Decision ID: 5fe6cad0-85ad-43de-9f9c-8aad2cf95764
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1.
X._
, geboren 1961,
war seit 2
8.
März 2003 mit
Z._
, geboren 1955,
verheiratet. Die Eheleute wohnten in
der Gemeinde
A._
.
Z._
bezog seit Jahren eine ganze Rente d
er Invalidenversicherung und
ab 1. Januar 2003 Zusatzleistungen von der
Gemeinde
A._
,
Durch
füh
rungsstelle Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle)
. Auf Ende Juli 2011 zog er
aus der Gemeinde
A._
weg. Am
12. Oktober 2011
wurde die Ehe geschieden (Urk. 16/199/2).
1.2
Am 21. März 2014
(
Urk.
16/166/6-7)
stellte die Durchführungsstelle
bei
der
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
, IV-Stelle,
den Verrech
nungsantrag für
die
an das Ehepaar
ausgerichteten
Zusatzleistungen
im Betrag von Fr. 71‘785.-- mit der Invalidenrente
, welche die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
1.
Dezember
2013 angekündigt hatte
(Urk. 17/83)
.
Mit Verfügung
en
vom 2.
April 2014 sprach die
IV-Stelle
X._
rückwirkend ab
1.
Mai 2007 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu
(
Urk.
16/157, Urk.
16/170, Urk. 16/172, Urk. 16/
174, Urk. 16/177-178
)
und
erklärte die externe Verrechnung
der nachzuzahlenden IV-Rente
mit Leistungen der Durchführungsstelle in der H
öhe von Fr. 71‘785.-- (
Urk.
16/172/2).
Mit zw
ei separaten Verfügungen vom 4.
Mai 2015 forderte die
Durchfüh
rungs
stelle
von
X._
und von
Z._
unter Hinweis auf ihre Solidarhaftung im Zeitraum vom
1.
Mai 2007 bis 3
0.
Juni 2011 zu viel ausge
richtete Leistun
gen in der Höhe von
Fr.
71'785.--
zurück. Diese Summe war von der IV-Stelle durch Verrechnung mit der Nachzahlung der Rente an
X._
bereits an die Gemeinde
A._
ausbezahlt worden
(
Urk.
17/187/2-3
, Urk. 17/214
)
. Die Einsprache
von
X._
gegen die sie betreffende Verfügung
vom 4.
Mai 2015
wies die Durchführungsstelle mit
Einspracheentscheid vom 7.
September 2015 ab
(
Urk.
17/187/6)
.
Dagegen erhob
X._
Beschwerde, welche das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
im Verfahren Nr. ZL.2015.00113
mit Ents
cheid vom 1
0.
März 2017 abwies
(Urk.
17/234/20
)
.
Die hiergegen erhobene Beschwerde hiess das Bun
desgericht mit Urteil 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017 gut. Die Entscheide des
Sozialversicherungsgericht
s
des Kantons Zürich
vom 1
0.
März 2017 und der Durchführungsstelle vom 7.
September 2015
betreffend Rückforderung
wurden aufgehoben (Urk. 16/199/7).
Die Gemeinde
A._
bezahlte daraufhin den
fälschlicherweise
von
X._
zurückgeforderten und mit ihr
er Rente verrechneten Betrag
von
Fr.
71'785.-- an
X._
aus (Schreiben vom 3
0.
Oktober 2017; Urk. 17/241).
1.3
Mit Schreiben vom
8.
Januar 2018 ersuchte
X._
die IV-Stelle um Berechnung und Auszahlung von Verzugszinsen auf
den Betrag von
Fr.
71'785.--
(Urk. 17/164). Am 2
9.
März 2018 teilte der Rechtsdienst der SVA dieser mit, dass die Verrechnung der zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistu
ngen mit der nachträglich an
X._
zugesprochenen Invalidenrente zulässig gewesen sei und dass gestützt auf
Art.
26
Abs.
4 lit. a des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
kein Verzugs
zins auf den Betrag von
Fr.
71'785.-- geschuldet sei (Urk. 17/208).
Mit Schreiben vom 4.
April 2018 bat
X._
bei Festhalten an diesem Stand
punkt um Erlass einer anfechtbaren Verfügung (Urk. 17/209).
Mit Verfügung vom 1
2.
April 2018 wies die IV-Stelle das Begehren um Ausrichtung eines Verzugs
zinses auf die am
3.
November 2017 ausbezahlte IV-Rente
in der Höhe von
Fr.
71'785.-- ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
4.
Mai
2018 Beschwer
de
und beantragte, es sei
die Verfügung vom 1
2.
April
2018 aufzuheben und es sei die
Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, gestützt auf
Art.
26 ATSG die ge
setzlichen Verzugszinsen zu berechnen und auszurichten. In prozessrechtlicher Hinsicht sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Rechtsanwalt Thomas Wyss, Zürich, zum unentgeltlichen Rechtsvertreter für dieses Verfahren zu bestellen (Urk. 1 S. 2).
Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2018 wurde der
Be
schwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Thomas Wyss, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Ver
fahren bestellt (Urk. 12 S. 2).
Die
Beschwerdegegnerin
schloss in der Beschwer
deantwort vom
2
9.
Juni 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 15), was der
Be
schwerdeführerin
am 1
4.
September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23 S. 2).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
Nach
Art.
50
Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
finde
t
Art.
20
Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und Hinterlassenen
versicherung (AHVG)
für die Verrechnung
sinngemäss Anwendung.
Laut
lit. b dieser Bestimmung können Rückforderungen von Ergänzungsleistungen zur Alters—, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung mit
fälligen Leistungen
ver
rechnet werden
(vgl. BGE 141 V 139 E. 6.1)
.
Damit hat der Gesetzgeber für den Bereich der Sozialversicherungen eine Ord
nung geschaffen, welche
zum Teil
von den allgemeinen Verrechnungs
grund
sätzen nach Zivilrecht abweicht (BGE 125 V 317 E. 5a). Voraussetzung ist, dass Leistungen und Forderungen die gleichen Personen betreffen; allerdings kann auch ohne personelle Identität zwischen Pflichtigen und Berechtigten verrechnet werden, wenn sich versicherungsrechtlich
beziehungsweise
versicherungs
tech
nisch zusammenhängende Leistungen u
nd Forderungen gegenüberstehen
. Nicht verlangt wird hingegen eine zeitliche
Konnexität
der sich gegenüberstehenden Forderungen (BGE 125 V 317 E. 4a
; zum Ganzen:
BGE 140 V 233 E. 3.2).
1.2
1.2.1
G
emäss Art. 26 Abs. 2 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung,
verzugszinspflichtig, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollständig nachgekommen ist. Der Zinssatz beträgt 5
%
(
Art.
7
Abs.
1
der
Verordnung über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSV
).
1.2.2
Die Verzugszinspflicht beginnt zwei Jahre nach Beginn der Rentenberechtigung als solcher, nicht erst jeweils zwei Jahre nach Fälligkeit jeder einzelnen Monats
rente. Der Sinn der 24-Monatsfrist liegt darin, der Versicherung einen gewissen Zeitraum für Abklärungen zu gewähren, innert welchem sie noch keine Verzugs
zinsen bezahlen muss (BGE 133 V 9 E. 3.6).
Die sozialversicherungsrechtliche Verzugszinspflicht ist verschuldensunabhängig ausgestaltet. Die Zinsen dienen ausschliesslich dazu, den Schaden (Geldent
wer
tung) auszugleichen, den die verspätete Ausrichtung der Leistungen für die ver
sicherte Person hat (BGE 137 V 273 E. 4.5 in
fine
mit Hinweisen auf die Lehre
, BGE
140 V 558 E. 3.3).
1.2
.3
Verzugszinsen können nur erhoben werden, wenn jemand mit der Zahlung einer Geldschuld in Verzug ist (vgl.
Art.
104
Abs.
1 des
Obligationenrecht
s,
OR
). Davon will
Art.
26
Abs.
2 ATSG nicht abweichen (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
Art.
26
Rz
37). Der Schuldnerverzug wird beendigt, wenn der Schuldner nachträglich die geschuldete Leistung erbringt, und zwar nach
Art.
7
Abs.
2 ATSV auf Ende des Monats, in welchem der Zahlungsauftrag erteilt wurde (
Kieser
,
a.a.O.
,
Art.
26
Rz
58).
1.2.4
Keinen Anspruch auf Verzugszinsen haben nach
Art.
26
Abs.
4 ATSG
:
die be
rechtigte Person oder deren Erben, wenn die Nachzahlung an Dritte erfolgt
(lit. a),
Dritte, welche Vorschusszahlungen
oder Vorleistungen nach
Art.
22 Abs.
2 erbracht haben und denen die Nachzahlungen abgetreten worden sind
(lit. b),
andere Sozialversicherungen, welche Vorleistungen
nach Art.
70 erbracht haben (lit. c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete ihren abweisenden Entscheid damit, dass
sie in den Verfügungen vom
2.
April 2014 bei der Nachzahlung der IV-Rente
im Umfang von Fr.
71'785.-- an die ZL-Durchführungsstelle der Gemeinde
A._
von einem Sachverhalt gemäss
Art.
26
Abs.
4 lit. a ATSG ausgegangen sei
und daher auf diesen Betrag keinen Verzugszins ausbezahlt habe
(
Urk.
2 S. 5)
. E
in
Anspruch
der
Beschwerdeführerin
auf Verzugszins von 5
%
ab Mai 2009 bis zur Überweisung des Betrages
von Fr.
71'785.--
an sie
durch die ZL-Durchfüh
rungs
stelle der Gemeinde
A._
am 3.
November 2017 (Urk. 17/241
)
bestünde
nur dann,
wenn
die Auszahlung der Invalidenrente in diesem Betrag (im April 2014) zu Unrecht an die ZL-Stelle
A._
anstatt an die
Beschwerdeführerin
erfolgt
wäre
, was jedoch nicht der Fall sei
.
Denn d
ie Verrechnung
der fälligen
rück
wirkend ausgerichteten
IV-Leistungen mit der Rückforderung
der
von der Durch
führungsstelle der Gemeinde
A._
zu viel ausgerichteten Ergänzungsleis
tung
en in der Höhe von Fr.
71'785.--
sei korrekt gewesen.
Dies sei gestützt auf
Art.
50
Abs.
2
IVG
in Verbindung mit
Art.
20 A
bs.
2 lit. b
A
HVG zulässig.
Nach Randziffer 10908 der Wegleitung über die Renten der AHV/IV (RWL) sei eine Verrechnung von Leistungen für Ehegatten möglich, wenn zwischen den beiden Leistungen ein enger versicherungsrechtlicher Zusammenhang bestehe. Ein solcher sei zwischen der Rentennachzahlung an die Beschwerdeführerin und dem Rückforderungsanspruch der Ergänzungsleistungen gegenüber
Z._
gegeben gewesen, indem bei der Berechnung des Anspruchs auf Zusatzleistungen des Ehemannes auch anerkannte Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen der Ehefrau (inklusive allfälliger IV-Renten) zu berücksichtigen seien.
Zu diesem Schluss sei auch das Bundesgericht im Urteil I 728/01 vom
9.
Mai 2003
E. 6.2.1, gekommen.
Die Durchführungsstelle h
ab
e zwar die Rückforderung nur gegenüber
Z._
geltend machen dürfen und dabei den so lautenden Entscheid auch der
Beschwerdeführerin
zustellen müssen. Dass dies nicht geschehen sei, habe sie, die
Beschwerdegegnerin
, als verrechnende IV-Stelle indes weder beein
flussen, noch kontrollieren können. Sie prüfe lediglich die Verrechnungsanträge auf die Zulässigkeit der Verrechnung hin.
Für die
vorgenommene Verrechnung würden überdies auch
(weitere)
praktische Gründe sprechen. So führe die Bejah
ung der Zulässigkeit der Rückforderung der zweifellos zu viel ausgerichteten
Ergänzungsleistungen
zu stossenden Ergebnissen, wenn gleichzeitig die Zulässig
keit der Verrechnung verneint werde. Im Resultat müsste
Z._
für eine Rückforderung aufkommen, die mit der nachträglichen Auszahlung der Invali
den
rente an seine (Ex-)Ehefrau
begründet sei. Unter diesen Umständen erscheine es durchaus wahrscheinlich, dass
Z._
gar nicht in der Lage und
willens sei, die Rückforderung zu bezahlen. Entsprechend müsste er den Rück
forderungsbetrag wiederum von seiner Ex-Ehefr
au einfordern. Solche stos
sen
de
Situationen sollten durch die Möglichkeit der Verrechnung von fälligen Leis
tungen an den Ehegatten mit Rückfor
derungen gege
nüber dem anderen Ehe
gatten gestützt auf
Art.
50
Abs.
2 AHVG (richtig: IVG) und Randziffer 10908
RWL
gerade vermieden werden.
Auch
wenn somit die
Beschwerdeführerin
betreffend die zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen nicht rückerstattungspflichtig sei, sei die Drittauszahlung im Umfang von
Fr.
71'785.-- doch zu Recht erfolgt und zulässig gewesen. Daher sei auf diesen Betrag auch kein Verzugszins mehr geschuldet. Das Bundesgerichtsurteil 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017 in Sachen der
Beschwerdeführerin
sei für sie, die
Beschwerdegegnerin
, zudem nicht bindend, da sie nicht zum damaligen Verfahren beigeladen worden sei. Ausser
dem sei ohnehin nur
das
Dispositiv dieses Entscheides
verbindlich; d
arin werde
aber
nichts zur Rechtmässigkeit der Verrechnung gesagt und es werde darin auch nicht auf die Erwägungen verwiesen, wo (allein)
die Verrechnung für unzulässig erklärt worden sei. Auch deshalb sei der Bundesgerichtsentscheid hinsichtlich der Pflicht zur Zahlung eines Verzugszinses für sie nicht verbindlich
. Das Bundes
gericht habe sich in diesem Entscheid ausserdem in keiner Weise zur Verrechen
barkeit der Rückforderung gegenüber
Z._
mit den an die
Beschwer
deführerin
nachzuzahlenden Renten der Invalidenversicherung geäussert. Soweit es über die Zulässigkeit der Verrechnung der IV-Renten durch IV-Stelle befunden habe, hätte es dies indes tun müssen
.
Weil
mit der Rückforderung gegenüber
Z._
eine verrechenbare Gegenforderung bestanden habe, welche die Durchführungsstelle mit Verfügung vom
4.
Mai 2015 auch gegenüber
Z._
geltend gemacht habe, habe sie, die
Beschwerdegegnerin
, diese Rück
for
derung mit den nachzuzahlenden IV-Renten verrechnen
müssen
(Urk.
2 S. 3 ff.)
.
2.2
D
i
e
Beschwerdeführer
in
bringt dagegen vor,
die Ausnahme von
Art.
26
Abs.
4
lit. c
ATSG, auf welche Bestimmung sich die
Beschwerdegegnerin
berufe, sei vorliegend nicht gegeben, da das Bundesgericht mit Urteil 9C_341/2017 vom 27. September 2017
ihre Beschwerde gutgeheissen habe. Danach habe die Durch
führungsstelle keine Vorschussleistungen erbringen können, da sie, die Beschwer
deführerin
, im Gegensatz zu
Z._
gar keinen Anspruch auf Ergän
zungsleistungen besessen habe. Somit bestehe gestützt auf
Art.
26 Abs. 2 ATSG die Verpflichtun
g, Verzugszinsen zu leisten, da
die Durchführungsstelle gar keine Vorschussleistungen erbracht habe. Eine andere Ausnahme, welche die Leistung von Verzugszinsen durch die
Beschwerdegegnerin
entbehrlich machen würde, sei nicht ersichtlich. Dabei sei unerheblich, dass diese sinngemäss geltend mache, ihr
sei
in jenem Verfahren das rechtlich
e
Gehör betreffend den Bestand der Vor
leistung durch die Durchführungsstelle nicht gewährt worden. Würde man der
Beschwerdegegnerin
vorliegend recht gegeben, müssten mehrere Prozesse geführt werden, was indes weiterhin nicht angehe.
Denn e
s sei gesetzlich und recht
spre
chungsgemäss vorgesehen, dass allfällige Rechtsmittel gegen den Bestand der Rück
forderung und die Verrechnung ausschliesslich gegen die Rückforde
rungs
verfügung des entsprechenden Sozialversicherungsträgers zu ergreifen seien
.
Dieser Hinweis sei
auch der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
2.
April 2014
zu entnehmen
.
Dieses den Verwaltungsbehörden vom Bundesamt für Sozial
ver
sicherungen
(BSV)
vorgeschriebene Vorgehen gelte als bundesrechtskonform und sachlich gerechtfertigt. Hierzu werde auf ZAK 1
9
89 S. 326 f. E. 7 und Urteil des Bundesgerichts I 728 vom
9.
Mai 2003 E. 6.2 verwiesen. Es sei unerheblich, ob ursprünglich eine Verrechnung zulässig gewesen sei. Diese Frage bilde gar kein Kriterium bei der Beurteilung, ob Verzugszinsen geschuldet seien oder nicht. Immerhin gehe aber das Bundesgericht im Urteil 9C_341/2017 vom 27. Septem
ber 2017 in der Erwägung 5.3 davon aus, dass die Verrechnung unzulässig ge
wesen sei. Massgebliches Kriterium sei vorliegend einzig und allein, ob ein Aus
nahmetatbestand zur grundsätzlichen Verzinsungspflicht bestehe, was nicht der Fall sei. Würde man dem Rechtsstandpunkt der
Beschwerdegegnerin
folgen, käme es zu rechtsungleiche
n Ansprüchen auf Verzugszinsen, da Versicherte, welche
das Glück gehabt hätten, von keinen derartigen unrechtmässigen Rückfor
de
rungen
betroffen zu sein - anders als bei Sachverhalten wie in ihrem Fall - Verzugszinsen erhalten würden. Dies würde zu derart ungleichen und stossenden Ergebnissen führen, dass derartiges offensichtlich nicht richtig sein könne. Darüber hinaus wären diejenigen Versicherten doppelt benachteiligt, welche sich bereits mit un
rechtmässigen Rückforderungen konfrontiert sehen würden (Urk. 1 S. 3 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführerin
Anspruch auf Verzugszinsen auf
den
Rentenbetrag von
Fr.
71'785.--
(Urk. 16/174/2) hat.
In zeitlicher Hinsicht kommt dies gemäss
Art.
26
Abs.
2 ATSG unstrittig grund
sätzlich von Anfang Mai 2009
(24 Monate nach Rentenbeginn)
bis
zum Ende des Monats, in welchem die Durchführungsstelle den Zahlungsauftrag zu
Handen
der Beschwerdeführerin gegeben hat, vorliegend somit bis Ende Oktober 2017 (Art. 7 Abs. 2 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV; Urk. 17/241) in Frage
.
3.
3.1
Die Verzugszinspflicht der Versicherer, mithin auch der
Beschwerdegegnerin
, richtet sich nach Massgabe von
Art.
26 ATSG.
Die Voraussetzungen von
Art.
26
Abs.
2 ATSG sind unstrittig
insofern
erfüllt
, als
die
Beschwerdeführerin
ihren Mitwirkungspflichten nachgekommen ist und ein Rentenanspruch der
Beschwer
de
führer
in ab dem
1.
Mai 2007 bestand.
Die
Verzugszinspflicht der
Beschwerde
gegnerin
entfällt
, sofern
sich die
Beschwerdegegnerin
auf eine Ausnahme nach
Art.
26
Abs.
3 und
Abs.
4 ATSG berufen kann.
Von diesen Ausnahmen fällt hier allein lit. a von
Abs.
4 in Betracht, wonach die berechtigte Person keinen Anspruch auf Verzugszinsen haben, wenn die Nach
zahlung an Dritte erfolgt.
3.2
3.2.1
Mit Urteil 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017
hat
das Bundesgericht die Rück
forderung der Durchführungsstelle gegenüber der
Beschwerdeführerin
von
Fr.
71'785.-- für zu viel ausgerichtete Zusatzleistungen im Zeitraum vom
1.
Mai 2007 bis 30. Juni 2011 mit der Begründung auf
gehoben
,
es bestehe mangels
da
maliger
Anspruchsberechtigung
der Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleis
tungen
keine Rückerstattungspflicht der
Beschwerdeführerin
als Folge der rück
wirkenden Zusprechung einer ganzen Rente der
Invalidenversicherung
. Die Ver
rechnung
der Rückforderungssumme von Fr.
71'785.-- durch die IV-Stelle mit der Rentennachzahlung sei somit zu Unrecht erfolgt (E. 4.2,
E.
5.2.2 und
E.
5.3; Urk. 16/199/4-7).
Hiervon ist auszugehen.
Es steht damit fest, dass keine Forderung der Durchführungsstelle gegenüber der
Beschwerdeführerin
bestand und daher ihr Rentenanspruch nicht durch Zahlung an die Durchführungsstelle im Umfang von
Fr.
71'785.-- mittels
(zweig
über
grei
fender)
Verrechnung getilgt wurde. Der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
in diesem Betrag blieb somit weiterbestehen
und d
er Verzug zur Rentenleistung bestand fort.
3.2.2
Damit
steht aber auch fest, dass die Ausnahmeregelung nach
Art.
26
Abs.
4 ATSG hier
nicht anwendbar ist;
d
ies gilt insbesondere au
ch
für
Art.
26
Abs.
4 lit. a ATSG
. Denn
die Ausnahmen nach
Art.
26
Abs.
4
ATSG betrifft
Fälle mit
Vor
schusszahlungen und Vorleistungen
Dritter
nach
Art.
22 und Art. 70 ATSG
, wie sich
namentlich
aus lit. b und lit. c dieser Bestimmung ergibt
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
Art.
26
Rz
66).
Eine Vorleistung oder Vorschus
szah
lung der Durchführungsstelle an die
Beschwerdeführerin
wurde, wie diese zutref
fend vorbringt (Urk.
1 S. 5), jedoch nicht geleistet, da für sämtliche hier be
treff
enden, von Mai 2007 bis Juni 2011 ausgerichteten Zusatzleistungen
Z._
und nicht die
Beschwerdeführerin
anspruchsberechtigt war.
3.2.3
Dem Standpunkt der
Beschwerdegegnerin
dagegen, das bundesgerichtliche Urteil betreffend Rückforderung in Sachen der
Beschwerdeführerin
(Urteil 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017,
Urk.
16/199) sei für sie nicht verbindlich, weil sie zu jenem Verfahren nicht beigeladen worden sei und da die Feststellung zur ungül
tigen Verrechnung nur in der Begründung, nicht aber im Dispositiv vermerkt sei, ist nicht zu folgen. Insbesondere wurde mit dem Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017
letztinstanzlich
und damit verbindlich die Rückerstattungspflicht der
Beschwerdeführerin
verneint,
- wovon zudem auch die Beschwerdegegnerin ausgeht (Urk. 2 S. 3)
-
von welcher rechtlichen Erkenntnis
auch in diesem Verfahren
nicht abgewichen werden darf. Mithin war die Rück
forderung gegenüber der
Beschwerdeführerin
von Anfang an nicht rechtsgültig und hatte damit auch keinen Bestand, so dass sie auch keinen Ver
rech
nungs
gegenstand darstellen konnte.
3.3
3.3.1
Entgegen der (sinngemässen) Ansicht der
Beschwerdegegnerin
war eine Tilgung des Rentenanspruchs
der
Beschwerdeführerin
auch nicht deshalb durch Leistung an die Durchführungsstelle
und Verrechnung
erfolgt, weil
die
Du
r
chfüh
rungs
stelle
die
Verfügung zur
Rückforderung
von
Fr.
71'785.--
beiden ehemaligen Ehe
gatten separat, mithin auch
dem in der Zeit vom 1. Mai 2007 bis 30.
Juni 2011 allein ZL-anspruchsberechtigten
Z._
,
zugestellt
hatte
.
Denn zur Ve
r
rechnung muss sich die (Rück-)F
orderung grundsätzlich gegen die leistungsbe
rechtigte Person persönlich, mithin gegen die
Beschwerdeführerin
, richten (
Weg
leitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Renten [RWL], gültig ab
1.
Januar 2003,
Stand:
1.
Januar 2020,
Rz
10905;
BGE 140 V 233 E. 3.2;
vgl. auch Art.
120
Abs.
1 OR), was hier gerade nicht der Fall ist.
3.3.2
Die von der
Beschwerdegegnerin
angerufene Ausnahmeregelung
in der RWL
, wonach eine Rückforderung von zu Unrecht bezogenen Leistungen des einen Ehegatten ausnahmsweise dann mit der Rentennachzahlung an den anderen Ehegatten verrechnet werden kann, wenn zwischen den beiden Leistungen ein enger versicherungsrechtlicher Zusammenhang besteht (
Konnexität
;
Rz
10613
RWL
,
Rz
10907
f. RWL
; vgl.
zu deren Rechtmässigkeit
BGE
130 V 505
E.
2.9
), ist hier nicht einschlägig. Denn die
Beschwerdeführerin
und
Z._
waren im Zeitpunkt der Rentennachzahlung i
m April 2014 bereits geschieden.
Auch ist
ein enger versicherungsrechtlicher Zusammenhang
(vgl. dazu
BGE
141 V 139 E. 6.2,
138 V 2 E. 4.1
,
137 V 175 E. 2.2.1
,
130 V 505
)
nicht bereits dadurch gegeben, dass die
Beschwerdeführerin
in der
Anspruchsberechnung der Zusatz
leistungen von
Z._
einbezogen war (vgl.
Art.
9
Abs.
2 des
Bundes
gesetz
es
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invaliden
versicherung,
ELG)
, als sie noch verheiratet waren.
Denn der Anspruch auf eine Rente hängt nicht von dieser gemeinsamen Berechnung ab, sondern besteht un
ab
hängig davon
,
und entstand erst durch die Rentenverfügung vom 2. April 2014
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2017 vom 2
7.
September 2017 E.
5.2.2;
Urk.
16/199/
6
)
, mithin nach der Scheidung. Auch eine allfällige Rückforderung gegenüber
Z._
- sofern eine solche überhaupt zu bejahen ist, was hier nicht zu prüfen ist - entstand damit erst nach der Scheidung.
Soweit man über
haupt von einem engen rechtlichen Zusammenhang zwischen Rückforderung und Rentenanspruch ausgehen kann, wäre die
Konnexität
jedenfalls durch die Ehe
scheidung unterbrochen worden.
Zudem würde die Verrechnung der Rentenforderung der
Beschwerdeführerin
mit
einer allfälligen
ZL-Rückforderung gegenüber
Z._
darauf hinaus
laufen, dass die
Beschwerdeführerin
die Rückforderung begleicht, was nicht damit vereinbar wäre, dass sie nicht rückerstattungspflichtig ist.
Hinzu kommt, dass es letztlich auch nicht zu einer solchen Verrechnung mit der Rückforderung gegen
über
Z._
gekommen ist, da die Durchführungsstelle den gesamten offenen Rentenbetrag von
Fr.
71'785.-- an die
Beschwerdeführerin
(zurück-)er
stattet hat (Urk. 17/241).
3.
4
Es bleibt somit dabei, dass der Anspruch der
Beschwerdeführerin
gegenüber der
Beschwerde
gegn
erin
auf die Rentennachzahlung im Umfang von
Fr.
71'785.-- nicht mit der in diesem Betrag verfügten Rückforderung der Durchführungsstelle
getilgt
werde
n
konnte
respektive wurde
und
dass
der Schuldnerverzug für die Zeit ab dem
1.
Mai 2009 (24 Monate nach Anspruchsbeginn, Art. 26
Abs.
2
ATSG) bis
zum Zahlungsauftrag am 30. Oktober
2017 (
Urk.
17/241) bestehen blieb
.
Da
ausserdem
keine
Ausnahme
(
Art.
26
Abs.
3 und
Abs.
4 ATSG) zur grund
sätzlichen Verzugszinspflicht nach
Art.
26
Abs.
2 ATSG besteht, hat die Beschwe
r
deführerin Anspruch auf Verzugszins
nach Massgabe von
Art.
7 ATSV
auf den Betrag von
Fr.
71'785.-- vom
1.
Mai 2
009 bis 3
1
.
Okto
ber 2017
.
3.5
Sämtliche weitere Ausführungen der
Beschwerdegegnerin
führen zu keiner ande
ren Betrachtungsweise.
Namentlich ändert auch der
Hinweis der
Beschwer
degeg
nerin
(
Urk.
2 S. 3)
auf das Urteil des Bundesgerichts I 728/01 vom
9.
Mai 2003, wonach die Verrechnung nach
Art.
20
Abs.
2 AHVG bei Fälligkeit der Forderung und Gegenforderung sowie
Erfüllung der weiteren Voraussetzung
grundsätzlich
zulässig ist, selbst wenn die Gegenforderung bestritten ist (
E.
6.2.1),
nichts an diesem Ergebnis
.
Denn diese
s
Urteil sagt nichts dazu aus, wie bezüglich der Zinspflicht zu verfahren sei, wenn sich
- wie hier - nachträglich
herausstellt, dass keine Rückforderung bestand
und die Rentennachzahlung
daraufhin
an die Rentenberechtigte
auch im Betrag der Rückforderung
ausbezahlt wird
.
3.6
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 1
2.
April 2018 (
Urk.
2) in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustellen, dass die
Be
schwerdeführerin
Anspruch auf Zins (nach Massgabe von
Art.
7 ATSV) auf den Betrag von
Fr.
71'785.-- für die Zeit vom
1.
Mai 2009 bis 3
1
.
Okto
ber 2017 hat.
4.
4.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Versicherungsleistungen. Das Verfahren is
t daher kostenpflichtig. Die Ge
richts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4
.2
De
m
unentgeltlichen Recht
svertreter der
Beschwerdeführerin,
Rechtsanwalt Th
omas Wyss,
Zürich,
steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61 lit. g
ATSG in Verbindung mit § 34
des Gesetzes über das Sozialversi
cherungs
ge
richt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des
Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen so
wie unter Berücksichtigung der Honorarnote vom
6.
Juli 2018
(Urk. 22
)
festzu
setze
n ist.
In der Honorarnote ist ein Aufwand vom
1
3.
April bis
6.
Juli 2018
von total
12
Stunden und
5
Minuten zu Fr.
250
.-- pro Stunde sowie von 3 % Spesen im Betrag von Fr.
90.60
und der Mehrwertsteuer von 8
%
mit einem Gesamtbetrag von Fr.
3'351.--
aufgeführt (Urk. 22). Diese
r Betrag ist unter Berücksichti
gung
des
gerichtsüblichen
Stundena
nsatz
es
von Fr. 220.-- pro Stunde zu kürzen.
Ausser
dem ist die Kürzung der 12 Stunden und 5 Minuten auf 1
0
Stunden gerechtfertigt, da
die meisten Vorbringen
in der 8-seitigen Beschwerdeschrift
bereits im Verwal
tungsverfahren ausgeführt
wurden (
Urk.
17/209), die Akten in Bezug auf die vorwiegend rechtlichen Fragestellungen nur in geringem Umfang relevant sind und auch keine ausserordentliche Besonderheit in der Schwierigkeit des Prozesses sowie der Bedeutung der Streitsache für die Beschwerdeführerin auszumachen ist.
Ausserdem
sind die
geltend gemachten ein
einhalb Stunden für das Studium des Urteils mit Orientierung der
Beiständin
zu hoch bemessen.
Insgesamt ist damit ein Zeitaufwand von
1
0
Stunden à Fr. 220.--, mithin Fr.
2'
2
0
0
.-- zu vergüten, was unter Berücksichtigung der Barauslagen von Fr.
66
.
--
(3 % von Fr.
2'
2
0
0
.--) und der Mehrwertsteuer
(7,7
%
)
eine Prozessent
schädigung von Fr.
2'
441
.--
ergibt.