Decision ID: 2cb09cc3-fea7-46a4-b35a-5fb7aa66bd35
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die IV-Stelle Solothurn sprach dem 1964 geborenen
X._
mit Verfü
gung vom 12. September 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 75
%
rückwirkend per 1. November 2010
eine ganze Rente zu
(Urk. 6/1)
. Auf Ersuchen des
Anwaltes
des
Versicherten sprach der BVG-Versicherer, die Stiftung Auffangeinrichtung
BVG
(nachfolgend Stiftung)
,
X._
mit Schreiben vom 21.
Mai 2014 eine jährliche
Invalidenrente in Höhe von Fr.
11'785.0
2 sowie Kinderrenten von je Fr.
2'357.00 für die Kinder
Y._
(geb. 08.05.1996
) und
Z._
(geb.
20.03.200
0), beginnend am 1. November 201
0,
z
u. Gestützt auf die Über
entschä
digungsberechnung der Stiftung richtete sie die Renten
gekürzt
aus. Die
Rente für
Y._
gewährte sie
bis Ende Mai 2014 (Urk. 6/2-3).
Nachdem
X._
der Stiftung im August 2018 eine Studienbescheini
gung der Fachhochschule
A._
eingereic
ht hatte, wonach
Y._
vom 18.
Septem
ber 2017 bis 18.
Februar 2018
dort
immatrikuliert gewesen
war
(Urk.
6/8)
, nahm die Stiftung
am 6.
August 2018
eine neue Überentschädigungs
berechnung vor.
Wegen der
rückwirkend geschuldeten
zweiten Kinderrente
für
Y._
von
September 2017
bis Ende Februar 2018
kürzte die Stiftung die Rente von
X._
und dessen Tochter
in dieser Zeit
; aufgrund
von
ab Juni 2014 in der
ersten
Überentschädigungsberechnung berücksichtigten
zwei anstatt nur einer Kinderrente
der
Eidg
.
Invalidenversicherung
er
hielt
X._
dennoch eine Nachzahlung
(Urk.
6/9).
Da für
Y._
keine weitergehende Ausbil
dungsbestätigung vorgelegt wurde, zahlte die Stiftung ab März 2018
wiederum nur eine
Kinderrente für
Z._
aus.
Im November 2019 reichte
X._
der Stiftung eine weitere Studienbe
stätigung der Fachhochschule ein, wonach
Y._
vom 19. Februar 2018 bis 16.
Februar 2000 immatrikuliert (gewesen) sei.
Gestützt auf die neue Überent
schädi
gungsberechnung zahlte die Stiftung Kinderrente
n
für
Y._
in Höhe von Fr. 3'349.21 nach
und kürzte die Renten von
X._
und
Z._
, woraus Rückforderung
en
von Fr. 4'859.87 (
X._
) respektive Fr. 971.96 (
Z._
)
resultierte
n
(Urk. 6/11).
Mit S
chreiben vom 10.
Januar 2020 forderte die Stiftung
diese Beträge von
X._
zurück, indem sie ihm in Aussicht stellte, die künftigen
, vierteljährlich geschuldeten
Rentenzahlungen um 100
% zu kürzen, bis
der
ausstehende Betrag getilgt sei (Urk. 6/12).
X._
reichte im Januar 2020 die
Immatrikulationsbestätigung für
Z._
für den Zeitraum vom 17. Februar bis 27.
September 2020 ein (Urk.
6/13),
die Ausbildungsnachweise von
Y._
für den Zeitraum vom 1.
Mai 2012 bis 31
.
Juli 2016 (Fachmittelschule) sowie den Marschbefehl
der Schweizer Armee
per 31
.
Oktober 2016 mit Entlassung am 26. August 2017 (Urk. 6/14). Hierauf berechnete die Stiftung die Rentenleistungen unter Berücksichtigung von zwei Kinderrenten ab Rentenbeginn bis am 29. Februar 2020
abermals
neu
. Gestützt darauf z
ahlte die Stiftung die Kinderrente für
Y._
in Höhe von Fr.
2'358.53
aus und forderte zu viel ausbezahlte
Rentenbetreffnisse
in Höhe von Fr. 11'726.78 (
X._
) respektive Fr. 2
'345.
35 (
Z._
) zurück
(Urk.
6/15)
. Nach Ver
rechnung mit den
Vierteljahresbetreffnissen
im Januar und April
2020
forderte die
Stiftung mit Schreiben vom 11. Mai 2020 noch Fr.
7'155.14 (
X._
) respektive Fr.
1'431.03 (
Z._
) zurück,
wobei
sie wiederum in Aussicht stellte, die künftigen Rentenzahlungen um 100
% zu kürzen, bis der ausst
ehende Betrag getilgt sei (Urk.
6/16).
1.2
Mit Schreiben vom 7. August 2020 an die Stiftung machte der
erneut
anwaltlich vertretene
X._
geltend, die
Rückforderungsansp
rüche
gemäss den Schreiben vom 10. Januar 2020 und 11. Mai 2020 sei
en
verjährt
, zudem stellte er ein Erlassgesuch
(Urk.
6/19).
Nach weiteren Übere
ntschädigungsberechnungen (Urk.
6/21
-23) teilte die Stif
tung dem Vert
reter von
X._
am 2.
Februar 2021 mit,
aufgrund
der verspätet eingereichten Studienbescheinigungen für
Y._
seien die Rückforde
rungen nicht verjährt, im Übrigen dürfe eine verjährte Forderung verrechnet wer
den
. Nach der aktuellen Überentschädigungsberechnung stehe
X._
eine Nachzahlung von Fr. 2'476.55 zu
(Urk. 6/24).
Mit Schreiben vom 17. Februar 2021 teilte der Rechtsvertreter mit, die Neuberechnung mit Nachzahlung sei kor
rekt, zusätzlich seien
X._
die infolge Verjährung zu Unrecht verrech
neten
Rentenbetreffnisse
von Januar 2020 bis Januar 2021 für ihn und seine Tochter
in Höhe von Fr. 14'384.15
auszuzahle
n, der Rückforderungsanspruch sei bereits im August 2019 verjährt
(Urk. 6/25).
Die Stiftung hielt mit Schreiben vom 12. April 2021 an ihrer bisherigen Auffassung fest (Urk. 6/26).
2.
Mit Klage vom 18. Juni 2021 an das Sozialversicherungsgericht stellte
X._
das Rechtsbegehren, die Stiftung sei zu verpflichten, von einer Rückfor
derung abzusehen, sie sei zu verpflichten, ihm die bereits verrechneten Beträge in Höhe von Fr. 14'384.15 nachzuzahlen, zuzüglich Zins zu 5
%
seit 18.
Juni 20
2
1, unter Kosten- und Entschädigungsfolg
en zu Lasten der Stiftung (Urk.
1). Die Beklagte schloss in der Klageantwort vom 30. August 2021 auf Abweisung der Klage unter Kostenfolge zulasten des Klägers (Urk. 5). In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Partei
en an ihren Anträgen fest (Urk.
10, 14),
wovon die jeweilige Gegenpartei in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 12, 15). Mit Eingabe vom 8.
Dezember 2021 nahm der Kläger zur Duplik der Beklagten Stellung (Urk.
16).
Auf
die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen (Urk. 2/1-
29
, 6/1-29, 11) wird, soweit zur
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfol
genden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlas
senen- und Invalidenvorsorge (BVG) bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder dem Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt worden war, wobei die klagende Partei den Gerichtsstand wählen kann (BGE 133 V 488 E. 2.1 mit Hinweis; Urteil des Bun
desgerichts B 93/04 vom 9. August 2005 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).
Die
Beklagte
hat
ihren Sitz im Kanton Züric
h (
Handelsregisterauszug, Urk.
2/3;
Art.
1 Abs. 2 Vorsorgereglement
,
Urk. 6/27)
,
weshalb
das
angerufene Gericht ört
lich und –
gestützt auf § 2 Abs. 2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgerich
t (
GSVGer
) –
sachlich zuständig ist.
Da auch die weiteren Prozess
voraus
setzungen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten.
1.2
D
er
eingeklagte Betrag übersteigt die
Streitwert
grenze von
Fr. 30’000.
--
nicht
, weshalb
die Beurteilung der
Klage
in die einzelrichterliche Zuständigkeit
fällt
(§ 11 Abs. 1
GSVGer
[
in der ab 1. Juni 2020 geltenden Fassun
g]
).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beklagte befugt war, ihre Rückforderung
en
aus Überentschädigungsberechnung
mit laufenden
Rentenleistungen zu verrechnen, oder ob die Rückforderung
en
verjährt
waren
und eine Verrechnung unzulässig war.
2.1
Der Kläger
machte im Wesentlichen geltend, die Berechnung der Beklagten ge
mäss Schreiben vom 2. Februar 2021 sei korrekt, sie habe neben der Nachzahlung in Höhe
von Fr.
2'476.55
zusätzlich
die infolge Verwirkung/Verjährung zu Un
recht verrechneten Rente
n
leistungen von Januar 2020 bis Januar 2021 für ihn und die Tochter auszuzahlen
. Aufgrund der Verwirkung
verbiete sich
eine Ver
rechnung
mit laufenden
Rentenleistungen von Vornherein
(Urk. 1 S. 10 Ziff. 10
, S. 14 Ziff.
11
).
Die Rückforderung sei bereits im August 2019 verwirkt gewesen, weshalb der bis am
31. Dezember 2020 gültige Art.
35a BVG zur Anwendung gelange.
Gemäss Gesetzesbotschaft handle es sich bei Art. 35a BVG
(in der ab 1.
Januar 2021 gültigen Fassung)
um eine Verwirkungsfrist, entgegen der bun
desgerichtlichen Rechtsprech
ung sei auch in Bezug auf
aArt
.
35a
BVG
von einer Verwirkungs-, nicht einer Verjährungsfrist auszugehen (Ur
k. 1 S. 11). Die Be
klagte habe –
aus in der K
lage näher dargelegten Gründen –
spätestens im August 2018 bei zumutbarer Aufmerksamkeit um die Ausbildung des Sohnes de
s
Klägers über April 2014 hinaus w
issen müssen
. Sie hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung spätestens im August 201
8
erfüllt ge
wesen seien. Dies insbesondere auch deshalb, weil der Kläger gegenüber der Be
klagten anlässlich aller Telefongespräche die Ausbildungsgänge seiner Kinder er
klärt habe (Urk. 1 S. 12 f.
; Urk. 10 S. 8
ff.
).
Er habe mit Herrn
B._
Kontakt gehabt (Urk. 10 S. 6).
Dem Kläger könne kein grobfahrlässiges Verhalten und damit auch keine Meldepflichtverletzung vorgeworfen werden
. Eine rückwir
kende Herabsetzung der Rente im Bereich der beruflichen Vorsorge setze in ana
loger Anwendung von Art.
88
bis
Abs. 2
lit
.
b IVV eine Verletzung der Melde
pflicht gegenüber der Vorsorgeeinrichtung voraus (Urteil Verwaltungsgericht des Kantons Bern vom 12.08.2021
). Ohne Meldepflicht
verletzung sei die Herabset
zung der BVG-Rente aufgrund veränderter Überent
schä
digungsberechnung bloss für die Zukunft zulässig. Die Beklagte habe keinen Rückforderungsanspruch (
U
rk.
10 S. 3 f.).
Selbst wenn aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 140 V 20) davon auszugehen wäre, dass es sich bei de
m bis 31.12.2020 geltenden Art.
35a BVG um Verjährungsfristen handelte, wäre die einjährige Verjährungsfrist im Sinne des OR spätestens im August 2019 abgelaufen.
N
ach der Rechtsprechung
(9C_840/2017)
dürfe bei Dauerleistungen eine Rückforderung nach Eintritt der Verjährung nicht mit erst danach fällig werdenden
Betreffnissen
verrechnet wer
den (Urk. 1 S. 1
4 f. Ziff.12
; Urk. 10 S. 14 Ziff. 28
, S. 17 Ziff. 32
).
Betreffend die Rückforderung für den Zeitraum vom 1. Juni 2014 bis 31. Juli 2016 sei festzu
halten, dass der Rückforderungsanspruch für diesen Zeitraum nicht bloss auf
grund des Eintritts der relativen einjährigen Verwirkungsfrist, sondern auch bzw. insbesondere aufgrund des Eintritts der
absoluten fünfjährigen Verwirkungsfrist erloschen sei (Urk. 10 S. 12 f. Ziff. 26
; Urk. 16 S. 2
).
Sollte die Rückforderung der Beklagten wider Erwarten geschützt werden, sei gleichwohl davon abzusehen, da der Kläger gutgläubig gewesen sei und die Rück
forderung zu einer grossen Härte führen würde (Urk. 1 S. 17 Ziff. 14).
2.2
Dem hielt die Beklagte entgegen, bei den Fristen nach aArt.35
Abs. 2 BVG handle es sich um Verjährungsf
r
isten (Urk. 5
S. 4
Ziff. 7)
, verjährte Forderungen könnten zur Verrechnung gebracht werden, wenn sie zurzeit, wo sie mit der anderen For
derung verrechnet werden konnten, noch nicht verjährt gewesen seien (Urk. 5
S.
9
Ziff. 9
; ausführlicher S
. 13
f.
Ziff. 4 und S. 15 Ziff. 6
)
.
Die absolute Verjäh
rungsfrist von fünf Jahren beginne nur dann mit der Auszahlung der Leistung, wenn die Unrechtmässigkeit in diesem Moment bereits bestanden habe und eine allfällige Rückforderung überhaupt fällig gewesen sein konnte. Die Unrechtmäs
sigkeit des Leistungsbezuges als eigentliche
ratio
der Rücker
stattungspflicht be
stehe erst in jenem Zeitpunkt
,
in welchem die tatbe
standsmässigen Vorausset
zungen einer Überentschädigung feststünden. Dies sei erst im Januar 2020 der Fall gewesen (Urk. 14 S. 2 f. Ziff. 4).
Entgegen den Vorbringen des Klägers sei die Kinderrente an
Y._
bis Ende Mai 2014 nachbezahlt worden (Urk. 5 S. 10 Ziff. 1.1). Nach Erreichen des 18. Alters
jahres seiner Kinder habe der Kläger mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bele
gen müssen, dass sie eine Ausbildung absolvierten.
Es werde bestritten, dass der
Kläger
mit der Beklagten telefoniert habe; er
habe nicht mit der
Beklagten
, son
dern mit der Ausgleichskasse telefoniert, der vom Kläger genannte Herr
C._
sei bei der Ausgleichskasse für den Fall zuständig gewesen
. Doch selbst wenn der Kläger mit der
Beklagten
telefoniert hätte, hätte dies nicht genügt, um die Aus
bildung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu belegen. Erst mit der Vorlage der Ausbildungsnachweise sei der Anspruch auf Kinderrenten entstanden
(Urk. 5 S. 10 Ziff. 2).
Aus der nicht bestrittenen Abrechnung vom 2. Februar 2021 ergebe sich, dass d
er Kläger vom 1. November 2010 bis 31. Juli 2016 sowie vom 1.
Sep
tember 2017 bis 30. September 2020 überentschädigt gewesen sei,
weshalb die
Beklagte die BVG-Leistungen zu Recht gekürzt
habe. Hätte die Beklagte je
weils vor der quartalsweisen Auszahlung der
Rentenbetreffnisse
sowohl für
Z._
als auch für
Y._
die entsprechenden Ausbildungsnachweise erhalten, hätte sie von Anfang an gekürzte Leistungen ausgerichtet, und es wäre nicht zu einer Rückfor
derung oder Verrechnung gekommen
(Urk. 5 S. 11 Z
iff. 3.1-2)
.
So
dann habe die Beklagte nur Fr. 14'072.13 verrechnet, nicht deren 14'384.15 (Urk.
5 S. 12 Ziff.
3.2.3, S. 15 Ziff. 8; Urk. 14 S. 4 Ziff. 7).
Weiter hielt die Beklagte – aus in der Klageantwort näher dargelegten Gründen – dafür, sie sehe nicht von der Rückforderung ab. Der Kläger trage ein Mitverschul
den, es sei fraglich, ob der gute Glaube zu bejahen sei. Es wäre stossend, ihm die Rückforderung zu erlassen (Urk. 5 S. 14 f. Ziff. 5).
3.
3
.1
3.1.1
Gemäss
Art. 25 BVG haben
Versicherte, denen eine Invalidenrente zusteht, für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente beanspruchen könnte, An
spruch auf eine Kinderrente in Höhe der Waisenrente. Für die Kinderrente gelten die gleichen Berechnungsregeln wie für die Invalidenrente
. Der
Anspruch auf Leistungen für Waisen erlischt mit dem Tod
des Waisen
oder mit Vollendung des 18. Altersjahres. Er besteht jedoch bis zur Vollendung des 25. Altersjahres für Kinder
bis
zum Abschluss der Ausbildung
(Art. 22 Abs. 3
lit
. a BVG).
Die reglementarischen Bestimmungen der Beklagten zu den Invaliden-Kinderren
ten gehen nicht über diese gesetzlichen Anspruchsgrundlagen hinaus (Art. 24 Vorsorgereglement; Urk. 6/27). Nach
Art. 33 Abs. 1 des
Vorsorgeregle
mentes
der Beklagten werden die Leistungen ausbezahlt, sobald die Anspruchsberechtigten alle Unterlagen, welche die Stiftung zur Begründung des Anspruches verlangen darf, beigebracht haben. Nach Abs. 4 dieser Bestimmung haben Personen, die für Kinder, die sich nach dem 18. Altersjahr noch in Ausbildung befinden, eine Kin
derrente beanspruchen, der Stiftung den Lehrvertrag oder die Bestätigung der besuchten Ausbildungsstätte einzureichen. Gemäss Abs. 5 haben Personen, die Vorsorgeleistungen beziehen, der Stiftung unaufgefordert und unverzüglich jede Änderung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, soweit sie die An
spruchsberechtigung beeinflussen, wie Heirat, Beendigung der Ausbildung, An
passung oder Aufhebung der Rente der Invalidenversicherung usw. mitzuteilen.
3.1.2
Nach Art. 34a A
b
s. 1 BVG kann die
Vorsorgeeinrichtung
d
ie Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit diese zusammen mit anderen Leistungen glei
cher Art und Zweckbestimmung sowie weiteren anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich
entgangenen Verdienstes übersteigen
. Die Beklagte hat dazu in Art. 26 des
Vorsorgereglementes
(Urk. 6/27) nähere Bestimmungen ge
troffen.
3.2
3.2.1
Unrechtmässig
bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten, wobei von der Rück
forderung abgesehen werden kann, wenn der Leistungsempfänger gutgläubig war und die Rückforderung zu einer
grossen
Härte führt (Art. 35a Abs.
1 BVG). Der Rückforderungsanspruch verjährt mit Ablauf eines Jahres, nachdem die Vorsor
geeinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit Ablauf von fünf Jahren seit der Auszahlung der Leistung; wird der Rückforderungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Ver
jährungsfrist festsetzt, so ist diese Frist
massgebend
(Art. 35a Abs. 2 BVG
in der bis am 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung
)
.
Gemäss
der seit dem 1.
Ja
nuar 2021 gültigen Fassung von Art. 35a Abs. 2 BVG
erlischt der
Rückforde
rungsanspruch drei Jahre, nachdem die Vorsorgeeinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre seit der Auszahlung der einzelnen Leistung.
3.
2
.2.
In Auslegung des Gesetzestextes, unter Berücksichtigung der E
ntste
hungs
ge
s
c
hich
te sowie der Tatsache der fehlenden Verfügungsbefugnis eines BVG-Versicherers kam das Bundesgericht in BGE 142 V 20 zur Erkenntnis, der Gesetz
geber habe bezüglich
Art. 35a Abs. 2 BVG
(in der bis am 31. Dezember 2020 gültigen Fassung) bewusst den B
egriff Verjährung verwendet
, um zum Ausdruck zu bringen, dass diese Fristen nicht Verwirkungsfristen
seien
. Die
Fristen nach
Art. 35a Abs. 2 BVG
, also auch die fünfjährige Frist,
seien a
ls Verjährungsfrist im obligationenrechtlichen Sinne zu verstehen
(BGE 142 V 20 E. 3, insbesondere E. 3.2.2
und 3.3
).
Erst anlässlich der
Revision des Bundesgesetzes über den allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
wurden in Art. 35a BVG (in der seit 1. Januar 202
1
gültigen Fassung)
Verwirkungsfristen
normiert,
wobei die relative Frist von einem auf drei Jahre verlängert wurde, um den Vorsorgeein
richtungen zu ermöglichen, weitergehende Abklärungen zu treffen (
BBl
2018 1607, S. 1650 f.).
3.
2
.3
Für die Rückerstattungspflicht nach
Art. 35a Abs. 1 Satz 1 BVG
spielt es grund
sätzlich keine Rolle, aus welchem Grunde es zur
Unrechtmässigkeit
der Auszah
lung gekommen ist (Urteil 9C_
840/2017 vom 23
.
Juli
201
8 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die einjährige Verjährungsfrist beginnt, wenn die Vorsorgeeinrichtung Kenntnis des Rückforderungsanspruchs hat oder dann, wenn sie bei Beachtung der ihr zu
mutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung erfüllt sind. Die
s
ist der Fall, sobald sie sich hätte Rechen
schaft geben müssen über Grundsatz,
Ausmass
und Adressat des Rückforderungs
anspruchs (Vetter-Schreiber, BVG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2021, N 10 zu Art.
35a, mit zahlreichen Hinweisen)
.
Die fünfjährige Frist beginnt mit Auszahlung der Leistung. Ergibt sich die
Unrechtmässigkeit
der Leistung erst
im Nachhinein, beginnt die 5-jährige Frist erst ab diesem Zeitpunkt zu laufen (Vetter-Schreiber, a.a.O., N 11 zu Art. 35a, mit zahlreichen Hinweisen
).
3
.3
Art. 35a BVG gilt sowohl im obligatorischen als auch im überobligatorischen Vorsorgebereich (vgl. Art. 49 Abs. 2 Ziff. 4 BVG). Trotz
der
Kann-Formulierung (Abs. 1) wird davon ausgegangen, dass bei
gegebener Gutgläubigkeit und Vorlie
gen einer
grossen
Härte d
er Rückforderungsanspruch des Vorsorgeträgers entfällt (Vetter-Schreiber, BVG-Kommentar, Zürich 2009, S. 118
Rz
6 zu Art. 35a, mit Hinweis). Für die Härtefallbeurteilung wird auf Art. 5 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) abgestellt, der wiederum im Wesentlichen (bei leicht höheren Ansätzen) auf die Berechnungsgrundsätze der Bundesgesetzgebung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) zurückgreift.
4.
4.1
Mit Schreiben vom 21. Mai 2014
sprach
die Beklagte dem Kläger eine volle In
validenrente mitsamt Kinderrenten
rückwirkend per 1. November 2010
zu, die sie wegen einer Überentschädigung kürzte (Urk.
2/2). Im Schreiben wies sie darauf hin, dass die Kinderrenten bis zum Erreichen des 25. Altersjahres nur ausgerichtet würden, sofern eine Ausbildung besucht werde. „Bitte informieren Sie uns über allfällige Änderungen“ (Urk. 2/2). Aus den dem Schreiben beigefügten drei Kon
toauszügen (für
den Kläger sowie
die Kinder
Y._
un
d
Z._
)
geht bei ge
nauer Betrachtung hervor, dass für
Y._
ab 1. Juni 2014 kein
e Rente mehr zur Ausrichtung gelangte
(Urk. 2/2 S. 8-10, insbesondere S. 9). Mit dem Kläger ist davon auszugehen, dass dies für einen Laien nur schwer erkennbar ist, zumal
aus den
dem Schreiben beigefügten
Überentschädigungsb
erechnungen von Novem
ber 2010 bis 2014 die Befristung der Kinderrente für
Y._
gerade
nicht hervor
geht (Urk. 2/2 S. 3-7, insbesondere S. 7).
Da der anwaltlich vertretene Kläger seinem Antrag auf Invalidenleistungen vom 10. Januar 2014
(Urk. 6/1)
keine Ausbildungsbestätigung der
damals
effektiv
be
suchten
Fachmittelschule
(vgl. Urk. 2/14)
für seinen im Mai 1996 geborenen Sohn
Y._
beilegte, ist nicht zu beanstanden, dass die Beklagte die Kinderrente für
Y._
bei Vollendung des 18. Altersjahres per
Ende
Mai 2014
einstellte
(Art.
25 BVG i.V. m. Art. 22 Abs. 3
lit
. a BVG).
Dass die Kinderrente für
Y._
per Mai 2014 eingestellt wurde, geht aus der dem Kläger im Januar 2015 zugestellten Leistungsbestätigung für die Steuererklärung mit hinreichender Deutlichkeit hervor (Urk. 6/3). Gleichwohl blieb klägerischer
seits eine Reaktion aus.
Obgleich der
Kläger den
Anspruch auf die Kinderrente
für
Y._
ab J
uni 2014 nicht
geltend machte,
berechnete
die Beklagte
die Überentschädigung weiterhin unter Einberechnung von zwei Kinderrenten der
Eidg
. Invalidenversicherung (Urk. 2/2 S. 6), weshalb die
BVG-
Rente
n
für den Kläger und dessen Tochter wei
terhin gekürzt zur Ausrichtung gelangten (Urk. 2/2 S. 6, 8 und 10), was die Be
klagte am 6. August 2018 korrigierte (Urk. 2/9 S. 7; E. 4.2
.1
hernach).
4.
2
4.2.1
In einem Schreiben der Beklagten vom 1. März 2018 hielt sie fest: „
Zwischen dem reglementarischen Schlussalter und dem vollendeten 25. Altersjahr besteht wei
terhin Anspruch auf eine Kinderrente, solange das Kind in Ausbildung ist und ein entsprechender Nachweis erbracht wird.
Gemäss
unseren Unterlagen ist das An
recht auf die Kinderrente für
Z._
bis zum 1.
April 2018 belegt.
Um die Voraussetzung für weitere Ansprüche zu überprüfen, bitten wir Sie, uns bis zu diesem Datum
eine Ausbildungsbestätigung aktuellen Datums zuzustellen, wel
che explizit festhält, dass
Z._
auch nach dem
1.
April 2018 die Ausbildung weiterführen wird“ (Urk. 2/5).
Am 2. Juli 2018 sandte die Beklagte ein gleichlautendes Schreiben an den Kläger, wobei die Ausbildung von
Z._
damals bis am 1. August 2018 belegt war (Urk. 2/6).
Der Kläger teilte der Beklagten aktenkundi
g erstmals mit Schreiben vom 2.
Au
gust 2018 –
nach einem Telefongespräch vom gleichen Tag mit
einem
Herrn
C._
–
unter Beilage einer entsprechenden Bescheinigung mit, Sohn
Y._
habe seine Ausbildung noch nicht beendet. Er habe am 18. Oktober
(recte: September)
2017 ein Vollzeitstudium an der Fachhochschule
A._
begonnen (Urk. 2/8).
Ob es sich bei Herrn
C._
um de
n bei der Ausgleichskasse Basel-
Stadt für den Kläger zu
ständigen
D._
(Urk.
6/29) handelte oder al
lenfalls um den bei der Beklagten arbeitenden Herr
n
B._
(Urk. 6/14), ist nicht relevant. Entscheidend ist, dass der Kläger erstmals im August 2018 einen Antrag auf Kinderrente für den
volljährigen, sich
in Ausbildung befindlichen Sohn stellte.
Aus der
hierauf von der Beklagten vorgenommenen Überentschädigungs
berech
nung vom 6. August 2018
geht
erneut
klar
hervor,
dass die Rente für
Y._
nur bis Ende Mai 2014 ausgerichtet wurde
unter Kürzung der Invaliden- und der
bei
den
Kinderrenten
(Urk. 2/9 S. 8)
. Von
Juni 2014 bis August 2017
berechnete
die Beklagte
die
BVG-
Invaliden- und die Kinderrente für
Z._
neu unter Berück
sichtigung nur einer Kinderrente de
r
Eidg
.
Invalidenversicherung
, weshalb d
ie BVG-Leistungen nicht mehr gekürzt werden mussten
(Urk. 2/9 S. 8-10). Ab Sep
tember 2017 bis Ende Februar 2018 wurden die
BVG-
Invaliden
-
und zwei Kin
derrenten wiederum gekürzt
berechnet
(Urk. 2/9 S. 10-11), ab März 2018 wiede
rum die Invaliden- sowie die Kinderrente für
Z._
ungekürzt
(Urk. 2/9 S. 12).
Aus der Neuberechnung resultierte eine Nachzahlung
von
Fr. 11‘799.54 (
Kläger
)
,
Fr. 913.42 (
Y._
) und Fr. 2‘417.78 (
Z._
)
(Urk. 2/9
S. 14, 15, 17)
.
4.2.2
Obgleich der Kläger erkennen konnte, dass die Beklagte die Kinderrente für
Y._
nur bis Ende Februar 2018 ausrichtete, und obgleich er um das Prozedere der Beklagten betreffend die erforderlichen Ausbil
d
ungsnachweise wusste
, rekla
mierte er nach Erhalt der Überentschädigungsberechnung vom 6. August 2018 nicht bei der Beklagten und reichte vorerst auch keine weitergehenden Ausbil
dungsnachweise für
Y._
ein.
In
der
am 2. August 2018
eingereichten Studien
bestätigung der Fachschule
A._
vom 18. September 2017 (Urk. 2/8) wird einzig bestätigt, dass
Y._
im Herbstsemester 2017/2018 immatrikuliert war
,
und dass das Vollzeitstudium drei Jahre dauern wird. Mit dieser Bestätigung vermochte der Kläger jedoch nicht zu belegen, dass
Y._
auch noch im 2.
Se
mester (Februar bis September 2018) immatrikuliert war und das Studium zu Ende bringen würde, zumal ein Studium jederzeit ab- oder unterbrochen werden kann. Daher geht der kläg
erische Vorwurf an die Beklagte fehl,
gestützt auf die Studi
enbestätigung ab September 2017 hätte bekannt sein müssen, dass sich der Sohn noch in Ausbildung befinde und die Ausbildung sicherlich nicht im April 2014 geendet habe
,
wie auch das Argument, wonach der Studienbestätigung habe ent
nommen werden können, dass es sich um ein Vollzeitstudium handle und der Abschluss frühestens im September
2020 stattfinde (Urk. 1 S. 12)
.
Zumal der An
spruch auf eine Kinderrente von den Versicherten aktiv geltend zu machen ist, sie auch darauf verzichten können.
Entgegen dem Kläger (Urk. 1 S. 13) spielte es eine Rolle, ob die Beklagte tatsäch
lich über die Ausbildungsbestätigung des Sohnes verfügte.
Die Beibringung der semesterweisen Ausbildungsnachweis
e
für seine Kinder oblag allein dem Kläger, der daraus einen Ansp
ruch
auf Kinderrenten ableitete.
Die Beklagte war nach Eingang der Studienbestätigung ab September 2017 auch nicht verpflichtet, aktiv nachzuforschen, ob ab Juni 2014 ein Anspruch auf die Kinderrente für
Y._
bestand, zumal der Kläger bis dato diesen Anspruch
gerade
nie geltend gemacht hatte und es in seiner alleinigen Verantwortung lag, die
s
zu tun.
Die Ausgleichskasse Basel-Stadt, welche für die Ausrichtung der
Eidg
. Invaliden
rente des Klägers zuständig
war und
ist, forderte von ihm
regelmässig
Nachweise ein, dass die Ausbildung noch
fortdau
e
re
, welchen Aufforderungen der Kläger
jeweils
nachkam (Urk. 6/29)
. Insbesondere war der Kläger in der Lage, der Aus
gleichskasse im Mai 2014 die Bestätigung des Fachmitte
l
schule-Besuches von
Y._
einzureichen und im September 2017, nachdem
Y._
den Militärdienst beendet hatte, die Studienbestätigung der Fachhochschule
A._
be
treffend das Herbstsemester 2017/2018 (Urk. 6/29). Umso weniger verständlich ist, weshalb dies bei der Beklagten nicht möglich war, obgleich
d
er
Kläger
für die Tochter Bestätigungen einreichte.
Wenigstens seit Erhalt der Bestätigung der Beklagten
vom 2. Januar 2015
über die 2014 bezogenen R
entenleistungen
2015 (Urk. 6/3) – welche Sammelurkunde der Kläger
nicht einreichte (Urk. 2/1-29) –
und der Überentschä
digungsberech
nung von August 2018 musste dem Kläger bei der gebotenen Aufmerksamkeit aufgefallen sein, dass die Kinderrente für
Y._
nur bis Mai 2014 ausgerichtet wurde
. Gestützt auf die Überentschädigungsberechnung von August 2018 (Urk. 2/9) überdies, dass die beantragte Kinderrente für
Y._
nur von September 2017 bis Ende Februar 2018 ausgerichtet wurde.
Nach dem Gesagten kann die Nac
hlässigkeit des Klägers
in Bezug auf die Gel
tendmachung seine
r Ansprüche für die
Kinderrente
von
Y._
nicht der Beklag
ten angelastet werden.
4.
3
4.3.1
Nach einem Telefongespräch mit Herrn
E._
von der Beklagten sandte der Klä
ger
dieser
am 11. November 2019 weitere Semester-Studienbestätigungen für
Y._
vom 19. Februar 2018 bis
16. Februar 2020 ein (Urk. 2/10), worauf die Be
klagte am 15. November 2019 eine neuerliche Überentschädigungsberechnung vornahm. Danach
berechnete
sie die Invaliden- und zwei Kinderrenten ab Sep
tember 2017 durchgehend bis Ende 2019 gekürzt (Urk. 2/11 S. 10-13)
, wo
raus
für diese Zeit
eine Rückforderung von Fr. 4'859.87 (
X._
, Urk. 2/11 S.
16) respektive Fr. 971.96 (
Z._
, Urk. 2/11 S. 20)
und eine
Nachzahlung von Fr.
3'349.21 (
Y._
, Urk. 6/11) resultierte
n
. M
it Schreiben vom 10. Januar 2020 forderte die
Beklagte vom Kläger die
zuviel
bezahlten Renten zurück, wobei sie
ihm in Aussicht stellte, die künftigen, vierteljährlich geschuldeten Rentenzahlun
gen um 100
% zu kürzen, bis der ausstehende Betrag getilgt sei
, dabei hatte sie bereits Fr. 2'412.81 (
X._
) respektive Fr. 482.57 mit im Jahr 2020 ge
schuldeten Renten zur Verrechnung gebracht (Urk. 2/12, je S. 5).
Da
der Kläger den rückwirkenden Anspruch auf die Kinderrente
für
Y._
ab Februar 2018
erst im
November 2019
geltend machte,
war die Beklagte gestützt auf die reglementarischen
und gesetzlichen
Bestimmungen (E. 3.1
f.
hievor
)
ver
pflichtet, die ab März 2018 zusätzlich geschuldete Kinderrente für
Y._
unter Berechnung der Überentschädigung auszurichten, was – wegen de
n
in der Über
entschädi
gungsberechnung ab März 2018 nunmehr zu Recht berücksichtigten doppelten Kinderrenten der
Eidg
. Invalide
nversicherung (Urk. 2/11S. 11) –
zu ei
ner Rückerstattungsforderung
gegen den Kläger (Invaliden- und Kinderrente
Z._
)
führte.
4.3.2
Wenn
der Kläger unter
Referenzierung
des Urteils des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.
August
2021 geltend macht, eine rückwirkende Herabset
zung der Rente
setz
e in analoger Anwendung von Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV eine Verletzung der Meldepflicht gegenüber der Vorsorgeeinrichtung voraus, ohne Meldepflichtverletzung sei die Herabsetzung der BVG-Rente aufgrund veränder
ter Überentschädigungsberechnung
bloss für die Zukunft zulässig
(Urk
.
10 S. 3
f.), kann er nicht gehört werden.
Im referenzierten Entscheid (200 20 298 BV vom 12. August 2021; Urk. 11) hatte es der BVG-Versicherer von Rentenbeginn weg aus Nachlässigkeit unterlassen, das
zumutbarerweise
noch erzielbare Erwerbsein
kommen bei der Überentschädigungsberechnung zu berücksichtigen. Das Ver
waltungsgericht prüfte die überentschädigungsbedingte Rentenherabsetzung un
ter dem Titel der Wiedererwägung und bejahte die Zulässigkeit einer solchen. Das Gericht erwog, im Bereich der beruflichen Vorsorge sei im Fall der Wiedererwä
gung analog zu Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV vom Prinzip der Nichtrückwirkung auszugehe
n, we
shalb die rückwirkend vorgenommene Rentenherabsetzung mit Verrechnung des Rückforderungs
betrages
mit laufenden
Rentenleistungen ausser Betracht falle (Urk. 11).
Vorliegend geht es nicht um eine Wiedererwägung der bisher gewährten Rente, sondern um die Prüfung der vom Kläger rückwirkend geltend gemachten An
sprüche auf eine Kinderrente, was gestützt auf die gesetzlichen Grundlagen zu einer Neuberechnung der Überentschädigung führt
, einhergehend mit entspre
chenden Nachzahlungen und Rückforderungen
. Wäre eine Überentschä
digungs
berechnung
in
casu
– entgeg
en den gesetzlichen Grundlagen –
bloss für die Zu
kunft
zulässig, müsste
n
die Nachzahlungen der
Beklagten an den Kläger vom 10.
August 2018 (Urk. 2/9) aufgehoben werden.
4.3.3
Nach dem Gesagten war die Rückforderung der Beklagten rechtens. Anzufügen bleibt, dass d
ie
Schreiben vom
15. November 2019 und 10. Januar 2020, wo
mit
die Beklagte den
Rückforderungsbetrag bezifferte und die Verrechnung mit den
künftigen
Rentenleistungen erklärte,
noch keine
Handlung dar
stellte
, welche die
einjährige
Verjährungsfrist
, die am 12. November 2019 (Urk.
2/10) zu laufen be
gann,
zu unterbrechen vermochte (vgl. Art. 135 Ziff. 2 OR; Urteil 9C_
840/2017 vom 23. Juli 2018 E. 5.3
mit Hinweis
)
, doch verrechnete die Beklagte die Rück
forderungsbeträge sogleich mit den laufenden Renten (Urk. 2/12, je S. 5)
,
w
as grundsätzlich zulässig
war
(Art. 120 Abs. 1 OR).
4.4
Nachdem der Kläger am 22. und
23. Januar 2020 die
Immatrikulationsbestätigung
der
Universität F._
von
Z._
für den Zeitraum vom 17. Februar bis 27. September 2020 (Urk. 6/13), die Ausbildungsnachweise von
Y._
für den
Zeitraum vom 1. Mai 2012 bis 31.
Juli 2016 (Fachmittelschule) sowie den Marschbefehl der Schweizer Armee per 31. Oktober 2016 mit Entlassung am 26. August 2017 (Urk. 6/14)
ein
gereicht hatte
, sah sich die Beklagte erneut veranlasst, die
Invaliden- und K
in
derrenten
des Klägers
unter Berücksichtigung der Überentschädigungsgrenze neu zu berechnen, wobei es im
Zeitraum vom 1. August 2016 bis 31. August 2017
wie schon bisher (Berechnungen vom 6. August 2018, Urk. 2/9 S. 9
f.
; 15. No
vember 2019, Urk. 2/11 S. 9 f.) beim Anspruch auf eine Kinderrente blieb.
Der Überentschädigungsberechnung
vom 29. Januar 2020
ist zu entnehmen, dass die Beklagte
ab 1. Januar 2020 einen Teuerungszuschlag auf die Renten gewährte und
die
Rentenbetreffnisse
ab März 2020 ohne Kinderrente für
Y._
vorsah (Urk. 2/15 S. 15).
Da
die Forderungen auf periodische Leistungen, wozu die Kinderrenten gehören, nach fünf Jahren verjähren (Art. 41 Abs. 2 BVG), hat die Beklagte die anlässlich der Anspruchsstellung im Januar 2020 bereits verjährten
Rentenbetreffnisse
– die
vorschüssig
vierteljährlich zur Auszahlung gelangen (Vorsorgereglement Art. 32 Abs. 1, Urk. 6/27)
–
bis
und mit
Dezember 2014
in der Berechnung der Nachzah
lungen und Rückforderungen zu Recht ausser Acht gelassen (Urk.
2/15 S. 17,
20
; vgl. Urt. 2/9 S. 13, 16).
Die
derart
ermittelten Rückforderungen von Fr. 11'726.78 (Kläger, Urk. 2/15 S. 19) und Fr. 2'345.35 (
Z._
, Urk. 2/15 S. 24) sind ebenso rechtens wie die Nachzahlung von Fr. 2'358.53 (
Y._
, Urk. 2/15 S. 21) und die Verrechnung der Rückforderungen mit den laufenden Rentenansprüchen (vgl. E.
4.3
.3
hievor
).
Aufgrund der
am 22.
Januar 2020 neu geltend gemachten Ansprüche auf Kin
derrenten mussten die Leistungen rückwirkend per
Juni 2014
neu berechne
t
wer
den,
weshalb
die einjährige V
erjährungsfrist
für die Rückforderung
frühestens am 22. Januar 2020
neu zu laufen begann.
4.5
Der Kläger reichte die Studienbestätigung für
Y._
– 6. Semester
Februar
bis 13. September 2020 – im Februar 2020 ein (Urk. 2/17). Am 11. Mai 2020 teilte die Beklagte dem
Kläger
die neuen Rentenansprüche von Januar bis September 2020 und ab 1. Oktober 2020 mit und zeigte ihm an, die Rückforderungen würden nach Verrechnung mit den laufenden Rentenansprüchen im Januar und April 2020
noch Fr. 7'155.14 (
Kläger,
Verrechnung von Fr. 4'571.64,
Urk.
2/18/2 S. 18
) respektive Fr. 1'431.03 (
Z._
, Verrechnung von Fr. 914.32, Urk. 2/18/1 S. 4
)
betragen
, wobei sie wiederum in Aussicht stellte, die künftigen Rentenzahlungen um 100
% zu kürzen, bis der ausstehen
de Betrag getilgt sei (Urk. 2/18
).
Aufgrund des
Uni F._
-
Studiums von
Z._
bestand der Kinderrentenanspruch über Septem
ber 2020 hinaus (Urk. 2/23). Wobei die Beklagte fälschlicherweise über September 2020 hinaus
wiederum
zwei Kinderrenten der
Eidg
. Invalidenversicherung in die Überentschädigungsberechnung miteinbezog (Urk. 2/23 S. 15), was sie auf Rekla
mation des Klägers
hin
(Urk. 2/24) am 7. Dezember 2020 korrigierte, so dass ab Oktober 2020 ungekürzte Invaliden- und Kinderrenten
(für
Z._
)
ausgerichtet wurden
(Urk. 2/25 S. 15).
Die Beklagte konnte innerhalb der ab
dem 22.
Januar 2020 neu
laufenden
Ver
jährungsfrist (E. 4.4
a.E
.
hievor
) ihre Rückforderungen weiterhin mit den laufen
den
Rentenbetreffnissen
verrechnen. Bis
Oktober
2020 (
Fäl
l
igkeit
Rentenzahlun
gen Oktober bis Dezember 2020) waren dies Fr. 5'2
07.14
(Kläger
,
Fr.
2
'257.94 und Fr. 2'949.20) u
nd Fr.
1'041.43
(
Z._
, Fr. 451.59 und
Fr.
589.84)
(vgl.
Urk. 2/18 S. 15
, 2/25 S. 15, 2/27
). Damit blieben per 1. Januar 2021
Rückforderungen
in Höhe
von Fr. 1'948.00 (Kläger, Fr. 7'155.
14 .
/. Fr. 5'207.14) und Fr. 389.60 (
Z._
; Fr. 1'431.
03 .
/. Fr. 1'041.43)
bestehen.
Da
die Beklagte die Restforderungen mit den am 1. Januar 2021 fällig werdenden
Rentenbetreffnissen
(Januar bis März 2021; Kläger Fr. 2'949.20,
Z._
F
r.
589.84) verrechnete
(vgl. Urk. 2/27), gereicht es der Beklagten nicht zum Nachteil, dass sie bis
zum Eintritt der Verjährung
frühestens
am 21. Januar 20
2
1 aktenkundig keine
verjährungsunterbrechende
n
Handlungen
(Art. 135 Ziff. 2 OR)
bezüglich ihrer Rückforderungen vornahm.
Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob der Beklagten die Verrechnung, hät
te
sie
einen Teil ihrer Forderung erst
nach
dem 21.
Januar 2021 zur Verrechnung bringen können, verwehrt gewesen wäre, d
a
bei Dauerleistungen eine Rückfor
derung nach Eintritt der Verjährung nicht mit erst danach fällig werdenden
Betreffnissen
verrechnet werden
darf (Urteil 9C_840/2017 vom 23. Juli 2018 E.
5.4.1 mit Hinweisen)
, oder ob der am 1. Januar 2021 in Kraft getretene neue Art.
35a
BVG
, wonach
ein
Rückforderungsanspruch
nach drei Jahren
erlischt
, anwendbar gewesen wäre.
4.6
Abschliessend bleibt zu prüfen, ob dem Kläger der
erstmals am
7. August 2020 geltend gemachte
Erlass
der Rückforderung
(Urk. 2/21)
zu gewähren
ist
.
4.6.1
Der in Art. 35a BVG vorausgesetzte gute Glaube
beurteilt sich nach dens
elben Grundsätzen wie sie für den
im Wesentlichen
gleich lautenden
A
rt. 2
5 Abs. 1 Satz 2 ATSG
gelten (Urteil 9C_
840/2017 vom 23. Juli 2018 E. 6.1).
Danach genügt nicht schon Unkenntnis des Rechtsmangels. Vielmehr darf sich der Leistungs
empfänger nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit von vorn
herein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist. Da
gegen kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben be
rufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war. Wie in anderen Bereichen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt nach einem objek
tiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (
BGE 138 V 218
E. 4)
.
4.6.2
Vom K
läger
ist bekannt, dass er Maschinen
-
Ingenieur ist und jeweils in der Lage war, auf die Schreiben der Ausgleichskasse Basel-Stadt zeitnah zu reagieren (Urk.
6/29). Auch war er in der Lage, mit der Beklagten zu telefonieren und
zu
korrespondieren.
Dem Kläger musste bei den nach den Umständen gebotenen Aufmerksamkeit seit Januar 2015, allerspätestens seit August 2018 bekannt sein, dass die Kinderrente für
Y._
von der Beklagten nur bis Ende Mai 2014 ausge
richtet wurde, und dass die im August 2018 beantragte Rente für
Y._
nur von September 2017 bis Februar 2018 gewährt wurde. Zudem war dem Kläger auf
grund der Schreiben der Beklagten im Zusammenhang mit der Kinderrente für
Z._
bekannt, dass die Kinderrenten erst nach Vorlage eines entsprechenden Nachweises ausgerichtet w
erden.
Weiter
musste
dem Kläger
auffallen, dass die Beklagte in zwei Schreiben nur nach
Z._
, nicht aber nach
Y._
fragte.
Schlussendlich musste ihm spätestens ab August 2018 auch bekannt sein, dass
jede nachträglich gemeldete Änderung der Verhältnisse zu einer neuen Berech
nung der R
enten führt
(vgl.
eingehend
E. 4.2.2 und 4.3
hievor
).
Der Kläger
handelte gewiss nicht böswillig,
wenn er die Kinderrenten für
Y._
ab Juni 2014 erst
im Januar 2020 –
nach
dem bereits ein Teil davon verjährt war (E. 4.4
hievor
) – abrief. Er kann dafür
jedoch
nicht die Beklagte verantwortlich machen und hat die sich daraus ergebenden Konsequenzen selber zu tragen, näm
lich
,
dass eine Neuberechnung unter Berücksichtigung von zwei Kinderrenten der
Eidg
. Invalidenversicherung erfolgte, welche
zu
einer Rückforderung
wegen
zu
viel
erbrachten Rentenleistungen
führte
(Fr. 11'726.78 [Kläger, Urk. 2/15 S. 19], Fr. 2'345.35 [
Z._
, Urk. 2/15 S. 24]). Es handelt sich dabei bei genauer Be
trachtung um die
Gegenkorrektur zur Nachzahlung
vom 10. August 2018, als dem Kläger – unter Anrechnung nur einer Kinderrente d
er
Eidg
. Invalidenversi
cherung –
eine Nachzahlung von Fr. 11‘799.54 (Kläger), Fr. 913.42 (
Y._
) und Fr. 2‘417.78 (
Z._
) (Urk. 2/9 S. 14, 15, 17) gewährt wurde (E. 4.1 und 4.2.1
hievor
).
4.6.3
Nach dem Gesagten
hätte der Kläger gemäss seinen
Fähigkeiten das zumutbare Mindestmass an Sorgfalt
aufwenden können, um den Anspruch auf die Kinder
renten für
Y._
zeitnah geltend zu machen, so dass es zu keinen
–
vorausseh
baren
–
Nachzahlungen und Rückforderungen
gekommen wäre; diese waren ver
meidbar.
Wobei anzumerken ist, dass die zuvor gewährten Rentenleistungen nur deshalb zu unrechtmässigen Leistungen wurden, weil der Kläger seine Ansprüche verspätet geltend machte.
Das Verhalten des Klägers ist im gesamten Kontext als grobfahrlässig zu qualifizieren, weshalb er sich nicht auf den guten Glauben be
rufen kann.
Ob die zweite Voraussetzung des Erlasses, die grosse Härte, zu bejahten wäre, kann somit
o
ffen bleiben
. Der
Kläger hat weder gegenüber der Beklagten (insbes. U
r
k. 2/
21)
noch gegenüber dem Sozialversicherungsgericht sachdienliche Anga
ben
dazu
gemacht
.
5.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Das Verfahren ist kostenlos (§ 33 Abs. 1
GSVGer
). Ausgangsgemäss ist dem Kläger keine P
ro
zessentschädigung zuzusprechen.
Der Beklagten steht in ihrer Funktion als Trä
gerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens
–
und entgegen ihrem dies
bezüglich
en Antrag (Urk. 5 S. 2)
–
keine Prozessentschädigung zu (BGE 128 V 124 E. 5b
;
9C_635/2020
vom 6.
Juli 2021
E. 9
mit Hin
weisen
).