Decision ID: 1ec0e665-5cff-431f-9254-d3a6172252d6
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 31. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass dem Beschwerdeführer am 30. Juni 2022 im Rahmen des Dublin-
Gesprächs das rechtliche Gehör zu einer möglichen Zuständigkeit Italiens
gewährt wurde,
dass das SEM mit Verfügung vom 17. August 2022 – eröffnet am 18. Au-
gust 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach
Italien anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spä-
testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. August 2022 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht mittels eines Beschwerde-
formulars Beschwerde erhob und dabei beantragte, die Verfügung des
SEM sei aufzuheben, ihm sei die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und
Asyl zu gewähren, die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs sei festzustellen und eine vorläufige Aufnahme
anzuordnen,
dass er gleichzeitig darum ersuchte die unentgeltliche Prozessführung un-
ter Verzicht auf einen Kostenvorschuss und Einsetzung eines amtlichen
Rechtsbeistands zu gewähren, sowie die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde wiederherzustellen,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht seit dem
24. August 2022 in elektronischer Form vorliegen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
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(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – unter
Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, wes-
halb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge-
währung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefochtenen
Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden Verfah-
rens bilden, weshalb auf die entsprechenden Beschwerdeanträge nicht
einzutreten ist,
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dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass sich Asylsuchende in Beschwerdeverfahren gegen Überstellungsent-
scheidungen auf die richtige Anwendung sämtlicher objektiver Zuständig-
keitskriterien der Dublin-III-VO berufen können, insbesondere auf Bestim-
mungen, die einen Zuständigkeitsübergang infolge Fristablaufs vorsehen
(vgl. BVGE 2017 VI/9 E. 5 [insb. E. 5.3.2] m.w.H.),
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am (...) Mai 2022 als irregulär über
eine Aussengrenze nach Italien eingereist registriert worden ist,
dass das SEM die italienischen Behörden am (...) Juni 2022 um Aufnahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 1
sowie Art. 21 Abs. 1 und 3 Dublin-III-VO ersuchte,
dass die italienischen Behörden das Gesuch um Aufnahme bis zum Ablauf
der zweimonatigen Antwortfrist nach Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO unbeant-
wortet liessen, womit gemäss Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO von einer Statt-
gabe auszugehen ist,
dass kein vorrangiges Kriterium erfüllt ist, welches eine Zuständigkeit der
Schweiz begründen würde,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,
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dass auch keine Gründe ersichtlich sind, welche für eine zwingende An-
wendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO
sprechen würden,
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer vorbringt, er sei von einem Freund informiert
worden, dass in der Schweiz Asylsuchende versorgt würden, während das
in Italien nach diesen Informationen nicht so sei,
dass er damit implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO res-
pektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, sein Vorbringen jedoch nicht zu
überzeugen vermag,
dass in dieser Hinsicht festzuhalten bleibt, dass Italien Signatarstaat der
EMRK (SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zu-
satzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, und Italien
nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen
Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt,
das die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, Italien anerkenne und schütze
die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi-
schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-
meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-
tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom 26. Juni
2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in-
ternationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass zwar nicht von der Hand zu weisen ist, dass die in Italien herrschen-
den Aufnahmebedingungen in der Vergangenheit wiederholt zu Klagen An-
lass gaben, wozu sich das Bundeverwaltungsgericht schon mehrfach ge-
äussert hat (vgl. BVGE 2015/4 E. 4, 2016/2 E. 5, 2017 VI/5 E. 8.4, 2017
VI/10 E. 5 sowie BVGer-Referenzurteile E-962/2019 vom 17. Dezember
2019, F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 und D-4235/2021 vom 19. April
2022),
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dass sich allerdings auch damit nichts daran geändert hat, dass das Ge-
richt grundsätzlich von der Zulässigkeit von Überstellungen nach Italien
ausgeht,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen,
dass vor diesem Hintergrund nichts dafür spricht, dass ihm in Italien eine
mit Art. 3 EMRK unvereinbare Behandlung drohen würde, weshalb die
Schweiz nicht zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ver-
pflichtet ist,
dass der Beschwerdeführer zwar gegenüber der Vorinstanz geltend ge-
macht hat, er leide an psychischen Problemen, welche der Behandlung
bedürfen und er benötige wegen seiner Augenprobleme eine neue Brille,
dass dies jedoch nicht auf das Vorliegen von Erkrankungen schliessen
lässt, welche nicht auch in Italien behandelt werden könnten,
dass weder den Akten noch den Vorbringen des Beschwerdeführers an-
lässlich des rechtlichen Gehörs zur Zuständigkeit Italiens Hinweise auf Er-
krankungen oder Verletzungen in dem Sinne zu entnehmen sind, dass
diese einer Überstellung dauerhaft entgegenstehen könnten,
dass aufgrund der Aktenlage zudem davon ausgegangen werden darf, der
Beschwerdeführer sei durchaus in der Lage, in Italien gegenüber den dort
zuständigen Behörden seine Rechte wahrzunehmen und dort auch eine
hinreichende Lebensgrundlage zu finden,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sodann Er-
messen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise
auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers auch umfassend
unter dem Aspekt der humanitären Gründe nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1
gewürdigt hat,
dass es sich gerade auch mit den Vorbringen des Beschwerdeführers zu
seiner gesundheitlichen Situation genügend auseinandergesetzt hat,
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dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass nach dem Gesagten die angefochtene Verfügung zu bestätigen ist
und die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist,
dass mit vorliegendem Urteil in der Hauptsache die Gesuche um Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung (nach Art. 107a AsylG) und Befreiung
von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegen-
standslos geworden sind,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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