Decision ID: c4b51816-6c3a-5bf8-a811-db261898a3cc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 19. August 2021 ersuchte der Beschwerdeführer im Bundesasylzent-
rum Chiasso (BAZ) um Asyl.
B.
Im Rahmen der Personalienaufnahme (PA) vom 26. August 2021 erklärte
der Beschwerdeführer, zur Einreichung von Identitätsdokumenten aufge-
fordert, er werde seinen Pass und seine Identitätskarte aus seinem Hei-
matland beschaffen.
C.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 26. August 2021 ergab, dass der Beschwerdeführer am
13. November 2020 in Griechenland (wie auch am 28. Juli 2021 in Öster-
reich) um Asyl nachgesucht hatte und ihm am 31. Dezember 2020 von den
griechischen Behörden internationaler Schutz gewährt worden war.
D.
Im persönlichen Gespräch vom 2. September 2021 orientierte das SEM
den Beschwerdeführer über den ihm durch die griechischen Behörden ge-
währten internationalen Schutz. Auf Nachfrage zu Gründen, warum er
Griechenland verlassen habe, erklärte der Beschwerdeführer weder Unter-
kunft noch Hilfe erhalten zu haben und er sich nicht um sein Asylgesuch
habe kümmern wollen.
E.
Der Beschwerdeführer reichte der Vorinstanz am 21. September 2021 zwei
Dokumentkopien vom 20. November 2020 (Entlassungspapiere der grie-
chischen Polizei) ein.
F.
Am 23. September 2021 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör-
den gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und
Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab-
kommen zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rücküber-
nahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR
0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
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Seite 3
G.
Die griechischen Behörden stimmten am 27. September 2021 dem Rück-
übernahmeersuchen der Vorinstanz vom 23. September 2021 zu. Sie teil-
ten mit, dass dem Beschwerdeführer ohne dessen Kenntnis am 31. De-
zember 2020 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei und er über
eine Aufenthaltsbewilligung in Griechenland bis am 30. Dezember 2021
verfüge.
H.
Am 27. September 2021 wurden dem SEM vom Migrationsamt des Kan-
tons Zürich die Haftakten des Beschwerdeführers betreffend den Vorwurf
mehrerer von ihm begangener Straftaten (Aufbewahren, Verwahrung oder
Überlassen von Verbrecherwerkzeug, Diebstähle, Hehlerei) zugestellt.
I.
Mit gleichentags eröffnetem Schreiben vom 24. September 2021 wurde
dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum beabsichtigen Nichtein-
tretensentscheid und zur Wegweisung nach Griechenland gewährt.
Sein Rechtsvertreter brachte mit Schreiben vom 24. September 2021 (Zu-
stelldatum 1. Oktober 2021) im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer
habe im Beratungsgespräch einen «abgekämpften», erschöpften und all-
gemein schlechten Eindruck erweckt. Über seine Lebensumstände in sei-
nem Heimatland Lybien habe er nicht sprechen wollen. Der Beschwerde-
führer habe in Griechenland auf der Strasse gelebt und Unterstützung von
«B._» beziehungsweise C._, einer freiwilligen Flüchtlings-
helferin und deutschen Krankenpflegerin, erhalten. Die weit verbreitete Ob-
dachlosigkeit von schutzberechtigten Personen in Griechenland sowie de-
ren allgemein nicht vorhandene soziale Unterstützung seien durch ver-
schiedene Berichte erstellt (Stiftung Pro Asyl und Refugee Support Aeg-
gean, Stellungnahme zur aktuellen Situation von international Schutzbe-
rechtigten in Griechenland vom 21. April 2021). Im Falle einer Rückkehr
nach Griechenland, würde sich der Beschwerdeführer umbringen. Er leide
an einer Suchterkrankung und nehme täglich 150mg Pregabalin und 1.5mg
Rivotril. Die psychische Gesundheit des Beschwerdeführers, insbesondere
im Zusammenhang mit der Behandelbarkeit seiner Krankheit sowie mit sei-
nen Erlebnissen in Lybien, sei umfassend abzuklären.
Der Beschwerdeführer reichte am 4. Oktober 2021 einen ärztlichen Kurz-
bericht von Dr. med. pract. D._ vom 29. September 2021 nach.
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Seite 4
J.
Das SEM stellte dem Beschwerdeführer am 5. Oktober 2021 den Entschei-
dentwurf zu, worin es beabsichtigte, auf das Asylgesuch in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31; Rückkehrmöglichkeit in einen si-
cheren Drittstaat) nicht einzutreten und den Beschwerdeführer nach Grie-
chenland wegzuweisen. Hierzu wurde ihm das rechtliche Gehör gewährt.
K.
In seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2021 brachte der Beschwerde-
führer vor, die vom SEM geltend gemachte Zulässigkeit einer Wegweisung
nach Griechenland vermöge in Anbetracht der desolaten dortigen Lage von
anerkannten Flüchtlingen sowie seiner individuellen Erlebnisse nicht zu
überzeugen. In den Monaten nach Erhalt des Schutzstatus (31. Dezember
2020), über welchen er nicht in Kenntnis gesetzt worden sei, bis zur Aus-
reise aus Griechenland (ungefähr nach dem Ramadan ab 12. Mai 2021)
habe der Beschwerdeführer keine staatliche Unterstützung in Bezug auf
Sozialleistungen, Wohnraum oder medizinische Probleme erhalten, ob-
wohl er sich dutzende Male hilfesuchend an die griechischen Behörden
gewandt habe. Die Polizei habe ihm diesbezüglich jeweils geraten, ein
neues Asylgesuch zu stellen. Zu den vom SEM erwähnten, dem Beschwer-
deführer ausgehändigten, griechischen Dokumenten sei anzumerken,
dass er solche in Form eines A4-Papiers mit der Aufforderung erhalten
habe, sich innert zehntägiger Frist einen Ausweis ausstellen zu lassen. Die
genaue Art der Dokumente sowie deren Inhalt habe der Beschwerdeführer
nicht richtig verstanden. Die genannte Frist sei infolge der Covid-Pandemie
(«alles geschlossen») abgelaufen, weshalb die Polizei das Papier infolge
Ungültigkeit zerrissen und ihn wiederum aufgefordert habe, erneut um Asyl
zu ersuchen. Er habe in Griechenland als Obdachloser auf der Strasse ge-
lebt. Die ihm zustehenden Rechte seien ihm nicht gewährt worden und
Möglichkeiten, sie gerichtlich einzufordern, seien ihm unbekannt. Ohne
Beistand der deutschen Flüchtlingshelferin «B._» hätte er nicht
überlebt. Die Hilfe privater Personen reiche jedoch nicht aus, das Ausmass
der Verfehlungen der griechischen Behörden auszugleichen. Es sei konk-
ret darzulegen, mit welchen Mitteln er die Gewährleistung seiner elemen-
tarsten Grundbedürfnisse sicherstellen könne, denn seine Befürchtung, er-
neut ohne staatliche Unterstützung obdachlos zu werden, sei aus zahlrei-
chen Länderberichten, wie aus demjenigen von Pro Asyl, zu schliessen.
Diese Länderberichte verfügten zwar über einen allgemeinen Charakter,
jedoch stünden sie in einem direkten Zusammenhang mit seiner individu-
ellen Situation. Die Wegweisung nach Griechenland bedeute für den Be-
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Seite 5
schwerdeführer die Gefährdung der Deckung seiner elementarsten Grund-
bedürfnisse und es lägen konkrete Hinweise vor, dass ihm eine ernsthafte
Gefahr (real risk) drohe. Der Wegweisungsvollzug sei damit nicht nur un-
zulässig sondern aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerde-
führers (psychische Störung und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder
Hypnotika) auch unzumutbar. Der Beschwerdeführer habe im Gespräch
mit der Rechtsvertretung den Eindruck hinterlassen, an psychischen Prob-
lemen zu leiden; ausserdem würden sich Hinweise darauf aus dem Arzt-
bericht vom 29. September 2021 ergeben. Hinsichtlich des Vorwurfs des
SEM, die Rechtsvertretung stelle den Gesundheitszustand dramatischer
dar, als der Beschwerdeführer selbst, sei einzuwenden, dass es sich aus
einer sorgfältigen Mandatsführung ergebe, gewonnene, relevante Eindrü-
cke von Klienten in das Verfahren einzubringen. Es falle dem Beschwerde-
führer schwer über seine psychische Gesundheit zu sprechen und er habe
gelernt auf Nachfrage immer mit «so Gott will» oder «es gehe ihm gut» zu
antworten. Um eine Terminvereinbarung mit einem Psychologen habe er
sich bisher vergeblich bemüht. Die Pflicht des SEM zur vollständigen Sach-
verhaltsabklärung sei somit ohne eingehendere medizinische Abklärung
verletzt.
L.
Mit am 7. Oktober 2021 eröffnetem Entscheid vom 6. Oktober 2021 trat die
Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn
aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten werde er in Haft
genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt. Gleichzei-
tig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die gemäss Aktenver-
zeichnis editionspflichtigen Akten aus.
M.
Am 9. Oktober 2021 wurde vom SEM beim zuständigen Vollzugskanton
eine Voranmeldung des Beschwerdeführers als Spezialfall (Weiterbehand-
lung eines Suchtpatienten, psychische Erkrankung, Mitgabe Medikamente)
gemacht.
N.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 13. Oktober 2021 erhob der Be-
schwerdeführer gegen den Entscheid vom 6. Oktober 2021 beim Bundes-
verwaltungsgericht im Vollzugspunkt Beschwerde. Er beantragte seine
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Seite 6
Aufhebung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme des Beschwer-
deführers in der Schweiz, eventualiter die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und zur Neube-
urteilung. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den griechi-
schen Behörden individuelle Garantien betreffend die adäquate Unterbrin-
gung, die medizinische Versorgung und die soziale Unterstützung zur De-
ckung der elementaren Grundbedürfnisse einzuholen. In prozessualer Hin-
sicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
O.
Am 15. Oktober 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
P.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 15. Oktober 2021 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG).

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde richtet sich in den Anträgen und der Begründung aus-
schliesslich gegen den Wegweisungsvollzug; das Nichteintreten auf das
Asylgesuch ist demnach unangefochten in Rechtskraft erwachsen und die
Wegweisung als solche ist praxisgemäss auch nicht zu überprüfen.
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Seite 7
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen
Schriftenwechsel verzichtet.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügte in seiner Beschwerde in formeller Hin-
sicht, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt, indem sie nicht
konkret dargelegt habe, inwiefern seine individuelle Situation von derjeni-
gen international Schutzberechtigter abweiche, welche aus den Informati-
onen der Länderberichte wie auch aus der deutschen Gerichtspraxis her-
vorgehe.
Diesen Vorwurf begründete er damit, er habe bereits im Rahmen der Stel-
lungnahme zum rechtlichen Gehör wie auch zum Entscheidentwurf auf ent-
sprechende Länderberichte sowie auf die deutsche Verwaltungsgerichts-
praxis verwiesen, welche auf seine Situation in Griechenland anwendbar
seien. Die Vorinstanz begründe einen diesbezüglich fehlenden Kausalzu-
sammenhang nur pauschal. Weshalb sie zu einer von der deutschen Ge-
richtspraxis abweichenden Einschätzung gelange, welche mehrheitlich
auch von der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der Weg-
weisung alleinstehender, gesunder und arbeitsfähiger Männer nach Grie-
chenland ausgehe, erschliesse sich nicht aus ihrem Entscheid. Damit sei
das Eventualbegehren der Rückweisung zur Neubeurteilung hinlänglich
begründet.
5.2
5.2.1 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
haltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu be-
schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsge-
mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die
Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement
umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen
sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Seite 8
angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12).
5.2.2 Vorab ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer zur auslän-
dischen Gerichtspraxis erstmals auf Beschwerdeebene äusserte und zur
Stützung seiner Vorbringen bisher einzig auf Länderberichte von Pro Asyl
und Refugee Support Aegean verwies. Deshalb trifft der Vorwurf des Be-
schwerdeführers von vormherein nicht zu, die Vorinstanz habe sich unge-
nügend zur ausländischen Gerichtspraxis geäussert, da er ihr im vo-
rinstanzlichen Verfahren keinen Anlass dazu bot, sich überhaupt damit
auseinanderzusetzen. Diese Tatsache ist vorliegend – wie sich in nachfol-
genden Erwägungen noch zeigen wird – jedoch nicht relevant, da der Ver-
weis des Beschwerdeführers auf die Rechtspraxis anderer europäischer
Länder (wie Deutschland) hinsichtlich Wegweisungsvollzugs nach Grie-
chenland unbehelflich ist. Was die Situation von international Schutzbe-
rechtigten gemäss den hingegen vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Länderberichten anbelangt, so hat sich die Vorinstanz mit den Stellungnah-
men von Pro Asyl und Refugee Support Aegean auseinandergesetzt und
ordnete diesen allgemeinen Charakter zu, welcher in keinem direkten kau-
salen Zusammenhang mit ihm stünden. Es bestand keine Notwendigkeit
für eine weitergehende Begründung.
5.3 Bei dieser Sachlage ist das Begehren auf Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zwecks weitergehender Begründung beziehungsweise voll-
ständiger Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung abzuweisen.
6.
Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellungen
effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be-
steht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-
der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-
ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
7.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Seite 9
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.
8.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass der
Vollzug zulässig sei, weil der Beschwerdeführer im Drittstaat Griechenland
Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde und das
Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen sei.
Betreffend die vom Beschwerdeführer in Griechenland befürchtete erneute
Obdachlosigkeit, den fehlenden Zugang zu Ärzten und Spitälern wie auch
die fehlende staatliche Unterstützung führte das SEM an, dass Griechen-
land die Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU, welche unter anderem die An-
sprüche von Personen mit internationalem Schutzstatus hinsichtlich Sozi-
alleistungen bestimme sowie den Zugang zu Wohnraum, umgesetzt habe.
Der Beschwerdeführer sei gehalten, die ihm zustehenden Leistungen bei
den griechischen Behörden einzufordern, nötigenfalls auf dem Rechtsweg.
Ebenso bestünden neben staatlichen Strukturen, die primär existenzielle
Bedürfnisse abdeckten, private und internationale Organisationen, an die
er sich wenden könne. Die in Griechenland im Allgemeinen schwierigen
ökonomischen Lebensbedingungen und die herrschende Wohnungsnot
treffe die ganze Bevölkerung und es liege nicht an den Schweizer Behör-
den sicherzustellen, dass Personen mit Schutzstatus in Griechenland über
ausreichende Lebensgrundlagen verfügten. Auch lägen keine erhärteten
Hinweise für die Annahme vor, Griechenland hielte sich nicht an die völker-
rechtlichen Verpflichtungen. Die vom Beschwerdeführer anhand von Län-
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Seite 10
derberichten Darlegung der Situation in Griechenland stehe in keinem in-
dividuell konkreten Zusammenhang mit ihm. Er habe weder seine Befürch-
tungen einer drohenden Notlage bei einem Wegweisungsvollzug noch
seine Hilfeersuchen bei den griechischen Behörden genügend substanti-
iert dargelegt. Die Äusserung des Beschwerdeführers, Papiere von den
griechischen Behörden ausgehändigt erhalten zu haben, widerspreche als-
dann den Angaben letzterer und die fraglichen Dokumente selbst hätten
von ihm auch nicht benannt werden können, weshalb unklar bleibe, wel-
ches Schriftstück der Beschwerdeführer erhalten habe. Gemäss Angaben
der griechischen Behörde habe dem Beschwerdeführer nämlich weder
sein Schutzstatus mitgeteilt noch sein Aufenthaltstitel ausgehändigt wer-
den können. Nach einer Überstellung nach Griechenland habe er aber die
Möglichkeit, die ihm zugesicherten Aufenthaltsdokumente und damit den
Zugang zu den Leistungen gemäss der Qualifikationsrichtlinie, zu erhalten.
Es sei nicht darauf zu schliessen, dass Griechenland sich künftig in einen
Widerspruch zu seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben werde.
Im Weiteren hielt das SEM fest, die ergänzenden Schilderungen des Be-
schwerdeführers vom 5. Oktober 2021 betreffend seine Erfahrungen in
Griechenland blieben wiederum unbelegt. An der Einschätzung des SEM
könnten alsdann weder die eingereichten Polizeidokumente, welche vom
20. November 2020 und damit vor Erhalt des Schutzstatus datierten, noch
seine Vorbringen betreffend Gesundheitszustand etwas ändern. Hinsicht-
lich letzterer wies die Vorinstanz auf die Mitwirkungspflicht des Beschwer-
deführers hin, welcher sein Versäumnis eines geplanten Arzttermins nicht
erklärt und durch sein Verhalten das Erheben weiterer Informationen zu
seinem Gesundheitszustand vereitelt habe (vgl. Bemerkung von Dr. med.
D._ im Bericht vom 29. September 2021: «Procedere: Patient nicht
erschienen). Es würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte für die
Notwendigkeit weitergehender Abklärungen ergeben und der medizinische
Sachverhalt sei für die Beurteilung der Zumutbarkeit einer Wegweisung
nach Griechenland genügend erstellt. Die benötigten Medikamente seien
in Griechenland erhältlich und der Beschwerdeführer habe weder geltend
gemacht, ihm sei in Griechenland dringend benötigte medizinische Hilfe
verweigert worden, noch lägen Hinweise dafür vor. Somit würden weder
die in Griechenland herrschende Situation noch andere Gründe gegen die
Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen.
Schliesslich stellte das SEM im Zusammenhang mit der aktuellen Situation
betreffend Corona-Pandemie fest, weder eine vorübergehende Einschrän-
kung des Flugverkehrs noch vorübergehende Einreisebeschränkungen
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Seite 11
durch die griechischen Behörden vermöchten eine Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs zu begründen. Die Vorinstanz erachtete damit den
Vollzug der Wegweisung sowohl technisch möglich als auch praktisch
durchführbar.
8.2 In der Beschwerde wurde wie bereits im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs auf die allgemeine schwierige Situation auch von anerkannten Flücht-
lingen in Griechenland hingewiesen (vgl. vorstehend Sachverhalt I und J).
Unter Hinwies auf die diesbezügliche Rechtsprechung (beispielsweise
EGMR-Urteil vom 21. Januar 2011 – 30696/09 M.S.S. gg Griechenland
und Belgien, Rn. 263 f. und 365 ff. [unter anderem Zugang zu sanitären
Einrichtungen und Nahrungsmitteln]; EuGH-Urteil vom 19. März 2019, C-
163/17, Rn. 91 ff. [elementare Bedürfnisse, materielle Not, Unterkunft, Ge-
sundheit, etc.].) sowie der Stellungnahme von Pro Asyl vom 9. Dezember
2020 sei widerlegt, dass Griechenland seinen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkomme. Ferner werde der Zugang zu Gesundheitsdienstleis-
tungen insbesondere durch administrative Hürden praktisch verunmög-
licht. Beispielsweise werde dafür eine sogenannte Sozialversicherungs-
nummer (AMAK) benötigt, welche wiederum eine Wohnadresse und Steu-
ernummer voraussetze. In Griechenland würden selbst gut gebildete, dort
wohnhafte Westeuropäer an diesen bürokratischen Hürden scheitern, so-
dass der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für ausländische Staats-
angehörige aus nicht westlichen Staaten mit weniger hoher Bildung stark
eingeschränkt beziehungsweise faktisch verunmöglicht sei.
Der Beschwerdeführer verweist alsdann auf die deutsche Gerichtspraxis,
wonach die obersten Verwaltungsgerichte verschiedener Bundesländer
Abschiebungen von anerkannten Flüchtlingen nach Griechenland für un-
zulässig erklärt hätten. Bei einer Wegweisung in einen sicheren Drittstaat
müsse deren Zumutbarkeit und Zulässigkeit geprüft werden. Die Angaben
der betroffenen Person und die allgemeinen Länderinformationen – welche
sich mit den Erfahrungen des Beschwerdeführers in Griechenland decken
würden – seien zu berücksichtigen. Gemäss der Einschätzung deutscher
Gerichte habe der Beschwerdeführer bei einem Wegweisungsvollzug mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu befürchten, völlig auf sich alleine ge-
stellt zu sein und in eine Situation extremer materieller Not zu geraten so-
wie seine elementarsten Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum nicht
befriedigen zu können (kein Zugang zu Nahrungsmitteln oder sanitären An-
lagen). Überdies sei der Beschwerdeführer medikamentenabhängig, was
bedinge, dass er seine Medikation regelmässig einnehmen müsse. Ein kal-
ter Entzug sei für ihn lebensgefährlich beziehungsweise könne gemäss
D-4539/2021
Seite 12
bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung eine schwere Krankheit
darstellen (Urteil D-552/2020 vom 5. Februar 2020). Es sei faktisch unmög-
lich die dafür notwendige AMAK-Nummer zeitnah zu erhalten. Ein Wegwei-
sungsvollzug sei – auch unter Beachtung der deutschen Gerichtspraxis für
alleinstehende, gesunde und arbeitsfähige Männer – unzulässig, eventua-
liter zumindest unzumutbar.
9.
9.1 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Ge-
stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt
der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen.
Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen,
dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Einzelfall
das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren
oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden res-
pektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen
Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine exis-
tenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-
2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zulässig-
keit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein Schutzstatus
verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss nur
unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Um Wiederholungen zu ver-
meiden kann im Wesentlichen – mit nachfolgenden Ergänzungen – auf die
diesbezüglich zutreffenden Ausführungen des vorinstanzlichen Entschei-
des verwiesen werden (vgl. auch vorstehende E. 8.1). Das Gericht geht
grundsätzlich davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK,
der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar
1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt. Zwar anerkennt das Gericht – auch aufgrund der vom
Beschwerdeführer zitierten Berichte und EuGH-/EGMR-Rechtsprechung –
, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Gemäss
Rechtsprechung ist aber diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen o-
der entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive ei-
ner existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Urteile des BVGer E-
1985/2021 vom 27. September 2021 E. 6.4; D-559/2020 vom 13. Februar
D-4539/2021
Seite 13
2020 E. 8.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]; E-4866/2019 vom 2. Ok-
tober 2019 E. 10.1; E-2360/2019 vom 22. Mai 2019 E. 8.3.1 f.; D-
5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.).
Personen mit Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen und Bürgern
gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den
öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt mit anderen Auslän-
dern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit o-
der die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Wie die Vorinstanz
zu Recht festgehalten hat, können Unterstützungsleistungen und weitere
Rechte direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls not-
wendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich
auch auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen, insbesondere
die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus zu Be-
schäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen
(Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art.
30). Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht gestützt auf
Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an den Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte (EGMR) offen (vgl. Urteil D-559/2020 a.a.O.).
Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Hinsichtlich der gesundheitlichen Aspekte beziehungsweise
auch in Beachtung der im Kurzbericht von Dr. med. D._ vom 29.
September 2021 attestierten psychischen Störung und der Verhaltensstö-
rungen durch Sedativa oder Hypnotika handelt es sich beim Beschwerde-
führer nicht um eine schwerkranke Person, bei der die ernsthafte Gefahr
besteht, dass sie bei einer Rückschaffung nach Griechenland einer
schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen Verschlechterung ihres Ge-
sundheitszustandes, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer be-
deutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausgesetzt wäre. Den Akten
der Vorinstanz kann entnommen werden, dass sie den Beschwerdeführer
beim für den Wegweisungsvollzug zuständigen Kanton als Spezialfall an-
gemeldet hat, um sicherzustellen, dass er über seine notwendigen Medi-
kamente verfügt beziehungsweise ihm diese mitgegeben werden. Damit
wird der Vermeidung eines Entzugs Rechnung getragen. Der Beschwerde-
führer hat überdies entgegen seiner Ankündigung in seiner Stellungnahme
vom 5. Oktober 2021 weder neue medizinische Dokumente eingereicht
noch eine Frist für die Eingabe solcher beantragt. Auf Beschwerdeebene
wurde sodann auch nicht gerügt, sein Gesundheitszustand sei ungenau
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oder unvollständig festgestellt worden, weshalb davon ausgegangen wer-
den kann, dass sich weder sein psychischer Gesundheitszustand verän-
dert hat noch dass weitere diesbezügliche Abklärungen notwendig sind.
Die medizinische Versorgung in Griechenland (inkl. allfälliger psychologi-
scher Behandlungsmöglichkeiten) ist ebenso gewährleistet. Weder seine
Vorbringen noch die vorliegenden medizinischen Dokumente lassen darauf
schliessen, dass die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme so
gravierend wären, dass eine adäquate Behandelbarkeit im EU-Staat Grie-
chenland nicht gegeben wäre. Aufgrund des Gesagten wie auch infolge
nachstehender Erwägungen ist der Beschwerdeführer als junger, arbeits-
fähiger Mann nicht als besonders vulnerabel zu erachten.
9.2 Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Griechenland ein
Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat
verfügt (vgl. Urteil des BVGer D-559/2020 E. 9.2 m.w.H.; Urteil
E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Nachdem die griechi-
schen Behörden dem Beschwerdeführer seinen Aufenthaltstitel noch nicht
aushändigen konnten, darf nunmehr von ihm erwartet werden, diesen bei
seiner Rückkehr bei der zuständigen Stelle abzuholen. Bei Unterstützungs-
bedarf kann sich der Beschwerdeführer an die griechischen Behörden
wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls – wie bereits erwähnt – auf
dem Rechtsweg einfordern (vgl. Urteile des BVGer E-1985/2021 vom 27.
September 2021 E. 6.4.2 m.w.H. und D-559/2020 E. 8.2 und 9.1). Ihm steht
auch ohne Weiteres die Möglichkeit offen, wie ebenfalls von der Vorinstanz
zutreffend dargelegt, sich für Hilfe ergänzend an eine der vor Ort tätigen
Hilfsorganisationen zu wenden, beispielsweise für eben diese Aushändi-
gung des Aufenthaltstitels, dessen allfälligen Verlängerungsantrag, die gel-
tend gemachte AMAK-Nummer, wie auch für Übersetzungen und Erklärun-
gen von allfälligen weiteren Dokumenten. Aus dem im persönlichen Ge-
spräch vom 2. September 2021 angegebenen Grund für die Ausreise des
Beschwerdeführers aus Griechenland, er habe sich dort nicht um sein Asyl-
gesuch kümmern wollen, vermag er jedenfalls auch nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten. Er war in Griechenland in der Lage, sich Beistand von einer
Privatperson zu organisieren und mehrfach bei den griechischen Behörden
sowie bei der Polizei vorstellig zu werden, weshalb davon ausgegangen
werden darf, dass ihm weder die Inanspruchnahme der Unterstützung der
genannten vor Ort tätigen Hilfsorganisationen noch die Umsetzung erteilter
polizeilicher Ratschläge Probleme bereiten dürften (vgl. Sachverhalt J).
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9.3 Zusammenfassend bestehen keine Hinweise darauf, Griechenland
würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss der Richtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und ihn einer exis-
tenziellen Notlage aussetzen. Es darf inskünftig von ihm erwartet werden,
die genannte Unterstützung (nötigenfalls auf dem Rechtsweg) einzufor-
dern.
Wie bereits in vorstehend Erwägung 5.2 festgestellt, ist der Verweis des
Beschwerdeführers auf die Rechtspraxis anderer europäischer Länder be-
ziehungsweise Deutschlands hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs nach
Griechenland unbehelflich, da die Urteile ausländischer Gerichte für die
Schweiz nicht bindend sind. Zudem stellte die Vorinstanz bei dieser Aus-
gangslage zu Recht keinen direkten Kausalzusammenhang der individuel-
len Situation des Beschwerdeführers mit den allgemeinen Schilderungen
in den Länderberichten fest.
9.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Regelvermutungen umzustossen und erweist sich der Wegweisungsvoll-
zug als zulässig und zumutbar. Es besteht entgegen der Beschwerde kein
Anlass zur Einholung individueller Garantien betreffend adäquate Unter-
bringung, medizinische Betreuung und soziale Unterstützung (vgl. Urteil E-
2169/2020 des BVGer vom 13. Mai 2020, E. 8.4).
9.5 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 84 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, er dort über subsidiären
Schutz verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseunfähigkeit zu
entnehmen sind. Seiner gesundheitlichen Situation, insbesondere auch all-
fälliger suizidaler Tendenzen, ist bei der Ausgestaltung der Vollzugsmoda-
litäten – wie teilweise vom SEM gemäss seinen Akten bereits vorbereitet
(Spezialfall, Medikamentenmitgabe) – angemessen Rechnung zu tragen.
10.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
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12.
12.1
Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht auf das
Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
12.2
Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichtslos,
weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
unabhängig vom Vorliegen einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit ab-
zuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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