Decision ID: 9019e8dd-51c8-41f6-8450-6ab1c76926cc
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1963, war seit 1. August 2014 als Sales Manager bei der Y._ angestellt (Urk. 16) und dadurch bei der CSS Versicherung AG (nachfolgend CSS) im Rahmen einer Kollektiv-Krankentaggeldversicherung
nach dem Bundesgesetz über den Versicherungs
vertrag (VVG) gegen Erwerbsausfall bei Krankheit versichert
(Urk. 2/2). Ab 12. Januar 2015 wurde ihr bis 31. Januar 2016 eine 100%ige und alsdann eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 2/11-24). Die CSS leistete Taggelder entsprechend einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 2/26, Urk. 2/32). Das Arbeitsverhältnis mit der Y._ wurde am 12. Februar 2015 per 31. März 2015 beendet (Urk. 2/25).
Auf Veranlassung der
CSS
wurde die Versicherte am
22. Mai 2015
von
Dr.
med. Dipl. Psych.
Z._
, Facharzt für
Gynäkologie und Geburtshilfe
, begutachtet (Gutachten vom
31. Mai 2015;
Urk. 2/29
). Mit Schreiben vom
10. Juni 2015
(
Urk. 8/6
) teilte die
CSS
der Versicherten mit, dass ab
22. Mai 2015
keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe und ab diesem Datum die
Tag
gelder
eingestellt würden.
Mit Schreiben vom 5. August 2015 (Urk. 8/8) hielt sie an diesem Entscheid fest.
2.
Am 4. Juli 2016 erhob die Versicherte Klage gegen die CSS und beantragte, diese sei zu verpflichten, ihr rückwirkend über den 21. Mai 2015 hinaus Kran
kentaggelder zu bezahlen (Urk. 1 S. 2). Die Beklagte beantragte mit Klageant
wort vom 25. August 2016 (Urk. 7) die Abweisung der Klage. Mit Verfügung vom 16. September 2016 (Urk. 12) wurde der Klägerin die beantragte unentgelt
liche Rechtsvertretung (vgl. Urk. 1 S. 2) bewilligt. Zudem
wurde den Parteien die Gelegenheit eingeräumt, dem Gericht im Rahmen einer schriftlichen Stel
lungnahme mitzuteilen, falls sie die Durchführung einer Hauptverhandlung wünsch
t
en. Mit Eingabe vom
24. Oktober 2016
(
Urk. 15
) verzichtete die
Kläge
rin
auf die Durchführung einer Hauptverhandlung, wovon
der Beklagten
am
1. November 2016
(
Urk. 17
) eine Kopie zugestellt wurde.
Die
Beklagte
liess sich nicht vernehmen.
Mit Replik vom
23. Januar 2017 (Urk.
2
0) und
Duplik vom
24. April 2017
(Urk.
25
)
hielten die Parteien an ihren gestellten Rechtsbe
gehren fest
.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 12 Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) unterliegen Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). Streitigkeiten aus solchen Versicherungen sind privatrechtlicher Natur (BGE 124 III 44 E. 1a/aa und 232 E. 2b). Nach Art. 85 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die privaten Versicherungseinrichtungen (VAG) entscheidet das Gericht privat
recht
liche Streitigkeiten zwischen Versicherungsunternehmen oder zwischen Versi
che
rungs
unternehmen und Versicherten. Kollektive Krankentag
geld
ver
siche
run
gen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren Taggeld
versiche
rungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Kranken
versicherung subsumiert (BGE 138 III 2 E. 1.1; Urteile des Bundes
ge
richts 4A_680/2014 vom 29. April 2015 E. 2.1; 4A_382/2014 vom 3. März 2015 E. 2 und 4A_47/2012 vom 12. März 2012 E. 2). Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilpro
zessordnung (ZPO) ein Gericht bezeich
nen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozial
versicherungsgericht (§ 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht, GSVGer). Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das einfache Verfahren zur Anwendung gelangt (Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist gegeben.
1.2
Ansprüche aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG werden ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren nach Art. 243 ff. ZPO beurteilt (Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO). Gemäss Art. 247 Abs. 2 lit. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO stellt das Gericht im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Der Untersuchungsgrundsatz befreit die Parteien indessen nicht davon, bei der Feststellung des entscheidwesentlichen Sachverhalts aktiv mitzuwirken. Sie haben die relevanten Fakten vorzubringen und die allenfalls zu erhebenden Beweismittel nach Möglichkeit zu bezeichnen (Urteil des Bundesgerichts 4A_723/2012 vom 3. April 2013 E. 3.3 mit Hinweisen).
1.3
Art. 87 VVG gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht auf die Versicherungs
leistungen im Versicherungsfall gegen den Versicherer (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 5C.41/2001 vom 3. Juli 2001 E. 2c; Peter Stein, Basler Kommentar VVG, Basel 2001, Art. 87 VVG N 15; Willy Koenig, Der Versicherungsvertrag, in: Schweizerisches Privatrecht, VII/2, Basel 1979, S. 729).
1.4
Gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechts
vernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetz
barkeit bestreitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungs
recht die anspruchsbegründenden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.1 und 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 22. November 1990]).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
6
Gemäss den vorliegend anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG (AVB, Ausgabe 200
8; Urk. 2/3
) gewährt die Beklagte im Rahmen der vereinbarten Leistungen Versi
cherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit und
sofern vereinbart von Mutterschaft
(
Art. 1.1
). Krankheit ist gemäss
Art. 2
AVB jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Ar
beitsunfähigkeit zur Folge hat
(
Art. 2.5
).
Die Beklagte bezahlt den nachgewiesenen Erwerbsausfall, der durch eine versicherte Arbeits
unfähigkeit entstanden ist (Art. 15.1). In Art.
13.3 AVB wird Arbeitsunfähigkeit definiert als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, eine im bis
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten.
2.
2.1
Mit Eingabe vom 4.
Juli 2016
(Urk. 1) erhob die Versicherte gegen die CSS Klage und beantragte, diese sei zu verpflichten, ihr für die Zeit vom 22. Mai 2015 bis 31. Januar 2016 255 Krankentaggelder auf der Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit à Fr. 227.76, total Fr. 58‘078.80, für die Zeit vom 1. Februar 2016 bis 31. Mai 2016 121 Taggelder auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % à Fr. 113.88, total Fr. 13‘779.48, zu bezahlen (S. 2). Die Klägerin führte zur Begründung zusammenfassend aus, dass aus näher dargelegten Gründen nicht auf das Gutachten von Dr. Z._, sondern auf die Beurteilung der behan
delnden Ärzte, insbesondere diejenige von Dr. A._, abzustellen sei. Im Zweifelsfall sei ein gerichtliches Obergutachten einzuholen.
Mit Replik vom 23. Januar 2017 (Urk. 20) führte die Klägerin unter anderem aus, dass dem Parteigutachten von Dr. Z._ kein Beweiswert zukomme (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beklagte auf den Standpunkt (Urk. 7), dass gestützt auf das umfassende, schlüssige und
zeitnahe
Gutachten von Dr. Z._ vom 31. Mai 2015, welches die bis dahin vorliegenden Arztberichte berücksich
tigt habe, und seinen Bericht vom 4. September 2015 spätestens ab dem 22. Mai 2015 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe. Deshalb sei die Klage abzuweisen (S. 6).
Mit Duplik vom 24. April 2017 (Urk. 25) führte die Beklagte unter anderem aus, sie habe keine andere Möglichkeit gehabt, den medizinischen Sachverhalt abzu
klären, als ein externes Gutachten in Auftrag zu geben (S. 2).
3.
3.1
Im Folgenden ist für den streitigen Zeitraum 22. Mai 2015 bis 31. Mai 2016 auf Grund der massgebenden medizinischen Aktenlage die Arbeitsunfähigkeit zu prüfen.
3.2
Dr. med. B._, praktischer Arzt, erstattete diverse Arbeitsunfähigkeits
zeugnisse (Urk. 2/14-15, Urk. 2/17-20), in welchen er eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 12. Januar bis 24. Juni 2015 attestierte.
3.3
Dr. med. C._, Facharzt für
Radiologie
, führte mit Bericht vom 20. Januar 2015 (Urk. 2/6) aus, es bestünden multisegmentale degenerative Ver
änderungen der Halswirbelsäule (HWS; S. 2).
3.4
Dr. med. D._, praktischer Arzt, attestierte mit Arbeitsunfähig
keitszeugnis vom 30. Januar 2015 (Urk. 2/16) vom 3. bis 6. Februar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.5
PD Dr. med. E._, Facharzt für F._, nannte mit Bericht vom 4. Februar 2015 (Urk. 2/8) folgende Diagnosen (S. 1):
-
schwere degenerative Veränderungen der gesamten Halswirbelsäule mit multisegmentalen Unkarthrosen und Gefügestörungen in
Halswirbel
kör
per (HWK)
3 gegenüber 4 und 5 gegenüber 6
-
Zustand nach Hyperextensionstrauma bei Kite-Unfall im Mai 2013
-
Zustand nach Herpes Zoster rechts im Bereich des Schulter-Blattes, etwa
Thorakalsegment
(Th) 2-3
-
Nicht eindeutig radikuläre Ausfälle rechts mit Parästhesien und Finger
streckerparese
Eine operative Therapie sei nur zu empfehlen, wenn eine klare Instabilität vor
liege, oder ein Wurzelkompressionssyndrom eindeutig nachgewiesen sei (S. 3).
3.6
PD Dr. med. G._, leitender Arzt und Facharzt für
Radiologie
, H._, führte mit Bericht vom 6. Februar 2015 (Urk. 2/7/1) aus, es liege eine Hypermobilität im Segment HWK 3/4 vor, sonst bestehe ein regelrechtes Alignement der Halswirbelsäule.
3.7
Dr. B._ nannte mit Bericht vom 19. Februar 2015 (Urk. 2/21) folgende Diagno
sen (S. 1 Ziff. 1):
-
reaktive Depression
-
Burn-out Symptomatik
-
Zoster-N
euralgie
/Hypothyreose
Anamnestisch führte er Folgendes aus: „Zunehmende Überlastungs
sympto
ma
tik, Familie und berufliche Belastungssituation, geschwächte Immunsituation führte zu Herpes-Zoster, derzeit Neuralgie“. Als aktuelle Symptome führte er aus:
„Zoster-Neuralgie, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, psycho
vege
tativer Erregungszustand, Erschöpfungssyndrom“ (S. 1 Ziff. 5). Seit 12. Januar 2015 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Ziff. 8).
3.8
Dr. med. I._, Fachärztin für Neurologie, führte mit Bericht vom 23. Februar 2015 (Urk. 2/9/1-4) aus, klinisch-neurologisch fänden sich kaum objektivierbare Ausfallerscheinungen, zwar zeige sich im Seitenvergleich eine diffuse Schwäche im Bereich der rechten Hand, allerdings sowohl im Bereich der ulnaris- als auch medianusinnervierten Handmuskeln (diffuse Schwäche für alle Bewegungen der rechten Hand, des Weiteren ausserdem im Ausmass stark wechselnd). Elektroneurographisch zeige sich allerdings eine Amplitudenmin
derung ausschliesslich im Bereich der motorischen Fasern des N. ulnaris ohne Hinweis auf eine distale Schädigung dieses Nervs, bei völlig unauffälligem sen
siblem Antwortpotential trotz für die Patientin sogar eher im Vordergrund ste
hender Sensibilitätsstörung überwiegend im Dermatom des N. ulnaris bezie
hungsweise C8, weniger aber auch im Dermatom Th1 und 2, Th3,4,5. Am ehesten sei von einer partiellen unteren, am ehesten entzündlichen Plexusirrita
tion auszugehen - insbesondere auch unter Berücksichtigung der gesamten Anamnese, möglicherweise im Rahmen einer 2-maligen Herpes zoster-Infektion (retrospektive Beurteilung, sie habe die Patientin seinerzeit mit dem Bläschen
ausschlag nicht gesehen!; S. 3).
3.9
Dr. B._ führte mit Schreiben zuhanden der Beklagten vom 23. März 2015 (Urk. 2/27) aus, die Versicherte sei aufgrund einer reaktiven Depression von ihm krank geschrieben worden. Da es sich um eine Krankheit nach DSM III handle, sei sie als solche auch taggeldversichert, dies unabhängig davon, aus welchen Gründen die Depression ausgelöst worden sei.
3.10
Dr. B._ führte mit Schreiben zuhanden der Beklagten vom 17. April 2015 (Urk. 2/28) aus, bei der Klägerin liege eine agitierte Depression vor. Als Neben
diagnose, die sie gerne vorschiebe (wer sei schon gerne psychisch krank), liege eine schlecht zu behandelnde Zoster-Neuralgie im Dermatom C4 rechts vor. Da die Klägerin im Rahmen ihrer Krankheitsverarbeitung die verschiedenen Stellen ununterbrochen mit neuen fachärztlichen und anderen Diagnosen und Befind
lichkeitsstörungen überhäufe, könne man geneigt sein, sie als Simulantin hin
zustellen. Dies sei Symptom der Erkrankung und nichts desto weniger sei sie ernsthaft erkrankt.
3.11
Dr. med. J._, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
, Medizi
nischer Dienst der Beklagten, nahm mit Schreiben vom 22. April 2015 (Urk. 8/7) zum Bericht von Dr. B._ vom 23. März 2015 Stellung und wies insbesondere darauf hin, dass nicht jede im DSM III erfasste Diagnose zwingend Leistungen der Krankentaggeldversicherung auslöse (S. 1).
3.12
Dipl. Psych. K._ führte mit Zwischenbericht vom 27. April 2015 (Urk. 2/10) aus, bei der Klägerin liege diagnostisch eine Somatisierungsstörung einhergehend mit einer agitierten Depression mittleren Grades vor dem Hinter
grund einer altruistischen Persönlichkeit vor. Seit ihrem Systemkollaps und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit zeichne sich eine Stabilisierung ihres allgemeinen psychischen Zustandes ab.
3.13
Dr. Z._ erstattete am 31. Mai 2015 (Urk. 2/29) ein von der Beklagten veranlass
tes psychiatrisches Gutachten,
welches sich auf die ihm zur Verfügung gestellten
Unterlagen
sowie eine am 1
1.
Juli 2014 durchgeführte Untersuchung stützte.
Er nannte keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Er nannte folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 15 Ziff. 7):
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
Anpassungsstörung mit depressiven und psychovegetativen Symptomen (ICD-10 F43.20)
-
Unwohlsein und Ermüdung
-
Eisenmangelanämie
-
Chronic fatigue Syndorm - Neurasthenie nach ICD-10 F48.0
-
chronischer ständiger Gebrauch - Abhängigkeitssyndrom von Canna
bi
noi
den (ICD-10 F12.25)
-
ständiger schädlicher Gebrauch von Nikotin (ICD-10 F17.25)
Sollte eine depressive Episode aufgetreten sein, so sei diese inzwischen remit
tiert, aktuell lasse sich eine namhafte psychiatrische Störung nicht mehr eruieren. Die Klägerin
nenn
e
keine Kardinal
s
ymptome einer depressiven Stö
rung nach ICD-10 F32/33, vor allem keine Symptome einer agitierten Depres
sion.
Die Klägerin
leide unter den Folgen einer Neuralgie, Schmerzen, degene
rativen Veränderungen ihres Knoch
e
ngerüstes, berichte von Symptomen einer Somatis
i
erungsstörung (Gastrointestinal, kardial, urogenita
l
,
Schmerzen
) nach F45.0, ein
e
m „empty-nest-syndroms" (Tochter zieht aus),
Ü
berlastung durch Beruf und Familie
,
einer chronischen Erschöpfung (
Neurasthenie F48.0)
bei chroni
s
chem
Eisenmangel
und aktuell von einer Anpassungsstöru
ng mit de
pressive
r
und psycho
ve
ge
t
ative
r
Störung, die so mild
sei
, dass
Psychophar
maka
nicht zum Einsatz
kämen
. Deshalb
könne
daraus auch keine
Funktions
störung
abgeleitet werden, die
eine Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen könne
. Die
berichtete
„Müdigkeit"
- bei bekanntem Eisenmangel -
, Mangel an der Fähigkeit zu fokussieren, die kleinen Befin
d
lichkeitsstörungen (V
e
rstimmungszustände
, Empfindlichkeiten, Mattigkeit,
Osteoporose, d
e
generative Beschwer
d
en
musku
loskeletal
usw.)
liessen
sich auch mit
sehr
grosser Wahrscheinlichkeit als peri
menopausale, physiologis
che
Beschwerden erklären, die eine Arbeitsunf
ähigkeit
nicht rechtfertigen könn
t
en
(S. 15 f. Ziff. 8).
Es f
ä
nden sich Hinweise
auf anhaltenden Cannabiskonsum. Ca
nnabis entfalte eine erhebliche
psychotrope
Wirkung, diese
könne
die von
der Klägerin geklag
ten Symptome auslösen. Aufgrund
des Ausschlusskriteriums G3 des
I
CD
-10
bei F32 und F33
könne eine „Major Depressi
on" ausg
e
schlossen werden. Psycho
pharmaka
seien
offensichtlich nicht notwendig und
würden
abgelehnt, ein Hin
weis
, dass eine namhafte depressive Störung nicht vorliegen
könne
.
Die Kläge
rin nehme oder habe
Aciclovir ein
genommen
, dieses Medikament ha
be erhebli
che Nebenwirkung
en, die dem Spektrum der ge
kl
agten Beschwerden ent
sprechen könn
t
en. Fazit: alles Punkte, die eine namhafte psychiatrische Störung ausschliessen
würden und
damit auch eine anhaltende Arbeitsun
f
ähig
ke
it
(S. 17).
Es bestehe spätestens ab dem 22. Mai 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. Eine namhafte psychiatrische Erkrankung könne mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Medizinisch begründ
bare Einschränkungen bestünden nicht. Eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz sei nicht mehr möglich. Der Klägerin sei gekündigt worden (S. 17 Ziff. 9). Es bestünden aktuell keinerlei funktionelle Einschränkungen. Der Klägerin seien 8.4 Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche zumutbar (S. 17 Ziff. 12).
3.14
Die Fachpersonen des H._ nannten mit Bericht vom 28. Juli 2015 (Urk. 2/11) als Hauptdiagnose einen Verdacht auf eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode (ICD-10 F31.0; S. 1). Die Klägerin sei im jetzigen Zustand zu 100 % arbeitsunfähig einzuschätzen. Es liege ein behandlungsbedürftiges Krankheitsbild vor (S. 3).
3.15
Dr. med. I._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, H._, attestierte mit ärztlichem Zeugnis vom 4. August 2015 (Urk. 2/23) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 24. Juni bis 31. Juli 2015.
3.16
Dr. Z._ nahm mit Schreiben vom 4. September 2015 (Urk. 2/30) zum Bericht der
Fachpersonen des
H._
vom 2
8.
Juli 2015
(vorstehend E. 3.14) Stellung und führte zusammenfassend aus, der Bericht sei in sich inkonsistent und widersprüchlich und die Schlussfolgerungen seien nicht nachvollziehbar (S. 2).
3.17
Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie praktischer Arzt, attestierte der Klägerin mit ärztlichem Zeugnis vom 10. Sep
tember 2015 (Urk. 2/24) vom 1. August bis 30. September 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.18
Dr. A._ nannte mit Bericht vom 18. Februar 2016 (Urk. 2/12) folgende Diagnosen (S. 4):
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit somati
schem Syndrom
-
akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit emotional-instabilen Zügen
Er habe in seiner Funktion als unabhängiger Psychiater und aus voller Überzeu
gung die Patientin vom 1. August bis 30. September 2015 als 100 % arbeitsun
fähig deklariert. Aus der intensiven Exploration habe sich für den Referenten der Eindruck ergeben, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit spätestens seit März 2015 bestanden habe. Es sei darum für ihn nicht nachvollziehbar, warum sich die CSS als Krankentaggeldversicherung anhaltend weigere, der Patientin die ihr zustehenden finanziellen Leistungen zukommen zu lassen. Die jetzige Situation der Patientin werde massgeblich negativ beeinflusst durch die finanzi
elle Notlage, die sich aus den fehlenden Krankentaggeldern ergeben habe. Die Patientin sei beim Aufbau einer neuen Existenzgrundlage dringend darauf angewiesen, dass diese Gelder nachträglich nun endlich gezahlt würden. Eine völlige Dekompensation der Patientin mit anhaltender Arbeitsunfähigkeit sei unbedingt zu verhindern (S. 4).
3.19
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 9. Juni 2016 (Urk. 2/13) führte Dr. A._ aus, vom 1. August 2015 bis 31. Januar 2016 habe eine 100%ige und vom 1. Februar bis 31. Mai 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten, dass die Klägerin bis zum 21. Mai 2015 zu 100 % arbeitsunfähig war; die Beklagte leistete bis zu diesem Zeitpunkt das volle Tag
geld (vgl. Urk. 2/32).
Strittig ist, in welchem Umfang die Klägerin ab dem
22. Mai 2015
bis
31. Mai 2016 (vgl. Urk. 1 S. 2)
arbeitsunfähig war. Zu prüfen ist somit, auf welche medizin
i
sche Einschätzung abzustellen ist, mithin welche Beweismittel beziehungsweise Parteibehauptungen überzeugender sind.
4.2
Der Anspruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versi
cherte Dritte oder der Begünstigte - hat die Tatsachen zur Begründung des Ver
sicherungsanspruches (Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Dies gilt auch dann, wenn die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig,
so hat die versicherte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist
und daher Anspruch auf Tag
gelder hat (BGE 141 III 241 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E. 2.2). Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorge
sehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbindlich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_393/2008 vom 17. November 2008 E. 4.1).
4.3
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Ver
siche
rungsver
trags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweispflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er
in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs
darzutun hat. Allerdings kann der Ver
sicherer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaubwürdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schilderungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchs
berechtigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahr
scheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 326 E. 3.4 mit Hinweis, Urteil des Bundesge
richts 5C.146/2000 vom 15. Februar 2001 E. 4b mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 4A_382/2014 vom 3. März 2015 E. 5.3 und 4A_316/2013 vom 21. August 2013 E. 6.2) kann sich, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich beziehungs
weise nicht zumutbar ist, auch der Versicherer in Bezug auf Tatsachen, für wel
che ihm die Beweislast obliegt, auf eine Reduktion des Beweismasses auf den Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit berufen.
4.4
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel das Zeugnis (lit. a), die Urkunde (lit. b), der Augenschein (lit. c), das Gutachten (lit. d), die schriftliche Auskunft (lit. e) sowie die Parteibefragung und die Beweisaussage (lit. f) zulässig. Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein numerus clausus der Beweismittel (Urteil des Bundesgerichts 5A_957/2012 vom 28. Mai 2013 E. 2). Nach der Rechtsprechung stellen Privatgutachten keine Gutachten im Sinne von Art. 168 Abs. 1 lit. d ZPO dar. Bei Letzteren handelt es sich viel
mehr einzig um die vom Gericht eingeholten Gutachten (BGE 141 III 433 E. 2.5.2). Des Gleichen handelt es sich bei Privatgutachten nicht um Urkunden im Sinne von Art. 168 Abs. 1 lit. b ZPO (BGE 141 III 433 E. 2.5.3). Privatgut
achten stellen im Zivilprozess daher keine Beweismittel dar, sondern gelten lediglich als Parteibehauptungen beziehungsweise als Bestandteil der Parteivor
bringen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2; Urteil des Bundesgerichts 4A_505/2012 vom 6. Dezember 2012 E. 3.5; vgl. BGE 132 III 83 E. 3.4).
Zu beweisen sind nur Tatsachenbehauptungen, die
ausdrücklich bestritten sind.
Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche ein
zelnen Behauptungen damit bestritten werden (BGE 117 II 113 E. 2); die Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass die Gegen
partei weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss (BGE 115 II 1 E. 4). Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforderlichen Grad an Substantiierung einer Bestreitung; je detaillierter einzelne Tatsachen eines gesamten Sachverhalts behauptet werden, desto kon
kreter muss die Gegenpartei erklären, welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet. Je detaillierter mithin ein Parteivortrag ist, desto höher sind die Anforderungen an eine substantiierte Bestreitung. Diese sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer Behauptung; pauschale Bestreitun
gen reichen indessen nicht aus. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird (BGE 141 III 433 E. 2.6).
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, wel
che einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbe
hauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigut
achten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen - Indizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
4.5
Die Klägerin stützte sich zur Begründung ihrer Klage auf die Arbeits
fähigkeitsbe
urteilungen ihrer behandelnden Ärzte, insbesondere Dr. B._, Dipl. Psych. K._, die Fachpersonen des H._ sowie Dr. A._, und beantragte eventuell die Einholung eines Gerichtsgutachtens (Urk. 1 S. 5, S. 12).
Demgegenüber stützte sich die Beklagte
unter anderem auf das Gutachten von Dr. Z._ (Urk. 7 S. 3).
4.6
Die Beurteilungen durch
die behandelnden Ärzte
sind
vorliegend
aus ver
schiede
nen Gründen
, wie im Folgenden aufzuzeichnen ist,
nicht geeignet, um
mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
eine Arbeitsunfähigkeit der Klägerin
auszu
weisen
.
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie über
haupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist vorab auf die Erfahrungstatsache hinzu
eisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Der Beweiswert der vorhandenen rudimentären Beurteilungen der behandelnden Ärzte wird hier zusätzlich durch die Vorbringen geschmälert, welche die Beklagte mit dem Privatgutachten von Dr. Z._ vom Mai 2015 (vorstehend E. 3.13) und mit Dr. Z._ ergänzender Stellungnahme vom Sep
tember 2015 (vorstehend E. 3.16) ins Verfahren einbringt. Dr. Z._ erhob eine sorgfältige Anamnese und eigene Befunde und legte nachvollziehbar dar, dass keine Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege und die Klä
gerin spätestens ab dem 22. Mai 2015 vollständig arbeitsfähig sei.
Dr. B._ ging in seinem Bericht von Februar 2015 (vorstehend E. 3.7) davon aus, dass die Klägerin an einer reaktiven Depression, einer Burn-out Sympto
matik und einer Zoster-Neuralgie/Hypothyreose leide und attestierte eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit. Der Bericht enthält bis auf einige Stichworte zur aktuellen Symptomatik keine detaillierte Befundnahme. Dr. B._ legte nicht nachvollziehbar dar, weshalb er die genannten Diagnosen stellte und er klassifi
zierte die psychiatrischen Diagnosen nicht nach ICD-10. Auch Dr. J._ kri
tisierte den Bericht von Dr. B._ (vgl. vorstehend E. 3.11). Die Kriterien h
in
sichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes
(vorstehend E. 1.5) vermögen auch die Schreiben von Dr. B._ vom 23. März und 17. April 2015 (vorstehend E. 3.9 f.) nicht zu erfüllen. Eine über den 21. Mai 2015 hinausge
hende Arbeitsunfähigkeit kann auch aus seinen Arbeitsunfähigkeitszeugnissen (vorstehend E. 3.2) nicht abgeleitet werden. Im Übrigen handelt es sich bei Dr. B._ nicht um einen Facharzt für Psychiatrie, sondern um einen prakti
schen Arzt.
Dipl. Psych. K._ diagnostizierte in ihrem Bericht von April 2015 (vorstehend E. 3.12) eine
Somatisierungsstörung einhergehend mit einer agitierten Depression mittleren Grades vor dem Hintergrund einer altruistischen Persön
lichkeit
. Auch dieser Bericht enthält keinen detaillierten Befund, sondern hauptsächlich Stichworte. Die Diagnosen wurden wiederum nicht nach ICD-10 klassifiziert. Zudem erscheint die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit vage, führte sie doch dazu einzig aus, s
eit
dem
Systemkollaps
der Klägerin
und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit zeichne sich eine Stabilisierung ihres allgemeinen psychischen Zustandes ab
.
Soweit die Klägerin mit dem Bericht der Fachpersonen des H._
vom Juli 2015 (vorstehend E. 3.14), welche
einen Verdacht auf eine bipolare affek
tive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode
, diagnostizierten, eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit zu beweisen versucht, kann ihr mit Verweis auf das Schreiben von Dr. Z._ von September 2015 (vorstehend E. 3.16) nicht gefolgt werden.
Zudem handelt es sich b
ei der
bipolaren affektiven Störung
um eine blosse Verdachtsdiagnose, mithin ist sie nicht mit dem erforderlichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ers
tellt (vorstehend E. 1.4).
Schliesslich vermag auch der Bericht von Dr. A._ von Februar 2016 (vor
stehend E. 3.18) nicht zu überzeugen, wurden doch die gestellten Diagnosen in keiner Weise begründet. Dr. A._ machte hauptsächlich Ausführungen zur Biografie der Klägerin. Er verwies dabei auf zahlreiche psychosoziale Belastungssituationen im Leben der Klägerin, unter anderem äusserte er sich explizit zur Auseinandersetzung zwischen der Klägerin und der Beklagten betreffend Krankentaggeld und ergriff dabei für seine Patientin Partei. Die Her
leitung der gestellten Diagnosen blieben im Dunkeln. Die Genesung machte Dr. A._ in seinem Bericht von der Auszahlung der Krankentaggelder abhängig.
Die Klägerin kann aus dem Umstand, dass die behandelnden Fachpersonen sie über einen längeren Zeitraum behandelten, die Begutachtung hingegen nur gerademal maximal zwei Stunden gedauert habe (vgl. Urk. 1 S. 11 Ziff. 16), nichts zu ihren Gunsten ableiten. So ist
festzuhalten, dass es für den Aussage
gehalt einer ärztlichen Stellungnahme rechtsprechungsgemäss nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom
7.
September 2012 E. 8.2). Trifft dies - wie hier - zu, ist die Untersuchungsdauer grundsätzlich nicht entscheidend.
4.7
Auch in somatischer Hinsicht liegen keine Einschränkungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Obschon in den medizinischen Akten teilweise somatische Beschwerden und entsprechende Abklärungen
erwähnt werden
beziehungsweise vorhanden sind, lässt sich keinem dieser Berichte eine entspre
chende Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines somatischen Leidens entnehmen.
4.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der Klägerin nicht gelingt, zu bewei
sen, dass überwiegend wahrscheinlich eine über den 21. Mai 2015 hinausge
hende Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte. Auch die seitens der Klägerin bean
tragte Einholung eines Gerichtsgutachtens wäre nicht geeignet, diesen Beweis zu erbringen, da sich die retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Klägerin von 22. Mai 2015 bis 31. Mai 2016 nur auf deren subjektiven Vorbrin
gen und die – abgesehen vom Privatgutachten der Beklagten – dürftige echt
zeitliche medizinische Dokumentation stützen könnte, welche bereits ins vorliegende Verfahren eingebracht wurde und keine rechtsgenügende Beweis
grundlage bietet.
Das Recht auf Beweis wird durch die Nichtabnahme von beantragten Beweismitteln nicht verletzt, wenn das Gericht – ohne dabei in Willkür verfallen zu sein – bei pflichtgemässer antizipierter Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, die Beweismittel vermöchten keine Klärung herbei
zuführen, seien zur Erbringung des Beweises untauglich oder könnten die bereits gebildete Überzeugung so oder so nicht mehr umstossen (Urteile des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017, E. 4.1, 4A_626/2015 vom 24. Mai 2016, E. 2.4, sowie 4A_491/2014 vom 30. März 2015, E. 2.5 mit Hin
weisen).
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beklagte das Taggeld der Klägerin per
21. Mai 2015
einstellte. Die Klage ist dementsprechend abzuweisen.
5.
5.1
Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Gemäss Art. 114 lit. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
5.2
Beide Parteien beantragen die Zusprechung einer Prozessentschädigung
Der nicht berufsmässig vertretenen obsiegenden Beklagten steht praxisgemäss indes keine Parteientschädigung zu (vgl. Art. 68 Abs. 1 und 2 des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG; BGE 133 III 439 E. 4).
5.3
Der mit Eingabe vom 2. November 2017 eingereichten Honorarnote (Urk. 27) samt Detailaufstellung (Urk. 28) des unentgeltlichen Rechtsvertreters der Klä
gerin, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich, ist zu entnehmen, dass dieser einen Aufwand von insgesamt 19.93 Stunden und Spesen und Auslagen von Fr. 131.55 (ohne Mehrwertsteuer) geltend macht.
Der geltend gemachte zeitliche Aufwand von insgesamt
19.93 Stunden ist
als zu hoch zu qualifizieren. Im Speziellen der geltend gemachte Aufwand für das Verfassen der
Klageschrift (8.02 Stunden) und das Verfassen der Replik (6.5 Stunden)
erscheinen in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses insbesondere auch mit Blick auf vergleichbare Ver
fahren
nicht
als angemessen.
So
stellten sich keine schwierigen Rechtsfragen, sondern im Wesentlichen Beweisfragen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Klägerin. Mit Blick auf den zu beurteilenden Sachverhalt kann vorliegend von einem relativ einfachen Fall gesprochen werden, der einen erfahrenen Rechts
anwalt nicht vor besondere Schwierigkeiten stellt
.
Nachdem sich der Aufwand bei Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf das Notwendigste zu beschränken hat und ein unnötiger
Aufwand nicht entschädigt wird,
erscheint
i
n Würdigung der gesamten Umstände vorliegend vielmehr ein Aufwand von insgesamt
12
Stunden als angemessen und gerecht
fertigt. Die geltend gemachten
Spesen und Auslagen von insgesamt Fr. 131.55
sind nicht zu beanstanden
.
Bei einem gerechtfertigten zeitlichen Aufwand von
12
Stunden, einem Stunden
ansatz von
Fr. 220.-- und Barauslagen von Fr. 131.55
ist
der unentgeltliche Rechtsvertreter der Klägerin, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich
,
vor
liegend
mit
insgesamt
Fr. 2‘993
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.