Decision ID: 9c8f1799-bd5c-4142-a0be-c54118475ab4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A. Am 29. September 2021 kontrollierte die Eidgenössische Spielbankenkom-
mission (nachfolgend «ESBK») zusammen mit Polizeibeamten des Kantons
Zürich die Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Liegenschaft an der
B.-strasse 7 in Z. Anlässlich dieser Durchsuchung stellte die ESBK acht mut-
massliche Glücksspielstationen (All-in-One PC's) sicher. Als Hauptmieter
dieser Räumlichkeiten wurde C. festgestellt. Vor Ort befand sich der mut-
massliche Lokalverantwortliche, A., sowie drei Spieler (act. 1.5, S. 2;
act. 1.11). In der Folge eröffnete die ESBK gegen A. das Verwaltungsstraf-
verfahren Nr. 62-2021-089.
B. Bei der Stadtpolizei Zürich ging am 27. Oktober 2021 ein anonymer Hinweis
ein, wonach sich unter anderem an der D.-strasse 16 und 40 in Z. Automaten
mit darauf installierten Spielbankenspielen befinden würden (act. 1.6). Auf
Ersuchen der Stadtpolizei Zürich vom 9. Dezember 2021 erliess die ESBK
daraufhin Ende Dezember 2021 einen Hausdurchsuchungsbefehl (act. 1.4,
1.5). Nachdem bei der Stadtpolizei Zürich weitere Hinweise eingingen, wo-
nach auch im Erdgeschoss der Liegenschaft an der D.-strasse 27 in Z. (er-
neut) illegales Glückspiel angeboten werde, beantragte die Stadtpolizei Zü-
rich bei der ESBK am 13. Januar 2022 die Ausweitung des Hausdurchsu-
chungsantrages auf die besagten Räumlichkeiten. Ihren Antrag begründete
die Stadtpolizei Zürich unter anderem damit, dass in den besagten Räum-
lichkeiten schon einmal illegales Glückspiel festgestellt worden sei und es
sich beim damaligen Vermieter um C., den Sohn von E., handle. C. sei
Hauptmieter in der B.-strasse 7 gewesen, in welcher ebenfalls illegales
Glückspiel angeboten worden sei (act. 1.4).
C. Gestützt auf den Hausdurchsuchungs- und Durchsuchungsbefehl vom
25. Januar 2022 (act. 1.3) führte die ESBK zusammen mit Beamten der
Stadtpolizei Zürich am 26. Januar 2022 in den Räumlichkeiten im Erdge-
schoss in der D.-strasse 27 in Z. eine Hausdurchsuchung durch. Da die hin-
tere Türe zum Lokal zum Zeitpunkt der Kontrolle geschlossen war, wurde sie
von den Polizeibeamten gewaltsam geöffnet. Das Lokal war in drei Räume
eingeteilt, wobei im ersten Raum A., E. und F. angetroffen wurden (act. 1.7,
1.8). Die ESBK stellte unter anderem vier All-in-One PC's sicher, auf welchen
mutmasslich Spielbankenspiele i.S.v. Art. 3 lit. g des Bundesgesetzes vom
29. September 2017 über Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS; SR 935.51)
angeboten wurden, ferner Bargeld im Betrag von Fr. 160.--, welches sich in
- 3 -
einem Abfallkübel befand, und das im Eigentum von A. stehende Mobiltele-
fon iPhone11 ([U50618]; act. 1.8).
D. Anlässlich der Einvernahme vom 27. Januar 2022 verlangte A. die Siegelung
seines Mobiltelefons (act. 1.1).
E. Mit Eingabe vom 10. März 2022 gelangte die ESBK an die Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts. Sie ersucht um Ermächtigung, die am 27. Ja-
nuar 2022 sichergestellten Daten ab Mobiltelefon U50618 (iPhone 11) von
A. zu entsiegeln und zu durchsuchen (act. 1).
F. Die Gesuchsantwort vom 23. März 2022 von A. wurde dem ESBK am
25. März 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt (act. 3, 4).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. Januar 2019 ist das Geldspielgesetz in Kraft getreten. Nach Art. 134
Abs. 1 BGS ist bei Widerhandlungen im Zusammenhang mit Spielbanken-
spielen das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstraf-
recht (VStrR; SR 313.0) anwendbar. Verfolgende Behörde im Sinne von
Art. 20 Abs. 1 VStrR ist wie schon unter altem Recht das Sekretariat der
ESBK (Art. 134 Abs. 2, Art. 104 Abs. 5 BGS). Das Sekretariat vertritt die
ESBK vor eidgenössischen und kantonalen Gerichten (Art. 104 Abs. 5 BGS).
1.2 Die Bestimmungen der Eidgenössischen Strafprozessordnung (StPO;
SR 312.0) sind insoweit ergänzend oder sinngemäss anwendbar, als das
VStrR dies ausdrücklich festlegt (vgl. Art. 22, Art. 30 Abs. 2-3, Art. 31 Abs. 2,
Art. 41 Abs. 2, Art. 43 Abs. 2, Art. 58 Abs. 3, Art. 60 Abs. 2, Art. 80 Abs. 1,
Art. 82, Art. 89 und Art. 97 Abs. 1 VStrR). Soweit das VStrR einzelne Fragen
nicht abschliessend regelt, sind die Bestimmungen der StPO grundsätzlich
analog anwendbar (BGE 139 IV 246 E. 1.2 S. 248, E. 3.2 S. 249; Urteile des
Bundesgerichts 1B_210/2017 vom 23. Oktober 2017 E. 1.1; 1B_91/2016
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vom 4. August 2016 E. 4.1; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
1B_433/2017 vom 21. März 2018 E. 1.1). Die allgemeinen strafprozessualen
und verfassungsrechtlichen Grundsätze sind jedenfalls auch im Verwal-
tungsstrafverfahren zu berücksichtigen (BGE 139 IV 246 E. 1.2 und E. 3.2;
TPF 2018 162 E. 3; 2017 107 E. 1.2 und E. 1.3; 2016 55 E. 2.3).
2.
2.1 Werden im Verwaltungsstrafverfahren Papiere und Datenträger (vgl. hierzu
BGE 108 IV 76 E. 1) durchsucht, so ist dem Inhaber derselben wenn immer
möglich vor der Durchsuchung Gelegenheit zu geben, sich über deren Inhalt
auszusprechen. Erhebt er gegen die Durchsuchung Einsprache, so werden
die Papiere vorläufig versiegelt und verwahrt (Art. 50 Abs. 3 VStrR). Über die
Zulässigkeit der Durchsuchung entscheidet die Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts (Art. 50 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 VStrR und Art. 37
Abs. 2 lit. b StBOG). Die betroffene Verwaltungsbehörde hat bei der Stellung
von Entsiegelungsgesuchen dem Beschleunigungsgebot ausreichend Rech-
nung zu tragen (Art. 29 Abs. 1 BV; BGE 139 IV 246 E. 3.2). Die auf Mobilte-
lefonen gespeicherten Daten unterliegen nicht dem Fernmeldegeheimnis,
weshalb Rechtsschutz mittels Siegelung des sichergestellten Geräts ver-
langt werden kann (BGE 144 IV 74 E. 2.4; 143 IV 270 E. 4.6).
2.2 Eine förmliche (Verwirkungs-)Frist zur Einreichung des Entsiegelungsge-
suchs analog dem Art. 248 Abs. 2 StPO ist den Bestimmungen des VStrR
nicht zu entnehmen. Erfolgt ein Entsiegelungsgesuch knapp anderthalb Mo-
nate nach der Hausdurchsuchung und Siegelung, ist dem Beschleunigungs-
gebot in Strafsachen genügend Rechnung getragen (Urteil des Bundesge-
richts 1B_641/2012 vom 8. Mai 2013 E. 3.3). Die Beschwerdekammer hat
auch Fristen von rund zwei Monaten wiederholt als mit dem Beschleuni-
gungsgebot vereinbar angesehen, wobei innerhalb dieser zwei Monate aller-
dings jeweils noch Abklärungen bezüglich des Festhaltens an der Einspra-
che bzw. bezüglich des Umfangs der Einsprache erfolgten (siehe die Be-
schlüsse des Bundesstrafgerichts BE.2018.8 vom 22. November 2018;
BE.2013.4 vom 14. Oktober 2014 E. 1.3.3; BE.2013.7 vom 6. November
2013 E. 1.3.3; BE.2013.6 vom 29. Oktober 2013 E. 1.3.3; BE.2013.5 vom
16. Oktober 2013 E. 1.3.3; BE.2018.13 vom 1. Februar 2019 E. 2.3). Sie
erkannte aber eine Verletzung des Beschleunigungsgebots in einem Fall, in
welchem das Gesuch ohne erkennbaren Grund erst zweieinhalb Monate
nach der Hausdurchsuchung und Siegelung erfolgte (Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BE.2013.8 vom 5. Dezember 2013 E. 1.4.3).
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2.3 Das Entsiegelungsgesuch ist vorliegend formgerecht und rund sechs Wo-
chen nach der Siegelung des Mobiltelefons eingereicht worden. Als Eigen-
tümer des sichergestellten Mobiltelefons durfte der Gesuchsgegner dessen
Siegelung verlangen. Es liegen sämtliche Eintretensvoraussetzungen vor,
weshalb auf das Entsiegelungsgesuch einzutreten ist.
3.
3.1 Bei Entsiegelungsgesuchen wird in einem ersten Schritt geprüft, ob die
Durchsuchung im Grundsatz zulässig ist, und – bejahendenfalls – in einem
zweiten Schritt, ob die Voraussetzungen für eine Entsiegelung erfüllt sind
(TPF 2007 96 E. 2). Von einer Durchsuchung von Papieren, bei der es sich
um eine strafprozessuale Zwangsmassnahme handelt, wird gesprochen,
wenn Schriftstücke oder Datenträger im Hinblick auf ihren Inhalt oder ihre
Beschaffenheit durchgelesen bzw. besichtigt werden, um ihre Beweiseig-
nung festzustellen und sie allenfalls mittels später erfolgender Beschlag-
nahme zu den Akten zu nehmen. Eine derartige Durchsuchung ist nur zuläs-
sig, wenn ein hinreichender Tatverdacht besteht, anzunehmen ist, dass sich
unter den sichergestellten Papieren Schriften befinden, die für die Untersu-
chung von Bedeutung sind (Art. 50 Abs. 1 VStrR) und der Grundsatz der
Verhältnismässigkeit respektiert wird. Daraus folgt, dass auch allgemeine
Einwände gegen die Durchsuchung einen Grund zur Siegelung darstellen
können, mithin die Siegelung auch aus Gründen mangelnden Tatverdachts
sowie wegen fehlender Beweisrelevanz verlangt werden kann, sofern es
dem Berechtigten im Ergebnis darum geht, die Einsichtnahme der Untersu-
chungsbehörde in die sichergestellten Unterlagen und deren Verwertung zu
verhindern (Urteil des Bundesgerichts 1B_117/2012 vom 26. März 2012
E. 3.2 f.).
3.2 Gemäss Art. 130 Abs. 1 BGS wird mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe
oder mit Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich ohne die dafür nötigen Konzes-
sionen oder Bewilligungen Spielbankenspiele durchführt, organisiert oder
zur Verfügung stellt (lit. a) oder im Wissen um den geplanten Verwendungs-
zweck die technischen Mittel zur Veranstaltung von Spielbanken-
oder Grossspielen Personen zur Verfügung stellt (lit. b). Spielbankenspiele
sind Geldspiele, die einer eng begrenzten Anzahl Personen offenstehen;
ausgenommen sind die Sportwetten, die Geschicklichkeitsspiele und die
Kleinspiele (Art. 3 lit. g BGS).
3.3 Die Gesuchstellerin hielt im Bericht vom 28. Januar 2022 unter anderem fest,
dass sie im Ladenlokal im Erdgeschoss an der D.-strasse 27 in Z. zwei oder
drei Automaten mit darauf installierten Spielbankenspielen vermutete. Bei
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den Betreibern der Geräte soll es sich aufgrund anonymer Anzeige vom
27. Oktober 2021 und weiterer Hinweise um G. und E. handeln, gegen die
bereits ein Verwaltungsstrafverfahren laufe. Kurz vor der Hausdurchsuchung
habe die Stadtpolizei Zürich die Information erhalten, dass sich in den Räum-
lichkeiten an der D.-strasse 27 allenfalls auch der Gesuchsgegner aufhalten
werde, der für den Betrieb vor Ort zuständig sein könnte und gegen welchen
sie ebenfalls bereits ein Verwaltungsstrafverfahren (Nr. 62-2021-089) wegen
des Verdachts der Widerhandlung gegen das BGS führe (act. 1.8).
Anlässlich der Hausdurchsuchung vom 26. Januar 2022 an der D.-strasse
27 wurde unter anderem ein eingeschalteter All-in-One PC sichergestellt, auf
welchem das mutmassliche Spielbankenspiel auf der Spielplattform
«grandx.org» aufgeschaltet war, an welchem zum Zeitpunkt der Hausdurch-
suchung F. gespielt hatte. Im Abfallkübel lag Bargeld in Höhe von
Fr. 160.--. Als die Gesuchstellerin und die Polizei die Räumlichkeiten gewalt-
sam öffneten, stand neben diesem Abfallkübel der Gesuchsgegner. Der vor
Ort angetroffene F. gab an, dass er das Lokal an der D.-strasse 27 seit
ca. drei Monaten besuche und dort ungefähr einmal im Monat spiele. Man
könne dort Glückspiele spielen; er habe das Spiel «Mystery Seven» gespielt.
Wie er an diesem Tag wahrgenommen habe, sei der Gesuchsgegner die für
das Lokal verantwortliche Person. Die im Lokal festgestellten Geräte (All-in-
One PC's) seien dort zum Spielen. Eine Person helfe ihm, auf die Spielober-
fläche zu gelangen. Am Tag der Hausdurchsuchung habe ihm die dort an-
wesende Person mit den roten Schuhen (d.h. der Gesuchsgegner) geholfen.
Wenn er Probleme mit dem sichergestellten Gerät gehabt habe, habe er sich
an den Gesuchsgegner gewendet. Die Türe zum Lokal habe ihm ebenfalls
der Gesuchsgegner geöffnet (act. 1.10, S. 3 ff.). Damit besteht der Verdacht,
dass zumindest auf einem eingeschalteten All-in-One PC mutmasslich ein
Glücksspiel gespielt wurde.
Im Verwaltungsstrafverfahren Nr. 62-2021-085 befragte die Beschwerde-
gegnerin am 29. September 2021 H. als Auskunftsperson, wobei der Ge-
suchsgegner als Beschuldigter dieser Befragung beiwohnte (act. 1.12). Da-
bei ging es um die an diesem Tag durchgeführte Hausdurchsuchung des
Lokals an der B.-strasse 7 in Z., nachdem der Verdacht bestand, dass dort
illegales Glücksspiel gespielt werde. H. bestätigte, an diesem Tag am sicher-
gestellten Gerät gespielt zu haben und gab zudem an, dass für dieses Lokal
der Gesuchsgegner verantwortlich sei. Der Gesuchsgegner habe ihm am
Computer eine «Seite» geöffnet und er habe den Einsatz von Fr. 50.-- dem
Gesuchsgegner bezahlt. Aufgrund dieser Aussage besteht der Verdacht,
dass der Gesuchsgegner nicht nur für das Lokal an der B.-strasse 7, sondern
auch für dasjenige an der D.-strasse 27 in Z. verantwortlich sein könnte.
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3.4 Angesichts der oben dargestellten Ermittlungsergebnisse ist ein hinreichen-
der Anfangstatverdacht in Bezug auf eine Widerhandlung gegen Art. 130
Abs. 1 lit. a BGS zu bejahen, welcher auch den Einsatz von Zwangsmass-
nahmen wie Durchsuchungen und Sicherstellungen erlaubt. Die durchge-
führte Hausdurchsuchung genügt den gesetzlichen Anforderungen, was vom
Gesuchsgegner im Übrigen nicht bestritten wird.
4.
4.1 Weiter ist zu prüfen, ob anzunehmen ist, dass sich unter den zu durchsu-
chenden Papieren und Schriften bzw. auf dem hier gegenständlichen Mobil-
telefon Dateien befinden, die für die Untersuchung von Bedeutung sind
(Art. 50 Abs. 1 VStrR). Die Untersuchungsbehörden müssen hierbei jedoch
im Rahmen des Entsiegelungsgesuchs noch nicht darlegen, inwiefern ein
konkreter Sachzusammenhang zwischen den Ermittlungen und einzelnen
noch versiegelten Dokumenten besteht. Es genügt, wenn sie aufzeigen, in-
wiefern die versiegelten Unterlagen grundsätzlich verfahrenserheblich sind
(sog. «potenzielle Erheblichkeit», vgl. BGE 132 IV 63 E. 4.4; Urteil des Bun-
desgerichts 1B_336/2018 vom 8. November 2018 E. 4.3). Betroffene Inhaber
von Aufzeichnungen und Gegenständen, welche die Versiegelung beantra-
gen bzw. Durchsuchungshindernisse geltend machen, haben ihrerseits die
prozessuale Obliegenheit, jene Gegenstände zu benennen, die ihrer Ansicht
nach offensichtlich keinen Sachzusammenhang mit der Strafuntersuchung
aufweisen. Dies gilt besonders, wenn sie die Versiegelung von sehr umfang-
reichen bzw. komplexen Dokumenten oder Dateien verlangt haben (Urteile
des Bundesgerichts 1B_525/2017 vom 4. Mai 2018 E. 3.1; 1B_637/2012
vom 8. Mai 2013 E. 3.8.1 in fine; siehe zur StPO auch BGE 138 IV 225
E. 7.1; 137 IV 189 E. 4.2, 5.1.1, 5.3.3; Urteil des Bundesgerichts 1B_98/2018
vom 29. Mai 2018 E. 3.3). Stellt die Verwaltungsstrafbehörde beim zuständi-
gen Entsiegelungsrichter den Antrag, die versiegelten Unterlagen seien zu
entsiegeln, prüft der Entsiegelungsrichter im Untersuchungsverfahren, ob
die Geheimnisschutzinteressen (oder andere gesetzliche Entsiegelungshin-
dernisse), welche vom Inhaber oder der Inhaberin der versiegelten Aufzeich-
nungen und Gegenstände angerufen werden, einer Durchsuchung seitens
der Verwaltungsstrafbehörde entgegenstehen (Art. 50 Abs. 2-3 VStrR;
Art. 248 Abs. 1 und Abs. 3 StPO; BGE 141 IV 77 E. 4.1 S. 81; 137 IV 189
E. 4 S. 194 f.; Urteile des Bundesgerichts 1B_210/2017 vom 23. Oktober
2017 E. 3.4; 1B_433/2017 vom 21. März 2018 E. 3.3).
4.2 Angesichts der bisherigen Ermittlungsergebnisse besteht der Verdacht, dass
der Gesuchsgegner – allenfalls zusammen mit E. und weiteren Personen –
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für die in den durchsuchten Räumlichkeiten an der D.-strasse 27 in Z. sicher-
gestellten Geräte verantwortlich sein könnte (supra E. 3.3). Mithin kann die
Auswertung des Mobiltelefons des Gesuchsgegners bei den Ermittlungen
von Nutzen sein. Namentlich könnten sich die darin befindlichen Informatio-
nen (Kontakte, Unterhaltungen, Fotos usw.) Aufschluss über die Rolle des
Gesuchsgegners, allfällige Mittäter sowie das Vorgehen der Täterschaft ge-
ben.
4.3 Der Gesuchsgegner begründete die Einsprache anlässlich der Einvernahme
vom 27. Januar 2022 damit, dass in der Applikation WhatsApp private Nach-
richten und Bilder enthalten seien, die von der Gesuchstellerin nicht zu sich-
ten seien. Es handle sich um private Bilder und Chats (act. 1.1). Diese ledig-
lich allgemein gehaltene Behauptung genügt der dem Gesuchsgegner oblie-
genden Substantiierungspflicht nicht. Der Gesuchsgegner präzisierte auch
in der Gesuchsantwort vom 23. März 2022 nicht, um welche konkrete Bilder
oder Chats es sich dabei handeln soll. Selbst bei ausreichenden Substantii-
rung würde das Strafverfolgungsinteresse das Interesse des Gesuchsgeg-
ners an der Wahrung von Privatgeheimnissen überwiegen. Die Durchsu-
chung des Mobiltelefons des Gesuchsgegners ist in Anbetracht des zu un-
tersuchenden Vergehens gegen das BGS zudem verhältnismässig.
5. Nach dem Gesagten ist das Entsiegelungsgesuch gutzuheissen und die Ge-
suchstellerin ist zu ermächtigen, die sichergestellten Daten ab Mobiltelefon
U50618 (iPhone 11) des Gesuchsgegners zu entsiegeln und zu durchsu-
chen.
6. Die Gerichtskosten sind bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Gesuchs-
gegner aufzuerlegen (vgl. Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG
analog; TPF 2011 25 E. 3). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1'500.-- festzuset-
zen (vgl. Art. 5 sowie Art. 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts
vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in
Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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