Decision ID: d8513828-371c-4672-ac23-be14551d3b67
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am 13. August 2012 unter Hin
weis auf eine Diskushernie und Rückenbeschwerden bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab,
holte beim Y._
ein Gutachten ein, welches am 19. Oktober 2015 erstattet wurde (Urk. 7/97), und sprach ihm mit Verfügung vom 15. Februar 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 59 % eine halbe Rente ab 1. Juni 2013 zu (Urk. 7/128, Urk. 7/108).
Auf das Revisionsgesuch des Beschwerdeführers vom 5. Dezember 2016 (Urk. 7/172) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. März 2017 nicht ein (Urk. 7/187).
1.2
Am 26. Juli 2017 stellte der Beschwerdeführer erneut ein Revisionsgesuch auf Erhöhung der Rente aufgrund einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands (Urk. 7/189). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und wies das Revisionsgesuch mit Verfügung vom 11. Februar 2020 ab (Urk. 7/256). Die hiergegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 1. Juli 2020 im Verfahren Nr. IV.2020.00186 in dem Sinne gut, als die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter weiterer Abklärung, neu verfüge (Urk. 7/259).
1.3
Die IV-Stelle tätigte in der Folge weitere Abklärungen und holt
e beim Z._
ein polydisziplinäres Gut
achten ein, das am 21. Juli 2021 erstattet wurde (Urk. 7/289). Nach einem Erst
gespräch betreffend berufliche Eingliederung vom 7. Oktober 2021 (Urk. 7/309/9) und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/304-306) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2. Dezember 2021 einen Anspruch auf Arbeits
vermittlung (Urk. 7/308 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 12. Januar 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Dezember 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm Arbeitsvermittlung oder weitere berufliche Massnahmen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
25. März 2022
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
31. März 2022
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
sprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine
Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.3
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Ab
senz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufs
erfahrungen verfügt (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Fehlt der Eingliederungswille beziehungsweise die subjektive Eingliederungs
fähigkeit, d.h. ist die Eingliederungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben, darf die Rente ohne vorgängige Prüfung von Massnahmen der (Wieder-)Eingliederung und ohne Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeit
verfahrens
nach Art. 21 Abs. 4 ATSG herabgesetzt oder aufgehoben werden. Berufliche Massnahmen können zwar unter anderem dazu dienen, subjektive Ein
gliederungshindernisse im Sinne einer Krankheitsüberzeugung der versicherten Person zu beseitigen. Es bedarf indessen auch eines Eingliederungswillens beziehungsweise einer entsprechenden Motivation der versicherten Person. Es sind insbesondere die gegenüber der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend Krankheitsüberzeugung beziehungsweise Arbeitsmotivation zu berücksichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor kantonalem Versicherungsgericht gemachten Aus
führungen respektive gestellten Anträge
. Die subjektive Eingliederungsfähigkeit ist auch bei Personen, die das 55. Altersjahr bereits zurückgelegt haben und deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll (vgl. E. 1.3), Voraussetzung für einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
(Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_233/2021
vom 7. Juni 2021 E. 2.3 sowie
9C_84/2021 vom 2. August 2021 E. 3.2.2
und E. 4.3-4
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
gestützt auf das polydisziplinäre
Z._
-Gutachten
vom Juli 2021
davon aus,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe und dieser für körperlich leichte Tätigkeiten, überwiegend im Sitzen, mit der Möglichkeit zu frei wählbaren Positionswechseln, zu 80
%
arbeitsfähig sei (S. 1 unten).
Der Beschwerdeführer habe aus invaliditätsfremden Gründen die bisherige Arbeitsfähigkeit nicht verwertet. Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt bestehe nicht aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund der fehlenden Deutsch
kenntnisse sei er auf italienischsprechende Arbeitgeber eingeschränkt. Er fühle sich subjektiv nur an 1-2 wechselnden Tagen pro Woche arbeitsfähig. Ent
sprechend bestehe kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung (S. 2 Mitte). Aufgrund seiner bisherigen Restarbeitsfähigkeit von 50
%
wäre es dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen, eine angepasste Tätigkeit zu suchen und anzunehmen, was aber in den letzten Jahren nicht erfolgt sei (S. 3 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der Schluss der
Z._
-Gutachter, dass sich die Situation verbessert habe, sei nicht nachvollziehbar, da sich die Befunde seit dem
Y._-
Gutachten von 2015 nicht verbessert hätten. Es handle sich beim
Z._
-Gutachten höchstens um eine Neu
beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts (S. 5 Ziff. 1).
G
emäss dem
Y._-
Gutachten
von
2015 und dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 1. Juli 2020 bestehe für eine körperlich sehr leichte, adaptierte wechselbelastende Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
. Diese Beurteilung sei rechts
kräftig und könne nicht durch eine Neubeurteilung eines neuen Gutachtens ab
geändert werden, ohne dass sich die Befunde verbessert hätten
.
Eine Rentenauf
hebung beziehungsweise eine
Reformatio
in
peius
sei deshalb in diesem Fall nicht möglich. Der Invaliditätsgrad von 59
%
sei nach wie vor rechtsgültig und könne auch durch das neue Gutachten nicht abgeändert werden. Gemäss dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 1. Juli 2020 habe die Beschwerdegegnerin nur eine Ver
schlechterung abzuklären gehabt und nicht eine Verbesserung der Erwerbsfähig
keit (S. 5 Ziff. 2
).
Das Gespräch der Eingliederungsberaterin mit dem Beschwerdeführer betreffend Arbeitsvermittlung genüge den Vorgaben zur Abklärung von Eingliederungs
massnahmen nicht. Die Voraussetzungen für eine Arbeitsvermittlung, allenfalls sogar für eine Umschulung, seien gestützt auf die Akten, falls von einer Arbeits
tätigkeit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit) gemäss
Z._
-Gutachten ausgegangen werde, klar erfüllt (S. 5 f. Ziff. 3). Die Begründung der Beschwerdegegnerin, dass er trotz 50%iger Arbeitsfähigkeit seit
der
Rentenzusprache
keine Arbeit gesucht habe, sei falsch und rechtswidrig. Er habe zwischen 2013 und 2018 vier Operationen mit langen Rehabilitationen gehabt. Kein Arbeitgeber stelle eine Person neu ein, die monatelang aufgrund von Operationen arbeitsunfähig sei. Zudem sei er während Jahren im geschützten Rahmen tätig gewesen. Es könne also nicht die Rede davon sein, dass er seine Arbeitsfähigkeit aus invaliditäts
fremden Gründen nicht ausgeschöpft habe (S. 6 Ziff. 5
).
2.3
Im Urteil vom 1. Juli 2020 (Urk. 7/259) hielt das hiesige Gericht fest, das zuletzt erstellte Belastungsprofil vom Herbst 2015 könne mittlerweile nicht
mehr
ohne Weiteres volle Gültigkeit beanspruchen, sondern es sei aufgrund der neuen Befunde zu überprüfen
,
und es seien die zeitliche Arbeitsfähigkeit wie auch die Leistungsfähigkeit aufgrund der aktuellen Gegebenheiten neu zu beurteilen. Weder das eine noch das andere lasse der Aktenstand mit der erforderlichen Zuverlässigkeit zu (
dortige
E. 5.4). Die Sache wurde daher an die Beschwerde
gegnerin zurückgewiesen, damit diese, nach ergänzender medizinischer Ab
klärung, eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge (
dortige
E. 5.5 sowie Dispositiv Ziff. 1).
Zwar ging das hiesige Gericht
in seiner vorläufigen Einschätzung vom 1. Juli 2020
insgesamt von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands aus (
dortige
E. 5.5). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (E. 2.2) schliesst dies jedoch nicht zum Vornherein aus, dass die zusätzlichen medizinischen Abklärungen
in beweiskräftiger Weise einen verbesserten Gesundheitszustand ergeben, nachdem die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin ja gerade deshalb erfolgte, weil der Aktenstand keine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zuliess.
Der Beschwerdeführer ist sodann daran zu erinnern, dass bei Vorliegen eines Revisionsgrundes ohnehin keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (E. 1.2)
, und dass das Ergebnis einer Rückweisung nicht voraussehbar ist
.
2.4
Strittig und
frei
zu prüfen ist demnach
das Vorliegen eines Revisionsgrundes und eines allfälligen Anspruchs des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungs
massnahmen.
3.
3.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 15. Februar 2016 (Urk. 7/128; Urk. 7/108) stützte sich auf das
Y._-
Gutachten vom 19. Oktober 2015 (Urk. 7/97).
3.2
Dr. med. A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt fest, aus allgemeininternistischer Sicht hätten keine Befunde und Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit eruiert werden können (S. 9 Ziff. 3.4). Zum selben Schluss
gelangte Dr. med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, in seiner psychiatrischen Beurteilung (S. 12 f. Ziff. 4.1.4 f.).
3
.3
Dr. med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Rheumatologie, nannte im Rahmen seiner rheumatologischen Beur
teilung (S. 13-19) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 4.2.3):
-
chronisches
zervikozephales
bis
zervikobrachiales
, rechtsseitig betontes Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0/M53.1)
-
Differentialdiagnose (DD)
cervikoradikuläres
Schmerzsyndrom des 7. Halswirbels (C7) rechts
-
Status nach ventraler Mikrodiskektomie C5/6 beidseitig,
Foraminota
mie
C5/6 beidseitig, ventraler Mikrodiskektomie und
Foraminotomie
C6/7 beidseitig, Status nach
Neurolyse
C6 und C7 rechts, Status nach
interkorporeller
Spondylodese
mit Cages auf Höhe C5/C6 und C6/C7 am 25. September 2013 bei Diskushernie C5/6 und C6/7 mit klarer
Foramenstenose
C6 und C7 rechtsbetont und progredienter
Diskusprotrusion
C3/4
-
ausgeprägte reaktive schmerzhafte
Myogelose
der Subokzipital-,
Tra
pezius
- und der
interskapulären
Muskelgruppen im Rahmen einer muskulären
Dysbalance
und Oberkörperfehlhaltung
-
radiomorphologisch (Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule [MRT HWS] und HWS Funktionsaufnahmen vom 3. September 2015) keine wesentliche Befundänderung zur Voruntersuchung vom 3. Dezember 2014: Keine Spinalkanaleinengung, unauffälliges
Myelon
, rechts Einengung der
Neuroforamen
durch
Unkovertebralarthrosen
auf der Höhe der 5. bis 7. Halswirbelkörper [HWK 5-7], betont 6/7, links
seitig durch
Unkovertebralarthrose
und geringe
Bandscheibenprotru
sion
Einengung des
Neuroforamens
HWK 4/5, eine Irritation der Ner
venwurzeln C7 ist möglich. In den Funktionsaufnahmen regelrechtes dorsales Alignement der Wirbelkörper, keine
Listhesis
oder vermehrtes Aufklappen, unveränderte Lage des Cages auf Höhe HWK 5/6 und 6/7.
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechtsbetont (M54.5)
-
Status nach
Ganglionzystenentfernung
en bloc,
Neurolyse
des 4. Len
denwirbels (L4) links und Status nach Mikrodiskektomie L3/4 beidseitig von links am 25. September 2012 bei
Ganglionzyste
L3/4
epidural
links, Diskushernie L3/4 links und absoluter Lumbalkanalstenose
-
Status nach Mikrodiskektomie L3/4 und L4/5 sowie
Spondylodese
L3-L5 am 20. Juni 2014 bei Rezidiv der Lumbalkanalstenose L3/4 rechts
betont mit zusätzlicher Diskushernie L3/4 mit Wurzelkompression
rezessal
L4 rechts
-
radiomorphologisch (MRT der Lendenwirbelsäule [LWS] vom 3. Sep
tember 2015): Zur Voruntersuchung vom 3. Dezember 2014 geringe Zunahme der
Bandscheibenprotrusion
zwischen dem 2. und 3. Lenden
wirbelkörper [LWK 2/3]. Dorsale Instrumentierung von LWK 3 bis LWK, minimale ventrale
Listhese
von LWK 3 über LWK 2 und geringe vent
rale
Listhese
von LWK 2 gegenüber LWK 1. Unverändert Abstützungs
reaktionen sowie nach kaudal zunehmende Facettengelenksarthrose,
Myelon
unauffällig
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine klinisch leicht beginnende
Femoropatellararthrose
beidseitig (M17.9).
Der Explorand sei seit Jahren stets einer körperlich zum Teil schwer belastenden beruflichen Tätigkeit bei verschiedenen Arbeitgebern nachgegangen. Im Vorder
grund stehe eine objektivierte ausgeprägte Lumbalkanalstenose
.
Durch die bezüg
lich der Lendenwirbelsäule vorgenommenen Interventionen im September 2012 und im Juni 2014 seien die Intensität der Lumbalgien und vor allem das Ausmass der in die rechte untere Extremität ausstrahlenden Beschwerden durchaus positiv beeinflusst worden. Im Vordergrund der Schmerzsymp
tomatik stünden ganz klar persistierende und in den letzten 6 bis 12 Monaten sich akzentuierende zervikale,
zervikozephale
bis frontale und
zervikobrachiale
Schmerzen rechtsbetont mit zum Teil Ausstrahlung, vor allem bis zum Mittelfin
ger, Ringfinger und kleinem Finger (
Dig
. III-V) der rechten Hand. Diese Schmer
zen führten dazu, dass er sich regelmässig bewegen müsse. Vor allem das fixierte Sitzen und Stehen sei deutlich schmerverstärkender als kurze Spaziergänge, welche jedoch nur für maximal 5 bis 10 Minuten
ohne Unterbruch möglich seien
(S. 17 Ziff. 4.2.4).
Im rheumatologischen Status präsentiere sich der Explorand mit einer Haltungs
insuffizienz bei einer Wirbelsäulenfehlform und –
fehlhaltung
im Rahmen einer muskulären
Dysbalance
mit Abschwächung der abdominellen und rückenstabili
sierenden Muskelgruppen. Der Weichteilstatus habe eine ganz erhebliche und schmerzhafte
Myogelose
im gesamten Nacken-Schultergürtel sowie
thorako
lumbal
paravertebral ergeben
.
Die segmentale Untersuchung der LWS, BWS (Brust
wirbelsäule) und HWS habe ausgeprägte Bewegungseinschränkungen gezeigt
,
welche unter Berücksichtigung der mehrfach klar objektivierten
pathoa
natomi
schen
Verhältnisse in den Bereichen HWS und LWS sowie bedingt durch die reaktiven
Myogelosen
somatisch orientiert weitgehend nachvollzogen werden
könnten. Zusammenfassend könnten die vom Exploranden beklagten Beschwer
den am Bewegungsapparat vollumfänglich nachvollzogen werden (S. 17 f. Ziff. 4.2
.
4).
Die früher während Jahren ausgeübten beruflichen Tätigkeiten auf dem Bau, als Maschinist und Hilfsarbeiter sowie generell jegliche körperlich mittel bis schwer belastende berufliche Tätigkeiten seien dem Exploranden bleibend nicht mehr möglich. Aus rein rheumatologisch-theoretischer Sicht bestehe für eine körperlich sehr leichte und wegweisend wechselbelastende Tätigkeit eine Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit von maximal 50 %, wobei die Arbeitszeit idealerweise auf zwei Mal 2 Stunden über den Tag verteilt werden sollte, um regelmässige Pausen zu gewähren, unter folgenden unabdinglichen Arbeitsplatzbedingungen: Dem Exploranden müsse ermöglicht werden, dass er seine Arbeitsposition regelmässig selbständig wechseln könne. Das fixierte Sitzen und Stehen sei auf maximal 15 bis 20 Minuten zu limitieren. Nicht möglich seien jegliche Tätigkeiten einerseits mit anhaltender Oberkörpervorneigeposition und andererseits verbunden mit ste
reotypen, fliessbandähnlichen Rotationsbewegungen von HWS und LWS, ebenso wenig repetitive Überkopfarbeiten mit den Armen mit der konsekutiv notwendi
gen Hyperlordose der LWS. Vorstellbar sei die Durchführung von intermittierend manuellen Tätigkeiten in Schulterneutralstellung, vor allem bezüglich feinmoto
rischer Tätigkeiten. Das Heben, Tragen und Stossen von Lasten sei bis zur Taille auf maximal 5 bis selten 10 kg und über Taille auf maximal 5 kg zu limitieren. Überwachungsfunktionen in einem umschriebenen Bewegungsradius seien mög
lich. Spezifische administrative Tätigkeiten seien mangels beruflicher Quali
fikation kaum erfolgreich umzusetzen. Dementsprechend verbleibe nur noch eine geringe theoretisch umsetzbare Restarbeitsfähigkeit unter spezifischen qualitati
ven Arbeitsbedingungen in der ersten Wirtschaft (S. 18 Ziff. 4.2.5). Diese Anga
ben gälten seit dem 28. Juni 2012 (S. 18 Ziff. 4.2.6). In Bezug auf eine baldige Reintegration in den Arbeitsprozess der ersten Wirtschaft bestehe eine überaus ungünstige Prognose (S. 19 Ziff. 4.2.8).
3.
4
Dr. med. D._
, Facharzt für Neurologie, nannte im Rahmen seiner neurologischen Beurteilung (S. 19-23) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21 Ziff. 4.3.3):
-
degeneratives HWS-Syndrom (M53.1) mit Zustand nach ventraler Diskektomie und Dekompression sowie Cage-
Spondylodese
HWK 5/6 und HWK 6/7 im September 2014 ohne persistierende
radikuläre
oder
medulläre
Beteiligung
-
degeneratives LWS-Syndrom (M54.5) mit kernspintomographisch beschriebener Spinalkanalstenose mit Zustand nach
Spondylodese
im September 2013
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Verdacht auf Symptomausweitung.
Die Untersuchung sei ganz von Schmerzäusserungen geprägt gewesen, habe aber objektiv nichts geboten. Die Reflexe seien seitengleich, die
Extremitätenmusku
latur
sei ebenfalls seitengleich ausgeprägt und konsistente Paresen seien gleich
falls nicht nachweisbar. Die Schmerzen könnten per se sicher nicht wegdiskutiert werden, zumal Restbeschwerden nach drei erfolgten Rückenoperationen gut denkbar seien. Bei der Bewertung dieser Schmerzen sei aber das diskrepante Ver
halten beim Prüfen des
Lasègues
zu berücksichtigen, was eindeutig für eine bewusstseinsnahe Symptomausweitung spreche (S. 22 Ziff. 4.3.4).
Arbeiten als Fliesenleger oder andere vergleichbare Arbeiten mit mittlerer und stärkerer Rückenbelastung könnten nicht mehr verrichtet werden. Körperlich leichte Arbeiten vorzugsweise in Wechselbelastung könnten hingegen voll ver
richtet werden. Vorstellbar seien zum Beispiel Arbeiten
als Parkplatzwächter oder
Regale
auffüller
(S. 22 Ziff. 4.3.5).
3.5
In der Gesamtbeurteilung (S. 23-26) kamen die Gutachter zum Schluss, es liege aus polydisziplinärer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit für die bis anhin ausge
übten Tätigkeiten sowie für andere körperlich mittelschwere und schwere Tätig
keiten vor. Dagegen bestehe für eine körperlich sehr leichte, adaptierte Tätigkeit unter Wechselbelastung eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 %, idealer
weise auf zweimal 2 Stunden über den Tag verteilt (S. 24 Ziff. 6.2). Von diesem Arbeits- und Leistung
s
profil könne seit dem 28. Juni 2012 ausgegangen werden, wobei unmittelbar nach den im September 2012, September 2013 und Juni 2014 durchgeführten Operationen jeweils eine vorübergehende volle Arbeitsunfähig
keit für jegliche Tätigkeit vorgelegen habe (S. 24 f. Ziff. 6.3).
4.
4.1
Nach de
r
Verschlechterungs
meldung
vom 26. Juli 2017 (Urk. 7/189) ergingen im Wesentlichen die folgenden Berichte.
4.2
Dr. med. E._
, Fachärztin für Neurochirurgie, führte im Bericht vom 30. Januar 2017 (Urk. 7/180 = Urk. 7/184) aus, im MRI der LWS vom 1. Dezember 2016 sei ein
uncarthrotisches
Foramen
C3/C4 rechts und C4/C5 links mit starker Kompression der Wurzel C4
foraminal
beidseits dokumentiert. Der Patient habe progressive Schmerzen im Nackenbereich mit Ausstrahlung in beide Arme und dazu eine Verschlechterung der LWS-Problematik mit
Pollakisurie
und
und
Urgeinkontinenz
berichtet
(S. 2 Mitte). Er könne nur in einer leichten Tätig
keit in einem maximalen Pensum vo
n
40 % arbeiten (S. 3 unten).
4.3
Die Ärzte der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie der
Klinik F._
berichteten am 16. Juni 2017 über die Konsultation vom 7. Juni 2017 (Urk. 7/188). Dabei nannten sie folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches Schmerzsyndrom im Bereich der LWS mit Ausstrahlungen in beide untere Extremitäten
und in den Bereich der HWS mit Ausstrahlung in beide oberen Extremitäten, rechtsbetont mit/bei
-
Status nach Mikrodiskektomie L3/4 beidseitig von links her am 25. September 2012
-
Status nach
Transforaminal
Lumbar
Interbody Fusion (TLIF) L3/4 und L4/5 am 20. Juni 2014 mit aktuell radiographischem Nachweis einer Schraubenlockerung L3 und Pseudoarthrose L3/4 sowie Verdacht auf Pseudoarthrose L4/5 und mit Segmentdegeneration L2/3 und L1/2 mit konsequenter Spinalkanalstenose an diesen zwei Höhen
-
Status nach
Anterior
Cervical
Discectomy
and
Fusion (ACDF) C5/6 und C6/7 am 25. September 2013 mit aktuellem radiographischen Nachweis für Pseudoarthrose C5/6 und C6/7 sowie Segmentdegeneration C4/5 und insbesondere C3/4 mit
zirkumferentieller
Protrusion
und
diskora
dikulärem
Konflikt C4 rechts
Es liege eine invalidisierende Schmerzsymptomatik vor. Es werde eine Revisions
chirurgie empfohlen, deren Resultat bezüglich der Schmerzsituation jedoch nicht vorausgesehen werden könne (S. 1 f.).
4.4
Im Austrittsbericht vom 26. Januar 2018 berichteten die Ärzte der
Klinik F._
über die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 4. bis 23. Januar 2018 (Urk. 7/224/13-15). Die Operation vom 5. Januar 2018 habe eine
Respondylodese
mit TLIF L2/3 und Cage-Explantation L3/4 mit Neupositionierung in L3/4 und Setzen von Schrauben beidseits sowie eine Knochenspanentnahme aus dem rech
ten Beckenkamm umfasst (S. 1 unten).
4.5
Im Bericht zur Konsultation vom 27. Februar 2018 (Urk. 7/200/1-2 = Urk. 7/206/7-8) nannten die Ärzte der
Klinik F._
als neue Diagnose eine Innenmeniskusläsion am linken Kniegelenk, DD
periartikulär
bedingt, DD lumbal bedingt (S. 1 oben). Das gleichentags durchgeführte MRI des linken Knies habe einen ausgedehnten Riss im medialen Meniskus mit Ausbildung von kleinen Meniskuszysten und Verdacht auf Lappenbildung gezeigt. Es liege eine diskrete,
mukoide
Degeneration des vorderen Kreuzbandes vor, eine mittelgradige lateral
betonte
Femoropatellararthrose
mit deutlichen Aktivierungszeichen im lateralen
femoropatellären
Gleitlager und eine beginnende mediale Gonarthrose mit zudem
diskreten Aktivierungszeichen in den medialen Anteilen des lateralen
Tibia
plateaus
am Übergang zur Area
interkondylaris
posterior
(S. 2 oben; vgl. auch Urk. 7/206/6).
4.6
Im Bericht zur Konsultation vom 7. Mai 2018 (Urk. 7/206/4-5) führten die Ärzte der
Klinik F._
aus, aufgrund der Schmerzen sei die aktuelle Gehstrecke trotz ausgebauter Analgesie auf etwa 10 Meter reduziert. Vor allem nachts sei der Patient durch stärkste Schmerzen geplagt. Das Schuhwerk habe auf Bettelsanda
len gewechselt werden müssen, da das Laufen schmerzbedingt nur in diesen mög
lichen sei. Eine Lebensqualität sei aktuell nicht vorhanden (S. 1 f.). Die starken Schmerzen liessen sich weder klinisch noch radiologisch durch ein Kniegelenks
leiden ausreichend erklären, insbesondere bei Ausbleiben jeglicher Wirkung der Kniegelenksinfiltration (S. 2 unten
).
4.7
Dr. med. G._
, Fachärztin für Neurochirurgie,
Klinik F._
, berichtete am 30. Mai 2018 über die Konsultation vom 28. Mai 2018 (Urk. 7/214/3-5). Als neue – hier verkürzt wiedergegebene Diagnose – nannte sie eine L2-Radikulopathie linksseitig mit/bei
Anschlusssegmentsdegeneration
L1/2 bei Status nach
Respondylodese
am 5. Januar 2018 (S. 1 Mitte).
Im Verlaufsbericht vom 30. Juli 2018 (Urk. 7/224/1-3 = Urk. 7/228/3-5) führte Dr.
G._
aus, der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers habe sich ver
schlechtert (Ziff. 1.1).
Es sei aktuell nicht möglich, die bisherige Tätigkeit durch
zuführen (Ziff. 2.1). Es liege eine schwere sagittale
Dysbalance
mit
möglicher L4- oder L5-Radikulopa
thie postoperativ vor. Er könne keine schweren körperlichen Arbeiten bewältigen. Es sei aktuell nicht möglich, die Arbeitshaltung einzu
schätzen (Ziff. 2.2). Im Bericht zur gleichentags stattgehabten Konsultation (Urk. 7/224/11-12 = Urk. 7/225/10-11) führte Dr.
G._
aus, der Patient sei sozial sehr isoliert, könne im Alltag kaum etwas machen. Auch der Schlaf sei massiv gestört, eine liegende Position sei auch nicht erträglich. Insgesamt liege eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität vor, gemäss Patient stärker als präoperativ (S. 2 oben).
Im Bericht zur Konsultation vom 30. Oktober 2018 (Urk. 7/228/11-12) führte Dr.
G._
aus, die aktuelle
Schmerzexazerbation
zeige sich durch eine Zu
nahme der Anschlusssegmentdegeneration im Segment L1/2 mit einer relati
ven Spinalkanalstenose und deutlichen
ostophytären
Abstützungsreaktionen rechts
betont, dies korreliere klinisch deutlich mit der Symptomatik des Patienten
.
Im Bericht zur Konsultation vom 23. November 2018 (Urk. 7/230 = Urk. 7/231) nannte Dr.
G._
folgende, hier verkürzt wiedergegebene, Diagnosen (S. 1):
-
Failed
Back
Surgery
Syndrom
-
ausgeprägte Arm- und Handschmerzen mit Koordinationsstörungen und Verminderung der Sensibilität
Die Beschwerden in der Rücken
muskulatur seien auf die sagittale
Dysbalance
bei Status nach multiplen Opera
tionen zurück
zuführen. Aktuell sei eine langfristige Arbeitsunfähigkeit von 100 % vorhanden. Der Fall werde nach der Infiltration im Januar 2019 abgeschlossen (S. 2 Mitte).
4.8
Die Ärzte des Instituts H._
beurteilten nach dem MRI der LWS vom 6. Februar 2019 (Urk. 7/235/1) im Vergleich zur Voruntersuchung vom 3. August 2017 eine Verlängerung der
Spondylodese
L3-5 in das Segment L2/3 mit unverändert leichtgradigen
foraminalen
Stenosen ohne aber abgrenzbare Kompression neuraler Strukturen, eine stationäre leichtgradige
Retrolisthesis
von L2 gegenüber L3 und
Anterolisthesis
Grad I L3/4, eine Reizung der austretenden Nervenwurzel L4 beidseits sowie auch L2 und L3 links. Es liege keine Kompression der
Cauda
equina
vor.
Epifusionell
bestehe eine progrediente Einengung des Spinalkanals L1/2 mit zumindest Reizung der
Cauda
equina
und ebenfalls eine linksbetonte
foraminale
Stenose mit Reizung der austretenden Nervenwurzel L1, unverändert. Es liege eine
hypofusionell
unveränderte Reizung der austretenden Nervenwur
zeln L5 mit Betonung links vor.
4.9
Dr. med. I._
,
L
eitende Oberärztin Neurologie,
Klinik F._
, führte in ihrem Bericht über die Konsultation vom 6. Februar 2019 (Urk. 7/234) aus, im Bereich der
LWS
bestehe vermutlich eine
Failed
Back
Surgery
-Sympto
matik. Betreffend die
HWS
zeigten sich aktuell keine behand
elba
ren Ursachen der Schmerzen
, insbesondere keine Nervenengpasssyndrome oder auch keine mani
festen
Radikulopathien
. Aufgrund der klinischen Untersuchung sei auch eine Facettengelenksdegeneration oder Wurzelreizung schwer auszumachen
(
S. 2
unten).
4.10
Dr.
G._
führte im Bericht zur Sprechstunde vom 5. Feb
ruar 2020 (Urk. 7/257/16-18
= Urk. 7/267/7-9
) aus, der Patient präsentiere aktuell ein desolates klinisches Bild mit deutlicher Einschränkung der Gehfähigkeit im Alltag und mit Exazerbation der Schmerzen nicht nur im
thorakolumbalen
Übergang, sondern auch im Halswirbelsäulenbereich. Die Gehunfähigkeit sei multifaktor
i
ell bedingt, nicht nur aufgrund einer
Dysbalance
bei iatrogener Hyperlordose im Rahmen multipler Wirbelsäuleneingriffe, sondern auch aufgrund zusätzlicher Arthrosen im Knie- und Hüftbereich auf der linken Seite (S. 2 unten).
Im Bericht zur Sprechstunde vom 23. September 2020 (Urk. 7/263
= Urk. 7/267/4-6
) führte Dr.
G._
aus, der Patient habe über eine Exazerbation der
Schmerzen in der linken und rechten unteren Extremität bei sonst gleich
bleibenden Beschwerden sowie von einer Gehstrecke von weiterhin maximal 10 Metern berichtet, so dass als nächste Massnahme ein Rollator rezeptiert worden sei (S. 2 oben).
4.11
Dr. med. J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 6. Dezember 2020 (Urk. 7/267/1-3)
aus,
sie beurteile die Motivation bei ihrem Patienten auf einer Skala von 1-10 mit 4 (Ziff. 4.3).
4.12
Dr.
G._
berichtete am 2. Februar 2021 über die Sprechstunde vom 26. Januar 2021 (Urk. 7/272). Gleichentags sei ein MRI der HWS und der LWS durchgeführt worden. Letzteres habe eine deutliche
Anschlusssegementdegeneration
L1/L2 mit
breitbasiger
Diskusprotrusion
und mässiger
Forameneinengung
beidseits,
eine mässige zentrale Spinalkanalstenose bei Facettengelenksarthrose beidseits und keine Hinweise auf eine Zunahme der Stenose in diesem Bereich gezeigt. Die Bilder zeigten aktuell einen stabilen Verlauf, ohne Zunahme der zentralen Spinalkanalstenose im zervikalen oder lumbalen Bereich, so dass ein exspektatives Verfahren angestrebt werden könne (S. 2 unten).
4.13
4.
13
.1
Am 21. Juli 2021 erstatteten die
Z._
-Gutachter ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 7/289).
4.
13
.2
Dr. med. K._
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, nannte im
orthopädisch-trauma
tologischen
Teilgutachten
(S. 37-57)
folgende
orthopädischen
Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S. 47 Ziff. 6):
-
chronische Schmerzen der HWS
-
Status nach Operation im Sinne der Diskektomie C5/6 und C6/7 mit Cage-Implantation C5/6 und C6/7 am 25. September 2013
-
mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung der HWS
-
ohne neurologische Auffälligkeiten, ohne
radikuläre
oder
pseudo
radikuläre
Symptomatik
-
mit radiologisch nachgewiesener hochgradiger
Foramenstenose
rechts und möglicher Kompression der Wurzel C7, mässige
Foramenstenose
links, leichte zentrale Spinalkanaleinengung C3/4, C4/5 ohne
Myelon
kompression
(MRI der HWS vom 5. Februar 2020, MRI HWS vom 26. Januar 2021)
-
chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule
-
Status nach Mikrodiskektomie am 25. September 2012
-
Status nach TLIF L3/4 und L4/5 mit
Spondylodese
am 20. Juni 2014
-
Status nach Re-
Spondylodese
L2-L5, Re-TLIF L2/3 und L3/4 am 5. Januar 2018
-
ohne zu objektivierende
radikuläre
oder
pseudoradikuläre
Sympto
matik
-
schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule
-
mit deutlicher Anschlusssegmentdegeneration L1/2 mit
breitbasiger
Diskusprotrusion
, mässige
Forameneinengung
beidseits, mässige
zentrale Spinalkanalstenose
,
Fac
ettengelenksarthrose beidseits, letztes MRI 26. Januar 2021
Als orthopädische Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 48 Ziff. 6):
-
Kniegelenksschmerzen links bei bildgebend gesicherter
Femoropop
litealarthrose
ohne Bewegungseinschränkung, ohne signifikante Instabilität
-
femoropopliteale
Arthrose des rechten Kniegelenkes ohne zu objektivierende Funktionsbeeinträchtigung
Die gesundheitliche Situation scheine sich trotz der angegebenen erheblichen Schmerzen stabilisiert zu haben. Der klinische Untersuchungsbefund sei durchaus positiv, die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden könnten nicht, zu
mindest nicht in der angegebenen Intensität, nachvollzogen werden. Der Beschwerdeführer selber schätze sich als vollständig arbeitsunfähig für jegliche Tätigkeit ein, was als negative Ressource zu werten sei. Entsprechende Bemühungen, hier berufli
ch wieder tätig zu werden, bestü
nden nicht und würden auf Nachfrage abgelehnt (S. 48 f. Ziff. 7.1).
Der Beschwerdeführer gebe gleichmässige Einschränkungen des
Aktivitäten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen an. Gleichwohl berichte er über regelmässige Aktivitäten, dies im Widerspruch zur hier präsentierten Behinderung und der angegebenen Notwendigkeit, permanent eine Unterarmgehstütze benützen zu müssen. Insbesondere gebe er an, er bemerke starke Schmerzen der
LWS
, die in das linke Bein ausstrahlen würden
.
Klinisch hätten sich hier jedoch keine Auffälligkeiten gefunden, die Muskulatur beider Ober- und Unterschenkel sei seitengleich ausgebildet, die Muskeleigenreflexe seien ebenfalls seitengleich, bis auf die beschriebene Sensibilitätsminderung des linken innenseitigen Ober
schenkels und des linken Unterschenkels bestünden keine neurologischen Auf
fälligkeiten. Es lägen keine klinischen Befunde vor, die eine Minderbelastung, Instabilität oder einschiessende, als sehr stark beschriebe
ne
Schmerzen des linken Beines objektivieren lassen könnten
(S. 49 f. Ziff. 7.3)
.
Unzweifelhaft bestünden auch wiederkehrende und chronische Schmerzen der HWS und der LWS, wobei diese jedoch durch die klinischen Befunde nicht in der vom Beschwerdeführer angegebenen Intensität objektiviert werden könnten. So sei die paravertebrale Muskulatur der HWS völlig unauffällig und deren
Bewegungseinschränkung inkonsistent gewesen, da sie unterschiedlich demonstriert worden sei. Sie sei bei der klinischen Untersuchung stark ein
geschränkt gewesen im Gegensatz zu den unbeobachtet geglaubten Momenten, in denen eine signifikante Bewegungseinschränkung der HWS nicht sichtbar gewesen sei. Ähnliches gelte für die LWS, wo sich zwar insbesondere rechts paravertebral muskuläre Auffälligkeiten gezeigt hätten, auch hier sei während der klinischen Untersuchung aber deutlich muskulär gegengespannt worden
. Die Beweglichkeit der LWS und der Hüften sei im
Langsitz
ohne Auffälligkeiten gewesen, zuvor sei sie nur angedeutet worden. Insgesamt bestünden also doch als deutlich zu bezeichnende Inkonsistenzen (S. 50 Mitte Ziff. 7.3).
Insgesamt scheine der letzte operative Eingriff an der LWS im Januar 2018 ver
glichen mit den klinischen Befunden des
Y._-
Gutachtens von 2015 erfolgreich verlaufen zu sein, da dort signifikante muskuläre Auffälligkeiten aktuell nicht mehr vorhanden seien. Auch neurologisch bestünden keine Auffälligkeiten, kein Wurzelreizsyndrom und keine
pseudoradikuläre
Symptomatik
.
Die HWS-Befunde hätten sich gegenüber dem
Y._-
Gutachten von 2015 klinisch aktuell deutlich verbessert, die seinerzeit beschriebene ausgeprägt schmerzhafte
Myogelose
der Subokzipital-,
Trapezius
- und der
int
erskapulären
Muskelgruppen sei
nicht mehr nachweisbar, die MRI-Untersuchung der HWS vom 26. Januar 2021 zeige ins
gesamt den stationären Befund und einen stabilen Verlauf ohne Zunahme der zentralen Spinalkanalstenose im zervikalen oder im lumbalen Bereich. Die seinerzeit als initial beschriebene
Femoropatellararthrose
beider Kniegelenke sei klinisch im Wesentlichen unverändert
(S. 50 f. Ziff. 7.3).
In der Gesamtschau ergebe sich also verglichen mit den Befunden von 2015 ein insgesamt erfreulicher Verlauf, so dass sich aus heutiger Perspektive die voll
ständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestätige, bei jedoch verbesserter Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit, die mit 80
%
angenommen werde. Die Einschränkung von 20
%
resultiere durch die chronischen Schmerzen und die Notwendigkeit der Einnahme teilweise zentral wirksamer Medikamente und der dadurch bedingten Konzentrations- und Leistungseinbussen (S. 51 Ziff. 7.3; vgl. auch S. 52 f. Ziff. 8). Dem Beschwerde
führer seien körperlich nur leichte Tätigkeiten zuzumuten, überwiegend im Sitzen mit der Möglichkeit der eigen gewählten Positionswechsel, keine Gerüst- und Leitertätigkeiten, keine Zwangshaltung für die HWS, die BWS und die LWS sowie die unteren Extremitäten (
S.
52 unten Ziff. 8). Im Längsschnittverlauf sei dieses Belastungsprofil ein Jahr nach der letzten LWS-Operation, das heiss
e
ab dem 1. Januar 2019, zugrunde zu legen, da zu diesem Zeitpunkt davon auszugehen sei, dass die klinischen Befunde mit den aktuell erhobenen vergleichbar gewesen
seie
n
.
A
bgestützt werden könne auf
die Berichte der
Klinik F._
vom 1. und 6. Februar 2019 und die MRI-Untersuchung der LWS nativ vo
m 6. Februar 2019
(S. 53 Mitte Ziff. 8
).
Ab diesem Zeitpunkt sei somit eine Veränderung des Gesundheitszustands anzunehmen (S. 54 Ziff. 2).
4.13
.3
Dr. med. L._
, Facharzt für Neurologie, nannte im neurologischen Teilgutachten (S. 58-70) als – hier verkürzt wiedergegebene – Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit einen Status nach mehrfachen LWS-Operationen (S. 64 Mitte Ziff. 6).
Es bestehe eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen der Angabe permanenter stärkster Schmerzen, auch während der hiesigen Untersuchungssituation, im Nacken- und Lendenwirbelsäulenbereich sowie im Bereich des linken Beines einerseits und dem Fehlen jedweder Schmerzentäusserungen während der Anamneseerhebung und weiten Teilen der klinisch neurologischen Untersuchung sowie dem Fehlen einer Schonhaltung und
nervaler
Dehnungszeichen anderer
seits. Ferner weise die Angabe einer strikt median begrenzten
Hemihypästhesie
der gesamten linken Körperseite und die Angabe, dort keinen Vibrationssinn zu spüren, sowie die systematische Angabe falscher auf der linken Körperseite platzierter Zahlen und Positionen auf eine Symptomausweitung hin, da derartige Sensibilitätsstörungen keinem anatomisch vorgegebenen zentralen oder peripheren Innervationsmuster entsprächen. Auch die Angabe permanent stärkster Schmerzen trotz Einnahme verschiedenster Opiate und Nicht-Opiate ohne wesentliche Modulation auf die Schmerzsymptomatik sei wenig plausibel (S. 65 Ziff. 7.3).
In angepasster
, körperlich
leichter, wechselbelastender
Tätigkeit
ohne Zwangs
haltungen
betrage die Arbeitsfähigkeit 100
%
(S. 67 unten Ziff. 8). Eine Ver
änderung des Gesundheitszustands liege vor in Form einer partiellen sensiblen Nervenwurzelaffektion L3/4 und L5/S1 links, bestehend seit kurz vor der LWS-Operation am 5. Januar 2018 (S. 68 unten Ziff. 1-2).
Dies wirke sich allerdings nicht funktionell auf die bereits vorbestehenden
Einschränkungen
zusätzlich aus (S. 69 Ziff. 3).
4.1
3
.4
Prof. Dr. med. M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im internistischen Teilgutachten (S. 71-82) ebenso keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 78 Ziff
. 6) wie Dr. med. N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
im psychiatrischen Teilgutachten (S. 84-96; vgl. S. 90 Ziff. 6).
4.13
.5
In der interdisziplinären Konsensbeurteilung (S. 6-19) kamen die
Z._
-Gutachter zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 0
%
(S. 14
Ziff. 4.7). In
leidensangepasster Tätigkeit sei ab dem 1. Januar 2019 unter Berücksichtigung des neurologischen und orthopädischen Belastungsprofils eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 80
%
möglich,
dies
8.5 Stunden pro Tag bei einer Leistungsfähigkeit von 80
%
(S. 14 Ziff. 4.8). Die im
Y._-
Gutachten von 2015 festgestellten Veränderungen auf rheumatologischem Fach
gebiet seien aktuell in der dort beschriebenen Form nicht mehr vorhanden gewesen. Insofern sei es gesamthaft orthopädisch-
traumatologisch
und rheuma
tologisch zu einer signifikanten Besserung der objektiv nachvollziehbaren Befunde gekommen (S. 15 Mitte Ziff. 1).
4.14
Dr.
G._
führte im Bericht zur Sprechstunde vom 28. September 2021 (Urk. 7/303) aus,
sie finde die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
nicht realistisch. Der Patient sei sehr enttäuscht von der IV-Begutachtung,
vor
a
llem
dass seine Wirbelsäulenproblematik wenig angegangen worden sei. Nichts
destotrotz sei er deutlich kompensierter von der psychischen Seite h
er. Vor allem Fahrradfahren
sei gut möglich. Kleine Strecken mit dem Stock zu gehen sei auch möglich. Insgesamt handle es sich um einen deutlich kompensierten Patienten, was die Schmerzsituation und die psychologische Affektion angehe (S. 2 oben). Bezüglich der IV-Begutachtung liege Dr.
G._
aktuell keine schriftliche Dokumentation vor, aber der Patient sei aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht langfristig zu 100
%
arbeitsunfähig aufgrund der komplexen Schmerzsympto
matik und der fehlenden Möglichkeit, ihm chirurgisch oder mit einem Neuro
modulationsverfahren zu helfen (S. 2 unten).
4.15
Am 7. Oktober 2021 fand das Erstgespräch des Beschwerdeführers mit der Ein
gliederungsberaterin der Beschwerdegegnerin statt. Im Verlaufsprotokoll Ein
gliederungsberatung (Urk. 7/309) wurde dazu
zusammenfassend
festgehalten (S. 9), der Beschwerdeführer sei mit einem Italienisch-Übersetzer erschienen, welcher das ganze Gespräch übersetzt habe. Seit 2012 habe er einmal für die Beschwerdegegnerin (richtig wohl: auf Vermittlung der Wohngemeinde, vgl. S. 5 unten) am Flughafen gearbeitet. Gesundheitsbedingt sei dies nicht gegangen. Seither habe er mehrmals bei seinen behandelnden Ärzten das Thema Arbeit an
gesprochen, diese hätten ihm jedoch gesagt, dass er nicht mehr arbeiten könne. Bei Fragen in Richtung Arbeit habe der Beschwerdeführer immer wieder auf das Thema Gesundheit gelenkt. Die Schmerzen seien zu gross und zu oft, sie verstärkten sich. Es seien Widersprüche aufgetaucht: Zuerst habe er angegeben, an 15 Tagen pro Monat arbeiten zu können, später dann, wegen
Morphium
einnahme
an maximal 1-2 Tagen pro Woche etwas arbeiten zu können. Auf den Widerspruch angesprochen habe er angegeben, an 15 Tagen pro Woche an Arbeit zu denken. Umsetzen könnte er
diese
lediglich an 1-2 Tagen pro Woche, wenn
die Schmerzsituation gut sei. Erst müsste er eine Arbeit auf Probe haben, um sagen zu können, ob das gehen würde. Seine gesundheitliche Lage habe
sich
sei
t
2018 verschlechtert und auch seit dem Gutachten vom Juli 202
1.
Während des Gesprächs sei ein Muster erkennbar gewesen: Der Beschwerdeführer habe an
geben, hoch motiviert für Arbeit
und froh
zu sein
, wenn er eine Beschäftigung hätte. Sobald konkretere Fragen gefolgt seien, habe er angegeben, gesundheits
bedingt keine Schritte in Richtung Arbeit machen zu können. Auf das Muster angesprochen, habe er angegeben, dass sich die Gesundheit verschlechtert habe. Insgesamt habe er gewirkt, als ob er alles mitmachen werde, um weiterhin Geld
leistungen zu erhalten. Eine reelle Motivation für eine Arbeit sei nicht erkannt worden. Aus medizinischer Sicht sei ihm eine ganztägige Arbeit mit 80
%
Leistung zumutbar. Er gebe an, eine angebotene Arbeit an 1-2 Tagen pro Woche (schmerzbedingt frei wählbar) probieren zu können. Eine Motivation, selber eine Arbeit zu suchen, sei nicht erkennbar gewesen.
Unter dem Titel «schulische und berufliche Laufbahn» wurde zum Gespräch fest
gehalten, der Beschwerdeführer habe sich seit 2013 überlegt, vielleicht in der Migros etwas zu arbeiten. Was konkret, habe er sich nicht überlegt. Angefragt, ob er sich eine Bedienung der Kasse vorstellen könnte, habe der Beschwerdeführer verneint, da die Schmerzen im Halswirbelbereich jeweils in die Arme zögen. Dann habe er zu starke Schmerzen für eine solche Tätigkeit (S. 5 Mitte). Er könne nur arbeiten, wenn er sich gesund fühle. Seine Ärzte sähen ihn als nicht arbeitsfähig
an
(S. 5 unten).
Eine Unterstützungsmöglichkeit der Beschwerdegegnerin würde die Begleitung bei der Stellensuche für eine angepasste 80
%
-Stelle umfassen
, welche 6 Monate dauern würde. Allenfalls sei ein Einstieg über einen Arbeitsversuch möglich, der Start wäre dann bei 50
%
. Dies sei gegenüber dem Beschwerdeführer noch weiter konkretisiert worden (vgl. im Detail S. 6 oben). Er habe diese Möglichkeit sehr gut gefunden, wenn es mit der Gesundheit möglich sei. Dies wäre aus seiner Sicht an 1-2 Tagen pro Woche möglich, wenn es die Schmerzsituation zulasse. Er müsste es erst probieren. Es sei besprochen worden, dass die Unterstützung an
geboten werden könne, wenn sich der Beschwerdeführer realistischer Weise in der Lage fühle, ein 80
%
-Pensum zu erreichen. Der Beschwerdeführer sei
dabei geblieben
, dass er eine Arbeit, die ihm gegeben werde, erst probieren müsste, maximal an 1-2 Tagen pro Woche (S. 6 Mitte).
5.
5.1
Das polydisziplinäre
Z._
-Gutachten vom 21. Juli 2021 (E. 4.
13
) erfüllt die Voraussetzungen an
einen beweiskräftigen Bericht (E. 1.5), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
5.2
Zentral ist die Frage nach dem Vorliegen eines Revisionsgrundes im Sinne einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, welche in der Regel eine veränderte Befundlage voraussetzt (E. 1.2; E. 1.3).
Eine solche bestreitet der Beschwerdeführer und führte ins Feld, der Schluss der
Z._
-Gutachter auf eine verbesserte Situation sei nicht nachvollziehbar, da sich die Befunde seit dem
Y._-
Gutachten von 2015 nicht verbessert hätten (E. 2.2).
5.3
Näher
und insbesondere medizinisch
begründet wurde dies vom Beschwerde
führer allerdings nicht. Ihm ist entgegenzuhalten, dass sich insbesondere der orthopädische
Z._
-Teilgutachter Dr.
K._
in schlüssiger Weise mit der ver
änderten Befundlage auseinandersetzte. So führte er aus, insgesamt scheine der letzte operative Eingriff an der LWS im Januar 2018 verglichen mit den klinischen Befunden des
Y._-
Gutachtens von 2015 erfolgreich verlaufen zu sein, da dort signifikante muskuläre Auffälligkeiten aktuell nicht mehr vorhanden seien. Auch neurologisch bestünden keine Auffälligkeiten, kein Wurzel
reiz
syndrom und keine
pseudoradikuläre
Symptomatik. Die HWS-Befunde hätten sich gegenüber dem
Y._-
Gutachten von 2015 klinisch aktuell deutlich verbessert, die seinerzeit beschriebene ausgeprägt schmerzhafte
Myogelose
der Sub
okzipital
,
Trapezius
- und der
interskapulären
Muskelgruppen sei nicht mehr nachweisbar (E. 4.
13
.2).
Damit übereinstimmend hielt denn auch die behandelnde Neurochirurgin Dr.
G._
Ende September 2021 fest, es handle sich um einen deutlich kompensierten Patienten, was die Schmerzsituation und die psychologische Affektion angehe (E. 4.
14
).
Auf einen verbesserten Gesundheitszustand weist schliesslich auch die Tatsache hin, dass der rheumatologische
Y._-
Teilgutachter Dr. C._
im Jahr 2015 eine ausgeprägte Lumbalkanalstenose als im Vorder
grund stehend bezeichnet hatte (E. 3.3), mittlerweil
e jedoch gemäss den MRI der L
WS vom
6. Februar 2019 beziehungsweise vom
26. Januar 2021 nur noch
leichtgradige
foraminale
Stenosen (E. 4.8) beziehungsweise eine
mässige zent
rale Spinalkanalstenose vorliegen
(E. 4.12).
5.
4
Die Überzeugungskraft der von Dr.
K._
anschaulich dargestellten verbesserten Befundlage ab 1. Januar 2019 kann durch die zahlreichen zeitlich vorher ergangenen Berichte der behandelnden Ärzt
e
im Zeitraum von November 2016 bis Ende 2018, welche im Urteil des hiesigen Gerichts vom 1. Juli 2020 noch
ausführlich diskutiert worden waren (vgl. Urk. 7/259
, dortige
E. 4.1-12 sowie E.
5.2-3)
,
zum Vornherein nicht in Frage gestellt werden. Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass sich die Behandle
r
betreffend das Beschwerdebild relativ weit
gehend auf die Angaben des Beschwerdeführers
verliessen. Als Beispiel sei der Konsultationsbericht vom 7. Mai 2018 genannt, in dem die Ärzte der
Klinik F._
ausführten, aufgrund der Schmerzen sei die aktuelle Gehstrecke trotz aus
gebauter Analgesie auf etwa 10 Meter reduziert, vor allem nachts sei der Patient durch stärkste Schmerzen geplagt, das Schuhwerk habe auf Bettelsanda
len gewechselt werden müssen, da das Laufen schmerz
bedingt nur in diesen mög
lich
sei, eine Lebensqualität sei aktuell nicht vorhanden, die starken Schmerzen liessen sich weder klinisch noch radiologisch durch ein Kniegelenks
leiden aus
reichend erklären (E. 4.6).
Ein weiteres ähnliches Beispiel liefert der Verlaufs
bericht von Dr.
G._
vom 30. Juli 2018 (E. 4.7).
5.
5
Ganz prinzipiell hat das Gericht
bei Ber
ichten von behandelnden Ärzten
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen
,
Urteil des Bundesgericht
s I 551/06 vom 2. April 2007 E.
4.2
), sprich deren Gesundheits
beeinträchtigung tendenziell eher gravierender und deren Arbeitsfähigkeit tendenziell eher tiefer einschätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre.
Die behandelnden Ärzte
haben sich in erster Linie auf die Behandlung zu konzen
trieren. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den
abschliessenden
Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_10
55/2010 vom 17. Februar 2011 E.
4.1).
Nicht abgestellt werden kann deshalb auf die Angabe von Dr.
G._
Ende September 2021, wonach der Beschwerdeführer langfristig zu 100
%
arbeits
unfähig sei. Dies umso weniger, als ihr das
Z._
-Gutachten offenbar gar nicht vorlag und Dr.
G._
folgerichtig auch keine Begründung dafür abgeben konnte, weshalb sie die dort attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
nicht realistisch finde (E. 4.14).
5.6
Entsprechend ihrer Vertrauensstellung und ihrem medizinischen Auftrag war es auch nicht an den behandelnden Ärzten, Inkonsistenzen innerhalb der Angaben des Beschwerdeführers oder zwischen diesen und den klinischen Befunden sowie insbesondere dem Verhalten in scheinbar unbeobachteten Momenten aufzu
decken und aufzuzeigen.
Anders war dies bei den
Z._
-Gutachtern, welche die objektiven funktionellen Einschränkungen
versicherungsmedizinisch
abzuklären hatten und die bestehenden Inkonsistenzen
im orthopädischen und neurologischen Teil
gut
achten
in konkreter, nachvollziehbarer und eindrücklicher Art und Weise auf
zeigten (E. 4.
13.2-3). Dass in den unbeobachtet geglaubten Momenten während der orthopädischen Untersuchung weder eine signifikante Bewegungs
ein
schränkung der HWS sichtbar war noch betreffend die Beweglichkeit der LWS und der Hüften Auffälligkeiten bestanden (E. 4.13.2) und in der Anamnes
e
erhebung sowie weiten Teilen der klinischen neurologischen Untersuchung Schmerzentäusserungen, eine Schonhaltung und
nervale
Dehnungszeichen fehl
ten (E. 4.13.3), untermauert nicht nur die festgestellte Verbesserung des Gesund
heitszustands,
nachdem der
Y._-
Rheumatologe 2015 noch objektiv weitgehend nachvollziehbare ausgeprägte Bewegungseinschränkungen der LWS, BWS und HWS konstatiert hatte (E. 3.3),
sondern auch die orthopädisch
begründete und auch
interdisziplinär attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
in angepasster Tätig
keit (E. 4.13.5).
5.
7
Nach dem Gesagten ist ein Revisionsgrund aufgrund einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands bei veränderter Befundlage ausgewiesen. Gemäss überzeugender Beurteilung im beweiskräftigen
Z._
-Gutachten vom 21. Juli 2021 besteht eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten, körper
lich nur leichten wechselbelastenden Tätigkeit, welche überwiegend im Sitzen mit der Möglichkeit der eigen gewählten Positionswechsel, ohne Gerüst- und Leiter
tätigkeiten und ohne Zwangshaltung für die HWS, die BWS und die LWS sowie die unteren Extremitäten ausgeübt werden kann (E. 4.13.2, E. 4.13.3, E. 4.13.5).
6.
6.1
Der im Jahr 1963 geborene Beschwerdeführer hat das 55. Altersjahr bereits zurückgelegt. Nachdem ein Revisionsgrund vorliegt (E. 5.
7
), sind somit grund
sätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen vor einer allfälligen Herab
setzung oder Aufhebung der Rente (E. 1.3). Entsprechend lud die Beschwerde
gegnerin den Beschwerdeführer zum Erstgespräch mit ihrer Eingliederungs
beraterin ein, welches am 7. Oktober 2021 stattfand (E. 4.15).
Strittig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin im Anschluss zu Recht einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung verneinte, oder ob dem Beschwerdeführer Arbeitsvermittlung beziehungsweise weitere berufliche Massnahmen zuzu
sprechen sind (vgl. Sachverhalt E. 1.2-3 sowie E. 2).
6.2
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren ablehnenden Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer seine bisherige Arbeitsfähigkeit aus invaliditätsfremden Gründen nicht verwertet habe
, mithin die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nicht aufgrund von gesundheitlichen Gründen bestehe
(E. 2.1).
Dies erscheint als zumindest fraglich. Zu Recht wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass zwischen 2013 und 2018 vier Operationen mit langen Rehabilitationen eine erfolgreiche Arbeitssuche erschwert
hätt
en (E. 2.2). Zu beachten ist auch, dass die
Zusprache
einer halben Rente ab Juni 2012 erst im Februar 2016 erfolgte und der Beschwerdeführer bereits am 26. Juli 2017 ein
e
Verschlechterung
geltend machte
,
worüber
aufgrund des Rückweisungsentscheids des hiesigen Gerichts vom 1. Juli 2020 und der nachfolgenden Abklärungen
bislang
noch nicht
mittels Verfügung
entschieden wurde (vgl. Sachverhalt E. 1.1-2).
So oder anders besteht jedoch bei fehlendem Eingliederungswillen kein Anspruch auf berufliche Massnahmen (E. 1.4). Nachdem hierfür Anhaltspunkte bestehen, ist diesbezüglich eine nähere Prüfung angezeigt.
6.3
Beim Beschwerdeführer besteht eine ausgeprägte subjektive Krankheits
überzeugung. Gegenüber dem orthopädischen Teilgutachter Dr.
K._
gab er an, er schätze sich als vollständig arbeitsunfähig für jegliche Tätigkeit ein. Bemühungen, beruflich wieder tätig zu werden, bestünden nicht und würden auf Nachfrage abgelehnt (E. 4.13.2). Das Gespräch vom 7. Oktober 2021 mit der Ein
gliederungsberaterin der Beschwerdegegnerin wurde denn auch nicht vom Beschwerdeführer verlangt, sondern von der Beschwerdegegnerin
initiiert, welche sich aufgrund seines Alters als verpflichtet erachtete, ihm Eingliederungs
massnahmen anzubieten (vgl. Schreiben vom 5. August 2021 [Urk. 7/290]).
Anlässlich dieses Gesprächs konnte die Eingliederungsberaterin keine reelle Motivation für eine Arbeit erkennen. Dem ausführlichen Protokoll lässt sich ohne Weiteres entnehmen, wie sie zu dieser Einschätzung
gelangte
.
So habe
d
er
Beschwerdeführer
bei Fragen in Richtung Arbeit immer wieder auf das Thema Gesundheit gelenkt und unter anderem auf seine Ärzte verwiesen, welche gesagt hätten, dass er nicht mehr arbeiten könne. Bei konkreten Fragen habe er angegeben, gesundheitsbedingt keine Schritte in Richtung Arbeit machen zu können. Selbst nach konkretem Angebot einer Eingliederungsmöglichkeit beharrte er darauf, aus seiner Sicht sei dies nur an 1-2 Tagen pro Woche möglich. Nachdem nicht einmal diese 1-2 Tage zum Vornherein festgelegt werden könnten,
sondern frei wählbar sein müssten,
da
Rücksicht auf seine
Tagesform respektive seine tagesaktuelle Schmerzsituation
zu nehmen wäre, erscheint eine erfolgreiche Eingliederung derzeit als unrealistisch. Der Beschwerdeführer scheint
derart von der Schwere seiner Einschränkungen überzeugt zu sein, dass er das erforderliche Minimum an Einsatzbereitschaft und Motivation
für eine aussichts
reiche Eingliederung
nicht aufzubringen vermag. Seine Krankheitsüberzeugung erscheint derzeit als zu stark, ein relevanter Eingliederungswille ist nicht vor
handen.
Stimmiger Weise gab denn auch die Hausärztin Dr.
J._
im Dezember 2020 an, sie beurteile die Motivation des Beschwerdeführers auf einer Skala von 1-10 lediglich mit 4 (E. 4.11).
Entsprechend vermochte der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift auch nicht näher beziehungsweise positiv zu begründen, inwiefern die Voraus
setzungen für eine Arbeitsvermittlung klar erfüllt seien (E. 2.2).
Nachdem offen
bar kaum Motivation für eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt besteht, ist auch nicht ersichtlich, was der Beschwerdeführer aus seiner
früheren
Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt für seinen Standpunkt ableiten möchte. Gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK) war er dort
denn
auch
entgegen seinen Angaben
nicht «während Jahren»
(vgl. E. 2.2)
, sondern lediglich von März 2017 bis Februar 2019 tätig (Urk. 7/297).
Anhaltspunkte dafür, dass er aus gesundheitlichen Gründen einzig an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sein kann, bestehen zu
dem nicht.
6.4
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung zu Recht verneint. Mangels
subjektiver Eingliederungsfähigkeit
besteht auch kein Anspruch auf andere berufliche Mass
nahmen.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.