Decision ID: 64d9e35c-2c6e-4381-bfc7-532d611e948c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ war seit 1. September 2019 bei der Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Ausgleichskasse) mit
seinem Einzelunternehmen B._ als Selbstständigerwerbender erfasst (act. G 3.1/3).
Mit Anmeldungen vom 2. und 24. April 2020 stellte er einen Antrag auf Corona-
Erwerbsersatzentschädigung (act. G 3.1/19 und 22). In der Folge wurden ihm für den
Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum 16. September 2020 (Härtefall-)Taggelder,
basierend auf einem Tagesansatz von Fr. 144.80, ausgerichtet (act. G 3.1/23 - 25, 29,
30, 35 und 38).
A.a.
Am 16. November 2020 meldete sich der Versicherte erneut für den Bezug einer
Corona-Erwerbsersatzentschädigung für den Zeitraum vom 17. September 2020 bis
zum 31. Oktober 2020 an (act. G 3.1/45). Mit Schreiben vom 30. November 2020 wies
die Ausgleichskasse das Gesuch ab, da der Versicherte keine Lohneinbusse erleide
(act. G 3.1/48). Mit E-Mail vom 8. Dezember 2020 machte der Versicherte geltend, er
habe sich im Zeitraum vom 17. September 2020 bis zum 31. Oktober 2020 nur
Fr. 300.-- auszahlen können (act. G 3.1/51 - 59). Am 14. Dezember 2020 wies die
Kasse das Gesuch erneut ab, da die Umsatzeinbusse des Betriebs kleiner als 55 % sei
und demzufolge kein Anspruch auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung bestehe
(act. G 3.1/64).
A.b.
Am 12. Dezember 2020 stellte der Versicherte ein weiteres Gesuch um Corona-
Erwerbsersatzenschädigung für den November 2020 (act. G 3.1/65). Mit Schreiben
A.c.
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B.
vom 21. Dezember 2020 wies die Kasse den Antrag ab, da die Umsatzeinbusse des
Betriebs kleiner als 55 % gewesen sei (act. G 3.1/66).
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2020 machte der Versicherte einspracheweise
geltend, die Berechnungsgrundlagen berücksichtigten nicht die Gegebenheiten bei den
im Jahr 2019 neu gegründeten Unternehmen. Es sei nicht möglich, gleich im ersten
Monat einen Umsatz zu erzielen, der schon einen Reingewinn abwerfe. Mit dem
erzielten Umsatz hätte das Unternehmen aber schon fünf Monate nach der Gründung
die Gewinnzone erreicht. Er habe ab Januar 2020 eine zweite Angestellte eingestellt
und ab August 2020 einen Lehrlingsvertrag unterschrieben. Er erwarte eine
Entschädigung, die verhältnismässig sei und auch neugegründete Unternehmen
berücksichtige (act. G 3.1/67).
A.d.
Am 19. Januar 2021 erliess die Ausgleichskasse nachträglich eine Verfügung
betreffend den Zeitraum vom 17. September 2020 bis zum 31. Oktober 2020, in
welcher sie den Antrag um Ausrichtung einer Corona-Erwerbsersatzentschädigung
formell abwies (act. G 3.1/71). Mit Schreiben vom 20. Januar 2021 nahm sie zudem das
Schreiben des Versicherten vom 20. Dezember 2020 als dagegen gerichtete
Einsprache entgegen (act. G 3.1/72). Mit Entscheid vom 13. April 2021 wies sie diese
ab. Der durchschnittliche Umsatz je Monat habe beim Einsprecher im Jahr 2019
Fr. 8'555.25 betragen. In der Zeitperiode ab Januar bis Ende November 2020 habe er
einen durchschnittlichen monatlichen Umsatz von rund Fr. 10'000.-- erzielt, weshalb
keine Umsatzeinbusse gegenüber 2019 ausgewiesen sei. Die Ausgleichskasse habe
demnach ab 17. September 2020 zu Recht keine Corona-Entschädigung mehr
ausgerichtet (act. G 3.1/73).
A.e.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 12. Mai
2021 (Datum Postaufgabe) mit dem Antrag, ältere und neuere Betriebe seien
gleichzustellen und sinngemäss wohl, es sei dem Beschwerdeführer eine Corona-
Erwerbsersatzentschädigung auszurichten. Das Einzelunternehmen B._ sei im Herbst
2019 gegründet worden. Das Konzept habe die Produktion von Torten aller Art für
Geburtstagsfeiern, Verlobungen und Hochzeiten umfasst, zudem die Durchführung von
Apéros und Dessertbuffets. Nach nur vier Monaten seien die Auftragsbücher für 2020
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
so gefüllt gewesen, dass der Betrieb längerfristig gewährleistet gewesen sei. Die
verschiedenen Verfügungen des Bundes hätten dann aber unter anderem die
Belieferung ab fünf Personen verboten, wodurch alle grösseren und finanziell
interessanten Anlässe per sofort gestrichen worden seien. Die Beschlüsse des Bundes
hätten ihren Anfang im März 2020 und beträfen nicht das Geschäft der vergangenen
Jahre, weshalb für neugegründete Unternehmen eine andere Berechnungsgrundlage
geschaffen werden müsse. Der Bund und der Kanton hätten Voraussetzungen
geschaffen, die es neugegründeten Unternehmen unmöglich machten, diese zu
erfüllen. Da der Bund und der Kanton in die Wirtschaft eingegriffen hätten, sei es ihre
Verantwortung und Pflicht, dafür Entschädigungen zu leisten. Das Einzelunternehmen
des Beschwerdeführers sei unverschuldet in diese Situation geraten und werde jetzt im
Stich gelassen (act. G 1).
Mit Eingabe vom 12. Juni 2020 beantragt die Verwaltung unter Verweis auf ihre
Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.b.
Am 4. April 2022 (Datum Postaufgabe) reicht der Beschwerdeführer weitere
Unterlagen betreffend den Liquidationsabschluss seines Einzelunternehmens ein und
führt dazu sinngemäss aus, dass das Unternehmen die Krise überstanden hätte, wenn
es unterstützt worden wäre. Er verstehe diese Ungleichbehandlung nicht (act. G 10).
B.c.
Anspruchsberechtigt für die Corona-Erwerbsausfallentschädigung sind unter
anderem Selbstständigerwerbende im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1 [abgekürzt: ATSG]), die nicht
unter Abs. 3 fallen und welche die Voraussetzung von Abs. 1 lit. c (obligatorisch in
der AHV versichert) erfüllen, wenn ihre Erwerbstätigkeit auf Grund von behördlich
angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich
einschränkt ist (lit. a), sie einen Erwerbsausfall erleiden (lit. b) und sie im Jahr 2019 für
diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.--
erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr
2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres
1.1.
bis
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2.
ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer (lit. c [Art. 15 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des
Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie [SR 818.102; abgekürzt:
Covid-19-Gesetz], in den Fassungen gültig ab 17. September 2020, in Verbindung mit
Art. 2 Abs. 3 der Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im
Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19 [SR 830.31; abgekürzt: Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall]], in der vorliegend anwendbaren Fassung gemäss Ziff. I der
Verordnung vom 4. November 2020, rückwirkend in Kraft seit 17. September 2020 [AS
2020 4571], Stand am 8. Oktober 2020]).
bis
Die Erwerbstätigkeit gilt als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatzeinbusse von mindestens 55 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen
monatlichen Umsatz der Jahre 2015 - 2019 vorliegt. Wurde die Tätigkeit nach 2015 und
vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer
massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen
haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 55
Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindestens drei Monaten
vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen
(Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall, Stand am 8. Oktober 2020).
1.2.
ter
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die obgenannten
Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt, indem namentlich die Erwerbstätigkeit nicht
durch behördlich angeordnete Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie
massgeblich eingeschränkt war bzw. keine 55%ige Umsatzeinbusse gegenüber 2019
vorlag (vgl. Art. 2 Abs. 3 lit. a und Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). Der
Beschwerdeführer macht insbesondere nicht geltend, die Umsatzeinbusse sei falsch
berechnet worden. Eine summarische Überprüfung ergibt denn auch keine
Unregelmässigkeiten: So ist beim Beschwerdeführer, der seine selbstständige
Erwerbstätigkeit nach eigenen Angaben am 25. Oktober 2019 (act. G 3.1/45.1), mithin
nach 2015 aber vor 2020, aufgenommen hat, der Durchschnitt der entsprechenden
Erwerbsdauer massgebend und mit der Antragsperiode zu vergleichen (Art. 2 Abs. 3
Covid-19-Verordnung, Fassung vom 8. Oktober 2020; vgl. auch Kreisschreiben des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Entschädigung bei Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus - Corona-Erwerbsersatz [KS CE], Vorwort zur Version 8
und Ziff. 1041.3 f. in der vorliegend und rückwirkend per 17. September 2020
anwendbaren Version 8; Stand am 4. November 2020). Massgebend sind somit die
Umsätze Oktober bis Dezember 2019. Diese betrugen nach eigenen Angaben
2.1.
bis ter
ter
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Fr. 5'871.--, Fr. 13'373.-- und Fr. 14'977.-- (act. G 3.1/45.1 und 45.9). In der
Anmeldung als Selbstständigerwerbender gab der Beschwerdeführer an, die
Erwerbsaufnahme sei per 1. September 2019 erfolgt (act. G 3.1/1.1), weshalb die
Beschwerdegegnerin den Durchschnitt auf vier Monate berechnete (September bis
Dezember 2019, wobei sie für den September 2019 einen Umsatz von Null
angenommen hatte) und somit auf einen monatlichen Durchschnittswert von
Fr. 8'555.25 kam (Fr. 34'221.-- : 4 [act. G 3.1/61]). Eine 55%ige Erwerbseinbusse ergibt
sich aber selbst dann nicht, wenn man mit dem Beschwerdeführer von einer im
Oktober 2019 erfolgten Betriebsaufnahme (vgl. Anmeldung EO-Corona-Erwerbsersatz
und undatierte Telefonnotiz [act. G 3.1/45.1 und 61]) - und damit von einem
durchschnittlichen monatlichen Umsatz von Fr. 11'407.-- (Fr. 34'221.-- : 3) ausgeht,
betrug doch der durchschnittliche, auf den Monat umgerechnete Umsatz in der
Antragsperiode 17. September 2020 bis 31. Oktober 2020 (= 1,47 Monate) selbst nach
den vom Beschwerdeführer deklarierten Umsätzen Fr. 13'001.-- ([[16'908.-- : 30 x 14] +
11'221.--] : 1,47 [vgl. act. G 3.1/45.9 [Umsätze in den Bereichen Torten, Businesslunch
und Automaten]]).
Der Beschwerdeführer macht indessen im Wesentlichen geltend, neugegründete
Betriebe seien den älteren gleichzustellen, wenn es um die Entschädigung gehe,
weshalb für erstere eine andere Berechnungsgrundlage zu schaffen sei. Implizit rügt er
damit eine Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots nach Art. 8 der Bundesverfassung
(SR 101; abgekürzt: BV), indem Ungleiches zu Unrecht gleich behandelt werde bzw.
eine gebotene Unterscheidung unterlassen werde. In sachverhaltlicher Hinsicht macht
er (in der Einsprache) weiter implizit geltend, das Einkommen 2019 sei nicht
repräsentativ, da er sein Geschäft erst im Oktober 2019 eröffnet habe und er im
Folgejahr 2020 - ohne Corona bzw. die dagegen gerichteten Massnahmen des
Bundesrats - bereits mehr Umsatz erzielt hätte. Aus diesem Grund sei auf den
mutmasslich entgangenen bzw. auf den zu erwartenden Umsatz 2020 abzustellen, der
ab Februar 2020 monatlich Fr. 24'946.-- betragen hätte. Mit diesem Umsatz hätte das
Einzelunternehmen bereits fünf Monate nach der Neugründung schwarze Zahlen
geschrieben (act. G 3.1/67.1).
2.2.
Nach Art. 8 Abs. 1 BV verstösst ein Erlass gegen das Gebot der Rechtsgleichheit
in der Rechtsetzung, wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die kein
vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen ersichtlich ist, oder wenn er
Unterscheidungen unterlässt, die sich auf Grund der Verhältnisse aufdrängen, wenn
also Gleiches nicht nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nicht nach
Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Die ungerechtfertigte Gleich-
2.3.
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bzw. Ungleichbehandlung muss sich auf eine wesentliche Tatsache beziehen. Die
Frage, ob für eine rechtliche Unterscheidung ein vernünftiger Grund in den zu
regelnden Verhältnissen besteht, kann zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich
beantwortet werden. Dem Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser Grundsätze und des
Willkürverbots ein weiter Gestaltungsspielraum (BGE 145 II 211 E. 2.4.1, mit Hinweis
auf BGE 143 V 139 E. 6.2.3 S. 145 f.).
Das Rechtsgleichheitsgebot erlaubt Ungleichbehandlungen, sofern diese mit
ernsthaften sachlichen Gründen gerechtfertigt werden können, d.h. wenn die
Situationen, in denen sich zwei oder mehrere Personen oder Gruppen befinden, in
wichtigen Aspekten derart verschieden sind, dass sich im Hinblick auf den
Regelungszweck eine unterschiedliche Behandlung geradezu aufdrängt. Das
Bundesgericht untersucht regelmässig, ob eine gesetzliche Regelung rechtliche
Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden
Verhältnissen nicht ersichtlich ist bzw. ob sie Unterscheidungen unterlässt, obwohl sie
sich sachlich aufdrängen (Rainer J. Schweizer, in: Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl., Dike/Schulthess 2014, Art. 8 Rz 21).
Bei einer rechtlichen Ungleichbehandlung, wo über den Bezug von staatlichen
Leistungen in existenziellen Lebensbereichen entschieden wird, besteht sodann eine
erhöhte Pflicht zur Begründung von Differenzierungen, also des Ein- oder Ausschlusses
bestimmter Personen von entsprechenden Leistungen (Jörg Paul Müller/Markus
Schefer, Grundrechte der Schweiz, 4. Aufl., Stämpfli 2008, S. 666).
2.4.
In den ursprünglichen Fassungen von Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall (gültig gewesen bis 16. September 2020) war für den
Entschädigungsanspruch - nebst dem vorausgesetzten massnahmebedingten
Erwerbsausfall - lediglich verlangt, dass das für die Bemessung der AHV-Beiträge
massgebende Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.--
lag. Die vorliegend anwendbare Regelung des Art. 2 Abs. 3 und 3 Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall (Stand am 8. Oktober 2020), die zudem eine - durch einen
55%igen Umsatzeinbruch definierte - massgebliche Einschränkung der
selbstständigen Erwerbstätigkeit verlangt, wurde mit der Novelle vom 4. November
2020 eingeführt (rückwirkend in Kraft seit 17. September 2020 [AS 2020 4571]). Dabei
wird grundsätzlich auf den durchschnittlichen monatlichen Umsatz im Zeitraum 2015
bis 2019 abgestellt. Dies führt zwar einerseits dazu, dass die Bemessungsperiode für
den durchschnittlichen monatlichen Umsatz bei später innerhalb des genannten
Zeitraums gegründeten Unternehmen kürzer ist (vgl. auch KS CE, Ziff. 1041.3 f., Stand
am 4. November 2020), und andererseits, dass ein mögliches späteres
2.5. bis
bis ter
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/9
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Umsatzwachstum bei im Jahr 2019 neu gegründeten Unternehmen nicht berücksichtigt
wird, während bei bereits etablierten Unternehmen nicht nur auf einen längeren
Zeitraum abgestellt wird (maximal 60 Monate), sondern auch die Wahrscheinlichkeit,
dass ein allfällig bereits stattgefundenes Umsatzwachstum in die Bemessung des Vor-
Corona-Umsatzes miteinfliesst, erhöht wird.
Indessen kann nicht gesagt werden, dass es für die fragliche Verordnungsregelung
keinen sachlichen Grund gäbe. So soll bei indirekter Betroffenheit von behördlich
angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie nur bei einem
tatsächlichen und erheblichen Umsatzrückgang ein Ersatzanspruch bestehen, nicht
jedoch bei einem bloss hypothetischen bzw. bei einem solchen, der ein bloss
mögliches, zukünftiges Umsatzwachstum voraussetzt. Die Ermittlung eines solchen
wäre denn wohl regelmässig mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, wenn nicht
gar unmöglich, und würde dem Charakter einer rasch verfügbaren Nothilfe
widersprechen. Der vom Beschwerdeführer anlässlich seiner Anmeldung als
Selbstständigerwerbender eingereichte Businessplan vom 26. Juli 2019 zeigt denn
auch eine starke Abhängigkeit von unwägbaren Faktoren ("Instagram-Hype",
Abhängigkeit von seiner wichtigsten Mitarbeiterin, welche die Torten kreiert, und die im
Businessplan praktisch als Geschäftspartnerin beschrieben wird, teilweise auf dem
Briefkopf genannt wird [C._] und die Geschäftstätigkeit mittlerweile offenbar unter
eigenem Namen fortführt [Einzelunternehmen D._ [act. G 3.1/1.6 ff., 1.23 und 1.33;
Auszug aus dem Handelsregister des Kantons St. Gallen, abgerufen am 30. August
2022; vgl. auch Webshop "E._" abgerufen am 30. August 2022 und Instagram-Profil
von C._, abgerufen am 30. August 2022]]). Zwar mag zutreffen, dass junge
Unternehmen in der Aufbauphase oftmals ein Umsatzwachstum zu verzeichnen haben.
Dies ist jedoch keineswegs garantiert, "überleben" (d.h. bleiben im Bestand der aktiven
Unternehmen) im Bereich Gastgewerbe/Beherbergung auch ohne Pandemie drei Jahre
nach der Gründung nur knapp die Hälfte (48 %), fünf Jahre nach der Gründung knapp
40 % (39,9 %) der neu gegründeten Unternehmen (Bundesamt für Statistik; <https://
www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/industrie-dienstleistungen/unternehmen-
beschaeftige/unternehmensdemografie/ueberlebensraten.html>, abgerufen am 30.
August 2022). Wie es sich damit mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Bestelleingängen verhält, braucht indessen nicht abschliessend geklärt zu werden,
stellt doch die fragliche Verordnungsbestimmung des Art. 2 Abs. 3 Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall lediglich eine Wiederholung des in Art. 15 Abs. 1 Covid-19-
Gesetz (Stand am 26. September 2020; Art. 15 rückwirkend in Kraft gesetzt per
17. September 2020 [Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz]) Festgelegten dar (55 %
Umsatzeinbusse im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz in den Jahren 2015 –
2.6.
ter
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/9
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3.