Decision ID: c909e17f-4eaa-40be-af41-0fe7eba3ab72
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein iranischer Staatsangehöriger kurdischer Eth-
nie aus B._ (Provinz West-Aserbaidschan) stammend – verliess
den Iran eigenen Angaben zufolge illegal am 2. Juni 2021 und gelangte
über Griechenland am 7. September 2021 in die Schweiz, wo er gleichen-
tags ein Asylgesuch einreichte. Am 10. September 2021 wurden seine Per-
sonalien aufgenommen. Am 8. Oktober 2021 wurde er eingehend zu den
Fluchtgründen angehört. Am 13. Oktober 2021 wurde er dem erweiterten
Verfahren zugeteilt und dem Kanton Bern zugewiesen. Am 25. November
2021 wurde er ergänzend angehört (EA).
B.
Der Beschwerdeführer führte zu seinem Hintergrund aus, er habe «Körper-
bildung» (Anm. des Gerichts: wohl Sportwissenschaften) studiert und wäh-
rend Jahren erfolglos – und trotz bestandener Prüfungen und ausgezeich-
neter Leistungen – versucht, eine staatliche Anstellung, unter anderem als
Sportlehrer beim Ministerium für Bildung, zu erhalten. Aufgrund seiner kur-
dischen Ethnie sei ihm nie eine Stelle angeboten worden; er habe sodann
als Makler gearbeitet und auch noch Landwirtschaft studiert.
Zur Begründung seines Gesuches machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, seine Familie sei bereits viele Jahre für die Kurdish De-
mocratic Party of Iran ([KDPI]; auch genannt Democratic Party of Iranian
Kurdistan [PDKI]) tätig gewesen, weshalb er sich einfach habe anschlies-
sen können – sein Vater sei ein Peshmerga gewesen und während sieben
Jahren inhaftiert und gefoltert worden; sein Bruder sowie sein Cousin seien
auch bei der KDPI. Im Rahmen seiner fünfjährigen Tätigkeit für die KDPI
(zuvor als Sympathisant und seit einem Jahr als offizielles Mitglied) habe
er vor allem Propaganda-Aufgaben – die Gestaltung von Flyern für Anlässe
wie den Jahrestag der Partei oder das nächtliche Verteilen der Flyer –
wahrgenommen. Sein Name sei bei der Organisation der KDPI registriert,
weshalb er überhaupt ein Schreiben der KDPI erhalten habe.
Am (...) sei ein Parteikollege verhaftet und brutal gefoltert worden. Dieser
habe unter Folter den Namen des Beschwerdeführers und denjenigen ei-
nes anderen Kollegen namens C._ verraten, jedoch vom Gefängnis
aus seine Familie über die Bekanntgabe der Namen in Kenntnis gesetzt;
der Cousin des Inhaftierten – ebenfalls ein Parteimitglied – habe den Be-
schwerdeführer sodann telefonisch darüber informiert. Der Beschwerde-
führer sei an diesem Tag mit C._ ausserhalb der Stadt gewesen.
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Als sie erfahren hätten, dass ihre Namen an den Geheimdienst verraten
worden seien, seien sie zusammen mithilfe von KDPI-Parteimitgliedern
ausgereist. Am nächsten Tag hätten die Behörden eine Hausdurchsuchung
durchgeführt und seinen Laptop, worauf Vorlesungsunterlagen, inklusive
zum (...)anbau, sowie kurdisches Propagandamaterial gespeichert gewe-
sen seien, beschlagnahmt.
Am (...) 2021 habe er vor der iranischen Botschaft in D._ demons-
triert. Von diesen Protesten seien Filme und Fotografien auf Facebook ver-
öffentlicht worden, worauf er zu sehen sei. Am nächsten Tag seien die Be-
amten wieder zu ihm nach Hause gegangen und hätten seinen Vater be-
droht und nach dem Aufenthaltsort des Beschwerdeführers gefragt. In der
Schweiz habe er an einer weiteren Demonstration teilnehmen wollen, sei
aber von der Unterkunft daran gehindert worden. Ab und zu würde er Sa-
chen in den sozialen Medien (Instagram oder WhatsApp) über Kurden oder
Kurdistan weiterleiten. Er beteilige sich zurzeit nicht aktiv, da er keinen fes-
ten Wohnsitz habe. Er schreibe auch ein Buch über die Region Kurdistan.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seine iranische Geburtsurkunde,
eine Identitätskarte, ein Bestätigungsschreiben der KDPI vom 22. Septem-
ber 2022 betreffend seine Mitgliedschaft und die Gefahr seiner Rückkehr
in den Iran, ein Bestätigungsschreiben der KDPI Schweiz betreffend die
Ereignisse im Iran (undatiert), drei Fotografien des Beschwerdeführers an-
lässlich einer Demonstration vor der iranischen Botschaft in D._,
drei Screenshots von Videoaufnahmen dieser Demonstration sowie ein
Screenshot von (...) (alle in Kopie) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 27. Juli 2022 – eröffnet am 28. Juli 2022 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des erweiterten
Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 29. August 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung, eventualiter die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Erteilung einer vorläufigen Auf-
nahme sowie subeventualiter die Rückweisung der Sache zur vollständi-
gen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz. In prozessualer Hinsicht
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wurde um vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege sowie Verzicht auf
Kostenvorschuss ersucht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 2. September 2022 stellte die zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten und hiess die Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Befreiung von der Kostenvor-
schusspflicht gut. Die rubrizierte Rechtsvertreterin wurde als amtliche
Rechtsbeiständin eingesetzt. Ferner wurde die Vorinstanz eingeladen, eine
Vernehmlassung einzureichen.
F.
In seiner Vernehmlassung vom 7. September 2022 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
G.
Mit Eingabe vom 26. September 2022 verzichtete der Beschwerdeführer
explizit auf sein Replikrecht.
H.
Mit Eingabe vom 3. November 2022 reichte der Beschwerdeführer neue
Informationen bezüglich der angeblichen Verhaftung seiner Ehefrau vom
21.-25. September 2022, inklusive drei Fotografien seiner Ehefrau, vier Fo-
tografien der Verletzungen seiner Ehefrau, einen Arztbericht des Spitalau-
fenthalts vom 29. September 2022 (mit Übersetzung) sowie eine aktuali-
sierte Kostennote zu den Akten.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der Beschwerdeführer macht im Sinne eines Eventualantrages geltend,
seine KDPI-Bestätigungen, die seine Mitgliedschaft belegen würden, seien
von der Vorinstanz gänzlich ausser Acht gelassen worden, wodurch die
Beweiswürdigung unvollständig sei. Diesbezüglich ist festzustellen, dass
das SEM die Beweismittel vollständig in der angefochtenen Verfügung auf-
genommen und insbesondere auch die KDPI-Mitgliedschaft gewürdigt hat.
Das Gericht entscheidet in der Sache selbst (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung fest, die Aussagen
des Beschwerdeführers würden überwiegend gegen die Umstände der
vorgebrachten Sachverhaltsdarstellung sprechen, sodass nicht davon aus-
gegangen werden könne, dass sich die Geschehnisse auf die von ihm dar-
gelegte Art und Weise zugetragen hätten. Obwohl er teilweise ausführliche
Redebeiträge zu Protokoll gegeben und detaillierte Beschreibungen ge-
macht habe, seien seine Angaben nicht durchgehend logisch konsistent
und würden aufgrund eines mangelnden persönlichen Erlebnisbezugs
(stereotype und ausweichende Antworten) nicht überzeugen. Zunächst
habe er keine konkreten Angaben gemacht, wie er der KDPI beigetreten
sei (er habe nur gesagt, er stamme aus einer politischen Familie, sein Vater
sei inhaftiert und gefoltert worden und er habe keine Stelle gefunden). Auf
erneutes Nachfragen habe er geantwortet, dass seine Familie seit vielen
Jahren bei der Partei sei, weshalb die Sache nicht so schwierig sei und er
einen Onkel kontaktiert habe. Seine Angaben betreffend allgemeine Wirt-
schaftslage, Befürwortung eines Dialogs, die Absprache der Verwendung
von Waffengewalt oder die vorherrschenden Vorstellungen wie das Tragen
von Kopftüchern im Iran seien überwiegend allgemein und stereotyp aus-
gefallen. Zwar schliesse das SEM sein Interesse an der KDPI nicht grund-
sätzlich aus. Seine Aussagen bezüglich Organisation der Partei seien et-
was substantiierter ausgefallen. Bei genauer Betrachtung lasse sich aber
ebenfalls ein Mangel an konkreten Angaben, Gedankengängen und per-
sönlichem Erlebnisbezug feststellen. Seine Ausführungen zu seinen Auf-
gaben würden nicht überzeugen, zumal er diesen auch unter anderen Um-
ständen hätte nachgehen können. Aufgrund seiner allgemeinen Angaben
sei nicht davon auszugehen, dass er bereits im Iran parteipolitisch aktiv
gewesen sei, ansonsten er dies auch erlebnisbezogen und detailliert dar-
gelegt hätte.
Bezüglich seines Ausreisegrundes habe er zwar wiederum mit einem län-
geren Redebeitrag geantwortet. Bei seinen Ausführungen habe er mehr-
heitlich die Aussagen von Drittpersonen wiedergegeben. Seine freie Schil-
derung wie er persönlich über den Verrat seines Namens an die iranischen
Behörden erfahren habe, sei vergleichsweise kurz ausgefallen. Erneut auf-
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gefordert, den Ablauf der Ereignisse zu schildern, nachdem sein Name ver-
raten worden sei, habe er einen längeren Redebeitrag zu Protokoll gege-
ben, aber er sei nicht in der Lage gewesen, einen gewissen örtlichen Bezug
herzustellen und Gesprochenes wiederzugeben, wobei es seinen Ausfüh-
rungen an persönlichen Gedankengängen sowie Erlebnisbezogenheit
mangle. Zudem erstaune seine Wiedergabe des exakten Wortlauts, mit
dem sein Kollege seine Familie informiert und gewarnt habe, obwohl er an
diesem Telefongespräch nicht teilgenommen habe. Auch seine Schilderun-
gen betreffend die von ihm geltend gemachten Besuche der iranischen Be-
hörden würden an der Einschätzung des SEM nichts ändern. Es erstaune
auch, dass er das Gespräch zwischen seinem Vater und einem iranischen
Beamten mit exaktem Wortlaut wiedergegeben habe, obwohl er diesem
Gespräch nicht beigewohnt habe. Zudem erscheine nicht plausibel, dass
die iranischen Behörden zwei Tage, nachdem er in D._ vor der ira-
nischen Botschaft demonstriert habe, zu ihm nachhause gegangen seien
und seinem Vater mitgeteilt hätten, sie wüssten von seinen Aktivitäten und
gleichzeitig nach seinem Aufenthaltsort gefragt hätten. Die beiden Vorfälle
würden sich nicht für eine Glaubhaftigkeitsprüfung eignen, zumal es sich
um Erzählungen von Dritten handle. Es sei nicht davon auszugehen, dass
er aufgrund seiner KDPI-Mitgliedschaft aus dem Iran ausgereist sei.
Seine exilpolitischen Tätigkeiten sowie die Teilnahme an einer Demonstra-
tion vor der iranischen Botschaft in D._ würden keine Furcht vor
flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung zu begründen vermögen. Den Ak-
ten seien keine konkreten Hinweise zu entnehmen, wonach er in qualifi-
zierter Weise exilpolitisch tätig sei. An dieser Einschätzung würden auch
die eingereichten Beweismittel nichts ändern. So erwecke eine Demonst-
rationsteilnahme und das Schwingen der Kurdistan-Flagge nicht den Ein-
druck, dass er eine Gefahr für das politische System des Irans darstelle.
Die Fotokopie des Screenshots sei nicht fälschungssicher und habe einen
geringen Beweiswert. Auch aufgrund seiner KDPI-Mitgliedschaft in der
Schweiz und des gelegentlichen Teilens von Texten sei nicht von einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Heimatsstaat auszugehen.
Den Akten könnten keine Hinweise entnommen werden, wonach die irani-
schen Behörden von dieser Mitgliedschaft Kenntnis genommen oder gar
gestützt darauf Massnahmen zu seinem Nachteil eingeleitet hätten. Im Üb-
rigen habe er sich in der Schweiz auch nicht aktiv beteiligt.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe hielt der Beschwerdeführer fest, es gebe
keinen Grund, an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Hin-
sichtlich seines Aussageverhaltens sei darauf hinzuweisen, dass er absolut
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widerspruchslos (sowohl innerhalb einer Anhörung als auch zwischen den
Anhörungen) ausgesagt habe. Vielmehr seien seine Angaben schlüssig,
wiesen eine hohe logische Konsistenz auf und seien inhaltlich konkret und
präzise sowie enthielten Personen- und Ortsnamen, Jahreszahlen, Daten
sowie Uhrzeiten und direkte Rede. Er habe auch Nebensächliches – auf
seinem beschlagnahmten Laptop seien Unterlagen aus seinem Studium
sowie Berichte über den (...)anbau – erwähnt. Er habe mehrfach Nichtwis-
sen eingestanden, was für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spreche.
Wenn eine Unklarheit bestanden habe, habe er diese auf Nachfrage je-
weils in nachvollziehbarer Art und Weise aufgelöst, schlüssige Erklärungen
geliefert und zur Veranschaulichung teils auch konkrete Beispiele gemacht.
Dieses Aussageverhalten spreche für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbingen.
Er wies weiter auf die Eingabe mehrerer Beweismittel hin.
Bezüglich seines KDPI-Beitritts führte er aus, er habe die Frage offensicht-
lich missverstanden und auf die Frage geantwortet, wie es dazu gekom-
men sei, dass er der Partei beigetreten sei. Ein derartiges Missverständnis
könne schnell entstehen, nicht zuletzt durch die Übersetzung, und es sei
kleinlich, es ihm vorzuhalten. Es sei der Vorinstanz zuzustimmen, dass er
auf erneute Nachfrage wenig präzise geantwortet habe. Er habe der rubri-
zierten Rechtsvertreterin aber erklärt, dass ihm nicht bewusst gewesen sei,
dass er den genauen Ablauf des Parteibeitritts hätte erklären müssen. Dies
sei ihm einerseits nicht relevant erschienen und andererseits habe es auch
kein spezifisches Aufnahmeprozedere gegeben. Es sei ein fliessender
Übergang vom Parteisympathisanten zum Parteimitglied gewesen. Meh-
rere Familienangehörige seien KDPI-Mitglieder, er kenne die Partei seit
seiner Kindheit und sei mit der Ideologie der Partei aufgewachsen. Er sei
bereits mehrere Jahre Sympathisant gewesen, wobei er bei diversen Par-
teiaktivitäten mitgemacht habe – zuerst müsse man sich über längere Zeit
für die Partei engagieren, bevor man beitreten könne.
Sein KDPI-Engagement habe er an beiden Anhörungen nachvollziehbar
erklärt (er habe aufgrund seines familiären Hintergrunds schon immer pat-
riotische Gefühle gehabt). Nach seinem Studium habe er den Wunsch ge-
hegt, Sportlehrer zu werden, weshalb er sich wiederholt beim Ministerium
für Bildung beworben habe. Aufgrund seiner politischen Einstellung und
Ethnie sei ihm dieser Berufswunsch verweigert worden. Dies sei ein ent-
scheidender Faktor – nebst anderen Gründen (die ungenügende Lebens-
mittel-, Wasser-, und Brennstoffversorgung sowie die Ungleichberechti-
gung der Frauen) – für sein wachsendes KDPI-Engagement gewesen.
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Auch zu seinen Aktivitäten für die Partei und deren Organisation habe er
substantiierte Angaben gemacht. Als konkretes Beispiel für Anlässe der
Partei habe er den Jahrestag der Gründung der Partei und den Erinne-
rungstag der Ermordung von Dr. Ghassemlou genannt. Er habe auch prä-
zisiert, dass auf den Flyern immer der Name der zuständigen Organisa-
tion/Region stehen müsse. Auf einem Flyer zum Jahrestag hätten er und
seine Kollegen Texte von Führern der Partei festgehalten. Seine Ausfüh-
rungen (u.a. auch Wiedergabe eines Spruches) würden von seinem fun-
dierten Wissen über die KDPI zeugen. Entgegen der Ansicht der Vor-
instanz seien seine Angaben zu seinen Aktivitäten sehr wohl konkret und
detailliert. Er habe zur Organisation und Funktionsweise der KDPI durch-
wegs substantiierte Angaben gemacht, habe den Namen des Parteichefs
der Stadt B._ sowie den Namen dessen Stellvertreters nennen kön-
nen. Diese geheimen Informationen hätte er nicht gekannt, wenn er nicht
Parteimitglied gewesen wäre. Die KDPI-Bestätigung enthalte zusätzliche
spezifische Informationen zu seinen Ausreisegründen. Durch seine sub-
stantiierten und schlüssigen Aussagen sowie die eingereichten Beweismit-
tel habe er seine KDPI-Mitgliedschaft und parteipolitischen Tätigkeiten
glaubhaft gemacht. Er habe auch die Ereignisse betreffend die Ausreise in
detaillierter, konkreter sowie in logisch konsistenter Weise erlebnisbasiert
geschildert (Personen- und Ortsnamen, Daten und Uhrzeiten und Interak-
tionsschilderungen). Dem Vorhalt der Vorinstanz, es erstaune, dass er den
exakten Wortlaut des Gesprächs zwischen seinem Vater und dem irani-
schen Beamten habe wiedergeben können, hielt er entgegen, er habe nie
behauptet, dies sei der exakte Wortlaut gewesen. Ferner sei nicht erstaun-
lich, dass er von seinem Vater habe wissen wollen, wie das Gespräch ab-
gelaufen sei, zumal dies für ihn eine wichtige Information gewesen sei. Das
Verhalten der iranischen Behörden dürfe nicht zu seinen Ungunsten ins
Gewicht fallen; die Plausibilität der Vorgehensweise des iranischen Re-
gimes könne von den hiesigen Behörden nur beschränkt beurteilt werden.
Als kurdische Person mit Verbindungen zu einer traditionell separatisti-
schen Partei habe er flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu befürchten.
Die Begründetheit seiner Furcht vor einer Inhaftierung ergebe sich durch
die Hausdurchsuchung und die behördliche Suche nach ihm.
Zumindest aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten, er sei bei der De-
monstration ganz vorne mitgelaufen, wodurch er gut sichtbar gewesen und
von den Überwachungskameras vor der iranischen Botschaft habe gefilmt
werden können, befürchte er flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile. Es
sei naheliegend, dass der zweite Besuch der Behörden mit seiner De-
monstrationsteilnahme zusammenhänge. Auf dem Social-Media Kanal (...)
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sei über die Demonstration berichtet und er sei namentlich erwähnt wor-
den. Auch in der Schweiz tausche er sich regelmässig mit seinen Kollegen
aus und veröffentliche pro-kurdische Texte in den sozialen Medien.
5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, es schliesse das Inte-
resse des Beschwerdeführers an der KDPI nicht grundsätzlich aus, son-
dern qualifiziere lediglich seine Ausführungen betreffend sein mehrjähriges
KDPI-Engagement im Iran aufgrund seiner allgemeinen, an Erlebnisbezug
mangelnden Angaben als unglaubhaft. Seine Angaben zu seinem Partei-
beitritt seien allgemein, vage und stereotyp ausgefallen. Aufgrund seiner
exilpolitischen Tätigkeiten verfüge er nicht über ein Profil, das ihn bei seiner
Rückkehr einer konkreten Gefährdung nach Art. 3 AsylG aussetzen würde.
Daran würde auch das Teilen von Texten auf WhatsApp oder Instagram
nichts ändern, zumal er sich in der Schweiz nicht aktiv beteilige.
5.4 In seiner Eingabe vom 3. November 2022 hielt er fest, dass die Inhaf-
tierung seiner Ehefrau zeige, dass die iranischen Behörden den Beschwer-
deführer aufgrund seiner politischen Aktivitäten bei der KDPI noch immer
verfolgen und zu diesem Zweck nun auch seine Ehefrau visieren würden.
6.
Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, dass die zentralen Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers,
insbesondere die geltend gemachte Verhaftung seines Parteikollegen und
die anschliessende Verfolgung sowie die exilpolitischen Tätigkeiten des
Beschwerdeführers, den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und Asylre-
levanz nicht genügen. Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Ausfüh-
rungen in der Beschwerdeschrift den Erwägungen des SEM nichts entge-
genzusetzen, was geeignet wäre, zu einer anderen Einschätzung zu füh-
ren. Somit kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden.
6.1 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwar durchaus
substantiierte Angaben zur KDPI und seiner Funktion im Rahmen der Par-
tei darlegen konnte. So hat er überaus genau über die Struktur der Partei
Auskunft gegeben, die Sicherheitsvorkehrungen erläutert (vgl. Anhörung
F67-F71) und auch seine Tätigkeit als Grafiker und das Verteilen der Flug-
blätter substantiiert geschildert (Gestaltung von Flyern, Verteilen von Flyern
hinter den Türen, Fahrzeugscheiben, Treffen mit Parteikollegen, Besuche
der Peshmerga, vgl. Anhörung F58-F60; EA F23). Die entsprechenden
Darstellungen scheinen denn auch realistisch (vgl. Home Office, Country
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Policy and Information Note Iran: Kurds and Kurdish political groups,
05.2022, S. 31, <https://assets.publishing.service.gov.uk/government/up-
loads/system/uploads/attachment_data/file/1073991/IRN_CPIN_Kurds_
and_Kurdish_political_groups.pdf>, abgerufen am 26.10.2022). Zu seinem
Beitritt hat er ebenso nachvollziehbare Angaben gemacht, zumal die Rek-
rutierung durch Familienangehörige ebenfalls dem üblichen Vorgehen ent-
spricht (vgl. Home Office, Country Policy and Information Note Iran: Kurds
and Kurdish political groups, a.a.O., S. 37) und seine diesbezüglichen Aus-
führungen angesichts der gestellten Frage, sich «kurz» zum Beitritt zu äus-
sern (vgl. Anhörung F44), nicht zu beanstanden sind. Gleichzeitig ist dem
SEM zuzustimmen, dass er nur vage und allgemeingültige Kritik am irani-
schen System (u.a. Wasserknappheit, wirtschaftliche Probleme und Ter-
rorunterstützung, vgl. Anhörung F55) geäussert hat, die nicht zwingend mit
seiner Motivation und einem möglicherweise gefährlichen Parteibeitritt im
Zusammenhang stehen müssen. Vor dem Hintergrund der Aktivitäten sei-
ner Familie, seines Vaters und zumindest des Bruders ist aber nicht aus-
zuschliessen, dass er Sympathisant beziehungsweise aktives Parteimit-
glied mit niederschwelliger Funktion war. Auch die eingereichten Bestäti-
gungen der KDPI aus dem Iran und der Schweiz, denen zwar als Kopien
ein geringer Beweiswert zukommt, deuten darauf hin. Seine äusserst kurze
Mitgliedschaft und auch seine niederschwellige Funktion, die den Behör-
den nicht bekannt sein dürfte (vgl. nachfolgend), vermögen jedoch für sich
alleine keine Asylrelevanz zu begründen. Dies gilt ebenso für sein damit
verbundenes Vorbringen, er sei aufgrund seiner kurdischen Ethnie im Iran
Verfolgung ausgesetzt, zumal die praxisgemäss sehr hohen Anforderun-
gen an eine Kollektivverfolgung vorliegend nicht erfüllt sind
(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.4.1 m.w.H.).
6.2 Die eigentlichen Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers – die
Verhaftung eines Parteikollegen, der seinen Namen verraten haben soll,
weshalb er behördlich gesucht werde – erscheinen jedoch unsubstantiiert.
Seine sehr kurze Erklärung zum Zeitpunkt des Erfahrens von der Gefan-
genschaft seines Kollegen ist pauschal und emotionslos ausgefallen, was
angesichts der sehr grossen Gefahr für seinen Kollegen – der Beschwer-
deführer sagt selbst, dieser sei brutal gefoltert worden (vgl. Anhörung F38)
– kaum nachvollziehbar ist. Zudem erstaunt zumindest, dass seine Furcht
vor Verfolgung in seinen Erzählungen kaum zum Ausdruck kommt. Es wäre
zu erwarten gewesen, dass er zumindest in Bezug auf seinen Vater – als
die Behörden bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt hätten (vgl. EA
F18) – seine Sorge über dessen mögliches Schicksal geäussert hätte. Es
ist erstaunlich, dass er auch das Gespräch zwischen den Beamten und
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Seite 12
seinem Vater in direkter Rede wiedergegeben hat, obwohl er dabei gar
nicht anwesend war (vgl. EA F18). Die hierfür auf Beschwerdeebene vor-
gebrachte Erklärung vermag nicht zu überzeugen und angesichts der un-
mittelbar aufeinander folgenden abgehakten Sätze, die er kaum mit Real-
kennzeichen untermauert (vgl. EA F15), wird der Eindruck erweckt, er er-
zähle eine auswendig gelernte Geschichte, anstatt Selbsterlebtes. Auch
seine insgesamt vagen Angaben lassen Zweifel an seinen Vorbringen ent-
stehen.
6.3 Vor allem aber ist auffallend, dass der Beschwerdeführer noch recht-
zeitig über die Preisgabe seines Namens unter Folter und damit die Gefahr
informiert wurde. Zwar ist mit ihm davon auszugehen (vgl. EA F13), dass
in iranischen Gefängnissen ein gewisser Zugang zu Mobiltelefonen besteht
und auch Informationen über Folter aus dem Gefängnis gelangen können
(vgl. dazu BBC, Navid Afkari: Trump urges Iran not to execute champion
wrestler, 4.09.2020, <https://www.bbc.com/news/world-middle-east-54008497>,
abgerufen am 26.10.2022). Allerdings hätte das inhaftierte Parteimitglied –
wenn es denn so stark gefoltert worden wäre wie der Beschwerdeführer
geltend macht – wohl erstens kaum seine Familie derart zeitnah informie-
ren können, weil er gesundheitlich dazu nicht in der Lage gewesen wäre
und/oder die Behörden den Gefolterten wohl zumindest kurzfristig isoliert
hätten. Zweitens hätten die Behörden den Beschwerdeführer unverzüglich
– und nicht erst am folgenden Tag gegen vier oder fünf Uhr morgens
(vgl. EA F16) – aufgesucht. Zudem erstaunt, dass der Cousin des Gefol-
terten ihn angerufen habe und er und sein Kollege per Zufall zusammen
ausserhalb der Stadt gewesen sein sollen (vgl. EA F15). Dieser Umstand,
die fehlenden Erklärungen dazu sowie die derart kurze Zeitspanne zwi-
schen dem Verrat und seiner Ausreise, scheinen vorliegend schwer nach-
vollziehbar. Somit muss davon ausgegangen werden, dass die iranischen
Behörden weder über seine KDPI-Tätigkeit informiert sind, noch den Be-
schwerdeführer aufgrund eines Folter-Geständnisses suchen. Daran ver-
mag auch die Eingabe vom 3. November betreffend die angebliche Verhaf-
tung seiner Ehefrau im Zusammenhang mit seiner KDPI-Tätigkeit nichts zu
ändern und muss angesichts des Gesagten als nachgeschoben betrachtet
werden. Diesbezüglich erscheint auch nicht nachvollziehbar, weshalb der
angeblich bereits gefährdete (und deshalb ausgereiste) Beschwerdeführer
seine Ehefrau in potentiell gefährliche politische Aktionen – die Übergabe
von Flyern – verwickeln würde.
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Seite 13
6.4 Zudem hat der Beschwerdeführer keine Unterlagen bezüglich der gel-
tend gemachten Hausdurchsuchungen oder eines allfälligen Gerichtsver-
fahrens eingereicht. Dies erstaunt, zumal er die KDPI-Bestätigung aus dem
Iran (die jedoch alleine die geltend gemachten Ereignisse nicht zu bestäti-
gen vermag) sowie einen Arztbericht betreffend seine Ehefrau (aber wie-
derum keine Gerichtsunterlagen) eingereicht hat. Es hätte ihm zumindest
möglich sein sollen, Unterlagen im Zusammenhang mit seiner Anklage
oder zumindest derjenigen des inhaftierten Parteimitglieds beizubringen.
Seine Familie weilt noch im Iran, weshalb er entsprechende Unterlagen
mithilfe eines Anwaltes oder von der Familie des Inhaftierten hätte beschaf-
fen können.
6.5 Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht im Fokus der iranischen Behörden
stand. Das Vorliegen von Vorfluchtgründen ist daher zu verneinen, weshalb
er die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht erfüllte.
7.
Sodann machte der Beschwerdeführer ein exilpolitisches Engagement gel-
tend, namentlich, dass er an einer Kundgebung vor der iranischen Bot-
schaft in D._ teilgenommen habe, diesbezügliche Informationen auf
(...) geteilt worden seien und er regimekritische Inhalte auf WhatsApp und
Instagram weitergeleitet habe.
7.1 Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten
ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen. Gemäss Praxis
des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die
iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren,
die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exil-
politischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vor-
genommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem
Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährli-
chen Regimegegner erscheinen lassen (vgl. Urteil des BVGer D-830/2016
vom 20. Juli 2016 E. 4.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]).
7.2 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die geltend gemachten exil-
politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers von niederschwelliger Na-
tur sind. Seine Teilnahme an einer Demonstration vor der iranischen Bot-
schaft in D._ und diesbezügliche Informationen auf der Plattform
(...) vermögen noch keine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfol-
gung bei einer Rückkehr in den Iran zu begründen. Es kann zwar nicht
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ausgeschlossen werden, dass ihn die iranischen Behörden als Teilnehmer
der Demonstration identifiziert haben – er sei zuvorderst mitgelaufen, wes-
halb er durch die Überwachungskameras habe gefilmt werden können –,
wobei die Fotografie jedoch stark verschwommen ist und er eine Sonnen-
brille trägt. Jedoch lässt sich weder seinen Ausführungen noch den einge-
reichten Fotografien und den Screenshots der Videoaufnahmen entneh-
men, dass er bei diesem Anlass eine besondere Funktion wahrgenommen
hat, die ihn von den anderen Teilnehmenden unterschieden hätte und ihn
in den Augen der iranischen Behörden als ernsthaften Regimegegner hätte
erscheinen lassen. Diese Einschätzung wird dadurch bekräftigt, dass er
seither offenbar – eine weitere Demonstrationsteilnahme habe er bloss ge-
plant (vgl. EA F40) – an keinen anderen derartigen Veranstaltungen teilge-
nommen hat (vgl. Urteil des BVGer E-3691/2020 vom 5. April 2022 E. 7.5).
7.3 Bezüglich seiner Aktivitäten auf den sozialen Medien (Instagram und
WhatsApp) hat er explizit bestätigt, er leite pro-kurdische Texte nur weiter;
er könne sich nicht aktiv beteiligen, zumal er momentan keinen festen
Wohnsitz habe (vgl. EA F42). Auch durch diese Tätigkeiten hat er sich in
keiner Weise exponiert, sodass sie die Aufmerksamkeit der iranischen Be-
hörden nicht auf sich zu lenken vermögen. Auch die Beiträge auf (...) er-
reichen zwar eine gewisse Reichweite, aber er erfüllt auch damit nicht das
Profil eines ausserordentlich engagierten und exponierten Regimegeg-
ners, der sich über das Mass von der grossen Zahl exilpolitisch tätigen Ira-
nerinnen und Iranern abhebt (vgl. Urteil E-3691/2020 E. 7.6).
7.4 Schliesslich kann er aus seiner niederschwelligen KDPI-Mitgliedschaft,
die den Behörden nicht bekannt sein dürfte (vgl. E. 6.1-6.3), und dem Um-
stand, dass er telefonisch in Kontakt mit seinen Parteikollegen stehe
(vgl. EA F40), nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es ist nicht ersichtlich,
inwiefern er sich in diesem Rahmen exponiert haben könnte.
7.5 Zusammenfassend entsteht aufgrund seines Persönlichkeitsprofils
nicht der Eindruck, der Beschwerdeführer könnte aus Sicht des iranischen
Regimes mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit als potenzielle Bedrohung
wahrgenommen worden sein. Es liegen keine subjektiven Nachflucht-
gründe vor. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch demnach zu Recht abge-
lehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
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schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.2 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch
eine Situation allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als tota-
litär zu bezeichnen, die Bevölkerung sicherheitspolizeilicher Überwachung
ausgesetzt und die allgemeine Situation somit in verschiedener Hinsicht
problematisch ist. Trotz dieser Tatsachen wird der Vollzug von Wegweisun-
gen abgewiesener iranischer Asylsuchender nach konstanter Praxis grund-
sätzlich als zumutbar erachtet (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-3922/2022 vom
28. September 2022 E. 9.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berück-
sichtigung der aktuellen Entwicklungen im Iran festzuhalten. Es ist diesbe-
züglich auch kein konkreter Bezug zum Beschwerdeführer ersichtlich.
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10.3 In der Beschwerde werden keine Argumente vorgebracht, weshalb
dem Beschwerdeführer der Wegweisungsvollzug aus sozialen, wirtschaft-
lichen oder gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar sein sollte. Gemäss
Aktenlage ist er grundsätzlich gesund, wobei er sich um seine Familie
sorgt, er hat eine universitäre Ausbildung und Berufserfahrung sowie ein
intaktes Beziehungsnetz. Es kann diesbezüglich weiter auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfah-
rens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 2. September 2022 gutge-
heissen wurde und es keine Hinweise auf eine massgebliche zwischenzeit-
liche Veränderung gibt, sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen.
12.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde die rubrizierte Rechtsvertre-
terin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet.
Diese ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen soweit
dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). In
ihrer aktualisierten Kostennote vom 3. November 2022 hat die Rechtsver-
treterin einen Aufwand von 16.75 Stunden (Besprechungen, Aktenstudium,
Eingabe und Verfassen der Beschwerde sowie Eingaben) geltend ge-
macht, was als der Sache nicht angemessen und zu hoch bezeichnet wer-
den muss. Nach dem Gesagten ist das amtliche Honorar aufgrund der Ak-
tenlage, der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9-11
VGKE) und des praxisgemässen Stundenansatzes (Fr. 150.–) auf
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Fr. 2087.– festzusetzen (was einem Aufwand von 12 Stunden entspricht,
inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag).
(Dispositiv nächste Seite)
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