Decision ID: c686288d-8102-5954-a375-dff544da66f0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
I.
A.
Die Beschwerdeführenden und ihre (...) Kinder suchten am 23. September
2020 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Anlässlich der Personalienaufnahme und im Rahmen der persönlichen Ge-
spräche erklärten sie, sie seien im Jahr (...) aus dem Heimatstaat in den
Kosovo gereist. Dort seien sie registriert gewesen, hätten eine Aufenthalts-
bewilligung gehabt und – zuletzt – in E._ gelebt und gearbeitet. Am
(...) 2020 hätten sie den Kosovo verlassen und seien über weitere Länder
in die Schweiz gereist; dies aus Angst, in die Türkei zurückgeschoben und
dort verhaftet zu werden. Es seien (...) von ihr (Beschwerdeführerin) der
türkischen Polizei übergeben und in der Türkei inhaftiert worden, obwohl
diese einen Aufenthaltsstatus im Kosovo gehabt hätten.
C.
Gestützt auf diese Angaben wandte sich die Vorinstanz an die kosovari-
schen Behörden zur Abklärung, ob die Beschwerdeführenden gültige Auf-
enthaltstitel im Kosovo besässen. Ein bestätigendes Antwortschreiben der
kosovarischen Behörden gelangte am 11. Dezember 2020 an das SEM.
D.
Zum Aufenthaltsstatus im Kosovo und dem beabsichtigten Nichteintreten
auf ihre Asylgesuche gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden
am 16. Dezember 2020 das rechtliche Gehör (Art. 36, Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG; SR 142.31), dies unter Beilage des obgenannten Antwortschrei-
bens.
E.
Mit Stellungnahme vom 21. Dezember 2020 führten die Beschwerdefüh-
renden aus, sie seien mit der beabsichtigten Wegweisung in den Kosovo
nicht einverstanden. Sie hätten bereits erklärt, dass sie Angst hätten, in die
Türkei zurückgeschoben oder vom türkischen Geheimdienst entführt zu
werden. Dies sei ihren (...) im Jahr 2018 zugestossen. Ein Rechtsvertreter
dieser überstellten Kollegen habe ihm, dem Beschwerdeführer, zudem ein
Dokument übergeben. Daraus gehe hervor, dass die türkische Botschaft
im Kosovo eine Liste von dort wohnhaften türkischen Staatsangehörigen,
die der Gülen-Bewegung angehörten, an das türkische Aussenministerium
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geschickt habe. Auch er (Beschwerdeführer) sei auf der Liste aufgeführt.
Den Medien sei sodann zu entnehmen, dass eine Zusammenarbeit der
türkischen und kosovarischen Behörden bestehe und die Türkei Einfluss
auf den Kosovo habe. Im Falle einer Wegweisung in den Kosovo wüssten
sie zudem nicht, an welche Behörde sie sich wenden sollten, da sie kein
Vertrauen in das kosovarische Justizsystem hätten. Da sein Pass (Be-
schwerdeführer) ungültig sei, sei es möglich, dass seine Daueraufenthalts-
bewilligung im Kosovo aufgehoben worden sei. Medienberichten zufolge
seien solche illegalen Rückschaffungen im Wissen der kosovarischen Re-
gierung geschehen. Eine Rückschiebung in einen Staat, in dem eine Ge-
fahr vor Refoulement bestehe, sei verboten (Art. 31a Abs. 1 und Abs. 2
AsylG). Vorliegend lägen zahlreiche Hinweise vor, die auf einen unzu-
reichenden Schutz vor Rückschiebung deuten würden, weshalb von einer
Wegweisung (recte: Wegweisungsvollzug) in den Kosovo abzusehen und
auf die Asylgesuche einzutreten sei.
F.
Am 23. Dezember 2020 stellte die Vorinstanz der Rechtsvertretung den
Entscheidentwurf zur Stellungnahme zu.
G.
In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 24. Dezember 2020
wurde an den bisherigen Vorbringen festgehalten und ausgeführt, es sei
unverständlich, dass der Kosovo als verfolgungssicher bezeichnet werde.
Es sei belegt, dass die illegalen Überstellungen in die Türkei im Jahr 2018
unter aktiver Teilnahme des Kosovo stattgefunden hätten. Folglich lägen
konkrete Hinweise vor, dass der Kosovo seinen völker- und menschen-
rechtlichen Verpflichtungen nicht nachkomme und kein effektiver Schutz
vor Rückschiebung bestehe. In ähnlichen Fällen hätten die Schweizeri-
schen Behörden zudem unterschiedlich entschieden. Ihre eingereichten
Beweismittel würden sich zwar auf andere Personen beziehen, dies seien
aber (...) von ihnen, die der Gülen-Bewegung angehörten. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb das SEM einwende, es könnten keine persönli-
chen Rückschlüsse auf sie gezogen werden. Die gesetzliche Vermutung,
dass Schutz vor Rückschiebung bestehe, könne vorliegend nicht aufrecht-
erhalten werden. Hinzu komme, dass kein Rückübernahmegesuch der
schweizerischen Behörden und keine schriftliche Zustimmung der kosova-
rischen Behörden bestehe, obwohl dies gemäss Rückübernahmeabkom-
men zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo vom 3. Februar 2010
(SR 0.142.114.759) vorliegen müsse.
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H.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 29. Dezember 2020 trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch
der Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig beauftragte sie den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte den Beschwerdeführenden die edi-
tionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
I.
Mit Eingabe vom 6. Januar 2021 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und
beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; die Vorinstanz
sei anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten; eventualiter sie die Sache
zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner sei ihnen die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und es sei von der Erhebung eines Kostenvor-
schusses abzusehen.
Dabei wurde insbesondere ausgeführt, der Kosovo gehöre – entgegen der
Ansicht der Vorinstanz – nicht zu den sicheren Drittstaaten gemäss Art. 31a
Abs. 1 Bst. a und Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. Vielmehr sei der Kosovo ein
sicherer Heimat- oder Herkunftsstaat gemäss Art. 2 der Asylverordnung 1
(AsylV 1, SR 142.311). Wolle die Vorinstanz trotz fehlender Unterzeich-
nung beziehungsweise der Ratifikation der Flüchtlingskonvention sowie
der Europäischen Menschenrechtskonvention durch den Kosovo auf die
Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eintreten und die Wegwei-
sung (recte: Wegweisungsvollzug) in den Kosovo verfügen, so müsse der
Auffangtatbestand von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG zur Anwendung kom-
men. Gemäss Rückübernahmeabkommen und bei der Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 AsylG müsse zudem ein Ersuchen der Schweiz und eine
Rückübernahmezusicherung des Kosovo vorliegen. Sodann müsse im Ein-
zelfall geprüft werden, ob im Drittstaat effektiver Schutz vor Rückschiebung
nach Art. 5 Abs. 1 AsylG bestehe. Für Mitglieder der Gülen-Bewegung im
Kosovo bestehe, wie bereits dargelegt, kein solcher Schutz. Daher könne
Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG keine Anwendung finden (Art. 31a Abs. 2
AsylG). Die Vorinstanz habe sich nur rudimentär zum Schutz vor Rück-
schiebung geäussert, obwohl keine Regelvermutung greife. Diesbezüglich
sei der Sachverhalt mangelhaft festgestellt und ihr Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt worden.
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Seite 5
J.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Januar 2021 des Bundesverwaltungsge-
richts wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver-
zichtet. Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlas-
sung eingeladen, unter Hinweis auf Art. 58 VwVG und darauf, dass die
Verfügung auf einer falschen Rechtsnorm basieren und eine Heilung auf
Beschwerdeebene nicht möglich sein dürfte.
K.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Schreiben vom 21. Januar 2021
weitere Beweismittel ein (Schreiben eines türkischen Anwalts, wonach die
Oberstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Beschwerdeführer einge-
leitet habe. Solange er sich im Ausland aufhalte, könne kein Strafverfahren
gegen ihn eröffnet werden. Kopie einer Seite eines türkischen Verhörpro-
tokolls, wonach eine Bekannte der Beschwerdeführerin vom Kreis der Gü-
len-Bewegung über sie befragt worden sei). Die Übersetzung des anwalt-
lichen Schreibens wurde am 1. Februar 2021 nachgereicht.
L.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 hob die Vorinstanz ihren Entscheid
vom 29. Dezember 2020 auf und erklärte die Wiederaufnahme des erstin-
stanzlichen Verfahrens. Daraufhin schrieb das Bundesverwaltungsgericht
das Verfahren E-56/2021 mit Entscheid vom 4. Februar 2021 ab.
II.
M.
Mit Entscheid des SEM vom 9. Februar 2021 wurden die Beschwerdefüh-
renden dem erweiterten Verfahren zugeteilt. Der mandatierte Rechtsver-
treter wurde beibehalten.
N.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 22. Februar 2021 trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig beauftragte es den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte den Beschwerdeführenden die edi-
tionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
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O.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden am 1. März
2021 erneut Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantrag-
ten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; die Vorinstanz sei anzu-
weisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten; eventualiter sie die Sache zur voll-
ständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner sei ihnen die unentgeltliche Prozess-
führung und Rechtsverbeiständung zu gewähren und es sei von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses abzusehen.
P.
Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. März
2021 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und Rechtsverbeiständung (unter Vorbehalt des Nachreichens einer
Fürsorgebestätigung) gutgeheissen. Ferner wurde die Vorinstanz zur Ein-
reichung einer Vernehmlassung unter der Berücksichtigung konkreter Hin-
weise eingeladen.
Q.
Die Beschwerdeführenden reichten eine Fürsorgebestätigung vom 5. März
2021 zu den Akten.
R.
Nach gewährten Fristerstreckungen aufgrund laufender Abklärungen
reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung vom 25. März 2021 ein. Da-
rauf replizierten die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 12. April 2021.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
auf das Asylgesuch sei gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG nicht einzutre-
ten. Zunächst sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden über Auf-
enthaltsbewilligungen für den Kosovo verfügten, weshalb der Kosovo im
Sinne des Rückübernahmeabkommens (vgl. Art. 3 Ziff. 1 Bst. a) zu ihrer
Wiederaufnahme auf Ersuchen der Schweiz hin verpflichtet sei. Gemäss
Rückübernahmepraxis zwischen den beiden Staaten seien die Anfragen
der Schweiz als Gesuch und die Bestätigung über die Aufenthaltsbewilli-
gungen des Kosovo als formelle Zustimmung zur Rückübernahme zu qua-
lifizieren. Weiter sei der Kosovo vom Bundesrat als verfolgungssicherer
Heimat- oder Herkunftsstaat eingestuft worden. Es bestehe kein Grund zur
Annahme, die Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerdeführenden im Ko-
sovo könnten aufgehoben oder entzogen worden sein. Mangels auf sie be-
zogener Beweismittel oder Einwände würden ebenso wenig Hinweise da-
für vorliegen, dass den Beschwerdeführenden eine Rückschiebung oder
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Ausschaffung in die Türkei durch die kosovarischen Behörden drohe. Auch
wenn ein mit ihnen (...) rückgeschafft worden sei, ändere dies nichts an
der Tatsache, dass bezüglich der Beschwerdeführenden keine konkreten
Hinweise auf eine Rückschaffung vorliegen würden. Weiter sei aufgrund
konkreter Massnahmen davon auszugehen, dass die geschilderten Vor-
kommnisse aus dem Jahr 2018 vom Kosovo aufgearbeitet worden seien
und nicht mehr vorkommen sollten. Ferner sei in diesem Punkt eine Ein-
zelfallprüfung vorzunehmen, weshalb die Beschwerdeführenden aus den
erwähnten Asylverfahren (die Akten seien konsultiert worden) nichts für
sich ableiten könnten. Insgesamt lägen keine Hinweise vor, wonach die
Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Kosovo eine Rückschiebung
in die Türkei zur Folge haben würde (Art. 31a Abs. 2 AsylG). Die neu ein-
gereichten Beweismittel die Türkei betreffend würden daran nichts ändern,
zumal diesen keine Anhaltspunkte für eine Rückschaffung vom Kosovo in
die Türkei (z.B. ein Auslieferungsgesuch) zu entnehmen seien. Die Tatsa-
che, dass unter anderem die Beschwerdeführerin im Kosovo als Flüchtling
anerkannt worden sei, sei zudem Hinweis darauf, dass ihr dortiges Asyl-
verfahren ordentlich durchgeführt und ihr Schutz vor Verfolgung gewährt
worden sei. Es erübrige sich, auf Unglaubhaftigkeits- elemente einzuge-
hen.
4.2
4.2.1 In der Beschwerde wird festgehalten, im Kosovo, ein verfolgungssi-
cherer Heimat- oder Herkunftsstaat, sei kein auf einer normativen Ebene
gewährleisteter Schutz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG gege-
ben, da dieser weder Vertragsstaat der Europäischen Menschenrechtskon-
vention noch der Flüchtlingskonvention sei. Das Konzept der verfolgungs-
sicheren Staaten sei demjenigen der sicheren Drittstaaten nicht gleichzu-
setzen. Der Schutz vor Rückschiebung müsse bei Ersteren – entgegen der
Ansicht der Vorinstanz – im Einzelfall überprüft werden. Ferner sei der Ko-
sovo kein Heimat- oder Herkunftsland für sie (mit Verweis auf Mängel u.a.
im Justizsystem und das Urteil des BVGer D-1213/2011 vom 30. Januar
2015). Ein pauschaler Verweis auf die Rechtsstaatlichkeit reiche nicht aus.
In ihrem Fall sei die Prüfung, ob ein effektiver Schutz vor Rückschiebung
bestehe, mit Blick auf ihr politisches Profil unabdingbar. Ihr Engagement
für die Gülen-Bewegung sei dem türkischen Staat bekannt. Ferner lägen
zahlreiche Medienberichte vor, wonach der Kosovo Gülen-Unterstützer il-
legal der Türkei übergeben (so auch [...] von ihnen) und bewusst gegen
fundamentale Menschenrechte verstossen habe. Aufgrund des politischen
Drucks der Türkei auf den fragilen Staat Kosovo bestehe für Mitglieder der
Gülen-Bewegung im Kosovo kein effektiver Schutz vor Rückschiebung.
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Sodann habe – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – keine tatsächliche
Aufarbeitung der Vorkommnisse im Jahr 2018 stattgefunden (mit Hinweis
auf mehrere Onlineberichte von 2018 und 2020). Es könne zudem auf ein
weiteres ähnliches Asylverfahren in der Schweiz hingewiesen werden (N
701 090), in welchem Asyl gewährt worden sei. Es sei nach wie vor unklar,
weshalb es hier zu einer rechtsungleichen Behandlung komme. Aus den
zahlreich eingereichten Berichten und Dokumenten gingen Rückschaffun-
gen durch die kosovarischen Behörden hervor, weshalb die Feststellung
der Vorinstanz, es gebe in ihrem Fall keine Hinweise auf eine Rückweisung
in die Türkei, nicht stichhaltig sei. Er, der Beschwerdeführer, gehöre als (...)
der Gülen-Bewegung zum gefährdeten Personenkreis. Da kein effektiver
Schutz vor Refoulement bestehe, könnten Art. 31a Abs. 1 Bstn. c-e AsylG
keine Anwendung finden.
4.2.2 Sodann müssten gemäss Rückübernahmeabkommen ein Ersuchen
der Schweiz und eine Annahme des Gesuchs durch den Kosovo vorliegen.
Weiter bedürfe es bei der Anwendung von Art. 31a Abs. 1 AsylG einer
Rückübernahmezusicherung des Drittstaates, unabhängig der von der Vor-
instanz erwähnten Rückübernahmepraxis zwischen den beiden Staaten.
4.2.3 In formeller Hinsicht wird die Verletzung des rechtlichen Gehörs ge-
rügt. Die Vorinstanz sei nach der Wiederaufnahme ihres Asylverfahrens auf
ihr Asylgesuch nicht eingetreten, ohne ihnen vorgängig das rechtliche Ge-
hör zum Nichteintretensentscheid erneut zu gewähren.
4.3 Anlässlich der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, gemäss der
Antwort des Kosovo und den dazugehörenden Akten (Botschaftsanfrage
etc.) sei der Nachweis erbracht, dass betreffend die Beschwerdeführenden
das Non-Refoulement Gebot durch den Kosovo eingehalten werde. Die
kosovarischen Behörden hätten bestätigt, dass ihnen keine Rückschie-
bung in die Türkei drohe. Im vorliegenden Einzelfall würden die genannten
nationalen Gesetze eingehalten. Das Aufenthaltsrecht der Beschwerdefüh-
renden im Kosovo sei gesichert. Ferner sei nun erstellt, dass der Kosovo
ihrer Rückübernahme explizit zustimme, womit die ausdrückliche Rück-
übernahmezusicherung vorliege. Sodann sei den Beschwerdeführenden
vor der ersten Entscheideröffnung (nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) sowie
bei der Stellungnahme zum Entscheidentwurf das rechtliche Gehör zum
Nichteintretensentscheid und zur Rückkehr in den Kosovo gewährt wor-
den. Die Beschwerdeführenden hätten sich zur Rückkehr in den Kosovo,
zu ihrem dortigen Aufenthaltsrecht und zum Rückschiebeverbot bereits ge-
äussert. Da es sich auch beim zweiten Nichteintretensentscheid um einen
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Entscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 AsylG handle und es inhaltlich um eine
Rückkehr in den Kosovo gehe, liege keine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs vor.
4.4 Darauf replizierten die Beschwerdeführenden, zwar werde im Schrei-
ben des Kosovo festgehalten, dass sie rückübernommen würden. Weiter
werde auf die gesetzlichen Grundlagen verwiesen, welche das Non-Refou-
lement-Gebot regeln sollen. Ein allgemeiner Verweis auf gesetzliche
Grundlagen stelle aber kein rechtsgenüglicher Nachweis dar. Im Einzelfall
bestehe somit kein Nachweis, dass der Drittstaat sicher sei und das Non-
Refoulement-Gebot einhalte, mithin ob von einem effektiven Schutz vor
Rückschiebung ausgegangen werden könne. Es seien bereits zahlreiche
Belege vorgelegt worden, wonach der Kosovo Gülen-Unterstützern keinen
effektiven Schutz biete. Daran vermöge die Tatsache, dass es sich beim
Kosovo um einen verfolgungssicheren Staat handle, nichts zu ändern. Zu-
dem sei auf die widersprüchlichen Angaben der kosovarischen Behörden
hinzuweisen, wonach der Sohn C._ über eine Aufenthaltsbewilli-
gung verfüge respektive den Flüchtlingsstatus und einen Reiseausweis er-
halten habe. Dies diene nicht dem Vertrauen in den jungen kosovarischen
Staat. Schliesslich hätte ihnen auch das rechtliche Gehör zum Nichteintre-
tensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG gewährt werden müssen,
zumal in diesem Fall die Regelvermutung des Rückschiebungsschutzes
nicht greife und eine andere gesetzliche Grundlage zur Anwendung ge-
kommen sei.
5.
Vorab ist auf die formelle Rüge einzugehen, die Vorinstanz habe das recht-
liche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt. Wie in der Beschwerde zu-
treffend vorgebracht, muss die Vorinstanz der asylsuchenden Person vor
einem Entscheid nach Art. 31a Abs. 1 AsylG das rechtliche Gehör zum be-
absichtigten Nichteintretensentscheid gewähren (Art. 36 Abs. 1 AsylG).
Das SEM hat die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 16. Dezember
2020 (Gewährung rechtliches Gehör) darüber informiert, dass sie über Auf-
enthaltsbewilligungen im Kosovo verfügten und deshalb beabsichtigt
werde, nicht auf ihre Asylgesuche einzutreten (Art. 36 Abs. 1 i.V.m. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG). Zwar merkten die Beschwerdeführenden die falsche
Rechtsgrundlage noch nicht an, erklärten in ihrer Stellungnahme aber be-
reits, dass eine Rückschiebung in einen Staat, in dem eine Gefahr vor Re-
foulement bestehe, gemäss Art. 31a Abs. 1 und Abs. 2 AsylG verboten sei.
Da in ihrem Fall Hinweise auf einen unzureichenden Schutz vor Rückschie-
bung vorlägen, sei von einer Wegweisung in den Kosovo abzusehen und
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Seite 11
auf ihre Asylgesuche einzutreten. Auch in der Stellungnahme zum Ent-
scheidentwurf vom 24. Dezember 2020 äusserten sich die Beschwerde-
führenden zum Vorliegen von Hinweisen, welche gegen einen effektiven
Schutz vor Rückschiebung sprächen. Ihre Angaben wurden von der Vor-
instanz berücksichtigt. In der Beschwerde vom 6. Januar 2021 gegen den
ersten Nichteintretensentscheid vom 29. Dezember 2020 machten die Be-
schwerdeführenden sodann detaillierte Ausführungen zur beabsichtigten
Wegweisung in den sicheren Herkunftsstaat Kosovo im Sinne von Art. 31a
Abs. 1 Bst. c AsylG (vgl. oben Sachverhalt Bstn. D–I). Insgesamt ist somit
festzustellen, dass sich die Beschwerdeführenden mehrfach zur Problema-
tik des Rückschiebungsschutzes im Einzelfall geäussert haben und dies
von der Vorinstanz gehört und berücksichtigt wurde. Inwiefern sie bei einer
erneuten Gewährung des rechtlichen Gehörs vor dem Nichteintretensent-
scheid vom 22. Februar 2021 noch zusätzliche Argumente vorgebracht
hätten, zeigen sie nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Bei der vorliegen-
den Konstellation ist aus dem Verzicht der Vorinstanz, noch eine weitere
Stellungnahme einzuholen, keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ge-
mäss Art. 36 Abs. 1 AsylG zu erblicken. Entsprechend besteht kein Anlass,
die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG tritt das SEM in der Regel auf ein
Asylgesuch nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat zurückkehren
können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben (vgl. Art. 6a Abs. 2
Bst. a AsylG).
6.2 Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG findet indes keine Anwendung, wenn Hin-
weise bestehen, dass im Einzelfall im fraglichen Drittstaat kein effektiver
Schutz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (vgl.
Art. 31a Abs. 2 AsylG).
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden haben sich vor ihrer Ankunft in der Schweiz
unbestrittenermassen im Drittstaat Kosovo aufgehalten und verfügen dort
über Aufenthaltsbewilligungen (vgl. unten sowie u.a. SEM-Akten
A1076070-78/2 und 77/4), womit Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG grundsätzlich
zur Anwendung kommt. Der Kosovo wird gemäss Beschluss des Bundes-
rats vom 6. März 2009 als «safe country», mithin als Staat, in dem Sicher-
heit vor Verfolgung besteht, erachtet (Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG). Zu prüfen
ist demnach, ob das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden
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Seite 12
zu Recht nicht eingetreten ist, oder ob in ihrem spezifischen Fall Hinweise
dafür vorliegen, sie würden keinen effektiven Schutz vor einer Rückschie-
bung erhalten und könnten daher nicht in den Drittstaat Kosovo zurückkeh-
ren (Art. 31a Abs. 2 AsylG).
7.2 Zunächst hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass es sich beim
Kosovo um einen verfolgungssicheren Staat handelt. Gegenteilige Hin-
weise gehen aus den Akten nicht hervor. Zu den Ausführungen der Be-
schwerdeführenden, die kosovarischen Behörden würden sich nicht an
Menschenrechte halten, ist, ergänzend zu den Erwägungen der Vor-
instanz, anzumerken, dass bei der Beurteilung, der Kosovo gelte als ver-
folgungssicher, unter anderem die dortige politische Stabilität sowie die
Einhaltung der Menschenrechte berücksichtigt worden sind (vgl. Art. 2
Abs. 1 AsylV1). Zudem handelt es sich dabei um allgemeine, nicht auf sie
bezogene Hinweise der Beschwerdeführenden. Weiter hat die Vorinstanz
Abklärungen hinsichtlich des Aufenthaltsstatus der Beschwerdeführenden
im Kosovo getroffen und festgestellt, dass diese über Aufenthaltsbewilli-
gungen verfügten. Aufgrund dessen wurden die kosovarischen Behörden
über die Rückführung der Beschwerdeführenden in Kenntnis gesetzt (ge-
mäss Rückübernahmeabkommen zwischen der Schweiz und dem Ko-
sovo). Im Rahmen der Vernehmlassung hat die Vorinstanz zusätzlich das
Einholen einer schriftlichen Zusicherung der kosovarischen Behörden
nachgeholt. Diesem behördlichen Schreiben vom 24. März 2021 ist zu ent-
nehmen, dass der Rückübernahme der Beschwerdeführenden explizit zu-
gestimmt und – unter Nennung der gesetzlichen Grundlage – keine Rück-
schiebung erfolgen werde. Damit liegt einerseits die Rückübernahmezusi-
cherung der kosovarischen Behörden und andererseits ein Nachweis vor,
wonach im Einzelfall der Beschwerdeführenden ein effektiver Schutz vor
einer Rückschiebung in die Türkei besteht. Ferner wird in dem Schreiben
erneut bestätigt, dass die Beschwerdeführenden über gültige Aufenthalts-
bewilligungen im Kosovo verfügen. Die Vorbringen und eingereichten Be-
weismittel der Beschwerdeführenden sind nicht geeignet, diesen Nachweis
des Rückschiebungsschutzes zu entkräften. Zwar schildern sie substanti-
iert, dass es im Jahr 2018 illegale Rückführungen vom Kosovo in die Türkei
gegeben habe. Wie von der Vorinstanz ausführlich und überzeugend dar-
gelegt, gehen aus ihren Angaben aber keine Hinweise auf eine konkrete,
persönliche Gefährdung respektive auf einen fehlenden Schutz ihnen ge-
genüber vor einer Rückschiebung in die Türkei hervor. Die Beschwerde-
führenden waren von den Ereignissen vor nunmehr drei Jahren nicht selbst
betroffen, auch wenn es sich bei den rückgeschobenen Personen teilweise
um (...) von ihnen gehandelt habe. Ferner machen sie nicht geltend, sie
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Seite 13
hätten behördliche Massnahmen erfahren. Der Hinweis darauf, im Kosovo
lebende Mitglieder der Gülen-Bewegung seien generell durch eine mögli-
che Rückschiebung in die Türkei gefährdet, ist – wiederum mangels kon-
kreten Individualbezugs – ebenfalls ungeeignet. Insgesamt ist festzustel-
len, dass vorliegend keine Hinweise gemäss Art. 31a Abs. 2 AsylG zu be-
jahen sind, wonach im Einzelfall der Beschwerdeführenden – entgegen der
Zusicherung der kosovarischen Behörden – kein effektiver Schutz vor
Rückschiebung bestehen würde.
7.3 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG
zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
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Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder
einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
9.3 Dass den Beschwerdeführenden im Kosovo ein effektiver Schutz vor
Rückschiebung in die Türkei zur Verfügung steht und sie nicht befürchten
müssen, vom Kosovo in die Türkei zurückgeschoben zu werden, ist bereits
im Rahmen der Prüfung der Nichteintretensvoraussetzungen bejaht wor-
den (vgl. oben E. 7.2).
Aufgrund der Akten liegen auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor,
dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Kosovo dort mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Wie oben ausgeführt, ist kein sol-
ches Risiko einer drohenden unmenschlichen Behandlung im Falle einer
Rückkehr in den verfolgungssicheren Staat Kosovo zu erkennen. Auch die
dortige allgemeine Menschenrechtssituation lässt den Wegweisungsvoll-
zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.5 Die allgemeine Lage im «safe country» Kosovo ist weder von Bürger-
krieg noch von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug
der Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar ist.
Auch in individueller Hinsicht ergeben sich keine Vollzugshindernisse.
Diesbezüglich kann auf die zutreffenden und ausführlichen Ausführungen
der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (vgl. E. III Ziff. 3) verwiesen
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werden. Gründe dafür, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr
in den Kosovo in eine existenzielle Notlage geraten könnten, sind nicht er-
sichtlich. Ihre im erstinstanzlichen Verfahren angegebenen gesundheitli-
chen Probleme könnten, falls noch Bedarf besteht, auch dort behandelt
werden. Eine Verletzung des Kindeswohls ist vorliegend ebenfalls nicht zu
erblicken, zumal die (...) Kinder der Beschwerdeführenden ihr Leben
grösstenteils im Kosovo verbracht haben und eine Rückkehr gemeinsam
mit ihren Eltern – ihren engsten Bezugspersonen – stattfindet.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.6 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden ist schliesslich
möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). Die Beschwerdeführenden verfügen über gül-
tige Aufenthaltsbewilligungen des Kosovo und es liegt eine explizite Rück-
übernahmezusicherung der kosovarischen Behörden vor.
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Verfügung
vom 4. März 2021 wurde ihnen jedoch die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsverbeiständung gewährt (die angeforderte Fürsorgebestäti-
gung wurde nachgereicht), weshalb keine Kosten zu erheben sind.
11.2 Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Aufgrund der Akten lässt
sich der Parteiaufwand jedoch hinreichend zuverlässig abschätzen. Unter
Berücksichtigung des massgebenden Stundenansatzes (vgl. obgenannte
Instruktionsverfügung) und der Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9–
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Art. 11 VGKE), ist dem amtlichen Rechtsbeistand zulasten der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 1’500.– auszurichten.
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