Decision ID: 9ffd8e0c-0ede-409e-ab04-7c6d0757bfef
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
D
er 1955 geborene
X._
erlernte keinen Beruf und liess sich 1987 in der Schweiz nieder. Vom 1
5.
August 1988 bis am 3
1.
Oktober 2003 war er als Maschinenführer bei der
Y._
AG angestellt. A
m 28. Oktober 2003
meldete er sich unter Hinweis auf
eine
Diskopathie
L4/5 und L5/S1 sowie einen eingeeng
ten
Recessus
lateralis
links
bei der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an
(
Urk. 7/1
, Urk. 7/9
)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische sowie berufliche Abklärungen und verneinte den Anspruch des Versicherten
auf Leistungen der Invalidenversi
cherung mit
Verfügung
vom 20. September 2005
(Urk. 7/29) sowie
Einsprache
entscheid
vom 22. Februar 2006 (Urk. 7/46
). Dieser Entscheid blieb unange
fochten.
1.2
A
m 23. Januar 2008
meldete sich der Versicherte unter
Hinweis auf eine Ver
schl
echterung seines Gesundheitszustand
s erneut
zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung
an (Urk. 7/54).
Nach getätigten Abklärungen und durch
geführtem
Vorbescheidverfahren (Urk. 7/
75 ff.
)
wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren
mit Verfügung vom 9. Juli 2009
ab
(Urk.
7/85). Die dagegen am
2
6.
August 2009
erhobene Beschwerde (Urk. 7/87/3-4) wies das hiesige Gericht mit Urteil IV.2009.00816 vom 2
8.
Februar 2011 ab (Urk. 7/90).
1.3
Mit Schreiben vom 2
6.
Februar 2015
(Urk. 7/96)
meldete sich der Versicherte unter Beilage des medizinischen Berichts von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom
1
6.
Februar 2015 (Urk. 7/95/1-2) sowie des Arbeitsunfähigkeitszeugnisses vom 2
9.
Januar 2015 (Urk. 7/
95/3) wieder zum Bezug einer Invalidenrente an. Die IV-Stelle holte die Stellungnahme ihres
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 1
0.
und 1
2.
März 2015 ein (Urk. 7/98/3) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
6.
März 2015 die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/99). Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm die IV-Stelle die Berichte von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, vom
1.
April 2015 (Urk. 7/
100) sowie vom 29.
März 2007 (Urk. 7/101) zu den Akten
und holte die RAD-Stellungnahme vom 2
7.
Juli 2015 ein (Urk. 7/104).
Am 2
9.
Juli 2015 verfügte sie im angekün
digten Sinne (Urk. 7/105 = Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am
9.
September 2015 Beschwerde und beantragte, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
es sei
die Sache zu ergänzen
den
Abklärungen und zum Neuentscheid über die Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte der anwaltlich vertretene Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
3.
Oktober 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Eingabe vom 2
7.
Oktober 2015 zog der Beschwerdeführer sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurück (Urk. 9). In seiner Replik vom 1
8.
Januar 2016 modifizierte er
s
eine Anträge dahingehend, dass er nun einzig beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zu ergänzenden Abklärungen und zum Neuentscheid über die Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 2
8.
Januar 2016 auf das Einreichen einer Duplik, was dem Beschwerdeführer am
1.
Februar 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden
Schmerz
problematik
zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diag
nostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014
,
E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014
,
E. 5.1.2).
Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Stö
rung nicht schlechthin auszuschliessen, indes bedingt deren Annahme, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bun
desgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014
,
E. 4.2 mit Hinweisen).
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss.
Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweis
l
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind
.
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
es sei weiterhin kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Der eingereichte psychiatrische Arztbericht weise auf viele psychosoziale Faktoren hin, welche
invalidenversicherungs
rechtlich
nicht zu berücksichtigen seien. Typische Symptome einer Depression fänden im Bericht keine Darstellung. Im Weiteren finde sich keine genaue oder neue Befundschilderung. Bezüglich der Kopfschmerzen führte die Beschwerde
gegnerin aus,
Dr.
A._
habe ausdrücklich mitgeteilt, dass neurologisch-soma
tisch kein pathologischer Befund zu erheben gewesen sei und
sowohl das MRI des Kopfes als auch
das EEG und der klinische Befund una
u
ffällig gewesen seien. Über täglich auftretende Kopfschmerzen habe der Beschwerdeführer bereits in der Anamnese des Gutachtens vom 2
5.
Januar 2009 geklagt. Die nun geklagten Kopfschmerzen bestünden bereits seit mindestens 2008
, weshalb keine Verschlechterung des Gesundheitsschadens ausgewiesen sei
(Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde
insbesondere
vor, sein
psy
chischer
Gesundheitszustand habe sich
derart
verschlechtert
, dass ihm keine Arbeitstätigkeit mehr zugemutet werden könne
(Urk. 1
). In seiner
Replik
vom
18. Januar 2016
wies er darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neu
anmeldung eingetreten sei
und somit den Anforderungen gemäss Art. 43
Abs.
1 ATSG zu genügen gehabt habe
. In somatischer wie auch in neurologischer Hin
sicht könne gestützt auf die Aktenlage tatsächlich nicht von einer wesentlichen
Verschlechterung
sein
es Gesundheitszustands ausgegangen werden. Aus psychi
atrischer Sicht leide er aber inzwischen an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem
Syndrom, sowie an einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung
, und er werde unter anderem mit Psychopharmaka behandelt. Die depressive Störung habe sich also
chronifiziert
.
Die RAD-Stellungnahme, wonach eine rezidivierende depressive Störung sowie eine somatoforme Schmerzstörung nicht in jedem Fall invalidi
sierend seien, schliesse nicht mit rechtsgenügender Wahrscheinlichkeit aus, dass ein entsprechendes psychisches Zustandsbild eben doch eine Invalidisierung bewirken könne. Zusammenfassend habe die Beschwerdegegnerin ihre
Abklä
rungspflicht
verletzt
(Urk.
14 S. 4-
6
).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010
,
E. 1 mit Hinweisen)
, mithin die
mit Gerichtsurteil vom
28. Februar 2011 (Urk. 7/90) bestätigte
Verfügung vom
9.
Juli 2009
(Urk.
7/85
).
Diese Verfügung basierte auf folgenden
Entscheidungs
grundlagen
:
Dem Bericht des Psychiatrie
zentrum
s
B._
vom 2
3.
Januar 2008 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit dem 16. Mai 2007 dort in Behandlung stehe. Es liege eine
chronifizierte
Erkrankung vor, aufgrund wel
cher er seit Juli 2003 vollständig arbeitsunfähig sei. Sein Gesundheitszustand ver
schlechtere sich tendenziell zunehmend (Urk. 7/54).
In ihrem Bericht vom 31. Januar respektive 14. Februar 2008 nannten die Ärzte des
Zentrums B._
als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), bestehend seit
(mindestens)
Mai 200
7.
Ab diesem Zeitpunkt attestierten sie dem Beschwerdeführer
als Maschinenführer eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/56/7-8).
Ausserdem diagnostizierten
die Ärzte des
Zentrums B._
eine an
haltende somatoform
e Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), massen dieser jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 7/56/8).
In ihrer Stellungnahme vom 12. Mai 2009 sprachen die Ärzte des
Zentrums B._
nebst der Schmerzstörung
lediglich noch von einer
leichtgradigen
depressiven Symp
tomatik gemäss ICD-10 F32.0 (Urk. 7/82/1).
Der Hausarzt
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeinmedizin,
attestierte dem Beschwerdeführer
in sei
nem undatierten, bei der Beschwerde
gegnerin am 20. März 2008 eingegangenen Bericht infolge des Rückenleidens eine seit dem 6. März 200
3
und bis auf Wei
teres vorliegende vollständige
respektive eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tä
tigkeit
. In einer leidensangepassten Tätigkeit sei er zu 100 % arbeitsfähig
(Urk. 7/6
3
/2
, Urk. 7/63/6
).
Neu führte
Dr.
C._
Spannungskopfschmerzen an,
beurteilte
diese aber
als
für die Arbeitsfähigkeit
nicht
einschränkend
(Urk. 7/
63/2
)
.
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erhob in seinem Gutachten
vom 25. Januar 2009 keine psychischen Befunde
und stellte dementsprechend keine Diagnose
(Urk. 7/72/10
-
11)
. Er schätzte
den Beschwer
deführer sowohl in der bisherigen als auch
in einer leidens
angepasst
en
Tätigkeit
f
ür vollständig arbeitsfähig ein (Urk. 7/72/14).
Dr.
D._
berücksichtigte die
vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (Urk. 7/72/5) wie Dauerschmerz im Rückenbereich, teils im linken Arm und lin
ken Bein, Schlafstörungen, Ver
gesslichkeit und schlechte Konzentrationsfähig
keit
, verneinte aber
aufgrund der verschiedenen Testergebnisse (Urk. 7/72/6-8) die vom
Zentrum B._
gestellten Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom und einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (Urk
. 7/56/7-8) ausdrücklich
, weil
er
einerseits während der gesamten Un
tersuchung keine Hinweise auf eine andauernde und schwere Beeinträchtigung durch Schmerzen erkannt
habe und zudem
kein für das Vorliegen einer depressi
ven Episode massgebendes Krite
rium
erfüllt
gewesen sei
(Urk. 7/72/9-12, Urk. 7/72/16).
Dem
psychiatrische
n
Gutachten des Dr.
D._
wurde voller Be
weiswert
zugemessen und es wurde darauf abgestellt (Urk. 7/90/6).
3.2
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung präsentierte sich die Aktenlage wie folgt:
Dr.
Z._
gab in seinem Bericht vom 1
6.
Februar 2015 an,
das Zustandsbild des seit nunmehr über zehn Jahre arbeitsunfähigen Beschwerdeführers habe trotz Psy
chotherapie und entsprechender Medikation nicht verbessert werden können. Im Gegenteil sei eine langsame, aber ste
t
ige Verschlechterung zu beobachten. Der Beschwerdeführer leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwär
tig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F
33.11)
,
sowie an einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10: F54.4) und werde mit
den Medikamenten
Lyrica
,
Cipralex
,
Seroquel
, Co-
Dafalgan
und
Stilnox
behan
del
t
. Er weise eine erhöhte Reizbarkeit und eine verminderte Frustrationstoleranz auf, neige zu inadäquaten Wutausbrüchen, sitze zumeist den ganzen Tag herum, habe im Gegensatz zu früher praktisch keine sozialen Kontakte mehr ausserhalb
der Familie und sei mindestens latent suizidal. In absehbarer Zeit könne kaum mit einer Besserung des Zustandsbildes oder mit der Wiedererlangung einer auch noch so geringen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden, weshalb er versucht habe, den Beschwerdeführer zur Wiederanmeldung bei der Invalidenversicherung zu motivieren
(Urk. 7/
95/1
-2
).
Aus d
em ärztlichen Zeugnis vom 2
9.
Januar 2015
ergibt sich zudem
, dass d
er Beschwerdeführer seit dem 3.
April 2014 bei
Dr.
Z._
in Behandlung stehe und von da an bleibend vollumfänglich arbeitsunfähig sei
(Urk. 7/
95/3).
RAD-Arzt
Dr.
med.
E._
,
Facharzt
für Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 1
0.
März 2015 fest, im Bericht von
Dr.
Z._
finde sich keine genaue oder neue Befundschilderung, sodass weiterhin vom Gutachten von Dr.
D._
ausgegangen werden könne, wonach keine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung
und keine Depression vorlägen
.
Dr.
Z._
habe keine typischen Symptome einer Depression dargestellt, sondern vielmehr über psychosoziale Faktoren wie Arbeitslosigkeit und fehlende Integration berichtet. Zudem würden eine rezidivierende depressive Störung sowie eine
somatoforme Schmerzstörung
nicht in jedem Fall einen Gesundheitsschaden verursachen, der dauerhaft zu einer Verringerung der Arbeitsfähigkeit führe. Im Vergleich zum Jahr 2009 sei keine Veränderung des Gesundheitszustands ausgewiesen
(Urk. 7/
98/3).
RAD-Arzt med.
pract
.
F._
,
Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
stimmte Dr.
E._
am 1
2.
März 2015 zu.
Er fügte an, d
ie innerfamiliären Konflikte seien invaliditätsfremd und insgesamt liege keine wesentliche Veränderung vor im Vergleich zum Jahr 2009
(Urk. 7/
98/3).
Dr.
A._
wies in seinem Bericht vom
1.
April 2015 darauf hin, dass der Beschwer
deführer nicht nur an psychischen Beschwerden und
Rückenbeschwer
den
leide, sondern auch an
chronifizierten
Kopfschmerzen. Diese seien nicht gebührend berücksichtigt worden von der Invalidenversicherung. Sie träten monatlich an 10 bis 15 Tagen auf. Es handle sich um einen Schmerz vom Spannungstyp und der Beschwerdeführer erleide immer wieder Migräneanfälle ohne Aura. Die Migränekomponente sei durch die
Topamax
-Therapie ziemlich zurückgegangen. Der Spannungstyp-Schmerz beeinträchtige den Beschwerde
führer aber weiterhin in seinem Alltag und in seinen Aktivitäten. Wegen der Kopfschmerzen könne er sich nicht lange konzentrieren und die Depression werde
durch die Schmerzen
verstärkt. Er sei antriebsarm und Belastbarkeit,
Vital
kraft
sowie
Empfinden von Freude und Lust seien reduziert. Er habe Schuldge
fühle und ein reduziertes Selbstwertgefühl. All dies beeinträchtige ihn in seinen Aktivitäten. Hinzu kämen die Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkungen im Zusammenhang mit dem
Lumbovertebralsyndrom
. Die körperlich-neurologische Untersuchung sei unauffällig
ausgefallen
. Wegen der erwähnten Erkrankungen
sei der Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft höchstens zu 50
%
arbeitsfähig
(Urk. 7/
100).
RAD-Ärztin med.
pract
.
G._
, Fachärztin für orthopädische Chirur
gie und Traumatologie, hielt in ihrer Stellungnahme vom 2
7.
Juli 2015 fest,
dass laut
Dr.
A._
neurologisch-somatisch
weiterhin
kein pathologischer Befund zu erheben gewesen sei und legte dar, dass die geklagten Kopfschmerzen bereits im Vergleichszeitpunkt geklagt worden seien, mithin seit mindestens 2008 bestünden und bei der letztmaligen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigt worden seien
(Urk. 7/
104/2).
4.
4.1
Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein,
wie sie es vor
liegend getan hat (vgl. Urk. 2),
hat sie gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb
lichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
4.2
Unbestritten ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers weder in somatischer noch in neurologischer Hinsicht wesentlich verschlechtert hat (Urk. 14 S. 4
Ziff.
5), was auch mit der Aktenlage
in Einklang steht
.
Bezüglich der psychischen Gesichtspunkte ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht ausreichend nachgekommen ist, bevor sie eine Verschlech
terung verneint hat.
4.3
Dr.
Z._
gab
in seinem Bericht vom 1
6.
Februar 2015 an, es sei eine langsame, aber stetige Verschlechterung des psychischen Zustandsbilds des Beschwerde
führers zu beobachten (Urk. 7/95/1), womit er explizit eine Verschlechterung erwähnte.
Des Weiteren hielt er fest, der Beschwerdeführer pflege im Gegensatz zu früher
ausserhalb der Familie
praktisch keine sozialen Kontakte mehr
(Urk. 7/95/2), was ebenfalls auf eine Veränderung hindeutet. Ferner diagnosti
zierte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Syndrom (ICD-10: F33.11)
,
sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; Urk. 7/95/1).
Im
Vergleichszeit
punkt
wurde auf das psychiatrische Gutachten des
Dr.
D._
vom
2
5.
Januar 2009 abgestellt (Urk. 7/90/6), worin keine psychiatrischen Diagnosen gestellt worden waren (Urk. 7/72/
8
).
Die behandelnden Ärzte des
Zentrums B._
hatten zwar damals ebenfalls eine anhaltende somatoforme Schmerzstö
rung diagnostiziert, jedoch war diese ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/56/8). Die depressive Symptomatik war laut ihrer am 1
2.
Mai 2009 zuletzt vor der den Vergleichszeitpunkt bildenden Verfügung vom
9.
Juli 2009 abgegebenen Beur
teilung nur
leichtgradig
ausgeprägt (Urk. 7/82/1), wohingegen sie nun von
Dr.
Z._
wieder als mittelgradig eingeschätzt wurde (Urk. 7/
95/1). Nach dem
Gesagten sind durchaus
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung aus psy
chiatri
scher Sicht vorhanden.
4.4
Die IV-Stelle
führte zur Begründung der Abweisung des Leistungsbegehrens an, es sei weiterhin kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheits
schaden
ausgewiesen (Urk. 2 S. 1).
Grundsätzlich ist zutreffend, dass durch den Bericht von
Dr.
Z._
noch keine Invalidität ausgewiesen ist, jedoch ist anzumer
ken, dass es Aufgabe der IV-Stelle war, den Sachverhalt so lange abzuklären,
bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa
chen hinreichende Klarheit be
stand
. Das bedeutet, dass der Sachverhalt
g
estützt auf den Untersuchungsgrundsatz soweit zu ermitteln
war
, dass über den
Leis
tungsanspruch
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden
konnte
(Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_393/2014 vom 1
8.
September 2014, E. 3.1.3
; 8C_148/2011 vom
5.
Juli 2011, E. 3.2
)
.
Die Beweisführungslast des Beschwerdeführers ging demgegenüber
vorerst
nur soweit, als dass er eine Verschlechterung glaubhaft zu machen hatte.
Für ihr Verneinen einer Invalidität brachte die IV-Stelle vor,
der Bericht von Dr.
Z._
weise auf viele psychosoziale Faktoren hin, typische Symptome einer Depression fänden
im Bericht keine Darstellung und eine genaue oder neue Befundschilderung fehle (Urk. 2 S. 1). Dabei stützte sich die IV-Stelle auf die RAD-Stellungnahmen vom 1
0.
und 1
2.
März 2015 (Urk. 7/98/3). War die IV
Stelle einmal auf die Neuanmeldung eingetreten, wäre es ihre Aufgabe gewesen, die genauen Befunde zu erfragen oder erheben zu lassen. Anhand des Berichts von
Dr.
Z._
lässt sich das Vorliegen der von ihm gestellten Diagnosen auf jeden Fall nicht verneinen.
Zumindest sind daraus mit den im Gegensatz zu früher eingeschränkten Aktivitäten und sozialen Kontakten sowie der min
destens latenten Suizidalität Anhaltspunkte für das Vorliegen der gestellten Diagnosen vorhanden, sodass sie nicht ohne weitere Abklärungen
und namentlich ohne eigene
Untersuchungen
durch den RAD
als
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
nicht
vorhanden eingeschätzt
werden konnten. Auch die Angaben des RAD,
Dr.
Z._
habe lediglich
psychosoziale Faktoren wie Arbeits
losigkeit, fehlende Integration und innerfamiliäre Konflikte
dargestellt (Urk. 7/98/3), ent
behren vor dem Hintergrund, dass der von
Dr.
Z._
angegebene soziale Rückzug und die fehlenden Aktivitäten auch auf eine Antriebslosigkeit und einen
Inte
ressenverlust
zurückzuführen sein könnten,
einer ausreichenden Grundlage.
Ferner führte der RAD aus, eine rezidivierende depressive Störung und eine somatoforme Schmerzstörung würden sich nicht in jedem Fall inva
lidisierend auswirken (Urk. 7/98/3). Dies trifft zwar zu, daraus lä
sst sich aber nicht ableiten, dass
der Beschwerdeführer
aufgrund der diagnostizierten Leiden nicht
dauerhaft in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist.
Nach dem Gesagten stand der Sach
verhalt bezüglich der psychischen Beschwerden
und ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
im Zeitpunkt des Erlasses der ange
fochtenen Verfügung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest.
Da die IV-Stelle den Sachverhalt ungenügend festgestellt und das Rentenbegehren ohne
ausreichende
materielle Prüfung abgelehnt hat, ist die Angelegenheit
antragsgemäss
zur weiteren Abklärung sowie zur neuen Entscheidung an die IV-Stelle zurück
zuweisen (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungs
gericht
[GSVGer]; Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003, E. 5.2).
Dabei wird die Beschwerdegegnerin zu erheben haben, ob aus psychiatrischer Sicht tatsächlich eine Verschlechterung eingetreten ist und falls ja, wie sich diese auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers au
s
wirkt.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2),
weshalb
der
die
die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Unter Berück
sich
ti
gung dieser Grundsätze ist
dem Beschwerdeführer
eine Prozesse
ntschädi
gung von Fr.
2
'
1
00.
--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.