Decision ID: d1eb007a-286a-4289-9f03-7a5df423dbe9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. November 2021 in der Schweiz um
Asyl. Dabei gab er an, am (...) geboren und libyscher Staatsangehöriger
zu sein.
Am 13. Dezember 2021 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjäh-
rige Asylsuchende (EB UMA) statt. Hierbei wurde ihm das rechtliche Gehör
zu seinem Alter und zu seiner Herkunft gewährt. In der Folge setzte das
SEM das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im Zentralen Migrati-
onsinformationssystem (ZEMIS) auf den (...) fest. Zudem wurde als Staats-
angehörigkeit im ZEMIS «Staat unbekannt» eingetragen. Die ZEMIS-Än-
derungen wurden je mit einem Bestreitungsvermerk versehen.
Der Beschwerdeführer wurde am 21. Dezember 2021 nach einer Ausei-
nandersetzung mit Körperverletzung verhaftet und am 22. Dezember 2021
in Untersuchungshaft überstellt. Am 11. März 2022 und am 27. März 2022
ergingen Strafbefehle gegen den Beschwerdeführer (beide Male unter an-
derem wegen Diebstahls).
B.
Am 29. Juni 2022 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen im Gefängnis
Horgen. Zur Begründung des Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer
aus, er sei libyscher Staatsangehöriger. Er habe zusammen mit seinen El-
tern und seinen Schwestern in B._ gewohnt. Er habe nie die Schule
besucht und seinem Vater gelegentlich beim Schafehüten geholfen. Eines
Tages seien Terroristen gekommen und hätten seine Eltern getötet und die
Schwestern entführt. Er habe sich verstecken können. Ein Nachbar habe
ihn nach Tunesien gebracht. Dort habe er bei einer Familie gelebt. Danach
sei er mit dem Boot nach Italien und von dort in die Schweiz gelangt, wo er
eine Zeit lang in Genf gelebt habe, wo er geschlagen und bestohlen worden
sei. Schliesslich habe er ein Asylgesuch gestellt. Der Beschwerdeführer
reichte keine Identitätspapiere oder Beweismittel zu den Akten.
C.
Gemäss EURODAC-Treffer vom 23. November 2021 reiste der Beschwer-
deführer am 1. November 2020 in Italien ein. Auf Anfrage teilten die italie-
nischen Behörden dem SEM am 15. Dezember 2021 zudem mit, dass er
sich in Italien auch unter den Identitäten C._, geboren (...), Alge-
rien, und D._, geboren (...), Algerien, ausgegeben habe.
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D.
Gemäss ärztlichen Kurzberichten vom 8. Dezember 2021 und 29. März
2022 hatte der Beschwerdeführer unter anderem eine Fraktur am Arm und
eine ausgekugelte Schulter, offene Wunden an Arm und Schulter sowie ei-
nen Leistenbruch. Zudem wurden psychische Störungen und Verhaltens-
störungen durch Sedativa oder Hypnotika und ein Abhängigkeitssyndrom
festgestellt.
E.
Am 7. Juli 2022 nahm die zugewiesene Rechtsvertretung Stellung zum
Entscheidentwurf.
F.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 8. Juli 2022 stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Zudem verfügte es, die Änderung des Geburtsdatums des
Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (...) und die Änderung der Staats-
angehörigkeit als «unbekannte Staatsangehörigkeit». Zugleich wurde einer
allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen.
G.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 29. Juli 2022 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung
und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Sach-
verhaltsabklärung. Zudem sei die Vorinstanz anzuweisen, seine Staatsan-
gehörigkeit im ZEMIS auf «Libyen» anzupassen. Ferner stellte er in der
Begründung den Antrag auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme, weil der
Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei. In prozessualer Hinsicht bean-
tragte er unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege. Auch sei bis zum Entscheid von
Vollzugshandlungen abzusehen und die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde wiederherzustellen.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 2. Au-
gust 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
I.
Am 3. August 2022 setzte der zuständige Instruktionsrichter den Vollzug
der Wegweisung einstweilen aus und teilte mit, dass betreffend den Antrag
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auf Datenänderung im ZEMIS hinsichtlich der Staatsangehörigkeit (von
«unbekannt» zu Libyen) ein separates Verfahren eröffnet und dieses unter
der Geschäftsnummer D-3311/2022 geführt werde.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Behandlung von
Beschwerden gegen Asyl- und Wegweisungsverfügungen des SEM; dabei
entscheidet das Gericht in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich dabei nach dem VwVG, dem VGG, dem
BGG und dem AsylG (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 105
und Art. 108 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
1.4 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde zudem auf die Durchführung eines Schriften-
wechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Das Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde im beschleunigten Verfah-
ren behandelt. Dabei wurden die Frist des Vorbereitungsverfahrens und die
Höchstdauer des Aufenthalts in einem Zentrum des Bundes überschritten
(vgl. Art. 26 Abs. 1 und Art. 24 Abs. 4 AsylG). Bei diesen Fristen handelt es
sich um blosse Ordnungsfristen. Vorliegend ist die Überschreitung der Fris-
ten auf Verzögerungen aufgrund der Inhaftierung des Beschwerdeführers
und auf die Auswirkungen der Ukraine-Krise zurückzuführen und nicht auf
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weiteren Abklärungsbedarf, welcher allenfalls eine Zuteilung ins erweiterte
Verfahren erfordert hätte (vgl. Art. 26d AsylG). Dem Beschwerdeführer ist
durch die Fristüberschreitung zudem kein Nachteil erwachsen. Unter die-
sen Umständen erübrigen sich weitere Ausführungen hierzu.
4.
4.1 Die Fragen der Flüchtlingseigenschaft, der Asylgewährung sowie der
Anordnung der Wegweisung als solcher sind vorliegend nicht Prozessge-
genstand, weil die entsprechenden Dispositivziffern (1, 2 und 5) der Verfü-
gung des SEM nicht angefochten wurden.
4.2 Der Antrag auf Änderung der Staatsangehörigkeit im ZEMIS von «un-
bekannt» zu «Libyen» (Aufhebung der Dispositivziffer 4 und Datenände-
rung ZEMIS), ist nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens, sondern wird im Beschwerdeverfahren D-3311/2022 behandelt.
5.
5.1 Die Vorinstanz erachtete die vom Beschwerdeführer geltend gemachte
Minderjährigkeit als nicht glaubhaft. Er habe seine Altersangaben mit kei-
nen Identitäts- und Reisedokumenten belegen können. Die Aussagen, wo-
her er von seinem Geburtsdatum wisse, aber nicht sein Alter kenne, seien
nicht stichhaltig. Diesbezüglich habe er lediglich betont, nie in die Schule
gegangen zu sein. Im rechtlichen Gehör habe er zum Alter nur ausgesagt,
er lüge nicht. Sein äusseres Erscheinungsbild sowie der Umstand, dass
ihm die Betreuung den Eintritt in den UMA-Speisesaal verweigert und er
dies problemlos akzeptiert habe, sowie die im italienischen Verfahren ge-
machten, abweichenden Geburtsdaten ([...] und [...]) stellten Hinweise für
die Volljährigkeit dar.
Auch die libysche Staatsangehörigkeit sei unglaubhaft. Der Beschwerde-
führer habe weder seinen Geburts- noch seinen letzten Wohnort in Libyen
nennen können. Die guten Französisch-Kenntnisse stellten einen weiteren
Hinweis auf eine andere Staatsangehörigkeit dar. Nach seinen Angaben
habe er erst in Genf Französisch gelernt. Allerdings habe er sich in Italien
als Algerier ausgegeben und sich bis zum 21. März 2021 dort aufgehalten.
Es könne deshalb nicht geglaubt werden, dass er die guten Französisch-
Kenntnisse während des wenige Monate dauernden Aufenthalts in Genf
erworben habe. Schliesslich werde die Behauptung, dass ihm sein psychi-
scher Zustand verunmögliche, substanzielle Aussagen zu machen, nicht
durch medizinische Berichte bestätigt.
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Seite 6
5.2
In der Beschwerde wird insbesondere eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes hinsichtlich der Minderjährigkeit und der Herkunft gerügt.
Selbst eine eingeschränkte Mitwirkung des Beschwerdeführers befreie das
SEM nicht von gewissen Abklärungen. Der Beschwerdeführer habe von
Beginn weg angegeben, aus Libyen zu stammen und er habe mehrere Ver-
suche unternommen, seine libysche Staatsangehörigkeit nachzuweisen.
Bei einer Gesamtwürdigung und insbesondere unter Berücksichtigung sei-
ner Biographie und seiner psychischen Symptomatik habe er seine Her-
kunft aus Libyen glaubhaft gemacht.
6.
6.1 Im Asyl- und Wegweisungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz
(Art.12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Verfahrenspflichten der Behörde
korrelieren mit den Mitwirkungspflichten der gesuchstellenden Person (vgl.
Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Das Geburtsdatum ist von der asylsuchen-
den Person zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BGE 140 III 610 E. 4.1;
130 III 321 E. 3.3).
6.2 Die Angaben des Beschwerdeführers in der EB UMA zu seinem Alter
waren unklar und wenig überzeugend. So nannte er ein Geburtsdatum, das
er von einem Dokument kenne, auf dem sich sein Name und Geburtsdatum
befunden hätten. Ein alter Mann habe ihm das Blatt gegeben. Dies habe
er aber auf der Flucht im Meer verloren (vgl. act. A17, S. 3 f.) Sein Alter
kenne er jedoch nicht, da er nie in die Schule gegangen sei (vgl. act. A17,
S. 4). Diese Erklärungen vermögen nicht zu überzeugen.
Zudem sind den Akten weitere Anhaltspunkte zu entnehmen, die für die
Volljährigkeit bei Asylgesuchstellung sprechen. So hat der Beschwerdefüh-
rer gegenüber den italienischen Behörden angegeben, im Jahr (...) bezie-
hungsweise (...) geboren zu sein (vgl. act. A22). Das äussere Erschei-
nungsbild einer Person stellt in der Regel lediglich ein schwaches Indiz für
die Alterseinschätzung dar (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
D-1754/2022, F-5170/2020 vom 16. März 2021 E. 7.5; E-3013/2020 vom
8. Juli 2020, E. 4.3.2). Soweit das SEM vorliegend das äussere Erschei-
nungsbild mitberücksichtigte, ist dieser Einschätzung nach Sichtung der
Fotografie des Beschwerdeführers mit Vollbart, gut sichtbaren Nasenhaa-
ren, ausgeprägten Stirnfalten und Augenringen jedoch ausdrücklich zuzu-
stimmen (vgl. act. A9). Bei dieser klaren Sachlage durfte das SEM darauf
verzichten, weitere Abklärungen zum Alter, wie beispielsweise eine medi-
zinische Altersbestimmung, durchführen zu lassen. Somit erweist sich die
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Sachverhaltsfeststellung im Hinblick auf die Altersabklärung nicht als un-
vollständig. Das SEM hat die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers bei
Asylgesuchstellung zu Recht als unglaubhaft erachtet.
6.3 In Bezug auf die Feststellung der Staatsangehörigkeit des Beschwer-
deführers ist sodann mit der Vorinstanz festzuhalten, dass seine Angaben
zu den geografischen und lokalen Verhältnissen im angeblichen Heimat-
staat Libyen ausgesprochen unsubstanziiert ausgefallen sind und die Er-
klärungsversuche für seine Wissenslücken nicht zu überzeugen vermögen
(vgl. act. A17, S. 5 und 7). Zudem ergeben sich aus den Akten konkrete
Hinweise auf eine andere als die behauptete die libysche Staatsangehö-
rigkeit, gab er sich doch gegenüber den italienischen Behörden als algeri-
schen Staatsangehörigen aus (vgl. act. A22), was seine guten Franzö-
sischkenntnisse erklären könnte. Die Erklärung, dass er erst in Genf Fran-
zösisch gelernt habe, überzeugt nicht (vgl. act. A17, S. 11). Unter diesen
Umständen war das SEM vorliegend auch nicht gehalten, weitere Abklä-
rungen zur Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers durchzuführen,
wie beispielweise eine Lingua-Analyse (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3.1
m.H.).
6.4 Im Übrigen kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass die psychi-
schen Beschwerden und die Einnahme von Medikamenten das Aussage-
verhalten des Beschwerdeführers beeinträchtigt haben könnten. Diesbe-
züglich ist jedoch mit der Vorinstanz festzustellen, dass die vorliegenden
medizinischen Berichte nicht belegen, dass es ihm deswegen nicht mög-
lich gewesen wäre, substanzielle Angaben zu seinem Alter und zu seinem
angeblichen Heimatland Libyen zu machen.
7.
Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet.
Das Bundesverwaltungsgericht sieht keinen Anlass, die Sache wegen un-
vollständiger Sachverhaltsfeststellung aufzuheben und zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit
eines Wegweisungsvollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber
die Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Betroffenen. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen
nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Her-
kunftsländern zu forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
Den Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers wurde angesichts der
unglaubhaften Herkunft aus Libyen der Boden entzogen. Der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz des Non-Refoulements kann deshalb vorlie-
gend keine Anwendung finden. Der Beschwerdeführer hat die Folgen sei-
ner mangelhaften Mitwirkung zu tragen. Demnach ist seine Rückkehr in
den – derzeit unbekannten – Heimatstaat unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG als rechtmässig zu erachten. Sodann bestehen auch keine Anhalts-
punkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der Beschwerdeführer konnte seine angebliche Herkunft aus Libyen nicht
glaubhaft machen. Zudem ist aufgrund seines Aussageverhaltens und der
weiteren Anhaltspunkte in den Akten davon auszugehen, dass er seine
wahre Herkunft verschleiert. Es ist deshalb – wie bereits erwähnt – nicht
Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu for-
schen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10).
Zudem fehlt es auch an konkreten Anhaltspunkten dafür, dass sich ein Voll-
zug der Wegweisung wegen gesundheitlicher Aspekte von vornherein als
(unzulässig oder) unzumutbar erweisen könnte. Die geltend gemachten
gesundheitlichen Probleme physischer und psychischer Natur (vgl.
act. A21 und A37) stellen keine medizinische Notlage dar, welche den Voll-
zug der Wegweisung generell als unzumutbar erscheinen lassen würde.
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8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen
ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Nach dem Gesagten erweist sich die vorliegende Beschwerde als
aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nach
Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftig-
keit – abzuweisen ist. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschuss-
erhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden.
Ebenso ist das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos gewor-
den und der mit Verfügung vom 3. August 2022 angeordnete einstweilige
Vollzugsstopp fällt dahin.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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