Decision ID: a6a49045-d7ae-4fc3-aca6-e83c55606bdf
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1977, erlernte den Beruf des Elektrikers, erwarb 2002 das Diplom als Datenanalytiker an der Zürcher Hochschule für Ange
wandte Wissenschaften (ZHAW) und 2006 den Master of Advanced Studies (MAS) in Finance an der ETH Zürich. Anschliessend arbeitete er bei einer Pri
vatbank und zuletzt seit 1. Dezember 2009 als Vermögensverwal
ter/Geschäftsführer bei der Y._ AG. Am 15. August 2012 meldete er sich unter Hinweis auf eine Akromegalie bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/7 Ziff. 5.3, 5.4 und 6.2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 7/14) sowie die Akten des Krankentaggeldversicherers (samt Arztberichten, Urk. 7/12/1-34) bei und führte ein Gespräch mit dem Ver
sicherten (Urk. 7/10). Am 14. Juni 2012 erfolgte eine transsphenoidale Exstirpa
tion einer festgestellten Hypophysenhyperplasie im Z._ (Urk. 7/12/27-28). Mit Verfügung vom 28. September 2012 (Urk. 7/15) er
achtete die IV-Stelle berufliche Eingliederungsmassnahmen aufgrund des Ge
sundheitszustandes als zur Zeit nicht möglich und verwies auf eine spätere Prü
fung der Ansprüche, namentlich auf eine Rente nach Ablauf des Wartejahrs.
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein und stellte mit Vorbescheid vom 26. April 2013 (Urk. 7/24) die Abweisung des Leistungsbegeh
rens in Aussicht, dies ausgehend von der Rückgewinnung einer vollumfängli
chen Arbeitsfähigkeit ab Januar 2013. Hiergegen erhob der Versicherte am 29. April 2013 (Urk. 7/25) und 30. Mai 2013 (Urk. 7/28) Einwand,
worauf die IV-Stelle bei der
A._
eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gab (
Urk.
10/32 und
Urk.
10/36), welche am 2
8.
April 2014 (
Urk.
10/69) erstattet wurde. Nach Stellungnahmen des Versicherten hierzu, ergänzenden Ausführungen der Gutachter und Eingang neuer medizinischer Berichte stellte die IV-Stelle mit neuem Vorbescheid vom
4.
Januar 2016 (
Urk.
7/104) abermals die Abweisung des Leistungsgesuches in Aussicht. Der Versicherte erhob wiederum Einwand (
Urk.
7/105,
Urk.
7/108). Am 2
9.
Februar 2016 (
Urk.
2) verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am
8.
März 2016 Beschwerde mit den folgen
den Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem
Beschwerdeführer
ab Ablauf der Wartefrist eine ganze IV-Rente sowie eine Kinderrente zuzu
sprechen, dies bis heute und für die Zukunft;
2.
Es sei die
Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, den
Beschwerdeführer
bei seiner beruflichen Wiedereingliederung mit den im IVG vorgesehenen Mass
nahmen und Mitteln zu unterstützen;
3.
Eventualiter sei vom Gericht eine nochmalige interdisziplinäre Begutachtung anzuordnen, eventuell auch nur eine zusätzliche neurologische, neuropsy
chologische und psychiatrische Teilbegutachtung und dies nicht bei der
A._
AG und gestützt darauf neu über seinen Rentenanspruch zu entschei
den;
4.
Die Kosten seien ausgangsgemäss der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen und diese zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer
angemessen für seine Kosten zu entschädigen.“
Die IV-Stelle ersuchte am 2
3.
Mai 2016 (
Urk.
6) um Abweisung der Beschwerde, was dem
Beschwerdeführer
am 2
6.
Mai 2016 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde. Am
4.
Oktober 2017 (
Urk.
9) äusserte sich der
Beschwerdeführer
erneut.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2018 (Urk. 10) wurde die AXA Stiftung Berufli
che Vorsorge, Winterthur zum Prozess beigeladen, welche am 8. Februar 2018 (Urk. 13) ihren Verzicht auf «Teilnahme» mitteilte. Sodann wurde ein Handelsre
gisterauszug der B._ AG (früher: Y._ AG) zu den Akten genommen (Urk. 16).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
erachtete das eingeholte Gutachten als beweiskräftig und verneinte einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführer
s mit der Begrün
dung, er leide an einer mittelgradigen depressiven Episode, welche in Teilremis
sion sei; dabei handle es sich um ein vorübergehendes Leiden (
Urk.
2).
2.2
Der
Beschwerdeführer
bemängelte das eingeholte Gutachten in mehrfacher, na
mentlich formeller Hinsicht. Sodann führte er aus, die prognostische Entwick
lung (Wi
e
dererlangen einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit) habe sich nicht eingestellt. Sodann lägen weitere – über die von den Gutachtern festgestellte
n
hinausgehende – Gesundheitsbeeinträchtigungen vor. Weiter müssten die mehr
jährigen Therapieversuche als gescheitert beurteilt werden. Es sei von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
1).
3.
3.1
3.1.1
Am polydisziplinären Gutachten der
A._
AG vom 2
8.
April 2014 (
Urk.
7/69/1-27) wirkten folgende Fachärzte mit:
Dr.
med.
C._
, Neurochirurgie FMH,
Dr.
med.
D._
, Pneumologie FMH,
Dr.
med.
E._
, Innere Medizin FMH,
Dr.
med.
F._
, Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
G._
, Psy
chiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie,
Dr.
med.
H._
, Leitender Arzt am Zentrum für Schlafmedizin am Kantonsspital
I._
, Dres. med.
J._
(Leitender Arzt) und
K._
(Oberarzt) vom Departement Innere Medizin, Kli
nik für Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und Stoffwechselerkrankungen am Kantonsspital
I._
(
Urk.
7/69/35, 44, 53, 58, 62, 65, 68).
3.1.2
3.1.2.1
Der neurologische Gutachter verwies auf eine am 1
4.
Juni 2012 mittels transsphenoidale
n
Zugangs erfolgte Operation eines (möglichen) Hypophy
senadenoms; vorausgegangen sei ein Verdacht auf ein endokrin aktives Mikro
adenom im rechten Hypophysenvorderlappen. Der
Beschwerdeführer
habe sei
nerzeit einen 33⁄4
-
jährigen Leidensweg geschildert gehabt mit links frontalen, spontan verschwindenden Kopfschmerzen, Parästhesien und Schmerzen der lin
ken Körperhälfte, fehlender Libido verbunden mit einer Insomnie. Das histologi
sche Operationsergebnis habe dann keinen Hinweis für ein Hypophysenadenom ergeben, es sei normales Adenohypophysengewebe entfernt worden. Die Opera
tion habe mithin auf einer Verdachtsdiagnose beruht und zu keiner Besserung des insgesamt unspezifischen Beschwerdebildes geführt.
Dr.
med.
L._
, Neurologie FMH, habe seinerzeit einen allseits orientierten, sehr ernst und agitiert wirkenden, weitschweifigen, sehr leistungsorientierten aber vermindert belastbaren Mann geschildert, der lediglich eine unspezifische Konzentrationsschwäche geschildert habe. Die mnestischen, sprachlichen und sprachassoziierten, visuo-konstruktiven und wahrnehmungs- sowie frontal-exekutiven Funktionen seien durchwegs unauffällig gewesen. Die subjektiv an
gegebenen kognitiven Einschränkungen und die beschriebene Konzentrations
schwäche seien hinreichend durch verminderte Kompensationsmechanismen im Rahmen der chronischen Insomnie erklärt (vgl. Bericht vom
4.
Juni 2012,
Urk.
7/61/136-138). Bei Betrachtung des weiteren postoperativen Krankheitsver
laufs sei aus neurologischer Sicht die damalige Einschätzung als überwiegend zutreffend einzuordnen, weshalb sich der
Beschwerdeführer
dann auch mangels eindeutig somatischer Erklärungsgründe seines Beschwerdebildes in eine psy
chiatrische Behandlung begeben habe. Aus neurologischer Sicht hätten sich postoperativ keine weiteren Auffälligkeiten mehr ergeben.
Anlässlich der aktuellen Untersuchung hätten sich keine Hinweise für eine Stö
rung des zentralen oder peripheren Nervensystems ergeben. Die klinische Symp
tomatik beziehe sich vor allem auf kognitive Leistungseinschränkungen im Zu
sammenhang mit einer Insomnie. Aktuell sei (aus neurologischer Sicht) keine Pathologie mehr feststellbar. Insofern sei der
Beschwerdeführer
in der Lage, sei
ner ursprünglichen Tätigkeit als selbständiger Vermögensverwal
ter/Geschäftsführer in eigener AG zu 100
%
nachzugehen; auch in einer Ver
weistätigkeit bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Diese Einschät
zung gelte rückblickend betrachtet seit etwa drei Monaten postoperativ, wäh
renddem für den Zeitpunkt der stationären Behandlung vom 1
3.
bis 2
2.
Juni ei
ne vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (
Urk.
7/69/1-27 S. 15 f. und
Urk.
7/69/28-35 S. 34).
3.1.2.2
In somnologischer Hinsicht berichtete der Fachgutachter über eine seit über zwei Jahren bestehende Schlafstörung, welche aufgrund der anamnestischen Angaben und des Verlaufs als Manifestation der psychischen Erkrankung anzu
sehen sei. Die intensiven therapeutischen (unter anderem medikamentösen) Be
mühungen hätten aktuell zu einem A
bf
lauen der Schlafproblematik geführt. Die in den Unterlagen diskutierte Problematik des verschobenen zirkadianen Rhythmus könne nicht nachvollzogen werden. Die Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf sei von der weiteren psychischen Ent
wicklung abhängig. Es sei davon auszugehen, dass eine Arbeitsfähigkeit im an
gestammten Beruf über die nächsten Monate und Jahre schrittweise wieder er
reicht werden könne. Somnologisch seien keine progredienten oder irreversiblen Störungen vorhanden (
Urk.
7/69/1-27 S. 16 f. und
Urk.
7/69/54-58 S. 4).
3.1.2.3
Der neurochirurgische Facharzt verwies ebenfalls auf die am 1
4.
Juni 2012 er
folgte transsphenoidale Mikroadenomexstirpation im intraoperativen MRT (oh
ne Anhaltspunkte für ein Mikroadenom in der histologischen Aufbereitung), wobei der
Beschwerdeführer
postoperativ unverändert über die vorbestehenden Symptome geklagte habe mit Schlafstörungen, Einschlafstörungen, allgemeiner Müdigkeit, zunehmendem Erschöpfungszustand, zunehmenden Konzentrations
probleme
n
, Affektinkontinenz sowie fehlender sozialer Integration. Die postope
rative endokrinologische Kontrolle habe eine intakte, vollständig funktionstüch
tige Resthypophyse gezeigt. Der Gutachter stellte rückblickend die Operations
indikation in Frage.
Aus rein neurochirurgischer Sicht bestehe keine Argumentation gegen eine vollständige Arbeitsbelastbarkeit des
Beschwerdeführer
s. Die postoperative Situ
ation eines Sphenoids sei stabil, eine Rhinoliquorrhoe sei nicht auszumachen. Demzufolge sei aus rein neurochirurgischer Sicht auch keine angepasste Tätig
keit notwendig. Es liege eine vollständige Belastbarkeit der Sella, des Sphenoids und der Situation postoperativ vor.
Wesentlich schienen die seit 2008 geklagte Einschränkung der Leistungsfähig
keit, Reduktion des Konzentrationsvermögens sowie der Wort- und assoziativen Gedankenproduktion wie auch die zunehmend auffällige Affektinkontinenz. Diese primär bestandenen Symptome seien im Verlaufe der letzten sechs Jahre weiter progredient. Die transsphenoidale Operation habe diese weder beschleu
nigt noch verhindern können. Es zeigten sich viele Aspekte eines Frontalhirn
symdromes
im
Sinne einer frontobasalen Minderleistung. Da sich hier struktu
rell im MRT nichts zeigen lasse, müsse sicherlich eine neuropsychologische Be
urteilung auch hinsichtlich einer progredienten Transmittorenerkrankung in Be
tracht gezogen werden. Der
Beschwerdeführer
scheine „in seiner angestammten Tätigkeit und kaum in einer angepassten Tätigkeit“ leistungsfähig (
Urk.
7/69/
1-27 S. 17 f. und
Urk.
7/69/61-62 S. 62).
3.1.2.4
In pneumologischer Hinsicht erkannte der zuständige Experte keine Hinweise auf eine relevante pulmonale und/oder respiratorisch-schlafmedizinische Er
krankung. Aus pneumologischer und respiratorisch-schlafmedizinischer Optik sei der
Beschwerdeführer
100
%
arbeitsfähig. Dies sowohl in der früheren Tätig
keit (Finanzspezialist) als auch in Verweistätigkeiten. Die Beschwerden seien ausschliesslich psychiatrischer Natur (
Urk.
7/69/1-27 S. 18 und
Urk.
7/69/
63-65).
3.1.2.5
Der internistische Gutachter führte aus, klinisch erinnere die vom
Beschwerde
führer
dargestellte Symptomatik an ein Chronic Fatigue-Syndrom, internistische Ursachen im engeren Sinne könnten dafür keine festgestellt werden. Neu sei of
fenbar eine positive Borrelien-Serologie festgestellt worden, wobei es sich um eine Seronarbe handeln dürfte, da heisse, der
Beschwerdeführer
habe im Laufe seine
s
Lebens eine Borrelieninfektion durchgemacht, eine Infektion bestehe aber nicht mehr. Die leicht reduzierten Werte für T-Lymphozyten seien mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit unspezifisch und eher nicht Ausdruck eines gestör
ten Immunsystems. Die vom
Beschwerdeführer
angegebene Laktoseintoleranz sowie eine saisonale Pollenallergie könnten bestätigt werden.
Zusammenfassend bestünden aus rein internistischer Sicht ein Status nach Bor
relieninfektion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ohne internistische Fol
gen, eine leichte Laktoseintoleranz sowie eine saisonale Pollenallergie und mög
licherweise eine leicht erhöhte Infektanfälligkeit. All diese Affektionen führten aus rein internistischer Sicht nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/69/1-27 S. 18 f. und
Urk.
7/69/45-53).
3.1.2.6
In psychiatrischer Hinsicht verwies die Gutachterin auf entwertende, demüti
gende und verletzende Einflüsse des Vaters in der biographischen Vorgeschich
te. Der
Beschwerdeführer
selber habe im Lauf seines Lebens übermässig ausge
prägte leistungsorientierte Vorstellungen entwickelt, die sich auf sein Verhalten im Berufs- und Privatleben ausgewirkt hätten. So habe er auch sehr leistungs
betont Sport getrieben.
In der psychiatrischen Vorgeschichte seien erstmals Schlafstörungen aus der Militärzeit erinnerlich. Sonst werde die Vorgeschichte als unauffällig angege
ben. Mögliche Überforderungssymptome seien bei hoher beruflicher Belastung nicht wahrgenommen oder durch Sport verdrängt worden. 2010 seien erstmalig Symptome einer Depression mit Stimmungsschwankungen, kognitiv empfunde
ne
n
Einschränkungen, Schlafstörungen und eine
r
zunehmende
n
Leistungsinsuf
fizienz aufgetreten. Zwischenzeitlich sei eine endokrinologische Pathologie dis
kutiert und das Adenom 2012 entfernt worden. Im weiteren Verlauf seien je
doch die psychodynamischen Aspekte einer affektiven Erkrankung im Vorder
grund gestanden. Letztendlich habe der
Beschwerdeführer
dann auch fast zwei Jahre nach Symptombeginn im April 2013 eine psychiatrische Behandlung auf
gesucht, die seitdem auch konsequent wahrgenommen werde. Auch erfolge jetzt eine medikamentöse Umstellung, worunter der
Beschwerdeführer
deutlich ge
bessert sei. Auch habe der behandelnde Psychiater für den Sommer 2013 eine stationäre Behandlung veranlasst.
Unter Betrachtung der Vorgeschichte einschliesslich der Angaben des
Be
schwerdeführer
s und der vorliegenden, ausführlichen Aktenlage liege auch retro
spektiv eine deutliche depressive Dekompensation bei narzisstischer Per
sönlichkeit vor. Inzwischen habe sich der
Beschwerdeführer
gut in die therapeu
tischen Bemühungen eingebracht. Er berichte über eine deutliche Besserung ge
genüber dem Ausgangsbefund und plane auch wieder beruflich einzusteigen. Eine mittelfristige, psychiatrisch/psychotherapeutische Unterstützung sei wei
terhin dringend erforderlich. Auch sollte der
Beschwerdeführer
zukünftig auf die Einhaltung der Grenzen in seiner beruflichen Belastung achten.
Im psychischen Befund zeigten sich noch Ich-Dysfunktionalität, affektive Auf
fälligkeiten und eine deutlich eingeschränkte Frustrationstoleranz und emotio
nale Minderbelastbarkeit. Auch bestünden Hinweise für konzentrative Ein
schränkungen bei längerer Belastung, so dass die erforderliche berufliche Aus
dauerleistung noch nicht vollständig wieder hergestellt sei.
Auf psychiatrischem Fachgebiet bestehe daher eine Teilarbeitsunfähigkeit von 40
%
. Zu 60
%
wäre der
Beschwerdeführer
wieder in seinem Beruf einsetzbar. Dieser Einsatz sollte jedoch mit stufenweiser Belastung erfolgen. Möglicher
weise seien berufliche Unterstützungsmassnahmen durch die
Beschwerdegegne
rin
zu empfehlen. Nach weiterer Besserung und therapeutischer Unterstützung sei nach einer entsprechenden Adaptionsphase wieder von einer vollen Arbeits
fähigkeit auszugehen. Prognostisch dürfte dies etwa nach sechs bis neun Mona
ten erreicht sein, wobei diesbezüglich keine endgültige, prospektive Aussage ge
troffen werden könne.
Eine retrospektive Beurteilung sei in gewissem Masse spekulativ. Nach den vor
liegenden Berichten und den Angaben des
Beschwerdeführer
s bestünden jedoch Anhaltspunkte für eine vorgängig aufgehobene Arbeitsfähigkeit, wobei der Be
ginn psychiatrisch bei fehlenden fachspezifischen Unter
la
gen nicht genau be
stimmt werden könne. Ab Juni 2012 (Eintritt zur Hy
p
ophysenoperation) müsse jedoch auch psychiatrisch eine höhergradige, zumindest 80%ige Arbeitsunfä
higkeit angenommen werden. In der Folgezeit habe keine Genesung stattgefun
den, so dass auch eine ambulante psychiatrische und sationäre Behandlung im Jahr 2013 initiiert worden sei. Inzwischen habe sich der Zustand deutlich gebes
sert, so dass jetzt nur noch eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen sei. Nach dem Austrittsbericht der
M._
(vgl.
Urk. 3/6
) sei der
Beschwer
deführer
am 3
0.
August 2013 in gebessertem Zustand mit der Empfehlung einer stufenweisen Wiedereingliederung entlassen worden. Ab diesem Zeitpunkt dürf
te der jetzige Grad der Arbeitsfähigkeit erreicht worden sei (
Urk.
7/29/1-27
S. 19 f. und
Urk.
7/29/36-44 S. 43).
3.1.2.7
Im endokrinologischen Fachgutachten führte der Experte aus, aktuell bestehe gemäss anamnestischen Angaben weiterhin eine deutlich beeinträchtigte Le
bensqualität, allerdings mit einer Verbesserungstendenz in den letzten Wochen, insbesondere seit der Einnahme von Ritalin. Dieser Verlauf wäre bei hormonel
ler Ursache der Beschwerden nicht plausibel. Auch in der klinischen Untersu
chung ergäben sich keinerlei Hinweise auf ein hormonelles Problem. Es ergebe sich in der aktuellen Beurteilung kein Hinweis auf ein hormonelles Defizit oder einen persistierenden Wachstumshormonprozess. Die Beschwerden seien nicht endokrinologisch bedingt, auch wenn die Hypophysenoperation eine grosse Verunsicherung ausgelöst und im dem Sinne zum aktuellen Beschwerdekom
plex beigetragen habe. Die Arbeitsfähigkeit sei aber aus rein endokrinologischer Sicht nicht beeinträchtigt (
Urk.
7/67/1-27 S. 20 f. und
Urk.
7/67/66-68).
3.1.3
Die Gutachter nannten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine ausgeprägte depressive Episode mit Beginn 2011, jetzt in Teil
remission, derzeit mittelgradig
schwere Ausprägung (
Urk.
7/67/1-27 S. 21). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 22):
-
Zustand nach Hypophysenoperation bei ursprünglichem Verdacht auf Mikro
adenom
-
Positive Borrelienserologie (Seronarbe)
-
Narzisstische Persönlichkeitsstruktur
-
Schlafwahrnehmungsstörung, anamnestisch Status nach „sleep mispercep
tion“
-
Verdacht auf Akromegalie 2012, keine spezifische
n
Symptome, grenzwertig erhöhtes IGF 1, ungenügende GH-Suppression im oGTT
-
MRT 05/2012: Ver
d
acht auf Mikroadenom (3 mm)
-
transphenoidale Resektion 06/2012, histologisch kein Adenomnachweis, normale Hypophyse
-
postoperativ tiefere GH-Suppression, hypogonadotroper Hypogonadismus, aktuell normale Hypophysenfunktion.
3.1.4
Unter dem Titel „Synthese aus allen untersuchten Fachgebieten nach Konsens vom 22.04.2014“ (S. 20 f.) führten die Gutachter aus, der
Beschwerdeführer
lei
de seit etwa 2010 erstmalig an Symptomen einer Depression mit Stimmungs
schwankungen, kognitiv empfundenen Einschränkungen, Schlafstörungen und einer zunehmenden Leistungsinsuffizienz. Nach der Exstirpationsoperation (oh
ne pathologischen Befund) seien zunehmend psychodynamische Aspekte einer affektiven Erkrankung in den Vordergrund getreten. Diese hätten fast zwei Jah
re nach Symptombeginn im April 2013 zu einer psychiatrischen Behandlung geführt, die seither konsequent in Form einer Gesprächstherapie und einer me
dikamentösen Behandlung durchgeführt werde, worunter auch aus subjektiver Sicht des
Beschwerdeführer
s eine Besserung seiner Leistungsfähigkeit berichtet werde. Von Seiten der Gutachter mit somatischen Fachgebieten ergäben sich derzeit keine Anhaltspunkte für eine richtungsweisend erklärende Ursache der Beschwerdesymptomatik. Auch die Überlegungen des Neurochirurgen, es könnte sich um ein Frontalhirnsyndrom handeln, seien durch die neurologischen Akten und gutachterlichen Befunde widerlegt.
Mit Bezug auf die Ausführungen im psychiatrischen Fachgutachten sei von ei
ner deutlichen depressiven Dekompensation bei einer narzisstischen Persönlich
keit auszugehen. Der aktuelle Befund zeige nach wie vor eine Ich-Dysfunktionalität mit affektiven Auffälligkeiten und einer deutlich einge
schränkten Frustrationstoleranz sowie einer emotionalen Minderbelastbarkeit, so dass bei gleichzeitigen Hinweisen für konzentrative Einschränkungen bei längeren Belastungen die erforderliche berufliche Ausdauerleitung noch nicht wieder vollständig hergestellt sei. Insofern sei derzeit von einer aktuellen Ar
beitsfähigkeit in der Grössenordnung von 60
%
auszugehen, wobei eine Steige
rung auf 100
%
innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate unter Beachtung regelmässiger Arbeitszeiten zu erreichen sein werde. Selbiges gelte auch für eine Verweistätigkeit. Insgesamt sei von einer günstigen Prognose auszugehen, da der
Beschwerdeführer
über etliche Ressourcen verfüge und eine gute Behand
lungsmotivation aufweise. Retrospektiv sei seit 1
3.
Juni 2012 bis 3
0.
August 2013 von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Seither beste
he eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit mit der Prognose einer Steigerung
(gemeint wohl der Restarbeitsfähigkeit)
auf 100
%
(S. 25).
3.2
3.2.1
Dr.
med.
N._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welcher den
Beschwer
deführer
seit 2
9.
April 2013 betreut (
Urk.
3/7 S. 1), nahm am
9.
September 2014 (
Urk.
7/78/2-3) Stellung zur Expertise der
A._
AG und bemängelte vorweg den Zeitpunkt des Attestes der Rückgewinnung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auf den Aus
tritt aus der M._
. Sodann sei nicht auf neuerliche Zu
standsverschlechterung kurz nach Austritt eingegangen worden. Die Gutachte
rin gewichte in ihrer Gesamtwertung die damalige prognostische Einschätzung höher als die durch ihn –
Dr. N._
– in wiederholten Sitzungen erhobenen direkten Befunde im weiteren Verlauf. Weiter bestehe eine narzisstische Persön
lichkeitsstörung und nicht nur eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur. Schliesslich äusserte er sein Unverständnis über die nicht durchgeführte neu
ropsychologische Abklärung.
3.2.2
Am
3.
März 2014 (
Urk.
3/7) hatte er über seine seit April 2013 dauernde Be
handlung berichtet (
Ziff.
1) und auf die Beschwerden hohe Anspannung, Nervo
sität und Schlafstörungen samt kognitiven Einbussen, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, emotionale Gereiztheit und wachsende Verzweiflung verwiesen (
Ziff.
2-3). Er diagnostizierte eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, schwer agitierte Form, sowie eine akzentuierte Persön
lichkeit, Typ-A-Verhalten (
Ziff.
5). Er attestierte eine vollumfängliche Arbeits
unfähigkeit unter Hinweis auf das Zusammenspiel der beschriebenen Störungs
komponenten (
Ziff.
8).
3.3
3.3.1
Dr.
med.
O._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
sowie
FMH Neurologie, führte in seinem Bericht über die neuropsychologische Untersuchung vom 1
8.
März 2015 (
Urk.
7/87/4-6) aus, es fänden sich mittelschwere attentionale und exekutive Defizite, welche am ehesten einer frontalen Dysfunktion entsprä
chen. Hinweise auf bewusstseinsnahe Aggravation ergäben sich nicht. Die sehr guten mnestischen Leistungen liessen an eine psychogene Komponente der at
tentionalen Defizite denken. Das in den Prozenträngen nicht zum Ausdruck kommende unsystematische Vorgehen beim Wiedergeben der Wortlisten wäre jedoch auch mit einer frontalen Minderfunktion vereinbar. Insgesamt zeige der
Beschwerdeführer
etwas bessere Leistungen bei non-verbalen Inhalten als bei verbalen. Ätiologisch könne das Ausfallsmuster nicht zugeordnet werden (S. 3).
3.3.2
Mit Verlaufsbericht vom
1.
Juni 2015 (
Urk.
7/89) stellte
Dr. O._
folgende Diagnosen:
-
Attentionale und exekutive Defizite ungeklärter Ätiologie
-
Neuropsychologie (03/2015): mittelschwere attentionale und exekutive Defizite
-
MRI Schädel (2012): erweiterte Seitenventrikel
-
EEG (03/2015): Normalbefund
-
autoimmune/paraneoplastische limbische Enzephalitis eher unwahrschein
lich, gemäss
Beschwerdeführer
seien Anti-NMDA-Antikörper negativ ge
wesen
-
neurodegenerative Erkrankung wie Frontotemporale Demenz denkbar, eher unwahrscheinlich
-
Differenzialdiagnose: Kombination aus allenfalls vorbestehender frontaler Unterfunktion bei Status nach Meningitis als 3-jähriger, möglichem ADHS und kognitiven Symptomen im Rahmen der affektiven Erkrankung
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom
-
Fatigue im Vordergrund
-
keine psychotischen Symptome, keine akute Suizidalität
-
Mögliche Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
-
keine Anhaltspunkte für eine Asperger-Spektrum-Störung
Dr. O._
führte aus, es hätten sich Defizite objektivieren lassen, die die Probleme des
Beschwerdeführer
s gut erklären könnten. Dabei sei das Ausfalls
muster nicht suggestiv für Simulation oder eine primäre depressiogene Kogni
tionsstörung. Weiterhin gehe er von einer Kombination aus vorbestehender frontaler Unterfunktion (Status nach Meningitis, mögliches ADS) aus, welche lange kompensiert worden und im Rahmen einer Erschöpfung und Depression dekompensiert sei.
3.4
Die Fachpersonen der Privatklinik
P._
, wo der
Beschwerdeführer
am
8.
Dezember 2015 ein Abklärungsgespräch geführt
hatte
, diagnostizierten im Bericht vom selben Tag (
Urk.
3/
2
6) eine anhaltend depressive Entwicklung bei schwerer narzisstischer Persönlichkeitsstörung nach schwer belasteter Kindheit mit deutlichem somatischem Syndrom im Sinne einer Erschöpfung und Ein
schränkung der kognitiv-mnestischen Funktionen. Sie führten aus, aufgrund der bisherigen Befundlage gingen sie von einer psychogenen körperlichen Erschöp
fung aus. Die Symptomatik sei im Rahmen einer depressiven Entwicklung ent
standen und habe eine wichtige stabilisierende psychische Funktion übernom
men im Sinne, dass die Symptomatik selbstwertschützend wirke und die Ab
wehr von unbearbeiteten Konflikten aus der Biographie ermögliche. Deshalb würden sie einen klärenden und psychodynamischen Ansatz empfehlen mit ei
nem Beziehungsangebot, mit dem Ziel an den Hintergrundkonflikten zu arbei
ten statt zu versuchen, die Symptome direkt zu verändern, was bisher geschei
tert sei. Empfehlenswert sei zudem eine erneute Anmeldung bei der IV, weil der bisherige Verlauf auf eine Chronifizierung der aktuellen Symptomatik hinweise. Sie attestierten eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit.
3.5
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Praktischer Arzt FMH, welcher den
Beschwerdeführer
seit März 2016 betreut, diagnostizier
te mit Bericht vom 1
1.
April 2016 (
Urk.
3/27) eine Traumafolgestörung im Sin
ne einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie posttraumatische Belastungsstörung. Zusätzlich finde sich eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradig. Differenzialdiagnostisch seien aktuell noch organische Persönlichkeitsstörungen abzuklären: Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktions
störung des Gehirns.
4.
4.1
De
r
Beschwerdeführer
kritisierte das
A._
-Gutachten in verschiedener Hin
sicht. Vorweg bemängelte
er
, dass – nach
seiner
Auffassung - nicht alle betei
ligten Ärzte an der Konsensbesprechung mitgewirkt hätten (
Urk.
1 S. 4 ff.).
4.2
Wie der
Beschwerdeführer
zu Recht vorbringt, lassen die Unterschriften auf dem Gutachten (
Urk.
7/69/27) daran zweifeln, ob eine Schlussbesprechung durch sämtliche Ärzte erfolgt ist. Es findet sich drei Mal die Unterschrift des
Dr. E._
(unter den Titeln Medizinische Verantwortung, Medizinische Supervision sowie Einverständnis mit den Schlussfolgerungen). Daneben unterschrieb die Leiterin der Geschäftsstelle, welche nicht Ärztin ist und offenkundig nichts mit dem
In
halt des Gutachtens zu tun hat. Sodann findet sich die Unterschrift des feder
führenden Neurologen
Dr. G._
. Die Einsicht ins Gutachten sowie das
Ein
verständnis mit den Schlussfolgerungen bestätigten
Dr. E._
und
Dr. F._
.
Hieraus muss geschlossen werden, dass gar keine Schlussbesprechung stattge
funden hat, sondern die Dres.
E._
und
G._
die Teilgutachten zusammen
fassten und ihre Schlüsse daraus zogen.
Dr. F._
bestätigte lediglich die Einsichtnahme und ihr Einverständnis. Die übrigen Teilgutachter bestätigten nicht einmal ihre Kenntnis des Gutachtens geschweige denn ihr Einverständnis.
Der Aussage der
A._
AG vom 1
0.
November 2014 (
Urk.
7/80/1), die einzelnen Gutachter hätten im Rahmen der Konsensbesprechung bei der Formulierung der gutachterlichen Schlussfolgerungen mitgewirkt und der Hinweis, dass in der
A._
AG ein mehrstufiger Konsensprozess obligatorisch sei, vermag angesichts der Formulierung des Gutachtens und namentlich der fehlenden Darlegung des Konsensprozesses in der Expertise nicht zu überzeugen. Wie es sich damit ge
nau verhält, kann indes aus nachfolgenden Gründen offen bleiben.
4.3
Zweck interdisziplinärer Gutachten ist es, alle relevanten gesundheitlichen Be
einträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu fassen. Dasselbe gilt mit Blick auf die mitunter schwierige Abgrenzung der im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG versicherten Zustände von invaliditätsfremden Faktoren. Der ab
schliessenden, gesamthaften Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwirkenden Fachärzte er
folgt. Eine solche zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage einer Kon
sensdiskussion der einzelnen Gutachter oder unter Leitung eines fallführenden Arztes zur Zusammenführung und Darlegung der Ergebnisse aus den einzelnen Fachrichtungen ist ideal, aber nicht zwingend (BGE 143 V 124 E. 2.2.4 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung verletzt es
selbst dann
kein Bundesrecht, wenn auf beweiskräftige Teilgutachten abgestellt wird, die mit der - ohne Kon
sensbesprechung erfolgten - interdisziplinären Gesamtwürdigung im Hauptgut
achten nicht übereinstimmen (BGE 143 V 124 Regeste).
4.4
Die Relevanz einer Konsensbesprechung ist vorliegend kaum auszumachen. Die Fachärzte der Richtung Neurologie (drei Monate postoperativ), Somnologie, Neurochirurgie, Pneumologie, Innere Medizin (abgesehen von einem nicht rele
vanten Status nach Borrelieninfektion) und Endokrinologie erkannten gar keine Pathologie und attestierten eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf.
Eine fassbare Pathologie wurde damit einzig von der psychiatrischen Expertin beschrieben und ihr Arbeitsunfähigkeitsattest wurde der Gesamtbeurteilung zu Grunde gelegt. Inwiefern eine Diskussion mit den übrigen Fachärzten zu einem anderen Ergebnis hätte führen sollen, ist nicht ersichtlich.
4.5
Zutreffend ist weiter, dass
der
Neurochirurge eine neuropsychologische Beurtei
lung (hinsichtlich einer progredienten Transmittorenerkrankung) in Betracht zog, weil sich im MRT keine Befunde ergeben hatten (E. 3.1.2.3). Eine mögliche Arbeitsunfähigkeit ersah er einzig aufgrund der vom
Beschwerdeführer
geschil
derten verminderten Leistungsfähigkeit, der verminderten Konzentrationsspan
ne, der verminderten assoziativen Denkprozesse und der verminderten Affekt
beherrschung. Dies allerdings unter dem Hinweis auf eine ansonsten fehlende organische Pathologie.
In der hernach zu Händen der Hausärztin durchgeführten neuropsychologischen Abklärung fanden sich mittelschwere attentionale und exekutive Defizite, wobei der untersuchende
Dr. O._
eine psychogene Komponente vermutete und das Ausfallmuster nicht zuordnen konnte (E. 3.3.1). Diese
bereits bekannt gewese
nen
klinischen Einschränkungen wurden von der begutachtenden Psychiaterin berücksichtigt und waren ausschlaggebend für die attestierte Arbeitsunfähigkeit. Damit ergibt sich, dass der
Beschwerdeführer
umfassend abgeklärt und beurteilt wurde.
5.
5.1
Im Vordergrund steht eine Erkrankung des
Beschwerdeführer
s aus dem depres
siven Formenkreis. Sämtliche beteiligten Fachärzte nannten eine solche Diagno
se. Die Gutachterin
Dr. F._
und
Dr. O._
gingen von einer mittelgra
dig schweren Ausprägung der depressiven Episode aus (E. 3.1.3 und E. 3.3.2), die Ärzte der Klinik
P._
nannten eine (nicht näher bezeichnete) anhaltend depressive Entwicklung bei schwerer narzisstischer Persönlichkeitsstörung und der behandelnde
Dr. N._
(E. 3.2.2) eine schwere depressive Episode sowie eine akzentuierte Persönlichkeit.
Dr. Q._
schliesslich ging von einer Traumafolgestörung im Sinne einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung aus. Auch er erkannte eine rezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradig (E. 3.5).
5.2
Vorauszuschicken ist, dass das
A._
-Gutachten und dabei insbesondere das im Zentrum stehende psychiatrische Teilgutachten (E. 3.1.2.6) den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise entsprechen. So beruht die Expertise auf den erforderlichen
Untersuchungen und berücksichtigt detailliert die geklagten Beschwerden.
Dr. F._
waren sodann die Vorakten be
kannt und sie setzte sich damit auseinander, namentlich mit der Einschätzung der Ärzte der
M._
, welcher Grundlage ihrer retrospektiven Beurtei
lung war. Die Expertise leuchtet weiter in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet. In diesem Sinne ist oh
ne weiteres nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer
– angesichts der ge
schilderten klinischen Befunde und der gestellten Diagnosen - in seiner Arbeits
fähigkeit erheblich eingeschränkt ist, ihm aber eine Restarbeitsfähigkeit im Um
fang von 60
%
zumutbar ist.
Dr. F._
verwies zur Begründung in schlüssiger Weise auf ihre Untersuchungsergebnisse und dabei namentlich auf die
Angaben des
Beschwerdeführer
s, welcher eine deutliche Besserung bestätig
te und auch den geplanten Wiedereinstieg in seinen Beruf. Die geschilderte Ich-Dysfunktionalität, die affektive Auffälligkeiten, die eingeschränkte Frustrations
toleranz, die emotionale Minderbelastbarkeit wie auch die konzentrativen Ein
schränkungen wurden indes
nicht
derart beschrieben, als dass hieraus auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden könnte.
Auch aus dem geschilderten Tagesablauf lässt sich nichts Abweichendes schlies
sen. So bemüht sich
der Beschwerdeführer
um einen strukturierten Tagesablauf, hilft auch im Haushalt, beschäftigt sich mit seinem Kind, übt jeden Tag am PC finanzmathematische Berechnungen, wobei es mit der Ausdauer und Kon
zentration besser gehe (
Urk.
7/69/39). Gegenüber dem Neurologen
Dr. G._
äusserte sich der
Beschwerdeführer
in ähnlicher Weise. So stehe er gegen 06.00 Uhr auf. Nach der Morgentoilette, einer Lichttherapie und einer Betätigung auf dem Fahrradergometer frühstücke er gemeinsam mit der Familie, er bringe dann
meistens
seinen Sohn in den Kindergarten. Anschliessend widme er sich seiner beruflichen Tätigkeit als Finanzmathematiker. Er versuche zu pro
grammieren, was ihm derzeit unter der Behandlung mit Ritalin relativ gut ge
linge. Nach einer kurzen Mittagspause arbeite er am Nachmittag in der Regel weiter, manchmal bereite er mittags auch ein kleines Mittagessen für seinen Sohn zu. Gegen 17.00 Uhr beende er seine Tätigkeit, manchmal setze er sich abends nochmals an den Schreibtisch. Er pflege mittlerweile wieder viel mehr soziale Kontakte, sei auch mehrfach einzelne Tage im letzten Winter zum Ski
laufen unterwegs gewesen, er treibe gerne Sport, sein Interessensspielraum habe sich wieder deutlich erweitert. Abends schaue er mit der Frau noch eine Stunde fern, bevor er gegen 23.00 Uhr ins Bett gehe. Langeweile kenne er nicht (
Urk.
7/69/30).
Bei dieser Sachlage
ist
nachvollziehbar dargetan
, dass beim
Beschwerdeführer
eine Restarbeitsfähigkeit gegeben ist.
Dass seine Angaben falsch sein sollten, wie er beschwerdeweise vorbringt (Urk. 1 S. 19 Ziff. 32), ist nicht erstellt.
Dass Expertin
Dr. F._
die Arbeitsfähigkeit
mit 60
%
beziffert hat, überzeugt angesichts der medizinischen Aktenlage und namentlich der ausgewiesenen Verbesserung des Gesundheitszustandes unter gesprächstherapeutischer und medikamentöser Therapie.
5.3
Angesichts dieser Angaben vermag die gegenteilige Einschätzung des behan
delnden
Dr. N._
nicht zu überzeugen; dieser diagnostizierte eine schwere depressive Episode und sprach dem
Beschwerdeführer
– im Rahmen der Prüfung seines Anspruches auf Krankentaggeld - jegliche Arbeitsfähigkeit ab. Auch er anerkannte
indes
die Fähigkeit des
Beschwerdeführer
s, sich auf komplexe Sach
fragen zu konzentrieren, auch wenn er dabei lediglich von einer 15-minütigen Periode ausging (
Urk.
3/7 S. 2).
Dr. N._
bestätigte sodann ebenfalls die von
Dr. F._
(und dem
Beschwerdeführer
selber) festgestellte Besserung un
ter der Medikation mit Ritalin, ohne hierauf näher einzugehen (
Urk.
3/7 S. 3). Der Tagesablauf des
Beschwerdeführer
s blieb unberücksichtigt und auch die so
zialen Kontakte entgingen
Dr. N._
. Auch in seiner Kritik des
A._
-Gutachtens finden sich hierzu keine Ausführungen (
Urk.
7/78/2-3). Angesichts dieser Mängel kann weder von einer schweren depressiven Episode noch von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Schliesslich
ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die Einschätzung der Fachleute der Privatklinik P._ (vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit) vermag ebenfalls nichts zu ändern. Abgesehen von den praktisch durchgängig blanden Befunden (Urk. 3/26 S. 2) erfolgte die entspre
chende Untersuchung im Dezember 2015, weshalb eine allfällige Verschlechte
rung der Situation erst ab März 2016 relevant wäre (Art. 88a Abs. 2 der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung, IVV) und damit nach Verfügungser
lass. Dies hat im vorliegenden Verfahren ausser Acht zu bleiben.
Die von Dr. Q._ geschilderte Entwicklung mit erneut mittelgradiger de
pressiver Episode (E. 3.5) datiert vom 11. April 2016 (Behandlung seit März 2016) und damit nach Erlass der angefochtenen Verfügung, weshalb sie - man
gels Rückschlüssen auf die vorangehende Zeit - ausser Acht zu bleiben hat.
5.4
5.4.1
Zur zeitlichen Entwicklung der depressiven Episoden und der dadurch einge
schränkten Arbeitsfähigkeit ergibt sich, dass die Situation nach ersten depressi
ven Symptomen Mitte 2011 immer angespannter wurde und sich im Zusam
menhang mit der Hirnoperation so verdichtete, dass ab April 2013 eine psy
chiatrische Behandlung unumgänglich wurde. Gutachterin
Dr. F._
ging – rückblickend – von einer massiven Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bei Klinikeintritt zur Hirnoperation (1
3.
Juni 2012) aus und vermutete auch in der davorliegenden Zeit eine relevante Einschränkung der respektive gar eine aufgehobene Arbeitsfähigkeit (E. 3.1.2.6).
Damit ist erstellt, dass der Beschwerdeführer jedenfalls seit Juni 2012 massgeblich (vollumfänglich respek
tive zumindest zu 80 %) in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Die An
nahme eines früheren Eintritts ist nicht überwiegender Wahrscheinlichkeit dar
getan, blosse Vermutungen (vgl. hierzu Urk. 1 S. 7 Ziff. 10) reichen hierfür nicht aus. Auch das Attest von Dr. med. R._, FMH Allgemeinmedizin, Geschäfts
partnerin des Beschwerdeführers (Urk. 16), vom 15. August 2012 (Urk. 10/12/6) betreffend Arbeitsunfähigkeit ab 29. Februar 2012 infolge einer akuten Bron
chitis ist nicht überzeugend; der simple Verweis auf „multiple Beschwerden mit eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit“ genügt hierfür nicht.
5.4.2
Dr. F._
ging von einer teilweisen Rückgewinnung der Arbeitsfähigkeit nach Austritt aus der
M._
am 3
0.
August 2013 aus, sei doch
der
Beschwerdeführer
in gebessertem Zustand mit der Empfehlung einer stufenwei
sen Wiedereingliederung entlassen worden (E. 3.1.2.6).
Zutreffend ist, dass
die Ärzte der
M._
am
9.
Dezember 2013 (
Urk.
3/6) über die stationäre Behandlung vom
8.
Juli bis 3
0.
August 2013 berichtet
hatten
, unter der multi
modalen Therapie sei es zu einer Stimmungsaufhellung und einem Rückgang der Erschöpfung und psychomotorischen Gespanntheit gekommen. Insgesamt habe sich der
Beschwerdeführer
durch seine Schlafstörung weniger beeinträch
tigt gefühlt. Es sei in der Therapie offensichtlich geworden, dass er – bei Verlas
senheits- und Einsamkeitsgefühlen – während Situationen des manchmal schon extremen Trainings mehr seinen Leistungsansprüchen diene und dadurch nicht wirklich gut auf sich achte, was geschehen würde, wenn er seine Gefühle und Gedanken in Momenten zuliesse und anders Ausdruck verleihen könnte, wie es ihm während der stationären Behandlung immer wieder gelungen sei. Gegen Ende der Behandlung hätten innere Anspannung und Gereiztheit wieder zuge
nommen, was im Sinne einer Austrittskrise zu interpretieren sei, da sich der
Be
schwerdeführer
unsicher gewesen sei, inwiefern die eingetretenen Veränderun
gen zu Hause beibehalten werden könnten. Die Ärzte bescheinigten eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit bis zum 1
5.
September 2013 und empfahlen nach der Eingewöhnungszeit von drei bis vier Wochen einen stufenweisen Wie
dereinstieg in den bisherigen Beruf respektive modifiziert nach einer Laufbahn
beratung oder mit Unterstützung der Invalidenversicherung (S. 4). Der (seit Ap
ril 2013) behandelnde
Dr. N._
verneinte dagegen eine relevante Verbesse
rung des Gesundheitszustandes und ging von einer vollumfänglichen Arbeits
unfähigkeit aus unter Verweis auf eine nach dem Klinikaustritt eingetretene Verschlechterung (E. 3.2.1 f.).
In der Tat attestierten die Ärzte der M._ bei Austritt am 30. August 2013 keine 60%ige Arbeitsfähigkeit, sondern weiterhin eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bis 15. September 2013 mit der Empfehlung eines stufenwei
sen Wiedereinstiegs. Dr. N._ bestätigte im März 2014 eine anfängliche Er
leichterung, welche indes einer Phase der Ernüchterung wich, da sich keine nachhaltige Besserung einstellte. Die Entmutigung und Resignation habe in der Folge noch weiter zugenommen (Urk. 3/7 S. 3). Angesichts dieser fachkundigen und begründeten Stellungnahmen ist nicht erkennbar, aus welchen Gründen be
reits bei Klinikaustritt eine 60%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen haben sollte. Ei
ne Verbesserung wurde echtzeitlich vielmehr erst ab Februar 2014 berichtet, als es unter neuer Medikation (Ritalin) zu einer Abnahme der Symptombelastung kam (Urk. 3/7 S. 3).
5.4.3
Damit ist der Sachverhalt als in dem Sinne erstellt zu erachten, dass der Be
schwerdeführer ab Juni 2012 vollumfänglich arbeitsunfähig war und jedenfalls seit März 2014 (Untersuchung in der A._ AG) zu 40 % arbeitsunfähig war. Die prognostizierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % ist aktenkundig nicht eingetreten.
6.
6.1
6.1.1
Psychische Leiden – und nicht nur somatoforme respektive funktionelle Störun
gen – sind wegen ihres Mangels an objektivierbarem Substrat dem direkten Be
weis einer anspruchsbegründenden Arbeitsunfähigkeit nicht zugänglich. Dieser Beweis ist indirekt, behelfsweise, mittels Indikatoren zu führen. Da bei sämtli
chen psychischen Störungen trotz variierender Prägnanz der erheblichen Be
funde im Wesentlichen vergleichbare Beweisprobleme bestehen, sind sie grund
sätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterzie
hen. Diese Abklärungen enden stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
erheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) schliessen lassen (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2017 vom 30. November 2017 E. 7.1 und 7.2; ferner das ebenfalls zur Publikation be
stimmte Bundesgerichtsurteil 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.5.2).
6.1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesge
richt wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
6.2
6.2.1
Was den K
omplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten,
dass die psy
chische Erkrankung als mittelgradig ausgeprägt erscheint. So wurde eine de
pressive Dekompensation mit zuletzt Besserung beschrieben bei narzisstischer Persönlichkeitsstruktur und ausgewiesenen affektiven Auffälligkeiten samt kon
zentrativen Einschränkungen (E. 3.2.1.6). Die funktionellen Einschränkungen wurden indes nicht als derart einschneidend beschrieben, dass von einer beson
deren Ausprägung ausgegangen werden könnte. So beschrieb namentlich Dr. O._ lediglich mittelschwere attentionale und exekutive Defizite bei in
takten mnestischen Leistungen (E. 3.3.1-3.3.2).
6.2.2
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–resi
stenz“
ist festzuhalten, dass
die psychische Erkrankung des
Beschwerdeführer
s schleichend ab Mitte 2011 einsetzte mit hoher Anspannung und Nervosität. Die im März 2012 gestellte Diagnose einer Akromegalie samt Operation im Juni 2012 sowie mehrere Schlafabklärungen und –behandlungen brachten keine Besserung. Sodann wurde der
Beschwerdeführer
von der Frage umgetrieben, ob die Hirnoperation überhaupt indiziert gewesen w
ar
. Der Zustand verschlechterte sich in der Folge und der
Beschwerdeführer
begab sich am 2
9.
April 2013 in psychiatrische Behandlung. Vom
8.
Juli bis 3
0.
August 2013 wurde er soda
nn stationär behandelt (Urk. 3/6
S. 1 f.). Die ambulanten Therapiegespräche erfolg
ten anfänglich mit zwei Konsultationen pro Woche, seit Oktober 2013 mit einer Konsultation. Daneben wurde der
Beschwerdeführer
medikamentös behandelt (S. 3). Auch die Gutachterin
Dr. F._
verwies auf die psychiatrische Be
handlung gut zwei Jahre nach Symptombeginn und bezeichnete diese als durch den
Beschwerdeführer
konsequent wahrgenommen. Sie bestätigte sodann eine Besserung unter medikamentöser Anpassung und verwies auf die stationäre Be
handlung (
Urk.
7/69/19 f.). Sie stellte eine günstige Prognose, da der
Beschwer
deführer
über etliche Ressourcen verfüge und in seiner Therapie mitwirke, ohne dass sie eine Anpassung der Therapie empfahl (
Urk.
7/69/43). Die
Beschwerde
gegnerin
stellte am 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
7/93) fest, dass der
Beschwerdeführer
in einer psychiatrisch-psychologischen Behandlung steht, weshalb sie auf ihr Schreiben vom
7.
April 2015 (
Urk.
7/86) zurückkam, mit welchem sie dem
Be
schwerdeführer
unter Hinweis auf seine Schadenminderungspflicht auferlegt hatte, sich in psychiatrisch-pharmakologische und psychiatrisch-psychologische Behandlung zu begeben.
Aus diesen Angaben ist zu schliessen, dass der
Beschwerdeführer
effektiv eine konsequente Depressionstherapie befolgte, dies im ambulanten und stationären Rahmen sowie unter verschiedener Medikation. Die Behandlungsfrequenz mit zwei- respektive wöchentlichen Sitzungen entspricht den diesbezüglich von der Rechtsprechung
(im Rahmen der früheren Rechtsprechung)
definierten Werten (
Urteil des Bundesgerichts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1
). Sodann liess sich der
Beschwerdeführer
in verschiedener Hinsicht – unter anderem neu
ropsychologisch – abklären, entsprechend medikamentös behandeln (
Urk.
7/89) und gar eine nicht eindeutig indizierte Hirnoperation vornehmen.
Der Erfolg dieser Bemühungen stellte sich in der Folge ein, d
enn aktenkundig verbesserte sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführer
s – unter der in
tensiven Therapie bei
Dr. N._
-
bis im Februar 2014 respektive
bis zur Un
tersuchung in der
A._
AG im März 201
4. Eine Restarbeitsunfähigkeit verblieb aber.
6
.
2
.
3
Als „
Komo
rbiditäten“ bestehen (neben der narzisstischen Persönlichkeit) keine massgeblichen Gesundheitsschäden. Die depressive Störung ist unter Therapie abgeklungen, es verbleiben im Wesentlichen die ätiologisch nicht zuzuordnen
den neuropsychologischen Ausfallsmuster.
6.2
.
4
Beim Komplex „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes: Der Beschwerdeführer ist verheiratet und Vater
eines schulpflichtigen Kindes und hat einen geordneten Tagesablauf. Er kümmert sich um sein Kind, hat eine intakte Beziehung zu seiner Frau, soziale Kontakte und treibt Sport (E. 5.2). Die am 4. Oktober 2017 (Urk. 9) vermeldete Ehekrise war im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung nicht absehbar, der Beschwerdeführer hatte bis dahin stets ein funktionierendes Familienleben geschildert (so zuletzt am 8. Dezember 2015, Urk. 3/15 S. 2). Damit ist kein (ausgeprägter)
soziale
r
Rück
zug
erkennbar und
enthält der
soziale Lebenskontext bestätigende, sich potenzi
ell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
6.2.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Be
zü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ einge
hend Mi
chael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff.) zielt
der Indikator „gleichmässige Ein
schränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensberei
chen“ auf die Frage ab, ob die dis
kutierte Einschränkung in Beruf und Er
werb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich aus
geprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähig
keit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Das Tagesaktivitätsniveau des Beschwerdeführers erscheint nicht als augenfällig eingeschränkt. Er kocht, isst mit der Familie,
hilft im Haushalt, beschäftigt sich mit seinem Kind, übt jeden Tag am PC finanzmathematische Berechnungen,
pflegt soziale Kontakte und treibt Sport (E. 5.2). Damit verbleibt als wesentliche Einschränkung die psychisch bedingte neuropsychologische Problematik. Auch zuletzt konnte mit der Arbeit kein Einkommen erzielt werden und die Arbeit wurde aufgrund der kognitiven Einschränkungen als zermürbend wahrgenom
men (Urk. 3/26 S. 2). Damit ist eine gewisse Einschränkung im Alltag ausgewie
sen, nicht aber eine ausgeprägte.
6.2.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S. 25 Rz 60) weist
d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Aus
mass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nach
lässigt wer
den (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Ein
gliede
rungs
erfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf den tatsächli
chen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu be
rücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der be
ruflichen (Selbst-) Eingliederung. In
konsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der Beschwerdeführer steht wie dargelegt seit
April 2013
in psychiatrischer Be
handlung
, nachdem er sich somatisch umfassend hatte abklären und gar eine Hirnoperation vornehmen lassen
.
In der Folge liess er sich konsequent behan
deln im ambulanten und stationären Setting sowie mit verschiedener Medika
tion (E. 6.2.2). Ein Leidensdruck ist angesichts dieser langjährigen, mannigfalti
gen Bemühungen ausgewiesen. In erwerblicher Hinsicht versuchte der Be
schwerdeführer, regelmässig in seine Arbeit zurückzukommen, erarbeitete am Computer Geschäftsmodelle und tätigte finanzmathematische Berechnungen. Auch hier ist ein Bemühen des Beschwerdeführers zu ersehen, welches sich in
des nicht erwerblich umsetzen liess.
6.3
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren ist eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausge
wiesen. Die verbleibenden Defizite
liessen
sich nicht beheben und sie schränken den Beschwerdeführer trotz mannigfaltiger Bemühungen in seiner Arbeitsfähig
keit ein. Damit sind die festgestellten Arbeitsunfähigkeitsgrade (E. 5.4.3) invali
denversicherungsrechtlich relevant.
7.
Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ab Juni 2012 ist ein Anspruch auf eine ganze Rente ab 1. Juni 2013 gegeben. Die im März 2014 eingetretene Verbesserung ist ab 1. Juli 2014 zu berücksichtigen (Herabsetzung der ganzen Rente, Art. 88a Abs. 1 IVV).
Zur Invaliditätsbemessung finden sich im angefochtenen Entscheid keine Erwä
gungen, da die Beschwerdegegnerin einen relevanten Gesundheitsschaden an sich verneint hat. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, weil sich mannigfaltige Fragen stellen, welche bislang nicht Diskussi
onsgegenstand gebildet haben.
Zu berücksichtigen wird - angesichts des neuen Entscheides - auch die Entwick
lung seit März 2014 sein und die Frage, auf welchen medizinischen Grundlagen die neue Geschäftsausrichtung des Beschwerdeführers (Firmierung der Y._ AG unter B._ AG seit 5. Oktober 2017, Urk. 16) ba
siert und wie sich dies in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
8.
Da grundsätzlich ein Gesundheitsschaden mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % respektive 40 % besteht (oder bestand), hat der Beschwerdeführer - so
weit die Voraussetzungen nach wie vor erfüllt sind - Anspruch auf berufliche Massnahmen. Auch hierüber wird die Beschwerdegegnerin zu entscheiden ha
ben.
9.
Die
Kosten
des
Verfahrens
gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
1‘0
00.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
De
m
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht sodann gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3
des
Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt (GSVGer) eine Parteientschädigung zu, wobei
die
se unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des
Prozesses
zu bemessen ist. Der von Rechtsanwalt Dr. Rüegg am 11. Januar 2018 (Urk. 12) geltend ge
machte, nicht spezifizierte Aufwand von 40 Stunden à Fr. 260.-- plus Mehr
wertsteuer
ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er den Beschwer
deführer schon im Vorbescheidverfahren vertrat und die Akten somit bekannt waren.
Angesichts der notwendigen Instruktion, der zu rekapitulierenden 113 Akten
stücke der Beschwerdegegnerin, der 22-seitigen Beschwerdeschrift (Urk. 1), der zwei Kurzeingaben (Urk. 9 und Urk. 12) sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträgen ist die Prozessentschädigung bei Anwendung des gerichtsübli
chen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 3'900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.