Decision ID: b92afc5e-8524-545d-8941-94f41df205ce
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 3. Januar 2020 in die Schweiz ein und
suchte am 6. Januar 2020 um Asyl nach. Mit Vollmacht vom 9. Januar 2020
mandatierte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung. Am 14. Januar
2020 fand die Personalienaufnahme und am 20. Januar 2020 das Dublin-
Gespräch statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 29. Januar
2020 zu seinen Asylgründen an. Am 31. Januar 2020 erfolgte die Zuteilung
in das erweiterte Verfahren, woraufhin die Rechtsvertretung mit Schreiben
vom 3. Februar 2020 ihr Mandat als beendet erklärte. Mit Vollmacht vom
18. Februar 2020 mandatierte der Beschwerdeführer eine neue Rechtsver-
tretung. Am 27. Mai 2020 fand eine ergänzende Anhörung zu den Asyl-
gründen statt. Auf entsprechende Aufforderung durch Instruktionsschrei-
ben vom 28. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer mit Schreiben vom
20. August 2020 Stellung zu einzelnen Aspekten seiner Vorbringen. Mit
Schreiben vom 26. August 2020 wurde ihm das rechtliche Gehör zu weite-
ren Punkten seiner Ausführungen eingeräumt, welches er mit Schreiben
vom 9. September 2020 wahrnahm.
Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei Kurde und
stamme aus B._, Region C._, Provinz D._. Von sei-
ner Familie lebe niemand mehr in Syrien. Er habe in den vergangenen Jah-
ren an regimekritischen Demonstrationen teilgenommen und teilweise in
Kontakt mit den Organisatoren der Kundgebungen gestanden. Die kurdi-
sche Arbeiterpartei (PKK) habe ihm diesen Kontakt untersagt. Sodann sei
sein Facebook-Konto durch das syrische Regime beziehungsweise re-
gimenahe Kräfte gehackt und gesperrt worden. Ferner werde sein Vater
wegen seiner Sympathie zur Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) vom
Regime gesucht. Das Regime habe ihn und den Vater auf eine Liste ge-
suchter Personen gesetzt. Zudem hätten ab dem Jahre 2013 die kurdi-
schen Volksverteidigungseinheiten (YPG) damit begonnen, Leute für den
Militärdienst zu rekrutieren. Er habe sich vor der YPG versteckt gehalten
und sei in der Folge mehrere Male in die E._ gereist, um dort die
Maturitätsprüfungen abzulegen. Danach habe er an einer (...) Universität
sein Studium begonnen. Bis 2018 sei er zwischen Syrien und E._
hin- und hergependelt. Wegen seiner Herkunft sei er in E._ benach-
teiligt worden. Im Jahre 2018 hätten die (...) Streitkräfte sowie die arabi-
sche Opposition Afrin eingenommen. Im Zuge dieser Ereignisse habe sich
sein Vater am (...) verletzt und das Haus der Familie sei durch Dritte be-
schlagnahmt worden. Im (...) 20(...) habe er mit seinem Vater in E._
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einreisen wollen. Der Vater habe die Grenze passieren können, er selber
sei jedoch von den (...) Behörden verhaftet, geschlagen und danach der
Freien Syrischen Armee (FSA) übergeben worden. Diese habe ihn inter-
niert und schwer misshandelt. Nach (...) Tagen sei er mit der Begründung
entlassen worden, er sei mit einer anderen Person verwechselt worden.
Danach habe er sich in E._ begeben können. Seit den Misshand-
lungen sei seine körperliche Gesundheit beeinträchtigt. Eine Rückkehr
nach Syrien sei wegen der Möglichkeit der Einberufung in den Militärdienst
– er habe eine entsprechende Aufforderung erhalten – für ihn nicht in Frage
gekommen. In E._ habe er den Eindruck gehabt, vom (...) Geheim-
dienst beobachtet zu werden.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte und
seinen Reisepass, beide im Original, sowie Unterlagen zu seiner schuli-
schen und studentischen Ausbildung zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug
jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe vom 29. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen
den Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt ein. Er beantragt, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, es sei seine
Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventu-
aliter sei die Unzulässigkeit, die Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher
Rechtsbeistand einzusetzen. Sodann sei eventualiter die aufschiebende
Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
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– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist – unter den nachstehenden Vorbehalten – einzu-
treten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Soweit in der Rechtsmitteleingabe eventualiter die Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde beantragt wird, ist festzuhal-
ten, dass dieser von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt
(vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese vor-
liegend nicht entzogen hat, weshalb – in Ermangelung eines Rechtsschutz-
interesses – auf den Antrag nicht einzutreten ist.
2.2 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Flüchtlingseigen-
schaft, der Asylpunkt sowie die Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug ist
nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer zu-
folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen
hat. Soweit der Beschwerdeführer im Eventualbegehren die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme beantragt, ist darauf nicht einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes-
halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
6.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, bezüglich der geltend gemachten
Aufforderung zum Militärdienst bestünden erhebliche Zweifel. Gemäss sei-
nen eigenen Aussagen habe bis zu seiner Ausreise keine Aushebung statt-
gefunden und er habe diesbezüglich auch keine Beweismittel zu den Akten
gereicht. Ferner vermöchte ein militärisches Aufgebot, unabhängig davon,
ob dieses vom syrischen Regime oder der kurdischen Opposition stamme,
für sich alleine keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu begründen. Des
Weiteren sei nicht zu erkennen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise we-
gen seiner politischen Tätigkeit nennenswerte Probleme gehabt hätte.
Seine Befürchtung, deswegen im Fokus der heimatlichen Behörden zu ste-
hen, stütze sich lediglich auf Vermutungen. Die geltend gemachte Fest-
nahme an der Grenze habe nach seinen eigenen Angaben auf einer Na-
mensverwechslung beruht und er sei nach (...) Tagen wieder aus der Haft
entlassen worden. Schliesslich seien seine Vorbringen im Zusammenhang
mit dem Drittstaat E._ flüchtlingsrechtlich nicht relevant.
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7.
In der Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
vor, er sei zum Militärdienst aufgeboten worden, die entsprechenden Un-
terlagen seien jedoch verloren gegangen beziehungsweise nicht mehr auf-
findbar. Er habe als Kurde und Mitglied einer oppositionellen Familie den
Militärdienst verweigert und stehe bereits wegen seinen politischen Aktivi-
täten im Fokus der syrischen Behörden. Sodann hätten auch die kurdi-
schen Streitkräfte versucht, ihn zu rekrutieren. Er werde vom Geheimdienst
gesucht und sei im Heimatland von der FSA gefoltert worden. Nur weil
diese ihn wieder freigelassen habe, bedeute dies nicht, das syrische Re-
gime und die kurdischen Kämpfer hätten an ihm kein Interesse mehr.
8.
8.1 Die Vorinstanz hat bereits eingehend und zutreffend dargelegt, dass
die vom Beschwerdeführer geäusserten Befürchtungen, wegen seinen po-
litischen Aktivitäten im Fokus der heimatlichen Behörden zu stehen, auf
Mutmassungen beruhen. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Aus-
führungen der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die politische
Tätigkeit sowie allfällige Hinweise, dass gegen ihn Massnahmen ergriffen
worden sein könnten, konnten sodann – namentlich die vorgebrachte Auf-
nahme in einer Liste gesuchter Personen – weder im Rahmen des erstin-
stanzlichen Verfahrens noch auf Beschwerdeebene durch aussagekräftige
Dokumente untermauert werden. Allfällige Probleme mit der PKK gehen
auf das Jahr 20(...) zurück und waren für die Ausreise im Jahre 20(...) nicht
mehr kausal. Die geltend gemachten Misshandlungen im Jahre 20(...) be-
ruhten nach eigenen Aussagen des Beschwerdeführers auf einer Ver-
wechslung, erfolgten mithin nicht aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten
Motiv. Mit der Vorinstanz ist insgesamt darin übereinzugehen, dass dem
Beschwerdeführer nicht ein politisches Profil zu attestieren ist, welches be-
fürchten liesse, er stehe im Fokus des syrischen Regimes, der arabischen
Opposition oder kurdischer Gruppierungen.
Bei dieser Ausgangslage ist mit der Vorinstanz darin übereinzugehen, dass
die vorgebrachten Befürchtungen im Zusammenhang mit den Rekrutie-
rungsabsichten der kurdischen und syrischen Streitkräfte flüchtlingsrecht-
lich nicht relevant sind. Weder die Einberufung in den Dienst noch allfällige
Sanktionen wegen Dienstverweigerung oder Desertion vermöchten für sich
alleine die Flüchtlingseigenschaft zu begründen (vgl. BVGE 2015/3 E. 4.3.
ff sowie das Referenzurteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015
E. 5.3).
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8.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asyl-
gesuch abgelehnt hat.
9.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 1. Oktober 2020 angesichts
der Lage in Syrien die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festge-
stellt und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat,
erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
12.
12.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und die Einsetzung eines amtlichen
Rechtsbeistandes (Art. 102m Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]).
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Der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vor-
liegendem Urteil gegenstandslos geworden.
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