Decision ID: 4b52028a-6ff4-4af6-a17c-c50363e1b3d0
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X._
war zuletzt von
1998
bis
2015
als
Mitarbeiter Office
bei der
Z._
tätig
(Urk. 7/7, Urk. 7/20)
. Am
1. April 2015
meldete er sich unter Hinweis auf
rheumatische Beschwerden und psychische Probleme
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
zog Akten der Krankentaggeldversicherung (Urk. 7/5, Urk. 7/30) sowie der Unfallversicherung (Urk. 7/14) bei. Zudem
liess
sie
den Versicherten polydisziplinär begutachten (Expertise vom
23. Mai 2016
; Urk.
7/49
). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/60, Urk. 7/63, Urk. 7/67
) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
27. März 2017
(
Urk. 7/70
= Urk. 2) ab.
2.
Der
Versicherte erhob am
12. Mai 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
27. März 2017
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen gemäss dem Bundesgesetz über die Invalidenver
siche
rung (IVG) zuzusprechen. Eventuell sei die Sache an die IV-Stelle zurückzu
weisen, mit der Verpflichtung, es sei ein rechtskonformes Gutachten zu erstellen, anschliessend seien berufliche Massnahmen zu prüfen und neu zu entscheiden (Urk. 1 S. 2, Urk. 1 S. 11 f.). Am 22. Juni 2017
(Urk.
6
)
beantragte die IV-Stelle
die
Abweisung der Beschwerde
, was dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom
18. August 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Mit Eingaben vom 20. September 2017 (Urk. 9) und 12. April 2018 (Urk. 12) reichte der Beschwerdeführer mehrere Arztberichte (Urk. 10/1-2, Urk. 13) ein, welche der Beschwerde
geg
nerin zur Kenntnis gebracht worden sind (Urk. 11, Urk. 14).
Am 19. Juli 2018 zog der Beschwerdeführer sein mit der Beschwerde gestelltes Ge
such um unentgeltliche Prozessführung zurück (Urk. 17), und am 31. Juli 2017
reichte er einen Arztbericht zu Handen des Migrationsamtes (Urk. 19) ein (Urk. 18
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1).
Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die verbliebene Leistungs
fähigkeit sei unverwertbar.
So geht die Gerichtspraxis etwa davon aus, dass gar für funktionell Einarmige
auf diesem Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten bestehen
, oder dass selbst ein auf 25 % beschränktes Pensum verwertbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2012 vom
8.
Januar
2013 E. 4.3 mit Hinweisen und 8C_489/2007 vom 28. Dezember 2007 E. 4.1).
An der Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes vermag der Umstand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsächlichen Arbeitsmarkt eine entspre
chende Stelle zu finden (vgl. Urteil 8C_237/2011 vom 1
9.
August 2011 E. 2.3).
Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist in denjenigen Fällen anzu
nehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög
lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeit
gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erschein
t (Urteil des Bundesgerichts 9C_
485/2014 vom 28. November 2014 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeits
kräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom 1
3.
März 2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeit
gebers rechnen können (Urteile des Bundesgerichts 9C_95/2007 vom 2
9.
August 2007 E. 4.3 und 9C_98/2014 vom 2
2.
April 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfü
gung vom
2
7.
März 2017
(Urk. 2) damit, dass die medizinischen Abklärungen ergeben hätten, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht weder eine psychia
trische noch eine körperliche Einschränkung mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege (S. 1). Das Medas-Gutachten vom 23. Mai 2016 sei schlüssig und umfassend. Eingliederungsmassnahmen seien nicht erfolgsver
spre
chend, da sich der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig fühle (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1), auf das Medas-Gutachten könne nicht abgestellt werden beziehungsweise das Gut
achten zuhanden seiner Krankentaggeldversicherung müsse als gleichwertig berücksichtigt und rechtlich gewürdigt werden (S. 7 Ziff. 18). Alle Gutachter hätten angegeben, dass die bisherige Tätigkeit ideal für ihn sei. Indes habe ihm sein ehemaliger Arbeitgeber aufgrund der negativen Verhaltensänderungen der letzten Jahre quasi aus dem Stand gekündigt. In casu seien keine ausreichenden Arbeitsplätze auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt vorhanden (S. 11 Ziff. 33).
Der Beschwerdeführer machte mit Eingaben vom 20. September 2017 (Urk. 9) und 12. April 2018 (Urk. 12) geltend, die Berichte von
med. pract.
A._
, praktischer Arzt und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 6. Septem
ber 2017 (Urk. 10/1) und 5. April 2018 (Urk. 13) bestätigten die Fest
stel
lungen des B._ vom 26. Juni 2015 sowie das Gutachten der Krankentaggeldversicherung.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
ein Rent
enanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte des B._, Klinik für Rheumatologie, nannten mit Bericht vom 30. Dezember 2014 (Urk. 7/12/6-7) folgende, hier gekürzt aufge
führten Diagnosen (S. 1):
-
panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Vitamin D-Mangel (Erstdiagnose [ED] 20. November 2014)
-
substituierte Hypothyreose
Es finde sich ein panvertebrales Schmerzsyndrom mit fibromyalgieformer Aus
breitung bei einer Fehlhaltung mit einem Flachrücken thorakal mit sekundären
myofaszialen Befunden im Schultergürtelbereich rechtsbetont, parathorakal rechts
sowie einer Haltungsinsuffizienz. Im MRI seien mehrsegmentale degenerative Veränderungen und konsekutiv leichte Spinalstenosen der Segmente C3/C5 beidseits gesehen worden bei klinisch fehlendem Hinweis für eine radikuläre
Symptomatik. Eine entzündliche Veränderung habe ausgeschlossen werden können
. Die fibromyalgieähnelnden Beschwerden könnten deutlich verstärkt werden durch den laborchemisch festgestellten ausgeprägten Vitamin D-Mangel. Dem Beschwerdeführer sei eine Physiotherapieverordnung mitgegeben worden für ein intensives aktives Rumpfstabilitätstraining sowie zur Detonisierung. Eine klinische Kontrolle sei in 8 Wochen vorgesehen.
3.2
Die Ärzte des B._, Klinik für Unfallchirurgie, nannten mit Austrittsbericht vom 16. Februar 2015 (Urk. 7/14/6-8) folgende, hier gekürzt auf
ge
führten Diagnosen (S. 1):
-
leichtes Schädel-Hirn-Trauma vom 11. Februar 2015
-
Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsion vom 11. Februar 2015
-
Ellbogenkontusion rechts vom 11. Februar 2015
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung, Differential
diag
nose (DD): chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
anamnestisch wohl rezidivierend depressive Symptomatik
-
panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Vitamin D-Mangel (ED 20. November 2014)
-
substituierte Hypothyreose
-
dringender Verdacht auf Skables
-
rezidivierende Schwindelattacken (ED 2009)
Der 51-jährige Beschwerdeführer sei heute Nachmittag (11. Februar 2015) um zirka 16.30 Uhr unbeobachtet in Ohnmacht gefallen und auf den Kopf und den rechten Ellenbogen gestürzt. Er sei wahrscheinlich zirka 10 Minuten bewusstlos gewesen. Seither habe er Kopfschmerzen am Ort des Aufpralls und Nacken
schmerzen, sowie leichte Schmerzen am rechten Ellenbogen. Die Schwindelan
fälle seien bekannt und verstärkten sich bei psychischem Stress. Dieser sei heute vermehrt gewesen, da er heute Vormittag ein Gespräch bezüglich Arbeitslosigkeit gehabt hätte (S. 2 oben). Der Beschwerdeführer sei zur Überwachung auf die chirurgische Bettenstation aufgenommen worden. Insgesamt habe ein unauf
fäl
liger neurologischer Verlauf mit guter Schmerzkompensation während des ge
samten stationären Aufenthalts bestanden. Er sei daher in subjektivem Wohl
befinden am 13. Februar 2015 in die ambulante Weiterbehandlung und das häusliche Umfeld entlassen worden (S. 2 unten).
3.3
Die Ärzte des B._, Klinik für Neurologie, nannten mit Bericht vom 1. April 2015 (Urk. 7/17) als hier gekürzt aufgeführte Diagnose ein diffuses Beschwerdebild seit zirka 2009 bestehend (S. 1). Es hätten sich keine Hinweise auf ein epileptogenes Geschehen als Ursache des polysymptomatischen Beschwerdebildes erfassen lassen (S. 2 unten).
3.4
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom 18. Juni 2015 (Urk. 7/26/1-5) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2003 (Ziff. 3.1) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei spondylogener Symptomatik, degenerative Veränderung der HWS und Lendenwirbelsäule (LWS), Fehl
haltung mit Flachrücken thorakal, sekundären myofaszialen Befunden
-
Haltungsinsuffizienz, Status nach Schädelhirntrauma 2015 und Mai 2050 (richtig wohl 2015)
-
rezidivierend depressive Symptomatik bei psychosozialer Belastungssitua
tion, chronische Schmerzstörung
-
neuropsychologische Auffälligkeiten mit schwerer Beeinträchtigung der geprüften Nierenfunktionen wie verlangsamte psychomotorische Verar
bei
tungsgeschwindigkeit, deutlich reduzierte Aufmerksamkeit und Kon
zen
trationsfähigkeit
-
stark reduzierte Erfassungsspanne, deutlich eingeschränkte Frontalhirn
funktionen
-
substituierte Hypothyreose, Vitamin D-Mangel
Von November 2014 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkaufsmitarbeiter (Ziff. 2). Die rheumato
lo-gischen Beschwerden sowie die neuropsychologischen Defizite beeinflussten die Gesundheit und/oder die Arbeitstätigkeit (Ziff. 5.3).
3.5
Die Fachpersonen des
B._, Klinik für Neurologie, berich
teten am 26. Juni 2015 (Urk. 7/66/4-7) über eine neuropsychologische Unter
suchung und nannten folgende, hier gekürzt aufgeführte Hauptdiagnosen (S. 1):
-
diffuses Beschwerdebild seit zirka 2009 bestehend
-
Status nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma vom 14. Mai 2014
-
Status nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma vom 11. Februar 2015
-
panvertebrales Schmerzsyndrom
-
substituierte Hypothyreose
-
Vitamin D-Mangel, ED 20. November 2014
Die neuropsychologische Untersuchung zeige schwere Beeinträchtigungen in den meisten der geprüften Hirnfunktionen. Bei vorliegendem Leistungsprofil dürfte eine berufliche Umorientierung mit Neuerlernen von Fähigkeiten praktisch un
mög
lich sein. Es würden einfache, dem Beschwerdeführer bestenfalls bereits be
kannte Routinetätigkeiten ohne hohe kognitive Anforderungen (insbesondere auch
an die Fehlerkontrolle) empfohlen (S. 3).
3.6
Die Ärzte des B._, Institut für Anästhesiologie, nannten mit Bericht vom 7. Juli 2015 (Urk. 7/26/9-14) folgende, hier gekürzt aufgeführten Diagnosen (S. 1):
-
panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung, DD: chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
anamnestisch rezidivierende depressive Symptomatik
Es bestünden ausgeprägte myofasziale Schmerzkomponenten, die vor allem im wirbelsäulennahen Bereich die Bewegungsabläufe deutlich einschränkten. Basie
rend auf den MRI-Befunden würden Irritationen der Nervenwurzeln wie auch Facettengelenksbeschwerden denkbar sein. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten diese wegen Schmerzüberlagerung durch muskuloskelettale Komponenten nicht differen
ziert werden (S. 2).
3.7
Die
Fachpersonen
des
B._,
Physiotherapie Ergotherapie
, führten mit Bericht vom 28. Juli 2015 (Urk.
7/26/7-8
) aus, in der heutigen klinischen Untersuchung habe sich ein Patient gezeigt, der massiv angespannt gewirkt habe. Die Untersuchung sei aufgrund der Schmerzexazerbation des Be
schwerdeführers stark limitiert gewesen. Eine differenzierte Untersuchung des Achsenskeletts sei nicht möglich gewesen. Es bestünden in der Hauptsache myo-fasziale und haltungsbedingte Schmerzen, bei deutlichem Angst- und Vermei
dungsverhalten. Es sei im Grunde eine
physiothera
peutische Behandlung indiziert und sollte ausschliesslich aktiv erfolgen. Zudem werde ein
Entspannungstraining
als zielführend und
sinnvoll
erachtet (S. 1).
3.8
Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psy
chotherapie, erstattete am 16. November 2015 zuhanden der Krankentaggeldver
sicherung des Beschwerdeführers ein psychiatrisch-neurologisches Gutachten (Urk. 7/30/4-71). Er nannte aus bidisziplinärer Sicht folgende Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 61 Ziff. 5.1):
-
somatoformer Schwindel mit rezidivierenden Schwindelattacken, gemäss Versicherungsakte seit 2009, ohne organisches Korrelat
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit dissozialen und narzisstischen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
diffuses panvertebrales Schmerzsyndrom und fluktuierende Sensibilitäts
störungen ohne organisches Korrelat
Die Kriterien einer Per
s
önlichkeitsstörung gemäss ICD-10-Katalog
seien
nicht ausgewiesen. Aufgrund der dissozialen Persönlichkeitszüge besteh
e
eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalt
tätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationa
l
isierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der Versicherte in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten
könne
. Aufgrund der Persönlich
keitszüge
sei
es bereits zu Konfliktsituationen a
n
der letzten Arbeitsste
lle ge
kommen
, der Versicherte
habe
gedroht, einen Mitarbeiter an der letzten Arbeits
stelle körperlich anzugreifen. Aufgrund der akzentuierten Persönlichkeitszüge
könne
der Versicherte auch in der Zukunft reduziert flexibel und unangepasst reagieren, was zu wesentlichen Funktionsbeeinträchtigungen im sozialen Verhal
ten und zu subjektiven Leiden und einem Lei
d bei Bezugspersonen führen könne.
Aus diesem Grund
sei
der Versicherte auf einen angepassten Arbeitsplatz bei einem konfliktarmen Arbeitgeber angewiesen
(S. 39 Mitte)
.
Es bestehe der Verdacht auf eine mangelnde Compliance im Hinblick auf die Medikamenteneinnahme.
Zusammenfassend lieg
e
kein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens vor. Von einem Scheitern der ambulanten oder stationären Therapie auf psychiatrischem Fachgebiet
könne
nicht gespro
chen werden
.
Aktuell besteh
e
keine leitliniengerechte psychiatrisch
-psycho
the
rapeutische Behandlung. Die gutachterliche Konsistenzprüfung ergebe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen.
Es best
ünd
en Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität der Beschwerden und der Vagheit der Beschwerden sowie Diskrepanzen zwischen den massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren körperl
ich-psychischen Beeinträchtigung
in der Untersuchungssituation.
Zudem bestünden
Diskrepanzen zwischen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und der Intensität der bisherigen Inansp
ru
chnahme therapeutischer Hilfe sowie der medikamentösen Compliance.
Das Ausmass der im Rahmen der Exploration und der neuro
log
ischen Untersuchung im Rahmen der bidisziplinären Abklärung durch den Versicherten vorgetragenen Schmerzen, Missempfindungen und Beeinträch
ti
gungen
könne
weder
aufgrund der Würdigung der Ver
sicherungsakte (Befunde) und der dokumentierten apparativen Zusatzdiagnostik (siehe Punkt 2) noch ge
mäss dem psychopathologischen Befund analog dem AMDP
(
Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation
)
objektiviert
werden (S. 40).
Im Bericht über die
neurologische
Untersuchung führte
Dr. D._
aus,
i
m Rahmen der klinisch-neurologischen Untersuchung
seien
ein ausgeprägtes Aggravations
verhalten mit demonstrativer Fallneigung beim Blindgangversuch und eine Selbst
limitierung auffallend
gewesen
. Die durch den Versicherten demonstrierten Defizite könn
t
en nicht auf eine organpathologische Genese zurückgeführt werden
(S. 53 unten).
Der
Versicherte
trage
als Hauptbeschwerde seit 10 Jahren bestehende chronische Kopfschmerzen ohne fokalneurologische Reizerscheinungen vor, welche an 24 Stunden am Tag und an 30 Tagen in Monat präsent
seien
und mehrmals täglich trotz der Analgetika-Einnahme exazerbier
ten
. In der Familie
sei
keine Kopf
schmerzerkrankung bekannt
(S. 54 Mitte)
.
Die aktuelle
klinisch-neurologischen Untersuchung
habe keine Hinweise auf fokalneurologische Defizite ergeben. Das vom Versicherten vorgetragene Schmerzprofil sei nicht nachvollziehbar (S. 55 Mitte).
Im Weiteren trage der Versicherte im Rahmen der heutigen neurologischen Unter
suchung einen seit dem Jahre 2009 bestehenden diffusen situationsabhängigen Schwindel vor. Stress führte zur Exazerbation der Beschwerden. Im Rahmen der Schwindelanfälle sei es in letzter Zeit rezidivierend zu Stürzen mit Verletzungen gekommen. Der klinisch-neurologische Status sei im Rahmen der aktuellen Unter
suchung bis auf die oben erwähnten, auf neurologischem Fachgebiet auch nicht erklärbaren, am ehesten funktionell bedingten Auffälligkeiten regelgerecht (S. 56 Mitte). Es handle sich überwiegend wahrscheinlich um einen somatoformen Schwindel (S. 57 oben). Es würden sich Hinweise auf nicht in vorhandenem Um
fang geklagte Beschwerden im Sinne zumindest einer Symptomausweitung ergeben. Die beklagte Intensität und das Ausmass der Beschwerden seien mit dem alltäglichen Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers nicht vereinbar (S. 58 oben).
Im Weiteren würden seit Jahren therapieresistente zervikale und lumbale Rücken
schmerzen mit pseudoradikulärer Ausstrahlung, begleitet von diffusen Missemp
findungen, die die körperliche Leistungsfähigkeit subjektiv einschränkten, angegeben. Das Ausmass der vorgetragenen zervikalen und lumbalen Schmerzen und der objektiven pathologischen Befunde der zervikalen und lumbalen Wirbelsäule kontrastiere mit dem MRI-Befund der gesamten Wirbelsäule. Bei klinisch und radiologisch fehlender neuraler Kompression könnten weder die Ausstrahlung der Schmerzen in die Knie noch die bei der Untersuchung angegebenen Missemp
findungen plausibilisiert werden (S. 58 f.).
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Versicherte aus bidisziplinärer Sicht in einer angepassten Tätigkeit (bisherige Tätigkeit gleich angepasst) bei einem konfliktarmen Arbeitgeber zu 100 % arbeitsfähig (S. 63 Ziff. 6.1).
3.9
Die Gutachter der Medizinischen Abklärungsstelle (Medas) E._ erstatteten am 23. Mai 2016 ein polydisziplinäres Gutachten in den Fach
disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie, Neuropsycho
logie sowie Neurologie zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/49/1-23;
Teilgutachten Rheumatologie Urk. 7/49/26-34; Teilgutachten Psychiatrie Urk. 7/49/35-51
; Teilgutachten Neuropsychologie Urk. 7/49/52-59; Teilgutachten Neurologie Urk. 7/49/60-63). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit nannten sie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0),
DD: dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom, keiner differenzierten Diagnose zuordbar sowie einen zurzeit nicht klassifizierbaren Schwindel (S. 20).
Im r
heumatologische
n
Teilgutachten
von
Dr.
m
ed. F._, Facharzt für Rheumatologie, wurde zusammenfassend ausgeführt, in
ausschweifender Aus
füh
rung
werde vom Versicherten
ein Ganzkörperschmerz an allen Tagen berich
tet, dazu schlafe er nachts nur 2
1⁄2
Stunden. Der Versicherte
habe
ein Verhalten im Zusammenhang mit auch thematisierten Schwindelerlebnissen demonstriert, das überwiegend geprägt
gewesen
und einzuordnen
sei
anhand von zum Teil grotesken Diskrepanzen und unspezifischen Verhaltensmuste
rn
. So
sei
auch die klinische Untersuchung des Bewegungsapparates nicht in allen Teilen aussage
kräftig wegen thematisierten
«
Schwindelgef
ü
hlen
»
. Es
lasse
sich aber ein ent
zünd
l
iches spezifisches Leiden oder eine anderweitig differenzierte Störung aus dem rheumatologischen Formenkreis ausschliessen. Die Gegenüberstellung und Wertung des funktionalen Verhaltens des Versicherten vor, w
ä
hrend und nach der Expertise zeig
e
auch keine Hinweise auf relevante morphologische Störungen oder Einschränkungen. Die Kriterien für eine Fibromyalgie
-S
ymptomatik
seien
nicht erfü
l
lt.
Es werde ein c
hronisch erlebtes und auch nicht immer nachvoll
ziehbar demonstriertes Körpererleben
diagnostiziert, welches
aus rheumatolo
gischer Sicht keiner differenzierten Diagnose oder spezifischem Leiden aus dem rheumatologischen Formenkreis zuordbar
sei.
Für die frühere respektive eine angepasste Verweistätigkeit besteh
e
eine volle Arbeitsfähigkeit
(S. 16)
.
Aus dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, geht zusammenfassend hervor, dass d
er
Beschwerdeführer übe
r Krämpfe im Kop
f und Vergesslichkeit berichtet habe. I
n der Familie gebe es öfters Streitigkeiten,
er bekomme manchmal Schwindel, «falle dabei um»
. Er schlafe 2
1⁄2
Stunden pro Nacht. Eine eigentlich psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ha
be
zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Die Beschwerdeschilde
ru
ngen
seien
diffus, auf psychiatrischem Gebiet fehl
t
en sämtliche Details einer spezifischen Störung.
Eine
Diskrepanz
liege
zum Beispiel dahingehend
vor
, dass der
Beschwerdeführer
nach lan
ger Anfahrt den ganzen Gutachtens
nachmittag mit verschiedenen Untersuchungen verbring
e mit
Gang
zum Labor und zurück. D
ies
sei
nicht vereinbar mit der Vorstellung, dass der
Beschwerdeführer
zu Hause von der Familie gestützt werden müsse beim Duschen oder gar auf dem WC. Konsistenzparameter nach Widder
seien
in einigen Punkten positiv. Wahrscheinlicher
sei
Aggravation, nämlich die bewusstseinsnahe, ten
den
ziell überhöhende Darstellung vorhandener Beschwerden zur Erlangung von auch materiellen Vorteilen. Die diffuse Schmerzsymptomatik begleitet von Miss
empfindungen und Schwindelanfällen
sei
möglicherweise im Rahmen einer Konfliktsituation am Arbeitsplatz entstanden, zumindest
bestehe eine
Exazer
bation
in diesem Rahmen. Es werde eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10
F45.1) und
eine
dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (
ICD-10
F54)
diagnos
tiziert
. Aus diesen Störungsbildern entsteh
e
keine daue
rhafte Behi
nderung von Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Für einfach strukturierte Arbeiten ohne Konflikt
potenzial besteh
e
eine Arbeitsfähigkeit von 80
% infolge einer qualitativen Leistungsminderung
(S. 16)
.
Aus dem neuropsychologischen Teilgutachten von lic. phil. Neuropsychologin H._ geht zusammenfassend hervor, dass vom Beschwerdeführer s
ubjektiv Gedächtnis
-
und Konzentrationsdefizite beschrieben
wü
rden mit Beginn vor zirka 10 Jahren und einer Verschlechterung seit 2-3 Jahren. Des Weiteren
würden Schwindel, «Kopfkrämpfe»
und Schlafprobleme
erwähnt
. In Art und Ausprägung
bestehe eine
nicht authentische kognitive Minderleistung in allen untersuchten kognitiven Bereichen. Bezüglich Glaubwürdigkeit
gebe
es klare Hinweise auf eine bewusste, grobe Verfälschung der Befunde.
Würden
die Resultate valide
sein
,
würde der Beschwerdeführer
eine kognitiv äusserst schwer eingeschränkte Person
sein
, was dem Bild einer mittelschweren bis schweren oder schweren Demenz entsprechen würde. Negative Antwortverzerrungen
seien
belegbar, so dass kein gültiges Testprofil
habe
erhalten werden
können. Ob eine kognitive Störung (zum Beispiel
als Symptom einer psychischen Problematik oder bei Schmerzen) den
noch vorhanden
sei, könne a
ufgrund der eingeschränkten Anstrengungs
bereit
schaft
des
Beschwerdeführers
nicht beurteilt werden. Die Art und Intensität der objektivierten Defizite
sei
zudem auch nicht mit den in der Literatur zu findenden Störungen bei milden Sch
ä
delhirntraumen oder c
hronischen Schmerzen verein
bar (S. 17 oben).
Aus dem neurologischen Teilgutachten
von
Dr. med. I._
, praktischer Arzt,
geht zusammenfassend hervor, dass der
Beschwerdeführer
seit mindestens 10 Jahren an einem chronischen täglichen Ganzkörperschmerzsyndrom leide. Auf
grund der Anamnese, der Semiologie der Schmerzen und des normalen Neu
ro
status best
ünd
en derzeit keine Anhaltspunkte für eine Läsion des peri
pheren und/oder zentralen Nervensystems als mögliche Ätiologie. Ausserdem leide er an
«
Schwindel
»
. Aufgrund der sehr schwierig zu erhebenden Anamnese und des normalen Neurostatus
sei
es zurzeit wirklich unmöglich, diesen Schwindel zu klassifizieren. Aus neurologischer Sicht lieg
e keine Arbeitsunfä
higkeit vor.
Es
werde auf ausgeprägte Diskrepanzen bei der Untersuchung verwiesen (S. 17 Mit
te)
.
Der neurologische Gutachter nannte als Diagnosen ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom
mit Schmerzen im ganzen Körper mit Schwerpunkt im Rücken sowie einen zurzeit
nicht klassifizierbaren Schwindel
mit anamnestischen häufi
gen Stürzen (Urk. 7/49/60-63 S. 4 Ziff. 5).
Interdisziplinär werde festgestellt, dass die Begutachtungen von Aggravationen und auch mangelnder Kooperation geprägt gewesen
seien. Trotzdem lasse sich festhalten, dass sich keine Hinweise auf ein wesentliches somatisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit finden liessen.
Dies deck
e
sich durchaus mit den Vorbefunden und einer 2015 durchgeführten Begutachtung. Die Diagnose einer undifferenzierten Somatisierungsstörung gründe sich auf die diffuse Schmerz
symptomatik, begleitet von Missempfindung und Schwindelanfällen, einem subjektiven Schmerzsyndrom über Jahre bestehend, möglicherweise exa
-
zer
biert im Rahmen der Arbeitsplatzsituation. Alleine aus dem psychiatrischem Krankheitsbild
könne
eine qualitative Leistungseinschränkung von 20
% ange
geben werden bei
einer vollen zeitlichen Präsenz (S. 20).
Bei der bisherigen Tätigkeit handle es sich um eine einfach strukturierte Tätigkeit in Wechselpositionen, somit eine angepasste Tätigkeit. Hierfür bestehe eine volle Leistungsfähigkeit mit einer qualitativen Minderung von 20 %. Retrospektiv könne diese Arbeitsfähigkeit ab Oktober 2014 angesetzt werden, als es nach Arbeitsplatzkonflikt vermutlich zur Exazerbation der subjektiven Schmerz
symp
to
matik gekommen sei (S. 22).
3.10
Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte mit Stellungnahme vom 11. Juni 2016 (Urk. 7/59/4-5) aus, es werde emp
fohlen, auf das Gutachten der Medas abzustellen. Es sollte von einem leichten bis mässigen psychiatrischen für die Arbeitsfähigkeit relevanten Gesundheitsschaden mit Beurteilung/Belastungsprofil gemäss Gutachten ausgegangen werden.
3.11
Die Ärzte des B._, interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen, nannten mit Bericht vom 18. November 2016 (Urk. 7/66/1-3) folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1 f.)
-
chronische Schwindelbeschwerden
-
generalisiertes Schmerzsyndrom
-
anamnestisch rezidivierende depressive Symptomatik
-
substituierte Hypothyreose
Der Beschwerdeführer sei zur erneuten Abklärung eines bereits im Jahr 2009 am B._ abgeklärten Schwindels zugewiesen worden, welcher anamnestisch (Kommunikation aus sprachlichen Gründen erschwert) zumindest teilweise lagerungsabhängig sei und zugenommen habe. In der aktuellen Unter
suchung (Kooperation erschwert) sei in allen Lagerungsmanövern unerschöp
fli
cher Schwindel angegeben worden. Möglicherweise handle es sich um einen Lage
rungsschwindel, ausserdem bestehe eine ausgeprägte psychophysische Kom
po
nente (S. 3).
3.12
Dr. J._, RAD, führte mit Stellungnahme vom 6. Februar 2017 (Urk. 7/69/3) aus, die letzten vorgelegten medizinischen Arztberichte zeigten ent
weder keine objektivierbaren Schwindelerklärungen (Bericht des B._ vom 18. November 2016) oder seien älteren Datums (Bericht des B._ vom 26. Juni 2015).
3.13
Nach Verfügungserlass führte med. pract. A._ mit Bericht vom 6. September 2017 (Urk. 10/1) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 16. Juni 2017 und nannte als Diagnose eine schwere depressive Episode, mit Verdacht auf bereits langjährige Chronifizierung (ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen. Der Beschwerdeführer werde in Konsultationen zu mindestens einer Stunde Dauer im Abstand von etwa zwei Wochen behandelt. Bisher habe keine nennenswerte Zustandsveränderung erreicht werden können. Mittelfristig (in den nächsten Monaten) werde es wohl kaum zu einer Zustandsverbesserung kommen (S. 2).
3.14
Dr. C._ führte mit Bericht vom 15. September 2017 (Urk. 10/2) aus, aufgrund der erheblichen psychischen Belastungen und der zum Teil schwerwiegenden Schwindelstörungen mit Stürzen sei der Beschwerdeführer in vorwiegend sitzen
der Tätigkeit nur zu 20 % arbeitsfähig. Wegen des Unfallrisikos sei das Bedienen von Maschinen oder Tätigkeiten an Örtlichkeiten mit Gefahrenpotential nicht möglich. Die somatischen Störungen hätten eher zugenommen.
3.15
Med. pract. A._ nannte mit Bericht vom 5. April 2018 (Urk. 13) als Diagnosen eine schwere depressive Episode, mit Verdacht auf bereits langjährige Chronifizierung (ICD-10 F32.2) mit somatischen Symptomen sowie einen Status nach mehreren Schädelhirntraumen mit deutlichen neuropsychologischen Defiziten. Den Beschwerdeführer sehe er in einem engmaschigen Behandlungssetting zirka alle zehn Tage. Die Konsultationen würden von einem Übersetzer begleitet und dauerten zirka eine Stunde. Der Beschwerdeführer sei aufgrund starkem Antriebs
mangel, deutlichen Konzentrationsstörungen und fehlender psychischer Belastbar
keit zu 100
%
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Er nehme motiviert mit Übersetzer eine engmaschige ambulante Behandlung wahr. Da er gemäss neuro
psychologischem Gutachten nichts Neues mehr lernen könne und aufgrund von Schmerzen und Schwindel würde ein (teil-)stationärer Aufenthalt mit einem strukturierten Ganztagsprogramm für ihn nicht zumutbar sein (S. 1).
4.
4.1
Das Medas-Gutachten beruht auf allseitigen Untersuchungen. Die geklagten Beschwerden wurden gebührend abgeklärt; die Akten fanden Berücksichtigung und die Schlussfolgerungen der Experten wurden schlüssig begründet. Die An
forderungen an den Beweiswert einer medizinischen Expertise (vgl. vorstehend E.
1.
4
) wurden erfüllt, weshalb grundsätzlich auf das Gutachten abgestellt werden kann. Dies empfahl auch RAD-Arzt
J._ (vorstehend E. 3.10
).
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Medas-Gutachter beschwerten sich darüber, dass sie keinen Zugang zum Beschwerdeführer hätten herstellen können beziehungsweise dieser nicht kooperativ gewesen sei beziehungsweise sich ver
weigert habe. Es sei darauf hinzuweisen, dass die bestellten Dolmetscher vor Ort nicht hätten angetroffen werden können, beziehungsweise der Begleiter des Be
schwerdeführers die Übersetzungen habe machen können. Dieser Umstand habe Einfluss auf den Ablauf der Begutachtung gehabt. Auf das Medas-Gutachten könne nicht abgestellt werden (Urk. 1 S. 7 Ziff. 18). Indes fehlte der beauftragte Dolmetscher einzig bei der neurologischen Begutachtung am 19. März 2016 (vgl. Urk. 7/50, Urk. 7/65) und fielen Aggravationen und mangelnde Kooperation auch anderen Medas-Gutachtern (vgl. vorstehend E. 3.9) sowie bereits auch Dr. D._ (vorstehend E. 3.8) auf. Zudem legte der Beschwerdeführer nicht dar, inwieweit der Umstand, dass der Begleiter des Beschwerdeführers die Übersetzung über
nommen hat, die neurologische Begutachtung beeinflusst haben sollte. Im Übri
gen übernahm auch bei Untersuchungen am B._ jeweils ein Begleiter des Beschwerdeführers die Übersetzungen (Urk. 7/5/16-17, Urk. 7/17, Urk. 7/66/4-7, Urk. 7/66/1-3). Der Einwand des Beschwerdeführers vermag das Medas-Gutach
ten nicht zu entkräften.
4.2
Aus rheumatologischer Sicht wurde im Medas-Gutachten
ein chronisch erlebtes und auch nicht immer nachvollziehbar demonstriertes Körpererleben diagnos
tiziert, welches keiner differenzierten Diagnose oder spezifischem Leiden aus dem rheumatologischen Formenkreis
zugeordnet werden konnte
. Für die frühere respektive eine angepasste Verweistätigkeit
wurde eine
volle Arbeitsfähigkeit
atte
stiert. Der neurologische Gutachter nannte als Diagnosen ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom und einen nicht klassifizierbaren Schwindel, wobei er beiden Diagnosen keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumass und von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausging. Die Neuropsychologin konnte aufgrund belegbarer n
egative
r
Antwortverzerrungen
kein gültiges Testprofil erhalten und stellte fest, dass wenn die
Resultate valide
sein würden
,
der Beschwerdeführer
eine kognitiv äusserst schwer eingeschränkte Person
wäre
, was dem Bild einer mittelschweren bis schweren oder schweren Demenz entsprechen würde.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte schliesslich eine
undifferenzierte Soma
ti
sierungsstörung (ICD-10 F45.1) und eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54)
und mass diesen Diagnosen eine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit in dem Sinne zu, als eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit
infolge einer qualitativen Leistungsminderung
attestiert wurde (vorstehend E. 3.9).
Interdisziplinär gingen die Medas-Gutachter denn auch alleine aufgrund des psy
chiatrischen Krankheitsbildes von einer 20%igen Leistungseinschränkung bei voller zeitlicher Präsenz aus, dies seit Oktober 2014. Sie hielten fest, dass es sich bei der bisherigen Tätigkeit um eine einfach strukturierte Tätigkeit in Wechsel
positionen handle, somit eine angepasste Tätigkeit (vorstehend E. 3.9).
Da die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach Einschätzung der Gutachter auf
ein
psychosomatische
s
Leiden zurückzuführen ist, ist eine genauere Prüfung der funktionellen Auswirkung der dadurch verursachten Beschwerden vorzunehmen, wozu die Gutachter ebenfalls Stellung nahmen (vgl. S.
17
ff. des Gutachtens).
4.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BG
E 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.4
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
de
ns
druck
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Ein
schränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgaben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Ge
sundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfoh
lenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
4.5
Die Medas-Gutachter hielten zur Ausprägung der diagnoserelvanten Befunde fest,
d
er internistische Untersuchungsbefund
sei
unauffällig
gewesen
, es
hätten
sich Diskrepanzen
gefunden.
Es sei ein e
xtrem langsames Ausziehen, das fast einer Verweigerung gleichkomm
e
,
beobachtet worden, was auch der begutachtende Rheumatol
oge
festgestellt habe
. Auch aus rheumatologischer Sicht
hätten
sich keine pathologischen Befunde
ergeben, wobei
die Untersuchung bei extremer Be
rührungsempfindlichkeit und weiteren Diskrepanzen letztendlich
habe
abgebro
chen werden
müssen
. Der Neurostatus
sei
unauffällig
gewesen
. Neuropsycho
logisch zeig
t
en sich kognitive Minderleistungen, allerdings
seien
diese Resultate nicht valide bei auffälliger Anstrengungsbereitschaft. Auch hier
seien
von der Gutachterin erhebliche Diskrepanzen und Aggravation beschrieben
worden
.
Die Gutachter hielten weiter fest, es hätten sich
Phänomene wie Aggravation, Ver
deutlichungstendenz, Symptomausweitung, Selbst
l
imitierung, insbesondere aber Persönlichkeitsregression, das heiss
e
sich hilflos geben ge
genüber Helfern wie An
ge
hörigen, gefunden (vgl. Urk. 7/49/1-23 S. 17 f. Ziff. 1). Damit fällt zusam
menfassend eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens ausser Betracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.1).
Auch der Gutachter
Dr. D._
, der im November 201
5
zuhanden der Kranken
taggeldversicherung
des Beschwerdeführers
ein bidisziplinäres psychiatrisch-neu
rologisches Gutachten erstattet hatte,
stellte
im Rahmen der klinisch-neuro
logischen Untersuchung ein ausgeprägtes Aggravationsverhalten mit demonstra
tiver Fallneigung beim Blindgangversuch und eine Selbstlimitierung
fest
.
Er konnte die
durch den
Beschwerdeführer
demonstrierten Defizite
ebenfalls
nicht auf eine organpathologische Genese
zurückführen.
Die das Beschwerdebild ebenfalls mitprägenden psychosozialen und sozio
kul
turellen Belastungsfaktoren, soweit sie unmittelbar (direkt) die Symptomatik beeinflussen, sind als nicht invalidisierende und damit nicht versicherte Um
stände auszuscheiden (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 E. 4.3 mit Verweis auf BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). Die Medas-Gutachter nahmen
eine zureichende Abgrenzung zu den zweifelsohne vorhandenen psychosozialen Belastungsfak
toren, namentlich
den
Konflikte
n
am Arbeitsplatz
, der seit der Kündigung durch den Arbeitgeber bestehenden Arbeitslosigkeit, dem niedrigen
Bildungsniveau und
den
mangelnde
n
Sprachkompetenzen
vor (vgl. Urk. 7/49/1-23 S. 18 Ziff. 3).
Hinsichtlich des Indikators Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resi
stenz
führten die Gutachter aus, dass sie die Frage, ob die bisherige Therapie lege artis gewesen sei, nicht beurteilen könnten, da unpräzise Angaben bezüglich Medikation vorliegen würden (Urk. 7/49/1-23 S. 20 unten). Dr. D._ hatte im November 2015 den Verdacht einer mangelnden Compliance im Hinblick auf die Medikamenteneinnahme und kam zum Schluss, dass a
ktuell keine leitlinien
gerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
bestehe
(vorstehend E. 3.8)
.
Der Beschwerdeführer war zudem nie in einer psychiatrisch-psychothe
rapeutischen Behandlung, weder ambulant noch stationär (Urk. 7/30/4-71 S. 27 unten, Urk. 7/49/1-23 S. 20 unten). Erst nach Erlass der vorliegend angefoch
tenen Verfügung nahm er eine psychiatrische Therapie auf (vgl. vorstehend E. 3.13).
4.6
Zu den Komplexen Persönlichkeit und sozialer Kontext hielten die Medas-Gut
achter fest, dass der soziale Kontext stabil sei. Der Beschwerdeführer lebe in der Familie mit seinen Angehörigen. Die Ehefrau sei in einem Pensum von 50 % tätig, sie hätten zwei schulpflichtige Kinder. Der Beschwerdeführer halte Kontakt zu den Eltern im Heimatland, berichte aber auch von zunehmenden Konflikten mit Geschwistern und Arbeitskollegen (vgl. Urk. 7/49/1-23 S. 19 Ziff. 5).
4.7
Zu prüfen ist sodann die Konsistenz. Dazu führten die Medas-Gutachter aus, dass sich bei
allen Gutachte
rn
zahlreiche Diskrepanzen
gefunden hätten. So sei zum Beispiel p
roblemloses Liegen in Rücklage auf der Untersuchungsliege
möglich gewesen
, beim anschliessenden Versuch
,
die Körpergrösse zu messen mit Rücken
kontakt an der Wand
habe der Beschwerdeführer aber
heftigste Schmerzen
angegeben und grimassiert.
Mangelnde Kooperation
sei
zum Beispiel festzustellen
gewesen
,
als
der Versicherte zur Untersuchung der Pupillen die Augen nicht
habe
öffnen
können
, weil er dadurch Schwindel bekomme,
sich
w
ä
hrend der gesamten
übrigen Zeit aber durchaus mit geöffneten Augen bewegt habe (vgl. Urk. 7/49/1-23
S.
21)
.
Laut rheumatologischem Gutachter hat der Beschwerdeführer
ein Ver
halten im Zusammenhang mit auch thematisierten Schwindelerlebnissen demon
striert, das überwiegend geprägt gewesen und einzuordnen sei anhand von zum Teil grotesken Diskrepanzen und unspezifischen Verhaltensmustern
. In der psychia
trischen Begutachtung wurde e
ine Diskrepanz dahingehend
festgestellt
, dass der Beschwerdeführer nach langer Anfahrt den ganzen Gutachtennachmittag mit verschiedenen Untersuchungen verbringe, Gang zum Labor und zurück
, was
nicht vereinbar
mit der Vorstellung
sei
, dass der Beschwerdeführer zu Hause von der Familie gestützt werden müsse beim Duschen oder gar auf dem WC.
So wurde denn auch
Aggravation
,
nämlich die bewusstseinsnahe, tendenziell überhöhende Darstellung vorhandener Beschwerden zur Erlangung von auch materiellen Vor
tei
len
, als wahrscheinlich erachtet. Die Neuropsychologin stellte b
ezüglich Glaub
würdigkeit klare Hinweise auf eine bewusste, grobe Verfälschung der Befunde
fest. N
egative Antwortverzerrungen seien belegbar
gewesen
, so dass
sie
kein gültiges Testprofil
erhalten konnte
.
Der neurologische Gutachter wies ebenfalls auf Diskrepanzen bei der Untersuchung hin (vorstehend E. 3.9).
Auch der Gutachter Dr. D._ stellte im Rahmen der psychiatrischen Untersu
chung Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeein
trächtigungen und diverse
Diskrepanzen
fest.
Das Ausmass der im Rahmen der Exploration und der neuro
log
ischen Untersuchung durch den Versicherten vorge
tragenen Schmerzen, Missempfindungen und Beeinträch
ti
gungen
konnte
weder
aufgrund der Würdigung der Ver
sicherungsakte (Befunde) und der dokumentierten apparativen Zusatzdiagnostik noch gemäss dem psychopathologischen Befund analog dem AMDP objektiviert
werden. Auch
im Rahmen der klinisch-neurologischen Untersuchung
seien
ein ausgeprägtes Aggravationsverhalten mit demonstrativer Fallneigung beim Blindgangversuch und eine Selbstlimitierung auffallend gewesen
(vorstehend E. 3.8).
Hinsichtlich des Leidensdruckes gilt es zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer bis zum Verfügungserlass keine adäquaten Therapien wahrgenommen hatte (Urk. 7/30/4-71 S. 27 unten, Urk. 7/49/1-23 S. 20 unten, vgl. vorstehend E. 3.13), was auf einen bis zu diesem Zeitpunkt geringen Leidensdruck schliessen lässt (vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_337/2015 vom 7. April 2016 E. 6.2).
4.8
Zusammenfassend erweist sich damit die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers der Medas-Gutacher auch nach Prüfung der Standardindi
katoren als schlüssig.
4.9
Konkrete Hinweise, die gegen die Schlüssig- und Zuverlässigkeit des Medas-Gutachtens sprechen, vermag der Beschwerdeführer entgegen seiner Ansicht (vgl. Urk. 1 S. 8 ff. Ziff. 22. ff.) nicht darzulegen. Der Bericht der Fachpersonen des B._ (vorstehend E. 3.5) sowie auch weitere vorhandene Arztberichte (vorstehend E. 3.1-7) vermögen die gutachterliche Beurteilung nur schon deshalb nicht umzustossen, da sie keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit enthalten. Denn für die Bestimmung des Rentenanspruchs ist es grundsätzlich unabhängig von der Diagnose und unbesehen der Ätiologie massgebend, ob und in welchem Ausmass eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vorliegt (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281; Urteil 8C_391/2015 vom 11. August 2015 E. 3.3). Des Weiteren kann er auch aus dem Gutachten von Dr. D._ zuhanden der Krankentaggeldversicherung (vorstehend E. 3.8) nichts zu seinen Gunsten ableiten, stellte doch auch dieser
ausgeprägtes Aggravationsverhalten
und diverse Diskrepanzen fest. Zudem attestierte er eine vollständige Arbeits
fähigkeit für eine angepasste Tätigkeit, wobei die bisherige Tätigkeit einer ange
passten entspreche.
4.10
In Bezug auf die nach Verfügungserlass erstellten Berichte des neuen behan
delnden Psychiaters med. pract. A._ (vorstehend E. 3.13 und E. 3.15 sowie Urk. 19) und von Dr. C._ (vorstehend E. 3.14) gilt, dass das Sozialversiche
rungs
gericht nach ständiger Rechtsprechung die Gesetzmässigkeit des angefoch
tenen Entscheids in der Regel nach dem Sachverhalt
beurteilt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sach
verhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Die Behandlungen des Beschwerdeführers ab Juni 2017 bei med. pract. A._ erfolgten nach Verfügungserlass am 27. März 2017 und fallen damit nicht mehr in den hier zu beurteilenden Zeitraum. Zudem
geht
daraus
hervor,
dass es sich bei seiner
Einschätzung um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes
handelt und sich
med. pract. A._
bei der Beurteilung der
Arbeit
sunfähigkeit
im Wesentlichen
auf die subjektiven Angaben de
s
Beschwerdeführer
s
stützte, welche für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit jedoch nicht massgebend sind.
Aus dem – ebenfalls nach Verfügungserlass – erstellten Bericht von Dr. C._ von September 2017 (vorstehend E. 3.14) geht weder hervor, wann er den Be
schwerdeführer letztmals untersucht hat noch enthält der Bericht Befunde. Die Feststellung, dass die somatischen Störungen eher zugenommen hätten, wurde damit nicht nachvollziehbar begründet.
4.11
Die vorliegenden medizinischen Akten erweisen sich nach dem Gesagten als ausreichend. Auf weitere Abklärungen kann deshalb verzichtet werden (antizi
pierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157). Nach der Würdigung der medizi
ni
schen Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer nach Ablauf des Warte
jahres in seiner angestammten Tätigkeit, welche einer angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des formulierten Belastungsprofils entspricht, zu 100 % arbeits
fähig ist, wobei eine qualitative Leistungseinschränkung von 20 % besteht.
5.
5.1
Der Einwand, die gutachterlich festgestellte Arbeitsfähigkeit sei aus bestimmten Gründen nicht mehr verwertbar (
Urk.
1 S.
11 Ziff. 3
3), ist nicht stichhaltig.
Ein
fach strukturierte Tätigkeiten in Wechselpositionen (vgl. vorstehend E. 3.9) sind auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in ausreichender Anzahl vorhanden.
So
weit
der Einwand
unter Hinweis auf das von Dr. D._ definierte Belastungsprofil begründet wurde,
ist
im Übrigen
auf die Rechtsprechung z
u verweisen (vor
steh
end E. 1.3), wonach d
er ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischen
arbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können
, umfasst.
5.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Ein
kom
me
ns
vergleichs gemäss
Art.
28a
Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art.
16 ATSG grund
sätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
ein
kommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E.
10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E.
3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwert
e von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder untersch
r
eitet (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_333/2013 vom 11.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
5.3
Nachdem dem Beschwerdeführer auch
seine
angestammte Tätigkeit,
welche einer angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des formulierten Belastungsprofils entspricht, zu
80 % zumutbar ist (vgl. vorstehend E. 4.11), rechtfertigt
sich ein Prozentvergleich, welcher einen eindeutig rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
2
0
%
ergibt.
5.4
Die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom
27. März 2017
(
Urk.
2) erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
In Bezug auf Eingliederungsmassnahmen ist der Beschwerdegegnerin beizu
pflichten, wonach solche nicht erfolgsversprechend sind, da sich der Beschwer
de
führer vollständig arbeitsunfähig fühlt (vorstehend E. 2.1).
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.