Decision ID: ad14d827-94dd-484d-b073-f8729340b22f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1946, war ab 1. Oktober 2006 als Buchhalterin bei der
Y._
AG in
Z._
angestellt und bei der Helsana Unfall AG
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
(vgl.
Urk. 9/K1).
Am 14. Juni 2011 wurde
X._
von ihrer Krankenversicherung (der Helsana Versicherungen AG) mitgeteilt, dass die Taggeldleistungen, die sie aufgrund einer seit 1. März 2010 bestehenden krankheitsbedingten Arbeitsunfä
higkeit beziehe, altershalber nur noch bis zum 5. Juli 2011 ausgerichtet würden (Beilage zu Urk. 9/K1). Am 5. September 2011 teilte die
Y._
AG der Helsana Versicherungen AG mit, dass die 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht durch eine Krankheit verursacht worden sei. Vielmehr lägen Folgen eines Unfalls vor. Auf diesen Fehler in der Schadensabwicklung sei man erst durch das Schreiben vom 14. Juni 2011 aufmerksam geworden (Urk. 9/K1).
Schliesslich wurde der Helsana Unfall AG mit Unfallmeldung vom 5. September 2011 (Beilage zu Urk. 9/K1) folgender Sachverhalt (Unfall vom 20. Januar 2010) geschildert: „Vom angeleinten
Sennenhund
herumgerissen worden und auf dem vereisten Spazierweg hingefallen. Schraube in der Wirbelsäule ausgerissen.“
In der Folge holte die Helsana Unfall AG zahlreiche medizinische Akten ein (vgl. Urk. 10/M1-M52), namentlich auch ein Gutachten des Leitenden Arztes Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
von
Oberarzt
Dr.
med.
B._
, Rheumatologie, von der
C._
(Gut
achten vom 18. Juli 2012 [Urk.
10
/M51]).
1.2
Mit Verfügung vom 7. September 2012 (Urk. 9/K25) verneinte die Helsana Unfall AG ihre Leistungspflicht hinsichtlich des gemeldeten Ereignisses vom 20. Januar 2010 mit der Begründung, dass diese
s
Ereignis nicht dokumentiert worden sei. Selbst wenn es stattgefunden hätte, wäre es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht ursächlich für die später aufgetretenen
Gesundheitsbe
einträchtigungen
gewesen.
Die dagegen erhobene Einsprache der Versicherten vom 9. Oktober 2012 (Urk. 9/K30) hiess die Helsana Unfall AG mit Entscheid vom 26. November 2012 (Urk. 9/K33) gut. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das Unfallereignis gemäss dem Austrittsbericht der
D._
vom 22. Juni 2010 in der zeitlichen Dokumentation ausgewiesen und zudem eine
ossäre
Läsion aufgetreten sei. Die Unfallkausali
tät sei mit dem erforderlichen Beweisg
rad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gegeben. Dieser
Einsprache
entscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Mit Wiedererwägungsverfügung vom 21. Mai 2013 (Urk. 9/K39) kam die Helsa
n
a Unfall AG auf die
Sache zurück und verneinte erneut ihre Leistungspflicht. Zur Begründung führte sie aus, dass das geltend gemachte Unfallereignis vom 20. Januar 2010 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sei. Die Gesundheitsbeeinträchtigungen seien nicht auf einen Unfall zurückzuführen.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 13. Juni 2013 (Urk. 9/K43) wies die Hels
ana Unfall AG mit Entscheid vom 4. Juli 2013 (Urk. 2 = Urk. 9/K46) ab.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 22. August 2013 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der
Einspracheentscheid
vom 4. Juli 2013 aufzuheben.
2.
Es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Versicherungs
leistungen rückwirkend ab Unfallereignis zu erbringen, insbe
sondere Taggeldleistungen und Heilungskosten und Rentenleis
tungen.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Die Helsana Unfall AG schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. September 2013 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 13 und 16).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
1.2
1.2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2.2
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
vollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt
die blosse Möglichkeit genügt nicht
, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der ver
sicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
lei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung des angefochtenen
Einsprache
entscheids
vom 4. Juli 2013 (Urk. 2) im Wesentlichen aus, dass der
Einsprache
entscheid
vom 26. November 2012 zu Recht in Wiedererwägung gezogen wor
den sei. Er habe sich auf einen aktenwidrigen Sachverhalt gestützt, weil
unzu
treffenderweise
davon ausgegangen worden sei, dass das Ereignis vom 20. Januar 2010 in echtzeitlichen Dokumenten geschildert worden sei und dass ein Kausalzusammenhang bestehe. Eine nochmalige Durchsicht der Akten habe ergeben, dass dies zweifellos unrichtig sei. Das angebliche Ereignis vom 20. Januar 2010 we
rde erstmals drei Monate danach
in einem Arztbericht erwähnt. Das angebliche Trauma sei nicht ausgewiesen. Jedenfalls sei die Unfallkausalität der geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht gegeben. Die Sache sei zudem von erheblicher Bedeutung, so dass die Wiedererwägung zulässig gewesen sei.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerdegegnerin an den im angefochtenen
Einspracheentscheid
gemachten Ausführungen fest (vgl. Urk. 8 und 16).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass sich am 20. Januar 2010 ein Unfall ereignet habe. Die Beschwerdegegnerin habe das Unfallereignis bereits in der Verfügung vom 7. September 2012 anerkannt, und zwar in Kenntnis der Tatsache
,
das
s
es in den zeitechten Dokumenten nicht
angegeben worden sei. Im
Einspracheentscheid
vom 26. November 2012 sei ausgeführt worden, dass der Unfall in der zeitlichen Dokumentation des
Aus
trittsberichts
der
D._
ausgewiesen sei. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung seien nicht gegeben, da nicht zweifellos unrichtig sei, dass das Unfallereignis vom 20. Januar 2010 stattgefunden habe; es sei keines
wegs aktenwidrig. Das Unfallereignis sei immer gleich geschildert worden. Es sei nicht ersichtlich, weshalb am Unfallereignis und an dessen Ablauf gezweifelt werden sollte. Entsprechendes gelte für den Kausalzusammenhang; auch diesbe
züglich liege keine zweifellose Unrichtigkeit vor. Er sei vielmehr gegeben (Urk. 1 und 13).
2.3
Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Voraussetzungen für eine
Wiederer
wägung
des rechtskräftigen
Einspracheentscheids
vom 26. November 2012 (Urk. 9/K33), mit dem die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Unfallereignisses vom 20. Januar 2010 anerkannte, gegeben waren, weil sowohl die Anerkennung des Unfallereignisses selbst als auch die eines etwaigen Kausalzusammenhangs zweifellos unrichtig waren.
Die weitere Voraussetzung für eine Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG, nämlich die Bedingung der erheblichen Bedeutung ist vorliegend offensichtlich erfüllt, da namhafte Versicherungsleistungen (
Heilbehandlungs
, Taggeld- und Rentenleistungen [vgl. Urk. 1 S. 2]) zur Diskussion stehen. Darauf braucht nicht weiter eingegangen zu werden.
3.
3.1
Vorauszuschicken ist, dass die Beschwerdeführerin bereits seit dem Jahr 2006 an einer
Pseudolisthesis
leidet, die am 19. Januar 2007 operativ durch eine
Spondyl
od
ese
behoben wurde. Infolge dieses Vorzustandes beziehungsweise weil sie deswegen nicht mehr zu 100 % erwerbstätig sein konnte, wurde ihr eine
Viertelsrente
der Eidgenössischen Invalidenversicherung zugesprochen (vgl. dazu die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift [Urk. 1 S. 6] sowie im
Einspracheentscheid
[Urk. 2 S. 2]).
3.2
3.2.1
Mit Unfallmeldung vom 5. September 2011 (Urk. 9/K1) wurde der
Beschwer
degeg
nerin
mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin am 20. Januar 2010 einen Unfall erlitten habe: „Vom angeleinten
Sennenhund
herumgerissen worden und auf dem vereisten Spazierweg hingefallen. Schraube in der Wir
belsäule ausge
rissen.“ Zeugen waren nicht zugegen.
3.2.2
Gegenüber der Schadeninspektorin der Beschwerdegegnerin schilderte die Beschwer
deführerin am 24. Oktober 2011 das Unfallereignis folgendermassen: „Ich vermute, der Hund hatte etwas gesehen, dem er nachjagen wollte. Auf jeden Fall riss er plötzlich extrem an der Leine, so dass ich herumgerissen wurde und zu Boden stürzte.“ Seit dem 1. März 2010 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/K7).
3.3
Den medizinischen Akten kann Folgendes, das für die Beurteilung der
streitent
scheidenden
Fragen erheblich ist, entnommen werden:
3.3.1
Dr.
med.
E._
, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
vom Zentrum für Wirbelsäulenleiden vom Spital
F._
operierte die Beschwerdeführerin am 12. September 2008 („Infiltration der Facette L1/2, L2/3 sowie
periradikulär
L1 links“ [Urk. 10/M18]) und am 17. November 2009 („Infiltration L1/L2 zu beiden Seiten sowie im ISG-Bereich links oberflächlich“ [Urk. 10/M19]).
3.3.2
Im Nachgang zur MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule vom 25. Januar 2010, die im Röntgeninstitut
G._
durchgeführt worden war (vgl. auch die früheren Untersuchungen [Urk. 10/M20-M21]), wurde folgende Beurteilung festgehalten (Urk. 10/M22): „Fusion der Segmente L3 – S1 mit Überbauung des
Inter
vertebralraums
L5/S1 mit einliegendem Cage im
Intervetebralraum
LWK4/
5.
Suprafusionell
bei hypertropher Facettengelenksarthrose etwas relative spinale Enge, kleiner Prolaps im Segment LWK1/2 rechts paramedian.“
3.3.3
Am 2. März 2010 wurde die Beschwerdeführerin erneut von
Dr.
E._
operiert („
Osteosynthesematerial
-Entfernung L3/S1 beidseits [XIA 2]
Verlängerungsfu
sion
transpedunkulär
L1 bis L3 [
Expedium
normal],
dorsomediale
Anlagerung
autolog
, auf der linken Seite Dekompression L2/L3 bis zur Medianlinie rechts, Diskektomie
lateralseits
,
Foraminektomie
L1/L2 ebenfalls von rechts,
Becken
kammexostosen-Abtragung
unter subkutaner Tunnelierung links“
[Urk. 10/M23]).
3.3.4
Am 9. März 2010 hielt
Dr.
med.
H._
vom Röntgeninstitut
G._
folgende Beurteilung fest (Urk. 10/M24): „Kräftige Überbauung der Segmente LWK3 bis SWK1
bds
. linksbetont sowie des
Intervertebralraumes
4/5 bei einliegenden Cages. Zustand nach Verlängerungsosteosynthese, wobei die Schraube L1 links
deutlich
medialisiert
über den Spinalkanal verläuft, gering auch die Schraube L2 links. Dorsal angelagertes Knochenmaterial in den Wirbelbögen L1 bis L3, entsprechend deutliche postoperative Veränderungen in den paraspinalen Weichteilen mit Lufteinschlüssen von L3 bis S1 rechts betont auch von L1 bis L3.“
3.3.5
Am 16. März 2010 wurde die Beschwerdeführerin erneut von
Dr.
E._
operiert
(„Schraubenumsetzung auf L1, Verlängerung der Fusion linksseitig auf L4“). Er führte in seinem Operationsbericht (Urk. 10/M25) aus, das
Computer
tomogramm
habe gezeigt, dass die linke obere Schraube etwas zu
recessal
liege und möglicherweise für die geklagten Beschwerden verantwortlich sei. Deshalb sei man zum Schluss gekommen, diese Schraube auszuwechseln
(vgl. dazu auch den Bericht von
Dr.
E._
vom 23. März 2010
an die
D._
[Urk. 10/M26])
.
3.3.6
Im Austrittsbericht der
D._
vom 22. Juni 2010 (Urk. 10/M28), wo die Beschwerdeführerin vom 24. März bis 23. April 2010 hospitalisiert war, wurde Folgendes festgehalten: Bereits im Januar 2007 sei eine
Spondylodese
L4-S1 vorgenommen worden, in deren Folge sich eine Gefühlsstörung
rechtsglutäal
beziehungsweise am Oberschenkel sowie allmählich auch eine gürtelförmige Schmerzausstrahlung rechts, später auch links bis ins linke Bein ausgeprägt habe. Im Frühjahr sei es nach einem Torsionstrauma beim Hundespaziergang zu einer Akzentuierung der Beschwerden gekommen. Es seien am 2. März 2010 zunächst eine Dekompression L1-L2 mit Diskektomie und
Hemilaminektomie
und gleichzeitig eine OSME L4/S1 vorgenommen worden. Bei
Schmerzexacerbation
mit
radikulären
Beschwerden L1/2
sei
eine Schraubenumsetzung der L1-Schraube und eine Verlängerung bis L4 links vorgenommen
worden
.
Das Torsionstrauma beim Hundespaziergang vom Frühjahr wurde berei
ts im Kurzbericht von Chefarzt-
S
tv
.
Dr.
med.
I._
und Assistenzarzt med.
pract
.
J._
von der
D._
vom 23. April 2010 (
Urk. 10/M27)
genannt
.
3.3.7
In seinem Arztzeugnis UVG vom 6. Oktober 2011 (Urk. 10/M43) hielt
Dr.
E._
folgende Diagnose fest: „DH L1/L2 rechts, DD posttraumatisch“. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, am 20. Januar 2010 mit ihrem Hund gestürzt zu sein (“Sturz mit Hund“).
Aus der von
Dr.
E._
dokumentierten Krankengeschichte (Urk. 10/M47) geht hervor, dass ihn die Beschwerdeführerin am 19. Januar 2010 zu eine
r Kontrolle aufgesucht und dabei über unregelmässige Schmerzen geklagt habe. Der nächste Eintrag datiert vom 25. Januar 2010: Die Beschwerdeführerin habe ihn angerufen, weil sie bei Spitaleintritt ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis benötige.
In seinem Bericht vom 21. Dezember 2011 (Urk. 10/M48) äusserte sich
Dr.
E._
zur Frage der Unfallkausalität dahingehend, dass die am 19. August 2008
durchgeführte
PET-Untersuchung unauffällige
ossäre
Befunde auf L5/S1 gezeigt habe. Im Februar/März 2010 sei es dann plötzlich zu verstärkten Beschwerden gekommen. Es sei unklar, weshalb das so gewesen sei. Wegen der Persistenz der Beschwerden und einer zu median gesetzten Schraube L1 habe man sich zu einer Operation entschlossen. Am 16. März 2010 habe man erneut operieren müssen und dann eine eindeutige Instabilität auf Höhe L4 festgestellt. Somit sei die Wahrscheinlichkeit einer Unfallkausalität sehr hoch, da 2008 das PET keine
ossäre
Läsion aufgezeigt habe.
3.3.8
Dr.
med.
K._
, Praktischer Arzt FMH und Facharzt FMH für manuelle Medizin, hielt in seinem Bericht vom 6. Januar 2012 (Urk. 10/M49) fest, dass die Beschwerdeführerin am 20. Januar 2010 ein Torsionstrauma beim Spazier
en
gehen mit ihrem Hund erlitten habe und dass es überwiegend wahr
scheinlich sei, dass die vorhandenen Gesundheitsbeeinträchtigungen mit diesem
Unfall
ereignis
in einem natürlichen Kausalzusammenhang stünden. Ein Sturz könne den vorgeschädigten Rücken richtungsweisend verschlechtern. Zudem seien die Beschwerden unmittelbar aufgetreten. Anhaltspunkte für eine Lockerung im Bereich der vorbestehenden
Spondyl
od
ese
hätten bildgebend nicht nachge
wiesen werden können.
3.3.9
Der Leitende Arzt Prof.
Dr.
med.
A._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Oberarzt
Dr.
med.
B._
von der
C._
führten in ihrem Gutachten vom 18. Juli 2012 (Urk. 10/M51) aus, dass bei der Beschwerdeführerin schon seit geraumer Zeit ein progredientes
Schmerzsyn
drom
im Bereich der Lendenwirbelsäule mit konsekutiv mehreren operativen Ein
griffen und Revisionsoperationen bestehe. Zur Unfallkausalität äusserten sich die Gutachter folgendermassen (S. 36 f.): Es sei hervorzuheben, dass sich das geltend gemachte Unfallereignis vom 20. Januar 2010 in der zeitechten Doku
mentation nicht erhärten lasse. Entsprechend könne eine Unfallkausalität zu einem Ereignis vom 20. Januar 2010 nicht bestätigt werden. Ein
Distorsions
trauma
und ein Sturz könnte zwar durchaus zu einer vorüber
gehenden Ver
schlimmerung der bereits seit Jahren bestehenden Beschwerden in der lumbalen Wirbelsäule geführt haben
. Aber auch wenn ein solches
Unfall
ereignis
am 20. Januar 2010 stattgefunden haben sollte (wobei dieses, wie die Gut
achter ausdrücklich betonen wollten, nicht dokumentiert worden sei), so könne es mangels objektivierbarer Befunde im weiteren Verlauf (einschliesslich Bildge
bung) nicht überwiegend wahrscheinlich für die im Anschluss geltend gemachten Beschwerden verantwortlich gemacht werden.
3.3.10
Prof.
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der
Beschwerde
gegnerin
,
hielt in seinem Bericht vom 12. März 2013 (Urk. 10/M52) fest, dass es sich beim Verlauf nach der Wirbelsäulenoperation im Januar 2007 überwiegend wahr
scheinlich um eine von Anfang an nicht gesicherte knöcherne Überbrückung des
4.
mit dem
5.
Lendenwirbel gehandelt habe. Die vom Operateur selbst als
Pseudarthrose
(„Falschgelenk“ = ausgebliebene knöcherne Heilung) mehrfach in seinen Berichten dargest
e
llte Problematik sei anlässlich der 4. Operation am 1. Juni 2010 eindeutig identifiziert und entsprechend behandelt worden. Parallel zur
Pseudarthrose
auf der Höhe L4/L5 habe sich ab 2007 eine weitere Patho
logie an den darüber liegenden Wirbelsäulensegmenten L1-L3 entwickelt. Die im MRI vom 2. Februar 2010 nachgewiesene Diskushernie auf dem Niveau L1/L2 sei Ausdruck der schwerwiegenden
Gefügestörung
der Wirbelsäule in diesem Bereich, wie sie sich auch in Form von
Spondylarthrosen
und Retro
listhese L1/L2 bildgebend darstelle. Eine
Traumaätiologie
sei höchstens als möglich anzunehmen (S. 15 f.).
Der spätestens ab 2008 chronische Schmerzzustand an der Lendenwirbelsäule habe in der Zeit unmittelbar nach dem inkriminierten Ereignis vom 20. Januar 2010 keine in den nahzeitlichen ärztlichen Berichten dokumentierte abrupte
Schmerz
zunahme
erfahren. Eine deutliche Schmerzzunahme sei erst während des stationären Aufenthalts nach der
3.
Operation wegen der - jetzt des stabi
lisierenden Implantationsmaterials beraubten – unteren Lendenwirbelsäule auf
getreten
. Der operative Eingriff vom 2. März 2010 sei nicht mit strukturellen post
trauma
tischen Pathologien an der Lendenwirbelsäule der Beschwerde
führerin begründet worden, sondern habe die ruhigstellende Fusion des
Wirbel
säulen
abschnittes
LWK 1 bis LWK 2 zum Ziel
gehabt
(S. 16).
In versicherungsmedizinischer Hinsicht bestehe keine natürliche Kausalität zwischen dem angeschuldigten Ereignis vom 20. Januar 2010 und dem chro
nischen Lendenwirbelsäulen-Leiden. Auch habe das Ereignis aufgrund fehl
en
der aktenkundiger Merkmale eines objektivierbaren Schadens zu keiner Art der Verschlimmerung des vorbestehenden, multisegmentalen degenerativen Lei
dens an der Lendenwirbelsäule der Beschwerdeführerin geführt (S. 17).
4.
4.1
Im
Einspracheentscheid
vom 26. November 2012 (Urk. 9/K33), der von der Beschwerdegegnerin in Wiedererwägung gezogen wurde, erwog die
Beschwer
de
gegnerin
, dass das Gutachten der
C._
vom 18. Juli 2012 (vgl. E. 3.3.9) nicht schlüssig sei, da das Unfalle
reignis gemäss dem Austrittsber
icht der
D._
vom 22. Juni 2010 (vgl. E. 3.3.6) in der zeitlichen Dokumentation, entgegen der Argumentation der
C._
, ausge
wiesen sei. Das Gutachten der
C._
sei somit aktenwidrig, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Deshalb wurde die Einsprache gegen die Verfügung vom 7. September 2012 (Urk. 9/K25), womit die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht verneint hatte, gutgeheissen.
Aufgrund der oben in E. 3.2 und 3.3 wiedergegebenen Dokumente ist allerdings ohne Weiteres ersichtlich, dass nicht – wie im aufgehobenen
Einsprache
ent
scheid
ausgeführt – das Gutachten der
C._
beziehungsweise von Prof.
Dr.
A._
und
Dr.
B._
(Urk. 10/M51) auf aktenwidrigen An
nahmen basiert, sondern vielmehr der genannte
Einspracheentscheid
. Die beiden Gutachter hielten nämlich lediglich fest, dass sich das von der Beschwer
deführerin geltend gemachte Unfallereignis vom 20. Januar 2010 „in der
zeit
echten
Dokumentation nicht erhärten“ lasse beziehungsweise dass Angaben zu einem Unfallereignis vom 20. Januar 2010 in den zeitechten Dokumenten nicht vorhanden seien (Urk. 10/M51 S. 36 f.). Wie die oben wiedergegebenen Berichte aufzeigen, stimmt dies mit der Aktenlage überein. Die genannte Feststellung der Gutachter ist somit objektiv richtig und nicht aktenwidrig. Aktenwidrig ist vielmehr der
Einspracheentscheid
vom 26. November 2012, weil er zum einen das Gutachten der
C._
, entgegen der klaren Aktenlage, als dazu im Widerspruch stehend bezeichnet und weil er zum anderen davon ausgeht, dass es sich beim
Austrittsbericht der
D._
beziehungsweise beim entsprechenden Kurzbericht um zeitnahe oder zeitechte Dokumente hand
elt
. Dem ist aber nicht so, denn jener datiert vom 22. Juni 2010 (Urk. 10/M28) und dieser vom 23. April 2010 (Urk. 10/M27; vgl. dazu auch E. 3.3.6).
Mit anderen Worten wurden die Berichte mehrere Monate nach dem fraglichen Ereignis vom 20. Januar 2010 verfasst.
Der in Wiedererwägung gezogene
Einspracheentscheid
vom 26. November 2012 (Urk. 9/K33) basiert mithin auf einem krass aktenwidrig festgestellten Sach
verhalt.
4.2
Eine sofortige medizinische Behandlung beziehungsweise eine ärztliche Erstver
sorgung war offenbar nicht notwendig respektive fand nicht statt.
Die Beschwerdegegnerin wies im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 4. Juli 2013 (Urk. 2) zu Recht darauf hin, dass das fragliche Ereignis vom
20. Januar 2010 erstmals im Kurzbericht der
D._
beziehungs
weise von
Dr.
I._
und med.
pract
.
J._
vom 23. April 2010
(Urk. 10/M27) erwähnt wurde. Vorher fand dieses Ereignis keinen Niederschlag in den Akten (vgl. dazu oben E. 3.3.1-3.3.5). Dies ist im vorliegenden Fall umso erstaunlicher, als dass die Beschwerdeführer
in
im fraglichen Zeitraum in ständiger medi
zi
nischer Behandlung war. So fand am 25. Januar 2010 eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule statt; das Ereignis vom 20. Januar 2010 fand im ent
sprechenden Bericht keine Erwähnung (vgl. Urk.
10/M22). Auch in
den
Operationsbericht
en von
Dr.
E._
vom
2.
und 16.
März 2010 findet sich dazu nichts (vgl. Urk. 10/M23
und 10/M26
).
Entsprechendes gilt für den Bericht des Röntgeninstituts
G._
vom 9. März 2010 (vgl. Urk. 10/M24).
Schliesslich ist aus der von
Dr.
E._
erstellten Krankengeschichte (Urk. 10/M47) ersichtlich, dass ihn die Beschwerdeführerin am 19. Januar 2010 – mithin einen Tag vor dem fraglichen Ereignis – zwecks ein
er Kontrolle konsultiert habe. Unmittelbar n
ach dem fraglichen Unfall wandte sich die Beschwer
deführerin aber nicht an ihren b
ehandelnden Arzt. Erst am 25. Januar 2010 meldete sie sich telefonisch bei ihm, um ihn um ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis für den geplanten Spitaleintritt zu bitten. Von einem erlittenen Unfall war offensichtlich nicht die Rede. Auch anlässlich des Telefonats vom 15. Februar 2010 erwähnte sie das Ereignis nicht.
Dieses V
erha
lten ist
ungewöhnlich
, nicht nachvollziehbar
und lässt nicht auf einen stattgefundenen Unfall schliessen. Zum einen
stand die Beschwerde
führerin im relevanten Zeitraum nach dem geltend gemachten Unfallereignis in regelmässigem Kontakt mit verschiedenen Ärzten und insbesondere mit dem behandelnden Arzt
Dr.
E._
. Mit diesem bespr
a
ch sie sich telefonisch über administrative Angelegenheiten (wie etwa das Ausstellen eines
Arbeits
un
fähigkeits
zeugnisses
oder die Wahl der Rehabilitationsklinik nach der geplan
ten Operation), erwähnt
e
aber den Unfall nicht einmal anlässlich dieser Gespräche, geschweige denn, dass sie ihren Arzt unmittelbar nach dem Unfall aufgesucht oder wenigstens telefonisch kontaktiert hätte.
Nicht schlüssig respektive in sich nicht stimmig erscheinen auch die ver
schiedenen Berichte von
Dr.
E._
: Während er in seine
m
Bericht vom 21. Dezember 2011 (Urk. 10/M48) von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer
Unfall
kausalität
der Beschwerden sprach, finden sich in seinen früheren Dokumen
ten keine derartigen Äusserungen. Noch in seinem Operationsbericht vom 16. März 2010
(Urk. 10/M25; vgl. auch E. 3.3.5) tendierte er dazu, die Beschwerden einer nicht optimal platzierten Schraube zuzuschreiben. Von einer unfallbedingten Genese
der Beschwerde
war hingegen
überhaupt
nicht die Rede.
Diese Umstände lassen – wie ausgeführt – nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit darauf schliessen, dass sich am 20. Januar 2010 tatsächlich ein Unfall ereignete. Die Beschwerdeführerin konnte
mit anderen Worten
das Vorliegen eines Unfalls im Rechtssinne nicht glaubhaft machen.
Auch diesbe
züglich, nämlich soweit in ihm von der Glaubhaftmachung eines
Unfall
geschehens
ausging, war der in Wiedererwägung gezogene
Einsprache
entscheid
zweifellos unrichtig.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
erübrigt es sich, auf die
(hypothetische)
Frage eines Kausalzusammenhangs zwischen den bestehenden
Gesundheits
beein
trächtigungen
und dem geltend gemachten Ereignis vom 20. Januar 2010 einzugehen
(vgl. dazu E. 3.3.10)
.
4.3
Wie oben dargelegt wurde, basierte der
Einspracheentscheid
vom 26. November 2012 auf einem krass aktenwidrig festgestellten Sachverhalt. Es trifft zwar zweifels
frei zu, dass die Beschwerdegegnerin dies zu verantworten hat. Das ändert aber nichts daran, dass sie diesen
Einspracheentscheid
nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Wiedererwägung ziehen durfte.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.