Decision ID: bf8d471a-f65e-4697-b848-f35bd0d80605
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
73
, meldete sich am
2
0.
August 2019
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
Y._
zur Arbeitsvermittlung
und be
antragte
am
4.
Oktober 2019
Arbeitslosenentschädigung
ab dem
1.
Oktober 2019
(Urk. 7
/1
,
Urk.
7/9
).
Mit Verfügung vom
8.
Oktober 2019 wies die Unia Arbeits
losenkasse
seinen
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab. Zur Begründung führte sie aus, dass
X._
in der Rahmenfrist für die Beitragszeit eine bei
tragspflichtige Beschäftigung von insgesamt 8.653 Monaten nachweisen könne. Weil er somit keine beitragspflichtige
Beschäftigung von 12 Monaten ausgeübt habe, bestehe kein Anspruch auf Arbeitslosentschädigung (
Urk.
7/17 S.
1
2).
Da
gegen erhob
X._
am 6
.
November
2019
Einsprache
(Urk. 7
/
19
). Mit Einspracheentscheid vom
15
.
November
2019 wies die
Unia
Arbeitslosenkasse die Einsprache ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
15
.
Dezember 2019 Beschwerde und bean
tragte
, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihn in Anwendung von
Art.
14 AVIG von der Beitragspflicht zu befreien und seinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für die Periode seiner Arbeitslosigkeit vom
1.
Oktober bis
4.
Dezember 2019 zu anerkennen (
Urk.
1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 14
.
Januar
20
20
beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
, unter Beilage ihre
r
Akten
,
Urk.
7/1-26
), was dem Beschwerdeführer am
1
7.
Januar
20
20
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeits
losenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Beitragspflicht befreit ist (
Art.
8
Abs.
1 lit. e
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi
gung
,
AVIG
).
1.2
Nach
Art.
9
Abs.
1 AVIG gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rah
menfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG).
Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rah
menfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.3
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss
Art.
14
Abs.
1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (
Art.
9
Abs.
3) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (
Art.
3 ATSG), Unfall (
Art.
4 ATSG) oder Mutterschaft (
Art.
5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsan
stalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von
Art.
14
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten be
standen haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (
Art.
11
Abs.
4 Satz 1 AVIV), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in
Art.
14
Abs.
1 lit. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
Ebenfalls von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind Personen, die wegen Trennung oder Scheidung der Ehe, wegen Invalidität (
Art.
8 ATSG) oder Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer Invaliden
rente gezwungen sind, eine unselbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder zu erweitern. Diese Regel gilt nur dann, wenn das betreffende Ereignis nicht mehr als ein Jahr zurückliegt und die betroffene Person beim Eintritt dieses Ereignisses ihren Wohnsitz in der Schweiz hatte (
Art.
14
Abs.
2 AVIG).
Schweizer, die nach einem Auslandaufenthalt von über einem Jahr in einem Staat, der sowohl ausserhalb der Europäischen Gemeinschaft als auch der Euro
päischen Freihandelsassoziation (EFTA) liegt, in die Schweiz zurückkehren, sind während eines Jahres von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, sofern sie sich über eine entsprechende Beschäftigung als Arbeitnehmer im Ausland ausweisen können. Unter den gleichen Voraussetzungen sind Angehörige von Staaten der Europäischen Gemeinschaft und der EFTA, deren Niederlassungsbewilligung nicht erloschen ist, von der Erfüllung der Beitragszeit befreit. Der Bundesrat be
stimmt zudem, unter welchen Voraussetzungen Ausländer, die nicht Angehörige eines Staates der Europäischen Gemeinschaft oder der EFTA sind, und deren Nie
derlassungsbewilligung nicht erloschen ist, nach einem Auslandaufenthalt von über einem Jahr von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind (
Art.
14
Abs.
3 AVIG).
2.
2.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 1
5.
November 2019
und in der Ver
fügung vom
8.
Oktober 2019
führte die Beschwerdegegnerin aus,
für die Erfül
lung der Anspruchsberechtigung für die Arbeitslosenenversicherung sei in erster Linie massgebend, ob der Beschwerdeführer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitrags
zeit eine Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten aufweisen könne (Urk. 2 S. 2-3). D
er Beschwerdeführer
sei
über Jahre einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen, welche für die Arbeitslosenversicherung nicht beitragspflichtig sei. Es bestehe
während einer selbständigen Erwerbstätigkeit auch keine Möglich
keit, Beiträge freiwillig in diese Versicherung einzuzahlen (
Urk.
2 S.
2).
Der Be
schwerdeführer
habe
ab dem
1.
Oktober 2019 Arbeitslosentschä
digung
beantragt
. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit sei
daher
vom
1.
Oktober 2017 bis 30. Sep
tember 2019 festzusetzen (Urk.
7/
17 S. 1). In dieser Zeit sei der Beschwerdeführer nur vom 14.
Januar bis 30.
September
2019 einer unselbstän
digen Tätigkeit
nach
gegangen
, womit er in der
Rahmenfrist für die Beitragszeit eine bei
trags
pflichtige Beschäftigung von insgesamt 8.653 Monaten nachweisen könne
(
Urk.
7/17 S. 1-2)
.
Er
könne nicht
von der Erfüllung der Beitragszeit befreit wer
den, da er nicht aus einem der unter
Art.
14 AVIG aufgeführten Gründe an der Ausübung einer unselbständigen Er
werbs
tätigkeit verhindert gewesen sei. Viel
mehr
sei
er vor der Aufnahme der unselbständigen Tätigkeit per
1.
Januar 2019 über Jahre selbständig erwerbend gewesen (
Urk.
2 S. 3).
Mangels genügender Bei
tragszeit in der
dafür vorgesehenen Rahmenfrist habe der Beschwerdeführer kei
nen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (Urk. 7/17 S. 1-2).
2.
2
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, dass er vom 1. Januar 2004 bis
3
1.
Dezember
2018 der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich,
Ausgleichskasse,
als Selbständigerwerbender angeschlossen gewesen sei
(Urk. 1 S.
1, Urk. 3/1, Urk.
3/3)
.
Zu berücksichtigen sei, dass e
r für den Unter
halt von zwei Kindern aufkommen
müsse
.
Der Mutter seiner 2005 gebo
renen Tochter bezahle er jeden Monat einen Unterhaltsbeitrag von
Fr.
750.--
(
Urk.
1 S.
2)
.
Zur Mutter dieses Kindes habe er seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr (
Urk.
7/12). Seit 2007 lebe er zusammen mit seiner Lebenspartnerin und der ge
meinsamen, im Jahr
2009 geborene Tochter
in
Y._
(
Urk.
1 S. 2,
Urk.
7/12-13). S
eine Lebenspartnerin
habe
ihre Arbeits
stelle im April 2018 verloren
und sei seit
her
arbeitslos
, wobei zu erwarten sei, dass sie
per Ende 201
9
aus
der Arbeitslo
sen
versicherung ausgesteuert
werde
(
Urk. 1 S. 2,
Urk.
7/12).
Erschwe
rend sei hinzugekommen, dass er i
m Jahr 2018 mit seiner selbständigen Tätigkeit keinen signif
ikanten Umsatz generier
t
habe
.
A
ufgrund
dieser Umstände
sei er aus wirt
schaftlichen Grün
den gezwungen gewesen, eine unselbständige Tätigkeit auf
zu
nehmen (Urk.
1 S. 2).
Er habe diese Arbeit am
1
4
.
Ja
nuar 2019
antreten können. Das Arbeitsverhältnis sei aber in der Folge
durch
Kündigung seiner
Arbeit
geberin
bereits
per 3
0.
Septem
ber 2019
wieder aufgelöst worden
(
Urk.
1 S.
2
,
Urk.
3/4,
Urk.
3/9).
Die Beschwerdegegnerin gehe zu Un
recht davon aus
, dass
kein Grund für die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gegeben sei. Er habe sich in einer finanziellen Zwangs
lage befunden und
s
ein Entschluss zur Aufnahme
eine
r
unselbständige Erwerbs
tätigkeit
sei wie beschrieben
aufgrund
eines Ereignisses erfolgt, das
als Befreiungsgrund in Frage komme
. Eine Kausalität zwischen Be
freiungsgrund und seiner finanziellen Zwangslage sei sodann ebenfalls zu beja
hen
(
Urk.
1 S. 3).
Er
sei er daher von der Beitragspflicht zu befreien
, was zur Folge habe, dass ein
Anspruch auf Arbeitslosenentschä
digung
bestehe
(
Urk.
1 S.
1
)
.
2.3
N
ach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung
besteht bei Aufgabe der selb
stän
digen Erwerbstätigkeit
bezüglich Arbeits
losigkeit
kein Versicherungs
schutz
, es sei denn,
die Beitragszeit in der Rahmenfrist
aus einer früheren Arbeit
nehmertätig
keit werde erfüllt. Die Arbeit
nehmereigenschaft, welche
Grundvoraussetzung dafür ist, dass eine Person Versicherungsschutz geniesst, kann nicht dadurch her
gestellt werden, dass im Nachhinein eine Person für diejenige Ze
it, während
welcher eine selb
ständige Tätigkeit ausgeübt wurde, als von der Erfüllung der Bei
tragszeit befreit erklärt wird. Die Befreiungstatbestände können die fehlende Ver
sicherten
eigenschaft nicht schaffen. Sie übernehmen vielmehr die Funktion der Beitrags
zeit als Anspruchsvoraussetzung
.
Die fehlende Versicherteneigen
schaft infolge Aus
übung einer selb
ständigen Tätigkeit in der Zeit vor Anrufung eines Be
freiungsgrundes nach
Art.
14 AVIG
schliesst somit die Berufung auf diese Aus
nahmeregelung aus
(Urteil des Bundesgerichts C
14/04 vom 3
1.
März
2006 E.
3.2
mit Hinweisen
)
.
Es kommt hinzu, dass vorliegend
nach Lage der Akten
keiner der in Art.
14
Abs.
1
AVIG gere
gelten Befreiungsgründe einschlägig wäre.
Etwas an
de
res ist vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht worden.
Der Beschwerdeführer kann sich sodann ebenfalls nicht darauf berufen, dass die Arbeitslosigkeit seiner Lebens
partnerin einen
ähnlichen Grund
wie
die
Invalidität (
Art.
8 ATSG) oder
der
Tod
eines
Ehegatten (
Art.
14
Abs.
2 AVIG)
darstellen würde.
Art.
14
Abs.
2 AVIG
ist
nicht auf
Konkubinatspartner
anwend
bar, weil sie - anders als Ehepartner (
Art.
163 des
Schweizerische
n
Zivilgesetz
buch
es,
ZGB
)
- keine gesetz
liche Verpflichtung zu gegenseitigem Unterhalt trifft
(vgl. BGE 137 V 133
E.
7
; Kup
f
er Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG,
5.
Auf
lage, Zürich/Basel/Genf
2019, S. 85 f.).
Und schliesslich ist
Art.
14
Abs.
3 AVIG
berei
t
s
deswegen
nicht
anwendbar, weil der Beschwerde
führer seine selbständige Tätigkeit in der Schweiz
und
nicht
im Ausland ausgeübt hat
(Urk. 3/1, Urk. 3/3)
.
2.4
Es
ist
somit
festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner selb
ständigen Tätigkeit nicht auf ein
en Befreiungsgrund berufen kann
. Zudem kann der Beschwerdeführer nach der insoweit unbestrittenen gebliebenen Berech
nung der Beschwerdegegnerin in der Rahmenfrist für
die Beitragszeit
nur eine
bei
trags
pflichtige Beschäftigung
von 8.653 Monaten nachweisen (
Urk.
7/17 S. 2). Weil das Erfordernis einer beitragspflichten Beschäftigung von 12 Monaten innerhalb der Rahmenfrist (
Art.
13
Abs.
1 AVIG) nicht erfüllt ist, hat die Beschwerdegegne
rin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosen
entschädigung ab
1.
Okto
ber 2019 zu Recht verneint.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.