Decision ID: 3b0f0a18-ec62-4fc2-b11a-794c02452bb1
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1995, ist bei der
Sanitas
Grundversicherungen AG (nachstehend: Kasse) obligatorisch krankenpflegeversichert
.
A
m 2
9.
April 2015
unterbreitete
Dr.
A._
, Zahnarzt und Facharzt für
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
, der Kasse einen Kostenvoranschlag
im Umfang von
Fr.
23'850.--
(
Urk.
11/1).
Die Kasse lehnte mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2016 eine Kostenübernahme ab (
Urk.
11/12). Dagegen
erhoben die Eltern der Versicherten am 2
4.
März 2016 Einsprache (
Urk.
11/13). Die Kasse wies die
se
mit
Einspracheentscheid
vom
7.
Juni 2017 ab (
Urk.
11/28 =
teilweise
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
11/28
) erhob die Ver
sicherte, vertreten durch ihre Eltern (vgl.
Urk.
14), am 2
5.
Juni 2017 Beschwerde und beantragte die Kostenübernahme im Rahmen des eingereichten Kosten
vor
anschlags (
Urk.
1 S. 2 Mitte).
Die Kasse reichte am 1
3.
Dezember 2017 die Akten ein (
Urk.
10-11/1-28). Am 1
5.
Januar 2018 wurde davon
Vormerk
genommen, dass die Kasse keine Be
schwer
deantwort eingereicht hat (
Urk.
15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zahnärztliche Behandlungen
stellen
keine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
(OKP) dar
(BGE 125 V 278 E. 6). Für den Risikobereich Krankheit sieht
Art.
31
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) Ausnahmen vor, die in
Art.
17-19 der
Verordnung über Leistungen in der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KLV) abschliessend aufgezählt werden
(BGE 130 V 464 E. 2.3).
1.2
Gemäss
Art.
31
KVG übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung
die Kosten ein
er zahnärztlichen Behandlung
unter anderem
, wenn diese durch eine schwere, nicht vermeidbare Erkrankung des Kausystems
bedingt ist
(
Abs.
1
lit
. a).
1.
3
Gemäss
Art.
17 KLV übernimmt die Versicherung die Kosten
von
zahnärztlichen Behandlungen, welche durch bestimmte schwere, nicht vermeidbare Erkran
kungen des Kausystems bedingt sind, sofern
das
Leiden
Krankheitswert erreicht und soweit der Krankheitswert
die Behandlung
notwendig macht.
1.
4
Gemäss
Art.
17
lit
. d KLV sind dies die folgenden Erkrankungen des Kieferge
lenkes und des Bewegungsapparates:
1.
Kiefergelenksarthrose
2.
Ankylose
3.
Kondylus
- und Diskusluxation
1.5
Gemäss
Art.
18 KLV übernimmt die Versicherung die Kosten von zahnärztlichen Behandlungen, die durch eine der dort aufgelisteten schweren Allgemeiner
kran
kung oder ihre Folgen beding
t
und zur Behandlung des Leidens notwendig sind.
Art.
19 KLV listet die Fälle auf, in denen die Versicherung die Kosten der zahn
ärztlichen Behandlungen übernimmt, die zur Unterstützung und Sicherstellung der ärztlichen Behandlung notwendig sind.
Art.
19a KLV listet die Geburtsgebrechen auf, bei denen die Versicherung unter näher genannten Bedingungen die Kosten der zahnä
rztlichen Behandlung über
nimmt.
1.6
Zur Abgrenzung zwischen ärztlicher (
Art.
25 KVG) und zahnärztlicher (
Art.
31 KVG) Behandlung sind zwei Kriterien massgebend: Der organische Ansatzpunkt der Behandlung und die therapeutische Zielsetzung. Zahnärztliche Behandlungen sind therapeutische Vorkehren am Kausystem. Dieses umfasst die Zähne, den Zahnhalteapparat sowie die Organbereiche, die ein künstliches Gebiss aufzuneh
men haben. Ist die Massnahme auf ein anderes therapeutisches Ergebnis als die Verbesserung der Funktion der Zähne gerichtet, liegt ärztliche Behandlung vor, und zwar selbst dann, wenn die Behandlung beim Kausystem ansetzt. Ist die Zuordnung nicht eindeutig, kommt der therapeutischen Zielsetzung das grössere Gewicht zu (
Gebhard
Eugster
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
KVG
,
2.
Auflage, Zürich 2018
,
Art.
31
Rz
35 ff.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid davon aus, gemäss der von ihr (mehrfach) eingeholten vertrauensärztlichen Beurteilung liege kein Leiden vor, das unter
Art.
17-19 KLV falle (
Urk.
11/28
S. 9
Ziff.
42).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(
Urk.
1 S.
2)
, das Leiden bewirke eine Verschlechterung der Lebensqualität und eine
Behinderung beim Essen.
Sie wies auf eine schnelle Verschlechterung der Arthrose
im linken Kiefergelenk hin, was ständige Schmerzen und eine ständige Blockade beim Öffnen des Mundes zur Folge habe. Die Blockade könne nur mit
einer Schmerz
bereitenden Verschiebung des Kiefers vor dem Öffnen umgangen
werden. Es sei eine Schädigung des Kiefergelenks mit weit grösserer Kostenfolge absehbar.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Behandlung gemäss Kostenvoranschlag als Pflichtleistung
der OKP
von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen ist.
3.
3.1
Dr.
A._
nannte
i
m Kostenvoranschlags-Formular vom 2
9.
April 2015 (
Urk.
11/1) als Diagnose einen offenen Biss und eine Lippeninkompetenz und erwähnte
Art.
19a KLV (S. 1 vor
Ziff.
4). Zur vorgesehenen Behandlung führte er aus, es bestehe ein offener Biss. Es sei bereits zu einer Gelenkssymptomatik im Sinne eines Knackens gekommen und zudem bestehe eine Lippeninkompetenz. Vor
gesehen sei
en
die Bewegung von Oberkiefer, eventuell Unterkiefer einseitig, sowie die Behebung d
er Lippeninkompetenz
(S. 2
Ziff.
7).
Auf
Nachfrage der Beschwerdegegnerin führte er am 1
2.
Mai 2015 aus, die Kiefergelenke seien im Sinne einer Arthrose leicht verändert, die Nasenatmung sei stark eingeschränkt. In Klammern erwähnte er
Art.
17
(
lit
.) d KLV (
Urk.
11/3).
3.2
Dr.
B._
, Facharzt für
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
und Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin,
nannte in seiner Stellungnahme vom 2
5.
Mai 2015 (
Urk.
11/4) als Ausgangslage ein Kostengutsprachegesuch für die operative Korrektur eines offenen Bisses durch
bimaxilläre
Osteotomie sowie Kinnosteotomie wegen «Lippeninkompetenz». Auf Nachfragen hin
seien
noch eine behinderte Nasenatmung sowie eine leichte
arthrotische
Veränderung der Kiefergelenke als Krankheitswert angegeben
worden
(S. 1). Dazu führte er aus, die Fotos zeigten in Ruhelage eine geschlossene Lippe, also keinen Hinweis auf eine «
Lippeninkompetenz
». Im Röntgenbild zeige sich ein frontoffener Biss, auf
grund der Befunde im Röntgen dürften die Kriterien des Geburtsgebrechens 209 nicht erfüllt sein, ansonsten wäre der Fall ohnehin bereits vor Beginn der kiefer
orthopädischen Behandlung bei der Invalidenversicherung anzumelden gewesen. Die geplante Korrektur des offenen Bisses stellt keine Kiefergelenksbehandlung dar, sondern diene in erster Linie der Verbesserung der Kaufunktion. Somit seien die Kriterien der
Art.
17-19 KLV nicht erfüllt und die geplante Behandlung stelle keine Pflichtleistung der OKP dar (S. 1 unten).
3.3
Ein
MR
des Kiefers und der Kiefergelenke vom 3
1.
August 2015
- worüber am
1.
September 2015 berichtet wurde -
ergab eine ventrale Luxation des Diskus im geschlossenen Zustand mit Reposition beidseits bei offenen Mund (
Urk.
11/6/2
=
Urk.
3/5
).
Dr.
A._
führte in seinem Schreiben vom 1
0.
September 2015 (
Urk.
11/6/1) aus, mit dem
MRI
habe eine
anteriore
Diskusluxation klar nachgewiesen werden können. Auch der konsultierte Kiefergelenk
s
spezialist empfehle dringend eine Operation. Vorgesehen wäre das Schliessen des offenen Bisses und die Korrektur der Asymmetrie durch eine einseitige sagittale Spaltung und Le Fort I-Osteotomie.
3.4
Der von
Dr.
A._
erwähnte Kiefergelenksspezialist
Dr.
C._
, Facharzt für
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
, nannte in seinem Schreiben vom
2.
November 2015 (
Urk.
11/8) folgende Diagnosen (S. 1):
-
leichter
Distalbiss
-
frontoffener Biss
-
Unterkiefer/Oberkiefer-Asymmetrie
-
verringerte Nasenatmung
-
Bruxismus
-
anteriore
Diskusverlagerung Kiefergelenk beidseits (aktuell schmerzlos)
Im Rahmen einer (zweiten) Konsultation am 1
3.
August 2015 habe die Patientin vorrangig ein Knacken in beiden Kiefergelenken, das klinisch links stärker erscheine als rechts, beklagt. Die Patientin beklage dabei keinerlei Schmerzen, sowohl in Ruhe als auch bei Belastung als auch bei Auslösen des Knackens (S. 1 unten).
Mit der Patientin sei die Problematik des offenen Bisses
diskutiert worden sowie die mögliche Verursachung durch eine Resorption im Kiefergelenk und die gene
relle Situation des Zusammenhangs Kiefergelenk
/ Kaumuskulatur und
Zahn
stellung mit dem resultierenden Biss (Okklusion) und
der Umstand,
dass
die
Störung einer der
drei
Komponenten zu Problemen führen
könne (S. 1 f.).
In diesem Fall stell
e
sich die Frage, ob
der offene Biss mit der
Distalverzahnung
und der Diskusverlagerung potenziell ein
Problem darstellen könnte.
Das MRI vom
9.
September 2015 habe die klinische Diagnose einer
ante
rioren
Diskusverla
ge
rung mit Reposition beidseits bestätigt (S. 2 oben).
Mit der Patientin
sei vereinbart worden,
im Frühjahr 2016 eine erneute Kon
sul
tation durchzuführen
,
um das weitere Vorgehen
zu besprechen.
Letztendlich
be
steh
e
die Zielstellung, die Gesichtsasymmetrie, die Asymmetrie des
Ober- und Unterkiefers sowie den
Fehlbiss
zu korrigieren
,
ohne das Kiefergelenk
weiter zu schädigen
(S. 2)
.
3.5
Dr.
B._
führte am 1
7.
November 2015 aus, die geplante
bimaxilläre
Kiefer
osteotomie und Kinnosteotomie bezweck
e
eine Korrektur des offenen Bisses
und
damit eine V
erbesserung der Kaufunktion und Ästhetik. Sie stelle
keine Behand
lung einer
Kiefergelenkserkrankung dar, diesbezüglich
sei
eine Wirksamkeit nic
ht nachgewiesen. D
ass
nun in der
MRI
-
Untersuchung eine
anteriore
Disk
usverla
gerung in beiden Kiefergelenken dokumentiert
sei
,
änder
e
daran nichts.
Die geplante Behandlung stell
e
keine Pflichtleistung der OKP dar
(
Urk.
11/9)
.
3.6
Dr.
D._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, berichtete am
6.
April 2016 an
Dr.
A._
über ihre auf dessen Zuweisung hin erfolgte Unter
suchung
und nannte a
ls Diagnose eine leichte
Septumdeviation
nach rechts bei sehr engen Nasenverhältnissen beidseits
; eine
Lateralisation
der
Choncha
tragen
den Nasenwand dränge sich in diesem Fall auf (
Urk.
11/21/3).
3.7
Dr.
C._
nannte in seinem Bericht vom 2
1.
Februar 2017 (
Urk.
11/21/2
=
Urk.
3/3 mit Datum vom
4.
Februar 2016
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Rezidiv eines offenen Bisses
-
Distalbiss
-
schmerzhafte Hyperaktivität des M.
masseter
beidseits
Die Patientin habe sich zuletzt am
1.
Februar 2016 vorgestellt (S. 1 Mitte). Bei der klinischen Untersuchung habe sich ein offener Biss von zirka 5 mm mit ca. 1/2-Prämolaren-Breite Klasse II-Verzahnung bei sonst unauffälligen intraoralen Verhältnisse
n
gezeigt. Die Mittellinie im Unterkiefer sei zirka 2 mm nach links verschoben. Die Patientin beklage ebenfalls ein Knacken im Kiefergelenk beid
seits, das zum Teil Probleme im Sinne von Verhakens auslöse. Auf Palpation sei das Kiefergelenk nicht schmerzhaft gewesen. Der M.
masseter
beidseits sei auf Palpation schmerzhaft gewesen. Ansonsten sei die Kaumuskulatur unauffällig. Im angefertigten DVT hätten sich unauffällige knöcherne Strukturen am Kieferge
lenk beidseits ohne Anhalt für eine Resorption gezeigt. Im MRT der Kiefergelenke beidseits habe sich eine
anteriore
Diskusverlagerung mit Reposition der Kiefer
gelenke beidseits gezeigt (S. 2 oben).
In der Zusammenschau der Befunde und der Anamnese der Patientin sei aktuell von einer dentalen Genese des Rezidivs des offenen Bisses auszugehen. Mögli
cher
weise
spiel
e
auch eine Parafunktion der Zunge eine Rolle. Es
gebe
keinen Anhalt
,
dass der
offene Biss aufgrund einer Kiefergelenks-Resorption progredient
sei,
so dass aktuell
keine Therapie am Kiefergelenk nötig
sei. Die aktuelle Modell-Analyse ergebe die Möglichkeit einer Korrektur des offenen Bisses durch eine
bimaxilläre
Umstellungsosteotomie mit einer dreigeteilten Le Fort I-Osteotomie (S. 2 Mitte).
3.8
Dr.
E._
, Fachzahnarzt für
Kieferorthopädie
,
der die Beschwer
deführerin an
Dr.
A._
überwiesen hatte (vgl.
Urk.
3/4,
Urk.
3/6)
,
nahm am 1
3.
April 2017 zu
Fragen der Beschwerdegegnerin Stellung (
Urk.
11/24). Die Bedingungen für ein Geburtsgebrechen im Sinne von
Art.
19
(richtig: 19a)
KLV seien nicht erfüllt (
Ziff.
5).
Das
Kieferwachstum
der Patientin zeige einen extremen vertikalen Verlauf mit ungenügender
condylärer
Verlängerung sowie frontaler Bissöffnung und gleich
zeitiger Etablierung einer Zungeninterposition. Die Patientin gebe am Untersu
chungstag anamnestisch chronische Blockaden der linken Gelenksregion beim Öffnen an, mit anschliessender Kiefersperre, sowie linksseitiges Knacken beim Essen mit gleichzeitigen Schmerzen. Die klinische Untersuchung habe degene
rativ
arthrotische
Symptome im Sinne einer starken
Druckdolenz
der linken Gelenksregion sowie der linksseitigen Kaumuskulatur gezeigt. Es habe im Wei
teren eine habituelle Luxation beidseits bei maximaler Öffnung bestanden. Frontales Abbeissen der Nahrung sei angesichts des offenen Bisses nicht möglich. Das MR vom 3
1.
August 2015 bescheinige eine ventrale Diskusluxation im Sinne von
Art.
17
lit
. d
Ziff.
3 KLV.
3.9
Dr.
B._
nahm am
1.
Mai 2017 zu ihm von der Rechtsabteilung unterbreiteten Fragen (vgl.
Urk.
11/26) Stellung (
Urk.
11/27). Er führte unter anderem aus, es liege keine Arthrose der Kiefergelenke im Sinne von
Art.
17
lit
.
d
Ziff.
1 KLV vor. Im MRI-Befund vom 3
1.
August 2015 werde ein unauffällig geformtes Kiefer
köpfchen beidseits beschrieben, auch zeig
e
der Diskus
artikularis
keine Signal
alterationen. Damit sei eine Arthrose nicht ausgewiesen. Gemäss MRI-Befund bestehe beidseits eine
anteriore
Diskusverlagerung beziehungsweise Diskusluxa
tion mit
Reduktion
(
"Reposition"
)
bei
der Mundöffnung
(S. 2
Ziff.
2)
.
Es lieg
e beidseits eine
anteriore
Disk
usverlagerung mit Reduktion
beziehungs
weise
eine sog
enannte
anteriore
Disk
usluxation mit Reposition vor. Dies
sei
der Grund des Knackens in den Kiefergelenken. Die Begriffe
Disk
usluxation
und Disk
usverlagerung
seien
synonym, beide Begriffe bezeichne
te
n den gleichen Zustand
einer
anterioren
Diskusverlagerung (S. 2 Ziff. 3).
Die Disk
usverlagerung
beziehungsweise
D
isk
usluxation
werde
unter
Art.
17
l
it
. d
Ziff.
3
KLV
erwähnt, zusammen mit der
Kondylusluxation
. Eine
Kondylus
lu
xa
tion
lieg
e
allerdings nicht vor. Zudem
sei
die geplante Behandlung zur
Korrektur des offenen Bisses nicht geeignet, die Dis
k
us
l
uxation zu beheben. Auch
sei
diese Behandlung
nicht als Folge der Dis
k
usluxation notwendig, sondern
sie diene
einzig der Korrektur des offenen Bisses.
Daher s
eien
die Kriterien für eine Leis
tungspflicht unter
Art.
17
lit
.
d
Ziff.
1-3 KLV nicht erfüllt (S. 2
Ziff.
4).
Es liege
kein Geburtsgebrechen gemäss
Art.
19a
Ziff.
21
(
Mordex
apertus
, Zi
ff.
209) vor. Gemäss
den Auswertungen der Röntgenbilder erreiche der
Kieferbasenwinkel nicht die erforderlichen Werte für das Geburtsgebrechen des offenen Bisses (
S. 2
Ziff.
5).
Aufgrund der Winkelmasse in den
R
öntgenbildern
sei
auch kein anderes
Geburtsgebrechen erfüllt
(S
.
2
Ziff.
6).
Die vorgeschlagene Behandlung (Korrektur des offenen Bisses durch
bimaxilläre
Osteotomie)
sei
geeignet, den offenen Biss zu korrigieren
. Da
diese jedoch die Kri
terien
von
Art.
17-19
KLV
nicht erfülle, stelle
die Behandlung keine Pflicht
leistung der OKP dar
(S. 2
Ziff.
7)
.
Im von
Dr.
C._
unterzeichnet
en
Schreiben
vom
2.
November
2015
(vgl. vor
steh
end E. 3.4) werde
explizit erwähnt, dass
die
anteriore
Dis
k
usverlagerung schmerzfrei sei. Die Zielstellung der Behandlung bestehe in einer
Korrektur
der Gesichtsasymmetrie
-
eine schwere Gesichtsasymmetrie im Sinne von
Art.
17
lit
.
f
Ziff.
3
KLV lieg
e
gemäss
Fotos und Rönt
genbildern allerdings nicht vor -
und in einer Korrektur des Fehlbisses,
also
des offenen
Bisses. Letz
t
ere bezweck
e
die Verbesserung der Kaufunktion
und sei
somit als zahnärztliche Behandlung zu
qualifizieren.
Diesbezüglich seien
allerdings die Kriterien der
Art.
17-19
KLV
(
einer abschliessenden Liste
)
nicht erfüllt.
Somit erg
ebe
sich eindeutig, dass hier die Kriterien für eine Leistungspflicht der OKP in Bezug auf die
geplante Behandlung zur Korrektur des offenen Bisses nicht erfüllt
seien (S. 2
Ziff.
8).
4.
4.1
Die Krankenversicherung übernimmt im Rahmen der OKP als Grundversicherung nur ausnahmsweise die Kosten von zahnärztlichen Behandlungen. Diese Ausnah
men sind in den abschliessenden Listen von
Art.
17 ff. KLV aufgeführt (vor
stehend E. 1.1).
4.2
Dass die Behandlung, deren Kostenübernahme hier strittig ist, gemäss
Art.
18-19a KLV eine Pflichtleistung darstellen könnte, ist nicht ersichtlich
. Diesbezüglich ist auf die Darlegungen von
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.9
Ziff.
5 und 6) abzustellen
. Näher zu prüfen ist jedoch, ob sie unter
Art.
17 K
LV fallen könnte (vorstehend E.
1.3).
4.3
Damit die genannte Behandlung eine Pflichtleistung darstellt, muss ein in
Art.
17 KLV genanntes
Leiden vorliegen, wofür hier insbesondere
Art.
17
lit
. d
(Erkran
kungen des Kiefergelenkes: Kiefergelenksarthrose, Ankylose,
Kondylus
- und Dis
kus
luxation)
in Frage kommen könnte
. Das betreffende Leiden muss zudem einen
Krankheitswert aufweisen, der die in Frage stehende Behandlung notwendig m
acht (vorstehend E. 1.3), und die Behandlung muss auf
ein anderes therapeu
ti
sches Ergebnis als
eine Verbesserung der Kaufunktion abzielen (vorstehend E. 1.5).
4.4
Dr.
A._
erwähnte im April
2015
, die Kiefergelenke seien «im Sinne einer Arth
rose leicht verändert» (vorstehend E. 3.1). Unter den von
Dr.
C._
im Novem
ber
2015 (vorstehend E. 3.4) und im Februar 2017 (vorstehend 3.7) aufgelisteten Diag
nosen findet sich keine solche einer Kiefergelenksarthrose.
Dr.
E._
erwähnte im April 2017 «
arthrotische
Symptome im Sinne einer
Druckdolenz
» (vorstehend E. 3.8).
Diese nebst anderen angeführten Befunden ersetzen eine nachvollziehbar gestellte Diagnose einer
Kiefergelenksarthrose nicht. Dies gilt umso mehr, als eine Arthrose eine knöcherne Veränderung darstellt und deshalb mit den Mitteln der Bildgebung verifiziert werden kann. Ein solcher Beleg liegt
nicht
vor, vielmehr ergaben sich aus dem MRI vom 3
1.
August 2015
gerade
keine entsprechenden Hinweise.
4.5
Hingegen ergab das MRI vom 3
1.
August 2015, dass eine Diskusluxation vorliegt (vorstehend E. 3.3 und 3.8 am Ende), mit
hin
ein in
Art.
17
lit
. d
Ziff.
3 aufge
führtes Leiden.
Die
s
genügt jedoch nicht, um die fragliche Behandlung zur Pflichtleistung zu machen (vorstehend E. 4.1). Dafür entscheidend ist zusätzlich der Zusammenhang zwischen der Behandlung und dem in der Liste aufgeführten Leiden.
Dr.
C._
umschrieb im November 2015 das Ziel der fraglichen Behandlung mit dem Bestreben, die
Gesichtsasymmetrie, die Asymmetrie des Ober- und Unter
kiefers sowie den
Fehlbiss
zu korrigieren
(vorstehend E. 3.4). Wie
Dr.
B._
richtig bemerkte, stellt dies eine angestrebte Verbesserung der Kaufunktion dar (vorsteh
end E. 3.9
Ziff.
8), was gerade das zentrale Abgrenzungsmerkmal der zahnärzt
lichen von der ärztlichen Leistung darstellt (vorstehend E. 1.6).
Im Februar 2017 bezeichnete
Dr.
C._
eine Therapie am Kiefergelenk als nicht nötig (vor
stehend E. 3.7).
Die fragliche Behandlung dient der von
Dr.
C._
genannten Zielsetzung
(Korrektur der Gesichtsasymmetrie, der
Asymmetrie des Ober- und Unterkiefers sowie
des
Fehlbiss
es)
, mithin stellt sie keine Behandlung der Diskus
luxation dar. Das müsste sie aber, um als Pflichtleistung eingestuft werden zu können.
4.6
Aus diesen Gründen erweist sich der angefochtene Entscheid, mit dem eine Leistungspflicht im Rahmen der OKP-Grundversicherung für die beantragte Be
handlung verneint wurde, als rechtens. Die dagegen erhobene Beschwerde ist somit abzuweisen.
4.7
Sollte eine Behandlung in Aussicht stehen, die auf eines der in
Art.
17
lit
. d KLV genanntes Leiden, namentlich eine - bildgebend nachgewiesene
–
Kiefergelenks
arthose oder die feststellte Diskusluxation abzielen, so wird die Beschwerdegeg
nerin nach Erhalt eines entsprechenden Kostenvoranschlags
ihre Leistungspflicht
erneut zu prüfen haben.