Decision ID: fe6762b9-7ba3-5fc9-8dd2-b6f0ec96509b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland eine
Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin absolviert. Seit ihrer Einreise in die
Schweiz arbeite sie als Serviceangestellte. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 14. September 2005 ein
bidisziplinäres rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten (IV-act. 28 f.). Die
Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an depressiven Verstimmungen als
Ausdruck einer Anpassungsstörung bei einem chronischen Schmerzsyndrom infolge
einer körperlichen Krankheit, an einem Fibromyalgie-Syndrom mit multiplen vegetativen
Begleitbeschwerden, an einem lumbo-spondylogenen Syndrom bei altersgemässen
degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule sowie (gemäss einem Arthro-MRI
der rechten Hüfte) an einem grossen schalenförmigen Gelenkskörper im dorsalen
Hüftgelenk rechts mit rezidivierenden Hüftgelenksblockaden. Körperlich schwere
Tätigkeiten mit dauerndem Gehen und häufigem Treppensteigen seien nicht mehr
zumutbar. Für wechselbelastende, körperlich eher leichtere bis mittelschwere
Tätigkeiten ohne dauerndes Herumgehen oder häufiges Treppensteigen sei unter
Berücksichtigung des chronischen Schmerzsyndroms, der Hüftproblematik rechts und
der vegetativen Begleitbeschwerden sowie der psychischen Faktoren ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent zu attestieren. Die aktuell ausgeübte Tätigkeit in
einem Speiserestaurant sei als körperlich schwer bis mittelschwer einzustufen; das
dauernde Herumgehen und Tragen von Gegenständen seien ungünstig. Aus
medizinischer Sicht sei ein Wechsel in eine andere Tätigkeit am Buffet, in einer
Cafeteria, in einem Industriebetrieb oder als Kassiererin zu empfehlen. Mit einer
Verfügung vom 8. Februar 2006 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit der
A.a.
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Begründung ab (IV-act. 53), bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent für
leidensadaptierte Tätigkeiten resultiere in einem sogenannten Prozentvergleich unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent ein Invaliditätsgrad von
28 Prozent (= 100% – 90% × 80%). Der Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung setze aber einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent
voraus. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wurde von der IV-Stelle mit
einem Entscheid vom 10. April 2006 abgewiesen (IV-act. 64). Der Einspracheentscheid
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Im März 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
67). Gemäss einem Bericht der Klinik B._ vom 24. März 2010 war ihr im Januar 2010
operativ ein Meningeom am freien Rand der Falx entfernt worden (IV-act. 86–4 f.). Am
24. Februar 2012 erstattete die MEDAS Ostschweiz im Auftrag der IV-Stelle ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 145). Die Sachverständigen führten aus, die
Versicherte leide an Restbeschwerden nach der Entfernung eines freien Gelenkkörpers
im rechten Hüftgelenk im Jahr 2006 sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem generalisierten chronischen Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden, an unspezifischen Schwindelbeschwerden nach der vollständigen
Resektion eines Falx-Meningeoms, an einer undifferenzierten Somatisierungsstörung,
an Schwierigkeiten bei der sozio-kulturellen Eingewöhnung, an einer Adipositas und an
einem mässigen Spreizfuss mit Hallux valgus. Aus somatischer Sicht bestehe weiterhin
eine Arbeitsfähigkeit, wie sie im Vorgutachten vom September 2005 attestiert worden
sei. In psychiatrischer Hinsicht sei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
hinzuweisen, laut der eine somatoforme Schmerzstörung oder ein sonstiger
vergleichbarer pathogenetisch beziehungsweise ätiologisch unklarer syndromaler
Zustand in aller Regel keine massgebende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. In
einem ergänzenden, im Auftrag der IV-Stelle erstellten psychiatrischen Gutachten vom
19. Januar 2014 hielt Dr. med. C._, der bereits bei der polydisziplinären
Begutachtung im Jahr 2012 beteiligt gewesen war, fest (IV-act. 190), die sogenannten
Foerster’schen Kriterien gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien nicht
erfüllt, weshalb aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
attestieren sei. Mit einer Verfügung vom 26. Januar 2015 wies die IV-Stelle das
A.b.
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Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act.
236).
Das Versicherungsgericht hob die Verfügung vom 26. Januar 2015 mit einem Urteil
vom 31. Oktober 2017 auf (IV 2015/74; vgl. IV-act. 252). Es hielt fest, Dr. C._ habe
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht medizinisch, sondern nur mit einem blossen
Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung begründet. In psychiatrischer
Hinsicht bildeten folglich weder das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 24.
Februar 2012 noch das monodisziplinäre Gutachten von Dr. C._ vom 19. Januar
2014 eine taugliche Beweisgrundlage. Auch die Berichte der behandelnden Ärzte seien
mangels einer überzeugenden Begründung anhand der objektiven klinischen Befunde
nicht geeignet, die Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Versicherten mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Der
Sachverhalt erweise sich damit als ungenügend abgeklärt. Das Versicherungsgericht
wies die Sache zur Fortsetzung der medizinischen Sachverhaltsabklärung an die IV-
Stelle zurück. Auf eine Anfrage der IV-Stelle hin berichtete der Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. D._, am 1. März 2018 (IV-act. 263), die Versicherte wirke in
der Sprechstunde nach wie vor gedrückt und perspektivenlos. Sie leide unter
Kopfschmerzen, Schulterschmerzen, Schmerzen in der rechten Hand sowie
Rückenschmerzen. Sie arbeite weiterhin in einem Pensum von 20 Prozent im Service.
Die Arbeit falle ihr schwer, weil das Tragen der Teller Schmerzen in den Händen und in
den Schultern bereite. Diese Schmerzen würden als schlimmer als noch im Jahr 2015
beschrieben, aber von der Versicherten nicht näher quantifiziert, da sie „sehr
unterschiedlich“ sein könnten. Durch die Schmerzen sei der Schlaf deutlich
beeinträchtigt, was sich letztlich auch auf die Stimmung auswirke. Im Gesamten habe
sich der Gesundheitszustand seit dem Jahr 2015 leicht verschlechtert. Das Psychiatrie-
Zentrum E._ berichtete am 11. Mai 2018 (IV-act. 267), die Versicherte leide an einer
mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom sowie an einer
undifferenzierten Somatisierungsstörung. Klinisch seien die Merkfähigkeit mittelgradig
und die Konzentration leichtgradig eingeschränkt. Der formale Gedankengang sei leicht
verlangsamt und stark auf die Schmerzsymptomatik eingeengt. Es bestehe eine starke
Grübelneigung. Die Schwingungsfähigkeit sei mittelgradig eingeschränkt. Im Affekt
wirke die Versicherte leicht ratlos und deprimiert. Sie sei mittelgradig dysphorisch und
A.c.
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„jammrig“. Der Antrieb sei stark reduziert. Aufgrund der „seit Jahren stattfindenden
niederschwelligen Behandlung (lediglich Einzelsitzungen auf monatlicher Basis und
länger, keine Gruppentherapien)“ könne die Frage nach dem Arbeitsfähigkeitsgrad
nicht beantwortet werden. Am 28. August 2018 beauftragte die IV-Stelle die
Medizinisches Gutachtenzentrum Region St. Gallen (MGSG) GmbH mit einer
polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act. 273).
Am 12. November 2018 erstattete die MGSG GmbH das in Auftrag gegebene
polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 283). Die Sachverständigen hielten fest, die
Ergebnisse der im Rahmen der Begutachtung durchgeführten Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit seien infolge einer mässigen Symptomausweitung,
einer Selbstlimitierung und einer Inkonsistenz nur teilweise verwertbar. Das Ausmass
der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden nur zum Teil erklären. Aus funktioneller Sicht dürfte der
Versicherten die aktuelle Tätigkeit als Serviceangestellte ganztags zumutbar sein.
Allerdings seien zusätzliche regelmässige Pausen zu empfehlen. Schnelles Gehen sei
nicht voll zumutbar. Rein funktionell seien die Arme entgegen der Ansicht der
Versicherten uneingeschränkt einsatzfähig. Aus orthopädischer Sicht seien die
Schmerzen und die Untersuchungsbefunde bezüglich der rechten Schulter mit einem –
mittels MRI nachgewiesenen – Impingement vereinbar. Auch in Bezug auf die linke
Schulter sei aufgrund der klinischen Befunde von einem Impingement auszugehen. Die
Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und die pathologischen objektiven Befunde
derselben hätten mit einer in einem MRI dokumentierten Spondylarthrose L3 bis S1
und der Discushernie L4/5 mit Kontakt zur Nervenwurzel L5 beidseits grösstenteils
objektiviert werden können. Die Schmerzen im linken Kniegelenk seien – bei einem
unauffälligen Untersuchungsbefund – auf eine in einem MRI nachgewiesene
Chondropathie zurückzuführen. Aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde
bestehe im rechten Knie eine analoge Situation. Schliesslich leide die Versicherte an
einem Fersensporn und an einer Metatarsalgie bei Senk-/Spreizfüssen beidseits. Auf
die Arbeitsfähigkeit wirkten sich nur das Impingement der rechten Schulter, das
verdachtsweise bestehende Impingement der linken Schulter und das
Lumbovertebralsyndrom aus. Die beiden Gutachten der MEDAS Ostschweiz aus den
Jahren 2005 und 2012 seien aus orthopädischer Sicht als ungenügend zu qualifizieren.
A.d.
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Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz hätten die massgebenden Befunde nur
teilweise erhoben. Die Diagnosestellung sei vage gewesen und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei unzureichend begründet worden. Der Versicherten sei
die bisherige Tätigkeit als Serviceangestellte unter Berücksichtigung der
Schulterbeschwerden spätestens seit Mai 2015 nur noch zu 70 Prozent und seit der
aktuellen Untersuchung aufgrund der neu festgestellten
Lendenwirbelsäulenbeschwerden nur noch zu 60 Prozent zumutbar. Körperlich leichte
Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend,
ohne häufig inklinierte, reklinierte oder rotierte Körperhaltungen, ohne repetitive
Bewegungen der Schultern und ohne Arbeiten über der Horizontalen ausgeübt werden
könnten, seien der Versicherten seit Mai 2015 uneingeschränkt zumutbar. Aus
internistischer Sicht lägen keine Gesundheitsbeeinträchtigungen vor, die sich auf die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten auswirken würden. In der psychiatrischen
Untersuchung hätten eine bedrückte Stimmung, eine durchgehend verminderte
affektive Schwingungsfähigkeit, eine leichte psychomotorische Verlangsamung und
eine Verminderung des Antriebs festgestellt werden können. Die Auffassung, die
Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit seien als weitgehend intakt
erschienen. Das Denken sei negativistisch auf die körperlichen Beschwerden und die
soziale Situation eingeengt gewesen. Eine wesentliche Müdigkeit oder Erschöpfung
habe nicht festgestellt werden können. Diagnostisch lägen eine rezidivierende
depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode und einem
somatischen Syndrom sowie eine sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
undifferenzierte Somatisierungsstörung vor. Die depressive Störung sei für die Zeit ab
Januar 2004 dokumentiert. Sie sei in der Zeit ab Januar 2004 mehrheitlich mittelgradig
ausgeprägt gewesen; es sei im Verlauf nur zu kurzen, vorübergehenden
Stimmungsaufhellungen gekommen. Die depressive Störung stehe allerdings im
Zusammenhang mit der Schmerzsymptomatik, was bedeute, dass es sich dabei nicht
um eine von den Schmerzen unabhängige oder sich verselbständigte depressive
Erkrankung handle. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherten sowohl die
angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte wie auch eine adaptierte Tätigkeit
ganztags zumutbar. Die Versicherte könne aber keine uneingeschränkte Arbeitsleistung
erbringen. Für die angestammte Tätigkeit sei eine Leistungsminderung von 40 Prozent
und für eine leidensadaptierte Tätigkeit eine solche von 30 Prozent zu attestieren. Die
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B.
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage folglich 60 Prozent, jene in einer
leidensadaptierten Tätigkeit 70 Prozent. Für die Konsensbeurteilung sei diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen massgebend,
weshalb in polydisziplinärer Hinsicht für (somatisch und psychisch) ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten für die Zeit seit Januar 2004 ein Arbeitsfähigkeitsgrad von
70 Prozent zu attestieren sei. Im Januar 2019 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten der MGSG GmbH sei in somatischer
Hinsicht überzeugend, weshalb auf es abgestellt werden könne. Die RAD-Ärztin Dr.
med. H._ notierte im Januar 2019, das psychiatrische Teilgutachten sei grundsätzlich
überzeugend, obwohl der psychiatrische Sachverständige sich nicht näher mit
verschiedenen Inkonsistenzen auseinandergesetzt habe (IV-act. 284). Ein Mitarbeiter
des Rechtsdienstes hielt in einer Aktennotiz vom 7. Februar 2019 fest (IV-act. 285), eine
Würdigung des psychiatrischen Teilgutachtens der MGSG GmbH gemäss dem vom
Bundesgericht definierten „Standardindikatoren-Katalog“ zeige, dass die Versicherte
nicht an einer „invalidisierenden“ psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung leide,
weshalb in psychiatrischer Hinsicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei.
Mit einem Vorbescheid vom 8. Februar 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 288), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines renten
begründenden Invaliditätsgrades vorsehe. Mit einer Verfügung vom 12. April 2019 wies
sie das Rentenbegehren bei einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von drei
Prozent ab (IV-act. 291).
A.e.
Am 27. Mai 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. April 2019 erheben (act. G 1). Ihre Rechts
vertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache
einer Viertelsrente spätestens ab Januar 2014. Zur Begründung führte sie aus, obwohl
die Sachverständigen der MGSG GmbH einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30 Prozent
attestiert hätten, habe die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) einen
Invaliditätsgrad von lediglich drei Prozent errechnet. Das sei nicht nachvollziehbar. Die
Beschwerdegegnerin habe es auch versäumt, einen „Leidensabzug“ zu
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 12. April 2019 hat die Beschwerdegegnerin ein
im März 2010 gestelltes Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen. Der
Gegenstand des am 12. April 2019 abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens ist also
auf einen allfälligen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin beschränkt gewesen. Da
dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf deren
Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen, was bedeutet, dass zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin in der Zeit nach der Anmeldung zum Rentenbezug im März 2010
einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.
2.
berücksichtigen, der auf mindestens zehn Prozent festzusetzen sei. Der Invaliditätsgrad
betrage bei richtiger Berechnung mehr als 40 Prozent.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Juni 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, die Würdigung der vom
psychiatrischen Sachverständigen der MGSG GmbH beschriebenen Aspekte anhand
des „Standardindikatoren-Kataloges“ des Bundesgerichtes habe ergeben, dass keine
„invalidisierende“ psychische Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege. Folglich sei in
psychiatrischer Hinsicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 10. September 2019 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).
B.c.
Der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung setzt gemäss dem Art. 28
Abs. 1 IVG voraus, dass die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert
werden kann, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne einen
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig
gewesen ist und dass sie nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in
Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
2.1.
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medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre.
Die Beschwerdeführerin hat eine (in der Schweiz nicht anerkannte)
Berufsausbildung absolviert, diesen Beruf aber nie ausgeübt. Obwohl sie viele Jahre
lang in der Gastronomie im Service tätig gewesen ist, hat sie dabei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit kein Berufswissen erworben, das demjenigen einer ausgebildeten
Gastronomiefachperson entsprechen würde. Ihre Erwerbsmöglichkeiten auf dem
massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt haben folglich jenen
einer Hilfsarbeiterin entsprochen, was bedeutet, dass die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn hätte
erzielen können. Das Valideneinkommen entspricht also dem statistischen Zentralwert
der Hilfsarbeiterinnenlöhne.
2.2.
Infolge der Gesundheitsbeeinträchtigung stehen der Beschwerdeführerin gemäss
dem sorgfältig erarbeiteten, auf umfassenden Untersuchungen beruhenden und
überzeugend begründeten orthopädischen Teilgutachten der MGSG GmbH nicht mehr
sämtliche Hilfsarbeiten offen; eine optimale Verwertung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit setzt einen Wechsel in eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit voraus. Da
kein statistischer Nachweis dafür existiert, dass körperlich leichtere Hilfsarbeiten
schlechter als körperlich anstrengende Hilfsarbeiten entlöhnt würden, muss davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin auf dem massgebenden
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt (unter Berücksichtigung des
Arbeitsfähigkeitsgrades und eines allfälligen Tabellenlohnabzuges) auch mit einer
leidensadaptierten Hilfsarbeit ein dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne entsprechendes Erwerbseinkommen erzielen könnte, weshalb
der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit dem Valideneinkommen
entspricht. Der Betrag kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch
keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad ist deshalb mittels eines sogenannten
Prozentvergleichs zu ermitteln, das heisst er entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad,
der allenfalls um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen prozentualen
Abzug zu korrigieren ist.
2.3.
Für die Bestimmung des Arbeitsfähigkeitsgrades sind in erster Linie die medi
zinischen Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin massgebend. Aus
somatischer Sicht besteht gestützt auf das vom RAD-Arzt Dr. G._ als überzeugend
2.4.
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qualifizierte Gutachten der MGSG GmbH fest, dass die Beschwerdeführerin ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt ausüben kann. Das psychiatrische
Teilgutachten der MGSG GmbH ist von der RAD-Psychiaterin Dr. H._ als nicht
vollständig überzeugend qualifiziert worden. Die RAD-Ärztin hat darauf hingewiesen,
dass sich der psychiatrische Sachverständige eingehender zu den Inkonsistenzen hätte
äussern müssen, die im Rahmen der Begutachtung aufgefallen waren. Abgesehen von
dieser – grundsätzlich berechtigten – Kritik, auf die nachfolgend eingegangen wird,
besteht allerdings kein Anlass zu ernsthaften Zweifeln an der Überzeugungskraft des
psychiatrischen Teilgutachtens der MGSG GmbH. Der Sachverständige hat die
Beschwerdeführerin umfassend untersucht und ausführlich befragt. Er hat sich zudem
eingehend mit den Vorakten auseinandergesetzt. Seiner ausführlichen Schilderung des
objektiven klinischen Befundes lassen sich mehrere depressionstypische Symptome
entnehmen, weshalb kein ernsthafter Zweifel am Vorliegen einer depressiven Störung
besteht. Der psychiatrische Sachverständige hat seine Diagnosestellung also
überzeugend begründet. Diese Diagnose hat für sich allein aber noch keinen
Rückschluss auf die Arbeitsfähigkeit zugelassen, denn die versicherungsmedizinisch
massgebende Arbeitsfähigkeit ergibt sich nicht aus der Diagnose, sondern aus den
krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen respektive aus dem verbliebenen
Funktionsniveau. Nach der gerade aktuellen bundesgerichtlichen Auffassung (BGE 141
V 281) soll ein medizinischer Sachverständiger im Rahmen einer Begutachtung einen
Katalog von Fragen nach sogenannten „Standardindikatoren“ beantworten. Damit soll
bezweckt werden, dass dieser Sachverständige sich auch mit jenen Aspekten des
medizinischen Sachverhaltes befasst, die für die Beantwortung der rein medizinischen
Frage nach der richtigen Diagnose möglicherweise irrelevant, für die Beantwortung der
versicherungsmedizinischen Frage nach der Arbeitsfähigkeit aber notwendig sind. Nur
wenn ein medizinischer Sachverständiger den medizinischen Sachverhalt in allen
gemäss dem „Standardindikatoren-Katalog“ massgebenden Punkten ermittelt und sich
zu allen „Standardindikatoren“ geäussert hat, ist es für den Rechtsanwender als
medizinischen Laien möglich, die Arbeitsfähigkeitsschätzung des medizinischen
Sachverständigen auf ihre Überzeugungskraft zu prüfen. Diese juristische Überprüfung
eines medizinischen Gutachtens auf dessen sozialversicherungsrechtliche
Aussagekraft kann offenkundig nur zwei mögliche Resultate liefern: Entweder kann auf
die Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt werden oder die Arbeitsfähigkeitsschätzung
überzeugt nicht. Die Annahme, die rein juristische Überprüfung eines medizinischen
Gutachtens durch einen medizinischen Laien könne eine vom Gutachten abweichende
und zugleich überzeugendere Arbeitsfähigkeitsschätzung zum Ergebnis haben, ist
unhaltbar. Der psychiatrische Sachverständige der MGSG GmbH hat sich in seinem
Teilgutachten eingehend mit den nach der bundesgerichtlichen Auffassung
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massgebenden „Standardindikatoren“ befasst: Er hat sich zur Ausprägung und
Schwere der objektiven Befunde und zu den „konkreten Erscheinungsformen“ der
Gesundheitsschädigung geäussert, er hat eine klare Abgrenzung zwischen den
gesundheitsbedingten und den „invaliditätsfremden“ Funktionseinschränkungen
vorgenommen, er hat das aktuelle Persönlichkeitsbild und die biographische
Persönlichkeitsentwicklung ausführlich diskutiert, er hat Stellung zu den persönlichen
Ressourcen genommen, den Alltag der Beschwerdeführerin eingehend beschrieben, er
hat detaillierte Aussagen zu sozialen Belastungen gemacht, er hat überzeugend
begründete Diagnosen gestellt, er hat eingehend Stellung zur Behandlung und
Eingliederung genommen und er hat eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Diese
„erweiterte“ Prüfung hat zum Schluss geführt, dass die objektiv klinisch ausgewiesene
depressive Störung zu einem wesentlichen Teil durch subjektiv empfundene, nur
teilweise objektiv-somatisch erklärbare Schmerzen verursacht worden war. Auch wenn
das Gutachten keine eingehende Auseinandersetzung mit den von den
Sachverständigen beschriebenen Inkonsistenzen enthält, wie die RAD-Ärztin Dr. H._
zu Recht bemängelt hat, lässt sich dem psychiatrischen Teilgutachten doch
entnehmen, dass der psychiatrische Sachverständige die aggravatorischen Tendenzen
gesehen und gewürdigt hat, so dass sie nicht in seine Diagnosestellung und damit
auch nicht in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen sind (vgl. IV-act. 283–99).
Diesbezüglich beruht das psychiatrische Teilgutachten also nicht auf einem
ungenügend erhobenen oder gar falsch festgestellten medizinischen Sachverhalt, auch
wenn die Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen zu diesem Thema eher
knapp ausgefallen sind. Dies allein kann aber keine Zweifel an der Überzeugungskraft
des psychiatrischen Teilgutachtens wecken. Zusammenfassend ist das psychiatrische
Teilgutachten der MGSG GmbH als sorgfältig und überzeugend begründet zu
qualifizieren. Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass hauptsächlich eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung zu einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
mittelgradigen Ausprägung geführt hat und dass diese depressive Störung die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für leidensadaptierte Tätigkeiten um 30
Prozent eingeschränkt hat. Dem Umstand, dass die krankheitswertige depressive
Störung der Beschwerdeführerin auf eine undifferenzierte Somatisierungsstörung
zurückzuführen ist, kommt entgegen der Ansicht eines Rechtsdienstmitarbeiters der
Beschwerdegegnerin keine Bedeutung zu, denn das Bundesgericht hat seine
Auffassung aufgegeben, wonach Somatisierungsstörungen vermutungsweise
„überwindbar“ und folglich „nicht invalidisierend“ seien. Massgebend ist also nur, dass
eine Krankheit vorliegt, die eine relevante Funktionsbeeinträchtigung zur Folge hat.
Zusammenfassend ist kein Grund ersichtlich, der gegen ein Abstellen auf die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen der MGSG GmbH
sprechen würde. Folglich steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführerin ab Januar 2004
leidensadaptierte Tätigkeiten nur noch im Umfang von 70 Prozent zumutbar gewesen
sind.
Bleibt die Frage nach einem zusätzlichen Abzug (analog dem sog. Tabellenlohn
abzug) im Prozentvergleich zu beantworten. Ein solcher Abzug ist vorzunehmen, wenn
eine versicherte Person mit einer Gesundheitsbeeinträchtigung die ihr aus
medizinischer Sicht zumutbare Restarbeitsfähigkeit wegen ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mit demselben betriebswirtschaftlich-
ökonomischen Erfolg wie eine gesunde Person verwerten kann, die dieselbe Tätigkeit
im selben Pensum ausübt. Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass jeder sich
strikt betriebswirtschaftlich verhaltende Arbeitgeber aus der Anstellung eines
Arbeitnehmers einen möglichst hohen „Gewinn“ erzielen will. Dieser „Gewinn“
entspricht der Differenz zwischen dem ökonomischen Mehrwert, den der Arbeitnehmer
für den Arbeitgeber generiert, und den Kosten, die dem Arbeitgeber durch die
Anstellung des Arbeitnehmers entstehen, nämlich den Lohnkosten und den
zusätzlichen Kosten. Diese zusätzlichen Kosten umfassen unter anderem die Kosten
für die Einarbeitung und die Überwachung des Arbeitnehmers, aber auch jene
betriebswirtschaftlichen Kosten, die anfallen, wenn der Arbeitnehmer krankheitsbedingt
nicht zur Arbeit erscheint oder wenn er seine Arbeit nicht konstant zuverlässig
verrichtet. Bei krankheitsbedingten Absenzen muss der Arbeitgeber nämlich kurzfristig
für einen Ersatz sorgen, damit der Betriebsablauf möglichst ungestört bleibt. Eine
unzuverlässige oder schwankende Arbeitsleistung mindert den Mehrwert der
Arbeitsleistung, was betriebswirtschaftlich zu einer Reduktion des aus der Anstellung
resultierenden „Gewinns“ des Arbeitgebers führt. Ein sich strikt betriebswirtschaftlich
verhaltender Arbeitgeber wird nur Arbeitnehmer anstellen, die (mindestens) einen
durchschnittlichen „Gewinn“ für ihn erzielen. Ist der von einem Arbeitnehmer
geschaffene ökonomische Mehrwert unterdurchschnittlich oder sind die
Lohnnebenkosten eines Arbeitnehmers überdurchschnittlich hoch, wird die Anstellung
dieses Arbeitnehmers für einen sich strikt betriebswirtschaftlich verhaltenden
Arbeitgeber nur in Frage kommen, wenn diese „Gewinneinbusse“ durch einen tieferen
Lohn wettgemacht werden kann, wenn also der Arbeitnehmer bereit ist, seine
Arbeitsleistung für einen unterdurchschnittlichen Lohn zu erbringen. Genau diesem rein
betriebswirtschaftlichen Umstand trägt der sogenannte Tabellenlohnabzug Rechnung.
Würde den betriebswirtschaftlich-ökonomischen Nachteilen, mit denen sich eine
versicherte Person gesundheitsbedingt bei der Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit im
2.5.
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrens
aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist diese aber von der Pflicht zur Bezahlung von
Gerichtskosten befreit. Da ihr auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt
worden ist, hat der Staat der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine
Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes
abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Angesichts des durchschnittlichen erforderlichen
Vertretungsaufwandes ist die Entschädigung praxisgemäss auf 80 Prozent von 3’500
Franken, also auf 2’800 Franken, festzusetzen. Sollten es ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der
Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123
ZPO).