Decision ID: 6cf1d06f-ad22-43e7-933c-6ce865cdc353
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1963, Tierärztin, bezog ab 3. April 2009 Taggelder der Arbeitslosenversicherung und war bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 29. Juli 2009 beim Reiten vom Pferd fiel, eine Böschung hinunterstürzte
und von ihrem
Pferd zwei Mal überrollt wurde. Dabei zog sich die Versicherte insbesondere Verletzungen an der linken oberen Extremität zu
(Urk.
8/1,
8/3,
8/7
und 8/10
; vgl. auch Urk. 2 S. 2).
Die ärztliche Erstversorgung fand im Universitätsspital
Y._
, Departement Chirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, statt. Es wurde eine distale, intraartikuläre Radiusfraktur links diagnostiziert. Die Versicherte musste sich am 30. Juli und am 3. August 2009 operativen Eingriffen unterziehen (geschlossene Reposition und Anlage
eines gelenksüberbrückenden Fixateur
externe [Hoffmann II] bezie
hungsweise Entfernung des Fixateur externe, volare Plattenosteosynthese und Spaltung des Carpaltunnels). Die
Versicherte
blieb bis zum 7. August 2009 im Universitätsspital
Y._
hospitalisiert (Urk. 8/14).
Kreisarzt Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Chirurgie, untersuchte die Versicherte am 27. Januar 2010 (Urk. 8/28). Am 20. Mai 2010 wurde sie im Kantonsspital
A._
erneut operiert (Revision distaler Vorderarm und
Hohlhand
, erneute Dekompression des
Nervus
medianus
und
Eponeurium
-Inzision, Revision und Glätten sowie
Tenolyse
Beugesehnen und
Syn
o
vektomie
, Metallentfernung
Radius
links [Urk. 8/50]; vgl. auch Urk. 8/73).
Am 6. Januar 2011 fand eine
weitere kreisärztliche Untersuchung statt (Urk.
8/76).
1.2
Mit Verfügung vom 18. Januar 2011 (Urk. 8/77) stellte die Suva ihre Taggeld
leistungen per 31. Januar 2011 ein. Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 15. Februar 2011 (Urk. 8/91) Einsprache erheben. In der Folge holte die Suva
beim Kantonsspital
B._
ein interdisziplinäres Gutachten ein (vgl. Urk.
8/130).
Mit
(einfachem)
Schreiben vom 1. November 2011 (Urk. 8/142) teilte die Suva der Versicherten mit, dass
sie
die Heilkostenleistung
en per 1. Januar 2012 (mit Aus
nahme
von sechs Konsultationen pro Jahr,
Schmerzmitteln, einer Lederman
schette sowie einer allfälligen, zuvor ärztlich begründeten Ergotherapie) einstelle und die Taggeldleistungen (
100
%)
noch
bis 31. Januar 2012 ausrichte, hernach aber einstelle. Mit Verfügung vom 10. November 2011 (Urk. 8/143) sprach die Suva der Versicherten eine Integritätsentschädigung von 10 % zu.
Mit Einsprache vom 14. Dezember 2011 (Urk. 8/146) liess die Versicherte die Auf
hebung der Verfügung vom 10. November 2011, die Zusprechung einer Integri
tätsentschädigung von 25 %, die Ausrichtung einer Übergangsrente im Sinne von Art. 30
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
sowie eventuell die
Zusprache
einer Integritätsentschädigung von 10 % unter Vorbehalt einer zu
künftigen Verschlechterung beantragen.
1.3
Am 19. Juni 2012 wurde der Versicherten von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, bei der
sie sich
zum Leistungsbezug angemeldet hatte, mit
geteilt
, dass sie Anspruch auf berufliche Massnahmen habe
und die Voraus
setzungen einer
Kostengutsprache für die
Umschulung zur Amtstierärztin (Aus
bildung zur amtlichen Tierärztin beim Bundesamt für Veterinärwesen) erfüllt seien (Urk. 8/173; vgl. auch Urk. 8/179
-199). Am 26. Februar 2015 erklärte die IV
Stelle die beruflichen Massnahmen für erfolgreich abgeschlossen. Die Versi
cherte hatte
inzwischen
eine Teilzeitanstellung als amtliche Tierärztin
angetreten
(Urk. 8/199).
1.4
Mit Verfügung vom 12. April 2017 (Urk. 8/275) sprach die Suva der Versicherten rückwirkend ab 1. November 2012 eine auf einem Invaliditätsgrad von 13 % basierende Invalidenrente zu.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 22. Mai 2017 (Urk. 8/295) Einsprache erheben und die Aufhebung der Rentenver
fügung vom 12. April 2017, die Weiterausrichtung von Taggeldern ab 1. Novem
ber 2012 bis auf weiteres sowie die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens beantragen.
In der Folge holte die Suva beim Kantonsspital
C._
ein polydisziplinäres Gutachten ein. Das Hauptgutachten datiert vom 17. Januar 2019 und wurde vo
m Leitenden Arzt
Dr. med.
D._
, von Oberarzt Dr. med.
E._
, Oberarzt Dr.
med.
F._
und Oberärztin Dr. med.
F._
unterzeichnet (Urk. 8/402). Des Weiteren liegen dem Hauptgutachten das psychiatrische Gut
achten der Leitenden Ärztin Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 19. Dezember 2018 (Urk. 8/403) und das neurologische Gut
achten von PD Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 7. Novem
ber 2018 (Urk. 8/407) bei.
Mit Eingabe vom 25. Februar 2019 (Urk. 8/410) liess die Versicherte Stellung zu den Gutachten nehmen.
1.5
Mit
Einspracheents
cheid
vom 25. Juni 2019 (Urk. 2
) hiess die Suva die Einsprache vom 22. Mai 2017 teilweise gut und setzte die
Invalidenrente neu auf 24 % fest.
Im Übrigen wurde die Einsprache abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 26. August 2019 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Der Einsprache-Entscheid vom 25.06.2019 und die Verfügung vom 12.04.2017 seien aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin ab dem 01.11.2012 eine Invaliden
rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 81 % zuzu
sprechen.
3.
Eventualiter: Es sei der Beschwerdeführerin ab dem 01.11.2012 eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 72 % zuzu
sprechen.
4.
Subeventualiter
: Es sei der Beschwerdeführerin ab dem 01.11.2012
eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 65 % zuzu
sprechen.
5.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Be
schwerdegegnerin.
Die Suva liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. September 2019 (Urk. 7)
auf
Abweisung der Beschwerde schliessen.
Replicando
und
duplicando
liessen die Parteien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 13 und 18).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
bro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich
am 29
. Juli 2009
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG
hat die versicherte Person Anspruch auf die z
weck
mässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszu
standes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali
den
versicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
con
trario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so ha
t sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkom
mensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli
che
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art
.
16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrec
hts [ATSG]
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst ge
nau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Ein
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Ein
zelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonne
nen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 27
der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
) ein Betätigungs
vergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen
Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerb
lichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unter
schied des ausserordent
lichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (gemäss Art. 28 Abs. 3 IVG in Verbin
dung mit Art. 27
bis
und 27 Abs. 1 IVV) besteht darin, dass die Inva
lidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Ein
schrän
kung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidi
tät nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 f. E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen).
2.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
sal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 25. Juni
2019 (Urk. 2) im Wesentlichen aus, dass
gestützt auf die medizinische Aktenlage und entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin
Anfang Novem
ber 2012 die Voraussetzungen für den Fallabschluss im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG erfüllt gewesen seien (S. 9). Weil die Beschwerdeführerin die gesundheits
bedingt zumutbare Tätigkeit als Amtstierärztin lediglich zu 20 % ausübe, obwohl gemäss Auffassung sämtlicher Gutachter ein höheres Arbeitspensum möglich wäre, komme sie ihrer Schadenminderungspflicht nicht nach. Deshalb könne der Einkommensvergleich im Sinne von Art. 16 ATSG nicht auf der Basis der tat
sächlichen Verdienstverhältnisse vorgenommen werden (S. 10). Aus der Zusam
men
führung der einzelnen Teilgutachten
[des vom Kantonsspital
C._
erstellten Gutachtens]
ergebe sich, dass die
Beschwerdeführerin noch leichte berufliche Tätigkeiten unter Einsatz ihrer
adominanten
linken Hand als blosse
r
Hilfshand bei einem Arbeitspensum von 80 % ausüben könne (S. 12). Gestützt auf die entsprechenden
statistischen Werte
ergebe sich bei einem 80%
Pensum und einem leidensbedingten Abzug von 5 % ein Invalideneinkommen Fr. 73'378.
--
(
zur Berechnung im Einzelnen vgl.
S. 13 f.).
Bei der Ermi
ttlung des
Valideneinkommens
sei
, da die
Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt arbeitslos gewesen sei, ebenfalls auf Tabellenwerte abzustellen; es sei demzufolge von einem
Valideneinkommen
von Fr. 96'552.
--
auszugehen, nämlich von demselben
Wert wie beim Invalideneinkommen ohne Berücksichtigung der Reduktionen (Pensum und leidensbedingter Abzug). Dass die Beschwerdeführerin - wie sie vorgebracht habe - im Gesundheitsfall selbständig erwerbstätig wäre, sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Ebenso wenig sei erstellt, dass diese Tätigkeit wirtschaftlich erfolgreich gewesen wäre
. Gestützt auf ein
Valideneinkommen
von Fr.
96'552.--
und ein Invalideneinkommen von
Fr.
73'378.--
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 24 %
(S.
15 f.).
Des Weiteren
hielt die Beschwerdegegnerin auf S. 2 des angefochtenen
Einspra
cheentscheids
(Urk. 2) fest, dass sie der Beschwerdeführerin «mit rechtskräftiger Verfügung vom 10.11.2011» eine Integritätsentschädigung von 10 % zugespro
chen habe.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses liess die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 7) im Wesentlichen an den im angefochtenen Entscheid vertretenen Auffassungen festhalten. Namentlich sei ausgewiesen, dass die Be
schwerdeführerin eine leidensangepasste Tätigkeit zu 80 % ausüben könne. Die Einschätzung von Dr.
H._
, der eine verminderte Leistungsfähigkeit von 75 % «behaupte», sei irrelevant; er spreche ja nur von «wahrscheinlichen» Einschrän
kungen (S. 5). Zudem werde bestritten, dass die Beschwerdeführerin eine selb
ständige Tätigkeit ausüben würde
. Auch eine berufliche Weiterentwicklung in Richtung Amtstierärztin sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen,
sei
diese Umschulung doch gerade aus Unfallgründen erfolgt, indem die Invalidenversicherung diese Umschulung finanziert habe (S. 5 f.).
Duplicando
(Urk. 18) liess die Beschwerdegegnerin an ihren Ausführungen in der Beschwerdeantwort festhalten und gab sinngemäss zu bedenken, dass die Beschwerdeführerin nicht beweisen könne, dass sie als selbständige Tierärztin mehr verdient hätte als den von der Beschwerdegegnerin gewählten Tabellenlohn.
3.2
Demgegenüber
liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen (Urk. 1), dass
sie ausgebildete Gross-Tierärztin sei und im Unfallzeitpunkt gerade dabei
gewesen sei, sich als Tierärztin für Landwirtschaftsnutzvieh selbständig zu m
achen. Dazu habe sie sich bereits das gesamte Inventar angeschafft: Instru
mente, Medi
kamente, Kühlschrank für die Medikamente und dergleichen. Die Folgen des erlittenen Unfalls hätten es ihr jedoch verunmöglicht, diesen Plan umzusetzen. Die Eidgenössische Invalidenversicherung habe ihr daher eine Umschulung zur Amtstierärztin finanziert. Diese Umschulung habe bis Ende 2015 gedauert; seither sei die Beschwerdeführerin als Amtstierärztin tätig. Allerdings könne sie aufgrund der unfallbedingten Einschränkungen nur zu einem Pensum von etwa 30 %
arbeiten, weil sie im Schlachthof mit schweren Arbeiten
konfrontiert sei und sie diese nur mit Unterstützung eines Kollegen bewältigen könne (S. 3
f.
).
Dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten könne entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin als Grosstierärztin nicht mehr arbeitsfähig, als Amtstier
ärztin zu 41 % arbeitsfähig sei und in einer angepassten beruflichen Tätigkeit im Büro von einem möglichen Pensum von 80
% auszugehen sei (S. 4 f.). Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
sei dasjenige Einkommen zu berücksichtigen, das die Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich als selbständige Gross
tierärztin verdient hätte. Gemäss den Erhebungen der Gesellschaft für Tierärz
tinnen und Tierärzte sei dabei von einem durchschnittlichen jährlichen Bruttoein
kommen von Fr. 152'950.
--
auszugehen (S. 8). Auch die Festlegung des Inva
lideneinkommens durch die Beschwerdegegnerin erweise sich als unzutreffend. Abgesehen davon, dass die Beschwerdegegnerin veraltete statistische Werte be
nützt habe, müsse - wie in der ursprünglichen Rentenverfügung - ein leidens
bedingter Abzug von 10 % berücksichtigt werden. Die Reduktion dieses Abzuges im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf 5 % sei willkürlich. Insgesamt sei von einem Invalideneinkommen von Fr. 29'206.70 auszugehen. Somit ergebe sich
angesichts eines
Valideneinkommens
von Fr. 152'950.
--
ein Invaliditätsgrad von 81 %
(S. 10 f.
; vgl. S. 11 ff. zur Berechnung des eventualiter beziehungsweise
subeventualiter
geltend gemachten Invaliditätsgrade
s
).
Replicando
(Urk. 13) liess die Beschwerdeführerin an ihren Standpunkten fest
halten und reichte zur Untermauerung ihrer Ausführungen betreffend Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit diverse Dokumente ein
(vgl. S. 2 f
.
)
. Des Weiteren liess die Beschwerdeführerin vortragen, dass die Beschwerdegegnerin keine Würdigung der vorliegenden ärztlichen Beurteilung vorgenommen habe, sondern einseitig und unkritisch den Ausführungen von Dr.
D._
gefolgt sei, der von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer Bürotätigkeit ausgegangen sei, ohne sich zu den gutachterlichen Ausführungen von Dr.
H._
zu äussern, der in seiner Würdigung zu einer Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 41 % gekommen sei. Im Übrigen sei es absurd zu behaupten, dass eine Tierärztin, die nicht mehr als Tierärztin tätig sein könne, in einer Bürotätigkeit mit einer Hand, die nur noch als Hilfshand eingesetzt werden könne, einen Akademiker
lohn erzielen könne (S. 5).
3.3
3.3.1
Strittig und zu prüfen ist vorliegend einzig, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat, die auf einem höheren Invaliditätsgrad als 24 % basiert. Umstritten sind insoweit die Berechnungen des Validen- und des Invali
deneinkommens beziehungsweise die zugrunde zu legenden medizinischen und erwerblichen Faktoren.
3.3.2
Die Beschwerdegegnerin hielt auf S. 2 des angefochtenen
Einspracheentscheids
(Urk. 2) fest, dass
der Beschwerdeführerin «mit rechtskräftiger Verfügung vom 10.11.2011» eine Integritätsentschädigung von 10 % zugesprochen worden sei. Nachdem die Beschwerdeführerin - wie bereits oben in Ziff. 1.2 des Sachverhalts dargelegt - m
it Einsprache vom 14. Dezember 2011 (Ur
k. 8/146)
die Aufhebung der Verfügung vom 10. November 2011, die Zusprechung einer Integritäts
ent
schädigung von 25 %, die Ausrichtung einer Übergangsrente im Sinne von Art. 30
UVV
sowie eventuell die
Zusprache
einer Integritätsentschädigung von
10 % unter Vorbehalt einer zukünfti
gen Verschlechterung hatte beantragen lassen
und
da
sich den Akten keinerlei Hinweis auf die Erledigung der genannten Ein
sprache
entnehmen lässt
, ist vielmehr davon auszugehen, dass die genannte Streitsache eben gerade nicht in Rechtskraft erwachsen ist. Die genannte Ein
sprache ist mit anderen Worten nach wie vor bei der (insoweit)
tatenlos
geblie
benen Beschwerdegegnerin pendent.
Richtig hingegen ist, dass dies nicht Gegenstand des vorliegenden Prozesses ist. Die Feststellung der Rechtskraft im angefochtenen
Einspracheentscheid
ist aller
dings
- soweit ersichtlich -
unzutreffend. Die Beschwerdegegnerin wird die ge
nannte Einsprache zu behandeln haben (sofern die Beschwerdeführerin sie nicht ausdrücklich zurückziehen sollte).
4.
Aus den umfangreichen medizinischen Akten werden nachfolgend nur diejenigen auszugsweise und zusammenfassend wiedergegeben, die grundsätzlich geeignet erscheinen, zur Klärung der streitgegenständlichen Kontroversen beizutragen.
4.1
PD Dr.
H._
führte in seinem neurologischen Teilgutachten vom 7. November 2018 (Urk. 8/407) aus, dass unfallbedingt die Diagnose eines CRPS Typ I gestellt werden könne. Es bestehe eine Demineralisierung im Bereich des linken Hand
gelenks, die mit dem Vorliegen eines CRPS kompatibel sei (S. 27). Betreffend Schädigung des
Nervus
medianu
s
und des
Nervus
ulnaris
links k
am PD Dr.
H._
zu Schluss, dass zwar eine etwas spezielle
Faszikelstruktur
des
Nervus
medianus
im Bereich des distalen Unterarms/des Handgelenks auf der linken Seite bestehe, dass aber diese Veränderung in der Zusammenschau aller (elektrophysiologischer
und
nervensonographischer
) Befunde nicht ausreichend wahrscheinlich auf eine exogene Nervenschädigung zurückzuführen sei
. Darüber hinaus bestehe ein relativ oberflächlich verlaufender linker
Nervus
ulnaris
im Bereich des Ellen
bogens. Zudem würden sich Zeichen für eine mechanisch bedingte Alteration des
Nervus
ulnaris
mit veränderter Echobinnenstruktur und leichter Volumenakzen
tuierung ergeben. Es sei wahrscheinlich, dass es kurz nach der zweiten Operation und bedingt durch eine längere Ruhigstellung des Unterar
ms in Ellenbo
gen
fle
xi
onsstellun
g zu einer transienten, druckbedingten
Ulnarisneuropathie
ge
kommen sei (S. 30).
Die Frage nach der unfallbedingten Einschränkung in Bezug auf die angestammte berufliche Tätigkeit als Tierärztin in leistungsmässiger und zeitlicher Hinsicht beantwortete PD Dr.
H._
dahingehend, dass
bei der
Beschwerdeführerin als Grosstierärztin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Als Amtstierärztin be
stehe eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 41 %. Diese Zahl ergebe sich
aus folgenden
Überlegungen: Die Beschwerdeführerin könne mittelschwere, beidhändige Arbei
ten im Umfang von maximal zwei Stunden pro Tag in Blöcken zu jeweils einer Stunde ausführen
. Dabei sei die Beschwerdeführerin in ihrer Leistung einge
schränkt und auf Hilfe angewiesen. Es bestehe wahrscheinlich zusätzlich eine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit auf 75 %; die betroffene linke Hand könne bei grobmotorischen Arbeiten als Hilfshand eingesetzt werden, feinmotorisches beid
händiges
Arbeiten (etwa die Verabreichung von Injektionen) sei aber deutlich eingeschränkt. Bei der Bewältigung von administrativen Arbeiten (etwa Schrei
ben auf einer Computertastatur) bestehe ebenfalls eine verminderte Leistungs
fähigkeit von wahrscheinlich 75 %: «Gesamthaft besteht somit eine zeitliche Einschränkung auf 2 Stunden mittelschwerer Arbeit plus 2.4 Stunden leichte administrative Arbeit pro Tag, entsprechend 4.4 Stunden von 8 Stunden pro Tag, entsprechend einer zeitlichen Arbeitsfähigkeit von 55 %. Bei dabei anzune
hmen
der Leistungsminderung auf jeweils 75 % würde man die kumulative Gesamt
arbeit
sfähigkeit auf 41 % einschätzen
»
(S. 36).
Allerdings kam PD Dr.
H._
zum Schluss, dass von der Beschwerdeführerin sämtliche leichten Arbeiten, die über
wiegend mit der rechten Hand durchge
führt werden könnten und bei denen
die linke Hand lediglich als Hilfshand ohne wesentliche Belastung bezüglich Kraft und Koordination gebraucht werde, zu 100 % durchgeführt werden könnten.
Angesichts der e
r
heblichen Einschränkung an der linken Hand, mit der nur noch unterstützende Hilfsarbeiten ohne wesentliche Gewichtsbelastung und mit einer
deutlichen Einschränkung der Koordination ausgeführt werden könnten, erscheine
ein 75%iger Funktionsverlust der linken Han
d durchaus begründbar. Somit sei
insgesamt von einem Integritätsschaden von 30
%
auszugehen (S. 37 f.).
4.2
Dr.
G._
kam in ihrem psychiatrischen Gutachten vom
19. Dezember 2018
(Urk. 8/403) zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin keine anhaltende beziehungsweise chronische oder schwere psychische Störung bestehe. Von etwa Ende 2016 bis Anfang 2018 habe sie unter einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43)
bei chronischen Schmerzen als Folge des Unfalls vom 29. Juli 2009 mit einer komplexen Verletzung an der linken Extremität gelitten. Es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen der psychischen Störung und dem Unfallereignis (S. 45). Unter rein psychischen Gesichtspunkten habe aktuell keine Einschrän
kung der beruflichen Tätigkeit als Tierärztin bestanden, da keine psycho
pa
thologische Symptomatik bestanden habe. Zum Zeitpunkt der früher erlebten Anpassungsstörung dürfte die Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei
n
, allerdings nicht über das Ausmass der Einschränkung durch die somatischen Symptome hinaus (S. 46).
4.3
Die
Dres
.
D._
,
E._
,
F._
und
F._
hielten in ihrem Gut
achten vom17. Januar 2019 (Urk. 8/402) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 10):
1.
Handgelenk
links
: Residualzustand bei CRPS Typ II und
inzipiente
, posttraumatische Radiocarpalarthrose
-
St.
n. Infekt distaler Vorderarm
ulnopalmar
nach Katzenbiss und operativer Revision am 26.04.2008
-
St.
n. intraartikulärer Radiusfraktur (AO 2R3 C3.2) und Fraktur
Processus
styloideus
ulnae
(AO 203 A1.1) am 29.07.2009
-
St. n. geschlossener Reposition
und Fixateur externe am 30.07.2009 (
Y._
)
-
St. n. Entfernung Fixateur externe,
palmare
Platten-Osteo
syn
these distaler Radius am 03.08.2009 (
Y._
)
-
St. n.
postinterventionellem
/-traumatischem CRPS Typ II i.R.
Dg
. 2 sowie Plattenfehllage distaler Radius Soong II
-
St. n. Metallentfernung distaler Radius mit Revision distaler Vorderarm und
Hohlhand
, Dekompression N.
medianus
,
Epine
urium-Inzision
, Revision und Glätten sowie
Tenolyse
Beuge
sehnen
,
Synovektomie
am 20.05.2010 (
A
._
)
2.
Ellbogen
links: St. n.
posteriorer
Ellbogenluxation mit Spontan
reposition am 29.07.2009 mit
-
nicht dislozierter anteriomedialer Fraktur des
Processus
coro
noideus
ulnae
(Subtyp 2 nach
O’Driscoll
)
-
St. n. inkomplettem Leitungsblock N.
ulnaris
im
Cubitaltunnel
(ENMG 05.01.
2010
)
3.
St. n. Anpassungsstörung (ICD-10 F43) von Ende 2016 bis Anfang 2018 (zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung keine Symptome mehr)
In der Zusammenschau der klinischen und radiologischen Befunde würden sie nicht von einem
floriden
CRPS Typ I ausgehen, sondern interpretierten die Be
schwerden im Rahmen
residueller
Sympt
ome nach CR
P
S
. Seitens des Ellbogens fänden sich keine Hinweise für eine
residuelle
Instabilität oder Arthrose, welche die persistierenden Schmerzen erklären könnten. Die Einschätzung der Funktio
nalität und Einstufung der Invalidisierung durch den erlittenen Unfall sei schwierig:
Der quick DASH score als Mittel zur subjektiven Beurteilung der Behinderung/Symptome der oberen Extremität ergebe bei der Beschwerde
füh
rerin einen Wert von 67 Punkten (von 75 möglichen Punkten bei schwerster Ein
schränkung). Die objektivierbaren Messungen aus der klinischen Untersuchung würden eine durchschnittliche Kraft der linken Hand von etwa 16 % der Kraft der rechten Hand ergeben. Die Beweglichkeit der linken Hand sei zu weniger als 50 % im Vergleich zur rechten Hand reduziert. Von einem nahezu vollständigen Funk
tionsverlust gehe man deshalb nicht aus. Insgesamt sei die Funktionalität der linken Hand als schwache Hilfshand einzuschätzen. Der Integritätsschaden be
trage 10 %. Ob im weiteren Verlauf eine namhafte Besserung des Zustandes ein
trete, müsse bezweifelt werden (S. 12).
Das CRPS
Typ II sei mit überwiegender W
ahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 29. Juli 2009
zurückzuführen. Die retrospektive Beurteilung der damaligen Rönt
genbilder zeige eine Plattenfehllage mit Irritation der Beugesehnen und möglicher Irritation des N.
medianus
. Erst verzögert (05.01.2010) sei zudem eine
Neura
praxi
e
des N.
medianus
elektroneurographisch festgestellt worden. Im weiteren Aktenverlauf fänden sich weder elektroneurographisch noch klinisch Kriterien, welche die Diagnosestellung eines CRPS erlaubten (S. 13).
Aufgrund der objektivierbaren Messwerte ihrer Untersuchung, darunter insbe
sondere die Kraftminderung,
sei
die ursprünglich vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit als Grosstierärztin nicht realistisch. Die linke Hand könne aber als schwache Hilfshand eingesetzt werden, sofern nicht repetitive Tätigkeiten durch
geführt w
ü
rden. Dementsprechend sollten Büroarbeiten auch zu einem höheren Pensum möglich sein (S. 14).
Nicht belastende manuelle Tätigkeiten der linken Hand, bei welchen die linke Hand als schwache Hilfshand eingesetzt werde, sollten zu einem Pensum von 80 % möglich sein. Das seien etwa
Bürotätigkeiten. Ein angepasstes
Arbeitsum
feld mit gegebenenfalls Arbeitsplatzevaluierung und anschliessender Hilfsmittel
versorgung durch die Ergotherapie sei anzustreben, um die Leistungsfähigkeit auf diesem Niveau zu halten (S. 15).
5.
5.1
Eine Gegenüberstellung des neurologischen Teilgutachtens von PD Dr.
H._
(vgl. oben E. 4.1) und des Hauptgutachtens der
Dres
.
D._
,
E._
,
F._
und
F._
(vgl. oben E. 4.3) ergibt folgendes Bild: Während der Neurologe ein unfallbedingtes CRPS Typ I diagnostizierte, kamen die anderen Gutachter zum Schluss, dass kein solches CRPS vorliege, sondern lediglich ein Residualzustand bei CRPS Typ II
.
Auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin kamen die Gutachter
(abgesehen davon, dass Einigkeit darüber herrschte, dass die bisherige Tätigkeit als Grosstierärztin nicht mehr möglich sei)
zu ganz untersc
hiedlichen Ergebnissen:
PD Dr.
H._
veranschlagte die kumulative Gesamtarbeitsfähigkeit als Amtstierärztin auf 41 %. Zudem stellte er auch beim Schreiben auf einer Computertastatur eine verminderte Leistungsfähigkeit von wahrscheinlich 75 % fest
, bezogen auf einen täglich zu leistenden Anteil als Amtstierärztin von 30 % entsprechend 2.4 h
.
Sämtliche anderen leichten Arbeiten, die überwiegend mit der rechten Hand durchgeführt werden könnten und bei denen die linke Hand lediglich als Hilfshand ohne wesentliche Belastung bezüglich Kraft und Koordi
nation gebraucht werde, könnten zu 100 % durchgeführt werden. Demgegenüber vertraten die
Dres
.
D._
,
E._
,
F._
und
F._
eine andere Auffassung: In einer leidensangepassten Tätigkeit
mit Einsatz der linken Hand als Hilfshand
, wozu sie ausdrücklich
und allgemein
Bürotätigkeiten
zählten, sei die Beschwerdeführerin zu 80 % arbeitsfähig. Die Frage, ob der Beschwerde
füh
rerin auch Schreibarbeiten auf einer Computertastatur in diesem Rahmen
und in diesem Umfang
zumutbar seien, thematisierten sie - im Gegensatz zu PD Dr.
H._
- nicht.
Allerdings kann als notorisch gelten, dass heutzutage jegliche Büroarbeiten,
namentlich
wenn sie von akademisch ausgebildeten Personen ver
richtet werden, zu einem wesentlichen Teil unter Verwendung
eines Compu
ters
und einer entsprechenden Tastatur erbracht werden müssen.
5.2
5.2.1
Sinn und Zweck eines polydisziplinären Gutachtens
ist
es gemäss höchst
richterlicher Praxis (BGE 143 V 124 E. 2.2.4 mit zahlreichen Hinweisen)
, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamter
geb
nis zu fassen
.
Der abschliessenden, gesamthaften Beurteilung von Gesundheitszu
stand und Arbeitsfähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwirkenden Fachär
zte erfolgt
. Eine solche zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der einzelnen Gutachter oder unter Leitung eines fall
führenden Arztes zur Zusammenführung und Darlegung der Ergebnisse aus den einzelnen Fachrichtungen ist ideal, aber
nach höchstrichterlicher Praxis
nicht
ausnahmslos
zwingend
.
Die Frage, ob ein Gutachten beweiskräftig ist oder nicht
, beurteilt sich
im konkreten Einzelfall
vielmehr
danach, ob sich gestützt auf die Expertise die rechtsrelevanten Fragen beantworten lassen oder nicht.
5.2.2
Im vorliegenden Fall fällt diesbezüglich allerdings stark ins Gewicht, dass mit dem - im Ergebnis nicht berücksichtigten - Teilgutachte
n von PD Dr.
H._
ausgerechnet
die neurologischen Aspekte des vorliegenden Falles hätten beurteilt werden sollen. Zudem nahm PD Dr.
H._
auch nicht an der Konsensbesprechung der Hauptgutachter teil. Mit anderen Worten wird das polydisziplinäre Gutachten von keinem Facharzt für Neurologie mitverantwortet. Das erweist sich vorliegend als schwerwiegender Mangel, da bei der Beschwerdeführerin nach Lage der Akten insbesondere (auch) neurologische Gesundheitsbeeinträchtigungen im Vorder
grund stehen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die Hauptgutachter PD Dr.
H._
nicht zur Konsensbeurteilung hinzugezogen haben
. Das Hauptgutachten, das von vier Chirurgen verfasst wurde, hat
, nachdem daran weder direkt noch indirekt ein Facharzt für Neurologie mitgewirkt hat
,
insoweit auch
an
Polydisziplinarität
und Beweiskraft eingebüsst.
Den oben dargelegten Sinn und Zweck eines polydisziplinären Gutachtens kann es jedenfalls nicht erfüllen.
Vielmehr kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht entschieden werden, wie sich die unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbeits- bezie
hungsweise die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken. Es lässt sich mit anderen Wor
ten nicht entscheiden, ob die divergenten Einschätzungen
des Neurologen
PD Dr.
H._
oder
diejenige
n
der
Chirurgen
Dres
.
D._
,
E._
,
F._
und
F._
zutreffend sind.
5.3
Daraus folgt, dass sich die Sache als nicht spruchreif erweist, weil der medizinische Sachverhalt nicht rechtsgenügend abgeklärt wurde.
Das Gutachten der
Dres
.
D._
,
E._
,
F._
und
F._
kann nicht als polydisziplinär im eigentlichen Sinn betrachtet werden.
Ohne
rechtsgenüglich
erstelltes Zumutbarkeitsprofil lässt sich von Vornherein auch das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin nicht bestimmen.
6.
6.1
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich jedoch auch in
weiterer Hinsi
cht als nicht überzeugend
.
Die Beschwerdeführerin machte betreffend
Vali
deneinkommen
geltend, sie habe nicht nur vorgehabt, sich als Grosstierärztin selbständig zu machen, sondern diesbezüglich bereits konkrete Schritte unter
nommen. Der erlittene Unfall vom 29. Juli 2009 habe dies jedoch vereitelt. Dies
bezüglich stellte sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheent
scheid
auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin nicht bewiesen habe,
dass sie eine selbständige Erwerbstätigkeit ausgeübt und
wie viel sie mit einer solchen Tätigkeit verdient hätte (Urk. 2 S. 16).
Im vorliegenden Prozess war ihre
diesbezügliche Haltung - wie oben dargelegt (vgl. oben E. 3.1) - inkohärent und pendelte zwischen
unsubstantiiertem
Bestreiten und
Berufung auf
Beweislosigkeit hin und her.
6.2
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass - spätestens nachdem die Beschwerdeführerin
replicando
diverse Belege und Urkunden einreichen liess (vgl. Urk. 14/1-7) - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass die Beschwerdegegnerin die Absicht hatte, sich als Grosstierärztin selbständig zu machen.
Das
Validenein
kommen
der Beschwerdeführerin entspricht demzufolge
grundsätzlich
dem (hypothetischen) Einkommen, das sie als
selbständige
Grosstierärztin erzielt hätte (vgl. dazu insgesamt Ueli
Kieser
, Invalidität von
Selbständigerwerbenden
, in Stephan
Z._
[Hrsg.], Personen-Schaden-Forum 2018, Zürich/Basel/Genf 2018, S.
135 ff.). Es ist jedoch fra
glich, ob sich dieser
Wert mit rechtsgenügender Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt. Entgegen der Auffassung der Beschwerde
führerin
kann dabei nicht auf wenig differenzierte Angaben in einer Publikation der Gesellschaft der Tierärztinnen und Tierärzte (Urk. 3/6) abgestellt werden. Zu beachten ist nämlich, dass eine neue Praxis erfahrungsgemäss tendenziell an
fangs weniger ertragreich ist als eine bereits seit längerer Zeit bestehende. Allen
falls liessen sich differenziertere Zahlen etwa bei entsprechenden Berufsver
bänden und/oder Ausgleichskassen erhältlich machen
.
Die Beschwerdegegnerin unternahm
- in Missachtung der Untersuchungsmaxime -
keinerlei Bemühungen, um das hypothetische
Valideneinkommen
konkret zu bestimmen
, sondern griff ohne Weiteres auf Tabelle 17 der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 zurück. Dabei verwendete sie das unter Ziff. 22 («Akademische und verwandte Gesundheitsberufe») genannte Medianeinkommen für 30-49 Jahre alte Frauen in der Höhe von Fr. 7'718.
--
als Grundlage für die Bestimmung des Validen- und des Invalideneinkommens. Abgesehen davon, dass die genannte
Tabelle nur nach Lebensalter
und Geschlecht
aus
differenziert ist, aber weitere, erfahrungsgemäss einkommensrelevantere
Faktoren (etwa Anspruchsniveau und hierarchische Stellung) im Wesentlichen unberücksichtigt lässt, ist auch die ge
wählte Kategorie «akademische und verwandte Gesundheitsberufe» von einer nahezu uferlosen Unbestimmtheit, so dass die Beschwerdegegnerin darunter auch
Grosstierärztinnen subsumieren konnte.
Zur Bestimmung des
Valideneinkom
m
ens
wäre es der Beschwerdegegnerin jedoch zumindest möglich und zumutbar ge
wesen, in Erfahrung zu bringen, was üblicherweise eine (angestellte) Grosstier
ärztin mit der Berufserfahrung und Ausbildung der Beschwerdeführerin verdie
nen würde beziehungsweise verdient hätte.
Ebenso wenig vermag das Abstellen auf den undifferenzierten Medianwert für «akademische und verwandte Gesundheitsberufe» zum Zwecke der Ermittlung des Invalideneinkommens zu überzeugen. Es ist nämlich nicht ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin als akademisch ausgebildete Tierärztin in einem anderen «akademischen Gesundheitsberuf» das genannte Einkommen erzielen könnte. Selbstredend kommen beispielsweise Tätigkeiten im Bereich der allgemeinen Humanmedizin oder der Zahnheilkunde nicht in Betracht
. Dem
zu
folge wäre die Beschwerdeführerin im Ergebnis und im Wesentlichen wieder auf eine Tätigkeit als Tierärztin beschränkt, die aus medizinischer Sicht zumindest in weiten Teilen unzumutbar ist. Die offenbare Annahme der Beschwerdegegnerin, dass eine Person,
nur
weil sie über eine akademische Ausbildung
verfügt
, auch durch die Erledigung fachfremder Büroarbeiten in aller Regel ein Akademiker-Einkommen erwirtschaften kann, ist
jedenfalls
abwegig.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die herrschende Aktenlage weder aus medi
zinischer noch aus erwerblicher Sicht einen Entscheid in der Sache zulässt. Dem
zufolge ist der
Einspracheentscheid
vom 25. Juni 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu verfüge.
8.
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
die
Abklärung
und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb vertretene
Be
schwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessen erscheinende Prozessentschädigung in der Höhe von Fr.
3'400.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.