Decision ID: 94e77dcd-3f42-4f6a-a6d8-cf55b087bd0a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1980
,
geschieden
und Mutter einer 2009 geborenen Tochter
,
ist gelernte Friseuse und absolvierte ein Modedesignstudium
(Urk.
6
/
2, Urk. 6/4/9, Urk. 6/4/10
,
Urk. 6/5
S. 5
und Urk. 6/
39
).
S
ie arbeitete vor
nehmlich im Verkauf
,
z
uletzt
bis im April 2014
in einem Pensum zu 80 % als Filialleiterin in der Bekleidungsboutique der
Y._
(vgl. Urk.
6
/
14 S.
2
f. und Urk. 6/19
/1-6
).
Das
Arbeitsverhältnis wurde aus wirtschaftlichen Gründen
aufgelöst
(Urk. 6/19/1-6 S. 1 und Urk. 6/19/7)
.
Seit 2. Januar 2017 arbeitet sie als Wohnungsreinigungskraft bei verschiedenen Privatpersonen zu
fünf bis sieben
Wochenstunden (vgl. Urk. 6/62).
Unter Hinweis auf
eine
Depression
hatte
sich die
Versicherte am
2
.
Oktober
201
4
bei
der Invalidenversicherung an
gemeldet
(Urk.
6
/
5
). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wies
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
11
.
September
201
5
(Urk.
6
/
31
) ab.
1.2
Am
11
.
November
2015
(Urk. 6/40)
meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
eine chronische Depression infolge von
Traumaerlebnissen
erneut bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizinischer
Hinsicht
.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 6/52 und Urk. 6/58)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
der Versicherten am
2.
März
201
7
(Urk. 2)
ab
.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
3
.
April
201
7
Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei die Verfügung vom
2. März 2017
aufzuhe
ben und
die Sache
sei
zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
Mit Vernehmlassung
vom
18
.
Mai
201
7 (Urk. 5)
beantragte die Beschwerde
gegnerin
Abweisung der Beschwerde.
Am
30
. Mai
2017 (Urk.
8
)
reichte die
Beschwer
deführerin
eine
weitere
Stellungnahme ein. Am 22
.
Juni
201
7 (Urk. 12)
verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
Äusserung
hiezu
, was der Beschwerde
führerin am 26. Juni 2017 (Urk. 11) zur Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesund
heitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015
vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdever
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom 2. März 2017 (Urk. 2) damit, dass weiterhin kein Gesundheitsschaden vorliege, der die Arbeitsfähigkeit dauerhaft beeinträchtige. Viel eher liessen sich die Beschwerden durch aktuelle bestehende psychosoziale Belastungsfaktoren erklä
ren. Solche
seien inva
l
i
dit
ätsfremd und könnten von der Invalidenversicherung nicht berücksichtigt werden.
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2017 (Urk. 5) führte sie ergänzend aus,
es
müsse im zeitlichen Vergleich zur erstmaligen rechts
kräftigen Abweisung eines Leistungsbegehrens zu einer tatsächlichen Verände
rung des Gesundheitszustandes gekommen sein. Eine lediglich andere Diagnose
vermöge eine massgebliche Verschlechterung indessen nicht
zu
begründen.
Angesichts der Vorgeschichte der Beschwerdeführerin sowie der Ausführungen der behandelnden Ärzte und Therapeuten müsse darauf geschlossen werden, dass zwar möglicherweise eine Persönlichkeitsstörung vorliege, diese indessen vor Hinzutreten der psychosozialen Faktoren nicht invalidisierend gewirkte habe.
Es sei davon auszugehen, dass bei Wegfall der psychosozialen Faktoren die Erwerbs
fähigkeit trotz allfälliger Persönlich
keitsstörung nicht mehr eingeschränkt sei
(S. 2
f.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom
3
.
April
201
7
(Urk. 1)
hingegen
auf den Standpunkt,
dem Bericht von
med.
pract
.
Z._
komme kein
Beweiswert im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu. Er lasse die fachärztlich erhobenen
und in den Vorberichten festgehaltenen Befunde unberücksichtigt. Unklarheiten, die er angesichts seiner Aktenbeurteilung festge
stellte habe, gehe er weder in Form eigener Untersuchungen noch auf dem Wege der Einholung fremdanamnestischer Angaben näher nach. Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin seien demnach unvollständig. Die Sache
sei
zur Vorn
a
hme vollständiger Abklärungen, insbesondere einer externen Begutachtung
,
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. S. 4-6).
Am
30.
Mai 2017 (Urk. 8) ergänzte die Beschwerdeführerin,
med
.
pract
.
Z._
habe
nicht begründet
, wes
halb die Befunde psychosoziale Belastungen
-
in Abweichung zur Beurteilung der behandelnden Ärzte
-
darstellten.
Diese
hätten gerade bestätigt, am Ursprung der Probleme
stünden
nicht psychosoziale Umstände, sondern die Persönlichkeitsstö
rung. Die psychosozialen Faktoren würden als
o
nicht wegfallen, bis nicht die Persönlichkeitsstörung behoben werden könne.
2.3
Strittig
ist vorliegend, ob der Beschwerdeführerin nach der Neuanmeldung auf
grund einer allfälligen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nunmehr
eine Invaliditätsrente zusteht.
3.
3.1
Die ursprüngliche rentenabweisende Verfügung vom
11. September 2015 (Urk. 6/31
)
basierte im Wesentlichen auf
folgenden Berichten:
3.2
Oberarzt
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
von
der
B._
, wo sich
die
Beschwerde
führerin
seit
23. Mai 2014 in ambulanter Behandlung
befindet
, nannte in
seinem
Bericht vom
27
.
Janu
ar
20
15
(Urk.
6
/
23
)
– i
m
W
esentliche
n in
Übereinstimmung mit seinen früheren Berichten vom 19. Juni 2014 (Urk. 6/4/11-14) und vom
24.
November
2014 (Urk. 6/15/2-4) -
eine rezidivierende depressive Störung mit aktuell mittelschwerer Episode (ICD-
10 F33.1) als
Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit. Daneben diagnostizierte er eine
n
Status nach Tonsillektomie in der Kindheit ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1).
Er führte aus,
aktuell
sei die Konzentrations- und Durchhaltefähigkeit stark beeinträchtigt. Langfristig gehe er von einer guten Prognose und von einer Wiederherstellung
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus (S. 4). Im derzeitigen Zustand sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig (S. 5).
3.3
Gestützt auf die Ergebnisse
seiner
im Auftrag d
er Kranken
taggeld
versicherung
erstellten
psychiatrischen
Expertise
vom 30. Januar 2015 (Urk. 6/27/2-16)
stellte Dr. med.
Dipl.-Psych.
C._
,
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM und zer
tifizierter Arbeitsfähigkeitsassessor ZAFAS, eine rezidivierende depressive Epi
sode, remittiert (ICD-10 F33.4) als
Diagnose mit
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
und
Probleme in Bezug auf vermuteten sexuellen Missbrauch in der
Kindheit (ICD-10 Z61.4) als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12).
Er
führte au
s,
zurzeit bestehe ab dem Untersuchungszeitpunkt (
16.
Januar 2015)
bis zum 15.
Februar 2015 noch eine 20%ige und ab d
em 15.
Februar 2015
keine Arbeitsunfähigkeit mehr, sofern eine adäquate und konsequente Therapie durch
geführt werde (S.
1
2
)
.
4.
4.1
Die rentenabweisende Verfügung vom
2.
März
201
7
(Urk. 2)
nach Neuanmeldung beruhte auf nachstehenden medizinischen Berichten.
4.2
Oberärztin
Dr. med.
D._
und
Dr.
phil.
E._
, Psychologin,
vom
B._
, nannten in ihrem Bericht vom 17. Dezember 2015 (Urk. 6/45) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ
(ICD-10 F60.31)
, erstdiagnostiziert November 2015
, bestehend
seit dem
jungen Erwachsenenalter
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bestehend seit mehreren Jahren, aktuelle Episode dauert seit über 1,5 Jahren
Sie führten aus,
bei der Beschwerdeführerin sei formalgedanklich ein mittel bis schwer ausgeprägtes Grübeln festzustellen. Sie zeige deutlich ausgeprägte Zukunftsängste und ausgeprägte paranoide Vorstellungen. Im Affekt sei sie rasch aktiviert und instabil. Es sei ein
Empfinden der Gefühllosigkeit, chronischer Leere und leicht reduzierte emotionale Schwingungsfähigkeit sowie eine starke Bewer
tungsangst feststellbar
; ebenso wie eine s
tark ausgeprägte Anspannung während der meisten
Zeit des
Tages. Sie sei mittelgradig hoffnungslos. Zudem sei eine
leichtg
radige Störung der Vitalgefühle sowie eine
m
ittelschwere
Antriebsminde
rung
zu erkennen
.
Es fände sich eine v
erminderte Schlafqualität durch inter
mittierende
Einschlafs
törungen
. Das Zustandsbild sei insgesamt instabil. Sie sei schwer beeinträchtigt im Bereich der Durchhaltefähigkeit
und der
Selbstbe
hauptungsfähigkeit. Zudem sei die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit bedingt durch die affektive Instabilität und Defizite im Bereich sozia
ler/zwischen
menschlicher Fertigkeiten mindestens mittelgradig eingeschränkt. Darüber hinaus seien die Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit und Fähigkeit zu familiären beziehungsweise intimen Beziehungen schwer beein
trächtigt, was besonders durch die neue Diagnose
Borderline
-Persönlichkeitsstö
rung und den stark ausgeprägten narzisstischen und
paranoiden Zügen begründ
bar sei. Die Beschwerdeführerin sei von ihnen ab dem 4.
Juni 2014
bis heute
zu 100 % krankgeschrieben worden (S. 2).
Die Beschwerdeführerin
habe
krankheitsbedingt Schwierigkeiten
,
Autoritätsper
sonen
zu akzeptieren. Kritik am Arbeitsplatz (abe
r auch im sozialen Umfeld) führe
immer wieder zu hoher A
nspannung und Konfliktverhalten. Sie zeige sich
thera
piecompl
i
ant
und
motiviert. Ihr Ziel der möglichst raschen beruflichen Reintegra
tion auf dem ersten Arbeitsmarkt
sei
glaubwürdig. Jedoch könn
t
en die genauen, langzeitlichen
Auswirkungen der neu diagnostizierten
Borderline
-Persönlich
keitsstörung im Sinne einer
prognostischen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht in vollem Ausmass beurteilt werden
(S. 3)
.
4.3
Med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
Regional
en
Ärztlichen Dienst (RAD)
,
führte in seiner
auf die Akten gestützten
Stellungnahme vom
21
.
Juli 2016
(Urk.
6
/
51 S. 3 f.) aus,
definitionsgemäss liege keine
Borderline
-Persönlichkeitsstörung vor. Es sei gut nachvollziehbar, dass die Beschwerde
führerin als nun alleinerziehende Mutter in finanziell angespannter Lage und in wiederholten Auseinandersetzungen mit dem geschiedenen Partner «ausgeprägte Zukunftsängste», eine «leicht reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit», eine Anspannung und eine leichtgradige Störung der Vitalgefühle» zeige. Derartige Symptome erklärten sich zwanglos aus diesen psychosozialen Belastungen. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht überw
ö
gen weithin die Auswirkungen dieser psychosozialen Belastungen.
4.4
Dr.
D._
,
Dr. med.
F._
,
Assistenzärztin
, und Dr.
phil.
E._
vom
B._
, nannten in ihrem Bericht vom
27
. Dezember 201
6
(Urk. 6/
64
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen
(
emotional instabil und narzisstisch;
ICD-10 F60.31)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1
)
Sie führten
aus,
die
aus der Persönlichkeitsstörung resultierenden Verhaltens
wei
sen und somit Schwierigkeiten würden als Ursache der mannigfaltigen psycho
sozialen Probleme, unter welchen die Beschwerdeführerin extrem leide und die
die
Depression aufrechterh
ie
lten, gesehen. In einem persönlichen Störungsmodell seien die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren der Persönlichkeitsstörung erarbeitet und daraus Therapieziele abgeleitet worden. Hauptfokus sei zunächst auf den Kommunikations- und Erziehungsstil gegenüber der Tochter gelegt wor
den. Anhand von Rollenspielen
seien
konkret die sozialen
Kompetenzen verbes
sert
worden
. Daneben
seien
anhand von emotionsfokussier
ten Methoden
die Emotionsregulationsfähigkeit bearbeitet
worden
, was zu einer Abnahme der
Wut
ausbrüche
geführt habe
.
Es
sei
immer wieder
zu
einer Besserung
,
jedoch auch wieder zu Stimmungsein
b
r
üchen
intermittierend auch mit Suizidalität
gekommen
. In der Folge
hätten die psychosozialen Bel
astungsfaktoren im Sinne von finanzielle
n
Schwierigkeiten
und Konflikten mit dem ehemaligen Partner um das gemeinsame Kind weiter zu
genommen
.
Sie habe mehrfach Frustrationsereig
nisse, Autonomieverlust, Kontrollverlust und Zurückweisung erlebt, was teilweise für sie sehr kränkend und schwer aushaltbar gewesen sei. Während der letzten Monate der Behandlungszeit hätten sich keine depressiven
Einbrüche gezeigt und es habe sich eine gewisse emotionale Stabilität abgezeichnet (S.
3 f.
).
Zusammen
fassend beurteilten die Fachpersonen des
B._
, dass eine leichte bis mittelgradige Zustandsverbesserung habe festgestellt werden können und eine Eingliederung ins Berufsleben für die Beschwerdeführerin unabdingbar sei für die weitere Stabilisierung ihrer Gesundheit (S. 4).
5.
5.
1
Als Grundlage für ihre Verfügung
vom 2.
März
201
7
(Urk. 2)
dienten
der Beschwerde
gegnerin
lediglich
zwei
Berichte des
B._
(E. 4.2 und E. 4.4) sowie
eine kurze Stellungnahme des RAD-Arztes Dr.
Z._
(E. 4.3). Dieser
stellte in seiner auf die Akten gestützten Stellungnahme lediglich fest, dass die Kriterien einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung nicht gegeben seien, sich die beschriebenen Symptome zwanglos aus den psychosozialen Belastungen erklärten und aus versicherungspsychiatrischer Sicht die Auswirkungen dieser psychosozialen Belastungen weithin überw
ög
en.
Dr.
Z._
Einschätzung erging
in Unkenntnis des letzten Berichts des
B._
s (E. 4.4) respektive
ihm
wurde
dieser
für eine
weitere
Beurteilung nicht mehr vorgelegt. In diesem Bericht stellten die Fachpersonen des
B._
klar, dass es sich bei der Persönlichkeitsstörung nicht um
eine
vom
Borderline
-Typ
–
wie
auch
von Dr.
Z._
kritisiert (E. 4.3) – handelt, sondern um eine
k
ombinierte und andere Persönlichkeitsstörung
,
und vor allem
stellten sie fest
, dass die
aus der Persön
lichkeitsstörung resultierenden Verhaltensweisen
bzw.
Schwierig
keiten als Ursa
che der mannigf
altigen psychosozialen Probleme anzusehen sind.
Es ist vorliegend nicht
klar,
ob
die
sich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Leistungs
einschränkungen
auf
rein psychosoziale
Belastungsfaktoren
zurückzu
führen sind
oder
ob
diese
in der psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin gründen.
Folglich kann Dr.
Z._
Schlussfolgerung, die Auswirkungen der psycho
sozialen Belastungen überw
ö
gen weithin, nicht zweifelsfrei gefolgt werden, wes
halb darauf nicht abgestellt werden kann
(
vgl.
Urteil des Bu
ndes
gerichts 8C_197/2014 vom 3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE
139 V 225 E.
5.2; 135 V 465 E.
4.4 und E. 4.7).
5.
2
Im Bericht des
B._
17.
Dezember 2015
attestierten die
Fach
personen
der Beschwerdeführerin noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl.
E. 4.2). Ihr Gesundheitszustand hat sich
aufgrund der durchgeführten Therapie
bis zum Zeitpunkt des Berichts vom 27. Dezember 2016 eindeutig verbessert
(vgl. E. 4.4)
.
A
n einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mangelt es jedoch.
Inwieweit
es
seit der letzten rentenverneinenden Verfügung zu einer gesund
heitlichen Verschlechterung gekommen ist, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht schlüssig beurteilt werden. So zeigte sich die depressive Störung im Januar 2015 remittiert (E. 3.3). Im Neuanmeldeverfahren gingen die behandeln
den Ärzte von einer mittelgradigen Episode aus, allerdings unverändert seit längerer Zeit. Ob die neu diagnostizierte Persönlichkeitsstörung bereits im Ver
gleichszeitpunkt der erstmaligen Rentenverneinung bestanden hat und welche Auswirkungen daraus auf das funktionelle Leistungsvermögen resultierte, kann ebenfalls nicht beurteilt werden. Fest steht, dass eine Persönlichkeitsstörung damals nicht diagnostiziert worden war. Auch wenn zwischen (negativem) Rentenentscheid und Neuanmeldung nur gerade zwei Monate verstrichen sind, ist es doch nicht ausgeschlossen, dass sich die Verhältnisse in relevanter Weise verschlechtert haben. Hierzu hat die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen zu tätigen.
Dabei ist darauf hinzuweisen,
dass
g
emäss BGE 143 V 418 grundsätzlich säm
tli
che psychischen Erkrankungen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen
sind
(Änderung der Rechtsprechung). Für die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit sind somit systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berück
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Das erforderliche Gutachten wie auch die Bes
chwerdegegnerin werden sich dem
nach auch mit den nunmehr massgebenden
Standardindikatoren auseinander
setzen zu haben.
Dabei ist vorliegend insbesondere zu beachten,
dass
im
Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens davon abzusehen ist, einzelne Beschwerden und Störungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlender invaliden
versicherungsrechtlicher Relevanz auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsscha
den nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis).
5.
3
Darüber hinaus ist
der
Umstand
zu beachten
, dass
die
Beschwerdeführerin auf
grund der Betreuung ihrer Tochter vor dem Eintritt des von ihr geltend gemachten Gesundheitsschadens im Rahmen eines
Teilpensums
arbeitstätig und daher zumindest teilweise im Aufgabenbereich tätig war.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.