Decision ID: 6e8d1928-d86d-572e-a7f2-4bb8bdc96ef5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der aus dem Niger stammende Beschwerdeführer (geb. [...]) reiste am
13. Juni 2006 in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl. Mit
Verfügung vom 13. Oktober 2010 stellte das damals zuständige Bundes-
amt für Migration (BFM; heute: Staatssekretariat für Migration [SEM]) fest,
der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an (Akten
der Vorinstanz [SEM act.] A2/9-A3/2 und A61/10). Die gegen diesen Ent-
scheid erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Ur-
teil D-8056/2010 vom 4. Oktober 2011 ab (SEM act. A65/21 und A70/18).
In der Folge gelangte der Beschwerdeführer in den Jahren 2015 und 2016
mit zwei Wiedererwägungsgesuchen an das SEM, welche beide abschlä-
gig entschieden wurden.
B.
Mehrere Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorlie-
gens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls blieben ohne Erfolg
(vgl. SEM act. C3). Am 7. Dezember 2017 ersuchte der Beschwerdeführer
erneut um Erteilung einer ordentlichen Aufenthaltsbewilligung. Angesichts
der langen Aufenthaltsdauer sowie seiner guten Integration stimmte das
SEM am 18. Januar 2018 der Erteilung der gewünschten Bewilligung im
Rahmen von Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,
SR 142.31) zu. Er ist seither in Besitz einer Aufenthaltsbewilligung (SEM
act. V39/5-V43/1).
C.
Am 30. April 2019 beantragte der Beschwerdeführer beim Amt für Migration
und Integration des Kantons Aargau die Ausstellung eines Reisepasses für
eine ausländische Person. Das Gesuch wurde der Vorinstanz zur Prüfung
und zum Entscheid überwiesen (SEM act. 1/3-2/4).
D.
Nach Überprüfung der Gesuchsunterlagen teilte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer am 8. Mai 2019 mit, die Voraussetzungen für die Ausstel-
lung des beantragten Reisedokuments seien nicht erfüllt. Er habe die Mög-
lichkeit, eine gebührenpflichtige, beschwerdefähige Verfügung zu verlan-
gen. Ohne Gegenbericht bis zum 13. Juni 2019 werde sein Gesuch als
gegenstandslos abgeschrieben (SEM act. 3/6). Am 21. Mai 2019 ersuchte
er die Vorinstanz um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung (SEM
act. 4/1).
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E.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2019 wies die Vorinstanz das Gesuch um Aus-
stellung eines Passes für ausländische Personen ab. Zur Begründung
führte sie im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer verfüge über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz, sei jedoch nicht
als Flüchtling anerkannt worden. Es sei ihm deshalb zumutbar, sich bei den
zuständigen Behörden seines Heimatstaates um Ausstellung eines Reise-
dokuments zu bemühen. Dabei obliege es ihm, die von der Botschaft ver-
langten notwendigen Anforderungen zu erfüllen. Aufgrund seines Aufent-
haltsstatus in der Schweiz sei es ihm überdies möglich und zumutbar,
zwecks Ausstellung eines Reisepasses nach Niger zu reisen. Zusammen-
fassend erfülle er die Voraussetzungen gemäss Art. 10 der Verordnung
vom 14. November 2012 über die Ausstellung von Reisedokumenten für
ausländische Personen (RDV, SR 143.5) nicht (SEM act. 5/5).
F.
Mit ursprünglich bei der Vorinstanz eingereichter Eingabe vom 16. Juli
2019 ersuchte der Beschwerdeführer diese um Wiedererwägung ihrer Ver-
fügung sowie um Ausstellung eines Reisedokuments. Eventualiter bean-
tragte er die Weiterleitung der Eingabe als Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht, was die Vorinstanz getan hat. Diesfalls ersuchte er das
Gericht um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Er machte geltend,
die nigrische Botschaft im Frühjahr 2018 um Ausstellung eines Reisepas-
ses ersucht zu haben. Gemäss deren Schreiben vom April 2019 könne ihm
jedoch kein Pass ausgestellt werden, da er weder nachgewiesen habe,
dass er nigrischer Staatsangehöriger sei, noch seinen Zivilstand belegt
habe. Bereits während des Asylverfahrens bei der Botschaft gestellte Ge-
suche um Ausstellung eines Reisedokuments seien allesamt erfolglos ge-
wesen. Er habe demzufolge alles Zumutbare unternommen, um ein hei-
matliches Reisedokument zu beschaffen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt Rechts-
verbeiständigung (SEM act. 6/22 und Akten des Bundesverwaltungsge-
richts [BVGer act.] 1).
G.
Mit Schreiben vom 4. September 2019 reichte der Beschwerdeführer ein
ausgefülltes Formular «Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» sowie
weitere Unterlagen zu den Akten (BVGer act. 4).
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Seite 4
H.
Mit Zwischenverfügung vom 11. September 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsver-
beiständigung mangels Nachweises der Bedürftigkeit ab (BVGer act. 5).
I.
Am 18. September 2019 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um Bewil-
ligung der unentgeltlichen Rechtspflege und reichte weitere Belege ein
(BVGer act. 6).
J.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
samt Verbeiständung gut (BVGer act. 7).
K.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. Oktober 2019 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde (BVGer
act. 8). Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 wurde die vorinstanzliche
Stellungnahme dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt
(BVGer act. 9).
L.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Reisedokumente und Bewilli-
gungen zur Wiedereinreise sind mit Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG; Art. 5 VwVG; Art. 59 AIG
[SR 142.20]; Art. 1 RDV).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
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Seite 5
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-
legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 6 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art.
49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfah-
ren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4
VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Einer schriftenlosen Person mit Aufenthaltsbewilligung kann die Vorinstanz
einen Pass für eine ausländische Person abgeben (vgl. Art. 59 Abs. 1 AIG
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Bst. a RDV). Schriftenlos ist eine ausländische Person
gemäss Art. 10 Abs. 1 RDV dann, wenn sie über kein gültiges Reisedoku-
ment ihres Heimat- oder Herkunftsstaates verfügt und von ihr nicht verlangt
werden kann, dass sie sich bei den zuständigen Behörden ihres Heimat-
oder Herkunftsstaates um die Ausstellung oder Verlängerung von Reise-
dokumenten bemüht (Bst. a) oder für welche die Beschaffung von Reise-
dokumenten unmöglich ist (Bst. b).
4.
Strittig und zu prüfen ist in casu, ob die Vorinstanz die Schriftenlosigkeit
des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat.
4.1 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung. Da er
weder schutzbedürftig noch asylsuchend ist, kann ihm eine Kontaktauf-
nahme mit den nigrischen Behörden unbestrittenermassen zugemutet wer-
den (vgl. Art. 10 Abs. 1 Bst. a RDV i.V.m. Art. 10 Abs. 3 RDV). Zu Recht
erhebt der Beschwerdeführer denn auch keine Einwände gegen eine Kon-
taktaufnahme mit den heimatlichen Behörden, hat er sich doch bereits
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mehrmals mit der nigrischen Vertretung in der Schweiz in Verbindung ge-
setzt. Somit bleibt einzig darüber zu befinden, ob dem Beschwerdeführer
die Papierbeschaffung möglich ist (Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV).
4.2 Die Ausstellung von Reise- und Identitätspapieren liegt in der Kompe-
tenz des jeweiligen Heimatstaates. Diesem kommt bei der Ausübung sei-
ner Passhoheit ein erheblicher Gestaltungsspielraum zu, den es zu res-
pektieren gilt (BVGE 2014/23 E. 5.3.2 und E. 5.9; Urteile des BVGer
F- 1906/2018 vom 8. April 2019 E. 5.3; C-6458/2010 vom 20. Mai 2011
E. 4.3). Als unmöglich im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV wird die Pa-
pierbeschaffung daher nur angesehen, wenn sich die ausländische Person
bei den Behörden ihres Heimatstaates darum bemüht, die Ausstellung der
Papiere aber ohne zureichende Gründe verweigert wird, oder wenn es an
den rechtlichen Möglichkeiten fehlt, vom Heimat- beziehungsweise Her-
kunftsstaat überhaupt Papiere zu erlangen (Urteile des BVGer F-499/2018
vom 23. Mai 2019 E. 5.2; C-7204/2014 vom 30. Juni 2015 E. 5.1 m.H.).
4.2.1 Im vorliegenden Verfahren macht der Beschwerdeführer geltend, er
habe erfolglos versucht, über die nigrische Botschaft in der Schweiz gültige
Reisedokumente zu erhalten (Beschwerde S. 1). Wie sich aus den Akten
ergibt, hat er diese im Frühjahr 2018 unter Vorlage eines Geburtsscheins,
eines Nationalitätszeugnisses, zweier Passfotos, einer Kopie der schwei-
zerischen Aufenthaltsbewilligung sowie eines Fingerabdruckbogens um
Ausstellung eines heimatlichen Reisepasses ersucht. Die eingereichten
Dokumente wurden zur weiteren Überprüfung an das Ministère de l’intéri-
eur in Niamey (Niger) übersandt. Als der Beschwerdeführer keine Antwort
erhielt, wandte er sich am 21. Dezember 2018 schriftlich an die Botschaft.
Diese führte mit Schreiben vom 18. April 2019 aus, dass die Kopie seiner
schweizerischen Aufenthaltsbewilligung nicht geeignet sei, die nigrische
Staatsangehörigkeit zu belegen. Zudem fehle eine gültige nigrische Perso-
nenstandsurkunde («pièce d’état civil nigérienne»; vgl. Beilagen zu BVGer
act. 1). Rechtsmittelweise wendet der Beschwerdeführer dazu ein, es wi-
derspreche den Fakten, dass er nicht nachgewiesen habe, nigrischer
Staatsangehöriger zu sein bzw. dass er seinen Zivilstand nicht belegt habe.
4.2.2 Es ist der nigrischen Botschaft nicht vorzuwerfen, dass sie die Aus-
stellung eines Reisepasses vom Einreichen bestimmter Unterlagen abhän-
gig macht. Vorliegend kann insbesondere nicht unbeachtlich bleiben, dass
der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben noch nie im Besitz
eines heimatlichen Reisepasses gewesen ist (SEM act. A2/9; Antwort auf
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Frage 13.1). Auf der Homepage der nigrischen Botschaft in Genf sind le-
diglich Angaben darüber zu finden, welche Dokumente bei einer Erneue-
rung des Reisepasses einzureichen sind (unter anderem eine Kopie des
abgelaufenen Passes; vgl. zu den weiteren, der Botschaft einzureichenden
Dokumenten: http://www.ambassade-niger-geneve.net/demarches.html).
Unter diesen Umständen ist vom Beschwerdeführer zu erwarten, dass er
sich bei der nigrischen Botschaft erkundigt, welche Dokumente in seinem
Fall noch einzureichen sind bzw. welche Dokumente geeignet sind, seine
nigrische Staatsangehörigkeit zu belegen und wie diese erhältlich gemacht
werden können. Wie sich aus einem im Rahmen des ersten Wiedererwä-
gungsgesuchs eingereichten und mit «Signification» betitelten, beglaubig-
ten Dokument vom 15. Juli 2015 ergibt, kann der Beschwerdeführer als
Folge der neuen Gesetzgebung gegen den Terrorismus nur in den Besitz
eines nigrischen Passes oder von zur Passausstellung benötigten Doku-
menten gelangen, wenn er sich persönlich ins Heimatland begibt («Signifi-
cation», SEM act. B [1. Wiedererwägung], unpaginiert). Ein Auszug des
entsprechenden präsidialen Dekrets wurde beigelegt. Die «Signification»
wurde von zwei nigrischen Botschaftsmitarbeitern als «echt» und das Dek-
ret als «wahr» bezeichnet (SEM V19/6). Zu Recht hat bereits die Vor-
instanz in diesem Zusammenhang ausgeführt, es wäre dem Beschwerde-
führer möglich und zumutbar, zwecks Ausstellung eines Reisepasses (bzw.
anderer dafür benötigter Dokumente) in sein Heimatland zu reisen (SEM
act. 5/5; vgl. Sachverhalt Bst. A und Bst. B). Der Beschwerdeführer selbst
äussert sich in seiner Beschwerdeschrift nicht zu diesem Vorbringen des
SEM. Sollte für die Ausstellung eines heimatlichen Reisedokuments bzw.
für die nötigen Identifikationsabklärungen tatsächlich eine Rückreise ins
Heimatland erforderlich sein, hätte sich der Beschwerdeführer bei der Bot-
schaft in Genf um Ausstellung eines Reiseersatzdokuments, eines soge-
nannten «Laissez-Passer», zu bemühen (vgl. Urteil des BVGer C-
8018/2008 vom 16. März 2011 E. 5.5 mit Hinweisen). Die Ausstellung ei-
nes solchen wurde ihm vom nigrischen Aussenministerium bereits einmal
in Aussicht gestellt (vgl. Schreiben vom 16. November 2017 [SEM act.
V37]; Sachverhalt Bst. C).
Zusammenfassend ist es Aufgabe des Beschwerdeführers, die Botschaft
zu kontaktieren und sich zu erkundigen, welche Dokumente für die Aus-
stellung eines Reisepasses noch einzureichen sind. Weiter müsste er
eventuell zur Beschaffung der entsprechenden Dokumente in sein Heimat-
land reisen. Allenfalls ist es auch möglich, die fehlenden Papiere mittels
einer bevollmächtigten Drittperson in Niger erhältlich zu machen.
http://www.ambassade-niger-geneve.net/demarches.html
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4.2.3 Das Gericht verkennt nicht, dass der Beschwerdeführer bereits wäh-
rend der Verfahren um Erhalt von Asyl mit der Botschaft zwecks Ausstel-
lung eines heimatlichen Reisedokuments in Kontakt getreten ist. Aufgrund
der vorangehenden Ausführungen und unter dem Aspekt der strengen An-
forderungen, die an die Ernsthaftigkeit der Bemühungen zur Beschaffung
von Reisepapieren zu stellen sind, kann aber nicht davon ausgegangen
werden, er habe alles unternommen, um in deren Besitz zu gelangen. Es
fällt in die Hoheit eines Staates, das jeweilige Verfahren und dessen Ablauf
zum Erhalt eines Reisedokuments zu bestimmen. Würde die Schweiz in
einer solchen Situation auf breiter Basis von einer Schriftenlosigkeit aus-
gehen, wäre sie regelmässig gehalten, in die Passhoheit – und damit in die
Souveränität eines anderen Staates – einzugreifen (vgl. Urteil des BVGer
C-1490/2012 vom 14. Dezember 2012 E. 5.2.2).
4.3 Aufgrund obiger Erwägungen ist zu schliessen, dass die Beschaffung
eines gültigen heimatlichen Reisedokuments durch den Beschwerdeführer
nicht nur als zumutbar, sondern auch als möglich zu beurteilen ist. Es er-
geben sich aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte, dass die heimatlichen
Behörden sich ohne zureichende Gründe, und damit willkürlich, weigern
würden, ein Reisepapier auszustellen (vgl. Urteile des BVGer C-4253/2007
vom 19. November 2007 E. 4.1, bestätigt in Urteil C-1059/2006 vom
15. Januar 2010 E. 7 mit weiteren Hinweisen). Der Beschwerdeführer ist
folglich nicht schriftenlos im Sinne von Art. 10 Abs. 1 RDV. Im Falle neuer
Erkenntnisse oder veränderter Umstände steht es ihm selbstredend offen,
bei der Vorinstanz erneut ein entsprechendes Gesuch zu stellen.
5.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen.
6.
Bei diesem Verfahrensausgang wären dem Beschwerdeführer grundsätz-
lich die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 5 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm aber
mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2019 die unentgeltliche Rechts-
pflege samt Rechtsverbeiständung gewährt wurde, ist er von der Pflicht zur
Bezahlung von Verfahrenskosten zu befreien und der als amtliche Anwalt
eingesetzte Rechtsvertreter ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen
(vgl. Art. 12 VGKE). Der Rechtsvertreter reichte am 30. Oktober 2019 eine
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konsolidierte Kostennote ein, welche einen zeitlichen Aufwand von
3,75 Stunden bei einem Stundensatz von Fr. 240.– nebst Barauslagen von
Fr. 107.– ausweist. Ausgehend von dieser Kostennote sowie in Berück-
sichtigung sämtlicher Bemessungsfaktoren und der Erfahrungswerte des
Gerichts in vergleichbaren Fällen ist das Honorar auf Fr. 1‘000.– (inkl.
Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzu-
setzen (vgl. Art. 65 Abs. 2 f. VwVG i.V.m. Art. 8 ff. und Art. 14 Abs. 2 VGKE).
Der Beschwerdeführer hat die Entschädigung für den amtlichen Anwalt zu-
rückzuerstatten, sollte er später zu hinreichenden Mitteln gelangen (vgl.
Art. 65 Abs. 4 VwVG).
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