Decision ID: 0604d80b-ba18-5e28-860e-a772688acf0b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ litt in der Kindheit an einer angeborenen Epilepsie (Geburtsgebrechen
Nr. 387 bzw. zunächst Geburtsgebrechen alt-Nr. 388). Die Invalidenversicherung
erbrachte seit 2. Januar 1981 die zu deren Behandlung erforderlichen medizinischen
Massnahmen bis 30. April 1999 (IV-act. 2 ff.; insbesondere IV-act. 22).
A.a.
Am 13. Februar 2017 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 31). Der behandelnde Dr. med. B._,
Facharzt für Innere Medizin, gab im ärztlichen Bericht zur Eingliederung vom 16. März
2017 an, die Versicherte leide an einem Mischödem der Unterschenkel und Füsse
sowie an einem Status nach tiefer Beinvenenthrombose rechts bei einem Status nach
undislozierter distaler Fibulafraktur rechts am 16. Oktober 2015. Ihren Beruf als
Coiffeuse könne sie ca. 3 bis 4 Stunden pro Tag ausüben (IV-act. 57; siehe auch den
Bericht von Dr. B._ vom 13. Juli 2017, worin er die Ausübung der bisherigen
Tätigkeiten [Coiffeuse und Raumpflegerin] während täglich 4 1⁄2 Stunden für zumutbar
hielt, IV-act. 70).
A.b.
Im «Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt»
führte die Versicherte am 10. Juli 2017 aus, sie würde im Gesundheitsfall mit einem
100%igen Pensum einer (selbstständigen) Erwerbstätigkeit als Coiffeuse nachgehen
(IV-act. 72). Am 13. September 2017 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt
der Versicherten durch. Die Abklärungsperson hielt im Bericht vom 12. Oktober 2017
fest, gemäss Betätigungsvergleich bestehe eine 55%ige Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Coiffeuse. Es könne nachvollzogen werden, dass die
Versicherte aktuell ein 100%iges Erwerbspensum ausüben würde (IV-act. 81).
A.c.
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Die behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete am 26. Oktober 2017, die Versicherte befinde sich in einem psycho-
physischen Erschöpfungszustand, sei sehr wenig belastbar und habe eine sehr
niedrige Stresstoleranz. Sie habe eine akzentuierte altruistische Persönlichkeit und
könne nicht «nein» sagen. Aus psychiatrischer Sicht bescheinigte sie der Versicherten
für die Tätigkeit als Coiffeuse eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. An einem anderen
Arbeitsplatz, wo die Versicherte keine grossen körperlichen Belastungen haben würde,
würde sie von der psychischen Seite überfordert und wahrscheinlich schnell psychisch
dekompensieren (IV-act. 85; siehe auch den Bericht von Dr. C._ vom 18. Januar
2018 [Datum Posteingang IV-Stelle], IV-act. 162).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 10., 11., 12. September und am
3. Oktober 2018 polydisziplinär (psychiatrisch, allgemeininternistisch, orthopädisch,
neurologisch und angiologisch) im ZMB Zentrum für Medizinische Begutachtung
untersucht. Im Gutachten vom 6. November 2018 diagnostizierten die ZMB-
Sachverständigen als Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine chronisch-
venöse Insuffizienz, Stadium I nach Widmer beidseits; ein Lymphödem am rechten
Vorfuss; ein Lipödem beidseits und eine Dysthymia (ICD-10: F34.1). Aus
allgemeininternistischer, orthopädischer und neurologischer Sicht wurde der
Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Der psychiatrische und der
angiologische Gutachter - dieser allerdings nur bezogen auf die angestammte Tätigkeit
als Coiffeuse - bescheinigten der Versicherten je eine 10%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus
gesamtmedizinischer Sicht wurde eine Arbeitsunfähigkeit bzw. eine
Rendementverminderung von 20 % bezogen auf die angestammte Tätigkeit
bescheinigt. Für leidensangepasste Tätigkeiten wurde ausschliesslich aus
psychiatrischer Sicht eine 10%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 212,
insbesondere IV-act. 212-10 und IV-act. 212-16 f.).
A.e.
Der RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Chirurgie, vertrat in der Stellungnahme
vom 9. November 2018 die Auffassung, die gutachterliche Beurteilung erfülle die
versicherungsmedizinischen Anforderungen. Allerdings begründe eine Dysthymia aus
versicherungsmedizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 214). Am 24. Januar 2019 äusserte sich die Versicherte zur gutachterlichen
Beurteilung, die sie aus verschiedenen Gründen nicht für beweiskräftig hielt (IV-
A.f.
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act. 222). Auf Ersuchen der IV-Stelle vom 29. Januar 2019 (IV-act. 224) nahmen der
angiologische und psychiatrische ZMB-Gutachter am 1. März 2019 ergänzende
Ausführungen zu ihrer Einschätzung vor, an der sie festhielten (IV-act. 229). Am
24. April 2019 nahm der psychiatrische ZMB-Gutachter zudem Stellung (IV-act. 234)
zum von der Versicherten am 25. Februar 2019 eingereichten Bericht von Dr. C._
vom 6. Februar 2019 (IV-act. 226 f.).
Auf Anfrage der IV-Stelle vom 20. März 2019 (IV-act. 237) begründete Dr. B._
die von ihm zuhanden der Versicherten bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
dem 1. Februar 2019 mit der Persistenz der teils invalidisierenden Schmerzen und Par
aesthesien an den unteren Extremitäten infolge ihres ausgeprägten Mischödems der
unteren Extremitäten, das weiterhin bestehe (Stellungnahme vom 2. Mai 2019, IV-
act. 238). Der RAD-Arzt Dr. D._ führte hierzu aus, nachdem Dr. B._ keinerlei neue
relevante medizinische Erkenntnisse vorbringe, seien die gutachterlichen
Einschätzungen wesentlich überzeugender. Ergänzende medizinische Abklärungen
seien nicht angezeigt (IV-act. 239).
A.g.
Die IV-Stelle ermittelte einen 6%igen Invaliditätsgrad und stellte der Versicherten
mit Vorbescheid vom 23. Mai 2019 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 242). Dagegen erhob die Versicherte am 24. Juni 2019 Einwand und beantragte die
Ausrichtung einer Rente basierend auf einem 100%igen Invaliditätsgrad (IV-act. 246).
Mit dem Einwand reichte sie eine undatierte Stellungnahme von Dr. B._ (IV-
act. 246-7 f.), ein Kostengutsprachegesuch für eine apparative Kompressionstherapie
bei Lymph- bzw. Lipödem bds. «mit drohender Invalidisierung» von Dr. med. E._,
Facharzt für Chirurgie, speziell Gefässchirurgie, sowie für Phlebologie, vom
25. September 2018 (IV-act. 246-9) und eine Stellungnahme zum Gutachten von
Dr. C._ vom 12. Dezember 2018 (IV-act. 246-10 f.) ein. Der psychiatrische ZMB-
Gutachter, der angiologische ZMB-Gutachter und die neurologische ZMB-Gutachterin
nahmen am 10. September 2019 Stellung zum Einwand und den damit eingereichten
medizinischen Beilagen. Sie hielten an ihrer ursprünglichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
fest (IV-act. 251). Am 13. September 2019 würdigte der RAD-Arzt Dr. D._ die
gutachterliche Stellungnahme vom 10. September 2019 und gelangte zur Auffassung,
dass es bei der bisherigen gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung bleibe (IV-
A.h.
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B.

Considerations:
Erwägungen
1.
act. 253). Die IV-Stelle verfügte am 25. September 2019 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 254).
Gegen die Verfügung vom 25. September 2019 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 28. Oktober 2019. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren
Aufhebung und die Zusprache einer Rente basierend auf einem 100%igen
Invaliditätsgrad; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, dass die gutachterliche Beurteilung nicht beweiskräftig sei. Des
Weiteren rügt sie die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ermittlung des
Invalideneinkommens (act. G 1). Die Beschwerdeführerin reicht mit der ergänzenden
Eingabe vom 25. Februar 2020 weitere Berichte der behandelnden medizinischen
Fachpersonen ein (Bericht von Dr. B._ vom 6. Februar 2020, act. G 7.1, und von
Dr. C._ vom 6. Februar 2019, act. G 7.2; siehe hierzu auch IV-act. 227) und hält eine
Oberbegutachtung für erforderlich (act. G 7).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. April 2020
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass die
Sachverständigen des ZMB die Beschwerdeführerin umfassend polydisziplinär
untersucht hätten und die gutachterliche Beurteilung in jeder Hinsicht nachvollziehbar
sei. Das Invalideneinkommen sei im Rahmen einer Parallelisierung festgesetzt worden
(act. G 10).
B.b.
Nachdem die Beschwerdeführerin die mehrmals erstreckte Frist für eine Replik
unbenützt liess, erklärt das Versicherungsgericht den Schriftenwechsel am
18. September 2020 für abgeschlossen (act. G 19). Gleichentags geht beim
Versicherungsgericht ein Schreiben der Beschwerdeführerin ein, worin sie ausführt,
dass die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 9. April 2020 nichts
substantiell Neues vorgebracht habe, weshalb sich Weiterungen erübrigen würden (act.
G 20).
B.c.
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Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 Satz 1 IVG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
1.4.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob das ZMB-
Gutachten vom 6. November 2018 eine für die Ermittlung der Invalidität der
Beschwerdeführerin beweiskräftige Arbeitsfähigkeitsschätzung enthält. Diese hält die
gutachterliche Einschätzung aus verschiedenen Gründen für mangelhaft (siehe etwa
act. G 1, Rz 28).
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
Die Beschwerdeführerin rügt, dass im Rahmen der gutachterlichen Abklärung des
Lymphödems auf eine Volumenmessung verzichtet worden sei (act. G 1, Rz 15 und
Rz 20, und act. G 7, Rz 7). Zudem hätten die Sachverständigen des ZMB zu wenig
gewürdigt, dass das Lymphödem irreversibel sei und es im Tagesverlauf auch durch
Kompressionsstrümpfe nicht mehr beeinflusst werden könne. Gerade diese
Irreversibilität führe zu den invalidisierenden Schmerz- und Druckleiden, verhindere das
lange Stehen als Coiffeuse und im Haushalt (act. G 1, Rz 16 und Rz 23, und act. G 7,
Rz 5, Rz 8 und Rz 9).
2.1.
Aus dem angiologischen Teilgutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin
nicht bloss Gelegenheit erhielt, sich zu ihrem Beinleiden und Schwellungszuständen zu
äussern, sondern der angiologische Experte hierzu eine vertiefende Befragung
durchführte (IV-act. 212-57 f.). Seine Einschätzung beruht ausserdem auf einer
umfassenden klinischen Untersuchung (IV-act. 212-58 f.), die am späten Nachmittag
bzw. frühen Abend stattfand («von 17 bis 18 Uhr», IV-act. 212-57 oben).
2.1.1.
Die Kritik der Beschwerdeführerin und von Dr. B._ bezieht sich hauptsächlich
auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf die primär stehend zu
verrichtende Tätigkeit als Coiffeuse. Sowohl aus der gutachterlichen Beurteilung (IV-
act. 212-61) als auch aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin (siehe hierzu etwa
act. G 1, Rz 16 und Rz 23; siehe auch die Leidensangaben im Bericht von Dr. B._
vom 22. Februar 2018, IV-act. 166-2 Mitte) und von Dr. B._ (Stellungnahme vom
6. Februar 2020, act. G 7.1, S. 3) geht nachvollziehbar hervor, dass vor allem das
2.1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/11
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dauernde Stehen, wie es etwa mit der Tätigkeit als Coiffeuse verbunden ist, zu
schmerzhaften Schwellungszuständen in den Beinen und einer Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht führt. Damit decken sich die Wahrnehmungen
von Dr. C._ (siehe deren Ausführungen zu den belastungsabhängigen schmerzhaften
Schwellungen in den Beinen vom 6. Februar 2019, act. IV-act. 227). Angesichts des
ausgewiesenen belastungsabhängigen Charakters des Beinleidens leuchtet die
gutachterliche Schlussfolgerung ein, dass in einer leidensangepassten Tätigkeit (mit
der Möglichkeit intermittierenden Beinhochlagerung und Möglichkeit zur Bewegung)
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus angiologischer Sicht nicht
eingeschränkt ist (IV-act. 212-62). Für die Bemessung der Invalidität (Art. 7 i.V.m. Art. 8
Abs. 1 ATSG) nicht entscheidend ist hingegen die Arbeitsfähigkeit für die
angestammte, nicht leidensangepasste Tätigkeit als Coiffeuse. Die von Dr. B._
ausschliesslich zur Dokumentation der Zunahme des vorbestehenden Mischödems
unter den konkreten Arbeitsbedingungen als Coiffeuse geforderte Volumetrie (act.
G 7.1, S. 2 Mitte) vermag deshalb von vorneherein keine Erkenntnisse bezüglich der
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten zu liefern. Folglich vermag das
Fehlen einer Volumetrie keinen Mangel an der gutachterlichen Beurteilung - jedenfalls
bezogen auf die entscheidrelevante Frage nach der Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten - zu begründen. Ergänzend kann auf die plausiblen
Ausführungen des angiologischen Gutachters zur Dokumentation von Schwellungs
zuständen verwiesen werden (Stellungnahmen vom 1. März 2019, IV-act. 229-2 f., und
vom 10. September 2019, IV-act. 251-4 Mitte).
Ausserdem bringt die Beschwerdeführerin gegen die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vor, die behandelnden medizinischen Fachpersonen seien
von deutlich tieferen Arbeitspensen ausgegangen (act. G 1, Rz 18 und Rz 22, und act.
G 7, Rz 3, Rz 6 und Rz 11 f.).
2.2.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) - wie das vorliegende ZMB-Gutachten (siehe hierzu nachstehende
E. 2.4) - nicht in Frage gestellt werden kann und nicht Anlass zu weiteren Abklärungen
besteht, wenn und sobald die behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu
einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv
feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, welche im Rahmen der
Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen
2.2.1.
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Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E.
4.3 mit Hinweisen).
Was die Kritik des langjährig behandelnden Dr. B._, der zugleich Ehegatte
einer ehemaligen Chefin der Beschwerdeführerin ist (IV-act. 212-77 unten), anbelangt,
so beschlägt diese vor allem die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
bezogen auf die nicht leidensangepasste Tätigkeit als Coiffeuse (siehe hierzu auch
vorstehende E. 2.1.2). Die von ihm bescheinigte Arbeitsunfähigkeit begründete er denn
auch mit dem belastungsabhängigen Beinleiden (siehe etwa die Stellungnahme vom
2. Mai 2019, IV-act. 238; vgl. auch die Stellungnahme vom 6. Februar 2020, act. G 7.1,
insbesondere S. 2 Mitte, wo er sich zur belastungsabhängigen Zunahme des
Lymphödems und den dadurch verursachten Schmerzen äussert). Es fehlt von ihm
jedoch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten. Soweit er hierzu überhaupt Stellung nahm, beschränkte sich seine
Schätzung auf die nicht näher begründete Angabe, dass der Beschwerdeführerin eine
leidensangepasste Tätigkeit «3-4 Stunden täglich» möglich sei (Bericht vom
22. Februar 2018, IV-act. 166-4). Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist nicht
ansatzweise begründet und steht im klaren Widerspruch zur von Dr. B._ damals für
die angestammte, nicht leidensangepasste Tätigkeit als Coiffeuse («aktuelle AUF
beträgt 40%», IV-act. 166-5) höher eingeschätzte 60%ige Restarbeitsfähigkeit. Auch in
den übrigen Stellungnahmen nahm Dr. B._ keine nachvollziehbar begründete
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten vor. Er
benannte auch keine für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten objektiv wesentlichen Gesichtspunkte, welche die ZMB-Gutachter und -
Gutachterin ausser Acht gelassen haben. Im Übrigen hat sich der angiologische ZMB-
Gutachter eingehend und plausibel mit der Kritik von Dr. B._ auseinandergesetzt (IV-
act. 251-3 ff.). Darauf wird verwiesen.
2.2.2.
Weder aus der von Dr. C._ verfassten Stellungnahme vom 6. Februar 2019
(act. G 7.2 bzw. IV-act. 227) noch derjenigen vom 18. Januar 2018 (Datum Posteingang
bei der Beschwerdegegnerin; IV-act. 162) ergeben sich objektiv wesentliche
Gesichtspunkte, welche der psychiatrische ZMB-Gutachter bei seiner Einschätzung
unberücksichtigt liess. Im Gegensatz zur gutachterlichen Beurteilung, die sowohl
schlüssige Ausführungen zur (In-)Konsistenz der Beschwerden (IV-act. 212-16 oben
und IV-act. 212-90: Diskrepanz zwischen geltend gemachter Leistungsinsuffizienz und
Aktivitätenlage) als auch zu den aus den Alltagsaktivitäten hervorgehenden erheblichen
Ressourcen der Beschwerdeführerin beinhaltet (siehe etwa IV-act. 212-80), gründet die
2.2.3.
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3.
Auf der Grundlage der für leidensangepasste Tätigkeiten gutachterlich bescheinigten
90%igen Arbeitsfähigkeit kann die konkrete Ermittlung der Vergleichseinkommen,
insbesondere auch die Höhe eines allfälligen Tabellenlohnabzugs, offenbleiben. Denn
selbst wenn zugunsten der Beschwerdeführerin, aus deren Erwerbsbiografie keine
Hinweise auf ein über dem vom Bundesamt für Statistik ermittelten Medianlohn für
Hilfsarbeiterinnen (siehe hierzu: vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe
der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019) liegendes Valideneinkommen
hervorgehen (vgl. IV-act. 55 und IV-act. 240), ein Prozentvergleich vorgenommen
würde, resultierte bei einem nach der Rechtsprechung insgesamt höchstens zulässigen
25%igen Tabellenlohnabzug (BGE 126 V 75) kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._ nicht auf einer erkennbaren Konsistenz- und
Ressourcenprüfung.
Als weiteren Mangel macht die Beschwerdeführerin geltend, ihr psychisches
Leiden sei unterschätzt worden. Insbesondere seien belastende Erlebnisse in der
Vergangenheit (wie etwa der frühe Tod des Vaters) vom psychiatrischen ZMB-
Gutachter nicht ausreichend gewürdigt worden (act. G 1, Rz 21 f. und Rz 23, und act.
G 7, Rz 15). Diese Kritik erweist sich als aktenwidrig (siehe die vom psychiatrischen
Gutachter im Rahmen der umfassenden vertiefenden Befragung erhobenen Antworten
der Beschwerdeführerin in IV-act. 212-75 ff., die er bei der versicherungsmedizinischen
Würdigung berücksichtigte, IV-act. 212-83 f.), womit sich unter zusätzlichem Verweis
auf die gutachterlichen Ausführungen vom 10. September 2019 (IV-act. 251-2)
Weiterungen erübrigen.
2.3.
Bei der Würdigung der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten fällt des Weiteren ins Gewicht, dass sie auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Leiden wurden umfassend sowie interdisziplinär
berücksichtigt und namentlich im Rahmen einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung
gewürdigt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Ein weiterer Abklärungsbedarf besteht folglich nicht,
weshalb der Antrag der Beschwerdeführerin (act. G 7, Rz 16) um eine
Oberbegutachtung abzuweisen ist.
2.4.
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Der Invaliditätsgrad betrüge bestenfalls aufgerundet bloss 33 % (10 % + [90 %
x 25 %]).
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr
daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.