotz expliziter Nachfrage in
der BzP die Frage nach Problemen mit dem Militär verneint hat, wenn sich
diese Sachverhalte tatsächlich ereignet hätten. Die Entgegnung in der Be-
schwerde, die Aussagen des Beschwerdeführers zu den von ihm geltend
gemachten Sachverhalten, unter anderem betreffend die im Militärdienst
erlittenen Misshandlungen, würden zahlreiche positive Glaubhaftigkeit-
selemente aufweisen, vermag die diesbezüglich unterlassenen Angaben in
der BzP nicht aufzuwiegen. Sie müssen als ein derart widersprüchliches
Aussageverhalten bewertet werden, dass die entsprechenden späteren
Vorbringen als nachgeschoben und somit unglaubhaft erscheinen müssen.
Auch wenn es sich demnach vorliegend erübrigen würde festzuhalten,
dass – abgesehen davon – das SEM zu Recht erwog, es würden zwischen
den Vorfällen während des Militärdienstes und der Ausreise des Beschwer-
deführers ohnehin weder ein genügend enger zeitlicher noch sachlicher
Kausalzusammenhang bestehen, ist zu bestätigen, dass damit das Vor-
bringen als flüchtlingsrechtlich nicht relevant zu qualifizieren wäre. Auch in
der Beschwerde wird bezüglich der flüchtlingsrechtlichen Relevanz die Tat-
sache zu Recht nicht bestritten, dass der Militärdienst lange Zeit vor der
Ausreise stattgefunden hat.
E-3225/2020
Seite 20
5.1.2 Auch betreffend das geltend gemachte Gerichtsverfahren im Zusam-
menhang mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Polizisten, das
zur Verurteilung zu einer Geldbusse sowie einer Gefängnisstrafe geführt
habe, sind die Angaben des Beschwerdeführers widersprüchlich ausgefal-
len. Das SEM erkannte mit Bezeichnung der entsprechenden Aktenstellen
zutreffend – worauf verwiesen werden kann –, dass er bereits über den
Verfahrensverlauf unterschiedliche Angaben machte. So gab er vorerst an,
die Strafe nicht angetreten zu haben, da in der Sache erst nach seiner Ein-
reise in die Schweiz ein Urteil ergangen sei. An anderer Stelle führte er
ausdrücklich an, das Urteil sei bereits vor dem Beschuss seines Autos, also
vor seiner Ausreise aus der Türkei, ergangen. Auch zum Inhalt der angeb-
lichen Anklage gab er nicht kongruente Umstände an, wenn er vorerst vor-
brachte, er sei wegen Köperverletzung, namentlich einer Verletzung der
Hand des Polizisten, angeklagt worden, und andererseits darlegte, der Po-
lizist habe ausgesagt, sein Bruder habe ihm den Finger gebrochen, wes-
halb seinem Bruder die Schuld gegeben worden sei. Das SEM stellte auch
zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer trotz expliziter Aufforderungen
in der BzP und in der Anhörung keine diesbezüglichen Beweismittel ein-
reichte, obschon sich diese gemäss seinen Aussagen zum Zeitpunkt der
Anhörung bei seinem Bruder befunden hätten. Entsprechende Dokumente
wurden bis dato nicht, wie vom Beschwerdeführer in Aussicht gestellt, zu
den Akten gereicht.
Die blosse Gegenbehauptung in der Beschwerde, die entsprechenden An-
gaben seien mehrheitlich glaubhaft ausgefallen, vermag aufgrund der Ak-
tenlage nicht zu überzeugen.
5.1.3 Das SEM stellte im Weiteren richtigerweise fest, der Beschwerdefüh-
rer habe in Bezug auf seinen Aufenthalt bei der Guerilla der PKK in der BzP
zu Protokoll gegeben, er habe sich im Oktober 2015 für eine Woche in den
Bergen bei der PKK aufgehalten, und demgegenüber in der Anhörung als
Zeitpunkt des Aufenthalts vorerst den Sommer 2014 genannt und danach
im Widerspruch zu beiden Angaben zu Protokoll gegeben, er habe sich
rund sieben bis acht Monate vor der Ausreise dort aufgehalten, was – unter
Berücksichtigung des in der BzP angegeben Ausreisezeitpunktes – Juli
oder August 2015 ergeben würde. Weiter mag es, wie das SEM erkannte,
in der Tat erstaunen, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage war,
spontan die Organisation zu benennen, zu welcher die Guerilla gehört
habe, sondern lediglich anzugeben vermochte, diese würde sich für die
Kurden einsetzen, um erst auf die explizite entsprechende Frage hin zu
bejahen, dass es sich um die PKK gehandelt habe.
E-3225/2020
Seite 21
5.1.4 Auch aus dem Aussageverhalten des Beschwerdeführers bezüglich
des Zeitpunkts des vorgebrachten Beschusses während einer Autofahrt er-
geben sich zumindest Unklarheiten. Wie das SEM zu Recht feststellte,
legte er den Vorfall einerseits auf Sommer 2015, wobei in Berücksichtigung
seiner Angaben zur Dauer seiner Aufenthalte vor der letzten Ausreise das
Ereignis nicht auf den Sommer, sondern vielmehr auf den Oktober oder gar
November des Jahres fallen müsste. Die als Beweismittel eingereichten
blossen Fotografien, die Beschädigungen der Karosserie des Autos durch
Waffenprojektil-Einschüsse zeigen würden, vermögen den vom Beschwer-
deführer geltend gemachten Sachablauf nicht zu erstellen.
5.1.5 Die mehrfachen teils widersprüchlichen und teils wesentlich unstim-
migen Angaben des Beschwerdeführers zu zentralen Aspekten der geltend
gemachten Sachverhalte lassen entgegen dem Einwand in der Beschwer-
deschrift gerade in einer Gesamtwürdigung sämtlicher Elemente den
Schluss glaubhaft gemachter Geschehnisse nicht zu. Entgegen der in der
Beschwerde vertretenen Darstellung ist demnach nicht glaubhaft, der Be-
schwerdeführer wäre in den Jahren ab 2004 bis 2015 über mehrere Jahre
hinweg in einer Kette verschiedener staatlicher Handlungen zahlreichen
Eingriffen in seine persönliche Freiheit sowie in seine physische und psy-
chische Integrität ausgesetzt gewesen, die ihm schliesslich die Führung
eines menschenwürdigen Lebens in der Türkei verunmöglicht hätten.
5.1.6 Bei dieser Sachlage ist in objektiver Hinsicht auch nicht als gegeben
zu erachten, der Beschwerdeführer hätte Massnahmen erlitten, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirkt hätten. Mit dem Begriff des un-
erträglichen psychischen Drucks wird kein Auffangtatbestand geschaffen,
um auch weniger intensive Eingriffe in Leib, Leben oder Freiheit flüchtlings-
rechtlich anzuerkennen. Damit sollen vielmehr staatliche Massnahmen er-
fasst werden, die sich nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben
oder Freiheit richten, sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges
Leben verunmöglichen (vgl. Botschaft, BBl 1983 III 783). Die Anforderun-
gen an Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG erzeugen, sind grundsätzlich hoch.
5.1.7 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei als Angehöriger
der (...) beziehungsweise der kurdischen Bevölkerung von den türkischen
Behörden schikaniert und benachteiligt worden und insbesondere wieder-
holt Opfer von tätlichen Übergriffen seitens Polizeibeamten geworden, han-
delt es sich nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes, die
E-3225/2020
Seite 22
einen Verbleib im Heimatland verunmöglichen oder unzumutbar erschwe-
ren würden. Gemäss gefestigter Praxis führt die Zugehörigkeit zur kurdi-
schen Bevölkerung in der Türkei für sich allein nicht zur Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft. Auch in der Beschwerde wird hierzu zutreffend ver-
treten, dass die einzelnen Vorfälle mit der Polizei für sich alleine keine hin-
reichende Intensivität erreicht hätten.
5.1.8 Der Beschwerdeführer kann nicht nachweisen oder glaubhaft ma-
chen, dass er vor seiner Ausreise aus seinem Heimatland flüchtlingsrecht-
lich relevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen wäre.
5.2 Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr in die Türkei begründeterweise flüchtlingsrechtlich rele-
vante ernsthafte Nachteile zu befürchten hätte.
5.2.1 Es ist vorab anzumerken, dass der Beschwerdeführer bereits mit
Stellungnahme vom 26. November 2019 (rechtliches Gehör zur Bot-
schaftsabklärung vom 25. September 2019) vorbrachte, gemäss Aussagen
des türkischen Anwaltes sei das Strafverfahren nicht eingestellt worden,
sondern es würden aufgrund der Landesabwesenheit des Beschwerdefüh-
rers lediglich keine weiteren Untersuchungshandlungen durchgeführt und
genauere Angaben seitens des türkischen Rechtsanwaltes würden noch
folgen (Akten SEM A53/3). Es ist davon auszugehen, dass, wenn die zu-
ständigen türkischen Behörden dem türkischen Rechtsanwalt konkrete
Auskünfte über den Stand des Ermittlungsverfahrens (...) erteilen, ihm
auch die entsprechenden Aktenstücke edieren oder zumindest den we-
sentlichen Inhalt dieser Aktenstücke schriftlich bestätigen würden. Entge-
gen entsprechender Einwände des Beschwerdeführers gilt als gerichtsno-
torisch, dass es einem türkischen Rechtsanwalt ohne unzumutbares Expo-
nieren seiner Person und ohne unverhältnismässigen Aufwand möglich ist,
gerichtliche Unterlagen und insbesondere gesprochene Einstellungsverfü-
gungen in Ermittlungsverfahren bei den zuständigen türkischen Behörden
erhältlich zu machen. Der Beschwerdeführer wurde im erstinstanzlichen
Verfahren wiederholt gerade auch konkret in diesem Zusammenhang auf
seine Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht, die unter anderem nament-
lich die zumutbare Beibringung und unverzügliche Einreichung von Be-
weismitteln umfasst (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG). Unter den vorliegend ge-
gebenen Umständen kommt entgegen dem vom Beschwerdeführer vertre-
tenen Standpunkt seiner Mitwirkungspflicht Vorrang vor der Pflicht der Be-
hörden, weitere und zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, zu. Der Be-
E-3225/2020
Seite 23
schwerdeführer wurde auch mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2020 auf-
gefordert, über seinen Rechtsanwalt in der Türkei ein hinreichend aussa-
gekräftiges behördliches Dokument der zuständigen türkischen Behörden
über den Stand des Ermittlungsverfahrens (...) beizubringen. Der Be-
schwerdeführer hat bis dato keine entsprechenden Dokumente zu den Ak-
ten gereicht und sich auch sonst nicht vernehmen lassen.
5.2.2 In entscheidwesentlicher Hinsicht ist – wie das SEM zu Recht aus
den Akten und den eingereichten Beweismitteln folgerte – festzustellen,
dass es sich beim Verfahren (...) um ein Ermittlungsverfahren handelt, aus
dem keine Hinweise hervorgehen, die türkischen Behörden hätten Ermitt-
lungen aufgrund eines konkreten Anhaltspunktes – wie z.B. des Aufent-
halts bei der Guerilla – eingeleitet. Aus dem Ermittlungsprotokoll der Gen-
darmerie Kommandantur B._ vom 22. Februar 2016 hat das SEM
zutreffend entnommen, dass der Beschwerdeführer von Dorfbewohnern
bei den Behörden denunziert worden sei, für eine Mitgliedschaft bei einer
illegalen Organisation jedoch keinerlei Beweise vorlägen. Aus den Verfah-
rensakten gehen denn in der Tat auch keine Anhaltspunkte hervor, dass
die Behörden einen anderweitigen Nachweis für Verbindungen seiner Per-
son zu einer illegalen Organisation hätten ermitteln können, ansonsten ein
Strafverfahren zumindest eingeleitet und nicht das Ermittlungsverfahren
eingestellt worden wäre. Das SEM schloss daraus in nicht zu beanstan-
dender Weise, dass der alleinige Umstand der Aufnahme einer Ermittlung
noch kein Risikoprofil zu begründen vermag, wonach der Beschwerdefüh-
rer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevante Nachteile zu befürch-
ten hätte. Aus den Akten ergeben sich auch sonst keine hinreichenden Hin-
weise, welche den Beschwerdeführer in den Augen der türkischen Behör-
den als missliebige Person erscheinen Iassen müssten. Gemäss eigenen
Angaben hat er sich nie politisch engagiert und lediglich in seinem Umfeld
für die HDP geworben.
5.2.3 Der blossen Behauptung in der Beschwerdeschrift, der Beschwerde-
führer werde verdächtigt, eine Zusammenarbeit mit der PKK zu unterhal-
ten, weshalb – unabhängig von einer allfälligen Einstellung des Ermitt-
lungsverfahrens – ein beachtliches Risiko für eine Verhaftung bestehe,
kann das Gericht nicht folgen. Es ist entgegen der in der Beschwerde er-
hobenen Befürchtung auch nicht davon auszugehen, der Beschwerdefüh-
rer würde auch nur beim kleinsten Zwischenfall automatisch als Tatver-
dächtiger betrachtet und dementsprechend behandelt. Aus der Aktenlage
geht nicht hervor, dass der Beschwerdeführer als Mitglied der PKK abge-
stempelt wäre. Demnach ist der ausführliche Verweis in der Beschwerde
E-3225/2020
Seite 24
auf das Urteil des BVGer D-660/2019 vom 18. Oktober 2019 für das vor-
liegende Verfahren nicht hilfreich. Damit wird das Vorbringen, unter Berück-
sichtigung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sowie der
Sachverhaltselemente gehöre der Beschwerdeführer unabhängig von sei-
ner familiären Herkunft einer besonders gefährdeten Personengruppe an
und habe bei einer Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit mit weiteren asylrelevanten Nachteilen zu rechnen, der vor-
liegenden Sachlage nicht gerecht. Daran vermag die Einschätzung, die in
der Vergangenheit erfolgten Kontrollen des Beschwerdeführers seitens der
Polizei, das Ermittlungsverfahren sowie der erlassene Haftbefehl seien mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im PoINet registriert, nichts
zu ändern. Es ist aktenkundig, dass der Haftbefehl gegen den Beschwer-
deführer formell aufgehoben wurde. Aufgrund der von der Vorinstanz ein-
geholten Auskunft der Schweizerischen Botschaft in Ankara vom 25. Sep-
tember 2019 ist davon auszugehen, dass ein Beschluss der Einstellung
des Ermittlungsverfahren (...) vom 7. Juni 2018 durch die türkischen Be-
hörden ergangen ist. Die Botschaftsabklärungen haben ergeben, dass in
der Türkei keine weitere Verfahren gegen ihn erhoben sind. Er wird nicht
gesucht und es besteht kein Eintrag in der Datenbank GBTS. Daran ändert
das Themenpapier „Datenbanken der türkischen Sicherheitsbehörden“
vom 14. Juni 2019 der Schweizerischen Flüchtlingshilfe nichts.
5.2.4 Das SEM wies zu Recht darauf hin, dass auch aus der familiären
Herkunft des Beschwerdeführers kein Gefährdungsprofil abzuleiten ist.
Zwar hat sich gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sein Vater po-
litisch für die Sache der Kurden engagiert. Seine diesbezüglichen Angaben
blieben aber unbestimmt und wenig konkret. Zudem hat sich sein älterer
Bruder K. in seinem Heimatort offenbar als Dorfschützer betätigt, dessen
Aufgabenfeld sich gegen die PKK richtet. Es ergeben sich keine ernsthaf-
ten Anhaltspunkte, die Familie des Beschwerdeführers würde von den tür-
kischen Behörden in relevante Verbindung mit der PKK gebracht.
5.2.5 Es besteht in Berücksichtigung der wesentlichen Aspekte kein hinrei-
chender Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr in die Türkei mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer asylrechtlich
relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Insgesamt ist mit dem SEM in ob-
jektiver Sicht festzustellen, dass es aufgrund der Einstellung des Ermitt-
lungsverfahrens und des Fehlens weiterer risikobegründeter Faktoren
nicht als überwiegend wahrscheinlich zu erachten ist, die türkischen Be-
hörden würden aktuell ein Verfolgungsinteresse an der Person des Be-
schwerdeführers haben.
E-3225/2020
Seite 25
5.3 Der Beschwerdeführer konnte keine flüchtlingsrechtlich relevante Ver-
folgungsgründe gemäss Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaub-
haft machen. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint
und das Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
E-3225/2020
Seite 26
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da der Be-
schwerdeführer keine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen vermag, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr
in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
eine konkrete Gefahr ("real risk") nachgewiesen oder glaubhaft gemacht
werden, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche
Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die all-
gemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungs-
vollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als unzulässig erscheinen.
7.2.4 Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer einer
konkreten Gefährdung gemäss Art. 3 EMRK ausgesetzt würde. Weder die
allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei noch individuelle Fakto-
ren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 In der Türkei herrscht keine Situation wie Krieg, Bürgerkrieg oder all-
gemeiner Gewalt. Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz
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B._ und somit nicht aus einer der beiden südöstlichen Grenzprovin-
zen zum Irak, Sirnak und Hakkari, in die ein Wegweisungsvollzug aIs ge-
nerell unzumutbar gilt (vgl. BVGE 2013/2 und Urteil des BVGer
E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 [Referenzurteil]).
7.3.2 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Berufsausbildung und mehr-
jährige Arbeitserfahrung. Er kann sich in seinem Heimatland wirtschaftlich
reintegrieren und erneut eine eigene Existenz aufbauen. Dabei kann er
auch auf ein breites soziales Beziehungsnetz zurückgreifen. Es ist nicht
davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in eine
existenzbedrohende Situation geraten würde.
7.3.3 Der Beschwerdeführer ist auf Grund der Akten nicht zwingend auf
eine spezialisierte medizinische Behandlung in der Schweiz angewiesen.
Eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers aus medizinischen
Gründen ist nicht ersichtlich. Eine Rückkehr in die Türkei ist auch unter
diesem Aspekt zumutbar.
7.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auf-
grund fehlender konkreter Gefährdungsmomente im Sinne der gesetzli-
chen Bestimmung und der geltenden Rechtsprechung auch als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Do-
kumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
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und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE]). Der in
gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfah-
renskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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