Decision ID: 51859d52-0770-54dd-8fae-37db745fc691
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die B._ Klinik in C._ führt unter anderem stationäre Be-
handlungen von Patienten der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung
durch und schloss zu diesem Zweck mit den entsprechenden Versiche-
rern am 21. Januar 2005 einen Tarifvertrag ab, der bis 30. Juni 2009 an-
wendbar war. Nachdem die Verhandlungen zwischen der B._ Kli-
nik und der Zentralstelle für Medizinaltarife zum Abschluss eines neuen
Tarifvertrags infolge unterschiedlicher Ansichten über den Basispreis ge-
scheitert waren, wandte sich die B._ Klinik durch ihren Rechtsver-
treter am 14. September 2009 an den Bundesrat mit dem Ersuchen, dass
dieser mit Wirkung ab 1. Juli 2009 den Tarif für stationäre Patienten der
Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung mit einer DRG-Fallpauschale
gemäss AP-DRG (Version 5.1, Grouper Version 1.9) und einem Basis-
preis von Fr. 9'481.- festsetze (Akten des Eidgenössisches Departement
des Innern [im Folgenden: act.] 1).
B.
Die B._ Klinik und die Medizinaltarif-Kommission UVG (im Fol-
genden: MTK) konnten sich am 23. Dezember 2009 für die Zeit vom
1. Juli 2009 bis und mit 31. Januar 2010 über eine provisorische Über-
gangsregelung einigen, welche die Behandlung von Patienten in der
B._ Klinik trotz fehlendem Tarifvertrag ermöglichen sollte (act. 3).
Dabei wurde ein provisorischer Basispreis von Fr. 6'679.- (CW-Version
3.2) mit Ausgleichsvorbehalt vereinbart. In der Folge konnten sich die
B._ Klinik und die Versicherer der Unfallversicherung, vertreten
durch die MTK, der Invalidenversicherung, vertreten durch das Bundes-
amt für Sozialversicherungen, sowie der Militärversicherung, vertreten
durch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (im Folgenden: SU-
VA), am 29. Januar 2010 auch für die Zeit ab 1. Februar 2010 bis zum
Entscheid des Bundesrats, längstens aber bis 31. Dezember 2011 auf ei-
nen provisorischen Basispreis von Fr. 8'700.- (CW-Version 5.1) mit Aus-
gleichspflicht einigen (act. 5).
C.
C.a Nachdem zunächst das Generalsekretariat des Eidgenössischen De-
partements des Innern (im Folgenden: EDI oder Vorinstanz) das Instrukti-
onsverfahren geführt hatte, übertrug es am 12. März 2010 die Durchfüh-
rung der nächsten Verfahrensschritte dem Bundesamt für Gesundheit,
Sektion Unfallversicherung, Unfallverhütung und Militärversicherung
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(act. 6). Im Rahmen des vom Bundesamt für Gesundheit durchgeführten
Anhörungsverfahrens nahm die MTK am 20. Mai 2010 Stellung und be-
antragte, dass der Antrag der B._ Klinik abzuweisen und ein Ba-
sispreis für die stationäre Behandlung ab 1. Juli 2009 bis 31. Dezember
2010 nach APDRG-CW-Version 5.1 und ab 1. Januar 2011 nach AP-
DRG-CW-Version 6.0 von Amtes wegen festzusetzen sei (act. 11). Den
Anträgen und Ausführungen der MTK schlossen sich das Bundesamt für
Gesundheit am 20. Mai 2010 (act. 12) und die SUVA am 2. Juni 2010
(act. 13) vollumfänglich an. Am 17. August 2010 reichte die B._
Klinik durch ihren Rechtsvertreter eine Stellungnahme ein und hielt am
beantragten Basispreis fest (act. 17).
C.b In der Folge konsultierte das Bundesamt für Gesundheit am 29. Ok-
tober 2010 den Preisüberwacher (act. 18), worauf dieser nach Einforde-
rung weiterer Unterlagen am 29. April 2011 dem Bundesrat die Empfeh-
lung unterbreitete, den strittigen Basispreis ab 1. Juli 2009 auf maximal
Fr. 7'816.- festzusetzen (act. 43).
C.c Mit Verfügung vom 12. Dezember 2011 (act. 56) setzte das EDI den
Basispreis für die Behandlung von stationären Patienten der obligatori-
schen Unfallversicherung, der Invalidenversicherung und der Militärversi-
cherung durch die B._ Klinik mit Wirkung ab dem 1. Juli 2009 ge-
stützt auf die Empfehlung des Preisüberwachers auf Fr. 7'816.- fest. Es
entschied, dass dieser Basispreis bis zum Abschluss einer neuen Verein-
barung durch die Vertragsparteien im Sinne einer DRG-Fallpauschale gilt.
D.
Da die Übergangsvereinbarung vom 29. Januar 2010 am 31. Dezember
2011 auslief, schlossen die Parteien im Sinne einer Übergangslösung für
das Jahr 2012 am 16. Dezember 2011 auf der Grundlage der Tarifstruktur
SwissDRG einen Tarifvertrag ab (Akten im Beschwerdeverfahren [im Fol-
genden: B-act.] 1/7]. Dabei wurde vereinbart, den von der Regierung des
jeweiligen Kantons genehmigten oder festgesetzten, für das jeweilige Spi-
tal bzw. die jeweilige Spitalkategorie tiefsten Basispreis gemäss Kranken-
versicherungsgesetz anzuwenden. Falls noch kein genehmigter oder
festgesetzter Basispreis vorliegt, sollte der von der jeweiligen Kantonsre-
gierung festgesetzte provisorische Basistarif gemäss Krankenversiche-
rungsgesetz zur Anwendung kommen.
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E.
Gegen die Verfügung vom 12. Dezember 2011 erhob die A._ (im
Folgenden: Beschwerdeführerin) als Trägerschaft der B._ Klinik
durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 27. Januar 2012 (Poststem-
pel) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit dem Antrag, es sei
der für die Versicherer gemäss Bundesgesetz über die Unfallversiche-
rung, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung und Bundesgesetz
über die Militärversicherung mit Wirkung ab 1. Juli 2009 geltende Tarif für
stationäre Patienten der B._ Klinik mit einer DRG-Fallpauschale
gemäss AP-DRG, Version 5.1, Grouper-Version und einem Basispreis 1.0
von Fr. 9'481.- und ab 1. Januar 2011 in der mit der AP-DRG-CW-Version
6.0 korrespondierenden Höhe festzusetzen (B-act. 1).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2012 wurde die Beschwerdefüh-
rerin unter Hinweis auf die Säumnisfolgen aufgefordert, einen Kostenvor-
schuss in der Höhe von Fr. 4'000.- zu leisten (B-act. 2). Die Beschwerde-
führerin hat in der Folge fristgerecht einen Betrag von Fr. 4'000.- überwie-
sen (B-act. 4).
G.
Mit Vernehmlassung vom 28. März 2012 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde (B-act. 10).
H.
In einer gemeinsamen Beschwerdeantwort vom 27. April 2012 beantrag-
ten die Beschwerdegegnerinnen, alle vertreten durch die Rechtsabteilung
der SUVA, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei, eventualiter sei
sie abzuweisen (B-act. 12). Weiter beantragten sie, dass der Beschwerde
die aufschiebende Wirkung zu entziehen sei. Zur Begründung des An-
trags auf Nichteintreten machten die Beschwerdegegnerinnen im Wesent-
lichen geltend, dass die sachliche Zuständigkeit des Bundesverwaltungs-
gerichts zur Beurteilung der Beschwerde nicht gegeben sei, weil die
Kompetenz in Tarifstreitigkeiten beim Bundesrat liege und dessen Ent-
scheide nicht justiziabel seien. Der angefochtene Entscheid stelle keine
Verfügung im Rechtssinne dar und die Erhebung der Beschwerde durch
die Beschwerdeführerin sei aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen
rechtsmissbräuchlich. Zudem würden die Kompetenz des EDI zum Erlass
der angefochtenen Verfügung und die Eröffnung des Rechtsmittelwegs
vorsorglich bestritten. Der Antrag auf Entzug der aufschiebenden Wirkung
wurde zusammengefasst damit begründet, dass die Beschwerdeführerin
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durch die Beschwerdeerhebung ihrer vertraglichen Ausgleichspflicht auf
unbestimmte Zeit entbunden sei und dadurch treuwidrig zu Lasten der
Versicherer Kosten spare. Ein Hinausschieben der Zahlungspflicht bis zu
einem möglichen Endentscheid bedeute für die Versicherer ab 1. Januar
2012 pro Jahr einen Verlust von Fr. 75'000.-, den Zinsausfall für die zu
hohen Zahlungen in der Periode zwischen dem 1. Juli 2009 und dem
31. Dezember 2011 nicht eingerechnet. Die Versicherer hätten einen legi-
timen Anspruch auf den vertraglich vereinbarten Ausgleich.
I.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 25. Mai 2012 wurde der Bundes-
rat eingeladen, zur Frage Stellung zu nehmen, ob er sich im vorliegenden
Verfahren als zuständig erachte (B-act. 13). Daraufhin teilte das Bundes-
amt für Justiz am 7. Juni 2012 mit, dass aus seiner Sicht der Bundesrat
zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nicht zuständig sei, son-
dern das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde zu befinden
habe (B-act. 14).
J.
In der Replik vom 16. Juli 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Be-
gehren fest und beantragte, dass das Gesuch um Entzug der aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde abzuweisen sei (B-act. 19). Zusam-
mengefasst liess sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht geltend machen,
dass der Nichteintretensantrag der Beschwerdegegnerinnen unbegründet
sei, da es sich um eine justiziable Streitigkeit handle und eine anfechtba-
re Verfügung vorliege. Die Erhebung der Beschwerde sei nicht rechts-
missbräuchlich, da beim Abschluss der Übergangsvereinbarung niemand
an die Kompetenzverschiebung vom Bundesrat zum EDI gedacht habe.
Ein Entscheid des Bundesrates wäre nicht anfechtbar gewesen, gegen
den Entscheid des EDI stehe aber die Beschwerde ans Bundesverwal-
tungsgericht offen. Die Übergangsvereinbarung vom 29. Januar 2010
beinhalte keinen im Voraus getätigten Rechtsmittelverzicht. Im Übrigen
wäre ein im Voraus getätigter Verzicht auf ein Rechtsmittel überhaupt
nicht wirksam. Im Zusammenhang mit dem beantragten Entzug der auf-
schiebenden Wirkung liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus-
führen, dass die Beschwerdegegnerinnen keine wesentlichen Nachteile,
Schäden oder anderweitigen präjudizierenden Wirkungen zu befürchten
und auch nicht dargelegt hätten, zumal die getroffenen Übergangsverein-
barungen eine Ausgleichszahlung vorsähen.
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K.
Mit Duplik vom 17. August 2012 (B-act. 21) machten die Beschwerde-
gegnerinnen zur Begründung ihres Nichteintretensantrags im Wesentli-
chen geltend, dass nach dem übereinstimmenden Wortlaut der Gesetze
der Bundesrat zur Festsetzung eines Tarifs im Bereich der Unfall-, Militär-
und Invalidenversicherung zuständig sei. Dieser habe das letzte Wort.
Weiter liege keine Verfügung vor, wenn eine Behörde anstelle der Partei-
en einen umstrittenen Vertragspunkt autoritativ festlege. Durch eine De-
legation einer Kompetenz des Bundesrats an ein Departement dürfe kein
neuer Rechtsmittelweg geschaffen werden. Da die Anfechtung bundes-
rechtlicher Tarifentscheide nicht vorgesehen sei, sei die Delegation an
das EDI nicht gesetzmässig und daher nichtig. Das Bundesverwaltungs-
gericht dürfe sich daher nicht mit der Beschwerde befassen. Zum Entzug
der aufschiebenden Wirkung wurde ausgeführt, dass die Beschwerdefüh-
rerin kein überwiegendes Interesse daran habe, überhöhte Entschädi-
gungen zurückzuhalten.
L.
Die Vorinstanz verzichtete am 28. August 2012 auf das Einreichen einer
weiteren Stellungnahme und hielt an den bisher gestellten Anträgen fest
(B-act. 22).
M.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 30. August 2012 wurde der Schrif-
tenwechsel abgeschlossen (B-act. 23).
N.
Die Beschwerdeführerin reichte am 20. Dezember 2012 durch ihren
Rechtsvertreter eine Stellungnahme und neue Beweismittel ein (B-
act. 25), welche den übrigen Verfahrensbeteiligten am 11. Januar 2013
zugestellt wurden (B-act. 26).
O.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
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Seite 7

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des EDI
vom 12. Dezember 2011 über die Festsetzung des Tarifs für die Behand-
lung von stationären Patienten der Unfall-, Militär- und Invalidenversiche-
rung in der B._ Klinik ab 1. Juli 2009.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
den Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das Bundesgesetz über das Bundes-
verwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG,
SR 172.32) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Im Bereich des Tarif-
wesens findet das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allge-
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) keine An-
wendung (Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 Bst. a des Bundes-
gesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG, SR
832.20], Art. 1 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung
[MVG, SR 833.1] und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni
1959 über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet vorliegend im Sinne eines
Teilentscheids bzw. einer Zwischenverfügung zunächst über die umstrit-
tene Eintretensfrage (vgl. Art. 9 Abs. 1 VwVG; vgl. MICHEL DAUM, in: Au-
er/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 1 ff. zu Art. 9), über die
eng damit zusammenhängende Frage der ebenfalls umstrittenen Zustän-
digkeit des EDI zum Erlass der angefochtenen Verfügung, über das Ge-
such der Beschwerdegegnerinnen auf Entzug der aufschiebenden Wir-
kung sowie über die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen von Am-
tes wegen.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier
Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen vorliegen und auf die Be-
schwerde einzutreten ist (BVGE 2007/6 E. 1 mit Hinweisen). Von den Be-
schwerdegegnerinnen wird die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsge-
richts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde bestritten.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnah-
me nach Art. 32 VGG vorliegt.
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2.1.1 Nach Art. 5 Abs. 1 VwVG gelten als Verfügungen Anordnungen der
Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stüt-
zen und die "Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder
Pflichten" (Bst. a), die "Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder
Umfanges von Rechten oder Pflichten" (Bst. b) sowie die "Abweisung von
Begehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von
Rechten oder Pflichten, oder Nichteintreten auf solche Begehren" (Bst. c)
zum Gegenstand haben. Vorliegend hat die Vorinstanz hoheitlich einen
Basistarif für die stationäre Behandlung von Patienten der Unfall-, Militär-
und Invalidenversicherung in der B._ Klinik festgelegt. Der ange-
fochtene Entscheid stützt sich auf Art. 56 Abs. 3 UVG, Art. 26 Abs. 3 MVG
und Art. 27 Abs. 3 IVG und beruht damit auf öffentlich-rechtlichen Be-
stimmungen des Bundessozialversicherungsrechts. Der als Verfügung
bezeichnete angefochtene Entscheid ist daher als Verfügung im Sinn von
Art. 5 VwVG zu betrachten. Das steht im Übrigen im Einklang mit der
Praxis, wonach der Bundesrat gestützt auf Art. 47 des Bundesgesetzes
vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) er-
lassene Tarifbeschlüsse ebenfalls als Verfügungen im Sinn von Art. 5
Abs. 1 VwVG qualifiziert hat (vgl. RKUV 5/2001 S. 358) und auch Ge-
nehmigungsentscheide über Tarife Verfügungen darstellen, die beim
Bundesverwaltungsgericht anfechtbar sind (vgl. RKUV 6/1997 S. 399 ff.;
BVGE 2009/65 E. 1.2; vgl. auch ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 3. Aufl. 2013, Rz. 884).
2.1.2 Die Beschwerde betrifft keine der in Art. 32 Abs. 1 VGG aufgeführ-
ten Sachbereiche und es ist auch nicht vorgesehen, dass die angefoch-
tene Verfügung bei einer anderen Bundesbehörde im Sinne von Art. 33
Bst. c-f oder bei einer kantonalen Behörde anfechtbar ist (Art. 32 Abs. 2
VGG). Aufgrund des Vorliegens einer Verfügung des EDI ist insbesondere
auch die Anrufung eines kantonalen Schiedsgerichts gemäss Art. 57 UVG
bzw. Art. 27 MVG oder Art. 27 bis
IVG ausgeschlossen. Eine Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt somit nicht vor.
2.2 Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht ist zulässig gegen
Verfügungen von den in Art. 33 VGG genannten Behörden. Hier ist eine
Verfügung des EDI angefochten, bei welchem es sich zweifellos um eine
Behörde gemäss Art. 33 Bst. d VGG handelt. Die Frage, ob das EDI zum
Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig war, betrifft entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerinnen nicht die Frage der Zuständig-
keit des Bundesverwaltungsgerichts, sondern ist im Rahmen der materiel-
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Seite 9
len Prüfung zu untersuchen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach
für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Daran ändern auch die
spezialgesetzlichen Zuständigkeitsregelungen von Art. 109 UVG und
Art. 69 Abs. 1 IVG nichts, zumal es sich hier nicht um eine Streitsache in
einem vom ATSG erfassten Bereich handelt.
2.3 Als Adressatin der angefochtenen Verfügung ist die Beschwerdefüh-
rerin durch diese besonders berührt und hat an ihrer Änderung ein
schutzwürdiges Interesse, weshalb sie beschwerdelegitimiert ist (Art. 48
Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wur-
de, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) einzutreten. Im Übrigen ist aus dem
Verhalten der Beschwerdeführerin weder ein Rechtsmissbrauch noch ein
verbindlicher Rechtsmittelverzicht erkennbar, da die Beschwerdeführerin
wie auch die Beschwerdegegnerinnen gemäss übereinstimmenden Aus-
führungen davon ausgingen, dass ein Festsetzungsentscheid durch den
Bundesrat erfolge, und ein Verzicht auf ein Rechtsmittel vor Kenntnis-
nahme des begründeten Entscheids ohnehin nicht verbindlich ist (vgl. Ur-
teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 139/02 vom
20. November 2002 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.
3.1 Mit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann gerügt
werden, die angefochtene Verfügung verletze Bundesrecht (einschliess-
lich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens), beruhe auf einer
unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts oder sei unangemessen (Art. 49 VwVG). Das Bundesver-
waltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen nicht an die Begründung der Parteien gebunden (Art. 62
VwVG).
3.2 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln sind in mate-
riellrechtlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massge-
bend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts
Geltung haben bzw. hatten (BGE 130 V 445 E. 1.2.1, BGE 130 V 329
E. 2.3).
4.
Im Tarifwesen der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung sieht das
Gesetz als Grundsatz vor, dass die Leistungserbringer mit den Versiche-
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-445 http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-329
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rern Tarifverträge abschliessen und weitgehend Vertragsautonomie
herrscht. Die Tarifautonomie gilt als Leitmotiv und im Gegensatz zur
Krankenversicherung (vgl. Art. 46 Abs. 4 KVG) unterliegen die von den
Parteien ausgehandelten Tarife nicht der Genehmigung durch eine Be-
hörde (vgl. auch SANDRA SCHNEIDER, Tarifbildung im schweizerischen
Gesundheitswesen, in: Soziale Sicherheit 2/2001 [Hrsg. Bundesamt für
Sozialversicherungen], S. 60). In der Unfallversicherung gilt, dass die
Versicherer mit den Medizinalpersonen sowie den Heil- und Kuranstalten
vertraglich die Zusammenarbeit regeln und die Tarife festlegen können.
Sie können die Behandlung der Versicherten ausschliesslich den am Ver-
trag Beteiligten anvertrauen. Jedermann, der die Bedingungen erfüllt,
kann dem Vertrag beitreten (Art. 56 Abs. 1 UVG). Im Bereich der Militär-
versicherung wird in einer praktisch wortgleichen Bestimmung festgelegt,
dass die Militärversicherung mit den Medizinalpersonen, Anstalten, Insti-
tutionen für teilstationären Aufenthalt, Abklärungsstellen und Laboratorien
vertraglich die Zusammenarbeit regeln und die Tarife festlegen kann. Sie
kann die Behandlung der Versicherten ausschliesslich den am Vertrag
Beteiligten anvertrauen. Jedermann, der die Bedingungen erfüllt, kann
dem Vertrag beitreten (Art. 26 Abs. 1 MVG). Die entsprechende Bestim-
mung im IVG legt fest, dass der Bundesrat befugt ist, mit der Ärzteschaft,
den Berufsverbänden der Medizinalpersonen und der medizinischen
Hilfspersonen sowie den Anstalten und Werkstätten, die Eingliederungs-
massnahmen durchführen, Verträge zu schliessen, um die Zusammenar-
beit mit den Organen der Versicherung zu regeln und die Tarife festzule-
gen (Art. 27 Abs. 1 IVG).
5.
Es ist unumstritten, dass die Tarifverhandlungen zwischen der Beschwer-
deführerin und den Beschwerdegegnerinnen gescheitert sind, weshalb ab
1. Juli 2009 ein vertragsloser Zustand herrscht.
5.1 Die gesetzliche Konzeption im Bereich der Unfallversicherung sieht
vor, dass der Bundesrat für die Koordination mit den Tarifordnungen an-
derer Sozialversicherungszweige sorgt und diese anwendbar erklären
kann. Er ordnet die Vergütung für Versicherte, die sich in eine Heilanstalt
ohne Tarifvereinbarung begeben (Art. 56 Abs. 2 UVG). Besteht kein Ver-
trag, so erlässt der Bundesrat nach Anhören der Parteien die erforderli-
chen Vorschriften (Art. 56 Abs. 3 UVG). Gestützt darauf hat der Bundes-
rat auf Verordnungsebene festgelegt, dass für den Fall, dass sich der
Versicherte in eine andere als die allgemeine Abteilung oder in eine ande-
re Heilanstalt begibt, die Versicherung die Kosten übernimmt, die ihr bei
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Seite 11
der Behandlung in der allgemeinen Abteilung dieser oder der nächstgele-
genen entsprechenden Heilanstalt erwachsen wären (Art. 15 Abs. 2 der
Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 [UVV,
SR 832.202]).
5.2 Die selbe Konzeption bei einem vertragslosen Zustand gilt auch in der
Militärversicherung, die mit Art. 26 Abs. 2 und 3 MVG dieselben Delegati-
onsnormen wie Art. 56 Abs. 2 und 3 UVG kennt (Botschaft zum MVG, BBl
1990 III 265) und in der Invalidenversicherung, für welche Art. 27 Abs. 3
IVG vorsieht, dass im vertragslosen Zustand der Bundesrat die Höchstbe-
träge festsetzen kann, bis zu denen den Versicherten die Kosten der Ein-
gliederungsmassnahmen vergütet werden. Die Anwendung des gleichen
Systems ist auch unter dem Aspekt des Gebots der Koordination der Ta-
rifordnungen der verschiedenen Sozialversicherungssysteme angebracht
sowie aus praktischen Gründen angezeigt, da die MTK, die Militärversi-
cherung und Invalidenversicherung in der Regel gemeinsam die Tarifver-
träge mit den Spitälern und den Verbänden der Medizinalpersonen ab-
schliessen.
5.3 Bei Fehlen einer tarifvertraglichen Regelung sieht Art. 15 Abs. 2 UVV
die Anwendung eines Referenztarifs vor. Art. 56 Abs. 3 UVG – wie auch
Art. 26 Abs. 3 MVG und Art. 27 Abs. 3 IVG – beruhen jedoch auf dem
Gedanken, dass der Bundesrat dort eingreifen muss, wo das vom Ge-
setzgeber vorgesehene System gescheitert ist. Das ist etwa der Fall,
wenn durch einen vertragslosen Zustand die flächendeckende medizini-
sche Versorgung der Versicherten in einer ganzen Region gefährdet ist.
In einer solchen Situation hat der Bundesrat das Recht und die Pflicht,
einzugreifen und die betroffenen Heilanstalten zur Zusammenarbeit mit
den UVG-Versicherern zu verpflichten sowie verbindliche Tarife festzule-
gen, da die Anwendung der Regelung von Art. 15 Abs. 2 UVV in einem
solchen Fall nicht sachgerecht wäre (vgl. Entscheid des Bundesrats vom
27. März 1985 E. 1 und 2 [act. 12/4]; vgl. auch SCHNEIDER, a.a.O., S. 60).
5.4 Hier ist unbestritten, dass durch den vertragslosen Zustand die flä-
chendeckende medizinische Versorgung der Versicherten in einer ganzen
Region grundsätzlich nicht gefährdet ist. Das wird so in der angefochte-
nen Verfügung festgehalten und wird von den Parteien nicht beanstandet.
Die Vorinstanz hat ihre Kompetenz zur hoheitlichen Tariffestsetzung damit
begründet, dass es sich bei der B._ Klinik um eine wichtige regio-
nal und überregional, schweizweit bekannte und auch international aner-
kannte Leistungserbringerin auf dem Gebiet der orthopädischen Versor-
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Seite 12
gung von Unfallpatienten sämtlicher Versicherungsklassen handle. Die-
ses Vorgehen ist sachgerecht und durch den weiten Wortlaut von Art. 56
Abs. 3 UVG und Art. 26 Abs. 3 MVG ("so erlässt der Bundesrat [...] die
erforderlichen Vorschriften") bzw. Art. 27 Abs. 3 IVG gedeckt. Auch aus
den Materialen ergeben sich keine Hinweise darauf, dass ein hoheitliches
Einschreiten des Bundesrats ausschliesslich bei Gefährdung der flächen-
deckenden medizinischen Versorgung in einer ganzen Region zulässig
wäre. Auch wenn keine Gefährdung der flächendeckenden medizinischen
Versorgung der Versicherten in einer ganzen Region vorliegt, kann es im
Einzelfall bei einem für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Spital
durchaus angezeigt sein, hoheitlich in die gescheiterte Vertragsgestaltung
einzugreifen. Da nicht zuletzt auch die Parteien dafürhalten, dass im vor-
liegenden Fall der Problematik des vertragslosen Zustands durch die An-
wendung eines Referenztarifs nicht beizukommen ist und ein Entscheid
des Bundesrats ausdrücklich anerkannt bzw. sogar gewünscht wurde
(act. 5 und 11), sieht das Bundesverwaltungsgericht keinen Anlass, von
der Einschätzung der Verfahrensbeteiligten abzuweichen. Es ist daher im
Ergebnis nicht zu beanstanden, dass in der angefochtenen Verfügung
hoheitlich ein Tarif für stationäre Behandlungen von Patienten der Unfall-,
Militär- und Invalidenversicherung in der B._ Klinik festgelegt wur-
de.
6.
Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Delegation der Kompetenz
vom Bundesrat an die Vorinstanz zur Festsetzung eines Tarifs zulässig
war.
6.1 Das EDI stützt seine funktionelle Zuständigkeit auf Art. 47 Abs. 6 des
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 21. März 1997
(RVOG, SR 172.010), wonach Geschäfte des Bundesrates von Rechts
wegen auf das in der Sache zuständige Departement übergehen, soweit
Verfügungen zu treffen sind, die der Beschwerde an das Bundesverwal-
tungsgericht unterliegen. Die Beschwerde gegen Verfügungen des Bun-
desrates nach Artikel 33 Buchstaben a und b des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 bleibt vorbehalten.
6.2 Art. 47 Abs. 6 RVOG beinhaltet einen Delegationsautomatismus (vgl.
THOMAS SÄGESSER, Handkommentar zum Regierungs- und Verwaltungs-
organisationsgesetz, Bern 2007, N 46 zu Art. 47), der jedoch nur dann
zum Tragen kommt, wenn die Beschwerde an das Bundesverwaltungsge-
richt möglich ist. Ist sie nicht möglich, bleibt die Verfügungskompetenz
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beim Bundesrat, was zur Folge hat, dass ein gerichtlicher Rechtsschutz
in diesem Bereich fehlt und eine gesetzliche Ausnahme von der Rechts-
weggarantie nach Artikel 29a der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) vorliegt (vgl. Bot-
schaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege,
BBl 2001 4388). Dass der Bundesrat als erste und einzige Instanz Verfü-
gungen trifft, kann nur für Angelegenheiten mit einer besonderen politi-
schen Komponente in Betracht kommen. Aufgrund von Art. 29a BV be-
steht rechtlich nur sehr wenig Raum für Zuständigkeiten des Bundesrates
als einzige Instanz. Soweit das übergeordnete Recht die Schaffung einer
solchen Zuständigkeit zulässt, sollte diese auch im Ausnahmekatalog von
Art. 32 VGG enthalten sein, ansonsten der Delegationsautomatismus von
Art. 47 Abs. 6 RVOG zum Tragen kommt (vgl. MARINO LEBER, Grundsätze
für die Rechtsetzung im Bereich der Bundesrechtspflege, in: LeGes
2012/3, S. 301).
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt grundsätzlich über eine allge-
meine Sachzuständigkeit in Bundesverwaltungssachen. Das Gesetz
nimmt jedoch einige wenige Sachgebiete – mit vorwiegend politischem
Charakter – aus (vgl. Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege,
BBl 2001 4387). Das Bundesverwaltungsgericht überprüft mit Ausnahme
der Fälle nach Art. 33 Bst. b VGG keine Entscheide des Bundesrates.
Durch die gesetzliche Delegation von Verfügungskompetenzen des Bun-
desrates an das in der Sache zuständige Departement in Geschäften, die
der Überprüfung durch das Bundesverwaltungsgericht unterliegen, wird
sichergestellt, dass die Rechtsweggarantie greifen kann und die Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen steht (vgl. Botschaft
zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4402 f.). Ohne Aus-
nahme von der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht geht die
Verfügungskompetenz des Bundesrats folglich von Gesetzes wegen an
das in der Sache zuständige Departement über (vgl. Botschaft zur Total-
revision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4388).
6.4 Wie bereits erwähnt ist die vorliegende Tarifstreitigkeit im Bereich der
Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung nicht im Ausnahmekatalog von
Art. 32 VGG enthalten, weshalb in diesem Sachbereich eine Beschwerde
an das Bundesverwaltungsgericht zulässig ist. Auch spezialgesetzliche
Rechtsmittelbestimmungen stehen der Zuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts nicht entgegen. Aus diesem Grund geht die auf Art. 56
Abs. 3 UVG, Art. 26 Abs. 3 MVG und Art. 27 Abs. 3 IVG gestützte Verfü-
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gungskompetenz des Bundesrats von Gesetzes wegen auf das in der
Sache zuständige Departement, hier das EDI, über.
6.5 Der Gesetzgeber hat es unterlassen, die Zuständigkeit des EDI im
Bereich des Tarifwesens der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung –
im Nachgang zum Erlass des RVOG und in Nachvollzug der Revision der
Bundesrechtspflege – anstelle des Bundesrats explizit im Gesetz zu ver-
ankern (vgl. dazu SÄGESSER, a.a.O., N 46 zu Art. 47). Aus der Botschaft
zur Justizreform ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der Ge-
setzgeber die Tarife im Bereich der Unfall-, Militär- und Invalidenversiche-
rung im Gegensatz zur Krankenversicherung im Streitfall bewusst einer
gerichtlichen Kontrolle entziehen wollte. Wäre es ein Anliegen des Ge-
setzgebers gewesen, die Tariffestsetzungen im Bereich der
Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung in die abschliessende Zustän-
digkeit des Bundesrats zu legen, hätte dieses Anliegen mit dem Aus-
schluss der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht durch Auf-
nahme in den Katalog von Art. 32 VGG oder durch eine spezialgesetzli-
che Regelung sichergestellt werden müssen. Die Möglichkeit der gericht-
lichen Überprüfung von Tariffestsetzungen im Bereich der Unfall-, Militär
und Invalidenversicherung erscheint auch angesichts des Gebots der Ko-
ordination der verschiedenen Sozialversicherungszweige sachgerecht.
Eine möglichst weitgehende Koordination mit den Tarifordnungen anderer
Sozialversicherungszweige dient der Rechtssicherheit und trägt zu einer
nicht unbedeutenden Verminderung des administrativen Aufwandes der
Vertragspartner bei (Botschaft zum UVG, BBl 1976 III 205). Es ist kein
sachlicher Grund ersichtlich, weshalb Tariffestsetzungen im Bereich der
Krankenversicherung gerichtlich überprüfbar sind und im Bereich der Un-
fall-, Militär- und Invalidenversicherung nicht. Der Entscheid des Gesetz-
gebers, im Bereich der Krankenversicherung bei Tarifstreitigkeiten die
Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht vorzusehen, obwohl bei der
Festsetzung von Spitaltarifen aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK kein Anspruch auf
Zugang zu einem Gericht abgeleitet werden kann (BGE 132 V 299),
macht vielmehr deutlich, dass bei Tariffestsetzungsgeschäften der politi-
sche Charakter nicht derart ausgeprägt ist, dass der Ausschluss der Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht gerechtfertigt wäre.
Schliesslich bleibt zu erwähnen, dass sich der Ausschluss der Beschwer-
de in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht aller-
dings nach dem Wortlaut von Art. 83 Bst. r des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) auf Entscheide des Bundesver-
waltungsgericht auf dem Gebiet der Krankenversicherung beschränkt.
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6.6 Aus dem Dargelegten folgt, dass die Zuständigkeit des EDI zum Er-
lass der angefochtenen Verfügung zu bejahen ist. Gegen eine Zuständig-
keit des EDI spricht auch nicht, dass die Parteien – und zunächst wohl
auch das EDI selbst (vgl. act. 4) – von einem Entscheid durch den Bun-
desrat ausgegangen sind.
7.
7.1 Die Beschwerdegegnerinnen beantragen, der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu entziehen. Als Verfügungsadressaten und Partei-
en im Beschwerdeverfahren sind sie ohne weiteres legitimiert, einen Ver-
fahrensantrag zu stellen (vgl. REGINA KIENER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], Zürich 2008, Rz. 12 zu Art. 55).
7.2 Der Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kommt in der Regel
von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG).
Aufschiebende Wirkung besagt, dass die in einer Verfügung angeordnete
Rechtsfolge vorläufig nicht eintritt, sondern bis zum Beschwerdeentscheid
vollständig gehemmt wird. Zweck der aufschiebenden Wirkung ist es, die
beschwerdeführende Person die nachteiligen Wirkungen der Verfügung
solange nicht fühlen zu lassen, bis über deren Rechtmässigkeit entschie-
den ist (ANDRÉ MOSER / MICHAEL BEUSCH / LORENZ KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 116 f.,
Rz. 3.19).
7.3 Sofern die Verfügung nicht eine Geldleistung zum Gegenstand hat,
kann die Beschwerdeinstanz, ihr Vorsitzender oder der Instruktionsrichter
nach Einreichung der Beschwerde dieser die aufschiebende Wirkung
entziehen (Art. 55 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 1 VGG). Nach der
Rechtsprechung ist eine Verfügung auf eine Geldleistung gerichtet, wenn
sie den Adressaten zur Bezahlung eines Geldbetrages verpflichtet (BGE
111 V 56 E. 3). Die angefochtene Verfügung verpflichtet die Verfügungs-
adressaten nicht zu einer Geldleistung, weshalb hier keine Verfügung
über eine Geldleistung im Sinn von Art. 55 Abs. 2 VwVG vorliegt
(vgl. KIENER, a.a.O., Rz. 19 zu Art. 55). Die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde stellt die Regel dar, der Entzug bleibt die Ausnahme. Der
Entzug der aufschiebenden Wirkung setzt voraus, dass im Einzelfall
überzeugende Gründe für die sofortige Wirksamkeit der Verfügung spre-
chen. Der Entzug muss mithin durch öffentliche oder private Interessen
gerechtfertigt sein (KIENER, a.a.O., Rz. 14 und 19 zu Art. 55).
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7.4 Im vorliegenden Fall haben die Parteien für die Zeit des vertragslosen
Zustandes am 23. Dezember 2009 und am 29. Januar 2010 eine Über-
gangsregelung getroffen, die bis 31. Dezember 2011 anwendbar war.
Diese sieht einen provisorischen Basispreis vor und statuiert eine Aus-
gleichspflicht. Für das Jahr 2012 wurde ebenfalls ein Tarifvertrag im Sinne
einer provisorischen Regelung getroffen, welcher die Bestimmung des
Basispreises und die Ausgleichspflicht regelt. Ob auch für die Zeit ab
1. Januar 2013 eine Übergangsregelung vereinbart wurde, ist nicht ak-
tenkundig. Da die Parteien zumindest bis 31. Dezember 2012 einen pro-
visorischen Tarif vereinbart und auch die Ausgleichspflicht geregelt ha-
ben, sind keine überzeugenden Gründe ersichtlich, die den Entzug der
aufschiebenden Wirkung und die Abänderung der unter den Parteien in
einem der Vertragsautonomie unterstehende Bereich getroffenen Über-
gangsregelung rechtfertigen, zumal im heutigen Zeitpunkt keine Ent-
scheidprognose in der Hauptsache gemacht werden kann, die allenfalls
zu berücksichtigen wäre (vgl. BGE 130 II 149 E. 2.3). Dementsprechend
ist das Gesuch der Beschwerdegegnerinnen um Entzug der aufschieben-
den Wirkung der Beschwerde abzuweisen.
7.5 Für den Fall, dass die Parteien für den Zeitraum ab 1. Januar 2013
keine Übergangsregelung vereinbart haben, wird in Anwendung von
Art. 56 VwVG, der vorsieht dass die Beschwerdeinstanz, ihr Vorsitzender
oder Instruktionsrichter nach Einreichung der Beschwerde von Amtes
wegen oder auf Begehren einer Partei andere vorsorgliche Massnahmen
treffen kann, um den bestehenden Zustand zu erhalten oder bedrohte In-
teressen einstweilen sicherzustellen, als vorsorgliche Massnahme ange-
ordnet, dass die unter den Parteien für das Jahr 2012 (Tarifvertrag 2012,
B-act. 1/7) gestützt auf SwissDRG getroffene Übergangsregelung auch
ab dem 1. Januar 2013 zur Anwendung gelangt. Demnach gilt ab 1. Ja-
nuar 2013 für die Dauer des Beschwerdeverfahrens als provisorischer
Basispreis (100 %) für stationäre Behandlungen von Patienten der
Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung in der B._ Klinik der
vom Regierungsrat des Kantons Zürich im stationären Bereich der Akut-
somatik festgesetzte provisorische Tarif von Fr. 9'500.- (RRB 278/2013
und RRB 1493/2011). Ausdrücklich vorbehalten bleibt eine (abweichende)
vertragliche Übergangsregelung zwischen den Parteien.
8.
Über die Kosten dieses Teilentscheids bzw. dieser Zwischenverfügung
und allfällige Parteientschädigungen ist im Entscheid über die Hauptsa-
che zu befinden.
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