Decision ID: ad32a4fa-415f-4fcb-8a03-e856d7ccf7c8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1965 ge
borene
X._
reiste 1991
aus
Y._
in die Schweiz ein, wo er um Asyl ersuchte.
Ab 1994 besass er die Aufenthaltsbewilligung F (
Urk.
12/8), m
ittlerweile ist er im Besitz der
Aufenthaltsbewilligung B (Urk. 12
/117/21). Er verfügt über keine berufliche Ausbildung
und war in
Y._
als Journalist tätig.
Er
ging seit seiner Einreise keiner Erwerbstätigkeit nach (vgl. Urk.
12
/
1, 12
/3). Ab
1994
wurden für ihn
Beiträge als Nichterwerbstä
tiger
einbezahlt
(
Urk.
12/3).
Unter Hinweis auf eine seit 1984 bestehende Erkrankung meldete er sich am 16. Januar 2002 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
12
/1). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
ihm
m
it Verfügung vom 13. Dezember 2002 mit Wirkung ab dem 1. Juni 2001 und ausge
hend von einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente der Invalidenver
sicherung zu (Urk.
12
/24).
Diese Rente wurde
in der Folge
durch die Verwaltung
mit Mitteilungen vom 15. Dezember 2005 (Urk. 12/44), 15. Juli 2011 (Urk. 12/62) und 22. April 2014 (Urk. 12/81)
bestätigt
. Ebenfalls mit Schreiben vom 22. April 2014 auferlegte sie dem Versicherten eine Schadenmin
derungs
pflicht in Form einer intensiven
traumaspezifischen
Therapie bei einem
y._
sprechenden
Fachpsychiater (Urk. 12/80).
Im Rahmen eines 2015 aufgenom
menen Revisionsverfahrens mit polydisziplinärer Begutachtung des Versicherten
durch das
Z._
(
Z._
-Gutachten vom 14. Juli 2017, Urk. 12/131) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
9.
November 2017 die Rentenverfügung vom 1
3.
Dezember 2002 wiedererwägungsweise auf (
Urk.
12/
154).
Das Sozialversicherungsgericht hob diese Verfügung jedoch im Urteil vom
7.
Juni 2019 auf mit der Feststellung, dass einstweilen weiterhin eine ganze Rente geschuldet sei (
Verfahren IV.
2018.00070;
Urk.
12/164). Das Bundes
gericht trat auf die dagegen eingereic
hte Beschwerde des Versicherten
nicht ein (Urteil 8C_505/2019 vom 2
1.
August 2019
;
Urk.
12/166
).
1.2
Die IV-Stelle leitete in Nachachtung des Urteils des Sozialversicherungsgerichts
die Abklärung
berufliche
r
Massnahmen ein
. Sie
beabsichtigte
, dem Versicherten
eine Arbeitsvermittlung
anzubieten
,
und empfahl ihm
im Schreiben vom 1
4.
Oktober 2019
,
einen intensiven Deutschkurs auf eigene Kosten
zu besuchen
(
Urk.
12/182).
Nach anwaltlichen Interventionen und einer Abklärung des Sprachstandes (
Urk.
12/194)
erteilte
die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
7.
Januar 2020 Kostengutsprache für einen Deutschkurs als Vorbereitung auf Einglie
de
rungsmassnahmen
während des Zeitraums vom 2
4.
Februar bis 1
0.
Juli 2020
(
Urk.
12/195).
Die behandelnde Ärztin äusserte sich in einem Arztbericht vom
3
0.
April 2020 zum gesundheitlichen Verlauf (
Urk.
12/205).
Da der
Versicherte
über eine nicht genügende Alphabetisierung verfügte, nahm er in der Folge statt am Deutschkurs an einem
Alphabetisierungskurs
teil (
Urk.
12/200
, 12/213
).
Nach Ende des Kurses f
olgte eine Korrespondenz über den Fortgang der Einglie
de
rungsmassnahmen
(
Urk.
12/206)
. Schliesslich erliess die IV-Stelle
am
1
0.
August 2020 einen Vorbescheid,
in
welchem sie keine weiteren Einglie
derungsmass
nahmen mehr
vorsah (
Urk.
12/208). Nach Einwänden des Versicher
ten
(
Urk.
12/209,
Urk.
12/211-212)
erliess sie am 1
7.
September 2020 die Verfü
gung, in welcher sie einen Anspruch auf weitere Eingliederungsmassnahmen verneinte (
Urk.
2).
1.3
Am 3
0.
September 2020 erging der Vorbescheid der IV-Stelle, mit welchem die Einstellung der laufenden Invalidenrente auf das Ende des der Verfügung folgen
den Monats in Aussicht gestellt wurde (
Urk.
12/217).
Nachdem der Versicherte dagegen
Einwand
erhoben hatte (
Urk.
16/224),
erliess die IV-Stelle am
1
6.
Februar 2021 die Verfügung, mit
welcher sie die Invalidenrente einstellte
,
und sie entzog einer allfälligen Beschwerde dagegen die aufschiebende Wirkung
(
Urk.
16/226=16/2).
2.
2.1
Am
5.
Oktober 2020 liess der Versicherte gegen die Verfügung vom 1
7.
Septem
ber 2020
Beschwerde
einreichen und weitere Vorbereitungsmass
nahmen zur beruflichen Eingliederung beantragen
; e
r liess
in prozessualer Hin
sicht
die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsvertretung
bean
tragen
(
Urk.
1).
In der Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2020 stellte die Beschwerdegegnerin den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11).
Das Gericht bestellte am 2
0.
November 2020 antragsgemäss Rechtsanwalt
Soluna
Girón
zum unentgeltlichen Rechtsvertreter im Gerichtsverfahren
und stellte ihm die Beschwerdeantwort zu
(
Urk.
13).
2.2
Auch gegen die Verfügung vom 1
6.
Februar 2021 betreffend die Einstellung der Invalidenrente liess der Versicherte am 2
3.
Februar 2021 Beschwerde
erheben
und die Weiterausrichtung der ganzen Rente, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abk
lärungen und zu neuem Entscheid
verlangen
und erneut die gleichen prozessualen Anträge wie im vorangehenden Verfahren stellen
(
Urk.
1 im
Verfahren Nr. IV.2021.00119)
.
Die Beschwerde
gegnerin beantragte
in der Beschwerdeantwort vom 1
9.
April 2021 mit der Begründung einer
res
iudicata
ein Nichteintreten auf die Beschwerde (
Urk.
2 im Verfahren Nr. IV.2021.00119
).
2.3
Mit Verfügung vom 2
9.
April 2021 verein
igte das Gericht die beiden Verfahren und führte den Prozess IV.2021.00119 unter der vorliegenden Verfahrensnummer weiter
(
Urk.
16/0-13)
, gleichzeitig stellte es dem Beschwerdeführer die Beschwer
deantwort vom 1
9.
April 2021 zu (
Urk.
15).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte nach Massgabe des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind Personen, die gemäss den Art. 1a und 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obligatorisch oder freiwillig versichert sind (Art. 1b IVG). Obligatorisch versichert nach dem AHVG sind unter anderem die natürlichen Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 1a Abs. 1
lit
. a und b AHVG).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 IVG sind ausländische Staatsangehörige, vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG, anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhn
lichen Aufenthalt (Art. 13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]) in der Schweiz haben und sofern sie bei Ein
tritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben.
1.3
Den innerstaatlichen Bestimmungen gehen diejenigen der zwischenstaatlichen Vereinbarungen vor, welche die Schweiz mit ausländischen Staaten abgeschlos
sen hat, um die Rechtsstellung der beidseitigen Angehörigen in der Sozialver
si
cherung zu regeln. Vorliegend ist das Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaf
t und der Republik
Y._
über s
oziale Sicherheit vom 1. Mai 1969 und dessen Schlu
ssprotokoll (SR 0.831.109.763.1
) anwendbar. Dessen Art. 10 Abs. 1 bestimmt, dass türkische Staatsangehörige unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizerbürger Anspruch auf die ordentlichen Renten und
Hilflosenentschädigungen
der schweizerisch
en Invalidenversicherung haben.
1.4
Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheitszu
standes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (BGE 112 V 275 E. 1b). Er beurteilt sich auch nicht nach dem Zeitpunkt, in dem eine Anmel
dung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person
erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden Anspruch auf Versicherungsleistungen geben kann (BGE 126 V 5 E. 2b mit Hinweisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a). Aus Art. 4 Abs. 2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invali
dität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestim
men ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen, die sich aus Art. 4 Abs. 1 IVG (in Verbindung mit Art. 8 ATSG) ergeben (BGE 112 V 275; vgl. auch BGE 137 V 417 E. 2.2.3, 126 V 241 E. 4).
1.5
Die Invalidität gilt bei einer Rente als eingetreten, wenn während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
bestand (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) und sich daran eine Erwerbsunfähigkeit in einem entsprechenden Umfang
anschliesst
(
Art.
28
Abs.
2,
Art.
16 ATSG).
Anspruch auf eine orde
ntliche Rente haben Versicherte
, die bei Eintritt der Inva
lidität (Versicherungsfall) während mindestens eines vollen Jahres (Art. 36 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) beziehungs
weise während mindestens drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit Januar 2008 geltenden Fassung) Beiträge geleistet haben.
1.6
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Eine Wiedererwägung setzt nach Art. 53 Abs. 2 ATSG einerseits voraus, dass der Entscheid nicht Gegenstand gerichtlicher Beurteilung bildete. Andererseits muss er zweifellos unrichtig und seine Berichtigung von erheblicher Bedeutung sein. Das Erfordernis
der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leis
tungszusprechung aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechts
regeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht
oder unrichtig ange
wandt wurden
(
BGE 140 V 77 E. 3.1
). Anders verhält es sich, wenn der Wieder
er
wägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beur
teilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Inva
liditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbar
keitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeit
punkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar,
scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifel
los ist die Unrich
tigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfü
gung - denkbar (BGE 138 V 324 E. 3.3; Urteil 9C_125/2013 vom 1
2.
Februar 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, nicht
publ
. in: BGE 140 V 15, aber in: SVR 2014 IV Nr. 10 S. 39).
Bei einer Rentenzusprechung ist aufgrund der Dauerleistung die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung gegeben.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der Verfügung vom 1
7.
September 2020 einen weiteren Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung, nach der kantonalgerichtlich bestätigten Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenverfügung vom 1
3.
Dezember 2020 und
den
aufgetragenen Eingliede
rungsmassnahmen habe man mit dem zugesprochenen Alphabetisierungskurs alles getan, was hinsichtlich
der
Eingliederung verhältnismässig
und von der Invalidenversicherung zu tragen
sei. Der Beschwerdeführer brauche noch sehr viel Unterstützung, bevor er den eigentlichen Sprachkurs beginnen könnte, der ihn an das Endziel einer selbständigen Sprachanwendung (Niveau B1) führen würde, die für
erfolgsversprechende
berufliche Eingliederungsmassnahmen
wie zum Beispiel nach
Art.
14a IVG
notwendig sei. Man habe die Forderung des Gerichts erfüllt und eine ausreichende Wiedereingliederung gefördert und durch
geführt.
Die nicht hinreichende Alphabetisierung sei invaliditätsfremd und sei nicht von der Invalidenversicherung zu beheben. Ein weitergehender Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe nicht
(
Urk.
2).
2.2
D
ie
in der Verfügung vom 1
6.
Februar 2021 vorgenommene E
instellung der Invalidenrente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats
begründete s
i
e
damit, dass
sie den Auflagen des Sozialversicherungsgerichts
im Urteil vom
7.
Juni 2019
nachgekommen sei. Das Gericht habe in seinem Urteil bestätigt, dass die ursprüngliche Rentenzusprechung zweifellos unrichtig gewe
sen sei. Es habe aber die Renteneinstellung
als für so lange
nicht gerechtfertigt bezeichnet, als Eingliederungsmassnahmen durchzuführen seien, die einer Renteneinstellung nach über 15jährigem Bezug voranzugehen hätten. Nachdem in der Verfügung vom 1
7.
September 2020 ein Anspruch auf weitere Eingliede
rungsmassnahmen verneint worden sei, sei
nun
die Rente einzustellen (
Urk.
16/2).
2.3
2.3
.1
D
er B
eschwerdeführer
lässt gegen die Verneinung weiterer beruflicher Mass
nahmen
einwenden,
die Beschwerdegegnerin
habe nach dem Urteil des Sozial
versicherungsgerichts nach längerem Hin und Her am 2
7.
Januar 2020
anerkannt, dass ein Deutschkurs
Niveau A1 (Anfänger)
als unmittelbar erforderliche V
orkehr
für eine
vom Gericht zur Diskussion gestellte
Eingliederung ins Erwerbsleben
notwendig und
von der Invalidenversicherung zu übernehmen sei
(
Urk.
12/195).
Nach dem Start hätten sich Alphabetisierungsschwierigkeiten gezeigt, weshalb er in einen Alphabetisierung
skurs gewechselt habe
(
Urk.
12/200).
Im Juli 2020 habe die Schule darüber informiert, dass nun ein Vorkurs zur Festigung des Lesens und Schreibens empfohlen werde und sobald alle Teilnehmer bereit seien, werde der Sprachkurs A1 beginnen (
Urk.
12/206).
Dies habe die Beschwerdegegnerin abge
lehnt, weil die mangelnde Alphabetisierung invaliditätsfremd
,
die angestrebte rasche Aneignung von Sprachkompetenz
nicht möglich und das notwendige Sprachniveau B1
somit nicht
mit verhältnismässigen Massnahmen erreichbar sei.
Die Beschwerdegegnerin habe selber die Eingliederung zeitlich verzögert und habe sich dann
unzulässigerweise
auf die unverhältnismässige Dauer der Mass
nahmen berufen
. Die voraussichtliche Dauer der Massnahmen lasse sich den Akten jedoch in keiner Weise entnehmen.
Es gehe um eine rund halbjährige Verzögerung der zuvor gewährten K
ursmassnahme, wel
che angesichts der geschätzten Kosten für den halbjährigen Kurs von rund
Fr.
8'000.
--
und
sein
es tadellosen Engagements gegenüber einer rund zehnjährigen verbleibenden Akti
vitätsdauer kaum als unverhältnismässige Verzögerung bezeichnet werden könne. Dass der Kurs geeignet und notwendig sei für
seine
Wiedereingliederung im Arbeitsmarkt
,
habe die Beschwerdegegnerin anerkannt (
Urk.
1
S. 9).
Eventua
liter sei von einer nicht hinreichend abgeklärten Sachlage betreffend die Erfolgs
aussicht innert nützlicher Frist auszugehen und der Sachverhalt sei mittels Rück
fragen an die Kursleiter zu ergänzen (
Urk.
1 S. 10).
2.3
.2
Die Anfechtung der Aufhebung der Invalidenrente in der Verfügung vom 1
6.
Februar 2021 (
Urk.
16/2) begründete der Beschwerdeführer damit, dass es unrichtig sei, dass das Urteil des Sozialversicherungsgerichts in Rechtskraft erwachsen sei. Vielmehr sei die Aufhebung der Invalidenrente unter allen Titeln
erneut
zu prüfen, weil das Bundesgericht auf die Beschwerde mangels Rechts
schutzinteresses nicht eingetreten sei
(
Urk.
16/1 S. 3).
Zum einen sei das Überprüfungsobjekt nicht die ursprüngliche Rentenverfügung, da diese materiell durch die Rentenverfügung vom 1
5.
Juli 2011 ersetzt worden sei,
welcher
umfassende Abklärungen des Rentenanspruchs
zugrunde lägen
(
Urk.
16/
1 S. 7).
In jenem Zeitpunkt habe er die versicherungsmässigen Voraus
setzungen erfüllt
gehabt
, weshalb keine Wiedererwägung
unter diesem Titel
möglich sei (
Urk.
16/1 S. 8).
Sodann habe die Beschwerdegegnerin trotz Diskus
sion der versicherungsmässigen Voraussetzungen in den Jahren 2014 und 2016 unzulässig lange mit dem Wiedererwägungsentscheid zugewartet, dies in Miss
achtung der Regeln von
Art.
67
des Verwaltungsverfahrensgesetzes (
VwVG
)
, in dessen analoger Anwendung die Möglichkeit einer Wiedererwägung spätestens 90 Tage nach Kenntnisnahme des Wiedererwägungsgrundes verwirkt sei. Diese
relative
Frist habe mit der Stellungnahme vom 1
7.
April 2014 zu laufen begon
nen
. Die Wiedererwägung sei auch aus diesem Grunde unzulässig (
Urk.
16/1 S. 10).
Sodann sei die Wiedererwägung auch deshalb unrichtig, weil die Annahme, er habe bereits bei der Einreise in die Schweiz an einer psychischen Störung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und einer daraus resultie
renden 40%igen Invalidität gelitten
, nicht bew
i
e
sen sei
. Die Aktenlage für die Beurteilung des psychischen Zustandes bei Einreise in die Schweiz sei
sehr dürftig, im Besonderen sei die Diagnose einer PTBS seit Beginn unklar
und
der Sach
verhalt
nicht hinrei
chend abgeklärt, was nachzuholen sei (
Urk.
16/1 S. 13
f.
). Allenfalls sei
aber
auch von Beweislosigkeit auszugehen infolge des langen Zeitablaufs,
die
in diesem Fall die Beschwerdegegnerin treffe (
Urk.
16/1
S.
13).
Damit fehle es an der zweifel
losen Unrichtigkeit und damit an der Grundlage der Wiedererwägung
(
Urk.
16/1 S. 16).
Sodann habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, vor der Aufhebung der Rente eine Interessenabwägung zwischen der Anwendung des objektiven Rechts und
sein
em Interesse an der Rechtssicherheit bzw. dem Vertrauensschutz
vorzunehmen
, die zu
seinen
Gunsten ausfalle
(
Urk.
16/1 S. 17).
2.4
2.4
.1
Die Beschwerdegegnerin wiederholte in der Beschwerdeantwort betreffend die beruflichen Eingliederungsmassnahmen im Wesentlichen die Argumente der Verfügung. Hinzufügend sei nicht ersichtlich, inwiefern die sprachlichen Schwie
rigkeiten kausal zur geltend gemachten gesundh
eitlichen Beeinträchtigung stünden
, der Beschwerdeführer lebe schon 29 Jahr
e
in der Schweiz und hätte
in dieser Zeit
die deutsche Sprache bis zu einem gewissen Niveau erlernen können (
Urk.
11).
2.
4
.
2
Gegen die umfassende Überprüfung der Rentenaufhebung wendete sie ein, dass das Gericht die Wiedererwägung der Rentenverfügung schon überprüft und bestätigt habe, dies
e Frage
sei rechtskräftig, es handle sich deshalb um eine
res
iudicata
und könne daher nicht mehr überprüft werden
(
Urk.
16/11).
3.
3.1
Das hiesige Gericht hat in seinem Urteil vom
7.
Juni 2019 (
Urk.
12/164) die Rich
tigkeit bzw. die zweifellose Unrichtigkeit der die Rente zusprechenden Verfügung vom 1
3.
Dezember 2002 überprüft. Als nicht relevant hat es die nachgehenden rentenbestätigenden Mitteilungen erachtet, weil diesen keine hinreichenden materiellen Überprüfungen zugrunde gelegen hätten (E. 3.3). Es kam zum Schluss, dass
kein vernünftiger Zweifel daran
bestehen könne
, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner psychi
schen Erkrankung bereits bei seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1991 zu (mindestens) 40 % invalid
gewesen sei, weshalb der
renten
spezifische Versicherungsfall bereits eingetreten
gewesen sei und damit ein Anspruch auf eine
ordentliche
Invalidenrente für diesen Gesundheitsschaden aufgrund von
Art.
36
Abs.
1 IVG nicht habe entstehen können. Denn e
s
sei
ohne Weiteres schlüssig, dass
der jahrelange
Gefängnisaufenthalt
in
Y._
mit wiederholter schwerer Folter innert vergleichsweise kurzer Latenz
zur
erheblichen psychischen Beeinträchtigung
ge
führt
habe
.
Weder
den Berichten der
behan
delnden Ärzte
noch dem
Z._
-Gutachten vom 14. Juli 2017
seien sodann
Anhaltspunkte für eine
seither eingetretene,
von
dieser
ursprünglichen gesund
heitlichen Beeinträchti
gung verschiedene Gesundheitsstörung
zu entnehmen, so dass
sich eine weitere materielle Überprüfung der aktuellen medizinischen und finanziellen Situation erübrige
(E. 4.1)
.
Das Gericht kam so zum Schluss, dass die Wiedererwägungsvoraussetzungen gegeben
seien
. Weil i
m Zeitpunkt der Renten
einstellung
der Beschwerdeführer während mehr als 15 Jahren die
Rente bezogen
habe
, erachtete es das Gericht als notwendig, dass vor der
Renteneinstellung gemäss der
bundesg
erichtlichen
Praxis Eingliederungsmassnahmen durch
zu
führen seien.
Wegen der damals aktuellen Unfähigkeit des Beschwerdeführers, sich selbständig im Arbeitsmarkt einzugliedern, hob das Gericht die damals angefochtene Verfügung
mit der Feststellung
auf
, dass der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf eine
ganze
Invalidenr
ente
habe
(
Urk.
12/
164 S. 11).
Auf die dagegen eingereichte B
eschwerde des Beschwerdeführers
trat das Bundesgericht nicht ein
.
Die Beschwerde hatte sich gegen verschiedene Begrün
dungselemente des Urteils gerichtet. Das Bundesgericht stellte in seinem Urteil
jedoch
fest, dass weil das Gericht die angefochtene Verfügung vom 2
9.
November 2017
im Resultat gänzlich aufgehoben habe, es kein Rechtsschutzinteresse
dafür
gebe, dieses Urteil zu überprüfen.
Ausdrücklich hielt es fest:
«Sollte die IV-Stelle auf einen späteren Zeitpunkt hin die Rente einstellen wollen, würde sie eine neue Verfügung erlassen, gegen welche dem Versicherten nach erfolglos durch
schrittenem innerkantonalem Beschwerdeweg der Gang zum Bundesgericht uneingeschränkt
offen stehen
werde
»
(Urteil 8C_505/2019 vom 2
1.
August 2019
E. 1
,
Urk.
12/166
).
3.2
Im vorliegenden Verfahren gilt es, die Einstellung der seit dem 1. Juni 2001 laufenden ganzen Invalidenrente
auf Ende März 2021
zu überprüfen.
Rechts
kräftig entschieden hat das hiesige Gericht in seinem Urteil vom
7.
Juni 2019 einzig, dass die Renteneinstellung per 2
9.
November 2017
unrichtig war (
Urk.
12/166 E. 1).
Die schon im damaligen Verfahren relevanten Begründungs
elemente (Wiedererwägung der ursprünglichen Verfügung, unzureichende Eingliederungsmassnahmen) sind e
ntsprechend dem E
ntscheid
des Bundes
gerichts
nun erneut
umfassend
und in Bezug auf den neuen Einstellungszeitpunkt zu prüfen
und es steht ihnen
nicht die
Rechtskraft des anderen Urteils entgegen. Entgegen dem Antrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
16/11)
ist
deshalb
auch
auf die Beschwerde
betreffend Einstellung der Invalidenrente
einzutreten.
4.
4.1
In die erstmalige Beurteilung des Rentenanspruchs des
Beschwerdeführers
in de
r Verfügung vom 1
3.
Dezember 20
0
2
bezog die Beschwerdegegner
in nebst einem IK-Auszug (
Urk.
12
/3) namentlich diverse Berichte der behandelnden Ärzte mit ein. Diesen ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
vor seiner Flucht in die Schweiz
im Jahr 1991
bereits ab dem Jugendalter mehr als zehn Jahre in
Y._
inhaftiert und dabei regelmässig schwerer Folte
r ausge
setzt gewesen war (
Urk.
12/6/2, 12/8/3, 12
/12/2 und 12
/17/2). Nach seiner Einreise wurde er im November 1994 von einem Unbekannten angeschossen, wobei die dadurch erlittene Verletzung am linken Oberschenkel o
perativ versorgt werden musste.
Im Frühjahr 2002 fügte sich der
Beschwerdeführer
zudem in suizidaler Absicht am Kopf oberflächliche Verletzungen zu
und musste mehrmals im Rahmen suizidaler Krisen psychiatrisch notfallmässig behandelt werden
(vgl.
Urk.
12/8/3, 12/12/1, 12
/17/2). Seitens der Ärzte wurde übereinstimmend insbe
sondere aufgrund einer schweren und
chronifizierten
posttraumatischen Belas
tungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
12
/6/1 f., 12/8/1, 12/12/1, 12/17/1 und 12
/17/5).
Eine PTBS setzt gemäss ICD-Codierung voraus, dass sie mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten - selten mehr als sechs Monate - nach einem Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass auftritt, das bei fast jeder Person eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu zählt unter anderem das Erleben von Folter, Terrorismus, einer Vergewal
tigung oder anderen Verbrechen (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Auflage, S. 207 f.). Bereits vor diesem Hintergrund liegt nahe, dass der Beschwerdeführer, welcher in
Y._
jahre
lang inhaftiert und wiederholt gefoltert worden war, bei seiner Einreise in die Schweiz unter einer erheblichen psychischen Störung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit litt. Entgegen
seiner
Argumentation ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht davon auszugehen, dass sich die PTBS erst Jahre nach der Entlassung aus dem Gefängnis und der Flucht in die Schweiz entwickelt hat. In
diese Richtung lassen sich zwar Aussagen von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ihrem Bericht vom 2
7.
April 2002 (
Urk.
12/8/1)
interpretieren
. Sie hielt allerdings auch fest, dass es dem Beschwerdeführer aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht möglich gewesen sei, die deutsche Sprache zu erlernen und sich beruflich zu integrieren (
Urk.
12/8/3). In der Tat übte der Beschwerdeführer seit seiner Einreise im Jahr 1991 keine Erwerbstätigkeit aus (
Urk.
12/3). Aus den weiteren fachärztlichen Berichten geht ausserdem klar hervor, dass seit dem Gefängnisaufenthalt mit Foltererlebnissen eine chronische PTBS vorliegt, welche sich insbesondere durch Flashbacks, Angstzustände sowie chronische Schlafstörungen und Albträume auszeichnet (
Urk.
12/12/2, 12/17/2).
Auch i
m
Schreiben
einer behandelnden Neurologin des Jahres 1996
wird
schon über
seit mehreren Jahren bestehende Angstzustände, Ein- und Durchschlafstörungen
,
Reizbarkeit und Nervosität
berichtet
und
werden
diese in
ein
en Zusammenhang mit den Folterungen in
Y._
gebracht (
Urk.
12/6/
10
). Hinweise auf Intrusionen in Bezug auf die erst nach der Einreise in die Schweiz im Jahr 1994 erlittene Schussverletzung finden sich dagegen nicht, was gegen die Auffassung des
Beschwerdeführers
spricht, wonach jene in Bezug auf den psychischen Gesundheitsschaden als mögliche (Mit-)Ursache ei
nzustufen sei
. Die von ihm verübten Suizidversuche wurden darüber hinaus von ärztlicher Seite
her
ebenfalls als Folge einer vorübergehenden Verschlechterung der bekannten schweren PTBS interpretiert (
Urk.
12/6/7, 12/17/2). Im Übrigen ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer in seiner Anmeldung zum Leistungsbezug vom 1
6.
Januar 2002 selbst darauf hinwies, dass die Erkrankung seit 1984 bestehe
, woraus geschlossen werden kann, dass er seinen Gesundheitszustand seit Jahrzehnten als
grundsätzlich
gleich erlebt
e
(
Urk.
12/1/5)
.
In Würdigung all dieser Gegebenheiten und der unzweifelhaften Schwere des Erlebten mit den entsprechenden Auswirkungen
auf die psychische Gesundheit mit der anfänglichen
,
überzeugenden
Diagnose einer PTBS, die
– nebenbei
erwähnt -
aufgrund der anhaltenden A
uswirkungen zu einer
gemäss Gutachter des
Z._
gestellten Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
wurde und noch i
mmer
als
mittelschwer bis schwer bezeichnet wird
(ICD-10 F62.0
;
Urk.
12/131/45 und 12/131/47
)
,
muss
als überwiegend
w
ahr
scheinlich
angesehen werden,
dass der Beschwerdeführer bereits nach seiner Haftentlassung
und bei der Flucht in die Schweiz
an den erheblichen,
eine
Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
in der Schweiz sehr stark einschrän
kenden bzw.
aufhebenden Beschwerden
gelitten hat. Damit
besteht kein vernünf
tiger Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Erkrankung bereits bei seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1991 zu (mindes
tens) 40
%
invalid und damit der rentenspezifische Versicherungsfall bereits eingetreten war. Es ist ohne Weiteres schlüssig, dass ein jahrelanger Gefängnis
aufenthalt mit wiederholter schwerer Folter innert vergleichsweise kurzer Latenz zu einer erheblichen psychischen Beeinträchtigung führt. Dies wird nicht nur durch die Diagnosekriterien einer PTBS gemäss ICD-10, sondern insbesondere auch durch die nachvollziehbare Einschätzung verschiedener
,
den
Beschwerde
führer
behandelnder Ärzte untermauert
.
Indem die Beschwerdegegnerin diese ihr damals schon vorgelegene Sachlage übersehen hatte und ohne weitere Prüfung des Eintritts des Versicherungsfalls der Invalidität in der Verfügung vom 1
3.
Dezember 2002
dem Beschwerdeführer
eine ganze Rente zugesproc
hen hat, erweist sich diese als
zweifellos
unrichtig im Wiedererwägungssinn.
4.2
Bei der Frage des Eintritts des Versicherungsfalls handelt es sich um eine
n
zeitlich abgeschlossenen Sachverhalt, der zeitlich unbeschränkt in Rechtskraft erwächst
. Diese Anspruchsvoraussetzung
kann
vorbehältlich einer prozessualen Revision oder Wiedererwägung des rechtskräftigen Entscheids nicht bei neuen Bezugs
perioden in Frage gestellt und überprüft werden. Einzig bei einem neuen Versi
cherungsfall oder wenn zur ursprünglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung eine davon völlig verschiedene Gesundheitsstörung hinzugetreten ist, kann auf diesen Sachverhalt im Sinne einer geänderten Sachlage zurückgekommen werden. Ansonsten besteht eine Bindungswirkung, selbst wenn die damalige Ein
schätzung rechtsfehlerhaft gewe
sen sein sollte (BGE 136 V 369 E. 3.1.1 und 3.2
mit Hinweisen
).
Nach ständiger Rechtsprechung begründet eine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes
keinen neuen Versicherungsfall, nur bei mate
rieller Verschiedenheit der Invaliditätsursachen e
n
tsteht ein neuer Versicherungs
fall (Urteil des Bundesgerichts 8C_93/2017 vom 3
0.
Mai 2017 E. 4.2
mit Hinwei
sen
).
4.3
Dieser
anfängliche und
grundsätzliche Rechtsfehler haftete somit auch den
nach
folgenden
Revisionsentscheid
e
n
an, die in den Jahren 2005, 2011 und 2014 (
Urk.
12/44, 12/62, 12/81) der Re
ntenzu
s
prechung folgten. Denn in keiner Weise hat der Beschwerdeführer dargetan oder wird aus den Akten erkennbar, dass sich in der Folge ein neuer,
anhaltender und
relevanter Gesundheitsschaden
mit Auswirkung auf seine Arbeitsfähigkeit
hinzugefügt hätte, so dass ein neuer Versicherungsfall zu prüfen
gewesen
wäre
. D
ie behandelnden Ärzte sprachen von einer hinsichtlich der PTBS zementierten Situation und attestierten
aus diesem Grund
weiterhin eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit, was von der Beschwerde
gegnerin in der Folge so übernommen und
w
eshalb die ganze Rente mitteilungs
weise bestätigt wurde
. I
n medizinischer Hinsicht
wurde
eine umfassende Abklä
rung des medizinischen Sachverhalts
deshalb als nicht
notwendig
erachtet und es unterblieb
eine solche
(
Urk.
12/60,
12/61,
12/76, 12/78,
12/81).
Auch bei der 2015 eingeleiteten Rentenrevision schilderte die behandelnde Psychiaterin noch immer den therapierten Beschwerdekomplex der
Traumafolge
störung
mit den von ihr gestellten Diagnosen rezidivierender mittelschwerer depressiver Episoden mit zum Teil psychotischen Symptomen und S
uizidim
pulsen
(
ICD-10 F33.3
)
,
einer andauernden P
ersön
l
i
chkeitsstörung
nach Extrem
belastung (ICD-10 F 62.0) mit chronischer komplexer posttraumatischer Belas
tungssymptomatik (ICD-10 F43.1) bei Z61.4, Z61.5, Z61.6, Z63.0, den Diagnosen von ausgeprägten dissoziativen Zuständen (ICD-10 F44.8) und Anteilen einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0).
Auch sie sprach von einem schwer
chronifizierten
, seit der J
ugendzeit bestehenden
Leiden und jahrelanger Behand
lungsnotwendigkeit
sowie
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in jedem Tätig
keitsbereich
(
Urk.
12/114).
Auch
die Gutachter
des
Z._
bestätigten diese Diag
noseliste und sprachen von einem mittelschweren bis schweren,
chron
ifizierten
Leiden (
Urk.
12/131). A
ndere Leiden, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden, stellten sie trotz internistischer, orthopädischer, neurologischer und kardiologischer Untersuchungen nicht fest (
Urk.
12/131/56).
An dieser Situation hat sich seither nichts geändert, neue Arztberichte, die vom
Z._
abw
eichen
,
oder auch neuere medizinische Befunde für ein weiteres Krankheitsgeschehen liegen nicht vor.
Damit ist
zusamme
n
fassend
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht
die ursprüngliche Rentenverfügung
vom 1
3.
Dezember 2002
, der die Grund
voraussetzung eines versicherten, leistungsbegründenden Versicherungsfalls
aufgrund der damals schon v
orhandenen Sachlage
fehlte,
in W
iedererwägung zog
,
und eine neue Rentenprüfung
(
vgl.
U
rteil des Bundesgerichts 9C_566/2016 vom 1
9.
April 2017) ist
mangels eines neuen Versicherungsfalles nicht vorzu
nehmen.
4.4
Wie das Bundesgericht
dargelegt
hat, ist eine
solche
Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG – anders als eine prozessuale Revision
-
an keine Fristen gebunden
(vgl. auch
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
A.,
Rz
39 zu
Art.
53 ATSG)
. Entgegen der Ansicht des B
eschwerdeführers
(
Urk.
16/1 S. 10)
steht eine analoge Anwendung der
relativen
Revisionsfrist
von 90 Tagen nach der Entdeckung des Revisionsgrundes
gemäss
Art.
67
Abs.
1
VwVG
nicht zur Diskussion. Die prozessuale Revision ist in
Art.
53
Abs.
1 ATSG geregelt und auf diese
sind die Fristen gemäss
Art.
67
Abs.
1 und 2
VwVG
ergänzend und gestützt auf
Art.
55
Abs.
1 ATSG anwendbar. Davon
unterscheidet sich klar
die vorliegend anzu
wendende
Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG
. Wie das Bundesgericht
betonte,
wäre es schwierig zu rechtfertigen
, wenn einer Person für die Zukunft zweifellos
nicht
geschuldete Leistungen weiter ausbezahlt würden, weil der Fehler der Verwaltung sch
on Jahre zurückliege
(BGE 140 V 514
E. 3.5). Damit hat es auch vorliegend sein Bewenden.
5.
5.1
In seinem Urteil vom
7.
Juni 2019 ging das Gericht gestützt auf die
Z._
-Gutachter davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der komplexen psychischen Symptomatik schwierig festzulegen sei. Die Gutachter seien der Auffassung gewesen, dass dem Beschwerdeführer eine einfache Erwerbstätigkeit in einem Teilzeitpensum von 50
%
-
eventuell auch
steigerbar
-
zumutbar sei, wenn
seine
phobisch bzw. paranoid bedingte Einschränkungen berücksichtigt würden. Allerdings erst nach einer erfolgreichen Einarbeitungszeit von mehreren Monaten in einem geschützten Arbeitsplatz sei eine Eingliederung im ersten Arbeitsmarkt zu empfehlen. Das Gericht erachtete es deshalb als denkbar, dass Integrationsmassnahmen
im Sinne von
Art.
14a IVG im Hinblick auf eine spätere Eingliederung im Arbeitsmarkt erfolgsversprechend sein könnten
(
Urk.
12/164/10).
Weil der Beschwerdeführer
während mehr als 15
Jahren eine Rente der Invalidenversicherung bezogen hat, forderte es die
Beschwerdegegnerin auf, Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und
gegebenenfalls
zu tätigen.
Ob dies in ausreichender Weise geschehen ist, gilt es nachfolgend zu prüfen.
5.2
5.2.1
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga
benbereich zu betä
tigen
, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (
lit
. a) und die Voraus
setzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind
(
l
it
. b;
Art.
8
Abs.
1 IVG). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unab
hängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des E
rwerbslebens zu berücksichtigen (
Art.
8
Abs.
1
bis
IVG).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss
Art.
8
Abs.
3 IVG unter anderem in medizinischen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
) und Massnahmen beruf
licher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe
) (
lit
. b).
5.2.2
In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungs
zweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 110 V 99). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 108 E. 2a mit Hinweisen). Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in
Art.
8
Abs.
1 IVG ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teil
gehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Sie muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungs
ziel stehen. Dabei lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sach
liche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirk
samkeit aufweisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Einglie
derungserfolg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215 E. 3.2.2).
5.2.3
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50
%
arbeits
un
fähig (
Art.
6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (
Art.
14a
Abs.
1 IVG).
Als Integrationsmassnahmen gelten
gemäss
Art.
14a
Abs.
2 IVG
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete
a
.
Massnahmen
zur sozial-beruflichen Rehabilitation
;
b
.
Beschäftigungsmassnahmen
Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung haben Versicherte, die fähig sind, mindestens zwei Stunden täglich während mindestens vier Tagen pro Woche an Integrationsmassnahmen teilzu
nehmen (
Art.
4
quater
Abs.
1
der Verordnung über
die Invalidenversicherung
[
IVV
]
).
Anspruch auf Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation haben Versi
cherte, die in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art noch nicht eingliederungs
fähig sin
d (
Art.
4
quater
Abs.
2 IVV).
Als Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation gelten Massnahmen zur Gewöhnung an den Arbeitsprozess, zur Förderung der Arbeitsmotivation, zur Stabilisierung der Persönlichkeit und zum Einüben sozialer Grundfähigke
iten
(
Art.
4
quinquies
Abs.
1 IVV).
5.2.4
Unter dem Titel "Massnahmen beruflicher Art" sind insbesondere Berufsberatung (
Art.
15 IVG), Umschulung (
Art.
17 IVG) und Arbeitsvermittlung (
Art.
18 IVG) vorgesehen
.
Anspruch auf Arbeitsvermittlung haben arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versi
cherte, die eingliederungsfähig sind; sie haben Anspruch auf aktive Unter
stüt
zung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
Art.
18
Abs.
1
lit
. a IVG).
6.
6.1
Gemäss
der
Darstellung der Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin besuchte der Beschwerdeführer in
Y._
die Schule bis
er
11jährig
war
. Beruflich habe er als Journalist in
Y._
gearbeitet, bevor er nach den lang
jährigen Inhaftierungen mit den Folterungen in die Schweiz geflohen sei (
Urk.
12/215). Über eine berufliche Ausbildung verfügt der Beschwerdeführer somit nicht. Demzufolge wurde er, der im Jahr 2020 55 Jahre alt war, von der Eingliederungsberatung
für eine künftige Arbeit in der Schweiz
zu Recht als Hilfsarbeit
skraft
ohne Berufsausbildung eingestuft
(
Urk.
12/215/7).
Die Gutachter
des
Z._
hatten
es für
denkbar
gehalten
,
dass aufgrund der festge
stellten Fähigkeit
des Beschwerdeführers
,
A
uto
zu
fahren
und auch ab und zu
zu
reisen, der Teilnahme an Tätigkeiten des
b._
Vereins
in einem kleinen P
ensum
und der grundsätzlich nicht eingeschränkten körperlichen
Belastbarkeit
von ihm
eine Tätigkeit in einem
Auslieferdienst oder eine Tätigkeit in einem kleinen Kaffee hinter der Bar
ausgeübt werden könnten, dies im Umfang von
eventuell
50
%
oder gar
steigerbar
(
Urk.
12/131/60).
Gleichzeitig
befanden
die Gutachter den
Beschwerdeführer
aber
auf dem ersten Arbeitsmarkt
als
nicht unmittelbar eingliederungsfähig
, weil er nie im ersten Arbeitsmarkt
tätig gewesen war, sein
chronifiziertes
psychisches Leiden als ausgesprochen schwer beurteilt wurde und seine Einschränkungen viel Rücksichtnahme durch den Arbeitgeber bei der Tätigkeit verlangten, wie beispielsweise die Möglichkeit des zeitweisen Verlassens der Arbeitsstelle drinnen und draussen
. Die Gutachter konnten die mögliche effektive Belastbarkeit nicht direkt festlegen
und erachteten deshalb vorab eine Arbeitserprobung im geschützten Bereich als notwendig. Sie stellten die attestierte
teilzeitliche
Arbeitsfähigkeit in einer solchen
angepassten
Tätigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt
in der
F
olge unter den Vorbehalt der
(erfolgreichen) Einarbeitungszeit in einem geschützten Umfeld
(
Urk.
12/131/60).
6.2
Unter Berücksichtigung dieser Einschätzungen
entwickelte
die Beschwerde
gegnerin
den Plan einer Arbeitsvermittlung des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt
im Sinne von
Art.
18 IVG
.
Aufgrund
der aktuellen
unbestrittener
massen fehlenden
Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers
in
d
en
ersten
Arbeitsmarkt
und
zu dessen Befähigung klärte sie mögliche Integrationsmass
nahmen im Sinne von
Art.
14a
Abs.
1 IVG ab.
Die
Abklärungen
bei mehreren möglich
en
Durchführungsstellen solche
r
Integrationsmassnahmen
ergaben, dass für ein Belastbarkeitstraining
(
Art.
4
quinquies
Abs.
1 IVV)
eine minimale Sprach
an
forderung auf dem Sprachniveau B1 verlangt
ist
, ansonsten diese Massnahmen
nicht durchgeführt werden könn
en (
Urk.
12/187).
Eine
Sprachstand-Einschätzung des Beschwerdefüh
rers vom 1
8.
Januar 2020 ergab allerdings,
dass
er
über keine grammatikalischen Deutschkenntnisse verfüg
t
.
Im Bericht
der
Abklärer
wurde festgehalten, er
habe
ein sehr einge
schränktes aktives Vokabular, so dass eine Konversation immer stocke.
Er verstehe mehr, als er aktiv sprechen könne, besondere Schwierigkeiten würden ihm Zahlen bereiten. Seine Schrift sei zwar ziemlich gut lesbar, doch schreibe er deutsche Wörter oft phonetisch.
Sie empfahlen
einen langsamen
Deutschk
urs
für das Sprachniveau A1
, weil ein Kurs in einem normalen Tempo den Beschwerde
führer überfordern könnte
.
Dieser könne als Semi-Intensivkurs an drei Nach
mittagen oder als Integrationskurs gemacht werden, wobei letzterer jeden Tag stattfinde, aber mehr Zeit für das Festigen bestehe
(
Urk.
12/194).
6.3
In Umsetzung dieser Empfehlung wurde dem Beschwerdeführer a
ls Vorberei
tungsmassnahme von beruflichen Eingliederungsmassnahmen
mit Mitteilung vom 2
7.
Januar 2020 ein
Integrations-/Deutschkurs Sprachniveau A1 (Anfänger, einfache F
ragen verstehen und beantworten)
während des Zeitraums vom 2
4.
Februar bis 1
0.
Juli 2020
zugesprochen
(
Urk.
12/195)
.
Der Kurs fand fünf Mal in der Woche während jeweils drei Stunden am Nachmittag statt (
Urk.
12/199).
Bereits am 1
1.
März 2020 wurde seitens der Kursleitung gemeldet, dass der Beschwerdeführer mit dem Kurs übe
rfordert sei, weil er Mühe mit L
esen
und S
chreiben habe
, weshalb ein Wechsel in den Alphabetisierungskurs vorge
schlagen werde
(
Urk.
12/200).
Die Beschwerdegegnerin war einverstanden
und somit w
echselte der Beschwerdeführer
ab 2
7.
April 2020
in den fortgeschrittenen Alphabetisierungskurs
(Alpha 3)
(
Urk.
12/215/11
).
Im Juni 2020 erfolgte die Rückmeldung der Kursleitung, dass der Beschwerdeführer zwar versuche, das Gelernte zu verstehen, ruhig und fleissig sei,
und
Fortschritte
mache
, jedoch sei sein Wortschatz noch begrenzt und er brauche noch so viel Unterstützung, dass man empfehle,
den Beschwerdeführer
zur Festigung des Lesens und Schreibens in den Vorkurs zu schicken und erst hernach in den Anfängerdeutschkurs A1 (
Urk.
12/206
, 12/207/3
)
.
Dies wurde jedoch von der Beschwerdegegnerin mit der vorliegend angefochtenen Verfügung abgelehnt.
6.4
Das angestrebte Eingliederungsziel, nämlich die Eingliederung des
55jährigen
B
eschwerdeführers in ein namhaftes
, sicher 50%
iges
Pensum in den ersten Arbeitsmarkt mittels der angestrebten Arbeitsvermittlung,
muss
von Beginn
als in der Erreichbarkeit
unsicher
eingestuft
werden. Die Gutachter bezeichneten schon 2017 die traumatischen Erfahrungen des Beschwerdeführers als wesent
liches Rehabilitationshindernis für die Eingliederung in die hiesigen Verhältnisse (
Urk.
12/131).
Denn im Vordergrund
standen
- und stehen noch immer
-
die phobischen Störungen,
subjektive
Konzentrationsstörungen und Gedächtnis
probleme und Schwierigkeiten bei der sozialen Einordnung als Folgen der erlebten Folterungen (
Urk.
12/131/57).
Der Beschwerdeführer befand, es sei ihm einfach nicht mehr möglich, unter Befehlen zu arbeiten,
er
reagiere gereizt, könne nicht mehr längere Zeit am gleichen O
rt bleiben, bekomme Platzangst, auch im Freien müsse er immer wieder den Ort wechseln (
Urk.
12/131/41). Dies wurde durch die behandelnde Ärztin bestätigt.
Die
psychotherapeutisch tätige Ärztin
C._
berichtete am 3
0.
April 2020, der Kurs mit dem täglichen mehr
stündigen Präsenzunterricht überfordere den Beschwerdeführer. Nach zwei Stunden sei er an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Er könne wegen seiner Grunderkrankung nicht während vier Stunden in einem geschlossenen Raum sein. Auch bei ihr schaffe er es knapp 45 Minuten im gleichen Raum
zu sein
wie sie, nach 20 Minuten sei immer ein deutlicher Anstieg der krankheitsbedingten Symptome mit Intrusionen, innerer Unruhe, Unfähigkeit zu Konzentration und Aufmerksamkeit zu beobachten. Er könne dann nicht mehr klar denken, bekomme Kopfschmerzen und regelmässig auch Migräne
. Sie schlage vor, dass er nur zwei Stunden pro Tag
einen
Deutschkurs vor Ort
besuche
und zwei Stunden Selbststudium
mache
. Es sollte einen Wochenstundenplan geben, wobei die Termine, wozu noch vier Physiotherapiestunden und ein Psychotherapietermin sowie allfällige weitere A
rzttermine gehörten,
mit dem Beschwerdeführer und der IV-Beratung
abgesprochen werden sollten
(
Urk.
12/205)
.
Tatsache ist somit, dass bereits die Sprachkursanordnung mit der doch geringen tatsächlichen Präsenzverpflichtung die Symptomatik beim Beschwerdeführer verstärkte und
aus gesundheitlicher Sicht eine lockerere Ausführung mit
weniger
Stunden
notwendig wäre
,
was fraglos die Sprachentwicklung verlängern würde.
Eine solche Kursanordnung war jedoch nicht vorgesehen und
gemäss den Recherchen der Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin fast ausge
schlossen zu finden (
Urk.
12/215/11)
.
Für das gezeigte
E
ingliederungsziel
bilden die Integrationsmassnahmen und diesen vorgelagert die erfolgreiche Absolvierung des
Deutschkurs
es bis zum Niveau B1
(selbständige Sprachanwendung; vgl. dazu
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen (GER); https://
www.europäischer-referenz
rahmen
.de)
eine unabdingbare Voraussetzung
(vgl. AHI-Praxis 1997 S.
79). Die Tatsache jedoch, dass
dafür zunächst noch eine hinreichende Alphabetisierung des Beschwerdeführers erreicht werd
en muss, bevor das Niveau A1
(elementare Sprachanwendung) in Angriff geno
mmen werden kann
und hernach die Niveaus A2 und B1 aufgebaut werden können (
Urk.
12/215/11),
und
dass
der Beschwer
deführer
die
übliche Kadenz und Präsenz der Sprachkurse aufgrund seines Krank
heitsbildes nicht
bewältigt
und eine für ihn individuell angepasste Massnahme gefunden werden müsste, lassen
das Ziel der Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt und dessen Vermittlung in diesen
innert
angemessener
Frist als weni
g wahrscheinlich
und die
ang
epeilte
Mass
nahme prognostisch als zu wenig sicher eingliederungswirksam
erscheinen.
Andere wirksamere Massnahmen sind nicht erkennbar. Die Beschwerdegegnerin hat das getan, was im Rahmen der Abklärungen für eine Eingliederung verlangt werden kann. Ein weitergehender Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht nicht, weshalb die Beschwerde bezüglich der Verfügung vom 1
7.
Septem
ber 2020 abzuweisen ist
.
6.5
Damit ist auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit Verfü
gung vom 1
6.
Februar 2021 die Leistungen eingestellt hat. Die Beschwerde gegen diese Verfügung ist ebenfalls abzuweisen.
7.
7.1
Das Gericht gewährte im Verfahren IV.2020.00679 mit Verfügung vom 2
0.
November 2020 die unentgeltliche Prozessführung und es bestellte Rechts
anwalt
Soluna
Girón
, Zürich, zum unentgeltlichen Rechtsvertreter (
Urk.
13). Diese Anordnungen sind
entsprechend dem Antrag
(
Urk.
16/1) auf das ganze vereinigte Verfahren auszudehnen, zumal keine finanziellen Verbesserungen erkennbar sind
(
Urk.
16/9, 16/10).
7.2
Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens dem Beschwerdeführer
aufzuer
legen und auf
Fr.
8
00.
--
festzusetzen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
, infolge der Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung
jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
D
er Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen
, wonach er zur Nachzahlung der Kosten verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist
.
7.3
Der unentgeltliche Rechtsvertreter, Rechtsanwalt
Soluna
Girón
,
wurde mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
November 2020 auf die Möglichkeit
hingewiesen
,
vor Fällung des Endentscheids
eine Honorarnote einzureichen
(
Urk.
13
).
Mangels aufgelegter Honorarnote ist seine Entschädigung
androhungsgemäss
ermessens
weise
auf
Fr.
3'9
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzusetzen und sie ist aus
der Gerichtskasse
zu bezahlen.
Der Beschwerdeführer und sein Vertreter werden auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.