Decision ID: 23996d5d-fa05-4afe-9a04-567c546b87e7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich erstmals am 12. Juli 2013 wegen
einer Panik-Störung, einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen bei
der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 2). Sie gab an, nicht erwerbstätig und
Hausfrau zu sein. Gemäss dem Fragebogen für Arbeitgeber übte sie von Februar bis
September 2011 eine Tätigkeit in der Unterhaltsreinigung aus (IV-act. 11). Dem
Fragebogen betreffend Qualifikation ist zu entnehmen, dass sie im Gesundheitsfall
100% erwerbstätig wäre (IV-act. 16). Med. pract. B._, Psychiatrisches Zentrum
C._, diagnostizierte im Bericht vom 18. Februar 2014 eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11) und eine generalisierte
Angststörung (ICD-10 F41.1). Ab dem 15. März 2012 (Beginn der Behandlung) sei sie
zu 100% arbeitsunfähig gewesen und ab dem 1. März 2014 zu 40% arbeitsfähig in
einer adaptierten Tätigkeit (IV-act. 20-3).
A.a.
Durch Mitteilung vom 2. Oktober 2014 sprach die IV-Stelle der Versicherten ein
Belastbarkeitstraining bei D._ vom 22. September bis 21. Dezember 2014 zu (IV-act.
32). Ziel der Integrationsmassnahme war es, spezifisch vereinbarte Kompetenzen und
Verhaltensweisen zu trainieren (IV-act. 34). Vom 22. Dezember 2014 bis 21. Juni 2015
wurde ihr zudem Kostengutsprache für ein Aufbautraining gewährt, welches sie jedoch
wegen einer gesundheitlichen Verschlechterung per 26. März 2015 abbrechen musste
(IV-act. 41, 54, 57). Vom 2. bis 25. April 2015 wurde die Versicherte stationär in der
Psychiatrischen Klinik E._ behandelt. Der Austritt erfolgte vorzeitig auf ihren Wunsch
hin, da sie die Rückkehr zur Klinikstation nach den Wochenenden jeweils an die Zeit
und Erlebnisse im Kinderheim erinnert hätten, was in ihr sehr unangenehme Gefühle
ausgelöst habe. Im Anschluss wurde die Therapie im ambulanten Setting fortgesetzt
(IV-act. 61-2f., 63-2).
A.b.
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In der Stellungnahme vom 23. März 2016 befand RAD-Arzt Dr. med. F._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die vorliegenden psychiatrischen Berichte
hinsichtlich der Diagnostik als nicht überzeugend. Er empfahl die Einholung weiterer
Berichte (IV-act. 78-3) und gestützt darauf am 15. Juli 2016 die Vornahme einer
bidisziplinären Begutachtung (IV-act. 82).
A.c.
Am 12. August 2016 wurde die Versicherte orthopädisch durch Dr. med. G._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
und psychiatrisch von Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
begutachtet. Im Gutachten vom 10. September 2016 hielten die beiden Experten als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische
Belastungsstörung (Typ II Traumatisierung, F43.1), eine Panikstörung (F41.0), sowie ein
chronisches lumbovertebrales Syndrom (M54.5) bei degenerativen Veränderungen
ossärer (M47.86), aber vorwiegend diskogener (Diskushernien L4/L5 und L5/S1, M51.8)
Art fest. Seit August 2011 bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% und in einer leidensangepassten Tätigkeit eine solche von 30% (IV-act.
88-45f.). RAD-Arzt Dr. F._ befand das Gutachten als nachvollziehbar (Stellungnahme
vom 19. September 2016, IV-act. 89).
A.d.
Mit Verfügung vom 7. November 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
gestützt auf einen IV-Grad von 30% ab (IV-act. 92, 93).
A.e.
Am 14. Dezember 2017 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug
an. Sie machte geltend, unter Depressionen, einem Trauma sowie Kraftlosigkeit
(Zittern) zu leiden (IV-act. 94). Mit Verfügung vom 12. März 2018 trat die IV-Stelle auf
das Leistungsbegehren nicht ein (IV-act. 101).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 6. November 2018 wollte die IV-Stelle auf das neue
Leistungsbegehren vom Oktober 2018 erneut nicht eintreten (IV-act. 110, 104), worauf
die Versicherte geltend machte, mit dieser Entscheidung nicht einverstanden zu sein
(IV-act. 112). Mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 berichtete med. pract. B._, dass
das Leiden der Versicherten hochgradig chronifiziert sei. Trotz intensiver Behandlung in
der Tagesklinik, mehreren stationären Aufenthalten in der Psychiatrischen Klinik E._,
auf Akut- und Psychotherapiestationen, ambulanter psychiatrischer Behandlung und
A.g.
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B.
Optimierung der Psychopharmakotherapie zeige sich nur eine begrenzte Wirksamkeit.
Es sei davon auszugehen, dass eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt über
längere Zeit nicht möglich sei (IV-act. 114-1ff.).
Nach Einholung weiterer Arztberichte durch die IV-Stelle hielt RAD-Arzt Dr. med.
I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 24. Juni 2019 fest, auf Grund
des von den behandelnden Ärzten aufgeführten Störungsbildes einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung empfehle sich eine polydisziplinäre medizinische
Begutachtung (IV-act. 126-3).
A.h.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2019 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen (IV-act. 129).
A.i.
Am 13. Dezember 2019 unterzog sich die Versicherte einer bidisziplinären
Verlaufsbegutachtung durch Dres. H._ und G._. Im Gutachten vom 11. Januar
2020 beurteilten die Fachärzte die Versicherte als zu 70% arbeitsfähig in einer
angepassten Tätigkeit (IV-act. 136-8).
A.j.
Mit Vorbescheid vom 28. Januar 2020 teilte die IV-Stelle mit, sie plane das
Rentengesuch auf Grund eines IV-Grads von 30% abzuweisen (IV-act. 140). Am
30. April 2020 verfügte sie in diesem Sinne eine Abweisung des Leistungsgesuchs (IV-
act. 152).
A.k.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde der Versicherten
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) vom 28. Mai 2020 mit dem Antrag auf deren
Aufhebung und auf Zusprache einer Rente. Zudem sei ihr die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren. Die Beschwerdeführerin macht geltend, da sie seit längerer
Zeit in einer Kantine tätig sei und dabei aber lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 30%
erreiche, müsse auf diese berufspraktische Einschätzung abgestützt werden und nicht
auf das Gutachten von 2019. Auch ihre behandelnde Psychiaterin sei mit dem IV-
Gutachten nicht einverstanden, was sie in der Stellungnahme vom 26. Mai 2020
darlege (act. G 1, 1.2).
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/15
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie den
Inhalt der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Erwägungen
1.
Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht auf den bis zum
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2020 beantragt die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie
vorwiegend auf die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. I._ vom 3. Juli 2020, wonach an
den psychiatrischen Ausführungen der Gutachterin festgehalten werden könne (act.
G 4, 4.2).
B.b.
Am 14. Juli 2020 bewilligt die Präsidentin das Gesuch der Beschwerdeführerin um
unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 9. November 2020 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Auf Grund ihrer gesundheitlichen Beschwerden sei es ihr nicht möglich, einer
70%igen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die mögliche und bisher ausgeführte Tätigkeit
von 30% stelle das Maximum dar, welches sie leisten könne. Sie kämpfe täglich, um
ihr Leben einigermassen auf die Reihe zu kriegen, und bemühe sich, die Arbeit in der
Kantine auszuführen. In der Beilage reicht sie einen Bericht ihrer behandelnden
Psychiaterin, den Austrittsbericht der Klinik J._ vom 10. November 2020 über ihre
Hospitalisation vom 26. Oktober bis 10. November 2020, eine Bestätigung über
Suchtberatung vom 14. Oktober 2020 sowie den Bericht des Spitals K._ über eine
notfallmässige Behandlung vom 24. Februar 2012 ein (act. G 12, 12.1-12-4, 14).
B.d.
In der Duplik vom 2. Dezember 2020 hält auch die Beschwerdegegnerin am
Antrag auf Beschwerdeabweisung unter Beilage der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr. I._ vom 21. November 2020 fest. Gemäss dem RAD-Arzt ergeben sich im
Rahmen der vorliegenden Unterlagen keine neuen relevanten Erkenntnisse auf
medizinisch-psychiatrischer Ebene hinsichtlich des massgeblichen Zeitraums bis zum
Verfügungserlass (30. April 2020; act. G 16, 16.1).
B.e.
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Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen
(BGE 143 V 411 E. 2.1 mit Hinweis). Später eingetretene Tatsachen, die zu einer
Änderung des Sachverhalts geführt haben, sind grundsätzlich nicht im Rahmen des
hängigen, sondern im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE 121
V 366 E. 1b mit Hinweisen). Indes sind Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, im
hängigen Verfahren soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in
engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Erlasses der Verfügung zu beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26.
Februar 2020, 9C_361/2020, E. 3.3). Der den Gutachtern offensichtlich nicht
vorgelegene Bericht (vgl. IV-act. 136-33ff.) über die notfallmässige Behandlung der
Beschwerdeführerin vom 24. Februar 2012 (act. G 12.4) beinhaltet einen Sachverhalt,
der sich weit vor dem Verfügungserlass einstellte. Somit ist der Bericht zu
berücksichtigen. Da auch die im Anschluss an die angefochtene Verfügung vom
30. April 2020 wahrgenommenen Gesprächstermine bei der Suchtfachstelle vom 23.
und 30. Juli 2020 (vgl. Bestätigung vom 14. Oktober 2020, act. G 12.3) grundsätzlich
Hinweise enthalten könnten, welche auf den Gesundheitszustand im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses schliessen lassen, und es angesichts der ebenfalls zu prüfenden
Frage des Vorliegens einer Alkoholabhängigkeit gerechtfertigt erscheint, auch nach
dem genannten Zeitpunkt eingetretene Umstände in die Gesamtwürdigung
einzubeziehen, spricht nichts gegen ihre Berücksichtigung. Demgegenüber behandelt
der Austrittsbericht der Klinik J._ vom 10. November 2020 (act. G 12.2) eine
gesundheitliche Entwicklung, welche keine Rückschlüsse auf den bis zum
Verfügungszeitpunkt vorliegenden Gesundheitszustand zulässt. Dieser wäre
demgegenüber allenfalls bei einer Revision bzw. Wiederanmeldung zu prüfen und ist
vorliegend nicht zu berücksichtigen.
2.
Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem 1.
Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Wiederanmeldungsgesuch keine
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/15
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Anwendung (siehe auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über
Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % im Sinne von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) invalid sind (lit. c).
2.3.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.5.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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3.
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E.
1.3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3). Ebenfalls
ist bei der Würdigung der medizinischen Aktenlage der Erfahrungstatsache Rechnung
zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen.
Dies gilt für Hausärzte wie auch für spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen. Die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Entscheide des Bundesgerichts vom 3.
Mai 2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1, und vom 17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2, je
mit Hinweisen).
Vorliegend wies die Beschwerdegegnerin ein erstes Gesuch der
Beschwerdeführerin vom 12. Juli 2013 (IV-act. 2) mit Verfügung vom 7. November 2016
(IV-act. 93) ab. Auf ihr neues Gesuch vom Oktober 2018 (IV-act. 104) trat die
Beschwerdegegnerin ein, weshalb auf die entsprechenden Voraussetzungen gemäss
Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2019,
8C_467/2019, E. 3.2) nicht näher einzugehen ist.
2.7.
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
wurde und dabei insbesondere auch die Frage nach dem Vorliegen der von der
Behandlerin geltend gemachten Alkoholabhängigkeit beantwortet werden kann. Der
angefochtenen Verfügung liegt das bidisziplinäre Verlaufs-Gutachten der Dres. H._
und G._ vom 11. Januar 2020 zu Grunde. Darin führen die Gutachter folgende
relevante Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf: ein
chronisches lumbovertebrales Syndrom (M54.86) bei degenerativen Veränderungen
ossärer (M47.86), aber vorwiegend diskogener Art (Diskushernien L4/L5 und L5/S1,
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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M51.3) nach mikrotechnischer Fenestration und Teildiscectomie L5/S1 von links Mitte
November 2019, ein chronisches Cervicalsyndrom (M54.82) bei vermutlich
degenerativen Veränderungen der HWS ossärer (M47.82) und diskogener (M50.8) Art,
einen Verdacht auf zervikogenen Schwindel (R42), eine posttraumatische
Belastungsstörung (Typ II Traumatisierung, PTBS), subsyndromal (F43.1), eine
Panikstörung (F41.0), eine Persönlichkeitsakzentuierung mit ängstlichen, abhängigen
und emotional instabilen Persönlichkeitsanteilen (Z73.1), sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4). Im orthopädischen Gutachten
führte Dr. G._ aus, dass sich die neurologische Ausfallsymptomatik nach operativer
Behandlung Mitte November 2019 deutlich gebessert habe. Persistieren würden die
lumbal lokalisierten, je nach Bewegung und Belastung zunehmenden Schmerzen.
Klinisch fänden sich aktuell eine schmerzhaft eigeschränkte Beweglichkeit der
Wirbelsäule, jedoch keine schwerwiegenden neurologischen Ausfälle (IV-act. 136-6).
Im psychiatrischen Gutachten hält Dr. H._ fest, die Beschwerdeführerin berichte,
unter sehr schwierigen und traumatisierenden Umständen als ältestes von drei Kindern
in einer von Gewalt und sexuellem Missbrauch geprägten Kindheit aufgewachsen zu
sein. Auch später habe sie einige traumatisierende Beziehungen gehabt. Beruflich habe
sie keine Ausbildung absolviert, sondern mehrheitlich im Service und im
Reinigungsdienst gearbeitet (IV-act. 136-6). Gemäss dem psychiatrischen
Teilgutachten führte die Beschwerdeführerin hinsichtlich des jetzigen Leidens aus, sie
habe immer noch ab und zu Panikattacken, wenngleich weniger als früher. Auch könne
sie insgesamt besser schlafen und habe weniger Albträume. Die Stimmung gehe auf
und ab. Sie mache aber das Beste daraus und die Arbeit stabilisiere sie. Problematisch
seien manchmal plötzlich einschiessende Suizidgedanken, zuletzt erlebt vor zwei bis
drei Monaten. Sie habe keine Ahnung, was der Auslöser sei. Sie denke dann einfach,
das Leben habe wenig Sinn, und sie würde dann am liebsten einschlafen und nicht
mehr aufwachen. Dann trinke sie meist zu viel Alkohol. Das letzte Mal habe sie sich
eine Flasche Alkohol besorgt, dann ihrem Sohn geschrieben, dass sie sich Alkohol
besorgt habe und genau gewusst, dass er kommen würde, bevor sie mehr getrunken
habe. Aber auch diese Krisen seien insgesamt weniger geworden. Sie schaffe es
mehrheitlich, positiv zu denken. Das gehe dann meist recht gut und es gelinge ihr auch,
sich von negativen Gedanken abzulenken. Nach wie vor sei sie oft traurig, dass die
Mutter gestorben sei, dass sie selbst körperlich eingeschränkt sei, mehr leisten
möchte, aber körperlich einfach nicht mehr könne. Nach der Arbeit sei sie nach
dreieinhalb Stunden einfach müde. Das nerve sie. Manchmal habe sie auch einen
schlechten Tag. Dann möchte sie einfach alles vergessen, ihr ganzes Leben vergessen.
Früher habe sie sich dann oft hineingesteigert, was jetzt deutlich seltener passiere.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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Positiv sei, dass sie es schaffe, sich mit schönen Sachen wie beispielsweise dem
Treffen mit ihren Töchtern oder der Physiotherapie von nächster Woche abzulenken.
Zur Frage nach dem Alkoholkonsum gab sie an, Alkohol nicht regelmässig zu
konsumieren. Benzodiazepine nehme sie zudem nur mehr im äussersten Notfall ein (IV-
act. 136-25). Dr. H._ ging aus psychiatrischer Sicht davon aus, dass sich der
Zustand der Beschwerdeführerin in den letzten Jahren weiter stabilisiert habe. Infolge
der frühen und wiederholten Traumatisierungen sei diagnostisch - unverändert zur
Voruntersuchung - von einer Typ II Traumatisierung auszugehen. Insgesamt seien die
Symptome rückläufig und würden deutlich weniger auftreten als früher. Es sei von einer
subsyndromalen Ausprägung auszugehen. Auch bezüglich Suizidalität/Alkoholkonsum
wisse die Beschwerdeführerin nun, wie sie damit umgehen müsse. Sie informiere
jeweils rechtzeitig ihren Sohn. Hinweise auf einen regelmässigen Alkoholkonsum gebe
es nicht. Aktuell nehme sie keine Medikamente mehr (IV-act. 136-6).
Während die psychiatrische Gutachterin bei der Beschwerdeführerin von einer
Arbeitsfähigkeit von 70% ausgeht, hält die behandelnde Psychiaterin med. pract. B._
dagegen, dass infolge der Wechselwirkungen zwischen der depressiven Störung, der
Panikstörung, der PTSD (post-traumatic stress disorder = PTBS) und des
Alkoholmissbrauchs der psychische Gesundheitszustand andauernd instabil sei. Daher
sei bei dieser schwersttraumatisierten Patientin mit sehr ausgeprägter
Leistungsorientierung das jetzige 30%-Pensum optimal an ihr Leiden angepasst.
Zudem sei die Rolle des Alkoholkonsums im Gutachten bagatellisiert worden, obwohl
schädlicher Gebrauch von Alkohol während allen stationären Aufenthalten festgestellt
worden sei. Im Laufe der Behandlung habe sich diese Problematik verschlechtert. Seit
dem letzten stationären Aufenthalt im 2019 seien mehrere Krisen auf Grund des
exzessiven Konsums von Whisky aufgetreten. Versuche der Behandlung mit Selincro
und Campral seien wegen Nebenwirkungen unterbrochen worden. Suchtbehandlung
sei ein wesentlicher Teil der jetzigen ambulanten Behandlung (Stellungnahme vom 26.
Mai 2020, act. G 1.2). Im Austrittsbericht der Psychiatrie L._, Klinik E._, vom
11. März 2019 wurden als Nebendiagnose psychische und Verhaltensstörungen durch
Alkohol: Schädlicher Gebrauch (F10.1), festgehalten. Es wurde bei Eintritt ein
Atemalkoholtest durchgeführt, welcher einen Wert von 1.9 Promille zeigte, am zweiten
Tag wurde die Beschwerdeführerin allerdings bereits wieder entlassen, nachdem sie
körperliche Entzugssymptome verneint habe und sich von Suizidalität klar habe
distanzieren können (act. G 1.3). Auch in den Berichten der Psychiatrie L._ vom 16.
August 2018 (act. G 1.4) und vom 20. Februar 2018 (act. G 1.5) wurde ein schädlicher
Gebrauch von Alkohol (F10.1) festgehalten. Hinsichtlich der Hospitalisation vom 7. Juni
bis 25. Juli 2018 zeigte sich im Rahmen der Eintrittssituation, dass die
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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Beschwerdeführerin angegeben hatte, seit mehr als zwei Wochen, vor allem aber seit
dem Tod der Mutter an Ostern, den ganzen Tag zu weinen. Sie leide unter depressiver
Stimmung, Freud- und Interessenlosigkeit, Antriebsmangel und Gedankenkreisen. Sie
habe ein Gefühl der inneren Leere beschrieben, weil sie nicht arbeiten könne, vor allem
seit ihre Kinder erwachsen und aus dem Haus seien. Wenn es ihr schlecht gehe, trinke
sie gerne Alkohol (bis zu einer Flasche Whisky am Tag, act. G 1.4). Im Bericht der
Psychiatrie L._ vom 8. Dezember 2017 über die Hospitalisation vom 13. November
bis 2. Dezember 2017 diagnostizierten die behandelnden Ärzte als Nebendiagnose
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (F10.2). Sie
sei in Begleitung ihres Sohnes eingetreten, sei bewusstseinseingeengt und unter
erheblichem Alkoholeinfluss gestanden (act. G 1.6).
RAD-Arzt Dr. I._ nahm am 3. Juli 2020 dahingehend zu den Einwänden von med.
pract. B._ vom 26. Mai 2020 (act. G 1.2) Stellung, als er darin keine neuen
medizinischen Erkenntnisse sah, welche nicht schon im Zeitpunkt der Begutachtung
vom 13. Dezember 2019 bekannt gewesen seien. Zwar werde von der Behandlerin
nach dem zufälligen Kontakt der Beschwerdeführerin mit dem ehemaligen Heimleiter
eine zweiwöchige Zustandsverschlechterung beschrieben. Dies gehe jedoch mit dem
Krankheitsbild der PTBS sowie der rezidivierenden depressiven Störung einher, bei
welchen es im Verlauf immer wieder zu vorübergehenden Krisen und vorübergehenden
Verschlechterungen kommen könne, da dies krankheitsimmanent sei und typisch für
das beschriebene Störungsbild. Elementar sei aber auch, dass das Kriterium der
(stabilen) Dauerhaftigkeit nicht erfüllt sei und es sich jeweils um vorübergehende
temporäre Verschlechterungen handle. Dies sei explizit auch dem Schreiben der
Behandlerin mit dem klar definierten Zeitraum von zwei Wochen zu entnehmen. Im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. H._ seien sowohl die Diagnose
einer PTBS, als auch die Diagnosen einer Panikstörung und einer rezidivierenden
depressiven Störung erfasst und diskutiert worden. Die Gutachterin habe aber
nachvollziehbar eine PTBS, subsyndromal, und eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert, neben einer Panikstörung beurteilt (act. G 4.2).
3.4.
Zum Thema Alkoholkonsum hält Dr. I._ fest, es sei im Rahmen der vorliegenden
medizinischen Unterlagen insbesondere auch der medizinischen Berichte der
Behandlerin mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass bei der Beschwerdeführerin keine eigentliche Abhängigkeitserkrankung gemäss
den ICD-10 Kriterien vorliege, sondern maximal ein schädlicher Konsum von Alkohol
gemäss ICD-10 F10.1. So habe Dr. H._ explizit festgehalten, es liege aktuell weder
eine Alkoholabhängigkeit noch ein schädlicher Gebrauch von Alkohol vor. In Bezug auf
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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den Konsum von Alkohol seien im Rahmen der durchgeführten gutachterlichen
Untersuchung sämtliche alkoholspezifischen Parameter (MCV, GGT, CDT und
Ethylglucoronid) negativ gewesen (siehe auch Gutachten IV-act. 136-6, 136-32,
136-50). Es sei ausdrücklich festzuhalten, dass im Rahmen der gutachterlichen
Abklärung und der vorliegenden fachärztlichen Berichte inklusive derjenigen der
Behandlerin kein Abhängigkeitssyndrom vorliege. Zudem sei während den insgesamt
jeweils sehr kurzen stationären Behandlungen festgehalten worden, dass bei der
Beschwerdeführerin keine körperlichen Entzugssymptome aufgetreten seien respektive
sei über diese nicht berichtet worden, was bei einer manifesten
Abhängigkeitserkrankung zu erwarten wäre. Die Aussage von med. pract. B._, dass
seit dem letzten stationären Aufenthalt 2019 mehrere Krisen auf Grund eines
exzessiven Konsums von Whisky aufgetreten seien, sei aus psychiatrischer Sicht gut
vereinbar mit der Diagnose eines schädlichen Konsums von Alkohol gemäss den
ICD-10-Kriterien respektive eines Missbrauchs von psychotropen Substanzen (ICD-10
Z72.2). Objektiv sei aus psychiatrischer Sicht festzuhalten, dass die Behandlerin hier
keine fachärztliche Unterscheidung vornehme zwischen einer Abhängigkeitserkrankung
gemäss den ICD-10-Kriterien und einem schädlichen Konsum respektive Missbrauch
von psychotropen Substanzen gemäss ICD-10 (act. G 4.2). Hinsichtlich der
Laborparameter zur Feststellung eines chronischen Alkoholkonsums führte Dr. I._
aus, die einzelnen Parameter seien für sich zwar tatsächlich nicht als alkoholspezifisch
anzusehen, jedoch sei in ihrer Kombination sehr wohl eine alkoholspezifische und
zuverlässige Aussage möglich. Dies insbesondere in der Kombination von
Ethylglucoronid und CDT, da Ethylglucoronid den kurzzeitigen Konsum über Tage
abbilde und CDT den Konsum der letzten Wochen. Zur weiteren Erhöhung der
Aussagekraft erfolge ergänzend ein Einsatz von weiteren Parametern wie MCV und
GGT. Die Aussage der Behandlerin, dass die Sensitivität des CDT-Wertes als
Alkoholmarker bei Frauen geringer sei, impliziere keinesfalls, dass eine CDT-
Bestimmung bei Frauen nicht anwendbar und generell nicht aussagekräftig sei. Dies sei
aus medizinischer Sicht keinesfalls zutreffend, insbesondere nicht in der Kombination
von mehreren abgenommenen und bestimmten Parametern (act. G 16.1). Diese
Ausführungen erscheinen nachvollziehbar begründet und stimmen mit den
Laboranalysen vom 18. Dezember 2019 überein (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Mai 2018, 9C_899/2017, E. 4.1). Etwas ausführlicher hatte Dr. H._ bereits im
Gutachten vom 10. September 2016 ausgeführt, dass die damaligen Laborparameter
auf einen Konsum von Alkohol ein bis drei Tage vor der Untersuchung hingewiesen
hätten. Auf Grund des unauffälligen CDT-Wertes ging sie bereits damals aber nicht von
einem chronischen Alkoholkonsum aus (IV-act. 88-40). Somit ist zwar nicht
auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin ihren Alkoholkonsum im Rahmen der
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Begutachtung heruntergespielt haben mag, auf Grund der Laborbefunde wie auch
gestützt auf die übrigen Akten und die gutachterlich erhobene Anamnese kann
insgesamt aber trotzdem nicht von mehr als einem schädlichen Konsum von Alkohol
(ICD-10 F10.1) ausgegangen werden.
Während die behandelnde Ärztin von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands ausging, hielt Dr. H._ fest, dass sich dieser im Vergleich zur
Untersuchung von 2016 auf psychiatrischer Ebene tendenziell leicht verbessert habe.
Sie ging davon aus, dass sich die aufgenommene Tätigkeit stabilisierend auf die
Gesundheit der Beschwerdeführerin auswirke (IV-act. 136-29). Dr. I._ wies
diesbezüglich auf die Tatsache hin, dass die Behandlerin ihre Einschätzung als
Therapeutin auf das bio-psychosoziale Modell abstütze, wohingegen die Einschätzung
der begutachtenden Person aus versicherungsmedizinischer Sicht keine
krankheitsfremden Faktoren berücksichtige und insgesamt als neutraler einzuschätzen
sei (act. G 4.2). Diesbezüglich ist mit Dr. I._ festzuhalten, dass die Gutachterin bzw.
der Gutachter ihre Untersuchungen "unbelastet", d.h. ohne jahrelange Konfrontation
mit der Not ihrer Patienten angehen und die weitere Dokumentation anderer involvierter
Ärzte und Therapeuten beiziehen können (vgl. act. G 4.2).
3.6.
Schliesslich beurteilt Dr. I._ in seiner im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
abgegebenen Stellungnahme vom 3. Juli 2020 die gemäss med. pract. B._
stattfindende ambulante psychiatrische Behandlung auf Grund des in ihrem Bericht
beschriebenen psychiatrischen Zustandsbildes als widersprüchlich und unzureichend.
So hätten bei der Beschwerdeführerin gemäss Aktenlagen von Februar 2020 bis Ende
Juli 2020 nur drei ambulante Behandlungen stattgefunden. Dies erscheine selbst unter
der Sondersituation der Covid-19-Pandemie keinesfalls plausibel. Gemäss Akten sei
der letzte Termin bei der Behandlerin am 19. Mai 2020 erfolgt und der nächste für den
23. Juli 2020 terminiert worden, also zwei Monate später. Dieses Behandlungssetting
widerspreche den inhaltlichen Darstellungen der Behandlerin, sei aber auf der anderen
Seite sehr gut vereinbar mit den gutachterlichen Feststellungen hinsichtlich Diagnosen
und insbesondere Funktionseinschränkungen auf psychiatrischer Ebene (act. G 4.2).
Auch diese Ausführungen des RAD-Arztes erscheinen schlüssig. Demzufolge konnten
sämtliche medizinischen Argumente, welche die Beweiskraft des Gutachtens vom 11.
Januar 2020 in Frage stellten, widerlegt werden. Dass Dr. H._ im Übrigen
festgehalten hatte, die Beschwerdeführerin arbeite aktuell etwa 40 bis 50% (vgl. IV-act.
136-26) und nicht wie tatsächlich eher 30% ist demgegenüber nicht relevant für ihre
Einschätzung einer aus psychiatrischer Sicht möglichen Arbeitsfähigkeit von 70% als
Hilfskraft in der Kantine oder in einer anderen adaptierten Tätigkeit. Denn entgegen der
3.7.
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4.
Ansicht der Beschwerdeführerin ist nicht ihr tatsächlich ausgeübtes Pensum
massgebend, sondern die medizin-theoretisch gutachterlich beweiskräftig festgelegte
Arbeitsfähigkeit.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das bidisziplinäre Gutachten in Kenntnis
der Vorakten, insbesondere der Berichte der behandelnden Psychiaterin sowie der
Austrittsberichte über die jeweiligen stationären Aufenthalte in der psychiatrischen
Klinik E._ erstellt wurde. Die Gutachter untersuchten die Beschwerdeführerin
persönlich und berücksichtigten nebst den klinischen Befunden die geklagten
Beschwerden. Das Gutachten ist umfassend und die medizinische Beurteilung
einleuchtend; namentlich ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar begründet.
Die im Beschwerdeverfahren eingereichten medizinischen Stellungnahmen der
behandelnden Psychiaterin bringen keine wesentlichen Aspekte vor, welche von der
psychiatrischen Gutachterin nicht berücksichtigt worden wären, und vermögen daher
keine ernsthaften Zweifel an den Ergebnissen der Begutachtung zu wecken. Folglich ist
das Gutachten beweiskräftig und es kann darauf abgestellt werden.
3.8.
Ausgehend von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sind
die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der
Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG
i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG).
4.1.
In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin sowohl für das
Validen- als auch für das Invalideneinkommen auf denselben Tabellenlohn der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik abgestellt (vgl. IV-act. 139), was
angesichts des beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden
ist. Da demnach beiden Vergleichseinkommen dieselbe Lohnbasis zu Grunde zu legen
ist, kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
durchgeführt werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2017, 9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis;
zum Tabellenlohnabzug vgl. BGE 126 V 75). Gründe, die einen Tabellenlohnabzug
rechtfertigen würden, werden weder von der Beschwerdeführerin geltend gemacht,
noch sind sie vorliegend ersichtlich. Folglich resultiert im Rahmen des
Prozentvergleichs ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30%.
4.2.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint. Es ist der Beschwerdeführerin grundsätzlich
4.3.
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5.