Decision ID: 442335b1-4bbf-5342-8e07-090ec78ba029
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer (türkischer Staatsangehöriger, geb. 1968)
reiste am 7. Juni 2009 in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Am 2. Ok-
tober 2009 heiratete er (in dritter Ehe) eine Schweizer Bürgerin (geb.
1960), woraufhin ihm am 23. Dezember 2009 im Kanton Bern eine Aufent-
haltsbewilligung erteilt wurde. In der Folge zog er das Asylgesuch zurück.
Sowohl die Zivilstands- als auch die Migrationsbehörde hatten angesichts
der jeweiligen Situation der Brautleute (der Beschwerdeführer mit unsiche-
rem Aufenthaltsstatus; seine Ehefrau stand unter Beistandschaft und be-
zog eine IV-Rente) Abklärungen zum Verdacht der Scheinehe getroffen. Im
Verlaufe der zweiten Hälfte des Jahres 2010 ersuchte der Beschwerdefüh-
rer um Familiennachzug von zwei seiner Kinder aus erster Ehe (geb. 1993
und 1998).
A.b Das Ehepaar hatte seinen Wohnsitz zunächst in X._. Per 1. Juli
2010 trat der Beschwerdeführer eine Arbeitsstelle im Berner Oberland an,
weshalb er zwei- bis dreimal pro Woche bei seinen Schwiegereltern in
Y._ übernachtete. Ab 19. August 2010 war er dort als Wochenauf-
enthalter gemeldet. Am 24. September 2010 reichte die Ehefrau ein Ehe-
schutzgesuch ein, das sie später wieder zurückzog (Abschreibungsbe-
schluss vom 7. Dezember 2010). Am 16. November 2010 meldete sich das
Ehepaar per 1. November 2010 in Y._ an. Am 6. Mai 2011 stellte
die Ehefrau erneut ein Gesuch um Erlass von Eheschutzmassnahmen, das
sie am 7. Juni 2011 wieder zurückzog. Auf den 1. November 2011 verlegte
das Ehepaar seinen Wohnsitz in die Stadt Bern, wobei der Beschwerde-
führer weiterhin in Y._ einer Erwerbstätigkeit nachging. Am
28. März 2012 wurde dem Beschwerdeführer der Wochenaufenthalt in der
Gemeinde Z._ bewilligt. Die Ehegatten trennten sich per 1. April 2013,
woraufhin der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz von Bern nach
W._ verlegte.
A.c Nach Anhörung der Ehegatten ersuchte der Migrationsdienst des Kan-
tons Bern (MIDI) am 21. November 2013 bei der Vorinstanz (damals noch
Bundesamt für Migration [BFM]) um Zustimmung zur Verlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung.
B.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verweigerte die Vorinstanz mit
Verfügung vom 16. Juli 2014 die Zustimmung zur Verlängerung der Aufent-
haltsbewilligung und wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg. Im
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Wesentlichen hielt sie in ihrer Begründung fest, Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG
komme nicht zur Anwendung, da die eheliche Gemeinschaft nicht die er-
forderlichen drei Jahre gedauert habe, sondern längstens bis Anfang April
2012. Zudem prüfte und verneinte sie Ansprüche gestützt auf Art. 50 Abs. 1
Bst. b AuG und Art. 8 EMRK. Ebenso verneinte sie das Vorliegen eines
schwerwiegenden persönlichen Härtefalls (Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG) und
von Vollzugshindernissen (Art. 83 AuG).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 15. September 2014 ersucht der Rechtsvertreter
namens seines Mandanten um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung
und um Erteilung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewil-
ligung des Beschwerdeführers.
C.b Zunächst wird geltend gemacht, dass die eheliche Gemeinschaft ent-
gegen der Auffassung der Vorinstanz bis Ende März 2013 und somit länger
als drei Jahre gedauert habe. Der Beschwerdeführer sei 2012 fälschlicher-
weise von der Gemeinde Z._ als Wochenaufenthalter erfasst wor-
den. Die von der Vorinstanz geltend gemachten Zeiten der Trennung habe
er nicht als solche wahrgenommen und seine Ehefrau habe ihm dies auch
nicht kommuniziert. Entweder habe es sich um ein plötzliches und vorüber-
gehendes Verschwinden der Ehefrau (September 2010, Frühjahr 2011) o-
der um eine krankheitsbedingte Auszeit der Ehefrau bei ihren Eltern (April
2011) gehandelt. Von den beiden vom Beistand seiner Ehefrau initiierten
Gesuchen um Aufhebung des gemeinsamen Haushalts habe er erst im
Nachhinein erfahren. Als sie auf Wunsch der Ehefrau per 1. November
2011 nach Bern gezogen seien, sei er wiederum täglich nach Y._
gependelt, nur ab März 2012 habe er an einigen Wochenenden in
Z._ übernachtet, wobei die Ehefrau mehrmals im Geschäft mitge-
holfen habe. Die fremdenpolizeiliche Domizilkontrolle am 22. März 2012 in
Bern habe diese Angaben bestätigt, auch wenn im Bericht fälschlicher-
weise von Wochenaufenthalt die Rede sei. Bei einer zweiten Domizilkon-
trolle mitten in der Nacht seien sie beide angetroffen worden. Nachdem er
sich aus seinen beruflichen Verpflichtungen in Y._ gelöst habe,
habe er im Mai und Juni 2012 in V._ gearbeitet und sei täglich nach
Bern zurückgekehrt. Als er nach einer Phase der Arbeitslosigkeit Ende
Februar 2013 eine Pizzeria in W._ übernommen habe, sei seine
Ehefrau zunächst mit der Verlegung des Wohnsitzes ins Berner Oberland
einverstanden gewesen, habe dann aber überraschenderweise ihre Mei-
nung geändert, weshalb es per 1. April 2013 erstmals zu einer Trennung
gekommen sei.
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C.c Im Weiteren wird ausgeführt, dass nicht nur die zeitlichen Vorausset-
zungen für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gegeben seien,
sondern auch die notwendige erfolgreiche Integration. Zudem seien auch
die Voraussetzungen für einen Anspruch aus Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG er-
füllt, habe doch die Ehefrau selber geschrieben, sie sei ausgerastet und
mit einem Messer auf den Beschwerdeführer losgegangen. Ferner habe
der Beschwerdeführer aufgrund der wegen der Unterstützung der PKK er-
littenen Gewaltübergriffe Angst vor einer Rückkehr in seine Heimat.
C.d Der Rechtsmitteleingabe beigelegt war ein handschriftlich verfasstes,
sehr ausführliches Schreiben der Ehefrau vom 9. September 2014. Daraus
geht hervor, dass die erste Krise in der Ehe wegen ihrer manischen De-
pression im Herbst 2010 aufgetreten sei. Sie habe ihrem Mann ihren Auf-
enthaltsort (Frauenhaus) nicht genannt, ihn aber zwischendurch getroffen.
Sie habe ihm auch nichts von ihren psychischen Problemen erzählt. Da-
mals habe ihr Beistand die Eheschutzgesuche geschrieben. Davon habe
jedoch ihr Mann nichts gewusst. Sie habe die Trennungen eigentlich gar
nicht gewollt, weshalb sie die Gesuche zurückgezogen habe. Nach einer
heftigen Auseinandersetzung mit dem Onkel ihres Mannes im Frühjahr
2011 habe sie Ruhe gebraucht und deshalb einige Wochen an verschiede-
nen Orten verbracht. Wenn sie bei ihren Eltern gewesen sei, habe sie sich
auch mit ihrem Mann getroffen. Um Distanz von ihren Eltern und dem On-
kel ihres Mannes zu gewinnen, habe sie unbedingt nach Bern ziehen wol-
len. Nachdem sie [per 1. November 2011] eine Wohnung gefunden hätten,
sei ihr Mann praktisch jeden Tag zu seinem Arbeitsplatz gependelt. Nur
zwischendurch habe er bei hohem Arbeitsanfall am Wochenende bei ei-
nem Arbeitskollegen übernachtet; sie selbst sei an den Wochenenden oft
aushelfen gegangen. Als ihr Mann im Sommer 2012 arbeitslos geworden
sei, hätten sie die ganze Zeit zusammen verbracht. Um wieder zu einer
Vollzeitbeschäftigung zu kommen, habe ihr Mann auf Ende Februar 2013
eine Pizzeria in W._ übernommen, was zu finanziellen Problemen
geführt habe. Zunächst habe sie mit ihrem Mann nach W._ ziehen
wollen, dann aber habe sie immer mehr Widerstände verspürt. Schliesslich
sei sie gar gegen ihn ausgerastet und habe ihn mit einem Messer angegrif-
fen, woraufhin sie sich vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik auf-
gehalten habe. Die Ärzte hätten ihren Mann gebeten, ihr die gemeinsame
Wohnung zu überlassen. Sie habe vor allem Ruhe gewollt, um wieder zu
sich zu kommen. Nachdem ihr Mann auf den 1. April 2013 eine Wohnung
gefunden habe, hätten sie eine Trennungsvereinbarung geschlossen. Sie
besuche ihn manchmal in der Pizzeria. Die aufrichtige Liebe zwischen
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ihnen bestehe zwar immer noch, ihre Krankheit habe jedoch das Zusam-
menleben kaputt gemacht, obwohl ihr Mann immer versucht habe, für sie
da zu sein.
C.e Aus dem ebenfalls der Beschwerdeschrift beigelegten Schreiben eines
Freundes des Ehepaars vom 11. September 2014 geht hervor, dass dieser
bereits vor der Heirat Kontakt mit beiden hatte. Mehrmals sei er in schwie-
rigen Situationen bei ihnen zuhause gewesen, wenn die Ehefrau jeweils
laut und aggressiv geworden sei und den Beschwerdeführer weggejagt
habe. Im Dezember 2010 habe er den Beschwerdeführer wegen eines sol-
chen Vorfalls mitten in der Nacht in X._ abgeholt und bei sich zu-
hause untergebracht. Am nächsten Tag habe die Ehefrau weinend angeru-
fen und um die Rückkehr des Beschwerdeführers gebeten. Sie hätte keine
Erklärung für ihr Verhalten in der Nacht gehabt. Der Beschwerdeführer sei
in solchen Situationen ein wenig hilflos, aber immer ruhig und geduldig ge-
wesen. Manchmal sei seine Ehefrau plötzlich verschwunden gewesen, wo-
raufhin er jeweils nach ihr gesucht habe. Auf Wunsch der Ehefrau seien sie
schliesslich in die Stadt Bern gezogen. Deshalb sei der Beschwerdeführer
fast täglich nach Y._ zur Arbeit gependelt, bis er im Frühjahr 2012
den Betrieb habe abgeben können. Ab Sommer 2012 sei er arbeitslos ge-
wesen und habe eine Stelle in der Region Bern gesucht, da er wegen ihres
manchmal gestörten Verhaltens bei seiner Ehefrau habe sein wollen. Zu-
nächst habe er eine Teilzeitstelle in Thun angenommen und dann im Feb-
ruar 2013 eine Pizzeria in W._ übernommen. Die Ehefrau sei zu-
nächst damit und mit einem Umzug einverstanden gewesen, plötzlich habe
sie dann aber ihre Meinung geändert. Auch nach dem Vorfall im März 2013,
bei dem die Ehefrau den Beschwerdeführer mit einem Messer angegriffen
habe, habe dieser immer versucht, ihr beizustehen.
C.f Im Weiteren waren der Beschwerdeschrift ein zweites Schreiben der
Ehefrau (vom 27. April 2011), Nachweise für Arbeitsbemühungen vom Juni
2012 bis zum Januar 2013 sowie vier Referenzschreiben von Personen
beigelegt, die in der Pizzeria des Beschwerdeführers zu Gast waren. Zu-
dem wird beantragt, den Beschwerdeführer, seine Ehefrau, deren Eltern
sowie den eben erwähnten Freund des Ehepaars persönlich zu befragen.
D.
Mit Vernehmlassung vom 4. November 2014 beantragt die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Sie verweist auf die Begründung in der ange-
fochtenen Verfügung und hält ergänzend fest, bei der Behauptung, es be-
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stehe im Falle der Rückkehr in die Türkei eine Gefährdung der Wiederein-
gliederung des Beschwerdeführers, handle es sich um eine Schutzbehaup-
tung. Sie verweist in dieser Hinsicht auf den Umstand, dass der Beschwer-
deführer ohne weiteres seinen türkischen Reisepass habe verlängern las-
sen können. Dies weise darauf hin, dass er den heimatlichen Behörden
nicht aufgrund von politisch oder ethnisch motivierten Aktivitäten bekannt
sei.
E.
In der Replik vom 22. Dezember 2014 wies der Rechtsvertreter die Aus-
führungen der Vorinstanz zurück. Er reichte Beweismittel zu den Akten, um
zu belegen, wie es im Jahre 2009 zur unbewilligten Ausreise ohne gültige
Reisedokumente und später zur Verlängerung des Reisepasses gekom-
men sei. Zudem legte er zwei Dokumente (türkisch mit deutscher Überset-
zung) vor, wonach der Beschwerdeführer zweifach zur Verhaftung ausge-
schrieben sei. Ferner wurde eine Erklärung der Schwiegereltern des Be-
schwerdeführers bezüglich des ehelichen Zusammenlebens in der Zeit von
August bis Oktober 2010 zu den Akten gegeben.
F.
Zu einer weiteren Stellungnahme eingeladen, äusserte sich die Vorinstanz
am 12. Februar 2015 erneut.
G.
Mit Eingabe vom 2. April 2015 wies der Rechtsvertreter die Darlegungen
der Vorinstanz vollumfänglich zurück und verwies auf seine bisherigen
Ausführungen. Er informierte das Gericht zudem darüber, dass der Be-
schwerdeführer seit dem 26. Februar 2015 rechtkräftig geschieden sei.
H.
Neben den Vorakten zog das Bundesverwaltungsgericht antragsgemäss
auch die das Asylverfahren des Beschwerdeführers betreffenden Akten
bei.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in der Erwägun-
gen eingegangen.
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Seite 7

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Verfügungen betreffend Verweigerung
der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Anord-
nung der Wegweisung sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelver-
fahren richtet sich nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Als Adressat der Verfügung ist der Beschwerdeführer zu deren Anfech-
tung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerechte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-
legenheit endgültig, soweit nicht die Beschwerde an das Bundesgericht of-
fen steht (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 und 4 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die
Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt
werden (Art. 49 VwVG). Das Gericht wendet das Bundesrecht von Amtes
wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Be-
gehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als
den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend
ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl.
BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und
Verlängerung von Bewilligungen. Vorbehalten ist u.a. die Zuständigkeit des
Bundes im Zustimmungsverfahren, zu dessen Ausgestaltung Art. 99 AuG
den Bundesrat ermächtigt.
3.2 Vorliegend ergibt sich die Notwendigkeit einer Zustimmung des SEM
zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aus Art. 85 der Verordnung
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007
(VZAE; SR 142.201). Dies gilt sowohl nach dem bis zum 31. August 2015
geltenden Wortlaut (AS 2007 5497, 5526; vgl. BGE 141 II 169 E. 4.3 und
E. 4.4 m.H.) als auch für die am 1. September 2015 in Kraft getretenen
Fassung (vgl. auch Art. 4 Bst. d der Verordnung des EJPD vom 13. August
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2015 über die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrecht-
lichen Bewilligungen und Vorentscheide, SR 142.201.1). Das SEM kann
die Zustimmung ohne Bindung an die Beurteilung durch den Kanton ver-
weigern oder mit Bedingungen verbinden (Art. 86 Abs. 1 VZAE).
4.
Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von Schweize-
rinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach Auflö-
sung der Ehe oder Familiengemeinschaft besteht der Anspruch auf Verlän-
gerung der Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft min-
destens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht
(Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG). Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive
Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinschaft ist in der Regel die
Aufgabe der Hausgemeinschaft, da sich die ausländische Person ab die-
sem Moment grundsätzlich nicht mehr auf ihren bisherigen Anspruch ge-
mäss Art. 42 Abs. 1 AuG stützen kann. Das Erfordernis des Zusammen-
wohnens besteht nur dann nicht, wenn wichtige Gründe für getrennte
Wohnorte vorliegen und die Familiengemeinschaft weiter besteht (vgl. Art.
49 AuG). Wichtige Gründe für eine Ausnahme vom Erfordernis des Zusam-
menwohnens können insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder
durch eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Prob-
leme entstehen (vgl. Art. 76 VZAE), wobei immer aufgrund sämtlicher Um-
stände des Einzelfalls zu bestimmen ist, ab welchem Zeitpunkt die eheliche
Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu gelten hat.
Unabhängig davon, ob die eheliche Gemeinschaft mindestens drei Jahre
gedauert hat, besteht der Anspruch des ausländischen Ehegatten auf Ver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung auch dann weiter, wenn wichtige per-
sönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich ma-
chen. Wichtige persönliche Gründe können namentlich vorliegen, wenn die
betroffene ausländische Person Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die
Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen oder die soziale Wiedereingliede-
rung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b
und Abs. 2 AuG).
5.
5.1 Umstritten ist zunächst, ob die eheliche Gemeinschaft die nach Art. 50
Abs. 1 Bst. a AuG erforderlichen drei Jahre gedauert hat. Gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung fallen bei der Berechnung der Dauer der
ehelichen Gemeinschaft nur Aufenthalte in der Schweiz in Betracht (vgl.
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Seite 9
BGE 136 II 113 E. 3.3.5). Ebenso werden Phasen getrennter Wohnorte bei
der Berechnung berücksichtigt, sofern sie auf wichtige Gründe gemäss Art.
49 AuG zurückzuführen sind (vgl. BGE 140 II 345 E. 4.4.1). Sind Phasen
der Trennung erkennbar, die nicht unter Art. 49 AuG fallen, nach denen
jedoch das Zusammenwohnen wieder aufgenommen worden ist, so kann
der Zeitraum nach Wiederaufnahme der Wohngemeinschaft ebenfalls an
die drei Jahre angerechnet werden, sofern die eheliche Gemeinschaft nie
aufgelöst wurde (vgl. BGE 140 II 345 E. 4.5.2).
5.2 Gemäss den Meldeverhältnissen, wie sie sich aus den Akten ergeben
(vgl. Sachverhalt Bst. A.b), haben der Beschwerdeführer und seine Ehe-
frau mehr als drei Jahre gemeinsamen Wohnsitz gehabt. Allerdings bildet
der gemeinsame Wohnsitz nur ein Indiz für die relevante Ehe- bzw. Fami-
liengemeinschaft. Entscheidend sind vielmehr die tatsächlichen Verhält-
nisse (vgl. Urteil des BGer 2C_575/2009 vom 1. Juni 2010 E. 3.6).
5.3
5.3.1 Nach der Eheschliessung waren die Ehegatten zunächst in
X._ wohnhaft. Bedingt durch seine Arbeitsstelle übernachtete der
Beschwerdeführer ab Anfang Juli 2010 zwei- bis dreimal pro Woche bei
seinen Schwiegereltern in Y._ und wurde deshalb von der Ge-
meinde aufgefordert, sich als Wochenaufenthalter anzumelden (Akten
SEM 117). Gemäss Angaben der Schwiegereltern des Beschwerdeführers
hielt sich die Ehefrau von August bis Oktober 2010 ebenfalls bei ihnen auf
(Beschwerdebeilage 14). Nach eigenen Angaben verliess die Ehefrau die
eheliche Wohnung "Anfangs Herbst" 2010 wegen ihrer "manischen De-
pression" und hielt sich während dreier Wochen im Frauenhaus auf, ohne
dem Beschwerdeführer ihren Aufenthaltsort zu nennen (Beschwerdebei-
lage 3, Akten SEM 40). In dieser Zeit, am 24. September 2010, reichte sie
ein (erstes) Eheschutzgesuch ein (Akten SEM 107). Daraus geht hervor,
dass sie sich einerseits vom Beschwerdeführer vernachlässigt fühlte, da er
viel abwesend gewesen sei und er, auch wenn er zuhause gewesen sei,
nichts mit ihr unternommen habe. Andererseits störte sie sich an der Ein-
flussnahme des Onkels des Beschwerdeführers. Sie hatte den Eindruck,
der Beschwerdeführer benutze sie nur, um seinen Aufenthalt zu sichern.
Gemäss eigenen Angaben hat sie das Gesuch schliesslich zurückgezo-
gen, da der Beschwerdeführer versprochen habe, mehr Zeit mit ihr zu ver-
bringen, ihr mehr Geld zur Verfügung zu stellen und sie mehr in seinen
Freundeskreis miteinzubeziehen (Akten SEM 95). Nach Angaben eines
Freundes der Familie (vgl. Bst. C.e) kam es mehrmals zu schwierigen Si-
tuationen, die ihn veranlassten, zu den Eheleuten nachhause zu gehen, da
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Seite 10
die Ehefrau "laut und aggressiv" gegen den Beschwerdeführer geworden
sei "und ihn wegjagte". In einer solchen Situation im Dezember 2010 habe
er ihn sogar einmal mitten in der Nacht in X._ abgeholt und zu sich
nachhause genommen. Der Beschwerdeführer sei bei solchen Vorfällen
traurig und ein wenig hilflos, aber immer ruhig und geduldig gewesen.
5.3.2 Auf den 1. November 2010 verlegten die Ehegatten ihren Wohnsitz
nach Y._ (Akten SEM 96, 99). Auch danach kam es zu weiteren
Zwischenfällen. Nach Angaben des Beistands der Ehefrau verliess diese
um den 8. April 2011 erneut die eheliche Wohnung vorübergehend (Akten
SEM 79). Nach ihren eigenen Angaben hatte sie wiederum eine psychisch
bedingte Krise; in dieser Zeit kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung
zwischen ihr und dem Onkel des Beschwerdeführers. In der Folge habe
sie sich während eines Monats an verschiedenen Orten aufgehalten (u.a.
bei den Eltern, im Frauenhaus, in einer Klinik; vgl. Beschwerdebeilage 3,
Akten SEM 79). Am 6. Mai 2011 ersuchte sie erneut und mit der gleichen
Begründung wie im September 2010 um Eheschutzmassnahmen (Akten
SEM 88). Am 7. Juni 2011 zog sie das Gesuch wieder zurück (Akten SEM
80). Aus der Begründung geht hervor, dass sie immer wieder unter "mani-
schen Depressionen" leide und sie "in einer solchen Tiefphase" die eheli-
che Wohnung verlassen habe. Jetzt nehme sie ihre Medikamente und
werde engmaschig betreut.
5.4
5.4.1 Bereits in der Zeit, in der das Ehepaar in X._ wohnte, kam es
somit zu ernsthaften Problemen in der Ehe. Hieraus resultierten Phasen
der Trennung sowie die beiden Eheschutzgesuche. Zu berücksichtigen
sind hierbei auch die Schilderungen des Freundes der Familie. Zwar ist
davon auszugehen, dass der Freund, entgegen seinen Ausführungen, den
Beschwerdeführer nicht im Dezember 2010 in X._ abgeholt hat, da
das Ehepaar den Wohnsitz bereits per 1. November 2010 nach Y._
verlegt hatte. Angesichts des sehr eindrücklich beschriebenen Vorfalls liegt
es jedoch nahe, dass der Freund sich eher im Datum geirrt hat als bezüg-
lich des Ortes. Es ist daher davon auszugehen, dass sich der Vorfall vor
dem 1. November 2010 zugetragen hat.
5.4.2 Das Zusammenwohnen der Ehegatten, wie es Art. 42 Abs. 1 AuG vo-
raussetzt, wurde somit bereits ab Juli 2010 ein erstes Mal aufgegeben, als
der Beschwerdeführer wegen seiner Arbeit den überwiegenden Teil der
(Arbeits-)Woche nicht am ehelichen Domizil in X._ verbrachte. Ab
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Seite 11
19. August 2010 war er als Wochenaufenthalter gemeldet. Diese Wohnsi-
tuation war beruflich bedingt und retrospektiv gesehen vorübergehend. Ob-
jektiv betrachtet, ist hierin ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 49 AuG
erkennbar, da es nachvollziehbar ist, dass der erst seit kurzem in der
Schweiz lebende Beschwerdeführer den Einstieg ins Erwerbsleben zu je-
ner Zeit nur mit Hilfe seines Onkels bewältigen konnte (vgl. Urteil des BGer
2C_131/2015 vom 11. September 2015 E. 4.4.2). Ebenfalls unter den An-
wendungsbereich von Art. 49 AuG können die Phasen subsumiert werden,
in denen die Ehefrau aufgrund gesundheitlich bedingter Krisen die eheliche
Wohnung vorübergehend verlassen hat (Herbst 2010, Frühjahr 2011; vgl.
Urteil des BGer 2C_340/2013 vom 28. Juni 2013 E. 2.1).
5.4.3 Fraglich erscheint allerdings schon zu jenem Zeitpunkt, ob die zweite
Voraussetzung von Art. 49 AuG – Weiterbestehen der Familiengemein-
schaft – erfüllt war (vgl. etwa Urteil des BGer 2C_50/2010 vom 17. Juni
2010 E. 2.3.2). Aus dem in dieser Zeit verfassten (ersten) Eheschutzge-
such der Ehefrau geht hervor, dass die Ehegatten offenbar kaum Gemein-
samkeiten hatten. Die Ehefrau fühlte sich einsam und vernachlässigt, auch
wenn der Beschwerdeführer zuhause war. Zudem hatte er offenbar seinen
eigenen Freundeskreis, von dem sich die Ehefrau ebenfalls ausgeschlos-
sen fühlte (Akten SEM 95). Nach Auffassung des Beschwerdeführers
wurde die Ehefrau gegen ihren Willen von ihrem Beistand zu den Ehe-
schutzgesuchen gedrängt. Ihm gegenüber habe sie die Gesuche erst spät
erwähnt und auch die Trennung nicht als solche kommuniziert. Wie genau
sich der Ablauf darstellt, ist vorliegend nicht entscheidend. Vielmehr ist da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer von der dem Vorgang zu-
grundeliegenden Situation wusste, da er gemäss den Angaben der Ehefrau
versprach, sein Verhalten zu ändern, was zum Rückzug der Eheschutzge-
suche führte. Obwohl der Beschwerdeführer sich der gesundheitlichen
Probleme der Ehefrau – entgegen der Behauptungen in der Beschwerde-
schrift – durchaus schon früh in der Ehe bewusst war (Akten SEM 140 bzw.
133) und mit den für das gemeinsame Leben erwachsenden Herausforde-
rungen, wie eben ausgeführt, bereits konfrontiert war, ersuchte er im Jahr
2010 – vermutlich im Spätsommer/Frühherbst – um Nachzug seiner Kinder
im Teenageralter aus erster Ehe (Akten SEM 117, 99). Damit nahm er in
Kauf, die ohnehin schon schwierige Ehesituation zusätzlich zu belasten,
da ihm klar sein musste, dass seine Ehefrau nicht in der Lage sein würde,
den vom ihm zu erbringenden Betreuungsaufwand mitzutragen. Dieses
Verhalten ist schwerlich vereinbar mit dem Willen, die eheliche Gemein-
schaft auch in Zukunft aufrecht zu erhalten, bzw. mit dem Erfordernis des
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Seite 12
Fortbestands der Familiengemeinschaft nach Art. 49 AuG (vgl. Urteil des
BGer 2C_1033/2014 vom 29. April 2015 E 3.2.3 m.H.).
5.4.4 Auch die Verlegung des ehelichen Wohnsitzes nach Y._ per
1. November 2010 änderte aus Sicht der Ehefrau nichts an der Situation.
Zwar hatte der Beschwerdeführer ihr offenbar zugesichert, sein Verhalten
gemäss ihren Wünschen zu ändern (Akten SEM 95), und es ist anzuneh-
men, dass die Ehegatten wieder zusammenwohnten. Trotzdem ist davon
auszugehen, dass jeder Ehepartner weiterhin sein eigenes Leben lebte,
die Ehefrau Anfang April 2011 – in einer neuerlichen depressiven Phase –
wiederum die gemeinsame Wohnung für einige Wochen verliess (Akten
SEM 79, 80) und am 6. Mai 2011 ein weiteres Eheschutzgesuch einreichte,
das die gleiche Begründung enthielt wie das erste (Akten SEM 88, 107).
Den Ehegatten gelang es demnach nicht, die Familiengemeinschaft auf
eine tragfähige Basis zu stellen.
5.4.5 Für die Zeit ab Sommer 2010 ist vor dem Hintergrund von Art. 49 AuG
demnach davon auszugehen, dass zwar wichtige Gründe für die zeitwei-
lige Trennung der Ehegatten vorlagen, dass jedoch ernsthafte Zweifel hin-
sichtlich des Fortbestands der Familiengemeinschaft bestehen.
5.5
5.5.1 Die Vorinstanz hielt fest, die eheliche Gemeinschaft sei längstens bis
Anfang April 2012 gelebt worden. Mit dieser Argumentation knüpft sie of-
fenbar an eine Entwicklung an, die mit der Verlegung des Wohnsitzes in
die Stadt Bern per 1. November 2011 (Akten SEM 70) ihren Anfang nahm
und dazu führte, dass dem Beschwerdeführer Ende März 2012 ein Interim-
sausweises ausgestellt wurde, der ihm gestattete, sich als Wochenaufent-
halter in Z._ aufzuhalten (Akten SEM 65). Nach übereinstimmen-
den Angaben der Ehepartner lag dem Entscheid, per 1. November 2011
nach Bern zu ziehen, der entsprechende Wunsch der Ehefrau zugrunde.
Diesen begründete sie im Schreiben vom 9. September 2014 mit dem Be-
dürfnis, Abstand von ihren Eltern und dem Onkel des Beschwerdeführers
zu benötigen. Der Beschwerdeführer ging weiter seiner Arbeit in
Y._ nach. Nach den Angaben der Ehefrau anlässlich der Domizil-
kontrolle am 22. März 2012 verbrachte der Beschwerdeführer jede zweite
Nacht in Bern (Akten SEM 63). Der Beschwerdeführer macht hingegen gel-
tend, nach dem Umzug nach Bern sei er täglich nach Y._ gefah-
ren, bis er sich aus seinen Verpflichtungen als Pächter der Pizzeria hätte
lösen können. Nur im März 2012 habe er einige Wochenenden in
C-5179/2014
Seite 13
Y._ verbracht. Die Behörden seien fälschlicherweise davon ausge-
gangen, dass er in dieser Zeit Wochenaufenthalter gewesen sei.
5.5.2 Die Einschätzung der Ereignisse nach der Verlegung des ehelichen
Domizils nach Bern durch die Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Die
Gründe, welche die Ehefrau für den Umzug vorbringt, lassen keine Not-
wendigkeit, gerade diesen Ort zu wählen, erkennen. Die gewünschte räum-
liche Distanz zu ihren Eltern und zum Onkel des Beschwerdeführers – auf
den auch der Beschwerdeführer hätte einwirken können – hätte sie auch
mit der Wahl eines Wohnortes erreichen können, der näher bei Y._
liegt. Somit bestand weder eine berufliche Notwendigkeit, dass die nicht
erwerbstätige Ehefrau nach Bern zog, noch sind sonst wichtige Gründe –
im vorliegenden Fall beispielsweise denkbar im Zusammenhang mit ihrem
Gesundheitszustand (z.B. medizinische Behandlung) – dafür ersichtlich.
Der Beschwerdeführer hat sich zwar auch in Bern angemeldet (Akten SEM
70). Aufgrund der Umstände – selbständige Erwerbstätigkeit in der Gast-
ronomie mit unregelmässigen Arbeitszeiten, auch abends und an Wochen-
enden – liegt allerdings die Annahme nahe, dass er – entgegen seiner Be-
hauptung – nicht jeden Tag nach Bern zurückgekehrt ist. Dies wird durch
die spontane Äusserung der Ehefrau anlässlich der Domizilkontrolle am
22. März 2012 bestätigt. Demnach übernachtete der Beschwerdeführer
nur jede zweite Nacht in Bern. Die Behauptung des Beschwerdeführers,
erst im März 2012 einige Wochenenden nicht in Bern übernachtet zu ha-
ben, ist deshalb insgesamt nicht glaubhaft. Zwar hat die Ehefrau in ihrem
Schreiben vom 9. September 2014 diese Vorbringen bestätigt. Ihren spon-
tanen Äusserungen gegenüber den Personen, welche die Domizilkontrolle
durchgeführt haben, ist jedoch mehr Gewicht beizumessen, als einem
Schreiben, das ganz offensichtlich – und teilweise im Widerspruch zu
früheren Äusserungen – die Anliegen und Zielsetzungen ihres Ehemanns
im vorliegenden Verfahren unterstützen soll. Für die von den Ehegatten
geltend gemachte zweite Domizilkontrolle, bei der sie beide zuhause ge-
wesen seien, finden sich in den Vorakten keinerlei Hinweise.
5.5.3 Es ist somit davon auszugehen, dass die Ehegatten in Bern, d.h. ab
1. November 2011, nicht oder höchstens punktuell zusammengelebt ha-
ben, ohne dass dafür wichtige Gründe nach Art. 49 AuG vorlagen. Vor die-
sem Hintergrund erübrigt es sich, den Gründen und näheren Umständen
im Zusammenhang mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit in Y._ im
Sommer 2012 nachzugehen.
C-5179/2014
Seite 14
5.5.4 Aufgrund der Akten ist überdies davon auszugehen, dass der Ehe-
frau zu jenem Zeitpunkt auch der Wille zur Weiterführung der Familienge-
meinschaft fehlte. Sie verlegte ihren Lebensmittelpunkt ohne wichtigen
Grund und ohne Rücksichtnahme auf die Folgen für die wirtschaftliche
Existenz des Beschwerdeführers nach Bern. Damit handelte sie allein im
eigenen Interesse, ohne die notwendige Rücksicht auf die Bedürfnisse des
Beschwerdeführers und damit auch auf die Interessen der Familienge-
meinschaft zu nehmen.
5.6 Der Beschwerdeführer beantragt die persönliche Befragung von ihm
selbst und weiteren Personen (Ehefrau, Freund [vgl. Bst. C.e], Schwieger-
eltern). Diese Personen haben sich zuhanden des Verfahrens schriftlich
geäussert. Das Gericht hat auf diese Stellungnahmen abgestellt und ist zur
Überzeugung gelangt, dass sie alle relevanten Punkte des Sachverhalts
umfassen (vgl. Art. 12 VwVG). Eine weitere Ergänzung des Sachverhalts
erscheint deshalb nicht notwendig (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER, in: Pra-
xiskommentar VwVG, 2009, Nr. 28 ff. zu Art. 12). Die Beweisanträge sind
daher abzuweisen.
5.7 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die Ehe-
bzw. Familiengemeinschaft lediglich bis zum Sommer 2010, d.h. ein knap-
pes Jahr, längstens jedoch bis zum 31. Oktober 2011, d.h. maximal 2 Jahre
und 1 Monat gedauert hat. Damit ist die Voraussetzung der dreijährigen
Dauer der Ehegemeinschaft nach Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG nicht erfüllt. Auf
die kumulativ erforderliche "erfolgreiche Integration" des Beschwerdefüh-
rers kommt unter diesem Aspekt somit nicht mehr an.
6.
6.1 Zu prüfen ist sodann, ob wichtige persönliche Gründe vorliegen, die
einen weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz erforder-
lich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG). Wichtige persönliche Gründe
können namentlich vorliegen, wenn die betroffene ausländische Person
Opfer ehelicher Gewalt wurde, die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen
wurde oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefähr-
det erscheint (vgl. Art. 50 Abs. 2 AuG). Gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung geht es darum, Härtefälle zu vermeiden (vgl. BGE 136 II 1
E. 5.3). Bei der Beurteilung, ob ein solcher Härtefall vorliegt, sind sämtliche
Umstände des Einzelfalles mit zu berücksichtigen, wobei die Konsequen-
zen für das Privat- und Familienleben von erheblicher Intensität sein müs-
sen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.1 und E. 3.2.3). Neben den in Art. 50 Abs.
2 AuG beispielhaft aufgeführten Gründen kann sich eine besondere Härte
C-5179/2014
Seite 15
auch aus anderen Gesichtspunkten des Einzelfalles ergeben; hierbei kön-
nen die in Art. 31 Abs. 1 VZAE erwähnten Kriterien eine Rolle spielen (vgl.
BGE 137 II 345 E. 3.2.3), wobei die Liste nicht abschliessend ist.
6.2 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, Opfer ehelicher Ge-
walt geworden zu sein. Am 28. März 2013 habe seine Ehefrau ihn grundlos
mit einem Messer angegriffen und an der Hand verletzt. Die Ehefrau sei
daraufhin von der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht worden. Die
Ehefrau bestätigt diesen Vorfall in ihrem Schreiben vom 9. September
2014.
6.2.1 Im Kontext von Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG bedeutet häusliche Gewalt
systematischen Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszu-
üben. Gefordert ist eine physische oder psychische Zwangsausübung von
einer gewissen Konstanz bzw. Intensität, die eine Fortführung der eheli-
chen Beziehung nicht länger zumutbar macht. Eine einmalige Ohrfeige o-
der eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits ge-
nügt hingegen nicht (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.1 m.H., Urteil des BVGer
C-1591/2011 vom 6. Mai 2013 E. 5.2 bis 5.4).
6.2.2 Der vom Beschwerdeführer beschriebene Vorfall stellt zwar einen
nicht zu bagatellisierenden Angriff der Ehefrau auf seine körperliche Integ-
rität dar, er erreicht jedoch die von der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung geforderte Intensität und Konstanz nicht. Zudem datiert der Angriff
vom 28. März 2013, einem Zeitpunkt, zu dem die Ehegemeinschaft längst
aufgelöst (vgl. E. 5.7) und der Anspruch aus Art. 42 Abs. 1 AuG demnach
bereits untergegangen war, so dass er nicht im Sinne von Art. 50 Abs. 1
AuG weiterbestehen kann (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3 m.H.).
6.3 Im Weiteren ist zu prüfen, wie die Möglichkeiten zur (sozialen) Wieder-
eingliederung des Beschwerdeführers in der Türkei zu beurteilen sind (vgl.
Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 31 Abs. 1 Bst. g VZAE). Entscheidend ist, ob
die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark ge-
fährdet zu gelten hat, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher
wäre. Vorausgesetzt ist eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für
das Privat- und Familienleben der ausländischen Person, die mit ihrer Le-
benssituation nach dem Dahinfallen des abgeleiteten Anspruchs auf Auf-
enthalt verbunden sind (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3 m.H.).
C-5179/2014
Seite 16
6.3.1 Der Beschwerdeführer beruft sich im Wesentlichen auf die im Asyl-
verfahren geltend gemachten Vorfälle, die zu seiner Ausreise aus der Tür-
kei geführt haben. Wegen seiner Unterstützung der PKK seien ihm "Ge-
waltübergriffe" (Festnahmen mit Folterung, Schussverletzung am Bein)
durch die Polizei "widerfahren" und er habe "glaubhafte und nachvollzieh-
bare Angst" vor einer Rückkehr. Deshalb sei er nie in die Türkei zurückge-
kehrt, obwohl seine beiden Söhne dort lebten. Der Vorwurf der Vorinstanz,
er habe im Asylverfahren in Bezug auf den Verbleib seines Reisepasses
und der ihm drohenden Verfolgung falsche Angaben gemacht, treffe nicht
zu. Er habe erst, nachdem er 2008 um Verlängerung seines Reisepasses
ersucht hatte, von seiner drohenden Verhaftung erfahren und deshalb den
Pass nicht abgeholt. Er sei 2009 unter anderer Identität aus der Türkei aus-
gereist. Erst als er im Vorfeld der Eheschliessung seine Identität habe
nachweisen müssen, habe sein Vater sich den am 12. November 2008 ver-
längerten Reisepass gegen Zahlung von Schmiergeld aushändigen lassen
und in die Schweiz geschickt. Er, der Beschwerdeführer, habe diesen Pass
2010 und 2014 auf dem türkischen Konsulat verlängern lassen. Allerdings
sei er in der Türkei wegen zweier Delikte zur Verhaftung ausgeschrieben
(Verfügung über gepfändete Gegenstände sowie Urkundenfälschung).
Dass über die gegen ihn gerichtete politische Verfolgung nichts registriert
sei, spreche nicht gegen die von ihm geschilderten Verfolgungselemente.
Es bestehe die Gefahr, dass diese politische Verfolgung wieder aufgenom-
men werde.
6.3.2 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass türkische Staatsan-
gehörige, die einen Reisepass oder dessen Verlängerung beantragen, von
den Behörden genau überprüft werden. Da der Reisepass des Beschwer-
deführers vom türkischen Generalkonsulat in Bern zweimal verlängert wor-
den ist, erscheint es ausgeschlossen, dass heute gegen ihn etwas vorliegt.
Indem der Beschwerdeführer seinen türkischen Reisepass verlängern liess
und ihn auch benutzte, hat er sich zudem dem diplomatischen Schutz sei-
nes Heimatlandes unterstellt. Es ist daher davon auszugehen, dass er
keine Angst vor Verfolgung durch seinen Herkunftsstaat hat. Eine allfällige
Verhaftung wegen Urkundenfälschung und Verfügung über gepfändete
Gegenstände ist, wie die Vorinstanz richtig festhielt, als gemeinrechtlich
legitimiert einzustufen. Es gibt keine Hinweise, dass ihm die vorgeworfe-
nen Taten aus verfolgungsrelevanten Motiven untergeschoben worden wä-
ren.
6.3.3 Bei der vorliegenden Beurteilung der Möglichkeit zur (sozialen) Wie-
dereingliederung im Herkunftsland steht eine mögliche Verfolgung ohnehin
C-5179/2014
Seite 17
nicht im Zentrum. Diese ist vornehmlich Gegenstand eines Asylverfahrens
(vgl. aber BGE 137 II 345 E. 3.3.2 m.H.) und ferner allenfalls bei der Prü-
fung möglicher Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 AuG zu berücksichti-
gen. Zudem fehlt es vorliegend am praxisgemäss erforderlichen Zusam-
menhang zwischen der geltend gemachten Furcht und der aufgelösten
ehelichen Gemeinschaft (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3 m.H.), da die Vorfälle
sich vor der Eheschliessung und der Entstehung des Aufenthaltsanspruchs
zugetragen haben.
6.3.4 Bevor der Beschwerdeführer vor gut 6 Jahren in die Schweiz kam,
verbrachte er sein ganzes Leben in der Türkei und führte sein eigenes Ge-
schäft, jedenfalls bis etwa rund 9 Monate vor der Ausreise (vgl. Aussagen
in den Asylbefragungen vom 16. Juni 2009 bzw. 14. Juli 2009). Er hat dem-
nach den grössten Teil seines Lebens in der Türkei verbracht und war als
selbständiger Geschäftsmann tätig. Es ist davon auszugehen, dass das
aus dieser Zeit stammende soziale Netz aus Familienmitgliedern, Freun-
den und Geschäftskontakten nach wie vor besteht. Zwar dürften die Kon-
takte sich in diesen gut 6 Jahren der Abwesenheit gelockert haben. Es wird
dem Beschwerdeführer jedoch möglich sein, nach seiner Rückkehr an die
früheren Beziehungen anzuknüpfen und sie wiederaufzunehmen, was ihm
die Wiedereingliederung deutlich erleichtern wird. Weitere Elemente, wel-
che die soziale Wiedereingliederung des Beschwerdeführers ernsthaft ge-
fährden könnten, sind nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend ge-
macht.
6.4
6.4.1 Die sprachliche und soziale Integration (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. a
VZAE) des Beschwerdeführers in der Schweiz erscheint gelungen. In Be-
zug auf die Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers darf insgesamt wohl
davon ausgegangen werden, dass sie seiner Aufenthaltsdauer entspre-
chen, auch wenn dafür keine Belege eingereicht wurden (einer Kursanmel-
dung vom Januar 2014 für das Niveau A2.1 Schritt 3 des Europäischen
Referenzrahmens [Akten SEM 205] folgte kein Beleg, dass der Kurs tat-
sächlich besucht wurde [vgl. Akten SEM 212/211]). Der Grad der Integra-
tion des Beschwerdeführers zeigt sich vornehmlich im Zusammenhang mit
seiner wirtschaftlichen Tätigkeit (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. d VZAE). Er hat –
abgesehen von einer kurzen Periode der Arbeitslosigkeit – immer gearbei-
tet und wird von Gästen und Lieferanten gleichermassen geschätzt (vgl.
Referenzschreiben, Akten SEM 204 – 201 und Beschwerdebeilage 8). Der
Einstieg ins Erwerbsleben wurde ihm durch die Anwesenheit von vielen
C-5179/2014
Seite 18
Familienangehörigen (vgl. Akten SEM 5) erleichtert. Seine Familienverhält-
nisse in der Schweiz (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. c VZAE) geben im Übrigen
keinen Anlass zu Bemerkungen. Seine mittlerweile geschiedene Ehe ist
kinderlos geblieben.
6.4.2 Was die Respektierung der Rechtsordnung (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. b
VZAE) anbelangt, so sind zwei Strafbefehle aktenkundig (vgl. Strafregis-
terauszug vom 7. November 2013, Akten SEM 11), einer von 2009 (illegale
Einreise im Zusammenhang mit dem Asylgesuch: Verurteilung zu einer
Geldstrafe von 10 Tagessätzen bedingt) und einer von 2013 (Vergehen ge-
gen das Betäubungsmittelgesetz, Verurteilung zu einer Geldstrafe von
3 Tagessätzen bedingt und einer Busse von Fr. 200.-). Der letztgenannte
Verstoss gegen die Rechtsordnung wurde vom Strafrichter angesichts der
geringen Strafe offenbar nicht als gravierend angesehen. Trotzdem darf er
im Rahmen der vorliegenden Beurteilung nicht ausser Acht gelassen wer-
den, auch wenn – oder gerade weil – der Beschwerdeführer trotz rechts-
kräftiger Verurteilung seine Unschuld beteuert (Akten SEM 30/29 Ziff. 9).
In die Beurteilung miteinzubeziehen ist auch der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer seinen Mitwirkungspflichten im Asylverfahren nicht nach-
gekommen ist. Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) haben Asyl-
suchende die Pflicht, bereits im Empfangszentrum Reise- bzw. Identitäts-
dokumente abzugeben. Der Beschwerdeführer hat sich jedoch erst ernst-
haft um die Beschaffung seines Reisepasses bemüht, als er sich im Rah-
men der Vorbereitungen zur Eheschliessung gegenüber den Zivilstands-
behörden ausweisen musste. Auch dieses Verhalten kann vorliegend nicht
unberücksichtigt bleiben.
6.4.3 Als weitere zu berücksichtigende Elemente werden in Art. 31 Abs. 1
VZAE die Dauer des Aufenthalts in der Schweiz (vgl. Bst. e) sowie der Ge-
sundheitszustand (Bst. f) aufgeführt. Da der Beschwerdeführer 2009 erst
im Alter von 41 Jahren in die Schweiz gekommen ist, ist die Dauer seines
Aufenthalts als kurz anzusehen (vgl. auch E. 6.3.4). Aus den Akten ergibt
sich nichts, was zu Bemerkungen zum Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers Anlass geben würde.
6.4.4 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren geltend, seine Ehefrau
habe ihm erst im Herbst 2010 von ihrer psychischen Erkrankung erzählt,
deren volles Ausmass er erstmals im Frühjahr 2011 erkannt habe, als sie
gegen seinen Onkel aggressiv geworden sei. Es scheint nicht ausge-
schlossen, dass das Verschweigen wichtiger Faktoren vor der Eheschlies-
sung eine derart gravierende Täuschung darzustellen vermag, dass diese
C-5179/2014
Seite 19
zur Begründung eines Härtefalles beitragen könnte. Von einem solchen
extremen Sachverhalt kann vorliegend jedoch nicht die Rede sein. Aus den
Akten geht zudem hervor, dass der Beschwerdeführer – entgegen seinen
Vorbringen – bereits kurz nach der Eheschliessung sowohl über die ge-
sundheitlichen und insbesondere die psychischen Probleme seiner Ehe-
frau als auch über die Tatsache, dass sie eine IV-Rente bezog und verbei-
ständet war, Bescheid wusste (vgl. E. 5.4.3 sowie Akten SEM 133).
6.5 Aus diesen Erwägungen wird deutlich, dass keine persönlichen Gründe
ersichtlich sind, welche den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in
der Schweiz erforderlich machen würden (Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG). We-
der war er relevanter häuslicher Gewalt ausgesetzt noch erscheint die so-
ziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet (vgl. Art. 50
Abs. 2 AuG). Auch unter Berücksichtigung der kurzen Dauer des Aufent-
halts in der Schweiz, dem erreichten, als der Dauer des Aufenthalts ange-
messen anzusehenden Grad der Integration sowie der weiteren Umstände
des Einzelfalls ist nicht von einem Härtefall auszugehen (vgl. E. 6.1). Eher
zuungunsten des Beschwerdeführers sind die Verletzung seiner Mitwir-
kungspflichten im Asylverfahren sowie die eine Verurteilung wegen eines
Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz zu werten (vgl. E. 6.4.2),
ohne dass sie jedoch allein ausschlaggebend sind.
7.
Nach dem Gesagten kann sich der Beschwerdeführer nicht auf einen An-
spruch auf Aufenthalt nach Art. 50 Abs. 1 Bst. a oder Bst. b AuG berufen.
Zudem wird deutlich, dass auch keine unter den Schutz von Art. 8 EMRK
(Garantie des Familien- und Privatlebens) fallende Beziehung in bzw. zur
Schweiz besteht. Dafür, dass die Vorinstanz innerhalb des Beurteilungs-
spielraums der Art. 18 – 30 AuG einen fehlerhaften Ermessensentscheid
getroffen haben könnte, bestehen keine Anhaltspunkte; insbesondere wäre
in diesem Rahmen auch keine Härtefallregelung nach Art. 30 Abs. 1 Bst. b
AuG in Betracht gekommen. Dass die Vorinstanz die Zustimmung zur Ver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, ist daher nicht zu be-
anstanden.
8.
Als gesetzliche Folge der nicht mehr verlängerten Aufenthaltsbewilligung
hat der Beschwerdeführer die Schweiz zu verlassen (vgl. Art. 64 Abs. 1
Bst. c AuG). Zu prüfen ist sodann, ob dem Vollzug der Wegweisung Hin-
dernisse entgegenstehen (vgl. Art. 83 Abs. 1 AuG).
C-5179/2014
Seite 20
8.1 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend mangels entsprechender
Vorbringen des Beschwerdeführers sowie fehlender Hinweise in den Akten
auf das Gegenteil als möglich und zumutbar anzusehen (vgl. Art. 83 Abs. 2
und Abs. 4 AuG).
8.2 Der Beschwerdeführer führt gegen seine Rückkehr die Vorfälle an, die
zu seiner Ausreise aus der Türkei geführt haben (vgl. E. 6.3.1). Diese Vor-
fälle können mit Blick auf den Vollzug der Wegweisung nur dann als rele-
vant angesehen werden, wenn dadurch die Rückkehr als (völkerrechtlich)
unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG erscheint. Angesichts der nur
sehr vagen Vorbringen des Beschwerdeführers und unter Berücksichti-
gung des von der Vorinstanz zu Recht angeführten Umstands, dass der
Beschwerdeführer seinen Reisepass auf der türkischen Vertretung in der
Schweiz zweimal verlängern liess bzw. verlängern lassen konnte (vgl.
E. 6.3.2), ist nicht ersichtlich, inwiefern der Vollzug der Wegweisung die
völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz verletzen würde. Insbeson-
dere ist nicht ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer eine Behandlung
drohen würde, die ein unter dem Verbot von Folter und unmenschlicher
Behandlung relevantes Ausmass erreichen würde (vgl. Art. 3 EMRK bzw.
das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe vom 10. Dezember 1984
[SR 0.105]; vgl. JENS MEYER-LADEWIG, Handkommentar EMRK, 3. Aufl.
2011, N 19 zu Art. 3).
9.
Insgesamt ist somit die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49
VwVG nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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