Decision ID: 682e60ad-ec9c-5be3-8ae7-8d9bc1f97e17
Year: 2011
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
E4080/2011
Seite 5
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass der Antrag um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung nach Art. 53 VwVG abzuweisen ist, da die Beschwerdesache weder von aussergewöhnlichem Umfang noch von besonderer Schwierigkeit ist, zumal nicht ausgeführt wird, zu welchen Aspekten eine Ergänzung erforderlich sein soll und nicht ersichtlich ist, wieso der Umstand, dass der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers nur ein Tag zur Verfassung der Beschwerdeschrift zur Verfügung stand, nicht dem Beschwerdeführer anzulasten wären, da insbesondere die eingereichte Kopie aus dem Postbuch des Durchgangszentrums Friedeck, in dem der Beschwerdeführer untergebracht ist, keinen Hinweis darauf enthält, dass ihm die Verfügung des BFM wie behauptet erst am 19. Juli 2011 ausgehändigt wurde,
dass der Antrag auf Einsicht in den genauen Wortlaut der Zustimmungserklärung der Slowakei gegenstandslos ist, da der Beschwerdeführer offensichtlich über eine Kopie des betreffenden Dokumentes verfügt, auf der lediglich die Telefon und Faxnummer, die EMailAdresse sowie der Name des zuständigen slowakischen Sachbearbeiters unkenntlich gemacht wurden (BFMAkte A15/1; Beilage 3 der Beschwerde),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass das BFM aufgrund der EURODACTreffer vom 22. Mai 2007 und vom 16. Dezember 2010 und der Zustimmung der Slowakei vom 4. Juli 2011 zum Übernahmegesuch des BFM, die Slowakei zu Recht für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtete (Art. 16 Abs. 1 Bst. e DublinIIVO),
dass anzunehmen ist, die Rechtsvertreterin meine in der Beschwerdeschrift immer die Slowakei, wenn sie von Italien (Beschwerde Ziff. I.5, II.2 und III.1.1 und III [recte: IV] 1. Absatz), Slowenien (III.3.1, 2. sowie letzter Absatz) oder Ungarn (Ziff. III.3.2, letzter Absatz) spricht, und wolle mit der behaupteten Gefahr, von Italien nach Nigeria abgeschoben
E4080/2011
Seite 6
zu werden (Ziff. III [recte: IV] 1. Absatz), eine drohende Abschiebung von der Slowakei nach Vietnam geltend machen,
dass der Beschwerdeführer vorbringt, die Schweiz sei gehalten, im vorliegenden Fall von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin IIVO Gebrauch zu machen und sich für sein Asylgesuch zuständig zu erklären,
dass nach Art. 3 Abs. 2 DublinIIVO die Schweiz ein Asylgesuch prüfen kann, auch wenn sie nach den in dieser Verordnung vorgesehenen Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist, um ihren Verpflichtungen aus dem nationalen und internationalen Recht nachzukommen,
dass diese Bestimmung jedoch nicht direkt anwendbar ist, weshalb sie nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5),
dass der Beschwerdeführer in allgemeiner Weise geltend macht, bei einer Rückschiebung in die Slowakei drohe eine Verletzung des Refoulementverbots von Art. 33 FK und von Art. 3 EMRK,
dass die Slowakei unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK ist und keine konkreten Hinweise dafür vorliegen, dass sich die Slowakei nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen hält,
dass der Beschwerdeführer zudem geltend macht, die Schweiz sei zu einem Selbsteintritt verpflichtet, wenn der nach der DublinIIVerordnung zuständige Staat das Mindestschutzniveau des Europäischen Flüchtlingsrechts nicht einhalte, und dabei auf die einschlägigen Richtlinien der EU verweist,
dass die Rechtsakte der Europäischen Union bezüglich Asylverfahren ausserhalb des DublinAcquis für die Schweiz nicht verbindlich sind und der Beschwerdeführer daraus deshalb keine Rechte ableiten kann,
dass er zudem rügt, er sei in der Slowakei insgesamt für 18 Monate in Haft gewesen, was in Hinsicht auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung von sich illegal aufhaltenden Drittstaatsangehörigen (Rückführungsrichtlinie) problematisch sei,
E4080/2011
Seite 7
dass die Schweiz die Vorgaben dieser Richtlinie auf den 1. Januar 2011 in ihr innerstaatliches Recht übernommen hat (vgl. Bundesbeschluss über die Genehmigung und die Umsetzung des Notenaustauschs zwischen der Schweiz und der EG betreffend die Übernahme der EG Rückführungsrichtlinie [Richtlinie 2008/115/EG] vom 18. Juni 2010, AS 2010 5925),
dass Art. 79 Abs. 1 und 2 AuG eine maximale Haftdauer von 18 Monaten für die ausländerrechtlichen Haftarten vorsieht,
dass der Beschwerdeführer daraus jedoch keine Rechte bezüglich eines Selbsteintritts der Schweiz nach Art. 3 Abs. 2 DublinIIVO ableiten kann und zudem im vorliegenden Fall keine Anzeichen dafür bestehen, dass die Slowakei ihre Verpflichtungen aus der Rückführungsrichtlinie nicht einhält, sondern sie im Gegenteil den Beschwerdeführer nach Ablauf von 18 Monaten aus der Haft entlassen hat,
dass zudem in antizipierter Beweiswürdigung festzustellen ist, dass daran auch zusätzliche Aktenkopien aus der Slowakei, die der Beschwerdeführer nachzureichen angekündigt hat, nichts ändern können,
dass keine Gründe vorliegen, die für einen Selbsteintritt aus humanitären Gründen nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sprechen würden,
dass damit die Schweiz nicht verpflichtet ist, von ihrem Recht auf Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 DublinIIVO Gebrauch zu machen und das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb das BFM die Wegweisung zu Recht anordnete,
dass im Rahmen des DublinVerfahrens, bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AuG,
E4080/2011
Seite 8
dass eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,
dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung in die Slowakei zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass die Beschwerdebegehren sich aufgrund vorstehender Erwägungen als aussichtslos erwiesen haben, weshalb die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 ff. VGKE) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG),
dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um aufschiebende Wirkung sowie provisorischen Vollzugsstopp mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden sind.
(Dispositiv nächste Seite)
E4080/2011
Seite 9

Considerations: