Decision ID: 88eb87d7-cda3-41d6-b1b8-29ffa9c14d15
Year: 2018
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
zurückzuweisen mit der Verpflichtung, den Sachverhalt rechtskonform zu
erheben und einen rechtskonformen Entscheid zu erlassen. Im Weiteren
wird beantragt, die unentgeltliche Rechtspflege (URP) zu bewilligen und
den Beschwerdeführern eine angemessene Parteientschädigung
zuzusprechen. Ihre Anträge begründen sie im Wesentlichen damit, dass
das DJSG den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig erhoben habe
und daraus unzutreffende Rechtsfolgen abgeleitet habe. Es bestehe keine
konkrete Gefahr künftiger Fürsorgeabhängigkeit. Das DJSG habe zu
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Unrecht künftiges Erwerbseinkommen der Ehefrau nicht angerechnet,
denn dieses sei konkret belegt und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
sowie auf mehr als nur kurze Frist erhärtet. Im Übrigen hätte das DJSG die
Bewilligung für die Beschwerdeführer jederzeit widerrufen und/oder die
erneute Erteilung verweigern können, wenn das Arbeitsverhältnis wider
Erwarten nicht zustande kommen sollte.
9. Mit Vernehmlassung vom 26. Juni 2018 beantragt das DJSG
(Beschwerdegegner) kostenfällig die vollumfängliche Abweisung der
Beschwerde. Es verteidigt einerseits die Berechnung des Bedarfs für den
Lebensunterhalt und andererseits seine negative Einschätzung betreffend
die Anstellungsverträge für die nachzuziehende Ehefrau.
10. Die Beschwerdeführer erläuterten dem Verwaltungsgericht in ihrer
Stellungnahme vom 8. Juli 2018, dass die G._ AG neben einem
Onlineshop in Z._ über ein Verkaufslokal verfüge, welches werktags
von
8–22 Uhr geöffnet sei; hinzu käme die Präsenz an Messen und
Ausstellungen, zuletzt an der Züspa vom 28. August bis 7. September
2018. Die G._ AG sei ein etabliertes KMU, für welches es keinen
Anlass gebe, Scheinarbeitsverträge auszustellen.
11. Mit Schreiben vom 24. Juli 2018 verzichtet der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik.
12. Am 17. Oktober 2018 erkundigt sich der Vertreter der Beschwerdeführer
für die G._ AG, ab wann diese hinsichtlich der Herbst- und
Wintermesse-Saison den Einsatz von B._ planen dürfe.
13. Eine Honorarnote seitens der Beschwerdeführer ist keine eingegangen.
Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid des Beschwerdegegners
(DJSG) vom 7. Mai 2018, worin dieser die Verfügung des AFM vom 29.
September 2017 betreffend Ablehnung des erneuten Familiennachzugs für
die zweite Ehefrau des Beschwerdeführers (im Besitz einer
Härtefallbewilligung bis August 2019) bestätigte und damit die dagegen
verwaltungsintern erhobene Beschwerde vom 25. Oktober 2017 abwies.
Beschwerdethema bildet dabei die Frage, ob der angeführte
Ablehnungsgrund fehlender eigener Finanzmittel zur Bestreitung des
familiären Lebensunterhalts und daher der Gefahr einer
Sozialhilfeabhängigkeit aufgrund der bekannten Fakten (inkl.
Arbeitsverträge) zutreffend ist.
1.2. Nach Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) ist zur Beschwerde ans Verwaltungsgericht Graubünden
legitimiert, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein
schutz-würdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung hat. Als
Adressaten des angefochtenen Entscheids vom 7. Mai 2018 sind die
Beschwerdeführer unmittelbar nachteilig vom nichtbewilligten
Familiennachzug für die ausländische Ehefrau betroffen, da sie auch
künftig nicht zusammenleben und gemeinsam als Eheleute/Familie in der
Schweiz werden wohnen können. Die Beschwerde vom 8. Juni 2018 gegen
den angefochtenen Entscheid ist überdies innert der 30-tägigen
Anfechtungsfrist gemäss Art. 52 Abs. 1 VRG erfolgt und hat auch die
Formvorschriften für eine gültige Rechtsschrift nach Art. 38 Abs. 1 VRG
erfüllt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.1. In materieller Hinsicht zweifeln die Beschwerdeführer besonders die
Berechnungsweise der Bedarfsrechnung durch den Beschwerdegegner
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an. Sie verlangen diesbezüglich, dass zur Prüfung der Frage einer
konkreten Gefahr einer Fürsorgeabhängigkeit sich die Bedarfsrechnung
nach dem kantonalen Sozialhilferecht richten müsse bzw. nach den
Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) zu
erfolgen habe. Der Beschwerdegegner wendet dagegen ein, dass bei der
Berechnung der notwendigen finanziellen Mittel der Anwendung der
SKOS-Richtlinien die Verordnung über den Finanzbedarf bei
Familiennachzügen von Personen aus Drittstaaten (VO; BR 618.120)
entgegenstehe. Damit gilt es als erstes die Verbindlichkeit der erwähnten
Verordnung aufgrund seiner demokratischen Legitimation vom Gericht zu
erläutern und zu klären/zu beurteilen.
2.2. Diese Verordnung ist als Ausführungsbestimmung zu den Richtlinien der
Vereinigung der Fremdenpolizeichefs Ostschweiz und Fürstentum
Liechtenstein (VOF) zu verstehen. Die darin enthaltenen Bestimmungen
sind als kantonale ausländerrechtliche Abweichungen von den geltenden
Sozialhilfebestimmungen zu interpretieren. Nach Auffassung des
streitberufenen Verwaltungsgerichts hat die besagte Verordnung durchaus
ihre Berechtigung vor dem Hintergrund, dass die SKOS-Richtlinien im Jahr
2005 überarbeitet worden sind im Sinne von tieferen Pauschalen und
stärkerer Berücksichtigung des Einzelfalls; wegen der tieferen Pauschalen
bestand nämlich nachvollziehbar die berechtigte Befürchtung, dass es
nach dem erfolgten Familiennachzug vermehrt zur Sozialhilfeabhängigkeit
der betreffenden Ausländerfamilien kommen würde; noch überzeugender
erscheint die Überlegung, dass es für eine erfolgreiche Integration von
Ausländern etwas mehr braucht als das SKOS-Minimum, da bei zu
knappen finanziellen Mitteln die Ausländer von der Teilnahme am
Gesellschaftsleben ausgeschlossen werden, was wiederum ihre
Integrationschancen einschränkt. Weiter wird seitens des
Beschwerdegegners plausibel dargelegt, dass ein gewisser Schematismus
notwendig sei, einerseits, um die Berechnung zu erleichtern, andererseits
aber auch, um eine Gleichbehandlung zu erreichen und zu verhindern,
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dass Gesuchstellende nicht den Wohnsitz wechselten, um von für sie
günstigeren Konditionen für den Familiennachzug zu profitieren. Dies führt
dazu, dass die Verordnung (BR 618.120) durchaus als Richtschnur für die
hier interessierenden Berechnungen herangezogen werden kann, die
zuständigen Behörden sowie Instanzen im Einzelfall aber die Zahlen zu
hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen haben. Vorliegend muss sich
das Gericht jedoch nicht weiter mit dieser Frage befassen, da für die
Beurteilung der Beschwerde so oder anders die Frage entscheidend sein
wird, ob für die nachzuziehende Ehefrau ein Einkommen angerechnet wird
oder nicht. Darüber hinaus könnte sich noch die Frage stellen, ob bei der
Bedarfsrechnung eine Abzahlung der aufgelaufenen Schulden (infolge
Bevorschussung Kinderalimente und früher empfangener
Sozialhilfeleistungen) einzubeziehen ist/wäre. In der Erläuterung zu Art. 7
der VO (BR 618.120 – vgl. Beschluss der Bündner Regierung vom 29. Mai
2007, Protokoll Nr. 665, Ziff. 4.2 S. 5 ff, mit Bemerkungen zu den einzelnen
Bestimmungen) ist nur die Rede von 'nicht freiwilligen' finanziellen
Verpflichtungen; die Rückzahlung der genannten Schulden von mehr als
Fr. 71'000.-- dürfte allerdings nicht darunterfallen.
2.3. Laut Art. 44 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(AuG; SR 142.20) kann ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern
unter 18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung (inkl.
Härtefallbewilligung) eine Aufenthaltsbewilligung (zzgl. Familiennachzug)
erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine
bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b) und sie nicht auf Sozialhilfe
angewiesen sind (lit. c). Gerade die letztere Befürchtung der
Sozialhilfeabhängigkeit infolge fehlender finanzieller Mittel zur Bestreitung
des eigenen familiären Lebensunterhalts gilt es nachfolgend auf seine
Berechtigung zu prüfen.
2.4. Die Beschwerdeführer rügen in ihrer Beschwerde betreffend
Arbeitsofferten, dass der Beschwerdegegner den Arbeitsvertrag der
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G._ AG zu Unrecht nicht als konkretes und anrechenbares
Erwerbseinkommen für die nachzuziehende Ehefrau anerkannt habe. Die
besagte Firma vertreibe ihre Produkte online als auch in einem
Verkaufsgeschäft Z._, welches werktags von 8-18 Uhr geöffnet sei.
Sie sei zudem an verschiedenen Messen und Ausstellungen präsent. Mit
Schreiben vom 5. Juni 2018 habe der Inhaber der Firma nochmals
bestätigt, dass er die Ehefrau/Arbeitnehmerin nach Vorliegen der
notwendigen Bewilligungen in einem Pensum von mindestens 60 % als
Mitarbeiterin beschäftigen werde. Damit sei erstellt, dass die
Ehefrau/Arbeitnehmerin mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sowie auf
mehr als nur kurze Frist ein Einkommen von monatlich rund Fr. 2'200.--
erzielen würde. Sollte das Arbeitsverhältnis wider Erwarten nicht zustande
kommen, könne der Beschwerdegegner den Beschwerdeführern jederzeit
die Bewilligung zum Familiennachzug widerrufen oder eine erneute
Bewilligung verweigern.
2.5. Der Beschwerdegegner verweist demgegenüber auf den angefochtenen
Entscheid, in welchem er argumentiert, dass gemäss Internetrecherche bei
der G._ AG der von den Beschwerdeführern benannte
Geschäftsführer nicht mit den Angaben im Internet übereinstimme;
dasselbe gelte für die auf der Homepage angegebene Adresse der Firma.
Ein für die Verkäuferinnentätigkeit notwendiges Verkaufslokal habe via
Google Street nicht gefunden werden können; auch fände sich die auf der
Homepage angegebene Telefonnummer in keinem offiziellen Verzeichnis
und die Firma habe auch nicht kontaktiert werden können. Es bleibe
letztlich unklar, worin genau die Tätigkeit der nachzuziehenden Ehefrau
bestehen solle; diese verfüge – soweit ersichtlich – über keine in der
Schweiz verwertbare Berufsausbildung. Laut Arbeitsvertrag würde sie als
Verkäuferin-Hilfe angestellt, was aber ein Verkaufslokal voraussetze,
welches die Beschwerdeführer nicht hätten nachweisen können. Ebenso
sei davon auszugehen, dass die ausländische Ehefrau bis dato über keine
Deutschkenntnisse verfüge, was eine Anstellung als Verkäuferin nicht
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plausibel erscheinen lasse. Ebenso werde nicht näher angegeben,
weshalb der Arbeitgeber die nachzuziehende Ehefrau, welche im Ausland
lebt, ohne persönliches Kennenlernen anstellen würde. Vor diesem
Hintergrund sei nicht klar, ob der Geschäftsführer finanziell in der Lage sei,
die betreffende Verkaufshilfe als Mitarbeiterin zu beschäftigen und ihr in
der Folge den zugesicherten Lohn über eine dauerhafte Anstellung zu
garantieren. Es handle sich daher bei der Arbeitsstelle der G._ AG
auch nicht um eine sichere Arbeitsstelle, welche aber im Einklang mit den
Weisungen des Staatssekretariats für Migration (SEM) Voraussetzung
dafür wäre, um das Einkommen in der Bedarfsrechnung anrechnen zu
können. Der strittige Entscheid (E.6c S. 14 f.) sei deshalb nicht zu
beanstanden.
2.6. Bezüglich des Arbeitsangebotes der Firma E._ AG schreibt der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde an das
Verwaltungsgericht lediglich, dass der Beschwerdegegner dieses
abgelehnt habe. In der Folge thematisiert er ausschliesslich das
Arbeitsangebot der G._ AG bzw. weshalb dieses hätte berücksichtigt
werden müssen. Das Arbeitsangebot der E._ AG ist somit aber nicht
Gegenstand dieser Beschwerde und muss nicht weiter untersucht werden.
2.7. Ausgangspunkt für die Streitentscheidung über die Berücksichtigung oder
Nichtberücksichtigung künftigen Einkommens des nachzuziehenden
Ehepartners muss vorliegend die dazu entwickelte Rechtsprechung des
Bundesgerichts in seinem Urteil 2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 (E.2.3.1)
sein, worin zur 'Einkommensanrechnung' folgendes festgehalten wurde:
Art. 62 lit. e AuG setzt eine konkrete Gefahr der Fürsorgeabhängigkeit voraus; blosse
finanzielle Bedenken genügen nicht (vgl. zum analogen altrechtlichen Ausweisungsgrund
von Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG: BGE 119 Ib 81 E.2d S. 87; 125 II 633 E.3c S. 641). Nach
gefestigter Rechtsprechung stellen dabei Sozialversicherungsleistungen unter Einschluss
der Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung keine
Sozialhilfe im Sinne von Art. 62 lit. e (bzw. Art. 63 Abs. 1 lit. c) AuG dar (BGE 135 II 265
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E.3.7 S. 272 mit Hinweis). Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit ist
von den aktuellen Verhältnissen auszugehen; die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung
ist aber auf längere Sicht abzuwägen (vgl. BGE 122 II 1 E.3c S. 8). Das Einkommen des
Angehörigen, der an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen soll, ist daran zu
messen, ob und in welchem Umfang es tatsächlich realisierbar ist. In diesem Sinne
müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einkommen konkret belegt
und mit gewisser Wahrscheinlichkeit sowie, soweit möglich, auf mehr als nur kurze Frist
erhärtet sein, um Berücksichtigung zu finden (vgl. BGE 122 II 1 E.3 S. 8/9; Urteil
2C_452/2008 vom 13. Januar 2009 E.2).
2.8. In Würdigung der gegensätzlichen Standpunkte ist das streitberufene
Gericht zur Auffassung gelangt, dass die grundlegende Kritik des
Beschwerdegegners an der G._ AG nicht berechtigt ist. Gewisse vom
Beschwerdegegner angeführte Inkonsistenzen sind relativ einfach
erklärbar, etwa der Wechsel des Geschäftsführers, der mit einem Blick in
den Handelsregisterauszug nachvollziehbar wird, ebenso die
Geschäftsadresse. Weiter ist die potentielle Arbeitgeberin mit einem
Aktienkapital von Fr. 200'000.-- vergleichsweise hoch dotiert und
im Übrigen auch Mehrwertsteuerpflichtig, was von einer Geschäftstätigkeit
in einem gewissen Umfang zeugt. Dieser Eindruck wird auch unterstrichen
durch den Umstand, dass die G._ AG an der Züspa 2017 als 'Start-
Up'-Unternehmen ausgestellt hat. Diese Hinweise sprechen für das
Vorliegen einer Geschäftstätigkeit, welche eine Anstellung als Verkaufs-
Hilfe jedenfalls nicht gerade ausschliessen. Gegen eine solide
Geschäftstätigkeit und damit eine eher zweifelhafte Erwerbsmöglichkeit bei
der G._ AG sprechen zum einen der Umstand, dass der im Schreiben
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführer vom 8. Juli 2018 aufgeführte
link auf die Internetseite der Züspa 2018, mit welchem die Teilnahme der
G._ AG an dieser Ausstellung hätte belegt werden sollen, nicht mehr
aktiv ist; auch anlässlich einer kurzen Recherche auf der einschlägigen
Internetseite liess sich die Firma G._ AG unter den 216 Ausstellern
der Züspa 2018 nicht finden, ebenso wenig wie deren Produkte. Ebenso
gegen die G._ AG als solide Arbeitgeberin spricht, dass die
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nachzuziehende Ehefrau heute im Ausland weilt und von Seiten der
G._ AG nicht ersichtlich ist, weshalb eine Beschäftigung als Verkaufs-
Hilfe gerade durch sie ausgeführt werden müsste, zumal ihrerseits auch
keinerlei Deutsch-Kenntnisse nachgewiesen sind. Die Darstellung, dass
diese Arbeitsstelle so lange für eine unqualifizierte Arbeitnehmerin -
immerhin in einem Arbeitspensum von 60-65 % - freigehalten wird, wirft die
Frage auf, ob denn tatsächlich ein Bedarf an dieser Arbeitskraft besteht.
Eine solche Stelle könnte nämlich nach Ansicht des Gerichts auch
kurzfristig ohne Weiteres mit bereits in der Schweiz anwesenden Personen
besetzt werden.
Die Bewältigung der hierfür täglich zurückzulegenden Pendeldistanz von
X._ nach Z._ würde hingegen kein unüberwindbares Hindernis
für einen solchen Stellenantritt darstellen, zumal diesem Umstand sodann
bei den Berufsgestehungskosten angemessen Rechnung getragen werden
könnte. Erhebliche Zweifel am festen Willen und der vorhandenen
Fähigkeit die notwendigen finanziellen Mittel für die Deckung des familiären
Lebensunterhalts aus eigener Kraft erzielen zu können, scheinen zudem
auch berechtigt, wenn der bisherige Werdegang des ausländischen Gatten
in der Schweiz (der zweiten nachzuziehenden Ehefrau aus dem Ausland)
berücksichtigt wird. Namentlich die enorm hohen Schulden aus der
Sozialhilfe (Mitte Juli 2017: Fr. 40'618.40) und aus Verlustscheinen
(erfolglose Pfändungen Juli 2017: Fr. 30'625.50) zeigen deutlich auf, dass
die Gefahr einer Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführer
keineswegs aus der Luft gegriffen ist. Dabei fällt unter dem Aspekt des
Familiennachzugs vorliegend nach Ansicht des Gerichts besonders schwer
ins Gewicht, dass die Bevorschussung mit Kinderalimenten seit April 2012
für den Sohn aus erster Ehe mit Familiennachzug in der Höhe von
immerhin Fr. 18'200.-- (Stand 2014/15) zu Lasten der öffentlichen Hand
erstellt ist, was an der finanziellen Leistungsfähigkeit und eigenen
Bereitschaft des Vaters des heute 13-jährigen Kindes zweifeln und auch für
die Zukunft bei Nachzug der zweiten Ehefrau (Stiefmutter des Sohnes)
nichts Gutes erwarten lässt.
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In einer Gesamtschau bietet die G._ AG daher zu wenig Gewähr für
eine mehr als nur kurzfristige Erwerbsmöglichkeit der nachzuziehenden
Ehefrau aus dem Ausland. Angesichts des ohne dieses Einkommen von
Fr. 2'200.-- erheblichen Defizits von rund Fr. 1'620.-- pro Monat (vgl.
Bedarfsrechnung in E.2.9, hiernach) sind die Anforderungen an ein
gesichertes Einkommen für die Beschwerdeführer zwecks familiärer
Existenzsicherung aber entsprechend hoch anzusetzen. Je höher das
Defizitrisiko ist, umso wahrscheinlicher muss das Zusatzeinkommen
erhältlich sein.
2.9. Der Bedarf nach Art. 3 ff. VO BR 618.120 (vgl. auch Beschuss der Bündner
Regierung vom 29. Mai 2007, Protokoll Nr. 665, Ziff. 4.2 S. 5 ff., mit
Bemerkungen zu den einzelnen Bestimmungen) berechnet sich
schematisch – ohne das nicht anrechenbare Einkommen der Ehefrau – wie
folgt:
A) Ausgabenseite
Grundbedarf 3 Personen (Art. 3 VO) Fr. 1'884.--
Ergänzungsbedarf 3 Personen (Art. 4 VO) Fr. 609.--
Mietzins für Wohnung (Art. 5 VO inkl. Nebenkosten) Fr. 990.--
(hier vom Gericht "festgelegt" – vgl. dazu VGU U 17 74)
Krankenkassenprämien (Fr. 8'252.30 : 12) Fr. 687.--
Kinderalimente an Sohn (Art. 7 VO; laut Scheidungsurteil) Fr. 650.--
Ausrichtung Kinderzulagen Fr. 220.--
Total Fr. 5'040.--
B) Einnahmenseite
Monatliches Bruttoeinkommen Fr. 3'600.-- (Ehemann)
Abzüglich Lohnpfändung Fr. 400.--/pro Monat Fr. 3'200.--
Kinderzulagen für ein Kind Fr. 220.--
Total Fr. 3'420.--
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Es resultiert also schon bei einer solch rudimentären Bedarfsrechnung ein
beträchtliches Defizit von Fr. 1'620.-- pro Monat, womit die Gefahr einer
Sozialhilfeabhängigkeit nach Art. 44 lit. c AuG gegeben ist und somit auch
die gesetzlichen Voraussetzungen für den beantragten zweiten
Familiennachzug nicht erfüllt sind.
3.1. Der strittige Entscheid vom 7. Mai 2018 ist damit rechtens, was zu seiner
Bestätigung und zur Abweisung der Beschwerde von 8. Juni 2018 führt.
3.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG grundsätzlich den Beschwerdeführern, untereinander
solidarisch haftend für das Ganze, aufzuerlegen. Aufgrund vergleichbarer
Fälle (so etwa VGU U 16 56 vom 25. Januar 2017) erhebt das Gericht
praxisgemäss eine Staatsgebühr von Fr. 1'500.--. Diese Gebühr ist von den
Beschwerdeführern vorliegend aber nur dann zu entrichten, falls auch ihr
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (URP) abgelehnt wird/würde.
3.3. Aussergerichtlich steht dem Beschwerdegegner nach Art. 78 Abs. 2 VRG
keine Entschädigung zu, da er lediglich in seinem amtlichen Wirkungskreis
obsiegte.
3.4. Zum Gesuch auf unentgeltliche Rechtspflege (beinhaltet Prozessführung
und Rechtsvertretung auf Kosten des Staates) ist Art. 76 ff. VRG
massgebend. Hiernach kann die Behörde (inkl. Gericht) mit dem Entscheid
in der Hauptsache einer Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, auf Antrag diese Rechtswohltat gewähren, sofern deren
Rechtsstreit nicht offensichtlich mutwillig oder aussichtlos ist (PVG 2008
Nr. 4 E.3a). Die Kriterien für die Gewährung der URP sind somit die
Bedürftigkeit der Gesuchsteller sowie die zu verneinende bzw. fehlende
Aussichtslosigkeit des Streitfalles. Bedürftig ist eine Partei dann, falls sie
zur Wahrung ihrer Rechte auf anwaltlichen Beistand angewiesen ist und
somit eine Notwendigkeit für eine solche Hilfe erstellt ist. Als aussichtslos
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gelten Verfahren, bei denen die Gewinnchancen beträchtlich geringer sind
als die Verlustgefahr und deshalb kaum mehr als ernsthaft bezeichnet
werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn
sich Gewinnchancen und Verlustgefahr ungefähr die Waage halten oder
jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die
über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem
Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf
eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht allein deshalb
anstrengen können, weil er nichts kostet (BGE 139 I 138 E.4.2, 122 I 267
E.2b; PVG 1998 Nr. 27). Im konkreten Fall ist das Kriterium der finanziellen
Mittellosigkeit der Beschwerdeführer für das Gericht anhand der bekannten
Fakten (massives Einkommensmanko von rund Fr. 1'620.-- pro Monat;
erdrückende Schuldenlast von mehr als Fr. 71'000.-- [zusammengesetzt
aus: Alimentenbevorschussung Fr. 40'618.40 zuzüglich ungedeckte
Verlustscheine Fr. 30'625.50]) offensichtlich erfüllt. Die
Aussichtslosigkeit der Streitangelegenheit kann zudem verneint werden, da
die Interpretation und Beweiskraft des Anstellungsvertrags der G._
AG für die Beschwerdeführer offensichtlich nicht leicht einschätzbar waren.
Die Voraussetzungen nach Art. 76 ff. VRG sind folglich erfüllt, um den
Beschwerdeführern diese Rechtswohltat (unentgeltliche
Prozessführung/Rechtsbeistand auf Kosten des Staates) zuteilwerden zu
lassen. Die in E.3.2 erwähnte Staatsgebühr von Fr. 1'500.--
(Gerichtskosten) geht daher zu Lasten der Gerichtskasse.
3.5. Aussergerichtlich steht den Beschwerdeführern für die verfahrensbedingt
aufgelaufenen Anwaltskosten noch eine angemessene Entschädigung zu.
Nach Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwälte/-anwältinnen (Honorarverordnung [HV]; BR 310.250) wird
für den berechtigten Aufwand der unentgeltlichen Vertretung [...] ein
Anwaltshonorar von Fr. 200.-- pro Stunde zuzüglich Barauslagen und
Mehrwertsteuer ausgerichtet. Vorliegend hat der Anwalt der
Beschwerdeführer – trotz Gelegenheit bzw. Aufforderung dazu – keine
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Honorarnote eingereicht. Aufgrund des überschaubaren Umfanges der
Rechtsschriften und Eingaben des Anwalts der Beschwerdeführer
erscheint dem Gericht hier eine Parteientschädigung von pauschal Fr.
2'000.-- (bestehend aus: Arbeits-/Zeitaufwand 10 h à Fr. 200.--/h [inkl.
Spesen und MWST 7.7 %]) als angemessen und gerechtfertigt. Die
zugesprochene Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- zu Gunsten der
Beschwerdeführer geht damit ebenfalls zu Lasten der Gerichtskasse. Im
angefochtenen Entscheid vom 7. Mai 2018 (Bg-act. II/13) sowie in der
Verfügung des AFM vom 29. September 2017 (Bg-act. I/42) war die URP
nicht Gegenstand des Verfahrens, weshalb für die vorinstanzlichen
Verfahren auch keine URP gewährt werden kann.
3.6. Sowohl die Übernahme der Gerichtskosten wie auch der
Parteientschädigung durch die Gerichtskasse (bzw. den Staat) steht
allerdings unter dem Vorbehalt von Art. 77 VRG, wonach die
Beschwerdeführer das Erlassene zurückzuerstatten haben, sofern sie dazu
dereinst im Stande sein sollten.