Decision ID: 6cd7a3ce-66ca-422c-bc28-3ade68201600
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1988, ist
ungelernt und
Mutter zweier Kinder (Jahrgänge 2011 und 2016). Ab 2014 arbeitete sie zirka 15 Stunden pro Woche
als Hilfskraft
in der Schneiderei und Reinig
ung ihres Ehemannes (Urk. 7/14/
3
-5
, 7/18/2
). Am 31. Dezember 2016 zog sie sich bei einem Verkehrsunfall unter anderem eine
Femurschaftfraktur
links zu, welche in den Folgejahren wiederholt, zuletzt am 2
0
. Februar 2020
,
operativ
behandelt
wurde (Urk. 7/
7/
1-10
, 7/8/7-12).
Mit For
mular vom
29. April 2020
meldete sie sich zum Leistungsbezug bei der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, teilte der Versicherten nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen, unter anderem einer Haushaltsabklärung vom 11. September 2020 (
Abklärungsbericht vom 28. Oktober 2020:
Urk. 7/14)
, mit Vorbescheid vom 24. November 2020 mit, dass ein Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 7 %
wie auch ein Anspruch auf be
rufliche Eingliederungsmassnahmen
voraussichtlich verneint
würden
(Urk. 7/22), wogegen die Versicherte Einwand
mit dem Antrag auf
Zusprache
einer Invaliden
rente
erhob (Urk. 7/23, 7/29). Nach Eingang weiterer ärztlicher Berichte (Urk. 7/33, 7/36), welche Dr. med.
Y._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), zur Stellungnahme
unterbreitet
wurden (Urk. 7/46/2-4), hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Juli 2021 am vorbeschiedenen Entscheid fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 10. September 2021 Beschwerde und bean
tragte die
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids; eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Sachver
haltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die
IV-Stelle
schloss in der Vernehmlassung vom 14.
Oktober 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Replik vom 4. Januar 2022 hielt die Beschwerdeführerin am beschwerdeweise gestellten Antrag fest (Urk. 12 S. 2) und reichte damit wie auch mit Eingabe vom 19. Januar 2022 (Urk. 15) weitere ärztliche Berichte ein (Urk. 13/2, 16). Mit Duplik vom 11. Februar 2022 sprach
sich die Beschwerdegegnerin zwar
für eine Korrektur der dem angefochtenen Ent
scheid zugrunde gelegten Qualifikation, weiterhin
aber
für die Abweisung der Beschwerde aus (Urk. 18), worüber die Beschwerdeführerin am 14. Februar 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 20).
Auf
die
Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eing
eg
angen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.5
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten Art. 16 ATSG anwendbar. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität nach Art. 28a Abs. 2 IVG in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Inva
lidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. "ge
mischte Methode" der Invaliditätsbemessung).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).#Ende
IV192120
#
2.
2.1
Die Beschwerdegegne
rin
verneinte einen Rentenanspruch der Beschwerde
führerin
im angefochtenen E
ntscheid damit, dass
sie in einer der körperlichen Beeinträchtigung angepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei und dass
sich weder
die
Hüftproblematik noch die psychische Beeinträchtigung dau
erhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Nachdem im Bereich Haushalt eine Einschränkung von lediglich 12.7 % vorliege, resultiere ab dem Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns im November 2020 bei einem Erwerbsanteil von insgesamt 47 % (35 % ausser Haus, 12 % im Familienbetrieb) und 53 % Haushalt ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 7
% (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen im Wesentlichen den Standpunkt vertre
ten, die Beschwerdegegnerin habe sich für ihren Entscheid zu Unrecht auf die RAD-Stellungnahmen von Dr.
Y._
gestützt
, welchem es für
die Beurteilung der psychischen Beschwerden an der fachlichen Expertise
fehle und dessen Beur
teilung der Hüftproblematik im Lichte der medizinischen Aktenlage zu kurz greife
(Urk. 12 S. 4 f.).
Sodann komme dem Haushaltsabklärungsbericht kein Beweiswert zu. Zunächst mangle es ihm an Aktualität, nachdem sich d
ie Beschwerdeführerin und ihr Ehemann im Frühjahr 2021 getrennt hätten. Entsprechend entfalle sowohl dessen ohnehin übermässig mitberücksichtigte Mithilfe wie auch diejenige des nunmehr nicht mehr bei der Beschwerdeführerin wohnenden Neffen. Sodann trage der Abklärungsbericht den psychischen Einschränkungen wie auc
h den Rückenbeschwerden, welch
e
letzteren
in diesem Verfahren insgesamt zu wenig Beachtung geschenkt worden sei, keine Rechnung.
Auch
seien die Angaben der Abklärungsperson zur Qualifikation nicht schlüssig, entspreche doch das von der Beschwerdeführerin im Betrieb ihres Ehemannes geleistete Pensum von 15 Stunden wöchentlich nicht 12
,
sondern 35 % eines normalen Arbeitspensums
. Insgesamt lasse die Aktenlage die Verneinung eines Rentenanspruchs
nicht zu,
geschweige denn berufl
icher Massnahmen. D
ie Beschwerdegegnerin habe viel
mehr weitere Abklärungen zu tätigen
(vgl. insbesondere: Urk. 12 S. 4 ff.).
2.3
Mit der Duplik vom 11. Februar 2022 korrig
ierte die Beschwerdegegnerin die Qualifikation dahingehend, dass ab September 2020
von einem Er
werbsb
ereich von insgesamt 70
%
(davon
35 % Mitarbeit im Geschäft des Ehemannes
) und 30
% Haushaltsbereich auszugehen sei. Im Übrigen werde an der Beurteilung des RAD festgehalten und liessen die neu eingereichten ärztlichen Berichte weder auf einen grossen Leidensdruck noch einen schweren psychischen Gesundheits
schaden schliessen (Urk. 18).
2.4
Gegenstand des angefochtenen Entscheids und in diesem Verfahren zu prüfen ist
insbesondere
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, wobei zwischen den Parteien
diesbezüglich namentlich
im Streite steht, ob die Aktenlage in medizi
nischer Hinsicht
und
bezüglich der
Einschränkung im Haushalt
eine abschliessende Beurteilung zulässt. Was die Qualifikation der Beschwerdeführerin anbelangt, gehen nunmehr beide Parteien davon aus, dass die Beschwerde
führerin im Gesundheitsfall ab September 2020
nur
noch zu 30 %
im Haushalt
und daneben zu
35
%
erwerblich
sowie zu 35 % im Betrieb ihres Ehemannes
tätig (gewesen) wäre.
3.
3.1
Beim Verkehrsunfall vom 31. Dezember 2016 erlitt die Beschwerdeführerin eine
Femursch
aftfraktur
links, eine
undislo
zierte
Acetabulumfraktur
links und ein
Abdomentrauma
mit Leber- und Milzhämatom
en
. Im Rahmen der notfall
mässigen Versorgung in
Z._
wurde der linke Femur zunächst mit
FixEx
und am 3. Januar 2017 unter Entfernung desselben mittel ORIF mit Verriege
lungsnagel sowie
Cerclage
proximal versorgt.
Am
9. Januar 2017
wurde
die
Beschwerdeführerin
ins Universitätsspita
l
A._
verlegt und
am 16. Januar 2017 in gutem Allgemeinzustand entlassen (Bericht der Klinik für Unfallchirurgie,
Universitätsspital A._
, vom 16. Januar 2017, Urk. 7/7/8-10)
. Am 13. Juni 2017
wurde das
Osteo
synthesenmateria
l
entfernt
(OSME). Bei verzögerter Frakturheilung mit
Delayed
Union und anhaltenden Schmerzen im Oberschenkel (vgl. Bericht der Universi
tätsklinik
B._
vom 5. März 2018, Urk. 7/11/1-2)
unterzog sie sich
am 13. April 2018 in der Universitätsklinik
B._
eine
r
Reoperation
mit
Femurnagel
wechsel
,
Cerclagenentfernung
, Dekortikation der
Pseudarthrose
und
Spongios
a
anlagerung
vom Beckenkamm (Operationsbericht vom 13. April 2018, Urk. 7/11/7-8). Nach Entfernung der Verriegelungsschraube am 20. September 2018 (Operationsbericht der Universitätsklinik
B._
vom 20. September 2018, Urk. 7/11/16-17) zeigte sich zunächst eine nun leicht fortschreitende Konso
lidation (Bericht der Universitätsklinik
B._
vom 7. November 2018, Urk. 7/11/20-21).
3.2
Im Zusammenhang
mit einer seit dem Unfall bestehenden Lumbago (vgl. Urk. 7/11/21) führte eine Untersuchung im Wirbelsäulenzentrum der Universitäts
klinik
B._
vom 30. November 2018 mit MRI vom selben Tag zur Diagnose einer Lumbalgie und einer schmerzhaften L5-Radikulopathie beidseits mit/bei i
sth
mischer
S
p
ondylolisthese
L5/S
1
M
e
yerding
Grad 1 (Bericht vom 3. Dezember 2018, Urk. 7/11/22-23).
3.3
Bei weiterhin inkompletter Konsolidation des Femurs und fehlender klinischer Verbesserung mit unverändert geklagten Schmerzen im Bereich des linken Ober
schenkels bis teils zum Knie
(vgl. Berichte der Universitätskl
inik
B._
vom 8. August
und 30. September 2019, Urk. 7/11/30-33) erfolgte am 8. Oktober 2019 eine neuerliche Nageldynamisierung (Operationsbericht vom 8. Oktober 2019, Urk. 7/11/34-35). Auch hiernach zeigte sich keine Veränderung in der Fraktur
zone, worauf sich die an zwei Gehstöcken mobile Beschwerdeführerin bei weiterhin fehlenden Konsolidierungszeichen (vgl. Bericht
e
der Universitätsklinik
B._
vom 5. und 27. Dezember 2019, 7/11/38-41)
am 20. Februar 2020 einer weiteren OSME
und einer CRIF
(
Closed
Reduction
and
Internal Fixation)
mittels T2-Femurnagel mit Plattenosteosynthese unterzog
(Bericht der Klinik für Traumatologie des
Universitätsspital
s
A._
vom 25. Februar 2020, Urk. 7/7/5-7).
3.4
Mit Bericht vom 25. Mai 2020 zu Händen der Beschwerdegegnerin
(Urk. 7/7
/1-4
)
stellten Oberarzt Dr. med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, und Assistenzarzt Dr. med.
D._
, Klinik für Traumatologie
Universitätsspital A._
,
als Hauptdiagnose mit A
uswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine p
ersistierende
Femurpseudarthrose
links nach
Femurmarknagelosteosynthese
einer
Femurschaft
f
raktur
am 31. Dezember 2016 (
S.
3)
. Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen keine vor.
Die Beschwerdeführerin sei gegenwärtig alle sechs Wochen in Kontrolle; die letzte Kontrolle habe am 9. April 2020 stattgefunden
(S. 1)
.
Als
Befunde
führten sie
die Eintrittsbefunde vom 17. Februar 2020
zum stationären Aufenthalt vom 17. bis 24. Februar 2017
an (S. 2)
. Funktionseinschränkungen lägen in Form einer Schmerzhaftigkeit im linken Oberschenkel vor, welche höhere Belastungen und längeres Stehen beziehungsweise Gehen erschwere. Für nicht körperliche Arbeiten sei die Beschwerdeführerin voll einsatzfähig, körperliche Arbeiten müssten an die jeweilige Situation angepasst werden. Eine Prognose zur Arbeits
fähigkeit könne aktenanamnestisch nicht adäquat beantwortet werden, der Behandlungsplan bestehe in einer physiotherapeutisch unterstützten Belastungs
steige
rung bis hin zur Vollbelastung und regelmässigen Kontrollen (S. 3).
3.5
Die Hau
s
ärztin der Beschwerdeführerin, Dr. med.
E._
, Praktische Ärztin, führte in ihrem Bericht vom 17. Juni 2020 als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen St
atus nach mehreren Operationen
der
Acetabulum
fraktur
und eine Lumba
l
gie sowie L5-Radikulopathie beidseits an. Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte sie einen Verdacht auf ein depressives Syndrom. Die Beschwerdeführerin sei total eingeschränkt
.
Arbeiten sei und werde nicht möglich sein
. Lange Zeit sitzen und stehen sei nicht möglich. Weder die bisherige Tätigkeit als Schneiderin noch eine angepasste Tätigkeit seien zumutbar. Im Haushalt bestünden Einschränkungen bei der Wohnungspflege und beim Einkauf (Urk. 7/8/3-6).
3.6
RAD-Arzt
Dr.
Y._
nahm am 10. Juli 2020 erstmals Stellung zur Aktenlage und schloss auf folgende Hauptdiagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfä
higkeit (Urk. 7/21/3 -4
):
-
Zustand nach
Delayed
-Union
Femurschaftfraktur
links durch Verkehrs
unfall
(31.12.2016)
-
Zustand nach
undislozierter
Acetabulumfraktur
links (31.12.2016)
-
Lumbalgie und schmerzhafte L5-Radikulopathie beidseits
.
Unter Bezugnahme auf den Bericht der Universitätsklinik
B._
vom 25. Mai 2020 (E. 3.4
) erachtete Dr.
Y._
die Beschwerdeführerin in einer nicht körper
lichen Tätigkeit ohne längeres Stehen oder Gehen für voll einsatzfähig. Nachdem in der bisherigen
Tätigkeit
als Hausfrau
die
Schmerzhaftigkeit im linken Ober
schenkel höhere Belastungen sowie längeres Stehen und Gehen erschwere, sei eine Haushaltsabkläru
ng durchzuführen
.
3.7
Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 11. September 2020
(Urk. 7/14
/1-10
)
er
klärte die Beschwerdeführerin, die Beschwerden hätten sich mit der letzten Operation im April 2020 im
Universitätsspital A._
gebessert. Seither gehe es ihr körperlich viel besser. Bei langem Sitzen und Gehen verspüre sie weiterhin Schmerzen, allerdings nie mehr in dem Ausmass wie früher. Wegen Sturzgefahr nehme sie bei langen Laufstrecken noch gerne Krücken zur Unterstützung. Sie schlafe schlecht und fühle sich am Tag müde, leide unter den seelischen Folgen. Sie sehe ihre grosse, unschöne Oberschenkelnarbe und sei traurig, ihr Bein sei «kaputt».
Ihr Hausarzt habe ihr
eine psychiatrische Behandlung empfohlen, welche sie zurzeit noch überdenke (S. 2).
Zur Qualifikation führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführerin habe vor dem Unfall dreimal wöchentlich während zirka fünf Stunden im Betrieb ihres Ehemannes gearbeitet
(Bügeln, Kleider auftrennen, Putzen)
und hätte weiterhin bis Corona im Umfang von 15 Stunden bei ihm gearbeitet. Daneben hätte sie bei Gesundheit ab Einschulung ihres Sohnes ab September 2020 eine ausserhäusliche Tätigkeit aufgenommen
im Umfang von
35 % (S. 8). Die
Abklärungsperson schloss hieraus
auf einen für die Anwendung der gemischten Methode
ab Sep
tember 2020
massgeblichen
ausserhäuslichen
Erwerbsanteil von 35 %,
einen Anteil
Mitarbeit im Geschäft von 12 % und einen H
aushaltsbereich von 53
% (S. 10).
Unter Berücksichtigung
schadenmindernder Mithilfe des E
hemannes und der Kinder sowie d
es bei der Familie wohnhaften Neffen (Jahrgang 2002) führte die Haushaltsabklärung sodann zur Annahme einer totalen Einschränkung
im Bereich Haushalt
von 12.7 % (S. 6 ff.).
3.8
Am 21. Dezember 2020 nahm die Beschwerdeführerin eine ambulante psycho
therapeutis
che Behandlung in der
Psychiatrie F
._
auf. Gemäss Bericht von Oberarzt Dr. med.
G._
,
Facharzt FMH für Psych
iatrie und Psychotherapie, und
der Psychologin
MSc
H._
vom 3. März 2021
(Urk. 7/33
/1-10
)
habe die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der chronischen Schmerzproblematik nach dem Autounfall im Jahr 2016 eine Anpassungsstörung mit zunehmend depressiven Symptomen entwickelt. Bei starkem Insuffizienzerleben einhergehend mit Zukunftsängsten und Perspekti
venlosigkeit sei die Zuweisung der Hausärztin in ihre Institution erfolgt, wo sich die Beschwerdeführerin mit einer mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode präsentiere. Die Beschwerdeführerin sei im Affekt niedergestimmt, hoffnungslos, es bestünden ein ausgeprägtes Insuffiz
i
enzerleben sowie Gedankenkreisen, Grü
beln, deutlicher Energieverlust, verminderter Appetit
. Auch sei sie
lebensmüde, wenn auch keine suizidalen Gedanken oder Absichten und kein sozialer R
ückzug
vorlägen
(S. 2).
Seit Behandlungsbeginn bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 1)
, wobei im Rahmen der mittelgradigen depressiven Episode
mit
einer Ar
beitsunfähigkeit von mindestens sechs Monaten zu rechnen sei
. Funktionell bestünden hauptsächlich E
inschränkungen a
m Bewegungsappar
a
t mit chronischer Schmerzproblematik. Die depressive Symptomatik führe zu einer Reduktion des Antriebs, was mit einer verminderten Initiierung von Aktivitäten und
mit
E
ntscheid
schwierigkeiten
sowie reduziertem Durchhaltevermögen ein
hergehe (S. 3)
.
Die
Prognose hielten die Fachpersonen
für schwierig
, sei doch der Verlauf der depressiven Symptomatik in hohem Ausmass vom somatischen Zustandsbild abhängig. Bei positivem Verlauf der depressiven Symptomatik könne in sechs Monaten mit einer stufenweisen Eingliederung gerechnet werden (S. 4).
3.9
Gemäss
RAD-Arzt
Dr.
Y._
in seiner Stellungnahme vom 29. März 2021
sei eine mittelgradige depressive Episode aus versicherungsmedizinischer Sicht als überwindbar anzusehen. Eine adäquate Behandlung sei eingeleitet, die Behand
lungsdauer mit sechs Monaten veranschlagt. Der Gesundheitsschaden sei somit ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/46/3).
3.10
PD Dr. med.
I._
,
stellvertretender
Klinikdirektor Orthopädie, Leiter Hüft- und Becke
nchirurgie, und Assistenzärztin med.
pract
.
J._
, Universitätsklinik
B._
, berichteten am 16. April 2021
(Urk. 7/36)
, die Beschwerdeführerin habe sich zur Beurteilung der aktuellen Situation bezüglich der linken Hüfte inklusive Arbeitsfähigkeit vorgestellt. Sie
berichte
über ein unverändertes Beschwerdebild seit 2016 mit nie zufriedenstellender Situation. Im Befund habe sich ein hin
kendes
antalgisches
Gangbild mit Schonhinken linksseitig und ein deutliches
Tractusschnappen
beim Gehen gezeigt.
Es liege
nach wie vor ein postoperatives Rehabilitationsdefizit mit Insuffizienz der
pelvitrochantären
Mus
k
ulatur vor. Weiter zeige sich heute das klinische Bi
ld einer
Coxa
saltans
externa
, konventio
nell-radiologisch aber ein erfreulicher Verlauf mit nun konsolidierter Fraktur, so dass sich keine chirurgische Interventions-Indikation aufdränge. Es
werde
das Fortführen der Physiotherapie empfohlen, von welcher die Beschwerdeführerin doch deutlich profitiere. In ihrer angestammten beruflichen Tätigkeit (in Wäsche
rei mit stehender Arbeit, vgl. S. 2 oben) werde keine 100%ige Arbeitsfähigkeit gesehen, jedoch könnte ein gezielter Arbeitsversuch zu 40 % in einer angepassten Tätigkeit in einem kontrollierten Umfeld evaluiert werden (S. 2).
3.11
Auch zu letzterem Bericht nahm
RAD-Arzt
Dr.
Y._
Stellung und sprach sich am 7. J
uli 2021 dafür aus,
die Problematik der linksseitigen Hüfte
sei
ebenfalls
als ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
anzusehen
. Zwar werde im Bericht der Universitätsklinik
B._
vom 16. April 2021 nun eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bei einem Arbeitsversuch aufgrund der Hüftproblematik angegeben, doch sei mit einer Steigerung zu rechnen, weshalb auch hier von einer vorübergehenden Einschränkung auszugehen sei (Urk. 7/46/4).
3.12
Mit im Beschwerdeverfahren eingereichtem Bericht von Dr. med.
K._
, Konservativer Oberarzt, Wirbelsäulenzentrum, Universitätsklinik
B._
, vom 22. November 2021
führte dieser aus, die Beschwerdeführer
in habe sich nach durchgeführter
CT der L
endenwirbelsäul
e (LWS) vorgestellt. Sie leide weiter an Schmerzen im LWS-Bereich und Schmerzen im linken Trochanter seitlich
sowie im
linken Oberschenkel.
Die Diagnosen lauteten auf Lumbalgien tieflumbal links bei
lytischer
Spondylolisthese
Grad I nach
Meyerding
und einen Verdacht auf Bursitis
trochanterica
links.
In der aktuellen Vorstellung lägen die Schmerzen wieder im tiefen LWS-B
ereich, wo in der
aktuellen CT
wie bereits in der
CT Thorax-Abdomen vom 9. Januar 2017 die
Spondylolyse
L5 beidseits habe fest
gestellt werden können. Bezüglich der Schmerzen im LWS-Bereich sei der Be
schwerdeführerin eine diagnostisch-therapeutische Infiltration der
Spondylolyse
empfohlen worden, welche sie aus Angst vor Nebenwirkungen des Kortisons nicht durchführen wolle
. Diese sei aber, wie besprochen, Voraussetzung f
ür die grund
sätzlich indizierte
Spondylodese
L5/S1. Auch eine Behandlung des linken Trochanters mit
Flectoparin
Tissugel
habe sie abgelehnt (Urk. 13/2).
3.13
Die Oberärztin Dr. med.
L._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, und
M
sc
H._
,
Psychiatrie F._
, sprachen sich in Beantwortung der von der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin
gestellten Fragen am 7. Januar 2022 dafür aus, es liege weiterhin eine mittelgradige depressive Episode vor, welch
e
das Belastungsniveau deutlich reduziere und aufgrund welcher die Arbeits
fähigkeit entsprechend angepasst werden müsse. Bei Anpassung des Arbeitsplatzes an die oben beschriebenen Beschwerden könne mittel- bis länger
fristig von einer Teilarbeitsfähigkeit ausgegangen werden (Urk. 16).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre leistungsverweigernde Verfügung in medi
zinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die RAD-Stellungnahmen von Dr.
Y._
.
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
-
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsan
spruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammen
zufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Soll
aber
ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anfor
derungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2
Soweit Dr.
Y._
seine
Beurteilung des somatischen Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auf den Bericht der Universitätsklinik
B._
vom 25. Mai 2020 (E. 3.4) und die darin postulierte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit stützte (vgl. E. 3.6), fällt auf, dass Dr.
C._
und Dr.
D._
ihrer
Beurteilung
vom 25.
Mai 2020 nicht
die Anamnese
und
aktuellen
Befunde
der letzten Kontroll
untersuchung vom 9. April 2020, sondern
die
voroperativen Befunde und auch die entsprechende Anamnese
vom 17. Februar 2020 und damit offensichtlich keine eigenen klinischen
Erhebungen
zugrunde legten
, waren sie doch an der Berichterstattung vom 25. Februar 2020 zur
Hospitalisation
vom 17.
b
is 24. Feb
ruar 2020 jedenfalls nicht beteiligt
(vgl. E. 3.4, Urk. 7/7/6
).
Auch
fand die von Dr.
Y._
als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit angeführte L
umbalgie
und schmerzhafte L5-Radikulopathie beidseits (E. 3.6) in die Beurteilung von Dr.
C._
und Dr.
D._
keinerlei
Eingang (Urk. 7/7/3
)
, dies obwohl die
se
Diagnose bereits
im
Dezember 2018
von den zuständigen Ärzten des Wirbelsäulenzentrums der Universitätsklinik
B._
gestellt worden war (E. 3.2) und auch im aktuellsten Bericht
derselben Klinik bestätigt
wurde (E.
3.12)
.
Damit aber
fehlt es der
Beurteilung
von Dr.
C._
und Dr.
D._
vom 25. Mai 2020
sowohl an
einem
lückenlosen
als auch an einem
aktuellen
,
eigens
erho
benen
Befund
und damit an einer massgeblichen Grundlage für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit
im hier relevanten Zeitraum von der Anmel
dung zum Leis
tungsbezug im Frühjahr
2020 (respektive sechs Monate zuvor: Art. 28 Abs. 1
lit
. b in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG) bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids
.
Entsprechend drängen sich
an der Beurteilung des somatischen Gesundheitszustandes durch
Dr.
Y._
vom 10. Juli 2020
, welche im Wesent
lichen auf der Einschätzung von Dr.
C._
und Dr.
D._
beruht, zumindest geringe Zweifel auf.
Diese werden auch durch seine Stellungnahme vom 7. Juli 2021 (E. 3.11) zum Bericht von PD Dr.
I._
und
Assistenz
ärztin
J._
vom 16. April 2021 (E. 3.10) nicht aus dem Weg geräumt. Wenn auch letzterem zu entnehmen ist, dass sich konventionell-radiologisch mit der zwischenzeitlichen Konsolidierung der Frak
tur ein erfreulicher Verlauf eingestellt hat, was mit der von der Beschwerde
führerin zumindest anlässlich der Haushaltsabklärung vom 11.
September 2020 erläuterten verbesserten Schmerzsymptomatik seit dem letzten operativen Eingriff korrespondiert (E. 3.7),
so sprachen sich die
B._
-Ärzte bei weiterhin bestehendem Rehabilitationsdefizit, neu diagnostizierter
Coxa
saltans
externa
und von der Beschwerdeführerin insgesamt unverändert geklagten Beschwerden für einen Arbeitsversuch von lediglich 40 % in angepasster Tätigkeit und kontrolliertem Umfeld aus (E. 3.10). Zwar kann dieser Einschätzung mangels
nachvollziehbarer
Begründung wie im Übrigen auch derjenigen von Dr.
E._
vom 17. Juni 2020 über
eine
100%
ige
Arbeitsunfähigkeit (E. 3.5) nicht gefolgt werden. Jedoch erschliesst sich auch nicht, worauf Dr.
Y._
in seiner Stellung
nahme zum Bericht von PD Dr.
I._
und Assistenz
ärztin
J._
vom 16. April
2021
seine Annahme
stützt
, es liege bezüglich der Hüftproblematik eine lediglich vorübergehende Einsc
hränkung vor (E. 3.11),
weshalb – implizit - die von den ersteren attestierte Arbeitsunfähigkeit invalidenversicherungsrechtlich unbe
achtlich sei.
Zusammengefasst drängen sich an der Beurteilung des somatischen Gesundheits
zustandes
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
durch den RAD-Arzt Dr.
Y._
zumindest geringe Zweifel auf und lässt die übrige Aktenlage eine abschliessend
e Beurteilung desselben nicht zu
.
4.3
Was den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin anbelangt,
ist dem B
ericht
von
Dr.
E._
von 17. Juni 2020 erstmals ein Verdacht auf ein depressives Syndrom zu entnehmen, wobei die Hausärztin demselben (noch) keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beimass (E. 3.5).
Die
zuständigen Fachpersonen der
Psychiatrie F._
stellten sodann in ihrem
Bericht vom
3. März 2021
(E. 3.8)
die Diagnose einer
depressive
n
Episode gegenwärtig mittelgradiger A
usprägung (
ICD-10 F32.1
)
mit vorangehender Anpassungsstörung nach dem Verkehrsunfall 2016
und attestierten eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit seit
Behandlungsbeginn am
21. Dezember 2020 (E. 3.8), welche sie mit Bericht vom 7. J
an
u
a
r 2022
als
weiter
bestehend beurteilten
(E. 3.13)
.
Zwar drängen sich angesichts der psychiatrisch erhobenen Befunde unter zusätz
licher Berücksichtigung einer Mini-IC-App-Testung sowohl im Rahmen der ersten als auch der zweiten Berichterstattung (Urk. 7/33/7-9, Beilage zu Urk. 16)
keine
ernsthaften
Zweifel an der Diagnostik
in den Berichten der
Psychiatrie
F._
auf und es ist der Beschwerdeführer
in
im Grundsatz
darin (E. 2.2) zuzustimmen, dass Dr.
Y._
die Fachexpertise zur Beurteilung ihres psychischen Gesundheitszustandes
respektive der psychiatrischen Berichte fehlt.
Was hingegen die Arbeitsunfähigkeitsschätzung in den Berichten der
Psychiatrie F._
vom 3.
März 2021 und 7. Januar 2022 mit einer seit Behandlungsbeginn (21. Dezember 2020) attestierten 100%igen Arbei
tsunfähigkeit (E. 3.8 und E.
3.13) anbelangt, gilt es
zu berücksichtigen, dass g
emäss BGE 143 V 418 grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Ar
beitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Gehen die psychiatrischen Fachpersonen aber wie vorliegend von einer gänzlichen Einschränkung der A
rbeitsfähigkeit bei mittelgradiger depressiver Episode ohne
relevante
psychische Komorbidität aus, erweist sich eine
Indikatorenprüfung
gemäss
BGE 141 V 281
als unabdingbar.
Eine
umfassende und hinreichende Beurteilung nach Massgabe der - anam
nestisch, aktuell und prognostisch - relevanten Indikatoren (Schweregrad: Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome, Behandlungserfolg oder -resistenz, Komorbidität, Komplex der Persönlichkeit und sozialer Kontext; Konsistenz: Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebens
bereichen und Inanspruchnahme von therapeutischen Opti
onen; BGE 141 V 281 E. 4.3 f.)
fehlt. Die
fachfremde,
summarische Beurteilung von Dr.
Y._
vom 29. März 2021 (E. 3.9)
bildet keine ausreichende Beurteilungsgrundlage
hierfür.
Sodann lassen die
Akten keine abschliessende Beurteilung der
normativen Vorgaben insbesondere hinsichtlich der Konsistenz und der Frage nach der Massgeblichkeit der somatischen Komorbi
di
tät und deren Wechselwirkung mit der psychischen Einschränkung
zu.
4.4
Zusammengefasst erweist sich der medizinische Sachverhalt sowohl in soma
tischer als auch in psychischer Hinsicht ungenügend abgeklärt. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines
bidisziplinären
(orthopä
dischen/psychiatrischen) Gutachtens zurückzuweisen. Je nach
Ergebnis der Begutachtung
wird sie zudem nicht umhinkommen, eine neuerliche Haushalts
abklärung durchzuführen. Im Rahmen derselben wäre
n neben
der allfällig abweichenden Beschwerdelage
insbesondere auch d
ie veränderte
private
Situation aufgrund der Trennung
vom Ehemann
im Frühjahr 2021 und des Aus
zugs des Neffen desselben (Urk.
12 S. 6) zu berücksichtigen, welche nicht nur mit einer Reduktion der Per
sonenzahl im Haushalt einhergehen
, sondern wohl auch die im Rahmen der Schadenminderung angerechnete Mitwirkung des Ehemannes und des Neffen entfallen lässt und möglicherweise eine andere Qualifikation im Zusammenhang mit der Mitarbeit im Betrieb ihres Ehemannes nach sich zieht.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens – nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
weisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2) – sind sie der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflich
ten, der
Beschwerdeführer
in
eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 2’300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.