Decision ID: bd043a67-d927-4777-8682-319616f774b0
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ wurde im Dezember 2020 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für
Minderjährige angemeldet (IV-act. 1). Ihre Eltern gaben an, sie leide an einem Diabetes
Typ 1. Sie sei noch nicht in der Lage, die Wichtigkeit ihres Beitrages zur Therapie zu
erkennen, richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln. Die Diabetestherapie
erfordere Wissen, Konstanz, Disziplin, Motivation und Planung. Die Versicherte
benötige noch eine fortlaufende Unterstützung, Überwachung und Hilfe bei der
Bewältigung des Alltages. Der Diabetes sei im April 2019 diagnostiziert worden. Bei
jeder Nahrungsmittelaufnahme müssten die Kohlenhydratwerte berechnet oder
geschätzt werden, damit die Insulinmenge entsprechend festgesetzt werden könne.
Dafür sei die Versicherte auf regelmässige Dritthilfe angewiesen. Der Blutzuckerspiegel
müsse Tag und Nacht überwacht werden. Die Versicherte benötige Hilfe beim Setzen
von Kathetern. Der Pädiater Dr. med. B._ berichtete am 12. Januar 2021 (IV-act. 9),
die Versicherte werde im Kinderspital intensiv geschult, aber die Spritzenschemata
würden laufend intensiviert. Die Eltern müssten die Versicherte deshalb bei der
Abschätzung der Broteinheiten und der anschliessenden Berechnung der Insulindosis
laufend begleiten und unterstützen. Der Betreuungsbedarf sei im Vergleich zu
gleichaltrigen Kindern sicher erhöht. Das Ostschweizer Kinderspital hatte in einem
Bericht vom 7. Mai 2019 betreffend eine neuntägige stationäre Behandlung ausgeführt
(IV-act. 8–4 ff.), die Versicherte sei von den Eltern aufgrund des Verdachtes eingeliefert
worden, sie leide – wie ihr Bruder – an einem Diabetes. Dieser Verdacht habe sich
rasch bestätigt. Die Eltern hätten eine Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie
gewünscht, weshalb am dritten Hospitalisierungstag eine Umstellung auf eine
funktionelle Insulintherapie mittels einer Insulinpumpe erfolgt sei. Da die Familie sehr
sicher und erfahren im Handling von Hyper- und Hypoglykämien sowie der
Insulinpumpe sei, habe sie keine ausführlichen ärztlichen Gespräche gewünscht. Die
Versicherte habe rasch ein kompetentes Handling der Erkrankung und des
A.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Blutzuckermessens erlernt. Die Insulineinstellung habe sich problemlos gestaltet. Am
14. Januar 2021 teilte das Ostschweizer Kinderspital der IV-Stelle mit (IV-act. 8–1 ff.),
der Diabetes zwinge die Versicherte beziehungsweise die ganze Familie zu einer
genauen Planung des täglichen Lebens. Für eine optimale Stoffwechseleinstellung sei
eine strikte Alltagsstruktur erforderlich. Die Insulinempfindlichkeit schwanke im
Tagesverlauf, weshalb die Zeitpunkte der Mahlzeiten genau geplant werden müssten.
Die Versicherte müsse genau abschätzen, wieviel sie von welchen
Nahrungsbestandteilen essen möchte. Auch die sportlichen Aktivitäten müssten in die
Berechnung der notwendigen Insulindosis mit einbezogen werden. Die Versicherte
müsse den Blutzuckerspiegel mehrmals täglich messen. Der korrekte Sitz des
subcutanen Insulinkatheters müsse regelmässig, insbesondere nach Toilettengängen,
beim Kleiderwechseln und beim Zubettgehen, kontrolliert werden. Vor dem Duschen
müsse der Insulinschlauch abgekoppelt werden. Nach dem Duschen müssten der
Schlauch wieder angeschlossen und der Kathetersitz überprüft werden. Aufgrund des
jungen Alters der Versicherten müssten die Eltern die Blutzuckerwerte und die korrekte
Insulinabgabe prüfen. Der tägliche Überwachungsbedarf sei wesentlich höher als bei
gesunden gleichaltrigen Kindern. Das Alltagsleben der Familie sei insgesamt durch den
Diabetes immens beeinträchtigt.
Am 3. März 2021 fand eine Abklärung in der Wohnung der Eltern der Versicherten
statt, an der die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle, die Versicherte, deren Mutter und
Bruder sowie ein Sozialarbeiter des Ostschweizer Kinderspitals teilnahmen. Die
Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Abklärungsbericht fest (IV-act. 13), die Eltern der
Versicherten hätten angegeben, dass sie immer wieder Kontrollen durchführen und die
notwendige Insulindosis errechnen müssten, dass ihre Tochter das Diabetes-
Management aber schon gut im Griff habe. Der Bruder habe der Abklärungsperson
gleich selbst erklärt, wie die Pumpe funktioniere; die Versicherte habe jeweils fleissig
ergänzt. Der Bruder habe dann selbständig eine Blutzuckermessung durchgeführt und
die Pumpe entsprechend eingestellt. Die Versicherte habe jeweils Ergänzungen
angebracht. Es sei ersichtlich gewesen, dass sie keine Schwierigkeiten im Umgang mit
der Pumpe habe. Die Eltern hätten erklärt, dass die Versicherte wisse, was sie in einem
Notfall unternehmen müsse. Die Lehrer und die engsten Freunde seien ebenfalls
informiert. Eine Notfallsituation sei noch nie eingetreten. Rückfragen der Lehrer seien
A.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
selten. Anders als beim Bruder sei es noch fast nie vorgekommen, dass die Versicherte
von einer Freundin habe nach Hause begleitet werden müssen, weil ihr schwindelig
geworden sei. Sie reagiere auch weniger als ihr Bruder mit Insulinschwankungen auf
sportliche Aktivitäten. Der Bruder der Versicherten habe der Abklärungsbeauftragten
selbst erklären können, wie sich eine Überzuckerung anfühle. Er wisse, wie er dann
reagieren müsse. Eine Überzuckerung komme allerdings sowohl bei ihm als auch bei
der Versicherten nur sehr selten vor. Häufiger trete eine Unterzuckerung auf. Die
Versicherte habe beschrieben, welche Symptome aufträten und wie sie reagieren
müsse. Sie habe auch angeben können, wie sie reagieren müsse, wenn das Gerät ein
Warnsignal abgebe. Die Versicherte habe erklärt, wie sie bei einem Katheterwechsel
vorgehen müsse, der alle drei Tage erforderlich sei. Sie sei jeweils froh um die Hilfe der
Eltern. Sie betreibe sehr viel Sport und sehe sich aufgrund ihrer Erkrankung nicht
wesentlich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Ausgehend von den Angaben der
Eltern zu einem gewöhnlichen Tagesablauf ermittelte die Abklärungsbeauftragte einen
behinderungsbedingten täglichen Mehraufwand von 51 Minuten. Die Mutter des
Versicherten bestätigte die Angaben im Abklärungsbericht unterschriftlich, wies aber
darauf hin, dass der Aufwand der Eltern eigentlich doppelt so hoch sei, weil auch der
Bruder der Versicherten an einem Diabetes leide. Im Juni 2021 notierte der
Neuropädiater Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die
Versicherte benötige keine besonders aufwendige Pflege, weshalb kein Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung bestehe (IV-act. 15).
Mit einem Vorbescheid vom 9. Juni 2021 teilte die IV-Stelle den Eltern der Ver
sicherten mit (IV-act. 16), dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, die Versicherte benötige keine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen. Der Pflegeaufwand sei relativ
gering. Der Umstand, dass der Bruder ebenfalls an einem Diabetes leide, könne leider
nicht berücksichtigt werden. Dagegen liess die Versicherte am 5. Juli 2021 einwenden
(IV-act. 17–1 ff.), der Abklärungsbericht zeige, dass die Abklärungsbeauftragte der IV-
Stelle zu wenig Ahnung von der modernen komplexen Diabetestherapie speziell bei
Kindern habe. Der effektive Zeitaufwand der Eltern sei wesentlich höher. Zudem sei die
Versicherte beim Abliegen, beim Essen und bei der Fortbewegung regelmässig auf eine
erhebliche Dritthilfe, auf eine ständige Überwachung und auf eine besonders
A.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
aufwendige Pflege angewiesen. Mit einer Verfügung vom 25. August 2021 wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 18).
Am 22. September 2021 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. August 2021
erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung, eventualiter die
Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur
weiteren Sachverhaltsabklärung sowie subeventualiter die Berücksichtigung des
gesamten Pflegeaufwandes für die Beschwerdeführerin und deren Bruder. Zur
Begründung führte sie aus, bei Kindern, die an einem Diabetes Typ 1 litten, müsse der
Blutzucker rund um die Uhr unter Kontrolle gehalten werden. Nicht im optimalen
Rahmen liegende Werte verursachten keine unmittelbaren Beschwerden, könnten aber
gravierende Langzeitfolgen haben. Kinder würden ihre Blutzuckerwerte nicht konstant
zuverlässig im optimalen Rahmen halten, da sich Abweichungen nicht direkt
bemerkbar machten. Sie reagierten erst, wenn der Wert entgleise, aber dann träten
bereits Bewusstseinstrübungen ein, die externe Hilfe erforderten. Erst mit
zunehmendem Alter würden Kinder mit einem Diabetes Typ 1 selbständig. Die
benötigte Insulindosis ändere sich während des Wachstumsprozesses der Kinder
ständig. Der Abklärungsbeauftragten der Beschwerdegegnerin seien die
Zusammenhänge nicht bekannt gewesen. Deshalb hätte zwingend eine Rückfrage bei
der behandelnden Fachärztin erfolgen müssen. Die Beschwerdeführerin sei in Bezug
auf die Nahrungsaufnahme und die Fortbewegung hilflos. Zudem benötige sie eine
dauernde persönliche Überwachung. Die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass
ein „Präventionsparadoxon“ vorliege: Nur weil die Eltern die Beschwerdeführerin
ständig überwachten, alle Werte und Einzelheiten genau kontrollierten und die
Therapieempfehlungen konsequent umsetzten, sei es noch nie zu einer Notfallsituation
gekommen. Ohne die dauernde Überwachung wäre dies nicht möglich gewesen.
Gerade aufgrund der regen sportlichen Betätigung sei die Beschwerdeführerin bis in
die Nacht hinein auf eine besonders intensive Überwachung angewiesen. Wie im
Abklärungsbericht korrekt vermerkt worden sei, benötige sie regelmässig nächtliche
Imbisse, um eine Unterzuckerung zu beheben. Der von der Beschwerdegegnerin
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erhobene Pflegeaufwand werde der Realität nicht gerecht. Der Gesamtaufwand der
Eltern sei wesentlich höher. Jede Nacht müsse zwingend eine Person anwesend sein,
die spezifisch auf die Behandlung eines Diabetes geschult sei. Nach BGE 142 V 144
seien auch Wartezeiten zwischen den aktiven Eingriffen zu berücksichtigen, wenn eine
Pflegeperson jeweils die ganze Nacht anwesend sein müsse. Das St. Galler
Versicherungsgericht habe in seinem Entscheid IV 2019/80 vom 5. Mai 2020
festgehalten, dass das Kriterium einer besonders aufwendigen Pflege bereits dann
erfüllt sein könne, wenn eine Mutter wegen des Diabetes ihres Kinders über Jahre fast
jede Nacht aufstehen müsse. Die Pflege müsse nur schon mit Blick auf die hohen
Kosten als sehr aufwendig qualifiziert werden. Die Mutter der Beschwerdeführerin
könne keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, weil sie die Beschwerdeführerin ständig
überwachen und pflegen müsse. Der Verdienstausfall sei als Kostenfaktor zu
berücksichtigen. Auch der logistische Aufwand sei enorm. Der Diabetes beeinflusse
das gesamte Familienleben.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. November 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, sie habe eine eingehende
Abklärung in der Wohnung der Eltern der Beschwerdeführerin durchgeführt. Die Mutter
und die Beschwerdeführerin hätten die Situation ausführlich beschrieben. Der
Sachverhalt sei damit sorgfältig und umfassend abgeklärt worden. Die
Beschwerdeführerin sei in keiner der alltäglichen Lebensverrichtungen auf eine
regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Zwar sei nicht von der Hand zu
weisen, dass sie aufgrund des Diabetes eine erhöhte Aufmerksamkeit und Kontrolle
durch die Eltern benötige. Aber sie müsse nicht dauernd überwacht werden. Im Alltag
bewege sie sich oft selbständig ausser Haus. Sie gehe in die Schule und übe
verschiedene Freizeitaktivitäten aus. Zudem sei sie in der Lage, bei einer plötzlichen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes Gegenmassnahmen in die Wege zu leiten
respektive um Hilfe zu bitten. Die Pflege könne nicht als besonders aufwendig
qualifiziert werden, da sich die effektiven Hilfeleistungen in einem tiefen Rahmen
bewegten.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 1. Februar 2022 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf
deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen. Folglich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige hat.
2.
Die Beschwerdeführerin hat im hier massgebenden Zeitraum ab Dezember 2019
(frühestmöglicher Anspruchsbeginn; Art. 48 Abs. 1 IVG) Wohnsitz und Aufenthalt in der
Schweiz gehabt, bei ihren Eltern gelebt und damit die persönlichen Voraussetzungen
für einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung grundsätzlich erfüllt (Art. 42 Abs. 1
und Art. 42 Abs. 4 IVG. Zu prüfen bleibt, ob eine relevante Hilflosigkeit als weitere
Anspruchsvoraussetzung nach Art. 42 Abs. 1 und 3 IVG vorgelegen hat. Eine solche
liegt gemäss dem Art. 37 Abs. 3 IVV vor, wenn die versicherte Person in mindestens
zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
von Dritten angewiesen ist (lit. a), wenn sie eine dauernde persönliche Überwachung
benötigt (lit. b), wenn sie eine durch das Gebrechen bedingte ständige und besonders
aufwendige Pflege benötigt (lit. c) oder wenn sie wegen einer schweren
Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank
regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen von Dritten gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann (lit. d). Für Minderjährige begründet die Notwendigkeit einer
lebenspraktischen Begleitung (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV) keinen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 5 IVG). Ein sogenannter „Sonderfall“ im Sinne
des Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV liegt offenkundig nicht vor.
2.1.
bis
bis
Entgegen der von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vertretenen
Auffassung ist vorliegend keine Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1
ATSG) auszumachen, denn die Beschwerdegegnerin hat eine Abklärung in der
Wohnung der Eltern durchgeführt, die einen „echten“ Augenschein beinhaltet hat, bei
dem der Bruder der Beschwerdeführerin die Funktion der Insulinpumpe und das
Messen des Blutzuckerspiegels demonstriert und die Beschwerdeführerin durch
Ergänzungen und Hinweise gezeigt hat, dass sie die Insulinpumpe und das Messen
des Blutzuckerspiegels ebenso gut beherrscht. Anders als im von der Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers erwähnten Fall IV 2019/80 hat sich die Abklärung an Ort und
Stelle auch nicht auf eine Befragung der Beschwerdeführerin beschränkt. Die
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abklärungsbeauftragte hat auch die Mutter befragt. Zudem ist ein Sozialarbeiter des
Ostschweizer Kinderspitals anwesend gewesen. Nichts deutet darauf hin, dass die
Abklärung unsorgfältig oder unvollständig durchgeführt worden wäre. Zudem hat die
Mutter der Beschwerdeführerin die Angaben im Abklärungsbericht (abgesehen von
einigen Details) unterschriftlich als zutreffend bestätigt. Der Umstand, dass die Mutter
nicht „juristisch geschult“ gewesen ist, spricht nicht gegen, sondern vielmehr für die
Überzeugungskraft ihrer Unterschrift, denn sie hat ja nicht eine juristische Würdigung,
sondern nur eine Tatsachenschilderung bekräftigen müssen, was keine „juristische
Schulung“, sondern nur eine Kenntnis von den relevanten Tatsachen erfordert, und die
fehlende „juristische Schulung“ lässt es als unwahrscheinlich erscheinen, dass ihre
unterschriftliche Bestätigung durch taktische Überlegungen beeinflusst gewesen sein
könnten. Die Angaben im Abklärungsbericht decken sich zudem mit den Angaben der
behandelnden Ärzte, die über einen von Beginn weg problemlosen Umgang der
Beschwerdeführerin mit der Insulinpumpe berichtet haben. In dieser Stabilität des
Verlaufs liegt denn auch der entscheidende Unterschied zum Fall IV 2019/80, den die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin wohl übersehen hat. In jenem Fall ging es
nämlich um einen jungen Versicherten, der an einem instabilen („brittle“) Diabetes litt,
der über Jahre hinweg trotz einer engmaschigen Überwachung und Betreuung immer
wieder zu starken Blutzuckerwertschwankungen geführt hatte. Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin hat zwar überzeugend dargelegt, dass die „Einstellung“ der
Blutzuckerwerte auch bei einem stabilen Diabetes Typ 1 durchaus komplex ist und
laufend Anpassungen benötigt, aber die Berichte der behandelnden Ärzte und der
Abklärungsbericht belegen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit, dass der Aufwand für die Kontrolle des Blutzuckerspiegels
vorliegend deutlich tiefer als bei einem „brittle“ Diabetes ist, weil die Schwankungen
des Blutzuckerspiegels grundsätzlich gut vorhersehbar und kontrollierbar sind. Bei
dieser stabilen Situation hat im Rahmen der Abklärung vor Ort keine Veranlassung
bestanden, die Beschwerdeführerin über einen längeren Zeitraum hinweg zu
beobachten. Der Sachverhalt erweist sich zusammenfassend als rechtsgenüglich
abgeklärt.
Die Beschwerdeführerin benötigt beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen, beim
An- und Ausziehen, bei der Körperpflege, beim Verrichten der Notdurft und bei der
Fortbewegung keine regelmässige erhebliche Dritthilfe. Im Zusammenhang mit der
Insulinpumpe und dem daran angeschlossenen Katheter ist eine besondere Vorsicht
erforderlich, wie die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin überzeugend aufgezeigt
hat. Aufgrund ihres jungen Alters wird die Beschwerdeführerin selbst nicht in jedem Fall
in der Lage sein, auf den richtigen Sitz der Pumpe und des Katheters zu achten
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
respektive diesen selbständig wiederherzustellen. Diesbezüglich benötigt sie deshalb
gewisse Hilfeleistungen von Dritten, die aber gesamthaft nicht als eine regelmässige
erhebliche Dritthilfe im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV in Bezug auf eine der fünf
oben genannten alltäglichen Lebensverrichtungen qualifiziert werden kann, weil sie
nicht die erforderliche Intensität aufweist. Auch beim Essen benötigt die
Beschwerdeführerin grundsätzlich keine regelmässige erhebliche Dritthilfe. Das
Bundesgericht hat allerdings in seinem Urteil 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 (E.
4.9) die Auffassung vertreten, es liege ein anspruchsrelevanter Bedarf nach einer
regelmässigen erheblichen – indirekten – Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und
Abliegen vor, wenn die Eltern abends jeweils eine halbe bis eine dreiviertel Stunde bei
ihrem Kind bleiben, es beruhigen, mit ihm reden, es in den Arm nehmen und streicheln
müssen, damit es im Bett bleibt und einschläft. Das Bundesgericht hat also den Bedarf
nach einer indirekten Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen – trotz der
ausgewiesenen Fähigkeit des Kindes, selbständig aufzustehen, abzusitzen und abzu
liegen – mit einer überdurchschnittlichen Betreuungsbedürftigkeit des Kindes beim
Zubettgehen begründet. Dieser Auffassung liegt eine sehr weite Interpretation des
Begriffs einer erheblichen indirekten Dritthilfe bei einer der sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen zugrunde. Folgt man dieser Auslegung, muss jede Form einer
„Anwesenheit“ einer Drittperson bei einer alltäglichen Lebensverrichtung als eine
erhebliche indirekte Dritthilfe qualifiziert werden, sofern dadurch ein gewisser Aufwand
verursacht wird. Das ist vorliegend im Zusammenhang mit dem Essen der Fall, denn
die Beschwerdeführerin kann zwar grundsätzlich selber essen, aber sie benötigt die
Anwesenheit ihrer Mutter, die den Blutzuckerspiegel bestimmen (oder zumindest die
Messung durch die Beschwerdeführerin kontrollieren), Nährwertberechnungen
vornehmen und sämtliche Lebensmittel abwägen muss. Der weitgehenden Auffassung
des Bundesgerichtes folgend ist die Beschwerdeführerin deshalb als hilflos in Bezug
auf die alltägliche Lebensverrichtung „Essen“ zu qualifizieren. Damit ist sie aber nicht
hilflos im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV, da nur in Bezug auf eine alltägliche
Lebensverrichtung ein ausreichender Hilfebedarf vorliegt, der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung aber einen solchen Hilfebedarf in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen erfordert.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass diese
dauernd überwacht werden müsse, denn die Eltern müssten den Blutzuckerspiegel
ständig im Auge haben, um nötigenfalls Massnahmen ergreifen, das heisst der
Beschwerdeführerin geeignete Nahrungsmittel oder zusätzliches Insulin verabreichen
zu können. Diese „Überwachungsbedürftigkeit“ ist aber keine dauernde persönliche
Überwachung im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV, denn unter einer solchen
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dauernden persönlichen Überwachung ist eine andauernde Beobachtung eines
Versicherten zu verstehen, die nur hie und da für wenige Minuten unterbrochen werden
kann, ohne dass eine wesentliche Gefahr für das Leben des Versicherten oder Dritter
eintritt. Eine solche dauernde persönliche Überwachung benötigt die
Beschwerdeführerin augenscheinlich nicht, denn sie kann die Obhut der Eltern
regelmässig verlassen, ganz normal die Schule besuchen und Freizeitaktivitäten mit
Freunden nachgehen. Auch wenn die Eltern wohl dafür sorgen werden, dass in aller
Regel jemand anwesend ist, der die Symptome einer Unterzuckerung erkennen und
reagieren kann, bedeutet das nicht, dass man die Beschwerdeführerin nie für einige
Minuten aus den Augen lassen dürfte. Es besteht also bloss ein gewisser, aber kein
dauernder („intensiver“) Überwachungsbedarf, weshalb die Beschwerdeführerin nicht
hilflos im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV ist.
Bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin eine ständige und besonders
aufwendige Pflege im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV benötigt. Diesbezüglich sieht
die Rz. 8058 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung (KSIH) vor, dass eine Pflege dann als besonders aufwendig gilt,
wenn der Pflegeaufwand mehr als zwei Stunden pro Tag beträgt und wenn gleichzeitig
erschwerende qualitative Momente mit zu berücksichtigen sind oder wenn der
Pflegeaufwand mehr als drei Stunden pro Tag beträgt und wenn gleichzeitig
mindestens ein qualitatives Moment hinzukommt oder wenn der Pflegeaufwand mehr
als vier Stunden pro Tag beträgt. Diese schematische Auslegung des Begriffs der
besonders aufwendigen Pflege findet weder im Gesetz noch in der Verordnung eine
ausreichende Grundlage. Vielmehr unterläuft sie die gesetzliche Regelung, indem sie
absolute Regeln aufstellt, die das vom Gesetzgeber gewollte Ermessen komplett
ausschalten. Ein striktes Abstellen auf die im Kreisschreiben aufgestellten Regeln zur
Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit einer ständigen und besonders
aufwendigen Pflege wäre folglich gesetzwidrig. Die von der Aufsichtsbehörde in der Rz.
8058 KSIH vorgegebene Abstufung kann höchstens als eine Auslegungshilfe
herangezogen werden, um im Einzelfall einen Anhalt dafür zu geben, ob sich der
konkrete Pflegebedarf im Bereich des vom Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV Geforderten bewegt.
Die Frage, ob ein Versicherter eine ständige und besonders aufwendige Pflege im
Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV benötigt, muss aber letztlich unter Berücksichtigung
sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls beantwortet werden. Anders als im Fall
IV 2019/80, der von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin offenbar als ein
einschlägiges Präjudiz für dieses Beschwerdeverfahren betrachtet wird, benötigt die
Beschwerdeführerin keine allnächtlichen „Einsätze“ der Eltern. Diese müssen zwar
jeden Abend, bevor sie selbst zu Bett gehen, den Blutzuckerspiegel messen und der
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Zum Subeventualantrag der Beschwerdeführerin – die Berücksichtigung des
Gesamtaufwandes für die Beschwerdeführerin und deren Bruder – existiert eine ältere
Praxis, die sich zwar nicht auf die Hilflosenentschädigung, sondern auf die
Hauspflegebeiträge (die zu den medizinischen Massnahmen im Sinne des Art. 14 IVG
zählten) bezieht, aber dasselbe Problem zum Gegenstand hat, nämlich die Frage, ob
für das Erreichen eines vom Gesetzgeber geforderten Mindestaufwandes für Pflege
und Betreuung die Zeiten für mehrere im selben Haushalt lebende Geschwister zu
addieren seien. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in seinem
Entscheid IV 1998/52,53 vom 27. April 2000 (E. 4a) die Auffassung vertreten, die
gesetzliche Regelung enthalte diesbezüglich eine ausfüllungsbedürftige Lücke. In
einem solchen Fall müsse für die Prüfung der Hauspflegebeitragsberechtigung jener
Aufwand berücksichtigt werden, der für die Pflege und Betreuung aller behinderten
Kinder zusammen erbracht werde. Das Bundesgericht hat diese Auffassung in seinem
Urteil I 339/00 vom 13. November 2000 bestätigt (E. 3). Zwar erscheint es nach wie vor
als stossend, dass der bei den Eltern von mehreren bei ihnen wohnenden
hilfsbedürftigen Kindern anfallende Gesamtaufwand für die Pflege und Betreuung bei
der Beantwortung der Frage, ob die Mindestgrenze für den vom Gesetzgeber als
relevant anerkannte Aufwand überschritten sei, nicht soll berücksichtigt werden
Beschwerdeführerin nötigenfalls (etwa dreimal pro Woche) Zucker oder Stärke
zuführen, was einen erneuten Einsatz von etwa zwei Minuten Dauer nach etwa zwei
Stunden, zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens, erfordert. Abgesehen davon sind
aber keine „Nachteinsätze“ erforderlich, was bedeutet, dass die Eltern in aller Regel
mindestens sechs, sieben Stunden durchschlafen können (vgl. IV-act. 11–4 f.).
Tagsüber muss der Blutzuckerspiegel insgesamt etwa neunmal gemessen werden,
eine der Messungen erfolgt jeweils in der Schule nach Anweisung der Eltern. Die Eltern
müssen zudem dafür sorgen, dass die Beschwerdeführerin rechtzeitig geeignete
Nahrungsmittel zu sich nimmt, was Berechnungen anhand von Nährwerttabellen und
das Abwägen der Lebensmittel erfordert. Alle drei Tage muss der Katheter gewechselt
werden. Etwa viermal pro Woche muss der Sensor neu angeklebt werden. Einmal pro
Woche muss die Insulinampulle gewechselt werden. Das alles verursacht einen
gewissen Aufwand, aber dieser beträgt deutlich weniger als zwei Stunden pro Tag.
„Leerzeiten“ können nicht berücksichtigt werden, da sich eine Pflegeperson nicht
während einer längeren Zeit „auf Abruf“ halten müsste, um bei einer
unvorhergesehenen Notsituation Pflegeleistungen zu erbringen. Zusammenfassend
benötigt die Beschwerdeführerin keine ständige und besonders aufwendige Pflege.
Damit ist auch die Anspruchsvoraussetzung des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV nicht erfüllt.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
können. Aber die erwähnten älteren Urteile des St. Galler Versicherungsgerichtes und
des Bundesgerichtes müssen aus den folgenden Gründen dennoch als gesetzwidrig
qualifiziert werden: Die Sachlage stellt sich in einem Fall, in dem Eltern sich um
mehrere hilfsbedürftige Kinder kümmern, ähnlich dar wie beispielsweise bei einem
Einsatz der Kinderspitex, denn in beiden Fällen sind drei Parteien involviert, nämlich die
Invalidenversicherung als leistungspflichtige Sozialversicherung, die einzelnen Kinder
als Leistungsbezüger und die Kinderspitex respektive die Eltern als „Dienstleister“ im
Auftrag der Invalidenversicherung. Idealtypisch müsste die Invalidenversicherung die
medizinischen Massnahmen als Sachleistungen selbst erbringen, das heisst den
Leistungsbezügern die medizinische Pflege durch eigenes Personal erbringen; ebenso
müsste sie die (nicht medizinische) Pflege und Betreuung durch eigenes Personal
erbringen, die von der Hilflosenentschädigung (pauschal und damit mehr oder weniger
fiktiv) abgegolten wird, denn Sachleistungen müssen idealtypisch in natura erbracht
werden. Da die Invalidenversicherung nicht über entsprechend geschultes Personal
verfügt, „kauft“ sie die von ihr zu erbringenden – medizinischen oder nicht
medizinischen – Pflegeleistungen „ein“, das heisst sie engagiert Dritte, wie
beispielsweise die Kinderspitex, die in ihrem Auftrag die eigentlich von der
Invalidenversicherung geschuldete Sachleistung erbringen und dafür von der
Invalidenversicherung bezahlt werden. Bei der Hilflosenentschädigung verhält es sich
nicht anders, bloss sind es bezüglich der von der Hilflosenentschädigung abgegoltenen
Pflegeleistungen in der Regel die Eltern (und nicht die Invalidenversicherung), die einen
„Dienstleister“ engagieren und seine Leistungen mit der Hilflosenentschädigung
vergüten. Erbringen die Eltern die von der Hilflosenentschädigung (pauschal und damit
fiktiv) abgegoltene nicht medizinische Pflege selbst, übernehmen sie selbst die Rolle
des „Dienstleisters“ respektive Leistungserbringers. Unabhängig davon, wie respektive
von wem die von der Hilflosenentschädigung abgedeckte Sachleistung erbracht wird,
besteht sozialversicherungsrechtlich immer nur ein „Zwei-Parteien-Verhältnis“
zwischen der Invalidenversicherung und dem Leistungsbezüger, also dem Kind, dem
die Hilflosenentschädigung zusteht. Die Frage, ob ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung besteht, muss also zwingend aus der Sicht des potentiellen
Leistungsbezügers, das heisst aus der Sicht des Kindes, beantwortet werden. In den
erwähnten älteren Urteilen haben das Versicherungsgericht und das Bundesgericht
diese Frage aber aus der Sicht des – sozialversicherungsrechtlich irrelevanten –
Leistungserbringers, nämlich aus der Sicht der Eltern, beantwortet. Dieses Vorgehen
hat offensichtlich der gesetzlichen Konzeption widersprochen, was bedeutet, dass die
angebliche Lückenfüllung nicht praeter, sondern contra legem erfolgt ist. Zudem haben
sich das St. Galler Versicherungsgericht und auch das Bundesgericht augenscheinlich
nicht mit der sich zwingend stellenden Folgefrage befasst, wem ein Anspruch auf
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hauspflegebeiträge respektive auf eine Hilflosenentschädigung zusteht, wenn er nur
deshalb besteht, weil der Gesamtaufwand für mehrere Kinder zusammen die
entsprechende Mindestgrenze überschreitet. Man müsste ja, dieser älteren Praxis
folgend, bei beiden Kindern jeweils den gesamten Aufwand für die Pflege beider Kinder
berücksichtigen, also bei Kind A 100 Prozent des Gesamtaufwandes für die Kinder A
und B und bei Kind B ebenfalls 100 Prozent des Gesamtaufwandes für die Kinder A
und B. Trotzdem dürfte natürlich nur eine Hilflosenentschädigung ausgerichtet werden,
da ja nur der Gesamtaufwand für beide Kinder A und B zusammen – einmal – die
Anspruchsvoraussetzung für die Zusprache einer Hilflosenentschädigung erfüllt. Die
Hilflosenentschädigung müsste also dem Kind A, dem Kind B oder beiden Kindern nur
anteilsmässig zugesprochen werden, was wohl die nächstliegende Lösung sein dürfte.
Die gesetzliche Konzeption erlaubt aber keine Aufteilung einer Hilflosenentschädigung.
Damit steht fest, dass für die Umsetzung der in den erwähnten älteren Urteilen
geschaffenen vermeintlich lückenfüllenden Lösung für Fälle wie den vorliegenden, eine
von der übrigen gesetzlichen Konzeption erheblich abweichende respektive dieser
sogar in entscheidenden Punkten widersprechende neue Regelung geschaffen werden
müsste. Eine solche neue Regelung kann aber nur der Gesetzgeber schaffen. Das
haben das St. Galler Versicherungsgericht und das Bundesgericht damals offenbar
übersehen. An der oben erwähnten Praxis kann jedenfalls nicht festgehalten werden.
Der bestehenden gesetzlichen Regelung gemäss kann dem Subeventualantrag der
Beschwerdeführerin nicht entsprochen werden.
4.
Die Abweisung des Leistungsbegehrens erweist sich damit im Ergebnis als
rechtmässig. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Die angesichts des leicht
unterdurchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 400 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen; sie sind
durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 400 Franken gedeckt. Die
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da ihre
Rechtsvertreterin keine Rechtsanwältin ist (vgl. Art. 10 AnwG; sGS 963.70) und da die
Beschwerdeführerin unterliegt.