Decision ID: 4ec96ea7-44ec-5e6d-b926-66cb53695b0e
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Die 1960 geborene X._, welche ausgebildete Pianistin ist und am 2. Juni 2005 und am 12. Juni 2007 je einen Auffahrunfall erlitten hatte (Akten der Zürich Versicherungsgesellschaft [Zürich], Urk. 7/20/1),
meldete
sich am 27.
Dezember 2007
(Eingangsdatum)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
3-
4).
Die IV-Stelle holte in der Folge ärztliche Berichte (Urk. 7/8, Urk. 7/16) und einen Bericht der Gemeindeverwaltung A._ (Urk. 7/12), wo die Versicherte vom 1. September 1989 bis am 31. August 1999 als Klavierlehrerin gearbeitet hatte, ein. Nachdem die Versicherte am 6. Juni 2008 einen weiteren Verkehrsunfall erlitten hatte (Urk. 7/20), gab die Zürich als für die Unfälle vom 2. Juni 2005 und vom 6. Juni 2008 zuständige Haftpflichtversicherung (vgl. Urk. 7/20/1) bei der MEDAS B._ ein Gutachten in Auftrag. Dieses wurde am 1. Oktober 2009 erstattet (Urk. 7/31). Am 27. Juli 2010 verfasste zudem Dr. C._, Spezial
arzt FMH für Neurologie, ein Gutachten im Auftrag der Versicherten (Urk. 7/37). Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 1. Juni 2011 mit, dass eine weitere medi
zinische Abklärung notwendig sei, welche im Zentrum D._ vorgenommen werde (Urk. 7/46). Die Ver
sicherte ersuchte darauf
hin, die Begut
achtung sei zu sistieren, da am Bezirks
gericht Zürich im Zusammenhang mit den drei bekannten Unfällen gegen die Haftpflichtversicherer ein Zivilprozess hängig sei und sich zudem die Gutachten der MEDAS B._ und von Dr. C._ in den Akten befänden (Urk. 7/54). Mit Verfügung vom 26. März 2012 hielt die IV-Stelle an der Begutachtung beim D._ fest
(Urk. 7/58). Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 7/62/3
6) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 26. Juni 2012 ab (Urk. 7/70).
Das D._ lud in der Folge die Versicherte zu einer mehrtägigen Untersuchung ab dem 4. März 2013 ein (Urk. 7/83). Nachdem die Versicherte das D._ ersucht hatte, die Begutachtung an einem Tag und erst im Sommer durchzuführen (Urk. 7/85), wurde sie vom D._ zu einer mehrtägigen Begutachtung ab dem 19. August 2013 aufgeboten (Urk. 7/87/2). Obwohl die Versicherte am 18. Juli 2013 bestätigt hatte, sich der angeordneten Begutachtung zu unterziehen (Urk. 7/96), meldete sie sich kurzfristig von der Untersuchung ab (Urk. 7/97). Die IV-Stelle stellte daraufhin mit Vorbescheid vom 13. November 2013 die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/108). Dagegen erhob die Versi
cherte Einwand (Urk. 7/110 und Urk. 7/113). Am 29. September 2014 teilte die IV-Stelle mit, dass sie eine neue Begutachtung in Auftrag geben werde (Urk. 7/128). Nachdem die Versicherte die IV-Stelle am 20. Februar 2015 darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass das Bezirksgericht Zürich im Rahmen des haft
pflichtrechtlichen Prozesses ein polydisziplinäres Gutachten beim Universitäts
spital E._ in Auftrag gegeben habe (Urk. 7/132 und Urk. 7/133), teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie sich an der Begutachtung beteiligen und Zusatzfragen stellen möchte (Urk. 7/142). Mit Beschluss vom 14. April 2015 wies das Bezirksgericht Zürich den Antrag auf Aufnahme der Zusatzfragen ab (Urk. 7/145). Das E._ erstattete am 8. Dezember 2016 sein Gutachten zu Händen des Bezirksgerichts Zürich. Nachdem die Versicherte der IV-Stelle am 27. Dezem
ber 2016 das Gutachten des E._ (Urk. 7/174/1) und am 10. Februar 2017 diverse ärztliche Berichte zugestellt hatte (Urk. 7/178 und Urk. 7/177), wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Februar 2017 das Leistungsbegehren der Versicherten ab (Urk. 7/186 = Urk. 2). Mit separatem Schreiben vom gleichen Tag gab sie der Versicherten auf, sich einer psychiatrisch störungsspezifischen, kognitiven ver
haltenstherapeutischen Therapie mit psychodynamischer Einzel- und Gruppen
therapie sowie einem körperlichen Aktivierungstraining zu unterziehen (Urk. 7/185).
2.
Mit Eingabe vom 3. April 2017 (Urk. 1) liess die Versicherte Beschwerde erheben und beantragen:
„1.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Rente zu leisten.
2.
Die Verpflichtung der Beschwerdeführerin sich zur Erhaltung und Ver
bes
serung des Gesundheitszustandes einer Therapie zu unterziehen, sei auf
zuheben.
3.
Die Akten aus dem Verfahren Nr. CG110159-L in Sachen X._ gegen 1. Zürich-Versicherungs-Gesellschaft AG, 2. die Schweizerische Post am Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, Postfach, 8026 Zürich, seien beizuziehen.
4.
Eventualiter sei das Verfahren zu sistieren.
5.
Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin.“
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 23. Mai 2017 angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenver
si
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungs
rechts (ATSG) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefoch
tene Verfügung ist am
28. Februar 2017
-
und somit nach Inkrafttreten der
erwähnten IV-Revisionen -
ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
u
nd diejenige bis 3
1.
Dezember 2011
auf die damals gelten
den Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
.; Urteil des Bundesgerichts I
428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Da die
genannten
IV-Revision
en
hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine sub
stanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht
haben
, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzes
bestimmungen – so
weit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
ge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.3.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten
-
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
-
eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und
dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2017 (Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Konzertpianistin und Klavierlehrerin nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer angepassten Tätigkeit bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin setzte das Valideneinkommen auf Fr. 24'625.-- fest und ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin trotz gesundheitlicher Beeinträch
tigung ein Einkommen von Fr. 54'332.30 pro Jahr erzielen könnte. Entsprechend verneinte sie einen Leistungsanspruch.
2.2
Die Beschwerdeführerin liess dagegen im Wesentlichen einwenden (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe sich ohne Begründung nicht ans Gutachten des E._ gehalten. Sie habe die erhobenen Diagnosen und Arbeitsunfähigkeiten in ihrem Entscheid nicht berücksichtigt. Sie habe auch keine Ressourcenabklärungen gemacht oder entsprechende Ergänzungsfragen in diesem Zusammenhang gestellt.
Sie, die Beschwerdeführerin, habe 2005, das heisse im Jahr des ersten Unfalls, eine Änderung bei der Erzielung des Erwerbs vollzogen, welche durch den erlittenen Unfall leider verunmöglicht worden sei. Sie habe nämlich zuvor beschlossen, vermehrt aufzutreten und auch eigene CDs zu produzieren. Die in jenem Jahr bereits festgesetzten Termine für Auftritte mit entsprechenden Ein
nahmen hätten wegen des Unfalls abgesagt werden müssen. Der netto Erwerbs
ausfall habe ab dem Jahr 2006 Fr. 130'000.-- betragen.
Die Anordnung, sich Behandlungsmassnahmen zu unterziehen, lasse sich ebenso wenig wie die Verfügung auf das Gutachten stützen.
3
.
3.1
Die Gutachter der MEDAS B._ stellten mit Gutachten vom 1. Oktober 2009 (Urk. 7/31) die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/31/22):
-
chronisches myofasziales Schmerzsyndrom von Nacken und Schultergür
tel, beginnend 2005
-
chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom, beginnend 2005
-
degenerative Diskopathien C4-C7, Erstdiagnose 2005
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter an (Urk. 7/31/23):
-
psychische und Verhaltensfaktoren bei körperlichen Erkrankungen (ICD
10 F54), bestehend seit 2005
-
Status nach Heckauffahrunfällen Juni 2005, Juni 2007 und Juni 2008 (ICD-10 T91.9)
-
remittierte leichtgradige Anpassungsstörung, Angst und Depression gemischt (ICD-10 Z86.5)
Als Konzertpianistin sei die Beschwerdeführerin seit Juni 2005 nicht mehr arbeitsfähig. Als Klavierlehrerin sei sie etwa ab März 2006 anfangs zu 10 %, etwa ab November 2006 zu maximal 60 % arbeitsfähig gewesen. Ab Juni 2007 habe wieder eine vollständige Arbeitsunfähigkeit nach einem zweiten Auffahrunfall bestanden. Eine angepasste Tätigkeit, das heisse auch die Tätigkeit als Klavier
lehrerin sei theoretisch nach Austritt aus der Klinik F._ im März 2008 zeitlich uneingeschränkt möglich gewesen. Im Juli 2008 sei es durch den dritten Auffahr
unfall wieder zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gekommen. Seit Januar 2009 bestehe für die Tätigkeit als Klavierlehrerin eine zeitlich volle Arbeitsfähig
keit (Urk. 7/31/36).
3.2
Dr. C._ stellte in seinem neurologischen Gutachten vom 27. Juli 2010 (Urk. 7/37) die folgenden Diagnosen (Urk. 7/37/9):
-
Status nach wiederholtem Schädelhirntrauma durch drei erlittene Auf
fahrunfälle 2005, 2007 und 2008 mit klinisch deutlichem Verdacht auf eine Contusio cerebelli und leichter Contusio corporis callosi sowie Hippocampus-Dysfunktion (2005)
-
Status nach rezidivierenden HWS-Distorsionen (2005, 2007, 2008) mit mittelschwerer kraniozervikaler Gelenksschädigung und Verletzung des rechten Ligamentums alare
-
Kraniozervikalgelenkskontusion mit noch bestehenden interartikulären Veränderungen (2005)
-
Status nach dreimaligem posttraumatischem Stresssyndrom (2005, 2007, 2008) und deren Chronifizierung durch flash-backs
-
posttraumatische Schlafstörungen
-
traumatisch bedingte mittelbare psychosoziale Rückzugstendenzen
-
leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen
Als Folge der Unfälle, besonders des ersten von 2005, könne die Beschwerde
führerin ihren Beruf als Pianistin nie wieder ausüben. Insofern betrachte er sie seit 2005 – trotz zeitweilig vorübergehend erfolgreicher Arbeitsversuche – als 100 % arbeitsunfähig. Wegen der persistierenden Licht- und Lärmüber
empfind
lichkeit, der inneren Unsicherheit und Affektlabilität könne er dem Berufsvor
schlag als Klavierlehrerin nicht zustimmen. Vielmehr halte er einen Teilzeitbe
schäftigungsversuch von Konzert- oder Theaterbetrieb für erfolgsver
sprechender. Er halte eine Gesamterwerbsunfähigkeit von 40 % für inter
disziplinär konsensfä
hig und vertretbar (Urk. 7/37/9-10).
3.3
Die E._-Gutachter erhoben in ihrem Gutachten vom 8. Dezember 2016 (Urk. 7/174) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/174/24):
1.
somatische Belastungsstörung gemäss DSM-5/undifferenzierte Somati
sierungs
störung gemäss ICD-10 (F45.1)
2.
auffällige Persönlichkeitszüge/formale Denkstörung
-
Differentialdiagnose am ehesten im Rahmen von Diagnose 1 in Kombi
nation mit akzentuierten Persönlichkeitsmerkmalen
-
Differentialdiagnose formal nicht ausgeschlossen im Rahmen Waxman-Geschwind-Syndrom
-
unauffälliges MRI-Schädel und Schlafentzugs-EEG 2016
-
klinisch: assoziative Lockerung, Vorbeireden, Weitschweifigkeit und Umständlichkeit, Angetriebenheit
3.
chronisches zervikozephales und zervikospondylogenes Syndrom links
be
tont
-
Status nach dreimaligem indirekten HWS-Trauma 2005, 2007, 2008
-
degenerative Veränderungen mit Osteochondrose C6/C7 und Chondro
sen C4/C5, C5/C6
-
leicht- bis mässiggradige Funktionseinschränkung
4.
leichte attentionale Beeinträchtigung
-
am ehesten schmerzbedingt im Rahmen der Diagnosen 1 bis 3
5.
Status nach dreimaligen HWS-Akzelerationstraumata mit Heckkollision 2005, 2007, 2008
-
stets ohne Bewusstseinsverlust oder anderen Zeichen für ein Schädel-Hirn-Trauma
-
stets ohne bildgebend fassbare strukturelle Verletzung der Wirbelsäule
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gut
ach
ter (Urk. 7/174/24):
6.
Proximales-Interphalangealgelenk-Arthrose Digitus V links
-
anamnestisch Status nach Distorsionstrauma 2014
7.
primäres Raynaud-Syndrom seit 2011
-
negative Kollagenoseserologie 2013 und 2014
-
Kapillarmikroskopie Juli 2014: unauffällig
8.
intermittierende Palpitationen bei Mitralklappenprolapssyndrom
-
Echokardiographie 19. Februar 2013: minime Mitralinsuffizienz
9.
normale cochleo-vestibuläre Funktion bei
-
möglicher, selektiver Funktionseinschränkung
-
Utriculus rechts
-
posteriorem Bogengang rechts
10.
Aphte harter Gaumen links April 2015
Die Beschwerdeführerin sei als Pianistin zu 100 % arbeitsunfähig. In der Tätigkeit als Klavierlehrerin bestehe eine 50 bis 75%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Haushalt sei sie zu 15 % eingeschränkt (Urk. 7/174/31). In einer optimal angepassten Tätigkeit, leicht bis mittelschwer, wechselpositioniert, ohne Einnehmen längerer statischer Haltungen, ohne hohe feinmotorische Beanspruchung in Bereich der oberen Extremitäten, ohne längere Überkopfarbeiten und ohne Arbeiten auf Leitern sowie in der Höhe, ohne Kälte-Exposition, sowie mit wenig sozialen Interaktionen, sodass die formale Denkstörung keine grosse Rolle spiele, bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit mit Einschränkung vorwiegend aus psychiatri
scher Sicht. Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufes in einer angepassten Tätigkeit scheine jeweils nach den einzelnen Unfällen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für vier Wochen, von 50 % während weiteren drei Monaten und von 25 % während weiteren zwei Monaten plausibel. Die psychische Störung und damit die genannte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit habe sich vermutlich irgendwann ab Juli 2009 manifestiert. Genauere Angaben zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit in idealangepasster Tätigkeit könnten aus psychiatrischer Sicht nicht gemacht werden. (Urk. 7/174/31-32).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten
des E._ vom 8. Dezember 2016
(E. 3.
3
) beruht auf den erforderlichen internistischen,
psychiatrischen, neurologischen inklusive neuropsychologischen, rheumatologischen sowie audiologischen und neuro-oto
logischen
Untersuchungen und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fa
llrelevanten Vorakten erstellt. Das Gutachten erfüllt grundsätzlich (vgl. nachstehend) die Voraussetzungen für beweiskräftige medizinische Gut
achten (
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
).
4.2
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträch
tigungen
keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachter
lich) befassten Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechts
anwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch fest
gestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorüber
gehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Recht
sprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditäts
bemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berück
sichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesund
heitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beur
teilungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann aus rechtlicher Sicht abgewichen wer
den, ohne dass ein - wie vorliegend grund
sätzlich beweiskräftiges - Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre. Darin liegt weder eine Geringschätzung der ärztlichen Beurteilung noch eine gerichtliche Kompetenzanmassung, sondern es ist die notwendige Folge des rein juristischen Charakters der sozialversicherungs
rechtlichen Begriffe von Arbeits
/Erwerbs
unfähigkeit und Invalidität (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom
1.
April 2015 E. 6.3 mit Hinweis auf Susanne Bollinger, Invalidisierende Krankheitsbilder nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung, in: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2015, herausgegeben von Ueli Kieser und Miriam Lendfers, S. 114).
4.3
Die von den E._-Gutachtern attestierte Arbeitsunfähigkeit war sowohl für ange
stammten Tätigkeiten als Pianistin (50 %) und als Klavierlehrerin (50 bis 75 %) wie auch für angepasste Tätigkeiten (50 %) überwiegend psychiatrisch begründet (Urk. 7/174/31-32). Aus somatischer Sicht wurde für die Tätigkeit als Pianistin rheumatologisch-neuropsychologisch sowie neurologisch-neuro
psychologisch je eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 7/174/31). Als Klavierlehrerin wurde rheumatologisch-neuropsychologisch eine 30- bis 40%ige und neurologisch-neuropsychologisch eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 7/174/31). In angepassten Tätigkeiten wurde von den Gutachtern lediglich psychiatrisch eine Einschränkung attestiert, und zwar im Umfang von 50 % (Urk. 7/174/31-32).
4.4
4.4.1
Die Gutachter des E._ führten im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durch (vgl. insbesondere Urk. 7/174/119 ff.). Diese ergab aus rein rheumato
logi
scher Sicht keine Befunde, welche der Tätigkeit als Pianistin entgegenstehen wür
den. Vielmehr erfüllte die Beschwerdeführerin in sämtlichen Belast
barkeitstests die Anforderungen für die Ausübung der Tätigkeit als Pianistin (vgl. Urk. 7/174/104: keine funktionelle Einschränkung, Urk. 7/174/122 ff. und Urk. 7/174/130 ff.). In Anbetracht der Tatsache, dass bei der Arbeit als Klavier
lehrerin im Vergleich zur Tätigkeit als Konzert-Pianistin vermehrt die Möglichkeit besteht, Positionswechsel einzu
nehmen, ist auch für diese Tätigkeit aus rein rheumatologischer Sicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszuge
hen.
4.4.2
Anlässlich der neurologischen Untersuchung war die Bewegung der HWS unbe
schränkt möglich, klar fassbare Myogelosen zervikal wurden von den Gutachtern nicht festgestellt (Urk. 7/174/71). Bei der Untersuchung der Hirnnerven ergaben sich isokore Pupillen, die auf Licht und Konvergenz seitengleich reagierten. Die Fundi waren beidseits gut einsehbar. Die Gesichtsfelder waren fingerperimetrisch intakt. Die Optomotorik zeigte sich unauffällig. Es lag weder ein pathologischer Nystagmus vor noch wurden Doppelbilder angegeben. Die Sensibilität war im Gesicht seitengleich normal, die Cornealreflexe seitengleich. Die Gesichtsmusku
latur war seitengleich normal innerviert, eine Faszialparese bestand nicht. Die Zungenmotalität war normal, ohne Zungenfaszikulationen. Eine Atrophie bestand nicht. Die Gaumensegel waren symmetrisch (Urk. 7/174/71-72). Stand und Gang waren bis auf eine minime Unsicherheit im Blind- und Strichgang unauffällig. Die Motorik ebenfalls. Die Muskeleigenreflexe waren zwar allseits schwach bis mittellebhaft, Kloni jedoch nicht vorhanden. Der Babinski war beid
seits negativ. Die Testung der Koordination zeigte keinerlei negative Befunde. Im Rahmen der Prüfung der Sensibilität ergab sich eine taktile Hypästhesie und Hypalgesie über den fünf Fingerkuppen der linken Hand. Ansonsten war die Sen
sibilität für alle Modalitäten normal, die Pallästhesie bimalleolär 7/8, der Lage
sinn intakt. Das Vegetativum war unauffällig. Nervenreizzeichen waren nicht feststellbar (Urk. 7/174/72). Das Schlafentzugs-EEG zeigte sich unauffällig (Urk. 7/174/73 und Urk. 7/174/75).
Diese im Wesentlichen blanden Befunde ergeben aus rein neurologischer Sicht, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Sensibilitätsstörungen nur dis
kret waren (vgl. Urk. 7/174/75), keinen Anhalt für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, sei es als Pianistin, sei es als Klavierlehrerin.
Nichts anderes ergibt sich aus dem Gutachten von Dr. C._ vom 27. Juli 2010 (E. 3.2). Wie im neurologischen Gutachten des E._ festgehalten (Urk. 7/174/76), fanden sich zu keiner Zeit Hinweise auf eine Ataxie oder eine anderweitige zere
belläre Funktionsstörung im klassischen Sinn, und die riesige Liste der von Dr. C._ aufgezählten Kleinhirn-assoziierten Symptomen ist gemäss E._
Gut
achten sehr unspezifisch und kann nicht dazu dienen, eine Contusion cerebelli abzuleiten. Auch ein Zusammenhang der von Dr. C._ postulierten Gelenk- und Ligament-Schäden mit den Akzelerationstraumata blieb gemäss den E._
Gutachtern unbewiesen. Andere von Dr. C._ angeführte Diagnosen wie das posttraumatische Stresssyndrom oder die kognitiven Funktionsstörungen und die Schlafstörung seien fachfremd und/oder nicht lege artis untersucht worden.
4.4.3
Im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung (Urk. 7/174/187-195) zeigte die formale neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin test
psycho
logisch eine leichte attentionale Beeinträchtigung. In computer
ge
stützten Aufmerksamkeitsaufgaben (phasische und tonische Aufmerksamkeits
aktivierung, geteilte Aufmerksamkeit, Überbrücken von Inkompatibilitäten) fielen die Reaktions
zeiten im Altersvergleich verlangsamt aus. Es zeigte sich keine durch
gehend erhöhte Fluktuation der Reaktionsgeschwindigkeiten und die Fehler
häu
figkeit war unauffällig. Die attentionalen Beeinträchtigungen betrafen gemäss den Gutachtern daher den Aspekt der Geschwindigkeit in Auf
merksamkeit erfor
dernder Situation und nicht den der Fehlerkontrolle. Die mnestischen Leistungen fielen altersentsprechend aus. Einzig im figuralen Gedächtnis zeigte sich ein
aufmerksamkeitsbedingt - etwas knapper Abruf einer zuvor ohne Lern
intention kopierten komplexen geometrischen Figur. Bis auf eine diskrete Wieder
holungs
tendenz (unter anderem in der spontanen verbalen Ideen
produktion) fielen sämt
liche höheren kognitiven Frontalhirnleistungen (Inter
ferenz
unterdrückung, kognitive Umstellfähigkeit, verbale und nonverbale Spontan
produktion) alters
entsprechend aus. Die höhere visuelle Wahrnehmung, die Visuokonstruktion sowie die geprüften Handlungsfunktionen waren ebenfalls unauffällig. Die Beschwerdeführerin war zu allen Modalitäten vollständig orientiert. Es lag keine Sprachstörung im Sinne einer Aphasie vor, jedoch zeigte sich spontansprachlich eine Tendenz zu erhöhter Beredsamkeit. Die Weit
schweifig
keit in der Argumen
tation liess gemäss Gutachtern formal auf eine Lockerung assoziativer Denkpro
zesse schliessen. Die Beschwerdeführerin zeigte in einem standardisierten Selbst
beurteilungsverfahren zur subjektiven Ein
schätzung der affektiven Befindlichkeit kein Hinweis auf eine allfällige depressive Verstimmung. In der Verhaltensbe
obachtung zeigten sich ein normales Arbeits
tempo bei ordentlichem Antrieb und ein grösstenteils gerichteter Auf
merk
samkeitsfokus. Die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen waren über die fünfstündige Untersuchung hinweg grösstenteils konstant ohne deutliche Ermüdung im Verlauf. Im Anamnesege
spräch gab die Beschwerde
führerin an, dass tagsüber gelegentlich noch
„Müdig
keitsanfälle“ auftreten würden. Über
einstimmend ergab ein weiterer Fragebogen zu Erschöpfungs
symptomen und erhöhter Müdigkeit im Alltag ein leicht erhöhter Wert, wobei vor allem körper
liche Müdigkeitssymptome (weniger kognitive) vor
zuliegen schienen
(Urk. 7/174/193).
In Anbetracht der – zwar einzig leichter - attentionalen Beeinträchtigung betreffend die Geschwindigkeit in Aufmerksamkeit erfordernder Situation mag es zutreffen, dass die Beschwerdeführerin, wie die Gutachter dafürhielten, aus neu
ropsychologischer Sicht in der Tätigkeit als Pianistin eingeschränkt ist. Nachdem die Gutachter jedoch ausdrücklich darauf hinwiesen, dass im Rahmen der Auf
merksamkeit die Fehler
kontrolle nicht beeinträchtigt ist, ist nicht ersichtlich, wes
halb die Beschwerdeführerin aus neuropsychologischer Sicht auch in der Tätig
keit als Klavierlehrerin – teilweise – eingeschränkt sein soll. Wie nachfolgend zu zeigen ist, ist es der Beschwerdeführerin jedoch ohnehin auch in einer zumutba
ren angepassten Tätigkeit noch möglich, ein rentenaus
schliessendes Einkommen zu erzielen.
4.5
4.5.1
Die psychische Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin ist einem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen (vgl. E. 1.3).
4.5.2
Die E._-Gutachter führten als psychiatrische Diagnose eine undifferenzierte Somatisierungsstörung an (E. 3.3). Im Weiteren nannten sie - ohne Kodierung - die Diagnose auffällige bzw. akzentuierte (vgl. Urk. 7/174/165) Persönlichkeits
züge. Hierbei dürfte es sich jedoch, wenn überhaupt, um eine Z
Diagnose (ICD
10 Z73.1) handeln.
Die Diagnosen aus der Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10 Systems sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsscha
dens (Urteil des Bundesgerichtes 9C_89
4/2015 vom 25. April 2016 E. 5
).
Zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde im Komplex der Gesundheits
schädigung ist festzuhalten, dass sich der psychiatrische Befund weitgehend unauffällig darstellte.
So konnte sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der dreistündigen psychiatrischen Untersuchung mit einmaliger kurzer Pause gut auf das Gespräch konzentrieren. Sie gab zwar an, dass sie das Gespräch angestrengt habe und sie nun den Druck im Kopf verstärkt spüre, nach Ansicht des Gutachters wirkte das Gespräch jedoch nicht durch Konzentrationsstörungen beeinträchtigt. Stetiges Abzählen von 7 beginnend mit 100 gelang der Beschwerdeführerin schnell und fehlerfrei. Sowohl die Prüfung der Merkfähigkeit wie auch diejenige des Langzeitgedächtnisses zeigten keine Auffälligkeiten (Urk. 7/174/151). Auf
fal
lend gemäss Gutachter war, dass die Beschwerdeführerin spontan fast nie eine Frage direkt beantwortete, auch geschlossene Fragen nicht. Sie verlor sich sofort in Details, die nichts oder nur sehr entfernt etwas mit der ursprünglichen Frage zu tun hatten. Sie berichtete dabei wortreich, umständlich und weitschweifig und viele Äusserungen blieben inhaltlich ohne wiederholtes Nachfragen schwierig nachvollziehbar. Grammatik und Satzaufbau waren normal. Teilweise nahm die Beschwerdeführerin ein Wort des Gutachters sofort auf und begann zu sprechen, bevor dieser seinen Satz beenden konnte. Die Begutachtung war dadurch stark erschwert und viele Themen konnten nur ansatzweise exploriert werden. Das häufige Unterbrechen und die Strukturierungsversuche des Gutachters wiederum schien die Beziehungsgestaltung zu beeinträchtigen (Urk. 7/174/152). Inhaltliche Denkstörungen oder Sinnestäuschungen lagen ebenso wenig vor wie Hinweise für Gedankenausbreitung, Gedankenentzug, Gedankeneingebung und andere Fremdbeeinflussungserlebnisse. Bei der Bitte, die Bedeutung eines ihr bekannten Sprichwortes zu erklären, hatte die Beschwerdeführerin Mühe, ein illustratives Bild zu schildern. Sie wirkte dabei unter Druck und gab schliesslich an, dass sie nun gerade eine Leere im Kopf habe, was sie immer wiedermal habe (Urk. 7/174/153). Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen konnte der psychiatrische E._-Gutachter nicht eruieren (Urk. 7/174/153). Bis auf die über
mässigen Sorgen bezüglich körperlicher Gesundheit liessen sich in der Unter
su
chung keine Ängste oder Befürchtungen beobachten (Urk. 7/174/154). Die Beschwerdeführerin zeigte im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung wechselnde Emotionen, die gut auf den jeweiligen Gesprächsinhalt bezogen waren. Sie lachte wiederholt zwischendurch. Nach der Rückmeldung des Gutach
ters, dass er Mühe habe, den meisten ihrer Ausführungen zu folgern, wirkte die Beschwerdeführerin kurzzeitig sichtlich betroffen und hatte kurz Tränen in den Augen (Urk. 7/174/154). Die Beschwerdeführerin wirkte gemäss Einschätzung des psychiatrischen Gutachters insgesamt lebhaft, jedoch nicht übermässig ange
trieben. Sie lief mit zügigem Schritt die Treppe hinab ins im ersten Untergeschoss gelegenen Untersuchungszimmer. Sie sprach viel mit wenigen Sprechpausen. Im Stuhl sass sie ruhig ohne übermässige Bewegungen (Urk. 7/174/154). Die Beschwerdeführerin stand während den Untersuchungs
gesprächen mehrmals auf, lief zum Gutachter und zeigte ihm Unterlagen. Im Bewegungsbild wirkte sie bis auf eine relativ starre Haltung von Kopf- und Nacken unauffällig. Mehrmals fasste sich die Beschwerdeführerin an den Kopf oder Nacken und bemerkte, dass sie wegen der Anstrengungen im Gespräch Schmerzen habe (Urk. 7/174/155). In der Untersuchungssituation wirkte die Beschwerdeführerin nicht müde und zeigte keine sekundären Symptome eines Schlafentzuges wie häufiges Gähnen oder dunkle Augenringe. Während der gesamten dreistündigen Untersuchung wirkte sie bis zum Schluss lebhaft ohne Ermüdungserscheinungen (Urk. 7/174/155).
Zum Indikator „Behandlungserfolg und -resistenz“ ist dem psychiatrischen
E._
Gutachten zu entnehme
n, dass die Beschwerdeführerin sich selber als psychisch gesund erachtet (Urk. 7/174/141). Entsprechend steht sie auch nicht in psychiatri
scher Behandlung und nimmt
keine
Psychopharmaka ein (Urk. 7/174/23, Urk. 7/174/147).
Als rechtlich bedeutsame
„
Komorbiditäten
“
fallen - nebst Begleiterkrankungen mit eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) - Beschwerden in Betracht, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wir
kung beizumessen ist (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Die Diagnose auffällige bzw. akzentuierte Persönlichkeitszüge fällt, wie ausgeführt, nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens. Allerdings kann dieser Faktor den Gesund
heitszustand und das Leistungsvermögen ebenfalls beeinflussen (vgl.
BGE 14
3
V 418 E. 8.1). Als rein somatische Diagnosen führten die Gutachter ein chro
nisches zervikozephales und zervikospondylogenes Syndrom linksbetont, einen Status nach dreimalige
m
HWS-Akzelerationstraumata mit Heckkollision, PIP
Arthrodese Digitus V
l
inks, ein primäres Raynaud-Syndrom, eine inter
mittierende Palpi
tation bei Mitralklappenprolapssyndrom, eine normale cochleo-vestibuläre Funktion bei möglicher, selektiver Funktionseinschränkung
und eine
A
phte har
ter Gaumen an.
Wie oben gezeigt (vgl. E. 4.4) führen die geltend gemachten somatischen Diagnosen insgesamt zwar zu einer Einschränkung in der Tätigkeit als Pianistin, nicht aber in der Tätigkeit als Klavierlehrerin
.
4.5.3
Hinsichtlich des Komplexes
„
Persönlichkeit
“
ist den auffälligen Persönlich
keits
zügen mit Umständlichkeit, Logorrhoe, Angetriebenheit, Weitschweifigkeit, star
ken religiösen Bezügen, vermehrter Beschäftigung mit moralischen Fragen und Hypergraphie (vgl. Urk. 7/174/29) Rechnung zu tragen.
4.5.4
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten
, dass die Beschwerdeführerin aktiv in der Freiwilligenarbeit in zwei katholischen Kirchgemeinden ist. Sie gestaltet jeweils eine Liturgie mit, in denen sie die Lesung übernimmt und als Sopranstimme mit drei anderen Personen mehrstimmige meditative Gesänge vor
trägt. Sie nimmt auch an Glaubensgrundkursen teil. Zudem übernimmt sie für einen Pfarrer Schreibarbeiten für dessen Vorlesungen. Die Beschwerdeführerin geht in der Regel jeden Nachmittag aus den Haus (Urk. 7/174/146-148).
4.5.5
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleich
mässigen Einschränkungen des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebens
bereichen ist festzuhalten, dass diesbezüglich keine gleichmässigen Ein
schränkungen bestehen
. Die Beschwerdeführerin kann sich eine feste Anstellung in einer beruflichen Tätigkeit nicht vorstellen (Urk. 7/174/147). Wie im Rahmen des Komplexes sozialer Kontext dargelegt, ist die Beschwerdeführerin jedoch in zwei Kirchgemeinden aktiv. Unter anderem begleitet sie den Gottesdienst als Sängerin (Urk. 7/174/148). Die Beschwerdeführerin komponiert zudem weiterhin Lieder (Urk. 7/174/146) und fährt Auto (Urk. 7/174/149). Sie war auch während der langen und anstrengenden neurologischen Untersuchung im E._ vital (Urk. 7/174/77,
wonach kein entsprechendes klinisch-somatisches Korrelat für das gezeigte polymorphe Beschwerdebild bestehe und die langanhaltende Vitali
tät während der langen Untersuchung frappant gewesen sei).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungs
anam
nestisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich
– wie bereits weiter oben erwähnt –
festzu
halten, dass die Beschwerdeführerin weder in psychiatrischer Behandlung steht noch Psychopharmaka oder Schmerzmittel einnimmt (vgl.
Urk.
7/174/67
) und sich
auch
nicht
als psychisch beeinträchtigt
erachtet (vgl.
Urk. 7/174/14)
.
4.5.6
Aus dem Gesagten ist zu folgern, dass die
„Persönlichkeit“ und die „Komorbi
di
täten“ sich zwar negativ auf die Ressourcen der Beschwerdeführerin auswirken. Nichts
destotrotz ist jedoch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit von einer psychisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. So sind die diagnoserelevanten Befunde nur geringgradig ausge
prägt, liegen keine Anzeichen für eine Behandlungsresistenz vor und lässt auch der soziale Kontext auf hinreichende Ressourcen der Beschwerdeführerin schliessen.
Beweisrechtlich ins Gewicht (E. 1.3.3) fallen jedoch insbesondere die unzähligen aktenkundigen Inkonsistenzen (E. 4.5.5). Schliesslich fehlt es auch behandlungsanamnestisch an einem Leidensdruck.
4.6
Zusammenfassend ist somit gestützt auf das Gutachten des E._ vom 8. Dezember 2016 - und in grundsätzlicher Übereinstimmung mit dem Gutachten der MEDAS B._ vom 1. Oktober 2009 (E. 3.1) - zumindest von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit als Klavierlehrerin und in angepassten Tätigkeiten auszugehen.
5.
5.1
Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE
139 V 28 E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
Bei der Festsetzung des Valideneinkommens ist nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berücksich
tigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist aller
dings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Die Absicht, beruflich weiterzukommen, muss durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen beruflichen Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE 96 V 29; AHI 1998 S. 166 E. 5a, I 287/95; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97 E. 3b, U 110/92;
Urteil des Bundesgerichts 9C_75
7/2010 vom 24. November 2010 E. 4.2 mit Hin
weisen).
5.2.2
Aus dem IK-Auszug der Beschwerdeführerin (Urk. 7/105) ergibt sich, dass die Höhe ihres Einkommens seit jeher stark variierte. So belief sich ihr Einkommen 1995 auf Fr. 35'662.-- (Fr. 31'862.-- + Fr. 3’800.--), 1996 auf Fr. 47'698.
(Fr. 34'298.-- + Fr. 13'400.--), 1997 auf Fr. 43’285.-- (Fr. 33'028.-- + Fr. 607.-- + Fr. 392.-- + Fr. 658.--
+ Fr. 8600.--), 1998 auf Fr. 37'898.-- (Fr. 29'298.-- + Fr. 8'600.--), 1999 auf Fr. 26'996.-- (Fr. 2'590.-- + Fr. 15'806.-- + Fr. 8'600.--), 2000 auf Fr. 19'100.--, 2001 auf Fr. 38'700.--, 2002 auf Fr. 23'000.--, 2003 auf Fr. 21'600.-- und 2004 auf Fr. 15’200.--. Mit ihrer Beschwerde machte die Beschwerdeführerin – wie dargelegt (vgl. E. 2.2) – ein jährliches Einkommen von Fr. 130'000.-- geltend. Zum Nachweis des höheren Einkommens verwies sie auf diverse Arbeitsverträge. Eine längerfristige, stabile Einkommenssteigerung lässt sich mit den von der Beschwerdeführerin genannten Beweismittel jedoch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachweisen. Ein Erwerbseinkommen, welches mit Einzelaufträgen gene
riert wird, unterliegt naturgemäss grossen Schwankungen. Eine nachhaltige Ent
wicklung des Valideneinkommens liesse sich daher nur mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag oder einem auf Dauer angelegten Auftragsverhältnis nachweisen. Ein Vertrag, welcher ein längerfristiges Einkommen in Aussicht stellt, wurde von der Beschwerdeführerin nicht beigebracht. Es ist daher in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weiter
hin ein Einkommen in Höhe des Einkommens vor dem ersten Unfall erzielt hätte.
Die Beschwerdegegnerin berechnete das Valideneinkommen auf Basis des Ein
kommens der Beschwerdeführerin in den letzten vier Jahren vor dem ersten Unfall, das heisst den Jahren 2001 bis 2004 (vgl. Urk. 7/183). Wie nachfolgend zu zeigen ist, kann offenbleiben, ob auf diese vier Jahre oder in Anbetracht der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Ausbildung während dieser Zeit (Urk. 1 S. 9) auf die Jahre vor der Ausbildung abzustellen ist, hat die Beschwer
de
führerin doch so oder anders keinen Rentenanspruch.
Aus dem von der Beschwerdeführerin in den fünf Jahren (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_868/2009 vom 22. April 2010 E. 2.4) vor Beginn des kleinen Latinums und der englischen Matura (vgl. Urk. 7/37/54), das heisst in den Jahren 1997 bis 2001, erzielten Einkommens ergibt sich für das Jahr 2006 - das Jahr des frühestmöglichen hypothetischen Rentenbeginns (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b und Art. 48 IVG in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) - ein Valideneinkommen von Fr. 36'977.95 ([Fr. 43’285.--: 2130 x 2417 + Fr. 37'898.
: 2142 x 2417 + Fr. 26'996.-- : 2156 x 2417 + Fr. 19'100.-- : 2190 x 2417 + Fr. 38'700.-- : 2245 x 2417] : 5).
5.3
Wie dargelegt (E. 4) kann die Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als Klavierlehrerin noch ausüben. Wie nachfolgend zu zeigen ist, kann sie jedoch selbst in einer anderen Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung
grundsätzlich
die
Tabellenlöhne
gemäss
LSE herangezogen w
erden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b).
Gemäss der Tabelle TA1 der LSE 2006 betrug das Einkommen von Frauen, welche einfache und repetitive Tätigkeiten ausübten, im Jahr 2006 im Median Fr. 4'019.
(LSE 2006 S. 25). Bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2006 in allen Sektoren von 41,7 Stunden (vgl.
Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeits
zeit nach Wirtschaftsabteilungen
) entspricht dies einem Jahreseinkommen von Fr. 50'277.70 (Fr. 4'019.-- x 12 : 40 x 41,7).
Selbst bei einem maximal zulässigen Abzug vom Tabellenlohn von 25 % (
vgl.
zum Ganzen BGE 126 V 75)
würde somit ein rentenausschliessendes Invali
deneinkommen (Fr. 50'277.70 x 0,75 = Fr. 37'708.25) resultieren.
5.4
Nachdem die Beschwerdeführerin in der in den Jahren vor dem ersten Unfall im Jahr 2005 überwiegend ausgeübten Tätigkeit als Klavierlehrerin (vgl. Urk. 7/31/12) nie für längere Zeit arbeitsunfähig war, erfüllte sie das War
tejahr gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung bzw. Art. 28 Abs. 1 lit. b in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung nie. Es besteht daher auch für die im Nachgang zu den einzelnen Unfällen erlittenen kurzzeitigen Arbeitsunfähigkeiten (vgl. E. 3.3) kein Renten
anspruch.
6.
Hinsichtlich des Antrages der Beschwerdeführerin, es sei die von der Beschwer
degegnerin auferlegte Schadenminderungspflicht aufzuheben, kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.
Im ver
waltungsgerichtlichen Beschwer
de
verfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver
häl
tnisse zu überprüfen beziehungs
weise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig ver
bindlich - in Form einer Verfügung bezieh
ungs
weise eines Ein
sprache
ent
scheids
Stellung genommen hat. Insoweit be
stimmt die Verfügung beziehungs
weise der Einspracheentscheid den beschwerde
weise weiterziehbaren Anfechtungs
gegen
stand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Ein anfechtbarer Entscheid über
die Schaden
minderungspflicht
liegt nicht vor.
7.
Nach dem Ge
s
a
gten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist – soweit auf sie überhaupt einzutreten ist – abzuweisen.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 9
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie
der Beschwerde
führerin auf
zuerlegen
.