Decision ID: 4a923526-ae8a-5e10-b990-25b6e6308ec5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1989 geborene
X._
, Polymechaniker mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (
Urk.
7/2), arbeitete
bi
s zum letzten Arbeitstag am 30.
Novem
ber 2017
als Gruppenleiter
«
Cooling
Unit»
bei der
Y._
AG
(
Urk.
7
/23)
. Mit Datum vom
2.
Mai 2017 meldete er sich unter Hinweis auf ein Burnout bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerblich-medizinische Abkläru
ngen und
zog die Akten der Krankentaggeldver
sicherung bei (
Urk.
7/4/1-5
,
Urk.
7/27/1-41
). Mit Mitteilung
en
vom 2
3.
Oktober
2017 und 2
6.
April 2018 erteilte
sie dem Versicherten
Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung sowie
für eine
Arbeitsvermittlung Plus (Arbeitstraining, Akquisition, Nachbetreuung), letzteres zuzüglich eines Taggeldes (
Urk.
7/19,
Urk.
7/34
ff.
).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/54,
Urk.
7/58; vgl. auch Mitteilung vom
4.
Dezember 2018
Urk.
7/43) schloss die IV-Stelle ihre Bemühungen in Sachen berufliche Eingliederung mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2019 ab (
Urk.
2).
2
.
Dagegen erhob
X._
mit Datum vom 21. Juni 2019 (Datum Post
stempel) Beschwerde und beantragte, (1) es seien ihm erneut berufliche Einglie
dermassnahmen in Form eines 12-monatigen Arbeitsversuchs bei der Firma
Z._
zuzusprechen, (2) eine «korrekte Überprüfung der Nachhaltigkeit der Eingliederungsmassnahme, so dass ein künftiges Bestehen auf dem
1.
Arbeits
markt gegeben ist», (3) es seien ihm eine weiterführende Unterstützung und Begleitung (Jobcoaching) durch «Profil Arbeit & Handicap» im Stellensuch- und anschliessenden Arbeitsprozess zu gewähren und (4) es sei damit eine andere [als die bisherige] Eingliederungsfachperson zu beauftragen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
September 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
2), was dem Beschwerdeführer am 2
3.
Septem
ber 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Mit Eingabe vom 11. Oktober 2019 (Datum Poststempel) zog der Beschwerdeführer die Anträge (1) und (3) zurück und stellte stattdessen einen Antrag auf Umschulung (
Urk.
9). Zudem legte er den Austrittsbericht der Rehaklinik
A._
vom 2
7.
September 2019 und das Schreiben der Suva vom 2
8.
August 2019 auf (
Urk.
10/1-2).
Je eine Kopie dieser Eingaben wurde der Beschwerdegegnerin am 2
4.
Oktober 2019 zur Stellung
nahme zugestellt (
Urk.
11). Innert angesetzter
Vernehmlassungsfrist
teilte
diese
mit, auf eine Stellungnahme zu verzichten (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geisti
gen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lich
kei
ten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
ti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.4
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend (BGE 121 V 362 E. 1b; 143 V 409 E. 2.1).
Spätere Arztberichte sind aber in die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (Urteil
des Bundesgerichts 9C_114
/2019 vom
5.
November 2019 E. 2 mit Hinweisen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin,
im Rahmen des sechsmonatigen Arbeitstrainings habe der Beschwerdeführer
eine
Präsenzzeit von
maximal
80%
und dabei eine
Leistungsfähigkeit von
maximal
60-70% erzielen können. Von einem weiteren Arbeitsversuch sei keine wesentliche
Verbesserung
seiner
Leistungsfähigkeit
zu erwarten. Andere Eingliederungsmassnahmen seien nicht zielführend. Da die Bemühungen in Sachen beruflicher Eingliederung
vor diesem Hinterg
r
und
abgeschlossen würden, sei auch ein Wechsel der Eingliede
rungsberaterin nicht angezeigt
. Betreffend den Rentenanspruch werde separat verfügt
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer
zog
seinen ursprünglichen (Haupt-)A
ntrag auf einen weiteren Arbeitsversuch zugunsten eines Antr
ags auf Umschulung zurück
(Urk.
1,
Urk.
9
,
Urk.
10/1-2
).
2.3
Indem die
Beschwerdegegnerin mit
der angefochtenen
Verfügung vom 2
1.
Mai 2019
- entgegen dem irreführenden Titel
(vgl.
Urk.
2)
–
nicht ausschliesslich eine weitere
Arbeitsvermittlung
abgelehnt
, sondern vielmehr
ihre
Bemühungen in Sachen berufliche Eingliederung
gänzlich
abgeschlossen
und deme
ntsprechend
die Rentenprüfung
bereits
ein
geleitet
hat
(
Urk.
7/63 ff
.
)
,
ist die
beschwerdeweise
beantragte Umschulung vom vorliegenden
Anfechtungsgegenstand
erfasst.
3.
Vom 2
1.
August bis 2
6.
September 2019 weilte der Beschwerdeführer unter anderem zur Abklärung der beruflichen Leistungsfähigkeit in der Rehaklinik
A._
. Dem Austrittsbericht vom
2
7.
September 2019 ist diesbezüglich im Wesentlichen zu entnehmen, die angestammte Tätigkeit als Polymechaniker sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zuzumuten; angesichts der gescheiterten Arbeitsversuche sei eine Wiedereingliederung in diese Tätigkeit aufgrund der Folgen der erlittenen traumatischen Hirnverletzung
(Unfall vom 1
9.
Juni 2015)
weder möglich noch zielführend. Vielmehr sei eine Umschulung zu prüfen (
Urk.
10/1
S. 2 f.).
4
.
Da aufgrund
der
im Rahmen der bisherigen Eingliederungsbemühungen gewon
nen Erkenntnisse
(vgl.
Urk.
7/44,
Urk.
4/48,
Urk.
7/57)
sowie gestützt auf den beschwerdeweise eingereichten
Austrittsbericht
der
A._
ein Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulung zumindest zu prüfen ist, die Beschwerdegeg
nerin
diesbezüglich
bis dato indes keinerlei
Abklärungen getroffen hat
und sich
im vorliegenden Beschwerdeverfahren dazu auch
vernehmen liess (
Urk.
12)
,
kann
ein allfälliger Umschulungsanspruch
beim aktuellen Aktenstand nicht beurteilt
werden
. Entsprechend
ist die Sache zur Prüfung eines allfälligen Anspruchs des Beschwerdeführers auf Umschulung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dabei wird sie – entsprechend dem A
ntrag (2) des Beschwerdeführers
- unter anderem zu prüfen haben, ob die beantragte Eingliederungsmassnahme notwen
dig und geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (vgl.
E. 1.3
) und ob
seinem Antrag
auf eine damit zuvor
unbefasste
Eingliederungsberaterin
stattgegeben werden kann (Antrag 4,
Urk.
1).
In diesem Sinne ist die
Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
aufzuheben.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Die Kosten sind ermes
sensweise auf Fr. 5
00.-- festzusetzen und (aufgrund der rechtsprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung) ausgangsgemäss der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.