Decision ID: 19756f69-f554-49a5-8afa-42684e3cd5ce
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, ist gelernte technische Zeichnerin und Mutter eines 1994 geborenen Sohnes. Seit 1996 ist sie
geschieden (Urk. 8/76).
Sie war ab Februar 2002 bei der
Y._
GmbH in einem Teilzeitpensum im Sekretariat tätig (
Urk. 8/106/17
). Nach Erhalt der Kündigung des Arbeitsver
hältnisses durch die Arbeitgeberin per Ende März 2004 erlitt sie am 26. Januar 2004 einen Autounfall, bei dem ein Wagen von hinten in ihr vor einem geschlossenen Bahnübergang stehendes Auto fuhr. Es wurden eine Halswirbel
säulendistorsion
(HWS-Distorsion)
und eine Distorsion/Kontusion des rechten Handgelenkes diagnostiziert (
Urk. 8/84/118
). Unter Hinweis
auf
das
HWS-
Dis
torsions
-Trauma
meldete
sich die Versicherte am 26. Mai
2005 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/74
).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte einen Arbeit
geberbericht ein (Urk. 8/81)
,
zog
diverse medizinische Akten
bei
, darunter jene der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva; Urk. 8/84/1-161)
und
ein MEDAS-Gutachten des
Z._
(
Z._
; Urk. 8/106), und berücksichtigte in der Folge weitere medizinische Gutachten (Urk. 8/124; Urk. 8/140), darunter auch ein von der Suva beim
A._
in Auftrag gegebenes polydisziplinäres MEDAS-Gutachten (
Urk. 8/166/24-120;
Urk. 8/
179
). Gestützt auf diese Abklä
rungen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 14. Mai 2013 mit dem Hinweis auf das Nichtvorhandensein eines invalidisierenden Gesundheitsschadens ab (Urk. 8/
174
). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht Zürich mit Urteil IV.2013.00554 vom 29. August 2014
nach Prüfung der Foerster
-
Kriterien mit Hinweis auf eine überwindbare somatoforme Schmerzstörung, die nicht invalidisierend sei, ab
(
Urk. 8/
185
)
.
1.3
Am 13. November 2015 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
Beschwer
den in der Halswirbelsäule (HWS)
neuerlich zum Leistungsbezug an (Urk. 8/
186 und Urk. 8/187
)
. Auf Hinweis der IV-Stelle vom 19. November 2015 (Urk. 8/187),
die Versicherte
müsse Beweismittel beilegen, um eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft machen zu können, reichte
sie
einen Austrittsbericht der Universitätsklinik
B._
vom 15. Juli 2015 (Urk. 8/188) ein.
Die IV-Stelle holte
daraufhin einen IK-Auszug (Urk. 8/189) und eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (Urk. 8/190/2) ein.
Gestützt darauf stellte sie mit Vorbescheid vom 18. Januar 2016 (Urk. 8/191)
ein Nichteintreten in Aussicht, da nicht glaubhaft dargelegt sei, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesent
lich verändert
hätten (Urk. 8/191/2).
Dagegen
liess die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt
Luzius
Hafen,
am 10. Februar 2016
Einwand (Urk. 8/192)
erheben
und
am 2
3.
(Urk. 8/198) und 30
.
März 2016 (Urk. 8/201) Ergänzungen mitteilen
sowie
zwei
weitere Arztberichte der Universitätsklinik
B._
(
vom 12. Februar [
Urk. 8/197
] und 10. März 2016 [
Urk. 8/200
]
) einreichen
.
M
it Verfü
g
ung vom 8. April 2016 (Urk. 1 =
Urk. 8/
204
)
trat die IV-Stelle wie angekündigt
nicht auf das Leistungsbegehren ein.
2.
Hiergegen liess
X._
am
9.
Mai 2016
Beschwerde (Urk. 1) führen mit den Rechtsbegehren
, die Verfügung vom 8.
April
2016 sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen,
nach
rechtsgenüglicher
Abk
l
ärung des Sachver
halts über die Leistungen
der Invalidenversicherung
, insbesondere über Einglie
derungsmassnahmen und eine Invalidenrente,
neu zu entscheiden.
Weiter sei ih
r
die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren
.
Alles unter Kosten- und Entschä
digungsfolgen zulasten der IV-Stelle.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2016 (Urk. 7) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Am
14. Juni 2016 (Urk. 9) liess die Versicherte das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurückziehen. Mit Eingabe vom 7. Juli 2016 (Urk. 12) liess sie einen weiteren
B
ericht der Universitätsklinik
B._
vom 2. Juni 2016 (Urk. 13) einreichen und anfügen, dieser Arztbericht beziehe sich auf einen Zeitpunkt vor dem Verfügungserlass vom 8. April 201
6.
Am 2. August 2016 verzichtete die IV-Stelle auf eine Stellungnahme
(Urk. 15)
. Mit Schreiben vom 23. Januar 2017 (Urk. 17) liess die Versicherte auf ihre Eingabe vom 7. Juli 2016 (Urk. 12) Bezug nehmen und drei Sprechstundenberichte der Universitätsklinik
B._
(vom 30. August [Urk. 18/1], vom 27. September [Urk. 18/2] und vom 16. November 2016 [Urk. 18/3]) einreichen. Die IV-Stelle verzichtete hierauf am 8. Februar 2017 erneut auf eine Stellungnahme (Urk. 20),
w
as der Versicherten am 9. Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 21).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IV
G).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
1.
4
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Pe
rson deswegen Beschwerde führt (BGE 109 V 108 E.
2b).
1.
5
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tat
sachenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsän
derung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Inva
lidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin habe mit dem neuen Leistungsbegehren vom 1
3.
November 2015 nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung vom 14. Mai 2013 wesentlich verändert hätten. Es
habe zunächst
lediglich ein Bericht der Universitätsklinik
B._
vor
gelegen, aus dem hervorgegangen sei
, dass eine
foraminale
Stenose der Halswirbelsäule im Juli 2015 erfolgreich operativ behoben worden sei.
Kompli
kationen nach der Operation seien nicht berichtet worden. Deshalb sei keine dauerhafte Veränderung des Ge
sundheitszustandes ausgewiesen und a
uf die Neuanmeldung könne nicht eingetreten werden. Die
danach
eingereichten Arzt
berichte
der Universitätsklinik
B._
seien
ebenfalls
überprüft worden und würden nichts an der Beurteilung ändern
. So begründe insbesondere der Sturz vom 4. Dezember 2015 keine dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustan
des, da in der Magnetresonanztomographie (MRI) vom 8. März 2016 keine Ver
letzungen gefunden worden seien (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt demgegenüber im Wesentlichen geltend machen, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der Verfügung vom 14. Mai 2013 wesentlich und dauerhaft verschlechtert
. Neben weiter bestehenden und seit der letzten Verfügung schlimmeren Beschwerden im Halswirbelsäulenbereich habe sie zusätzlich einen Steissbeinbruch und einen Impressionstrümmerbruch am 5. Lendenwirbel erlitten. Sie könne sich nicht damit einverstanden erklären, dass die Beschwerdegegnerin trotz ausgewiesener Verschlechterung mit der angefochtenen Verfügung nicht auf ihre Neuanmeldung eintrete (Urk. 1 S. 3).
Die Verschlechterung sei glaubhaft gemacht, weil bei unverändertem Gesund
heitszustand weder eine Operation vorgenommen worden wäre, noch eine wei
tere Operation
wie vorliegend
der Fall
abgeklärt würde. Die Abklärung der weiteren Operation beweise, dass der Status quo sine durch die Diske
k
tomie und die Fusion der
Halswirbelkörper (
HWK
)
6/7 im Juli 2015 nicht wieder hergestellt habe werden können. Weiter sei ihr
eine
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aberkannt worden, weil die
weder
medizinisch noch juristisch haltbare Überwindbarkeitsrechtsprechung
zum Ergebnis „voll arbeitsfähig“
geführt habe
. Sie habe deshalb Anspruch auf eine sorgfältige Prüfung der Ein
gliederungsmöglichkeiten oder dann einer Rente. Letztlich behalte sie sich zum Nachweis der wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor, weitere Arztberichte zur Operation und zur Frage einzureichen, ob sich ein Status quo sine erreichen lasse
(Urk. 1).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf
die Neuanmeldung zum Leistungsbezug vom 13. November 2015 (Urk. 8/
186 und Urk. 8/187
)
zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthema bildet die Frage, ob d
ie
Beschwerde
führer
in
bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids vom
8. April 2016
im Sinne von Art.
87 Abs. 3 IVV
glaubhaft dargetan hat
, dass sich
ihr
Gesund
heitszustand
seit Erlass der
in Rechtskraft erwachsenen
leistungsverweigernden
Verfügung vom
14. Mai 2013
wesentlich
verschlechtert hat.
3.2
Der Verfügung vom
14. Mai 2013
(Urk.
8/174)
,
mit welcher ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint wurde
,
lag im Wesent
lichen das polydisziplinäre Gutachten de
s
A._
(
Urk.
8
/
166
/24-120
) zu Grunde.
Die Beschwerdeführerin war anlässlich eines stationären Aufenthalts während des Zeitraums vom 12.
b
is 16. November 2012 im
A._
Basel internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch abgeklärt worden. In einer
konsensualen
Beratung
schlossen
die Gutachter
am
31. Januar 2013
auf die relevanten
Diagnosen einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung, einer rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig remittiert) und eine
n
Verdacht auf eine hyperkinetische Störung (differentialdiagnostisch:
Per
sönlichkeitsakzentuierung) (Urk. 8/
166/99
).
Die Gutachter beschrieben hinsichtlich des Zustandes, die Versicherte klage über konstant vorhandene belastungsabhängige verstärkte Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Schultern und den Hinterkopf. Intermittierend werde eine Schmerzausstrahlung in die Innenseite des linken Armes bis zum kleinen Finger
angegeben mit einer Taubheit ebenda
.
In der Untersuchung bewege sich die Versicherte jedoch frei. Ein Hartspann der paravertebralen Muskulatur sei nicht objektivierbar
. F
estzustellen sei eine leichte
muskuläre
Dysbalance
und es wür
den
vor allem zahlreiche
Druckdolenzen
angegeben. Eine MRI-Untersuchung der HWS nach dem Unfall habe leichtgradige degenerative Veränderungen im Sinne von
Chondrosen
der
z
ervikalen Bandsch
eiben mit einer leichten
Protru
sion
bei C5/6 ergeben. Weitere aktuelle konventionelle Bilder zeigten eine leichte Fehlhaltung im Seitenbild, jedoch keine über das Altersentsprechende hinausgehenden Veränderungen. Klinisch
würden sich auch keine Anhalts
punkte für das Vorliegen eines
radikulären
Reiz- oder sensiblen Ausfallsyn
droms als Erklärung für die im linken Arm
angegebene Ausstrahlung bzw. Ge
fühlsstörung
zeige
n. Nachdem eine Untersuchung elektrodiagnostischer Natur keine Schädigung ergeben habe, müsse die Gefühlsstörung letztlich als ursäch
lich unklar beurteilt werden
(Urk. 8/166/102)
.
Es liege somit deskriptiv aus somatischer Sicht ein Schmerzsyndrom im Nacken-/Schulterbereich vor. Es bestehe eine Diskrepanz zwis
chen den angege
benen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit zu den fehlenden objektivierbaren Befunden. Auffallend sei auch der Verlauf der Schmerzsymptomatik über einen Zeitraum von vielen Jahren ohne relevante Besserung, gerade auch mit Blick auf die Tats
ache, dass das Geschwindigkeits-
Delta-V so gering gewesen sei, dass die festgestellten Befunde und Beschwerden eher nicht mit dem Unfall erklärbar gewesen seien. Diese Diskrepanz sei im Rahmen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu interpretieren.
Psychiatrischerseits
bestünden prätraumatisch
erhebliche psychosoziale Belas
tungsfaktoren und Konflikte
(Urk. 8/166/102-103)
.
Die Gutachter erwähnten sodann Inkonsistenzen. Die Versicherte sei trotz der geltend gemachten Schmerzen in der Lage, mit Fahrzeug und Wohnwagen in die Ferien zu reisen, mithin übe sie durchaus auch anspruchsvolle Aktivitäten aus. Sodann bestünden entgegen ihrer Darstellung intensivere soziale Aktivitä
ten mit einer Freundin, und die Versicherte könne
sich
gemäss ihrer Darstellung an den Besuchen des Sohnes erfreuen, sie habe auch Freude an Kontakten mit den Eltern und der Freundin. Auch anlässlich der psychiatrischen Untersuchung habe keine relevante depressive Störung bestanden. Es sei davon auszugehen, dass diese remittiert sei (
Urk.
8/166/103-104
).
Zu den Auswirkungen der Diagnosen der rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig remittiert) sowie des Verdachts auf eine hyperkinetische Störung (differentialdiagnostisch: Persönlichkeitsakzentuierung) äusserten die Gutachter die Ansicht, dass eine Reduktion des Rendements von 10 % vorliege. Sowohl
die angestammte als auch eine angepasste Tätigkeit, bei der die Versicherte nicht unter einem zu grossen Zeit- und Leistu
ngsdruck stehe, seien der Ver
si
cherten zumutbar. Das Ausmass der somatoformen Schmerzstörung erachteten sie als minima
l.
S
ie verwiesen dabei auch auf die dargestellten Inkonsistenzen (
Urk.
8/166/112).
Das Gericht erachtete i
m
Urteil IV.2013.00554 vom 29. August 2014
, das auf
grund der gegen die Verfügung
vom 14. Mai 2013
erhobenen Beschwerde erging,
die von den Gutachtern gestellte Diagnose einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung für die geklagten Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich als überzeugend. Die an
fänglich diagnostizierte Distor
sion der Halswirbelsäule habe bei der Beschwerdeführerin in eine
chronifizierte
Schmerzproblematik gemündet. Deshalb ging das Gericht von einer
Schmerz
verarbeitungsstörung aus (Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2013.00554 vom 29. August 2014 E. 3.1).
Die mittelgradige Depression stelle keine von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare
Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens dar und sei damit üb
er
windbar und nicht invalidisierend (Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2013.00554 vom 29. August 2014 E. 3.2).
Das Gericht wies
die
Beschwerde ab und bestätigte
die leistungsverweigernde Verfügung vom 14. Mai 2013
.
3.3
Im Zusammenhang mit der
Verfügung vom
8. April 2016
(Urk. 2),
mit welcher
die Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist
,
sind
von der
Universitätsklinik
B._
ein Austrittsbericht
vom 15. Juli 2015 (Urk. 8/1
88
)
und zwei Sprechstundenberichte vom 12. Februar (Urk.
8/197) und 10. März 2016 (Urk. 8/200)
sowie
vom RAD zwei
Stellungnahmen vom 16. Januar (Urk. 8/190/2) und 5. April 2016 (Urk. 8/203/2)
zu beachten
.
Gemäss
Austrittsbericht der Universitätsklinik
B._
vom 15. Juli 2015
hatte sich die Beschwerdeführerin am
9.
Juli 2015 einer ventralen Diskektomie und Fusion C6/7 mit
Syncage
und
autologem
Knochen unterziehen müssen. Als Austrittsdiagnose wurde eine bilaterale
foraminale
Stenose C6/7 bei einer
Radi
kulopathie
C7 rechts genannt. Der postoperative Verlauf habe sich unkompli
ziert gestaltet und die Mobilisation sei regelrecht erfolgt. Für vier Wochen bestehe noch eine 50%ige Einschränkung in der Inklination und der
Reklination
(
Urk.
8/188).
Der RAD hielt dazu am 16. Januar 2016 fest
, e
ine dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen (Urk. 8/190/2).
Auf die
Inaussichtstellung
des Nichteintretens
hin liess die Beschwerdeführerin
im Einwand vom 10. Februar 2016
von einem sich
inzwischen
ereigneten Steissbeinbruch und einem Impressionstrümmerbruch am 5. Lendenwirbel berichten (Urk. 8/192).
Im noch im Verwaltungsverfahren eingereichten Sprechstundenbericht der
Universitätsklinik
B._
vom
12. Februar 2016
(Urk. 8/197) hielten die Ärzte eine
Lumbalgie mit Lendenwirbelsäulenkontusion nach einem Sturz, der sich am 4. Dezember 2015 ereignet hatte
, fest
.
Die Beschwerdeführerin habe aufgrund der starken Lumbalgien notfallmässig die Universitätsklinik
B._
aufgesucht. Aktuell leide sie weiterhin an Lumbalgie. Die Schmerzen seien tief lumbal lokalisiert und würden teilweise über das Gesäss ausstrahlen.
Die gesamte Muskulatur der unteren LWS sei verspannt. Es bestehe vermutlich eine Facettengelenksblockade.
Ausserdem wurde eine
Zervi
kobrachialgie
bei bekannter Anschlusssegmentdegeneration im C5/6 bei Status nach ventraler
Disketomie
und Fusion C6/7 am 9. Juli 2015 erwähnt.
Die
nuchalen
muskulären Schmerzen seien postoperativ noch deutlich vorhanden und hätten sich nach der Infiltration nur temporär
ge
bessert. Insgesamt bestehe an der HWS eine im Alltag schmerzkompensierte Situation.
Mit Sprechstunden
b
ericht vom 10. März 2016 (Urk. 8/200) bestätigte
die Universitätsklinik
B._
, dass die Beschwerdeführerin unverändert an lumbalen und
nuchal
-muskulären Schmerzen leide.
Das MRI der LWS vom
8.
März 2016 habe eine leichte multisegmentale
Diskusprotrusion
und eine
Spondylarthrose
in den Segmenten L4/5 und L5/S1 ergeben, jedoch keine Hinweise auf eine Spinalka
nalstenose oder eine Neurokompression.
Sie
schrieb die Beschwerdeführerin
ohne Angabe von konkreten Gründen
vom 6. Februar bis zum 31. März 2016 zu 100 % arbeitsunfähig (
Urk.
8/197/3; Urk.
8/
200
/3).
In ihrer Beurteilung vom 5. April 2016 kam die RAD-Ärztin zum Schluss, dass der Sturz vom 4. Dezember 2015 keine dauerhafte Veränderung des Gesund
heitszustandes
bewirkt habe
. Im MRI vom 8. März 2016 seien keine Verletzun
gen gefunden worden. Aus dem Sprechstundenbericht der Universitätsklinik
B._
vom 10. März 2016 ergebe sich, dass degenerative Veränderungen bestünden. Die übrigen in diesem Bericht genannten Diagnosen seien entweder bereits bekannt und berücksichtigt worden oder ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/203/2).
Gestützt darauf verfügte die Beschwerdegegnerin am 8. April 2016 das Nichtein
treten auf das neue Leistungsbegehren
. Sie begründete dies damit, dass
eine dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen sei
(Urk. 2
=
Urk. 8/204)
.
Weder die
Operation an der HWS
noch der Sturz vom
4. Dezember 2015 h
ätten
eine wesentliche und dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustands
bewirkt
(Urk.
2 S. 2 = Urk. 8/204/2)
.
4
.
4
.1
Mit dem RAD ist festzuhalten, dass mit dem Austrittsbericht
vom Juli 2015
und den beiden Sprechstundenberichten vom Februar und März 2016
keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
mit anhaltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
glaubhaft gemacht wurde.
Bereits der
ursprünglichen Verfügung vom 14. Mai 2013
lagen in somatischer Hinsicht
leichtgradige dege
nerative Veränderungen im Sinne von
Chondrosen
der zervikalen Bandscheiben mit einer leichten
Protrusion
bei C5/6
und ein Schmerzsyndrom im Nacken-/Schulterbereich
zu Grunde
, die keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigte
n
(vgl. Urk. 8/166/1
0
2)
. Nackenschmerzen
waren demnach schon vor der operativen Behebung der
foraminalen
Stenose
im Bereich
C6/7
vorhanden
, ohne dass ihnen eine invalidenversicherungsrechtlich bedeutsame Auswirkung bei
gemessen wurde. Die Operation vom
9.
Juli 2015 bewirkte nur eine vorüberge
hende Arbeitsunfähigkeit. Der postoperative Verlauf gestaltete sich problemlos und es wurde lediglich für vier Wochen eine Bewegungseinschränkung attes
tiert. Betreffend die nach wie vor geklagten HWS-Beschwerden ist damit keine objektive anhaltende Verschlechterung glaubhaft gemacht.
Dasselbe gilt für den
geltend gemachten
Steissbeinbruch
und den
Impressions
trümmerburch
des
5. Lendenwirbel
s
am
4. Dezember 2015 und d
ie
daraus fol
genden Lumbalgien. Die Universitätsklinik
B._
beschrieb im Bericht vom 1
2.
Februar 2016 lediglich eine Kontusion der LWS und hielt fest, die
Röngten
aufnahmen
des Beckens und der LWS vom 1
5.
Januar 2016 hätten keine Hin
weise auf eine Fraktur oder sonstige
ossäre
Läsionen ergeben, und auch das MRI vom
8.
März 2016 zeigte nur leichte degenerative Veränderungen im Bereich der LWS. Die Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit vom
6.
Februar bis zum 3
1.
März 2016 wurde - wie bereits erwähnt - nicht begrün
det und ergibt sich auch nicht aus den beschriebenen Befunden. Eine anhal
tende, sich auf den Invaliditätsgrad auswirkende Verschlechterung des Gesund
heitszustands ist somit auch in Bezug auf die LWS nicht glaubhaft dargetan.
4.2
Soweit die Beschwerdeführerin ferner rügt, ihr sei
eine
wesentliche Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit aberkannt worden, weil die weder medizinisch noch juristisch haltbare Überwindbarkeitsrechtsprechung zum Ergebnis „voll arbeits
fähig“ geführt habe
,
und sie habe deshalb nun Anspruch auf eine sorgfältige Prüfung von Eingliederungsmöglichkeiten oder einer Rente (Urk. 1 S. 3), kann
dieser Auffassung nicht beigepflichtet werden. D
ie neue Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen bzw. äquivalenten Beschwerdebildern stellt für sich allein keinen Neuanmeldungsgrund dar
(BGE
141 V 585 E. 5.3).
Grund für eine
Prüfung der
Neuanmeldung wäre somit
lediglich
eine
relevante
Ände
rung der tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Anspruch auf eine Rente erheblichen Weise
, die aber hier gerade nicht vorliegt
. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung lag bereits der Verfügung vom 14. Mai 2013 zu Grunde und war entsprechend nicht neu im
Verwaltungsv
er
fahren, das in der Verfügung vom 8. April 2016 mündete. Neu
geltend gemacht wurden
somat
ische Beschwerden,
die indes keine anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes bewirkten. Auch unter dem Gesichtspunkt der anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung ist ein Eintreten auf die Neuanmeldung nicht angezeigt.
4
.
3
Im Übrigen sind
Arztberichte, die
erst im Beschwerdeverfahren eingereicht wur
den, bei der Beurteilung der veränderten Verhältnisse nicht zu beachten, weil das Gericht
seiner beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde legt, wie er sich der Verwaltung geboten hat
.
Für
das Beibringen neuer Beweis
mittel bleibt im anschliessenden Gerichtsverfahren rechtsprechungsgemäss kein Raum mehr (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5, vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_
844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.2).
Das ist bei den Sprechstundenberichten der Universitätsklinik
B._
vom 2. Juni (Urk. 13), 30. August (Urk. 18/1), 27. September (Urk. 18/2) und 16. November 2016 (Urk. 18/3) der Fall.
Sie sind
dementsprechend
nicht zu berücksichtigen
.
4
.4
Insgesamt ist eine rechtserhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes und damit des Invaliditätsgrades nicht glaubhaft dargetan. Im Lichte der mit der Neuanmeldung und im weiteren Verwaltungsverfahren eingereichten Unterla
gen bestand für die Beschwerdegegnerin keine Veranlassung, weitere Abklärun
gen an die Hand zu nehmen. Entsprechend erweist sich
die
angefochtene
Verfü
gung
als richtig; die Beschwerde ist abzuweisen.
5
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61 lit. a
ATSG
vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr.
7
00.-- der Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.