Decision ID: c3c71b57-8fd0-533e-a5a7-fc457d3c1ff6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reisten am 22. Mai 2015 auf dem Luftweg legal
mit einem Schengen-Visum in die Schweiz ein. Am 6. Juli 2015 suchten sie
um Asyl nach. Am 14. Juli 2015 fand die Befragung der Beschwerdeführe-
rin zur Person (BzP) statt. Am 6. Februar 2017 wurde sie vertieft und am
14. September 2017 ergänzend zu ihren Asylgründen angehört.
Zu ihrem persönlichen Hintergrund gab die Beschwerdeführerin an, sie und
die Kinder seien iranische Staatsangehörige, persischer Ethnie und islami-
schen Glaubens. Sie stamme aus einer wohlhabenden Familie in Teheran,
wo sie auch zuletzt mit den Kindern und ihrem Ehemann gelebt habe. Letz-
teren habe sie im Jahr (...) geheiratet; er komme aus einer sehr religiösen
Familie in D._, sei als (...) und wohl auch für den Geheimdienst
tätig. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter habe sie ein Master-
studium in (...) absolviert. In ihrer Freizeit habe sie sich mit Freundinnen
getroffen und sei Teil einer Frauengruppe gewesen, welche regelmässig
frauenspezifische Themen diskutiert habe.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, aus Angst vor Verfolgung durch ihren Ehemann aus dem
Iran ausgereist zu sein. Dieser habe sie physisch, psychisch und sexuell
misshandelt. Sie habe befürchtet, bei einer Scheidung die Kinder zu ver-
lieren, und daher nichts unternommen. Nachdem ihr Ehemann von ihrer
ausserehelichen Beziehung zu einem Kommilitonen erfahren habe, sei er
ausser sich gewesen und habe Todesdrohungen gegen sie ausgespro-
chen. In der Folge habe er immer wieder Familienmitglieder von ihr beläs-
tigt. Ihren Bruder habe er zwei Mal festnehmen und zu ihrem Aufenthaltsort
befragen lassen. Sie selbst habe sich bis zur Ausreise einige Tage mit den
Kindern bei ihrer besten Freundin versteckt. Im Glauben, sie befände sich
noch im Iran, habe ihr Ehemann etwa einen Monat nach ihrer Ausreise
Ausreisesperren gegen sie und die Kinder erwirkt. Kopien der Anträge
dazu habe er ihrem Bruder bei einer der Festnahmen übergeben. Bei einer
Rückkehr in den Iran befürchte sie überdies Verfolgungsmassnahmen sei-
tens des iranischen Geheimdienstes. Um ihr zu schaden, habe ihr Ehe-
mann nämlich ein bereits ad acta gelegtes Verfahren gegen die Frauen-
gruppe, in der sie sich engagiert habe, neu aufrollen lassen. Deren Anfüh-
rerin sei wenige Monate vor ihrer Ausreise verhaftet und einige Tage fest-
gehalten worden. Auch habe ihr Ehemann in ihrem Namen Schulden bei
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einer iranischen Bank gemacht, um ihr anzulasten, sie habe wegen finan-
zieller Unterschlagung das Land verlassen. In der Schweiz besuchten sie
und die Kinder christliche Gottesdienste. Sie sei hier zudem eine neue Be-
ziehung mit einem Mann eingegangen.
Zum Nachweis ihrer Identität und zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die
Beschwerdeführerin insgesamt 40 Beweismittel zu den Akten, darunter
Passkopien und die Shenashnameh (im Original) von sich und ihren Kin-
dern, ihre Melli-Karte und die Shenasnameh des Ehemannes (in Kopie),
das Ehebüchlein, drei Antragsformulare für Ausreisesperren (in Kopie) und
Übersetzungen dieser Dokumente, des weiteren etwa Schul- und Ausbil-
dungsunterlagen, Fotos von Familienmitgliedern, Freundinnen und ihrer
Wohnung sowie ihrem Ehemann, Internetausdrucke betreffend Letzteren,
ärztliche Berichte, private Empfehlungsschreiben (vgl. für eine komplette
Übersicht die vorinstanzlichen drei Beweismittelcouverts SEM-act. A14,
A15 und A20).
B.
Am 5. April 2018 ersuchte das SEM die Schweizerische Botschaft in Tehe-
ran unter anderem um Überprüfung der Echtheit der Shenasnameh, der
Melli-Karte, des Ehebüchleins sowie der Anträge auf Ausreisesperren.
C.
Am 14. November 2018 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör zum Botschaftsbericht vom 13. Juni 2018, wobei es unter
Hinweis auf Geheimhaltungsinteressen den wesentlichen Inhalt der An-
frage sowie der Botschaftsantwort zusammengefasst zur Kenntnis brachte.
D.
Mit Schreiben vom 21. November 2018 nahm die Beschwerdeführerin zum
Abklärungsergebnis Stellung.
E.
Mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 – eröffnet am 6. Dezember 2018 –
verneinte das SEM ihre Flüchtlingseigenschaft und lehnte das Asylgesuch
der Beschwerdeführenden ab. Zugleich ordnete es ihre Wegweisung aus
der Schweiz an, wobei es den Vollzug zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme wegen Unzulässigkeit aufschob.
F.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 7. Januar 2019 erhoben
die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
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gegen diesen Entscheid und beantragten, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zu-
rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie um Beiordnung ihres Rechtsvertreters als unentgelt-
licher Rechtsbeistand. Der Beschwerde lagen neben einer Kopie des Asyl-
entscheids und einer Vollmacht ein Schreiben an die zuständige kantonale
Sozialbehörde sowie ein Zustellcouvert in Kopie bei.
G.
Am 11. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Be-
schwerdeführenden den Eingang der Beschwerde.
H.
Am 15. Januar 2019 ging dem Gericht eine Unterstützungsbedürftigkeits-
erklärung der zuständigen kantonalen Behörde zu.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2019 hiess die zuständige Instruk-
tionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ord-
nete den rubrizierten Rechtsanwalt als amtlichen Rechtsbeistand bei. Zu-
gleich lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
J.
Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2019 nahm das SEM zur Beschwer-
deschrift Stellung, wobei es festhielt, diese enthalte keine neuen erhebli-
chen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Änderung des Standpunktes
rechtfertigen könnten, und im Übrigen auf seine Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwies.
K.
Am 29. Januar 2019 wurde den Beschwerdeführenden die Vernehmlas-
sung zur Kenntnis gebracht.
L.
Mit Schreiben vom 1. Februar 2019 reichte der Rechtsvertreter eine Kos-
tennote zu den Akten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR
142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die
Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Im Sinne eines Eventualantrags begehren die Beschwerdeführenden die
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz wegen Ver-
letzung des Untersuchungsgrundsatzes. Die in diesem Zusammenhang er-
hobenen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation des
angefochtenen Entscheids führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
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3.2 Vorliegend rügt die Beschwerdeführerin, das SEM habe ihre Probleme
im Zusammenhang mit der Frauengruppe unvollständig überprüft. So habe
es sie nicht hinreichend dazu befragt, namentlich zum genauen Ablauf und
Inhalt der Treffen sowie dem Verhalten des Ehemannes. In der vertieften
Anhörung sei sie von der Befragerin unterbrochen worden. In der ergän-
zenden Anhörung hätten sich die Fragen darauf beschränkt, weshalb der
Ehemann das Verfahren wieder habe aufrollen wollen und weshalb sie bei
einer Rückkehr vom Geheimdienst gefährdet sei.
3.3 Dazu ist festzuhalten, dass die Vorbringen zur Frauengruppe in der ver-
tieften Anhörung Gegenstand mehrerer Fragen bildeten, wobei sich die Be-
schwerdeführerin bereits zum Inhalt und Ablauf der Treffen sowie dem Ver-
halten ihres Ehemannes äussern konnte (vgl. A13 F138-150). In der Be-
schwerdeschrift wird denn auch nicht vorgebracht, welche weitergehenden
Ausführungen die Beschwerdeführerin hätte machen können, die sie dort
und weiter in der ergänzenden Anhörung noch nicht hätte anbringen kön-
nen. Dass sie in der vertieften Anhörung unterbrochen wurde, war zudem
der fortgeschrittenen Zeit geschuldet. Schliesslich wurde eine ergänzende
Anhörung durchgeführt, an der sich die Beschwerdeführerin auch zu ihren
Vorbringen betreffend die Frauengruppe nochmals äussern konnte. Dass
sich das SEM in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle des
Ehemannes und eine allfällige Gefährdung durch den Geheimdienst kon-
zentrierte, ist ebenfalls nicht zu beanstanden, nachdem die Beschwerde-
führerin ihre Angaben zur Frauengruppe von sich aus in diesen Kontext
stellte, hingegen eine politische Implikation durch die Teilnahme in der
Frauengruppe explizit verneinte (vgl. etwa A13 F144). Es ist nicht Aufgabe
des SEM, die Aussagen einer asylsuchenden Person auf alle möglichen
asylrelevanten Gefährdungen zu überprüfen und zu hinterfragen. Nicht zu-
letzt hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin wiederholt in offenen Fra-
gen Gelegenheit gegeben, alle ihre Asylgründe vorzutragen (vgl. A13
F137, F151, F152; A19 F103, F105, F110). Damit ist sie ihrer Pflicht zur
richtigen und vollständigen Sachverhaltsfeststellung hinreichend nachge-
kommen.
3.4 Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge als unbegründet. Mithin fällt
die beantragte Rückweisung der Sache an das SEM ausser Betracht. Das
Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.
5.1 In seiner Verfügung erwog das SEM, die Asylvorbringen der Beschwer-
deführerin seien durchaus ausführlich ausgefallen und zeichneten sich teil-
weise durch einen hohen Detaillierungsgrad aus, was gesamthaft zu ihren
Gunsten zu werten sei. Mit Blick auf ihren hohen Bildungsgrad und den
damit einhergehenden überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten
wiesen die Ausführungen zum relevanten Kerngeschehen jedoch kaum in-
haltliche Qualitätsmerkmale auf, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein
tatsächliches Erleben zurückzuführen seien. Dafür sprächen mehrere Un-
stimmigkeiten, namentlich inkonsistente Angaben zur vorgebrachten Be-
ziehung mit einem Kommilitonen (BzP: Liebhaber, mit dem sie den Ehe-
mann betrogen habe; vertiefte Anhörung: keine sexuellen Kontakte, nur
Küsse und Umarmungen; ergänzende Anhörung: überwiegend platonisch,
Unterstützung beim Studium, guter Zuhörer und Geheimnisträger). Ange-
sichts der deutlichen Unterschiede in den Straffolgen für aussereheliche
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Beziehungen mit oder ohne sexuellen Kontakt habe von der Beschwerde-
führerin erwartet werden können, dass sie sich eindeutiger zu ihrer Bezie-
hung äussere. Umso mehr, als sie selbst ausgeführt habe, eine solche
würde mit dem Tod durch Steinigung bestraft, was einzig auf Ehebruch mit
vollzogenem Geschlechtsverkehr zutreffe. Es sei danach – auch aus Sicht
des Kommilitonen, welcher seinerseits verheiratet gewesen sei, aus
D._ stamme und ihren Ehemann ebenso wie dessen aufbrausen-
des Temperament gekannt habe – kaum nachvollziehbar, dass sie das er-
hebliche Risiko eingegangen sein wollen, sich regelmässig allein in der Fa-
milienwohnung und in der Wohnung eines Freundes von ihm zu treffen,
zumal sie sich weniger verfänglich an der Universität hätten sehen können.
Auf Vorhalt habe die Beschwerdeführerin auf ihre starken Gefühlen für ihn
verwiesen, wobei die Erklärung weder mit der angeblich platonischen Na-
tur noch mit dem abrupten Kontaktabbruch nach dem Auffliegen der Bezie-
hung in Einklang zu bringen sei. Dass sie sich bei ihm nicht hätte melden
können, weil sie das Mobiltelefon bei der Mutter zurückgelassen habe,
überzeuge angesichts der sich heute bietenden Möglichkeiten der Kontakt-
aufnahme nicht. Die Treffen in der Wohnung seien auch insoweit anzuzwei-
feln, als ihr Schwager über einen Schlüssel zur Wohnung verfügt, zur glei-
chen Zeit wie sie in Teheran studiert und zwei Mal pro Woche bei ihnen
übernachtet habe. Ihre Aussagen, der Schwager habe während des letzten
Treffens in der Wohnung sein Studium bereits beendet gehabt, seien mit
Widersprüchen zum tatsächlichen Zeitpunkt seines Abschlusses behaftet
(gemeinsam mit ihr Ablegung der Prüfungen, später Beendigung des Stu-
diums sechs Monate vor ihr). Auch die geäusserte Vermutung, ihr Ehe-
mann habe Kontakte zum Geheimdienst, sprächen gegen die Treffen in der
Wohnung. Überdies habe die Beschwerdeführerin signifikant widersprüch-
liche Angaben zur Häufigkeit der Treffen in der Familienwohnung gemacht
(vertiefte Anhörung: drei bis vier Mal; ergänzende Anhörung: wöchentliche
Treffen über sechs Monate). Weiter habe sie den Hintergrund des angeb-
lich letzten Treffens unterschiedlich dargestellt (BzP: noch einmal sehen
vor der Reise in die Schweiz; vertiefte und ergänzende Anhörung: Master-
abschluss zusammen feiern). Unstimmig erscheine ferner der Umstand,
dass ihr Ehemann sie nach dem Auffliegen der Beziehung und der Flucht
zu ihrer besten Freundin nicht habe aufspüren können, zumal er um ihre
Freundschaft gewusst und sogar deren Vater gekannt habe. Dies gelte wei-
ter für die Darstellung, er solle erst einen Monat nach ihrem Verschwinden
Ausreisesperren für sie und die Kinder erwirkt haben. Die späte Beantra-
gung verwundere umso mehr, als er von der beabsichtigten Reise in die
Schweiz gewusst haben müsse. Soweit sie auf Vorhalt eingewandt habe,
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er hätte ihr die Reise zwischenzeitlich verboten und aufgrund seiner Auto-
rität nicht damit gerechnet, sie setze sich über seinen Willen hinweg, dürfte
er angesichts der Ausnahmesituation (Auffliegen der ausserehelichen Be-
ziehung, bereits bei der Botschaft getätigte Vorbereitungshandlungen)
wohl eher mit einem Ausreiseversuch gerechnet haben. Die Schilderungen
zum mehrtägigen Aufenthalt bei ihrer Freundin erwiesen sich darüber hin-
aus als auffällig substanzarm (keine Angaben zum Verhalten der Kinder,
allfälligen Interaktionen mit diesen oder mit ihrer Freundin, zur Verabschie-
dung von der Mutter).
Abweichende Äusserungen fielen neben jenen zum Kernvorbringen auch
in Nebenpunkten auf, so zu ihrer Stellung im Unternehmen des Eheman-
nes (Verwaltungsratsmitglied nur auf dem Papier und aus rein finanziellen
Motiven; Arbeit lediglich in kleinem Umfang und von zuhause aus; demge-
genüber bei Botschaft vorgelegte Arbeitsbestätigung über Vollzeitbeschäf-
tigung im Unternehmen und im Lebenslauf Verweis auf zehnjährige Ar-
beitserfahrung als Verwaltungsratsmitglied und Leiterin der [...]). Weiter
seien ihre Angaben zur vollständigen finanziellen Abhängigkeit von ihrem
Ehemann anzuzweifeln (eigenständige Finanzierung einer Europareise mit
ihrer Schwester mit etwa 10'000 Dollar; 2'500 Dollar daheim bei überstürz-
ter Flucht aus der Wohnung; Kauf von Flugtickets im Wert von 1'000 Dollar
für Reise in die Schweiz ohne Wissen, ob sie diese antreten würde). Dass
sie keine finanziellen Probleme gehabt habe, widerspräche der dargestell-
ten finanziellen Abhängigkeit.
Die Mehrheit der eingereichten Beweismittel belege die Identität der Be-
schwerdeführerin, welche nicht in Frage gestellt werde. Die beantragten
Ausreisesperren liessen keine Rückschlüsse auf die Beweggründe des
Ehemannes zu. Weiter werfe der Umstand, dass die Beschwerdeführerin
in den Besitz dieser Antragsformulare gelangt sei, Zweifel an deren Echt-
heit auf, könne sie doch gemäss Botschaftsauskunft über diese nur verfü-
gen, wenn ihr Ehemann Kopien davon angefertigt und einer Drittperson
überlassen habe. Soweit sie ausgesagt habe, er habe sie ihrem Bruder bei
dessen Festnahme ausgehändigt, sei nicht nachvollziehbar, welchen Nut-
zen er aus diesem Vorgehen hätte ziehen sollen. Nicht zuletzt seien die
Beweismittel ganzheitlich zu würdigen und sei angesichts der erwähnten
Unstimmigkeiten die Echtheit der Antragsformulare zu bezweifeln.
Gesamthaft seien die Vorbringen zur Bedrohungslage seitens des Ehe-
mannes aufgrund einer ausserehelichen Beziehung als unglaubhaft zu er-
achten, weshalb deren Asylrelevanz nicht mehr geprüft werden müsse. In
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der Folge sei auch den darauf beruhenden Verfolgungsvorbringen (Verfah-
ren des iranischen Geheimdienstes wegen ihrer Teilnahme an der Frauen-
gruppe, Bankschulden auf ihren Namen) die Grundlage für die Glaubhaf-
tigkeit entzogen. Mangels erforderlicher Intensität würden entsprechende
befürchtete Nachteile ohnehin nicht die Flüchtlingseigenschaft begründen.
Die Beschwerdeführerin habe weiter selbst betont, die erlittene häusliche
Gewalt sei nicht ausschlaggebend für ihre Ausreise gewesen. Damit fehle
es am erforderlichen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und
Flucht. Weiter wolle sie sich von ihrem Ehemann scheiden lassen, weshalb
sie bei einer Rückkehr nicht wieder von ihm aufgenommen würde. Die Be-
fürchtung, erneut häuslicher Gewalt ausgesetzt zu werden, sei demnach
zu wenig konkret. Sodann habe sie sich seit der Eheschliessung im Jahr
2000 bis zu ihrer Ausreise 2015 nie an (nicht-)staatliche Anlaufstellen für
Opfer häuslicher Gewalt gewandt, obgleich von ihr zumindest Erkundigun-
gen über bestehende Schutzmöglichkeiten zu erwarten gewesen wären.
Ihr Einwand, sie habe sich gefürchtet, das Sorgerecht für ihre Kinder zu
verlieren, vermöge daran nichts zu ändern. Da sie nie um Schutz ersucht
habe, lägen folglich keine hinreichenden Hinweise dafür vor, die iranischen
Behörden würden ihr diesen tatsächlich verwehren. Entsprechendes habe
im Falle befürchteter Verfolgungsmassnahmen durch den Ehemann bei ei-
ner Scheidung zu gelten. Auch wenn diese in der iranischen Gesellschaft
teilweise noch stark missbilligt würde, sei nicht anzunehmen, dass ihr aus
ihrem familiären Umfeld asylrelevante Nachteile drohten (Unterstützung
der Familie bei der Ausreise; Bruder ebenso geschieden). Es bestünden
auch keine Hinweise, dass ihr Ehemann von einer in der Schweiz neu ein-
gegangenen Beziehung erfahren habe und ihr deshalb im Iran Verfol-
gungsmassnahmen drohten. Überdies habe sie nichts Entsprechendes
geltend gemacht.
Hinsichtlich der Besuche christlicher Gottesdienste in der Schweiz, habe
sie schliesslich ebenso nicht vorgebracht, bei einer Rückkehr in den Iran
einer religiös motivierten Verfolgung ausgesetzt zu werden. Abgesehen da-
von weise sie kein entsprechendes Risikoprofil aus (potentielle Gefähr-
dung nur bei exponierter Stellung oder Funktion der konvertierten Person,
in der sie sich aktiv für die Verbreitung der neuen Religionsüberzeugung
einsetzt und zusätzlich gegen staatliche Interessen handelt; auffällige re-
gierungsfeindliche Haltung vor der Ausreise). Insgesamt seien ihre weite-
ren Vorbringen nicht als asylrelevant zu erachten, weshalb die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllt und das Asylgesuch abzulehnen sei.
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5.2 In der Beschwerdeschrift wandte die Beschwerdeführerin dagegen un-
ter Verweis auf die Aussagen in den Anhörungen ein, ihre protokollierten
Angaben seien von einer Vielzahl Realkennzeichen geprägt, was auf ein
tatsächliches Erleben hindeute (direkte Rede – mit Hinweis auf A13 F60,
F63, F67, F80; A19 F50; Interaktionsschilderungen). Weiter sei stossend,
dass das SEM von einer rein platonischen Beziehung ausgehe, nur weil es
nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Sie hätten sich intim be-
rührt, weshalb von einer Liebesbeziehung auszugehen sei (mit Hinweis auf
A19 F39). Diese sei zudem im stark religiösen Kontext des Irans zu sehen.
Abgesehen davon hätte auch eine platonische Beziehung gefährliche Kon-
sequenzen nach dem Auffliegen gehabt. Die Strafe bei einer aussereheli-
chen Beziehung ohne Geschlechtsverkehr (99 Peitschenhiebe) sei eben-
falls unmenschlich. Aufgrund des grossen Einflusses des Ehemannes sei
davon auszugehen, dass die höhere Strafandrohung gewählt würde. Die
gegenseitige Zuneigung hätten sie und der Kommilitone des Weiteren nicht
an der Universität ausleben können, sondern nur im Geheimen, wie eben
in der Wohnung. Das eingegangene Risiko sei zudem nachvollziehbar, da
Liebe bekanntlich nicht rational sei. Sie habe den Kontakt zum Kommilito-
nen auch nicht wieder aufgenommen, um ihn nicht in Gefahr zu bringen.
Ferner sei die Beziehung in der damaligen Situation zu sehen, in welcher
sie sehr unglücklich gewesen sei. Der Schwager habe zwar im gleichen
Jahr wie sie zu studieren begonnen, aber an einer anderen Universität und
ein Semester vor ihr. Er habe daher sechs Monate früher das Studium be-
endet, weshalb ihre Angaben nicht widersprüchlich seien. Sie habe ange-
sichts dessen nicht mit seinem Erscheinen in der Wohnung gerechnet. Zu-
dem sei die Beziehung zum Kommilitonen erst nach dem Studienabschluss
des Schwagers sehr intensiv geworden. Der vermutete Kontakt des Ehe-
manns zum Geheimdienst spreche nicht gegen die Treffen in der Woh-
nung, zumal er damals nichts davon gewusst habe und die Wohnung folg-
lich nicht überwacht worden sei. Weiter seien die Angaben zur Anzahl der
Treffen frei von Widersprüchen. Einmal habe sich ihre Antwort (drei bis vier
Mal) auf die Frage bezogen, wie oft sie sich zuhause bei ihr getroffen hät-
ten, während sonst die Rede davon gewesen sei, wie oft sie sich insgesamt
trafen (fast wöchentlich). Sie habe auch erwähnt, dass sie sich wegen des
hohen Risikos nicht so oft bei ihr zu Hause gesehen hätten. Sodann sei es
nicht als widersprüchlich zu bezeichnen, dass sie zwei Gründe für das
letzte Treffen angab. Ihr Ehemann habe nach dem Auffliegen der Bezie-
hung nicht gewusst, dass sie sich bei der Freundin aufgehalten habe. Er
habe auch ihre Adresse nicht gekannt. Den Vater der Freundin habe er
einfach gekannt, weil er ein reicher Teppichhändler in D._ gewesen
sei. Die Freundin habe aber in Teheran gelebt. Ferner habe der Ehemann
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Kenntnis von den Reiseabsichten und von einem ersten Termin bei der
Botschaft gehabt, nicht aber, dass sie am 17. Mai 2015 ein zweites Mal auf
der Botschaft gewesen sei und die Visa erhalten habe. Folglich habe er
nicht wissen können, dass alles für die Ausreise bereit gewesen sei. Des
Weiteren sei offensichtlich, dass es dem Ehemann mit der Übergabe der
Antragsformulare für die Ausreisesperren darum gegangen sei, sie unter
Druck zu setzen und vor allem eine Flucht zu verhindern. Die Anträge wie-
sen gemäss Botschaftsauskunft auch keine offensichtlichen Fälschungs-
merkmale auf, weshalb ihre Echtheit nicht einfach mit der späten Ausstel-
lung verneint werden könne. Sie habe überdies Interaktionsschilderungen
und das Verhalten der Kinder während des Aufenthalts bei der Freundin
beschrieben. Es sei angesichts des enormen psychischen Drucks in die-
sen Tagen zudem nachvollziehbar, dass sie traumatisiert gewesen sei und
nicht so detaillierte Angaben habe machen können. Weiter seien die beiden
Anhörungen zeitlich sehr lang und eine starke emotionale Belastung für sie
gewesen; sie habe während der Befragungen Tabletten genommen. Auch
die Hilfswerkvertretung in der vertieften Anhörung habe auf die lange
Dauer und ihre Müdigkeit hingewiesen. Sodann habe der Ehemann ihr im
Hinblick auf die geplante Reise in die Schweiz eine falsche Arbeitsbestäti-
gung zur Vorlage bei der Botschaft ausgestellt. Aus dem Lebenslauf ergä-
ben sich ebenso keine Unstimmigkeiten, zumal sie die angegeben Funkti-
onen in ihrem Bachelor- und Masterstudium erlernt habe. Es träfe auch zu,
dass sie keine finanziellen Probleme gehabt habe. Ihr Ehemann sei wohl-
habend gewesen und habe ihr jeden Monat Geld gezahlt, wovon sie jeweils
einen gewissen Betrag für Ersparnisse zur Seite gelegt habe. Davon habe
sie auch den grössten Teil der Flucht gezahlt. Ihre Vorbringen zur Bedro-
hung durch den Ehemann wegen der ausserehelichen Beziehung seien
demnach als glaubhaft zu erachten. Angesichts dessen habe sie bei einer
Rückkehr in den Iran mit Verhaftung und unmenschlicher Bestrafung we-
gen Ehebruchs zu rechnen. Zudem lägen weitere Verfolgungsmotive vor.
Mit ihrer Aktivität in der Frauengruppe, welche zwar nicht explizit politisch
aktiv gewesen sei, aber sich kritisch zu gesellschaftlichen und frauenspe-
zifischen Themen geäussert habe, laufe sie mit dem durch ihren Ehemann
neu aufgerollten Verfahren Gefahr, aus politischen Gründen ins Visier des
Geheimdienstes zu geraten. Aufgrund ihrer Konversion zum Christentum
sei zudem von einer religiös motivierten Verfolgung und namentlich einem
Verhör durch die Behörden bei ihrer Rückkehr auszugehen. Schliesslich
drohe ihr frauenspezifische Verfolgung als Opfer häuslicher Gewalt und
von diskriminierenden Rechtsvorschriften (99 Peitschenhiebe wegen aus-
serehelicher Beziehung). Gemäss Rechtsprechung bestünden keine hin-
reichenden Anhaltspunkte, dass Opfer von sexueller Gewalt im Iran effektiv
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Schutz und Unterstützung erhielten. Erschwerend komme hinzu, dass ihr
Ehemann sehr einflussreich sei, weshalb eine Kontaktaufnahme bei An-
laufstellen für Opfer häuslicher Gewalt sowie die Einreichung einer Schei-
dung gar nicht in Frage gekommen seien.
6.
6.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nach-
zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
6.2
6.2.1 Wie schon von Vorinstanz festgehalten fielen die Schilderungen der
Beschwerdeführerin teilweise durchaus detailliert aus. Dabei ist gerade
nicht in Abrede zu stellen, dass die Vorbringen zum fluchtauslösenden Er-
eignis – der behaupteten Aufdeckung einer ausserehelichen Beziehung zu
einem Kommilitonen – auch gewisse Realkennzeichen beinhalten, wie in
der Beschwerdeschrift eingewandt. Im Weiteren überwiegen jedoch die
Unstimmigkeiten, welche von der Vorinstanz mit überzeugender Begrün-
dung im angefochtenen Entscheid herausgearbeitet wurden. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann auf die dort erwähnten Widersprüche und
unschlüssigen Angaben in den Aussagen der Beschwerdeführerin verwie-
sen werden, wobei zu erwähnen ist, dass sie diese auf Vorhalt und zumal
in zwei vertieften Anhörungen nicht ausräumen konnte (vgl. oben E. 5.1).
6.2.2 Es gelingt ihr auch im Weiteren auf Beschwerdeebene nicht, der vor-
instanzlichen Einschätzung stichhaltige Argumente entgegenzusetzen.
Ihre ebenfalls sehr umfassenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift
erschöpfen sich im Wesentlichen in Wiederholungen und Hinweisen auf
bereits getätigte Aussagen in den Anhörungen und zielen vielfach lediglich
auf deren nachträglich andere rechtliche Beurteilung ab, mit der sie jedoch
nicht durchdringt. Dass eine platonische Beziehung etwa für sich ebenso
erhebliche Konsequenzen hätte zur Folge haben können, vermag nichts
an der zutreffenden Einschätzung des SEM zu ändern, dass die Beschwer-
deführerin ihre vermeintliche Beziehung zu einem Kommilitonen im Verlauf
der Anhörungen zunehmend abschwächte. Ebenso wenig kann der Ein-
wand, Liebe sei nicht rational und die Beschwerdeführerin sei in der dama-
ligen Situation sehr unglücklich gewesen, das erhebliche Risiko der Entde-
ckung in der familiären Wohnung erklären, dies umso mehr unter Einbezug
der Angaben zum Schwager (Schlüssel für die Wohnung) und der vermu-
teten Tätigkeit des Ehemannes beim Geheimdienst. Die Erläuterungen in
der Beschwerdeschrift zu den widersprüchlichen Aussagen zum Zeitpunkt
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des Studienabschlusses des Schwagers sind als offensichtlich nachge-
schoben zurückzuweisen. Bei einer Tätigkeit im Geheimdienst ist zudem
nicht ausgeschlossen, dass die Wohnung der eigenen Mitarbeitenden auch
ohne Verdacht überwacht wird und entsprechende Treffen mit dem Kom-
militonen aufgefallen wären. Des Weiteren verwundern die Aussagen, die
Nachbarn sollen nie etwas von den Besuchen mitbekommen haben, und
dass die Beschwerdeführerin mit ihnen trotz des mehrjährigen Aufenthalts
dort auch nicht bekannt gewesen sein will. Dass ihr Bruder und ihr Neffe
sie des Öfteren besucht haben sollen, vermag weiter nicht als Begründung
zu verfangen, dass weiterer Herrenbesuch in der Nachbarschaft – unter
Berücksichtigung des iranischen Kontexts – nicht aufgefallen sein und
nicht interessiert haben soll (vgl. dazu A13 F75).
6.2.3 Die nachträgliche Plausibilisierung der unterschiedlichen Gründe für
den letzten Besuch des Kommilitonen vermag das Gericht ebenfalls nicht
zu überzeugen. Dabei ist der Beschwerdeführerin des Weiteren vorzuhal-
ten, dass auf den gleichen Tag wie der Abschluss ihrer Masterarbeit, an
dem sie vom frühen Morgen an mit dem Kommilitonen zusammen an der
Universität gewesen sein will, und ihrer behaupteten kleinen Feier in ihrer
Wohnung etwas später, laut den Angaben in der Beschwerdeschrift auch
ihr Besuch an der Botschaft stattgefunden haben soll (17. Mai 2015), bei
dem sie die Visa für die Reise in die Schweiz erhielt. Weder den Anhö-
rungsprotokollen noch den Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind
Angaben dafür zu entnehmen, wie sich diese verschiedenen Ereignisse
zeitlich zugetragen haben sollen und miteinander vereinbar sind. Es ent-
steht vielmehr der Eindruck, die Beschwerdeführerin habe den Erhalt der
Visa als Datum für eine Aufdeckung ihrer – allenfalls in Teilen auf wahren
Tatsachen beruhenden – Nähebeziehung zu einem Kommilitonen benannt.
Dafür spricht auch der angebliche abrupte Kontaktabbruch und der Um-
stand, dass dieser trotz bestehender Möglichkeiten nicht wieder aufgenom-
men wurde. Dass die Beschwerdeführerin den Kommilitonen habe schüt-
zen wollen, ist in der Tat mit ihren erklärten starken Gefühlen kaum zu er-
klären, gerade wenn ihre Liebe nicht rationalen Überlegungen gefolgt sein
soll. Vielmehr deutet ihr Aussageverhalten auf eine Schutzbehauptung hin.
6.2.4 Des Weiteren kann sich das Gericht in keiner Weise der Einschät-
zung anschliessen, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin nicht bei
der Freundin habe finden können, und erst recht nicht, dass er erst einen
Monat nach ihrer Ausreise eine Ausreisesperre beantragt haben soll. Dabei
kann bereits auf die vorinstanzliche Kritik verwiesen werden, wie die Be-
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schwerdeführerin in den Besitz der entsprechenden Antragsformulare ge-
langt sein soll und ob diese echt sind. Unter Berücksichtigung der einläss-
lichen Schilderungen der Beschwerdeführerin zum aufbrausenden Wesen
und Verhalten ihres Ehemannes in ihrer (...)-jährigen Beziehung und erst
recht bei Kenntnis von der behaupteten ausserehelichen Beziehung sowie
angesichts seines erheblichen Einflusses im Iran wäre abgesehen davon
zu erwarten gewesen, dass er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel
nutzt, um den Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin ausfindig zu machen
und – wie auch vom SEM eingewandt – die Ausreisesperren umgehend
beantragt, selbst unabhängig vom Wissen über eine bevorstehende Reise
in die Schweiz. Es erscheint dabei auch naheliegend, dass er – allenfalls
über die Familienmitglieder der Beschwerdeführerin, welche er wiederholt
belästigt haben soll – ihren Aufenthalt eruiert und sich um die Adressen
ihrer Freundinnen bemüht hätte. Nicht zuletzt erscheint bezeichnend, dass
er die beste Freundin der Beschwerdeführerin gekannt und sie beim er-
zwungenen Sex gar beim Namen genannt haben soll, was auf eine grös-
sere Bekanntschaft der beiden schliessen lässt, als von der Beschwerde-
führerin vorgetragen. Auffällig ist überdies, dass in der Beschwerdeschrift
gerade im Hinblick auf die zentrale Situation kurz vor der Ausreise, als sie
sich bei der Freundin aufgehalten haben will, auf die enorme Belastungs-
situation und traumatische Erfahrung der Beschwerdeführerin rekurriert
wird, um die wenig substantiierten Angaben zu dieser Zeit zu erklären.
6.2.5 Schliesslich sind den beim SEM eingereichten Beweismitteln über
die Bestätigung der Identität hinaus in der Tat keine weiteren Hinweise zu
entnehmen, welche die vorgenannten Vorbringen der Beschwerdeführerin
stützen könnten.
6.2.6 Nach dem Gesagten vermag die Beschwerdeführerin die Einwände
des SEM an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen betreffend eine Bedro-
hung durch ihren Ehemann aufgrund einer ausserehelichen Beziehung mit
einem Kommilitonen nicht auszuräumen. Es erübrigt sich demnach, auf die
weiteren Erläuterungen in der Beschwerdeschrift zu den Unstimmigkeiten
im Hinblick auf ihre tatsächliche Funktion im Unternehmen des Ehemannes
und ihre finanzielle Situation einzugehen, ganz abgesehen davon, dass
diese weitere Fragen namentlich an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen las-
sen und an ihrer Bereitschaft, gegenüber den schweizerischen Behörden
generell die Wahrheit sagen zu wollen. Darüber hinaus kann zu diesen Ne-
benpunkten ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwie-
sen werden.
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6.3 Mit der Vorinstanz ist in der Folge weiter einig zu gehen, dass die Vor-
bringen zum neu aufgerollten Verfahren gegen die Beschwerdeführerin be-
treffend ihrer Beteiligung an einer Frauengruppe sowie zur Aufnahme von
Bankschulden in ihrem Namen, jeweils veranlasst durch ihren Ehemann,
um ihr zu schaden, nicht glaubhaft erscheinen. Den eingereichten Fotos
mit ihren Freundinnen sind darüber hinaus keine Hinweise zu entnehmen,
dass es sich um eine politisch aktive Gruppe handelte, deren Anführerin
noch dazu einmal festgenommen wurde. Die entsprechenden Vorbringen
der Beschwerdeführerin dazu stellen lediglich unbewiesene Behauptungen
dar. Dies gilt gleichermassen für das gegen sie angestrengte, wieder ein-
gestellte und auf Veranlassung ihres Mannes wieder neu aufgerollte Ver-
fahren. Noch dazu gab sie von sich aus an, dass die Gruppe nicht politisch
aktiv gewesen sei. Soweit auf Beschwerdeebene dargelegt wird, dass es
auf die Sichtweise der verfolgenden Behörden ankomme, ist dies aus asyl-
rechtlicher Perspektive zwar zutreffend. Den Akten sind aber keine An-
haltspunkte dafür zu entnehmen, dass ein Verfahren gegen sie nunmehr
läuft und sie deswegen bei einer Rückkehr erhebliche Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Die vorstehenden Ausführungen gel-
ten im Hinblick auf die vermeintlichen Bankschulden und eine allfällige
strafrechtliche Verfolgung deswegen sinngemäss.
6.4 Das Gericht stellt angesichts der diesbezüglichen einlässlichen Aussa-
gen in den Anhörungen sodann mit der Vorinstanz nicht in Frage, dass die
Beschwerdeführerin offensichtlich Opfer häuslicher Gewalt durch ihren
Ehemann wurde. Wie das SEM aber bereits zutreffend festhielt, waren die
Misshandlungen der Beschwerdeführerin durch ihren Ehemann nach eige-
nem Bekunden gar nicht ausschlaggebend für ihre Ausreise, womit es am
erforderlichen Kausalzusammenhang fehlen dürfte. Abgesehen davon sind
auch die Erwägungen des SEM zur Schutzfähig- und -willigkeit der irani-
schen Behörden zu bestätigen. Dabei wird nicht in Abrede gestellt, dass
die Angst vor dem Verlust ihrer Kinder und die dargestellte Machtposition
ihres Ehemannes die Beschwerdeführerin in gewissem Masse gehemmt
haben dürften, Schutz in Anspruch zu nehmen. Zu berücksichtigen ist je-
doch, dass sie sich in ihrer (...)-jährigen Beziehung gleichwohl nie auch
nur über mögliche Schutzangebote informiert haben will, obschon ihr dies
– zumal im etwas offeneren Teheran, angesichts ihres Bildungsgrads und
ihrer privilegierten gesellschaftlichen Stellung – durchaus zuzumuten ge-
wesen wäre. Des Weiteren geht das Gericht in seiner neueren Rechtspre-
chung – entgegen der Behauptung in der Beschwerdeschrift – grundsätz-
lich von der Schutzfähigkeit und -bereitschaft der iranischen Behörden ge-
genüber Frauen in Bedrängnis und namentlich bei häuslicher Gewalt aus
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(vgl. Urteile des BVGer E-4643/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 6.1 und
E-899/2020 vom 11. März 2020 E. 7.3).
6.5 Schliesslich ist im Hinblick auf allfällige Verfolgungsmassnahmen durch
den Ehemann im Falle einer Scheidung auf die zutreffende Beurteilung des
SEM zu verweisen. Dem wurde in der Beschwerdeschrift nichts entgegen-
gehalten.
7.
Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich eine begründete Furcht vor
Verfolgung bei einer Rückkehr in den Iran aufgrund ihrer in der Schweiz
eingegangenen ausserehelichen Beziehung sowie der Konversion zum
Christentum behauptet, macht sie subjektive Nachfluchtgründe geltend.
Solche können zwar grundsätzlich die Flüchtlingseigenschaft begründen,
führen aber zum Asylausschluss (vgl. Art. 3 Abs. 4, Art. 54 AsylG). Unge-
achtet dessen ist vorliegend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die
erwähnten Umstände nicht von sich aus in den Anhörungen, sondern erst
in der Beschwerdeschrift als Grund für eine begründete Furcht angab,
nachdem das SEM sich dazu unter umfassender Berücksichtigung der Ak-
tenlage in seinem Entscheid äusserte. Bereits insoweit sind Zweifel an ei-
ner subjektiven Furcht vor Verfolgung angebracht. Nicht zuletzt kann aber
auch hier auf die zutreffende Einschätzung des SEM verwiesen werden,
wonach der Ehemann der Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage von der
Beziehung in der Schweiz nichts erfahren hat. Ebenso ist zu bestätigen,
dass es für die Annahme einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung bei Kon-
version nicht nur der Kenntnis der iranischen Behörden, sondern auch ei-
nes exponierten Risikoprofils der betroffenen Person bedarf, welches die
Beschwerdeführerin offensichtlich nicht erfüllt. Dem hat sie in ihrer Be-
schwerdeschrift nichts Substanzielles entgegenhalten können, was eine
andere Einschätzung rechtfertigen könnte.
8.
Gesamthaft konnte die Beschwerdeführerin keine Furcht vor asylrelevanter
Verfolgung im Iran glaubhaft machen. Ebenso wenig ist davon auszuge-
hen, dass sie – auch im Hinblick auf subjektive Nachfluchtgründe – ihr bei
einer Rückkehr in den Iran Verfolgung drohen könnte. Das SEM hat danach
zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden abgelehnt.
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Seite 18
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
10.2 Das SEM ordnete in seiner Verfügung vom 5. Dezember 2018 die vor-
läufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz aufgrund Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs an, weshalb sich weitere Ausfüh-
rungen dazu erübrigen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; 2009/51 E. 5.4).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 23. Januar 2019 die unentgeltlichen Rechtspflege ge-
währt wurde und den Akten keine Veränderung ihrer finanziellen Verhält-
nisse zu entnehmen ist, haben sie vorliegend keine Verfahrenskosten zu
tragen.
12.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsanwalt als amtlicher Rechtsbeistand
beigeordnet wurde, ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs
des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war
(vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). In der Kostennote vom 1. Februar 2019 machte er
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einen Aufwand von 10.16 Stunden zu Fr. 300.– sowie Auslagen in Höhe
von Fr. 50.– geltend. Das Gericht geht bei amtlicher Vertretung praxisge-
mäss von einem Stundenansatz von Fr. 200.- bis Fr. 220.- für anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE),
weshalb der geltend gemachte Aufwand in finanzieller Hinsicht zu kürzen
ist. In zeitlicher Hinsicht erscheint er angemessen. Das amtliche Honorar
ist danach gerundet auf Fr. 2290.– (10.16 Stunden à Fr. 220.– zuzüglich
Auslagen) festzusetzen und dem Rechtsvertreter zu Lasten der Gerichts-
kasse auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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