Decision ID: 31c25981-c81e-4347-a454-384dfa60f2e3
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1
.
1.1
X._
,
geboren 1973, war als Automechaniker/-diagnostiker bei der
Y._
tätig. Nachdem er seit dem 23. September 1999 aus psychischen Grün
den
krank geschrieben
war, wurde ihm die Stelle per 30. April 2000 gekündigt (Urk. 19/7/7). Am 30. Oktober 2000 meldete er sich bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsb
ezug an (Urk.
1
9/
7/
4)
.
Nach medizinischen und erwerbli
chen Abklärungen
sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle,
mit Verfügung vom 16. Mai
2001
r
ückwirkend ab 2
3. September 2000 eine ganze Rente zu
(Urk.
1
9/
7/
18
).
Im Mai 2002 wurde eine
erste Rentenrevision durchgeführt
, in deren Rahmen der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestätigt wurde. Gleich verhielt es sich mit der zweiten, im Juli 2003 eingeleiteten Rentenrevision. In beiden Ver
fahren gab der Beschwerdeführer an, sein Gesundheitszustand sei gleich geblie
ben beziehungsweise habe sich tendenziell verschlechtert (Urk.
1
9/7/21+25
).
1.2
Anfang 2006 erhielt die IV-Stelle durch ein anonymes Schreiben
davon Kennt
nis, dass
der Versicherte seit 2003 als
selbständigerwerbender
Automobil
diag
nostiker
in einer eigenen Werkstatt arbeite und Occasionswagen repariere und
verkaufe (Urk. 19/7/38
)
.
Daraufhin leitete
sie ern
eut ein Revisionsverfahren ein
. Wiederum te
ilte der Versicherte mit, sein
Gesundheits
zustand sei unverändert (Urk. 19/7/33
).
Am 30. März 2007 erstatte
te
die IV-Stelle bei der Staatsanwaltschaft des Kan
tons Zürich gegen
den
Versicher
ten
Strafanzeige
wegen Verdachts auf Betrug
(Urk.
1
9/7/38)
. Mit Verfügung vom 8. Febr
uar 2008 sistierte sie
die Rentenzah
lungen für die Dauer der Strafuntersuchung (Urk. 19/7/49)
. Eine dagegen erho
bene Beschwerde
wies das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit
Urteil vom 19. August 2008 ab
(Urk. 19/7/63).
1.3
Am 29. August 2011 stellte die Staatsanwaltschaft
der
IV-Stelle die
gesamten
Strafakten zur
Einsicht zu (Urk. 19/7/88
-95).
In der Folge erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid hinsichtlich der beabsichtigten Einstellung der Invalidenrente
(Urk. 19/
7/106)
. Mit
Verfügung vom 19. M
ärz
2012
setzte sie
die bisherige ganze Rente rückwirkend per
1.
Oktober 2001 auf eine halbe Rente herab und stellte sie
schliesslich
per
1.
November 2003 ganz ein. Zudem hielt sie fest, dass eine Meldepflichtverletzung vorliege, und stellte die Rückforderung
von
zu Un
recht erbrachter Leistungen in Aussicht (Urk.
2)
.
Nach Erlass eines weiteren Vorbescheids forderte die IV-Stelle mit Verfügung
vom 11. J
uni 2012
Renten
leistungen
i
m Umfang
von Fr.
330‘143.
--
zurück (Urk. 19/2).
2.
Gegen die
(Renteneinstellungs-)
Verfügung vom 19. März 2012 liess der Versi
cherte am 7. Mai 2012 Beschwerde erheben und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur weite
ren Abklärung beantragen (Urk. 1
). Gegen die
(
Rückfor
derungs
)
Verfügung vom 11. Juni 2012
erfolgte die Beschwerdeerhebung am 1
2.
Juli 2012 mit dem Antrag auf Aufhebung der Rückforderung (Urk. 19/1
).
Dieses
Verfahren wurde unter der Prozess-Nr. IV.2012.00740 angelegt.
Die IV-Stelle schloss in den Beschwerdeantworten vom 7. Juni und 20. August 20012 auf Abweisung der Beschwerden (Urk. 6, 19/6). Mit
Verfügu
ng vom
2.
November 2012 wurde der Prozess IV.2012.00740 mit dem vorliegenden
ver
einigt. Zugleich wurde das Gesuch des Versicherten um unentgeltliche
Rechts
verbeiständung
abgewiesen (Urk. 20).
Mit Beschluss vom 31. Oktober 2013 wurde dem Versicherten im Sinne einer ersten vorläufigen Einschätzung mit
geteilt, dass nach Meinung des Gerichts die halbe Invalidenrente allenfalls per 1. Januar 2003 und nicht erst per 30. November 2003 einzustellen sei, was zu einer entsprechenden Erhöhung der Rückforderung führen würde. Es gab ihm deshalb Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde (Urk. 22). Dazu liess sich der Versicherte mit Eingabe vom 27. November 2013 vernehmen und er beantragte, das Gericht habe zunächst zur Frage einer allfälligen (teilweisen) Verjährung der Rückforderung Stellung zu nehmen (Urk. 24). Dem kam das Gericht mit Be
schluss vom 29. November 2013 nach (Urk. 25). Auf eine neuerliche Stellung
nahme verzichtete der Versicherte (Urk. 27).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die rückwirkende Rentenaufhebung und die damit verbundene Rückforderung von Invalidenrenten rechtens ist.
Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, ob dem Beschwerdeführer eine
Meldep
flichtverlet
zung
vorgeworfen
werden kann. In Bezug auf die Rückforderung sind zudem die Verjährungsfristen zu beachten.
1.2
Zu bemerken ist vorab, dass in der Verfügung vom 19. März 2012 lediglich der für eine Rückforderung in Frage kommende Zeitrahmen, nicht aber diese selber festgelegt worden ist. Die Rückforderung an sich erfolgte erst mit Verfügung vom 11. Juni 201
2.
Anders als der ihr vorangehende Vorbescheid (Urk. 19/
7/
123) enthielt sie keine Rechtsmittelbelehrung (Urk. 19/2).
Insofern weist die Verfügung vom 11. Juni 2012, die aber klar als solche bezeichnet ist, einen Mangel auf. Dessen Konsequenzen bestimmen sich
nach Art. 49
Abs.
3 Satz 3
des
Bundesgesetz
es
über
den Allgemeinen Teil des Sozial
versich
eru
ngs
rechts
(ATSG)
, wonach der versicherten Person aus einer mangelhaften Eröffnung kein Nachteil entstehen darf. Die konkreten Rechtsfolgen ergeben sich aus der Art des Mangels (ausführlich zu den Auswirkungen verschiedener
Eröffnungsmän
gel
: Michele
Albertini
, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates,
Diss
. Bern 1999, S. 440 ff.). Eine falsche oder fehlende Rechtsmittelbelehrung führt regelmässig
zur Verlän
gerung der Rechtsmittel
frist (
vgl.
BGE 134
V 145 E. 3.2;
zum Ganzen: Alfred
Kölz
/Isabelle
Häner
, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
2.
Auflage, Zürich 1998, S. 130 ff.
N.
362 ff., sowie Ueli
Kieser
, Bun
desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG], in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit,
2.
Auflage, Basel 2007, S. 217 ff., 289,
N.
164).
D
em Beschwerdeführer
ist
aus
der
fehlerhaften Verfügung
kein
Nachteil
erwach
sen
. Trotz fehlender Rechtsmittelbelehrung reichte er die Beschwerde in
nert Rechtsmittelfrist ein. Damit hat es sein Bewenden. Der Beschw
erdeführer liess die Fehlerhaftigkeit der
Verfügung denn auch nicht monieren.
2.
2.1
Am 1. Januar 2003 sind das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozial
versich
erungsrechts
(ATSG) und die Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialve
rsicherungsrechts
(ATSV) in Kraft getreten und haben in ein
zelnen
Sozialversicherungsge
setzen
und -verordnungen zu Revisionen geführt. In
materiellrechtlicher
Hin
sicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beur
teilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Da sich
der hier zu beurteilende
Sachverhalt (die Auszahlung der von der
Be
schwerdegegnerin
zurückgeforderten
Rentenbetreffnisse
) zum Teil
vor dem 1. Januar 2003 und zum Teil erst danach
verwirklicht hat, gelangen die materi
ellen Vorschriften des ATSG
und der ATSV
sowie die gestützt darauf erlassenen Gesetzes- und Verordnungsrevisionen im vorliegenden Fall nur für einen Teil der streitgegenständlichen Forderung zur Anwendung. Die Beurteilung des an
deren Teils hat hingegen nach den altrechtlichen Bestimmungen zu erfolgen. Nachfolgend werden deshalb jeweils sowohl die aktuellen als auch die
altrecht
lichen
Normen wiedergegeben (und letztere entsprechend bezeichnet). Wie sich
allerdings zeigen wird, haben sich durch die genannten Revisionen keine für den vorliegenden Fall
entscheiderheblichen
Änderungen ergeben.
2.2
Nach Art. 25
Abs.
1 ATSG bzw. nach dem vor Inkrafttreten des ATSG anwendba
ren alt Art. 47
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hin
terlassenenversicherung
(
AHVG
)
in Verbindung mit alt Art. 49
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung
(IVG;
in Kraft bis 31. Dezember 2002) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gu
tem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
2.3
Eine Rückforderung von unrechtmässig bezogenen Geldleistungen ist in der Sozialversicherung nur unter den für die Wiedererwägung oder die prozessuale Revision formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Vorauss
etzungen zulässig (BGE 130 V 384 E. 2.3.1 mit Hinweisen; Bundesgerichtsurteil 8C_1042/2009 vom 1
2.
April 2010 E. 2.2
). Beruht die objektiv ungerechtfertigte Ausrichtung von Rentenleistungen auf einer falschen Beurteilung eines IV-spe
zifischen Gesichtspunkts - es handelt sich dabei insbesondere um alle Tatsa
chen, die bei der Bemessung des Invaliditätsgrades von Bedeutung sin
d -, so erfolgt die Änderung gemäss
Art. 85
Abs.
2
der Verordnung über die Invaliden
versicherung
(
IVV
)
grundsätzlich
bloss mit Wirkung ex
nunc
, sodass keine Rückforderung stattfindet.
Für Renten und
Hilflosenentschädigungen
verweist diese Bestimmung zudem auf Art. 88
bis
Abs.
2 IVV. Demnach kann eine Aufhe
bung oder Herabsetzung eines Anspruchs auch rückwirkend vom Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung verfügt werden, wenn die unrichtige Aus
richtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie un
rechtmässig erwirkt hat oder der ihm gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Melde
pflicht nicht nachgekommen ist (
lit
. b). Art. 77 IVV sieht vor, dass der Berech
tigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behörden und Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, na
mentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbstätig
keit, der Hilflosigkeit, der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen haben.
2.4
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist
massge-bend
(Art. 25
Abs.
2 ATSG bzw.
alt Art. 47
Abs.
2 AHVG).
3.
3.1
Die
Zusprache
der ganzen Invalidenrente
mit Verfügung vom 16. Mai 2001 er
folgte aus psychischen Gründen
. Ausgegangen wurde von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit, mithin einem Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
1
9/
7/
14+18).
Da sich im Laufe der Strafuntersuchung ergeben hatte, dass der Beschwerde
führer seit Januar 2000 Erwerbstätigkeiten nachgegangen war, veranlasste der zuständige Staatsanwalt ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med.
Z._
(
Urk.
19/
7/
79). Der Psychiater
hielt im Gutachten vom 29. März 2011
fest, spä
testens ab Mitte 2001 habe keine über 50
%
liegende Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden. Seit ungefähr 2003 habe die Arbeitsunfähigkeit höchstens 30
%
be
tragen und ab 2006 lasse sich keine Arbeitsunfähigkeit mehr bele
gen (
Urk.
19/7/82/127 ff.).
3.2
Der Beschwerdeführer zog in der Beschwerde vom 7. Mai 2012 die Beweiskraft dieses psychiatrischen Gutachtens in Zweifel. Stattdessen berief er
sich auf
das von ih
m im Strafverfahren veranlasste
Privatgutachten
des Psychiaters
Dr.
med.
A._
,
worin
im Ergebnis eine unveränderte Arbeitsunfähigkeit att
estiert
wurde
(
Urk.
1,
9/1-2
).
3.3
Mit Urteil vom 14. Juni 2012 sprach das Bezirksgericht Uster den Beschwerdefüh
rer des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146
Abs.
1
des Strafgesetzbuches
(
StGB
)
, teilweise in Verbindung mit Art. 22
Abs.
1 StGB, schuldig
(
Urk.
19/7/159/1-45)
.
In Würdigung der Gutachten beurteilte
es jenes von
Dr.
Z._
als ausführlich begründet, gut nachvollziehbar und über
zeugend. Das Gutachten von
Dr.
A._
qualifizierte
es
als unklar, unvollstän
dig und eher an eine
Stre
itschrift erinnernd als
an ein
Gutachten.
In
tatbeständ
licher
Hinsicht
erachtete das Strafgericht
als erstellt, dass der Beschwerdeführer
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2000
für den
B._
tätig gewesen war und so ein Einkommen von F
r. 7‘
147
.--
erzielt hatte
. Weiter habe er per 1. Dezember 2000 gemeinsam mit seiner Ehefrau eine Hauswartung übernommen. Sein Lohnanteil habe 10 bis 15
%
des Salärs
ausgemacht, welches zunächst
Fr
. 950
.--
, ab Juli 2001
Fr. 2‘600
.--
und ab Februar
2005
rund Fr. 3‘000
.--
monatlich betragen habe
. Zudem h
abe er
eine
eigene
Garage betrieben
.
Spätestens ab Beginn
2006 habe er diese Tätigkeit massiv ausgebaut. Er habe zah
lreiche Autos repariert und jährlich r
und 60 Fahrzeuge vorgeführt
.
Im Übri
gen hielt es das G
ericht für erwiesen, dass der Beschwerdeführer vo
n
Juli 2001 bis ca. Mitte November 2002 f
ür die
Garage
C_
gearbeitet
und
dabei ei
nen durchschnittli
chen Monatslohn von Fr. 1‘200
.--
erzielt
hatte.
Diese Tätigkeiten hatte der Beschwerdeführer der IV-Stelle verschwiegen.
Eine Meldepflichtverletzung im Zeitpunkt der IV-Anmeldung am 30. Oktober 2000 verneinte das Strafgericht.
Zum damaligen Zeitpunkt habe der Beschwerdefüh
rer ledigli
ch seine Garage in einem
nicht
mehr
genau
bezifferbaren
Umfang unterhalten, weshalb sich daraus nichts zu seinen Lasten ableiten lasse. Hinge
gen bejahte es eine Meldepflichtverletzung
im Zusammenhang mit der ersten Revision vom Frühjahr 200
2.
Als der Beschwerdeführer am 17. Mai 2002 das Revisionsformular ausgefüllt habe, sei er in der Hauswartung und bei der
C_
beschäftigt gewesen. Damal
s h
abe der Hauswart
lohn des Ehepaars
monatlich Fr. 2‘
600
.--
und sein Salär bei der
C_
monatlich Fr. 1‘200
.--
betragen. Es sei davon auszugehen, dass die IV-Stelle in Kenntnis die
ser Tatsachen weitere Abklärungen, insbesondere zur Überprüfung der angebli
chen Arbeitsunfähigkeit, in die Wege geleitet hätte. Gleich beurteilte das Straf
gericht die Situation in Bezug auf die zweite Rentenrevision vom Juli 2003.
H
insichtlich der dritten Rentenrevision von Ende 2006
bejahte es ebenfalls eine
Meldepflichtverletzung
und
wies darauf hin
, dass sich der Verdienst der Ehe
leute
X._
aus der Hauswart
tätigkeit mittlerweil
e
auf Fr. 3‘
000
.--
erhöht
und
der Beschwerdeführer die Tätigkeit in der Garage stark ausgeweitet gehabt habe (
Urk.
19/
7/
159).
4.
4.1
Das Sozialversicherungsgericht
ist
an die Beurteilung des Strafgerichts ni
cht gebunden.
H
ingegen
weicht es
von den
tatbeständlichen
Feststellungen des Strafgerichts nur ab, wenn der im Strafverfahren ermittelte Tatbestand und dessen rechtliche Subsumtion nicht zu überzeugen vermögen oder auf Grund
sätzen beruhen, die zwar im Strafrecht gelten, im Sozialversicherungsrecht je
doch
unerheblich sind (BGE 1
25 V 242
E. 6a, 111 V 177 E. 5a
mit Hinweisen; RKUV 1991 Nr. U 120 S. 85 E. 3c
; vgl. aber betreffend
den
Rückforderu
ngsan
spruch
nachfolgend E. 6.3
).
4.2
Das bezirksgerichtliche Urteil ist in Rechtskraft erwachsen, nachdem der Be
schwerdeführer seine dagegen erhobene Beschwerde ans Obergericht zurück
ge
zogen hat (
Urk.
16). Die Erwägungen im Urteil decken sich mit der übrigen Ak
tenlage. Der Beschwerdeführer hatte bereits vor Bezirksgericht den eingeklagten Sachverhalt im Grundsatz eingestanden. Es besteht somit kein Anlass
,
von den sachverhaltsmässigen Feststellungen des Bezirksgerichts abzuweichen.
Dies gilt auch in Bezug auf die Würdigung der medizinischen Gutachten. Diesbezüglich kann ergänzt werden,
dass
Dr.
Z._
einlässlich
darlegt
e
, dass
der Be
schwerdeführer zu Beginn des Krankh
eitsgeschehens unter einer
Panikstörung
mit Agoraphobie
(ICD-10 F
40.01) gelitten ha
tt
e
,
die Panikstörung dann aber
vollständig remittierte
und
die
Agorapho
bie
lediglich leicht ausgeprägt bestehen bl
ieb
. Wiederholt wies
Dr.
Z._
darauf hin, dass beim Beschwerdeführer
Aggravierungen
und Simulationen erkennbar seien.
Objektive Einschränkungen für die Ausübung des erlernten Berufs vermochte er zumindest für die letzten Jahre nicht
zu erkennen. Dabei nahm er
eingehend Bezug
auf
die vom Be
schwerdeführer der IV-Stelle nicht gemeldete
n
Erwerbstätigkeit
en
(
Urk.
19/
7/
82/101 ff
.)
. Demgegenüber setzte sich
Dr.
A._
damit nicht näher auseinander
. Dessen
Beurteilung vermag schon allein deshalb nicht zu überzeu
gen. Im Übrigen ist dem Bezi
rksgericht beizupflichten, dass
das Gutachten von
Dr.
A._
äusserst polemisch abgefasst ist, was Zweifel an der Sachlichkeit be
gründet
(
Urk.
9/1).
4.3
Festzuhalten ist somit,
dass
der Beschwerdeführer ab Januar 2000
diverse Er
werbstätigkeiten aufnahm und in der Folge
kontinuierlich
ausbaute
, o
hne der IV-Stelle
Meldung zu erstatten
. Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Z._
ist davon auszugehen, dass
ab Mitte 2001 eine Arbeitsunfähig
keit von höchs
tens 50
%
, ab 2003
von höchstens 30
%
und ab 2006 gar keine
Arbeitsunfähig
keit
mehr vorlag.
5.
5.1
Die IV-Stelle setzte die
ganze Invalidenrente per 1. Oktober 2001 auf eine halbe herab.
Dabei knüpfte sie an die Aufnahme der Tätigkeit bei der Garage
C_
am 26. Juni 2001 an und brachte die Revisionsbestimmung von Art. 88a
Abs.
1
Satz 2 IVV zur Anwendung, wonach die Veränderung zu berücksichti
gen ist, wenn sie drei Monate an
gedauert hat (
Urk.
19/7/104). Der monatliche Ver
dienst bei
m
B._
im Jahre 2000
mit rund Fr. 600
.--
war gering;
der Umfang der weitere
n Tätigkeiten im
damaligen
Zeitraum
lässt sich nicht nachweisen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf den Stellenantritt
bei der
C_
abgestellt hat. Ebenfalls ist die Reduktion auf eine halbe Rente kor
rekt, zumal dem Beschwerdeführer ab Mitte 2001 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
attestiert wird. Hingegen besteht kein Raum für die Anwendung von Art. 88a
Abs.
1 Satz 2 IVV. Die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
trat mit dem Stellenantritt am 26. Juni 2001 ein. Die erhebliche Änderung im Sinne von Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV (vgl. E. 2.3
hievor
) gilt von diesem Zeitpunkt an (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E. 3.3.2). Dementspre
chend hätte auch die Herabsetzung der Invalidenrente auf den 1. Juli 2001
hin
erfolgen sollen. Für die Rückforderung spielt dies aber, wie sich nachfol
gend aus E. 6.3
ergibt, keine Rolle.
5.2
Der Beschwerdeführer weitete in der Folge seine Erwerbstätigkeiten aus, ohne sie de
r IV-Stelle zu melden.
Dr.
Z._
fand
für die Zeit ab
2003 aufgrund der Akten und der
Angaben des Beschwerdeführer
s
keine Belege, die noch eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufzeig
t
en.
Retrospektiv schätzte er die Arbeits
un
fähigkeit
(in
der angestammten
Tätigkeit)
auf
höchs
tens
30
%
(
Urk.
9/17/127
).
Unter der Wendung „für die Zeit ab 2003“ (vgl.
Urk.
19/7/82/127) ist die Dauer ab Januar 2003 zu verstehen. Soweit dies vom Beschwerdeführer bestritten wird (
Urk.
24), ist er darauf hinzuweisen, dass für das Jahr 2003 keine 30
%
übersteigende Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist (vgl.
Urk.
19/7/86/8-9). Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, dass der Be
schwerdeführer den Revisionsfragebogen im Juli 2003 ausgefüllt hatte
,
wohin
gegen die IV-Stelle vom Gegenteil ausging und deshalb die Rente - in (unzu
treffender) Anwendung der Dreimonatsfrist nach Art. 88a
Abs.
1 IVV - per Ende November 2003 aufhob (vgl.
Urk.
19/2,
Urk.
19/7/104/3). Bei einer Arbeits- resp. Erwerbsfähigkeit von 70
%
entfällt der Rentenanspruch. Damit hat ange
sichts der fortgesetzten Meldepflichtverletzungen durch den Beschwerdeführer die Renteneinstellung per 1. Januar 2003 zu erfolgen (Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV; vgl. auch das analoge Vorgehen in BV.2013.00045).
6.
6.1
Die
von der IV-Stelle
geltend gemachten
Rückforderung von Fr. 330‘
143
.--
um
fasst den Zeitraum 1. Oktober 2001 bis 28. Februar 2008 (
Urk.
19/
2).
Durch die Renteneinstellung bereits per 1. Januar 2003 (statt per 30. November 2003) er
höht sich der Rückforderungsanspruch um Fr. 27‘852
.—
(11 x Fr. 2‘532.--;
Urk.
19/2) auf Fr. 357‘995.--.
Anhaltspunkte fü
r
Re
chnungsfehler liegen nicht
vor. Der Beschwerdeführer
zieht
die Rückforderung in
masslicher
Hinsicht denn auch nicht in Zweifel. Jedoch macht er geltend, die streitgegenständliche For
derung sei zumindest teilweise verjährt (
Urk.
19/1).
6.2
Die IV-Stelle machte die Rückforderung erstmals mit Vorbescheid vom 13. April 2012 geltend (
Urk.
19/7/123).
Zu laufen begann
die
einjährige, relative Verjä
h
rungsfrist
mit Rechtskraft des bezirksgerichtlichen Urteils am 7. September 2012 (
Urk.
16) und ist damit eingehalten.
Denn erst
ab diesem Zeitpunkt hatte
die IV-Stelle hinreichende Kenntni
s vom Rückforderungsanspruch
.
Selbst wenn man für den Beginn der einjährigen Verjährungsfrist bereits auf die Zustellung der gesamten Strafakten am 29. August 2011 (
Urk.
19/7/88) oder gar des Gutach
tens von
Dr.
Z._
am 14. August 2011 (
Urk.
19/7/248) abstellen wollte, bliebe die Frist
(noch)
gewahrt.
6.3
Was die absolute Verjährungsfrist anbelangt, gilt
,
soweit der
Rückforderungsan
spruch
aus
strafbaren Handlungen
hergeleitet wird, die strafrechtliche
(
Verfol
gungs
-)
Verjährungsfrist
. Diese beträgt im Falle eines Betruges 15 Jahre (Art. 97
Abs.
1
lit
. b StGB
i.V.m
. Art. 146
Abs.
1 StGB).
Das Bezirksgericht hatte
nicht eine blosse
Meldepflichtverletzung zu prüfen, sondern
das Vorliegen eines
- an qualifizier
te
Voraussetzungen gebundenen -
Betrugs
.
Es
erachtete ein strafbares Verhalten des Beschwerdeführer
s
erst zu
dem
Zeitpunkt gegeben, als dieser das erste Revisionsformular am 17. Mai 2002 (unwahrheitsgemäss) ausfüllte
(
Urk.
19/7/159/30
+36
)
.
Daran ist das hiesige Ge
richt, soweit es über den Rückforderungsanspruch zu befinden hat, gebunden (BGE 138
V 80 E. 6.1)
.
Die längere strafrechtliche Verjährungsfrist gilt demnach lediglich für die Rentenzahlungen ab 1. Juni 200
2.
Für die früheren
Betreffnisse
kommt die fünfj
ährige Frist zur Anwendung. Damit erweist sich die Rückfor
derung für den Zeitraum vom 1. Oktober 2001 bis
zum
31. Mai 2002, mithin im Betrag von
Fr.
39‘952
.--
(8 x
Fr.
4‘994), als verjährt, womit eine (durchsetzbare) Restforderung von
Fr.
318
‘
043.--
(
Fr.
3
57
‘
995
.
/.
Fr.
39‘952). verbleibt. Insofern ist die Beschwerde gutzuheissen.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1'000
.--
anzu
setzen. Der Beschwerdeführer unterliegt zum grössten Teil
. Die Kost
en sind daher zu 4/5 dem Beschwerdeführer und zu
1/5
der
Beschwer
degegnerin
aufzuerlegen.
7
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Angesichts des Umstandes, dass der Beschwer
deführer nur zu einem kleinen Teil obsiegt, erscheint die Zusprechung einer re
duzierte
n Prozessentschädigung von
Fr.
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.