Decision ID: 08181c3a-f2b1-5df5-8f85-94ced5e7c95e
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1980,
war seit dem 1
.
November 2015 als House
keeping Attendant bei der Z._
angestellt und damit bei der
HOTELA Versicherungen AG (nachfolgend: Hotela)
unfallversiche
rt, als sie am 25. November 2015
bei
m Aussteigen aus dem Zug auf der vereisten Türschwelle ausrutschte und auf das Steissbein fiel
(Urk. 8/A2
).
Mit Verfügung vom 22
.
April
2016
lehnte d
ie
Hotela eine Leistungspflicht wegen fehlender Unfallkausalität per 9. Dezember 2015 ab (Urk. 8/A6
).
Die von der Versicherten am 24. Mai erhobene und am 4. August
2016 ergänzte Ein
sprache (Urk. 8/A7, Urk. 8/A11
) wies die
Hotela mit Einspracheentscheid vom 1. Februar 2017 ab (Urk. 8/A13
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 6
.
März 2017
Beschwerde gege
n den Einspracheent
scheid vom 1. Februar 2017
(Urk. 2) und beantragte, dieser
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr über den 8. Dezember 2015 hin
aus die gesetzlichen Leistungen nach dem Bundesgesetz über die Unfallver
sicherung (UVG) sowie dessen Verordnung (UVV) zu erbringen, insbesondere Taggelder auszurichten und die Heilbehandlungskosten zu übernehmen. Even
tuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach Vornahme weiterer Abklärungen, namentlich nach Einholung eines medizini
schen Gutachtens, über den Leistungsanspruch neu befinde
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 10. April 2017 beantragte die Hotela die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 7)
.
Am 31. Mai 2017 ersuchte die Hotela darum, das
von der Krankentaggeldversicherung der Beschwerdeführerin veranlasste Gut
ac
h
ten beizuziehen (Urk. 15). Mit Gerichtsverfügung vom 17. Juni 2017 (Urk. 20) wurde das von der Krankentaggeldversicherung veranlasste vertrauensärztliche Gutachten beigezogen (vgl. Urk. 21, Urk. 22/1-2).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
set
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat si
ch am
25. November 2015
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrem Einspracheentscheid (Urk. 2) die verfügte Leistungseinstellung
per
9. Dezember 2015 damit, dass gestützt auf die schlüssige Beurteilung ihres Vertrauensarztes die ab dem 9. Dezember 2015 geklagten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 25. November 2015 zurückzuführen seien. In diesem Zeitpunkt seien die banalen Unfallfolgen ausgeheilt gewesen. Die erst viel später diag
nostizierte Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) sei weder ausgewiesen, noch sei die Diagnosestellung plausibel. Beim Piriformissyndrom sodann handle es sich um eine Folge einer anatomischen Missbildung, welche keine traumatische Ursache habe (S. 3 f. Ziff. 8-12).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend, die Leistungen seien zu Unrecht eingestellt worden, da die Beschwerdegegnerin nicht rechtsgenügend dargetan habe, dass sie - die Beschwerdeführerin - unter keinen unfallbedingten Beschwerden mehr leide.
Auf die Einschätzung des Ver
trauensarztes könne nicht abgestellt werden, da weder eine Untersuchung noch eine eingehende Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage stattge
funden habe
(S. 5 f. Ziff. 15-16, S. 7 Ziff. 19-20). Zudem lasse sich gestützt auf die Aussagen des Vertrauensarztes der Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht eruieren (S. 6 Ziff. 17). Unverständlich erscheine die Aussage, wonach die Prob
leme an der Wirbelsäule nicht unfallbedingt seien (S. 6 f. Ziff. 18). Der End
zustand sei zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch nicht erreicht gewe
sen, und von medizinischen Massnahmen habe noch eine weitere Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit erwartet werden müssen. Die Leistungseinstellung sei verfrüht erfolgt (S. 7 Ziff. 21).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für die von der Beschwer
deführerin über den 9. Dezember 2015 hinaus geltend gemachten Beschwerden leistungspflichtig ist.
3.
3.1
Die erstbehandelnde Ärztin Dr. med. A._, Assistenzärztin, B._, nannte in ihrem Bericht vom 25. November 2015 (Urk. 8/B1) als Diag
nose eine
Hüftkontusion links vom 2
5.
November 2015 nach Sturz auf der Treppe.
Es sei eine notfallmässige Vorstellung der Patientin am 25. November 2015 erfolgt. Sie habe berichtet, auf dem Weg zur Arbeit im Zug auf den Treppen ausgerutscht und gestürzt zu sein. Sie sei auf Gesäss und Rücken ein Stück die Treppe hinunter gerutscht, gebe nun Schmerzen im Bereich der linken Hüfte an und könne schmerzbedingt nur hinkend gehen (S. 1 Mitte).
Dr. A._ führte aus, der Kopf der Beschwerdeführerin habe keine Prellmarken, und die Hirnnerven seien grobkursorisch intakt. Es bestehe keine Klopf- und Druckdolenz. Auch an der HWS bestehe keine Druckdolenz über dem
Processus Spinosi
. An der Hüfte links zeige sich
keine Prellmarke
, eine Druckdolenz bestehe über Trochanter major und wenig inguinal sowie am proximalen Ober
schenkel lateralseitig. Extension und Flexion seien frei, jedoch endständig schmerz
haft.
Das Röntgen des Beckens und der Hüfte axial links habe keine ossären Läsionen ergeben (
S. 1 unten, vgl. Urk. 8/B2).
Zuhanden des Arbeitgebers wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für den 25. November 2015 attestiert (Urk. 8/B3).
3.2
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 4. Dezember 2015 (Urk. 8/B4) als Diagnosen Hüftschmerzen sowie Lendenwirbelsäulen (LWS)- und HWS-Schmerzen (Ziff. 1). Zum Verlauf führte Dr. C._ aus,
es habe eine aufsteigende Schmerzverlagerung von der LWS zur HWS stattgefunden
(Ziff. 2). Es finde eine Behandlung mit
nichtsteroi
dalen Antirheumatika
(NSAR), Analgetika, Tramadol und
Myotonlytika
statt. Es werde eine radiologische Abklärung der HWS empfohlen. Die Behandlung daure voraussichtlich ein bis zwei Monate (Ziff. 3). Seit dem 25. November 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 4).
3.3
Dr. med. D._, Fachärztin für Radiologie und Nuklearmedizin, E._, führte nach am 9. Dezember 2015 durchgeführter bildgebender Abklä
rung von HWS und Dens in ihrem gleichentags verfassten Bericht (Urk. 8/B5) aus, die Beschwerdeführerin
sei nach Sturz mit HWS-Distorsion am 2
5.
Novem
ber 2015 und von der LWS in die HWS aufsteigenden Schmerzen zum Aus
schluss einer ossären Läsion der HWS zugewiesen worden
. Zum Befund führte Dr. D._ aus, es zeigten sich allseits normal hohe Wirbelkörper der HWS mit erhaltenem dorsalem Alignement. Es finde sich kein Nachweis einer fraktur
be-dingten Wirbelkörperhöheminderung. Der Dens axis sei normal hoch, und die Atlantoaxialgelenke seien symmetrisch. Auch die kleinen Wirbelgelenke stellten sich in der Aufnahme unauffällig dar.
Aus der Gesamtschau ergebe sich kein Hinweis auf posttraumatische Veränderungen
(S. 1).
3.4
In seinem Bericht vom 25. Januar 2016 (Urk. 8/B6) attestierte Dr. C._ der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis am 17. Januar 2016 und ab dem 18. Januar 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 4). Es werde noch Physiotherapie durchgeführt, und es würden keine Analgetika mehr einge
nommen (Ziff. 3).
3.5
Dr. med. F._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, führte in seiner vertrauensärztlichen Beurtei
lung vom 1. März 2016 (Urk. 8/B8) aus, die sekundären Probleme mit der HWS seien nicht in Relation mit dem Unfallereignis zu sehen, und der Status quo sine sei am 9. Dezember 2015 mit dem Röntgen der HWS erreicht.
3.6
In seinem Bericht vom 2. März 2016 (Urk. 8/B7) nannte Dr. C._ als Diag
nose ein traumatisches Piriformiss
yndrom links
(Ziff. 1). Es finde eine sukzes
sive Besserung statt (Ziff. 2). Es werde weiterhin Physiotherapie durchgeführt, und die Behandlung dauere voraussichtlich noch zwei bis drei Monate (Ziff. 3).
Bis am 14. Februar 2016 habe noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestan
de
n, und ab dem 15. Februar 2016 bis etwa Mitte März bestehe eine Arbeitsun
fähig
keit von 25 % (Ziff. 4).
3.7
Am 14. April 2016 führte Dr. F._ in seiner vertrauensärztlichen Stellung
nahme (Urk. 8/B9) aus, der erste Arzt, welcher die Beschwerdeführerin unter
sucht habe, habe keine zervikalen Beschwerden feststellen können. Zudem sei es schwierig, sich beim Fallen auf das Gesäss eine HWS-Distorsion Grad II QTF (Quebec Task Force) zuzuziehen. Eine solche wäre direkt nach dem Geschehnis mit unmittelbaren Schmerzen aufgetreten. Diese Diagnostik sei nicht plausibel.
Was die Diagnose eines Piriformissyndroms anbelange, handle es sich um eine
Ausschlussdiagnose, welche nicht traumatischer Herkunft
sei. Es handle sich um
eine anatomische Deformation, an welcher 10 % bis 20 % der Bevölkerung litten
.
Bei einer Überbeanspruchung führe dies zu einer Hypertrophie. Dr. F._ führte aus, es
sei unwahrsche
inlich, dass dieses Piriformiss
yndrom durch den Sturz auf das Gesäss ausgelöst worden sei
. Somit sei das Vorliegen einer unfall
bedingten Läsion nicht erwiesen. Bei einfachen Kontusionen, wie denjenigen der Versicherten, sei der Status quo
sine nach vier bis sechs Wochen erreicht.
Die HWS-Beschwerden seien davon nicht betroffen, da diese nicht unfallbedingt seien.
3.8
Am 10. Mai 2016 erstattete der Dr. med. G._, Praktischer Arzt, den von
der Krankentaggeldversicherung veranlassten vertrauensärztlichen Untersu
chung
s
bericht (Urk. 22/1).
Als Diagnosen nannte
Dr. G._
ein Piriformissyn
drom
und eine anterior-ilium Dysfunktion nach direkter Hüftkontusion am 25. Novem
ber 2015 sowie eine Chronifizierung Stadium II bis III nach Gebers
hagen
(S. 4 Ziff. 1).
Dr. G._ führte aus, auf
die Arbeitsunfähigkeit sollten beide Situationen eigentlich keinen Einfluss haben.
Unter Berücksichtigung der aktuell schon recht ausgeprägten Chronifizierung hätten aber diese Schmerzen zur Zeit noch eine invalidisierende Auswirkung (S. 4 Ziff. 2). Die Einschränkungen in der Tätig
keit als Hausmädchen seien
vor allem durch die von der Versicherten erwähnten Schmerzen bedingt,
wobei die Schmerzen durch psychosoziale Fak
toren übermässig akzentuiert würden (S. 4 Ziff. 3). Der Versicherten könne sicher eine Leistung von 50 % in einer angepassten Tätigkeit im Sinne von leichten, abwechslungsreichen Tätigkeiten ganztägig zugemutet werden (S. 4 Ziff. 4). Die angestammte Tätigkeit als Hausmädchen, welche als sehr intensiv eingeschätzt werden könne, teilweise auch kombiniert mit Heben von schweren Lasten, sei für die Versicherte mit den aktuell von ihr empfundenen Schmerzen und weniger durch den klinischen Befund nicht zumutbar. Die Zumutbarkeit müsse nach der geplanten rheumatologischen Untersuchung nochmals disku
tiert werden (S. 4 Ziff. 5).
Bei der Untersuchung sei die Mitarbeit relativ gut. Auffällig sei eine Affekt-Inkontinenz mit Weinausbrüchen, und dass bei gewissen Funktionsprüfungen eine Konstanz nicht immer nachzuweisen gewesen sei. Er denke, dass hier vor allem die psychosozialen Erschwernisse mit der beruflichen Perspektivenlosig
keit bei gekündigter Stelle eine wesentliche Rolle spielten. Anhaltpunkte für eine echte Simulation oder Aggravation hätten aber nicht beobachtet werden können. Allerdings sei nach einer einmaligen Untersuchung einer Person dies weder auszuschliessen noch zu bestätigen (S. 5 Ziff. 6).
3.9
Dr. med. H._,
Facharzt für Rheumatologie und
für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 1. Juni 2016 (Urk. 18/1) als Diag
nose persistierende, posttraumatische Gesässschmerzen mit ischialgieformer Ausstrahlung und nächtlichen Kribbelparästhesien im linken Bein nach Gesäss-/LWS-Kontusion im November 2015 (S. 1 oben).
Dr. H._ führte aus, zusammenfassend bleibe die Anamnese schon suggestiv für eine Irritation im Bereich des Nervus ischiadicus links seit dieser Gesäss
kontusion.
Das ergänzend veranlasste MRI zeige aber weder auf dem Niveau der LWS noch im Verlauf des Nervus ischiadicus eine fassbare Pathologie.
Dies
schliesse natürlich ein sogenanntes Piriformissyndrom nicht
aus, er hätte aber doch erwartet, dass sich dies mit einer entsprechend versierten Physiotherapie verbessern liesse, was nicht gelungen sei. Dr. H._ führte aus, er frage sich, ob es durch einen solchen Sturz allenfalls zu einer Kontusion und Irritation des Nerves kommen könne, was sich bildgebend nicht abbilden lasse. Aus rheuma
tologischer Sicht sehe er (ausser theoretisch einer Fortsetzung der Physiothe
rapie) keine neuen Behandlungsansätze und empfehle hier ergänzend eine neuro
logische Beurteilung (S. 2).
3.10
Dr. med. I._,
Fachärztin für Neurologie
, nannte in ihrem Bericht vom 16. Juni 2016 (Urk. 18/2) nach Untersuchung der Beschwerdeführerin am 15. Juni 2016 als Diagnose ein Piriformissyndrom links nach Sturz auf das Gesäss am 25. November 2015.
Es bestehe kein Anhalt für eine Wurzel- oder Nervenkompression
.
Die Beschwerdeführerin sei ihr zur Beantwortung der Frage nach neurolo
gischen Ausfällen bei einem persistierenden Schmerzsyndrom nach Sturz auf das Gesäss im November 2015 zugewiesen worden. Dr. I._ führte aus, sie sehe die Symptomatik als Ausdruck eines Piriformissyndroms. Die entsprechenden Funktionsprüfungen seien positiv. Ischiadicus-Reizungen und pseudoradikuläre Reizausstrahlungen in verschiedene Muskelgruppen seien dabei recht typisch.
Weder klinisch noch elektrophysiologisch finde sich ein Hinweis auf eine Wurzelkompression
. Dr. I._ hielt fest, sie sehe die beschriebene Schwäche im linken Bein bei deutlicher Wechselinnervation als schmerzbedingt. Es bestehe eine leichte Betonung der Muskeleigenreflexe des linken Beines, die im Rahmen einer Bahnung bei Verspannung zu interpretieren sei. Für eine zentrale Pathologie ergebe sich ansonsten kein Anhalt. Es sei langfristig unter konse
quenter Physiotherapie mit einer Besserung der Symptomatik zu rechnen (S. 1).
3.11
Dr. F._ führte in seiner vertrauensärztlichen Stellungnahme vom 11. Novem
ber 2016 (Urk.
8/B
12) zu den Berichten vom 1. und vom 16. Juni 2016 aus, diesen sei zu entnehmen, dass nach wie
vor keine objektivierbare
n
Ursachen für die geklagten Beschwerden hätten gefunden werden können.
Es werde auf die Beurteilung vom 14. April 2016 verwiesen, wonach sämtliche einige Zeit nach dem Unfall gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar und plausibel seien und vor allem nicht vom geltend gemachten Unfall herrühren könnten (S. 1 f.).
3.12
Dr. C._ nannte in seinem Bericht vom 18. November 2016 (Urk. 7/B13) als Diagnosen ein traumatisch verursachtes Piriformissyndrom links nach Sturz
vom 25. November 2015 sowie eine abgeheilte HWS-Distorsion (Ziff. 1). Es komme
mit zunehmender Belastung zu Schmerzexazerbationen im Gesäss und im linken Bein. Die Prognose sei gut. Als besondere Umstände, welche den Heilungsverlauf ungünstig beeinflussen könnten, nannte Dr. C._ die ableh
nen
de Haltung der Unfallversicherung (Ziff. 2). Es finde derzeit eine Physio-therapie respektive ein Dry needling statt. Er empfehle die Untersuchung durch einen Gutachter. Die Behandlung daure voraussichtlich noch zwei bis vier Monate. Erneut habe vom 15. April bis 30. November 2016 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden (Ziff. 4). Die neurologische Abklärung habe die Diagnose des Piriformissyndroms bestätigt (Ziff. 5).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte die E
instellung der Leistungen per 9
.
Dezember 2015
auf die
vertrauensärztlichen
Einschätzung
en
durch
Dr. F._ vom März und April 2016 sowie vom November 2016 (vgl. vorstehend E. 3.5, E. 3.7 und E. 3.11).
Dieser befand die ursprünglich geltend gemachten HWS-Beschwerden als in keinem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 25. November 2015 stehend und verneinte eine traumatisch bedingte Herkunft des im Verlauf diagnostizierten Piriformissyndroms (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kom
mt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indi
zien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen
(BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf
BGE 125 V 351 E. 3b/bb/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung ko
mmt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts
(ATSG)
vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger
Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut
achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforde
rungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/201
6 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4)
4.3
In seiner Einschätzung vom März 2016 (vgl. vorstehend E. 3.5) bezog sich Dr. F._ ausschliesslich auf die geltend gemachten HWS-Beschwerden (vgl. vorstehend E. 3.2-3), welche er als in keinem Zusammenhang mit dem Unfall
ereignis stehend betrachtete. Diesbezüglich ist Dr. F._ beizupflichten, dass es in Anbetracht des Unfallherganges, wie er anlässlich der erstmaligen Unter
suchung im B._ am 25. November 2015 von der Beschwerde
führerin geschildert wurde, als unwahrscheinlich erscheint, dass sie dabei eine HWS-Distorsion erlitten haben soll. So berichtete sie weder über HWS-Be
schwerden noch zeigte sich eine Druckdolenz der Dornfortsätze (vgl. vorstehend E. 3.1). Des Weiteren blieb auch die bildgebende Untersuchung der HWS im Dezember 2015 ohne Befunde (vgl. vorstehend E. 3.3).
4.4
Im weiteren Verlauf stand dann das erstmals im Bericht von Dr. C._ vom
März 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6) erwähnte Piriformissyndrom im Vorder
grund
, welches von Dr. G._ im Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.8) und insbesondere durch die Neurologin Dr. I._ im Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 3.10) bestä
tigt wurde.
Nebst Dr. C._ (vgl. vorstehend E. 3.6 und E. 3.12) sahen sowohl Dr. G._ als auch Dr. I._ das Piriformissyndrom als im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 25. November 2015 stehend an. Dr. F._ setzte sich in der Folge nicht ausreichend mit den anders lautenden Einschätzungen hinsichtlich der Ursache des Piriformissyndroms auseinander, so dass Zweifel an der Schlüssigkeit seiner Beurteilung bestehen.
4.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Vorliegend lässt sich gestützt auf die Akten nicht schlüssig beurteilen, ob die
anhaltenden Gesässbeschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit
dem erlittenen Unfall stehen. Insbesondere ist auch unklar,
ob durch ein solches Sturzereignis ein Piriformissyndrom ausgelöst werden kann oder nicht. Nicht nachvollziehbar erweist sich im Übrigen auch der von der Beschwerdegegnerin
verfügte Einstellungszeitpunkt rund zwei Wochen nach dem Unfallereignis, gi
ng doch Dr. F._ selbst davon aus, dass bei
einfachen Kontusionen der Status quo
sine
erst
nach vier bis sechs Wochen erreicht
sei (vgl. vorstehend E. 3.7)
.
4.6
Insgesamt bestehen damit Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen
durch Dr. F._ sowie an dem vom der Beschwerdegegnerin festgesetzten Einstellungszeitpunkt
, und es genügt keine der vorliegenden ärztlichen Beurteilungen für sich allein, um zweifelsfrei auf sie abstellen zu können.
Der Sachverhalt erweist sich damit als ungenügend abgeklärt, weshalb der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach Einholung eines externen Gutachtens neu über den Leistungs
an
-spruch der Beschwerdeführerin
verfüge.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten (§ 34 GSVGer). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses wird diese auf Fr. 2'7
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgelegt.