Decision ID: 6aef2a0b-8890-58fa-b6e9-d7380c52e3b3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene
X._
war zuletzt von
2015
bis
2018
(letzter effektiver Arbeitstag: 28. Juni 2018)
als
Kellner
im
Y._
, Zürich,
tätig
(
Urk.
9/10)
.
Zudem war er ab 1.
Mai 2018
bis 3
0.
November 2018
als Reinigungsangestellter bei
Z._
angestellt
(Urk.
9/29/82
, Urk. 9/29/53) und ab 15.
Dezember 201
8
als Kellner im
A._
(Urk. 9/15;
Kündigung
im Jahr
2019, vgl. Urk.
9/23
).
Am
20. Dezember 2018 meldete
er sich unter Hinweis auf
Hüfte, Rücken und Tennisarm
bei der Inva
lidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2
). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklä
rungen
und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung
en
bei (Urk. 9/3,
Urk. 9/8,
Urk. 9/29)
.
Am 3. Oktober 2019 teilte die IV-Stelle dem Beschwerde
führer mit, es seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 9/24).
Nach
Erlass des Vorbescheids
(Urk. 9/46
) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
29. Mai 2020
(Urk.
9/48
=
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
29. Juni 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
29. Mai 2020 (Urk.
2) und beantragte eine
erneute medizin
ische und berufliche
Abklärung, eine erneute Prüfung des Leistungsbegehrens, und schliesslich die En
t
richtung einer
angemessene
n
Rente
(Urk. 1 S. 2). Am 15. Juli 2020 wurden wei
tere Unterlagen eingereicht (Urk. 5, Urk. 6/1-13).
Am
4. September 2020 (Urk. 8
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom
1. Oktober 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom
29. Mai 2020 (Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer
seit Juni 2018
in seiner bisherigen Tätigkeit als Kellner nicht mehr arbeitsfähig gewesen
sei. In einer angepassten Tätigkeit habe seit Juni 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestanden (S. 1). Ein Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 13 % (S. 2).
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er verspüre aufgrund
Tractusbeschwerden
starke, belastungsbedingte stechende Schmerzen im Kniebereich beziehungsweise an der Knieaussenseite, die das Laufen unmöglich machten und auch das langsame Gehen stark beeinträchtigten. Mit diesen Schmerzen sei er nur vermindert beweglich, weshalb das Beugen und Strecken des Kniegelenks unzumutbar sei. Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit sei
deshalb
nicht möglich.
Zudem
führten die plötzlich einsetzendenden Schmerzen zu einem Kraftverlust, was eine Weiterbewegung verunmögliche. Diese Umstände seien bei der Festlegung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht berücksichtigt worden (S. 3 f.).
2.3
Streitig ist, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich
abgeklärt wurde und ob
d
er
Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dr.
B._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsappa
rates,
C._
, nannte mit Bericht
vom 10. Juli 2018 (Urk. 9/29/76-77)
als
Diagnose ein
Impingement
vom Cam-Typ
Hüfte beidseits, rechts betont mit beginnender
Coxarthrose
(S. 1)
.
Aufgrund des Leidensdrucks sei die Indikation für ein operatives Vorgehen gegeben. Der Be
schwerdeführer wünsche sich die Evaluation eines gelenkerhaltenden Eingriffes, weshalb die Durchführung eines
Arthro
-MRI geplant sei (S. 2).
Dr.
B._
führte mit Bericht vom 21. August 2018 (Urk. 9/29/40-41
)
aus, a
ufgrund der bereits deutlichen Degeneration auch auf
acetabulärer
Seite sei von einem gelenkerhaltenen
arthroskopischen
Eingriff kein relevanter Effekt zu erwarten, es werde hier tendenziell eher zum Gelenksersatz geraten
(S. 1)
.
3.2
Dr.
med.
D._
,
A
ssistenzarzt
Orthopädie
,
E._
, nannte mit Bericht vom
19.
Oktober 2018 (
Urk.
9/29/38
-39
=
Urk.
6/2)
als Diagnose eine beginnende
Coxarthrose
rechts und berichtete über eine gleichentags durchge
führte Infiltration der Hüfte rechts
(S. 1)
.
3.3
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardio
logie sowie Praktischer Arzt, nannte mit
Bericht vom 16. Januar 2019 (Urk.
9/14)
als
Diagnosen
eine
Coxarthrose
rechts und eine
Epicondylitis
lateralis
r
echts
(Ziff. 2.5). Gegenwärtig arbeite der Beschwerdeführer in
seiner angestammten
Tätigkeit als Kellner
in einem Pensum von 5
0
%
(Ziff. 3.1)
. Die
bisherige
Tätigkeit sei 3 bis 3.5 Stunden pro Tag zumutbar
(Ziff. 4.1)
. Eine leidensangepasste Tätig
keit sei 8 Stunden pro Tag zumutbar
(Ziff. 4.2)
.
Seit der Hüftinfiltration sei die Situation schlechter geworden (Ziff. 2.2).
Die Prognose der Arbeitsfähigkeit sei
unklar,
es sei
eher
eine
Verschlechterung zu erwarten
(Ziff. 2.7)
.
3.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
E._
,
nannte mit
Bericht vom 26.
Februar 2019 (Urk.
9/29/36-37)
als hier gekürzt aufgeführte
Diagnose
eine
symptoma
tische
Impingement-Coxarthrose
beidseits, rechts beschwerdeführend
. Die Arbeit als Kellner könne wegen
der
Beschwerden nur zu 50 % ausgeführt werden (S. 1). Eine Hüftinfiltration vom 19.
Oktober 2018 habe lediglich für zwei bis drei Wochen eine 50%ige Beschwerdereduktion gebracht.
Es werde eine Infiltrations
wiederholung empfohlen (S. 2).
3.5
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.3) führte mit Bericht vom 1
9.
März 2019 zuhanden
einer
der zuständigen
Krankentaggeldversicherung
en
(Urk. 9/29/35) aus, am 5. April 2019
finde
ein neuer Infiltrationsversuch Hüfte rechts statt (Ziff. 4). Auf die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (vgl.
Urk.
9/29/62)
gab Dr.
F._
Folgendes an:
«50
%
für noch drei bis sechs Monate»
(Ziff. 7a). Auf die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit in
einer
ange
passten Tätigkeit (vgl. Urk. 9/29/62) wurde Folgendes ausgeführt
: «80 bis 100
%
, wo nicht zu viel stehen oder laufen müssen» (
Ziff.
7b)
.
3.6
Dr.
G._
(vorstehend E. 3.4
) berichtete am 5.
April 2019 (
Urk.
6/3)
-
der Bericht wurde
erst im Beschwerdeverfahren eingereicht -
über eine gleichentags durchge
führte
Hüftgelenksinfiltration
rechts (S. 1).
3.7
Dr.
med. H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates,
und
Dr.
G._
(vorstehend E. 3.4
)
,
E._
,
führten
mit
- erst im Beschwerdeverfahren eingereichten -
Bericht vom
7.
Juni 2019
(Urk.
6/4)
aus, die letzte Infiltration habe eine zirka 60 bis 80%ige
Beschwerdeverbesserung für zirka zwei Wochen ergeben. Nun seien die Be
schwer
den wie zuvor, sodass auch die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Es be
stehe ein ausgeprägter Leidensdruck und eine massive Einschränkung der Lebens
qualität
(S. 1)
.
Die
Indikation für
eine
Implantation
einer
Hüfttotalprothese
sei
gegeben
(S. 2).
Dr.
H._
nannte
mit Bericht vom 23. August 2019 (Urk. 9/29/4-5 = Urk.
3/5)
als
Diagnose einen
Status nach Implantation Hüft-TP
(Hüft-
Totalendoprothese
)
rechts über einen d
irekten
anterioren
Zugang am 8.
Juli 2019
(S. 1)
. Nach an
fänglicher
Beschwerdeexazerbation
aufgrund eines Hämatoms
sei der
Verlauf
nun regel
ge
recht 6 Wochen nach oben genanntem Eingriff. Die zuvor beste
hen
den Schmerzen inguinal und über dem
Iliosakralgelenk
(
ISG
)
bestünden nicht mehr
. Es bestehe w
eiterhin
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die nächsten sechs Wochen
(S. 2)
.
Dr.
H._
führte mit Bericht vom 9. Oktober 2019 (Urk. 9/29/6-7 =
Urk. 3/6 =
Urk. 6/9) aus, der Verlauf sei grundsätzlich regelgerecht. Die
residuellen
Be
schwerden über dem
Tractus
werden am ehesten noch im Rahmen des leicht ver
mehrten Offsets interpretiert. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Kellner für
weitere
sechs
Wochen (S. 1 f.).
3.8
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.
3)
nannte mit Bericht vom 24. Januar
2020 (Urk. 9/
39) als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Cox
arthrose
(Ziff. 1.2). In
der bisherigen Tätigkeit als Kellner
sei der Beschwerde
führer
ab 1.
Februar 2020
4 St
unden arbeitsfähig (50
%
Pensum; Ziff. 2.1). U
nter angepasste Tätigkeit
wurde einzig
«Arbeit im Sitzen»
angegeben (vgl. Ziff. 2.1). Die
Leistungsfähigkeit sei um 50
% vermindert
(Ziff. 2.2)
.
3.
9
Dr. med. I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nannte mit Stellungnahme vom 15. Februar 2020 (Urk. 9/44/5-6) mit Verweis auf die Akten
lage als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach Implantat
ion einer Hüft-TEP rechts am 8.
Juli 201
9.
D
er Gesundheitszustand sei stabil.
Die aktenkundigen Angaben für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
als Kellner
seien aus versicherungsmedizinisch-orthopädischer Sicht plausibel, da es sich hierbei um eine praktisch ausschliesslich im Stehen und Gehen zu verrichtende Arbeit handle. Somit habe
zunächst
ein näher beschriebener Verlauf der
Arbeits
unfähigkeit
bis 3
1.
Januar 202
0 bestanden
,
seit 1.
Februar 2020 bestehe nun aber wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
bis auf weiteres (S. 1 f.).
Für eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit, in diesem Falle eine körperlich leichte, wechselbelas
tende und dabei vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne häufiges Bücken oder Trep
pen
steigen, ohne häufiges Gehen auf unebenem Boden, ohne Knien, Kauern und Hocken, sei von folgendem
Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit
auszugehen:
20%
ige Arbeitsunfähigkeit
vom 28. Juni 2018
bis 7.
Juli 2019
, 100%ige
Arbeitsun
fähig
keit
vom
8.
Juli bis
9.
Oktober 2019
und ab 1
0.
Oktober 2019 bis auf weiteres
20%
ige
Arbeitsunfähigkeit
(vollzeitig mit geringer Leistungsminderung 20
% wegen der Notwendigkeit häufiger Ruhepausen/Arbeitsunterbrechungen)
.
3.10
Dr.
H._
(vorstehend E. 3.7)
führte mit
- erst im Beschwerdeverfahren ein
ge
reichten -
Ber
icht vom 20.
Februar 2020
(Urk. 3/7 = Urk.
6/11) aus, e
s bestün
den noch leichte
Tractusbeschwerden
sieben Monate nach Implantation einer Hüft
totalprothese rechts, welche in Anbetracht des leicht vermehrten Offsets nach
vollziehbar seien. Die Beschwerden seien weiterhin rückläufig.
Es werde emp
fohlen, die
Physiotherapie fortzuführen. Bezüglich des Kniegelenks links werde von einer Überbelastung im Rahmen der Entlastung der rechten Seite ausge
gangen. Klinisch und radiologisch zeigten sich keine relevanten Pathologien (S. 1
f
.
).
Dr.
H._
führte mit
- ebenfalls erst im Beschwerdeverfahren eingereichten -
Bericht
vom
2
0.
Februar 2020
(Urk.
6/12)
zuhanden
einer Krankentag
geldver
si
cherung
aus,
wechselbelastende Tätigkeiten (stehend und sitzend
)
sollten
zumut
bar sein
, keine einseitigen Belastungen
. Wechselbelastende Tätigkeiten sollten
in einem Pensum von zirka 50
%
möglich sein,
dies könne dann je nach Ausmass der Beschwerden gesteigert werden. Es sei von einer weiteren Besserung auszu
gehen.
3.11
N
ach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
29. Mai 2020 erging
ein weiterer
Arztbericht.
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sich
tigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des im Rahmen des Beschwerdever
fahrens eingereichten Berichtes
vom
8.
Juli 2020
von
Dr.
H._
(
Urk.
6/13)
er
füllt, weshalb dieser vorliegend berücksichtigt werden kann.
Dr.
H._
führte aus, e
in Jahr nach Implantation einer Hüfttotalprothese rechts zeigten sich heute noch hartnäckige ISG-Beschwerden rechts. Diesbezüglich würden die Kollegen der Rheumatologie um Aufgebot des Beschwerdeführers zur Beurteilung und Evaluation einer ISG-Infiltration gebeten.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Abweisung des Leistungsbegehrens damit, dass davon auszugehen sei, dass
der Beschwerdeführer
seit Juni 2018
in seiner bisherigen Tätigkeit als Kellner nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei. In
einer angepassten Tätigkeit habe seit Juni 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bestanden
(vorstehend E. 2.1).
4.2
Dr.
G._
diagnostizierte im Februar 2019 eine
symptomatische
Impingement-Cox
arthrose
beidseits, rechts beschwerdeführend
(vorstehend E. 3.4)
.
Am 19.
Oktober 2018
und am 5.
April 2019
wurden beim rechten Hüftgelenk Infiltrationen
durch
geführt (vorstehend E. 3.2
und 3.6
).
Schliesslich
wurde
am 8.
Juli 2019
ein künst
liches Hüftgelenk
beim Beschwerdeführer eingesetzt
(vorstehend E. 3.7)
.
4.3
Hausarzt Dr.
F._
nahm
im
Januar 2019
zwar eine Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
des Beschwerdeführers
vor, indem er ihn in der bisherigen Tätigkeit
als Kellner
als zu 3 bis 3.5 Stunden pro Tag und in einer leidensangepassten Tätigkeit als
zu
8 Stunden pro Tag
arbeitsfähig einschätzte (vgl. vorstehend E.
3
.3)
.
Dies wurde aber nicht näher begründet. Im März 2019 beurteilte Dr.
F._
den Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als zu
50
%
arbeitsfähig für drei bis sechs Monate. In einer
angepassten Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100
%
für Tätigkeiten, in welchen der Beschwerdeführer n
icht z
u viel stehen oder laufen müsse
(vgl. vorstehend E. 3.5
)
.
Dies begründete
er wiederum nicht näher.
Dr.
F._
gab
im Januar 2020
an
, in d
er bisherigen Tätigkeit als Kellner
sei der Beschwerdeführer ab 1.
Februar 2020
4 St
unden arbeitsfähig (50
%
-
Pensum). In einer
angepassten,
sitzenden Tätigkeit
,
bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.8).
Auch diese Beurteilung begründete er nicht näher und legte insbesondere nicht dar, weshalb er
von einer um 50 % verminderten Leistungsfähigkeit ausging.
4.4
Die
behandelnden
Ärzte der
E._
attestierten dem Beschwerdeführer im August 2019, mithin sechs Wochen nach der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die nächsten sechs Wochen
(vorstehend E. 3.7)
. Im Oktober 2019 wurde
für die Tätigkeit als Kellner
eine vollständig
e Arbeitsunfähigkeit attestiert
. Zur Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit wurden keine Angaben gemacht (vgl. vorstehend E. 3.7).
4.5
RAD-Arzt
Dr.
I._
(vorstehend E. 3.9
) nahm keine eigene Untersuchung, sondern ledi
glich eine Aktenbeurteilung vor.
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wir
kung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
n
er medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisge
mässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber
2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.6
Dr.
I._
kam zum Schluss,
seit
1.
Februar 2020
und
bis auf weiteres
bestehe
als Kellner
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
.
Für eine
näher umschriebene
behinde
rungsangepasste Tätigkeit
ging er von
folgendem Verlauf der Arbeitsunfähigkeit aus: 20%ige Arbeitsunfäh
igkeit vom 28. Juni 2018 bis 7.
Juli 2019, 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 8.
Juli bis 9.
Oktober 2019 und ab 10.
Oktober 2019 bis auf weiteres 20%ige Arbeitsunfähigkeit (vollzeitig mit geringer Leistungsmin
derung 20
%
wegen der Notwendigkeit häufiger Ruhepausen/Arbeitsunter
brech
ungen).
Weshalb
er von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausging, begründete er nicht näher
und erscheint nicht nachvollziehbar.
Der
Hausarzt des Beschwerdeführers ging
zwar
zeitweise von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus, attestierte
im weiteren Verlauf
aber nur noch eine solche von 50 % (vorstehend E. 4.3). Die behandeln
den
Ärzte
der
E._
nahmen zur längerfristigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit keine Stellung
(vorstehend E. 4.4)
.
Eine
Krankentag
geldversicherung
des Beschwerdeführers
ging
mit Schreiben vom 2
0.
Dezember 2019 (Urk. 9/35/2)
unter Verweis auf einen Bericht des Hausarztes vom
9.
Dezem
ber 2019 von einer 100%igen A
rbeitsfähigkeit
in e
iner angepassten Tätigkeit aus. Der erwähnte
Bericht des Hausarztes befindet sich
jedoch
nicht in den Akten und lag auch dem RAD-Arzt nicht vor (vgl. Urk. 9/44/5).
Schliesslich steht die Annahme einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ab 1
0.
Oktober 2019
auch im Widerspruch zum Umstand, dass die Beschwerdegeg
nerin dem
Beschwerdeführer
am
3.
Oktober 2019 mitgeteilt hat, dass keine
Ein
gliederungsmassnahmen
möglich s
eien, da die Genesung von der Operation
der
zeit im Vordergrund stehe
(vgl. Urk. 9/24)
.
Nach dem Gesagten
wurde der medizinische Sachverhalt durch die Beschwerd
e
gegnerin ungenügend abgeklärt. Z
ur Arbeitsfähigkeit, insbesondere
derjenigen
in
einer angepassten Tätigkeit,
lag im Verfügungszeitpunkt
kein umfassender und nachvollziehbarer Bericht vor. Zudem finden sich in
den
Berichten, welche erst im Beschwerdeverfahren eingereicht wurden, Hinweise auf Beschwerden, welche eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit als fraglich erschei
nen lassen.
So
attestierte
Dr.
H._
in einem
Bericht vom 20.
Februar 2020
für
eine näher umschriebene angepasste Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von nur 50
%
(vorstehend E. 3.10)
und erwähnte mit Beri
cht vom 8.
Juli 2020
,
dass sich
ein Jahr nach Implantation einer Hüfttotalprothese rechts heute noch hartnäckige
ISG-Beschwerden rechts
zeigten
und ersuchte d
iesbezüglich
um weitere Abklä
rungen
(vorstehend E. 3.11)
.
Somit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rück
weisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend wurde die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
und damit der
ent
scheidwesentliche
Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfü
gung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit sie die Arbeitsfähigkeit de
s Beschwerdeführers
in geeigneter Weise abkläre.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 5
00.-- anzusetzen. E
ntsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.