Decision ID: 902bb748-13d6-439f-a202-c0326ef3eb35
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 19
57
geborene
X._
, Mutter zweier Söhne (geboren
1984
und
1989
),
gelernte
Bankk
auffrau
,
arbeitete seit dem
1.
August 2013
in einem ca. 35%-Pensum
als Mitarbeiterin
in der
Tagesbetreuung
im Schülerhort der Stadt
Z._
(Urk.
8/8 und
Urk.
8/14)
.
Am
7.
August 2018
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte mit Hinweis auf
eine depressive Episode und eine Angsterkrankung
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistung
s
bezug an
(
Urk.
8/8). Zur Abklärung
der medizinischen und erwerblichen Ver
hältnisse
zog die IV-Stelle
zunächst
einen Auszug
au
s dem individuellen Konto (Urk.
8/13
) sowie
einen
Arbeitgeberbericht
bei
(
Urk.
8/14
)
und
holte
die Akten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
8/18-19)
und
Berichte der behandelnden Ärzte ein
(Urk.
8/20
,
Urk.
8/23
und
Urk.
8/40
)
.
Per 3
0.
Juni 2019 wurde das
Arbeits
verhältnis
mit der Stadt
Z._
einvernehmlich aufgelöst (
Urk.
8/27). Am
2
0.
November 2019 führte die IV-Stelle
eine
Haushalts
a
bklärung durch (Urk.
8
/37)
.
Schliesslich verneinte sie mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2020
wie vorbeschi
ed
en einen Rentenanspruch (
Urk.
8/45).
Am
3.
August 2020
(Eingangsdatum)
stellte
die
Versicherte
(
durch den von ihr unterzeichneten Arztbericht
des Spitals
A._
vom 2
3.
Juli 2020
)
erneut bei der IV-Stelle ein
Leistungsgesuch
(
Urk.
8/49
). Die IV-Stelle
stellte der Versi
cher
ten mit Vorbescheid vom 1
5.
September 2020 ein Nichteintreten in Aussicht
(Urk.
8/52
)
,
wogegen
die Versicherte
Einwand
erhob (Urk. 8/56)
. Mit Verfügung vom 1
0.
Dezember
2020 trat die IV-Stelle auf das
Leistungsgesuch
nicht
ein (
Urk.
8/64).
Mit E-Mail vom 15.
Dezember 2020 (
Urk.
8/
69) reichte die Regional
lei
terin Care Management der
Swica
zwei neue Arztberichte des Spitals
A._
vom
4.
und 3
1.
August 2020 (
Urk.
8/65 und
Urk.
8/67) ins Recht. Mit Schreiben vom 2
2.
Dezember 2020 informierte die IV-Stelle
darüber
, dass aufgrund
der zwei
neu eingereichten
Berichte
«
kein Revisionsgrund
bei vorheriger Abweisung»
ge
ge
ben sei (
Urk.
8/71).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
0.
Dezember
2020 erhob die Versicherte am 21.
Dezem
ber
2020
Beschwerde
(
Urk.
1)
und beantragte, in Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung
sei auf das erneute Leistungsbegehren einzutreten
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
Februar 2020
schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
7
), was
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
1
8.
Februar 2021 angezeigt wurde (
Urk.
9
).
3.
Auf Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 87 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
muss mit einem Revisionsgesuch und gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV mit einer Neuan
meldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invaliditätsgrad anspruchs
relevant verändert hat. Der versicherten Person kommt ausnahmsweise eine Be
weis
führungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Eintretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.
1).
Der Verwaltung steht bezüglich der
Eintretensvoraussetzung
des Glaubhaft
machens
ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, am 1
8.
Mai 2020 sei das
erste
Leis
tungsbegehren abgewiesen worden.
Am
3.
August 2020
habe die Beschwerde
führerin ein neues Leistungsbegehren gestellt, weshalb sie im Rahmen dieser Anmeldung
mit entsprechenden Unterlagen eine Veränderung der Verhältnisse glaub
haft machen
müsse
. Die Prüfung der Aktenlage
habe aber keine Verän
derung gezeigt
. Die seitens dem Spital
B._
eingereichten Akten zeigten lediglich einen Zeitstrahl der Behandlung auf. Diese seien jedoch bereits aus den
Vorakten
bekannt gewesen und beim letzten Entscheid mitberücksichtigt worden. Somit
könne
keine veränderte gesundheitliche Situation glaubhaft dargestellt werden (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, ihre schwere psychische Erkrankung habe zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Bis Mitte März 2020 (Start Corona-
Lockdown
) habe sie die psychiatrische Tagesklinik im Spital
A._
besucht. Das erzwungene Ende habe die gesundheitliche Situation verschlechtert, wobei sie zusammen mit ihrem Ehemann in Eigeninitiative einen ambulanten «Mix» an Aktivitäten gestartet habe. Dabei sei die regelmässige Mitarbeit in der Tagesstätte Werkraum des Vereins
C._
in
D._
ein wesentliches Element
. Die Institution sei als Integrationsmassnahm
e für IV-Bezüger konzipiert, weshalb sie bis dato
Selbstzahler
in sei
. Die regelmässigen Besuche in der Tagesstätte seien auch
von
Dr.
E._
, Facharzt Psychiatrie und Psychother
a
pie,
zwecks
not
wendiger
Entlastung
ihres Ehemannes
indiziert
worden. Das Leistungsbegeh
ren
beschränke sich auf ein Gesuch einer bescheidenen
, sehr verhältnismässigen Ein
gl
i
e
derungsmassnahme im Sinne von
Art.
8 IVG. Dies sei bisher noch nicht in die Entscheidung eingeflossen
. Sodann bestehe Grund zur Annahme, dass per An
fang Dezember 2020 nicht alle relevanten Berichte/Dokumente in die Entschei
dung der IV-Stelle eingeflossen seien
(
Urk.
2).
2.3
In
der
Beschwerdeantwort vom 1
0.
Februar 2020
wurde ausgeführt
, zum Zeit
punkt des Verfügungserlasses
am 1
0.
Dezember 2020 seien
einzig die von der Beschwerdeführerin eingereichten Berichte des Spitals
A._
vor
gelegen
. Weder dem Bericht vom 2
3.
Juli noch vom 2
8.
Oktober 2020 könne eine wes
entliche Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin entnom
men werden. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringe, es seien nicht alle Arzt
berichte in die Entscheidung eingeflossen, sei darauf hinzuweisen, dass der Be
richt der
neurologischen
Untersuchung
vom
4.
August 2020 sowie der Bericht des Spitals
A._
vom 3
1.
August 2020 trotz gewährter Fristerstreckung erst nach Verfügungserlass mit E-Mail vom 1
5.
Dezember 2020 eingereicht worden sei
en
. Sodann sei auch gestützt auf die verspätet eingereichten Arztberichte keine Ände
rung in den tatsächlichen Verhältnissen glaubhaft dargetan. Nach Rücksprache mit dem Regionalen
M
edizinischen Dienst (RAD) sei von einem
verbesserten
Gesundheitszustand
auszugehen
. Insgesamt bestünden aber keine Hinweise auf eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustand
e
s (
Urk.
7)
3.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 18. Mai 2020 (Urk. 8/45) - entgegen dem irreführenden Titel - lediglich über den Rentenanspruch entschie
den. Einen Anspruch auf berufliche Massnahmen hat sie nicht (jedenfalls nicht einlässlich) geprüft. Das am 3. August 2020 von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch beantragt zwar die «Re-Evaluation» des IV-Entscheids (Urk. 8/47). Bereits aus dem Einwand gegen den Vorbescheid geht jedoch hervor, dass die Beschwer
deführerin - zumindest auch - berufliche Massnahmen beantragte, über die noch gar nicht entschieden worden ist, weshalb nur schon deshalb auf dieses Gesuch hätte eingetreten werden müssen. Nunmehr beschränkt sich die Beschwerde
führerin in ihrer Beschwerde auf den Antrag um Durchführung beruflicher Mass
nahmen. Demnach ist vorliegend gar keine Neuanmeldung strittig, sondern - da lediglich berufliche Massnahmen beantragt werden - eine erstmalige Anmeldung zu prüfen.
Eine erstmalige Anmeldung ist an keinerlei materiellen Voraussetzungen gebun
den, weshalb in Aufhebung der angefochtenen
Nichteintretensverfügung
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Eingliederungsmassnahmen, insbesondere in Form der beantragten Arbeit im Werkraum
C._
, prüfe und darüber entscheide.
Dabei wird sie
unter anderem zu prüfen haben, ob die beantragte Eingliede
rungs
massnahme
(Arbeit im Werkraum
C._
)
notwendig und geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit
und/oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen
,
wieder
herzustellen
, zu erhalten o
der zu verbessern (vgl. E. 1.
2
).
4
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
65
0.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.