Decision ID: a281652e-56b2-4591-8684-60fe1eda45d2
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
betreffend Entziehung von Minderjährigen
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 9. März 2021 (GG200213)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 15. September 2020
(Urk. 13) sowie die Ergänzung vom 5. April 2022 (Urk. 72) sind diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 44 S. 31 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB
in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachverhaltsteil).
2. Im Übrigen ist der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen der Entziehung von
Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB in Bezug auf den Vorwurf der Entziehung vom
8. Juni 2018 (1. Sachverhaltsteil).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
5. Die Privatklägerin B._ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 5'695.40 (inkl. MWST.) zu bezahlen.
9. Das Begehren des Beschuldigten um Entschädigung seines Verteidigers wird abgewiesen.
10. Die weiteren Anträge der Parteien werden abgewiesen.
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11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 46 S. 2 und Urk. 67 S. 1, teilweise sinngemäss)
1. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils sei der
Beschuldigte vom Vorwurf der Entziehung eines Minderjährigen nach
Art. 220 StGB (vollumfänglich) freizusprechen.
2. Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils seien ersatzlos aufzu-
heben.
3. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 7 seien die Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen.
4. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 8 sei davon abzusehen, den Beschuldig-
ten zu verpflichten, der Privatklägerin ihre Anwaltskosten zu erstatten, even-
tualiter seien jene auf die Staatskasse zu nehmen.
5. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 9 sei der Beschuldigte für seine anwalt-
lichen Aufwendungen im Zusammenhang mit dem erstinstanzlichen Ver-
fahren schadlos zu halten und entsprechend mit rund Fr. 7'500.– zu ent-
schädigen (Schadenersatz), wobei dieser Betrag direkt der Verteidigung zu
überweisen bzw. zuzusprechen sei.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der
Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 54, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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c) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(Urk. 68 S. 1 f., teilweise sinngemäss)
1. Es sei festzustellen, dass Dispositiv-Ziff. 2, 5, 6 sowie 10 und 11 des
vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind.
2. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 1, 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils sei
der Beschuldigte der Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220
StGB in Bezug auf den Vorwurf der Weigerung der Rückgabe (2. Sachver-
haltsteil) schuldig zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe nach
gerichtlichem Ermessen zu verurteilen.
3. In Bestätigung von Dispositiv-Ziff. 7 und 8 des vorinstanzlichen Urteils seien
die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerle-
gen und dieser sei zu verpflichten, der Privatklägerin für das erstinstanzliche
Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 5'695.40 (inkl. MwSt.) zu bezah-
len.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Berufungskläger auf-
zuerlegen und der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Privatklägerin ei-
ne Parteientschädigung in Höhe der am 10. Februar 2022 eingereichten
Honorarnote auszurichten. Für den Fall der Nichterhältlichkeit der Partei-
entschädigung des erst- und oberinstanzlichen Verfahrens sei der Privat-
klägerin das amtliche Honorar gemäss Honorarnoten vom 9. März 2021 und
10. Februar 2022 von der Staatskasse auszurichten.

Considerations:
Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 44 S. 5).
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1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
9. März 2021 wurde der Beschuldigte gemäss dem eingangs wiedergegebenen
Urteilsdispositiv teilweise schuldig gesprochen und im Übrigen freigesprochen.
Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 10. März 2021 Berufung
anmelden (Urk. 39). Am 29. Juni 2021 ging die Berufungserklärung des Be-
schuldigten ein. Gleichzeitig liess er einen Beweisantrag stellen (Urk. 46). Mit
Präsidialverfügung vom 29. Juni 2021 wurde der Staatsanwaltschaft und der
Privatklägerin je Frist angesetzt, um bezüglich der Berufung des Beschuldigten
Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen. Zusätzlich wurde diesen je Frist angesetzt, um zum
Beweisantrag Stellung zu nehmen (Urk. 49). Die Staatsanwaltschaft verzichtete
mit Eingabe vom 7. Juli 2021 auf Anschlussberufung und beantragte die
Abweisung des Beweisantrages (Urk. 54). Mit Eingabe vom 20. Juli 2021 liess die
Privatklägerin Verzicht auf Anschlussberufung erklären und nahm – ohne einen
entsprechenden Antrag zu formulieren – zum Beweisantrag Stellung (Urk. 55). Mit
Präsidialverfügung vom 11. August 2021 wurde der Beweisantrag abgewiesen
(Urk. 57).
1.3. Die Berufungsverhandlung fand am 17. Februar 2022 statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers sowie die Privatklägerin in Beglei-
tung ihrer Vertreterin erschienen sind (Prot. II S. 5). Über Vorfragen war nicht zu
entscheiden und – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 66)
– auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 5 ff.). Im Anschluss an die Beru-
fungsverhandlung fasste die Kammer den Beschluss, das Verfahren zwecks Er-
gänzung der Anklageschrift an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, wobei das
Berufungsverfahren bis zum Eingang der ergänzten Anklageschrift pendent bleibe
(Urk. 70). Die Parteien erklärten sich in diesem Zusammenhang mit der schrift-
lichen Fortsetzung des Berufungsverfahrens einverstanden. Nach Hinweis, dass
infolge Pensionierung des bisherigen Vorsitzenden eine Änderung in der Ge-
richtsbesetzung erfolgen werde, erklärten die Parteien zudem, auf eine Wiederho-
lung der Berufungsverhandlung zu verzichten (Prot. II S. 15). Die Staatsanwalt-
schaft ergänzte ihre Anklageschrift in der Folge mit Eingabe vom 5. April 2022
(Urk. 72), woraufhin das Berufungsverfahren wieder aufgenommen und dem Be-
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schuldigten Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde (Urk. 73). Der Be-
schuldigte nahm zur Ergänzung der Anklageschrift mit Eingabe vom
25. April 2022 Stellung (Urk. 75). Die Staatsanwaltschaft verzichtet in der Folge
auf eine weitere Vernehmlassung (Urk. 79). Die Privatklägerin liess sich zu den
Ausführungen des Beschuldigten erneut vernehmen (Urk. 80), wobei nach Zustel-
lung dieser Eingabe an die übrigen Verfahrensparteien keine weitere Eingabe
einging. Das Verfahren ist damit spruchreif.
2. Berufungsumfang
Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf die Dispositiv Ziffern 1 (Schuld-
spruch betreffend Entziehung von Unmündigen gemäss 2. Sachverhaltsteil),
3 (Sanktion), 4 (Vollzug der Sanktion), 7 (Kostenauflage), 8 (Prozessentschädi-
gung Privatklägerin) und 9 (Entschädigung Verteidiger) (Urk. 46 S. 2).
Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 2
(Freispruch vom Vorwurf Entziehung von Unmündigen gemäss 1.
Sachverhaltsteil), 5 (Schadenersatzbegehren Privatklägerin),
6 (Kostenfestsetzung) und 10 (übrige Anträge) in Rechtskraft erwachsen, was
vorab mittels Beschlusses festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). Im Übrigen
steht das vorinstanzliche Urteil unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbots
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
3. Internationale und örtliche Zuständigkeit
Der Beschuldigte bestritt im nach der Berufungsverhandlung durchgeführten
Schriftenwechsel die internationale Zuständigkeit der Schweizerischen Gerichte
und damit auch die Anwendbarkeit des Schweizerischen Straf- und
Zivilgesetzbuches (Urk. 75 S. 5). Art. 3 Abs. 1 StGB bestimmt, dass dem
Schweizerische Strafgesetzbuch unterworfen ist, wer in der Schweiz ein
Verbrechen oder Vergehen begeht. Ein Verbrechen oder Vergehen gilt als da
begangen, wo der Täter es ausführt oder pflichtwidrig untätig bleibt, und da, wo
der Erfolg eingetreten ist (Art. 8 Abs. 1 StGB). Bei der im Berufungsverfahren
noch relevanten zweiten Tatbestandsvariante des Art. 220 StGB (Weigerung der
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Rückgabe) gilt jener Ort als Begehungsort, wo die Rechtspflicht der Rückgabe zu
erfüllen wäre (BGE 125 IV 14, E. 2c; OFK-WEDER N 8 zu Art. 220 StGB). Da die
Privatklägerin ihren Wohnsitz in C._ hat und der Beschuldigte – gemäss
Anklageschrift – das Kind dorthin hätte zurückbringen müssen, ist das
Schweizerische Strafgesetzbuch anwendbar. Entsprechend sind die
Schweizerischen und Zürcherischen Gerichte zur Behandlung der vorliegenden
Strafsache zuständig. Nachdem der dem Beschuldigten ursprünglich gemachte
Vorwurf des Entziehens von Minderjährigen gemäss Anklageschrift am bzw. vom
Wohnsitz des Beschuldigten aus begangen worden sein soll, war die Vorinstanz
gestützt auf Art. 34 Abs. 1 StPO im Übrigen für die Beurteilung beider
Tatbestandsvarianten von Art. 220 StGB (Entziehen und Weigerung der
Rückgabe) zuständig.
II. Schuldpunkt
1. Da die Strafbarkeit der Unterlassungen des Beschuldigten im Wesentlichen
von den damaligen zivilrechtlichen Verhältnissen abhängt, ist vorab ein kurzer
Abriss über die zivilrechtlichen Aspekte und Begrifflichkeiten angezeigt.
2. Nach Zivilrecht bestimmt sich, wer Inhaber des Aufenthaltsbestimmungs-
rechts ist (vgl. BGE 128 IV 154, 160; BGE 141 IV 210), welchen Inhalt und welche
Grenzen es hat (vgl. Art. 301a ZGB bei gemeinsamer elterlicher Sorge). Seit
1. Juli 2014 ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht Bestandteil der elterlichen
Sorge (vgl. 301a ZGB) und nicht mehr der elterlichen Obhut (Botschaft BBl 2011
9107; BGE 141 IV 18; BGer 6B_787/2016, E. 4.1). Eine behördliche Zuweisung
des Aufenthaltsbestimmungsrechts (bisher: rechtliche Obhut) an nur einen
Elternteil ist bei gemeinsamer elterlicher Sorge nicht mehr möglich (BSK-ZGB-
SCHWENZER/COTTIER Art. 301a N 4; anders noch BGE 136 III 353 ff.). Üben die
Eltern die elterliche Sorge gemeinsam aus, dann üben sie auch das
Aufenthaltsbestimmungsrecht grundsätzlich gemeinsam aus. Vorbehalten ist der
Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts gegenüber einem Elternteil oder
beiden Elternteilen (Art. 310 ZGB). Sind die Eltern verheiratet, kommt ihnen die
elterliche Sorge grundsätzlich gemeinsam zu (vgl. Art. 296 ff. ZGB). Sie
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überdauert grundsätzlich auch ein Eheschutzverfahren und die Scheidung (vgl.
Art. 298 Abs. 1 ZGB). Mit Aufenthaltsort des Kindes ist derjenige Ort gemeint, wo
das Kind seinen Lebensmittelpunkt oder einen gewöhnlichen Aufenthalt hat,
jedenfalls nicht ein blosser Ferienort (vgl. BSK-ZGB-SCHWENZER/COTTIER,
Art. 301a N 7 m.w.N.). Wo das ZGB nach wie vor von der Obhut spricht, ist
ausschliesslich die faktische Obhut gemeint (Botschaft BBl 2011 9101). Inhaber
der faktischen Obhut ist, wer mit dem Kind in häuslicher Gemeinschaft lebt; das
können auch beide Elternteile sein. Zuweisung der faktischen Obhut an einen
Elternteil ist jedoch möglich (vgl. auch WOHLERS, in: Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Bern 2020, Art. 220 N 2 ff.).
3. Der Beschuldigte ist der Vater und die Privatklägerin die Mutter von D._
(nachfolgend Kind; Urk. 2/2 S. 4). Die Eltern waren zum Tatzeitpunkt gerichtlich
getrennt. Mit Entscheid des Einzelgerichts am Bezirksgericht Zürich vom
8. August 2017 wurde unter anderem entschieden, die elterliche Sorge beiden El-
tern zu belassen und die Obhut der Mutter zuzuteilen (Urk. 2/4 S. 3). Mit Ent-
scheidung der KESB Olten - Gösgen vom 11. April 2018 wurde den Eltern das
Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind entzogen, da es fremdplatziert wur-
de. Nebst dem Aufenthalt wurde auch der persönliche Verkehr mit den Eltern ge-
regelt. Diesen wurde je ein monatliches Wochenendbesuchsrecht gewährt
(Urk. 2/5 S. 5). Mit Verfügung der KESB Olten Gösgen vom 21. Juni 2018 wurde
die Fremdplatzierung des Kindes und der Entzug des Aufenthaltsbestimmungs-
rechts gegenüber den Eltern aufgehoben, weil das Kind nach unbekannt geflüch-
tet war. Neue Anordnungen hinsichtlich der Obhut wurden eben so wenig getrof-
fen wie bezüglich des persönlichen Verkehrs mit den Eltern (Urk. 2/12 S. 3).
Durch die Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungsrecht, welcher
insbesondere aufgrund der Fremdplatzierung in einem Heim angeordnet worden
war, lebte die zuvor geltende Regelung wieder auf. Mit anderen Worten trat damit
die vom Bezirksgericht Zürich im Entscheid vom 8. August 2017 getroffene
Regelung (elterliche Sorge bei beiden Elternteilen; Obhut bei der Kindsmutter)
wieder in Kraft.
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Im Zeitpunkt, als sich das Kind in E._ [Stadt in Deutschland] aufgehalten hat,
war dessen Aufenthaltsort dem Beschuldigten bekannt (Urk. 66 S. 8). Der Be-
schuldigte war dem Kind sogar dabei behilflich, einen neuen Reisepass zu be-
schaffen und sodann nach F._ [Stadt in Spanien] zu reisen, wo er es ein-
schulen liess (Prot. I S. 34 und S. 41 f.). Vor diesem Hintergrund ist ohne Weite-
res davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Kind unter seiner Gewalt hat-
te.
4. Wie die Vorinstanz festgehalten hat, lässt sich nicht erstellen, dass der
Beschuldigte an der Flucht des Kindes nach Deutschland beteiligt war und sprach
ihn dementsprechend von den Vorwürfen des ersten Sachverhaltsteils der Ankla-
ge frei (Urk. 44 S. 12 ff.).
5. Hinsichtlich des in der geänderten Anklage vom 5. April 2022 (Urk. 72)
thematisierten und einzig noch interessierenden Sachverhaltsteils – welcher sich
auf die Zeit, nachdem sich das Kind nach E._ begeben hatte, bezieht – ist
ohne weiteres erstellt, dass der Beschuldigte das Kind im anklagerelevanten
Zeitraum vom 8. Juni 2018 bis zum 3. Oktober 2018 nicht zur Privatklägerin
verbrachte. Ebenso erstellen lässt sich der Vorwurf, dass der Beschuldigte den
Aufenthaltsort des Kindes nicht mitgeteilt hat.
5.1. Mit Schreiben vom 20. Juni 2018 hat die Vertreterin des Beschuldigten der
zuständigen KESB Olten-Gösgen mitgeteilt, dass der Beschuldigte den Aufent-
haltsort kenne und dass dies der Privatklägerin mitzuteilen sei, er aber nicht wolle,
dass die KESB den Aufenthaltsort erfahre (Urk. 2/11). In der Folge wurde er im
Entscheid, mit welchem die Fremdplatzierung aufgehoben und der Entzug des
Aufenthaltsbestimmungsrechts gegenüber beiden Eltern aufgehoben wurde, ver-
pflichtet, den genauen Aufenthaltsort des Kindes bekannt zu geben (Urk. 2/12
S. 3). Dieser Aufforderung kam er nicht nach. Der nämlichen Aufforderung des
Bezirksgerichts Zürich gemäss Verfügung vom 7. September 2018 (Urk. 5/2) kam
er insofern nach, als er die Meldeadresse in E._ mitgeteilt hatte und bekannt
gab, dass dieser eine internationale Schule besuche (Urk. 5/1). Nachdem das
Kind seit dem 6. September 2018 die Deutsche Schule in F._ besuchte und
sich demzufolge auch dort aufhielt (Urk. 7/1), war der Beschuldigte auch
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hinsichtlich dieser Aufforderung säumig. Wenn der Beschuldigte im Rahmen der
vorinstanzlichen Befragung angab, dass er nicht gesagt habe, dass sich das Kind
in F._ aufhalte, weil das Gericht ihn explizit aufgefordert habe, mitzuteilen,
wo dieses gemeldet sei, so ist dies aktenwidrig (Prot. I S. 35). Gefragt wurde aus-
drücklich nach dem Aufenthaltsort (Urk. 5/2 S. 4). Diesen hat er erstmals im
Rahmen der familienrechtlichen Verhandlung vom 3. Oktober 2018 bekannt ge-
geben (Urk. 29 S. 17).
6. Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass auch der Sachverhalts-
teil betreffend den Zeitraum, nachdem sich das Kind nach E._ begeben hat-
te, gestützt auf die erwähnten Urkunden und die Zugaben des Beschuldigten er-
stellt ist.
7. Entziehen von Minderjährigen
7.1. Die im Berufungsverfahren einzig noch interessierende Tatbestandsvariante
von Art. 220 StGB, der Weigerung der Rückgabe, setzt einerseits voraus, dass
sich der Minderjährige in der Obhut des Täters befindet und dass der Täter zur
Herausgabe des Kindes rechtlich verpflichtet ist (BSK StGB-ECKERT, Art. 220 N
27 f.).
7.2. Tauglicher Täter ist – mit Ausnahme der minderjährigen Person selber –
jedermann, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die minderjährige Person
(vgl. Art. 14 ZGB) nicht allein und uneingeschränkt innehat (BGE 141 IV 205.;
BGer 5A_293/2016 vom 8. August 2016 E. 4.3, vgl. zu aArt. 220: BGE 91 IV 137,
229; 95 IV 68; 104 IV 90 ff; 110 IV 37; 125 IV 14; 126 IV 224 = Pra. 2001 Nr. 90;
BGer 1A.175/2002, E. 4.3 = Pra. 2003 Nr. 149; OGer ZH, SB090558, E. 1.4 ff =
FP 2011, 10). Die Tatbestandsverwirklichung durch einen Elternteil kommt in
Betracht bei gemeinsamer elterlicher Sorge, sofern die Eltern das
Aufenthaltsbestimmungsrecht gemeinsam ausüben (vgl. Art. 301a ZGB;
nachstehend N 4) sowie in Fällen, in denen der Elternteil die elterliche Sorge nicht
(mehr) innehat (vgl. Art. 311 ZGB) oder ihm das Aufenthaltsbestimmungsrecht als
Teil der elterlichen Sorge entzogen wurde (vgl. Art. 310 ZGB). Üben die Eltern die
elterliche Sorge gemeinsam aus und will ein Elternteil den Aufenthaltsort des
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Kindes verlegen, so bedarf dies im Inlandverhältnis der Zustimmung des andern
Elternteils oder der Entscheidung des Gerichts bzw. der Kindesschutzbehörde,
wenn der Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die
Ausübung der elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr durch den anderen
Elternteil hat (Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB; BGE 142 III 502 E. 2.2).
7.3. Die Verweigerung der Rückgabe der minderjährigen Person hat in den Fall-
gestaltungen eigenständige Bedeutung, in denen sich die minderjährige Person in
der tatsächlichen Gewalt des Täters befindet, ohne dass hierdurch die Tatvariante
des Entziehens erfüllt ist (vgl. BGE 125 IV 14 [gestattete Mitnahme des Kindes in
die Ferien nach Ägypten]; 141 IV 205 [gestattete Mitnahme des Kindes in die
Ferien in der Ukraine]), weil entweder die Begründung dieser Position mit dem
Einverständnis des Inhabers des Aufenthaltsbestimmungsrechtes erfolgt oder
aber das Ergebnis eines eigeninitiativen Verhaltens der minderjährigen Person ist
(vgl. BGE 92 IV 3; 99 IV 271; 101 IV 305). Die Strafbarkeit setzt hier stets voraus,
dass der Täter zur Heraushabe der minderjährigen Person rechtlich verpflichtet ist
(WOHLERS, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Bern
2020, Art. 220 N 8).
Weiter setzt die Strafbarkeit voraus, dass überhaupt eine Pflicht des Täters zur
Überbringung des Kindes bestand. Denn es kann sich einzig derjenige Täter
strafbar machen, für welchen eine zivilrechtliche Verpflichtung zur Rückgabe be-
steht (vgl. BGE 125 IV 14, E. 2b; BGE 104 IV 90, E. 1; BGE 92 IV 156, E. 3; BGE
91 IV 228, E. 1; MIGNOLI MARCO, in: Graf Damian K. (Hrsg.), StGB Annotierter
Kommentar, Bern 2020, Art. 220 StGB N 10).
7.4 Wie oben ausgeführt, verbrachte der Beschuldigte das Kind von
Deutschland (E._) nach Spanien (F._), wo es eingeschult wurde. Für
einen solchen Wechsel des Aufenthaltsortes wäre die Zustimmung der
Privatklägerin notwendig gewesen, da gemäss Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB die
Inhaber der elterlichen Sorge beide ihre Zustimmung abgeben müssen, bevor ein
Kind ins Ausland gebracht werden darf. Entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 75 S. 5) ist Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB nicht so zu verstehen, als dass eine
Zustimmung nur dann einzuholen wäre, wenn ein Minderjähriger von der Schweiz
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ins Ausland gebracht wird, nicht aber wenn der Minderjährige von einem
ausländischen Land in ein anderes gebracht wird. Hält man sich vor Augen, dass
gemäss Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB auch dann die Zustimmung beider Elternteile
notwendig ist, wenn die Veränderung des Aufenthaltsortes des Kindes für den
anderen Elternteil erhebliche Auswirkungen auf den persönlichen Verkehr hat, so
wird klar, dass dies durch die Verbringung von einem ausländischen Staat in
einen anderen ohne Weiteres der Fall sein muss. Es macht nämlich einen
durchaus gewichtigen Unterschied, ob sich ein Kind in E._ oder F._
befindet. Einerseits gilt dies mit Blick auf die Anreise, andererseits handelt es sich
um eine andere Stadt in einem anderen Staat, womit auch andere gesetzliche
Regelungen zur Anwendung gelangen.
Da die Obhut über das Kind nach der Aufhebung des Entzugs des Aufenthalts-
bestimmungsrechts wieder bei der Privatklägerin lag (vgl. oben Erw. III.3), wäre
der Beschuldigte zudem verpflichtet gewesen, das Kind zu ihr zurückzubringen.
Das Verbringen von E._ nach F._ ist dabei als Manifestierung des Wil-
lens, dass das Kind nicht zur Privatklägerin zurückgebracht werden soll, zu quali-
fizieren. Diesen Willen bekräftigte der Beschuldigte zudem durch seine via
Rechtsvertreterin kommunizierte Mitteilung, wonach das Kind in E._ gemel-
det sei und eine internationale Schule besuche, zumal damit geflissentlich ver-
schwiegen wurde, dass sich das Kind in F._ befindet (Urk. 5/1).
Im Übrigen wäre der Beschuldigte – selbst wenn die vom Bezirksgericht Zürich im
Entscheid vom 8. August 2017 getroffene Regelung (elterliche Sorge bei beiden
Elternteilen; Obhut bei der Kindsmutter) nicht wieder aufgelebt wäre – wie ausge-
führt, ohnehin nicht berechtigt gewesen, das Kind eigenmächtig von E._
nach F._ zu verbringen, zumal hierfür zwingend die Zustimmung beider In-
haber der elterlichen Sorge notwendig gewesen wäre.
Der Beschuldigte hat zudem nie behauptet, er habe tatsächlich versucht, das Kind
zurück in die Schweiz zu bringen. Er kann vor diesem Hintergrund nun nicht
pauschal geltend machen, ein solches Vorgehen wäre ohnehin am Widerstand
des Kindes gescheitert (Prot. II S. 11, Urk. 75 S. 5). Zumindest ein Versuch wäre
notwendig gewesen, zumal er als Vater einen nicht zu unterschätzenden Einfluss
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auf das Kind hat und dieses gegebenenfalls zur Rückkehr hätte überzeugen kön-
nen. Dass ein solches Vorgehen nicht bereits von vornherein als nicht zielführend
zu betrachten war, zeigt schliesslich der Umstand, dass das Kind letztlich doch
mit der Privatklägerin in die Schweiz zurückgekehrt ist.
Die zivilrechtliche Verpflichtung, das Kind der Privatklägerin zurückzugeben,
ergibt sich aus dem – bereits im Sachverhaltsteil dargelegten (vgl. Erw. II.3) –
Umstand, dass durch die Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungs-
recht die vom Bezirksgericht Zürich getroffene Obhutsregelung wieder auflebte.
Entsprechend lag die Obhut grundsätzlich bei der Privatklägerin, weshalb ihr das
Kind zurückzugeben gewesen wäre.
8.1 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschuldigte durch das Verbringen
des Kindes von E._ nach F._ sowie seine Weigerung, das Kind der
Privatklägerin zurückzubringen, den objektiven Tatbestand des Entziehens von
Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB erfüllt hat.
8.2 Der Beschuldigte handelte hierbei vorsätzlich, zumal ihm rechtsgültig eröff-
net wurde, dass die Obhut vom Bezirksgericht Zürich der Privatklägerin zugeteilt
worden war und ihm nach Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungs-
rechts bewusst sein musste, dass diese Regelung wieder in Kraft getreten war.
Selbst wenn er diesbezüglich eine Unklarheit gehabt haben sollte, so hätte er sich
entsprechend informieren müssen. Sollte er dies nicht getan haben, wäre es ihm
in Sinne eines "bewussten Nichtwissens" anzurechnen.
Auch seine Verpflichtung, den Aufenthaltsort des Kindes bekannt zu geben, war
dem Beschuldigten aufgrund der expliziten und unter Androhung der Bestrafung
nach Art. 292 StGB Aufforderung des Bezirksgerichts Zürich ohne Weiteres be-
kannt. Der Beschuldigte handelte entsprechend mit Wissen und Willen, weshalb
er auch den subjektiven Tatbestand von Art. 220 StGB erfüllt hat.
8.3 Der Beschuldigte ist daher in Bezug auf den Sachverhaltsteil betreffend den
Zeitraum, nachdem sich das Kind nach E._ begeben hatte, des Entziehens
von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB schuldig zu sprechen.
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III. Sanktion und Vollzug
1. Die Vorinstanz hat die relevanten theoretischen Grundlagen zur Strafzu-
messung zum vorliegend anwendbaren Strafrahmen zutreffend ausgeführt
(Urk. 44 S. 24 ff.). Darauf wird verwiesen.
2.1 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu bemerken, dass der Beschul-
digte das Kind nicht nur für wenige Tage der Privatklägerin vorenthielt. Der Tat-
zeitraum erstreckte sich vielmehr über ungefähr vier Monate. Weiter wurde das
Kind im Ausland der Privatklägerin vorenthalten, was aufgrund der räumlichen
Distanz im Vergleich zu einem Vorenthalten im Inland erschwerend zu werten ist.
2.2 In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass der Be-
schuldigte wohl aus seiner Sicht das Beste für das Kind tun und es deshalb nicht
in die Schweiz zurückbringen wollte. Gleichwohl verstiess er damit gegen die
einschlägigen rechtlichen Vorschriften und verunmöglichte der Privatklägerin den
persönlichen Kontakt zum Kind.
2.3 Insgesamt ist das Tatverschulden im Gesamtspektrum aller denkbaren
Konstellationen des Tatbestandes als noch leicht zu bezeichnen. Es ist eine
Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe auszufällen.
3.1 Die Vorinstanz hat die vom Beschuldigten zu Protokoll gegebenen Angaben
zu den persönlichen Verhältnissen zutreffend aufgeführt, weshalb darauf zu ver-
weisen ist (Urk. 44 S. 27). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Be-
schuldigte, nach wie vor von der Unterstützung durch Bekannte und Freunde zu
leben (Prot. II S. 4). Seine Schulden bezifferte er hingegen im Gegensatz zur An-
gabe bei der Vorinstanz nicht mehr auf Fr. 1.2 Millionen, sondern nunmehr noch
auf Fr. 400'000.– bis Fr. 500'000.– (Prot. II S. 5). Aus den persönlichen Verhält-
nissen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-
ren.
3.2 Im Strafregisterauszug des Beschuldigten ist eine Vorstrafe verzeichnet. Am
22. Januar 2016 wurde er wegen Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforder-
lichen Führerausweis, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Verletzung der Ver-
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kehrsregeln und Nichtabgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern
schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.–
(bedingt, Probezeit 2 Jahre) sowie eine Busse von Fr. 900.– bestraft (Urk. 45). Da
die Vorstrafe nicht einschlägig ist und nunmehr bereits mehr als 6 Jahre
zurückliegt, fällt sie bei der Strafzumessung nicht mehr merklich ins Gewicht.
4. Nach Berücksichtigung aller massgeblichen Strafzumessungsfaktoren ist ei-
ne Geldstrafe von 90 Tagessätzen auszufällen. Der von der Vorinstanz auf die
gesetzlich minimale Höhe von Fr. 10.– festgesetzte Tagessatz erscheint ange-
sichts der nach wie vor prekären finanziellen Verhältnisse auch im heutigen Zeit-
punkt als angemessen.
5. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 90 Tages-
sätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen.
6. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Vollzug der Geldstrafe
gewährt und eine minimale Probezeit von zwei Jahren angesetzt (Urk. 44 S. 28;
vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB). Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbots
(Art. 391 Abs. 2 StPO) ohne Weiteres zu bestätigen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens vollumfänglich, da die dem Beschuldigten zur
Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen
würden und die Untersuchungshandlungen hinsichtlich aller Anklagepunkte not-
wendig gewesen seien (Urk. 44 S. 30 mit Verweis auf BGer Urteil 6B_151/2014
vom 4. Dezember 2014, E. 3.2). Diesen Erwägungen der Vorinstanz ist vollum-
fänglich zu folgen, zumal der von der Vorinstanz entschiedene Freispruch nicht
etwa einen separaten Sachverhalt betroffen, sondern sich vielmehr auf einen
Teilaspekt des vorliegend angeklagten Geschehens bezogen hat. Entsprechend
rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des vo-
rinstanzlichen Verfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. Anspruch auf eine Ent-
schädigung für die erbetene Verteidigung hat der Beschuldigte angesichts dieser
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Kostenauflage nicht (vgl. BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Nicht konkret beanstandet
wurde die von der Vorinstanz vorgenommene Verpflichtung des Beschuldigten
zur Bezahlung einer Prozessentschädigung an die Privatklägerin, welche ange-
sichts des Verfahrensausgangs ebenfalls zu bestätigen ist.
Zusammenfassend ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung
(Dispositivziffern 7-9) daher gesamthaft zu bestätigen.
2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14
GebV OG).
2.2 Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind entsprechend ihm
aufzuerlegen. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin ist für das
Berufungsverfahren unter Berücksichtigung ihrer geltend gemachten
Aufwendungen (vgl. Urk. 64) sowie unter Hinzurechnung eines Zuschlages für
den nach der Berufungsverhandlung durchgeführten Schriftenwechsel eine
Pauschalentschädigung in Höhe von Fr. 4'500.– aus der Gerichtskasse
zuzusprechen. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 4 StPO).
Vorbehalten bleibt eine Rückforderung beim Beschuldigten gestützt auf Art. 138
Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO.