Decision ID: cd9061ae-7598-49c6-a62a-d2953fbfa31d
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, arbeitete als Quality Control
Sr
Inspector
NDT bei der
Y._
GmbH und war dadurch bei der Suva unfallversichert, als er am 13. August 2020 beim Tischtennisspielen stolperte, leicht nach vorne fiel, sich mit der rechten Hand an der Tischplatte aufs
tützen woll
te und dabei eine Distorsion der
Mittel- und Zeig
efinger
rechts erlitt (Urk.
7/1
, Urk. 7/13, Urk. 7/23).
Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen
Leis
tungen (Heilbehandlung,
Tag
geld)
.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass gemäss kreisärztlicher Beurteilung keine
namhafte
Besserung der Unfallfolgen mehr erwartet
werden
könne. Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien ihm ganztags zumutbar. Die Taggelder würden noch bis zum 31. Januar 2022 ausge
richtet (Urk. 7/138). M
it Verfügung vom 8. Februar 2022
sprach sie ihm eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 5 % zu. Weiter wies sie darauf hin, dass sie zum Anspruch auf eine Invalidenrente erst nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen durch die Invalidenversicherung Stellung neh
men könne (Urk. 7/147). Dagegen erhob der Versicherte Einsprache und monierte die Höhe der Integritätsentschädigung (Urk. 7/148). Mit Entscheid vom 25.
April
2022 wies die Suva die Einsprache ab (Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 25. April 2022
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 19. Mai 2022 Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer Integritätsentschädigung gestützt auf einer Integritätseinbusse von 20 bis 30 % (Urk. 1). Die Suva schloss in der Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2022 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Versicherten zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden –
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt –
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.2
UV170430
Integritätsentschädigung, Grundlagen, Gesetzestext
02.2021
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä
digung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dau
ernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in glei
chem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integri
tätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträch
tigung festgesetzt. Die Gesamtentschädigung darf den Höchstbetrag des versi
cherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraus
sehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berück
sichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimme
rung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
1.3
UV170450
Integritätsentschädigung, Integritätsschäden, Skala im Anhang 3 zur UVV
02.2021
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integritäts
schäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädi
gung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
Gemäss Anhang 3 zur UVV gibt der Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers oder eines Gliedes des Daumens Anspruch auf eine Integritätsent
schädigung von 5 %, der Verlust eines Daumens von 20 %. Der Verlust einer Hand wird mit 40 % taxiert.
1.4
UV170460
Integritätsentschädigung, Integritätsschäden, Suva-Tabellen (Feinraster)
02.2021
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
erwog die Suva, dass gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr.
Z._
, Fachärztin für Neurochirurgie, vom 2. Dezember 2021 von einem Integritätsschaden von 5 % auszugehen sei. Die Kreisärztin habe festgehalten, dass ein eingeschränkter Faustschluss rechts mit
einer
Sperrdistanz von 2 cm resp. 3 cm für Zeige- und Mittelfinger verblieben sei. Laut der überzeugenden kreisärztlichen Einschätzung sei der inkomplette Faustschluss
vergleichbar mit einer durch eine
Amputation
bedingten Einschrän
kung
des Mittelfingers oder der Endglieder von Zeig
e- und Mittelfinger
, welche Integritätsschäden
mit 5 %
bemessen würden
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde im Wesentli
chen geltend, die Suva habe bei der Bemessung der Integritätsentschädigung bloss den eingeschränkten Faustschluss rechts berücksichtigt. Hingegen keine Rechnung getragen habe sie den speziellen Einschränkungen der rechten Hand. Tätigkeiten, die eine volle Greiffunktion erforderten, die mit hoher Anforderun
gen an die Feinmotorik oder mit Zwangshaltungen für das Handgelenk verbun
den sei
en, seien ihm nicht mehr zumutbar
. Auch sei ihm bloss seltenes einhändi
ges Tragen von Gewichten bis 2,5 kg möglich. Es sei daher von einer
höhergra
digen
Einsc
hränkung auszugehen, entsprechend
eine
r
Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätss
chaden von 20 bis 30 %
(Urk. 1).
3.
3.1
Die Kreisärztin Dr.
Z._
hielt in der Beurteilung vom 2. Dezember 2021 fest, nach dem Unfall vom 13. August 2020 mit Prellung und/oder Distorsion von Mittel- und Zeigefinger rechts, sei zunächst
sonographisch
eine Ruptur des radialen Seitenbands des Grundgelenks des rechten Mittelfingers nachgewiesen worden. Im weiteren Verlauf sei zusätzlich eine
Ulnardeviation
des Zeigefingers rechts aufgefallen. Nach primär konservativer Therapie sei im Januar 2021 eine Explo
ration und Raffung der Kapsel des Grundgelenks des rechten Mittelfingers
erfolgt
. Im März 2021 sei
en eine
Rekonstruktion des radialen Seitenbands des Grundge
lenks des rechten Mittelfingers mit temporärer
Kirschnerdraht
-Transfixation des Grundgelenks des rechten Mittelfingers sowie ein Release am
ulnaren
Kollateral
ban
d
des Grundgelenks des rechten Zeigefingers vorgenommen worden. Im Mai 2021 habe eine Gelenksrevision des Grundgelenks des Mittelfingers rechts statt
gefunden und im Juli 2021 sei das
Osteosynthesematerial
entfernt worden. Ver
blieben sei nun ein eingeschränkter Faustschluss
rechts
mit
einer
Sperrdistanz von 2 cm resp. 3 cm fü
r Zeige- und Mittelfinger
.
Aufgrund der Funktionseinschränkungen durch den inkompletten Faustschluss schätzte die Kreisärztin den Integritätsschaden au
f 5 %. Zur Begründung führte sie
an, dass gemäss der Suva-Tabelle 3, Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlusten, sowohl eine Amputation eines Mittelfingers als auch eine kombinierte Amputation der Endglieder von Zeige- und Mittelfinger mit 5 % bemessen werde. Der beim Beschwerdeführer vorlie
gende inkomplette Faustschluss sei
vergleichbar mit einer durch eine Amputation bedingten Einschränkung des Mittelfingers oder der Endglieder von Zeige- und Mittelfinger
(Urk. 7/129).
3.2.
D
er Bericht der Kreisärztin Dr.
Z._
ist schlüssig
,
nachvollziehbar begründet,
in sich widerspruchsfrei
und
es bestehen keine Indizien gegen seine
Zuverlässigkeit
. Ihm kommt daher volle Beweiskraft zu
(BGE
134 V 231 E. 5.1,
125 V 351 E. 3b/
ee
).
Auch von den behandelnden Ärzten des Kantonsspital
s
A._
wird diese kreisärztliche Einschätzung
nicht kritisiert (Urk. 7/145
[
=Urk. 3/2
]
). Es leuchtet denn auch nicht ein, inwiefern der Beschwerdeführer in seiner Integrität stärker beeinträchtigt sein sollte, als wenn er eine Amputation
des Mit
telfingers (vgl. Suva-Tabelle 3
Ziff. 9) respektive eine Amputation der Endglieder von Zeige- und Mittelfinger (vgl. Suva-Tabelle 3, Ziff. 35) erlitten hätte.
Die vom Beschwerdeführer beantragte Integritätsentschädigung zwischen 20 und 30 % entspricht dem Verlust eines Daumens (20 %) respektive liegt 10 %-Punkte unter dem Verlust der ganzen Hand (40 %; Anhang 3 zur UVV, Suva-Tabelle 3 Ziff. 9 und 43; E.1.3
hievor
). Die Einbusse an Integrität durch den
den
Beschwer
deführer einschränkenden inkompletten Faustschluss ist damit nicht vergleich
bar.
3.3
Dass aufgrund des
inkomplette
n Faustschluss von einem
Integrität
sschaden von 5 % auszugehen ist, bestreitet
der Beschwerdeführer
denn auch
nicht.
Jedoch will er bei der Bemessung der Integritätsentschädigung
darüber hinaus
die Einschrän
kung im Zumutbarkeitsprofil berücksichtigt haben. Aus dem
Austrittbericht der Rehaklinik
B._
vom 2. November 2021 geht hervor, dass dem Beschwerde
führer leichte bis mittelschwere Arbeiten ganztags zumutbar sind, soweit sie keine
volle
Greiffunktion, keine hohen Anforderungen an die Feinmotorik, keine Zwangshaltungen für das Handgelenk und kein Hantieren von Gewichten über Kopf erfordern. Zudem ist
ihm
nur selten
einhändiges Tragen von Gewichten bis 2,5 kg möglich (Urk. 7/119). Auf dieses Zumutbarkeitsprofil verwies die Kreis
ärztin Dr.
Z._
in ihrer Stellungnahme vom 2. Dezember
2021
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/128). Auch die Suva nahm in ihrem Schreiben vom 15. Dezember 2021 darauf Bezug (Urk. 7/138). Im Zusammenhang mit der Höhe der Integritätsentschädigung vermag der Beschwerdeführer daraus indessen nichts zu seinen Gunsten ableiten.
3.4
Die Schwere des Integritätsschadens beurteilt sich ausschliesslich nach dem medizinischen Be
fund. Bei gleichem medizinischem
Befund ist der Integritäts
schaden aller Versicherten gleich. Er wird abstrakt und egalitär bemessen. S
pezi
elle Behinderungen des Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des Integritätsschadens hängt somit nicht von den besondere
n Umständen des Einzelfalles ab (BGE 113 V 218 E. 4b). Das von der Rehaklinik
B._
formulierte und
von der Kreisärztin Dr.
Z._
übernom
mene Zumutbarkeitsprofil ist Ausfluss des medizinischen B
efunds.
Massgebend für die Schätzung des Integritätsschadens ist
jedoch einzig und allein der medi
zinische Befund
als solcher, vorliegend also
der inkomplette Faustschluss. Da individuelle Besonderheiten in diesem Zusammenhang ausser Acht zu bleiben haben, erweist es sich auch als irrelevant, dass die rechte, dominante Hand und nicht die linke,
adominante
H
and von der Einschränkung betroffen ist.
3.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
sich
die Zusprechung der
Integritätsent
schädigung ausgehend von
einer Integritätseinbusse von 5 %
als rechtens erweist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.