Decision ID: 8e7a29d8-257e-4175-b569-92ea80f2da08
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1954 geborene
X._
war seit
1.
August 2009 bei der
Y._
GmbH als Betriebsinhaber angestellt und in dieser Funktion bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) im Rahmen des Bun
desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) obligatorisch versichert (Urk. 10/1 und
Urk.
10/184). Zuvor
hatte
er während längerer Zeit die
Einzel
unternehmung
Z._
Inh.
X._
betrieben
(
Urk.
1 S.
3 und Urk. 10/186).
Am 3
1.
März
2010
wurde er beim Begehen einer Baustelle auf
grund des seitlichen Kippens eines Schalungselements
eingeklemmt. In der Folge
erbrachte die SUVA die gesetzlichen Leistungen. Am 2
7.
Dezember 2011 verfügte
sie
die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung von
Fr.
37‘800.-- auf der Basis einer Integritätseinbusse von 30
%
(
Urk.
10/191). Mit Verfügung vom
3.
M
ärz 2014 sprach d
ie
Verwaltung
dem Versicherten mit Wirkung ab
1.
Februar 2014 für einen
Erwerbsunfähigkeits
grad von 60
%
eine
Invaliden
r
ente zu (
Urk.
10/281). Die von ihm dagegen erhobene Einsprache vom
1.
April 2014 (
Urk.
10/287) wies sie mit Entscheid vom 1
0.
Juli 2014 ab (
Urk.
10/290 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
0.
Juli 2014 erhob der Versicherte am 15. September 2014 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente gestützt auf einen
Invaliditäts
grad
von 74
%
auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2014 schloss die SUVA auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9
S.
2
), was dem Beschwerdeführer am 2
4.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
). Der
Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem
Renten
beginn
fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistun
gen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der
–
kumulativ
–
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Sta
tistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den Einspracheentscheid vom 1
0.
Juli 2014 damit, der Beschwerdeführer sei nach der Gründung der
Y._
GmbH nicht mehr als
Selbständigerwerbender
, sondern als
Unselb
ständigerwerbender
zu fassen. Zur Ermittlung des
Validenlohns
könne deshalb nicht auf die im IK-Auszug dokumentierten Ergebnisse, die er als Selbständi
gerwerbender erzielt habe, abgestellt werden. Vielmehr seien die Einkünfte zu berücksichtigen, die der Versicherte als
Unselbständigerwerbender
verdient habe. Für die Zeit von September bis Dezember 2009 sei ein Betrag von
Fr.
43‘332.-- ausgewiesen, was hochgerechnet auf ein Jahr und unter Anpas
sung an die Nominallohnentwicklung
ein
en
Validenlohn
von Fr.
135‘279.--ergebe.
Bei einem nicht bestrittenen Invalideneinkommen von Fr.
53‘681.--
re
sultiere ein gerundeter Invaliditätsgrad von 60
%
(
Urk.
2 S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich d
emgegenüber auf den Standpunkt,
gemäss IK-Auszug
sei
in den Jahren bis August 2009 ein Ein
kommen aus selbst
ändiger
Erwerbstätigkeit im Bereich zwischen
Fr.
169‘600.--
und Fr.
230‘500.
-- und für den Zeitraum von September bis Dezember 2009
e
in Einkommen
aus unselb
ständiger Erwerbstätigkeit
von
Fr.
43‘332.-- abgerechnet worden. Diese Ver
minderung ergebe sich einzig aus dem Umstand, dass die Einzelunternehmung in eine GmbH umgewandelt worden sei, wobei ein AHV-pflichtiges Einkommen habe festgelegt werden müssen. Mit der Umwandlung in eine GmbH habe sich am Betrieb des Beschwerdeführers, namentlich hinsichtlich der Angestellten, der Leistungen oder der Hierarchie, nichts geändert. Lediglich die Rechtsform sei eine andere.
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
sei für das Bundesge
richt entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmögli
chen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit als Gesunder tatsächlich verdienen würde. Dabei sei für den faktisch selbständig Erwerbstätigen ausschlaggebend, was er aus seiner Arbeitskraft schöpfe. Es könne au
ch
für den unselbständig Erwerbstätigen nicht einfach nur auf das abgestellt werden, was ihm im versicherten Betrieb zufliesse, sondern es seien auch Nebeneinkünfte zu beachten, die regelmässig erzielt würden. Anstelle des bisherigen Unternehmerlohns erhalte er nun einerseits ein
Ange
stellten
einkom
men
, andererseits beziehe er in Form von Dividenden o.ä. weitere Einkünfte aus seiner Arbeit (
Urk.
1 S. 4 ff.).
3.
Beim Unfallereignis vom 3
1.
März 2010 zog sich der Beschwerdeführer folgende
Gesundheitsschäden
zu (Austrittsbericht des Kantonsspitals
A._
vom 13.
April 2010 [
Urk.
10/9
/3-4
]):
Einklemmtrauma am 3
1.
März 2010 mit/bei
BWK-11- und BWK-12-Fraktur
Fraktur der Rippe 8-10
am
costovertebralen
Übergang links
Verdacht auf Pneumonie rechts basal
i.R. der Diagnose 1
Rx
Thorax: deutliche Transparenzminderung rechts, links kein Nach
weis eines Infiltrates
Augmentin
seit
3.
April 2010
Verdacht auf akute Belastungsreaktion
EPD-
Konsil
am
5.
und
9.
April 2010: Angstzustände, Schlafstörung sowie Flashbacks in Folge des Unfalls
Therapie mit
Cipralex
und
Remeron
Was die konkret verbliebenen Folgen des fraglichen Unfallereignisses und des
sen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anbelangt, geht aus den Akten her
vor und ist von den Parteien unbestritten, dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar ist (
Urk.
10/
158
und Urk.
10/181; vgl. auch
Urk.
10/274
).
Unbestritten ist zudem der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Rente der Unfallversicherung im Grundsatz. Streitig
und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren allein die Höhe des Rentenan
spruchs.
4.
Vorab ist anzumerken, dass für die Beschwerdegegnerin keine Bindungswirkung an die von der Invalidenversicherung bezüglich der Invalidität gewonnenen Erkenntnisse und die gestützt darauf getroffenen Entscheide besteht
. Allerdings sind bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen
mitzuberücksichtigen
(BGE 131 V 362 E. 2.2; vgl. auch BGE 133 V 549 E. 6
; Urteil des Bundesgerichts 8C_441/20
1
3 vom
3.
März 2014 E. 6.2
).
5.
Bei der Berechnung des Invalidenlohns stellte die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die DAP-Arbeitsplätze (vgl.
Urk.
10/271) ab, was nicht zu beanstanden und vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. Das Invalideneinkommen beträgt daher
Fr.
53‘681.--.
6.
6.1
Bei d
er
Ermittlung des
Valideneinkommens
legte
die Beschwerdegegnerin de
n
vom
Versicherten
al
s Angestellte
r
bei der
Y._
GmbH
in den Monaten September bis Dezember 2009 erzielten – aus dem IK-Auszug ersicht
lichen –
Monatsl
ohn zugrunde
,
währen
d
d
em
der Beschwerdeführer das von ihm im Jahresschnitt als
Selbständigerwerbender
erwirtschaftete Einkommen als Berechnungsgrundlage fordert.
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Ein
kommens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
6.3
Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, dass das
Valideneinkommen
von
Selbständigerwerbenden
praxisgemäss grundsätzlich auf Grund der IK-Ein
träge bestimmt werden kann. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Ein
kommen starke und verhältnismässig kurz
fristig
in Erscheinung tretende Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (so etwa Urteil des Bundesgerichts
8C_530/2013 vom 2
4.
Januar 2014 E. 5.1.2 mit weiteren Hinweisen). Nachdem er aber seine Einzelunternehmung
nicht aus gesundheitlichen Gründen
aufge
geben hatte und bei der am
1.
Juli 2009 im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragenen
Y._
GmbH (
www.zefix.ch
)
angestellt
word
en war
,
war er im Unfallzeitpunkt nicht mehr als
Selbständigerwerbender
zu quali
fizieren.
Daran ändert nichts, dass sich an der Struktur des Betriebs nichts geändert hat (
Urk.
1 S. 6) und die Änderung der Rechtsform auf nachvollzieh
baren Gründen beruht
(Haftungsbeschränkung und anstehende
Nachfolgerege
lung
,
Urk.
1 S. 5)
.
Als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH
(
www.zefix.ch
)
hätte er sich einen Lohn in der gleichen Grössenordnung wie sein Einkommen als
Selbständigerwerbender
auszahlen können, zumal – so seine Ausführungen in der Beschwerde (
Urk.
1 S. 6) – keine Anhaltspunkte bestanden h
aben
, dass die GmbH nicht das Leistungsniveau der zuvor bestan
denen Einzelunternehmung gehalten hätte.
Gleichwohl legte er seinen jährli
chen Verdienst auf Fr. 130‘000.
--
fest (
Urk.
1 S. 3).
6.4
Dass der Beschwerdeführer weitere Einkünfte aus seiner Arbeit in Form von Dividenden bezogen hatte (
Urk.
1 S. 6), ist
mit
keine
n
Unterlagen belegt.
Kon
krete
Anhaltspunkte dafür, dass ihm inskünftig – nebst seinen Lohnzahlungen – weitere Entschädigungen aus der GmbH zugekommen wären
, liegen zudem keine vor, zumal
der Beschwerdeführer auch diesbezüglich keine Dokumente
beibringt
und sich einzig auf
allgemeine
Ausführungen
beschränkt.
Da der Versi
cherte als wirtschaftlich Berechtigter an der
Y._
GmbH
zu betrachten ist,
könnten
zwar
neben seinem als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
deklarierten
Lohn grundsätzlich auch die Geschäftsgewinne Bestandteil des
Valideneinkommens
bilden
. Das als Gewinn
vortrag in die Bilanz des folgenden Geschäftsjahres übernommene
Betriebs
ergebnis
stellt nichts anderes als eine Reinvestition in die Firma dar. Allerdings kann der von einer
Gesellschaft
erwirtschaftete Gewinn nicht einfach dem Erwerbseinkommen des im Betrieb arbeitenden Allein
inhabers
oder des an der Gesellschaft wirtschaftlich Berechtigten (unter Aufrechnung des bezogenen Eigenlohnes) gleichgesetzt werden. Dadurch würde diesem nämlich auch jener Teil des Geschäftsgewinns zugerechnet, welcher als Reservekapital in der Gesellschaft verbleib
t. Diesbezüglich ist den Vorbringen des Beschwerdeführers nichts Substantiiertes zu entnehmen, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass die
Beschwerdegegnerin auf die Lohnangabe der Arbeitgeberin in der
Schadenmel
dung
abgestellt hat.
6.5
Nach dem Gesagten und a
ngesichts dessen,
dass die Einkommensermittlung so konkret wie möglich zu erfolgen hat, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den
Validenlohn
aufgrund der
Entlöhnung
des Beschwer
deführers in den Monaten September bis Dezember 2009 bestimmt hat.
Auch wenn bei der Berechnung des
Valideneinkommens
von einer
Nominallohnent
wicklung
bei Männern von 0.7
%
im Jahr 2010 (statt 0.8
%
) und von 0
.8
%
im Jahr 2013 (statt 0.7
%
;
www.bfs.admin.ch
Tabellen
„Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen“ und „Entwicklung der Nominallöhne, der
Kon
sumentenpreise
und d
er Reallöhne“) ausgegangen wird, resultiert ein
Validen
lohn
von
Fr.
135‘279.--.
Dieser stimmt
im Übrigen
mit den Lohnangaben in der Unfallmeldung nahezu überein.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdegegnerin mit triftigem Grund von dem seitens der Invalidenversicherung auf
Fr.
190‘143.-- veranschlagten
Validenein
kommen
abgewichen, zumal dieses aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf
grund der für
Unselbständigerwerbende
nicht einschlägigen Abklärung vor Ort festgelegt wurde (vgl. dazu
Urk.
3/4 S. 4).
6.6
Bei einem Invalideneinkommen von
Fr.
53‘681.-- resultiert im Vergleich zum
Valideneinkommen
von
Fr.
135‘279.-- eine Erwerbseinbusse von
Fr.
81‘598.--, was einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 60
%
entspricht (zur Run
dung: BGE 130 V 121 E. 3.2). Die Beschwerde ist daher abzuweisen.