Decision ID: 08d2eb5c-6231-4668-b586-f74769ee0c9f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der 1999 geborene
X._
meldete sich
am
12. November 2014
bei
der Invalidenversicherung
zum
Bezug von Leistungen
für Minderjährige (Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an (Urk. 12/15
und Urk. 12/18
).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
einen Bericht des Schul
p
sychologischen Dienstes des Kantons
Z._
ein und wies
den
Versicherten
mit Schreiben vom 10. Februar 2015 darauf hin, dass eine psychiatrische Behandlung oder neuropsychologische Abklärung
notwendig sei
,
um beurteilen
zu können
, ob
ein invaliden
versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 12/27)
.
In der Folge holte sie
einen
Bericht der
A._
ein (Urk. 12/37). Mit Schreiben vom 6. Oktober 2015
auferlegte sie dem
Versicherten
unter Hinweis auf
seine
Mitwirkungspflicht
als Voraussetzung für allfällige zukünftige Leistungsansprüche
eine mindestens sechsmonatige Drogenabstinenz als Massnahme zur Verbesserung des Gesundheitszustandes (Urk. 12/42).
Mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2015 stellte sie die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht (Urk. 12/43).
Dagegen erhob der Versicherte Einwände (Urk. 12/45,
Urk.
12/46 und Urk. 12/49)
, woraufhin
die IV-Stelle weitere Abklärungen
tätigte und
dem Versicherten mit Schreiben vom 22. März 2016 Gelegenheit zur Stellungnahme ein
räumte
(Urk. 12/70). Mit Verfügung vom 8. Juni 2016 verneinte sie einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 12/75
= Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
4. Juli 2016
Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine erstmalige berufliche Ausbildung zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1).
Mit Beschwerde
antwort
vom 27. September 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11). Die Beschwerdeantwort wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 30. September 2016 zugestellt
(Urk. 13)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Voraussetzung für den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung ist eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
. Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderli
che Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Gemäss Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten des Versicherten entspricht.
Als erst
malige beruf
liche Ausbildung gilt laut Art. 5 Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
die berufliche Grundbildung nach dem BBG
sowie
nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch
einer
Mittel-
, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Als invalid im Sinne von Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehr
kosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden gei
stigen Gesund
heitsschaden (Art. 4 Abs.
1 IVG) entwickelten Grundsätze
auch im Bereich
des Art. 16 Abs.
1 IVG massgeblich
; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätig
keit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsga
ng Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E.
1.b
mit Hinweis
).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
bewirken.
Rechtsprechungs
gemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. No
vember 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, gemäss den medizinischen Abklärungen leide der Beschwerdeführer an einer Anpas
sungsstörung. Aufgrund dieser Diagnose bestehe kein IV-relevanter Gesund
heitsschaden, da es sich definitionsgemäss um eine vorübergehende Beein
trächtigung handle. Gemäss der Beurteilung des Regional
en
Ärztlichen
D
ienstes (RAD) sei
en
auch unter Einbezug der neu eingereichten medizini
schen Unterlage
n
die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer schweren depressiven Episode nicht nachvollziehbar (Urk. 2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer machte dagegen im Wesentlichen geltend,
in den ärztlichen Berichten der
B._
vom 9. Dezember 2015 und 4. Februar 2016
werde unter anderem die Diagnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung gestellt. Es werde ausdrücklich festgehalten, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung lediglich eine Ausbildung im geschützten Rahmen möglich sei. Es sei somit erstellt, dass eine Invalidität im Sinne von Art. 16 Abs. 1 IVG eingetreten sei und der Beschwerdeführer die gesetzlichen Voraussetzungen für eine erstmalige berufliche Ausbildung gemäss Art. 16 IVG erfülle
(
Urk.
1)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob beim Beschwerdeführer eine Invalidität im Sinne von Art. 4 und 16 IVG vorliegt
und
ob er invaliditätsbedingt auf
eine
berufliche
Erstausbildung in einem geschützten Rahmen
angewiesen ist
.
3.
3.1
Im Bericht des Schulp
s
ychologischen Dienstes des Kantons
Z._
vom 29. August 2012 wurde ausgeführt, die Probleme des Beschwerdeführers lägen nicht im Bereich der Sachkompetenzen, sondern bei den
Selbst- und Sozialkompetenzen
, in denen er
keinen altersentsprechenden Entwicklungs
stand
erreicht habe. Ursächlich seien neben konstitutionellen v.a.
entwick
lungshemmende und teilweise sehr belastende Umstände im psychosozialen familiären Umfeld
. Dazu kämen auch reaktiv entstandene Verhaltens
störungen teilweise massiv aggressiver
Art.
Unter diesen Umständen seien Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen, Frustrationstoleranz und Impulskon
trolle sowie die Fähigkeit zur Stressbewältigung massiv eingeschränkt, so dass situativ von erheblicher Selbst- und Fremdgefährdung ausgegangen werden müsse. Es bestehe ein grosser Bedarf nach umfassender sozialpäda
gogischer und therapeutischer Betreuung (Urk. 12/19).
3.2
Im Bericht des
S
chulpsychologischen Dienstes des Bezirks
C._
vom 5. Januar 2015 wurde festgehalten, der Beschwerdeführer besuche aufgrund einer Lernstörung bei einer Kombination von
schwerwiegenden emotionalen und sozialen Schwierigkeiten und einer Verhaltensstörung
seit dem Schuljahr 2012/13 das Schulheim
D._
in
E._
mit dem Status eines Sonderschülers
. Seit dem Übertritt ins Schulheim habe eine gewisse Konsolidierung stattgefunden. In den letzten Monaten habe sich aber wieder gezeigt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner
sozialen Schwierigkeiten und den noch geringen Selbstkompetenzen
sehr auf ein sonderschulisches Angebot in einem geschützten Rahmen angewiesen sei. Er sei im Unterricht, in der Gruppe und zu Hause sehr versc
hlossen und habe sich zunehmend
zurückge
z
ogen. Die Bezugspersonen machten sich grosse Sorgen, weil es schwierig
sei, an ihn heranzukommen
,
und er gleichzeitig oft über Schmerzen und Müdigkeit klage oder krank sei. Im Hinblick auf die Berufswahl habe er zwar schon geschnuppert, er brauche aber viel Unterstützung seiner Bezugsper
sonen, selber habe er kaum etwas für seine Berufswahl unternommen. Er komme im Berufswahlprozess nicht vorwärts. Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen, Frustrationstoleranz, Impulskontrolle und Stressbewälti
gungsstrategien seien bei ihm nach wie vor stark eingeschränkt.
Situativ
müsse von einer
erheblichen Selbstgefährdung
ausgegangen werden (Urk. 12/65).
3.3
Im Austrittsbericht der
A._
vom 18. Juni 2015 wurde
n die folgenden Diagnosen gestellt:
Achse I:
Anpassungsstörung
en, ICD 10: F43.20
Achse II: nicht untersucht
Achse III: klinisch durchschnittliche Intelligenz
Achse IV: St. n. Balanitis
Achse V:
2.1 Behinderung eines Elternteils (lebensbedrohliche Erkrankung der Mutter)
5.0 Erziehung in einer Institution, abweichende Elternsituation
8.0 anamnestisch Mobbing durch Heimmitbewohner
Achse VI: e
rnsthafte soziale Beeinträchtigung in mindestens ein oder zwei Bereichen (4)
Der Beschwerdeführer sei zur
Krisenintervention
stationär aufgenommen worden und habe sich alsbald
von Suizidabsichten distanzieren
können
. Aufgrund einer fehlenden Indikation für eine Fortsetzung des stationären Aufenthaltes sei die Entlassung zurück in das Schulheim
D._
vorbereitet worden. Die vom Beschwerdeführer geschilderte
Mobbingsituation im Heim
scheine vom Betreuerteam zuvor nicht wahrgenommen worden zu sein. Ein Wechsel des Wohnheims scheine behördlicherseits im Augenblick nicht möglich, was für den Beschwerdeführer eine unbefriedigende Situation darstelle
(Urk. 12/37).
3.4
Dr.
med.
F._
,
A._
,
nannte
in seinem Bericht vom 6. August 2015 die Diagnose einer
Anpassungsstörung (F 43.20)
und attestierte keine Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 12/37)
.
3.5
Im Bericht
d
er
B._
vom 9. Dezember 2015
wurden die folgenden Diagnosen gestellt:
Schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome mit suizidaler Krise F32.2
St.n. Vd. auf einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung F90.0
Posttraumatische Belastungsstörung
F43.1
Achse III: (knap
p) unterdurchschnittliche Intel
ligenz
Achse IV:
Achse V:
2.1: Behinderung eines Elternteils (angeborener komplexer Herz
fehler)
5.0: Erziehung in einer Institution, abweichende Elternsituation
8.0: anamnestisch Mobbing durch Heimmitbewohner
Achse VI: ernsthafte soziale Beeinträchtigung in mindestens ein oder zwei Bereichen
Es wurde
ausgeführt, der Beschwerdeführer sei am 22. Oktober 2015 auf die Akutstation für Jugendliche zugewiesen worden, nachdem am 20. Oktober 2015 ein Eintritt aufgrund einer suizidalen Krise per FU in
G._
erfolgt sei. In der Eintrittsdiagnostik habe er im Becks Depressionsinventar (BDI II) einen Summenwert von 30 Punkten erreicht, was auf eine schwere depressive Symptomatik hinweise. Diese äussere sich in Hoffnungslosigkeit, Gedanken
kreisen, Gefühl der Gefühllosigkeit, stark reduziertem Selbstvertrauen, Schlafschwierigkeiten und s
ozialem Rückzug. Im Verlauf hab
e
sich die
suizi
dale Krise aufgehellt.
Er habe sich
von Suizidabsichten distanzieren können
und
sei gut absprachefähig
gewesen
.
Am 12. November 2015 habe er im BDI
II einen Summenwert von 19 Punkten erzielt, was auf eine
leichte depressive Symptomatik
hinwe
i
se.
Er habe sich die bessere Befindlichkeit mit der räumlichen Distanz zum
Schulheim
D._
erklärt, in dem er seit Ende 2013 wohn
t
e und die interne Schule besuchte. Von Mitbewohner
n
sei er immer wieder gemobbt worden. Vom Behandlungsteam habe er sich unver
standen gefühlt.
In Einzelgesprächen habe er von
traumatischem Erleben im Alter von acht bis vierzehn Jahren
berichtet.
Der Verdacht auf eine post
traumatische Belastungsstörung könne durch eine Testung des SKID I, Sek
tion Angststörungen, wie auch durch klinische Beobachtung bestätigt wer
den
. Bei wiederholter Testung sei der Drogenurin negativ
(Urk. 12/54).
3.6
Im Bericht der
A._
vom 25.
Januar 2016 wurden die folgenden Diagnosen gestellt:
F 32.1 mittelgradige depressive Episode
F 43.2 Anpassungsstörungen
Achse V:
2.1 Behinderung eines Elternteils (lebensbedrohliche Erkrankung der Mutter)
5.0 Erziehung in einer Institution, abweichende Elternsituation
8.0 anamnestisch Mobbing durch Heimmitbewohner
Achse VI: ernsthafte soziale Beeinträchtig
ung in mindestens ein
oder
zwei
Bereichen
Es wurde ausgeführt, nach psychischer Stabilisierung sollten Ausbildungs
tätigkeiten möglich sein, in denen der Beschwerdeführer möglichst
selbstän
dig arbeiten könne. Vom zeitlichen Umfang her bestehe keine Einschränkung (Urk. 12/66).
3.7
Im Bericht der
B._
vom 4. Februar 2016 wurden die folgenden Diagnosen genannt
(Urk. 12/67)
:
Achse I:
Schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome mit suizidaler Krise (F32.2)
St.n. Vd. auf einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
Posttraumatische Belastungsstörung
(F43.1
)
Achse II: keine umschriebenen Entwic
k
lungsstörungen (F90.0)
Achse III: (knapp) unterdurchschnittliche Intelligenz
Achse IV: Vd. auf Brugada Syndrom (Uni Zürich). Cave: Diverse Medikamente kontraindiziert
Achse V:
2.1 Behinderung eines Elternteils, abweichende Elternsituation
5.0 Erziehung in einer Institution
8.0 Anamnestisch Mobbing durch Heimmitbewohner
Achse VI: Ernsthafte soziale Beeinträchtigung in mindestens ein oder zwei Bereichen (4)
Es wurde ausgeführt
,
der Beschwerdefü
hrer sei am 22.
Oktober 2015 auf die Akutstation für Jugendliche zugewiesen worden
.
Am 14.
Dezember 2015 sei es nach achtwöchiger regulärer Behandlungsze
it zu einem Austritt und am 21.
Dezember 2015 zu einem erneuten Eintritt auf der Akutstation für Jugendliche gekommen, um eine Anschlusslösung zu installieren. Bei Eintritt habe sich eine schwere depressive
Symptomatik gezeigt. Im Verlauf
habe si
ch
die suizidale Krise aufgehellt. Der Beschwerdeführer habe sich von Suizidab
sichten distanzieren können und sei gut absprachefähig gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich die
bessere Befindlichkeit
mit der räumlichen Distanz zum
Schulheim
D._
erklärt.
Er habe
in deutlich stabilisiertem psychischem Zustand
ohne Selbst- oder Fremdgefährdung entlassen werden können (Urk. 12/67).
3.8
Der Regional
e
Ärztliche Dienst
(RAD)
hielt anlässlich der in
t
erd
isziplinären Fallbesprechung vom
22. März 2016 fest,
die Dia
gnosen schwere depressive Episode und posttraumatische Belastungsstörung seien nicht nachvollziehbar. In den Berichten fänden sich auch keine auslösenden Ereignisse. Ebenfalls finde keine entsp
rechende Medikation statt (Urk.
12/74 S. 5).
4.
4.1
Die
B._
stellte die
Diagnose
einer posttraumat
ischen Belastungsstörung (
ICD-10: F43.1) erstmals in ihrem Bericht vom
9. Dezember 2015 (Urk. 12/54
) und hielt
in der Folge
daran
fest. In
den
übrigen
medizinischen
Berichten wird indessen
eine Anpassungsstörung (ICD-10: F
43.2
)
diagnostiziert.
Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht als verzögerte oder protra
hierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation ausserge
wöhnlicher Bedrohung oder katastrop
halen Ausmasses (kurz oder lang
an
haltend), die bei fast jedem eine tiefe
Verzweiflung hervorrufen würde.
Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Drogeneinnahme oder übermässiger Alkoholkonsum können als komplizierende Faktoren hinzu
kommen.
Die Störung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann (doch selten mehr als 6 Monate nach dem Trauma). Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine dauernde Persönlichkeits
änderung (F62.0) über (Dilling/Mombour/Schmidt [Hrs
g
.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnos
tische Leitlinien, 10. Aufl. 2015
, S. 207
f.).
Im Bericht der
B._
wird in Bezug auf das traumatische Ereignis lediglich ausgeführt, der Beschwerdeführer habe in Einzelgesprächen von
traumati
schem Erleben im Alter von acht bis vierzehn Jahren
berichtet (Urk. 12/54), ohne dass das auslösende Ereignis genannt oder näher umschrieben würde.
Das auslösende Trauma ist von der Gutachterperson
jedoch
zwingend zu referieren
, namentlich wenn es allein durch die subjektiven Angaben und Schilderungen der betroffenen Person belegt wird
(vgl.
BGE 142 V 342 E.
5.2.2).
Auch die übrigen Diagnosekriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nach ICD-10 sind den Berichten der
B._
nicht zu ent
nehmen. Damit erweist sich die Diagnose einer PTBS als nicht
nachvollzieh
bar
und es erübrigt sich, die Standardindikatoren
gemäss BGE 141 V 281 zu prüfen.
Bei der Anpassungsstörung handelt es sich um ein vorübergehendes Leiden, das
rechtsprechungsgemäss per se
nicht
invalidisierend ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_408/2010
vom 22. November 2010
E. 4.3 mit Hinweisen
)
.
4.2
Zu prüfen bleibt, ob aufgrund der depressiven Störung eine
Invalidität besteht.
Die
B._
nannte in ihren Berichten die Diagnose einer
s
chwere
n
depressive
n
Episode
ohne psychotische Symptome mit suizidaler Krise (
ICD-10:
F32.2)
.
Auch diese Diagnose ist nicht nachvollziehbar
,
zumal weder entsprechende Befunde erhoben worden sind noch eine entsprechende Medikation stattfand
(
vgl. Urk. 12/74 S. 4 f.
)
. Im Bericht der
B._
vom 9. Dezember 2015
wurde
im Verlauf des stationären Aufenthaltes denn auch nur noch eine leichte depressive Symptomatik erwähnt
(vgl. Urk. 12/54
S.
3
). Auch im Bericht
d
er
B._
vom 4. Februar 2016
wurde
festgehalten, der Beschwerdeführer habe
in deutlich stabilisiertem psychischem Zustand
ohne Selbst- oder Fremdgefährdung entlassen werden können
(Urk. 12/67
S. 4
).
Im Bericht der
A._
vom 25. Januar 2016,
wurde
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (F 32.1) gestellt und es wurde ausgeführt, nach psychischer Stabilisierung sollten Ausbildungstätigkeiten möglich sein, in denen der Beschwerdeführer möglichst selbständig arbeiten könne. Vom zeitlichen Umfang her bestehe keine Einschränkung (Urk. 12/66).
Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis sind leichte bis höchstens mittel
schwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapier
bar und führen invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4.2, 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.2.1, 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom 20. Februar 2014 E. 5.4, 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2, 9C_696/201 vom 19. Juni 2013 E. 4.3.2.1, 9C_250/2012 vom 29. November 2012 E. 5 sowie 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1). Bei der depressiven Episode handelt es sich definitionsgemäss um ein vorübergehendes
Leiden (
vgl.
Dilling/Mo
mbour/
Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.
S.
169 ff.)
. Nach der Rechtsprechung des Bundes
gerichts fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3 mit Hinweis), was vorliegend nicht der Fall ist.
Die Diagnose einer depressiven Episode wurde
zum ersten Mal
im Bericht der
B._
vom
9.
Dezember 2015 erwähnt (Urk. 12/54).
Der Beschwerdeführer wurde im Oktober 2015 auf die Akutstation für Jugendliche der
B._
zuge
wiesen, nachdem er aufgrund einer suizidalen Krise per fürsorgerische Unter
bringung
eingewiesen worden war.
Im Laufe
des
stationären Aufenthalt
es
hat sich die depressive Störung stark verbessert und der Beschwerdeführer konnte in
deutlich stabilisiertem psychischem Zustand
entlassen werden (Urk.
12/67
S. 4
).
Auch die Ärzte der
A._
, wo der Beschwerdeführer seit dem 15. August 2015 in ambulanter
Therapie
war, rechnen mit einer weiteren psychischen Stabilisierung
(Urk. 12/66)
.
Somit ist davon auszugehen, dass die depressive
Störung
bei konsequenter Depressionstherapie und entsprechender Medikation therapierbar ist. Von einer
Behandlungsresistenz kann nicht die Rede sein
.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Bericht der
B._
mit der räumlichen Distanz zum Schulheim
D._
, wo
der Beschwerdeführer
von Mitbewohnern gemobbt worden sei,
eine bessere Befindlichkeit
einherging
(Urk. 12/54 S. 3 und Urk. 12/67 S. 3)
, was
darauf hin
deutet
, dass
beim Auftreten der depressiven Episode
psychosoziale Belastungen und damit ver
bundene emotionale Konflikte im Vordergrund standen.
4.3
Nach dem Gesagten
fehlt es an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden.
Somit
besteht auch kein Anspruch auf
Massnahmen
zur
beruflich
en
Ein
gliederung
.
Die angefochtene Verfügung erweist sich
im Ergebnis
als rech
tens,
was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vorliegende Verfahren (Urk. 1). Die Voraussetzungen ge
mäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sind erfüllt, weshalb dem Gesuch zu entsprechen ist. Gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer ist der Beschwerdeführer
zur Nachzahlung
verpflichtet, s
obald er
da
zu in der Lage ist.
5.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Dem Beschwerdeführer
ist
in der Person von Rechtsanwä
lt
in Melina Tzikas
ein
e
unentgeltliche
Rechtsvertreter
in
für das vorliegende
Verfahren zu bestellen, welche
aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
Da die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
dem Gericht keine Honorarnote ein
gereicht hat, ist die Entschädigung
androhungsgemäss
nach Ermessen fest
zusetzen
(vgl. Urk. 13)
. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache
und der Schwierigkeit des Prozesses
ist
Rechtsanwä
lt
in Tzikas
mit Fr.
1
‘
5
00
.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädi
gen.