Decision ID: a4322f8a-09ce-472c-be3c-b5cc37404ac1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführer, zwei volljährige Brüder türkischer Staatsangehörig-
keit, suchten am 2. April 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich
ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank «Eu-
rodac» ergab, dass sie am 29. März 2022 in Kroatien ein Asylgesuch ge-
stellt hatten.
B.
Das SEM gewährte den Beschwerdeführern am 26. April 2022 das rechtli-
che Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-
keit der Überstellung nach Kroatien, dessen Zuständigkeit für die Behand-
lung ihrer Asylgesuche grundsätzlich in Frage komme.
C.
Am 27. April 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Wie-
deraufnahme der Beschwerdeführer gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
D.
Am 10. Mai 2022 hiessen die kroatischen Behörden die Wiederaufnahme-
gesuche gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. Sie führten aus, die
Beschwerdeführer hätten am 29. März 2022 den Willen ausgedrückt, in
Kroatien internationalen Schutz zu beantragen. Sie seien jedoch nicht in-
nert der gesetzlich vorgesehenen Frist im Empfangszentrum erschienen
und hätten keinen formellen Asylantrag gestellt. Das Verfahren sei weiter-
hin hängig.
E.
Am 12. Mai 2022 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behörden darum,
klarzustellen, ob die Beschwerdeführer im Sinne von Art. 20 Abs. 2 Dublin-
III-VO einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hätten. Die kroati-
schen Behörden antworteten am 2. Juni 2022, die Beschwerdeführer seien
beim illegalen Grenzübertritt aufgegriffen worden und hätten den Willen
zum Ausdruck gebracht, um internationalen Schutz zu ersuchen. Nach der
Abnahme der Fingerabdrücke seien sie an ein Empfangszentrum verwie-
sen worden, hätten sich dort jedoch nicht gemeldet.
F-3448/2022, F-3449/2022
Seite 3
F.
Am 3. Juni 2022 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behörden um Auf-
nahme der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO. Im
Gesuch bat sie erneut darum, die Frage nach der Stellung eines Antrags
auf internationalen Schutz zu klären. Sie führte aus, sofern die Vorausset-
zungen von Art. 20 Abs. 2 Dublin-III-VO erfüllt seien, werde sie die Gut-
heissung des Wiederaufnahmeersuchens vom 10. Mai 2022 als gültig er-
achten. Andernfalls bitte sie darum, das vorliegende Aufnahmeersuchen zu
beantworten.
G.
Am 3. August 2022 akzeptierten die kroatischen Behörden das Gesuch der
Vorinstanz vom 3. Juni 2022 wiederum gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-
III-VO. Sie führten konkretisierend aus, die Beschwerdeführer seien am
29. März 2022 von der Polizei angehalten worden und hätten den Willen
zum Ausdruck gebracht, einen Antrag auf internationalen Schutz zu stellen.
Die Polizei habe darüber einen Bericht im Sinne von Art. 20 Abs. 2 Dublin-
III-VO erstellt. Ein weiteres Gespräch sei mit den Beschwerdeführern nicht
geführt worden, da sie untergetaucht seien.
H.
Mit Verfügungen vom 9. August 2022 (beide eröffnet am Folgetrag) trat das
SEM auf die Asylgesuche der Beschwerdeführer nicht ein, ordnete ihre
Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die
Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung
zu.
I.
Am 10. August 2022 gelangten die Beschwerdeführer gemeinsam an das
Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die angefochtenen Verfügun-
gen seien aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die Asylge-
suche einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststel-
lung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren und
die Vorinstanz sowie die Vollzugsbehörden seien unverzüglich anzuwei-
sen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von Vollzugs-
handlungen abzusehen. Des Weiteren ersuchten die Beschwerdeführer
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses.
F-3448/2022, F-3449/2022
Seite 4
J.
Am 11. August 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-
schen Vollzugsstopp an.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Aus prozessökonomischen Gründen rechtfertigt es sich, die auf derselben
Beschwerdeschrift beruhenden und inhaltlich eng zusammenhängenden
Verfahren F-3448/2022 und F-3449/2022 zu vereinigen und in einem Urteil
darüber zu entscheiden.
2.
2.1 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG
und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-
gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist
[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG] sind erfüllt. Auf die Be-
schwerden ist einzutreten.
3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
F-3448/2022, F-3449/2022
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4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Ein Antrag auf
internationalen Schutz gilt als gestellt, wenn den zuständigen Behörden
des betreffenden Mitgliedstaats ein vom Antragsteller eingereichtes Form-
blatt oder ein behördliches Protokoll zugegangen ist; bei einem nicht in
schriftlicher Form gestellten Antrag sollte die Frist zwischen der Abgabe
der Willenserklärung und der Erstellung eines Protokolls so kurz wie mög-
lich sein (Art. 20 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-
verfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zu-
ständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
4.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz
gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-
titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen
Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten
Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23,
24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung
des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5
Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle
der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei
noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung
(vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20).
5.
5.1 Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdefüh-
rer, dass beide am 29. März 2022 in Kroatien aufgegriffen und daktylosko-
pisch erfasst worden waren. Gleichentags haben sie gemäss Auszug aus
der «Eurodac»-Datenbank Asylgesuche gestellt. Sie bestreiten jedoch, in
Kroatien ein Antrag auf internationalen Schutz gemäss Art. 20 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO gestellt zu haben. Sie hätten lediglich ihre Fingerabdrücke abge-
geben und auch dies nur unter Zwang. Ein Protokoll der kroatischen Polizei
über von ihnen vermeintlich gestellte Asylgesuche sei ihnen nie vorgelegt
worden.
F-3448/2022, F-3449/2022
Seite 6
5.2 Die kroatischen Behörden haben dem Wiederaufnahmeersuchen vom
27. April 2022 und dem Aufnahmeersuchen vom 3. Juni 2022 am 10. Mai
2022 und am 3. August 2022 jeweils gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-
VO zugestimmt. Sie hielten dabei fest, dass die Beschwerdeführer in Kro-
atien am 29. März 2022 mündlich einen Antrag auf internationalen Schutz
gestellt hätten und danach – noch vor der schriftlichen Erfassung dessel-
bigen – untergetaucht seien. Als Beleg hierfür wurden der Vorinstanz zwei
in kroatischer Sprache verfasste und als «Registrierungszertifikat» betitelte
Schreiben der Grenzpolizeistation Varaždin vom 29. März 2022 übermit-
telt. Gemäss selbigen hätten beide Beschwerdeführer gegenüber der Poli-
zeidienststelle bekundet, einen Antrag auf internationalen Schutz stellen zu
wollen. Darüber sei ein offizieller Vermerk erstellt und die Brüder seien an-
gewiesen worden, sich bis spätestens 30. März 2022 in Zagreb als Asylbe-
werber zu registrieren.
5.3 In Streitfällen wie dem vorliegenden kann zum Beweis der mündlichen
Antragstellung ein von der drittstaatsangehörigen Person unterzeichnetes
Protokoll herangezogen werden (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K. 6 zu
Art. 20). Ein entsprechendes Dokument liegt hier nicht vor. Es ist aber nicht
ersichtlich, wieso das offizielle Registrierungszertifikat der Grenzpolizeista-
tion Varaždin vom 29. März 2022 insofern einen falschen Inhalt haben
sollte. Das Schreiben vermittelt ohne Weiteres einen authentischen Ein-
druck. Die mündliche Antragsstellung wird von den Beschwerdeführern
gleichzeitig nur pauschal bestritten. Dass ihnen das Registrierungszertifi-
kat nicht vorgelegt und von ihnen unterzeichnet werden konnte, dürfte ih-
rem Untertauchen geschuldet sein. Im Ergebnis ist davon auszugehen,
dass sie in Kroatien am 29. März 2022 um internationalen Schutz ersucht
haben. Die Zuständigkeit Kroatiens für die Weiterführung des Zuständig-
keitsbestimmungsverfahrens steht damit grundsätzlich fest.
6.
6.1 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
6.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie-
deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine Gründe für die
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Seite 7
Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu
das Urteil des BVGer E-2381/2022 vom 9. Juni 2022 E. 5.4 m.w.H.). Folg-
lich ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
Die pauschalen und nicht belegten Ausführungen der Beschwerdeführer
über unzureichende Unterbringung und medizinische Behandlung führen
kein anderes Ergebnis herbei.
7.
7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend
(vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
7.2 Die Beschwerdeführer machen geltend, nicht in einem Land leben zu
wollen, wo kein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werde, wo man nichts
zu essen erhalte und wo man unter schlechten Umständen untergebracht
werde. Sie würden von Kroatien in die Türkei zurückgeschickt. Sowohl in
Kroatien als auch in der Türkei drohten ihnen Folter und menschenunwür-
dige Behandlung.
7.3 Die Beschwerdeführer haben – bereits angesichts der zwei Mal erteil-
ten Zusicherung der Wiederaufnahme durch Kroatien – kein konkretes und
ernsthaftes Risiko dargetan, die kroatischen Behörden würden sich wei-
gern, sie wieder aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz
beziehungsweise die Zuständigkeit Kroatiens für dessen Behandlung unter
Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes
(sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfen. Weder den Akten noch der Be-
schwerde sind stichhaltige Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroa-
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tien werde den Grundsatz des Non-Refoulements missachten und die Be-
schwerdeführ zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben
oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wä-
ren oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land
gezwungen zu werden. Ausserdem haben die Beschwerdeführer nicht dar-
getan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien
seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-
Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) führen könn-
ten. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Wegweisung nach
Kroatien in eine existenzielle Notlage geraten würden. Bei Kroatien handelt
es sich weiter um einen Rechtsstaat mit funktionierender Polizeibehörde,
der bereit und in der Lage ist, den Beschwerdeführern angemessen Schutz
zu bieten. Hinsichtlich der geltend gemachten vorübergehenden Beein-
trächtigungen können sie sich an die zuständigen behördlichen Stellen
oder an internationale Hilfsorganisationen vor Ort wenden. Insbesondere
letztere können auch Hilfestellung bei einer benötigten Übersetzung leis-
ten.
7.4 Die Beschwerdeführer haben alsdann keine konkreten Hinweise für die
Annahme dargetan, Kroatien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) zustehen-
den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vo-
rübergehenden Einschränkung könnten sie sich nötigenfalls an die kroati-
schen Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingun-
gen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
7.5 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen
(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.) Den Akten ist zu entneh-
men, dass der Beschwerdeführer 1 unter einer mittelgradigen depressiven
Episode und einer posttraumatischen Belastungsstörung, Hyperlipidämie
und an einer Zyste im vorderen Schienbein leidet. Dem Beschwerdeführer
2 wurde eine Sprunggelenksverletzung bei fraglicher Fraktur des fünften
Mittelfussknochens diagnostiziert. Hinweise auf psychische Beschwerden
liegen bei ihm nicht vor. Diese Diagnosen sind nicht von derartiger
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Seite 9
Schwere, dass die Rückweisung als unzulässig im Sinne der restriktiven
Rechtsprechung zu gelten hätte oder dass aus humanitären Gründen von
einer Überstellung abgesehen werden müsste. Im Übrigen ist darauf hin-
zuweisen, dass Kroatien grundsätzlich über eine ausreichende medizini-
sche Infrastruktur verfügt (Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar
2022 E. 6.7.3). Sodann bestehen nebst den staatlichen Einrichtungen auch
Angebote von Nichtregierungsorganisationen für die psychische Betreu-
ung, womit von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot
auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer F-4368/2020 vom 14. Januar 2021
E. 7.3 m.H.). Den gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers
1 wird zudem bei den Überstellungsmodalitäten Rechnung getragen wer-
den (Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO).
7.6 Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Dublin-
III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die
Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf die Asylgesuche einzutreten, noch
liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-
den.
8.
Bei der dargestellten Sachlage war das SEM entgegen dem nicht weiter
begründeten Eventualbegehren der Beschwerdeführer nicht gehalten, wei-
tere Sachverhaltsabklärungen zu treffen.
9.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführer nicht eingetreten und hat
die Wegweisung nach Kroatien angeordnet.
10.
Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorlie-
genden Urteil fällt der am 11. August 2022 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Der Eventualantrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist ge-
genstandslos geworden.
11.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65
Abs. 1 und 2 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind.
Die Verfahrenskosten sind den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63
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Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
12.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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