Decision ID: f31057a4-aba2-4a72-bd21-9aef1e34e9d9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956, war seit dem 1. März 1999 im Bereich Nachtbetreuung im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
bei der
Y._
,
tätig
und
über diese
bei der
VAUDOISE ALLGEMEINE
Ver
sicherungs-Gesellschaft AG
(
Vaudoise
) gemäss dem
Bundesgesetz über die Un
fallversicherung (UVG)
gegen Unfälle, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten versichert
(
Urk.
8/1)
, als
sie sich am 2
6.
Mai 2015 den rech
ten Fuss übertrat beziehungsweise vertrat (
Urk.
8/1). Dabei zog sie sich eine Distorsion ihres rechten oberen Sprunggelenks zu
(Urk. 8/
2
).
Nach
getätigten
Abklärungen
stellte
die
Vaudoise
mit Verfügung
vom
2
6.
Juni 2015 (
Urk.
8/6)
fest, dass es sich beim Ereignis vom 2
6.
Mai 2015 mangels eines ungewöhnlichen, äusseren Faktors nicht um ein Unfallereignis gehandelt habe,
und auch keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege
und verneinte
eine Leistungspflicht für die Folgen
dieses
Ereignisses
.
Die
von
d
er
Versicherten am
1.
Juli 2015
dagegen erhobene
Einsprache (
Urk.
8/8) wies die
Vaudoise
mit Ent
scheid vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
8/1 =
Urk.
2)
ab.
2.
Die
Versicherte erhob am
2
9.
Juli 2015
Beschwerde gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom
2
8.
Juli 2015
(Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, dieser sei aufzu
heben und es seien
ihr
für die Folgen des
Ereignis
ses
vom
2
6.
Mai 2015
Versi
che
rungsleistungen zu
zu
sprechen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
3
1.
August 2015
(Urk. 7) beantragte die
Vaudoise
die Ab
weisung der Beschwerde. Dies wurde
der
Beschwerdeführer
in
am
7.
September 2015
zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das
Be
griffsmerkmal
der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine
Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusse
ren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100
E. 2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das
Er-for
dernis
der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aus
senwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körper-bewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen
un
-koordinier
ten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten
Pro
grammwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275,
Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
1.5
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
vollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Beste
hen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
1.6
Die leistungsansprechende Person hat daher
das Vorliegen eines Unfalles bezie
hungsweise die Unfreiwilli
gkeit der Schädigung nachweisen, wobei ihr
in dem vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess keine subjektive Beweisführungslast im Sinne von
Art.
8
des Zivilgesetz
buches (
ZGB
) obliegt
. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge
bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungs
grundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre
chen. Als Indizien, mit welchen
ein
behauptete
r, von keinen
Zeugen beobach
tete
r
Unfall nachgewiesen werden kann, fallen vorab der Zeitpunkt und das Motiv der Unfallmeldung, die Zeitspanne zwischen Ereignis und Meldung sowie die Anamnese, namentlich ob diese frühere gleiche oder analoge
Gesund
heits
störungen
enthält, die erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krank
heiten auftreten können, in Betracht. Von erheblicher Bedeutung für die
Be
weiswürdigung
ist auch, ob die erste Schilderung des Unfallgeschehens mit späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können, in wesentlichen Punkten übereinstimmt.
1.7
Der mangelnde Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erfüllenden Ereignis
ses lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen.
Den m
edi
zinischen Erkenntnissen bezüglich der traumatischen oder pathologischen Ursa
chen eines
Gesundheits
schadens
kommt im Rahmen der Beweiswürdigung von unklaren
Unfallsach
verhalten
indes
die Bedeutung von Indizien zu (Urteile des Bundesgerichts 8C_727/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.2 f.
,
U 161/04 vom 3
0.
November 2004
und U 117/02 vom 9. Mai 2003 E. 1
;
RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 E
. 2). Dabei
gilt es
zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis schliesst zwar eine pathologische Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigentlichen Unfall im Rechtssinne auch Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlich
keit und/oder der Plötzlichkeit abgeht (
Urteil des Bundesgerichts U 236/98 vom
3.
Januar 2000 E. 2d).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist
vorliegend
die Frage, ob es sich beim Ereignis vom
2
6.
Mai 2015
um einen Unfall im unfallversicherungsrechtlichen Sinne ge
han
delt hat.
2.2
Die Beschwerdeführerin beschrieb
im
von ihr ausgefüllten und unterzeichneten Formular „Schadenmeldung UVG“ vom
1.
Juni 2015 (
Urk.
8/1)
den Unfall mit:
„
Fuss übertreten
“
u
nd notierte zur Tätigkeit zur Zeit des Unfalles:
„Gehen auf Fussweg“.
2.3
Der die Beschwerdeführerin am 2
9.
Mai 2015 erstbehandelnde
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
beschrieb in seinem
(
undatierten
)
Bericht betreffend die Erstbehandlung das Ereignis folgendermassen (
Urk.
8/2):
„
Am ersten Ferientag
Misstritt
mit dem rechten Fuss vor ihrem Haus. Sofort einschiessende Schmerzen im Bereich des rechten Sprunggelenks mit Schwel
lung
.“
2.4
Im „Fragebogen Unfallbegriff“ erwähnte die Beschwerdeführer
in
am 1
8.
Juni 2015, dass sich das Ereignis vom 2
6.
Mai 2015 beim „Laufen unter normalen Umständen“ ereignet habe und führte zum Ereignishergang das Folgende aus:
„
Fuss auf Gehweg übertreten am ersten Ferientag.“
2.5
PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates
, stellte in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2015 (
Urk.
8/9a =
Urk.
3/4/1) fest, dass die Beschwerdeführer
in
den folgenden
Ereig
nishergang
angegeben habe:
„
(...) Auf dem Heimweg vom Container hatte sie sich in einer Unebenheit den Fuss
vertrampt
(...).“
Am 1
1.
Juli 2015 (
Urk.
8/9 =
Urk.
3/3) präzisierte PD
Dr.
A._
, dass die Beschwer
deführerin „in ein Loch getrampt“ beziehungsweise in eine
Bo
denunebenheit
getreten sei
, welche sie nicht gesehen habe
, und dass sie
si
c
h dabei eine schwere OSG-Distorsion zugezogen habe.
3.
3.1
Die erwähnten Schilderungen des Ereignishergangs enthalten teilweise Abwei
chungen
im Wortlaut
.
D
er Ereignishergang wurde darin entweder mit
den Wor
ten
„den Fuss übertreten“ (vorstehend E.
2.2
), „
Misstritt
mit dem rechten Fuss
“ (vorstehend E.
2.3
),
„
Fuss auf Gehweg übertreten
“
(vorstehend E.
2.4
),
oder mit
„
Fuss
vertrampt
“
(vorstehend E.
2.5
) umschrieben.
3.2
Gemäss dem Wörterbuch Duden
Online
(www.duden.de)
hat das Verb „sich den Fuss übertreten“ die Bedeutun
g von „sich den Fuss vertreten“,
wobei dies wiede
rum bedeutet
„
sich durch ungeschicktes Auftreten, Stolpern
oder Ähnliches
eine
Zerrung oder Verstauchung am Fuss
zuziehen
“.
Ein
Misstritt
hat gemäss dem Du
den die Bedeutung von einem Fehltritt oder einem Stolper, wobei es sich bei ei
nem Fehltritt um einen,
fa
lschen, ungeschickten
Tritt
handelt. Schliesslich han
delt es sich beim Verb „
vertrampen
“ um einen Begriff
des
schweizerdeutschen
Di
alekt
s
, dem die Bedeutung von „die Füsse vertreten“ zukommt (vgl. www.
sinonimos-online.com
).
3.3
Nach Gesagtem
steht fest, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zum
Ereignis
hergang
von ihrem inhaltlichen Gehalt her
keine wesentlichen Wider
sprüche aufweisen und
als
glaub
würdig erscheinen. Da sodann
keine gewichtigen Indizien vorliegen, die ernst
hafte Zweifel an ihrer Rich
tigkeit zu begründen ver
möchten, kann insoweit vorliegend darauf abgestellt werden.
Gestützt auf die
sinngemäss übereinstimmenden Aussagen der Beschwerdeführer
in
zum
Ereignis
hergang
ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
sich
anlässlich des Ereignisses vom 2
6.
Juni 2015
den
rechten Fuss vertreten
hat
, beziehungs
weise
dass sie
einen Fehltritt im Sinne eines ungeschickten
Auftreten
s
, Stolpern
s
oder Ähnlichem
erlitt
.
4.
4.1
Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungew
öhnlichen äusseren Faktors kann, wie erwähnt (vorstehend E.
1.4
),
in einer un
koordinierten Bewe
gung bestehen, wobei der
ungewöhnliche äussere Faktor in solchen Fällen darin
liegt
, dass die körperliche Bewegung durch etwas
„
Programmwidriges" gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person
stolpert, aus
gleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn
sie
, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420, U 114/97 E. 2b mit Hinweisen). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1
; Urteil des Bundesgerichts
8C_749/2008
vom 1
5.
Januar 2009
E. 3.2
).
4.2
Gemäss der Rechtsprechung ist bei
einem eigentlichen Fehltritt im Sinne eines Abknicken
s
des Knöchels
in der Regel
von einem
ungewöhnlichen äusseren
Faktor im Sinne einer unkoordinierten Bewegung
und damit von einem
Unfall im Rechtssinne auszugehen, da
ein solches Ereignis
einer Programmwidrigkeit
gleichkommt
(Urteil des Bundesgerichts
U 398/06 vom 2
1.
November 2006, E. 3.2.2
, vgl. auch Urteile des Bundesgerichts U 611/06 vom 1
2.
März 2007 E. 5.2 und U 236/98 vom
3.
Januar 2000 E. 3b), beziehungsweise
da durch ein solches Ereignis
der
natürliche Ablauf der Körperbewegung programmwidrig gestört
wird
(Urteil des Bundesgerichts U 528/06 vom 2
9.
Oktober 2007 E. 4.3)
4.3
In Würdigung der gesamten Umstände ist
vorliegend
davon auszugehen, dass
anlässlich des Ereignisses vom 2
6.
Mai 2015
der normale Bewegungsablauf beim Gehen durch eine unkoordinierte Bewegung im Sine eines Abknickens des rech
ten Fusses gestört wurde. Dieses Geschehen stellt
eine Programmwidrigkeit dar, welche
den normalen
Bewe
gung
sablauf beim Gehen
unterbro
chen hat.
Demzu
folge ist der
äussere Faktor in der Veränderung zwi
schen
dem
Körpe
r der Be
schwerdeführerin
und
der
Aussenwelt auf
G
rund dieser Programmwidrigkeit als aussergewöhnlich zu qualifizieren.
5.
5.1
Nach Gesagtem ist der
ungewöhnliche
äussere Faktor als gegeben zu betrachten
, weshalb es sich beim
fragliche
n
Ereignis
vom 2
6.
Mai 2015 um einen
Unfall
im Sinne von
Art. 4
ATSG
handelte.
5.2
Demzufolge ist die Beschwerde gutzuheissen mit der Feststellung
, dass es sich beim
Ereignis
vom 2
6.
Mai 2015 um einen
Unfall
im Sinne von
Art. 4
ATSG
handelte, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Sachverhalt hinsichtlich der Frage, inwiefern die geklagten Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 2
6.
Mai 2015 stehen, ergänzend abkläre und anschliessend über den
Leistungs
anspruch
der Beschwerdeführerin
in quantitativer Hinsicht
erneut verfüge.