Decision ID: 35bfb4ed-0289-442b-b99f-35f49e545a16
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1959 geborene
X._
schloss
nach der Schulzeit die
Elektromonteur
anlehre
ab (
Urk.
10/8).
Zuletzt arbeitete er befristet bis März 2011 als Kabelfern
sehplaner (
Urk.
10/4/2-3
,
Urk.
10/16/1
,
Urk.
10/62
). Unter Hinweis auf eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit ab Mai 2011 wegen chronischer Migräne, Depres
sionen, Kopfschmerzen sowie Einschränkungen der Merkfähigkeit und Konzent
ration meldete er sich am 1
1.
Juni 2012 bei der Invalidenversicherung zur Früher
fassung an (
Urk.
10/2). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
forderte ihn
nach dem Früherfassungsgespräch
auf, sich bei ihr zum Leis
tu
ngsbezug anzumelden (
Urk.
10/5). Nach Eingang der Anmeldung
vom
3.
Juli 2012
(
Urk.
10/10)
gewährte d
ie IV-Stelle
dem Versicherten
zunächst Kostengut
sprachen
für ein Job Coaching zwecks Arbeitsplatzerhalt (
Urk.
10/15,
Urk.
10/
21), ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
10/24,
Urk.
10/31)
sowie
ein Aufbautraining (
Urk.
10/41,
Urk.
10/44,
Urk.
10/46).
Nebenbei wurde er von Psychiatriepflege
fachfrauen der örtlichen Spitex betreut (
Urk.
10/49).
Da Migräneattacken, Schul
terschmerzen sowie weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen im Verlauf immer mehr in den Vordergrund traten, mussten die Massnahmen im Januar 2014 abgebrochen werden (
Urk.
10/53,
Urk.
10/55-56,
Urk.
10/59).
1.2
Alsdann
holte die IV-Stelle bei den behandelnden Ärzten Berichte ein
(
Urk.
10/17-18,
Urk.
10/60
,
Urk.
10/65-66,
Urk.
10/69
,
Urk.
10/73,
Urk.
10/76
)
und liess den Versicherten in der
Y._
interdisziplinär (psychiatrisch, neurologisch, internis
tisch und orthopädisch/
traumatologisch
) begutachten.
Die Gutachter diagnos
tizierten in der Expertise vom
7.
Mai 2015 im Wesentlichen eine rezidivierende depressive Störung und einen Status nach Schulter-
Totalendoprothese
links; zudem bescheinigten sie dem
Versicherten
sowohl in der angestammten als auch in angepassten Tätigkeiten ab April 2011 eine Arbeitsunfähigkeit in schwanken
der Höhe, welche von ihnen ab Februar 2015 auf 20
%
veranschlagt wurde
(
Urk.
10/90
). Der Regionale Ärzte Dienst (RAD)
hielt in seiner Stellungnahme vom
1
3.
Mai 2015
fest
, auf das Gutachten
könne
abgestellt werden (
Urk.
10/94/8).
Demgegenüber
war
die
zuständige
Sachbe
arbeit
er
in
der IV-Stelle
der Ansicht, die Beeinträchtigungen seien überwindbar und es bestehe kein invalidenversiche
rungsrechtlich relevant
er Gesundheitsschaden (
Urk.
10/9
4/8-9).
Deshalb stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom
3.
August 2015 die Vernei
nung eines Anspruchs auf
Leistungen
der Invalidenversicherung
in Aussicht (
Urk.
10/95). Nachdem der Versicherte dagegen Einwände erhoben (
Urk.
10/98
,
Urk.
10/102) und einen Verlaufsbericht der behandelnden Psychiater eingereicht
hatte (
Urk.
10/101),
holte die IV-Stelle zunächst die Stellungnahme der
Y._
-Gutachter vom
6.
Januar 2016 ein (
Urk.
10/107) und forderte die behandelnden Ärzte zur Beantwortung zusätzlicher Fragen auf
, was diese
im
Bericht vom
2.
August 2016 taten
(
Urk.
10/116).
Anschliessend
holte die IV-Stelle das psychi
atrisch-neuropsychologische Verlaufsgutachten der
Y._
vom
1
9.
Januar 2017 ein
(
Urk.
10/119)
.
Da die Sachbearbeiter
in
der IV-Stelle
auch aufgrund der ergänzten Aktenlage
d
er Meinung war
, dass kein invalidisierender Gesundheits
schaden vorliege
(
Urk.
10/130/5-6), verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
2
5.
April 2017
das Bestehen eines
Leistungs
anspruchs (
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Advokatin Karin
Wüthrich
von der
Procap
Schweiz
,
mit Eingabe vom 2
3.
Mai 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihm ab wann rechtens eine Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es sei ihm in der Person von Advokatin Karin
Wüthrich
eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (
Urk.
1 S. 2). Mit
Beschwerdeantwort vom 2
8.
Juni 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom 1
1.
Juli 2017 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm Advokatin Karin
Wüthrich
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
11). Am 2
5.
April 2018 setzte das Gericht den Parteien Frist an, um zur geänderten Praxis des Bundesgerichts betreffend psychische Lei
den (gemäss BGE 143 V 409 und 143 V 418) Stellung zu nehmen (
Urk.
13).
Der
Beschwerdeführer reichte seine s
chriftliche Stellungnahme am 1
5.
Mai 2018 ein (
Urk.
15), die IV-Stelle die ihre am 1
1.
Juni 2018 (
Urk.
17
; vgl. auch
Urk.
18
).
Beide Stellungnahmen wurden der Gegenpartei je zur Kenntnis zugestellt (
Urk.
18).
Mit Verfügung vom 2
7.
September 2018 wurde die Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Prozess beigeladen (
Urk.
22). Sie äusserte sich am 3
0.
Oktober 2018 dahingehend, dass sie aufgrund des Beginns einer möglichen Invalidenrente nicht an das Urteil des Sozialversicherungsgerichts gebunden sei (
Urk.
27).
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
psychischer Krankheiten,
nach BGE 14
3 V 409 namentlich auch leichten bis mittelschweren
Depressionen,
sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche
Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen
ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
densdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
von
Kompensationspotenzialen
(Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-
3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG.
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle verneinte in der angefochtenen Verfügung einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers mit der Begründung,
ihre medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass keine Diagnosen vorlägen, welche eine dauerhafte, hoch
prozentige Arbeitsunfähigkeit bewirkten. Den Beeinträchtigungen des Beschwer
deführers fehle die nötige Schwere und
Chronifizierung
, um als invalid
enver
sicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden anerkannt werden zu können. Aufgrund des Verlaufsgutachtens der
Y._
gehe sie davon aus, dass eine gleich
mässige Tätigkeit mit geringen Anforderungen im sprachlichen und kommunika
tiven Bereich möglich sei.
Sämtliche im Dezember 2016 erhobenen Befunde seien weitgehend unauffällig gewesen.
Der Beschwerdeführer
leide unter einer rezidi
vierenden depressiven Störung mit aktuell gering ausgeprägter Symptomatik
. Er verfüge über einen geregelten Tagesablauf und pflege regelmässig soziale Kon
takte. Momentan bestünden eindeutig keine Antriebsminderung, kein Verlust von Interesse und Freude und eine nur mässig und nicht durchgehend gedrückte Stim
mung. Selbst für die Diagnose einer leichten depressiven Episode müssten min
destens zwei der drei Hauptsymptome deutlich erfüllt sein
. Das vom Beschwer
deführer anlässlich der Begutachtung beschriebene Aktivitätsniveau
spreche nicht dafür, dass effektiv
Einschränkungen
bestünden
. Die
angegebenen
Ein
schränkungen seien deshalb nicht konsistent
(
Urk.
2
,
Urk.
17
; vgl. auch
Urk.
9).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich dagegen auf den Standpunkt, er habe A
nspruch auf eine Invalid
enrente. In den beiden Gutachte
n der
Y._
würden klarerweise Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Der RAD habe sich der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich angeschlos
sen. Soweit die IV-Stelle geltend mache, er habe einen geregelten Tagesablauf und pflege regelmässig soziale Kontakte, sei
zu beachten, dass dies höchstens für Phasen gelte, in denen die rezidivierende depressive Störung nur leicht ausge
prägt gewesen sei. Gegen die Sichtweise der IV-Stelle sprächen zudem die Akte
n, denen entnommen werden könne
, dass er auf
regelmässige Unterstützung in der Alltagsbewältigung durch die
Psychiatriespitex
angewiesen
sei.
Zu beachten sei ferner, dass gemäss den Gutachtern selbst in Phasen mit gering ausgeprägter depressiver Symptomatik aufgrund d
er
ADHS
(die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und der
Persönlichkeitsakzentuierung eine Konstellation vorgelegen habe, in der sich die psychischen Störungen gegenseitig verstärkt hätten. Deshalb habe über eine relativ lange Zeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 80
%
vorgelegen.
Demnach
sei das Wartejahr erfüllt. Nachdem berufliche Massnahmen abgeschlossen seien, müsse der
Anspruch auf eine Rente geprüft werden.
Allerdings entsprächen
d
ie Gutachten der
Y._
nicht
den neu geltenden normativen Vorgaben des Bundesgerichts.
Die massgebenden Indikatoren würden teils nicht oder zu knapp
behandelt.
Eine genügende Persönlichkeitsdiagnostik im Sinne einer ausführlichen Diskussion des aktuellen Persönlichkeitsbildes und der Persönlichkeitsentwicklung fehle. Die bei den Ressourcen erwähnte umfang
reiche Unterstützung durch die Gemeinde sei in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit nicht aussagekräftig.
Die Ausführungen
im Verlaufsgutachten der
Y._
, wonach
sein
Aktivitätsniveau im Bereich Freizeit überhaupt nicht eingeschränkt sei, er
grosses Interesse an Musik
habe, sich
an Aufführungen
beteilige
und Musiker
freundschaften
habe, seien nicht schlüssig. Denn im
neuro
(
psycho
)
logischen Teil des
Verlaufsgutachtens
werde erwähnt, dass er sich mitunter besser darstelle. Die Gemeinde habe denn auch interveniert und auf soziale Isolation, die notwendige Unterstützung in administrativen Belangen und bei der Tagesgestaltung sowie die laufende Betreuung durch die
Psychiatriespitex
hingewiesen. Vor diesem Hin
tergrund könne nicht einfach auf seine Schilderungen abgestellt werden,
was aber sowohl die Gutachter als auch die IV-Stelle getan hätten.
Die zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Leiden erforderliche Gesamtwürdigung anhand der Indikatoren im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sei bisher nicht erfolgt. D
eshalb sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle
zurückzuweisen (
Urk.
15 S. 2
ff.)
.
B
ei der Invaliditätsbemessung
müsse zudem auf jeden Fall
ein leidensbedingter Abzug berücksichtigt werden. Er benötige nämlich auch in einer adaptierten Tätigkeit ein spezielles Arbeitsumfeld und besondere Unterstützung
, wie sich aus den Protokollen der Eingliederungsberatung ergebe
(
Urk.
1 S. 2 und 5 f
.
,
Urk.
15
S. 2 f.
).
3.
3.1
Erstmals wurde der Beschwerdeführer
vom 2
5.
bis 2
7.
März
2015
in der
Y._
psychiatrisch,
neurologisch, internistisch und orthopädisch/
traumatologisch
begutachtet
, wobei die Expertise am
7.
Mai 2015 fertiggestellt wurde
(
Urk.
10/90/1)
.
Der psychiatrische Gutachter hielt in seinem Teil
der Expertise
fest
, der Beschwer
deführer leide seit Kindheit an eine
r
ADHS. Darüber hinaus
sei es
aufgrund bio
graphischer Belastungen in der Kindheit
zur
Ausbildung selbstunsicherer, abhän
giger sowie zwanghafter
Persönlichkeitszüge
gekommen
.
S
chon früh
sei zudem
eine rezidivierende depressive Störung
aufgetreten
, welche bereits seit 1988 psychiatrisch
behandelt werde. Trotz dieses komplexen psychischen Krankheits
bildes sei der Beschwerdeführer im beruflichen Bereic
h durchaus erfolgreich gewesen;
seit 1970
habe er
durchgehend in teilweise sehr langen Beschäftigungs
verhältnissen im erlernten Beruf
gearbeitet
.
Desw
egen könne die von den behan
delnden Ärzten des
Z._
gestellte Verdachtsdiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden.
Für eine solche Diagnose
sei
auch
die soziale Funktionsfähigkeit nicht genügend eingeschränkt:
Der Beschwerdeführer habe
einen kleinen, aber stabilen
Freundes
kreis
und gehe seinem Hobby – er spiele in einem Orchester Bassgeige – intensiv nach.
Der Beschwerdeführer
sei beruflich uneingeschränkt
leistungsfähig gewesen, s
olange er für sich allein habe arbeiten können und nicht einer Situation mit vermehrter Ablen
kbarkeit ausgesetzt gewesen sei
. Eine für ihn ungünstige Veränderung der Arbeitsumgebung (Grossraumbüro mit mehr ablenk
enden Reizen) habe er mit seiner
ADHS aber nicht mehr bewältigen können, was 2009 erstmals zum Arbeitsplatzverlust geführt habe.
Nachdem er im April 2011 erneut seinen Arbeitsplatz verloren habe, sei es zu einer mittelgradig
en
depressiven Episode gekommen. Die Kombination von ADHS, mittelgradiger depressiver Episode sowie Persönlichkeitsakzentuierung habe zu einer erheblichen Beeinträchtigung auch der quantitativen Leistungsfähigkeit geführt, so dass er eine weitere Arbeits
stelle im September 2012 bereits nach kurzer Zeit verloren habe. Die Arbeits
fähigkeit sei damals auch durch die als sehr quälend empfundene Migräne beein
trächtigt gewesen, wobei sich diese und die psychischen Störungen gegenseitig verstärkt hätten. Ab Januar 2015 sei eine weitgehende Remission eingetreten mit nur noch mässig ausgeprägter depressiver Symptomatik. Es liege aktuell nur noch eine mässig bedrückte Stimmung vor
, was weitgehend der Situation entspreche, welche bereits zuvor über viele Jahre bestanden habe.
Diagnostisch sei von einer aktuell mässig ausgeprägten rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.9) auszugehen.
D
ie
ADHS und die Persönlichkeitsakzentuierung beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit vorwiegend in qualitativer Hinsicht
. In Anbetracht der
Chronifi
zierung
der depressiven Symptomatik
bestünden
relevante Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Durchhaltevermögen, Flexibilität, Umstellungsvermögen
sowie emotionale Belastbarkeit. Wegen dieser Beeinträchtigungen
sei die Arbeitsfähig
keit um 20
%
eingeschränkt
. Der Beschwerdeführer gehe davon aus, unter geeig
neten Umgebungsbedingungen zu 100
%
arbeiten zu können
(
Urk.
10/90/10-11
,
Urk.
10/90/18,
Urk.
10/90/20
-28
).
Während der internistische Teilgutachter aus seiner Warte keine Gesundheits
schäden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen konnte, gelangte der begutachtende Neurologe zur Schlussfolgerung, dass die Arbeitsfähigkeit durch die Migräne nicht eingeschränkt werde. Bei Attacken sei wie immer in solchen Fällen mit kurzdauernden Absenzen vom Arbeitsplatz zu rechnen.
Der orthopä
dische Teilgutachter hielt fest, aufgrund des Status nach Implantation einer Schulterprothese links
im Juli 2014
mit noch bestehenden Bewegungseinschrän
kungen in allen Ebenen sowie des Zustandes nach
einer
Unterarmfraktur links mit
geringem Streckdefizit bestehe eine Minderbelastbarkeit des linken Armes
(
Urk.
10/90/11-13
,
Urk.
10/90/44-45
).
A
bschliessend attestierten die Gutachter dem Beschwerdeführer sowohl in der bisherigen als auch in leidensangepassten Tätigkeiten wegen
der
psychischen Einschränkungen eine 20%ige
A
rbeitsunfähigkeit.
Weiter
definierten
sie
folgen
des Belastungsprofil:
Aus orthopädischer Sicht seien wechselbelastende leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zumutbar. Mit dem linken Arm seien Überkopf
arbeiten und das Tragen von Lasten über 20 kg nicht möglich.
Unter Berücksich
tigung der zusätzlichen Einschränkungen
wegen
de
r
ADHS
,
des
eigenwilligen, zwanghaften Kommunikationsstils
,
der rezidivierenden
depressiven Störung und der Persönlichkeitsakzentuierung seien
Arbeiten
geeignet
,
bei welchen der Beschwerdeführer sein technisches Wissen und Interesse anwenden könne, für sich allein arbeiten könne und möglichst nicht mit mehreren
Arbeiten
gleichzeitig konfrontiert werde
. Retrospektiv betrachtet sei
er sowohl in der bisherigen als auch in angepassten Tätigkeiten wegen der zwischen leichtem und mittlerem Schweregrad schwankenden depressiven Symptomatik im Zusammenspiel mit den weiteren psychischen Störungen
ab
April 2011
zu 100% sowie ab Juni 2011 zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen. Di
e Schulterproblematik habe von Ende 2013 bis Januar 2015, sechs Monate nach der Schulteroperation, zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt. Seit Februar 2015 bestehe eine 80%ige Arbeitsfähig
keit
(
Urk.
10/90
/14-16)
.
3.2
Am
9.
Oktober 2015 nahmen
die
behandelnden Psychiater des
Z._
zum Gutachten der
Y._
vom
7.
Mai 2015 Stellung. Dabei kritisierten sie, die Gutachter hätten nicht berücksichtigt, dass der Beschwerde
führer seinen
Alltag insgesamt alleine kaum mehr bewältigen könne und auf Hilfe der psychiatrischen Spitex angewiesen sei. Zudem habe er praktisch keine Freunde oder Kollegen mehr u
nd sei von der Band, für welche
er früher Bassgeige gespielt habe, entlassen worden. Seit der Begutachtung sei es zu
einer weiteren
gesundheitlichen Verschlechterung gekommen,
so dass im September 2015 eine Klinikeinweisung nötig geworden sei. Aktuell müsse von einer mindestens mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen werden.
Zudem habe eine
neu
ropsychologische Untersuchung im Februar 2015 eine leichte kognitive Störung
ergeben.
Es
sei d
avon auszugehen, dass d
er Beschwerdeführer wegen
der kogni
tiven Beeinträchtigungen sowie der affektiven und interpersonellen Auffällig
keiten inzwischen ein allgemeines Funktionsniveau aufweise, welches den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht genüge (
Urk.
10/101).
Am 1
6.
Januar 2016 nahmen die
Y._
-Gutachter zur Kritik der behandelnden Psychiater Stellung.
Sie verw
iesen darauf
,
dass
aus der Tatsache, dass psychiat
rische Spitex verordnet worden sei,
nicht
ohne Weiteres auf einen bestimmten Grad von Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden
dürf
e
. Nicht selten
werde
eine einmal verordnete psychiatrische Spitex nicht ausreichend kritisch und kontinu
ierlich geprüft und
laufe deshalb
auch nach Besserung
des Krankheitsbildes wei
ter
. Von Bedeutung sei fern
er, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Begut
achtung e
ine
sehr aktive
und eigenständige
Alltag
sgestaltung geschildert habe, welche
nicht mit einer auch nur leichten depressiven Episode oder eine
r
andere
n stärker ausgeprägten kognitiven Störung
vereinbar sei
. Die
Beschreibung
der Alltagsgestaltung und der sozialen Kontakte
sei viel zu detailliert ausgefallen, um als unwahr eingestuft werden zu können.
Deshalb bestehe kein Anlass, von den Einsch
ätzungen im Gutachten vom
7.
Mai 2015 abzuw
e
i
chen.
Da
der Beschwer
deführer
an einer rezidivierenden depressiven Störung leide, könne aber eine zwischenzeitlich eingetretene gesundheitliche Verschlechterung nicht ausge
schlossen
werden.
Auch die von den behandelnden Ärzten erwähnte kognitive Störung sei gegebenenfalls weiter abklärungsbedürftig (
Urk.
10/107).
Im Bericht vom
2.
August 2016 berichteten die behandelnden Psychiater des
Z._
über eine weitere gesundheitliche Verschlechterung mit Entwicklung eines
Dermatozoenwahns
(organische
Halluzinose
), welcher im Juni 2016 zu einer weiteren psychiatrischen
Hospitalisation
geführt habe.
Der
Beschwerdeführer habe mit dem einzigen verbliebenen Kollegen immer wieder Streit gehabt und deshalb auch mit diesem keinen regelmässigen Kontakt mehr. Die Diagnose einer leichten kognitiven Störung müsse zurückgenommen werden; dafür sei neu eine anamnestisch bekannte Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache zu diagnostizieren. Der Beschwerdeführer sei wegen der kogni
tiven, psychischen und körperlichen Einschränkungen und der Persönlichkeits- und Verhaltensauffälligkeiten auch
prognostisch
den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht gewachsen (
Urk.
10/116
; vgl. auch
Urk.
10/121
).
3.3
Im Auftrag der IV-Stelle erstellte die
Y._
gestützt auf psychiatrische und neuropsychologische Abklärungen vom 1
3.
und 1
6.
Dezember 2016
inklusive einem Telefonat mit der Spitex
das Folgegutachten vom 1
9.
Januar 2017 (
Urk.
10/127/1
,
Urk.
10/127/7,
Urk.
10/127/10
).
Die medizinischen Experten gelangten zur Beurteilung, dass sich der Gesund
heitszustand seit der letzten Begutachtung
, als dem Beschwerdeführer noch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei,
leicht verschlechtert habe.
Er
habe
ihnen
angegeben, dass
sich seine relativ gute
Stimmung geändert
habe
, nachdem sich zwei seiner drei Musikerkollegen, mit denen er seit Jahren aufgetreten sei, von ihm abgewandt hätten. Er sei deshalb sehr enttäuscht und gekränkt gewesen, und die Depression habe sich verstärkt.
Im Sommer 2015 sei der Beschwerdefüh
rer während fünf bis sechs Wochen
im
Z._
stationär behandelt worden und zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
.
Danach sei es ihm wie
der
besser gegangen
, für diese Zeit könne von einer Arbeitsfähigkeit von 50-80
%
in der bisherigen Tätigkeit und 70-80
%
in angepassten Tätigkeiten ausgegangen werden.
Ungefähr ab
April
2016 habe er an einem
Dermatoz
o
enwahn
gelitten und sei deshalb im Juni 2016 in der
A._
stationär behandelt worden. Bei Klin
i
kaustritt habe der Wahn nicht mehr bestanden.
Für die Zeit von April bis September 2016 sei von einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen.
Seit
Oktober 2016 sei der Beschwerdeführer in der ange
stammten Tätigkeit zu 50
%
und in leidensadaptierten Tätigkeiten zu 70
%
arbeitsfähig
(
Urk.
10/127/8-9,
Urk.
10/127/18)
.
Der Beschwerdeführer
habe angegeben
, aktuell Sozialhilfe zu beziehen und von einer Mitarbeiterin der Gemeinde in finanziellen und administrativen Angele
gen
heiten unterstützt zu werden
. Zudem komme einmal wöchentlich jemand von der psychiatrischen Spitex vorbei und führe mit ihm während einer Stunde ein Gespräch. Ferner komme einmal pro Monat eine Reinigungskraft bei ihm vorbei, welche ihn während einer Stunde mit Rat und Tat bei der
Wohnungsreinigung unterstütze
(
Urk.
10/127/10).
Die rezidivierende depressive Störung weise aktuell eine gering ausgeprägte Symptomatik auf. Da nur eine mässig und auch nicht durchgehend gedrückte Stimmung
habe erhoben werden können, sei höchstens eines
der
für die Diagnose
einer leichten
depressiven Episode
erforderlichen zwei Hauptsymptome gegeben.
Diagnostisch sei von
einer nicht näher bezeichneten rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.9) aus
zugehen.
Die aktuelle neuropsychologische Unter
such
ung habe ergeben, dass nebst der
bekannten
ADHS
bei
e
iner
unterdurch
schnittlichen
Gesamtintelligenz (IQ 78
im Sinne einer leichten Lernstörung
) eine sehr grosse Diskrepanz zwischen dem Handlungs-IQ von 94 und dem sehr nied
rigen Verbal-IQ von 68, we
lcher einer leichten geistigen Behinderung entspreche, bestehe.
Insgesamt
liege
eine mittelgradige neuropsychologische Störung
vor
mit T
eilleistungsschwächen im sprachlichen Bereich, im Arbeitsgedächtnis, im verbal-mnestischen Bereich, in den Exekutivfunktionen sowie im Sinne einer
Verlangsamung.
Diese sei am ehesten entwicklungsbedingt und zusammen mit der ADHS-Diagnose gut mit der schulischen und beruflichen Anamnese verein
bar.
In diagnostischer Hinsicht
sei von einer dissoziierten Intelligenzminderung (ICD-10: F74) auszugehen.
Des W
eiteren bestehe nach wie vor eine Persönlich
keitsakzentuierung
mit zwanghaften, ängstlich-selbstunsicheren und
abhängigen Zügen. Im Rahmen der Untersuchung
habe
eine ausgeprägte Entscheidungs
schwierigkeit
beobachtet werden können, wenn der Beschwerdeführer unsicher sei oder
sich unter Druck gesetzt fühle.
Es
sei davon auszugehen, dass
die psy
chischen Komorbiditäten und die reduzierte psychische Stabilität einen modulie
renden Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit im Alltag hätten. Denkbar sei, dass vorbestehende kognitive Beeinträchtigungen in Phasen psychischer Stabilität
auf hohem Funktionsniveau kompensier
t
werden könnten. Damit
lasse sich erklär
en, weshalb der Beschwerdeführer trotz seiner neuropsychologischen
Beeinträchtigungen in der Vergangenheit über längere Zeit beruflich durchaus leistungsfähig gewesen sei. Bei Verschlechterung der psychischen Situation komme es dagegen zu einer
Dekompensation der kognitiv-intellektuellen Leistungsfähigkeit und damit der Funktionalität in Beruf und Alltag.
Wegen der mittelgradigen neuropsychologischen Störung sei er in der letzten Tätigkeit als Kabelfernsehplaner zu rund 50
%
arbeitsunfähig. In einer leidensangepassten Tätigkeit überwiegend praktischer Art mit höchstens mittelgradig komplexen technischen Aufgaben, geringen Anforderungen im sprachlichen und kommuni
kativen Bereich sowie mit klar strukturierten Arbeitsabläufen
ohne emotional belastende Tätigkeiten
bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von rund 70
%
. Die umfang
mässige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei auf die weiterhin bestehende
Verlangsamung und
die
nicht
kompensierbaren
mnestischen und exekutiven Defizite
zurückzuführen.
Der Beschwerdeführer sollte eher für sich allein mit wenig Kundenkontakt und ohne viel Abstimmungsbedarf mit Vorgesetzten und Arbeitskollegen arbeiten können. Wegen de
r
ADHS sei eine laute, unruhige
Arbeitsumgebung, zum
Beispiel in einem Grossraumbüro
, nicht geeignet. Ebenso wenig in Frage kämen Tätigkeiten mit Multitasking-Anforderungen.
Ein Ver
gleich mit den früheren neuropsychologischen Abklärungen im
Z._
, wo lediglich eine leichte neuropsychologische Störung erhoben worden
sei, sei nicht möglich,
da Angaben zu den verwendeten Verfahren und Rohwerte
n
fehlten. Möglicherweise sei die aktuell erhobene schwerere Störung einzig auf die umfassendere Abklärung zurückzuführen. Letztlich könne aber zum Verlauf keine Aussage gemacht werden
(
Urk.
10/127/12
-16
,
Urk.
10/127/36-37).
Zusätzlich gaben die Gutachter an, dass keine Anhaltspunkte für
Inkonsistenzen und
aggravierendes
Verhalten
bestünden
(
Urk.
10/127/15
-16,
Urk.
10/127/20
)
.
Im Gegenteil
fiel dem begutachtenden Neuropsychologen – im Gegensatz zum psychiatrischen Gutachter (
Urk.
10/127/23) - auf
, dass der
Beschwerdeführer
sich hinsichtlich sprachlicher Entwicklung und schulischer Leistungen besser dar
stellt
e
, als dies in den Akten dokumentiert
war, woraus er auf eine eingeschränkte Fähigkeit zur Selbsteinschätzung schloss (
Urk.
10/127/33,
Urk.
10/127/35)
.
Die
bestehenden Therapieoptionen seien ausgeschöpft
(
Urk.
10/127/22
,
Urk.
10/127/22
).
Hinsichtlich des sozialen Kontextes führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer sei durch seine schwierige finanzielle Situation und die wenigen sozialen Kontakte belastet
, ohne dass dies aber direkte negative funk
tionelle Folgen zeitige.
Als Ressourcen seien insbesondere die sehr umfangreiche Unterstützung durch die Gemeinde und das grosse Interesse des Beschwerdefüh
rers an
Musik einschliesslich der Beteiligung an Musikaufführungen zu nennen (
Urk.
10/127/16,
Urk.
10/127/20
-21
).
Er
könne
sich eine berufliche Tätigkeit als LKW
-Chauffeur mit einem Beschäftigungsgrad von 50
%
vorstellen
, was
eine grosse Diskrepanz zum überhaupt nicht eingeschränkten
Aktivitätenniveau
in der Freizeit darstelle
.
Eher mit der subjektiven Arbeitsfähigkeit vereinbar sei die Tat
sache, dass er im Haushaltsbereich relativ viel Unterstützung erhalte
(
Urk.
10/127/10).
(
Urk.
10/127/16,).
4.
4.1
Ent
gegen der Ansicht
der IV-Stelle enthalten die Akten Anhaltspunkte für das
B
estehen
eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
.
Sämtliche Ärzte
– sowohl die
behandelnden Ärzte des
Z._
, die Gutachter des
Y._
als auch der RAD
in seinen Stellungnahmen vom 1
3.
Mai 2015 und vom
2.
Februar 2017 (
Urk.
10/94/8,
Urk.
10/130/5)
-
gingen im relevanten Zeitraum von einer durchgehenden
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
von
mindes
tens 20
%
aus
.
Die Psychiater diagnostizierten nicht nur eine depressive Störung, ein
e
ADHS und eine akzentuierte Persönlichkeit. D
ie Beurteilung
im
Y._
-
Verlaufsgutachten
, dass der Beschwerdeführer wegen
de
r
diagnostisch als
disso
ziierte
Intelligenzminderung
einzuordnenden
mittelschweren
neuropsycholo
gischen Funktionsstörungen
in seiner Arbeitsfähigkeit umfangmässig
zu 30-50
%
eingeschränkt ist
, leuchtet grundsätzlich ein, ebenso
die
Einschätzung
der Gut
achter
, dass
das Belastungsprofil für zumutbare Verweisungstätigkeiten
wegen des Zusammenspiels der verschiedenen psychischen und somatischen Beeinträch
tigungen zusätzlich eingeschränkt is
t
(
Urk.
10/
127/12,
Urk.
10/127/14,
Urk.
10/127/16,
Urk.
10/127/37)
.
Eine Rolle spielt dabei auch, dass die Gutachter keine Anzeichen für Aggravation oder ähnliches Verhalten des Beschwerdefüh
rers hatten feststellen können (
Urk.
10/127/15,
Urk.
10/127/19)
und
aus
dem Auszug aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers hervorgeht, dass er bereits zu früheren Zeiten seine Arbeitsstelle häufig wechselte (
Urk.
10/77
)
.
Von
Bedeutung ist sodann, dass eine durchschnittlich mindestens 40%ige Arbeitsun
fähigkeit während eines Jahres sowie eine anschliessende 40%ige Invalidität aus
reichen, um den Anspruch auf eine Rente entstehen zu lassen
(vorstehend E. 1.3)
.
Der Beschwerdeführer hat sich im Jahr 2012 zum Leistungsbezug angemeldet.
Würde auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die
Y._
-Gutachter abge
stellt,
wonach auch in leidensangepassten Tätigkeiten ab Juni 2011 eine 50%ige
und von Ende 2013 bis Januar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorlag (
Urk.
10/90/
16),
wären
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit und der sechs
monatigen
Karenzf
rist
nach
Art.
29
Abs.
1 IVG
(vorstehend E. 1.3
)
zumindest die Vora
u
ssetzungen für die Zuspr
echung
einer rückwirkend befristeten (Teil-)Rente gegeben.
4.2
Allerdings kann die zumutbare Arbeitsfähigkeit bei der gegenwärtigen Aktenlage nicht mit dem massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bestimmt werden.
Die Beurteilung der behandelnden Psychiater
des
Z._
, dass der Beschwerdeführer
auch prognostisch
zu 100
%
arbeitsunfähig sei
n werde
(
Urk.
10
/101
/2-3
,
Urk.
10/116
)
, ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Zu beachten ist,
dass
er in der Vergangenheit während Jahrzehnten vollzeitlich
arbeitete und sich noch anlässlich der Verlaufsbegutachtung in der
Y._
als zu 50
%
arbeitsfähig einschätzte
(
Urk.
10/127/10)
. Auch lässt sich eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
auf dem im Bereich der Invalidenversicherung allein massge
benden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. die vorstehende
E. 1.1
)
anhand der im Verlaufsgutachten der
Y._
überzeugend
hergeleiteten Diagnosen
kaum
begründen.
Die Gutachter haben zudem einlässlich und grundsätzlich überzeu
gend dargetan, weshalb
angesichts
des beruflichen und privaten Werdegangs des Beschwerdeführers
die Voraussetzungen für die Diagnose einer
Persönlichkeits
störung
nicht gegeben
seien
(
Urk.
10/90/27,
Urk.
10/
127/14 f.,
Urk.
10/127/17,
Urk.
10/127/20).
Das erste
Y._
-Gutachten vom
7.
Mai 2015
erging ohne neuropsychologische Beurteilung
, was angesichts
der
im weiteren Verlauf festgestellten
, vermutlich seit langem bestehenden
neuropsychologischen Funktionsstörungen einen erheb
lichen Mangel darstellt
.
Sodann überzeugt die
Einschätzung der
Gutachter, dass die
Arbeitsfähigkeit
wegen der depressiven Störung zu 20
%
eingeschränkt sei, nicht ohne Weiteres. Die Gutachter wiesen nämlich gleichzeitig darauf hin, dass
eine
weitgehende Remission der Depression eingetreten sei und nur noch eine mässig bedrückte Stimmung habe erhoben werden können
.
Insofern sind die Zweifel der IV-Stelle an der Beweiskraft dieses Gutachtens nachvollziehbar.
Schliesslich
wurde das trotz der psychischen Einschränkungen erreichbare Leis
tungsvermögen ohne Bezugnahme auf die nach der neusten Rechtsprechung massgeblichen
Standardindikatoren
begründet
(vgl. die vorstehende E. 3.1)
.
Im Verlauf
sgutachten des
Y._
vom 1
9.
Januar 2017
wurde lediglich die E
nt
wicklung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
nach der ersten Begutachtung im
Y._
im Mai 2015
beurteilt
(
Urk.
10/127/25)
.
Obwohl die Gut
achter neu eine mittelgradige neuropsychologische Störung beziehungsweise ein unterdurchschnittliches intellektuelles Leistungsniveau mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben und darauf hinwiesen,
diese Problematik bestehe wohl seit der Jugend, nahmen sie keine retrospektive – auch den im Vorgutachten beurteilten Zeitraum betreffende – Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
unter Berück
sichtigung dieser Einschränkungen
vor. Ihre Begründung, zum Verlauf könne keine Aussage gemacht werden, weil Angaben zu den verwendeten Verfahren und den Rohwerten
der neuropsychologischen Voruntersuchungen fehlten (
Urk.
10/127/36), überzeugt nicht. Es fehlen nämlich Anhaltspunkte, dass hin
sichtlich der in den Verlaufsberichten des
Z._
vom
9.
Oktober 2015 und
2.
August 2016
(vgl.
Urk.
10/127/5-6)
erwähnten neuropsy
chologischen Untersuchungen keine weiteren Informationen hätten erhältlich gemacht werden können.
Bei der gegenwärtigen Aktenlage ist jedenfalls die im Verlaufsbericht
vom 1
9.
Januar 2017 bescheinigte
Verschlechterung
der Arbeits
fähigkeit in der letzten Tätigkeit und i
n angepassten Tätigkeiten von 80
%
(
Urk.
10/90/16)
auf
50
%
in der angestammten und 70
%
in angepassten Tätig
keiten
(
Urk.
10/127/18)
nicht nachvollziehbar
,
zumal
im Verlaufsgutachten vom 1
9.
Januar 2017 hinsichtlich der übrigen psychischen Störungen (Depression, ADHS, Persönlichkeitsakzentuierung) keine Verschlechterung dokumentiert ist
.
Offen bleibt deshalb, ob die im Verlaufsgutachten bescheinigte Arbeitsfähigkeit
– unter Ausschluss der von den Gutachtern anerkannten Zeiten mit vorüber
gehend höherer Arbeitsunfähigkeit -
nicht bereits für den Zeitraum gilt, der im
Y._
-Gutachten vom
7.
Mai 2015 beurteilt wurde.
Der Beschwerdeführer wies die Gutachter auf seine umfangreiche Betreuung durch die sozialen Dienste seiner Gemeinde und die
Psychiatriespitex
hin, und
im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung
wurde
festgestellt, dass
seine
Angaben teilweise nicht zuverlässig waren und er seine Ressourcen teilweise überschätzte (
Urk.
10/127/35
; vgl. auch
Urk.
10/21/4
).
Unter diesen Umständen hätte sich im Rahmen der Folgebegutachtung im
Y._
die Einholung fremd
anamnestischer Auskünfte
bei der
Psychiatriespitex
zum Gesundheitszustand
und zu den vorhandenen sozialen Ressourcen
aufgedrängt.
Schliesslich
ist
die von den
Y._
-
Gutachtern
im Verlaufsgutachten vom 1
9.
Januar 2017 attestierte
Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
im Zeitlichen Ver
lauf
lückenhaft (keine präzise Angabe zum Zeitraum Mai 2015 bis zur nächsten stationären psychiatrischen
Hospitalisation
im Herbst 2015
;
Urk.
10/127/18) und steht
für die Zeit ab Sommer 2015
im Widerspruch
zu den Angaben im Bericht der
B._
, wonach sich der Beschwerdeführer erstmals vom 2
1.
September bis 1
3.
Oktober 2015 wegen der verstärkten depressiven Sympto
matik und
erneut vom
3.
bis 2
0.
Juni 2016
wegen des
Dermatozoenwahns
in der Klinik aufhielt
(
Urk.
10/121/1-2,
Urk.
10/127/18).
4.3
Zusammenfassend ergibt sich,
dass die IV-Stelle den Sachverhalt im Zeitraum bis zur Erstellung des ersten
Y._
-Gutachtens vom
7.
Mai 2015
nicht umfassend
abgeklärt hat
,
da
eine neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers unterblieb. Bei der Erstellung des Folgegutachtens vom
1
9.
Januar 2017
wurde dieser Mangel nicht durch den Miteinbezug einer eingehenden retrospektiven neuropsychologischen Abklärung behoben. Das Folgegutachten leidet zudem
an weiteren Mängeln, insbesondere ist der Verlauf der
bescheinigten
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
angesichts der Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte nicht nachvollziehbar und erfolgten keine fremdanamnestischen Erhebungen bei der psychiatrischen Spitex. Gestützt auf
die
Akten lässt sich der Verlauf der zumutbaren Arbeitsfähigkeit im relevanten Zeitraum nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestimmen.
Deshalb rechtfertigt sich entsprechend dem Antrag des Beschwerdeführers die Rückweisung
der Sache an die IV-Stelle
zur neuen polydisziplinären Begutach
tung (inkl. Neurologie und Neuropsychologie) bei einer anderen Institution. Die Gutachter werden die zumutbare Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit und
in
den noch möglichen
behinderungsangepassten Tätigkeiten insbesondere gestützt auf sämtliche verfügbaren psychiatrischen und neuropsychologischen Berichte/
Atteste
und Testergebnisse
der behandel
nden Ärzte soweit möglich auch r
ückwirkend ab
Mitte 2011 (den vom ersten
Y._
-Gutachten abgedeckten Zeit
raum;
Urk.
10/90/16)
zu
beurteilen
haben.
Dabei werden sie bei der psychiat
rischen Spitex fremdanamnestische Auskünfte betreffend den Gesundheitszu
stand und die vorhandenen sozialen Ressourcen einzuholen haben.
Der psychi
atrische Gutachter wird seine Beurteilung sodann unter Bezugnahme auf die Standardindikatoren zu begründen haben (vorstehend E. 1.2).
Bereits in diesem Verfahrensstadium ist zudem darauf hinzuweisen, dass die IV-Stelle bei der im nächsten Schritt
anstehenden
Bemessung des
Invaliditätsgrades mittels Einkom
mensvergleich sorgfältig zu prüfen haben wird, ob die zahlreichen Limitierungen des Beschwerdeführers die Vornahme eines leidensbedingten Abzugs vom auf
grund
statistischer
Tabellenlöhne ermittelten Invalideneinkommen rechtfertigen (vgl. dazu
die Urteile des Bundesgerichts 8C_297/2018 vom 6. Juli 2018, E.
3.5 und 4.3 sowie
8C_91/2018 vom 14. Juni 2018, E.
5.3 und
6.1).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
800.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Nach Einsicht in die Honorarnote vom 1
8.
Juli 2017 (
Urk.
12b) ist der unentgelt
lichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Advokatin Karin
Wüthrich
von der
Procap
Schweiz,
beim praxisgemäss für
Procap
-Juristen anwendbaren Stun
denansatz von
Fr.
185.-- (exkl.
MWSt
)
eine Entschädigung für ihren Aufwand in Höhe von
Fr.
1'971.95 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zuzusprechen.