Decision ID: f14769de-8a84-5d17-955e-3864563587ed
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 2. November 2015 in der Schweiz um
Asyl. Zu seiner Person und zur Begründung seines Gesuchs brachte er im
Wesentlichen vor, er habe seit seinem zweiten Lebensjahr mit der Familie
in Kabul gelebt, wo er geheiratet und ein Abendstudium abgeschlossen
habe. Er habe für eine westliche Firma als B._ gearbeitet. Dies
habe den Taliban nicht gepasst und er sei wiederholt telefonisch anonym
mit dem Tode bedroht worden. Aus Sorge um seine Sicherheit habe er zum
5. August 2015 seine Arbeit vorzeitig gekündigt. Am 12. September 2015
habe er einen Drohbrief der Taliban erhalten und sich in der Folge zum
Verlassen seines Heimatlandes entschieden.
A.a Mit Verfügung vom 28. September 2018 verneinte das SEM die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte dessen Asylgesuch ab
und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges bejahte das SEM, da es die
im Referenzurteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 hierfür geforderten
besonders begünstigenden Faktoren im Falle des Beschwerdeführers als
gegeben erachtete.
A.b
Das Bundesverwaltungsgericht wies die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde mit Urteil D-6264/2018 vom 5. August 2020 ab.
B.
B.a Mit Eingabe vom 11. November 2020 reichte der Beschwerdeführer
beim Bundesverwaltungsgericht ein gegen das Beschwerdeurteil
D-6264/2018 vom 5. August 2020 gerichtetes Revisionsgesuch ein, wobei
er die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sowie
die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragte.
Zur Begründung machte er geltend, die besonders begünstigenden Fakto-
ren, unter welchen gemäss geltender Rechtsprechung der Wegweisungs-
vollzug nach Kabul zumutbar sei, seien mittlerweile (beziehungsweise
sinngemäss im Zeitpunkt des Beschwerdeurteils) nicht mehr gegeben (ge-
wesen). Seine nahen Familienangehörigen seien bereits im Mai 2020 aus
Afghanistan ausgereist und lebten seither im Iran, wie dies aus dem vor
dem Urteil D-6264/2018 vom 5. August 2020 entstandenen und ihm am
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21. September 2020 zugegangenen Mietvertrag hervorgehe. Damit ver-
füge er über kein tragfähiges Beziehungsnetz mehr in Kabul.
B.b Mit Eingabe vom 26. November 2020 reichte der Beschwerdeführer
mehrere Fotos zum Nachweis dafür ein, dass seine Familie mittlerweile im
Iran lebe. Diese zeigten seine Eltern, Geschwister, seine Ehefrau und sei-
nen Sohn und seien am 21. November 2020 auf dem Platz C._ in
D._ aufgenommen worden.
B.c Das Bundesverwaltungsgericht wies das Revisionsgesuch mit Urteil
D-5624/2020 vom 21. Dezember 2020 ab, da der Beschwerdeführer nach
Erlass des Beschwerdeurteils D-6264/2018 keine erheblichen Beweismit-
tel aufgefunden habe, die geeignet seien, die tatbestandliche Grundlage
des Beschwerdeurteils zu ändern und zu einem anderen Ergebnis zu füh-
ren. Dem eingereichten Mietvertrag vom 10. Mai 2020 komme keine Er-
heblichkeit zu und die nachgereichten Fotos vom 21. November 2020 seien
nach dem Beschwerdeurteil entstanden, hätten somit nicht vor Abschluss
des Beschwerdeverfahrens vorgelegen, weshalb sie für das Revisionsver-
fahren unbeachtlich seien.
C.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer beim SEM
ein Wiedererwägungsgesuch ein und beantragte, die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges sei wiedererwägungsweise festzustellen und die
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Mit den beigelegten Fotos der Familien-
mitglieder aus dem Iran, die bereits im Rahmen des Revisionsgesuches
eingereicht worden seien, und dem ebenfalls bereits mit dem Revisionsge-
such eingereichten Mietvertrag vom 10. Mai 2020 werde bewiesen, dass
er in Kabul über kein tragfähiges Beziehungsnetz und keine gesicherte
Wohnsituation mehr verfüge. Die nahen Familienangehörigen seien aus
Afghanistan ausgereist und lebten nun im Iran. Es sei anzumerken, dass
die beiden Onkel in Kabul nicht als tragfähiges Beziehungsnetz angesehen
werden könnten. Die gemäss dem Referenzurteil notwendigen besonders
begünstigenden Umstände lägen somit nicht mehr vor.
Der Beschwerdeführer reichte dem SEM die sechs Fotos vom 21. Novem-
ber 2020, die seine Familie im Iran zeigten, ein, zusammen mit einem
Screenshot dieses Datums, welcher gleichentags per WhatsApp an ihn ge-
schickt worden sei. Zudem sandte er eine Kopie des bereits dem Revisi-
onsgesuch beigelegten Mietvertrags vom 10. Mai 2020 inklusive deutsch-
sprachiger Übersetzung sowie Unterlagen zu seiner finanziellen Situation
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in der Schweiz ein (Arbeitszeugnis, Mietvertrag, Bestätigung der Kranken-
kasse).
Mit Schreiben vom 14. Januar 2021 reichte er die Adresse seiner Familie
im Iran sowie die Telefonnummer seines Bruders nach. Er ersuchte, den
Aufenthalt seiner Familie im Iran mittels dieser Angaben zu überprüfen.
D.
Mit Entscheid vom 8. Februar 2021 – eröffnet am 11. Februar 2021 – wies
das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte seine Verfügung
vom 28. September 2018 für rechtskräftig und vollstreckbar. Ebenso wies
es das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten sowie um unentgeltliche
Verbeiständung ab und auferlegte dem Beschwerdeführer die Verfahrens-
kosten von Fr. 600.–. Schliesslich lehnte es den Antrag auf Abklärungen
vor Ort in D._ ab und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme
keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Mit Beschwerde seiner Rechtsvertreterin vom 12. März 2021 beantragte
der Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnah-
me anzuordnen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache
zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Im Sinne vorsorglicher Massnahmen
sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Voll-
zugsbehörde anzuweisen, vom Wegweisungsvollzug abzusehen, bis das
Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde ent-
schieden habe. Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses, sowie um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung.
Der Beschwerde lagen Kopien der bereits bekannten Dokumente bei (Miet-
vertrag inklusive Übersetzung und sechs Fotos), zudem eine Anfrage an
die kantonale Behörde zur Ausstellung einer Fürsorgebestätigung.
F.
Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug der Wegweisung mit superpro-
visorischer Massnahme vom 15. März 2021 per sofort einstweilen aus.
G.
Am 26. März 2021 ging eine Fürsorgebestätigung vom 25. März 2021 beim
Gericht ein.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG)
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten
Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt,
handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner prak-
tisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungsgesuch die Än-
derung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich ein-
getretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5
m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung zu prüfen sind Be-
weismittel, die erst nach einem materiellen Beschwerdeentscheid des Bun-
desverwaltungsgerichts entstanden sind und daher revisionsrechtlich nicht
von Relevanz sein können (vgl. BVGE 2013/22 E. 12 und 13).
4.2 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf nicht dazu die-
nen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder infrage zu
stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen.
Gründe, welche bereits im Zeitpunkt der verpassten Anfechtungsmöglich-
keit im ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können somit
nicht als Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (vgl. Art. 66 Abs. 3
VwVG und Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2000 Nr. 24 E. 5b S. 220).
5.
5.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers nach Kabul. Zu
klären ist, ob er glaubhaft machen kann, dass er in Kabul über kein tragfä-
higes Beziehungsnetz und keine gesicherte Wohnsituation mehr verfügt,
da seine Familienangehörigen das Land verlassen und sich dauerhaft im
Iran niedergelassen haben.
5.2 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, der eingereichte
Mietvertrag sei nicht mehr zu würdigen, da dieser bereits Gegenstand des
Revisionsverfahrens gewesen sei. Folglich seien einzig die im November
2020 entstandenen Fotos zu berücksichtigen. Hierbei handle es sich ge-
mäss den Angaben des Beschwerdeführers um Fotos seiner Familie, die
nunmehr in D._ leben würde. Es sei festzustellen, dass die Fotos
nicht das geltend gemachte fehlende Beziehungsnetz in Kabul belegten.
Sie zeigten nur sechs Erwachsene und ein Kind, welche sich auf dem
C._-Platz in D._ befänden. Es sei durch keine weiteren Do-
kumente belegt, dass es sich dabei um die Ehefrau, den Sohn, die Eltern
und Geschwister handelte. Selbst wenn die Personen auf den Fotos seine
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Familienangehörigen seien, sei damit nicht bewiesen, dass diese nun per-
manent nicht mehr in Kabul lebten. Zudem stelle sich auch die Frage nach
den weiteren zahlreichen in Kabul lebenden Verwandten, unter anderem
seine Schwester. Auch habe der Beschwerdeführer die Behauptung im
Wiedererwägungsgesuch, die beiden Onkel in Kabul könnten nicht als
tragfähiges Beziehungsnetz angesehen werden, nicht weiter ausgeführt o-
der belegt. In den Befragungen im Asylverfahren habe er drei Onkel und
eine Tante mit Wohnsitz in Kabul angegeben. Er habe ausgesagt, dass ihm
ein Onkel und Cousins väterlicherseits sogar einen grossen Geldbetrag zur
Finanzierung der Ausreise ausgeliehen hätten. Es sei aufgrund seiner An-
gaben davon auszugehen, dass er noch über weitere Verwandte in Kabul
verfüge. So habe er in der Anhörung erwähnt, sein gesamter Familien-
stamm sei nach Kabul umgezogen. Damit würden sich auch weitere Abklä-
rungen vor Ort in D._ erübrigen, handle es sich bei den Auskunfts-
personen dort doch mutmasslich um seine nicht als unparteiisch zu be-
zeichnenden Familienangehörigen. Es sei dem Beschwerdeführer zusam-
mengefasst somit nicht gelungen, ein fehlendes soziales Beziehungsnetz
in Kabul glaubhaft zu machen. Im Übrigen sei festzuhalten, dass er auf-
grund seines Alters, Gesundheitszustandes, seiner Ausbildung, Arbeitser-
fahrung und seiner sozialen und beruflichen Vernetzung insgesamt güns-
tige Voraussetzungen habe, die es ihm ermöglichen sollten, sich in Kabul
wirtschaftlich und sozial zu reintegrieren und sich dort wieder eine Existenz
aufzubauen.
5.3 In der Beschwerde führte der Beschwerdeführer aus, seine nahen Fa-
milienangehörigen seien aus Afghanistan ausgereist und lebten im Iran. Er
verfüge somit zum aktuellen Zeitpunkt über kein tragfähiges Beziehungs-
netz und keine gesicherte Wohnsituation in Kabul mehr. Die beiden Onkel
in Kabul könnten nicht als tragfähiges Beziehungsnetz angesehen werden.
Somit lägen keine besonders begünstigenden Faktoren vor, welche den
Wegweisungsvollzug nach Kabul gemäss den Kriterien des Referenzur-
teils zumutbar machten. Insofern sei festzuhalten, dass er im Asylverfahren
auch in Bezug auf die Wegweisungsvollzugshindernisse nur das Erforder-
nis des Glaubhaftmachens zu erfüllen habe. Offensichtlich befände er sich
vorliegend in Beweisnot. Er habe alles ihm Zumutbare unternommen, um
zu belegen, dass sich seine Kernfamilie nicht mehr in Kabul aufhalte, son-
dern im Iran wohne. Er habe den Mietvertrag und die Fotos der Familie
eingereicht. Da die Familie illegal in den Iran eingereist sei, verfüge sie
weder über ein gültiges Visum noch über eine Aufenthaltsbewilligung, wel-
che den Aufenthalt im Iran beweisen würde. Insgesamt habe er mit den
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eingereichten Beweismitteln glaubhaft machen können, über kein tragfähi-
ges familiäres und soziales Beziehungsnetz in Kabul zu verfügen, weshalb
die besonders begünstigenden Faktoren aktuell nicht mehr erfüllt seien. Im
Übrigen habe die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz verletzt, da sie
in Bezug auf die familiären Verhältnisse keine weiteren Abklärungen vor
Ort im Iran getätigt habe, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wäre. Dies
gelte vorliegend umso mehr, als dass sich der Beschwerdeführer offen-
sichtlich in Beweisnot befinde.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die Lage in der Stadt Kabul
zum heutigen Zeitpunkt grundsätzlich als existenzbedrohend und somit
hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs als unzumutbar im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG (SR 142.20). Von dieser Regel kann abgewichen werden, falls
besonders begünstigende Faktoren vorliegen, aufgrund derer ausnahms-
weise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausgegangen werden kann. Sol-
che besonders begünstigenden Faktoren können gemäss dem Referenz-
urteil namentlich dann gegeben sein, wenn es sich bei der zurückkehren-
den Person um einen jungen, gesunden Mann handelt. Unabdingbar ist
ferner in jedem Fall ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Auf-
nahme und Wiedereingliederung der zurückkehrenden Person als tragfä-
hig erweist. Dieses soziale Netz muss der zurückkehrenden Person insbe-
sondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur
sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Allein aufgrund
von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch Mitgliedern der
Kernfamilie kann nicht von einem tragfähigen sozialen Beziehungsnetz
ausgegangen werden. Entscheidrelevant ist zudem, über welche Berufser-
fahrung die rückkehrende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine
wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusam-
menspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden kann. Angesichts der
festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul ist das Vorliegen dieser
strengen Anforderungen in jedem Einzelfall sorgfältig zu prüfen und diese
müssen erfüllt sein, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumut-
bar zu qualifizieren (Referenzurteil des BVGer D-5800/2016 vom 13. Ok-
tober 2017 E. 8.4.1).
6.2 Bereits im ordentlichen Asylverfahren schloss sich das Bundesverwal-
tungsgericht der Einschätzung des SEM an, wonach im Falle des Be-
schwerdeführers von besonders begünstigenden Faktoren ausgegangen
werden kann und sich der Wegweisungsvollzug nach Kabul im Falle des
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5800/2016
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Beschwerdeführers als zumutbar erweist (vgl. ausführlich Urteil des BVGer
D-6264/2018 vom 5. August 2020 E. 10.4.3).
Soweit der Beschwerdeführer mit dem vorliegenden Wiedererwägungsge-
such ein tragfähiges Beziehungsnetz in Kabul bestreitet, kann dem nicht
gefolgt werden. Das SEM hat festgestellt, dass der Mietvertrag bereits im
Revisionsverfahren gewürdigt wurde, und sich daher zu Recht weiterer
Ausführungen dazu enthalten. Diesbezüglich ist auch an dieser Stelle noch
einmal auf die Ausführungen des Revisionsurteils D-5624/2020 vom
21. Dezember 2020 zu verweisen (vgl. insbesondere dortige E. 3.3.2). Der
über WhatsApp übermittelte, fotografierte Mietvertrag ist von nur geringer
Beweiskraft und darüber hinaus nicht geeignet, das fehlende Beziehungs-
netz in Kabul, und damit die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
dorthin, zu belegen. Aus der lückenhaften Übersetzung des Dokumentes
geht zum einen nicht hervor, wo sich das Mietobjekt befindet. Zum anderen
vermag allein der Mietvertrag nicht zu belegen, dass und welche Familien-
mitglieder tatsächlich im Mietobjekt wohnen, zumal als Mieter im Vertrag
lediglich eine Person aufgeführt ist. Aus dem Beweismittel lässt sich somit
nicht schliessen, im Beschwerdeurteil sei fälscherweise davon ausgegan-
gen worden, der Beschwerdeführer verfüge über ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz in Kabul.
6.3 Die Fotos von November 2020, die nach dem Beschwerdeurteil ent-
standen sind und auf die das SEM im vorliegenden Wiedererwägungsver-
fahren zu Recht eingegangen ist, sind ebenfalls nicht geeignet, ein fehlen-
des tragfähiges Beziehungsnetz in Kabul zu belegen. Selbst wenn es sich
bei den Fotoaufnahmen aus dem Iran tatsächlich um die Familienangehö-
rigen des Beschwerdeführers handeln sollte, ist damit einzig belegt, dass
sich diese zu einem bestimmten Zeitpunkt in D._ aufgehalten ha-
ben, nicht aber, dass sie nun permanent dort beziehungsweise nicht mehr
in Kabul wohnhaft wären.
6.4 Jedoch ist auch ungeachtet der Frage, ob seine engsten Familienan-
gehörigen Kabul inzwischen verlassen haben, vorliegend weiterhin von ei-
nem tragfähigen sozialen Beziehungsnetz des Beschwerdeführers in Ka-
bul auszugehen. So gab er, der seit seinem zweiten Lebensjahr in Kabul
wohnt (vgl. act. A11, S. 6, F50), zu Protokoll, sein ganzer Familienstamm
wohne in Kabul (vgl. act. A11, S. 6, F52). Er hat somit neben seiner mit ihm
vormals zusammen in Kabul wohnhaften Kernfamilie noch weitere Ver-
wandte in Kabul (vgl. act. A11, S. 6, F44) und steht auch in Kontakt zu
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diesen. Auch zu seinen Freunden, seinen ehemaligen Mitschülern und Mit-
studenten, stehe er in Kontakt (vgl. act. A11, S. 4, F18 f.). Da er in Kabul
zur Schule ging und dort studierte (vgl. act. A11, S. 7, F59 ff.), ist von einem
grossen sozialen Beziehungsnetz in Kabul auszugehen. Unter den zahlrei-
chen in Kabul lebenden Verwandten sind mehrere Onkel und Tanten (vgl.
act. A11, S. 16, F136). Auch fand der Beschwerdeführer vor der Ausreise
bei seinen Onkeln väterlicher- und mütterlicherseits und der Tante väterli-
cherseits Zuflucht (vgl. act. A11, S. 16, F134), weshalb anzunehmen ist,
dass er bei ihnen nach der Rückkehr erneut eine Unterkunft vorfinden
könnte.
Der junge und gesunde Beschwerdeführer (vgl. act. A4, S. 9) hat zudem
eine gute Schulbildung vorzuweisen (vgl. act. A11, S. 7, F58). Nach dem
Schulabschluss absolvierte er ein Wirtschaftsstudium (vgl. act. A11, S. 7,
F61) und gab neben dem Studium Computer- und Englischkurse (vgl. act.
A11, S. 8, F65). Danach erwarb er berufliche Erfahrungen in seiner Funk-
tion als B._ bei der E._ (vgl. act. A11, S. 8, F65). Diesen Job
als B._ erhielt er nur, weil er unter den besten drei der zahlreichen
Bewerber war (vgl. act. A11, S. 8, F67). Wie die Vorinstanz zutreffend fest-
gehalten hat, verfügt er mithin über eine hohe Schul- und universitäre Bil-
dung sowie über mehrjährige Arbeitserfahrung, welche ihm auch unter Be-
rücksichtigung der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Kabul und in Af-
ghanistan allgemein eine rasche Reintegration in den Arbeitsmarkt erleich-
tern dürfte. Weiter trug er die Ausreisekosten zu einem grossen Teil selbst
beziehungsweise lieh er sich den weiteren Geldbetrag von seinen Ver-
wandten in Kabul (vgl. act. A11, S. 19, F156). Es kann daher angenommen
werden, dass ihn die Verwandten erneut in finanzieller Hinsicht helfen wür-
den oder er bei Bedarf auch von seinem in den USA lebenden Bruder oder
dem ebenfalls in den USA lebenden Cousin Unterstützung erhalten könnte
(vgl. act. A4, S. 6).
6.5 Darüber hinaus ist auch anzumerken, dass die Argumentation, durch
den Wegzug seiner Eltern, seiner Ehefrau, seines Kindes und seiner Ge-
schwister in den Iran verfüge er über kein tragfähiges Beziehungsnetz
mehr in Kabul und keine gesicherte Wohnsituation, insofern auch nicht ver-
fängt, als er mehrfach erwähnte, dass sowohl sein Vater, seine Mutter und
seine Ehefrau ohne Erwerbseinkommen seien und die Familie vom Bruder
aus den USA unterstützt werde (vgl. act. A11, S. 4, F24 f.). So wurde auch
schon im Verfahren D-6264/2018 in der Beschwerde vom 2. November
2018 argumentiert, die Familie des Beschwerdeführers werde finanziell
durch den Bruder in den USA unterstützt, da Mutter und Vater arbeitslos
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seien (vgl. Beschwerde, S. 20 f.). Insofern kann ihn seine Kernfamilie, zu-
mindest in wirtschaftlicher Hinsicht, wahrscheinlich ohnehin nicht unterstüt-
zen, unabhängig vom Wohnsitz im Iran oder in Afghanistan. Die wirtschaft-
liche Unterstützung dürfte eher von dem in den USA lebenden Bruder oder
dem Onkel und den Cousins in Kabul, die einen erheblichen Teil der Aus-
reisekosten gezahlt haben, zu erwarten sein. Dem Beschwerdeführer ist
nach dem Gesagten zuzutrauen, dass ihm die wirtschaftliche und soziale
Integration angesichts seiner Schulbildung, Berufserfahrung und seiner so-
zialen und beruflichen Vernetzung auch mit Hilfe der vor Ort lebenden Ver-
wandten gelingen wird. Weshalb die beiden in Kabul lebenden Onkel, bei
denen er bereits Unterkunft und finanzielle Unterstützung gefunden hatte,
kein tragfähiges Beziehungsnetz bilden könnten, wurde zwar auf Be-
schwerdeebene erneut behauptet, indes in keiner Weise begründet.
6.6 Demnach ist davon auszugehen, dass im Falle des Beschwerdeführers
nach wie vor begünstigende Umstände hinsichtlich des Wegweisungsvoll-
zuges nach Kabul vorliegen und er bei einer Rückkehr dahin nicht in eine
existenzielle Notlage geraten wird, die als konkrete Gefährdung zu werten
wäre.
6.7 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den rechtserheblichen Sach-
verhalt schliesslich als erstellt, weshalb kein Anlass besteht, die Angele-
genheit zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Der entspre-
chende Eventualantrag ist abzuweisen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da die
Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aus-
sichtslos zu bezeichnen sind. Die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1
VwVG sind somit – ungeachtet der geltend gemachten Bedürftigkeit – nicht
erfüllt. Dementsprechend ist auch das Gesuch um unentgeltliche Rechts-
verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen.
8.2 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses wird
mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos, ebenso der Antrag auf
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Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Die mit superpro-
visorischer Massnahme vom 15. März 2021 angeordnete einstweilige Aus-
setzung des Wegweisungsvollzugs fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insgesamt
Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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