Decision ID: fef28365-b0db-4963-8f7b-fde8f7201379
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974
,
übte
seit
1.
Januar 1999
im teilzeitlichen Umfang
von 25
%
eine selbständige Erwerbstätigkeit als Tanzlehrerin aus
(
Urk.
7/12, vgl.
auch
Urk.
7/1
Ziff.
5.4
), als sie sich am
1
0.
Juni 2019 m
it dem Hinweis auf eine
Chorea Huntington Erkrankung
(Urk.
7/1
Ziff. 6.1) bei der Inva
liden
versi
che
rung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk.
7/1
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte n
ach durchgeführtem
Vor
bescheidverfah
ren
(Urk.
7/18 und
Urk.
7/20
) mit Verfügung vom
2
2.
Juni 2020
(Urk.
7/23
= Urk. 2) einen
Anspruch
der Versicherten
auf Versicherungsleistungen
.
2.
Gegen die Verfügung vom
2
2.
Juni 2020
(Urk. 2) erhob die Versicherte am
1
7.
Juli 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
sinngemäss
, d
iese sei aufzu
heben und es seien
ihr, da sie unter einer Chorea Huntington leide und deswegen bleibend erwerbsunfähig sei
, die entsprechenden gesetzlichen Versicherungs
leistungen zuzusprechen.
Mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
September 2020 (Urk. 6
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführerin am
3
0.
Sep
tem
ber
2020 Kenntnis
gegeben wurde (
Urk.
8
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Der Anspruch auf eine Invalidenrente setzt mithin eine
Beeinträchtigung der Gesundheit beziehungsweise
einen Gesundheitsschaden voraus. Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist aber noch nicht gesagt, dass dieser auch in
validi
sierenden
Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise erwerblich zu arbeiten.
1.4
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Renten
prüfung der versicherten Person die invalidisieren
den Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der über
wie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.
Denn sie leitet daraus Rechte, den Anspruch auf eine Invalidenrente, ab.
Gelingt es der versicherten Person, unter Einbezug der im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes gebotenen Abklärungen des Versicherungsträgers (
Art.
43 ATSG)
beziehungsweise
- im Beschwerdefall - des Sozialversicherungsgerichts (
Art.
61
lit
. c ATSG), nicht, den geklagten Gesundheitsschaden und dessen invalidisierende Auswirkungen nachzuweisen, trägt sie daher die Folgen der Beweislosigkeit und sie verfügt über keinen Leistungsanspruch.
Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit ver
mutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend aus
wirkt
.
Vermutet wir
d
daher
Validität, nicht Invalidität
(BGE
140 V 290 E. 4.1; 139 V 547 E.
8.1). Bleiben die Auswirkungen eines ob
jektivierbaren wie auch eines nicht (bild
gebend) fassbaren Leidens auf die Arbeits
fähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungs
grundsatzes sorg
fältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die An
spruchs
grundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.5
Auszugehen ist davon, dass Erwerbsfähigkeit vermutet wird (vorstehend E. 1.4) und ein Gesundheitsschaden, der zu Leistungen der Invalidenversicherung berechtigt, eine bestimmte Dauerhaftigkeit aufweisen und die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken muss. Das ist anhand der im Recht liegenden Beweise zu beurteilen. Es ist Sache des Versicherungsträgers, im Beschwerdefall des Gerichts, die Beweismittel auf ihre Aussagekraft und Kohärenz hin zu prüfen, um fest
zustellen, ob eine solche Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Ergibt die Beweiswürdigung, dass eine dauerhafte und erhebliche Arbeitsunfähigkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, ist Invalidität zu verneinen und es erübrigt sich eine weitere Prüfung (Urteil des Bundesgerichts 8C_324/2014 vom 1
5.
Januar 2015 E. 3.3).
1
.6
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügungen in der Regel nach dem Sach
verhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war.
Der Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung begrenzt in der Regel daher den gerichtlichen Prüfungszeitraum
(
BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 131 V 407 E.
2.1.2.1).
Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
2
2.
Juni 2020
(Urk. 2) davon aus, dass
eine gesundheitliche Einschränkung mit dauer
hafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht
nachvollziehbar
sei,
in der angestammten Tätigkeit bestehe derzeit noch eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Ein
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Versicherungsleistungen
sei
ent
spre
chend nicht ausgewiesen
.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
hiegegen
vor, dass
sie seit dem Jahre 1998 im Rahmen einer selbständigen Erwerbstätigkeit im Umfang eines Teilzeitpensums eine eigen
e
Tanzschule geführt habe
. Daneben
sei
sie
in den Aufgabenbereichen
der Haushaltsführung
und der Kinderbetreuung
tätig
gewesen.
Im Dezember
2019
habe sie
eine
unselbständige kaufmännische Erwerbstätigkeit
im Umfang eines Vollzeitpensums bei einem Krankenversicherer
aufgenommen
.
Dabei
habe
sie
sich überfordert gefühlt und unter Konzentrations- und Schlafstörungen
sowie
Gereiztheit gelitt
en
, weshalb
sie sich im März
2020
intern
habe
versetzen lassen
(S. 1)
.
Auch
dabei
habe sie sich unter Druck gesetzt gefühlt und in der Folge unter Depressi
onen und Aggressivität gelitten, weshalb sie
sich
im Juli 2020 erneut eine
r
psychiatrische
n
Behandlung
unterzogen habe. In der Folge habe ihr der
behandelnde psychiatrische Facharzt für den Monat Juli 2020 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 2). Da sie an Symptomen der Chorea Huntington,
bei welcher es sich um eine unheilbare
Krankheit
handle
,
leide, werde sie in Zukunft
jedoch
nicht
mehr in einem Vollzeitpensum erwerbstätig sein können (S.
3).
3
.
3
.1
Im Folgenden gilt es
vorerst
die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit massge
bende medizinische Aktenlage zu prüfen.
3
.2
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für m
edizinische Genetik
, erwähnte in seinem Bericht vom 2
7.
Dezember 2001 (
Urk.
7/6), dass
bereits
der Vater der Beschwerde
führerin an Chorea Huntington erkrankt sei, und dass die Beschwerdeführerin gemäss einer in den frühen 1990er Jahren durchgeführten
Kopplungsanalyse
(S.
1)
Trägerin
eines auf eine Chorea Huntington hinweisenden Gendefekts sei
. Eine sicherere Diagnose könne jedoch erst
nach
einer Untersuchung auf eine CAG-Expansion gestellt werden (S. 2). Gegenwärtig weise die Beschwerdeführerin keine klinischen Symptome der Chorea Huntington aus (S. 1).
3.3
Dipl. Arzt (med.
pract
.)
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psycho
therapie
, erwähnte in seinem Bericht vom 1
0.
Juli 2019 (
Urk.
7/11/7-9)
, dass die Beschwerdeführerin seit dem 2
4.
April 2019 in seiner Behandlung stehe (S. 1) und stellte die folgenden Diagnosen (S. 2):
-
Anpassungsstörung
-
prämenstruelle
Beschwerden
-
Chorea Huntington
Der Arzt führte aus, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben schon immer unter
prämenstruellen
Beschwerden gelitten habe. Ungefähr eine Woche vor dem Zyklus leide sie unter depressiven Stimmungseinbrüchen sowie Kontroll
verlust und werde laut und ungehalten (S. 1). Seit dem Alter von 18
Jahren wisse
sie, dass sie unter Chorea Huntington leide. Gegenwärtig leide sie unter Gedanken
kreisen in Bezug auf einen möglichen Beginn von
Symptomen der Chorea Huntington (S. 2). Die Beschwerdeführerin sei gegenwärtig zwei Tage in der Woche als Tanz- und
Pilateslehrerin
tätig. Im Monat Oktober 2018 sei sie für zwei Wochen als Buchhalterin tätig gewesen
, habe diese
Arbeitsstelle
aber
auf
gegeben
müssen
, weil
sie
zu anstrengend
für sie
gewesen sei (S. 3).
3.4
Dipl. Arzt
Z._
stellte in seinem Bericht vom 1
6.
Juli 2019 (
Urk.
7/10) die folgenden Diagnosen (
Ziff.
2.5 f.):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Chorea Huntington
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.6):
-
prämenstruelle
Beschwerden
-
Anpassungsstörung
Der Arzt führte aus, dass die Beschwerdeführerin erste Symptome eines mögli
chen Erkrankungsbeginns von Chorea Huntington zu zeigen scheine. Sie leide insbesondere unter erhöhter emotionaler Labilität, Gereiztheit, Lustlosigkeit, sozialem Rückzug,
verringerte
r
Konzentration und Aufmerksamkeit sowie unter leichten Gleichgewichtsstörungen und Veränderungen in der Handschrift. Zudem ermüde sie schneller und brauche mehr Ruhephasen (
Ziff.
3.4).
Ihre
Leistungs
fähigkeit sei gegenwärtig auf den Umfang der
von ihr
tatsächlich ausgeübten Tätigkeit
als Tanzlehrerin während zwei
Tagen in der Woche beschränkt (
Ziff.
4.1). Auf Grund erster Hinweise auf einen möglichen Beginn
der Sympto
matik einer Chorea Huntington sowie auf Grund der
prämenstruellen
Beschwer
den und
der
Anpassungsstörung könne gegenwärtig
k
eine Prognose hinsichtlich einer vollständigen Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit gestellt werden (Ziff. 2.7 und
Ziff.
4.3).
3.5
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
,
erwähnt
e in seinem Bericht vom 1
8.
Juli 2019 (
Urk.
7/11/1-5), dass die Beschwerdeführerin unter einer Gleichgewichtsstörung, feinmotorischen Auffälligkeiten, Kontroll
ver
lust, aggressivem Verhalten
,
emotionaler Instabilität
, Verhaltensauf
fällig
keiten, Antriebsarmut, verminderter Belastbarkeit, Leistungsein
schränkun
gen und Gedächtnisstörungen
im Rahmen einer Chorea Huntington Krankheit
leide
(
Ziff.
2.2
und
Ziff.
2.4
).
Auf Grund von Hinweisen auf einen möglichen Krank
heitsbeginn von Chorea Huntington sowie auf Grund
prämenstrueller
Beschwer
den könne gegenwärtig keine Prognose zur Arbeitsfähigkeit gestellt werden (
Ziff.
2.7). Die Beschwerdeführerin, welche gegenwärtig eine Weiter
bildung im
Power Yoga absolviere (
Ziff.
3.5), könne
indes
keine Tätigkeit
en
ausüben, welche den Umfang der
von ihr
gegenwärtig ausgeübten Tätigkeit als Tanzlehrerin während zwei Tagen in der Woche übersteige (
Ziff.
4.1).
3.6
Die Ärzte des Universitätsspitals
B._
, Klinik für Neurologie, stellten in ihrem Bericht vom
6.
November 2019 (
Urk.
7/13/6-9) die Diagnose einer Huntington Erkrankung (S. 1)
und erwähnten, dass die aktuellen molekular
genetischen Resultate eine pathogene CAG-Expansion ergeben
hätten, wodurch
diese
Erkrankung bestätigt
worden sei
(S. 3). Bei der Beschwerdeführerin sei zudem schon in den 1990er Jahren im Rahmen einer Kopplungsanalyse festge
stellt worden, dass sie Trägerin eines defekten
,
auf
die Huntington Erkrankung
hinweisenden
Gens sei
. Therapeutisch sei
die Fortsetzung der regelmässigen körperlichen Aktivität mit Pilates und Tanzen indiziert. Falls erneut depressive Symptome, R
eizbarkeit oder Schlafstörungen oder
Unruhe auftreten sollen, sei eine Wiederaufnahme der psychotherapeutischen Behandlung angezeigt
(S. 1).
3.7
Mit Bericht vom 1
1.
Dezember 2019 (
Urk.
7/13/1-5) stellte
dipl.
Arzt
Z._
fest, dass
die
Beschwerdeführerin
die Behandlung
am 2
1.
August
2019
beendet
habe
, weshalb er zu
ihrem
gegenwärtigen Gesundheitszustand keine Stellung nehmen könne (
Ziff.
1.3)
.
In den
durchgeführten
psychotherapeutischen Sitzungen seien der Umgang mit
den
Bedürfnissen
der Beschwerdeführerin
und die Entwicklung von Selbstfürsorgestrategien im Vordergrund gestanden. Ein weiteres zentrales Thema hätten die impulsiv-aggressiven Verhaltenswei
sen der Patientin im Rahmen der
prämenstruellen
Beschwerden
dar
gestellt
. Nach Abgabe
eines Medikaments sei es
jedoch
nicht mehr zu
zyklusbedingten Impulsdurch
brüche
n
gekommen.
Zudem habe sich die
Stimmung
der Beschwerdeführerin
im Verlauf zusehends
stabilisiert
.
Da die Beschwerdeführer
neben ihrer selbstständi
gen Tätigkeit im eigenen Tanzstudio
wieder mehr Energie, Antrieb und Motiva
tion
verspürt habe, habe sie
in der Folge
erneut begonnen, eine
kaufmännische
Teilzeitstelle
zu
suchen
(
Ziff.
3.1)
.
Die
Therapie
sei
am 2
1.
August 2019
durch die Beschwerdeführerin
beendet
worden
, da sich
diese
zuneh
mend stabiler
g
efühlt
habe,
und
da
keine Impulsdurchbrüche me
hr
stattgefunden hätten
(
Ziff.
3.3).
Zum gegenwärtigen Umfang der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin könne er
keine Stellung nehmen
, da die Behandlung am 2
1.
August 2019
beendet worden sei
(
Ziff.
4.1).
3.8
Die Ärzte des
B._
erwähnten
in ihrem Bericht vom 1
1.
Mai 2020 (
Urk.
7/19)
, dass die Beschwerdeführerin gegenwärtig wieder im Umfang eines Arbeitspensums von 100
%
in ihrem angestammte
n Beruf bei der
C._
im Bereich
der Fakturierung tätig sei und daneben ein wenig im Haushalt
mit
helfe.
Gemäss
den Angaben der Beschwerdeführerin
sei
es
zwischenzeitlich erneut
zu
einer Zunahme der bereits seit vielen Jahren bekannten emotionalen Ausbrüche gekommen. Diese würden
die Beschwerdeführerin
und ihre Familie zunehmend belasten. Zudem leide sie unter Stimmungsschwankungen und
unter einem
leichten sozialen Rückzug. Eine regelmässige psychiatrische Behandlung
werde - abgesehen von einer Verlaufskontrolle -
gegenwärtig nicht
wahrgenommen
.
Nach dem Beginn einer
medikamentöse
n
Therapie mit
Quetiapin
sei es
zu einer leichten Besserung
der Symptome
gekommen. Anlässlich der
heutigen
klinischen Untersuchung
sei
ein stabiler Verlauf mit diskreten
Hyperkinesien
(Zunahme an Bewegungen)
von Gesicht und Händen, linksbetonter
Bradydysdiadochokinese
(
Verlangsamung
von
Bewegungen
)
und diskretem Rigor
(
Tonuserhöhung der Muskulatur
)
unter
Bahnung
(d
urch Willkürbewegungen der kontralateralen Seite
)
festzustellen gewesen
.
Bei einer Testung mittels der UHDRS (
Unified
Huntington's
Disease
Rating
Scale
)
habe ein Ergebnis von
14 Punkte
n resultiert
.
Bei
den beste
henden
Beschwerden dürfte es sich wahrscheinlich um neuropsychiatrische Manifestation
en
der Huntington Krankheit handeln (S. 3).
Gegenwärtig würden diese Symptome
jedoch zusätzlich
durch
eine
psychosoziale Belastung im Rahmen
einer
langen
Phase der
Homeoffice-Arbeit
während
der
Coronavirus
-Pandemie
begünstigt
.
Es
sei eine
Weiterführung und
gegebenenfalls eine
Dosis
erhöhung von
Quetiapin
zur Stimmungsstabilisierung
sowie
eine regelmässige psychiatrische Betreuung
angezeigt
(S. 4). Zudem werde der Beschwerdeführerin eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung empfohlen (S. 1).
3.9
Mit Zeugnis vom
1.
Juli 2020 (
Urk.
3/1) attestierte
Dr.
A._
der Beschwerde
führerin für die Zeit vom
2.
bis 1
2.
Juli 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
wegen einer Krankheit
.
Dipl. Arzt
Z._
attestierte der Beschwerdeführerin mit
dem
zu
handen
ihrer Arbeitgeberin, der
C._
, ausgestellten
Zeugnis vom
2.
Juli 2020 (Urk.
3/2) eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die Zeit vom
2.
bis 3
1.
Juli 202
0.
4
.
4
.1
Den erwähnten medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh
rerin
an einer hereditären beziehungsweise erblichen Chorea Huntington Krank
heit, einer neurodegenerativen
hirnorganischen
Erkrankung, leidet. Gemäss der Beurteilung durch die Ärzte des
B._
in ihrem Bericht vom 1
1.
Mai 2020 (vorste
hend E.
3.8
) leide die Beschwerdeführerin
insbesondere
unter den folgenden neu
ropsychiatrischen Symptomen dieser Krankheit:
emotionale
Ausbrüche, Stimmungs
schwankungen,
leichter sozialer
Rückzug,
diskrete
Hyperkinesien
von G
esicht und Händen, linksbetonte
Bradydysdiadochokinese
und diskreter
Rigor
(
unter
Bahnung
)
.
Diese Symptomatik sei sodann
durch eine psychosoziale Belastung im Rahmen einer langen Periode mit Homeoffice-Arbeit
während
der
Coronav
irus
-Pandemie begünstigt worden. Obwohl die Ärzte des
B._
der
Beschwerdeführerin eine Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenver
sicherung
empfahlen,
attestierten
sie ihr
keine Arbeitsunfähigkeit. Vielmehr
erwähnten
sie ausdrücklich, dass die Beschwerdeführerin gegenwärtig im Umfang eines Arbeitspensums von 100
%
bei der
C._
im Bereich Fakturierung tätig sei, ohne dass sie diese Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
aus gesundheitli
chen Gründen
nicht mehr zumuten wollten, beziehungsweise, dass sie diese Tätigkeit als
ungeeignet
qualifiziert hätten. Damit übereinstimmend s
tellten die Ärzte des
B._
ein Ergebnis einer Testung gemäss der
UHDRS
von 14
Punkte
n fest.
Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass es sich
beim
UHDRS um ein standardisiertes Bewertungsverfahren zur Quantifizierung der Schwere der Symptomatik von Chorea Huntington handelt.
Damit
werden insbesondere die motorischen, kogni
tiven, verhaltensbezogenen und funktionellen Fähigkeiten der Patienten gemessen
und
bewertet
. Insgesamt kann
Testergebnis
zwischen
0 und 124
Punk
ten resultieren
. Dabei deutet ein
Ergebnis von 0 Punkten
auf
keine Auffälligkeiten und ein höherer Wert auf ein
entsprechend
schwereres Fortschreiten der Krank
heit
beziehungsweise deren Symptomatik
hin (vgl.
Kevin M.
Biglan
,
Ying
Zhang, Jeffrey
D.
Long et. al.,
Refining
the
diagnosis
of
Huntington
disease
:
the
PREDICT-HD
study
, publiziert in:
Frontiers
in
Aging
Neuroscience
vom
2.
April 2013).
Das von der Beschwerdeführerin erzielte
UHDRS
Testergebnis
von
insge
samt
14 Punkte
n weist daher auf eine
eher
geringe Ausprägung der Symptomatik von Chorea Huntington hin.
4.2
D
ipl. Arzt
Z._
ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin
neben Chorea Huntington
unter
prämenstruelle
n
Beschwerden und
unter
eine
r
Anpassungs
störung
leid
e
. In
seinem Bericht vom
1
6.
Juli 2019 (
vorstehend E.
3.4
)
vertrat er indes die Ansicht
, dass die Beschwerdeführerin ausschliesslich durch die Symptomatik der Chorea Huntington in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde, und dass ihr deswegen die Ausübung einer Tätigkeit
, die
das
ausgeübte
Pensum
von
zwei Tagen in der Woche
übersteige, nicht
zuzumuten
sei
.
Damit übereinstimmend ging auch
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 1
8.
Juli 2019 (
vor
stehend E.
3.5
)
davon aus
, dass
der Beschwerdeführerin lediglich die Ausübung einer Tätigkeit im Umf
ang von zwei Tagen in der Woche
zuzumuten sei. Demge
genüber stellte
dipl.
Arzt
Z._
i
n seinem Bericht v
om 1
1.
Dezember 2019 (
vorstehend E.
3.7
)
einen Rückgang der Impulsdurchbrüche
sowie
eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
fest. Zur Arbeitsfähigkeit
konnte
dipl.
Arzt
Z._
indes keine Stellung nehmen, weil die
Behandlung
durch die
Beschwerdeführerin
am 2
1.
August 20
19
beendet worden
sei.
4.3
Die Beurteilungen durch die Ärzte des
B._
erfüllen die praxisgemäs
sen Anfor
de
rungen für eine beweis
kräf
tige medizinische Ent
schei
dungsgrundlage (vgl. vor
ste
hend E.
1.7
). Denn einerseits verfügten sie als Fachärzte für Neurologie
über
eine
für die Beur
teilung des bei der Beschwerdeführerin im Vordergrund stehenden Leidens
der
Chorea Huntington angezeigte fachärztliche Aus- und Weiter
bildungen
und be
gründeten ihre Schlussfolgerungen in
diagnostischer und thera
peutischer Hinsicht in
nachvoll
ziehbarer Weise.
In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass die
Ärzte
davon ausgingen, dass
die Beschwerde
gegnerin lediglich in einem vergleichsweise geringfügigen Umfang eines
UHDRS Testergebnis von insgesamt 14 Punkten
durch Chor
ea Huntington beeinträchtigt worden sei
. Die Ärzte des
B._
befassten sich in ihren Beurteilungen indes nicht mit der Frage nach dem Umfang der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
4.4
Die Beurteilung durch
dipl.
Arzt
Z._
vom
1
6.
Juli
2019 (
vorstehend E.
3.4
)
vermag insofern nicht zu überzeugen, als er darin einerseits davon ausging, dass die Beschwerdeführerin ausschliesslich durch die Symptomatik einer beginnen
den Chorea Huntington in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt werde, und dass er andererseits d
avon ausging, dass der
Beschwerdeführerin
aus diesem Grunde lediglich die Ausübung einer
Tätigkeit in einem Umfang von zwei Tagen in der Woche, welcher
dem Umfang der
von der Beschwerdeführerin
tatsächlich ausge
übten Tätigkeit
entsprach,
zuzumuten sei. Denn seiner Beurteilung lässt sich
keine nachvollziehbare Begründung der von ihm attestieren Arbeitsunfähig
keit
beziehungswies
der von ihm postulierten funktionellen
Einschränkungen infolge der Symptomatik der
Chorea Huntington
entnehmen.
Zudem gilt es diesbezüglich
zu beachten, dass
dipl.
Arzt
Z._
über einen Facharzttitel für
Psychiatrie und Psychotherapie
, nicht jedoch über einen solchen für
Neurologie
verfügt. Insoweit
dipl.
Arzt
Z._
daher die Ansicht vertrat, dass
die Beschwerde
führerin
durch
Chorea Huntington
, einem neurodegenerativen und hirnorgani
schen Leiden,
in ihrer
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde, kann auf dessen Beurtei
lung schon deshalb nicht abgestellt werden, weil es ihm
diesbezüglich
an einer dafür angezeig
ten fachärztlichen
Weiterbildung
fehlt
e
.
4.5
Des Gleichen
lässt sich auch der Beurteilung durch
Dr.
A._
vom 1
8.
Juli 2019 (vorstehend E. 3.5)
keine nachvoll
ziehbar begründete Arbeitsfähigkeits
beur
teilung
entnehmen.
Denn der Hausarzt der Beschwerdeführerin, welcher über eine Weiterbildung zum Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
nicht h
ingegen über eine solche im Bereich d
er Neurologie verfügt
e
,
attestierte
der Beschwerdeführe
rin
offensichtlich
im Wesentlichen
auf Grund
ihrer subjektiven
Angaben eine
Arbeitsunfähigkeit für
Tätigkeiten
in einem ein Arbeitspensum von zwei Tagen in der Woche
übersteigenden Umfang. Mangels einer nachvollziehbaren Begrün
dung kann auf seine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung daher nicht abgestellt werden. Des Weiteren gilt es diesbezüglich
die Erfahrungstatsache zu beachten, wonach
Hausärzte und
behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aus
sagen dürften (Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2012 vom 27. Juni 2012 E.
3.3.2; BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.6
Auf die Zeugnisse von
Dr.
A._
vom
1.
Juli 2020 und von
dipl.
Arzt
Z._
vom
2.
Juli 2020 (vorstehend E.
3.9
)
kann
vorliegend
bereits deshalb
nicht
abge
stellt werden
,
weil die darin attestierten Arbeitsunfähigkeiten
für die Zeit ab
2.
Juli 2020
in zeitlicher Hinsicht ausserhalb des durch den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) begrenzten
Prüfungs
zeitraum
s
(vorstehend E. 1.6)
und damit
ausserhalb des
Anfechtungsg
egenstandes zu liegen kommen.
5.
5.1
Nach Gesagtem
steht fest, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2)
gemäss
ihren Angaben (
Urk.
1 S. 1
;
vgl. auch
Urk.
7/20/1) seit Dezember 2019 bei der
C._
als Mitarbeiterin einer Hotline beziehungsweise im Bereich der Indexierung von Kundenrechnungen im Umfang eines Pensums von 100
%
tätig war. Sodann
gilt es zu berücksichtigen, dass
die Ärzte des
B._
,
welchen bekannt war, dass die Beschwerdeführerin eine kaufmännische Tätigkeit im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums ausübte,
in ihrem Bericht vom 1
1.
Mai 2020 (vorstehend E.
3.8
)
nicht davon aus
gingen
, dass es sich dabei um eine der Beschwerdeführerin in gesundheitlicher Hinsicht nicht zumutbare Tätigkeit handelte.
5.2
Demzufolge steht fest, dass ab
dem Zeitpunkt der
Aufnahme
einer
vollzeitlichen Tätigkeit bei der
C._
durch die Beschwerdeführerin
eine dauerhafte und bleibende Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen war.
Da ergänzende Abklärungen an diesem
Ergebnis
nichts zu ändern vermöchten,
ist
darauf
zu ver
zichten
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3
und 1
24 V 90 E.
4b
; Urteil
des Bundesgerichts
8C_411/2019 vom 1
6.
Oktober 2019 E. 9).
5.3
In Würdigung der gesamten Umstände gelingt es der Beschwerdeführerin
trotz i
n Nachachtung des Untersuchungsgrund
satzes sorgfältig durchgeführter
Abklärun
gen
nicht, für den
massgeblichen
Prüfungszeitraum
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2)
eine
n invalidisierenden,
eine
bestimmte Dauerhaftigkeit aufweisen
den
und die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken
den Gesundheitsschaden mit
dem Beweisgrad der über
wie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachzuweisen
.
Obwohl vorliegend feststeht, dass die Beschwerdeführerin an einer nicht heilbaren, neurodegenerativen Erkrankung mit einem progredienten Krankheitsverlauf leidet, weshalb eine anspruchs
relevante Verschlimmerung für die Zukunft nicht auszuschliessen ist,
ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden
zurzeit beziehungsweise
im massgeblichen Prüfungszeitraum vorliegend nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
. Die Beschwerdeführerin trägt daher die Folgen der Beweislosigkeit und verfügt über keinen Leistungsanspruch
.
5.4
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der ange
fochtenen Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verneinte, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
wei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind
nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert
unter Berücksichti
gung des
gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 700.-- fest
zusetzen und
der unterlie
genden Beschwerde
führerin aufzuerlegen.