Decision ID: c876d90c-46c7-5779-9446-0c701a269b5b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 30. Juni 2020 in der Schweiz um Asyl
(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1). Den Einträgen in der "Eurodac"-Da-
tenbank zufolge hatte er zuvor am 21. Juli 2015 in Österreich und am
24. September 2018 in Frankreich um Asyl nachgesucht (SEM-act. 7).
B.
Am 7. Juli 2020 führte die Vorinstanz eine Erstbefragung nach den Vorga-
ben für unbegleitete Minderjährige durch. Zu seiner Identität befragt be-
hauptete der Beschwerdeführer, er sei am (...) 2004 geboren. Gegen eine
allfällige Überstellung nach Frankreich wendete er ein, er habe dort bereits
einen negativen Entscheid erhalten; es drohe ihm deshalb die Abschie-
bung nach Afghanistan, wo sein Leben in Gefahr sei. Zum medizinischen
Sachverhalt befragt führte er aus, an einem Ausschlag am Rücken zu lei-
den; dies, weil er in Frankreich oft auf der Strasse habe übernachten müs-
sen (SEM-act. 12).
C.
Am 15. Juli 2020 teilte die Rechtsvertretung der Vorinstanz mit, der Be-
schwerdeführer habe am 5. November 2020 einen Termin bei der afghani-
schen Botschaft in Genf zwecks Ausstellung eines Identitätspapiers (SEM-
act. 16).
D.
In einer weiteren Einvernahme vom 18. August 2020 eröffnete die Vor-
instanz dem Beschwerdeführer ihre Absicht, sein Geburtsdatum im ZEMIS
auf den (...) 2002 festzulegen und informierte ihn über die Folgen einer
solchen Mutation (Behandlung als erwachsene Person im weiteren Verfah-
rensverlauf). Der Beschwerdeführer bestritt die Richtigkeit dieser Annahme
und stellte Belege in Aussicht (SEM-act. 25 und 27).
E.
Am 18. August 2020 ersuchte die Vorinstanz sowohl die österreichischen
wie auch die französischen Behörden in Anwendung von Art. 18 Abs. 1
Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO) um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (SEM-act. 28
und 31).
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F.
Die österreichischen Behörden lehnten die Rückübernahme des Be-
schwerdeführers am 19. August 2020 ab. Sie teilten mit, Österreich habe
am 19. Oktober 2018 bereits ein Wiederaufnahmeersuchen Frankreichs
abgelehnt. Die französischen Behörden hätten den Asylantrag des Be-
schwerdeführers geprüft, weshalb Frankreich zuständig sei. Der Be-
schwerdeführer habe in Österreich am 20. Juli 2015 um Asyl ersucht und
sich dabei als (...), geboren am (...) 2000, ausgegeben. Er sei damals als
unbegleiteter Minderjähriger registriert worden. Eine Altersabklärung habe
nicht stattgefunden, zumal die Minderjährigkeit glaubhaft gewesen sei
(SEM-act. 35).
G.
Die französischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers in Anwendung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO am
20. August 2020 zu (SEM-act. 38).
H.
Am 2. September 2020 nahm der Beschwerdeführer die von der Vorinstanz
anerbotene Gelegenheit wahr, sich abschliessend nochmals schriftlich zur
Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur ge-
planten Wegweisung nach Frankreich, zur Mutation seines Geburtsdatums
auf den (...) 2002, zu seiner Identität sowie zu seinem Gesundheitszu-
stand zu äussern. In seiner schriftlichen Stellungnahme vom 2. September
2020 liess er durch seine Rechtsvertretung daran festhalten, dass das in
Frankreich registrierte Geburtsdatum ([...] 2002) falsch sei. Ebenfalls un-
zutreffend seien die von den österreichischen Behörden erfassten Geburts-
jahre (2000 bzw. 2002). Von einer Überstellung nach Frankreich sei bis
zum Botschaftstermin Anfang November 2020 abzusehen. Zudem werde
beantragt, eine medizinische Altersabklärung durchzuführen. Zu allfälligen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen äusserte sich der Beschwerdeführer
in seiner Stellungnahme nicht (SEM-act. 41 und 43).
I.
Mit Verfügung vom 10. September 2020 – eröffnet am 15. September 2020
– trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung nach
Frankreich an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vor-
instanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende
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aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Thurgau mit dem
Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 48).
J.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid liess der Beschwerdeführer durch
seinen bisherigen Rechtsvertreter am 22. September 2020 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Er beantragte, die Verfügung
vom 10. September 2020 sei vollständig aufzuheben und die Vorinstanz
anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein ma-
terielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer
die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der unentgeltlichen
Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Zudem seien die Vollzugsbehörden im Sinne einer superprovisori-
schen vorsorglichen Massnahme unverzüglich anzuweisen, von seiner
Überstellung nach Frankreich abzusehen, bis das Bundesverwaltungsge-
richt über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe (Ak-
ten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
K.
Am 23. September 2020 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten
in elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter
den Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(BVGer-act. 2).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG). Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist endgültig
(Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asyl-
antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des
Kapitels III der Dublin-III-VO als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO).
3.2.
3.2.1. Frankreich ist zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers grund-
sätzlich zuständig (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO; Art. 23 Dublin-III-
VO). In Bezug auf die Zuständigkeitskriterien des Kapitels III der Dublin-III-
VO und insbesondere Art. 8 Dublin-III-VO moniert der Beschwerdeführer
einzig, die Vorinstanz hätte den für den 5. November 2020 vereinbarten
Termin bei der afghanischen Botschaft abwarten müssen. Diese Vorspra-
che hätte einen wertvollen Beweis geliefert, der für seine "mögliche" Min-
derjährigkeit sprechen "könnte". Das von den österreichischen Behörden
gesetzte Geburtsdatum gebe mangels behördlicher Abklärungen keine
Auskunft über sein Alter. Es sei nicht zulässig, sein Alter vordergründig an-
hand seines Aussehens festzulegen.
3.2.2. Sowohl in Frankreich als auch in Österreich wurde der Beschwerde-
führer mit dem (...) 2000 als Geburtsdatum registriert. Zu keinem Zeitpunkt
machte der vertretene Beschwerdeführer vor Übermittlung der entspre-
chenden Informationen aus Österreich und Frankreich im Wiederaufnah-
meverfahren in der Schweiz geltend, sein Geburtsdatum sei in diesen Län-
dern falsch oder entgegen seinen damaligen Angaben registriert worden.
Vielmehr sagte er anlässlich der Erstbefragung am 7. Juli 2020 aus, das
europäische Datum seines Alter erst seit dem Asylverfahren in Österreich
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zu kennen. Die österreichischen Behörden hätten mit seiner Mutter gespro-
chen, welche am Telefon sein Alter bestätigt habe. In Österreich habe es
betreffend seiner Identität keine Unklarheiten gegeben. Zudem beantragte
der Beschwerdeführer an seiner Anhörung am 18. August 2020 als Beweis
für sein Alter den Beizug der Asylakten aus Österreich. Nachdem diese nun
vorliegen, kann bei dieser Ausgangslage aufgrund der Altersregistrierun-
gen in Österreich und Frankreich somit ohne Weiteres von der Volljährig-
keit des Beschwerdeführers ausgegangen werden. Die Rüge der unvoll-
ständigen Sachverhaltsabklärung ist unbehelflich, zumal vom Botschafts-
termin keine Hinweise zu erwarten sind, die dennoch auf eine Minderjäh-
rigkeit schliessen lassen.
3.2.3. Somit erweist sich der Sachverhalt bezüglich des Alters des Be-
schwerdeführers als hinreichend abgeklärt und die grundsätzliche Zustän-
digkeit Frankreichs ist insofern nicht in Frage zu stellen.
4.
4.1. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist weiter zu prüfen, ob es
wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Frankreich würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (2012/C 326/02; nachfolgend: EU-Grund-
rechtecharta) mit sich bringen würden.
4.2. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers weist das französi-
sche Asylverfahren derzeit keine systemischen Schwachstellen auf. Das
Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung nach wie
vor davon aus, dass Asylsuchende in Frankreich die von der Richtlinie des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) garantierten Grund-
leistungen erhalten und eine unmenschliche und erniedrigende Unterbrin-
gungs- und Betreuungssituation im Sinne von Art. 3 EMRK nicht zu be-
fürchten ist (vgl. Urteile des BVGer F-3733/2020 vom 31. Juli 2020 E. 6.3,
mit Hinweis auf Urteil des EGMR N.H. und Andere gegen Frankreich vom
2. Juli 2020, Beschwerde n° 28820/13 u.a., §§ 155–209; F-3594/2020 vom
21. Juli 2020; F-3255/2020 vom 2. Juli 2020 E. 7.3; F-2511/2020 vom
20. Mai 2020 E. 5.2; F-1929/2020 vom 16. April 2020 E. 7.3). Die pau-
schale Behauptung des Beschwerdeführers, wonach er in Frankreich auf
der Strasse gelebt habe, Opfer von Gewalt- und Raubdelikten geworden
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sei und zur Bewältigung seiner psychischen Probleme Drogen habe ein-
nehmen müssen, genügt für sich alleine nicht, um die grundsätzliche Ver-
mutung umzustossen, wonach Frankreich seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nachkommt, (BVGE 2012/27 E. 6.4; Urteil des BVGer
F-4121/2020 vom 25. August 2020 E. 5.1).
4.3. Zwar mag die derzeitige COVID-19-Pandemie auch das französische
Asylsystem vor zusätzliche Herausforderungen zu stellen. Selbst aus den
vom Beschwerdeführer angeführten Websites (vgl. < https://www.of-
pra.gouv.fr/fr/l-ofpra/actualites/mesures-liees-au-covid-19 >, abgerufen am
28.09.2020; < https://www.infomigrants.net/en/post/23531/asylum-in-
france-exceptional-administrative-procedures-due-to-coronavirus >, abge-
rufen am 28.09.2020) geht jedoch nicht hervor, dass Frankreich die Auf-
nahme von asylsuchenden Personen, respektive von Dublin-Rückkehrern,
gestoppt oder zum Nachteil solcher Personen grundlegende Prozesse im
Asylverfahren eingestellt hätte. Eine auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ge-
stützte Zuständigkeit der Schweiz ist deshalb auch vor diesem Hintergrund
nicht anzunehmen.
5.
Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanz aufgrund systemischer Mängel des fran-
zösischen Asylsystems oder in Anwendung der Souveränitätsklausel von
ihrem Selbsteintrittsrecht hätte Gebrauch machen müssen.
5.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Er-
weist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in einen Dublin-
Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer anderen die
Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die Vorinstanz
die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz
behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2).
5.2. Dem Beschwerdeführer steht es bei einer allfälligen vorübergehenden
Einschränkung des Unterbringungs- und Betreuungsangebots offen, sich
an die zuständigen französischen Behörden zu wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern
(Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Entgegen seiner Behauptung sind vorliegend
https://www.ofpra.gouv.fr/fr/l-ofpra/actualites/mesures-liees-au-covid-19 https://www.ofpra.gouv.fr/fr/l-ofpra/actualites/mesures-liees-au-covid-19 https://www.infomigrants.net/en/post/23531/asylum-in-france-exceptional-administrative-procedures-due-to-coronavirus https://www.infomigrants.net/en/post/23531/asylum-in-france-exceptional-administrative-procedures-due-to-coronavirus
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keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass er im Falle einer
Wegweisung nach Frankreich wegen der dortigen Aufenthaltsbedingungen
in eine existenzielle Notlage geraten würde. Er hat die Möglichkeit, bei all-
fälligen Schwierigkeiten die dafür zuständigen Behörden beziehungsweise
die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Der Be-
schwerdeführer kann in Frankreich im Übrigen behördlichen Schutz bean-
spruchen, sollte er etwaigen Behelligungen durch Drittpersonen ausge-
setzt sein (vgl. Urteil F-2511/2020 E. 6.1).
5.3. Es deutet ausserdem nichts darauf hin, dass Frankreich den Grund-
satz des Non-Refoulement missachten und ihn zwingen könnte, in ein Land
auszureisen, in welchem er einer Gefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG
ausgesetzt wäre, oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein
solches Land gezwungen zu werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass
Frankreich der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zugestimmt hat. Demzufolge ist von ei-
nem nach wie vor pendenten Asylverfahren in diesem Dublin-Mitgliedstaat
auszugehen. Auch ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die
Wegweisung ins Heimatland würden jedoch nicht per se eine Verletzung
des Non-Refoulement-Prinzips darstellen. Frankreich bleibt auch im Falle
eines negativen Asylentscheids für die Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers aus dem Dublin-Raum zuständig (BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3).
5.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Überstellung nach Frank-
reich setze ihn einer Gefahr für die Gesundheit aus und verletze Art. 3
EMRK.
5.4.1. Ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK kann vorliegen, wenn eine schwer
kranke Person durch die Abschiebung mit einem realen Risiko konfrontiert
würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung
ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei-
den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde
(Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
5.4.2. Im Verlaufe seines Asylverfahrens in der Schweiz begab sich der
Beschwerdeführer mehrere Male in ärztliche Behandlung. Entsprechenden
Berichten vom 30. Juli 2020 und vom 6. August 2020 zufolge wurde bei
ihm eine posttraumatische Belastungsstörung, eine "Depressio" sowie
ausgeprägte Akne diagnostiziert. Festgehalten wurde dabei unter ande-
rem, dass der Beschwerdeführer davon spreche, «zu seiner Familie in die
andere Welt zu gehen» (SEM-act. 19 und 21). Fachärztlich liess sich der
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Beschwerdeführer am 2. August 2020 sowie am 6. September 2020 von
einem Dermatologen behandeln (SEM-act. 44 und 52). Die behandelnde
Ärztin der Stiftung (...) schrieb am 8. September 2020 zuhanden der Vo-
rinstanz, dass im Rahmen einer depressiven Verstimmung und von Schlaf-
störungen beim Beschwerdeführer mit einer medikamentösen Behandlung
(Seroquel) zur Stimmungsstabilisierung und zur Schlafunterstützung be-
gonnen worden sei (SEM-act. 46).
5.4.3. Nicht zu bestreiten ist, dass der Beschwerdeführer an verschieden-
artigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen – insbesondere auch psychi-
scher Natur – leidet. Selbst Letztere ist jedoch nicht derart schwer, dass
von einer Überstellung nach Frankreich abgesehen werden müsste (vgl.
auch Urteile F-4121/2020 E. 5.3; F-3594/2020). Noch im Rahmen des ihm
von der Vorinstanz abschliessend gewährten rechtlichen Gehörs zu sei-
nem Gesundheitszustand hatte der Beschwerdeführer am 2. September
2020 keinerlei gesundheitliche Beschwerden geltend gemacht. Weshalb
sich die Situation in der Zwischenzeit wesentlich verändert haben soll, wird
in der Beschwerde vom 22. September 2020 nicht überzeugend und nach-
vollziehbar dargetan (vgl. dazu auch Art. 26a Abs. 1 AsylG). Von weiteren
medizinischen Abklärungen wären daher keine neuen Erkenntnisse in Be-
zug auf das Vorliegen einer schwerwiegenden Erkrankung zu erwarten
(vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3). Eine fachärztliche, psychiatri-
sche Abklärung des Beschwerdeführers ist vorliegend weder notwendig,
noch besteht ein Anspruch auf eine solche. Der Sachverhalt erweist sich
mit Blick auf eine mögliche Verletzung von Art. 3 EMRK somit als hinrei-
chend abgeklärt.
5.4.4. Frankreich verfügt zweifellos über eine ausreichende medizinische
Infrastruktur (statt vieler: Urteil F-3733/2020 E. 7.1.2; Urteil des BVGer
F-2143/2020 vom 6. Mai 2020 E. 8.2.4). Sollte sich der über die Notfallver-
sorgung hinausgehende Zugang zum Gesundheitssystem verzögern,
könnten dem Beschwerdeführer allfällig erforderliche Medikamente auf
Vorrat abgegeben werden. Die schweizerischen Behörden, die mit dem
Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, werden den medizi-
nischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung Rechnung tragen und die französischen Behörden vorgängig
in geeigneter Weise über die spezifischen gesundheitlichen Beeinträchti-
gungen und Bedürfnisse informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).
5.5. Nach dem Gesagten steht Art. 3 EMRK einer Überstellung des Be-
schwerdeführers nach Frankreich nicht entgegen. Im Übrigen kommt der
Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zu
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(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Der Sachverhalt erweist sich vorliegend – wie
bereits erwähnt – als hinreichend abgeklärt. Von einer Rückweisung der
Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung ist abzusehen. Den Akten
sind keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung
(Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen. Es be-
steht daher kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklauseln von
Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1. Somit bleibt es bei der
Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahrens.
6.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die aktuell herrschende beson-
dere Lage im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie lediglich ein
temporäres Vollzugshindernis bildet. Eine Überstellung im Rahmen der
Dublin-III-VO hat grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten nach An-
nahme des Wiederaufnahmegesuchs, respektive nach Beschwerdeent-
scheid über die Überstellungsanordnung zu erfolgen. Sollte dies nicht mög-
lich sein, wäre in der Schweiz das nationale Verfahren durchzuführen (Ur-
teil des BVGer F-2626/2020 vom 3. Juni 2020 E. 5.2, m.w.H.). Eine allfäl-
lige Wartezeit im Rahmen der sechsmonatigen Frist ist vom Beschwerde-
führer hinzunehmen. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots kann
darin nicht erblickt werden.
7.
Es ergibt sich, dass Frankreich für die Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens des Beschwerdeführers zuständig ist. Zu Recht ist die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG die Über-
stellung nach Frankreich angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die Be-
schwerde ist abzuweisen. Der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden
Wirkung erweist sich mit der Ausfällung des vorliegenden Urteils als ge-
genstandslos.
8.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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