Decision ID: 6b9a0016-6c66-4f7c-bbc2-ee3fdd0daa0f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1955 geborene
X._
war seit Februar 2009 als Fachvorgesetzter Technik bei der
Z._
AG angestellt und in diesem Rahmen bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Un
fallmeldung vom 27. September
2017 verspürte er am 14. September
2017 beim Verschieben (Tragen) einer Kaffeemaschine mit einer weiteren Person plötzlich Schme
rzen im Schulterbereich (Urk. 10
/1). Die medizinische Erstvorstellung er
folg
te gleichentags bei Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates (Urk. 10
/10). Diese veran
lasste am 19. September 2017 eine MRT-
Arthrographie
des linken Schulterge
lenks
(Urk. 10
/30) und führte am 25. September
2017 eine Schulterarthroskopie links mit Rekonstruktion der
Supraspinatussehne
,
Débridement
an der
Subsca
pu
larissehne
, Tenotomie der langen
Bizepssehne
sowie aus
führliche
r
Acromio
plastik
und ACG-Resektion durch
(Urk. 10
/8-9). Die Suva klärte beim Versicherten die Umstände und den Hergang des Ereignisses vom 14. September
2017 ab (Urk.
10
/11) und legte die Akten Kreisarzt Dr. med.
B._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, zur Stellungnahme vor (Urk.
10
/15). Mit Schreiben vom 1. November
2017 teilte die Suva dem Versi
cher
ten mit, dass sie nicht
leistungspflichtig sei (Urk. 10
/18), woraufhin der Ver
sicherte am 8. November
2017 eine
einsprachefähige
Verfügung verlangte
(Urk. 10
/20). Nach Vorlage an die Kreisärztin Dr. med.
C._
,
Fach
ärztin für Anästhesiologie (Ärztliche Beurteilung vom 19. Dezember
2017, Urk. 10/33),
verneinte die Suva eine Leistungspflicht mit Verfügung vom 28. Dezem
ber
2017 (Urk. 10
/35). Die dage
gen erhobene Einsprache vom 15. Janu
ar 2018 (Urk. 1
0
/36) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 1. Juni 2018 (Urk.
10
/43) ab.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am
22. Juni 2018 Beschwerde (Urk. 1
0/47
)
beim hiesigen Sozialversicherungsgericht, welches den angefochte
nen
Einspracheentscheid
vom 1. Juni 2018 mit Urteil UV.2018.00151 vom 11. Sep
tember
2019 aufhob und die Sache zur Vornahme von weiteren Abklä
rungen und zu neuem Entscheid an die Suva zurück
wies
(Urk. 10/56)
.
1.2
Die Suva holte daraufhin eine chirurgische Beurteilung bei med.
pract
.
D._
, Facharzt FMH für Chirurgie,
Kompetenzzentrum Versiche
rungsmedizin Suva,
datierend vom 5. November 2019
,
ein (Urk. 10/57). Mit Ver
fügung vom 13. November 2019 verneinte die Suva
abermals
eine Leistungs
pflicht (Urk. 10/58). Die dagegen erhobene Einsprache vom 13. Dezember
2019
(Urk. 10/61) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 16. März 2020 ab (Urk. 2 = Urk. 10/65).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 4. Mai 2020 Beschwerde und beantragte,
der
Einspracheentscheid
vom 16. März 2020 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Suva leistungspflichtig sei für die Folgen des Ereignisses vom 14. Sep
tember 201
7.
Eventuell sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen und zu neuem Entscheid an die
selbe
zurückzuweisen. Ferner legte der
Beschwerde
führer
seiner Beschwerde eine Stellungnahme von Dr.
A._
vom 21. April 2020 bei (Urk. 3/4) und beantragte, die Suva sei zu verpflichten, ihm die diesbezüg
lichen Kosten im Umfang von Fr. 200.-- zu erstatten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 13. August 2020 schloss die Suva auf Abweisung der Beschw
erde (Urk. 8) und reichte eine
weitere
c
hirurgische Beurteilung von med.
pract
.
D._
vom 6. August 2020 zu den Akten (Urk.
9). Mit Verfügung vom 14. August 2020 ordnete das Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an (Urk. 11), woraufhin der
Beschwerdeführer
mit Replik vom 14. Oktober 2020 (Urk. 13) und die
Beschwer
degegnerin
mit Duplik vom 19. November
2020 (Urk. 17
,
dem
Beschwerdeführer
zuges
tellt am 21. Januar 2021 [Urk. 18]
) jeweils an ihren Anträgen festhielten.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Sache wurde zuletzt mit Urteil des Sozialversicherungsgericht
s
UV.201
8.00151
vom 11
.
September 2019
, Dispositivziffer 1, an die Beschwerde
gegnerin zurückgewiesen, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Er
wägungen
über den Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers neu verfüge (Urk.
10/56/15
).
Dabei wurden den Parteien in Erwägung
1
des Rückweisungs
entscheids die
rechtlichen Grundlagen
bereits
erläutert (Urk.
10/56/3-6
). Diese sind unverändert, weshalb darauf verwiesen werden kann.
1.2
Bei einer Rückweisung der Sache an
die V
erwaltung ist diese
und nach erneut angefochtenem Entscheid
im zweiten Beschwerdeverfahren ist
das Gericht an die Erwägungen des
Rückweisungsentscheids gebunden
(vgl. Urteil des Bundesge
richts
9
C_941/2012 vom 20. März 2013 E.
4.3.2).
1.
3
In materieller Hinsicht erwog das Sozialversicherungsgericht im Wesentlichen,
mit Blick auf den dem Ereignis vom 14. September 2017 zugrundeliegenden Ge
schehensablauf liege kein Unfall im Rechtssinne vor
(
Urk.
10/56/9-12)
.
In Bezug auf die Prüfung einer unfallähnlichen Körperschädigung lasse sich
g
estützt auf
die
Aktenlage nicht verlässlich beurteilen, ob und in welcher konkreten Ausprä
gung Listendiagnosen gemäss Art. 6 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die Unfall
versicherung (UVG)
vorliegen würden.
Ebenso
wenig
lasse sich aufgrund der medizinischen Aktenlage beurteilen, ob der Gesundheitsschaden vorwiegend auf de
generative Veränderungen oder auf das Ereignis vom 14. September
2017 zurückzuführen sei (Urk. 10/56/
12-14).
Dementsprechend
sei noch abzuklären, ob
eine konkrete Listendiagnose gemäss Art. 6
Abs. 2
lit
. f UVG vorliege und – be
jahendenfalls –
ob diese vorwiegend auf Abnützung oder Degeneration bezie
hungsweise Erkrankung zurückzuführen sei und ob der vorgenommene operative Eingriff der Heilung einer Listendiagnose oder ihrer Folgen
gedient habe
(Urk. 10/56/15).
2.
2.1
Gestützt auf die ergänz
en
den
Abklärungen
(vgl. Urk. 10/57)
erwog die
Beschwer
degegnerin
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 16. März 2020,
die vor
liegend
erhobenen Befunde entsprächen
nicht einer Listendiagnose nach Art. 6 Abs. 2 UVG. Die diagnostizierten Körperschädigungen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung und Alterung zurückzuführen. Der am 25. September 2017 vorgenommene Eingriff habe demnach nicht der Hei
lung einer Listendiagnose oder der Folgen einer
solchen
gedient (Urk. 2 S. 8 ff.).
2.2
Dahingegen stellte sich der
Beschwerdeführer
in seiner Beschwerde auf den Standpunkt, auf die Stellungnahme von med.
pract
.
D._
vom 5. November 2019
könne –
aus dive
rsen näher dargelegten Gründen –
nicht abgestellt
werden. So habe sich med.
pract
.
D._
insbesondere nicht zur Ruptur der
Supraspinatus
sehne
geäussert. Infolgedessen habe
der
Beschwerdeführer
Dr.
A._
um eine wei
tere Einschätzung gebeten.
Gestützt auf ihre Stellungnahme vom 21. April 2020 stehe fest,
dass Listendiagnosen vorgelegen hätten und diese überwiegend wahr
scheinlich nicht degenerativ bedingt gewesen seien. Die Hauptindikation zur ope
rativen Versorgung hätten vorliegend die Instabilität der langen
Bizepssehne
und die
transmurale
Supraspinatussehnenruptur
dargestellt. Damit stehe fest, dass die
Beschwerdegegnerin
die Leistungspflicht für die gesamten Behandlungskosten, die aufgrund des Ereignisses vom 14. September 2017 angefallen seien, zu über
nehmen habe (Urk. 1 S. 5 ff.).
2.3
In der Beschwerdeantwort fügte die
Beschwerdegegnerin
an,
entgegen der An
sicht des
Beschwerdeführer
s habe sich med.
pract
.
D._
bereits in seiner Beur
teilung vom 5. November
2019 zu den Defekten dreier Sehnen der
Rotatoren
manschette
und damit selbstredend auch zum Defekt an der
Supraspinatussehne
geäussert.
A
ufgrund der vom
Beschwerdeführer
aufgelegten Stellungnahme von Dr.
A._
vom 21. April 2020 sei der Fall der Versicherungsmedizin erneut zur Stellungnahme vorgelegt worden. In seiner Beurteilung vom 6. August 2020
habe sich
med.
pract
.
D._
eingehend
mit der Argumentation
von Dr.
A._
aus
einandergesetzt
.
Insgesamt seien weder die Einwände in der Beschwerde noch die
Stellungnahme
von Dr.
A._
geeignet, auch nur geringe Zweifel an den Beurtei
lungen von med.
pract
.
D._
zu wecken
(Urk. 8 S. 3 ff.).
2.4
In der Replik monierte der
Beschwerdeführer
, auch die Beurteilung vom 6. August 2020
stelle
keine geeignete E
ntscheidungsgrundlage dar
. So erweise es sich ins
besondere als fraglich, wie med.
pract
.
D._
daran festhalten könne, dass keine Listendiagnose vorliege, obwohl er gleichzeitig von einer mittels Bildgebung be
stätigten Partialruptur der
Supraspinatussehne
ausgehe. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass eine Listendiagnose im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG vorliege. Da auf die Stellungnahme von med.
pract
.
D._
nicht abgestellt werden könne, vermöge
die
Beschwerdegegnerin
den Beweis einer überwiegend degenerativen Verursachung nicht zu erbringen und sei
sie
für das Ereignis vom 14. September 2017
leistungspflichtig (Urk. 1
3
S. 3
ff.).
2.5
Duplicando
führte die
Beschwerdegegnerin
aus, med.
pract
.
D._
habe in seiner
Beurteilung vom 5. November 2019
und auch in derjenigen vom 6. August
2020 nochmals eingehend dargelegt, weshalb die Befunde in der linken Schulter und insbesondere auch die Partialruptur überwiegend degenerativ bedingt seien. Gestützt auf die objektivierbaren Befunde liege eine Partialruptur der
Supraspi
natussehne
im Sinne einer
Auftreibung
der
Supraspinatussehne
als Ausdruck einer
Tendinose
vor. Selbst wenn mit dieser Diagnose tatsächlich eine Listen
verlet
zung gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. f UVG vorliegen würde, ändere dies nichts am massgebenden Fakt, dass diese Läsion vorwiegend auf Abnützung oder
Erkran
kung zurückzuführen sei
(Urk. 17).
2.6
Strittig und zu klären ist, ob eine Listendiagnose gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vor
liegt und –
gegebenen
falls –
, ob
diese vorwiegend auf Abnützung respektive De
generation zurückzuführen ist.
3.
3.1
Aufgrund der Erwägungen im Rückweisungsentscheid des Sozialversicherung
s
gerichts vom 11. September
2019
holte
die Beschwerdegegnerin zu den bereits vorhandenen medizinischen Berichten (vgl. dazu Urteil des Sozialversicherungs
gerichts UV.2018.00151 vom 11. September 2019 E. 3
[Urk. 10/56
/7-8
]
) eine
c
hi
rurgische Beurteilung
von
med.
pract
.
D._
vom 5.
November 2019 ein. Darin
hielt med.
pract
.
D._
unter anderem
fest,
im vorliegenden Fall würden 5 Tage nach dem Ereignis vom 14. September 2017 mittels
Arthro
-MRI der linken Schul
ter Defekte dreier Sehnen der
Rotatorenmanschette
, des
Bi
z
epspulley
und des Labrum
glenoidale
objektiviert. Die Kombination dieser Veränderungen spreche in typischer Weise und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese bildgebend dargestellten Defekte vorwiegend durch Abn
ü
tzung entstanden seien
. Die Kombination der pathologischen Veränderungen an der linken Schulter des
Beschwerdeführer
s –
dazu gehörten die Arthrose des AC-Gelenks, die
Te
ndinose
der Sehne des langen
Biz
epskopfes
, die
Pulley
-Läsion und die SLAP-Läsion
als degenerative Veränderungen –
und das Alter des
Beschwerdeführer
s würden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dafür sprechen, dass die partiellen Defekte der Sehnen der
Rotatorenmanschette
vorwiegend auf dem Boden der
Tendinose
ent
standen seien und damit einem Verschleissleiden entsprechen würden.
Der vor
genommene operative Eingriff vom 25. September 2017 habe
somit
nicht der Heilung einer Listendiagnose oder der Folgen einer Liste
ndiagnose gedient (Urk. 10/57/9
-11).
3.2
Der
Beschwerdeführer
legte daraufhin eine Stellungnahme von Dr.
A._
vom 21. April 2020 vor.
Darin wurde festgehalten
, die Ruptur der
Supraspinatussehne
sei akut und eindeutig auf das Trauma zurückzuführen. Der plötzliche Funktions
verlust der Schulter durch das Ereignis
mit aufgehobener aktiver Elevation und Aussenrotation
sowie
eine fehlende fettige Atrophie
oder fettige Degeneration des Muskelbauches des
Musculus
Supraspinatus
schliesse einen relevanten Vorzu
stand aus
.
Die mediale Luxation der langen
Bizepssehne
sei leider nicht im MRI
Befund beschrieben worden, sei aber so eindeutig vorhanden, dass das entspre
chend
e
MRI-Bild
eingefügt werde. Damit die
Biz
epssehne
soweit nach medial luxieren könne, bedürfe es eines
erheblichen Traumas mit Ruptur
des medialen
Pulleys
. Deg
e
nerative
Pulley
-Läsionen gebe es fast ausschliesslich bei Wurfsport
lern mit
antero-superiorem
Impingement
. Der
Beschwerdeführer
habe keine der
artige Vorgeschichte.
Damit
sei a
uch die mediale Luxation der
Biz
eps
sehne
ein
deutig traumatischer Genese gewesen.
Die Befundung
des MRI
s
sei auch im Falle der
Rotatorenmanschettensehnen
nicht ganz korrekt: Die Ruptur der
Supraspi
natussehne
sei
transmural
, nicht nur
artikulärseitig
. Die Verän
de
rungen von
Sub
scapularissehne
(wahrscheinlich durch die luxierte
Bizepssehne
entstan
den, da Oberrandläsion) und
Infraspinatussehne
seien dagegen geringfügig, nicht rele
vant und nicht behandlungsbedürftig. Sie seien auch kein Indikator für eine hochgradige degenerative Läsion der
Supraspinatussehne
. Erneut werde auf feh
lende
Atrophiezeichen
aller Muskeln der
Rotatorenmanschette
im MRI hingewie
sen, welche bei degenerativen Rupturen immer vorhanden seien. Die geringe sta
tistische Prävalenz einer
transmuralen
Supraspinatussehnenruptur
bei ein
em zum Zeitpunkt des Unfalls 62
jährigen
Beschwerdeführer
mache eine degenerative Ge
nese der Ruptur sehr unwahrscheinlich, während sich die traumatische Ursache sehr gut nachvollziehen und
belegen lasse.
Die Hauptindikation zur operativen Versorgung der linken Schulter
hätten
die Instabilität der langen
Bizepssehne
(Schmer
zen und Instabilitätsgefühl) und die
transmurale
Supraspinatussehnen
ruptur
(Pseudoparalyse) dar
gestellt
. Die Versorgung des zusätzlich leicht schmerz
haften AC-Gelenks sei durchgeführt worden, um für die
Supraspinatus
-Sehnennaht genügend Raum zu schaffen
. Ohne die traumatischen Läsionen hätte keine Indikation zur Operation bezüglich des AC-Gelenks bestanden (Urk. 3/4).
3.3
Mit ihrer
Beschwerdeantwort reichte die
Beschwerdegegnerin
eine weitere Stellungnahme von
med.
pract
.
D._
vom 6. August 2020 zu den Akten (Urk. 9).
Darin
hielt
dieser
fest
,
Dr.
A._
gehe in ihrer Beurteilung davon aus, dass gleich
zeitig mit der akuten Zerreissung der
Supraspinatussehne
, die von lateral in das
Pulley
einstrahle, auch eine Zerreissung des medialen
Pulley
mit der Folge einer L
uxation der Sehne des langen
Biz
epskopfes
eingetreten sei. Die Ursache einer solchen Veränderung sei in etwa 10 % der Fälle traumatischer Natur und betreffe häufig den jungen Patienten. Die Häufigkeit der degenerativen Läsion nehme mit steigendem Alter zu. Die Berücksichtigung dieser Informa
tionen sowie der Tatsa
che, dass der
Beschwerdeführer
2017 bereits 62 Jahre alt gewesen sei, spreche nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dafür, dass die bildtechnisch objek
tivierten Veränderungen Folge eines akuten Traumas seien.
Im vorliegenden Fall werde mit fachradiologischem Bericht der
MR-Arthro
graphie
vom 19. S
eptember 2017 des PD Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Radiologie,
lediglich eine Partialruptur der
Supraspinatussehne
beschrieben und damit auch keine Retrak
tion des Muskels oder eines Sehnenstumpf
e
s. Damit erkläre sich, weshalb vorlie
gend keine fettige Atrophie festgestellt worden sei
und t
reffe die Argumentation von Dr.
A._
nicht zu
, wonach eine fehlende Muskel
verfettung Beleg für ein akutes Trauma sei
. Der fachradiologische Befund von PD
Dr.
E._
könne bei eigener Einsichtnahme in die Bildgebung eindeutig bestätigt werden. Auch sei mit den Bildern dieser Untersuchung eine
Auftreibung
der
Supraspinatussehne
als Ausdruck einer
Ten
dinose
objektiviert.
Eine
Tendi
nose
sei Ausdruck der De
generation der Sehne
und
entstehe nicht innert weniger Tage (vom 1
4.
bis zum 19. September
2017), sondern über lange Zeiträume. Eine trau
ma
tische Genese der bildgebend objektivierten Veränderungen der
Supra
spi
n
a
tussehne
sei somit im vorliegenden Fall nicht
mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit
belegt
.
Schä
den des
Pulleys
würden keinesfalls nur bei Ausübung einer Wurfsportart auftre
ten
. Neben einem akuten Trauma, das wie bereits oben zitiert zu 10 % als Ursache anzusehen sei, würden
in der medizinischen Literatur
auch repetitive Mikrotrau
men, ein
Impingement
, degenerative Veränderungen und eine Ausdehnung von Defekten der
Rotatorenmanschette
bis in das
Pulley
und damit chronische dege
nerative Prozesse als Ursachen genannt
.
Tendi
notische
Veränderungen könnten – ohne jegliches Trauma –
dazu führen, dass Sehnen
im Verlauf der Zeit
Zusam
menhangstrennungen und Defekte ausbilden würden. Die Sehnen der
Rotatoren
manschette
und insbesondere die
Supraspinatussehne
wür
den aufgrund ihrer ho
hen Belastung als besonders gefährdet gelten.
Zu beachten sei, dass der
Beschwer
deführer
wohl Diabetiker sei und
e
in Diabetes mellitus gehäuft mit Veränderun
gen im Sinne von Schädigungen an den Sehnengeweben einher
gehe
.
Schmerzen und eine daraus resultierende Funktionsstörung der Schul
ter könnten viele ver
schiedene Ursachen haben. Aus dem Auftreten von Schmerzen könne daher nicht überzeugend darauf geschlossen werden, dass mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ein Trauma v
orgelegen habe
.
Die Argumen
ta
tion von Dr.
A._
vermöge medizinisch nicht zu überzeugen und führe nicht zu einer Änderung der Beurtei
lung
vom 5. November 2019 (Urk. 9).
4
.
4
.1
Med.
pract
.
D._
verneinte das Vorliegen einer Listendiagnose damit, dass die Schäden degenerativer und nicht traumatischer Natur seien
(E. 3.1, E. 3.3)
.
Damit
lässt
er
ausser Acht, dass die Diagnose eines Sehnenrisses nicht davon abhängt, ob die Ruptur traumatisch oder degenerativ bedingt ist (Urteil des Bundesgerichts
8C_618/2019
vom 18. Februar 2020 E. 6.2.2) und diese Frage –
im Rahmen der juristischen Prüfung der Leistungspflicht
–
erst
im Zusammenhang mit dem so
genannten Entlastungsbeweis
des Unfallversicherers
zu prüfen
ist
(
vgl.
Ad-Hoc-Kommission Schaden UVG, Empfehlungen zur Anwendung von UVG und UVV vom 10. Juli 1986,
Revision per 24. März 2017, S. 3)
.
D
en Beweiswert
seiner me
dizinischen Beurteilung
en
vermag dies indes
nicht zu schmälern
.
So ist
hinsicht
lich der Prüfung einer Listendiagnose einzig
massgebend, dass
auch
med.
pract
.
D._
vom Vorliegen einer Partialruptur der
Supraspinatussehne
ausgegangen ist
(Urk. 9 S. 3), was sodann
auch die
Beschwerdegegnerin
anerkannte
(Urk. 17 S. 2
Rn
3). Damit ist (zumindest; vgl.
dazu
nachfolgend E. 4.2
) ein partieller Riss der
Supraspinatussehne
zweifelsfrei nachgewiesen und liegt eine Listendiagnose gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. f UVG vor, für welche
die Vermutung der Leistungs
pflich
t des Unfallversicherers gemäss Art. 6 Abs.
2 UVG
greift (Urteil des Bun
desgerichts 8C_618/2019 vom 18. Februar 2020 E. 6.2.4).
Dr.
A._
diagnostizierte d
arüber hinaus eine Luxation der langen
Bizepssehne
bei medialer
Pulley
-Ruptur (Urk. 3/4 S. 1
-2
).
Dies steht in Einklang mit der von PD
Dr.
E._
am 19. September 2017 angefertigten Bildgebung, wo ebenfalls ein Riss des
Pulley
und eine Luxation der langen
Bizepssehne
festgestellt wurde
n
(Urk. 10/30).
Med.
pract
.
D._
stellte in seiner Beurteilung vom 6. August
2020 denn auch nicht die bildgebend dar
gestellten Veränderungen des Biz
eps-
Pulleys
in Ab
rede, sondern lediglich
deren
–
für die Einstufung als Listendiagnose
wie bereits dargelegt
nicht relevante
–
traumatische Verursachung (Urk. 9 S. 3
).
Mit
dem
Riss des
Pulley
s
sowie
der
Luxation der langen
Bizepssehne
sind dem
zufolge
weitere Listendiagnosen gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG
ausgewiesen.
Die Schädi
gungen an der
Infraspinatus
- und
Subscapularissehne
sind gemäss über
einstim
mender Beurteilung von med.
pract
.
D._
und Dr.
A._
lediglich ge
ring
fügig
ausgeprägt und vermögen eine Listendiagnose nich
t zu rechtfertigen (Urk. 10/57/8
-10,
Urk
.
3/4 S. 3). Weitere Diagnosen, welche als Listenverlet
zung
gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG in Frage kommen, wurden im Rahmen der nach dem Rückweisung
s
entscheid erstatteten Berichte
nicht gestellt
(E. 3)
und sind auch mit
Blick auf die weiteren medizinischen Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit aus
gewiesen (vgl. dazu E. 5.2 des Rückweisungsentscheides [Urk. 10/56
/12-13
]).
Zusammengefasst sind damit die
Diagnosen einer Partial
r
uptur de
r
Supraspi
natussehne
sowie ein Riss des
Pulley
s
und eine Luxation der langen
Bizepssehne
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen
. Diese Diagnosen stellen Lis
tenverletzungen im Sinne von
Art. 6 Abs. 2 UVG
dar
.
Damit ist die
Beschwerde
gegnerin
grundsätzlich leistungspflichtig (Art. 6 Abs. 2 UVG).
Zu klären bleibt, ob sich die Beschwerdegegnerin
im
angefochtenen Entscheid
zu
R
echt auf den Standpunkt stellte,
die Körperschädigungen seien
vor allem auf Abnü
tzung und degenerative Veränderungen zurückzuführen, womit eine Leistungspflicht
ent
falle (E. 2.1
, E. 2.5
).
4.2
4.2.1
Der angefochtene Entscheid basiert auf den Beurteilungen von med.
pract
.
D._
vom 5. November 2019 (Urk. 10/57) und vom 6. August 2020 (Urk. 9). Med.
pract
.
D._
verfügt als Facharzt für Chirurgie über eine für die Beurteilung des streitigen Leidens angezeigte medizinische Ausbildung.
Da er als
Facharzt des Kompetenzzentrums Versicherungsmedizin Suva
ausschliesslich Unfallpatienten, Körperschädigungen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilt und therapeutisch begleitet, verfügt er über besonders aus
geprägte
traumatologische
Kenntnisse und Erfahrungen (Urteil des Bundesge
richts 8C_59/2020 vom 14. April 2020
E. 5.2
mit Hinweisen). Inwiefern
Dr.
A._
aufgrund ihres Facharzttitels in Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs
apparates zur Beurteilung der hier strittigen Kausalitätsfrage per se kompetenter sein soll
(Urk. 1 S. 5)
, lässt sich nicht erkennen.
Med.
pract
.
D._
berücksichtigte sämtliche medizinische
n
Vorakten
einschliesslich Bild
gebung
und setzte sich da
bei ausführlich mit den radiologisch sowie intraoperativ erhobenen Befunden und den biomechanischen Zusammenhängen auseinander. In seine Beurteilung bezog er
neben dem Alter des
Beschwerdeführer
s mit ein, dass mit der Arthrose des AC-Gelenks, der
Te
ndinose
der Sehne des langen
Biz
epskopfes
sowie der
Pulley
- und der SLAP-Läsion Veränderungen bestünden,
welche
er
allesamt
einem degenera
tiven Geschehen
und nicht einer frischen Läsion zuschrieb
(E. 3.1)
.
Med.
pract
.
D._
legte somit grundsätzlich in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb er zur Einschätzung gelangte, die Defekte an der linken Schulter seien vorwiegend auf Abnützung und Alterung zurückzuführen.
4.2.2
Den Befunden, auf welche sich med.
pract
.
D._
zur Begründung eines vorwie
gend degenerativen Leidens stützte, widersprach Dr.
A._
in ihrer Beurteilung vom 21. April 2020 nicht, beurteilte aber sowohl die Verletzung der
Supraspi
natussehne
als auch die Luxation der langen
Bizepssehne
mit Riss im
Pulley
als traumatisch bedingt (Urk. 3/4).
Zur
Begründung ihrer Kausalitätsbeurteilung
ver
wies
sie
unter anderem auf
einen nach dem Ereignis eingetreten plötzlichen Funk
tionsverlust der Schulter
.
Vorliegend
habe sich keine Atrophie oder fettige Dege
neration des Muskelbauches des
Musculus
Supraspinatus
gezeigt, wobei bei einer chronischen
transmuralen
Ruptur immer Zeichen einer fettigen Atrophie unter
schiedlicher Grade vorhanden seien. Degenerative
Pulley
-Läsionen gebe es fast ausschliesslich bei Wurfsportlern mit
antero-superiorem
Impingement
, der Be
schwerdeführer habe aber keine solche Vorgeschichte.
Tendinotische
Verände
rungen seien in vielen Sehnen vorhanden und würden nicht automatisch zur Spontanruptur führen. Die Ruptur der
Supraspinatussehne
sei
– entgegen der Befundung im MRI vom 19. September
2017 –
transmural
, nicht
artikulärseitig
ge
wesen
. Die
gering
e statistische Prävalenz einer
transmuralen
Supraspi
natus
seh
nenruptur
bei einem zum Zeitpunkt des Unfalls 62jährigen Beschwerdeführer ma
che eine degenerative Genese der Ruptur sehr unwahrscheinlich, während sich die traumatische Ursache sehr gut nachvollziehen und belegen lasse (
E. 3.2
).
4.2.3
Zu diesen Vorbringen nahm med.
pract
.
D._
am 6. August 2020 ergänzend Stellung (
E.
3.3
).
Dabei gewichtete er
d
ie verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, aus mediz
inischer Sicht und
äus
serte sich
im Einzelnen zu den von Dr.
A._
für das Vorliegen einer traumati
schen
Genese vorgebrachten Argumenten
.
Med.
pract
.
D._
widerlegte mit sei
ner Beurteilung
vom 6. August 2020
– in Einklang mit der fachradiologischen
Beurteilung von PD
Dr.
E._
(Urk. 10/30) –
schlüssig, dass
nach dem Ereignis eine
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
vorgelegen hat
te
. Seine Ein
schätzung
, wonach lediglich eine Partialruptur vorliege
,
begründete er nachvoll
ziehbar
damit,
dass der Bildgebung kein Kontrastmittel in
d
er Bursa
subacromi
alis
zu entnehmen
sei
(Urk. 9 S. 4).
Zudem
entkräftete
med.
pract
.
D._
mit seinen Ausführung
en die Behauptung von Dr.
A._
,
wonach
das Feh
len einer
Atro
phie
oder fettige
n
Degeneration
der Muskulatur eine traumatische Ur
sache der Verletzungen der
Supraspinatussehne
zu belegen
vermöge
. So legte er nach
vollziehbar dar, dass
eine
fettige
Atrophie
insbesondere bei einer –
vorlie
gend nicht ausgewiesenen
–
Retraktion des Muskels oder eines Sehnenstumpf
e
s auftre
te
n
würde
. In diesem Zusammenhang
zeigte
med.
pract
.
D._
weiter
schlüssig
auf
, dass
die – insoweit unbestrittenen –
tendinopathischen
Verände
rungen an der
Supraspinatussehne
(insbesondere
deren
Auftreibung
; vgl. auch Urk. 10/30/1
)
nicht in
der
kurzen
Zeitspanne
zwischen dem Ereignis vom 14. Sep
tember
2017
und der Durchführung des MRIs vom 19. S
eptember 2017 entstehen konnten und damit einen Vorzustand darstellen.
Soweit med.
pract
.
D._
seinen Schluss auf eine
vorwiegend degenerative Genese
auch mit dem Alter des
Be
schwerdeführer
s begründet
,
wird
seine
Einschätzung
durch die medizinische Literatur unter
mauert. Danach sind degenerative Sehnenveränderungen an der Schulter ein weit verbreiteter Befund (
Urteil des Bundesgerichts 8C_595/2016 vom 2. November 2016 E. 5.3 mit Hinweis auf
Echtermeyer
/
Sangmeister
, Praxis
buch Schulter, Stuttgart/New York 1996, S. 178; Alfred M.
Debrunner
, Orthopä
die/Ortho
pä
dische Chirurgie,
4.
Aufl., Bern 2002, S. 725 f
.). Diese
Einschätzung bekräftigend
wies med.
pract
.
D._
zudem
daraufhin, dass es sich beim
Be
schwerdeführer
ver
mut
lich
um einen Diabetiker handle, womit eine grössere Wahrscheinlichkeit von
Schädigungen des Sehnengewebes
einhergehe
(E. 3.3)
.
Insgesamt legte med.
pract
.
D._
schlüssig dar, dass beim
Beschwerdeführer
– trotz ereignisnah eingetretenem Funktionsdefizit –
mehr Indizien vorliegen, die für eine degene
rative Genese der Verletzung sprechen, als solche, die einen trau
matischen Ursprung nahelegen.
Damit vermag die gegenteilige Einschätzung von Dr.
A._
keine auch nur geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssig
keit der versicherungs
internen ärztlichen Abklärungen zu wecken.
4.3
Nach dem Dargelegten
ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit
erstellt
, dass
die Veränderungen im Bereich
der
Rotatorenmanschette
vor
wiegend
auf degenerative Verän
derungen zurückzuführen sind. Bei dieser Akten
lage
sind weiter
gehende medizinische Erhebungen
nicht erforderlich (antizipierte Be
weiswürdigung; BGE 136 I 229 E.
5.3 mit Hinweis), da hiervon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.
4.4
Mit seiner Beurteilung vom 6. August 2020 hat med.
pract
.
D._
zwar
zu den
Argumente
n
von Dr.
A._
Stellung genommen
, im Wesentlichen aber nur bestätigt,
dass die zahlreichen degenerativen Veränderungen gegen eine trauma
tische Genese sprechen,
wobei er die degenerativen Faktoren
ber
eits in seiner Beurteilung vom 5
. November 2019
aufgeführt und seinen Schluss bereits dazu
mal nachvollziehbar
begründet
hatte
(
vgl.
E. 4.2.1)
. Da
die Beschwerdegegnerin das Einholen der Stellungnahme von Dr.
A._
vom 21. April 2020
damit
nicht durc
h vor
Entscheiderlass
nur unzureichend durchgeführte Sachverhaltsabklä
rungen
veranlasst
hat (vgl. dazu etwa
Bundesgerichtsurteil 8C_207/2015 vom 29. September
2015 E. 4)
,
sind ihr dementsprechend in diesem Zusammenhang keine Kosten aufzuerlegen.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.