Decision ID: e6b80db9-730f-4e63-98ac-552f665fa412
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 2009, wurde am 1
1.
August 2011
wegen
seit Geburt
be
stehender Entwicklungsverzögerung und Verdacht auf Autismus, erstmals zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (medizinische Massnah
men) an
gemeldet (
Urk.
6/1
Ziff.
5.1-2
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kanto
ns Zürich, IV-Stelle, sprach ihm
in der
Folge im Zusammenhang mit der Behandlung des Geburtsgebreches Ziffer 405
(Autismus-Spektrum-Störungen)
im Rahmen medizinischer Mass
nahmen Leis
tung
en zu (
Urk.
6/13-14
).
1.2
Am 2
3.
Februar
und am
2
1.
März 2012
meldeten die Elte
rn als gesetzliche Ver
tre
ter des Versicherten diesen
zum Bezug von
Hilf
losenentschädigung
für Min
derjährige und zum Bezug von medizinischen Massnahmen
an (
Urk.
6/19
,
Urk.
6/21
Ziff.
5.7
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/41
,
Urk.
6/47) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verfügung vom 1
7.
Dezember 2012 (
Urk.
6/49 =
Urk.
2)
ab dem 1
3.
Februar 2012
eine Entschädigung wegen leichter und ab 1
3.
September 2012
eine Entschädigun
g wegen mittlerer Hilflosigkeit zu
.
2.
Die
Mutter
des Versicherten erhob gegen die Verfügung vom 1
7.
Dezember 2012
(
Urk.
2) am
1.
Februar 2013 Bes
chwerde (
Urk.
1) und beantragte
, es
seien die Kosten für die
Mifne
-
Therapie im Sinne von medizinischen Massnahmen zuzu
sprechen. Eventuell sei die Verfügung insofern aufzuheben, als dass sie den An
spruch auf
einen
Intensivpflegezuschlag verneine. Eventuell sei
dem Versi
cher
ten
ein
en
Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag zuzusprechen (S. 2). Mit
Be
schwerdeantwort
vom
8.
März 2013 (
Urk.
5) beantragte
die IV-Stelle die Ab
wei
sung der Beschwerde, was de
r Mutter des
Versicherten am 2
4.
April 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Am 1
5.
Januar 2014 (
Urk.
8) reichte
die
Mutter des
Versicherten
einen weiteren Bericht
(
Urk.
9)
ein
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Die
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Be
treu
ung brauchen, wird seit dem
1.
Januar 2004 um einen
Intensivpflegezu
schlag
erhöht; dieser Zuschlag wird bei einem Heimaufenthalt nicht gewährt. Der mo
natliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten
Betreu
ungs
aufwand
von mindestens 8 Stunden pro Tag 60 Prozent, bei einem solchen von mindestens 6 Stunden pro Tag 40 Prozent und bei einem solchen von min
des
tens 4 Stunden pro Tag 20 Prozent des Höchstbetrages der Alters
rente nach
Art.
34 Absatz 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlasse
nen
versicherung
(AHVG). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag (
Art.
42
ter
Abs.
3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
1
.
2
Eine
intensive Betreuung
liegt bei Minderjährigen vor, wenn diese im
Tages
durchschnitt
infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von
mindestens vier Stunden
benötigen (
Art.
39
Abs.
1 der Verordnung über die In
va
lidenversicherung, IVV). Anrechenbar als Betreuung ist gemäss
Art.
39
Abs.
2
IVV der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht be
hinderten Minderjährigen gleichen Alters.
Nicht anrechenbar ist der Zeitauf
wand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, welche durch mediz
i
ni
sche Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-the
rapeu
ti
sche
Massnahmen. Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträch
tigung der Ge
sundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese nach
Art.
39
Abs.
3 IVV als Betreuung von zwei Stunden angerechnet werden. Eine beson
ders
intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stun
den
anrechenbar.
1
.3
Eine Abklärung an Ort und Stelle ist die geeignete Vorkehr für die Ermittlung des
Betreuungsaufwandes bei der Beurteilung des Anspruchs auf einen
Inten
siv
pflegezuschlag
. Für den Beweiswert des entsprechenden Berichtes sind fol
gende Fak
toren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass als Berichtsperson eine qua
lifizierte Person wirkt, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Ver
hältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich er
gebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen der pflegebedürftigen Per
son hat. Weiter sind die Angaben der die Pflege Leistenden zu berücksichtigen, wo
bei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Er
for
dernissen der dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege (
Art.
37 IVV) gemäss sein und in Übereinstimmung mit der an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft dies alles zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (vgl. BGE 128 V 93 betreffend die Hauspflege, welche mit der
4.
IV-Revision durch den Intensivpflegezuschlag abgelöst wurde). Das Gericht greift, sofern der
Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne
darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar
feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das ge
bietet insbesondere der Um
stand, dass die fachlich kompetente
Abklärungsper
son
näher am konkreten Sach
verhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 133 V 450 E. 11.1.1
mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit
,
dass der Be
schwerdeführer im Vergleich zu Gleichaltrigen in der Entwicklung verzögert sei
und dadurch von Drittpersonen Hilfestellungen benötige, welche nicht
al
ters
ent
sprechend
seien. Nach Ablauf der Wartezeit im Februar 2012 seien drei Bereiche ausgewiesen, was eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit auslöse. Ab Juni 2012 könne zusätzlich der Bereich An-/ Auskleiden geltend gemacht werden. Nach Ablauf der dreimonatigen Wartezeit sei demnach per September 2012 eine
Entschädigung für mittlere Hilflosigkeit ausgewiesen. Es sei
alters
entsprechend
von
einem zeitlichen Mehraufwand von 2 Stunden auszugehen, womit kein
In
ten
sivpflegezuschlag
geltend gemacht werden könne
. In der Schweiz sei die
Mifne
-
Therapie eine nicht anerkannte Therapieform, weshalb die sicherlich in
tensive Therapiezeit nicht im Sinne einer medizinischen Mass
nahme oder eines Intensivpflegezuschlages abgerechnet werden könne
(S. 3).
Beschwerdeantwort
weise
führte die Beschwerdegegnerin aus, h
insichtlich des Hauptantrages betreff
end
die Kostenübernahme für die
Mifne
-Therapie, sei auf
das Begehren
nicht ein
zutreten (
Urk.
5 S.
1).
2.2
Die
Mutter des
Versicherten
machte
in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend
,
es sei entweder die
Mifne
-Therapie im Sinne medizinischer Massnahmen zuzu
spre
chen oder der dafür benötigte zeitliche Mehraufwand im Rahmen des
In
ten
sivpflegezuschlages
zu würdigen (S. 3
Ziff.
10). Da sich die Begründung des ange
fochtenen Entscheides auch auf die Frage der medizinischen Massnahmen be
ziehe, könne sich die vorliegende Beschwerde auch dagegen richten (S.
4
Ziff.
12-14). Aufgrund einer Erfolgsquote von 75
%
bei
der Einschulung der Kinder in die regelrechte Schule sei davon auszugehen,
dass im Rahmen der Möglichkeiten die bewährten Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaften erstellt seien, weshalb die
Mifne
-Therapie im Rahmen der medizinischen Mass
nahmen gemäss
Art.
13
Abs.
1 IVG seitens der Beschwerdegegnerin zu über
nehmen seien (S. 4
Ziff.
15-17).
Sofern nicht von der Übernahme der Kosten der
Mifne
-Therapie ausgegangen wer
de, sei im Rahmen des Intensivpflegezuschlages zu würdigen, dass von den Eltern hierfür ein Zeitaufwand von acht Stunden benötigt werde (S.
5
Ziff.
18-20).
3.
3.1
Vorab stellt sich die Frage, ob auf den
Hauptantrag
betreffend medizinische Mass
nahmen im Sinne der Kostenübernahme für die
Mifne
-Therapie einzutreten ist.
3.2
Im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfah
ren
sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich
in Form einer Verfü
gung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
Stellung genom
men hat. Insoweit be
stimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwerde
wei
se
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann das verwaltungsgerichtliche Ver
fahren aus prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des
Anfech
tungsgegenstandes
, d.h. ausserhalb des durch die Ver
fügung beziehungsweise
durch den
Einspracheentscheid
bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruch
reife Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen Streitge
genstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 130 V 501, 122 V 34 E. 2a mit Hin
weisen).
3.3
Die Beschwerdegegnerin hat
in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
lediglich
aufgrund des Einwands des
Versicherten
im
Vorbescheidver
f
ahren
(
Urk.
6/47)
in den Erwägungen
in einem einzigen Satz e
rklärt, die Kosten für die
Mifne
-The
rapie könnten im Rahmen von medizinischen Massnahmen nicht
zu
gesprochen werden. Wie es auch die Überschrift der Verfügung besagt, um
fasst diese aus
schliesslich den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
, welcher gemäss Gesetzes
systematik auch den Anspruch auf Intens
ivpflegezuschlag be
inhaltet (
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG).
Sodann fand die Abweisung des Anspruches auf medizinische Mass
nahmen auch keinen Eingang in das Dispositiv.
Zu prüfen bleibt die
Frage der Ausdehnung des Streitgegenstand
e
s
.
Der enge Zu
sammenhang fehlt
hier
, wenn
auch
die
Beschwerdegegnerin
in der Begrün
dung
der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
und im Abklärungsbericht (
Urk.
6/39 S. 6)
die Fr
age des Intensivpflegezuschlags
fälschlicherweise mit
der Frage vermengt, ob die
Mifne
-Therapie eine übernahmefähige
medizinische Massnahme darstellt
.
Dr.
m
ed.
Z._
,
Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin, Re
gionaler Ärztlicher Dienst
,
führte
in ihrer Stellun
gnahme vom
1.
Oktober 2012 (
Urk.
6/39/
8) aus, dass die Anerkennung der
Mifne
-Ther
a
pie für die Frage des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
und Intensivpflegezuschlag keine Rolle spiele
, da Zeiten von Therapien nicht als Betreuungsaufwand angerechnet wer
den könnten, womit sie auf
Art.
39
Abs.
2 IVV verwies
.
Die Beschwerdegegnerin machte
sodann
beschwerdeantwortweise geltend, die
An
spruchsbeurteilung
medizinischer Massnahmen im Sinne von
Art.
12 ff
.
IVG sei nicht Streitgegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen, weshalb auf den Hauptantrag im Sinne der Übernahme der Kosten für die
Mifne
-Therapie nicht einzutreten sei (
Urk.
6).
Sie sprach sich somit
klar
gegen eine Ausdehnung
d
es Streitgegenstandes aus
, bei welcher es sich im Übrigen nicht um eine Pflicht,
sondern lediglich um eine prozessuale Befugnis des
Sozialversiche
rungsrichters
han
delt (Urteil des Bundesgerichts vom 1
4.
September 2009, 9C_599/2009 E. 2.2)
.
N
amentlich auch unter Berücksichtigung des Aspekts, dass dem
Versicherten
eine Beschwerdeinstanz verloren gehen würde, ist vorliegend auf den Antrag auf
Zusprechung von
medizinischen Massnahmen nicht einzutreten.
3
.4
Auf Grund des Gesagten
ist auf die Beschwerde, soweit damit die
Kostenüber
nahme
für medizinische Massnahmen verlangt wird, mangels
Anfechtungsge
genstand
nicht einzutreten. Soweit der Beschwerdeführer die Beurteilung des Anspruches auf einen Intensivpflegezuschlag verlangt, ist darauf einzutreten.
4.
4.1
Mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2012 (
Urk.
2) wurde dem Versicherten eine Ent
schädigung wegen leichter Hilflosigkeit ab 1
3.
Februar 2012 und ab 1
3.
Sep
tember 2012 eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugespro
chen, was
so unbestritten geblieben ist (
Urk.
1 S. 2).
Strittig und zu prüfen
bleibt daher, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen zusätzlichen
Anspruch
auf einen
Inten
sivpflegezuschlag
verneinte.
4.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte
gestützt auf den Abklärungsbericht für
Hilf
losenentschädigung
für Minderjährige und Intensivpflegezuschlag vom 1
9.
Sep
tember 2012 (
Urk.
6/39)
den Anspruch
des
Versicherten
auf einen
Intensiv
pflege
zuschlag
damit, dass der altersentsprechende Mehraufwand ledig
lich zwei Stun
den ausmache
.
Demgegenüber verlangte die Mutter
des
Versicherten
, der zeitliche Auf
wand für
die durchgeführte
Mifne
-Therapie, welcher sich auf acht Stunden täg
lich be
laufe
,
sei im Rahmen eines Intensivpflegezuschlages zu vergüten (vorste
hend E. 2.2)
.
4.3
Wie ausgeführt (vorstehend E. 1.2), ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete me
dizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorge
nom
men werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen
,
im Rah
me
n des Intensivpflegezuschlages nicht anrechenbar.
Da die von den Eltern des
Versicherten
durchgeführte
Mifne
-Therapie hierunter fällt, und auch nicht einer der Ausnahmetatbestände von
Rz
8074
ff.
gemäss dem Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH)
vom
1.
Januar 2012 gegeben ist, kann die Therapiezeit nicht im Sinne eines
Inten
sivpfle
ge
zu
schlages
abgerechnet werden.
Demnach ist es beim von der Abklärungsperson ermittelten und in ihrem plau
siblen Abklärungsbericht vom September 2012 (
Urk.
6/39) festgehaltenen
alters
entsprechenden
Betreuungsmehraufwand von zwei Stunden zu belassen.
4.4
Zusammenfassend besteht demnach kein Anspruch auf einen
Intensivpflegezu
schlag
, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
ch
end dem Ausgang de
s Verfahrens sind sie der
unterliegenden
Mutter des Ver
sicherten aufzuerlegen.