Decision ID: 1ce0b999-581e-4b22-892d-0c29b4ff8f82
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, suchte am 12. April 2016 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich
seiner Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass er am
25. März 2016 in B._ bereits ein Asylgesuch gestellt hatte.
A.b
Am 18. April 2016 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Befragung
zur Person (BzP) summarisch zu seinen Asylgründen befragt.
Der Beschwerdeführer machte dabei geltend, er sei im Dorf C._,
Distrikt D._, Ost-Provinz, geboren und aufgewachsen. Er sei 13
Jahre lang zur Schule gegangen, habe aber nicht sämtliche Prüfungen des
A-Levels bestanden. Einen Beruf habe er zwar nicht erlernt, er sei aber als
(...) tätig gewesen. Bis zu seiner Ausreise habe er mit seinen Eltern und
seiner Schwester zusammengewohnt. Seine ältere Schwester sei verstor-
ben, als er noch sehr klein gewesen sei. Sein älterer Bruder sei im Jahr
(...) gestorben, nachdem er zwei Tage verschwunden gewesen sei. Am
dritten Tag sei die Leiche seines Bruders aus dem Meer gezogen worden.
Zu dieser Zeit seien Personen, welche Kontakt mit den Liberation Tigers of
Tamil Eelam (LTTE) gehabt hätten, festgenommen worden. Was genau mit
seinem Bruder geschehen sei, wisse er nicht. Sie hätten dessen Leiche ins
Krankenhaus gebracht und dort sei ihnen gesagt worden, dass der Bruder
beim Baden ertrunken sei. Da sein Vater krank sei, habe er (der Beschwer-
deführer) Geld verdienen müssen. Weil es als (...) schwierig gewesen sei,
genügend Geld zu verdienen, habe ihm jemand angeboten, als (...) in
E._ zu arbeiten. Ein Freund (F._) seines toten Bruders habe
ihn nach E._ begleitet, um dort ebenfalls zu arbeiten. Am (...) 2015
seien sie beide in E._ festgenommen worden. Er sei nach drei Ta-
gen, F._ bereits am Tag der Verhaftung wieder freigelassen worden.
F._ habe für die LTTE Waffen transportiert, deshalb sei er (der Be-
schwerdeführer) festgenommen und zu seinem Bruder, F._ sowie
seinen eigenen Verbindungen zu F._ befragt worden. F._ sei
daraufhin beim Fischen verschwunden. Im (...) 2015 seien die Behörden
bei ihm (dem Beschwerdeführer) zu Hause vorbeigekommen und hätten
ihn gesucht. Das Haus sei durchsucht und ihm sei gesagt worden, er solle
sich in Acht nehmen. Im (...) 2016 sei er abermals festgenommen worden.
Seine Familie habe bereits früher Probleme wegen LTTE-Tätigkeiten und
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Hilfeleistungen gehabt. Das frühere LTTE-Camp sei neben dem Haus sei-
ner Familie gewesen und deshalb seien sie mit den LTTE-Leuten in Kon-
takt gekommen. Dies habe schliesslich dazu geführt, dass die Armee das
Haus seiner Familie niedergebrannt habe. Er selbst sei nie für die LTTE
tätig gewesen, aber die Behörden hätten ihm vorgeworfen, mit den LTTE
in Kontakt zu stehen, deren Mitglieder zu kennen und zu wissen, wo die
LTTE ihre Waffen versteckt hätten. Aufgrund dieser Probleme sowie des in
Singhalesisch verfassten Drohbriefs vom (...) 2016 habe er seine Heimat
am (...) 2016 verlassen und sei mit seinem eigenen Pass sowie einem ak-
tuellen (...) Visum per Flugzeug von E._ via G._ nach
H._ gereist. Von I._ aus sei er von einem Schlepper in ei-
nem Personenwagen in die Schweiz gebracht worden. Er sei auf seiner
Reise in die Schweiz einzig einmal in B._ von den Behörden kon-
trolliert worden und habe dabei seine Fingerabdrücke abgeben müssen.
Gesundheitlich leide er unter Sodbrennen. Er vermute, ein Magenge-
schwür zu haben. Ansonsten sei er gesund und er nehme auch keine Me-
dikamente.
A.c
Am 25. April 2016 ersuchte das SEM gestützt auf die Ergebnisse der Eu-
rodac-Datenbank sowie die Aussagen des Beschwerdeführers die (...) Be-
hörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18
Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO). Die (...) Behörden nahmen innert der festgelegten
Frist zum Übernahmeersuchen keine Stellung.
A.d
Mit Verfügung vom 10. Mai 2016 (eröffnet am 1. Juni 2016) trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte dessen Überstellung
nach B._, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines
Asylgesuche zuständig sei, forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ab-
lauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen
Kanton mit dem Wegweisungsvollzug sowie der Sicherungshaft. Gleichzei-
tig verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte
fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
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A.e
Am 2. Juni 2016 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm dazumal
zugewiesene Rechtsvertretung und liess am 8. Juni 2016 gegen den Nicht-
eintretensentscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-
ben.
A.f
Mit Verfügung vom 28. Juni 2017 hob das SEM den Entscheid vom 10. Mai
2016 auf und verfügte die Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfah-
rens. Am 4. Juli 2017 erliess das Bundesverwaltungsgericht einen Ab-
schreibungsentscheid für das gegenstandslos gewordene Beschwerdever-
fahren und wies die Vorinstanz an, dem Beschwerdeführer eine Parteient-
schädigung von Fr. 757.– auszurichten (F-3601/2016).
A.g
Mit Schreiben vom 9. August 2017 ersuchte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz um Erlass einer Verfügung, welche feststelle, dass Ziffer 2 des
Dispositivs der Verfügung vom 28. Juni 2017 so zu verstehen sei, dass das
Asylverfahren wiederaufgenommen und sein Asylgesuch in der Schweiz
geprüft werde.
A.h
Mit Verfügung vom 29. August 2017 stellte das SEM fest: Die besagte Zif-
fer 2 sei dahingehend zu verstehen, dass das Asylverfahren wieder hängig
sei und wegen hängiger Abklärungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht
entschieden sei, ob das Asylgesuch in der Schweiz geprüft werde.
A.i
Am 10. Januar 2018 erklärte die Vorinstanz das Dublin-Verfahren für be-
endet und teilte dem Beschwerdeführer die Prüfung seines Asylgesuchs in
der Schweiz mit.
A.j
Mit E-Mail vom 7. September 2018 teilte die damalige Rechtsvertretung
mit, dass sie an der Anhörung nicht teilnehmen werde.
A.k
Am 3. Oktober 2018 erfolgte gestützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG die erste An-
hörung durch das SEM und am 8. Januar 2020 fand die ergänzende Anhö-
rung statt.
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Der Beschwerdeführer machte dabei – ergänzend zur BzP – im Wesentli-
chen geltend, nach dem Tod seines Bruders und dem erneuten Verlust ei-
nes Kindes sei sein Vater psychisch stark angeschlagen gewesen und
habe nicht mehr richtig arbeiten können. Er (der Beschwerdeführer) habe
deshalb bereits während seiner Schulzeit als (...) zu arbeiten begonnen.
Da er sich aufgrund der Doppelbelastung nicht richtig habe konzentrieren
können, seien seine A-Level-Prüfungen nicht gut ausgefallen. Deshalb
habe er weiterhin als (...) gearbeitet und nur wenig Geld verdient. Ein Tuck-
tuck-Fahrer habe ihm gesagt, dass es in einer (...)fabrik in E._ viele
offene Stellen gebe. Um mehr Geld verdienen zu können, sei er deshalb
mit F._ nach E._ gegangen. Am (...) 2015 seien er und
F._ beim Suchen der Fabrik von der Polizei festgenommen worden.
Man habe ihnen nicht geglaubt, dass sie zum Arbeiten nach E._
gekommen seien, sondern ihnen vorgeworfen, den Singhalesen Probleme
bereiten zu wollen. Er habe Angst gehabt, weil er nicht gewusst habe, was
noch geschehe, ob er geschlagen werde oder wieder freikomme.
F._ sei am selben Tag beziehungsweise nach einer Nacht in Ge-
wahrsam entlassen worden, währenddessen er vier Tage in Haft verblieben
sei und Fragen zu F._ habe beantworten müssen. F._ habe
nach der Freilassung seine Familie über seine Verhaftung informiert. Da-
raufhin habe seine Familie den Tucktuck-Fahrer kontaktiert und dieser
habe ihn mit Geld aus der Haft freigekauft. Anschliessend habe der Tuck-
tuck-Fahrer ihn zu seinem Dorf begleitet und ihm gesagt, dass er, wenn er
in singhalesisches Gebiet gehe, in Begleitung von singhalesisch sprechen-
den Personen sein müsse, ansonsten sei er nicht in Sicherheit. F._
habe er nach seiner eigenen Freilassung noch einmal gesehen und ihm
mitgeteilt, dass die Polizei ihn über ihn ausgefragt habe. Zwei respektive
drei Wochen später sei F._ beim Fischen verschwunden. Sein rät-
selhaftes Verschwinden habe im Dorf grosse Angst ausgelöst und zu Pro-
testdemonstrationen geführt. Anschliessend seien dreimal vier Personen
zu ihm (dem Beschwerdeführer) nach Hause gekommen, die gebrochen
Tamilisch gesprochen hätten. Zweimal sei er befragt und einmal mitgenom-
men worden. Die ersten beiden Male seien die Personen maskiert gewe-
sen, das dritte Mal nicht mehr. Sie seien immer mit einem weissen Van
vorgefahren. Beim ersten Besuch sei er lediglich zu F._ befragt be-
ziehungsweise sei auch das Haus durchsucht worden. Beim zweiten Be-
such seien das gesamte Haus sowie der Hof kontrolliert worden, er sei ge-
schlagen und wieder nach seiner Beziehung zu F._ befragt worden.
Das dritte Mal seien sie gekommen und hätten ihn mit dem Van auf ein
Feld mitgenommen. Er sei abermals zu F._ befragt, geschlagen
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und bedroht worden. Sie hätten ihm mitgeteilt, dass F._ ein Waffen-
händler sei, Waffen versteckt halte und er (der Beschwerdeführer) diese
Verstecke kenne und ihnen zeigen solle. Er habe seinen Befragern gesagt,
dass er nichts von solchen Waffenverstecken wisse. Sie hätten ihn auf dem
Feld zurückgelassen und er sei nach Hause gegangen. Er sowie die Leute
aus seinem Dorf hätten geglaubt, dass F._ ermordet worden sei.
Am Morgen nach seiner letzten Befragung habe er beziehungsweise seine
Mutter einen in Singhalesisch verfassten Drohbrief im Hof gefunden und
ihn von einem Lehrer übersetzen lassen, welcher ihm mitgeteilt habe, im
Brief stehe, dass man ihn ermorden würde. Daraufhin habe er sich einen
Tag in J._ und einen Tag in K._ aufgehalten, bevor er wieder
in sein Dorf zurückgekehrt sei. Er habe sich dort anschliessend bei entfern-
ten Verwandten und seinen Nachbarn versteckt gehalten. Aus Angst habe
er sich mit seinen Problemen weder an die sri-lankischen Behörden ge-
wandt noch Anzeige erstattet, weil er jeweils von Personen, die Singhale-
sisch gesprochen hätten, befragt worden sei. Hinzu komme, dass auch der
Drohbrief auf Singhalesisch verfasst worden sei und bekanntlich viele Po-
lizisten Singhalesen seien. Nach dem Erhalt des Drohbriefs habe er Angst
gehabt, dass man ihn ermorde, deshalb sei er denn auch ausgereist. Kurz
nach seiner Ausreise hätten zwei Personen auf Motorrädern Steine gegen
sein Elternhaus geworfen, seine Schwester sei zweimal auf der Strasse
angehalten und nach ihm gefragt worden. Man habe seinen Freunden Fo-
tos von ihm gezeigt und gefragt, wo er sei, und auch bei ihm zu Hause
habe die Regierung Leute vorbeigeschickt, um nachzufragen, wer alles in
dem Haus wohne und wo sich die nicht mehr vor Ort anwesenden Perso-
nen befinden würden.
Als Beleg für seine Identität reichte er eine beglaubigte Kopie seiner Ge-
burtsurkunde ein.
Zur Untermauerung seiner Vorbringungen reichte er zudem mehrere unda-
tierte Fotos, ein Schreiben betreffend eine Entschädigungszahlung, be-
glaubigte Kopien der Todesurkunden seiner Schwester, seines Bruders (in-
klusive englischer Übersetzung) und seines Grossvaters mütterlicherseits
(inklusive englischer Übersetzung), einen Zeitungsartikel vom 27. August
2015 und einen undatierten, in singhalesischer Sprache verfassten Droh-
brief, ein.
A.l
Mit Schreiben vom 7. November 2018 liess die damalige Rechtsvertretung
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der Vorinstanz eine Kopie der Identitätskarte des Beschwerdeführers zu-
kommen.
B.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 – eröffnet am 28. Mai 2020 – stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 12. April 2016 ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
C.
Mit Schreiben vom 5. Juni 2020 teilte die damalige Rechtsvertretung der
Vorinstanz die Beendigung des Mandats mit.
D.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 25. Juni 2020 liess der
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuhe-
ben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu ge-
währen, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und ihm die vorläufige
Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben
und die Sache zur vollständigen und richtigen Feststellung des Sachver-
halts und neuem Entscheid an das SEM zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und die Beiordnung des Unterzeichnenden als unentgeltlicher Rechtsbei-
stand beantragt.
Auf die eingereichten Beweismittel wird – sofern erforderlich – im Rahmen
der Erwägungen eingegangen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2020 verzichtete die Instruktionsrichte-
rin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur
Vernehmlassung ein.
F.
Am 9. Juli 2020 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlassung ein.
G.
Am 14. Juli 2020 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerde-
führer die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Kenntnisnahme zu.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 21. September 2022 setzte die Instruktions-
richterin dem Beschwerdeführer Frist an, mittels beigelegten Formulars
seine Bedürftigkeit zu belegen, andernfalls davon ausgegangen werde, er
sei nicht bedürftig. Fristgerecht liess der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 6. Oktober 2022 das ausgefüllte Formular «Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege» mit diversen Unterlagen einreichen und ersuchte um Fris-
terstreckung für die Nachreichung weiterer Unterlagen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171; SR 142.20) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG [SR 142.20]) umbenannt. Der vorliegend anzu-
wendende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1 - 4) ist unverändert übernom-
men worden.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht formelle Mängel geltend, welche vorab
zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). Hierzu machte er in
seiner Beschwerdeschrift geltend, die Vorinstanz habe allfällige Erinne-
rungslücken seinerseits selbst zu verantworten, da die Anhörung mehr als
zwei Jahre beziehungsweise die ergänzende Anhörung knapp vier Jahre
nach der BzP stattgefunden hätten. Da die Vorinstanz zudem ausgeführt
habe, er sei in der Lage gewesen, «ausführlich zu berichten» und seine
«Vorbringen logisch konsistent darzulegen», verletze sie den Grundsatz
von Treu und Glauben, wenn sie ihm allfällige Erinnerungslücken vorhalte.
Weiter führte er aus, er habe seine Vorbringen mit Beweismitteln unter-
mauern können. Die Vorinstanz habe insbesondere die Bedeutung des ein-
gereichten Zeitungsartikels nicht begriffen, weshalb sein Asylgesuch
fälschlicherweise abgewiesen und seine Wegweisung aus der Schweiz an-
geordnet worden sei. Damit moniert er sowohl eine Verletzung von Treu
und Glauben (sowie implizit eine Verletzung des Willkürverbots) als auch
eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts.
3.2 Der Grundsatz von Treu und Glauben in Art. 9 BV gebietet ein vertrau-
enswürdiges, widerspruchsfreies Verhalten der Behörden gegenüber den
Einzelnen im Rechtsverkehr (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl., 2020, N 818 f.). Das eben-
falls in Art. 9 BV verankerte Willkürverbot ist nur dann verletzt, wenn ein
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-
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grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-
danken zuwiderläuft (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweize-
risches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl., 2020, N 811 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1,
m.w.H.). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt
worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Abstände zwischen den verschiedenen
Anhörungen des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden sind. Die zeitli-
chen Abstände sind denn auch dem Umstand geschuldet, dass er bereits
in B._ ein Asylgesuch gestellt hatte und daher zuerst das korrekter-
weise eingeleitete Dublin-Verfahren für beendet erklärt werden musste. Er
vermag somit aus den zeitlichen Abständen der Anhörung nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten. Von ihm kann erwartet werden, dass er auch nach
mehreren Jahren im Stande ist, kongruent über die fluchtauslösenden Ge-
schehnisse zu berichten, handelt es sich dabei doch um einschneidende
Lebensereignisse. Der Vorinstanz war bewusst, dass die Geschehnisse
bereits länger zurücklagen, weshalb sie dem Beschwerdeführer jeweils zu-
nächst die Gelegenheit bot, sich frei zu äussern, und ihn anschliessend
mittels gezielter Nachfragen zu weiteren Ausführungen veranlasste (bspw.
SEM-Akte A32/16 F47 - F55, F71 - 74; A36/17 F13 - F43, F46 - 54, F55 -
62). Er konnte sich überdies zu den von ihm eingereichten Beweismitteln
– insbesondere dem Zeitungsartikel – äussern (SEM-Akte A32/16 F3;
A36/17 F43). Der Beschwerdeführer vermengt denn auch mit seiner Kritik
an der Einschätzung der Vorinstanz die Frage der Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sa-
che. Die Rügen beziehen sich massgeblich auf die Beweiswürdigung. Al-
leine der Umstand, dass das SEM aufgrund der vorliegenden Aktenlage zu
einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangte, als von ihm
geltend gemacht wurde, spricht aber weder für eine Verletzung von Treu
und Glauben noch für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Der
rechtserhebliche Sachverhalt ist hinreichend erstellt. Die Vorinstanz hat
ihre Überlegungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie
ihren Entscheid stützt, in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar
und hinreichend differenziert aufgezeigt (vgl. Verfügung des SEM vom
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25. Mai 2020, Ziff. II und III). Dementsprechend hat sich die Vorinstanz bei
ihrer Würdigung des vorliegenden Falles nicht willkürlich verhalten.
3.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Das entsprechende Subeventualbegehren ist ab-
zuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.3 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die
Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder
begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asyl-
entscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Ver-
folgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situa-
tion im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu-
gunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksich-
tigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 und 2010/57 E. 2, beide mit weiteren Hin-
weisen).
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Seite 12
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
im Rahmen einer Gesamtbeurteilung der Vorbringen sprächen überwie-
gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsschilderung, so-
dass nicht davon ausgegangen werden könne, dass sich die Gescheh-
nisse auf die vom Beschwerdeführer dargelegte Art und Weise zugetragen
hätten. Die Vorbringen seien nämlich teilweise widersprüchlich, unlogisch
und zu wenig detailliert und würden somit den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Das SEM führte im Einzelnen aus, der Beschwerdeführer habe an der er-
gänzenden Anhörung Geschehnisse gegenüber den ersten beiden Befra-
gungen äusserst unterschiedlich geschildert. Anlässlich der ersten beiden
Befragungen habe er ausgeführt, F._ sei noch am Tag der Verhaf-
tung in E._ entlassen worden. An der ergänzenden Anhörung habe
er hingegen davon berichtet, dass er und F._ die Nacht gemeinsam
in Haft verbracht hätten und F._ erst am nächsten Morgen entlas-
sen worden sei. Seine Erklärung, wonach es in der Zelle dunkel gewesen
sei und er deshalb die Tageszeiten nicht habe unterscheiden können, über-
zeuge nicht, da er an den Befragungen jeweils von Tages- und Nachtzeit
gesprochen habe. Weiter habe er bei der Anhörung zu Protokoll gegeben,
er sei beim ersten Hausbesuch lediglich befragt worden, beim zweiten
Hausbesuch sei es zu einer Hausdurchsuchung gekommen und er sei ge-
schlagen worden. Bei der ergänzenden Anhörung habe er demgegenüber
ausgesagt, das Haus sei bereits anlässlich des ersten Hausbesuchs durch-
sucht worden, obwohl er bei der ersten Befragung auf Nachfrage hin expli-
zit erklärt habe, dass ausser seiner Befragung nichts vorgefallen sei. Beim
zweiten Hausbesuch habe er die Hausdurchsuchung überhaupt nicht mehr
erwähnt. Betreffend den Drohbrief habe er anlässlich der Anhörung ausge-
sagt, diesen persönlich gefunden zu haben, bei der ergänzenden Anhö-
rung hingegen habe seine Mutter den Drohbrief gefunden. Darauf ange-
sprochen, habe er lediglich erläutert, seine Mutter habe den Drohbrief auf-
gehoben und ihm dann überreicht. Seine Reaktion auf die ihm vorgehalte-
nen unterschiedlichen Angaben seien als Schutzbehauptungen einzustu-
fen.
Nicht nachvollziehbar sei im Zusammenhang mit dem Drohbrief denn auch,
dass er zwar ausschlaggebend für seine Ausreise gewesen sei, er aber
nicht sagen könne, ob er in dem Brief namentlich erwähnt werde, sondern
lediglich behaupte zu wissen, dass ihm darin mit dem Tod gedroht werde.
Auf Nachfrage hin habe er ausgeführt, dass er den Drohbrief einem Lehrer
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zum Übersetzen gezeigt habe, weil er befürchtet habe, ein Dolmetscher
könnte den Inhalt weitererzählen. Seine Antwort erkläre indessen nicht,
weshalb er sich – angesichts der Schwere der darin enthaltenen Drohung
– nicht genauer über den Inhalt erkundigt habe. Ebenfalls nicht nachvoll-
ziehbar sei, dass F._ vor ihm freigelassen worden sei, dies insbe-
sondere deshalb nicht, weil er während seiner Haft sowie anschliessend
bei sämtlichen Hausbesuchen vorwiegend über F._ befragt worden
sei. Ein solches Vorgehen der Behörden sei schlicht nicht logisch, habe
das Interesse der Behörden gemäss seinen Aussagen doch klar F._
und nicht ihm selbst gegolten.
Weiter führte das SEM aus, dem Beschwerdeführer sei wiederholt die Mög-
lichkeit geboten worden, seine Vorbringen frei zu schildern. Dabei falle auf,
dass er zwar ausführlich erzähle, seine Aussagen zu seinen Vorbringen
aber nicht die Qualität aufweisen würden, welche zu erwarten wäre, wenn
er die geltend gemachten Ereignisse tatsächlich selbst erlebt hätte. Seine
Aussagen würden nicht diejenige Dichte an Realkennzeichen aufweisen,
welche bei einer erlebnisbasierten Erzählung vorhanden sein müssten,
und seien auch ohne Erlebnishintergrund möglich zu machen.
Zu den eingereichten Beweismitteln hielt das SEM vorab fest, dass diese
die persönliche Verfolgung des Beschwerdeführers nicht zu beweisen ver-
möchten. Betreffend den eingereichten Zeitungsartikel führte es aus, es
gebe im gesamten Artikel keinerlei Hinweise darauf, dass er persönlich be-
droht werde. Der Artikel berichte lediglich von einer Kundgebung für einen
jungen Mann, der auf See verschollen sei und kurz vor seinem Verschwin-
den per SMS um Hilfe gebeten habe. Auch aus den eingereichten Fotos,
dem Brief betreffend Entschädigungszahlung und den Todesurkunden
liesse sich keine gegen ihn gerichtet Verfolgung ableiten. Die von ihm ge-
schilderten Vorbringen würden nicht glaubhaft erscheinen, woran auch der
eingereichte Drohbrief nichts zu ändern vermöge. Der Brief weise keinerlei
fälschungssicher Merkmale auf, weshalb die Beweiskraft entsprechend als
gering einzustufen sei.
5.2 Der Beschwerdeführer wandte in seiner Beschwerde dagegen ein, das
SEM habe Bundesrecht verletzt, indem es seine Vorbringen zu Unrecht als
unglaubhaft erachtet habe.
Zur Begründung führte er aus, wenn man sich in Haft befinde, könne man
nicht einschätzen, wie viele Stunden vergangen seien. Er wisse einzig,
dass es sowohl bei seiner Festnahme in E._ als auch bei seiner
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Freilassung dunkel gewesen sei. Sodann könne er sich einzig erklären,
dass F._ entweder aufgrund einer Kaution oder durch Bestechung
früher als er selbst entlassen worden sei. Schliesslich sei er selbst auch
erst nach einer Geldzahlung freigekommen. Darüber hinaus sei allgemein
bekannt, dass die sri-lankischen Polizeibeamten korrupt seien. Die Haus-
durchsuchung anlässlich des dritten Hausbesuches habe für ihn eine un-
tergeordnete Rolle gespielt, weshalb er diese an der ergänzenden Anhö-
rung nicht erwähnt habe. Relevant für ihn seien die Schläge und der Ab-
transport im Van gewesen. Das SEM könne diesbezüglich nicht Realkenn-
zeichen bestätigen und ihm gleichzeitig vorhalten, er habe eine Kleinigkeit
nicht erwähnt. Betreffend den Drohbrief führte er aus, er habe den Inhalt
des in Singhalesisch verfassten Briefs nicht selbst lesen können, weshalb
er sich den Brief von einem Lehrer habe übersetzen lassen. Er sei davon
ausgegangen, der Lehrer habe ihm den Text vollständig übersetzt und er
der Adressat des Briefs sei. Ansonsten hätte der Lehrer ihm schliesslich
nicht gesagt, er solle fliehen.
Des Weiteren hielt er fest, das SEM sei selbst der Ansicht, dass seinen
Schilderungen Realkennzeichen zu entnehmen seien. Weshalb die Aus-
führungen jedoch eine signifikante Dichte an Realkennzeichen vermissen
liessen, erläutere es nicht. Ohne Erlebnishintergrund könne man die ge-
nannten Realkennzeichen denn auch nicht abliefern, weshalb seine Vor-
bringen allesamt glaubhaft seien.
Zudem hielt er fest, dass man ihn – aufgrund seines Profils (Tamile, der mit
Hilfe eines Schleppers in die Schweiz ausgereist sei) sowie der politischen
Lage – im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka sicherlich festnehmen und
dann nicht wieder freilassen werde. Er erfülle somit die Flüchtlingseigen-
schaften gemäss Art. 3 AsylG, weshalb er in der Schweiz als Flüchtling an-
zuerkennen und ihm Asyl zu gewähren sei.
5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, eine Befragung am Flug-
hafen sowie das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler
Ausreise stelle keine asylrelevante (recte: flüchtlingsrechtlich relevante)
Verfolgungsmassnahme dar. Ebenso wenig würden die Kontrollmassnah-
men am Herkunftsort (Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur
Überwachung der Aktivitäten der Person) ein asylrelevantes (recte: flücht-
lingsrechtlich relevantes) Ausmass annehmen. Der Beschwerdeführer
habe nicht glaubhaft darlegen können, vor seiner Ausreise asylrelevanter
Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. Er sei bis Anfang Februar 2016 in
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Sri Lanka wohnhaft gewesen, mithin habe er nach Kriegsende noch bei-
nahe sieben Jahre lang in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige im Zeit-
punkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten folglich kein
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen.
Aufgrund der Aktenlage sei denn auch nicht ersichtlich, weshalb er bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten
und in asylrelevanter Weise verfolgt werden solle. Er habe weder geltend
gemacht, dass sich seine persönliche Situation aufgrund der Präsident-
schaftswahl respektive deren Folgen verschärft hätte, noch ergäben sich
entsprechende Hinweise aus den Akten. Die Anforderung an die Annahme
einer begründeten Verfolgungsfurcht sei damit nicht gegeben.
6.
6.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass
die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als un-
glaubhaft qualifiziert hat. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift ver-
mögen den Erwägungen der Vorinstanz letztlich nichts Stichhaltiges ent-
gegenzusetzen. Somit kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden, mit folgenden Ergänzungen:
6.2 Zur geschilderten Festnahme mit anschliessender Haft in E._
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich der BzP
ausführte, F._ sei noch am Tag der Verhaftung wieder freigekom-
men (SEM-Akte A5/12 S. 7 und 8). An der ersten Anhörung präzisierte er
seine Aussage dahingehend, dass F._ und er gemeinsam von den
Polizisten mitgenommen und im selben Raum befragt worden seien (SEM-
Akte A32/16 F47 f., F52). Er führte explizit – ohne nach einer zeitlichen
Angabe gefragt – aus, F._ sei am späten Nachmittag desselben Ta-
ges entlassen worden (SEM-Akte A32/16 F51 f.). Anschliessend sei er nur
noch zu F._ befragt worden (SEM-Akte A32/16 F48; vgl. auch A5/12
S. 7 und 8). Bei der ergänzenden Anhörung gab er hingegen zu Protokoll,
er habe zusammen mit F._ eine Nacht in Haft verbracht (SEM-Akte
A36/17 F20, F33 f.). Sie beide hätten die ganze Nacht nicht geschlafen und
miteinander geredet (SEM-Akte A36/17 F33 f.). F._ sei dann am
nächsten Morgen entlassen worden (SEM-Akte A36/17 F32). Da es sich
diesbezüglich um die erste – und einzige – Haft des Beschwerdeführers
gehandelt habe und er selbst aussagte, grosse Angst gehabt zu haben, ist
davon auszugehen, dass er sich genau an die Umstände seiner Inhaftie-
rung hätte erinnern können, insbesondere, ob er dabei gemeinsam mit ei-
nem Freund inhaftiert und eine ganze Nacht lang durchgeredet habe, oder
ob er dabei ganz alleine gewesen sei. Die diesbezüglich divergierenden
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Aussagen sind anlässlich dieses einschneidenden und wesentlichen Er-
eignisses nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass er auch nicht im
Stande ist, das genaue Datum seiner Verhaftung zu nennen, spricht er
doch sowohl vom (...) als auch vom (...) (SEM-Akte A5/12 S. 8; A32/16
F41).
6.3 Die beschwerdeweise anlässlich der drei Hausbesuche geltend ge-
machte Relevanz der Schläge beziehungsweise der physischen Gewalt für
den Beschwerdeführer vermag sodann nichts daran zu ändern, dass es
ihm nicht gelingt, die Hausbesuche beziehungsweise deren Ablauf kongru-
ent zu schildern. Anlässlich der ersten Anhörung führte er aus, beim ersten
Besuch sei er zu F._ befragt worden (SEM-Akte A32/16 F71, F74),
wohingegen er bei der ergänzenden Anhörung aussagte, das gesamte
Haus sei durchsucht und sämtliche Familienmitglieder seien befragt wor-
den (SEM-Akte A36/17 F47f.). Zudem präzisierte er, die ganze Familie
habe anschliessend mehrere Stunden lang das Haus aufgeräumt, sin-
nierte, was wohl noch geschehen werde, und auch die Nachbarn seien bei
ihnen vorbeigekommen, um zu erfahren, was vorgefallen sei (SEM-Akte
A36/17 F54). Da es sich auch diesbezüglich um die erste Hausdurchsu-
chung und somit abermals um ein einschneidendes Ereignis – und gerade
nicht wie beschwerdeweise ausgeführt um eine «Kleinigkeit» – gehandelt
haben kann, ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer an-
lässlich der Anhörung lediglich davon sprach, befragt worden zu sein, und
dass die Hausdurchsuchung erst beim zweiten Besuch stattgefunden habe
(SEM-Akte A32/16 F71, F74 - F77). Weiter fällt auf, dass der Beschwerde-
führer anlässlich der BzP von zwei Hausbesuchen, nämlich im (...) 2015
und im (...) 2016 (SEM-Akte A5/12 S. 8) sprach, wohingegen er bei den
Anhörungen jeweils von deren drei (SEM-Akte A32/16 F67 - F70) berich-
tete. Die angebotene Erklärung, die zwei ersten Male habe er «Besuche»
genannt, das dritte Mal, als er mitgenommen worden sei, habe er nicht
dazugerechnet (SEM-Akte A32/16 F119) überzeugt nicht. Diesbezüglich
stimmen sodann auch die von ihm angeführten Daten des letzten Hausbe-
suchs mit der Mitnahme des Beschwerdeführers – (...) 2016 anlässlich der
BzP (SEM-Akte A5/12 S. 8) beziehungsweise (...) 2015 gemäss erster An-
hörung (SEM-Akte A32/16 F78) – nicht überein. Diese Ungereimtheit kann
auf entsprechende Frage nicht gänzlich geklärt werden (A32/16 F116).
6.4 Der Beschwerdeführer führte aus, ausschlaggebend für seine Ausreise
sei der singhalesisch verfasste Drohbrief gewesen (SEM-Akte A5/12 S. 7;
A32/16 F110). Deshalb erschliesst sich dem Gericht nicht, weshalb er nicht
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Seite 17
im Stande ist, mehr zum Inhalt dieses Drohbriefs auszuführen. Er gab ein-
zig zu Protokoll, dass er den Brief durch einen Lehrer habe übersetzen
lassen und dieser ihm gesagt habe, man wolle ihn ermorden (SEM-Akte
A32/16 F92). Ob er darin namentlich genannt wird, konnte er nicht sagen
(SEM-Akte A32/16 F93; A36/17 F66). Angesichts dessen, dass man ihm
im Schreiben mit dem Tod gedroht habe respektive drohe, wäre zu erwar-
ten gewesen, dass er genauer nachgefragt hätte, was ihm eigentlich vor-
geworfen werde beziehungsweise was er allenfalls tun könne, damit es
nicht dazu komme. Er habe denn auch den Drohbrief aus Angst vor einer
Weiterverbreitung des Inhalts nicht einem Dolmetscher, sondern einem
Lehrer gezeigt, welchem er offensichtlich vertraut habe (SEM-Akte A32/16
F113). Insofern ist erst recht nicht nachvollziehbar, weshalb er sich bei die-
ser Vertrauensperson nicht nach dem genauen Inhalt des Briefs erkundigt
habe. Des Weiteren ist festzuhalten, dass der Brief an sich keinerlei fäl-
schungssichere Merkmale aufweist und es sich wohl um ein Standard-
schreiben handeln dürfte, wird darin fortwährend von «Familie/Frau» ge-
sprochen und damit suggeriert, der Beschwerdeführer sei verheiratet
(SEM-Akte A33, Beweismittel 8).
6.5 Kongruent ausgefallen sind seine Schilderungen anlässlich der Befra-
gung sowohl zu seiner Haft in E._ als auch zu den Hausbesuchen
einzig in jenem Punkt, dass er anlässlich dieser Vorfälle jeweils zu
F._ befragt worden sei (SEM-Akte A32/16 F48, F71, F85, F101).
Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass das eigentliche Interesse der
Behörden nicht ihm, sondern F._ gegolten hätte. Der Beschwerde-
führer bestätigt dies sodann selbst, indem er aussagte, dass F._
das eigentliche Ziel gewesen sei (SEM-Akte A32/16 F105). Dies wiederum
lässt sich mit seiner Aussage, wonach F._ vor ihm aus der Haft ent-
lassen worden sei, nicht vereinbaren (SEM-Akte A32/16 F51 f.). Der be-
schwerdeweise Hinweis, dass die Polizeibeamten in Sri Lanka generell
korrupt seien und F._ durch Bestechung freigekommen sei, über-
zeugt nicht. Weiter fällt auf, dass sich der Beschwerdeführer nach Erhalt
des Drohbriefs noch einige Zeit in seinem Heimatdorf bei Verwandten und
Nachbarn habe aufhalten können (SEM-Akte A32/16 F99 f.), vor seiner Ab-
reise ohne Probleme mit seinem eigenen Pass ein Visum für I._
beantragen konnte sowie auch erhalten hat und darüber hinaus legal mit
dem Flugzeug aus Sri Lanka ausreisen konnte (SEM-Akte A5/12 S. 5 und
6; A32/16 F120 – F122).
6.6 Zum beschwerdeweisen Vorbringen betreffend den eingereichten Zei-
tungsartikel (SEM-Akte A33, Beweismittel 7), der verschwundene junge
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Seite 18
Mann sei ein Freund von F._ gewesen, ist festzuhalten, dass es
sich diesbezüglich um eine blosse Behauptung handelt. Der Beschwerde-
führer selbst hat während des Verfahrens nie geltend gemacht, diesen
Mann zu kennen. Eine persönliche Bedrohung des Beschwerdeführers in-
folge des Artikels ist nicht erkennbar. Auch die übrigen eingereichten Be-
weismittel sind nicht dazu geeignet, eine persönliche Bedrohung zu bele-
gen, wie vom SEM richtigerweise ausgeführt.
6.7 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers
die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu er-
füllen. Somit hat ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatland
auch keine asylbeachtliche Verfolgung gedroht.
6.8 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr
nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gungsmassnahmen zu befürchten hätte.
6.8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben
und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri-
sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit-
reichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe
tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen
Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu
lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die
dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet,
deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
E-3258/2020
Seite 19
oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte
für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be-
tätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8). Im Zusammenhang mit der aktuellen politi-
schen Lage in Sri Lanka ist festzuhalten, dass sich das Bundesverwal-
tungsgericht der jüngeren Veränderungen bewusst ist. Es beobachtet die
Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei der Entscheidfin-
dung. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen Grund zur Annahme, dass in
Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr
ausgesetzt wären. Die Wahl am 20. Juli 2022 von Ranil Wickremesinghe
zum Nachfolger des abgetretenen Gotabaya Rajapaksa als neuen Staats-
präsidenten ändert vorerst nichts an der bisherigen Lageeinschätzung, ist
dieser doch Teil der alten politischen Elite.
6.8.2 Der Beschwerdeführer hat keine Verfolgungsgründe glaubhaft ma-
chen können. Er weist kein eigenes Profil auf, welches ihn als den LTTE
nahestehend qualifizieren könnte. Zudem führte er selbst aus, dass das
Interesse der Behörden nicht ihm, sondern F._ gegolten habe
(SEM-Akte A32/16 F105). Dass der Beschwerdeführer auf einer „Stop List“
aufgeführt sein könnte, ist aufgrund des Gesagten unwahrscheinlich (vgl.
dazu insbesondere E. 6.5). Sodann lässt sich den Akten nicht entnehmen,
dass er sich jemals exilpolitisch betätigt hätte. Im Übrigen ist diesbezüglich
auf die korrekten Ausführungen des SEM zu verweisen (vgl. Vernehmlas-
sung des SEM vom 9. Juli 2020). Unter Würdigung sämtlicher Umstände
ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lankischen
Regierung nicht zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den
tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr
für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Die diesbezüglich beschwer-
deweise eingereichten Länderberichte vermögen daran nichts zu ändern.
Es ist – auch unter Berücksichtigung der neusten Entwicklungen in Sri
Lanka – nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
6.9 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Seite 20
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zulässig-
keit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfas-
sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK,
SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl.
EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar
2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom
17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichts-
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Seite 21
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im
Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für
die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be-
fragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen
durch die in Erwägung 9.1 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind
(vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94) – in Betracht gezogen
werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass
diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglich-
erweise kein "real risk" darstellten, diese Schwelle bei einer kumulativen
Würdigung erreichen könnten.
Nachdem der Beschwerdeführer – wie in Erwägung 6 ausgeführt – nicht
darlegen konnte, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Hei-
matland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flücht-
lingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine
Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschen-
rechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. In Sri Lanka herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen
der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende ge-
gangen. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist der
Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz (auch in das „Vanni-Ge-
biet“) zumutbar, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3 sowie D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 insb. E. 9.5.9).
Der Beschwerdeführer stammt aus dem Dorf C._, Distrikt
D._, Ostprovinz, und lebte bis zu seiner Ausreise dort (SEM-Akte
A5/12 S. 4; A32/16 F12). Er hat die Schule 13 Jahre lang besucht und das
A-Level abgeschlossen. Anschliessend – wie auch bereits während seiner
Schulzeit – arbeitete er als (...) (SEM-Akte A5/12 S. 4; A32/16 F27 - F29).
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Während seines Aufenthalts in der Schweiz war er zudem im Verkauf als
Allrounder tätig. Es ist anzunehmen, dass er nach seiner Rückkehr auf-
grund dessen im Stande sein wird, eine neue Existenz aufzubauen. Zudem
verfügt er mit seinen Eltern und seiner Schwester in C._ sowie den
Verwandten in J._ und im Ausland (L._) über ein tragfähiges
familiäres Beziehungsnetz, das in der Lage sein sollte, ihn bei der Wieder-
eingliederung – finanziell – zu unterstützen (SEM-Akte A32/16 F18,21 f.).
Er stand denn auch während seiner Zeit in der Schweiz stets mit seiner
Familie in Kontakt (SEM-Akte A32/16 F14; A36/17 F5). Medizinische Pro-
bleme lassen sich den Akten sodann keine entnehmen. Es besteht somit
kein Grund zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in
eine existenzielle Notlage geraten wird. Dementsprechend erweist sich der
Vollzug auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grund-
sätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Vorab ist über die Anträge auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG und auf Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu befinden. Diese
wurden mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2020 auf später verschoben.
10.2 Aufgrund der zwischenzeitlich aktenkundig gewordenen Erwerbstä-
tigkeit des Beschwerdeführers wurde er mit Zwischenverfügung vom
21. September 2022 aufgefordert, dem Gericht das Formular „Gesuch um
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Seite 23
unentgeltliche Rechtspflege“ unter Beilage entsprechender Beweismittel
einzureichen. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2022 reichte er das ausgefüllte
Formular inklusive Beilagen (u.a. einen Arbeitsvertrag vom 15. September
2020, Vertragsbeginn ab Erteilung der Bewilligung [gemäss Zentralem Mig-
rationssystem [ZEMIS] am 5. Oktober 2020]) zu den Akten. Gemäss den
eingereichten Unterlagen stehen einem monatlichen Netto-Einkommen
von Fr. 3‘274.40 Auslagen von Fr. 1‘150.80 gegenüber.
Zur Berechnung der monatlichen Auslagen steht dem Beschwerdeführer
als alleinstehende Person ein monatlicher Grundbetrag von Fr. 1’200.– zu,
welchem ein Zuschlag von 20%, mithin Fr. 240.–, zuzurechnen ist. Von ihm
belegt wurden sodann die monatlichen Mietkosten (Fr. 450.00) und Kran-
kenkassenprämien (Fr. 295.30) im Umfang von Fr. 745.30. Weiter werden
Auslagen für den öffentlichen Verkehr (Fr. 80.00) sowie auswertige Verpfle-
gung (Fr. 325.50) im Umfang von Fr. 405.50 geltend gemacht. Hierbei ist
anzumerken, dass bei auswertiger Verpflegung gemäss betreibungsrecht-
lichem Existenzminimum jeweils Fr. 11.00 pro Arbeitstag angerechnet wer-
den können. Die angegebenen Kosten für die monatliche auswärtige Ver-
pflegung erscheinen somit überhöht und sind dementsprechend auf
Fr. 220.00 zu kürzen. Unter Berücksichtigung der erwähnten Korrekturen
liegt der monatliche Notbedarf des Beschwerdeführers somit bei
Fr. 2'485.30, welcher dem Nettoeinkommen von Fr. 3‘274.40 gegenüber-
zustellen ist. Daraus resultiert ein monatlicher Überschuss von Fr. 789.10.
Der Beschwerdeführer verfügt gemäss eingereichten Unterlagen sowie
den eigenen Angaben auf dem Formular zudem über liquide Mittel in der
Höhe von Fr. 6‘682.35. Nach dem Gesagten ist die prozessuale Bedürftig-
keit des Beschwerdeführers nicht ausgewiesen. Auf eine Fristansetzung
zur Einreichung weiterer Unterlagen, wie mit Eingabe vom 6. Oktober 2022
beantragt, kann verzichtet werden.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit
mangels Erfüllens der in Art. 65 Abs. 1 VwVG vorausgesetzten Kriterien
abzuweisen. Dem Beschwerdeführer sind daher die Kosten des Verfah-
rens aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1–3 VGKE).
Das Gesuch um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als unent-
geltlicher Rechtsbeistand ist mangels Erfüllen der Voraussetzungen von
Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen.
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