Decision ID: 14e22f17-3307-4941-965a-930c637e37c9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
64
,
ist
seit dem
1.
Januar 2000 Geschäftsinhaber der
Y._
GmbH,
in Z._
, und dadurch
bei der Suva
obligatorisch
gegen die Folgen von Unfällen versichert
(
Urk.
9/1)
.
Gemäss
Angaben in der Bagatellunfall-Meldung
UVG
vom
5.
Januar
201
8 jagte es am
2.
Januar 2018 beim Einschalten des Kompressors und Öffnen des Ventils der Hauptleitung die Pressluftleitung mit einem Knall ab, wodurch
der Versicherte
ein Knalltrauma/Tinnitus an beiden Ohren erlitt
(Urk. 9/1
Ziff.
4,
Ziff.
6 und
Ziff.
9
).
Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht (
Urk.
9/15).
Nach kreisärztlicher Stellungnahme von med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Chirurgie,
vom 2
0.
Dezember 2019
(
Urk.
9/186) stellte die Suva mit Verfügung
vom
3.
Februar 2020
(Urk.
9/
190
)
die Versicherungsleistungen per 2
9.
Februar 2020
ein, mit der Begründung, dass eine Adäquanz der organisch nicht hinrei
chend nachweisbaren Beschwerden zu verneinen sei, ebenso
ein
en
Anspruch auf eine Invalidenrente
und auf
eine Integritätsentschädigung
. Die dagegen vom
Versicherten am
2
5.
Februar
und am 2
6.
März
20
20
erhobene Einsprache (Urk.
9/
196
,
Urk.
9/207
) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
2
4.
Septem
ber 2020
ab (Urk. 2).
2
.
Der Versicher
t
e
erhob am
2
2.
Oktober 2020
Beschwerde gegen den
Einspra
che
entscheid
vom
2
4.
September 2020
(Urk. 2) und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es seien ihm auch nach dem 2
9.
Februar 2020 die Leistungen aus der obli
gatorischen Unfallversicherung auszurichten
(Urk. 1 S. 2). Die
Suva
schloss mit Beschwerdeantwort vom
3
0.
Dezember 2020
unter Hinweis auf die kreisärztliche Stellungnahme von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngo
logie, vom
1.
Dezember 2020
(
Urk.
8)
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
).
Am
9
.
April
20
21
reichte
der Beschwerdeführer
seine Replik
(Urk.
12
) ein,
wozu die Beschwerdegegnerin am 1
9.
Mai 2021 Stellung nahm (
Urk.
15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die
Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordent
lichen Renten
alters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge
sundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbe
ginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1
.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
spre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.
4
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (
Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2016 vom 18. April 2016 E. 2.2 mit Hinweis auf
BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.5
Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, nicht aber objektiv aus
gewiesen im Sinne der Rechtsprechung (vgl. dazu BGE 138 V 248 E. 5.1 S. 251; Urteil
des Bundesgerichtes
8C_388/2019 vom 2
0.
Dezember 2019 E. 3.1), so ist bei der Beurteilung der
Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf
auszu
gehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzube
zie
hen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfer
tigt, so sind hie
r
bei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
S. 140), anzuwenden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und E. 6.1 S. 116; vgl
. Urteil 8C_620/2019 vom
5.
Februar 2020 E. 3.3
mit Hinweisen
).
1.
6
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V
133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr.
10
E. 2).
1.
7
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
tei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen
Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann.
Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten
(BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U
442
S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.;
SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.
8
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen,
wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind
(vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1).
Ob eine
namhafte Besserung
noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähig
keit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss
. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2021 vom 14. April 2021 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3). Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff
Prognose erfasst werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2021 vom 5. März 2021
E. 5.2 mit Hinweisen).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der
Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den
, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche
Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/
2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditätsbemessung der Unfall
versicherung gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Inva
lideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrem
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) die Ein
stellung der Versicherungsleistungen für das Unfallereignis vom
2.
Januar 2018 per 2
9.
Februar 2020 damit,
dass
es den weiterhin beklagten Beschwerden an einem
unfa
llbedingten organischen Befund
struktureller Natur
mangle
. Damit
gelang
e die Adäquanzprüfung für eine psychische Fehlentwicklung zur Anwen
dung.
Auch der Einstellungszeitpunkt erweise sich
in Ermangelung unfallbe
dingter s
truktureller Schäden und mangels indizierter Heilbehandlung als korrekt (S. 5
Ziff.
2.2).
Der Unfall sei als mittelschwer mit Tendenz zu leicht zu werten.
Nach Prüfung der entsprechenden Kriterien
sei
ein adäquater Kausalzusam
men
hang zwischen dem Unfall und den noch beklagten Beschwerden
zu verneinen
(S. 5
Ziff.
2.3).
Weitere
Abklärungen
seien nicht erforderlich
(S. 5 f.
Ziff.
3).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass die Unfallkausalität der Beschwerden
an der Halswirbelsäule (HWS)
zu be
jahen sei, da er
ein massives Hyperextensionstrauma der HWS er
litten habe
(S. 6 unten f.). Weiter l
ägen
den nach dem 2
9.
Februar 2020 anhaltenden Beschwerden eine organisch-strukturell objektiv ausgewiesene
Gehörsschädigung sowie eine
HWS-Schädigung zugrunde, weshalb diesbezüglich keine zusätzliche A
däquanz
prüfung angezeigt sei
(S. 7 f.
Ziff.
8
lit
. a).
Es sei
auch
eine objektivierbare Beeinträchtigung der Hörfunktion verblieben (S. 8 oben).
Der
Endzustand seitens
der objektivierten Gehörsschädigung sowie der HWS-Beschwerden
sei
nicht erreicht
worden (S. 8
lit
. b).
Selbst wenn in Bezug auf die fortbestehend
e
psy
chische Beeinträchtigung die Adäquanzprüfung zu erfolgen hätte, wäre die Adä
quanz aufgrund der teilweise in ausgeprägtem Ausmass erfüllten Adäquanz
kri
terien zu bejahen (S. 9 oben).
Im Falle des Endzustandes wären die Invalidenrente sowie die Integritätsentschädigung bei Schädigung des Gehörs und bei Tinnitus gemäss den Suva Tabellen 12 und 13 festzulegen (S. 9 Mitte).
2.
3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7) machte die Beschwerdegegnerin geltend
, dass die HWS-Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Knalltrauma zurückzuführen seien (S. 2 f.
Ziff.
5). Beim Tinnitus handle es sich nicht um eine org
anisch ausgewiesene Unfallfolge, und die
Adäquanz der Beschwerden
sei zu verneinen (S. 3
Ziff.
6.1). Gemäss
der Beurteilung von
Dr.
B._
vom
1.
Dezember 2020
sei es aus me
dizinischer Sicht nicht
möglich
festzustellen, ob der Hochtoninnenohrabfall vorwiegend durch eine Lärm
schädigung oder durch eine Altersschwerhörigkeit entstanden sei.
Ohnehin wäre
beim vorliegenden Hörverlust die
Erheblichkeitsgrenze
für eine Integritätsent
schädigung nicht erreicht (S. 3 f.
Ziff.
6.
2
). Aus
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
(
ORL
)-ä
rztlicher Sicht
habe bereits am 3
1.
Oktober 2018 eine vollständige Arbeits
fähig
keit bestanden, weshalb die Adäquanzprüfung nicht verfrüht erfolgt sei (S. 4
Ziff.
7).
Da es sich um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichte
n Unfällen handle, müssten zur B
ejahung der Adäquanz vier Kriterien oder eines in besonders ausgeprä
gter Weise erfüllt sein, was vorliegend nicht gegeben sei (S. 4
Ziff.
8).
2.
4
In seiner Replik (
Urk.
12) führte der Beschwerdeführer aus, er habe ein klassisches HWS-Schleudertrauma erlitten (S. 2
Ziff.
2).
Die
versicherungsinterne Kausali
täts
beurteilung durch
Dr.
B._
vom
1.
Dezember 2020
stehe im
Wider
spruch zu ihrer B
estätigung vom 3
1.
Oktober 2018, weshalb nicht darauf abge
stellt werden könne
(S. 3 f.
Ziff.
4). Für die Annahme
einer ab 3
1.
Oktober 2018 bestehenden vollständigen Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tä
tigkeit fehle es an jeglicher Begründung (S. 4
Ziff.
5). Es sei von einem mittelschweren Unfall auszugehen, und die über zwei Jahre
lang anhaltende
Arbeitsunfähigkeit im Aus
mass zwischen 70
%
und 100
%
werde
durch die
physischen HWS-
Beschwerden
und
die
Gehörsschädigungen verursacht, welche die zur Wiedererlangung der Leistungsfähigkeit nötige Erholung im Schlaf verhinderten. Zudem sei bei Kumulation von Beschwerden
an der
HWS
und den
Gehörsschädigungen auch das Kriterium der Schwere und besonderen Art der Verletzung erfüllt
. Damit sei die adäquate Kausalität begründet
(S. 5
Ziff.
6).
2.5
In ihrer Stellungnahme
vom 1
9.
Mai 2021
(
Urk.
15) führte die Beschwerde
geg
nerin aus, dass zwischen den Beurteilungen von
Dr.
B._
kein Wider
spruch bestehe und dass
an den bisherigen Ausführungen und
am Antrag auf Abweisung der Beschwerde festgehalten werde.
2.6
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund des Unfaller
eig
nisses vom
2.
Januar 2018
über den
2
9.
Februar 2020
hinaus
eine Leistungs
pflicht trifft und ob der Anspruch
des Beschwerdeführers
auf eine Invalidenrente respektive eine Integritätsentschädigung zu Recht verneint worden ist.
3.
3.
1
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, stellte in ihrem
Über
weisungsschreiben
vom
2
9.
Januar 2018
(
Urk.
9/7) folgende Diagnosen:
-
Zustand nach Knalltrauma am
2.
Januar 2018
-
akut
dekompensierter
Tinnitus links
mehr als rechts
-
sensorineurale
Schwerhörigkeit von gering- bis mittelgradiger Ausprä
gung im Hochfrequenzbereich links, passend zu Lärmschwerhörigkeit
Dr.
C._
führte aus, der Beschwerdeführer habe am
2.
Januar 2018 seine auto
matische Kompressionsanlage in Betrieb genommen. Dabei habe er sich nach vorne gebückt
,
und ein Pressluftschlauch
habe sich
direkt neben seinem linken Ohr gelöst. Er habe eine Druckwelle verspürt und ein lautes Knallgeräusch gehört. Seither habe er ein starkes Pfeifen mehr auf dem l
inken als auf dem rechten Ohr. D
er Schlaf sei massiv beeinträchtigt. Initial seien die Trommelfelle im Bereich des Hammergriffes beidseits gefässgezeichnet bei ansonsten unauffälliger
Otoskopie
.
Der Patient sei mit Prednison über sechs Tage behandelt worden.
3.
2
Prof.
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie,
Universitätsspital E._
, stellte in seinem Bericht vom 3
1.
Januar 2018 (
Urk.
9/20) folgende Diagnosen (S. 1):
-
akut
dekompensierter
Tinnitus links mehr als rechts
-
Zustand nach Knalltrauma am
2.
Januar 2018
-
sensorineurale
Schwerhörigkeit von gering- bis mittelgradiger Ausprä
gung im Hochfrequenzbereich links, passend zu Lärmschwerhörigkeit
-
Anpassungsstörung
Prof.
D._
führte aus, dass
er den Patienten am 3
0.
Januar 2018 gesehen habe.
Dieser
habe
berichtet
, dass sich am
2.
Januar 2018 ein Pressluftschlauch unvermittelt von einer Kompressionsanlage in seiner Firma gelöst habe. Dabei habe er sich mit dem linken Ohr in unmittelbarer Nähe zu dem extremen Schall
ereignis befunden. Er habe neben dem lauten Knallgeräusch auch eine Druckwelle verspürt. In der Folge sei es unmittelbar zu einer subjektiv empfundenen Taubheit über meh
r
erer Sekunden und
zu
eine
r
massive
n
Beeinträchtigung durch ein heftiges Ohrgeräusch links mehr als rechts ge
kommen
(S. 1 Mitte)
. Prof.
D._
führte aus, dass eine standardmässige Therapie mit systemischen
Kortikoiden
erfolgt sei.
Es seien Hörprüfungen durchgeführt worden. Eine relevante
höher
gradige
Verschlechterung der Hörleistung im Vergleich zu einem vorbestehenden Tonaudiogramm aus dem August
2017 habe nicht nachgewiesen werden können
.
Lediglich ein
e diskrete Verschlechterung im h
ochfrequenten Bereich ab 4 bezie
hungsweise ab 6 kHz.
Diese Hörverschlechterung sei dann bei einem Kontroll
audiogramm wenige Tage später partiell
regredient
gewesen.
Das Ohrgeräusch habe allerdings in seiner Intensität durch das Steroid nicht beeinträchtigt werden können
(S. 1 unten)
.
Zu den B
efunden
führte Prof.
D._
aus, dass sich bei der Ohrmikroskopie beidseits ein reizloses und intaktes Trommelfell zeige bei lufthaltiger Pauke. Die äusseren Gehörgänge seien beidseits frei. In einer Reintonaudiometrie zeige sich ein normales Hörvermöge
n bis zur Frequenz von 3 kHz und i
n der Folge
ein
relativ steil abfallender Hörverlust auf 65 dB bei 4 kHz beidseits mit persi
stie
ren
den Hörschwellen zwischen 60 und 70 dB in den Frequenzen von 6 und 8 kHz. Im Wesentlichen zeige sich damit kein Untersch
ie
d im Vergleich zu den mitge
gebenen Voruntersuchungen vom 1
0.
Januar 2018 und auch kein grösserer Unterschied im Vergleich zum Voraudiogramm vom 1
6.
August 2017, bis auf die Frequenz 4 kHz auf der rechten Seite
(S. 2 oben)
.
Prof.
D._
führte aus,
dass aus seiner Sicht davon ausgegangen werden müsse, dass das Knalltrauma als unmittelbarer Auslöser für den Tinnitus samt der derzeitigen Dekompensation verantwortlich zu machen sei
. Zum jetzigen Zei
tpunkt stehe die psychiatrisch-
psychotherapeuti
sche Begleitung im Vordergrund
(S. 2 Mitte).
3.
3
Dr.
C._
nannte in ihrem Arztzeugnis vom 1
6.
Februar 2018 (
Urk.
9/11/1-2) als Diagnose ein Knalltrauma vom
2.
Januar 2018 mit akutem Tinnitus links mehr als rechts (
Ziff.
5).
Die Erstbehandlung habe am
4.
Januar 2018 stattgefunden
(
Ziff.
1).
Am
2.
Januar 2018 habe sich bei der Inbetriebnahme der Kompressions
anlage ein Pressluftschlauch am linken Ohr des Beschwerdeführers gelöst. Er habe eine Druckwelle verspürt und ein lautes Knallgeräusch gehört. Daraufhin sei er für mehrere Sekunden beidseits taub gewesen, und es habe beidseits ein starkes Pfeifgeräusch eingesetzt, welches se
it dem Knall permanent bestehe
(
Ziff.
2).
Zum
objektiven Befund
führte
Dr.
C._
aus, dass die Ohrmikroskopie intakt
diffe
renzierte
Trommelfelle gezeigt habe
, im Bereich des
Hammers beidseits gefäss
ge
zeichnet. Die
Valsalva
sei positiv beidseits, Weber mittig Rinne positiv beidseits, Fazialis grob
intakt (
Ziff.
4).
Dr.
C._
bestätigte vom
4.
bis 2
6.
Januar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
(
Ziff.
7).
3.
4
Prof.
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, stellte in seinem Bericht vom
5.
März 2018 (
Urk.
9/25) folgende Diagnosen (S. 1):
-
subakuter Tinnitus
aurium
beidseits, links mehr als rechts
(
Grad IV
/
Goebel & Hiller
[
G&H
]
)
-
Hyperakusis
Grad III
-
sensorineurale
Schwerhörigkeit (rechtes Ohr: 17
%
, linkes Ohr: 12.1
%
)
-
Atlas rechts blockiert
Prof.
F._
führte aus, dass sich in der klinischen Untersuchung ein beidseits intaktes und reizloses Trommelfell mit unauffälligem Rinne- und Weber Stimm
gabeltest gezeigt habe.
Die Hörprüfung habe eine
sensorineurale
Schwerhörigkeit mit einem Hörverlust von 17
%
auf dem rechten Ohr und 12.1
%
auf dem linken Ohr gezeigt.
Die Tinnitus-Lokalisation liege bei einer Frequenz bei 8
kHz mit 55
dB auf dem rechten Ohr und bei 6
kHz mit 60
dB auf dem linken Ohr
(S. 1 unten). Die Lärmschwelle liege bei 90
dB.
Prof.
F._
führte aus, dass als Sofort
be
handlung zum Testen ein
Noiser
angepasst und dem Beschwerdeführer zur Probe mitgegeben worden sei. Im Intervall werde auf Wunsch auch als Therapieopti
on die Neuromodulation getestet
(S. 2 oben).
3.
5
Prof.
F._
stellte in
seinem Bericht vom 1
7.
Oktober 2018
(
Urk.
9/86) nach Kon
sultation des Beschwerdeführers am
3.
Oktober 2018 folgende Diagnosen:
-
chronischer Tinnitus
aurium
beidseits
, links mehr als rechts
-
deutliche
cervikale
Dysfunktion links
Prof.
F._
führte aus, dass sich in der klinischen Untersuchung ein beidseits intaktes und reizloses Trommelfell mit unauffälligem Rinne- und Weber Stimm
gabeltest gezeigt habe.
Die Frequenz der Tinnitus-Lokalisation liege bei 6837 Hz auf dem rechten Ohr und bei 9513 Hz auf dem linken Ohr.
Hinsichtlich des immer noch sehr störenden Tinnitus werde nochmals die Neuromodulationstechnik ge
testet.
3.
6
Kreisärztin
Dr.
B._
führte in ihrer Beurteilung vom 3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
9/94) aus, dass gemäss technischer Beurteilung des Knallereignisses das von
der Suva für ein Knallereignis geforderte Impulskriterium erfüllt sei (S. 1 unten f
.).
Aus ORL-ärztlicher Sicht seien die vom Versicherten angegebenen Beschwerden (Hörminderung und Tinnitus) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vo
m
2.
Januar 2018 zurückzuführen.
Die weitere Übernahme der Abklärungs- und Heilkosten zulasten des Unfallereignisses inklusive Neuromo
dulationstherapie bei Prof.
F._
werde empfohlen. Es dürfe mit einer weiteren Habituation des Tinnitus gerechnet werden.
Ein allfälliger unfallbedingter
ent
schädigungspflichtiger Integritätsschaden werde frühestens zwei Jahre nach dem Unfallereignis geschätzt werden können
.
Rein aus ORL-ärztlicher Sicht wä
re dem Versicherten theoretisch
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in seinem angestammten Beruf zumutbar.
Im Vordergrund stehe weiterhin die psychot
herapeutische Behandlung (S. 2).
3
.7
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 3
0.
November 2018 (
Urk.
9/97) folgende Diagnosen (S. 2):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
mittelgradige bis schwere Depression
-
chronische Schlafstörung
Dr.
G._
führte aus, dass seit August 2018 acht Therapiesitzungen interper
sonal-psychotherapeutischer und
traumaspezifischer
Ausrichtung stattgefunden h
ätten
. Daneben sei die Bearbeitung lebensgeschichtlicher Faktoren mit dem Ziel der Stärkung persönlicher Ressourcen Teil der therapeutischen Arbeit. Der Patient verfüge über gute Persönlichkeitsressourcen, die eine noch bessere Bewältigung und Adaption des leider bis heute unverminderten Tinnitus denkbar machten.
Angesichts der weiterhin bestehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf geschätzt 20
%
sollte eine Anpassung der Arbeitssituation in Betracht gezogen werden
(S. 2 Mitte).
3.
8
Kreisarzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seiner Beurteilung vom
5.
Dezember 2018
(
Urk.
9/100) aus,
dass aufg
rund der Akten eine anhaltende h
ochgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach
voll
ziehbar sei.
Dem Beschwerdeführer falle es aufgrund seiner Persönlich
keits
züge aussergewöhnlich schwer, sich mit dem unfallkausalen, anhaltenden, recht schweren Tinnitus abzufinden. Dies führe zu Schlafstörungen, Tagesmüdigke
it und
zu
Konzentrationsstörungen (S. 8 unten).
Dr.
H._
führte aus, es könne bis
1.
Januar 2020 (zwei Jahre nach Unfallereignis) Kostengutsprache für die Fort
setzung des aktuellen Settings erteilt werden
(S. 9 oben)
. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsunfähigkeit von 80
%
indiziert (S. 9 Mitte).
Hinsichtlich des Endzustandes
werde empfohlen, den weiteren Verlauf bis Januar 2020 abzu
warten (S. 9 unten).
3.
9
Dr.
I._
, Leiter
Chiropraktische
Medizin, Universitätsklinik
J._
, stellte
in seinem Bericht vom 1
9.
August 2019 (
Urk.
9/170) nach gleichentags erfolgter Konsultation
des Beschwerdeführers
folgende Diagnose (S. 1):
-
H 83.3 [
Anmerkung
: Lärmschädigung des Innenohrs] bei Status nach Knalltrauma am
2.
Januar 2018 mit/bei
-
cervikocephale
n
Schmerzen (
CCS
)
-
Tinnitus
-
Dysästhesien
in beiden Beinen und im linken Arm
Dr.
I._
führte aus, dass der Patient seit dem Knalltrauma vom
2.
Januar 2018 unter
cervikocephalen
Schmerzen leide. Die Nacken- und Kopfschmerzen seien als Folge des Knalltraumas zu interpretieren, da sich der Patient beim Zurückschrecken ein massives Hyperextensionstrauma der HWS zugezogen habe. Dies im Sinne einer Traumatisierung der vorbestehenden
arthrotis
chen
Verän
de
rungen der HWS
. Der Beschwerdeführer spreche auf die physiotherapeutische und
chiropraktische
Behandlung gut an, und die Beschwerden seien in den letzten
Monaten deutlich
regredient
. Eine vollständige Remission erscheine in Anbe
tracht
der vorbestehenden massiven degenerativen Veränderungen der HWS als un
wahr
scheinlich (S. 2).
3.
10
Kreisärztin med.
pract
.
A._
führte in ihrer Beurteilung vom
2
0.
Dezember 2019
(
Urk.
9/186)
aus,
dass
der
Unfallmechanismus eines Knalltraumas keinen natür
lichen Kausalzusammenhang mit einer Traumatisierung der HWS
habe
,
umso weniger,
als
die HWS-Beschwerden erst nach einer Latenz aufgetret
en seien
. Die im MRI vom 1
4.
April 2019
gezeigten ausgeprägten degenerativen Verän
derungen erklärten die Symptomatik und die Beschwerden ausreichend. Damit s
eien
die geklagten HWS-Beschwerden nicht mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusammenhang zum Ereignis vom
2.
Januar 2018 zu sehen (S. 3 Mitte).
3.
1
1
Dr.
G._
stellte in seinem Verlaufsbericht vom 1
7.
Januar 2020 (
Urk.
9/188) folgende Diagnosen:
-
Knall- und H
WS
-Schleudertrauma am
2.
Januar 2018
-
chronischer Tinnitus beidseits linksbetont
-
chronische Schlafstörungen
-
posttraumatische Belastungsstörung (
PTBS
)
/Unfallverarbeitungsstörung
-
zervikale
Diskusprotrusion
C6/7
Dr.
G._
führte aus, dass die Psychotherapie mit mindestens monatlich statt
findenden Sitzungen fortgesetzt worden sei.
Die PTBS-spezifische Symptomatik sei inzwischen deutlich milder
und der Alkoholkonsum
nun in unbedenklichem
Ausmass
. Der Tinnitus bestehe hingegen praktisch unvermindert fort und störe de
n Nach
t
schlaf trotz allen technischen Milderungsversuchen weiterhin nach
haltig
. Dadurch könne der Patient
sein Arbeitsvolumen
nicht
erheblich vergrössern. Entsprechend betrage die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit weiterhin 70
%
. Die Psychotherapie werde im
bisherigen Umfang fortgesetzt.
3.
1
2
Prof.
F._
stellte in seinem Bericht vom
4.
März 2020 (
Urk.
9/201) nach Unter
suchung des Beschwerdeführers am
1
4.
Februar 2020
folgende Diagnosen:
-
chronischer Tinnitus beidseits (Grad IV/G&H)
-
schwerstgradige
Hyperakusis
Grad IV
Prof.
F._
führte aus, dass
sich in der klinischen Untersuchung ein beidseits intaktes und reizloses Trommelfell gezeigt habe. Es bestehe eine extrem hohe Lärmempfindlichkeit, welche das Arbeiten in der Firma sehr erschwere. Die seit dem Unfall bestehenden Nackenprobleme seien trotz laufende
n
Behandlungen immer wieder ein grosser Schmerz- und Stressfaktor. Die Schlafsituation sei etwas besser geworden und betrage im Schnitt vier Stunden pro Nacht. Ohne die laufende psychologische Unterstützung
«
würde die andauernde depressive Stim
mung mit Suizidgedanken unverantwortlich sein
»
.
3.
1
3
Am 1
0.
März 2020 (
Urk.
9/207
/6-7
) führte Prof.
F._
zuhanden des Beschwer
de
führers
in Beantwortung der Frage, ob aktuell ein stabiler gesundheitlicher Endzustand erreicht sei oder ob durch die Fortführung der medizinischen und ärztlichen Behandlung ein namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mit Steigerung der Arbeitsfähigkeit des Patienten erreicht werden könne (vgl.
Urk.
9/207/8-9 S. 2), aus,
dass aus klinischer Sicht eine schwere
Hyperakusis
bestehe, welche als Grad IV einzustufen sei. Hinsichtlich
der
Tinnitusbewertung
nach G & H würden sowohl psychisch als auch emotional die Schlafstörung und Hörprobleme angegeben. Der Gesamtschweregrad der
Tinnitusbelastung
sei bei 67 von 84 Punkten. Dementsprechend liege ein Grad IV vor.
Aus klinischer Sicht bestehe hierbei nicht nur eine lärmbedingte Innenohr
schwerhörigkeit auf beiden Ohren (Hochtoninnenohrschwerhörigkeit)
,
sondern auch ein
HWS-Trauma aufgrund des Zurückschlagen des Kopfes
im Rahmen des Explos
ions-
beziehung
s
weise Knalltraumas. Aus klinischer Sicht seien hier eine
weitere interdisziplinäre Betreuung und Behandlung sicher sinnvoll
,
und es könne
damit ein
e Verbesserung mit einer erheblichen Erhöhung der Leistungsfähigkeit erzielt werden.
Prof.
F._
füh
rte aus, dass auch die
Hochtoninnenohrschwerhörigkeit von 17
%
rechts und
von 12
%
links als S
chaden anerkannt werden sollte
(S. 1 Ad. 1)
.
Zur Frage, ob eine organisch-strukturell objektiv ausgewiesene unfallbedingte Schädigung als Ursache für de
n Tinnitus und die weiteren ORL-
Beschwerden vorlägen (
Urk.
9/207/8-9)
,
führte Prof.
F._
aus,
dass ihm keine audiologischen
Voruntersuchungen vor dem Ereignis vorlägen. Die Evaluation des Hörstatus zeige
jedoch eine signifikante Beeinträchtigung der
Hörfunktion in den hohen Fre
quenzen, welche mit einem Knall respektive Lärmtrauma absolut in Einklang zu
bringen sei.
Es sei eine entsprechende Integritätsschadenbemessung vorzune
hmen
. Aus klinischer Sicht handle es sich nicht nur um eine rein akustische Problematik, sondern auch um ein
kraniozervikales
Beschleunigungstrauma
mit
Zurück
schlagen des Kopfes (S. 1 Ad. 2).
Dieser Aspekt sollte noch in der Evaluation der unfallbedingten Schädigung Ein
g
ang
finden
(S. 2 oben).
3.
1
4
Kreisärztin
Dr.
B._
führte in ihrer Stellungnahme vom
1.
Dezember 2020 (
Urk.
8) aus, dass aus den
vorhandenen Reintonaudiogrammen
, da keine Voraudiogramme vorlägen,
nicht konklusiv beantwortet werden
könne
, ob diese Hochtonsenke vorwiegend durch das akustische Trauma oder im Rahmen einer
physiologischen
Presbyakusis
aufgetreten sei.
Selbst wenn
die Hochtonsenke einzig
durch das akustische Trauma verursacht worden wäre,
erreiche
die Schwerhörig
keit mit einem Hörverlust gemäss CPT-AMA rechts von 17
%
und links von 12.1
%
(R
eintonaudiogramm
vom
1.
März 2018) das Ausmass der Erheblichkeit (Hörverlust gemäss CPT-AMA Tabelle über 35
%
pro Ohr) nicht. Der nicht erheb
liche Hörschaden führe damit nicht zu einem Anspruch auf Integritätsent
schä
digung nach
Art.
9
Abs.
1 UVG (S. 2 unten). Da die adäquate Kausalität verneint werde,
sei die
Schätzung
eines Integritätsschadens betreffend den Tinnitus
obso
let (S. 3 oben).
4.
4.
1
Vorab ist
hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten
HWS-Be
schwerden
festzuhalten, dass sich deren abschliessende Beurteilung
durch
med.
pract
.
A._
vom 2
0.
Dezember 2019 (vorstehend E. 3.
10
), wonach ein natür
licher Kausalzusammenhang zwischen den
HWS-Beschwerden
und dem Unfall
ereignis vom
2.
Januar 2018 zu verneinen ist, als schlüssig erweist.
Dies
vor allem
hinsichtlich der Latenz der Beschwerden. So müssen Beschwerden in der Hals-/
Nackenregion oder an der HWS
rechtsprechungsmäss
binnen 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten, um gegebenenfalls den Schluss auf ein natürlich unfallkausales Schleudertrauma - oder einen äquivalenten Verletzungs
mechanismus - zu gestatten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_396/2009
vom
2
3.
September 2009 E. 4.3). Derartiges ist in den vorliegenden
echtzeitlichen
Akten nicht dokumentiert.
Abgesehen davon, dass sich im MRI vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
9/136) ausgeprägte degenerative Veränderungen
und keine unfallbedingten Verletzungen
zeigten, st
immen
auch die
im Beschwerdeverfahren vom Beschwerdeführer getätigten Ausführungen
, wonach er am
2.
Januar 2018 ein
klassisches Schleudertrauma erlitten haben soll, indem
durch die Druckwelle der explosionsartig entwei
chen
den Pressluft sein Kopf heftig zurück in den Nacken geschleudert worden sei mit Anprall an einer anderen Maschine, woraus eine Beule am Hinterkopf resultiert sei (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
3
, S. 7 Mitte
), nicht mit den echtzeit
liche
n
Unfallhergangs
-
schilderungen überein
.
So ist ein
solcher Unfallhergang weder dem Überweisungsschreiben von
Dr.
C._
vom 2
9.
Januar 2018 (vorste
hend E. 3.
1
)
noch
ihrem Bericht vom
1
6.
Februar 2018
(vorstehend E. 3.
3
)
zu entnehmen. Auch
Prof.
D._
(vor
stehend E. 3.
2
)
, welcher den Beschwerdeführer am 3
0.
Januar 2018 untersucht hatte,
erwähnt keinen derartigen Unfallhergang
. Soweit dann erstmalig im Be
richt von Prof.
F._
vom
5.
März 2018 (vorstehend E. 3.
4
) ein blockierter Atlas rech
ts als Diagnose aufgeführt wird,
dies ebenfalls ohne Beschrieb eines Schleu
dertrauma-Hergangs, lässt sich daraus nichts zu einer Kausalität
der
HWS-Be
schwerden
zum Unfallereignis vom
2.
März 2018 herleiten.
Weiter hatte der Beschwerdeführer am
6.
Februar 2018 die Möglichkeit, den Unfallhergang se
lbst detailliert zu beschreiben, wobei er e
ine Nackenbeteiligung
nicht erwähnte
(
Urk.
9/8/1-2 S. 1
Ziff.
1).
Ebenso wenig erwähnte er eine solche
bei
der
Befragung
in seinem Betrieb
am 2
6.
März
2018
beim Beschrieb des Sach
verhalts
(
Urk.
9/38 S. 1 Mitte)
.
Jedoch geht aus
seinen
weiteren Ausführungen hervor, dass er
aus den seither bestehenden Nackenbeschwerden darauf
schloss,
dass es ihm wohl den Kopf rückwärts in den Nacken beschleunigt haben müsse, eventuell auch wegen de
s
Reflex
es
(
Urk.
9/38 S. 3 oben).
Für die Begründung einer Unfallkausalität reicht
es
jedoch nicht aus, aufgru
nd von bestehenden Beschwerden
rück
wirkend
einen
diese
n
allenfalls
erklärenden Unfallhergang
zu konstruieren
.
Auch
wurde
n
im Rahmen der Bagatellunfall-Meldung vom
5.
Januar 2018 unter den verletzten Körperteilen lediglich die Ohren aufgeführt (
Urk.
9/1
Ziff.
9) und
auch
bei
seiner Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
am 3
0.
Juni 2018
erwähnte der Beschwerdeführer
keine durch den Unfall vom
2.
Januar 2018 ausgelösten Nackenbeschwerden (
Urk.
9/69/1-8
Ziff.
6.1).
In diesem Zusammenhang
ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen,
die Ge
richte
praxisgemäss
im Bereich des Sozialversicheru
ngsrechts in der Regel auf die «
Aussagen der ersten Stunde
»
ab
stellen
, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 6 unten f.
,
Urk.
7 S. 2
Ziff.
2
)
lässt sich
aus den
Berichten
von
Dr.
I._
vom 1
9.
August 2019 (vorstehend E. 3.
9
)
und
von
Prof.
F._
vom 1
0.
März 2020
(vorstehend E. 3.
13
)
k
eine Unfallkausalität der Nackenbeschwerden
herleiten. So dürfte das
von
Dr.
I._
beschrie
be
n
e Hyperextensionstrauma der HWS, welches
er in seinem Vorbericht vom
1.
Mai 2019 noch nicht erwähnt hatte
(vgl.
Urk.
9/137)
,
in
den nachträglichen und aus den dargelegten Gründen nicht zu beachtenden Angaben des Beschwerdeführers
zum Unfallhergang
seine
hinreichende Begrün
dung finden
.
Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom
2.
Janu
a
r 2018 und den geltend gemachten Nackenbeschwerden ist damit
mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit
zu verneinen.
Die Beschwerden finden sodann in den bildgebend festgestellten degenerativen Befunden (
Urk.
9/136), wie med.
pract
.
A._
(vorstehend E. 3.10) festhielt, ihre hinreichende Erklärung.
Nachfolgend
erübrigen sich daher auch weitere Ausführungen dazu, ob hinsichtlich der Nacken
beschwerden
ein Endzustand erreicht ist.
4.
2
Wie ausgeführt (vorstehend E. 1.
8
)
,
setzt der
Fallabschluss
respektive die An
nahme des Endzustandes voraus, dass von der
Fortsetzung der ärztlichen Behand
lung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Per
son mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind
.
Die Invalidenversicherung
schloss die Eingliederungsmassnahmen
am
1
9.
September 2019 ab
(
Urk.
9/
176).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass der Endzustand der verbleibenden Be
schwer
den durch die Beeinträchtigung des Gehörs durch die Schwerhörigkeit und den erlittenen Tinnitus und der dadurch verursachten psychischen Problematik
im Februar 2020
noch nicht erreicht
gewesen
sei (vorstehend E. 2.
2
)
,
kann ihm nicht gefolgt werden.
So bestätigte
Kreisärztin
Dr.
B._
bereits am 3
1.
Oktober
2018 aus ORL-ärztlicher Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.
6
)
.
Dies geht einher mit dem Umstand, dass der
die Gehörsprobleme behandelnde Facharzt
Prof.
F._
den Beschwerdeführer lediglich bis Ende März 2018 arbeitsunfähig schrie
b (
Urk.
9/35/2, vgl. auch
Urk.
9
/38 S. 1 unten).
Hernach erfolgte die Krank
schreibung aus psychiatrischer Sicht.
Überdies l
assen
sich der
Stellungnahme
von
Prof.
F._
vom 1
0.
März 2020 (vorstehend E. 3.
13
)
keine konkreten Behandlungsvorschläge hinsichtlich der Gehörs-Problematik entnehmen, von welchen noch eine namhafte Verbesserung erwartet werden könnte.
Der Grad des Tinnitus wurde sodann
trotz gut zwei
jähriger Behandlungsdauer bei Prof.
F._
unverändert zu der Angabe im Bericht vom
5.
März 2018 (vorstehend E. 3.
4
) mit IV angegeben
,
und auch die
sensori
neurale
Schwerhörigkeit zeigte sich unverändert.
Soweit
Prof.
F._
eine mög
liche Verbesserung hinsichtlich der
HWS-Beschwerden durch eine weitere Be
handlung
für
gegeben
erachtete, erweist sich dies
mangels natürlicher Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom
2.
Januar 2018 und den HWS-
Beschwerden (vorstehend E. 4.1)
für das vorliegen
de Verfahren als nicht relevant und steht einem Fallabschluss nicht entgegen.
Dementsprechend erweisen sich auch die Ausführungen von
Dr.
I._
in seinem Bericht vom 1
9.
August 2019 (vor
stehend E. 3.
9
) als unerheblich.
Da bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) der Fallabschluss erfolgt, sobald von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztliche
n
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (Urteil
des Bundesgerichts
8C_620/2019 vom
5.
Februar 2020 E. 3.2 mit Hinweisen), erweist es sich vorliegend für den Zeitpunkt des Fallabschlusses als unerheblich, ob durch die Behandlung durch
Dr.
G._
(vorstehend E. 3.7 und E. 3.11)
noch eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erzielt werden kann
.
Abgesehen davon sah
Dr.
G._
, wie aus seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2020 (vorstehend E. 3.11) hervorgeht, den
den
Nachtschlaf störenden Tinnitus als hauptverantwortlich für die nicht erfolgte Steigerung der Arbeitsfähigkeit
, während
dem sich die psychischen Probleme ansonsten deutlich gebessert hatten.
Damit ist festzuhalten, dass der Fallabschluss per 2
9.
Februar 2020 zu Recht erfolgt ist.
4.
3
Was die
Hochtoninnenohrschwerhörigkeit von 17
%
rechts und links
von
12
%
anbelangt
,
welche
gemäss den Ausführungen von Prof.
F._
vom 1
0.
März 2020 (vorstehend E. 3.
13
) als unfallkausal zu werten sei
,
fällt ins Gewicht, dass Prof.
F._
, wie er selbst ausführte, keine audiologische
n
Voruntersuchungen vorlagen. Prof.
D._
wies in seinem Bericht vom 3
1.
Januar 2018 (vorste
hend E. 3.
2
) jedoch darauf hin, dass die nach dem Ereignis durchgeführten Hör
prüfungen im Vergleich zu einem vorbestehenden Tonaudiogramm aus dem August 2017 keine relevante
höhergradige
Verschlechterung der Hörleistung hätten ausweisen können. Die festgestellte, als diskret beschriebene Verschlech
terung im hochfrequenten Bereich ab 4 beziehungsweise ab 6 kHz sei wenige Tage später partiell
regredient
gewesen.
Damit ist es durch das Ereignis vom
2.
Januar
2018 nicht zu einer relevanten Verschlechterung des Vorzustandes
hinsichtlich der Hochtoninnenohrschwerhörigkeit
gekommen, weshalb die Be
schwerdegegnerin schon allein aus diesem Grund hierfür keine Leistungspflicht im Sinne einer Integritätsentschädigung trifft.
Soweit der Beschwerdeführer auf den Link von
www.he
a
r-it.org
verweist
und geltend macht, dass eine
sensorineurale
Schwerhörigkeit definitionsgemäss durch eine
durch ein
Knalltrauma bedingte Schädigung der Haarzellen des Innenohrs verursacht sei
(
Urk.
1 S. 8 oben)
, ist er darauf hinzuweisen, dass im besagten Link als
Ursachen
einer
sensorineuralen
Schwerhörigkeit Lärm nur eine Ursache neben Alter und
verschiedene
n
Erkrankungen
darstellt
.
Kreisärztin
Dr.
B._
führte in ihrer Stellungnahme vom
1.
Dezember 2020 (vorstehend E. 3.
14
) denn auch aus, dass es keine Untersuchungsmöglichkeiten gebe um festzustellen, ob der Hochtoninnenohrabfall vorwiegend durch eine Lärmschädigung oder durch eine Altersschwerhörigkeit entstanden sei. Wie sie zu Rec
ht bemerkte, ist
die
Erheblichkeitsgrenze
eines Hörverlustes von 35
%
für einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung gemäss Suva Tabelle 12 bei einem Hörverlust von 17
%
respektive 12.1
%
ohnehin nicht erreicht.
4.
4
Zu prüfen bleibt damit einzig, wie es sich mit der weiteren
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für den weiterhin beklagten Tinnitus
und die damit in Zu
sammenhang stehenden psychischen Beschwerden
verh
ält.
Aus medizinischer Sicht ist aufgrund der Aktenlage und des Unfallhergangs nicht dara
n zu zweifeln, dass der Beschwerdeführer an einem ihn störenden Tinnitus leidet.
Der Be
schwer
deführer machte geltend, dass mit der nach dem Unfall durchgeführten Ohrmi
kroskopie die Gefässzeichnung der beidseitigen Trommelfelle als typische Folge eines Schallknalltraumas habe objektiviert werden können (
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
8
lit
. a).
Damit beruft er sich auf
die nach der Erstkonsultation bei
Dr.
C._
am
4.
Januar 2018
(vorstehend E. 3.
1
) festgestellten Befunde. Vorliegend ist jedoch
massgeblich, ob zum Zeitpunkt des Fallabschlusses per 2
9.
Februar 2020 noch Unfallfolgen objektiviert werden können
, was zu verneinen ist.
So hielt
Prof.
F._
bereits
in seinem Bericht vom
5.
März 2018 (vorstehend E. 3.
4
) fest
,
dass sich in der klinischen Untersuchung ein beidseits intaktes und reizloses Trommel
fell mit unauffälligem Rinne- und Weber Stimmgabeltest gezeigt habe.
D
ieses
Ergebnis bestätigte er sodann auch
in seinem Bericht vom 1
7.
Oktober 2018 (vor
stehend E. 3.
5
)
und zuletzt in seinem Bericht
vom
4.
März 2020
nach Untersu
chung des Beschwerdeführers am 1
4.
Februar 2020
(vorstehend E. 3.
12
).
Damit fehlt es zum Zeitpunkt des Fallabschlusses per 2
9.
Fe
bruar 2020 an orga
nisch objektivierbaren
Unfallfolgen
im Sinne einer sichtbaren Verletzung oder Veränderung der Trommelfelle
.
Da gemäss Praxis des Bundesgerichts ein Tinnitus nicht als körperliches Leiden zu betrachten ist, sofern er nicht einer organischen Ursache zuzuordnen ist (BGE 138 V 248 E. 5.10)
,
ist
der adäquate Kausalzu
sammenhang zum Unfall, wie bei anderen organisch nicht ausgewiesenen Be
schwerdebildern, nicht ohne besondere Prüfung
zu bejahen
(BGE 138 V 248).
Dem kantonalen Gericht ist es verwehrt, anders zu entscheiden.
Mangelt es an einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge und an einer Verletzung, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigen könnte
(vgl. vorstehend E. 4.1)
, ist der adäquate Kausalzusammenhang nach den zu psy
chischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelten Grundsätzen (sog. Psyc
ho-Praxis) zu beurteilen
. Gleiches muss für eine organisch objektiv nicht b
elegte
Hyperakusis
gelten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2018 vom 2
7.
September 2018 E. 7.2).
4.
5
Ge
stützt auf die echtzeitlichen
Unfallhergangsschilderungen
(
vgl.
vorstehend
E.
3.1-3,
Urk.
9/1
Ziff.
6,
Urk.
9/8/1-2 S. 1
Ziff.
1,
Urk.
9/38 S. 1 Mitte
) ist
der Beschwerdegegnerin folgend (vorstehend E. 2.
1
und E. 2.3
) höchstens von
einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Fällen
auszugehen.
Dies entspricht auch der von der Beschwerdegegnerin erwähnten Praxis des Bundes
gerichts (
Urk.
7 S. 4
Ziff.
8
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2019 vom
5.
Februar 2020 E.
6.3.2
).
Ins
besondere auch mit Blick darauf, welche Unfallereig
nisse gemäss Praxis des Bundesgerichts als mittelschwer eingestuft werden, so unter anderem eine PW-Kollision mit nachfolgendem Überschlagen des Fahrzeu
ges (
Urteil
des Bundesgerichts
8C_598/2020 vom
3.
Dezember
2020 E. 9.2.2
)
, Fahrzeugkollisionen
auf Gegenfahrbahn mit
Streif- und Frontalkollision
(Urteil des Bundesgerichts 8C_720/2017 vom 1
2.
März 2018
E. 4.3),
sowie Stürze aus zwei bis vier Metern
Höhe (
Urteil des Bundesgerichts 8C_632/2018 vom 1
0.
Mai 2019 E. 8.3)
,
rechtfertigt sich die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Ein
stu
fung des Ereignisses als mittelschweres Ereignis (vorstehend E.
2.4) nicht.
Unbeachtlich sind diesbezüglich die durch das Unfallereignis erlittenen Beein
träch
tigungen, zumal zur Beantwortung dieser Frage lediglich der augenfällige Ge
sche
hensablauf massgebend ist.
4.
6
Bei Annahme eines mittelschweren Ereignisses im Gren
zbereich zu den leichten Fällen
ist ein K
ausalzusammenhang nur
dann zu bejahen, wenn vier der mass
geblichen
Kriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt wären (
vorstehend E. 1.
7
,
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2016 vom 1
4.
Juni 2017 E. 6.1 mit Hinweisen).
Ohne weiteres zu verneinen ist das Kriterium der
besonders drama
tischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit
des Unfalles.
Auch das
Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist vor
lie
gend zu verneinen, zumal
es sich bei Prof.
F._
(vorstehend E. 3.4-5, E. 3.12-13)
im
W
esentlichen um
Kontroll
termine in mehrmonatigen Abständen handelte
und die
psychotherapeutische Behandlung nicht berücksichtigt werden
kann
, da die Adäquanzkriterien
gemäss der Psycho-Praxis
unter Ausschluss psyc
hischer Aspekte zu prüfen sind
.
Damit ist das Kriterium der fortgese
tzten spezifischen, belastenden
ärztlichen Behandlung nicht erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_638/2012 vom 3
0.
Oktober 2012 E. 4.2.3)
. Weiter sind sowohl ein körperlicher Dauerschmerz als auch das Vorliegen einer ärztlichen Fehlbehandlung zu ver
neinen.
F
ür die Bejahung des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs bedürfte es praxisgemäss besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte, genügt allein nicht (Urteil
des Bundesgerichts
8C_473/2019 vom 1
1.
Novem
ber 2019 E.
5.6 mit Hinweisen). Erhebliche Komplikationen sind gemäss medizinisch
er Aktenlage nicht dokumentiert, weshalb auch dieses Kriterium nicht bejaht werden kann.
Was den Grad und die Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit anbe
langt
,
wies die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von
Dr.
B._
vom
3
1.
Oktober 2018
(vorste
hend E. 3.
6
) aus ORL-ärztlicher Sicht bereits ab 3
1.
Oktober 2018 keine Arbeits
unfähigkeit mehr ausgewiesen
war
. Hernach erfolgte die Krankschreibung aus psychiatrischer
Sicht
. Selbst wenn vorliegend das Kriterium der schweren oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychisc
he Fehlentwicklungen auszulösen,
bejaht würde, vermöchte dies
zur Begründung der Adäquanz nicht zu genügen
, zumal eine besondere Aus
prägung dieses Kriteriums zu verneinen ist.
4.
7
Aufgrund des Gesagten
steht fest, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den nach wie vor geltend gemachten Beeinträchtigungen des Beschwer
deführers und dem Unfallereignis vom
2.
Januar 201
8
zu verneinen ist.
Somit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per
2
9.
Februar 2020
eingestellt hat.
Bei dieser Ausgangslage besteht auch kein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung oder eine Invalidenrente.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.