Decision ID: b257ac51-9976-45a7-9909-f4e9e8e87a01
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war von Anfang März 1998 bis Ende Juni 2015
bei der B._ AG als Zimmermann tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
versichert (Suva-act. II-1, 112). Während dieser Anstellung erlitt der Versicherte drei
Unfälle mit Beteiligung der linken Hüfte (16. August 2013), des linken Ellenbogens (11.
Oktober 2013) und der rechten Schulter (26. März 2014; vgl. lit. B im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Juni 2018 [UV 2016/43]).
A.a.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2015 stellte die Suva die Versicherungsleistungen per
31. Juli 2015 ein und verneinte einen weitergehenden Anspruch (Suva-act. II-119).
Dagegen erhob der Versicherte Einsprache (Suva-act. II-126, 132), welche die Suva mit
Entscheid vom 25. Mai 2016 abwies (Suva-act. II-139).
A.b.
Die gegen den Einspracheentscheid vom 25. Mai 2016 erhobene Beschwerde vom
27. Juni 2016 (Suva-act. II-144) wurde mit Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 11. Juli 2018 (UV 2016/43) gutgeheissen, der
Einspracheentscheid vom 25. Mai 2016 aufgehoben und die Sache zu ergänzenden
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Suva
zurückgewiesen. Das Versicherungsgericht kam zum Schluss, dass bezüglich der
kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, Zweifel bestehen würden. Es
A.c.
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B.
C.
dränge sich eine externe, zumindest orthopädische Begutachtung auf (Suva-act.
II-171).
In der Folge veranlasste die Suva eine orthopädisch-chirurgische Begutachtung
bei Dr. med. D._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie (Suva-act. II-173 ff.). Der
Versicherte wurde am 12. Februar 2019 untersucht und das Gutachten am 1. April
2019 erstellt (Suva-act. II-212). Nachdem die Suva in Bezug auf die Unfallkausalität der
Beschwerden am linken Ellenbogen Unklarheiten im Gutachten von Dr. D._
ausgemacht hatte, sah sie eine weitere orthopädische Begutachtung bei Dr. med.
E._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, vor (Suva-act. II-221 ff.). Dagegen
erhob der Vertreter des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, St.
Gallen, Einwand und beantragte bei anderer Auffassung eine einsprachefähige
Verfügung (Suva-act. II-230). Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2019 hielt die
Suva an ihrem Begutachtungsauftrag an Dr. E._ fest (Suva-act. II-234). Diese
Verfügung blieb unangefochten (Suva-act. II-237). Am 2. Juni 2020 (bei Untersuch am
18. Mai 2020) reichte Dr. E._ das Gutachten ein (Suva-act. II-247).
B.a.
Am 14. September 2020 liess sich der Versicherte zum Gutachten von Dr. E._
vernehmen und bemängelte verschiedenste Punkte (Suva-act. II-256). Mit Verfügung
vom 6. November 2020 stellte die Suva die Versicherungsleistungen (Taggeld und
Heilkosten) per 31. Juli 2015 ein und lehnte einen weitergehenden Anspruch ab (Suva-
act. II-266). Dagegen liess der Versicherte am 7. Dezember 2020 (ergänzt am 25.
Januar 2021) Einsprache erheben (Suva-act. II-267, 269). Mit Entscheid vom 28. April
2021 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. II-273).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 28. April 2021 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Baumann,
am 25. Mai 2021 Beschwerde erheben und folgendes beantragen: Es sei der
Einspracheentscheid vollumfänglich aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer
gestützt auf die drei Unfallereignisse die gesetzlichen Leistungen nach UVG (Taggeld-
Leistungen, Integritätsentschädigung, Rente, Heilkosten etc.) zuzusprechen und
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die
Versicherungsleistungen, welche aufgrund der Unfälle vom 16. August 2013 (mit
Beteiligung der linken Hüfte), vom 11. Oktober 2013 (mit Beteiligung des linken
Ellenbogens) und vom 26. März 2014 (mit Beteiligung der rechten Schulter)
auszurichten. Es sei dem Beschwerdeführer insbesondere eine Invalidenrente,
basierend auf einem Invaliditätsgrad aufgrund rechtsgenüglicher Abklärung, zumindest
aber eine Invalidenrente von 50 % zuzusprechen und auszurichten. Sodann sei dem
Beschwerdeführer aufgrund der Unfälle insbesondere auch eine
Integritätsentschädigung, basierend auf rechtsgenüglichen Abklärungen, gestützt auf
eine Integritätseinbusse von mindestens 50 % zuzusprechen und auszurichten.
Eventualiter sei in Aufhebung des Einspracheentscheids die Prozedur im Sinne der
nachfolgenden Ausführungen ins Abklärungsverfahren zur Einholung eines erneuten
verwaltungsexternen, unabhängigen und rechtskonformen medizinischen Gutachtens/
Obergutachtens zurückzuweisen, damit gestützt auf ein solches neu über die
Leistungsansprüche des Beschwerdeführers entschieden werden könne. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuern (act. G
1).
In der Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2021 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde vom 25. Mai 2021 und die
Bestätigung des Einspracheentscheids vom 28. April 2021 (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 11. November 2021 liess der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter unverändert an seinen Anträgen und deren Begründungen festhalten
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine umfassende Duplik, erneuerte
den Antrag auf Abweisung und verwies zur Begründung auf die Beschwerdeantwort
(act. G 11).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/11
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ausgerichtet wurden, per 31. Juli 2015 eingestellt und einen Anspruch auf weitere
Versicherungsleistungen abgelehnt hat.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in:
Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, so entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, sobald der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate)
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine) erreicht ist. Der Unfallversicherer muss
nicht den Nachweis unfallfremder Ursachen erbringen. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2012,
8C_160/2012, E. 2 mit Hinweisen). Dabei können medizinische Erfahrungssätze
berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2008,
8C_346/2008, E. 3.2.1; vgl. ferner Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 21. April 2006, U 494/05, E. 2.4.1). Gemäss Art. 6 Abs. 3 UVG hat der
obligatorische Unfallversicherer seine Leistungen auch für Schädigungen zu erbringen,
die dem Verunfallten bei einer Heilbehandlung (Art. 10 UVG) zugefügt werden. Ferner
bestimmt Art. 10 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202), dass
der Versicherer seine Leistungen auch für Körperschädigungen erbringt, welche der
Versicherte durch von ihm angeordnete oder sonst wie notwendig gewordene
medizinische Abklärungsmassnahmen erleidet. Es muss weder ein Behandlungsfehler
1.1.
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vorliegen noch der Unfallbegriff erfüllt noch ein Kunstfehler oder auch nur objektiv eine
Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht gegeben sein. Der Unfallversicherer hat aber
nur für Schädigungen aufzukommen, die in einem natürlichen und adäquaten kausalen
Zusammenhang mit den durch den versicherten Unfall erfolgten Heilbehandlungen und
medizinischen Abklärungsuntersuchungen stehen (BGE 128 V 171 ff. E. 1c).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht
(BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine
Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast grundsätzlich nur
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/11
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2.
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Die Beschwerdegegnerin veranlasste zur Klärung der
unfallversicherungsrechtlichen Fragestellungen (Unfallkausalität, Status quo sine/ante,
medizinischer Endzustand, Integritätsschaden) in Bezug auf die linksseitigen
Hüftbeschwerden, die linksseitigen Ellenbogenbeschwerden sowie die rechtsseitigen
Schulterbeschwerden bei Dr. D._ eine externe orthopädisch-chirurgische
Begutachtung (Suva-act. II-212). Dieser kam mit Beurteilung vom 1. April 2019
zusammengefasst zum Schluss, dass die subjektiv persistierende Problematik der
Schleimbeutel am Trochanter links nicht mehr überwiegend wahrscheinlich auf das
Ereignis vom 16. August 2013 zurückgeführt werden könne und die minimale
Volumendifferenz der Schleimbeutel links gegenüber rechts auch nicht eine messbare
Funktionseinschränkung bewirke (Suva-act. II-212-28). Nach einmaliger Kontusion sei
medizinisch theoretisch nach drei Monaten der Status quo sine erreicht gewesen
(Suva-act. II-212-31). Die Analyse der Daten/Bilder in Kombination mit der Anamnese
ergebe, dass die Ellenbogenproblematik links nicht überwiegend wahrscheinlich auf
das Ereignis vom 11. Oktober 2013 zurückgeführt werden könne (Suva-act. II-212-29).
Präoperativ sei zu keinem Zeitpunkt eine Instabilität des Ellenbogens festgehalten oder
in die Differentialdiagnose aufgenommen worden, wobei die Diagnose einer postero-
lateralen Instabilität klinisch schwierig sei und oft längere Zeit übersehen werde.
2.1.
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Andererseits sei eine postero-laterale Bandinstabilität am Ellenbogengelenk häufige
Folge von repetitiven Mikrotraumen, wie sie bei regelmässigem und kräftigem
Überkopfeinsatz auftreten könnten. Dies sei vorliegend wahrscheinlicher als die
Auslösung durch den Unfall, weil im MRI vom 24. Februar 2014 zwar eine
Kontinuitätsunterbrechung des LUCL vermutet werden könne, aber keine Hinweise/
Signalstörungen zur Annahme eines akuten Traumas vorliegen würden. Trotzdem
müsse die Arthroskopie im Sinne einer vertieften Abklärung, ob die Beschwerden durch
das Ereignis ausgelöst/aktiviert wurden, als unfallkausal anerkannt werden. Dass bei
dieser Gelegenheit die intraoperativ erkannte Pathologie der postero-lateralen
Instabilität (unabhängig der Ätiologie) versorgt worden sei, sei lege artis. Aktuell
bestehe nach wie vor ein Streckausfall. Das Ausmass der vorgezeigten Einschränkung
und vor allem die Intensität der geklagten Schmerzen sei somatisch indes nicht
erklärbar. Weder der Status quo ante noch der Status quo sine seien erreicht. Es sei
aber von einem medizinischen Endzustand auszugehen, da mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit aus multifaktoriellen Gründen keine nachhaltige Verbesserung mehr
erwartet werden könne. Der Integritätsschaden sei auf 10 % zu beziffern (Suva-act.
II-212-33 ff.). Der Unfall vom 26. März 2014 habe mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit keine Veränderungen am rechten Schultergelenk, am Labrum und
an der Rotatorenmanschette bewirkt. Es handle sich bei den erkannten Veränderungen
um die natürliche und alterskorrelierende Degeneration. Unter der primären Annahme
einer "Aktivierung" der ACG-Arthrose, aber ohne überwiegend wahrscheinliche und/
oder objektivierbare unfallkausale Verschlimmerung, sei es aus orthopädisch-
traumatologischer Sicht vertretbar, den Status quo sine ein Jahr nach dem Ereignis zu
definieren (Suva-act. II-212-36 f.).
Dr. D._ hat zu den strittigen unfallversicherungsrechtlichen Fragen in Bezug auf
die drei Unfälle bzw. die anhaltendenden Beschwerden an der Hüfte, am Ellenbogen
und am Schultergelenk ausführlich Stellung genommen. Nach eigenhändiger
Untersuchung (Suva-act. II-212-19 ff., 39 ff.), in Beachtung der geklagten Beschwerden
(Suva-act. II-212-16 ff.) und in Würdigung der medizinischen Unterlagen (inklusive der
Bildgebung und der intraoperativ dokumentierten Befunde im Ellenbogen; Suva-act.
II-212-2 ff., 21 ff.) kam er medizinisch nachvollziehbar und überzeugend begründet zum
Schluss, dass es anlässlich der drei zur Beurteilung stehenden Unfallereignisse
überwiegend wahrscheinlich lediglich zu Kontusionen in den entsprechenden
Körperregionen ohne dabei verursachte innere strukturelle Läsionen gekommen sei.
Die diesbezüglich bestehenden bzw. durch die behandelnden Ärzte geschürten Zweifel
an der kreisärztlichen Beurteilung (vgl. dazu E. 4.2, 4.3, 4.4 im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Juni 2018 [UV 2016/43])
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/11
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3.
Zu prüfen bleibt eine Leistungspflicht über den 31. Juli 2015 hinaus aufgrund der
Ellenbogenproblematik links, welche am 26. Mai 2014 zu einem operativen Eingriff
(diagnostische Ellenbogenarthroskopie mit Plicaresektion sowie postero-laterale
Stabilisierung mittels LUCL-Rekonstruktion [Tricepssehne] und Extensorenrefixierung;
Suva-act. II-50) führte. Diesbezüglich besteht nach wie vor ein Streckausfall (Suva-act.
II-212-34) bzw. bestehen eine eingeschränkte Beugung und Streckung sowie
anhaltende chronische Schmerzen (Suva-act. II-247-34). Unbestrittenermassen ist
diese anhaltende Problematik zumindest teilweise auf die operative Versorgung vom
26. Mai 2014 zurückzuführen (Suva-act. II-212-34, 247-38).
konnten mit dem Gutachten von Dr. D._ ausgeräumt werden. Damit ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Status quo sine/ante in
Bezug auf die Hüftproblematik links und die Schulterproblematik rechts per
Leistungseinstellungsdatum am 31. Juli 2015, über 16 Monate nach dem letzten
Unfallereignis am 26. März 2014, erreicht war. Diesbezüglich ist ohne weiteres der
medizinischen Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, wonach Kontusionen ohne
strukturelle Verletzungen grundsätzlich innert kurzer Zeit folgenlos ausheilen und sich
die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (Alfred M. Debrunner,
Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2005, S. 412, 1096 f.). Damit hat
die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen bezogen auf die Hüftproblematik links und die
Schulterproblematik rechts mangels Kausalität zu Recht per 31. Juli 2015 eingestellt
und diesbezüglich einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen (Rente und/
oder Integritätsentschädigung) abgelehnt. Die Sache ist rechtsgenüglich abgeklärt,
weshalb sich weitere Abklärungen erübrigen.
Mit der schlüssig begründeten Beurteilung von Dr. D._, welche sich mit
derjenigen von Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH (Suva-act. II-36), Kreisarzt Dr. C._
(Suva-act. II-118-8 f., 135-4 f.) sowie Dr. E._ (Suva-act. II-247-34, 37) deckt, ist
davon auszugehen, dass, wie bereits unter E. 2.2 ausgeführt, auch das Unfallereignis
vom 11. Oktober 2013 mit Kontusion des Ellenbogens links zu keinen inneren
strukturellen Läsionen und damit auch zu keiner Bandruptur mit allfälliger Instabilität
des Ellenbogens geführt hat. Entsprechend adressierte die durchgeführte
Stabilisationsoperation (postero-laterale Stabilisierung mittels LUCL-Rekonstruktion
und Extensorenrefixierung) vom 26. Mai 2014 (Suva-act. II-50, 247-34) grundsätzlich
keine Unfallfolgen. Ob trotz dieses Umstands in Beachtung von Art. 6 Abs. 3 UVG
3.1.
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(Schädigung bei Heilbehandlung) in Verbindung mit Art. 10 UVV (Schädigung bei
medizinischer Abklärungsuntersuchung) eine Leistungspflicht für die Operation und die
Folgen daraus resultiert (vgl. dazu vorstehende E. 1.1), ist nachfolgend zu klären.
Dr. E._ spricht sich in seinem Gutachten vom 2. Juni 2020 gegen eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus, nachdem seiner Einschätzung nach die
Folgen der Kontusion des Epicondylus radialis humeri Ende Dezember 2013 abgeheilt
gewesen seien und keine Indikation für die Arthroskopie als Abklärungsmassnahme
sowie die operative Versorgung bestanden habe (Suva-act. II-247-34 ff.).
Demgegenüber hält Dr. D._ die Arthroskopie vom 26. Mai 2014 im Sinne einer
vertieften Abklärung von Unfallfolgen für indiziert, erachtet die Versorgung der postero-
lateralen Instabilität als lege artis und spricht sich für eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin aus (Suva-act. II-212-34). Dr. C._ kann der Indikationsstellung
zur arthroskopischen Abklärung ebenfalls folgen, hält indes die intraoperative
Entscheidung einer Rekonstruktion des ulnaren Streckapparates für nicht
nachvollziehbar (Suva-act. II-135-4).
3.2.
Letztlich kann offenbleiben, welcher Einschätzung zu folgen ist. Selbst in der für
den Beschwerdeführer günstigsten Annahme, dass der Status quo sine/ante entgegen
dem Dafürhalten von Dr. E._ Ende Dezember 2013 nach Kontusion noch nicht
erreicht und eine arthroskopische Abklärung gestützt auf den MRI-Befund vom 24.
Februar 2014 als notwendig zu qualifizieren war sowie dass die Versorgung der
unfallfremden Gesundheitsschäden am 26. Mai 2014 lege artis erfolgte, resultiert kein
Leistungseinspruch. Denn allein die Gelenkspiegelung führte nicht zur anhaltenden
Problematik im linken Ellenbogen, womit es am vorausgesetzten
Kausalzusammenhang zwischen der eigentlichen Abklärungsmassnahme und der
anhaltenden Problematik fehlt und ein Leistungsanspruch gestützt auf Art. 6 Abs. 3
UVG in Verbindung mit Art. 10 UVV entfällt. Erst die intraoperative Entscheidung zur
Versorgung der überwiegend wahrscheinlich krankheitsbedingten/degenerativen
Zustände (Bandruptur mit allfälliger Instabilität) war (teil-)ursächlich für die über den
Leistungseinstellungszeitpunkt bestehenden Beeinträchtigungen am linken
Ellenbogengelenk. Für die Folgen dieser unfallfremden Versorgung, welche weder als
Abklärungsmassnahme nach Art. 10 UVV noch als Heilbehandlung im Sinne von Art. 6
Abs. 3 UVG zu qualifizieren ist, hat die Beschwerdegegnerin, unabhängig davon, ob sie
lege artis erfolgt ist, nicht einzustehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar
2015, 8C_834/2014, E. 2.3). Nachdem ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass die
Folgen der am 11. Oktober 2013 erlittenen Kontusion ohne strukturelle Schädigung am
linken Ellenbogengelenk per 31. Juli 2015 folgenlos abgeheilt waren bzw. ohne
3.3.
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4.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. April 2021
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl.
dazu Art. 61 lit. f ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).