Decision ID: 7d48a70a-eb61-4376-bff7-632d5a5736b9
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962 geborene
X._
stammt aus dem Kosovo.
Nach Studien der Philo
sophie und Soziologie
ohne Erwerb eines Abschlussdiploms
in seine
r Heimat in den Jahren 1983-88
arbeitete er bis 1990 als Schriftsteller und freiberuflicher Journalist. Seit Juli 1990 lebt er
in der Schweiz
(Urk. 9/3, Urk
. 9/8
,
Urk.
9/39
,
Urk.
9/380/128
).
Vom 25. Juli 1999 bis 31. März 2000 sowie vom 1. Mai bis 31. August 2000 war er im Stundenlohn während durchschnittlich 4,2 Stunden pro Tag in der Asylbetreuung als Aushilfe und
Nachtwache tätig
(Urk. 9/21
/1
, Urk. 9
/22). Im
Anschluss an ein Leistungsgesuch vom
4. November 2002 unter Hinweis auf eine angeborene Lähmung im linken
Arm (Urk. 9/8
)
verneinte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Verfügu
ng vom 12. November 2003 einen
Rentena
nspruch (
Urk. 9/26
). Auf
die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache trat sie mangels Begehren und Begründung mit Entscheid vom 25. Februar 2004
nicht ein (
Urk. 7/27,
Urk.
7/31-32
).
1.2
Vom 29. November 2002 bis 23. Mai 2004
(letzter effektiver Arbeitstag)
arbeitete der Versicherte für die
Y._
im Rahmen eines Vollzeitpensums als Nacht- und Woche
n
endbetreuer in einem
Asylzentrum (
Urk. 9
/43). Daneben
war er weiterhin als Schriftsteller tätig und arbeitete auch als Journalist, vornehmlich für albanische
Medien (
Urk. 7/37
/
5
). Am 30. Juni
2004 erlitt er einen Auf
fahrun
fall mit HWS-
Distorsionstrauma (
Urk. 9
/63
/2
f.
). Unter Hinweis auf
eine dadurch bedingte
Arbeitsunfähigkeit meldete er sich am 15. April 2005 erneut zum
Rentenbezug
an (Urk.
9/37
). Am 23. März 2006 wurde
er in eine zweite Auffahr
kollision verwickelt (Urk. 7/63
/4
).
Nach
Beizug
des polydisziplinären Gutachtens des
Z._
vom 14. September 2007
(
Urk.
9/92)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Februar 2010 einen Anspruch auf Versicherungsleistungen und begründete dies damit, dem Versicherten
sei
die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit in vollem Umfang zumutbar
(Urk. 9/150
). Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde
(
Urk.
9/155/3-
14)
wies das Sozialversicherungsgericht unter Berücksichtigung des
zwischen
zeitlich erstellten
neurologischen Gutachtens von Dr. med.
A._
vom 16. August 2011
(
Urk.
9/171/4-26
)
mit Urteil IV.2010.00277 vom 2
1.
Februar 2012 ab (
Urk.
9/175
).
1.3
Am
5.
Februar 2014 meldete sich der Versicherte wegen Beschwerden im rechten Arm erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/195; vgl.
auch
Urk.
9/205). Auf dieses Leistungsbegehren trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
5.
September 2014
nicht
ein
, da keine
wesentliche
Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse
glaubhaft gemacht
worden sei
(
Urk.
9/223
; vgl.
Urk.
9/206,
Urk.
9/209-210
).
Am 1
2.
Mai 2015 beantragte der Versicherte bei der IV-Stelle die Durchführung beruflicher Massnahmen (
Urk.
9/239-240).
Nebst
der Behandlung dieses Gesuchs (vgl.
Urk.
9/269-270,
Urk.
9/273
,
Urk.
9/282-
283
,
Urk.
9/287
) prüfte die IV-Stelle auch die Rentenfrage (
Urk.
9/282,
Urk.
9/283/2
).
Im Nachgang zum
Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2014.01105 vom 3
1.
März 2016, womit die Ver
fügung der IV-Stelle vom
2
4.
September 2014 betreffend Ausrichtung einer
E
ntschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades (
Urk.
9/222) aufgehoben und die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen worden war (
Urk.
9/302), ordnete
d
ie
se
eine
poly
disziplinäre Begutachtung des Versicherten an (
Urk.
9/309,
Urk.
9/
329-330
,
Urk.
9/349
,
Urk.
9
/408/3-6
; vgl. auch
Urk.
9/341/2-3,
Urk.
9/345,
Urk.
9/348
).
Nach
Eingang
der
Expertise
der
Gutachtenstelle
B._
Begutachtung vom 2
7.
November 2017 (
Urk.
9/380) und der gutachterlichen Stellungnahme vom 1
6.
April 2018 (
Urk.
9/394) zu Ergänzungs
fragen vom 1
8.
Dezember 2017 (
Urk.
9/383) stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom
1
3.
September 2018
die erneute
Verneinung
eines
Anspruchs auf eine Invalidenrente
in Aussicht
(
Urk.
9/409
; vgl. auch
Urk.
9/407-408
)
. Nachdem der Versicherte dagege
n Einwände erhoben hatte
(
Urk.
9/410,
Urk.
9/414
), verfügte die IV-Stelle am
2
0.
November 2018
im angekündigten Sinn (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Kaspar Gehring, mit Eingabe vom 1
7.
Dezember 2018 Beschwerde und beantragte, die Beschwer
degegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten, insbesondere eine Invalidenrente (
Urk.
1 S. 2).
Mit Eingabe vom
3.
Ap
ril 2019 verzichtete die IV-Stelle auf eine Stellungnahme zur Beschwerde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer mitgeteilt wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungs
massnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti
schen Erwerbseinkommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre
chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnis
sen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich (BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
2.
2.1
Zur
Begründung der
Abweisung des Leistungsbegehrens
in
der angefochtenen Verfügung führte die IV-Stelle aus,
gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten des
B._
sowie dessen Würdigung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) stehe fest, dass der Beschwerdeführer in einer leichten wechselbelastenden Tätig
keit zu
80
%
arbeitsfähig sei. Die Ressourcenprüfung sei rechtlicher Natur und bilde eine Kompetenz des
Rechtsanwenders beziehungsweise des Kundenberaters. Deshalb könne das Ergebnis der rechtlichen Prüfung von der medizinischen Ein
schätzung abweichen
. Da der Invaliditätsgrad die Schwelle von 40
%
nicht über
steige, könne
keine Rente zugesprochen werden
(
Urk.
2
; vgl. auch
Urk.
8
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe Anspruch auf eine Invalidenrente.
Das
B._
-Gutachten sei leitliniengerecht unter Berücksichtigung der
Indikatorenrechtsprechung
erstellt worden. Die Gutachter hätten die Ergänzungsfragen des RAD-Chirurgen beantwortet und ihre Antwor
ten begründet
(
Urk.
1 S. 4)
. Der Entscheid der IV-Stelle, nur auf die somatisch, nicht aber die psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit abzustellen
, sei auf der
Sachbearbeiterebene
ohne medizinische Fachkenntnisse erfolgt. Wenn wie hier Kundenberater ohne medizinische und rechtliche Qualifikation ohne Begrün
dung und ohne Auseinandersetzung mit den medizinischen Grundlagen vom Gutachten und dessen Ergänzung abw
ichen
, liege eine unzuläs
sige Parallelüber
prüfung vor. Zudem sei die selektive Berücksichtigung angeblicher Ressourcen ohne umfassende Betrachtung der übrigen Indikatoren in einer Gesamtwürdigung bundesrechtswidrig.
Die Aktenbeurteilung des RAD-Chirurgen, der zur Beurtei
lung der psychischen Symptomatik nicht über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfüge, sei keine hinreichende Beurteilungsgrundlage. Indem die IV-Stelle vom Gutachten abgewichen sei, ohne den Sachverhalt weiter abzuklä
ren, habe sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt
(
Urk.
1 S. 4 ff.)
.
Die
B._
-Gutachter hätten am 1
6.
April 2018 nachvollziehbar dargelegt, dass die diagnos
tizierte Depression mit Konzentrationsproblemen und Tagesmüdigkeit die von ihm berichteten Tagesaktivitäten
nicht ausschliesse
, die Aktivitäten vielmehr eine ressourcenbildende Struktur darstellten. Sie hätten therapeutischen Charakter und dürften nicht als «erhöhte Tagesaktivität» und Inkonsistenz gewertet werden. Aus seiner Fahrtüchtigkeit dürfe zudem nicht auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, worauf die Gutachter in ihrer Fragenbeantwortung vom 1
6.
April 2018
ebenfalls
hingewiesen hätten
. Bei der Gesamtprüfung der Indika
toren
dürften nicht nur seine Ressourcen gewürdigt
werden
; vielmehr
müssten die Belastungsfaktoren wie die somatischen und psychischen Komorbiditäten sowie die Tatsache, dass er wegen der seit seiner Geburt bestehenden schweren Schädigung auf der linken Seite eine
Hilflosenentschädigung
und Assistenzbei
träge beziehe, den Ressourcen gegenübergestellt werden. In dieser
bereits belas
teten Situation wirke sich die Depressionsdiagnose weitaus stärker aus als bei einem sonst gesunden Menschen (
Urk.
1 S. 6 ff.).
3.
3.1
Im vorliegenden
Neuanmeldungsverfahren ist zu beurteilen, ob seit der
letzten
materiellen Prüfung und Verneinung eines Rentenanspruchs
eine anspruchser
hebliche Sachverhaltsänderung eingetreten ist. Zeitliche Vergleichsbasis ist die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs
mit
der
Verfügung
vom 18. Februar 2010
(Urk. 9/150)
beziehungsweise mit dem
diese bestätigenden
Urteil
des Sozialversicherungsgerichts
IV.2010.00277
vom 2
1.
Februar 2012
(
Urk.
9/175)
.
Der
zwischenzeitlich
bis zum Erlass
der
angefochtenen
Verfügung ergangenen Verfügung
vom 2
5.
September 2014
liegt keine materielle Anspruchsprüfung zugrunde, da die IV-Stelle damit mangels glaubhaft gemach
ter
wesentlicher Sachverhaltsän
der
ung auf
eine Neuanmeldung
nicht eingetreten war
(
Urk.
9/223
)
. Deshalb
ist
sie als Referenzzeitpunkt für die Beurteilung einer relevanten gesundheitlichen
Än
der
ung
nicht geeignet
(vgl. vorstehend E. 1.6).
3.2
3.2.1
Im Urteil
IV.2010.00277
vom 2
1.
Februar 2012
(
Urk.
9/175)
war das Sozialversi
cherungsgericht zum Ergebnis gelangt, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum vom Ablauf der einjährigen Wartezeit per
1.
Juli 2005 bis zum Erlass der in jenem Verfahren angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Februar 2010 zu maximal 25
%
in seinen bisherigen Tätigkeiten als Nachtwächter und Publizist arbeitsunfähig war (E. 4.5). Die körperlichen Beschwerden beurteilte
es
anhand
des
Z._
-Gutachtens
vom 14. September 2007
,
der Expertise des
C._
vom
2
5.
September 2009
sowie des neurologischen Gut
achtens von
Dr.
A._
vom 1
6.
August 2011
(E. 4.3)
, hinsichtlich der psychischen Symptomatik stellte es auf das psychiatrische
Z._
-Teilgutachten ab
(E. 4.4)
.
Bezüglich
der auf die Unfälle vom 3
0.
Juni 2004 und
2
3.
März 2006 mit jeweili
ger HWS-Distorsion
zurückgehenden
Beeinträchtigungen
gelangte des Gericht zur Beurteilung,
diese
beruhten
nicht auf objektivierbaren strukturellen Verlet
zungen der Halswirbelsäule.
Dabei stellte es hauptsächlich auf das neurologische Gutachten von
Dr.
A._
ab.
Weiter gelangte das
Sozialversicherungsg
ericht zur Überzeugung, dass die nicht objektivierbaren
Folgen
der HWS-Distorsionen
mit einer zumutbaren Wille
nsanstrengung überwindbar seien und
diese Beschwerden nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit
führten
(E. 4.2).
3.2.2
Dem
interdisziplinär
en
Z._
-Gutachten vom 14. September 2007, welches auf
internistisch
en,
chirurgisch
en, rheumatolo
gisch
en
,
psychiatrisch
en sowie
arbeits
psychiatrisch
en
Abklärungen beruht (
Urk.
9/92/1),
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
über
massivste Schmerzen im Bereich des Nackens, Kopfes, Schultergürtels und der oberen linken
Thoraxapertur
klagte. Daneben erwähnte er rechtsseitige Leistenschmerzen. Auch klagte er darüber, dass mnestische und kognitive Funktionsstörungen jegliche publizistische Tätigkeit verunmöglichten
.
D
ie
regelmässig eingenommenen Antirheuma
tika und Analgetika
zeigten
gemäss seinen Angaben keine Wirkung. Konven
ti
onelle Röntgenbilder von Hals- und
Brustwirbelsäule ergaben
keinen pathologischen Befund
(
Urk.
9/92/25)
. Aus somatischer Sicht schlossen die Gutachter aufgrund der objektivierb
aren Unter
suchungsbefunde auf die Diagnose eines
zervikozephalen
und
myofaszialen
Schmerzsyndroms des Schultergürtels bei radiologisch altersentsprechenden Befunden und fehlenden objektivierbaren Fu
nktionsstörungen der Halswirbel
säule sowie auf eine leichte
Hüftperiarthrose
beidseits mit radiologisch nachge
wiesener leichter
Coxa
valga
et
antetorta
mit diskret entrundetem
Femurkopf
(
Urk.
9/92/223). Weiter wiesen sie auf das er
heblich demonstrative Verhalten des Beschwerd
eführers anlässlich der Untersu
chungen hin
(
Urk.
9/92/25,
Urk.
9/92/32)
. Die somatischen Befunde rechtfe
rtigten nach
ihrer
Auffassung
keine Arbeitsunfähigkeit
im
bishe
rigen Tätigkeitsbereich als Asy
lantenbetreuer und Publizist. Die postnatale l
inksseitige
Armplexusparese
verunmögliche
dem Beschwerdeführer
hingegen Tätig
keiten, welche
den Einsatz beider Hände erfor
derten
(
Urk.
9/92/25-27)
.
Die psychiatrische Unter
suchung
führte zum Schluss, dass der Be
schwerdeführer nach de
m Strassen
verkehrsu
nfall vom 30. Juni 2004 eine de
pressive Reaktion entwickelt
habe
, welche
sich mit der Zeit
chronifiziert
habe
und ein eigenständi
ges Beschwerdebild darstelle. In diagnostischer Hinsicht sei von einer leichtgra
digen depressiven Episode ohne somatische Symptome (ICD-10: F32.00) auszu
gehen, da der Beschwerdeführer keine
Schwierigkeiten habe, se
ine sozialen Aktivitäten fortzu
setzen.
Der Beschwerdeführer hatte dem begutachtenden Psychiater
auch
berichtet, während seines Studiums
im Kosovo
aus politischen Grün
den drei Mal während insgesamt
zwei Jahren inhaftiert gewesen zu sein (
Urk.
9/92/5,
Urk.
9/92/17).
Zur
Objektivierung der geklagten
mnestischen und kognitiven Leistungsdefizite erfolgte eine arbeitspsychiat
rische Zusatzunter
su
chung inklusive testdiagnosti
scher Abklärung
. Da der Beschwer
deführer in de
n zuerst durchgeführten Symptom
validierungstests sehr schlechte Werte erreichte (deutlich schlechter als geistig behinderte achtjährige
Kinder)
,
schloss
der
begut
achtende
P
sychiater
auf eine sehr deutlich redu
zierte Motivation bei der Aufga
benbearbeitung, und verzichtete deshalb auf die Durchführung der weiteren geplanten Tests.
Die geklagten
kognitiven Be
schwerden
, die in der Gesprächssi
tuation nicht hätten beo
b
achtet werden können,
seien nicht objektivierbar.
Auch der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
D._
habe dem
Z._
-Psychiater in einem Telefongespräch mitgeteilt, dass er
die vom Beschwerdeführer auch ihm gegenüber geklagten kognitiven Einbussen nicht habe feststellen können.
Insge
samt bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/92/21-22,
Urk.
9/92/26).
Global betrachtet - aus allge
mein-internistischer, rheumaorthopädischer, psychi
atrischer und a
rbeitspsychiatrischer Sicht -
sei der Beschwerdeführer in den zuletzt ausgeübten Berufen eines Asylantenbetreuers sowie eines Publizis
ten voll arbeitsfähig. Eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe einzig aufgrund der pos
tnatal erworbe
nen linksseitigen
Armplexusparese
in dem Sinne, dass er Tätigkeiten nicht erbringen könne, welche den Einsatz
beider Hände erforderten (
Urk.
9/92/26-27)
.
3.2.3
Am 3. und 4. November 2008 wurde der Beschwerdeführer im
C._
mittels funk
tionsorientierter medizinischer Abklärung begutachtet
(Urk. 8/138/1)
.
Infolge Selbstlimitierung, welche von den Gutachtern aber aufgrund der vorbestehenden linksseitigen
Armplexusparese
und der psychischen Problematik nicht als Malkooperation gewertet wurde, waren die Resultate der Belastbarkeitstests schlecht verwertbar. Zusätzlich wurde eine sehr tiefe Selbsteinschätzung beobachtet. Die Gutachter gelangten zur Einschätzung, der Beschwerdeführer leide seit
dem Unfall vom 30. Juni 2004 unter einem Beschwerdekomplex mit Kopf- und Nackenschmerzen, verminderter Konzentration, Müdigkeit sowie depressiver Symptomatik entsprechend dem typischen Beschwerdebild nach einem HWS-Distorsionstrauma. Objektivierbare strukturelle Veränderungen, wel
che auf das Unfallereignis zurückgeführt werden könnten, seien nicht fassbar. Hingegen bestehe eine
myofasziale
Problematik mit erhöhtem Muskeltonus
occipital
und im Bereich der
Trapeziusmuskulatur
. Aufgrund der postnatalen
Plexusparese
auf der linken Seite habe sich eine Asymmetrie des Schultergürtels mit einem Schulterhochstand sowie einer grossbogigen linkskonvexen Skoliose der thorakalen Wirbelsäule ausgebildet
(
Urk.
9
/138/3)
. Aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht sei dem Beschwerdeführer eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit mit der rechten dominanten Hand ganztags zumutbar, wobei für eine solche Tätigkeit aufgrund notwendiger vermehrter Pausen wegen der Einschrän
kungen in
der linken Extremität eine
Einschränkung der Leistungs- beziehungs
weise Arbeitsfä
higkeit von 25 % bestehe (Urk.
9
/138/5
).
3.2.4
Der
vom Sozialversicherungsgericht
beauftragte neurologische Gutachter
Dr.
A._
diagnostizierte
in seiner Expertise vom 16. August 2011
(
Urk.
9/171/4)
zum einen ein chronisches
zervikospondylogenes
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei Status nach HWS Distorsionstraumata 2004 und 2006, einer schmerzassoziierten kognitiven Funktionsstörung sowie dem Verdacht auf eine reaktive Depression, z
um anderen eine perinatal erwor
bene komplette untere und inkomplette obere
Armplexusparese
links mit einer schlaffen, sensomotorischen Parese des linken Armes, einem neuropathischen Schmerzsyndrom, wahrschein
lich bedingt du
rch eine posttraumatische Dekom
pensation im Rahmen der erst
genannten Diagn
ose, sowie mit einer funktionel
len Schmerzausweitung
(
Urk.
9/171/23)
.
Der Gutachter hielt sodann fest
, die
laut
den anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers einige Wochen nach dem ersten Unfall aufge
tretenen Schmerzen im linken Arm hätten einen sogenannt neuropathischen Cha
rakter. Diese Einschätzung basiere auf den klinisch erhobenen Befunden. Auf
grund der Untersuchungsbefunde könne hingegen nicht nachgewiesen werden, dass es bei einem d
er beiden Unfälle zu einer defi
nierbaren Nerven- beziehungs
weise Nervenwurzelverletzung im Sinne eines objektiven Befunds gekommen wäre, welche die neuropathischen Schmerzen direkt kausal erklären könnte. Viel
mehr sei anzunehmen, dass es zu ein
er un
spezifischen Dekompensation der vorbestehenden perinatalen
Plexusparese
mit sekundärer Entwicklung eines neu
ro
pathischen
Schmerzsyndromes
sowie einer funktionellen Schmerzausweitung über die pathologisch-anatomisch von der geburtstraumatischen Schädigung betroffenen Nervenstrukturen hinaus ge
kommen sei
(
Urk.
9/171/22)
.
Unter allei
niger Berücksich
tigung des neuropathischen Schmerzsyndrom
s im Bereich des linken Arms be
stehe in den angestammten Berufen als Nac
htwächter und Publi
zist eine Ei
ns
chränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 20
% (
Urk.
9/171/2
4
)
.
3.3
Noch vor der Anordnung de
s
polydisziplinären
Gutachtens der Ärzte
der
Gutach
terstelle
B._
(vgl. nachstehende E. 3.4)
holte die IV-Stelle den Verlaufsbericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
3.
No
vember 2016 ein.
Dr.
E._
gab darin an, den Beschwerdeführer seit April 2013 im Rahmen regelmässiger Gesprächstermine zu behandeln. Zusätzlich erhalte er
Mirtazapin
30 mg.
Dr.
E._
diagnostizierte leichte bis gelegentlich mittelgradige depressive Episoden und hielt fest, der Beschwerdeführer sei deshalb zu höchstens 20
%
arbeitsunfähig. Eingeschränkt seien Konzentrations
vermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit. Diese Angaben gälten seit Jahren (
Urk.
9/328).
3.4
3.4.1
Das polydisziplinäre Gutachten der
B._
vom 2
7.
November 2017 beruht auf fachärztlich-internistischen, -psychiatrischen, -rheumatologischen, -neurologi
schen und -handchirurgischen Abklärungen
und auf
Zusatzuntersuchungen (Labor, aktuelle MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule, konventionelle Röntgen
aufnahmen mehrerer Körperbereiche sowie eine ergotherapeutische Funktionsab
klärung
), die in einem Zeitraum vom
8.
Juni bis 2
5.
Juli 2017 erfolgt sind (
Urk.
9/380/4).
3.4.2
D
ie
B._
-Gutachter
gelangten
zur Beurteilung,
z
unächst bestehe als Folge einer geburtstraumatischen Schädigung eine komplette untere und eine inkomplette obere
Armplexusläsion
links. Diese führe zu einer hochgradig schlaffen Lähmung des linken Armes mit korrespondierenden sensiblen Ausfällen sowie dem bereits im neurologischen Vorgutachten von
Dr.
A._
beschriebenen
, als posttraumati
sche Dekompensation nach den Unfallereignissen 2004 und 2006
interpretierten
chronisch-neuropathischen Schmerzsyndrom. Die aktuell veranlasste MRI-Unter
suchung der Halswirbelsäule
habe stationäre Befunde ohne Hinweise für eine Progression des geburtstraumatischen
Plexusschadens
ergeben
. Die Situation werde zusätzlich durch zahlreiche Beschwerden am übrigen Bewegungsapparat verschlechtert, welche vor allem im Bereich der oberen Extremität rechts als Folge der jahrelangen Überbelastung gewertet werden könnten. So bestehe am rechten Arm eine Kombination aus einer
Periarthropathia
humeroscapularis
tendopatica
et
calcarea
rechts mit
subacromialem
Impingement
bei
sonographisch
nachge
wiesener Bursitis
subacromialis
mit degenerativen Veränderungen der
Rotatoren
manschette
und einer
Epicondylopathia
humeri
lateralis
mit Verdacht auf ein
Sulcus
ulnaris
Reizsyndrom rechts bei bildgebend fehlenden Hinweisen für eine
radikuläre
Kompression
C8 rechts. Diese beiden Problematiken schränkten die Belastbarkeit des rechten, noch funktionierenden Arms erheblich ein. Das zusätz
lich vorliegende
lumbovertebrale
bis
spondylogene
Schmerzsyndrom mit neuro
logisch möglichem intermittierendem
radikulärem
Reiz- und sensiblem Ausfall
syndrom L5 links bei nachgewiesener
foraminaler
Diskusprotrusion
L4/5 linksbetont sei relevant für die Sitz- und Stehdauer. Die insgesamt eher gering
fügige
Periarthropathia
coxae
beidseits mit vor allem klinischem Verdacht auf begin
nende
Coxarthrosen
sei für die Geh- und Stehdauer von Belang, ebenso das
Femoropatelläre
Schmerzsyndrom beidseits. Die ebenfalls zu diagnostizierenden Kopfschmerzen vom
Mischtyp
wirkten sich primär
auf intellektuelle Tätigkeiten aus, zusammen mit dem neuropathischen Schmerzsyndrom
(
Urk.
9/380/12-13)
.
Aufgrund der funktionellen Auswirkungen der objektivierten Befunde kämen aus somatischer Sicht nur körperlich leicht belastende, eher administrative Tätigkei
ten in Wechselposition ohne Armbelastung links,
bimanuelle
Verrichtungen sowie ohne die starke Belastung der rechten oberen Extremität in Frage. Entspre
chend der Vorbeurteilung durch
Dr.
A._
bestünden wegen den chronischen neuropathischen Schmerzen leichte schmerzbedingte Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen mit zusätzlich leicht erhöhtem Zeitbedarf wegen der funktionellen
Einarmigkeit
(
Urk.
9/380/15-16)
.
Zwar seien aus somatischer Sicht seit der umfass
en
den Beurteilung durch
Dr.
A._
vom 1
6.
August 2011 gewisse Diagnosen und Befunde neu hinzug
ekommen, nämlich das
radikuläre
Reiz- und sensible Ausfallsyndrom L5 links, der Verdacht auf ein
Sulcus
ulnaris
Reizsyndrom rechts und die Schulterproblematik rechts
(
Urk.
9/380/18-19,
Urk.
9/380/96)
. Diese Befunde hätten jedoch keine zusätzli
chen funktionellen Einschränkungen
in der
bisherige
n
Tätigkeit
als Betreuer
von Asylbewerbern zur Folge
. In dieser Tätigkeit bestehe aus somatischer Sicht
wie
terhin
die 2011 attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit. Im ausserberuflichen Alltag resultierten aus somatischer Sicht keine wesentlichen Einschränkungen, so dass das beschriebene Funktionsniveau im Freizeitbereich und familiären Alltag
–
der Tagesablauf wirke strukturiert mit verschiedenen Aktivitäten wie lesen, fernsehen, Spaziergängen, Teilnahme am Familienleben, Besuch kultureller Veranstal
tungen, häufiges Schreiben, vor allem privater
Gedichte
(
Urk.
9/380/118,
Urk.
9/380/129)
- mit
den Einschränkungen gut vereinbar sei
(
Urk.
9/380/15-19; vgl. auch
Urk.
9/380/
6
,
Urk.
9/380/103
,
Urk.
9/380/110,
Urk.
9/380/117
).
3.4.3
Hinsichtlich der
vom rheumatologischen Teilgutachter beobachteten Inkonsisten
zen im Sinne von Hinweisen auf eine Symptomausweitung und Beschwerde
verdeutlichung bei negativer Selbstprognose bezüglich Reintegration in den Arbeitsprozess
(
Urk.
9/380/91,
Urk.
9/380/94-95)
hielt
der begutachtende Psychi
ater
fest, die
ses Verhalten
müsse als Ausdrucksverhalten bei fehlender Symboli
sierungsfähigkeit im Rahmen der depressiven Erkrankung eingeordnet werden. Unter Berücksichtigung der übrigen Teilgutachten ergäbe sich
aus interdiszipli
närer Sicht
kein Anhalt für Aggravation o
der Simulation (
Urk.
9/380/13
,
Urk.
9/380/16,
Urk.
9/380/84).
Der psychiatrische
B._
-Experte explorierte
sodann
in anamnestischer Hinsicht die Umstände der Gefängnisaufenthalte im Kosovo. Der Beschwerdeführer gab ihm an,
aufgrund seiner Aktivität als Widerstandskämpfer bereits im zweiten Gymnasialjahr verhaftet und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden zu sein
. In den Folgejahren sei er zu zwei weiteren Gefängnisstrafen verurteilt worden und habe sich insgesamt mehr als 2 Jahre lang
in Haft befunden
. Während der Gefängnisaufenthalte sei er immer wieder während längerer Zeit verhört und dabei auch geschlagen worden. Er habe ständig um sein Leben gefürchtet, da er gewusst habe, dass in anderen Gefängnissen auch wahllos Menschen getötet wor
den seien. In der Folge habe er lange Alpträume gehabt, die nun seltener gewor
den seien. Bis zu den Unfällen in den Jahren 2004 und 2006, welche eine depres
sive Symptomatik ausgelöst hätten, sei er wieder relativ zur Ruhe gekommen.
Nach
dem Unfall im Jahr
2006 habe
er
auf stabilem Niveau unter Energie- und Antriebslosigkeit sowie bedrückter Grundstimmung gelitten
. Zwar habe er die Verliebtheit in seine zweite Frau im Jahr 2012 geniessen können. Durch die Schwangerschaft seiner Frau hätten sich die Symptome
aber
derart verschlech
tert, dass er seit einem halben Jahr
Mirtazapin
nehmen müsse. Nach der Geburt seiner Tochter am 1
3.
September 2016 sei er massiv depressiv eingebrochen. Er leide sehr darunter, sie aufgrund seiner Behinderung nicht in den Arm nehmen zu können und die von ihr ausgehende Freude kaum erwidern zu können. Auch grüble er sehr stark über die
Zukunft und befürchte, seiner Vaterrolle nicht gerecht werden zu können
(
Urk.
9/380/73-75
,
Urk.
9/380/78
; vgl. auch
Urk.
9/380/105
). Sein Tagesablauf sei aufgrund der durch den Schmerz limitierten Schlafqualität völlig unterschiedlich. Aktuell wache er je nach Befindlichkeit zwischen 8.00 und 10.00 Uhr auf. Das Mittagessen nehme er zwischen 12.00 und 13.00 Uhr gemeinsam mit der Familie zu Hause ein. Aufgrund der Morgenmüdig
keit mache er morgens sehr wenig, ausser wenn er Therapie-Termine habe.
Nach dem Essen mache er meist einen Mittagsschlaf von einer Stunde. Er sei, ausser bei Therapie-Terminen, nur zu Hause und dort passiv. Er beteilige sich kaum an den Gesprächen und könne maximal 10 bis 15 Minuten lesen, da dann seine Konzentration nachlasse. Fernsehen interessiere ihn nicht mehr. Er liege meist auf dem Sofa und gehe zwischen 23.00 und 24.00 ins Bett. Das Abendessen lasse er meist aus. Zum Einschlafen benötige er wegen der Schmerzen oft mehr als eine Stunde. Er grüble und habe dabei völlig irreale Gedanken, überhaupt habe er das Gefühl, er lebe in einer Welt mit Menschen, die ihm nichts bedeuteten, oder er lebe auf einem anderen Planeten. Soziale Anlässe seien meist eine Enttäuschung, da er nicht die Kraft habe, den Geschichten anderer Menschen bis zum Ende zuzuhören.
Auch im Theater werde er immer nervös, wenn schlecht gespielt werde. Aufgrund seiner Konzentrationsstörungen fühle er sich in der Arbeitsfä
higkeit enorm eingeschränkt (
Urk.
9/380/76-77).
Laut dem psychiatrischen
Sachverständigen des
B._
wirkte der Beschwerdefüh
r
er während des Explorationsgesprächs sehr angestrengt, war immer wieder dem Weinen nah
e
und war in der zweiten Gesprächshälfte sichtlich ermattet und ener
gielos. Die Konzentrationsfähigkeit habe im Gesprächsverlauf deutlich abgenom
men.
Aufgrund des klinischen Gesamteindrucks diagnostizierte er m
it Hilfe des Diagnoseinstruments AMDP und des Selbstbeur
teilungsinstrumen
ts
Beck’sches
Depressions-Inventar
(BDI)
eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mit
telgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom
. Anhand des Instru
ments Mini-ICF ermittelt
e
er überwiegend mittelgradige Beeinträchtigungen des Funktionsniveaus, welche er auf die Antriebsstörung, die Interessen- und die Freudlosigkeit zurückführte,
die
vor allem alle Funktionsber
eiche der sozialen Interaktion
beeinträchtigten
.
Ebenfalls einschränkend wirkten die Konzentrati
onsstörungen.
Zusätzlich diagnostizierte
er eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren.
Schliesslich hielt er bei den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine narzisstische Persönlichkeitsakzen
tuierung, differentialdiagnostisch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fest
(
Urk.
9/380/77-82)
.
Zur Krankheitsentwicklung
legte er dar,
die Entwicklung der Persönlichkeit des Beschwerdeführers sei durch seine Rolle als «Widerstands
kämpfer», wie er sich selbst tituliere, gekennzeichnet gewesen. Die drei Gefäng
nisaufenthalte
seien
traumatisierend
gewesen
und hätten zu einer erhöhten Vulnerabilität geführt. Die im Gefängnis erlebte Misshandlung prädisponiere darüber hinaus
die
Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms
. Durch sein Engagement im politischen Widerstand als Journalist und Schriftsteller habe er die traumatischen Erlebnisse
anfänglich
sehr gut kompensieren können, so dass sich eine
initiale
posttraumatische Belastungsstörung bis zur Unfallserie ab 2004 einigermassen zurückgebildet habe.
Aus der äusserlichen, gesellschaftlichen Rollendefinition als Widerstandskämpfer habe er einen hohen Selbstwert bezie
hen können
, intrapsychisch habe dies aber eine narzisstische Kompensation des depressiven Grundkonflikts, auch rund um seine Behinderung, dargestellt.
Nach dem Kriegsende seien seine Rolle als Widerstandskämpfer und seine Selbstdefi
nition als politischer Journalist
hinfällig geworden
.
D
urch die Unfälle sei es
zudem
zu einer Reaktivierung der im Gefängnis durch die Misshandlungen ausgelösten e
rlernten Hilflosigkeit gekommen.
Dies habe
zunächst
zu
eine
r
leich
te
n
bi
s mittelschweren depressive
n
Symptomatik geführt
. Die Geb
u
r
t seiner Toch
ter und die dadurch schmerzlich bewusst gewordene Behinderung
, welche er zeit
lebens völlig verdrängt habe,
habe dann zu einem erneuten Stimmungs
abschwung geführt und in die aktuell
e
mittelschwere bis schwere depressive Symptomatik gemündet
(
Urk.
9/380
/78-79,
Urk.
9/381,
Urk.
9/380/84
,
Urk.
9/380/86
).
Alle vorangegangenen psychiatrischen und psychologischen Beurteilungen
seien
ebenfalls
zum Ergebnis gelangt, dass eine depressive Störung vorliege, hätten diese
aber unterschiedlich gewichtet
. Allerdings hätten weder der lange behandelnde Psychiater
Dr.
D._
noch
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom
G._
, der den Beschwerdeführer am 5. März und 10. April 2008 untersucht habe
(
Urk.
9/121/1
; vgl. auch
Urk.
9/121/3,
Urk.
9/121/6
)
,
noch
Dr.
E._
, bei wel
chem sich der Beschwerdeführer aktuell in Behandlung befinde, das Ausmass der Traumatisierung während der Haft tiefer exploriert. Daher hätten sie die Symp
tomatik zu wenig im Kontext der Traumatisierung beleuchtet und verstanden.
Traumatisierende Erlebnisse hätten neurophysiologische Veränderungen zur Folge, welche willentlich nicht beeinflussbar seien (
Urk.
9/380/82-83,
Urk.
9/380/85).
Die abweichende Einschätzung des Schweregrades sei auch ver
laufsbedingt:
Seit der Geburt der Tochter
sei der Beschwerdeführer in eine depressive Abwärtsspirale geraten. Er habe die depressiven Symptome selbst
bewusster wahrgenommen und dadurch leider auch wieder depressiv verarbeitet und fühle sich als behinderter, nicht mehr erfolgreicher, alter Mann (
Urk.
9/380/83).
Insofern liege eine gesundheitliche Verschlechterung vor (
Urk.
9/380/19).
Seine wichtigsten Ressourcen, der Mut, gegen ein politisches System aufzubegeh
ren
,
und die Schriftstellerei, könne er wegen der politischen Veränderungen beziehungsweise depressionsbedingt nicht mehr einsetzen. Aufgrund der Freud
losigkeit könne er die eheliche Beziehung nur wenig als Ressource nutzen und die Vaterschaft wirke aktuell
depressiogen
und nicht als Ressource. Sein grösster Belastungsfaktor, die Immobilität des Armes, werde ihm aktuell schmerzhafter bewusst als je zuvor.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Anamnese und zum Tagesablauf sowie im Selbstbeurteilungsinstrument BDI seien durchweg konsistent gewesen mit dem psychiatrischen Untersuchungsbefund und den Akten (
Urk.
9/380/
83-
84). Zudem sei die bisherige Therapie adäquat und leitlini
engerecht gewesen. Da trotzdem ein
chronifizierter
Verlauf ohne Remission vor
lie
ge,
sei die
depressive Störung therapieresistent
(
Urk.
9/380/85).
Seit
der
Geburt der Tochter sei der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Asyl
betreuer zu 60
%
arbeitsunfähig.
Dadurch werde auch der diagnostizierten chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen Rechnung getragen, welche vom Beschwerdeführer ungenügend bewältigt werden könne.
Auch in einer angepassten Tätigkeit sollte ein
e
tägliche Arbeitszeit von 3,5 Stun
den nicht überschritten werden, wobei in diesem
zeitlichen Rahmen leistungs
mässig
keine
weiter
e
Ein
schränk
ung
bestehe
(
Urk.
9/380/85).
Da die depressive Symptomatik therapieresistent sei, könne in den nächsten fünf Jahren keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden, zumal die körperliche Behin
derung und die erlebten Traumata zusätzliche Faktoren darstellten, die der Beschwerdeführer in dieser Kombination aufgrund der narzisstischen Persönlich
keitsstruktur nur sehr unzureichend bewältigen könne (
Urk.
9/380/86).
3.5
Am 1
6.
April 2018 präzisierten
der fallführende internistische sowie der psychi
atrische
B._
-Gutachter ihre Ausführungen auf Anfrage der IV-Stelle (
Urk.
9/383) dahingehend, sie
sähen
keine erhebl
i
chen Unterschiede zwischen den in den neurologischen und handchirurgischen Teilgutachten
festgehaltenen
Tagesabläufen und den anlässlich der psychiatrischen Begutachtung
geschilder
ten Tagesaktivitäten. Die ausgeprägte Tagesmüdigkeit schliesse nicht aus, dass der Beschwerdeführer Spaziergänge mache und Gedichte schreibe. Die Tages
aktivitäten
wirkten vielmehr resso
u
rcenbildend, indem sie es dem Beschwerde
führer
ermöglichten, den Alltag strukturiert zu erleben und daraus ein Minimum an Kraft zu schöpfen. Eine erhöhte Tagesaktivität könne seinen Schilderungen nicht entnommen werden.
Es sei im Übrigen selbstverständlich und durch die unterschiedliche Befragung in den einzelnen Disziplinen mit Schwerpunkt auf unterschiedlichen Funktionen vorgegeben, dass die Schilderungen in den einzel
nen Untersuchungen voneinander abwichen.
Deshalb bestünden aus
g
esamt
medizinischer Sicht keine Inkonsisten
zen. Das plausibel vorgetragene s
tark eingeschränkte Konzentrationsvermögen sowie die ausgeprägte Tagesmüdigkeit liessen sich zwanglos mit den psychiatrischen Befunden und vor allem der schmerzbedin
g
ten Schlafstörung erklären (
Urk.
9/394
).
3.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie vom RAD, würdigte am 1
7.
Mai 2018 das
B._
-Gutachten und dessen Ergänzung vom 1
6.
April 2018 versicherungs
medizinisch. Er wies darauf hin,
die Schilderung des Tagesablaufs in den einzel
nen Teilgutachten
weise erhebliche Unterschiede auf
. Psychiatrisch werde eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit mit Konzentrationsmangel beschrieben, im neurolo
gischen Teil werde
geschildert
, dass ein Teil des Tages mit Spaziergängen, dem Schreiben von Gedichten und dem Besuchen von Lesungen verbracht werde, handchirurgisch
sei
dokumentiert, dass der Beschwerdeführer viel schreibe, insbesondere Gedichte. Im Antwortschreiben der Gutachter vom 1
6.
April 2018 werde nicht überzeugend auf diese Inkonsistenzen eingegangen.
Es sei nicht plausibel, dass die erwähnten Aktivitäten bei einer schweren Depression mit Kon
zentrationsmängeln und Tagesmüdigkeit möglich seien beziehungsweise zum Tagesablauf gehörten. Auch
sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer trotz der Konzentrationsmängel und der Tagesmüdigkeit aus psychiatrischer Sicht fahrtüchtig sein solle.
Aus diesen Gründen könne auf das Gutachten nicht abge
stellt werden. Es werde eine Ressourcenprüfung durch den Rechtsanwender empfohlen (
Urk.
9/408/7).
Am 2
8.
Mai 2018 gelangte die zuständige Kundenberaterin der IV-Stelle mit Blick auf das
B._
-Gutachten zur Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer klarer
weise über
Ressourcen verfüge. Deshalb seien nur
die somatischen Einschränkun
gen
zu berücksichtigen
und
es sei
von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
9/408/8).
4.
4.1
Laut den
B._
-Gutachtern hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers im Zeitraum zwischen der
Verfügung
vom 18. Februar 2010 und der Begut
achtung aus somatischer Sicht nicht massgeblich verändert
(
Urk.
9/380/15-19)
. Strittig und zu prüfen ist in erster Linie der Verlauf der psychischen Symptomatik. Der psychiatrische
B._
-
Gutachter hat die Krankheitsentwicklung
und -ursachen
detailliert und grundsätzlich nachvollziehbar dargelegt. Allerdings weist seine Beurteilung
der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit mehrere Schwächen auf
.
4.2
Zunächst
fällt auf, dass im psychiatrischen Teilgutachten kaum auf das psychi
atrische Vorgutachten des
Z._
eingegangen wird
.
Der Gutachter führt lediglich aus, auch im
Z._
-Gutachten sei eine Depression diagnostiziert worden (
Urk.
9/380/14). In der Aktenzusammenfassung wird das
Z._
-Gutachten, im
Gegensatz zu anderen psychiatrischen Beurteilungen, stark verkürzt
wiedergege
ben
ohne Hinweis auf die wegen des unmotivierten Verhaltens des Beschwerde
führers in den Symptomvalidierungstests abgebrochene arbeitspsychiatrische
Testung zu
r
Objektivierung der geklagten mnestischen und kognitiven Leistungs
defizite (
Urk.
9/92/21-22,
Urk.
9/92/26)
(
Urk.
9/380/23-36,
Urk.
9/380/73)
. Des
halb ist
un
klar, ob der psychiatrische Gutachter von dieser wichtigen Tatsache überhaupt Kenntnis genommen hatte.
Angesichts
der stark divergierenden Auf
fassung der
Z._
-Gutachter zur (fehlenden) Konsistenz des Verhaltens des Beschwerdeführers
und zum fehlenden Nachweis der geklagten kognitiven Defi
zite
wäre eine eingehendere Auseinandersetzung mit ihrer Beurteilung unerläss
lich gewesen
.
Es bleibt damit unklar, ob d
as
psychiatrische Teilg
utachten
der
B._
in
tatsächlicher
Kenntnis
aller
relevanten
Vorberichte
abgegeben worden
ist
.
4.3
Dr.
H._
vom RAD ist beizupflichten,
dass
die geschilderten
Tagesaktivi
täten
in den einzelnen Teilgutachten auffällig divergieren
(
Urk.
9/380/76,
Urk.
9/380/105,
Urk.
9/380/118,
Urk.
9/380/129)
. Die hierfür
von den internisti
schen
und
psychiatrischen Teilgutachter
n
in der Gutachtensergänzung vom
1
6.
April 2018
angeführte
Begründung
,
die somatischen Teilgutachter hätten bei ihren Untersuchungen einen anderen
Fokus
gehabt
(
Urk.
9/394/2)
,
vermag
nicht zu erklären
,
weshalb
der Beschwerdeführer
dem psychiatrischen Sachverständi
gen
in auffälligem Kontrast zu den Angaben gegenüber den neurologischen und handchirurgischen Teilgutachtern
einen äusserst passiven Tagesablauf mit
deut
lich weniger
(und negativ bewerteten)
Aktivitäten
beschrieb
.
Der psychiatrische Gutachter hat es bei der Prüfung der Konsistenz denn auch unterlassen, das
etwa dem handchirurgischen Sachverständigen beschriebene häufige Schreiben von Gedichten am Handy oder am Computer (
Urk.
9/380/129)
mit den behaupteten gesundheitlichen beziehungsweise beruflichen Einschränkungen zu vergleichen
(vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Mit Blick auf den vom Beschwerdeführer beschriebenen Besuch kultureller Veranstaltungen (Theater und Lesungen
;
Urk.
9/380/76,
Urk.
9/380
) vermag
auch
die Beurteilung,
er sei
in allen Funktionsbereichen
der sozialen
Interaktion mittelschwer eingeschränkt
(
Urk.
9/380/82), nicht ohne Wei
teres zu überzeugen.
Da
zudem
der rheumatologische
B._
-Gutachter Hinweise auf eine Symptomausweitung und Beschwerdeverdeutlichung bei negativer Selbstprognose bezüglich Reintegration in den Arbeitsprozess beobachtete (
Urk.
9/380/91,
Urk.
9/380/94-95)
,
ist
die Einschätzung des psychiatrischen Sach
verständigen, es lägen keinerlei Hinweise
auf eine
Aggravation oder Simulation vor
(
Urk.
9/380/84)
, nicht vollends
nachvollziehbar
.
Mithin wurde der
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
b
eweisrechtlich entscheidend
e
verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz
(vorstehend E. 1.2) im psychiatrischen
B._
-Gutachten nicht in überzeugender Weise abgehandelt.
4.4
Anlässlich der Begutachtung
durch die Ärzte der Begutachtungsstelle
B._
bestand
eine
Vorgeschichte
mit
problematischem Verhalten des Beschwerdefüh
rers
im Rahmen
der Vorb
egutachtung im
Z._
sowie
mehreren abgelehnten Rentenbegehren
.
Weiter ergaben sich
nach dem Gesagten
auch in den Unter
suchun
gen
durch die
B._
-Experten
Hinweise auf
Inkonsistenzen im Verhalten des Beschwerdeführers
.
In Anbetracht
der notorischen Schwierigkeit,
funktionelle Leistungseinbussen aufgrund
psychischer
Leiden
zuverlässig
zu
beweisen
, hätte
n
sich d
ie
B._
-Gutachter
unter diesen Umständen
nicht mit dem Abstellen auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
9/394/3) und die Beobach
tungen des psychiatrischen Sachverständigen anlässlich des Untersuchungs
gesprächs (
Urk.
9/380/77-/8) begnügen dürfen. Vielmehr hätte
eine zusätzliche arbeitspsychiatrische/neuropsychologische Untersuchung zur
weitestmöglichen
Objektivierung der vom Beschwerdeführer gekla
gten kognitiven Defizite durch
geführt
werden müssen
, wie dies bereits die Vorgutachter des
Z._
gemacht hatten
.
Auch eine Rückfrage beim behandelnden Psychiater, der
im
Vorfeld der Begutachtung lediglich eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer leichten bis mittelschweren Depression attestiert und den Beschwerdeführer wegen der wöchentlichen Therapiefrequenz wohl auch in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Begutachtung gesehen hatte
(vgl.
Urk.
9/328)
,
hätte in dieser Situation eine
bessere Abstützung der gutachterlichen Schlussfolgerungen ermöglicht.
Unter diesen Umständen wurde die Ausprägung/Schwere der diagnoserelevanten Befunde (vorstehend E. 1.2) nicht hinreichend abgeklärt.
4.5
Der Hinweis des psychiatrischen Gutachters, die
Dres
.
D._
,
F._
, und
E._
hätten
das Ausmass der Traumatisierung während der Haft nicht tiefer exploriert und die Symptomatik zu wenig im Kontext dieser Traumatisierung ver
standen (
Urk.
9/380/84-85)
, legt nahe, dass er
das psychische Leiden
anders wür
digte als die von ihm genannten
Psychiater
und auch
als
die psychiatrischen
Z._
-Gutachter.
Eine andere Beurteilung eines weitgehend unveränderten Gesundheitszustandes bildet indessen keinen Revisionsg
rund (vgl. vorstehend E.
1.5).
Ebenfalls
eher
in Richtung
eines unveränderten
psychischen Gesundheits
zustands
deutet der Umstand, dass der Beschwerdeführer
bereits
den
Z._
-Gutachtern
ang
egeben hatte
, seine kognitiven Funktionsstörungen verunmög
lichten ihm jegliche publizistische Tätigkeit (
Urk.
9/92/25).
Andererseits bestehen angesichts der vom
B._
-Psychiater erhobenen klinischen Untersuchungsbefunde und der
von ihm
herausgearbeiteten
,
nicht ohne Weiteres von der Hand zu wei
sende
n
Entwicklung
,
wonach
die Geburt der
Tochter
wider Erwarten zu einer depress
iven Abwärtsspirale geführt ha
be
(
Urk.
9/380/77-80,
Urk.
9/380
/83
; vgl. auch
Urk.
9/380/105)
,
auch Anhaltspunkte für eine
relevante Verschlechterung der psychischen Symptomatik
.
Aufgrund der vorerwähnten Mängel
genügt
das psychiatrische
B._
-Gutachten nicht
für eine abschliessende Beurteilung des massgeblichen Sachverhalts
. In dieser Situation hätte die IV-Stelle nicht ohne weitere
Abkl
ärungen zu den relevanten
psychiatrische
n
und
neuropsychologi
sche
n
A
spekten
über den Rentenanspruch verfügen dürfen. Die blosse Aktenbe
urteilung
durch den RAD-Chirurgen
Dr.
H._
und die zuständige Kunden
beraterin vermochte die notwenigen Abklärungen durch medizinische Fachleute nicht zu
ersetzen.
4.6
Nach dem Gesagten hat die IV-Stelle den Sa
chverhalt ungenü
gend abgeklärt, indem sie
auf die Durchführung einer neuropsychologischen beziehungsweise psychiatrischen
Untersuchung mit Tests
und mit dem besonderen Fokus auf arbeitsbezogene Aspekte
zur
weitestmöglichen
Objektivierung der vom Beschwer
deführer geklagten kognitiven Defizite
verzichtet
und damit einen wesentlichen
Aspekt bisher gar nicht abgeklärt
hat
.
Die Sache ist deshalb zurück
zuweisen
(
§
26
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts;
GSVGer
)
, damit die IV-Stelle dies nachhole und den Beschwerdeführer nochmals
– nach
Beizug
eines aktuellen Verlaufsberichts des behandelnden Psychiaters
–
im erwähnten Sinne
psychiatrisch
b
egutachten lasse und bei Anhaltspunkten auf eine zwischenzeitliche Veränderung der körperlichen Beschwerden auch diesbe
züglich
zusätzliche
Abklärungen veranlasse, bevor sie erneut über den Renten
anspruch zu verfügen haben wird.
Die beauftragten Gutachter werden sich
zur Entwicklung
des psychischen Gesundheitszustandes und
zur
Arbeitsfähigkeit seit Erlass der Verfügung vom 18. Februar 2010 beziehungsweise
seit
der Begutach
tung im
Z._
im Jahr 2007 (vgl. vorstehend E. 3.2.1)
sowie
zur Frage nach einer wesentlichen Veränderung
zu äussern haben.
Sollte
n die
Testergebnisse
wie bereits
anlässlich der
Vorabklärung
im
Z._
aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers
nicht
verwertbar
sein, werden die begutachtenden Psychia
ter/Neuropsychologen dies in ihre Beurteilung einzubeziehen haben. Auf jeden Fall werden sie sich auch dazu zu äussern haben, inwiefern eine von ihnen bescheinigte Arbeitsunfähigkeit zu den aus somatischer Sicht bestehenden Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit zu kumulieren ist.
In diesem Zusammenhang wird auch geprüft werden können, ob die Geburt der Tochter lediglich zu einer vorübergehenden psychosozialen Belastung
und Dekompensation
führte, oder zu einer
–
in dieser Konstellation
nicht
leichthin anzunehmenden
-
dauerhaften
gesundheitlichen Verschlechterung.
Zudem
sei auch auf einen für das vorliegende Verfahren nicht entscheidenden, aber für die weiteren Abklärungen womöglich
relevanten
Sachverhalt hingewiesen:
Eine
Internetrecherche erg
a
b, dass der
Beschwerdeführer
einige Monate nach der Begutachtung
durch die
B._
-Ärzte
für eine politische Partei als Gemeinderat
für die Wohnsitzgemeinde
kandidierte.
Bei diesem Ausgang braucht die Rüge des Beschwerdeführers, die IV-Stelle habe bei Erlass der angefochtenen Verfügung seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
,
nicht geprüft zu werden, zumal der Beschwerdeführer es dem Gericht
überlässt, eine allfällige Gehörsverletzung zu sanktionieren oder zu heilen (
Urk.
1 S. 3 f.).
Im
diesem
Sinne
ist die
Beschwerde gutzuheissen, und die angefochtene Verfü
gung ist aufzuheben.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten
von
Fr.
700.
--
zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung dieser
Krit
erien ist die
dem Beschwerdeführer
zuzuspre
chende Parteientschädigung ermessensweise auf
Fr.
2'400.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen
.