Decision ID: 5f484e82-d49f-5577-b528-f0792239aaa3
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1957, gelernter Schlosser, meldete sich am 16. Mai 2013 unter Hinweis auf Handgelenksprobleme erstmals
bei der Invalidenversi
cherung
zum Leistungsbezug
an (
Urk. 7/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der SUVA bei (Urk. 7/18; Urk. 7/24) und
verneinte nach
durchgeführ
tem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/41; Urk. 7/45)
mit
Verfügung vom
20. August 2014
den Anspruch de
s
Versicherten auf
eine Invalidenrente
(
Urk. 7/52
).
1.2
Am
12. Juni 2017 (Eingang bei der IV-Stelle am 27. Juni 2017)
meldete si
ch der Versicherte unter Hinweis auf eine Angststörung erneut bei
der Invalidenversi
cherung an (Urk. 7/58).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/70; Urk. 7/80) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Oktober 2017 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (
Urk. 7/84
= Urk. 2).
2.
Der
Versicherte erhob am
10. November 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
13. Oktober 2017
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei auf sein Leistungsbegehren einzutreten (Urk. 1 S. 2 oben). Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2018 (Urk. 6) um Abweisung der Be
schwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 13. April 2018 zur Kenntnis ge
bracht (Urk. 10).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese Eintretensvorschrift nicht da
hingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
begehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.4
Die genannte Bestimmung - wonach die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss - hat zur Folge, dass der versicherten Person ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Nur wenn die Verwaltung auf das erneute Leis
tungsbegehren eintritt, hat sie ihrerseits gestützt auf den Untersuchungsgrund
satz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtser
heblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 130 V 64 f. E. 5.2.5).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Neu
anmeldung vom 2
7.
Juni 2017 erfüllt sind.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, sie habe keine wesentliche Veränderung der beruflichen oder medizinischen Situa
tion feststellen können (S. 1 unten). Dr. Y._ beschreibe keine objektivierbaren Einschränkungen. Die genannten Panikattacken hätten stattgefunden, als der Be
schwerdeführer alleine gewesen sei. Bei der psychiatrischen Behandlung alle zehn bis vierzehn Tage sowie Gruppentherapie handle es sich nicht um eine intensive Behandlung. Des Weiteren könne eine Persönlichkeitsstörung per Definition nicht aufgrund von mehreren Einschränkungen im Erwachsenenalter entstehen. Dr. Y._ beschreibe eine leichte bis mittelgradige depressive Episode; eine sol
che stelle in ihrer Schwere keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung dar (S. 2 oben).
2.3
Der Beschwerdeführer hielt in seiner Beschwerde (Urk. 1) fest, dass die Beschwer
degegnerin die Begründungspflicht verletzt habe, da sie auf die geltend gemach
ten Vorbringen überhaupt nicht eingegangen sei (S. 3 f.). Des Weiteren könne sich ein Gesundheitszustand rentenbegründend verschlechtern, auch wenn die gleichen Diagnosen vorliegen (S. 4 Mitte). Gestützt auf die vorliegenden Akten sei erstellt, dass es ab Januar 2017 zu einer massiven Verschlechterung der Pa
nikstörung gekommen sei. Die Psychiaterin schildere, dass er seither nicht mehr in der Lage sei, seiner Arbeit nachzugehen und alltägliche Dinge wie Einkaufen, Zahlungen vornehmen etc. zu erledigen (S. 5 Mitte). Er befinde sich in intensiver therapeutischer Behandlung, mindestens einmal wöchentlich, abwechselnd in Einzel- und Gruppentherapie (S. 6 oben).
3.
3.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG). Gemäss Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG werden Einspracheentscheide begründet. Die Begründung eines Entschei
des muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfech
ten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmit
telinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge
sichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/dd mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheidenden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den beschwerdeführenden Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen kön
nen und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107 Ia 1). Ge
mäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Ge
hörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobe
nen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Be
troffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Ge
währung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderli
chen Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357
E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d).
3.2
In der Verfügung vom 13. Oktober 2017 (Urk. 2) wurden die Einwände des Be
schwerdeführers kurz angeführt (S. 1 f.) und es wurde auf diese eingegangen
(S. 2 oben; vgl. vorstehende E. 2.2). Zwar erfolgte keine ausführliche Stellungnahme, aber die wesentlichen Überlegungen wurden genannt. D
ie Anforderungen an die Begründungspflicht
sind wohl erfüllt
. Nach dem Grundsatz der Verfahrensöko
nomie wäre vorliegend jedoch ohnehin von der Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin bloss zur Gewährung des rechtlichen Gehörs abzusehen.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der Verfügung vom
20. August 2014
(
Urk. 7/52
) stellte sich der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen wie folgt dar.
4.2
Dr. med. Y._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 10. Januar 2014 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/28) keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine komplexe Angststörung mit Panikstörung (F41.0) und generalisierenden Elementen (F41.1) sowie eine somatoforme auto
nome Funktionsstörung (Herzneurose, F45.30). Dr. Y._ führte aus, es werde keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen attestiert. Die psychische Symptomatik beeinflusse jedoch das Gesamtleistungsvermögen und die Belast
barkeit (S.1 Ziff. 1.1). Der Beschwerdeführer lebe seit einer Herzoperation im Ja
nuar 2010 in ständiger Angst und Befürchtung, es könnte ihm am Herzen wieder etwas zustossen und er könnte daran sterben (S. 2 Mitte).
4.3
RAD-Arzt Dr. med. Z._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, nannte im Bericht vom 2. Februar 2014 über die Untersu
chung vom 28. Januar 2014 (Urk. 7/37) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5 Ziff. 8):
-
schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der linken Hand mit/bei
-
chronisch rezidivierenden belastungsabhängigen Schmerzen am linken Handgelenk, röntgenologisch radiocarpale Arthrose, skapholunäre Dislokation
-
Status nach Unfallmechanismus 4. April 2002, Verdrehung linke Hand
-
anamnestisches chronisches rezidivierendes Lumbosacral-Schmerzsyn
drom mit/bei anamnestischer lumbaler Diskushernie
Dr. Z._ führte aus, dass beim Beschwerdeführer in der bisherigen Tätig
keit als Schweisser eine 50%ige Arbeitsfähigkeit seit 22. November 2012 bestehe. In einer angepassten Tätigkeit (
körperlich leicht und wechselbelastend, ohne re
gelmässige Hebe- und Tragebelastung über 10kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne monotone wie auch repetitive Halte- und Tragebelastungen, Vib
rations- und Stossbelastungen der linken Hand und ohne häufige wirbelsäulen
belastende Zwangshaltungen
) sei weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gege
ben (S. 5 f. Ziff. 10).
4.4
RAD-Arzt Dr. med. Dr. rer. Pol. A._, Facharzt für Innere Medizin, berichtete am 12. Februar 2014 über die Untersuchung vom 21. Januar 2014 (Urk. 7/39). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ei
nen mechanischen Aortenklappenersatz bei schwerer symptomatischer Aortenin
suffizienz sowie Mitralklappenrekonstruktion mit Implantation eines Rings am 7. Januar 2010 (S. 4 Ziff. 8). Er attestierte dem Beschwerdeführer eine vorüber
gehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit im Januar 2010 (S. 4 Ziff. 10).
4.5
RAD-Arzt Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie so
wie für Neurologie, nannte im Bericht vom 20. März 2014 über die Untersuchung vom 13. März 2014 (Urk. 7/38) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 4 Ziff. 9):
-
depressive Episode, derzeit leichtgradig (F32.0)
-
Panikstörung (F41.0) mit Herzneurose
Dr. B._ führte aus, medizinisch-theoretische Einschränkungen ergäben sich hinsichtlich psychophysischer Belastbarkeit (Stresstoleranz, Kritikfähigkeit, Um
stellungsfähigkeit, Flexibilität, konzentrative Ausdauer). Zudem sei die Entschei
dungsfähigkeit beeinträchtigt. Strukturierte Tätigkeiten ohne besonderen Zeit- und Termindruck, ohne erhöhte Verantwortungsübernahme und ohne dauernden Entscheidungsdruck sowie Tätigkeiten ohne besondere Anforderungen an das körperliche und konzentrative Durchhaltevermögen sollten uneingeschränkt (zu 100 %) möglich sein. Die derzeit und zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Maschinen
führer entspreche im Wesentlichen den genannten Vorgaben. Der Beschwerde
führer befinde sich bereits in angemessener psychiatrischer Behandlung (S. 4 f. Ziff. 11).
5.
5.1
Im Zusammenhang mit de
r Neuanmeldung
vom
27. Juni 2017
l
iegen im Wesent
lichen folgende Berichte vor:
5.2
Dr. Y._ nannte im Bericht vom 5. April 2017 zuhanden der Taggeldversiche
rung (Urk. 7/59/14-15) folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
Angststörung mit Panikstörung mit Agoraphobie sowie generalisierenden Elementen
-
leichte depressive Episode
Dr. Y._ führte aus, die Symptomatik führe zu einer allgemeinen starken Be
einträchtigung der Lebensqualität des Beschwerdeführers, der zur Zeit nicht in der Lage sei, allein den Bus zu betreten oder einkaufen zu gehen. In der Arbeits
situation seien – nebst der Schwierigkeit, den Arbeitsort überhaupt zu erreichen – aktuell die allgemeine Belastungs- und Leistungsfähigkeit durch die Panik
symptome und Erschöpfung stark reduziert, die Konzentration und Aufmerksam
keit eingeschränkt, die Flexibilität und Umstellung äusserst gering. Das Bedienen von Maschinen könnte gar gefährlich sein in Folge der Konzentrationsstörungen und Ermüdungserscheinungen (S. 1 f. Ziff. 3). Der Beschwerdeführer stehe in psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit psychoedukativen, verhaltens
therapeutischen und systemischen Ansätzen in aktuell wöchentlicher Frequenz (S. 2 Ziff. 4). Das Ziel sei es, dass sich sein Zustand durch die Psychotherapie und die Einnahme der antidepressiven und anxiolytischen Medikation allmählich ver
bessere (S. 2 Ziff. 5). Gegenwärtig sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 2 Ziff. 7).
5.3
Im Bericht vom 24. August 2017 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/67/1-6) nannte Dr. Y._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
Angststörung mit Panikstörung mit Agoraphobie (F41.0) sowie generali
sierenden Elementen (F41.1), bestehend seit Januar 2017 (Anmerkung: anamnestisch Symptomatik in viel leichterer Ausprägung seit 2012 beste
hend)
-
anankastische Persönlichkeitsstörung (F60.5; anankastische Züge seit No
vember 2012 feststellbar)
-
somatoforme autonome Funktionsstörung (Herzneurose, F45.30), seit No
vember 2012
-
leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.0), bestehend seit Februar 2017
-
somatisch (diese Beeinträchtigung besteht seit längerem und ist unfallbe
dingt): Unfall mit Beeinträchtigungen am linken Handgelenk 2002, dadurch SUVA-Teilrente für 22%-Einschränkung
Dr. Y._ führte aus, der Beschwerdeführer sei am 27. Januar 2017 auf dem Weg zur Arbeit kollabiert. Er habe im Bus eine plötzliche Wärme, Ameisenlaufen und Unwohlsein gespürt und sei dann beim Aussteigen kurz ohnmächtig geworden und in der Folge mit der Ambulanz ins C._ gefahren wor
den. Seither träten regelmässig Panikattacken im Bus, beim Einkaufen, beim Spa
zieren auf. Dies meist, wenn der Beschwerdeführer alleine sei. Ebenso sei eine generalisierte Angstsymptomatik vorhanden, in denen Symptome wie Palpitati
onen, Druck auf der Brust, Benommenheit und Unwohlsein über Stunden andau
ern könnten (S. 2 Ziff. 1.4). Dr. Y._ attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 24. Februar 2017 bis heute (S. 3 Ziff. 1.6). Kog
nitiv seien Aufmerksamkeit, Auffassung und Konzentration vermindert, auch das Grübeln und Gedankenkreisen minderten die Entscheidungs- und Leistungskraft. Affektiv bestehe eine Freudlosigkeit, der psychomotorische Antrieb sei vermin
dert und es bestehe ein Morgentief mit morgendlich verstärktem Antriebsverlust. Die Paniksymptome setzten die körperliche und physische Leistungsfähigkeit deutlich hinab und besetzten den Beschwerdeführer derart, dass situativ keine anderen Inhalte mehr Platz hätten (S. 3 Ziff. 1.7).
5.4
RAD-Ärztin dipl.-med. D._, Fachärztin für Allgemeine Innere Me
dizin, führte in ihrer Stellungnahme vom 4. September 2017 (Urk. 7/68/2-3) aus, dass erneut eine Angststörung in Verbindung mit einer Herzneurose und einer leichtgradigen depressiven Episode geltend gemacht werde. Neu werde eine an
ankastische Persönlichkeitsstörung festgestellt, was aus versicherungsmedizini
scher Sicht fraglich sei, da Persönlichkeitsstörungen bereits in der Jugend ent
stünden. Es verblieben somit dieselben Diagnosen wie bereits im Jahr 2014. Eine Veränderung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen.
5.5
Dr. med. E._, Leitender Arzt der F._, bestätigte mit Schreiben vom 14. September 2017 (Urk. 7/79/2) die Teil
nahme des Beschwerdeführers am Gruppenprogramm Angstbewältigung. Auf
grund seiner Beobachtungen im Rahmen der Gruppentherapie gehe er von all
tags- und arbeitsrelevanten Einschränkungen des Beschwerdeführers aufgrund der bestehenden Angststörung aus.
5.6
Dr. Y._ nahm am 18. September 2017 Stellung zum Vorbescheid (Urk. 7/79/1). Sie führte aus, der Beschwerdeführer sei dieses Jahr aufgrund von wesentlichen Veränderungen im Schweregrad und Ausmass der Angst- und Persönlichkeits
störung arbeitsunfähig geworden. Bei den Angst- und Zwangsstörungen sei nicht die Diagnose per se, sondern die Ausprägung der Störung entscheidend für den Grad der Invalidisierung. Im Januar 2014 habe die Diagnose der Angststörung zu keiner Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit geführt, die psychischen Einschrän
kungen im Arbeitsalltag seien nur geringfügig und punktuell gewesen. Drei Jahre später habe der Schweregrad so stark zugenommen, dass eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit vorliege. Zudem seien im Jahr 2014 anankastische Persönlich
keitszüge erkennbar gewesen; diese hätten sich durch die Verunsicherung durch die Angststörung so verstärkt, dass sie heute das Ausmass einer Persönlichkeits
störung erreichen würden. Ebenso sei erstmals eine depressive Episode aufgetre
ten.
6.
6.1
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machte, dass
sie keine wesentlichen Ver
änderungen der beruflichen oder medizinischen Situation habe feststellen kön
nen
, vermag dies nicht zu überzeugen.
6.2
Anlässlich der Abweisung des Rentenanspruchs vom 2
0.
August 2014 (
Urk.
7/52) wurde ausgeführt, dass angepasste Tätigkeiten, körperlich leicht und wechselbe
lastend, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastung über 10
kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne monotone wie auch repetitive Halte- und Trage
belastungen, Vibrations- und Stossbelastungen der linken Hand und ohne häu
fige wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen weiterhin in einem 100%-Pensum möglich seien. Da die unfallfremden Faktoren die
Arbeitsfähigkeit
in einem 100%-Pensum nicht weiter einschränken würden, werde auf den Einkommens
vergleich der SUVA abgestellt (S. 2 oben). Die psychiatrischen Diagnosen einer depressiven Episode sowie einer Panikstörung seien nicht IV-relevant und ver
hinderten die 100%ige
Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit nicht (S. 2 Mitte). Die Beschwerdegegnerin stellte einem Valideneinkommen von
Fr.
82‘550.00 ein Invalideneinkommen von
Fr.
64‘606.35 gegenüber und errech
nete einen rentenausschliessenden IV-Grad von 22
%
. Ab dem
1.
Juni 2014 sei der
Beschwerdeführer
wieder für seinen ehemaligen Arbeitgeber tätig und erwirt
schafte ein Jahreseinkommen von
Fr.
66‘885.00 (S. 2 unten).
6.3
Aus den aktuellen Berichten der behandelnden Psychiaterin Dr. Y._ ergibt sich e
ine anspruchserhebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Sie attes
tierte dem Beschwerdeführer in ihrem früheren Bericht zuhanden der Beschwer
degegnerin im Januar 2014 trotz Vorliegen von psychiatrischen Diagnosen keine Arbeitsunfähigkeit. In den aktuellen Berichten legte sie eine Verschlechterung des psychiatrischen Zustandes dar. Dass die Diagnosen teilweise noch dieselben sind, ist dabei nicht von Belang. Die Angststörung hat gemäss den aktuellen Berichten von Dr. Y._ mittlerweile Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Auch Dr. E._ geht von alltags- und arbeitsrelevanten Einschränkungen aufgrund der bestehenden Angststörung aus. Neben der Angst- und der Persönlichkeitsstö
rung kann sich auch die leichte bis mittelgradige depressive Episode auf die Ar
beitsfähigkeit auswirken. So
en
tschied das Bundesgericht mit
den Urteilen 8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 3
0.
November 2017
(nun publiziert als BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418
)
, dass sämtliche psychische Leiden, namentlich leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
Ohne materielle Beurteilung kann je
denfalls nicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdefüh
rers
in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden.
Aufgrund der vorliegen
den medizinischen Berichte bestehen genügend Anhaltspunkte für eine rechtser
hebliche Sachverhaltsänderung.
6.4
Demnach hat der Beschwerdeführer eine erhebliche Änderung des Invaliditäts
grades im Sinne von Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV glaubhaft ge
macht (vgl. E. 1.1, E. 1.2 und E. 1.3). Folglich ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung vom
27. Juni 2017
eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Ver
waltung zurückzuweisen ist.
7.
7.1
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsge
mäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses und beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr. 220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
1‘700
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.