Decision ID: dc171e6b-291f-5a4e-9633-8d3129326e32
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer - ein Staatsangehöriger Sri Lankas tamilischer Eth-
nie - verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 28. November
2014 und sei zunächst auf dem Luftweg nach Dubai und in die Türkei ge-
reist, wo er sich drei Monate lang versteckt aufgehalten habe. Danach sei
er über ihm unbekannte Länder schlepperunterstützt am 24. April 2015 in
die Schweiz eingereist, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am
6. Mai 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt (A6/13). Am 7. Au-
gust 2015 wurde die Anhörung durchgeführt (A17/21). Am 1. September
2017 fand eine ergänzende Anhörung statt (A28/26).
Zu seinen Gesuchsgründen brachte er vor, er habe von 2004 bis 2008 als
(...) B._ gearbeitet. Die B._ stelle eine Unterorganisation der
C._ dar und gehöre zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE).
Im Jahr 2006 habe er im Auftrag der LTTE Briefe nach D._/Jaffna
gebracht, woraufhin er von der Armee festgenommen, inhaftiert, verhört
und gefoltert worden sei. Nach einem Monat habe der Onkel seiner Frau
seine Freilassung erwirken können und es sei ihm eine tägliche Melde-
pflicht auferlegt worden. Da er Angst davor gehabt habe, wie andere Kol-
legen getötet zu werden, sei er noch am Tag der Freilassung ins Vanni-
Gebiet geflüchtet und habe dort weiterhin für die B._ gearbeitet. Bei
Kriegsende habe er sich der Armee gestellt und sei in einem Camp inter-
niert gewesen. Aufgrund von Informationen durch den Dorfvorsteher habe
er nach einem Monat flüchten können, indem er über eine Mauer gestiegen
sei. Er habe sich zunächst ein Jahr lang beim Onkel seiner Frau in
E._ versteckt. Danach sei er bis zu seiner Ausreise bei einem
Freund in F._ gewesen und habe in einer (...) gearbeitet. Seine Frau
sei wiederholt von Beamten des Criminal Investigation Departments (CID)
über seinen Verbleib befragt worden.
Zur Stützung seiner Angaben legte er seine Identitätskarte, eine Rations-
karte für Flüchtlinge vom 13. Januar 1996, ein Foto, beglaubigte Kopien
seiner Heiratsurkunde und seiner Geburtsurkunde, ein Schulzeugnis, Ko-
pien über Medikamente und einen Dosierungsplan sowie Arztberichte vom
18. September 2015, vom 23. Oktober 2015, vom 18. November 2016 und
vom 1. Juni 2017 vor.
B.
Mit Verfügung vom 17. Mai 2018 – eröffnet am 22. Mai 2018 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
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lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 21. Juni 2018 liess der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und
beantragen, die Verfügung vom 17. Mai 2018 sei aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren, eventu-
aliter sei die Unzumutbarkeit und/oder Unzulässigkeit des Vollzugs der
Wegweisung festzustellen und er sei vorläufig aufzunehmen, subeventua-
liter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er unter Vorlage einer Sozialhilfebestäti-
gung um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung seines
Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
Als Beweismittel legte er eine Arbeitsbestätigung der B._, eine Ko-
pie einer ihn betreffenden Vermisstenmeldung, eine Bestätigungskarte der
Human Rights Commission of Sri Lanka über die Vermisstenanzeige aus
dem Jahr 2009 mitsamt einer Eintrittskarte, drei Zeitungsartikel, einen Arzt-
bericht vom 28. Mai 2018 und eine Bestätigung einer (...) vor.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Juni 2018 verzichtete die Instruktionsrich-
terin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Eingabe vom 9. Juli 2018 gelangte ein weiterer Arztbericht vom 5. Juli
2018 zu den Akten.
F.
Mit Vernehmlassung vom 6. August 2018 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift sowie zu den eingereichten Beweismitteln und hielt an sei-
nen Erwägungen fest.
G.
Mit Replik vom 23. August 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen Be-
schwerdebegehren fest.
H.
Mit Eingabe vom 27. August 2019 gelangte ein Austrittsbericht (...) vom 26.
August 2019 zu den Akten.
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I.
Mit Eingabe vom 8. April 2020 legte der Beschwerdeführer einen Austritts-
bericht eines Spitals vom 22. Januar 2020 sowie eine Eintrittsbestätigung
in (...) vom 3. März 2020 vor.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz s ucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM begründete die Ablehnung des Asylgesuchs damit, dass die
Angaben des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftma-
chung nicht genügten. Er habe widersprüchliche Ausführungen zu seinem
Arbeitgeber (C._ respektive B._ respektive LTTE) und zu
seiner Tätigkeit als [...] gemacht ([...]).
Im Weiteren habe er vorgebracht, im Jahr 2006 wegen einer Briefübergabe
für die LTTE von der sri-lankischen Armee inhaftiert worden zu sein, wobei
seine Angaben, weshalb er nach der Freilassung noch gefährdet gewesen
sei, vage und teils widersprüchlich ausgefallen seien. In der BzP sowie in
der Anhörung und in der ergänzenden Anhörung habe er anfangs lediglich
eine potenzielle Gefährdung erwähnt, da zwei andere Freigelassene von
der Armee erschossen worden seien. Erst später habe er ergänzt, eine
Person der Armee habe dem Verwandten seiner Frau von einem Auftrag
berichtet, ihn zu erschiessen, weshalb er ins Vanni-Gebiet geflohen sei. Da
er den Auftrag, ihn zu erschiessen, in der BzP mit keinem Wort erwähnt
und dies auch bei den beiden Anhörungen ohne ersichtlichen Grund nicht
sofort vorgebracht habe, seien die diesbezüglichen Aussagen nicht glaub-
haft. Im Weiteren habe er widersprüchliche Aussagen zum Ablauf der Fest-
nahme vom Jahr 2006 gemacht. Zunächst habe ausgeführt, ihm seien die
Augen bereits auf der Strasse verbunden worden. Dann wiederum habe er
gesagt, dies sei erst im Fahrzeug passiert. Auch sei der genaue Ablauf sei-
ner Entlassung trotz mehrfacher Nachfrage unklar geblieben. Er habe sich
auf platte, schemaartige Wiederholungen beschränkt, wonach er vor der
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Entlassung mehrfach befragt und dann mit Hilfe des Onkels seiner Frau
entlassen worden sei, jedoch fortan einer Unterschriftspflicht unterstanden
habe und aus Angst direkt ins Vanni-Gebiet geflohen sei. Überdies habe
eine Anfrage bei der Schweizerischen Botschaft in G._ nicht zur
Auflösung der Widersprüche beigetragen. Seine Ehefrau habe angegeben,
er sei bei den LTTE in Gefangenschaft gewesen. Später habe sie angege-
ben, die LTTE hätten ihn von 2008 bis 2011 im Vanni-Gebiet gefangen ge-
halten und er sei im Jahr 2011 einen Monat lang im Gefängnis gewesen.
Seine schriftliche Stellungnahme zu diesen Unstimmigkeiten, wonach
seine Frau nur wenig über das Vanni-Gebiet wisse und die dortige Lage
falsch verstanden habe, überzeuge nicht. Da seinen Angaben zufolge
seine Frau aktiv in die Bemühungen um seine Freilassung involviert gewe-
sen sei, sei es nicht nachvollziehbar, dass sie nicht gewusst habe, welche
Partei oder Behörde ihn damals inhaftiert habe. Auch erscheine der angeb-
liche Irrtum seiner Frau über den Zeitpunkt seiner Haft nicht nachvollzieh-
bar und spreche ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Er
habe nämlich seine Haft in der Zeit während des Bürgerkrieges geschildert
und sie habe diese Haft Jahre nach dem Bürgerkrieg eingeordnet.
Da die geltend gemachte Verfolgung im Zusammenhang mit den LTTE
nicht glaubhaft sei, sei auch davon auszugehen, dass die Armee zum Zeit-
punkt seines Aufenthaltes im Flüchtlingscamp kein Verfolgungsinteresse
gehabt habe. Zudem bestünden Zweifel an den Ausführungen zur Flucht
aus dem Camp und den folgenden Jahren, in denen er sich angeblich ver-
steckt aufgehalten habe, sowie zu den Besuchen des CID bei seiner Frau.
Trotz mehrfachen Nachfragens habe er seine Flucht aus dem Camp nur
knapp und rudimentär geschildert. Er habe stereotyp wiederholt, er sei über
eine Mauer gestiegen. Ebenso oberflächlich seien seine Ausführungen
über das Leben im Versteck sowie zu den Befragungen seiner Ehefrau ge-
wesen. Überdies habe die Botschaftsanfrage ergeben, dass seine Aussa-
gen zu dieser Zeitspanne im Widerspruch zu den Aussagen seiner Frau
und deren Onkels, bei dem er sich aufgehalten habe, stünden. Zunächst
habe sie ausgesagt, sie habe zwei bis drei Jahre nach der Flucht aus dem
Flüchtlingscamp mit ihm zusammengelebt, bis er 2014 ausgereist sei. Spä-
ter habe sie sich dahingehend korrigiert, dass sie nach seiner Flucht nur
kurz mit ihm zusammengelebt, ihn jedoch mehrmals besucht habe. Die
CID-Leute hätten sie mehrmals befragt, nach seiner Ausreise sei sie nicht
mehr befragt worden. Auch die Aussagen des Onkels, bei dem er sich sei-
nen Angaben zufolge nach 2009 versteckt aufgehalten habe, sowie die
Aussagen von dessen Frau würden seinen Aussagen diametral widerspre-
chen. Der Onkel und dessen Frau hätten angegeben, dass er erst ab 2011
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für einige Monate beim Onkel gelebt und für ihn gearbeitet habe. Anschlies-
send sei er nach G._ gegangen, von wo aus er ausgereist sei.
Seine Stellungnahme zur Botschaftsabklärung, wonach die Ausführungen
des Ehepaares aufgrund der Verwirrtheit beziehungsweise Alkoholabhän-
gigkeit des Onkels sowie ihrer zeitlich erst später erfolgten Heirat nicht ver-
wertbar seien, überzeugten nicht.
Es würden auch keine Risikofaktoren vorliegen, welche eine Gefährdung
im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermöchten. Eine Gefährdung we-
gen seiner angeblichen Tätigkeiten für die LTTE oder einer LTTE-nahen
Organisation sei unglaubhaft geblieben. Aus den Akten gehe auch hervor,
dass er kein Mitglied der LTTE gewesen sei. Eine Befragung am Flughafen
sowie die allfällige Einleitung eines Strafverfahrens wegen illegaler Aus-
reise stellten keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen dar. Allein auf-
grund seiner Zugehörigkeit zur (...) sei nicht mit einer zukünftigen asylrele-
vanten Verfolgung zu rechnen, da in Sri Lanka die Religionsfreiheit gelte
und er auch vor der Ausreise deshalb keine Probleme gehabt habe.
4.2 Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer vor, er habe keine wi-
dersprüchlichen Angaben zu seinem Arbeitgeber und zu seiner Tätigkeit
gemacht. Er habe hinreichend erklärt, dass die B._ eine Zweigor-
ganisation der C._ sei. Wie auch der Botschaftsabklärung entnom-
men werden könne, sei die C._ eine (...) der LTTE. Zur wider-
sprüchlichen Protokollierung in der BzP, wonach er (...) habe, liege eine
plausible Erklärung vor. Bereits in der ergänzenden Anhörung habe der
Dolmetscher des SEM erklärt, dass für (...) das gleiche Wort verwendet
werde wie für (...). Die Gründe für seine Rückkehr ins Vanni-Gebiet nach
seiner Haftentlassung widersprächen sich nicht, sondern würden zusam-
menhängen. Er sei geflohen, weil er erfahren habe, dass zwei Personen
nach ihrer Freilassung erschossen worden seien und weil er gehört habe,
dass er auf einer Liste als mutmassliches Mitglied oder Anhänger der LTTE
stehe, weshalb ihm das gleiche Schicksal drohe. Seinen Aufenthalt in der
Haft habe er äusserst präzise und ausführlich geschildert, etwa den Tages-
ablauf, die Befragungen und wie seine Familie von seinem Haftort erfahren
habe. Er habe auch ein einschneidendes Erlebnis der Haft detailliert ge-
schildert. Schliesslich sei auch die Schilderung der Haftentlassung nicht
als unsubstanziiert zu bezeichnen.
Seine Frau sei mehrmals von Personen des CID aufgesucht worden. Dies
erkläre ihr grosses Misstrauen gegenüber ihren Landsleuten – auch ge-
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genüber der Dolmetscherin, die bei der Botschaftsabklärung dabei gewe-
sen sei. Zur Frage, wie es zu dem Durcheinander in ihren Aussagen im
Rahmen der Botschaftsabklärung gekommen sei, werde auf die Stellung-
nahme vom 2. Mai 2018 verwiesen. Sie habe aufgrund ihres angespannten
Zustands und ihrer enormen Nervosität einige Daten durcheinanderge-
bracht. Dass die Vorkommnisse schon einige Jahre zurücklägen, habe zu-
dem die korrekte zeitliche Einordnung erschwert.
Auch habe er die Situation, in der er sich der sri-lankischen Armee ergeben
und wie das Flüchtlingscamp ausgesehen habe, genau geschildert. Es
treffe ausserdem nicht zu, dass er bei der Schilderung seiner Flucht aus
dem Flüchtlingscamp lediglich stereotyp wiederholt habe, er sei über eine
Mauer gestiegen. Gleiches gelte für seine Ausführungen über sein späte-
res Leben im Versteck. Auch in diesem Punkt werde bezüglich der Aussa-
gen seiner Frau auf seine Stellungnahme zur Botschaftsabklärung verwie-
sen. Bezüglich der Aussagen seines Onkels sei zu betonen, dass dessen
jetzige Frau zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht mit jenem zusammen
gewesen sei. Es erscheine sehr fragwürdig, dass die Frau im Rahmen der
Botschaftsabklärung mehr gesprochen habe als der Onkel, obwohl sie bei
den Vorfällen gar nicht dabei gewesen sei. Auch sei dem Bericht zu ent-
nehmen, dass seine Familie mit dem Onkel verstritten und der Kontakt ab-
gebrochen sei. Vor diesem Hintergrund seien die Aussagen nicht gegen
ihn zu verwenden. Er sei durch seine Erlebnisse im Krieg und während
seiner Haft traumatisiert und befinde sich in regelmässiger (...) Behand-
lung. Er besuche auch eine (...). Zudem habe die Hilfswerkvertretung auf
dem Unterschriftenblatt angemerkt, dass er unter den traumatischen Er-
eignissen leide, gegen Ende der Anhörung über starke Kopfschmerzen ge-
klagt habe und seine Konzentrationsfähigkeit durch diese Umstände ein-
geschränkt gewesen sei.
Er erfülle klar die Risikofaktoren, denn er sei bereits einmal aufgrund des
Verdachts einer Verbindung zu den LTTE verhaftet worden. Nur durch die
Hilfe des Onkels seiner Frau sei er unter Auflage einer Unterschriftspflicht
entlassen worden, der er jedoch nicht nachgekommen sei. Er befinde sich
auf einer Liste von mutmasslichen sowie tatsächlichen LTTE-Mitgliedern
und Sympathisanten. Er sei aus dem Flüchtlingslager geflohen und habe
danach kein Rehabilitierungsprogramm durchlaufen. Nach seiner Flucht
sei seine Frau immer wieder von Personen in Zivil aufgesucht und nach
ihm gefragt worden. Dies sei auch vor kurzem der Fall gewesen. Der Ein-
fluss des Onkels, der eine persönliche Freundschaft zu einem Armeeange-
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hörigen pflege, sei begrenzt. Wie sich aus den beiliegenden Zeitungsarti-
keln ergebe, seien ein Schwager dieses Onkels und ein weiterer Verwand-
ter getötet worden. Weiter seien 21 Personen, die für die C._ gear-
beitet hätten, erschossen worden. Auch andere Personen, die aus dem
Flüchtlingslager geflohen seien, seien getötet worden.
4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an der angefochtenen Verfü-
gung fest und äusserte sich zu den vorgelegten Beweismitteln. Der Be-
weiswert der Dokumente sei als beschränkt zu erachten, da sie keine fäl-
schungssicheren Merkmale aufwiesen und allgemein bekannt sei, dass
solche Dokumente in Sri Lanka ohne Weiteres unrechtmässig erworben
werden könnten. Es erstaune, dass die Arbeitsbestätigung erst zu so ei-
nem späten Zeitpunkt vorgelegt worden sei, wobei der Aufbewahrungsort
am ehemaligen Wohnort des Beschwerdeführers als risikoreich erscheine,
da es sich angeblich um belastende Dokumente handle. Auch erstaune
das Verhalten der Behörden, die die Ehefrau bei ihrer Rückkehr nach der
Beschaffung der Dokumente befragt hätten, ohne die Dokumente sicher-
gestellt zu haben. Dies würde gegen deren Bedeutsamkeit sprechen. Die
Dokumente zum Nachweis der Vermisstenmeldung der Ehefrau vom März
2009 belegten nur, dass sich die Eheleute kurz vor Kriegsende aus den
Augen verloren hätten. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zu den
vorgelegten Zeitungsartikeln liessen den Bezug zu den Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermissen. Die eingereichten Arztberichte setzten sich
nicht mit der Plausibilität der Ereignisse, die als Ursache für das diagnosti-
zierte PTBS in Betracht fielen, auseinander. Selbst unter der Annahme, der
Beschwerdeführer habe Mühe, eindeutige und ausführliche Aussagen zu
machen, stünden seine Vorbringen im Widerspruch zu den Aussagen sei-
ner Verwandten. Auch unter Berücksichtigung der herabgesetzten Aussa-
gequalität wegen einer Traumatisierung blieben mehrere wesentliche Un-
stimmigkeiten hinsichtlich seiner Vorbringen bestehen.
4.4 In der Replik machte der Beschwerdeführer geltend, er habe aus Sorge
um die Sicherheit seiner Frau lange gezögert, sie um die Beschaffung der
beschwerdeweise eingereichten Dokumente zu bitten. Der Koffer, in dem
sich die Arbeitsbestätigung befunden habe, sei im Jahr 2009, als sie nach
ihm gesucht habe, an ihrem damaligen Aufenthaltsort bei einer befreunde-
ten Person verblieben. Dort habe sie damals auch die Vermisstenmeldung
bei der Human Rights Commission of Sri Lanka eingereicht. Seine Frau sei
nach ihrer Rückkehr am 11. Juni 2018 aus E._, wo sie die Doku-
mente beschafft habe, erneut von CID-Beamten aufgesucht und nach ihm
gefragt worden. Er vermute, dass dies aufgrund ihrer Nachforschungen bei
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der Human Rights Commission of Sri Lanka der Fall gewesen sei. Auch
habe sie noch ein Bestätigungsschreiben eines Priesters erhältlich machen
können, welches jedoch aufgrund des mangelnden Beweiswertes nicht
vorgelegt worden sei. Allenfalls hätten die Behörden auch so erfahren kön-
nen, dass sie nach den Dokumenten gesucht habe. Sie habe die Doku-
mente unmittelbar nach ihrer Rückkehr ihrem Schwager zwecks Versand
übergeben, weshalb sie von den Behörden bei ihr nicht hätten sicherge-
stellt werden können.
5.
5.1 Vorab ist auf die strittige Frage der Verwertbarkeit der Angaben der
Verwandten, welche dem Beschwerdeführer im Rahmen der Gewährung
des rechtlichen Gehörs vom 17. April 2018 zur Botschaftsabklärung entge-
gengehalten wurden, einzugehen (vgl. A35/3). Das Bundesverwaltungsge-
richt misst diesen Angaben nicht den gleichen Beweiswert zu wie die Vor-
instanz.
Aus dem Ergebnis der Abklärung geht hervor, dass die Angaben der Ehe-
frau zu den Problemen des Beschwerdeführers und zu ihrem Aufenthalt in
den Jahren 2008 bis 2011 in sich widersprüchlich sind, weshalb nicht da-
rauf abgestellt werden kann. Im Weiteren ist davon auszugehen, dass der
Onkel die Fragen im Rahmen der Botschaftsabklärung nicht beantwortet
hat und – wie der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 2. Mai
2018 zutreffend ausgeführt hat (vgl. A38/4) – den Antworten der Ehefrau
des Onkels kein Beweiswert zuzumessen ist. Die Angaben des Beschwer-
deführers, wonach sie im fraglichen Zeitpunkt nicht dort gewohnt habe,
sind nicht zu beanstanden. Er hat die Ehefrau des Onkels denn auch weder
in der Anhörung noch in der ergänzenden Anhörung erwähnt. Da die An-
gaben der Angehörigen einer Glaubhaftigkeitsprüfung nicht standhalten,
kann vorliegend offenbleiben, aus welchem Grund ihre Aussagen von je-
nen des Beschwerdeführers abweichen.
5.2 Im Ergebnis ist aber nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers in den wesentlichen Punkten den Anforderungen an die Glaubhaftma-
chung gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen.
5.2.1 Zwar sind – wie in der Beschwerdeschrift angeführt – seine Angaben
zu seiner Tätigkeit für die C._ aufgrund eines möglichen Überset-
zungsfehlers in der BzP nicht als widersprüchlich zu bezeichnen. Ebenso
sind seine Angaben zur C._, die gemäss Botschaftsabklärung als
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(...) der LTTE anzusehen ist, nicht zu beanstanden. Auch wurde die Stich-
haltigkeit einzelner Argumente des SEM, die zur Begründung der Verfü-
gung herangezogen wurden, nicht zu Unrecht angezweifelt (wie etwa das
Abstützen auf unglaubhafte Angaben von Verwandten im Rahmen der Bot-
schaftsabklärung, vgl. E. 5.1 hiervor). Letztlich ins Gewicht fällt aber die
von der Vorinstanz insgesamt zu Recht angeführte Unstimmigkeit der Vor-
bringen des Beschwerdeführers. Dies gilt insbesondere für den angebli-
chen Grund für die Ausreise vom 28. November 2014.
5.2.2 Zunächst ist festzustellen, dass seine Angaben zum Zeitpunkt der
geltend gemachten Flucht aus dem Camp, welche ihm im Juni 2009 gelun-
gen sei, unglaubhaft sind. Seinen Aussagen sind relevante Indizien zu ent-
nehmen, wonach er das Camp erst im Jahr 2010 verlassen haben kann.
Die chronologischen Angaben, wonach er sich nach seiner angeblichen
Flucht aus dem Camp vom Juni 2009 ein Jahr lang bei den Verwandten
seiner Frau in E._ versteckt aufgehalten habe, passen nicht zu sei-
nen Aussagen zum dortigen Besuch seiner Frau vom Oktober 2011. In der
BzP brachte er vor, sich am 16. Mai 2009 der sri-lankischen Armee ergeben
zu haben und nach einer Nacht in ein Flüchtlingslager in einem Schulhaus
gebracht worden zu sein; von dort sei er nach einem Monat geflohen und
habe sich ein Jahr lang in E._ versteckt sowie sich danach bis zu
seiner Ausreise vier Jahre lang in F._ aufgehalten; seine Frau habe
er zum letzten Mal im Oktober 2011 in E._ gesehen; seine zweite
Tochter sei am (...) geboren worden (vgl. A6/8 F7.01 und F3.01). In der
Anhörung wiederholte er, sich nach der Flucht aus dem Camp vom Juni
2009 ein Jahr lang im Zimmer beim Onkel in H._ versteckt zu haben
(A17/12 F97 und F95). Sein Weggang nach F._ sei im Jahr 2011
gewesen, der Besuch seiner Frau in E._ im Oktober 2011, danach
sei die zweite Tochter in Jaffna geboren worden (A17/14 F108, F111 und
F115).
An mehreren Stellen in der Anhörung und in der ergänzenden Anhörung
führte er aus, er habe sich ein Jahr lang beim Onkel seiner Frau versteckt
in einem Zimmer aufgehalten (vgl. A17/12 F89, F95; A28/3 F11). Auf Vor-
halt, dass dieser Zeitraum seiner Chronologie zufolge aber viel länger als
ein Jahr gedauert haben müsste (nämlich mindestens zwei Jahre und vier
Monate), blieb er wiederholt dabei, sich nur ein Jahr lang beim Onkel seiner
Frau in E._ versteckt zu haben (A28/20 F129 ff.). Auf weiteren Vor-
halt hin sagte er aus, sein versteckter Aufenthalt in E._ sei im Jahr
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Seite 12
2010 gewesen sowie ein paar Monate davor und danach, es sei ihm da-
mals psychisch schlecht gegangen (A28/20 F133). Dennoch ist nicht nach-
vollziehbar, weshalb er die Zeit im Zimmer beim Onkel, die er eigenen An-
gaben zufolge «wie ein Gefängnis» erlebt hat (vgl. A28/12 F73), kürzer dar-
stellen soll, als sie gemäss seiner Fluchtgeschichte gewesen sein müsste.
Selbst unter der Annahme, seine Erklärung treffe zu und er wäre ein Jahr
sowie ein paar Monate davor und danach beim Onkel gewesen, bleibt im
chronologischen Ablauf immer noch eine Diskrepanz von mindestens ei-
nem halben Jahr, die nicht erklärt wird. Nach dem Gesagten bestehen er-
hebliche Zweifel am Zeitpunkt seiner angeblichen Flucht aus dem Camp.
Diese Zweifel an seiner Fluchtgeschichte, insbesondere am Zeitpunkt des
Verlassens des Camps, erhärten sich bei der Durchsicht seiner Aussagen
in der allgemeinen Befragung zum Wohnort und zum Verbleib seines Pas-
ses. Im Rahmen der BzP erklärte er, sich zirka ein Jahr lang in E._
bei Verwandten seiner Frau aufgehalten zu haben, und zwar von 2010 bis
2011 (A6/5 F2.02). Dieser Aussage zufolge hätte er das Camp erst im Jahr
2010 verlassen können und wäre nicht bereits im Juni 2009 geflohen. Im
Weiteren berichtete er in der BzP, seinen Pass im Jahr 2010 einem Schlep-
per gegeben zu haben (vgl. A6/6 F4.02). In der Anhörung erklärte er hierzu,
«als ich aus dem Camp rausgekommen bin, wollte ich ins Ausland und
dann habe ich ihn ihm gegeben» (A17/15 F126). Dass er im Rahmen der
Befragung zum Verbleib seines Passes den Zeitpunkt der Kontaktauf-
nahme zum Schlepper nach Verlassen des Camps auf das Jahr 2010 da-
tiert, ist ebenfalls ein Indiz dafür, dass er das Camp später verlassen haben
müsste, als er in seiner Fluchtgeschichte angegeben hat.
5.2.3 Im Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht angeführt, dass der Be-
schwerdeführer widersprüchliche Angaben zu den Umständen der angeb-
lichen Flucht aus dem Camp gemacht hat. In der Anhörung gab er an, dass
ihm ein Dorfvorsteher mit Informationen geholfen habe und er ohne Geld-
zahlung habe fliehen können (A17/F92 ff.). In der ergänzenden Anhörung
erklärte er hingegen, dass der Onkel dafür Geld bezahlt habe (A28/12
F74 ff.). Auf Vorhalt hin gab er an, er könne sich wegen seiner Zuckerkrank-
heit nicht richtig konzentrieren (A28/20 F127 f.). Dies vermag jedoch nicht
zu erklären, weshalb er in der Anhörung ausdrücklich geltend gemacht hat,
ohne Bestechung freigekommen zu sein. Konkret sagte er, «damals, als
die anderen geflüchtet sind, hatte ich kein Geld. Ich bin gesprungen und
geflüchtet» und ergänzte, «dadurch, dass ich mit den Leuten, die durch
Bezahlung freigekommen sind, zusammen flüchtete, haben sie mich gese-
hen, aber dachten, ich sei einer von ihnen. Sie haben alle für die Flucht
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40'000, 50'000 bezahlt» (A17/12 F92 und F94). Demgegenüber brachte er
in der ergänzenden Anhörung vor, «obwohl dieser Onkel Geld bezahlt
hatte, hatte ich Angst, in dieser Nacht von dort zu fliehen. Das Risiko war
gross. Weil ich keine Chance mehr dort hatte, bin ich von dort geflohen»
(vgl. A28/12 F74).
5.2.4 Als Grund für die Flucht aus dem Camp gab er an, nachdem er im
Jahr 2006 einen Monat lang im Gefängnis gewesen sei, habe er im Camp
im Mai 2009 befürchtet, identifiziert zu werden und deshalb wiederum im
Gefängnis zu landen (vgl. A28/12 F72). Nach seiner Haftentlassung im
Jahr 2006 sei er aus Angst um sein Leben ins Vanni-Gebiet geflüchtet, da
er auf einer Liste von Leuten, die umgebracht würden, gestanden sei (vgl.
A28/19 F122 ff.). Da sich aber aus seinen Angaben zu seinen Wohnorten,
zu seinem Pass und aus dem von ihm dargestellten chronologischen Ab-
lauf der Ereignisse bis zur Ausreise ergibt, dass er das Camp wahrschein-
lich nicht im Juni 2009 verlassen hat, sondern wesentlich später (vgl.
E. 5.2.3), ist auch dem von ihm geltend gemachten Grund für seine Flucht
aus dem Camp die Grundlage entzogen. Dies gilt insbesondere in Hinblick
auf seine Angaben, er stehe seit der Entlassung aus der Haft im Jahr 2006
auf einer Liste von LTTE-Mitgliedern, die intensiv verfolgt würden.
5.2.5 Der Beschwerdeführer hat demnach nicht glaubhaft machen können,
im Ausreisezeitpunkt ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus-
gesetzt gewesen zu sein. Angesichts dieser Sachlage erübrigt sich eine
Auseinandersetzung mit den weiteren Ausführungen in der Beschwerde zu
den geltend gemachten Vorfluchtgründen aus dem Jahr 2006.
An diesem Ergebnis vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts
zu ändern. Wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung zutreffend ausge-
führt hat, belegen die Dokumente über die Vermisstenanzeige der Ehefrau
bei der Human Rights Commission of Sri Lanka vom März 2009 lediglich,
dass sie zu Kriegsende den Kontakt zu ihrem Mann verloren hat. Es wird
auch nicht ersichtlich, inwiefern der in einer Zeitung aufgeführte Tod von
Verwandten der Ehefrau zu einer Verfolgung des Beschwerdeführers bei-
tragen sollte. Er hat diese Personen in seiner Vor- und Fluchtgeschichte
nicht erwähnt. Daran vermag auch die geltend gemachte Haft vom Jahr
2006, aus der er nach einem Monat freigekommen sei, nichts zu ändern,
da nicht davon auszugehen ist, dass er deshalb noch nach einem längeren
Aufenthalt im Flüchtlingscamp verfolgt worden sein sollte (vgl. E. 5.2.4 hier-
vor). Es trifft zwar zu, dass sich die Auswirkungen des attestierten
E-3613/2018
Seite 14
H._ unter anderem in Konzentrationsstörungen und Gedächtnis-
problemen sowie in Verdrängungs- oder Vermeidungsprozessen zeigen
können. Diese möglichen Ursachen lassen als Erklärung gewisse Unstim-
migkeiten in den Angaben zeitlich chronologischer Abläufe und Mängel lo-
gischer Zusammenhänge nachvollziehbar erscheinen. Vorliegend geht es
aber um gravierende Ungereimtheiten, die keine Kriegsgräuel betreffen.
Insbesondere hat er sich in der Frage seines Aufenthaltes nach Kriegsende
betreffend den Zeitraum von zweieinhalb Jahren in Widersprüche verwi-
ckelt. Da er durchaus in der Lage war, Fragen zu den übrigen Zeitabläufen
in seiner Biographie konsistent zu beantworten (etwa zu den häufigen Um-
zügen von 1995 bis 2009), sind ihm seine unglaubhaften Angaben zu den
Aufenthaltsorten in den Jahren von 2009 bis 2011 entgegenzuhalten. Da
nicht glaubhaft ist, dass er nach Verlassen des Lagers noch einer asylrele-
vanten Verfolgungsgefahr ausgesetzt gewesen ist, sind auch die geltend
gemachten wiederholten Besuche des CID seinetwegen bei seiner Frau
nicht glaubhaft. Die vom SEM diesbezüglich angeführten Inkonsistenzen
sind nicht zu beanstanden, weshalb auf die angefochtene Verfügung ver-
wiesen werden kann.
5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr aufgrund der Erfüllung von bestimmten Faktoren eines entsprechen-
den Risikoprofils Gefahr drohe.
5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht orientiert sich bei der Beurteilung des
Risikos von Rückkehrenden nach Sri Lanka, Opfer von ernsthaften Nach-
teilen in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an bestimmten Fakto-
ren, welche in einer Gesamtschau zu würdigen sind (vgl. dazu Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8 [als Refe-
renzurteil publiziert]). Als stark risikobegründend werden etwa eine Eintra-
gung in der „Stop-List“ (vgl. ebd. E. 8.5.2), eine Verbindung zu den LTTE
(vgl. ebd. E. 8.5.3) und regimekritische Aktivitäten im Ausland (vgl. ebd. E.
8.5.4) angesehen, während das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente,
eine zwangsweise Rückführung oder Narben als schwache Faktoren zu
berücksichtigen sind (vgl. ebd. E. 8.5.5).
5.3.2 Der Beschwerdeführer war selbst kein Mitglied der LTTE (vgl. A17/5
F25), sondern unterstützte diese, indem er von 2004 bis 2008 (...) für die
C._ (...) (vgl. E. 5.2 hiervor). Daraus lässt sich kein Risikoprofil be-
gründen. Seine Vorbringen, er sei seit 2006 auf einer Liste von LTTE-Mit-
gliedern aufgeführt, weshalb er seit Kriegsende der Gefahr der Entdeckung
und Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, sind unglaubhaft geblieben. Im
E-3613/2018
Seite 15
Weiteren ist seine Flucht aus dem Flüchtlingscamp unglaubhaft (vgl. E.
5.2.3 hiervor). Es ist daher auch nicht davon auszugehen, dass er auf einer
Stop-List eingetragen ist.
Die Herkunft aus dem Norden sowie der Umstand, dass der Beschwerde-
führer mit temporären Reisedokumenten aus der Schweiz nach Sri Lanka
zurückkehren würde, vermögen die Flüchtlingseigenschaft ebenfalls nicht
zu begründen.
5.3.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der diversen auf-
geführten Faktoren (Herkunft aus der Nordprovinz, persönlich durchge-
führte Tätigkeiten für die LTTE, fünfjährige Landesabwesenheit) im Sinne
einer Gesamtbetrachtung nicht davon ausgegangen werden muss, dass
die sri-lankischen Behörden den Beschwerdeführer aufgrund seines Profils
als potenzielle Bedrohung wahrnehmen würden (vgl. E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 8.5). Daher kann in Kumulation sämtlicher genannter Ele-
mente nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr Ziel behördlicher
Verfolgungsmassnahmen in asylrelevantem Ausmass werden könnte. An
dieser Einschätzung vermag vorliegend auch die im Zuge des Regierungs-
wechsels veränderte politische Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. In Wür-
digung der soeben angesprochenen Elemente ist seine geltend gemachte
subjektive Furcht, im Heimatland asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu
sein, daher objektiv nicht begründet.
5.4 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
E-3613/2018
Seite 16
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
E-3613/2018
Seite 17
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.), was ihm aufgrund der fehlenden Glaubhaftigkeit seines Aus-
reisegrundes nicht gelungen ist. Festzuhalten ist, dass sich der EGMR mit
der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung
namentlich für Tamilen und Tamilinnen, die aus einem europäischen Land
nach Sri Lanka zurückkehren müssen, befasst hat (vgl. Urteil des EGMR
R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11). Dabei unter-
streicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen
sei, zurückkehrenden Tamilen und Tamilinnen drohe eine unmenschliche
Behandlung.
Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individu-
elle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen
demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Im länderspezifischen Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
hat das Bundesverwaltungsgericht zur Frage der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbeson-
dere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (a.a.O., E. 13.2–
13.4). Hinsichtlich der Nordprovinz, in welcher die Kernfamilie des Be-
schwerdeführers nach wie vor lebt, wurde dabei zusammenfassend fest-
gestellt, dass der Wegweisungsvollzug dorthin (damals noch mit Aus-
nahme des Vanni-Gebiets) zumutbar sei, sofern das Vorliegen der indivi-
duellen Zumutbarkeitskriterien – insbesondere die Existenz eines tragfähi-
gen familiären oder anderweitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-
sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation – bejaht wer-
den könne (a.a.O., E. 13.3).
E-3613/2018
Seite 18
7.3.3 Der Beschwerdeführer wurde in Jaffna geboren (vgl. A14, Geburtsur-
kunde). Eigenen Angaben zufolge lebte er seit seinem 15. Lebensjahr mit
seiner Familie im Vanni-Gebiet (A17/5 F27 – F28). 2006 heiratete er seine
Frau in Jaffna. Seit ihrer ersten Schwangerschaft lebt sie wieder dort mit
den gemeinsamen Kindern im Haus (...) (A17/5 F31). Zwar hat er selber
seit 2008 keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern (vgl. A17/5 F30, A28/16
F100), seine Mutter schickt aber seinen Kindern gelegentlich Waren
(A28/16 F104). Mit seiner Frau in Jaffna steht er zweimal monatlich in te-
lefonischem Kontakt (A28/3 F5). Demnach ist davon auszugehen, dass er
bei Rückkehr bei seiner Frau in Jaffna Aufnahme finden wird und darüber
hinaus im Kontext des erweiterten Familienkreises über ein tragfähiges Be-
ziehungsnetz in seiner Heimat verfügt, das ihn unterstützen kann, bis er
sich eine eigene wirtschaftliche Zukunft aufgebaut hat. Aus den Akten geht
hervor, dass er die Schule mit (...) abgeschlossen und danach Arbeitser-
fahrungen (...) gesammelt hat. Vor seiner Ausreise hat er in einer (...) ge-
arbeitet. Aus dem (...) Austrittsbericht des (...) vom 26. August 2019 geht
im Weiteren hervor, dass er den Schweizer (...) bestanden und bereits
zweimal eine Arbeitsstelle gefunden, jedoch bisher von der Gemeinde
keine Arbeitserlaubnis erhalten habe. Da ihm derzeit die Tagesstruktur
fehle, wäre eine Arbeit sicher sinnvoll und hilfreich. Es ist ihm daher zuzu-
muten, bei Rückkehr wieder eine adäquate Tätigkeit als (...) oder (...) auf-
zunehmen.
7.3.4 Die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers vermögen
ebenfalls nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs zu führen. Laut Arztbericht vom 26. August 2019 leidet der Beschwer-
deführer namentlich an (...). Er sei von Februar 2017 bis November 2017
tagesklinisch betreut und danach aufgrund (...) von 22. Januar 2018 bis
zum 26. August 2019 ambulant behandelt worden. Er leide unter (...). Aus
Kapazitätsgründen habe die ambulante (...) beendet werden müssen, eine
weitere Behandlung der (...) sei hingegen dringend indiziert, wobei der Pa-
tient jedoch auf einen Dolmetscher angewiesen sei. Eine medikamentöse
Behandlung mit (...) sei empfehlenswert. Gemäss Eintrittsbericht des (...)
wird er erneut seit 17. März 2020 (...) tagesklinisch betreut. Am 19. Januar
2020 erfolgte eine Hospitalisation wegen (...). Gemäss Austrittsbericht vom
22. Januar 2020 erfolgt die Behandlung der (...) medikamentös und er
wurde für die (...) aufgeboten. Der Beschwerdeführer erhält in der Schweiz
folgende Medikamente: (...).
Eine Behandlung seiner (...) Beschwerden ist auch in seinem Heimatland
möglich, zumal im Distrikt Jaffna in verschiedenen staatlichen Institutionen
E-3613/2018
Seite 19
ambulante Therapien möglich wären und diese grundsätzlich auch vom
Staat bezahlt würden. Auch würde die in Jaffna stationierte I._ an-
bieten. Die von ihm benötigte medikamentöse Behandlung mit (...) ist bei
der J._ grundsätzlich kostenlos erhältlich, wenngleich die Nach-
frage nach kostenlos zur Verfügung gestellten Medikamenten zur Behand-
lung psychischer Krankheiten das Angebot der J._ bisweilen über-
stiegen hat (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-7355/2016 vom 11. Feb-
ruar 2019 E. 11.5.2, sowie auch Referenzurteil E-1866/2015 E. 14.2.2
m.w.H.). Aus einer von BioMed Central (BMC) Public Health veröffentlich-
ten Studie vom 8. August 2014 über den Zugang zu Medikamenten in Sri
Lanka geht hervor, dass in den Apotheken Medikamente gegen (...) bezo-
gen werden können, darunter das vom Beschwerdeführer benötigte (...)
(vgl. BMC Public Health, A national survey on availability, price and afford-
ability of selected essential medicines for non communicable diseases in
Sri Lanka, https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/arti-
cles/10.1186/1471-2458-14-817, abgerufen am 17. Juni 2020). Schliess-
lich sei auch auf die medizinische Rückkehrhilfe verwiesen (vgl. aArt. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG).
Es ist daher nicht davon auszugehen, dass seine Rückkehr in den Heimat-
staat zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines
Gesundheitszustandes führen wird.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
E-3613/2018
Seite 20
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da er mit der Beschwerde
ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung stellte, ist
in Hinblick auf die vorgelegte Sozialhilfebestätigung vom 4. Juni 2018 von
seiner Bedürftigkeit auszugehen, wobei auf Grund der Akten anzunehmen
ist, dass diese auch noch zum heutigen Zeitpunkt gegeben ist. Da im Wei-
teren seine Beschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, sind ihm
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
9.2 Gleichzeitig war gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 AsylG zum Zeitpunkt des
Anfallens der Prozesshandlungen das Gesuch um Beiordnung eines amt-
lichen Rechtsbeistands gutzuheissen, weshalb ass. iur. Christian Hoffs ein
Honorar auszurichten ist (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Par-
teientschädigung Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Wie in der aktualisierten Kostennote vom 23. August 2018
zutreffend festgehalten wurde, geht das Gericht bei der Festlegung des
Honorars von einem Stundenansatz von Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Ver-
treterinnen und Vertreter aus. Für Beschwerde und Replik wird ein Aufwand
von 9.5 Stunden geltend gemacht, hinzu kommt noch der Aufwand für zwei
Beweismitteleingaben vom 27. August 2019 und vom 8. April 2020, welcher
sich auf zirka 0.5 Stunden beläuft. Entsprechend ist das Honorar auf ins-
gesamt Fr. 1'625.- (inkl. Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 21