Decision ID: 3a5252ac-11fb-4e55-a054-07f4f25e5d27
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1957 geborene
X._
ist gelernte Weberei-Assistentin und war zuletzt ab
1.
August 2010 als
h
auswirtschaftliche Mitarbeiterin bei der
A._
erwerbstätig bei einem Pensum von 70
%
(
Urk.
7/9 S. 1-4,
Urk.
7/23 S. 2). Im Zusammenhang mit Gelenkschmerzen meldete sich die Versicherte am 1
9.
Oktober 2012 erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/9 S. 4-6). Mit Verfügung vom
1.
März 2013 wies diese das Leistungsbegehren ab (
Urk.
7/32).
Unter Hinweis auf Gelenkschmerzen im Knie und im Ellbogen meldete sich die Versicherte am 2
3.
Juni 2015 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/36 S. 5 f.). Per 3
1.
Juli 2015 löste die Versicherte das Arbeitsverhältnis bei de
r
A._
auf (Urk. 7/46
/1
); die Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse erfolgte am
3.
August 2015, wobei die Versicherte für angepasste Tätigkeiten eine Ver
mittlungsfähigkeit von 100
%
angab, was seitens der Kasse akzeptiert wurde (
Urk.
7/55). Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2016 ab (
Urk.
7/67).
1.2
Im Zusammenhang mit seit dem
1.
August 2016 bestehender psychischer Prob
leme meldete sich die Versicherte am
1.
Dezember 2016 erneut
bei
der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/70 S. 5 f.). Nach Einholung
von
psychiatrischen Abklärungsberichte
n
stellte diese mit Vorbescheid vom
7.
November 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/102) und
hielt an diesem Entscheid trotz neu eingereichter ärztlicher Zeugnisse (
Urk.
7/116) mit Verfügung vom 2
3.
April 2018 fest (
Urk.
7/121 =
Urk.
2). Mit Schreiben vom
9.
Mai 2018 wurde – nach interner Würdigung der
neusten ärztlichen Berichte
(Urk. 7/126) -
an der Verfügung vom 2
3.
April 2018 festgehalten (
Urk.
7/127
).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 2
2.
Mai 2018 Beschwerde und beantragte, es sei der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin weiter abzu
klären; weiter sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg
liche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass
bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
U
m den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
be
-
grün
det sind (
BGE
125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
bei der Beschwerdeführerin keine IV-relevante gesundheitli
che Einschränkung vorlieg
e (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass beide Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes von Ärzten verfasst worden sei, welche nicht über die notwendigen Voraussetzungen zur Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes verfügen würden (
Urk.
1 S.
7). Weiter wäre die Beschwerdegegnerin aufgrund der im Einwand neu einge
reichten Beweismittel verpflichtet gewesen, weitere Abklärungen zu tätigen; die Unterzeichnende habe zumindest den Austrittsbericht der
Univer
si
tätsklinik
B._
innert der Beschwerdefrist erhältlich gemacht und der Beschwerdegegnerin zugestellt
(
S. 8). Die Einschätzung der RAD-Ärzte stehe im Widerspruch zur Einschätzung der Fachärzte der
B._
; aus diesem Grund sei der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in psychischer und somatischer Hinsicht ergänzend abzuklären
(
S. 9).
2.3
Während im Rahmen der Leistungsabweisung mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2016
(
Urk.
7/67) noch allein somatische Beschwerden im Raum standen (
Urk.
7/62 S. 4),
erfolgte die neuste Anmeldung zum Leistungsbezug insbesondere aufgrund psy
chischer Beschwerden. Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldeverfahren
s
ist demnach zunächst zu prüfen, ob die vorliegenden medizinischen Akten eine fun
dierte Beurteilung der neu geltend gemachten psychischen B
e
einträchtigungen zulässt.
3.
3.1
Im Rahmen der Abklärungen der Krankentaggeldversicherung wurde
Dr.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer Plausibilisierungsabklärung beauftragt.
Mit Bericht vom 1
0.
Januar
2017 führte
Dr.
C._
aus,
dass es erstmals in der Zeit vom 1
2.
August bis 1
4.
September 2016 zu einer psychiatrischen
Hospita
lisation
in der
B._
gekommen sei (
Urk.
7/100/8). Aktuell sei von einer mittel
gradigen, tendenziell schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.1/F32.2; letztere ohne psychotische Sympt
ome)
von psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol
namentlich mindestens schädlicher Gebrauch, wahrscheinlich Alkohol
ab
hängigkeit (ICD-10 F10.1/10.2) sowie von einem Verdacht auf akzentuierte
Persönlichkeitszüge (differentialdiagnos
tis
ch Persönlichkeitsstörung mit Selbstun
sicher
heit ICD-10 F60.8) auszugehen. Aufgrund des psychischen Zustandes bestehe sowohl in der bisherigen als auch in jeder anderen Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva sei installiert
; die aktuell eingeleitete Anmeldung zur tagesklinischen Behandlung erscheine gerechtfertigt und sei dringend notwendig. Die Prognose sei vorerst schwierig einzuschätzen und hänge davon ab, ob eine hirnorganische Störung (am ehesten als Folge des Alkoholkonsums) nac
h
gewiesen werden könne (
Urk.
7/100/13).
3.2
Die für den Bericht der
B._
vom 1
1.
Januar 2017 verantwortliche Fachärztin diagnostizierte
aus psychiatrischer Sicht
eine rezidivierende depressive Störung,
schwere Episode (ICD-10 F33.2)
,
sowie psychische und Verhaltensstörung
en
durch
Alkohol, aktuell abstinent (ICD-10 F10.1). Die Beschwerdeführer
in
befinde sich in ihrer sozialpsychiatrischen ambulanten Behandlung seit Oktober 201
6.
Seit der Anpassung der medikamentösen Therapie und unter sozialpsychiatrischer Unter
stützung sei bei der Beschwerdeführerin eine leichte Besserung zu beobachten. Es bestehe im aktuellen Zustand eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit;
ein Arbeits
ver
such würde eher d
estabilisierend wirken (
Urk.
7
/
83).
3.3
Die für den Bericht der
B._
vom
5.
Oktober 2017 verantwortli
chen Fachärzte stellten aus psychiatrischer Sicht die folgenden Diagnosen: rezidivierende de
pres
sive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4); psychische und Verhaltensstörung
en
durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1).
In der Zeit vom 2
1.
April bis 2
6.
Mai 2017 sei die Behandlung stationär erfolgt, danach in der Zeit vom 2
9.
Mai bis 2
8.
September 2017 im tages
klinischen Rahmen, bei Aufnahme
einer ambulanten Behandlung per
5.
Oktober 201
7.
Ab Klinikaustritt sei eine Arbeitsaufnahme von 50
%
möglich, wobei zur Aufrechter
haltung
dieser Arbeitsfähigkeit
regelmässige Psychotherapie erforderlich sei. Es sei davon auszugehen, dass die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50
%
auch nicht unter weiterer stetiger Behandlung gesteigert werden könne (
Urk.
7/98 S. 2-5
; vgl. auch Urk. 7/116/3
).
3.4
Die für den Austrittsbericht der
B._
vom 2
2.
Dezember 2017 verantwortlichen Fachärzte stellten aus psychiatrischer Sicht die folgenden Diagnosen: rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-
10 F33.2); psychische und Verhaltensstörung
en
durch Alkohol, schäd
licher Gebrauch (ICD-10 F10.1).
Es habe ein freiwilliger Wechsel vom ambulanten ins stationäre Setting stattge
funden (
Hospitalisation
vom 3
0.
November bis 1
8.
Dezember 2017). Die Entlas
sung der stabilisierten Patientin sei in die tagesklinische Behandlung erfolgt (
Urk.
7/125/1-3).
Für die Zeit 30. November 2017 bis 31. Januar 2018 stellten die
Ärzte der
B._
Zeugnisse mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100
% aus (Urk. 7/116/1-2
).
3.5
Im
Austrittsbericht der
B._
vom
9.
März 2018
stellten die
verantwortlichen Fachärzte aus psychiatrischer Sicht die folgenden Diagnosen: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.2); psychi
sche und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1).
Mittels sozialdienstlicher Unterstützung sei der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit im geschützten Rahmen bei der Stiftung
D._
vermittelt worden; ab Beginn der neu aufgegleisten Tagesstruktur sei die Anmeldung zur ambulanten Anschluss
behandlung erfolgt (
Urk.
7/125/
8-10).
3.6
Der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin gelangte am 1. November 2017 zum Schluss,
die
diagnostizierte depressive Störung, gegenwärtig remittiert, bedürfe zwar weiterer psychiatrischer Therapie, sei aber nicht IV-relevant (Urk. 7/101/6). Nach Hinweis der Beschwerdeführerin im Einwand vom 23. März 2018 auf die erneute
Hospitalisation
in der
B._
(Urk. 7/117/3) befand der RAD-Arzt am 21. April 2018, es lägen - im Vergleich zum 1. November 2017
-
keine neuen Tatsachen vor (Urk. 7/120/3).
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1
2.
August 2016 und zumindest bis Ende 2017 durch die psychische Erkrankung in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt war; dies trotz intensiver therapeutischer Betreuung. Selbst in der Zeit ab
Oktober 2017 gingen die Fachärzte der
B._
bei
vorübergehend
remittiertem depressiven Geschehen lediglich von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus, wobei trotz fortlaufender Betreuung bereits per 3
0.
November 2017 wieder ein Wechsel ins stationäre Setting erfolgte. Vor diesem Hintergrund erscheint es ohne weitere Abklärungen nicht zulässig, dem diagnostizierten psychischen Gesundheitsschaden jeden dauerhaften Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit abzusprechen. Hinzuweisen ist dabei
auf den Umstand
, dass die Beschwerdeführer
in
zuletzt lediglich eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen aufnehmen konnte.
Praxisgemäss kommt
dabei
einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Die Einschätzungen des RAD-Arztes ergingen offensichtlich in Unkenntnis zumindest des letzten Berichts der
B._
(vorstehend E. 3.5), dessen
Beizug
die Beschwerdegegnerin unterlassen hat. Der RAD-Arzt liess die
erneute
Hospitalisation
gänzlich unbe
rücksichtigt, weshalb seiner Schlussfolgerung, es liege in psychiatrischer Hinsicht ein remittierter, invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanter Gesundheits
schaden vor, nicht gefolgt werden kann.
Da es den letzten Berichten der
B._
an einer Einschätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit - insbesondere aus medizinisch-theoretischer Sicht auf dem freien Arbeitsmarkt – mangelt, erscheint die externe psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin unumgänglich.
4.2
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass
g
emäss BGE 143 V 418 grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen
sind
(Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invalidenversiche
rungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensa
tions
potentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen
(BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6;
vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeit
punkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Das erforderliche Gutachten
wie auch die Beschwerdegegnerin werden
sich dem
nach auch mit den nunmehr massgebenden Standardindikatoren auseinander
setzen zu haben.
4.3
Inwieweit auch in somatischer Hinsicht weitere Abklärungen nötig sein werden, kann aus jetziger Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Den vorliegenden Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin insbesondere auch an einer
ideopathischen
Gicht leidet, welche sich zumindest auf das Anforde
rungs
profil einer angepassten Tätigkeit auswirken dürfte. Dennoch erfolgte die Anmel
dung zum Leistungsbezug allein unter Hinweis auf die psychischen Beschwerden sowie die bei der Bewegungstherapie erlittene contusio cerebri und Rippenfraktur (
Urk.
7/70 S. 5,
Urk.
7/125/1).
Falls diese eine dauerhafte Beeinträchtigung nach sich ziehen, wird dies bei der Zumutbarkeitsbeurteilung gegebenenfalls zu be
rück
sichtigen sein.
Zusammenfassend ist die Sache zur
umfassenden Abklärung
an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 2
3.
April 2018 somit aufzuheben.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung gegenstandslos.