Decision ID: 8be03d1e-69ba-5162-8482-37136ba45cb2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. Oktober 2019 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) Region (...) zugewiesen.
Am 29. Oktober 2019 fand die Personalienaufnahme und am 17. Dezem-
ber 2019 die Anhörung statt. Am 23. Dezember 2019 wurde das Verfahren
zwecks abschliessender Sachverhaltserstellung dem erweiterten Verfah-
ren zugewiesen. Am 20. Februar 2020 fand die ergänzende Anhörung statt.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei türkischer Staatsangehöri-
ger, türkischer Ethnie aus B._, wo er mit seiner Frau und der ge-
meinsamen Tochter gelebt habe. Zwischen (...) und (...) habe er wöchent-
lich an religiösen Versammlungen zu Said Nursi und Fetullah Gülen in
B._ teilgenommen. Nach seinem Umzug innerhalb B._s
habe er nur noch vereinzelt an diesen Gesprächsrunden teilgenommen.
Sein Bruder habe im Unternehmen C._ als Geschäftsführer gear-
beitet. Das Unternehmen und die Zeitung D._ habe der E._
gehört, die der Gülen-Bewegung angehöre. Im Jahr 2011 oder 2014 habe
auch er für ungefähr zwei Monate in dem Unternehmen gearbeitet; der
Lohn sei auf sein Konto bei der F._ ausgezahlt worden. Die Zeitung
D._, von der er vor deren Schliessung im Jahr (...) für mehrere Mo-
nate Abonnent gewesen und bei der er im Jahr (...) eine Woche eingear-
beitet worden sei, habe ebenfalls dieser (...) angehört. Sein Bruder sei spä-
ter entlassen und das Unternehmen von der Regierung geschlossen wor-
den. Im Jahr (...) sei sein Bruder inhaftiert worden; man habe ihm Mitglied-
schaft in einer bewaffneten Terrororganisation vorgeworfen. Da er (der Be-
schwerdeführer) befürchtet habe ebenfalls inhaftiert und angeklagt zu wer-
den, habe er schliesslich die Türkei im (...) legal mit einem Schweizer Vi-
sum auf dem Luftweg verlassen. Seine Mitgliedschaft bei der AKP (Adalet
ve Kalkınma Partisi) habe er während seiner Ausreise per Internet gekün-
digt. Er befürchte auch deshalb Probleme zu bekommen oder von Ver-
wandten als G._-Sympathisant ([...]) denunziert zu werden.
B.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz, beauftragte den zuständigen Kan-
ton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer
die editionspflichtigen Akten aus.
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C.
Mit Eingabe vom 22. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit/Unzumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme
zu gewähren. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren und die Unterzeichnende als unentgeltliche Rechtsbeiständin
zu bestellen.
D.
Mit Schreiben vom 24. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer seine Für-
sorgebestätigung nach.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Juli 2020 bestätigte der Instruktionsrichter
den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne
den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadres-
sat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungs-
weise eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
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nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
3.2 Staatliche Repressalien gegen Familienangehörige von politischen Op-
ponenten können als sogenannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich er-
heblich sein, wenn sie in asylrelevanter Intensität gezielt erfolgen oder mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit drohen. Begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung liegt grundsätzlich dann vor, wenn aufgrund objektiver Um-
stände in nachvollziehbarer Weise subjektiv befürchtet wird, die Verfolgung
werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
verwirklichen (vgl. Walter Stöckli, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.16; BVGE 2011/51 E. 6.2,
2011/50 E. 3.1.1, 2010/57 E. 2.5).
4.
Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, der
Beschwerdeführer sei in der Türkei bisher keiner Verfolgungsmassnahme
im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen. So gebe es namentlich
keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er vor seiner Ausreise aufgrund
des Verfahrens gegen seinen Bruder ins Visier der Behörden geraten oder
ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden wäre. Zudem
komme der Teilnahme an den Gesprächen, dem Konto bei der F._
und dem Abonnement bei der Zeitung D._ vorliegend ebenfalls
keine asylrelevante Bedeutung zu und bestehe keine Gefahr von Re-
flexverfolgung aufgrund der Familienangehörigen. Was schliesslich die
Angst vor der Denunziation von Familienmitgliedern anbelange – für deren
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Umsetzung trotz vierjähriger Differenzen in der Familie keine Hinweise vor-
lägen – erfülle auch diese die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
nicht.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden und
ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist. Diese sind we-
der in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die ange-
fochtene Verfügung ist ausreichend begründet, zumal sich die Vorinstanz
nicht mit jedem Argument auseinanderzusetzen hat. Dass eine sachge-
rechte Anfechtung möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Der Sachver-
halt ist ausreichend abgeklärt. Die hierzu oberflächlich getätigten Rügen
erweisen sich als unbegründet.
5.2 Es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Türkei mit seinem
Reisepass im (...) legal verlassen konnte. Zudem bestätigte er, dass gegen
ihn weder ein Fahndungs- noch ein Haftbefehl vorliege (SEM-Akten A14
F79); etwas anderes ist den eingereichten Beweismitteln auch nicht zu ent-
nehmen (z. B. e-Devlet SEM-Akten A6). Weiter bestätigte er, dass seine
Frau und seine Tochter bis heute in der gemeinsamen Wohnung in
B._ leben würden, wo sie weiterhin ihrem Alltagsleben nachgingen
(z. B. SEM-Akten A36 F15 f. und A14 F30 ff.). Dass der Beschwerdeführer
durch den Anwalt seines Bruders erfahren haben will, es sei gegen ihn
selbst eine Untersuchung eingeleitet worden, ist eine durch nichts belegte
Behauptung. Seine hierzu getätigten Erklärungsversuche vermögen nicht
zu überzeugen (SEM-Akten A36 F17 f., A14 F73, F106 f., A36 oder Be-
schwerde S. 6) und aus den Beweismitteln lässt sich auch nichts Entspre-
chendes ableiten.
Es ist zwar ein Bericht aktenkundig, dem zu entnehmen ist, dass der Be-
schwerdeführer den türkischen Behörden als Bruder des Angeklagten be-
kannt ist (SEM-Akten A6 Nr. 4). Weiter lässt das Dokument darauf schlies-
sen, dass den türkischen Behörden bekannt ist, dass der Beschwerdefüh-
rer für kurze Zeit in einem Unternehmen mit Verbindungen zur G._
tätig war. Diesem Bericht sind jedoch keine Anhaltspunkte dafür zu entneh-
men, dass gegen ihn eine Untersuchung eingeleitet worden wäre. Zudem
hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass dieser Bericht bereits am
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(...) ausgestellt wurde (Bericht S. 90), der Beschwerdeführer den Behör-
den mithin spätestens seit damals als Bruder des Angeklagten bekannt ge-
wesen sein muss. Trotzdem wurde all die Jahre offensichtlich nichts gegen
ihn unternommen. Vielmehr konnte er (...) Jahre bis zu seiner Ausreise
unbehelligt in der Türkei leben und seine Behördenkontakte erwiesen sich
auch in dieser Zeit als unproblematisch (z. B. Besuch des Bruders im Ge-
fängnis, Visumsantrag, legale Ausreise auf dem Luftweg, SEM-Akten A14
F43 f., F77 und A36 F57). Er führte zwar aus, sich vor seiner Ausreise auch
in H._ aufgehalten zu haben. Gleichzeitig fügte er jedoch hinzu, die
Polizei hätte ihn trotzdem gefunden, sofern sie dies tatsächlich beabsichtigt
hätte (SEM-Akten A36 F92). Im Übrigen kommt der Teilnahme an den reli-
giösen Gesprächen, dem Konto bei der F._ oder dem Abonnement
und der einwöchigen Einschulung bei der Zeitung D._ ebenfalls
keine asylrelevante Bedeutung zu, zumal auch diese Aktivitäten das Inte-
resse der Behörden an seiner Person offensichtlich über Jahre hinweg
nicht zu wecken vermochten. Allein der Umstand, dass er (...), vermag
diese Einschätzung nicht umzustossen. Schliesslich erweist sich die Angst
vor einer Denunziation – die offensichtlich bis heute nicht umgesetzt wor-
den ist – als unbegründet. Insgesamt vermögen diese Asylvorbringen den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht
standzuhalten.
Sodann ist auch das Bestehen einer begründeten Furcht vor zukünftiger
Reflexverfolgung zu verneinen und die entsprechenden vorinstanzlichen
Ausführungen ebenfalls zu bestätigen. Aufgrund der Aktenlage ist nament-
lich nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner
Rückkehr in die Türkei in absehbarer Zukunft wegen seines Bruders eine
asylbeachtliche Verfolgung zu gewärtigen hätte. Den Angaben des Be-
schwerdeführers ist zu entnehmen, dass seine Mutter, zwei Schwestern,
seine Frau mit dem gemeinsamen Kind und andere Verwandte weiterhin
in B._ wohnhaft sind (SEM-Akten A36 F15 f. und A15 F30 ff.). Er
macht indessen nicht geltend, diese Angehörigen würden nun in irgendei-
ner Art und Weise von den Behörden verfolgt. Es erscheint daher unwahr-
scheinlich, dass der Beschwerdeführer wegen seines Bruders als einziger
Angehöriger einer asylbeachtlichen Reflexverfolgung ausgesetzt wäre.
Auch die Ausführungen zur übrigen Verwandtschaft mit Verbindungen zur
Gülen-Bewegung lassen keinen anderen Schluss zu.
Weil gegen den Beschwerdeführer nie ein Verfahren eingeleitet worden
war und er legal aus der Türkei ausreisen konnte, ist auch nicht davon
auszugehen, dass die türkischen Behörden aus anderen Gründen ein
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ernsthaftes Verfolgungsinteresse an seiner Person haben könnten. Was
auf Beschwerdeebene hiergegen vorgebracht wird ist nicht geeignet, zu
einer anderen rechtlichen Würdigung der Aktenlage zu führen. Die Be-
schwerde erschöpft sich vielmehr in allgemeinen Mutmassungen ohne
ausreichenden Bezug zum Beschwerdeführer. Angesichts der aufgezeig-
ten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Ausführungen in der Beschwerde
einzugehen.
5.3 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt dar-
zulegen. Die Feststellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer erfülle die
Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die
Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-
rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt,
ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
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mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK SR 0.105],
Art. 3 EMRK).
Weder aus den Akten noch aus der Beschwerde ergeben sich konkrete
Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Aus-
schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. In der Beschwerde wird das Urteil des Europäischen Gerichts-
hof für Menschenrechte (EGMR) Saadi gegen Italien vom 28. Februar
2008 zitiert und abgeleitet, es liege eine konkrete Gefahr des Beschwerde-
führers im Sinne dieser Rechtsprechung vor. Gemäss Praxis des EGMR
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer
eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen,
dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand-
lung drohen würde, was ihm jedoch nicht gelingt (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der
Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
7.3 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumutbar
sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Herkunfts-
staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist.
In der Türkei herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt.
Trotz Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-kurdischen
Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der
PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê) und staatlichen Sicherheitskräften seit
Juli 2015 in verschiedenen Provinzen im Südosten des Landes und den
Entwicklungen nach dem Militärputschversuch vom 15./16. Juli 2016, ist
gemäss konstanter Praxis nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt
oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen auszugehen (Urteile des BVGer
E-4526/2019 vom 30. September 2019 E. 7.3, E-3814/2019 vom 9. August
2019 E. 7.4.2, E-3040/2017 vom 28. Juli 2017 E. 6.2.2, E- 2420/2017 vom
8. Mai 2017 E. 6.3 und D-4568/2016 vom 15. März 2017 E. 6.4.2). Ausge-
nommen sind die Provinzen Hakkari und Sirnak, in die das Bundesverwal-
tungsgericht aufgrund einer anhaltenden Situation allgemeiner Gewalt den
Wegweisungsvollzug als unzumutbar erachtet (vgl. BVGE 2013/2 E.9.6).
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Aufgrund der Aktenlage sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass
der Beschwerdeführer türkischer Ethnie aus B._, bei einer Rück-
kehr aus individuellen Gründen in eine existenzbedrohende Situation ge-
raten würde. Er verfügt über Schuldbildung und Berufserfahrung in ver-
schiedenen Bereichen (SEM-Akten A14 F22 ff.). In B._ leben seine
Familienangehörigen (Frau mit Tochter, Mutter, Geschwister und weitere
Verwandte), zu denen er weiterhin Kontakt pflegt (z. B. SEM-Akten A14
F38). Es ist mithin von einem intakten familiären Beziehungsnetz vor Ort
auszugehen, auf dessen Hilfe er bei einer Reintegration – sofern notwen-
dig – zurückgreifen kann. Zudem verfügt er in B._ über eine grös-
sere Summe angesparten Geldes und konnte seine Reise in die Schweiz
problemlos selbst bezahlen (SEM-Akten A14 F29 und F50). Was die ge-
sundheitlichen Vorbringen anbelangt, sind solche auch in der Türkei be-
handelbar und war der Beschwerdeführer bereits in der Türkei in erfolgrei-
cher Behandlung (SEM-Akten A14 F51 ff.). Im Übrigen hat er mit der Angst
zu leben gelernt und nimmt keine entsprechenden Medikamente mehr
(SEM-Akten A14 F57). Der Vollzug der Wegweisung ist zumutbar. Dieser
Schlussfolgerung wird auf Beschwerdeebene nichts Stichhaltiges entge-
gengestellt.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug der Wegweisung ist möglich.
8.
Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumutbar
und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Der Subeventualantrag ist
abzuweisen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. Nach
dem Gesagten gibt es keinen Anlass zur Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz; der Eventualantrag ist ebenfalls abzuweisen.
10.
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10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus demselben
Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
nicht stattgegeben werden.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Mit vorliegendem Urteil ist der An-
trag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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