Decision ID: 07a2c76b-e86a-4527-b222-6fb181f1b93f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
war zuletzt seit Januar 1988 als Gerüstmon
teur bei der
Y._
AG angestellt. Am 1
7.
Oktober 2012 kündigte die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Januar 2013 (letzter effektiver Arbeit
s
tag
6.
November
2012; Urk.
6
/16/1 f. und 25). Am
3.
April 2013 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Nacken- und
Rücken
probleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6
/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische
und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten
durch die
Z._
polydisziplinär (All
gemeine Innere Medizin/Psychiatrie/Rheumatologie) begutachten (Expertise vom 27. November
2014;
Urk.
6
/43). Mit
Verfügung vom 2
3.
März
2015 (Urk.
6/6
7, vgl. auch
Urk.
6/76/17-20
) sprach sie dem Versicherten eine vom
1.
November 2013 bis 30. November 2014 befristete ganze Invalidenrente zu. In teilweiser Gutheissung
der vom Versicherten dagegen
am 7.
Mai
2015 erhobenen Beschwerde (
Urk.
6
/76/3-14
) änderte
das hiesige Gericht die Verfügung mit Urteil vom 1
7.
Januar 2017 insofern ab, als dass es feststellte, dass der Versicherte vom 1. November 2013 bis 31. Dezember 2014 Anspruch auf eine ganze Rente hat (Prozess-
Nr. IV.2015.00501,
Urk.
6/89
).
1.2
Am
5.
Januar 2016 meldete der Versicherte der IV-Stelle eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustand
e
s
(Urk.
6/
81
). Die
IV-Stelle tätigte
erneut
medizinische Abklärungen und liess
ihn
insbesondere
am 13. November 2018
durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) untersuchen (
Urk.
6/
129
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/133
und
Urk.
6/136
)
sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vo
m 18.
September 2019 eine vom
1.
Juli 2016 bis
2
8.
Februar 2018 befristete ganze Rente zu (
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
8.
Oktober 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine
zeitlich unbefristete Invalidenrente zuzusprechen. Am
2
5.
November 2019
(Urk.
5
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei ab
zuweisen
, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom
2
7.
November 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts
bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lich
en gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
18. Septem
ber 2019
(Urk. 2) damit, dass
die einjährige Wartefrist im November 2012 be
gonnen habe. Am
6.
Januar 2016 sei das Zusatzgesuch des Beschwerdeführers eingegangen. Von Anfang 2016 bis November 2017 sei er vollumfänglich arbeits
unfähig gewesen, weshalb er vom 1. Juli 2016 bis 28. Februar 2018 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung habe. Seit
dem
2
7.
November 2017 sei ihm eine angepasste Tätigkeit in einem 80
%
-Pensum zumutbar. Der Ein
kommensvergleich ergebe ab diesem Zeitpunkt einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 3
0
%
, ein Leidensabzug sei nicht zu gewähren
(S. 3
-5
).
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die lumbalen Beschwerden seien wieder etwas zurückgegangen und seit dem 27. November 2017 bestehe aus somatischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer leidensangepassten Tätigkeit. Die psychischen Beschwerden hätten sich zunächst verschlechtert und anschliessend wieder leicht gebessert, es bestehe aber aus psychiatrischer Sicht nach wie vor eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit. Von einem im Wesentlichen unveränderten Gesund
heitszustand könne nicht die Rede sein (S. 5-7).
An der Kritik am Bericht des RAD, welcher über keine einschlägigen Fachkenntnisse im Bereiche psychischer Probleme verfüge, werde vollumfänglich festgehalten. Bezüglich der psychischen Störung seien wohl ergänzende Abklärungen erforderlich (S. 7-8).
In einer ange
passten Tätigkeit bestehe noch eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %. Beim Einkommensvergleich sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20
%
zu berücksichtigen.
Daraus resultiere ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
ab
1.
März 2018
(S. 8-
13).
3.
Die vom 1. November 2013 bis 31. Dezember 2014 befristete Rente wurde dem Beschwerdeführer unter anderem gestützt auf das Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Allgemeine Medizin FMH,
Dr.
med.
C._
, Facharzt Psy
chiatrie und Psycho
therapie, und Prof.
Dr.
med.
D._
, Chefarzt im Ruhestand Rheumatologie, von
der
Z._
vom 27. November 2014 (Urk. 8/43) zugesprochen. Die Fachärzte stellten
in ihrer Expertise folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/43/14):
-
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
mit/bei
-
Segmentdegeneration L4/5 rechts mit Diskushernie
-
Verdacht auf
Wurzelclaudicatiosymptomatik
rechts
-
aktuell ohne sensiblem oder motorischem Ausfallssyndrom
-
Chronisches HWS-Syndrom mit/bei
-
degenerativen Veränderungen mit
Diskusprotrusion
auf Höhe HWK4/5
-
aktuell ohne sensomotorischem Ausfallssyndrom
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Depressive Episode, gegenwärtig remittiert
-
Rezidivierende Schwindelattacken unklarer Ursache
-
DD: bei chronischem
Zervikalsyndrom
-
Status nach
Nephrolithiasis
bei rezidivierenden Nierenkoliken 2012
-
Status nach Kniearthroskopie rechts mit
Teilmeniskektomie
medial am 4. Januar 2002
-
aktuell beschwerdefrei
-
Status nach Appendektomie
Ergänzend führten sie aus, dass die vom Beschwerdeführer beklagten Nacken- und Kreuzschmerzen auf ein chronisches Lendenwirbel- beziehungsweise Hals
wirbelsäule-Syndrom zurückzuführen seien. Klinisch lasse sich auf beiden Ebe
nen eine schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit nachweisen, es bestehe eine diffuse
Klopfdolenz
der Wirbelkörper. Neurologische Zeichen eines senso
motorischen Ausfallssyndroms hätten keine gefunden werden können. Die Be
funde seien auf degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule zurückzufüh
ren, diese seien radiologisch nachgewiesen. Die noch im Jahre 2012 und Ende 2013
vorhandene mittelgradig depressive Störung könne zum Gutachtenszeit
punkt nicht
mehr nachgewiesen werden. Der Beschwerdeführer zeige keine rele
vante Störung der Affektivität mehr. Es könne somit keine arbeitsfähigkeitsrele
vante psychia
trische Diagnose mehr gestellt werden. Offenbar sei die bisherige stationäre und ambulante Therapie bezüglich Remission erfolgreich. Passend zur Annahme einer Remission der vorbeschriebenen depressiven Episode sei auch die aktuelle Medi
kation zu sehen, der Beschwerdeführer berichte von einer un
regelmässigen und seltenen Einnahme von
Mirtazapin
, worauf auch der sub
therapeutische Spiegel
hinweise
(Urk. 8/43/15-16).
Seit 2.5 Jahren stehe der Beschwerdeführer einmal pro Monat in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Seit Februar 2014 sei er montags, dienstags und freitags zwischen 9 und 12.30 Uhr in der psychiatrischen Tagesklinik. Dort be
ziehe er bei zwei Ärzten Therapien (Urk. 8/43/33). Gemäss
Dr.
C._
war die Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Begutachtung eher fraglich. Zahlrei
che Beschwerden würden pauschal und nicht
präzisierbar
vorgetragen. In den Schilderungen sei er allgemein betont defizitorientiert, auch sei die Mitwirkung bei der Prüfung von einzelnen Bereichen des psychischen Funktionierens, ins
besondere der Kognition und der
Mnestik
, eingeschränkt. Dies ergebe ein Profil, welches keiner nach ICD-10 diagnostizierbaren psychischen Störungen zuge
ordnet werden könne. Die Ergebnisse der Screening-Validierungstests würden den
Eindruck der fehlenden Validität des Befundes bestätigen. Es bestünden Anhalts
punkte für eine Aggravation und Simulation. Ein detaillierter psycho
patholo
gi
scher Befund könne beim Beschwerdeführer nicht erhoben werden (Urk. 8/43/35 und 37).
In der angestammten Tätigkeit bestehe aufgrund der degenerativen Veränderun
gen der Hals- und der Lendenwirbelsäule, welche sich unter schweren körperli
chen Belastungen verstärken würden, seit dem 7. November 2012 keine Ar
beitsfähigkeit mehr. Für eine leichte körperliche Tätigkeit in Wechselstellung und -haltung, bei der keine Gewichte über 5 kg zu heben und auch keine Über
kopfarbeiten notwendig seien, bestehe hingegen ab dem Zeitpunkt der rheuma
tologischen Untersuchung, mithin seit dem 4. September 2014, eine volle Ar
beitsfähigkeit (Urk. 8/43/16). Der Verlauf der Arbeitsfähigkeit könne nicht an
ders beurteilt werden, als dies die damals behandelnden Ärzte getan hätten. In einer angepassten Tätigkeit habe wegen der Rückenbeschwerden und der mit
telgradig depressiven Episode vom 7. November 2012 bis im April 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. In diese Zeit falle auch die
Hospitalisa
tion
in der
E._
im September 2013 (Urk. 8/43/18).
4.
Die angefochtene Verfügung
vom
1
8.
September 2019
basiert
unter anderem auf fol
genden Berichten:
4.1
Dr.
med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
7.
Mai
2016 zum Behandlungsverlauf, der Beschwerdeführer stehe weiterhin in ihrer fach
ärztlichen psychiatrisch psychotherapeutischen Behandlung mit Konsulta
tio
nen in regelmässigen Abständen von circa 4 Wochen. Die vorbestehende mittel
schwere Depression im Zusammenhang mit schweren psychosozialen Belas
tun
gen (Verlust der Arbeitsstelle, chronische Schmerzen) habe sich seit Februar 2015
nicht wesentlich verbessert. Insgesamt handle es sich aus psychiatrischer Sicht um ein zwar reaktives depressives Geschehen, die chronischen Schmerzen und die sozialen Belastungen seien jedoch erheblich. Es
handle sich wohl
um eine tiefgreifende und anhaltende seelische Belastung, sprich Erkrankung. Wie in früheren Berichten beschrieben, leide er sehr darunter, nicht mehr leistungs- also arbeitsfähig zu sein. Im Weiteren belaste ihn der Umstand, nicht mehr für seine Familie sorgen zu können. Zudem habe er weitere Enttäuschungen und massive Kränkungen in den letzten Jahren seiner Krankheit ertragen müssen, ein daraus folgendes Gefühl der Ohnmacht dürfe als anhaltender Belastungsfaktor ange
se
hen werden. Es könne von einem
chronifizierten
Leiden ausgegangen werden und seit einigen Monaten eine anhaltende depressive Störung diagnostiziert werden. Die Prognose sei leider aufgrund der oben beschriebenen Sachverhalte ungünstig (
Urk.
6/86/5-6).
4.2
Im Verlaufsbericht zu Händen der Beschwerdegegnerin
vom 2
1.
Dezember 2018 (
Urk.
6/128) diagnostizierte
Dr.
F._
aktuell eine leichtgradige depressive
Episode sowie einen Status nach mittelgradiger depressiver Episode
(ICD-10 F32.
0)
. Es sei zu einer leichtgradigen Besserung der depressiven Symptomatik sowie einer
Regredienz
der Angstsymptomatik und phasenweise suizidalen Gedanken gekom
men. In der angestammten Tätigkeit bestehe wegen Einschränkunge
n aufgrund nicht psychiatrischer
Erkrankungen vermutlich keine Arbeitsfähigkeit. In einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aus psychia
trischer Sicht aufgrund der verminderten psychischen Belastbarkeit (Ausdauer, Konzentration, Anpassungsfähigkeit) maximal 50
%
, zudem sei ein wohlwollen
des Arbeitsumfeld und ein stufenweiser Aufbau erforderlich (S. 1). Es finde eine psychiatrisch psychotherapeutische Behandlung mit einer Sitzung pro Monat sowie eine psychopharmakologische Behandlung statt. Aus psychiatrischer Sicht sei im Rahmen der aktuellen Behandlung bereits eine Verbesserung erreicht worden. Ohne Verbesserung der somatischen Situation könne nicht mit einer zu
sätzlichen psychischen Verbesserung gerechnet werden (S. 2). Aus psychiatrischer Sicht sei
die
Belastbarkeit für eine Wiedereingliederung vorhanden, die Motiva
tion des Beschwerdeführers werde als sehr hoch beurteilt (S. 3).
4.3
Der Beschwerdeführer wurde am 1
3.
November
2018 durch den RAD-Arzt
Dr.
A._
orthopädisch untersucht. Dieser
hielt in seinem Bericht vom 8.
Januar 2019 (
Urk.
6/129)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit fest (S. 9):
-
Funktionseinschränkung der Wirbelsäule mit Lumbalgien bei Status nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 rechts mit
Rezessotomie
und
Seque
strektomie
L4/5 (OP 2
8.
Januar 2016), Status nach
Spondylodese
L4/5 (OP 1
0.
Mai 2017)
-
C5-Radikulopathie links bei
For
a
menstenose
C5 links
Zudem führte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 10):
-
Status nach Knie-Arthroskopie rechts mit
Teilmeniskektomie
(2002)
-
Status nach
Leistenhernienoperation
rechts
-
Status nach Appendektomie 2011
-
bekannte Depression mit Nervosität
Dazu hielt er fest,
beim 57-jährigen Beschwerdeführer sei anhand der medi
zinischen Berichterstattung und der Untersuchung vom 1
3.
November 2018 ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beein
trächtige. In seiner bisherigen Tätigkeit als Gerüstmonteur besteh
e
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
7.
November 201
2.
In angepasster Tätigkeit (leichte Tätig
keiten in Wechselbelastung, teils sitzend, teils gehend, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshal
tungen, ohne Steigen von Leitern und Gerüsten, ohne Kauern, Knien, Bücken, Hocken, ohne repet
itive Rotation im Sitzen, ohne Ü
berkopfarbeiten, ohne Tätig
keiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und ohne dauerhaftes Gehen und Stehen auf unebenem Grund, ohne Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung)
sei
seit
dem
2
7.
November
2017
eine
80%
ige
Arbeitsfähigkeit bei
einem 100
%
Pensum gegeben. Die 20
%
ige
Arbeitsunfähigkeit
sei
durch vermehrten Pausenbedarf infolge von Schmerzen bedingt
.
Auf psychiatrischem Fachgebiet
sei
von einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Der Gesundheitszustand
sei
seit
dem
27.
November
2017
unverändert hinsichtlich der Schmerzen sowie der Funktions
fähigkeit der
Wirbelsäule und
der
Beweglichkeit
(Sprechstundenbericht der Uni
versitätsklinik
G._
, Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie
vom 2
7.
November/
6.
Dezember 2017
, Urk. 6/121/1-2
) im Vergleich zu den Befunden anlässlich der RAD-Untersuchung vom 1
3.
November 2018
(S. 10-11)
.
4.4
Auf entsprechende Nachfrage der Kundenberaterin der Beschwerdegegnerin hin ergänzten
Dr.
A._
und
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD am 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
6/140/4-5),
w
egen
Schmerz
exazerbation
an der LWS
sei der Beschwerdeführer vom
9.
bis 16. Oktober 2015 in stat
ionärer Behandlung
gewesen
. Am
4.
Dezember
2015
sei
die Diagnose einer
Diskushernie
L4/5 rechts
erfolgt
. Am 2
8.
Januar
2016
sei er
in diesem Bereich operiert
worden
. Ob die 100%
ige Arbeitsunfähigkeit
in angepasster Tätigkeit ab
dem
9.
Oktober oder ab dem
4.
Dezember
2015
bestanden habe, sei
nicht ein
deutig zu klären. Spätestens ab dem O
perations
-Datum, dem 2
8.
Januar 2
016
, sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeg
licher Tätigkeit auszuge
h
en. Die zweite Operation
habe
wegen starker Beschwerden am 10.
Mai
2017 statt
ge
funden
. Ob zwischen
dem
2
8.
Januar
2016 und 1
0.
Mai
2017 durchgehend eine 100%
ige Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit tatsächlich bestand
en habe
oder ob eine angepasste Tätigkeit in einem Prozentsatz möglich
gewesen sei, könne
rückwirkend nicht sicher bestimmt werden. Glaubhaft
sei eine 100
%
ige Arbeits
unfähigkeit
nach den jeweiligen Operationen von 6 - 8 Monaten.
Eine d
urch
gehende
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
sei
jedoch möglich. Im A
rztbericht der
Universitätsklinik
G._
(Urk. 6/121/1-2)
v
om
8.
Dezember
2017 (Untersu
chung
stag: 2
7.
November
2017)
werde
ein Befund beschrieben, der dem Befund bei der RAD-Untersuchung vom 1
3.
November 2018 entspre
ch
e
. Die
Arbeits
fähigkeit
in angepasster Tätigkeit
sei
n
ach der RAD-Untersuchung auf 80 %
geschätzt
worden
. Bei ähnlichen Befunden
anlässlich
der Untersuchung in
der Universitätsklinik
G._
sei die Arbeitsfähigkeit von 80
%
in einer angepassten Tätigkeit auf den 2
7.
November 2017 datiert worden.
Die Universitätsk
linik
G._
habe
im Bericht vom
8.
November 2
017
(
Urk.
6/118/6-9)
ab 1
6.
Juni
2017 eine 100
%ige Arbeitsfähigkeit f
ür
angepasste Tätigkeiten attestiert. Dies
sei
nicht nachvollziehbar. Eine 100
%
ige Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit ab 1
6.
Juni
2017 (also 5 Wochen nach der
Spondylodese
der LWS)
sei
medizinisch nicht glaubhaft. Die Nachbehandlungsphase nach einer
Spondylodese
(Verstei
fungsoperation) der LWS dauer
e
üblicherweise 6-8 Monate
, vorliegend a
lso bis November 201
7.
Dies pass
e
zum Bericht der Universitätsklinik
G._
vom
8.
Dezember
2017 mit Beginn der
Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit ab
2
7.
November 2017
(
Urk.
6/140/4
)
.
Im
Bericht von
Dr.
F._
vom 2
1.
Dezember
2018
werde
eine leichte de
pres
sive Episode seit 2012 bestätigt. Sie bescheinig
e
Einschränkungen aufgrund nicht psychiatrischer Erkrankungen und bestätig
e
eine 50
%ige Arbeitsunfähigkeit
in angepasster Tätigkeit. Sie erwähn
e
auch
psychosoziale Faktoren. Im Gutachten
der
Z._
vom 2
7.
November
2014
sei
eine depressive Episode ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bescheinigt
worden
. Somit lieg
e
ein unveränderter Befund auf psychiatrischem Gebiet vor. Die Einschätzung der
Z._
vom 2
7.
November
2014
gelte
weiter. Es lieg
e
keine
Arbeitsunfähigkeit
vor.
Bei der Einschätzung von
Dr.
F._
handle
es sich um
eine
diverse Bewertung desselben Sach
stan
des
(
Urk.
6/140/4-5)
.
5.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers bildet die Verfügung vom 2
3.
März 2015 (Urk. 6/67), gestützt auf welche das hiesige Gericht dem Versicherten vom 1. November 2013 bis 31. Dezember 2014 eine ganze Rente zusprach (Prozess-Nr. IV.2015.00501,
Urk.
6/89). Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hat sich seit diesem Zeitpunkt in somatischer Sicht unbestritten und ausgewiesen verschlechtert, womit sein Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin
sicht umfassend («allseitig») zu prüfen ist (vgl. E. 1.3
hievor
).
6
.
6
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
Zusprache
einer vom
1.
Juli 2016 bis 2
8.
Februar 2018 befristeten ganzen Rente auf die Stellungnahme
n
ihre
r
RAD-
Ärzte
Dr.
A._
und
Dr.
H._
vom
8.
Januar und 1
3.
Mai 2019
(E. 4.
3 und E. 4.4
hievor
).
6
.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfme
thoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014
vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxi
s
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) g
e
nügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmäs
sig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte aber kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
6.3
RAD-Arzt Dr.
A._
kam nach persönlicher Untersuchung des Beschwer
deführers in seinen ausführlichen und nachvollziehbaren Stellungnahmen vom
8.
Januar und 1
3.
Mai 2019
(E.
4.3 und 4.4
hievor
)
zum Schluss, dass
dieser
aufgrund seiner Rückenbeschwerden in der angestammten Tätigkeit als Gerüst
monteur seit
7.
November 2012 nicht mehr arbeitsfähig ist
und dass in einer angepassten Tätigkeit spätestens ab 28.
Januar
2016 bis
27. November 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und seither eine 80%ige Arbeitsfähigkeit besteht.
Auf seine schlüssige Feststellung ist abzustellen, was auch zwischen den Parteien unbestritten ist.
6.4
In Bezug auf die psychischen Beschwerden hielt RAD-Ärztin
Dr.
H._
am 13. Mai 2019 fest, auf psychiatrischem Gebiet liege bei Vergleich de
r
Bericht
e
der behandelnden
Dr.
F._
(E. 4.1 und 4.2
hievor
)
mit dem Gutachten der
Z._
(E. 3
hievor
)
ein unveränderter Befund vor.
Dr.
C._
von
der
Z._
stellte
nach seiner Untersuchung vom 1
1.
September
2014
die Diagnose einer gegenwärtig remittierten depressiven Episode, eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestand seiner Ein
schätzung nach nicht.
Dr.
F._
hingegen
berichtete am 1
7.
Mai 2016 von
einer
mittelschweren Depression (E.
4.1
hievor
). Im Verlaufsbericht vom
21.
Deze
m
ber 2018 (E. 4.2
hievor
) hielt sie zwar fest, es sei zu einer leichtgradigen Besserung der depressiven Symptomatik sowie einer
Regredienz
der Angstsymp
tomatik
gekommen. Nach wie vor diagnostizierte sie aber eine leichtgradige depressive Episode und war der Ansicht, dass auch in einer angepassten Tätigkeit aufgrund der verminderten psychischen Belastbarkeit (Ausdauer, Konzentration, Anpassungsfähigkeit) maximal eine 50%ige Arbeitsfähigkeit besteht. Ohne Ver
besserung der somatischen Situation rechnete sie nicht mit einer zusätzlichen psychischen Verbesserung.
Bei dieser Ausgangslage
wäre die
Beschwerdegegnerin
gehalten gewesen, weitere Abklä
rungen zu treffen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine somatische Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen und der Rentenan
spruch des Beschwerdeführers somit umfassend zu prüfen ist. Die Bemerkung, eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes gehe aus den Be
richten der behandelnden Ärztin nicht hervor, vermag daher nicht zu genügen
.
Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass g
emäss der nunmehr geltenden Recht
sprechung auch leichten oder mit
telschweren depressiven Störungen nicht mehr von vorn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden
kann
. Viel
mehr ist anhand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Stand
ard
in
dika
toren das tatsächlich erreich
bare Leistungsvermögen er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Die vor
handenen medizinischen Beurteilungen erwei
sen sich dazu als zu wenig aussage
kräftig.
6.5
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und S
chlüssigkeit bestehen (vgl. E. 6
.2
hievor
).
Dasselbe gilt für die fachfremde und deshalb
dies
bezüglich
nicht
beweiskräftige
Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
A._
zu den psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers
(E. 4.3
hievor
in
fine
)
.
6.6
Auch gestützt auf die Berichte der behandelnden
Dr.
F._
ist es aber nicht möglich, die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Beschwerden an
hand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Auf diese kann zudem insofern nicht ohne Weiteres
abgestellt werden, als dass
ihnen
keine Befunde zu entnehmen sind und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit lediglich rudimentär begründet wurde.
Auch der Beschwerdeführer erachtete diesbezüglich ergänzende Abklärungen als wohl erforderlich (
Urk.
1 S. 8).
6.7
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, in welchem Umfang der Beschwerdefüh
rer arbeitsunfähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte und rechtsgenü
gende Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Angesichts des Ver
zichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der ange
fochtene Entscheid ist deshalb aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung und anschlies
sendem neuen Entscheid über die Leistungsansprüche des Beschwerde
führers an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
7.1
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass dem Beschwerdeführer die befristete ganze Rente bis am 2
8.
Februar 2018 zugesprochen wurde. Im November 2016 wurde
er
55 Jahre alt.
Das Bundesgericht geht in ständiger Recht
sprechung vom Regelfall aus, dass
bei Personen, deren Rente
nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben,
revisionsweise herabgese
tzt oder aufgehoben werden soll
, praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen
sind
, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
an
strengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliede
rung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Ren
tenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestel
lungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medi
zinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten. Die Rechtsprechung, wonach bei der revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zurück
gelegtem 55. Altersjahr grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen
sind, findet auch dann Anwendung, wenn - wie hier - zeitgleich mit der
Renten
zusprache
rückwirkend über deren Befristung befunden wird (Urteil des Bundes
gerichts 8C_648/2019 vom
4.
Juni 2020 E. 4.1 und E. 4.2 mit zahlreichen Hin
weisen).
7.2
Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter de
s
Beschwerdeführer
s
kann diese
r
nicht ohne W
eiteres auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden und es
hätte sich ge
rechtfertigt, vor
der
Rentenaufhebung die Eingliederungsfrage zu prüfen. Dass Eingliederungsmassnahmen nicht möglich oder zumutbar wären, ist den Akten nicht zu entnehmen.
Die behandelnde Psychiaterin des Beschwer
de
führers
beurteilte seine Motivation zur Wiedereingliederung denn auch als sehr hoch (E. 4.2
hievor
).
Eine Rentenaufhebung ohne Durchführung von beruflichen Massnahmen dürfte nur dann nicht zu beanstanden sein, wenn die Ein
gliederung mangels Interesses nicht erfolgsversprechend wäre. Davon ist vorlie
gend aber nicht auszugehen, hat sich doch
der Beschwerdeführer
nie entsprechend ge
äussert. Allein
der Umstand, dass er der Ansicht ist, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem aktuellen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr verwerten zu können (
Urk.
6/136/4),
lässt den Schluss nicht zu, dass eine Eingliederung mangels Inte
resses nicht erfolgs
versprechend wäre. Weiter ist in Fällen, in welchen eine Ren
tenaufhebung absehbar ist, praxisgemäss
ein persönliches Gespräch
mit der ver
sicher
ten Person zu führen, wobei ihr allfällige Wiedereingliederungs
mass
nah
men aufzuzeigen und im Weiteren mit ihr zu planen sind. Mit Blick auf die neuste bundesgericht
liche Rechtsprechung (vgl. vorerwähntes Urteil 8C_494/2018) dürfte ein solches Gespräch auch bei der
Zusprache
einer befristeten Rente erforderlich sein. Die Beschwerdegegnerin hat darauf jedoch bislang ver
zichtet.
Vor diesem Hintergrund ist
sie
dem ihr obliegenden Eingliede
rungsauftrag
bis jetzt
nicht nachgekommen. Dar
aus ergibt sich, dass
eine allfällige Rentenei
n
stellung
so lange nicht gerechtfertigt
wäre
, als die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert
würde
oder
der
Beschwer
deführer sich nach durchgeführ
tem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
geweigert
hätte
, an den angedachten Ein
glied
e
rungsmassnahmen teilzu
nehmen.
8
.
8
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise auf Fr. 900.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'200.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.