Decision ID: 8136b8d9-884b-46cd-aefb-7bed76ec87d2
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren
1958,
absolvierte i
m ehemaligen Jugoslawien
eine Lehre als
Schneiderin
.
In der Schweiz
übte
s
ie
mit
längeren
Unterbrüchen
, in welchen sie sich der Hausarbeit widmete,
diverse Hilfstätigkeiten
für verschie
dene Arbeitgeber
aus und führte eine Zeit lang ein Restaurant. Zuletzt arbeitete sie Teilzeit als Reinigungsangestellte
für die Firmen
A._
und
B._
(
Urk.
7/36/86
,
7/3/4
,
7/36/105
,
7/49/1
und 7/93/7 f.
).
1.2
Im Mai 2002 meldete
sie sich erstmals
wegen diverser physischer und psychischer Beschwerde
n
, unter anderem Rücken- und Kopfschmerzen,
zum Rentenbezug bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), an (
Urk.
7/3
mit
Hinweis auf
Urk.
7/1
). Diese holte einen Auszug aus dem individuellen Konto ein (
Urk.
7/7) und klärte den medizinischen Sachverhalt ab (
Urk.
7/8-9).
So
dann verneinte sie mit Verfügung vom
1.
April 2003, gestützt auf eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD;
Urk.
7/14), einen Leistungsanspruch gegenüber der Invalidenversicherung (
Urk.
7/17).
1.
3
Nach
einem Sturz auf den Hinterkopf und
Rücken
im Februar 2012
(
Urk.
7/36/
168
)
übernahm
die Suva als
zuständiger
Unfallversicherer
zunächst
die Heilbe
handlungskosten und
zahlte ein Taggeld aus (
Urk.
7/36/2 f.)
.
Gestützt
auf
das Ergebnis der kreisärztlichen Untersuchung
(
Urk.
7/36/67 f. und 7/36/83 ff.)
stellte sie die Leistungen indes
per
Ende
Januar 2013 ein (
Urk.
7/33).
Im Feb
ruar 2013
meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (
Urk.
7/30
f.
) und reichte
hierzu
einen Arztbericht
nach
(
Urk.
7/35).
Die IV-Stelle zog die Akten der Suva
bei
(
Urk.
7/36
)
, nahm
diverse medizinische Berichte
zu den Akten
(
Urk.
7/37)
und holte einen
Auszug aus dem indi
viduellen Konto (
Urk.
7/38) sowie eine
RAD-
Stellungnahme
(
Urk.
7/39/3 f.) ein. Hernach kündigte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom
4.
September 2013 die Abweisung
d
es Lei
stungsbegehrens an (
Urk.
7/40).
Dagegen erhob
die
se
Einwand
(
Urk.
7/43) und
liess mit Hilfe des
Sozialdienst
es
der
Gemeinde
X._
(
Urk.
7/45
) ihre Behandlungspersonen Stellungnahmen verfassen (
Urk.
7/46 und 7/49).
In der Folge
gab die IV-Stelle ein internistisches, psych
i
atrisches, rheumatolo
gisches und neurologisches
Gutachten in Auftrag (
Urk.
7/59), das am 1
9.
Septem
ber 2014 vom Zentrum
C._
erstattet
wurde
(
Urk.
7/63)
.
Darin wurde festge
stellt
, dass eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
derzeit
nicht möglich sei
. Insbesondere sei die Abgrenzung bewusstseinsnahe
s
Verhalten versus dissoziativ-regressive Symptomatik nicht mit der notwendigen Sicherheit möglich. Es
werde
daher
eine stationäre Auf
nahme zur Beobachtung und intensiven
internistischen und psychiatrischen
Behandlung empfohlen (
Urk.
7/63/36 f.). Die
IV-Stelle
auferlegte
der Versicherten
deshalb
eine entsprechende M
itwirkungspflicht
(Urk. 7/65).
Diese liess sich
so
dann
vom
5.
bis 2
4.
November 2014 stationär in der Psychiatrischen Klinik
D._
behandeln (
Urk.
7/72
/1
)
.
Den Austrittsbericht
(
Urk.
7/72) sowie einen Verlaufsbericht
der
ambulant
behandelnden
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
E._
(
Urk.
7/75)
,
legte
die IV-Stelle den
Gutachtern des
C._
vor
. Diese kamen zum Schluss, dass sich daraus bezüglich der
in ihrem
Gutachten offengelassenen Fragen keine neuen Erkenntnisse ergäben
,
und empfahlen eine weitere stationäre Abklärung
mit vorgängiger Aufklärung über die Problematik
(
Urk.
7/78
/4 f.
).
Eine solche ordnete die IV-Stelle mit Mitteilung vom 1
6.
Februar 2016 an (
Urk.
7/82)
und
wurde vom 2
5.
bis 2
9.
April 2016 im
Psychiatrischen
Ze
n
trum
F._
durchgeführt. Das entspre
chende psychiatrische Gutachten des Leitenden Arztes,
Dr.
G._
, datiert vom 1
8.
August 2016 (
Urk.
7/93).
Schliesslich verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
5.
Januar 2017 einen Rentenanspruch
der Versicherten
(
Urk.
2).
Diese reichte im Februar 2017 zusätzlich ein Gesuch um Ausrichtung einer
Hilf
losenentschädigung
ein
(
Urk.
7/113).
2.
Gegen
den Rentenentscheid
erhob die
anwaltliche vertretene (
Urk.
4)
Gemeinde
X._
mit Eingabe vom
2.
Februar 2017 Beschwerde. Darin beantragte sie, der Versicherten die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invaliden
rente zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle (
Urk.
1 S. 1 und 10).
In der Beschwerdeantwort vom 1
3.
März 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
In der Folge lud das Gericht die Versicherte zum Prozess bei (
Urk.
8; Zustellbeleg
Urk.
9). Diese verzichtete indes auf die Einreichung einer Stellungnahme (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten, so ist sie verpflichtet, das neue Leistungsbegehren in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen; sie hat dabei in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17 ATSG vorzugehen. Die Frage nach der wesentlichen Änderung in den tatsäch
lichen Verhältnissen beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verneinung eines Rentenanspruchs, hier also am
1.
April 2003, bestanden hat mit demjenigen zur Zeit der angefochtenen Verfügung (vgl. BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 f.).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 E. 6 f. änderte das Bundesgerichte seine bis
herige Praxis zudem insofern ab, als es erkannte, dass grundsätzliche sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_ 604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1).
1.3
K
ein versicherter Gesundheitsschaden
liegt gemäss Rechtsprechung regelmässig dann
vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähn
lichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Dis
krepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behand
lung und Therapie in Anspruch genommen wird, demonstrativ vorgetragene Kla
gen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Ein
schränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (B
GE 141 V 281 E. 2.2.1
)
.
E
ine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin
auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Stö
rung zurückzuführen wäre (SVR 2017 IV Nr. 21 S. 56 E. 4.3 mit Hinweis, 9C_154/2016
; vgl.
zum Ganzen
ob
genanntes
U
rteil 8C_604/2017 E. 6.1
).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin machte geltend, durch das Gutachten
von
Dr.
G._
sei
ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, infolge dessen die Versicherte während der noch verbleibenden Aktivitätsdauer keine Stelle mehr finden könne (
Urk.
1
Rz
18). Die geltend gemachte Aggravation sei
vorliegend
kein Ausschlussgrund, son
dern vielmehr Ausdruck der diagnostizierten Gesundheitsschädigung
(
Urk.
1
Rz
22).
Zudem
bestehe
kein Raum für eine abweichende Arbeitsfähigkeits
einschät
zung durch den Rechtsanwender
im Rahmen einer zusätzlichen Ressourcenprü
fung, zumal die Angaben im Gutachten umfassend
und rechtlich nicht zu
bean
standen seien (
Urk.
1
Rz
27).
Doch selbst wenn eine Arbeitsfähigkeit gegeben wäre, könnte die Versicherte diese
nicht
mehr
realisieren, da sie eine
m Arbeitge
ber angesichts ihres Alters und des gutachtlich festgestellten
«
massiven Aufwands therapeutischer und arbeitsagogischer Manpower
»
nicht
mehr
zumutbar sei (
Urk.
1
Rz
28
-31
).
2.2
Demgegenüber erwog d
ie Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung, der bisher in einem Teilzeitpensum tätigen Versicherten sei gemäss medizinischer Einschätzung eine angepasste Tätigkeit
in
Vollzeit und
mit vol
ler Leistungsfähig
keit zumutbar.
Es
seien eine Aggravation, Symptomausweitung, Selbstlimitie
rung, Entschädigungserwartung, Persönlichkeitsregression,
Dekonditionierung
, subjektive Leistungsinsuffizienz und hypochondrische Verarbeitungstendenz sowie
simulatorische
Elemente
ausgewiesen
. Zudem befinde sich die Versicherte nicht mehr in fachärztlicher Behandlung, womit die Therapieoptionen
noch
nicht ausgeschöpft seien
(
Urk.
2).
Dem fügte sie in der
Beschwerdeantwort
hinzu
, dass selbst bei Vorliegen der
klassifikatorischen
Merkmale eines psychosomatischen Leidens von vornherein keine Grundlage für eine Rente bestehe, soweit Ausschlussgründe
nach
BGE 131 V 49
die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbiete
n wü
rden. Solche seien
gemäss den Gutachten des
C._
und
von
Dr.
G._
gegeben. In die gut
achtliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit seien zudem invaliditätsfremd die festgestellten psychosozialen Belastungsfaktoren
und
die bestehende
Dekondi
tionierung
eingeflossen (
Urk.
6).
2.3
Es bleibt anzumerken, dass die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin unbestritten ist, was
unter Berücksichtigung der
Rechtsprechung (
z.B. Urteil des Bundesgerichts 8C_108/2018 vom 1
6.
April 2018 E. 3) und aktenkundige
n
wir
t
schaftlichen Hilfe (
Urk.
3/3-5) nicht zu beanstanden ist.
3.
3.1
3.1.1
Im
älteren
polydisziplinären Gutachten de
s
C._
vom 1
9.
September 2014
wur
den als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: gemischte dissoziative Störung, depressive Störung, Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen und Diabe
tes mellitus Typ 2 (
Urk.
7/63
/39
).
3.1.2
Dazu erläuterte
das
C._
in der
Konsensualbeurteilung
zusammengefasst, d
ie Versicherte zeige eine erhebliche Konversionsstörung, aktuell insbesondere im Sinne einer dissoziativen Bewegungsstörung. Affektiv sei das Zustandsbild von einer wesentlichen Affektlabilität, depressiven Affekten und multiplen Klagen über Schmerzen funktioneller Einschränkungen gekennzeichnet. Es sei dabei auch von einer
Verdeutlichungstendenz
auszugehen. Wie so häufig bei dissozia
tiven (Konversions-)Störungen sei es schwierig, den Anteil bewusstseinsferner vom Anteil bewusstseinsnaher Tendenzen abzugrenzen. Aus psychiatrische
r
Sicht imponiere insgesamt eine schwer regredierte, an dissoziativ-depressiven Symp
tomen leidende Versicherte mit
ausgeprägter Aggravationstendenz. Im soma
tischen Bereich bestehe ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, der
allenfalls
im Zusammenhang mit Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche und kognitiver Störung stehe. Die neurologischen und rheumatologischen Befunde seien im Rah
men des psychischen Leidens zu
interpretieren (
Urk.
7/63/40 f.)
.
3.2
3.2.1
Die
C._
-Gutachter
schlussfolgerten deshalb
, die Versicherte sei in ihrer Durch
halte
- und
Leistungsfähigkeit, in der Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Teamfähigkeit usw. multipel eingeschränkt.
Sie
zeige
indes
Verhaltenswei
sen,
die
als bewusstseinsnahe im Sinne der Aggravation
angesprochen werden müssten. Man könne deshalb keine sicheren Angaben zur Arbeitsunfähigkeit aus
rein
psychiatrischer Sicht machen. Gesamthaft müsse jedoch gesagt werden, dass
sie
aufgrund ihrer aktuellen Symptompräsentation k
einem Arbeitgeber zumutbar sei (
Urk.
7/63/41 f.). Berufliche Massnahmen seien derzeit illusorisch (
Urk.
7/63/42).
3.2.2
Zuletzt sei
die Versicherte
als Reinigerin tätig gewesen. Aufgrund der vorherr
schenden Konversionsstörung mit depressiven Affekten und massiv-regressivem
Verhalten bestehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen.
Mit Bezug auf
adap
tierte Tätigkeiten könne man d
ie Verminderung der Arbeitsfähigkeit aus medizi
nischen Gründen nicht sicher abgrenzen
(
Urk.
7/63/41 f.)
.
Unbestrittenermassen bestehe ein psychisches Leiden mit Krankheitswert im Sinne der beschriebenen Konversionsstörung. Dieses sei in seiner Relevanz gegenüber den bewusstseins
nahen
aggravatorischen
Faktoren heute aber nicht mit Sicherheit abzugrenzen. Müss
t
e die Restarbeitsfähigkeit der Versicherten aus psychiatrischer und damit gesamtmedizinischer Sicht dennoch geschätzt werden, würde diese
mit
ca. 40
%
beziffert (
Urk.
7/63/43).
Mit Sicherheit könne heute nur gesagt werden, dass der Versicherten keine gefährlichen Tätigkeiten zugemutet werden könnten, dass sie in ihrer Leistungsfähigkeit sicherlich vermindert sei, dies mindestens
um
20
%
, mit hoher Wahrscheinlichkeit weit über dieses Mass hinaus, ohne dass aber genaue Angaben hierzu möglich wären (
Urk.
7/63/46).
3.2.3
Derzeit bestünden
zudem
unbefriedigende Behandlungsergebnisse, wobei noch nicht von konsequenten Rehabilitationsmassnahmen und Therapien gesprochen werden könne (
Urk.
7/63/44).
Einerseits benötige die Versicherte aus somatischen und psychischen Gründen eine intensive Behandlung, andererseits müsse das heute vermutete
aggravatorische
Verhalten in seinen Dimensionen weiter geklärt werden. Man empfehle deshalb die stationäre Aufnahme. Dabei könne die Ver
sicherte über längere Zeit
beobachtet werden und
ein bewusstseinsnaher Verhal
tensanteil mit besserer Sicherheit von invalidisierenden Faktoren abgegrenzt wer
den
(
Urk.
7/63/42).
3.3
Die vorstehenden
Sch
luss
folgerungen
zur Arbeitsfähigkeit
stellen
somit
keine fundierten medizinischen Erkenntnisse dar
, was
die
C._
-Gutachter letztlich selbst betont
en
.
Dabei
ist von vornherein unerklärlich, wie bei fehlender Mög
lichkeit zur Abgr
enzung de
s
Anteil
s
der
als «ausgeprägt» beurteilten
Aggravation bzw. deren Relevanz überhaupt eine Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
abgege
ben werden konnte.
Es überrascht daher nicht, dass diese kurzgefasst lautete,
die Versicherte sei
aus
psychiatrischer
Sicht
als Reinigungskraft
überwiegend wahr
schein
lich vollständig arbeitsunfähig, in einer adaptierten Tätigkeit sei sie
sicher 20
%
, vermutungsweise sogar 60
% arbeitsunfähig
, ohne hierbei ein
konkretes
Belastungsprofil zu definieren.
Diese Bandbreite
lässt sich
selbst
unter Berück
sichtigung der wenigen
angegebenen, teilweise
unspezifischen
Einschränkungen (vgl. E. 3.2)
schwer
lich
nachvollziehen.
3.4
Es kommt hinzu, dass die
C._
-Gutachter verschiedentlich fest
hielten
,
dass man
eine schwere depressive Störung, wie sie in den vorhandenen Arztberichten mehrfach erwähnt werde, heute nicht diagnostizieren
könne
. Vielmehr erscheine
das Verhalten konversionsneurotisch bedingt, dabei seien (bewusstseinsferne) depressive Affekte, Affektlabilität und multiple funktionelle Symptome im Rah
men dieser Erkr
an
kung neben bewusstseinsnahen Anteilen zu sehen. Eine psy
chische Symptomatik aufgrund des leichten
Hyperparathyreoidismus
sei unwahr
scheinlich (
Urk.
7/63/43). Das heutige psychiatrische Krankheitsbild entspreche nicht demjenigen, wie es in den Akten bis zuletzt beschrieben worden sei (insbe
sondere werde nirgends eine Konversionsstörung mit ausgeprägtem Tremor beschrieben), die sichere Abgrenzung gegenüber bewusstseinsnahem
aggravato
rischem
Verhalten sei heute nicht möglich (
Urk.
7/63/44). Nach Aktenlage sei es im zeitlichen Verlauf seit dem Jahr 2011 aus psychiatrischer Sicht zu einer inter
mittierenden Besserung des Gesundheitszustandes der Versicherten gekommen, das heutige Zustandsbild zeige eher eine wesentliche Verschlechterung, insbeson
dere eine Symptomänderung gegenüber den vorhandenen Akten (
Urk.
7/63/45).
Dabei versäumten es die
C._
-Gutachter,
sich mit diesen Feststellungen
auch
auseinanderzusetzen und eine medizinische Erklärung für die
plötzliche Ände
rung und Verschlechterung der Symptomatik
zu finden.
E
ine solche
Veränderung unmittelbar
nach
Erhalt des
negativen Vorbescheid
s der Invalidenversicherung
(vgl.
dazu vorliegend:
Urk.
7/35, 7/36/74 f. und 7/36/86 versus
Urk.
7/46/2 und 7/49)
wirft
per se
Fragen auf, was
angesichts des
gutachtlich
beschriebenen
Krankheitsverlaufs
seit dem Jahr 2011
und der festgestellten «ausgeprägten» Aggravation umso mehr gelten muss.
3.5
Schliesslich
wurde in der
C._
-Begutachtung folgendes
Verhalten beobachtet:
Bei der Begrüssung in der Wartezone
sei
die Versicherte ruhig dagesessen. Nach der Vorstellung durch den Gutachter habe sie sofort begonnen, zu zittern und mit
dem Kopf zu schütteln und sei
unter Stöhnen und mit
s
chmerzverzerrtem Gesicht aufgestanden. Der Ehemann habe si
e
bei jedem Schritt
ge
stützt. Beim Sprechen habe die Versicherte
grobschlägig
mit den Händen und Armen gezittert und oft den Kopf geschüttelt. Zuweilen habe sie kurz innegehalten und sich mit der linken Faust auf ihren Oberschenkel oder in die rechte Hand geschlagen
. Während der Anamnese
habe
sie den Wunsch geäussert, Wasser zu trinken, und
sich die Flasche von der Dolmetscherin aus der am Boden stehenden Tasche holen
lassen
.
Sie habe diese geöffnet und begonnen,
diese heftig zu schütteln
sowie
mit dem Kopf zu zittern und so etwas zu trinken.
Auf die Frage, was für Therapien sie mache,
habe sie gemeint,
sie kämpfe, gebe alles, damit sie wieder
arbeiten könne. Auf Nachfragen habe sie erklärt
, in der Physiotherapie handle es sich um Massa
gen, manchmal Fango und auch Laufband. Unter Hinweis
darauf
, dass ihr Ehe
mann sie beim Gang ins Untersuchungszimmer habe stützen müssen,
habe sie erklärt
, man habe ihr das Laufband vorgeschlagen, aber leider sei es nicht gegan
gen.
Zu einem späteren Zeitpunkt soll sie geäussert haben, sich
Insulin spritzen
zu wollen
. Dabei habe sie die Tasche selbst vom Boden genommen und ein Set hervorgeholt.
Unter heftigem Zittern habe sie
nach drei Anläufen etwas Blut vom Finger gewinnen können, um den Blutzucker zu messen. Sie habe die Injektions
seite des Insulin-Pens in den Mund genommen, dabei kurz aufgehört zu zittern und die Verschlusskappe zwischen den Zähnen gehalten. Sie habe sich das Insulin in die Bauchhaut gespritzt und unter beidseit
i
gem Zittern versucht, die Nadel wieder zu bedecken. Dazu habe sie einen kurzen Moment aufgehört zu zittern
(
Urk.
7/63/18 f.).
Weiter
war die Rotation der Halswirbelsäule in der Unter
suchung bei deutlich spürbarer Gegeninnervation beidseits auf 20° eingeschränkt,
indes war
im Gespräch mit der seitlich sitzenden Dolmetscherin vor und nach der Untersuchung wiederholt und ohne Zeichen einer Schmerzreaktion eine Rotation bis 80° durchführbar.
Auch ansonsten war
der klinische Untersuch
durch die aus
geprägte Gegeninnervation und zeitweise gezielten Abwehrreaktionen der Ver
sicherten, bei denen sie
jeweils
kurz zu zittern aufhörte, erheblich erschwert (
Urk.
7/63/20 f.).
Diese Schilderungen plausibilisieren
einerseits
das von den
C._
-Gutachtern
fest
gestellte
deutliche
Aggravieren
durch die Versicherte
,
wecken
andererseits aber auch beachtliche
Zweifel an den gestellten Diagnosen
. Insbesondere konnten
nämlich
sowohl
di
e
(unstrittig nicht organisch bedingten)
Schmerzen
als a
uch
der Tremor
in Situationen, in
den
en
sich die Versicherte von den Gutachtern
nicht direkt beobachtet
fühlte
oder eine
gezielte
Bewegung ausführen wollte
, nicht
kon
statiert
werden.
4.
4.1
I
m
jüngeren
Gutachten des Psychiatrischen Zentrums
F._
vom 1
8.
August 2018
diagnostizierte
Dr.
G._
als die Arbeitsfähigkeit
beein
flussend
: (1) dissoziative Bewegungsstörungen (ICD-10: F44.4)
, konkret
psycho
gene
n
Tremor, psychogene
Dysphasie
und psychogene
Kamptokormie
, (2) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) mit abnormem Krank
heitsverhalten und diversen Phänomenen der
dysfunktionellen
Beschwerdebe
wältigung sowie (3) eine Begleitverstimmung mit ängstlichem und depressivem Gepräge (allenfalls ICD-10: F41.2
;
Urk.
7/93/28
).
4.2
4.2.1
Dazu
erläuterte er, es
bestehe ein
grobschlägiger
, variabler
,
auf Kopf und obere Extremitäten fokussierter Tremor, der bei entsprechender Willensbildung präzise Zielbewegungen zulasse. Die Sprachstörung führe insbesondere auf Deutsch zuweilen in die vollständige Unverständlichkeit, in der Muttersprache Serbisch
sei dies etwas weniger der Fall
. Typisch sei
bei der Versicherten
ein starkes rhyth
misiertes Stammeln,
da
s synchron mit den Schlägen ihres groben Schütteltremors
verlaufe. Die dramatisch anmutende Steh- und Gehbehinderung im Rahmen der höchst individuellen Gestaltung der Patientenrolle habe eine rein psychogene Ursache. Dabei imponiere eine scheinbare Schwäche der Beinmuskulatur
beim Aufstehen
aus
sitzender
Stellung
. Das Gangbild sei verlangsamt, kleinschrittig, breitbeinig und aufgrund der gekrümmten Körperhaltung weitaus kräfterauben
der als ein aufrechter Gang
(
Urk.
7/93/28 f.)
.
4.2.2
Bei
der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bestehe
als Konflikt das Dilemma, einerseits
im Hinblick auf die kritische finanzielle Versorgungslage
ein Einkommen zu erzielen, andererseits eine
aversive Haltung gegenüber der frühe
ren Tätigkeit
zu haben
, so dass
die Versicherte heute
entsprechende Arbeiten den
A
ngehörigen überlasse. Die Besonderheit li
ege darin, dass der Hauptanteil
der klinischen Symptomatik durch dysfunktionale
Verarbeitungspsychismen
bestimmt werde,
die
per se wenig bis keine
n Störungswert aufweisen würden
,
aber gleichwohl zu ernsten Hindernissen b
ei
der Rehabilitation werden könnten. Dies gelte
vorab
für die dissoziativen Phänomene,
welche
ein gutes Stück schwe
re
r
als die rein «
pathischen
Elemente» ins Gewicht fallen würden
.
Aufgrund der
Chronologie des Auftretens könnten die dissoziativen Störungen gleichsam
als Eskalationsstufe betrachtet
werden, indem die Versicherte ihr Leiden ab einem bestimmten
Entwicklungsstadium
nicht mehr nur verbal ausgedrückt, sondern angefangen habe, ihren Patientenstatus in aktiven Gebärden auszuleben, was unter Umständen enorm theatralische Funktionen annehmen und bei längerem Andauern sekundär via
Dekonditionierung
und Fixierung von Fehlhaltungen und dysfunktionalem Bewegungsmuster sogar zu realen, schwerlich reversiblen Funk
tionseinbussen führen
könne (
Urk.
7/93/29 f.).
4.2.3
Es bleibe die Frage, inwieweit dieses hochauffällige Verhalten der bewussten Kon
trolle der Versicherten unterstellt sei, wie weit sie also für die suboptimale Nut
zung ihres Bewegungsapparates verantwortlich gemacht werden könne. Daneben sei anzumerken, dass sie durch ihr ebenso extremes wie unnötiges Selbstscho
nungsverhalten auch alles unterlasse, was
der Förderung ihrer allgemeinen
Fit
ness dienen könnte. Dabei sei bekannt, dass regelmässige Bewegung schon in bescheidene
r
Dosierung nicht nur generell vitalisierend, sondern auch antidepres
siv wirken könne. Dass durch diese höchst eingeschränkte Lebensweise die depressiv getönte Stimmungslage aufrechterhalte
n
werde
, verstehe sich von selbst
. Bei der Versicherten sei hauptsächlich der Bewegungsapparat betroffen, daneben aber auch noch die Sprachproduktion, was bereits eine zentrale
re
,
ich-nähere Funktion darstelle
, sodass sie eine Mittelposition zwischen psycho- und somatoformer Dissoz
i
ation einnehme. Was die somatoformen Aspekte angehe, sei eine zusätzliche Diagnose zu stellen, da
diese Symptomgruppe den dissoziativen Störungen bzw.
dem
Unfall um Jahre voraus
gegangen sei
(
Urk.
7/93/30 f.)
.
4.2.4
Da die Schmerzempfindungen weit im Vordergrund s
tü
nden und
als Hinderungs
grund
für reguläres Arbeiten angeführt würden, könne am eh
e
sten von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gesprochen werden. Typ
i
scherweise würden damit eine kleine Anzahl von Phänomenen der dysfunktionalen Beschwerdebewältigung einhergehen, bei der Versicherten: Ag
gravation, Sym
p
t
omausweitung, Persönlichkeitsregression, Selbstlimitierung, ampli
fiz
ierender Wahrnehmungsstil, übertriebenes Schonverhalten, sozialer Krankheitsgewinn, subjektive Leistungssuffizienz und limitierte Leistungsmotiv
ation.
Viele der
«
Inkonsistenzen nach Widder
»
seien offenbar auffindbar gewesen, als sich das Störungsbild noch im Stadium der somatoformen Schmerzstörung befunden habe. Die zusätzlichen Beeinträchtigungen durch die dissoziativ bedingten Bewe
gungsstörungen und den Sprachzerfall füllten diese Lücke gewissermassen ein Stückweit auf, so dass die Versicherte einer Selbstinvalidisierung durch diese Symptomausweitung deutlich
näher
gekommen
sei. Dass diese Ausfälle nicht ganz irreversibel seien, habe der Arbeitsversuche
vor Ort
gezeigt. Es koste aber gewaltige Anstrengungen seitens der
Medizinalpersonen
und der
Arbeitsagogen
, um kleine Fortschritte zu erzielen,
di
e sogleich wieder
zunichte
gemacht
werden könnte
n
, wenn die
Versicherte
zu ihrem angestammten Lebensstil mit übertrie
benem Schonverhalten und Verharren in der K
rankheitsrolle zurückkehre (
Urk.
7/93/32-34).
4.3
Daraus schlussfolgerte
Dr.
G._
u
nter Hinweis auf den «
Invalidisierungsprozess
im Sinne von Weinstein»
, dass
sowohl die somatoforme wie auch die dissoziative Störung als Überlebensstrategie unter Zuhilfenahme der so
zialen Systeme aufge
fasst werden könnten
, wobei die Dissoziation noch eine
erheblich grössere Regressionstiefe voraussetze, um in diesem Ausmass zum Tragen zu kommen.
Was die früher mehrfach diagnostizierte Depression angehe, entstehe aufgrund der aktuellen Befundlage der Eindruck einer vorwiegend deprimierten
,
aber auch etwas ängstlichen Grundstimmung, die jedoch keinen episodenhaften Verlauf zeige und bezüglich Schweregrad
und Auswirkungen auf die Produktivität
deut
lich hinter die dissoziative und somatoforme Symptomatik zurücktrete. Es könne eher von einer Begleiterscheinung gesprochen werden, teilweise zum Störungs
bild gehörend, teilweise durch den reizlosen und bewegungsarmen Lebensstil
zustandegekommen
.
So habe n
ur schon der dreitägige Arbeitsversuch hier
eine gewisse Besserung gezeigt.
Bezüglich der
Intelligenz könne nur auf die Lebensgeschichte
/-
bewährung abge
stellt werden, welche auf eine Intelligenz im untersten Normbereich schliessen lasse. Von den aktuellen Leistungstests her müsste auf eine schwere Demenz geschlossen werden, doch lasse sich diese eklat
ante und in ihrer Inkonsistenz
un
plausible
Leistungsschwäche im Grunde nur durch massive Verdeutlichungs
tendenzen erklären
.
Ferner könne es sein, dass angesichts des Schmerzmittelkonsums von angeblich 4 g
Dafalgan
pro Tag auch von
analgetika
-induzierten Schmerzen gesprochen werden müsse. Zudem seien die reichhaltigen somatischen Komorbiditäten (z.B. Diabetes melli
t
us Typ II, Hörverminderung und degenerative Veränderungen der Le
n
denwirbelsäule ohne Nervenkompression) anzuführen, die sich erschwerend auf die Leistungsentfaltung auswirken dürften (
Urk.
7/93/
34-36
).
4.
4
4.4.1
Im
jetzigen Zustand mit massiver Regression und
Dekonditionierung
, so
Dr.
G._
weiter,
sei die Versicherte
als Reinigungskraft nicht mehr einsetzbar, da sie aufgrund ihrer massiven psychogenen Fehlentwicklung mit dissoziativen und somatoformen Elementen die Voraussetzungen dafür nicht mehr erfülle. Bes
ser möglich sei
ihr
eine sitzende Tätigkeit
ohne grösseren Kraftaufwand mit repetitiven Abläufen bzw.
leichter manueller Se
ri
enarbeit, was zumindest im geschützten Rahmen mit limitiertem Arbeitstempo grundsätzlich machbar sei.
Im
Arbeitsversuch
habe die Versicherte maximal 5
Stunden pro Tag mit einer Leis
tungsfähigkeit von 50
%
nach Abzug
zusätzlicher
Pausen und eine
m
Output von
grob geschätzt 35
%
gearbeitet. Theoretisch
entspreche
dies einem ca. 20%-Pen
sum in der freien Wirtschaft, wobei die Umsetzung aus reisetechnischen und betr
euerischen Gründen
,
z.B.
Dekonditionierung
, subjektive Leistungsinsuffizie
nz und Eigenmotivationsschwäche, fraglich sei.
4.4.2
D
as Leistungspotenzial
liesse sich vermutlich
bis maximal 40
%
ausweiten, doch wäre dies mit einem enormen arbeitsagogischen, therapeutischen (
insbesondere
Motivationsarbeit) und logistischen Aufwand (Personentransport) verbunden, zumal die Progredienz der Störung trotz recht intensiver B
ehandlung
auf soma
tischer
und
psychischer Ebene nicht habe verhindert werden können.
Weitere Arbeitsversuche müssten im geschützten Rahmen erfolgen, wobei der Anstieg der Leistungskurve möglicherweise so gemächlich wäre, dass – zumindest in Anbe
tracht des Alters – innert nützlicher Frist kein wirtschaftlich verwertbares Leis
tungspotenzial zustande käme.
Dabei bleibe es angesichts des verstörenden Ver
haltens
auch
weiterhin fraglich, ob
die Versicherte
einem Arbeitgeber in der freien Wirtschaft überhaupt zumutbar wäre. So könne die
Prozentzahl höchstens für einen geschützten Rahmen postuliert werden (
Urk.
7/93/39-41
und 7/93/50
).
4.4.3
Rückblickend müsse stark vermutet werden, dass
die Versicherte ihre
Arbeits
fähigkeit nie gan
z
verloren
habe
, die psychogene Fehlentwicklung nach dem angeblichen Unfall im Jahr 2012
indes
relativ zügig
voran geschritten
sei und die
somatoformen Störungsphänomene bei
erfolgloser
Rentenbewerbung durch dis
soziative Störungen zunehmend ausgeweitet worden seien. Dies trotz permanen
ter ambulanter und sogar stationärer Behandlung.
Rückblickend müsse
die
Arbeitsfähigkeit unmittelbar n
ach dem
Unfall noch relativ hoch veranschlagt werden (grob geschätzt 80
%
), was sich aber durch die
Symptomausweitung im Laufe der
Jahre allmählich noch etwas verschlechtert
habe (
Urk.
7/93/40)
.
4.
5
4.5.1
Damit
ist
aus Sicht des Gerichts
gleich
vorweg festzuhalten, dass di
e
stationäre Begutachtung
durch
Dr.
G._
im Vergleich zum
C._
-Gutachten
keine wesent
lichen neuen Erkenntnisse zu Tage
förderte
. Angesichts der erneut festgestellten massiven Aggravation war es
offenbar
wiederum nicht möglich, ein
konkretes
Beschwerdebild abzugrenzen
bzw. zu objektivieren
, das
effektiv
auf
die diagnos
tizierten
psychische
n
Störun
gen
zurückzuführen
war
.
Die
Einschätzung der künf
tig realisierbaren sowie
in d
er Vergangenheit bestehenden Arbeitsfähigkeit
ent
behren hierbei einer nachvollziehbaren Erklärung
.
Entsprechend vage blieben die Formulierungen von
Dr.
G._
, wo eine klare Stellungnahme im Hinblick auf eine lege
artis
gestellte Diagnose gefordert gewesen wäre. So erklärte er
beispiels
weise
, die Versicherte sei einer Selbstinvalidisierung durch die Symptomauswei
tung
[nur]
«deutlich
näher gekommen
», wobei die Ausfälle wohl
[auch]
nicht gänzlich irreversibel seien (vgl. E. 4.2
.4
).
Ferner musst
e
er bei
der Konsistenzprü
fung
einräumen
, dass ein «eher wenig
authentisches
» Störungsbild vorliege, wobei das Aktivitätsniveau gleichwohl auf ein extrem tiefes Niveau abgesunken sei. Dabei werde ein hoher Leidensdruck zum Ausdruck gebracht, der im Einzel
nen nicht nach
zuempfinden sei (
Urk.
7/93/38).
4.5.2
Konkret
erhob
Dr.
G._
sow
ohl im klinischen Untersuch des Körperstatus als auch im Rahmen der Testpsychologie
erhebliche Inkonsistenzen bzw. «
nicht mit der psychischen Störung erklärbare
»
Befunde
.
Zu erwähnen ist etwa
der äusserst schwache Händedruck, der nicht vergleichbar war mit der Kraft, mit der sich die Versiche
rte an ihren Ehemann klammerte.
In diesem Zusammenhang sei auch ihre – trotz angeblich massiver Schmerzen – wenig rückenschonende respektive kräfteraubende Gangart erwähnt.
Weiter zeigte sie als Rechtshänderin vor allem einen
grobschlägigen
Schütteltremor des rechten Armes, der jedoch auf den lin
ken übersprang, wenn sie mit der rechten Hand e
in Glas Wasser zum Mund führte.
Augenfällig bis krass normabweichend waren die Befunde beim Zahlennach
sprechen (Anzahl
und
Ziffern
an sich
), bei der Benennung von Bildinhalten (eine Kuh w
urde
als «
Säuli
», ein Kirchturm als «grosse Fl
a
sche», eine Postkutsche als «grosses Haus» etc. bezeichnet) oder den Leistungstests rechnerischer und geo
metrisc
h
-zeichnerischer Art (10-2 = 2,
Nachzeichnen einer Spirale mit eigenarti
gerweise stärkerem Tremor, je weiter die Windungen wurden). Auch gab
die Ver
sicherte
gegenüber
Dr.
G._
an, es sei der 2. Februar 2013, obschon sie
zu
vor mit der serbischen Assistenzärztin darüber gesprochen hatte, dass Karfreitag sei. Nachdem zudem nie Symptome für Wahn oder Sinnestäuschung festgestellt wor
den waren,
zeigte sie
nun wiederholt Panik
vor
Spinnen und schwarze
n
Katzen, die vom
Klinikpersonal
nicht
gesehen wurden (vgl. im Detail
Urk.
7/93/14-22
und E. 4.2
.1
).
4.5.3
Hingegen
wirkt
e
die Versicherte beim praktischen Handeln,
z.B
.
wenn sie auf
stand, sich ankleiden wollte oder gewisse Utensilien wie Feuerzeug und Raucher
waren beschaffte, keineswegs desorganisiert und legte teilweise eine erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag
(vgl.
Urk.
7/93/17 und 7/93/22)
. Ihr Schlaf schien – entgegen ihrer Beschwerdeschilderung (
Urk.
7/93/12) – während des stationären Aufenthalts ungestört (vgl. im Detail
Urk.
7/93/14-22)
.
Zudem legte sich in der
kurzen
dreitägigen Arbeitstherapie
der
Tremor während der Arbeit und war zeit
weise nicht mehr ersichtlich, so dass sie selbständig und ohne Hilfe eine gute Arbeitsleistung erbringen konnte.
Ebenso
verbesserte sich
ihre
Kommunikation von primär Gesten
hin
zu mehr und deutlicherem Sprechen und auch kurzen Sätzen (vgl.
Urk.
7/93/26 f.).
4.5.4
Zweifelsohne überbetont
wurde von der Versicherte
n
de
r
ho
he Stellenwert von Arbeit
in ihrem Leben
. Diese gab unter anderem an, das normale Leben bestehe darin zu arbeiten, aber ihr jetzige
s
Leben biete nichts davon. So sei sie wie eine Blume, welche kein Wasser bekomme, weshalb sie jetzt dann wohl auch ganz fertig sei (
Urk.
7/93/11). Wenn sie gesund wäre, wäre es ihr völlig gleichgültig, was sie arbeiten würde, aber so gehe es nicht. Sie könne nicht einmal staubsagen. Ihr Ehemann habe extra ein kleines «
Bäseli
» angeschafft, mit dem sie zumindest
ein bisschen Staub wischen könne (
Urk.
7/93/12). Sie würde alles versuchen, was die [beruflichen] Fachleute von ihr verlangen würden, auch eine Berufsberatung, müsse dann aber doch dran denken, dass sie nicht einmal mehr selbständig baden könne. Im Sinne eines Schluss
wortes erklärte sie nochmals
, sich einfach nur bedanken und ausserdem möglichst eine Arbeit finden zu wollen (
Urk.
7/93/24).
4.6
4.6.1
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB)
hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.
Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungs
anspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Valid
ität, nicht Invalidität
(BGE 139 V 547 E. 8.1 und
E. 9.4; BGE 140 V 290
E. 3.3.1).
Dass ein
invalidisierender Gesundheitsschaden
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann
und damit
theoretisch
in unbe
stimmtem Umfang
möglich
ist
,
berechtigt
also grundsätzlich
nicht zum
R
enten
bezug.
Eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit
kann
gemäss Bundesgericht
nur relevant sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist (
Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2015 vom 15. Januar 2016 E.3.2.1 mit Hinweis auf
BGE 130 V 396).
4.6.2
Dies gilt
– entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – selbstredend auch
für dissoziative Störungen und somatoforme Schmerzstörungen, obschon
Dr.
G._
das wenig leistungsorientierte Verhalten ohne Willen zur Gesundung und Leistungen als «integralen Bestandteil
»
derselben bezeichnete (
Urk.
7/93/49) und letztere nicht mit
einem konsistenten Verhalten begründete, das auf einen
gemäss ICD-10 Klassifikation vorausgesetzt
«andauernden und quälenden Schmerz»
schliessen lassen würde
(vgl.
Weltgesundheitsorganisation
[WHO]
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kli
nisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl. 201
5
,
S. 233)
,
sondern in fragwürdiger Weise mit «Phänomenen der dysfunktionalen Bewältigung» (z.B. Aggravation und Selbstlimitierung;
Urk.
7/93/32) u
nd «Inkon
sistenzen nach Widder» (z.B. Diskrepanz zwischen subjektiven Beschwerden und körperlicher Beeinträchtigung
im Untersuch
«weniger ausgeprägt»; geringer Lei
densdruck trotz intensiv geschilderter Beschwerden «nicht offensichtlich»;
appel
lative
, demonstrative Klagen, ohne dass beim Untersucher das Gefühl der Betrof
fenheit entstehe «vorhanden»; Diskrepanzen zwischen eigenen Angaben und Fremdanamnese «in der Vergangenheit»; Diskrepanzen zwischen geschilderter
Beeinträchtigungen und eruierten Aktivitäten des täglichen Lebens «nicht nach
gewiesen»; Therapie einseitig auf Beschwerdelinderung, nicht aber Aktivierung ausgerichtet; Urk.7/93/33/ f.).
I
n
der
ICD-10 Klassifikation
wird
zwar
ausdrücklich darauf hingewiesen
, dass es oft schwer sei
, eine bewusst
e
Simulation eines Bewegungs- oder des Empfin
dungsverlustes von dissoziativen Störungen zu unterscheiden
.
Nichtsdestotrotz wird
Simulation
im Sinne von
ICD
-
10
:
Z76.5
generell
als
abzuklärender
Aus
schlussgrund
für dissoziative Störung nach ICD-10: F44
genannt.
D
ie Entschei
dung hänge von der genauen Beobachtung und vom Verständnis der Persönlich
keit des Patienten ab, den auslösenden Umständen bei Beginn der Störung und den Folgen der Gesundung verglichen mit der ständigen Behinderung (
WHO
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl. 201
5
,
S.
214 und
221).
4.6.3
W
as
Dr.
G._
unter diese
n
Gesichtspunkt
en
ausführte,
vermag
indes
nicht zu überzeugen.
S
o
nannte er
als Auslöser der psychischen Beschwerden keine schwerwiegenden psychosozialen Belastungsfaktoren
, t
raumatisierenden Ereig
nisse
, gestörten Beziehungen oder unlösbaren und unerträglichen Konflikte
(WHO
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl. 201
5
,
S. 212 f. und 233)
. Vi
elmehr
stellte er
sinngemäss
fest, dass die Versicherte auf ein Einkommen angewiesen se
i, aber
eine Aversion gegen
ihre frühere Tätig
keit
habe
. Da der
Vorbescheid der Invalidenversicherung negativ
gewesen sei
,
hätten sich die Symptome weiter ausgeweitet
.
Dass
das beschriebene
«Dilemma»
gleich
schwer
wiegt
,
wie die aufgel
isteten Kriterien gemäss ICD-10
, ist zu bezwei
feln. So zeigt die E
rwerbsbiographie
der Versicherten
eine
l
angjährige
Tätigkeit mit
zahlreichen Stellen- und Tätigkeitswechseln,
einer
Wiederaufnahme
d
er Arbeit nach der
ersten
ablehnenden Rentenverfügung
und bis zuletzt
guter
Arbeitsleistung
(vgl.
Urk.
7/93/8 und 7/93/13) sowie
mehrstündiger
Präsenz
zeit b
eim ers
ten, wenn auch therapeutischen Beschäftigungsversuch
.
Zudem
rückte
Dr.
G._
vorwiegend
Aspekte in den V
ordergrund,
die
höchstens
berücksichtigt werden können
,
soweit bereits
fachärztlich einwandfrei
eine
Gesundheitsbeeinträchtigung diagnostiziert wurde, die
a
lso für sich
genommen
keine Invalidität zu begründen vermögen
:
eine
Dekonditionierung
und depressiv getönte Stimmungslage infolge unnötigen Schonverhaltens (vgl.
Urk.
7/93/30),
eine
kurze verbleibende
Aktivitätsdauer
(
Urk.
7/93/40)
,
dysfunktionale
Verarbei
tungspsychismen
, die
per se wenig bis
keinen
Störungswert aufweisen
(
Urk.
7/93/30)
, ein massgeblicher sekundärer Krankheitsgewinn in Form einer
fortwährenden Entlastung durch die Angehörigen (
Urk.
7/93/38)
und eine v
on enormer Regression geprägte Persönlichkeit,
ohne jedoch aktuell oder für die «Ursprungspersönlichkeit» die
Diagnose eine Persönlichkeitsstörung im Sinne der
ICD-10-
Klassifikation ins Auge
zu fassen
(
Urk.
7/93/37)
.
Am
Rande erwähnte er
ferner
die Gewichtszunahme und das Gewohnheitsrauche
n
(
Urk.
7/93/39).
5.
5.1
Zusammenfassend ist somit nach dem
C._
-Gutachten auch dem Gutachten von
Dr.
G._
nichts zu entnehmen, was eine schwere psychische Störung mit bes
tenfalls einer Leistungsfähigkeit von 20
%
bis höchstens 40
%
in der freien Wirt
schaft wahrscheinlicher erscheinen lassen würde als eine üb
erwindbare, (
vorwie
gend bis
ausschliesslich) bewusstseinsnahe Sy
mp
t
omatik.
Dies muss umso mehr gelten, als d
er
enge
zeitliche Konnex des Leidensdrucks der Versicherte
n
zum Verwaltungsverfahren
mehr als
augenfällig ist, zumal sich die Symptomatik just bei der ersten Begutachtung 2
1⁄2
Jahre nach dem Unfall veränderte und ver
schlechterte (vgl. E. 3.3.2) und just bis zur Durchführung der zweiten Begutach
tung im April 2016 eine
Psychiaterin aufgesucht wurde
(
Urk.
7/93/13
;
ferner auch
Urk.
7/113/2
).
In diesem Sinne ebenfalls a
ufschlussreich, wenn auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens
und daher nicht im Detail zu erörtern,
ist das inzwischen von der Versicherten eingereichte Gesuch um
Hilflosenent
schädigung
(
Urk.
7/113)
. Darin gab sie
als gesundheitliche Beeinträchtigung
Diabetes und Zittern
an
,
die Schmerzen
erwähnte sie
nur am Rande. Dazu
machte sie
aktenwidrige
Angaben zum Beginn
der behaupteten Notwendigkeit einer dau
ernden persönlichen Überwachung und vollständigen Hilflosigkeit in
sämtlichen
alltäglichen Verrichtungen
.
5.2
Da infolge der in beiden Gutachten erstellten erheblichen A
ggravation kein sozialversicherungsrechtlich massgebender Gesundheitsschaden ausgew
iesen
werden konnte
(BGE 141 V 281 E. 2.2; 131 V 49 E. 1.2
),
entfällt
eine Prüfung der Standardindikatoren nach BGE 141 V 285
und es ist von einer vollen Arbeits
fähigkeit in einer den geringfügigen somatischen Leiden angepassten Tätigkeit (vgl.
Urk.
7/39/4 und 7/63/22) auszugehen
(
z
.
B
.
Urteile des Bundesge
richts 9C_393/2017 vom
20
.
September 2017 E. 5.5 und 9C_154/2016 vom 1
9.
Oktober 2016 E. 5.3.
2
)
.
Auf
eine konkrete Invaliditätsbemessung
kann ver
zichtet werden
, da ohne
weiteres davon auszugehen ist, dass die Versicherte
so
mit
einen Verdienst im Umfang wi
e vor dem Unfall erwirtschaften
(
Urk.
7/38
, 7/36/9 ff., 7/36/28 ff., 7/36/49 ff.)
und den Haushalt ohne massgebliche Ein
schränkun
gen führen kann.
5.3
D
er Vollständigkeit
halber
sei zur Argumentation der Beschwerdeführerin ange
fügt, dass das Bundesgericht im Urteil 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 3.2
(mit diversen Hinweisen) einmal mehr wiederholte, es liege
rechtsprechungs
gemäss keineswegs allein in der Zuständigkeit der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen
,
selber abschliessend und für die rechts
anwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führ
e
(
BGE 140 V 193
E. 3.1). Darum k
önne
«
aus rechtlicher Sicht von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert
ver
löre
».
Darin lieg
e
weder eine Geringschätzung der ärztlichen Beurteilung noch eine gerichtliche Kompetenzanmassung, sondern es
sei
notwendige Folge des
rein juristischen Charakters der sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits-/Erw
erbsunfähigkeit und Invalidität
.
Ohnehin liesse sich vorliegend auch aus der Ressourcenprüfung von
Dr.
G._
nichts zu Gunsten der Versicherten ableiten. Wie
bereits erwähnt
(
v
gl. E. 4.5.1)
,
hielt auch er fest
, dass ein «eher wenig
authentisches
» Störungsbild vorliege und der zum Ausdruck gebrachte hohe Leidensdruck im Einzelnen nicht nachzuemp
finden sei.
Eine
Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-Klassifikation
diagnostizierte er nicht
(vgl. E.
4.6.3).
Im Übrigen wurde die Therapie im
C._
-Gutachten als ungenügend erachtet und
die Versicherte
seither nicht längerfristig intensiv oder mit aktivierenden Massnahmen b
ehandelt (vgl.
Urk.
7/72). Weshalb
Dr.
G._
auf eine dreimonatige stationäre
Hospitalisation
in der psychiatrischen Klinik
D._
schloss (
Urk.
7/93/6), obschon im Austrittsbericht eine solche vom
5.
bis 2
4.
November 2014 angegeben wurde (
Urk.
7/72/1), ist nicht ersichtlich.
Im Übrigen
nahm die Gesprächsfrequenz der ambulanten Psychotherapie ab
(
Urk.
7/93/13) und der Medikamentenspiegel
unter- und oberhalb des therapeu
tischen Referenzbereiches
spricht
gegen eine zielführende Einnahme von Psycho
pharmaka (
Urk.
7/
93/25). Damit lässt sich keine massive Arbeitsunfähigkeit auf
grund psychischer Beschwerden mit erheblichem Leidensdruck plausibilisieren.
Die Folgen
dieser
Beweislosigkeit
wären
im vorinstanzlichen Neuanmeldungs
verfahren
zu Lasten de
r
Versicherten gegangen, welche die Neuanmeldung ein
gereicht hatte. Dieselbe Beweissituation gilt nun für die Beschwerdeführerin, die selbständig gegen die Verfügung der IV-Stelle Beschwerde erhoben hat
(
Art.
8 ZGB; Urteil
des Bundesgerichts
9C_210/2011 vom 2
1.
April 2011 E.
2.1 mit Hin
weisen
).
6.
Nach dem vorstehend Gesagten ist also nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
degegnerin mit der angefochtenen Verfügung einen Rentenanspruch der Ver
sicherte
n erneut
verneinte. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert
im Rahmen von
Fr.
200.– bis Fr.
1‘000.– festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
800.– festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin
, um deren Vermögensinteresse es geht,
auf
zuerlegen.
Die Versicherte hat sich am Verfahren nicht beteiligt, weshalb sie nicht kostenpflichtig wird.