Decision ID: 301cf40c-9143-4517-9680-d02bdc85e4a7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Juni 2015 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zur beruflichen Integration/Rente an (IV-act. 3). Er gab an, an einem
Bandscheibenvorfall und einer Verengung des Wirbelsäulenkanals zu leiden. Von Beruf
sei er B._ für C._. Gemäss dem beiliegenden Lebenslauf hatte der Versicherte
seine Ausbildung an der Hochschule D._ absolviert.
A.a.
Die E._ AG berichtete der IV-Stelle am 15. Juni 2015 (IV-act. 7), dass sie den
Versicherten bis am 7. Juni 2013 als F._ beschäftigt habe (Kündigung per
31. Dezember 2013). Im Jahr 2013 habe der Monatslohn Fr. 5'100.-- betragen; heute
würde der Versicherte ohne Gesundheitsschaden in der ursprünglichen Tätigkeit Fr.
67'600.-- pro Jahr verdienen. Die Tätigkeit habe Montagen, Draht-/Kabeleinzug und
Anschlussarbeiten beinhaltet. Es habe sich um eine selten sitzende, oft gehende und
stehende Tätigkeit mit seltenem Heben oder Tragen von mittelschweren und schweren
Lasten gehandelt.
A.b.
Dr. med. G._, Fachärztin für Allgemeine Medizin, berichtete der IV-Stelle am 23.
Juni 2015 (IV-act. 12), dass der Versicherte an einem chronischen lumbovertebralen
Schmerzsyndrom bei ausgeprägter Spinalkanalstenose L4/L5 leide. Die
Arbeitsunfähigkeit bestehe seit Februar 2013. Für Anfang August 2015 sei eine
operative Dekompression L4/5 geplant. Dr. med. H._, Leitender Oberarzt
Wirbelsäulenchirurgie, Klinik I._, gab in seinem Bericht über die postoperative
A.c.
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Kontrolle vom 29. September 2015 als Diagnose einen Status nach dorsaler
Dekompression und transforaminaler lumbaler intersomatischer Fusion monoportal
links auf Höhe L4/5 am 10.08.2015 bei Diskusdegeneration und mittelgradiger zentraler
Spinalkanalenge auf Höhe L4/5 an (IV-act. 29-2 f.). Er hielt ausserdem fest, dass sich
ein zufriedenstellender Verlauf zeige. Bis zur nächsten Kontrolle in zwei Monaten
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Mit der Wiederaufnahme einer körperlich schwer
belastenden Tätigkeit (bis 2013 B._) sei bei einem günstigen Verlauf frühestens sechs
Monate postoperativ zu rechnen. Derselbe Arzt hielt im Sprechstundenbericht vom
17. November 2015 fest (IV-act. 29-4 f.), dass noch immer Restbeschwerden
bestünden. Der Versicherte sei bis zur nächsten postoperativen Kontrolle im Februar
2016 voll arbeitsunfähig. Am 10. Februar 2016 berichtete Dr. H._ (IV-act. 34), dass
der Versicherte ein halbes Jahr nach der Operation immer noch über starke
belastungsabhängige Lumbalgien berichtet habe. Er habe ihm für die nächsten sechs
Wochen eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.
Am 6. September 2016 notierte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle,
dass die Ausbildung zum B._ in J._ in der Schweiz nicht anerkannt sei (IV-act.
50-2). Der Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig (IV-act. 50-5).
A.d.
Im Dezember 2016 wurde der Versicherte durch die Medizinische
Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) monodisziplinär orthopädisch
begutachtet (Gutachten vom 21. Februar 2017, IV-act. 59). Dr. med. K._ gab keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an. Er hielt fest, dass das Ausmass
der lumbalen Schmerzen und der subjektiven Einschränkung der körperlichen
Leistungsfähigkeit sowie der präsentierten abnormen Untersuchungsbefunde der LWS
mit den leichten Spondylarthrosen L3/4 und L5/S1 und dem unauffälligen Status nach
Spondylodese L4/5 nicht plausibilisiert werden könne. Bei radiologisch fehlender
neuraler Kompression könne auch die angegebene Hyposensibilität lateral am linken
Oberschenkel nicht objektiviert werden. Im Rahmen der postoperativen Rehabilitation
habe von August bis Dezember 2015 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche
Tätigkeiten bestanden. Seit Januar 2016 bestehe in der Tätigkeit als Elektriker wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit.
A.e.
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B.
Am 13. April 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er keinen
Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 62). Nach einem
Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle das Rentengesuch am 8. September 2017 bei
einem IV-Grad von 0 % ab (IV-act. 66).
A.f.
Im November 2018 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zur beruf
lichen Integration/Rente an (IV-act. 70, 75 f.). Er gab an, seit dem 1. Februar 2018 zu
100 % als Produktionsmitarbeiter beschäftigt zu sein.
B.a.
Dr. med. L._, Allgemeine Innere Medizin, berichtete der IV-Stelle am 9.
Dezember 2018 (IV-act. 80), dass es dem Versicherten zurzeit schlechter gehe und er
seit mindestens September 2018 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Der Hauptgrund sei eine
therapierefraktäre Plantarfasziitis mit Polyarthralgien, leichtgradig seit ca. 2016, seit Mai
2018 therapierefraktär und invalidisierend. Es bestehe der Verdacht auf eine
Spondylarthritis; ein Versuch mit einem Biologikum sei gestartet worden. Bereits am 5.
Juni 2018 hatte Dr. med. M._, Orthopädische Chirurgie, beim Versicherten einen
Fersensporn bds. (rechts > links) und einen Status nach einem infizierten Unguis
incarnatus Grosszehe rechts, ausbehandelt mit Co-Amoxi-Mepha, diagnostiziert. Dr.
M._ hatte festgehalten, dass bei vorwiegend plantarseitigen Fersenschmerzen eine
Infiltration beider Fersen von Plantar durchgeführt worden sei.
B.b.
Dr. med. N._, Rheumatologie, berichtete der IV-Stelle am 17. Dezember 2018
(IV-act. 90), dass zurzeit ein invalidisierendes Beschwerdebild im Rahmen einer
wahrscheinlichen Spondyloarthritis bestehe, weshalb eine TNF-Hemmerbehandlung
mit Adalimumab (Humira) geplant sei. Eine abschliessende Beurteilung sei deshalb
nicht möglich.
B.c.
Die Z._ AG berichtete der IV-Stelle am 8. Januar 2019 (IV-act. 91), dass sie den
Versicherten vom 1. Februar 2018 bis 31. Dezember 2018 als Produktionsmitarbeiter
beschäftigt habe (Pensum von 92 %). Der Versicherte habe das Arbeitsverhältnis aus
persönlichen Gründen gekündigt. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 24. September
2018 gewesen. Der Jahreslohn habe sich ab 1. Februar 2018 auf Fr. 52'000.--
belaufen.
B.d.
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– Status nach Ruptur der tiefen Anteile des Ligamentum deltoideum
– Status nach Ruptur Ligamentum fibulotalare anterius
Dr. N._ erklärte in seinem Bericht vom 27. September 2019 (IV-act. 103), dass
die Spondyloarthritis weiterhin mit einem TNF-Hemmer behandelt werde. Da keine
stabile Situation vorliege, sei eine Beurteilung erst in vier bis fünf Monaten sinnvoll.
Derselbe Arzt berichtete am 24. April 2020 über eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes (IV-act. 111). Als Diagnosen gab er eine DD Spondyloarthritis
mit rechtsbetonter Fasziitis plantaris, humoraler Aktivität, HLA-B27 neg., Arthralgien
ohne Synovitiden mit entzündlichen Gelenkmustern (Ellbogen, Handgelenke, PIPs und
OSG) sowie deutlichen morgendlichen Anlaufbeschwerden an. Eine Besserung mit
TNF-Hemmer finde auf der lab(or)mässigen Ebene statt, die Beschwerden hätten
jedoch nicht anhaltend gebessert. Ein TNF-Hemmer-Wechsel sollte versucht werden.
Er gehe jedoch nicht davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch relevant beeinflusst
werden könne. Er sehe den Versicherten auch in einer leichten Verweistätigkeit als
nicht mehr arbeitsfähig.
B.e.
RAD-Ärztin Dr. med. O._ notierte am 30. April 2020 (IV-act. 113), dass die
Faktenlage weiterhin dünn sei, da von Dr. N._ weder aussagekräftige
Sprechstundenberichte noch Labor-, Röntgen- oder Untersuchungsbefunde
eingegangen seien. Eine bidisziplinäre rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung
sei notwendig.
B.f.
Am 8. Mai 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sein Gesuch um
berufliche Massnahmen abgewiesen werde (IV-act. 119).
B.g.
Im Juni/Juli 2020 wurde der Versicherte rheumatologisch-psychiatrisch durch die
Rheumaffairs GmbH begutachtet (Gutachten vom 15. September 2020, IV-act. 128).
Die Gutachterinnen gaben die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit an:
B.h.
Fasziitis plantaris bds., rechts mit partiellem Riss–
OSG/USG Arthrose, links–
Arthrose im Chopard/Talonavikulargelenk bds. links betont–
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Die Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
– Spinalkanalstenose Segment L4/5 mit Dekompressionsoperation und
Spondylodese L4/5 am 10.8.2015
Die rheumatologische Gutachterin Dr. med. P._ hielt fest, dass die Operation vom
August 2015 nicht zu einer Verschlechterung der Rückensituation geführt habe.
Nachvollziehbar sei, dass nach der Rückenoperation durch die Dekonditionierung der
Muskulatur, facettäre Überlastungen und myofasziale Beschwerden noch
Rückenbeschwerden fortbestünden, die kämen und gingen und den Versicherten
weniger belastbar machten für bückende Tätigkeiten, schweres Heben und langes
Gehen und Stehen. Das gegenwärtige Ausmass der Beschwerden könne bei aktuell
fehlenden Belastungen jedoch nicht nachvollzogen werden. Auf den Röntgenbildern sei
ersichtlich, dass der Versicherte an rezidivierenden Enthesen-Schmerzen mit
Plantarfasziitis leide; die Fersensporne seien Ausdruck rezidivierender abgelaufener
Entzündungen. Die Ursache sei am wahrscheinlichsten mechanisch bedingt bei sehr
hohem Körpergewicht und einer Tätigkeit, die mit häufigem Stehen und Gehen
verbunden gewesen sei. Zwar könne die aktuell noch vorliegende Fasziitis plantaris die
Gehunfähigkeit erklären. Das Ausmass der Schmerzen sei hingegen nur schwer
einschätzbar. Die beklagten Arthralgien im Bereich der Sprunggelenke und Vorfüsse
seien aufgrund des MRI-Befundes vom 27. und 28. August 2020 einer Arthrose
zuzuordnen. Es sei möglich, dass der Versicherte auch an den übrigen tragenden
Gelenken wie den Knien und der Hüfte Beschwerden osteoarthrotischer Genese
verspüre; diesbezüglich sei er in seinen Symptomangaben jedoch nicht sehr konkret
gewesen. Der Versicherte habe generalisierte Gelenkschmerzen beklagt, ohne konkret
leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0)–
anhaltende Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen.–
Chronische lumbovertebrale Schmerzen–
myofasziale Schmerzen am rechten Schultergürtel–
Zustand nach psychischer und Verhaltensstörung durch Kokain,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent.
–
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eine anhaltende Morgensteifigkeit, Schwellungen oder Enthesen-Schmerzen zu
beschreiben. Die vom behandelnden Rheumatologen initiierte TNF-Alphahemmer-
Therapie sei hinsichtlich der Beschwerden wirkungslos geblieben. Auf die Diagnose
einer Spondylarthritis könne sie sich gutachterlich schwer festgelegen, weil kein
nachvollziehbar glaubhaft berichteter entzündlicher Rückenschmerz vorliege, es in den
Akten keine charakteristischen entzündlichen Veränderungen am Achsenskelett gebe,
der Versicherte HLA B 27 negativ sei und keine häufig mit einer Spondylarthropathie
assoziierten Erkrankungen vorlägen. Auch eine positive Familienanamnese sei nicht
bekannt. Für das Vorliegen einer Spondylarthropathie spreche die berichtete humorale
Aktivität, die unter der Behandlung mit TNF-Alpha-Hemmern normwertig geworden sei.
Ebenso dafür spreche die aktuelle Bildgebung vom 27. und 28. August 2020 der Füsse,
welche unter Therapie eine persistierende Entzündung der Plantarfaszie zeigten, und
die Sprunggelenksarthrosen. Aufgrund des späten Erkrankungsbeginns, der Adipositas
und der über zwei Jahrzehnte lang ausgeübten gehenden und stehenden Tätigkeiten
sei eine mechanische Ursache jedoch wahrscheinlicher. Die rheumatologische
Gutachterin wies in Bezug auf die Konsistenz und Plausibilität der geltend gemachten
Beschwerden darauf hin, dass die aktuelle Untersuchung nicht konklusiv zur
körperlichen Beurteilung in allen Punkten habe herangezogen werden können. So sei
es dem Versicherten nicht möglich gewesen, sich auf die Untersuchungsliege zu legen
oder frei zu gehen. Dieses Verhalten sei im Sinne einer Symptomverdeutlichung zu
interpretieren und erscheine "berechtigt angesichts des Umstandes eines noch
schmerzhaften Rückens mit vorliegenden degenerativen Veränderungen (vergl. MRI-
LWS 2019) und den nachgewiesenen Befunden im MRI der Füsse vom 27.8. und
28.8.2020". Trotzdem sei das tatsächliche Schmerzausmass rheumatologisch schwer
ermittelbar gewesen, da keine schweren Befunde vorlägen. Wegen der Schmerzen und
der fehlenden Belastbarkeit der Füsse bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit seit
September 2018 keine Arbeitsfähigkeit mehr; allerdings befinde sich die Fasziitis
plantaris bds. möglicherweise im Abheilungsprozess. In einer sitzenden Tätigkeit sei
der Versicherte aus rheumatologischer Sicht voll arbeitsfähig. Die psychiatrische
Gutachterin Dr. med. Q._ führte aus, dass beim Versicherten aufgrund der
Untersuchungsbefunde, der Selbstangaben und der Aktenlage von einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (F33.0),
ausgegangen werden müsse. Der Versicherte habe zwei der diagnostischen
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Symptome, nämlich eine gereizte, bedrückte und wechselhafte Stimmung mit innerer
Unruhe sowie eine erhöhte Ermüdbarkeit und einen verminderten Antrieb gezeigt. Bei
den anderen häufigen Symptomen hätten sich ein vermindertes Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen, gelegentliche Suizidgedanken sowie Schlafstörungen gefunden. Der
Versicherte befinde sich nicht in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen
Behandlung. Von der Hausärztin erhalte er Mirtazapin 15 mg Schmelztabletten zur
Nacht; diese Medikation scheine der Versicherte gemäss dem äusserst niedrigen
Serumspiegel vom 23. Juli 2020 jedoch nicht regelmässig oder kaum einzunehmen. Auf
Nachfrage hin habe der Versicherte frühere depressive Episoden verneint. Allerdings
sei er bezüglich der Wahrnehmung wenig differenziert und sehr fixiert auf seine
körperlichen Symptome. Deshalb könne eine larvierte depressive, mindestens
dysthyme Stimmungslage über Jahre angenommen werden. Des Weiteren liege beim
Versicherten eine anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Anteilen vor. Er erfülle die Diagnosekriterien eines andauernden schweren und
quälenden Schmerzes, der durch einen physiologischen Prozess bzw. eine körperliche
Störung nicht vollständig erklärt werden könne. Der Schmerz trete in Verbindung mit
emotionalen Konflikten und psychosozialen Problemen auf. Die Folge für den
Versicherten sei eine beträchtliche persönliche und medizinische Betreuung und
Zuwendung. Die anhaltende Schmerzstörung und die rezidivierende depressive
Störung müssten vor dem Hintergrund der dysfunktionalen familiären Verhältnisse
gesehen werden, unter denen der Versicherte aufgewachsen sei. Es müsse von einer
Alexithymie ("Gefühlsblindheit") ausgegangen werden. Die Persönlichkeit des
Versicherten sei geprägt durch die depressiv resignative Haltung und die Fixierung auf
die körperlichen Schmerzen. Dadurch sei der Versicherte in der Selbstwahrnehmung
deutlich limitiert. Die innerpsychischen Ressourcen seien nicht stabil und die
persönlichen Ressourcen deutlich reduziert. Im sozialen Bereich seien mobilisierbare
Ressourcen vorhanden. Der Versicherte sei kommunikationsfähig, aber eingeschränkt
introspektionsfähig. Es bestehe weder eine Therapieeinsicht noch eine
Therapieadhärenz oder eine Therapiemotivation. Die Aufnahme einer integrierten
psychiatrisch-psychotherapeutischen sowie antidepressiven, schmerzmodulierenden
Behandlung sei dringend indiziert. Von einer entsprechenden Behandlung sei eine
Remission der depressiven Symptomatik und eine Verbesserung der Schmerzstörung
zu erwarten. Der Versicherte habe einen grossen Leidensdruck. Das Aktivitätsniveau
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sei reduziert. Die Darstellung der Symptomatik sei kohärent, plausibel und konsistent.
Eine Inkonsistenz bestehe bei der Angabe, regelmässig Mirtazapin einzunehmen. Der
Versicherte sei in seiner bisherigen Tätigkeit als B._ aus psychiatrischer Sicht
gegenwärtig zu 100 % arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei eine maximale
Präsenz von sechs Stunden möglich. Zusätzlich bestehe eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit von 10-15 % wegen eines erhöhten Pausenbedarfs und eines
schmerzbedingt reduzierten Arbeitstempos. Unter Berücksichtigung aller Indikatoren
müsse aus psychiatrischer Sicht von einer derzeitigen Arbeitsfähigkeit für angepasste
Tätigkeiten von 60 % ausgegangen werden. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit der
Krankschreibung ab September 2018. Interdisziplinär kamen die Gutachterinnen zum
Schluss, dass in der bisherigen Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr und in einer
angepassten Tätigkeit eine solche von 60 % bestehe. Nach sechs Monaten Therapie
seien eine Verlaufskontrolle mittels MRI der Füsse mit Gadolinium und gegebenenfalls
eine erneute Evaluation der Arbeitsfähigkeit angezeigt. Aus psychiatrischer Sicht werde
eine Nachuntersuchung in zwei Jahren empfohlen.
B.i. RAD-Ärztin Dr. O._ notierte am 7. Oktober 2020, dass das bidisziplinäre
Gutachten umfassend und sorgfältig erstellt worden sei, sodass auf dessen Grundlage
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten konklusiv beurteilt werden könne (IV-act. 136).
B.j. Mit Vorbescheid vom 29. Oktober 2020 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 43 % die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. September 2019 an
(IV-act. 142). Zur Begründung hielt sie fest, dass der Versicherte in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in einem Pensum von 100 % ohne
gesundheitliche Einschränkung ein Jahreseinkommen von Fr. 52'000.-- habe erzielen
könne. Unter Verwertung der 60 %igen Arbeitsfähigkeit sei es dem Versicherten mit
den gesundheitlichen Einschränkungen zumutbar, ein Jahreseinkommen von Fr.
29'484.-- zu erzielen. Dieses Einkommen stütze sich auf den Durchschnittslohn der
Mitarbeitenden der Schweiz gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik. Zusätzlich sei ein Abzug von 10 % berücksichtigt worden. Dagegen liess der
Versicherte am 4. Dezember 2020 einen Einwand erheben (IV-act. 149). Sein
Rechtsvertreter machte in der Einwandbegründung vom 11. Januar 2021 geltend (IV-
act. 151), aufgrund der anhaltenden Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen sei nicht
nachvollziehbar, weshalb dem Versicherten eine sitzende Tätigkeit ohne Einschränkung
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möglich sein solle. Die (rheumatologische) Gutachterin habe selber festgehalten, dass
die Rückenschmerzen weder durch die konservative Therapie noch durch die
Operation hätten gebessert werden können. Zwar habe die Gutachterin erklärt, dass es
eine Inkonsistenz zwischen der bildgebenden Befundlage und den geschilderten
Beschwerden gebe. Dieses Verhalten sei jedoch im Sinne einer
Symptomverdeutlichung zu interpretieren und erscheine berechtigt angesichts eines
noch schmerzhaften Rückens mit degenerativen Veränderungen. Konsequenterweise
müsste somit auch der schmerzhafte Rücken berücksichtigt werden. Gerade bei
Rückenschmerzen sei eine sitzende Tätigkeit erfahrungsgemäss nicht durchgehend
möglich. Da eine wechselbelastende Tätigkeit aufgrund der Fussschmerzen nicht
möglich sei, müsse auch für eine sitzende Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit oder
zumindest eine erhebliche Einschränkung von über 60 % angenommen werden. Des
Weiteren könne nicht davon ausgegangen werden, dass auf dem freien Arbeitsmarkt
entsprechende Stellen vorhanden seien, weshalb dem Versicherten die Verwertung
einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit nicht zugemutet werden könne. Zudem sei die IV-
Rente rückwirkend ab September 2018 auszurichten. Beim Valideneinkommen müsse
auf den Jahreslohn 2012 von Fr. 65'560.-- abgestellt und dieser auf das Jahr 2020
hochgerechnet werden. Schliesslich sei ein Tabellenlohnabzug ("Leidensabzug") von
25 % zu gewähren: Einerseits sei die Differenz zwischen dem Einkommen gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE), welche für gesunde
Arbeitskräfte erstellt worden sei, und den tatsächlichen Löhnen, welche Arbeitgeber für
behinderte oder eingeschränkte Arbeitnehmer zu zahlen bereit seien, auszugleichen.
Andererseits seien aber auch die übrigen medizinisch-theoretischen Einschränkungen
zu berücksichtigen, insbesondere die Rückenschmerzen und der Umstand, dass der
Versicherte weder gehen noch stehen könne. Der Versicherte bringe zudem keinerlei
Erfahrung und Ausbildung mit, welche für sitzende Tätigkeiten vorausgesetzt würden.
Schliesslich könne er auch keine Gewichte über ein Kilogramm heben. Sollte davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit verwerten
könne, so ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 63 % und damit ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente.
B.k. Mit Verfügung vom 16. März 2021 sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei einem
IV-Grad von 47 % ab 1. September 2019 eine Viertelsrente zu (IV-act. 154, 157). Zu
den Einwänden hielt sie fest, die Gutachterin habe die Rückenbeschwerden aus
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medizinischer Sicht gewürdigt und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der
Festlegung des Anforderungsprofils berücksichtigt. Im Weiteren gebe es in Industrie
und Gewerbe verschiedene einfache Hilfsarbeiten, die dem von den Gutachterinnen
festgehaltenen Anforderungsprofil an eine angepasste Tätigkeit Rechnung trügen. Die
Gutachterinnen hätten eine Arbeitsunfähigkeit ab September 2018 bestätigt. Ab diesem
Zeitpunkt sei das Wartejahr neu zu eröffnen. Demnach sei der Beginn des Anspruchs
auf die IV-Rente per 1. September 2019 korrekt festgelegt worden. Der Forderung, für
die Ermittlung des Valideneinkommens auf das im Jahr 2012 erzielte Einkommen
abzustellen (Fr. 66'300.--), werde entsprochen. Dieses sei der Nominallohnentwicklung
bis 2018 anzupassen. Das Valideneinkommen belaufe sich somit auf Fr. 68'176.--. Für
das Invalideneinkommen sei weiterhin auf die LSE abzustellen (Fr. 36'399.--). Die
Gewährung eines höheren Abzugs als 10 % sei nicht angezeigt.
C.
C.a. Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
30. April 2021 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 1.
September 2019. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer ab 1. September 2019 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Subeventualiter sei dem Beschwerdeführer ab 1.
September 2019 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Begründung machte der
Rechtsvertreter ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren geltend, Dr.
N._ habe in seinem Bericht vom 24. April 2020 eine Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit ausgeschlossen. Obwohl es die Gutachterin als
nachvollziehbar erachtet habe, dass sich der Beschwerdeführer beim Untersuch nicht
auf die Untersuchungsliege habe legen können, habe sie die Rückenbeschwerden bei
der Festlegung der Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit ausgeblendet. Wer sich
nicht einmal hinlegen könne, sei nicht in der Lage, in einem vollen Pensum einer
sitzenden Tätigkeit nachzugehen. Im Gutachten sei ausgeführt worden, dass das
"Hocken" nachvollziehbar erschwert sei. Gemäss dem üblichen Sprachgebrauch
entspreche das "Hocken" dem Sitzen. Das Gutachten sei also widersprüchlich.
Während die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das Valideneinkommen in
der Verfügung neu korrekt ermittelt habe (Fr. 68'176.--), sei nun das
Invalideneinkommen fehlerhaft. Der Invalidenlohn sei anhand des Einkommens eines
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ungelernten Hilfsarbeiters gemäss der LSE zu ermitteln. Das Valideneinkommen
belaufe sich somit auf Fr. 28'080.-- (60 % von Fr. 52'000.-- abzüglich 10 %
Tabellenlohnabzug). Der IV-Grad betrage bei dieser Berechnung 59 %. Des Weiteren
sei, wenn man überhaupt davon ausgehe, dass die Restarbeitsfähigkeit noch
verwertbar sei, ein Tabellenlohnabzug von 20 % gerechtfertigt, da mit erheblichen
Lohneinbussen gerechnet werden müsse. Unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzugs von 20 % resultiere ein IV-Grad von 64 %.
C.b. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. August 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung hielt sie fest, mit der vom Rechtsvertreter ins
Feld geführten "Hocke" sei nicht das umgangssprachliche "Sitzen" auf Berndeutsch
gemeint, sondern eine Körperhaltung mit angezogenen Beinen. Diese könne man sich
vorstellen wie eine zu tief ausgeführte Ski-Hocke (Schweizerdeutsch auch "abehuure"
genannt) oder die Bewegung, die ein Arbeiter auf der Baustelle ausführe, um an knapp
über dem Boden ragende Stellen zu gelangen. Zudem schlössen Rückenschmerzen
nicht per se eine sitzende Arbeitstätigkeit aus. Da sich weder aus juristischer noch aus
medizinischer Sicht Widersprüche im Gutachten finden liessen, sei auf es abzustellen.
Bei der Festlegung des Invalidenlohnes sei auf den Tabellenlohn für ungelernte
Hilfsarbeiter abgestützt worden. Die angefochtene Verfügung sei nicht zu beanstanden.
C.c. In seiner Replik vom 27. Oktober 2021 machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend (act. G 12), die Gutachter hätten es als plausibel
erachtet, dass sich der Beschwerdeführer nicht im Liegen habe untersuchen lassen
können und dass er gewisse Übungen (z.B. Zehen-Fersengang) nicht habe durchführen
können. Wenn das Verhalten des Beschwerdeführers während der Begutachtung
"berechtigt" und nachvollziehbar gewesen sei, sei nicht verständlich, weshalb diese
Erkenntnisse bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt worden seien
und dem Beschwerdeführer für adaptierte Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit
attestiert worden sei. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin zum Thema "Hocke"
würden bestritten. Es gebe diverse Interpretationen dieses Begriffs. Dies mache das
Gutachten noch unverständlicher. Natürlich bestehe die Möglichkeit, dass jemand, der
nur an Rückenschmerzen leide, eine sitzende Tätigkeit ausführen könne. Es sei aber
geradezu als gerichtsnotorisch zu betrachten, dass jemand mit heftigen
Rückenschmerzen eine sogenannte wechselbelastende Tätigkeit ausführen müsse.
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Eine Wechselbelastung sei dem Beschwerdeführer aber wegen der erheblichen
Beschwerden in den Füssen nicht möglich. Eine ganztägige sitzende Arbeitstätigkeit
erscheine deshalb als absolut realitätsfremd. Das Einkommen eines Hilfsarbeiters
betrage gemäss der LSE bei einem Pensum von 100 % lediglich Fr. 52'000.-- und nicht
Fr. 67'405.--. Zwar habe sich der Beschwerdeführer früher in seiner Freizeit mit
Computern beschäftigt. In den Anwendungen, die beispielsweise für eine Bürotätigkeit
notwendig wären, kenne er sich aber nicht aus. Ein Tabellenlohnabzug von 20 % sei
deshalb gerechtfertigt.
C.d. Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Duplik vom 12. November 2021 aus (act.
G 14), es könne nicht nachvollzogen werden, woher die Zahl des Rechtsvertreters zur
Berechnung des Invalideneinkommens (Fr. 52'000.--) stamme. Auch wenn es sich nach
Erlass der Rentenverfügung vom 16. März 2021 zugetragen habe, so sei noch zu
ergänzen, dass der Beschwerdeführer aktuell in der Gebäudereinigung Fuss gefasst
habe. Gemäss der Anmeldung für Selbständigerwerbende führe er diese Tätigkeit
alleine aus und beschäftige keine Mitarbeitende. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Gutachter habe sich damit mehr als nur bestätigt. Die Angaben des Rechtsvertreters,
der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner Beschwerden gar nicht in der Lage, seine
Restarbeitsfähigkeit zu verwerten, seien nicht nachvollziehbar.
C.e. Der Rechtsvertreter brachte am 22. November 2021 ergänzend vor (act. G 16),
dass der Beschwerdeführer eine Einzelfirma gegründet habe, um irgendwie doch noch
ein Einkommen zu generieren. Der Beschwerdeführer beabsichtige nicht, die
Reinigungsarbeiten selbst auszuführen. Die Idee sei, dass der Beschwerdeführer mit
Reinigungskräften zusammenarbeite und im Hintergrund die administrativen Arbeiten
erledige. In einem geringen Pensum könne er dies noch tun. Zurzeit sei die Firma nicht
operativ tätig.

Considerations:
Erwägungen
1.
Als Eintretensvoraussetzung zu prüfen ist, ob die 30-tägige Beschwerdefrist (Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG, SR 830.1) zur Anfechtung der Verfügung eingehalten worden ist. Der
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Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat die Verfügung vom 16. März 2021 gemäss
eigenen Angaben am 17. März 2021 erhalten. Die Frist hat also am 18. März 2021 zu
laufen begonnen. Der Ostersonntag ist im Jahr 2021 auf den 4. April gefallen.
Gesetzliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a
ATSG). Die Frist hat also vom Sonntag, 28. März 2021 bis Sonntag, 11. April 2021
stillgestanden. Der 30. Tag der Frist ist somit auf den Samstag, 1. Mai 2021 gefallen,
d.h. der letzte Tag der Frist ist der Montag, 3. Mai 2021, gewesen. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat am 30. April 2021 und damit vor Ablauf der Frist
Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1. Das erste Rentengesuch des Beschwerdeführers ist mit der Verfügung vom 8.
September 2017 abgewiesen worden. Im November 2018 hat er sich erneut zum
Bezug einer Invalidenrente angemeldet. Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft,
wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht auf
die Neuanmeldung eingetreten, denn Gegenstand der ersten Anmeldung sind einzig
die Rückenbeschwerden gewesen. Bei der zweiten Anmeldung vom November 2018
haben dann eine therapierefraktäre Plantarfasziitis mit Polyarthralgien und ein Verdacht
auf eine Spondylarthritis im Vordergrund gestanden (siehe IV-act. 80).
2.2. Mit der angefochtenen Verfügung vom 16. März 2021 hat die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer ab 1. September 2019 eine Viertelsrente zugesprochen.
Gemäss der Auffassung des Bundesgerichts muss bei einer erneuten Anmeldung nach
einer vorausgegangenen rechtskräftigen Abweisung eines Rentenbegehrens geprüft
werden, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 4. März 2015, 9C_9/2015). Diese Praxis ist jedoch gesetzeswidrig:
Mit Art. 29 Abs. 1 ATSG besteht eine abschliessende gesetzliche Regelung der
Wirkung von Neuanmeldungen, sodass keine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke
vorliegt, die durch eine analoge Anwendung des Art. 17 ATSG auf die Neuanmeldung
auszufüllen wäre (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
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vom 6. Dezember 2016, IV 2014/188 E. 1.3 ff.). Die Neuanmeldung unterscheidet sich
also nicht von einer erstmaligen Anmeldung. Demnach ist im vorliegenden Fall nur zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer in einem rentenbegründenden Ausmass invalid ist.
3.
3.1. Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2. Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
4.
4.1. Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die Arbeits
unfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
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4.2. In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das bidisziplinäre Gutachten der
Rheumaffairs GmbH vom 15. September 2020 und der Bericht des behandelnden
Rheumatologen Dr. N._ vom 24. April 2020 im Recht.
4.3. Die rheumatologische Gutachterin hat die angestammte Tätigkeit als F._ wegen
einer Fasziitis plantaris bds., rechts mit partiellem Riss, einer OSG/USG Arthrose links
und einer Arthrose im Chopard/Talonavikulargelenk bds. links betont als nicht mehr
zumutbar erachtet. Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, da es sich bei der
angestammten Tätigkeit um eine überwiegend gehende und stehende Tätigkeit
gehandelt hat (IV-act. 7-6). Strittig ist, ob die Gutachterin für adaptierte, sitzende
Tätigkeiten zu Recht von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht
ausgegangen ist. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, es
sei insbesondere wegen der anhaltenden Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen
nicht nachvollziehbar, dass eine sitzende Tätigkeit ohne Einschränkungen möglich sein
solle. Dr. N._ habe in seinem Bericht vom 24. April 2020 ebenfalls festgehalten, dass
eine leidensadaptierte Tätigkeit ausgeschlossen sei. Dr. N._ hat in dem vom
Rechtsvertreter erwähnten Bericht tatsächlich erklärt, dass er den Versicherten auch in
einer leichten Verweistätigkeit als nicht mehr arbeitsfähig sehe. Begründet hat er diese
Beurteilung jedoch nicht. Hinzu kommt, dass die rheumatologische Gutachterin die von
Dr. N._ gestellte Diagnose einer Spondyloarthritis nicht hat bestätigen können, wobei
anzumerken ist, dass auch Dr. N._ diese Diagnose in seinem aktuellsten Bericht vom
24. April 2020 lediglich als Differentialdiagnose angegeben hat, d.h. bei ihm haben
offenbar auch gewisse Zweifel am Vorliegen dieser Diagnose bestanden. Die
rheumatologische Gutachterin hat zudem schlüssig begründet, weshalb sie eher von
einer mechanischen Ursache für die persistierende Entzündung der Plantarfaszie als
von einer Spondylarthropathie ausgegangen ist (S. 26 f. des Gutachtens). Den
Rückenbeschwerden hat die rheumatologische Gutachterin keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen. Diese Einschätzung deckt sich mit jener von Dr. K._,
welcher den Beschwerdeführer im Rahmen der ersten IV-Anmeldung im Dezember
2016 gutachterlich untersucht hatte. Dass die Rückenoperation vom August 2015 nicht
zwangsläufig zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt hat, ist auch dem
Bericht der Wirbelsäulenchirurgie der Klinik I._, in welcher der Beschwerdeführer
operiert worden war, zu entnehmen: Dr. H._ ist davon ausgegangen, dass mit der
Wiederaufnahme einer körperlich schwer belastenden Tätigkeit wie der Tätigkeit als
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B._ im Anschluss an die postoperative Heilungsphase zu rechnen sei (IV-act. 29-3).
Die rheumatologische Gutachterin hat darauf hingewiesen, dass das Ausmass der
geltend gemachten Beschwerden bei aktuell fehlenden Belastungen nicht
nachvollzogen werden könne, dass das tatsächliche Schmerzausmass schwer
ermittelbar gewesen sei und dass von einer Symptomverdeutlichung ausgegangen
werden müsse. Daran ändert nichts, dass sie das Verhalten des Beschwerdeführers
während der Untersuchung (dem Beschwerdeführer sei es nicht möglich gewesen, sich
auf die Untersuchungsliege zu legen und frei zu gehen) als berechtigt bezeichnet hat
(S. 24 des Gutachtens). Diese Formulierung erscheint − zumindest für einen
medizinischen Laien − etwas widersprüchlich, ist jedoch im Gesamtkontext des
Gutachtens zu sehen: Die Gutachterin hat unter Ziff. 4 des Gutachtens ausdrücklich
festgehalten, dass der Beschwerdeführer während der Exploration ein
selbstlimitierendes Verhalten gezeigt habe; so habe er sich zum Beispiel nicht
selbständig aus- und angezogen und er habe Gehhilfen und die Hilfe der Ehefrau
benötigt, um sich fortzubewegen (S. 27 des Gutachtens). Schliesslich hat der
Rechtsvertreter noch argumentiert, das rheumatologische Teilgutachten sei
widersprüchlich, weil die Gutachterin das "Hocken", was im üblichen Sprachgebrauch
dem Sitzen entspreche, als erschwert, eine sitzende Tätigkeit hingegen als
vollumfänglich zumutbar erachtet habe. Hierzu kann auf die Ausführungen in der
Beschwerdeantwort verwiesen werden (Ziff. 8). Zwar wird der Begriff "Hocken" im
süddeutschen Raum und in der Schweiz auch als Synonym für das "Sitzen" benutzt
(www.duden.de/rechtschreibung/hocken, besucht am 31. März 2022). Im Kontext des
Gutachtens ist jedoch zweifelsfrei die hockende Stellung gemeint, d.h. eine Körper
haltung, bei der man sich auf den Füssen befindet und die Knie stark angewinkelt sind.
Die Argumentation des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers ist somit nicht
stichhaltig. Zusammenfassend kann das rheumatologische Teilgutachten als
umfassend und schlüssig bezeichnet werden. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
rheumatologischen Gutachterin ist somit abzustellen.
4.4. Die psychiatrische Gutachterin hat die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als F._ aufgrund einer leichten depressiven Episode sowie einer
anhaltenden Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen als nicht mehr
zumutbar erachtet. Für adaptierte Tätigkeiten (keine stark schwankenden
Arbeitsbedingungen, kein Leistungsdruck, keine Überzeitanforderung und Stress, keine
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Schichtarbeit) hat sie die Restarbeitsfähigkeit auf 60 % geschätzt (10-15 %ige
Einschränkung der Leistungsfähigkeit wegen erhöhtem Pausenbedarf und
schmerzbedingt reduziertem Arbeitstempo bei einer Anwesenheit von sechs Stunden
pro Tag). Sie hat allerdings auch darauf hingewiesen, dass aus rein psychiatrischer
Sicht eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten auf 80-100 %
medizinisch-theoretisch erwartet werden könne. Deshalb hat sie eine
Nachuntersuchung in zwei Jahren empfohlen. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung eines
anderen psychiatrischen Facharztes liegt nicht im Recht; der Beschwerdeführer ist
gemäss eigenen Angaben noch nie in psychiatrischer Behandlung gewesen (wohl mit
Ausnahme im Rahmen der Kokain-Entwöhnungsbehandlung in den Jahren 2005 bis
2007; S. 18 des psychiatrischen Teilgutachtens). Die Diagnose einer leichten
depressiven Episode überzeugt angesichts der von der Gutachterin erhobenen
Symptome: Der Beschwerdeführer leidet an einer gereizten, bedrückten und
wechselhaften Stimmung mit innerer Unruhe, einer erhöhten Ermüdbarkeit, einem
verminderten Antrieb, einem verminderten Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen,
gelegentlichen Suizidgedanken sowie Schlafstörungen. Die Gutachterin ist zudem
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seit Jahren an einer larvierten
depressiven, mindestens dysthymen Stimmungslage leide und letztlich eine chronisch
verlaufende rezidivierende depressive Störung vorliege. Dass der Beschwerdeführer
selbst frühere depressive Episoden verneint hat, hat sie damit erklärt, dass er bezüglich
der Selbstwahrnehmung wenig differenziert und sehr fixiert auf seine körperlichen
Symptome sei. Auch die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Anteilen überzeugt: Der Beschwerdeführer leidet seit längerer Zeit an
Rückenschmerzen und generalisierten Gelenkschmerzen, die ihren Ausgangspunkt in
einem physiologischen Prozess bzw. einer körperlichen Störung haben (siehe ICD-10:
F45.41). Das gegenwärtige Ausmass der Schmerzen ist somatisch jedoch nicht
nachvollziehbar. Die psychiatrische Gutachterin hat sich mit den Standardindikatoren
(vgl. BGE 141 V 281) auseinandergesetzt: Sie hat erklärt, dass die anhaltende
Schmerzstörung und die rezidivierend depressive Störung vor dem Hintergrund der
dysfunktionalen ursprünglichen familiären Verhältnisse gesehen werden müssten, dass
die Selbstwahrnehmung und die persönlichen Ressourcen deutlich reduziert seien,
dass weder eine Therapieeinsicht noch eine Therapieadhärenz oder eine
Therapiemotivation bestünden und dass eine Inkonsistenz bei der Angabe, regelmässig
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Mirtazapin einzunehmen, bestehe. Die Aufnahme einer integrierten psychiatrisch-
psychotherapeutischen sowie einer antidepressiven, schmerzmodulierenden
Behandlung sei dringend indiziert. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die
psychiatrische Gutachterin erscheint angesichts der psychiatrischen Diagnosen und
unter Berücksichtigung der Standardindikatoren als begründet. Zu diesem Ergebnis ist
auch die zuständige RAD-Ärztin gekommen. Demnach kann auch auf das
psychiatrische Teilgutachten abgestellt werden.
4.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit seit September 2018 (Zeitpunkt der Krankschreibung und Aufgabe
der Erwerbstätigkeit) in der angestammten Tätigkeit als F._ nicht mehr arbeitsfähig
ist. Für leidensangepassten Tätigkeiten besteht seit September 2018 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine (psychisch bedingte) Arbeitsunfähigkeit von 40
%.
4.6. Laut den Gutachterinnen befindet sich der Beschwerdeführer medizinisch noch in
der Eingliederungsphase, d.h. durch eine angemessene medizinische Behandlung
könnte in relativ kurzer Zeit in einer adaptierten Tätigkeit eine deutlich höhere
Arbeitsfähigkeit werden. Die rheumatologische Gutachterin hat eine dreimonatige
Therapie mit Vacoped (insbesondere für den rechten Fuss), Einlagen,
Dehnungsübungen der Wadenmuskulatur und der Plantarfaszie sowie eine
Gewichtsreduktion empfohlen (IV-act. 128-30). Nach sechs Monaten Therapie seien
eine Verlaufskontrolle mittels MRI der Füsse mit Gadolinium und eine Überprüfung der
Arbeitsfähigkeit angezeigt (IV-act. 128-36). Die psychiatrische Gutachterin hat dringend
die Aufnahme einer integrierten, psychiatrisch-psychotherapeutischen und
pharmakotherapeutischen Behandlung mit dem Schwerpunkt einer
Schmerzbehandlung, gegebenenfalls auch in einer Schmerzambulanz mit Besuch einer
Gruppe und einer schmerzmodulierenden, antidepressiven Medikation, empfohlen.
Auch die Möglichkeit einer psychosomatischen stationären Behandlung sollte abklärt
werden. Sie hat eine Nachuntersuchung in zwei Jahren empfohlen (IV-act. 128-36). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in einem in Anwendung des Art. 54
GerG ergangenen Plenarentscheid vom 7. Mai 2019 beschlossen, dass auch für länger
dauernde Phasen einer medizinischen Eingliederung eine Rente der
Invalidenversicherung zugesprochen werden könne (vgl. Entscheid des
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Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. März 2021, IV 2019/166 E. 2.5).
Demnach ist für die Invaliditätsbemessung auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Gutachterinnen der Rheumaffairs GmbH abzustellen, auch wenn im Zeitpunkt der
Begutachtung die medizinische Eingliederungsphase noch nicht abgeschlossen
gewesen ist. Die psychiatrische Gutachterin hat darauf hingewiesen, dass beim
Beschwerdeführer keine Therapiemotivation bestehe. Sollte die fehlende
Therapiemotivation anhalten, so könnte die Beschwerdegegnerin nach Durchführung
eines Mahn- und Bedenkzeitverfahren im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG allfällige
Rentenleistungen vorübergehend oder dauernd kürzen oder verweigern.
5.
5.1. Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Die massgebenden Validen- und
Invalideneinkommen sind unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns festzusetzen (vgl. BGE 129 V 222; vgl. Rz. 3205
des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, KSIR,
Stand 1. Januar 2022). Das Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) hat im September 2018
zu laufen begonnen. Da die IV-Anmeldung im November 2018 erfolgt ist, ist die
sechsmonatige Wartezeit gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG bereits am 1. Mai 2019
abgelaufen gewesen. Ein allfälliger Rentenanspruch würde somit am 1. September
2019 entstehen. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht die Tätigkeit als F._ als
Validenkarriere betrachtet. Diese Tätigkeit hat der Beschwerdeführer bis Juni 2013
ausgeübt. Die letzte Arbeitgeberin in der angestammten Tätigkeit, die E._ AG, hat im
Arbeitgeberbericht vom 15. Juni 2015 angegeben, dass der Beschwerdeführer ohne
Gesundheitsschaden in der ursprünglichen Tätigkeit im Jahr 2015 Fr. 67'600.-- verdient
hätte. Dieses Einkommen ist der Nominallohnentwicklung bis 2019 anzupassen. Im
Jahr 2015 hat der Nominallohnindex von Männern im Sektor 2 Produktion,
Baugewerbe/Bau, bei 102.5 Punkten und im Jahr 2019 bei 104.8 Punkten gelegen
(www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/16904711/master, besucht am 5. April 2022).
Das Valideneinkommen ist somit auf Fr. 69'117.-- festzusetzen (Fr. 67'600.-- / 102.5 x
104.8). Der Beschwerdeführer verfügt über keine in der Schweiz anerkannte
Berufsausbildung; die Ausbildung zum Elektriker hat er in J._ absolviert. Die
Invalidenkarriere besteht deshalb in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiter. Gemäss der
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Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik hat ein Hilfsarbeiter im Jahr 2019
in der Schweiz, aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7
Stunden, durchschnittlich ein Erwerbseinkommen von Fr. 68'336.-- erzielt (siehe
Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist fälschlicherweise davon ausgegangen, dass
der durchschnittliche Lohn eines Hilfsarbeiters im Jahr 2018 Fr. 52'000.-- betragen
habe; hierbei hat es sich jedoch um das zuletzt vom Beschwerdeführer bei der Z._
AG erzielte Erwerbseinkommen gehandelt (IV-act. 91-5). Die Beschwerdegegnerin hat
vom Tabellenlohn einen Abzug von 10 % gewährt. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat hingegen einen Abzug von 25 % resp. von 20 % gefordert. Bei
der Ermittlung des Invalideneinkommens sind einerseits indirekte krankheitsbedingte
Nachteile, die in der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt
worden sind, und andererseits qualifizierende Eigenschaften der versicherten Person,
die sich auf die Lohnhöhe auswirken, zu berücksichtigen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Dezember 2015, IV 2013/118
E. 3.3 und Entscheid vom 17. Oktober 2016, IV 2014/121 E. 3.1). Aufgrund des
Krankheitsbildes des Beschwerdeführers mit körperlichen und psychischen
Beeinträchtigungen besteht die Gefahr überdurchschnittlich häufiger Arbeitsausfälle.
Ein potentieller Arbeitgeber, der betriebswirtschaftlich rational handelt, also keinen sog.
Soziallohn zahlen will, wird diesem erhöhten Ausfallrisiko bzw. dem Risiko der dadurch
anfallenden zusätzlichen Kosten (Lohnzahlung ohne Arbeitsleistung) dadurch
Rechnung tragen, dass er den Beschwerdeführer nur zu einem deutlich
unterdurchschnittlichen Lohn einstellt. Weitere Faktoren, die sich lohnmindernd
auswirken, sind nicht ersichtlich. Auch wenn der Beschwerdeführer in einer adaptierten
Tätigkeit über keine spezifische Berufserfahrung verfügt, so wird ihm die
Berufserfahrung als F._, insbesondere die handwerklichen und technischen
Fertigkeiten, auch in einer Hilfsarbeit zugutekommen. Und schliesslich ist davon
auszugehen, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vorwiegend) sitzend
auszuführende Hilfsarbeiten existieren. Ein höherer Abzug als 10 % vom Tabellenlohn
erscheint daher nicht gerechtfertigt. Nach dem Gesagten ist dem Beschwerdeführer
entgegen der Ansicht seines Rechtsvertreters die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit
möglich und zumutbar. Das Invalideneinkommen beträgt folglich Fr. 36'901.-- (0.9 x
[0.6 x Fr. 68'336.--]). Bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 32'216.-- resultiert ein IV-Grad
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von aufgerundet 47 %. Der Beschwerdeführer hat somit ab 1. September 2019
Anspruch auf eine Viertelsrente.
5.2. Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- gedeckt. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid stellvertretend von einer
mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 941.1]).