Decision ID: 4ad71544-a898-5688-a916-df4818bc92b3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit dem _ bei der B._ als [...] angestellt
und dadurch bei der Swica Krankenversicherung AG (nachfolgend: Swica) für ein
Krankentaggeld von 80 % des effektiven Lohns bei einer Leistungsdauer von maximal
730 Tagen und einer Wartefrist von 30 Tagen versichert (act. G 3.1-2 ff. und 3.1-46).
Am 17. November 2017 stellte sich die Versicherte bei Dr. med. C._, Allgemeine
Innere Medizin FMH, Sportmedizin SGSM, D._, aufgrund von Myogelosen sowie
Kraftlosigkeit vor. Tags zuvor war ihre Mutter ins Spital eingeliefert worden (vgl. act. G
3.1-66). Nach einem Untersuch der Harnwege mittels Kontrastmittel (vgl. act. G 3.1-80
f. und 3.1-66) klagte die Versicherte über Kreislaufprobleme und stellte sich aus diesem
Grund am 27. November 2017 erneut bei Dr. C._ vor, wobei sich zusätzlich der
Verdacht auf eine Virusinfektion ergab (vgl. act. G 3.1-66). Ab dem 24. November 2017
wurde die Versicherte von Dr. C._ zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (vgl. act. G
3.1-49 f. und 3.1-52). In einer Sprechstunde bei Dr. C._ vom 1. Dezember 2017
berichtete die Versicherte über anhaltende Kreislaufprobleme mit Übelkeit und
Präsynkopen, über ein Hungergefühl sowie den Drang, Wasser lösen zu müssen. Am 9.
Dezember 2017 erfolgte eine notfallmässige Vorstellung bei Dr. C._ aufgrund von
Kreislaufproblemen (vgl. act. G 3.1-66). Gleichentags wurde die Versicherte dem Spital
E._ zugewiesen, wo sie bis zum 13. Dezember 2017 hospitalisiert wurde. Im
entsprechenden Austrittsbericht hiess es, dass sich die Versicherte bei Eintritt
verängstigt sowie initial hyperventilierend mit dazu passender Klinik und
laborchemischen Befunden in der Blutgasanalyse gezeigt habe. Die weiteren,
insbesondere auch neurologischen Untersuchungen seien ohne wegweisende
A.a.
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Auffälligkeiten geblieben. Ein Scheelong-Test habe eine physiologische Orthostase-
Reaktion gezeigt. Im Langzeit-EKG hätten sich vereinzelt supraventrikuläre
Extrasystolen, jedoch keine Hinweise für eine relevante Rhythmusstörung als Ursache
der anamnestischen Kreislaufinstabilität und Palpitation gezeigt. Seit dem unerwarteten
Ableben ihres Vaters im September 2017 habe die Versicherte über wiederholte
präsynkopale Zustände mit wechselnden somatischen Beschwerden berichtet. Bereits
während früherer Hospitalisationen, zuletzt im Juni 2016, seien ausführliche
neurologische und HNO-ärztliche Abklärungen aufgrund ähnlicher Beschwerdebilder
erfolgt, wobei damals keine eindeutige Ursache habe gefunden werden können. Auch
umfassende kardiologische und pneumologische Untersuchungen bei thorakalen
Schmerzen hätten keine erklärenden Pathologien ergeben. Retrospektiv sehe die
Versicherte die Beschwerden einer psychosozialen Belastungssituation zum damaligen
Zeitpunkt geschuldet. In Zusammenschau werde bei fehlenden anderweitigen
Hinweisen von einer wesentlichen psychosomatischen Komponente der aktuellen
Beschwerden ausgegangen im Sinne einer Anpassungsstörung nach dem Verlust des
Vaters, was auch von der Versicherten so wahrgenommen werde (act. G 3.1-84 ff.). Da
es unter ambulanter Behandlung zu keiner Kreislaufstabilisierung kam, erfolgte am 19.
Dezember 2017 eine erneute Hospitalisation im Spital E._ (vgl. act. G 3.1-66 und
3.1-68 ff.). Am _. Dezember 2017 wurde der Swica die seit dem 24. November 2017
bestehende Arbeitsunfähigkeit der Versicherten seitens der damaligen Arbeitgeberin
gemeldet (vgl. act. G 3.1-46). Am 28. Dezember 2017 wurde die Versicherte vom Spital
E._ in gebessertem Allgemeinzustand nach Hause bzw. in einen psychosomatischen
Rehabilitationsaufenthalt entlassen. Im entsprechenden Austrittsbericht wurde
festgehalten, dass bei Auftreten derselben Symptomatik wie beim letzten stationären
Aufenthalt und unauffälligem klinischem Status sowie Laborbefund weiterhin von einer
primär psychosomatischen Genese ausgegangen und auf eine erneute somatische
Abklärung verzichtet worden sei (act. G 3.1-68 ff.). Vom 29. Dezember 2017 bis 8.
Februar 2018 hielt sich die Versicherte im Reha Zentrum F._ auf. Im Austrittsbericht
wurden folgende Diagnosen genannt: Somatisierungsstörung, funktionelle Magen-
Darm-Störung 1 irritable bowl Syndrome vom Diarrhoetyp, Phobien, Status nach
grippalem Infekt, Laktose-Intoleranz, rezidivierende Hypokaliämie, Status nach
allergischer Reaktion 1. Grades 11. Juni 2016 nach Stich unbekannter Ursache in den
Dig. IV links, Vorhofseptum-Aneurysma, kombinierte Schwerhörigkeit rechts bei
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partierlier Mittelohratelektase, Status nach TVT Unterschenkel links (Oktober 2012;
unklarer Genese; unter oraler Kontrazeption) und ampulläres Nierenbeckenkelchsystem
rechts. Weiter wurde der Versicherten bis zum 25. Februar 2018 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert mit der Empfehlung eines langsamen Wiedereinstiegs in
den Beruf (vgl. act. G 3.1-73 ff.). In der Sprechstunde bei Dr. C._ vom 28. Februar
2018 zeigte sich der Kreislauf der Versicherten stabil, jedoch fühlte sie sich noch immer
sehr schwach (vgl. act. G 3.1-66). Er attestierte ihr weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (vgl. act. G 3.1-91 f.). Ab Mitte April 2018 war eigentlich ein
Arbeitsversuch angedacht gewesen, der dann aber wegen fehlender Homeoffice
Option, einer Liftphobie der Versicherten und einer weiterhin bestehenden körperlichen
Schwäche, derentwegen sie die vielen Stockwerke bis an ihren Arbeitsplatz nicht
zurücklegen konnte, nicht zu Stande kam (vgl. act. G 3.1-92, 3.1-94, 3.1-106 ff. und
3.1-126 ff.).
In einer im Auftrag der Swica erstellten Aktenbeurteilung vom 3. Mai 2018 kam Dr.
med. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin, H._, zum Schluss, dass der
Kaliummangel bei der Versicherten sicher nicht der Grund für die Arbeitsunfähigkeit sei.
Es handle sich um eine psychische Problematik, weswegen sie sich ja auch in
stationärer Rehabilitation befunden habe, wobei die definitive Diagnose nicht
vollständig klar sei. Aufgrund der Aktenlage könnte auch eine psychotische Störung
vorliegen. Sollte die Arbeitsunfähigkeit andauern, sei eine psychiatrische Exploration
empfehlenswert. Die Behandlungsmassnahmen seien aus der Sicht der
Grundversorgung seines Erachtens erschöpft (vgl. act. G 3.1-102).
A.b.
Am 25. Juni 2018 nannte Dr. C._ in einem Bericht an die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (DD: Somatisierungsstörung), eine
funktionelle Magendarmstörung bzw. ein Reizdarmsyndrom vom Diarrhoetyp sowie
eine Hypokaliämie unklarer Ätiologie, die aktuell in Abklärung sei. Weiter hielt er fest,
dass die Versicherte aktuell eine Büroarbeit für maximal zwei Stunden pro Tag
absolvieren könne, sofern diese flexibel eingeteilt werden könne, da sie zwischendurch
Pausen benötige. Ein langer Anfahrtsweg sei nicht möglich, da die Versicherte danach
erschöpft sei. Aufgrund einer Panikstörung sei eine Liftbenutzung ebenfalls nicht
A.c.
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möglich. Er attestierte ihr weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit (act. G 3.1-150 ff.).
Am 26. Juni 2018 berichtete Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, gegenüber Dr. C._ über zwei Abklärungsgespräche vom 12.
und 25. Juni 2018. Die Versicherte habe erklärt, dass sie aktuell vor allem an ihrer
muskulären Schwäche und Ermüdbarkeit, die sie als Folge eines unerklärlichen, nicht
stabilisierbaren Kaliummangels verstehe, leide. Deswegen sei sie körperlich wenig
belastbar. Belastungen merke sie oft erst verzögert am nächsten Tag mit Erschöpfung
und Müdigkeit und vor allem weniger Muskelkraft. Manchmal gehe es ihr zeitweise
besser. In ihrer Arbeit als [...] sei sie seit November 2017 zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben. Sie habe mittlerweile gelernt, die Situation hinzunehmen, und versuche
sich damit so gut wie möglich zu arrangieren. Der muskulären Schwäche
vorausgegangen sei eine Phase verschiedenster Belastungen mit körperlichen
Erkrankungen wie grippalen Infekten und einer Kreislaufinstabilität, was auch durch
verschiedene invasive Untersuchungen und in einem Spitalaufenthalt ohne
pathologische Befunde abgeklärt worden sei. Dazu sei die persönliche Belastung des
unerwarteten Todes ihres Vaters im September 2017 gekommen (vgl. act. G 3.1-137 f.).
Als vorläufige Diagnosen nannte Dr. I._ eine dissoziative Störung der Bewegung
(Veränderung von Bewegungsfunktionen im Sinne einer muskulären Schwäche),
psychische Traumata in der Kindheit und im Erwachsenenalter (Unfälle), sonstige näher
bezeichnete Probleme in der primären Bezugsgruppe sowie eine Liftphobie. Weiter
hielt sie fest, mit der Versicherten besprochen zu haben, dass sie die Symptome im
Zusammenhang mit einer psychischen und körperlichen Überbelastung und den
Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und durchzusetzen, verstehen
könne. Wenn eine körperliche Krankheit als Ursache ausgeschlossen werden könne,
gehe sie von einer psychischen Ursache aus. Die Versicherte habe sich jedoch
momentan keine psychotherapeutische Behandlung vorstellen können. Sie nehme eine
alternativtherapeutische Behandlung wahr, in der es um Achtsamkeits- und
Wahrnehmungsschulung gehe, und wolle diesen Weg aktuell weiterverfolgen (act. G
3.1-137 f.).
A.d.
Am 18. Juli 2018 fand aufgrund der unklaren Hypokaliämie eine Abklärung durch
Dr. med. J._, FMH Innere Medizin und Nephrologie, Spital K._, statt. Diese hielt
A.e.
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fest, dass von einem renalen Kaliumverlust unklarer Ätiologie ausgegangen werden
müsse. Therapeutisch empfehle sich das Absetzen des Kaliumcitrates und die
Substitution mit Kaliumchlorid (Kaliumcitrat sei aufgrund des renalen
Elektrolytaustausches eher ungünstig). Wünschenswert wäre auch eine kaliumreiche
Kost. Erfahrungsgemäss würden Patienten erst hypokaliämisch bedingte Beschwerden
(Muskelschwäche und anderes) bei Werten unter 3.0 mmol/l beschreiben. Die
allgemeine Schwäche der Versicherten könne somit nicht der Elektrolytstörung
zugeordnet werden (vgl. act. G 3.1-155 ff.).
Anfangs August 2018 attestierte Dr. C._ der Versicherten neu eine 20%ige
Arbeitsfähigkeit (vgl. act. G 3.1-144 ff.). Auf entsprechende Nachfrage der Swica (vgl.
act. G 3.1-172 f.) präzisierte er die attestierte Arbeitsfähigkeit dahingehend, dass sie
nur gegeben sei, wenn kein Lift benützt werden müsse (wegen der Klaustrophobie), der
Arbeitsweg aufgrund einer Angstproblematik sowie einer Energielosigkeit kurz sei (vgl.
act. G 3.1-180) und wegen der anhaltenden körperlichen Schwäche kein
Treppensteigen notwendig sei (vgl. act. G 3.1-197).
A.f.
Am 29. August 2018 fand im Auftrag der Swica eine spezialärztliche Untersuchung
bei Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, FA Vertrauensarzt
SGV, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, zertifizierter Arbeitsfähigkeitsassessor
SIM, statt. In seiner gleichentags verfassten Kurzbeurteilung hielt dieser fest, dass die
geklagten Beschwerden auf somatischem Gebiet nicht objektiviert werden könnten. Es
falle auf, dass die Versicherte sehr stark auf ihren Kaliumspiegel fixiert sei und darauf,
dass die Beschwerden mit einer Nierenszinitgraphie begonnen hätten. Gemäss dem
Bericht der Nephrologie des Spitals K._ vom Juli 2018 seien die geklagte Schwäche
und auch allfällige psychische Beschwerden jedoch nicht auf die Elektrolytstörung
zurückzuführen. Auch die Berichte von Dr. C._ liessen insgesamt keine somatisch
fassbare Ursache erkennen. Der Befund eines ampullären Nierenbeckens sei als
Normvariante aufzufassen und nicht pathologisch. Dr. I._ sei von einer psychischen
Ursache der Beschwerden ausgegangen. Zu selbiger Einschätzung sei Dr. G._
gelangt. Bereits in den Austrittsberichten zu den stationären Aufenthalten sei die
Diagnose einer Somatisierungsstörung bzw. Anpassungsstörung gestellt worden. Eine
adäquate psychiatrische Therapie habe bislang nicht stattgefunden. In Anbetracht der
vorliegenden Befunde und der klinischen Präsentation werde gutachterlich
A.g.
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eingeschätzt, dass die Ursache der von der Versicherten geklagten Beschwerden auf
psychiatrischem Gebiet zu suchen sei. Aus somatischer Sicht betrage die
Arbeitsfähigkeit 100 % (act. G 3.1-200 ff.).
Per _ 2018 wurde das Anstellungsverhältnis mit der Versicherten seitens der
Arbeitgeberin gekündigt (vgl. act. G 3.1-130).
A.h.
Am 3. September 2018 fand im Auftrag der Swica eine psychiatrische
Untersuchung durch Dr. med. M._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, Klinik N._, statt, welcher aus psychiatrischer Sicht
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen konnte. Auch kam er
zum Schluss, dass die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nie
über längere Zeit eingeschränkt gewesen sei (vgl. act. G 3.1-268 ff.).
A.i.
In einer Stellungnahme vom 13. September 2018 hielt Dr. C._ fest, dass er sich
der Beurteilung von Dr. L._, wonach aus somatischer Sicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe, nicht anschliessen könne. Er bleibe bei seiner Einschätzung,
wonach eine 20%ige Arbeitsfähigkeit an einem angepassten Arbeitsplatz ohne die
Notwendigkeit, den Lift zu benutzen oder mehrere Stockwerke per Treppe
zurückzulegen, gegeben sei. Es bestehe die Aussicht, dass die Versicherte ihre
Arbeitsfähigkeit innert vier Wochen auf 40 % steigern könne (act. G 3.1-218 f.; zu
weiteren Berichten von Dr. C._ vgl. act. G 3.1-222 f; zu einer Stellungnahme der
Versicherten vgl. act. G 3.1-224 ff.). Nachdem die Swica die Schreiben von Dr. C._
und der Versicherten Dr. L._ vorgelegt hatte (vgl. act. G 3.1-236), gab dieser am 5.
Oktober 2018 eine erneute Stellungnahme ab, worin er an seiner Einschätzung,
wonach aktuell in somatischer Hinsicht keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei,
festhielt (vgl. act. G 3.1-256 ff.).
A.j.
Mit Schreiben vom 25. Oktober 2018 teilte die Swica der Versicherten unter
Verweis auf die ärztlichen Beurteilungen von Dr. L._ und Dr. M._ mit, dass sie ihre
Taggeldleistungen per 31. Oktober 2018 einstellen werde (vgl. act. G 3.1-285).
A.k.
Mit einem Schreiben vom 28. November 2018 liess die anwaltlich vertretene
Versicherte ausrichten, mit der Einstellung der Taggeldleistungen nicht einverstanden
A.l.
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zu sein (vgl. act. G 3.1-290 f.), und reichte einen Bericht von Dr. C._ vom 8.
November 2018 (act. G 3.1-292 f.) ein.
Mit Schreiben vom 4. Dezember 2018 teilte die Swica der Versicherten mit, dass
aus den eingereichten medizinischen Akten keine neuen medizinischen Erkenntnisse
hervorgehen würden, die im Zeitpunkt der Untersuchungen durch Dr. L._ und Dr.
M._ nicht schon bekannt gewesen seien. Es würden somit keine neuen
objektivierbaren Befunde vorliegen, die eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der Versicherten bestätigen würden. Deshalb werde am
Entscheid vom 25. Oktober 2018 festgehalten (vgl. act. G 3.1-308).
A.m.
Mit Eingabe vom 6. Dezember 2018 wandte die Versicherte durch ihren
Rechtsvertreter ein, keine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes geltend
gemacht, sondern dargelegt zu haben, dass bei ihr eine deutliche Einschränkung der
Leistungsfähigkeit bestehe, die bis heute noch nicht überwunden sei. Die Gründe für
die Einschränkung seien multifaktoriell. Sie mache ständig Fortschritte, jedoch könne
eine derart massive Einschränkung nicht per sofort behoben werden, sondern nur
mittels ständigen Trainings. Dabei handle es sich um einen mehrmonatigen Prozess.
Per Ende Oktober 2018 sei sie noch nicht arbeitsfähig gewesen, weshalb sie weiterhin
Anspruch auf Krankentaggelder habe (vgl. act G 3.1-309).
A.n.
Mit Schreiben vom 19. Februar 2019 teilte die Swica der Versicherten mit, die
Sachlage aufgrund der angeforderten IV-Akten nochmals zu überprüfen (vgl. act. G
3.1-312 f.).
A.o.
Mit E-Mail vom 8. März 2019 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter der
Swica ausrichten, dass sie gegen den die Leistungsverweigerung ankündigenden IV-
Vorbescheid keinen Einwand erhoben habe. Gleichentags antwortete die Swica per E-
Mail, sie würde angesichts des Verzichts auf einen Einwand gegen den IV-Vorbescheid
annehmen, dass eine analoge Verfügung erlassen und in Rechtskraft erwachsen
werde. Demnach sei die Versicherte sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer
Hinsicht zu 100 % arbeitsfähig. Daher werde aus der Sicht der Swica daran
festgehalten, dass keine weiteren Krankentaggelder geschuldet seien. Da nicht
anzunehmen sei, dass die Versicherte den Klageweg beschreiten werde, werde das
A.p.
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Dossier ohne Gegenbericht in ca. zwei Wochen beim Swica-Rechtsdienst
abgeschlossen (vgl. act. G 3.1-320).
Am 7. April 2019 wandte sich die Versicherte - offenbar veranlasst durch eine
Umfrage zur Kundenzufriedenheit - an die Swica. Mit ihrer Eingabe machte sie unter
anderem geltend, es sei für sie noch immer inakzeptabel, dass die
Krankentaggeldversicherung und folglich nun auch die IV-Stelle hinter den durch die
Swica veranlassten ärztlichen Kurzbeurteilungen stehen würden, obwohl diese klar
fehlerhaft seien. Seit der Anpassung der Medikamente im Oktober 2018 (sechs
Kaliumtabletten pro Tag) seien die Herzrhythmusstörungen komplett verschwunden
und die Arbeitsfähigkeit habe sukzessive gesteigert werden können. Ihr solle bitte
jemand erklären, weshalb da kein medizinisches Problem zu Grunde liegen sollte. Per
Ende Oktober 2018 sei das Krankentaggeld eingestellt und sie sei an das regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) abgeschoben worden. In sehr kleinen Schritten habe
sie sich ins Berufsleben zurückgekämpft und sich um ein Einsatzprogramm über das
RAV bemüht. Sie habe eine befristete Anstellung und schliesslich eine Festanstellung
erhalten. Die Arbeitsfähigkeit habe sie innert weniger Monate von 20 auf 70 % steigern
können. Von der Swica hätte sie Unterstützung in diesem Prozess erwartet. Sie mache
ihren Anspruch auf Leistungen aus der Krankentaggeldversicherung gemäss Schreiben
ihres Rechtsvertreters vom 6. Dezember 2018 geltend (vgl. act. G 3.1-326 ff.).
A.q.
Mit Schreiben vom 6. Januar 2020 wandte sich die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin S. Ebneter, St. Gallen, erneut an die Swica. Sie führte aus, dass Dr.
L._ anhand der ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen sowie der Untersuchung
keine objektivierbaren somatischen Erklärungen für die beklagten Beschwerden habe
finden können. In der Zwischenzeit hätten weitere medizinische Abklärungen
stattgefunden, weshalb die Swica darum gebeten werde, den Leistungsanspruch
erneut zu überprüfen. Nach der nephrologischen Abklärung durch Dr. J._ im Juli
2018 sei entsprechend deren Therapieempfehlung das Kaliumcitrat per 1. September
2018 abgesetzt und durch Kaliumchlorid ersetzt worden. Unter der Substitution mit
Kaliumchlorid habe sich ihre Leistungsfähigkeit innert weniger Monate verbessert. Bis
zum 31. Dezember 2018 habe eine 20%ige, zwischen dem 1. und 30. Januar 2019 eine
40%ige, zwischen dem 21. und 31. Januar 2019 eine 50%ige sowie zwischen dem 1.
Februar und 12. März 2019 eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit dem 13. März
A.r.
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2019 bis zum aktuellen Zeitpunkt liege eine 70%ige Arbeitsfähigkeit vor. Angesichts
der bei 70 % stagnierenden Arbeitsfähigkeit sowie einer anhaltenden Muskelschwäche
habe sie weitere Abklärungen durchführen lassen. Im September 2019 sei eine
endokrinologische Abklärung bei Dr. med. O._, Endokrinologie-Diabetologie-
Osteologie FMH, P._, durchgeführt worden, die eine Hashimoto-Thyreoiditis
diagnostiziert habe. Dies sei eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen
Entzündung der Schilddrüse führe. Sodann sei im Oktober 2019 eine erneute
Standortbestimmung bei Dr. J._ durchgeführt worden, die erneut eine
Elektrolytstörung, die mit sechs Kaliumtabletten pro Tag zu substituieren sei, bestätigt
habe. Durch die Substitutionstherapie hätten normwertige Serumkaliumwerte erreicht
werden können, jedoch falle das Urinkalium weiterhin inadäquat hoch aus.
Gegenwärtig leide sie, die Versicherte, weiterhin unter einer Muskelschwäche und
Kraftlosigkeit in den Beinen, insbesondere bei bzw. nach körperlicher Anstrengung.
Inwiefern die Muskelschwäche und Kraftlosigkeit auf die wiederkehrende Hypokaliämie
oder die Hashimoto-Thyreoiditis zurückzuführen seien, habe nicht abschliessend
geklärt werden können. Anlässlich der zwischenzeitlich erfolgten Abklärungen dränge
sich eine Neuevaluation der Leistungseinstellung auf (act. G 3.1-331 ff.). Der Eingabe
wurden Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. C._ (vgl. act G 3.1-335 ff.),
Spiroergometrie-Ergebnisse (vgl. act. G 3.1-341 ff.), Sprechstundenberichte von Dr.
O._ vom 23. September und 20. Dezember 2019 (vgl. act. G 3.1-362 ff.) und ein
Bericht von Dr. J._ vom 6. November 2019 (act. G 3.1-367 ff.) beigelegt.
Mit Schreiben vom 13. Januar 2020 teilte die Swica der Versicherten mit, dass die
neu eingereichten medizinischen Berichte nicht den Schluss zulassen würden, dass die
Arbeitsfähigkeit durch die externen Gutachter falsch beurteilt worden sei oder sich ihr
Zustand seither verschlechtert habe. Die im September 2019 diagnostizierte
Hashimoto-Thyreoiditis führe nicht zwangsläufig zu einer Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit, zumal gemäss Dr. O._ eine Euthyreose (= normale
Schilddrüsenfunktion) vorliege. Die Swica sehe keine Veranlassung, einen
Leistungsanspruch anzuerkennen. Der Versicherten stehe der Klageweg offen (act. G
3.1-384 f.).
A.s.
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B.
Am 30. Oktober 2020 reichte die weiterhin durch Rechtsanwältin Ebneter
vertretene Versicherte (nachfolgend: Klägerin) Klage beim Versicherungsgericht ein
(act. G 1). Darin beantragte sie, die Swica (nachfolgend: Beklagte) sei zu verpflichten,
ihr aus der kollektiven Taggeldversicherung Fr. 25'113.95 nebst Zins zu 5 % seit dem
14. Mai 2019 und aus der SALARIA Taggeldversicherung Fr. 5'295.50 nebst Zins zu 5
% seit dem 18. Mai 2019 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Beklagten (act. G 1 S. 2).
B.a.
In ihrer Klageantwort vom 11. Dezember 2020 beantragte die Beklagte die
Abweisung der Klage (act. G 3) und reichte eine erneute Beurteilung von Dr. L._ vom
19. November 2020 ein (vgl. act. G 3.2).
B.b.
Mit Schreiben vom 17. Dezember 2020 stellte die verfahrensleitende Richterin den
Parteien die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels in Aussicht, sofern auf die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung verzichtet werde (act. G 4). Die Parteien
verzichteten in der Folge auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (vgl. act.
G 5 f.).
B.c.
In ihrer Replik vom 15. März 2021 hielt die Klägerin an den in der Klage gestellten
Anträgen fest (act. G 10) und reichte weitere medizinische Berichte ein (vgl. act. G 10.1
ff.).
B.d.
In ihrer Duplik vom 21. April 2021 hielt die Beklagte an dem in der Klageantwort
gestellten Rechtsbegehren fest. Weiter beantragte sie die Edition von zwei von der
Klägerin angesprochenen Anfrage-E-Mails (act. G 12).
B.e.
Am 26. April 2021 ersuchte die verfahrensleitende Richterin die Klägerin, dem
Gericht die beiden von der Beklagten erfragten Anfrage-E-Mails einzureichen (act. G
13). Dieser Aufforderung kam die Klägerin mit Schreiben vom 30. April 2021 nach (vgl.
act. G 14, 14.1, 14.2 und 14.3). Am 31. Mai 2021 gab die Beklagte zu den von der
Klägerin eingereichten Unterlagen eine Stellungnahme ab (vgl. act. G 16).
B.f.
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Considerations:
Erwägungen
1.
2.
Gemäss Art. 36 der vorliegend anwendbaren Allgemeinen
Versicherungsbedingungen der kollektiven Taggeldversicherung der Beklagten
(nachfolgend: AVB kollektiv), Ausgabe 2012 (act. G 1.2; zur Police mit dem Verweis auf
die einschlägigen AVB vgl. act. G 3.1-3 ff.), sowie Art. 29 Ziff. 2 der einschlägigen
Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Einzeltaggeldversicherung SALARIA
Krankheit (nachfolgend: AVB SALARIA), Ausgabe 2013 (vgl. act. G 3.1-10 ff.; vgl.
namentlich act. G 3.1-35 ff.; zu den Policen mit dem Verweis auf die einschlägigen AVB
vgl. act. G 3.1-42 ff.), anerkennt die Beklagte als Gerichtsstand für Streitigkeiten aus
dem Versicherungsvertrag unter anderem den schweizerischen Wohnsitz der
versicherten Person (vgl. dazu auch Art. 32 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Die Klägerin hat das für ihren Wohnort zuständige
Gericht angerufen. Die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen ist damit gegeben.
1.1.
Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) i.V.m. Art. 7 ZPO als
einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10). Darunter werden praxisgemäss auch Zusatzversicherungen wie die vorliegend
zu beurteilende Kollektiv- und Einzeltaggeldversicherung subsumiert, auf die das
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung
gelangt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24.
Februar 2012, KV-Z 2011/2, E. 1.1; vgl. ferner BGE 138 III 3 E. 1.1). Damit sind
vorliegend auch die Voraussetzungen der sachlichen und funktionellen Zuständigkeit
erfüllt.
1.2.
Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 197 ff. ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 564 E. 4.6).
1.3.
Die prozessualen Voraussetzungen sind erfüllt und auf die Leistungsklage ist
einzutreten.
1.4.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist der Anspruch
der Klägerin auf Taggelder aus der kollektiven Taggeldversicherung der Beklagten für
2.1.
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den Zeitraum vom 1. November 2018 bis 23. November 2019 sowie der Anspruch auf
Taggelder aus der Einzeltaggeldversicherung SALARIA für den Zeitraum vom 19.
November 2018 bis 13. November 2019 (vgl. act. G 1 S. 13).
Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph Leuenberger/Beatrice Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2016, N 11.154 und 11.157). Art. 247 Abs. 2
ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den Sachverhalt von Amtes
wegen feststellt. Diese sogenannte abgeschwächte oder soziale
Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, bei der Feststellung des
Sachverhalts und der Beweiserhebung insbesondere durch entsprechende Fragen
mitzuwirken. Die Parteien werden dadurch aber nicht von der Pflicht zur Mitwirkung an
der Erhebung der Beweise und der Erstellung des Sachverhalts entbunden.
Grundsätzlich bleibt es Sache der Parteien, die wesentlichen Tatsachen vorzutragen
und die Beweismittel zu bezeichnen (vgl. Stephan Mazan, N 3 ff. zu Art. 247, in: Karl
Spühler/Luca Tenchio/Dominik Infanger [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung,
Basler Kommentar, 3. Aufl. 2017 [nachfolgend zitiert: BSK ZPO], BSK ZPO-Guyan, N 3
ff. zu Art. 153; vgl. Franz Hasenböhler, N 5 ff. zu Art. 153, in: Thomas Sutter-Somm/
Franz Hasenböhler/Christoph Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016).
2.2.
Nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) hat, wo es das
Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die
einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen,
während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs
behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet (vgl. BGE 141 III
242 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2). Der
Eintritt des Versicherungsfalls ist nach diesen Grundsätzen vom
Anspruchsberechtigten zu beweisen (BGE 141 III 242 E. 3.1 mit Hinweis). Da der
Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungsvertrags
regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst die anspruchsberechtigte
Person insofern eine Beweiserleichterung, als sie nur eine überwiegende
Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs
darzutun hat. Beim Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist verlangt,
2.3.
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3.
dass die Möglichkeit, es könnte sich auch anders verhalten, zwar nicht ausgeschlossen
ist, sie aber für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch
vernünftigerweise in Betracht fallen darf (Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2015,
4A_516/2014, E. 4.1 mit Hinweis u.a. auf BGE 130 III 325 E. 3.3).
An der Beweislast der anspruchsberechtigten Person ändert nichts, dass die
Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände
hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht
worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die
anspruchsberechtigte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und
daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht die
Versicherung, sondern die anspruchsberechtigte Person die Beweislast (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2 mit Hinweis).
2.4.
Im Zivilprozess stellt ein Privatgutachten kein Beweismittel, sondern eine blosse
Parteibehauptung dar. Bewiesen werden müssen nur Tatsachenbehauptungen, die
ausdrücklich bestritten sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich
bestimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen damit bestritten werden. Erforderlich
ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten
gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird. Parteibehauptungen, denen ein
Privatgutachten zugrunde liegt, sind meist besonders substantiiert. Entsprechend
genügt eine pauschale Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu
substantiieren, welche einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine
Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen
Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als
Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit – durch Beweismittel
nachgewiesenen – Indizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch
Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen
erachtet werden (vgl. zum Ganzen ausführlich BGE 141 III 437 f. E. 2.6).
2.5.
Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält mit Ausnahme von Art. 87 VVG, der
das selbstständige Forderungsrecht des Begünstigten in der kollektiven Unfall- oder
Krankenversicherung normiert, keine spezifischen, im vorliegenden Fall
interessierenden Bestimmungen zum Krankentaggeld. Es sind deshalb vorab die
vertraglichen Vereinbarungen der Parteien massgebend, vorliegend also die AVB der
Beklagten.
3.1.
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4.
Gemäss Art. 7 Ziff. 1 AVB kollektiv ist Krankheit jede Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist,
die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat. Unter Arbeitsunfähigkeit wird die durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten, verstanden. Nach drei Monaten Arbeitsunfähigkeit wird auch die
zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art.
7 Ziff. 2 AVB kollektiv). Als Erwerbsunfähigkeit gilt der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Ziff. 3 AVB kollektiv).
3.2.
Ist die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig, bezahlt die
Beklagte bei voller Arbeitsunfähigkeit das im Vertrag aufgeführte Taggeld bis zur Höhe
des nachgewiesenen Erwerbsausfalls (Art. 13 Ziff. 1 AVB kollektiv). Bei teilweiser
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % wird das Taggeld entsprechend dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (Art. 13 Ziff. 2 AVB kollektiv). Gilt die versicherte Person
als arbeitslos im Sinne von Art. 10 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) bezahlt die
Beklagte die Leistungen bis zur Höhe der entgangenen Arbeitslosenentschädigung,
wobei bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 25 % das halbe Taggeld (lit. a) und bei
einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % das volle Taggeld (lit b) ausgerichtet wird
(Art. 13 Ziff. 3 AVB kollektiv).
3.3.
Unbestritten ist der Taggeldanspruch bis zum 31. Oktober 2018. Für diesen
Zeitraum hat die Beklagte bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 24. November 2017
nach Ablauf der 30-tägigen Wartefrist bereits Taggelder aus der kollektiven
Taggeldversicherung erbracht, während die 360-tägige Wartefrist der
Einzeltaggeldversicherung SALARIA bis zum 31. Oktober 2018 unbestrittenermassen
noch nicht verstrichen gewesen ist (vgl. act. G 3.1-285 f. und G 1 S.13). Strittig und zu
prüfen ist nun aber, ob auch über den 31. Oktober 2018 hinaus eine Arbeitsunfähigkeit
und damit ein Taggeldanspruch bestanden haben (vgl. act. G 1 S. 13).
4.1.
Die Beklagte hat sich für die Einstellung der Taggeldleistungen per 31. Oktober
2018 in erster Linie auf die spezialärztliche Kurzbeurteilung von Dr. L._ vom 29.
4.2.
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August 2018 (act. G 3.1-200 ff.), auf dessen ergänzende Stellungnahme vom 5.
Oktober 2018 (vgl. act. G 3.1-256 ff.) sowie auf den psychiatrischen
Untersuchungsbericht von Dr. M._ vom 9. Oktober 2018 (act. G 3.1-268 ff.)
abgestützt (vgl. act. G 3.1-285 f.). Dr. L._ hat aus somatischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit als ausgewiesen erachtet (vgl. act. G 3.1-256 ff. und 3.1-268 ff.) und
Dr. M._ hat aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellen können (vgl. act. G 3.1-268).
Während die Klägerin gegen die Auffassung von Dr. M._, wonach sie psychisch
gesund sei (vgl. act. G 3.1-268 ff.), grundsätzlich nichts einwendet (vgl. act. G 1 und
10), bestreitet sie den Beweiswert der Beurteilungen von Dr. L._. Sie macht in der
Beschwerde im Wesentlichen geltend, für die dokumentierten Einschränkungen ihrer
Leistungsfähigkeit lägen entgegen der Behauptung von Dr. L._ durchaus
objektivierbare Erklärungen vor (vgl. act. G 1 S. 14 ff.). Gestützt auf die
Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. C._ (vgl. act. G 1.7) macht sie zwischen dem 1.
November und dem 31. Dezember 2018 eine 80%ige, zwischen dem 1. und dem 20.
Januar 2019 eine 60%ige, zwischen dem 21. und dem 31. Januar 2019 eine 50%ige,
zwischen dem 1. Februar und dem 12. März 2019 eine 40%ige und zwischen dem 13.
März und dem 23. November 2019 eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit aus somatischen
Gründen geltend (vgl. act. G 1 S. 13).
4.3.
Zu prüfen gilt es somit in erster Linie, inwiefern die von der Klägerin im
vorliegenden Fall geltend gemachten Arbeitsunfähigkeiten von somatischer Seite mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind.
4.4.
4.5.
Als eine Erklärung für ihre Leistungseinschränkungen führt die Klägerin eine
Hypokaliämie an. Es befinde sich zu wenig Kalium im Blutserum. Während sich bei
einer leichten Hypokaliämie nur sehr selten Symptome zeigen würden, könnten
Serumkaliumwerte unter 3 mmol/l im Allgemeinen eine Muskelschwäche verursachen
und zu Lähmungen und Ateminsuffizienz führen. Andere muskuläre Störungen seien
zum Beispiel Krämpfe, Faszikulationen, Hypoventilation oder Hypotensionen. Sie habe
am 9. Dezember 2017 einen Kaliumwert von 3.2 mmol/l aufgewiesen. Es sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Verabreichung von
Lasix zum Abfall des Serumkaliums geführt habe und die behandlungsbedürftigen
Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Hitze- und
Kältegefühle mit Schüttelfrost, Abdominalschmerzen, Palpationen (gemeint wohl:
Palpitationen) sowie Kribbelparesen in der linken Körperhälfte und Hyperventilationen
4.5.1.
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verursacht habe. Unter der Substitution mit Kaliumchlorid (ab Mitte Juli 2018) habe sich
ihre Leistungsfähigkeit innert weniger Monate verbessert. Zurück bleibe eine
anhaltende Kraftlosigkeit in den Beinen, welche sich unter Belastung noch verstärke
(vgl. act. G 1 S. 14).
Dass durch die Gabe von Lasix bei der Nierenfunktionsszintigrafie vom 23.
November 2017 (vgl. act. G 3.1-80 f.), in deren Anschluss die Klägerin über
Kreislaufprobleme geklagt hatte (vgl. act. G 3.1-66 f.), unerwünschte Nebenwirkungen
und möglicherweise auch Wechselwirkungen mit einem eher tiefen Kaliumspiegel
aufgetreten sein könnten, wie es die Klägerin behauptet (vgl. act G 1 S. 14), erscheint
durchaus denkbar, kann von dem aus medizinischen Laien bestehenden Gericht aber
nicht beurteilt werden. Diese von der Klägerin aufgeworfene Frage braucht in diesem
Verfahren aber auch nicht abschliessend geklärt zu werden. Denn aufgrund der im
November 2017 aufgetretenen Kreislaufprobleme mit Übelkeit und Präsynkopen (vgl.
act. G 3.1-66 f.) ist es zwischen dem 9. und 13. Dezember 2017 und dem 19. bis 28.
Dezember 2017 (vgl. act. G 3.1-68 ff. und 3.1-82 ff.) nachweislich zu stationären
Spitalaufenthalten sowie zu einer vom 29. Dezember 2017 bis 8. Februar 2018
dauernden stationären Rehabilitation gekommen (vgl. act. G 3.1-73 ff.), weshalb in
diesen Zeiträumen grundsätzlich naturgemäss von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen ist. Die Arbeitsunfähigkeit ab November 2017 bis zum Ende des
stationären Rehabilitationsaufenthaltes wird denn auch von der Beklagten, die für
diesen Zeitraum die vollen Taggeldleistungen erbracht hat (vgl. dazu act. G 3.1-285 f.
und G 1 S. 13), nicht bestritten. Inwiefern letztlich wirklich die Kaliumwerte zu den
Kreislaufproblemen beigetragen haben, bleibt aufgrund der Aktenlage unklar. Im
Austrittsbericht des Spitals E._ zur Hospitalisation vom 9. bis 13. Dezember 2017 ist
festgehalten worden, dass sich die Klägerin verängstigt sowie initial hyperventilierend
mit dazu passender Klinik und laborchemischen Befunden in der Blutgasanalyse
präsentiert habe. Die weiteren, insbesondere auch neurologischen Untersuchungen
seien ohne wegweisende Auffälligkeiten gewesen. Im Langzeit-EKG hätten sich
vereinzelt Extrasystolen gezeigt, jedoch keine Hinweise für eine relevante
Rhythmusstörung als Ursache der anamnestischen Kreislaufinstabilität und Palpitation.
Bereits während früherer Hospitalisationen, zuletzt im Juni 2016, seien ausführliche
neurologische und HNO-ärztliche Abklärungen aufgrund ähnlicher Beschwerdebilder
erfolgt, wobei keine eindeutige Ursache habe gefunden werden können. Auch
umfassende kardiologische und pneumologische Untersuchungen bei thorakalen
Schmerzen hätten keine erklärenden Pathologien ergeben. Retrospektiv sehe die
Klägerin die damaligen Beschwerden einer psychosozialen Belastungssituation
4.5.2.
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geschuldet. In Zusammenschau werde bei fehlenden anderweitigen Hinweisen von
einer wesentlichen psychosomatischen Komponente im Sinne einer
Anpassungsstörung nach Verlust des Vaters im September 2017 ausgegangen (act. G
3.1-82 ff.). Trotz durchgeführter Labordiagnostik haben die behandelnden Ärzte des
Spitals E._ also die Ursache der Beschwerden nicht in einer Hypokaliämie, sondern
eher in einer psychosomatischen Belastungsreaktion gesehen, was aufgrund der
Angaben der Klägerin, wonach sie ihren Vater im September 2017 verloren habe,
durchaus nachvollziehbar erscheint. Im Austrittsbericht des Spitals E._ zur
Hospitalisation vom 19. bis 28. Dezember 2017 ist sodann ein unauffälliger klinischer
Status und Laborbefund genannt worden, weshalb die Ärzte wiederum primär von
einer psychosomatischen Genese ausgegangen sind (vgl. act. G 3.1-68 ff.). Dazu
kommt noch, dass im Januar 2018 anscheinend grippale Infekte aufgetreten sind, die
für die damalige Arbeitsunfähigkeit eine Rolle gespielt haben könnten (vgl. act. G
3.1-73). Immerhin hat Dr. C._ den Kreislauf der Klägerin in seiner Sprechstunde vom
28. Februar 2018 als stabil beurteilt, die Klägerin sei einfach noch sehr schwach (vgl.
act. G 3.1-66). Eine Besserung des Zustandes scheint sich also entgegen der
Darstellung der Klägerin in der Beschwerde nicht erst ab Juli 2018 (vgl. act. G 1 S. 14),
sondern eigentlich bereits ab März 2018 eingestellt zu haben, wobei unklar ist, weshalb
sich dies in der durch Dr. C._ ab März 2018 attestierten Arbeitsunfähigkeit kaum
niedergeschlagen hat, zumal auch die von der Klägerin gefühlte Palpitation gemäss
Austrittsbericht des Rehazentrums F._ nach Substitution des knapp unter dem
Normalwert liegenden Kaliums anscheinend noch während des stationären
Aufenthaltes verschwunden ist (vgl. act. G 1.20 S. 3). Dass die Kaliumwerte als
Erklärung für die über den Februar 2018 hinaus geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit
und vor allem für die vorliegend strittige Arbeitsunfähigkeit ab November 2018 dienen
können, ist aufgrund der Aktenlage jedenfalls nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt. Bereits am 3. Mai 2018 hat Dr. G._ in seiner
Aktenbeurteilung festgehalten, dass der Kaliummangel sicher nicht der Grund für die
Arbeitsunfähigkeit sei. Er ist - wohl namentlich aufgrund der Austrittsberichte zu den
stationären Aufenthalten - von einer eher psychischen Problematik ausgegangen,
wobei er gleichzeitig angemerkt hat, dass die definitive Diagnose für ihn nicht
vollständig klar sei (vgl. act. G 3.1-104). Damit übereinstimmend hat auch Dr. J._ in
ihrem Bericht vom 18. Juli 2018 ausgeführt, dass Patienten erfahrungsgemäss erst
hypokaliämisch bedingte Beschwerden wie Muskelschwäche und anderes bei Werten
unter 3.0 mmol/l angeben würden. Die allgemeine Schwäche der Klägerin - mit
Kaliumwerten von 3.4/3.6/3.8 mmol/l - könne sie somit nicht der Elektrolytstörung
zuordnen. Sie erwähnte "Evt. Orthostase, psychische Ursache" (vgl. act. G 3.1-158).
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Schliesslich hat auch Dr. L._ die Beschwerden in seiner Beurteilung vom 29. August
2018 nicht auf somatische Ursachen zurückgeführt (vgl. act. G 3.1-202). In seiner
Stellungnahme vom 5. Oktober 2018 hat er in nachvollziehbarer Weise erneut darauf
hingewiesen, dass die immer wieder postulierte Elektrolytstörung seitens der
Nephrologie des Spitals K._ im Bericht vom Juli 2018 als nicht ursächlich für die
allgemeine Schwäche eingestuft worden sei (vgl. act. G 1.26 S. 2). In einer
endokrinologischen Sprechstunde vom 23. September 2019 hat sich sodann ein
normwertiger Elektrolytspiegel gezeigt (vgl. act. G 1.29). In ihrem Bericht vom 6.
November 2019 hat Dr. J._ mit Bezug auf die geklagte Muskelschwäche sodann
erneut festgehalten, dass Symptome typischerweise erst bei Serumkaliumwerten unter
3 mmol/l auftreten würden. Solche seien bei der Klägerin kaum je und in letzter Zeit
nicht nachgewiesen worden (vgl. act. G 1.31 S. 3). Im Bericht der Klinik für
Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und Stoffwechselerkrankungen des KSSG
vom _ Juli 2020 ist sodann festgehalten worden, dass die von der Klägerin
beschriebene störende, beinbetonte Muskelschwäche, die schon nach geringer
Anstrengung auftrete, kaum im Zusammenhang mit der Hypokaliämie stehe, da die
Beschwerden auch bei normalisiertem Kalium persistierten und zudem nie schwere
Hypokaliämien dokumentiert worden seien (vgl. act. G 1. 33 S. 3). Schliesslich leuchtet
auch nicht ein, warum die Klägerin im September 2019 das Pensum von 70 % auf 60
% hat reduzieren müssen (vgl. act. G 1 S. 9), wenn der Kaliumwert die Ursache für die
Beschwerden gewesen sein soll und dieser, wie von der Klägerin behauptet (vgl. act. G
1 S. 14), durch die ab Juli 2018 eingeleitete Therapie mit Kaliumchlorid massiv
verbessert worden ist.
4.6.
Weiter macht die Klägerin mit Verweis auf einen Bericht des Muskelzentrums des
KSSG vom _ Juli 2020 geltend, dass mit der Diagnose der belastungsabhängigen
Myalgien und der deutlichen Belastungsintoleranz im Rahmen der bekannten
Hashimoto-Thyreoiditis eine objektivierbare Erklärung für ihre
Leistungseinschränkungen vorliege (vgl. act. G 1 S. 15). Sodann bringt die Klägerin vor,
in der Klinik Q._ habe sich ergeben, dass bei ihr eine deutliche chronische Belastung
mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) bestehe. Gemäss der Infektiologie sprächen die
Ergebnisse für eine vor längerer Zeit durchgemachte EBV-Infektion oder eine
Reaktivierung. Eine Reaktivierung bzw. eine chronische aktive EBV-Infektion sei an eine
Schwächung des Immunsystems gebunden. Aus den Einträgen von Dr. C._ sei
ersichtlich, dass sie seit Sommer 2017 immer wieder an Virusinfektionen und
grippeartigen Symptomen gelitten habe. Die Belastungen durch die Nierenszintigraphie
4.6.1.
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und die damit verbundene Hypokaliämie hätten ihr zusätzlich zugesetzt, sodass eine
Ersterkrankung oder eine Reaktivierung in dieser Zeit gut vorstellbar seien. Bei
Erwachsenen verlaufe die Erkrankung chronisch über mehrere Monate mit
ausgeprägter Müdigkeit und Leistungsabfall. Ein Nachweis von Antikörpern im Blut
gegen das EBV beweise die Infektion. Infolgedessen liege eine weitere somatische
Erklärung für die objektivierte Beschwerdesymptomatik vor. Zusammenfassend seien
ihre Beschwerden und die damit verbundenen Leistungseinbussen somatisch
ausreichend objektiviert (act. G 1 S. 15 f.).
Dr. O._ hat zwar in ihrem Sprechstundenbericht vom 23. September 2019 eine
Autoimmunthyreopathie Hashimoto diagnostiziert bei allerdings gleichzeitig
bestehender Euthyreose ohne aktuelle Notwendigkeit für eine
Schilddrüsenhormonsubstitutionstherapie. Sie hat lediglich Kontrollen in Abständen
von sechs Monaten vorgeschlagen, um den Beginn einer Substitutionstherapie nicht zu
verpassen (vgl. act. G 1.29). Die Verlaufskontrolle bei Dr. O._ vom 19. Dezember
2019 hat wieder den Befund einer Euthyreose bei diagnostizierter
Autoimmunthyreopathie Hashimoto ergeben, sodass der nächste Verlaufstermin auf
den Juni 2020 angesetzt worden ist (vgl. act. 1.30). Schliesslich hat auch Dr. J._ in
ihrem Bericht vom 6. November 2019 festgehalten, dass zwischenzeitlich eine
endokrinologische Standortbestimmung mit der Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis
bei erhöhten TRAK-Antikörpern erfolgt sei. Aktuell bestünden jedoch ein normwertiges
THS und normwertig freie Schilddrüsenhormone (act. G 1.31 S. 3). Im Bericht des
Muskelzentrums des KSSG vom _ Juli 2020 ist zwar festgehalten worden, dass sich
ähnliche Myalgien bei einer chronischen Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto) häufig
fänden und in Zusammenschau aller Befunde die Belastungsintoleranz sowie die
schnelle Ermüdung der Muskulatur am ehesten im Rahmen dieser
Autoimmunerkrankung zu erklären seien (gemäss einer Review lägen in bis zu 62 % der
Fälle Fibromyalgie-ähnliche Beschwerden vor; vgl. act. G 1.34). Inwiefern sich aufgrund
der Myalgien oder der Ermüdung der Muskulatur eine Arbeitsunfähigkeit für körperlich
leichte Bürotätigkeiten ergeben sollte, geht aus dem Bericht jedoch nicht hervor. Zur
Arbeitsfähigkeit wird generell nicht Stellung genommen (vgl. act. G 1.34). Gerade vor
diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Dr. L._ in der von der Beklagten mit
der Klageantwort eingereichten Beurteilung vom 19. November 2020 angegeben hat,
dass sich von Seiten der Myopathie bzw. Muskelproblematik für die Frage der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einem überwiegend sitzenden Bürojob keine ersichtliche
Relevanz ergäbe. Ausserdem hat Dr. L._ festgehalten, dass der Erklärungsversuch
des Muskelzentrums des KSSG, wonach die Autoimmunthyreoiditis für die
4.6.2.
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Muskelproblematik verantwortlich sein sollte, nicht zuletzt angesichts der euthyreoten
Stoffwechsellage nicht so recht überzeuge (vgl. act. G 3.2 S. 3). Dazu passend ist in
einem Bericht der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und
Stoffwechselerkrankungen des KSSG vom _ Juli 2020 festgehalten worden, die
chronische Autoimmunthyreoiditis mit aktuell euthyreoter Stoffwechsellage ohne
Substitution sei sicher nicht für die von der Klägerin beschriebene störende,
beinbetonte Muskelschwäche verantwortlich. Bezüglich der chronischen
Autoimmunthyreoiditis bestehe aktuell kein Substitutionsbedarf, da die
Stoffwechsellage euthyreot sei (vgl. act. G 1. 33). Aus der mit der Replik eingereichten
Mailnachricht vom 24. Februar 2021 mit dem Verweis auf wissenschaftliche Literatur,
wonach Erschöpfung und Schmerz trotz normaler Schilddrüsenhormone bestehen
könnten (vgl. act. G 10.3), kann die Klägerin ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Der Beklagten ist darin zuzustimmen (vgl. act. G 12 S. 2 f.), dass unklar ist, welche
Schlüsse aus der Fachliteratur für die Arbeitsfähigkeit im konkreten Fall gezogen
werden könnten, zumal das Bestehen einer Erschöpfung oder eines Schmerzes nicht
zwangsläufig zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten
Tätigkeit führt. Gleiches gilt für den Bericht von Dr. med. R._, Facharzt für
Orthopädie, Klinik Q._, vom 14. Oktober 2020, in welchem eine deutliche chronische
Belastung mit EBV postuliert worden ist, die oft zu einer Erschöpfung und Müdigkeit
führen könne (vgl. act. G 1. 35). Der Beklagten ist ferner darin zuzustimmen (vgl. act. G
12 S. 3), dass auch die E-Mail von Dr. R._ vom 22. Februar 2021 keine genaueren
Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit zulässt (vgl. act. G 10.5).
Zusammenfassend lassen die von der Klägerin vorgebrachten Befunde (Myalgien
und deutliche Belastungsintoleranz im Rahmen der bekannten Hashimoto-Thyreoiditis,
durchgemachte EBV-Infektion und Kaliumspiegel) gewisse körperliche Beschwerden
wie z.B. eine gewisse erhöhte Ermüdbarkeit zwar als durchaus möglich erscheinen, wie
dies auch verschiedene behandelnde Ärzte festgestellt haben, liefern aber nicht
automatisch eine Erklärung für eine nach Oktober 2018 bestehende Arbeitsunfähigkeit.
Attestierte Arbeitsunfähigkeiten für die Zeit ab November 2018 liegen, soweit
ersichtlich, lediglich vom Hausarzt Dr. C._ vor. Seine Arztzeugnisse enthalten
indessen keine Begründung. Namentlich geht aus seinen Zeugnissen nicht
nachvollziehbar hervor, weshalb die Arbeitsfähigkeit auch in adaptierten körperlich
leichten Bürotätigkeiten eingeschränkt sein soll. Auch in den Berichten vom 13.
September und 8. November 2018, in welchen sich Dr. C._ gegen die Einschätzung
von Dr. L._ gestellt hat, hat er eine nachvollziehbare Begründung für die damals noch
immer attestierte 80%ige Arbeitsunfähigkeit vermissen lassen (vgl. act. G 1.24 und
3.1-292 f.). Aus dem Bericht vom 8. November 2018 geht denn auch hervor, dass er
4.7.
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klage im Sinne der Erwägungen
abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO). Die Klägerin
hat entsprechend dem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 ZPO). Die Beklagte hat
mangels anwaltlicher Vertretung und mangels anderweitig geltend gemachten
Vertretungsaufwandes (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO) ebenfalls keinen Anspruch auf eine
die Arbeitsfähigkeit in einem Homeoffice-Setting als höher einschätzen würde, woraus
zu schliessen ist, dass sich die von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeiten nicht auf
optimal leidensangepasste Tätigkeiten bezogen haben (vgl. act. G 3.1-293). In ihrer
Klage führt die Klägerin sodann aus, inwieweit sich ihre gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zurückgebildet hätten und dass eine anhaltende Kraftlosigkeit in
den Beinen geblieben sei (vgl. act. G 1 S. 14). Inwiefern sich diese auf eine sitzende
Bürotätigkeit auswirkt, ist fraglich. Wie die Beklagte zutreffend angemerkt hat (vgl. z.B.
act. G 3 S. 10), ist auch nicht ersichtlich, inwiefern sich aus den Ergebnissen der am
23. Juli 2019 durchgeführten Spiroergometrie eine Arbeitsunfähigkeit für leichte
Schreibtischtätigkeiten ergeben soll, ist der Leistungszustand doch im entsprechenden
Untersuchungsbericht als gut eingeschätzt worden (vgl. act. G 1.28). Schliesslich
datieren zahlreiche von der Klägerin eingereichte Berichte behandelnder Ärzte nach
November 2019 (vgl. act. G 1.4 ff.), sodass deren Relevanz für den vorliegend streitigen
Zeitraum fraglich ist. Beispielsweise kann aus dem Nachweis von EPV-Viren im Jahr
2020 (vgl. act. G 1.35 und 10.42) nicht ohne Weiteres geschlossen werden, dass die
Klägerin im Zeitraum der hier eingeklagten Taggelder eine EPV-Infektion durchgemacht
hat oder es bereits in diesem Zeitraum eine Reaktivierung der Viren gegeben hat, die
sich auf die Leistungsfähigkeit ausgewirkt haben könnte.
Auch wenn die von der Klägerin subjektiv wahrgenommenen Leiden nicht in
Abrede gestellt werden sollen, so ist eine über den Oktober 2018 hinausgehende
Arbeitsunfähigkeit aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage also nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Angesichts der bereits
umfangreich getätigten medizinischen Abklärungen und des medizinisch nur schwer
fassbaren Beschwerdebilds sind aktuell von weiteren Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit
im hier interessierenden Zeitraum auch keine besseren Erkenntnisse mehr zu erwarten.
Weitere medizinische Abklärungen sind somit nicht angezeigt (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 236 ff. E. 5.3 und 5.5 mit weiteren Hinweisen). Die
Folgen der Beweislosigkeit hat die Klägerin zu tragen (vgl. E. 2.3 f.). Demnach ist die
Klage abzuweisen.
4.8.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/23
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Parteientschädigung. Sie hat eine solche denn auch nicht beantragt (Art. 58 Abs. 1
ZPO).