Decision ID: 1ec79724-275e-57f9-bb3f-b175b3f5c85c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 16. August 2015 in der Schweiz um Asyl
nach.
A.a Am 21. August 2015 wurde er im damaligen Empfangs- und Verfah-
renszentrum B._ zu seiner Person, dem Reiseweg und summarisch
zu den Gesuchsgründen befragt (BzP). Er gab an, er sei sudanesischer
Staatsangehöriger, ethnischer Masalit und stamme aus C._ in
West-Darfur. Er sei nie politisch aktiv gewesen. Nachdem regierungstreue
Milizen in West-Darfur eingefallen seien und sein Vater bei einem Angriff
auf ihr Dorf am (...) 2003 getötet worden sei, sei er zunächst nach
D._ geflüchtet. Am 20. September 2003 habe er den Sudan dann
illegal in Richtung Tschad verlassen. Dort sei er als Flüchtling anerkannt
worden. Nachdem die Versorgung in den Flüchtlingslagern immer schlech-
ter geworden sei, habe er den Tschad im Jahr 2014 verlassen und sei über
Libyen und Italien am 16. August 2015 in die Schweiz gelangt. Seine Mut-
ter sei weiterhin im Tschad. Er könne nicht in den Sudan zurück, da sein
Dorf niedergebrannt worden sei und er Angst vor den Milizen habe. Ange-
sichts der schlechten Versorgungslage wolle er auch nicht wieder in den
Tschad. Ebenso wenig möchte er nach Italien zurück; er sei dort nicht re-
gistriert worden. Gesundheitlich gehe es ihm gut, aber Narben von Verlet-
zungen, die ihm Milizionäre zugefügt hätten, würden ihm Schmerzen be-
reiten. Im Jahr 2010 sei ihm in E._ ein Nationalitätenausweis aus-
gestellt worden.
A.b Mit Schreiben vom 18. November 2015 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, dass das Dublin-Verfahren beendet sei und sein Asylgesuch
in der Schweiz geprüft werde.
A.c Am 11. September 2017 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu
seinen Asylgründen angehört. Er brachte im Wesentlichen vor, sein Ge-
burtsort C._ gehöre zur Stadt D._, die in der Gemeinde
F._ im Bundesstaat West-Darfur (...) liege. Er habe in D._
die Schule bis zur achten Klasse besucht. Seine Familie habe Landwirt-
schaft betrieben. Er habe den Sudan wegen des in Darfur ausgebrochenen
Kriegs verlassen. Die Regierung habe arabischstämmige Milizen mit Waf-
fen ausgestattet, damit diese die nichtarabischstämmigen Bewohner Dar-
furs hätten angreifen können. Alle Dörfer um E._ herum seien in
Brand gesteckt worden. Am (...) 2003 hätten Milizen auch C._ an-
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gegriffen und seinen Vater, der auf dem Rückweg von einem Moscheebe-
such gewesen sei, vor ihrem Haus erschossen. Seine Mutter sei nach den
Schüssen mit seinem jüngeren Bruder durch die Hintertür aus dem Haus
geflohen. Er sei hingegen zu seinem im Sterben liegenden Vater gerannt
und habe diesen in die Arme genommen, worauf ein Milizionär auch ihn
habe erschiessen wollen. Nachdem dessen Chef gesagt habe, sie sollten
die Munition sparen und ihn stattdessen zu Tode prügeln, hätten die Milizi-
onäre auf ihn eingeschlagen und ihn mit einer Art Peitsche aus Metall ge-
stochen bis er überall geblutet habe. Als ein Milizionär seinem verstorbe-
nen Vater einen Zahn habe herausnehmen wollen, habe er protestiert, wo-
rauf ihm ein Bein gebrochen worden sei. Schliesslich hätten die Milizen von
ihm abgelassen und ihn liegen lassen; sie hätten wohl gedacht, dass er tot
sei. Er sei jedoch nur bewusstlos gewesen. Bei dem besagten Angriff seien
acht Dorfbewohner getötet worden. Nachdem seine Mutter und andere
Dorfbewohner abends aus ihrem Versteck zum Haus zurückgekehrt seien,
hätten sie den Vater begraben und ihn (den Beschwerdeführer) dann auf
einem Esel – Autos habe es im Dorf keine gegeben – nach D._
gebracht. Er sei damals sehr krank gewesen, aber vor Ort habe es keine
Ärzte gegeben, da alle vor dem Krieg geflüchtet seien. Nach einem etwa
einmonatigen Aufenthalt in D._ sei auch diese Stadt angegriffen
worden, worauf er mit seinen Angehörigen am 20. September 2003 in den
Tschad geflohen und seither nie mehr in den Sudan zurückgekehrt sei. Als
im Flüchtlingslager im Tschad eine Schule eröffnet worden sei und er diese
habe besuchen wollen, habe er eine Bestätigung seiner sudanesischen
Staatsangehörigkeit vorlegen müssen. Da sein Nationalitätenausweis
2003 verbrannt sei, habe er den Sohn seines Onkels väterlicherseits, der
in einem Flüchtlingslager in E._ gewesen sei, im Jahr 2010 um die
Besorgung eines Ersatzdokuments gebeten. Er habe dem Cousin per
WhatsApp ein Foto von sich geschickt und dieser habe dann das vorge-
legte Dokument in E._ für ihn ausstellen lassen. Seine Mutter, Ge-
schwister und Halbgeschwister – sein Vater sei mit drei Frauen verheiratet
gewesen – befänden sich weiterhin im Flüchtlingslager im Tschad. Er
könne nicht nach Darfur zurück, da die Milizen dort alles übernommen hät-
ten und er sich als nichtarabischstämmiger Masalit weiterhin vor diesen
fürchten müsse. Erst in der Schweiz sei er richtig behandelt worden. Dank
Medikamenten, die ihm ein Psychiater verschrieben habe, gehe es ihm nun
besser. Auch habe er wegen (...) (...) erhalten.
A.d Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die einge-
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reichten Beweismittel (UNHCR-Flüchtlingsausweis [Kopie], Nationalitäten-
ausweis [Kopie], Arztzeugnisse aus den Jahren 2016 und 2017) verwiesen
(vgl. vorinstanzliche Akten A6, A20 und A21).
B.
B.a Mit Verfügung vom 6. Dezember 2017 (eröffnet am 8. Dezember 2017)
stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung als un-
zumutbar erachtete und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers
verfügte.
B.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) und jenen an die Flüchtlingseigenschaft
gemäss Art. 3 AsylG nicht zu genügen. Dem Beschwerdeführer sei es nicht
gelungen, die geltend gemachten Misshandlungen durch Milizen glaubhaft
zu machen. Seine Schilderungen seien widersprüchlich und zu wenig kon-
kret. Zudem habe er bei der BzP seine Anwesenheit beim Tod des Vaters
nicht erwähnt respektive die Misshandlungen durch Milizionäre nicht in Zu-
sammenhang mit dem Tod des Vaters gebracht. Es bleibe fraglich, ob das
Dorf des Beschwerdeführers überhaupt angegriffen worden sei. In Darfur
herrsche seit 2003 ein verheerender Konflikt zwischen verschiedenen
Volksgruppen. Darfuri würden aber keiner Kollektivverfolgung aufgrund ih-
rer Ethnie unterliegen. Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Eth-
nie der Masalit allein genüge daher nicht für die Begründung der Flücht-
lingseigenschaft.
Für die detaillierten Ausführungen wird auf die angefochtene Verfügung
verwiesen.
C.
C.a Mit Eingabe vom 8. Januar 2018 erhob der Beschwerdeführer durch
den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Er ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und
um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des
Asyls, eventualiter um Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz. Zudem ersuchte er – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhän-
gigkeitsbestätigung vom 4. Januar 2018 – um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
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C.b Zur Begründung brachte er, nach zusammenfassender Darstellung
seiner Fluchtgründe, im Wesentlichen vor, Janjaweed hätten im Zug des
Darfur-Konflikts ethnische Säuberungen an der nichtarabischen Bevölke-
rung vorgenommen. Bei dem Angriff auf sein Dorf anfangs (...) 2003 seien
zahlreiche Bewohner getötet und misshandelt worden. Sein Vater sei von
den Angreifern erschossen worden und auf ihn hätten die Milizionäre ein-
getreten, ihn mit den Gewehren geschlagen und mit einer Art spitzer Me-
tallstangen verletzt. Der zertrümmerte Beinknochen und die Stichwunden
seien bis heute gut sichtbar. Hierzulande habe er zwei Freunde, ebenfalls
Masalit aus Darfur, wiedergetroffen; diese seien als Flüchtlinge anerkannt
worden. Die körperlichen und seelischen Folgen der Misshandlungen habe
er nun erstmals behandeln lassen können. Es seien folgende Diagnosen
gestellt worden (vgl. Berichte der (...) vom 17. Mai 2016, der Hausärztin
vom 15./22. September 2017, der (...) vom 21. September 2017 und 2. De-
zember 2017 sowie der (...) vom 5. September 2017): (...), posttraumati-
sche Belastungsstörung (PTBS) mit mittelgradiger depressiver Episode. Er
habe bei beiden Befragungen auf seine Verletzungen hingewiesen und die
Narben am (...) bei der Anhörung gezeigt (vgl. A20 F86). Seine Herkunft
aus West-Darfur und die Zugehörigkeit zur Ethnie der Masalit würden vom
SEM nicht bestritten. Hingegen erachte es seine Angaben zum Angriff auf
das Heimatdorf als widersprüchlich. Er habe jedoch bei beiden Befragun-
gen übereinstimmend ausgesagt, dass arabische Milizen sein Dorf ange-
griffen hätten und sein Vater dabei zu Hause getötet worden sei. Dass er
den vorherigen Besuch des Vaters in der Moschee erst bei der Anhörung
erwähnt habe, stelle keinen Widerspruch dar, sei er doch in der knappen
BzP angehalten worden, sich kurz zu fassen. Entgegen der Ansicht des
SEM habe er auch nicht behauptet, sein Vater sei von der Moschee ge-
flüchtet; der Vater sei von der Moschee nach Hause gerannt, um seine Fa-
milie dort zu schützen, als er das Geräusch von Waffen vernommen habe.
Nachdem die Ereignisse im Zeitpunkt der Befragungen bereits zwölf res-
pektive vierzehn Jahre zurückgelegen hätten, könne es auch nicht als er-
heblich bezeichnet werden, dass er bei der BzP den (...) 2003 und bei der
Anhörung den (...) 2003 als Angriffstag genannt habe. Das SEM wider-
spreche sich selbst, wenn es ihm einerseits vorhalte, die Misshandlungen
durch die Milizen bei der BzP nicht erwähnt zu haben, und andererseits
vorwerfe, die – eben doch erwähnten – Misshandlungen damals nicht in
einen Zusammenhang mit dem Tod des Vaters gebracht zu haben. Er habe
in der BzP gesagt, dass er schmerzhafte Narben von Verletzungen habe,
die ihm die Milizen zugefügt hätten. Nachfragen hierzu seien ihm damals
nicht gestellt worden. Er habe bei der BzP alle wesentlichen Verfolgungs-
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elemente vorgebracht (Angriff auf sein Heimatdorf, durch Milizen herbeige-
führter Tod des Vaters, eigene Verletzungen durch Milizen, Flucht der Fa-
milie), und – wie es dem üblichen Ablauf des Asylverfahrens entspreche –
die genaueren Zusammenhänge in der Anhörung erläutert. Im Übrigen er-
scheine der Zusammenhang zwischen dem Tod des Vaters und seinen
ebenfalls von Milizen verursachten Verletzungen offenkundig. Die Aussage
des SEM, er habe in der BzP mehrmals Gelegenheit gehabt, über seine
Asylgründe zu sprechen, werde durch das Befragungsprotokoll nicht ge-
stützt. Vielmehr sei er damals ausdrücklich aufgefordert worden, nicht ins
Detail zu gehen, und es sei ihm lediglich eine Folgefrage zur Tötung des
Vaters gestellt worden, die er schlüssig beantwortet habe. Dass zur Frage
"Sind das alle Gründe, warum Sie Ihren Heimatstaat verlassen habe?"
keine Antwort protokolliert worden sei, deute ebenfalls auf eine selbst für
eine BzP ungewöhnlich knappe Behandlung der Asylgründe hin. Im Rah-
men der Anhörung habe er die damals bereits vierzehn Jahre zurücklie-
genden Ereignisse konsistent und detailliert geschildert und durch das Vor-
zeigen der Narben den physischen Nachweis der Misshandlungen er-
bracht. Die von ihm in direkter Rede wiedergegebenen Aussagen des Mili-
zenführers und der flüchtenden Mutter ("([...], renne mit!"), die Nennung
auch ungewöhnlicher Details wie die Absicht der Milizen, dem Vater einen
Zahn herauszunehmen, seine emotionale Aufwühlung bei der Schilderung
der Ereignisse und die vergleichende Beschreibung des Instruments, mit
dem er verletzt worden sei (eine Art spitzer Metallstab, vergleichbar mit
einem Metallkabel oder einer Metallpeitsche), seien als Realkennzeichen
zu werten. Die Berichte von drei Fachärzten (Orthopädie, Dermatologie,
Psychiatrie) und der Hausärztin würden unabhängig voneinander zum Aus-
druck bringen, dass seine Aussagen mit den Diagnosen schlüssig zusam-
menpassen würden. Gemäss BVGE 2013/21 hätten die in Darfur weiterhin
ausgetragenen Konflikte nicht mehr klar ethnischen Charakter und eine
Kollektivverfolgung nichtarabischer Ethnien sei nun zwar zu verneinen,
aber es herrsche dort weiterhin eine Situation allgemeiner Gewalt und die
Gefährdung bei Zugehörigkeit zu einer nichtarabischen Ethnie sei im Ein-
zelfall anhand aller Umstände zu prüfen. Er sei aus ethnischen Gründen
Opfer von Gewalt geworden und die in Darfur für Angehörige nichtarabi-
scher Ethnien herrschende Situation sei nach wie vor so, dass für ihn von
einer begründeten Furcht vor dem Erleiden (erneuter) asylrelevanter Nach-
teile im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen sei. Da das SEM den Wegwei-
sungsvollzug als unzumutbar erklärt habe, komme für ihn eine Fluchtalter-
native nicht in Frage. Das SEM habe die eingereichten Arztberichte zwar
im Beweismittelverzeichnis aufgenommen und somit offensichtlich zur
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Kenntnis genommen, es aber unterlassen, bei der Prüfung der Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen auf diese einzugehen. Damit habe es seine Be-
gründungspflicht und damit das rechtliche Gehör verletzt. Sollte die Ge-
hörsverletzung auf Beschwerdeebene nicht geheilt werden können, sei die
Sache – im Sinne des Eventualantrags – zur Neubeurteilung an das SEM
zurückzuweisen.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel ein: Fotografien, die
seine Familie im Flüchtlingslager im Tschad zeigen würden, eine Aufnahme
von ihm und seiner Familie in dem besagten Lager, die vom 8. April 2011
datiere, einen Bericht der (...) vom 2. Dezember 2017 und eine Fotografie
seines Oberkörpers, auf der Narben beziehungsweise Keloide zu sehen
seien.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 9. Januar 2018 den Eingang
der Beschwerde.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 15. Januar 2018 wurden die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer wurde der rubrizierte
Rechtsvertreter als unentgeltlicher Rechtsbeistand beigeordnet.
F.
Mit Eingabe vom 5. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer einen ärzt-
lichen Bericht vom 30. Januar 2018 über den Verlauf der ambulanten psy-
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu den Akten.
G.
Am 13. Februar 2020 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung zur Beschwerde ein. Auf entsprechendes Ersuchen des SEM
hin erstreckte sie die Einreichungsfrist in der Folge bis zum 18. März 2018.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 18. März 2020 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Hinsichtlich des Verweises auf zwei Bekannte,
denen die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei, führe der Be-
schwerdeführer nicht aus, inwiefern es sich dabei um ähnlich gelagerte
Fälle handeln könnte. Das SEM sei nach Durchsicht der besagten Fälle zur
Ansicht gelangt, dass sich diese inhaltlich und auch vom Gesichtspunkt der
Glaubhaftigkeit her vom vorliegenden Fall erheblich unterscheiden würden.
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Die Eingaben zu den körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers seien zur Kenntnis genommen worden und insbe-
sondere in die Verfügung der vorläufigen Aufnahme miteingeflossen. Die
medizinischen Unterlagen vermöchten aber nicht schlüssig aufzuzeigen,
wie vom aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers auf die be-
reits länger zurückliegende Fluchtgeschichte geschlossen werden könnte.
Die Angaben, die von ärztlicher Seite her dazu gemacht würden, würden
vielmehr einer Vermischung von aussagebasierter Anamnese und medizi-
nischer Diagnose zu entspringen erscheinen, und daher vor dem Hinter-
grund der im Asylentscheid angeführten Unglaubhaftigkeitselemente in
den Aussagen des Beschwerdeführers wenig verlässlich wirken.
I.
Die Instruktionsrichterin stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlas-
sung am 1. Mai 2020 zu und räumte ihm Gelegenheit ein, bis zum 18. Mai
2020 eine Replik einzureichen.
J.
In seiner Replik vom 18. Mai 2020 entgegnete der Beschwerdeführer im
Wesentlichen, er habe die Freunde aus Darfur erwähnt, weil deren Ent-
scheide (Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft) darauf hindeuten wür-
den, dass Darfuri nichtarabischer Ethnie die Flüchtlingseigenschaft erfüllen
könnten, wenn eine gewisse persönliche Exponiertheit hinzukomme. Dies
sei bei ihm der Fall. Ob aus vergleichbaren Gründen wie bei den besagten
Freunden könne er nicht beurteilen und habe er auch nicht geltend ge-
macht. Er habe denn auch nicht den Beizug dieser Dossiers beantragt. Zu
den Arztberichten hätte das SEM in seiner Verfügung Stellung nehmen res-
pektive zumindest dartun müssen, weshalb es diesen keinen Stellenwert
bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen beimesse. In der
Vernehmlassung habe das SEM dies nun nachgeholt. Die Arztberichte
würden aufzeigen, dass er an (...) und (...) schwere Verletzungen erlitten
habe, an (...) und (...) Male von Stichwunden respektive von Verletzungen
durch Metallteile aufweise, sowie an einer PTBS und mittelgradiger, de-
pressiver Episode leide. Zwar treffe es zu, dass sich Ausführungen in Arzt-
berichten zur Glaubwürdigkeit eines Patienten im Wesentlichen auf dessen
Aussagen stützen würden und daher in diesem Punkt in der Regel nur ge-
ringen Beweiswert hätten. Vorliegend sei aber zu beachten, dass vier ver-
schiedene medizinische Institutionen unabhängig voneinander zu unter-
schiedlichen Aspekten seines Gesundheitsbilds Ausführungen gemacht
hätten, und alle die Plausibilität seiner Erzählungen bestätigen würden. Die
betreffenden Aussagen der Ärzte zur Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen
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seien mit engem Bezug zu den medizinischen Diagnosen und ohne Über-
treibungen verfasst. Es handle sich somit nicht nur um Vermutungen oder
Gefälligkeitsaussagen.
Der Rechtsvertreter reichte mit der Replik seine Kostennote ein.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
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3.1 Vorab ist die verfahrensrechtliche Rüge des Beschwerdeführers, das
SEM habe die Begründungspflicht und damit sein rechtliches Gehör ver-
letzt, indem es die eingereichten Arztberichte in der angefochtenen Verfü-
gung nicht erwähnt habe, zu prüfen.
3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung der Verfügung muss so ab-
gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überle-
gungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die
Vorinstanz bei der Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich aus-
drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen
(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
3.3 Hinsichtlich der besagten Rüge des Beschwerdeführers ist festzustel-
len, dass das SEM die Arztberichte entgegengenommen hat, wie die ent-
sprechende Auflistung im Beweismittelverzeichnis zeigt (vgl. A21). In der
angefochtenen Verfügung finden sie indes keine (explizite) Erwähnung. Im
Rahmen der Vernehmlassung vom 18. März 2020 erklärte das SEM hierzu,
es habe die Arztberichte zur Kenntnis genommen und diese seien insbe-
sondere in die Einschätzung der Frage der Durchführbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs eingeflossen. Weiter kommentiert habe es die Aussagen in
den medizinischen Unterlagen in der Verfügung nicht, da diese seines Er-
achtens nicht geeignet seien, die Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers
zu belegen. Weshalb das SEM dieser Auffassung ist, hat es in der Ver-
nehmlassung vom 18. März 2020 dargelegt. Eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht liegt damit nicht (mehr) vor und der Beschwerdeführer hatte
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Seite 11
im Rahmen des Schriftenwechsels die Möglichkeit, zu den besagten Aus-
führungen des SEM Stellung zu nehmen, so dass, wenn überhaupt, keine
zu einer Kassation führende Gehörsverletzung (mehr) gegeben ist. Ob der
Einschätzung des SEM zuzustimmen ist, ist nunmehr Gegenstand des Be-
schwerdeverfahrens.
3.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. Der Antrag auf Rückwei-
sung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung wegen formeller Mängel ist da-
her abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-
geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu
dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-
zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4
E. 5.4), wobei erlittene Verfolgung im oder im Zeitpunkt der Ausreise be-
standene begründete Furcht vor Verfolgung auf eine andauernde Gefähr-
dung hinweisen können. Veränderungen der objektiven Situation im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu-
gunsten und zulasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl.
BVGE 2010/57 E. 2.6, 2008/34 E. 7.1 und 2008/12 E. 5.2.).
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Seite 12
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Eingangs ist festzuhalten, dass nur im Heimatstaat erlittene oder zu
befürchtende Verfolgungsmassnahmen asylrechtliche Relevanz zu entfal-
ten vermögen. Auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Schwierig-
keiten im Flüchtlingslager im Tschad ist daher nicht näher einzugehen.
5.2 Das SEM erachtete die fluchtauslösenden Vorbringen des Beschwer-
deführers, wonach Janjaweed anfangs (...) 2003 sein Heimatdorf in West-
Darfur angegriffen und seinen Vater getötet hätten und er selber dabei von
Milizionären schwer verletzt worden sei, als nicht glaubhaft. Dieser Ein-
schätzung kann aufgrund der nachfolgenden Ausführungen nicht gefolgt
werden.
5.2.1 Das Gericht gelangt zum Schluss, dass aufgrund der Aktenlage mit
genügender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer im Zuge des Darfur-Konflikts Misshandlungen seitens ara-
bischer Milizen erlitten hat. Mittels Arztberichten ist belegt, dass er Narben
länger zurückliegender Stichverletzungen am (...) und einen schlecht ver-
heilten Beinbruch aufweist, und die vom SEM geäusserten Zweifel an den
Schilderungen des Beschwerdeführers zur Entstehung der besagten Ver-
letzungen scheinen nicht überwiegend berechtigt. So ist der vom SEM an-
geführte Widerspruch bezüglich der leicht abweichenden Datierung des
Angriffs auf das heimatliche Dorf und den Beschwerdeführer (BzP: [...]
2003; Anhörung: [...] 2003) unter Berücksichtigung der zeitlichen Distanz
zwischen dem Ereignis und den Befragungen (zwölf respektive vierzehn
Jahre) als nicht derart gravierend zu erachten, als dass von der gänzlichen
Unglaubhaftigkeit des Vorbringens auszugehen wäre. Auch trifft die Rüge
des SEM, der Beschwerdeführer habe bei der BzP nicht erwähnt, selbst
von Milizen misshandelt worden zu sein, nicht zu. Der Beschwerdeführer
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Seite 13
hat damals auf das Bestehen von Narben hingewiesen und ausdrücklich
gesagt, dass diese von Verletzungen stammen würden, die ihm Milizen zu-
gefügt hätten (vgl. A6 S. 8). Das SEM hat selbst vermerkt, dass die BzP in
stark verkürzter Form durchgeführt worden sei, und der Beschwerdeführer
aufgefordert worden sei, sich kurz zu fassen und nur das Wichtigste zu
erwähnen (vgl. A8). Die Ausführungen des Beschwerdeführers im Rahmen
der einlässlichen Anhörung vom 11. September 2017 zum Tod des Vaters
und den in der Folge erlittenen Misshandlungen durch Milizionäre sind als
genügend detailliert zu erachten. Die von ihm geschilderten Verletzungen
stehen in Einklang mit den ärztlich festgestellten physischen Beeinträchti-
gungen (vgl. die aktenkundigen Arztberichte [{...}). Die Arztberichte zu den
physischen und psychischen Leiden des Beschwerdeführers können die
vorgebrachte Verfolgungssituation zwar nicht belegen, da die Diagnosen
per se keine Rückschlüsse auf die konkreten Umstände des Zustandekom-
mens der Verletzungen und die der PTBS zugrundeliegende spezifische
Ursache der Traumatisierung zulassen. Die Arztberichte können aber auf-
grund des Gesagten als Hinweise für die Richtigkeit der Schilderungen des
Beschwerdeführers dienen. Insgesamt betrachtet vermögen die Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers zu den fluchtauslösenden Ereignissen
durchaus in einem für die Glaubhaftigkeit genügenden Mass zu überzeu-
gen. Es ist somit glaubhaft, dass der Beschwerdeführer im Sudan im Jahr
2003 Verfolgung ausgesetzt war.
5.2.2 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Übergriffe durch Jan-
jaweed-Milizen fielen in die Anfangsphase des Darfur-Konflikts, in der die
von der Regierung unterstützten arabischen Milizen (Janjaweed) gewalt-
sam gegen nichtarabische Gruppierungen vorgingen. Die überwiegende
Mehrheit der von den Janjaweed ausgehenden Übergriffe richtete sich ge-
gen die nichtarabischen Gruppen der Fur, Zaghawa und Masalit, denen der
Beschwerdeführer angehört (vgl. BVGE 2013/21 E. 9.3.3). Das Bundes-
verwaltungsgericht ging bezüglich dieser Übergriffe von asylrechtlich rele-
vanter Intensität aus. Ausserdem erfolgten die Angriffe aus asylrechtlich
relevanten Motiven, weshalb in der publizierten Praxis von einer Kollektiv-
verfolgung der Minderheitengruppen in der besagten Phase des Darfur-
Konflikts ausgegangen wurde. Durch die Angriffe der Janjaweed-Milizen
verloren damals zahlreiche Angehörige nichtarabischer Ethnien in Darfur
ihr Leben oder wurden in ihrer physischen Integrität verletzt. Der Be-
schwerdeführer hat solche Verfolgung am eigenen Leib erlebt und zudem
miterleben müssen, wie sein Vater getötet wurde. Den aktenkundigen Arzt-
berichten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer an physischen
Beeinträchtigungen und psychischen Problemen leidet, die von den Ärzten
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mit den beschriebenen Gewalterfahrungen in Verbindung gebracht wer-
den. Er war im Sudan nicht bloss zufällig Opfer allgemeiner Bürgerkriegs-
wirren (vgl. Entscheide und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 25), sondern gezielten, gegen
ihn und seine Familie gerichteten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt.
Sein Vater wurde vor den Augen des Beschwerdeführers umgebracht und
der Beschwerdeführer selber entkam nur knapp dem Tod, nachdem die
Angreifer nur von ihm abgelassen hätten, weil sie ihn für tot gehalten hät-
ten. Der Beschwerdeführer erfüllte damit im Zeitpunkt seiner Ausreise aus
dem Sudan die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG.
5.2.3 Zwar kann die Gewährung des Asyls nicht dazu dienen, einen Aus-
gleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt, Schutz vor
künftiger Verfolgung zu gewähren. Jedoch kann erlittene Verfolgung oder
im Zeitpunkt der Ausreise bestandene begründete Furcht vor Verfolgung
auf eine andauernde Gefährdung der betreffenden Person hinweisen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.4). Die Beurteilung einer begründeten Furcht vor künf-
tiger Verfolgung hat einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungs-
weise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen Per-
son bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren
Fällen zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war,
hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE
2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). Bei der Beurteilung der Aktualität der
Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers sind Veränderungen der objek-
tiven Situation im Heimatstaat zwischen der Ausreise und dem Asylent-
scheid zu berücksichtigen. Das besagte Schema (Janjaweed versus nicht-
arabische Gruppierungen) erodierte im Verlauf des Darfur-Konflikts und ist
einer Fragmentierung der Konfliktparteien gewichen. Im heutigen Zeitpunkt
verneint das Bundesverwaltungsgericht das Vorliegen einer Kollektivverfol-
gung nichtarabischer Ethnien in Darfur (vgl. BVGE 2013/21 E. 9.3.4). Aber
auch wenn nicht mehr von gezielt gegen ein spezifisches Kollektiv (nicht-
arabische Gruppen) gerichteten Massnahmen, die zum Ziel haben, mög-
lichst alle Mitglieder dieses Kollektivs zu treffen, gesprochen werden kann,
wurde in BVGE 2013/21 auch festgehalten, dass die Sicherheitslage in
Darfur weiterhin schlecht ist. In BVGE 2013/5 ist ebenfalls von einer Situa-
tion allgemeiner Gewalt in Darfur die Rede, und der Europäische Gerichts-
hof für Menschenrechte (EGMR) erachtete in seinem Urteil A.A. gegen
Frankreich vom 15. Januar 2015, 18039/11, § 58, den Umstand, nicht-ara-
bischer Ethnie zu sein, als nicht unerhebliches Risiko einer Verfolgung in
Darfur. Angesichts der bereits erlebten massiven Vorverfolgung und der
weiterhin schlechten Sicherheitslage in Darfur ist die subjektive Furcht des
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Beschwerdeführers vor weiteren Übergriffen, müsste er in die Region Dar-
fur zurückkehren, objektiv nachvollziehbar und als begründet im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG zu erachten.
5.2.4 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt weiter voraus,
dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist
und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaats in Schutz bringen
kann. Vorliegend würde sich daher gemäss BVGE 2013/5 die Frage stel-
len, ob der Beschwerdeführer über eine Fluchtalternative verfügen würde;
in erster Linie in Khartum, allenfalls auch im Tschad, wo er sich während
mehreren Jahren aufgehalten hat. Praxisgemäss kann einer asylsuchen-
den Person eine solche Fluchtalternative nur dann entgegengehalten wer-
den, wenn die Inanspruchnahme auch zumutbar wäre. Angesichts der be-
sonderen Fallumstände ist dies vorliegend ohne vertiefte Prüfung zu ver-
neinen, hat die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung des Beschwerde-
führers in den Sudan doch für unzumutbar erklärt und ist sie durch die ver-
fügte vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz auch
von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Tschad ausge-
gangen.
5.2.5 Nur am Rand ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer erlit-
tene Vorverfolgung selbst bei Verneinung einer zukünftigen Verfolgungs-
gefahr im Sinne von Art. 3 AsylG als asylrechtlich relevant zu betrachten
wäre, da vom Bestehen zwingender, auf die besagte Verfolgung zurückge-
hender Gründe auszugehen wäre, aufgrund derer eine Rückkehr des Be-
schwerdeführers in den Heimatstaat im heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar
wäre (vgl. hierzu BVGE 2011/50 E. 3.1.2.2 und BVGE 2007/31 E. 5.4, je-
weils m.w.H.).
5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt. Konkrete Hinweise auf das
Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG liegen
aufgrund der Aktenlage nicht vor. Ihm ist daher in der Schweiz Asyl zu ge-
währen.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, den Beschwerdefüh-
rer gemäss Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren.
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7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren notwendigerweise er-
wachsenen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der Rechtsvertretung
wurde mit der Replik eine Kostennote vom 18. Mai 2020 eingereicht. Der
Rechtsvertreter machte darin einen zeitlichen Aufwand von 12.05 Stunden,
einen Stundenansatz von Fr. 200.– und Barauslagen von Fr. 32.– geltend.
Zudem wies er auf die Mehrwertsteuerpflicht hin. Dem Beschwerdeführer
ist somit zulasten des SEM eine Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 2630.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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