Decision ID: 86f6f90c-9a14-4cd8-818a-339d545c4107
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, als Reinigungsmitarbeiterin zu 50 % erwerbstätig, meldete sich am 16. Januar 2012 unter Hinweis auf psychische Beschwerden und das Gutachten des
Y._
vom 31. Januar 2011 (Urk. 8/1) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 8/3). Am 3. April 2012 zog die Versicherte ihr Leistungsgesuch zurück (Urk. 8/19; vgl. auch Urk. 8/16-17). Die IV-Stelle schrieb das Gesuch deshalb am 13. April 2012 als gegenstandslos geworden ab (Urk. 8/22).
1.2
Nach entsprechenden Interventionen der Stadt
Z._
(v
gl. Urk. 8/24
30
)
,
die der Versicherten Sozialhilfeleistungen ausgerichtet hatte, kam die IV-Stelle am 17. Juli 2012 auf ihren Abschreibungsentscheid zurück und nahm das Verfahren wieder auf. Nach erwerblichen und medizinischen Abklä
rungen stellte die IV-S
telle der V
ersicherten mit Vorbescheid vom 11. Juni 2013 (Urk. 8/51) die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Infolge der fehlenden Mitwirkung der Versicherten bei der Einholung eines notwendigen Gutachtens könne ihr Gesundheitszustand nicht abschliessend beurteilt werden. Dagegen erhob das Sozialamt der Gemeinde
A._
, wo die Versicherte seit 1. März 2012 wohnhaft ist (
Urk.
3),
am 18. Juni 2013 einen Einwand (Urk. 8/55; vgl. auch Vollmacht vom 27. Juli 2012 [Urk. 8/34]).
In der Folge unterzog sich die Versicherte einer von der IV-Stelle angeordneten psychiatrischen Begutachtung bei
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie (Mitteilung der IV-Stelle an das Sozialamt
A._
vom 25. Juli 2013 [Urk. 8/58]). Am 11. November 2013 erstattete
Dr.
B._
sein Gutachten (Urk. 8/59). Am 22. November 2013 erliess die IV
Stelle einen neuen Vorbescheid, in dem sie wiederrum die Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht stellte (Urk. 8/61). Es wurde Frist zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 8/62). In der Folge wurden dem Sozialamt
A._
die Akten zugestellt (vgl. Urk. 8/63-66). Es ging jedoch keine Stellungnahme ein. Mit Verfügung vom 17. Januar 2014 (Urk. 2 = Urk. 8/67) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, dass die medizinischen Abklärungen ergeben hätten, dass keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe und somit keine Störung mit IV-relevantem Krankheitswert vorliege.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 19. Februar 2014 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
a)
Die Verfügung der Vorinstanz vom 17. Januar 2014 sei auf
zu
heben.
1.
b)
Das Verfahren sei zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück
zuweisen.
2.
Der Beschwerdeführerin sei für das Verfahren vor dem
Sozial
versicherungsgericht
die unentgeltliche Rechtspflege und -
verbeiständung
zu bewilligen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 28. März 2014 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, wovon der Versicherten am 3. April 2014 Kenntnis gegeben wurde (vgl. Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend
objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin mit der Begründung, dass die medi
zinischen Abklärungen ergeben hätten, dass keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe und somit keine Störung mit IV
relevantem Krankheitswert vorliege.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses ergänzte die Beschwerdegegnerin, dass sich das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift eingehend mit dem
Y._
-Gutachten auseinandersetze. Die beiden Gutachten stünden denn auch nicht in einem Widerspruch zueinan
der; sie würden vielmehr unterschiedliche Fragen betreffen. Gehe es im Gutachten von
Dr.
B._
um die Frage einer medizinisch begründeten Arbeits
un
fä
higkeit, sei im
Y._
-Gutachten, das von der
Vormund
schafts
behörde
Z._
in Auftrag gegeben worden sei, zu klären gewesen, ob die Beschwer
deführerin in der Lage sei, die Erziehung ihrer Kinder wahrzu
nehmen. An der Beweiswertigkeit des im Auftrag der Invalidenver
sicherung erstellten psychi
atrischen Gutachtens von
Dr.
B._
bestehe kein Zweifel (Urk. 7).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass die Beschwerdegegnerin im Abklärungsverfahren ihren Anspruch auf rechtli
ches Gehör verletzt habe, indem ihr weder Gelegenheit geboten worden sei, sich zur Person von
Dr.
B._
zu äussern, noch diesem Ergänzungsfragen zu stellen. Das Gutachten von
Dr.
B._
überzeuge auch inhaltlich nicht. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb
Dr.
B._
von den im
Y._
-Gutachten gestell
ten Diagnosen (organische Persönlichkeitsstörung bei einem kognitiven
Leis
tungspotential
im Bereich einer leichten intellektuellen Behinderung) abgewi
chen sei.
Dr.
B._
habe die vom
Y._
durchge
führten Leistungstests mit blossen Vermutungen in Frage gestellt, ohne selber Tests durchzuführen. Demgegenüber scheine das
Y._
-Gutachten schlüssig und einlässlich begründet. Es sei offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin mit dem im
Y._
-Gutachten beschriebenen Verhaltensweisen ausserstande sei, auch eine Arbeitsstelle mit einfacher Tätigkeit anzutreten und zu halten. Sie habe deshalb jede Arbeitsstelle nach kurzer Zeit wieder verloren. Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin seien mangelhaft. Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts, insbeson
dere zur
Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwer
deführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat, weil kein invalidisierender Gesundheitsschaden gegeben ist.
3.
3.1
Lic
. phil. I
C._
, Fachpsychologin FSP/Rechtspsychologin SGRP, und
cand
. phil. I
D._
vom
Y._
führten in ihrem psycholo
gischen Gutachten vom 31. Januar 2011 (Urk. 8/1) aus, dass die Beschwerde
führerin auf der Basis der vorliegenden Befunde nicht in der Lage sei, für ihre Kinder verantwortungsvoll zu sorgen. Sie leide an einer organischen
Persön
lichkeitsstörung
(ICD-10 F07.0) bei einem kognitiven Leistungspotential im Bereich einer leichten intellektuellen Behinderung. Zentrale Symptome der Diagnose seien beispielsweise eine andauernd reduzierte Fähigkeit, zielgerich
tete Aktivitäten über längere Zeiträume durchzuhalten und Befriedigungen auf
zuschieben, emotionale Labilität, leichter Wechsel zur Reizbarkeit mit kurz andauernden Ausbrüchen von Wut und Aggression sowie Äusserungen von Bedürfnissen und Impulsen, meist ohne Berücksichtigung von Konsequenzen oder sozialen Konventionen (S. 42). Aus gutachterlicher Sicht sei die Beschwer
deführerin nicht in der Lage, durch Arbeitserwerb finanziell für sich und (teil
weise) für die Kinder aufzukommen (S. 44)
.
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, der die Beschwerdeführerin ab April 2012 hausärztlich betreute, hielt in seinem Bericht vom 3. September 2012 (Urk. 8/36) fest, dass keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Sie sei bei normaler körperliche
r
Belas
tung voll arbeitsfähig
.
3.3
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Anästhesiologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin kam am 17. September 2012 zum Schluss, dass gestützt auf die medizinischen Unterlagen aus somatischer Sicht nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Unklar bleibe, inwieweit die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit durch die im
Y._
-Gutachten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung eingeschränkt werde. Deshalb sei die Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung angezeigt (Urk. 8/50/3).
3.4
Dr.
B._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 11. November 2013
(Urk. 8/59) eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ und
Unintelligenz
(ICD-10 F60.30) sowie eine Adipositas. Es scheine ihm zu unsi
cher, eine generelle Minderintelligenz zu diagnostizieren, da die Beschwerde
führerin die Volksschule neun Jahre lang auf reguläre Art und Weise ohne Klassenrepetition absolviert habe. Ihre schulischen Fähigkeiten überstiegen diejenigen der ersten zwei Primarschulklassen und damit die praktisch orien
tierten Diagnosekriterien einer
leichtgradigen
Minderintelligenz. Die Beschwer
deführerin könne sehr rasch denken und reden, habe für den Alltag eine gute Auffassungsgabe und gute sprachliche Fähigkeiten. Sie habe ein einfaches Den
ken, das auch Stereotypen verfallen sei, habe aber einen guten kognitiven Überblick über ihre Lebenssituation und gebe die Lebensdaten erstaunlich genau an. Sicher bestünden gewisse kognitive Schwächen wie eine leichte
Rechen
schwäche
und eine räumliche Orientierungsschwäche. In administrativen Belan
gen lasse sich die Beschwerdeführerin helfen, poche aber dennoch auf ihre praktische Selbstständigkeit. Die Intelligenz reiche für einfache Erwerbstätig
keiten aus. Dies habe die Erfahrung gezeigt: Beispielsweise habe die Beschwer
deführerin als Pflegehilfe im Spital ein durchschnittliches Einkommen erzielt (S. 12).
Dass bei der psychologischen Abklärung im Januar 2011 [
Y._
-Gutachten] die Resultate in den Leistungstests unterdurchschnittlich ausgefallen seien, hänge möglicherweise nicht allein mit geringen intellektuellen Fähigkeiten zusammen. Die Beschwerdeführerin habe die Untersuchung vehement abgelehnt, weil es ja um die Frage gegangen sei, ob man ihr „die Kinder wegnehmen“ solle. Dem
entsprechend sei sie nicht voll motiviert gewesen; ihr Verhalten sei gemäss den Angaben in den Testberichten „unangemessen, verbal ausfällig“ gewesen. Der Persönlichkeitstest habe wegen mangelnder Kooperation nicht ausgewertet wer
den können. Von grosser Bedeutung sei auch die nervöse Art der Beschwerde
führerin, sich bei Leistungsanforderungen in die Aufgaben hineinzustürzen, mit der Folge einer Leistungshemmung (S. 12 f.).
Diagnostisch im Vordergrund stehe eine Persönlichkeitsstörung. Anlässlich der psychologischen Begutachtung sei eine organische Persönlichkeitsstörung diag
nostiziert worden. Eine solche Diagnose werde aber im Allgemeinen nur
bei einer
im Laufe des Lebens erworbene organische Störung gestellt, im Sinne einer Persönlichkeitsveränderung. Bei der Beschwerdeführerin gehe es hingegen um primäre Persönlichkeitsmerkmale. Diesbezüglich seien kongenita
le Störun
gen nicht bekannt und
neuropsychologische Entwicklungsstörungen seien zu wenig vorhanden. Organisch bedingte Verhaltensstörungen scheine sie in der Kindheit nicht aufgewiesen zu haben. Demgegenüber seien psychische Belas
tungen aus dem Milieu, die sich hinderlich auf die Entwicklung der Persönlich
keit ausgewirkt haben könnten, offensichtlich (S. 13).
Es bestünden keine für die Invalidenversicherung massgebenden psychischen Störungen, die sich relevant auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken könnten. Die Beschwerdeführerin sei, wie sie stereotyp betone, deprimiert wegen der Trennung von ihren Kindern. Diese Verstimmung bestehe aber nur zeitweise, und mit einer Arbeitstätigkeit wäre die Beschwerdeführerin eher abgelenkt und psychisch stabiler, so wie im heutigen Alltag: Sie reise oft zu ihrem Freund nach
G._
, nehme Besuchstermine bei ihren Kindern regelmässig wahr, mache bei beruflichen Aktivitäten ihres Freundes mit und erledige die Haushaltsarbeit zufriedenstellend. Die psychischen und
psychove
getativen
Beschwerden wie Traurigkeit, Motivationsschwäche und Appetit
störungen wirkten sich nicht vital aus und hätten keinen eigentlichen Krankheitswert. Bei der heutigen psychiatrischen Untersuchung mache die Beschwer
deführerin gut mit, zeige sich in einer gehobenen Stimmung (ohne Aggressivi
tät, Depressivität oder Ängstlichkeit). Sie habe ein einfaches Denken, bei allen Gesprächsthemen aber eine gute Auffassung, sei sehr alert und könne sich gut ausdrücken. Emotional sei sie sehr impulsiv. Sie rege sich über Vieles auf, stei
gere sich auf impulsive Art in eine Erregung und gebrauche dann eine grobe und ausfällige Sprache. Die Affekte wechselten sich rasch ab. Anhand dieser Beobachtung könne man sich vorstellen, dass es mitunter schwierig sei, die Beschwerdeführerin an einem Arbeitsplatz angemessen zu führen. Weder fremd- noch eigenanamnestisch seien aber aggressive oder sonstige dissoziale Verhal
tensstörungen bekannt geworden (S. 14 f.).
Obwohl die Beschwerdeführerin eine auffällige Persönlichkeit mit geringen intellek
tuellen
Möglichkeiten
habe
, hätten sich weder gemäss Anamnese noch bei der Untersuchung psychische Störungen mit einem IV-relevanten
Krank
heitswert
gezeigt, die die Arbeitsfähigkeit auf längere Dauer wesentlich hätten einschränken können. Retrospektiv und aktuell habe mit anderen Worten keine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit bestanden. In letzter Zeit habe sich eine gewisse soziale Stabilität abgezeichnet, sodass auch prognostisch keine wesent
liche Verschlechterung angenommen werden müsse. Therapeutisch seien eine soziale Betreuung und
supportive
Gespräche bereits etabliert. Für berufliche Massnahmen gebe es keine zwingende psychiatrische Indikation. Eine länger dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um mindestens 20 % habe aus psychischen Gründen nie bestanden (S. 15 f.).
3.5
Dr.
F._
schloss sich in seiner Aktenbeurteilung vom 21. November 2013 den Folgerungen von
Dr.
B._
an. Dessen Gutachten sei umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige die geklagten Beschwerden und die
Vorakten
. Es sei in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein
leuchtend; die Schlüsse seien begründet. Es seien keine Diagnosen mit dauer
hafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen (Urk. 8/60/2-3).
4.
4.1
Soweit die Beschwerdeführerin rügen liess, es sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, weil sie sich weder zur Person des Gutachters
Dr.
B._
habe äussern können
,
noch Gelegenheit zur Stellung von Ergänzungsfragen gehabt habe (Urk. 1 S. 5 f.), ist vorauszuschicken, dass sie auch im vorliegenden Prozess keine Einwendungen gegen die Person des Gutachters geltend machen liess. Im Übrigen wurden der Beschwerdeführerin (damals vertreten durch das Sozialamt
A._
[vgl. Urk. 8/34
]
) am 25. Juli 2013 Name und Adresse des Gut
achters bekanntgegeben, der Fragenkatalog zugestellt und sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie Zusatzfragen formulieren könne (Mitteilung vom 25. Juli 2013 [Urk. 8/58]). In der Folge wurden von der Beschwerdeführerin keine Einwendungen erhoben; Zusatzfragen wurden nicht gestellt. Auch anläss
lich des
Vorbescheidverfahrens
(vgl. Urk. 8/61-66) wurde keine Ergänzung des Gutachtens verlangt. Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf das rechtliche Gehör wurde
somit
nicht verletzt.
4.2
Das Gutachten von
Dr.
B._
erfüllt sämtliche in E. 1.5 wiedergegebenen
,
von der Praxis formulierten Anforderungen. Es ist umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtig die geklagten Beschwerden, die medizini
schen Akten sowie die anamnestischen Angaben. Es ist in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ
ation einleuchtend. Die Schlussfolgerungen von
Dr.
B._
sind begründet.
Dr.
B._
legt - entgegen den Einwänden in der Beschwerdeschrift - insbeson
dere umfassend und nachvollziehbar dar, weshalb er zu anderen Schlüssen
kommt
als die
Y._
-Gutachter.
Dr.
B._
konnte namentlich die im
Y._
-Gutachten diagnostizierte organische Persönlichkeitsstörung nicht bestätigen. Seiner Ansicht nach lieg
t
keine solche Persönlichkeitsveränderung vor,
sondern
es sind
vielmehr primäre P
ersönlichkeitsmerkmale gegeben. Offensichtlich seien psy
chische Belastungen aus dem Milieu vorhanden, die sich hinderlich auf die Entwicklung der Persönlichkeit ausgewirkt haben könnten. Zu überzeugen ver
mag das Gutachten von
Dr.
B._
insbesondere hinsichtlich der Frage, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen einge
schränkt sei.
Dr.
B._
verneinte diese
Frage (abgesehen davon, dass
er keine psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert stellte) im Wesentlichen mit der Argumentation, dass die Beschwerdeführerin zahlreiche Aktivitäten ausüben könne: Reisen nach
G._
zu ihrem Freund; regelmässige Besuche bei ihren
Kindern; Erledigung der Haushaltsarbeit; Teilnahme an berufliche Aktivitäten ihres Freundes. Die psychischen und psychovegetativen Beschwerden wie Trau
rigkeit, Motivationsschwäche und Appetitstörungen wirkten sich nicht vital aus und hätten keinen eigentlichen Krankheitswert (vgl. oben E. 3.4). Die Ein
schätzung von
Dr.
B._
, dass keine Arbeitsunfähigkeit bestehe, wurde im Übrigen auch von
Dr.
E._
, dem Hausarzt der Beschwerdeführerin, und
Dr.
F._
geteilt (vgl. oben E. 3.2, 3.2 und 3.5).
Soweit
die
Y._
-Gutachte
r
(vgl. E. 3.1) zu anderen Einschätzungen gelangten
,
ist zunächst darauf hinzuweisen, dass in diesem Gutachten eine anders gela
gerte Fragestellung zur Diskussion stand. Im
Y._
-Gutachten ging es darum, zuhanden der Vormundschaftsbehörde die Erziehungsfähigkeit der Beschwer
deführerin abzuklären, während
Dr.
B._
im Kern die Frage zu beantworten hatte, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch eine
invalidenversi
cherungsrechtlich
relevante Gesundheitsbeeinträchtigung eingeschränkt sei. Es ist nachvollziehbar, dass die Antworten auf die
se
unterschiedlichen Fragen bei differenzierter Betrachtungsweise durchaus unterschiedlich ausfallen können. Ein Widerspruch ist darin nicht zu erblicken. Soweit im
Y._
-Gutachten die Auffassung vertreten wurde, die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, durch Arbeitserwerb finanziell für sich und allenfalls teilweise für die Kosten der Kinder aufzukommen (Urk. 8/1 S. 44), überzeugt das angesichts der Beur
teilung von
Dr.
B._
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht. Obwohl die Beschwerdeführerin
so
Dr.
B._
- eine auffällige Persönlichkeit mit geringen intellektuellen Möglich
keiten habe, hätten sich weder gemäss Anamnese noch bei der psychiatrischen Untersuchung psychische Störungen mit Krankheitswert gezeigt, die die Arbeitsfähigkeit auf längere Dauer wesent
lich einschränk
ten
. Es habe niemals eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in einem invaliden
versicherungsrechtlich
relevanten
Mass bestanden (Urk. 8/59 S. 15).
4.3
Dem überzeugenden und nachvollziehbaren Gutachten von
Dr.
B._
kommt volle Beweiskraft zu. Daraus folgt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin aus psychischen Gründen nicht eingeschränkt ist. Eine somatisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit stand niemals zur Diskussion beziehungsweise wurde bereits vor der psychiatrischen Begutachtung durch die Berichte von
Dr.
E._
und
Dr.
F._
(vgl. E. 3.2 und 3.3) ausgeschlossen.
Demzufolge erweist sich die Beschwerde als unbegründet
und
ist s
omit abzu
wei
sen.
5.
5.1
Vorliegend sind bei der Beschwerdeführerin
die Voraussetzungen zur Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestellung eines unentgeltl
i
chen Rechtsbeistandes gemäss §
16 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
) erfüllt (vgl. Urk. 3
).
5.2
Mit Honorarnote vom 5. Oktober 2015 (Urk. 10) machte Rechtsanwalt Joos einen Aufwand von 7,35 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend, was in zeitlicher Hinsicht angemessen erscheint. Der gerichtsübliche Stundenansatz beträgt jedoch nicht Fr. 250.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer), sondern lediglich Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) beziehungsweise für Bemühungen ab 1. Januar 2015 neu Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer). Da der relevante Aufwand im Jahr 2014 erfolgte, ist von einem Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auszuge
hen. Demzufolge ist Rechtsanwalt Joos mit Fr. 1'587.60 (= 7,35 x Fr. 200.-- x 1,08) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.