Decision ID: ebd24acf-c015-4b9c-871e-2964504d098c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die
1976
geborene
X._
war zuletzt vom
10. April 2014 bis 30. April 2017 in einem
Pensum von
rund
30 % als Reinigungs
mit
arbeiterin
bei
m Verein
Y._
angestellt. Am
4. Mai 2017
meldete sie sich unter Hinweis auf
eine
Psychose/Schizophrenie
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
11/
3
,
Urk. 11/9
und Urk. 11/42/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und sprach der Versicherten Integrationsmassnahmen
(Belastbarkeitstraining vom 12.
März bis 11. Juni 2018 sowie Aufbautraining ab 1
2
. Juni 2018, Urk. 11/25 und Urk. 11/36) zu,
welche sie aufgrund einer E
rkrankung der Versicherten an Brustkrebs per 31.
Juli 2018 aus gesundheitlichen Gründen beendete (Urk. 11/41).
Am 4. März 2019 führte
die IV-Stelle
eine Ab
klärung im Haushalt durch (Urk.
11/65).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
11/72,
Urk.
11/74 und Urk. 11/
87
) wies
sie das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 5. Februar 2020
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
9. März 2020
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
ihr ab Februar 2018 eine ganze Rente zuzusprechen.
Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen. Am
4. Mai 2020
(Urk.
10
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen
. Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 wurde dies der
Beschwerdeführerin
zur Kenntnis gebracht
. Zudem wurde ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Markus
Loher
, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt
(Urk.
12
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom
5. Februar 2020
(Urk. 2) damit, dass
die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen und körperlichen Beschwerden nur vorübergehend in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Sie habe ausdrücklich die Rentenprüfung gewünscht und sich nicht in der Lage gefühlt, an weiteren Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Seit April 2019 sei der Gesundheits
zustand stabil und es bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente
(S. 1-2)
.
In ihrer Beschwerdeantwort ergänzte sie (Urk. 10), das vom 12. März bis 11. Juni 2018 durchgeführte Belastbarkeitstraining habe einen positiven Verlauf gezeigt, weshalb am 12. Juni 2018 mit dem Aufbautraining fortgefahren worden sei. Dieses sei abgebrochen worden, da bei der Beschwerdeführerin ein Mamma
karzinom entdeckt worden sei. Zuvor sei es
ihr jedoch möglich gewesen, 6.5
Stunden
pro Tag
zu arbeiten.
Sie habe
somit
ihre Erwerbsfähigkeit durch Integra
tionsmassnahmen wiederherstellen
können
, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Daran ändere der Abbruch der Integrations
massnahmen aufgrund des neu eingetretenen Gesundheitsschadens nichts
. Dieser
sei
im Übri
gen nicht von Dauer gewesen. Auch aus psychi
atri
scher
Sicht sei sie gemäss
Dr. Dr. med.
Z._
, Facharzt für Innere Medizin,
vom Regionalen Ärzt
lichen
Dienst (RAD) nur vorübergehend gesundheitlich eingeschränkt gewesen. Dies würden die positiv verlaufenen Integrationsmassnahmen bestätigen. Auch die Beschwer
deführerin habe bestätigt, dass es ihr während der Dauer der Mass
nahmen psychisch sehr gut gegangen sei.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie sei seit Februar 2017 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und habe deshalb einen Rentenanspruch ab Februar 2018. Es sei nicht erwiesen, dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit bereits vor Ablauf des Wartejahres über 60 % arbeits
fähig gewesen wäre.
Vielmehr sei sie auch nach Abschluss der Behandlung des Mammakarzinoms wegen den psychischen Krankheitsfolgen vollumfänglich und bis heute hochgradig arbeitsunfähig. Aus einem stabilen Zustand könne nicht auf eine vollständige Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Es bestehe damit ein Rentenanspruch (S. 3-6).
3.
3.1
Der behandelnde Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Bericht vom 13. Oktober 2017
(Urk. 11/13) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
Dazu führte er aus,
im Februar 2016 sei erstmalig ein
maniform
-paranoides Syndrom aufgetreten. Die Beschwerdeführerin sei vom 7. bis 16. Februar 2016 in der psychiatrischen Klinik
B._
hospitalisiert gewesen. Damals sei der Ehe
mann aufgrund eines Gehirntumors operiert worden, was sie als Stressor und mögliche Auslöser für die
maniform
-paranoide Störung betrachtet habe. Anschliessend sei die ambulant psychiatrische Weiterbehandlung bei ihm erfolgt. Auf Wunsch der Beschwerdeführerin (Kinderwunsch) sei die Behandlung mit
Olanzapin
ausgeschlichen worden. Im Februar 2017 sei es zu einer erneuten Exazerbation einer
maniform
-paranoiden Symptomatik gekommen, wobei die Beschwerdeführerin eine grosse Arbeitsbelastung und Probleme mit dem Vorge
setzten als Auslöser für die Symptomatik angegeben habe. Erneut sei es unter
Olanzapin
zu einer raschen Besserung gekommen. Im Verlauf der ambulanten Behandlung habe sich anfangs ein eher depressives Zustandsbild gezeigt
, danach
sei es zu einer Besserung gekommen. Es bestehe weiterhin eine nur unzureichende Abg
r
enzung zu Belastungssituationen im Alltag und eine mangelhafte Frustra
tionstoleranz (S. 3-4). Im Zusammenhang mit dem beschriebenen Verlauf scheine
die Prognose günstig. Es erfolgten zweiwöchentliche psychotherapeutische Konsultationen mit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Orientierung.
Zum jetzi
gen Zeitpunkt sei die bisherige Tätigkeit als Reinigungsfrau nicht zumutbar, jedoch wäre die Wiederaufnahme der früheren Tätigkeit bei Verbesserung des psychischen Befindens wieder möglich. In welchem Umfang eine behinderungs
angepasste Tätigkeit möglich sei, könne im
Moment nicht gesagt werden (S. 4
6).
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom RAD hielt in ihrer Stellungnahme vom 19. Juni 2018 (Urk. 11/34) fest, seit Beendigung des Belastbarkeitstrainings bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Zuvor sei die Beschwerdeführerin vo
m
6. Februar bis mindestens Oktober 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, ohne Nachtschichten, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen seien medizinisch-theoretisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeits
atmosphäre zunächst zu 50 % möglich, mit schrittweiser Steigerung des Pensums auf 80 %. Daneben solle weiterhin die fachpsychiatrische Behandlung durch
geführt werden.
3.3
Im Verlaufsbericht vom 1. November 2018 (Urk. 11/51) hielt Dr.
A._
fest, unter der Behandlung mit der antipsychotischen Medikation mit
Olanzapin
, den psychotherapeutischen Gesprächen und dem Arbeitsaufbautraining der Beschwerdegegnerin sei es im Verlauf zu einer Besserung von Stimmung und Antrieb gekommen. Im Juli 2017 sei ein Mamma
karzi
nom diagnostiziert worden mit anschliessender OP, Radiotherapie solle folgen. Aufgrund dessen sei es zu einer erneuten Verschlechterung der Stimmung und des Antriebs gekommen, psychotische Symptome seien nicht feststellbar. Es bestehe im Verlauf jedoch eine bessere Abgrenzung zu Belastungssituationen im Alltag und eine gebesserte Frustrationstoleranz
. Die Beschwerdeführerin sei derzeit weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig
(S.
2-
3).
3.4
Chefarzt Dr. med.
D._
und Assistenzärztin Dr. med.
E._
von der Medizinischen Onkologie und Hämatologie des Kantonsspitals
F._
stellten in ihrem Bericht vom 30. Januar 2019 (Urk. 11/62) folgende Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
i
nvasives Mammakarzinom (NST) links, pT2 pN1a (2/4sn) M0, G2
-
ER >80 %,
PgR
>80 %, Her2 negativ, Ki-67: 8 %,
Oncotype
RS 12
-
4. September 2018 Quadrantektomie (
onkoplastische
Rekonstruktion), SNLE
-
Wundheilungsstörung mit
Abszessspaltung
, VAC-Verband
-
22.
November 2018 bis 9. Januar 2019
adju
vante
perkutane Radiotherap
ie Mamma links 50Gy, lokal 66Gy
-
ab 10. Oktober 20
18
adjuvante
endokrine Therapie mit
Goserelin
/
Exemestan
Dazu hielten sie fest,
u
nter momentan
adjuvant
endokriner Therapie
seien
keine funktionellen Einschränkungen vorhanden.
Zum aktuellen Zeitpunkt bestehe
keine verminderte Leistungsfähigkeit aufgrund
der
onkologische
n
Erkrankung. Bis auf Weiteres
seien
3-monatliche Kontrollen geplant. Bezüglich
des
Mammakarzinom
s
besteh
e
zwar ein gewisses Rezidiv-Risiko,
es sei aber zu hoffen, dass die Beschwerdeführerin
mit den erhaltenen Therapien diesbezüglich geheilt
sei
(S. 1-2).
3.5
Dr.
Dr.
Z._
vom RAD führte in seiner Stellungnahme vom 1. März 2019 (Urk. 11
/71/5-6
) aus, sowohl psychiatrisch als auch onkologisch habe jeweils eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bestanden, dies vom 6. Februar bis Oktober 2017 aus psychiatrischer Sicht und vom 16. Juli 2018 bis 8. Januar 2019 aus onkologischer Sicht, wobei die onkologische Behandlung abgeschlossen sei. Da die onkologische Behandlung abgeschlossen sei, solle das weitere Prozedere gemäss fachpsychiatrischer RAD-Einschätzung von Dr.
C._
vom 19.
Juni
2018
(E. 3.2 hie
r
vor)
erfolgen.
Es
könne
mit einem 50
%
-
Pensum begonnen werden
und
eine schrittweise
Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf ein
80
%
Pensum
soll
t
e möglich sein
.
Dabei
gelte
folgendes Belastungsprofil: zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten
Termindruck, ohne Nacht-
und Wechsel
schichten, ohne besondere Anforderungen an das
Umstellungs-
und Anpassungs
vermögen
, ein geringer Publikumsverkehr werde empfohlen. Die Beschwerde
führerin solle wieder an den Eingliederungsprozess angebunden werden (S. 2).
3.6
Die behandelnde
med.
pract
.
G._
führte in ihrem Bericht vom 28. Oktober 2019
(Urk. 11/85)
folgende Diagnose
n
mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit auf (S.
3):
-
Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen (D
ifferentialdiagnose
:
schizoaffektive
Störung)
-
a
ktuell
l
eichte depressive Episode
-
Status nach Mammakarzinom
(aktuell unter Hormontherapie
F._
, Diagnose 2017)
Zudem stellte sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S
.
3):
-
Tabakabhängigkeit
Dazu hielt sie fest,
die Beschwerdeführerin sei seit 12. August 2019 aktuell in zweiwöchentlichen Zeitabständen in ihrer Behandlung. Seit diesem Zeitpunkt und bis auf weiteres sei sie zu 100 % arbeitsunfähig. Voraussichtlich ab 2020 erfolge die Kontrolle wieder durch Dr.
A._
.
Gemäss den Verlaufseinträgen von
Dr.
A._
bis August 2019 habe die Beschwerdeführerin seit April 2019 einen stabilen Verlauf gezeigt, sie zeige bis dato keine psychotischen Symptome mehr. Sie spreche sehr gut auf die antipsychotische Medikation mit
Olanzapin
an. Weiterhin würden sich ängstlich-depressive Symptome (BDI von 16P) zeigen, dies entspreche einer leichten depressiven Episode
. Bei der Beschwerdeführerin solle erneut ein Belast
b
arkeitstraining erfolgen, es zeig
e
sich nun seit April 2019 grundsätzlich ein stabiler psychopathologischer Befund ohne psychotische Symptome. Aus diesem Grund
sei
ein Belastbarkeits-/Aufbau
t
raining bei grund
sätzlich hoher Motivation der
Beschwerdeführerin
erneut anzustreben. Das Belastba
rkeitstraining soll
e in einem Pensum von zunächst 2
Stunden
pro Tag mit gradueller Steigerung in zweiwö
chentlichen Abständen erfolgen
(S. 2-3).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der rentenabweisenden Verfügung vom 7. August 2020 auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
Dr.
Z._
vom
1. März 2019
(E.
3
.5 hie
r
vor).
4
.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht
darin, aus medizinischer Sicht
– gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistun
gsanspruch zu entscheiden haben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie
würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V
465
E. 4.4 und E.
4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regel
mässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte abe
r kaum je in Frage kommen (vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.3
Die
maniform
-paranoide Symptomatik der Beschwerdeführerin
exazerbierte
im Februar 2017 erneut. Der behandelnde Dr.
A._
erachtete sie im Oktober 2017 als zu 100 % arbeitsunfähig (E. 3.1 hie
r
vor). Vom 12. März bis 11. Juni 2018 absolvierte die Beschwerdeführerin erfolgreich ein
Belastbarkeitstraining
, an welchem sie im letzten Monat vier Stunden pro Tag teilnehmen konnte, ohne dass es
durch die Belastungssteigerung
zu einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes gekommen wäre
(vgl. Schlussbericht Belastbar
keitstraining vom 6. Juni 2018,
Urk. 11/32).
Gemäss RAD-Ärztin Dr.
C._
war die Beschwerde
führerin
bei
dessen
Beendigung zu 50 % arbeitsfähig (E. 3.2 hie
r
vor). In der Folge trat
sie
ein Auf
bautraining an, welches vom 12.
Juni bis 11. Dezember 2018 hätte dauern sollen. Zu Beginn wurde von ihr eine Präsenz von vier Stunden pro Tag erwartet, anschliessend eine kontinuierliche
Steigerung des Pensums auf 6.5
Stunden pro Tag.
Als Mindestanforderung an die Arbeitsfähigkeit wurden nach sechs Monaten stabile 50 % erwartet (Urk. 11/43/1-2). Aufgrund der Diagnose eines Mammakarzinoms und 100%iger Arbeitsunfähigkeit ab 3. Juli
201
8
wurde das Aufbautraining per 31. Juli 2018 abgebrochen (Urk. 11/39/3 und Urk. 11/41). Im November 2018 erachtete der behandelnde Dr.
A._
sie als zu 100 % arbeits
unfähig
und wies auf eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden nach der Diagnose des Mammakarzinoms hin
(E. 3.3 hie
r
vor).
Soweit gemäss
Dr.
Dr.
Z._
vom RAD lediglich bis im Oktober 2017 eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestand, kann ihm damit von
v
ornherein nicht gefolgt werden, zumal er seine Einschätzung nicht nur fachfremd abgab, sondern diese auch mit keinem Wort begründete.
Hinzu kommt, dass zwar spätestens im Januar 2019 aus onkologischer Sicht keine Arbeits
un
fähigkeit mehr
vorlag
(E. 3.4 hie
r
vor), daraus aber nicht geschlossen werden kann, dass sich
im März 2019
auch der psychische Gesundheitszustand
verglichen mit dem Zustand vor der Mammakarzinoms-Diagnose unverändert zeigte.
D
er behandelnde Dr.
A._
wies wie bereits dargelegt
auf eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden nach der
Brustkrebsd
iagnose
hin. A
us den Unterlagen
ergeben sich
keine Hinweise darauf, dass sich der Zustand bis im März 2019 wiederum verbessert hätte
. D
ie Stellungnahme von
Dr.
Dr.
Z._
, in welcher er
ohne Auseinander
setzung mit dem Bericht des behandelnden Psychiaters
a
us der RAD-Einschätzung von Dr.
C._
vom 19.
Juni 2018 (E. 3.2 hie
r
vor) eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
ab Januar 2019
ableitete,
ist entsprechend
nicht nachvollziehbar
.
4.4
Gemäss der vorübergehend behandelnden med.
pract
.
G._
l
ässt
sich den Verlaufseinträgen von Dr.
A._
ab April 2019 ein stabiler Verlauf entnehmen.
Aus einem solchen kann
aber
entgegen de
r
Ansicht
der Beschwerdegegnerin
(Urk.
2 S. 2)
nicht auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, zumal sich
seit Behandlungsbeginn bei med.
pract
.
G._
am 12. August 2019 keine Hinweise auf eine wesentliche Veränderung des Zustands ergeben, diese jedoch von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit ausging (E. 3.6 hie
r
vor).
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin (Urk. 10) trifft es zudem nicht zu, dass
die
Beschwerdeführerin vor der Mammakarzinoms-Diagnose 6.5 Stunden pro Tag arbeiten
konnte
. Zu Beginn des Aufbautrainings im Juni 2018 war ihr eine Präsenz von 4 Stunden pro Tag möglich. Ziel des Aufbautrainings wäre es gewesen, die Präsenz bis im Dezember 2018 auf 6.5 Stunden pro Tag zu steigern. Nachdem der Beschwerdeführerin bereits drei Wochen nach Beginn des Aufbau
trainings eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus onkologischer Sicht attestiert wurde, ist nicht davon auszugehen, dass sie ihre Präsenzzeit bis zum Abbruch des Aufbautrainings deutlich über 4 Stunden steigern
konnte
. In welchem Umfang sie zu diesem Zeitpunkt die Integrationsmassnahmen tatsächlich absolvieren konnte, kann aber letztlich offenbleiben, nachdem es in der Folge
-
wie bereits
dargelegt
-
zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus onko
logischer und psychiatrischer Sicht kam
.
Der Umstand, dass die Integrations
massnahmen positiv verliefen und es der Beschwerdeführerin während deren Dauer gut ging, ist aufgrund der darauffolgenden Verschlechterung des Zustan
des
vorliegend nur bedingt von Relevanz
. Insbesondere kann entgegen den
Vorbringen
der Beschwerde
gegnerin
(Urk. 10)
nicht gesagt werden, die Beschwer
deführerin habe durch die Integrationsmassnahmen ihre Erwerbsfähigkeit dauer
haft wiederherstellen können, weshalb
von
v
ornherein
kein Anspruch
auf eine Invalidenrente bestehe
. Dies
gilt
umso weniger, nachdem
selbst
Dr.
Dr.
Z._
ab Januar 2019 nicht von einer vollumfänglichen, sondern
zunächst
lediglich
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging
.
Auch der Umstand, dass bei der Beschwerdeführerin im Oktober 2019 lediglich noch eine leichte depressive Episode diagnostiziert wurde, lässt ohne beweis
kräftige medizinische Unterlagen den Schluss auf einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad ab Februar 2018 nicht zu. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass gemäss der nunmehr geltenden Recht
sprechung auch leichten oder mit
telschweren depressiven Störungen nicht mehr von vorn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden kann. Viel
mehr ist anhand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Stand
ard
in
dika
toren das tatsäch
lich erreich
bare Leistungsvermögen er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beur
teilen. Die vor
handenen medizinischen Beurteilungen erwei
sen sich dazu als zu wenig aussage
kräftig.
4.5
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen RAD-
Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier -
zumindest
geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssig
keit bestehen (vgl. E. 4.2 hie
r
vor).
4
.6
Auch gestützt auf die Berichte der behandelnden Dr.
A._
und med.
pract
.
G._
ist es aber nicht möglich, die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Beschwerden an
hand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Auf diese kann zudem insofern nicht ohne Weiteres abgestellt werden, nachdem sie von Februar 2017 bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der a
ngefochtenen Verfügung (vgl.
Urk. 3/3-4)
und darüber hinaus von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in jeglicher Tätigkeit ausgingen, obwohl
sich
ihr
Gesund
heitszustand bis zur Diagnose
des
Mammakarzinoms verbessert hat und sie an den Integrationsmassnahmen erfolgreich teilnehmen konnte. Auch lässt sich
ihren Berichten nicht schlüssig entnehmen, weshalb die Beschwerdeführerin nach der Remission einer
schwere
n
depressive
n
Episode mit psychotischen Symptomen
und aktuell lediglich noch einer l
eichte
n
depressive
n
Episode
nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig sein soll.
4.7
Nach dem Gesagten kann aufgrund der
vorhandenen
Akten nicht mit über
wiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdefüh
rerin arbeitsunfähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte und rechtsgenü
gende Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Angesichts des Ver
zichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gut
achtung nicht. Der ange
fochtene Entscheid ist deshalb aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung und anschlies
sendem neuen Entscheid über die Leistungs
ansprüche der Beschwerdeführerin an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu. Diese wird vom Gericht nach Ermessen festgesetzt, nachdem
sie
von der Möglichkeit, eine Ho
norarnote einzureichen, keinen Gebrauch gemacht hat (vgl. dazu
Urk. 12
). Die Festsetzung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
ger
icht,
GSVGer
). Entsprechend
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, de
m
unent
geltlichen Rechts
vertreter
Markus
Loher
, Zürich, eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘2
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.