Decision ID: a7c485cc-5276-4aa4-8bc0-01f7dfedb6a3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
war von
Juli 2011 bis Juni 2014 als Mitarbeiter Gartenbau bei de
r
Y._
AG
angestellt
(
Urk.
10/11/2 und
Urk.
10/42).
Am
1
9.
März 2014
wurde der Versicherte
in der
Klinik Z._
am linken Fuss operiert (Rückfusskorrektur;
Urk.
10/6). Am
2
9.
April 2014 (Eingangsdatum)
meldete
er sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/7).
Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor.
Am
5.
Januar 2015 erfolgte
in der
Klinik Z._
ein weiterer operativer Eingriff
am linken Fuss (korrigierende
tibiotalocalcaneare
A
r
throdese
;
Urk.
10/35).
Mit Vorbescheid vom
7.
Oktober 2015 stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 42
%
die Zusprache einer
vom
1.
November 2014 bis zum 3
0.
September 2015 befristeten
Viertelsrente
in Aus
sicht (
Urk.
10/46).
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
November 2015
(
vor
sorglich
)
Einwand (
Urk.
10/54).
Am 2
3.
Mai 2016
wurde
in der
Klinik Z._
ein
dritter
operativer Eingriff am linken Fuss
durchgeführt
(Osteosynthese-Materialentfernung
fibulo
talare
Schraube und Implantation zweier
tibiotalarer
Antirotationsschrauben;
Urk.
10/73/5
-6
).
Am 1
0.
Januar 2017 erstatteten die Ärzte des
Spitals A._
im Auftrag der IV-Stelle
ein
orthopädisch-
rheumatologisches
Gut
achten (
Urk.
10/103). Mit Vorbescheid vom 1
5.
März 2017, der den Vorbescheid vom
7.
Oktober 2015 ersetzte, stellte die IV-Stelle dem Versicherten
(bei
eine
m
Invaliditätsgrad von 100
%
)
eine vom
1.
März 2015 bis zum 3
1.
Januar 2017 befristete ganze Rente in Aussicht (
Urk.
10/112). Dagegen erhob der Versicherte am
3.
April 2017 Einwand (
Urk.
10/115).
Am 1
7.
Mai 2017 wurde in der
Klinik Z._
ein
vierter operativer
Eingriff am linken Fuss durchgeführt (
derotierende
Cho
part-Arthrodese
und Hohmann-
Proc
edur
Digitus
IV;
Urk.
10/130).
Daraufhin
gab die IV-Stelle bei der
Gutachtenstelle
B._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am
2
1.
Februar 2019 erstattet wurde (
Urk.
10/175).
Nach entsprechendem Vorbescheid
vom 20.
Mai 2019
(
Urk.
10/178)
, der den Vorbescheid vom 1
5.
März 2017 ersetzte
,
sprach d
ie IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019
(Urk.
2)
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 100
%
eine vom
1.
Oktober 2014 bis zum 3
1.
März 2018 befristete ganze Rente zu
. Für die Zeit ab dem 1.
April 2018 verneinte sie einen Rentenanspruch gestützt auf einen Invaliditäts
grad von 9
%
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
7.
November 2019 Beschwerde (
Urk.
1; vgl. auch Beschwerdeverbesserung vom 2
5.
November 2019;
Urk.
5)
mit folgenden Anträgen (
Urk.
5
S. 2):
Formelles:
1.
Es sei in Nachachtung der verfassungsmässigen Rechte des Beschwerdeführers nach
Art.
6
Ziff.
1 EMRK eine öffentliche Hauptverhandlung durchzuführen.
2.
Eventualiter sei vorgängig ein
2.
Schriftenwechsel anzuordnen und dem
Unterzeichneten nach Einsicht in die vollständigen Akten der Beschwerdegegnerin
die Möglichkeit einzuräumen, eine
Replikschrift
einzureichen.
3.
Es sei mittels Beschluss festzustellen, dass die angefochtene Verfügung bezüglich
des Rentenanspruch
e
s bis 3
1.
März 2018 in Teilrechtskraft erwachsen ist.
Materielles:
4.
Die angefochtene Verfügung sei insoweit aufzuheben,
als die Invalidenrente bis
31.
März 2018 befristet wurde, und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer über diesen Zeitpunkt hinaus die gesetzlichen Leistungen zu
erbringen.
5.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
zur Frage des Rentenanspruch
e
s ab dem
1.
April 2018 weitere Abklärungen
vornehme und hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers neu befinde.
6.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Januar 2020 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom 2
1.
Januar 2020
stellte das Gericht dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zu. Gleichzeitig
hielt
es
fest,
dass
dessen
Antrag
auf Feststellung mittels Beschluss, dass die angefochtene Verfügung bezüglich des Rentenanspruchs vom
1.
Oktober 2014 bis zum 3
1.
März 2018 in
Teilrechtskraft erwachsen sei,
nicht stattgegeben
werde
. Die Anordnung eines weiteren Schriftenwec
hsels erachte das Gericht
nicht als erforderlich. Den Parteien bleibe es jedoch unbenommen, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene U
nterlagen einzureichen (
Urk.
11
).
Am 1
7.
Mai 2021
fand am Sozialversicherungsgericht eine mündliche Haupt
verhandl
ung statt (vgl. Protokoll S. 4 ff.
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
forderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Be
zie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.2.2
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditäts
bemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Ein
kommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen
entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleich
mässig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des Valideneinkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herab
setzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn
abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E.
6.1.2).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die ver
sicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufs
ausbildung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches Valideneinkommen erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchenüblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren praxisgemäss nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
1.2.3
Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der von ihr erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne beigezogen werden (BGE 126 V 76 E. 3b).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Ver
fügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegenständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Ver
fügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesgerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.5
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufs
erfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Per
son in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungs
potenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE
145 V 209 E. 5.1).
Die Rechtsprechung, wonach es bei der wiedererwägungs- oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zu
rückgelegtem 55. Altersjahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Renten
bezug grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen gilt, findet auch dann Anwendung, wenn zeitgleich mit der
Rentenzusprache
über deren Befristung und/od
er Abstufung befunden wird (BGE
145 V 209 E. 5.4). Denn die rückwirkende Zusprache einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich be
fristeten Invalidenrente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Rentenanspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG. Auch in dieser Konstellation sind Versicherte betroffen, die zufolge invalidisierender Beeinträchtigung ihrer Gesundheit (d.h. invaliditätsbedingt) über einen mehr oder weniger langen Zeitraum überhaupt nicht mehr oder nur noch beschränkt ein
gegliedert waren (E. 5.3).
1.6
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
dem Beschwerdeführer von Oktober 2013 bis
Ende
Dezember 2017 aufgrund der gesundheitlichen Einschränkung
en
keine Tätigkeit zumutbar gewesen sei. Nach
Ablauf des Wartejahres im Oktober 2014 habe der
Invaliditätsgrad 100
%
be
tragen und es bestehe Anspruch auf eine ganze Rente.
Seit Januar 2018 sei dem Beschwerdeführer eine optimal angepasste Tätigkeit in einem 70%-Pensum zu
mutbar. Ohne gesundheitliche Einschränkung
hätte
er
damals
ein Einkommen von
Fr.
52'065.15 und mit gesundheitlicher Einschränkung ein so
lches von Fr.
47'137.25 erwirtschaften können
. Demgemäss resultiere eine Erwerbseinbusse von
Fr.
4'927.90 und ein Invaliditätsgrad von 9
%
. Die ganze Rente sei daher mit Wirkung per 3
1.
März 2019 (drei Monate nach Eintritt der gesundheitlichen Ver
besserung) aufzuheben (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
die Beschwerde
gegnerin ihrer Abklärungspflicht nicht
nachgekommen sei. Die Gutachtenstelle B._
habe
keine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL)
durchgeführt,
obwohl
die Beschwerdegegnerin
eine solche
angeordnet habe
.
Auf das
Gutachten
des
Y._
könne
nicht abgestellt werden.
Sein
Gesundheitszustand
habe sich
Anfang 2018
nicht derart gebessert
, dass er einer Erwerbstätigkeit nachgehen und ein renten
ausschliessendes Einkommen erzielen könne.
Die Berichte der behandelnden Ärzte der
Klinik Z._
und
von
Dr.
med.
C._
, FMH Physikalische Medizin
, würden dauerhaft bestehende, irreversible und sich weiter verschlechternde Befunde und Beschwerden belegen. Nicht nachvollziehbar sei auch das von der Beschwerdegegnerin
angenommene Invalideneinkommen. Auf
grund
seines desolaten Gesundheitszustands
, ohne er
lernten Beruf,
ohne Deutschkenntnisse und
nach jahrzehntelanger körperlicher Arbeit
sei es ihm
im Alter von 58 Jahren
nicht möglich, eine Tätigkeit zu finden, welche bei
einem 100%-Pensum mit mehr
als
Fr.
67'000.-- entlohnt würde
. Schliesslich
sei
auch
zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei der Festlegung des Invaliden
einkommens keinen Tabellenlohnabzug von mindestens 20
%
berücksichtigt
habe (
Urk.
5 S. 6 ff.
).
3.
3.1
Die Ärzte des Spitals A._
stellten im Gutachten vom 1
0.
Januar 2017 folgende Diagnosen (
Urk.
10/103/13):
(1)
chronisches Schmerzsyndrom des linken oberen
Sprunggelenks (OSG) und unteren
Sprunggelenks (
beide
arth
rodesiert
) und des Mittel- und Vorfusses
(2)
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
(3)
Hypercholesterinämie
Die Ärzte des
Spitals A._
gaben an
, dass der Beschwerdeführer in der
Tätigkeit als Gärtner aufgrund der verminderten Belastbarkeit des Bewegungs
apparates
und der Einschränkung durch die chronischen Beschwerden des linken Fu
sses, deutlich eingeschränkter Geh- und Steh- sowie nicht vorhandener Hock
fähigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Theoretisch zumutbar seien ihm leichte, körperlich nicht belastende Tätigkeiten mit der Möglichkeit zwischen Sitzen und Stehen zu variieren. Wiederholtes (mehrmals pro Stu
nde Gehstrecken von ca. 50 m
oder längeres
)
G
ehen
(
über 400 m
) seien nicht zumutbar. Nicht
mehr
zumutbar seien Tätigkeiten i
n unebenem Gelände, kniende
oder kauernde Tätigkeit
en, Tätigkeiten auf Leitern
oder Gerüsten und Tätigkeiten mit Treppensteigen. Weiter seien keine Tätigkeiten mit mittlerer bis hoher Gewichtsbelastung zumutbar (
Urk.
10/103/17).
3.2
Dr.
C._
erklärte
im Bericht vom 2
2.
Januar 2018
, dass der Gesundheits
zustand
des Beschwerdeführer
s
nach der
derotierenden
Chopart-Arthrodese
und Hohmann-
Procedur
Digitus
IV Fuss links am 1
7.
Mai 2017 bei lateraler Fuss
randüberbelastung nach posttraumatischer
Cavovarus
-Deformität sowie
Subductus
Digitus
IV und III stationär sei. Der Beschwerdeführer sei für sämtlic
he Arbeiten nicht vermittelbar (
Urk.
10/148/1).
3.3
Die Är
zte der
Gutachtenstelle
B._
stellten in ihrer
Expertise
vom 2
1.
Februar 2019
folgende Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/175/8):
(1)
Status nach unklarem Trauma linker Fuss vor 20 Jahren mit nachfolgend schwerer
posttraumatischer
Cavo
varusdeformität
und sekundär leichten Arthrosen
talonavicular
,
subtalar
und
calcaneocuboideal
sowie beginnende ventral betonte
OSG-Arthrose, Vorfussfehlstellung
-
Status nach medial Release,
valgisierende
Calca
neusosteotomie
nach
Dwyer
,
Peronae
us
longus
auf
brevis
Transfer und perkutane
Achillessehnenverlänge
-
rung
Fuss links am 1
9.
März 2014
-
Status nach korrigierender
tibiotaloca
l
canearer
Arthrodese
bei persistierender
Vorfussdeformität (
5.
Januar 2015) zweier
tibiotalarer
Antirotationsschrauben
OSG
links am 2
3.
Mai 2016
-
derotierende
Chopart-Arthrodese
, Hohmann-O
peration
Digitus
IV links (1
7.
Mai
2017) wegen lateraler Fussrandüberlastung bei posttraumatischer
Cavovarus
-
deformität
sowie
Digitus
superductus
IV
(2)
chronisches lumboverte
brales Schmerzsyndrom, mit/bei
u.a.:
-
Diskushernie
L3
/4
mediolateral
links, bildmorphologisch mit
Kompromittierung
der Nervenwurzel
L4
links (MRI
Lendenwirbelsäule [
LWS
]
vom
5.
Januar 2017)
-
Diskushernie
L4
/5, bildmorphologisch mit
Kompromittierung
der Nervenwurzel
L5
links (MRI LWS
vom
5.
Januar 2017)
-
k
linisch fragliches
radikuläres
Syndrom
L5
Als Diagnosen ohne Auswirkung
en
auf die Arbeit
sfähigkeit nannten die Ärzte der
Gutachtenstelle
B._
(
Urk.
10/175/9):
(3)
behandelte
Hyperlipidämie
(4)
Status nach depressiver Episode (ICD-10 F32.4)
Differentialdiagnose: Status nach Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
(5)
Status nach
Olecranonbursektomie
rechter und linker Ellbogen (zirka Juli 2018)
Die Ärzte der
Gutachtenstelle
B._
gaben an, dass
dem Beschwerdeführer die zuletz
t ausgeübte Tätigkeit als Gärtnermit
arbeiter oder die vorhergehende Tätigkeit als Strassen
bauarbeiter
seit Oktober 2013
nicht mehr zuzumuten sei.
Die Abgrenzung zwischen orthopädisch bedingten und neuropathischen Schmerzen sei nicht ein
wandfrei möglich.
Teils sitzende, teils stehende Tätigkeiten seien
ihm
aus
rein
orthopädisch
er Sicht vollschichtig möglich.
Es sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit
sieben bis acht Monate nach der
zu
letzt durchgeführten
Chopart-A
rthrodese
vom 1
7.
Mai 2017
, entsprechend Januar/Februar 2018, wieder zumutbar sei.
Eine
solche
Tätigkeit sollte mehr
heitlich im Sitzen ausgeübt werden, wobei intermittierendes Stehen möglich und im Sinne einer Wechselbelastung wegen der Rückenbeschwerden auch wünschenswert sei. Unter Berücksichtigung des Rückenleidens
sollte
n
mittel
schwere und schwere Hebe- und Tragebelastungen vermieden werden. Inter
mittierendes Heben und Tragen leichter Gewichte sei zumutbar. Tätigkeiten in gebückter und kauernder Stellung müssten vermieden werden. Unter Berück
sichtigung der Gehbehinderung seien eine Verlangsamung und ein vermehrter Zeitaufwand in den allgemeinen täglichen Verrichtungen zu berücksichtigen, was sich leistungsmindernd auswirke. Teilweise leistungsmindernd wirke sich auch das neuropathische Schmerzsyndrom aus. Gesamthaft resultiere aus rein neurologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits-/Leistungsfähigkeit
in an
gepasster Tätigkeit von 30
%. Arbiträr könne aus neurologischer Sicht als Begin
n
dieser Teilarbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit der Zeitpunkt der zweiten Operation (
5.
Januar 2015)
angenommen werden, begründet mit dem damaligen Beginn des neuropathischen Schmerzsyndroms.
Postoperativ sei im Anschluss an die vier fusschirurgischen Eingriffe jeweils eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit nach Massgabe der orthopädischen Beurteilung zu bescheinigen
. Ge
samtmedizinisch sei somit in einer
adaptierten Tätigkeit
seit Januar/Februar 2018
von einer Einschränkung von 30
%
auszugehen
(Urk.
10/175/11
-12
).
4
.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf
das Gutachten
der
Gutachtenstelle B._
vom 21.
Februar
2019 (
Urk.
10/175).
4
.2
Das Gutachten des
Gutachtenstelle B._
basiert auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen (internistisch, orthopädisch, neurologisch und psychiatrisch) und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den V
orakten abgegeben. Die Ärzte
der
Gutachtenstelle B._
haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zu
stände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt. Das genannte Gutachten erfüllt demnach grundsätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5
).
4.3
Die Ärzte der
Gutachtenstelle B._
legten in ihrem Gutachten dar, dass beim Beschwerdeführer die Probleme von Seiten des Bewegungsapparates im Vordergrund stehen wür
den. Die angegebenen Schmerzen würden im dorsalen Bereich der linken Ferse und im lateralen Bereich des linken Fussrückens lokalisiert. Es seien zum Teil stechende Schmerzen.
Gemäss Angaben des Beschwerdeführers habe die Schmerzintensität durch die Operationen kaum abgenommen.
Vor etwa zwei Monaten sei er mit orthopädischen Massstiefeln versorgt worden. Mit dieser Aus
stattung sei er sehr zufrieden. Die Massschuhe würden ganztägig getragen. Wenn es notwendig sei, könne er nachts aber auch ohne Schuhe ins Badezimmer gehen. Dennoch sei er täglich auf die Anwendung von Gehstöcken angewiesen. Im Ver
lauf der Jahre habe er zunehmende Schmerzen im Lumbalbereich verspürt.
Es
sei ihm immer wieder
erklärt
worden, dass die Rückenschmerzen durch die Fuss
operationen links bessern würden.
Dies sei aber nicht eingetreten. Von psychischer Seit
e
gehe es dem Beschwerdeführer soweit gut (
Urk.
10/175/7). Die Ärzte de
r
Gutachtenstelle B._
kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Mitarbeiter Gartenbau
seit Oktober 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
In einer angepassten Tätigk
eit sei er vom 1
9.
März 2014 (erste Operation am linken Fuss)
bis Ende Dezember 2017
ebenfalls zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen. Seither sei ihm eine solche Tätigkeit in einem 70%-Pensum möglich (
Urk.
10/175/11
-12).
4.4
Diese Beurteilung
der
Ärzte
der
Gutachtenstelle B._
, welche ein detailliertes Belastungsprofil enthält
(vgl. E. 3.3)
,
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazu
gehörigen Erläuterun
gen
einleuchtend. Plausibel ist insbesondere auch
die
Ein
schätzung
der Ärzte der
Gutachtenstelle B._
, wonach sieben bis acht Monate nach dem letzten operativen
Eingriff am linken Fuss vom 1
7.
Mai 2017 in einer angepassten Tätigkeit wieder eine Teilarbeitsfähigkeit bestehe. Dies vor dem Hintergrund, dass
med. pract.
D._
von der
Klinik Z._
im Bericht vom 13.
November 2
017 festhielt, dass sich
viereinhalb Monate nach dem Eingriff konventionell-radiologisch ein regelrechtes Resultat gezeigt habe. Es bestünden
zwar
weiterhin
Schmerzen
im Bereich des OSG.
Sobald das orthopädische Serien
schuhwerk ausgehändigt sei, könne der Gips
aber
weggelassen werden. Eine Voll
belastung sei bereits möglich (
Urk.
10/133/5-6).
Im Weiteren trifft es zwar zu, dass die Beschwerdegegnerin
bei der
Gutachtenstelle B._
zunächst
auch die Durchführung einer
EFL in Auftrag
gab (
Urk.
10/
171)
. Dass
in der Folge
auf
eine solche
verzichtet wurde, ist jedoch nicht zu beanstanden.
Denn e
ine EFL
ist rechtsprechungsgemäss
nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern in
Konstellationen in
Betracht zu ziehen, in welchen sich die beteiligten Fachärzte ausserstande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig noch Machbaren vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte beruf
liche Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen (Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2009 vom 26.
Oktober 2009 E. 4.2.2). Da
die vom
linken Fuss und vom Rücken
des Beschwerdeführers
ausgehenden Beschwerden
eindeutig lokalisiert werden können,
die Ärzte der
Gutachtenstelle B._
gestützt auf fach
ärztliche Abklärungen ein detailliertes Belastungsprofil erstellen konnte
n
und dem Beschwerdeführer die zuletzt ausg
eübte Tätigkeit als Mitarbeiter Gartenbau
unbestrittenermassen
nicht mehr zumutbar ist,
schmälert das Absehen
von einer EFL
die Beweiskraft des
Gutachtenstelle B._
-Gutachtens nicht
(vgl. auch
Urteil des Bundes
gerichts 8C_
312/2018 vom 21. September 2018 E. 5.1 mit Hinweisen)
.
Dr.
C._
begründete
im Bericht vom 2
2.
Januar 2018
nicht
in nachvollzieh
barer Weise
, weshalb der Beschwerdeführer für sämtliche Arbeiten nicht «v
er
mittelbar» sein soll (
Urk.
10/148
).
Zudem
ist
im
vorliegenden invaliden
versicherungsrechtlichen Verfahren
auch nicht massgebend, ob er aus arbeits
losenversicherungsre
chtlicher Sicht vermittelbar ist
, sondern ob er auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt arbeitsfähig ist.
Schliesslich kann der Beschwerde
führer auch aus den im Rahmen der Hauptverhandlung vom 1
7.
Mai 2021 ein
gereichten unbegründeten Arbeitsunfähigkeits-Zeugnissen von Dr.
C._
(Urk. 17/1-2) nichts zu seinen Gunsten ableiten.
4.5
Auf die Beurteilung
der Ärzte
der
Gutachtenstelle B._
kann daher abgestellt werden.
Weitere medizinische Abklä
rungen
sind nicht erforderlich.
Insbesondere kann auch auf das vom Beschwerdeführer beantragte Einholen eines Berichts des
Physio
therapeuten
E._
(vgl. Protokoll der Hauptverhandlung, S. 5) verzichtet werden.
5.
5.1
Im Weiteren ist zu prüfen
, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Nachdem das am
1.
Oktober 2013
zu eröffnende Wartejahr am
3
0.
September 2014
abgelaufen war, bestand bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämt
lichen Tätigkeiten
eine Erwerbsunfähigkeit von
100 % und damit
unbestrittener
massen
ein Invaliditätsgrad v
on 100 % (vgl. E. 1.3
). Demnach hat der Beschwerdeführer, der
sich am
2
9.
April 2014
(
Urk.
10/7
) zum Leistungsbezug angemeldet hatte
, ab dem
1.
Oktober 2014
Anspruch auf eine ganze Rente
(vgl. Art. 29 Abs. 1
und Abs. 3
IVG)
.
5.3
5.3.1
Seit
Januar 2018 ist der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 70
%
arbeitsfähig
. Die gesundheitliche Verbesserung ist gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
drei Monate später, das heisst
ab
April 2018
zu berücksichtigen.
5.3.2
Der
Beschwerdeführer
war ab Juli 2011 als
Mitarbeiter Gartenbau
bei
der
Y._
AG tätig
(vgl. Sachverhalt E. 1
), ehe er im Oktober 2013 arbeits
unfähig wurde.
A
uf
sei
ten
d
es Valideneinkommens ist unter diesen Umständen
vom Lohn bei der
Y._
AG auszugehen
, welcher sich
in den Mo
naten Januar bis Juni 2014
zuletzt
auf
insgesamt
Fr.
26'844.
-- (= Fr.
19'250.-- +
Fr.
7'594.--)
belief
(
vgl.
Urk.
10/42/1). Demgemäss ergibt sich nach An
passung an die seither eingetretene Nominallohnentwicklung
(vgl. Bundesamt für Statistik, Nom
inallohnindex, Männer, 2011 bis
2018, T1.
10, F 41-43 Bau
gewerbe/Bau)
für das Jahr 2018
ein hyp
othetisches Jahreseinkommen
von
Fr.
54'210.25 (
[Fr.
26'844.-- x 2 =
Fr.
53'688.--
]
: 102,8 x 103,8)
.
Der vom Bundesamt für Statistik im Rahmen seiner periodisch durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE) ermittelte Tabellenwert betrug im Bereich Bau
gewe
rbe im Jahr 2016
monatlich
Fr.
5'508.-- (LSE 2016
,
TA1_tirage_skill_level,
Kompetenzniveau 1, Männer)
.
Umgerechnet auf die betriebsübliche w
öchentliche Arbeitszeit von 41,3
Stunden im Baugewerbe (Bundesamt für Statistik, betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
1990 bis 2019,
T 03.02.03.01.04.01) und angepasst an die Nominall
ohnentwicklung bis ins Jahr 2018
(vgl. Bundesamt für Statistik, Nom
inallohnindex, Männer, 2011 bis
2018,
T1.
10, F 41-43 Baugewerbe/Bau)
ergibt sich ein zur Beurteilung der Unterdurch
schnittlichkeit massgebendes Jahreseinkom
men von Fr. 68‘841.--
(Fr. 5‘508.-- : 40 x 41,3
x 12 : 102,9 x 103,8
). Demnach erweist sich das vom Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte Einkomme
n bei einer Differenz von Fr. 14'630.75 (Fr. 68'841.-- -
Fr.
54'210.25
) als um 21
% unterdurchschnittlich.
Da
davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführer
nicht aus freien Stücken
ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielte, hat eine
Paralleli
sierung
um 16
% zu erfolgen (
vgl. E. 1.2.2
). Damit resultiert ein paralle
lisiertes Validene
inkommen von Fr. 64'536.--
(
Fr.
54'210.25 : [100 – 16
] x 100).
5.3.3
Da der Beschwerdeführer
nach Eintritt des Gesundheitsschadens
keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätig
keit aufgenommen hat
, sind aufseiten
des Invalideneinkommens die
LSE-
Tabellenlöhne heranzuziehen (LSE 2016, TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1, Männer, Total). Unter Berück
sich
tigung der durchschnittlichen betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden
(vgl. Bundesamt für Statistik, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, 1990 bis 2018, T 03.02.03.01.04.01
, Total
)
und der Nominallohn
entwicklung bis ins Jahr 2018
(vgl. Bundesamt für Statistik, Nominal
lohnindex, Männer, 2011
bis
2018, T1.10
, Total)
resultiert ein Ein
kommen von Fr.
67‘443.30
(Fr. 5‘340.-- x 12 : 40 x 41,7
: 104,4
x
105,4
).
Beim dem Beschwerdeführer noch zumutbaren 70%-Pensum ergibt sich
damit
ein Jahreseinkommen
von
Fr.
47‘210.30 (
Fr.
67‘443.30
x 0,7).
Ein l
eidensbedingter Abzug ist
nicht zu berücksichtigen.
Indem die
Ärzte
der
Gutachtenstelle B._
nachvollziehbarerweise nur noch leichte, w
echselbelastende Tätigkeiten
in einem Teilzeitpensum a
ls zumutbar
erachteten
(v
gl. E. 3.3
), haben sie den
gegebenen Einschränkungen
im Bereich des linken
Fusses
und
des Rückens
hin
reichend Rechnung getragen.
Die mangelnde Berufsausbildung des Beschwerde
führers wurde bereits bei der Wahl des Kompetenzniveaus 1 (einfache und repetitive Tätig
keiten) berücksichtigt. Einfache und repetitive
Tätigkeiten
er
fordern
sodann
keine guten
Sprachkenntnisse
(Urteil des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.2).
Zudem
ist zu beachten, dass
diese beiden Faktoren, welche bereits
den
Grund für die
Einkommensparallelisierung
bildeten, praxisgemäss ohnehin nicht zusätzlich noch einen Leidensabzug zu be
gründen vermögen (vgl.
E.
1.2.2).
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung 58-jährig war, ist darauf hinzuweisen, dass
Hilfsarbeiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellen
markt altersunabhängig nachgefragt werden (Urteil des Bundesgerichts
8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 mit Hinweisen).
Die geltend gemachte
mehrjährige
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt betrifft schliesslich das Kriterium der Dienstjahre, dessen Bedeutung im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist. Mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 kommt diesem Aspekt keine ins Gewicht fallende Bedeutung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.2 mit Hinweis).
5.4
Bei einem Valideneinkommen von
Fr. 64'536.--
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
47‘210.30
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
17'325.70
und damit ein Invaliditätsgrad
von
aufgerundet 27 % (Fr. 17'325.70
: Fr. 64'536.--). Ab dem
1.
April 2018 ist daher kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr gegeben.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt
, ob der 1961 geborene Beschwerdeführer ohne Weiteres auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden kann, mithin ob er das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungsvermögen ohne Ein
gliederungsmassnahmen ausschöpfen und erwerblich verwerten kann.
6.2
Unabhängig davon, welches der für die Ermittlung des Eckwerts des 55.
Alters
jahres ma
ssgebliche Zeitpunkt sein soll
- der Zeitpunkt der Verfügung selbst (11. Oktober 2019), derjenige der darin verfügten Rentenabstufung bzw. -auf
hebung (31. März 2018) oder jener des Feststehens der entsprechenden medizinischen Zumutbarkeit (d.h. bei Erstattung des Gutachtens vom 21. Februar 2019
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_50/2020 vom 9. Juli 2020 E. 3.2 mit Hinweisen
) - fällt der Beschwerdeführer in die Kategorie der über 55-jährigen Versicherten, bei welchen die Selbsteingliederung vermutungsweise unzumutbar ist
(vgl. E. 1.5)
. Die Beschwerdegegnerin hat die Eingliederungsfrage nicht näher geprüft, sondern ohne weitere Begründung festgehalten, dass Eingliederungs
massnahmen oder Beratung und Begleitung nicht nötig seien
(
Urk.
10/182/9).
Eine Ausnahme von der
nach einer befristeten
Rentenzusprache
bei fort
geschrittenem Alter
grundsätzlich anzunehmenden Unzumutbarkeit der Selbst
einglieder
ung
, aufgrund derer auf Eingliederungsmassnahmen verzichtet werden könnte,
ist vorliegend
nicht gegeben. Der Beschwerdeführer
besuchte in
F._
lediglich fünf oder sechs Jahre die Schule und erwarb k
einen Berufsabschluss. Er hat g
emäss eigenen Angaben Mühe mit
Lesen, Schreiben und Rechnen
und spricht kaum Deutsch
(
Urk.
10/175/61-64
)
.
Ab dem 1
3.
Altersjahr arbeitete er in einer Betonfabrik
(
Urk.
10/175/45).
Die in der Schweiz verrichteten, körperlich schweren Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im Gartenbau
(
Urk.
10/175/45
) sind ihm unbestrittenermassen nicht mehr möglich.
6.3
Da aufgrund der Akten auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine fehlende subjektive Eingliederungsfähigkeit feststeht (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2),
ist die Rentenaufhebung
mangels Fähigk
eit des Beschwerdeführers zur Selbsteingliederung
so
lange nicht gerechtfertigt, bis
die Beschwerde
gegnerin
die
erforderlichen
Eingliederungs
massnahmen
an die Hand genommen hat.
Der
Beschwerdeführer
hat daher
nach wie vor als erwerbsunfähig zu gelten
und
einstweilen weiterhin Anspruch au
f die bisherige ganze Rente.
Die Beschwerd
e ist deshalb
gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Ver
bindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses auf Fr. 1’8
00.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen ist.