Decision ID: d2ed20bd-cfce-5c4f-8f07-778f3d661969
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der kolumbianische Beschwerdeführer – mit letztem Wohnsitz in
B._ und C._ (beide D._) – reiste gemäss eigenen
Angaben am 27. Juli 2019 nach E._ aus und danach nach
F._ weiter. Am 25. Februar 2020 reiste er schliesslich in die Schweiz
ein und suchte gleichentags bei den hiesigen Behörden um Asyl nach. Am
28. Februar 2020 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene Rechtsvertre-
tung.
B.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 2. März 2020 und der Anhörung
vom 16. Juni 2020 führte der ausgebildete Polizist aus, er sei in C._
aufgewachsen und habe später eine technische Ausbildung bei der Natio-
nalpolizei in G._ absolviert. In den Jahren 2015 bis 2018 sei er als
Teil einer nationalen Operationsgruppe an diversen Orten im Land im
Kampf gegen Drogenkartelle eingesetzt worden. Er sei (...) ersten Grades
und auf Dschungelgebiete spezialisiert. Danach habe er bis zu seiner Aus-
reise bei der Polizei in B._ gearbeitet.
Zur Begründung seines Asylgesuchs gab er im Wesentlichen zu Protokoll,
er habe zusammen mit seiner Operationsgruppe am (...) 2018 in
H._ einen Einsatz gegen I._ durchgeführt, bei dem dieser
und vier seiner Handlanger festgenommen worden seien. I._ trage
den Spitznamen "J._" und sei ein bekannter Drogendealer. Es sei
üblich, dass an einer solchen Festnahme beteiligte Polizisten einige Mo-
nate danach zu einer sogenannten Anklageanhörung vorgeladen würden.
Dabei müssten sie den genauen Hergang der Festnahme schildern. Dies
sei auch im (...) 2018, zwei Monate nach der Festnahme von I._,
der Fall gewesen. Vor der Anhörung hätten ihn vier Männer auf zwei Mo-
torrädern abgefangen, ihn geschlagen und ihm mit dem Tod gedroht, sollte
er an der Anhörung "ihres Chefs" teilnehmen. Die Anhörung habe schliess-
lich auch nie stattgefunden. Einer seiner Arbeitskollegen sei in K._
erschossen worden; dieser sei zuvor ebenfalls bedroht worden und habe
deswegen vermutlich eine Anzeige erstattet. In seinem Urlaub im (...) 2018
habe er mit seiner Familie über diesen Vorfall und eine allfällige Kündigung
oder Anzeige gesprochen, sich schliesslich aber entschieden weiterzuar-
beiten. Im (...) 2019 sei er erneut zur Anhörung im Verfahren gegen
I._ vorgeladen worden, weshalb er wiederum durch dessen Unter-
stützer bedroht und mit einem Messer am Arm verletzt worden sei. Nach
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diesem Ereignis habe er sich an seinen Vorgesetzten gewandt, dieser habe
aber nur gesagt, er solle eine Anzeige erstatten, ansonsten könnten sie ihn
auch versetzen. Da die Drogenkartelle landesweit tätig seien, hätte auch
ein Versetzung nichts genützt, weshalb er sich entschieden habe, sich zu-
rückzuziehen und am 19. April 2019 die Kündigung einzureichen. Der Kün-
digungsprozess habe zwei bis drei Monate gedauert, weshalb er erst Ende
Juli 2019 ausgereist sei. Nach seiner Ausreise seien "irgendwelche Typen"
mehrmals bei seiner Familie erschienen und hätten nach ihm gefragt, zu-
letzt im (...) 2020.
Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seinen – in
L._ neu ausgestellten – Reisepass ein. Als Beweismittel legte er
sein Ausbildungszertifikat der Polizei, ein Foto von ihm und seinen Arbeits-
kollegen bei der Polizei sowie einen Zeitungsartikel über die Festnahme
von I._ ins Recht und wies auf ein auf Youtube veröffentlichtes Vi-
deo der Festnahme hin, worauf er zu sehen sei.
C.
Am 23. Juni 2020 ergriff die zugewiesene Rechtsvertretung die von der
Vorinstanz gewährte Gelegenheit, zum Entscheidentwurf Stellung zu neh-
men.
D.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2020 – gleichentags eröffnet – verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asyl-
gesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an.
E.
Mit Eingabe vom 24. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seine
ihm zugewiesene Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte dabei die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung, die Anerkennung als Flüchtling sowie die Gewährung von Asyl.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
Der Beschwerde legte er einen Auszug des Decreto 4433 de 2004 (di-
ciembre 31) por medio del cual se fija el régimen pensional y de asignación
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de retiro de los miembros de la Fuerza Pública sowie eine Kopie des Arti-
kels 109 des Código Penal Militar (Desertion) bei.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
27. Juli 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 28. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwer-
deführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz
abwarten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (vgl.
Art. 10 Verordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang
mit dem Coronavirus [SR 142.318]). Der Beschwerdeführer hat am Verfah-
ren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfü-
gung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1
sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss sachlich und zeitlich kausal
für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-
punkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurtei-
lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entschei-
des, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende
begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelvermutung – auf
eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51
E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.). Aufgrund der Subsidiarität des flücht-
lingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland
keinen adäquaten Schutz finden kann, weil dort keine Infrastruktur besteht,
die ihr Schutz bieten könnte (sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7,
m.w.H.), oder weil der Staat ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in
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der Lage wäre (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.).
Zudem besteht ein Schutzbedürfnis auch dann, wenn die bestehende
Schutzinfrastruktur der von Verfolgung betroffenen Person nicht zugäng-
lich ist oder ihr deren Inanspruchnahme aus individuellen Gründen nicht
zuzumuten ist. Über das Bestehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rah-
men einer individuellen Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des län-
derspezifischen Kontextes zu befinden, wobei es den Asylbehörden ob-
liegt, die Effektivität des Schutzes vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklä-
ren und zu begründen (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz
vor nichtstaatlicher Verfolgung im Heimatstaat ist als ausreichend zu qua-
lifizieren, wenn die betreffende Person effektiv Zugang zu einer funktionie-
renden und effizienten Schutzinfrastruktur hat, unabhängig von persönli-
chen Merkmalen wie Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen
oder religiösen Minderheit, und ihr die Inanspruchnahme eines solchen in-
nerstaatlichen Schutzsystems individuell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51
E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-2918/2018 vom 12. August
2019 E. 5.1).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Den ablehnenden Entscheidentwurf begründete die Vorinstanz mit der
fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers. Es würden
keine Anzeichen vorliegen, wonach die kolumbianischen Behörden ihrer
Schutzpflicht nicht nachkommen würden. Er habe angegeben, sein Arbeit-
geber habe für Fälle wie den seinen keinerlei Schutzmassnahmen vorge-
sehen. Gleichzeitig habe er im Widerspruch dazu erwähnt, dass die Polizei
betroffene Personen in solchen Fällen dazu ermutige, Anzeige zu erstat-
ten, anderenfalls würden sie versetzt. Es sei ihm zuzumuten gewesen,
Schutzmassnahmen in die Wege zu leiten. Er habe lediglich gemutmasst,
dass sein ermordeter Kollege ebenfalls am besagten Einsatz teilgenom-
men habe. Dessen Tod vermöge daher nichts an seiner Situation zu än-
dern. Dies gelte auch für die eingereichten Beweismittel, welche zwar seine
Arbeit für die Polizei belegten, nicht jedoch die geltend gemachte Bedro-
hungslage, geschweige denn eine allfällige Unwilligkeit oder Unfähigkeit
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des Staates, ihn zu schützen. Der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen,
dass die Schilderungen auch eine Vielzahl an Ungereimtheiten enthielten.
So erstaune es beispielweise, dass der Beschwerdeführer angesichts der
Drohungen ein mehrmonatiges Kündigungsverfahren durchlaufen habe
und erst im Anschluss daran ausgereist sei. Ausserdem falle auf, dass er
einerseits angegeben habe, dass es seiner Familie in Kolumbien gut gehe,
gleichzeitig aber erwähnt habe, dass er Angst habe, da seine Mutter nach
seiner Ausreise mehrmals bedroht worden sei. Es sei nicht nachvollzieh-
bar, weshalb man seine Familie angesichts seiner Ausreise und der damit
einhergehenden Hinfälligkeit seiner Aussagen vor Gericht – dem einzigen
Grund für die Drohungen – weiterhin behelligen sollte. Auch habe er be-
treffend die Anhörungen angegeben, dass die Staatsanwaltschaft seine
ehemaligen Arbeitskollegen in Kolumbien nicht angerufen habe, die Natio-
nalpolizei kümmere sich derzeit nicht um den Fall. Ob man ihn im Falle
einer Rückkehr überhaupt nochmal vorladen würde, sei unklar. Schliesslich
werfe der Umstand, dass er nach seiner Ankunft in Europa Ende Juli 2019
zunächst ein halbes Jahr bei Bekannten in F._ verbracht habe, be-
vor er im Februar 2020 ein Asylgesuch in der Schweiz einreicht habe, Fra-
gen auf.
5.2 In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf machte der Beschwerde-
führer geltend, die Erstattung einer Anzeige stelle ein Menschenleben nicht
per se unter Schutz, sondern erhöhe die Gefahr, von Vergeltungsschlägen
getroffen zu werden. Dies zeige das Beispiel seines Arbeitskollegen, der in
seinem Urlaub einem Vergeltungsschlag zum Opfer gefallen sei. Wie er
selbst, sei dieser auf dem öffentlich zugänglichen Video zu sehen. Dieser
Kollege sei ebenfalls aufgerufen worden, gegen "J._" auszusagen
und sei deshalb bedroht worden. Er vermute, dass der besagte Kollege es
gewagt habe, Schritte gegen die Täter vorzunehmen und aus diesen Grün-
den umgebracht worden sei. Keinem der Mitglieder der Operation seien
nach diesem Vorfall erhöhte Schutzmassnahmen angeboten worden. Aus-
serdem verneine die Rechtsprechung die generelle Schutzfähigkeit der ko-
lumbianischen Behörden (mit Verweis auf die Urteile des Bundesverwal-
tungsgericht D-3831/2019 und D-3832/2019 vom 12. August 2019). Even-
tualiter müsse das SEM genauere Abklärungen tätigen, ob er konkret von
den staatlichen Behörden genügend geschützt werden könne, wie dies
auch das Bundesverwaltungsgericht in den genannten Urteilen fordere.
Die angeblichen Unstimmigkeiten bezüglich seines Aufenthaltes in
F._ beträfen seine Asylgründe nicht. Der Vorwurf, wonach er erst
nach Ablauf der Kündigungsfrist ausgereist sei, berücksichtige nicht, dass
er als Polizist ansonsten auch noch Probleme mit den kolumbianischen
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Behörden erhalten hätte. Auch hinsichtlich seiner Familie habe er sich nicht
widersprochen. Er habe gesagt, dieser gehe es gesundheitlich gut, er habe
aber Angst, seine Familie durch seine allfällige Rückkehr und die damit
einhergehende Provokation seiner Verfolger zu gefährden. Ausserdem
hänge das Interesse der Drogenkartelle an seiner Person nicht einzig von
seiner Aussage ab. Selbst wenn das Verfahren gegen I._ abge-
schlossen wäre, wäre er nicht ausser Gefahr. Er sei im veröffentlichten Vi-
deo gut zu erkennen, weshalb er eine exponierte Figur und folglich beson-
ders gefährdet sei, Opfer von Rache für die Verhaftung zu werden. Deshalb
sei er auch bei seiner Mutter gesucht worden.
6.
6.1 Im Asylentscheid hielt die Vorinstanz an ihrer im Entscheidentwurf dar-
gelegten Begründung fest und führte zur Stellungnahme des Beschwerde-
führers aus, ihm sei insofern zuzustimmen, als dass sein Leben auch bei
einer Anzeige nicht per se unter Schutz stünde. Dies fordere die soge-
nannte Schutztheorie aber auch nicht, denn eine effektive Garantie vor
nichtstaatlicher Verfolgung könne vom Staat nicht verlangt werden, da kein
Staat in der Lage sei, für die absolute und allzeitige Sicherheit seiner Bür-
ger zu sorgen. Erforderlich sei das Vorhandensein einer funktionierenden,
effizienten und objektiv zugänglichen Schutzinfrastruktur, deren Inan-
spruchnahme individuell zumutbar sein müsse. Diese Zugänglichkeit sei
gegeben, der Arbeitgeber des Beschwerdeführers habe die angebotenen
Schutzmassnahmen aufgezeigt. Demzufolge könne nicht gesagt werden,
dass der kolumbianische Staat die Drohungen gegen ihn aufgrund von feh-
lendem Interesse an seinem Schutz tatenlos hingenommen habe. Auf die
dargelegten Schutzmöglichkeiten haben er vielmehr bewusst verzichtet. Er
habe also nicht alle – vor allem für ihn als Polizist – zumutbaren Anstren-
gungen auf sich genommen habe, um den gewünschten staatlichen Schutz
zu erhalten. Ausserdem biete die Unidad de Protección Nacional (UNP)
des kolumbianischen Staates Zeugenschutzprogramme an. Zu den be-
günstigten Personengruppen gehörten unter anderem Staatsdiener und
somit auch er als Polizist. Insbesondere bei Drohungen gebe es jedoch
auch die Möglichkeit, bei einer spezialisierten Untergruppe der Polizei,
Grupo de Acción Unificada por la Libertad Personal (GAULA), eine Anzeige
zu deponieren. Den vom Beschwerdeführer zitierten Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts liege kein vergleichbarer Sachverhalt zugrunde.
Schliesslich erstaunten die Präzisierungen in der Stellungnahme betref-
fend den Zusammenhang der Ermordung seines Kollegen und seiner Be-
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drohungslage, zumal seine Aussagen anlässlich der Anhörungen auf rei-
nen Vermutungen basiert hätten. Aufgrund der nicht erfolgten Glaubhaftig-
keitsprüfung werde auf eine eingehende Auseinandersetzung mit seinen
dahingehenden Erklärungsversuchen verzichtet. Der Aussage, wonach er
aufgrund seines Erscheinens im öffentlich einsehbaren Video besonders
exponiert sei, könne aber insofern nicht zugestimmt werden, da er darin
nicht zuletzt aufgrund seines Hutes kaum erkennbar sei.
6.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift, der
Hinweis seines Vorgesetzten auf die Möglichkeit einer Anzeige sei keine
Schutzmassnahme des Arbeitgebers, sondern ein generelles Mittel das je-
dem Bürger zur Verfügung stehe. Ein Polizist habe durch sein öffentliches
Auftreten ein höheres Gefährdungsprofil als ein normaler Bürger, zumal
sich die Gefahr für Vergeltungsschläge und Einschüchterungen erheblich
vergrössere. Er habe viel Erfahrung mit Operationen gegen die Drogenkar-
telle und sei sogar auf dem veröffentlichten Video erkennbar. Durch eine
Anzeige hätte er sich zusätzlich gefährdet, da er sich durch die simple Aus-
übung seiner beruflichen Tätigkeit denjenigen Personen exponiert habe,
die er anzeigen müsste. So vermute er auch, dass die Ermordung seines
Kollegen durch eine Anzeige ausgelöst worden sei. Dieser sei sogar (...)
Kilometer von B._ entfernt aufgespürt und getötet worden. Den-
noch sei ihm keine weitere Unterstützung angeboten worden. Die Vo-
rinstanz habe die Folgen seiner Exponiertheit daher zu wenig gewürdigt.
Ziel einer Versetzung sei überdies, den Betroffenen aus dem kritischen
Umfeld herauszunehmen und in ein Umfeld zu bringen, wo er nicht mehr
erkannt und mit seiner Tätigkeit in Verbindung gebracht werde. Die Dro-
genkartelle seien aber landesweit tätig, weshalb eine Versetzung nicht ziel-
führend wäre. Seine Identität sei dem Drogenkartell bereits bekannt, wes-
halb unerheblich sei, dass er auf dem Video kaum zu erkennen sei. Sein
Auftritt darin genüge, um das Feindbild der Drogenkartelle zu bestärken.
Im Ergebnis wäre in seinem Fall weder eine Anzeige noch eine Versetzung
effizient. Ihm sei ausserdem nie vorgeschlagen worden, an einem Zeugen-
schutzprogramm teilzunehmen oder bei der GAULA eine Anzeige zu er-
statten, weshalb nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden könne,
dass ihm diese Möglichkeiten offen gestanden hätten. Ausserdem habe er
durchaus Schutzvorkehrungen getroffen, indem er seine Funktion als Poli-
zist niedergelegt, so zu einem "normalen Bürger" geworden sei und folglich
versucht habe, sein Gefährdungsprofil zu verringern. Trotzdem sei er wei-
terhin aufgesucht worden. Die ihm von den kolumbianischen Behörden
vorgeschlagenen Schutzvorkehrungen seien ihm als Polizist folglich nicht
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zumutbar, teilweise nicht zugänglich und somit nicht zielführend gewesen,
um ihn von einer nichtstaatlichen Verfolgung zu schützen.
Betreffend die verzögerte Ausreise aus Kolumbien sei daraufhin zu weisen,
dass er versucht habe, sich durch die Kündigung zu schützen. Als er sich
trotzdem nicht sicher gefühlt habe, sei er schliesslich ausgereist. Ausser-
dem hätte er sich durch eine Ausreise vor Ablauf des Kündigungsverfah-
rens der Desertion schuldig gemacht und mit einer Freiheitsstrafe von acht
Monaten bis zu zwei Jahren rechnen müssen, das ergebe sich aus den
eingereichten Auszügen aus den entsprechenden kolumbianischen Best-
immungen. Sein langer Aufenthalt in F._ sei seiner Annahme ge-
schuldet gewesen, selbst für seine Unterbringung und Verpflegung in der
Schweiz aufkommen zu müssen. Dies ändere aber nichts an der Ernsthaf-
tigkeit seiner Furcht vor Verfolgung sowie an der Glaubhaftigkeit seiner
Vorbringen.
7.
7.1 Vorab ist festzuhalten, dass die von der Vorinstanz erhobenen Zweifel
an der Glaubhaftigkeit des geltend gemachten Sachverhalts berechtigt
sind und die Erklärungen in der Beschwerde nicht zu überzeugen vermö-
gen; vielmehr verstärken seine Ausführungen die Zweifel noch. So ist etwa
nicht ersichtlich, wann der Beschwerdeführer wo stationiert gewesen sein
soll. Er sei in M._ und weiteren Orten eingesetzt worden (vgl. A27
F13). Die Stützpunkte der Operationsgruppe hätten sich in H._ be-
funden, wobei er dem Stützpunkt in H._ zugeteilt gewesen sei (vgl.
A27 F50 f.). Kurz zuvor hatte er angegeben, in K._ als (...) gearbei-
tet zu haben (vgl. A27 F49). In seiner Beschwerde erklärt er wiederum, von
G._ aus in den Urlaub gefahren zu sein (vgl. Beschwerde Teil I. Ziff.
4), obwohl er ab dem Jahr 2018 in B._ gearbeitet habe (vgl. A27
F16). Die Darlegung anlässlich der Personalienaufnahme, wonach er sei-
nen Vater nie kennengelernt habe (vgl. A1062709-15 Ziff. 1.16.04) trägt
ebenfalls nicht zur Glaubwürdigkeit seiner Person bei, zumal er an der An-
hörung im Gegensatz dazu vorbrachte, der Vater lebe in B._; sie
hätten nur wenig Kontakt, aber er sei ihm durchaus wichtig (vgl. A27 F17).
Seine Erklärungen zum langen Aufenthalt in F._ überzeugen eben-
falls nicht, wobei angesichts der fehlenden asylrechtlichen Relevanz nicht
weiter darauf einzugehen ist.
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7.2
7.2.1 Unabhängig vom unter Erwägung 7.1 Gesagten ist unter dem Aspekt
der Asylrelevanz richtig, dass im Einzelfall geprüft werden muss, ob eine
betroffene Person bei den heimatlichen Behörden hinreichend Schutz fin-
den kann. Dies hat das SEM vorliegend getan und es hat auch seiner Prü-
fung, wie zu zeigen sein wird, den zutreffenden Schluss gezogen. Inwiefern
es dabei formelles Recht verletzt hätte, ist nicht ersichtlich, zumal es be-
reits im Entscheidentwurf alle wesentlichen Vorbringen des Beschwerde-
führers aufgenommen und gewürdigt hat; die Einwände in seiner Stellung-
nahme hat es dann in der angefochtenen Verfügung berücksichtigt. Be-
zeichnenderweise wird der Rückweisungsantrag auch nicht substantiiert
begründet, und er ist abzuweisen.
7.2.2 Noch vor der Frage der Schutzwilligkeit respektive Schutzfähigkeit
der kolumbianischen Behörden, stellt sich die Frage, ob der der Beschwer-
deführer überhaupt im Zeitpunkt seiner Ausreise respektive heute schutz-
bedürftig war beziehungsweise ist. Er macht geltend, zwei Mal von Hand-
langern des Verhafteten angehalten, geschlagen, bedroht und beim zwei-
ten Mal sogar am Arm verletzt worden zu sein. Dies habe sich jeweils nach
dem Erhalt einer Vorladung zur Anklageanhörung gegen I._ ereig-
net. Danach habe er die Kündigung eingereicht und weitere drei bis vier
Monate in seinem Heimatstaat verbracht. In dieser Zeit ist ihm nichts pas-
siert, auch wenn er in der Beschwerde plötzlich pauschal geltend macht,
er sei auch nach der Kündigung eingeschüchtert worden. Offenbar hat er
sich derart sicher gefühlt, dass er die Zeit bis zu seiner Ausreise zum Teil
sogar bei seiner Familie in C._ verbracht hat (vgl. A1062709-27 F8).
Es ist anzunehmen, dass er dies nicht gewagt hätte, wenn die Handlanger
von I._ tatsächlich nach seinem Leben getrachtet hätten oder er
dies zumindest befürchtet hätte, zumal er so auch seine Familie einer be-
trächtlichen Gefahr ausgesetzt hätte. Ausserdem ist davon auszugehen,
dass er – wenn er tatsächlich Todesangst gehabt hätte – nicht weitere drei
bis vier Monate in seiner Heimat verbracht hätte. Der diesbezügliche Er-
klärungsversuch, wonach er sich der Desertion schuldig gemacht hätte,
vermag nicht zu überzeugen, da eine drohende Ermordung im Vergleich
zu einer möglichen Freiheitsstrafe von acht Monaten bis zu zwei Jahren
deutlich schwerwiegender wirkt. Ausserdem ist fraglich, ob er überhaupt
bestraft worden wäre, wenn er glaubhaft hätte dartun können, seine Arbeit
vorzeitig niedergelegt zu haben, um sein Leben zu retten, welches er durch
einen Einsatz für sein Heimatland überhaupt erst gefährdet hatte. Es man-
gelt deshalb zur Annahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung aus
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Seite 12
dem geltend gemachten Ereignis bereits an einer erkennbaren subjektiven
Furcht.
7.2.3 Gegen eine asylrelevante Verfolgung spricht überdies, dass auch
seine Arbeitskollegen vorgeladen und bedroht worden seien, lediglich einer
davon sei jedoch ebenfalls ins Ausland gereist, die anderen arbeiteten
noch immer bei der Polizei (vgl. A27 F64, F74 und F87). Der Zusammen-
hang zwischen der Ermordung eines weiteren Kollegen und seiner Situa-
tion beruht auf reiner Spekulation. So scheint sich der Beschwerdeführer
zunächst nicht einmal sicher gewesen zu sein, ob dieser ebenfalls an der
Verhaftung des Drogenhändlers teilgenommen hatte (vgl. A27 F83). Dies
erstaunt vor allem vor dem Hintergrund, dass insgesamt lediglich ungefähr
(...) Personen – darunter Gerichtspolizisten, mehrere Zivilisten und ein
Menschenrechtsaktivist (vgl. A27 F59) – an der Verhaftung beteiligt gewe-
sen seien und folglich nur wenige Personen seiner Einheit dabei gewesen
sein konnten. Ausserdem macht er lediglich geltend, jeweils nach den bei-
den Vorladungen bedroht worden zu sein und sagt selbst: "Wäre ich zu den
Anhörungen gegangen, hätten sie mich umgebracht." (vgl. A27 F75). Aus-
serdem bejaht er die Frage nach einer Konnexität zwischen der Anhörung
und der Bedrohung (vgl. A27 F85). Es ist daher entgegen seiner Beteue-
rung in der Beschwerde ein klarer Zusammenhang zwischen seiner mögli-
chen Aussage und den Nachstellungen gegeben, weshalb nicht von weite-
ren Behelligungen allein aufgrund seines Erscheinens im Video auszuge-
hen ist. Es fällt des Weiteren auch auf, dass der Beschwerdeführer bei der
Verhaftung keinerlei führende Stellung innehatte. Er sei (...) und (...)poli-
zist, er habe beim Einsatz lediglich das "unterstützende Maschinengewehr"
getragen und ihm sei befohlen worden, hinter das Haus zu gehen, während
seine Kollegen hineingegangen seien (vgl. A27 F49 und F57 f.). Es ist des-
halb auch nicht ersichtlich, welche entscheidenden inhaltlichen Angaben er
anlässlich einer Anhörung – sollte wider Erwarten doch noch eine bevor-
stehen – machen könnte und folglich auch nicht, weshalb er schwerwie-
genderen Drohungen als seine Kollegen, die sogar nach wie vor im Poli-
zeidienst seien, ausgesetzt gewesen sein sollte respektive sein wird. Die
vorgebrachten Besuche bei seiner Mutter nach seiner Ausreise vermögen
an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal die äusserst pauschalen
Aussagen (vgl. A27 F88 f.) auch auf Beschwerdestufe nicht konkretisiert
werden. Die beiden erlittenen Anhaltungen für sich alleine, bei denen er
geschlagen und bedroht worden ist, vermögen bereits mangels Intensität
zur Annahme ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG keine
Asylrelevanz zu entfalten.
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Seite 13
7.2.4 Schliesslich ist, wie das SEM zutreffend festgehalten hat, im vorlie-
genden Einzelfall davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in
seinem Heimatstaat hinreichenden Schutz im Sinne der sogenannten
Schutztheorie (vgl. oben E. 4.2) hätte erhalten können beziehungsweise
ihm auch bei einer Rückkehr solcher zugänglich sein wird, sollte dies not-
wendig sein.
Der Beschwerdeführer habe die Bedrohungen vom (...) 2018 und (...) 2019
den Behörden nicht gemeldet, weil dies wohl sein Todesurteil bedeutet
hätte, da auch sein Kollege ermordet worden sei, der womöglich eine An-
zeige erstattet habe (A27 F67 ff.). Diese Erklärung vermag nicht zu über-
zeugen, zumal er selbst nur vermutet, dass dieser Kollege die Angreifer
angezeigt hat (vgl. A27 F67, Stellungnahme vom 23. Juni 2020 sowie Be-
schwerdeschrift Teil II. Ziff. 2), seine Kollegen wie dargelegt weiterhin bei
der Polizei arbeiten und er sich durch seine Kündigung und der damit ein-
hergehenden Weigerung, gegen den Drogenhändler auszusagen, aus der
Schusslinie gebracht hat. Sein Beitrag beim erwähnten Einsatz scheint
ausserdem nicht derart wichtig gewesen zu sein, dass ihm die Angreifer
durchs ganze Land folgen würden. Die Möglichkeit eine Anzeige zu erstat-
ten, hatte er auch nicht von Anfang an verworfen, sondern diese gemäss
eigenen Aussagen durchaus in Erwägung gezogen (vgl. A27 F47). Sein
Vorgesetzter hat ihm überdies nahegelegt, eine Anzeige zu erstatten und
ihm angeboten, ihn versetzen zu lassen (vgl. A27 F69 ff.). Damit sind die
kolumbianischen Behörden ihrer Schutzpflicht hinreichend nachgekom-
men. Dass der Beschwerdeführer die Massnahmen nicht in Anspruch ge-
nommen hat, ist ihm selbst anzulasten. Dies zumal durchaus davon aus-
zugehen ist, er hätte eine interne Fluchtalternative gehabt, wo er auch sei-
nen Dienst hätte wiederaufnehmen können. Indem er hinsichtlich der Dro-
hungen nichts unternommen hat, konnten die Behörden ihm auch keinen
Schutz zugestehen. Folglich kann nicht gesagt werden, dass diese Behel-
ligungen durch Angehörige eines Drogenkartells von den kolumbianischen
Behörden aufgrund fehlender Schutzbereitschaft tatenlos hingenommen
worden wären.
7.3 Zusammenfassend geht das Bundesverwaltungsgericht wie das SEM
davon aus, dass keine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
vorliegt. Dem Beschwerdeführer steht bei einer Rückkehr ferner nach Be-
darf eine innerstaatliche Fluchtalternative auf dem Staatsgebiet von Ko-
lumbien zur Verfügung. Dabei ist vorab an G._ als offensichtlich zu-
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mutbarer alternativer Aufenthaltsort zu denken. Damit bedarf der Be-
schwerdeführer des subsidiären Schutzes der Schweiz nicht. Das SEM hat
daher das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Die Vorinstanz argumentierte, der Vollzug der Wegweisung sei dem
Beschwerdeführer zumutbar, da dieser ein junger und – abgesehen von
ein wenig Angstzuständen und Sorgen – gesunder Mann sei. In Kolumbien
habe er seine Mutter, seine drei Schwestern und seinen Stiefvater. Ein Teil
dieser Kernfamilie sei nach wie vor in der familieneigenen Wohnung in
C._ wohnhaft. Zudem habe er zahlreiche Onkel und Tanten in Ko-
lumbien. Sowohl mit seiner Kernfamilie als auch mit den Onkeln und Tanten
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stehe er seit seiner Ausreise in Kontakt. Es gehe ihnen gut. Des Weiteren
verfüge er über eine abgeschlossene Schulbildung und habe eine techni-
sche Ausbildung bei der Polizei absolviert. Ausserdem habe er seit dem
Jahr 2015 bis zur Ausreise als Polizist gearbeitet.
9.4.2 Der Beschwerdeführer äusserte sich nicht zur Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs.
9.4.3 In Kolumbien fand über fünfzig Jahre lang ein bewaffneter Konflikt
zwischen den kolumbianischen Streitkräften, den Guerillas und paramilitä-
rischen Gruppen statt. Im November 2016 wurde der aktuelle Friedensver-
trag zwischen dem kolumbianischen Staat und der Fuerzas Armadas Re-
volucionarias de Colombia (FARC, dt. Revolutionäre Streitkräfte Kolumbi-
ens) geschlossen, der später von beiden Kammern des Kongresses gut-
geheissen wurde. Nicht vergessen bleibt, dass allen Parteien während des
Konflikts schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden; bei
den meisten Opfern handelt es sich um Zivilpersonen. Auch wenn im Sep-
tember 2019 ein Teil der FARC die Wiederbewaffnung ankündigte, sind ge-
messen an der allgemeinen Lage in Kolumbien von heute jedoch keine
generellen Vollzugshindernisse im Sinne der Unzumutbarkeit erkennbar.
Auch aus individueller Sicht bleibt ein Vollzug der Wegweisung des Be-
schwerdeführers zumutbar. Zur Begründung kann auf die zutreffenden Ar-
gumente der Vorinstanz (vgl. E. 9.4.1) verwiesen werden. Auch ein Aufent-
halt an einem anderen Ort in Kolumbien, zu denken ist insbesondere an
G._ ist offensichtlich zumutbar, zumal der Beschwerdeführer, min-
destens (...), bereits dort gelebt habe. Folglich ist nicht davon auszugehen,
dass er bei einer Rückkehr nach Kolumbien in eine existenzbedrohende
Situation geraten wird.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde jedoch im
Zeitpunkt ihrer Einreichung – in Anbetracht einzelner Beweismittel – nicht
als aussichtslos betrachtet werden konnte und von der Mittellosigkeit des
Beschwerdeführers ausgegangen werden kann, sind in Gutheissung des
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG keine Kosten zu erheben. Mit dem Entscheid in der
Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses gegenstandslos geworden.
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