Decision ID: 87a2d416-6c89-53ba-87c6-2042cd117588
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war ab 1. März 2007 als
Contact
-Center-Mitarbeite
rin bei der
Y._
SA
angestellt und bei der Helsana Unfall AG gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 12. Dezember 2009 als Fahrerin eines Autos auf dem Bahnhofplatz
Z._
einen Unfall erlitt (
seitlich f
rontal
e K
ollision von zwei Automobilen; Urk. 9/K1).
Die medizinische Erstversorgung fand im
A._
statt (Urk. 9/K3
)
. Es wurden eine leichte traumatische Hirnverletzung, eine
Schädel
prellung
frontal links sowie
Prellungen am Thorax, Ellenbogen links, Hand
ge
lenk links und am linken Knie diagnostiziert (Urk. 10/M4). In der Folge wurde
die Versicherte allgemeinmedizinisch, rheumatologisch, neurologisch und psy
chia
trisch unter
sucht beziehungsweise behandelt (
Urk.
10/M10-M16).
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für
I
nnere Medizin und Rheumatologie, beratender Arzt
der Helsana Unfall AG, erstattete am 3. November
2010 sowie am
2.
und 16. März
2011 Bericht (Urk. 10/M17, 10/M22 und 10/M24). Am 2
2.
und
29. März
2011 wurde die Ver
sicherte in der Klinik
C._
operiert (funk
ti
o
nelle
perkutane
Rhizotomie
be
ziehungsweise Infiltration des
Subacromial
ge
lenks
und
der
Bizepssehne
links [Urk. 10/M25 und 10/M27]). Vom 30. Mai bis 1. Juni 20
11 war sie
zur Abklärung von
Abdominalschmerzen
und Diarrhöe
im
A._
hospitalisiert (Urk. 10/M30). Am 23. Juni und 1. September
2011 fanden weitere Infiltrationen statt (Infiltration des unteren Kopfgelenks C1/2 links [Urk. 10/M31-M32]).
Am 22. September 2011 erstatteten der Neurologe
Dr.
med.
D._
,
E._
,
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil.
G._
, Fachpsychologe für Neu
ro
psychologie FSP, vom
H._
ihr Gutachten (Urk. 10/M33; nachfolgend:
H._
-Gutachten).
Dr.
B._
nahm am
23. November 2011 eine Aktenbeurteilung vor (Urk. 10/M35).
Dr.
med.
I._
,
Facharzt für Innere Medizin, reichte am 28. November 2011 und am 9. Februar 2012 seine Beurteilungen ins Recht (Urk. 10/M37 und 10/M39). Die
H._
-Gutachter nahmen am 29. November 2012 Stellung zur Kritik, die von den
Dres
.
B._
und
I._
an ihrem Gutachten geübt worden war (Urk. 10/M41). Am 26. März 2013 wurde schliesslich das von der Invali
denversicherung in Auftrag gegebene Gutachten des
J._
zu den Akten gereicht (Urk. 10/M44; nachfolgend:
J._
-Gut
achten).
1.2
Bereits mit Verfügung vom 22. März 2012 (Urk. 9/K385) hatte die Helsana Unfall
AG die Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen per 29. Februar 2012 ein
ge
stellt, nachdem ihr von der involvierten Motorhaftpflichtversicherung (Mobi
liar Versicherungen) ein Observationsbericht (vgl. Urk. 9/K379) zugestellt und dieser
ärztlicherseits durch die
Dres
.
B._
und
I._
beurteilt worden war. Zur Be
gründung wurde ausgeführt, dass zwischen dem Unfall vom 12. Dezember 2009
und den nach dem 29. Februar 2012 noch bestehenden
Ge
sundheitsbeein
träch
ti
gungen
kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr be
stehe und überdies auch die Adäquanz zu verneinen sei. Die gegen die genannte Verfügung erho
bene Einsprache vom 25. April 2012 (Urk. 9/K398) wies die Helsana Unfall AG mit Entscheid vom 15. August 2013 (Urk. 2 = Urk. 9/K428) ab.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 16. September 2013 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei festzustellen, dass die UV-Leistungspflicht der
Beschwer
degegnerin
aus dem Unfall vom 12. Dezember 2009 auch nach dem 29. Februar 2012 besteht und es seien rückwirkend und weiterhin Taggeldzahlungen an die Arbeitgeberin wie auch Zahlungen an die Heilungskosten zu leisten.
2.
a) Eventualiter sei der Beschwerdeführerin ab 1. März 2012 durch die Beschwerdegegnerin eine UV-Rente auf der Basis ei
nes IV-Grads von 44 %,
subeventualiter
von minimal 16 %, auszurichten.
b) Eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine
Integritätsent
schädigung
in Höhe von 30 % auszurichten.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl.
MWSt
zulas
ten der Beschwerdegegnerin
4.
Ferner seien die Akten im IV-Verfahren (IV-Rente) von der SVA Zürich, AHV-Nr.
K._
,
X._
beizuziehen.
Die Helsana Unfall AG schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2013 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
liessen
die Parteien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 15 und 18). Mit Eingabe vom 17. November 2014 (Urk. 20) reichte die Helsana Unfall AG weitere medi
zini
sche Unterlagen (vgl. Urk. 21/1-5) ins Recht. Die Versicherte liess dazu am 7. April 2015 Stellung nehmen und folgenden Antrag stellen (Urk. 26):
Es sei die Beschwerde zumindest in dem Sinne gutzuheissen, als dass vom Gericht selbst ein neues polydisziplinäres Gutachten bei einer neutralen Gutachterstelle in Auftrag gegeben werde oder dass die Sache eventualiter an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten sei, ein neues
poly
disziplinäres
Gutachten bei einer neutralen Gutachterstelle in Auftrag zu geben.
Hierzu nahm die Helsana Unfall AG ihrerseits am 10. September 2015 Stellung (Urk. 31), wovon der Versicherten am 16. September 2015 Kenntnis gegeben wurde (vgl. Urk. 32).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Ver
fügung vom
18. Dezember 2013
einen Anspruch von
X._
auf eine Rente der Invalidenversicherung. Die
dagegen am 3. Februar
2014
erhobene Beschwerde hat das
hiesige Gericht mit heutigem Urteil abgewiesen (Prozess Nr. IV.2014.00
131
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Wenn die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet,
steht ihr nach Art. 24 Abs. 1 UVG eine angemessene Integritätsentschädigung zu.
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass e
in Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
di
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit
Hinweisen).
1.2.2
Diese Beweisgrundsätze gelten ohne
Weiteres
auch in
Fällen mit
Schleuder
ver
let
zungen
der Halswirbelsäule, Schädelhirntraumata und
äquiva
lenten Ver
letz
ungen. Ist ein Schleudertrauma
(vgl. BGE 117 V 369 E. 3e
)
der Halswirbelsäule diag
nos
tiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Be
schwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel,
Kon
zen
tra
tions
- und Ge
dächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstö
rung
en
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach einge
tretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzuneh
men. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger
Begriffsum
schrei
bung
für die Be
jahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung
des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
ver
si
che
rungsmässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E.
4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht
fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen
). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung
vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere
Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE
115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352
E.
5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237
, 1995 Nr. U 215 S. 91).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samt
würdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall
zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428
, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine
auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
ri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bezieh
ungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Han
delt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der
Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen
, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mitbe
günstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.3.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
ein
trächtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E.
3b, 122 V 415 E.
2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Dem
nach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
träch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
des
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Be
ur
tei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit
Schleuder
trauma
der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob
Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psy
chischer Natur be
zeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 34
1
S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.3.5
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesge
richt sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammen
hangs
zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
1.3.6
Die Beurteilung der Adäquanz in denjenigen Fällen, in denen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beein
trächtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, ist nach der Praxis des Bundesgerichts nicht nach den für das Schleudertrauma in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien, sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychi
sche Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien vorzunehmen (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a, RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113 ff., SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 1; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2
) die Einstellung der Versicherungsleistungen per Ende Februar 2012 im Wesentlichen damit, es sei gestützt auf die medizinischen Beurteilungen erstellt,
dass zum genannten Zeitpunkt der medizinische Endzustand erreicht gewesen sei
.
Demzufolge seien die Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen eingestellt wor
den
. Im
J._
-Gutachten werde aufgrund einer leichten neuropsychologi
schen, schmerzbedingten Störung eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % attestiert. Die
Be
schwerdegegnerin
verneinte jedoch das Vorliegen eines adäquaten Kau
salzu
sammenhangs zwischen dieser Gesundheitsstörung und dem erlittenen Unfall
vom
12. Dezember 200
9.
Beim fraglichen Unfall, einer frontal-seitlich ver
setz
te
n
Kollision, handle es sich um einen mittelschweren Unfall im
Grenzbe
reich
zu den leichten Unfällen. Deshalb müssten die massgeblichen Kriterien, um die Adäquanz zu begründen, in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein. Seien aber nicht mehr als drei der sieben Adäquanzkriterien erfüllt (ohne dass diese in
besonders ausgeprägter oder auffallender Weise gegeben seien), reiche dies
praxis
gemäss
zur Adäquanzbejahung nicht aus. Bei der Prüfung der
Ad
ä
quanz
kriterien
kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass höchstens zwei Kri
te
rien erfüllt seien, jedoch nicht in besonders ausgeprägter oder auffal
lender Weise. Allenfalls seien die Kriterien „Schwere oder besondere Art der er
littenen Verletzungen“ und „fortgesetzte, spezifische, belastende ärztliche Be
handlung“ bis zu einem gewissen Grad erfüllt. Selbst wenn, wie von der Be
schwerde
führerin geltend gemacht, der erlittenen Unfall den mittelschweren Unfällen im engeren Sinne zuzuordnen wäre und die beiden Adäquanzkriterien tatsächlich zu bejahen wären, würde dies nicht ausreichen, um die Adäquanz zu begrün
den. Im Übrigen hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass der von der Mobiliar, der zuständigen Motorhaftpflichtversicherung, in Auftrag g
egebene
Observa
tions
bericht
korrekt erstellt worden
sei. Gestützt auf die im
Observati
onsbericht
festgehaltenen Tätigkeiten sei
en
die bereits vorhanden gewesenen Zweifel an den
geltend gemachten Beschwerden und der
Arbeitsunfähigkeit
be
stätigt worden. Die gelieferten Bilder hätten darauf schliessen lassen, dass keine Einschrän
kungen bestünden, auch nicht in der Arbeitsfähigkeit.
Im vorliegenden Prozess hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Sichtweise fest. Sie erneuerte ihre Kritik am
H._
-Gutachten und hielt demgegenüber am
J._
-Gutachten beziehungsweise an den darin gezogenen Schlüssen und ge
machten Ein
schätzungen fest. Entsprechendes gilt auch für die Beurteilung der Adäquanz (vgl. Urk. 8, 18, 20 und 31).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass sie anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 eine leichte traumatische
Hirn
verletzung
, eine Schädelprellung frontal links sowie Prellungen des Thorax, des
linken Ellenbogens, des linken Handgelenks sowie des linken Knies erlitten habe
. Noch heute habe sich kein wirklich stabiler Gesundheitszustand einge
stellt. Die unfallbedingte Behandlung könne noch nicht als abgeschlossen be
trachtet wer
den. Die Beschwerdeführerin habe zeitweise starke Schmerzen im Kopf-/
Schulte
r
bereich
, welche ihr ein dauerndes ungestörtes Arbeiten verun
möglichten. In der Folge habe sich auch ein Analgetika-Abusus entwickelt. Vor dem Unfall vom
12. Dezember 2009 sei die Beschwerdeführerin beschwerdefrei gewesen und ganz
ohne Probleme einem 100%igen Arbeitspensum nachgegan
gen. Unmittelbar nac
h dem Unfall seien die Leistungen der Beschwerdeführerin rapide abgefallen. Das
von der Beschwerdegegnerin eingeholte
H._
-Gutachten habe ergeben, dass die diagnostizierten Beschwerden mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit allein auf den Unfall zurückzuführen seien. Die medizinisch-the
oretische Arbeitsfähigkeit
werde mit 80 % (Neuropsychologe) respektive mit 60 % (Psychiater) veran
schlagt
. Zu Unrecht anerkenne die Beschwerdegegnerin dieses Gutachten nicht, sondern stütze sich auf eine abweichende Beurteilung des
J._
(
J._
-Gutachten). Das
J._
-Gutachten sei ausserordentlich
versiche
rungsfreundlich
ausgefallen, wider
spreche aber nicht nur dem
H._
-Gutachten sondern auch den Einschätzungen der behandelnden Ärzte. Zudem seien die
J._
-Gutachter nicht unbefangen
gewesen, sondern massgeblich durch den Überwachungsbericht beeinflusst worden
. In der Praxis habe sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz lediglich mit einem Pensum von 60
% eingesetzt werden könne.
Vorliegend sei nicht nur der natürliche Kausalzusam
menhang zu bejahen, son
dern insbesondere auch die Adäquanz. Letztere sei
ohne
Weiteres
gegeben, weil mit der diagnostizierten leichten traumatischen Hirnverletzung ein orga
nisches Verletzungsbild vorliege. Aber auch bei Anwen
dung der Adäquanzkriterien ergibt sich keine anderes Resultat. Offenbar stehe im vorliegenden Fall, wie das unter anderem die
H._
- und
J._
-Gutachten vermuten liessen, die psychische
Problematik im Vordergrund, weshalb die entsprechenden Adäquanzkriterien zur
Anwendung kämen. Ausgehend von ei
nem Unfall „nahe dem mittleren Bereich“
(S. 12) seien die Kriterien „besondere Art der Verletzung“ (Hirnverletzung), „unge
wöhnlich lange Dauer der Behand
lung“, „körperliche Dauerschmerzen“, „schwieriger Heilverlauf“, „ärztliche
Fehl
behandlung
“, und „Dauer der erheb
lichen Arbeitsunfähigkeit“ erfüllt. Damit sei festzuhalten, dass die Beschwerde
führerin seit dem Unfallereignis in ihrer Ge
sundheit in extremem Ausmass beein
trächtigt sei und sich dieser
Gesundheits
schaden
in einer klar reduzierten Arbeitsfähigkeit niederschlage (Urk. 1). Die durchgeführte Observation sie nicht
geeignet, die Dauerschmerzen der Be
schwerdeführerin in Frage zu stellen (Urk. 15
).
Die von der Beschwerdegegnerin neu eingereichten Gutachten seien nicht ver
wertbar, denn bei ihnen handle es sich um reine Aktengutachten, die natur
ge
mäss nicht auf allseitigen Untersu
chungen beruhten. Zudem stünden sämtliche dieser Gutachter in einer nahen Beziehung zur Beschwerdegegnerin respektive zur Haftpflichtversicherung, die ein Interesse am Ausgang dieses
Verfahrens
habe (Urk. 26).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen per Ende Februar 2012 einstellte, weil der medi
zinische Endzustand erreicht war, und gleichzeitig den Anspruch der Beschwer
deführerin auf e
ine Invalidenrente und eine Int
egritätsentschädigung verneinte, weil die noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht auf das
Unfaller
eignis
vom 12. Dezember 2009 zurückzuführen sind (Verneinung des natürli
chen
Kausalzusammenhangs und der Adäquanz).
3.
Von den umfangreichen medizinischen Akten werden
nachstehend
nur diejeni
gen auszugsweise wiedergegeben, die Aufschlüsse zu den streitentscheidenden Fragen, namentlich zur Kausalitätsfrage, geben.
3.1
Dr.
D._
,
Dr.
F._
und
lic
.
phil.
G._
hielten in
ihrem Gut
achten (
H._
-Gutachten) vom 22. September 2011 (Urk. 10/M33; vgl. auch die Teilgutachten [ebenfalls unter
Urk.
10/M33 geführt]) folgende Diagnosen fest (S. 29 f.):
Neurologische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Chronische Neuropathie
N.
ulnaris
links infolge Prellung des Nervs im
Sulcus
N.
ulnaris
bei vorgeschädigtem
N.
ulnaris
links (chroni
sches posttraumatisches
N.
ulnaris
Syndrom links mit neuropathi
schen Schmerzen im Bereich des linken Ellbogens mit leichten sensiblen und wahrscheinlich diskreten motorischen Defiziten).
-
Persistierendes
postcommoti
on
elles
Syndrom mit leichten neuropsy
chologischen und affektiven Störungen, Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen und erhöhter Ermüdbarkeit.
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
Leichtes
zerviko-zephales
Syndrom
Neuropsychologische Diagnosen
-
Leichte Hirnfunktionsstörung
Rheumatologische Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
keine
[...]
Psychiatrische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren ICD-10 (GM 2009)
F45.41
-
mit dysfunktionalen Durchhaltestrategien/Ignorieren der Schmerzen sowie ängstlichen Begleitsymptomen in der Folge des Unfalls vom 12.12.2009
-
Reak
tive depressive Störung, ICD-10
F32.0
-
aktuell leichtgradig, reaktiv auf den Unfall und seine
lebens
verändernden
Folgen
-
St
atus
n
ach
früheren depressiven Reaktionen (Ehekrise, Scheidung, Überfor
derung mit autistischem Sohn)
-
Psychoorganisches Syndrom n
ach Schädel-Hirn-Trauma, ICD-10
F07.2, leichtgradig
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Emotional-expressive Persönlichkeit mit Selbstwertstabilisierung über Leistungsorientierung
-
Differentialdiagnose:
subsyndromale
ADHS F90.0 (Hyperaktivität, Impulsivität, emotionale Instabilität) oder akzentuierte
Persönlich
keitszüge
, ICD-10
Z73
Die
Gutachter führten zudem aus, dass die
erheblichen Verletzungen, welche die
Beschwerdeführerin
anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 erlitten habe
, dauerhafte leichte kognitive Störungen
hinterlassen hatten
. Sie seien mehreren Ursachen zuzuschreiben. Im Vorder
grund stehe das persistierende
postkom
mo
tio
nelle
Syndrom. Dieses sei durch den Kopfanprall verursacht worden und werde von Kopf- und Gesichtsschmer
zen links begleitet. Zusätzlich behinderten Nacken- und linke Armschmerzen die neuropsychologischen Leistungen. Die Untersuchung des Achsenskeletts habe keine Hinweise auf eine unfallbedingte Verletzung ergeben, welche die Nackenschmerzen begründen würde. Hingegen liessen sich die Schmerzen im linken Arm auf die Prellung des
N.
ulnaris
am linken Ellbogen zurückführen. Aus somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin im Alltag durch die kogniti
ven Störungen und die schmerzbedingt verminderte
körperliche Belastung be
einträchtigt, aus psychiatrischer Sicht durch Schmer
zen
, affektive Störungen und Störungen der emotionalen Regulation, welche die Schmerzbewältigung beeinträchtigten. Aus somatischer Sicht erscheine ein 80%iges Arbeitspensum zumutbar. Aus psychiatrischer Sich liege die zumutbare Arbeitsfähigkeit bei ei
nem 60%-
Pensum. Das persistierende
postc
ommotionelle
Syndrom und die Schädigung des
N.
ulnaris
links mit neuropathischen Schmer
zen
stellten ent
schädigungspflichtige Integritätsschäden dar. Bei Andauern des
chronischen Schmerzsyndroms trotz psychiatrisch-schmerztherapeutisch definier
ter
Therapie könne das Schmerzsyndrom einen weiteren dauerhaften und erheb
lichen
Integ
ritätsschaden
darstellen. Allerdings sei tendenziell von einer Besse
rung der Schmerzen auszugehen. Therapeutische Empfehlungen würden den linken Arm betreffen, wo
optional
eine Vorverlegung des
N.
ulnaris
überdacht werden sollte (S. 42).
Die Gutachter
beantworteten des Weiteren die i
hnen gestellten
Fragen
folgen
der
massen: Die Schmerzen und neuropsychologischen Störungen hätten eine organische Ursache. Es lägen keine typischen Beschwerden nach
HWS-Dis
tor
sionstraumen
oder äquivalenten Verletzungen vor (S. 43). Die leichte
Hirnfun
k
tionsstörung
, die Kopf- und Gesichtsschmerzen und die
Ellbogen
schmerzen
seien auf den Unfall vom 12. Dezember 2009 zurückzuführen. Die
chronischen
neuropathischen Schmerzen, die sensiblen und diskreten motori
schen Störung
en
im linken Arm sowie die Hirnfunktionsstörung seien organi
scher Genese. In Bezug auf die Nackenschmerzen, die teilweise Ausdruck eines vorbestehenden situationsabhängigen
Zervikalsyndroms
seien, sei wahrschein
lich von einer
rich
tungsgebenden
Verschlimmerung durch den Unfall auszuge
hen (S. 45). Die Gutachter bejahten das Vorliegen von erheblichen Beschwerden und eines schwierigen Heilverlaufs (S. 47). Insgesamt liege ein
Integritätsscha
den
von 30 % vor (S. 49). Die Frage, ob sich ein krankhafter Vorzustand un
mittelbar und unabhängig vom Unfall ausgewirkt habe, verneinten sie (S. 56).
Im Rahmen der Begutachtung im
H.
_
wurde die Beschwerdeführerin auch von Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, untersucht (vgl. Teilgutachten vom 3. Juni 2011 im Anhang zu
Urk.
10/M33). Im rheumatologischen Teilgutachten beschrieb der Experte - unter
anderem gestützt auf die angefertigten Röntgenbilder, welche einen unauf
fälli
gen Befund mit beginnenden degenerativen Veränderungen zeigten - geringe Befunde, welche das geschilderte Schmerzausmass nicht zu erklären vermochten (S. 7). Das leichte
zerviko
-vertebrale Syndrom erachtete Dr.
L._
mit grosser Wahrscheinlichkeit als nicht mehr unfallkausal (S.
8). Allerdings ist nicht aus
gewiesen, ob der Rheumatologe an der interdisziplinären, integrierenden Beur
teilung mitgewirkt hat, denn darin wurde auf seine Beurteilung nicht mehr Bezug genommen (Urk. 10/M33 S. 42 f.) und Dr.
L._
hat die Expertise auch nicht unterzeichnet (S. 58).
3.2
Dr.
B._
äusserte sich am 23. November 2011 (Urk. 10/M35) kritisch zum
H._
-Gutachten. Er bezeichnete es als widersprüchlich und nicht nachvollzieh
bar. Die motorischen Störungen im linken Arm würden das
ulcus
ulnaris
Syn
drom betreffen, welches vorbestehend sei und höchstens möglicherweise durch
den Unfall
exazerbiert
habe
. Die Hirnfunktionsstörungen würden geringe neuro
psy
chologische patholo
gische Testergebnisse betreffen
mit
einer
Überla
gerung
durch eine depressive Problematik mit
einer
psychiatrischen Diagnose. Es sei zwar möglich, dass tatsächlich eine organische Hirnverletzung stattge
funden habe, das sei aber nicht gesichert. Für eine organische Hirnverletzung lägen keine Beweise vor; das MRI des Schädels sei unauffällig und zeige keine Läsion (S. 3). Das
Computertomogramm
und das konventionelle Röntgenbild der
Hals
wirbelsäule
seien unauffällig gewesen. Es g
ebe keine Hinweise auf In
stabili
täten
, so dass mit Blick auf die Schmerzverarbeitungsstörung keine zusätzliche MRI-Untersuchung indiziert sei. Die unfallbedingte Arbeitsunfähig
keit sei, wenn
überhaupt, durch die neuropsychologischen Defizite einge
schränkt. Da die neu
ro
psychologischen Defizite auch psychiatrisch überlagert seien, könne davon aus
gegangen werden, dass allein somatisch unfallbedingt eine höhere als eine 80%ige Arbeitsfähigkeit respektive eine volle resultiere (S. 4). Das
H._
-Gut
achten sei nur bedingt verwertbar (S. 5).
3.3
Dr.
I._
führte in seinem Bericht vom 28. November 2011 (Urk. 10/M37) aus, dass das
H._
-Gutachten widersprüchlich und nicht sorgfältig erstellt sei: Es werde allein aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin, wonach die
Nacken
beschwerden
vor dem Unfall auf einem tieferen Niveau gelegen hätten, auf eine richtungsgebende Verschlimmerung geschlossen. Gleichzeitig sei fest
ge
stellt worden, dass es kein objektiviertes strukturelles Organkorrelat einer unfallbedingten Läsion an Nacken oder Kopf gebe. Die Meinung des rheuma
to
lo
gischen Fachgutachters, wonach es überhaupt keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gebe, finde kurioserweise keine Berücksichtigung in der interdisziplinären Schlussfolgerung. Obschon die Gutachter gewusst hätten, dass eine psychische Störung seit etwa 1998 bekannt sei, hätten sie sich nicht um entsprechende Akten bemüht (S. 13). Der beteiligte Psychiater habe
Privatdiag
nosen
gestellt, die nicht der ICD-10-Klassifikation oder einer anderen aner
kannten Klassifikation entsprächen. Es sei kein objektives strukturelles Korrelat einer Verletzung der Halswirbelsäule, ihrer Begleitstrukturen oder des Gehirns objektiviert worden; trotzdem sei der Integritätsschaden geschätzt worden, ob
wohl die gutachterlichen Therapieoptionen nicht ausgeschöpft seien. Im Hin
blick auf die postulierte Verletzung des
Nervus
ulnaris
hätten die Gutachter ebenfalls auf die Überprüfung der
Vorakten
verzichtet (S. 14).
3.4
Nachdem die zuständige Haftpflichtversicherung
Dr.
I._
das erstellte
Obser
vationsmaterial
zugestellt hatte, nahm dieser am 9. Februar 2012
erneut
Stel
lung
(Urk. 10/M39).
Insbesondere
erörterte
er
, ob zwischen dem in den
Beobach
tungsvideos
feststellbaren Verhalten der Beschwerdeführerin einerseits und den von ihr im Rahmen des
H._
-Gutachtens geklagten Beschwerden beziehungs
weise den von den
H._
-Gutachtern festgestellten Einschränkungen anderer
seits Diskrepanzen best
ünd
en (S. 1
7 f.
).
Dr.
I._
hielt diesbezüglich fest, dass sich aus den Videobeobachtungen ableiten lasse, dass die Beschwerdeführerin einen dynamischen Alltag lebe. Sie ziehe sich nicht zurück. Es bestünden keiner
lei Hinweise
auf eine soziale Desintegration oder gar auf einen kom
plet
ten sozialen Rückzug.
Die Beschwerdeführerin sei fähig, Freude auszu
drück
en.
Das lasse
Zweifel aufkommen, ob die diagnostizierte „reaktive de
pressi
ve Stö
rung“ über
haupt zutreffen könne. Was die von der Beschwerdeführerin geltend gemacht
en und von den
H._
-Gutachtern teilweise übernommenen
Schmerz
an
gaben
und d
i
e sich daraus ergebenden Einschränkungen betreffe,
erschliesse sich aus der Videobeobachtung, dass zahlreichen Angaben der Beschwerde
füh
r
erin im Wi
derspruch zum tatsächlich beobachtbaren Verhalten stünden (S. 16). Sie trage oft problemlos Schuhe mit hohen Absätzen (5 bis 7 cm). Sie könne sich sehr weit nach unten beugen, um etwas Heruntergefallenes aufzuheben. Sie könne sehr schnell aufstehen und ihren Rücken begradigen. Sie zeige in mehreren Szenen, dass sie ihren Rücken fast bis in die waagrechte Position beugen könne, was einer sehr guten Beweglichkeit entspreche. Die Angabe der Beschwerde
führerin, sie könne Gegenstände über 1 kg nicht tragen, sei offen
kun
dig falsch. Bei einem Einkauf in einem ALDI-Supermarkt sortiere die Ge
schädigte mit tiefer Beugung ihres Rückens Einkaufswaren in einem
Einkaufs
sack
, den sie nachher selbst wegtrage. Dieser Sack wiege sicher mehr als 1 kg. Ihren Kopf trage sie frei; sie bewege ihn frei und sei in der Lage, extreme Bewegungen ohne Prob
leme auszuführen. Die Beschwerdeführerin fahre sehr viel mi
t dem Auto und scheine sich im V
erkehr aufmerksam zu verhalten. All
fällig noch bestehende kognitive Defizite hätten beim Autofahren keine Aus
wir
kungen. Insbesondere beim Autofahren, zum Beispiel beim Ausparkieren zeige die Beschwerdeführerin wiederholt, dass die Kopfbeweglichkeit völlig unein
ge
schränkt sei. Sie habe zu keinem Zeitpunkt Schonhaltungen, schmerzbedingte
Einschränkungen oder ir
gendeine Behinderung gezeigt; vielmehr bewege sie sich
stets geschmeidig, oft zügig und schnell. Auch die Ellenbogenbeweglichkeit links und rechts sowie die beidseitige Schulterbeweglichkeit zeig
t
e
n
keinerlei Einschränkungen. Im Alltag präsentiere die Beschwerdeführerin - sich unbeo
bachtet wähnend - nicht eine einzige der Behinderungen, die sie gegenüber den Gutachtern geklagt habe (S. 17). Wahrscheinlich liege eine Aggravation vor. Die Beschwerdeführerin übertreibe die Beschwerden bewusst und zweckgerichtet. Ziel sei offenkundig die Durchsetzung von Begehren gegenüber den Versi
che
rungen. Offensichtlich seien die Beschwerden (sofern überhaupt vorhanden) übe
r
windbar (S. 18).
Eine richtungsgebende Verschlimmerung sei weder für die
vor
bestehenden
somati
schen noch für die psychischen Leiden objektiviert worden
beziehungsweise in sonstiger Weise belegt. Ein kausaler Zusammenhang zwischen
den geklagten Beschwerden (soweit vorhanden) erscheine eher un
wahr
scheinlich. Gestützt auf die Videobeobachtungen ergebe sich, dass keine sicht
baren somatischen oder psychischen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit vorhan
den seien. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin ab dem
Untersuchungs
zeitpunkt
des rheumatologischen Teilgutachtens nicht mehr wegen der Folgen des Unfalls vom 12. Dezember 2009 eingeschränkt. Eine
unfallbedingte Arbeits
unfähigkeit bestehe ab 2. September
2011 weder im Hau
s
halt noch für die
Er
werbsarbeit
. Eine dauerhafte oder erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität aufgrund von Unfallfolgen sei nicht ein
ge
treten (S. 19).
3.5
In ihrem Bericht vom 29. November 2012 (Urk. 10/M41) bezogen
Dr.
D._
und
Dr.
F._
zur an ihrem Gutachten
erhoben
en Kritik Stellung und äusser
ten sich auch zu den Ergebnissen der Observation: Insge
samt vertraten sie die Auffassung, dass die Observationsbeobachtungen nicht im Widerspruch zu den von der Beschwerdeführerin gemachten Aussagen und den klinischen Beobach
tungen während der Begutachtung stünden. Die von
Dr.
B._
und
Dr.
I._
erhobene Kritik an ihrem Gutachten wiesen sie zu
rück.
3.6
Prof.
Dr.
med.
M._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
N._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
Dr.
med.
P._
, Facharzt FMH für Neurologie, und der Neuropsychologe
lic
. phil.
Q._
hielten in ihrem Gut
achten
vom 18. März 2013 (Urk. 10/M44;
J._
-Gutachten) folgende Diagnosen fest (S. 36
f.
):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.2)
-
Status nach PKW-Kollision am 12.12.09 mit frontaler Schädel- und
Thoraxprellung
, linksseitiger Ellbogen- und Kniekontusion sowie Handgelenksdistorsion
-
radiologisch
unauffälliger Befund der HWS (Röntgen CT 12.12.09 und Röntgen 27.06.11)
-
praktisch freie Beweglichkeit der Halswirbelsäule
-
leichte neuropsychologische Störung infolge Schmerzen
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
2.
Zöliakie (ICD-10 K90.0)
3.
Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F17.1)
4.
Konstitutionell vermehrte
Bandlaxizität
(ICD-10 M35.7)
5.
Hallux
valgus
und Spreizfuss beidseits (ICD-10 M21.07/M21.87)
6.
Anamnestisch Status nach Lumbalgie bis etwa 1995 (ICD-10
M54.5)
7.
Leichte
Ulnarisneuropathie
links (ICD-10 G56.2)
Aus neurologischer Sicht könne davon ausgegangen werden, dass die Be
schwer
deführerin anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 eine leichte Commo
tio cerebri erlitten habe. In einem im Februar 2010 durchgeführten MRI des Schädels hätten keine posttraumatischen Läsionen objektiviert werden kön
nen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin eine trau
ma
tische Hirnverletzung mit moderatem Schweregrad (initiale Desorientie
rung auf der Notfallstation) erlitten habe. Aktuell könne ein leichtes
tendomyo
pa
thisches
zervikales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Reiz- beziehungsweise
sen
sorisch
e
Ausfallsymptomatik objektiviert werden. Für das Taubheitsgefühl im Bereich des Klein- und Ringfingers sei eine leichte
Ulnarisneuropathie
links verantwortlich, welche aber gemäss aktueller neurologischer Einschätzung nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Aus orthopädischer Sicht sei
vom Vorliegen eines chronischen
zervikovertebralen
Schmerzsyndroms bei prak
tisch freier Beweglichkeit der Halswirbelsäule auszugehen. Aus orthopädi
scher Sicht bestehe für die aktuell ausgeübte wie auch für jede andere körper
lich leichte bis mittelschwere Tätigkeit unter Wechselbelastung eine zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aufgrund einer in der neuropsychologischen Untersuchung fassbaren leichten neuropsychologischen,
schmerz
bedingten
Störung bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 %. Hingegen werde die Arbeitsfähigkeit durch die diagnostizierte leichte depressive Episode
nicht
beschränkt.
Auch wenn eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objekti
vierbaren Befunden bestehe, könne keine Diagnose einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung gestellt werden. Vielmehr müsse vom Vorliegen einer Schmerzausweitung ausgegangen werden. In der polydisziplinären
Konsensbe
sprechung
sei man zum Schluss gekommen, dass sowohl in der aktuell ausge
übten als auch in jeder anderen körperlich leichten bis zumindest mittelschwe
ren Tätigkeit unter Wechselbelastung, ohne
häufiges Heben und Tragen von L
asten über 15 kg,
seit Anfang Juni 2010
eine 90%ige Arbeits- und Leistungs
fähigkeit bestehe. Für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % sei die schmerzbedingte leichte neuropsychologische Störung verantwortlich (S. 37 f.).
3.7
Dr.
med.
R._
, Ärztlicher Direktor der
S._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 13. Juli 2012 (Urk. 3/7) ein chronisches Schmerz- und Vegetativsyndrom nach Unfallereignis, eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung (F45.4) mit Elementen von somatoformen autonomen Funktionsstörungen (F45.30), eine Anpassungsstörung mit gemischter ängstli
cher, dissoziativer und depressiver Reaktion (F43.22) sowie eine emotionale Instabilität. Er erachte die Beschwerdeführerin
als
zu 50 % arbeitsfähig. Zu empfehlen sei eine Kombination von interdisziplinärer Schmerztherapie und von psychiat
risch-
psychotherapeutischen Behandlungen. Falls die notwendigen Settings stabil installiert werden könnten, sei prognostisch eine gesundheitliche Besse
rung anzunehmen.
3.8
Die Psychologin
T._
, Oberärztin
Dr.
med.
U._
, der Leitende Arzt
Dr.
med.
V._
und Chefarzt
Dr.
med.
W._
von der Klinik
AA._
führten in ihrem Bericht vom 7. Februar 2013 (Urk. 3/2) aus, dass die Beschwerdeführe
rin unter einer rezidivierenden depressiven Episode (gegenwärtig leicht- bis mittel
gradige Ausprägung) im Zusammenhang mit seit längerem andauernden chro
ni
schen Schmerzen infol
ge eines Autounfalls leide
.
Der Aufenthalt habe zu
eine
r
Verbesserung der psychischen Stabilität
geführt, aber die Beschwerde
führerin habe sich entgegen der vorgeschlagenen Verlängerung der Rehabili
tation zu einem vorzeitigen Austritt entschieden (S. 3).
3.9
Dr.
I._
äusserte sich in seinem Bericht vom 24. Juli 2013 (Urk. 21/2), in dem er zum
J._
-Gutachten
Stellung
nahm, dahingehend, das
s
seine Feststellungen, die
er
bei Betrachtung des Überwachungsvideos gemacht habe, durch die
J._
-Gutachter bestätigt worden seien. Insgesamt gelte, dass der Status quo ante/sine
per 31. Mai 2010 erreicht worden sei. Die verbliebene Restarbeitsunfähigkeit von
10 % wegen
geringgradiger
neurokognitiver Defizite könne nicht ursäch
lich auf den erlittenen Unfall zurückgeführt werden
, da eine hirnorganische
unfalltrau
matische
Läsion durch eine objektivierende Untersuchung (MRI Schä
del) habe ausgeschlossen werden können. Aus den Feststellungen der
J._
-Gut
achter sei
überdies abzuleiten, dass eine erhebliche und dauerhafte Schädigung der kör
per
lichen oder geistigen Integrität unfallbedingt nicht stattgefunden habe
(S. 19)
.
3.10
Hausarzt
Dr.
med.
BB._
, Allgemeine Medizin FMH, hielt in seinem Bericht vom 4. September 2013 (Urk. 3/4) fest, dass die leider eingetretene
Chronifizierung
der linksseitigen Kopfschmerzen die Beschwerdeführerin wirklich stark beein
trächtige und zum grossen Schmerzmittelkonsum führe. Er erachte die Be
schwerdeführerin als tapfere Kämpferin, die ihren Arbeitsplatz schätze und ihn bewahren möchte. Die Arbeitsfähigkeit von 50 %, dann 60 % habe nicht weiter gesteigert werden können. Die psychosozialen Belastungsfaktoren als alleiner
ziehende Mutter eines äusserst schwierigen, an der
Asperger
-Krankheit leiden
den Sohnes hätten ihr sicher noch zusätzlich Kr
äfte geraubt. Zusammenfassend fi
nde er die Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin schon länger 100 % arbeitsfähig gewesen wäre, ungerechtfertigt; das berücksichtige ihre kriti
sche Gesamtsituation
nicht
.
3.11
Dr.
med.
CC._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, kam in
ihrem versicherungsmedizinischen
Aktengutachten vom 15. Febru
ar 2014 (Urk. 21/5) zum Schluss, dass auf das
H._
-Gutachten nicht abgestellt
werden
könne. Basierend auf den versicherungsmedizinisch überzeu
genden Aus
führungen der
J._
-Gutachter sei der Status quo sine
vel
ante über
wiegend wahr
scheinlich per 31. März 2010 erreicht worden; spätestens sei die
ser Zustand ein Jahr nach dem Unfall vom 12. Dezember 2009 erreicht worden. Auf ortho
pädisch-rheumatologischem Fachgebiet bestehe unter Berücksichti
gung aller Gegebenheiten und Befunde kein Gesundheitsschaden, der
versiche
rungs
medi
zinisch
betrachtet eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf die zuletzt ausgeübte, eine allfällige Verweistätigkeit oder für die Tätigkeit als Hausfrau begründen könnte. Demzufolge könnten keine Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden. Festzuhalten seien jedoch unter
anderem folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit:
chro
nisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei chronischem Kopf
schmerz
vom Spannungstyp, tendenzieller Hypermobilität und radiologisch un
auf
fälligem Befund der Halswirbelsäule sowie eine leichte
Ulnarisneuropathie
links (S. 6
7
f.). Aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht bestehe kein durch apparative Untersuchungen objektivierbares organisches Korrelat einer
unfall
bedingten
Schädigung. Die derzeitigen Störungen stünden allenfalls möglicher
weise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich in einem natürlichen Kausalzu
sammenhang zum Ereignis vom 12. Dezember 2009 (S. 69). In Übereinstim
mung mit der Einschätzung von
Dr.
I._
und insbesondere unter Berücksich
tigung des Video-Beobachtungsmaterials sei davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin namentlich anlässlich der Begutachtung beim
H._
zu
mindest stark selbstlimitiert habe. Allenfalls sei es durch den Unfall zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes gekommen, jedoch aus
drücklich nicht zu einer richtungsgebenden. So hätten zu keiner Zeit struktu
relle Organkorrelate einer unfallbedingten
Läsion im Bereich des Haltungs- und Bewegungsapparates objektiviert werden können (S. 70).
3.12
Dr.
med.
DD._
, Facharzt FMH für Neurologie, erörterte in seinem neurologi
schen Aktengutachten vom 18. März 2014 (Urk. 21/3), dass bei der Beschwer
de
führerin keine Befunde vorhanden seien, die für das Vorliegen einer leichten
traumatischen Hirnverletzung („Mild
Traumatic
Brain
Injury
“ MTBI) bezie
h
ungs
weise einer Commotio cerebri sprechen würden. Deshalb sei mit überwie
gender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei der
Au
f
fahrkollision
vom 12. Dezember 2009 keine substantielle, das heisse
k
eine struk
turell fassbare Hirnverletzung davongetragen habe. Zudem heile nach heutigem Kenntnisstand eine MTBI folgenlos aus. Insofern sei die Diag
nose eines „
post
commotionellen
Syndroms“ durch
Dr.
D._
in Kenntnis der unauffälligen Bildgebung und der charakteristischerweise günstigen Prog
nose einer leichten traumatischen Hirnverletzung (MTBI beziehungsweise Com
motio cerebri) nach
mehrjährigem Verlauf keineswegs nachvollziehbar. Ausser
dem erstaune die von den
H._
-Gutachtern genannte, eine Integritätseinbusse begründende Diagnose eines organischen Psychosyndroms nach
Schädelhirn
trauma
, die in der
Diagno
senliste
gar nicht erwähnt worden sei. Die Annahme einer mittelschweren
Hirn
verletzung
durch
Dr.
D._
könne unter Be
rücksichtigung der etablierten Kriterien nicht nachvollzogen werden, zumal die Graduierung „mittelschwer“ einen initialen Wert auf der Glasgow
Coma
Scale
von 9 bis 12 Punkten vor
aussetze, was bei der Beschwerdeführerin gemäss der echtzeitlichen Dokumen
tation nicht der Fall gewesen sei. Bei fehlenden struk
turellen posttraumatischen zerebralen Befunden in der geeigneten Bildgebung könnten auch die offenbar bis dato geklagten neuropsychologischen Beschwer
den nicht mehr als orga
ni
sche Unfallfolge anerkannt werden. Es seien nur noch leichtgradige und
ins
ge
samt
unspezifische Funktionsstörungen nachgewiesen worden; zudem sei auf eine wahrscheinliche Schmerzassoziation hingewiesen worden (S. 13-15). Retro
spektiv sei auch die Diagnose einer klinisch relevanten HWS-Distorsion kritisch
zu hinterfragen. Allenfalls könnte eine leichte HWS-Distorsion vorgelegen haben
(S. 15 f.).
Was die im Raum stehende Anpral
lläsion des linken
Ulnarisnervs
angehe, sei ebenfalls festzustellen, dass in der
echt
zeitlichen
Dokumentation keine dafür typischen Beschwerden und Befunde festgestellt worden seien. Die linksseitige
Ulnariss
ymptomatik
könne nicht mit dem G
rad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Unfallfolge angesehen werden. Auch der Gesichts
schmerz
und die Sensibilitätsstörung der linken
Ge
sichtshälfte
seien nicht überwiegend wahrscheinlich Unfallfolgen (S. 16 f.). Auch ein jahrelang anhaltender Kopf
schmerz sei aus
neurotraumatologischer
Sicht weder nach einer leichten trau
matischen Hirnverletzung noch nach einer leichten HWS-Distorsion plausibel nachvollziehbar. Zusammenfassend könne aus neurologischer Sicht auf keine der von den
H._
-Gutachtern
getroffenen
Schlussfolgerungen betreffend fort
bestehende unfallkausale Diagnosen,
unfall
kausale
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit oder Integritätsschaden abgestellt werden. Demgegenüber seien die Ausführungen von
Dr.
I._
- was die neu
rologisch zu beurteilenden Aspekte angehe - schlüssig und nachvollziehbar (S. 17). Ein durch apparative Unter
su
chungen objektivierbares, organisches Korrelat einer unfallbedingten Schädi
gun
g bestehe nicht. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne heute keine an
dauernde unfallkausale Diagnose mehr gestellt werden (S. 19). Spätestens Mitte Dezember 2010 sei der Status quo sine/ante erreicht worden. Eine erhebliche und dauerhafte Schädigung der kör
perlichen und geistigen Integrität liege nicht vor (S. 20).
3.13
Dr.
med.
EE._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in seinem Aktengutachten vom 24. März 2014 (Urk. 21/4) aus, dass aus
versiche
rungspsychiatrischer
Sicht die diagnostizierte rezidivierende
depressive
Störung
(ICD-10 F33) nachvollzogen werden könne. Hinsichtlich des Schweregrades lägen
aber Differenzen vor. Differentialdiagnostisch wäre auch an eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1) zu denken (S. 60)
, der aus versicherungspsychiatrischer
Sicht
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zukomme (S. 61).
Des Weiteren könne
auch die Diagnose einer
Anpas
sungsstörung
mit gemischter ängstlicher, disso
zia
tiver und depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22) im Zusammenha
ng mit anhal
tendem
neuralgischen
Syndrom nach Verkehrsunfall am 12. Dezember 2009 sowie durch veränderte Lebensum
stände nach dem Auszug der Kinder und ten
denzieller Isolation nachvollzogen werden.
Diese Störung sei definitionsgemäss
als leichtgradig einzustufen; sie begründe aus versicherungspsychiatrischer Sicht
keine Arbeitsunfähigkeit (S. 61 f.). Es lägen auch keine weiteren psychischen Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor; insbesondere liege
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
keine chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) vor (S. 62).
Es sei festzu
halten, dass aufgrund der vorhandenen Akten und dem vorliegenden
Obser
vationsmaterial
erhebliche Zweifel am Vorliegen einer chronischen
Schmerz
störung
mit somatischen und psychischen Faktoren, die eine erh
ebliche
Ein
schrän
kung im Alltag der Be
schwerdeführerin begründeten, bestünden (S. 64). Die der
zei
tigen Gesundheits
störungen stünden mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit nicht mit dem Unfall vom 12. Dezember 2009 in Zusammenhang. Es bestünden vielmehr diverse
un
fallfremde
respektive psychosoziale Faktoren, die die Entwicklung psychischer Störungen begünstigen könnten. Diese würden in erheblichem Umfang allfällige Aspekte, die eine natürliche Kausalität zum Unfall darstellen könnten, überwie
gen (S. 66). Eine vorübergehende leicht
gra
dige Verschlimmerung eines
Vorzu
standes
(Anpassungsstörung mit gemischter ängstlicher, dissoziativer und de
pressiver Reaktion im Zusammenhang mit anhal
tendem
neuralgischen
Syndrom nach Verkehrsunfall sowie durch verän
derte Lebensumstände nach Auszug der Kinder und tendenzieller Isolation) sei nachvollziehbar. Diesbezüglich sei jedoch der Status quo sine
vel
ante über
wie
gend wahrscheinlich nach drei bis vier Mo
naten, spätestens nach sechs Mona
ten nach dem Unfall vom 12. Dezemb
er 2009 erreicht worden. Ein
Integritäts
schaden
könne aus
versicherungspsychiatri
scher
Sicht nicht festgestellt werden (S. 66 f.). Die Überlegungen von
Dr.
I._
seien aus
versicherungspsychia
tri
scher
Sicht durchgängig nachvollziehbar und schlüssig (S. 68).
4.
4.1
4.1.1
Vorauszuschicken ist, dass im vorliegenden Fall die medizinische Aktenlage sehr umfangreich und aussagekräftig ist. Zwar vertreten - wie oben dargelegt wurde und nachfolgend zu diskutieren sein wird - nicht alle Ärztinnen und Ärzte dies
elben Meinungen
; dies ändert aber nichts daran, dass aus den Akten die notwendigen
Entscheidgrundlagen
gewonnen werden können. Es be
steht deshalb kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen oder für den
Beizug
oder die Einholung weiterer Akten
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
Wie sich aus den vorstehend wiedergegebenen Gutachten und Berichten ergibt, gab die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin unter den beteiligten medizinischen Experten und Expertinnen zu kontrovers geführ
ten Meinungsäusserungen Anlass. Dabei beurteilten die
H._
-Gutachter (vgl. E. 3.1 und E. 3.
5
), der behandelnde Psychiater
Dr.
R._
(vgl. E. 3.7) sowie die behandelnden Ärzte an der Klinik
AA._
(vgl. E. 3.8) und der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
BB._
(vgl. E. 3.10), nicht nur die vorliegenden
Gesund
heitsbeeinträchtigungen
al
s gravierend, sondern führten
diese - soweit sie sich zur Kausalitätsfrage äusserten - auf den am 12. Dezember 2009 erlittenen Unfall zurück. Demgegenüber vertraten
Dr.
B._
(vgl. E. 3.2),
Dr.
I._
(vgl. E. 3.3, 3.4 und 3.9), die
J._
-Gutachter (vgl. E. 3.6),
Dr.
CC._
(vgl. E. 3.11),
Dr.
DD._
(vgl. E. 3.12) und
Dr.
EE._
(vgl. E. 3.13) die Auffassung, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wesentlich besser sei, als er insbe
sondere im
H._
-Gutachten geschildert worden sei, und dass die Beschwerden (soweit vorhanden) nicht oder höchstens zu einem kleinen Teil auf das erlittene Unfallereignis zurückzuführen sei
en
.
4.1.2
Bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin stützten sich die zweitgenannten Expertinnen und Experten auch auf die durch den
Überwachungsbericht vom 9. Dezember
2011 (Urk. 9/K379) ge
wonnenen Er
kennt
nisse. Aus der im Bericht enthaltenen Bilddokumentation ist unter anderem ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin nicht nur in der Lage ist, schwere Lasten zu tragen (S. 20), sondern auch auf Schuhen mit hohen Ab
sätzen rennend die Strasse zu überqueren (S. 22) und beim Einkaufen ungüns
tige Körperpositionen einzunehmen (S. 23).
Die Erkenntnisse der Observation (Bericht und DVD) wurden in der Folge - wie ausgeführt - diversen Ärztinnen und Ärzten zur Beurteilung vorgelegt. Diesbe
züglich fällt auf, dass lediglich die
H._
-Gutachter der Ansicht waren, dass die gewonnenen Erkenntnisse für die in ihrem Gutachten gezogenen Schlüsse irre
levant seien beziehungsweise nicht im Widerspruch zu ihnen stünden (vgl. E. 3.5). Dass diese Einschätzung nicht zutreffend ist, ergibt sich jedoch aus
einem Vergleich zwischen
den Aussagen im
H._
-
Gutachten und den Fotos des Observationsberichts. Im
H._
-Gutachten wurde ausgeführt, dass die Beschwer
deführerin bei allen Tätigkeiten, die manuell beidhändig ausgeführt werden müssten und zwingend eine Gewichtsbelastung des linken Arms von mehr als 3 kg erforderten, eingeschränkt sei. Namentlich erwähnt wird das Tragen von
Einkäufen (Urk. 10/M33 S. 50). Auf Foto Nr. 6 des Observationsberichts (Urk. 9/K379
S. 20) ist
hingegen
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin beid
händig und offensichtlich mühelos ein
e
gefüllte Kunststoff-Kiste sowie ei
nen gefüllten Sack zu einem Auto trägt. Dass dies mit den Folgerungen der
H._
-Gutachter
, wonach nur noch armschonende Tätigkeiten zumutbar sind (Urk.
10/M33 S. 48),
nicht vereinbar ist, ist offensichtlich und wurde zu Recht insbe
sondere auch von
Dr.
I._
thematisiert (vgl. E. 3.4). Nicht nachvollzieh
bar ist hingegen, weshalb die
H._
-Gutachter auch nach Kenntnis der
Obser
vationser
gebnisse
unverändert an ihren Einschätzungen festhielten
ohne sich mit der von den übrigen befassten Gutachtern diskutierten Frage der Inkonsi
stenz zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin und dem gezeigten
Verhal
ten auseinanderzusetzen
.
Demgegenüber tru
gen die
J._
-Gutachter,
Dr.
I._
,
Dr.
CC._
,
Dr.
DD._
und
Dr.
EE._
den Ergebnissen der Observation Rech
nung, weshalb sich ihre Einschätzungen als nachvollziehbarer und überzeugen
der erweisen.
Daran ändert - entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin - auch der Umstand
nichts
, dass die
Dres
.
I._
,
CC._
,
DD._
und
EE._
in einem beruflichen beziehungsweise auftragsrechtlichen Verhältnis zur
Beschwerdegeg
nerin
respektive zur zuständigen Motorhaftpflichtversicherung (
der Mobiliar
) stehen. Die Berichte erweisen sich nämlich als stimmig sowie als in sich und untereinander widerspruchsfrei. Zudem stimmen sie im Wesentlichen mit dem
J._
-Gutachten, das von der IV
Stelle des Kantons Zürich eingeholt wurde, überein. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass das
J._
-Gutachten von den Aktengutachten und Berichten der
Dres
.
I._
,
CC._
,
DD._
und
EE._
gestützt wird.
Die Rüge der Beschwerdeführerin, dass das
J._
-Gutachten aus
serordentlich versicherungsfreundlich ausgefallen sei, ist nicht substantiiert be
gründet. Ebenso wenig nachvollziehbar ist ihre Rüge, dass die
J._
-Gutachter nicht unbefangen gewesen seien, sondern durch den ihnen vorgelegten
Über
wachungsbericht
beeinflusst worden seie
n. Kenntnis der Sachlage führt
indesse
n nicht zur Befangenheit, sondern bildet die Grundlage für eine fundierte Beur
teilung.
Es ist somit ein besonders ins Gewicht fallender Vorteil des
J._
-Gutachtens
, dass
den
J._
-Gutachtern von Anfang an die Ergebnisse der durchgeführten Obser
vation zur Verfügung standen und sie ihre Beurteilungen somit in umfas
sen
der Kenntnis des Sachverhalts formulieren konnten, während die
H._
-Gut
achter
ihre Beurteilung abzufassen hatten, bevor der Observationsbericht ver
fasst wur
de.
Es wurde bereits ausgeführt, dass die nachträgliche Versicherung der
H._
-Gut
achter, wonach die Observation keine Ergebnisse zutage gefördert habe, die eine Neubeurteilung ihrer gutachterlichen Feststellungen erforderlich machte
n, nicht zu überzeugen vermag.
Darüber hinaus fällt ins Gewicht, dass im
H._
-Gut
achten keine Auseinandersetzung über den Umstand stattfand, dass die objek
tiven Befunde zumindest teilweise nicht mit den subjektiven Schmerzangaben der Beschwerdeführerin korrelierten; dies wiegt umso schwerer, als auch
H._
-Gutachter Dr.
L._
diesen Sachverhalt beschrieben hat. Anlässlich der inte
grierenden Beurteilung wurden diese Diskrepanzen jedoch nicht diskutiert be
zieh
ungsweise mit dem fehlenden Einbezug von Dr.
L._
sogar gänzlich ausser Acht gelassen, weshalb auf die Schlussfolgerung im
H._
-Gutachten nicht abgestellt werden kann.
Au
s dem Gesagten folgt, dass vorliegend grundsätzlich
und hauptsächlich auf die Beurteilungen und Einschätzungen im
J._
-Gut
achten abzustellen ist (vgl. E. 3.6). Dabei ist allerdings dem Umstand Rech
nung zu tragen, dass dieses Gutachten in einem
invalidenversicherungs
rechtli
chen
Ver
fah
ren zustande kam. Deshalb ist für die Fragen, die wegen ihrer spezifisch unfallversicherungsrechtlichen Bedeutung im
J._
-Gutachten nicht beantwortet wurden, auf die Einschätzungen in den Berichten der
Dres
.
I._
,
CC._
,
DD._
und
EE._
zurückzugreifen, die sich ihrer
seits in dem von den
J._
-Gut
achtern abgesteckten Rahmen bewegten.
4.1.3
Demzufolge ist als erstellt zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 eine leichte Commotio cerebri erlitten hat, wobei im durchgeführten MRI des Schädels keine posttraumatischen Läsionen objektiviert werden konnten
(Urk. 10/M1)
. Aktuell lieg
t
gemäss
J._
-
Gutachtern ein leichtes
tendomyopathisches
zervikales Sch
merzsyndrom ohne
radikuläre
Reiz- bezie
hungsweise sensorische
Ausfallsymptomatik vor. Die Arbeitsfähigkeit w
i
rd einzig durch
eine
schmerzbedingte leichte neuropsychologische Störung einge
schränkt, und zwar um 10 % (Urk. 10/M44 S. 38).
Dr.
I._
vertrat die Ansicht, dass diese Einschränkung nicht auf den U
nfall
zurückzuführen sei
, da eine hirnorganische unfalltraumatische Läsion durch eine
objektivierende Untersuchung (MRI des Schädels) habe ausgeschlos
sen werden könne (E. 3.9).
Dr.
CC._
erklärte, dass aus orthopädisch-rheu
matologischer Sicht kein durch apparative Untersuchungen objektivierbares or
ganisches Korre
lat einer unfallbedingten Schädigung bestehe (E. 3.11). Für
Dr.
DD._
war überwiegend wahrscheinlich, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 keine substantielle, mithin keine strukturell fassbare Hirnverletzung zugezogen habe (E. 3.12).
Dr.
EE._
wies weiter darauf
hin, dass aufgrund der vorhandenen Akten und dem vorliegenden
Obser
va
tions
material
erhebliche Zweifel am Vorliegen einer chronischen Schmerzstörung bestünden (E. 3.13).
Daraus folgt, dass den bei der Beschwer
deführerin vorhandenen
Gesundheits
be
einträchtigungen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
kein somatisches Kor
relat zugrunde liegt. Aufgrund der wiedergegebenen ärztlichen Einschätzungen ist zudem zumindest zweifelhaft, ob die neuropsychologischen Schwierigkeiten tatsächlich auf das erlittene Unfallereignis vom 12. Dezember 2009 zurückzu
führen sind. Wie sich nachfolgend ergeben wird, kann diese Frage aber letztlich offen bleiben.
4.2
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen liess, dass sie weiterhin An
spruch auf Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen habe, weil sich bis heute noch kein wirklich stabiler Gesundheitszustand eingestellt habe, mithin der so
genannte medizinische Endzustand noch nicht eingetreten sei, ist ihr entgegen
zuhalten, dass durch die Akten ein anderes Bild gezeichnet wird. Selbst im
H._
-Gutachten wird keine Behandlungsoption aufgezeigt mit Ausnahme einer operativen Vorverlegung des
Nervus
ulnaris
, wobei diese Operation von den Gut
achtern als unzumutbar qualifiziert wird. Bezüglich des persistierenden
post
kommotionellen
Syndroms sei keine namhafte Besserung durch therapeuti
sche Massnahmen zu erwarten (Urk. 10/M33 S. 46).
Es sind auch sonst keine wei
teren Behandlungsvorschläge mehr ersichtlich. Es ist somit mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der medizinische Endzustand bereits seit geraumer Zeit eingetreten ist
(Eintritt des Status quo sine
vel
ante spätestens ein Jahr nach dem Unfallereignis [vgl. etwa E. 3.12])
.
Insoweit erweist sich demzu
folge die Beschwerde als unbegründet.
4.3
4.3.1
Wie bereits ausgeführt wurde, ist zweifelhaft, ob bei der Beschwerdeführerin noch Gesundheitsbeeinträchtigungen bestehen, die im Sinne eines natürlichen Kausalzusammenhangs als unfallbedingt zu qualifizieren sind. Im Sinne einer Arbeitshypothese ist jedoch vorliegend davon auszugehen, dass zwischen den
neuropsychologischen Einschränkungen und dem Unfallereignis vom 12. Dezem
ber
2009 ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
4.3.2
Nicht zuzustimmen ist der Beschwerdeführerin, soweit sie die Ansicht vertreten liess, dass mit dem Vorhandensein einer leichten traumatischen Hirnverletzung beziehungsweise einer Commotio cerebri ein organisches Verletzungsbild vor
liege und demzufolge die
Unfallk
ausalität ohne Weiteres zu bejahen sei
(Urk. 1 S. 11)
.
Nach der Rechtsprechung kann nämlich von
organisch objekt
iv ausgewiesenen Unfallfolgen
-
bei denen die
Unfalladäquanz
praktisch keine Rolle spielt
-
erst ge
sprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden und die angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind (nicht
in
BGE 135 V 465
publizierte E. 2 des Urteils des Bundesgerichts
8C_216/2009
vom
2
8.
Oktober 2009
; BGE 134 V 231 E. 5.1).
Dies gilt auch für neuropsychologische Defizite (Urteil
des Bundesgerichts
8C_691/2013 vom 1
9.
März 2014 E. 5.1).
Ein solcher
Nachweis ist vor
liegend - wie oben ausgeführt - nicht gegeben. Es konnten
bild
gebend
keine hirnorganischen Läsionen objektiviert werden (vgl. E. 3.6, 3.9, 3.11 und 3.12). Demzufolge ist die Adäquanz nach den oben dargelegten Krite
rien zu prüfen.
4.3.3
Diesbezüglich ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin selbst von einer psychischen Überlagerung
der durch das Schädelhirntrauma ausgelösten Be
schwerden
ausging
: Dies liessen insbesondere das
H._
-Gutachten, das
J._
-Gutachten und die übrigen Akten „vermuten“
(Urk. 1 S. 12).
Der Auffassung der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, d
enn
dieser Schluss
drängt sich
aus den medizi
nischen Akten auf
, selbst wenn
die Frage der
„psychischen Überlagerung“
ausdrücklich nur von
Dr.
B._
thematisiert wurde (vgl. E. 3.2).
Auffallend ist d
ie
sbezüglich
allerdings auch
, dass das „typi
sche Beschwerdebild“ (vgl. E. 1.2.2)
nach Schleudertraumata der Halswirbelsäule beziehungsweise nach
Schädel
hirn
traumata
oder äquivalenten Verletzungen in den medizinischen Akten des vor
liegenden Falles keinen Niederschlag fand. Im
H._
-Gutachten wird denn auch die Frage, ob die typischen Beschwerden nach HWS-Distorsionstraumen oder
äqui
valenten Verletzungen vorliegen wür
den, ausdrücklich verneint (Urk. 10/M3
3
S. 43). Die Schmerzstörung und wei
tere depressive Phasen seien nach dem Un
fall
vom 12. Dezember 2009 entstan
den (Urk. 10/M33 S. 44).
Mit der Beschwerdeführerin ist demzufolge von einer psychischen Überlagerung der durch das Schädelhirntrauma ausgelösten Beschwerden auszugehen bezie
h
ungsweise von einer Fehlentwicklung nach Unfall.
Demzufolge ist die
Adä
quanz
beurteilung
nach den
Kriterien durchzuführen
, die von der
Rechtspre
chung
für psychische Fehlentwicklungen nach Unfällen formuliert wurden (vgl. E. 1.3.3).
4.4
4.4.1
Dem Rapport der Stadtpolizei
FF._
vom 6. Januar 2010 (Urk. 9/K7) ist folgender Sachverhalt zu entnehmen (S. 7 f.):
Frau
GG._
wollte mit ihrem PW von der
HH._
kommend, links in die
II._
abbiegen. Dabei übersah sie die
vortritts
berechtigte
, vom Bahnhofplatz Richtung
HH._
fahrende Frau
X._
mit ihrem PW und prallte mit der Front ihres PW gegen die linke Frontecke des PW
X._
. An beiden Fahrzeugen entstand grosser Sachschaden. Frau
GG._
sowie
X._
und ihre Tochter zogen sich durch die Kollision leichte bis mittelschwere Verletzun
gen zu und wurden durch den Rettungsdienst
ins
A._
verbracht.
Aus dem unfallanalytischen Gutachten der AXA Winterthur vom 12. April 2011 (Urk. 9/K185) ergibt sich, dass die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung Delta
v im Bereich von rund 24 bis 29 km/h gelegen
hat. Zudem ist aus den Fotograf
ien der Unfallfahrzeuge (vgl. Urk. 9/K7, 9/K36, 9/K38 und 9/K185) ersichtlich, dass erhe
bliche Beschädigungen zu verzeichnen
waren.
Zwar ist bei Frontalkollisionen zu beachten, dass sich die kollisionsbedingten Kräfte nicht in gleicher Weise auf den Körper auswirken wie bei einem eigentlichen Schleudertrauma der Halswirbelsäule, wo der Kopf zunächst nach hinten flektiert wird; die Harmlosigkeitsgrenze für HWS-Beschwerden liegt bei Frontalkollision in einem Bereich von 20
30 km/h (Urteil des Bundesgerichts
8C_327/2010 vom 22.
Juli
2010
E. 5.2.1). Anders als im letztgenannten Urteil kollidierten hier die Fahrzeuge gemäss Unfallanalyse jedoch in einem Winkel von 20
30° (Urk. 9/K185 S. 8 und S. 10) und damit eher seitlich als frontal. Die Unfallanalyse konnte aufgrund der Kollisionsschwere und der Kraftrichtung-Wirkung einen Kopfanprall nicht ausschliessen (Urk. 9/K185 S. 10), weshalb es unter Berücksichtigung der Kasuistik (Urteil des Bundesgerichts 8C_769/2011 vom 31. Januar 2012 E. 6.1)
- wie die Beschwerdeführerin zutref
fend ausführen liess (Urk. 1 S. 12)
–
angezeigt
erscheint
, das Unfallereignis vom 12. Dezember 2009 den mittelschweren Unfällen im engeren Sinne zuzuordnen. Es liegt mit
hin weder ein Grenzfall zu den leichten Unfällen noch zu den schweren Un
fällen vor.
Dem Unfall vom 12. Dezember 2009 kann somit nur dann im Sinne adäquater Kausalität massgebende Bedeutung zukommen, wenn ein einzelnes
der rechtsprechungsgemäss für die Adäquanzbeurteilung massge
benden Kriterien
in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder aber drei dieser Kriterien erfüllt wären (SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100).
4.4.2
Beim
U
nfall vom
12. Dezember 2009
handelte es sich um einen Verkehrsunfall im städtischen Strassenverkehr. Deshalb waren die Kollisionsgeschwindigkeiten nicht übermässig hoch. Das Unfallereignis vom 12. Dezember 2009 ist zwar einerseits nicht zu bagatellisieren, es kann aber andererseits auch nicht als beson
ders dramatisch oder besonders eindrücklich bezeichnet werden.
Das Kriterium „Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, ins
be
sondere ihre
er
fahrungsgemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszu
lösen“ ist ange
sichts des erlittenen Schädelhirntraumas als erfüllt anzusehen (wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise).
Die
Dauer der ärztlichen Behandlung
der organisch ausgewiesenen
Gesund
heits
beeinträchtigungen
dauerte nicht unge
wöhnlich lange. Spätestens ein Jahr nach dem erlittenen Unfall war der Status quo ante
vel
sine eingetreten (vgl. etwa E
. 3.12; vgl. auch E. 3.6
a.E
.).
Daran ändern auch die im Jahr 2011 durchge
führten Infiltrationen (Urk. 10/M31-32) nichts, denn
selbst
eine
Behandlungs
bedürftigkeit
von zwei bis drei Jahren ist nach einem Schleudertrauma oder einer
schleudertraumaähnlichen
Verletzung der HWS durchaus üblich (
Urteil des Bundesgerichts U 479/05 vom 6. Februar 2007 E. 8.3.3).
Körperli
che Dauerschmerzen liegen ebenfalls seit geraumer Zeit nicht mehr vor;
die noch bestehende Gesundheitsstörung, die allenfalls auf das erlittene
Un
fall
er
eignis
zurückzuführen ist, hat kein organisch-somatisches Korrelat (vgl. E. 4.3.
2).
Eine ärztliche Fehlbehandlung liegt nicht vor. Soweit die Beschwer
deführerin im
Umstand, dass sie nicht unmittelbar nach dem Unfall psychiat
risch behandelt worden sei, eine ärztliche Fehlbehandlung erblicken wollte (Urk. 1 S. 14), kann ihr nicht gefolgt werden.
Die Ansicht der Beschwerdeführe
rin liefe nämlich darauf hinaus, dass sämtliche Personen
, die einen mittel
schweren Unfall erli
tten haben, unmittelbar danach psychiatrisch behandelt werden müsste
n
, was nicht nu
r unverhältnismässig wäre
, sondern of
fensichtlich auch nicht der medizini
schen Lehre und Praxis entspricht.
Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin die im
S._
geplante Behandlung in der Schmerzgruppe nicht in Angriff genommen und die Rehabilitation in der Klinik
AA._
vorzeitig abgebrochen (Urk. 3/2 S. 3 unten und Urk. 3/7 S. 2 unten).
Der
Hei
lungsverlauf
war - insbesondere was die vorliegend allein relevanten organi
schen Unfallfolgen anbelangt - weder schwierig noch mit erheblichen Kompli
kationen verbunden. Wie ausgeführt wurde
war
vielmehr der Status quo ante
vel
sine bereits nach einigen Monaten, spätestens
nach einem Jahr erreicht.
Auch das Kriterium „Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsun
fähig
keit“ ist vorliegend nicht erfüllt. Falls tatsächlich noch eine Arbeitsunfähigkeit vorlie
gend sollte, die im Sinne eines natürlichen Kausalzusammenhangs auf das
Un
fallereignis
vom 12. Dezember 2009 zurückzuführen ist, wären dafür keine or
ganischen, sondern psychische Ursachen verantwortlich.
4.4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nur eines der massgebenden Kriterien erfüllt ist, dies aber nicht in besonders ausgeprägter Weise. Daraus folgt, dass - selbst wenn natürlich-kausale Unfallfolgen vorlägen - deren Adäquanz zum
Un
fallereignis
zu verneinen ist.
Mangels unfallkausalen Restbeschwerden hat die Beschwerdegegnerin eine weiter
gehende Leistungspflicht zu Recht verneint. Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.