Decision ID: a2e89923-cfc1-4c63-969c-94cfd03192f5
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1970, arbeitete seit dem 1. Januar 2001 bei der Y._ AG als Reinigungsangestellte zu einem Pensum von rund 60 % (Urk. 7/18). Am 27. Juni 2005 (Datum des Posteingangs) meldete sie sich bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 7/3). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte die Arztberichte von Dr. med. Z._, FMH für Rheumaerkrankungen, Zürich, vom 11. Juli 2005 (Urk. 7/9/1-2; unter Beilage weiterer Arztberichte, Urk. 7/9/3-10), des Stadt
spitals A._ vom 8. Juli 2005 (Urk. 7/10/3), des Universitätsspitals B._, Rheu
maklinik, vom 15. Juli 2005 (Urk. 7/11), der C._ Klinik vom 9. Juli 2005 (Urk. 7/12) und von Dr. D._, Allgemeine Medizin FMH, vom 5. Juli 2005 (Urk. 7/12/1-6; unter Beilage weiterer Arztberichte, Urk. 7/12/7-21) sowie den Arbeitgeberbericht der Y._ AG vom 4. Oktober 2005 (Urk. 7/18) ein. Ausserdem zog sie die Akten der Krankentaggeldversicherung Allianz Suisse bei (Urk. 7/16/1-47). Mit Verfügung vom 23. November 2005 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/22). Die gegen diese Ver
fügung von der Versicherten am 21. Dezember 2005 (Urk. 7/23) erhobene Einsprache wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 26. Januar 2006 ab (Urk. 7/28). In Gutheissung der von X._ erhobenen Beschwerde hob das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich den Einspracheentscheid mit Urteil vom 31. Mai 2006 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese zusätzliche medizinische Abklärungen vornehme und danach über das Leistungsbegehren neu verfüge (Urk. 7/39).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge das polydisziplinäre Gutachten der E._ vom 29. Dezember 2006 ein (Urk. 7/61). Mit Vorbescheid vom 31. Januar 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ge
währung einer Viertelsrente ab dem 1. Juni 2005 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 48 % in Aussicht (Urk. 7/65), wogegen die Versicherte durch Rechtsanwalt Dominique Chopard am 8. März 2007 Einwand erhob (Urk. 7/70). Mit Verfügung vom 26. April 2007 sprach die IV-Stelle X._ basierend auf einem Invaliditätsgrad von 53 % eine halbe Invalidenrente ab dem 1. Juni 2005 zu (Urk. 7/84).
1.3
Im Rahmen eines am 16. September 2009 eingeleiteten Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle den Arztbericht von Dr. D._ vom 23. November 2009 ein (Urk. 7/101/1-9; unter Beilage weiterer Arztberichte, Urk. 7/101/10-19). Am 9. April 2010 teilte sie der Versicherten mit, dass sie unverändert Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe (Urk. 7/106).
1.4
Am 5. Mai 2015 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein (Urk. 7/148). Sie holte den Arztbericht von Dr. med. F._, praktische Ärztin FMH, vom 29. Juli 2015 (Urk. 7/159) sowie den Arbeitgeberbericht der G._ GmbH vom 27. August 2015 (Urk. 7/161) ein, wo die Versicherte ab dem 27. Dezember 2012 als Reinigungskraft und ab dem 17. Juli 2014 als Kosmetik Assistent Hauptlehrer zu einem Pensum von 47 % arbeitete. In der Folge liess die IV-Stelle das bidisziplinäre (orthopädisch/psychiatrisch)
Gut
achten der
H._
AG vom 5. April 2016 erstellen (Urk
. 7/181). Am 23. Mai 2016 nahm Dr. med. I._, Arzt für Allge
meine Medizin FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invaliden
versicherung Stellung (Urk. 7/183/4-5). Mit Vorbescheid vom 15. August 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, die Rente aufzu
heben (Urk. 7/184). Dagegen erhob X._ am 21. Oktober 2016
durch Rechtsanwalt Chopard Einwand (Urk. 7/197). Mit Verfügung vom
27. Okto
ber 2016 hob die IV-Stelle die Invalidenrente der Versicherten auf (Urk
. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob X._ durch Rechtsanwalt Chopard am 30. November 2016 Beschwerde mit folgenden Anträgen (Urk. 1 S. 2):
„1.
Es sei die Verfügung vom 27. Oktober 2016 vollumfänglich aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Versicherten die bisheri
ge Invalidenrente weiterhin auszurichten;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
gegnerin.
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu be
willigen sowie ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen und in der Person von RA Dominique Chopard zu ernennen.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 27. Februar 2017 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsanwalt Chopard als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 12). Mit Replik vom 22. Juni 2017 liess die Beschwerdeführerin vollum
fänglich an ihrer Beschwerde festhalten (Urk. 15). Die Beschwerde
gegnerin verzichtete am 11. Juli 2017 auf Duplik (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 17. Juli 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheent
-
scheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
-
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hin
weisen).
1.4
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
verfügung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwal
tungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegen
stand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs. 2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a
mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenver
fü
-
gung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/bb; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswer
tes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen
kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten u
nd Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmög
lichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 27. Okto
ber 2016 damit, die Beschwerdeführerin sei bei ihrem letzten Arbeit
geber nicht nur in der Reinigung tätig gewesen, sondern später als Kosmetik Assistent Hauptlehrer. Diese Arbeit entspreche einer körperlich leichten Tätigkeit. Das Arbeitsverhältnis sei aus invaliditätsfremden Gründen aufgelöst worden. In einer körperlich mittelschweren bis schweren Arbeit (wie die Tätigkeit in der Reinigung) sei die Beschwerdeführerin weiterhin zu 50 % eingeschränkt. In einer körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeit bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Eine solche Tätigkeit habe die Beschwerdeführerin im Kosmetikbereich bereits ausgeübt und sie verfüge über die notwendigen Fähig
keiten. Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10 % betrage
der Einkommensverlust bzw. der Invaliditätsgrad lediglich noch 9 %, womit die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr habe. Bezüg
lich der psychischen Einschränkungen sei zu berücksichtigen, dass die Beschwer
deführerin nicht mehr in psychiatrischer Behandlung stehe und Hin
weise auf Aggravation vorliegen würden. Die psychiatrischen Einschränkungen könnten deshalb nicht berücksichtigt werden (Urk. 2). In der Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 führte die Beschwer
degegnerin aus, im Falle der Vernei
nung eines Revisionsgrundes sei die Rente wiedererwägungsweise aufzuheben. Die rentenzusprechende Ver
fügung vom 26. April 2007 erweise sich nämlich als zweifellos unrichtig. Es sei der Beschwerdeführerin aufgrund einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer dissoziativen Bewegungsstörung eine Arbeitsun
fähigkeit von 50 % attestiert worden. Nach der damaligen Rechtspre
chung hätten solche Leiden aber grundsätzlich nicht als invalidisierend gegol
ten, sondern es sei nur ausnahmsweise anhand der Prüfung von verschiedenen Kriterien von einer Unüberwindbarkeit ausgegangen worden. Diese Prüfung sei nicht vorgenommen worden. Hinzu komme, dass bereits im damaligen Gutach
ten festgehalten worden sei, dass eine gewisse Divergenz zwischen der Schil
derung des per
sönlichen Leidens gegenüber den einzelnen Teilgutachtern bestehe und auch die Angaben verschiedener Daten und Ereignisse nicht immer kon
gruent seien. Störend sei auch, dass bei der Beschwerdeführerin trotz angeb
licher Einnahme zweier Antidepressiva keine Serumsspiegel dieser Substanzen im Blut hätten nachgewiesen werden können (Urk. 6).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 30. Novem
ber 2016 geltend machen, es sei erstellt, dass medizinisch seit der Renten
zu
sprache weder hinsichtlich Befund und Diagnose noch hinsichtlich der Arbeits
unfähigkeit eine Veränderung eingetreten sei. Somit bestehe kein Raum für eine Revision. Eine Prüfung aufgrund der Schlussbestimmungen zur 6. IV-Revision komme ebenfalls nicht in Frage, sei diese doch nur in der Zeit zwischen dem 1. Januar 2012 und dem 31. Dezember 2014 im Sinne einer temporären Aus
nahmeregelung zum Grundsatz der Besitzstandsgarantie möglich gewesen (Urk. 1).
Replicando führte die Beschwerdeführerin am 22. Juni 2017 aus, die Rentenzusprache am 26. April 2007 habe unter anderem auf der Diagnose einer dissoziativen Bewegungsstörung der unteren Extremität basiert. Das Bundes
gericht habe erst mit Urteil vom 30. April 2008 erkannt, dass diese Diagnose rechtlich gleich zu behandeln sei wie die anhaltende somato
forme Schmerz
störung. Dementsprechend sei der Entscheid vom 26. April 2007 nicht entgegen der damaligen Rechtslage ergangen und es liege keine zweifel
lose Unrichtigkeit vor. Die Beschwerdegegnerin sei sich der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung im Klaren gewesen und habe ihren Ent
scheid so gefällt. Es gehe zu Lasten der Beschwerdegegnerin, dass kein Fest
stellungsblatt für den Beschluss aktenkundig sei und ihre Behauptung, sie habe die massgebenden Kriterien gar nicht geprüft, somit nicht bewiesen werden könne. Auch die weiteren von der Beschwerde
gegnerin vorgebrachten Argu
mente könnten keine offensichtliche Unrichtigkeit der Verfügung vom 26. April 2007 begründen (Urk. 15).
3.
3.1
Die Ärzte des E._ stellten im polydisziplinären Gutachten vom 29. Dezember 2006 folgende Diagnosen (Urk. 7/61):
Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
„1.
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
2.
Dissoziative Bewegungsstörung der unteren Extremität (ICD-10: F44.4)
3.
Panvertebralsyndrom mit pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung in alle 4 Extremitäten mit/bei:
-
Fehlhaltung
-
Übergangsanomalie (6-gliedrige Lendenwirbelsäule, DD: Stummelrücken
Th 12)
-
diskrete degenerative Diskopathie der untersten lumbalen Interver
te
bra
l
räume
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Status nach Sectio caesarea
Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung vorliege. Sie äussere sich durch ein Panverte
bral
syndrom mit pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung in alle vier Extremi
täten. Die in den bildgebenden Untersuchungen nachgewiesenen degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule seien diskret und wohl noch in der altersentsprechenden Norm, eine hinreichende Erklärung für die geschilderten Beschwerden bildeten sie nicht. Auffallend sei ferner, dass eine gewisse Divergenz in der Schilderung des persönlichen Leidens gegenüber den ver
schiedenen Fachärzten bestehe und auch die Angaben gewisser Daten und Ereignisse seien nicht immer kongruent. Weiterhin sei die Tatsache störend, dass bei der Beschwerdeführerin trotz angeblicher Einnahme zweier Anti
de
pressiva keine Serumsspiegel der beiden Substanzen im Blut hätten nachgewiesen werden können. Formal rheumatologisch sei der Beschwerde
führerin für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende, rückendadaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Limitierend für die Arbeitsfähigkeit seien die psychiatrischen Diagnosen. Es bestehe in dieser Hinsicht eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine positive Verstärkung des dysfunktio
nalen Krankheitskonzeptes, beispielsweise durch eine zu hohe dauerhafte Fest
legung des Arbeitsunfähig
keitsgrades, würde die Aussichten der Beschwerde
führerin, ihre Selbst
vorstellung zu ändern und die Krankenrolle aufzugeben, erheblich ver
schlechtern.
In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe zum gegenwärtigen Zeit
punkt eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Formal bestehe bei der Beschwerde
füh
rerin in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit und in einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden und rückenadaptierten Tätigkeit gegen
wärtig eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Allerdings scheine zum gegen
wärtigen Zeitpunkt auch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit aufgrund des dysfunktio
nalen Krankheitskonzeptes der Beschwerdeführerin und ihres ausgeprägten Vermei
dungsverhaltens nicht realistisch. Erschwerend kämen die mangelnden Deutsch
kenntnisse und die offensichtlich schlechte Medikamenten-Compliance hinzu. Eine zuverlässigere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei erst nach Umsetzung der vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen möglich.
3.2
Laut dem bidisziplinären Gutachten der
H._
AG vom 5. April
2016 liegen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen vor (Urk. 7/181/
49):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
„1.
Dissoziative Störung (ICD-10: F44.4)
2.
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
3.
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom im Rahmen der soma
toformen Schmerzstörung mit kleinen DiskushF._en L4/5 und L5/S1
4.
Chronischer hochgradiger Knorpelverschleiss bei bekannter Kniegelenks
arthrose (Gonarthrose) rechts mit IV° gradigem Knorpelschaden, aktuell Status nach erneuter Kniearthroskopie rechts im Februar 2016
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Generalisierte Gelenkschmerzen (Polyarthralgien) beider Schultergelenke, beider Handgelenke, beider Sprunggelenke und beider Kniegelenke bei unbestätigtem Verdacht auf das Vorliegen eines Fibromyalgiesyndroms (Weichteilrheumatismus)”
Gerade in der psychiatrischen Einschätzung seien erhebliche Behinderungen präsentiert worden, die nicht im Einklang mit Verhaltensbeobachtung und klinischem Befund stünden und daher psychiatrisch nicht plausibel erschienen seien. Es hätten sich in der aktuellen Untersuchung keine Hinweise auf eine depressive oder andersartige affektive Symptomatik gefunden. Orthopädisch sei bei der Zusammenschau der Einschränkungen der körperlichen Leistungs
fähigkeit eine allgemeine körperliche Minderbelastung durch mangelndes Alltagstrai
ning im Sinne der Dekonditionierung durch Bewegungsmangel festzustellen und eine mindere Belastbarkeit der Wirbelsäulenbewegungen für Bücken und Wiederaufrichten und Drehen und Seitneigen der Wirbelsäule und langdauernde statisch axiale Belastung (Stehen). Dies setze die Leistungs
fähigkeit im arbeits
relevanten Mass daher insbesondere für mehr als nur selten (bis maximal 6 Minuten pro Arbeitsstunde oder 10 % der Arbeitszeit) stehende und gehende Tätigkeiten herab. Hinzu kämen wegen chronischen hochgradigen Knorpelverschleissleidens bei bekannter Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) rechts Knie
schmerzen bei Bewegung, bei Belastung im Gehen und Stehen und eine geringe sich im Arbeitstag aufsummierende Schwellneigung des rechten Kniegelenkes. Dies setze die Leistungsfähigkeit im arbeitsrelevanten Mass in Tätigkeiten mit teilweise oder überwiegend stehenden und gehenden Tätigkeits
merkmalen herab. Vom Umfang seien diese körperlichen Leistungseinbussen jedoch noch als mässig anzusehen und es liessen sich Arbeitsplätze und Tätigkeiten in grosser Auswahl vorstellen, bei denen auch für nur angelernte Tätigkeiten (bis 3 Monate Einweisung) eine Leidensanpassung möglich sei. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf nicht im geklagten Um
fang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen ergeben. Aus psychiatrischer Sicht seien hier Diskrepanzen zwischen massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Unter
suchungssituation zu nennen. Trotz schwerwiegender subjektiver körperlicher Einschränkungen sei bei der Untersuchung keine adäquate emotionale Reaktion darauf feststellbar. Diskrepanzen zwischen eigenen Angaben und den fremd
anamnestischen Infor
mationen einschliesslich der Aktenlage hätten sich in beiden Teilgutachten gefunden. Ebenso bestünden Diskrepanzen zwischen dem Ausmass der geschil
derten Beschwerden und Intensität der bisherigen Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe. Die Beschwerdeführerin habe bislang noch keine adäquate und
ausreichende psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung gehabt. Krank
heits
bedingt sehe sie allerdings ihre Problematik weniger im psychischen als im körperlichen Bereich. Die Tätigkeit als Reinigungskraft sei nur mit Ein
schrän
kung noch ausführbar. Überwiegend sitzende Tätigkeiten (80 % und mehr) seien leidensgerecht. Stehende Tätigkeiten und solche in Zwangshaltung, mit Tragen von Gewichten über 5 kg, Arbeiten in Vorhaltung der Arme oder Überkopfar
beiten seien nicht mehr möglich und bedingten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zur Kompensation der orthopä
dischen Leiden. In dem zeitlichen Umfang, in welchem die Beschwerdeführerin zuletzt gearbeitet habe (47 %), sei keine Ein
schränkung feststellbar, wenn die Wochenarbeitszeit auf 5 Tage verteilt werde. Die Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit sei orthopädisch seit 2009 eingeschränkt. Psychiatrisch sei seit dem 20. Juli 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausweisbar, welche bis auf weiteres gegeben sei. In der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft sei der Beschwerdeführerin damit eine Arbeitsun
fähigkeit von 50 % seit dem 20. Juli 2005 zu bescheinigen. In leidensan
gepasster Tätigkeit ergebe sich eine Arbeitsfähigkeit von 100 % aus orthopä
discher Sicht. Die Einschränkungen durch die psychiatrischen Behandlungs
diagnosen wiesen aber aus, dass eine solche Belastung gegenwärtig nicht wieder
erlangt werden könne. Deshalb könne der Beschwerdeführerin auch in ange
passter Tätigkeit nur eine Arbeits
fähigkeit von 50 % attestiert werden. Bezogen auf ein 100%-Pensum sollte die hälftige Arbeitsbelastung vorzugs
weise täglich mit halbem Pensum geleistet werden. Eine Verlängerung von Pausenzeiten könne je nach Anforderungsprofil notwendig werden. Aus psy
chia
trischer Sicht bestünden Einschränkungen bei den Aktivitäten und der Partizi
pation besonders bei der Flexibili
tät/Umstellungsfähigkeit und der Durch
halte
fähigkeit. Es handle sich in der Konsensusbildung um einen einfach nach
vollziehbaren und als unverändert beschreibbaren Gesundheitszustand gegen
über dem Revisionsvergleichs
zeitpunkt im Jahre 2010. Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden nicht anders beurteilt. Die Begründung, wie sich welche Diagnose auswirke, weiche in einigen Punkten ab. So werde insbe
son
dere das Vorliegen der Diagnose einer Fibromyalgie bezweifelt. Somatisch sei keine Verschlechterung der etwa seit 2002 bekannten Befunde zu erheben. Eine Verbesserung habe sich durch den Wegfall der täglichen Arbeitsbelastung seit de facto Juni 2015 nicht eingestellt. Die Unterlassung von Arbeit habe keine Linderung verschafft, was somatisch zu erwarten gewesen wäre. Die Beschwer
deführerin habe die Arbeit als Ursache für die Beschwerden bzw. für deren Verstärkung gesehen. Die Wirkungslosigkeit des Wegfalles der Arbeitsbelastung
auf den Gesundheits
zustand unterstreiche den chronischen Charakter der Schmerzen
und die nur geringen tatsächlichen körperlichen Funktionseinbussen. Linderung könne durch regelmässige Physiotherapie verschafft werden. Der konservative Behand
lungskorridor scheine nicht erschöpfend beschritten, es sei nicht von einem therapieresistenten Zustand auszugehen. Ein höherer Grad der Arbeits
unfähigkeit, als die ausgewiesenen 50 % in angestammter und angepasster Tätigkeit, werde auch psychiatrisch nicht angenommen, so dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als Expertensynthese und Konsensempfehlung in ange
stammter und angepasster Tätigkeit weiterhin gerechtfertigt sei.
3.3
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. I._ vom 23. Mai 2016 (Urk. 7/183/4-5) ist gestützt auf das Gutachten der H._ AG weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in bisheriger Tätigkeit, bestehend seit 2005, und einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit auszu
gehen. Die Prognose einer Verbesserung durch konsequent ambulante oder stationäre Psychotherapie und Psychopharmakotherapie könne nicht zuverlässig gemacht werden. Mit regelmässiger Therapie könne eventuell eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % erreicht werden. Es sollte deshalb eine Revision nach 18 Monaten vorgesehen werden, um zu sehen, ob die Therapie ange
schlagen habe.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand
bzw. die damit verbundene Erwerbsfähigkeit
der Beschwerdeführerin derart verbessert hat, dass die bisher ausgerichtete
halbe Invalidenrente
einzustellen ist.
4.2
In der angefochtenen Verfügung vom 27. Oktober 2016 begründet die Be
schwerdegegnerin nicht, inwiefern eine Ver
besserung des Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin eingetreten sein soll, sondern sie nimmt lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts vor, insbesondere handelt es sich auch bei den von der Beschwerdegegnerin erkannten Hinweisen auf Aggra
va
tion nicht um neue Tatsachen. Es ist zu beachten, dass der Beschwerdeführerin wegen Einschränkungen aus dem psychiatrischen Be
reich eine Invalidenrente zugesprochen worden und ihr bereits im Gutachten des E._ vom 29. Dezember 2006 aus formal rheumatologischer Sicht für leichte bis mittelschwere, wechsel
belastende Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden ist (Urk. 7/61/23). Was die psychischen Einschränkungen anbelangt, so ergibt sich aus dem Gutachten der H._ vom 5. April 2016 keine Ver
besserung, sondern es wird der Beschwerdeführerin mit Hinweis auf einen unver
änderten Gesundheitszustand weiterhin eine generelle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert (Urk. 7/181/47-48). Ebenso wenig ergibt sich eine wesentliche Veränderung bei der Diagnose. Die Beschwerdegegnerin weist sodann zwar darauf hin, dass die Beschwerde
führerin im Kosmetikbereich zuletzt eine körperlich leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit ausgeübt hat, gemäss dem Arbeitgeberbericht der G._ GmbH vom 27. August 2015 (Urk. 7/161) arbeitete die Beschwerdeführerin aber in diesem Beruf nur zu einem Pensum von 47 %, die tatsächlichen Erwerbsverhältnisse lassen mithin ebenfalls nicht auf eine Verbesserung schliessen. Insbesondere über
steigt der von der Beschwerde
führerin bei der G._ GmbH zuletzt erzielte AHV-beitragspflichtige Jahreslohn von Fr. 19'551.-- (Urk. 7/161/2) das von der Beschwerdeführerin bei der Rentenzusprache hypo
thetisch ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 22'082.-- (vgl. Urk. 7/71) nicht. Sodann ergibt sich auch aus der Einschätzung von RAD-Arzt Dr. I._ ein unveränderter Gesundheitszustand. Die Voraussetzungen zur Vornahme eine Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG sind damit nicht erfüllt.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt die Frage, ob sich die Verfügung vom 26. April 2007 (Urk. 7/84) als zweifellos unrichtig erweist. Die Beschwerdegegnerin macht in der Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 (Urk. 6) geltend, die Verfügung vom 26. April 2007 sei zweifellos unrichtig, da sie auf das E._-Gutachten abgestellt und dabei nicht beachtet habe, dass bei der Beschwerdeführerin eine grundsätzlich überwindbare Schmerzstörung vorliege. Demnach hätte sie die Kriterien für die ausnahmsweise Annahme einer Unüberwindbarkeit überprüfen müssen, was sie jedoch unterlassen habe.
5.2
D
ie
Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechts
anwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts. Zweifellose Unrichtigkeit meint dabei, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Das Erford
erni
s ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung unvertretbar war, w
eil sie aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E. 3.3). Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei
Erlass der Verfügung bestehenden
Sach- und Rechtslage, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis (BGE 140 V 77 E. 3.1 und 138 V 147 E
. 2.1). Eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG
) mit der Folge, dass die Leistungszusprechung auf einer offenkundig unvollständigen oder widersprüchlichen Aktenlage erfolgte, bei Renten etwa die Invaliditätsbemessung auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung beruhte, kann ein Wiedererwägungsgrund im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG sein (Urteile des Bundesgerichts 9C_546/2015 vom 2
4.
März 2016 E. 2.2.1 und 8C_347/2015 vom 2
0.
August 2015 E. 2.1). Auf einem rechtlich falschen Inva
liditätsbegriff beruht eine Verfügung, wenn der erstmaligen Anspruchsprüfung kein Arztbericht zugrunde lag, welcher die Frage nach der zumutbaren Arbeits
fähigkeit in Verweistätigkeiten beantwortet hat (vgl.
Art.
6 zweiter Satz ATSG; Urteile des Bundesgerichts 9C_342/2008 vom 2
0.
November 2008 E. 5.3, nicht publiziert in: BGE 135 I 1; SVR 2016 IV Nr. 15 S.
45, 9C_862/2015 vom 2
3.
Februar
2016 E.
2.2). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungs
grund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurtei
lun
g notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung ein
zelner Schritte bei der Festlegung solcher Anspruchs
voraussetzungen (Invaliditäts
be
messung, Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechts
kräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteile des Bundesgerichts 8C_280/2017 vom 2
8.
Juli
2017 E.
2.3 und 8C_469/2013 vom 2
4.
Februar 2014 E.
3.2, nicht publizie
rt in: BGE 140 V 70).
5.3
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht einwendet (Urk. 15 S. 5), lässt sich anhand der Akten nicht näher feststellen, inwiefern die Beschwerdegegnerin vor dem Erlass der Verfügung vom 26. April 2007 das E._-Gutachten überprüft hat, zumal es an einem entsprechenden Feststellungs
blatt fehlt. Die Beschwer
de
gegnerin war sich aber der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur somato
formen Schmerzstörung bewusst und stellte den Gutachtern denn auch im Hin
blick darauf entsprechende Fragen (vgl. Urk. 7/37/2-3, Urk. 7/62). Es kann mithin nicht festgestellt werden, dass die Beschwerdegegnerin wichtige Rechts
regeln völlig ausser Acht gelassen hat. Es ist der Beschwerdeführerin sodann auch darin beizupflichten, dass das Bundesgericht erst mit Urteil vom 30. April 2008 (9C_903/2007) explizit festgehalten hat, dass die Diagnose der «disso
zia
tiven Bewegungsstörung» rechtlich gleich zu behandeln ist wie eine somato
for
me Schmerzstörung. Soweit die Beschwerde
gegnerin zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen ist, dass die bei der Beschwerdeführerin diagnosti
zierte dissoziative Bewegungsstörung gar nicht unter die grundsätzlich überwindbaren Gesundheitsschädigungen falle, lässt dies ihren Entscheid somit nicht als offensichtlich unrichtig erscheinen. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass die Beschwerdegegnerin die Kriterien zur Überwindbarkeit überhaupt nicht über
prüft hätte, ergäbe sich eine offensichtliche Unrichtigkeit nur, wenn sich aufgrund der damaligen Aktenlage ohne Weiteres feststellen liesse, dass die Kriterien nicht erfüllt gewesen sind. Dies ist vorliegend nicht der Fall und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht dargelegt. Alleine der Umstand, dass gewisse von den Gutachtern festgestellte Inkonsistenzen in den Angaben und im Verhalten der Beschwerdeführerin unter Umständen anders zu gewichten ge
wesen wären als von den Gutachtern selbst, lässt nicht auf eine offensicht
liche Unrichtigkeit der gestützt auf das Ergebnis des Gutachtens erfolgten Renten
zusprache schliessen.
5.4
Es
ist damit festzuhalten, dass die Rentenzusprache mit Verfügung vom
26. April 2007
nicht zweifellos unrichtig war und
die Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Rentenaufhebung nicht erfüllt
sind
. Die angefochtene Ver
fügung vom
27. Oktober 2016
(
Urk. 2) ist damit in Gutheissung der Be
schwer
de aufzuheben
.
6.
6.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Der mit Verfügung vom 27. Februar 2017 be
stellte unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat somit Anspruch
auf eine Pro
zessentschädigung, welche in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses mit Fr. 2’200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen ist.