Decision ID: 1f512f69-8bf1-52e8-87de-2e9a58f83cd5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
1958 geborene
X._
hat nach der Schulzeit die Handelsschule mit Diplom abgeschlossen. Ab
1.
Februar
1
992 arbeitete
sie für die
Y._
als Sachbearbeiterin Verkauf.
Ab
dem 1
3.
November 2013
war sie
zu 50-1
00
%
arbeitsunfähig geschrieben.
A
m 2
2.
Mai 2014
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine Depression sowie eine Essstörung mit Adipositas bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an
(
Urk.
7/2
,
Urk.
7/32/5
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf berufliche
Abklä
rungen (
Urk.
7/9,
Urk.
7/11-12
,
Urk.
7/38
)
und
holte bei den behandelnden Ärzte
n Berichte ein
(
Urk.
7/16
-17
,
Urk.
7/
22,
Urk.
7/28,
Urk.
7/33). Am 1
0.
September
2015 teilte
sie
der Versicherten mit, dass sie keinen Anspruch auf berufliche Ma
ss
nahmen habe, da sie sich nicht in der Lage fühle, solche zu absolvieren (
Urk.
7/37).
Nach we
iteren erwerblichen (
Urk.
7/40)
und medizinischen Abklärungen (
Urk.
7/
43,
Urk.
7/50
,
Urk.
7/64
)
liess
die
IV-Stelle
die Versicherte im
Z._
polydisziplinär
begutachten
(
Urk.
7/
47
,
Urk.
7/54-57
,
Urk.
7/68)
. Gestützt auf das
allgemeininternistische, psychiatrische, rheumatologische,
viszeralchirurgische
und
gastroenterologische
Gutachten
der
Z._
vom 2
1.
September 2016 (
Urk.
7/70)
ermittelte die IV-Stelle einen Invalidi
täts
grad von
50
%
und sprach der Versicherten – nach Durchführung des
Vor
bescheidverfahrens
(
Urk.
7/73,
Urk.
7/77,
Urk.
7/84
-85) – mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2017 ab
1.
März 2015 eine halbe Rente zu (
Urk.
2/1; vgl. auch
Urk.
2/2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson, mit Eingabe vom
8.
September 2017
Beschwerde mit dem Antrag,
es
sei ihr ab
1.
März 2015 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei
die Sache zwecks Evaluation der
beruflichen Leistungsfähigkeit
und anschlies
se
n
dem erneutem Entscheid
über den Rentenanspruch
an die Bes
chwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2017 beantragte die IV-Stelle
sinngemäss
, es sei der Beschwerdeführerin
im Sinne
eine
r
reformatio
in
p
eius
anzudrohen,
ihr keine
Rente
zuzusprechen
(
Urk.
6).
Mit Ver
fügung vom 1
5.
Februar 2018
sistierte das Gericht das Verfahren entsprechend dem Antrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
11) bis zur Fertigstellung des von dieser in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachtens
(
Urk.
17; vgl. auch
Urk.
16).
Mit Eingabe vom 2
7.
Mai 2019 (
Urk.
20) reichte die Beschwerdeführerin das Gut
achte
n von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
vom 2
7.
Februar 2018 zu den Akten (
Urk.
21). Während sie unter Hin
weis auf die Ausführungen in ihrer Eingabe vom 2
7.
Mai 2019 auf eine weitere Stellungnahme zum Gutachten verzichtete (
Urk.
24), erneuerte die IV-Stelle am 2
3.
August 2019 ihren Antrag auf Aufhebung der halben Rente (
Urk.
27). Am
1
6.
September 2019 nahm die Beschwerdeführerin hierzu unaufgefordert Stellung
(
Urk.
29), was der IV-Stelle mitgeteilt wurde (
Urk.
30).
Mit Verfügung vom 1
4.
November 2019 (
Urk.
37) wurde die Swiss Life AG be
zieh
ungsweise die BVG-Sammelstiftung Swiss Life als für die Beschwerdeführerin zuständige
Vorsorgeeinrichtung
zum Verfahren beigeladen. Mit Eingabe vom 1
9.
November 2019 teilte sie ihren Verzicht auf eine Stellungnahme mit (
Urk.
39; vgl. auch
Urk.
31-35 und
Urk.
36/1).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
AT
SG]). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Adipositas bewirkt grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidität, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Be
rücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als inva
lidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei wel
chem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbs
fähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur
Folge hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 19. September 2012 E.
2.2).
1.3
Auch ein psychischer Gesundheitsschaden kann eine Invalidität zur Folge haben.
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose v
or
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiolo
gie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychische Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struktu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
lidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG (Abs. 1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
1.7
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung
sprach
die IV-Stelle der Beschwerdeführerin ab
1.
März 2015
eine halbe Rente zu
mit der Begründung, gestützt auf das
über
zeugende
polydisziplinäre
Z._
-Gutachten vom
2
1.
September 2016
stehe
fest
, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Sachbearbeiterin und in jeder anderen körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei. Die
Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit sei ihr trotz ihres Alters mit Blick auf die verbleibende Aktivitätsdauer von immerhin noch sechs Jahren zumutbar
, zumal
keine übermässigen Anpassungen nötig seien
. Der Vergleich des
Valideneinkommens
mit dem Invalideneinkommen führe zu einem Invaliditäts
grad von 50
%
, welcher nach Ablauf der Wartezeit ab
1.
März 2015 zum An
spruch auf die halbe Rente führe (
Urk.
2/1).
Im Beschwerdeverfahren
stellt sich die IV-Stelle neu
sinngemäss
auf den Stand
punkt,
die angefochtene Verfügung sei zu Ungunsten der Beschwerdeführerin abzuändern und es sei ihr keine Rente zuzusprechen. A
us dem
Z._
-Gutachten gehe klar hervor, dass
sie
sowohl objektiv als auch subjektiv im Wesentlichen durch die Adipositas per
magna
beeinträchtigt werde
. Rechtsprechungsgemäss bewirke eine Adipositas keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität, wenn sie nicht
IV-relevante körperliche oder geistige Schäden verursacht habe und nicht die Folge solcher Schäden sei.
Die
auf die Adipositas
zurück
zu
füh
renden
Erkrankungen wie die beginnenden Arthrosen
seien erst wenig ausge
prägt und hätten keine Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Zudem könne eine Erwerbs
un
fähigkeit erst nach Durchführung der zumutbaren Behandlung entstehen. Der von den Gutachtern als zumutbar eingestufte bariatrische Eingriff zur Erreichung einer drastischen Gewichtsreduktion sei bei Erlass der Verfügung
noch nicht erfolgt
.
Ferner
sei die im
Z._
-Gutachten gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung nicht nachvollziehbar
. Der im Gutachten beschriebene psy
cho
pathologische Befund sei nicht besonders ausgeprägt. Ein starker sozialer Rück
zug sei nicht ausgewiesen
; die Beschwerdeführerin habe gemäss Gutachten mit all ihren Mitbewohnern in der Wohngemeinschaft
B._
und mache täg
liche Spaziergänge mit ihrem Hund. Der psychiatrische Gutachter habe sodann festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Alltag vor allem durch
das
Übergewicht beeinträchtigt sei, wobei die erhöhte Ermüdbarkeit auch eine Folge des Übergewichts
s
ein könne.
Es könne davon ausgegangen werden, dass die psy
chischen Beschwerden im Fall einer Gewichtsreduktion abnehmen würden.
Weiter habe er darauf hingewiesen, dass konkrete psychosoziale Belastungs
faktoren zur depressiven
Störung beitragen könnten. Der im Beschwerde
ver
fahren eingereichte Bericht der
C._
vom 2
2.
August 2017 betreffe nicht die Zeit bei Erlass der Verfügung und enthalte keine neuen medizinischen Tatsachen. Auch das Gutachten
von
Dr.
A._
ändere nichts daran, dass die geschilderten
,
grundsätzlich nachvollziehbaren und
unbestrittenen
Ein
schränkungen
hauptsächlich auf die Adipositas zurückzuführen seien.
Auch das im
Gutachten beschriebene, zu sozialem Rückzug und gewissen psychischen Be
schwerden führende Schamgefühl sei im Wesentlichen auf das massive Überge
wicht zurückzuführen.
Aus dem Gutachten gehe zudem hervor, dass nach wie vor keine angemessene Therapie der Ernährungsproblematik
erfolge
und
die neu gestellten psychiatrischen Diagnosen ebenfalls nicht behandelt würden
. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus versicherungsrechtlicher Sicht
in ihrer angestammten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei
und folglich auch keinen Anspruch auf eine Rente habe
(
Urk.
6,
Urk.
16,
Urk.
27).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, sie habe ab
1.
März 2015 Anspruch auf eine ganz
e Rente. Dies begründet sie im W
esentlichen damit,
sie leide an einer
morbiden Adipositas per magna
aufgrund einer schweren Es
s
störung
mit
körperliche
n
Folgeerkrankungen
. Ferner
liege
eine
depressive
Störun
g
vor
, welche trotz wiederholter stationärer Klinikaufenthalte
und zwischenzeit
licher tagesklinischer Behandlung mit verschiedenen Therapieansätzen nicht nachhaltig gebessert habe.
In ihrem Bericht vom 2
7.
Oktober 2015
hätten
ihr
d
ie
Ärzte
der
C._
wegen
eine
r
schwere
n
depressive
n
Episode
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
. Als zusätzliche Massnahme hätten sie eine begleitete Wohnform empfohl
en, weil sie
d
amals nicht in der Lage gewesen
sei
, den Alltag ohne engmaschige therapeutische Unterstützung zu bewältigen und sich nachhaltig zu stabilisieren
. An dieser Situation habe sich bis zur Begut
ach
tung im
Z._
nichts geändert
.
Die Experten des
Z._
hätten
in ihrer Beurteilung
nicht berücksichtigt, dass sie damals nicht in der Lage
gewesen sei, selbständig zu wohnen
.
Ferner
habe der psychiatrische
Z._
-Gutachter
, im Gegensatz zu den Ärzten der
C._
, zur Ermittlung des Schweregrads der Depression keine psychometrischen Tests durchgeführt
.
Seine Einschätzung der Schwere der Depression basiere auf einer falschen Längsschnittbeurteilung – er sei akten
widrig davon ausgegangen, dass nie eine schwere Depression vorgelegen habe -, weshalb dar
auf nicht abgestellt werden
könne
. Die Adipositas per magna
auf
grund einer Essstörung
, welche ihre Leistungsfähigkeit als schwere Komorbidität zusätzlich einschränke, werde in
der psychiatrischen Beurteilung und in
der inter
disziplinären gutachterlichen Gesamtschau
bei der Beurteilung der Leistungs
fähig
keit
nicht
berücksichtigt
.
Der psychiatrische Gutachter habe dieser Proble
matik lediglich erschwerende Wirkung bei der Arbeitssuche zugemessen, indem er darauf hingewiesen habe, dass sie aufgrund ihres Übergewichts kaum eine Arbeit finden werde.
Zudem hätten die Gutachter keine gesamtheitliche Würdi
gung aller Defizite und Ressourcen in Auseinandersetzung mit ihrem Aktivitäts-
und Partizipationsniveau
vorgenommen.
Entgegen der Ansicht der IV-Stelle weise
sie eine vollständig aufgehobene Aktivität und Partizipation auf, was sich daran zeige, dass sie trotz jahrelanger engmaschiger psychiatrischer Therapie nicht in der Lage sei, alleine zu wohnen und sich selbst adäquat zu versorgen.
Nach der Begutachtung, aber noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung,
habe sie wieder rund 15 kg zugenommen und
sei
wegen des
Scheitern
s
des betreuten Wohnens wieder stationär
psychiatrisch behandelt worden. Dies
zeige die aus
geprägte Instabilität ihres Gesundheitszustands
auf
. Ihre Depression schwanke zwischen mittel
gradigen und schweren Episoden
(
Urk.
1 S. 3-13
,
Urk.
11 S. 3-6
).
Im voll beweiskräftigen, unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht vorgege
benen Indikatoren nachvollziehbar begründeten psychiatrischen Parteigutachten von
Dr.
A._
vom 2
7.
Februar 2018 werde ihr denn auch eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten
bescheinigt
(
Urk.
20).
Dass sie die bariatrische Operation (Magenverkleinerung) noch nicht durchgeführt habe, dürfe ihr nicht entgegengehalten werden. Ein solcher Eingriff dürfe erst nach einer nachhaltigen Stabilisierung ihres psychischen Zustandes durchgeführt werden
und sei
mit schwerwiegenden tödlichen Risiken verbunden,
weshalb
sie dazu nicht unter Hinweis auf die Schadenminderungspflicht
verpflichtet werden
dürfe
(
Urk.
29).
Selbst wenn von einer medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit ausgegan
gen werde, könne sie diese auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwerten. Ihre Adipositas erschwere die Stellensuche und schränke ihre Arbeitsproduktivität ein. Ebenfalls erschwerend wirkten ihr fortgeschrittenes Alter und der Umstand, dass sie in den letzten Jahren monat
e
lang stationär hospitalisiert gewesen sei
. Aus diesen Gründen habe sie Anspruch auf eine ganze Rente
(
Urk.
1 S. 13-15)
.
Eventuell sei ihre berufliche Eingliederungsfähigkeit in einer beruflichen
Abklä
rungsstelle zu evaluieren
(
Urk.
1 S. 15-16
).
3.
3.1
Dem Bericht der behandelnden Psychiater der
C._
vom 2
7.
Okto
ber 2015 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach zwei früheren
Hospitalisationen
vom 1
3.
März bis 2
7.
Mai und vom 2
4.
Juni bis 1
9.
August 2014
,
einer teilstationären Weiterbehandlung in der
D._
von September
2014 bis Dezember 2014 (richtig: Februar 2015;
vgl.
Urk.
7/28
/2
)
und einer stationären Behandlung in der
E._
vom
9.
März bis 2
5.
April 2015 (vgl.
Urk.
7/41/25)
ein drittes Mal vom 2
3.
Ju
li bis
1
2.
Oktober 2015 in der
C._
stationär behandelt wurde. Aufnahmeanlass war laut den Ärzten eine
depressive Dekompensation und eine
Exazerbation
einer
Binge
Eating
Problematik (Eintrittsgewicht 151 kg bei 168 cm entsprechend einem
BMI von 53,5 kg/m
2
). Eine Stabilisierung im ambulanten Setting sei nicht ge
lungen.
Zudem habe ihr Ehemann die Scheidung eingereicht
, was für die Be
schwerdeführerin mit existenziellen Ängsten und starker Einsamkeit verbunden gewesen sei. Bei Eintritt
habe
die psychometrische Testung mit dem
Beck-Depres
sionsinventar einen Wert von 46
ergeben
, entsprechend
einer schweren depres
siven Episode.
Die Testung mit dem
Strukturierte
n K
linischen
Interview
für DSM IV Achse II (SKID II
) habe
zwar
keine genügenden Werte für die Annahme einer Persönlichkeitsstörung ergeben
, es
sei aber von einer akzentuierten Per
sönlichkeit
mit selbstunsicheren,
dependenten
, zwanghaften und depressiven Zügen
an der
Grenze zu einer Persönlichkeitsstörung
auszugehen.
Die Beschwer
deführerin f
ühle sich im Kontakt mit Menschen überfordert, unverstanden, unter Druck gesetzt, eingeengt und gekränkt, so dass sie sich in den vergangenen Jahren zunehmen
d
sozial zurückgezogen habe. Dadurch fühle sie sich aber auch sehr einsam.
Bei Austritt
h
ätten
eine Gewichtsabnahme
um
15 kg auf 135,4 kg und eine geringe
depressive Aufhellung erreicht werden können. Angesichts der komplexen, sch
weren,
chronifizierten
psychischen Symptomatik sowie vor dem Hintergrund der schwierigen sozialen Situation sei aus psychiatrischer Sicht die einzig mög
liche langfristige
und nachhalt
ige Massnahme ein
begleitetes Wohnen für min
destens zwölf Monate. Die Beschwerdeführerin sei aktuell nicht in der Lage, ohne engmaschige therapeutische
Unterstützung den Alltag zu bewältigen und sich nachhaltig zu stabilisieren.
Sie benötige sowohl eine intensive Unter
stützung bei der Bewältigung ihrer Erkrankung wie auch eine Förderung und An
leitung zur Entwicklung einer selbständigen Lebensgestaltung. Bei gutem Ver
lauf könne längerfristig eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
erreicht werden. Aktuell und seit März 2014 sei die
Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeits
unfähig. Es sei davon auszugehen, dass die depressive Symptomatik und die da
mit ver
bundene reduzierte Konzentrations-, Auffassungsfähigkeit und Belastbar
keit zum Verlust der Leistungsfähigkeit geführt hätten
.
Die Ärzte stellten an psy
chiatri
schen Diag
nosen die der Binge
Eating
Störung mit Adipositas per magna (BMI 53.8 kg/m2; ICD-10 F50.9), der rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig schwer ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und die einer akzen
tuierten Persön
lichkeit mit selbstunsicheren,
dependenten
, zwanghaften und depressiven Zügen (ICD-10 Z73.1,
Urk.
7/43/2-7).
3.2
Am 4.,
6.
u
nd 1
3.
Juli 2016 wurde die Beschwerdeführerin im
Z._
polydisziplinär
begutachtet.
D
as Gutachten
wurde
am 2
1.
September
2016 fertiggestellt (
Urk.
7/
70/2). Die Beschwerdeführerin gab den Gutachtern an,
sie
leide
seit 1993, als sie Probleme mit ihrem zweiten Ehemann gehabt habe,
an einer Essstörung, in deren Folge ihr Gewicht zunehmend gestiegen sei
. N
ach Veränderungen bei ihrem langjährigen Arbeitgeber habe ihre Arbeitsbelastung
ab 2010
stark zuge
nommen, was zu einer Erschöpfungsdepression geführt habe.
Seither leide sie an Depressionen. Im Rahmen eines mehrmonatigen Aufenthalts in der
F._
habe sie 20 kg an Gewicht verloren. Danach habe sie die Arbeit
wieder aufgenommen
, aber zunehmend
unter
körperlichen Beschwerden und Müdigkeit gelitten. Anfang 2014 habe sie die Behandlung im
G._
in Zürich begonnen. Zudem sei sie in den Jahren 2014 und 2015 dreimal in der
C._
stationär hospitalisiert gewesen. Während der Klinikaufenthalte habe sie das Essen im Griff gehabt, und es sei jeweils zu einer Gewichtsreduktion gekommen. Zu Hause habe sie das Essen aber nicht mehr kon
trollieren können. 2015 sei sie dann in der
E._
behandelt worden
.
Da sich ihr Mann von ihr getrennt
habe und sie nicht alleine habe leben können,
wohne
sie seit Oktober 2015 in einem betreuten Wohnheim. Am meisten leide sie unter ihrer Müdigkeit
,
Erschöpfung
und
fehlenden Belastbarkeit
.
Sie könne sich nur mit Mühe fortbewegen und sei beispielsweise nicht in der Lage, selbständig in einen Zug zu steigen.
Auch die Körperpflege sei schwierig.
Sie habe immer wieder Essattacken, wenn sie belastet sei, was
auch jetzt noch
im betreuten Wohn
heim
vorkomme
(
Urk.
7/
70/
7
,
Urk.
7/
70/
11,
Urk.
7/
70/
20
).
Zu ihrem Alltag befragt gab die Beschwerdeführerin an,
sie gehe zwischen 22.00 und 23.00 Uhr zu Bett und stehe zwischen 7.30 und 8.00 Uhr auf. Danach mache sie einen 30minütigen Spaziergang mit ihrem Hund und nehme das Frühstück ein. Oft lege sie sich tagsüber hin, da sie müde sei. Gegen Mittag mache sie erneut einen Hun
despaziergang
. Nachmittags nehme sie im
Wohnheim an vielen Gesprächen und Therapien teil und erledige kleine Aufgaben.
Der Kontakt mit den vielen jungen Betreuten im Wohnheim sei nicht einfach, sie habe aber mit allen Kontakt.
Sie gehe praktisch täglich einkaufen. Regelmässig treffe sie sich mit einer Freundin, lebe ansonsten aber eher zurückgezogen. Abends komme ein Seelsorger für Ge
spräche in der Wohngruppe vorbei, manchmal mache die Gruppe auch Spazier
gänge. Sie habe immer gerne gemalt, sei dazu aber nicht mehr in der Lage
(
Urk.
7/
70/
8
,
Urk.
7/
70/
11-
12
). Aktuell könne sie sich keine Erwerbstätigkeit vor
stellen, da sie ja nicht einmal selbständig leben könne. Voraussetzung für eine erneute Arbeitstätigkeit sei eine starke Gewichtsreduktion, die sie auch anstrebe (
Urk.
7/
70/
8).
Der psychiatrische Sachverständige hielt in seiner Beurteilung fest, die Mutter der Beschwerdeführerin
sei schizophren gewesen
.
D
ie
Beschwerdeführerin sei von ihr und d
em
älteren Bruder
wiederholt geschlagen
worden
.
In der Schule sei sie eine schüchterne Aussenseiterin gewesen.
Die Beziehungen mit ihren Männern seien schwierig gewesen, drei ihrer vier Männer seien Aussenbeziehungen einge
gan
gen. Zuletzt habe sie während 20 Jahren als Sachbearbeiterin gearbeitet. Seit 1993 leide sie bei Zurücksetzung, Belastungen und Anspannung unter
Essat
tacken und könne ihre Essstörung kaum
selbständig kontrollieren. Die z
uneh
men
de Belastung am Arbeitsplatz durch Umstrukturierungen, die drohende
Tren
nung von ihrem Ehemann und die Unmöglichkeit, weiterhin Tanzunterricht zu erteilen, hätten 2012 schliesslich dazu geführt, dass sie psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen habe. Während den monatelangen Klinikaufenthalten in den Jahren 2013 bis 2015 habe sie wegen des Übergewichts nur teilweise an den Therapien teilnehmen können.
Der psychopathologische Befund nach AMDP spreche für das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode.
Die Beschwerdeführerin traue sich nichts zu, fühle sich minderwertig, leide unter
einer herabgesetzten
Stimmung mit depressiv einge
engtem Denken, zeige einen sozialen Rückzug und habe kaum Zukunfts
per
spek
tiven. Zusätzlich könnten abhängige, selbstunsichere Persönlichkeitszüge diag
nos
tiziert werden. Die Beschwerdeführerin
habe aufgrund ihrer schwierigen Kind
heit kein stabiles Selbstwertgefühl ausbilden können. Sie
könne sich schlecht gegenüber den Umgebungspersonen abgrenzen, habe Angst vor Zurückweisung
, könne sich nicht durchsetzen
und überfordere sich dadurch immer wieder. Die
von den behandelnden Psychiatern gestellten, gleichlautenden Diagnosen kö
nnten bestätigt werden, insbesondere leide die Beschwerdeführerin zusätzlich auch an Essattacken (ICD-
10
F50.4). Einzig die von der
E._
diagnos
tizierte schwere depressive Episode könne nicht bestätigt werden, da diese Ärzte ihre Diagnose nicht näher begründet hätten und Hinweise dafür fehlten, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
während längerer Zeit an einer schweren depressiven Störung
gelitten habe.
Die akzentuierten Persönlichkeitszüge hätten zur Entstehung der depressiven Störung beigetragen.
Einen wesentlichen Einfluss habe auch die Adi
positas gehabt, welche die Beschwerdeführerin in ihren Aktivitäten immer mehr eingeschränkt habe.
Die mittelgradige depressive Störung wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus, indem
deshalb
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten ab März 2014 auszugehen sei.
Da von den behandelnden Psychiatern nie eine schwere depressive Episode diagnostiziert worden sei, fehl
ten Hinweise dafür, dass ihre Arbeitsfähigkeit jema
ls ganz aufgehoben ge
wesen sei
.
Zur
Zeit
sei sie nicht motiviert, einer beruflichen Tätigkeit nachzu
gehen. Ihre Einschätzung, zu 100
%
arbeitsunfähig zu sein, sei angesichts der erhobenen depressiven Symptomatik nicht nachvollziehbar
(
Urk.
7/
70/
13,
Urk.
7/
70/
15-16).
Wegen der Depression sei die Beschwerdeführerin vermindert belastbar und leide unter er
höhter Ermüdbarkeit,
wobei dies nicht von den Folgen des Übergewichts abgegrenzt werden könne.
In erster Linie sei sie durch ihr Übergewicht beein
trächtigt.
Aufgrund ihres Übergewichtes erscheine es auch kaum möglich, dass sie eine Arbeit finde. Wesentliche invaliditätsfremde Fakto
ren mit Einflu
ss auf die Funktionsfähigkeit im
Alltag lägen aber nicht vor. Hin
weise auf eine Aggra
vation bestünden nicht
, im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung seien keine Diskrepanzen aufgefallen. Die bisherige Therapie sei lege
artis
durchgeführt worden, die therapeutischen Optionen würden von der Beschwerdeführerin wahr
ge
nommen (
Urk.
7/70/13-15
,
Urk.
7/
70/
25
).
Der internistische Teilgutachter erhob eine Adipositas per
magna
mit
einem Gewicht von 142 kg bei einer Grösse von 168 cm (
BMI von 51 kg/m
2
)
und hielt fest, wegen der
Adipositas könne die Beschwerdeführerin keine körperlich belas
tenden Tätigkeiten ausüben
. Zur Verbesserung des Gesundheitszustandes sollte dringend eine drastische Gewichtsreduktion angestrebt werden
. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin sei auf Ende Jahr ein bariatrischer Eingriff geplant, was
in ihrem
Fall wohl die geeignetste Therapie darstelle
(
Urk.
7/
70/
8-9).
Aus Sicht des rheumatologischen Gutachters beeinflussten eine beginnende
Fingergelenk
spolyarthrose, der klinische
Verdacht auf eine beginnende Gonarthrose recht
s, das klinisch beginnende
subakromiale
Schulterimpingement
-Syndrom links, der
klinische Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom links, ein chronisches zervikal und lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom und die Adipositas per
magna die Arbeitsfähigkeit.
Im Vordergrund stehe ganz klar die ganz erhebliche morbide Adipositas per
magna.
Wegen einer um 25
%
reduzierten Leistungs
fähig
keit aufgrund der Notwendigkeit regelmässiger Pausen bestehe eine 75%ige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit für körperlich leichte, wechselbelastende, mehr
heitlich sitzend ausgeführte Tätigkeiten ohne repetitive grobmanuelle Belas
tun
gen beider Hände, repetitive Überkopfbewegungen mit dem linken, nicht domi
nanten Arm und stereotype Rotationsbewegungen des Oberkörpers.
Diese Vor
aus
setzungen erfülle auch die angestammte
, vor allem sitzend am PC ausgeübte
Tätigkeit, soweit ein ergonomisch gut eingestellter Arbeitsplatz zur Verfügung
stehe
.
Das gelegentliche berufsbedingte Zurücklegen von Gehstrecken in der Ebene
sei ohne Einschränkungen möglich, zu vermeiden sei das regelmässige Benützen von Treppen (Urk.7/70/19-21,
Urk.
7/70/26-
27).
Aus
gastroentero
logi
scher
und
viszeralchirurgischer
Sicht ergaben sich keine weiteren Diagnosen mit Einfluss auf die A
rbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/70/24,
Urk.
7/70/27).
In der abschliessenden interdisziplinären
Gesamtbeurteilung attestierten die Gut
achter der Beschwerdeführerin eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in
behinderungsangepassten Tätigkeiten.
Die Leistungseinbusse aus somatischer Sicht wirke sich in diesem Rahmen, welcher die
aus somatischer Sicht nötigen
Pausen ermögliche, nicht
zusätzlich
leistungs
mindernd aus.
Diese Arbeitsfähigkeit gelte seit März 2014, wobei während den stationären Aufenthalten keine Arbeitsfähigkeit bestanden habe.
Ursächlich für die abweichende Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit seien wahrscheinlich in erster Linie invaliditätsfremde Gründe wie der schwierige Arbeitsmarkt und ein
eventuell vorhandener sekundärer Krankheitsgewinn (
Urk.
7/70/27).
Auch bestehe
eine ausgeprägte
subjekt
ive
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung (
Urk.
7/70
/28).
3.3
Dem Kurzaustrittsbericht der
C._
vom 2
2.
August 2017 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom
6.
Juni bis 2
2.
August 2017 zum vierten Mal in der Klinik hospitalisiert war. Laut den Ärzten bestand bei Eintritt
nebst der bekannten Binge
Eating
Störung mit Adipositas per magna und der akzentuierten Persönlichkeit
eine schwere depressive Episode, welche bei Austritt nur noch leicht bis mittelschwer gewesen sei. Das Gewicht habe von 151,4 kg
bei Eintritt auf 141,1 kg am Ende der
Hospitalisation
reduziert werden können. Zum
weiteren Vorgehen hielten die Ärzte fest, geplant sei eine Bewegungstherapie, eine Atemtherapie
, ein
NLP-Coaching sowie eine Betreuung durch die
psychia
trische Spitex. Aus psychiatrischer und medizinischer Sicht sei ein Mahlzeiten
dienst fünf Mal pro Woche jeweils mittags zwingend indiziert. Die Beschwerde
führerin sei bis zum
3.
September 2017
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
3).
3.4
Dem von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen
psychiatrischen Gut
achten von
Dr.
A._
vom 2
7.
Februar 2018 ist zu entnehmen, dass
sie
ab Oktober 2016
wieder selbständig, also n
icht mehr im betreuten Wohnheim
lebte. Laut
Dr.
A._
gab die
Beschwerdeführerin
zu
ihrem Tages
ablauf
an
,
Aufstehen und Schlafengehen
folgten
keinem klaren Rhythmus
. Sie gehe morgens während 10
bis 15 Minuten mit dem Hund raus, die beiden anderen Ausgänge habe sie weitgehend an eine Nachbarin und ihren Ex-Mann delegiert. Die Essenslieferung durch den Ma
hlzeitendienst scheine den intendierten Zweck einer geregelteren Nah
r
ungsaufnahme in der ersten Tageshälfte zu verfehlen, da die Beschwerdeführerin angegeben habe, nur Teile des Essens zu ertragen und davon nicht satt zu werden. Ab etwa 14.00 Uhr scheine sie bis
zum nächtlichen Schlafengehen nicht mehr in Form von Essattacken, aber
sehr regelmässig immer wieder etwas zu essen
.
Nachmittags habe sie ihre Therapietermine, wobei sie momentan keinen Psychiater habe und auch die Atem- und Bewegungstherapie abgesagt habe,
laut eigenen Angaben,
weil sie nicht mehr
möge
. Es gebe Bereiche, in denen
möge
sie nichts machen. Sie kümmere
sich um den Haushalt
, wasche und versorge die Wäsche
und schaue manchmal auch fern.
Einmal pro Woche komme die Psychiatrie-Spitex
, damit könne sie ihren Haushalt bewältigen
(
Urk.
21 S. 19-22, S. 32 ff. und S. 46)
.
Laut Angaben ihrer besten Freundin sei sie nicht verwahrlost und komme eigentlich gut alleine zurecht: Sie wasche sich, bevor sie rausgehe, und ihre Wohnung habe
keinen
Messiecharakter
(
Urk.
21
S.
38 f.).
Abends, wenn nicht mehr viele Leute in den Läden seien, gehe sie ein
kaufen und erledige die Abendrunde
von rund 30 Minuten
mit dem Hund.
Dies
e
habe den Vorteil, dass sie nicht gesehen werde.
Nachdem sie zu Bett gegangen
sei, könne sie sofort einschlafen.
Ihre nächsten Kontakte seien ihr vierter Ex-Mann und eine langjährige Freundin
, mit denen sie fast täglich
, teils aber nur telefonisch,
kommuniziere
(
Urk.
21
S. 19-22,
S. 32
f
f. und
S.
46
).
Sie habe grosse Angst vor der geplanten bariatrischen Operation,
weil sie befürchte
, dass dies der letzte Versuch sei
und dieser wieder misslinge (
Urk.
21 S. 30).
Zudem habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie aufgrund ihrer Biographie kein gutes Selbstwertgefühl habe. Sie habe zwei Seiten: eine kompetente, aktive, extro
vertierte und eine introvertierte (
Urk.
21 S. 30 f.)
. Aktuell sei sie auf der Su
che nach
einem Psychiater, der mit ihr eine Traumatherapie mache
(
Urk.
21 S.
46 f.).
Sie sei nur mit Mühe und Unterstützung in der Lage,
ihren Alltag auf
recht
zuerhalten
und könne keiner irgendwie gearteten Erwerbstätigkeit nach
gehen (
Urk.
21 S. 31).
Dr.
A._
beobachtete im Rahmen der Exploration, dass die Be
schwer
deführerin einerseits mittelschwer depressiv herabgestimmt war mit deut
lich eingeschränkter Schwingungsfähigkeit und ausgeprägter Antriebs
min
de
rung.
D
ie
se
habe über fast ständiges Grübeln, Zukunftsängste und Insuffizienz
gefühle berichtet.
Andererseits
bestand laut der Psychiaterin
eine sichtliche moto
rische Unruhe, die Beschwerdeführerin sei mit Händen, Rumpf und Gesicht ständi
g in Bewegung.
Ferner
habe
sie
versucht, bei Fragen zu ihren Essge
wohn
heiten
auszuweichen;
vermutlich leugne sie ihre pathologischen Essgewohn
hei
ten auch sich selbst gegenüber weiterhin. Dagegen trage sie körperliche Be
schwerden wie regelmässigen Durchfall deutlich vor (
Urk.
21
S. 33 und
47
).
Ihr Gewicht
betrage
aktuell 148 kg (
Urk.
21 S. 35).
Grunderkrankung der Adipositas sei die Essstörung. Die von
Dr.
med.
H._
, Facharzt
für Chirurgie und Konsiliar
arzt für bariatrische Chirurgie,
herausgearbeitete Adipositas- und Essanamnese zeige, dass ihr Essver
halten bereits in der Kindheit – bei noch bestehendem Normalgewicht – unüblich gewesen sei. Die auffälligen Essattacken hätten etwa Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre während der ersten schwierigen Partnerschaft eingesetzt.
Die in
der ICD-10 für Essstörungen verfügbaren Klassi
fizierungen (Essattacken bei and
e
ren psychischen Störungen [F50.4] und
nicht näher bezeichnete Es
s
stö
rung
en [F50.9])
könnten die Schwere ihrer Erkrankung nicht abbilden. Art und Ausmass ihrer Erkrankung entsprächen den Diagnosen Anorexia
nervosa
und
Bulimia
nervosa
, also schweren psychischen und ebenso körperlichen Erkrankungen. Am ehesten könne die Störung als Binge-
Eating
im Wechsel mit
Grazing
, also Ess
attacken im Wechsel mit vielen kleinen Mahlzeiten pro Tag ohne Hungergefühl, beschrieben werden. Diese Störung habe zu einer sich über 30 Jahre aufschau
kelnden Adipositas per magna mit einer Reihe von somatischen Folgeerkran
kungen geführt (
Urk.
21 S. 47 f.). Zusätzlich sei vom Bestehen einer rezidivie
renden depressiven Störung, aktuell mittelgradige Epi
sode, auszugehen. Der im Selbst
beurteilungstest Beck-Depressionsinventar (BDI) erzielte Wert für eine schwere depressive Symptomatik
entspreche nicht dem Untersuchungsbefund und
sei wohl auf eine Verdeutlichung zurückzuführen
(
Urk.
21 S.
48 f.).
Weil sich aus der Biographie der Beschwerdeführerin Anhalts
punkte ergäben, dass sie
wieder
holt hypomanische Episoden durchgemacht
habe
, bestehe zudem der Verdacht auf eine bipolare affektive Störung (
Urk.
21 S.
39 und 49 f.).
Aufgrund der mit den klinischen Erhebungen übereinstimmenden Angaben der Beschwer
deführerin im Rahmen des SKID II-Tests sei von einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit selbstunsicheren,
dependenten
und
Borderline
-Anteilen auszu
gehen. Die von
ihr
ebenfalls
angegebenen zwanghaften Anteile
erschienen
im Vergleich zu
den klinischen Hinweisen als eher über
zeichnet (
Urk.
21
S.
37
f. und
50
ff.).
A
bschliessend hielt die Gutachterin
fest, die Lebensgeschichte der Beschwerde
führerin zeige, dass sowohl ihr persönliches Wohlbefinden wie auch der beruf
liche Erfolg in eindrücklicher Weise von der Wertschätzung und Unterstützung durch andere Personen abhängig gewesen seien.
Ihre Leistungsfähigkeit habe jeweils bei fehlender Unters
t
ützung sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich abgenommen.
Sie habe über ihre berufliche Tätigkeit und ihre Tanzakti
vitäten während Jahren viel Bestätigung und Wertschätzung erfahren. Diese habe sie im Zuge ihrer Dekompensation
mit anhaltender Arbeitsunfähigkeit
verloren. Damals habe sich auch ihr Ehemann von ihr getrennt, wenngleich mit
dem Exmann ein freundschaftlicher
Kontakt
fortbestehe.
Seit 2013 scheine sie sich nicht
mehr stabilisiert
und auch keine hypomanische Phase mehr erlebt zu haben
. Den medizinischen Berichten könne ab 2013 eine Zunahme der Essstörung, der notwendigen Behandlungsintensität und der Skepsis im Hinblick auf die Prog
nose entnommen werden. Einzige Ausnahme
bilde
die Beurteilung des psychia
trischen
Z._
-Gutachters. Dessen Einschätzung einer Leistungsfähigkeit von 50
%
ab März 2014 sei nach Auswertung aller Informationen
angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin zwischen Mai 2013 und August 2017 während der Hälfte der Zeit stationär bis teilstationär behandlungs- und betreuungsbedürftig ge
wesen sei, nicht nachvollziehbar. Die Konzentration auf den psychopa
tholo
gi
schen Befund sei weder bei Persönlichkeitsstörungen noch bei Essstörungen geeignet, die Symptomatik und den Schweregrad zu erfassen. Darauf hätten die Autoren des AMDP hingewiesen.
D
ie Beschwerdeführerin habe zuletzt in einem Zeitraum von 52 Monaten während 25,5 Monaten intensiver Behandlung und Begleitung bedurft, wovon sie 15,5 Monate vollstationär hospitalisiert gewesen sei. Nach dem einjährigen Aufenthalt in einem Wohnheim
lebe sie wieder zu
Hause;
die Exploration habe es aber als fraglich erscheinen lassen, ob sie derzeit in der Lage sei, selbständig zu
leben.
Die diesbezüglichen Äusserungen ihrer Freundin würden ihre Fähigkeiten hervorheben
und dafür werben, ihr die Selb
ständigkeit nicht zu nehmen.
Eine Tagesstruktur
sei aufgrund der
Angaben der Beschwerdeführerin
kaum mehr erkennbar. Die ursprünglich für den Nachmittag vorgesehenen Therapietermine, die Physio- und Atemtherapie, habe sie zwischen
zeitlich abgesagt, und auch die psychiatrische Behandlung habe sie abgebrochen,
angeblich, weil der Psychiater ihr nicht mehr zugehört habe. T
rotz Suche
habe die Beschwerdeführerin
bisher keinen neuen Psychiater gefunden.
Die in ihrer
Biographie durchschei
nenden Resso
u
r
cen
seien mittlerweile verschüttet, sie könne
sie alleine nicht mehr mobilisieren. Ihre wenigen stabilen Kontakte zum letzten Ehemann und zur Freundin reichten hierfür nicht aus.
Anhand
des Instruments der Mini-ICF-APP werde deutlich, dass sie in zahlreichen der dort beschriebenen relevanten psychischen Funktionen
bedingt durch die depressive Störung, die ausgeprägte Selbstunsicherheit, das eingebrochene Selbstwertgefühl und die Ess
stö
rung
mittelschwer bis sc
hwer beeinträchtigt sei (
Urk.
21 S. 52 ff.).
Derzeit sei sie nicht in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nach
zugehen. Es stelle sich sogar die Frage, ob sie
sich ausreichend
pflege
n und
nicht selbstschädigend ernähren
könne
. Aus psychiatrischer Sicht s
tehe die Erhal
tung ihrer Selbständigkeit im Vordergrund
.
Für die Chance auf eine relevante Besserung müsse sie wieder Hoffnung schöpfen, um den geplanten bariatrischen Eingriff und die anschliessende Ernährungsumstellung in Angriff
nehmen zu können.
Hierzu sei e
ine längere
Hospitalisation
mit anschliessendem integriertem
Behandlungskonzept
nötig (
Urk.
21 S.
52 und
56 ff.).
4
.
4.1
Das
Z._
-Gutachten vom 2
1.
September 2016 beruht zwar auf umfangreichen multidisziplinären Abklärungen.
D
ie vom psychiatrischen Teilgutachter gezoge
nen Schlussfolgerungen vermögen aber nicht vollends zu überzeugen. Die Be
schwerdeführerin wendet zu Recht ein,
dass er
die von den behandelnden Ärzten erhobenen schweren depre
ssiven Episoden negiert
hat
. Seine F
eststellung, einzig die
E._
habe
in ihrem Austrittsbericht vom 1
8.
Mai
2015 (
Urk.
7/41/25)
ohne Begründung eine schwere depressive Episode diagnostiziert (
Urk.
7/70/16), trifft nicht zu.
Vielmehr
ergibt sich aus dem Bericht der Psychiater der
C._
vom
2
7.
Oktober 2015, dass
jene
Ärzte, unter anderem gestützt auf die Testergebnisse des Beck-Depressionsinventars (BDI), zu Beginn und teils auch nach Ablauf der bei Erlass des Berichts von der Beschwerdeführerin bei ihnen bereits durchlaufenen drei stationären Behandlungen eine schwere de
pressive Episode diagnostiziert hatte
n (
Urk.
7/43/2-3
; vgl. auch
Urk.
21 S. 36
).
Auch ihrem neusten Bericht
vom 2
2.
August 2017
über die vierte
Hospitalisation
vom
6.
Juni bis 2
2.
August 2017 in der
C._
ist zu entnehmen, da
ss die Beschwerdeführerin bei Klinikeintritt schwer depressiv war (
Urk.
3).
Ferner fehlt
in der psychiatrischen Teilexpertise
eine eingehende Auseinan
der
setzung mit dem Krankheitsverlauf bis zur Begutachtung, der ausweislich der A
kten erheb
liche Schwankungen auf
wies,
wegen Zunahmen der depressiven Sympto
matik und des Gewichts
immer wieder zu stationären
Hospitalisationen
Anlass gab und dazu führte, dass die Beschwerdeführerin damals in einer betreu
ten Wohnform lebte. Dies lässt die Frage aufkommen, ob
anlässlich der Begut
achtung
überhaupt eine stabilisierte psychische Situation vorlag. Der
blosse Hin
weis des
Z._
-Psychiat
ers, während der
Hospitalisationen
habe keine Arbeits
fähig
keit be
stan
den, hilft
nicht weiter, da angesichts des
Verlaufs unklar bleibt, ob zukünftig mit weiteren die Arbeitsfähigkeit vollständig aufhebenden
Hospita
lisationen
zu rechnen
war;
im Rahmen ein
er Längsschnittbetrachtung
kann dies
die
Beurtei
lung der
z
umutbare
n
Arbeitsfähigkeit beeinflussen.
Auch
nimmt die Expertise nicht dazu Stellung, dass die behandelnden Psychiater der
C._
der Beschwerdeführerin im Bericht vom 2
7.
Oktober 2015 ab März 2014 durch
gehend bis mindestens Ende Oktober 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt
hatt
en (
Urk.
7/43/5). D
ieser Einschätzung wi
dersprach diejenige der
Z._
-Gutachter, wonach ab März 2014 im Wesentlichen eine 50%ige
Arbeits
un
fähigkeit bestand
en habe
,
doch erheblich.
Zwar ist dem psychiatrischen Teilgut
achten zu entnehmen,
die auffälligen Persönlichkeitszüge hätten zur Entstehung der depressiven Störung beigetragen, ebenso die Adipositas (
Urk.
7/70/16).
Eine
klare
Stellungnahme zum Einfluss der
Ess
s
törung
und der
en
Ursachen
auf
die gesundheitliche Dynamik
, die Ressourcen
und die
Arbeitsfähigkeit fehlt aber.
In diesem Zusammenhang fällt auch auf, dass
der psychiatrische Experte des
Z._
im Gegensatz zur Privatgutachterin
Dr.
A._
(
Urk.
21 S.
11 und 47
f.)
die ausführliche Adipositas- und Essanamnese
im Bericht vom 2
9.
Septem
ber 20
15
von
Dr.
H._
, Konsiliararzt für bariatrische Chirurgie, die eine frühe
(
r
e
)
Ent
stehung des pathologischen Essverhaltens nahelegt (
Urk.
7/50/1-4), nicht
dis
ku
tierte.
Unglücklich, aber nicht entscheidend ist schliesslich auch der Umstand, dass der
Z._
-Psychiater im Gegensatz zu den behandelnden Ä
rzten sowie der Privatgutachterin
keine psychometrischen Selbstbeurteilungstests durchgeführt hat (
Urk.
7/70/12).
Da der psychiatrische Teilgutachter seine Schlussfolgerungen mithin unter Aus
blendung wesentlicher Aspekte des
gesundheitlichen G
eschehens
und abwei
chender ärztlicher Beurteilungen
traf, erfüllt seine Beurteilung die Anforderungen an beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen nicht (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c), und es kann nicht darauf abgestellt werden.
4.2
4.2.1
Zu prüfen bleibt, ob sich die zumutbare Arbeitsfähigkeit im
relevanten
Zeitraum mit dem massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ge
stützt auf das Privatgutachten von
Dr.
A._
und/oder die weiteren medizinischen Akten bestimmen lässt.
4.2.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (
BGE 125 V 351
E. 3a).
Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärzt
liche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert. Auch ein Parteigutachten enthält somit Äusserungen eines Sachverständigen, welche zur Feststellung eines medizini
schen Sachverhalts beweismässig beitragen können (
BGE 125 V 351
E. 3b/
dd
und
c
; vgl. konkret auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_635/2012
vom 1
5.
April 2013
E. 3 und 4.3
).
4.2.3
Im
ausführlichen psychiatrischen
Privatgutachten
von
Dr.
A._
vo
m 2
7.
Februar 2018
werden die medizinischen
Vorakten
umfassend gewürdigt (
Urk.
21
S. 4-15)
. D
ie Expertise
beruht auf einer eingehenden Exploration und Anamneseerhebung
(
Urk.
21 S. 15-39) einschliesslich
Selbst- und Fremdbeurtei
lungs
tests zur Befunderhebung
(
Urk.
21 S. 35-38).
Hinsichtlich
der gestellten Diagnosen (
Adipositas per magna, Essstörung und rezidivierende depressive Störung, aktuell
mittelgradige depressive Episode
) be
steht weitestgehend Übereinstimmung mit den zuvor berichtenden Ärzten.
Dr.
A._
hat aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin bereits in der Kindheit und im frühen Erwachsenenalter ein auffälliges Essverhalten an den Tag
gelegt hatte
, wobei die eigentlichen Essattacken Anfang der 1980er Jahre wäh
rend der ersten schwierigen Partnerschaft einsetzten. Auch aus dem
Z._
-Gut
achten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin bei Zurücksetzung, Belastungen und Anspannung mit Essattacken reagierte, welche sie kaum kontrollieren konnte (
Urk.
7/70/15).
E
inzig bei der Persönlichkeitsdiagnostik
weicht das Privatgut
achten geringfügig
von den
Beurteilungen der
C._
und des
psy
chiatrischen Gutachters des
Z._
ab
.
D
er
Z._
-Psychiater
stellte diesbezüglich
offensichtlich
auf die Beurteilung der
C._
ab (vgl.
Urk.
7/70/5,
Urk.
7/70/16). Die
dortigen Ärzte
erhoben laut Bericht vom 2
7.
Oktober 2015 mit
dem
SKID-Screeningbogen
Werte
einer akzentuierten Persönlichkeit
an der Grenze
zu
einer Persönlichkeitsstörung (
aufgrund der erreichten Kriterien in den Dimen
sionen selbstunsicher [3/7],
dependent
[4/8], zwanghaft [3/8] und depressiv [4/7];
Urk.
7/43/3
). Da
Dr.
A._
mit dem gleichen Verfahren geringfügig schlechtere Werte erhob
(
erfüllte Kriterien in den Dimensionen
selbstunsicher 4 von 7,
dependent
5 von 8
und
Borderline
5 von 9;
Urk.
21 S. 37 f.
)
, aufgrund welcher die Schwelle zu einer Persönlichkeitsstörung knapp überschritten
war
, ist nicht von einer wesentlich abweichenden Beurteilung auszugehen. Anlässlich ihrer Untersuchun
g im Februar 2018 verfügte die Privatg
utachterin zudem über
mehr
Informationen über den Verlauf der Erkrankung und
das
V
erhalten der Be
schwerdeführerin
. Ihre Ausführungen zur
Entstehung der Persönlichkeits
störung, wonach die Beschwerdeführerin aufgrund belastender Ereignisse in ihrer Kindheit und Jugend kein gutes und stabiles Selbstwertgefühl aufbauen konnte und sich vor diesem Hintergrund die Persönlichkeitsproblematik entwickelte, überzeugen.
Dr.
A._
hat
auch einleuchtend
dargelegt
, dass ab 2013
die Ess
stö
rung, die notwendige Behandlungsintensität und die Skepsis
der behandelnden Är
zte
im Hinblick auf die Prognose zugenommen haben. Einzige Ausnahme bildet die Beurteilung des psychiatrischen
Z._
-Gutachters, auf welche nach dem Ge
sag
ten
aber
nicht abgestellt werden kann. Mit Blick auf die Entwicklung der de
pres
siven Störung und des Gewichts
nach
der
Z._
-Begutachtung
ist
davon aus
zu
geh
en
,
dass der Gesundheitszustand
in der Zwischenzeit
unverändert instabil
geblieben
ist. Die Beschwerdeführerin lebt zwar nicht mehr in einer betreuten
Wohn
form. Dies hat sich laut den überzeugenden Ausführungen von
Dr.
A._
aber negativ auf die Tagesstruktur und das Gewicht aus
gewirkt (anlässlich der Begutachtung wog
d
ie
Beschwerdeführerin
wieder 148 kg;
Urk.
21 S. 35).
Dass diese Krankheitsdynamik ab 2013 zu erheblichen Einschrän
kungen in der beruf
lichen Leistungsfähigkeit führte,
ist nachvollziehbar
.
Die IV-Stelle anerkennt die gravierenden Einschränkungen der Beschwerdeführerin denn auch im Grundsatz (
Urk.
27).
Dass
Dr.
A._
die Beschwerdeführerin nur aus der psychiatrischen
Fachwarte
und nicht wie das
Z._
interdisziplinär
begutachten konnte, schadet ihrer Expertise nicht: Zum einen konnte die Privatgutachterin auf die Beurtei
lungen der vier somatischen Gutachter des
Z._
abstellen, welche der Beschwer
de
führerin unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Adipositas auf die kör
per
l
iche Leistungsfähigkeit eine um 25
%
reduzierte
Arbeitsfähigkeit
beschei
nig
ten; zum anderen
ergibt sich
auch
aus dem
Z._
-Gutachten, dass die
schwer
wiegendere
psychische Symptomatik das Krankheitsgeschehen dominiert und die körper
li
chen Beeinträchtigungen
hauptsächlich
insofern eigenständige Bedeutung erlan
gen, als dass sie das Profil an zumutbaren körperlichen Tätigkeiten eingrenzen (
Urk.
7/70/28).
Das Privatgutachten von
Dr.
A._
erfüllt damit die Vorausset
zung
en
für beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen grundsätzlich (vor
steh
end E. 4.2.2).
4.2.4
Dr.
A._
bescheinigte
der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
in sämtlichen Tätigkeiten
ab dem Zeitpunkt der Begutachtung. Gleichenorts wies sie auf
ihre Analyse der Erwerbslaufbahn an anderer Stelle im Gutachten hin (
Urk.
21 S. 57).
Dort hielt sie fest, seit
Beginn der lang anhaltenden depressiven Episode im
Jahr 2013 scheine sich die Beschwerdeführerin nicht mehr stabilisiert zu haben (
Urk.
21 S. 52).
An einer weiteren Stelle führte sie aus, die Einschätzung des psychiatrischen
Z._
-Gutachters, dass die Beschwerdeführerin ab März 2014 zu 50
%
arbeitsfähig sei, obwohl sie zwischen Mai 2013 und August 2017 während der Hälfte der Zeit stationär bis teilstationär behand
lungs
bedürftig gewesen sei, überzeuge nicht (
Urk.
21 S. 56). Aufgrund dieser
Au
ssagen ist davon
auszugehen, dass die Privatgutachterin die Beschwerde
füh
rerin spätes
tens seit März 2014 als vollständig arbeitsunfähig in sämtlichen Tätigkeiten betrachtete.
Diese Einschätzung wird durch die Berichte der
C._
vom 2
7.
Oktober 2015
(
Urk.
7/43/5) und vom 2
2.
August 2017 (
Urk.
3)
sowie
durch
den Bericht des Chirurgen
Dr.
med.
I._
von der
J._
vom 1
5.
April 2016 über die Arbeitsunfähigkeit nach operativer Entfernung ei
nes
Magen
wandtumors (
Urk.
7
/64/1-4)
, worin der Beschwerdefüh
rerin
von März 20
14 bis Ende Oktober 2015, vom
4.
Dezember
2015 bis 1
0.
Februar
2016 sowie erneut ab
2.
August 2017
jeweils eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit bescheinigt wurde, erhärtet
, zumal mangels anderer Verlaufsberichte in diesem Zeitraum Anhalts
punkte fehlen, dass die Arbeitsfähigkeit zwischen
zeitlich höher war
.
Auch die
Z._
-Gutachter gingen von einer im Wesentlichen
gleichgebliebenen
Arbeitsun
fähigkeit ab März 2014 aus (
Urk.
7/70/27).
4.2.5
Zwar trifft es zu, dass sowohl der Bericht der
C._
vom 2
2.
August 2017 als auch das Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
7.
Februar 2018 erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellt wurden und auch den Ge
sundheitszustand nach diesem Zeitpunkt behandeln. Allerdings ist den ärztlichen Berichten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2013 ein Maximalgewicht von 145 kg bei einer Grösse von 168 cm erreicht hatte und dieses Gewicht anschliessend im Rahmen von Schwankungen relativ stabil blieb; anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
A._
wog sie 148 kg (
Urk.
7/50/3,
Urk.
7/70/9,
Urk.
21 S. 35). Insgesamt zeigt der aktenmässig doku
mentierte Verlauf der psychischen Symptomatik und des Gewichts, dass der Gesundheitszustand seit mindestens Anfang 2014 innerhalb eines im Wesent
li
chen stabilen Rahmens schwankte, so dass aus den entsprechenden Berichten auf den hier massgebenden Zeitraum zurückgeschlossen werden kann.
4.2.6
Da
der Beschwerdeführerin im Gutachten von
Dr.
A._
wegen der Essstörung
mit Adipositas per magna
, der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren,
dependenten
und
Borderline
-Anteilen und der rezidivie
ren
den depressiven Störung mit aktuell mittelgradiger Episode
eine 100%ige
Arbeits
unfähigkeit
bescheinigt
wurde
, ist zusätzlich zu prüfen, ob
die
aus psychiatrischer Sicht bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit im Lichte der
vom Bundesgericht
fü
r die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen psychischer Krankheiten
als mass
geblich bezeichneten Indikatoren
schlüs
sig erscheint (vorstehend E. 1.5
).
Dr.
A._
berücksichtigte die
massgeblichen
Indikatoren in ihrer Be
ur
teilung (
Urk.
21 S. 56 ff.). Sie erhob ein komplexes und
schwergradiges
psy
chi
sches Störungsbild mit einer ausgeprägten Persönlichkeitsproblematik
, Ess
stö
run
g
und einer mittelgradigen Depression.
Sie bescheinigte der Be
schwer
de
führerin
au
f
grund ihrer psychischen Defizite
mittelschwere Einschränkungen in den Fähig
keitsbereichen Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit
,
Gruppenfähigkeit
sowie Pflege enger dyadischer Bezieh
ungen, eine mittelschwere bis schwere Einschränkung in der Selbstpflege und Selbstversor
gung
und schwere Einschränkungen in den Funktionen Planung und Struktu
rie
rung von Aufgaben (Mühe bei der Aufrechterhaltung des Haushalts und der Tagesstrukturierung), Proaktivität und Spontanaktivitäten, Widerstands- und Durch
haltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit und Konversations- und Kon
takt
pflege zu Dritten (aufgrund von Selbstunsicherheit und eingebrochenem Selbst
wertgefühl
;
Urk.
21 S. 52-55).
Die im Verhalten der Beschwerdeführerin zum Ausdruck kommende Willensschwäche ist somit Folge ihres psychischen Krankheitsbildes.
Gleichzeitig wies
Dr.
A._
darauf hin, dass sich die gesundheitliche Situation seit 2013 nicht mehr stabilisiert habe und sich aktuell die Frage stelle, ob die Beschwerdeführerin noch in der Lage sei, selb
ständig zu wohnen (
Urk.
21 S. 52 und 56).
Wie die IV-Stelle
zum Schluss ge
langen konnte, dass weder ein besonders schwerer psychopathologischer Befund noch eine mittelgradig depressive Störung ausgewiesen seien
, obwohl sämtliche Ärzte, einschliesslich des psychiatrischen Teilgutachters des
Z._
, bei der Be
schwer
deführerin anhand diverser Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumente ein
e mindestens mittelgradig depressive Symptomatik erhoben haben, ist nicht nach
voll
ziehbar.
Die schwere Symptomatik bestand trotz
i
ntensiven therapeutischen Bemühungen seit
Anfang 2014
mit zahlreichen stationären
Hospitalisationen
und verschie
densten ambulanten und teilstationären Massnahmen.
Der ungünstige
Verlauf
lässt sich einerseits
durch die
ausgeprägte
Persönlichkeitsproblematik mit insta
bilem Selbstwertgefühl
, Abhängigkeit von der Wertschätzung
sowie Unterstüt
zung durch andere Personen
und der Tendenz zu Essattacken
sowie
depressiven Episoden bei
psychischer Belastung
erklären.
Dr.
A._
hat heraus
gearbeitet, dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre schwere Essstörung nur eine partielle
Krankheitseinsicht aufweist (
Urk.
21 S. 56).
Zum anderen wirkte sich der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nach der psychischen Dekom
pen
sation in Folge der beruflichen Probleme
an ihrem letzten Arbeitsplatz
und der Trennung von ihrem
vierten
Ehemann
stark an Gewicht zu
ge
legt
hatt
e
und
ihre persönlichen Ressourcen
nicht mehr mobilisieren konnte
, ungünstig aus (
Urk.
21 S. 57)
.
In sozialer Hinsicht war sie i
soliert und hatte praktisch nur noch Kontakt zu ihrem letzten Ehemann und einer Freundin.
Aus dem – nach Angaben der Beschwerdeführerin schwierigen – Kontakt zu allen Mitbewohnern während der Zeit des betreuten Wohnens (
Urk.
7/70
/8,
Urk.
7/70/11-12)
kann entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht auf mangelnde soziale Isolation geschlossen werden, ebenso wenig aus dem Halten eines Hundes.
Da auch der psychiatrische Gutachter des
Z._
darauf hinwies, die bisherige Therapie sei lege
artis
durchgeführt worden
,
die Beschwerdeführerin nehme die therapeutischen Optionen wahr
, sie könne ihre
Essstörung aber trotzdem kaum kontrollieren
(
Urk.
7/70/13-15,
Urk.
7/70/25)
, k
ann
ihr
in dieser Hinsicht nichts vorgeworfen werden. Dass sie sich bis anhin nicht entscheiden konnte, die geplante operative Magenverkleinerung durch
füh
ren zu lassen,
ist zumindest teilweise auf die psychische Problematik zurück
zuführen: Sie gab
Dr.
A._
an, grosse Angst vor dem Ei
ngriff zu haben (
Urk.
21 S. 30).
Zudem erhob
die Privatgutachterin als auffällige
Persön
lichkeitsmerkmale eine grosse Unsicherheit und eine eingeschränkte
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit.
Ferner
ist zumindest fraglich, ob sie im Rahmen der Schadenminderungspflicht von der IV-Stelle zu einem solchen Eingriff
ange
halten werden könnte
(was bis anhin noch nicht geschehen ist
; der erstmalige Hinweis in der Beschwerdeantwort [
Urk.
6 S. 3] ist jedenfalls verspätet).
B
ei einer operativen Magenverkleinerung handelt es sich nämlich
um einen schwer
wie
genden Eingriff mit
entsprechenden Risiken.
Dass die Beschwerdeführerin zuletzt
die Therapie bei dem sie ambulant behandelnden Psychiater und die Atem- und Bewegungstherapie abgebrochen hat
, lässt sich
ebenfalls
auf ihre krankheitsbe
dingte
n
Defizite
zurückführen
und ist Ausdruck der Negativspirale, in welcher sie sich befindet
(
Urk.
21 S. 57 f
.)
.
Soweit die IV-Stelle andeutet, die psychische Symptomatik werde hauptsächlich durch psychosoziale Belastungsfaktoren ver
ur
sacht, ist ihr zu entgegnen, dass bereits die lange Dauer und der Schweregrad der Symptomatik für ein v
erselbständigte
s
psychische
s
Krankheit
sgeschehen sprechen.
Soweit die IV-Stelle
einwendet, eine Erwerbsunfähigkeit könne erst nach Durch
führung der zumutbaren Behandlung
mit einer Gewichtsreduktion
entstehen,
von
welcher auch eine Abnahme der psychischen Beschwerden erwartet werden kö
nne,
kann ihr nicht gefolgt werden. Der blosse Umstand einer Therapierbarkeit eines körperlichen oder psychischen Leidens bedeutet nicht, dass das Leiden und daraus folgende funktionelle Einschränkungen zu einem gegebenen Zeitpunkt vor dem erfolgreichen Abschluss der Behandlung nicht bestehen (vgl. etwa spe
ziell für leichte bis mittelgradige depressive Störungen BGE 143 V 409 E. 4.4).
Während der psychiatrische Teilgutachter des
Z._
bei der Beschwerdeführerin keine Diskrepanzen feststellen konnte und keine Anhaltspunkte für Aggravation ausmachte (
Urk.
7/70/13-15,
Urk.
7/70/25)
,
beobachtete
Dr.
A._
, dass die Beschwerdeführerin
ihre psychischen und körperlichen Beschwerden eher hervorhob,
andererseits
aber ihre pathologischen Essgewohnheiten dissimu
lierte (
Urk.
21 S.
33, 47 und
56
)
.
Diese differenzierte Betrachtungsweise
, welche sich in der gutachterlichen Diagnosestellung und
Einschätzung
der
funktionellen
Beeinträchtigungen niederschlug,
spricht für die Reliabilität
der
Einschätzung
der Privatgutachterin
.
Sodann zeigen ihr
e
Erhebungen zum Tagesablauf der Be
schwer
deführerin mit geringen Aktivitäten
und
weitgehend fehlender Struktur
, wobei sie ihre Haushaltaufgaben nur mit Hilfe Dritter bewältigen kann
(
Urk.
21 S. 52-55)
, dass
das
Aktivitätenniveau
in sämtlichen
vergleichbaren Lebensbe
reichen gleichmässig eingeschränkt ist.
Hinsichtlich des etwas höheren
Aktivi
tätenniveaus
anlässlich der
Z._
-Begutachtung
(
Urk.
7/70/8,
Urk.
7/70/11-12)
ist zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin damals in einer begleiteten Wohnform mit vor
gegebenen Tagesaktivitäten befand.
Auch ein einglied
er
ungs
anamnestisch ausgewiesener L
eidensdruck ist angesichts der zahlreichen absol
vierten ambulanten und stationären Therapien
ausgewiesen.
Das Verhalten der Beschwerdeführerin ist damit als weitestgehend konsistent einzustufen.
Vor dem Hintergrund der konsistent schweren Symptome
und Fähigkeits
stö
rung
en und des trotz intensiver und adäquater therapeutischer Bemühungen insta
bil gebliebenen
Gesundheitszustandes erscheint die von
Dr.
A._
atte
stierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten als schlüssig.
Eine willensmässige Überwindung der Einschränkungen ist der Beschwerde
füh
rerin aktuell nicht möglich.
Gestützt auf
das Privatg
utachten kann davon aus
gegangen werden, dass die Beschwerdeführerin spät
estens ab März 2014 (vor
stehend
E. 4.2.4) in
allen
Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war.
4.2.
7
Die
IV-Stelle
macht geltend, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin werde im Wesentlichen durch die Adipositas per magna beeinträchtigt; da diese keine IV-relevanten körperlichen oder geistigen Schäden verursacht habe und nicht die Folge
solcher Schäden sei, bewirke sie keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität (
Urk.
16,
Urk.
27
)
.
Diese Sichtweise findet in den Akten keine Stütze.
D
ie behandelnden Psychiater
der
C._
legten dar, dass die depressive Symptomatik und die da
m
it verbundene reduzierte Konzentrations-, Auffassungsfähigkeit und Belast
bar
keit zum Verlust der Leistungsfähigkeit geführt hätten
(
Urk.
7/43/2-7
). D
ie Privat
gut
achterin
Dr.
A._
führte die bescheinigte vollständige Arbeits
un
fähigkeit
hauptsächlich
auf die Kombination aus schwerer E
s
sstörung, Per
sön
lich
keitsstörung und anhaltender depressiver Episode zurück (
Urk.
21 S. 57)
. Dem
Z._
-Gutachten ist zu entnehmen, dass die körperlichen Beeinträchtigungen im angestammten Tätigkeit
sbereich im Büro
nur zu einer 25%igen Reduktion der Leistungsfähigkeit führen
, wobei diese Einschränkung hauptsächlich durch die im Vordergrund der somatischen Beeinträchtigungen stehende Adipositas verur
sacht werde
(
Urk.
7/70/19-21,
Urk.
7/70/26-27)
. Demgegenüber
ging
der psychia
trische Teilgutachter unter Berücksichtigung der depressiven Symptomatik von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten aus
(
Urk.
7/70/13,
Urk.
7/70/15-16).
Deshalb kann keine Rede davon sein, dass die Beschwer
de
füh
rerin hauptsächlich durch ihre Adipositas be
e
inträchtigt
werde
.
Im Übr
igen führen sämtliche Ärzte die
Adipositas auf eine Es
s
störung
zurück
.
D
er
psychiatrische Sachverständige des
Z._
wies darauf hin
, dass die Beschwerde
führerin bei psychischer Belastung unter kaum zu kontrolliere
nden Essattacken leide, welche
diagnostisch als
Essattacken bei anderen psychischen
Störungen (ICD-10
F50.4) einzuordnen sei
en
(
Urk.
7/70/13,
Urk.
7/70/15-16).
Dr.
A._
legte dar, dass die in Art und Ausmass mit der Anorexia
nervosa
und der
Bulimia
nervosa
vergleichbare Es
s
störung
der Beschwerdeführerin
zu einer sich über 30 Jahre aufschaukelnden Adipositas per magna mit einer Reihe von soma
tischen Folgeerkrankungen geführt habe (
Urk.
21 S. 47 f.). Damit steht auch fest, dass die Adipositas per magna Folge eines psychischen Schadens im Sinne der Rechtsprechung ist und deren Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit
, soweit sie über die rein psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit hinaus überhaupt selbstän
dige Bedeutung erlangen,
bei der Ermittlung des Anspruchs auf IV-Leistungen zu berücksichtigen sind (vorstehend E. 1.2).
5.
5.1
Da die Beschwerdeführerin nach dem Gesagten in jeder Tätigkeit zu 100 % arbeits
unfähig ist, kann zur Ermittlung des Invaliditätsgrades auf die ziffernmäs
sig genaue Ermittlung des Einkommens, welches sie ohne ihren Gesundheits
scha
den hätte verdienen können (
Valideneinkommen
) verzichtet werden (vgl. vors
teh
end E. 1.7
). Bei einem Invalideneinkommen von Null beträgt der Invalidi
tätsgrad auf jeden Fall 100 %. Bei diesem Invaliditätsgrad hat die Beschwerde
führerin Anspruch auf eine ganze Rente.
5.2
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand
nach dem Gesagten
spätestens ab
März 2014 (vorstehend E. 4.2.5)
. Die IV-Stelle hat die einjährige Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ebenfalls
am
1.
März 2014
eröffnet (
Urk.
7/71
/9
).
Die Wartezeit
war
folglich
am
1.
März 2015
abgelaufen. Da sich die Beschwer
deführerin bereits
am
2
2.
Mai 2014
zum Leistungsbezug angemeldet hatte (
Urk.
7/2
),
war a
m
1.
März
2015
auch die sechsmonatige Karenzfrist nach der Anmeldung
gemäss Art. 29 IVG
abgelaufen. Die Beschwerdeführerin hat folglich
wie beantragt
ab 1.
März 2015
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr.
8
00.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
i.V. A
rt.
61
lit. g ATSG
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Für den Fall des Ersatzes der Parteikosten infolge Obsiegens kann die Partei dem Gericht vor dem Endentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über die aufge
laufenen Kosten einreichen. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschä
digung nach Ermessen fest (
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigung vor dem Sozialversicherungsgericht); eine Frist zur Spezi
fi
kation zur Festlegung der Entschädigung ist nicht anzusetzen (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage,
Rz
207 zu
Art.
61 ATSG mit Hinweisen).
6.3
Die Beschwerdeführerin hat keine konkreten Anträge zur Festlegung der Partei
ent
s
chädigung gemacht und keine Kostennote eingereicht, weshalb u
nter Berück
sich
tigung
der
erwähnten
Kriterien
die Parteientschädigung
der Beschwerde
füh
rerin
ermessensweise auf Fr.
4’500
.-- (inklusive Bar
auslagen und
MWSt
) fest
zu
setzen
ist
.
Das von der Beschwerdeführerin privat eingeholte Gutachten von
Dr.
A._
war für die
Entscheidfindung
unerlässlich. Die Beschwerdeführerin hat allerdings k
einen Antrag auf Übernahme der Gutachtensk
osten gestellt (vgl.
Urk.
11,
Urk.
20,
Urk.
29). Da nicht auszuschliessen ist, dass die Expertise durch
Dritte, etwa eine Rechtsschutzversicherung (vgl.
Urk.
12/1 S. 1), finanziert
worden
ist
, besteht keine Grundlage, um der IV-Stelle
auch
die Kosten
dieses
Gutachtens unter dem Titel
d
er
Parteientschädigung (BGE 115 V 62 E. 5c)
aufzuerlegen.