Decision ID: d9ade52c-5f5f-477c-bd52-78ef65dca0bb
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 1. November 2020 als Mitarbeiterin im
Service/Verkauf bei der Bäckerei-Konditorei B._ tätig und dadurch bei der
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar) gegen
die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (UV-act. K 1).
A.a.
Am 4. Dezember 2020 meldete die Arbeitgeberin der Mobiliar einen
Nichtberufsunfall vom 30. November 2020, bei dem sich die Versicherte die linke Hand
am Einkaufswagen angeschlagen habe (UV-act. K 1). Aufgrund von Schmerzen am
Kleinfinger bis in den Unterarm links hatte die Versicherte gleichentags Dr. med. C._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, aufgesucht. Diese hatte als Befund zu ihrer
Untersuchung eine kaum objektivierbare Schwellung der Grundphalanx D5 links
festgehalten. Radiologisch sei ein diskreter einseitiger medialer Unterbruch der
Compacta ohne Versatz erkennbar. Die erhobenen Befunde beurteilte sie als "Prellung
Kleinfinger links" (vgl. UV-act. M 10).
A.b.
Am 14. Mai 2021 erhob Dr. med. D._, Orthopädie E._, unter anderem den
Befund eines Beugedefizits im Kleinfingergrundgelenk der Versicherten und
diagnostizierte entsprechend eine Kontraktur der Seitenbänder am
Kleinfingergrundgelenk links nach der Kontusionsverletzung vom 30. November 2020
(UV-act. M 2).
A.c.
Mit Schreiben vom 1. Juni 2021 teilte die Mobiliar der Versicherten mit, dass sie
die medizinischen Akten dem beratenden Arzt zur Beurteilung vorgelegt habe. Dieser
A.d.
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B.
C.
habe festgestellt, dass ab dem 28. Februar 2021 keine Unfallfolgen mehr vorliegen
würden, weshalb sie entsprechend ab diesem Zeitpunkt keine Leistungen mehr
erbringen könne (UV-act. K 10).
Am 7. Juni 2021 teilte die Versicherte der Mobiliar per E-Mail mit, dass sie mit der
Leistungseinstellung ab dem 28. Februar 2021 nicht einverstanden sei (UV-act. K 12).
Die Mobiliar tätigte in der Folge weitere Abklärungen (UV-act. K 14 ff.). Mit Verfügung
vom 22. Juni 2021 hielt sie nach erneuter Prüfung der medizinischen Akten durch den
beratenden Arzt Dr. med. F._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, an der Leistungseinstellung per 28. Februar
2021 fest, da die geklagten Beschwerden (Kontraktur der Seitenbänder) nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem kausalen Zusammenhang zu dem Ereignis
vom 30. November 2020 stehen würden und bezüglich der Kontusion von einem
Behandlungsabschluss per 28. Februar 2021 auszugehen sei (UV-act. K 20).
A.e.
Gegen die Verfügung vom 22. Juni 2021 erhob die Versicherte am 28. Juni 2021
Einsprache (UV-act. K 23).
B.a.
Nach einer Besprechung mit dem beratenden Arzt Dr. med. G._, Facharzt für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Vertrauensarzt
SGV, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM (vgl. UV-act. M 9), wies die Mobiliar
diese Einsprache mit Einspracheentscheid vom 17. August 2021 ab (UV-act. K 26).
B.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, St. Gallen,
mit Eingabe vom 16. September 2021 Beschwerde. Darin beantragte sie dessen
Aufhebung und die Erbringung der zustehenden Leistungen durch die Mobiliar
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) aus dem Unfall vom 30. November 2020.
Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben (act. G 1). Am
10. Januar 2022 reichte die Beschwerdeführerin eine ergänzende
Beschwerdebegründung ein (act. G 9).
C.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Am 10. März 2022 erfolgte eine weitere Beurteilung durch Dr. G._ (UV-act. M
17). Mit Beschwerdeantwort vom 13. April 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin
die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde in Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids (act. G 15).
C.b.
Mit Replik vom 20. Juni 2022 (act. G 19) und Duplik vom 10. August 2022 (act. G
21) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
C.c.
Der Unfallversicherer hat bei Vorliegen eines Unfalls gemäss Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser
in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis
steht (vgl. Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR
832.20]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher Weise
oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich, d.h.
zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E.
3.1 und 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 96 f., U 413/05, E. 4.1 mit Hinweisen;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem
Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in
der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die
vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist
(André Nabold, N 53 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über
die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht,
2018; Irene Hofer, N 65 f. und N 74 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019;
1.1.
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Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f., 58). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit
Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.).
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen bzw. hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht für einen
Gesundheitsschaden einmal anerkannt, so entfällt seine Leistungspflicht erst dann,
wenn der Unfall nicht (mehr) die natürliche oder adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu, wenn entweder der (krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht (vgl. zum Ganzen Urteil
des Bundesgerichts vom 8. Juli 2022, 8C_734/2021, E. 2.2.2 mit Hinweisen; RKUV
1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b mit Hinweisen; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54). Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die
Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer. Dieser Grundsatz gilt aber nur für Verletzungen, welche Gegenstand
der Anerkennung bildeten (Urteil des Bundesgerichts vom 14. März 2019,
8C_855/2018, E. 3.1 mit Hinweis). Auch hat der Unfallversicherer nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen zu erbringen, sondern nur darzutun, dass die unfallbedingten
Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juli 2021, 8C_80/2021, E. 2.2 mit Hinweisen).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
1.3.
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2.
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die
Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und
Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis kann jedoch
nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(BGE 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.). Reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht, mithin die
direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil
des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1).
1.4.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Versicherungsleistungen zu Recht per 28. Februar 2021 eingestellt hat (vgl. UV-act. 20
und 26) oder ob sie für die von der Beschwerdeführerin über den
Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus geklagten Beschwerden im Bereich des linken
Kleinfingers leistungspflichtig ist.
2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat sich bei ihrer Leistungseinstellung per 28. Februar
2021 hauptsächlich auf die Beurteilungen ihrer beratenden Ärzte, namentlich diejenigen
von Dr. G._, gestützt. Dieser hat in seinen Beurteilungen vom 4. August 2021 (UV-
act. M 9) und vom 10. März 2022 (UV-act. M 17) unter anderem das Vorliegen
struktureller Unfallfolgen, namentlich einer Fraktur, verneint.
2.2.
Gemäss Dr. G._ lassen sich den Röntgenaufnahmen vom 30. November 2020
keine Hinweise auf einen diskreten Unterbruch der Compacta entnehmen, auch eine
Frakturlinie sei nicht nachweisbar (UV-act. M 17-7). Diese Einschätzung steht in
2.2.1.
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direktem Widerspruch zur Einschätzung der erstbehandelnden Ärztin Dr. C._, welche
am 30. November 2020 aufgrund der getätigten Röntgenaufnahmen den Befund eines
radiologisch diskreten einseitigen medialen Unterbruchs in der Compacta ohne Versatz
erhoben hatte, der jedoch nur auf dem AP Bild darstellbar sei (vgl. UV-act. M 10). Im
Übrigen ging auch Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, in seiner
Stellungnahme vom 4. November 2021 davon aus, dass eine Fraktur (und nicht eine
Prellung) vorliege, wenn Dr. C._ im Röntgenbild einen Unterbruch der Compacta
festgestellt habe (vgl. UV-act. M 16). Hinzu kommt, dass Dr. G._ selbst bestätigt
hatte, dass der Hergang des Unfallereignisses vom 30. November 2020 bei
entsprechender Krafteinwirkung durchaus geeignet gewesen wäre, eine Fraktur der
Phalanx Dig. V zu verursachen (vgl. UV-act. M 17-8 Ziff. 3). Soweit Dr. G._ in seiner
Beurteilung vom 10. März 2022 eine mögliche Fehldeutung des Unterbruchs in der
Compacta seitens Dr. C._ anspricht (vgl. UV-act. M 17-7), vermag das Gericht
mangels entsprechender medizinischer Fachkenntnisse das Vorliegen einer solchen
nicht zu beurteilen.
Nach Ansicht von Dr. G._ ist sodann aufgrund des CT-Befunds vom 2.
September 2021 (UV-act. M 12) hinsichtlich der Exostose des MCP-Köpfchens von
einem Vorzustand am linken MCP-V-Gelenk auszugehen. Dies werde durch den
radiologischen Befund vom 30. November 2020 (Unfalltag) bestätigt, in welchem sich
an der Gelenkfläche des MCP-Gelenkes Dig. V eine sich nach radial und proximal
ziehende exostosenartige, glatt berandete Aufhellung sowie Hinweise für eine
Heberden- und Bouchard-Arthrose Dig. V zeigen würden (UV-act. M 17-7 f.). Diese
Beurteilung steht im Widerspruch zu der von Dr. D._ am 20. Mai 2021 getätigten
Einschätzung, wonach in der (ihm damals ebenfalls vorliegenden) Röntgendiagnostik
der Beschwerdeführerin keine wesentliche Pathologie zu erkennen gewesen sei (vgl.
UV-act. M 2-1 "Anamnese"). Der Umstand, dass Dr. D._ als Facharzt für
Handchirurgie bei seiner Begutachtung der Röntgenbilder offenbar keine wesentlichen
Pathologien erkannt bzw. angegeben hat und dies, obwohl er eben gerade versucht
hatte, ein fassbares pathologisches Korrelat zu dem zunächst schwierig zu ortenden
Schmerzpunkt zu finden (vgl. UV-act. M 2), lässt Zweifel am Vorliegen der von Dr.
G._ erwähnten exostosenartigen Aufhellung sowie den Hinweisen auf eine Arthrose
in den Röntgenaufnahmen vom 30. November 2020 aufkommen. Dies gilt umso mehr,
als auch Dr. C._ in ihrem Bericht vom 30. November 2020 keine Pathologien erwähnt
hatte (abgesehen von dem von ihr festgestellten Unterbruch in der Compacta; vgl. UV-
act. M 10). Angesichts des Umstands, dass eine Exostose grundsätzlich auch
traumatischen Ursprungs sein kann (vgl. Aussage von Dr. G._, wonach im
2.2.2.
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Zusammenhang mit dem CT-Befund vom 2. September 2021 einer Exostose von
einem Vorzustand "als Folge eines vorbestehenden Ereignisses oder als angeborene
Deformität" auszugehen sei; UV-act. M 17-8), kann vorliegend nicht ausgeschlossen
werden, dass die durch Dr. I._ am 2. September 2021 im CT-Befund festgehaltene
Exostose (vgl. UV-act. M 12) auf das Unfallereignis vom 30. November 2020
zurückgeht. Hinzuzufügen ist schliesslich, dass die CT-Untersuchung vom
2. September 2021 eine unauffällige Darstellung der Gelenksflächen ergeben hat (vgl.
UV-act. M 12), welche überdies gegen die von Dr. G._ erwähnte bzw. angenommene
Arthrose (vgl. oben und UV-act. M 17) spricht.
Als Zwischenfazit kann somit festgehalten werden, dass zumindest geringe
Zweifel an der Einschätzung der radiologischen Befunde durch Dr. G._ bestehen,
wonach sich anlässlich des Unfallereignisses keine Fraktur ereignet habe und von
einem Vorzustand am MCP-V-Gelenk auszugehen sei (vgl. UV-act. M 9 und M 17).
Entsprechend kann auf diese Beurteilung nicht ohne Weiteres abgestellt werden.
2.2.3.
Neben den bildgebenden Befunden bringt Dr. G._ sodann vor, auch der Verlauf
des Schadenfalls spreche gegen einen Kausalzusammenhang zwischen der geklagten
Bewegungseinschränkung und dem Unfallereignis vom 30. November 2020. Die
Beschwerdeführerin habe nach den medizinisch vorliegenden Berichten erst sechs
Monate nach dem Unfallereignis wieder einen Arzt konsultiert. Sie habe dabei ohne
nachvollziehbare medizinische Begründung Schmerzen an allen Langfingergelenken
angegeben. Im Zusammenhang mit einer Monate zurückliegenden Fraktur des
Kleinfingers (welche er verneint hat; vgl. zur eigenen Beurteilung der
Röntgenaufnahmen durch Dr. G._ oben E. 2.2.1) seien diese Beschwerden
medizinisch nicht nachvollziehbar; vor allem unter dem Hinweis, dass zeitnah zum
Ereignis keine Bewegungseinschränkungen bestanden hätten. Aus medizinischer Sicht
würde der Verlauf einer langsam zunehmenden Bewegungseinschränkung erstmals
sechs Monate nach dem Ereignis viel eher für eine Symptomausweisung sprechen (vgl.
UV-act. M 17). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin bestreitet, erstmals sechs Monate nach dem Unfallereignis wieder
einen Arzt konsultiert bzw. Beschwerden gehabt zu haben (vgl. insbesondere act. G
9-5). Bereits am 14. Juni 2021 hatte die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin
bezüglich des Behandlungsablaufs denn auch telefonisch mitgeteilt, dass sie anfangs
Dezember nochmals beim Arzt gewesen sei und wegen Schmerzen im Januar 2021
erneut ihren Hausarzt bzw. dessen Vertretung aufgesucht hätte (vgl. UV-act. K 14).
Zudem geht auch aus dem Bericht von Dr. D._ vom 20. Mai 2021 (UV-act. M 2)
hervor, dass am 4. Dezember 2020 eine Verlaufskontrolle stattgefunden hatte. Die
2.3.
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komplette Krankengeschichte der Beschwerdeführerin wurde bei den behandelnden
Ärzten (insbesondere dem damaligen Hausarzt Dr. med. univ. J._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, welcher seitens der Beschwerdeführerin als behandelnder Arzt
angegeben worden war [vgl. UV-act. K 5] und auch das Arztzeugnis UVG vom 7. Mai
2021 ausgestellt hatte [vgl. UV-act. M 1]) jedoch nie angefordert. Soweit Dr. G._
seine Verneinung einer Unfallkausalität der geklagten Beschwerden auf den Verlauf
derselben (fehlende Beschwerden/Arztkonsultationen während rund sechs Monaten
nach dem Unfallereignis) stützt, beruht seine Einschätzung demnach auf einer
unvollständigen Aktenlage, da sich mindestens zu der Verlaufskontrolle vom 4.
Dezember 2020 sowie der von der Beschwerdeführerin erwähnten hausärztlichen
Konsultation im Januar 2021 keine Unterlagen bei den Akten befinden. Auf die
Begründung von Dr. G._ betreffend Verlauf der Beschwerden kann nach Gesagtem
ebenfalls nicht abgestellt werden. Es wird die komplette Krankengeschichte der
Beschwerdeführerin bei den behandelnden Ärzten und Ärztinnen, insbesondere bei Dr.
J._, anzufordern und anschliessend eine neue Beurteilung vorzunehmen sein.
Schliesslich sind die Beurteilungen von Dr. G._ (UV-act. M 9 und M 17) auch in
Bezug auf die Ursachen der aktuell geklagten Beschwerden unvollständig. Dr. G._
hat sich in seiner Beurteilung vom 4. August 2021 nicht einlässlich mit der
Einschätzung von Dr. D._ auseinandergesetzt, wonach die
Bewegungseinschränkung bzw. die Kontraktion der Seitenbänder auf eine
schmerzreaktive Schonhaltung der Beschwerdeführerin in Folge der Verletzung
zurückzuführen sei (vgl. UV-act. M 4 und M 6-2). Diese Möglichkeit hat Dr. G._
pauschal unter dem Hinweis abgetan, dass Dr. D._ selber von Vermutungen
ausgegangen sei. Dies, obwohl Dr. G._ einen solchen Verlauf grundsätzlich als
möglich (wenn auch nicht überwiegend wahrscheinlich) beurteilt hatte (vgl. UV-act. M
9). In seiner Beurteilung vom 10. März 2022 (UV-act. M 17) hat Dr. G._ sich zu dieser
möglichen Ursache überhaupt nicht mehr geäussert. Auch zu dem
Untersuchungsbericht der Klinik für Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 21. Oktober 2021, in welchem [...] Dr. med.
K._ und [...] Dr. med. L._ eine Vernarbung der Strecksehne mit dem MCP-Gelenk
Dig. V links festgestellt und diese auf die erlittene Kontusion zurückgeführt haben (vgl.
UV-act. M 15), hat sich Dr. G._ in seiner zeitlich später gelagerten Beurteilung vom
10. März 2022 nicht geäussert (vgl. UV-act. M 17).
2.4.
Nach Gesagtem bestehen an der Beurteilung von Dr. G._ insgesamt erhebliche
Zweifel und es kann auf diese entsprechend nicht abgestellt werden.
2.5.
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3.
Zusammengefasst vermögen die Beurteilungen der beratenden Ärzte der
Beschwerdegegnerin das (vollständige) Fehlen bzw. Wegfallen von unfallkausalen
Beschwerden demnach nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu beweisen. Dies
gilt umso mehr, als es sich dabei um blosse Aktenbeurteilungen handelt. Gestützt auf
die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte, welche unterschiedliche
Einschätzungen abgeben, kann ebenfalls nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit beurteilt werden, ob eine unfallkausale oder eine
unfallfremde Genese hinsichtlich der Bewegungseinschränkungen an der linken Hand
vorliegt. Die Beschwerdegegnerin wäre gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz (Art.
43 Abs. 1 ATSG) zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen hinsichtlich der
Unfallkausalität verpflichtet gewesen. Solche wird sie nachzuholen haben,
insbesondere wird sie eine Aufdatierung der Aktenlage, namentlich unter Einholung der
kompletten Krankengeschichte der Beschwerdeführerin bei Dr. J._, vornehmen und
anschliessend eine externe fachmedizinische Beurteilung bezüglich der Frage des
Vorliegens einer Fraktur sowie der Unfallkausalität des geklagten Bewegungsdefizits in
die Wege leiten müssen. Da bislang noch kein Administrativgutachten erstattet wurde,
In Bezug auf die Beurteilungen von Dr. F._ vom 25. Mai 2021 (UV-act. M 3) und
vom 20. Juni 2021 (UV-act. M 7) ist festzuhalten, dass er seine Einschätzung der
fehlenden Unfallkausalität nicht weiter begründet hat. Er hat lediglich pauschal
ausgeführt, dass eine Prellung des Grundgelenks ohne weitere Verletzungen nicht zu
einer Verkürzung der Seitenbänder führen könne (vgl. UV-act. M 7). Wie vorstehend
jedoch dargelegt, kann aufgrund der unklaren medizinischen Aktenlage das Vorliegen
einer Fraktur nicht ausgeschlossen werden (vgl. oben E. 2.2.1 ff.). Auch auf die von Dr.
D._ festgehaltene schmerzreaktive Schonung der Seitenbänder (vgl. UV-act. M 2 und
M 6; welche zumindest einen zusätzlichen Faktor zur Prellung darstellen würde) ging
Dr. F._ nicht ein (vgl. UV-act. M 7). Da die Vernarbung der Strecksehne durch das
KSSG erst in der Untersuchung vom 21. Oktober 2021 festgestellt wurde (UV-act. M
15), konnte Dr. F._ diesen Befund bzw. die Beurteilung der Unfallkausalität durch die
Ärzte des KSSG sodann in seinen zeitlich vorgelagerten Beurteilungen vom 25. Mai
2021 und 20. Juni 2021 nicht berücksichtigen bzw. sich dazu äussern. Auch die
Beurteilungen von Dr. F._ sind nach Gesagtem als unvollständig anzusehen.
Aufgrund der sich widersprechenden Einschätzungen der Unfallkausalität durch die
behandelnden medizinischen Fachpersonen bestehen an den Beurteilungen von Dr.
F._ vom 25. Mai 2021 (UV-act. M 3) und vom 20. Juni 2021 (UV-act. M 7) somit
zumindest geringe Zweifel, weshalb auf diese ebenfalls nicht abgestellt werden kann.
2.6.
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besteht kein Anlass für das von der Beschwerdeführerin eventualiter beantragte
Gerichtsgutachten.
4.