Decision ID: 64c8425b-49b0-4599-bfeb-69d8f996b191
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1981,
erlitt am 1. Januar
2001 einen
Un
fall
, für deren Folgen
sie
bei der
Elvia
(heute: Allianz) versichert war
(
Urk.
8/1001)
. Das hiesige Gericht entschied mit Urteil vom 21. September 200
6
im Verfahren Nr.
UV.2005.00239
, dass der Unfallversicherer auch nach dem 31.
Dezember 2004 leistungspflichtig sei (
Urk.
8/1120)
. Dies wurde
vom Bundesge
richt
mit Urteil vom
23.
April 20
07 bestätigt (
Urk.
8/1129)
.
1.2
Die Allianz stützte sich in der Folge unter anderem auf ein
am 27. Oktober
/24.
September 2008 erstattetes Gutachten (
Urk.
9/2057,
Urk.
9/2058),
Observations
berichte
vom
15. April und 25. November 2009 (
Urk.
8/1176,
Urk.
8/1177)
und ein
weiteres
,
von den Ärzten der
Klinik Y._
am 25. Juni 2012 erstat
tetes Gutachten (
Urk.
9/2067)
und stellte mit
Verfügung
vom
1. November 2012
ihre Leistungen per 30. Juni 2012 ein
(
Urk.
8/1222)
. Dagegen erhob die Versi
cherte am
2.
November
und
1
2.
Dezember 2012
Einsprache
(
Urk.
8/1223,
Urk.
8/1225)
.
Mit
Verfügung 14. Februar 2014
verneinte die Allianz einen
Taggeldanspruch
vom 31. Dezember
2004 bis 30. Juni 2012 infolge Überentschädigung
(
Urk.
8/1236). Dagegen erhob die Versicherte am
17. März 2014
Einsprache
(
Urk.
8/1237)
.
Mit
E
inspracheentscheid
vom
29. Juli 2014
hiess
die Allianz die Einsprachen
soweit gut, als die Leistungen per 14. August 2014 eingestellt wurden; d
a
rüber hinaus wies sie sie ab
(
Urk.
8/1239 =
Urk.
2)
.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 29. Juli 2014
(
Urk.
2)
erhob die Versicherte am
15. September 2014
Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben, so
weit er ihren Anspruch nach dem 14. August 2014
verneine
(
Urk.
1
S. 2 Mitte Ziff. 1
)
.
Die Allianz beantragte mit
Beschwerdeantwort 9. Januar 2015 (
Urk.
7)
die Ab
-
wei
sung
der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 27. Januar 2015 wurde von den Ärzten der
Klinik Y._
eine ergänzende Stellungnahme eingeholt (
Urk.
10). Diese wurde am 15. Juni 2015 erstattet (
Urk.
16), dies nach erneuter Untersuchung der Beschwerdeführerin am 11. Mai 2015 (S. 2 oben). Die Beschwerdeführerin nahm dazu am 8. Juli 2015 Stellung (
Urk.
21), die Beschwerdegegnerin am 13. Juli
2015 (
Urk.
22), was der jeweiligen Gegenpartei am 14. Juli 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfaller
eignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürli
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetre
tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bezie
hungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereig
nis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 26. April 1995). Das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massgebend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
status
quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
status
quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36
Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Gemäss Art. 61 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) werden, wenn sich eine versicherte Person ohne zureichenden Grund weigert, sich einer zumutbaren Behandlung zu unterziehen, nur die Leistungen gewährt, die beim erwarteten Erfolg der Massnahme wahrscheinlich hätten entrichtet werden müssen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2) davon aus,
die Beschwerdeführerin hätte im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht ge
mäss Art. 61 UVV die vom psychiatrischen Gutachter empfohlene
Therapie
möglichkeit
wahrnehmen müssen (S. 14 Ziff. 2.7.8). D
ie mit Verfügung vom
1. November 2012 erfolgte Leistungseinstellung infolge Erreichen des Sta
tus quo ante sei dahin zu korrigieren, als ein solcher in Anwendung der gesetz
lichen Schadenminderungspflicht per 14. August 2014 hätte erreicht werden sollen (S. 15 Ziff. 2.8). Sodann liege zusammen mit der von der Invalidenversi
cherung ausgerichteten Rente eine Überentschädigung vor, weshalb die an sich aufgelaufenen Taggelder nicht ausgerichtet werden könnten (S. 17 Ziff. 3.4). Mit dem Wegfall des
rechtsgenüglichen
Kausalzusammenhangs entfalle auch ein Anspruch auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung (S. 18 Ziff. 4.3).
In der Beschwerdeantwort
machte
sie unter anderem
geltend
, dass - anders als im angefochtenen Entscheid ausgeführt -
das Taggeld nicht vom mutmasslich
entgangene
n Verdienst
, sondern
vom
versicherte
n
Verdienst
gemäss Art. 15
Abs.
2 UVG berechnet werde
(
Urk.
7 S. 14 Ziff. 22-29)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), gemäss dem rechtskräftigen Urteil von 2006 sei der natürliche und adäquate Kausalzusammenhang gegeben, was die Beschwerdegegnerin zumindest für eine der Diagnosen (Angststörung mit
agoraphober
Vermeidung) ausdrücklich aner
kenne (S. 7 Ziff. 14 f.). Es treffe ferner nicht zu, dass si
e
keine Behandlung auf
genommen beziehungsweise die entsprechende Mitteilung an die
Beschwerde
gegnerin
unterlassen
habe (S. 7 ff. Ziff. 16 ff.); für eine Anwendung von Art. 61 UVV verbleibe deshalb kein Raum (S. 10 Ziff. 21). Der von der
Beschwerdegeg
nerin
angenommene mutmasslich entgangene Verdienst sei, aus näher darge
legten Gründen, zu tief (S. 10 ff. Ziff. 22 ff.)
; es resultiere keine
Überentschädi
gung
(S. 12 Ziff. 28).
2.3
Strittig ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ab
15. August 2014
so
wie, ob der Taggeldanspruch
vom 1. Januar
2005
bis zur Leistungseinstellung
infolge Überentschädigung entfällt.
3.
3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. September 2006 (
Urk.
8/1120) wurde der medizinische Sachverhalt wie folgt zusammengefasst (S. 14 E. 4.2):
Es steht ausser Zweifel, dass die Beschwerdeführerin am 1. Januar 2001 ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat.
Sodann steht fest, dass der Verlauf schon sehr kurze Zeit von namhaften psy
chischen Schwierigkeiten nicht nur geprägt, sondern nachgerade dominiert wurde, während keine Anhaltspunkte für somatische Beschwerden als Folge des Schädelhirntraumas bestehen. Davon ausgenommen sind die persistieren
den, multifaktoriell bedingten Kopfschmerzen, die nebst psychi
schen Faktoren auch der erlittenen Verletzung zugeschrieben wurden.
Schliesslich ist davon auszugehen, dass im psychischen Bereich ein Vorzustand bestanden hat, nämlich eine dissoziative Verhaltensstörung, welche durch das unfallbedingte Schmerzsyndrom reaktiviert wurde. Dies hat dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin den erlittenen Unfall weniger gut verarbeiten konnte als ohne vorbestehende dissoziative Verhaltensstörung. Nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters bewirken die psychischen Beschwerden eine voll-ständige Arbeitsunfähigkeit, wovon 70
%
dem Unfall und 30
%
dem
Vorzu
stand
anzurechnen seien.
Damit stand fest,
dass die zu beurteilenden Beschwerden als solche psychogener Natur zu betrachten
waren
, sowie dass sie teilweise (70
%
) in natürlichem Kau
salzusammenhang mit dem Unfall st
and
en und teilweise (30
%
) auf einen
Vor
zustand
zurückg
ing
en
(S. 14 E. 4.3)
.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
nannte in seinem Gutachten vom 27. Oktober 2008 (
Urk.
9/2057) folgende Diagnosen nach ICD-10 (S. 12 f. Ziff. 1.5):
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, F62.0 (als Folge der ehemals zu diagnostizierenden posttraumatischen
Belastungs
störung
)
;
gemischte dissoziative Störung, F 44.7
, als auch organisch be
dingt zu interpretieren, F06.5
Angst und depressive Störung gemischt, F41.2
Anzeichen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung, F45.4
Die Arbeitsfähigkeit bezifferte der Gutachter mit 0
%
in angestammter und an
-
ge
passter Tätigkeit (S. 17 f. Ziff. 3.1.1 und 3.2.1).
4
.
4.
1
Die Fachpersonen der
Klinik Y._
erstatteten - nach psychiatrischer, neurologischer und neuropsychologischer Untersuchung - am 25. Juni 2012 eine auf eine
r
Konsensuskonferenz
vom 20. März 2012 basierende interdiszipli
näre Zusammenfassung (
Urk.
9/2067).
4.
2
In der genannten Zusammenfassung wurde ausgeführt,
aus psychiatrischer Sicht sei von einer auffälligen Persönlichkeitsstruktur mit leicht eingeschränk
ten Ressourcen und damit verminderter Belastungstoleranz gegenüber jeglichen Belastungsereignissen auszugehen. Es dominierten die Merkmale einer
histrio
nische
n
Persönlichkeitsstörung (F60.4)
und die Versicherte habe schon vor dem Unfall, beginnend im Spätsommer 1998
,
infolge von diversen
Belastungsereig
nissen
unter Zeichen von Somatisierung und insbesondere unter mehrfachen
Beschwerden aus dem dissoziativen Formenkreis gelitten (S. 1). Aktuell bestehe
wahrscheinlich noch eine Angststörung mit
agoraphober
Vermeidung (F40.01)
; eine solche Angststörung könne in aller Regel durch entsprechende Therapie wirksam verbessert beziehungsweise weitgehend zum Verschwinden gebracht werden, dies längstens im Laufe von wenigen Monaten (S. 2 unten). Ferner be
stehe eine
Neigung zu dissoziativer Symptomatik
verschiedener Art
(S. 3 oben)
. Die vorliegende
Kopfschmerzsymptomatik
habe zweifellos auch psychogene Anteile und könne neben dem Aspekt des Medikamentenübergebrauchs-Kopf
schmerzes
auch als chronische Schmerzstörung mit psychischen und somati
schen Faktoren (F45.41) verstanden werden (S. 3)
. Schliesslich wurde ein
Ver
dacht auf
Benzodiazepinmissbrauch
(F13.1)
genannt (S. 3 Mitte).
4.
3
Aus neurologischer Sicht wurde ausgeführt, es sei aufgrund der aktuellen
Untersu
chungsresultate
und Verhaltensbeobachtungen davon auszugehen, dass es im Laufe der Jahr
e zu einer deutlichen Verbesserung der Kopf- und
Nacken
schmerzen
gekommen sei, wobei die Angaben der Versicherten hinsichtlich des Bestehens eines fast maximalen Schmerzgrades auf der Skala der Kopfschmer
zen dazu im Widerspruch stünden. Die aktuell erhobenen objektiven Befunde deckten sich mit dem, was auf den Observationsvideos dokumentiert worden sei, nämlich das Fehlen einer Beweglichkeitseinschränkung von Kopf und Hals, keine Schonhaltung bezogen auf die Wirbelsäule und auch kein mimischer Ausdruck, der dem subjektiv angegebenen Schmerzgrad entsprechen würde
(S. 3 unten).
Aus neurologischer Sicht träfen die 2009 gestellten Diagnosen (chro
nisch-
myofasziales
,
zervikospondylogenes
und
zervikozephales
Schmerz
-
syn
drom
sowie
lumbospondylogenes
Syndrom rechts, dies bei
Wirbelsäulenfehl
haltung
und Insuffizienz der rumpfstabilisierenden Muskulatur) zu (S. 4 oben). Eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) könne nicht diagnostiziert werden; aktuell bestünden folgende Diagnosen (S. 4 Mitte):
Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch (G44.41)
dissoziative Anfälle, derzeit in Remission (F44.5)
4.
4
Im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung habe sich ein
sehr in
-
homo
genes Muster von Testresultaten
ergeben
(S. 4 Mitte)
. Als
Diagnose
wurde eine unspezifische neuropsychologische Störung aufgrund einer wahr
scheinlichen Aggravation der Beschwerden (F68.0)
genannt (S. 5 Mitte).
4.
5
Die
allgemeinen
Gutachterfragen wurden wie folgt beantwortet:
Zur Anamnese wurde unter anderem ausgeführt, es bestünden weiterhin unauflös
bare Widersprüche zwischen dem, was aufgrund der Akten erstellt sei und den Angaben der Versicherten und ihrer Mutter (S. 6 Ziff. 1.1).
Zu den subjektiven Angaben wurde unter anderem ausgeführt, die Angaben zur Symptomatik seien in verschiedener Hinsicht pauschal und dramatisierend, schlecht konturiert. Mit der relativ grössten Deutlichkeit könne der Tagesablauf herausgearbeitet werden, worin der Ehemann und insbesondere die Eltern in hohem Ausmass involviert seien; diesbezüglich ergäben sich übereinstimmende Angaben, die auch mit dem, was man auf den Observationsaufnahmen sehe, übereinstimmten (S. 6 Ziff. 1.2).
Zum Befund wurde unter anderem ausgeführt, hinsichtlich der
Beschwer
-
deanga
ben
zu den Kopfschmerzen blieben unüberbrückbare Wider
sprüche zum objektiven Verhalten, den objektiven Untersuchungsbefunde
n
an Kopf und Nacken, der beobachtbaren Affektivität der Versicherten und auch den Videoaufnahmen. Die
agoraphobe
Vermeidungsproblematik wirke dramati
sierend ausgebaut und übertrieben. Jedoch bestehe mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ein solches
agoraphobes
Vermeidungsverhalten; die betreffenden Angaben deckten sich auch mit dem Observationsmaterial (S. 6 Ziff. 1.3).
Betreffend bewusstseinsnahe Tendenzen zur Beschwerdeverdeutlichung oder -vortäuschung wurde unter anderem ausgeführt, dies seien wahrscheinlich die Angaben zu angeblich aktuell noch weiter bestehenden flashbackartigen Erleb
nissen im Zusammenhang mit der Unfallsituation (von 2001), die atypisch und nicht-authentisch wirkten. Ferner ergäben sich unauflösbare Widersprüche hin
sichtlich der Intensitätsangabe der Kopfschmerzen und der objektiven Untersu
chungsbefunde und Verhaltensbeobachtungen. Ferner sei auf die stark unein
heitlichen und teilweise
unplausiblen
Testleistungen in der Neuropsychologie zu verweisen (S. 6 Ziff. 1.4).
4.
6
Zur Kausalität wurde unter anderem ausgeführt, aus neurologischer Sicht könne nicht von einer unfallbedingten HWS-Distorsion ausgegangen werden und die aktuell geklagten Kopfschmerzen seien als Folge des
Medikamentenüberge
brauchs
zu werten; ferner sei es nicht möglich, die angegebenen Kopf- und
Na
ckenschmerzen
als Unfallfolge einzuordnen (S. 7 oben).
Andererseits sei es aus einer Gesamtsicht beziehungsweise insbesondere aus einer psychiatrischen Sicht doch überwiegend wahrscheinlich, dass der heutige Zustand anders und besser wäre, wenn sich nicht der Unfall von 2001 zugetra
gen hätte. Die schon vor dem Unfall vorhandenen dissoziativen Störungen hät
ten durch den Unfall eine vorübergehende Akzentuierung erfahren; in den letz
ten Jahren seien sie - im Vergleich zum Beschwerdeniveau vor dem Unfall - deutlich
geringgradiger
ausgeprägt beziehungsweise
gar nicht mehr vorhanden (S. 7 Mitte). Neben der psychogenen Komponente der Kopfschmerzen habe sich schliesslich eine
agoraphobe
Angststörung herausgebildet. Diese sei zwar durch
bestimmte unfallfremde Faktoren zusätzlich beeinflusst worden, doch bestehe noch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Bezug zum Unfall, dies aber als quantitativ nachrangiger teilkausaler Faktor (S. 7 unten).
Als unfallfremde Faktoren wurde
n
eine schon vor dem Unfall vorhandene Auffäl
ligkeit in der Persönlichkeitsstruktur mit verminderten Ressourcen auf der Persönlichkeit
sebene, eine zeitnah zum Unfall
bestehende Unsicherheit betref
fend Aufenthaltsstatus sowie Faktoren der Familiendynamik genannt (S. 8 oben).
Hinsichtlich der vorbestehenden dissoziativen Störung sei der Status quo ante mit Blick auf den Verlauf der letzten beiden Jahre wahrscheinlich wieder er
reicht beziehungsweise sogar übertroffen worden. Hinsichtlich der
Kopf
schmerzsymptomatik
und der
agoraphoben
Vermeidungssymptomatik sei ein Status quo ante jedoch nicht erreicht. Bezogen auf die dissoziative
Beschwer
desymptomatik
sei es ausserordentlich schwierig, unter Abstraktion des Unfalls einen wahrscheinlichen Verlauf über die letzte
n
zehn Jahre hypothetisch fest
zulegen; wahrscheinlich wäre es auch ohne den Unfall durch Mechanismen der Nachreifung zu einer Abnahme der dissoziativen Symptoma
tik gekommen (S. 8 Ziff. 2.2.2).
4.
7
Betreffend Endzustand wurde ausgeführt, hinsichtlich der
Kopfschmerz
-
symptoma
tik
- die aus streng neurologisch-somatischer Sicht keine direkte Unfallfolge mehr sei - sei
kein Endzustand erreicht
; im Gegenteil sollte endlich eine konsequente Behandlung erfolgen, nämlich eine stationär durch
geführte rehabilitative Massnahme mit allgemeiner Aktivierung der Versicher
ten und schrittweisem Entzug der Schmerzmittel. Diesbezüglich sei also kein Endzustand erreicht (S. 8 Ziff. 3.1).
Dasselbe gelte auch für die
agoraphobe
Angstsymptomatik, die einer übenden Verhaltenstherapie, stationär oder ambulant, gut zugänglich sein sollte (S. 9 oben).
B
ei fortbestehender Annahme eines belastenden Schmerzsyndroms
werde
der
Endzustand vermutlich erst bei konsequentem Schmerzmittelentzug erreicht sein
(S. 9 Ziff. 3.2).
Wenn die vorgeschlagenen Therapien an die Hand genommen würde
n
, sollte längstens in einem halben Jahr - bei normgerechten Engagement der Patientin - ein positives Resultat zu erzielen sein, welches ihre Arbeitsfähigkeit wieder her
stelle und das Beschwerdeniveau erheblich reduziere (S. 9 Ziff. 3.3).
Der Status quo ante oder Status quo sine könne mit einer solchen Behandlung weitgehend erreicht werden (S. 9 Ziff. 3.4).
4.
8
Im gesamten Verlauf vor und nach dem Unfall wirkten auch unfallfremde, sozio
kulturelle Faktoren auf den Verlauf entscheidend ein. Dies treffe auch für die letzte Zeit zu. Es sei davon auszugehen, dass die
agoraphobe
Vermeidungs
problematik
der Versicherten nie in einem dermassen ausgeprägten Grad ange
halten hätte, wenn die Familiendynamik anders wäre (S. 9 Ziff. 4.1.1). Die Ver
sicherte verfüge zweifellos über die nötigen körperlichen und geistigen Ressour
cen, um alles Zumutbare zu unternehmen, damit sich ihre psychischen Beein
trächtigungen nicht mehr auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirkten (S. 10 Ziff. 4.1.2). Es liege keine typische oder gar schwerer ausgebildete
somatoforme
Störung vor (S. 10 Ziff. 4.1.3).
Aus somatischer Sicht könnten der Versicherten andere
Tätigkeiten mit ähnli
chem Schweregrad wie
die
angestammte
Tätigkeit
(Servicemitarbeiterin)
zuge
mutet werden
,
nämlich wechselbelastende Tätigkeit
en
mit leichter körperlicher Arbeit. P
sychiatrisch
seien der Versicherten
- nach erfolgter Verhaltenstherapie -
sämtliche Tätigkeiten zumutbar, die aus somatischer Sicht zumutbar seien
(
S. 11
Ziff. 4.2.2)
.
Die Grundlagen für einen Integritätsschaden aus neurologischer oder psychiatri
scher Sicht seien nicht gegeben (S. 12 Ziff. 5).
5.
5.1
Am 28. August 2013 berichtete
lic
. phil.
A._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (
Urk.
8/1235/B), und führte aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit Dezember 2012 behandle (S. 1 Ziff. 2). Sie nannte folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
F40.01 Angststörung mit
agoraphober
Vermeidung
F44.5 dissoziative Sturzanfälle
F45.41 chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fak
toren
F13.1
Benzodiazepinübergebrauch
Die Prognose bezeichnete sie als leicht positiv. Die Beschwerdeführerin habe gelernt, alleine mit dem Taxi statt begleitet vom Ehemann in die Therapie zu kommen; in Vorbereitung sei der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch übe die Patientin, sich allein mit ihrer kleinen Tochter ausserhalb der Wohnung aufzuhalten, was bereits für kurze Zeitintervalle möglich sei (S. 2 Ziff. 3).
5.2
A
m 17. März 2014 (
Urk.
8/1237 =
Urk.
8/1235/A) führte der Rechtsvertreter unter anderem aus, seine Klientin habe das Medikament
Temesta
zirka im No
vember
/
Dezember 2013 eigenständig abgesetzt. Die Frage eines allfälligen
Benzodiazepinmissbrauchs
stelle sich daher nicht mehr (S. 1
lit
. A.bb).
5.3
Lic
. phil.
A._
(vorstehend E. 5.1)
und
Dr.
med.
B._
,
Fachärz
tin
für Neurologie,
führte
n
in ihrem Bericht vom 3. Februar 2015 an die Beschwerdegegnerin (
Urk.
13/1) unter anderem aus,
die Behandlung finde ein
mal wöchentlich statt, ein Behandlungsabschluss sei noch nicht absehbar (S. 1 Ziff. 1).
Die Beschwerdeführerin habe in den vergangenen zwei Jahren in kleinsten Schrit
ten gelernt, sich ausser Haus und im öffentlichen Verkehr fortzubewegen. Sie könne sich nun im Freien alleine aufhalten, aber nur in einem kleinen, gut eingeübten, bekannten Radius (S. 1 Ziff. 2).
Sie habe noch immer grosse Angst vor dem Verkehr, wage sich heute aber schnel
ler an eine neue Aufgabe heran, dies allerdings nur mit Begleitung (S. 1 Ziff. 3).
Die Prognose sei unsicher (S. 2 Ziff. 4).
5.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Konsili
ararzt Zentrum für Begutachtung,
Klinik Y._
, der die Beschwer
deführerin schon im Rahmen des 2012 erstatteten Gutachtens untersucht hatte, erstattete dem Gericht am 15. Juni 2015 seinen psychiatrischen Untersuchungs
bericht (
Urk.
16).
Er stützte sich dabei auf die am 11. Mai 2015 erfolgte Explo
ration (S. 2 oben).
Er
berichtete
über
den allgemeinen Eindruck und seine Feststellungen zur Interak
tion (S.
4 f.), die inhaltlichen Angaben der Beschwerdeführerin (S. 5 ff.), namentlich zur laufenden Therapie (S. 7 f.) und zum Beschwerdeerleben (S. 8 f.), sowie die Ergebnisse des Medikamentenspiegels (S. 9).
In seiner Beurteilung führte er aus, es falle auf, dass die Verhaltenstherapie hin
sichtlich ängstlicher,
agoraphober
Vermeidung
zwar Fortschritte mache, aber äusserst langsame (S. 9 unten). Es scheine, dass die Beschwerdeführerin eine sehr einfühlsame Therapeutin gefunden habe, die auch auf Wünsche bezie
hungsweise Ängste und Vermeidungsverhalten ihrer Patientin eingehe und sich ihr diesbezüglich auch anpasse, was allerdings dem Therapieziel einer deutlich besseren Funktionalität nicht unbedingt dienlich sei (S. 10 Mitte).
Die Angaben hinsichtlich der örtlichen Orientierungsschwierigkeiten wirkten ungewöhnlich. Selbst Patienten mit erheblichen kognitiven Einschränkungen durch Schmerzen seien in aller Regel örtlich prompt orientiert auf bekannten Wegen; auch habe die Beschwerdeführerin anlässlich des Gangs durch die Kli
nik eine gute örtlich-bildliche Erinnerungsfähigkeit gezeigt (S. 10).
Weiterhin falle der fortgesetzte, gemäss eigenen Angaben doch erhebliche Schmerzmittelkonsum für die Kopfschmerzen auf, was - unabhängig vom Ab
setzen der Benzodiazepine (das bestätigt werden könne; S. 11 unten) - wahr
scheinlich zur Aufrechterhaltung der Kopfschmerzproblematik wesentlich bei
tragen dürfte (S. 10 unten).
Während der Untersuchung hätten sich - näher dargelegte -
Befunde
ergeben, die vor dem Hintergrund von typischen Präsentationen von
Traumafolgestörun
gen
und möglichen dissoziativen Manifestationen atypisch seien (S. 11). As
pekte eines
sekundären Leidensgewinns im Zusammenhang mit der als sehr hilfreich geschilderten Rolle des Familiensystems seien naheliegend. Inwiefern der fortgesetzte Patientenstatus und die äusserst langsamen Therapiefortschritte damit zu
tun
h
ä
tten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Problematik eine Rente (plus Kinderrenten) der Invalidenversicherung beziehe, sei eine Frage, die lediglich aufgeworfen, aber nicht beantwortet werden könne (S. 11 unten).
In seinen Schlussfolgerungen führte
Dr.
C._
aus, die psychische Angststörung mit
agoraphober
Vermeidung sei mittlerweile relevant gebessert. Am geschil
derten restlichen Umfang dieser Angststörung bestünden erhebliche Zweifel hinsichtlich der Authentizität dieser Schilderungen. Selbst im Falle eines Beste
hens dieser restlichen Angststörung sei nunmehr davon auszugehen, dass dieser Rest durch Willensanstrengung überwindbar sei, wozu die Beschwerdeführerin über die nötigen Ressourcen verfüge. Weiterhin bestünden Kopfschmerzen mul
tifaktorieller Genese, die den Anlass für eine regelmässige Einnahme von
Dafalgan
(in wohl geringerer Dosis als angegeben) bildeten, was aber trotzdem, wie schon im Gutachten von 2012, kritisch zu werten sei. Positiv anzumerken sei, dass die Medikamentenspiegelkontrolle kein
e
Benzodiazepine im Serum habe nachweisen können, was die diesbezüglichen Angaben der Beschwerde
führerin zu stützen scheine und die Verhaltenstherapie der Angststörung unter
stütze. Insgesamt habe sich insofern wahrscheinlich eine Verbesserung des psy
chischen Zustandes eingestellt (S. 12).
Es ergebe sich somit für den aktuellen Zeitpunkt kein Hinweis auf eine psychi
sche Störung, die nicht überwindbar wäre und somit eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit aus psychischer Sicht rechtfertigen könnte (S. 13 oben).
6.
6.1
Im Gutachten von 2012 war ausgeführt worden, bezüglich der dissoziativen Störung sei der Status quo ante wieder erreicht worden (vorstehend E. 4.6).
Hingegen sei hinsichtlich der Kopfschmerzsymptomatik - die aus streng neuro
logischer Sicht keine direkte Unfallfolge mehr sei - noch kein Endzustand er
reicht. Auch bezüglich der
agoraphoben
Angstsymptomatik sei kein Endzustand erreicht. Beides sei einer Therapie zugänglich (E. 4.6).
6.2
Mit Schreiben vom 14. Februar 2014 teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwer
deführerin mit, sie führe nun formell das Mahn- und
Bedenkzeitver
fahren
durch und gewähre ihr eine Frist von 30 Tagen, um den Nachweis eines Behandlungsaufgebotes (betreffend die im Gutachten von 2012 empfohlenen Therapien) zu erbringen
, andernfalls würde sie den Status quo ante
vel
sine als eingetreten erachten
(
Urk.
8/1235).
6.3
Am 17. März 2014 teilte die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin mit, sie befinde sich seit Dezember 2012 in psychotherapeutischer Behandlung und habe das Medikament
Temesta
zirka im November
/
Dezember 2013 eigenstän
dig abgesetzt (
Urk.
8/1237), dies unter Beilage eines Berichts ihrer Therapeutin vom 28. August 2013 (
Urk.
8/1235/B).
6.4
Im angefochtenen Entscheid stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Stand
punkt, bis zu dessen Erlass
sei die Beschwerdeführerin eine Therapie nicht an
gegangen beziehungsweise es
sei
ihr - der Beschwerdegegnerin - kein solcher Therapiebeginn gemeldet worden, weshalb sie in Anwendung von Art. 61 UVV (vgl. vorstehend E. 1.4) die Leistungen gewähre, die beim erwarteten Erfolg der Massnahme wahrscheinlich hätten entrichtet werden müssen. Der medizinische Endzustand und damit gleichzeitig der Status quo sine hätten somit spätestens per 14. August 2014 (6 Monate nach der Verfügung vom 14. Februar 2014) er
reicht werden können, womit per diesem Datum ein Leistungsanspruch entfalle (
Urk.
2 S. 14 Ziff. 2.7.8).
6.5
Der Standpunkt der Beschwerdegegnerin findet in den Akten keine Stütze. Wohl trifft es zu, dass im Gutachten von 2012 Therapievorschläge genannt wurden und dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin am 14. Februar 2014 förmlich ermahnt hat, sich in Therapie zu begeben.
Gänzlich unzutreffend ist jedoch die Annahme, die Beschwerdeführerin habe sich geweigert, sich einer zumutbaren Behandlung zu
unter
ziehen. Vielmehr hat sie sich weit über ein Jahr vor der Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin in psychotherapeutische Behandlung begeben (vorstehend E. 5.1), was der
Be
schwerdegegnerin
bekannt war, seit sie den Bericht der Therapeutin als Beilage zum Schreiben vom 17. März 2014 erhalten hatte (vorstehend E. 6.3). Mit glei
chem Datum hatte die Beschwerdeführerin mitgeteilt, sie habe das Medikament
Temesta
aus eigenem Antrieb abgesetzt, w
omit
zutreffendenfalls die
Therapie
empfehlung
betreffend Benzodiazepin-Übergebrauch hinfällig geworden war.
6.6
Für die Anwendung von Art. 61 UVV fehlt es somit an der dort vorausgesetzten Weigerung der versicherten Person. Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machen sollte, im Gutachten von 2012 sei eine stationäre Therapie als am bes
ten geeignet bezeichnet worden und die Beschwerdeführerin habe lediglich eine Therapie aufgenommen,
s
o wäre dies als überspitzter Formalismus ausser Be
tracht zu lassen und auch nicht mit dem Wortlaut von Art. 61 UVV zu verein
baren, der die Weigerung, sich (irgend) einer zumutbaren Behandlung zu unter
ziehen, voraussetzt.
6.7
Sowohl die Berufung auf Art. 61 UVV wie auch das arbiträre Ansetzen des End
zustands per Mitte August 2014 erweisen sich damit als
unzutreffend.
Damit fehlt es an einer faktengestützten und
rechtsgenüglichen
Rechtfertigung für die Leistungseinstellung per 14. August 2014.
Diesbezüglich ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben beziehungsweise anzupassen
(nachstehend E. 6.9)
.
6.8
Nachdem das Gericht die von der Beschwerdegegnerin unterlassene
Sachver
-
halts
abklärung
nachgeholt hat, liegt mit der - als Verlaufsgutachten
einzu
-
stufenden - Beurteilung durch
Dr.
C._
eine ausreichende
Entscheid
grundlage
vor. Der Gutachter hat mit einlässlicher Begründung ausgeführt, dass im Untersuchungszeitpunkt (Mitte
Mai
2015) keine nicht überwindbare, eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit aus psychischer Sicht rechtfertigende psychische Störung mehr vorlag (vorstehend E. 5.4 am Schluss).
Dazu hat die Beschwerdeführerin betreffend die Überwindbarkeit auf das mittler
weile als BGE 141 V 281 amtlich publizierte Urteil hingewiesen, gemäss welchem die Überwindbarkeitsrechtsprechung aufgegeben worden sei (
Urk.
2
1
S. 3 Ziff. 5). Aufgegeben wurde tatsächlich die Vermutung der Überwindbarkeit und deren gesonderte Prüfung anhand entsprechender Kriterien durch die Rechtsprechung (vgl. BGE 141 V 281 E.
3.5
).
Nach wie vor beachtlich bleibt hingegen Art. 7
Abs.
2 Satz 2 ATSG, wonach nur Beeinträchtigungen relevant sind, die aus objektiver Sicht nicht überwindbar sind (BGE 141 V 281 E. 3.7.1). Die gutachterliche Feststellung beschlägt nun offensichtlich diese zweite Ebene der Überwindbarkeit aus objektivierter Perspektive und - als medizinische Fest
stellung - nicht jene der Überwindbarkeitsprüfung seitens der Rechtsanwen
dung. Somit ist sie auch im Lichte der neusten Rechtsprechung als überzeugend und anschlussfähig einzustufen, womit auf sie abzustellen ist.
6.9
Gestützt auf das eingeholte Verlaufsgutachten ist somit festzuhalten, dass spätes
tens ab 11. Mai 2015 (Untersuchungszeitpunkt) keine
anspruchsrelevan
ten
Einschränkungen mehr bestanden. Mit diesem Datum endet somit die
Leis
tungspflicht
der Beschwerdegegnerin.
Dahingehend ist der angefochtene Ent
scheid abzuändern.
7.
7.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1 Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
darf das Zusammentreffen von Leistungen verschiedener Sozialversicherungen nicht zu einer Überentschädigung der be
rechtigten Person führen.
Gemäss Art. 69
Abs.
2 ATSG liegt eine Überentschädigung in dem Masse vor, als die gesetzlichen Sozialversicherungsleistungen den wegen des Versiche
rungsfalls mutmasslich entgangenen Verdienst zuzüglich der durch den Versi
cherungsfall verursachten Mehrkosten und allfälliger Einkommenseinbussen von Angehörigen übersteigen.
7.2
Gemäss Art. 51
Abs.
3 UVV entspricht der mutmasslich entgangene Verdienst dem Verdienst, den die versicherte Person ohne schädigendes Ereignis erzielen würde, wobei das tatsächlich erzielte Einkommen angerechnet wird.
Dem tatsächlich erzielten Einkommen ist die Arbeitslosenentschädigung als tat
sächlich erzieltes Einkommen gleichgesetzt (BGE 139 V 519 E. 5)
, nicht aber das hypothetische Invalideneinkommen im Sinne dessen, was die versicherte Person bei zumutbarer Verwertung einer Restarbeitsfähigkeit hätte erzielen können (BGE 117 V 394 E. 4b)
.
7.3
Der entgangene Verdienst entspricht nicht dem letz
ten versicherten Verdienst, sondern dem Verdienst, den die versicherte Person ohne eingetretene
n
Schaden erzielen könnte (BGE 130 V 433
=
Pra
2005 Nr. 127
E. 4.5).
Bei der Festsetzung des mutmasslich entgangenen Verdienstes
ist nicht der ausge
glichene Arbeitsmarkt im Sinne von Art. 16 ATSG massgebend, sondern es ist den spezifischen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen der versi
cherten Person auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen (Urteile des Bundesgerichts 8C_128/2013
vom 15. Juli 2013 E. 2.2, B 119/06 vom
7. November 2007 E. 3.3, B 17/03 vom
2.
September 2004 E. 4.4)
, dies als Aus
druck der weitgehenden Parallelität, aber nicht Kongruenz, des mutmasslich entgangenen Verdienstes mit dem hypothetischen
Valideneinkommen
(BGE 137 V 20 E. 5.2.3.1). Die genannte Parallelität kommt etwa dort zum Ausdruck, wo zu prüfen ist, ob im Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich ein beruflicher Aufstieg erfolgt wäre und beim mutmasslich entgangenen Verdienst
- gleich wie zutreffendenfalls beim
Valideneinkommen
-
zu berücksichtigen sei
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_128/2013 vom 15. Juli 2013 E. 3.3).
7.
4
Die Feststellung der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
,
das Tag
geld werde nicht bezogen auf den mutmasslich entgangenen, sondern bezogen auf den versicherten Verdienst berechnet (
Urk.
7 S. 14
Ziff.
22-29), ist zwar richtig. Unerfindlich ist jedoch, was die Feststellung mit der Frage der
Überent
schädigung
zu tun hat, ist doch nicht die Höhe des der Beschwerdeführerin zu
stehenden Taggelds strittig, sondern ob
der Vergleich von Taggeld plus Renten der Invalidenversicherung mit dem mutmasslich entgangenen Verdienst eine
Überentschädigung
ergibt.
7.5
Entscheidend ist nach wie vor die Frage, wie vorliegend der mutmasslich
ent
-
gan
gene
Verdienst zu ermitteln ist.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 14. Februar 2014
(
Urk.
8/1236)
Taggeld
und
Renten der Invalidenversicherung einem mutmass
lich entgangenen Verdienst von
Fr.
12‘675.-- gegenübergestellt
(
S. 4 f.
Ziff.
2.5)
, wobei dieser Betrag dem von ihr ermittelten versicherten Verdienst
(S. 4
Ziff.
2.3)
entsprach. Im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) hat sie den mut
masslich entgangenen Verdienst ebenfalls ausgehend von
Fr.
12‘675.-- im Jahr 2004 beziffert (
Urk.
2 S. 16
Ziff.
3.3.4).
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, sie habe bis Mitte Dezem
ber 2000, mithin bis kurz vor dem am 1. Januar 2001 erlittenen Unfall, nebst der bei der Beschwerdegegnerin versicherten Tätigkeit eine weitere Er
werbstätigkeit ausgeübt, dies mit einem auf ein Jahr umgerechneten Einkom
men von rund
Fr.
36‘000.--, und sie hätte am 3. Januar 2001 wieder eine ver
gleichbare Stelle angetreten (
Urk.
1 S. 11 f.
Ziff.
24 f.).
7.6
Die (auf zwei Stellen verteilte) Vollzeitbeschäftigung der Beschwerdeführerin
bis kurz vor dem Unfall
wurde nicht in Frage gestellt und ist auch aktenmässig ausgewiesen (
Urk.
8/1006,
Urk.
8/
1012 Beilage 1).
Es sind keine Gründe ersichtlich und insbesondere auch von der
Be
-
schwerdegeg
nerin
nicht angeführt worden, die gegen die Annahme sprechen, dass die im Unfalljahr 20-jährige und kinderlose Beschwerdeführerin ohne den eingetretenen Schaden weiterhin in einem vollen Pensum erwerbstätig gewesen wäre.
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sie gemäss eigenen Angaben vor dem
15. Dezember 2010 (richtig: 2000) mehr als 100
%
gearbeitet hat (
Urk.
1 S. 11
Ziff.
26 a
m Schluss), was zutreffend erscheint: Der Bruttolohn vom 1. Januar bis 16. Dezember 2000 von
Fr.
34‘448.-- (
Urk.
8/1012 Beilage 1) entspricht bei einem vereinbarten Stundenlohn von
Fr.
19.50 (
Urk.
8/1006) rund 1‘767 Ar
beitsstunden, entsprechend rund 1‘843 Stunden im Jahr (1‘767 : 11.5 x 12), was
bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.8 Stunden im Jahr 2000 (Die Volkswirtschaft 1/2-2010, S. 94, Tab. B9.2) 44 Arbeitswochen ergibt, was wie
derum einem Pensum von rund 85
%
entspricht (44 : 52 x 100).
Das Pensum an der bei der Beschwerdegegnerin versicherten Arbeitsstelle betrug 15 von 45
be
triebsüblichen
Arbeitsstunden (
Urk.
8/1001
Ziff.
12), mit
hin
rund 33
%
, so dass insgesamt ein Pensum von 118
%
resultiert.
7.7
Mit Blick auf den mutmasslich entgangenen Verdienst kann nicht von einem fortgesetzten Pensum von 118
%
ausgegangen werden. Dementsprechend ist das auf ein Jahr hochgerechnete
,
2000 erzielte Einkommen von
Fr.
48‘675.-- (
Fr.
12‘675.-- +
Fr.
36‘000.--) auf ein Pensum von 100
%
umzurechnen, was im Jahr 2000
Fr.
41‘250.-- ergibt. Dieser Betrag wiederum ist an die
Nominallohn
entwicklung
(
www.bsf.admin/ch
, Suche: „Lohnindex“,
Lohnindex 1939=100, Ta
belle T 39, Frauen
) anzupassen, dies mit folgenden Ergebnissen:
Jahr
Indexstand
Fr.
2000
2‘190
41‘250
2005
2‘386
44‘942
2006
2‘417
45‘526
2007
2‘454
46‘223
2008
2‘499
47‘070
2009
2‘552
48‘068
2010
2‘579
48‘577
2011
2‘604
49‘048
2012
2‘630
49‘538
2013
2‘648
49‘877
2014
2‘673
50‘348
7.8
Es
ist
als überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, dass die Beschwerdeführe
rin im Gesundheitsfall bis zur Geburt der ersten Tochter im November 2010 (vgl.
Urk.
9/2066 S. 55 Mitte) zu 100
%
und später allenfalls in reduziertem Umfang
erwerbstätig gewesen wäre.
Dementsprechend bemisst sich der mutmasslich entgangene Verdienst ausge
hend vom auf ein Jahr umgerechneten und der Nominallohnentwicklung ange
passten Einkommen bei einem Pensum von 100
%
(vorstehend E. 7.7).
Auf dieser Basis ist die Überentschädigungs
b
erechnung vorzunehmen.
In diesem Punkt ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie nach im Sinn der Erwägungen erfolgter Überentschädigungsberechnung neu verfüge.
8.
8.1
Die Beschwerdeführerin obsiegt betreffend Dauer des Taggeldanspruchs teil
weise; die Rückweisung (betreffend Überentschädigung) gilt ebenfalls als Obsie
gen.
Dementsprechend steht ihr eine Prozessentschädigung zu, die beim praxis
-
gemäs
sen Stundenansatz von
Fr.
200.-- für bis Ende 2014 angefallenen Aufwand (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
2‘400.-- (inklusive Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin z
u bezahlen ist.
8.2
Die Beschwerdegegnerin hat vor Erlass des angefochtenen Entscheids den Sachverhalt ungenügend abgeklärt, was das Gericht veranlasst hat, ein
Ver
laufsgutachten
einzuholen, auf dessen Grundlage nunmehr entschieden werden konnte (vorstehend E. 6.8). Die entsprechenden Kosten von
Fr.
7‘429.30 (
Urk.
2
0) sind deshalb von der Beschwerdegegnerin zu tragen.