Decision ID: 9161a8e5-ec6c-48f3-9127-bfeb09d7c310
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden
(Abs. 1); Unangemessenheit kann nicht geltend gemacht werden (Abs. 2). Das
Verwaltungsgericht hat den Entscheidungsspielraum der Vorinstanz zu respektieren,
wenn sie sich bei der Bewertung innerhalb der bekanntgegebenen Zuschlagskriterien
von sachlichen, im Einklang mit Sinn und Zweck des Gesetzes stehenden
Überlegungen leiten liess, (vgl. VerwGE B 2011/95 und 96 vom 20. September 2011 E.
4.1 und 4.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Die Gesuchstellerin macht vorab geltend, das Angebot des Gesuchsgegners sei
preislich ungewöhnlich niedrig (vgl. nachfolgend Erwägung 2.2.2). Sie bringt sodann
vor, der Gesuchsgegner erfülle die Eignungskriterien nicht, da gemäss Übersicht über
die Auswertung teilweise SVEB-1 Zertifikate fehlten und unklar sei, ob für jeden
Teilnehmer ein PC zu Verfügung stehe (vgl. nachfolgend Erwägung 2.2.3). Schliesslich
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rügt sie rechtsverletzende Bewertungen der Angebote (vgl. nachfolgend Erwägung
2.2.4).
2.2.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, die offen gelegten Zahlen liessen massive
Zweifel an der Einhaltung der allgemeinen Teilnahmebedingungen durch den
Mitbeteiligten aufkommen, so dass zusätzliche Abklärungen klar angebracht gewesen
wären.
Werden ungewöhnlich niedrige Angebote eingereicht, kann der Auftraggeber gemäss
Art. 32 VöB zusätzliche Unterlagen und Auskünfte verlangen, um die Einhaltung der
Teilnahmebedingungen zu prüfen. Bei einem Angebot, das rund 20 Prozent unter der
preislich zweitniedrigsten Offerte liegt, sind nach der st. gallischen Vergabepraxis und
Rechtsprechung zusätzliche Abklärungen jedenfalls gerechtfertigt
(www.beschaffungswesen.sg.ch unter Vergabeverfahren/Zuschlag/ungewöhnlich
niedrige Angebote, Ziffer 5; GVP 2002 Nr. 33). Art. 32 VöB ist eine typische "Kann-
Vorschrift", die beim Vorliegen eines ungewöhnlich niedrigen Angebots nicht zwingend
vorschreibt, dass sich der Auftraggeber zu vergewissern hat, ob die
Teilnahmebedingungen eingehalten sind (GVP 2002 Nr. 33). Eine Pflicht besteht nur
dann, wenn Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente dafür bestehen, dass der Anbieter
Teilnahme- oder Auftragsbedingungen verletzt, wobei teilweise sogar offensichtliche
und krasse Fälle verlangt werden (D. Lutz, Angebotspreis: Kalkulationsfreiheit und die
Schranken, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2014, Zürich/Basel/Genf
2014, S. 289 mit Hinweisen).
Für das Los 4 beträgt der Angebotspreis des Gesuchsgegners CHF 771'576, der
nächst höhere CHF 937'140. Die Differenz beläuft sich auf CHF 165'564 oder 17,6
Prozent des nächst höheren Preises. Die Preisdifferenz ist zwar relativ gross und ist auf
deutlich tiefere Gehälter und Löhne beim Kurstyp "Bewerbungscoaching+" und tiefere
Raumkosten zurückzuführen. Bei der gebotenen summarischen Prüfung ist indessen
nicht der Schluss zu ziehen, die Vorinstanz sei zu zusätzlichen Abklärungen verpflichtet
gewesen, zumal der Gesuchsgegner – wie auch die mit ihm zusammen arbeitende
Asyl-Organisation Zürich – mit dem Schweizerischen Verband des Personals
öffentlicher Dienste Gesamtarbeitsverträge abgeschlossen hat (act. 7, Angebot des
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Gesuchsgegners, Register 1) und die in Aussicht genommenen Kursräumlichkeiten
weniger zentral liegen.
2.2.3. Die Gesuchstellerin macht geltend, der Gesuchsgegner erfülle die
Eignungskriterien nicht, weil für die Leitungspersonen teilweise die Bestätigung nicht
beiliege, dass sie über ein SVEB-1 Zertifikat verfügen.
Gemäss Ziffer 4.1 der Ausschreibungsunterlagen wird bei den Mindeststandards
hinsichtlich der Ausbildung der Kursleitung und der Co-Leitung mindestens ein SVEB-
Zertifikat vorausgesetzt (act. 7). Auch wenn das Einreichen nicht ausdrücklich verlangt
wird, darf – angesichts der zentralen Bedeutung – erwartet werden, dass für die
Personen, welche vom Anbieter für die Kursleitung und die Co-Leitung in Frage
kommen, die Zertifikate beigelegt werden. Der Gesuchsgegner hat für vier Personen,
welche offenbar mit der Kursleitung beauftragt werden sollen, Lebensläufe eingereicht
(act. 7, Angebot des Gesuchsgegners, Register 4). Bei den Unterlagen einer Person
liegen die Zertifikate bei. Bei den weiteren Personen wird im Lebenslauf angegeben:
"Eidg. Fachausweis als Ausbilderin (SVEB II)", "Erwachsenenbildung SVEB I, ibbk,
Bülach" sowie "Lehrveranstaltungen. mit Erw. durchführen SVEB1, AEB Zürich", ohne
dass sich unter den zahlreichen Dokumenten die entsprechenden Zertifikate befinden.
Unter diesen Umständen lässt sich die vorinstanzliche Auffassung, es sei aus den
Lebensläufen ohne Ausnahme die erfolgreiche Absolvierung der Ausbildung ersichtlich,
jedenfalls nicht ohne Weiteres nachvollziehen.
Bei lediglich summarischer Prüfung kann offen bleiben, ob die Vorinstanz unter diesen
Umständen das Angebot des Gesuchsgegners hätte ausschliessen müssen, wenn die
Rüge, es seien insbesondere auch in diesem Zusammenhang Bewertungsfehler
gemacht worden, als ausreichend begründet erscheint (vgl. unten Erwägung 2.2.4).
Hinsichtlich der Ausstattung der Kursräumlichkeiten mit der erforderlichen Infrastruktur
ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sie nicht bereits bei der Einreichung des
Angebots vorliegen, sondern nach dem Zuschlag beschafft werden muss. Bei der
Eignung ist deshalb zu prüfen, ob der Anbieter in der Lage ist, fristgerecht über die
Infrastruktur verfügen zu können.
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2.2.4. Das Angebot der Gesuchstellerin wurde mit 92,729 (Anbieter und Infrastruktur
29,25; Konzept 32,312; Kursleitung 26,667; zusammen 88,229; Preis 4,5), jenes des
Gesuchsgegners mit 103,379 (Anbieter und Infrastruktur 23,775; Konzept 30,938;
Kursleitung 21,667; zusammen 76,38; Preis 27) von maximal möglichen 120 (Anbieter
und Infrastruktur 30; Konzept 33; Kursleitung 30; zusammen 93; Preis 27) Punkten
bewertet. Die Bewertungsdifferenz zwischen den beiden Angeboten beträgt 10,65
Punkte.
Die Gesuchstellerin rügt die Bewertung des Preiskriteriums. In Anhang 7 zu den
Ausschreibungsunterlagen (act. 7) wird die Bewertung des Kriteriums des Preises wie
folgt umschrieben: "1. Totalpreis des Kursanbieters: Alle Kurspreise bei 12 Personen
zusammengezählt (entsprechend der Kurse des betreffenden Loses). 2.
Durchschnittspreis: Die Totalpreise der Lose geteilt durch die Anzahl Offerten".
Die Vorinstanz hat den Durchschnittspreis auf der Basis der Summe der Kosten je
eines Kurses "Bewerbungscoaching+" und "Bewerbungscoaching" jedes Anbieters
ermittelt und einen Wert von 24'009.67 errechnet (act. 6, Vernehmlassung vom 15. Juli
2014, Seite 5). Der durchschnittliche Totalpreis für das Los 4 bei 30 Kursen
"Bewerbungscoaching+" und 48 Kursen "Bewerbungscoaching" der drei bewerteten
Angebote beläuft sich indessen auf CHF 882'110, nämlich Anbieter 1 CHF 937'140,
Gesuchstellerin CHF 937'614 und Gesuchsgegner CHF 771'576 (act. 2/13). Das
Angebot des Gesuchsgegners liegt 12,53 Prozent unter dem Durchschnitt und erhielt
deshalb zu Recht drei Punkte. Jenes der Gesuchstellerin liegt 6,29 Prozent über dem
Durchschnitt und ist dementsprechend mit einem Punkt zu bewerten. Die Bewertung
des Angebots der Gesuchstellerin mit lediglich 0,5 Punkten entspricht damit nicht den
in den Ausschreibungsunterlagen veröffentlichten Regeln. Jedenfalls erscheint die
Beschwerde in diesem Punkt als ausreichend begründet, so dass das Angebot der
Gesuchstellerin um 4,5 gewichtete Punkte besser bewertet werden könnte.
Die Gesuchstellerin macht beim Kriterium "Kursleitung" geltend, der Abzug für die in
den Unterlagen zum Angebot des Gesuchsgegners teilweise fehlenden SVEB-1
Zertifikate müsse zu einem Abzug von mindestens zwei Dritteln und nicht bloss von
einem Drittel der für die "Qualifikation und Erfahrung" maximalen Punktzahl von 20
führen. Wie bereits dargelegt, gehört gemäss Ziffer 4.1 der Ausschreibungsunterlagen
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zum Mindeststandard, dass Kursleitung und Co-Leitung mindestens über das SVEB-1
Zertifikat verfügen. Diese Voraussetzung ist bei drei von vier Personen, für welche der
Gesuchsgegner Lebensläufe eingereicht hat, nicht nachgewiesen. Bei zwei Personen
kann aufgrund der Formulierung im Lebenslauf nicht ausgeschlossen werden, dass sie
lediglich die entsprechende Ausbildung absolviert, nicht aber das Zertifikat erlangt
haben (vgl. oben Erwägung 2.2.2). Da die Vorinstanz zudem bemerkt hat, es seien aus
den Lebensläufen keine überdurchschnittlichen PC-Kenntnisse erkennbar, ist bei der
gebotenen summarischen Prüfung nicht auszuschliessen, dass die Bewertung des
Angebots des Gesuchsgegners durch die Vorinstanz in diesem Punkt rechtswidrig und
im von der Gesuchstellerin geltend gemachten Umfang von rund 6,5 gewichteten
Punkten zu korrigieren ist.
Nachdem damit mit der Beschwerde Begründungen vorgebracht werden, welche die
Bewertungsdifferenz von 10,65 Punkten zumindest auszugleichen vermöchten, kann
offen bleiben, ob sich die Vorinstanz bei den weiteren von der Gesuchstellerin gerügten
Bewertungen innerhalb ihres Ermessensspielraums bewegt hat.
3. Zusammenfassend erscheint die Beschwerde unter Berücksichtigung der nicht
besonders schwerwiegenden privaten und öffentlichen Interessen am sofortigen
Abschluss der Leistungsvereinbarung als ausreichend begründet. Das Gesuch, es sei
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren, ist dementsprechend
gutzuheissen. Die aufschiebende Wirkung kann wieder entzogen werden, wenn
während des Verfahrens festgestellt wird, dass sich die Beschwerde als unbegründet
erweist oder die Interessenabwägung neu vorzunehmen ist.
4. Vorinstanz und Beschwerdegegner sind einzuladen, innert einer nicht erstreckbaren
Frist bis 4. August 2014 - die Gerichtsferien gelten nicht - zur Beschwerde materiell
Stellung zu nehmen, wobei nach unbenütztem Ablauf der Frist der Verzicht auf eine
Stellungnahme angenommen würde.
5. Über die Kosten dieser Verfügung wird mit der Hauptsache entschieden

Considerations: