Decision ID: af1f1a98-b245-552f-b818-ed7496df16aa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin (geb. [...], Staatsangehörige von Pakistan) er-
suchte am 24. September 2019 bei der Schweizerischen Botschaft in Isla-
mabad um Ausstellung eines humanitären Visums.
Sie ist mit B._ verheiratet, welcher im Jahr 2012 in die Schweiz ge-
flüchtet war und hier ein Asylgesuch gestellt hatte. Dieses wurde am
18. Juni 2018 abgewiesen, wobei B._ als Flüchtling anerkannt und
vorläufig aufgenommen wurde. Dessen Beschwerde gegen die Ablehnung
des Asylgesuchs ist derzeit vor Bundesverwaltungsgericht hängig (Verfah-
ren E-6788/2018).
B.
Mit Formularverfügung vom 4. Oktober 2019 verweigerte die Schweizeri-
sche Botschaft in Islamabad die Ausstellung des Visums.
C.
Am 11. Dezember 2019 wies die Vorinstanz die dagegen erhobene Ein-
sprache der Beschwerdeführerin ab.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Januar 2020 gelangte die Beschwerde-
führerin an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung und die Gutheissung des Antrags auf Ertei-
lung eines humanitären Visums. Zudem ersuchte sie um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung ab.
F.
Mit Schreiben vom 31. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine er-
gänzende Stellungnahme ein.
Auf den beigelegten Arztbericht wird – soweit erheblich – in den Erwägun-
gen eingegangen.
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G.
In ihrer Vernehmlassung vom 20. April 2020 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde.
H.
In ihrer Replik vom 28. Mai 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren An-
trägen und deren Begründung fest.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1
AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs.
1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist
[Art. 50 Abs. 1 VwVG], Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG] und Bezah-
lung des Kostenvorschusses [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Be-
gründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus an-
deren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Als Staatsangehörige von Pakistan unterliegt die Beschwerdeführerin
der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 über
die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihrem Gesuch
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beabsichtigt sie ausdrücklich einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb die-
ses nicht nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach
den Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen ist (vgl. BVGE 2018
VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1).
3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen
Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen
aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt
erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende
Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und
Leben gefährdet ist.
3.3 Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr restriktiven Be-
dingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese gelten dann als
erfüllt, wenn bei einer Person aufgrund der konkreten Umstände offensicht-
lich davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im Heimat- oder Her-
kunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die ein behördliches
Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfertigt, ihr – im Gegen-
satz zu anderen Personen in derselben Lage – ein Einreisevisum zu ertei-
len. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund
einer konkreten individuellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen
Personen betrifft, gegeben sein. Befindet sich die betroffene Person bereits
in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3) oder ist sie nach einem Auf-
enthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurück-
gekehrt (vgl. Urteil des BVGer F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 4.3)
und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in
der Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht. Das
Visumgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der
persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im Heimat-
oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei können auch weitere Krite-
rien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier bestehen-
den Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land
um Schutz nachzusuchen, berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018 VII/5
E. 3.6.3).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet die angefochtene Verfügung damit, dass we-
der eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefahr für Leib und Leben
noch eine besondere Notsituation vorliege, welche die Ausstellung eines
Visums aus humanitären Gründen rechtfertigen würde. Die im Rahmen der
Vorprüfung zunächst angenommene Reflexverfolgung sei zwischenzeitlich
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zu verneinen. Eine solche sei zunächst insbesondere in Bezug auf den
noch minderjährigen Sohn des Ehemanns der Beschwerdeführerin, der ur-
sprünglich gemeinsam mit der Beschwerdeführerin einen Visumantrag ge-
stellt hatte, vermutet worden. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass die-
ser Sohn, dessen leibliche Mutter die erste Ehefrau des Ehemanns der Be-
schwerdeführerin ist, nicht mit letzterer zusammenlebe und erst zu einem
späteren Zeitpunkt um eine Einreisebewilligung ersuchen werde. Von der
Beschwerdeführerin seien mehrere Termine für die Einreichung des Visum-
gesuchs nicht wahrgenommen worden. Anlässlich des schliesslich durch
die Schweizerische Botschaft in Islamabad durchgeführten Interviews
habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie bei ihren Eltern in
C._ lebe, aber noch Verwandte in D._ und E._ habe,
wo sie sich teilweise ebenfalls aufhalte. Nun wolle sie zu ihrem Ehemann
in die Schweiz ziehen. Weiter habe sie zu Protokoll gegeben, es gebe be-
reits seit über einem Jahr keine Angriffe und Drohungen mehr. Daraus
lasse sich schliessen, dass die Voraussetzungen für die Erteilung eines
Visums aus humanitären Gründen nicht erfüllt seien.
4.2 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, sie sei als Ehefrau von
B._, der seit 2012 in der Schweiz lebt und hier um Asyl ersucht hat,
in Pakistan an Leib und Leben bedroht. Ihr Ehemann engagiere sich seit
jungen Jahren für (...) und sei deshalb in Pakistan verfolgt worden. Seit
seiner Flucht setze er seine politischen Aktivitäten von der Schweiz aus
fort. Im (...) sei deshalb sein Sohn von (...) getötet worden. Im Verlauf des
Jahres (...) hätten Angehörige des (...) wiederholt sein Haus aufgesucht,
Wertgegenstände beschlagnahmt und die Familie bedroht, belästigt und
geschlagen. Im Jahr (...) seien die Grundstücke des Ehemanns konfisziert
worden. Bei einem Überfall auf das Haus der Familie sei die Mutter des
Ehemanns derart belästigt und bedroht worden, dass sie daraufhin psy-
chisch krank geworden sei, zur Behandlung ins Spital gebracht werden
musste und schliesslich im Dezember 2017 verstorben sei. Am (...) hätten
die (...) sodann einen weiteren Übergriff ausgeübt, bei welchem Vermö-
gensgegenstände entwendet oder zerstört, die Familie misshandelt und
der Neffe ihres Ehemanns entführt worden sei. Erst gegen Ende 2018 habe
der in der Schweiz wohnhafte Ehemann wieder eine Nachricht von seiner
Familie erhalten, welche inzwischen aus Angst vor weiteren Verfolgungen
durch den pakistanischen Staat untergetaucht sei. Die Familie, darunter
sie – die Beschwerdeführerin – , lebe unter prekären Bedingungen und in
der ständigen Sorge, dass ihr Versteck auffliege und sie von den (...) ent-
führt oder ermordet würde. Ungefähr Mitte (...) habe der Ehemann telefo-
nischen Kontakt mit ihr – der Beschwerdeführerin – gehabt, woraufhin sie
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von den (...) aufgesucht und mit dem Tod bedroht worden sei. Sie sei an-
gesichts der exilpolitischen Aktivitäten ihres Ehemanns in Pakistan unmit-
telbar individuell gefährdet. Es liege zumindest eine Reflexverfolgung vor.
Im Weiteren führt die Beschwerdeführerin aus, den ersten Termin bei der
Schweizerischen Botschaft habe sie verpasst, da sie auf dem Weg nach
Islamabad in eine Polizeikontrolle geraten sei. Den Ersatztermin habe sie
nicht wahrnehmen können, da sie zu spät bei der Botschaft eingetroffen
sei.
In Bezug auf die eheliche Gemeinschaft mit ihrem Ehemann führt sie aus,
praxisgemäss könnten sich auch solche Personen auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK
berufen, die kein gefestigtes Aufenthaltsrecht hätten, deren Anwesenheit
in der Schweiz jedoch faktisch als Realität hingenommen werde bzw. aus
objektiven Gründen hingenommen werden müsse. Aufgrund der Anerken-
nung ihres Ehegatten als vorläufig aufgenommener Flüchtling sowie ange-
sichts der Tatsache, dass eine Aufhebung seines rechtlichen Status in ab-
sehbarer Zukunft nicht anzunehmen sei, könne in seinem Fall ein fakti-
sches Aufenthaltsrecht angenommen werden. Aufgrund ihrer Beziehung
zu ihrem Ehemann habe sie ein schützenswertes Interesse im Sinne von
Art. 8 EMRK, welches zusätzlich für die Bewilligung eines humanitären Vi-
sums spreche.
4.3 Im Rahmen der Beschwerdeergänzung vom 31. März 2020 bringt die
Beschwerdeführerin vor, sie leide nach körperlichen Misshandlungen
durch die (...) an Nierenproblemen. In den letzten Wochen habe sich die
gesundheitliche Situation verschlechtert, weshalb sie in ein Spital in
F._ habe eingeliefert werden müssen.
4.4 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeschrift
enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel und es wür-
den keine neuen Argumente vorgebracht, welche eine Änderung des Ent-
scheids rechtfertigen würden. Die angebliche Todesdrohung sei nachge-
schoben und daher nicht glaubhaft, zumal die Beschwerdeführerin dies an-
lässlich des Termins bei der schweizerischen Botschaft für den Visuman-
trag mit keinem Wort erwähnt habe. Dasselbe gelte für die mit der Be-
schwerdeergänzung vom 31. März 2020 vorgebrachten angeblichen ge-
sundheitlichen Probleme. Gemäss ständiger Rechtsprechung müsse die
Beschwerdeführerin die sie betreffende ernsthafte Gefährdung für Leib und
Leben selber belegen.
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4.5 In der Replik führt die Beschwerdeführerin aus, der Vorfall mit den (...),
die sie mit dem Tod bedroht hätten, sei ca. (...) passiert. Die Befragung
durch die schweizerische Botschaft in Pakistan habe dahingegen bereits
am 24. September 2019 stattgefunden. Da sie – die Beschwerdeführerin –
erst nach dem Termin bei der Botschaft bedroht worden sei, habe sie an-
lässlich des Visumantrags nicht von den Drohungen berichten können. Die
Ausführungen seien somit nicht nachgeschoben. In Bezug auf den Ge-
sundheitszustand bringt die Beschwerdeführerin vor, dieser habe sich nach
den körperlichen Misshandlungen zunächst verbessert. Erst ab ca. Feb-
ruar 2020 sei es zu einer erneuten Verschlechterung gekommen, worauf-
hin sie hospitalisiert worden sei. Die Befragung durch die Auslandvertre-
tung habe im September 2019 stattgefunden und die Beschwerde gegen
die Ablehnung des Visumantrags sei im Januar 2020 eingereicht worden.
In der Befragung und in der Beschwerde sei sie nicht detailliert auf die ge-
sundheitlichen Probleme eingegangen, da sich ihr Gesundheitszustand
erst später, ca. Februar 2020, verschlechtert habe. Somit seien auch diese
Ausführungen nicht nachgeschoben.
5.
5.1 Wie nachfolgend darzulegen ist, sind die Voraussetzungen für die Er-
teilung eines nationalen Visums aus humanitären Gründen nicht erfüllt. Als
massgeblich erweist sich, dass keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, wel-
che darauf hindeuten würden, dass die Beschwerdeführerin in Pakistan
unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet wäre, be-
ziehungsweise dass sie sich in einer besonderen Notlage befinden würde,
welche ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich erscheinen
liesse.
5.2 Die Beschwerdeführerin bringt bezüglich ihrer Ausführungen zu angeb-
lichen Überfällen durch (...), die im Zusammenhang mit den exilpolitischen
Aktivitäten des Ehemanns erfolgt sein sollen, keinerlei Belege vor. Sie ver-
weist diesbezüglich lediglich auf das noch hängige Asylverfahren ihres
Ehegatten. Dieses ist aber erstens noch nicht rechtskräftig und betrifft
zweitens eine andere Person und eine andere Fragestellung. Somit kann
die Beschwerdeführerin aus diesem Verfahren nichts zu ihren Gunsten ab-
leiten. Dasselbe gilt für den Umstand, dass ihr Ehemann vorläufig als
Flüchtling aufgenommen wurde. Dies entbindet die Beschwerdeführerin
nicht davon, substantiiert und konkret darzulegen, inwiefern sie sich in ei-
ner humanitären Notsituation befindet. Auch der Verweis auf das Urteil des
BVGer E-4569/2013 vom 4. Mai 2017, das sich in den von der Beschwer-
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deführerin zitierten Erwägungen mit der Behandlung von Belutschen in Pa-
kistan auseinandersetzt, ist nicht zielführend, da dieser Fall die Beurteilung
eines Asylgesuchs zum Gegenstand hatte. Für die Erteilung eines huma-
nitären Visums bedarf es hingegen einer besonderen Notsituation im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat, wobei im Gegensatz zum Asylverfahren ein er-
höhtes Beweismass gilt, und eine allfällige Gefährdung im Heimat- oder
Herkunftsstaat an restriktive Voraussetzungen geknüpft ist (vgl. Urteile des
BVGer E-5105/2014 vom 13. Oktober 2014 E. 3.4; D-3367/2013 vom
12. Mai 2014 E. 4.2, 4.4 m.w.H.). Die Beschwerdeführerin bringt keine hin-
reichend substantiierten Gründe vor, die eine konkrete und unmittelbare
Bedrohung in Pakistan glaubhaft machen würden. Vielmehr hat sie im Rah-
men ihrer Vorsprache bei der Schweizerischen Botschaft am 24. Septem-
ber 2019 angegeben, es gebe bereits seit über einem Jahr keine Angriffe
und Drohungen mehr.
5.3 Die angeblichen Todesdrohungen durch (...) nach einem Telefonat mit
dem Ehemann der Beschwerdeführerin wurden erst anlässlich des Be-
schwerdeverfahrens eingebracht. Dies erweckt einen unglaubwürdigen
Anschein. Die daraufhin in der Replik pauschal entgegengebrachte Fest-
stellung, wonach die Drohungen erst kurz nach dem Termin bei der Bot-
schaft erfolgt sein sollen, vermag daran nichts zu ändern. Auch hier fehlt
es wiederum an substantiierten und stichhaltigen Ausführungen.
5.4 Die mittels Beschwerdeergänzung vom 31. März 2020 eingebrachte
Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und
ihre Hospitalisation in Pakistan sind ebenfalls nicht belegt. Diesbezüglich
legt die Beschwerdeführerin lediglich einen ärztlichen Bericht bei, in wel-
chem festgehalten ist, wie ihr Ehemann in der Schweiz ihre gesundheitli-
che Situation beschreibt. Dies ist nicht ausreichend. Es ist aber ohnehin
anzumerken, dass der Umstand, dass in der Schweiz eine medizinische
Behandlung generell geeigneter und leichter zugänglich wäre als in Pakis-
tan – für sich allein – kein behördliches Eingreifen rechtfertigt (vgl. Urteile
des BVGer F-1173/2016 vom 25. Januar 2017 E. 5.2; F-4480/2019
E. 5.2.2). Im Übrigen zeigen die Ausführungen der Beschwerdeführerin ge-
rade, dass die Inanspruchnahme von medizinischer Hilfe in Pakistan ge-
währleistet ist. Dies spricht hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Versorgung
offensichtlich gegen die Erteilung eines humanitären Visums.
5.5 Die Beschwerdeführerin beruft sich unter Bezugnahme auf ihre Ehe mit
einem in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Flüchtling auf Art. 8 Ziff. 1
EMRK. Es stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin diese Garantie
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anrufen kann und ob gegebenenfalls die Verweigerung des humanitären
Visums eine Verletzung derselben darstellt.
5.5.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, wel-
ches in erster Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehe-
gatten mit ihren minderjährigen Kindern, umfasst (vgl.). Die Garantie kann
verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige
in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familien-
leben vereitelt wird. Das in Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 13 BV ge-
schützte Recht ist gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts berührt,
wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer
gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt wird, ohne dass
es dieser möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr Familienleben an-
dernorts zu pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1; 143 I 21 E. 5.1; 139 I 330 E. 2.1;
135 I 143 E. 1.3.2; 129 II 11 E. 2). Auf Art. 8 EMRK können sich in Ausnah-
mesituationen auch Personen berufen, deren Anwesenheit rechtlich nicht
geregelt ist beziehungsweise die kein gefestigtes Aufenthaltsrecht haben,
deren Anwesenheit in der Schweiz jedoch faktisch als Realität hingenom-
men wird beziehungsweise aus objektiven Gründen hingenommen werden
muss (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1 mit Verweis auf die Urteile des EGMR
Jeunesse gegen Niederlande vom 3. Oktober 2014 [Nr. 12738/10] § 103 ff.
m.w.H., Agraw gegen Schweiz vom 29. Juli 2010 [Nr. 3295/06] § 44 ff. und
Mengesha Kimfe gegen Schweiz vom 29. Juli 2010 [Nr. 24404/05] § 61 ff.).
5.5.2 Die Beschwerdeführerin begründet ihren Antrag für ein humanitäres
Visum damit, dass sie angesichts der exilpolitischen Aktivitäten ihres Ehe-
manns in Pakistan gefährdet sei. Hintergrund für das vorliegend zu beur-
teilende Gesuch ist damit der Schutz vor einer allfälligen Reflexverfolgung.
Der Zweck von Art. 8 Ziff. 1 EMRK besteht jedoch nicht darin, die gesuch-
stellende Person vor einer Verfolgung im Heimatstaat zu bewahren, son-
dern liegt in der Gewährleistung des Familienlebens. Das Gesuch der Be-
schwerdeführerin gründet höchstens sekundär auf dem Wunsch nach ei-
nem Zusammenleben mit ihrem Ehemann. Es ist deshalb fraglich, ob vor-
liegend der Schutzbereich von Art. 8 EMRK überhaupt eröffnet ist. Diese
Frage kann jedoch offen bleiben, da – wie nachfolgend darzulegen ist –
der Eingriff in das Recht auf Achtung des Familienlebens gestützt auf
Art. 8 Ziff. 2 EMRK gerechtfertigt wäre.
5.5.3 Die Europäische Menschenrechtskonvention verschafft keinen abso-
luten Anspruch auf Einreise und Aufenthalt, respektive auf Wahl des für das
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Familienleben am geeignetsten erscheinenden Orts, oder auf einen beson-
deren Aufenthaltstitel. Vielmehr erweist sich eine aufenthaltsbeendende
oder -verweigernde, im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK
liegende Massnahme als zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen ist, ei-
nem legitimen Zweck im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu
dessen Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft «notwendig» er-
scheint (BGE 143 I 21 E. 5.1; 135 I 153 E. 2.1).
5.5.4 Der Ehemann der Beschwerdeführerin ist im Jahr 2012 in die
Schweiz eingereist und hat die Beschwerdeführerin im Heimatland zurück-
gelassen. Den Ehegatten wäre es offen gestanden, gemeinsam aus Pakis-
tan wegzugehen. Angesichts der im vorliegenden Verfahren geltend ge-
machten Reflexverfolgung von Familienmitgliedern wäre dies ein plausibler
Schritt gewesen. Stattdessen entschieden sie sich, eine Trennung der Fa-
milie hinzunehmen, indem die Beschwerdeführerin allein in Pakistan zu-
rückblieb. Die Trennung der Ehegatten ist freiwillig erfolgt. Dabei nahmen
sie unweigerlich eine langfristige Trennung in Kauf, da nicht mit der Ge-
währung eines uneingeschränkten Familiennachzugs gerechnet werden
konnte (vgl. z.B. Konstatinov gegen Niederlande vom 26. April 2007
[Nr. 16351/03] § 48). Vielmehr mussten die Beschwerdeführerin und ihr
Ehemann vernünftigerweise davon ausgehen, ihr Familienleben künftig für
eine lange Zeit nicht pflegen zu können. Unter diesen Umständen ist die
Beeinträchtigung des Ehelebens nicht dargetan, weshalb der Eingriff in das
Familienleben als verhältnismässig zu betrachten wäre. Die Verweigerung
der Einreise hielte folglich vor Art. 8 Ziff. 2 EMRK stand.
5.5.5 Der Beschwerdeführerin ist zuzumuten, die gesetzliche Frist für den
Familiennachzug von vorläufig aufgenommenen Personen abzuwarten
und ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sofern die Voraussetzungen
gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG erfüllt sind.
5.5.6 Folglich kann die Beschwerdeführerin aus der Anwesenheit ihres
Ehegatten in der Schweiz nichts zugunsten ihrer Einreise in die Schweiz
ableiten.
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Vorausset-
zungen, unter denen der Beschwerdeführerin ein nationales Visum aus hu-
manitären Gründen ausgestellt werden könnte, zu Recht verneint hat.
6.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
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Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist demzufolge abzuweisen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, welche sich
vorliegend auf CHF 800.- belaufen, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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