Decision ID: ced82b5a-e3cb-48f9-b6b9-6334535ab298
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Im angefochtenen Entscheid vom 3. März 2015 werde behauptet, dass bereits früher der für einen Tinnitus höchstmögliche Ansatz des Integritätsschadens zuerkannt worden sei, weshalb auch aus diesem Grund eine zusätzliche Leistung nicht möglich wäre. Wäre der Sachverhalt so eindeutig, hätte die Militärversicherung die ausgefallenen Stunden und Reisekosten bis Ende Dezember 2012 nicht anstandslos übernommen.
 Die Verschlimmerung des Tinnitus seit dem 23. Juli (gemeint wohl: August) 2010 sei unbestritten.
 Der angefochtene Entscheid vom 3. März 2015 widerspreche den früheren Entscheiden in jeder Hinsicht. Zudem verstosse die Militärversicherung gegen Treu und Glauben.
11. Die Militärversicherung (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in
ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2015 die Abweisung der
Beschwerde.
 Hinsichtlich des Tinnitus sei der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen, womit eine Haftung der Beschwerdegegnerin entfalle. Dass die Haftung früher anerkannt worden sei und nun neu geprüft und verneint werde, verstosse nicht gegen Treu und Glauben. Soweit der Tinnitus zu psychischen Beschwerden geführt habe, bestehe dafür keine Haftung, da sie (Spät-)Folgen des nicht militärversicherten Tinnitus seien.
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 Hinsichtlich der Hochtonstörung links halte sie an der Auffassung fest, wonach die einmal durch ein Knalltrauma gesetzte Schwerhörigkeit im Laufe der Zeit in der Regel nicht zunehme. Der entsprechende Leistungsanspruch hätte im Einspracheentscheid allerdings abgelehnt werden müssen, anstatt auf diesen nicht einzutreten.
 Die Entschädigung der Reisekosten und der Kosten für die ärztlichen Behandlungen seien, entgegen der Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid, auch Gegenstand der Verfügung vom 11. März 2014 gewesen. Da die ärztliche Behandlung, die Reisen und die Arbeitsunfähigkeit mit dem Tinnitus in Verbindung stünden, könne die Beschwerdegegnerin mangels Haftung für den Tinnitus für diese Kosten ebenfalls nicht aufkommen. Zudem sei eine Arbeitsunfähigkeit erst ab dem 10. Januar 2014 belegt.
 Auf den Antrag auf Übernahme künftiger Kosten für ein Hörgerät sei die Beschwerdegegnerin mangels Anfechtungsobjekts zu Recht nicht eingetreten.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie auf den angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015
wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung
(MVG; SR 833.1) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide Beschwerde beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons erhoben werden, in dem die versicherte Person zur
Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Vorliegend hat der
Beschwerdeführer Wohnsitz in X._ (GR), weshalb die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden
gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ergibt
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sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das
Verwaltungsgericht als kantonales Versicherungsgericht Beschwerden
gegen Einspracheentscheide und Verfügungen in
Sozialversicherungssachen beurteilt, die gemäss Bundesrecht der
Beschwerde unterliegen. Der angefochtene Einspracheentscheid vom
3. März 2015, mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache des
heutigen Beschwerdeführers, soweit sie darauf eingetreten ist,
abgewiesen hat, stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht dar. Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung auf (Art. 59 ATSG, Art. 50 VRG). Auf die zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit − unter
Berücksichtigung der nachfolgenden Erwägung 1b − einzutreten.
b) Wie gesehen hat die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 3. März 2015 die Einsprache des heutigen
Beschwerdeführers abgewiesen, soweit sie darauf eingetreten ist. Dabei
hat sie die Haftung für den Tinnitus und allfällige psychische
Beschwerden sowie damit einhergehende Leistungen abgewiesen.
Demgegenüber ist sie auf das Begehren um eine zusätzliche
Integritätsschadenrente für den Hörverlust links sowie auf den Antrag auf
Übernahme der künftigen Kosten für ein Hörgerät und der
Heilbehandlungs- und Reisekosten nicht eingetreten. Wie die
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2015 indes
zu Recht ausführt, hätte sie den Antrag des heutigen Beschwerdeführers
auf eine zusätzliche Integritätsschadenrente für den Hörverlust links −
statt auf diesen nicht einzutreten − korrekterweise ablehnen müssen, da
es dabei um eine inhaltliche Prüfung einer Leistungspflicht ging. Ebenfalls
hätte die Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Reise- und
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Heilbehandlungskosten im angefochtenen Einspracheentscheid vom
3. März 2015 − statt diesbezüglich nicht auf die Einsprache einzutreten −
korrekterweise die entsprechenden Begehren des heutigen
Beschwerdeführers ablehnen müssen, da − wie die Beschwerdegegnerin
in ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2015 selber erkannt hat − auch die
Entschädigung der Reise- und Heilbehandlungskosten Gegenstand der
Verfügung vom 11. März 2014 waren. Streitig und zu prüfen ist demnach
im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren die
Haftung beziehungsweise die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
für den Tinnitus, die psychischen Beschwerden, die
Hochtonschwerhörigkeit links, die Reise- und Heilbehandlungskosten
sowie für die Arbeitsunfähigkeit. Des Weiteren ist zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin hinsichtlich des beschwerdeführerischen Antrags
auf Übernahme der Anschaffungskosten eines (allenfalls später zu
beschaffenden) Hörgeräts zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten
ist.
2. Die Militärversicherung haftet nach den Bestimmungen des MVG für alle
Schädigungen der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
des Versicherten und für die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen solcher
Schädigungen (Art. 4 Abs. 1 Satz 1 MVG). Die Militärversicherung
erstreckt sich gemäss Art. 5 Abs. 1 MVG auf jede
Gesundheitsschädigung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt
und gemeldet oder sonst wie festgestellt wird. Nach Art. 5 Abs. 2 MVG
haftet die Militärversicherung nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass
die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder nicht während
des Dienstes verursacht werden konnte (lit. a) und dass die
Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder
verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (lit. b). Wird
der nach Absatz 2 Buchstabe a geforderte Beweis erbracht, dagegen
nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die
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Militärversicherung für die Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung.
Der nach Absatz 2 Buchstabe b geforderte Beweis gilt auch für die
Bemessung des versicherten Schadens (Art. 5 Abs. 3 MVG). Wird die
Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt,
Zahnarzt oder Chiropraktor festgestellt und bei der Militärversicherung
angemeldet oder werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, so
haftet die Militärversicherung nur, wenn die Gesundheitsschädigung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht oder
verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheitsschädigung handelt (Art. 6 MVG).
3. a) Nach Art. 48 MVG hat der Versicherte Anspruch auf eine
Integritätsschadenrente, wenn er eine dauernde erhebliche
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet
(Abs. 1). Die Integritätsschadenrente ist von dem Zeitpunkt an
geschuldet, in dem die ärztliche Behandlung abgeschlossen ist oder von
ihrer Fortsetzung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
des Versicherten mehr erwartet werden kann (Abs. 2). Gemäss Art. 49
MVG wird die Schwere des Integritätsschadens in Würdigung aller
Umstände nach billigem Ermessen ermittelt (Abs. 1). Sie wird
entsprechend der Schwere des Integritätsschadens in Prozenten des
Jahresrentenansatzes gemäss Absatz 4 festgesetzt. Beim vollständigen
Verlust einer Lebensfunktion wie des Gehörs oder des Sehvermögens
wird in der Regel eine Integritätsschadenrente von 50 Prozent
zugesprochen (Abs. 2). Die Zusprechung erfolgt auf unbestimmte Zeit
und wird in der Regel ausgekauft (Abs. 3). Der Bundesrat legt durch
Verordnung den für alle Versicherten geltenden Jahresrentenansatz fest.
Er geht dabei vom Ansatz aus, der beim Inkrafttreten dieses Gesetzes
gilt, und passt ihn periodisch den veränderten Verhältnissen, namentlich
der Preisentwicklung, an (Abs. 4). Gemäss Art. 25 der Verordnung über
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die Militärversicherung (MVV; SR 833.11) liegt eine erhebliche
Beeinträchtigung vor, wenn sie mindestens einem Zwanzigstel des
vollständigen Verlustes einer Lebensfunktion wie des Gehörs oder des
Sehvermögens entspricht (Abs. 1). Die Integritätsschadenrenten für
Beeinträchtigungen einzelner Lebensfunktionen werden nach der
Schwere der Integritätsschäden in Abstufungen von 2,5 Prozent zwischen
2,5 und 50 Prozent des Jahresrentenansatzes festgesetzt (Abs. 2).
Liegen mehrere erhebliche Integritätsschäden vor, so werden die
Prozentsätze der einzelnen Integritätsschäden für die Festsetzung der
Integritätsschadenrente zusammen gezählt. Der Höchstwert für
Integritätsschadenrenten beträgt 100 Prozent des Jahresrentenansatzes
(Abs. 3).
b) Nach der vom damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht in
ständiger Rechtsprechung verwendeten Formel wird der
Integritätsschaden ermittelt „aufgrund vergleichender Betrachtung des
funktionell-anatomischen Zustands vor und nach Eintritt des versicherten
Gesundheitsschadens". Dabei wurde von Anfang an klargestellt, dass
nicht die vergleichende medizinisch-theoretische Beurteilung für die
Bemessung des Integritätsschadens entscheidend ist, sondern das
Ausmass, in welchem der Versicherte in den Lebensfunktionen und der
allgemeinen Lebensgestaltung eingeschränkt ist. Die Einschränkung kann
− je nach den Umständen − geringfügiger oder schwerwiegender sein als
die rein aus medizinischer Sicht beurteilte Beeinträchtigung der Integrität
(vgl. MAESCHI, Kommentar zum Bundesgesetz über die
Militärversicherung [MVG] vom 19. Juni 1992, Bern 2000, Art. 49 N. 18).
c) Bei nachträglicher erheblicher Zunahme des Integritätsschadens kann der
Versicherte gemäss Art. 50 MVG verlangen, dass ihm eine zusätzliche
Integritätsschadenrente zugesprochen wird. Ob nachträglich eine
erhebliche tatsächliche Änderung eingetreten ist, bestimmt sich durch
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Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung (beziehungsweise des Einspracheentscheids)
bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der revisionsweisen Überprüfung
des Anspruchs. Anlass zur Revision der Integritätsschadenrente geben
nur erhebliche Änderungen des Integritätsschadens. Die Voraussetzung
der Erheblichkeit ist gegeben, wenn der hinzutretende Schaden für sich
allein das Kriterium der Erheblichkeit nach Art. 48 Abs. 1 MVG erfüllt.
Grundsätzlich hat jede Änderung als erheblich zu gelten, die zu einer
andern Einstufung des Schadens innerhalb der in Art. 25 Abs. 2 MVV
vorgesehenen Abstufungen von 2,5 % führt (MAESCHI, a.a.O., Art. 50
N. 8 f.). Tritt die Militärversicherung auf eine Neuanmeldung ein, hat sie
das neue Leistungsgesuch umfassend und nicht nur hinsichtlich jener
Sachverhaltselemente zu prüfen, für welche eine Änderung glaubhaft
gemacht wurde (MAESCHI, a.a.O., Art. 50 N. 11 mit weiteren Hinweisen).
4. Nach Lage der Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer am 18. März
1977 im Militärdienst während einer Schiessübung ein Knalltrauma
erlitten hat und seither an einem Tinnitus und einer
Hochtonperzeptionsschwerhörigkeit links leidet (vgl. insbesondere den
Arztbericht von Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für Ohren-, Nasen-
Halskrankheiten, vom 25. März 1977 [Akten der Beschwerdegegnerin
[Bg-act.] 5]). Die Beschwerdegegnerin hat die Haftung für den Tinnitus
und die Hörverminderung im früheren Verfahren anerkannt und dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 23. August 2010 (Bg-act. 72)
gestützt auf die Integritätsschadenbeurteilung durch den
beschwerdegegnerischen Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Chirurgie, spez. Allgemeinchirurgie und Unfallchirurgie, vom 14. Juli 2010
(Bg-act. 58.1) mit Wirkung ab dem 1. April 2009 für das knalltraumatisch
gesetzte Zustandsbild (linksseitiger Tinnitus,
Hochtonperzeptionsschwerhörigkeit) eine Integritätsschadenrente von
5 % für den Tinnitus beziehungsweise von 2.5 % für die Hörverminderung
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(gesamthaft 7.5 %) mit gleichzeitigem Auskauf per 1. September 2010
zugesprochen. In der Folge ersuchte der Beschwerdeführer unter Hinweis
auf eine Verschlechterung der Hochtonstörung links sowie des Tinnitus
um eine zusätzliche Integritätsschadenrente. Diesem Antrag kann − wie
nachfolgend dargestellt − nicht stattgegeben werden.
5. a) Zunächst gilt es festzuhalten, dass der beschwerdegegnerische Kreisarzt
Dr. med. E._ bei der ursprünglichen Integritätsschadenbeurteilung
vom 14. Juli 2010 (Bg-act. 58.1) zwischen dem Tinnitus und der
Hörverminderung unterschieden hat. Den Integritätsschaden des sehr
schweren Tinnitus schätzte er auf 5 %, denjenigen der Hörverminderung
auf 2.5 %, was gesamthaft einen Integritätsschaden von 7.5 % ergab.
Hinsichtlich des Integritätsschadens für den sehr schweren Tinnitus
wurde im entsprechenden Einspracheentscheid vom 1. Juni 2011 (Bg-
act. 80 S. 7 Ziff. 10.1) ausgeführt, dass mehrere der von der Kommission
für Audiologie und Expertenwesen der Schweizerischen Gesellschaft für
Oto-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, aufgestellten
Kriterien, so die deutlichen Beeinträchtigungen in bestimmten Aktivitäten
des täglichen Lebens inklusive Einschlafstörung, für einen sehr schweren
Tinnitus erfüllt seien. Eine psychische Dekompensation mit
entsprechender Behandlungsbedürftigkeit jedoch, notwendiges Kriterium
für einen sehr schweren Tinnitus, sei nicht ausgewiesen. Wegen der
gleichzeitig geklagten Lärmüberempfindlichkeit sei der vorliegende
Tinnitus in der Bemessung dennoch einem sehr schweren Tinnitus
gleichzustellen. Nach der Praxis der Militärversicherung entspreche ein
sehr schwerer Tinnitus einem Integritätsschaden von 5 %.
b) Die mit Verfügung vom 23. August 2010 (Bg-act. 72) erfolgte und mit
Einspracheentscheid vom 1. Juni 2011 (Bg-act. 80) bestätigte Zusprache
einer Integritätsschadenrente für den sehr schweren Tinnitus von 5 %
basierte noch auf der Annahme, dass es sich beim Tinnitus um ein
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körperliches Leiden handle, dessen eigentliche Ursache in einem
kleineren oder grösseren Innenohrschaden zu suchen sei. Daraus wurde
abgeleitet, dass bei gegebenem natürlichem Kausalzusammenhang zum
Unfall der adäquate Kausalzusammenhang ohne besondere Prüfung
bejaht werden kann (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichtes U 116/03 vom 6. Oktober 2003 E.2.1; BGE
138 V 248 E.5.3). In BGE 138 V 248 hat das Bundesgericht diese
bisherige Rechtsprechung bereinigt. Dabei führte es zunächst aus, dass
sich ein Tinnitus unter verschiedenen Gesichtspunkten unterteilen lasse.
Von Interesse sei vorab die Unterscheidung in "objektiver" und
"subjektiver" Tinnitus. Der objektive Tinnitus bezeichne ein Ohrgeräusch,
welches aufgrund pathologisch-anatomischer Veränderungen entstehe
und grundsätzlich auch für Aussenstehende − allenfalls mit technischen
Hilfsmitteln − hörbar werde. Meist handle es ich um gefässreiche
Missbildungen, Tumore oder um muskulär bedingte Schallgeräusche. Der
subjektive (beziehungsweise "nicht objektive") Tinnitus werde einzig
durch den Betroffenen gehört und stelle die weitaus häufigste Form dar.
Der objektive Tinnitus werde auch als Körpergeräusch bezeichnet (BGE
138 V 248 E.5.7.2). Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass unter
Berücksichtigung der medizinischen Lehrmeinungen an der Annahme,
wonach Tinnitus ein körperliches Leiden sei oder zumindest (zwingend)
auf eine körperliche Ursache zurückzuführen sei, nicht festgehalten
werden könne. Denn es bestehe keine medizinisch gesicherte Grundlage,
um einen Tinnitus als körperliches Leiden zu betrachten oder diesen
(zwingend) einer organischen Ursache zuzuordnen. Auch lasse sich nicht
vom Schweregrad eines Tinnitus auf eine organische Unfallfolge als
Ursache schliessen. Das schliesse zwar nicht aus, dass ein Tinnitus in
einer organischen Unfallfolge begründet sein könne. Es bestehe aber
keine Rechtfertigung, bei einem Tinnitus, welcher im Einzelfall nicht
nachgewiesenermassen auf eine solche Unfallfolge zurückzuführen sei,
auf das Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung zu verzichten.
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Anders zu verfahren würde kausalrechtlich einer sachlich und rechtlich
nicht begründbaren Bevorteilung des Tinnitus gegenüber anderen
organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerdebildern entsprechen.
In diesem Sinne sei die Rechtsprechung zu bereinigen (BGE 138 V 248
E.5.8.3 und 5.10). Dementsprechend kann der bereinigten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge der adäquate
Kausalzusammenhang zum leistungsauslösenden Ereignis bei einem
Tinnitus, der sich keiner organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge
zuordnen lässt − wie bei anderen organisch nicht ausgewiesenen
Beschwerdebildern − nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden. In
diesen Fällen kommt demnach − abhängig von den festgestellten
Beschwerden − die Schleudertraumapraxis (BGE 134 V 109), welche
auch bei Schädelhirntraumata anwendbar ist (BGE 117 V 369), oder die
sogenannte Psychopraxis (BGE 115 V 133) zur Anwendung. Die
dargestellte, bereinigte bundesgerichtliche Rechtsprechung ist unstrittig
auch im Bereich der Militärversicherung anwendbar (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 8C_241/2014 vom 8. Juli 2014 E.4.1).
c) Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin die Haftung für den Tinnitus im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015 − nachdem der
Beschwerdeführer unter Hinweis auf eine Verschlechterung des Tinnitus
um eine zusätzliche Integritätsschadenrente ersuchte hatte − zu Recht
unter Berücksichtigung dieser neuen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung geprüft. Gemäss Art. 50 MVG kann der Versicherte bei
nachträglicher erheblicher Zunahme des Integritätsschadens verlangen,
dass ihm eine zusätzliche Integritätsschadenrente zugesprochen wird.
Dabei ist das neue Leistungsbegehren, sofern die Militärversicherung auf
eine Neuanmeldung eintritt, umfassend und nicht nur hinsichtlich jener
Sachverhaltselemente zu prüfen, für welche eine Änderung glaubhaft
gemacht wurde (vgl. MAESCHI, Art. 50 N. 11; vgl. auch BGE 141 V 9 zur
inhaltlich gleichlautenden Bestimmung von Art. 17 Abs. 1 ATSG, wonach
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der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig
festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere
Invaliditätsschätzungen zu ermitteln ist, wenn die Frage nach einer
anspruchsrelevanten Veränderung des Sachverhalts im Sinne einer
revisionsbegründenden erheblichen Gesundheitsveränderung bejaht
wird). Im Verhalten der Beschwerdegegnerin ist überdies, entgegen der
beschwerdeführerischen Auffassung, auch keine Verletzung des
Grundsatzes von Treu und Glauben zu sehen. Obschon die
Beschwerdegegnerin im früheren Verfahren die Haftung für den Tinnitus
anerkannt hat, ist es ihr der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge
nämlich nicht verwehrt, in einem späteren Zeitpunkt neue Abklärungen
hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs zu tätigen. Dauert
eine gesundheitliche Beeinträchtigung an, ist der Unfallversicherer
berechtigt und letztlich sogar verpflichtet, die allenfalls weiterbestehende
ursächliche Bedeutung des Unfalls zu klären (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 8C_210/2007 vom 15. Mai 2008 E.4.3.2). Dies hat − wie
die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom
3. März 2015 zu Recht ausgeführt hat − auch für die Feststellung des
adäquaten Kausalzusammenhangs zu gelten. Im Übrigen hat der
Unfallversicherer der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge auch
die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeld
anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne
Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der
prozessualen Revision einzustellen, d.h. den Fall abzuschliessen, dies mit
der Begründung, ein versichertes Ereignis liege − bei richtiger
Betrachtungsweise − gar nicht vor (vgl. BGE 130 V 380 E.2).
6. a) Die medizinische Aktenlage seit der mit Verfügung vom 23. August 2010
(Bg-act. 72) erfolgten und mit Einspracheentscheid vom 1. Juni 2011 (Bg-
act. 80) bestätigten Zusprache einer Integritätsschadenrente von 7.5 %
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für den sehr schweren Tinnitus und die Hörverminderung links präsentiert
sich wie folgt:
 Dr. med. D._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halskrankheiten, diagnostizierte im Arztbericht vom 5. Dezember 2012 einen linksbetonten Hochtonabfall sowie einen chronischen Tinnitus. Es sei eine Verschlechterung der Hochtonstörung links gegenüber dem Reintonaudiogramm vom 4. Juni 2008 von 18 auf 35 % nach CPT-AMA-Tabelle eingetreten. Eine medikamentöse Therapie sei bei Bedarf vorgesehen. Ebenso sei eine Hörgeräte-Neuversorgung geplant nach Ablauf von fünf Jahren, wobei die Erstexpertise am 4. Juni 2008 vorgenommen worden sei.
 Dr. med. F._, Facharzt für Hals-, Nasen, Ohren-Heilkunde, Facharzt FMH für Allergologie und klinische Immunologie, diagnostizierte im Arztbericht vom 14. Januar 2014 eine beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit, einen sehr schwergradigen Tinnitus aurium, eine schwergradige Hyperakusis, eine mittelgradige Angststörung sowie eine leichtgradige Depression. Der Tinnitus sei auf das akustische Trauma von 1977 zurückzuführen. Durch eine Verschlechterung des Hörvermögens auch rechts höre der Beschwerdeführer den Tinnitus nun auch intermittierend rechts.
 Im Arztbericht vom 6. Februar 2014 diagnostizierte Dr. med. D._ neben einem chronischen Tinnitus einen beidseitigen Hochtonabfall und hielt gleichzeitig eine gewisse Verbesserungstendenz fest. Nach wie vor zeigten sich aber eine Erschöpfung und eine Tendenz zu Burnout. Subjektiv störe das Ohrgeräusch. Der Beschwerdeführer könne wegen dem Ohrgeräusch gut einschlafen; häufig erwache er aber morgens um 03:00 Uhr und finde keinen Schlaf mehr. Im Verlaufe des Tages trete eine Tagesmüdigkeit auf und er benötige häufig einen Mittagsschlaf. Gegen den späteren Nachmittag zeigten sich häufig Übermüdungs- und Erschöpfungssyndrome, sodass er vorzeitig die Tagesarbeit abbrechen müsse. Dr. med. D._ attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 10. bis 13. Januar 2014 sowie eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % vom 13. Januar bis 28. Februar 2014.
b) Der Tinnitus des Beschwerdeführers beziehungsweise die diesem Leiden
zugrunde liegende organische Schädigung konnte unstrittig nicht mit
apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE
138 V 248 E.5.2). Auch gibt es in den bei den Akten liegenden
medizinischen Berichten der behandelnden und untersuchenden Ärzte
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keine Anhaltspunkte für eine organische Ursache in Form etwa einer
gefässreichen Missbildung, eines Tumors oder einer muskulären
Veränderung. Am fehlenden Nachweis einer organisch objektivierbaren
Grundlage der fraglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung vermag der
Umstand, dass nebst dem Tinnitus noch eine Gehörschädigung besteht,
nichts zu ändern. Dementsprechend hat vorliegend eine besondere
Adäquanzprüfung zu erfolgen (vgl. vorstehend E.5b). Der
Beschwerdeführer hat anlässlich des Knalltraumas vom 18. März 1977
aktenkundig weder ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule noch eine
äquivalente Verletzung noch ein Schädelhirntrauma erlitten. Vielmehr
diagnostizierte Dr. med. B._ am 24. März 1977 (vgl. dessen
Arztbericht vom 25. März 1977 [Bg-act. 5]) "bloss" einen Tinnitus und eine
Hochtonschallperzeptionsschwerhörigkeit links. Die Frage der Adäquanz
der Unfallfolgen ist demnach nach den Adäquanzkriterien gemäss BGE
115 V 133, mithin unter Ausschluss psychischer Aspekte, zu prüfen (BGE
115 V 133 E.6c/aa sowie vorstehend E.5b).
c) Danach setzt die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs bei
psychischen Unfallfolgen grundsätzlich voraus, dass dem Unfallereignis
für die Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine
massgebende Bedeutung zukommt. Das trifft dann zu, wenn das
Unfallereignis objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen
Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist
gemäss BGE 115 V 133 E.6 an das objektiv erfassbare Unfallereignis
anzuknüpfen, wobei − ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf
mit den sich dabei entwickelnden Kräften − eine Katalogisierung der
Unfälle in leichte (banale), im mittleren Bereich liegende und schwere
Unfälle vorzunehmen ist (BGE 129 V 177 E.4.1). Die erlittenen
Verletzungen können dabei Rückschlüsse auf die Kräfte, die sich beim
Unfall entwickelt haben, gestatten (SVR 2011 UV Nr. 10 S. 36 E.4.2.2).
Bei banalen Unfällen wie beispielsweise bei geringfügigem Anschlagen
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des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B.
einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil
aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug
unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass
ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen
Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 129 V 177 E.4.1, 115 V 133
E.6a). Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel
zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet,
invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken (BGE
120 V 352 E.5b/aa; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E.3b). Bei Unfällen aus
dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und
psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalls allein
schlüssig beantworten. Das Bundesgericht hat daher festgestellt, dass
weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall
im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte
Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen sind.
Als wichtigste Kriterien sind zu nennen (BGE 134 V 109 E.6.1, 115 V 133
E.6c/aa):
− besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls;
− die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen;
− ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
− körperliche Dauerschmerzen;
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− ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert;
− schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
− Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist
jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen
kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit neben dem Unfall
allenfalls ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu,
wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen
im mittleren Bereich zu zählen ist oder sogar als Grenzfall zu einem
schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428,
1999 Nr. U 335 S. 207 ff., 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV
Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges
Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist.
Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise
ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall
ist. Handelt es sich um einen Unfall im eigentlichen mittleren Bereich
genügen drei Kriterien zur Bejahung der Adäquanz (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 8C_277/2013 vom 7. Juni 2013 E.4.2). Diese Würdigung
des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung
oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach
anderen Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch
bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE
115 V 133 E.6c/bb, 120 V 352 E.5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff.,
Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.;
SVR 1999 UV Nr. 10 E.2).
- 20 -
d) Das ursächliche Knalltrauma erfolgte am 18. März 1977 anlässlich einer
militärischen Scharfschiessübung. Obschon der damals stark erkältete
Beschwerdeführer den vorgeschriebenen Gehörschutz getragen hat, ist
es nach der Schiessübung zu einer Schwerhörigkeit mit Ohrensausen
links gekommen (vgl. Arztbericht von Dr. med. B._ vom 25. März
1977 [Bg-act. 5]). Es handelt sich somit beim Knalltrauma um eine rein
akustische Einwirkung, welche in Anbetracht dessen, dass der
Beschwerdeführer während der Schiessübung einen Gehörschutz
getragen hatte, aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs nicht als
erheblich bezeichnet werden kann. Aufgrund des Hergangs und der dabei
wirkenden Kräften ist das fragliche Ereignis als leichter Unfall zu
qualifizieren, der nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet war, einen anhaltenden
Tinnitus zu bewirken. Weitere Ausführungen zur Frage, ob das
Knalltrauma von 1977 als leichtes oder mittelschweres Ereignis
einzustufen ist, können vorliegend unterbleiben, da die für Letzteres
erforderliche Voraussetzung, dass entweder ein einzelnes der
unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise vorliegt oder
drei der Kriterien in einfacher Weise erfüllt sind (vgl. vorstehend E.6c)
nicht erstellt ist. Denn − wie vorstehend bereits festgehalten − hat sich
das Knalltrauma vom 18. März 1977 objektiv betrachtet weder unter
besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war es von
besonderer Eindrücklichkeit. Dies zumal der Beschwerdeführer während
des Schiessens noch keinerlei Gehörsstörung festgestellt hatte. Erst nach
Abschluss der Schiessübung stellte er gemäss Aussendienstprotokoll
vom 27. Juni 1977 (Bg-act. 10) ein Sausen im linken Ohr und eine
gewisse Gehörsverminderung fest. Sodann handelt es sich beim
erlittenen Tinnitus weder um eine schwere Verletzung noch um eine
Verletzung von besonderer Art. Zudem sind den medizinischen Berichten
keine Informationen zu entnehmen, wonach der Tinnitus, wie er beim
Beschwerdeführer unstrittig besteht, grundsätzlich geeignet wäre, eine
- 21 -
psychische Fehlentwicklung auszulösen. Für eine ungewöhnlich lange
Dauer der ärztlichen Behandlung gibt es genauso wenig Anhaltspunkte
wie für eine ärztliche Fehlbehandlung und für einen schwierigen
Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen. Ebenfalls ergeben sich
aus den Akten keine Hinweise auf eine lang andauernde psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit. Was schliesslich das Kriterium der
körperlichen Dauerschmerzen anbelangt sind solche desgleichen nicht
erstellt. Weil nach dem Gesagten weder ein einzelnes Kriterium in
besonders ausgeprägter Form noch drei der Kriterien in einfacher Form
erfüllt sind, besteht zwischen dem militärdienstlichen Knalltrauma − selbst
wenn dieses als mittelschweres Unfallereignis qualifiziert würde − und
dem Tinnitus kein rechtsgenüglicher Zusammenhang. Ein zusätzlicher
Integritätsschadenrentenanspruch − wie vom Beschwerdeführer beantragt
− fällt demnach ausser Betracht. Die Beschwerdegegnerin hat somit ihre
Haftung für den heutigen Tinnitus sowie für die psychischen
Folgebeschwerden, insbesondere die von Dr. med. F._ im
Arztbericht vom 14. Januar 2014 diagnostizierte mittelgradige
Angststörung sowie die leichtgradige Depression, mangels adäquaten
Kausalzusammenhangs zu Recht verneint. Im Übrigen wäre vorliegend
eine zusätzliche Integritätsschadenrente für den Tinnitus − wie die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom
3. März 2015 zu Recht ausgeführt hat − ohnehin nicht möglich, da dem
Beschwerdeführer bereits früher die für einen sehr schweren Tinnitus
maximal mögliche Integritätsentschädigung von 5 % zugesprochen wurde
(zu den Richtwerten bei Tinnitus vgl. MAESCHI, a.a.O., Art. 49 N. 41).
e) Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer beantragten Entschädigung der
Reise- und Heilbehandlungskosten sowie der Arbeitsunfähigkeit führt die
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2015 zu
Recht aus, dass sowohl die Leistungspflicht für die Arbeitsunfähigkeit als
auch die Entschädigung der Reise- und Heilbehandlungskosten −
- 22 -
entgegen den anderslautenden Ausführungen im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 3. März 2015 − Gegenstand der Verfügung
vom 11. März 2014 waren. Dementsprechend hätte die
Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Reise- und Heilbehandlungskosten
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015 − statt
diesbezüglich nicht auf die Einsprache einzutreten − korrekterweise die
entsprechenden Begehren des heutigen Beschwerdeführers ablehnen
müssen (vgl. vorstehend E.1b). Mangels Haftung für den Tinnitus (vgl.
vorstehend E.6d) hat die Beschwerdegegnerin für diese Kosten nämlich
nicht aufzukommen, da sowohl die ärztliche Heilbehandlung als auch die
entsprechenden Reisekosten mit dem Tinnitus in Verbindung stehen.
Dementsprechend besteht auch kein Anspruch auf Taggelder, da auch
die Arbeitsunfähigkeit mit dem Tinnitus in Verbindung steht. Bezüglich der
Arbeitsunfähigkeit gilt es sodann noch festzuhalten, dass eine solche −
entgegen der Beschwerdeschrift vom 27. März 2015, worin der
Beschwerdeführer unter anderem eine Entschädigung für die
ausgefallenen Arbeitsstunden ab dem 1. Januar 2013 beantragt − erst ab
dem 10. und bis 13. Januar 2014 (100%ige Arbeitsunfähigkeit)
beziehungsweise ab dem 13. Januar 2014 bis 28. Februar 2014 (30%ige
Arbeitsunfähigkeit) belegt ist (vgl. Arztbericht von Dr. med. D._ vom
6. Februar 2014).
7. Zu prüfen bleibt der beschwerdeführerische Antrag auf eine zusätzliche
Integritätsschadenrente für die Zunahme der Hochtonstörung links.
a) Anlässlich der ursprünglichen Integritätsschadenbeurteilung vom 14. Juli
2010 (Bg-act. 58.1) führte Dr. med. E._ bezüglich Bemessung des
Integritätsschadens der Hörverminderung aus, dass lediglich der
knalltraumatisch gesetzte Schaden heranzuziehen sei. Dieser sei aus den
echtzeitlichen Audiogrammen, das heisst aus denjenigen Audiogrammen,
die in den ersten Jahren nach erfolgtem Knalltrauma durchgeführt worden
- 23 -
seien, ersichtlich. Bei beidseitigem vollständigem Verlust des Gehörs
werde in der Regel ein Integritätsschaden von 50 % und bei einseitigem
Verlust in der Regel ein solcher von 10 % angenommen. Dies sei
vorliegend bei weitem nicht der Fall. Der Integritätsschaden für nicht
vollständige Hörverluste werde entsprechend tiefer angesetzt, abgestuft
nach der Schwere der Hörverminderung gemäss Reintonaudiogramm;
dabei ergebe ein einseitiger Hörverlust von 50 % einen Integritätsschaden
von 2.5 %. Auch davon seien die Werte weit entfernt. Daraus folge, dass
der knalltraumatisch gesetzte Hörverlust eigentlich nicht
entschädigungswürdig sei. Sofern infolge der ungewöhnlichen
Benachteiligung in der allgemeinen Lebensgestaltung aber eine
Hörgerätversorgung notwendig sei, bestehe gemäss langjähriger Praxis
dennoch Anspruch auf eine Integritätsschadenrente von 2.5 %. Da im
Beschwerde- und Behinderungsprofil die negativen Auswirkungen des
Tinnitus von denjenigen der Hörverminderung zu trennen seien, sich also
nicht gegenseitig überlappten, sei es vorliegend gerechtfertigt, den
Anspruch auf eine Integritätsschadenrente von 2.5 % zu bejahen.
b) Die Beschwerdegegnerin ist im angefochtenen Einspracheentscheid vom
3. März 2015 auf das Begehren um eine zusätzliche
Integritätsschadenrente für den Hörverlust links fälschlicherweise formell
nicht eingetreten, anstatt diesen abzuweisen, was − wie nachfolgend
dargestellt − korrekt gewesen wäre (vgl. vorstehend E.1b). In seiner
Beurteilung vom 25. Februar 2013 führte der beschwerdegegnerische
Kreisarzt Dr. med. E._ unter Bezugnahme auf seine ursprüngliche
Integritätsschadenbeurteilung vom 14. Juli 2010 (Bg-act. 58.1) sowie der
Erkenntnisse von Prof. Dr. med. Kellerhals in dessen Publikation
"Progressive hearing loss after single exposure to acute acoustic trauma"
nachvollziehbar und schlüssig aus, dass die Evolution einer
knalltraumatischen Gehörschädigung nicht wahrscheinlich sei. Denn ein
Gehörschaden, der aufgrund eines Knalltraumas eingetreten sei, nehme
- 24 -
in der Folgezeit nicht mehr zu. Die knalltraumatische Gehörschädigung
wirke sich nicht evolutiv, sondern rein additiv aus, was bedeute, dass sich
ein knalltraumatischer Hörschaden mit einem schon bestehenden oder
später hinzukommenden Hörschaden summiere, ohne aber eine
Hörschadenentwicklung in Gang zu setzen. Der nachträgliche Hörverlust
sei somit keine Spätfolge des initialen Knalltraumas. Der militärversicherte
Anteil an der vorliegenden Gehörschädigung, mithin die beim Knalltrauma
während des Dienstes 1977 verursachte Hochtonperzeptionsstörung, sei
nach wie vor gleich gross. Folglich habe sich der militärversicherte
Integritätsschaden in Folge der knalltraumatischen Einwirkung während
des Dienstes 1977 seit der Beurteilung vom 14. Juli 2010 nicht erheblich
verändert. Wenn die Beschwerdegegnerin gestützt auf diese
Ausführungen von Dr. med. E._ hinsichtlich der Hochtonstörung links
einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 50 MVG verneint und sich auf
den Standpunkt stellt, dass ein allfälliger zusätzlicher Hörverlust nicht auf
das Knalltrauma während des Militärdienstes 1977 zurückzuführen sei, ist
dies nicht zu beanstanden, zumal keine dem widersprechenden ärztlichen
Beurteilungen bei den Akten liegen. Folglich hat die Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015 den Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine zusätzliche Integritätsschadenrente für
die Zunahme der Hochtonstörung links zu Recht abgelehnt, auch wenn
sie, wie gesehen, statt den entsprechenden Antrag des
Beschwerdeführers abzulehnen − was korrekt gewesen wäre − nicht auf
den Antrag eingetreten ist.
8. Abschliessend ist noch die Rechtmässigkeit des
beschwerdegegnerischen Nichteintretensentscheids bezüglich des
Antrags des heutigen Beschwerdeführers auf Übernahme der künftigen
Kosten für die Anschaffung eines Hörgeräts zu prüfen.
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a) Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich − in Form einer
Verfügung − Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand.
Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen
ist. Streitgegenstand im System der nachträglichen
Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches − im Rahmen
des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes − den
auf Grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen
Verfügungsgegenstand bildet. Anfechtungs- und Streitgegenstand sind
danach identisch, wenn die Verwaltungsverfügung insgesamt
angefochten wird; bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf
einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisse,
gehören die nicht beanstandeten − verfügungsweise festgelegten −
Rechtsverhältnisse zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum
Streitgegenstand (BGE 131 V 164 E.2.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 414
E.1b i.V.m. E.2a; vgl. auch vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.,
Bern/Basel/Genf 2013, Rz 687).
b) Nach dem soeben Gesagten ist die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015 zu Recht nicht auf
den Antrag des heutigen Beschwerdeführers auf Übernahme der
künftigen Kosten für die Anschaffung eines Hörgeräts eingetreten. Der
Beschwerdeführer hat den entsprechenden Antrag auf Übernahme der
künftigen Kosten für ein Hörgerät nämlich erstmals in seiner Einsprache
vom 10. April 2014 gestellt. Diese Frage bildete demnach nicht
Gegenstand der Verfügung vom 11. März 2014, welche dem
angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. März 2015 zugrunde liegt.
Insoweit diesbezüglich kein Entscheid ergangen ist, fehlt es an einem
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beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsobjekt. Die
Beschwerdegegnerin wird, wie sie in ihrer Vernehmlassung vom 22. April
2015 selber ausführt, den Anspruch des Beschwerdeführers im Zeitpunkt
der Anschaffung eines Hörgeräts nach Abklärung der konkreten
Bedürfnisse im Lichte der Rechtslage und der gültigen Tarife prüfen. Den
entsprechenden Entscheid der Beschwerdegegnerin wird der
Beschwerdeführer, sofern er damit nicht einverstanden sein sollte, dann
wiederum mit den ordentlichen Rechtsmitteln anfechten können. Zum
jetzigen Zeitpunkt ist die Beschwerdegegnerin aber auf den
beschwerdeführerischen Antrag auf Übernahme der künftigen Kosten für
die Anschaffung eines Hörgeräts mangels Anfechtungsobjekts zu Recht
nicht eingetreten. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 3. März
2015 erweist sich auch diesbezüglich als rechtens.
9. Zusammenfassend lässt sich nach dem vorstehend Gesagten festhalten,
dass die Beschwerdegegnerin den beschwerdeführerischen Antrag auf
Ausrichtung einer zusätzlichen Integritätsschadenrente für den Tinnitus
und die allfälligen psychischen Folgebeschwerden sowie für die
Hochtonstörung links zu Recht abgewiesen hat. Ebenfalls zu Recht hat
die Beschwerdegegnerin − obschon sie diesbezüglich fälschlicherweise
nicht auf die Einsprache eingetreten ist, anstatt die entsprechenden
Begehren abzuweisen − ihre Leistungspflicht bezüglich der Reise- und
Arztkosten sowie der ausgefallenen Arbeitsstunden verneint, weil diese in
Verbindung mit dem Tinnitus stehen, für welchen − wie gesehen − keine
Haftung der Beschwerdegegnerin besteht. Nicht zu beanstanden ist
schliesslich auch, dass die Beschwerdegegnerin mangels eines
entsprechenden Anfechtungsobjekts nicht auf den
beschwerdeführerischen Antrag auf Übernahme der künftigen Kosten für
die Anschaffung eines Hörgeräts eingetreten ist. Der angefochtene
Einspracheentscheid vom 3. März 2015 erweist sich im Ergebnis
demnach als rechtens, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung der
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dagegen erhobenen Beschwerde führt. Gemäss Art. 1 Abs. 1 MVG i.V.m.
Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
Sozialversicherungssachen − ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger
Prozessführung − kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben
werden. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu (Art. 1 Abs. 1 MVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).