Decision ID: 7654da82-f7da-4886-bec2-4a2d675458d0
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1958
geborene
X._
war gemäss
Arbeitgeberbescheinigung vom 21. Februar 2013 (Urk. 6/7
-8
) vom 1. August 2007 bis 28. Februar 2013 bei der
Y._
als
Betriebsmitarbeiter
angestellt. Am 14. Februar 2013 meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Zürich
Nansen
strasse
zur Arbeitsvermittlung (Urk. 6/1) und stellte am 7. März 2013 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab demselben Tag (Urk. 6/2
-5
). Die
Unia
Arbeitslosenkasse verneinte mit Verfügung vom 11. April 2013 den Anspruch des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung (Urk. 6/39). Die dagegen erho
bene Einsprache des Versicherten vom 19. April 2013 (Urk. 6/46
-47
) wies die
Unia
Arbeitslosenkasse mit
Einspracheentscheid
vom 30. April 2013 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen
erhob
X._
am 17. Mai 2013 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids
und Anerkennung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung (Urk. 1). Mit
dem Beschwerdeführer am 18. Juni 2013 (Urk. 8) zugestellte
r
Beschwerdeantwort vom
17. Juni 2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit für die
Ent
scheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1
.
1.1
Gemäss Art. 8 Abs. 1
lit
. e des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) hat eine ver
sicherte Per
son Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie die
Beitrags
zeit
er
füllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (vgl. Art. 13 und 14 AVIG).
1.2
Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der Rahmenfrist nach Art. 9 Abs. 3 AVIG während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person erstmals sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG). Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs. 1
lit
. e in Verbin
dung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich einzig die Ausübung einer bei
tragspflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer von zwölf
Bei
tragsmonaten
(BGE 113 V 352).
1.3
Für
den Leistungsbezug u
nd für die Beitragszeit sieht Art. 9 AVIG
zweijährige Rahmenfristen
vor
.
Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind
(Abs. 2)
.
Die Rahmenfrist für die Beitragszeit be
ginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Abs. 3).
1
.4
In Anwendung von Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG
(in Kraft seit 1. April 2011)
ist ein Verdienst, den eine Person durch Teilnahme an einer von der öffentlichen Hand finanzierten
arbeitsmarktlichen
Massnahme erzielt, nicht versichert. Ausge
nommen sind Massnahmen nach den Art. 65 und 66a AVIG. Als
arbeits
marktliche
Massnahmen nach Art. 23 Abs. 3
bis
erster Satz AVIG gelten gemäss Art. 38 Abs. 1
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIV
)
alle voll oder teilweise durch die öffentliche Hand finanzierten Integrationsmassnahmen.
1
.5
Obwohl Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG nach seinem Wortlaut und seiner systematischen Stellung lediglich die Ermittlung des versiche
rten Verdienstes beschlägt, erfüllt
eine Person durch eine Tätigkeit, welche unter diese Bestimmung fällt, auch keine Beitragszeit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 AVIG (vgl.
BGE 139 V 212
E.
3.3
,
mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete den angefochtenen Entscheid damit
, das
Sozialdepartement der
Y._
habe bestätigt, dass der Beschwerdeführer vom 1. Januar 2011 bis 28. Februar 2013
als Betriebsmitarbeiter gearbeitet und es sich bei dieser Anstellung um eine von der öffentlichen Hand teilweise oder vollständig finanzierte
arbeitsmarktliche
Massnahme gehandelt habe. Diese Stellen könnten keinen existenzsichernden Lohn garantieren, was die Tatsache, dass er für die geleistete Arbeit lediglich Fr. 1‘
6
00.-- pro Monat erhalten habe, bestätige
(Urk. 2)
.
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen, er habe vom 24. April 2006 bis 28. Februar 2013 als Logistik-Mitarbeiter im Recycling-Betrieb der
Y._
gearbeitet
. Bereits die lange Anstellungsdauer zeige, dass es eine normale Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt gewesen bzw. geworden sei, bei welcher es nicht um die Integration in den Arbeitsmarkt gegangen sei. Allein der Umstand, dass dieser Betrieb über die öffentliche Hand finanziert werde, stelle keinen Ausschlussgrund dar. Nicht massgebend sei die Bezeichnung durch den Arbeitgeber, sondern die tatsächliche Ausgestaltung des
Arbeitsverhältnisses. Ebenfalls könne nicht massgebend sein, ob das
Erwerbs
einkommen
existenzsichernd sei.
2.3
Der Beschwerdeführer beantragte ab dem 7. März 2013
Arbeitslosenent
schädi
gung
(Urk. 6/2). Damit läuft die Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 7. März 2011 bis zum 6. März 2013 (
E. 1.2
). Gemäss Arbeitsvertrag vom 24. Februar 2010 (Urk. 6/25) war er ab dem 15. März 2010 bis zur Kündigung vom 4.
Dezember 2012 auf den 28. Februar 2013 (Urk. 6/22) als
Betriebs
mitarbeiter
bei der
Y._
, Soziale Einrichtungen und Betriebe, Geschäfts
bereich
Arbeits
integration
,
in einem Umfang von 80 % in einem Monats
lohn von Fr.
1‘600.--
beschäftigt. Zu prüfen ist, ob die Beschäftigung des Beschwerde
führers bei der
Y._
als
Beitragszeit angerechnet werden kann. Dabei ist der Zeitraum vom 1. April 2011 bis 6. März 2013 streitig, das heisst die Zeit nach dem Inkrafttreten von
Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG
und Art. 38 AVIV.
3.
3.1
Zu klären ist, ob es sich beim Arbeitseins
atz des
Beschwerdeführer
s
für
die
Y._
um
eine Integrationsmassnahme im Sinne von Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG und Art. 38 Abs. 1 AVIV handelt.
Gemäss Rechtsprechung des Bundes
gerichts fallen unter
Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG
nicht nur
arbei
tsmarktliche
Mass
nahmen im Sinne von Art. 59 ff. AVIG
, sondern
ganz allgemein Mas
snahmen zur beruflichen Integration (
BGE 139 V 212,
E. 4.1).
3.2
3.2.1
Die Teilnahme an
arbeitsmarktlichen
Massnahme
n
im Sinne von Art. 59 ff. AVIG setzt die Versicherteneigenschaft voraus, das heisst insbesondere die Erfüllung der Beitragszeit respektive die Befreiung davon
(vgl. Thomas Nussbaumer, Ar
beitslosenversicherung, in: Schweizerisches
B
undesverwaltungs
recht
, SBVR, So
ziale Sicherheit, 2. Auflage 2007, S. 2379 N 653). Die
Aus
richtung von finanzi
ellen Leistungen für
arbeitsmarktliche
Massnahmen gemäss Art. 59 ff. AVIG
hängt
des Weiteren
von
eine
m
Entscheid der zuständigen Amtsstelle
ab
, der in Verfügungsform zu erlassen ist
(Thomas Nussbaumer, a.a.O., S. 2383 N 669).
Schliesslich
bestehen die Leistungen bei einer von der zuständigen Amtsstelle bewilligten Teilnahme an
arbeitsmarktlichen
Mass
nahmen
in Taggeldern,
Einar
beitungs
- und Ausbildungszuschüssen,
Pendler
kosten
- und
Wochenaufenthal
terbeiträgen
sowie in Auslagenersatz (Art. 59b AVIG). Ein eigentlicher Lohn wird hingegen nicht ausbezahlt.
3.2.2
Vorliegend ist
gerade
die Frage der Anspruchsberechtigung umstritten.
Bei der zuweisenden Stelle handelt es sich
weiter
um die dem Sozialdepartement der
Y._
angegliederten
Sozialen Dienste
. Die
Zuweisung er
folgte
also
durch die Wohnsitzgemeinde
selber
und nicht durch die Organe der Arbeitslosenversicherung
. Zudem erhielt der
Beschwerdeführer für
seinen
Arbeits
einsatz
einen Lohn ausbezahlt
(vgl. Lohnabrechnungen Februar 2012 bis Februar 2013, Urk. 6/9-21)
.
Um eine
arbeitsmarktliche
Massnahme im Sinne von Art. 59 ff. AVIG handelte es sich beim Arbeitseinsatz d
es
Beschwerde
führe
rs bei
der
Y._
somit nicht.
3.3
Zu prüfen bleibt, ob es sich
bei der Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Y._
um eine auch unter den Begriff der
arbeitsmarktlichen
Massnahme
gemäss
Art. 23 Abs
. 3
bis
AVIG fallende allgemeine Massnahme zur beruflichen Integration
handelt.
3.3
.1
Gemäss
den
Informationen auf der Homepage
i
st der Geschäftsbereich Arbeitsintegration Teil der
Abteilung „Soziale Einrichtungen und Betriebe“
, welche
dem Sozialdepartement
der
Y._
angeschlossen ist. Gemäss Infoflyer hat der Geschäftsbereich Arbeitsintegration unter anderem den Auftrag, arbeits
fähige Erwachsene, die Sozialhilfe beziehen, möglichst schnell und nachhaltig (wieder) ins Arbeitsleben zu integrieren und damit der gesell
schaftlichen Ausgrenzung vorzubeugen. Das Hauptziel der Arbeitsintegration ist es, den Klientinnen und Klienten zu einer Stelle im ersten Arbeitsmarkt zu verhelfen. Neben der beruflichen wir
d
aber auch die soziale Integration der Teilnehmenden gefördert. Nebst anderem bietet die Arbeitsintegration Menschen, die aufgrund fehlender Kompetenzen oder persönlicher Beein
träch
ti
gungen auf
absehbare Zeit wenig Aussicht
auf eine Stelle im ersten Arbeits
markt haben, Teillohnstellen an.
Die Teillohnangestellten erhalten einen ihrer Leistungs
fähigkeit entsprechenden Lohn, der durch Sozialhilfe ergänzt wird.
3.3.2
Der Blick auf die Homepage des Sozialdepartementes der
Y._
und ins
besondere in den Infoflyer des Geschäftsbereichs Arbeitsintegration zeigt
, dass die Angebote
der Arbeitsintegration die
berufliche oder soziale Integration der von der Abteilung „Soziale Dienste“ zugewiesenen Personen bezwecken. Die Finanzierung der Integrationsmassnahmen erfolgt in erster Linie durch die
Y._
und somit durch die öffentliche Hand. Nichts anderes ergibt sich auch aus den Akten. So ist dem
Arbeitsvertrag vom 24. Februar 2010 (Urk. 6/25
)
zu entnehmen
, dass de
r Beschwerdeführer ab dem 15. März 2010 bei
der
Y._
,
Soziale Einrichtungen und Betriebe, Geschäftsbereich Arbeitsintegration, im
Teillohn
mit einem Bruttomonatslohn von Fr. 1‘600.-- im Bereich Recycling angestellt war.
Damit handelt es sich entgegen dem Einwand des Beschwer
deführers nicht um eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die
Ent
löhnung
von Fr. 1‘600.-- entspricht der vom Beschwerdeführer
erbrachten
Leistung, welche weit unterhalb einer
in der freien Wirtschaft
geforderten liegt
. Ent
sprechend ist der Beschwerdeführer zur
Bestreitung seines Lebensunterhaltes weiterhin und in hohem Masse von der Sozialhilfe der
Y._
abhängig. Dies ist aus den Allgemeinen Bestimmungen des Arbeitsvertrages, Ziffer 1 „Anstellungsbedingungen“, ersichtlich, wonach
Voraussetzungen für das Anstellungsverhältnis der Wohnsitz in der
Y._
sowie der Bezug von Sozialhilfe sind (Urk. 6/26).
Gleiches ergibt sich aus der
Unterstützungs
bestätigung vom 4. Oktober 2012 (Urk. 6/34)
, woraus entnommen werden kann, dass
der Beschwerdeführer vom 1. August 2006 bis 31. Oktober 2012 von der
Asylorganisation
Z._
, ebenfalls eine Abteilung des Sozialdepartements der
Y._
, unterstützt
wurde
. Gekündigt wurde dem Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis, weil die fallführende
Abteilung „Soziale Dienste“ per 30. November 2012 die Kostengutsprache für die Teilnahme am
Integra
tions
p
rogramm
entzog und ohne gültige Kostengutsprache die
Teilnahme
berech
tigung
des Beschwerdeführers für eine Teillohnanstellung per 28. Februar 2013 erlosch (Urk. 6/22).
Schliesslich hat der Arbeitgeber
in der auf dem For
mular „Arbeitgeberbescheinigung“ ergänzten Rubrik anzugeben, ob der zu bescheini
gende Verdienst aus einer von der öffentlichen Hand finanzierten
Integrations
massnahme
resultiert oder nicht. Vorliegend wurde
in der
Arbeit
geber
bescheinigung
vom 21. Februar 2013 zur Art des Arbeitsver
hältnisses die Rubrik „von der öffentlichen Hand teilweise oder vollständig finanzierte
arbeits
marktliche
Massnahme“ angekreuzt (Urk. 6/7).
3.3.3
Zusammengefasst
ist die Anstellung des
Beschwerdeführers bei der
Y._
als eine von der öffentlichen Hand finanzierte
arbeitsmarktliche
Massnahme im
Sinne von Art. 23 Abs. 3
bis
AVIG zu qualifi
zieren
, welche dem Beschwerde
führer nicht als Beitragszeit angerechnet werden kann
.
Selbst wenn
die Tätigkeit des Beschwerdeführers einer tatsächlichen, auch auf dem freien Arbeitsmarkt angebotenen entspr
o
ch
en hätte
und
entsprechend
e
ntlöhnt
worden wäre
,
würde sich
daran nichts
ändern
. Massgebend ist nicht dies, sondern der Zweck des
Einsatzes. Im Vordergrund steht nicht der betriebliche Bedarf
im Bereich Recycling der
Y._
nach einer Arbeits
kraft, sondern die berufliche Wiedereingliederung von arbeitslosen und auf Sozial
hilfe angewiesenen Einwohnern der
Y._
(vgl. Urteil
BGE 139 V 212
E. 4.2)
. Aus diesem Grund ist vor der An
stellung jeweils
auch eine Kostengutsprache der
entsprechenden Abteilung
nötig.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist nach dem Gesagten nicht zu bean
standen, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.