Decision ID: 1537d4bd-ae78-4c89-a5e4-93aa7fc17c95
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am 1
3.
Juni 2012
unter Hinweis auf
eine Depression sowie eine Gürtelrose bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 11/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte ihm am
4.
Dezember 2012 Arbeitsvermittlung (
Urk.
11/20),
welche erfolglos abgeschlossen wurde (
Urk.
11/25). Nach
ergangenem
Vorbe
sche
id
(
Urk.
11/28) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
5.
September 2013 einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
11/30).
1.2
A
m 1
9.
Mai 2016
meldete sich der Versicherte
erneut bei der Invalidenver
si
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/33). Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
11/41) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
1.
August 2016 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (
Urk.
11/42).
1.3
Am 3
0.
August 2019 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
11/47
). Nach
durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(
Urk.
11/
61,
Urk.
11/62
)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Juni
2020 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
11/67 =
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte erhob am 2
9.
Juni 2020
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
2.
Juni 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
und es seien
ihm
die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1 S. 1
).
Die IV-Stelle beantr
agte mit Beschwerdeantwort vom
1
4.
Oktober 2020
(
Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
1
5.
Okto
ber 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei
chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE 145 V 215
dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten - Abhängigkeits
syndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede
invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3),
sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychi
sche
) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän
gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Fol
gen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker
psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.
3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Be
richte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegen
teiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- ode
r Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, es gebe keine neue Diagnose oder Verschlechterung seit dem letzten Bescheid vom 3
1.
August 2016 beziehungsweise vom 2
5.
September 2013 (
Urk.
2 S. 1).
In der Beschwerdeantwort vom 1
4.
Oktober 2020 (
Urk.
10) führte die Beschwer
degegnerin sodann aus, es seien sämtliche ärztlichen Berichte bei den behan
deln
den Ärzten eingeholt worden. Diese Abklärungen hätten ergeben, dass keine neuen Diagnosen oder eine Verschlechterung seit der letzten Verfügung vom 3
1.
August 2016 beziehungsweise vom 2
5.
September 2013 aufgetreten seien. Vorliegend habe keine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen festgestellt werden können, die den Rentenanspruch beeinflussen könnten. In casu habe sich durch die Abklärung der medizinischen Unterlagen die behauptete Änderung des Gesundheitszustandes nicht erhärten können (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
ihm sei im Bericht vom 2
4.
November 2019 eine depressive Erkrankung sowie ein seit Jahren bestehendes Alkoholabhängigkeitssyndrom attestiert worden. In Be
zug auf die damit verbundene Arbeitsfähigkeit sei ihm eine eingeschränkte Be
lastbarkeit sowie ein Leistungsdefizit durch die lange Zeit bestehende und dad
urch chronifizierte Situation attestiert worden.
Es sei ein Arbeitspensum von vier bis fünf Stunden pro Tag in einer angepassten Tätigkeit als realistisch eingeschätzt
worden. Gemäss den Arztberichten vom 2
4.
November 2019 sowie vom 1
9.
Febru
ar
2020 hätten sich seine Beschwerden gegenüber den eingereichten Berichten von 2012 sowie 2016 chronifiziert und die ihm attestierte Arbeitsfähigkeit habe sich prägnant vermindert.
Es liege eine ungenügende Abklärung des Sachverhalts vor (S. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtert hat. Die letztmalige materielle Prüfung des Rentenanspruchs fand mit der V
erfügung der IV-Stelle
vom
25
.
September
201
3
(Urk.
11
/3
0
) ihren Ab
schluss. Zu vergleichen ist dem
nach der Sachverhalt im Zeitpunkt jener Verfü
gung mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung
(vgl. vorstehend E. 1.5)
.
3.
Der abweisenden Verfügung vom 25. September 2013 (Urk. 11/30
) lag
im Wes
ent
lichen folgende
r Bericht
zugrunde:
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am
1
3.
Juli 2012 (
Urk.
11/11)
und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1) ein
en
passag
e
re
n
Erschöpfungszustand (Erschöp
fungsdepression).
Er führte aus, aus unerklärlichen Gründen sei der Beschwerde
führer entlassen worden. Er könnte und möchte dieser Arbeit weiterhin nach
ge
hen. Der Beschwerdeführer stelle sich in gutem Allgemeinzustand vor mit Zeichen einer passag
e
ren leichten Erschöpfungsdepression. Die Belastbarkeit und instink
tive Lebenskraft seien vorhanden. Wenn sich dieser Fall nicht chronifiziere, würde
der Beschwerdeführer seiner Arbeit wie zuvor sehr gerne nachgehen (S. 1
Ziff.
1.4).
Es sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (S. 2
Ziff.
1.6).
4.
4.1
Für die Zeit nach der Verfügung vom September 2013
(Urk. 11/30)
finden sich in den Akten die folgenden medizinischen Berichte:
4
.
2
Die Ärzte der
Klinik Z._
berichteten am
1.
Februar 2016
(
Urk.
11/32/2-5) über die Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 1
8.
Januar bis
1.
Februar 2016 und
nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits
syn
drom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyn
drom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
-
Anpassungsstörungen, kurze depressive Reaktion (ICD-10 F43.20)
-
arterielle Hypertonie
Sie führten aus,
der Beschwerdeführer sei freiwillig und auf Zuweisung seines Behandlers zur Entzugsbehandlung von Alkohol eingetreten. Im Dezember 2015
sei seine Partnerin verstorben, was zu einer Exazerbation des Alkoholkonsums ge
führt habe. Der Beschwerdeführer berichte zudem von Stimmungsschwan
kung
en, Antriebs- und Appetitlosigkeit sowie sozialem Rückzug (S. 1).
Anamnese und Befund sprächen beim Beschwerdeführer für eine Abhängigkeitserkrankung von Alkohol und Tabak. Zu Beginn der Entgiftungsbehandlung hätten sich zudem leichtgradige depressive Symptome gezeigt. Der Entzug sei komplikationslos ver
laufen.
Neben der medikamentösen Behandlung habe der Beschwerdeführer am
gruppentherapeutischen Therapieprogramm teilgenommen. Zusätzlich hätten stüt
zende Einzelgespräche stattgefunden. Es werde die psychiatrisch-psychothera
peutische Weiterbehandlung im ambulanten Setting empfohlen (S. 3).
4.3
Med. pract.
A._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin,
nahm am
6.
Juni 2016 Stellung (
Urk.
11/40) und führte aus, es werde eine primäre Alko
holsucht berichtet, weiter sei es durch den Tod der Partnerin zu einer vorüber
ge
henden Anpassungsstörung gekommen. Dem Bericht der Fachstelle
B._
zufolge habe die Behandlung der Alkoholsucht im November 2012 begonnen. Der letzte Brief des Hausarztes vom Juli 2012 erwähne die Alkoholproblematik nicht, son
dern erwähne eine vorübergehende Erschöpfungssituation nach Entlassung aus unerklärlichen Gründen. Gesamthaft fänden sich keine Hinweise auf einen IV-relevanten Gesundheitsschaden.
4.4
Die Ärzte der
Klinik C._
berichteten am 2
2.
Juli 2016 (
Urk.
11/53/16-17) über die stationäre Behandlung des Beschwerdeführers vom 2
2.
Juni bis
7.
Juli 2016 und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschüt
zen
der Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
arterielle Hypertonie
-
Hypercholesterinämie
Sie führten aus,
der Beschwerdeführer werde zum stationären qualifizierten Alko
holentzugsprogramm angemeldet.
Er
habe ohne entzugsbedingte Beschwerden vom Alkohol entzogen werden können. Er habe zu Beginn Entzugssymptome wie innere Unruhe und Schlafstörungen gezeigt. Der Beschwerdeführer habe regel
mässig am stationären Programm mit den Schwerpunkten Einzel- und Gruppen
psychotherapie sowie Entspannungs- und Bewegungstherapie teilgenommen (S. 1).
Der Beschwerdeführer möchte die Suchtberatungsstelle weiter aufsuchen und die Behandlung dort fortsetzen (S. 2).
4.5
Die Ärzte des Spitals
D._
berichteten am
7.
August 2017 (
Urk.
11/53/1-3) und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf Partialruptur Musculus gastrocnemius lateralis rechts
-
arterielle Hypertonie
Sie führten aus,
der Beschwerdeführer stelle sich notfallmässig selbst vor mit akut aufgetretenen Schmerzen am Unterschenkel rechts. Die Schmerzen seien vor
allem bei Bewegung vorhanden und würden im Liegen gänzlich verschwinden (S.
1)
. Ein akuter/subakuter arterieller Verschluss habe MR-tomographisch ausge
schlossen werden
können.
Ultrasonographisch habe am rechten Unterschenkel eine tiefe Beinvenenthrombose ausgeschlossen werden können, allerdings be
stehe der Verdacht auf eine Partialruptur des Musculus gastrocnemius lateralis. Dem
Beschwerdeführer würden zur funktionellen Nachbehandlung Gehstöcke mitgegeben (S. 2).
4.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
4.
November 2019 (
Urk.
11/55)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
2.5):
-
lange Zeit bestehende und dadurch chronifizierte Situation mit einge
schränkter Belastbarkeit und Leistungsdefizit
Er führte aus, von 2012 bis 2016 habe eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit be
standen. Ab 2016 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.3)
.
Es be
stünden Einschränkungen im Rahmen der depressiven Erkrankung sowie des seit Jahren bestehenden Alkoholabhängigkeitssyndroms (S. 1
Ziff.
2.2). Im Rahmen des geschützten Arbeitsmarktes bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit grund
sätzlich günstiger Prognose (S. 2
Ziff.
2.7). Grundsätzlich wäre eine Totalabsti
nenz anzustreben, was dem Beschwerdeführer
schwerfalle
(S. 2
Ziff.
2.8).
Es werde eine gesprächstherapeutische psychiatrische Behandlung (ambulant) zur Besserung der depressiven Symptomatik empfohlen (S. 4
Ziff.
5).
4.7
M. Sc.
F._
, Psychologe, Fachstelle
B._
Soziale Dienste Bezirk Uster,
berichtete am 1
8.
Februar 2020 (
Urk.
11/58) und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom mit ständigem Sub
stan
z
gebrauch (ICD-10 F10.25)
-
rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.
4)
-
diverse somatische Diagnosen
Er führte aus, der Beschwerdeführer sei seit November 2012 in der Fachstelle
B._
in psychotherapeutischer suchtspezifischer Behandlung. Die Sitzungen fän
den in zirka dreiwöchiger Frequenz statt. Der Beschwerdeführer erscheine zuver
lässig und pünktlich zu den vereinbarten Terminen. Er bringe sich aktiv ein und versuche Besprochenes in seinem Verhalten umzusetzen, sofern es im Rah
men seiner Erkrankung möglich sei (S. 1).
Seit dem Behandlungsbeginn im Jahr 2012 habe sich eine langsame Stabilisierung des Suchtgeschehens gezeigt, welches sich jedoch durch wiederholende depressive Phasen verkompliziere. Die depressiven Krisen ergäben sich hauptsächlich durch sich einstellende Veränderungen der exi
stenziellen Sicherheit. Eine vollständige Abstinenz von Alkohol sei für den Beschwerdeführer zurzeit unmöglich. Es seien mehrere stationäre Entzugs- und Stabilisierungsbehandlungen absolviert worden, leider ohne anhaltenden Erfolg. Die depressiven Episode
n
seien seitens des Hausarztes ebenfalls durch Psycho
pharmaka behandelt worden.
Gegenwärtig sei der Beschwerdeführer zu 60
%
in den zweiten Arbeitsmarkt innerhalb des Arbeitsintegrationsprogramms der sozia
len
Dienste integriert worden. Aus Sicht seines Betreuers
beteilige
sich der Beschwerdeführer zuverlässig und erscheine in den meisten Fällen nüchtern und pünktlich. Er sei von seinen Kollegen sehr geschätzt und zeige sich hilfsbereit. Einfache, routinierte Arbeitsabläufe würden vom Beschwerdeführer problemlos und gewissenhaft gemeistert. Neue Aufgabenstellungen oder schwierigere Auf
gaben würden ihm in der Planung und Strukturierung Probleme bereiten.
Er rea
giere nervös und überfordert, sei aber nach einer gewissen Zeit in der Lage, sich Unterstützung zu suchen. Es bestünden kognitive Einschränkungen. Seitens der
G._
sei versucht worden, das Pensum auf 70
%
zu erhöhen. Leider sei der Versuch erfolglos geblieben, da dem Beschwerdeführer die Arbeitsbelastung zu hoch geworden sei. Eine Betreuung sei notwendig, auch wenn er viele Auf
gaben selbständig lösen würde. Durch die Tagesstrukturierung und –
beschäfti
gung
fühle sich der Beschwerdeführer stabiler sowie wieder sozial vernetzter (S. 2).
Aufgrund des chronifizierten Abhängigkeitssyndroms, de
r
rezidivierenden
de
pressiven Episoden, de
r
somatischen Schäden des Alkoholkonsums, d
er
Notwen
digkeit einer Betreuung und seine
s
Alter
s
scheine eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sehr unwahrscheinlich. Es werde empfohlen, die gege
bene Tagesstruktur und Behandlung zu unterstützen und fortzuführen, damit sich eine erneute Verschlimmerung der Symptomatik abfedern lasse (S. 3).
5.
5.1
S
trittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand
des
Beschwerde
führer
s
im relevanten Zeitraum (vgl. E. 2.3 hiervor) verschlechtert und sich dar
aus eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten beziehungsweise einer ange
pass
ten Tätigkeit ergeben hat.
D
ie Beschwerdegegnerin
ging
davon aus, dass sich der Gesundheitszustand de
s
Beschwer
deführers
nicht verschlechtert habe. Er habe keine neuen Diagnosen. Im Gegenteil, er habe eine Tagesstruktur und befinde sich tendenziell in einem besse
ren Zustand als 2016
(Feststellungsblatt vom
31
. März 20
20
, Urk.
11
/
60
S.
3
).
5.2
Im Vergleich zu dem
der Verfügung vom
25
. September 201
3
(Urk.
11
/
30
) zu
grunde liegenden Bericht, wo
Zeichen einer leichten Erschöpfungsdepression diag
nostiziert, jedoch keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war
en
(vorstehend E. 3), gingen
die Ärzte gegenwärtig von einem Alkoholabhängigkeitssyndrom
sowie einer depressiven Erkrankung
mit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
au
s (vorstehend E. 4.2-4.7).
Der Beschwerdeführer war vom 1
8.
Januar bis
1.
Februar 2016 (vorstehend E. 4.2) sowie vom 2
2.
Juni bis
7.
Juli 2016 (vorstehend E. 4.4) im Rahmen von Entzugsbehandlungen hospitalisiert.
Sowohl
Dr.
E._
(vorste
hend E. 4.6) als auch
d
er behandelnde Psychologe der Fachstelle
B._
(vor
stehend E. 4.7)
bestätigten Einschränkungen sowie Leistungsdefizite im Rahmen der depressiven Erkrankung sowie des Abhängigkeitssyndroms und
gingen von einer 50%igen beziehungsweise 60%igen Arbeitsfähigkeit im Rahmen des ge
schützten Arbeitsmarktes aus.
Die
Einschsätzung
der Beschwerdegegnerin, es habe sich keine Änderung erge
ben, greift vor diesem Hintergrund zu kurz und steht zudem im Widerspruch mit der Aktenlage. H
insichtlich der Diagnosestellung
hat sich
eine Änderung ergeben, wobei
nicht die Diagnose, sondern in ers
ter Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik massgebend
sind
(Urteil des Bundes
ge
richts 9C_602/2016 vom 14. Dezember
2016 E. 5.1).
Eine Verschlechterung erscheint deshalb als
möglich
, zumal aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht die Auswirkungen der gesundheitli
chen Beeinträch
tigungen auf die Arbeitsfähig
keit
entscheidend sind
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 127 V 294; Urteil des Bundesgerichts 9C_526/2014 vom 3. Dezember 2014 E. 5.1).
Ausserdem ist
die Beschwerdegegnerin vorliegend auf die Neuanmeldung einge
treten
, weshalb
sie das Gesuch materiell rechtsgenüglich abzuklären hat,
selbst wenn sich dann herausstellen sollte, dass keine invalidisierende Be
ein
trächti
gung besteht. Diese Abklärung wurde nicht genügend vorgenommen.
5.3
Aufgrund der vorliegenden Berichte kann
nicht schlüssig beurteilt werden, wie sich der veränderte Gesundheitszustand auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Zum einen scheint die Einschätzung der Arbeitsfähig
keit
möglicherweise
nicht unab
hängig von subjektiven
Gesichtspunkten erfolgt zu sein.
Z
um anderen sind, geht es um psy
chische Erkrankungen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit syste
matisierte Indikatoren beachtlich, die - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Resso
urcen) ande
rerseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 143 V 418;
BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Den
vorhandenen
Berichten
können nicht genügend Angaben entnommen werden, die in Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens Rückschlüsse auf das tat
sächlich e
rreichbare Leistungsvermögen des Beschwerdeführers
zuliessen
.
5.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegeg
nerin den medizinischen Sach
ver
halt nur ungenügend abgeklärt
,
weshalb die Sa
che zu ergänzenden Abklä
rungen
des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit
an sie zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. Urk. 1) als gegenstandslos.