Decision ID: 8295e457-727b-41bf-b0b8-10e972bbbea5
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1976 geborene
X._
, Mutter dreier in den Jahren 1999, 2002 und 2004 geborener Kinder
,
ist ausgebildete
Coiffeuse
(
Urk.
11/6,
11/7). Am 10. Mai 2007 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf ein
Wur
zelkompressionssyndrom
bei der Invalidenversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/7).
Zur Abklärung der er
werblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle Auszüge aus dem individuellen Konto (
Urk.
11/11-12), Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
11/12-15, 11/19) sowie einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
11/32) bei und veranlasste die Erstellung eines
bidisziplinären
Gutachtens bei der
Abklä
rungsstelle
Y._
, welches am
9.
Juni 2008 erstattet wurde (
Urk.
11/33).
Am 6. August 2008 fand eine Haushalts
abklärung statt (
Urk.
11/36). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
ver
neinte
die IV-Stelle
einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
mit Verfügung vom
3.
Oktober
2008 (Urk. 11/52). Dagegen erhob die Versicherte am 3
0.
Oktober 2008 Beschwerde (Urk.
11/57), zog diese jedoch mit
Schreiben vom 1
6.
Dezember 2008
wieder
zurück, weshalb das Verfahren mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2008 abgeschrieben wurde (Urk. 11/65).
1.2
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
beantragte die Versicherte m
it Schrei
ben vom 2
2.
September
2008 die Prüfung beruflicher Massnahmen (Urk. 11/50).
In der Folge teilte die IV-Stelle der Versicherten a
m 1
6.
Februar 2009 mit, sie übernehme die Kosten für eine berufliche Abklärung (Urk. 11/69).
Weiter sprach sie der Versicherten am 3
1.
August 2009 Unter
stützung in Form ei
ner Arbeitsvermittlung zu (Urk.
11/94) und erteilte
Kostengutsprache für Frühinterventionsmassnahmen (
Urk.
11/95). Mit Ver
fü
gung vom 11. März 2010 wurde die Arbeitsvermittlung abgeschlossen (
Urk.
11/116). Nachdem die Versicherte
27. Juli und am 10. August 2010
mitgeteilt hatte, sie hätte einen Arbeitgeber
für ein Arbeitstraining
gefunden (Urk.
11/122 und Urk.
11/123),
verfügte die IV-Stelle am 1
3.
August 2010 eine Kostengutsprache
für ein dreimonatiges Arbeitstraining (
Urk.
11/127), welches am
8.
November 2010 um drei Monate verlängert wurde (Urk. 11/134).
Am 10. März 2011 wurde der Be
schwerdeführerin ausserdem ein an ihren Arbeitgeber nachschüssig auszuzahlender Einarbeitungszuschuss zugesprochen (Urk. 11/139).
Mit Mitteilung
vom 1.
September 2011 wurde die berufliche Wi
edereingliederung beendet (Urk.
11/143)
und
auf Antrag
vom 12. Oktober 2011
hin wieder aufgenommen
, da das Arbeitsverhältnis
aus wirtschaftlichen Gründen per Ende September 2011 gekündigt worden war
(
Urk.
11/152).
In der Folge
genehmigte die IV-Stelle die Durchführung einer Potenzialabklärung (
Urk.
11/161) sowie Unterstützung bei der Einglie
derung in den Arbeitsmarkt (
Urk.
11/164). Mit Mitteilung vom 1
3.
Juni 2012 wurden die beruflichen Massnahmen auf den 1
5.
Juni
2012 hin beendet (Urk. 11/187).
1.3
Am 9. Januar 2013 wurde ein Arztbericht eingereicht und um eine zeitlich befristete Teilberentung ersucht (
Urk.
11/191). Daraufhin zog die IV-Stelle Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
11/193, 11/201, 11/204, 11/213, 11/217-219) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto
bei (Urk.
11/205) und veranlasste die Erstellung eines polydisziplinären Gutach
tens beim
Z._
, welches am 9. Februar 2015 erstattet wurde (
Urk.
11/228). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
3.
Mai
2015 [Urk. 11/232], Einwand vom
2
9.
Mai 2015 [
Urk.
11/233], Begründung vom 7.
Juli 2015 [Urk. 11/239]), in dessen Rahmen ein Arztbericht eingereicht wurde (Urk. 11/236),
vernein
te die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2016 (
Urk.
2 [
= Urk.
11/251]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
6.
März 2016
unter Beilage eines
aktuel
len
Arztberichts (
Urk.
3/3)
Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei ab Januar 2013 eine Rente der Invali
denversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei ein unabhängiges Gutachten einzuholen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person von Dr.
iur
. Peter Stadler ein unentgeltlicher Rechtsbei
stand zu bestellen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
April 2016 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
10), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
3.
Mai 2016 angezeigt wurde. Gleichzeitig wurde das Gesuch der Be
schwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Pro
z
essführung und Rechtsvertretung abgewiesen (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vo
raussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaub
haft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän
dert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechts
kräf
tigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge
richt (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von
Geburtsgebre
chen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundes
ge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemä
ss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbie
tung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbs
einkommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131
V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C
_614/2015
vom 15. Dezember
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf
es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweiswer
tes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den er
forderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechts
anwendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auf
lage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin seit Januar 2014 in ihrer Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt sei. Eine behinderungsangepasste
Tätigkeit sei ihr jedoch zu 75
% zumutbar. Unter Berücksichtigung dessen, dass sie län
gere Zeit nicht mehr im Berufsleben tätig gewesen sei, sei von einem
Vali
deneinkomm
en
von Fr.
52‘163.80 auszugehen, dem
ein Invalideneinkommen von Fr.
39‘122.85 gegenüberstehe. Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 25
%
, weshalb
ein Rentenanspruch zu verneinen sei
.
Zu den im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwänden führte die
Beschwer
degegnerin
aus, die gestellten psychiatrischen Diagnosen seien nicht plausi
bel. Anlässlich der Befunderhebung hätten keine Angstsymptome erhoben werden können. Auch Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen seien nicht vorgelegen und es hätten sich Diskrepanzen zwischen den geschilderten Beschwerden und den erhobenen Befunden gezeigt. Eine
invalid
enversiche
r
ungs
recht
lich
relevante Gesundheitsbeeinträchtigung liege nicht vor
, wes
halb kein Anspruch auf eine Rente bestehe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, das von der
Be
schwerdegegnerin
veranlasste
Z._
-
Gutachten weise zahlreiche schwer
wiegende Mängel auf, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne.
So sei unverständlicherweise keine Fremdanamnese erhoben worden, die oberfläch
lich erhobenen Befunde seien widersprüchlich und zudem sei davon auszu
gehen, dass der
E._
Gutachter mit den hiesigen
sozialversiche
rungsrechtlichen
Anforderungen nicht vertraut sei. Widersprüchlich sei auch, dass im früheren
Y._
-Gutachten
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wor
den sei, im jetzigen Gutachten indessen von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, wobei gleichzeitig festgehalten worden sei, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert. Weiter brachte die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin habe zu Unrecht keinen Leidensabzug vorgenommen. Es sei ihr
rechtsprechungsgemäss
mi
ndestens
ein solcher von 20
% zu gewähren.
Beim
Valideneinkommen
sei die Beschwerdegegnerin zudem vom Kompetenzniveau 1 ausgegangen, obwohl die Beschwerdeführerin über eine Berufsausbildung verfüge, weshalb richtigerweise vom Kompetenzniveau 2 auszugehen
wäre. Selbst unter Annahme einer 75%igen Arbeitsfähigkeit würde der Beschwerdeführerin demnach eine Invalidenrente zustehen. Auch für das Jahr 2013 sei ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ausgewiesen. In diesem Zeitraum sei sie nach Ansicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) arbeitsunfähig gewesen und die Gutachter des
Z._
hätten explizit darauf hingewiesen, dass sie ihren Gesundheitszustand vor dem Januar 2014 nicht beurteilen könnten. Damit sei auf die Einschätzung des RAD abzustellen
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Im
Y._
-Gutachten vom
9.
Juni 2008 wurden folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (
Urk.
11/33 S. 15):
Angst und depressive Störung gemischt mit von
Chronifizierung
bedrohter Erschöpfungsreaktion (ICD-10 F 41.2)
chronisch rezidivierendes Lumbalsyndrom mit
ischialgieformer
Aus
strahlung beidseits (ICD-10 M 54.5)
Status nach mikrochirurgischer Diskektomie L4/5 links am 10.2.2005
medio rechtslaterale
Rezidivhernie
L4/5 (MRI 1/2007)
klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
radiologisch
Osteochondrose
L4/5 und L5/S1
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende ge
nannt (
Urk.
11/33 S. 15):
chronisch rezidivierendes
Zervikalsyndrom
mit
Zervikozephalgien
(ICD-10 M 53.0)
Dysbalancen
der Schultergürtelmuskulatur
klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
radiologisch altersentsprechender Befund
Im rheumatologischen Teilgutachten
schilderte
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für In
nere Medizin und Rheumatologie
, bei der Untersuchung hätten sich weder Hinweise für eine
radikuläre
Symptomatik noch
für
eine Wurzelkompressionssymptomatik finden lassen. Der
Lasègue
sei beidseits negativ. Es könne jedoch sein, dass die Diskushernie die von der Explorandin beklagten Schmerzen mitverursache. Klinisch zeige sich eine
myostatische
Insuffizienz mit den entsprechenden
muskulolig
a
m
e
ntären
Überlastungs
reaktionen
im Lendenbeckenhüftbereich. Auf den Röntgenaufnahmen sei eine
Osteochondrose
im Bereich L4/5 und L5/S1 erkennbar. Insgesamt finde sich für die von der Explorandin beklagten Schmerzen im Lumbalbereich ein morphologisches Korrel
at (
Urk.
11/33 S. 14).
Die Explorandin leide seit zwei Jahren zusätzlich unter einem chronisch rezidi
vierenden
Zervikalsyndrom
mit
Zervikozephalgien
bei
Dysbalancen
der Schultergürtelmuskulatur. Radiologisch sei die HWS abgesehen von einer Steilstellung unauffällig. Im
Zervikalbereich
würden sich auch keine Hin
weise für eine
radikuläre
Symptomatik oder eine
Wurzelkompressionssymp
tomatik
finden (
Urk.
11/33 S. 14).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
A._
aus, aktuell sei die
Versicherte
für körperlich leichte Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsfähig. Mit einer adäquaten Be
handlung müsste sich die Symptomatik bessern lassen, so dass mittelfristig von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit auszu
gehen sei. Die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
sei der
Versicherten
aber nicht mehr zumutbar (
Urk.
11/33 S. 14).
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung schilderte die Explorandin,
im Verlauf ihrer Ehe habe sie Schlafstörungen und
Grübelzwänge
entwickelt. Sie sei ängstlich, depressiv und unglücklich geworden. Dann seien die Rücken
schmerzen und ein Bandscheibenvorfall hinzugekommen. Im Jahr 2005 habe
sie erstmals eine Gesprächstherapie aufgenommen, deren Fortführung geplant
sei.
Sie leide unter Angstgefühlen und unter dem
Gefühl, nicht durchatmen
zu können. Zeitweise sei ihr Herzschlag schnell und sie hyperventiliere. Zu
dem habe sie immer wieder das Gefühl, ihr Kopf oder ihr gesamter Körper platze. Dann gehe sie jeweils in ein Zimmer und versuche, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten (
Urk.
11/33 S. 8-9).
Die Psychiaterin,
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte aus, die Explorandin habe in den letzten Jahren ängstliche und depressive Symptome entwickelt, die teilwe
i
se gepaart seien mit einem psychosomatischen Symptomkomplex. Es bestünden
dissimulative
Tendenzen.
Insgesamt handle es sich um eine differenzierte Persönlichkeit. Es würden
Grübelzwänge
und Gedankenkreisen bestehen sowie af
fektive ängstlich-depressive Auslenkungen mit verminderter emotionaler Belastbarkeit (
Urk.
11/33 S. 10-11).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
B._
aus, die psychiatrische Störung bedinge keine Arbeitsunfähigkeit. Die
Versicherte
sei für körperlich ange
passte Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt acht bis neun Stunden am Tag einsetzbar. Wegen der vorzeitigen Erschöpfbarkeit und der emotio
na
len Minderbelastbarkeit bestehe aber eine Einschränkung der Leistungsfä
hig
keit von 20
%
(
Urk.
11/33 S. 11).
Zusammenfassend hielten die Gutachterinnen fest, für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten sei die
Versicherte
zu 50
%
arbeitsfähig. Die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
sei ihr nicht mehr zumutbar. Im Haus
halt sei sie zu 30
%
eingeschränkt. Festzuhalten sei überdies, dass die
Arbeitsfähigkeit mit geeigneten medizinischen Massnahmen verbessert werden
könne (
Urk.
11/33 S. 17).
3.2
Im polydisziplinären
Z._
-Gutachten vom
9.
Februar
2015 wurden folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 11/228 S. 45):
Pseudolumboischialgie
links bei Status nach
Spondylodese
L4/5 2008 und
Spondylarthrose
L5/S1
Angst und depressive Störung gemischt, bestehend seit etwa 2007 (ICD-10 F 41.2)
ängstliche, selbstunsichere und abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 61.0)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende auf
geführt (
Urk.
11/228 S. 45):
leichte
Acromioclaviculargelenksarthrose
mit leichter Bursitis
subacromialis
und leichter
Subscapularissehnenansatztendinose
links
arterielle Hypotonie
Urinstressinkontinenz Grad 2
Polyatopie
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt,
die Explorandin wirke in der Stimmung bedrückt, jedoch nicht wesentlich niedergeschlagen. Die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit würden intakt erscheinen, Hinweise für Gedächtnisstörungen fänden sich nicht.
Auch würden weder inhaltliche Denkstörungen im Sinne von Wahnideen oder Halluzinationen noch Wahrnehmungsstörungen, Zwänge oder Ich-Störungen vorliegen. Im Denken wirke sie allerdings
negativistisch
auf ihre körperlichen und psychi
schen Beschwerden eingeengt. Sie äussere Zukunftsängste und gelegentliche Suizidgedanken,
aber ohne suizidale Einengung
.
Weiter leide sie unter Minderwertigkeitsgefühlen und Verzweiflung sowie Angstsymptomen. Zum Untersuchungszeitpunkt
habe
sie aber nicht wesentlich ängstlich
gewirkt
(
Urk.
11/228 S. 73).
Weiter schilderte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Explorandin sei aufgrund ihrer Angst und depressiven Reaktion sowie der zugrunde liegenden ängstlichen, selbstunsicheren, abhängigen Persönlichkeitsstörung in ihrer emotionalen Belastbarkeit, geisti
gen Flexibilität, Kontaktfähigkeit und Anpassungsfähigkeit beeinträchtigt.
Trotz dieser Einschränkung würden sich jedoch durchaus auch Ressourcen erheben lassen. Die von der Explorandin beklagten Beschwerden seien zudem nur teilweise konsistent und es würden sich Diskrepanzen in ihren Schilde
rungen und den tatsächlich erhobenen Befunden feststellen lassen. Auch lägen Hinweise für
eine
psychogene Überlagerung der körperlichen Be
schwerden, aber auch für psychogene Verhaltensweisen mit Selbstlimitierung vor (
Urk.
11/228 S. 77).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
C._
aus, aus psychiatrischer Sicht könne der
Versicherten
seit Januar 2014 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Serviceangestellte eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
attestiert werden. In einer angepassten Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, Stressbelastung, geistige Flexibilität und ohne vermehrte Kundenkontakte sei die
Versicherte
seit Januar 2014 zu 75
%
arbeitsfähig (
Urk.
11/228 S. 79).
Im orthopädischen Teilgutachten wurde ausgeführt,
bei der Explorandin
fänden sich rechts und links unauffällige
Ileosakralgelenke
. Auch die
Trophik
der oberen und unteren Extremitäten
sei unauffällig
. Die rohe Kraft der Arme und Beine könne aufgrund ungenügender
Mitarbeit der Explorandin nicht
sicher beurteilt werden. Im gesamten linken Arm sei verglichen mit rechts eine Hyposensibilität
festzustellen. Dasselbe gelte für den
Oberschenkel links im Vergleich zu
rechts
. Ansonsten sei die Sensibilität in den Beinen normal und symmetrisch (
Urk.
11/228 S. 7).
Weiter führte
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chi
r
urgie, aus, das Ausmass der Schulterschmerzen links sowie der demonstrierten abnormen Untersuchungsbefunde der linken Schulter
kontrastiere
mit den geringen degenerativen Veränderunge
n, die im MRI ersichtlich seien
. Auch die Hypersensibilität des gesamten linken Armes könne aufgrund des sonst unauffälligen neurologischen Befunds nicht erklärt werden. Die lumbalen Schmerzen und die pathologischen objektiven Befunde der LWS seien teilwe
i
se mit der im MRI dokumentierten
Spondylarthrose
K5/S1 bei Status nach
Spondylodese
L4/5 vereinbar. Hingegen könne aufgrund der radiologisch fehlenden neuralen Kompression weder die geschilderte Aus
strahlung der Schmerzen in die Zehen links noch die bei der Untersuchung angegebene Hyposensibilität medial und lateral am linken Oberschenkel plausibilisiert werden (Urk. 11/228 S. 9-10).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
D._
aus, in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Serviceangestellte sei die
Versicherte
aufgrund der
Spondyl
arthrose
zu 25
%
eingeschränkt. Für körperlich leichte Tätigkeiten in tempe
rierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten und für die nicht häufig inklinierte,
reklinierte
und rotierte Körperhaltungen eingenommen werden müssten, sei die
Versicherte
seit jeher zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
11/228 S. 10-11).
In der internistischen Untersuchung ergaben sich keine Auffälligkeiten. Der Gutachter hielt fest, aus internistischer Sicht fühle sich die Explorandin ge
sund und voll leistungsfähig. Es liege daher keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit vor (
Urk.
11/228 S. 53-54).
Im polydisziplinären Konsens hielten die Gutachter zusammenfassend fest, aufgrund der psychiatrischen Einschränkungen sei die Versicherte in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Serviceangestellte seit Januar 2014 nur noch zu 60
%
arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit könne ihr hingegen für körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die
abwechslungs
weise
sitzend und stehend ausgeübt w
ü
rden
,
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Seit Januar 2014 seien ihr nur noch Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne
geistige Flexibilität,
ohn
e
vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung mit einem Beschäftigungsgrad von 75 % zuzumuten (
Urk.
11/228 S. 46).
4.
4.1
Entgegen der Ansicht
beider Parteien
vermag das
Z._
-Gutachten vom 16. Februar 2015 zu überzeugen. Es beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (
Urk.
11/
228 S. 3-8, 11
/
228 S. 52-53, 11/228 S. 65-73
) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben worden (
Urk.
11/228 S. 3,
Urk.
11/228 S. 58-64
). Die Gutachter berücksichtigten die
g
eklagten Beschwer
den und legten ihre Beurteilungen schlüssig und nachvollziehbar dar. Auch der von der Verwaltung hinzugezogene RAD-Arzt beurteilte das Gutachten als
umfassend und schlüssig
(
Urk.
11/231 S. 8
).
4.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt,
das Gutachten weise zahlreiche, schwerwiegende Mängel auf. So sei unverständlicherweise keine Fremdanamnese
im Sinne eines Austauschs mit der behandelnden Psychia
terin
erhoben worden
. Zudem
sei widersprüchlich, dass im früheren
Y._
-Gutachten
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei, im jetzigen Gutachten indessen von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, wobei gleichzeitig festgehalten worden sei, der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin habe sich verschlechtert.
Das Gutachten sei
damit
be
weisuntauglich
(
Urk.
1 S. 7 ff.).
Wie bereits dargelegt (E.
4.1) setzte sich
Dr.
C._
eingehend mit den
Vorakten
, insbesondere mit den zahlreichen Arztberichten, auseinander.
Er legte ausführlich dar, weshalb er zu einer anderen Beurteilung als die behandel
nde Psychiaterin gelangte (Urk.
11/228 S. 74 f.). Damit wurde er den Anforderungen, die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung an ein beweiskräftiges Gutachten gestellt werden, gerecht.
Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu
,
und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanamnestische Angaben eingeholt oder
Zusatz
untersuchungen
angeordnet werden (Urteile des Bun
desgerichts 8C_660/2013 vom 15.
Mai
2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April
2014 E. 3.2
und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3
)
. Vorliegend ist zudem
unklar, in
wiefern die Einholung einer Fremdanamnese weitere Erkenntnisse hätte brin
gen können
, da
bereits
diverse Arztberichte der behandelnden Psychiaterin vorlagen
. Die Beschwerdeführerin legt dies denn auch nicht dar. Ebenfalls nicht ersichtlich ist der von ihr geltend gemachte Widerspruch zum
Vorgut
achten
.
Die Beschwerdeführerin übersieht diesbezüglich, dass im
Y._
-Gut
achten festgehalten wurde, die psychische Störung
der Beschwerdeführerin
bedinge
keine Arbeitsunfähigkeit (Urk.
11/33 S. 11).
Dr.
C._
hingegen hielt dafür, dass sie
aufgrund der psychischen Störung
in angepa
sster Tätigkeit lediglich zu 75
% arbeitsfähig sei (
Urk.
11/228 S. 79). Es ist daher von ihm nur folgerichtig, von einer Verschlechterung des
psychischen
Gesund
heitszustandes auszugehen
, weshalb auch dieser Einwand der Beschwerde
führerin nicht verfängt. Völlig
unbehelflich
ist im Übrigen ihr Vorbringen, der Gutachter sei als
E._
mit dem hiesigen Sozialversicherungsrecht nicht vertraut
.
Die Aufgabe
des begutachtenden Arztes
besteht darin
, den Gesundheitszustand eines Versicherten zu beurteilen. Voraussetzung dafür sind fachliche Kompetenzen
, über die Dr.
C._
ausgewiesenermassen
ver
fügt
.
Dieser Ansicht war offenbar auch die Beschwerdeführerin, hätte sie doch ansonsten nach Bekanntgabe der Gutachter durch die IV-Stelle (Urk. 11/225)
eingewendet
, er würde nicht über die erforderlichen Qualifi
kationen verfügen.
Was den zusätzlich eingereichten Bericht der behandelnden Psychiaterin be
trifft (
Urk.
3/3),
so ist darauf hinzuweisen, dass der Erlass der angefochtenen Verfügung die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1, 129 V 169 E. 1, 129 V 4 E. 1.2, je mit Hinweisen), und bloss diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichtigen sind, die sich bis zu jenem Zeitpunkt ereignet haben, weshalb dieser Bericht im vorlie
genden Verfahren von vornherein unbeachtlich ist.
Abgesehen davon werden im Bericht keine neuen, erheblichen Befunde genannt, die darauf schliessen lassen würden, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zum Begutachtungszeitpunkt massgeblich verschlechtert hätte. Schon vor der Begutachtung hatte die behandelnde Psychiaterin in zahlrei
chen Berichten der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert
. Weshalb dieser Einschätzung nicht
gefolgt werden kann
, legte
Dr.
C._
im Gutachten bereits ausführlich
und überzeugend
dar
.
4.3
Auch die Verwaltung machte geltend, es sei nicht auf das Gutachten abzu
stellen. Sie brachte vor, aus Rechtsanwendersicht seien die gestellten psychi
atrischen Diagnosen nicht plausibel, weil anlässlich der Befunderhebung keine Angstsymptome erhoben werden konnten und die Beschwerdeführerin als nicht wesentlich ängstlich beschrieben worden sei (Urk. 2).
Die Verwal
tung verkennt
, dass es Aufgabe des Arztes - und nicht Aufgabe der Verwal
tung – ist,
den Gesundheitszustand
des Versicherten zu beurteilen (vgl. BGE 125 V 256 E.
4)
.
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt für die Annahme eines psychische
n Gesundheitsschadens eine fach
ärztlich (psychi
atrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten
Klassifi
kati
onssystem
(BGE 130 V 398 ff. E. 5.3 und E
. 6
). Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass das Gutachten nicht l
ege
artis
erstellt worden wäre. Zudem erscheinen die Diagnosen insbesondere vor dem Hintergrund, dass bereits im
Y._
-Gutachten vom 9. Juni 2008
die Diagnose
"
Angst ge
mischt mi
t depressiver Störung
"
gestellt
worden war (vgl. E.
3.1), plausibel. Der Ansicht der Verwaltung ist daher nicht zu folgen.
4.4
Nach dem Gesagten bleibt festzuhalten, dass dem Gutachten vom 9. Februar 2015 volle Beweiskraft zukommt. Die Einholung eines weiteren Gutachtens ist daher obsolet, weshalb
dieser
Antrag der Beschwerdeführerin abzuweisen ist.
Es
steht mit dem im Sozialversicherungsrecht
massgebenden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführerin
seit Januar 2014
eine angepasste Tätigkeit mit
einem Beschäftigungsgrad von 75
% zuzumuten ist.
4.5
Wie die Beschwerdeführerin richtig darlegte, wurde im Gutachten darauf hin
gewiesen, dass über die Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum vor dem Januar 2014 keine sicheren Angaben gemacht werden könnten (
Urk.
11/228 S. 46). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass
Dr.
D._
davon ausging, die Be
schwerdeführerin sei aus orthopädischer Sicht seit jeher 100 % arbeitsfähig.
D
ie behandelnde Psychiaterin
schilderte
in ihrem Schreiben vom
2. Dezember 2013
überdies
, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit habe sich bei der Be
schwerdeführerin im Laufe des zweiten Halbjahres schleichend verschlechtert (Urk. 11/204
S. 4).
Vor diesem Hintergrund
erscheint es gerechtfertigt
, für den Zeitraum vor dem Januar 2014 ebenfalls von einer mindestens 75%igen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen
; jedenfalls ist eine höhere
Arbeitsunfähigkeit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad ausgewiesen
.
5.
5.1
Es stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin als teilerwerbstätige Per
son, welche daneben im Aufgabenbereich Haushalt tätig ist, zu qualifizieren ist. Sie ist Mutter dreier in den Jahren 1999, 2002 und 2004 geborener Kin
der (Urk. 11/7 S.
2)
.
Dem Schlussbericht der beruflichen Abklärung im
F._
vom 20. Mai 2009 ist zu entnehmen, dass sie sich damals neben der Kinderbetreuung maximal eine Arbeitstätigkeit an zwei Vormittagen in der Woche vorstellen konnte (Urk. 11/80 S.
5). Gegenüber einem Mitarbeiter der IV-Stelle gab sie am 1. Februar 2010 an, sie sei zurzeit nicht in der Lage eine Stelle anzutreten, weil die Kinder ihre volle Aufmerksamkeit benötigen
würden; die Schulbehörden hätten ihr klar gemacht, dass sie ihre Kinder sehr eng be
gl
eiten müsse, ansonsten
würden
jugendamtliche
Massnahmen
vollzogen (Urk. 11/113 S.
6). Aus dem Verlaufsprotokoll
der
Eingliederungs
beratung
vom 3
0.
August 2011 geht hervor, dass sich die Situation mit den Kindern beruhigte, sodass die Beschwerdeführerin der Ansicht war, sich auf die berufliche Zukunft konzentrieren zu können (Urk. 11/142 S.
1). In der Folge war sie im Rahmen eines Arbeitstrainings zu 50
%
arbeitstätig (
Urk.
11/143).
Am 9. Januar 2013 berichtete die behandelnde Ärztin, die Beschwerdeführerin habe einen in Aussicht gestellten Volleinsatz ablehnen müssen, weil sich die Situation ihres zweiten Sohnes verschlechtert habe. Aus dem gleichen Grund habe sie auch den PC-Kurs abbrechen müssen (
Urk.
11/191 S. 5).
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch ohne gesundheitliche Einschränkung nicht zu 100
%
arbeitstätig wäre. Die Frage, zu welchem Teil sie im Aufgabenbereich tätig wäre, kann vorlie
gend indessen offen gelassen werden.
Wie nachfolgend dargelegt, bestünde s
elbst unter der Annahme einer 100%igen Erwerbstätigkeit im
Gesundheits
fall
kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung.
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensver
gleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zum
utbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.
3
Für die Bemessung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was die ver
si
cherte Person im relevanten Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich erzielen würde. Die Ermittlung des
Valideneinkommens
muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden erfahrungsgemäss fort
gesetzt worden wäre, ist in der Regel vom letzten Einkommen auszugehen, das vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erzielt wurde (SVR 2008 IV Nr. 35 S. 118 E. 3.3.3).
Die Beschwerdeführerin war bei Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchti
gung nicht arbeitstätig. Aus den Unterlagen
geht
hervor, dass sie
über ein
eidgenössische
s
Fähigkeitszeugnis
als
Coiffeuse
verfügt
(
Urk.
11/1). Im Rahmen der beruflichen Abklärung im
F._
gab sie an,
Coiffeuse
sei ihr absoluter Traumberuf. Leider bleibe ihr diese Tätigkeit aber wegen ihres Rückenleidens verwehrt (
Urk.
11/83 S. 4). Diese Aussage zeigt, dass die Be
schwerdeführerin ohne gesundheitliche Einschränkung ihrem
er
lernten Beruf
nachgehen würde.
Für die Bestimmung des
Valideneinkommens
ist daher von
einer Tätigkeit als
Coiffeuse
auszugehen.
Für das schweizerische
Coiffeur
gewerbe
besteht ein Gesamtarbeitsvertrag. Gemäss Bundesratsbeschluss
vom 30.
August 2013 über die
Allgemeinverbindlicherklärung
desselben betrug der
monatliche
Basislohn f
ür eine gelernte Arbeitnehmerin ab dem
1.
September 2014
Fr.
3‘700.-, womit – unter grosszügige
r
Annahme der
Auszahlung
eines 13. Monatslohns
–
für ein volles Pensum
von einem Jahreseinkommen von
Fr.
48‘100.- (13 x Fr. 3‘700.-) auszugehen ist.
Damit ist dem Einkommensvergleich ein
Valideneinkommen
in dieser Höhe
zugrun
dezulegen
.
5.
4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruk
turerhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abge
stellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksich
tigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug ent
wickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskatego
rie
sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unter
durchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge
samthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitverant
wortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten
Leidens
abzuges
nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E.
5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merk
mal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berück
sichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser angemessen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr.
31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist vorliegend ein statistischer Tabellenlohn heranzuziehen.
Angesichts
dessen, dass die Beschwerdeführerin ihren
er
lernten Beruf nicht mehr ausüben kann, ist
auf den Lohn für
Hilfs
,
arbeiten
(Zentralwert),
Kompetenzniveau 1
, abzustellen und somit von einem
standardisierten monatlichen Einkommen von Fr. 4‘112.- auszugehen (LSE
201
2
, S.
35
, Tabelle TA1, TOTAL,
Kompetenzniveau 1). Auf
gerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche
Arbeitszeit von 41,7 Stun
den pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen, A-S)
und angepasst an die Entwicklung
der Nominal
löhne
für weibliche Arbeitskräfte von 2‘630 Punkten im Jahr 2012 auf 2‘673 Punkten im Jahr 2014
(vgl. die auf der Website des Bundesamtes für Statistik [www.bfs.admin.ch] unter „Statistiken finden“ unter der Rubrik „03 – Arbeit und Erwerb“ und der Un
terrubrik „Löhne, Erwerbseinkom
men und
Arbeits
kosten
“ publizierten Lohnentwicklungsdaten)
ergibt dies bei einem Beschäfti
gungsgrad von 75 %, welcher der Beschwerdeführerin nach der gutachter
lichen Beurteilung zumutbar ist, ein Bruttoeinkommen von
rund
Fr.
39‘212.
- (Fr.
4‘112.- / 40 x 41,7 x 12 /
2
630
x 2
673
x
0,75
).
Angesichts der nur noch beschränkten Einsatzfähigkeit de
r
Beschwerdeführe
r
in
aufgrund
ihrer
somatischen Beschwerden
rechtfertigt sich ein Abzug vom errechneten Jahreseinkommen im Umfang von 10 %. Weitere persönliche oder berufliche Merkmale, welche sich auf die Lohnhöhe im
Kompetenzni
veau
1
auswirken könnten,
sind entgegen der Ansicht der Beschwerdeführe
rin
nicht ersichtlich. Es resultiert ein Invalideneinkommen von
rund
Fr.
35‘291
.-
(Fr.
39‘212
.
- x 0.9).
5.
5
Eine Gegenüberstellung des
Valideneinkommens
von
Fr.
48‘100.- mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
35‘291.- zeigt eine Erwerbseinbusse von Fr. 12‘809.-, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 27 % entspricht.
5.
6
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom
1
6.
Februar 2016 im
Ergebnis
nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
700.- festzulegen und
ausgangsge
mäss
von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).