Decision ID: 284ab635-3592-5141-9a97-a0edf0bf1010
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin) wurde am
(...) 1984 geboren, ist Französin und lebt in Frankreich. In den Jahren 2007
bis 2011 arbeitete sie als Flugbegleiterin bei der Firma B._ SA. Von
Oktober 2012 bis Juni 2019 war sie als Einkäuferin für Flugzeugteile (vgl.
IV-act. 22 S. 6) bei der Firma C._ AG, (...), tätig. Seit Juli 2019 ist
sie bei der Firma D._ AG, (...), angestellt (siehe IK-Auszug in IV-
act. 7 sowie in den Beilagen zu BVGer-act. 35 und 36; vgl. Beilage zu
BVGer-act. 27). Am 21. Oktober 2016 meldete sie sich bei der IV-Stelle
E._ (nachfolgend: kantonale IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen
der Schweizerischen Invalidenversicherung an. Als Krankheitsgrund gab
sie eine rheumatoide Polyarthritis an (IV-act. 2). Mit Mitteilung vom 1. De-
zember 2016 bestätigte die kantonale IV-Stelle, dass sie der Versicherten
Beratung und Unterstützung beim Erhalt ihres derzeitigen Arbeitsplatzes
gewähre (IV-act. 12). Mit Verfügung vom 2. November 2017 gewährte die
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: IVSTA oder Vor-
instanz) der Versicherten überdies eine halbe Rente für die Zeit vom 1. Juni
2017 bis zum 31. Juli 2017 (IV-act. 31).
B.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2017 (Eingang bei der kantonalen
IV-Stelle: 16. Dezember 2017) machte die Versicherte eine bei ihr einge-
tretene Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend und bat um
eine neue Beurteilung ihres Dossiers (IV-act 32). Die kantonale IV-Stelle
nahm dieses Schreiben als eine Neuanmeldung entgegen (IV-act. 33).
Nach Eingang verschiedener medizinischer Unterlagen stellte die kanto-
nale IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 1. März 2018 eine Ab-
weisung des neuen Leistungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 44). Hiergegen
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 20. März 2018 Einwand und reichte
verschiedene weitere Arztberichte ins Recht (IV-act. 48). Zu diesen nahm
Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Medizin des regionalen ärzt-
lichen Dienstes (nachfolgend: RAD), am 12. Juli 2018 Stellung (IV-act. 58).
Mit Verfügung vom 23. Juli 2018 wies die IVSTA das neue Leistungsbegeh-
ren der Versicherten ab. Sie führte zur Begründung aus, der Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführerin habe sich aus spezialärztlicher Sicht nicht
verändert seit der letzten Verfügung (IV-act. 58).
C.
Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin mit an die kantonale IV-Stelle
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Seite 3
adressierter Eingabe vom 9. August 2018 Beschwerde mit dem Antrag, es
sei die angefochtene Verfügung zu überprüfen und ihr eine Invalidenrente
zuzusprechen (BVGer-act. 1). Die kantonale IV-Stelle leitete diese Eingabe
am 14. August 2018 zuständigkeitshalber weiter ans Bundesverwaltungs-
gericht (BVGer-act. 2),
D.
Mit Schreiben vom 30. August 2018 stellte die kantonale IV-Stelle dem
Bundesverwaltungsgericht die Verfahrensakten sowie eine weitere Ein-
gabe der Beschwerdeführerin vom 22. August 2018 zu (BVGer-act. 7).
E.
Der mit Zwischenverfügung vom 11. September 2018 (BVGer-act. 9) bei
der Beschwerdeführerin erhobene Kostenvorschuss im Betrag von
Fr. 800.– ging am 10. Oktober 2018 bei der Gerichtskasse des Bundesver-
waltungsgerichts ein (BVGer-act. 11).
F.
Mit Eingabe vom 5. Oktober 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht den Arztbericht von Dr. med. G._ vom
4. Oktober 2018 ein (BVGer-act. 12).
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 30. November 2018 beantragte die
Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfü-
gung sei zu bestätigen. Zur Begründung verwies sie auf die Stellungnahme
der kantonalen IV-Stelle vom 28. November 2018, welche ihrerseits die
Abweisung der Beschwerde beantragte (BVGer-act. 17).
H.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2019 schloss das Bundesverwaltungsgericht
den Schriftenwechsel – unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
– ab (BVGer-act. 20).
I.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2019 ersuchte das Bundesverwaltungs-
gericht die Vorinstanz unter Fristansetzung um die Zustellung eines aktu-
ellen IK-Auszugs, von bei der Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin einzu-
holenden Informationen zu deren An- und Abwesenheiten ab dem 18. De-
zember 2016 sowie eine bei der H._-Versicherung einzuholende
Bestätigung der ab dem 1. Dezember 2017 entrichteten Taggelder (BVGer-
act. 23).
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Seite 4
J.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2020 stellte die Vorinstanz dem Bundesver-
waltungsgericht die Taggeldübersicht der H._-Versicherung der
Jahre 2017 und 2018 zu und ersuchte im Übrigen, ihr die mit Verfügung
vom 17. Dezember 2019 angesetzte Frist zu erstrecken (IV-act. 24), was
das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 16. Januar 2020 bewil-
ligte (BVGer-act. 26).
K.
Mit den Eingaben vom 14. Januar 2020 (BVGer-act. 25), 22. Januar 2020
(BVGer-act. 27), 13. Februar 2020 (BVGer-act. 30) und 22. Februar 2021
(BVGer-act. 35 f.) reichte die Vorinstanz beim Bundesverwaltungsgericht
ausserdem ein Schreiben des französischen Versicherungsträgers vom
18. Dezember 2019 (Beilage zu BVGer-act. 25), die Eingabe der Be-
schwerdeführerin vom 10. Januar 2020 mit Angaben zu ihren Arbeitsunfä-
higkeiten seit dem 16. Dezember 2016 (Beilage zu BVGer-act. 30), eine
Arbeitsbestätigung der C._ AG vom 7. Februar 2020 mitsamt einer
tabellarischen Aufstellung der An- und Abwesenheiten der Beschwerdefüh-
rerin in den Jahren 2016 bis 2019 (Beilage zu BVGer-act. 30) sowie einen
bis Ende Jahr 2019 aktualisierten IK-Auszug der Beschwerdeführerin (Bei-
lagen zu BVGer-act. 35 und 36) ein.
L.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen
wird – soweit erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
den Vorschriften des VGG, des VwVG [vgl. auch Art. 37 VGG]) sowie des
ATSG (SR 830.1; vgl. auch Art. 3 Bst. dbis VwVG).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern – wie im vorlie-
genden Fall – keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen
gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört die
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69
C-4675/2018
Seite 5
Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Das Bundesverwaltungsgericht ist somit
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.3 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; sie ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung durch diese be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Abänderung, weshalb sie zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG).
1.4 Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, ist auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (Art. 50
Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) ist bei Grenzgängerinnen die
IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet die Grenzgängerin eine Erwerbstätig-
keit ausübt, zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldung zuständig.
Dies gilt auch für ehemalige Grenzgängerinnen, sofern sie bei der Anmel-
dung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone
haben und der Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenz-
gängerin zurückgeht. Die Verfügungen werden von der IVSTA erlassen.
Die Beschwerdeführerin war bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
als Grenzgängerin bei der Firma C._ AG, (...), erwerbstätig und
lebte in Frankreich, wo sie heute noch lebt. Unter diesen Umständen war
die IV-Stelle E._ für die Entgegennahme und Prüfung der Anmel-
dung und die IVSTA für den Erlass der angefochtenen Verfügung zustän-
dig.
3.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 23. Juli 2018, mit welcher die Vorinstanz das neue Leis-
tungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Streitig und vor-
liegend zu prüfen ist daher die Frage, ob die Vorinstanz das neue Leis-
tungsgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat respektive
ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der schweizerischen
Invalidenversicherung hat.
4.
Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur
Anwendung gelangen.
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Seite 6
4.1 Die Beschwerdeführerin ist Französin und wohnt in Frankreich, wes-
halb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Eu-
ropäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) sowie die gemäss Anhang II des
FZA anwendbaren Verordnungen (EG) des Europäischen Parlaments und
des Rates Nr. 883/2004 vom 29. April 2004 sowie Nr. 987/2009 vom
16. September 2009, welche am 1. April 2012 die Verordnungen (EWG)
des Rates Nr. 1408/71 vom 14. Juni 1971 sowie Nr. 574/72 vom 21. März
1972 abgelöst haben, anwendbar sind. Gemäss Art. 8 Bst. a FZA werden
die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert, um insbesondere die
Gleichbehandlung aller Angehörigen der Vertragsstaaten zu gewährleis-
ten. Soweit – wie vorliegend – weder das FZA und die gestützt darauf an-
wendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte abweichende Bestim-
mungen vorsehen noch allgemeine Rechtsgrundsätze dagegen sprechen,
richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens und die Prüfung des Renten-
anspruchs alleine nach der schweizerischen Rechtsordnung (vgl. BGE 130
V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4
m.w.H.), was sich auch mit dem Inkrafttreten der oben erwähnten Verord-
nungen am 1. April 2012 nicht geändert hat (vgl. Urteil des BVGer
C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1). Demnach richtet sich die Be-
urteilung der vorliegend streitigen Frage des Anspruchs der Beschwerde-
führerin auf eine schweizerische Invalidenrente alleine nach schweizeri-
schem Recht.
4.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 23. Juli 2018) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Diese sind indessen soweit zu berück-
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung zu beeinflussen (vgl. Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.1).
4.3 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
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Seite 7
der Verfügung vom 23. Juli 2018 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
5.
5.1 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt
der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben
(Art. 36 Abs. 1 IVG). Für die Erfüllung der dreijährigen Mindestbeitrags-
dauer können Beitragszeiten, die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt
worden sind, mitberücksichtigt werden (Art. 6 und Art. 45 VO [EG]
883/2004; vgl. auch BGE 131 V 390).
Die Beschwerdeführerin hat während mehr als drei Jahren Beiträge in die-
sem Sinn geleistet, so dass die Anspruchsvoraussetzung der Mindestbei-
tragsdauer erfüllt ist.
5.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch
eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge-
sundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird
auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbe-
reich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
5.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
5.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einer Invali-
dität von mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente sowie bei einer
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Seite 8
Invalidität von mindestens 60 % Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine
halbe Rente sowie bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auf
eine Viertelsrente. Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem In-
validitätsgrad von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte aus-
gerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
in der Schweiz haben, soweit nicht zwischenstaatliche Vereinbarungen
eine abweichende Regelung vorsehen.
Das auf die Beschwerdeführerin anwendbare FZA (vgl. E. 4.1 hiervor) sieht
diesbezüglich eine Ausnahme vor. So können gestützt auf das FZA und
seine Verordnungen – abweichend von Art. 29 Abs. 4 IVG – auch Viertels-
renten ins Ausland ausbezahlt werden, wenn die Begünstigte nicht in der
Schweiz, sondern in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union wohnt
(vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3).
5.5 Die IV-Stelle prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43
Abs. 1 ATSG, Art. 57 Abs. 3 IVG, Art. 69 Abs. 2 IVV). Die medizinischen
respektive regionalen ärztlichen Dienste stehen den IV-Stellen zur Beurtei-
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Ver-
fügung. Sie setzen dabei insbesondere die für die Invalidenversicherung
nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versi-
cherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben-
bereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 Abs. 1 Satz 1 IVV).
5.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszu-
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet
werden können (BGE 125 V 256 E. 4 m.w.H.). Die – arbeitsmedizinische –
Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen besteht darin, sich dazu zu äussern, in-
wiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funkti-
onen leidensbedingt eingeschränkt ist. Im Vordergrund stehen dabei vor
allem jene Funktionen, welche für die nach der Lebenserfahrung im Vor-
dergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesent-
lich sind. Die Frage, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund
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Seite 9
der medizinischen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähig-
keiten der versicherten Person in Frage kommen, ist demgegenüber nicht
von der Ärztin oder dem Arzt, sondern von der Verwaltung beziehungs-
weise von der Berufsberatung zu beantworten (vgl. Urteil des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts I 457/04 vom 26. Oktober 2004, in: SVR 2006
IV Nr. 10 E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 20 E. 2b).
5.7 Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträ-
ger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst ohne
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhängig, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wider-
sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa-
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt
(BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
5.8 Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung
in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten auf-
zustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil
des BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, wel-
che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Be-
funde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit wei-
teren Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte sind aufgrund deren
auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu wür-
digen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein praktizierenden
Hausarzt wie auch für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des BGer
I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 m.w.H.; vgl. aber das Urteil des BGer
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2).
5.9 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
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Seite 10
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Ex-
perten begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und E. 3b/cc m.w.H.).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten (vgl.
dazu Urteil des BGer I 268/2005 vom 26. Januar 2006 E. 1.2, mit Hinweis
auf BGE 125 V 352 E. 3a).
5.10 Nicht auf eigene Untersuchungen beruhende Berichte der medizini-
schen respektive regionalen ärztlichen Dienste (Art. 49 Abs. 3 IVV) können
beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im We-
sentlichen um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicher-
ten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Art. 59 Abs. 2bis IVG; Art. 49 Abs.
3 IVV; vgl. Urteil des BGer 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1).
Ein förmlicher Anspruch auf eine versicherungsexterne Begutachtung be-
steht mithin nicht. Eine solche ist indes anzuordnen, wenn auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen bestehen. Ein externes, meist polydisziplinäres
Gutachten ist namentlich einzuholen, wenn der interdisziplinäre Charakter
einer medizinischen Problemlage dies gebietet, wenn der medizinische
respektive regionale ärztliche Dienst nicht über die nötigen fachlichen Res-
sourcen verfügt, sowie wenn zwischen dem Bericht des medizinischen res-
pektive regionalen ärztlichen Dienstes und dem allgemeinen Tenor im me-
dizinischen Dossier eine relevante Differenz besteht (vgl. BGE 137 V 210
E. 1.2.1; 135 V 465 E. 4.6).
6.
Wurde eine Rente auf der Basis eines früheren Leistungsbegehrens wegen
eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so richtet sich die Prüfung
eines neuen Leistungsgesuches grundsätzlich nach den Regeln der Ren-
tenrevision (BGE 130 V 71 E. 3.1). Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV (SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzun-
gen gemäss Abs. 2 dieser Verordnungsbestimmung erfüllt sind. Danach ist
von der versicherten Person im Gesuch glaubhaft zu machen, dass sich
der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän-
dert hat (Urteil des BGer I 556/02 vom 25. März 2003 und BGE 109 V 262
zu aArt. 87 Abs. 4 IVV).
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Seite 11
6.1 Die in Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV genannte Eintretensvoraussetzung soll
verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden
und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133
V 108 E. 5.3.1 m.w.H.). Art. 87 Abs. 4 IVV beruht sodann auf dem Grund-
gedanken, dass die Rechtskraft der früheren Verfügung einer neuen Prü-
fung so lange entgegensteht, als der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich
in der Zwischenzeit nicht in rechtserheblicher Weise verändert hat.
6.2 Nach Eingang der Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prü-
fung verpflichtet, ob die versicherte Person die genannte Veränderung
glaubhaft dargelegt hat. Verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne
weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei hat sie unter anderem zu
berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere
Zeit zurückliegt, um dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere
oder weniger hohe Anforderungen zu stellen. Insofern steht ihr ein gewis-
ser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektie-
ren hat. Daher prüft das Gericht die Behandlung der Eintretensfrage durch
die Verwaltung nur, wenn diese streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung
gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV Nichteintreten beschlossen hat, und die ver-
sicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine
richterliche Beurteilung der Eintretensfrage, wenn die Verwaltung auf die
Neuanmeldung eingetreten ist (Urteil des BGer I 888/05 vom 7. Juni 2006
E. 2; BGE 109 V 108 E. 2b, 109 V 262 E. 3; Urteil des BVGer
C-2520/2006 vom 3. September 2007 E. 4.1).
Vorliegend ist die Vorinstanz mit Verfügung vom 23. Juli 2018 auf das neue
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 10. Dezember 2017 einge-
treten und hat dieses aufgrund einer materiellen Beurteilung abgewiesen.
Vom Bundesverwaltungsgericht ist damit ausschliesslich die Frage zu prü-
fen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine schweizerische Invali-
denrente hat (siehe E. 3 hiervor). Ob die Vorinstanz zu Recht auf die Neu-
anmeldung eingetreten ist, hat das Bundesverwaltungsgericht demgegen-
über nicht zu überprüfen.
6.3 Eine Änderung des Invaliditätsgrads setzt stets auch eine Änderung
der tatsächlichen Verhältnisse voraus. Ausgangspunkt zur Beurteilung die-
ser Veränderung ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten der ver-
sicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver-
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens-
vergleichs beruht.
C-4675/2018
Seite 12
Dieser Ausgangspunkt bestimmt sich vorliegend nach Massgabe der heute
rechtskräftigen Verfügung vom 2. November 2017 (Sachverhalt Bst. A).
Ihm ist als aktuellen Referenzzeitpunkt der Zeitpunkt des Erlasses der an-
gefochtenen Verfügung, das heisst der 23. Juli 2018, gegenüberzustellen
(vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1).
7.
7.1 Mit der in Rechtskraft getretenen Verfügung vom 2. November 2017
hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin eine (befristete) halbe Rente für
die Dauer der beiden Monate Juni und Juli 2017 gewährt (IV-act. 31). Hier-
für stellte sie hauptsächlich auf den RAD-Bericht vom 23. August 2017 ab,
in welchem Dr. med. F._ gestützt auf das von der Krankentaggeld-
versicherung H._ eingeholte rheumatologische Gutachten von
Dr. med. I._ vom 11. Juli 2017 auf eine volle Arbeitsfähigkeit ab dem
11. Juli 2017 schloss. Für die Zeit vor der Begutachtung empfahl Dr. med.
F._, die attestierten Arbeitsunfähigkeiten der behandelnden Ärzte
zu übernehmen, dies auch für Verweisungstätigkeiten. Hiernach sei die
Versicherte vom 14. Juni 2017 (recte: 14. Juni 2016) bis Mitte Juli 2016 voll
arbeitsunfähig gewesen sowie anschliessend bis zur Begutachtung vom
11. Juli 2017 zu 50 % arbeitsunfähig (IV-act. 26). Gestützt auf diese Ar-
beitsunfähigkeit von 50 % in einer Verweisungstätigkeit hat die Vorinstanz
der Beschwerdeführerin nach Ablauf der einjährigen Wartefrist per 1. Juni
2017 eine halbe Rente zugesprochen.
7.2 Die Verfügung über eine befristete Rente umfasst einerseits die Zu-
sprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung, was das Vor-
liegen von Revisionsgründen im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG voraussetzt
(BGE 133 V 263 E. 6.1 m.w.H.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-
gerichtes [heute: Bundesgericht] I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3
m.w.H.).
7.2.1 Die der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2. November 2017
zugesprochene halbe Rente hat die Vorinstanz mit derselben Verfügung
per 31. Juli 2017 wieder aufgehoben, dies gestützt auf die vom RAD res-
pektive dem Gutachter Dr. med. I._ bescheinigte volle Arbeitsfähig-
keit ab dem 11. Juli 2017. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin für die Zeit von Juli 2017 bis zum 2. November 2017
(Verfügungsdatum) sind somit die Ausführungen gemäss dem rheumatolo-
gischen Gutachten von Dr. med. I._ vom 11. Juli 2017 massgebend.
Diese geben den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im vorlie-
genden Ausgangspunkt (vgl. hierzu E. 6 Abs. 2 hiervor) dar.
C-4675/2018
Seite 13
7.2.2 Im rheumatologischen Gutachten vom 11. Juli 2017 gab Dr. med.
I._ eingangs die ihm vorliegenden Medizinalakten zusammenfas-
send wieder. Er gab in seiner Beurteilung an, diese seien zwar nicht voll-
ständig. Es gehe aus diesen jedoch hervor, dass die radiologischen Be-
funde im Bereich der Hände und Füsse vor einigen Jahren normal ausge-
fallen seien, ebenso wie die Befunde der MRI-Untersuchung der Lenden-
wirbelsäule und des Beckens, letztmals im Januar 2017. Dr. med.
I._ stellte keine Diagnosen mit einem Einfluss auf die Arbeitsfähig-
keit. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führte er auf:
 Polyarthralgien unklarer Genese;
 chronische Kreuzschmerzen unklarer Genese mit Angabe von Hus-
tenschmerzen im Kreuz, sowie Angabe von Schmerzen im ISG
rechts bei Druck auf die Beckenschaufel von lateral, verdächtig auf
ISG-Arthritis resp. entzündliche SpondyIarthropathie bei negativem
MRI Januar 2017 und negativem HLAB27;
 dorsales Handgelenksganglion links;
 Asthma bronchiale.
Die klinische Untersuchung sowie die durchgeführten sonographischen
Untersuchungen der Schultern, Handgelenke, Sprunggelenke sowie Fin-
gergrundgelenke der Hände und Füsse hätten keine eigentlichen Arthriti-
den, sondern lediglich Druckdolenzen und teils Endphasenschmerzen bei
Flexion, gezeigt. Da keine sichere organische Ursache der Beschwerden
habe gefunden werden können, sei eine namhafte Besserung des Gesund-
heitszustands möglich. Der behandelnde Rheumatologe Dr. med.
J._ plane eine PET-Scan-Untersuchung, um eigentliche Arthritiden
peripher respektive ISG-Arthritiden auszuschliessen respektive nachzu-
weisen. Je nach Befund sei offenbar auch ein Versuch mit einem Biologi-
kum geplant. Diesem Vorgehen stimme Dr. med. I._ zu. Aufgrund
der bisherigen Befunde sei von einer guten Prognose auszugehen. Die
Versicherte sei ab dem Untersuchungszeitpunkt in ihrer zuletzt ausgeübten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Es bestünden keine medizinisch erklärba-
ren funktionellen Einschränkungen, weshalb der Versicherten sowohl die
bisherige Bürotätigkeit als auch eine andere manuelle sehr leichte Tätigkeit
zu 100 % ganztags zumutbar sei (IV-act. 22).
7.3 Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 23. Juli 2018 ist die
Vorinstanz auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin eingetreten und
hat diese nach Vornahme einer materiellen Prüfung abgewiesen. Sie hat
C-4675/2018
Seite 14
zur Begründung ausgeführt, der Gesundheitszustand der Beschwerdefüh-
rerin habe sich aus spezialärztlicher Sicht nicht verändert. Daher gelte
nach wie vor das der letzten Verfügung vom 2. November 2017 zu Grunde
liegende Anforderungsprofil, wonach die Beschwerdeführerin noch in der
Lage sei, sowohl ihre angestammte Tätigkeit als Purchaserin/Einkäuferin
als auch jede andere Tätigkeit in einem Pensum von 100 % auszuüben.
Mit dem im Vorbescheidverfahren eingereichten Arztbericht vom 12. Juli
2018, dem Bericht des Spitals K._ vom 5. April 2018 sowie den Ar-
gumenten der Beschwerdeführerin habe sich der RAD auseinandergesetzt
und hierbei seine frühere Einschätzung bestätigt (IV-act. 58).
7.4 Zur Beurteilung einer seit der rechtskräftigen Verfügung vom 2. Novem-
ber 2017 bei der Beschwerdeführerin eingetretenen Verschlechterung ih-
res Gesundheitszustands sind die im vorinstanzlichen Verfahren eingegan-
gen medizinischen Unterlagen ab November 2017 nachfolgend zusam-
menfassend wiederzugeben.
7.4.1 Dem Austrittsbericht des Spitals K._ (...), Abteilung Rheuma-
tologie, vom 2. November 2017 ist zu entnehmen, dass die Versicherte
zwecks einer diagnostischen und therapeutischen Neubeurteilung eines
entzündlichen Rheumatismus vom 27. Oktober 2017 bis zum 5. November
2017 stationär behandelt wurde. Die behandelnden Ärzte stellten die Diag-
nose des Verdachts auf einen chronisch-entzündlichen Rheumatismus,
ohne periphere Abgrenzbarkeit, immunologisch negativ, nicht erosiv sowie
cortical-sensibel. Der Bericht enthält keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 37 S. 11-14, 39 S. 1).
7.4.2 Im Arztbericht vom 3. November 2017 berichtete Dr. med. J._
von einer Neubewertung der Polyarthralgien im Rahmen des Verdachts auf
eine rheumatologische Entzündung ohne periphere Abgrenzbarkeit
(IV-act. 34 S. 1, 37 S. 15).
7.4.3 Im ärztlichen Zeugnis vom 30. November 2017 bestätigte Dr. med.
L._, Fachärztin für Allgemeine Medizin und Hausärztin der Versi-
cherten, dass die Versicherte vom 27. Oktober 2017 bis zum 5. November
2017 stationär behandelt worden sei aufgrund einer Verschlimmerung ihrer
Schmerzen, welche eine Erhöhung ihrer Schmerzmittel (mit allen Neben-
wirkungen wie Unwohlsein und Schwindel) erforderlich gemacht habe, so-
wie einer Verringerung ihrer Beweglichkeit, die sich beim Heben von sogar
leichten Gegenständen, Bluse zuknöpfen oder Spazierengehen gezeigt
habe (IV-act. 39 S. 8).
C-4675/2018
Seite 15
7.4.4 Im ärztlichen Zeugnis vom 7. Dezember 2017 erklärte Dr. med.
L._, die Versicherte habe weiterhin Schmerzen, die Schmerzmittel
der Stufe 2 (mit Nebenwirkungen wie Unwohlsein und Schwindel) erforder-
ten. Das Arztzeugnis entspricht im Übrigen jenem vom 30. November 2017
(IV-act. 39 S. 7).
7.4.5 Dem Bericht des Spitals K._ (...), Abteilung Rheumatologie,
vom 27. November 2017 ist zu entnehmen, dass die Versicherte sich am
23. November 2017 zwecks Umsetzung einer ersten ENBREL-Injektion im
Rahmen einer als cortical-sensibel, cortical-abhängig, nicht aber cortical-
destruktiv eingestuften entzündlichen Rheumatismus behandeln liess. Die
behandelnden Ärzte begründeten diesen neuen Therapieansatz damit,
dass der entzündliche Rheumatismus nicht genügend auf Arava und Me-
thotrexate angesprochen habe. Es sei eine Kontrolluntersuchung bei
Dr. med. J._ im Februar 2018 geplant. Falls bis dahin keine Verbes-
serung zu sehen sei, werde ein erneuter Therapiewechsel in Betracht ge-
zogen (IV-act. 39 S. 5 f.).
7.4.6 Mit Stellungnahme vom 6. Februar 2018 fasste RAD-Arzt Dr. med.
F._ die neu eingegangenen Arztberichte zusammen und hielt dies-
bezüglich fest, es könne im Vergleich zur Situation beim letzten Rentenbe-
scheid beziehungsweise der letzten RAD-Stellungnahme vom 23. August
2017 keine IV-relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands nach-
vollzogen werden (IV-act. 40).
7.4.7 Im Bericht vom 27. Februar 2018 hielt Dr. med. M._ fest, die
Situation des Asthmas sei relativ ausgeglichen. Er empfahl die ordnungs-
gemässe Behandlung und Überwachung des Asthmas (IV-act. 47 S. 28).
7.4.8 Im IV-Arztbericht vom 19. März 2018 (Überschrift) respektive
20. März 2018 (Signatur) berichtete Dr. med. L._, die Versicherte
habe sich 1992 einer Adenotonsillektomie unterzogen und leide an einer
obstruktiven Atmungsinsuffizienz der extra-thorakalen Atemwege
(Asthma). Seit 2005 weise sie Polyarthragien auf, welche sich im Jahr 2014
bedeutend verschlechtert hätten. Die Versicherte arbeite derzeit zu 70 %;
dies entspreche fünf Stunden und 57 Minuten pro Tag, bei fünf Tagen pro
Woche. Aktuell sei sie lediglich teilweise arbeitsunfähig. In der Vergangen-
heit sei jedoch bereits mehrfach eine Krankschreibung von 100 % erforder-
lich gewesen. Die Versicherte sei gut genährt. Es liege keine Depression
vor. Die Versicherte sei aber manchmal demoralisiert aufgrund ihres Ge-
C-4675/2018
Seite 16
sundheitszustands. Eine Tätigkeit sei nur unter Wechselbelastungen mög-
lich. Die Versicherte sei derzeit sowohl in der angestammten Tätigkeit (Ein-
käuferin für Flugzeugteile) als auch in angepassten Verweistätigkeiten zu
70 % arbeitsfähig (IV-act. 47 S. 13-16).
7.4.9 Im Arztbericht vom 5. April 2018 berichtete der Rheumatologe
Dr. med. N._ des Spitals K._ (...), der Gesundheitszustand
der Versicherten habe sich nach der ENBREL-Behandlung in einer spek-
takulären Weise verbessert. Nachdem die Versicherte ihre berufliche Tä-
tigkeit ab dem 12. Februar 2018 wieder zu 100 % aufgenommen habe,
seien indessen die Gelenkbeschwerden in den Schultern, Fingern und dem
Becken wieder vermehrt aufgetaucht. Bei der klinischen Untersuchung
habe eine Morgensteifigkeit während 30 Minuten bestanden. Die Versi-
cherte sei zwei- bis dreimal nachts erwacht und habe bezüglich fünf ver-
schiedener Gelenken Schmerzen geäussert. Sie habe aber keine ge-
schwollenen Gelenke aufgewiesen. Ausserdem habe sich die Versicherte
durch eine falsche Bewegung einen radio-styloidalen Mikroriss rechts zu-
gezogen. Insgesamt sei ein entzündlicher Rheumatismus festzustellen, der
durch ENBREL behandelt werde. Die Versicherte habe ihr Arbeitspensum
erneut auf 70 % reduziert. Dr. med. N._ empfahl die Fortsetzung
der Behandlung mit ENBREL (IV-act. 50).
7.4.10 Mit Stellungnahme vom 12. Juli 2018 hielt RAD-Arzt Dr. med.
F._ fest, es sei – selbst unter den subjektiv geklagten Beschwerden
(für die sich keine nachhaltigen, sicheren organischen Ursachen finden
liessen) – laut den behandelnden Ärzten zwischenzeitlich wieder zumin-
dest eine Arbeitsfähigkeit von 70 % erreicht worden. Der berichtete radio-
styloidale Mikroriss begründe keine längerfristige respektive wesentliche
und damit IV-relevante Einschränkung. Auch an Hand der neuen medizini-
schen Unterlagen und Informationen könne damit insgesamt keine Ver-
schlechterung des Gesundheitszustands im Vergleich zur Situation beim
letzten Rentenentscheid nachvollzogen werden. Aggravationen der sub-
jektiv geklagten Beschwerden könnten auch künftig nicht ausgeschlossen
werden (IV-act. 58).
7.5 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren hat die Beschwerdeführerin
ausserdem die nachfolgenden Arztberichte eingereicht:
7.5.1 Dr. med. L._ erklärte im medizinischen Zeugnis vom 9. August
2018, sie habe empfohlen, dass die Versicherte lediglich zu 50 % arbeite.
Aufgrund des Wunsches der Versicherten und unter Erhöhung der
C-4675/2018
Seite 17
Schmerzmittel werde die Krankschreibung dennoch auf 30 % reduziert
(Beilage zu BVGer-act. 1).
7.5.2 Mit medizinischem Zeugnis vom 17. August 2018 verlängerte
Dr. med. L._ die Krankschreibung zu 50 % für die Zeit vom 19. Au-
gust 2018 bis zum 16. September 2018 (Beilage zu BVGer-act. 7).
7.5.3 In dem von der Beschwerdeführerin eingeholten Privatgutachten vom
4. Oktober 2018 führte der Rheumatologe Dr. med. G._ aus, die
Versicherte beklage Schmerzen in den Händen und gelegentliches Ein-
klemmen bei Bewegungen seit sie 20 Jahre alt sei, ohne dass eine Ursa-
che hierfür gefunden worden sei. Die Behandlung mit ENBREL habe sich
bereits einen Monat nach dem Behandlungsbeginn als sehr wirksam er-
wiesen, weswegen die Versicherte ihre Arbeit habe wieder zu 100 % auf-
nehmen wollen. Leider seien zwei bis drei Tagen nach der Injektion Neben-
wirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Schwächeanfälle wegen
Unterzuckerung aufgetreten. Die Versicherte beklage eine allgemeine
Müdigkeit, Schmerzen der Hüfte sowie im Rücken. Ausserdem werde sie
durch die Schmerzen in ihren Händen in Tätigkeiten des Alltags, wie zum
Beispiel beim Tanken, eingeschränkt. Ausserdem habe die Versicherte
Fersenschmerzen, Schmerzen in den Zehen, Knöcheln sowie beiden
Schultern (vor allem rechts) angegeben. Die Schmerzen träten morgens
auf und nähmen dann während des Tages zu, besonders nach körperlichen
Betätigungen von vier bis fünf Stunden. Zum gewöhnlichen Tagesablauf ist
dem Gutachten zu entnehmen, dass die Versicherte von 8.00 bis 12.15 Uhr
arbeite, sich anschliessend ausruhe und nachmittags um ihre Tochter küm-
mere, welche um 19.30 Uhr schlafen gehe. Den Abend verbringe sie mit
ihrem Freund. Der Kindsvater lebe im selben Haus und kümmere sich am
Wochenende jeweils einen Tag um die Tochter.
Die Versicherte habe einige Fotos ihrer Finger und Vorderfüsse, welche sie
während der entzündlichen Schübe aufgenommen habe, an die Untersu-
chung mitgebracht. Die Analyse dieser Aufnahmen habe indessen nicht die
geringste objektive Schwellung oder Synovitis aufgezeigt. Beim Eintritt ins
Untersuchungszimmer habe die Versicherte rechts gehinkt. Anlässlich der
klinischen Untersuchung stellte Dr. med. G._ – abgesehen von
Schmerzen bei der Mobilisation des Iliosakralgelenks, einer sehr einge-
schränkten aktiven Beweglichkeit beider Schultern (von unter 90 % vorde-
res sowie 80 % seitliches Anheben) sowie einem unmöglichen Zenit-Ma-
növer – durchwegs normale Befunde fest. Unter dem Titel Diagnosestel-
C-4675/2018
Seite 18
lung hielt Dr. med. G._ fest, die verschiedenen klinischen Untersu-
chungen seien allesamt negativ gewesen und hätten im Besonderen keine
Entzündungssyndrome oder veränderte Nieren- und Leberfunktionen auf-
gezeigt. Es könne immer noch keine gesicherte Diagnose gestellt werden.
Eine Autoimmunkrankheit erscheine eher weniger wahrscheinlich unter
Berücksichtigung der langen Entwicklungsdauer (erste Symptome hätten
sich bereits mit 14 Jahren gezeigt) und der perfekten Normalität der zu-
sätzlichen Untersuchungen. Es wäre sinnvoll, noch zwei bis vier Monate
abzuwarten, um die Wirksamkeit der letzten Biotherapie zu beurteilen.
Falls sich diese als unwirksam herausstellen werde, sei es nicht gerecht-
fertigt, diese fortzusetzen. Aktuell seien die klinischen Daten durchaus be-
ruhigend; die Versicherte beklage hauptsächlich subjektive Beschwerden,
die schlecht erklärbar seien, wie allgemeine Müdigkeit, welche möglicher-
weise im Zusammenhang mit einem tiefen arteriellen Druck stehen könn-
ten. Da die Versicherte erst kürzlich eine neue Biotherapie begonnen habe,
könnten deren Ergebnisse aktuell nicht abschliessend beurteilt werden.
Die Arbeitsunfähigkeit in der aktuellen beruflichen Tätigkeit sei auf 40 %
seit dem 10. Juli 2018 (nach der Hospitalisierung zwecks Beginn der Be-
handlung mit Etanercept) zu schätzen. Diese teilweise Arbeitsunfähigkeit
sei gerechtfertigt bis zum 17. Februar 2019. Falls sich der Gesundheitszu-
stand bis dahin nicht gebessert haben sollte, sei die Biotherapie abzubre-
chen und in Abwesenheit einer positiven Diagnose die Arbeitsfähigkeit im
aktuellen Beruf auf 100 % einzustufen. Zusammenfassend hielt Dr. med.
G._ fest, vor der Begutachtung durch Dr. med. I._ habe der
Gesundheitszustand der Versicherten eine teilweise Arbeitsunfähigkeit be-
gründet. Nach dieser Begutachtung habe die Versicherte ihre berufliche
Tätigkeit wieder aufgenommen zu 100 %, anschliessend zu 70 %. Seit dem
10. Juli 2018 sei die Beschwerdeführerin zu 40 % arbeitsunfähig, dies (in
Ermangelung eines klinischen oder paraklinischen Elements, das eine ob-
jektiv ungünstige Entwicklung beweise) längstens bis zum 17. Februar
2019 (Beilage zu BVGer-act. 12).
8.
8.1 Bezüglich der im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen
erweisen sich die RAD-Stellungnahmen vom 6. Februar 2018 (E. 7.4.6)
sowie vom 12. Juli 2018 (E. 7.4.10) als umfassend, nachvollziehbar be-
gründet und in den Schlussfolgerungen einleuchtend. Sie erfüllen damit die
Anforderungen an beweiskräftige Arztberichte (vgl. E. 5.9 hiervor). Damit
ist die Feststellung der Vorinstanz nicht zu beanstanden, dass die Be-
schwerdeführerin mit den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten
Arztberichten keine seit der Begutachtung durch Dr. med. I._ vom
C-4675/2018
Seite 19
11. Juli 2017 eingetretene Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
nachgewiesen hat.
8.2 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren stützt sich die Beschwerdefüh-
rerin darüber hinaus auf die medizinischen Zeugnisse ihrer Hausärztin
Dr. med. L._ vom 9. August 2018 und 17. August 2018 (vgl. E. 7.5.1
f. hiervor), ein von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenes Privatgut-
achten von Dr. med. G._ vom 4. Oktober 2018 (vgl. E. 7.5.3 hier-
vor), einen Bericht der Psychologin O._ vom 14. September 2017
(Beilage zu BVGer-act. 7) sowie diverse (undatierte) Fotos ihrer Hände und
Vorderfüsse (Beilagen zu BVGer-act. 7 und 12). Diesbezüglich hat die Vor-
instanz keine zusätzliche Stellungnahme des RAD eingeholt.
8.2.1 Die beiden Arztzeugnisse vom 9. August 2018 sowie vom 17. August
2018, in welchen Dr. med. L._ der Beschwerdeführerin eine Arbeits-
unfähigkeit von vorerst 30 % (dies auf Wunsch der Beschwerdeführerin
sowie entgegen ihrer Empfehlung hinsichtlich der Krankschreibung von
50 %) sowie anschliessend von 50 % in der Zeit vom 19. August 2018 bis
zum 16. September 2018 bescheinigte (E. 7.5.1 f. hiervor), datieren erst
nach der vorliegend angefochtenen Verfügung und beziehen sich jeweils
auf eine erst nach der vorliegend angefochtenen Verfügung liegende Zeit-
spanne. Sie sind daher im vorliegenden Beschwerdeverfahren unbeacht-
lich (vgl. E. 4.2 hiervor).
8.2.2 Auch das von der Beschwerdeführerin eingeholte Privatgutachten
von Dr. med. G._ vom 4. Oktober 2018 (E. 7.5.3 hiervor) datiert erst
nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 23. Juli 2018.
Da sich dieses indessen (zumindest teilweise) auch zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vor dem Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung äus-
sert, ist es geeignet, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Verfügung zu beeinflussen. Insoweit kann es daher für die Be-
urteilung der Frage, ob eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin eingetreten ist, berücksichtigt werden (vgl. E. 4.2
hiervor).
8.2.2.1 Expertisen, die von einer Partei eingeholt und in das Verfahren als
Beweismittel eingebracht werden (Partei- oder Privatgutachten), darf der
Beweiswert nicht schon deshalb abgesprochen werden, weil sie von einer
Partei stammen (BGE 125 V 351 E. 3b/dd). Vorausgesetzt ist allerdings,
dass das Parteigutachten den in der Rechtsprechung genannten Beweis-
anforderungen entspricht (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der
C-4675/2018
Seite 20
Invalidenversicherung, 2010, § 25, Rz. 1751). Ist dies der Fall, besitzt ein
solches Parteigutachten zwar nicht den gleichen Rang wie ein vom Gericht
oder vom Versicherungsträger nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet indessen das Gericht, den von der
Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend,
zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassung und Schluss-
folgerungen des vom Gericht oder vom Versicherungsträger förmlich be-
stellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen
ist (BGE 125 V 351 E. 3c; Urteil des BVGer C-5186/2013 vom 9. Juni 2015
E. 4.4.5).
8.2.2.2 Das von der Beschwerdeführerin beim Rheumatologen Dr. med.
G._ eingeholte Privatgutachten vom 4. Oktober 2018 ist umfassend
und in den Schlussfolgerungen begründet. Es gibt die von der Beschwer-
deführerin beklagten Beschwerden sowie die erhobenen Befunde wieder.
Auf das Privatgutachten vom 4. Oktober 2018 kann daher für die Beurtei-
lung einer Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
abgestellt werden. Wie dem Privatgutachter zu entnehmen ist, war indes-
sen auch Dr. med. G._ nicht in der Lage, eine eindeutige Diagnose
bei der Beschwerdeführerin zu stellen. Damit bringt das Privatgutachten
vom 4. Oktober 2018 mit Blick auf die Diagnosestellung keine neuen Er-
kenntnisse. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gab
Dr. med. G._ vorerst die von der Beschwerdeführerin nach der Be-
gutachtung von Dr. med. I._ vom 11. Juli 2017 effektiv ausgeübten
Arbeitspensen von 100 % sowie anschliessend 70 % wieder und beschei-
nigte der Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 10. Juli 2018 (entspre-
chend kurz vor der vorliegend angefochtenen Verfügung) bis spätestens
zum 17. Februar 2019 eine teilweise Arbeitsunfähigkeit von 40 %. Diese
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit weicht zwar von der von Dr. med.
I._ im Gutachten vom 11. Juli 2017 der Beschwerdeführerin attes-
tierten vollen Arbeitsfähigkeit ab. Wie die kantonale IV-Stelle in ihrer Stel-
lungnahme vom 20. November 2018 zu Recht ausführt, reicht diese Ar-
beitsunfähigkeit von 40 % während der Dauer von sieben Monaten indes-
sen nicht aus für die Erfüllung des Wartejahrs im Sinne von Art. 28 Abs. 1
Bst. b IVG. Überdies bezieht sich die von Dr. med. G._ bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit zum grössten Teil auf eine erst nach der vorliegend an-
gefochtenen Verfügung liegende Zeitspanne. Soweit sich Dr. med.
G._ demgegenüber zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
vor der Begutachtung vom 11. Juli 2017 äussert, erweist sich seine Beur-
teilung vorliegend bereits aus dem Grunde als unbeachtlich, als die
Vorinstanz den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vor dem
C-4675/2018
Seite 21
11. Juli 2017 mit Verfügung vom 2. November 2017 rechtkräftig beurteilt
hat (vgl. E. 7.1 hiervor; zur Problematik der rückblickenden Festlegung der
Arbeitsfähigkeit vgl. auch Urteil des BVGer C-4160/2018 E. 4.6). Damit hat
die Beschwerdeführerin auch mit dem im Beschwerdeverfahren einge-
reichten Privatgutachten von Dr. med. G._ keine rechtserhebliche
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands seit der Begutachtung durch
Dr. med. I._ vom 11. Juli 2017 nachgewiesen.
8.2.3 Im Bericht vom 14. September 2017 (Beilage zu BVGer-act. 7) äus-
sert sich die Psychologin O._ (mangels einer entsprechenden
Facharztausbildung zu Recht; vgl. E. 5.6 hiervor) nicht zur Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin. Der Bericht enthält denn auch keine medizini-
schen Befunde, welche auf eine bei der Beschwerdeführerin eingetretene
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands schliessen lassen.
8.2.4 Die mit den Eingaben der Beschwerdeführerin vom 5. Oktober 2018
und 22. August 2018 (BVGer-act. 12 und Beilage zu BVGer-act. 7) beim
Bundesverwaltungsgericht eingereichten Fotos ihrer Hände und Vorder-
füsse erlauben sodann keine direkten Rückschlüsse auf die vorliegend
fragliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und genügen daher nicht
den beweismässigen Anforderungen hinsichtlich einer bei der Beschwer-
deführerin eingetretenen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands.
Überdies ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin auch an die von ihr
veranlasste Privatbegutachtung verschiedene Fotos ihrer Hände und Vor-
derfüsse mitgebracht hat. Der rheumatologische Facharzt Dr. med.
G._ hat diese Fotos geprüft und auf deren Grundlage keine objek-
tiven Befunde erheben können (vgl. E. 7.5.3 Abs. 2 hiervor). Die Fotos der
Hände und Vorderfüsse der Beschwerdeführerin ändern daher nichts an
den bisherigen Schlussfolgerungen des Bundesverwaltungsgerichts.
8.3 Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerdeschrift vom 9. Au-
gust 2018 geltend, sie sei nicht in der Lage, zu 70 % zu arbeiten. Sie habe
entgegen der Empfehlung der behandelnden Ärzte versucht, ihr Arbeits-
pensum von 50 % auf 70 % zu erhöhen. Seit einem Jahr verschlechtere
sich indessen ihr Gesundheitszustand fortlaufend. Durch die Erhöhung ih-
res Arbeitspensums sei es zu einer starken Ermüdung gekommen. Als sie
noch zu 50 % gearbeitet habe, hätten sich die Auswirkungen ihrer Krank-
heit nicht so deutlich gezeigt. Dies belege, dass sie nicht in der Lage sei,
zu mehr als zu 50 % zu arbeiten.
C-4675/2018
Seite 22
Diesen Ausführungen der Beschwerdeführerin ist entgegenzuhalten, dass
die Arbeitsfähigkeit im IV-rechtlichen Sinne auf der Grundlage entspre-
chender Facharztberichte festzustellen ist (vgl. E. 5.6 hiervor). Auf die
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin kann das Bundesverwal-
tungsgericht daher nicht abstellen. Überdies widerspricht die von der Be-
schwerdeführerin angegebene Arbeitsfähigkeit von 50 % gerade der von
der Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerdeschrift eingereichten Arbeits-
fähigkeitsbescheinigung von Dr. med. L._ vom 9. August 2018 (vgl.
Beilage zu BVGer-act. 1).
8.4 In einer zeitlich neueren Eingabe vom 10. Januar 2020 (Beilage zu
BVGer-act. 27) erklärte die Beschwerdeführerin abweichend zu ihren Aus-
führungen in der Beschwerdeschrift, sie habe seit der Begutachtung durch
Dr. med. I._ versuchsweise ihre Arbeit zu 100 % wiederaufgenom-
men. Dies sei indessen zuviel für sie gewesen, weshalb sie daraufhin für
zwei Tage voll krankgeschrieben sowie anschliessend bis Ende Oktober
2017 zu 30 % krankgeschrieben worden sei. Vom 27. Oktober 2017 bis
zum 5. November 2017 sei sie stationär mittels Biotherapie behandelt und
anschliessend bis zum 1. Januar 2018 zu 100 % krankgeschrieben wor-
den. Am 1. Januar 2018 habe sie ihre Arbeit bei der bisherigen Arbeitgebe-
rin wieder zu 50 % aufgenommen. Vom 6. Februar 2018 bis zum 11. Feb-
ruar 2019 habe sie zu 70 % gearbeitet. Ein anschliessender Versuch, zu
100 % zu arbeiten, sei gescheitert, weshalb sie bis August 2018 weiterhin
zu 70 % gearbeitet habe. Am 1. Juli 2019 habe sie eine neue Arbeitsstelle
bei der D._ AG angetreten, bei einem Arbeitspensum von 80 %.
Diese Ausführungen der Beschwerdeführerin zeigen, dass sie – abgese-
hen von den vollen Krankschreibungen nach einer Überlastung infolge voll-
zeitiger Arbeitstätigkeit respektive nach einer Hospitalisierung – zumindest
in der Lage war, zu 70 % zu arbeiten, wie dies RAD-Arzt Dr. med.
F._ bereits in seiner Stellungnahme vom 12. Juli 2018 dargelegt
hatte (vgl. E. 7.4.10 hiervor). In diesem Sinne bescheinigte auch der Pri-
vatgutachter Dr. med. G._, dass die Beschwerdeführerin in der vor-
liegend massgebenden Zeitspanne von Juli 2017 (Gutachten von Dr. med.
I._) bis Juli 2018 (angefochtene Verfügung) in der Lage war, vorerst
zu 100 % sowie anschliessend zu 70 % zu arbeiten (vgl. E. 7.5.3 Abs. 2
hiervor). Darüber hinaus arbeitet die Beschwerdeführer seit dem 1. Juli
2019 nach eigenen Angaben bei einer neuen Arbeitgeberin in einem 80 %
Pensum (vgl. auch aktualisierter IK-Auszug in der Beilage zu BVGer-act.
36). Obschon die Beschwerdeführerin ihre neue Stelle erst nach Erlass der
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angefochtenen Verfügung angetreten hat, darf der Umstand, dass die Be-
schwerdeführerin heute offenbar in der Lage ist, eine Berufstätigkeit von
80 % auszuüben, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-
führerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung mitberücksichtigt wer-
den. Insgesamt belegen die erwähnten Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin zumindest keine höhere Einschränkung als die vom Privatgutachter
Dr. med. G._ für die Zeit kurz vor Erlass der angefochtenen Verfü-
gung attestierte Arbeitsunfähigkeit von 40 % und ändern damit ebenfalls
nichts an den vorangehenden Schlussfolgerungen des Bundesverwal-
tungsgerichts.
9.
Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin keine medizinischen Un-
terlagen vorgebracht, die eine seit der Begutachtung durch Dr. med.
I._ vom 11. Juli 2017 eingetretene Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands belegen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz mit der angefochtenen Verfügung vom 23. Juli 2018 das neue
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Die Be-
schwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m. Abs. 2 IVG). Entsprechend dem Aus-
gang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 800.– fest-
zusetzen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist nach Eintritt der Rechts-
kraft des vorliegenden Entscheids zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu
verwenden.
10.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die obsiegende Vorinstanz keinen Anspruch auf eine Parteient-
schädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE (SR 173.320.2]). Der unterliegenden Be-
schwerdeführerin ist entsprechend dem Verfahrensausgang ebenfalls
keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
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