Decision ID: a0b13f7b-80c7-5a06-8b88-d747b6e24538
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-
staat im Jahr 2019 und suchte am 23. November 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Die Abklärungen des SEM in der Fingerabdruckdatenbank (Eu-
rodac) ergaben, dass der Beschwerdeführer am 12. September 2020 ille-
gal nach Italien eingereist war.
B.
Gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO), ersuchte die Vorinstanz die italienischen Be-
hörden am 26. November 2020 um Rückübernahme des Beschwerdefüh-
rers.
C.
Anlässlich eines persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO am
8. Dezember 2020 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu
einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Über-
stellung nach Italien gewährt, welches gemäss Dublin-III-VO grundsätzlich
für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig sei. Die grundsätzliche
Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom Beschwerdeführer nicht
bestritten. Jedoch machte dieser geltend, er habe eine (...) gehabt. In Ita-
lien habe er darum gebeten, zu einem Arzt gebracht zu werden. Die Medi-
kamente, die man ihm gegeben habe, hätten nicht geholfen. Es habe nur
einen Arzt und gegen jegliche Beschwerden nur ein Medikament gegeben.
Er habe Probleme mit einer (...) und weil er sich stark habe kratzen müs-
sen, habe (...). Zudem habe er Probleme mit der (...) und überall Schmer-
zen. Wenn er lange laufen müsse, habe er Schmerzen in (...) beziehungs-
weise (...). Auf Nachfrage der Rechtsvertretung betreffend psychische
Probleme, gab der Beschwerdeführer an, es sei sehr schwierig auszuhal-
ten, wenn er an die Vergangenheit denke. Dem Gesundheitsdienst habe er
aber noch nichts davon gesagt.
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D.
Die italienischen Behörden nahmen zum Gesuch des SEM um Übernahme
des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO innert der in
Art. 22 Abs. 1 und Dublin-III-VO vorgesehenen Frist keine Stellung.
E.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2021 (eröffnet am 3.02.2021) trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung
nach Italien, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines
Asylgesuches zuständig ist. Es beauftragte den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Mit Beschwerde vom 10. Februar 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 2. Februar 2021 sei
aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. Eventualiter sei die
Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, bei den
italienischen Behörden individuelle Garantien für eine adäquate Unterbrin-
gung und medizinische Behandlung einzuholen. Im Sinne einer superpro-
visorischen Massnahme sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
zu erteilen und seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Über-
stellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über
den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe. Es sei die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses abzusehen.
G.
G.a Mit Zwischenverfügung vom 11. Februar 2021 forderte die Instrukti-
onsrichterin den die Beschwerde unterzeichnenden Rechtsvertreter unter
Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall auf, eine rechtsgültige
schriftliche Vollmacht einzureichen.
G.b Gleichentags ordnete sie im Sinne einer superprovisorischen Mass-
nahme gestützt auf Art. 56 VwVG die einstweilige Aussetzung des Vollzugs
der Überstellung an.
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Seite 4
H.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers liess dem Gericht mit Eingabe
vom 15. Februar 2021 eine rechtsgültige Vollmacht zukommen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie
im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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Seite 5
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Nichteintretensentscheid zusammen-
gefasst damit, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gebe,
das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Ita-
lien würden Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der
Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-
Grundrechtecharta) und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Es lägen
keine systemischen Mängel in Italiens Asyl- und Aufnahmesystem vor. Es
sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Über-
stellung nach Italien gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine
existenzielle Notlage gerate oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und
unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimatstaat
überstellt werde. Was die gesundheitlichen Beschwerden betreffe, verfüge
Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur. Es sei davon
auszugehen, dass es angemessene medizinische Versorgungsleistungen
erbringen könne und der Zugang zur notwendigen medizinischen Behand-
lung gewährleistet sei. Für das Dublin-Verfahren sei zudem einzig die Rei-
sefähigkeit ausschlaggebend, die erst kurz vor der Ausreise definitiv beur-
teilt werde. Ausserdem trage das SEM seinem aktuellen Gesundheitszu-
stand Rechnung, indem es die italienischen Behörden im Sinne von Art. 31
und Art. 32 Dublin-III-VO vor der Überstellung über seinen Gesundheitszu-
stand und die notwendige medizinische Behandlung informiere. Es lägen
keine Gründe vor, welche die Schweiz veranlassen müsste, die Souverä-
nitätsklausel anzuwenden.
4.2 In der Beschwerdeschrift wird dem entgegnet, die Vorinstanz habe den
Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie die Verfügung zu einem Zeit-
punkt erlassen habe, in welchem die Tragweite der gesundheitlichen Be-
schwerden und damit der medizinische Sachverhalt noch nicht abschlies-
send erstellt gewesen seien. Im Rahmen des Dublin-Gesprächs habe der
Beschwerdeführer deutlich gemacht, dass er medizinische Beschwerden
habe. Diese seien nicht ausreichend abgeklärt worden. Im Bericht der
B._ vom 29. Januar 2021 seien die Diagnosen Verdacht auf eine
(...) und Verdacht auf eine (...) gestellt sowie ein Elektrokardiogramm
(EKG) und ein Folgetermin angeordnet worden. Den Arzttermin am 2. Feb-
ruar 2021, anlässlich dessen der Verdacht der (...) bestätigt worden sei,
habe die Vorinstanz nicht abgewartet. Die Medikation sei in der Folge ge-
ändert worden, der psychische Zustand sei bei Erlass der Verfügung unzu-
reichend erstellt gewesen. Zudem sei für den 18. Februar 2021 ein EKG
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geplant, dessen Resultat abzuwarten sei. Hinsichtlich der vom Beschwer-
deführer erwähnten Probleme mit (...) habe die Vorinstanz gar nichts un-
ternommen. Sie habe in der angefochtenen Verfügung den medizinischen
Sachverhalt nur pauschal abgehandelt und nicht detailliert gewürdigt. Mit
textbausteinartigen Formulierungen habe sie ausgeführt, dass Italien über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge. Sie habe ausser
Acht gelassen, dass auch verletzlichen Personen nach einer Überstellung
nach Italien nur mangelhaft oder mit Verzögerung Zugang zur Unterbrin-
gung und Versorgung gewährt und in gewissen Fällen sogar verweigert
werde. Die Vorinstanz habe somit den Sachverhalt ungenügend erstellt so-
wie die Möglichkeit eines allfälligen Selbsteintritts nicht korrekt geprüft.
5.
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
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im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
6.
6.1 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerde-
führer vor seiner Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten hatte. Das
SEM ersuchte die italienischen Behörden am 26. November 2020 um Auf-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO.
Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen innert der in
Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie
ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). Die
grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben.
6.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwachstellen
aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden
Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich
bringen würden.
6.2.1. Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
6.2.2. Weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Ge-
richtshof für Menschenrechte (EGMR) oder der Europäische Gerichtshof
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(EuGH) haben bislang systemische Schwachstellen im italienischen Asyl-
system erkannt. Zwar steht das italienische Fürsorgesystem für Asylsu-
chende und Personen mit Schutzstatus in der Kritik. Gemäss den bisheri-
gen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist aber davon auszu-
gehen, dass Italien die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien einhält
(vgl. das als Referenzurteil publizierte Urteil des BVGer E-962/2019 vom
17. Dezember 2019 E. 6; aktuell u.a. bestätigt in den Urteilen des BVGer
E-269/2021 vom 27. Januar 2021 E. 7.3 und F-19/2021 vom 12. Januar
2021 E. 5.2 sowie im ebenfalls als Referenzurteil publizierten D-2846/2020
vom 16. Juli 2020 E. 6.1.2).
6.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer fordert mit seinem Vorbringen, er sei gesund-
heitlich stark angeschlagen, die Anwendung der Ermessensklausel von
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht im
Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss wel-
cher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann be-
handeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zustän-
dig wäre.
Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, sein Gesundheitszustand stehe
einer Überstellung entgegen. Gemäss medizinischem Bericht vom 2. Feb-
ruar 2021 wurde der Verdacht des Bestehens einer (...) beim Beschwer-
deführer inzwischen bestätigt, der Verdacht einer (...) erhärtete sich hinge-
gen nicht. Die (...) wird medikamentös behandelt. In der Beschwerde wird
vorgebracht, aufgrund des Wirkstoffs, mit welchem der Beschwerdeführer
behandelt werde, liege der Verdacht nahe, dass er schwerwiegend psy-
chisch erkrankt sei. Beim Beschwerdeführer handle es sich daher um eine
vulnerable Person. Die Vorinstanz hätte daher, wie auch im Referenzurteil
E-962/2019 vorgesehen, individuelle Garantien der italienischen Behörden
für eine angemessene Unterbringung und medizinische Behandlung ein-
holen müssen. Die medizinischen Abklärungen seien noch nicht abge-
schlossen und der Beschwerdeführer sei weiterhin auf eine medizinische
Behandlung angewiesen. In Anbetracht der prekären Lebensumstände von
Asylsuchenden in Italien müsse von einer drohenden Verschlechterung
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seines Gesundheitszustandes ausgegangen werden. Aufgrund einer dro-
henden Verletzung von Art. 3 EMRK müsse die Schweiz deshalb auf sein
Asylgesuch eintreten.
7.2 Es trifft zu, dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzur-
teil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 strengere Kriterien für Dublin-
Überstellungen von schwer erkrankten Asylsuchenden, die sofort nach der
Ankunft in Italien auf lückenlose medizinische Versorgung angewiesen
sind, beschlossen und das SEM verpflichtet hat, individuelle Zusicherun-
gen betreffend die Gewährleistung der nötigen medizinischen Versorgung
und Unterbringung bei den italienischen Behörden einzuholen (vgl. Refe-
renzurteil E-962/2019 E. 7.4.3). Der Beschwerdeführer fällt aber nicht in
diese Kategorie.
7.2.1. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene
Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium
und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-
ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-
ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei-
tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch
die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im
Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
7.2.2. Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Der Beschwerde-
führer konnte nicht nachweisen, dass er nicht reisefähig sei oder eine Über-
stellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Gemäss Arztbericht
vom 2. Februar 2021 wird die diagnostizierte (...) medikamentös behan-
delt. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die nötige medikamentöse Behand-
lung nicht auch in Italien erfolgen könnte. Der im Arztbericht vom 29. Ja-
nuar 2021 noch erwähnte Verdacht auf eine (...) wurde nicht bestätigt. Die
diffusen Schmerzen in (...) hat der Beschwerdeführer selbst nicht mehr er-
wähnt, weshalb diesbezüglich auch keine weiteren Abklärungen notwendig
gewesen sind. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermag
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eine Unzulässigkeit im Sinne der oben zitierten restriktiven Rechtspre-
chung nicht zu rechtfertigen (vgl. konkretisierend zu E-962/2019 der eben-
falls als Referenzurteil publizierte Entscheid des BVGer D-2846/2020 vom
16. Juli 2020 E. 6.2.1). Ausserdem stellen die erwähnten gesundheitlichen
Probleme des Beschwerdeführers keine schweren medizinischen Leiden
dar, welche nach der Ankunft in Italien eine sofortige und lückenlose medi-
zinische Versorgung im Sinne der Rechtsprechung erfordern würden. In
Anbetracht der gegebenen Umstände war die Vorinstanz demnach nicht
gehalten, bei den italienischen Behörden konkrete Garantien für eine ge-
bührende Aufnahme einzuholen. Dass im Arztbericht vom 29. Januar 2021
zunächst erst die Diagnose eines Verdachts auf eine (...) gestellt worden
war, welcher sich erst im Arztbericht vom 2. Februar 2012 definitiv bestä-
tigte, vermag daran nichts zu ändern. Die Verdachtsdiagnosen wurden in
der Verfügung aufgeführt und berücksichtigt. Der Beschwerdeführer leidet
gemäss eigenen Angaben bereits seit drei Jahren an den angeführten Be-
schwerden, ohne dass beispielsweise seine Reisetätigkeit dadurch beein-
trächtigt wurde oder er deswegen auf eine spezielle und lückenlose medi-
zinische Behandlung angewiesen gewesen wäre. Angesichts der bereits
erfolgten Untersuchungen kann daher in antizipierter Beweiswürdigung
(vgl. hierzu BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 I 229 E. 5.3) davon ausge-
gangen werden, dass auch nach dem vorgesehenen EKG keine schwere
unmittelbar behandlungsbedürftige Krankheit diagnostiziert wird. Somit hat
der entscheidende medizinische Sachverhalt im Zeitpunkt des Erlasses
des vorinstanzlichen Verfügung als vollständig erstellt zu gelten. Die Vo-
rinstanz war vor diesem Hintergrund auch nicht gezwungen, den Arzttermin
des Beschwerdeführers vom 2. Februar 2021 und das angedachte EKG
abzuwarten; eine Verletzung der Untersuchungspflicht ist nach dem Ge-
sagten zu verneinen.
7.2.3. Die gesundheitlichen Probleme sind nicht von einer derartigen
Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgese-
hen werden müsste. Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Italien über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten
sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versor-
gung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-
handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst,
zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstel-
lern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder
sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologi-
schen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es lie-
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Seite 11
gen keine Hinweise vor, wonach Italien dem Beschwerdeführer eine adä-
quate medizinische Behandlung verweigern würde. Die schweizerischen
Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind,
werden den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten
Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen
und die italienischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die
spezifischen medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-
VO). Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid explizit fest, sie
werde die italienischen Behörden vor der Überstellung über seinen Ge-
sundheitszustand sowie die notwendige medizinische Behandlung infor-
mieren.
7.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-
beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-
chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-
mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den
vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht
mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung
nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-
züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen
Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl.
Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).
Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu bean-
standen; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-
sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens
zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang
weiterer Äusserungen.
7.4 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.5 Somit bleibt Italien der für die Behandlung der Asylgesuche des Be-
schwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist
verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 21, 22 und 29 aufzunehmen.
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8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwen-
dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Nachdem festgestellt wurde, dass eine Verletzung der Untersuchungs-
pflicht nicht vorliegt, ist das Eventualbegehren auf Rückweisung der Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz abzuweisen.
11.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
12.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 10. Februar 2021 angeordnete
Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde ist gegenstandslos geworden.
13.
13.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind.
13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
13.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit Erlass des vorliegenden Urteils gegenstandslos.
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