Decision ID: 62f24ad0-67ae-548f-90c5-d28eef0cb5bb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ erhielt wegen einer Trisomie 21 und einer Zöliakie verschiedene Leistungen
der Invalidenversicherung, unter anderem eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit
mittleren Grades (vgl. IV-act. 229) und eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von
93 Prozent (vgl. IV-act. 251). Am 4. September 2019 meldete sich der Versicherte zum
Bezug eines Assistenzbeitrages an (IV-act. 275). Er machte geltend, er lebe in einer
eigenen Wohnung im Haus der Eltern. Er befinde sich in einem Studium zum
Assistenzlehrer an der Schule C._. Die IV-Stelle forderte ihn auf, einen Fragebogen
zum Assistenzbeitrag auszufüllen („Selbstdeklaration“; IV-act. 277). Der Versicherte
gab im entsprechenden Formular an (IV-act. 279), er benötige täglich während drei bis
vier Stunden Hilfeleistungen seiner Eltern („inkl. Studienhilfe“). Er sei sehr langsam.
Sein Wärme- und Kälteempfinden sei gestört. Deshalb benötige er Hilfe bei der
Kleiderwahl. Er könne gesundes Essen „nicht so gut“ von ungesundem Essen
unterscheiden; am liebsten würde er sich nur von „Red Bull und Schokolade“ ernähren.
Sein Zeitgefühl sei gestört. Teilweise telefoniere er mehrere Stunden am Stück; er sei
froh, wenn ihm jemand sage, dass er den Hörer auflegen solle. Wenn er seinen
Tagesablauf nicht kenne, gerate er „in Stress“. Wenn seine Aufgaben und Pflichten
aber klar strukturiert und in kleine Schritte aufgeteilt seien, „funktioniere“ er gut. Er
könne selbständig Reis kochen und er könne selbständig Wurst und Aufschnitt
einkaufen. Getränke könne er am Kiosk kaufen. Im Moment kontrollierten seine Eltern
noch vieles. Er leide nicht an körperlichen Einschränkungen, aber er sei sehr langsam
und er benötige mehr Hilfe, als ihm lieb sei. Er könne sich beispielsweise nicht rasieren.
Seinen Körper pflege er nur ausreichend, wenn die entsprechende Routine überwacht
werde. Ohne Hilfe könne er seine vielen Aktivitäten nicht schaffen. Er könne nicht
rechnen, er schreibe nicht gut und er brauche lange, um Zusammenhänge zu
A.a.
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verstehen. Zwar könne er eine Geschirrwaschmaschine bedienen, aber für die anderen
Küchenarbeiten benötige er Hilfe. Bei der Wohnungspflege könne er nur das
Staubsaugen und das Rasenmähen selbständig durchführen, aber das auch nur
langsam. Seine Mutter erstelle die Einkaufszettel. Seine Wäsche werde manchmal
grau, weil er vergessen habe, das richtige Programm oder die richtige Temperatur zu
wählen. Seine feinmotorischen Fähigkeiten seien nicht ausreichend für Näharbeiten.
Bügeln gehe, er brauche aber lange dafür. Er gehe oft spazieren, aber wegen seines
nicht intakten Zeitgefühls müsse er von seinen Eltern über das Mobiltelefon angeleitet
werden. Bekanntschaften könne er nicht selbständig pflegen. Ausser Haus müsse er
begleitet werden; nur bekannte Wege seien kein Problem. Sein Tag müsse allgemein
durchstrukturiert sein. Er müsse wissen, was er wann zu erledigen habe. Sein
Tagesablauf werde durch Pläne und Telefonnachrichten gesteuert. Während der Nacht
benötige er keine Assistenz. Man müsse ihn lediglich anhalten, zu einer vernünftigen
Zeit zu Bett zu gehen.
Am 24. Februar 2020 führte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle eine Abklärung am
Wohnort (nicht in der Wohnung; vgl. act. G 6) des Versicherten im Beisein des
Versicherten und dessen Mutter durch. Sie hielt in einem Abklärungsbericht fest (IV-act.
284), sie habe sich das Wohnhaus ansehen können. Im Parterre befinde sich ein kleiner
Laden, der aktuell geschlossen sei, im ersten Stock wohne der Versicherte und im
zweiten Stock wohne seine Mutter. Wenn die Mutter nicht ausser Haus sei, nehme der
Versicherte die Mahlzeiten bei ihr ein. Er könne sich allerdings einfache Gerichte auch
selbst zubereiten. Die Trisomie 21 sei beim Versicherten nicht so stark ausgeprägt wie
bei anderen Betroffenen. Der Versicherte wisse grundsätzlich, was er wolle, benötige
aber immer wieder Hinweise, etwas zu erledigen. Unbekannte Wege könne er
verinnerlichen, indem er sie dreimal in Begleitung zurücklege. Beim An- und Auskleiden
sei er selbständig. Er könne sich die Kleidung auch selbst wählen. Im Vergleich zur
letzten Abklärung vor Ort, die vor zehn Jahren erfolgt sei, habe sich der Versicherte
positiv entwickelt. Beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen sei er schon seit längerer
Zeit selbständig. Er könne Nahrung selbständig mit dem Besteck zerkleinern und zu
sich nehmen. Zwischenzeitlich wisse er auch, was er mit Blick auf seine Zöliakie essen
dürfe und was nicht. Ab und zu komme es allerdings vor, dass er sich vergesse und
Dinge zu sich nehme, die er eigentlich meiden sollte. Die Mutter begleite ihn deshalb
A.b.
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beim Einkaufen. So befänden sich in seinem Haushalt nur Esswaren, die er sicher zu
sich nehmen dürfe. Der Versicherte könne die Notdurft selbständig verrichten. Er
benötige vor allem eine lebenspraktische Begleitung in der Form einer regelmässigen
Unterstützung durch seine Mutter. Er müsse immer wieder an diverse Tätigkeiten
erinnert werden. Zurzeit befinde er sich in einer Weiterbildung zum „Assistenten mit
pädagogischem Profil“. Die Klasse setze sich aus Menschen ohne Beeinträchtigungen
und zwei Menschen mit einem Handicap zusammen. Zusammenfassend liege mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine mittelgradige Hilflosigkeit mehr vor, nachdem
der Versicherte in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht habe und
selbständiger geworden sei. Trotzdem werde die laufende Hilflosenentschädigung
vorerst nicht revidiert, obwohl bereits eine an sich für das Jahr 2018 vorgesehene
Revision von Amtes wegen vergessen gegangen sei. Die nächste Revision sei erst in
zwei Jahren vorzunehmen. Diese werde wohl zu einer Herabsetzung der
Hilflosenentschädigung auf eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades
führen, weil der Versicherte nur noch auf eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe bei
der Fortbewegung sowie auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen sei.
Versehentlich muss es die Sachbearbeiterin der IV-Stelle versäumt haben, sich im
Bericht zum Hilfebedarf des Versicherten bei der Körperpflege zu äussern; im Bericht
findet sich nur der Begriff „Körperpflege“ ohne zugehörige Ausführungen. Allerdings
äusserte sich die Sachbearbeiterin im standardisierten Fragebogen für die Bemessung
des Assistenzbedarfs („FAKT2“) zum Hilfebedarf des Versicherten bei der Körperpflege
(vgl. IV-act. 288–9 ff.).
Im standardisierten Fragebogen für die Bemessung des Assistenzbedarfs
(„FAKT2“) hielt die Sachbearbeiterin der IV-Stelle fest (IV-act. 288), der Versicherte
benötige keine Hilfeleistungen beim An- und Auskleiden; es seien nur noch selten
Hinweise bei der Kleiderwahl erforderlich. Auch für die Positionswechsel benötige er
keine regelmässige Hilfe. Er stelle sich morgens mehrere Wecker, verlasse sich aber
trotzdem gerne darauf, dass seine im selben Haus lebende Mutter nach dem Rechten
sehe und ihn dann auffordere, aufzustehen. Wenn er alleine sei, klappe es hingegen
meistens. Bezüglich der Mobilität in der eigenen Wohnung sei der Versicherte nicht
eingeschränkt. Er könne sich selbständig überall in der Wohnung aufhalten, Fenster
und Türen schliessen sowie Licht machen oder löschen. Auch beim Essen benötige der
A.c.
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Versicherte keine Hilfe. Er müsse wegen der Zöliakie eine Diät einhalten, wisse aber
grundsätzlich, was er essen dürfe und was nicht. Seine Mutter erledige die Einkäufe mit
ihm zusammen, was als Hilfeleistung bei der entsprechenden Position zu
berücksichtigen sei. Der Versicherte könne selbständig schöpfen, ein Brot streichen
und ähnliches. Er könne ohne Unterstützung mit dem Besteck umgehen. Die
Körperpflege könne der Versicherte selbständig durchführen. Er müsse nur hin und
wieder darauf aufmerksam gemacht werden. Allerdings könne er sich die Finger- und
die Zehennägel nicht selbständig schneiden, was einen regelmässigen Hilfebedarf von
durchschnittlich einer Minute pro Tag verursache („Stufe 1“). Beim Verrichten der
Notdurft benötige der Versicherte keinerlei Hilfe. Der gesamte Hilfebedarf für die
alltäglichen Lebensverrichtungen belaufe sich damit auf eine Minute pro Tag. Bei der
Planung des Haushaltes benötige der Versicherte regelmässig Hilfe, da er nur wenig
lesen und schreiben, aber selbständig mündlich mitteilen könne, wo er eine
Unterstützung benötige. Er könne auch mitteilen, ob er eine Assistenzperson
sympathisch finde. Der Hilfebedarf belaufe sich auf durchschnittlich drei Minuten pro
Tag („Stufe 2“). Die Korrespondenz und die administrativen Aufgaben müssten
komplett von der Mutter übernommen werden. Das verursache einen Hilfebedarf von
durchschnittlich vier Minuten pro Tag („Stufe 4“). Für die Zubereitung der täglichen
Mahlzeiten sei der Versicherte auf die Hilfe seiner Mutter angewiesen. Er könne sich
nur sehr einfache Mahlzeiten zubereiten oder „Resten“ in der Mikrowelle erwärmen.
Seine Mutter müsse zudem ständig darauf achten, dass er sich ausgewogen ernähre.
Er würde sonst nie Salat oder Gemüse zubereiten. Der tägliche Hilfebedarf belaufe sich
auf durchschnittlich 20 Minuten pro Tag („Stufe 2“). Auch die Küchenreinigung gelinge
dem Versicherten nur teilweise selbständig. Er putze immer sehr genau, jedoch sehr
langsam. Er müsse auch immer wieder daran erinnert werden. Der Hilfebedarf betrage
zehn Minuten pro Tag („Stufe 2“). In Bezug auf die allgemeine Wohnungspflege
verhalte es sich ähnlich: Der Versicherte müsse immer wieder dazu aufgefordert
werden, nehme die Reinigung dann aber sehr gründlich, wenn auch langsam vor. Der
Hilfebedarf belaufe sich auf vier Minuten für die allgemeine Wohnungspflege („Stufe 2“)
und auf durchschnittlich sechs Minuten pro Tag für den „Wochenkehr“ („Stufe 2“). Die
Einkaufsliste müsse stets von der Mutter ergänzt werden, was einen Hilfebedarf von
durchschnittlich zwei Minuten pro Tag verursache („Stufe 2“). Da der Versicherte nur
kleinere Besorgungen selbständig erledigen könne, benötige er auch beim Einkaufen
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selbst regelmässig Hilfe; der entsprechende Hilfebedarf belaufe sich auf
durchschnittlich fünf Minuten pro Tag („Stufe 2“). Alle anderen Besorgungen könne der
Versicherte nur mithilfe seiner Mutter erledigen. Der Hilfebedarf belaufe sich auf
durchschnittlich drei Minuten pro Tag („Stufe 3“). Der Versicherte könne seine Wäsche
selbständig waschen, aber seine Mutter müsse regelmässig alles kontrollieren, was
durchschnittlich eine Minute pro Tag benötige („Stufe 1“). Die Mutter helfe auch bei
Flickarbeiten, was ebenfalls durchschnittlich eine Minute pro Tag in Anspruch nehme
(„Stufe 1“). Bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten und bei der Kontaktpflege
benötige der Versicherte keine regelmässige Hilfe. Nur wenn er neue Orte aufsuchen
müsse, benötige er eine Begleitung; bei Unsicherheiten müsse er seine Mutter anrufen.
Das verursache einen Hilfebedarf von durchschnittlich einer Minute pro Tag („Stufe 1“).
Dasselbe gelte auch für Reisen und Ferien, wodurch nochmals durchschnittlich eine
Minute pro Tag benötigt werde („Stufe 1“). Einmal pro Jahr finde im UNO-Gebäude in
Genf der „Welt-Down-Syndrom-Tag“ statt, an dem sich der Versicherte beteilige. Da es
sich dabei nicht um einen Verein oder um ein gemeinnütziges Unternehmen handle,
könne ein allfälliger Hilfebedarf zum Vorneherein nicht berücksichtigt werden. Im
Rahmen der Weiterbildung werde dem Versicherten von der Schule eine
Assistenzperson zur Verfügung gestellt, weshalb ein allfälliger Assistenzbedarf in
diesem Zusammenhang nicht bei der Bemessung des Assistenzbeitrages der
Invalidenversicherung zu berücksichtigen sei. Für die Bewältigung des Weges zu den
verschiedenen Praktikastellen benötige der Versicherte aber teilweise eine Begleitung,
was einen Hilfebedarf von durchschnittlich einer Minute pro Tag auslöse („Stufe 1“).
Der gesamte Hilfebedarf belaufe sich auf 31,62 Stunden pro Monat. Der Gegenwert der
Hilflosenentschädigung decke eine Assistenz von 35,69 Stunden pro Monat und damit
den ganzen effektiven Hilfebedarf des Versicherten ab, weshalb dieser keinen
Anspruch auf einen Assistenzbeitrag habe.
Mit einem Vorbescheid vom 3. April 2020 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
an, dass sie vorsehe, sein Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 291). Dagegen
wandte die Mutter des Versicherten am 13. Mai 2020 ein (IV-act. 292–1 f.), würde man
ihren Sohn bis auf die errechneten 35,69 Stunden pro Monat alleine lassen, würde es
rasch zu einer Gefährdungsmeldung kommen. Er sei sehr exakt, aber auch sehr
langsam, etwa sechs- bis achtmal langsamer als ein gesunder Mensch. Würde man ihn
A.d.
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B.
alleine lassen, würde er dreimal pro Tag Reis mit Cola essen, und zwar jeden Tag der
Woche. Er würde auch die Haushaltspflege, die Körper- und die Zahnhygiene
vernachlässigen. Mit einer Assistenz während bloss 35,69 Stunden pro Monat würde er
rasch zum „Messi“ verkommen. Die Eltern investierten zusammen mit Freunden 35–40
Stunden pro Woche in die Betreuung des Versicherten. Der Eingabe lag ein Bericht
betreffend ein Disziplinarverfahren der Schule C._ gegen den Versicherten mit
Hinweisen auf ein teils „übergriffiges“, aggressives und „selbstschädigendes“ Verhalten
(mangelnde „Schlafhygiene“, Konsum schädigender Substanzen und fehlende
Einsichtsfähigkeit bezüglich der Konsequenzen des eigenen Handelns) des
Versicherten bei (IV-act. 292–3 ff.). Mit einer Verfügung vom 2. Juni 2020 wies die IV-
Stelle das Begehren um einen Assistenzbeitrag ab (IV-act. 297). Bezugnehmend auf die
Einwände gegen den Vorbescheid hielt sie fest, bei der Bemessung des
Assistenzbedarfs könnten nicht alle effektiv erbrachten Hilfeleistungen berücksichtigt
werden. Der Versicherte sei insgesamt sehr selbständig. Er benötige auch keine
dauernde Überwachung wegen einer (akuten) Selbst- oder Fremdgefährdung.
Am 2. Juli 2020 erhob der durch seine Mutter vertretene Versicherte (nachfolgend:
der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Juni 2020 (act. G
1). Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache eines
Assistenzbeitrages, beides unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus, der
durchschnittliche Intelligenzquotient eines Menschen mit einem Down Syndrom liege
gemäss Studien zwischen 39 und 69, was jenem eines Kindes im Alter zwischen sechs
und neun Jahren entspreche. Die alltagspraktischen Kompetenzen des
Beschwerdeführers würden durch Langsamkeit erschwert. Auch gut Eingeübtes und
Gelerntes gehe infolge der kognitiven Einschränkungen teilweise verloren. Der
Beschwerdeführer könne nicht logisch vorausdenken. Sein Zeitgefühl weiche vom
Zeitgefühl eines neurotypischen Menschen ab. Sein Alltag müsse für ihn weitgehend
strukturiert werden. Bei einer Überforderung komme er schnell an seine Grenzen,
flüchte sich in Phantasiewelten, verfalle in Stereotypen oder werde wütend. Er könne
sich sein Essen nicht selber kochen. Die Beschwerdegegnerin habe dem durch die
kognitiven Einschränkungen verursachten Hilfebedarf keine Rechnung getragen. Die
B.a.
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von ihr attestierte Selbständigkeit des Beschwerdeführers gründe auf einem von den
Eltern organisierten Alltag mit viel unsichtbarer „Überwachung“. Zudem müssten die
Eltern auch die Haushaltsbesorgung übernehmen, da der Beschwerdeführer aufgrund
seiner Verlangsamung nicht in der Lage sei, selbständig zu kochen und zu putzen. Zu
berücksichtigen sei auch, dass er sich in einer fordernden Weiterbildung befinde, die
von ihm selbst finanziert werden müsse. Im Fragebogen zur Selbstdeklaration sei der
Aufwand sehr moderat aufgrund von Aufzeichnungen aus dem Alltag geschätzt
worden, die über einen Monat lang tagebuchartig angefertigt worden seien. Dieser
Aufwand habe sich auf 120 Stunden pro Monat belaufen. Das erscheine vielleicht hoch,
sei aber wenig im Vergleich zum Aufwand, der anfallen würde, wenn sich der
Beschwerdeführer in einer Institution befinden würde. Der standardisierte Fragebogen
trage den kognitiven Einschränkungen nicht ausreichend Rechnung. Das habe man der
Sachbearbeiterin der IV-Stelle im kurzen Gespräch und auch in der sich gegen den
Vorbescheid richtenden Eingabe erklärt. Der „FAKT2“ habe primär nur Menschen mit
körperlichen Beeinträchtigungen im Blick.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. September 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, die Parameter und der Ablauf für
die Ermittlung des Anspruchs auf einen Assistenzbeitrag seien im Kreisschreiben über
den Assistenzbeitrag (KSAB) detailliert festgehalten. Als Durchführungsstelle habe sich
die Beschwerdegegnerin an diese Weisungen zu halten. Die Sachbearbeiterin habe die
einzelnen Tätigkeiten und Bereiche unter Beizug sämtlicher bereits vorhandenen Akten
mit dem Beschwerdeführer und dessen Mutter besprochen und die Angaben mittels
des „FAKT2“ erfasst, in dem sämtliche Ansätze, Formeln und Abzüge hinterlegt seien,
sodass der Anspruch automatisch errechnet werden könne. Der Abklärungsbericht
gebe die einzelnen Angaben exakt und detailliert wieder, weshalb darauf abzustellen
sei. Die Verwendung des „FAKT2“ erlaube es nach der Auffassung des
Bundesgerichtes, die allenfalls von persönlichen beziehungsweise subjektiv gefärbten
Einschätzungen des Versicherten oder der hilfeleistenden Person anhand von
wissenschaftlich evaluierten und praxiserprobten Minutenwerten einer
Plausibilitätsprüfung zu unterziehen. Die hinterlegten Beispiele zur Ermittlung der
„Stufe“ für eine Teilverrichtung seien explizit auch auf geistige Beeinträchtigungen
ausgelegt, denn sie beruhten auf den Erfahrungen des Pilotversuchs, an dem auch
B.b.
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geistig beeinträchtigte Versicherte teilgenommen hätten. Die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten höheren Einstufungen entsprächen nicht den Angaben im
Abklärungsbericht. Teilweise habe der Beschwerdeführer eine „Stufe“ gewählt, die gar
nicht zur geltend gemachten Einschränkung in der entsprechenden Teilverrichtung
passe.
Der Beschwerdeführer hielt am 18. September 2020 an seinen Anträgen fest (act.
G 6). Er wies unter anderem darauf hin, dass das Abklärungsgespräch vom 24. Februar
2020 nur eine gute Stunde gedauert habe. Weltweit gebe es im Übrigen nur eine Hand
voll Menschen mit einem Down Syndrom, die relativ selbständig seien; diese litten alle
nur unter einer partiellen Trisomie 21 (Mosaik). Der Beschwerdeführer gehöre nicht zu
dieser Gruppe. Nur ein kleiner Bruchteil aller Menschen mit einer geistigen
Beeinträchtigung beziehe einen Assistenzbeitrag; die meisten lebten in Institutionen,
wo sie sicherlich weit mehr als eine Stunde Assistenz pro Tag erhielten. Es stelle sich
die Frage, weshalb man den Versicherten ausserhalb der Institutionen eine vergleichbar
intensive Betreuung verweigere. Der Replik lag eine Stellungnahme der
Schweizerischen Vereinigung der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen
Behinderung „insieme“ vom 18. September 2020 bei (act. G 7), in der geltend gemacht
worden war, der „FAKT2“ trage den Besonderheiten eines Assistenzbedarfs wegen
einer geistigen Beeinträchtigung nicht ausreichend Rechnung. Anders als eine Person
mit einer körperlichen Einschränkung könne eine Person mit kognitiven
Beeinträchtigungen die meisten alltäglichen Verrichtungen oft selbst ausführen. Sie
benötige aber eine Anleitung, eine Begleitung und eine Kontrolle, das heisst eine
Assistenzperson, die sie beim Erledigen der Aufgaben berate, begleite, unterstütze und
am Schluss kontrolliere, die bei Problemen eingreifen könne, bei bestimmten
Zeitpunkten nachfrage und kontrolliere, ob die Aufgaben wirklich erledigt worden seien.
Die einzelnen Interventionen benötigten wenig Zeit, aber die Assistenzperson müsse
während eines längeren Zeitraums anwesend sein, um die notwendigen punktuellen
Hilfestellungen leisten zu können.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).B.d.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung vom 2.
Juni 2020 auf ihre Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses hat die Prüfung eines
erstmaligen Begehrens um einen Assistenzbeitrag zum Inhalt gehabt, was bedeutet,
dass auch in diesem Beschwerdeverfahren sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und
Berechnungspositionen umfassend zu prüfen sind.
2.
Gemäss dem Art. 42 Abs. 1 IVG haben volljährige, zu Hause lebende Ver
sicherte, denen eine Hilflosenentschädigung ausgerichtet wird, einen Anspruch auf
einen Assistenzbeitrag. Diese Voraussetzungen sind vorliegend augenscheinlich erfüllt.
2.1. quater
Die Grundlage für die Berechnung des Assistenzbeitrages ist die für die Hilfe
leistungen benötigte Zeit, von der allerdings gemäss dem Art. 42 Abs. 1 IVG unter
anderem der Gegenwert der Hilflosenentschädigung abzuziehen ist. Das bedeutet,
dass der Betrag der effektiv ausgerichteten Hilflosenentschädigung (hier: 1’185
Franken pro Monat) durch den im Art. 39f Abs. 1 IVV geregelten Stundenansatz für
Assistenzleistungen (im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung: 33.20
Franken pro Stunde) geteilt werden muss; die resultierende Stundenzahl pro Monat ist
als durch die Hilflosenentschädigung abgedeckt vom ermittelten gesamten
Assistenzbedarf pro Monat abzuziehen. Vorliegend deckt die Hilflosenentschädigung
einen Assistenzbedarf von 35,69 Stunden pro Monat ab (= 1’185 Fr./m ÷ 33.20 Fr./h =
35,69 h/m).
2.2. sexies
Zur Ermittlung des zeitlichen Aufwandes für die benötigten Assistenzleistungen hat
die Beschwerdegegnerin am 24. Februar 2020 eine Abklärung durchgeführt, die ein
etwas mehr als eine Stunde dauerndes Gespräch mit dem Beschwerdeführer und
dessen Mutter sowie eine Besichtigung der Wohnung des Beschwerdeführers
beinhaltet hat. Im Wesentlichen hat sich die Abklärung also auf eine blosse Befragung
des Beschwerdeführers und der Mutter beschränkt. Obwohl der Abklärungsbericht im
Grunde nur ein Befragungsprotokoll ist, enthält er keine wörtliche Wiedergabe der
gestellten Fragen und der darauf gegebenen Antworten. Immerhin hat die
Abklärungsbeauftragte aber einerseits eine relativ ausführliche schriftliche
Zusammenfassung der wesentlichen Angaben des Beschwerdeführers respektive der
2.3.
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Mutter verfasst und andererseits regen Gebrauch von den Kommentarfeldern im
standardisierten Fragebogen „FAKT2“ gemacht, sodass der Abklärungsbericht
insgesamt einen einigermassen detaillierten Einblick bezüglich des tatsächlichen
Assistenzbedarfs des Beschwerdeführers vermittelt. Der Beschwerdeführer und seine
Mutter haben in ihren Eingaben ausführlich Stellung zum Assistenzbedarf im
Allgemeinen wie auch bezüglich konkreter Teilverrichtungen genommen. Die
Ausführungen in diesen Stellungnahmen stehen nicht im Widerspruch zu den im
Abklärungsbericht enthaltenen Angaben, sie stimmen vielmehr weitgehend damit
überein, wodurch sich insgesamt ein stimmiges Bild vom Assistenzbedarf des
Beschwerdeführers in den Akten ergibt. Allerdings haben der Beschwerdeführer und
seine Mutter geltend gemacht, dass der tatsächliche Assistenzbedarf etwa viermal so
hoch sei, wie die Beschwerdegegnerin angenommen habe. Der Grund für diese
erhebliche Diskrepanz ist auf den Umstand zurückzuführen, dass der standardisierte
Fragebogen „FAKT2“ die Erfassung des in Bezug auf den Beschwerdeführer mit
Abstand am stärksten ins Gewicht fallenden Assistenzbedarfs nicht erlaubt, weil er die
entsprechende Kategorie von Hilfeleistungen gar nicht im Blick hat. Der „FAKT2“ ist
offenkundig auf die Bedürfnisse von körperlich beeinträchtigten Versicherten
ausgerichtet, denn bei der Erfassung des Hilfebedarfs eines Versicherten mittels des
„FAKT2“ zielen die vorgesehenen Fragen mehrheitlich darauf ab, den Zeitbedarf für
Hilfestellungen bei konkreten Tätigkeiten im Alltag zu ermitteln, die die versicherte
Person nicht mehr selbständig ausführen kann, weil sie dazu körperlich nicht mehr in
der Lage ist. Ist eine versicherte Person – wie der Beschwerdeführer – nicht körperlich,
sondern geistig beeinträchtigt, fällt kaum ein vom „FAKT2“ erfasster Hilfebedarf an,
weil diese Person ja die allermeisten Tätigkeiten durchaus selbständig verrichten kann,
denn die geistige Beeinträchtigung hat in der Regel nicht eine Unfähigkeit zur Folge,
die einzelnen Verrichtungen im Alltag auszuführen. Eine geistig beeinträchtigte Person
benötigt aber eine ständige Begleitung und Anleitung im Alltag, worauf der
Beschwerdeführer und seine Mutter sowie die Vereinigung „insieme“ überzeugend
hingewiesen haben: Der Beschwerdeführer könnte zwar die einzelnen
Alltagsverrichtungen ausführen, aber er würde es nicht oder nur im minimalsten
Umfang tun, wenn er nicht ständig dazu angehalten würde. Zudem muss er bei der
Ausführung ständig, das heisst nicht nur am Ende (im Sinne einer Schlusskontrolle),
sondern bei den einzelnen Teilschritten kontrolliert werden. Exemplarisch zeigt sich das
etwa in Bezug auf den Assistenzbedarf beim Waschen der Kleidung: Die
Abklärungsbeauftragte hat festgehalten, dass der Beschwerdeführer seine Kleidung
grundsätzlich selbst waschen und bügeln könne, wenn auch stark verlangsamt, dass er
dabei aber kontrolliert werden müsse. Der Assistenzbedarf bei der Ausführung der
einzelnen Tätigkeiten beim Waschen und Bügeln ist gering, weshalb sich die
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„Stufenwahl“ („Stufe 1“) und der Zeitbedarf von lediglich durchschnittlich einer Minute
pro Tag auf den ersten Blick ohne Weiteres nachvollziehen lässt. Bei näherer
Betrachtung zeigt sich aber, dass es nicht ausreicht, wenn die Assistenzperson einmal
kurz das Endergebnis kontrolliert. Gemäss den überzeugenden Angaben der Mutter
muss der Beschwerdeführer regelmässig dazu angehalten werden, die Arbeiten in
Angriff zu nehmen; zudem müssen die einzelnen Teilschritte kontrolliert werden, weil es
beispielsweise oft vorkommt, dass der Beschwerdeführer ein falsches Programm für
den Waschgang wählt. Dadurch erhöht sich der Gesamtaufwand für die konkreten
Hilfestellungen beim Wäsche Waschen zwar wohl nicht auf über sieben Minuten pro
Woche, weil sowohl die Erinnerungen als auch die Kontrollen nur wenig Zeit benötigen.
Aber die Assistenzperson kann sich eben nicht damit begnügen, den
Beschwerdeführer einmal pro Woche aufzusuchen und das Endergebnis zu
kontrollieren; sie muss immer wieder (kurz) anwesend sein, um den Beschwerdeführer
zur Arbeit anzuhalten und um die einzelnen Teilschritte zu kontrollieren. Daraus
resultiert eine Gesamtpräsenzzeit der Assistenzperson von weit mehr als sieben
Minuten pro Woche, denn augenscheinlich wird sich keine Assistenzperson bereit
erklären, den Beschwerdeführer eine Minute zur Wäsche anzuhalten, eine Stunde
„Pause“ zu machen, dann während einer Minute das Ergebnis zu kontrollieren und den
Beschwerdeführer zum nächsten Schritt anzuhalten, wieder eine Stunde „Pause“ zu
machen etc., wenn sie anschliessend nur wenige Minuten entschädigt erhält. Ein
solcher Einsatz verunmöglicht es einer Assistenzperson nämlich, die „Pausen“ für
andere Erwerbstätigkeiten, für die Besorgung des eigenen Haushaltes oder sonstwie
nutzbringend zu nutzen, sodass die Assistenzperson zwar einen halben Tag „blockiert“
wäre, aber nicht vier Stunden, sondern nur vier Minuten entschädigt erhielte. Dieses
Problem, dass gewisse Hilfestellungen nicht ohne „pausenähnliche“ Präsenzzeiten (in
denen eine Assistenzperson anwesend sein, aber keine konkrete Hilfeleistung
erbringen muss) erbracht werden können, stellt sich nicht nur im Zusammenhang mit
dem Assistenzbedarf, sondern beispielsweise auch bei der Bemessung des Zeitbedarfs
für eine medizinische Pflege im Sinne des Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG. Das Bundesgericht
hat kürzlich den Fall eines an einem Geburtsgebrechen leidenden Mädchens beurteilt,
das nachts regelmässig in zeitlich nicht vorhersehbaren Abständen auf eine
medizinische Pflege im Zusammenhang mit der Sauerstoffversorgung angewiesen
gewesen ist. Die konkreten medizinischen Pflegeleistungen haben einen Aufwand von
etwa zweieinhalb Stunden pro Nacht verursacht, aber faktisch hat eine medizinische
Pflegefachperson jeweils die ganze Nacht anwesend sein müssen, um diese
medizinischen Pflegeleistungen bei einem Unterbruch der Sauerstoffversorgung
umgehend erbringen zu können. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass auch die
„reinen“ Präsenzzeiten, also die vollen acht Stunden, während denen eine medizinische
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Pflegefachperson anwesend sein musste, zu entschädigen seien, denn es könne sich
diesbezüglich nicht anders als im Bereich der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung verhalten, wo solche Präsenzzeiten mit
Selbstverständlichkeit entschädigt würden (Urteil des Bundesgerichtes 9C_46/2017
vom 6. Juni 2017, E. 3.2). Bezüglich des Assistenzbedarfs des Beschwerdeführers
muss dasselbe gelten, und zwar nicht nur für die Besorgung der Wäsche, sondern
ebenso auch für alle anderen im Alltag notwendigen Arbeiten. Der entsprechende
Aufwand kann aber mit dem „FAKT2“ nicht erfasst werden, weil er sich weder in
umfangreichen konkreten Hilfestellungen niederschlägt noch als eine dauernde
Überwachung im Sinne des „FAKT2“ wegen einer akuten Selbst- oder
Fremdgefährdung qualifiziert werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat sich
sinngemäss auf den Standpunkt gestellt, dass ein vom „FAKT2“ nicht erfasster
Hilfebedarf für die Bemessung des Assistenzbeitrages nicht berücksichtigt werden
dürfe, aber diese Auffassung lässt sich mit dem Sinn und Zweck des
Assistenzbeitrages nicht vereinbaren. Dieser besteht darin, einer versicherten Person
ein selbständiges Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Dieser Zweck kann
aber nur erreicht werden, wenn der gesamte relevante Assistenzbedarf berücksichtigt
wird. Der Betrag eines Assistenzbeitrages, der dem Beschwerdeführer ein
selbständiges Leben in der eigenen Wohnung ermöglicht, muss deshalb so festgesetzt
werden, dass der Beschwerdeführer auch eine reale Chance hat, eine Assistenzperson
zu finden, die bereit ist, die notwendigen Hilfeleistungen zu erbringen. Der
Assistenzbeitrag muss folglich so bemessen sein, dass er eine angemessene
Entlöhnung der Assistenzperson erlaubt, was bedeutet, dass er auch die
unvermeidlichen Präsenzzeiten abdecken muss. Diesen Aspekt hat die
Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt, weshalb sich der von ihr ermittelte
Assistenzbedarf als deutlich zu tief erweist. Die Akten enthalten keine ausreichenden
Angaben zu den von der Beschwerdegegnerin bislang nicht berücksichtigten
unvermeidbaren Präsenzzeiten. Damit erweist sich der massgebende Sachverhalt als
ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist also in Verletzung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen, weshalb sie als rechtswidrig
aufgehoben werden muss. Die Sache ist zur Vervollständigung der
Sachverhaltsabklärung respektive zur Ermittlung der entschädigungspflichtigen
Präsenzzeiten einer Assistenzperson und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Rahmen der Fortsetzung des
Verwaltungsverfahrens ist es selbstverständlich der Beschwerdegegnerin überlassen,
mit welchen Beweismitteln sie die Sachverhaltsermittlung vervollständigen wird.
Allenfalls dürfte es aber sinnvoll sein, einen Facharzt, eine Pflegefachperson oder eine
erfahrene Assistenzperson beizuziehen, um den objektiv notwendigen gesamten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung gilt
rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes praxisgemäss auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, da er nicht anwaltlich vertreten gewesen ist und da ihm im
Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren keine hohen Kosten entstanden sind,
weshalb sein entsprechender Antrag abgewiesen werden muss.