Decision ID: 43271ad2-f723-5d15-baed-7f0e919e4748
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1952 geborene
X._
war seit dem
1
.
Januar 1990
als
Aushilfe-Kosmetikerin in einem Teilzeitpensum von 14 Stunden pro Woche bei der
Y._
AG
an
gestellt und damit bei der ELVIA
Schweizerische
-
Versicherungsgesellschaft Zürich (heute: Allianz Suisse Versicherungs-Ge
sellschaft)
gegen die Folgen von Unfällen
vers
ichert. Am 5. August 1990 stiess sie als Fahrzeuglenkerin in einer Kurve mit einem entgegenkommen
den Fahrzeug zusammen, welches ins Schleudern und auf ihre Fahrbahn ge
raten war (
Urk.
9/142 und
Urk.
9/141 S. 16)
.
Dabei zog sie sich Verletzungen a
n
Knie und Hüfte sowie eine Distorsion der Halswirbelsäule zu (Ur. 9/1). Die
ELVIA Schweizerische- Versicherungsgesellschaft Zürich
anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Heilbehandlung, vgl.
Urk.
9/144,
Urk.
9/164). Mit Verfügung vom 6
.
Januar 1997
— basierend auf einem Vergleich —
sprach sie der Versicherten
rück
wirkend
a
b
1. Juli 1995 eine Komplementärrente zur Rente der Invalidenver
sicherung
sowie eine Integritätsentschädigung aufgrund eines
Integritäts
schadens
von
5
0
%
zu
(
Urk.
9/313
vgl. auch
Urk.
9/310)
. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Rahmen eines im August 2008 eingeleiteten Revisionsverfahrens (
Urk.
9/358) erfolgte eine interdisziplinäre Begutachtung der Versicherten beim
Z._
(
Z._
; Expertise vom 31. Mai 2012,
Urk.
9/93). Mit Verfügung vom 20. November 2012 (
Urk.
9/392) stellte die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft die Versi
cherungsleistungen per 31. August 2012 ein. Die dagegen von der Versi
cherten erhobene Einsprache (
Urk.
9/394) wies sie, nachdem eine zusätzliche
bidisziplinäre
Verlaufsbegutachtung im
Z._
durchgeführt worden war (
Urk.
9/139), mit
Einspracheentscheid
vom 6. Mai 2015 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen
erhob
X._
am 5
. Juni 2015 Beschwerde und beantragte,
es sei ihr in Aufhebung des
Einspracheentscheides
vom 6. Mai 2015 weiter
hin eine Komplementärunfallrente zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7
. September 2015 (
Urk.
8)
schloss die
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
auf Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 11. Dezember 2015 (
Urk.
14) und Duplik vom 27. Januar 2016 (
Urk.
17) hielten die Parteien an ihren Rechtsbegehren fest.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % inva
lid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut
bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die ge
eignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus
sen.
Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die er
werblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu
standes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich ge
bliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in sei
nen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009
E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
gust 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unve
rändert gebliebenen Gesundheits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar.
Im Bereich prozentgenauer Renten liegt die
Erheblichkeitsschwelle
bei mindestens fünf Prozentpunkten
(BGE 140 V 85 E. 4.4). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechts
kräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenan
spruchs beruht (BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweisen; BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.4
Dieser Revisionsordnung geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückzukommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Rentenver
fügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG nicht erfüllt sind (BGE 125 V 368 E. 2).
1.5
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der
Wiedererwä
gungsgrund
im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beur
teilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvorausset
zungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung,
Beweiswürdi
gung
, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifel
los ist die Unrichtigkeit (nur), wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derje
nige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar. Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53
Abs.
2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrich
tigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungs
grundsatzes
(vgl. Art. 43
Abs.
1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_752/2010 vom 27. Januar 2011 E. 2).
Es bestehen keine zeitlichen Schranken für die Wiedererwägung. Die Verwal
tung ist auch nach über zehn Jahren seit Verfügungserlass befugt, auf eine zweifellos unrichtige
Leistungszusprache
oder –
verweigerung
wiedererwä
gungsweise
zurückzukommen (BGE 140 V 514 E. 3.5).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) davon aus, dass die ursprüngliche Verfügung vom 6. Januar 1997 (
Urk.
9/313) an einem gravierenden Rechtsmangel im Sinne einer zweifello
sen Unrichtigkeit leide. Mangels beweiskräftigen medizinischen Unterlagen zur Frage der Arbeitsunfähigkeit habe der Invaliditätsgrad nicht mit
valablen
70
%
festgesetzt werden können (S. 8). Zudem sei offensichtlich, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der Verrentung im Jahr 1997 wesentlich verändert habe. Gemäss
Z._
-Gutachten gründe die
Ar
beits
-
(
un
)
fähigkeit
nunmehr einzig auf der 1998 diagnostizierten Multiplen Sklerose (MS), welche unfallfremd sei (S. 14). Die initialen Beschwerden seien nur vorübergehend natürlich kausal zur am 5. August 1990 anlässlich eines Verkehrsunfalles erlittenen Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) gewesen. Im Zeitpunkt der
Z._
-Begutachtung sei der Status quo sine erreicht gewe
sen (S. 19).
Weiter vertrat die Beschwerde
gegnerin
die Auffassung
in der Vernehmlas
sung (
Urk.
8), dass in der Verfügung vom 6. Januar 1997 kein
Einkommens
vergleich
vorgenommen und damals lediglich der versicherte Verdienst der Beschwerdeführerin ausgerechnet worden sei. Es sei nicht einmal der
Invali
ditätsgrad
verfügungsweise festgehalten worden und die Beschwerdegegnerin habe sich damit begnügt
,
eine Komplementärrente zu berechnen und die Frage nach dem präzisen Invaliditätsgrad sei folglich offen gelassen worden. Dieses Vorgehen sei zwischen den Parteien
„
vergleichsweise" vereinbart wor
den
,
wofür jedoch sowohl für die Festlegung der Invalidenrente als auch für die Beurteilung der Integritätsentschädigung zum damaligen Zeitpunkt kein Ermessensspielraum im Sinne der Rechtsprechung bestanden habe. Durch die Vereinbarung sei bewusst vom korrekt ermittelten Sachverhalt abgewichen worden und dadurch geltendes Bundesrecht verletzt worden (Ziff. 27). Zum Verfügungszeitpunkt hätten keine tatsächlichen Unklarheiten bestanden und
es habe kein Ermessensspielraum vorgelegen, um einen Vergleich über die Ansprüche auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu schliessen. Vielmehr sei eine Vereinbarung getroffen respektive eine Verfü
gung erlassen worden, welche den vorgenommenen Abklärungen gänzlich widersprochen habe. Es sei kein Einkommensvergleich vorgenommen und kein Invaliditätsgrad festgehalten worden und die Verfügung sei folglich zweifellos unrichtig (Ziff. 29). Das unzulässige Vorgehen sei in der Aktenno
tiz vom 4. März 1999 dokumentiert. Obwohl aus dem Gutachten von Prof.
Dr.
med.
A._
vom 16. Juni 1995 klar hervorgegangen sei, dass sich die lumbalen Beschwerden höchstens während einer Dauer von zwei Jahren vor
übergehend verschlimmert hätten, habe die Beschwerdegegnerin der Be
schwerdeführerin eine Invalidenrente zugesprochen. Die
„
Kausalitätsbelange" respektive die Frage, ob sich die geltend gemachten Beschwerden auf den Unfall vom 5. August 1990 zurückführen liessen, sei dabei
„
um des lieben Friedens willen
", wobei auf die Streitigkeiten
zwischen der Sachbearbeitung und
dem damaligen Rechtsvertreter
im Vorfeld der Rentenverfügung
zu
ver
w
ei
sen
sei, nicht mehr aufgegriffen worden
(Ziff. 30).
Im Weiteren sei es im Vergleich zu den damaligen Erhebungen aus dem Jahre 1995 anlässlich der Begutachtung beim
Z._
zu einer wesentlichen Verbesserung des „unfallrelevanten" Gesundheitszustandes gekommen (
Ziff. 40 ff.
). Gemäss den Abklärungen des
Z._
hätten sich die Kopfschmerzen gebessert und die Beschwerdeführerin leide nur noch alle sechs bis acht Wo
chen unter Migräne. Auch dauerten die Anfälle nicht mehr so lange wie frü
her und liessen sich mit Medikamenten günstig beeinflussen, so dass sie keine rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit mehr rechtfertigen könnten (Ziff. 42).
Nachdem sowohl die Voraussetzungen für die Wiedererwägung als auch für die Rentenrevision gegeben seien, sei der weitere Rentenanspruch für die Zu
kunft (über das Datum der Leistungseinstellung per 31. Au
gust 2012 hinaus) zu prüfen (Ziff. 53 ff.
). Gestützt auf das
Z._
-Gutachten vom 31. Mai 2012 hätten zum Zeitpunkt der Untersuchungen keine unfallkausalen Beschwerden mehr bestanden. Aus neurologischer und orthopädischer Sicht sei der Status quo sine betreffend den Unfall vom 5. August 1990 erreicht worden. Die festgestellte Multiple Sklerose sei unfallfremd. Ebenso seien die Beschwerden aufgrund der Gonarthrose beidseits sowie jene aufgrund der
Coxarthrose
rechtsseitig und auch die Veränderungen der Wirbelsäule als normale
un
fallfremde
degenerative Erkrankungen zu betrachten. Der natürliche Kausal
zusammenhang der noch geltend gemachten Beschwerden sei 22 Jahre nach
dem Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weggefallen und auch ein adäquater Kausalzusammenhang wäre gemäss BGE 134 V 109 nicht ge
geben (Ziff. 58
). Folglich seien die Voraussetzungen für die Weiterausrichtung einer Invalidenrente ab dem 31. August 2012 nicht gegeben (S. 16
unten f.
; vgl. dazu auch
Urk.
17)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin habe mit Verfügung vom 6. Januar 1997 eine Komplementärrente (70%ige IV-Rente) sowie eine
Integritätsentschädi
gung
von 50
%
zugesprochen (S. 3). Der Gesundheitszustand habe sich seit
her nicht verbessert. Dies sei auch im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 17. Oktober 2014 im Verfahren
in Sachen der Be
schwerdeführerin gegen
die Invalidenversicherung
,
Prozess
IV.2013.
00240
,
festgestellt worden (
S. 4). Die Beurteilung im
Z._
-Gutachten sei eine im Wesentlichen andere Einschätzung des gleichen Gesundheitszustandes
,
wie er gemäss
Gutachten der
M
edizinischen Begutachtungsstelle,
C._
, Schwesternschule und Spital
B._
,
vom 30. März 1993
vorgelegen habe und
zur Ausrichtung der Rente geführt habe. Der Vergleich der beiden Gutachten bestätige, dass sich der Gesundheitszustand nicht ver
ändert habe. Eine wiedererwägungs- oder revisionsweise Aufhebung der Rente
sei daher nicht zulässig (S. 7
f.
). Gestützt auf die Berichterstattung von
Dr.
med.
D._
, FMH Rheumatologie, leuchte ein, dass aufgrund der Prob
lematik des rechten Knies das
l
inke in der Folge überbelastet worden und es links deshalb auch zu
Ar
throse
p
roblemen
gekommen sei
;
und w
egen ihrer Gehbehinderung habe sich die Beschwerdeführerin nicht mehr
genügend be
wegen können (S. 9 f.
).
Replicando
(
Urk.
14) wurde festgehalten, der Vergleich gemäss der Verfü
gung vom 6. Januar 1997 sei zustande gekommen, weil die
Beschwerdegeg
nerin
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die klar ausgewiesenen Unfallfolgen
habe
verneinen k
önnen
und sich aufgrund des hohen
Pro
zessrisikos
gezwungen
gesehen habe
, ei
nem Vergleich zuzustimmen
. Hätte sie den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht ebenso beurteilt, wäre der Vergleich nicht zustande gekommen (S. 2 f.). Auch sei der Entscheid damals nicht nur vom zuständigen Sachbearbeiter, sondern vom Leiter des Rech
tsdienstes geprüft worden
. Für die Beständigkeit der Verfügung spreche auch, dass eine Revision erstmals im Jahr 2010 stattgefunden habe. In Bezug auf eine Wiedererwägung werde auch ausser Acht gelassen, dass der Sach
verhalt bereits im Jahr 1992 aufgrund des Gutachtens von Prof.
Dr.
E._
, Chefarzt am Kantonsspital
F._
, genügend schlüssig abgeklärt gewesen sei (S. 3). Auch wenn dem Standpunkt der Beschwerdegegnerin zu folgen wäre,
dass der Entscheid zu Unrecht erfolgt sei, sei zu beachten, dass kein
Wieder
erwägungsgrund
vorliege, wenn eine Entscheidung Ermessen beinhalte, ver
tretbar erscheine und mit dem Vergleich ein unklarer Punkt geregelt werde (S. 4). In Bezug auf die Revisionsvoraussetzungen bestätige die Gegenüber
stellung des Gutachtens aus dem Jahr 1995 zu jenem aus dem Jahr 2012, dass sich der Gesundheitszustand nicht verändert habe (S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob - und gegebenenfalls unter welchem Titel - die erfolgte Rentenaufhebung zulässig ist.
Zunächst ist auf die
Wiedererwä
gungsvoraussetzungen
einzugehen.
3.
3.1
Im Schreiben
an die Beschwerdeführerin
vom 11. Dezember 1996 wies die Beschwerdegegnerin auf die Erledigung der Sache in Bezug auf
Invaliditäts
entschädigung
aus der privatrechtlichen UVG-Zusatzversicherung hin und teilte mit, dass sie sich nun den Punkten der Invalidenrente sowie der
Inte
-
g
ritätsentschädigung
aus der gesetzlichen Unfallversicherung zuwenden wolle. Sie hielt fest, die Beschwerdeführerin erhalte eine IV-Rente der
E
idgenössi
schen Invalidenversicherung von monatlich
Fr.
2'584.-
-
(inkl. Kinderrenten). Da sie aber lediglich im Rahmen eines wöchentlichen Arbeitspensums von rund 14 Stunden bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 42 Stunden tätig gewesen sei, könne bei der Berechnung einer Komplementärrente auch nur ein Drittel dieser IV-Rente oder
Fr.
861.-
-
angerechnet werden. Die Be
schwerdeführerin habe abschliessend darum ersucht
,
ihr eine Invalidenrente von 70
%
zuzusprechen. Hierzu könne gesagt werden, dass aufgrund des Zahlenmaterial
s
bei einem Invaliditätsgrad, der höher als 43.98
%
liege, es so oder so zu einer Komplementärrente komme. Im Sinne des hoffentlich
zu
standekommenden
Vergleichs seien si
e bereit, das Thema eines unter
44
%
liegenden Invaliditätsgrades nicht mehr auf
zugreifen
(Urk. 9/310).
Am 16.
Dezember 1996 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie damit ein
verstanden sei (
Urk.
9/311).
Hierauf wurde die Verfügung am 6. Januar 1997 gestützt auf die beiden vorer
wähnten Schreiben erlassen
(
Urk.
9/313)
.
Die
Rentenzusprache
erfolgte damit
mit
einem Vergleich, wovon auch die Beschwerdegegnerin ausgeht (vgl.
Urk.
8 S. 5 Ziff. 5).
3.2
Rechtsprechungsgemäss kann ein Vergleich grundsätzlich ebenso in
Wiederer
wägung
gezogen werden wie eine Verfügung. Es sind jedoch im Rahmen von Art. 53
Abs.
2 ATSG höhere Anforderungen zu stellen, um dem Vergleichscharakter Rechnung zu tragen (BGE 138 V 147 E. 2.3). Der Mecha
nismus der Interessenabwägung ist somit bei der Wiedererwägung eines Ver
gleichs beziehungsweise einer Verfügung der gleiche; Unterschiede ergeben sich jedoch bei der Gewichtung, namentlich des Schutzes des berechtigten Vertrauens in den Bestand, der tendenzmässig beim Vergleich stärker als bei der Verfügung ausfällt (BGE 138 V 147 E. 2.4).
Zu beachten ist dabei auch, dass die Zusprechung von
Sozialversiche
-
rungsleis
tungen
in der Regel auf verschiedenen
Anspruchs
grundlagen
beruht. In der Unfallversicherung sind dies, nebst etwa der
Versi
cherungsdeckung
und den notwendigen kausalen Zusammenhängen, bei der Invalidenrente in erster Linie der Invaliditätsgrad - mit den zugrunde liegen
den Faktoren der Invaliditätsbemessung - und der versicherte Verdienst. Werden Sozialversicherungsleistungen gestützt auf einen Vergleich verfügt, umfasst dieser für gewöhnlich eine gesamthafte Würdigung aller relevanten Anspruchsfaktoren. Das heisst, jede Vergleichspartei bezieht in ihre Überle
gungen mit ein und nimmt in Kauf, dass bei der vergleichsweisen Erledigung einige Anspruchsfaktoren eher zu ihren Gunsten, andere eher zu ihren Un
gunsten ausgelegt werden als bei einer umfassenden Prüfung, und sie wägt ab, welchem Ergebnis sie bei gesamthafter Betrachtung zustimmen will. Der Versicherungsträger hat sich hierbei im Rahmen des ihm zustehenden Er
messens zu halten. Für die versicherte Person wird die rasche Zusprechung einer möglichst hohen Leistung im Vordergrund stehen (BGE 140 V 77
E. 3.2.2).
3.3
Der gesamthaften Betrachtungsweise beim Vergleich und den ihr zugrunde liegenden Wechselwirkungen läuft zuwider, wenn der Unfallversicherer im Nachhinein Elemente des Leistungsanspruchs herausgreift und einer
Wieder
erwägung
der damaligen Verfügung zugrunde legt, an den übrigen
An
spruchsfaktoren
gemäss Vergleich aber ohne nähere Prüfung festhalten will. Um eine Wiedererwägung vornehmen zu können, müsste vielmehr festste
hen, dass die vergleichsweise verfügte Leistung bei einer auch sämtliche weiteren Anspruchsfaktoren umfassenden Klärung des Sachverhalts und der Rechtslage - auf damaligem Stand - im Ergebnis als zweifellos unrichtig zu betrachten ist (BGE 140 V 77 E. 3.2.3).
3.4
Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, bei der ursprüngli
chen
Rentenzusprach
e
habe mit dem Gutachten des Universitätsspitals
B._
vom 13. Juni 1995 (
vgl.
Urk.
9/57 und
E.
4.1 hernach
) eine
rechtsgenügliche
medizinische Grundlage vorgelegen, auf deren Beurteilung eine Invaliden
rente von 25
%
und
eine
Integritätsentschädigung von 10
%
in Aussicht ge
stellt worden sei. Die Rentenverfügung sei jedoch dann nach Intervention des damaligen Rechtsvertreters auf einer anderen Grundlage ergangen
(E. 2.1
hievor
)
.
Welche medizinische Grundlage der ursprünglichen
Rentenzusprache
zu
grunde gelegt wurde, lässt sich aus heutiger Sicht aufgrund der Aktenlage nicht schlüssig beurteilen. Die seinerzeitige medizinische Beurteilung hin
sichtlich der unfallbedingten Arbeitsfähigkeit zeigt sich den
n
auch nicht ein
heitlich, erachtete doch etwa
Dr.
E._
in seinem Gutachten vom 6. Februar 1992 eine Arbeitsunfähigkeit zwischen 50 bis 75
%
als gegeben (
Urk.
9/22
S. 4). Sodann sprach seinerzeit auch die
E
idgenössische
Invalidenver
-
sicherung
allein
in Folge der Unfallbeschwerden eine ganze Rente
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 68
%
(
Urk.
3/4 S. 2
Ziff.
1.1)
zu
.
Erhebliche Einschrän
kungen in der Leistungsfähigkeit sind somit nicht von der Hand zu weisen.
3.5
Im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) führte die Beschwerdegegnerin unter anderem aus, auf welche
n
medizinischen Akten ihres Erachtens die
Arbeits
unfähigkeit aufgrund des
damals vorhandenen Akten
materials
—
und allen
falls ergänzenden Abklärungen
—
hätte festgelegt werden können bezie
hungsweise müssen und wie die medizinische Würdigung vorzunehmen ge
wesen wäre (
Ziff.
21 ff.).
Sie hat
aber
im Jahr 1997 ebendies nicht getan, sondern - aus welchen Grün
den auch immer – d
en Rentenanspruch
vergleichsweise festgelegt. Wenn sie im heutigen Zeitpunkt zur Ansicht gelangt, dies sei so nicht richtig gewesen, so kommt diese Einsicht zu spät und genügt nicht, um den damaligen
Fall
abschluss
als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen. Denn andernfalls verlöre jeder Vergleich aufgrund der ihm inhärenten Mischung von Vor- und Nachteilen jegliche Beständigkeit, indem es im Belieben des Versicherungs
trägers stünde, seine einstigen im Rahmen des Vergleichs erfolgten Zugaben irgendwann als falsch oder eben
—
wie vorliegend
—
zweifellos unrichtig zu deklarieren und auf
einer
umfassenden Anspruchsprüfung zu bestehen, deren Wegfall gerade der springende Punkt der Vergleichslösung ist.
3.6
Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass die Invalidenversicherung der Beschwerdeführerin seit 1. August 1991 - wiederholt
bestätigt
- eine ganze Rente zugesprochen hat und dabei anfänglich von einem Invaliditätsgrad von 68
%
und später von 75
%
ausgegangen ist. Selbst wenn man in Rech
nung stellt, dass dabei auch nicht unfallbedingte Beeinträchtigungen be
rücksichtigt worden sein dürften, ist dies doch ein Indiz dafür, dass der ver
gleichsweise festgelegte Invaliditätsgrad von 70
%
(vgl.
Urk.
2 S. 2 u.
Urk.
9/307 S. 2
„
vergleichsweiser Invaliditätsgrad von 40
%
steigend auf 70
%
“
) nicht gänzlich
unplausibel
gewesen
war
.
Die
Verfügung
der Invalidenver
sicherung
war
der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Abschlusses des Vergleichs im Übrigen bekannt, sprach sie doch lediglich eine zur Invaliden
rente komplementäre Rente zu (
Urk.
9/313). Sie stimmte im Rahmen ihres Ermessens einem Invaliditätsgrad von 70
%
zu ohne geltend zu machen, die IV-Stelle habe damals den Untersuchungsgrundsatz verletzt oder
unfall
fremde
Gesundheitsschäden in einem Ausmass berücksichtigt, welches mit der vergleichsweisen Festlegung eines Invaliditätsgrades von 70
%
nicht ver
einbar gewesen wäre, was der Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit ent
gegen steht (Urteil des Bundesgericht 8C_841/2015 vom 11. Mai 2016 E. 4.3).
Anders würde es sich nur dann verhalten, wenn die natürliche
Unfallkausa
lität
einzelner Beeinträchtigungen sehr viel zurückhaltender zu bejahen ge
wesen wäre. Dies aber ist wiederum eine Frage des (medizinischen) Ermes
sens, die sich nicht im Rahmen einer Wiedererwägung erneut (oder erstmals) aufwerfen lässt, denn als Er-
messensentscheid
kann er nicht zweifellos un
richtig gewesen sein. Gleiches gilt umso mehr auch für die Adäquanzfrage im Zusammenhang mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, deren Prüfung be
kanntlich eine wertende Berücksichtigung verschiedener Kriterien erfordert.
3.7
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der im Januar 1997 erfolgte ver
gleichsweise Fallabschluss nicht nachträglich als zweifellos unrichtig qualifi
ziert werden kann. Damit kommt eine Leistungsanpassung unter dem Titel der Wiedererwägung nicht in Frage.
Zu prüfen bleibt, ob die Rente infolge eines gebesserten Gesundheitszustan
des, mithin revisionsweise aufzuheben ist. In Bezug auf die Veränderung sind im Folgenden die Verhältnisse, wie sie im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
vorlagen, mit der aktuellen gesundheitlichen Situation zu vergleichen (E. 1.3
hievor
).
4
.
4
.1
D
er
Rentenzusprache
vom
6
.
Januar 1997
(
Urk.
9
/3
13
)
lag im Wesentlichen
das Gutachten des Universitätsspitals
B._
vom 13. Juni 1995 (
Urk.
9/57)
zugrunde
. Die zuständigen Ärzte, Prof.
Dr.
med.
A._
, Klinikdirektor
,
und
Dr.
med.
G._
, Oberarzt
,
hielten darin die folgenden Diagnosen fest
(S. 12)
:
Chronisch rezidivierendes
Zervikovertebralsyndrom
bei
-
leichter
FehlhaItung
/
Fehlform
der Wirbelsäule mit muskulärer
Dys
-
balance
.
-
rezidivierende von zervikal ausgehende Migräne bei Status nach
Autounfall am 5. August 1990.
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom links bei
-
Diskushernie L4/5 paramedian links (MRI vom 18. Dezember 1990).
-
Osteochondrose
L5/S1.
-
Fehlform
der LWS (Hyperlordose).
Leichte
Varusgonarthrose
, rechts mehr als links.
-
bei Status nach
Patellektomie
rechts 1974.
Die Ärzte
legten dar
, als persistierende Unfallfolgen bestehe ein leichtes
zer
vikovertebrales
Syndrom mit muskulären Verspannungen. Unfallbedingte
ossäre
Veränderungen an der HWS seien nicht feststellbar und die
gering
gradige
Osteochondrose
C5/6 sei eine altersbedingte Veränderung. Die seit dem Unfall vom 5. August 1990 angegebenen Migräneattacken mit Erbre
chen, Schwindel und aufgeschwollenen Augen, die von zervikal ausgingen und 2-3 Mal pro Monat jeweils 1-2 Tage anhielten, seien zeitlich streng kor
reliert erst ab dem Unfalldatum aufgetreten und müssten deshalb als Unfall
folgen angesehen werden. Die lumbalen Beschwerden seien gemäss Angaben der Beschwerdeführerin erstmals wenige Stunden nach dem Unfall aufgetre
ten und hätten in der Folge zunehmend ins linke Bein ausgestrahlt. In den ersten Berichten nach dem Unfall von
Dr.
H._
und
Dr.
I._
seien die lumbalen Beschwerden nicht erwähnt
,
respektive lediglich
Tendomyosen
im Bereiche des linken Oberschenkels beschrieben worden. Erst mit längerer zeitlicher Verzögerung sei es zu einem
lumboradikulären
Syndrom mit posi
tivem
Lasègue
und sensomotorischen Ausfällen
gekommen,
bei einer
para
medianen
Diskushernie L4/5 links, die
am 18. Dezember 1990 mittels eines MRI
habe
festgestellt
werden können.
Es
liege kein für die unfallbedingte Entstehung einer Diskushernie gefordertes Unfallereignis von besonderer Schwere, wie ein schweres axiales Trauma oder ein massives
Hyperexten
sionstrauma
vor.
D
ie
lumboradikuläre
Symptomatik
sei
erst mit einer
mo
nate
- bis jahrelangen Verzögerung aufgetreten
(S. 13)
und die Voraufnahmen von 1983 und 1986 und die im Jahr 1986 beschriebenen Rückenbeschwerden liessen darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin schon früher unter lumbalen Rückenschmerzen gelitten habe. Ebenso deute
ten
die im MRI vom 18. Dezember 1990 beschriebenen degenerativen Veränderungen der Band
scheiben L4/5 und L5/S1 darauf hin, dass bereits vor dem Unfall degenera
tive Veränderungen dieser Bandscheiben bestanden hätten. Damit handle es sich bei den
lumbospondylogenen
respektive
lumboradikulären
Beschwerden um einen krankhaften Vorzustand mit vorübergehender Verschlechterung durch das Unfallereignis vom 5. August 1990. Diese Verschlechterung könne auf maximal zwei Jahre festgesetzt werden.
Auch bei der Verstärkung der Kniebeschwerden im Anschluss an den Unfall handle es sich um eine vorübergehende Verschlechterung eines bekannten Vorzustandes (Status nach
Patellektomie
, beginnende Gonarthrose rechts), die nach zwei Jahren wieder behoben sein dürfte.
Im heutigen Zeitpunkt seien nur die Migräneanfälle unfallbedingt. Für die Arbeitsfähigkeit und für die Vermittelbarkeit sei erschwerend, dass diese Anfälle unvorhergesehen und nicht planbar auftreten würden. In der An
nahme, dass die Beschwerdeführerin wegen der Migräneanfälle 4-6 Tage pro Monat arbeitsunfähig sei, müsse die unfallbedingte medizinisch-theoretische Invalidität auf 25
%
festgelegt werden (S. 1
4 und S. 16
).
4
.2
4
.2.1
Im Zusammenhang mit
dem
Rentenrevisionsverfahren
ergeben sich
aus dem interdisziplinären Gutachten des
Z._
vom 31. Mai 2012 (
Urk.
9/93), wel
ches im Auftrag
der Beschwerdegegnerin erstellt wurde
, die folgende
n Diag
nosen
(S. 34)
:
Neurologische Diagnosen
:
-
Multiple Sklerose chronisch remittierend, möglicherweise übergehend
in eine chronisch progrediente Form.
-
Migräne ohne Aura.
-
Chronisches
zephales
und
zervikospondylogenes
Syndrom.
Neuropsychologische Diagnosen
:
-
Minimale neuropsychologische Störung, wahrscheinlich im Rahmen
des anamnestisch bekannten Schmerzsyndroms und der erhöhten
Ermüdung
.
-
Differentialdiagnose
:
MS-Erkrankung
.
-
Differentialdiagnose
:
Status nach multiplen traumatischen
Unfallereignissen (1976, 1990, 2009)
.
Orthopädische Diagnosen
:
-
Restbeschwerden nach einem Schleudertrauma der Kategorie II
anlässlich des Unfallereignisses vom 5. August 1990
.
-
Gonarthrosebeschwerden
rechts bei Status nach
Patellektomie
1977
und Status nach medialer und lateraler
Meniskektomie
rechts von
1992 bei Status nach komplexem Velounfall von 1974
.
-
Status nach/bei medianer und linksseitiger Diskushernie L4/L5
(unfallfremd)
.
-
Status nach Hüft-Teilprothese rechts 2006
.
-
Beginnende
Coxarthrose
links
.
Psychiatrische Diagnosen
:
-
Keine
.
4.2.2
Der zuständige Neurologe,
Dr.
med.
J._
ging
davon aus, dass der Fahrradunfall aus dem Jahr 1974 (oder 1976) eine Einschränkung der kör
perlichen Belastbarkeit, vor allem der Beine hinterlassen habe. Beim Ereignis vom 5. August 1990 dürfe nicht übersehen werden, dass die Beschwerdefüh
rerin kurz zuvor wegen einer „sensiblen
Hemisymptomatik
links" untersucht und nachdem dafür keine Ursache gefunden werden konnte,
differentialdiag
nostisch
eine MS erwogen worden sei. Retrospektiv sei diese Diagnose wahrscheinlich die richtige Erklärung der Gefühlsstörung gewesen. In der Begutachtung zweieinhalb Jahre nach dem Unfall vom 5. August 1990 sei
en
das
lumbo-spondylogene
bis
lumbo-radikuläre
Rest
s
yndrom der Wurzel L5 bei kleiner medio-lateraler Diskushernie L4/L5 mit Beeinträchtigung der
Ner
venwurzel
L5 sowie
ein
„
cervico-s
p
ondylogene
s
"
Schmerzsyndrom bei Status nach HWS Kontusionstrauma 1990
diagnostiziert
worden. Im Januar 1995, fast 5 Jahre nach dem Unfall, hätten laut
Dr.
K._
noch leichte Folge
erscheinungen mit positivem
Adson
-Zeichen und ansonsten keine objekti
vierbaren Befunde aufgrund des Unfalls von 1990 bestanden. Dieser Arzt habe rund sechs Monate später in seiner Beurteilung vom Januar 1995 die Beschwerden als „chronisch rezidivierendes
Zervikalsyndrom
" bezeichnet, was wahrscheinlich den Endzustand der unfallbedingten Verletzungen
wie
derspiegle
(S. 38).
Diese Beurteilung trage dem Umstand Rechnung, dass sehr wahrscheinlich bereits zu jener Zeit die MS bestanden habe, obschon sie dann erst 3 Jahre später diagnostiziert worden sei. Die MS könne mit chronischen Schmerzen einhergehen und es seien auch verschiedene pathophysiologische Mechanis
men als Erklärung aufgeführt, die einerseits in direktem Zusammenhang mit dem Mechanismus der Krankheit stünden und anderseits als
Komplikations
folgen
, die auf
muskuloskelettalen
Fehlhaltungen, Schonung und
Dekonditio
nierung
beruhten. Im Zusammenhang mit einer verstärkten chro
nischen Müdigkeit und raschen Ermüdbarkeit, die typische Begleiterschei
nungen der MS seien, werde die Fibromyalgie als Zweiterkrankung oft in Erwägung gezogen, wobei die Diagnose Fibromyalgie bereits im Bericht vom 4. Dezember 1990 aufgeführt sei. Es sei wahrscheinlich, dass die
Weichteil
beschwerde
n
bereits vor dem Unfall vom 5.
August 1990 bestanden und sich nach diesem Unfall
chronifiziert
hätten
(S. 38 f.)
.
Ausgehend von dieser Einschätzung sei spätestens
A
nfang 1995 der Status quo sine der Beschwerden wieder erreicht, die dem Unfall vom 5. August 1990 zugeschrieben werden könnten (S. 39 oben).
Bezogen auf die somatischen Folgen des Unfalles von 1990 sei aus neurologi
scher Sicht der Status quo sine längstens erreicht. Der Zustand habe sich gemäss der Beschwerdeführerin eher verschlechtert, so dass die heutigen Funktionseinschränkungen diesem Ereignis nicht mehr zugeordnet werden können (S. 40 oben).
4.2.3
Der zuständige Neuropsychologe
lic
. phil.
L._
hielt in seiner Beurteilung fest, gemäss Akten bestehe eine Multiple Sklerose sowie ein Status nach Un
fällen 1976, 1990, 2009 mit einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule und chronischem, posttraumatischem
cervicovertebralem
und
cervicocephalem
Syndrom, eine Neigung zu Migräne-Kopfschmerzen und
Cervicobrachialgien
sowie ein chronisches panvertebrales und ein rezidivierendes
lumboradi
k
u
läres
Syndrom. Im MRI des Schädels vom 21. November 2008 seien die in
neren und äusseren
Liquorräume
normal gewesen und es zeigten sich im Marklager ganz vereinzelte Signalstörungen. Eine
leichtgradig
quer ovale bis längliche kleine Signalstörung liege rechts unmittelbar am Rand des Corpus
callosum
, bei sonst homogenem Hirnparenchym und symmetrischem Cortex.
Geringgradige
Signalstörungen ergäben sich intrakraniell vor allem rechts
periventrikulär
.
Weiter legte der Neuropsychologe dar, i
n der Abklärung am
M._
vom 21. Dezember 1991 sei eine minimale bis leichte neuropsychologische Störung objektiviert worden und in der aktuellen neuropsychologischen Testung zeigten sich weitgehend un
auffällig
e
Testbefunde
, obgleich er seinerseits eine minimale neuropsycholo
gische Störung erhob
.
E
in differenziert quantitativer
Vergleich zur Untersu
chung am
M._
sei
aufgrund der zur Verfügung stehenden Daten nicht mög
lich (S. 40).
4.2.4
Die für den orthopädischen Teil zuständige Gutachterin
Dr.
med.
N._
, Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in ihrer Beurteilung fest, die Beschwerdeführerin leide heute an einer Gon
arthrose rechts, als Folge d
es Unfalls aus dem Jahr 1974 und
einem Status nach
Patellektomie
im Jahr 1977
sowie
einem Status nach medialer und la
teraler
Meniskektomie
im Jahr 199
2.
Daneben leide sie an weiteren degene
rativen Veränderungen des Skeletts, die keinem Unfall zugeordnet werden könnten, nämlich einer Gonarthrose links, einer beginnende
n
Coxarthrose
links und einem Status nach Hüft-Teilprothese rechts. Die Gutachterin ver
merkte, bezüglich der HWS Problematik könne sie sich vollumfänglich den neurologischen Erläuterungen anschliessen. Auch orthopädisch gesehen sei der
Status quo sine punkto
cervico
cephalem
Syndrom
längstens erreicht. Heute stünden überwiegend die Beschwerden
der
MS im Vordergrund (S. 41).
4.2.5
Aus psychiatrischer Sicht hielt der zuständige Gutachter
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, fest,
es
fänden sich keine Hinweise, die eine psychiatrische Diagnose
beziehungsweise eine psychische Beteiligung an den Schmerzen als wahrscheinlich erscheinen l
ie
sse
n
(S. 42).
4.2.6
Die
Frage
nach
eine
m
veränderten Gesundheitszustand seit dem Gutachten des
Universitätsspitals
B._
vom 13. Juni 1995
verneinten
die
Gutachter
a
us neurologischer und n
europsychologischer Sicht
.
A
us orthopädischer Sicht hätten sich die
Gonarthrosen
schicksalshaft weiter entwickelt und es sei 2006 zur Implantation einer Hüft-Teilprothese rechts gekommen. Die Situa
tion punkto der Diskushernie L4/L5 könne als stabil betrachtet werden (S. 44
Ziff.
3).
4.3
4.
3
.1
Im
bidisziplinären
(Verlaufs-)
Gutachtung im
Z._
vom 19. September 2014 (
Urk.
9/139) in den Fachrichtungen Neurologie und Rheumatologie berichtete der zuständige Neurologe
Dr.
J._
nach Einsicht in die neu aufgelegten
medizinischen Unterlagen (S. 21-23)
, die am
2.
Juni 2014 erfolgte Un
tersuchung habe keine wesentliche Verschlechterung der Befunde seit 2009 aufgezeigt. Klinisch hätten sich Sensibilitätsstörungen am linken Unterarm und an der linken Hand sowie am linken Unterschenkel gefunden, die durch die MS erklärbar seien. Der Gang, besonders die erschwerten Gangarten seien leicht eingeschränkt und mit einer leichten Schwäche der Muskulatur des Lendengürtels und mit Gelenksschmerzen in den Beinen erklärbar. Die neu
rologischen Befunde und die damals erhobenen neuropsychologischen Testergebnisse hätten eine sehr leichte bis leichte wechselbelastende körperliche Arbeit zu 50
%
medizinisch
-
theoretisch zugelassen. Die zeitliche Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit sei dem Umstand einer erhöhten Ermüdbarkeit und einem verlängerten Erholungsbedarf zugeschrieben worden. Zusätzlich seien bei der verminderten Leistungsfähigkeit periodische Migränen und Spannungstyp-Kopfschmerzen in Rechnung gestellt worden, die alle 2 bis 3 Mo
nate einige Stunden bis maximal 3 Tage aufgetreten seien. Der Status quo sine bezüglich der Verletzungen durch den Unfall von 1990 sei bereits 1995 erreicht worden (S. 33).
Beim Vergleich der aktuellen Befunde mit denen im Jahr 2011 falle eine Ver
schlechterung des Gangs auf, allerdings sei dies überwiegend wahrscheinlich nicht neurogen, sondern eine Folge des bislang unvollständig verheilten lin
ken Fusses
(Distorsion im September 2013; S. 22)
und möglicherweise auf eine Zunahme der Gelenksarthrose zurückzuführen (S. 35).
Aus neurologi
scher Sicht habe sich der Gesundheitszustand nicht verändert (S. 38).
4.3
.2
Dr.
med.
P._
, FMH Rheumatologie physikalische Medizin und Rehabilita
tion, hielt im Teilgutachten vom 21. Juli 2014 (
Urk.
9/138) folgende Diag
nosen fest
(S. 7)
:
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Schwere mediale Gonarthrose beidseits
.
-
Status nach
Patellektomie
rechts 1977, Status nach medialer und
lateraler
Meniskektomie
rechts 1992, anamnestisch Status nach
komplexem Velounfall 1974
.
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Ganzkörperschmerzsyndrom, synonym zur Fibromyalgie (gemäss
Diagnosekriterien ACR 1990) wahrscheinlich primär
.
-
Status nach Distorsion Fuss links mit Ruptur
Lig
.
Talofibulare
anterior
(Internistischer Austrittsbericht Klinik
Q._
.
Der Rheumatologe führte aus,
ein klassisches
zervikovertebrales
oder
zervi
kospondylogenes
Syndrom (z.B. als Folge eines HWS-Distorsionstraumas) sei heute nicht vorhanden. Die segmentale Beweglichkeit an der Halswirbelsäule sei gut, es bestehe keine relevante Seitendifferenz in den Weichteilbefunden, keine Schmerzausstrahlung im Sinne einer
spondylogenen
oder
radikulären
Reizung. Die degenerativen Veränderungen seien altersentsprechend und es zeigten sich keine Hinweise auf spättraumatische Schädigungen (z.B. Ar
throsen an atypischer Lokalisation). Vorstellbar sei, dass die
fibromyalgi
schen
Schmerzen durch die MS verursacht und mitunterhalten werden (S. 8).
Die Frage einer Veränderung gegenüber den Vorgutachten vom 6. August 1991 und vom 13. Juni 1995 beantwortete der Rheumatologe da
hingehend
,
dass sich der Gesundheitszustand verändert habe; ein vernünftiger Vergleich sei allerdings kaum möglich; es spielten Altersfaktoren mit. Zudem habe sich teilweise die Nomenklatur geändert und auch der „Zeitgeist“ der Beurteilung spiele eine Rolle (S. 9
Ziff.
2.1). Ein
Vertebralsyndrom
respektive eine
radi
kuläre
Schmerzsymptomatik liege heut
e
nicht mehr vor. Die damals disku
tierte (traumatische oder nichttraumatische) Diskushernie sei heute weder klinisch noch bildgebend vorhanden. Solch wechselnde Befunde über die Jahre hinweg seien normal. Die degenerativen Veränderungen hätten
alters
entsprechend
natürlich zugenommen. Heute bestehe eine ausgeprägte, schwere mediale Gonarthrose, welche naturgemäss vor 20 Jahren nicht vor
handen
gewesen sei
und eine Fibromyalgie habe damals noch nicht festge
stellt werden müssen (S. 9
Ziff.
2.2
; vgl. auch S. 38
).
4.
4
Die behandelnde
Dr.
D._
äusserte sich am 2
2.
Januar 2015
(
Urk.
3/7)
zum
Z._
Gutachten vom 19. September 2014 und hielt fest, der grösste Teil der Behinderungen sei auf die unfallbedingten Verletzungen
und die Störungen, wie
cerviko
cephales
Kopfschmerzsyndrom mit Migräneanfällen, Gonarthrose rechts mit überlastungsbedingten und sonstigen Störungen der unteren Extre
mitäten und erheblicher funktionaler Beeinträchtigung sowie auf eine
chronifizierte
lumboradikuläre
Restsymptomatik der Wurzel L5 links zurück
zuführen. Es seien dies auch die Einschränkungen und die Beschwerden, wel
che zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit geführt hätten und immer noch füh
ren würden. Es bestünden ihrer Meinung nach immer noch Folgen der
Dis
kushernie
. Diese sei
chronifiziert
mit persistierender
Hypästhesie
, motorischer Abschwächung und Teilparese aufgrund der Wurzel L5 links
(
Ziff.
6 letzte Seite)
.
Die Gonarthrose rechts sei mit Sicherheit auf die Knieverletzung durch das Unfallereignis vom 5. August 1990 mit anschliessender
Meniskektomie
me
dial und lateral zurückzuführen. Die Knieprobleme stünden aktuell im Vor
dergrund der Beschwerdeproblematik und führten dazu, dass die Beschwer
deführerin auf einen Rollstuhl und ausser Haus auf einen Stock angewiesen sei. Die unfallbedingten Beschwerden seien zwar durch die 1999 aufgetretene M
S
weiter negativ beeinflusst worden, es werde jedoch in allen Gutachten einheitlich festgehalten, dass die Beschwerden und Veränderungen durch die M
S
nicht zu einer Invalidität /Arbeitsunfähigkeit geführt hätten (
Ziff.
6 letzte Seite
).
5.
5.1
I
n Bezug auf
die
gesundheitliche Veränderung seit der
Leistungszusprache
im Januar 1997
ist
zunächst auf die im Jahr 1999 diagnostizierte
offensichtlich nicht unfallbedingte
MS-Erkrankung hinzuweisen
(vgl.
Urk.
9/364), deren Folgen von der hier fraglichen Veränderung auszuklammern sind.
D
ie
Diskushernie L4/5 paramedian
links
wurde
im Einklang mit der damali
gen Rechtsprechung
bereits im Gutachten
des Universitätsspitals
B._
nicht
als u
nfallkausal
beurteilt
(
vgl.
E. 4.1 hiervor)
, sodass
die Entwicklung dieser
Störung
ebenfalls nicht in die Revisi
onsbeurteilung einzubeziehen
ist
.
Dass
dies
Dr.
E._
damals
anders sah und
unfallbedingte Diskushernien als hauptsächliche Grundlage
einer
von ihm postulierten Einschränkung der Ar
beitsunfähigkeit
von 50 bis 70
%
aufführte
(vgl.
Urk.
9/22 S. 3 f.)
,
vermag
hieran nichts
zu ändern
.
Keine wesentliche
Veränderung insbesondere keine Verbesserung
,
zeigt sich
i
n Bezug auf die Problematik am rechten Knie
. N
ach Lage der Akten
wurden diese Beschwerden
damals in
die
Kausalit
ätsbeurteilung einbezogen
und auf eine beginnende Gonarthrose rechts hingewiesen
, wobei in Anbetracht der bloss vorübergehenden Verschlechterung die Unfallkausalität verneint wurde
(E.
4.1
). Gemäss der
aktuellen
rheumatologischen
Untersuchung
zeigt sich
in diesem Zusammenhang nun
eine
ausgeprägte
mediale Gonarthrose (E. 4.
2.4
)
womit die B
eschwerden
am rechten Knie wenigstens
im
gleichen Masse fort
bestehen
, soweit sie (mangels Kausalität) überhaupt massgeblich sind.
Auch in Bezug auf die Beschwerden an der Halswirbelsäule und die Kopf
schmerzen
verzeichneten die Ärzte im
Z._
-Gutachten vom 3
1.
Mai 2012
nichts,
was
auf eine wesentliche Verbesserung
des Gesundheitszustandes
schliessen lassen könnte.
So wurde aus neurologischer und neuropsycholo
gischer Sicht seit der Begutachtung im Universitätsspital
B._
auf einen unveränderten Gesundheitszustand hingewiesen (E. 4.2.6)
. Anhaltspunkte für eine wesentliche Ver
besserung
ergaben sich diesbezüglich auch aufgrund der
späteren
neurologischen Untersuchung im
(Verlaufs-)
Gutachten des
Z._
vom 1
9.
September 2014 nicht
,
verneinte
der Neurologe eine
Veränderung doch ausdrücklich
(E. 4.
3
.1).
Letztlich zeig
t
sich
auch
das Beschwerdebild in Bezug auf die
Diagnose eines chronisch rezidivierenden
Zervikovertebralsyndrom
, welches im Gutachten des Universitätsspitals
B._
als unfallkausal
beurteilt
wurde
(E. 4.1)
,
nicht wesentlich verändert
,
hielt
doch der Neurologe im
Z._
-Gutachten
vom 31.
Mai 2012
in diesem Zusammenhang weiterhin
Weichteilbeschwer
d
en
fest. Seine
Vermutung
, d
ass diese
Beschwerden
wahrscheinlich bereits vor dem Unfall
vom
5.
August 1990
b
esta
nden
und sich danach
chronifizierten
haben könnten
(vgl. 4.2.2), ist
eine Möglichkeit
, begründet aber keine
revisi
onsrechtlich
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes
mit dem not
wendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
.
Gleiches
hat
auch
für
die Beurteilung des Rheumatologen im (Verlaufs-)
Gutachten
des
Z._
vom 1
9.
September 2014
zu gelten,
welcher
-
ohne nähere Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
-
ein klassisches
zervikovertebrales
oder
zervi
kospondylogenes
Syndrom
für
nicht mehr vorhanden
erachtete
,
gleichzeitig
aber das Beschwerdebild
fibromyalgische
n
Schmerzen zuordnete. Seine Kon
klusion, vorstellbar sei,
dass diese
s
Beschwerdebild
durch die MS verursacht
sein
und mitunterhalten
werde
n
könnte
(E. 4.
3
.2,
Urk.
9/138 S.
8)
,
entspricht
nicht einer neuen Befundlage
und damit geänderter Sachverhaltselemente
,
sondern einer an
deren Be
urteilung
des Bisherigen
, was revisionsrechtlich nicht von Belang ist
.
Im Übrigen hielt er einen vernünftigen Vergleich des Gesundheitszustandes für kaum mehr möglich, so dass
von vornherein ein Revisionsgrund nicht
rechtsgenüglich
belegt ist.
5.2
Nach dem Gesagten ist
festzuhalten, dass die
Z._
-Gutachter weder im
Gut
achten
2012 noch
in
jenem von
2014 eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes
seit 1995 feststellen konnten. Damit bestand aber auch kein Raum
,
die Adäquanzfrage neu aufzuwerfen
, handelt es sich doch hierbei um die Antwort auf eine Rechtsfrage,
deren Neubeurteilung lediglich einer „anderen Beurteilung“ (der Adäquanz) gleichkäme,
was keinen Revisionsgrund dar
stellen kann (E.
1.
3
).
Damit erweist sich die erfolgte Leistungseinstellung infolge Fehlens eines Revisionsgrundes als unzulässig.
5.3
Da die Bedingungen für eine Leistungsanpassung weder unter dem Titel der W
iedererwägung (vorstehend E. 3.7
) noch der Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG
(E. 4.1 ff.)
erfüllt sind, erweist sich die angeordnet
e
Leistungseinstel
lung
als un
rechtmässig
.
Somit ist der angefochtene Entscheid in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde
aufzuheben
mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf die
ihr
1997
zugesprochene
Rente hat.
6.
Der obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführeri
n steht eine Pro
zessentschädigung zu, die
auf
Fr.
4
‘
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteu
er) festzusetzen und von der Be
schwerdegegnerin zu bezahlen ist.