Decision ID: de26a0c4-e86a-4a87-9de5-1284fc8a8b97
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, war gemäss ihren eigenen Angaben bis 30. November 2010 als Mitar
beiterin bei der
Y._
mit einem Arbeitspensum von 100 % angestellt (Urk.
2/
7/1 S.
4
; vgl. jedoch
Auszug aus dem individuellen Konto,
Urk.
2/
7/8).
Am 23. März 2012 meldete sie sich unter Hin
weis auf Muskelschmerzen und psychische Probleme bei der Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (beruf
liche Integra
tion/Rente) an (Urk.
2/
7/1). Die IV-Stelle nahm einen Auszug aus dem
individu
ellen Konto der
Versicherten zu den Akten (Urk.
2/
7/8), zog medizinische Berichte bei (Urk.
2/
7/10, Urk.
2/
7/11), führte mit der Versicherten zur Abklärung der be
rufli
chen Situation ein Gespräch (Urk.
2/
7/12 und Urk.
2/
7/16 S. 2) und ge
währte ihr mit Verfügung vom 7.
November 2012 (
Urk.
2/
7/14) Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 2
6.
November 2012 bis 2
4.
Mai 201
3.
Mit Schrei
ben vom 20. Juni 2013 (Urk.
2/
7/25) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die be
ruflichen Massnahmen ab
geschlossen würden, da sie ihr Pensum anläss
lich des Aufbautrainings im Rah
men einer Integrationsmassnahme nicht auf dem Niveau von 50 % habe stabi
lisieren können (vgl. auch Urk.
2/
7/27). In der Folge gab die IV-Stelle eine poly
disziplinäre medizinische Untersuchung bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
Z._
,
A._
, in Auftrag (vgl. Urk.
2/
7/33). Das Gutachten wurde am 1. April 2014 erstattet (Urk.
2/
7/37/1-38).
Mit Vorbescheid vom 12. Mai 2014 (Urk.
2/
7/40) stellte die IV-Stelle die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte am 10. Juni
2014 beziehungsweise 4. August
2014 (Urk.
2/
7/43;
Urk.
2/
7/45) Ein
wand erhob. Am 20. Januar
2015 (Urk. 2
/
7/
49
) verfügte die IV-Stelle im ange
kündigten Sinne.
1.
2
Die gegen die Verfügung vom 20. Januar 2015 erhobene Beschwerde (
Urk.
2/1) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts
im Verfahren
IV.2015.
00
217 vom 27. Juni
2016 (
Urk.
2/9) abgewiesen. Mit Urteil
9C_596/2016
vom 26. September
2017 (
Urk.
2/15 = Urk. 1) hiess das Bundesgericht die
dagegen erhobene
Beschwerde teilweise gut, hob den Entscheid des hiesigen Gerichts vom 27. Juni
2016 sowie die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 20. Janu
ar
2015 auf und wies die Sache an das
kantonale Gericht zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und zum Neuentscheid
über den Leistungsanspruch zurück
.
2.
Im vorliegenden, neu angelegten Verfahren erstattete die MEDAS
B._
am 28. September 2018 das vom hiesigen Gericht in Auftrag gegebene polydis
ziplinäre Gutachten (
Urk.
20).
In ihrer Stellungnahme vom 16. Oktober 2018 (
Urk.
25) hielt die Beschwerdegeg
nerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der an
gefochtenen Verfügung
vom 20. Januar 2015
fest. Innert erstreckter Frist teilte die Besc
hwerdeführerin am 28. November
2018 (
Urk.
27) den Verzicht auf eine Stel
lungnahme mit. Die Eingaben wurden der
jeweiligen
Gegenpartei am 29. November 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
28).
Am 29. Januar 2019 teilte der Vertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Hanspeter
Riedener
, die Mandatsübernahme durch Rechtsanwalt Peter
Bolzli
mit (
Urk.
29).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG)
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen
guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, beste
hen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfas
sen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kul
tu
rellen Be
lastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psy
chische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität
gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde er
hebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen
aufgehen, ist kein invalidi
sierender
psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) vermögen keinen rechtserhebli
chen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember
2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni
2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Er
gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Mit Verfügung vom
20. Januar 2015
(
Urk.
2/
7/49
)
verneinte die Beschwerdegeg
nerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
IV-Leistungen
mit der Begrün
dung,
es liege kein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor.
Medizinische Grund
lage für ihre Beurteilung bildete
das
A._
-Gutachten vom 1. April
2014 (
Urk.
2/7/37).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin mit Beschwerdeschrift vom 17. Februar 2015 (
Urk.
2/1) verschiedene Gründe vor, wes
halb gemäss dem
A._
Gutachten ein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
liege
und die Ange
legen
heit aufgrund der Beurteilung des Gutachtens zur Ren
tenberechnung zu
rückzu
weisen sei
.
2.3
Das Bundesgericht erwog mit Urteil 9C_596/2016 vom 26
. September
2017 (Urk.
1) zusammenfassend, die
Unklarheiten respektive Unvollständigkeiten im
A._
-Gutachten würden keine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgebli
chen
Indikatoren erlauben, weshalb eine Ergänzung des medizinischen Sachver
haltes zu erfolgen habe (S. 7).
2.4
Nach Erstattung des
MEDAS-Gutachtens
hielt die Beschwerdegegnerin am 16. Oktober 2018 (
Urk.
25) fest, gemäss dem ei
ngeholten Gerichtsgutachten lägen
bei der Beschwerdeführerin keine Diagnose
n
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit vor. Im Gutachten werde zudem dargelegt, dass auch rückwirkend keine dauerhafte relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Das Gutachten entspre
che den beweisrechtlichen Anforderungen vollumfänglich. Es könne somit darauf abgestellt werden.
3.
Im polydisziplinären
(rheumatolo
gis
ch/inter
nis
tisch/
psy
chi
atrisch
) Gerichtsgut
achten
vom 28. September 2018 (
Urk.
20)
wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(S. 17).
Aus rheumatologischer Sicht wurde festgehalten, das aktenkundige generalisierte Schmerzsyndrom habe sich inzwischen fast gänzlich aufgelöst. Schmerzen stün
den inzwischen nicht mehr weit vorne im Beschwerdebild und
beschränkten
sich hauptsächlich auf einen Bereich über dem rechten Schulterblatt, nur sehr selten träten laut der Beschwerdeführerin noch Schmerzen in Armen und Beinen
auf
, sie benötige auch nicht mehr durchwegs Analgetika. Phänomenologisch handle es sich am ehesten um ein intermittierendes
zerviko
-
thorako
-vertebrales Syn
drom
,
bei der
klinischen
Untersuchung
finde man noch geringe Irritationszonen in der unteren Halswirbelsäule (
HWS
) rechts sowie
Myogelosen
über dem rechten Schulterblatt. Die klinische
Untersuchung sei allerdings etwas erschwert gewesen durch die Tatsache, dass sich die
aus Pakistan gebürtige
Muslima
vor dem Gut
achter nicht habe ausziehen wollen. Die neu angefertigten
Röntgenbilder
der HWS und Brustwirbelsäule
(
BWS) zeigten leichtgradige degenerative Verände
rungen auf den Etagen C4/5 und C5/6, eine minime s
förmige Skoliose und eine verstärkte Brustkyphose mit leichtgradigen Residuen nach durchgemachtem tho
ra
kalem Morbus Scheuermann.
In früheren Berichten sei auch ein Vitamin D
Mangel erwähnt worden, der anschliessend substituiert worden sei. Zum Zeit
punkt der Begu
t
achtung im
A._
habe kein signifikanter Vitamin D-Mangel mehr vorgelegen. Auch in der aktuellen Laboruntersuchung liege der Wert für das 1.2
5-OH-Vitamin D mit 99pmol/l im N
ormbereich. Die leichte Anämie passe zur Alpha-
Thalassaemina
minor. Auf die Hepatitis-Serologie werde im internis
tischen Teilgutachten eingegangen. Bei der Anamneseerhebung sei dem Rheuma
tologen aufgefallen, wie differenziert die Beschwerdeführerin selber den Beginn und Verlauf ihrer Erkrankung mit den Belastungen in ihrem Leben in Zusam
menhang gebracht habe. Ihre Angaben wirkten sehr differenziert und nachvoll
ziehbar. Die Zusammenhänge zwischen der psychosozialen Situation und der
Er
krankung
würden
im psychiatrischen Teilgutachten erläutert. Ein wesentlicher Zusammenhang zwischen der psychosozialen Belastung und dem damals gene
ralisier
t
en
myofaszialen
Schmerzsyndrom sei auch während der
Hospitalisation
in der
C._
vom 26. April bis 6. Mai 2011 vermutet worden. Damals sei auch eine Magnetresonan
z
tomographie der Len
denwirbelsäule (LWS) angefertigt worden, die lediglich leichtgradige degenerative Veränderungen in den Segmenten L4/5 und L5/S1 sowie in den
Iliosakralgelen
ken
gezeigt habe. Aktuell beklage die Beschwerdeführerin keine lumbalen Rü
ckenschmerzen. In Ermangelung einer relevanten objektivierbaren Erkrankung am Bewegungsapparat könne der
Beschwerdeführerin
heute aus rheumatologi
scher Sicht keine anhaltende Arbeitsunfä
higkeit
attestiert werden.
Aus allgemein-internistischer Sicht ergäben sich keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführerin sei ein
vollschichtiges
Pensum in angestammter wie auch in jeder bildungsentsprechenden Verweistä
tigkeit vollumfänglich zumutbar ohne leistungsmässige Einschränkungen. Ledig
lich körperliche Schwerarbeiten sollten nicht auf Dauer durchgeführt werden, da eine mögliche Belastungshypertonie zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gänzlich ausgeschlossen sei. Diesbezüglich
werde
eine Langzeit-Blutdruckmes
sung empfohlen, gegebenenfalls mit echokardiographischer Beurteilung.
Aus psychiatrischer
Sicht
hielten die Gutachter
schliesslich
fest
, der psychische Zustand der Beschwerdeführerin
habe
sich
seit der Begutachtung
im
April
2014 richtungsgebend verbessert
. So sei sie zu beiden Untersuchungszeitpunkten psy
chisch kompensiert. Klinisch und explorativ fänden sich keine Anhaltspunkte, dass sie unter einer krankheitswertigen psychiatrischen Erkrankung leide. Eine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis sei ausschliessbar. Weiter fänden sich keine
klinischen
B
e
funde, dass die vom behandelnden Psychiater und vom
Vorgutachter diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10
F45.4) sich in
einer
eigenständigen
Erkrankung
ve
r
sel
bs
tändigt habe. Diese Be
urteilung sei kongruent mit der Exploration und der Selbstbeurteilung der
Be
schwerdeführerin
, die unter anderem verneine, unter andauernden Schmerzen zu leiden. Folgerichtig fänden sich bei der Beschwerdeführerin keine Anhaltspunkte, dass das Tagesaktivitätsniveau schmerzbedingt beeinträchtigt sei. Es fänden sich akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10
Z73.1), die pathognomonisch s
eien für Menschen, die unter
Di
stress
zu
psychosomatovegetativen
Reaktionsbildungen neigten. Die Beschwerdeführerin berichte immer wieder von kurz dauernden reaktiven d
epressiven Einbrüchen, die per d
efinitionem diagnostisch nicht verein
bar seien mit depressiven Episoden (ICD-10 F33.). Die depressiven Einbrüche seien reaktiver Natur und stünden unter anderem in Zusammenhang mit der be
lasteten Beziehung zum Ehemann. Der seit dem Geschäft
skonkurs hohe psycho
soziale
Dis
tress
habe über die Jahre bis heute weiter abgenommen. Die
S
chulden aus dem Geschäftskonkurs seien beglichen. Die Beschwerdeführerin habe sich mit der Ursprungsfamilie ausgesöhnt. Familiär finde sich ein
Ressourcenzu
wachs. Die Beschwerdeführerin sei stolz auf
ihre
leistungsstarken und sozial gut integrierten Kinder. Die beiden älteren Kinder unterstützten die Familie finanziell. Ak
tuell lasse sich aus psychiatris
c
her S
icht keine andauernde Leistungseinschr
ä
nkung begründen (S. 22 ff.).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie in angepasster Tätigkeit hielten die Gutachter fest, aktuell lasse sich keine andauernde Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit begründen, weder aus rheumatologischer, internistischer noch aus psy
chiatrischer Sicht. Aus konstitutionellen Gründen sei die Beschwerdeführerin nicht geeignet für körperliche Schwerarbeit. Solche Arbeiten habe sie jedoch nie ausgeführt (S. 24).
Für den Zeitraum ab März 2012 ist dem
MEDAS-
Gutachten folgende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung für die angestammte Tätigkeit zu entneh
men
(S. 25 f.)
: «Aus somatischer Sicht lässt
sich retrograd in diesem Zeitr
a
u
m keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Das dokumentierte genera
lisierte Schmerzsyndrom
ents
prach mit überwiegender Wahrsch
e
inli
c
h
keit einer psychosomatischen Erkrankung. Psychiatrisch: Wie in den Akten dokumentiert und
vom
psychiatris
c
hen Exp
erten exploriert war die Expl. z
u diesem Zeitraum unter einem hohen psychosozialen
Disstress
. Es ist davon auszugehen, dass der hohe psychosoz
iale
Disstress
in V
erbindung mit der akzentuierten Persönlich
keitsstruktur zu
ps
y
chosomatovegetativen
Reaktionsbildungen geführt hat. Diese
psychosomatovegetativen
Reaktionsbildungen haben die Leistungsfähigkeit der Expl.
wahrscheinlich
vorübergehend beeinträchtigt. Auf der psychischen Ebene haben sich die Reaktionsbildungen in Form von Depressivität manifestiert, auf der somatischen in Form von
Schmerzen
und auf der vegetativen Ebene in Form von erhöhter
Ermüd
- und Erschöpfbarkeit. Die
psychosomatovegetativen
Reakti
onsbildungen haben [s]ich nicht in einer eigenständigen Erkrankung verselbstän
digt. Der psychiatrische Experte hat begründet, dass abgestützt auf die Explora
tion und die medizinischen Akten die L
eistungsschwankungen der Expl. i
m
Z
eit
raum März
2
010 bis April 2014 nicht mit der in der
Versicherungsmedizin gefor
derten
Wahrscheinlichkeit
quantifizierbar sind. Er hat begründet, dass
die Beur
teilung der Leistu
n
g
sfä
higkeit d
urch den
A._
Psychiat
er
Dr.
med.
D._
nicht in allen Pu
nkten nachvol
lziehbar ist. Die attestierte Leistungsfähigkeit des Vorgutachters wurde bei der Expl.
a
bgestützt auf die
Foerster’schen
Kriterien zu tief eingeschätzt. Auch in funktioneller Hinsicht sind die attestierten
Leistungs
einschränkungen
der Expl. wie begründet nicht in allen Punkten nachvollzie
hbar. Im Zeitr
a
u
m vom April 2014 bis Januar 2015
sind
aufgrund fehlender Akten keine sicheren Angaben zur
Leistungsfähigkeit
der Expl.
möglich.»
4.
4.1
Das ausführliche Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorste
hend E. 1.
4
), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen
der Beschwerdeführerin
auseinander
,
berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
und
begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht.
Das Gutachten ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen.
Gestützt auf die klinischen Untersuchungen erscheint insbesondere
schlüssig
, dass aus somatischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit vorliegen (
Urk.
20 S.
16
f
f.
sowie
internistisches Teilgutachten
S. 6 ff.
).
Diese Beurteilung stimmt
im Übrigen
auch
mit der Selbsteinschätzung der Be
schwerdeführerin überein
, die
im Rahmen der Begutachtung a
usführte,
es bestün
den
keine Einschränkung
en
aufgrund der Schmerzen.
Sie wolle arbeiten, sie habe gar nicht zur Begutachtung kommen wollen.
E
s gebe nichts zu untersuchen.
Sie fühle sich
körperlich
gesund.
An m
edizinische
n
Behandlungen
fanden im Zeit
punkt der Begutachtung noch seltene Besuche bei der Hausärztin
statt,
die Medi
kamenteneinnahme beschränkte sich auf
Dafalgan
in Reserve
(Urk.
20 S. 1
4
f
f.
;
i
nternistisches Teilgutachten S. 2
f
f
.
;
vgl. auch die Schmerzzeichnung
sowie psy
chiatrisches Teilgutachten S. 3
, S. 6
).
Mit Blick auf die Aktenlage
ist
sodann
auch
die
gutachte
rliche
Schlussfolgerung
nachvollziehbar,
wonach
aus somatischer Sicht
retrospektiv
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in angestammter Tä
tigkeit
vorlag
und das dokumentierte generalisierte Schmerzsyndrom einer psy
chosomatischen Erkrankung entsprach
(
E. 3
).
So
wurde
insbesondere
bereits im
A._
-Gutachten keine somatische Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfä
higkeit gestellt (Urk.
2/7/37 S. 34
) und
auch die behandelnden Fachärzte attes
tierten keine
Arbeitsunfähigkeit
. H
insichtlich der Schmerzproblematik schlossen
auch
sie
auf unklare Myalgien
(
Urk.
2/7/10)
.
D
ie Beschwerdeführerin selbst
führte
in diesem Zusammenhang
aus
, in Phasen, in denen sie sich d
e
pressiv fühle,
emp
finde
sie
S
chmerzen am ganzen Körper (psych
iatrisches Teilgutachten S. 3).
In psychiatrischer Hinsicht wurde die Beschwerdeführerin zwei Mal untersucht,
am 22.
s
owie am 30. August 2018 (psychiatrisches Teilgutachten S. 1). A
nlässlich beider
Begutachtungen
versicherte
sie
, sich ps
ychophysisch stabil zu fühlen (
S. 2).
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nahm eine einge
hende Anamnese- und Befunderhebung vor (S
. 2 ff.).
I
m Rahmen der Würdigung der medizinischen Sachlage
berücksichtigte er
neben den klinischen Befunden auch
die Angaben der Beschwerdeführerin
und
ihr Verhalten während den
Un
tersuchungen.
Gestützt hierauf
erscheint
seine
Schlussfolgerung, dass
im Zeit
punkt der Begutachtung
kei
ne krankheitswertige psychiatri
sche Erkrankung - insbesondere
weder eine
Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis
noch eine
Schmerzerkrankung
-
vorlag
,
vollumfänglich
nachvollziehbar
.
Insbesondere un
ter Berücksichtigung anamnes
tischer Angaben diskutierte Dr.
E._
sodann
auch die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin und schloss diesbezüg
lich auf akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1
; S. 9 ff.)
.
Damit
ist
die attestierte volle A
rbeitsfähigkei
t
in angestammter T
ätigk
e
i
t im Zeitpunkt der Be
gutachtung (S. 20)
nicht zu beanstanden
(
vgl.
E. 1.3).
Auf eine Prüfung der Indi
katoren (
BGE 14
1
V 281
) kann bei der nicht invalidisierenden Diagnose akzentu
ierter Persönlichkeitszüge verzichtet werden.
Die
retrospektive Beurteilung nahm
en
die Gutachter
nach eingehender Auseinan
dersetzung mit der Aktenlage vor.
Sie
setzte
n
sich in differenzierter und kritischer Weise mit den Vorberichten, insbesondere dem psychiatrischen Teilgutachten de
s
A._
, auseinander und
begründete
n
ihre
Abweichungen davon
(zum Ganzen:
Psy
chiatrisches Teilgutachten
S.
9
ff.).
Weiter begründete
n
sie
insbesondere unter Be
rücksichtigung der Berichte betreffend die
in den Jahren 2012/2013 durch
geführ
ten
beruflichen
Massnahmen
, weshalb der Schluss des
A._
auf eine die Leis
tungsfähigkeit
einschränkende
affektive Störung nicht begründet erschien
und verwiesen hier
bei namentlich auf die fehlenden funktionellen Anhaltspunkte (S. 17)
. Für den Zeitraum zwischen 2009 und 2015
hielt
Dr.
E._
schliesslich fest, es sei denkbar, dass die L
eistungsfähigke
i
t
der
Beschwerdeführerin
vor dem Hin
tergrund akzentuierter Persönlichkeitszüge und des
damals bestehenden
hohen
psychosozialen
Dis
tress
Schwankungen unterworfen gewesen sei. Er sei
jedoch nicht in de
r
Lage, die L
eistungsschwankungen abgestützt auf die ihm zur Verfü
gung stehenden Unterlagen und I
nformationen in der in der Ver
s
i
c
herungsmedi
zin geforderten Wahrs
ch
e
i
nlichkeit zu quantifizieren (S. 18
; vgl. auch S. 20 f.
).
Auch diese Beurteilung erscheint mit Blick auf die Aktenlage vollumfänglich nachvollziehbar. So ist bereits der Stellungnahme des behan
deln
den Psychiaters vom 17. Juli 2012 (
Urk.
2/7/11) zu entnehmen, dass
er
die depressive Symptoma
tik sowie die Angst der Beschwerdeführerin eindeutig auf psych
o
soziale Belas
tungsfaktoren
(
finanzielle Situation, Arbeitssituation) zurück
führte und davon ausging,
d
iese
würden sich
bei erfolgreicher beru
flicher Eingliederung verbessern
.
Auch im
A._
-Gutachten wurde auf die seit Langem bestehende erhebliche sozi
ale, vor allem finanzielle, Belastungssituation hinge
wiesen und ausgeführt, diese habe sicherlich zur Entwicklung des depressiven Leidens mit beigetragen (
Urk.
2/7/37 S. 29, vgl. auch S. 35, wo sowohl die depressive Symptomatik als auch die Schmerzstörung auf die psychosoziale
Belastungssituation
zurückge
führt wurden).
Die Beschwerde
führerin selbst
be
gründete
die ab 2008 respektive 2010 eingetretene Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
ebenfalls
klar
mit
psychosoziale
n
Belastungsfaktoren (
Urk.
20 S. 13 f.
; internistisches Teilgut
achten S. 5
).
Und a
uch im Zeitpunkt der Begutachtung
wurde
die Abhängigkeit
der
psychischen Verfassung
der Beschwer
deführerin
von psychosozialen Umstän
den
aufgrund ihrer eigenen Angaben deutlich
(psychiatrisches Teilgutachten S. 2 f., S. 5
, S. 7
, S. 10 f.).
Damit kann auch für die Vergangenheit nicht auf einen invalidisierende
n Gesundhei
tsschaden geschlossen werden (E. 1.3).
4.2
Nach dem Gesagten ist
gestützt auf das
MEDAS-Gutachte
n davon auszugehen, dass
bei
der Beschwerdeführerin
zu
keinem Zeitpunkt
ein
invalidisierende
r
Ge
sundheitsschaden
vorlag
.
Gegen das
Gerichtsgutachten
wurden seitens der Par
teien keine Einwendungen vorgebracht.
Der Anspruch
auf Leistungen der
Invali
denversicherung
ist damit zu verneinen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind nach dem Verfahrensauf
wand zu bemessen und ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen. In Anbe
tracht des Obsiegens der Beschwerdegegnerin sind die Kosten
der
Beschwerde
führer
in
aufzuerlegen.