Decision ID: c8f74d11-9f6c-4374-914b-6c45cea1bf66
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._ ist 1961 geboren und hat eine kaufmännische Ausbildung absol
viert. Mit Verfügung vom 26. März 2004 sprach ihr die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, hauptsächlich aus psychischen Gründen (unter anderem Persönlichkeitsstörung und Polytoxikomanie; vgl. etwa Urk. 7/9) mit Wirkung ab 1. Dezember 2001 eine ganze Rente der Invalidenver
sicherung zu (Urk. 7/32). Nachdem sich der Gesundheitszustand in somatischer Hinsicht verschlechtert hatte (Hüftkopfnekrose), meldete sich X._ im November 2005 zudem zum Bezug einer Hilflosenentschädigung an (Urk. 7/47). Mit Verfügungen vom 18. April 2006 wurden ihr für die Zeit von 1. Dezember 2005 bis 28. Februar 2006 eine Hilflosenentschädigung für leichte Hilflosigkeit und für die Zeit ab 1. März 2006 eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades zugesprochen (Urk. 7/54). Im Jahr 2009 wurde im Rahmen von durchgeführten Revisionsverfahren der Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine Hilflo
senentschädigung in unterschiedlicher Höhe bestätigt (Urk. 7/111-112 [An
spruch auf halbe Invalidenrente und Hilflosigkeit mittleren Grades], Urk. 7/140 [Hilflosigkeit leichten Grades] und Urk. 7/150-151 [Anspruch auf ganze Rente und Hilflosigkeit leichten Grades]). Im Jahr 2011 wurde ein weiteres Revisions
verfahren durchgeführt (Urk. 7/170), im Zuge dessen die Verwaltung nach getä
tigten Abklärungen (Urk. 7/174) mit Mitteilungen vom 19. Januar 2012 den Anspruch auf die bisherige (ganze) Invalidenrente (Urk. 7/179) sowie auf die bisherige Hilflosenentschädigung (für leichte Hilflosigkeit; Urk. 7/180) bestä
tigte. Überdies wurden der Versicherten im Laufe der Jahre verschiedene Hilfs
mittel zugesprochen.
Im Jahr 2017 leitete die IV-Stelle eine Revision (nur; vgl. Urk. 7/190-191) der Hilflosenentschädigung in die Wege. Sie holte bei der Y._ ärztliche Auskünfte ein (Urk. 7/194 S. 4 f. und Urk. 7/196) und führte am 28. Juni 2017 eine Abklärung der Hilflosigkeit vor Ort durch (Urk. 7/197). Am 30. Juni 2017 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid, mit welchem sie der Ver
sicherten die Aufhebung der Hilflosenentschädigung in Aussicht stellte (Urk. 7/198). Daran hielt sie nach erfolgtem Einwand durch die Versicherte vom 27. Juli 2017 (Urk. 7/200) mit Verfügung vom 22. August 2017 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ hierorts mit Eingabe vom 20. September 2017 Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei die Verfügung der IV vom 22. August 2017 aufzuheben, und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, ins
besondere Hilflosenentschädigung, auszurichten (1.), es sei im vorliegenden Verfahren – im Sinne des rechtlichen Gehörs – der Beschwerdeführerin noch eine Nachfrist zur Begründung der Beschwerde zu gewähren, eventualiter sei ein zweiter Schriftenwechsel zur weiteren Begründung der vorliegenden Be
schwerde durchzuführen (2.) sowie der Beschwerde sei die aufschiebende Wir
kung zu erteilen (3.), alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Mehr
wertsteuer zulasten der Invalidenversicherung (Urk. 1 S. 2).
Mit Verfügung vom 27. September 2017 verneinte das hiesige Gericht das Erfor
dernis einer Nachfristansetzung und setzte der IV-Stelle Frist zur Be
schwerdeantwort an (Urk. 5). Mit Vernehmlassung vom 30. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle Antrag auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess die Beschwerdeführerin unter anderem eventualiter die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels beantragen. Je
doch ist ein zweiter Schriftenwechsel nur dann anzuordnen, wenn in der Be
schwer
deant
wort neue Tatsachen, Beweismittel oder Rechtsgründe vorgetragen werden (vgl. etwa Kobel, in: Zünd/Pfiffner Rauber [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über das
So
zi
alversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zü
rich/Basel/Genf 2009
, N 20 zu § 19). In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2017 be
schränkte sich die IV-Stelle darauf, unter Hinweis auf die angefochtene Verfügung sowie die Akten die Abweisung der Be
schwer
de zu be
antragen (Urk. 6), weshalb grundsätzlich kein zweiter Schriftenwechsel ange
zeigt ist. Daher und mit Blick auf den vorliegenden Verfahrensausgang recht
fertigt sich kein zweiter Schrif
tenwechsel, und es kann – da sich die Sache im Übrigen als spruchreif erweist – mit der Zustellung der Beschwerdeantwort zu
sammen mit dem End
ent
scheid sein Bewenden haben.
2.
2.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflo
senentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Le
bensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
2.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
2.3
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erfor
derlich. Ersterer hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren kör
perlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen.
Dabei hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Per
son, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchti
gungen und Hilflosigkeiten hat. B
ei Unklarheiten über physische oder psychi
sche bzw. geistige Störungen oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebens
verrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden persönlichen Überwa
chung und der Pflege
und der lebenspraktischen Begleitung
sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungs
grundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Ab
klärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerde
fall zuständige Gericht (
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4 sowie 9C_497/2014 vom 2. April 2015 E. 4.1.1 mit Hinweis u.a. auf
BGE
140 V 543 E. 3.2.1 und
133 V 450
)
.
Im Falle einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit stellt der Abklä
-
rungsbe
richt im Haushalt ein geeignetes Beweismittel für die Bemessung der Invalidität der betroffenen Personen dar. Stimmen jedoch die Ergebnisse der Haushaltabklärung nicht mit den ärztlichen Feststellungen der Behinderungen im gewohnten Tätigkeitsbereich überein, so haben Letztere in der Regel mehr Gewicht als die im Haushalt durchgeführte Abklärung (
BGE 133 V 450
E. 11.1.1 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung gilt auch für die Abklärung der Hilflosig
keit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (
a.a.O.)
.
2.4
Ändert sich
der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise, so finden die
Art.
87 bis 88
bis
IVV Anwendung (
Art.
35
Abs.
2 Satz 1 IVV)
; das Rentenrevisionsrecht ist sinngemäss anwendbar (vgl. Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum IVG, Art. 30-31 Rz 139; vgl. auch Rz 8113 des Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] in der seit 1. Januar 2015 gültigen Fassung, Stand 1. Januar 2017).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung zur Hauptsa
che damit, die Abklärung vor Ort habe ergeben, dass die Versicherte auf Grund der eingeschränkten Gehfähigkeit auf Dritthilfe angewiesen sei. In allen anderen Bereichen bestehe Selbständigkeit, namentlich werde die besonders aufwändige Pflege nicht mehr benötigt. Die Voraussetzungen für die weitere Ausrichtung einer Hilflosentschädigung seien damit nicht mehr erfüllt (Urk. 2).
3.2
Dagegen lässt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vorbringen, dass der massgebende medizinische Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt worden sei. Insbesondere sei bei psychisch behinderten Menschen die Frage nach der le
benspraktischen Begleitung vertieft zu prüfen, was vorliegend nicht erfolgt sei. Die Beschwerdeführerin erfülle mindestens die Voraussetzung der lebensprakti
schen Begleitung nach Art. 38 IVV, sei sie doch auf Begleitung einer Drittper
son für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung angewiesen und zudem gefährdet, sich dauerhaft zu isolieren (Urk. 1).
4.
4.1
Der Mitteilung vom 19. Januar 2012 bezüglich unverändertem Anspruch auf eine Hilflosentschädigung leichten Grades lagen im Wesentlichen die folgenden Angaben zugrunde.
Die Y._ hatte in ihrem Bericht vom 29. November 2011 mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit folgende Diagnosen gestellt: Rehabilitationsdefizit rechts bei Status nach Hüft-TP Implantation mit Weichteilrelease links am 5.5.11 und Status nach Resektions-Arthoplastik (Girdlestonesituation) Hüfte links am 4.9.2007 bei fortgeschrittener Femurkopfnekrose, Status nach eitriger Coxitis links sowie eine Beinlängendifferenz von -6cm links im Vergleich zu rechts. Alsdann stellten sie folgende Nebendiagnosen: Chronische Hepatitis C, Status nach Polytoxikomanie mit Methadonkonsum bis 8/06, Abusus von Se
resta bis 12/06, Abusus von Ritalin bis 04/07, Alkoholproblematik bis 07/07, mehrfache psychiatrische Hospitalisation in A._, Hard und Schlössli. Genaue Angaben zur aktuellen Arbeitsfähigkeit und Hilflosigkeit machten sie nicht (vgl. Urk. 7/174).
Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin und Hausarzt der Versi
cherten, diagnostizierte am 13. Januar 2012 eine Polytoxikomanie sowie HCV (Hepatitis C Virus). Er gab im Wesentlichen an, es bestehe eine schwere Einschränkung durch gestörte Tagesstruktur und Konzentrationsschwäche, wel
che sich bei der Arbeit deletär auswirkten. Als Chefsekretärin bestehe seit ca. 1995 bis heute eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Im Fragebogen für Hilf
losenentschädigung verneinte Dr. Z._ einen Bedarf an regelmässiger und er
heblicher Hilfe in jedwelchem massgebenden Lebensbereich. Dem Fragebogen legte er je einen Austrittsbericht der A._ vom 10. Juni 2011 sowie der B._ vom 8. Juni 2011 be
treffend im Mai 2011 stattgehabte stationäre Behandlungen bei (Urk. 7/175).
4.2
Im vorliegend zu überprüfenden Revisionsverfahren holte die IV-Stelle bei der Y._ Auskünfte ein. Im an Dr. Z._ gerichteten Sprech
stundenbericht (Erstkonsultation) der Fuss-Sprechstunde vom 28. März 2017 di
agnostizierten die verantwortlich zeichnenden Ärzte Metatarsalgien Dig. II-V rechts bei deutlich verkürzter Wadenmuskulatur sowie einen Verdacht auf eine neuropathische Schmerzkomponente Fuss rechts. Bei deutlich verkürzter Wa
denmuskulatur sei der Patientin eine Physiotherapieverordnung mitgegeben worden (vgl. Urk. 7/194 und Urk. 7/196 [Verlaufskontrolle vom 22. Juni 2017]).
4.3
Anlässlich der Abklärung vor Ort vom 28. Juni 2017 verwies die Abklärungsper
son bezüglich der Vorgeschichte auf die Akten. Bezüglich der aktuell behandelnden Ärzte hielt sie fest, dass in der Y._ und im Universitätsspital nach Bedarf Verlaufskontrollen und beim Hausarzt ca. mo
natliche Konsultationen stattfänden. Ausgehend von den Angaben der Versi
cherten hielt sie schlussfolgernd fest, die Hilflosigkeit sei im Bereich Fortbewe
gung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte nach wie vor gegeben. Jedoch werde die besonders aufwändige Pflege nicht mehr benötigt, weshalb die Vorausset
zungen zur weiteren Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung nicht erfüllt seien (Urk. 7/197).
4.4
In dem im vorliegenden Verfahren aufgelegten Bericht vom 12. September 2017 führte Dr. Z._ aus, die Versicherte sei physisch und psychisch krank. Wegen Gehschwierigkeiten könne sie alleine kaum aus der Wohnung und werde übli
cherweise durch ihren Vater begleitet. Ausser ihrem Vater habe sie kaum noch soziale Kontakte und vereinsame, auch könne sie ohne ihn den Haushalt nicht führen. Die Substitutionsmedikamente würden von ihr schlecht vertragen, zu
sammen mit der chronischen Leberentzündung müde machen und weitere Ne
benwirkungen haben. Summa summarum sei die Versicherte in allen Bereichen eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Der Zustand verschlechtere sich langsam, eine Heilung sei nicht vorstellbar (Urk. 3/3).
5.
5.1
Im Streit liegt der weitere Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bzw. die Frage, ob sich die Hilflosigkeit in anspruchserheblicher Weise verändert hat. Dabei ist vorab streitig und zu prüfen, ob der aufgrund der Abklärung vom 28. Juni 2017 erstellte Abklärungsbericht Hilflosigkeit den rechtsprechungsge
mässen Erfordernissen an die Beweiskraft eines solchen Berichts (E. 2.3 hievor) genügt, sodass darauf abgestellt werden kann.
5.2
Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens hatte die IV-Stelle im Vorfeld der Abklärung vor Ort (nur) bei der Klinik Y._ ärztliche Angaben eingeholt. Dabei wurde der „Arztbericht Hilflosenentschädigung“ nicht ausgefüllt und re
tourniert und die der IV-Stelle zugestellten Berichtskopien betrafen ausschliess
lich eine (neuere) Fuss-Problematik. Jedoch litt die Versicherte – wie aus den noch der Mitteilung vom 19. Januar 2012 zugrundeliegenden Berichten aus dem Jahr 2011 ersichtlich ist (vgl. E. 4.1. hievor) – an verschiedenen weiteren somatischen und psychischen Gesundheitsstörungen, über deren Verlauf und Auswirkungen (Einschränkungen) seit 2011 keinerlei Angaben in den Akten lie
gen. Damit hatte die Verwaltung den medizinischen Sachverhalt nur punktuell und nicht vollständig abgeklärt. Daraus folgt, dass die Abklärungsperson ihren Bericht von vornherein nicht mit hinreichender Kenntnis der sich aus den medi
zinischen Diagnosen ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeit er
stellen konnte; mangels aktueller ärztlicher Berichte und Angaben zur Hilfsbe
dürftigkeit fehlten die Grundlagen hiezu.
Auf die Einholung entsprechender ärztlicher Angaben konnte aber insbesondere nicht verzichtet werden, weil bei der Beschwerdeführerin, die nach Angaben im Abklärungsbericht mehrmals täglich unter anderem Temesta einnimmt (Urk. 7/197 S. 2), wohl nach wie vor auch eine psychische Problematik vorliegt. Zwar stellt ein Abklärungsbericht Hilflosigkeit im Falle einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit grundsätzlich ein geeignetes Beweismittel dar. Beste
hen jedoch – was bei gegenwärtiger Aktenlage gar nicht geprüft werden kann - Diskrepanzen zwischen (ärztlicher) Fremdeinschätzung und Eigenangaben der Versicherten, kommt der ärztlichen Einschätzung entscheidendes bzw. höheres Gewicht zu und es wäre auf diese abzustellen (vgl. etwa Urteil des Bundesge
richts 8C_464/2015 vom 14. September 2015).
5.3
Damit kann dem Abklärungsbericht – der mangels Vorliegens hinreichender ärztlicher Angaben zum Gesundheitszustand und der Hilfsbedürftigkeit bezüg
lich der festgestellten Einschränkungen durch das Gericht nicht auf seine Plau
sibilität hin überprüft werden kann - jedoch nicht die erforderliche Beweiskraft beigemessen werden. Überdies kann mit Blick auf die im vorliegenden Verfah
ren aufgelegten - nur wenig nach dem angefochtenen Entscheid datierenden - Angaben von Dr. Z._ vom 12. September 2017 (E. 4.4 hievor) ein rechtser
heblicher Hilfsbedarf auch nicht von Vorneherein ausgeschlossen werden. Um über den weiteren Anspruch auf Hilflosenentschädigung entscheiden zu kön
nen, braucht es (rechtsgenügliche) medizinische Grundlagen bzw. ärztliche An
gaben zum Verlauf des Gesundheitszustandes seit Januar 2012 sowie zum Hilfsbedarf. Allenfalls ist nach deren Einholung ein nochmaliger Abklärungsbe
richt Hilflosigkeit in Kenntnis der diesbezüglichen Ergebnisse erforderlich.
5.4
Die Verfügung vom
22. August 2017
ist deshalb aufzuheben und die Sache ist zur
rechtsgenüglichen
Abklärung des Sachverhaltes im Sinne der Erwägungen und zu neuem Ents
cheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. Die Be
schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Mit Erlass der angefochtenen Verfügung
hat
die IV-Stelle der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
entzogen (Urk. 2 S. 1
). Nach der
(vorliegend sinngemäss anwendbaren; vgl. E. 2.4 hievor)
Rechtsprechung des Bundesgerichts
im Bereich der Rentenrevision
dauert - unter Vorbehalt einer allfällig missbräuchlichen Provozierung eines möglichst frühen Revisionszeitpunktes durch die Verwal
tung - der mit der revisionsweise verfügten Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente
(bzw. eben Hilflosenentschädigung)
verbundene Entzug der aufschieben
den Wirkung einer Beschwerde bei Rückweisung der Sache an die Verwaltung auch noch für den Zeitraum dieses Abklärungsverfahrens bis zum Erlass der neuen Verwaltungsverfügung an (BGE 129 V 370). Der bei einer Rentenherab
setzung oder -aufhebung verfügte Entzug der aufschiebenden
Wirkung
der Be
schwerde hat im Rahmen der Interessenwägung normalerweise Bestand (vgl. Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Art. 30-31 Rz 129 unter Hinweis auf BGE 105 V 266).
6.2
Vorliegend hätte die von der Beschwerdeführerin beantragte Wiederherstellung der
aufschiebende
n
Wirkung
zur Folge, dass
ihr
die IV-Stelle bis zum Abschluss des Verfahrens in der Hauptsache weiterhin eine
Hilflosenentschädigung
für Hilflosigkeit leichten Grades
ausrichten müsste. Stellte sich im weiteren Ver
fahren - was aufgrund der aktuellen Aktenlage offen ist - heraus, dass kein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung mehr
besteht, hätte die Beschwerdeführe
rin voraussichtlich die bis zum Verfahrensabschluss zu Unrecht bezogenen Leistungen zurückzuerstatten (vgl. Art. 25 Abs. 1 ATSG); dabei könnte - man
gels gutgläubigen Bezuges - von einer Rückforderung nicht abgesehen werden.
Die IV-Stelle hat
daher
in Anbetracht der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der
drohenden
Gefahr der Nichteinbringlichkeit offensicht
lich ein erhebliches Interesse, Rückerstattungsforderungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Das demgegenü
ber angesichts des Wegfalls der Hilflosenentschädi
gung
bestehende Interesse der Beschwerdeführerin, während der Verfahrens
dauer
– soweit überhaupt -
die Fürsorge nicht in Anspruch nehmen zu müssen,
würde
dasjenige der Beschwerdegegnerin nicht klar
überwiegen
, zumal auf
grund der vorhandenen medizinischen Akten offen ist, ob und inwieweit eine Veränderung des Gesundheitszustandes beziehungsweise
der entsprechenden
Aus
wirkung
en auf
die Hilfsbedürftigkeit
eingetreten ist
.
Da
mit
sind
die Prozess
aussichten im weiteren Verfahren nicht eindeutig
,
und da vorliegend
auch
nicht gesagt werden kann, die Verwaltung habe einen frühestmöglichen Revisions
zeitpunkt missbräuchlich provoziert, ist dem Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung
der Beschwerde (vgl. Urk. 1 S. 2) nicht stattzuge
ben.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Ausgangsgemäss steht de
r
Beschwerdeführer
in
eine Prozessentschädigung zu, die gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berücksichtigung dieser Grund
-
s
ätze auf Fr.
1‘800
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.