Decision ID: ad046f18-2390-5303-abf1-36af52900448
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, meldete sich am 1
8.
Oktober 2011 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische un
d erwerbliche Situation ab,
und holte bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein ps
ychiatrisches
Gutachten ein, das am
1
0.
Oktober 2012 erstattet wurde (
Urk.
7/30)
.
Nach
ergangenem
Vorbescheid
(
Urk.
7/35-38)
sprach die IV-Stelle
mit Verfü
gung vom 1
1.
April 2013 d
em
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad vo
n 62
%
eine
Dreiviertelsr
ente
ab
1.
April 2012
zu (
Urk.
7/41,
Urk.
7/48-51).
1.2
Der Versicherte erhob am 1
3.
Mai 2013 Beschwerde (
Urk.
7/56/3-4) gegen die Verfügung vo
m 1
1.
April 2013 betreffend die Beitragsjahre. Die IV-Stelle bean
tragte in der Beschwerdeantwort vom 1
2.
August 2013 (
Urk.
7/58) die Andro
hung einer
reformatio
in
peius
. Am
9.
September 2013 zog der Versicherte seine Beschwerde zurück (vgl.
Urk.
7/60).
1.3
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
7/73
-76
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
März 2015 die Verfügung vom 1
1.
April 2013
wieder
erwägungsweise
auf
(
Urk.
7/77 =
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte erhob am
5.
Mai 2015
Beschwerde (
Urk.
1)
g
egen die Verfügung vom 2
4.
März 2015
(
Urk.
2) und be
antragte, diese sei aufzuheben
und es sei
ihm
weiterhin eine
Dreiviertelsrente
auszurichten (S. 2).
Die IV-Stelle beant
ragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2015
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Eingabe vom 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
8) machte der Beschwerdeführer auf die Rechtsprechungsänderung in Bezug auf die
Über
wind
barkeits
- beziehungsweise Schmerzrechtsprechung des Bundesgerichts aufmerksam (
Urk.
9).
Die am
2.
Juli 2015 beigeladene Pensionskasse der Stadt
Y._
(
Urk.
10) liess sich nicht vernehmen.
Dies wurde den Parteien am 1
3.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG)
. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in
sei
nen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
ge
richts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung
einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte
rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, wel
ch
e oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
mess
ung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Fehlen die in
Art.
17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die
Renten
ver
fü
gung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger
Ver
wal
tungsverfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
gen
stand
materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen).
Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenen
falls
mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüng
liche
Rentenver
fügung
zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts
9C_121/2014,
vom
3.
September 2014, E. 3.2.2,
9C_762/2013
vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und
9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2, je mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der im Jahre 2013 zugesprochenen Rente damit, dass die damalige
Zusprache
zweifellos unrichtig gewesen sei, da die Überwindbarkeit im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG sowie der Rechtsprechung nicht geprüft worden sei. Die entspre
chende Prüfung ergebe, dass kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend
(
Urk.
1), die
Zusprache
sei nicht zweifellos unrichtig gewesen (S. 8 ff.
Ziff.
13 ff.) beziehungsweise die Überwindbarkeit wäre oder sei zu verneinen (S. 13 ff.
Ziff.
28 ff.).
In seiner Eingabe vom 1
7.
Juni 2015 machte der Beschwerdeführer geltend, aktu
ell sei
die neue Praxis (
Urteil des Bundesgerichts
9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015) anzuwenden
(
Urk.
8)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Verfügung vom 1
1.
April 2013 zu Recht
wegen zweifelloser Unrichtigkeit wiedererwägungsweise aufgehoben wurde.
3.
3.1
Der
Leistungszusprache
im Jahr 2013 lagen folgende medizinische Berichte zu Grunde:
3.2
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, berichtete am 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/14) und
nannte als
vorläufige Diagnose
ein
Myalgie-Adynamie-Syndrom unklarer Ätiologie (
S. 1
Ziff.
1.1)
. Sie führte aus
,
dass sie den Beschwerdeführer se
it
dem
2
1.
Februar 2012 behandle
(
S. 1
Ziff.
1.2
).
Der Beschwerdeführer sei bisher seit über 15 Jahren als Primar
lehrer für Deutsch mit maximal 40%iger Arbeitsbelastung tätig
gewesen. Diese bisherige Tätigkeit sei ihm weiterhin zu 40
%
zumutbar
. Vor allem für schriftli
che Arbeiten sei der Beschwerdeführer arbeitsunfähig. Sollte sich sein Tätig
keitsfeld verändern, so sei er für ähnliche Arbeiten als Lehrer möglicherweise nicht ohne weiteres einsetzbar (S. 3
Ziff.
1.6 und
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 1
8.
Juli 201 (
Urk.
7/22) und
nannte folgende Diagnosen (S. 1):
somatoforme
Schmerzstörung
depressives Syndrom mit psychotischen Symptomen und einer gestörten Schmerzverarbeitung
Der Beschwerdeführer schildere, dass er
mit der rechten Hand
einfach nicht rich
tig schreiben oder eine Schere benutzen könne. Er habe zwar Gefühl und könne auch Sachen herumtragen, könne jedoch nicht viel Druck geben.
Dr.
B._
führte aus,
die Symptomatik scheine nicht alleine durch neurologisch-somatische Befunde erklärbar zu sein. Es handle sich ebenfalls um eine
Schmerzverarbeitungsstörung, die zum Beispiel durch eine affektive Störung bedingt sein könnte.
3.4
Dr.
B._
berichtete erneut am
9.
September 2012 (
Urk.
7/23) und nannte fol
gende Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.1):
somatoforme
Störung (
ICD-10
F46)
schizoaffektive
Störung (
ICD-10
F25.1)
Er führte aus, dass er den Beschwerdeführer vom
6.
Juli bis
8.
August 201
2
behandelt habe
(
S. 1
Ziff.
1.2)
.
Der Beschwerdeführer sei in seiner angestamm
ten Tätigkeit zu
100
%
arbeitsunfähig
(
S. 3
Ziff.
1.6)
. Es bestünden Störungen des Denkens, des Handels und Fühlens sowie der sozialen Kontaktfähigkeit (S. 3
Ziff.
1.7). Zum Beispiel in einer beschützten Werkstatt könnte der Beschwerde
führer halbtags arbeiten (S. 3
Ziff.
1.7)
.
3.5
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sei
n
psychiatrisches Gutachten am 1
0.
Oktober 2012 (
Urk.
7/30) gestützt auf
die Akten sowie die ausführliche Exploration des Beschwerdeführers
vom
5.
Oktober
201
2.
Er nannte folgende Diagnose
(S. 18
Ziff.
5):
somatoforme
Schmerzstörung im Sinne einer klassischen
Konversions
symptomatik
(Überempfindlichkeit gegenüber
Berührungs- und Schmerzreizen,
Hyperästhesie
;
(ICD-10
F45.4
)
Er führte aus,
dass der Beschwerdeführer unter einer
somatoformen
Schmerz
störung
im Sinne einer klassischen neurotischen Konversionssymptomatik leide. Die Problematik habe sich eng umschrieben weiter entwickelt, fixiert und
chro
nifiziert
. Der Beschwerdeführer habe sein ganzes privates und berufliches Leben mit diesem Symptom und um dieses Symptom herum arrangiert, aber auch mit diversen Hilfsmitteln und einem reduzierten Lehrtätigkeitspensum angepasst bewältigt.
Er habe demnach im gewissen Sinne eine leidensangepasste Tätigkeit und allgemeine Lebensbewältigung gefunden, die in den letzten 15 Jahren problemlos funktioniert habe und auch keine Arztbesuche erfordert habe (S. 18 unten).
Das vom Beschwerdeführer erstellte Krankheitsmodell, das die Funktionsstörung der Hände und Finger einzig auf die somatischen Folgen seines Töff-Unfalls mit 14 Jahren zurückführe, sei sicherlich falsch. Neurologisch und anatomisch bestehe kein Zusammenhang zwischen thorakalen Rippendeformationen (Th5) und Händen und Fingern, die von zervikalen Nerven innerviert seien.
Ferner wären neurologische Ausfälle direkt von Unfall an aufgetreten und nicht erst 15
Jahre später
(S. 19)
.
Der Beschwerdeführer habe in den letzten Jahren
von sich aus ein
leidensan
gepasstes
Pensum von zirka 35
%
als Deutschlehrer für Ausländerkinder gut bewältig
t. Ein höherer Prozentsatz führe
erfahrungsgemäss zu Dekompensation
im Sinne von sogenannten „Rückfällen“
. Alternativtätigkeiten s
eien
sowohl medizinisch-theoretisch als auch praktisch nicht möglich, weil
d
er
Beschwer
deführer
erstens dazu nicht ausgebildet
sei
, weil es ihn intellektuell unterfordern würde oder weil er einfach
e
Handarbeiten oder Schreibarbeiten oder dergleichen mit seinem fingerspitzenzentrierten Leiden praktisch nicht bewältigen k
önne
(S.
20
Ziff.
7)
.
H
eute
gäbe es
Computertastaturen, die praktisch keinen Druck mehr brauchen
würden
. Es ginge es also „lediglich“ um das Überwinden der emotionalen Blo
ckade, das auszuprobieren, worin aber gerade das psychologische Hauptproblem
des Beschwerdeführers
lieg
e.
Er vermeide mit allergrösster Angst jede korrigie
rende emotionale Erfahrung (S. 20
Ziff.
8).
Das Leiden und damit die Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise die
leidensange
passte
Tätigkeit des Beschwerdeführers betreffe die gesamte berufliche Tätig
keitsdauer von 28 Jahren. In den letzte
n 15 Jahren hätten
sich keinerlei Verän
derungen, sondern ein absolut stationärer Zustand der Symptomatik sowie auch des Arbeitspensums, das der Beschwerdeführer damit habe bewältigen können
,
gezeigt
(S. 21
Ziff.
9)
.
Auch eine zweijährige, intensive daseinsanalytische Psy
chotherapie habe weder psychologisch noch
symptomatologisch
irgendeine Veränderung, geschweige denn eine Verbesserung bewirken können. Theore
tisch könnte höchstens eine Verhaltenstherapie oder kombiniert mit einer Schema-Therapie zu einer Verbesserung der Symptomatik und psychischen
Fixiertheit
führen
. Die vom Neurologen
Dr.
B._
vorgeschlagene medikamen
töse Therapie mit Neuroleptika sei nicht indiziert. Zum einen, weil sowohl die Diagnose eines depressiven Syndroms mit psychotischen Symptomen, als auch die später gestellte Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung nicht nachvollzo
gen werden könnten
(S. 21
f.
Ziff.
10).
Eine
willentliche Schmerzüberwindung
sei
weder psychologisch möglich noch theoretisch zumutbar.
Der Beschwerdeführer
erfüll
e
die einen Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess verhindernden
Foerster’schen
Kriterien vollumfänglich (S. 24 Mitte)
. So liege bei ihm ein bald 30-jähriger Krankheitsverlauf mit seit mindes
tens 15 Jahren unveränderter Symptomatik und ohne längerfristige Remissio
nen vor. Der Beschwerdeführer lebe ein sehr isoliertes, ganz auf seine Sympto
matik reduziertes und eingeengtes Leben, wobei er jedoch im Rahmen dessen durchaus noch ein soziales Leben mit diversen Aktivitäten, sozialen Kontakten sowie fester Lebenspartnerin eingerichtet habe. Ausserdem liege beim Beschwer
deführer zweifelsfrei ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung vor. Weiter habe der Beschwerdeführer eine zweijährige intensive Psychotherapie hinter sich, die keinerlei Veränderungen sowohl bezüglich des psychischen Hintergrundes als auch der Symptomatik gebracht habe (S. 24 f.).
3.6
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 2
5.
Oktober 2012 Stellung
(
Urk.
7/35 S. 4 f.) und führte aus,
auf
das
Gutachten k
önne
abgestellt werden
. Dem Beschwerdeführer seien
weiterhin 10 Wochenstunden
in einer
angepasst
en Tätigkeit
zumutbar (S. 5 oben)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin berief sich zur Begründung ihrer Verfügung vom
24
.
März
201
4
(Urk. 2) auf die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfü
gung vom
11.
April
201
3
(vgl. vorstehend E. 1.4).
D
ie
Beschwerdegegnerin kann
auf formell
rechtskräftige Verfügungen
zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
er
heblicher Bedeutung ist.
Zweifellose Unrichtigkeit im
wiedererwägungsrechtli
chen
Sinn liegt vor, wenn die Verfügung aufgrund falscher oder unzutreffender
Rechtsregeln erlassen oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder un
rich
t
ig angewendet wurden. Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Ren
ten
ver
fügung
kann auch bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige
Sach
verhaltsabklärung
aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungs
grundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG).
Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient
somit
der Korrektur einer anfänglich unrichti
gen Rechtsanwendung
einschliess
lich
unrichtiger Feststellung im Sinne
der Wür
digung des Sachverhalts.
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschät
zung der
mass
geb
lichen
Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform
und die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig im
wiedererwägungs
recht
lichen
Si
nne (Urteil des Bundesgerichts
8C_947/2010 vom
1.
April 2011 E.
2.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Auch
k
lar unzutreffende Annahmen, die für die
Diag
nosestellung
von entscheidender Bedeutung sind, kön
nen in gleicher Weise wie das Fehlen einer nachvollziehbaren fachärztlichen Einschätzung der Arbeits
fähig
keit eine Leistungszusprechung als zweifellos unrichtig im
wiedererwä
gungs
rechtlichen
Sinn erscheinen lassen (
Urteil des Bun
des
gerichts
9C_86/2013
vom 30. April 2013
mit Hinweisen).
4.2
Die Rentenverfügung vom 1
1.
April 2013 erging insbesondere gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.5).
Dass dieses Gutachten als solches mangelhaft gewesen wäre, wurde von der Beschwerdeführerin auch rückblickend - zu Recht - nicht behauptet. Vielmehr ging sie davon aus, im damaligen Zeitpunkt
sei die Frage der Überwindbarkeit
bei der
Rentenzusprache
aus rechtlicher Sicht nicht geprüft worden
, weshalb
die Rente einzustellen sei
.
Dies erscheint
von vornherein als nicht nachvollziehbar
,
zumal
die (allfällige) Prüfung der Überwindbarkeit nicht mit der
Rentenein
stel
lung
gleichzusetzen
ist. Immerhin ist d
enkbar
, d
ass die
Überwindbarkeits
prü
fung
zum Schluss führt, eine attestierte Arbeitsunfähigkeit sei
versiche
rungsre
levant
.
4.3
Aus den Akten geht hervor, dass
vorliegend wohl tatsächlich
keine separate Würdigung der
Ü
berwindbarkei
t
skriterien aus Rechtsanwendungssicht
vorge
nommen worden ist.
Dara
us
ergibt sich
jedoch nicht –
und
schon gar nicht überwiegend wahrscheinlich –
die Annahme
, dass der Entscheid anders gelautet hätte, wäre eine solche Würdigung vorgenommen worden.
So ist
angesichts der entsprechenden
, sehr detaillierten Angaben im Gutachten
von
Dr.
Z._
zum
mehrjährige
n
,
chronifizierte
n
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dien
ter Symptomatik ohne längerdauernde
Rückbildung, zum
soziale
n Rückzug, zum
verfestigte
n
, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbare
n
innerseelische
n
Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber en
tlastenden
Konfliktbewäl
tigung
sowie zum
unbefriedigende
n
Behandlungser
gebnis
trotz kon
se
quent durchgeführter ambulanter Be
handlung
(
Urk.
7/30 S. 24 f.; vgl.
auch
vorstehend E. 3.5)
nicht ersichtlich, mit welcher Begründung die Rechtsanwendung einen entgegengesetz
t
en Schluss hätte ziehen können.
So stellt
die Beurteilung der Überwindbarkeit
zwar
durchaus
eine Rechtsfrage
dar
und
ist
grundsätzlich nicht
durch den Gutachter vorzunehmen.
Dies
schliesst
allerdings nicht aus, sondern setzt geradezu voraus, dass aus medizi
nischer Sicht die zur Beurteilung einzel
ner Kriterien dienlichen anamnestischen und
befundmässigen
Angaben gemacht werden.
4.
4
Vorliegend ist sodann nicht auszuschliessen, dass der
Gutachter
Dr.
Z._
im Ergebnis die in BGE 130 V 352 in E. 2.2.3 unter anderem genannte
Sachver
halts
variante
bejaht hat, wonach eine diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung als solche in der Regel keine lang dauernde, zu einer
Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken vermöge und ein Abweichen von diesem Grundsatz nur in j
enen Fällen in Betracht falle,
in denen die festgestellte
somatoforme
Schmerzstörung nach Einschätzung des Arztes
eine derartige Schwere aufweise
, dass der versicherten Person die Verwertung
ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrach
tung
– und unter Ausschluss von Einschränkungen der Leistungsfähig
keit, die auf
aggravatorisches
V
erhalten zurückzuführen
seien
-
s
ozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar
sei
.
4.5
Der von der
Beschwerde
geg
ne
rin
angerufene Wiedererwägungsgrund liegt hier im Be
reich materieller
An
spruchsvoraussetzungen
, deren Beurteilung notwendi
ger
weise Ermessenszüge auf
weist.
Erscheint die Beur
tei
lung einzelner Schritte bei der Feststellung
einer Anspruchsvoraussetzung
wie der
Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit
vor dem Hinter
grund der Sach- und Rechts
lage, wie sie sich im Zeit
punkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung dar
boten, als vertretbar, schei
det die Annahme zweifel
loser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrich
tigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfü
gung - denkbar (SVR
2010 IV Nr. 5 S. 10, Urteil des Bundesgerichts 8C_1012/2008 vom 17. August 2009
E. 2.2 mit Hinweisen
).
Nach dem Gesagten kann vorliegend e
in so eindeutiger Schluss nicht gezogen werden; die
Zu
sprache
einer
unbefristeten
Dreiviertelsrente
er
scheint in Anbe
tracht der damaligen Sachlage als ver
tret
bar.
Eine wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung
vom 11
.
April
201
3
ist somit nicht möglich.
5
.
5
.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
le
gen.
5
.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der
an
waltlich vertretene Beschwerde
führer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung
, die
beim
praxisgemässen
Ansatz von Fr.
220
.-- pro Stunde (zuzüglich Mehrwert
steuer)
ermessensweise auf Fr.
2
‘
000
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzuset
zen ist.