Decision ID: be04e170-fd3f-44a5-a8a7-6eadef9148a1
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A.a A._, gelernter Bankkaufmann mit Berufsmaturität, war bei der B._ AG als
Kundenberater tätig und dadurch obligatorisch bei der SWICA Versicherungen AG
(nachfolgend: Swica) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
(UV-act. 1), als er am 13. Oktober 2009 von einem Unbekannten ins Gesicht
geschlagen und dabei verletzt wurde (vgl. Polizeirapport vom 22. Oktober 2009; UV-
act. 9). Die Swica anerkannte den Leistungsanspruch für die Folgen des Unfalls
(Schreiben vom 8. Dezember 2009; UV-act. 14).
A.b Die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen diagnostizierten
Rissquetschwunden des Ober- und Unterlids, eine undislozierte Fraktur der Lamina
papyracea rechts, eine undislozierte Fraktur des Processus frontalis maxillae rechts
sowie eine Perforatio bulbi mit schwerer Hornhautverletzung (UV-act. 10, UV-act. 11,
UV-act. 12). Noch am Unfalltag wurden eine Bulbusinspektion durchgeführt und die
Hornhaut genäht (UV-act. 12). Die behandelnden Ärzte attestierten dem Versicherten
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vom 13. Oktober bis zum 11. November 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, vom
11. November 2009 bis 22. Januar 2010 von 50% (vgl. UV-act. 15 ff.), vom 23. Januar
bis 19. Februar 2010 von 30% (vgl. UV-act. 21, UV-act. 27) und vom 20. Februar bis
19. März 2010 von 20% (UV-act. 28). Dr. med. C._ und Dr. med. D._, Augenklinik
des Kantonsspitals St.Gallen, schätzten den Versicherten ab 12. April 2010 als zu
100% arbeitsfähig ein. Sie berichteten, die Fadenentfernung habe am 19. März 2010
stattgefunden. Die Hornhaut weise grosse Narben nasal und superior, bis zentral
reichend, auf. Die Vorderkammer sei reizfrei, die Pupille mydriatisch und lichtstarr. Ein
Abschluss der Behandlung sei noch nicht planbar (UV-act. 25).
A.c Ab 14. Juni 2010 erachteten die behandelnden Ärzte den Versicherten wieder als
zu 20% arbeitsunfähig (UV-act. 29 f.). Dr. E._, Augenklinik des Kantonsspitals
St.Gallen, führte aus, es bestehe eine deutliche Visusminderung rechts, der Versicherte
ermüde rasch, sei reduziert belastbar und habe eine Blendungsstörung. Er werde
weiterhin in regelmässiger augenärztlicher Kontrolle bleiben müssen. Sie gehe davon
aus, dass er nach Anpassung einer Irisprintlinse wieder zu 100% arbeiten könne
(Bericht vom 22. Juli 2010; UV-act. 31). Dr. E._ und Dr. C._ berichteten am 26. Juli
2010, durch die empfohlene Irisprintlinse werde die Sehschärfe nicht verbessert,
jedoch die Blendung reduziert. Bei dieser Methode handle es sich um eine
zweckmässige und wirtschaftliche Möglichkeit, das Blenden zu verhindern (UV-act. 40).
Die Swica erteilte mit Schreiben vom 17. August 2010 Kostengutsprache für die
Irisprintlinse (UV-act. 41).
A.d Per 31. August 2010 wurde das Arbeitsverhältnis des Versicherten bei der B._
AG aufgelöst (vgl. UV-act. 32). Er studierte ab September 2010 an einer
Fachhochschule Betriebsökonomie, unterbrach das Studium jedoch von Januar bis
September 2011 bedingt durch seine verminderte bzw. verlangsamte visuelle
Aufnahmefähigkeit (IV-act. 67, vgl. UV-act. 54). Die Swica hatte ihre Taggeldzahlungen
ab 1. September 2010 formlos eingestellt (UV-act. 42).
A.e Dr. med. F._ und Dr. med. G._, Kantonsspital St.Gallen, hatten am 22. März
2011 berichtet, es bestehe eine Verminderung der Leistungsfähigkeit, die noch im
Rahmen der Anpassungsschwierigkeiten an die nun funktionelle Einäugigkeit zu sehen
sei. Alle Tätigkeiten, für die kein Binokularsehen benötigt werde, seien zu einem
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Pensum von 80-100% pro Tag möglich. Es bestehe eventuell eine verminderte
Leistungsfähigkeit durch schnellere Ermüdung bei Aufgaben, die eine hohe visuelle
Aufmerksamkeit erforderten (UV-act. 68). Auf Veranlassung der Swica (vgl. UV-act. 48)
begutachtete Dr. med. H._, Facharzt für Ophthalmologie FMH, den Versicherten am
28. November 2011. Er berichtete, durch die Verletzung sei es nicht nur zu einer
unregelmässigen Hornhautverkrümmung, sondern wahrscheinlich auch zu einer
Netzhautläsion gekommen, die er morphologisch jedoch nicht mehr nachweisen
könne. Die Integritätsschädigung betrage insgesamt 35% (Bericht vom 2. Dezember
2011; UV-act. 53). Dr. med. I._, Fachärztin für Ophthalmologie, Kantonsspital
St.Gallen, führte am 28. März 2012 aus, sie gehe von einer aktuell stabilen Situation
aus, die Behandlung bei ihnen sei abgeschlossen. Die bisherige Tätigkeit sei zu einem
Pensum von 80% zumutbar. Sie empfahl jährliche augenärztliche Kontrollen (IV-act.
60).
A.f Mit Schreiben vom 19. Januar 2012 hatte die Swica basierend auf einer
Integritätseinbusse von 35% eine Integritätsentschädigung von Fr. 44‘100.-- berechnet
(UV-act. 55). Am 5. Februar 2013 lehnte die Swica die Übernahme der eingereichten
Rechnung für die im Dezember 2012 angefertigte Irisprintlinse (vgl. UV-act. 59) sowie
für künftige Kontrolluntersuchungen ab (UV-act. 61). Der Versicherte brachte darauf
vor, der Fall sei noch nicht abgeschlossen. Er habe Anspruch auf Weiterzahlung des
Taggeldes und Begleichung der eingereichten Rechnung. Ausserdem sei eine Rente zu
prüfen (Schreiben vom 11. Februar 2013; UV-act. 67).
A.g Die Swica veranlasste eine medizinische Untersuchung durch Dr. med. J._,
Facharzt für Ophthalmologie FMH (vgl. UV-act. 72). In seinem Gutachten vom 12. Juli
2013 führte Dr. J._ aus, Massnahmen zur Herabsetzung der Blendempfindlichkeit
durch Anpassen einer speziellen Kontaktlinse seien schon getroffen worden. Weitere
operative oder konservative Behandlungen zur Verbesserung des Zustandes seien
leider nicht möglich. Mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung
könne nicht gerechnet werden. Spezielle medizinische Massnahmen zur Erhaltung des
Gesundheitszustandes seien eher nicht notwendig, allerdings müsse sicherlich von Zeit
zu Zeit eine Brillenverordnung vorgenommen werden mit Kunststoffgläsern und
Tönungen. Auch eine Untersuchung der Augen einmal jährlich sei zu empfehlen. Der
Versicherte habe angegeben, momentan zu 80% tätig zu sein. Diese Einschränkungen
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ergäben sich aus der Tatsache, dass er viel am Bildschirm tätig sein müsse und dies
mit der Zeit starke Kopfschmerzen verursache (UV-act. 74). Mit Schreiben vom 18.
März 2014 ergänzte Dr. J._, seines Erachtens liege die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in der beruflichen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich sowie in anderen
beruflichen Tätigkeiten, die kein sehr gutes beidäugiges Sehen erforderten, dauerhaft
bei 80% (UV-act. 77).
A.h Seit 28. Januar 2014 arbeitete der Versicherte neben seinem Studium ca. 8
Stunden pro Woche bei der K._ AG (UV-act. 91/4). Mit Schreiben vom 15. Oktober
2014 liess er ausführen, er plane ein Masterstudium (UV-act. 91).
A.i Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. UV-act. 93) und entsprechender
Stellungnahme des Versicherten (vgl. UV-act. 97) stellte die Swica mit Verfügung vom
5. Dezember 2014 die Taggeldleistungen per 31. August 2010 ein. Die Heilungskosten
stellte sie per 12. Juli 2013 ein, übernahm aber die damals aktuelle Anpassung der
Irisprintlinse noch. Sie verneinte einen Rentenanspruch und stellte fest, die
Integritätsentschädigung von Fr. 44‘100.-- sei dem Versicherten bereits überwiesen
worden (UV-act. 98).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 8. Januar 2015 Einsprache und beantragte, die
Irisprintlinsen seien lebenslang zu übernehmen. Es sei für den Einkommensvergleich
das Valideneinkommen zur Berechnung heranzuziehen, welches er als FHS-Ökonom
zukünftig erzielen werde (UV-act. 101).
B.b Mit Entscheid vom 26. März 2015 wies die Swica die Einsprache ab. Sie
begründete, aufgrund der fehlenden konkreten Anhaltspunkte für ein Studium gleich
nach der Lehre könne beim Valideneinkommen nicht von einer Tätigkeit als
Betriebsökonom ausgegangen werden, zumal das Studium auch noch nicht
abgeschlossen sei. Es sei deshalb beim Valideneinkommen vom tatsächlichen
Einkommen, welches der Versicherte vor dem Unfall erzielt habe, auszugehen. Bei
einem rentenausschliessenden Fallabschluss habe der Unfallversicherer weder
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Heilbehandlungen noch Hilfsmittel zu übernehmen, weshalb vorliegend kein Anspruch
auf Kostenübernahme bestehe (UV-act. 103).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 26. März 2015 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 12. Mai 2015, in welcher der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) beantragt, die Swica (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu
verpflichten, ihm eine Rente von mindestens 20% auszurichten. Eventualiter sei sie zu
verpflichten, ihm weiterhin ein Taggeld von 20% auszurichten. Die
Beschwerdegegnerin sei bis auf weiteres zu verpflichten, die notwendigen jährlichen
Behandlungen und den Ersatz der Irisprintlinse zu bezahlen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Weiter beantragt er anstelle eines zweiten Schriftenwechsels
eine mündliche Verhandlung. Er bringt vor, eine Rente dürfte etwa Ende 2011 zu prüfen
gewesen sein. Damals habe er jedoch studiert, weswegen das Einkommen, das er erst
2014 gegen Ende seines Bachelor-Lehrganges generiert habe, nicht zum
Einkommensvergleich herangezogen werden könne. Auch der Vergleich der Tätigkeit
mit und ohne FHS-Abschluss sei nicht korrekt (act. G1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Eingabe vom 24. Juni 2015 die Abweisung
der Beschwerde. Sie führt aus, die Taggeldleistungen seien per 31. August 2010
eingestellt worden, da der Beschwerdeführer im September 2010 ein Studium
aufgenommen habe, keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mehr bestanden hätten
und er zu 100% vermittelbar gewesen sei. Ohne Unfall hätte der Versicherte weiter als
Kundenberater gearbeitet und wahrscheinlich erst nach einigen Jahren ein Studium
begonnen. Deshalb sei beim Valideneinkommen vom tatsächlichen Einkommen,
welches der Beschwerdeführer vor dem Unfall erzielt habe, auszugehen. Die Kosten für
Irisprintlinsen seien am 13. Dezember 2012 und 15. Oktober 2014 kulanterweise noch
übernommen worden. Aufgrund des rentenausschliessenden Fallabschlusses bestehe
künftig kein Anspruch mehr auf Übernahme der Kosten (act. G5).
C.c Nach Einsicht in die Vorakten verzichtete der Beschwerdeführer auf die
Einreichung einer Stellungnahme (vgl. act. G7 ff.).
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C.d Mit Schreiben vom 7. Februar 2017 informierte die Verfahrensleitung die Parteien
über den Beizug der IV-Akten (vgl. act. G11 f.) und räumte ihnen eine Frist zur
Einsichtnahme ein. Gleichzeitig bat sie den Beschwerdeführer um Mitteilung, ob er an
seinem Antrag auf mündliche Verhandlung festhalte (act. G13). Nach entsprechender
Akteneinsicht (vgl. act. G14 f.) liess der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16. März
2017 mitteilen, er halte an seinem Antrag auf eine mündliche Verhandlung fest. Da der
durch das Versicherungsgericht St.Gallen entschiedene Fall UV 2014/91 zumindest
bezüglich Hilfsmittel analog anzuwenden wäre und wohl in den nächsten sechs
Monaten durch das Bundesgericht entschieden werde, schlage er vor, diesen
Entscheid abzuwarten. Die Irisprintlinse koste Fr. 1‘800.-- pro Jahr bzw. bei schlechtem
Wetter pro 18 Monate (act. G18).
C.e Die Verfahrensleitung teilte den Parteien am 22. März 2017 mit, sie sehe im
Weiterzug des Entscheides UV 2014/91 bzw. dem anstehenden
Bundesgerichtsentscheid keinen Grund für eine förmliche Sistierung des vorliegenden
Verfahrens (act. G19).
D.
D.a Am 17. Mai 2017, 14:30 – 15:20 Uhr, fand die mündliche Verhandlung vor dem
Versicherungsgericht statt.
D.b In der vorgetragenen Replik hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
seinen Rechtsbegehren fest. Er brachte vor, die Arbeitsunfähigkeit von 20% sei
ausgewiesen. In den Akten finde sich nur eine einmalige Prognose der 100%igen
Arbeitsfähigkeit von Dr. E._ vom 22. Juli 2010. Diese sei etwas optimistisch gewesen
und eine Prognose bei der komplexen Verletzung des Beschwerdeführers ohnehin
schwierig. Der Beschwerdeführer sei derzeit im Masterstudium und voraussichtlich im
Januar 2018 damit fertig. Die Beschwerdegegnerin müsse entweder bis zum Ende der
Ausbildung Taggelder bezahlen und dann die Rentenfrage prüfen oder bereits von
einem Behandlungsabschluss ausgehen und eine Rente bezahlen. Momentan trage der
Beschwerdeführer aus finanziellen Gründen keine Irisprintlinse, er habe aber einen
Anspruch darauf, selbst wenn ihm weder Rente noch Taggelder zugesprochen würden
(vgl. act. G22).
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D.c In der vorgetragenen Duplik hielt die Rechtsvertreterin der Beklagten an ihrem
Antrag fest. Sie führte aus, die vorsorgliche Absolvierung der Berufsmaturität während
der Lehre sei kein konkreter Anhaltspunkt für ein Studium gleich danach. Selbst wenn
man von einem früheren Fallabschluss ausginge, bestünde kein Rentenanspruch. Es
sei zudem nicht erwiesen, dass der Beschwerdeführer bei seinem Unfall nicht selbst
provoziert oder sich an einer Rauferei beteiligt habe, weshalb eine Kürzung der
Geldleistungen zu prüfen wäre. Gemäss geltender Rechtsprechung und Gesetz
bestehe nach rentenausschliessendem Fallabschluss kein Anspruch auf
Kostenvergütung der Irisprintlinse.
D.d Auf Nachfrage der Vorsitzenden erklärte der Beschwerdeführer, die erste Linse sei
ihm nach dem Kostengutsprachegesuch 2010 eingesetzt worden. Diese habe
angepasst werden müssen und er habe sich an das Tragen der Linse gewöhnen
müssen. Die Gewöhnungsphase sei etwa Ende 2010 abgeschlossen gewesen.
Unterdessen habe er seinen Studiumsalltag optimiert, die Linse habe dazu
beigetragen. Er habe schon vor dem Unfall, während der Lehre, ein Studium geplant
und im Immobilienbereich arbeiten wollen. Während des Unterbruchs seines Studiums
2011 habe er als Übergangslösung befristet bei der L._ AG zu einem vereinbarten
Pensum von 100% gearbeitet. Diese Stelle sei ihm vom ebenfalls dort tätigen Sohn des
Chefs vermittelt worden, der ein Bekannter von ihm sei und der von seinem Fall und
seiner Suche nach einer geeigneten Tätigkeit gewusst habe. Die Arbeitgeberin habe
ihm Flexibilität gegeben und er habe in seinem Tempo arbeiten können. Die Tätigkeit
bei der K._ AG sei sein erster Nebenjob während des Studiums gewesen. Er sei bis
Ende 2014 zu 20% angestellt gewesen, habe aber etwa 30% gearbeitet. Letztes Jahr
(2016) habe er ausserhalb der Prüfungsphase zweimal mit einem Pensum von 50% bei
der Z._ gearbeitet.
D.e Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers brachte vor, bei der K._ AG wie
auch bei der L._ AG habe es sich um Nischentätigkeiten gehandelt, welche für den
Einkommensvergleich nicht tauglich seien. Die Leistungsfähigkeit sei erst nach dem
Abschluss des Studiums beurteilbar.
D.f Die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin führte aus, der Plan des Studiums
bereits während der Lehre widerspreche den Akten der Invalidenversicherung. Die
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Arbeitsunfähigkeit sei nicht echtzeitlich ausgewiesen und frühestens ab dem Bericht
von Dr. J._ anzunehmen

Considerations:
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
grundsätzlich die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
Hinsichtlich der für das vorliegende Verfahren anwendbaren Bestimmungen haben sich
indessen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze keine massgeblichen Änderungen
ergeben.
2.
Vorliegend umstritten und vorerst zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung. Dabei sind sich die Parteien über die
massgebenden Validen- und Invalideneinkommen sowie den Zeitpunkt des
sogenannten Fallabschlusses uneinig.
2.1 Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands des Versicherten
mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind (“Fallabschluss“; Art. 19 Abs. 1 UVG).
2.1.1 Nach einer anfänglichen unfallbedingten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
verringerte sich diese stetig und betrug ab 20. Februar 2010 20% (UV-act. 28, vgl. UV-
act. 15 ff., 21, 27). Der Beschwerdeführer arbeitete ab 12. April 2010 zu 100% (UV-act.
25), musste aber sein Pensum wegen gesundheitlicher Beschwerden wieder
reduzieren, und die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen erachteten ihn
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ab 14. Juni 2010 wieder als zu 20% arbeitsunfähig (UV-act. 29 f.). Dr. E._ befand am
22. Juli 2010, sie gehe davon aus, dass der Beschwerdeführer nach Anpassung einer
Irisprintlinse wieder zu 100% arbeiten könne (UV-act. 31). Gemäss Aussagen des
Beschwerdeführers anlässlich der Verhandlung vom 17. Mai 2017 (vgl. E. D.d.) ist die
Gewöhnungsphase an die erste Irisprintlinse Ende 2010 abgeschlossen gewesen.
Bedingt durch die verminderte bzw. verlangsamte visuelle Aufnahmefähigkeit musste
er sein Studium von Januar bis September 2011 unterbrechen (IV-act. 67, vgl. UV-act.
54). Am 22. März 2011 hatten die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen
berichtet, prinzipiell bestehe eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf ca. 80%, eine
Steigerung sei jedoch möglich. Die verminderte Leistungsfähigkeit sei noch im Rahmen
der Anpassungsschwierigkeiten an die funktionelle Einäugigkeit zu sehen. Der
Beschwerdeführer sei zur Beratung beim Ostschweizerischen Blindenfürsorgeverein
(OBV) gewesen und habe dort Tipps und Tricks genannt bekommen, um damit besser
klar zu kommen (UV-act. 68). Damals konnte demnach noch nicht von einem stabilen
Gesundheitszustand ausgegangen werden, zumal der Beschwerdeführer noch dabei
war, einen besseren Umgang mit seiner Einschränkung zu erlernen. Am 28. März 2012
berichtete Dr. I._, sie gehe von einer aktuell stabilen Situation aus, die Behandlung
sei bei ihnen (Kantonsspital St.Gallen) abgeschlossen. Dem Beschwerdeführer sei ein
Arbeitspensum von 80% zuzumuten (IV-act. 60). In seinem Gutachten vom 12. Juli
2013 führte Dr. J._ aus, mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung
könne nicht gerechnet werden, es sei davon auszugehen, dass die Situation auch die
nächsten Jahre in diesem Sinn anhalten werde. Weitere operative oder konservative
Behandlungen zur Verbesserung des Zustandes seien leider nicht möglich (UV-act. 74).
Am 18. März 2014 präzisierte er, die Arbeitsfähigkeit sei dauerhaft zu 20%
eingeschränkt (UV-act. 77). Aus dem Gutachten von Dr. J._ ergeben sich im
Vergleich zur Einschätzung von Dr. I._ vom März 2012 keine Hinweise auf eine
Verbesserung bzw. weitere Stabilisierung des Gesundheitszustandes seit März 2012.
2.1.2 Es ist somit davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung durch
Dr. I._ im März 2012 (IV-act. 60) von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mehr erwartet
werden konnte. Damals waren keine konkreten Eingliederungsmassnahmen der IV-
Stelle hängig. Folglich ist ein Rentenanspruch ab 1. März 2012 zu prüfen.
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2.2 Weiter ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers zu bestimmen. Die
Beschwerdegegnerin wies mit Einspracheentscheid vom 26. März 2015 bei einem IV-
Grad von 0% einen Rentenanspruch ab (UV-act. 103).
2.2.1 Ist der Versicherte infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat
er gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine Invalidenrente. Der Grad der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2.2 Das versicherte Risiko bzw. der Schaden, der durch die Invalidenrente
gedeckt wird, ist die Invalidität (Art. 8 ATSG), genauer die Erwerbsunfähigkeit (Art. 7
Abs. 1 ATSG), also der voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt. Das versicherte Gut, das bei Eintritt des Risikos beschädigt wird, ist also
notwendigerweise die Erwerbsfähigkeit (Art. 7 Abs. 1 ATSG e contrario). Im
Zusammenhang mit der Leistungskategorie "Invalidenrente" ist somit nicht die
Erwerbstätigkeit, sondern die Erwerbsfähigkeit versichert. Jede versicherte Person,
unabhängig davon, ob sie jemals eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, verfügt über ein
ökonomisch bestimmbares Erwerbspotenzial auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Der versicherte Schaden bzw. der versicherte (gesundheitsbedingte) Verlust an
Erwerbsmöglichkeiten ist damit unabhängig von der vor oder nach Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung tatsächlich auf dem (nicht ausgeglichenen) Arbeitsmarkt
eingesetzten Erwerbs- bzw. Arbeitsleistung. Selbst wenn die (voll oder teilweise)
invalide Person auch ohne den Gesundheitsschaden keiner vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit mehr nachgehen würde, besteht für sie dennoch ein Verlust an
Erwerbspotenzial, und es ist ihr nicht mehr möglich, das Erwerbspensum über die
verbleibende Resterwerbsfähigkeit hinaus zu steigern bzw. es zu einem späteren
Zeitpunkt wieder auszudehnen. Dieser Schaden wird von der Erwerbsunfähigkeit
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vollumfänglich erfasst. In der Unfallversicherung wird das Valideneinkommen in jedem
Fall auf eine vollzeitliche Tätigkeit aufgerechnet (Urteil des Bundesgerichts vom 14.
April 2008, 8C_664/2007, E. 7.2.4 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur),
und demnach resultiert unabhängig vom tatsächlich ausgeübten Erwerbspensum
immer ein identischer Schaden bzw. eine identische Erwerbsunfähigkeit der
versicherten Person, wie es die Schadenskonzeption von Art. 8 ATSG (i.V.m. Art. 18
UVG) vorsieht. So können namentlich spätere Veränderungen des (fiktiven)
Erwerbspensums keine Auswirkungen auf die rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit
haben (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 19. Juli 2016, IV
2014/37 E. 3.2.1, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch, Dienstleistungen,
Rechtsprechung, Versicherungsgericht).
2.2.3 Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses erachtete Dr. I._ den Beschwerdeführer
als zu 80% arbeitsfähig. Die Aufnahme eines 100%-Pensums bereite ihm
Schwierigkeiten, da nach längerem Lesen vermehrt Kopfschmerzen einträten und er
zum Teil für die Arbeiten mehr Zeit benötige. Sein Konzentrationsvermögen schwanke
je nach Tagesverfassung. Durch die Irisprintlinse könne die Blendung reduziert werden,
jedoch bleibe durch die Hornhautnarbe eine reduzierte Sehschärfe bestehen (IV-act.
60). Diese Einschätzung ist nachvollziehbar und stimmt weitgehend mit den übrigen
medizinischen Beurteilungen überein (vgl. zu den früheren medizinischen Berichten E.
2.1.1 und E. 3.3). Insbesondere hielt auch Dr. J._ den Beschwerdeführer bei im
Vergleich zum Fallabschluss unverändertem Gesundheitszustand sowohl in seiner
angestammten beruflichen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich als auch in einer
adaptierten beruflichen Tätigkeit rein unfallbedingt als zu 20% eingeschränkt. Er führte
aus, die Minderung von 20% ergebe sich durch die permanent bleibende
Herabsetzung der Sehschärfe auf 0.16 mit gleichzeitig permanent verstärkter,
bleibender Blendempfindlichkeit. Der Beschwerdeführer könne prinzipiell jede Tätigkeit
ausüben, die kein sehr gutes beidäugiges Sehen erfordere, d.h. eine Tätigkeit als Pilot,
Bus- oder Taxichauffeur oder das Führen jeglicher Arbeitsfahrzeuge auf Baustellen etc.
sei sicher nicht geeignet (UV-act. 77). Zudem stellte die Beschwerdegegnerin die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% nicht substantiiert in Frage. Damit ist für
den vorliegend relevanten Zeitraum ab Fallabschluss im März 2012 bis zum
Einspracheentscheid vom 26. März 2015 von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen.
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2.2.4 Vor dem Hintergrund, dass die Erwerbsfähigkeit das versicherte Gut darstellt
(vgl. E. 2.2.2), ist entgegen den Vorbringen der Beschwerdegegnerin (act. G5, UV-act.
103) nicht relevant, ob der Beschwerdeführer bereits vor seinem Unfall ein
anschliessendes Studium geplant und wann er dieses begonnen hatte. Für den
Zeitpunkt der Rentenprüfung im März 2012 liegen keine verlässlichen Grundlagen
bezüglich des Validen- und Invalideneinkommens vor. Die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene Berechnung des Valideneinkommens basierend
auf dem 2009, mithin kurz nach Lehrabschluss im Sommer 2009 (vgl. UV-act. 101/1),
erzielten Verdienst als Kundenberater rechtfertigt sich für den 2012 studierenden
Beschwerdeführer nicht. Er war damals nicht erwerbstätig, weshalb sich auch das
Invalideneinkommen nur hypothetisch und nicht auf seinem später bei der K._ AG
erzielten, auf ein Vollpensum hochgerechneten Verdienst festlegen liesse. Es ist
offensichtlich, dass der Beschwerdeführer nach der Augenschädigung bzw. durch
diese kein höheres Erwerbspotenzial erlangt hat, wie die Beschwerdegegnerin in ihrem
Einkommensvergleich gemäss Verfügung vom 5. Dezember 2014 (UV-act. 98, S. 3)
angenommen hat. Da beim Validen- und Invalideneinkommen zwingend eine qualitative
Parallelität hergestellt werden muss, zur Bestimmung also dieselbe Vergleichsgrösse
heranzuziehen ist (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 14 ff. zu Art.
16 ATSG), kann vorliegend ein Prozentvergleich vorgenommen werden. Dabei
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). Die gesundheitlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers, insbesondere die verminderte
Konzentrationsfähigkeit, wurden bereits bei der Festlegung der Arbeitsunfähigkeit von
20% berücksichtigt. Mit Blick auf das Alter sowie die weiteren persönlichen und
beruflichen Merkmale des Beschwerdeführers besteht vorliegend kein Grund für einen
Abzug vom Invalideneinkommen analog des sogenannten Tabellenlohnabzugs (vgl.
PHILIPP GEERTSEN, Der Tabellenlohnabzug, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.],
JaSo 2012, S. 139 ff.).
2.3 Damit resultiert ausgehend von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten im Zeitraum vom 1. März 2012 bis mindestens Ende März 2015 (Datum des
Einspracheentscheids; UV-act. 103) im Rahmen eines Prozentvergleichs ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 20%.
3.
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Weiter zu beurteilen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggelder im
Zeitraum vom 1. September 2010 (Einstellung der Taggeldzahlungen durch die
Beschwerdegegnerin) bis 29. Februar 2012 (Rentenbeginn 1. März 2012).
3.1 Die Beschwerdegegnerin hatte ihre Taggeldzahlungen nach einem
Telefongespräch vom 16. August 2010 per 31. August 2010 formlos eingestellt (UV-act.
42). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers teilte mit Schreiben vom 30. Juni 2011
mit, seines Erachtens bestehe Anspruch auf Weiterzahlung des Taggeldes (UV-act. 44).
Mit Verfügung vom 5. Dezember 2014 hielt die Beschwerdegegnerin die Einstellung der
Taggeldleistungen per 31. August 2010 fest und begründete dies (UV-act. 98). In seiner
Einsprache vom 8. Januar 2015 stellte der Beschwerdeführer keinen konkreten Antrag
bezüglich Taggelder (UV-act. 101). Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 26.
März 2015 erwähnte die Beschwerdegegnerin die gesetzlichen Grundlagen für
Taggelder und wies die Einsprache ab (UV-act. 103). Mit der vorliegenden Beschwerde
beantragte der Beschwerdeführer sodann eventualiter die Weiterausrichtung eines
Taggeldes (UV-act. G1) und machte insbesondere anlässlich der Verhandlung
Ausführungen dazu. Die Beschwerdegegnerin hat zwar in ihrem Einspracheentscheid
keine fallbezogenen Erwägungen bezüglich Taggeld gemacht, ist aber offensichtlich
nicht davon ausgegangen, dass diese nicht mehr umstritten wären bzw. deren
Einstellung unangefochten rechtskräftig geworden wäre. Es ist davon auszugehen,
dass sich der Anfechtungswille des Beschwerdeführers auf die Taggeldeinstellung
erstreckte, so dass der Taggeldanspruch zum Streitgegenstand zählt. Es ist folglich
diesbezüglich auf die Beschwerde einzutreten (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts St.Gallen vom 27. Januar 2015, UV 2013/70 E. 2.1, Urteil des
Bundesgerichts vom 29. September 2015, 8C_170/2015 E. 4).
3.2 Gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf ein Taggeld, wenn er
infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig ist. Der Anspruch auf Taggeld
entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der
vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten
(Art. 16 Abs. 2 UVG). Taggelder und Renten werden nach dem versicherten Verdienst
bemessen (Art. 15 Abs. 1 UVG). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der
Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs. 2 UVG).
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3.3 Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin (vgl. Sachverhalt D.f.)
bestanden auch für den vorliegend relevanten Zeitraum echtzeitliche
Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Dr. E._ attestierte dem Beschwerdeführer unter
anderem vom 12. Juli bis zum 19. September 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 20%.
Am 22. Juli 2010 berichtete Dr. E._, sie gehe davon aus, dass der Beschwerdeführer
nach Anpassung einer Irisprintlinse wieder zu 100% arbeiten könne (UV-act. 31). Wie
anlässlich der Verhandlung vom 17. Mai 2017 vom Beschwerdeführer vorgebracht und
in vorstehender E. 2.1.1 ausgeführt, verwirklichte sich diese Prognose in der Folge
jedoch nicht. Nach der Gewöhnungsphase an die Linse bis etwa Ende 2010 kam es zu
einem gesundheitsbedingten Studiumsunterbruch von Januar bis September 2011 (IV-
act. 67, vgl. UV-act. 54). Am 22. März 2011 hatten die behandelnden Ärzte des
Kantonsspitals St.Gallen berichtet, prinzipiell bestehe eine Reduktion der
Arbeitsfähigkeit auf ca. 80% (UV-act. 68). Am 28. März 2012 berichtete Dr. I._, dem
Beschwerdeführer sei ein Arbeitspensum von 80% zuzumuten (IV-act. 60). Der
Beschwerdeführer war folglich überwiegend wahrscheinlich auch im Zeitraum zwischen
der Leistungseinstellung vom 1. September 2010 bis zum Rentenbeginn im März 2012
zu 20% arbeitsunfähig.
3.4 Dass er während des Studienunterbruchs für kurze Zeit (Januar bis Mai 2011) für
die Arbeitslosenversicherung als zu 100% vermittlungsfähig galt (IV-act. 68), ändert
daran nichts, lag der Einschätzung der Arbeitslosenversicherung doch keine
medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung zugrunde. Auch die darauf folgenden Monate,
während welcher der Beschwerdeführer für die L._ AG tätig war, liefern keinen
Beweis für eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Wie anlässlich der Verhandlung
erwähnt, war er dort dank persönlicher Vermittlung zwar zu einem Pensum von 100%
angestellt, konnte jedoch in seinem Tempo arbeiten und die Arbeitszeit flexibel seinem
gesundheitlichen Befinden anpassen. Es ist daher davon auszugehen, dass er auch in
diesen Monaten wie medizinisch attestiert weiterhin zu ca. 20% eingeschränkt war und
sich seine Arbeitsfähigkeit nicht vorübergehend verbesserte. Es ist nicht damit zu
rechnen, dass eine Nachfrage beim Arbeitgeber diese Schlussfolgerung in Zweifel
ziehen würde, zumal dieser nach der allgemeinen Lebenserfahrung die tatsächliche
Leistungsfähigkeit bzw. eine relativ geringfügige Reduktion derselben vor dem
Hintergrund des nur kurzen Arbeitseinsatzes des Beschwerdeführers und mangels
Kenntnis seiner Leistungsfähigkeit im Validitätsfall kaum hinreichend zuverlässig
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beurteilen könnte. Ebenso ist von einer weiteren medizinischen Beurteilung abzusehen,
da die Arbeitsunfähigkeit in den aktenkundigen Berichten mit wenigen (prognostischen)
Ausnahmen stets auf 20% geschätzt wurde (vgl. E. 2.2.3 und E. 3.3) und rückwirkende
medizinische Einschätzungen ohnehin schwierig vorzunehmen und daher
erfahrungsgemäss beweisrechtlich zurückhaltend zu würdigen sind.
3.5 Der Beschwerdeführer hat damit vom 1. September 2010 bis 29. Februar 2012
Anspruch auf Taggelder. Dass er in dieser Zeit teilweise vollzeitlich studierte, ändert
daran nichts, zumal gemäss dem Wortlaut von Art. 16 Abs. 1 UVG die
Arbeitsunfähigkeit an sich versichert ist. Dies gilt unabhängig davon, ob eine
versicherte Person tatsächlich arbeitet oder wie vorliegend studiert. Zur Festsetzung
und Ausrichtung der Taggeldleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
Anlässlich der Verhandlung vom 17. Mai 2017 brachte die Beschwerdegegnerin
erstmals vor, es sei nicht erwiesen, dass der Beschwerdeführer bei seinem Unfall nicht
selbst provoziert habe oder sich an einer Rauferei beteiligt habe, weshalb eine Kürzung
der Geldleistungen zu prüfen sei (vgl. Sachverhalt D.c.).
4.1 Gemäss Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen,
die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen
oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Gestützt darauf erliess der Bundesrat die
Art. 47 bis 52 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202). Die
Geldleistungen werden mindestens um die Hälfte gekürzt bei Nichtberufsunfällen, die
sich ereignen bei Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, es sei denn, der
Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistungen für einen Wehrlosen durch die
Streitenden verletzt worden oder bei Gefahren, denen sich der Versicherte dadurch
aussetzt, dass er andere stark provoziert (Art. 49 Abs. 2 lit. a und b UVV).
4.2 Laut Polizeirapport vom 22. Oktober 2009 hielt sich der Beschwerdeführer in der
Unfallnacht mit zwei Kollegen in einem Club auf. Während des Aufenthalts habe er eine
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kleine verbale Auseinandersetzung mit einem Unbekannten gehabt. Nachdem der
Vorfall geschlichtet gewesen sei und sich der Beschwerdeführer einige Zeit später auf
den Nachhauseweg begeben habe, sei er plötzlich von hinten angerufen worden und
habe sich umgedreht. In diesem Moment habe er, vermutlich vom selben
Unbekannten, unvermittelt und mit voller Wucht einen Schlag ins Gesicht erhalten (UV-
act. 9). Aussagen gegenüber der Polizei ist zu entnehmen, dass der alkoholisierte
Beschwerdeführer im Club Französisch gesprochen habe, was dem Unbekannten
“nicht gepasst haben dürfte“. Nach Verlassen des Clubs habe es ein
“Herumgeschubse“ zwischen dem Beschwerdeführer und zwei Unbekannten gegeben,
worauf die Sicherheitskräfte des Clubs die Männer getrennt hätten (UV-act. 9). Daraus
lassen sich keine Hinweise entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich an einer
Schlägerei beteiligt hätte. Das “Herumgeschubse“ lässt sich nicht dahingehend
interpretieren, zumal Tätlichkeiten seitens des Beschwerdeführers nicht überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen sind, die Situation durch die Sicherheitskräfte rasch
geklärt werden konnte und die Körperverletzung in einem zeitlichen Abstand dazu
erfolgte. Ebenfalls deutet nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer den bzw. die
Unbekannten stark provoziert hätte. Die Geldleistungen (Rente und Taggelder) sind
folglich ungekürzt auszurichten.
5.
Weiter beantragt der Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin sei bis auf weiteres
zu verpflichten, den Ersatz der Irisprintlinse zu zahlen (act. G1).
5.1 Laut Art. 11 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die Hilfsmittel, die
körperliche Schädigungen oder Funktionsausfälle ausgleichen. Nach Ziff. 7.02 der im
Anhang zur Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Unfallversicherung
(HVUV; SR 832.205.12) stehenden Hilfsmittelliste (Art. 11 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 19
UVV) zählen Kontaktlinsen zu den von der Unfallversicherung zu gewährenden
Hilfsmitteln. Das Dahinfallen einer Leistung bei Fallabschluss ist in Art. 19 Abs. 1 Satz 2
UVG nur für Heilbehandlung und Taggelder vorgesehen. Gemäss Rechtsprechung des
Bundesgerichts (zur Publikation vorgesehenes Urteil vom 8. Mai 2017, 8C_527/2016 E.
6.2) besteht aufgrund der gesetzlichen Systematik kein Anlass, diese Regelung auf
weitere Leistungsansprüche auszudehnen. Bei Hilfsmitteln handelt es sich nicht um
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Leistungen, die typischerweise bloss vorübergehenden Charakter haben, wie dies bei
Heilbehandlung und Taggeld der Fall ist. Je nach Ursache ihrer Zusprache bleibt der
Anspruch auf Hilfsmittel häufig langfristig bestehen und es kann immer wieder zu
regelmässig oder auch nur sporadisch anfallenden Kosten kommen, für welche der
Unfallversicherer einzustehen hat. Art. 6 Abs. 2 HVUV sieht denn auch vor, dass bei
einem Hilfsmittel, muss es trotz sorgfältiger Verwendung repariert, angepasst oder
erneuert werden, der Unfallversicherer die Kosten übernimmt, soweit nicht ein Dritter
ersatzpflichtig ist. Das Bundesgericht entschied im erwähnten Urteil, der
Unfallversicherer habe für die unfallbedingten Brillenanpassungen trotz Fallabschluss
auch weiterhin aufzukommen. Soweit dem Urteil 8C_591/2013 vom 29. Oktober 2013
etwas anderes sollte entnommen werden können, wäre daran nicht festzuhalten (Urteil
vom 8. Mai 2017, 8C_527/2016 E. 6.3).
5.2 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 17. August 2010
Kostengutsprache für die Irisprintlinsen erteilt (UV-act. 41). Auch im Dezember 2012
und Oktober 2014 ist sie nochmals für die Irisprintlinsen aufgekommen. Dies gemäss
ihrem Standpunkt “kulanterweise“, da sie der Ansicht war, sie sei nach dem
Fallabschluss bzw. ab 13. Juli 2013 dafür nicht mehr leistungspflichtig (vgl. UV-act. 98).
Das Sozialversicherungsrecht lässt jedoch keinen Raum für “Kulanzleistungen“.
Vielmehr muss über den rechtmässigen Leistungsanspruch verfügt werden (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts St.Gallen vom 14. März 2016, IV 2011/345 E. 1).
Vor dem Hintergrund der höchstrichterlichen Rechtsprechung (Urteil vom 8. Mai 2017,
8C_527/2016) war die Beschwerdegegnerin allerdings gestützt auf Art. 11 UVG zum
Ersatz der Irisprintlinsen verpflichtet.
5.3 Rechtsprechungsgemäss bildet das Datum des streitigen Einspracheentscheids
die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 169 E. 1;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 99 zu Art. 61).
Allfällige Ansprüche auf eine Irisprintlinse nach dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 26. März 2015 sind damit nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens. Da die vor dem Einspracheentscheid angefallenen Kosten für
die Irisprintlinsen von der Beschwerdegegnerin bereits am 17. August 2010 bzw. mit
Verfügung vom 5. Dezember 2014 übernommen wurden, mangelt es dem
Beschwerdeführer an einem Rechtsschutzinteresse, weshalb bezüglich Hilfsmittel nicht
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auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 59 i.V.m. Art. 61 lit. b ATSG). Allfällige
zukünftige Kostengutsprachegesuche wird die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art.
11 UVG zu prüfen haben.
6.
Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer bis auf weiteres die Zahlung der
notwendigen jährlichen Behandlungen (act. G1). Dr. J._ und die behandelnden Ärzte
des Kantonsspitals St.Gallen empfahlen in verschiedenen Berichten jährliche
augenärztliche Kontrollen (UV-act. 31, IV-act. 40, IV-act. 60, UV-act. 74). Bei diesen
handelt es sich nicht um Heilbehandlungen im Sinn von Art. 10 UVG, denn damit soll
nicht etwa ein Gesundheitsschaden verbessert oder ein stabiler Zustand erhalten (vgl.
Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG) werden. Vielmehr dienen die Jahreskontrollen dazu, allfällige
gesundheitliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls rasch
darauf reagieren zu können, also einer Verschlechterung vorzubeugen. Damit sind die
Kontrollen nicht dem Behandlungsbegriff von Art. 10 UVG zuzuordnen. Hingegen kann
ihnen der Charakter von Abklärungsmassnahmen zukommen. Dies ist der Fall, wenn
sie im Kontext eines (zumindest impliziten) neuen Leistungsgesuchs zu sehen sind,
damit den Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG aktivieren und der
Abklärung der Frage dienen, ob ein erhöhter oder neuer Leistungsanspruch durch
Verschlechterung, Rückfall oder Spätfolge bestehen könnte. Insofern kommt eine
pauschale Ablehnung der Übernahme künftiger Kontrolluntersuchungen (vgl. das
Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 5. Februar 2013, UV-act. 61) nicht in Betracht.
Im vorliegenden Verfahren ist darauf jedoch nicht näher einzugehen. Die Akten liefern
keine konkreten Hinweise darauf, dass im die gerichtliche Kontrolle beschlagenden
Zeitraum durchgeführte Kontrolluntersuchungen nicht bezahlt worden wären und der
Beschwerdeführer macht dies auch nicht geltend. Auf eine vorsorgliche Prüfung der
Übernahme sämtlicher künftiger Kontrolluntersuchungen, die lediglich Feststellungs-
und keinen Gestaltungscharakter hätte, hat er keinen Anspruch. Mangels Beschwer
fehlt es ihm folglich an einem schützenswertem Interesse im Sinn von Art. 49 Abs. 2
ATSG. Auf seinen Antrag auf Zahlung der jährlichen Kontrolluntersuchungen ist
demgemäss nicht einzutreten (Art. 59 i.V.m. Art. 61 lit. b ATSG).
7.
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7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 26. März
2015 insofern aufzuheben und die Beschwerde teilweise gutzuheissen, als dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. September 2010 bis 29. Februar 2012 Taggelder
und mit Wirkung ab 1. März 2012 eine unbefristete Invalidenrente, jeweils
entsprechend einem 20%igen Invaliditätsgrad, zuzusprechen sind. Zur Festsetzung
und Ausrichtung der ungekürzten Geldleistungen ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bezüglich Hilfsmittel und
Kontrolluntersuchungen ist nicht auf die Beschwerde einzutreten.
7.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
7.3 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers reichte am 17. Mai 2017 eine Kostennote über Fr. 3‘769.65 (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein (act. G24). Da der Beschwerdeführer nur
teilweise obsiegt, ist die Parteientschädigung ermessensweise auf Fr. 3‘000.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu reduzieren.