Decision ID: 4a6aaf07-4ab7-4ae3-94e8-79f568a76c90
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) wurde Opfer eines Verkehrsunfalls, bei welchem
sie ein Polytrauma erlitt (Milz-Ruptur, Lungenkontusion, Humerus-, Unterarmschaft-
und distale Radiusfraktur links, sensomotorische Parese Nervus ulnaris und Nervus
radialis links, Horner-Syndrom links; Fremdakten der Eidgenössischen
Invalidenversicherung [IV; nachfolgend: fremd-act.] 2-32). In der Folge entwickelte sich
eine Haut- und Fettgewebsnekrose am dorsalen Oberarm links, welche mehrere
chirurgische Interventionen notwendig machte (vgl. fremd-act. 2-33). Am 21. Oktober
2011 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Beschwerden am linken Arm
aufgrund des Unfalls bei der IV zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Am 18. November
2011 sprach die IV-Stelle St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) der Versicherten berufliche
Massnahmen in Form von Berufsberatung zu (IV-act. 15). Da die Berufswahl nicht nur
durch die körperliche Einschränkung, sondern auch durch Lernschwierigkeiten
beeinträchtigt war (vgl. IV-act. 27-1, Tests in IV-act. 18 und 25; zum Besuch einer
Kleinklasse aufgrund von Konzentrationsproblemen ab der 4. Primarklasse vgl. IV-act.
118-3 unter "persönliche Anamnese"), wurde der Versicherten am 18. Mai 2012
Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung zur Assistentin Gesundheit
und Soziales EBA im geschützten Rahmen bei der D._ erteilt (IV-act. 31). Diese
Ausbildung konnte die Versicherte im Juni 2014 erfolgreich mit Erlangung des
A.a.
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Berufsattests abschliessen (IV-act. 49). Der Lehrbetrieb schätzte ihre Leistungsfähigkeit
im Bereich Pflege und Betreuung laut Schlussbericht zwischen 70 und 75 % ein (IV-
act. 48-2 f.).
Mit ärztlichem Zeugnis vom 1. Juli 2014 erklärte Dr. med. E._, Facharzt für
Innere Medizin, die Versicherte könne wegen einer residuellen, traumatischen, unteren
sensomotorischen Armplexusläsion bzw. eines radikulären Ausfallsyndroms links
strenge Hebearbeiten im Pflegeberuf nicht mehr ausführen (IV-act. 50-1). Am 16. Juli
2014 ersuchte die Versicherte die IV um Unterstützung bei einer zweiten Ausbildung
zur Dentalassistentin, da sie ihren Traumberuf in der Pflege aus gesundheitlichen
Gründen nicht mehr ausüben könne (IV-act. 50-2). Am 11. August 2014 trat die
Versicherte eine Lehrstelle zur Dentalassistentin bei Dr. med. dent. F._ an (IV-act.
68-4 ff.). Am 18. September 2014 erklärte sie der IV-Stelle, dass sie sich bei dieser
Arbeit sehr wohl fühle und der Arm nicht schwergewichtig belastet werde. Sie habe
jedoch schulisch grosse Schwächen, weshalb sie um Unterstützung zur Absolvierung
dieser Lehre bitte (IV-act. 57-1). Mit Vorbescheid vom 30. September 2014 verneinte
die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen mit der Begründung,
dass sich durch die Ausbildung zur Dentalassistentin oder auch durch eine andere
Ausbildung die Erwerbsfähigkeit der Versicherten nicht verbessern werde (IV-act. 64).
Auf einen Einwand vom 30. Oktober 2014 (IV-act. 68) hin wiederrief die IV-Stelle diesen
Vorbescheid und sah weitere Abklärungen vor (IV-act. 70). Per 30. November 2014
brach die Versicherte die Lehre als Dentalassistentin bei Dr. F._ ab. Laut Letzterem
hatte die Versicherte den Lehrvertrag gekündigt, weil sie erkannt habe, dass ihre
physischen Kräfte nach dem schweren Verkehrsunfall momentan nicht ausreichen
würden (IV-act. 73). Die Versicherte sei bei der Arbeit am Stuhl körperlich überfordert
gewesen (IV-act. 99-5).
A.b.
Am 19. Januar 2015 informierte die Versicherte die IV-Stelle darüber, dass sie eine
Arbeitsstelle gefunden habe und keine Unterstützung mehr benötige (vgl. IV-act. 75-3,
Eintrag vom 19. Januar 2015). Am 1. Februar 2015 nahm die Versicherte ein
vollzeitliches Arbeitsverhältnis als Assistentin Gesundheit und Soziales mit dem Verein
G._ auf (IV-act. 92-2). Im Rahmen dieses Anstellungsverhältnisses war sie bei der
B._ berufsvorsorgerechtlich versichert (vgl. IV-act. 100-6 Ziff. 2.16). Mit Mitteilung
vom 14. April 2015 verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch auf berufliche
A.c.
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Massnahmen. Dies mit der Begründung, dass die Versicherte ihrer Meldung vom 19.
Januar 2015 zufolge keine Unterstützung betreffend die Stellensuche benötige (IV-act.
78). Am 22. April 2015 füllte die Versicherte die Gesundheitserklärung für Versicherte
der B._ aus und erklärte unter anderem, voll arbeitsfähig zu sein (act. G7.1.25). Ab
dem 20. Mai 2015 absolvierte die Versicherte Wartetage bei der
Krankentaggeldversicherung des G._, der Visana Services AG (nachfolgend: Visana;
fremd-act. 4-1). Mit Verfügung vom 15. Juni 2015 verneinte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 25 %, gültig ab
Beendigung ihrer Ausbildung bei der D._ (IV-act. 84; für den Vorbescheid vom 27.
April 2015 vgl. IV-act. 83). Dabei ging sie von einer 70- bis 75%igen Arbeitsfähigkeit
der Versicherten aus, wobei leichte Einschränkungen von Seiten des linken Armes und
kognitive Einschränkungen aufgrund einer Lernschwäche zu berücksichtigen seien (IV-
act. 81-1 i.V.m. 55-2).
Mit ärztlichem Zeugnis vom 19. August 2015 wandte sich der Hausarzt Dr. E._
an die IV-Stelle. Zurzeit sei die Versicherte als Pflegerin tätig und erneut überfordert. Er
höre von ihr, dass sie diese Arbeit nicht mehr machen könne. Sie habe jetzt
glaubwürdig zwei Versuche gemacht und einen zusätzlichen Ausbildungsversuch, alles
sei gescheitert. Eine allfällig psychiatrische Komponente könne und wolle er nicht
beurteilen, die physische Überforderung werde von der Versicherten klar geschildert
(IV-act. 86). Am 29. September 2015 reichte die Versicherte eine Anmeldung bei der IV-
Stelle ein. Als gesundheitliche Beeinträchtigung nannte sie "linke Seite des Körpers,
Konzentrationsproblem" und erklärte, wegen dieser Einschränkungen und aus
psychischen Gründen bei Dr. E._ in Behandlung zu stehen (IV-act. 90-5 Ziff. 6.2 und
6.4; für die entsprechende Aufforderung der IV-Stelle vgl. IV-act. 87).
A.d.
Vom 5. bis 23. Oktober 2015 war die Versicherte im psychiatrischen Zentrum
C._, Krisenintervention, hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 23. Oktober 2015 ist
die Diagnose einer leichten depressiven Episode zu entnehmen. Beim Eintritt habe die
Versicherte berichtet, seit einer Fraktur am linken Arm an Bewegungseinschränkungen
zu leiden. Zusätzlich leide sie seit über einem Jahr vermehrt an Symptomen wie Ein-
und Durchschlafstörungen, Kopfschmerzen, Grübelgedanken und
Konzentrationsstörungen. Vermehrt sehe sie belastende Bilder vom Autounfall und
habe Gedankenkreisen. Sie werde an ihrem Arbeitsplatz von Mitarbeitern gemobbt.
A.e.
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Aufgrund von vermehrten Konzentrationsstörungen sei sie entlassen worden. Im
Verlauf des Aufenthalts habe sich die depressive Symptomatik deutlich gebessert,
insbesondere der Schlaf und der Antrieb. Bei Austritt wurde ihr eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt (IV-act. 102-2 ff.).
Das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten wurde vom G._ am 24. Oktober 2015
per 31. Dezember 2015 aufgelöst, wobei die Kündigung aufgrund schlechter Leistung
der Versicherten bereits am 17. August 2015 mündlich in Aussicht gestellt worden war
(IV-act. 100-8; act. G29.6 S. 2). Der IV-Stelle erklärte das G._ am 26. Oktober 2015,
die Versicherte sei seit 21. September 2015 krankgeschrieben (IV-act. 100-4). Als
Kündigungsgründe wurden vermehrte krankheitsbedingte Ausfälle und ein Nichterfüllen
der Arbeitsleistung genannt (IV-act. 100-2).
A.f.
Am 28. November 2015 wurde die Versicherte von Dr. med. H._, Fachärztin für
Neurologie, wegen Schmerzen und sensomotorischer Ausfälle im linken Arm nach
offener Humerusfraktur links elektrophysiologisch untersucht. Diese stellte ein
leichtgradiges sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom links fest. Nicht sicher davon
abgrenzbar sei eine eventuelle residuelle Armplexusläsion links (IV-act. 132-4 ff.).
A.g.
Am 14. Januar 2016 nahm die Versicherte bei Dr. med. I._ eine psychiatrische
Behandlung auf (IV-act. 110-1). Dieser erhob laut Bericht vom 19. Februar 2016 die
Diagnosen mittelschwere depressive Episode mit begleitender Angststörung,
posttraumatische Belastungsstörung und Verdacht auf ADHD (IV-act. 110-1) und
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab Behandlungsbeginn (IV-act. 110-2).
A.h.
Mit Mitteilung vom 3. März 2016 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen, da aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
Es sei ein medizinisches Gutachten angezeigt (IV-act. 116).
A.i.
Am 7. April 2016 wurde die Versicherte auf Veranlassung der IV-Stelle von Dr. med.
J._, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie, psychiatrisch und
testpsychologisch untersucht (IV-act. 118-1). Das Gutachten vom 8. April 2016
postuliert als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelschwere
depressive Episode, eine posttraumatische Belastungsstörung und eine dissoziierte
Intelligenz bei insgesamt niedriger kognitiver Leistungsfähigkeit. Aus psychiatrischer
A.j.
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Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt von 25 %, zu
realisieren mit einem auf 50 % verminderten Pensum und zusätzlich um 50 %
verminderter Leistung (IV-act. 118-10). Im geschützten Rahmen käme ein Pensum von
50 % in Frage mit einer weniger beeinträchtigten Leistung (zusätzliche Verminderung
um ca. 25 %), da die Anforderungen geringer seien (IV-act. 118-11). Die
Arbeitsfähigkeit sei wegen der seither aufgetretenen depressiven Störung deutlich
geringer als bei Abschluss der Lehre (IV-act. 118-10). Dr. med. K._ vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 12. April 2016, auf dieses Gutachten könne
abgestellt werden (IV-act. 120-1).
Mit Mitteilung vom 13. April 2016 verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch der
Versicherten auf berufliche Massnahmen (IV-act. 122).
A.k.
Am 21. April 2016 fand eine weitere neurologische und elektrophysiologische
Untersuchung der Versicherten bei Dr. H._ statt. Diese gab gleichentags ihre
konsiliarische Beurteilung ab und diagnostizierte residuelle neuropathische Schmerzen
in der linken oberen Extremität und eine unklare Sensibilitätsstörung thorakal links (IV-
act. 132-1).
A.l.
Am 8. Dezember 2016 berichtete Dr. med. L._ bei welchem die Versicherte seit
24. Juni 2016 in psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung stand, diese sei zu
50 % arbeitsunfähig. Es bestünden eine reduzierte Belastbarkeit, eine rasche
körperliche Ermüdung, eine eingeschränkte geistige Flexibilität, eine eingeschränkte
Konzentrationsdauer und Durchschlafstörungen (IV-act. 148-3).
A.m.
Dr. K._ vom RAD nahm am 10. Juni 2017 zu den medizinischen Akten Stellung
und notierte, die von Dr. J._ festgestellte Zunahme der depressiven Symptomatik
erstaune nicht wirklich, da die Versicherte über wenig emotionale und auch kognitive
Ressourcen verfüge (IV-act. 154-2). Die Versicherte sei aufgrund ihrer kognitiven
Einschränkungen und der somatischen Folgeerscheinungen nicht in der Lage, auf dem
ersten Arbeitsmarkt zu bestehen (IV-act. 154-3).
A.n.
Am 1. Juli 2017 nahm die Versicherte eine Tätigkeit als Assistentin Gesundheit und
Soziales für die M._ GmbH, auf (IV-act. 178; vgl. nachfolgend Sachverhalt A.v).
A.o.
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Am 11. August 2017 teilte die Visana der Versicherten mit, dass ihr
Krankentaggeldanspruch am 3. September 2017 mit der Erschöpfung des
Leistungsanspruchs enden werde (fremd-act. 4-1).
A.p.
Mit Vorbescheid vom 21. August 2017, welcher auch der B._ eröffnet wurde,
stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ausrichtung einer ganzen Rente ab
1. September 2016 in Aussicht. Dabei wies sie darauf hin, dass der Rentenanspruch
nach dem allfälligen Abklingen der mittelschweren depressiven Episode überprüft
werde (IV-act. 157). Mit Einwand vom 20. September 2017 ersuchte die B._ darum,
in der Rentenverfügung vorzumerken, dass sie aus diesem Fall nicht leistungspflichtig
sei. Dies deshalb, weil aufgrund der Aktenlage erstellt sei, dass die aktuell noch
bestehenden Beschwerden auf den Verkehrsunfall im Jahr 2007 zurückzuführen seien
und die Versicherte vor Antritt der Stelle im G._ nicht zu 100 % arbeitsfähig gewesen
sei. Die Arbeitsfähigkeit habe auch während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nie 100
% betragen (IV-act. 162; für den Antrag auf "Abweisung" dieses Einwands durch den
damaligen Rechtsvertreter der Versicherten vom 27. Oktober 2017 vgl. IV-act. 166).
A.q.
Mit E-Mail vom 28. September 2017 erklärte das G._ auf Nachfrage der IV-Stelle,
die Versicherte habe in der Zeit vom 1. Februar bis 21. September 2015 insofern eine
volle Arbeitsleistung erbracht, als dass sie sich ihren Möglichkeiten entsprechend
bemüht habe. Nach Ablauf der zweimonatigen Probezeit hätten sich Reklamationen
von Bewohnenden betreffend Umgang und Verhalten gehäuft. Der Monatslohn habe
insofern der gezeigten Arbeitsleistung entsprochen, als die Versicherte alle ihr
aufgetragenen Tätigkeiten ausgeführt habe. Über die Einschränkung ihres linken Arms
habe die Versicherte erst anlässlich eines Gesprächs vom 14. Juli 2015 informiert (IV-
act. 163).
A.r.
Auf eine interne Anfrage der IV-Sachbearbeitung hin notierte ein Fachkoordinator
am 13. November 2017, eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit werde erst mit
Auftreten der psychischen Probleme während des Arbeitsverhältnisses beim G._
dokumentiert. Zuvor habe zwar bereits eine Arbeitsunfähigkeit bestanden, die jedoch
vom Schweregrad her noch nicht als rentenbegründend einzustufen sei (IV-act. 167).
Gleichentags teilte die IV-Stelle der zuständigen Ausgleichskasse ihren Beschluss mit,
A.s.
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den Invaliditätsgrad der Versicherten ab 21. September 2016 auf 100 % festzusetzen
(IV-act. 169).
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 wies die B._ gegenüber dem damaligen
Rechtsvertreter der Versicherten unter Bezugnahme auf die Verfügung (gemeint wohl:
Mitteilung des Beschlusses; vgl. vorstehend Sachverhalt A.s) der IV-Stelle vom 13.
November 2017 darauf hin, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als
"Assistentin Gesundheit und Soziales" nie voll arbeitsfähig gewesen sei. Damit erfülle
sie die versicherungsmässigen Voraussetzungen, welche zum Bezug einer
Invalidenrente der B._ berechtigen würde, nicht (act. G1.2). Am 21. Dezember 2017
hielt die B._ als Antwort auf ein Schreiben des damaligen Rechtsvertreters der
Versicherten vom 20. Dezember 2017 an ihrem Entscheid fest (act. G1.3).
A.t.
Mit auch der B._ eröffneter Verfügung vom 5. März 2018 sprach die IV der
Versicherten ab 1. September 2016 eine ganze Rente zu (IV-act. 175 und 168). Zum
Einwand der B._ nahm sie dahingehend Stellung, dass die rentenbegründende
Arbeitsunfähigkeit mit Auftreten der psychischen Probleme während des
Arbeitsverhältnisses mit dem G._ dokumentiert sei (IV-act. 168-1).
A.u.
Am 14. März 2018 informierte der damalige Rechtsvertreter der Versicherten die
IV-Stelle darüber, dass diese mit einem 50%igen Pensum einer Erwerbstätigkeit
nachgehe (IV-act. 176). Dem im Nachgang dazu eingereichten Anstellungsvertrag ist zu
entnehmen, dass die Versicherte ab 1. Juli 2017 mit variablem, maximal 50%igem
Pensum, und ab 1. November 2017 mit 50%igem Pensum für die M._ GmbH tätig
war (IV-act. 178 und 180). Noch am 14. März 2018 widerrief die IV-Stelle die Verfügung
vom 5. März 2018. Mit dem von der Versicherten erzielten Lohn bestehe lediglich
Anspruch auf eine halbe Rente (IV-act. 183). Mit Vorbescheid vom 19. März 2018 stellte
die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom 1. September 2016 bis 30. September
2017 die Zusprache einer ganzen Rente und ab 1. Oktober 2017 einer halben Rente in
Aussicht. Wegen einer Meldepflichtverletzung kündigte sie die Rückforderung der in
der Zeit vom 1. Oktober 2017 bis 31. März 2018 zu viel ausbezahlten halben Rente an
(IV-act. 186 f.). Am 31. Mai 2018 ergingen die entsprechenden Verfügungen (IV-act.
191 f.).
A.v.
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B.
Ab dem 19. Februar 2019 wurde der Versicherten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (fremd-act. 6-37), weshalb die Krankentaggeldversicherung
der M._ GmbH, die AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA), Taggelder
ausrichtete (fremd-act. 6-3, 6-21 und IV-act. 202-3).
A.w.
Am 30. September 2019 gelangte Rechtsanwältin Dr. iur. HSG M. Brenner, Abtwil,
als nunmehrige Rechtsvertreterin der Versicherten an die IV-Stelle und informierte
diese darüber, dass die Versicherte im Oktober 2019 ein Kind erwarte. Ob sie nach der
Geburt des Kindes und nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs in der Lage sei, einer
Arbeit nachzugehen, sei unklar resp. zweifelhaft (IV-act. 198). Am _ brachte die
Versicherte einen Sohn zur Welt (IV-act. 223). Per 1. November 2019 meldete sie sich
bei der Arbeitslosenversicherung an (IV-act. 202-12). Bis zum 11. Januar 2020 bezog
sie Mutterschaftsentschädigung (vgl. fremd-act. 6-2) und ab 12. Januar 2020 erfolgte
wiederum eine Krankmeldung an die AXA (vgl. fremd-act. 6-10 f. und 6-2). Dr. med.
N._, Facharzt für Innere Medizin, und seit Februar 2019 Hausarzt der Versicherten
(vgl. fremd-act. 6-42 f.), berichtete diesbezüglich am 22. Februar 2020, die Versicherte
sei mit zunehmenden Depressionen im Wochenbett, Rückenschmerzen und
vegetativen Symptomen zu ihm gekommen. Eine weitere Beurteilung finde angesichts
der vor allem psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit bei Dr. L._ statt (fremd-act.
6-43).
A.x.
Mit Schreiben vom 10. März 2020 ersuchte Rechtsanwältin Brenner die B._ um
erneute Prüfung des Sachverhalts (act. G1.4). Die B._ hielt mit Schreiben vom
12. März 2020 an ihrem abschlägigen Bescheid fest (act. G1.5).
A.y.
Am 7. Mai 2020 berichteten Dr. L._ und die Psychologin O._ von der Klinik
P._ der AXA über eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
und eine psychophysische Erschöpfung der Versicherten. Diese sei seit 7. Januar 2020
100 % arbeitsunfähig (fremd-act. 7-62 f.; vgl. auch Bericht vom 5. Juni 2020 in IV-act.
217).
A.z.
Mit Klage vom 11. September 2020 gelangte Rechtsanwältin Brenner als
Vertreterin der Versicherten (nachfolgend: Klägerin) an das Versicherungsgericht des
B.a.
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Kantons St. Gallen und beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge, die B._
(nachfolgend: Beklagte) sei zu verpflichten, der Klägerin rückwirkend ab 1. September
2017 die gesetzlichen und reglementarischen Rentenleistungen zzgl. 5 % Verzugszins
seit Einreichung der vorliegenden Klage zu erbringen. Zur Begründung wurde
angeführt, dass die B._ grundsätzlich an den Entscheid der IV gebunden sei. Es sei
klar, dass die Arbeitsunfähigkeit, welche bei der Klägerin schliesslich zur Invalidität
geführt habe, während des Arbeitsverhältnisses im G._ aufgetreten sei (act. G1).
Am 17. September 2020 zog das Versicherungsgericht antragsgemäss die Akten
der IV-Stelle bei (act. G2).
B.b.
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2020 wurde der Versicherten ab 1. Oktober 2019
eine Kinderrente zu ihrer Rente der IV zugesprochen (act. G7.1.27).
B.c.
Am 17. Oktober 2020 erstattete Rechtsanwalt lic. iur. HSG A. Rufener, St. Gallen,
als Rechtvertreter der Beklagten die Klageantwort und beantragte unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Klägerin die Abweisung der Klage. Zur Begründung
wurde vorgebracht, die Klägerin habe auf dem ersten Arbeitsmarkt nie eine volle
Arbeitsfähigkeit erreicht. Vielmehr sei die Arbeitsfähigkeit der Klägerin auf dem zweiten
Arbeitsmarkt mit 70 bis 75 % eingeschätzt worden. Die Klägerin habe sodann mit
Stellungnahme vom 30. Oktober 2014 und damit vor Stellenantritt vom 1. Februar 2015
die Ansicht vertreten, es bestehe ein Anspruch auf eine Teilrente. Der
Gesundheitsschaden, welcher zu Leistungen der IV geführt habe, sei vor Beginn der
Erwerbstätigkeit für das G._ entstanden (act. G7).
B.d.
Mit Replik vom 4. Januar 2021 hielt die Rechtsvertreterin der Klägerin an ihren
Begehren gemäss Klageschrift fest und führte aus, die Klägerin sei bis September 2015
in der Lage gewesen, ihren arbeitsvertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Die
bis dahin bekannten gesundheitlichen Einschränkungen seien nicht invalidisierend
gewesen. Erst mit dem Auftreten der depressiven Symptomatik, welche im Herbst
2015 in Erscheinung getreten sei, sei die Klägerin arbeitsunfähig geworden (act. G13).
B.e.
Mit Duplik vom 17. März 2021 hielt auch die Beklagte an ihren Begehren gemäss
Klageantwort fest und erklärte, selbst wenn davon ausgegangen würde, es habe am 1.
B.f.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton ein Gericht, das als
letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten u.a. zwischen Vorsorgeeinrichtungen und
Anspruchsberechtigten entscheidet. Im Kanton St. Gallen ist nach Art. 65 Abs. 1 lit. e
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) das
Versicherungsgericht zuständig für Streitigkeiten nach Art. 73 BVG. Gerichtsstand ist
nach Art. 73 Abs. 3 BVG der Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder der Ort des
Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Vorliegend ist die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts zu bejahen, weil die Beklagte
ihren Sitz im Kanton St. Gallen hat. Da auch sämtliche übrigen prozessualen
Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten.
2.
Streitig und zu prüfen ist der von der Klägerin gegenüber der Beklagten geltend
gemachte Anspruch auf eine Invalidenrente.
Januar (gemeint wohl: Februar) 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden, hätte
diese nicht während längerer Zeit, d.h. während dreier Monate, bestanden (act. G21).
Mit Schreiben vom 20. August 2021 (act. G25) und 15. September 2021 (act. G26)
ersuchte das Versicherungsgericht das G._ um weitere Auskünfte. Am 17. November
2021 erstattete Rechtsanwalt Rufener anstelle des G._ die Antwort (act. G29).
Gleichzeitig reichte er dem Gericht das vom G._ betreffend die Klägerin geführte
Personaldossier zu den Akten (act. G29.1 bis 29.6). Am 19. November 2021 wurde
Rechtsanwältin Brenner Frist angesetzt, um sich zu den neuen Akten und zur
Stellungnahme von Rechtsanwalt Rufener zu äussern (act. G30). Am 15. März 2022
verzichtete Rechtsanwältin Brenner für die Klägerin auf eine solche Stellungnahme (act.
G37).
B.g.
bis
Nach Art. 23 BVG haben (im Obligatoriumsbereich) Anspruch auf
Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge Personen, die (lit. a) im Sinne der IV zu
mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur
2.1.
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Invalidität geführt hat, versichert waren und (lit. c) als Minderjährige invalid wurden und
deshalb bei Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu mindestens 20 %, aber weniger als 40
% arbeitsunfähig waren und bei Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur
Invalidität geführt hat, auf mindestens 40 % versichert waren. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG
setzt der Anspruch auf eine volle Invalidenrente eine mindestens 70%ige Invalidität im
Sinn der IV voraus (lit. a). Eine Dreiviertelsrente kommt zur Ausrichtung bei mindestens
60%iger Invalidität (lit. b). Eine halbe Rente wird bei mindestens hälftiger Invalidität (lit.
c) und eine Viertelsrente bei mindestens 40%iger Invalidität ausgerichtet (lit. d). Laut
Art. 27 Abs. 2 des Reglements der Beklagten (gültig ab 1. Januar 2015, unverändert
auch ab 1. Januar 2017; nachfolgend: Vorsorgereglement) ergibt ein Invaliditätsgrad
unter 40 % in keinem Fall Anspruch auf Leistungen. Bei einer Invalidität von
mindestens 40 % wird eine Viertelsrente, bei einer Invalidität von mindestens 50 %
eine halbe Rente und bei einer Invalidität von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente
gewährt. Ab einer Invalidität von mindestens 70 % wird die volle Rente gewährt
(act. G7.1.2 und 7.1.7).
Entscheidend im Rahmen von Art. 23 BVG ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Mass
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Der Wegfall der Versicherteneigenschaft bildet keinen Erlöschungsgrund.
Umgekehrt entfällt im Anwendungsbereich von Art. 23 lit. a BVG die Leistungspflicht
einer Vorsorgeeinrichtung, wenn die massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor der
Entstehung des Versicherungsverhältnisses eingetreten ist (siehe zum Ganzen das
Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 3.1 mit Hinweisen). Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die jeweilige Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit
bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in
diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber
derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V 275 E. 4.1). Tragen verschiedene
Gesundheitsschädigungen zur Invalidität bei, so ist hinsichtlich jeder
Gesundheitsschädigung gesondert zu prüfen, ob die jeweilige Arbeitsunfähigkeit
während der Dauer des Versicherungsverhältnisses mit der Vorsorgeeinrichtung
eingetreten ist (BGE 138 V 409 Regeste b; E. 6).
2.2.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx
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Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20 % betragen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.1 mit Hinweisen). Der Anspruch
auf Invalidenleistungen setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang
zwischen der während des andauernden Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der
einmonatigen Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestehenden
Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. Der
sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur
Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen derselbe ist, wie er der
Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Die Annahme eines engen zeitlichen
Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während längerer
Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 22 E. 3.2 und E. 3.2.1). Bei der Prüfung dieser
Fragen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch
die medizinische Fachperson sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person
zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (siehe
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit
Hinweisen). Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen
zählen ausserdem die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden
Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der
Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche
Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Eine
Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist dann anzunehmen, wenn während mehr als
dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten
Erwerbstätigkeit gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018,
9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Der zeitliche Zusammenhang kann auch bei einer
länger als drei Monate dauernden Tätigkeit gewahrt sein, wenn eine dauerhafte
berufliche Wiedereingliederung unwahrscheinlich war, etwa weil die Tätigkeit (allenfalls
auch erst im Rückblick) als Eingliederungsversuch zu werten ist (BGE 134 V 20, E.
3.2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2016, 9C_142/2016, E. 3.2).
2.3.
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3.
Im vorliegenden Fall ist streitig, wann bei der Klägerin die für die Invalidität kausale
Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist. Konkret ist im Folgenden zu prüfen, ob während des
Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten (vom 1. Februar 2015 bis 31. Dezember 2015
zuzüglich der einmonatigen Nachdeckungsfrist) eine relevante Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % - allenfalls zusätzlich zu einer vorbestehenden Einschränkung (vgl.
dazu das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 11. Juli 2000, B
47/98, E. 3 mit Hinweis auf BGE 123 V 267 E. 3) - auftrat, welche in sachlichem und
zeitlichem Zusammenhang zu der von der IV-Stelle ab September 2016 anerkannten
Invalidität steht.
3.1.
Gestützt auf das schlüssige und nachvollziehbare Gutachten von Dr. J._ vom 8.
April 2016 ist davon auszugehen, dass bei der Klägerin seit Geburt eine dissoziierte
Intelligenz bei insgesamt niedriger kognitiver Leistungsfähigkeit vorlag (IV-act. 118-10).
Sodann ist aufgrund der medizinischen Akten davon auszugehen, dass sie seit dem
Autounfall vom 10. August 2007 an Einschränkungen hinsichtlich ihres linken Arms (IV-
act. 55-2) und an einer posttraumatischen Belastungsstörung (IV-act. 118-10) leidet.
Die IV unterstützte die Klägerin aufgrund ihrer Beschwerden am linken Arm und
aufgrund von Lernschwierigkeiten von 2012 bis 2014 in Form einer erstmaligen
beruflichen Ausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales (IV-act. 27-1 und 31).
Gestützt auf die Einschätzungen des Lehrbetriebs (IV-act. 48-3) und der zuständigen
Ärztin vom RAD (vgl. IV-act. 55-2) ging die IV mit Verfügung vom 15. Juni 2015 von
einem Invaliditätsgrad von 25 % ab Beendigung dieser Ausbildung aus (IV-act. 84). Aus
den Akten der IV ergibt sich, dass die von der IV-Stelle ab September 2015 anerkannte
und ab 1. September 2016 rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit auf eine zu den
vorgenannten Einschränkungen hinzugetretene mittelgradige depressive Episode
zurückzuführen ist (Gutachten von Dr. J._ vom 8. April 2016, IV-act. 118; vgl. auch
RAD-Stellungnahme vom 12. April 2016, IV-act. 120; RAD-Stellungnahme vom 10. Juni
2017, IV-act. 154; Stellungnahme des Rechtsdienstes der IV vom 25. Juli 2017, IV-act.
156; interne IV-Stellungnahme vom 13. November 2017, IV-act. 167).
3.2.
Vor diesem Hintergrund hat als erstellt zu gelten, dass die Klägerin bei Eintritt ins
Arbeitsverhältnis mit dem G._ im Februar 2015 eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit
aufwies, welche auf ihre kognitive Beeinträchtigung in Zusammenhang mit der später
diagnostizierten dissoziativen Intelligenz und der posttraumatischen Belastungsstörung
zurückzuführen war. Hinsichtlich dieser beiden arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen
ist festzuhalten, dass diese im Februar 2015 offensichtlich bereits bestanden und
folglich der sachliche und zeitliche Konnex nicht zu bejahen sind (vgl. hierzu
3.3.
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4.
vorstehend E. 2.2). Gestützt auf die psychiatrische und testpsychologische Beurteilung
von Dr. J._ vom 8. April 2016 ist sodann mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass
bei der Klägerin im Herbst 2015 eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit hinzugekommen
ist. Die Fachärztin war nach eigener Untersuchung der Klägerin zum Schluss
gekommen, gegenüber Juni 2015 (Zeitpunkt der ersten abweisenden Rentenverfügung
der IV) bestehe eine deutlich verminderte Arbeitsfähigkeit, da neu eine mittelgradige
depressive Episode aufgetreten sei. Im Oktober 2015 sei erstmalig eine depressive
Störung diagnostiziert worden, wobei die depressive Symptomatik seither
zugenommen habe (IV-act. 118-11; vgl. auch Würdigung dieses Gutachtens durch
RAD-Ärztin Dr. K._ vom 12. April 2016 in IV-act. 120). Die Fachärztin schätzte die
Arbeitsunfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt mit 75 % ein (IV-act. 118-10, Beantwortung
der 2. Frage). Folglich ist die massgebliche zusätzliche Arbeitsunfähigkeit im Rahmen
von 50 % während des Arbeitsverhältnisses mit dem G._ aufgetreten. Die Beklagte
hat denn auch die Verfügung der IV vom 31. Mai 2018, mit welcher diese (wie bereits in
der Verfügung vom 5. März 2018, vgl. auch den Verfügungsteil 2 in IV-act. 157-2) trotz
Einwands der Beklagten gegen diesen am Zeitpunkt festgehalten hat, in Rechtskraft
erwachsen lassen. Der Verweis der Beklagten auf das im Rahmen der
rentenablehnenden Verfügung der IV vom 15. Juni 2015 festgehaltene Datum des
Beginns der langdauernden Krankheit bereits am 1. August 2014 (act. G7 Ziff. III/46
sowie IV-act. 81) vermag am massgeblichen Zeitpunkt vom Herbst 2015 nichts zu
ändern, da der relevante Gesundheitsschaden wie vorstehend ausgeführt erst im
Herbst 2015 auftrat.
Nach dem Gesagten sind sowohl der sachliche (vgl. E. 3.2) als auch der zeitliche
(vgl. E. 3.3) Konnex zu bejahen. Sodann wurden weder der zeitliche noch der sachliche
Zusammenhang bis zum Eintritt der Invalidität unterbrochen. Damit ist als
Zwischenfazit festzuhalten, dass die Beklagte für die während des
Vorsorgeverhältnisses aufgetretene zusätzliche 50%ige Arbeitsunfähigkeit
grundsätzlich leistungspflichtig wurde. Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass
abzuklären, ob die Klägerin während ihrer Lehre bei der D._ berufsvorsorgerechtlich
versichert war (vgl. beklagtischer Antrag in act. G7 Ziff. III/44).
3.4.
Der Anspruch auf eine Invalidenrente der Beklagten beginnt nach Art. 27 Abs. 1
und 3 des Vorsorgereglements mit demjenigen der IV. Die Beklagte beginnt jedoch die
Rentenzahlung frühestens am Anfang des Monats, in dessen Verlauf die
arbeitsvertragliche Lohnfortzahlung oder Lohnersatzleistung (Taggeldleistung aus
Kranken- und/oder Unfallversicherung) entfällt. Dieser Aufschub der Rentenzahlung ist
4.1.
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möglich, wenn die Taggeldleistungen mindestens 80 % des entgangenen Lohns
betragen und die Finanzierung der Taggeldversicherung mindestens zur Hälfe durch
den Arbeitgeber erfolgt ist (act. G7.1.2). Die Klägerin bezog am 3. September 2017 das
letzte Taggeld von der Visana (fremd-act. 4-1). Laut Kumulativjournal Mitarbeiter des
G._ zahlten die Klägerin und das G._ Beiträge derselben Höhe an die
Krankentaggeldversicherung (IV-act. 100-10). Dementsprechend ist der Rentenbeginn
auf den 1. September 2016 festzulegen, wobei die Auszahlung grundsätzlich erst ab
dem 1. September 2017 zu erfolgen hätte. Eine versicherte Person hat jedoch nur so
lange Anspruch auf Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge, als die
Voraussetzungen für ihre Ausrichtung erfüllt sind. Sowohl bei der obligatorischen
Vorsorge, bei der die Änderung oder Aufhebung einer Rente den gleichen materiellen
Voraussetzungen unterstellt ist wie die Revision oder Wiedererwägung einer Rente der
IV, als auch in der weitergehenden Vorsorge muss der Leistungsanspruch
grundsätzlich angepasst werden, wenn er den gegenwärtigen tatsächlichen oder
rechtlichen Verhältnissen objektiv nicht mehr entspricht (BGE 141 V 411 E. 3.6). Der
zeitliche Konnex kann durch die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in einer anderen
zumutbaren Tätigkeit ebenso wirksam durchbrochen werden wie bei einer Rückkehr an
den angestammten Arbeitsplatz, vorausgesetzt es handelt sich dabei nach den
Umständen nicht um einen blossen Arbeitsversuch (Markus Moser, in: Marc Hürzeler/
Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge und Freizügigkeitsgesetz, Basler Kommentar 2021, N 34 zu Art.
23). Zum Zeitpunkt des vorerwähnten grundsätzlichen Beginns der Rentenauszahlung
am 1. September 2017 war die Klägerin als Assistentin Gesundheit und Soziales für die
M._ GmbH tätig (seit dem 1. Juli 2017; IV-act. 178 ff.). Bis zum 31. Oktober 2017 war
der Beschäftigungsumfang variabel nach Absprache bis maximal 50 % (IV-act. 178), ab
1. November 2017 betrug er 50 % (IV-act. 180). Die IV-Stelle berücksichtigte das
effektiv von der Klägerin erzielte Einkommen, errechnete gestützt darauf einen ab 1.
Juli 2017 geltenden Invaliditätsgrad von 50 % und richtete ab 1. Oktober 2017 noch
eine halbe Rente aus (IV-act. 186; vgl. auch IV-act. 184). Dr. N._ teilte der IV-Stelle
am 3. April 2018 mit, dass die Klägerin "weiterhin" zu 50 % arbeitsunfähig sei (IV-act.
188). Erst nachdem die Klägerin am 6. Oktober 2019 einen Sohn zur Welt gebracht
hatte, leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein. Dieses befand sich im
Klagezeitpunkt (11. September 2020) noch im Anfangsstadium der Abklärungen (vgl.
IV-act. 200 bis 228).
Rechtsprechungsgemäss sind die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetz
lichen Mindestvorsorge an die Feststellungen der Organe der Invalidenversicherung
gebunden, soweit die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise auf Grund
4.2.
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einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unrichtig erscheint und
die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der
Invalidenversicherung entscheidend war (vgl. BGE 133 V 69 E. 4.3.2). Hinsichtlich der
Festlegung des Invaliditätsgrades auf 50 % ab 1. Juli 2017 kann angesichts der
unterbliebenen medizinischen und erwerblichen Abklärungen von Seiten der IV
offensichtlich nicht von einer Bindungswirkung ausgegangen werden. Die IV hätte
angesichts der sehr wahrscheinlich eingetretenen Verbesserung der gesundheitlichen
Situation der Klägerin ein Revisionsverfahren einleiten müssen, insbesondere
angesichts der für die Rentenbegründung entscheidenden Diagnose der mittelgradigen
depressiven Episode, bei der das unveränderte Andauern über einen gewissen
Zeitraum hinaus nicht anzunehmen ist. Die Überprüfung der geltend gemachten
Leistungspflicht hat folglich ab der Reduktion des Invaliditätsgrades auf 50 % per 1.
Oktober 2017 losgelöst vom invalidenversicherungsrechtlichen Entscheid zu erfolgen.
Für diesen Zeitraum (ab Juli 2017) liegt als erstes medizinisches Dokument ein
Schreiben von Dr. N._ vom 3. April 2018 bei den Akten, laut welchem die Klägerin
weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig sei und zu 50 % arbeite (IV-act. 188). Als nächstes ist
ein Bericht von Dr. N._ vom 20. April 2020 aktenkundig, aus welchem hervorgeht,
dass die Klägerin im Oktober 2019 ihr Kind geboren habe. Während praktisch der
ganzen Schwangerschaft habe sie gehäuft liegen müssen, zum Teil sei sie hospitalisiert
gewesen. Im Wochenbett habe primär eine ordentliche Erholung stattgefunden, dann
sei zunehmend eine depressive Verstimmung aufgetreten, vor allem sobald die Klägerin
wieder ihren Job hätte aufnehmen sollen (IV-act. 214-4). Am 7. Mai 2020 berichteten
Dr. L._ und die Psychologin O._ von der Klinik P._ der AXA über eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und eine
psychophysische Erschöpfung der Klägerin. Diese sei seit 7. Januar 2020 100 %
arbeitsunfähig (fremd-act. 7-62 f.).
4.3.
Angesichts der Arbeitsaufnahme im Juli 2017 und des spätestens ab November
2017 regelmässigen 50%igen Arbeitspensums (IV-act. 178 und 180) ist davon
auszugehen, dass sich die von Dr. J._ im Frühjahr 2016 diagnostizierte mittelschwere
depressive Episode zu diesem Zeitpunkt zurückgebildet hatte. Hierfür spricht auch die
der Klägerin von Dr. L._ nach der letzten Kontrolle vom 15. November 2016
attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 8. Dezember 2016, IV-act. 148-1 und
3). Dafür, dass eine Veränderung hinsichtlich der anderen beiden
arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen der posttraumatischen Belastungsstörung und
der dissoziierten Intelligenz bei insgesamt niedriger kognitiver Leistungsfähigkeit oder
auch hinsichtlich der Einschränkungen des linken Arms der Klägerin eingetreten sein
4.4.
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könnte, bestehen keine Anhaltspunkte. Es ist folglich davon auszugehen, dass zum
Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme bei der M._ GmbH wiederum die bei Abschluss der
Lehre bei der D._ festgelegte 25%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 84) vorgelegen hat.
Für die Zeit von Ende 2016 bis April 2018 liegen keine medizinischen Akten vor und
sind keine Behandlungen aktenkundig. Da dieser Zeitraum länger zurückliegt, ist in
antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 136 I 236 ff. E. 5.3 und 5.5 mit weiteren
Hinweisen) davon auszugehen, dass die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens
keine verlässliche Einschätzung und keine besseren Erkenntnisse zu Tage zu fördern
vermöchte. Folglich ist darauf zu verzichten. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bedarf es zum rechtsgenüglichen Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen
sodann nicht zwingend einer echtzeitlich attestierten Arbeitsunfähigkeit. Eine
zuverlässige Einschätzung des zeitlichen Zusammenhangs ist möglich, wenn die
Entwicklung gesamthaft betrachtet wird; wobei die Frage, ob eine nachhaltige
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich war, auch im Licht von erst später
gewonnenen Erkenntnissen zu beurteilen ist (siehe zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Der Klägerin
gelingt es ab ihrer Arbeitsaufnahme bei der M._ GmbH am 1. Juli 2017 nicht mehr,
eine Invalidität zu belegen, welche in zeitlichem und sachlichem Konnex zu der
während des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten (1. Februar 2015 bis 31. Januar
2016 [einschliesslich Nachdeckung]) aufgetretenen zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit von
50 % aufgrund einer mittelschweren depressiven Episode stehen würde (vgl.
vorstehend E. 3). Da die Tätigkeit für die M._ GmbH während über eineinhalb Jahren
ausgeübt worden ist und die neuerliche Krankschreibung der Klägerin ab Februar 2019
aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft und im Wochenbett
erfolgte (vgl. IV-act. 214-4), besteht keine Grundlage dafür, diese Tätigkeit rückblickend
als Arbeitsversuch zu werten. Neben der Tätigkeit für die M._ GmbH resp. der in
diesem Arbeitsverhältnis gezeigten mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit und der
vorbestehenden 25%igen Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2 ff.) bleibt kein
Raum mehr für eine zusätzliche mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit, wie sie von
Nöten wäre, um zu einer weiteren Leistungspflicht der Beklagten zu führen (vgl. Art. 27
Abs. 2 Vorsorgereglements (gültig ab 1. Januar 2015, unverändert auch ab 1. Januar
2017; act. G7.1.2 und 7.1.7). Jedenfalls kann eine solche Arbeitsunfähigkeit nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden und bleibt somit beweislos.
Und auch ein sachlicher Konnex der spätestens ab Januar 2020 wiederum
diagnostizierten mittelschweren depressiven Episode (vgl. fremd-act. 7-62 f. und IV-
act. 217) kann nicht bejaht werden, da wie vorstehend ausgeführt der sachliche
Konnex mit der Tätigkeit für die M._ GmbH bereits unterbrochen worden ist.
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