Decision ID: 775ea6ed-c3e4-4203-adba-9dd94217cfb5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte und angab, mit B._ verheiratet zu sein, worauf das
SEM für sie und B._ ein gemeinsames Dossier eröffnete,
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der Eu-
rodac-Datenbank ergab, dass diese zuvor am 31. Oktober 2021 in den Nie-
derlanden ein Asylgesuch eingereicht hatte,
dass das SEM der Beschwerdeführerin am 21. November 2022 im Beisein
der ihr zugewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zu einem all-
fälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung in
die Niederlande gewährte,
dass sie im Wesentlichen zu Protokoll gab, sie habe Algerien im Juni 2020
verlassen und sei via C._, D._ und E._ in die Nie-
derlande gelangt, wo sie ein Asylgesuch gestellt und sich etwa fünf bis
sechs Monate aufgehalten habe,
dass sie in den Niederlanden negative Entscheide erhalten habe, wogegen
sie Rekurs erhoben und deswegen einen Termin vor Gericht gehabt habe,
dass sie auf das weitere Verfahren aber verzichtet habe, als sie vor dem
Gerichtsgebäude Freunde ihres (...) gesehen habe, und sie später aus
Angst aus den Niederlanden ausgereist und via F._ etwa im Ap-
ril/Mai 2022 nach D._ zurückgekehrt sei,
dass sie den definitiven Asylentscheid der niederländischen Behörden
noch nicht bekommen habe,
dass sie während ihres Aufenthalts in D._ von ihrem (...) Drohungen
auf Facebook und via Sprachnachrichten über ihre Schwester erhalten
habe,
dass sie wegen dieser Drohungen nicht in die Niederlande zurückkehren
könne, da ihr (...), der sich aktuell in E._ aufhalte und illegale Ge-
schäfte – wohl im (...) – mache, sie überall finden würde,
dass sie die Behörden bezüglich der Drohungen ihres (...) bisher nicht ver-
ständigt habe,
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dass sie zudem von B._ im (...) Monat schwanger sei und eine
Rückkehr in die Niederlande Stress für das ungeborene Kind bedeuten
würde,
dass es ihr gesundheitlich gut gehe, der Stress aber gross sei und sie bis-
lang in ihrem Leben keine Ruhe gefunden habe,
dass das SEM der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 23. November
2022 mitteilte, dass es beabsichtige, die Asylgesuche von ihr und
B._ getrennt zu prüfen, nachdem aufgrund der Aussagen von
B._ anlässlich seines Dublin-Gesprächs vom (...) November 2022
davon auszugehen sei, dass sie sich erst seit Sommer 2022 kennen wür-
den und nicht verheiratet, sondern lediglich religiös getraut seien, und zu-
dem aktenkundig sei, dass sie sich hierzulande von B._ getrennt
habe, und ihr dazu das rechtliche Gehör einräumte,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 29. November
2022 ausführte, dass es zutreffe, dass sie B._ erst seit Kurzem
kenne und nur religiös getraut sei, dass sie und B._ in dieser Zeit
aber wie ein Ehepaar gelebt hätten und sie von ihm schwanger sei,
dass in den Niederlanden nicht nur ihr, sondern auch das Leben ihres un-
geborenen Kindes in Gefahr wäre, wenn ihr (...) von der Schwangerschaft
erfahren sollte,
dass das SEM in der Folge das Verfahren der Beschwerdeführerin von
demjenigen von B._ abtrennte,
dass das SEM mit Verfügung vom 8. Dezember 2022 – eröffnet am 9. De-
zember 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, die Wegweisung
aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Niederlande) an-
ordnete, die Beschwerdeführerin aufforderte, die Schweiz spätestens am
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und den Kanton
G._ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwer-
deführerin verfügte,
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dass die Rechtsvertretung dem SEM am 9. Dezember 2022 die Beendi-
gung des Mandatsverhältnisses mitteilte,
dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 16. Dezember 2022 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und um Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung sowie um Eintreten auf das Asylgesuch ersuchte,
dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses ersuchte,
dass sie des Weiteren beantragte, der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu erteilen,
dass sie zur Begründung im Wesentlichen geltend machte, dass sie und
ihr ungeborenes Kind in den Niederlanden vor ihrem (...) in Gefahr wären
und die niederländischen Behörden sie nicht beschützen könnten, da ihr
(...) sie überall finden würde,
dass zudem eine Trennung von B._ gegen Art. 8 EMRK (Einheit der
Familie) verstossen würde,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
19. Dezember 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),
dass die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung am 20. Dezem-
ber 2022 im Sinne einer provisorischen Massnahme einstweilen aussetzte,

Considerations:
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um ein solches Rechtsmittel handelt,
weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
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dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird,
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie
vorliegend – grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Ka-
pitel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1
m.w.H.),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wiederaufzu-
nehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO),
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht),
dass entweder der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaats durchführt, oder der zuständige Mitgliedstaat vor
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der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat
ersuchen kann, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum
Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei
die betroffenen Personen dem schriftlich zustimmen müssen (Art. 17
Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel),
dass unbestritten und durch den Abgleich der Fingerabdrücke der Be-
schwerdeführerin mit der Eurodac-Datenbank belegt ist, dass diese am
31. Oktober 2021 in den Niederlanden ein Asylgesuch eingereicht hatte,
dass das SEM die Niederlande am 30. November 2022 um Wiederauf-
nahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-
III-VO ersuchte, und die niederländischen Behörden dem Übernahmeersu-
chen in Anwendung der besagten Bestimmung am 7. Dezember 2022 zu-
stimmten,
dass die Zuständigkeit der Niederlande für die Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführerin somit gegeben ist,
dass der Vollständigkeit halber festzuhalten ist, dass sich aus den Zustän-
digkeitsbestimmungen der Dublin-III-VO in Bezug auf Familienangehörige
(Art. 9 bis 11) bereits deshalb nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin
ableiten lässt, da B._ die Voraussetzungen an einen Familienange-
hörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO (Bestand der Familie im
Herkunftsland) nicht erfüllt (vgl. ergänzend auch die nachfolgenden Aus-
führungen),
dass die Beschwerdeführerin die sich aus der Dublin-III-VO ergebende Zu-
ständigkeit der Niederlande auch mit den Vorbringen im vorinstanzlichen
Verfahren und den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 16. De-
zember 2022 nicht zu negieren vermag,
dass, auch wenn das Asylverfahren der Beschwerdeführerin in den Nieder-
landen bereits rechtskräftig abgeschlossen ist, die Niederlande gemäss
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO weiterhin für das Verfahren der Be-
schwerdeführerin bis zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug bezie-
hungsweise einer Regelung ihres Aufenthaltsstatus zuständig sind, und sie
allfällige Einwände respektive neue Asylgründe oder Wegweisungshinder-
nisse bei den zuständigen niederländischen Behörden vorzubringen hat,
dass die Niederlande Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
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oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) sind und ihren diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommen,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass denn auch kein Grund zur Annahme besteht, die niederländischen
Behörden, die der Rückübernahme der Beschwerdeführerin ausdrücklich
zugestimmt haben, würden ihr den Zugang zum Asylverfahren respektive
einem allfälligen Wiederaufnahmeverfahren unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie verweigern beziehungsweise in ihrem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, oder ihr
die aus der Aufnahmerichtlinie zustehenden Lebensbedingungen vorent-
halten,
dass die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO daher nicht ge-
rechtfertigt ist,
dass die Beschwerdeführerin mit der Berufung auf Art. 8 EMRK sowie mit
ihren Vorbringen, wonach sie sich in den Niederlanden vor ihrem (...), der
sich aktuell in E._ aufhalte, nicht sicher fühlen würde, und sie zu-
dem schwanger sei, die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landes-
recht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) fordert, gemäss wel-
cher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann be-
handeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zustän-
dig wäre,
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dass bei einer Gefährdung der Einheit der Familie gemäss Art. 8 EMRK die
Souveränitätsklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden ist
(vgl. BVGE 2013/24 E. 5),
dass gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO als Familienangehöriger unter an-
derem der Ehegatte der antragstellenden Person oder ihr nicht verheirate-
ter Partner gilt, der mit ihr eine dauerhafte Beziehung führt,
dass Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu
berücksichtigen ist, soweit eine tatsächlich gelebte Beziehung besteht, wo-
bei diesbezüglich als wesentliche Faktoren das gemeinsame Wohnen res-
pektive der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Verflochtenheit, die
Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bindung
der Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. GRABENWARTER/PA-
BEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 2012, S. 235 f.; MARK E.
VILLIGER, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 1999,
S. 365; Urteil des EGMR K. und T. gegen Finnland [Grosse Kammer] vom
12. Juli 2001, Nr. 25702/94, § 150),
dass die Beschwerdeführerin und B._ unbestrittenermassen nicht
zivilrechtlich verheiratet sind, und für die geltend gemachte religiöse Trau-
ung kein Nachweis vorgelegt wurde,
dass B._ nicht zur Kernfamilie der Beschwerdeführerin gemäss
Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO zu zählen ist, und in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz aufgrund der Aktenlage auch nicht von einer gefestigten, und
bereits längere Zeit tatsächlich gelebten, eng verflochtenen Beziehung im
Sinne von Art. 8 EMRK ausgegangen werden kann, nachdem die Be-
schwerdeführerin und B._ sich erst im Sommer 2022 in D._
kennengelernt und sich hierzulande zwischenzeitlich getrennt hätten,
dass an dieser Einschätzung auch die vorgebrachte Schwangerschaft der
Beschwerdeführerin nichts zu ändern vermag,
dass damit die Voraussetzungen für die Anwendung der Souveränitäts-
klausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zwecks Vermeidung der Gefähr-
dung der Einheit der Familie nicht gegeben sind,
dass die schweizerischen Behörden im Weiteren zwar prüfen müssen, ob
die Beschwerdeführerin im Fall ihrer Überstellung in die Niederlande Ge-
fahr laufen würde, eine Verletzung seiner Grundrechte zu erleiden,
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dass hinsichtlich des Einwands der Beschwerdeführerin, sich vor ihrem (...)
zu fürchten, der sie überall finden könnte, festzustellen ist, dass es der Be-
schwerdeführerin offensteht und auch zuzumuten ist, sich an die nieder-
ländischen Behörden zu wenden, wenn sie sich künftig von Drittpersonen
bedroht fühlen sollte,
dass der bisherige Verzicht der Beschwerdeführerin, diesbezüglich bei den
niederländischen Behörden um Schutz nachzusuchen, nicht zur Annahme
zu führen vermag, die zuständigen niederländischen Organe würden ihr
den erforderlichen Schutz oder eine Anzeigeerstattung verweigern,
dass hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, dass sie
schwanger sei und sich gestresst fühle, darauf hinzuweisen ist, dass eine
zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen
nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen
kann, insbesondere dann, wenn die betroffene Person sich in einem fort-
geschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe
befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste
und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE
2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte [EGMR]),
dass dies für die von der Beschwerdeführerin dargelegte Situation nicht
ersichtlich ist,
dass im Übrigen allgemein bekannt ist, dass die Niederlande über eine
ausreichende medizinische Infrastruktur verfügen und der Zugang zum
dortigen Gesundheitssystem für asylsuchende Personen gewährleistet ist,
zumal die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche medizinische
Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-
liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen
umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie),
und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche me-
dizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichenfalls einer ge-
eigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie),
dass entsprechend davon ausgegangen werden darf, dass die Beschwer-
deführerin dort bei einer Rückkehr adäquate medizinische Betreuung fin-
den wird, und diese denn auch nicht dargelegt hat, inwiefern eine solche in
den Niederlanden im Bedarfsfall nicht möglich sein sollte,
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dass das SEM die niederländischen Behörden bereits im Übernahmeersu-
chen vom 30. November 2022 auf die bestehende Schwangerschaft hin-
gewiesen hat, und die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der
angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen
bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Be-
schwerdeführerin Rechnung tragen werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhal-
ten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist
und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44
AsylG die Überstellung in die Niederlande angeordnet hat (Art. 32 Bst. a
AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das
Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-
eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und
auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen,
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dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unge-
achtet der behaupteten Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen
ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von
Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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