Decision ID: a25ab5b9-985a-4c80-b3d5-6d577b0c6c3c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 5. Dezember 2016 ohne Einreichung
von Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nach.
Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 9. Dezember 2016 und
der Anhörung vom 1. März 2018 gab die Beschwerdeführerin hinsichtlich
ihrer Identität an, am (...) in Eritrea (B._) geboren zu sein.
Ihr Vater, Angehöriger der Pfingstgemeindekirche, sei aus religiösen Grün-
den verhaftet, möglicherweise in der Haft misshandelt worden und in der
Folge verstorben. Ihre Mutter sei daraufhin mit ihr und ihrem Bruder nach
Äthiopien geflüchtet. Sie sei damals zweijährig gewesen, habe in
C._ gelebt und sei dort drei Jahre zur Schule gegangen. Nach dem
Tod ihrer Mutter (sie sei sieben Jahre alt gewesen) habe sie zusammen mit
ihrem Bruder, der manchmal gearbeitet habe, auf der Strasse gelebt und
sei aus finanziellen Gründen nicht mehr zur Schule gegangen. Aufgrund
von Vorkommnissen in Äthiopien sei sie im Alter von dreizehn Jahren illegal
in den Sudan gereist, wo sie als Serviererin in einer Cafeteria gearbeitet
habe; von ihrer Arbeitgeberin sei sie öfters zur Prostitution gezwungen wor-
den. Im Jahre 2015 habe ihr ein derselben Religion zugehöriger Eritreer
zur Ausreise aus dem Sudan verholfen, indem er ihr einen Reisepass und
einen Arbeitsvertrag im Libanon beschafft habe. Sie habe die Stelle als
Haushalthilfe im Libanon angetreten, diese sehr strenge Tätigkeit, bei der
sie auch sexuell belästigt worden sei, indes nach sechs Monaten aufgege-
ben. Derselbe Eritreer, der sie in den Libanon geschickt habe, habe darauf-
hin die Weiterreise nach Syrien organisiert. Von dort sei sie über die Türkei
nach Griechenland gelangt, wo sie sich mehrere Monate aufgehalten habe,
bevor sie mit einem von einem Schlepper organisierten schwedischen Rei-
sepass in die Schweiz gereist sei. Die Einreise sei am 2. Dezember 2015
erfolgt.
B.
Im Auftrag des SEM vom 14. Dezember 2016 wurde bei der Beschwerde-
führerin am 15. Dezember 2016 eine Handknochenaltersanalyse zur Al-
tersbestimmung nach Greulich/Pyle durchgeführt. Diese ergab ein Kno-
chenalter von 18 Jahren und mehr (vgl. A13 /1). Aufgrund dessen und an-
derer Elemente wurde das Geburtsdatum auf den (...) festgelegt und der
Beschwerdeführerin hierzu am 21. Dezember 2016 das rechtliche Gehör
gewährt.
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C.
Mit Eingabe vom 22. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin – nach-
dem bereits ein ärztlicher Bericht vom 16. Februar 2017 beim SEM einge-
gangen war – bei der Vorinstanz einen weiteren ärztlichen Bericht ein.
D.
Mit Verfügung vom 9. April 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch der Be-
schwerdeführerin vom 5. Dezember 2016 ab, ordnete deren Wegweisung
aus der Schweiz an und bezeichnete den Vollzug als zulässig, zumutbar
und möglich.
E.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. Mai 2018 erhob die Beschwer-
deführerin beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Be-
schwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung, eventualiter
die Gewährung der vorläufigen Aufnahme beantragt. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersuchte die Rechtsvertretung um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung, den Verzicht auf das Erheben eines Kostenvor-
schusses und um die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes
in der Person des Unterzeichnenden.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um amtliche Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf das Erheben
eines Kostenvorschusses und setzte lic.iur. L.L.M Tarig Hassan, Advokatur
Kanonengasse, als amtlichen Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin ein.
G.
Mit Eingabe vom 4. Juli 2018 reichte der Rechtsvertreter mehrere Doku-
mente ein (Geburtskurkunden der Beschwerdeführerin und deren Bruders
im Original, Identitätskarte der Tante D._ in Kopie, Arztbericht des
E._ vom 14. Mai 2018, ärztliches Attest vom 19. Juni 2018, Hono-
rarnote vom 4. Juli 2018).
H.
Mit Eingabe vom 11. Juli 2019 wies der Rechtsvertreter unter Einreichung
eines entsprechenden Bestätigungsschreibens der behandelnden Gynä-
kologin der F._ vom 26. Juni 2019 auf die bestehende Schwanger-
schaft der Beschwerdeführerin hin.
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I.
Mit Eingabe vom 19. November 2019 an das SEM stellte die Beschwerde-
führerin ein Gesuch um Einbezug ihres am 4. September 2019 geborenen
Kindes in die Flüchtlingseigenschaft des Kindsvaters G._ (N [...]).
Dieses wurde vom SEM mit Schreiben vom 8. Januar 2020 dahingehend
beantwortet, dass das entsprechende Ersuchen nach Abschluss des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens materiell behandelt werde.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 13. März 2020 wurde das SEM dazu eingela-
den, bis zum 30. März 2020 entweder (sowohl zu der Beschwerde als sol-
che wie ich auch im Lichte von Art. 8 EMRK im Besonderen) eine Vernehm-
lassung einzureichen (Art. 57 Abs. 1 VwVG) oder in Bezug auf die Be-
schwerdeführerin und ihr Kind die angefochtene Verfügung in Wiedererwä-
gung zu ziehen (Art. 58 Abs. 1 und 2 VwVG).
K.
Mit Entscheid vom 21. April 2020 hiess das SEM das Gesuch um Einbezug
der in der Schweiz am 4. September 2019 geborenen Tochter H._
vom 19. November 2019 in die Flüchtlingseigenschaft ihres Kindsvaters
G._ gut und gewährte H._ gestützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG
Asyl.
L.
Nach gewährter Fristerstreckung reichte das SEM am 21. April 2020 eine
Vernehmlassung ein, in der sie mit ausführlicher Begründung die Abwei-
sung der Beschwerde beantragte.
M.
In seiner Replik vom 13. Mai 2020 nahm der Rechtsvertreter zur Argumen-
tation der Vorinstanz Stellung.
N.
Mit Eingabe vom 24. August 2021 erkundigte sich die Rechtsvertretung
nach dem Stand des Beschwerdeverfahrens und ersuchte mit Hinweis auf
die schwierige Situation seiner Mandantin (ungewisser Verfahrensaus-
gang, erschwerte Integration) um beförderliche Behandlung des Be-
schwerdeverfahrens. Diese Eingabe wurde vom Bundesverwaltungsge-
richt mit Schreiben vom 6. September 2021 beantwortet.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG,
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E.5).
3.
3.1 In der angefochtenen Verfügung erachtete die Vorinstanz (nebst dem
geltend gemachten Alter der in der Zwischenzeit ohnehin volljährig gewor-
denen Beschwerdeführerin) deren geltend gemachte eritreische Herkunft
als nicht glaubhaft. So habe die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP
geltend gemacht, ihr Vater sei Tigre und sie wisse nicht, welchem Volk ihre
Mutter angehöre. Als letzter Wohnort im Heimatstaat habe sie I._
angegeben (vgl. A9 F2.01). Im Widerspruch dazu habe sie anlässlich der
Anhörung auf eine Frage nach der Ethnie ihrer Eltern geltend gemacht,
beide seien Tigrinya. Weiter habe sie auf eine entsprechende Frage ange-
geben, nie in Assan gelebt zu haben (vgl. A33 F31). Es sei ihr nicht gelun-
gen, diese Widersprüche überzeugend aufzulösen. Hinsichtlich ihrer Ver-
wandten habe sie anlässlich der BzP auf die Frage, ob ihre Mutter und ihr
Vater irgendwelche Geschwister hätten, zu Protokoll gegeben, vielleicht
hätten sie welche, sie habe keine Ahnung (vgl. A9 F3.01). Im Rahmen der
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Anhörung habe sie hingegen angegeben, ihre Mutter habe drei Schwes-
tern und zwei Brüder gehabt, ihr Vater sei ihres Wissens Einzelkind gewe-
sen (vgl. A32 F15). Abgesehen von diesen offenkundigen Ungereimtheiten
erstaune es, dass die Beschwerdeführerin keinerlei Angaben zu diesen an-
lässlich der Anhörung erwähnten Verwandten habe machen können. Sie
habe weder deren Namen noch deren Wohnort gewusst. Hinzu komme,
dass sie sich auch nicht habe daran erinnern können, was ihr Vater zu Leb-
zeiten gearbeitet habe. Die Aussagen der Beschwerdeführerin, wonach es
nach dem Tod ihrer Mutter keinen Kontakt mehr mit deren Geschwistern
mehr gegeben habe, da ihre Mutter aufgrund des noch sehr jungen Alters
ihrer Tochter mit ihr nicht viel über die Familie gesprochen habe, würden
realitätsfremd erscheinen, zumal die Beschwerdeführerin angegeben
habe, dass ihre Mutter zu Lebzeiten (auch aufgrund der geschilderten
schwierigen Lebensumstände) regelmässigen Kontakt mit ihren Geschwis-
tern gehabt habe. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin keine Kennt-
nisse von Eritrea gehabt. So habe sie nicht gewusst, wo sich I._
befinde, obwohl ihre Mutter von dort stamme. Sie habe zwar gewusst, dass
es in Eritrea neun Ethnien gebe, habe aber nur J._ und K._
genannt, wobei es sich bei K._ nicht um eine Ethnie handle. Sie
habe auch keine Dokumente eingereicht, welche ihre eritreische Herkunft
bezeugen könnten. Bei dieser Sachlage müsse vermutungsweise davon
ausgegangen werden, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine
äthiopische Staatsangehörige handle. Indessen obliege es der Beschwer-
deführerin im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht, ihre Herkunft und ihren Le-
benslauf glaubhaft darzulegen. Ihre Staatsangehörigkeit sei daher nicht
bekannt.
Die Ungereimtheiten in Bezug auf die angebliche Herkunft und ihre Biogra-
phie hätten zur Folge, dass auch die damit in Zusammenhang stehenden
Vorbringen (nur dreijähriger Schulbesuch, Obdachlosigkeit nach dem Tod
der Mutter) nicht geglaubt werden könnten. Im Weiteren straften die eige-
nen handschriftlichen Notizen, welche die Beschwerdeführerin bei ihrer
Einreise in die Schweiz auf sich getragen habe, ihrer Aussage Lügen, wo-
nach sie nur drei Jahre in die Schule gegangen sei (vgl. A32 S. 19; A33).
Bei den handschriftlichen Notizen scheine es sich um Stichwortzettel und
Gedächtnisstützen zu handeln, um mit einer erfundenen Geschichte vor
den Asylbehörden bestehen zu können. Die Erklärung, wonach es sich um
die Geschichte einer Freundin handle, welche sie auf deren Ersuchen auf-
geschrieben habe, vermöge nicht zu überzeugen. Bezeichnenderweise
entbehrten die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie während
Jahren in der Obdachlosigkeit gelebt habe, jeglicher Substanz. Zudem
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habe sie zur Zeitdauer unterschiedliche Angaben gemacht. Im Weiter er-
weckten die Fotos auf dem USB-Stick, in deren Besitz die Beschwerdefüh-
rerin bei der Ausreise gewesen sei, nicht den Eindruck, dass sie, wie gel-
tend gemacht (vgl. A34), während Jahren vereinsamt in einer Plastikbe-
hausung gelebt habe (Abbildungen der Beschwerdeführerin mit vielen an-
deren Personen, darunter viele Kinder, in angenehmen Situationen). Die
Erklärung der Beschwerdeführerin, wonach die meisten Bilder auf dem
Stick ihrer Freundin gehören würden, vermöge nicht zu überzeugen. Bei
dieser Sachlage könne auch nicht abschliessend beurteilt werden, aus wel-
chen Gründen die Beschwerdeführerin, sollte sie überhaupt von dort stam-
men, Äthiopien verlassen habe. Die Untersuchungspflicht des SEM finde
ihre Grenze an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht der Beschwerdefüh-
rerin. Es sei nach ständiger Rechtsprechung nicht Sache der Asylbehör-
den, bei fehlenden Hinweisen seitens der Gesuchsteller nach allfälligen
Reisemotiven zu forschen, falls diese ihrer Mitwirkungs- und Wahrheits-
pflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nicht nachkommen und die
Asylbehörden zu täuschen versuchten.
Aufgrund all dieser Ungereimtheiten bestünden auch erhebliche Zweifel in
Bezug auf die Vorbringen im Sudan und Libanon und zur Reiseroute. So
sei realitätsfern, dass ein flüchtiger Bekannter aus dem Sudan sämtliche
Weiterreisen organisiert und bezahlt habe und dabei vom Sudan aus in
Griechenland einen schwedischen Reisepass und in der Schweiz Geld für
ein Flugticket nach London habe organisieren können. Es sei davon aus-
zugehen, dass die Beschwerdeführerin über andere Geldquellen und Be-
ziehungen verfüge. Davon abgesehen seien Nachteile, welche sich in Dritt-
staaten ereignet hätten, flüchtlingsrechtlich grundsätzlich irrelevant.
3.2 Auf Beschwerdeebene wies der Rechtsvertreter im Zusammenhang
mit den festgestellten Unglaubhaftigkeitselementen hinsichtlich der geltend
gemachten eritreischen Herkunft auf den Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin hin. Aus dem ärztlichen Bericht vom 22. Januar 2018
gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin an Depressionen mit posttrau-
matischem Belastungssyndrom (PTBS) sowie Angststörungen leide. Ähn-
liches werde im ärztlichen Bericht vom 16. August 2017 festgehalten. Diese
psychischen Leiden hätten sich auf ihre Aussagen anlässlich der BzP und
der Anhörung ausgewirkt. Sowohl aus dem Istanbul-Protokoll als auch aus
der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ergebe sich, dass schwer trau-
matisierte Personen nicht fähig seien, vollständig und widerspruchsfreie
Angaben zu erlittenen Misshandlungen zu machen. Werde der labile ge-
sundheitliche Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin berücksichtigt,
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so sei der Schluss der Vorinstanz, wonach die Beschwerdeführerin mit ih-
rem Aussageverhalten ihre Mitwirkungspflicht verletzt habe, nicht zulässig.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Traumatisierung gar nicht in der
Lage, über alle Ereignisse zu sprechen. Im Weiteren könne eine Vielzahl
von angeblichen Widersprüchen widerlegt werden. So habe die Beschwer-
deführerin anlässlich der BzP erklärt, dass beide Eltern Tigrinya sprechen
würden und nicht, dass diese Tigrinya seien (vgl. A32 F30). Der Dolmet-
scher habe die Beschwerdeführerin wohl einfach falsch verstanden. Eben-
sowenig habe sich die Beschwerdeführerin zu ihrem letzten Wohnort im
Heimatstaat widersprüchlich geäussert. Da sie bereits in ihrem zweiten Le-
bensjahr Eritrea verlassen habe, basiere ihre Erinnerung an diese Zeit nur
auf Erzählungen. Daher habe sie die Frage, ob sie jemals in I._
gelebt habe, verneint. Sie habe damit gemeint, dass sie selbst nie aus ei-
gener Erinnerung dort gewohnt habe. Hinsichtlich der angeblich unsub-
stantiierten und unlogischen Aussagen der Beschwerdeführerin sei auf das
junge Alter der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Todes ihrer Mutter
hinzuweisen. Sie habe ihre Verwandten nie gekannt. Selbst ihr dreizehn-
jähriger Bruder sei nicht in der Lage gewesen, den Kontakt zu seinen On-
keln und Tanten herzustellen. Daher sei es nicht erstaunlich, dass die Be-
schwerdeführerin keine Aussagen zu ihren Verwandten habe machen kön-
nen. Sie habe auch niemanden fragen können, was ihr Vater beruflich ge-
tan habe. Angesichts ihres sehr jungen Alters im Zeitpunkt des Wegzugs
aus Eritrea sei auch nachvollziehbar, dass sie wenig über Eritrea und
I._ wisse, zumal sie die eritreischen Eltern früh verloren habe. Im
Weiteren könne ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie keine
Identitätsdokumente eingereicht habe, sei sie doch bei ihrer Ausreise aus
Eritrea und Äthiopien noch minderjährig gewesen. Ohnehin habe sie in der
Zwischenzeit auf Antrag ihrer Tante eine eritreische Geburtsurkunde im
Original einreichen können, welche ihre eritreische Herkunft belege.
Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde und der anstehenden
Einberufung in den Nationaldienst drohe der Beschwerdeführerin Verfol-
gung und eine Verletzung von Art. 4 EMRK.
3.3 In der Vernehmlassung vom 21. April 2020 wies das SEM darauf hin,
dass sich die zahlreichen Ungereimtheiten in der Schilderung der Be-
schwerdeführerin nicht auf traumatische Ereignisse beziehen würden,
weshalb diese aus dem Umstand, dass es bei traumatisierten Opfern bei-
spielsweise zu Erinnerungsbeeinträchtigungen in Bezug auf traumatische
Ereignisse kommen könne, nichts zu ihren Gunsten ableiten könne. Das
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SEM sei nicht weiter auf ihre Fluchtgründe eingegangen, welche die Be-
schwerdeführerin zu ihrer Ausreise aus Äthiopien (einem mutmasslichen
Drittstaat) veranlasst hätten. Im Weiteren gehe aus den Akten nicht hervor,
dass der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeit-
punkt der Befragungen schlecht gewesen sei. Anlässlich der BzP habe sie
denn auch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen geltend gemacht.
Hinsichtlich der im Original eingereichten eritreischen Geburtsurkunde der
Beschwerdeführerin sei festzuhalten, dass es sich hierbei mit hoher Wahr-
scheinlichkeit um eine Totalfälschung handle. So sei beispielsweise der
Text beider Rundstempel verzogen (vor allem derjenige auf dem Stempel
der L._) und es finde sich ein Tippfehler (puplic statt Public). Im
Weiteren stelle sich die Frage, weshalb die Beschwerdeführerin dieses im
März 2017 angeblich ausgestellte Dokument nicht zu einem früheren Zeit-
punkt eingereicht habe. Hinzu komme, dass dem Begleitschreiben zu ent-
nehmen sei, dass die Tante der Beschwerdeführerin die Geburt der Be-
schwerdeführerin habe registrieren können und der Beschwerdeführerin
die daraufhin erhaltene Geburtsurkunde per Post geschickt worden sei. In
diesem Zusammenhang sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
während des Asylverfahrens dargelegt habe, keinerlei Kontakte zu Ver-
wandten zu haben. Auch der Beschwerdeschrift sei zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin keine Verwandten in Eritrea habe.
Auch unter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin ursprünglich aus
Eritrea stammen sollte, vermöge der (in keiner Art und Weise belegte) Um-
stand, dass sie angeblich der Pfingstgemeinde angehöre, keine Asylrele-
vanz zu entfalten. Ähnliches gelte hinsichtlich der Furcht der Beschwerde-
führerin, bei einer Rückkehr nach Eritrea in den Militärdienst einberufen
beziehungsweise wegen Desertion bestraft zu werden. Der Vollständigkeit
halber sei erwähnt, dass selbst eine drohende Einberufung in den eritrei-
schen Nationaldienst der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Erit-
rea nicht entgegenstehe.
Vorliegend sei zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus dem Umstand,
dass sie mit dem in der Schweiz als Flüchtling anerkannten eritreischen
Staatsangehörigen G._ (N [...]), Kindsvater ihrer Tochter
H._, in einem Konkubinat zusammenlebe, ein Anwesenheitsrecht
in der Schweiz ableiten könne. Mit Entscheid vom 21. April 2020 sei die am
4. September 2019 geborene Tochter H._ der Beschwerdeführerin
in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters einbezogen worden. Der Einbe-
zug eines Kindes in die Flüchtlingseigenschaft seines (originär) als Flücht-
ling anerkannten Elternteils entspreche gemäss gesetzlicher Konzeption
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von Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG dem Regelfall. Das Bejahen besonderer
Umstände, die einem Einbezug entgegenstünden, sei demgegenüber als
Ausnahmeklausel zu verstehen, für die sich entsprechend eine restriktive
Auslegung rechtfertige. Das Asylgesuch der Beschwerdeführerin sei unter
anderem abgelehnt worden, weil sie im Asylverfahren ihre geltend ge-
machte Herkunft aus Eritrea nicht habe glaubhaft machen können. Durch
die Mitwirkungspflicht habe die Beschwerdeführerin sowohl eine Prüfung
der Drittstaatenklausel wie auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft in
Bezug auf ihren effektiven Heimatstaat verunmöglicht. Die Mitwirkungs-
pflichtverletzung im Asylverfahren habe zur Folge, dass im Verfahren nach
Art. 51 Abs. 1 AsylG die Frage, ob die Beschwerdeführerin ihre familiären
Beziehungen in ihrem Heimatstaat oder in einem Drittstaat leben könne
und damit besondere Umstände einem Einbezug entgegenstünden, nicht
geklärt werden könne. Die Rechtsfolge davon sei die Ablehnung eines sol-
chen Gesuchs wegen Verunmöglichung der Prüfung, ob die Einbezugsvo-
raussetzungen gegeben seien. Aus demselben Grund sei auch Art. 44
AsylG nicht anwendbar. Vor diesem Hintergrund erübrige sich die Prüfung,
ob vorliegend überhaupt eine tatsächlich «schützenswerte» Paarbezie-
hung bestehe. Dennoch sei in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass
die Dauer des Zusammenseins auch unter Berücksichtigung des Um-
stands, dass die Beschwerdeführerin und ihr Partner seit September 2019
Eltern einer Tochter seien, als zu kurz angesehen werden müsse, um ein
gefestigtes Konkubinat darzustellen, welches im Rahmen der Anwendung
von Art. 51 Abs. 1 AsylG einer Ehe gleichgestellt werden könnte. Seien die
Voraussetzungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51 AsylG nicht er-
füllt, könnten auch die Bestimmungen des UNO-Paktes II über bürgerliche
und politische Rechte nicht ergänzend angewendet werden. Ferner setze
auch der Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK voraus, dass das
Familienleben nicht in einem anderen Staat gelebt werden könne. Da die
Beschwerdeführerin unglaubhafte Angaben zu ihrer Biographie gemacht
habe und somit eine Prüfung verunmögliche, ob sie sich mit ihrer Familie
allenfalls in einem anderen Staat niederlassen könnte, komme Art. 8 EMRK
nicht zur Anwendung. Aus demselben Grund könne die Beschwerdeführe-
rin auch kein Anwesenheitsrecht in Bezug auf ihre Tochter, die derivativ
Asyl erhalten habe, ableiten.
3.4 In seiner Replik vom 13. Mai 2022 wies der Rechtsvertreter (erneut)
darauf hin, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um ein traumatisiertes
Opfer handle, was sich in einem vermeidenden Aussageverhalten zeige.
Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin alles unternommen, um ihre erit-
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reische Herkunft zu belegen. Der Vorwurf, dass es sich bei der eingereich-
ten Geburtsurkunde um eine Totalfälschung handle, sei nicht stichhaltig.
Diese sei vom «M._» beglaubigt. Würde es sich tatsächlich um eine
Fälschung handeln, so würde die Geburtsurkunde diesen Stempel nicht
aufweisen. Im Weiteren handle es sich bei der Paarbeziehung zwischen
der Beschwerdeführerin und dem Kindsvater um eine tatsächlich gelebte,
«schützenswerte» Beziehung. Ohnehin tangiere die Wegweisung das
durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben.
4.
4.1 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, sind die Angaben der Be-
schwerdeführerin zu ihrer eritreischen Herkunft auffallend unbestimmt, teils
widersprüchlich und realitätsfremd ausgefallen. So hat die Beschwerdefüh-
rerin abweichend von der Aussage anlässlich der BzP, wonach ihr Vater
Tigre sei und sie nicht wisse, welchem Volk ihre Mutter angehöre (vgl. A9
F 1.17.03), im Rahmen der Anhörung geltend gemacht, ihre Eltern seien
Tigrinya (vgl. A32 F23). Dieser klare Widerspruch kann mit der auf Be-
schwerdeebene wiederholten Behauptung, dass die Beschwerdeführerin
anlässlich der BzP erklärt habe, dass beide Eltern Tigrinya sprechen wür-
den und nicht, dass diese Tigrinya seien, nicht plausibel erklärt werden,
war doch sowohl die Frage nach der Ethnie beider Elternteile als auch die
bejahende Antwort der Beschwerdeführerin unmissverständlich und es er-
geben sich keine Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten zwischen
der dolmetschenden Person und der Beschwerdeführerin (Frage: «Wel-
cher Ethnie gehörten Ihre Eltern an», Antwort: «Mein Vater war Tigre. Ich
weiss nicht welchem Volk meine Mutter angehört»). Auch der weitere Wi-
derspruch, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP als letzten
Wohnort im Heimatstaat I._ angegeben hat (vgl. A9 F2.01) und da-
von abweichend im Rahmen der Anhörung geltend machte, nie in
I._ gelebt zu haben (vgl. A32 F31), konnte in der Beschwerde mit
dem blossen Hinweis darauf, dass ihre Erinnerung an diese Zeit aufgrund
ihres sehr jungen Alters nur auf Erzählungen beruhe, nicht beseitigt wer-
den. Auch ihre Angaben zu den familiären Verhältnissen sind widersprüch-
lich ausgefallen. So gab sie abweichend von der Aussage anlässlich der
BzP, wonach sie nicht wisse, ob ihre Mutter Geschwister gehabt habe (vgl.
A9 F3.01), im Rahmen der Anhörung an, ihre Mutter habe drei Schwestern
und zwei Brüder gehabt, ihr Vater sei ihres Wissens Einzelkind gewesen
(vgl. A32 F15). Im Weiteren war die Beschwerdeführerin nicht in der Lage,
nähere Angaben zu diesen anlässlich der Anhörung erwähnten Verwand-
ten zu machen. Die weitere Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach
es nach dem Tod ihrer Mutter keinen Kontakt mehr mit deren Geschwistern
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mehr gegeben habe, da ihre Mutter aufgrund des noch sehr jungen Alters
ihrer Tochter mit ihr nicht viel über die Familie gesprochen habe, erscheint
realitätsfremd, zumal die Beschwerdeführerin angegeben hatte, dass ihre
Mutter zu Lebzeiten (auch aufgrund der geschilderten schwierigen Lebens-
umstände) regelmässigen Kontakt mit ihren Geschwistern gehabt habe.
Schliesslich fällt auf, dass die Beschwerdeführerin nicht gewusst hat, wo
sich I._ befindet, obwohl ihre Mutter angeblich von dort stammte.
Mit dem Hinweis in der Beschwerde auf den angeschlagenen Gesund-
heitszustand der Beschwerdeführerin (PTBS, Angststörungen) kann das
auffallend unbestimmte, widersprüchliche und realitätsfremde Aussagever-
halten nicht erklärt werden. Zum einen ergeben sich aus den Protokollen
keine konkreten Anhaltspunkte auf eine besondere Belastungssituation der
Beschwerdeführerin, zum anderen beziehen sich die zahlreichen Unge-
reimtheiten in der Schilderung der Beschwerdeführerin – wie die Vorinstanz
in ihrer Vernehmlassung bereits zutreffend festgehalten hat – nicht auf trau-
matische Ereignisse, weshalb diese aus dem in der Beschwerde geltend
gemachten Umstand, dass es bei traumatisierten Opfern zu Erinnerungs-
beeinträchtigungen in Bezug auf traumatische Ereignisse kommen könne,
nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Im Weiteren hat die Beschwerde-
führerin – nachdem sie im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens gel-
tend gemacht hatte, keine Verwandten in Eritrea mehr zu haben bezie-
hungsweise zu kennen – auf Beschwerdeebene eine angeblich von ihrer
Tante beantragte eritreische Geburtsurkunde nachgereicht, welche sich als
mutmassliche Totalfälschung erwiesen hat. Dieses täuschende Verhalten
verstärkt den Eindruck, dass die Beschwerdeführerin ihre wahre Herkunft
zu verschleiern versucht und damit ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise
verletzt hat.
Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, ha-
ben die festgestellten Unglaubhaftigkeitselemente in Bezug auf die angeb-
liche Herkunft und die behauptete Biographie zur Folge, dass auch die da-
mit in Zusammenhang stehenden Vorbringen (nur dreijähriger Schulbe-
such, Obdachlosigkeit nach dem Tod der Mutter) nicht geglaubt werden
können. Diese Einschätzung wird durch die eigenen handschriftlichen No-
tizen, welche die Beschwerdeführerin bei ihrer Einreise in die Schweiz auf
sich getragen habe, bestätigt. Zum einen erweist sich damit die Aussage,
sie sei nur drei Jahre in die Schule gegangen (vgl. A32 F207), als unzutref-
fende Behauptung. Zum anderen erscheint der Schluss des SEM, es
handle sich bei den handschriftlichen Notizen um Stichwortzettel und Ge-
dächtnisstützen, um mit einer erfundenen Geschichte vor den Asylbehör-
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den bestehen zu können, naheliegend und nachvollziehbar, zumal die Er-
klärung der Beschwerdeführerin, wonach es sich um die Geschichte einer
Freundin handle, welche sie auf deren Ersuchen aufgeschrieben habe (vgl.
A32 F206), geradezu lebensfremd erscheint und als offensichtliche Schutz-
behauptung einzustufen ist. Im Weiter erwecken die Fotos auf dem USB-
Stick, in deren Besitz die Beschwerdeführerin bei der Ausreise gewesen
ist, nicht den Eindruck, dass sie, wie geltend gemacht während Jahren in
Obdachlosigkeit und Einsamkeit gelebt hat. Bei dieser Sachlage ist das
SEM in seiner Einschätzung zu bestätigen, dass auch nicht abschliessend
beurteilt werden könne, aus welchen Gründen die Beschwerdeführerin
(sollte sie überhaupt von dort stammen beziehungsweise sich dort aufge-
halten haben) Äthiopien verlassen habe, ist es doch nach ständiger Recht-
sprechung nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens
der Gesuchsteller nach allfälligen Reisemotiven zu forschen, falls diese ih-
rer Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermitt-
lung nicht nachkommen und die Asylbehörden zu täuschen versuchen.
Schliesslich hat das SEM zutreffend darauf hingewiesen, dass aufgrund
der genannten offenkundigen Unglaubhaftigkeitselemente auch erhebliche
Zweifel an den Vorbringen hinsichtlich des Aufenthaltes im Sudan und im
Libanon und zur Reiseroute bestünden, zumal die diesbezüglichen Aussa-
gen der Beschwerdeführerin auffallend realitätsfremd ausgefallen sind.
Schliesslich ist festzuhalten, dass selbst bei Wahrunterstellung der be-
haupteten eritreischen Herkunft (ausgehend von seiner angeblichen
Furcht, bei einer Rückkehr nach Eritrea in den Militärdienst eingezogen zu
werden) gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin weder asylrelevant sind noch die Gefahr
einer völkerrechtswidrigen Behandlung zu begründen vermöchten (vgl. Ur-
teile D-7898/2015 vom 30. Januar 2017, E.4.1 und E.5.1 f. und D-
2311/2016 vom 17. August 2017 [als Referenzurteile publiziert]; BVGE
2018 VI/4 E.6.1 f.). Dies gilt auch für die geltend gemachte (in keiner Art
und Weise belegte) Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Pfingstge-
meinde.
4.2 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und deren Asylgesuch abzulehnen ist.
5.
5.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus dem Umstand,
dass sie mit dem in der Schweiz als Flüchtling anerkannten eritreischen
Staatsangehörigen G._ (N [...]), Kindsvater ihrer Tochter
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H._, in einem Konkubinat zusammenlebt, ein Anwesenheitsrecht in
der Schweiz ableiten kann.
Mit Entscheid vom 21. April 2020 ist die am (...) geborene Tochter
H._ der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Va-
ters einbezogen worden. Der Einbezug eines Kindes in die Flüchtlingsei-
genschaft seines (originär) als Flüchtling anerkannten Elternteils entspre-
che gemäss gesetzlicher Konzeption von Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG dem
Regelfall. Gemäss Art. 51 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Dieses Kriterium
dient gemäss ständiger Praxis insbesondere dem Zweck, Missbräuche zu
verhindern (vgl. Urteil des BVGer E-1683/2013 vom 21. April 2015 E. 6.2.2
m.w.H.). In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wurde in
verschiedenen Konstellationen das Vorliegen von besonderen Umständen
bejaht. So ist ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft namentlich dann
ausgeschlossen, wenn die in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Per-
son ihre Flüchtlingseigenschaft selbst derivativ erworben hat, wenn die
eheliche Gemeinschaft während einer längeren Zeit nicht mehr gelebt be-
ziehungsweise aufgegeben wurde oder wenn die in die Flüchtlingseigen-
schaft einzubeziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt
als die als Flüchtling anerkannte Person und es der Familie an sich zumut-
bar und möglich wäre, statt in der Schweiz auch in diesem anderen Land
zu leben (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Soll der Einbezug in die Flüchtlings-
eigenschaft des Ehepartners aufgrund unterschiedlicher Nationalitäten
verweigert werden, ist – in hypothetischer Weise – zu prüfen, ob sich die
ganze Familie gegebenenfalls im Heimatland des nicht verfolgten Ehepart-
ners niederlassen könnte (vgl. Urteil des BVGer E-1683/2013 E. 6.2.4
m.w.H.). Der Einbezug des Ehegatten in die Flüchtlingseigenschaft stellt
gemäss der gesetzlichen Konzeption von Art. 51 Abs. 1 AsylG den Regel-
fall dar. Das Bejahen besonderer Umstände, die einem Einbezug entge-
genstehen, ist somit als Ausnahmeklausel zu verstehen und entsprechend
restriktiv auszulegen (vgl. Urteil des BVGer D-696/2018 vom 28. Februar
2018 E. 6.2). Die Beweislast für das Vorliegen besonderer Umstände liegt
bei den Asylbehörden, wobei die betroffenen Personen eine Mitwirkungs-
pflicht trifft.
5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Grundsatzurteil (vgl.
BVGE 2020 VI/6) einen weiteren «besonderen Umstand» definiert, welcher
der Gewährung des Familienasyls entgegensteht. Wird das SEM an der
Überprüfung gehindert, ob die um Familienasyl ersuchende Person eine
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weitere Staatsangehörigkeit besitzt als die ihres Familienangehörigen,
dem die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde, so kann dies einen «be-
sonderen Umstand» darstellen. Dies ist der Fall, wenn die asylsuchende
Person ihre Mitwirkungspflichten im Verfahren betreffend Familienasyl
schwer verletzt.
5.3 Vorliegend ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, ihre eritrei-
sche Herkunft glaubhaft zu machen. Eine nähere Überprüfung der Staats-
angehörigkeit der Beschwerdeführerin erweist sich jedoch als unmöglich,
da sie in Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht weder Angaben zu ihrem tat-
sächlichen Herkunftsort noch zu einem allfälligen Aufenthaltsrecht in einem
Drittstaat oder einer anderen Staatsangehörigkeit gemacht hat.
Die Beschwerdeführerin vermochte zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens
Dokumente oder Unterlagen einzureichen, welche ihre Herkunft belegen
könnten. Vielmehr erwies sich die im Original eingereichte Geburtsurkunde
als eine Totalfälschung. Es ist von einer schweren Mitwirkungspflichtsver-
letzung seitens der Beschwerdeführerin auszugehen. Wie obenstehend
dargelegt wurde, ist das Vorliegen von besonderen Umständen grundsätz-
lich durch die Asylbehörde zu beweisen und im Fall der Beweislosigkeit
müsste zulasten der Vorinstanz entschieden werden. Dies führte im vorlie-
genden Fall jedoch dazu, dass die Beschwerdeführerin durch ihre unwah-
ren Angaben und eine schwere Mitwirkungspflichtverletzung die Situation
der Beweislosigkeit herbeiführen und daraus einen Vorteil ziehen könnte.
Damit würde die Beschwerdeführerin gegenüber Personen, die ihre Her-
kunft offenlegen und bei denen eine entsprechende Prüfung durchgeführt
werden müsste, bevorzugt behandelt. Dieses Ergebnis wäre als stossend
zu bezeichnen.
5.4 Nach dem Gesagten ist vorliegend davon auszugehen, dass bei der
Beschwerdeführerin besondere Umstände im Sinne von Art. 51
Abs. 1 AsylG vorliegen, welche einem Einbezug in die Flüchtlingseigen-
schaft ihres Lebenspartners entgegenstehen.
Vor diesem Hintergrund erübrigt sich die Prüfung, ob vorliegend überhaupt
eine tatsächlich «schützenswerte» Paarbeziehung besteht. Das SEM hat
sich in seiner Vernehmlassung hierzu geäussert und das Vorliegen eines
gefestigten Konkubinats verneint. Die Beschwerdeführerin hat jederzeit die
Möglichkeit, ihre tatsächliche Herkunft offenzulegen und in der Folge ein
neues Gesuch um Familienzusammenführung zu stellen. Dieses könnte
von der Vorinstanz dann in Kenntnis aller relevanten Tatsachen geprüft
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Seite 16
werden. Im Übrigen können im vorliegenden Verfahren die Bestimmungen
von Art. 8 EMRK nicht ergänzend angewendet werden, wenn die Voraus-
setzungen des Familienasyls im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt
sind. Die Frage nach einem allfälligen Anspruch auf Regelung des Aufent-
halts von Beschwerdeführenden in der Schweiz als Ehepartner oder Kon-
kubinatspartner hier aufenthaltsberechtigter Personen wäre von der zu-
ständigen kantonalen Migrationsbehörde gestützt auf Art. 44 AIG zu beur-
teilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2002 Nr. 6 E. 5 S. 44 f.). Es bleibt der Beschwer-
deführerin und ihrem Lebenspartner unbenommen, ein solches Gesuch
um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei der zuständigen Behörde
einzureichen. Diese Behörde wäre bei der Prüfung eines entsprechenden
Gesuchs insbesondere an die Bestimmung von Art. 8 EMRK gebunden.
6.
Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein solches
hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1
AsylG). Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung aufgrund seiner so-
wohl im damaligen als auch im jetzigen Zeitpunkt bestehenden Zuständig-
keit die Wegweisung angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Ausführungen ist für den vor-
liegenden Fall festzuhalten, dass es den Asylbehörden nicht möglich ist,
sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Ver-
hältnisse der Beschwerdeführerin zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit des
Vollzugs der Wegweisung zu äussern, da die Beschwerdeführerin keine
rechtsgenüglichen Identitätsdokumente eingereicht und gegenüber den
Asylbehörden unglaubhafte Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen,
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zu ihrer Herkunft und den damit verbundenen Vorbringen gemacht hat. Auf-
grund ihres Aussageverhaltens hat es die Beschwerdeführerin mit der Ver-
letzung der Mitwirkungspflicht der Vorinstanz verunmöglicht, ihren wahren
Herkunftsort festzustellen und hat die Folgen insofern zu tragen, als seitens
der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts
gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort (vgl. BVGE 2014/
12. E. 6; Urteil D-2930/21 vom 5. Mai 2022; Urteil D-932/22 vom 28. April
2022; Urteil E-1472/19/E-1229/21 vom 15. März 2022). Mit der Vorinstanz
ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass die psychischen Be-
schwerden der Beschwerdeführerin (vgl. die unter Sachverhalt C. und G.
genannten eingereichten ärztlichen Berichte) nicht derart sind, dass sie of-
fenkundig einem Wegweisungvollzug entgegenstehen würden. Zudem las-
sen die zahlreichen Fotografien auf dem USB-Stick nicht darauf schlies-
sen, dass die Beschwerdeführerin über kein taugliches Beziehungsnetz
verfügen würde. Aufgrund der bestehenden Aktenlage ist im Weiteren nicht
auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin, wie das SEM bereits in der
angefochtenen Verfügung ausgeführt hat (vgl. S. 5 Ziff. 4), über anderwei-
tige Beziehungen und Geldquellen verfügt. Schliesslich ist vor dem Hinter-
grund der Täuschung der Beschwerdeführerin über ihre Herkunft – weil das
Gericht aktuell nicht davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin tatsäch-
lich wie behauptet aus Eritrea stammt (vgl. E. 5.3.) - unerheblich, dass der
eritreische Kindsvater (originär) und das Kind (derivativ) Asyl haben.
7.3 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin ist schliesslich
möglich, da sich aufgrund der Akten keine Vollzugshindernisse ergeben
(Art. 83 Abs. 2 AuG). Es obliegt der Beschwerdeführerin, bei der Beschaf-
fung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG;
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515).
7.4 Nach dem Gesagten ist der vom SEM verfügte Vollzug der Wegwei-
sung zu bestätigen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da-
her abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
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mit Instruktionsverfügung vom 23. Mai 2018 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen wurde, sind keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen.
9.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 wurde der Be-
schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG zugesprochen und lic. iur. LL.M. Tarig
Hassan, Advokatur Kanonengasse, Zürich, als amtlicher Rechtsvertreter
eingesetzt.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 13. Mai 2020 eine Kosten-
note ein, in dem er einen zeitlichen Aufwand von insgesamt 16.4 Stunden
ausweist. Dies erweist sich indes als zu hoch. Insbesondere der ausgewie-
sene zeitliche Aufwand für die Ausarbeitung der Beschwerde ist (vor dem
Hintergrund der besonders im zweiten Teil der Beschwerde stark textbau-
steinartigen Erwägungen) als zu hoch einzustufen und angemessen zu re-
duzieren. Auch der für die beiden kurzen Eingaben vom 4. Juli 2018 und
11. Juli 2019 ausgewiesene Aufwand erweist sich als leicht zu hoch. Ins-
gesamt ist daher für das vorliegende Verfahren von einem zeitlichen Auf-
wand von 14 Stunden auszugehen. Der Stundenansatz für nicht-anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter ist, wie bereits in der erwähnten Verfügung
vom 23. Mai 2018 dargelegt sowie in anderen Urteilen mit Hinweis auf ein
allfälliges Unterliegen festgehalten, praxisgemäss Fr. 150.– und ist ent-
sprechend anzupassen (vgl. hierzu statt vielen: Urteil BVGer D-1497/2021
vom 3. März 2022, E. 12.2.). Unter Berücksichtigung der massgebenden
Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Rechtsvertreter somit ein
Honorar von gerundet Fr. 2’291.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) aus der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14
Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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