Decision ID: 31ac38e1-7bca-4881-8575-2fc15114eb9c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Importeur) meldete am 6. Oktober 2017 einen
MB Trac 1300 (nachfolgend: Traktor) bei der Zollstelle Aarau, Dienstabtei-
lung Bern, zur Einfuhrverzollung an. Er legte als Wertnachweis eine Kauf-
vereinbarung über Euro 12'000.- vor.
B.
Am 2. November 2017 wurde durch die Zollfahndung (nachfolgend: ZFA)
beim Importeur eine Hausdurchsuchung durchgeführt und die Dossiers zu
verschiedenen Fahrzeugen beschlagnahmt sowie EDV-Daten forensisch
gesichert. Die darauffolgende Auswertung ergab, dass bei verschiedenen
Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, welche der Importeur in die Schweiz ein-
führte, Unstimmigkeiten auftraten. Es wurden Zahlungsanweisungen,
Geldwechselbelege und E-Mail-Absprachen zwischen Verkäufern und dem
Importeur festgestellt sowie handschriftliche Notizen, welche andere Kauf-
preise wiedergaben als die deklarierten Einfuhrwerte.
In den Unterlagen des Importeurs fanden sich unter anderem Aufzeichnun-
gen über einen Verhandlungspreis von Euro 29'000.- für den Traktor. Im
Originalinserat im Internet wurde der Traktor offenbar für umgerechnet ca.
Euro 33'500.00 (USD 38’851.23) zum Verkauf angeboten. Im vorgefunde-
nen Dossier zum Traktor wurde zudem eine handschriftliche Notiz «Kosten
MB 1300» sichergestellt, welche von Beträgen von Euro 20'000.- in bar
und Euro 12'000.- via Banküberweisung spricht.
C.
Mit dem Anhörbrief vom 22. März 2018 wurde dem Importeur das Resultat
der eingeleiteten Zollstrafuntersuchung unterbreitet und mitgeteilt, dass zu
seinen Gunsten auf die Zollabgaben verzichtet werde, er aber als Zoll-
schuldner gelte und mehrwertsteuerpflichtig sei. Ihm wurden die Mehrwert-
steuernachforderungen von Fr. 2’314.35 mitgeteilt.
D.
Am 13. April 2018 wurde das Schlussprotokoll durch die ZFA erfasst, wel-
ches dem Importeur zugestellt wurde.
E.
Mit Nachforderungsverfügung vom 25. April 2018 verlangte die ZFA vom
Importeur die Entrichtung von Mehrwertsteuernachforderungen von insge-
samt Fr. 2'314.50.
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F.
Am 10. Mai 2018 erhob der Importeur Einsprache gegen die Verfügung
vom 25. April 2018 und verlangte sinngemäss die Teilaufhebung der Nach-
forderungsverfügung. Da gegen die Verfügung das Rechtsmittel der Be-
schwerde, nicht aber der Einsprache, offensteht, wurde die Einsprache des
Importeurs durch die Eidgenössische Zollverwaltung (nachfolgend: EZV;
seit 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit; BAZG) als
Beschwerde behandelt.
G.
Mit Entscheid der EZV vom 12. März 2021 wurde die Beschwerde gegen
die Nachforderungsverfügung vom 25. April 2018 betreffend die Einfuhr
des Traktors abgewiesen. In den Erwägungen wurde festgehalten, dass
der Importeur für die Einfuhr des Traktors Mehrwertsteuern in der Höhe
von Fr. 1'840.- zu bezahlen habe.
H.
Mit Schreiben vom 22. März 2021 teilte der Importeur der EZV mit, dass er
mit der Verfügung vom 25. April 2018 nicht einverstanden sei. Dieses
Schreiben des Importeurs wurde dem Bundesverwaltungsgericht mit dem
Schreiben der EZV vom 30. April 2021 zuständigkeitshalber weitergeleitet.
I.
Mit dem Schreiben vom 11. Mai 2021 gibt das Bundesverwaltungsgericht
dem Importeur Gelegenheit Stellung zu nehmen, ob er Beschwerde gegen
den Entscheid der EZV vom 12. März 2021 erheben möchte. Der Importeur
(nachfolgend: Beschwerdeführer) stellt mit der Eingabe vom 12. Mai 2021
klar, dass er dies will.
J.
Die EZV (nachfolgend: Vorinstanz) verzichtet mit dem Schreiben vom
10. September 2021 auf eine Vernehmlassung und hält an den Ausführun-
gen sowie der Begründung des Entscheids vom 12. März 2021 fest.
Auf die Vorbringen der Parteien und die Akten wird – sofern sie entscheid-
wesentlich sind – im Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 4

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gege-
ben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. Der angefoch-
tene Entscheid ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG. Das BAZG
ist zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Art. 33
VGG). Dieses ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig (vgl. auch Art. 116 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR
631.0]). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes be-
stimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist Adressat des angefochtenen Entscheids und
damit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 20
Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf das
Rechtsmittel ist somit einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Der Beschwerdeführer kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie die Unangemessenheit rügen (vgl. Art. 49 VwVG).
2.
2.1 Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, sind grund-
sätzlich zollpflichtig und nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom
9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) zu veranlagen (Art. 7 ZG). Solche Ge-
genstände unterliegen zudem im Allgemeinen der Einfuhrsteuer gemäss
Art. 50 ff. das Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009 (MWSTG,
SR 641.20). Vorbehalten bleiben Abweichungen wie Zollbefreiungen und
-erleichterungen sowie Steuerbefreiungen, die sich aus Staatsverträgen
oder besonderen Bestimmungen von Gesetzen oder Verordnungen erge-
ben (vgl. Art. 2 Abs. 1 ZG, Art. 1 Abs. 2 ZTG und Art. 53 MWSTG).
2.2 Die Zollzahlungspflicht obliegt der Zollschuldnerin bzw. dem Zoll-
schuldner (Art. 70 Abs. 1 ZG). Zum entsprechenden Kreis gehören jene
Person, welche die Waren über die Zollgrenze bringt, deren Auftraggeber
sowie die Person, die zur Zollanmeldung verpflichtet bzw. damit beauftragt
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Seite 5
ist oder auf deren Rechnung die Ware ein- oder ausgeführt wird (Art. 70
Abs. 2 ZG). Als Auftraggeber gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
derjenige, der die Ware über die Grenze bringen lässt. Als solcher gilt nicht
nur die (natürliche oder juristische) Person, die im zivilrechtlichen Sinne mit
dem Transporteur einen Frachtvertrag abschliesst, sondern jede Person,
welche die Wareneinfuhr tatsächlich veranlasst (zum Ganzen: Urteil des
BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3 f.).
Der Zollschuldner nach Art. 70 ZG ist auch für die Einfuhrsteuer steuer-
pflichtig (Art. 51 Abs. 1 MWSTG; vgl. Urteile des BVGer A-4510/2018 vom
20. Mai 2019 E. 2.2, A-3322/2018 vom 11. Dezember 2018 E. 3.2, je mit
weiteren Hinweisen).
2.3 Steuerobjekt der Einfuhrsteuer ist die Einfuhr von Gegenständen ein-
schliesslich der darin enthaltenen Dienstleistungen ins (Zoll-)Inland (Art. 52
Abs. 1 Bst. a MWSTG). Bei der Einfuhr handelt es sich um einen zollrecht-
lichen Tatbestand (Art. 6 Bst. g ZG). Nach schweizerischem Verständnis
setzt sich dieser einerseits aus dem tatsächlichen Verbringen der Ware ins
Inland (Realkomponente; Art. 21 ZG), anderseits aus der Überführung des
Gegenstandes in den zollrechtlich freien Verkehr zusammen (Verfahrens-
komponente; Art. 47 Abs. 2 Bst. a ZG; zum Ganzen: Urteil des BGer
2C_1079/2016 vom 7. März 2017 E. 2.2.1).
2.4 Die Steuerforderung entsteht bei der Einfuhrsteuer zur gleichen Zeit
wie die Zollschuld, mithin im Zeitpunkt, in dem die Zollstelle die Zollanmel-
dung annimmt (Art. 56 Abs. 1 MWSTG i.V.m. Art. 69 Bst. a ZG).
2.5 Die Steuer auf der Einfuhr wird im Normalfall auf dem von den Parteien
vereinbarten und vom Importeur zu entrichtenden Entgelt erhoben
(s. Art. 54 Abs. 1 Bst. g i.V.m. Abs. 2 MWSTG; vgl. Urteil des BGer
2C_1079/2016 vom 7. März 2017 E. 2.2.3; Urteil des BVGer A-983/2018
vom 18. April 2019 E. 2.5.1).
2.6 Wer als Importeur gilt, definiert das MWSTG nicht (vgl. REGINE
SCHLUCKEBIER, in: Geiger/Schluckebier [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-
gesetz über die Mehrwertsteuer, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar
MWSTG 2019], Art. 51 N. 14). Laut Art. 6 Abs. 1 Satz 3 der Verordnung
vom 12. Oktober 2011 über die Statistik des Aussenhandels (SR 632.14)
gilt als Importeur, wer die Ware ins Zollinland einführt oder auf seine Rech-
nung einführen lässt (vgl. Urteil des BGer 2C_1079/2016 vom 7. März 2017
E. 2.2.3).
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2.7 Wer sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil bezüglich
Einfuhrsteuer verschafft, insbesondere indem er vorsätzlich oder fahrlässig
Waren bei der Einfuhr nicht oder unrichtig anmeldet, begeht eine Wider-
handlung gegen die Mehrwertsteuersteuergesetzgebung (vgl. Art. 96 Abs.
4 Bst. a MWSTG). Die Mehrwertsteuer gehört zur Verwaltungsgesetzge-
bung des Bundes (Urteile des BVGer A-957/2019 vom 9. Dezember 2019
E. 2.6.1 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_97/2020 vom 18. Mai 2020],
A-5320/2018 vom 26. August 2019 E. 4.4, A-4510/2018 vom 20. Mai 2019
E. 4.4).
2.8 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 22. März 1974
über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) sind Abgaben nachzu-
entrichten, wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwaltungs-
gesetzgebung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind. Dies gilt
«ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person» (Art. 12
Abs. 1 VStrR). Die Leistungspflicht im Sinne von Art. 12 VStrR hängt weder
von einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit noch von einem Verschulden
oder gar der Einleitung eines Strafverfahrens ab. Vielmehr genügt es, dass
der durch die Nichterhebung der entsprechenden Abgabe entstandene un-
rechtmässige Vorteil auf einer objektiven Widerhandlung gegen die Ver-
waltungsgesetzgebung des Bundes gründet (zum Ganzen: BGE 129 II 160
E. 3.2, 106 Ib 218 E. 2c; Urteile des BGer 2C_424/2014 vom 18. Juli 2015
E. 5.2.2, 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.2; Urteile des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2, A-5624/2018 vom 19. Juli 2019
E. 5.6.1; STEFAN OESTERHELT/LAETITIA FRACHEBOUD, in: Frank/Ei-
cker/Markwalder/Achermann [Hrsg.], Basler Kommentar, Verwaltungs-
strafrecht, 2020 [nachfolgend: BSK VStrR], Art. 12 N. 5).
Zu den gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR Nachleistungspflichtigen gehört
nach dem Gesetzeswortlaut «insbesondere der zur Zahlung der Abgabe
Verpflichtete», d.h. für die Zollabgaben jene Personen, welche dem Kreis
der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner gemäss Art. 70 ZG entsprechen
(vgl. E. 2.2). Sie gelten ipso facto als durch die Nichtbezahlung der Abgabe
bevorteilt (Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3). Sie blei-
ben selbst dann leistungspflichtig, wenn sie nichts von der falschen bzw.
fehlenden Deklaration gewusst haben (BGE 107 Ib 198 E. 6c/d) und wenn
sie selber aus der Widerhandlung keinen persönlichen Nutzen gezogen
haben (Urteil des BGer 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.2; Urteile
des BVGer A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2, A-5936/2016 vom
16. August 2017 E. 4.4). Sie gelten als direkt unrechtmässig bevorteilt, weil
sie die geschuldeten Abgaben infolge der Widerhandlung nicht entrichten
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mussten. Der Genuss dieses Vorteils soll den Leistungspflichtigen mit dem
Institut der Nachleistungspflicht entzogen werden. Diese Personen – für
welche die gesetzliche Vermutung eines unrechtmässigen Vermögensvor-
teils gilt – haften solidarisch für den gesamten nicht erhobenen Abgabebe-
trag (Art. 70 Abs. 3 ZG; Urteile des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014
E. 3.3, 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.2; Urteile des BVGer
A-1497/2019 vom 7. Oktober 2020 E. 2.3.2, A-5936/2016 vom 16. August
2017 E. 4.4).
3.
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer den Trak-
tor am 6. Oktober 2017 aus Österreich eingeführt hat. Bei der Zollanmel-
dung legte er eine Kaufvereinbarung über Euro 12'000.- vor. Die Vorinstanz
geht indessen aufgrund weiterer Beweismittel von einem Wert von Euro
32'000.- aus und forderte die Differenz der Einfuhrsteuer entsprechend
nach.
Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss, dass die Vorinstanz bei der Be-
rechnung der Einfuhrsteuer auf eine unrichtige Bemessungsgrundlage ab-
gestellt hat. Strittig ist demnach, auf welcher Grundlage die Einfuhrsteuer
zu bemessen ist. Nachfolgend ist die Bundeskonformität der von der Vor-
instanz verlangten Nachforderung, welche auf einer Schätzung der Be-
messungsgrundlage basiert, zu prüfen.
3.1
3.1.1 Die nach Art. 12 VStrR festzusetzende Nachleistungspflicht von Ein-
fuhrabgaben ist zu schätzen, wenn sie sich nicht genau festlegen lässt (Ur-
teil des BGer 2C_366/2007 vom 3. April 2008 E. 7; s. auch Art. 118 Abs. 4
ZG). Dabei ist mit dem Hintergrund der diesbezüglichen Rechtsprechung
zur auf Inlandleistungen zu erhebenden Mehrwertsteuer sachgerecht,
wenn sich das Bundesverwaltungsgericht auch bei der Überprüfung einer
zulässigerweise erfolgten Schätzung von hinterzogenen oder nachzu-
entrichtenden Einfuhrabgaben eine gewisse Zurückhaltung auferlegt
(s. Urteil des BVGer A-5078/2012 vom 15. Januar 2014 E. 10.1).
Dementsprechend überprüft das Bundesverwaltungsgericht zwar das Vor-
liegen der Voraussetzungen der Schätzung von hinterzogenen oder nach-
zuentrichtenden Einfuhrabgaben als Rechtsfrage uneingeschränkt. Als
ausserhalb der Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehen-
des, von der richterlichen Unabhängigkeit bestimmtes Verwaltungsgericht
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Seite 8
auferlegt es sich aber trotz des möglichen Rügegrundes der Unangemes-
senheit bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Schätzungen
eine gewisse Zurückhaltung und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte
(vgl. Art. 49 Bst. c VwVG).
Sind die Voraussetzungen der ermessensweisen Ermittlung als erste Stufe
erfüllt und erscheint die vorinstanzliche Schätzung nicht bereits im Rahmen
der durch das Bundesverwaltungsgericht mit der gebotenen Zurückhaltung
vorzunehmenden Prüfung als pflichtwidrig (zweite Stufe), obliegt es in Um-
kehr der allgemeinen Beweislast dem Abgabepflichtigen, den Nachweis für
die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen (dritte Stufe; vgl. Urteil des
BGer 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.2; Urteile des BVGer
A-983/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.3 [bestätigt durch das Urteil des
BGer 2C_515/2019 vom 9. September 2019] und A-5078/2012 vom
15. Januar 2014 E. 10.1).
Weil das Ergebnis der ermessensweisen Ermittlung von hinterzogenen
oder nachzuentrichtenden Einfuhrabgaben selbst auf einer Schätzung be-
ruht, kann sich der Abgabepflichtige auf der genannten dritten Stufe gegen
eine zulässigerweise durchgeführte Schätzung nicht mit allgemeiner Kritik
zur Wehr setzen. Vielmehr hat er darzulegen, dass die von der Zollbehörde
vorgenommene Schätzung offensichtlich fehlerhaft ist, und er hat auch den
Beweis für die vorgebrachten Behauptungen zu erbringen (s. Urteil des
BGer 2C_970/2012 vom 1. April 2013 E. 4.3; Urteile des BVGer
A-983/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.3 [bestätigt durch das Urteil des
BGer 2C_515/2019 vom 9. September 2019] und A-6544/2012 vom
12. September 2013 E. 2.6.2).
3.1.2 Vorliegend geht es nicht um eine Einfuhr eines Gegenstandes in Er-
füllung eines Veräusserungs- oder Kommissionsgeschäfts. Bemessungs-
grundlage für die in Frage stehende Einfuhrsteuer ist deshalb der Markt-
wert (vgl. Art. 54 Abs. 1 Bst. a und g i.V.m. Abs. 2 MWSTG; vgl. dazu auch
die Urteile des BVGer A-983/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.3 [bestätigt
durch das Urteil des BGer 2C_515/2019 vom 9. September 2019] und
A-8136/2010 vom 1. November 2011 E. 3.1).
Es handelt sich dabei um den Verkehrswert bzw. Veräusserungswert des
eingeführten Gegenstandes, also den Erlös, der am Stichtag bei einem
Verkauf an einen unabhängigen Dritten hätte erzielt werden können. Der
Verkehrswert im steuerrechtlichen Sinn bildet nicht eine mathematisch
exakt bestimmbare Grösse, sondern stellt in der Regel einen Schätz- oder
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Vergleichswert dar (s. Urteile des BVGer A-983/2018 vom 18. April 2019
E. 2.5.3 [bestätigt durch das Urteil des BGer 2C_515/2019 vom 9. Septem-
ber 2019] und A-5078/2012 vom 15. Januar 2014 E. 10.4.1). Massgebend
ist der Einfuhrzeitpunkt (Art. 56 Abs. 1 MWSTG i.V.m. Art. 69 ZG).
3.2
3.2.1 Mit Bezug auf den Marktwert des in Frage stehenden Traktors an-
lässlich der Einfuhr ist damit auf der ersten Stufe zu prüfen, ob die Voraus-
setzungen für eine ermessensweise Ermittlung des Marktwertes durch die
Vorinstanz erfüllt waren.
Gemäss Art. 54 Abs. 4 MWSTG kann die EZV die Steuerbemessungs-
grundlage nach pflichtgemässem Ermessen schätzen, wenn Zweifel an der
Richtigkeit der Zollanmeldung bestehen oder Wertangaben fehlen. Die
Zweifel an der Richtigkeit der Zollanmeldung des Importeurs vermag die
Vorinstanz zu erwecken, da tatsächlich die durch den Importeur angege-
ben Wertangaben zu tief erscheinen, wenn diese mit dem Originalinserat
und den vorgefundenen handschriftlichen Notizen des Beschwerdeführers
verglichen sowie die weiteren Belege berücksichtigt werden. Im Originalin-
serat im Internet wurde der Traktor für umgerechnet ca. Euro 33'500.- an-
geboten. Eine erste handschriftliche Aufzeichnung des Beschwerdeführers
hält einen Verhandlungspreis («Verh.») von Euro 29'000.- fest. Eine zweite
handschriftliche Aufzeichnung enthält eine Kostenaufstellung betreffend
den Traktor, bei der von einem Barbetrag von Euro 20'000 und einer Bank-
überweisung von Euro 12'000 die Rede ist. Diese Angaben werden zudem
durch die Belege über eine entsprechende Barabhebung von Euro 20'000.-
und eine Banküberweisung von Euro 12'000.- an den Verkäufer gestützt
(vgl. auch Sachverhalt Bst. B). Über eine andere Verwendung der Euro
20'000.- in bar oder (zumindest anteilige) erneute Einzahlung des abgeho-
benen Betrags liegen im Übrigen keine stichhaltigen Angaben und Belege
des Beschwerdeführers vor.
Aufgrund der vorhandenen Zweifel an der Richtigkeit der Zollanmeldung
und weil der Vorinstanz keine korrekten Wertangaben vorlagen, war sie
gemäss Art. 54 Abs. 4 MWSTG grundsätzlich berechtigt, eine Einschät-
zung nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen (erste Stufe).
3.2.2 Es fragt sich nun, ob die Vorinstanz die Bemessungsgrundlage im
Sinne von Art. 54 Abs. 4 MWSTG pflichtgemäss geschätzt hat (zweite
Stufe).
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Der angefochtene Entscheid hält auch der hier auf einer zweiten Stufe mit
der gebotenen Zurückhaltung vorzunehmenden Prüfung, ob ein Ermes-
sensfehler der Vorinstanz bei der fraglichen Schätzung erkennbar ist, ohne
Weiteres stand. Es ist sachgerecht, eine Schätzung des Marktwertes an-
hand des Originalinserates, den handschriftlichen Notizen des Beschwer-
deführers und den vorgefundenen Bank- bzw. Postbelege vorzunehmen.
Es bestehen zudem keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die ent-
sprechende Schätzung durch die Vorinstanz nicht pflichtgemäss vorge-
nommen worden ist.
Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid auch begründet, weshalb das Ab-
stellen auf das Originalinserat, die handschriftlichen Notizen des Be-
schwerdeführers und die weiteren Belege vorliegend zulässig ist. Die Vor-
instanz ging in der Folge aufgrund der Barabhebung und der Banküberwei-
sung von einem Marktwert von Euro 32'000.- aus. Damit hat sie rechtsge-
nügend dargelegt, auf welcher Grundlage sie die Schätzung vorgenommen
hat und wie sie bei der Ermittlung des Marktwertes von Euro 32'000.- me-
thodisch vorgegangen ist. Das Vorgehen erscheint auch als vernünftig und
zweckmässig.
3.2.3 Sind wie im vorliegenden Fall die Voraussetzungen einer ermessens-
weisen Ermittlung des Marktwertes erfüllt und verstösst diese nicht erkenn-
bar gegen Bundesrecht, obliegt es dem Beschwerdeführer, den Beweis für
die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen (dritte Stufe).
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe keine Euro 20'000.- in bar
bezahlt. Der Traktor sei stark gebraucht gewesen. Seiner Beschwerde legt
er eine Auflistung der Instandstellungskosten und Reparaturen bei, die er
in der Schweiz vorgenommen habe. Mit diesen Einwänden gelingt es dem
Beschwerdeführer jedoch nicht darzutun, dass die Schätzung der Vor-
instanz offensichtlich falsch ist. Zunächst sind die nach der Einfuhr angeb-
lich vorgenommenen Reparaturen nicht belegt. Doch selbst wenn diese
Reparaturen belegt wären, wäre damit noch kein tieferer Marktwert des
Traktors anlässlich der Einfuhr nachgewiesen.
3.2.4 Die von der Vorinstanz bestimmte Höhe der Nachforderung der Ein-
fuhrsteuer ist nach dem Ausgeführten nicht zu beanstanden. Die der Nach-
forderung zugrunde gelegte Schätzung der Bemessungsgrundlage wurde
vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten und seine übrigen Vor-
bringen erscheinen als nicht stichhaltig. Der Nachweis für die Unrichtigkeit
der Schätzung misslingt ihm damit.
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Seite 11
Die von der Vorinstanz bestimmte Höhe der Nachforderung ist nach dem
Ausgeführten nicht zu beanstanden.
4.
Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfahrens-
kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 600.- festzule-
gen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
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