Decision ID: 5fa62255-56fc-4529-897e-c064e976886f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1978 geborene
X._
verfügt über keinen Berufsabschluss (
Urk.
8/9/5
,
Urk.
8/28/7
,
Urk.
8/44/4
,
Urk.
8/50/30
). Vom 2
4.
September 2007 bis zur Kündigung durch den Arbeitgeber per 3
1.
Mai 2008 arbeitete er für die
Y._
AG
als Mitarbeiter Packerei/Kistenfabrik (
Urk.
8/6/3,
Urk.
8/6/17,
Urk.
8/7/1
,
Urk.
8/19/2
). Ab dem 2
5.
Februar 2008 war er wegen eines
lumboradikulären
Syndroms mit Diskopathie L4 und L5 sowie einer Angst- und Panikstörung zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
8/16). A
m
3.
Juni 2008
meldete er sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
8/9)
.
Die
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
klärte in der Folge die beruf
lichen Verhältnisse ab (
Urk.
8/13,
Urk.
8/19)
und unterstützte den Versicherten
vom 2
0.
Oktober 2008 (
Urk.
8/29,
Urk.
8/32) bis zum 1
9.
April 2009
mit A
rbeits
vermittlung, ohne dass eine Reintegration in den Arbeitsmarkt ge
lang (
Urk.
8/56).
V
om
4.
b
is 3
0.
Mai
2009
absolvierte der Versicherte
eine stationäre psycho
somatische Rehabilitation in der Klinik
Z._
(
Urk.
8/58/2).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde er
anschliessend
bidisziplinär
rheu
matologisch-psychiatrisch
begutachtet
(Gutachten von
Dr.
med.
A._
und
Dr.
med.
B._
vom 2
7.
Februar beziehungsweise
5.
Juli 2010 [
Urk.
8/72,
Urk.
8/77])
.
Aufgrund der gutachterlichen Schlüsse
und
des ermittelten Invaliditätsgrads von 55
%
(
Urk.
8/81/7) sprach
die IV-Stelle
dem Versicherten nach Durchführung
des
Vor
bescheidverfahren
s
(
Urk.
8/85
,
Urk.
8/99
; vgl. auch
Urk.
8/81
)
mit Verfügung
en
vom 2
6.
Mai
und 2
7.
Juni
2011
ab
1.
Februar 2009
eine halbe Rente zu (
Urk.
8/102,
Urk.
8/110
,
Urk.
8/115; vgl. auch
Urk.
8/114/5
)
.
1.2
Vom
3.
Oktober 2011 bis
7.
Januar
2012 absolvierte der Versicherte – bei unverändertem Rentenanspruch – ein Belastbarkeitstraining der IV-Stelle
; dieses zeitigte keine
Verbesserung der Leistungsfähigkeit
(
Urk.
8/
120,
Urk.
8/125-126,
Urk.
8/128,
Urk.
8/130-131
,
Urk.
8/135-136
).
Anfang 2012 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein (
Urk.
8/139
). Da
die Ärzte dem Versicherten
mittlerweile
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierten
(
Urk.
8/140/2,
Urk.
8/144/2
), sprach
ihm
die IV-Stelle nach Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
(
Urk.
8/145-146) mit Verfügung
en
vom 2
1.
November 2012
sowie 1
4.
Dezember 2012
ab
1.
April 2012 eine ganze Rente zu (
Urk.
8/149,
Urk.
8/164
,
Urk.
8/176).
1.3
Im November 2013 leitete die IV-Stelle erneut eine Rentenrevision ein (
Urk.
8/205; vgl. auch
Urk.
2 S. 2)
. Da aus dem beigezogenen Austrittsbericht des Sanatoriums
C._
vom 3
0.
Juli 2013 hervorging
, dass sich der Versicherte in Untersuchungshaft befand (
Urk.
8/217/9), zog
sie
die Akten der Straf
verfolgungsbehörden (
Urk.
8
/259-260
)
bei (
Urk.
2 S. 2).
Am
6.
Juli
,
2
8.
August
,
5.
Oktober und 2
6.
November
2018
sowie am 2
5.
Februar 2019
forderte sie den Versicherten auf, sich einem ärztlich überwachten Entzug von Kokain, Marihuana, Sedativa und Alkohol zu unterziehen mit anschliessender Haar
analyse zum Abstinenznachweis, und wies ihn auf die
möglichen Folgen bei Nichtbeachtung
seiner
Schadenminderungspflicht hin
(
Urk.
8/268,
Urk.
8/
270,
Urk.
8/276
,
Urk.
8/283-284
).
Die Haaranalyse vom 1
6.
April 20
19 war vereinbar mit einem Kokaink
onsum
in den letzten vier bis acht Monaten
(
Urk.
8/294/5).
Aus dem
b
eigezogenen verkehrsmedizinischen Gutachten vom 1
6.
August 2019
ergab sich zudem, dass die F
ahr
eig
n
ung des Versicherten wegen eines verkehrs
relevanten Betäubungsmittelmissbrauchs verneint worden war (
Urk.
8/296/6).
In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten
erneut
b
egutachten (
Urk.
8/298,
Urk.
8/300).
Gestützt auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von
Dr.
med.
D._
und
lic.
phil.
E._
vom 1
3.
Juli 2020
stellte sie
ihm
mit Vor
bescheid vom 1
4.
Dezember 2020 die rückwirkende Aufhebung der Invaliden
rente per
1.
Mai 2016 in Aussicht (
Urk.
8/316). Gleichentags verfügte
sie
die Sistierung der Rente ab
1.
November 2020
(
Urk.
8/317)
, da sich der
Versicherte
seit dem 1
6.
Oktober 2020 im Strafvollzug befand
(
Urk.
8/314).
Mit Verfügung vom
9.
Februar 2021
hob
die IV-Stelle die Rente wie angekündigt
rückwirkend
per
1.
Mai 2016 auf
.
Zusätzlich wies sie darauf hin, für die Zeit vom
1.
Mai 2016 bis 3
1.
Oktober 2020 liege eine Verletzung der Meldepflicht vor
. Ü
ber die Rückforderung
der in diesem Zeitraum
zu Unrecht bezogenen Leistungen werde separat verfügt
. Auch über die Rückforderung der nach der Leistungs
sistierung ab
1.
November 2020 ausgerichteten Rentenbetreffnisse werde noch verfügt
(
Urk.
2
=
Urk.
8/326
).
Am 1
7.
Februar 2021 erging die Rückforderungs
verfügung betreffend die nach der Rentensistierung vom
1.
November bis 3
1.
Dezember 2020
zu viel ausbezahlten Rentenleistungen in Höhe von
Fr.
3'640.-- (
Urk.
8/329).
2.
Gegen die
rentenaufhebende
Verfügung vom
9.
Februar 2021
erhob der Ver
sicherte
mit Eingabe vom
3.
März 2021 Beschwerde mit dem sinngemässen An
trag, die Rente sei ihm weiterhin auszurichten; eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen und der Rentenanspruch danach erneut zu beurteilen (
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Mai 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Nachdem ihm vom Sozial
versicherungsgericht Frist zur Replik angesetzt worden war (
Urk.
9), reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen zu den Akten (
Urk.
17/1-4,
Urk.
18; vgl. auch
Urk.
11-16), welche der IV-Stelle zur Stellungnahme zugestellt wurden (
Urk.
19). Diese verzichtete mit Eingabe vom
3.
Dezember
2021 auf eine Duplik (
Urk.
20), wovon dem Beschwerdeführer
am
6.
Dezember 2021 Kenntnis
gegeben wurde (
Urk.
21).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
1.2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.2.3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheits
schädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erheb
liche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Ver
halten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im All
tag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. Urteile des Bundes
gerichts 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 6.1 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
(BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
1.4.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4.3
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten erfolgt gemäss
Art.
88
bis
Abs. 2 IVV:
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (seit dem 1. Januar 2015 geltende Fassung).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründet die Aufhebung der laufenden ganzen Rente rückwirkend per
1.
Mai 2016 in der angefochtenen Verfügung sowie in der Beschwerdeantwort damit,
im Rahmen der am 2
0.
November 2013 eingeleiteten Rentenrevision habe sich herausgestellt, dass der Beschwerdeführer in U
ntersuchungshaft gewesen sei. Deshalb seien
die Strafakten beigezogen worden. Die
anschliessend
mit Schreiben vom
6.
Juli 2016 auferlegte Schadenminderungspflicht (Substanzentzug mit Haaranalyse) sei vom Beschwerdeführer nicht erfüllt worden. Weil sich der Beschwerdeführer zudem nicht in ärztlicher Behandlung befunden habe, sei zur Klärung der Diagnosen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 eingeholt worden.
Die Gutachter hätten keine zuverlässigen Hinweise für das Bestehen eines psychischen Leidens mit Krankheitswert erheben können.
Im Gutachten
werde dargelegt, dass sicher ab dem Zeitpunkt der Strafverfolgung die zuvor beschriebenen Einschränkungen nicht mehr bestanden hätten, da ab dann
Aktivitäten dokumentiert seien, welche mit
diesen
Beeinträchtigungen nicht möglich gewesen wären. Aus dem Polizeirapport vom
1.
Juni 2016 ergebe sich beispielsweise, dass der Beschwerdeführer am 3
1.
Mai 2016 das Signal «Einfahrt verboten» missachtet habe. In der Folge seien bei ihm 13 Gramm Kokain sicher
gestellt worden, so dass der dringende Verdacht auf Betäubungsmittelhandel ent
standen sei. Ab diesem Zeit
punkt sei von einer Verbesserung des Gesundheits
zustands auszugehen in dem Sinne, dass kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden mehr bestehe. Da der Beschwerdeführer diese Ver
änderung nicht gemeldet habe, liege eine Meldepflichtverletzung vor, und die Rente sei rückwirkend aufzuheben (
Urk.
2 S. 2).
Im Übrigen fehlten in den Akten Hinweise dafür,
dass ein organisches oder hormonelles Problem vorliege
(
Urk.
7 S. 1)
. Der Beschwerdeführer sei in psychiatrischen Kliniken stationär behandelt worden. Dort werde in der Regel ein Hormonstatus erhoben, um somatische beziehungsweise hormonelle Ursachen der Beschwerden auszuschliessen. Die Abklärung der Schilddrüsenfunktion im Jahr 2009 in der Klinik
Z._
und im Jahr 2010 im Sanatorium
C._
habe jeweils einen TSH-Wert im Normbereich ergeben. Deshalb habe im Rahmen der Begutachtung auch kein Anlass zu entsprechenden Abklärungen, etwa der Bestimmung des Hormonstatus, bestanden.
Sodann sei anzumerken
, dass
der Beschwerdeführer
i
m Rahmen der verkehrsmedizinischen Begutachtung vom 2
3.
Juli 2019 angegeben
habe,
in keiner ärztlichen Behandlung zu stehen
und s
ich weitgehend gesund zu fühlen.
Auch dies spreche für eine zwischenzeitliche
Verbesserung seines Gesundheitszustandes. Aus den Akten
ergebe sich schliesslich, dass
er über genügende Deutschkenntnisse für die Kommunikation mit Behörden und Ärzten verfüge; es fehlten Hinweise, dass er sich mit den Gut
achtern nicht hinreichend habe verständigen können (
Urk.
7 S. 2 f.
,
Urk.
20
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunk
t, er leide unter häufigen Angstanfällen.
Die IV-Stelle habe es unterlassen, begutachten zu lassen, ob seine Panikattacken eine körperliche Ursache hätten (
Urk.
1 S. 1).
Panikattacken könnten auch neuropsychiatrische Symptome einer körperlichen Störung sein, insbesondere endokrinologischer Erkrankungen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, der Schilddrüse, des Herzens, der Nebennieren und eines Phäochromozytoms.
Diesen Erkrankungen sei gemeinsam, dass sie zu labortechnisch nachweisbaren chemischen Prozessen im Gehirn führten, welche die Paniksymptome verursachten.
Im psychiatrisch-neuropsychologischen Gut
achten vom 1
3.
Juli 2020 fehlten auch Ausführungen dazu, mit welchen Behandlungsmassnahmen seine Beschwerden therapiert werden könnten. Es
müsse auch beachtet werden, dass er wegen seiner bescheidenen Deutsch
kenntnisse anlässlich der Begutachtung nicht in der Lage gewesen sei, seine Situation korrekt darzustellen (
Urk.
1 S. 2
).
Aktuell sei er drogenabstinent und werde regelmässig kontrolliert (
Urk.
17/1-3; vgl. auch
Urk.
16). Dennoch habe
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie vom Sanatorium
C._
,
am
7.
Oktober 2021 eine schwere
depressive Episod
e und eine Panikstörung diagnos
t
i
ziert (
Urk.
18
; vgl. auch
Urk.
16
).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis zur Beurteilung der Frage, ob eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit
den rechtskräftig gewordenen
Verfügungen vom 2
1.
November 2012 sowie 1
4.
Dezember 2012
, mit welchen
die laufende halbe
Rente per
1.
April 2012
auf eine ganze Rente
erhöht wurde
(
Urk.
8/149,
Urk.
8/164,
Urk.
8/176)
. Die
se
Verfügung
en
beruhen
nämlich auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts
abklärung, Beweiswürdigung sowie Durchführung e
ines Einkommensvergleichs (
Urk.
8/144
; vgl. vorstehend E. 1.4
.2
)
.
3.2
Den Verfügungen vom 2
1.
November 2012 und 1
4.
Dezember 2012 (
Urk.
8/149,
Urk.
8/164,
Urk.
8/176) lagen in medizinischer Hinsicht der Arztbericht von
Dr.
med.
G._
, Oberarzt des psychiatrischen Ambulatoriums
H._
,
vom
9.
Juli 2012 sowie die versicherungsmedizinische Stellungnahme von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle
,
vom
5.
Oktober 2012
zugrunde
.
Dr.
G._
hielt am
9.
Juli 2012 fest, er behandle den Beschwerdeführer seit dem
1.
Februar 201
1.
Dieser
sei im Jahr 2003 bewusstlos geschlagen worden, zu
dem sei er geschieden. Seither leide er unter deutlichen Symptomen einer Depression teils wahnhafter Natur. Er lebe stark zurückgezogen ohne soziales Netz, ziehe Kleidungsstücke falsch an, um das Böse abzuwenden, habe Ängste vor anderen Personen, Konzentrationsstörungen und einen Antriebsmangel. In diagnostischer Hinsicht sei von einer mittleren bis schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen und starkem sozialem Rückzug auszugehen. Auf
grund des Verlaufs in den letzten zwei Jahren müsse von einer eher schlechten Prognose ausgegangen werden. In seiner bisherigen Tätigkeit als Installateur sei er 100%ig arbeitsunfähig
(
Urk.
8/140/1-2)
. Eine
behinderungsangepasste Tätig
keit sei ihm ebenfalls nicht zumutbar,
da er
psychisch nicht mehr belastbar sei
; zudem seien sein
Konzentrationsvermögen und seine Anpassungsfähigkeit stark und sein Auffassungsvermögen mittelgradig eingeschränkt.
Auch bestehe keine Fahrtauglichkeit.
Es könne nicht mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden.
Eine stationäre Intervention mit Einbindung in eine Tagesklinik wäre hilfreich, da der Beschwerdeführer keine Struktur und kein soziales Netz ha
be
(
Urk.
8/140/3-4).
Der RAD-Versicherungsmediziner
Dr.
I._
hielt in seiner Stellungnahme vom
5.
Oktober 2012 fest, der Arztbericht von
Dr.
G._
sei plausibel. A
uch unter Berücksichtigung
des
Verlaufsprotokolls der Berufsberatung vom 2
9.
Februar 2012
habe sich der Gesundheitszustand verschlechtert; das Belastbarkeitstraining sei am
7.
Januar 2012 beendet worden
(vgl.
Urk.
8/120,
Urk.
8/135
). Es könne demnach seit Anfang 2012 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bis
herigen und in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden
(
Urk.
8/144/2
)
.
3.3
3.3.1
Den von der IV-Stelle beigezogenen Akten der zuständigen Staatsanwaltschaft ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 3
1.
Mai
2016 um 21.45 Uhr in
J._
mit dem Auto unterwegs war und dabei das Verkehrssignal «Einfahrt verboten» nicht beachtete. Eine Polizeipatrouille, die dies beobachtet hatte, hielt ihn an und führte eine Personen- und Effektenkontrolle durch. In der Hosen
tasche des Beschwerdeführers fand sie
drei Portionen mit insgesamt
13 g Kokain.
Er
wurde
deshalb
wegen des Verdachts auf Be
täubungsmittelhandel
verhaftet
(
Urk.
8/260/8). Bei der anschliessenden Hausdurchsuchung konnten die Polizisten weitere 3 g Kokain und 7 g Marihuana sicherstellen (
Urk.
8/260/9
,
Urk.
8/260/69
).
Noch in der Ereignisnacht
er
m
ittelten
die Polizeibeamten einen Abnehmer des Beschwerdeführers, der
a
ngab, bei ihm über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren rund 60 g Kokain gekauft zu haben (
Urk.
8/260/8). Ein weiterer
Abnehmer
gab an,
in der Zeit
vom April 2014 bis November 2015 insgesamt 10 g Kokain
vom Beschwerdeführer
gekauft zu haben. Der Beschwerdeführer bestätigte die Aus
sagen der beiden Abnehmer (
Urk.
8/260/16-17).
Anlässlich der Ein
vernahme vom
1.
Juni 2016 gab er an, mehrere U
nfälle gehabt zu haben,
seither IV-Rentner zu sein und nicht arbeiten zu dürfen. Auch sei er von seiner
(zweiten; vgl.
Urk.
8/260/75)
Exfrau verlassen worden; diese lasse ihn das gemeinsame Kind nicht sehen. Seither konsumiere er Betäubungsmittel: Kokain, Tabletten und Marihuana als Tee, wenn er Geld habe. Ohne Tabletten oder Kokain gehe es ihm nicht gut. Wenn
seine (aktuell
dritte
; vgl.
Urk.
8/260/6-7
,
Urk.
8/260/75
)
Ehefrau zu Hause sei, gehe er raus und konsumiere Betäubungsmittel. Wenn sie arbeite
,
sei er zu Hause. Er habe am A
bend
des 3
1.
Mai
2016 raus gewollt, um für sich Spass zu haben. Die Tabletten hätten ihn müde gemacht. Er habe sich mit einem Kollegen treffen wollen. Er habe gedacht, die P
izz
eria habe offen. Da nur der Pizzabäcker dort gewesen sei, sei er wieder weg. Er habe eine Runde machen wollen, als er von der Polizei kontrolliert worden sei (
Urk.
8/260/20
-21
).
Nachdem der Beschwerdeführer am
6.
und 1
4.
Juni
2016 im Gefängnis über Selbstmordversuche gesprochen und den Wunsch geäussert hatte, in eine psychiatrische Klinik verlegt zu werden (
Urk.
8/260/71), wurde er
am 1
4.
J
uni 2016
in die Klinik
K._
der Psychiatrie
L._
eingewiesen (
Urk.
8/260/72). Dem definitiven Kurzaustrittsbericht der
Psychiatrie L._
vom 2
0.
Juni 2016 ist zu entnehmen, dass er den Ärzten an
gab
, er fühle sich im Gefängnis zwar insgesamt wohl, werde dort gut behandelt und habe viel Kom
fort, es fehl
t
e
n
ihm jedoch der Ausgang sowie begleitende Gespräche. Bei Eintritt distanzierte er sich klar von Suizidalität.
Im stationären Verlauf präsentierte er sich zeitweise fordernd und wütend, wenn seine Anliegen nicht erfüllt werden konnten. Aufgrund der hier geringeren Annehmlichkeiten (etwa das Fehlen eines Fernsehers)
wünschte er den schnellstmöglichen Rücktransport in das Gefängnis
. Am 1
7.
Juni 2016 wurde er mit der Austrittsdiagnose einer akuten Belastungs
reaktion aus der Klinik entlassen und zurück in die Haftanstalt verlegt
(
Urk.
8/249).
In einer weiteren Einvernahme vom 2
8.
März 2017
bestritt
der Beschwerdeführer
seine frühere Aussage, Kokain an zwei Abnehmer verkauft zu haben (
Urk.
8/260/44-45). Er gab
an
, anfänglich habe er nur seine Medikamente ein
genommen. Als er erfahren habe, dass Bekannte von ihm (deren Namen er teil
weise nicht angeben
wolle
) Kokain konsumiert hätten, habe er sich mit diesen P
ersonen zus
ammengetan, um die Droge gemeinsam zu konsumieren. Sein Kokainkonsum habe zwei bis zweieinhalb Jahre vor seiner Verhaftung am 3
1.
Mai 2016 angefangen.
Die Polizei habe mehrere
Mobiltelefone bei
ihm
zu Hause
aufgefunden (vgl.
Urk.
8/260/33-34)
, weil er kaputte Mobiltelefone repariert und über das Internet wieder verkauft habe. Dadurch habe er eine Beschäftigung gehabt und sich von seinen psychischen Alltagsproblemen ablenken können (
Urk.
8/260/44-45).
3.3.2
Am 1
6.
August 2019 erstat
tete
Dr.
med.
M._
, Oberärztin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich, zu
Handen
des Strassenverkehrsamtes
ihr
verkehrsmedizinisches
Gutachten über den Beschwerdeführer. Laut der Expertise machte der Beschwerdeführer
anlässlich der Untersuchung vom 2
3.
Juli 2019
geltend,
er sei vor fünf Jahren in einer psychologischen Behandlung wegen sozialer Überlastung gewesen; damals habe er sich in Scheidung befunden, habe keine Wohnung gehabt und habe deshalb bei seinem Bruder wohnen müssen
(
Urk.
8/296/2-3).
Am Tag des Vorfalls Ende Mai 2016 sei er in einer Bar gewesen und habe dort «ein bisschen» getrunken und mit den anwesenden Frauen ein paar Kokainlinien geschnupft. Später habe er an einem anderen Ort weiterfeiern wollen und sei deshalb mit dem Auto losgefahren. Nach 100-200 Metern sei er von der Polizei angehalten und kontrolliert worden (
Urk.
8/296/4). S
eit einer ihm nicht näher bekannten Zeit
konsumiere er
in unregelmässigen Abständen (maximal zweimal pro Monat, minimal einmal alle drei Mon
ate) Kokain nasal
. Das letzte Mal habe er im Januar 2019 0.01 Gramm Kokain konsumiert. Andere Drogen nehme er nicht ein. Über die Inhaftierung und die Vorwürfe des Betäubungsmittelhandels
berichtete
er
laut
Dr.
M._
nicht
(
Urk.
8/296/
4
).
Die Gutachterin erhob einen weitgehend unauffälligen
psychischen
S
tatus
(
Urk.
8/296/
5
)
.
Mit der ebenfalls durchgeführten spezialanalytischen Haar
untersuchung konnte sie nachweisen, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum mindestens der letzten vier bis acht Monate vor der Sicherstellung der Haarprobe am 2
3.
Juli 2019
Kokain konsumiert hatte, entsprechend einem schwachen bis mittelstarken Konsum (
Urk.
8/296/
9
). Abschliessend gelangte sie zur Beurteilung, es müsse vom Vorliegen eines verkehrsrelevanten Betäubungsmittelmissbrauchs ausgegangen werden. Die Diskrepanz zwischen den vagen anamnestischen An
gaben und den Analyseergebnissen spreche für ein fragliches Problembewusst
sein, was prognostisch ungünstig sei. Ob der Beschwerdeführer längerfristig eine Abstinenz einhalten könne, sei aktuell nicht beurteilbar. Momentan müsse des
halb seine Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht verneint werden (
Urk.
8/296/
6
).
3.3.3
Das von der IV-Stelle eingeholte psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic.
phil.
E._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, vom 1
3.
Juli 2020 basiert auf
den von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten Akten (
Urk.
8/312/5-8),
der psychiatrischen Exploration vom 1
8.
Mai 2020 (
Urk.
8/312/2
,
Urk.
8/312/52-63
), der Laboruntersuchung gleichen Datums (
Urk.
8/
312/63-64)
und
der neuro
psychologischen Untersuchung vom
7.
Juli 2020 (
Urk.
8/312/83)
.
Der Beschwerdeführer gab
Dr.
D._
an,
sein Problem sei, dass er seine Wohnung über drei Jahre nicht verlassen habe (
Urk.
8/312/52). Er könne es nicht aushalten, mit Leuten im gleichen Zimmer zu sein (
Urk.
8/312/53). Er habe Herzrasen und einen hohen Blutdruck, nehme aber kein Blutdruckmedikament. Manchmal habe er Momente, in denen er nicht richtig atmen könne. Das komme beispielsweise im Lift, im Zug oder im Bus vor, und auch in Menschenmengen. Er wolle dann so schnell wie möglich raus. Es sei unterschiedlich, wie oft er Panikattacken habe.
Zudem habe er schon lange Rückenschmerzen nach einem Unfall an der Arbeit. Deshalb sei Sitzen nicht gut für ihn. Weiter habe er Schmerzen an der Aussenseite des rechten
Unterschenkels, in der Hüfte und am Knöchel (
Urk.
8/312/53-54). Manchmal trinke er Alkohol, aber er habe nie ein Alkoholproblem gehabt. Früher habe er während einiger Jahre alle zwei, drei Tage oder einmal in der Woche Kokain konsumiert. Da seine Frau
dies
nicht wolle, habe er seinen K
okaink
onsum vor einem Jahr eingestellt. Andere Drogen habe er nie konsumiert (
Urk.
8/312/55).
Dr.
D._
führte aus, im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung müsse für die Diagnostik und Leistungseinschätzung ganz wesentlich auf subjektive An
gaben der Exploranden abgestellt werden. Dies bedinge, dass diese Ang
aben zu
verlässig seien. Im Fall
des Beschwerdeführers bestünden sehr viele Hinweise da
für, dass dem nicht so sei. Bereits in den Akten fänden sich früh Hinweise auf deutliche Aggravation, Inkonsistenzen und Widersprüche (
Urk.
8/312/65). So würden in den Akten der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei Aktivitäten
d
okumentiert, welche sich mit den vom Beschwerdeführer für die gleiche Zeit geltend gemachten und von den behandelnden Ärzten berücksichtigten gravierenden psychischen Einschränkungen nicht vereinbaren liessen (
Urk.
8/312/68-69).
Gleichzeitig werde von den Behandlern festgehalten, dass seit längerer Zeit keine psychia
trische Behandlung mehr erfolgt
sei. Zudem lägen die Einschätzungen der verschiedenen Ärzte teils sehr weit auseinander (
Urk.
8/312/69).
So hätten bereits die Psychiater des Sanatoriums
C._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 2
9.
März bis 2
9.
April 2010 stationär aufgehalten habe, die von den vorbehandelnden Ärzten übernommene Diagnose einer Agoraphobie mit Panikstörung sowie eines posttraumatischen Belastungs
syndroms aufgrund ihrer eigenen Beobachtungen nicht verifizieren können und
im Austrittsbericht vom
7.
Mai 2010 (vgl.
Urk.
8/231/8-10)
eine akute psych
ische Erkrankung ausgeschlossen (
Urk.
8/312/66
; vgl. auch
Urk.
8/312/25
).
Dr.
B._
, der kurze Zeit später in seiner E
xpertise vom
5.
Juli
2010 (
Urk.
8/77
)
erneut eine
Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert habe, habe der Austrittsbericht des Sanatoriums
C._
offenbar noch nicht vorgelegen (vgl.
Urk.
8/77/
2-3
); dies stelle die Aussagekraft seines Gutachtens in Frage (
Urk.
8/312/67).
Auch in der
aktuellen Untersuchung hätten sich viele Hinweise für Diskrepanzen und Wider
sprüche ergeben. Der Beschwerdeführer habe auf viele Fragen mit «weiss nicht» geantwortet. Teilweise habe er das
Vorliegen von S
ymptomen bejaht, die er vo
r
her nicht erwähnt habe, oder die sogar im Widerspruch zum vorher Beschriebenen gestanden hätten. Beispielsweise habe er
einen
ausgeprägten sozialen Rückzug
bejaht, andererseits aber über regelmässige Spaziergänge berichtet und darüber, dass er vielleicht einmal pro Tag in den Denner gehen würde. T
eils
habe er ein
deutig falsche Angaben gemacht, etwa, dass er nie einen Fahrausweis gehabt habe und nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei. Es sei überhaupt nicht plausibel, dass er dies einfach vergessen habe. Auch habe er über eine regel
mässige psychiatrische
Behandlung im
psychiatrischen Ambulatorium H._
berichtet, obwohl den Akten ent
nommen werden könne, dass über Jahre keine ambulante Behandlung im
psychiatrischen Ambulatorium H._
stattgefunden habe (
Urk.
8/312/69-70; vgl. auch
Urk.
8/312/
58-
59
).
Dr.
D._
erhob ausser einer höchstens diskret zum depressiven Pol hin verschobenen Grundstimmung, einer eingeschränkten affektiven Modulationsfähigkeit und
einer Gedächtnisstörung keine auffälligen Befunde. Er beobachtete, dass
die Beschwerdeschilderung insgesamt vage blieb (
Urk.
8/312/61-63). Das im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung vom
7.
Juli 2020 vermittelte kognitive Leistungsprofil besitzt laut
lic.
phil.
E._
aufgrund des auffälligen Leistungs
verhaltens des Beschwerdeführers und der durchwegs auffälligen Symptom
validierung keine Aussagekraft. Trotz der Angabe des Beschwerdeführers, drei Jahre in seinem Heimatland das Gymnasium besucht zu haben und damals ein eher guter Schüler gewesen zu sein, habe die Intelligenztestung einen IQ von weniger als 40 ergeben.
Seine berufliche und schulische Laufbahn sei mit einem
solchen
IQ nicht vereinbar.
Wegen der nicht authentischen neuropsychologischen Symptomproduktion könne weder
zum Schweregrad einer allfälligen neuro
psychologischen Störung noch zur Arbeitsfähigkeit oder beruflichen Funktionalität Stellung genommen werden (
Urk.
8/312/70-71,
Urk.
8/312/88-90).
Abschliessend gelangte
Dr.
D._
zur Schlussfolgerung, dass sich keine ein
deutigen Hinweise für das Vorliegen eines psychischen Leidens von Krankheits
wert fänden.
Aktuell bestünden auch keine Hinweise für das Vorliegen eines Suchtleidens. Im Urin und Blut des Beschwerdeführers hätten weder Drogen noch Medikamente nachgewiesen werden können. Möglicherweise habe früher vorübergehend eine Abhängigkeit von Kokain bestanden; dies lasse sich aber nicht sicher nachweisen, da der Beschwerdeführer auch diesbezüglich ver
schiedentlich widersprüchliche Angaben gemacht habe
(
Urk.
8/312/71)
.
Deshalb seien auch keine sicheren Angaben zur Persönlichkeit möglich (
Urk.
8/312/73).
Bei diesem Ergebnis stellte
Dr.
D._
keine
psychiatrische
Diagnose (
Urk.
8/312/71
,
Urk.
8/312/76
). Ferner ging er davon aus, dass
der
B
eschwerde
führer sowohl in der angestammten als auch in einer anderen Tätigkeit unein
geschränkt
arbeitsfähig
sei
, und machte keine Angaben zu therapeutischen Optionen
(
Urk.
8/312/74-75). Anhand
der medizinischen
Vorakten
lasse sich aus psychiatrischer Sicht eindeutig eine Veränderung des Gesundheitszustandes fest
stellen. Wegen der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der aktuellen Abklärung sei ein genauer Vergleich auf Ebene der Befunde aber nicht möglich. Auch könne der genaue Zeitpunkt der Veränderung nicht angegeben werden (
Urk.
8/312/76
). Die zuvor beschriebenen Einschränkungen hätten aber sicher ab Beginn der Strafverfolgung
nicht mehr bestanden, weil ab diesem Zeit
punkt – etwa im Rapport der Kantonspolizei vom
1.
Juni 2016 – Aktivitäten dokumentiert seien, die mit den früher beschriebenen Beeinträchtigungen nicht möglich gewesen wären (
Urk.
8/312/79).
4.
4.1
Das psychiatrisch-neuropsychologische
Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 ist
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
für die streitigen Belange umfassend,
beruht
auf allseitigen Untersuchungen,
berück
sichtigt
auch die geklagten Beschwerden,
ist
in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält
begründete
Schlussfolgerungen der Experten
. Ihm kommt deshalb grund
sätzlich Beweiswert zu
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4.2
4.2.1
In
der Expertise
wird plausibel dargelegt, dass
aktuell keine genügenden Hinweise für das Vorliegen eines psychischen Leidens von Krankheitswert bestehen. A
n
lässlich der
gutachterlichen Untersuchung vom 1
8.
Mai 2020
konnte
Dr.
D._
keine
Befunde
erheben
, die das Bestehen einer erheblichen psychischen Krank
heitssy
mptomatik nahelegen würden
(
Urk.
8/312/61-63)
.
D
ie
bezüglich Drogen und Medikamenten durchwegs negativen Laborresultate
(
Urk.
8/312/63-64
,
Urk.
8/312/78)
– im Gegensatz etwa zu den Resultaten der Haaranalyse
gemäss Bericht
vom 2
6.
April 2019
(
Urk.
8/294/3-6
)
– und der
Umstand, dass
der Beschwerdeführer
die behandelnde Psychotherapeutin
nach eigenen Angaben
(wegen Corona) seit ein bis zwei Monaten nicht mehr gesehen hatte (
Urk.
8/312/59-60)
und seit längerer Zeit keine regelmässige Psychotherapie ab
solvierte (vgl.
Urk.
8/296/3,
Urk.
8/312/45,
Urk.
8/312/47-48)
, spre
chen
gegen einen erheblichen psychischen Leidensdruck
.
Hingegen
ergaben sich
zahlreiche Hinweise dafür, dass
die Angaben des Beschwerdeführers über Symptome und Beeinträchtigungen unzuverlässig
oder gar offensichtlich falsch waren
, nicht zu
letzt hinsichtlich der geltend gemachten Agoraphobie mit Panikstörung
(
Urk.
8/312/65-71)
. Dass vor diesem Hintergrund
keine psychiatrische Diagnose gestellt werden konnte
(
Urk.
8/312/71)
, leuchtet ein.
Da die vom Beschwerde
führer geklagten Beeinträchtigungen laut der Expertise zumindest auf einer Aggravation, möglicherweise aber auch auf einer bewussten Vortäuschung von Symptomen beruhen
(
Urk.
8/312/73)
, liegt kein versicherter Gesundheitsschaden vor
. Deshalb kann auf die von
Dr.
D._
attestierte vollständige Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten abgestellt werden
(
Urk.
8/312/74-75)
, ohne dass vor
gängig ein
strukturiertes
Beweisverfahren
nach
BGE
141 V 281
durchgeführt wer
den müsste (vgl. vorstehend E.
1.2.2-3
).
4.2.2
In den Akten bestehen Anhaltspunkte für einen regelmässigen Drogenkonsum
-
und zwar auch nach der Untersuchungshaft
(
vom 3
1.
M
ai bis 2
9.
Juni 2016 [
Urk.
8/260/81
]
)
- bis etwa ein Jahr vor der psychiatrisch-neuropsychologischen Begutachtung
. Die verkehrsmedizinische Gutachterin
Dr.
M._
gelangte am 1
6.
August 2019 zum Ergebnis, der Beschwerdeführer habe mindestens in den letzten vier bis acht Monaten vor der Entnahme der Haarprobe am 2
3.
Juli 2019 in schwachem bis mittelstarkem Ausmass Kokain
konsumiert
(
Urk.
8/296/6
).
Während der Einvernahme vom 2
8.
März 2017 – konfrontiert mit dem dringenden Verdacht auf Betäubungsmittelhandel – machte der Beschwerde
führer geltend, er habe das bei ihm aufgefundene Kokain selbst konsumiert (
Urk.
8/260/44-45); dem psychiatrischen Gutachter
Dr.
D._
gab
er einen mindestens wöchentlichen Kokainkonsum bis etwa ein Jahr vor der Begutachtung
an
(
Urk.
8/312/55).
Bei d
er verkehrsmedizinischen Gutachterin, die seine Fahr
tauglichkeit prüfte,
sprach
er demgegenüber
von
eine
r
deutlich geringere
n
Konsumhäufigkeit zwischen zwei Mal pro Monat und einmal alle drei Monate (
Urk.
8/296/4
). Anhand
dieser widersprüchlichen Angaben kann das Ausmass des Kokainkonsums nicht näher bestimmt werden.
Bedeutsam ist, dass der Beschwerdeführer
anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
1.
Juni 2016
aussagte
, er konsumiere Kokain, wenn er dafür genügend Geld habe (
Urk.
8/260/21)
.
Dr.
D._
gab er an
– was später durch die Laboruntersuchung verifiziert wurde (
Urk.
8/312/64,
Urk.
8/312/71) –, dass er den
Ko
kainkonsum
auf Wunsch der Frau vor einem Jahr
eingestellt habe
(
Urk.
8/312/55)
.
Dies deutet
jedenfalls darauf hin, dass er den Drogenkonsum relativ problemlos einstellen konnte, wenn die Umstände dies erforderten.
Zudem
spricht der
Ums
tand, dass
er trotz wiederholter Aufforderung durch die IV-Stelle
ab Juli 2018 (
Urk.
8/268,
Urk.
8/270,
Urk.
8/276,
Urk.
8/283-284) k
einen
ärztlich
überwachten Drogen
entzug begonnen hat (vgl. auch
Urk.
8/312/47-48
),
jedenfalls
nicht für einen erheblichen Leidensdruck.
Damit lässt sich
zumindest für die Zeit ab Beginn des Ermittlungsverfahrens am 3
1.
Mai 2016
ein
e
invalidenv
ersicherungsrechtlich
relevante
, die Arbeitsfähi
gkeit wesentlich einschränkende
Drogen
sucht
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, wie
Dr.
D._
in seinem Gut
achten zu Recht festgehalten hat (
Urk.
8/312/71).
4.2.3
Z
ur Frage, ob seit der letzten rechtskräftigen Beurteilung des Rentenanspruchs mit den
Verfügungen vom 2
1.
November 2012 sowie 1
4.
Dezember 2012 ab
1.
April 2012 (
Urk.
8/149,
Urk.
8/164,
Urk.
8/176)
eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, nimmt das Gutachten klar Stellung.
Dr.
D._
ging von einer eindeutigen gesundheitlichen Verbesserung aus (
Urk.
8/312/76) und begründete dies damit, dass ab Beginn der Strafverfolgung im Juni 2016 Aktivitäten dokumentiert seien, die mit den früher beschriebenen Beeinträchtigungen nicht möglich gewesen wären (
Urk.
8/312/79). In der Tat
erhob
Dr.
G._
, der in diagnostischer Hinsicht
von
einer
mittleren bis schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
ausging
, am
9.
Juli 2012
einen starken sozialen Rückzug
bei fehlendem sozialem Netz
und
eine
Fahr
un
tauglichkeit
(
Urk.
8140/1-4)
. Den Einvernahmeprotokollen ist dagegen zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer am 3
1.
Mai 2016 Auto fahren konnte und schon seit längerer Zeit kein sozialer Rückzug mehr bestand. Im Gegenteil ent
steht der Eindruck
einer uneingeschränkten sozialen Teilhabe: Am Abend des 3
1.
Mai 2016 wollte der Beschwerdeführer mit einem
Kollegen
in einer Pizzeria essen gehen (
Urk.
8/260/20)
; laut Angaben im verkehrsmedizinischen Gutachten hatte er zuvor in einer Bar mit den anwesenden Frauen Kokain geschnupft (
Urk.
8/296/4)
.
W
ährend der Untersuchungshaft beschwerte er sich
zudem
über fehlenden Ausgang
(
Urk.
8/249)
. Kokain konsumierte er offenbar regelmässig in einem Kreis von Bekannten.
Zudem war
er mittlerweile zum dritten Mal ver
heiratet und zumindest in einem beschränkten Rahmen wirtschaftlich tätig, in
dem er Handys reparierte und im Internet Handel trieb (
Urk.
8/260/44-45,
Urk.
8/260/75,
Urk.
8/312/57-58
).
Auch die weiteren im Bericht von
Dr.
G._
vom
9.
Juli 2012 erwähnten Symptome
des verkehrten Anziehens von
Kleidungs
stücken, um das Böse abzuwenden,
einer
fehlende
n
psychische
n
Belastbarkeit,
einer
st
arke
n
Einschränkung des Konzentrationsvermöge
n
s und der Anpassungs
fähigkeit sowie
eines mittelschwer beeinträchtigten
Auffassungsvermögen
s
(
Urk.
8/140/3-4)
konnten von
Dr.
D._
während der Begutachtung nicht beobachtet werden (
Urk.
8/312/61-62).
Zwischen
dem
Beginn der Strafverfolgung am 3
1.
Mai
2016, als nach dem Gesagten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten war,
und der Fertigstellung des psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
D._
vom 1
3.
Juli 2020 war der Beschwerdeführer höchstens sporadisch in Kontakt mit behandelnden Psychiatern/Psychologen (
Urk.
8/312/45,
Urk.
8/312/47-48)
.
D
em verkehrs
medizinischen Gutachten von
Dr.
M._
vom 1
6.
August 2019 sind
weit
gehend unauffällige psychische Befunde
zu
entnehmen
(
Urk.
8/296/5
)
.
Der Beschwerdeführer gab
Dr.
M._
an, bis auf eine Blütenpollenallergie sei er gesund und stehe in keiner ärztlichen Behandlung (
Urk.
8/296/3).
Zwar
ergibt sich aus
dem definitiven Kurzaustrittsbericht d
er
Psychiatrie L._
vom 2
0.
Juni 2016, dass
er am 1
4.
Juni 2016 stationär hospitalisiert wurde, nachdem er in
der
Unter
suchungshaft einen Selbstmordversuch unternommen beziehungsweise darüber gesprochen hatte.
I
m Bericht
wird
aber auch
festgehalten
, dass er sich in erster Linie über
fehlenden Ausgang und fehlende Gespräche im Gefängnis beklagte. Die Ärzte erhoben im Wesentlichen unauffällige Befunde, und der Beschwerde
führer konnte sich klar von Suizidalität distanzieren. Er wünschte, aus der stationären Hospitalisation baldmöglichst wieder in die Untersuchungshaft ent
lassen zu werden, nachdem er
bemerkt
hatte, dass gewisse Annehmlichkeiten wie ein Fernseher hier fehlten (
Urk.
8/249). Eine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Verschlechterung wird durch diesen Bericht nicht aus
gewiesen.
Vor diesem Hintergrund
fehlen
Hinweise dafür, dass der
vom psychiatrischen Gutachter
Dr.
D._
am 1
8.
Mai 2020 erhobene
Psychostatus
nicht
bereits im
gesamten
Zeitraum
zwischen dem 3
1.
Mai 2016 und der gut
achtlichen Untersuchung
bestand
.
4.3
.
4.3
.1
Der
Beschwerdeführer
wendet gegen das Gutachten ein
, er sei
wegen seiner bescheidenen Deutschkenntnisse anlässlich der Begutachtung nicht in der Lage gewesen, seine Situation korrekt darzustellen (
Urk.
1 S. 2)
.
Grundsätzlich hat der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu entscheiden, ob eine medizinische Abklärung in der
Muttersprache
des Exploranden oder der Explorandin oder ob der Beizug eines Übersetzers im Einzelfall geboten ist. Besonderes Gewicht kommt der bestmöglichen Verständigung zwischen Gutachter und versicherter Person im Rahmen von psychiatrischen Abklärungen zu
, beruht doch eine psychiatrische Untersuchung in ganz besonderem Masse auf der sprachlichen Kommunikation zwischen dem Exploranden und dem Psychiater
(Urteile des Bundesgerichts
9C_362/2020 vom 2
1.
Oktober 2020 E. 3.3.1 und I 643/04 vom 2
2.
März 2005 E. 3.3).
Dr.
D._
hielt im psychiatrischen Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 fest, der Beschwerdeführer sei bemüht gewesen, zu seiner Problematik ausführlich Stellung zu nehmen. Unter dem Titel «4.
2.
Sprachliche Verständigung (Beizug von Dolmetscher, Niveau der Verständigungsmöglichkeit)»
gab
der Sach
verständige
an
, das Gespräch sei auf Deutsch geführt worden (
Urk.
8/312/61). Es kann also davon ausgegangen werden, dass er die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers als ausreichend für die Zwecke der Begutachtung erachtete. Auch der neuropsychologische Gutachter
Dr.
E._
hielt in seinem Teil des Gut
achtens fest, das Sprachverständnis sei in der Regel korrekt
gewesen (
Urk.
8/312/86). Für ausreichende Deutschkenntnisse spricht zudem, dass bereits die psychiatrischen Vorgutachter
Dr.
N._
und
Dr.
B._
auf recht gute
(
Urk.
8/51/7) beziehungsweise gute (
Urk.
8/77/8) Deutschkenntnisse hinwiesen und auf den Beizug eines
Übersetzers
verzichteten. A
uch bei den polizeilichen Einvernahmen
2013 und
2016
wurde
kein Dolmetscher beigezogen (
Urk.
8/260/7)
, wobei der Beschwerdeführer
am 2
4.
u
nd 2
5.
Juli 2013
sowie am
1.
und 2
9.
Juni
2016
auf Anfrage angab, er benötige keine Übersetzung (
Urk.
8/259/13,
Urk.
8/259/18,
Urk.
8/259/21
,
Urk.
8/260/19,
Urk.
8/260/32
)
.
A
ngesichts der seit langem bestehenden Kontakte mit behandelnden und begut
achtenden Psychiatern
ist
nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer nicht bereits viel früher – und nicht erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren – auf seine
angeblichen
Verständigungsprobleme hinwies. Insgesamt bestehen
vor diesem Hintergrund
keine genügenden Anhaltspunkte dafür, dass das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 wegen ungenügender Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers in seiner Beweiskraft herabgesetzt sei.
4.3
.2
Der Beschwerdeführer kritisiert,
die Gutachter hätten nicht zu therapeutischen Optionen Stellung genommen (
Urk.
1 S. 3). Dies trifft zu (
Urk.
8/312/74-75), leuchtet aber auch ohne Weiteres ein, nachdem gemäss dem psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten kein psychisches Leiden mit Krankheitswert eruiert werden konnte (
Urk.
8/312/71).
4.3
.3
Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdeführer
einen Bericht zu Haar
analysen vom 2
2.
April 2021 zu den Akten, der für den untersuchten Zeitraum von etwa Ende Oktober 2020 bis Ende März 2021
einen negativen Befund hin
sichtlich der Einnahme von Drogen dokumentiert (
Urk.
17/1). Daraus – wie auch aus den weiteren Dokumenten vom 2
7.
April und 2
1.
Juli 2021 betreffend Abstinenzkontrollen (
Urk.
17/2-3) – ergeben sich keine neuen Tatsachen, die im psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 nicht
bereits berücksichtigt wurden.
4.3.4
Aus dem ebenfalls eingereichten Urteilsdispositiv des Obergerichts
des Kantons Zürich
vom 2
4.
September 2021 geht hervor, dass der
Beschwerdeführer
im Prozess
betreffend Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen wurde (
Urk.
17/4).
Diese Information hat – wie sich aus der vorstehenden Erwägung 4.2 ergibt - keinen entscheidenden Einfluss auf die hier zu beurteilende Frage nach der Entwicklung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
4.3.5
Dem nachträglich zu den Akten gereichten Bericht von
Dr.
med.
F._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
des
Sanatorium
s
C._
, vom
7.
Oktober 2021 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von dieser Ärztin seit dem 2
0.
August 2021 behandelt wird. Die Zuweisung erfolgte durch den Hausarzt bei Verdacht auf ein mittelgradiges bis schweres depressives Beschwerdebild mit fraglicher Suizidgefahr.
Dr.
F._
diagnostizierte eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, eine Panikstörung und den Verdacht auf eine andauernde
Persönlichkeitsänderung mit selbstunsicher-negativistischen, paranoiden und emotional-instabilen Anteilen (
Urk.
18).
Auch dieser Arztbericht führt zu keinen neuen Erkenntnissen für das vorliegende Ver
fahren: Zunächst ergibt sich daraus höchstens eine Verschlechterung des psychischen Zustands ab etwa Mitte 2021, mithin deutlich nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9.
Februar 2021, welche die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet.
Deshalb ist
eine etwaige
gesundheit
liche Veränderung
ab Mitte 2021
im vorliegenden Verfahren unbeachtlich. So
weit aus dem Bericht von
Dr.
F._
überhaupt Rückschlüsse auf die Verhält
nisse bei Erlass der angefochtenen Verfügun
g getroffen werden können, ist F
olgendes zu beachten:
Dr.
F._
hat ihre Schlüsse zu Gesundheitszustand und Diagnosen hauptsächlich gestützt auf die subjektiven Angaben des Beschwerde
führers getroffen,
ohne dem in den Akten dokumentierten und im
psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten vom 1
3.
Juli 2020
berücksichtigten problematischen Aussageverhalten Rechnung zu tragen
(
Urk.
18)
. Deshalb
bildet
ihr
Bericht
keinen hinreichenden Anlass, um an den gutachterlichen Schluss
folgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu zweifeln.
4.4
Es
ergibt sich, dass
auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten vom 1
3.
Juli 2020 abgestellt werden kann. Gestützt darauf ist ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer
spätestens ab
3
1.
Mai 2016
(beziehungsweise aufgrund der
vom
Beschwerdeführer an diesem Tag und am Folgetag in den polizeilichen Ein
vernahmen geschilderten Aktivitäten wohl schon einige
Zeit vorher
; vgl. vor
stehend E. 3.3.1
)
infolge
einer erheblichen Verbesserung seines
psychischen
Gesundheitszustands
aus psychiatrischer Sicht
wieder uneingeschränkt
a
rbeits
fähig ist.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer rügt, die
IV-Stelle
hätte noch
begutachten lassen
müssen
, ob seine Panikattacken eine körperliche Ursache hätten (
Urk.
1 S. 1)
.
Die IV-Stelle weist in der Beschwerdeantwort zu Recht darauf hin, dass der
Beschwerdeführer in der Vergangenheit wiederholt
in psychiatrischen Kliniken stationär hospitalisiert und dort körperlich untersucht
worden war
, um soma
tische Ursachen
seiner
Beschwerden auszuschliessen (
Urk.
7 S. 2). Sowohl dem
Bericht der Klinik
Z._
über die dortige Hospitalisation vom
4.
bis 3
0.
Mai 2009 als auch
den Austrittsberichten
des Sanatoriums
C._
über
die
Aufenthalt
e
vom 2
9.
März bis 2
9.
April 2010
und vom 1
7.
Mai bis
6.
Juni 2013
ist zu ent
nehmen, dass die umfangreichen somatischen Abklärungen inklusive EKG,
Fahr
radergometrie
und
Laboruntersuchungen keine Hinweise für eine körperliche Ur
sache der beschriebenen Panikattacken ergaben (
Urk.
8/58/7-9,
Urk.
8/58/12-13
,
Urk.
8/231/9
-10
,
Urk.
8/
231/11-13
).
In den
Akten
finden sich auch sonst keine Anhaltspunkte
für eine mögliche körperliche
Ursache der behaupteten Panik
symptome.
Die entsprechende Vermutung des Beschwerdeführers wird durch keine medizinische Stellungnahme gestützt (
Urk.
1 S. 2 f.).
Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf eine zusätzliche somatische Begutachtung verzichtet hat.
5.2
Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, dass sich die bereits bekannten körperlichen Beeinträchtigungen zwischenzeitlich verschlechtert hätten, und es fehlen entsprechende Anhaltspunkte i
n den Akten.
Die
erstmalige
Rentenzusprechung mit Verfügung
en
vom
2
6.
Mai und 2
7.
Juni 2011 (
Urk.
8/102,
Urk.
8/110,
Urk.
8/115
)
basierte in somatischer Hinsicht auf dem Gutachten
von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, vom 2
3.
Februar 2010 (
Urk.
8/81/
6-
7
).
Dr.
A._
diagnosti
zierte ein
lumbospondylogenes
S
yndrom
rechts bei paramedianer rechtsbetonter Diskushernie L4/5 mit möglicher Irritation der Nervenwurzel L5 rechts
(ohne radikuläre Zeichen in der klinischen Untersuchung [
Urk.
8/72/29]). Sie bescheinigte dem Beschwerdeführer
eine qualitative Einschränkung des noch zu
mutbaren Tätigkeitsp
rofils in dem Sinne, dass ihm das längere Verha
rren in
v
orn
übergeneigter
Haltung, unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen und das Heben und Tragen von Lasten über 25 kg nicht mehr zumutbar seien (
Urk.
8/72/31; vgl. auch
Urk.
8/72/30)
. Dem vom letzten Arbeitgeber ausgefüllten Fragebogen vom
1
5.
September 2008
ist zu entnehmen, dass der Beschwerde
führer in seiner letzten Tätigkeit zwar
selten
mittelschwere bis schwere Gewichte
über 25 kg
Heben oder Tragen musste, da
ss er dabei aber auf einen Kran
und einen Stapler zurückgreifen konnte (
Urk.
8/19/7).
Dies scheint
Dr.
A._
ent
gangen zu sein, die davon ausging, der Beschwerdeführer könne in der an
gestammten Tätigkeit die selten vorkommenden Anforderungen beim Heben und Tragen von Lasten über 25 kg nicht mehr erfüllen und sei deshalb nur in einer
leidensangepassten
mittelschweren Tätigkeit mit dem Heben und Tragen von Lasten bis 25 kg zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
8/72/31).
Es kann deshalb – wie dies die IV-Stelle bei Erlass ihrer ursprünglichen Verfügungen vom
2
6.
Mai und 2
7.
Juni 2011 (
Urk.
8/102,
Urk.
8/110,
Urk.
8/115
) ebenfalls getan hat (vgl.
Urk.
8/80,
Urk.
8/81/5-6) – davon ausgegangen werden, dass dem
Beschwerde
führer
die letzte Tätigkeit als Verpacker/Mitarbeiter Kistenproduktion (
Urk.
8/19/2) aus rein somatischer Sicht uneingeschränkt zumutbar ist, und zwar unverändert seit
der erstmaligen Rentenzusprechung mit
den
Verfügungen vom
2
6.
Mai und 2
7.
Juni 2011 (
Urk.
8/102,
Urk.
8/110,
Urk.
8/115
).
6.
N
ach dem Gesagten
ist
sowohl aus psychiatrischer als auch aus medizinisch-somatischer Sicht
ab Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands spätestens am 3
1.
Mai 2016
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in
der angestammten
Tätigkeit und in anderen leidensangepassten Tätigkeiten
auszu
gehen.
Damit
liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden mehr
vor; dies ent
spricht
einem Invaliditätsgrad von Null.
7
.
7
.1
Die IV-Stelle hat die Rente nicht wie üblich auf den e
rsten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung
vom
9.
Februar 2021
folgenden Monats
(
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV) aufgehoben, sondern gestützt auf
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV unter Bejahung einer Meldepflichtverletzung
rückwirkend
ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung am
1.
Juni 2016 (
Urk.
2; vgl. vorstehend E. 1.4.3).
7.2
Die in
Art.
77 IVV statuierte Meldepflicht verlangt, dass die berechtigte Person jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder der Erwerbsfähigkeit
,
unverzüglich der IV-Stelle anzeigt (vgl. auch
Art.
31
Abs.
1
ATSG).
Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung ist ein schuldhaftes Fehlverhalten erforderlich, wobei nach ständiger Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt
(
BGE 118 V 214 E. 2a
; Urteil des Bundesgerichts 9C_338/2015 vom 1
2.
November 2015 E. 2
).
7.3
Der Beschwerdeführer
wurde anlässlich der letzten Rentenanpassung mit den Verfügungen vom 2
1.
November 2012 vom 1
4.
Dezember 2012 (Erhöhung der halben auf eine ganze Rente ab
1.
April 2012;
Urk.
8/149,
Urk.
8/164,
Urk.
8/176) auf seine Meldepflicht bei jeder Veränderung des Gesundheitszustandes hinge
wiesen (
Urk.
8/149/2).
Der Rentenerhöhung
mit den Verfügungen vom 2
1.
November 2012 sowie 1
4.
Dezember 2012 (
Urk.
8/149,
Urk.
8/164,
Urk.
8/176)
lag der Bericht von
Dr.
G._
vom
9.
Juli 2012 zugrunde, wonach der
Beschwerdeführer damals unter deutlichen Symptomen einer Depression litt, stark zurückgezogen ohne soziales Netz lebte, Kleidungsstücke falsch anzog, um das Böse abzuwenden, und nicht mehr fahrtauglich war (
Urk.
8/140/1-4). Noch auf dem Rentenrevisions
formular vom 1
8.
Dezember 2013 gab der Beschwerdeführer an, unter einer post
traumatischen
Belastungsstörung zu leiden und sich die Wiederaufnahme einer Arbeit überhaupt nicht vorstellen zu können (
Urk.
8/205).
Wie sich vorstehend ergeben hat, konnte der B
eschwerdeführer am 3
1.
Mai 2016 wieder Auto fahren, es bestand offenbar seit längerer Zeit kein sozialer Rückzug mehr
; zudem
war
er
zumindest in
beschränktem
Rahmen wirtschaftlich tätig, in
dem er Handys reparierte und im Internet Handel trieb
(vgl. vorstehend E. 4.2.3)
. Es musste ihm bewusst sein, dass diese
Aktivitäten mit den
von
Dr.
G._
angegebenen
Einschränkungen unvereinbar
waren
und
sein verbesserter psychischer
G
esundheitszustand
den Anspruch auf seine ganze Rente beein
flussen
konnte
(vgl. die Urteile des Bundesgerichts 9C_722/2019
vom 2
3.
Juli 2020
E. 5.2 und 9C_338/2015 vom 1
2.
November 2015 E. 4.2)
.
Dass
er
dies
e Änderung
der IV-Stelle nicht unverzüglich gemeldet hat
,
stellt
deshalb
eine mindestens leichtgradig fahrlässige Verletzung der
Meldepflicht
dar
. Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle die laufende Rente
gestützt auf
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV
rückwirkend per
1.
Mai 2016
aufgehoben
hat
(
Urk.
2 S. 1)
. Dies führ
t zur Abweisung der Beschwerde.
8.
Ausgangsgemäss gehen die
Verfahren
skosten von
Fr.
700.
--
zulasten des unter
liegenden Beschwerdeführers (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).