Decision ID: ac713850-08ce-5cb2-a8fb-6d7f0244f453
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren 1957,
war
nach
seiner
Einreise in die Schweiz
von 1992 bis 2002
als angelernter Gipser tätig
(Urk. 7/17/1)
. Im Februar 2006 meldete er sich unter Hinweis auf Wirbelsäulenschmerzen bei der Eidgenössischen Invali
denversicherung
zum Leistungsbezug
an
(Urk.
7/13)
. Am 2.
März 2007 ver
neinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, einen Ren
tenanspruch
(Urk.
7/30)
. Der Versicherte
übernahm die Betreuung seiner Ehe
frau und von vier schulpflichtigen Kindern, nachdem seine Ehefrau im Jahr 2005 infolge eines Unfalls pflegebedürftig geworden war
(Urk.
7/55)
.
A
m 29. Oktober 2007
meldete er sich
erneut
zum Bezug von Leistungen der Invali
denversicherung an (Urk.
7/32). Die
IV-Stelle
nahm Abklärungen vor und ver
neinte mit Verfügung vom 26. Juli 2011
erneut
den Anspruch auf eine Invali
denrente
(Urk. 7/97)
.
Die vom Versicherten am 16.
September 2011 dagegen erhobene Beschwerde
(Urk. 7/100/3-7)
hiess das Sozialversicherungsgericht mit dem unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil IV.2011.00842 vom 31.
August 2012 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurück
wies, damit diese allfällige Einschränkungen im Aufgabenbereich aus orthopä
discher Sicht und die Gewichtung der einzelnen Haushaltsbereiche im Aufga
benber
eich
nochmals prüfe, und hernach über d
en allfälligen Rentenanspruch
neu entscheide
(Urk. 7/111)
.
1.
2.
In der Folge holte die IV-Stelle einen Bericht von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 6.
Januar 2013 (Urk.
7/119/5-6)
sowie
einen Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Fach
ärztin
für Physikalische Medizin,
vom 22.
Dezember 2012 (Urk.
7/120/1-4) ein. Ausserdem wurden Stellungnahmen von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD) vom 21.
Januar 2013 und vom 7.
Februar 2013 eingeholt (Urk.
7/127/4-5). Am
20.
Februar 2013
fand
eine Haushaltsabklärung durch den Abklärungsdienst (AD) der IV-Stelle statt (Urk.
7/126).
Gestützt
auf diese Abklärungen
stellte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren in der Verfügung vom 17.
Juli 2013 fest, dass der Versicherte ab 1.
Mai 2012 Anspruch auf eine Viertelsrente habe (Urk.
2/2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 3.
September 2013, vertreten durch Rechtsan
walt Glavas, Beschwerde erheben mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung
sei teilweise aufzuheben und ihm
sei
eine halbe Invalidenrente zu gewähren (Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Vernehmlassung vom 16.
Oktober 2013 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und Unterlagen wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Die massgeblichen rechtlichen Grundlagen wurden bereits im
Urteil vom 31. August 2012
wiedergegeben, worauf
verwiesen werden
kann
(Urk.
7/111
E. 1
).
Da
auch
die IV-Revision
6a
hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziel
len Ä
nderungen gegenüber der bis 31.
Dezember 2007 gültig gew
e
senen Rechtslage gebracht hat
, werden die massgeblichen Gesetzesbestimmun
gen – soweit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem 1.
Januar 2008 geltenden unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
2.
2.1
Im Urteil vom 31. August 2012 wurde festgestellt, dass der Versicherte als zu 100 % im Aufgabenbereich Tätiger zu qualifizieren
sei
(Urk. 7/111). Weiter wurde auf die im Gutachten des
B._
vom 20. September 2009 aus psychiatrischer Sicht festgehaltenen Ein
schränkungen im Aufgabenbereich abgestellt. Gemäss dem
B._
-Gutachten
bestand
aus rein psychiatrischer Sicht keine Einschränkung im Haushaltsbereich und eine reduzierte Arbeitsfähigkeit von 10 % bei voller Stundenpräsenz für die Pflege der Ehefrau (Urk. 6/58). Da diese Ausführungen schlüssig waren, wurde im Urteil vom 31. August 2012 von diesen ausgegangen und im Rahmen der Rückweisun
g keine weitere
psychiatrische Abklärung angeordnet (Urk. 6/111).
Auch der
von der IV-Stelle eingeholte
Bericht vom behandelnden Psychiater Dr.
Y._
vom 6.
Januar 2013 (Urk. 7/119/5-6) ändert nichts an dieser Aus
gangslage.
2.2
D
as Verfahren
wurde mit Urteil vom 31.
August 2012 (Urk.
7/111)
zur Vor
nahme respektive Veranlassung weiterer orthopädischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen, obwohl mit dem
B._
-Gutachten vom 17. Juni 2009 (Urk. 6/58) ein ausführliches orthopädisch-psychiatrisches Gutachten vorlag. Der Grund für die Rückweisung bestand darin, dass sich der orthopädische Gut
achter nicht zu Einschränkungen im Aufgabenbereich
hatte
äussern
können
, weil ihm der Abklärungsbericht des AD vom 9. April 2009 (Urk. 6/55) nicht
vorgelegen hatte
und ihm die Diagnosen der Ehefrau nicht bekannt
gewesen
waren (Urk. 6/58/9).
3.
3.1
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2012 holte die IV-Stelle
, veranlasst durch den Rückweisungsentscheid,
einen Verlaufsbericht bei der behandelnden Ärztin
Dr.
Z._
ein (
Urk.
6/120/5).
Dr.
Z._
führte im Bericht vom 22.
Dezember 2012 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf
(Urk.
7/120/1)
:
Synkope mit Sturzereignis
,
Kopfanschlag parietal links und
am
Becken am 17. Mai 20
12;
unklare
Genese
Chronisches lumbospondylogenes und rezidivierendes lumboradikuläres Reizsyndrom bei Spondylolisthesis L5 gegenüber L4 und S1 um 6mm
Grosse Diskushernie L4/5, wobei die L5-Nervenwurzeln
dis
k
al tangiert werden
Diskushernie L5/S1
Chronisches Cervicovertebralsyndrom bei Osteochondrose C5/6, Unkover
tebralarthrosen C4-C6 mit bilateraler Protrusion C5/6
kombinierte ventrale Duralsackimpression C5/6
I
n letzter Zeit beständen lumb
o
s
a
k
ral zunehmende Schmerzen mit zum Teil spon
dylogenen, zum Teil radikulären Ausstrahlungen in beide Beine. Radiolo
gisch zeige sich durch die Antelisthesis L5 eine Diskushernie auf der Breite von 15 mm, die zur Tangierung der Nervenwurzeln führe. Nebenbei beständen
Z
er
vi
k
algien mit spondylogenen Ausstrahlungen in beide Arme bei deutlich ein
geschränkter Beweglichkeit der Halswirb
elsäule. Die Lendenwirbelsäule sei
in alle Richtungen je um zwei Drittel eingeschränkt. Die Lasegue terminal sei beidseitig angedeutet, ansonsten seien keine sensomotorischen Defizite nach
weisbar
(Urk.
7/120/2)
.
Dieser Befund stützte sich unter anderem auf die Ergeb
nisse des
C._
vom 21.
März 2012 (Urk.
7/123).
Dem Beschwerdeführer könne weder psychisch noch körperlich belastende Ar
beit zugemutet werden. Er sei zu 50
% arbeitsfähig für wechselbelastende Tätig
keiten
. Tätigkeiten wie Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Kauern, Knien und Heben/Tragen seien ihm nicht zumutbar
(Urk.
7/120/3-4).
3.2
Der Verlaufsbericht von
Dr.
Z._
vermag den mit Urteil vom 31.
August 2012
(
Urk.
7/111)
in den Erwägungen erläuterten Abklärungsauftrag betreffend Gesundheitszustand in orthopädischer Hinsicht in keiner Weise zu erfüllen. Dr.
Z._
lagen für ihren Verlaufsbericht vom 22.
D
ezember 2012 soweit ersichtlich
,
ebenso wie zuvor dem
B._
,
weder
der
Abklärungsbericht
des AD
noch
medizinische
Berichte zur Ehefrau vor. Zudem wurde sie nicht aufgefor
dert, sich zu Einschränkungen im Aufgabenbereich zu äussern, sondern ihr wurde
v
o
n der IV-Stelle
das Standardverlaufsprotokoll zugestellt.
Entsprechend äusserte
sich
Dr.
Z._
nur
in allgemeiner Weise zur Arbeitsfähigkeit und zu
zumutbaren Tätigkeiten, ohne sich spezifisch auf die Haushalt
s
führung oder die Pflege der Ehefrau zu beziehen (
Urk.
7/120). Somit liegt weiterhin keine schlüs
sige Stellungnahme einer orthopädischen Fachperson vor, welche sich zur Zumutbarkeit der Haushalts- und Pflegetätigkeiten äussert. Die Verfügung vom 17. Juli 2013 (
Urk.
2/2) kann sich in Bezug auf allfällige orthopädisch bedingte Einschränkungen des Beschwerdeführers im Aufgabenbereich auf keine genü
gende medizinische Grundlage stützen, da der Sachverhalt auch nach Rück
weisung mit Urteil vom 31.
August 2012 (Urk.
7/111) nicht im Sinne der Erwä
gungen jenes Urteils abgeklärt wurde. Die Stellungnahme von
Dr.
A._
vom RAD vom 7. Februar 2013 (Urk.
7/127/5) ändert nichts an dieser Ausgangslage.
3.3
Daher muss das Verfahren erneut zur Vornahme von orthopädischen Abklärun
gen zurückgewiesen werden. Wesentlich erscheint dabei, dass sich dieses Mal eine orthopädische Fachperson,
welche über die im Haushalt des Versicherten anfallende
n
Aufgaben sowie den Gesundheitszustand der Ehefrau und damit zusammenhängend die nötigen Pflegetätigkeiten informiert ist, konkret über
aufgrund somatischer Leiden bestehende
Einschränkungen des Versicherten im Aufgabenbereich äussert.
4.
4.1
Am 20.
Februar 2013 fand eine
erneute
Haushaltsabklärung durch eine Person des
AD
der IV-Stelle statt.
Der AD
stellte fest, der Versicherte
lebe
mit seiner pflegebedürftigen und bettlägrigen Ehefrau sowie drei seiner Kinder
mit den Jahrgängen 1994, 1998 und 2000
in einer 4-Zimmerwohnung
.
Die
weiteren
Kinder seien ausgezogen, wohnten aber zum grossen Teil in der Nähe und un
terstützten den Versicherten, soweit es gehe. Zudem werde der Versicherte bei der Pflege seiner Ehefrau durch die Psychiatrie-Spitex und zweimal wöchentlich durch die somatische Spitex unterstützt.
Insgesamt ergebe sich
im Aufgaben
bereich
bis Januar 2012 ein
e Einschränkung
von 34
% und ab Februar 2012 ein
e
Einschränkung
von 42 % (Urk.
7/126).
In der
internen
Stellungnahme vom 13.
Juni 2013 hielt der AD fest, seine
Abklä
rungen vor Ort hätten eine Einschränkung bei der Betreuung der Ehefrau in der Höhe von 60
%
ergeben
, was sich mit der von Ärzten festgehaltenen Arbeitsunfähigkeit von 50
% in angepasster Tätigkeit decke. Die Gewichtung im Umfang von 20
% für die Betreuung der Ehefrau, was einem Fünftel der gesamten Aufgabe entspreche, sei bereits hoch und daran kön
ne nichts geändert werden (Urk.
7/144).
4.2
Was die Haushaltsabklärung betrifft, wurde im Urteil vom 31.
August 2012 bemängelt, dass
im
ursprünglichen
Abklärungsbericht vom 9. April 2009 (Urk.
7/55) bei der Gewichtung der Haushaltsbereiche
die Position 6.7 „Ver
schiedenes“, in welcher auch der Bereich Krankenpflege aufgeführt ist, trotz der notwendigen erheb
lichen Pflege der Ehefrau mit 0
% gewichtet und entspre
chend nicht berücksichtigt wurde (Urk.
7/111/14-15).
Der neue Abklärungsbe
richt
vom 28. März 2013
geht von einer Gewichtung der Pflegetätigkeit im Umfang von 20
% aus (Urk.
7/126/6). Angesichts der Tatsache, dass
der Versi
cherte im Gesundheitsfall
wohl
wegen der notwendigen Pflege und Betreuung seiner Frau im Aufgabenbereich tätig wäre
(
vgl.
Urk.
6/111/7-8)
, angesichts der im
Abklärungsbericht
vom 28.
März 2013 festgehaltenen Schilderung des Versi
cherten in Bezug auf
den Aufwand für die
Pflege und Betreuung seiner
ausser in Bezug aufs Essen unselbständigen
Frau
(Urk.
6/126/1
, Urk.
6/126/6-7)
sowie angesichts der Tatsache, dass seine Frau
gemä
ss dem Abklärungsbericht vom 9.
April 2009
durch die IV-Stelle
als mittelgradig hilflos eingestuft wurde
(Urk.
7/55/4)
, stellt sich die Frage, ob diese Gewichtung zu tief ausfiel.
Gemäss dem Kreisschreiben
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversiche
rung (KSIH, gültig ab 1. Januar 2014) kann die Aufgabe „Verschiedenes“ mit bis zu 50
%
gewichtet werden (
KSIH
Rz 3086).
Mangels
in den Akten festgehaltener
konkreter objektiver Angaben zum Gesundheitszustand
der Ehefrau
sowie
zum
erforderlichen
A
ufwand für
ihre
Betreuung und Pflege,
muss diese Frage
nun
nach erneuter Rückweisung
geklärt werden
.
Ins Gewicht fällt ebenso, wie sich der Gesundheitszustand der Ehefra
u auf ihren Alltag auswirkt
und
wie sehr sie konkret auf Unterstützung angewiesen ist
. Sind diese Angaben vorhanden, so kann die Aufgabe der Pflege und Betreuung im Verhältnis zu den Haushaltsauf
gaben korrekt
und nachvollziehbar
gewichtet werden.
5.
Die Verfügung vom 17.
Juli 2013
(
Urk.
2/2)
ist insoweit aufzuheben, als sie den Anspruch auf eine die Viertelsrente übersteigende Invalidenrente verneint. Die Sache ist zur Vornahme ergänzender Abklärungen an die IV-Stelle zurückzu
weisen, damit diese hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen
geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen
der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des
Bundesge
richts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E.
6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr.
10 S.
28 E.
3).
Die Kosten sind der unterliegenden Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
6
.2
Ferner hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessent
-
schädi
gung. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (Art.
61 lit. g ATSG, §
3
4 Abs.
3 des Gesetzes über das Sozial
-
versicherungsgericht des Kantons Zürich [GSVGer]). Unter Berücksichti
gung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.--
sowie der Tatsache, dass Rechtsanwalt Glavas den Beschwerdeführer bereits im erstmaligen Gerichts
-
verfahren vertreten hat, weshalb er mit den Akten bereits vertraut gewesen ist,
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Proze
ssentschädigung in der Höhe von
Fr.
1‘
000.--
(inklusive Mehrwert
steuer und Barauslagen) zu bezahlen.