Decision ID: 20468697-196b-4585-86f4-628807b7986a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1969 geborene und als Verkäufer tätig gewesene
X._
meldete sich am 1
3.
Februar 2014 unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3)
. Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen gewährte die IV-Stelle am 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/21)
Kostengutsprache für
Frühinterventionsmass
nahmen in Form von Arbeitsvermittlung
für die Zeit vom 2
4.
Juni 2014 bis 2
4.
Februar 201
5.
Per
1.
Januar
2015
trat der Versicherte eine neue Stelle an, worauf d
ie beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom 2
9.
Dezember 2014 (Urk. 7/27)
unter Hinweis auf eine
rentenauschliessende
Eingliederung
abge
schlossen
wurden
.
1.2
Mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2015
(Urk. 7/34) wandte sich der Versicherte mit dem Anliegen um Wiedereröffnung seiner Akte
erneut
an die IV-Stelle.
Nach weiteren Abklärungen der medizinischen und erwerblichen Situation erteil
t
e die IV-Stelle mit Mitteilung
en
vom 1
4.
September 2015 (
Urk.
7/28)
, 2
2.
Dezember 2015 (
Urk.
7/46) und 3
0.
März 2016 (
Urk.
7/53)
erneut Kostengutsprache für Frühin
terventionsmassnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt mit externem Job-Coaching
für den Zeitraum vom 2
8.
August 2015 bis 2
8.
Februar 2016 und vom 2
4.
März bis 2
4.
September 201
6.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/63
,
Urk.
7/65,
Urk.
7/72
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. August 2016
(
Urk.
7/77) einen Rentenanspruch. Am 2
3.
Februar 2017 (Urk. 7/86) gewährte die IV-Stelle dem Versicherten erneut Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung mit externem Job Coaching
vom
1.
Januar bis 3
0.
Juni 2017
, welche
am
2.
August 2017 (
Urk.
7/95) erfolglos abgeschlossen wurde.
Im Rahmen der erneut aufgenommenen
Rentenprüfung (
Urk.
7/135 S. 2)
holte die
IV-Stelle Auskünfte über die erwerbliche (
Urk.
7/103
,
Urk.
7/105/9-12,
Urk.
7/107-108
Urk.
7/116
und
Urk.
7/122) und medizinische Situation ein (
Urk.
7/102,
Urk.
7/105/1-8, Urk. 7/121,
Urk.
7/123) und liess den Versicherten
bei der
Medas
Y._
polydisziplinär begutachten (
Expertise vom 2
1.
September 2018;
Urk.
7/133/1-45).
Mit Vorbescheid vom 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
7/136) stellte sie dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
.
Nach erhobenen Einwänden vom 2
9.
Oktober 2018 (
Urk.
7/140),
9.
November 2018 (
Urk.
7/142)
und 2
8.
Januar 2019 (
Urk.
7/152) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
2) den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
9.
April 2019 (
Urk.
1)
Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom 1
5.
März 2019 sei aufzuheben und die vorliegende Streitsache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen
,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegner
in (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am
3.
Juni 2019 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5.
Juni 2019 (
Urk.
8) zur Kennt
nis gebracht wurde.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrecht; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1
, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
2) damit, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen bestünden, welche den Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfä
higkeit einschränken würden. Er sei in der Lage
,
die bisherige Tätigkeit als Kassierer weiterhin auszuüben. Auch andere Tätigkeiten seien uneingeschränkt möglich (S. 1). Zum Zeitpunkt des Gutachte
n
s sei ausschliesslich von einer unrei
fen Persönlichkeit ausgegangen worden, was gemäss ICD-10 einer Persön
lichkeitsakzentuierung entspreche. Diese Diagnose sei nicht IV-relevant, obwohl sie erhöhte Schwierigkeiten im Überwinden von Problemen bewirken könne.
Die all
gemeinen Bedingungen für eine Persönlichkeits
störung seien nicht erfüllt (S.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin habe auf ein nicht schlüssiges Gutachten abgestellt
und somit den berechtigten Anspruch auf eine Teilinvalidenrente abgewiesen. Obwohl der behandelnde Psychiater im Nachgang zum Gutachten differenziert geschildert habe, inwiefern die gutachterlichen Ausführungen korrekt beziehungsweise nicht
schlüssig seien, habe die Beschwerdegegnerin beziehungsweise deren RAD
(Regi
onal
er
Ärztlicher Dienst)
die sachliche Kritik verworfen. Die Begründung des RAD sei weder einleuchtend noch nachvollziehbar. Die Beschwerdegegnerin
habe es in Verletzung des rechtlichen Gehörs unterlassen
, die RAD-Beurteilung vor Verfü
gungserlass zur Stellungnahme zu unterbreiten. Der RAD
hätte
erkennen müssen, dass eine neue psychiatrische Begutachtung unerlässlich sei (S. 2). Der Beschwer
deführer leide unter einer Persönlichkeitsstörung von erheblichem Ausmass, sodass eine Tätigkeit als Kassierer nicht mehr möglich sei (S. 6). Der Gutachter, der RAD und der behandelnde Psychiater hätten unterschiedliche Diagno
sen genannt und
der Gutachter habe die Auswirkungen der psychiatrischen Proble
matik nicht bestimmen können,
weshalb
es
unerlässlich
sei
, die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 7).
3.
3.
1
Vom 2
6.
Januar bis 2
0.
Februar 2014 hielt sich der Beschwerdeführer zur statio
nären Behandlung im Sanatorium
Z._
auf, deren Ärzte eine Anpassungs
störung bei belastender Arbeitssituation diagnostizierten und den Beschwerde
führer in einen Arbeitsversuch mit einem 40
%
-Pensum entliessen.
Die aufgrund des kindlich anmutenden Verhaltens durchgeführte IQ-Testung
ergab einen Wert von 85
(
Urk.
7/9
)
.
3.
2
Am 2
1.
April 2014 diagnostizierte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittelgradige depressive Episode im Zusammenhang mit einer Belastungssituation am Arbeitsplatz
(ICD-10 F32.1; Z56)
sowie eine Persönlichkeit mit unreifen Zügen
(ICD-10 Z73.1).
In der Zeit vom
1
8.
November 2013 bis
3
1.
März 2014
attestierte er
Arbeitsunfähigkeit
en
zwischen 100
%
und
40
%
und
hielt fest, dass die Arbeitsfähigkeit a
ufgrund der
deutlichen Zustands
verbesserung
im Verlauf der Behandlung
nun bei 80
%
liege
(
Urk.
7/14/1-5
)
.
Mit Verlaufsbericht vom
2
2.
August 2015
(
Urk.
7/37
) nannte
Dr.
A._
fol
gende Diagnosen:
-
kognitive Störung in Verbindung mit einer körperlichen Störung
(ICD-10 F06.71)
bei Diabetes mellitus Typ 2 und unterdurchschnittlicher Intelli
genz
-
Persönlichkeit mit unreifen Zügen
(ICD-10 Z73.1)
-
Status nach depressiver Episode 2013/2014
Dr.
A._
führte aus, dass
er den Beschwerdeführer bei affektiver Stabilisie
rung und guter subjektiver Befindlichkeit ab Sommer 2014 als arbeitsfähig beur
teilt habe. Trotz allen Vermittlungs- und Aufklärungsbemühungen seinerseits und
Frühinterventionsmassnahmen
seitens IV-Stelle
habe
der Arbeitgeber
das Arbeitsverhältnis
bei der
B._
-Filiale
C._
per Ende November 2014 aufgelöst. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ab sofort.
Am
1
4.
September 2016
führte
Dr.
A._
aus, d
er Beschwerdeführer sei in seiner Tätigkeit wie folgt eingeschränkt: Bei erhöhtem Kundenaufkommen mit vielen Kontrollen an der Selbstbedienerkasse verärgere er die Kunden aufgrund seiner Langsamkeit im Handeln und Denken und komme dabei in eine Spirale von Verhaltensauffälligkeiten (Schwitzen, Unruhe, Fahrigkeit), Selbstunsicherheit und schliesslich zunehmender Fehleranfälligkeit. An der normalen Kasse ermüde er schneller als gesunde Mitarbeiter; bei Einsätzen über 2 Stunden bestehe eine erhöhte Fehleranfälligkeit. In Konfliktsituationen wirke er wegen seiner sprachli
chen Undifferenziertheit oft tollpatschig, vordergründig unterwürfig, aber auch frech und aufsässig. Aufgrund der geringen Sprachsicherheit bei gleichzeitiger Lern- und Gedächtnisschwäche sei er mit Aufgaben wie selbständiger Betreuung von Lagerbeständen und der Aufnahme von Bestellungen überfordert. Bei geeig
neter Anpassung einer Tätigkeit mit nötiger Rücksichtnahme sollte aktuell und mittelfristig eine Arbeitsleistung von 60
%
möglich sein (Pensum 80
%
bei einer Leistungsfähigkeit von 75
%
)
. Geeignet seien klar definierte Tätigkeiten, die er weitgehend selbständig erledige könne (Regale auffüllen, Auspacken, Kasse bis maximal 4 h)
.
Der Beschwerdeführer sei seit über 20 Jahren für die
B._
tätig, was Teil seiner Identität bilde. Aufgrund seiner limitierten Lernfähigkeit und Sozialkompetenz würde eine Anpassung bei einem anderen Arbeitgeber kaum gelingen
(
Urk.
7/80/1-4 S. 3 f.
)
.
Am 2
3.
September 2017 berichtete
Dr.
A._
bei unveränderter Diagnose
, dass die mit der geschilderten Psychopathologie verknüpften funktionellen Einschränkungen stetig zugenommen hätte
n
. Trotz intensiven therapeutischen Bemühungen habe der Beschwerdeführer keine Einsicht in die eigenen Anteile an den Konflikten gewinnen können und erlebe sich immer wieder als Opfer. Seitens Arbeitgeber sei beanstandet worden, dass er zu langsam auf Anforderungen reagiere, zu wenig produktiv sei, Probleme nicht ansprechen könne, kein Einfüh
lungsvermögen zeige, kaum konflikt- oder teamfähig sei; Einsatzmöglichkeiten seien gar nicht mehr gegeben
und p
er 3
1.
März 2017 sei die Kündigung bei der
B._
-Filiale
D._
erfolgt. Das laufende Job-Coaching sei von der IV eingestellt worden, der Beschwerdeführer sei aber hochmotiviert zu arbeiten und versuche aus eigenem Antrieb eine berufliche Neuorientierung. Im August 2017 habe er bei der
E._
AG Nachtschichten übernehmen können, wobei er von den durchzuführenden Kontrollschritten und Notfallmassnahmen überfordert gewesen sei und im geplanten Revier nicht habe eingesetzt werden können. Statt
dessen sei er neben fix zu bewachenden Gegenstände
n
eingesetzt worden.
Ein
weiterer Versuch, ihn in ein Revier einzuführen, sei gescheitert.
In der Folge habe sich die
E._
vom Vertrag zurückgezogen. Die Arbeitsfähigkeit als Angestell
ter Detailhandel betrage 0
%
, im
E._
-Dienst 20
%
. Die longitudinale Beur
teilung des Krankheitsverlaufs der letzten sieben Jahre zeige also einen kontinu
ierlichen Verlust der Arbeitsfähigkeit von 100
%
(früher bei der
B._
als Verkäufer) bis heute maximal 20
%
im Bereich einfachste Kontrollfunktion bei der
E._
AG
(
Urk.
7/105/1-4
)
.
3.
3
Dr.
F._
führte in ihrer neuropsychologischen Beurteilung vom 1
1.
Januar 2018
(
Urk.
7/121/2-4
)
aus, dass sich
eine leichte kognitive Verlangsamung,
leichte Planungs- und Strukturierungsschwierigkeiten
sowie
eine leicht vermin
derte Konzentrationsleistung mit insgesamt altersgerechter, im Verlauf der Auf
gabe aber etwas abnehmender Fehlerkontrolle sowie eine leicht verminderte einfache Reaktionsgeschwindigkeit
zeigten
. Hinzu kämen leichte verbal-mnesti
sche Einschränkungen sowie eine mittelgradig eingeschränkte antriebsrelevante exekutive Teilfunktion. Auf sprachlicher Ebene fielen ein etwas einfacher Sprach
ausdruck sowie eine etwas fehlerhafte Lesefähigkeit auf.
Im Vergleich zur Untersuchung im Juli 2015
(vgl. Bericht vom 1
5.
Juli 2015 mit Hinweis auf ein unauffälliges Schädel-MR
vom 1
3.
Juli 2015
;
Urk.
7/36
/6-8
)
zeigten sich Verbesserungen auf Verhaltensebene, ein rascheres Arbeitstempo, tendenziell leichte Leistungsverbesserungen in den Bereichen verbales Gedächt
nis, exekutive Teilfunktionen sowie im Leseverständnis. Leichte Leistungsabnah
men fänden sich in der Konzentrationsfähigkeit sowie in einer weiteren antriebs
relevanten exekutiven Teilfunktion.
Unter Berücksichtigung des im unteren Normbereich liegenden Gesamt-IQ sowie der Verhaltensauffälligkeiten sei weiterhin von einer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.
4
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Rheumatologie FMH, von der interdisziplinären medizinischen Gutachterstelle
Y._
(MEDAS) hielten in ihrem Gutachten vom 21. September 2018 (
Urk.
7/
133/1-45)
in der
Konsensbeurteilung
folgende Diag
nosen fest (S. 17):
-
Status nach mittelgradiger depressiver Episode
-
Alter- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anam
nestisch zeitlich verminderter mentaler Belastbarkeit
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas (BMI 31) und Hypercholesterinämie
-
Status nach mehrmaliger Ohrenoperation
-
Rosacea
-
PHS
calcarea
rechts
Dazu
hielten sie fest
, die erhobenen Befunde würden insgesamt im Normbereich liegen, sodass der Beschwerdeführer funktionell nicht beeinträchtigt sei.
Die beklagten Beschwerden seien zudem objektiv nachvollziehbar. Zur Arbeitsfähig
keit führten sie
aus
, der Beschwerdeführer werde als voll arbeitsfähig erachtet, sowohl in der bisherigen als auch in früheren Tätigkeiten. Es werde dennoch die Fortsetzung der psychiatrischen Behandlung und die gute medikamentöse Thera
pie der internistischen Erkrankungen empfohlen (S. 17 f.).
Die neuropsychologischen Gutachterinnen,
lic
. phil.
I._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und
lic
. phil.
J._
, Fachpsychologin für Neuropsycholo
gie FSP, hielten in ihrem
neuropsychologischen
Teilgutachten
vom 2
8.
Juni 2018
(
Urk.
7/
133/
23-32)
fest,
dass der Beschwerdeführer sich gut auf die neuropsycho
logische Untersuchung habe einlassen können und bei durchgehend gegebener Anstrengungsbereitschaft kooperativ und motiviert gearbeitet habe. Er habe fle
xibel zwischen den Anforderungen wechseln können sowie konzentriert mit unauffälligem Tempo und guter Sorgfaltsleistung gearbeitet. Der Beschwerdefüh
rer habe in den geprüften kognitiven Domänen Aufmerksamkeit, verbales und figurales Gedächtnis, Exekutivfunktionen,
Visuokonstruktion
/visuell-räumliche Leistungen
sowie
Rech
n
en und Sprache durchschnittliche Ergebnisse erbracht. Zur Überprüfung der Intelligenzquotienten sei ein vollständiger WAIS-IV durch
geführt worden. Der Gesamt-IQ betrage 90 (Ve
r
trauensintervall 86-94) und liege somit im Normbereich
.
Der Beschwerdeführer habe in allen Untertests sowie in allen Index Werten normgerechte Ergebnisse erbracht. Die zeitliche mentale Belastbarkeit sei für eine 3-stündige sowie 11⁄4-
stündige Untersuchungssitzung gegeben gewesen. Es hätten sich keine Müdigkeitsanzeichen im Verlauf gezeigt. Gemäss eigenanamnestischen Angaben bestehe eine verminderte mentale Belast
barkeit im Tagesverlauf. Da kognitive Leistungen von einer Vielzahl von Faktoren (aktuelle
psychische und physische Befindlichkeit etc.) abhängig seien, seien trotz grundsätzlich unauffälliger kognitiver Leistungsfähigkeit intermittierende Leis
tungsschwankungen möglich
(S. 8).
Verglichen mit den Voruntersuchungen zeige sich ein insgesamt vergleichbares Ergebnis, so im Vergleich zur verkehrsmedizi
nischen Untersuchung vom 2
1.
Februar 201
8.
Der im Vergleich zum Sanatorium
Z._
differenziert erhobene IQ-Wert von 85 sowie die von
Dr.
F._
im Januar 2018 objektivierten leichten Minderleistungen in wenigen
attentionalen
, mnestischen und exekutiven Teilbereichen und die Verhaltensbesonderheiten (Nervosität) zeigten sich nicht mehr. Es sei denkbar
, dass die leicht verbesserten
B
efunde mit der verbesserten psychischen Befindlichkeit im Zusammenhang stünden
(S. 9)
.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachterinnen fest, dass sich keine kognitiven Dysfunktionen
hätten
finden lassen, die sich auf die angestammte und/oder auf eine bildungsentsprechende Verweistätigkeit in leis
tungsmässiger Hinsicht einschränkend auswirken würden. Die zeitliche mentale Belastbarkeit sei für eine maximal dreistündige Untersuchung ohne Pause gege
ben
gewesen
.
Zur zeitlichen mentalen Belastbarkeit über einen längeren Zeitrah
men (Arbeitstag/Arbeitswoche)
könnten
keine verlässlichen Angaben gemacht werden.
Ein neuropsychologisches Funktionstraining sei nicht indiziert
. Die Einschätzung von
Dr.
F._
, wonach eine verwertbare Arbeitsfähigkeit
in der freien Wirtschaft
fehle,
könne
gestützt auf die erhobenen Befunde nicht
geteilt werden
(S. 10).
Der psychiatrische Gutachter,
pract
. med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem
psychiatrischen Teilgutachten
vom
3.
Juli 2018
(Urk.
7/133/33-45)
in der Beurteilung fest, dass
keine Hinweise auf Aggra
vation oder Simulation beständen. T
rotz schwieriger Lebensumstände in der Kindheit
würden sich
keine Hinweise auf eine auffällige oder pathologische Persönlichkeitsentwicklung ergeben. Auffällig seien die schlechten Schulleistun
gen; der Beschwerdeführer gebe dazu an, schon früher langsam gewesen zu sein, das habe sich über sein Leben nicht verändert. Beruflich sei er über sehr lange Zeit Angestellter bei der
B._
gewesen und habe dort aber oft den Arbeitsplatz wechseln müssen, unter anderem wegen mangelnder Leistung. Es entstehe der Eindruck, dass der Beschwerdeführer mit zunehmenden Leistungsanforderungen (Tempo und Komplexität der Aufgabe) überfordert worden sei. Auffällig sei sodann sein Beziehungsverhalten; erst spät habe er eine Frau kennen gelernt, die er dann geheiratet habe. Nach sechs Jahren mit vielen Problemen sei es zur Schei
dung gekommen. Auch die heutige Beziehung sei wieder eine problembelastete (S. 10). Eine im Sanatorium
Z._
durchgeführte SKID-II-Diagnostik habe keine Pathologien hinsichtlich einer Persönlichkeitsstörung ergeben.
N
ach einem längeren Vorlauf im Jahr 2013
/2014
scheine
eine mittelgradige Depression vorgelegen
zu
habe
n
. Die Angaben des Beschwerdeführers, der klinische Eindruck und der psychiatrische Befund hätten keine Hinweise auf eine noch bestehende depressive Störung ergeben. Das ausdosierte
Venlafaxin
trage überwiegend wahr
scheinlich mit dazu bei, dass dieser gute Zustand erreicht worden sei. Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht folg
e
er zwar der Einschätzung des Vorliegens einer unreifen Persönlichkeitsstörung. Diese sei jedoch nach ICD-10 nicht weiter definiert, so dass
sie
keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit haben könne (S. 11).
Aus psychiatrischer Sicht sei damit keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit gegeben (S. 12).
Die Ressource des Beschwerdeführers sei, dass er unbedingt sein
eigenes Geld verdienen wolle. Insgesamt scheine er auch nicht mehr neuropsy
chologisch bedingt eingeschränkt zu sein
. Es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
(S. 12).
3.
5
Der behandelnde Arzt,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH,
führte mit
Stellungnahme vom 2
2.
Dezember 201
8
(
Urk.
7/150) aus, dass der Beschwerdeführer zurzeit an keiner Depression leide. Es finde eine medikamentöse
Rezidivprophylaxe
statt, unter welcher der Beschwerdeführer frei von depressiven Symptomen sei.
Weiter gab er an, dass das Vorliegen der Persönlichkeitsstörung mit Sicherheit negative Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit habe. Die unreife Persönlichkeitsstörung werde im ICD-10 unter dem Code F60.8 mit der Bezeichnung «sonstige Persönlichkeitsstörungen» geführt
(S. 1)
.
Ein Patient müsse die allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllen und die internistische Gutachterin,
Dr.
med.
G._
, habe die entsprechenden psychopathologischen Befunde im Gutachten festgehalten
(Distanzlosigkeit, verlangsamte Reaktionsfähigkeit, sprunghafter Gedankengang, Mühe, Fragen adäquat zu beantworten, möglicherweise Selbstüberschätzung, einfach struktu
rierte Persönlichkeit)
.
Es seien Auffälligkeiten, wie die von der Gutachterin beschrieben
en
, welche beim Beschwerdeführer seit 2010 zu anhaltenden Proble
men an seinem angestammten Arbeitsplatz geführt hätten
Von Mitarbeitern und Vorgesetzten sei er wegen entsprechender Verhaltensauffälligkeiten geringge
schätzt und kritisiert worden, sei aber nicht in der Lage, eigene Anteile an den Konflikten zu erkennen und sich an die eingeforderten Anliegen der Vorgesetzten anzupassen
(S. 2). Die Schlussfolgerung des
psychiatrischen
Gutachters, dass die Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers für die Arbeitsfähigkeit irrelevant sei, stehe in klarem Widerspruch zum Krankheitsverlauf der letzten Jahre. Dass die Leistungsfähigkeit durch die attestierte Persönlichkeitsstörung stark beein
trächtigt sei, zeige sich ja gerade daran, dass der Beschwerdeführer trotz sehr hoher Arbeitsmotivation seine Anstellungen bei der
B._
wegen ungen
ügender Leistung innerhalb von zwei
Jahren zweimal verloren habe
, obschon mittels Job Coach der IV alles unternommen worden sei, um den Beschwerdeführer mit reduziertem Pensum von 60
%
im Arbeitsprozess integriert zu halten. Zur Frage, weshalb eine Störung, welche definitionsgemäss schon seit dem jungen Erwach
senenalter vorliegen müsse, erst in fortgeschrittenem Alter zu Problemen am Arbeitsplatz führe, sei zu bemerken
,
dass entsprechende Krankheitsverläufe bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen eher die Regel als die Ausnahme seien. Häufig könnten entsprechende Nachteile von jungen Menschen durch grössten Einsatz noch knapp kompensiert werden
. Wenn die Lebenskraft durch anhaltende Entwertungen und soziale Enttäuschungen abnehme und noch somatische Erkrankungen hinzukämen, führe dies oft erst im mittleren Lebensalter zur
Dekompensation
(S. 2)
.
Die Einteilung der Persönlichkeitsstörungen in spezifische Untergruppe
n
werde in der neuen internationalen Klassifikation psychischer Stö
rungen ICD-11 entfallen, weil keine genügende Trennschärfe bestehe. Im ICD-11 würden nur noch der Schweregrad und die allgemeinen Kriterien erwähnt werden. Wie sich gezeigt habe, liege beim Beschwerdeführer eine Persönlichkeit
s
störung
von erheblichem Ausmass vor. In Folge dieser Störung sei der Beschwer
deführer in seiner angestammten Tätigkeit offensichtlich nicht mehr einsetzbar (S. 3).
3.
6
Die RAD-Ärztin,
Dr.
med.
L._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in ihrer Stellungnahme vom 1
5.
Februar 2019 (
Urk.
7/159/3-
4
) fest,
dass bis zum Zeitpunkt des Gutachtens ausschliesslich von einer unreifen Persönlichkeit (Z73.1) ausgegangen worden sei, was gemäss ICD-10-Code einer Persönlichkeits
akzentuierung entspreche und nicht IV-relevant sei, aber erhöhte Schwierigkeiten im Überwinde
n von Problemen bewirken könne.
Im Gutachten sei fälschlicher
weise der Terminus Persönlichkeitsstörung (ohne Code) anstelle der Persönlich
keitsakzentuierung beschrieben worden. Den Ausführungen von
Dr.
A._
könne aus verschiedenen Gründen nicht gefolgt werden. Erstens habe er selber nie die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt. Zweitens beziehe er sich auf den psychopathologischen Befund einer fachfremden Gutachterin und nicht auf den psychopathologischen Befund des psychiatrischen Gutachters, welcher mehr oder weniger unauffällig gewesen sei. Drittens könnten aufgrund eines psychopathologischen Befundes die allgemeinen Bedingungen für eine Persön
lichkeitsstörung nicht als erfüllt betrachtet werden. Beim Beschwerdeführer seien die Kriterien G1 und G5 (richtig
:
G4) der Persönlichkeitsstörung auf jeden Fall nicht erfüllt.
4.
4.1
Hinsichtlich der rentenabweisenden Verfügung vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
2) steht zunächst in Frage, ob zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers auf das polydisziplinäre
M
edas
-Gutachten vom 21. September 2018 (vgl. E. 3.
4
hiervor) abgestellt werden kann.
4.2
Das polydisziplinäre
M
edas
-Gutachten vom 21. September 2018 (
Urk.
7/133/1-
45) ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt
(
Urk.
7/133/1-19 S. 2 ff.,
Urk.
7/133/23-32 S. 2 f.,
Urk.
7/133/33-45 S. 2)
.
Insbesondere hatte auch der psychiatrische Gutachter Kenntnis
von
der Erwerbsbiografie des Beschwerde
führers und setzte sich damit auseinander (
Urk.
133/33-45 S. 4-7, S. 10).
Ferner
setzt es sich mit den geklagten Beschwerden
und dem Verhalten des Beschwer
deführers
auseinander (
Urk.
7/133/1-19 S.
10
f.,
Urk.
7/133/23-32 S. 3
f.,
Urk.
7/133/33-45 S.
3 ff.
)
und die Gutachter führten die in ihren Fachrichtungen erforderlichen Zusatzuntersuchungen
durch (
Urk.
7/133/20-22,
Urk.
7/133/23-32 S. 5 ff.
). Die Gutachter legten die mediz
inischen Zusammenhänge einleuch
tend dar
und beurteilten die medizinische Situation überzeugend. Sie gelangten zum begründeten und nach
vollziehbaren Schluss, dass beim Beschwerdeführer auf
grund der Befunde
weder in der bisherigen noch in der früher ausgeübten Tätig
keit
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt
(
Urk.
7/133/1-19 S. 14, S.
15, S. 17,
Urk.
7/133/23-32 S. 10,
Urk.
7/133/33-45 S. 12).
Diese Schlussfolgerung stützten sie namentlich a
uf die erhobenen (objektivierba
ren) Befunde.
Der psychiatrische Gutachter legte nachvollziehbar dar, dass auf
grund der fehlenden psychopathologischen Befunde, insbesondere mangels Hinweise
n
für
eine depressive Störung, die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit gegeben ist
(
Urk.
7/133/33-45 S. 11)
.
Auch die neuropsychologischen Gutachterinnen erklärten schlüssig, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit festgestellt werden konnte. So
liessen
sich keine kognitiven Dysfunktionen finden, welche in leistungsmässiger Hinsicht einschränkend wirken könnten.
Auch
die zeitliche mentale Belastbarkeit
war
für die dreistündige Untersuchung ohne Pause gegeben.
Verglichen m
it früheren Untersuchungen, insbesondere mit
jener
von
Dr.
F._
im Januar 2018,
zeigten
sich die
damals
objektivierten leichten Minderleistungen in wenig
en
attentionalen
, mnestischen und exekutiven
Teilbereichen
nicht mehr. Ebenso wenig
zeigten
sich die genannten Verhaltens
besonderheiten (Nervosität). In der gutachterlichen Untersuchung
konnte
sich
der Beschwerdeführer gut auf die Anforderungen einlassen,
arbeitete
ruhig und konzentriert und war nicht übermässig nervös
. Die Gutachterinnen führten die leicht verbesserten Befunde auf die verbesserte psychische Befindlichkeit zurück, was plausibel erscheint
(
Urk.
7/133/23-32 S. 9).
Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizini
sche Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.
4
hiervor).
4.3
Unbestrittenermassen ist der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt,
und es
konnten im Gutachtenszeitpunkt keine Befunde einer Depression erhoben werden
(E. 3.4-3.5)
.
In kognitiver Hin
sicht wurde zudem ein alters- und ausbildungsadäquates Leistungsvermögen fest
gestellt, und entgegen der Beurteilung durch
Dr.
A._
(E. 3.2)
ist bei
einem IQ-Wert
von
85 (E. 3.1) beziehungsweise
von
90 (E. 3.4)
von einer im unteren Normbereich liegenden und nicht von einer unter
durchschnittliche
n
Intelligenz
auszugehen.
Strittig
ist hingegen, ob eine
den Beschwerdeführer in funktioneller Hinsicht einschränkende
Persönlichkeitsstörung vorliegt.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass w
eder das
Medas
-Gutachten noch – zumin
dest bis zum Gutachtenszeitpunkt - der behandelnde Psychiater diagnostisch
von einer Persönlichkeitsstörung
nach ICD-10 F.60.-
aus
gingen.
Dr.
A._
nannte
vielmehr
unreife Persönlichkeitszüge
nach ICD-10 Z73.1
(E. 3.2
)
.
Der
Beschwerdeführer brachte vor, der psychiatrische Gutachter sei
im Rahmen des
M
edas
-Gutachtens vom 2
1.
September 2018 (vgl. E. 3.1 hiervor)
in seinen Ausführungen
von einer Persönlichkeitsstörung ausgegangen, habe aber verkannt, dass diese doch im ICD-10 zu finden sei
. Dazu ist festzuhalten, dass
es i
nvalidenversicherungsrechtlich
nicht auf die
Diagnose respektive die Bezeich
nung
an
kommt
, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat
BGE 136 V 279 E. 3.2.1
. Massgebend ist in erster Linie der lege
artis
erhobene Befund und der Schweregrad der Symptomatik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_273/2018 vom 2
8.
Juni 2018 E. 4.2, 9C_59/2016 vom
6.
Januar 2017 E. 6.1, 9C_634/2015 vom 1
5.
März 2016 E. 6.1 mit Hinweisen). Au
ch vorliegend ist für die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht allein die Bezeichnung respektive ICD-10 Codierung der Krankheit massgebend, sondern deren funkt
ionelle Einschränkung. In der psychiatrischen Teilbegutachtung zeigte der Beschwerdeführer keine Bewusstseinsstörungen, konnte der Exploration über zwei Stunden ohne Pause gut folgen, hatte keine Auffassungsprobleme, kein Grü
beln und kein
Gedankendrängen
. Insgesamt war er zwar eher langsam, aber gemäss eigenen Angaben
sei
das schon immer so gewesen. Er war weder einge
engt noch umständlich. Phobien und Zwänge verneinte der Beschwerdeführer, ebenso wie Wahnsymptome, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Der Beschwerdeführer wirkte leicht bedrückt, aber nicht depressiv im engeren Sinne. Der Beschwerdeführer erlebt sich selbst innerlich insgesamt eher entspannt und ist schwingungsfähig. Sein Antrieb war deutlich reduziert, wobei Interessen wei
terhin vorhanden waren. Hinsichtlich des sozialen Rückzug
s
konnten keine Veränderungen zum früheren Verhalten festgestellt werden (
Urk.
7/133/33-45 S
.
8 f.).
Der Beschwerdeführer gab anlässlich dieser Begutachtung
auch
an, schon früher langsam gewesen zu sein
,
wobei sich dies
über sein Leben hinweg nicht verändert
habe
(S. 10). Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung von erheblichem Ausmass, wie sie der Beschwerdeführer geltend macht (
Urk.
1 S. 6), lassen sich im psychiatrischen Teilgutachten
somit
nicht finden. Aufgrund der beschriebenen Beschwerden und Befunde ist gut nachvollziehbar,
dass
der psychiatrische Gut
achter von keiner funktionellen Einschränkung der Arbei
tsfähigkeit ausgegangen ist.
Ob die Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung oder
einer
-akzentuierung vorliegend korrekt wäre, ist im Hinblick auf das Beschwerdebild daher unerheb
lich.
Die Beurteilung des behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
, wonach der Beschwerdeführer die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllt,
vermag
nicht zu überzeugen
.
Dr.
A._
stützt sich bei seiner Einsc
hätzung auf einzelne Sätze und Formulierungen
aus dem Gutachten und leitet daraus
erstmals in seiner Stellungnahme zum Gutachten
eine Persönlichkeitsstörung ab
, während er
in sei
nen
früher
en Berichten
lediglich von unreifen Persönlichkeitszügen
nach ICD-10 Z73.1
ausging
(
Urk.
7/150 S. 2).
In dem von Dr.
A._
zitierten Abschnitt des Gutachtens (
Urk.
7/133/1-19 S. 13) beschreiben
Dr.
G._
und
Dr.
H._
aber auch, dass sich der Beschwerdeführer unauffällig und an die Situation angepasst verhalten hat. Aus der Formulierung, der Beschwerdeführer sei even
tuell etwas distanzlos gewesen mit einer verlangsamten Reaktionsfähigkeit, lässt sich noch
nicht auf
eine Persönlichkeitsstörung
schliessen
, zumal auch das neuropsychologische
und psychiatrische
Teilg
utachten kein
e gegenteiligen Schlüsse zulassen
. Eigene Unt
ersuchungen, welche die von
ihm
gestellte Diag
nose einer Persönlichkeitsstörung begründen würden,
nahm
Dr.
A._
nicht vor.
Anzumerken ist ferner, dass spezifische Persönlichkeitsstörungen typischerweise in deutlich jüngerem Alter auftreten
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_35/2017 vom
4.
August 2017 E. 3.2)
, a
uch wenn – wie dies der behandelnde Psychiater ausführte –
sie sich
unter Umständen erst im Erwac
hsenenalter manifestieren mögen
.
I
n den Akten
fehlen
Hinweise auf Entwicklungsumstände, welche den Grundstein einer schweren Persönlichkeitsstörung bilden könnten.
Im Gegenteil verneinte der Gutachter t
rotz schwieriger Lebensumstände (Aufwachsen ohne Vater, tagsüber Betreuung in einer Pflegefamilie und einem Tagesheim) explizit
, dass
Hinweise auf eine auffällige oder pathologische Persönlichkeitsentwicklung
bestünden. I
n Kenntnis der von Stellenwechseln geprägten Erwerbsbiografie
des Beschwerdeführers verneinte er
sodann auch
eine sich in funktioneller Hinsicht auswirkende Persönlichkeitsstörung.
Nichts ändert der sodann – in der Sache zwar zutreffende – Einwand, wonach die RAD-Einschätzung (E. 3.6) dem Beschwerdeführer nicht zur Stellungnahme zugestellt worden war, denn diese nennt keine neuen
Entscheidgrundlagen
, die nicht bereits dem Gutachten entnommen werden können. Überdies vermochte der Beschwerdeführer sich im vorliegenden Verfahren sachgerecht dazu zu äussern, sodass selbst eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs damit geheilt wäre.
4.
4
Der Beschwerdeführer kritisierte zudem, dass hinsichtlich der Persönlichkeitsstö
rung das Klassifikationssystem ICD-11 hätte angewendet werden müssen, da im ICD-11 aufgrund der fehlenden Trennschärfe nur noch der Schweregrad und die
verschiedenen Kriterien massgebend sein werden (
Urk.
1 S. 5).
Die Mitgliedstaa
ten der Weltgesundheitsorganisation haben am 25. Mai 2019 beschlossen, dass die Klassifikation ICD-11 erst am 1. Januar 2022 in Kraft
treten wird (
www.who.int/news-room/detail/25-05-2019-world-health-assembly-update
; abgerufen am 1
8.
Juni 2020
). Weshalb vorliegend auf ein noch
nicht in Kraft stehendes Klassifikationssystem abgestellt werden sollte und welche darin beschriebene Diagnose
gegebenenfalls
auf den Beschwerdeführer anwendbar sein soll
te
,
ist nicht ersichtlich.
4.
5
Die Sachlage erweist sich als hinreichend abgeklärt. Von den beschwerdeweise im Eventualstandpunkt verlangten ergänzenden Beweisvorkehren (
Urk.
1 S. 2) sind keine weitergehenden Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V
94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
Demnach ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.