Decision ID: ff32e998-c5e4-5423-94e8-3e2ade98d983
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Mit Zollanmeldung vom 1. November 2019 (14.57 Uhr) meldete die
A._ AG (fortan: Zollpflichtige) der Oberzolldirektion (fortan: OZD)
unter Vorlage der entsprechenden Beweismittel Vorräte an Treibzichorien
mit einer Rohmasse von 2'593 kg brutto an, wobei sie keine an den Zoll-
kontingentsanteil angerechnete Menge (in kg brutto) geltend machte und
damit gesamthaft abgabenpflichtige Vorräte nach Art. 55 der Zollverord-
nung vom 1. November 2006 (ZV, SR 631.01) mit einem Gewicht von 2'593
kg brutto deklarierte.
Tarif-Nr./ Schlüssel
 (kg netto)
Rohmasse (kg brutto)
An   Menge (kg brutto)
 Vorräte nach Artikel 55 ZV (kg brutto)
Treibzichorien 0705.2119 2’248 2’593 0 2’593
B.
Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV, OZD) verfügte sodann am
12. November 2019, dass die Abgabedifferenz zwischen dem Ausserkon-
tingentszollansatz (CHF 256.- je 100 kg brutto) und dem in der freien
Phase anwendbaren Kontingentszollansatz (CHF 7.- je 100 kg brutto) für
die angemeldeten abgabepflichtigen Vorräte im Umfang von 2'593 kg
brutto Treibzichorien bei der Zollpflichtigen einzufordern seien. Die Forde-
rung der EZV inklusive der anteilsmässigen Mehrwertsteuer berechne sich
wie folgt:
Warenbezeichnung Abgabenpflichtige Menge (kg brutto)
Ansatz in CHF je 100 kg
(Differenz)
Betrag
(CHF)
Treibzichorien 2’593 249 6'456.55
Zoll 6'456.55
Mehrwertsteuer 2.5% 161.40
Total des nachzufordernden Betrages: 6'617.95
C.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2020 erhebt die Zollpflichtige (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) gegen den Entscheid der EZV vom 12. November
2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht und beantragt dem
Sinne nach, die Verfügung sei aufzuheben.
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Die Beschwerdeführerin führt aus, die Verfügung sei zustande gekommen,
weil sie am 1. November 2019 die Menge an Treibzichorien (2'593 kg
brutto) fälschlicherweise in der Spalte «Abgabepflichtige Vorräte» anstatt
in der Spalte «An Zollkontingentsanteil anzurechnende Menge» deklariert
habe. Da die Grenze für Treibzichorien am 31. Oktober 2019 geschlossen
worden sei und sie noch Ware aus der freien Phase an Lager gehabt habe,
habe sie diese Vorräte angemeldet. Ihr Kontingent für Treibzichorien für
den Zeitraum 1. bis 5. November 2019 habe total 3'835 kg betragen. Im-
portiert habe sie nichts. Dies sei auch im «AEV14online» ersichtlich.
Der Mitarbeiter, der die in Frage stehende Zollanmeldung vorgenommen
habe, habe dies zum ersten Mal gemacht. Er habe am Freitag, 1. Novem-
ber 2019, versucht mit dem Bundesamt für Landwirtschaft Kontakt aufzu-
nehmen, um eine Umbuchung der erhaltenen Kontingente zu beantragen
und Unterstützung beim Ausfüllen der Anmeldung zu erbitten. Leider habe
er niemanden erreicht und die Anmeldung nach bestem Wissen auszufül-
len versucht. Man wäre dankbar, wenn dieser erstmalige Fehler verziehen
würde.
D.
Mit Vernehmlassung vom 4. März 2020 beantragt die EZV (fortan auch:
Vorinstanz), die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten sei.
E.
Auf die detaillierten Vorbringen der Parteien wird – soweit sie für den Ent-
scheid wesentlich sind – in den Erwägungen näher eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwal-
tungsgericht (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche
Ausnahme liegt nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfügung
im Sinne von Art. 5 VwVG. Die EZV ist zudem eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts (vgl. Art. 33 VGG). Dieses ist daher für die Beur-
teilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4
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des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]). Das Verfahren rich-
tet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften
des VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids
und damit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerde wurde zudem form- und fristgerecht eingereicht (vgl.
Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf das Rechtsmittel ist somit einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49
Bst. c VwVG; Urteil des BVGer A-5216/2014 vom 23. April 2015 E. 1.3).
1.4 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den unter
Mitwirkung der Verfahrensbeteiligen festgestellten Sachverhalt die richti-
gen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als
den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es
überzeugt ist (ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, N. 1.54 unter Verweis auf BGE 119 V 347
E. 1a).
1.5 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung bildet sich das Bun-
desverwaltungsgericht unvoreingenommen, gewissenhaft und sorgfältig
seine Meinung darüber, ob der zu erstellende Sachverhalt als wahr zu gel-
ten hat. Es ist dabei nicht an bestimmte förmliche Beweisregeln gebunden,
die genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis zu Stande kommt und wel-
chen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander ha-
ben (BGE 130 II 482 E. 3.2; ANDRÉ MOSER et al., a.a.O., Rz. 3.140). Das
Prinzip der freien Beweiswürdigung findet grundsätzlich im gesamten öf-
fentlichen Verfahrensrecht Anwendung, so auch im Zollverfahren (vgl. al-
lerdings den Vorbehalt in Art. 3 Bst. e VwVG betreffend das Verfahren der
Zollveranlagung; zum Ganzen: Urteile des BVGer A-5136/2018 vom 9. De-
zember 2019 E. 1.5.1, A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 1.5.1 m.w.H).
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Seite 5
2.
2.1
2.1.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden,
sind grundsätzlich zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem
Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden
(Art. 7 ZG).
2.1.2 Der Zollbetrag bemisst sich nach Art, Menge und Beschaffenheit der
Ware im Zeitpunkt, in dem sie der Zollstelle angemeldet wird (Art. 19 Abs. 1
Bst. a ZG) und nach den Zollansätzen und Bemessungsgrundlagen, die im
Zeitpunkt der Entstehung der Zollschuld gelten (Art. 19 Abs. 1 Bst. b ZG;
vgl. auch Art. 69 Bst. a ZG). Ein- und Ausfuhrzölle werden nach dem Ge-
neraltarif festgesetzt (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit den Anhängen 1 und
2 des ZTG). Grundlage für die Bemessung der Zollabgaben ist dabei
grundsätzlich das Warenbruttogewicht (vgl. Art. 2 Abs. 1 ZTG).
2.1.3 Unter dem Begriff Generaltarif (vgl. dazu auch Art. 3 ZTG) ist ein un-
ter Beachtung der inländischen Gesetzgebung und unter Berücksichtigung
der nationalen Bedürfnisse geschaffener Zolltarif zu verstehen. Er enthält
die Tarifnummern, die Bezeichnungen der Waren, die Einreihungsvor-
schriften, die Zollkontingente sowie die höchstmöglichen Zollansätze, wie
sie grösstenteils im Abkommen vom 15. April 1994 zur Errichtung der Welt-
handelsorganisation (GATT/WTO-Abkommen, SR 0.632.20, für die
Schweiz in Kraft getreten am 1. Juli 1995) konsolidiert worden sind. Die
Struktur des Generaltarifs basiert auf der Nomenklatur des internationalen
Übereinkommens vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System (HS)
zur Bezeichnung und Codierung der Waren (nachfolgend: HS-Überein-
kommen, SR 0.632.11, für die Schweiz in Kraft getreten am 1. Januar 1988;
vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.2).
Der Gebrauchstarif (vgl. dazu Art. 4 ZTG) entspricht im Aufbau dem Gene-
raltarif und enthält die aufgrund von vertraglichen Abmachungen ermässig-
ten Zollansätze. Er widerspiegelt die in Erlassen festgelegten gültigen Zoll-
ansätze (vgl. zum Ganzen auch Botschaft vom 19. September 1994 zu den
für die Ratifizierung der GATT/WTO-Übereinkommen [Uruguay-Runde]
notwendigen Rechtsanpassungen, BBl 1994 IV 950 ff., 1004 f.; siehe auch
Botschaft vom 22. Oktober 1985 betreffend das HS-Übereinkommen sowie
über die Anpassung des schweizerischen Zolltarifs, BBl 1985 III 357, 377
f.; Urteile des BVGer A-3030/2013 vom 8. Mai 2014 E. 2.1.1 und
A-5558/2013 vom 4. April 2014 E. 2.1.2, mit weiteren Hinweisen). Der Ge-
brauchstarif, der für die Praxis primär relevant ist, umfasst demnach neben
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Seite 6
den unverändert gebliebenen Ansätzen des Generaltarifs alle zu einem be-
stimmten Zeitpunkt handelsvertraglich vereinbarten Zollansätze und die
autonom gewährten Zollpräferenzen. Der Gebrauchstarif enthält zudem
auch die in besonderen Erlassen geregelten, aufgrund autonomer Mass-
nahmen ermässigten Zollansätze (Urteil des BVGer A-3404/2017 vom
16. März 2018 E. 2.2; COTTIER/HERREN, in: Kocher/Clavadetscher, [Hrsg.],
Zollgesetz, 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Einleitung Rz. 103).
2.1.4 Die im Zusammenhang mit dem Beitritt der Schweiz zur Welthandels-
organisation (WTO) per 1. Juli 1995 und der Ratifizierung der entsprechen-
den GATT/WTO-Übereinkommen (Abkommen vom 15. April 1994 zur Er-
richtung der Welthandelsorganisation, SR 0.632.20; Übereinkommen über
die Landwirtschaft, Anhang 1A.3 zum Abkommen) eingeführte Regelung
betreffend die Einfuhr von Agrarprodukten erlaubt den Import von Waren
sowohl inner- als auch ausserhalb eines Zollkontingents. Die Einfuhr inner-
halb eines Kontingents unterliegt gewöhnlich einem geringeren Zollansatz
(Kontingentszollansatz, KZA) als jene ausserhalb (Ausserkontingentszoll-
ansatz, AKZA). Kommt der AKZA zur Anwendung, wirkt dieser regelmässig
prohibitiv (vgl. BGE 129 II 160 E. 2.1, 128 II 34 E. 2b; Urteil des BVGer
A-5936/2016 vom 16. August 2017 E. 2.2.1; zum Ganzen: Urteil des BVGer
A-983/2018 vom 18. April 2019 E. 2.3.1), denn der Sinn und Zweck der
Zollkontingente für landwirtschaftliche Erzeugnisse besteht im Schutz der
einheimischen Produktion. Um dieses Ziel zu erreichen, soll verhindert
werden, dass mehr der jeweiligen Ware importiert wird, als entsprechende
Kontingente bestehen. Andernfalls würde das System ausgehebelt (vgl.
Urteil des BGer 2C_201/2013 vom 24. Januar 2014 E. 5.8.3; vgl. zum Gan-
zen: Urteil des BVGer A-5938/2019 vom 2. September 2020 E. 2.1.4).
2.1.5
2.1.5.1 Nach Art. 21 Abs. 2 des Landwirtschaftsgesetzes vom 29. April
1998 (LwG, SR 910.1) kann der Bundesrat die Zollkontingente und ihre
allfällige zeitliche Aufteilung im Rahmen des Generaltarifs ändern (Art. 21
Abs. 2 LwG). Für die Festlegung und Änderung von Zollkontingenten und
der allfälligen zeitlichen Aufteilung gilt Art. 17 LwG – wonach bei der Fest-
setzung der Einfuhrzölle die Versorgungslage im Inland und die Absatz-
möglichkeiten für gleichartige inländische Erzeugnisse zu berücksichtigen
sind – sinngemäss (Art. 21 Abs. 3 LwG). In Art. 22 Abs. 1 LwG wird sodann
bestimmt, dass der Wettbewerb bei der Verteilung von Zollkontingenten
gewahrt bleiben soll. Gemäss Art. 22 Abs. 2 LwG werden die Zollkontin-
gente von der zuständigen Behörde namentlich nach folgenden Verfahren
und Kriterien verteilt:
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a. durch Versteigerung;
b. nach Massgabe der Inlandleistung;
c. aufgrund der beantragten Menge;
d. entsprechend der Reihenfolge des Einganges der Bewilligungsgesuche;
e. entsprechend der Reihenfolge der Veranlagung;
f. nach Massgabe der bisherigen Einfuhren der Gesuchsteller.
2.1.5.2 Nach Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 7. Dezember 1998 über die
Ein- und Ausfuhr von Gemüse, Obst und Gartenbauerzeugnissen (VEA-
GOG, SR 916.121.10) können frisches Gemüse und frisches Obst zum
KZA eingeführt werden, ohne dass das Bundesamt für Landwirtschaft
(BLW) Zollkontigentsteilmengen für die Einfuhr freigibt: a) während der Pe-
riode, für die nach Anhang 1 des Zolltarifes kein AKZA festgelegt ist; b) in
den Perioden, für die nach Anhang 1 des Zolltarifes ein AKZA festgelegt
wird (Bewirtschaftungsperiode), ab und bis zu den vom BLW bestimmten
Daten. Diese werden aufgrund des voraussichtlichen Angebots an gleich-
artiger Schweizer Ware handelsüblicher Qualität festgelegt. Als gleichartig
gelten ungeachtet der Art ihrer Verpackung Waren, die in der gleichen Ta-
rifnummer, innerhalb derselben Gruppe nach Anhang 2 und allenfalls in-
nerhalb der gleichen statistischen Sonderausscheidung aufgeführt sind.
Nach Art. 4 Abs. 2 VEAGOG können frisches Gemüse und frisches Obst
ausserhalb der Perioden nach Absatz 1 Buchstaben a und b zum KZA ein-
geführt werden, sofern das BLW Zollkontingentsteilmengen freigibt.
Nach Art. 5 Abs. 1 Satz 1 VEAGOG gibt das BLW Zollkontingentsteilmen-
gen für die Einfuhr nach Massgabe der Nachfrage frei, wenn das Angebot
an gleichartiger Schweizer Ware handelsüblicher Qualität den geschätzten
wöchentlichen Bedarf nicht zu decken vermag.
2.1.5.3 Gemäss Generaltarif ist für die Einfuhr von Witloof-Zichorien vom
21. Mai bis 30. September kein AKZA festgelegt. Während dieser Zeit ein-
geführte Witloof-Zichorien sind dementsprechend (unter der Tarifnummer
0705.2110) zum KZA in Höhe von CHF 7 je 100 kg zu verzollen. Für die
Zeit vom 1. Oktober bis 20. Mai ist demgegenüber ein AKZA von CHF 256
je 100 kg (unter der Zolltarifnummer 0705.2119) festgelegt (Bewirtschaf-
tungsperiode). Dieser greift, wenn die Witloof-Zichorien nicht innerhalb des
Zollkontingents (K-Nr. 15) eingeführt werden (unter der Zolltarifnummer
0705.2111 zum KZA von CHF 7 je 100 kg).
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Gemäss Art. 2 der Verordnung des BLW über die Festlegung von Perioden
und Fristen sowie die Freigabe von Zollkontingentsteilmengen für die Ein-
fuhr von frischem Gemüse und frischem Obst vom 16. September 2016
(VEAGOG-Freigabeverordnung, SR 916.121.100) sind die Perioden für
Einfuhren zum KZA ohne Freigabe von Zollkontingentsteilmengen nach
Art. 4 Abs. 1 Bst. b VEAGOG in Anhang 1 festgelegt. Der besagte Anhang
1 der VEAGOG-Freigabeverordnung legt für Treibzichorien (mit der Zollta-
rifnummer 0705.2111) fest, dass diese während der Bewirtschaftungsperi-
ode jeweils vom 1. bis 31. Oktober bzw. vom 1. bis 20. Mai zum KZA ohne
Freigabe von Zollkontingentsteilmengen importiert werden dürfen. Die
Freigabe Zollkontingentsteilmengen nach Art. 5 Abs. 1 und 3 Bst. b VEA-
GOG ist sodann im Anhang 2 festgelegt (Art. 3 VEAGOG-Freigabeverord-
nung). Der besagte Anhang wird in der AS nicht veröffentlicht. Er kann beim
Bundesamt für Landwirtschaft, Fachbereich Ein- und Ausfuhr, 3003 Bern
bezogen oder im Internet unter www.import.blw.admin.ch > Gemüse und
Obst, frisch abgerufen werden (VEAGOG-Freigabeverordnung Anhang 2).
Der eben zitierten VEAGOG-Freigabeverordnung folgend, hatte das BWL
in der Tabelle Importregelung/Info Nr. 65 vom 1. Oktober 2019 im Sinne
des Art. 4 Abs. 1 Bst. b VEAGOG festgelegt, dass Treibzichorien vom
1. Oktober 2019 bis 31. Oktober 2019 unbeschränkt zum KZA importiert
werden dürfen. Aus der Tabelle Importregelung/Info Nr. 73 vom 31. Okto-
ber 2019 geht sodann hervor, dass das BWL für Treibzichorien vom 1. No-
vember 2019 bis 5. November 2019 eine Zollkontingentsteilmenge in Höhe
von 50 Tonnen brutto freigegeben hatte (abrufbar unter:
https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/markt/einfuhr-von-agrarproduk-
ten/gemuese-und-obst/archiv-tabelle-importregelung-von-gemuese-und-
obst-frisch.html).
Die Beschwerdeführerin verfügte – soweit hier interessierend – am 1. No-
vember 2019 – unbestrittenermassen – über einen Anteil am Kontingent
«Treibzichorien» aus der Kontingentszuteilung für die Laufzeit vom 1. bis
5. November 2019 von insgesamt 3'835 kg brutto, wovon 1'870 kg brutto
aus der firmenspezifischen Zuteilung und 1'915 kg brutto bzw. 50 kg brutto
aus Kontingentsabtretungen stammten.
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 15 Abs. 1 ZG ist für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die
in der freien Periode eingeführt worden sind und zu Beginn der Bewirt-
schaftungsperiode auf Handelsstufe noch vorhanden sind, eine neue Zoll-
https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/markt/einfuhr-von-agrarprodukten/gemuese-und-obst/archiv-tabelle-importregelung-von-gemuese-und-obst-frisch.html https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/markt/einfuhr-von-agrarprodukten/gemuese-und-obst/archiv-tabelle-importregelung-von-gemuese-und-obst-frisch.html https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/markt/einfuhr-von-agrarprodukten/gemuese-und-obst/archiv-tabelle-importregelung-von-gemuese-und-obst-frisch.html
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anmeldung einzureichen und die Zollabgabendifferenz zu den Ausserkon-
tingentszollansätzen nachzuentrichten. Nach Art. 15 Abs. 2 ZG regelt der
Bundesrat die Einzelheiten. Er kann vorsehen, dass die Waren freigegebe-
nen Zollkontingentsteilmengen angerechnet werden.
2.2.1.1 Nach der Botschaft über ein neues Zollgesetz vom 15. Dezember
2003 werden Agrarprodukte, für die Importregelungen bestehen, in der
«freien Periode» (dies ist a: die Periode, für die im ZTG kein AKZA festge-
legt ist; b: die Periode, für die das BWL in der Bewirtschaftungsperiode
noch eine Phase für Einfuhren zum KZA festgelegt hat) oft in zu hohen
Mengen in die Schweiz eingeführt (mit Verweis auf Art. 4 VEAGOG). Be-
stehen dann nach Ablauf der freien Periode bzw. zu Beginn der Bewirt-
schaftungsperiode auf Handelsstufe noch Warenvorräte, die zum KZA ein-
geführt wurden, ist für diese eine neue Zollanmeldung abzugeben und die
Zollabgabendifferenz zwischen dem KZA und dem AKZA nachzuentrich-
ten. Damit soll ein Umgehen der Importregelung verhindert werden. Aus-
genommen davon sind Warenvorräte, die nach Ablauf des festgelegten
Zeitraums auf ein persönliches Zollkontingent angerechnet werden kön-
nen, sofern der Bundesrat dies vorsieht (BBl 2004 567, 599 f.).
Aufgrund von logistischen Realitäten des Obst- und Gemüsehandels sind
Warenvorräte zu Beginn einer Bewirtschaftungsperiode kaum zu vermei-
den. Der Bundesrat hat deshalb in Art. 7 Abs. 3 VEAGOG festgelegt, dass
Warenvorräte, die innerhalb von zwei Tagen nach Ablauf der freien Periode
aufgebraucht werden, von der Nachbelastung zum AKZA ausgenommen
sind (ANDREAS MATTI, in: Zollkommentar, Art. 15 Rz. 3).
2.2.1.2 Art. 15 ZG ist ein Einbruch in die Systematik des Zollveranlagungs-
verfahrens. Gelangt diese Bestimmung zur Anwendung, ist nämlich die Zu-
führungs- als auch die Anmeldepflicht im Sinne von Art. 21 ff. ZG bereits
erfüllt. Für die betroffene Ware besteht in der Regel eine rechtskräftige Ein-
fuhrveranlagungsverfügung. Schliesslich gelten die Bestimmungen des
Art. 15 ZG nicht für alle ins Zollgebiet verbrachten Waren, sondern aus-
schliesslich für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die entsprechenden Ein-
fuhrregelungen unterstehen. Mit der Überführung dieses Teilbereichs aus
dem Landwirtschafts- in das Zollrecht ist die Grundlage geschaffen, dass
jeder Besitzer solcher Warenvorräte die Möglichkeit hat, für diese die Dif-
ferenz zwischen dem KZA und dem AKZA bei der Zollverwaltung selbst
nachzuentrichten. Dazu muss er eine neue Zollanmeldung einreichen.
Diese ist allerdings keine Zollanmeldung im Sinne von Art. 25 ZG, da die
betroffenen Warenvorräte bereits rechtskräftig in den zollrechtlich freien
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Verkehr übergeführt und handelsstatistisch erfasst worden sind. Es handelt
sich dabei nicht um eine Nachforderung nach Art. 85 ZG, sondern um eine
besondere Art der Zollanmeldung (sui generis). Die gestützt darauf erlas-
sene, neue Veranlagungsverfügung unterliegt den Rechtsschutzbestim-
mungen nach Art. 116 ZG. Ursprüngliche Falsch- oder Nichtanmeldungen
können damit aber nicht nachträglich korrigiert werden. Diese sind unter
dem Licht von Art. 117 ff. ZG zu prüfen (ANDREAS MATTI, in: Zollkommentar,
Art. 15 Rz. 1 und 4).
2.2.2
2.2.2.1 Als zu Beginn der Bewirtschaftungsperiode vorhanden im Sinne
von Art. 15 ZG gelten Warenmengen an frischem Obst und frischem Ge-
müse, die vorhanden sind (Art. 7 Abs. 1 VEAGOG):
a. zu Beginn der Bewirtschaftungsperiode;
b. am Tag nach dem in Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe b festgelegten Da-
tum; oder
c. am Tag nach Ablauf der zeitlich befristeten Freigabe ohne Zuteilung
(Anhang 2 der VEAGOG-Freigabeverordnung).
Von der Menge nach Abs. 1 werden Warenmengen abgezogen, die sich im
Verkaufsraum für den Endverbrauch von Detailgeschäften befinden (Art. 7
Abs. 2 VEAGOG). Vorräte auf Handelsstufe, die nicht innerhalb von zwei
Tagen aufgebraucht werden, sind nach Art. 55 ZV neu anzumelden (Art. 7
Abs. 3 VEAGOG).
2.2.2.2 Die anmeldepflichtige Person nach Art. 55 ZV, die Inhaberin oder
Inhaber von Zollkontingentsanteilen ist, kann in der nicht bewirtschafteten
Periode eingeführte landwirtschaftliche Erzeugnisse, die zu Beginn der Be-
wirtschaftungsperiode auf Handelsstufe bei ihr noch vorhanden sind, auf
den Beginn des entsprechenden Zeitpunkts nach Artikel 7 Abs. 1 VEAGOG
ihrem Zollkontingentsanteil anrechnen lassen (Art. 7a Abs. 1 VEAGOG).
Die Inhaberin oder der Inhaber von Zollkontingentsanteilen muss die anzu-
rechnende Warenmenge vor dem Einreichen der Zollanmeldung nach
Art. 59 ZV über die gesicherte Internetanwendung abbuchen (Art. 7a
Abs. 2 VEAGOG).
2.2.2.3 Wer nach Art. 7 VEAGOG auf Handelsstufe noch vorhandene land-
wirtschaftliche Erzeugnisse verfügt, muss für diese Erzeugnisse eine neue
Zollanmeldung einreichen (Art. 55 ZV).
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Von der Bezahlung der Zollabgabendifferenz nach Art. 15 ZG ist die an-
meldepflichtige Person befreit, soweit ihr die vorhandenen landwirtschaftli-
chen Erzeugnisse nach Art. 7a VEAGOG an die ihr zugeteilten Zollkontin-
gentsanteile angerechnet werden (Art. 56 Abs. 1 ZV). Die anmeldepflich-
tige Person muss eine allfällige Befreiung von der Bezahlung der Zollab-
gabendifferenz in der Zollanmeldung beantragen. Sie muss gleichzeitig mit
der Zollanmeldung die schriftliche Bestätigung einreichen, dass ihr Zollkon-
tingentsanteil entsprechend reduziert wurde. Diese Bestätigung wird über
die gesicherte Internetanwendung ausgestellt (Art. 56 Abs. 2 ZV).
Die anmeldepflichtige Person muss die anzurechnende Menge vor dem
Einreichen der Zollanmeldung über den gesicherten Internetzugang des
BWL «AEV14online» auf der eigenen Generaleinfuhrbewilligung (GEB) ab-
buchen. Die durch das System «AEV14online» ausgestellte Bestätigung
bildet einen integrierenden Bestandteil der neuen Zollanmeldung und ist
gleichzeitig mit ihr vorzulegen (ANDREAS MATTI, in: Zollkommentar, Art. 15
Rz. 9).
Für noch vorhandene landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Art. 7 VEA-
GOG muss die Zollanmeldung über den gesicherten Internetzugang bei
der Oberzolldirektion bis spätestens 24 Uhr am zweiten Tag nach dem ent-
sprechenden Zeitpunkt nach Art. 7 Abs. 1 VEAGOG eingehen. Fällt dieser
Tag auf einen Sonn- oder einen vom Bundesrecht anerkannten Feiertag,
muss die Zollanmeldung bis 08 Uhr des folgenden Werktags bei der Ober-
zolldirektion eingehen (Art. 59 ZV).
Zollanmeldungen, die fristgerecht und vollständig bei der Oberzolldirektion
eintreffen, gelten als angenommen im Sinne von Art. 33 ZG (Art. 60 ZV).
2.3
2.3.1 Grundlage der Zollveranlagung ist die Zollanmeldung. Die Zollanmel-
dung basiert auf dem Selbstdeklarationsprinzip. Demnach trägt die anmel-
depflichtige Person die volle Verantwortung für eine ordnungsgemässe –
d.h. vollständige und richtige – Zollanmeldung. Das Zollrecht stellt damit
an die anmeldepflichtige Person hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten hohe
Anforderungen (BGE 142 II 433 E. 2.1, 112 IV 53 E. 1a; statt vieler: Urteil
des BVGer A-5938/2019 vom 2. September 2020 E. 2.2.1; BARBARA
SCHMID, in: Zollkommentar, Art. 18 Rz. 3 f.; Botschaft ZG, BBl 2004 567,
601). Die Zollpflichtigen haben sich vorweg über die Zollpflicht sowie die
jeweiligen Abfertigungsverfahren zu informieren und die Waren entspre-
chend zur Veranlagung anzumelden. Unterlassen sie dies, haben sie dafür
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prinzipiell selber die Verantwortung zu tragen (Urteil des BVGer
A-1617/2019 vom 23. Januar 2020 E. 2.5.2).
2.3.2 Mit der Annahme durch die Zollstelle wird die Zollanmeldung für die
anmeldepflichtige Person verbindlich (Art. 33 Abs. 1 ZG) und grundsätzlich
unabänderlich. Sie bildet, vorbehältlich der Beschau, die Grundlage für die
Festsetzung der Zölle und weiteren Abgaben. Dieser Grundsatz der Unab-
änderlichkeit der angenommenen Zollanmeldung stellt einen Eckpfeiler
des schweizerischen Zollrechts dar (vgl. Urteil des BVGer A-5938/2019
vom 2. September 2020 E. 2.2.2; PATRICK RAEDERSDORF, in: Zollkommen-
tar, Art. 33 Rz. 2 und Art. 34 Rz. 1).
2.3.3 Bei der Revision des Zollgesetzes war sich der Gesetzgeber be-
wusst, dass der Grundsatz der Unabänderlichkeit der Zollanmeldung –
starr angewendet – in gewissen Fällen zu unerwünschten, ungerechten Er-
gebnissen führen kann. So beispielsweise, wenn eine Ware irrtümlich zum
Normaltarif deklariert wurde, obwohl die Voraussetzungen für eine Präfe-
renzveranlagung gegeben waren, oder wenn eine Ware zur Überführung
in den zollrechtlich freien Verkehr anstatt zum Verfahren der vorüberge-
henden Verwendung angemeldet wurde. In solchen Fällen erscheinen die
Folgen eines kleinen Versehens (auch bei der Verwendung von EDV) oft
als unverhältnismässig (Botschaft ZG, BBl 2004 567, 617). Daher gilt der
Grundsatz der Verbindlichkeit der Zollanmeldung auch nach ihrer An-
nahme nicht absolut. Eine Berichtigung der Zollanmeldung ist unter gewis-
sen Voraussetzungen gemäss Art. 34 ZG möglich (Urteile des BVGer
A-5136/2018 vom 9. Dezember 2019 E. 2.1.2; A-2924/2016 vom 23. März
2017 E. 2.2.5; A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 2.2.5).
So kann der Bundesrat für Waren, die den Gewahrsam der EZV bereits
verlassen haben, eine kurze Frist zur Berichtigung der angenommenen
Zollanmeldung vorsehen (Art. 34 Abs. 2 ZG). Die Zollstelle bewilligt das
Gesuch, solange sie a) nicht festgestellt hat, dass die Angaben in der Zoll-
anmeldung oder in den Begleitdokumenten unrichtig sind und b) noch
keine Veranlagungsverfügung ausgestellt hat (Art. 87 Abs. 2 ZV).
Ist die Veranlagungsverfügung bereits ergangen, kann die anmeldepflich-
tige Person der Zollstelle innerhalb einer Frist von 30 Tagen ab dem Zeit-
punkt, in dem die Waren den Gewahrsam der Zollverwaltung verlassen ha-
ben, ein Gesuch um Änderung der Veranlagung einreichen, wobei gleich-
zeitig eine berichtigte Zollanmeldung eingereicht werden muss (Art. 34
Abs. 3 ZG; vgl. BGE 142 II 433 E. 3.2; Urteile des BVGer A-1746/2016 vom
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17. Januar 2017 E. 2.2.5; A-2177/2016 vom 19. Juli 2016 E. 2.2.1;
A-5216/2014 vom 13. April 2015 E. 2.5). Gemäss Art. 34 Abs. 4 ZG gibt die
Zollstelle dem Gesuch statt, wenn die anmeldepflichtige Person entweder
nachweist, dass die Waren irrtümlich zu dem in der Zollanmeldung genann-
ten Zollverfahren angemeldet worden sind (Bst. a) oder die Voraussetzun-
gen für die beantragte neue Veranlagung schon erfüllt waren, als die Zoll-
anmeldung angenommen wurde, und die Waren seither nicht verändert
worden sind (Bst. b). Umgekehrt bedeutet dies, dass sie das Gesuch ab-
zulehnen hat, wenn sie die Voraussetzungen als nicht gegeben erachtet
(vgl. Urteile des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 2.2.5 und
A-8199/2015 vom 6. Oktober 2016 E. 3.2.1).
Gestützt auf Art. 34 Abs. 3 und 4 Bst. b ZG wird betreffend die Änderung
der Veranlagung in Art. 89 ZV unter anderem festgehalten, dass die
Voraussetzungen für eine neue Veranlagung namentlich dann als erfüllt
gelten, wenn zum Zeitpunkt der ursprünglichen Zollanmeldung die
materiellen und die formellen Voraussetzungen für die Gewährung einer
Zollermässigung, einer Zollbefreiung oder einer Rückerstattung erfüllt
waren (Bst. a; vgl. Urteile des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017
E. 2.2.5; A-8199/2015 vom 6. Oktober 2016 E. 2.4 und A-3935/2014 vom
27. April 2015 E. 2.5).
2.3.4 Sodann kann gegen Verfügungen der EZV beim BVGer Beschwerde
geführt werden (E. 1.1). Die Frist für die erste Beschwerde gegen die Ver-
anlagung beträgt gemäss Art. 116 Abs. 3 ZG 60 Tage ab dem Ausstellen
der Veranlagungsverfügung. Auf das Beschwerdeverfahren findet im Übri-
gen das VwVG Anwendung (Art. 116 Abs. 4 ZG). In Bezug auf die Be-
schwerdemöglichkeit nach Art. 116 ZG ist allerdings zu beachten, dass ge-
mäss Rechtsprechung – insbesondere nach Ablauf der 30-tägigen Berich-
tigungsfrist (Art. 34 ZG) – nicht (mehr) zum Thema des ordentlichen Be-
schwerdeverfahrens gemacht werden kann, was bereits Gegenstand der
Berichtigung gemäss Art. 34 ZG hätte bilden können (vgl. BGE 142 II 433
E. 3.2.9; vgl. Urteile des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 2.2.6;
A-8199/2015 vom 6. Oktober 2016 E. 2.5; A-2177/2016 vom 19. Juli 2016
E. 2.2.1). Wird die 30-tägige Berichtigungsfrist verpasst, wird die Möglich-
keit auf Änderung der Veranlagung im Sinne von Art. 34 ZG verwirkt und
es kann nicht mehr geltend gemacht werden, es lägen die in Art. 34 Abs. 4
ZG genannten Voraussetzungen vor (vgl. Urteil des BVGer A-2924/2016
vom 23. März 2017 E. 2.2.6). Im Beschwerdeverfahren ist es von vornhe-
rein ausgeschlossen, die antragsgemäss vorgenommene Zollanmeldung
in Frage zu stellen, wenn nicht zuvor der Weg der Berichtigung begangen
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worden ist. In Berichtigungsfällen ist ein Beschwerdeverfahren ohne abge-
schlossenes Berichtigungsverfahren undenkbar (vgl. BGE 142 II 433
E. 3.2.9).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin der
OZD mit Zollanmeldung vom 1. November 2019 (14.57 Uhr) Vorräte an
Treibzichorien mit einer Rohmasse von 2'593 kg brutto anmeldete, wobei
sie keine an den Zollkontingentsanteil angerechnete Menge (in kg brutto)
geltend machte und damit gesamthaft abgabenpflichtige Vorräte mit einem
Gewicht von 2'593 kg brutto deklarierte. Ebenso ist unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin eine allfällige an den Zollkontingentsanteil anzurech-
nende Menge nicht über den gesicherten Internetzugang des BWL
«AEV14online» auf der eigenen GEB abgebucht hatte und ihrer Zollanmel-
dung demnach auch keine entsprechende Bestätigung beifügen konnte,
welche für eine allfällige Anrechnung an den Zollkontingentsanteil notwen-
dig gewesen wäre (vgl. dazu vorne: Sachverhalt und E. 2.2.2.3), womit die
OZD die Zollanmeldung ohne weiteres als vollständig erachten durfte.
Dementsprechend – i.e. aufgrund der Fristgerechtigkeit der Zollanmeldung
und mangels Hinweisen auf Unvollständigkeit (z.B. aufgrund innerer Wi-
dersprüche der Deklaration) – galt die in Frage stehende Zollanmeldung
als im Sinne von Art. 33 ZG angenommen (E. 2.2.2.3).
3.2 Nach dem Selbstdeklarationsprinzip trägt die anmeldepflichtige Person
die volle Verantwortung für eine ordnungsgemässe – d.h. vollständige und
richtige – Zollanmeldung, womit das Zollrecht an die anmeldepflichtige Per-
son hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten hohe Anforderungen stellt. Die Zoll-
pflichtigen haben sich vorweg über die Zollpflicht sowie die jeweiligen Ab-
fertigungsverfahren zu informieren und die Waren entsprechend zur Ver-
anlagung anzumelden. Unterlassen sie dies, haben sie dafür prinzipiell sel-
ber die Verantwortung zu tragen (E. 2.3.1). Mit der Annahme durch die Zoll-
stelle wird die Zollanmeldung für die anmeldepflichtige Person verbindlich
und grundsätzlich unabänderlich (E. 2.3.2).
Die Beschwerdeführerin muss sich somit – unter Vorbehalt der Möglichkei-
ten zur Berichtung oder zum Rückzug der Zollanmeldung (vgl. dazu vorne
E. 2.3.3 bzw. hinten E. 4) – auf die von ihr eingereichte und seitens der
OZD angenommene Zollanmeldung behaften lassen. Dies gilt auch im vor-
liegenden Fall, in welchem die Beschwerdeführerin, wie sie selbst ausführt,
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nach Beendigung der freien Phase – die noch vorrätige Menge an Treibzi-
chorien (2'593 kg brutto) fälschlicherweise in der Spalte «Abgabepflichtige
Vorräte» anstatt in der Spalte «An Zollkontingentsanteil anzurechnende
Menge» deklariert habe, zumal ihr Kontingent für Treibzichorien für den
Zeitraum 1. November 2019 bis 5. November 2019 total 3'835 kg betragen
habe und entsprechend hätte angerechnet werden können (vgl. Sachver-
halt Bst. C).
Hieran ändert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin nach eigener
Schilderung am Freitag, 1. November 2019, noch versucht habe, mit dem
BWL Kontakt aufzunehmen, um eine Umbuchung der erhaltenen Kontin-
gente zu beantragen und Unterstützung zum Ausfüllen der Anmeldung zu
erbitten, jedoch niemanden erreicht und die Anmeldung nach bestem Wis-
sen auszufüllen versucht habe. Denn es wäre an der Beschwerdeführerin
gewesen, sich frühzeitig mit der Zollanmeldung nach Art. 15 ZG auseinan-
derzusetzen, um diese fristgerecht und vollständig einreichen zu können
(E. 2.3.1). Gemäss den amtlichen Akten registrierte sich die Beschwerde-
führerin erst am 1. November 2019 um 12:10 Uhr für die zur Zollanmeldung
nach Art. 15 ZG zu verwendende Applikation VLE (amtliche Akten Nr. 1),
erhielt die entsprechenden Zugangsdaten am selben Tag um 14:27 Uhr per
E-Mail durch die OZD mitgeteilt (amtliche Akten Nr. 2), worauf die Zollan-
meldung bereits um 14:57 Uhr bei der OZD eintraf (amtliche Akten Nr. 3).
Die Beschwerdeführerin kann sich somit – soweit überhaupt beabsichtigt –
nicht mit Erfolg darauf berufen, eine aus ihrer Sicht korrekte Zollanmeldung
sei ihr seitens der Behörden verunmöglicht worden.
Dem Gesagten nach ändern die Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts
daran, dass ihre Zollanmeldung mit der Annahme seitens der OZD verbind-
lich und grundsätzlich – i.e. unter Vorbehalt der Möglichkeiten zur Berich-
tung oder zum Rückzug (vgl. dazu vorne E. 2.3.3 bzw. hernach E. 4) – un-
abänderlich geworden ist.
4.
4.1 Der Grundsatz der Verbindlichkeit der Zollanmeldung gilt auch nach ih-
rer Annahme nicht absolut. Eine Berichtigung der Zollanmeldung ist unter
gewissen Voraussetzungen gemäss Art. 34 ZG möglich (E. 2.3.3).
4.2 Die Beschwerdeführerin hat sowohl nach eigenen Angaben als auch
nach Angaben der EZV nach Erhalt der Veranlagungsverfügung vom
12. November 2019 mit der EZV Kontakt aufgenommen und den Sachver-
halt telefonisch besprochen. Dementsprechend wandte sich die EZV mit E-
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Mail vom 21. November 2019 an die Beschwerdeführerin, nahm Bezug auf
das Telefonat und erklärte kurz, wie die Beschwerdeführerin die Zollanmel-
dung im Sinne von Art. 15 ZG hätte vornehmen müssen, um Zollkontin-
gente verrechnen zu können.
Im Rahmen der Vernehmlassung führt die EZV zum Thema Berichtigung
aus, aus den Materialien gehe nicht eindeutig hervor, ob auf die Zollanmel-
dung für Warenvorräte nach Art. 15 ZG eine Berichtigung im Sinne von
Art. 34 ZG anwendbar sei. Sollte Art. 34 ZG Anwendung finden, müsse ein
Berichtigungsantrag, welcher sich auf Art. 34 Abs. 2 ZG in Verbindung mit
Art. 87 Abs. 2 ZV stütze, abgelehnt werden, weil vorliegend im Zeitraum
zwischen der Annahme der Zollanmeldung (i.c.: 01. November 2019 um
14:57 Uhr) und dem Ausstellen der Verfügung (i.c.: 12. November 2019)
kein Berichtigungsgesuch eingegangen sei. Das Gesuch um Berichtigung
der Zollanmeldung sei erst am 21. November 2019 telefonisch bei der OZD
eingegangen; d.h. nachdem die EZV die Verfügung ausgestellt gehabt
habe. Weiter könne auch gestützt auf Art. 34 Abs. 3 und 4 Bst. b ZG in
Verbindung mit Art. 89 Bst. a ZV dem Berichtigungsgesuch vom 21. No-
vember 2019 nicht stattgegeben werden, da die Beschwerdeführerin bis
und mit dem Zeitpunkt der ursprünglichen Zollanmeldung keine Kontin-
gentsabtretung in der Applikation «AEV14online» vorgenommen habe.
4.3 Vorliegend fragt sich, ob die EZV aufgrund der Intervention seitens der
Beschwerdeführerin vom 21. November 2019 ein Berichtigungsverfahren
zu eröffnen gehabt hätte – wie selbst die EZV im Rahmen der Vernehm-
lassung andeutet – oder ob sie die Beschwerdeführerin zumindest auf die
Möglichkeit zur Einreichung eines Berichtigungsgesuchs hätte hinweisen
müssen, anstatt lediglich das bereits erwähnte E-Mail vom 21. November
2019 zu schreiben.
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt, dass es im Beschwerde-
verfahren von vornherein ausgeschlossen ist, die antragsgemäss vorge-
nommene Zollanmeldung in Frage zu stellen, wenn nicht zuvor der Weg
der Berichtigung begangen worden ist. In Berichtigungsfällen ist ein Be-
schwerdeverfahren ohne abgeschlossenes Berichtigungsverfahren un-
denkbar (E. 2.3.4). Das Bundesverwaltungsgericht kann sich demnach
grundsätzlich erst dann mit der Frage der Berichtigung befassen, wenn zu-
vor die EZV die Intervention der Beschwerdeführerin vom 21. November
2019 als Berichtigungsgesuch entgegengenommen und behandelt hat.
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Dabei wäre es an der EZV gewesen, zu prüfen und mittels Verfügung dar-
über zu entscheiden, ob das Berichtigungsgesuch genehmigt werden kann
(vgl. Urteil des BVGer A-1746/2016 vom 17. Januar 2017 E. 3.2).
Im vorliegenden Fall wäre die Sache somit grundsätzlich an die EZV zu-
rückzuweisen, damit diese sich mit dem allfälligen Berichtigungsanspruch
der Beschwerdeführerin befasst. Von einer Rückweisung an die EZV ist
indessen abzusehen, zumal im Licht des verfassungsrechtlichen Be-
schleunigungsgebots (Art. 29 Abs. 1 BV) das Interesse der Beschwerde-
führerin an einem sofortigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in der
Sache höher zu gewichten ist als ihr Interesse an einer Rückweisung an
die EZV zur Wahrung von Rechtsschutz- bzw. allgemeinen Verfahrensga-
rantien, zumal Art. 29a BV ohnehin «lediglich» den Zugang zu wenigstens
einem Gericht gewährleistet, das Rechts- und Sachverhaltsfragen umfas-
send überprüfen kann, hinsichtlich der Anzahl verwaltungsinterner Instan-
zen jedoch keinerlei Vorgaben macht (vgl. BGE 142 II 433 E. 3.4.3). Das
Gesagte gilt aber vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich die EZV
im Rahmen der Vernehmlassung dahingehend äussert, dass – auch wenn
Art. 34 ZG im vorliegenden Falle anwendbar sein sollte – ein Gesuch um
Berichtigung seitens der EZV nicht genehmigt würde, da die erforderlichen
Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Hinzu kommt, dass einer allfälligen
Beschwerde gegen den – rückweisungsbedingten Entscheid der EZV – bei
materieller Beurteilung ohnehin nicht zu entsprechen wäre, wie im Folgen-
den ersichtlich wird (E. 4.4). Eine Rückweisung käme somit einem pro-
zessualen Leerlauf gleich, auf den zu verzichten ist (vgl. zum Ganzen: Ur-
teil des BVGer A-2477/2016 vom 20. Oktober 2016 E. 3; siehe dazu auch
BGE 142 II 433 E. 3.4.3, wo es das höchste Gericht als vertretbar erach-
tete, darüber hinwegzusehen, dass die Zollstelle die Angelegenheit zur Er-
öffnung eines Beschwerdeverfahrens an die Zollkreisdirektion überwiesen
hatte, obschon ein Berichtigungsverfahren hätte durchgeführt werden müs-
sen).
4.4 Wie die EZV korrekt ausführt, wäre einem Berichtigungsersuchen, wel-
ches sich auf Art. 34 Abs. 2 ZG in Verbindung mit Art. 87 Abs. 2 ZV stützt,
jedoch nicht zu entsprechen, da das Berichtigungsgesuch erst am 21. No-
vember 2019, also nach Ausstellung der Veranlagungsverfügung vom
12. November 2019, einging (E. 2.3.3). Weiter könnte auch gestützt auf
Art. 34 Abs. 3 und 4 Bst. b ZG in Verbindung mit Art. 89 Bst. a ZV dem
Berichtigungsgesuch vom 21. November 2019 nicht stattgegeben werden,
da die Beschwerdeführerin bis und mit dem Zeitpunkt der ursprünglichen
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Zollanmeldung (i.c.: 1. November 2019 um 14:57 Uhr) keine Kontingents-
abtretung in der Applikation «AEV14online» vorgenommen hatte
(E. 2.2.2.3), womit die Voraussetzung für eine Anrechnung der Vorräte an
den Zollkontingentsanteil zum Zeitpunkt der ursprünglichen Zollanmeldung
nicht gegeben war (E. 2.2.2.2 f. und E. 2.3.3). Offen bleiben kann dem-
nach, ob Art. 34 ZG überhaupt auf das vorliegende Verfahren anwendbar
ist.
4.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin als unter-
liegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]).
Aufgrund der gegebenen Umstände, i.e. der Tatsache, dass die Vorinstanz
sich nicht mit dem Berichtigungsersuchen befasst hat, können diese ge-
stützt auf Art. 6 Bst. b VGKE teilweise erlassen und die Verfahrenskosten
auf CHF 700.- festgesetzt werden. Dieser Betrag ist dem geleisteten Kos-
tenvorschuss von CHF 1'400.- zu entnehmen. Der Restbetrag von
CHF 700.- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils zurückzuerstatten.
6.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Tarifstreitigkeiten im
Sinne von Art. 83 Bst. l BGG letztinstanzlich. Weil das vorliegende Urteil
keine solche Tarifstreitigkeit betrifft, steht gemäss den einschlägigen Best-
immungen die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
(Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG) an das Bundesgericht offen.