Decision ID: c528bf00-6f9a-56d7-b174-eb3eb59bd845
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 197
0, ist Inhaber der Einzelfirma Y._
, die seit dem 5. April 2016 im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen ist.
X._
ist als Trainer für Aggressionsmanagement tätig und bei der
Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend: Helvetia) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl. Urk. 2 S. 2 Ziff. 1).
1.2
Am 23. Februar 2018 meldete der Versicherte der
Helvetia, dass sich am 19. Feb
ru
ar 2018 Folgendes zugetragen habe (Urk. 2 S. 2 Ziff. 2): «Im Kino auf dem Weg vom WC in den Kinosaal aus unklaren Gründen plötzlich umgeknickt. Sofortiger immobilisierender Schmerz im Sprunggelenk
rechts.»
Anfang März 2018 meldete der Versicherte der Helvetia zudem das Ereignis vom
28. Februar 2018: «Beim Aufstehen aus dem Bett plötzlich mit dem rechten Sprun
ggelenk
umgeknickt.»
Wieder war der rechte Fuss/das rechte Fussgelenk betroffen (vgl. Urk. 2 S. 2 Ziff. 4).
1.3
Am 1. März 2018 wurde der Versicherte im
Institut
Z._
radiologisch u
ntersucht (MR OSG rechts; Urk. 6
/M3). Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, operierte den Versicherten am 7. Mai 2018 in der Klinik
B._
(Urk. 6
/M8). Am 28. Mai 2018 reichte der beratende Arzt der Helvetia, Dr. med.
C._
, Fach
arzt FMH für manuelle Medizin und Vertrauensarzt FMH, seine
Beurteilung zu den Akten (Urk. 6
/M5). Am 22. Juni 2018 berichtete Dr.
A._
über den weiteren Verlauf
(Urk. 6
/M6). Dr. med.
D._
, zertifizierter Gutachter und bera
tender Arzt der Helvetia, äusserte sich am 11. September 2018 zum vorliegenden m
edizinischen Sachverhalt (Urk. 6
/M10).
1.4
Bereits mit Schreiben vom 14. Mai 2018 (Urk. 7/K10) hatte die Helvetia dem Versicherten mitgeteilt, dass sie die Versicherungsleistungen per 2. März 2018 einstelle. Die nachfolgende Behandlung und deren Folgen stünden nicht mehr mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusam
menhang mit den Ereignissen vom 19. und 28. Februar 2018. Am 17. Mai 2018
ersuchte der Versicherte um Erlass einer
einsprachefähigen
Verfügung (Urk. 7/K13
). Mit Verfügung vom 7. Juni 2018 (Urk. 7/K15) hielt die Helvetia an der Einstellung der Versicherungsleistungen fest und führte weiter aus, dass die Beschwerden am rechten oberen Sprunggelenk nicht auf Unfälle/Ereignisse vom 19. und 28. Februar 2018 zurückzuführen seien. Entgegenkommenderweise wür
den jedoch die Kosten bis 1. März 2018 übernommen. Diese Verfügung wurde
auch der Krankenversicherung des Versicherten, der
Assura
, zugestellt (Urk. 7/K16).
Die am 25. Juni 2018 erhobene Einsprache des Versicherten (Urk. 7/K17) wies die Helvetia mit Entsche
id vom 30. Oktober 2018 (Urk. 7/K3
1) ab.
1.5
Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten hiess das Sozialversiche
rungsgericht
mit Urteil vom 26. September 2019 (Prozess Nr. UV.2018.00287; Urk. 7/K42)
in dem Sinne gut, dass der
Einspracheentscheid
vom 30. Oktober 2018 aufgehoben und die Sache an die Helvetia zurückgewiesen wurde, damit sie nach Einholung eines versicherungsunabhängigen Gutachtens neu über ihre Leistungspflicht verfüge.
1.6
In der Folge holte die Helvetia ein Gutachten bei Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein (
Gutachten vom 25. Februar 2020 [
Urk. 6/M11
]
).
Mit Verfügung vom 3. April 2020 (Urk. 7/K64) stellte die Helvetia fest, dass es sich bei den Ereignissen vom 19. und 28. Februar 2018 nicht um Unfälle im Sinne von Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
che
rungsrechts (ATSG)
handle und dass auch keine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
vorliege. Es bestehe keine Leistungspflicht des gesetzlichen Unfallversicherers. Auch diese Verfügung wurde der Krankenkasse des Versicherten zugestellt.
Die mit Eingabe vom 2. Mai 2020 (Urk. 7/K67) vom Versicherten erhobene Ein
sprache wies die Helvetia mit Entscheid vom 31. Juli 2020 (Urk. 2) ab.
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 28. August 2020 (Urk. 1) Beschwerde mit
folgenden
Anträgen:
1.
[Es sei der] Entscheid der Helvetia-Versicherung aufzuheben und diese zur vollumfänglichen Kostenübernahme [...] zu verpflichten.
2.
Die Helvetia-Versicherung [sei] für ihr Verhalten in der Bear
bei
tung dieser Angelegenheit zu rügen [...].
Die Helvetia schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2020 (Urk. 5) auf kosten- und entschädigungsf
ällige Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten mit Verfügung vom 7. Oktober 2020 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art
. 10 Abs. 1 UVG
hat die versicherte Person Anspruch auf die z
weck
mässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheits
zu
stan
des erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Inva
li
denve
rsicherung (IV) noch nicht abge
schlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
con
trario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kö
rper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von
Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e
), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 202).
1.2.3
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vor
wie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur
Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und
Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. Septem
ber 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zu
letzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versi
cherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versicher
t
en Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallversicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beurteilenden Abgren
zungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körper
schädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschät
zungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
–
nachzu
weisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurück
zuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnüt
zung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlas
tungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in Bezug auf die Ereignisse vom 19. und 28. Februar 2018 ihre Leistungspflicht im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) im Wesentlichen damit, dass mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors der Unfallbegriff von Art. 4 ATSG nicht erfüllt sei und dass auch keine unfallähnliche Körperschädigung i
m Sinne von Art. 6 Abs. 2
lit
. g
UVG vorliege, da die diagnostizierte Körperschädigung überwiegend wahrscheinlich auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen sei. Dabei stützte sich die Beschwerde
gegnerin nunmehr im Wesentlichen auf das neu eingeholte Gutachten von Dr.
E._
vom 25. Februar 2020 (Urk. 6/M11).
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Sichtweise fest und ergänzte, dass - entgegen der Auffassung des Beschwerde
führers - keine Rechtsverzögerung vorliege. Das Gutachten von Dr.
E._
sei schlüssig und nachvollziehbar. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit liege eine Krankheit oder eine Abnützung vor. Damit werde a
uch die Auffassung von
Dr.
D._
bestätigt
(Urk. 5).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass ein Unfallgeschehen nicht beweisbar sei. Die Beschwerdegegnerin spreche von einem «überwiegend wahrscheinlichen» Grund: Krankheit oder Abnützung. Auch das Gutachten von Dr.
E._
erbringe den Nachweis einer krankheitsbedingten Ursache nicht. Hierzu bedürfte es der Diagnose einer Krankheit; dies fehle.
Bei der Thematik der Abnutzung beschränke sich Dr.
E._
auf
diverse Merkmale der
Hyperlax
i
zi
tät
. Dies allein sei jedoch kein Beweis einer Abnutzung. Somit sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin weder einen Beweis für eine Erkran
kung noch einen Beweis für eine Abnutzung habe erbringen können (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zu Recht verneint hat, weil beim Beschwerdeführer zwar eine sogenannte Listen
ver
letzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG gegeben ist, aber diese Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Mit anderen Worten ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG leistungs
pflichtig ist oder nicht.
Zu Recht nicht umstritten ist hingegen, dass der Beschwerdeführer weder am
19. noch am 28. Februar 2018 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat
.
3.
Vorweg ist
die vom Beschwerdeführer erhobene Rüge, wonach die Beschwerde
gegnerin in vorliegender Sache eine Rechtsverzögerung zu verantworten habe (vgl. dazu Urk. 1 S. 2 Antrag Ziff. 2),
als offensichtlich unzutreffend zurück
zu
weisen. Anzeichen für eine Rechtsverzögerung sind nicht ersichtlich. Im Gegen
teil behandelte die Beschwerdegegnerin die Einsprache des Beschwerdeführers vom 2. Mai 2020 ohne Verzug; bereits am 31. Juli 2020 - nach knapp drei Mona
ten - wurde der angefochtene
Einspracheentscheid
erlassen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers ist
unbegründet
.
4.
4
.1
Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Radiologie, vom
Institut
Z._
hielt in seinem
Bericht vom 1. März 2018 (Urk. 6
/M3) folgende Beurtei
lung fest:
-
Nicht mehr regulär abzugrenzendes Ligamentum
fibulotalare
anterius
, primär nach alter Bandruptur. Hier ist von einer funktionellen Insuffi
zienz auszugehen.
-
Narbige Verdickung des
kalkaneofibularen
Ligamentes nach alter Ver
letzung auf umschriebene
Reruptur
angrenzend an die
kalkaneare
Insertion.
-
Fragliche alte Ruptur auch
des Ligamentum
zervikale im Rahmen der rezidivierenden Distorsionstraumen.
-
Keine abgrenzbare Ruptur der
Peronealsehnen
bei leichtem
peritendi
nösem
Enhancement
submalleolar
.
-
Intakte
Syndesmose
, keine
osteochondrale
Pathologie im Bereich der OSG, intakte mediale Randstrukturen.
-
Im Vergleich zu einer Voruntersuchung vom 17.08.2011 ist der
kurz
streckige
Riss des Ligamentum
calcaneofibulare
neu aufgetreten, sonst unveränderter Untersuchungsbefund.
-
Bei offenbar chronischer Instabilität wäre gegebenenfalls auch eine operative Rekonstruktion zu erwägen.
4
.2
Dr.
C._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 28.
Mai 2018
(Urk. 6
/M5
)
rezi
divierende Distorsionstraumen im oberen Sprunggelenk rechts (seit der Jugend). Beim Beschwerdeführer werde anamnestisch über eine seit der Jugend bestehende chronische Instabilität im Bereich des rechten oberen Sprunggelenks berichtet. Das Ereignis, wie vom Beschwerdeführer beschrieben, sei auch nicht geeignet, zusätzliche namhafte frische Verletzungen zu verursachen. Der im MRI 2018 festgestellte
kurzstreckige
Riss des Ligamentums
calcaneofibulare
, der sicher als neu zu betrachten sei, sei nicht geeignet gewesen, den vorbestehenden ausge
sprochenen Zustand mit der chronischen Instabilität zusätzlich namhaft zu ver
schlechtern. Bei Bejahung der Unfallkriterien könnte deshalb nur eine Teilun
fallkausalität bejaht werden mit Erreichen des Status quo sine innerhalb von drei Wochen. Der Unfall sei als «austauschbarer Zufallsanlass» zu betrachten.
4
.3
Dr.
A._
vertrat in seinem Bericht vom 22. Juni 2018
(Urk. 6
/M6) die Ansicht, dass die Ablehnung der Unfallversicherung nicht gerechtfertigt sei. Zwar
seien beim Beschwerdeführer eine
Hyperlaxität
und frühere Distorsionen be
kannt
. Diese
hätten
aber nie zu anhaltenden Beschwerden
geführt
und seien auch zum Beispiel anlässlich der Kontrolle im
G._
2011 kein Thema gewesen. Das Schlüsselereignis sei die Distorsion im Kino mit klassischem
Supinationsmecha
nismus
. Als Folge sei mindestens die Läsion des Ligamentum
fibulocalcaneare
frisch und die nachfolgende Instabilität erst jetzt subjektiv manifest und klinisch eindrücklich objektivierbar. Es bestehe zwar ein (krankhafter) Vorzustand, aber auch ein klares richtungsweisendes Unfallereignis und eine Instabilität, die nicht zu einem sine qua non geführt hätte.
4
.4
Dr.
D._
äusserte sich am 11. Se
ptember 2018 dahingehend (Urk. 6
/M10), dass aufgrund der zahlreichen degenerativen Befunde angenommen werden könne, dass auch der
kurzstreckige
Riss des Ligamentum
fibulocalcaneare
degenerativer Natur sei. Dieses Ligament zeige eine narbige Verdickung, die eine monatelange Genese brauche.
4.5
Dr.
E._
stellte in seinem Gutachten vom 25. Februar 2020 (Urk. 6/M11) folgende Diagnosen
(S. 6)
:
-
Allgemeine
Bandlaxizität
mit
-
chronischer OSG-Instabilität
beidseits mit rezidivierenden OSG-
Supinationstraumen
seit der Jugend
-
Status nach OSG Bandplastik rechts mit lateraler Bandre
kon
struktion mittel
s
Grazilis-Allograft
und direkter Naht des
resi
du
ellen
Bandmaterials LTFA/LFC sowie Resektion eines
subfibu
lären
Ossikels
07.05.2018
-
beschwerdefrei
-
Status nach Schulterluxation rechts 08/2012 und
subluxation
01/2017
-
beschwerdefrei
-
Chon
d
ropathie
mit
Chondromalazie
Grad III-IV Knie beidseits
-
Status nach
arthroskopischem
Shaving
rechts 09/2004 und 02/2006
-
beschwerdefrei
-
Status nach Nasen-OP (Sinusitis/Nasenbeinfraktur) vor 20 Jahren
-
beschwerdefrei
Dr.
E._
führte aus, der Beschwerdeführer habe über erste
OSG-Supina
tions
traumen
beidseits mit Beginn in der Pubertät berichtet («damals monatlich mit jeweils konservativer Behandlung»). Ab Mitte 20 sei es zu einem deutlichen Rückgang der Häufigkeit eigentlicher
Supinationstraumen
gekommen; es habe jedoch beidseits eine Instabilität beim Laufen auf unebener Unterlage persistiert, wobei das rechte Sprunggelenk im Vordergrund gestanden habe (S. 3).
Anlässlich der klinischen Untersuchung hätten sich Stigmata für eine allg
e
meine
Band
laxizität
gefunden: vordere Schulterinstabilität beidseits; Status nach Schulter
luxation und Subluxation rechts; Überstreckbarkeit der Ellbogengelenke beid
seits; erhebliche radiokarpale Instabilität beidseits; massive Überstreckbarkeit der Daumen beidseits; erhebliche Genua
recurvata
beidseits; OSG
/USG-Instabilität links; Senkspreizfuss (S. 4). Im MRI vom 1. März 2018
fänden
sich bis auf eine kleine Rissbildung im verdickten, narbig veränderten Ligamentum
fibulo-calca
neare
, deren Genese nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als frisch unfallkausal angesehen werden könne, lediglich vorbestehende anlagebedingte beziehungsweise degenerative oder auf frühere Ereignisse zurückzuführende Ver
änderungen (S. 4 f.). Im Operationsbericht vom 16. Mai 2018 werde beschrieben, dass eine komplette Glatze der Fibula bestehe sowie ein
Ossikel
von 2 x 3 mm der
Fibulaspitze
anhaftend und mit einer weichen
Pseudarthosezone
. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Ausbildung einer derartigen Knochenglatze, die zurückzuführen sei auf den vollständigen knöcher
nen Ausriss
des Ligamentum
fibulo-calcaneare
an der Spitze des Knöchels, nicht im Rahmen der inkriminierten Ereignisse
vom Februar 2018
habe stattfinden können.
Damit es zu einem Bandabriss mit Ausriss eines knöchernen Elementes (
Ossikel
) kommen könne, seien höhere Gewalteinwirkungen zu fordern als nur ein blosses Umknicken auf ebener Unterlage. Hierfür seien schwere Distorsions
mechanismen wie beispielsweise das Treten in ein tiefes Loch, das Treten und Abknicken über einen Gegenstand, das Verpassen einer Treppenstufe oder andere grössere Gewalteinwirkungen von aussen erforderlich (S. 5). In der Zusammen
schau aller Erwägungen müsse daher überwiegend wahrscheinlich davon ausge
gangen werden, dass die Gesundheitsbeeinträchtigungen vorwiegend auf die Folgen der anlagebedingten allgemeinen
Bandlaxizität
mit dadurch bedingter Instabilität der Sprunggelenke zurückzuführen sei. Die beiden Ereignisse vom Februar 2018 (reines Umknicken im rechten Sprunggelenk auf ebener Unterlage ohne äussere Gewalteinwirkung) seien aufgrund fehlender, im MRI oder intra
operativ objektivierbarer frischer traumatischer Veränderungen nicht geeignet, den nachgewiesenen, erheblichen, vorbestehenden, anlagebedingten und degene
rativen Vorzustand zu verschlimmern (S. 5 f.).
5.
5.1
Wie das hiesige Gericht bereits in seinem Rückweisungsentscheid vom 26. Septem
ber 2019 (Prozess Nr. UV.2018.00287 [Urk. 7/K42]) festgehalten hat, steht ausser Frage, dass beim Beschwerdeführer erhebliche Gesundheitsbeein
trächtigungen am rechten oberen Sprunggelenk vorhanden sind, die unter Art. 6 Abs. 2
lit
. g UVG (Ba
ndläsionen) zu subsumieren sind. Die Rückweisung an die Beschwerde
gegnerin war erforderlich, weil gestützt auf die damalige medizinische Aktenlage die Frage, ob diese Körperschädigungen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG «vor
wiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen» seien, nicht beant
wortet werden konnte
(E. 4.1 und 4.2 des genannten Urteils)
.
Wie bereits ausgeführt wurde, hat die Beschwerdegegnerin in der Zwischenzeit in Nachachtung des genannten Urteils bei Dr.
E._
ein Gutachten eingeholt (vgl. Urk. 6/M11). Zu prüfen bleibt, ob die verbesserte medizinische Aktenlage nunmehr einen Entscheid in der Sache zulässt.
5.2
Das Gutachten von Dr.
E._
vom 25. Februar 2020 (Urk. 6/M11)
erfüllt sämtliche (oben in E. 1.3 wiedergegebene) Anforderungen der höchstrichterlichen Praxis. Es ist umfassend
,
beruht
auf a
llseitigen Untersuchungen und berücksichtigt so
wohl
die geklagten Beschwerden
als auch die
Vorakten
(Anamnese)
. Das Gutach
ten
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein. Die Schlussfolgerungen von Dr.
E._
sind einleuchtend begründet und nachvollziehbar. Dem Gutachten von Dr.
E._
kommt voller Beweiswert zu; darauf ist
abzustellen.
5.3
Bereits im Rückweisungs
entscheid vom
26. September 2019 (Urk. 7/K42)
erwog das Sozialversicherungsgericht (E. 4.3), dass gestützt auf die damalige medizi
nische Aktenlage gewisse
(allein aber aus beweismässiger Sicht nicht aus
rei
chen
de)
Anhaltspunkte
dafür bestanden hätten, dass die streitgegenständlichen Ge
sundheitsbeeinträchtigungen vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurück
zuführen seien. Diese
ernsten
Anhaltspunkte sind nunmehr durch das stringente Gutachten von Dr.
E._
bestätigt worden. Der Gutachter begründet nachvoll
ziehbar und schlüssig, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus
zugehen sei, dass die Gesundheitsbeeinträchtigungen vorwiegend Folgen der anlagebedingten allgemeinen
Bandlaxizität
und der dadurch bedingten Instabili
tät der Sprunggelenke seien
(vgl. oben E. 4.5).
Gemäss Dr.
E._
sprechen erstens die anamnestischen Erhebungen, zweitens seine klinischen Untersuchungen und drittens auch die bildgebenden Verfahren dafür. Eindrücklich erweisen sich dabei
insbesondere die von Dr.
E._
im Rahmen der Untersuchung erhob
enen klini
sc
hen
Befunde, die
zwingend auf
eine erhebliche allgemeine
B
andlaxizität
schliessen lassen.
Soweit der Beschwerdeführer rügte, dass Dr.
E._
beziehungsweise die Beschwer
degegnerin keine konkrete Krankheit genannt hätten, auf die die streitgegen
ständlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen zurückzuführen seien, ist
ihm entge
genzuhalten, dass der von
Dr.
E._
diagnostizierte
n
allgemeine
n
Bandlaxizität
mit chronischer OSG-Instabilität (Urk. 6/M
11 S. 6)
durchaus Krankheitswert zu
kommt. Gestützt auf das Gutachten von Dr.
E._
hat die Beschwerdegegnerin den Gegenbeweis von Art. 6 Abs. 2 UVG erbracht: Die streitgegenständlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen sind mit (weit) überwiegender Wahrscheinlich
keit
vorwiegend
auf die vorbestehende allgemeine
Bandlaxizität
zurückzuführen.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde kosten- und entschädigungslos
(vgl. Art. 61
lit
. g ATSG e
contrario
)
abzuweisen ist
.