Decision ID: 8f731e3e-b4e0-40d6-a7d2-cc1aa3a4f4bb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A. Mit Auslieferungsersuchen vom 10. März 2020 ersuchte das Justizministe-
rium von Spanien die Schweiz um Auslieferung des deutschen Staatsange-
hörigen A. zwecks Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und
6 Monaten aus dem Urteil des Landgerichts Palma de Mallorca vom 4. De-
zember 2018 wegen Veruntreuung (act. 6.1A-B).
B. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») erliess am 24. Juni 2020 ge-
gen A. einen Auslieferungshaftbefehl und beauftragte die Oberstaatsanwalt-
schaft Schwyz mit der Verhaftung von A. und dessen Einvernahme (act. 6.2
und 6.3).
C. A. wurde am 18. August 2020 von der Kantonspolizei Schwyz festgenom-
men und gleichentags durch die Staatsanwaltschaft Schwyz zum Ausliefe-
rungsersuchen befragt. Dabei widersetzte er sich der vereinfachten Auslie-
ferung (act. 6.4).
D. Mit Schreiben vom 29. und 31. August 2020 nahm A. schriftlich zum spani-
schen Auslieferungsersuchen Stellung und ersuchte gleichzeitig um Haftent-
lassung (act. 6.8 und 6.9). Das BJ lehnte das Haftentlassungsgesuch mit
Verfügung vom 3. September 2020 ab (act. 6.10).
E. Mit Schreiben vom 7. September 2020 gelangte das BJ an das spanische
Justizministerium und ersuchte dieses um ergänzende Informationen
(act. 6.13). Diese wurden dem BJ von den spanischen Behörden am
21. September 2020 übermittelt (act. 6.14).
F. Am 6. Oktober 2020 reichte A. dem BJ eine ergänzende Stellungnahme ein
(act. 6.19). Mit Eingaben vom 9. und 12. Oktober 2020 ersuchte A. erneut
um Haftentlassung (act. 6.20 und 6.20).
G. Mit Auslieferungsentscheid vom 14. Oktober 2020 bewilligte das BJ die Aus-
lieferung von A. an Spanien für die dem Auslieferungsersuchen vom
10. März 2020, ergänzt am 21. September 2020, zugrundeliegenden Straf-
taten, und lehnte das Haftentlassungsgesuch von A. ab (act. 6.22).
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H. Dagegen erhob A. am 13. November 2020 bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde. Er beantragt die Aufhebung von Ziffer 1
des Auslieferungsentscheides vom 14. Oktober 2020 und die Abweisung des
Auslieferungsersuchens des Justizministeriums von Spanien vom 10. März
2020 sowie die umgehende Entlassung aus der Auslieferungshaft (act. 1
S. 2).
I. Das BJ beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 26. November 2020 die
Abweisung der Beschwerde (act. 6), während A. in seiner Replik vom
14. Dezember 2020 an den in der Beschwerde gestellten Anträgen festhält
(act. 8). Diese wurde dem BJ am 15. Dezember 2020 zur Kenntnis zugestellt
(act. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Considerations:
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Spanien sind pri-
mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-
ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1), dem beide Staaten beigetreten sind, sowie
die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 15. Oktober 1975, 17. März
1978 und 10. November 2010 (ZP I EAUe, SR 0.353.1; ZPII EAUe,
SR 0.353.12; ZPIII EAUe, SR.0.353.13) massgebend. Überdies anwendbar
sind das Schengener Durchführungsübereinkommen vom 14. Juni 1985
(SDÜ; CELEX-Nr. 42000A0922(02); ABl. L 239 vom 22. September 2000,
S. 19-62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Webseite
der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den bi-
lateralen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/euro-
pean-union/international-agreements/008.html) i.V.m. dem Beschluss des
Rates 2007/533/JI vom 12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Betrieb und
die Nutzung des SIS der zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26-31
(CELEX-Nr. 32007D0533; ABl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63-84; abruf-
bar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.4 Weiterent-
wicklungen des Schengen-Besitzstands), sowie diejenigen Bestimmungen
des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die Auslieferung zwi-
schen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-Auslieferungs-
übereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); ABl. C 313 vom 23. Oktober
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/ALL/?uri=CELEX:42000A0922(02) https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html http://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/ALL/?uri=CELEX:32007D0533
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1996, S. 12-23) i.V.m. dem Beschuss des Rates 2003/169/JI vom 27. Feb-
ruar 2003 (CELEX-Nr. 32003D0169; ABl. L 67 vom 12. März 2003, S. 25 f.;
abrufbar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.2 An-
hang B), wobei die zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehen-
den Bestimmungen aufgrund bilateraler oder multilateraler Abkommen un-
berührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungsüberein-
kommen).
1.2 Wo das internationale Recht nichts anderes bestimmt, findet ausschliesslich
das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), namentlich
das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in
Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Ver-
ordnung vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11).
Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann
zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung
stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82
E. 3.1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2008 24 E. 1.1).
2.
2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Eröff-
nung des Entscheides bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 IRSG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG,
Art. 50 Abs. 1 VwVG und Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [StBOG;
SR 173.71]).
2.2 Der Auslieferungsentscheid vom 14. Oktober 2020, zugestellt am 15. Okto-
ber 2020 (act. 6.22A), wurde am 13. November 2020 – somit innerhalb der
Beschwerdefrist – angefochten (act. 1). Die übrigen Eintretensvoraussetzun-
gen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Beschwerde ist dem-
nach einzutreten.
3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden
(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen mit freier
Kognition, befasst sich jedoch nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitge-
genstand der Beschwerde bilden (Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2016.1 vom 4. April 2016 E. 3).
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Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die urteilende In-
stanz sodann nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinanderset-
zen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich
auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 141 IV
249 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2). Es genügt, wenn die Behörde wenigstens
kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf welche
sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom
16. Juli 2004 E. 5.2 m.w.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Urteil des Landgerichts Palma de
Mallorca vom 4. Dezember 2018, mit welchem er zu 3 Jahren und 6 Monaten
Freiheitsstrafe verurteilt worden sei, sei ihm nicht rechtsgültig zugestellt wor-
den, weshalb es nicht vollstreckbar sei. Nach spanischem Recht beginne die
Rechtsmittelfrist für einen im Ausland wohnhaften, erstinstanzlich Verurteil-
ten erst zu laufen, nachdem eine beglaubigte Übersetzung in der Sprache
des Verurteilten diesem förmlich zugestellt worden sei. Das Urteil sei ihm
jedoch nie persönlich in seiner Muttersprache zugestellt worden, weshalb es
nie in Rechtskraft erwachsen sei und der Beschwerdeführer dagegen nie ein
Rechtsmittel habe erheben können.
4.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im
Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem Ersu-
chen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass
das ausländische Verfahren den Grundsätzen der EMRK oder UNO-Pakt II
nicht entspricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 Abs. 1 lit. a und
d IRSG).
Gemäss konstanter Praxis ist es jedoch nicht Sache der Rechtshilfebehörde,
die Rechtskonformität der von Seiten des ersuchenden Staates erlassenen
Verfahrensakte zu überprüfen. Die Gültigkeit von ausländischen Verfahrens-
entscheiden wird nur ausnahmsweise, wenn besonders schwere Verletzun-
gen des ausländischen Rechts vorliegen, überprüft. Dies ist der Fall, wenn
das Auslieferungsersuchen rechtsmissbräuchlich erscheint und Zweifel auf-
kommen, ob die grundsätzlichen Verteidigungsrechte im ausländischen Ver-
fahren gewahrt werden bzw. gewahrt worden sind (Urteile des Bundesge-
richts 1A.118/2004 vom 3. August 2004 E. 3.8; 1A.15/2002 vom 5. März
2002 E. 3.2; Entscheide des Bundesstrafgerichts RH.2014.3 vom 5. März
2014 E. 9.4; RR.2013.89 vom 25. Juni 2013 E. 4.5; RR.2012.259 vom
28. Mai 2013 E. 5.3).
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4.3 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass ihm das Urteil des Landgerichts
Palma de Mallorca vom 4. Dezember 2018 in spanischer Sprache am
7. März 2019 persönlich an die von ihm bezeichnete Zustelladresse in Z.
(Deutschland) zugestellt worden ist. Er bestreitet auch nicht, dass das be-
treffende Urteil in deutscher Sprache am 5. April 2019 an die von ihm be-
zeichnete Zustelladresse in Z. geschickt worden ist. Er macht jedoch geltend,
das Urteil in deutscher Sprache sei nicht ihm persönlich, sondern seiner Ex-
Frau ausgehändigt worden (act. 1 S. 5 ff.). Die spanischen Behörden haben
diesbezüglich in ihrem Schreiben vom 16. September 2020 an das BJ fest-
gehalten, das Urteil sei dem Beschwerdeführer – der im spanischen Verfah-
ren im Übrigen durch einen Prozessvertreter und einen deutschen Anwalt
vertreten worden war (vgl. act. 6.1B) – in Einklang mit Art. 160 der spani-
schen Strafprozessordnung zugestellt worden. Nach dieser Bestimmung
seien Urteile den Parteien und deren Prozessbevollmächtigten zuzustellen.
Falls die Zustellung an eine Partei nicht möglich sei, werde dies entspre-
chend vermerkt und es gelte die Zustellung an den Prozessvertreter. Das
besagte Urteil sei am 5. Dezember 2018 dem Prozessvertreter des Be-
schwerdeführers durch das gerichtliche elektronische System LEXNET zu-
gestellt worden. Darüber hinaus sei dem Beschwerdeführer das Urteil am
16. Januar 2019 per E-Mail zugeschickt worden. Die deutsche Übersetzung
des Urteils sei gemäss Empfangsbescheinigung vom 8. April 2019 an die
Zustelladresse des Beschwerdeführers in Brauschweig per Post übersandt
worden. Das Urteil sei damit am 17. April 2019 in Rechtskraft erwachsen
(act. 6.15B). Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdefüh-
rer bereits im spanischen Verfahren geltend gemacht hat, die Zustellung des
Urteils sei nicht korrekt erfolgt. Das Landgericht Palma de Mallorca hat je-
doch den entsprechenden Antrag des Beschwerdeführers auf Nichtigerklä-
rung des Verfahrens infolge mangelhafter Zustellung des Urteils vom 4. De-
zember 2018 mit Beschluss vom 19. Juni 2019 abgewiesen. Das Gericht
hielt in diesem Beschluss fest, dass der Beschwerdeführer, nachdem das
Urteil vom 4. Dezember 2018 dessen Prozessvertreter zugestellt worden sei,
mit Antrag vom 7. Dezember 2018 eine Übersetzung des Urteils in die deut-
sche Sprache verlangt habe. Diesen Antrag habe das Gericht am 12. De-
zember 2018 gutgeheissen. Der Beschwerdeführer sei vom spanischen Ge-
richt mit Schreiben vom 22. Februar 2019 aufgefordert worden, seinen Auf-
enthaltsort bekannt zu geben. In der Folge sei dem Beschwerdeführer so-
dann zunächst am 7. März 2019 das Urteil in spanischer Sprache zugestellt
worden, wobei er darauf hingewiesen worden sei, dass die deutsche Über-
setzung des Urteils in den nächsten Tagen folgen würde. Die Prozessvertre-
tung des Beschwerdeführers habe dem Gericht am 3. Mai 2019 mitgeteilt,
dass der Beschwerdeführer einige Tage auf Mallorca verbringen und bei die-
ser Gelegenheit das Urteil und dessen deutsche Übersetzung beim Gericht
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abholen werde. Daraufhin habe ihm das Gericht erklärt, dass die Überset-
zung des Urteils bereits mittels internationalen Einschreibens am 1. April
2019 versendet worden sei, dass es ihm aber freistehe, trotzdem beim Ge-
richt das Urteil und dessen Übersetzung abzuholen. Dies habe der Be-
schwerdeführer in der Folge jedoch unterlassen (act. 6.15D).
4.4 Zunächst ist festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür bestehen, an den
Ausführungen der spanischen Behörden zu zweifeln. Insbesondere darf bei
einem Staat wie Spanien, der die EMRK ratifiziert hat, Mitgliedstaat der Eu-
ropäischen Union und mit der Schweiz Signatarstaat des EAUe ist, gestützt
auf das völkerrechtliche Vertrauensprinzip vermutet werden, dass er seine
völkerrechtlichen Verpflichtungen wahrnimmt und das betreffende Strafver-
fahren gegen den Beschwerdeführer den Verfahrensgarantien der EMRK
entsprechen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_260/2013 vom
19. März 2013 E. 1.4; 1C_257/2010 vom 1. Juni 2010 E. 2.4; Entscheid des
Bundesstrafgerichts RR.2013.209 vom 14. März 2014 E. 2.1.1). Vor diesem
Hintergrund darf davon ausgegangen werden, die spanischen Behörden hät-
ten die Verfahrensgarantien der EMRK wie auch die einschlägigen strafpro-
zessualen Bestimmungen ihres Landes eingehalten. Gestützt auf die Aus-
führungen der spanischen Behörden ist damit ohne Weiteres davon auszu-
gehen, dass dem Beschwerdeführer das Urteil des Landgerichts von Palma
de Mallorca vom 4. Dezember 2018 am 7. März 2019 in spanischer und am
5. bzw. 7. April 2019 in deutscher Sprache rechtsgültig an die dem Gericht
vom Beschwerdeführer bekanntgegebene Zustelladresse in Z. zugestellt
worden ist. Dass die deutsche Übersetzung des Urteils von der Ex-Ehefrau
des Beschwerdeführers entgegengenommen worden sein soll, vermag of-
fenbar an der Gültigkeit der Zustellung nach spanischem Recht nichts zu
ändern. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ergibt sich näm-
lich aus der einschlägigen Bestimmung des Art. 160 der spanischen Straf-
prozessordnung nicht, dass die Zustellung von Urteilen persönlich an die
Parteien zu erfolgen hat (BOE.es - Documento consolidado BOE-A-1882-
6036). So ist eine persönliche Zustellung gemäss Art. 160 Abs. 4 der spani-
schen Strafprozessordnung nur bei Gewaltdelikten gegen Frauen vorge-
schrieben. Der Beschwerdeführer wusste ferner darum, dass ihm die deut-
sche Übersetzung des Urteils wenige Tage nach der Zustellung des Urteils
in spanischer Sprache zugestellt werden würde. Hätte er nicht gewollt, dass
dies an die Adresse in Z. geschieht, hätte er den spanischen Behörden eine
allfällige andere Zustelladresse bekannt geben müssen. Entgegen den Aus-
führungen des Beschwerdeführers geht schliesslich aus den Ausführungen
der spanischen Behörden in keiner Weise hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht habe aufgefunden werden können, weshalb die Zustellung als an
den Prozessvertreter erfolgt zu gelten habe. Im Gegenteil: die spanischen
https://www.boe.es/eli/es/rd/1882/09/14/(1)/con https://www.boe.es/eli/es/rd/1882/09/14/(1)/con
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Behörden gehen gerade davon aus, dass die Zustellung des Urteils vom 4.
Dezember 2018 in spanischer und deutscher Sprache rechtsgültig an den
Beschwerdeführer an die von ihm bezeichnete Zustelladresse erfolgt sei. Die
Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.
5. Soweit schliesslich der Beschwerdeführer anregt, dass der Beschwerdegeg-
ner dazu angehalten werde, für eine systematische Aktenführung besorgt zu
sein und eine durchnummerierte, fortlaufende Dokumentenerfassung in Aus-
lieferungsfällen zu betreiben, erhellt sich dem Gericht nicht und wird auch
vom Beschwerdeführer nicht näher dargelegt, inwiefern der Beschwerde-
gegner seiner Aktenführungspflicht nicht nachgekommen sein soll. Notwen-
dige Voraussetzung zur Ausübung der Akteneinsicht ist, dass die Behörden
Akten anlegen; als Korrelat zum Akteneinsichtsrecht ergibt sich aus Art. 29
Abs. 2 BV demnach für die Behörden eine Aktenführungspflicht (BGE 142 I
86 E. 2.2). Diese gilt auch im Auslieferungsverfahren (Urteil des Bundesge-
richts 1A.121/2004 vom 15. Juni 2004 E. 2.4). Aufgrund dieser Aktenfüh-
rungspflicht haben die Behörden alles in den Akten festzuhalten, was zur
Sache gehört und entscheidwesentlich sein kann (BGE 138 V 218 E. 8.1.2).
Der Beschwerdegegner hat ein Aktenverzeichnis angelegt (act. 6.0) und die
Akten entsprechend dem Verzeichnis durchnummeriert. Vom Aktenverzeich-
nis erfasst sind sämtliche für das vorliegende Auslieferungsverfahren ent-
scheidrelevanten Dokumente. Diese sind dem Beschwerdeführer zudem mit
E-Mail vom 7. und 22. September 2020 zugestellt worden (act. 6.12). Dass
der Beschwerdeführer sein Akteneinsichtsrecht nicht habe ausüben können,
macht er zu Recht nicht geltend. Auf diesen Punkt der Beschwerde ist daher
nicht weiter einzugehen.
6. Andere Gründe, welche eine Auslieferung offensichtlich auszuschliessen
oder sonst zu einer Aufhebung der Auslieferung zu führen vermöchten, wer-
den weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer beantragt seine Entlassung aus der Auslieferungs-
haft.
7.2 Der Verfolgte, welcher sich in Auslieferungshaft befindet, kann jederzeit ein
Haftentlassungsgesuch einreichen (Art. 50 Abs. 3 IRSG). Das Gesuch ist an
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das Bundesamt für Justiz zu richten, gegen dessen ablehnenden Entscheid
innert zehn Tagen Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts geführt werden kann (Art. 48 Abs. 2 und Art. 50 Abs. 3
IRSG). Die Beschwerdekammer kann ausnahmsweise im Zusammenhang
mit einer Beschwerde gegen einen Auslieferungsentscheid in erster Instanz
über ein Haftentlassungsgesuch befinden, wenn sich aus einer allfälligen
Verweigerung der Auslieferung als unmittelbare Folge auch die Entlassung
aus der Auslieferungshaft ergibt und das Haftentlassungsgesuch insofern
rein akzessorischer Natur ist (Urteil des Bundesgerichts 1A.13/2007 vom
9. März 2007 E. 1.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2008.59 vom
19. Juni 2008 E. 2.2). Der vorliegende Antrag ist demnach als akzessori-
sches Haftentlassungsgesuch zu betrachten. Die Auslieferung des Be-
schwerdeführers kann gewährt werden (vgl. supra E. 6), weshalb das ak-
zessorische Haftentlassungsgesuch abzuweisen ist.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist
auf Fr. 3‘000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG und Art. 73 StBOG
sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR), unter Anrechnung des geleisteten
Kostenvorschusses in gleicher Höhe.
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