Decision ID: 73f54f36-fdab-432b-a2af-9b96fcf80747
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
X._
, geboren 1971, reiste 1988 aus
Y._
in die Schweiz ein. Zuletzt arbeitete sie seit Februar 20
05 als Ausrüsterin bei der
Z._
in
A._
, daneben war sie als Reinigungsangestellte bei der
B._
in
C._
tätig (
Urk.
8/3/1-6). Ab dem 2
0.
Oktober 2
008 wurde sie krankgeschrieben
(
Urk.
8/9 und
Urk.
8/14/3-4). Am 1
6.
April 2009 meldete sich die Versicherte
wegen Beschwerden
infolge einer Operation (Exzi
sion eines Lipoms und eines Atheroms
occipital
) bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug vom
4.
Mai 2009, Urk. 8/8) er
stellen und holte
die Akten der zuständigen Krankentaggeld
versicherung, Helsana Versicherungen AG, (
Urk.
8/9),
den Bericht der
D._
vom
5.
Mai 2009 (Urk. 8/12/6-8),
den Arbeitgeberbericht der
C._
vom 7. Mai 2009 (
Urk.
8/11)
,
den Arbeitgeberbericht der
Z._
vom 11.
September 2009 (
Urk.
8/14) sowie
den Bericht der
D._
vom
8.
bzw.
9.
Oktober 2009 (
Urk.
8/15/6-9)
ein
.
Weiter
zog
sie
die Stellungnahme von
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Chirur
gie, vom 1
9.
Apr
il 2010 (
Urk.
8/25)
,
den Bericht der
D._
vom 1
0.
Mai 2010 (
Urk.
8/33/6-8)
,
den Bericht von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 1
8.
Mai 201
0 (Urk.
8/3
2/1-4),
den
Bericht von
Dr.
med.
G._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, vom 9. Juni 2010 (
Urk.
8/35)
und
den Bericht von Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
3.
Juli
2010
(Urk. 8/38/3-8) bei.
Ferner reichte
X._
die von ihr in Auftrag gegebenen Gutachten von
Dr.
med.
I._
, Fachärztin FMH für Neurologie, vom 2. Oktober 2009 (
Urk.
8/54/1-11) und von
Dr.
med.
J._
, Spezialarzt FMH Chirurgie, vom 5. Oktober 2009 (
Urk.
8/53/1-1
6
), das zuhanden der
Generali
Allgemeine Versicherungen AG erstellte Aktengutachten von Prof.
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt Chirurgie FMH, vom 1
8.
April 2010 (Urk. 8/53/11-27), die Stellungnahme von
Dr.
I._
vom 2
5.
Mai 2010 (
Urk.
8/55) sowie die Stellungnahme von
Dr.
J._
vom 1. Juni 2010 (
Urk.
8/52/1-5) ein.
Am 7. September 2010 erklärte die Versicherte, dass sie mit der vorgesehenen Begutachtung durch die
L._
in
M._
nicht einverstanden sei. Zu beauftragen sei die MEDAS
N._
in
O._
(
Urk.
8/45).
Dieses Begehren
wies die IV-Stelle mit
Zwi
schenverfügung
vom
9.
September 2010
ab
(
Urk.
8/47), und am
6.
Januar
2011 erstattete das
L._
das
polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
8/56). Mit Vorbe
scheid vom
1.
Februar 2011 stellte die IV-Stelle
X._
die A
bweisung ihres Leistungs
begehrens in Aussicht (
Urk.
8/60), wogegen die Versicherte am
2.
März 2011 Einwand erhob (
Urk.
8/63). Daraufhin nahmen die
L._
-Gut
achter am
6.
Juli 2011 zu den
von
der
IV-Stelle
unterbreiteten Zusatzfragen Stellung
(
Urk.
8/72).
X._
äusserte sich hierzu
am
5.
September 20
11 (
Urk.
8/75), unter Beilage
des Berichts
von
Dr.
H._
vom
2.
September 2011
(Urk. 8/74). Am 20. Dezemb
er 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten
mangels Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
ab (
Urk.
2).
Hiergegen erhob
X._
, vertreten durch
Rechtsanwalt Oliver
Gnehm
, substituiert durch Rechtsanwalt
Stefan Kunz, am
2.
Februar 2012 Beschwerde und beantragte, die Verfügung der
IV-Stelle
vom 2
0.
Dezember 2011 sei aufzu
heben und es sei
ihr
rückwirkend ab
dem
1. Oktober 2009
eine
ganze
IV-Rente auszurichten (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin
beantragte
mit
Beschwerdeant
wort
vom 2
0.
März 2012
die
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin
am 2
7.
März 2012
angezeigt wurde (
Urk.
9).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Zudem entsteht der Rentenanspruch frühestens
nach Ablauf von
sechs Monate
n
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem
Invali
ditätsgrad
von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.5
Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom
Untersuchungs
grund
satz
beherrscht (
Art.
61
lit
. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb
lichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indes
sen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korre
lat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125
V
193 E. 2
; 122
V
157 E. 1a
;
vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2
).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer
Beweis
führungslast
begriffsnotwendig aus. Im
So
zialversicherungsprozess
tragen mit
hin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweis
losigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei
ten wollte. Diese
Be
weisregel
greift allerdings erst Platz, wenn es sich als un
möglich erweist, im Rahmen des
Untersu
chungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sach
verhalt zu ermit
teln, der zumindest die Wahr
schei
nlichkeit für sich hat, der Wirk
lichkeit zu entspre
chen (BGE 117 V 261 E. 3b
).
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im
Be
schwe
r
defall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener
Sachver
halts
darstel
lung
, die es von allen mög
lichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrscheinlichste wür
digt (BGE 126 V 353 E. 5b
mit Hinweisen; vgl. BGE 1
30 III 321 E. 3.2 und 3.3
).
2.
2.
1
Im Bericht der
D._
vom
5.
Mai 2009
wurde
als Diagnose mit Auswir
kun
g auf die Arbeitsfähigkeit ein neuropathischer
Schmerzzustand im A
usbreitungsgebiet des
Nervus
occipitalis
maj
or
rechts, nach Exzision ein
es Lipoms und eines Atheroms
occ
ipital
rechts am 2
0.
Oktober 2008
erhoben
. Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit wurde
n
keine fest
gehal
ten
. Vom
2.
bis
zum
2
3.
März 2009 sei die Beschwerdeführerin zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 2
3.
März 2009 bis zum Datum der Berichter
stattung
(
5.
Mai 2009)
habe die Arbeitsunfähigkeit 100
%
betragen. Sowohl die bisherige als auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei
en
der
Beschwer
deführerin
nicht mehr zumutbar (
Urk.
8/12/6-8). Im Be
richt
der
D._
vom
9.
Oktober 20
09
wurde die
im
Bericht vom 5.
Mai 2009
gestellte Diagnose
bestätigt
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
auch
bis
zum Datum der neuerlichen
Berichterstattung
(
9.
Oktober 2009
)
zu
100
%
arbeitsunf
ähig
gewesen
(Urk.
8/15/
7-
8).
2.
2
Neurologin
Dr.
I._
führte in ihrem von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen fachärztlichen Gutachten vom
2.
Oktober 20
09 aus
, dass die Beschwerdeführerin seit der Exzision eines Lipoms und Atheroms
occipital
rechts am 2
0.
Oktober 2008 an einer invalidis
ierenden
Occipital
neuralgie
rechts leide.
Der neuropathische Dauerschmerz
mit teils
neural
giformen
Exazerbatio
nen
im Versorg
ungsgebiet des
N
ervus
occipitalis
major
rechts, die
Druckemp
find
lichkeit
des Nerv
s
sow
ie die vorübergehende
Schmerz
linderun
g
durch Blo
ckade desselben mit Lokalanästhesie (vor gepulster Radiofrequenztherapie am 1
4.
März 2009
) würden den Kriterien
der
„
International
Headache
Socie
t
y
“
für die
se
Diagnose entsprechen. Beim bisher sehr therapieresistenten Verlauf auf sämtliche üblichen medikamentösen Schmerzbehandlungen respektive Unver
träglichkeit höherer Medikamentendosen und Nichtansprechen auf physikali
sche, alternative und
interventionelle
Massnahmen sei die Prognose schwierig. Eine Besserung der Beschwerden durch Weiterführen der bisherigen intensiven
,
auch interdisziplinären Sch
merzbehandlung scheine aber
nach Rücksprache mit dem involvierten Schmerztherapeuten
Dr.
P._
möglich, so dass mittelfris
tig mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit erreichbar scheine
(
Urk.
8/54/8
-10
).
2.
3
Chirurg
Dr.
J._
erklärte in seinem
ebenfalls von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen
fachärztlich
en Gutachten vom
5.
Oktober 2009
, dass beim vorgenommenen Eingriff vom 2
0.
Oktober 2008 durch die
Lipomentfernung
auf
der rechten Seite in der oberen Nackenregion der
Nervus
occipitalis
major
(evtl. auch der
N
ervus
occipitali
s
tertius
) verletzt worden sei
(
Urk.
8/53/3).
2.4
Prof.
K._
legte
in seinem chirurgischen
Akteng
utachten vom 1
8.
April 2010 dar
, dass mit dem Grad einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit eine L
äsion des
Nervus
occipitalis
maj
or
anlässlich der
Lipomoperation
ausge
schlossen werden könne. Die subjektiv geäusserten Beschwe
rden im Sinne einer
Occipitalis
-
Neuralgie seien nachvollziehbar und überw
iegend wahrscheinlich in Zusammenhang
mit eine
m
oberen
Cervicalsyndrom
bei Status nach zweimali
ger Auffahrkollision (2001 und 2006) zu sehen (
Urk.
8/53/24-25).
2.5
Neurologe
Dr.
F._
nannte
in seinem Bericht vom 1
8.
Mai 2010 als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Spannungskopfschmerzen. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er einen Status nach Entfernung eines Lipoms
nuchal
links und eines Atheroms
occipital
rechts am 2
0.
Oktober 2008 fest (
Urk.
8/32/1). In seinem Bericht vom 1
2.
November 2008 zuhanden
Dr.
E._
hatte
Dr.
F._
erklärt
, dass sich die im Anschluss an die operative Entfernung des Lipoms
nuchal
links und des Atheroms
occipi
tal
rechts am 2
0.
Oktober 2008 aufgetretenen Schmerzen rechts
occipital
orga
nisch nicht erklären lassen würden. Denkbar wäre höchstens eine lokale Gewebsirritation, Hinweise für eine Verletzung neuraler Strukturen fänden sich jedoch keine (
Urk.
8/32/5-6).
2.6
Dr.
I._
erklärte
i
n ihrer Stellungnahme
vom 2
5.
Ma
i 2010
, dass sich aus dem Gutachten von Prof.
K._
aus neurologischer Sicht keine neuen Aspekte ergeben würden, die ihre im Gutachten vom
2.
Oktober 2009 gemachte Beurteilung verändern würde (
Urk.
8/55/6).
Auch
Dr.
J._
h
ielt in seiner Stel
lungnahme
vom
1.
Juni 2010
zum
Gutachten von Prof.
K._
an seiner Beur
teilung und an den gemachten Schlussfolgerungen im Guta
chten vom
5.
Oktober 2009 fest (
Urk.
8/52/4).
2.
7
Hausarzt
Dr.
G._
diagnostizierte in seinem Bericht vom
9.
Juni 2010 ein chro
nisches
neuralgiformes
cervicooccipitales
Schmerzsyndrom rechts im Anschluss an eine
Atheromentfernung
occipital
rechts am 2
0.
Oktober 2008, DD: iatrogene Läsion des
Nervus
occipitalis
major
rechts. Aufgrund der Schmerzen und der Medikamentennebenwirkungen sei die Beschwerdeführerin vom 2
0.
Oktober 2008 bis zum
8.
Februar 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Erst ab dem
9.
Februar 2009 habe sie ein Teilpensum von maximal 50
%
mit erneuten Unterbrüchen aufnehmen können
. Seit ca. einem Jahr habe er die Beschwerdeführerin aber lediglich wiederholt wegen
Bagatellerkrankun
gen
gesehen und sich in die aktuelle Schmerzbehandlung nicht eingemischt
(
Urk.
8/35).
2.8
Psychiaterin
Dr.
H._
stellte
in ihrem Bericht vom 1
3.
Juli 2010 als Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
k
eit (1) eine depressive Störung,
schwergradige
Episode ohne Suizidalität (ICD-10 F32.2), (2) eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0), (3) eine
Karzinophobie
(ICD-10 F45.2), (3) eine mässig ausge
prägte generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) und (4) einen neur
o
pathi
schen Schmerzzustand im Ausbreitungsgebiet des
Nervus
occipitalis
major
rechts (bei Status nach Lipom- und Atherom-Exzision am 2
2.
Oktober 2008). Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie keine. In ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kontrolleurin an
der
Etikettiermaschi
ne
sei die Beschwerdeführerin seit mindestens 1
8.
Februar 2010 (Behandlungsbeginn bei
Dr.
H._
) zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 8/38/3-6).
2.9
Im Bericht der
D._
vom
1
0.
Mai 2010
wurde die
im Bericht vom
5.
Mai 2009
gestellte Diagnose
erneut bestätigt
(vgl. E. 2.1)
. Die Beschwerde
führerin sei für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem Operationstag zu 100
%
arbeitsunfähig. Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei im Moment nicht möglich (
Urk.
8/33/6-7).
2.
10
In der polydisziplinären Expertise vom
6.
Januar 2011 erhoben die
L._
-Gut
achter keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit seien (
Urk.
8/56/21):
(1)
ein Status nach Exzision eines Lipoms im
Hinterkopfbereich
rechts paramedian
(ca. 2.5 cm oberhalb der
Linea
nuchae
, ca. 2-4 cm paramedian quer verlaufende
Narbe) mit Operationsdatum 2
0.
Oktober 2008 mit wahrschein
licher
Teilastschädigung des
Nervus
occ
i
pitalis
major
links, jedoch medizinisch-
theoretisch nicht nachvollziehbarer Schmerzintensität und Schmerzausweitung
(2)
ein Status nach Exzision Atherom
nuchal
-mittelständig ohne Folgebeschwerden
(3)
eine mögliche leichte
cervico-occipitale
Funktionsstörung
(4)
ein chronisches Schmerzsyndrom mit
histrionischer
Schmerzverarbeitung
bei
histrionisch
akzentuierter Persönlichkeit (ICD-10 Z73)
(5)
eine phobische Störung
(ICD-10 F40)
Die
L._
-Gutachter gaben an, für
die angestammte Tätigkeit gelte zumindest ab dem Untersuchungszeitpunkt
(2
0.
bzw. 2
1.
Oktober 2010, vgl.
Urk.
8/72/3)
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Dies gelte auch für alle Verweistätigkeiten, die einer gleichaltrigen gesunden Frau zumutbar wären. Retrospektiv sei der zeitli
che Verlauf des Grades der Arbeitsunfähigkeit nicht zuverläs
sig beurteilbar (
Urk.
8/56/
23-
25).
2.11
Dr.
H._
hielt
in ihrem Bericht vom
2.
September 2011 als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), (2) eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) mit
Hyperventilation (ICD 10 F45.33), (3) eine
Karzinophobie
(ICD-10 F40.2) und (4) eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.42)
fest. Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie keine
. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin als zu 100
%
nicht arbeitsfähig zu beurteilen (
Urk.
8/74/9-11).
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Neurologie, hat im neurologischen
Teil des
L._
-Gutachtens
vom
2
0.
Oktober 2010
detaillierte und nachvollziehbare Befunde
erhoben
und Diagnosen
gestellt
. Sein Gutachten basiert auf einer fach
ärztlichen Untersuchung und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(A
namnese) abgegeben. Er
hat die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit die
sen sowie dem Verhalten der Beschwe
rdeführerin auseinandergesetzt (Urk. 8/56/1-18).
3.1
.2
Dr.
Q._
führte aus
, dass die Beschwerdeführerin
nach der Operation vom 2
0.
Oktober 2008 einen subjektiv völlig therapieresistenten Schmerz geltend gemacht habe.
Einerseits würden die Schmerzcharakteristiken teilweise neuro
pathisch geschildert, andererseits hätten
alle bisherigen Therapiemassnahmen inklusive Narbeninfiltration, Unterspritzung, Lokalanästhesie, Wurzel C2-Blo
ckade und auch gezielte Blockade des
Nervus
occipitalis
major
nach den aktu
ellen Ausführungen der Beschwerdeführerin zu keinerlei Schmerzlinderung geführt, paradoxerweise eher zu einer Verschlechterung (einzig bei der
Radio
frequenzneurotomie
am Ganglion sei nach Aktenbefund eine vorübergehende Bes
serung beschrieben worden [
Urk.
8/56/22]). Gehe man von der Lokalisation der Operationsnarbe aus, 2,5 cm oberhalb der
Linea
nuchae
, so sei lediglich eine Schädigung eines Teilastes des
Nervus
occipitalis
major
denkbar, mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch nicht eine
Schädigung dessen Hauptstammes
. Dies bedeute, dass bei dieser ausgesprochen oberflächlichen Lage (Dicke der Kopf
haut wenige Millimeter) schon eine einfache Lokalanästhesie mit weit überwie
gender Wahrscheinlichkei
t eine Linderung hätte bewirken
müssen, schwierige anatomische Verhältnisse seien hier nicht zu erwarten. Im Übrigen seien diverse Massnahmen von schmerztherapeutisch versierten
Behandlern
vorgenommen worden. Auch die völlige Unwirksamkeit der durchaus korrekt durchgeführten analgetischen Massnahmen mit Membranstabilisatoren (
Lyrica
bis 300 mg,
Gabapentin
bis 1‘800 mg/d,
Carbamazepin
bis 600 mg) und
Thymoleptanalge
tika
erscheine se
hr ungewöhnlich (
Urk.
8/56/17).
Weiter
legte
Dr.
Q._
dar, dass die Beschwerdeführerin
eine Berührung im
Okzipitalbereich
als höchst schmerzhaft und nicht tolerabel mit entsprechendem Abwehrverhalten quittiere. Andererseits sei bei Ablenkung und Palpation des ebenfalls als schmerzhaft angegebenen,
zervikothorakalen
Übergangsbereichs und der dort lokalisierten Muskulatur eine unbemerkte, gleichzeitig ausgeübte Druckwirkung mit der anderen Hand am zuvo
r überaus schmerzhaft
behaupte
ten rechten okzipitalen Kopfb
ereich nicht abgewehrt und
beklagt worden. Selbst im Bereich der als überaus schmerzhaft angegebenen Narbe sei der dor
tige Druck dann plötzli
ch nicht mehr abgewehrt worden (
Urk.
8/56/15).
Ferner
sei a
uch die Untersuchungsstelle im
zervikothorakalen
Übergangsbereich bei einer anderweitigen Untersuchung nicht mehr
druckempfin
dlich ausgefallen
.
Diese
s
sehr offensichtlich aufmerksamkeitsbezogene wandernde
Schmerzver
halten
sei organisch neurologisch nicht begründbar
(
Urk.
8/56/18).
Da sowohl Berührungen als auch Druck im angegebenen schmerzintensiven Areal bei Ablenkung
durchaus
problemlos toleriert würden,
würde
dies am ehesten dem objektiven Schmerzempfinden entspreche
n
(
Urk.
8/56/23
, Konsilium
)
.
A
nge
sichts des von
Dr.
Q._
in seiner Untersuchung mehrfach
beobachteten s
tark variierenden Schmerzempfindens der Beschwerdeführerin ist diese Schlussfolgerun
g einleuchtend und
nachvollziehbar
.
Schliesslich erklärte
Dr.
Q._
, es sei zu vermuten, dass es im Verlauf der Operation zu einer leichten Teilastschädigung des
Nervus
occipitalis
im
Nar
benbereich
gekommen sein dürfte und möglicherweise ein isolierter neuropa
thischer Schmerz vorübergehend bestanden habe. Bei Ablenkung lasse sich aktuell jedoch keine relevante
Allodynie
mehr objektivieren
(
Urk.
8/56/19).
Eine
intensive Abklärung inklusive MRI der Halswirbelsäule, MRI-
Kran
ium
,
Dup
lexsonog
raphie der hi
rnversorgenden Arterien sowie
EEG sei
ohne
rich
tungsweisende Pathologie geblieben.
D
as
im neurologischen Gutachten von
Dr.
I._
vom
2.
Oktober 2009
beschriebene
Tinel
-Phänomen
(
Urk.
8/54/7)
sei
aktue
ll nicht mehr
nachweisbar
.
Auch e
ine gezielte Auslösung der Schme
rzen durch passive Kopfbewegung
liege nicht
mehr vor. V
ielmehr sei ein allgemein
algophobes
Verhaltensmuster erkennbar, selb
s
t bei einer einfa
chen
Babinskiprüfung
. Bezüglich
der
„
International
Headache
Society
Classifi
cation
“
sei festzu
halten, dass
Dr.
I._
den
Kriterien A. und B.
im Prin
zip subjektive Angaben
zugrunde
gelegt habe
, die letztlich nicht sicher über
prüfbar seien.
Die
Verlässlichkeit der anamnestischen Angaben der Beschwer
deführerin
sei
durch die offensichtliche Inkonsistenz und
Verdeutlichungsbe
mühung
aber
zumindest kritisch zu sehe
n
(
Urk.
8
/56/22, Konsilium
).
Letztlich ergebe sich aus organisch neurologischer Sicht keine versicherungsmedizinisch
hinreichend relevante Diagnose, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit begründen könnte (
Urk.
8/56/19).
3.1
.
3
Zusammenfassend ist somit
festzuhalten
, dass
Dr.
Q._
die Vermutung äusserte
,
es
könnte
beim operativen Eingriff vom 2
0.
Oktober 2008 zu einer Teilastschädigung des
Nervus
occipitalis
major
gekommen
sein
(und
er
auch das mögliche Bestehen von vorübergehenden neuropathischen Schmerzen nicht verneinte)
.
E
ine
allfällige
Schädigung des Hauptstammes des
Nervus
occipitalis
major
schloss er
ebenfalls
nicht ka
tegorisch aus, auch wenn er eine solche
für sehr unwahrscheinlich hielt.
Da d
as objektive Schmerzempfinden der
Beschwerdeführerin anlässlich
d
er
Untersuchung
vom 2
0.
Oktober 2010
offen
sichtlich wesentlich geringer war als die angegebene Schmerzintensität,
inten
siv
st
e
Abklärungen keine richtungsweisende Pathologie ergaben
und
praktisch
sämtliche
an sich
erfolgversprechenden
Behandlungsversuche
fehlschlugen,
kam
Dr.
Q._
indes
z
um Schluss,
dass
aus neurologischer Sicht
zumindest ab Gutachtenszeitpunkt
keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
vorliegt
.
Die
s
e Begründung ist
plausibel und
Dr.
Q._
Einschätzung betreffend Arbeitsfähigkeit
gestützt auf die von ihm genannten Befunde
einleuchtend.
3.1
.4
Dass
zur exakten Lokalisation der OP-Narbe
eine Kahlrasur
erforderlich
wäre
– wie die Beschwerdeführerin vorbrachte
– vermag nicht zu überzeugen
.
Dr.
Q._
konnte die Narbe im Rahmen seiner Untersuchungen
offenbar
lokalisieren (
Urk.
8/56/15).
Entgegen den Darlegungen der Beschwerdeführerin hat
Dr.
Q._
weiter auch
d
as
chirurgische Gutachten
Dr.
J._
vom
5.
Oktober 2009
und dessen Stellungnahme vom
1.
Juni 2010 berücksichtigt und
angemessen gewürdigt (
Urk.
8/56/10
-11
und
Urk.
8/56/23)
.
Zur Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin
hat
sich
Dr.
J._
im Übrigen nicht geäussert.
3.1.5
Dr.
Q._
neurologisches
L._
-
Gutachten
bildet demnach
eine zuverläs
sig
e Beurteilungsgrundlage.
3.
2
3.2.1
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Rheumato
logie FMH, hat im rheumatologi
schen
Teil des
L._
-Gutachtens vom 2
1.
Oktober 2010 ebenfalls detaillierte und nachvollzieh
bare Befunde und eine
entsprechende Diagnose
erhoben. Sein Gutachten basiert auf einer fachärztlichen Untersuchung und wurde in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Er hat die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt.
Die medizinischen Zustände und Zusammenhänge hat er einleuchtend dargelegt und sein
e Schlussfolgerungen begründet (
Urk.
8/56/19-20 und
Urk.
8/56/31-37).
3.
2.2
Dr.
R._
erklärte insbesondere,
dass
die
im
Akteng
utachten von Prof.
K._
geäusserte Auffassung, wonach
vermutlich ein ursächlicher Zusammenhang
(der
Schmerzen
im Nacken-/
Hinterkopfbereich
) mit
zwei von der
Beschwerde
führeri
n erlebten Distorsionsereignissen an der Halswirbelsäule durch Autoun
fälle (3
0.
August 2001 und 2
9.
November 2006) bestehe
, schwierig nachvoll
ziehbar sei
. Das erste Ereignis habe gemäss Akten nach wenigen Wochen der analgetischen Behandlung abgeschloss
en werden können. Das zweite gehe aus
den nachträglich z
ugestellten Akten hervor
, die Beschwerdeführerin habe diese Ereignisse in der anamnestischen Erhebung jedoch nicht erwä
hnt. Es erscheine deshalb kaum p
lausibel, dass sich diese zwei alten, sieben bzw. zwei Jahre zurückliegenden Ereignisse ausgerechnet ab dem Operationstag im Oktober 2008
im Sin
ne einer massiven
Reexazerbation
geäussert ha
ben sollten (
Urk.
8/56/34
).
Diese Ausführungen
Dr.
R._
sind ohne
Weiteres
nachvoll
ziehbar.
Ausserdem hat k
einer der im Rahmen des vorliegenden Verfahrens involvierten Ärzte die
von Prof.
K._
aufgestellte Vermutung
gestützt.
Weiter stellte auch
Dr.
R._
bei der Beschwerdeführerin
gewisse
Verdeutli
chungstendenzen
fest.
So gab er an
, dass die
Schilderungen der Beschwerde
führerin wortreich
und
von vielen Gesten begleitet seien. Zeitweise halte sie sich demonstrativ mit beiden Händen den Kopf und zeige eine ausgeprägte Verzerrung ihrer Gesichtszüge (
Urk.
8/56/33).
3.2.3
Dr.
R._
rheumatologisches
L._
-Gutachten stellt daher
ebenfalls
eine zuver
lässige Beurteilungsgrundlage dar.
3.
3
Es ist folglich
festzuhalten, dass a
us somatischer Sicht
ab Gutachtenszeitpunkt
keine Einschrä
nkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt.
3.4
3.4.1
Auch
Dr.
med.
S._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, hat im psychiatrischen Teil des
L._
-Gutachtens vom 2
1.
Oktober 2010 detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben. Sein Gutachten basiert auf einer fachärztlichen Untersuchung und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Er hat die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt.
3.4.2
Dr.
S._
gab an, die
Beschwerdeführerin rücke anlässlich der psychiatri
schen Exploration ein anhaltendes
parieto-occipitales
Schmerzsyndrom von subjektiv extremer Ausprägung in den Vordergrund ihrer Beschwerden. Gleichwohl zeige sich in Psychomotorik, Gestik, Mimik sowie Denken und Affektregulation keine Gefangenheit im Schmerzerleben. Auch die von der
Beschwerdeführerin berichteten Konzentrationsstörungen würden sich in der psychiatrischen Exploration nicht nachvollziehen lassen. Eine tiefgreifende depressive Herabgestimmtheit finde sich ebenfalls nicht. Einzelne depressive Merkmale seien zwar erkennbar, aber die diagnostischen Algorithmen einer leichten, mittelschweren oder gar schweren Depression würden nicht vorliegen.
Sozialmedizinische Relevanz erwachse aus den von der Beschwerdeführerin mitgeteilten phobischen Ängsten (
Karzinophobie
,
agoraphobische Anklänge) nicht
(
Urk.
8/56/43-44)
.
Die Kriterien einer
somatoformen
Schmerzstörung seien nicht erfüllt, insbesondere liege keine
psychiatrische
Komorbidität
von
versicherungsmedizinischer Relevanz vor (
Urk.
8/56/29).
Somit bestehe bei der Beschwerdeführerin sowohl in ihrer bisherigen als auch in einer
behinderungs
angepassten
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
8/56/43-44
).
3.4.3
In der Stellungnahme vom
6.
Juli 2011 präzisierten
Dr.
S._
und die beiden anderen
L._
-Gutachter, dass
keine
Hinweise auf ein psychotisch depressives Geschehen
vorlägen
. Eine Verminderung des psychoenergetischen Potenzials lasse sich nicht feststellen, auch eine
Anhedonie
bestehe nicht. Die
Angster
krankung
der Beschwerdeführerin mit agoraphobischen und
karzinoph
obischen
Zügen
sei mit Blick auf die erhaltenen psychischen Funktionen des Erlebens, Handelns, Gestaltens und Wollens nicht so ausgeprägt, dass daraus eine Rele
vanz für die Arbeitsfähigkeit resultiere. Die psychopathologischen Befunde, die ausgesprochen lebhafte Psychomotorik mit ausladenden Bewegungen, kontras
tierend zu den Angaben der Beschwerdeführerin, solche Bewegungen würden stärks
te Schmerzen hervorrufen, seien
aus psychiatrischer Optik als Ausdruck einer
histrionischen
Akzentuierung des Verhaltens
zu deuten
. Eine
histrionisch
akzentuierte Persönlichkeitsstruktur sei unter anderem gekennzeichnet durch theatralisch übertriebenen Ausdruck, erhöh
t
e Kränkbarkeit und erhöhtes Ver
langen nach Anerkennung. An keiner Stelle des psychiatrischen Teilgutachtens werde eine
histrionische
Per
sönlichkeitsstörung angenommen.
Auch e
ine Simulation de
r Beschwerden werde nicht angenommen. Das Gutachten führe lediglich aus, weshalb die Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund ihrer Per
sönlichkeitsstruktur die empfundenen Schmerzen in der dargestellten Form zum Ausdruck bringe. Eine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit könne aus einer – ohnehin nicht krankheitswertigen – Persönlichkeitsakzentuierung nicht resul
tieren. Wenn seitens der Prozessbevollmächtigten ausgeführt werde, die Beschwerdeführerin habe freiwillig in einem 130
%
-Pensum gearbeitet, so möge dies sogar die Annahme der beschriebenen Persönlichkeitsstruktur stüt
zen, da das Bewältigen eines solchen Arbeitspensum durchaus als Ausdruck eines erhöhten Verlangens nach Anerkennung interpretiert werden könne (
Urk.
8/72/2).
3.
4.
4
Was die
Bericht
e
der behandelnden Psychiaterin
Dr.
H._
vom
1
3.
Juli 2010 (
Urk.
8/38/3-8) und vom
2.
September 2011 (
Urk.
8/74) betrifft,
ist zunächst darauf hinzuweisen, dass Berichte einer behandelnden Ärztin auf
grund der
en auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zur Patientin
grundsätzlich
mit Vorbe
halt zu würdigen sind (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Wie erwähnt, erkannte
Dr.
S._
bei der Beschwerdeführerin
-
offensich
tlich unter Berücksichtigung
der Anamnese
– einzelne depressive Merkmale
, ver
neinte indes
deren versicherungsrechtliche Relevanz. Der Vorwurf
von
Dr.
H._
,
Dr.
S._
habe es unterlassen, die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Beschw
erden und Einschränkungen in seine
Beurteilung zu integrieren
(
Urk.
8/74/11)
, vermag unter diesen Umständen nicht zu überzeu
gen.
Ferner ist in diesem Zusammenhang auch
zu beachten, dass das in der Medizin weit verbreitete bio-psycho-
soziale Krankheitsmodell,
auf das
Dr.
H._
sich berief
,
weiter gefasst
ist
als der für die Belange der Rechtsanwendung massgebende sozialversicherungsrechtliche Begriff der gesundheitlichen Beein
trächtigung
.
So finden
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren
in einem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell Platz
, für den rechtlich massgebenden
Begriff des Gesundheits
schadens
spielen sie
grundsätzlich
jedoch
keine Rolle
(vgl. BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 616/05 vom
2.
März 2006 E. 2.3).
Dr.
Q._
erachtete
eine Teilastschädigung des
Nervus
occipitalis
major
beim operativen Eingriff vom 2
0.
Oktober 2008
zwar
als
wahrscheinlich und vorübergehende
Schmerzen als möglich.
Er
und
Dr.
R._
kamen
im
L._
-Gutachten
aber beide
zum Schluss, dass sich das
aktuelle
Schmerz
verhalten der Beschwerdeführerin
organisch bzw. somatisch
nicht erklären lasse
(
Urk.
8/56/22 und
Urk.
8/56/35
).
Weiter waren
namentlich
auch
Dr.
S._
eigene Befunde hinsichtlich
Psychomotorik
der Beschwerdeführerin unauffällig.
Aus
diesen Gründen
geht
der Einwand
Dr.
H._
,
Dr.
S._
Gutachten sei unvoll
ständig, weil
er sich nicht zum Einfluss allfälliger
somatische
r Anteile am
chro
nische
n
Schmerzges
chehen geäussert habe
(
Urk.
8/74/3)
,
ebenfalls
fehl.
Sowohl
Dr.
S._
(
Urk.
8/56/43) als auch
Dr.
H._
(
Urk.
8/38/3 und
Urk.
8/74/9) diagnostizierten bei der Beschwerdeführerin eine
phobische Stö
rung
bzw.
Angststörung.
Uneinig waren
sich die beiden Psychiater allerdings
bezüglich
des Schweregrades und
der Frage,
ob die Angststörung
einen Einfl
uss auf die Arbeitsfähigkeit habe
.
Diesbezüglich
ist
vorab
darauf hinzuweisen, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-
psychiatrische Interpre
tationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizi
nischem Behandlung- und Abklärungsauftrag kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteile des Bundesgerichts 9C_794/2012 vom 4. März 2013 E. 4.2, 8C_997/2010 vom 10. August 2011 E. 3.2, 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 5.1).
Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführer
in
Auto fährt (wenn
auch
– ebenfalls ihren eigenen Angaben zufolge -
nur
kurze Strecken und in Begleitung) und wenige Monate vor der
L._
-
Begutachtung
nach
T._
in die Ferien flog (
Urk.
8/56/40), erscheint die von
Dr.
H._
beschriebene
inva
lidisierende
eingeschränkte Wegefähigkeit
sodann
wenig plausibel.
Auch die Aussage
Dr.
H._
im Bericht vom
2.
September 2011
, es würde keine unerklärbaren Widersprüche geben, welche Zweifel an der Exist
enz der Schmerzen
der Beschwerdeführerin
erwecken könnten
(
Urk.
8/74/7
)
,
verträgt sich in ihrer Eindeutigkeit und Zweifellosigkeit schlecht mit der Tatsache, das
s
im zuvor erstellten polydisziplinären
L._
-
Gutachten weder aus neurologi
scher
noch
aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht eine Erklä
rung für die angegebenen Schmerzen gefunden werden konnte
, sondern viel
mehr ein offensichtlich aufmerksamkeitsbezogenes, wanderndes – und insofern höchst inkonsistentes – Schmerzverhalten festgestellt wurde (vgl. E. 3.1.2).
Weiter hat
Dr.
S._
– unter Verweis auf die übertriebene Darstellung ihres Schmerzempfindens und das erhöhte Verlangen nach Anerkennung im Zusam
menhang mit ihrem früheren 130%-Arbeitspensum - begründet dargelegt, wes
halb bei der Beschwerdeführerin eine
histrionische
akzentuierte Persönlich
keitsstruktur bzw. -akzentuierung erkennbar sei. Dies vermag
Dr.
H._
nicht zu widerlegen.
Betreffend die von der Beschwerdeführerin ausgefüllten Symptomfrageb
ögen (Beck-Depressions-Inventar
und der Hamilton
Anxiety
Scale
,
Urk.
8/38/5) ist
noch
anzumerken
,
dass diese Testergebnisse ausschliesslich auf subjektiven Anga
ben
beruhen
, die zwar im therapeutischen Rahmen nützlich, für die
Zusprache
von Sozialversicherungsleistungen aber nicht ausschlaggebend sein können (Entscheid des Bundesgerichts 9C_950/2009 vom 25. November 2010 E. 3).
3.4.
5
Demnach stellt auch
Dr.
S._
psychiatrisches
L._
-Gutachten eine zuverläs
sige Beurteilungsgrundlage dar.
Dr.
H._
Berichte vom 1
3.
Juli 2010 und
2.
September 2011 vermögen dessen Beweiswert nicht zu erschüttern.
3.4.
6
Dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischen der Berichterstattung
Dr.
H._
vom 1
3.
Juli 2010 und der
Begutachtung am 2
0.
Oktober 2010 erheblich verbessert hätte, lässt sich den Akten nicht entneh
men. Ebenso hat
Dr.
H._
im Bericht
vom
2.
Se
ptember 2011
nicht begrün
det dargetan, dass
nach der
Begutachtung vom 2
0.
Oktober 2010 eine relevante Verschlechterung des psychischen Gesund
heitszustands eingetreten wäre.
Es ist deshalb festzuhalten, dass aus psychiatrischer Sicht
nicht erst
ab
Gutachtens
zeitpunkt
,
sondern bereits im Zeitraum davor
eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit
nicht ausgewiesen ist.
3.5
3.5.1
Zu prüfen bleibt
,
ob
bereits
vor der
L._
-Begutachtung
ein befristeter Renten
anspruch der Beschwerdeführe
rin entstanden
ist.
Das sogenannte Wartejahr lief
vorliegend frühestens am 2
0.
Oktober 2009
, das heisst ein Jahr nach dem ope
rativen Eingriff vom
2
0.
Oktober
2008,
ab
(
Art.
28
Abs.
1
lit
. b
IVG
)
. Die Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin erfolgte am 1
6.
April 200
9.
Der
frühest
mögliche Beginn eines Rentenanspruchs wäre daher der
1.
Oktober 2009 (
Art.
29
Abs.
1
IVG).
Voraussetzung für einen Rentenanspruch wäre eine min
destens 40%ige Invalidität nach Ablauf des Wartejahres
(
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG, vgl. E. 1.3).
3.5.2
Die
Beschwerdegegnerin
ist
ihrer
Pflicht zur Abklärung des rechtserheblich
en Sachverhalts
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
vorliegend
nachge
kommen und hat insbesondere
Berichte von allen behandelnden Ärzten einge
holt sowie ein
für die streitigen Belange umfassendes
polydisziplinä
res Gut
achten erstellen lassen
.
Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin erklärten die
L._
-Gutachter
,
dass sich der zeitliche Verlauf des Grades der Arbeitsunfähig
keit retrospektiv nicht zuverlässig beu
rteilen lasse (
Urk.
8/56/25).
Dies ist
zunächst
deshalb plausibel, weil sich die älteren fachärztlichen Gutachten bzw. Berichte von
Dr.
I._
(
Urk.
8/54/1-11),
Dr.
J._
(
Urk.
8/53/1-6), Prof.
K._
(
Urk.
8/53/11-27) und
Dr.
F._
(
Urk.
8/32/5-6) zur Frage, ob es bei der Operation vom 2
0.
Oktober 2008 zu einer Nervenschädigung
kam
(und folglich auch zu einer
länger andauernden
Arbeitsunfähigkeit)
, diametral widerspre
chen.
Die
L._
-Gutachter
legten
sodann
zutreffend dar, dass
Dr.
I._
in ihrem (von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen) Gutachten bezüg
lich der Schmerzen sehr stark auf die subjektiven Angaben der Beschwerde
führerin abgestellt habe (
Urk.
8/72/3).
Andererseits liegt f
ür den
Zeitraum vom
2
0.
Oktober 2009 (
frühest
möglicher
Ablauf des Wartejahres)
bis zum 2
0.
Oktober 2010, als die Beschwerdeführe
rin vom
L._
begutachtet wurde,
lediglich
eine vom
behandelnden Chiropraktiker
Dr.
P._
bescheinigte, nicht hinreichend begründete Arbeitsunfähigkeit vor (Bericht der
D._
vom 1
0.
Mai
2010,
Urk.
8/33/7, vgl. auch
Unterschrift auf
Urk.
8/
12/8
).
Hausarzt
Dr.
G._
erklärte in seinem Bericht vom
9.
Juni 2010, dass er die Beschwerdeführerin im vergangenen Jahr lediglich wiederholt wegen
Baga
tellerkrankungen
gesehen habe
und
sich in die Schmerzbehandlung nicht ein
mische. Das Festlegen der Arbeitsfähigkeit erfolge in der
D._
(
Urk.
8/35/2).
3.5.3
Aufgrund des Gesagten könnte f
ür den hier mas
sgeblichen
Beurteilungszeit
raum
zwischen dem 2
0.
Oktober 2008 und dem 2
0.
Oktober 2010
auch eine
neuerliche
fachärztliche
Begutacht
ung
keinen Aufschluss darüber
bringen
,
ob und inwiefern
die Beschwerdeführerin
damals
in
rentenrelevanter Weise in
ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war.
Letztlich liegt
für die
Zeit vor der
L._
-Begutachtung
also
Beweislosigkeit vor, was sich zu Lasten der Beschwerdeführerin auswirkt, die aus dem unbewiesen gebliebenen und nicht erstellb
aren Sachverhalt ein
Recht – den Anspruch auf eine IV-Rente – ableiten will.
Im Zweifel kann nicht
zu ihren Gunsten ein
e
anbegehrte
Leistun
g zuge
sprochen werden (vgl. E. 1.5).
3.6
Da keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit gegeben
bzw. überwiegend wahrscheinlich
ist, hat die Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch.
Die Beschwerde
erweist sich dem
zufolge als unbegründet und ist
abzuweisen.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.