Decision ID: c0a404c8-8a47-431d-9cde-fcd62bf1c1ea
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 2. Juni 2022 im Bundesasylzentrum Zü-
rich ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 2. Mai 2018 in Kroatien, 16. Oktober
2019 in Slowenien, 28. November 2019 in Frankreich und 3. Dezember
2021 in Deutschland um Asyl nachgesucht hatte (vgl. Akten der Vorinstanz
[SEM act.] 2 und 8).
B.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-
führer am 13. Juni 2022 im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung
das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Deutschlands oder Frankreichs für
die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälli-
gen Rückkehr in eines dieser Länder sowie zum medizinischen Sachver-
halt. Bezogen auf Frankreich erklärte er, dort wegen seiner Zugehörigkeit
zur ethnischen Minderheit der «Juhuro» schikaniert worden zu sein. Ihm
sei deswegen Schlimmes widerfahren und er habe sogar die Unterkunft
wechseln müssen. Er habe Antisemitismus erlebt und bereue es, dies in
Paris bei der Polizei nicht zur Anzeige gebracht zu haben. Gegen eine
Wegweisung nach Frankreich spreche ausserdem, dass er eine Deporta-
tion nach Aserbaidschan befürchte bzw. grosse Angst vor einer Wegwei-
sung dorthin habe. Zum Gesundheitszustand führte er aus, dass es ihm
sehr schlecht gehe. In Frankreich sei er im Januar und April 2021 an Covid
erkrankt. Sodann habe er Diabetes und Herzprobleme, derentwegen er
sich in Frankreich zweimal einer Bypass-Operation habe unterziehen müs-
sen. Überdies leide er an psychischen Problemen. Er befinde sich seit
neun Jahren auf der Flucht, was ihm sehr zusetze. Er wisse nicht, weshalb
man so mit ihm umgehe, er sei doch ein anständiger Mann.
Am Ende der Befragung reichte der Beschwerdeführer eine Medikamen-
tenkarte ein, auf welcher die Namen von fünf Medikamenten figurierten,
welche er einnehme. Sodann gab er an, sich in zahnärztlicher Behandlung
zu befinden (SEM act. 12).
Zwei Tage später ergänzte die zugewiesene Parteivertretung den medizi-
nischen Sachverhalt mit weiteren Unterlagen (SEM act. 16-21).
C.
Am 14. Juni 2022 ersuchte das SEM die deutschen Behörden um Über-
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nahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
D.
Nachdem die deutschen Behörden dieses Ersuchen am 17. Juni 2022 ab-
gelehnt hatten, wandte sich die Vorinstanz gleichentags mit einem gleich-
lautenden Ersuchen an die französischen Behörden (SEM act. 22 und 23).
Letztere stimmten dem Übernahmeersuchen am 1. Juli 2022 gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO zu (SEM act. 25).
E.
Mit Verfügung vom 4. Juli 2022 (eröffnet am 6. Juli 2022) trat die Vorinstanz
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstellung nach
Frankreich und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton
Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte ihm die editionspflichtigen
Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme
(SEM act. 26).
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 7. Juli 2022 beantragte der Beschwerdefüh-
rer, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und sein Asylgesuch in
der Schweiz zu prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerdeschrift lag die Terminbestätigung für eine auf den 18. Juli
2022 angesetzte zahnärztliche Behandlung bei (BVGer act. 1).
G.
Am 8. Juli 2022 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG
den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2).
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
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Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die
Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Behandlung des Asyl-
gesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-
staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das
Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-
tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten
Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7
Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-
punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-
über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
die antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-
nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO). Analoges gilt bei einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt wurde und der in einem anderen
Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines
anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält (Art. 18 Abs. 1 Bst. d
Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht
ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE
2010/45 E. 8.3).
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 28. November 2019 u.a. in Frank-
reich ein Asylgesuch gestellt hatte. Das SEM ersuchte die französischen
Behörden deshalb am 17. Juni 2022 um Übernahme des Beschwerdefüh-
rers (SEM act. 23). Diese stimmten dem Übernahmeersuchen am 1. Juli
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2022 zu. Die Zustimmung stützte sich auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-
VO (SEM act. 25). Die grundsätzliche Zuständigkeit Frankreichs ist somit
gegeben. Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.
5.2 Nachfolgend ist demnach im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Frankreich würden
systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-
lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2 Gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich
der Wiederaufnahmeverfahren liegen im heutigen Zeitpunkt keine Gründe
für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragstellende in Frankreich wiesen systemische Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf (vgl. hierzu u.a.
Urteile BVGer F-2042/2022 vom 20. Mai 2022 E. 6.3, E-1234/2022 vom
23. März 2022 E. 5.3, F-2682/2021 vom 23. Juni 2021 E. 7.2 oder
F-2608/2021 vom 9. Juni 2021 E. 5).
6.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
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7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner knapp gehaltenen Rechtsmittel-
eingabe hierzu lediglich geltend, sich vor einer Rückkehr nach Aserbaid-
schan zu fürchten. Die Vermutung, dass Frankreich als Mitglied des Ge-
meinsamen Europäischen Asylsystems und Vertragsstaat der vorstehend
erwähnten völkerrechtlichen Abkommen die Menschenrechte beachtet,
kann im Einzelfall widerlegt werden. Die antragstellende Person hat dazu
jedoch konkret darzulegen beziehungsweise mindestens glaubhaft zu ma-
chen, dass eine aktuelle und ernsthafte Gefahr einer Verletzung einer di-
rekt anwendbaren Norm des Völkerrechts droht (BVGE 2010/45 E. 7.4 f.).
7.2 Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung des Asylge-
suches des Beschwerdeführers in Frankreich mangelhaft gewesen sein
könnte und seine Wegweisung – sollte sie bereits ergangen sein – in Ver-
letzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden wäre. In diesem Zu-
sammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein allfälliger definitiver Ent-
scheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung ins Heimatland nicht eo
ipso eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen (siehe
F-1234/2022 E. 6.2).
7.3 Als Hauptgrund für das Einreichen des Rechtsmittels nennt der Be-
schwerdeführer aber ohnehin medizinische Gründe. Im Vordergrund steht
eine zahnärztliche Folgebehandlung vom 18. Juli 2022, anlässlich derer
ihm Zahnprothesen eingesetzt werden sollen. Für diese Behandlung benö-
tige er Zeit. Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine
zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen
nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen.
Ein solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person
durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer
ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden
oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde
(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.4 Eine solche Situation liegt aufgrund der aktenkundigen und geschilder-
ten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht vor. Der Beschwerdeführer
gab anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 13. Juni 2022 an, an Diabetes
und Herzbeschwerden zu leiden, psychische Probleme zu bekunden und
entsprechende Medikamente einzunehmen (SEM act. 12). Gemäss der im
vorinstanzlichen Verfahren eingereichten medizinischen Dokumentation
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wurden bei ihm ein metabolisches Syndrom mit Diabetes Typ II, Bluthoch-
druck, Übergewicht, Brustschmerzen, psychische Probleme und ein erhöh-
ter Tuberkulosewert diagnostiziert. Die Laboruntersuchungen hätten aber
keinen Hinweis auf Tuberkulose ergeben und eine Überweisung an einen
Spezialisten erscheine nicht angezeigt. Ferner wurde die Medikation ange-
passt. Wegen des sehr schlechten Zahnstatus erhielt er für den 13. Juni
2022 ausserdem einen Zahnarzttermin (siehe SEM act. 17-20). Aufgrund
dessen ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer nicht zwingend in der
Schweiz aufhalten muss, sondern eine adäquate Behandlung der aufge-
zählten Leiden in Frankreich ebenfalls möglich ist. Dementsprechend ge-
lingt es ihm nicht, nachzuweisen, dass er nicht reisefähig sei oder eine
Überstellung nach Frankreich ihn gesundheitlich ernsthaft gefährden
würde. Sein Gesundheitszustand vermag eine Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs im Sinne der restriktiven Rechtsprechung nicht zu recht-
fertigen. Zu ergänzen wäre, dass es dem Beschwerdeführer möglich war,
den laut Beschwerdeschrift für den Einsatz von Zahnprothesen vorgese-
henen Folgetermin beim Zahnarzt vom 18. Juli 2022 wahrzunehmen.
7.5 Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforder-
liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die er-
forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls ei-
ner geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Frankreich über eine
ausreichende, auch abgewiesenen Asylsuchenden offenstehende medizi-
nische Infrastruktur verfügt, weshalb sich der Beschwerdeführer im Be-
darfsfall an das dafür zuständige medizinische Fachpersonal wenden kann
(vgl. etwa E-1234/2022 E. 6.7). Festzuhalten ist darüber hinaus, dass die
schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfü-
gung beauftragt sind, allfällig bestehenden besonderen medizinischen Be-
dürfnissen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung
des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die französischen Behörden
vorgängig darüber informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Dies ist vorlie-
gend bereits geschehen, figurieren die geltend gemachten Leiden (Herz-
probleme, Diabetes, Bluthochdruck, psychische Probleme) doch in der Be-
schreibung der Überstellungsmodalitäten (SEM act. 27).
8.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der
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Anwendung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9
E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu
beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Er-
messensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermes-
sens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusam-
menhang weiterer Äusserungen.
9.
Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Frankreich der für die
Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-
gliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
10.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu
Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
11.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
12.
Der am 8. Juli 2022 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil
dahin.
13.
Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Somit sind
die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrens-
kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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