Decision ID: d77955ee-68d7-4bd6-94b3-d61091c1e0f9
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
arbeitete als
Gastronomiemitarbeiterin bei der
Y._
, als sie am 2
1.
September 2001 im Rahmen einer Auffah
r
kollision ein
Beschleunigungstrauma
der Halswirbelsäule (HWS)
erlitt. In der Folge bezog sie Leistungen der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva).
Unter Hinweis auf die Unfallfolgen wie chronische Kopfschmerzen,
Nacken
schmerzen
, Schwindel
,
depressive Stimmungslage und
die
an
dauernd
attestierte
Arbeitsunfähigkeit meldete sich die Versicherte am 1
3.
September 2002 bei der Invalidenversicherung an und beantragte
Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit und eine Rente (
Urk.
6/3-1). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Ste
lle
, klärte den Sachverhalt ab und zog die Akten der Suva
bei. Von der IV-Stelle unterstützte Arbeitsversuche und
Belastbarkeitstrai
nings
wurden
jeweils vorzeitig
abgebrochen (
Urk.
6/19–25 f.;
Urk.
6/
23
, 6/
25
und 26, 6/
28
und
30)
. Die Arbeitsstelle wurde von der Arbeitgeberin per
3
1.
Januar 200
3
gekündigt
(Urk.
6/16).
Die Suva veranlasste eine neurologisch
e,
psychiatrisch
e und
orthopädisch
e Be
gutachtung bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) des
Inselspital
s
Z._
.
G
estützt auf
das
am 3
0.
August 2005 erstattete
Gutachten (
Urk.
6/33) stellte
die Suva ihre Leistungen mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2006 per 30.
Septem
ber 2005 ein (
Urk.
6/34).
Die Gutachter
hatten
eine
HWS-Beschleu
nigungsver
letzung
mit
blanden
somatischen Befunden
diagnostiziert
und
für maxi
mal 42 Tage eine eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk.
6/33/13 ff.
)
.
Am 1
3.
Dezember 2005 erlitt
X._
erneut einen Auffahrunfall
(vgl.
Urk.
6/39-40,
Urk.
6/44).
Am 1
0.
Januar 2007 erliess die
IV-Stelle
einen
Vorb
escheid
(Urk. 6/38) und stellte
diesen der Versicherten gleichentags zu (Urk. 6/37)
.
Im Vorbescheid
stellte sie gestützt auf die erfolgten Abklärungen die Abweisung des
Leistungs
gesuches
in
Aussicht
. Mit Hinweis a
uf die im Unfallverfahren am 3.
November 2006 erho
be
ne
Beschwerde beim S
ozialversicherungsgericht (Urk.
6/3
9) und auf den zwischen
zeitlichen
erlittenen
zweiten
Unfall liess die Versicherte mit Stellungnahme
vom 8. Februar 2007
zum Vorbescheid bei der IV-Stelle die Sistierung des IV-Ver
fahrens bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils in der Streitsache betref
fend Leistungen aus UVG beantragen. Zudem liess sie vorbringen, sie sei immer
noch nicht arbeitsfähig, und verwies auf die behandelnden Ärzte
Dr.
med.
A._
und
med.
pract
.
B._
(
Urk.
6/40).
Im Verfahren betreffend UV-Leistungen erliess
en das hiesige Gericht am 30.
April
2008 und das Bundesgericht am 1
8.
Dezember 2008 ihre
Urteile,
mit denen der
Einspracheentscheid der Suva vom 1
4.
August 2006, mit dem diese betreffend den Unfall vom 2
1.
September 2001 die Einstellung der Leis
tungen per 3
0.
Septem
ber 2005 bestätigt hatte (Urk. 6/35), geschützt wurde (Urk. 6/48,
Urk.
6/53)
.
Die IV-Stelle
holte in der Folge
bei der
C._ GmbH
das internistische, neurologische und psychiatrische Gutachten vom 17.
Septem
ber 2009
ein (
Urk.
6/61
).
Darin
wurden keine Diagnosen mit Wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
;
ohne
Auswi
rkung auf die Arbeitsfähigkeit
sind im Gutachten
ein chronisches zervikales Schmerzsyndrom, eine Migräne ohne Aura, eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) und eine
Schmerz
verar
bei
tungsstö
rung
(ICD-10 F54)
erwähnt
.
Die Gutachter wiesen auf eine er
hebliche Selbstlimitierung und
Medikamentenmalcompliance
hin.
Der Zustand habe sich seit der letzten Begutachtung nicht verändert.
Von der Einleitung b
erufliche
r Massnahmen rieten
sie
wegen f
ehlende
r
Motivation der Versicherten ausdrück
lich
ab
. Nach Vorlage des Dossiers beim RAD hielt
die IV-Stelle
mit Verfügung
vom 2
9.
Dezember 2009
und der Begründung, dass die Versicherte noch vor Ab
lauf
der Wartefrist wieder eine
volle
Arbeitsfähigkeit für die ange
stammte Tätig
keit erlangt habe,
an ihrem Entscheid fest und verneinte
einen
Anspruch auf Leist
ungen der I
nvalidenversicherung
(
Urk.
6/67).
1.
2
Gegen diese Verfügung
liess
X._
mit Eingabe vom 2
6.
Januar 2010 Beschwerde
erheben
(
Urk.
6/68)
. Vom 2
9.
März bis 1
1.
Juni 2010 begab sie sich in das Medizinische Zentrum
D._
in eine tagesklinische Behandlung
.
Die
dortigen Ärzte
diagnostizierte
n
eine mittelgradige depressive Episode, eine an
hal
tende
somatoforme
Schmerzstörung, Migräne
sowie
bei einem Status nach HWS-
Distorsion
ein chronisches zervikales Schmerzsyndrom
,
und
sie
attestierte
n
rück
wirkend ab 2
1.
September 2001
eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit
im
Erwerbs
bereich
und im Hausha
lt eine Einschränkung von 70
%
(Berichte vom 3
0.
März
und 1
3.
Juli 2010;
Urk.
6/70/5-10 und
Urk.
6/72/4-10
)
. Mit Urteil vom 2
0.
Janu
ar 2012 hiess das
hiesige Gericht
die
gegen die
Verfügung der IV-Stelle
,
erhobene
Beschwerde in dem Sinne gut,
das
s
es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur Vervollständigung der medizinischen Aktenlage und zur neuen Ent
scheidung an die IV-Stelle zurückwies
. Als nötig erachtet wurden zusätzliche
neurologische, neuropsychologische und
neurootologische
Untersuchungen
(
Urk.
6/74).
1.
3
Das von der
IV-Stelle
hernach bei der
E._
eingeholte
internistisch
e,
neurologisch
e,
neuropsychologisch
e
,
psycho
so
ma
tisch
e
und
neuro
otologisch
e
Gutachten
vom 3
1.
Dezember 2012 attestierte
der Versicherten aufgrund der Diagnosen chronische Schmerzstörung mit so
ma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), rezidivierende depressive Stö
rung,
gegenwärtig
mittelgradige Episode m
it somatischem Syndrom (F33.
11),
chro
nische
s
zervi
k
oz
ephale
s
Schmerzsyndrom
,
und rezidivierende
Drehschwin
delattacken
unklarer Ätiologie eine Restarbeits
-
fähigkeit von 50
%
sowohl für die angestammte als auch für leidensangepasste Tätigkeiten
(
Urk.
6/93)
.
Die IV-Stelle stellte der Versicherten gestützt auf das
E._
-Gutachten mit Vorbescheid vom 3
0.
April 2013 in Aussicht, sie werde ihr ab
1.
Juli 2013 eine halbe Rente ausrichten (
Urk.
6/101).
An diesem Entscheid hielt sie mit Verfügung vom
1.
Oktober 2013 fest (
Urk.
6/
108 =
Urk.
2).
2
.
Gegen die Verfügung vom
1.
Oktober 2013
liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, mit Eingabe vom 3
0.
Oktober 2013 Beschwerde erheben und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die
Zusprache
einer ganzen Rente für den Zeitraum
vom
2
2.
September 2001
bis
3
0.
Juni 2012 und mindestens einer halben Rente ab
1.
Juli 2013 beantragen. Mit Eventu
al
antrag
begehrte
sie berufliche Mass
nahmen (
Urk.
1 S. 2 und S. 10).
Die IV-Stelle
schloss mit Vernehmlassung vom
5.
Dezember
2013 auf Abweisung der Be
schwer
de (
Urk.
5).
Am
3.
Juni 2015 wurde der Beschwerdeführerin Gelegen
heit gegeben, sich
zur Anwendbarkeit der
Praxis des Bundesgerichts bei
Be
schwer
debildern
ohne somatische Grundlage und einer deswegen möglichen
Schlech
ter
stellung
(
reformatio
in
peius
) zu äussern
(Urk. 8). Dies tat sie am 26.
Juni und am 1
7.
August 2015 (Urk. 10,
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin verzi
chtete auf eine Vernehmlassung daz
u (Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 un
d 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG
) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind,
die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben
, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
1.
Oktober 2013
und somit nach Inkrafttreten
der erwähnten
IV-Revision
ergangen
, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der
noch
vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der
genannten Revisionen
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
und diejenige bis 3
1.
Dezember 2011
auf die damals gelten
den Bestimmungen
abzustellen
(vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
.; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Da die
5.
IV-Revision hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E.
2), werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – soweit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleic
h
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
ge
n hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene
der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 be
gründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versi
che
rungs
vollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von
BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren
Rechts
natur
kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht fest
zuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes
Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung
und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der
renten
an
sprechenden
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerz
störung
und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gelfall be
acht
liche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des
primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komor
bidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Me
dizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch
bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zu
sammen. Im Grunde
konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehens
wei
sen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzge
be
rischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines
renten
begrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Aus
wirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell
beweis
be
las
tete
versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, ver
schaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
1.7
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (be
treffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid ve
rlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen
spezifischen Ge
geben
hei
ten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschl
iessendes Abstel
len auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr
materiell-be
weisrecht
lich
geänderten Anforderungen ist
in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die bei
gezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverstän
di
gen
gutach
ten –
gegebenenfalls im Kontext mit
weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssi
ge Beurteilung im Lichte d
er massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe
und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin erlitt
unbestrittenermassen
in den Jahren
2001 und 2005
je
ein
en Auffahrunfall
.
Die Experten der
MEDAS-
Z._
, die ihr Gutachten vor dem zweiten Auffahrunfall erstattet
hatt
en, nannten im
Gutachten
vom 30.
August 2005 (
Urk.
6/33)
als Diagnose eine
HWS-Beschleunigungsverletzung
Stadium I nach
Erdmann, entsprechend
Stadium
I bis II nach Quebec Task F
orce
(QTF; Urk.
6/33
/13 ff.
)
. Eine
milde traumatische Hirnverletzung (MTBI)
schlos
sen
sie
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus (
Urk.
6/33/20
Ziff.
2.2
)
. Weitere Dia
gnosen stellten sie nicht, vielmehr hielten sie fest, aus or
thopä
di
scher, neurologischer und psychiatrischer Sicht lägen keine
krankheits
wertigen
Befunde vor und Einschränkungen seien keine vorhanden (
Urk.
6/33/10 ff.,
Urk.
6/33/16 f
Ziff.
7.1 und 8.2,
Urk.
6/33/29 f.
Ziff.
2 f.,
Urk.
6/33/33
Ziff.
2 f.
)
.
Die Gutachter hielten fest, d
iffuse Kopfschmerzen
seien
von der Beschwerde
führerin verneint
worden
. Die
geklagten
Schwindelattacken
seien
weder ortho
pä
disch
noch neurologi
sch oder
psychiatrisch
erklärbar
. We
sentliche Einschrän
kungen der Konzentrations- und Gedächtnisstörung
habe man nicht feststellen und
hätten aus
neurologischer Sicht
nicht
verifiziert
wer
den können
. Es
habe
weder eine erhöhte Reizbarkeit noch eine erhöhte
Affekt
labilität
vor
gelegen
.
Nach
maximal 42 Tagen seien die von der Beschwerdefüh
rerin geklagten Beein
träch
tigungen nicht mehr organischer Natur
gewesen
(
Urk.
6/33/19 f.
Ziff.
2.1-3.2).
2.2
Gemäss
dem (internistischen, neurologischen und psychiatrischen)
C._
-Gutach
ten
vom 1
7.
September 2009 (
Urk.
6/61) lagen im Jahr 2009 keine Diagnosen mit Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Als Diagnosen ohne Auswirkung
nannten
die Experten ein chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom mit
ze
phaler
und
intermittierend brachialer Komponente beidseits bei Status nach zwei
Heck
kol
li
sionen
in den Jahren 2001 und 2005, eine Migräne ohne Aura (ICD 10: G43.0), eine leichte depressive Episode (ICD 10: F32.0
)
und eine
Schmerzver
arbei
tungs
störung
(ICD 10: F54;
Urk.
6/61/21 Ziff. 5.2
).
Die
Gut
achter
fassten zusammen, a
us neurologischer Sicht
lägen keine Befunde vor, die die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder in einer anderen Tätigkeit be
schränkten. Die Migräne könne
temporär zu Arbeitsunfähigkeit führen, nicht jedoch dauerhaft. Die angege
be
nen
chronischen zervikalen Schmerzen seien nicht objektivierbar und begrün
deten somit keine
Arbeitsunfähigkeit in einer körperlich leichten oder mittelschweren Tätigkeit. Le
di
glich körperlich schwere Tätigkeiten seien aufgrund der allgemei
nen Konstitution nicht mehr zumutbar. Auch aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Weder für die bisherige noch für andere leichte bis mittelschwere Tätigkeiten bestehe somit eine Einschränkung. Das gelte auch für den Haushalt. Die deutliche Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den geklagten Beschwerden sei IV-fremd. Ursache für die Diskrepanz seien eine
ausgeprägte Selbstlimitieru
ng und die fehlende Motivation
zu
r
beruflichen Rein
tegration
.
Zu beachten sei auch, dass die verordneten
Medikamente nicht wie
be
hauptet
eingenommen würden
und
somit
anhand des Blutspiegels
eine
Mal
com
pliance
nachgewiesen sei
(Urk. 6/61/22 f.
Ziff.
6.2 ff.)
.
2.3
Im
(internistischen, neurologischen, neuropsychologischen, psychosomatischen und
neurootologischen
)
E._
-Gutachten vom 3
1.
Dezember 2012 (
Urk.
6/93) sind
als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
chronische
Schmerz
störung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine rezi
di
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem
Syndrom (ICD-10 F33.11), ein chronisches
zervikozephales
Schmerzsyn
drom
, rezidivierende Drehschwindelattacken unklarer Ätiologie,
der
Verdacht auf
eine
vestibuläre
Migräne und leichte neuropsychologische Min
d
erleistungen
aufge
führt
(Urk. 6/93/35 f.
Ziff.
6.1
).
Als Diagnosen ohne Auswir
kungen auf die Ar
beits
fähigkeit nannten die
Gutachter
unter anderem
eine
Pa
nikstörung
(ICD-10: F41.0),
sowie
einen
Status nach
zwei Auffahrunfällen 2001 und 2005 mit HWS-
Distorsion (ICD-10: S13.4) ohne Anhaltspunkte für eine milde tr
aumatische
Hirn
verletzung
(MTBI
).
Sodann hielten die Gutachter fest, organi
sche Ursachen für die geklagten Beschwerden seien weder aus neurologischer,
neurootologischer
noch aus neuropsychologischer Sicht feststellbar gewesen.
Insgesamt habe sich eine Explorandin pr
äsentiert, die trotz zweimaligen
Auto
unf
ä
ll
e
n
und HWS-Dis
torsion
en
keine organstrukturellen Läsionen davongetragen, aber eine
chronifi
zierte
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren entwickelt habe. Aufgrund der rezidivierenden
depressiven Störung mit aktuell
mittelgra
diger Episode und dem V
erdacht auf eine
vestibuläre
Migräne mit zusätzlichem
Vertigo
sei
die Beschwerdeführerin
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Gast
ronomie und in einer Verweistätigkeit mit eher geringen Anforderungen an die geistige Leistungs
fähig
keit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (Urk. 6/93/39 ff.).
3.
3.1
Wie zuvor die Experten des Inselspitals
Z._
im Jahr 2005 und die
C._
-Gutach
ter
im Jahr 2009 ergibt sich auch aus dem
E._
-Gutachten vom 3
1.
Dezember 2012
,
dass die Beschwerdeführerin als Folge von zwei Auffahrunfällen (2001 und
2005) je eine HWS-Distorsionsverletzung ohne organisch nachweisba
re
Funk
tions
fälle
erlitten hat. Ausgeschlossen wurde insbesondere
eine
h
irnorga
nische
Beeinträchtigung in Form einer MTBI. D
ie von der Beschwerdeführerin geklag
ten
persistierenden Beeinträchtigungen wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel,
Kognitionsdefizite
, Ermüdbarkeit, Affektlabilität und
gedrückte
Stim
mungslage
wurden als
Ausdruck eines
psychischen Leidens interpretiert
.
Im
Vergleich zu
m
C._
-Gutachten vom 17.
September 2009
stellten die
E._
-Ex
perten
eine Ver
ände
rung
in dem Sinne
fes
t
,
als sie
im Rahmen der
diagnosti
zierten
rezidi
vie
ren
den depressiven Störung
inzwischen von mittelgr
adig ausge
prägten Episoden
mi
t
Auswirkungen auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit aus
gingen
(vgl.
Urk.
6/93/41)
.
In
den
weiteren
gemäss Rückweisungsurteil vom
2
0.
Januar 2012 (Urk. 6/74)
noch
abzuklärenden
Fachgebiete
n der
Neurologie und
der
Neurooto
logie
erhoben
die
E._
-Gutachter
keine
relevanten Befunde (
Urk.
6/93/53 ff. und
Urk.
6/93/88 ff.
).
3.2
Im
E._
-Gutachten
wurde
nicht nur
die rezidivierende depressive Störung
mit mittelgradiger
Episode
sondern
auch die
chronische Schmerzstörung
den
Diag
nosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
zugeordnet
(vgl. Urk. 6/93/35
Ziff.
6.1
,
Urk.
6/93/84
Ziff.
3)
. Damit korrelieren die erläuternden Aus
führungen im psychosomatischen T
eilgutachten
.
Dort finden sich
zunächst Ausführu
ngen zum
depressiven Leiden und
hernach zur Schmerzstörung
sowie die
Schluss
fol
ge
rung
, aus psychosomatischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
(Urk. 6/93/85 f.).
Aus dem
Gesamtgutachten
erschliesst sich ein anderer Sinn. Dort wurde
festge
halten, in der Gesamtschau zeige sich eine Ex
plorandin, die trotz zweimaligen
Autounf
ä
ll
en
und HWS-Distorsion
en
keine organstrukturellen Läsionen davon
getra
gen, aber eine
chronifizierte
Schmerzstörung mit psychischen und soma
ti
schen Faktoren entwickelt habe. Eingeschränkt werde die Arbeitsfähigkeit durch die rezidivierende depressive Störung mit aktuell mittelgradiger Episode und dem Verdacht auf eine
vestibuläre
Migräne mit
zusätzlich phobischem
Vertigo
(Urk. 6/93/41).
Sodann findet sich
im neuropsychologischen
Konsiliargutachten
die Feststel
lung
,
e
s bestünden neuropsychologische
Beeinträchtigungen
,
die sich auf die Arbeit
s
fähigkeit auswirkten, wobei in
einer angepasste
n
Tätigkeit eine Arbeitsfä
higkeit von mindestens 50 %
bestehe
(
Urk.
6/93/63 ff.).
Inwiefern dies in die
Gesamt
wür
digung
miteinbezogen wurde, erschliesst sich aus dem
Hauptgut
achten
nicht.
3.3
Im Zusammenhang mit der diagnostizierten Schmerzstörung
enthält das psy
cho
somatische
Teilgutachten Überlegungen zu den gemäss früherer Praxis an
wend
baren Kriterien betreffend eine ausnahmsweise Unüberwindbarkeit von
Be
schwer
debildern
ohne organische Grundlage (BGE 130 V 352 E.
2.2.3). Die Exper
ten erachteten diese Kriterien mehrheitlich als nicht erfüllt (Urk. 6/93/86), was für eine Bejahung der Überwindbarkeit spricht. Indessen fassten die Gut
achter
zusammen, auch die Schmerzstörung wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Un
k
lar geblieben ist auch, welcher Anteil der attestierten erwerblichen Be
ein
träch
tigung nach Au
ffassung der Gutachter durch das
depressive Leiden be
stim
mt wird und welcher durch die Schmerzstörung.
3.4
A
ufgrund der jüngst mit BGE 141 V 281 erfolgten Praxisänderung bei
Be
schwer
debildern
mit unklarer Ursache
entfällt
die bislang gelte
nde
Überwind
barkeits
ver
mutung
und d
ie Auswirkungen des Leidens auf die Arbeits- respek
tive Er
werbsfähigkeit
sind neu
aufgrund
eines spezifisch strukturierten
Beweis
verfah
rens
zu beurteilen
(vgl. vorstehende E.
1.7).
Die
nach neuer Praxis
b
e
achtlichen Standardindikatoren
werden durch die dem
Kriterienraster
der früheren Praxis folgenden Darlegungen der
E._
-Gutachter nicht respektive nur ungenügend abgedeckt.
B
ereits
Erwähnung fand
, dass unklar geblieben ist, wie sich die
diagnoserele
van
ten
Befunde in ihrer Gesamtheit auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit aus
wirken.
Nicht beantwortet werden kann sodann die Frage
, wie sich eine opti
male
Behandlung des
Leidens prognostisch auszuwirken vermag und inwiefern es der
Beschwerdeführerin zumutbar ist, sich einer solchen Behandlung zu un
ter
zieh
en
. Das
E._
-Gutachten e
nthält jedenfalls Anhaltspunkte, dass das
Akti
vitäts
niveau
der Beschwerdeführerin im privaten nicht so
ausgeprägt ist
wie im erwerblichen
Bereich
(vgl.
Urk.
6/93/86)
und
sie
somit nicht in allen Lebensbe
langen gleicher
massen eingeschränkt ist.
Eine
rechtsgenügliche
Beurteilung entsprechend den nach neuer Praxis zu berücksichtigenden Kategorien „funkti
oneller
Schwere
grad
"
und
„Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens
; BGE 141 V 281 E. 4.3 f.) ist auf
grund des
E._
-Gutachtens nicht in
rechtsgenügli
chem
Umfang
möglich.
3.5
Auch
gestützt
auf anderweitige ärztliche Beurteilungen
lässt sich kein Entscheid in der Sache fällen. Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk. 3/c)
, datiert vom 1
3.
Februar 2006 und gibt somit eine in
zwischen überholte gesundheitliche Situation wieder, ebenso der in der Be
schwerdeschrift
(
Urk.
1 S.
8)
erwähnte Beric
ht
des nämlichen Arztes aus dem
Jahre
2009 (
Urk.
6/50
). Auch der in der Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 1
7.
August 2015 (Urk. 11 S.
4
Ziff.
6) erwähnte Bericht des Medizinischen Zentrums
D._
vom 1
3.
Juli 2010 (vgl.
Urk.
6/72/4 ff.) beruht auf im Zeit
punkt des Verfügungserlasses nicht mehr aktuellen Beurteilungsgrundlagen und er vermag auch inhaltlich nicht zu überzeugen. Trotz
dem erwähnten
erfreuli
chen
Verlauf der Behandlung und günstiger Prognose attestierten die Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
eine volle Arbeitsunfähigkeit.
3.6
Zusammenfassend ergibt sich, dass
ein
abschliessender
Entscheid in der Sache aufgrund der zur Verfügung stehenden ärztlichen Beurteilungen
einerseits
und infolge der bezüglich unklarer Beschwerdebilder massgeblichen neuen Praxis
an
de
rerseits nicht
möglich ist,
weswegen
weitere Abklärungen
im Sinne der Erwägungen
nötig
sind
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin mit der angefochtenen Verfügung die halbe Rente mit Wirkung ab
1.
Juli 2013 zu. Den Beginn der ein
jährigen Wartezeit
datiert die Beschwerdegegnerin auf den 2
4.
Juli 2012 (Urk. 2,
Verfügungsteil 2 S.
1).
Die Beschwerdegegnerin hielt im
Feststellungs
blatt
für den
Beschluss am 1
2.
Juli 2013 fest, gemäss dem
E._
-Gutachten vom 2
1.
Dezem
ber 2012 sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für alle Tätigkeiten ab dem
Gut
achtensdatum
(richtig:
Datum der Exploration
) und somit
seit
dem 2
4.
Juli 2012 ausgewiesen (Urk. 6/105/2).
Die Beschwerdeführerin ist demge
genüber der Auf
fassung, aufgrund der seit dem ersten Unfall dokumentierten Arbeitsunfähigkeit
bestehe ein
Rentenanspruch ber
eits seit dem
22.
September 2001 (Urk. 1 S. 2 ff.)
.
4.2
Ab Unfalldatum, das heisst ab dem 21.
September
2001
kommt ein Renten
an
spruch im Vornherein nicht in Betracht.
Für die Zeit da
vor
ist
kein
Gesund
heits
schaden
mit attestierter Arbeitsunfähigkeit
aktenkundig
.
Zudem erfolgte die
An
meldung erst im Sept
ember 200
2.
Gemäss
Art.
29 Abs.
1 IVG kann d
er Renten
anspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leis
tungsanspruchs
e
ntstehen,
vorausgesetzt das Wartejahr im Sinne von Art. 28
Abs.
1 lit. b IVG war bereits zu diesem Zeitpunkt bestanden
.
4.3
W
ohl sind
seit dem Unfall
und damit über einen langen Zeitraum
von ver
schiedensten Ärzten Arbeitsunfähigkeiten attestiert worden, indessen
setzt ein
Rentenanspruch
nicht nur eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % wäh
rend
eines Jahres
voraus
(
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG), sondern
kumulativ eine
an
schliessend
e
Erwerbsunfähigkeit von ebenfall
s mindestens 40 % (
Art.
28 Abs.
1 lit. c IVG).
Dem
E._
-Gutachten lässt sich entnehmen
, aufgrund
der
erst
anläss
lich
dieser
Exploration
bewertbaren neuropsychologischen Beeinträchti
gungen
habe festgestellt werden können
, dass
lediglich noch eine
Restarbeitsfä
higkeit
von
50 %
bestehe
. Eine zuverlässige Bewertung für die Zeit zuvor sei nicht möglich (Urk. 6/93/42
Ziff.
7.4).
I
m
C._
-Gutachten
vom 17.
September 2009
war noch von einer uneingeschränkten Restarbeitsfähigkeit ausgegangen
und das psychische Leiden nicht als einschränkend beurteilt
worden (Urk. 6/22/30
Ziff.
6.2)
. Zu einer
Korrektur dieser Beurteilung sah
en sich die
E._
-Gutachter
nicht veranlasst,
mit dem Hinweis auf
den
aus den Akten er
sichtlichen wellen
för
migen Verlauf der psychischen Erkrankung (Urk. 6/93/41). Auch
im Gutach
ten des Inselspitals
Z._
vom 3
0.
August 2005 war
keine
blei
bende
Arbeitsun
fähigkeit attestiert
worden
, wobei dort nur unfallbedingte Be
einträchtigungen in die Beurteilung miteinbezogen wurden (Urk. 6/33/21 f.
Ziff.
8).
4.4
Ist von einem in der Vergangenheit wellenförmigen Verlauf der für die attes
tier
te erwerbliche Beeinträchtigung massgeblichen psychischen Erkrankung aus
zugehen, ist die Schlussfolgerung der
E._
-Gutachter und der IV-Stelle
grund
sätz
lich
nachvollziehbar
, dass sich der genaue Verlauf der Arbeits
-
resp.
Erwerbsunfähigkeit vor der
E._
-Begutachtung nicht zuverlässig ermitteln lasse
.
Indessen ist an dieser Stelle den weiteren medizinischen Abklärungen nicht vor
zugreifen. Es ist nicht auszuschliessen, dass mit diesen auch betreffend den Ver
lauf in der Vergangenheit zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden
können
.
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung vom
1.
Oktober 2013 aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen durchführe und hernach über den Leistungsanspruch neu verfüge.
5.
5.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung
vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
800
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache
und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘800
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.