Decision ID: 78f80d37-8b8a-486d-8c4b-a2da5a4f6f70
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1981 geborene, als
Personalfachfrau
tätige
X._
meldete sich nach erfolgter Früherfassung (Urk. 7/2,
7/
4) unter Hinweis darauf, dass sie
seit September 2017
an multipler Sklerose
(MS)
leide, am 27. Dezember 2017 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/7). Die IV-Stelle zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/14) und tätigte
erwerbliche
sowie medizinische Abklärungen. Mit Mittei
lung vom 14. Februar 2018 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für einen per
sönlichen Support am Arbeitsplatz vom 1. Februar 2018 bis 31. Juli 2018
(Urk. 7/20).
Gestützt auf den Abschlussbericht
Job Coaching
der p
s
ychiatrischen Klinik Z._
vom 16. Juli 2018,
wonach
von einer weiteren Aufstockung des Pensums über 30
%
habe abgesehen werden müssen
(Urk. 7/46),
wurde die Unterstützung zur Arbeitsplatzerhaltung mit Mitteilung der IV-Stelle vom 7. August 2018 abgeschlossen und die Rentenprüfung eingeleitet (Urk. 7/51). Nach Einholung weiterer medizinischer Berichte (Urk. 7/56, 7/
58) liess die IV-Stelle
X._
polydisziplinär begutachten. Gestützt au
f das Gutachten des Zentrums A._
vom 27. Mai 2019 (Urk. 7/72) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Schreiben vom 9. Juli 2019 mit, gemäss der medizinischen Einschätzung könne der Gesundheitszustand mit einem Opiatentzug wesentlich verbessert werden
, weshalb sie sich einer sol
chen Massnahme zu unterziehen habe
(Urk. 7/74). Am 31. Juli 2019 respektive 7. August 2019 zeigte die Versicherte der IV-Stelle an, die auferlegte M
assn
ahme am Kantonsspital B._
, Klinik für Neurologie, durchzuführen (Urk.
7/77,
7/79)
, welche Pflicht
zur S
chaden
minderung
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) gestützt auf die hierzu eingeholten Berichte als weitgehend erfüllt erachtete (Urk. 7/95/7)
. Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2020 stellte die IV-Stelle
X._
die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/97).
Nachdem die Versicherte am 11. Februar 2020 und mit ergänzender Begründung vom 23. März 2020 dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 7/100, 7/104),
veran
lasste
die IV-Stelle beim
A._
eine polydisziplinäre medizinische Verlaufs-Abklä
rung
. Das
A._
erstattete das Gutachten am 1. Februar 2021 (Urk. 7/117), wozu sich die Versicherte mit Eingabe vom 19. April 2021 (Urk. 7/122) und unter Beilage einer weiteren ärztlichen Stellungnahme (Urk. 7/121) äusserte.
Mit Verfü
gung vom 5. August 2021 verneinte d
ie IV-Stelle einen Anspruch
der Versicher
ten
auf eine Rente
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 14. September 2021 Beschwerde
beim hiesigen Sozialversicherungsgericht
und beantragte, die ange
fochtene Verfügung
sei aufzuheben und es sei
die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, ihr rückwirkend per 1. September 2018 eine ganze Rente, mindestens aber eine
Viertelsrente
, zuzusprechen
; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Oktober 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 28. Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
(vgl. Art. 27
IVV
)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der
Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
1.5
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog
in der angefochtenen Verfügung vom 5. August 2021
(Urk. 2), der Beschwerdeführerin sei aus ärztlicher Sicht die bisherige Tätig
keit sowie auch eine angepasste Tätigkeit zu 60
% zumutbar
.
Weiter
führte sie aus
, dass die Beschwerdeführerin gemäss den Angaben des Arbeitgebers vor dem Beginn der Erkrankung zu 80
% arbeitstätig
gewesen sei.
Die im Einwand geltend gemachte 100%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle
könne nicht nachvoll
zogen werden. Aus den Akten gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits vier Jahre vor ihrer Erkrankung einem Pensum von 80
% nachgegangen sei.
Es sei nicht nachvollziehbar
,
dass
die Reduktion des
Arbeitspensum
s
auf
80
% gesundhe
itliche Gründe haben soll
t
e.
Dr.
med.
C._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
bescheinige
rückwirkend ab 2010 eine verminderte Arbeitsfähig
keit, wobei die Beschwerdeführerin ihr Pensum aber erst ab Mitte 2013 reduziert habe.
In Bezug auf die
im Einwand
bemängelten medizinischen Abklärungen hielt die Beschwerdegegnerin sodann fest, es könne gemäss dem
RAD
auf die Berichte der beiden ärztlichen Untersuchungen
am
A._
abgestellt werden. Die Arztbe
richte von
Dr.
C._
seien zitiert und inhaltlich aufgearbeitet worden, die Diagnoseliste sei vollständig und alle Befunde würden ausreichend ausgeführt sowie nachvollziehbar in den medizinischen G
esamtkontext gebracht (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber
im Wesentlichen
geltend,
der psy
chiatrische G
utachter
halte fest, dass die von
ihr
berichtete rasche Ermüdbarkeit sowie die Schlafstörungen zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit führen würden. Im Gesamtgutachten würden die MS und deren Folgen wie
Fatigue
und Schmerzen auch explizit als Belastungsfaktoren genannt.
Diese fachärztlich fest
gestellten Störungen mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit sowie auch die aktenkundigen chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat seien zwingend bei der Ressourcenprüfung durch die Beschwerdegegnerin zu berücksichtigen. Eine solche fehle aber in den IV-Akten gemäss Feststellungsblatt vom 5. August 2021 gänzlich. Weiter führte die Beschwerdeführerin aus,
dass sowohl die
Eingliede
rungsfachleute
als auch die behandelnde Fachärztin
Dr.
C._
von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit ausgehen würden.
Die
medizinischen Ak
ten und insbesondere auch
die
Ergebnisse der durchgeführ
ten Eingliederungsmassnahmen, welche explizit
die Zumutbarkeit einer Steige
rung des Arbeitspensums über 30
% im angepassten Rahmen vernein
t
en sowie auch
die bestehende tatsächliche
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
30 %, würden erhebliche Zweifel an einer rechtsgenügenden Ressourcenabklä
rung durc
h
die Beschwerdegegnerin wecken. Mithin habe die Beschwerdegegne
rin nicht bloss die Offizial- und
Untersuchungsmaxime
sondern auch die Sub
stantiierungspflicht verletzt.
Schliesslich trug die Beschwerdeführerin vor,
sie habe das Arbeitspensum ab Juli 2013
aus gesundheitlichen Gründen reduziert, was auch von Dr.
C._
so bestätigt worden sei.
Dazu nehme der RAD-Arzt jedoch überhaupt keine Stellung. Die Schlussfolgerung des RAD hinsichtlich der Qualifikation widerspreche gestützt auf die medizinischen Akten und die Erwerbsbiographie einer einzelfallgerechten Abklärung des medizinischen
Sach
verhalts.
Zusammenfassend bestehe damit gestützt auf die Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 70 % Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, mindestens aber auf eine
Viertelsrente
(Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Am 27. Mai 2019 (Urk. 7/72) erstatteten die Fachärztinnen und Fachärzte des
A._
ihr
polydisziplinäres
(internistisches, neurologisches und psychiatrisches)
Gutachten
. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbei
tsfähigkeit wu
rden auf
geführt
(Urk. 7/72/6):
-
Encephalomyelitis
disseminata
, ED:
09/2017
-
schubförmiger Verlauf; EDSS 1.5
-
schwere
Fatigue
(multifaktoriell bedingt)
-
unter
Fingolimod
(
Gilenya
) seit 10/2017
-
hyperpathi
sches
Schmerzsyndrom im Nacken-/
Schulterbereich (C3) beidseits bei unter anderem
hochcervicalen
Läsionen im Bere
ich der
Hinterstränge
ab HWK 3 (
MRI 09/2017 und 02/2019)
-
Opiat-Übergebrauch: Verdacht auf Störungen durch Opioide (
Palexia
), ständiger Substanzgebrauch
-
Status nach Polytrauma (Suizidversuch) vor Jahren mit
residuell
-
peronaeal
-betonter
Ischiadicus
-Läsion oder
radikulärer
Läsion L5 mehr als S1 links
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wu
rden
episodisch
e Spannungstyp-Kopfschmerzen sowie ein Status nach zwei depressiven Episoden mit einem Suizidversuch genannt (Urk. 7/72/6).
3.1.2
Gegenüber den Gutachtern klagte die Beschwerdeführerin über im Vordergrund stehende konstant vorhandene Nackenschmerzen, die sich bei Anstrengung ver
schlimmerten. Ihre Konzentration sei vermindert, sie habe ein langsameres Arbeitstempo und sei bereits am Morgen müde, da sie nicht erholt aufwache
(
Urk.
7/72/20-21).
Anlässlich eines Suizidversuche
s im Jahr 1996 habe sie sich multiple Frakturen auf der linken Körperseite zugezogen und sei mehrfach ope
riert worden. Die Funktion des linken Ellbogens sei nur minim eingeschränkt, Schmerzen bestünden nicht. Die Verletzungen von Oberschenkel und Fuss links seien praktisch folgenlos abgeheilt, die Beweglichkeit des Fusses sei etwas ver
mindert (
Urk.
7/72/23). Zur Tagesstruktur führte die Beschwerdeführerin aus, sie bewältige den Arbeitsweg (30 Minuten) mit dem eigenen Auto und arbeite jeweils bis zum Mittag. Nach Hause zurückgekehrt ruhe sie sich aus, nehme eine kleine Mahlzeit ein, fahre mit dem Auto zu ihrem Pferd, das sie zwar pflege aber nicht mehr reite. Auch Einkäufe würden von ihr getätigt. Beim Kochen des Nachtessens wechsle sie sich mit ihrem Partner ab. Nach dem Essen sei sie wegen Müdigkeit zu keiner Aktivität mehr fähig (
Urk.
7/72/25).
3.1.3
Aus dem Gutachten erhellt, dass sich aus internistischer Sicht keine relevanten pathologischen Befunde erheben liessen. Demgegenüber hielt der neurologische Gutachter fest, die Diagnose der
Encephalomyelitis
disseminata
sei sicher. Aller
dings bleibe retrospektiv unklar, ob die Erstmanifestation im Juni 2017 mit einem Drehschwindel in Erscheinung getreten sei. Der erste sichere Schub habe sich im August 2017 mit Sensibilitätsstörungen bemerkbar gemacht. Die Beschwerdefüh
rerin beschreibe als
residuell
minimale Gefühlsstörungen an den Füssen, wobei links ein Vorzustand bestehe. Im klinischen Status falle eine Reflexdifferenz mit Betonung der Eigenreflexe an den Armen rechts auf, zusätzlich gebe die Explo
randin eine Überempfindlichkeit im Nacken-/Schulterbereich beidseits sowie eine Hyposensibilität am rechten
Fussrist
an. Gemäss
Fatigue
-Fragebogen bestehe eine (knapp) schwere
Fatigue
. Die Schwere der
Fatigue
korreliere nicht mit dem EDSS (
Expanded
Disability
Status
Scale
) und dürfte mehrere Ursachen haben. Hinsicht
lich der ausgeprägten Überempfindlichkeit im Nacken-/Schulterbereich komme ein
residuell
hyperpathisches
Schmerzsyndrom als plausibelste Erklärung der Beschwerden in Betracht, wobei es atypisch sei, dass die Symptomatik auf kei
nerlei Behandlung anspreche. Auch Schmerzen würden im EDSS keinen Nieder
schlag finden (
Urk.
7/72/3-4).
Der psychiatrische Gutachter erhob einen weitgehend unauffälligen Befund; ein
zig in der Vergangenheit hätten zwei depressive Episoden im Zusammenhang mit einer Pubertätskrise sowie einer Überforderungssituation durch die Arbeit und Fortbildung vorgelegen. Die Beschwerdeführerin fühle sich aktuell psychisch aus
geglichen und nicht depressiv. Allerdings hielt der Gutachter dafür, es bestehe hinsichtlich der wegen der Nackenschmerzen eingenommenen sehr hohen Dosis an
Palexia
der dringende Verdacht auf einen Übergebrauch mit negativem Ein
fluss auf Vigilanz, Konzentrationsfähigkeit und einer entwickelten Abhängigkeit
von der Substanz. Als erste therapeutische Massnahme sollte daher die Indikation der Opiattherapie überdacht werden. Aus demselben Grund sei auch auf eine an sich wünschbare neuropsychologische Testung - da
unter Opioid nicht verläss
lich
- verzichtet worden (Ur. 7/72/43-47).
3.1.4
Bezüglich der funktionellen Auswirkungen führten die Gutachter aus, dass aus
neurologischer Sicht ausgehend von der
Encephalomyelitis
disseminata
im enge
ren Sinn mit einem EDSS von 1.5 keine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit
bestehe
. Unter Berücksichtigung der im Gesamtkontext aber plausiblen
Fatigue
, welche gemäss Fragebogen als schwer
zu quantifizieren
sei, sei eine Rendement-Reduktion
attestierbar
. Es sei aus neurologischer Sicht eine Redukti
on von 40 % vertretbar, wobei die Irritationen durch das
hyperpathische
Schmerzs
yndrom mit
eingeschlossen seien
(Urk. 7/72/
6,
38)
.
Aus psychiatrischer Sicht w
ürden die Fähigkeiten der Versicherten einerseits durch die Diagnose beziehungsweise die Symptome der Multiplen Sklerose eingeschränkt, andererseits bestünden auch Limitationen durch die eingenommenen Opioide. Beim ersteren seien die rasche Ermüdbarkeit und die Schlafstörungen infolge der Schmerzen relevant. Da aber auch die Opioide zu sehr ähnlichen Symptomen und Einschränkungen führen könnten, sei eine Abgrenzung der bei
den Ursachen nicht möglich. Die
chronische
Fatigue
und die Schlafstörungen in Folge der Schmerzen im Nacken würden zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen, insbe
sondere der Durchhaltefähigkeit, der
Ausdauer, der Konzentrationsfähigkeit und der Auf
merksamkeit, führen. Darüber hinaus bestehe aber rein psychiatrisch bedingt
mangels relevanter Psychopathologie keine bedeutsame Einschränkung (Urk. 7/72/7, 46)
.
3.1.5
Zusammenfassend attestierten
die Gutachter
aus interdisziplinärer Sicht
in der bisherigen Tätigkeit als Personalfachfrau in beratender Funktion rein aufgrund der neurologischen Problematik mit
einem schweren
Fatigue
-Syndrom, welches im Rahmen der MS-Erkrankung respektive des Gesamtkontextes (Stichwort: Opiat-Übergebrauch) plausibel sei,
eine um 40
%
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
ohne zusätzliche Einschränkung des Rendements
. Dieselbe Einschränkung bestehe auch in allen denkbaren Verweisungstätigkeiten, da sich die gesundheit
lichen Auswirkungen der multiplen Sklerose mit einem chronischen
Fatigue
-
Syn
drom in allen Tätigkeiten gleic
h auswirken würden (Urk. 7/72/8
).
3.2
3.2.1
Im
polydis
ziplinärem Verlaufsgutachten des
A._
vom 1. Februar 2021, welches auf
den
am 14. Dezember 2020 durchgeführten internistischen, neurologischen, psychiatrischen sowie neuropsychologischen Untersuchungen basiert
(Urk.
7/
117/1 f.
)
,
wurden die anlässlich der ersten Begutachtung genannten Diagnosen bestätigt, wobei hinsichtlich der
Encephalomyelitis
disseminatea
nun ein EDSS von 2.0 angegeben wurde (
Urk.
7/117/9). Im Rahmen der internistischen Begutachtung führte die Beschwerdeführerin aus, im Vergleich zu der im Jahr 2019 durchgeführten Begutachtung habe sich ihr Zustand verschlechtert. Die Müdigkeit, welche hauptsächlich für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ver
antwortlich sei, habe zugenommen. Die Nackenschmerzen seien im Wesentlichen unverändert; die Botox-Injektionen würden nur eine vorübergehende Besserung bewirken, hätten es aber erlaubt, die
Palexia
-Dosierung zu reduzieren. Nach wie vor sei sie durch eine Überempfindlichkeit im Schulter-/Nackenbereich beein
trächtigt. Auto fahre sie nur noch kurze Strecken (maximal 20 Minuten). Unver
ändert sei sie in einem 30
%
-Pensum als HR-Fachfrau tätig. Im Gegensatz zu früher könne sie aber ihr eigenes Pferd nicht mehr reiten und besuche es aus gesundheitlichen Gründen weniger lange als früher. Auch bei der Hausarbeit sei sie mehr eingeschränkt, als dies noch im 2019 der Fall gewesen sei: sie könne sich nur noch um die Wäsche kümmern (
Be
- und Entladen der Maschine); alle anderen Arbeiten übernehme der Partner. Auch für das Kochen sei weitgehend (80 - 90
%
) ihr Partner zuständig (
Urk.
7/117/21-23).
3.2.2
Der neurologische Gutachter hielt fest, trotz Basistherapie mit
Gilenya
seit Feb
ruar 2017 sei die
Encephalomyelitis
disseminata
nicht ganz ruhig; im Sommer 2019 sei es zu einem erneuten Schub gekommen. Die erst im Juni 2020 durchge
führte Steroid-Therapie habe an den neu aufgetretenen Symptomen - sockenför
mige Gefühlsstörungen an beiden Füssen - nichts mehr geändert. Im Status falle nun auch ein links positives
Babinski
-Zeichen auf, weshalb sich die Frage auf
dränge, ob die Therapie mit
Gilenya
optimal sei (
Urk.
7/117/36). Abgestützt auf den Fragebogen habe sich die
Fatigue
im Vergleich zur Voruntersuchung leicht verschlechtert, insgesamt sei sie anhaltend schwer. Erwähnenswert sei diesbezüg
lich, dass die Beschwerdeführerin die
Palexia
-Dosis um mehr als die Hälfte habe reduzieren können. Unverändert leide sie aber an starken Nackenschmerzen, wel
che als schwerpunktmässig neuropathisch bedingt einzustufen seien.
Die neuropsychologische Exploration ergab sodann einen gesamthaft kognitiven Normalbefund. Die von der Beschwerdeführerin geklagte
Fatigue
beeinflusse deren kognitive Fähigkeit nicht. Hinsichtlich
des
psychopathologischen Befunds zeigte sich die Beschwerdeführerin unauffällig (
Urk.
7/177/7-8).
3.2.3
Zusammenfassend
führten die Gutachter aus, der somatisch-neurologische Status ergebe in Übereinstimmung mit dem EDSS von 2.0 keine relevanten funktionellen Einschränkungen. Solche ergäben sich durch die im Rahmen der
Encephalomy
elitits
disseminata
plausibel erklärbare
Fatigue
und bis zu einem gewissen Grad
auch durch die Schmerzsymptomatik.
Die Versicherte arbeite zu
30 %. Die Home
office-Lösung komme
ihr zu Gute, da sie die Pausen selbst einteilen könne. Ungünstig sei der fehlende soziale Kontakt, günstig der
fehlende
Arbeitsweg, da sich die Versicherte subjektiv rasch erschöpft fühle. Sie beklage kognitive Ein
schränkungen, die zum einen durch die MS bedingt sein könn
t
en, andererseits in geringerem Masse durch die Opioide. Bei berichteten Ein- und Durchschlafstö
rungen sei es günstig, ein schlafanstossendes oder einschlafmodulierendes Anti
depressivum einzunehmen, anstatt Opioide, welche für sich zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen und auch zu Schlafstörungen führen könnten. Die Versicherte könne sich an Regeln und Routinen anpassen, sei zur Planung und Strukturierung von Aufgaben fähig und zeige keine Einschränkun
gen bezüglich Flexibilität und Umstellungsfähigkeit. Sie könne fachliche Kennt
nisse anwenden, sich selbst behaupten und ausserberuflichen Tätigkeiten nach
gehen. Das Entscheidungs- und Urteilsvermögen seien nicht eingeschränkt und die Kontaktfähigkeit im Privaten wie im Geschäftlichen sei
en
unauffällig. Die Fähigkeit zur Selbstpflege und die Wegefähigkeit seien unbeeinträchtigt. Günstig wirke sich die stabile Partnerschaft aus.
Aus neuropsychologischer Sicht ergäben sich keine funktionellen Einschränkungen (Urk. 7/117/9-10).
Insgesamt attestierten die Gutachter
der Beschwerdeführerin
in Übereinstimmung mit der Vorbegutachtung
in der bisherigen Tätigkeit als Personalfachfrau eine um 40
%
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
ohne zusätzliche Einschränkung des Ren
dements
, wobei sie darauf hinwiesen, dass diese Einschätzung ununterbrochen seit der Vorbegutachtung gelte. Die ausgeübte Tätigk
eit könne als angepasst gel
ten
(Urk. 7/117/11-12).
4
.
4.1
Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin erfüllt das Gutachten des
A._
die an eine beweiskräftige ärztliche Beurteilung gestellten Anforderungen
(E. 1.6
) vollumfänglich. Es beruht auf den relevanten
Vorakten
(Urk. 7/117/16-19) sowie auf umfassenden und sorgfältigen Untersuchungen (
Urk.
7/117/33-34, 44-45, 51-55) und setzt sich mit den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auseinander (
Urk.
7/117/35-36, 47, 56-57). Die medizinischen Überlegungen sowie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind nachvoll
ziehbar und detailliert begründet (E. 3.2.3).
4.2
Was die Beschwerdeführerin dagegen vortragen lässt, vermag nicht zu einem anderen Schluss zu führen. Im Gegenteil haben die ärztlichen Sachverständigen der von ihr geklagten
Fatigue
sowie den berichteten Schmerzen ausdrücklich
Rechnung getragen. So legte der neurologische Gutachter explizit dar, dass sich ausgehend von der diagnostizierten
Encephalomyelitis
disseminata
keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse, unter Berücksichtigung der im Gesamtkontext plausiblen
Fatigue
sowie einschliesslich der Irritationen durch das
hyperpathische
Schmerzsyndrom jedoch eine Reduktion der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu attestieren sei (
Urk.
7/117/37). Ebenso wenig ver
mochte die psychiatrische Sachverständige - mangels psychopathologisch rele
vanten Befunds - eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu erkennen, sondern schrieb die rasche Ermüdbarkeit sowie die berichteten Einschränkungen der neurologischen Diagnose zu (
Urk.
7/117/46-47). Schliesslich führte die neuropsy
cho
logische Abklärung zu einem kognitiven Normalbefund, aus welchem sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht ableiten lasse (
Urk.
7/117/58). Zusam
menfassend schlossen die Gutachter bezüglich der funktionellen Auswir
kungen der Befunde denn auch, dass sich solche weder aus dem somatisch-neurologi
schen noch aus dem neuropsychologischen Status, jedoch durch die Schwere der
Fatigue
und bis zu einem gewissen Grad durch die Schmerzsympto
matik ergäben (E. 3.2.3). Diese Einschätzung überzeugt.
Hieran vermag die abweichende Auffassung der behandelnden Neurologin Dr.
C._
nichts zu ändern. Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unbe
rücksichtigt geblieben wären, sind
in ihrer Stellungnahme vom 1
2.
April 2021 (
Urk.
7/121)
jedenfalls nicht zu erkennen, weshalb deren Einschätzung nicht geeignet ist, das Gutachten in Frage zu stellen (BGE 135 V 465, Urteil des Bun
desgerichts 8C_77/2021 vom
2.
April 2021 E. 3 mit Hinweisen). Namentlich ist darauf hinzuweisen, dass sich die Gutachter mit der diskrepanten Arbeitsfähig
keitsbeurteilung durch die behandelnde Ärztin auseinandersetzten und ihre eigene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit insbesondere mit den unauffälligen Resultaten der neuropsychologischen Testung, anlässlich derer sich die
Fatigue
nicht relevant manifestiert habe und die unter der aktuell eingenommenen Dosis
Palexia
erfolgt sei, begründeten (vgl.
Urk.
7/117/13 mit dem zusätzlichen Hinweis darauf, dass die Beschwerdeführerin noch immer in der Lage sei, ein Auto zu lenken, was eine hohe Konzentration erfordere). Schliesslich machten die Gut
achter auch kenntlich, dass die eigenanamnestischen Angaben, die Aktenanam
nese sowie die Untersuchungsbefunde aus neuropsychologischer Sicht kein in sich konsistentes und plausibles Bild ergeben würden und die von der Beschwer
deführerin gemachten Angaben zu Beeinträchtigungen nicht mit dem kognitiven Leistungsprofil korrespondierten. Nachdem die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der Gutachter nicht Diagnose-geleitet, sondern abgestützt auf die funktionellen Ein
schränkungen erfolgte (
Urk.
7/117/11), ist die Kritik der Beschwerdeführerin
daran
unbegründet. Damit steht schliesslich auch der Abschlussbericht der Ein
gliederungsfachleute der Beurteil
ung der Gutachter
nicht entgegen, ist nach der Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeits
leistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung doch in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf
Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beant
worten (Urteil des Bundesgerichts 8C_334/2018 vom 8. Januar 2019 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Endlich geht der Vorwurf fehl, die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die fachärztlich festgestellten Störungen mit Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit sowie die aktenkundig chronischen Schmerzen der Beschwerdeführerin bei der Ressourcenprüfung zu berücksichtigen (E. 2.2), mangelt es doch nachweislich an einer psychiatrischen Pathologie, was die Durchführung eines strukturieren Beweisverfahrens selbstredend entfallen lässt (vgl. hierzu BGE 143 V 418).
4.3
Zusammenfassend vermag die Beschwerdeführerin mit ihren Argumenten
nicht durchzudringen
und hat die Beschwerdegegnerin zu Recht gestützt auf die Stel
lungnahme ihres RAD auf das Gutachten des
A._
abgestellt
.
Demnach ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführerin die bisherige
Tätigkeit
sowie
alle denkbaren Verweisungst
ä
tigkeit
en
zu 60 % zumutbar
sind
.
5.
5.1
Nachdem die Beschwerdeführerin die von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Angaben des Arbeitsgebers angenommene Qualifikation von 80 % Erwerbs
tätigkeit und 20 % Freizeitbereich best
reitet
, ist
die Statusfrage (E. 1.3) zu prüfen.
5.2
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2).
5
.
3
Dem Lebenslauf der Beschwerdeführerin (Urk. 7/6/1-5) ist zu entnehmen, dass sie nach abgeschlossener Matura und Handelsschule neben einem nicht abgeschlos
senen Jus-Studium und den Weiterbildungen zur
Personalassistentin
sowie zur
Eidgenössisch Diplomierten HR-Fachfrau jeweils in einem Pensum von 50-100 % arbeitete. Vom Januar 2008
bis und mit Juni 2013 war sie a
n unter
schiedlichen
Arbeitss
tellen jeweils zu 100 % erwerbstätig. Mit Ausnahme der Monate Februar und März 2015 reduzierte die Beschwerdeführerin ihr Pensum ab Juli 2013 auf 80 %. In diesem Pensum war sie auch im Zeitpunkt der IV-Anmeldung bei
der D._
AG angestellt
(Urk. 7/18/2)
.
5.4
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe das Arbeitspensum wegen Erschöpfung respektive rascher Ermüdbarkeit bedingt durch die chronischen Ein- und Durchschlafstörungen wegen der
chronifizierten
Nacken-/ Rückenschmerzen und sensomotorischen Defiziten am linken Bein reduziert. Im Sommer 2010 habe sie aufgrund ihrer multiplen Beschwerden respektive Schmerzen im Bewegungs
apparat wiederholt ein Krankentaggeld bezogen (Urk. 1
Rz
5).
Dass die Vorer
krankungen (Folgen von Polytraum
a
1998
[recte: 1996]
, chronische Schmerzen und Dekompensation 2010) Gr
ünde
für die Reduktion des Arbeitspensums gewe
sen seien,
bestätige
auch
Dr.
C._
in ihrer Ste
llungnahme vom 12. April 2021
(Urk. 1
Rz
17).
5.5
In Bezug auf Letzteres ist anzumerken, dass Dr.
C._
die Beschwerdeführerin erst seit Juli 2017 betreut (Urk. 7/121/3).
Ein echtzeitlicher Arztbericht, welcher die Einschätzung von
Dr.
C._
, wonach die Beschwerdeführerin ihr Arbeits
pensum aus gesundheitlichen Gründen habe reduzieren müssen, stützen würde, wurde von der Beschwerdeführerin nicht beigebracht, was ihr indessen im Rah
men ihrer Mitwirkungspflicht zumutbar gewesen wäre.
Aus den seitens der Beschwerdeführerin
im vorliegenden Verfahren
aufgelegten Lohnabrechnungen wird zwar ersichtlich, dass
in den Zeiträumen vom Oktober 2010 bis April 2011 (Urk. 3/3), März 2013 bis August 2013 sowie Juni 2014 bis Oktober 2014 (Urk. 3/4) Krankentaggelder in unterschiedlicher Höhe
bezogen wurden.
Welchen gesundheitlichen Hintergrund diese hatten
, lässt sich den aufgelegten Unterlagen allerdings nicht entnehmen.
In Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit
vom Oktober 2010 bis April 2011 führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung aus, diese sei auf eine Überforderungssituation im Zusammenhang mit der Arbeit und einer Weiterbildung zurückzuführen (Urk. 7/72/40).
Die Diagnose MS wurde
sodann
erst
im
September
2017
(Urk. 7/5/16), mithin rund vier Jahre nach erfolgter Reduktion des Arbeitspensums,
gestellt.
Ein Zusammenhang der gemäss Beschwerdeführerin für die
Reduktion des Arbeitspensums
ausschlaggebenden Beschwerde
n
mit der vorliegend zu beurteilenden gesundheitlichen Beeinträchti
gung erscheint vor diesem Hintergrund
nicht überwiegend wahrscheinlich.
Soweit die Beschwerdeführerin hierfür (a
uch) die Folgen des im Jahr 1996
statt
gefundenen Polytraumas anruft, kann ihr nicht gefolgt werden, hatte sie anläss
lich der Begutachtung hinsichtlich des erlittenen Polytraumas doch ausgeführt, Schmerzen bestünden - mit Ausnahme von belastungsabhängigen Rücken
schmerzen - keine, die Funktion des linken Ellbogens sei nur minim einge
schränkt, die Beweglichkeit des linken Fusses etwas vermindert; im Übrigen seien die Verletzungen von Oberschenkel und Fuss praktisch folgenlos verheilt (E. 3.1.2,
Urk.
7/72/23). Eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit aus somatischer Sicht lässt sich damit jedenfalls vor der Erstmanifesta
tion der MS nicht begründen, wie sich aus den Gutachten des
A._
klar ergibt (E.
3.2; vgl. auch
Urk.
7/117/13-14).
Somit ist es gesamthaft als nicht überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin ihre Erwerbstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen reduzierte respektive im Gesundheitsfalle zu 100 % erwerbstätig wäre.
Vielmehr durfte die Beschwerdegegnerin darauf abstellen, dass die Beschwerdeführerin
auch bei guter Gesundheit
zu 80 % erw
erbstätig wäre
.
5.6
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin fallen die übrigen 20 % allerdings nicht in den Freizeitbereich, sondern in den Aufgabenbereich.
So ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass die zeitliche Reduktion der Arbeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zwecks Erlangung von mehr Freizeit erfolgte. Zudem
wird gestützt auf Art. 28a Abs. 3 IVG in der Rechtsprechung in der Regel davon ausgegangen, dass Erwerbstätigkeit und nichterwerblicher Aufgabenbe
reich in dem Sinne komplementär sind, als was nicht Erwerbstätigk
eit ist, unter die Besorgung eines Mehrpersonenh
aushaltes fällt
(BGE 141 V 15 E. 4.5 mit Hin
weisen)
.
Hieraus folgt, dass die Beschwerdeführerin als Teilerwerbstätige mit Aufgaben
bereich zu qualifizieren und der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode zu berechnen ist (vgl. E. 1.4).
6.
6.1
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen) ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
Aus dem Gutachten vom 1. Februar 2021 geht hervor, dass die Beschwerdefüh
rerin für die bisherige Tätigkeit als Personalfachfrau zu 60 %
arbeitsfähig ist und diese Tätigkeit als angepasst gelten kann (Urk.
7/117/11-12
, E. 4.3
). Indem
vor
liegend
die angestammte Tätigkeit einer leidensangepassten Tätigkeit entspricht,
sind Invaliden- und
Valideneinkommen
ausgehend vom gleichen Verdienst zu berechnen, weshalb sich deren genau
Ermittlung erübrigt
.
Im Sinne einer rech
nerischen Vereinfachung entspricht der Invaliditätsgrad folglich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
, zumal weder eine zusätzliche Einschränkung des Rendements (
Urk.
7/117/11) noch Hinweise darauf bestehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nur unter Inkaufnahme einer Lohneinbusse auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt verwerten könnte
.
Ausgehend davon sowie unter Berück
sichtigung des Beschäftigungsgrads (vgl. E. 5.5), ergibt sich
vorliegend
im erwerblichen Bereich ein Invaliditätsgrad von 32 % (40 % x 0.8)
. Die Berechnung des Invaliditätsgrads im Erwerbsbereich durch die Beschwerdegegnerin ist somit nicht zu beanstanden.
6.2
Damit vorliegend ein rentenbegründender Gesamtinvaliditätsgrad resultieren würde, müsste eine Einschränkung im Haushaltsbereich von mindestens 40 % vorliegen
(
40
%
x 0.2 = 8
%
[plus 32
%
Erwerbsbereich, vgl. E. 6.1])
.
Diesbezüg
lich ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
sich eine gesundheitliche Beeinträch
tigung oft in viel geringerem Ausmass auf di
e Erledigung der Hausarbeit
als auf die Teilerwerbstätigkeit
auswirkt
, so dass im Aufgabenbereich häufig ein tieferer Invaliditätsgrad als im erwerblichen Bereich resultiert
(vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_565/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.3 mit Hinweisen)
.
Zudem ist bei der Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten die Schaden
minderungspflicht von erheblicher Relevanz. Nach der Rechtsprechung ist dabei vom Grundsatz auszugehen, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behin
derung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in
erster Linie ihre Arbeit einteilen und
in üblichem Umfang die Mithilfe von Fami
lienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufga
ben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen
Ent
löhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiese
nermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässig
e Be
lastung entsteht (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen).
Nachdem sich aus dem somatisch-neurologischen Status keine funktionellen Ein
schränkungen ergeben und die
Reduktion der Leistungsfähigkeit
überwiegend
auf die schwere
Fatigue
und zu einem gewissen Grad auf die Schmerzsymptomatik zurückzuführen ist
(vgl. E. 3.2
.3
)
,
ist
der Beschwerdeführerin angesichts des soeben Dargelegten
insbesondere
zuzumuten, die H
ausarbeiten einzuteilen und
Pausen einzulegen
. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass ihr der im glei
chen Haushalt lebende Partner behilflich ist
(Urk. 7/72/23, 43).
Soweit die Beschwerdeführerin anlässlich der Verlaufsbegutachtung von Dezember 2020 geltend machte, sie sei auch bei den Haushaltsarbeiten mehr eingeschränkt als noch im Jahr 2019 und könne sich nur noch um die Wäsche kümmern (E. 3.2.1), liess sich eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung gutachterlich nicht erhärten und sind - wie vorstehend dargelegt - funktionelle Auswirkungen der MS aus somatisch-neurologischer Sicht nicht ausgewiesen.
Auch ohne einge
hende Abklärung ist somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass im Haushalt keine Einschränkung von 40 % oder mehr vorliegt.
6.3
Zusammenfassend resultiert in Anwendung der gemischten Methode kein renten
begründender Invaliditätsgrad
von 40 %
. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegen
den Beschwerdeführerin aufzuerlegen.