Decision ID: 20e4c920-08c7-4940-aefc-567258af8d95
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, schloss die schulische Ausbildung in Peru ab und reist
e
1988 in die Schweiz ein. Nach dreijährigem Studium an der
H
ochschule
Z._
(
Urk.
7/5/6 f.) schloss er im Oktober 1998 an der
S
chule
A._
mit dem
musikpädagogisch-künstlerischen
Diplom
ab (
Urk.
7/5/4 f.). Bis August 2000 war er
als
Musiklehrer tätig und bezog Taggelder der Arbeitslosenversicherung, arbeitete danach als Verkäufer
(
Urk.
7/10)
und begann
sich
im Selbststudium in der Computertechnik auszubilden (
Urk.
7/22). Seit März 2005 ist er der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als
Selbständigerwerbender
mit seiner Einzel
firma
B._
angeschlossen (
Urk.
7/5/2).
Am 1
0.
April 2017 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf e
in Fibromyalgie-Leiden und eine seit August 2001 bestehende
Arbeitsunfähigkeit zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6). Die IV-Stelle zog einen Auszug aus dem Indi
viduellen Konto des Versicherten bei (
Urk.
7/10) und ersuchte um die Erfolgs
rechnungen der letzten drei Jahre (
Urk.
7/11), worauf der Versicherte unter anderem seine Steuerdeklaratio
nen 2015 und 2016 samt einzelne
Rechnungen seiner Einzelfirma
B._
zustellte (
Urk.
7/13).
Am
8.
Mai 2017 ersuchte der behandelnde Arzt,
Dr.
med.
C._
, Facharzt Rheumatologie
,
Sport und Innere Medizin, um Unterstützung in beruflicher Hinsicht (
Urk.
7/14). Die IV-Stelle klärte daraufhin mögliche Eingliederungsmassnahmen
ab
(vgl. Ver
laufsprotokoll vom 1
2.
September 2017,
Urk.
7/32) und sprach dem Versicherten
mit Mitteil
un
g vom 3
1.
August 2017 (
Urk.
7/29
) unter dem Titel Frühinterventi
onsmassnahmen eine Kostenbeteiligung im Umfang von Fr. 19'700.--
zu
für die Ausbildung als Informatiker EFZ
für Berufsumsteiger
,
Fachrichtung
Systemtech
nik, später geändert in Applikationsentwicklung, an der
S
chule
D._
, welche
von August 2018
bis Juli 2020 dauern sollte.
Mit Mitteilung gleichen Datums verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf berufliche Massnahmen mit der Begründung, es liege keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit oder Invalidität vor, und mit dem Hinweis, eine beschwerdefähige Verfügung könne schriftlich verlangt werden (
Urk.
7/30). Ausserdem teilt die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
7.
September 2017 mit, dass auch kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
7/35).
Ende Oktober 2018 brach
X._
die
im August 2018 begonnene
Informatikerausbildung
aus gesundheitlichen Gründen ab (Schreiben vom 2
6.
Oktober 2018 an den Schulleiter [
Urk.
7/44] und vom 1
1.
Januar 2019 an die IV-Stelle [
Urk.
7/45]
)
. Mit Schreiben vom 1
8.
Juni 2018 (
Urk.
7/39) ersuchten die Sozialen Dienste der Stadt Zürich
um
erneute Prüfung des Leistungsanspruchs
. Hierauf ersuchte die IV-Stelle bei
Dr.
C._
um
ärztliche Auskünfte (Urk. 7/46
ff
.
)
und prüfte in verschiedenen Gesprächen weitere Eingliederungs
massnahmen (Berufsberatungsprotokoll vom 2
4.
Oktober 2019,
Urk.
7/65). Hierzu nahm
Dr.
med. E._
, Facharzt Orthopädie, Chirurgie und Traumato
logie,
Mitglied des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der IV-Stelle,
am 17./1
9.
Juni 2019 Stellung (
Urk.
7/51). Mit Vorbescheid vom 2
0.
Juni 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
7/52).
Dagegen
erhob
X._
am 2
4.
Juni 2019 (
Urk.
7/53), begründet am 2
5.
September 2019 (
Urk.
7/60), unter Beilage einer Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
1
1.
September 2019 (
Urk.
7/56)
,
Einwand
.
Dr.
C._
ergänzte seine Ausführungen am 1
0.
Oktober 2019 unter Beilage eines Therapie
berichts der medizinischen Masseurin (
Urk.
7/62). Nach Rücksprache mit ihrem RAD (vgl.
Urk.
7/65/5) wies die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Leistungsan
spruch (berufliche Massnahme und Invalidenrente) ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 2
1.
November 2019 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer
Viertelsrente
ab Oktober 2017, eventuell vor erneuter Entscheidung die Durchführung einer (medizinischen) Begutachtung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehml
assung vom
7.
Januar 2020 (Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer zur Kennt
nisnahme zukam (
Urk.
8).
Auf weitere Vorbringen der Parteien sowie die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Oktober 2019 führte die Beschwerde
gegnerin aus, sie habe am 1
3.
August 2017 berufliche Massnahmen, und am 2
7.
September 2017 den Anspruch auf eine Rente abgewiesen, da die ausgewie
senen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Auf das Zusatzgesuch
hin
hätten sie erneut berufliche Massnahmen geprüft. Gemäss den aktuellen medizinischen Unterlagen liege immer noch kein Gesundheitsschaden vor, der für Leistungen der Invalidenversi
cherung qualifiziere. Die
nachgereichten
Berichte von Dr.
C._
und der Therapeutin
trügen gemäss RAD keine neuen medizinische
n
Aspekte
bei
und
beleg
ten auch eine unveränderte
Situation
; es würden keine bleibenden Funk
tions
ein
schränkungen genannt (
Urk.
2).
1.2
In der Beschwerdeschrift vom 2
1.
November 2019
(
Urk.
1)
bringt der Beschwer
deführer vor, dass das IV-Verfahren mit Anmeldung vom April 2017 begonnen habe und bisher nicht mit einem rechtskräftigen Entscheid ordentlich abgeschlos
sen worden sei
(S. 6). Es lägen einzig Arztberichte des behandelnden Rheumato
logen
Dr.
C._
bei den medizinischen Akten. Seit Behandlungsbeginn im Jahre 2005 bestehe eine zwischen 50
%
und 70
%
schwankende Arbeitsunfähig
keit. Der Beschwerdeführer schöpfe sämtliche Therapiemöglichkeiten aus, unter anderem Medizinische Trainingstherapie. Eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes sei angesichts des
chronifizierten
Verlaufs - entgegen der Ansicht des RAD - nicht zu erwarten. Es fehle ausserdem an einer nachvollziehbaren Begrün
dung, weshalb nicht auf die Einschätzung des behandelnden Facharztes abgestellt werde (S. 7). Der Beschwerdeführer habe seine angestammte Tätigkeit als Musik
lehrer im Jahr 2000 gesundheitsbedingt aufgeben müssen. Die Selbständigkeit habe es ihm erlaubt, die Arbeit entsprechend seinem Gesundheitszustand einzu
teilen (S. 7 f.). Er sei durchschnittlich nie mehr als 60
%
arbeitsfähig gewesen. Ein Einkommensvergleich sei nicht durchgeführt worden (S. 9). Die Beschwerde
gegnerin habe ihre Begründungspflicht verletzt, weil
sie
auf die Einwände nicht eingegangen sei (S. 8).
2.
Auf letzter
es
Vorbringen
- Verletzung der Begründungspflicht - ist infolge seiner formellen Natur vorab einzugehen.
Ferner ist der Stellenwert der Mitteilungen vom 3
1.
August (
Urk.
7/30) und 2
7.
September 2017 (
Urk.
7/35) zur Bestimmung des Prozessthemas (Erst- oder Neuanmeldung) zu beurteilen.
2.1
Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe
schwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Verwal
tung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollstän
dige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen haben. Nach
Art.
43
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (
Abs.
1 Satz 1). Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträge
r
schrift
lich Verfügungen zu erlassen (
Art.
49
Abs.
1 ATSG;
Art.
57
Abs.
1
lit
. g
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Die IV-Stelle teilt der ver
si
cherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels
Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42 ATSG (
Art.
57a
Abs.
1 IVG). Sind die Anspruchsvoraussetzun
gen offensichtlich erfüllt und wird den Begehren der versicherten Person vollum
fänglich entsprochen, so können verschiedene, namentlich aufgeführte Leistun
gen ohne Erlass eines Vorbescheids oder einer Verfügung zugesprochen oder weiter ausgerichtet werden (
Art.
74
ter
der Verordnung über die
Invaldenversiche
rung
[
IVV
]
in Verbindung mit
Art.
58 IVG). Im Rahmen des
Vorbescheidverfah
rens
darf sich die IV-Stelle nicht darauf beschränken, die Einwände der versi
cherten Person bloss zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen, sondern sie hat in der ablehnenden Verfügung die Gründe anzugeben, weshalb sie diesen nicht folgt oder sie nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 180 E. 2b).
2.2
In der Verfügung nahm die Beschwerdegegnerin Stellung zu den nachgereichten medizinischen Unterlagen und schloss, dass sich hieraus keine neuen Erkennt
nisse erschlössen; die gestellten Diagnosen seien gut behandelbar und bleibende Funktionseinschränkungen würden nicht genannt. Damit liege kein invalidisie
render Gesundheitsschaden vor und auch kein Rentenanspruch. Mit dieser Begründung setzte sich die Beschwerdegegnerin - wenn auch kurz -hinlänglich mit den vorgebrachten Einwänden auseinander, dies insbesondere in Anbetracht der äusserst rudimentär gehaltenen und sich im Wesentlichen in einer Unterstüt
zung der Leistungsgesuche erschöpfenden Stellungnahmen des behandelnden Arztes.
Die
Begründungspflicht
wird
nicht verletzt, wenn
der Inhalt juristisch falsch ist oder nicht zu überzeugen vermag oder auf mangelhaft abgeklärtem Sachverhalt beruht.
2.3
Die Mitteilungen vom 3
1.
August 2017 (kein Anspruch auf berufliche Mass
nahme
;
Urk.
7/30
) und vom 2
7.
September 2017 (kein Anspruch auf eine Invali
denrente
;
Urk.
7/35
) ergingen ohne
Vorbescheidverfahren
und
enthielten
keine Rechtsmittelbelehrung, jedoch den Hinweis, dass schriftlich eine beschwerdefä
hige Verfügung verlangt wer
den könne, dies ohne Fristansetzung. Gegen diese Behandlung seiner Leistungsbegehren wandte sich der Beschwerdeführer nach Lage der Akten erstmals mit Schreiben vom 1
8.
Juni 2018 (
Urk.
7/39). Da die Voraussetzungen von
Art.
74
ter
IVV offensichtlich nicht gegeben waren, kommt den Mitteilungen vom 3
1.
August 2017 sowie 27.
September 2017
der Charakter eines Vorbescheides zu
. Sie
sind nicht im Sinne einer Verfügung rechtsbeständig
ge
worden
, zumal sich der dannzumal noch nicht vertretene Beschwerdeführer innert vernünftiger Frist -
insbesondere
i
m Hi
nblick auf die
im August 2018
angetretene
Früh
interventionsmassn
a
h
me
- dagegen wandte. Das Schreiben vom 1
8.
Juni 2018 ist daher nicht als Neuanmeldung zu betrachten. Insoweit beschränkt sich das Prozessthema nicht auf die Frage, ob seit erstmaliger
Anspruchsabweisung in gesundheitlicher oder erwerblicher Hinsicht eine Ände
rung im anspruchsrelevanten Sachverhalt eingetre
ten ist (vgl. hierzu: BGE 117 V
198 E. 3a, 109 V 108 E. 2).
3.
3.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.2
3.2.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
3.2.2
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen,
notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinwei
sen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK
1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E.
3).
3.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung
sanspruchs nach Artikel 29 Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung d
es 18. Alters
jahres folgt (Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem de
r Rentenanspruch entsteht (Abs.
3).
3.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
4
.
4
.1
Dr.
C._
berichtete der Beschwerdegegnerin am
2.
Mai 2017 (
Urk.
7/14) über folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Diffuse Schmerzsymptomat
ik
-
bei m
uskulärer
Dysbalance
, Muskelverkürzungen der
Hämstrings
-
keine Anzeichen für ein entzündliches Geschehen
-
Intermittierende linksbetonte Nackenbeschwerden mit teils Ausstrahlung in den linken Arm und
St.n
. Missempfindungen (Ellenbogen/Hand)
-
Differenzialdiagnostisch (DD):
Cerviko-thorakovertebrogenes
Syndrom mit
Triggerpunktproblematik
(s.u.)
-
keine
radikulären
Zeichen
-
keine Hinweise für eine entzündlich rheumatische Problematik
-
vorübergehende a
ktivierte Arthrose DIP
Dig
V rechts
-
DD: entzündlich rheumatisch - keine Hinweise (HLAB27 negativ)
Als Begleitdiagnosen nannte er Vitaminmangel (D, B12, Folsäure), eine
Ankylo
sierung
ISG links (Zufallsbefund CT Januar 2012), ein
en
Status nach leichter
Fasciitis
plantaris
sowie ein
en
Status nach
Urolithiasis
links (1
8.
Januar 2012).
Der seit Juli 2005 (vgl.
Urk.
7/6/7) behandelnde
Dr.
C._
erachtete den Beschwerdeführer seit August 2001 zu 40
%
, seit Dezember 2004 zu 50
%
und
seit 2
0.
Februar 2017 zu 70
%
arbeitsunfähig. Realistisch
sei eine Wiedererlan
gung der 50%igen Arbeitsfähigkeit. Als Untersuchungsbefunde führte
Dr.
C._
an der Lendenwirbelsäule (LWS) eine Streckhaltung, eingeschränkte Flexion bei Verkürzung
ischiocrural
beidseits, ein
en Fingerbodenabstand von 30 cm
und eingeschränkte Dorsalextension auf, hinsichtlich der Halswirbelsäule (HWS) diffuse Muskelver
s
pannungen
cervikal
(
Prox
.
Trapezi
us
/
Levator
/
Sternoclaido
) sowie eine Rotationseinschränkung nach rechts um zirka 20°. Die Neurologie sei unauffällig und allgemein notierte er eine
Dekondi
tionierung
. Zudem bestehe eine zunehmende Arthrose im Bereich vor allem der
Grosszeh
IP III beidseits. Er führte aus, der
gelernte Musiker habe in den letzten 17 Jahren selbständig als IT-Experte gearbeitet, was ihm durch Einteilung seiner Arbeitszeit gelungen sei. Eine Steigerung über 50
%
sei während der gesamten Zeit schmerz- und konzentrationsbedingt nicht möglich gewesen. Das aktuelle Abspringen eines Kunden habe ihn nun in eine finanziell schwierige Situation gebracht. Ziel sei es, die selbständige Tätigkeit im selbsterlernten Beruf zu 50
%
weiterzuführen. Zur Verbesserung seiner Situation auf dem Arbeitsmarkt stelle sich die Frage nach möglich
er
Unterstützung zur Akkreditierung seiner IT-Tätigkeit.
4.2
Auf Anfrage um medizinische Auskünfte mittels Formular teilte
Dr.
C._
mit Schreiben vom
5.
Februar 2019 und unter Verweis auf seinen Bericht
vom
8.
Mai 2017 (
E. 4.1) mit, es habe sich im Verlauf nichts geändert. Die Anforderungen an die von der IV
finanzierte Ausbildung als IT-Ex
perte seien vom Beschwerdeführer unterschätzt worden. Der Zeitaufwand sei so gross gewesen, dass es schon inner
halb der ersten zwei Monate zu insgesamt neun Tagen Absenzen als Folge einer Verschlechterung des Zustandes gekommen sei. Der Beschwerdeführer habe die Ausbildung abbrechen müssen. Er
(
Dr.
C._
)
ersuche um nochmalige Evalua
tion weiterer Integrationsmöglichkeiten (
Urk.
7/47). Dem Schreiben legte er ärzt
liche Atteste über eine seit
1.
März 2019 bis 3
0.
Juni 2019 bestehende Arbeits
unfähigkeit von 60
%
bei
(
Urk.
7/49).
4.3
RAD-Arzt
Dr.
E._
erachtete
in seiner Stellungnahme vom 17./1
9.
Juni 2019
das Anforderungsprofil eines IT-Experten als im Rahmen des medizinisch zumut
baren Belastungsprofils
. Dieses umschrieb er als leichte, wechselbelastende Tätig
keit, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige wirbelsäulenbelas
tende Zwangshaltungen und Tätigkeiten wie Bücken, Hocken, Kauern, Knien, Überkopfarbeiten und solch
e in weiter Armvorhalte. Er be
merkte
,
dass die ärztli
chen Angaben nicht wirklich schlüssig und die Attestierung der Arbeitsunfähig
keit nicht plausibel seien, da bis auf eine muskuläre
Dysbalance
keine wesentli
chen pathologischen Befunde hätten erhoben werden können. Ein
e
muskuläre
Dysbalance
sei gut behandelbar und stelle keinen lang
an
dauernden Gesundheits
schaden dar (
Urk.
7/51).
4.4
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm
Dr.
C._
am 1
1.
September 2019
zum Vorbescheid Stellung. Er habe ab 2017 eine schwankende Arbeitsunfähigkeit zwischen 50-70
%
attestiert. Zu berücksichtigen sei, dass der Beschwerdeführer auch als
Selbständigerwerbender
bis Februar 2017 nie mehr als 50
%
habe arbei
ten können. Die
muskuläre
Dysbalance
mit immer wiederkehrenden
Trigger
punkt-Problemen
und persistierenden Spannungskopfschmerzen
schränke
die Arbeit
sfähigkeit insofern ein
, als die Konzentration stark abnehme und die Müdigkeit zu jeweils längerdauernden Pausen zwinge. Auch in Abwesenheit
radikulärer
Schmerzsymptome erschienen die Schmerzen plausibel. Er (
Dr.
C._
) erachte die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit von 5
0
%
im ange
stammten Beruf als I
T-Techniker als gegeben. Eine Steigerungsfähigkeit wäre denkbar. Der langdauernde Prozess und die immer wiederkehrenden Kopfschmer
zen liessen diesbezüglich die Prognose als schlecht erscheinen (
Urk.
7/56).
Ergän
zend schrieb
Dr.
C._
, zwar schliesse die aufgeführte Diagnoseliste ein entzündlich rheumatisches Geschehen aus. Das allein sei kein Ausschluss
kriterium für die bestehenden Problematiken am Bewegungsapparat des Beschwerdefüh
rers. Die Schmerzepisoden träten mit Regelmässigkeit auf, im Schn
itt ein- bis zweimal pro
Monat
,
und führten jeweils zu einem ein- bis drei
tägigen Arbeits
ausfall (
Urk.
7/62).
5.
5.1
Die vom behandelnden Arzt
Dr.
C._
diagnostizierten Leiden erschöpfen sich im Wesentlichen
in
Schmerzsyndromen, deren Ursache
er
mangels Nachweis
nicht in einem entzündlichen rheumatisch
en oder neurologischen Krankheitsbild
sah
. Die Beurt
eilung von
Dr.
E._
, wonach ein andauerndes, die Arbeitsfähig
keit als IT-Spezialist einschränkendes Leiden nicht ausgewiesen ist,
ist
daher
nicht
un
schlüssig. Indes erachtet
e
der behandelnde Arzt d
ie geklagten Schmerzen sowie den
dadurch bedingte
n
Ausfall der Leistungsfähigkeit offenbar als g
laubhaft und ausgewiesen (vgl.
Urk.
7/62)
, auch wenn er dies nicht durch
dargelegte
Befunde erhärtet
e
und sich - jedenfalls für den Zeitraum vor seiner ersten Arbeitsunfähig
keitsbescheinigung 2017 - einzig auf Angaben des Beschwerdeführers stützte
. Eine Einschränkung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit
infolge der
allenfalls krankheitswertigen
Schmerz- und Konzentrationsprobleme
- sei es im ange
stammten Beruf als Musiker, sei es im sich ange
eigneten Beruf als Informatiker -
können anhand der vorliegenden Akten
dennoch
nicht ausge
schlossen werden. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die objektive Beweislast
, wonach die versi
cherte Person, welche aus den unbewiesen gebliebenen Tatsachen Rechte, den Anspruch auf eine Rente oder Eingliederungsmassnahmen, ableiten wollte (vgl. statt vieler: BGE 144 V 50 E. 4.3)
,
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat, erst greift, wenn
keine
weitere
n
Abklärungen
mehr
möglich
sind oder keine
n
wesentlichen Erkenntnisgewinn mehr erwarten lassen (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG und E. 2.1).
Ausserdem bleibt angesichts der
erst im Juli 2005
aufge
nommenen Behandlung bei
Dr.
C._
unklar, ob und in welchem Ausmass ein allenfalls vorhandenes gesundheitliches Leiden zur Aufgabe des ursprünglich gelernten Berufes als Musiklehrer zwang.
Die Eintragungen im
IK
(
Urk.
7/10)
, wonach der Beschwerdeführer bis 1999 Kleinstbeträge als Musiker abrechnete
,
daneben
Arbeitslosentaggelder bezog bzw. als
Selbständigerwerbender
(wohl als Musik
lehrer) 1999 lediglich
Fr.
26'100
.--
und 2001
Fr.
7'723.-- erzielt hatte und seinen Lebensunterhalt danach
während vier Jahren
als Verkäufer finanzierte, lassen zumindest
auch wirtschaftliche Gründe
als Ursache des Berufswechsels vermuten
.
Ferner lässt der Umstand, wonach
das
«
Abspringen
» eines langjährigen Kunden des Beschwerdeführers zu einer wesentlichen Ertragseinbusse als IT-Spezialist geführt haben soll (vgl. E. 4.1)
,
ebenfalls Zweifel an einer gesundheitsbedingten Erwerbseinbusse wecken. Nichtsdestotrotz attestiert
e
der behandelnde Arzt
jeden
falls ab Februar 2017
medizinisch begründete Leistungseinbussen
in erheblichem
Ausmass (50-70%ige Arbeitsunfähigkeit), denen
zum vorn
e
herein nicht jeglicher leistungsrelevanter Krankheitswert abgesprochen werden kann und denen daher
im Rahmen der
Abklärungspflicht (
Art.
43 ATSG) nachgegangen werden muss.
Da vorliegend
nicht nur eine medizinische Begutachtung noch zu bestimmender Fachrichtung(en), sondern unter Umständen auch weitere erwerbliche Abklärun
gen notwendig sind, rechtfertigt es sich, die Sache
hierzu
an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. Septem
ber 2003 E. 5.2).
5.2
Diese Erwägungen führen zur Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, dass die Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Oktober 2019 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie
nach geeigneten Abklä
rungen
im Sinne der Erwägungen über die Leistungsansprü
ch
e
neu entscheide.
6.
Abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei
ten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig und werden
die Kosten
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert im Rahmen von Fr.
200.--
bis
Fr.
1'000.-- festgelegt (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind vorliegend auf
Fr.
600.-
- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Entsprechend
erweist sich
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
als
gegenstandslos.