Decision ID: 16aa1ede-f01d-593b-b7be-fa4b3bf7f470
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Am 28. Mai 2015 reichte die Engadin St. Moritz Mountains AG beim Bun-
desamt für Verkehr (BAV) ein Konzessions- und Plangenehmigungs-
gesuch für den Bau und Betrieb einer 10er-Kabinenbahn von St. Moritz
Bad nach Signal ein. Die Kabinenbahn soll als Ersatzanlage für die beste-
hende Pendelbahn aus dem Jahr 1972 dienen. Die Linienführung bleibt
unverändert. Die beiden Stationsgebäude werden ebenfalls ersetzt, wobei
in der neuen Talstation eine zusätzliche Mantelnutzung geplant ist. Die Ge-
samtkosten des Projekts belaufen sich auf geschätzte 35 Mio. Franken.
Vom Plangenehmigungsgesuch der Engadin St. Moritz Mountains AG
nicht erfasst wird die sog. "Arealüberbauung Signal", welche neben der
Talstation eine neue Gesamtüberbauung mit Tiefgarage, Hotel, Läden und
Wohnungen vorsieht.
B.
Nach erfolgter Vorprüfung des Konzessions- und Plangenehmigungsge-
suchs leitete das BAV am 5. Juni 2015 das ordentliche Plangenehmigungs-
verfahren ein. Vom 12. Juni bis 14. Juli 2015 lag das Gesuch bei der Ge-
meinde St. Moritz öffentlich auf. Während der öffentlichen Planauflage gin-
gen mehrere Einsprachen ein. Zu den Einsprechenden zählten unter an-
derem die im Rubrum aufgeführten Beschwerdeführenden. Die Beschwer-
deführerin 1 ist Eigentümerin der Parzelle Gbbl. Nr. (...) in St. Moritz, wobei
die Linienführung der Seilbahn in ca. 15 m Entfernung von der Grund-
stücksgrenze verläuft. Die Beschwerdeführenden 2 und 3 sind Eigentümer
von Stockwerkeinheiten bzw. die Stockwerkeigentümergemeinschaften
der Parzellen Gbbl. Nrn. (...) und (...) in St. Moritz. Die Linienführung der
Seilbahn inkl. Schwenkbereich überspannt diese Parzellen.
C.
Mit Verfügung vom 28. Mai 2018 erteilte das BAV der Engadin St. Moritz
Mountains AG die Konzession Nr. 3966 für den Bau und den Betrieb einer
10er-Kabinenbahn von St. Moritz Bad nach Signal zur regelmässigen ge-
werbsmässigen Personenbeförderung. Die Konzession wurde für eine
Dauer von 40 Jahren erteilt. Die konzessionierte stündliche Förderleistung
beträgt 2'400 Personen (Dispositiv Ziff. 1). Das Plangenehmigungsgesuch
für den Bau und Betrieb der Kabinenbahn St. Moritz Bad-Signal, Bahn-
Nr. 72.156, wurde mit Auflagen und Ausnahmebewilligungen genehmigt
(Dispositiv Ziff. 2 - 4). Das BAV hiess sodann die gegen das Projekt erho-
benen Einsprachen teilweise gut. Im Übrigen wies es die Einsprachen ab,
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 4
soweit es darauf eintrat und sie nicht als gegenstandslos abschrieb (Dis-
positiv Ziff. 6).
D.
Mit Eingabe vom 7. Mai 2018 erhebt die Beschwerdeführerin 1
Beschwerde gegen die Verfügung des BAV vom 28. März 2018 mit folgen-
den Rechtsbegehren (Verfahren A-2700/2018):
"1. Der angefochtene Entscheid des Bundesamtes für Verkehr BAV vom
28. März 2018 sei aufzuheben.
2. a) Das Gesuch sei abzuweisen, und dem geplanten Bau der Kabinen-
bahn St. Moritz Bad - Signal (Bahn Nr. 72.156) seien die Bewilligung
sowie die Konzessionserteilung zu verweigern, soweit auf das Ge-
such überhaupt eingetreten werden kann.
b) Es sei das Enteignungsrecht für den geplanten Bau der Kabinenbahn
St. Moritz Bad - Signal nicht zu erteilen.
3. Eventualiter sei das Gesuch zurückzuweisen, und die öffentliche Planauf-
lage für den Bau der Kabinenbahn St. Moritz Bad – Signal zu wiederholen,
sofern und sobald die notwendigen Anpassungen der Raumplanung
rechtskräftig erfolgt sind.
4. Subeventualiter im Falle der Plangenehmigung und Erteilung des Enteig-
nungsrechts sei die Beschwerdeführerin für deren zu erwartende Beein-
trächtigung ihrer Liegenschaft respektive deren Entwertung (durch Lärm,
Störung der Privatsphäre, etc.) durch die Beschwerdegegnerin mit einem
Betrag von CHF 2 Millionen, subsubeventualiter mit einem Betrag nach
richterlichem Ermessen, zu entschädigen."
In ihrer Begründung bringt die Beschwerdeführerin 1 formelle, konzessi-
ons-, umwelt-, planungs-, bau- sowie enteignungsrechtliche Rügen vor. In
der Hauptsache macht sie geltend, es sei nur eine Modernisierung der be-
stehenden Pendelbahn bewilligungsfähig.
E.
Mit Eingaben vom 8. Mai 2018 lassen die Beschwerdeführenden 2 (Ver-
fahren A-2735/2018) und die Beschwerdeführenden 3 (Verfahren
A-2739/2018) inhaltlich identische Beschwerden gegen die Verfügung des
BAV vom 28. März 2018 beim Bundesverwaltungsgericht einreichen. Die
Beschwerdeführenden 2 und 3 stellen die folgenden Rechtsbegehren:
"1. Der Entscheid vom 28. März 2018 sei aufzuheben.
2. Konzession und Plangenehmigung seien zu verweigern.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 5
3. Es sei der Engadin St. Moritz Mountains AG das Enteignungsrecht für das
Projekt zu verweigern."
Die vorgebrachten Rügen stimmen im Wesentlichen mit denjenigen der
Beschwerdeführerin 1 überein. In der Hauptsache machen sie geltend, die
bestehende Pendelbahn sei nicht durch eine Kabinenbahn, sondern nur
durch eine neue Pendelbahn oder durch eine 3S-Bahn zu ersetzen.
F.
Die Engadin St. Moritz Mountains AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2018, die Beschwerden
seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
G.
In der Vernehmlassung vom 2. Juli 2018 schliesst das BAV (nachfolgend:
Vorinstanz) auf Abweisung der Beschwerden, soweit darauf einzutreten
sei.
H.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), das Bundesamt für Raument-
wicklung (ARE) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) reichen am 6., 13.
und 27. August 2018 je einen Fachbericht ein. Das Bundesamt für Zivilluft-
fahrt (BAZL) verzichtet mit Eingabe vom 13. August 2018 auf die Einrei-
chung eines Fachberichts.
I.
Die Beschwerdeführenden halten in der Replik vom 27. September und
28. November 2018 an ihren Rechtsbegehren fest.
J.
In der Duplik vom 30. Januar 2019 nimmt die Vorinstanz zu einzelnen strit-
tigen Punkten Stellung.
K.
Mit Duplik vom 31. Januar 2019 reicht die Beschwerdegegnerin ergän-
zende Akten ein. Sie bleibt bei ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwer-
den, soweit darauf einzutreten sei.
L.
Auf Aufforderung der Instruktionsrichterin hin reicht die Beschwerde-
gegnerin am 27. Februar 2019 weitere Akten ein.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 6
M.
Die Beschwerdeführenden nehmen am 6. und 16. Mai 2019 abschliessend
zum Verfahren Stellung. Die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz ver-
zichten mit Eingaben vom 22. und 23. Mai 2019 auf die Einreichung von
Schlussbemerkungen.
N.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Schriftstücke wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Aus prozessökonomischen Gründen können einzelne, rechtlich oder
sachlich zusammenhängende Verfahren vereinigt werden (MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl. 2013, Rz. 3.17 mit Hinweisen).
Den Verfahren A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018 liegen das-
selbe Anfechtungsobjekt zugrunde und sie hängen inhaltlich eng zusam-
men. Es rechtfertigt sich daher aus prozessökonomischen Gründen, die
drei Verfahren unter der erstgenannten Verfahrensnummer zu vereinigen.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist und eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG
entschieden hat.
Bei der angefochtenen Konzession und Plangenehmigung vom 28. März
2018 handelt es sich um eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG, die
von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG erlassen wurde. Da
keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung der Beschwerden zuständig. Das Verfahren vor
dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 7
1.3
1.3.1 Die Beschwerdegegnerin und auch die Vorinstanz stellen die Be-
schwerdelegitimation der Beschwerdeführenden insoweit in Frage, als de-
ren Beschwerden sich auch gegen die Talstation richten. Aufgrund der
räumlichen Nähe sei die Beschwerdelegitimation nur hinsichtlich der Seil-
bahn selbst gegeben.
1.3.2 Die Beschwerdeführenden halten daran fest, dass sie auch hinsicht-
lich der Talstation zur Beschwerde legitimiert seien.
1.3.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer am
Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen hat, durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung oder Änderung besitzt.
Für die Beschwerdelegitimation nach Art. 48 Abs. 1 VwVG wird u.a. ver-
langt, dass die beschwerdeführende Person über eine besondere Bezie-
hungsnähe zur Streitsache verfügt. Als wichtiges Kriterium für die Beurtei-
lung der besonderen Betroffenheit dient in der Praxis die räumliche Distanz
zum umstrittenen Bauvorhaben. Das Bundesgericht hat in seiner Recht-
sprechung die Beschwerdebefugnis Dritter, die in einer Distanz bis zu
100 m von einem Bauvorhaben wohnen, regelmässig bejaht. Es handelt
sich bei dieser Entfernung jedoch nicht um einen starren, verbindlichen
Wert. Vielmehr sind Dritte grundsätzlich immer dann zur Beschwerde be-
rechtigt, wenn sie mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit durch Im-
missionen (Lärm, Staub, Erschütterungen, Licht oder andere Einwirkun-
gen), welche der Bau oder Betrieb einer geplanten Anlage hervorruft, be-
troffen sind (vgl. BGE 140 II 214 E. 2.3; Urteil des BGer 1C_263/2017 vom
8. November 2017 E. 2.2; Urteil des BVGer A-1251/2012 vom 15. Januar
2014 E. 1.2; WIEDERKEHR/EGGENSCHWILER, Die allgemeine Beschwerde-
befugnis Dritter, 2018, Rz. 27). Es ist – insbesondere bei grossen Anlagen
– möglich, dass die Beschwerdeführenden nur für bestimmte, ihnen zuge-
wandte Anlagenteile über eine genügende Beziehungsnähe verfügen. In
diesem Fall darf und muss das Gericht seine Prüfung auf diese Anlagen-
teile beschränken. Allerdings darf die Legitimation nicht so eng gefasst wer-
den, dass dadurch die Beurteilung funktional zusammenhängender Teile
einer Anlage auseinandergerissen wird (vgl. BGE 140 II 214 E. 2.1;
ISABELLE HÄNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG,
2. Aufl. 2019, Art. 48 Rz. 14 [nachfolgend: VwVG Kommentar]).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 8
Liegt eine besondere Beziehungsnähe vor, braucht das Anfechtungsinte-
resse nicht mit dem Interesse übereinzustimmen, das durch die von den
Beschwerdeführenden als verletzt bezeichneten Normen geschützt wird.
Insbesondere können Nachbarn die Überprüfung eines Bauvorhabens im
Lichte all jener Rechtssätze verlangen, die sich rechtlich oder tatsächlich
in dem Sinne auf ihre Stellung auswirken, dass ihnen im Falle des Obsie-
gens ein praktischer Nutzen entsteht. Nicht zulässig ist hingegen das Vor-
bringen von Beschwerdegründen, mit denen einzig ein allgemeines öffent-
liches Interesse an der richtigen Anwendung des Rechts verfolgt wird, ohne
dass den Beschwerdeführenden im Falle des Obsiegens ein Vorteil ent-
steht (vgl. BGE 141 II 50 E. 2.1, 137 II 30 E. 2.2.3; Urteil des BGer
1C_115/2019 vom 11. Dezember 2019 E. 2.1; MARANTELLI/HUBER, in:
Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016,
Art. 48 Rz. 5 [nachfolgend: Praxiskommentar]; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, a.a.O., Rz. 2.78a).
Reichen mehrere Personen gemeinsam eine Beschwerde ein, braucht die
besondere Nähe zur Streitsache praxisgemäss nicht bei allen Personen
gegeben zu sein (Urteil des BVGer A-1251/2012 vom 15. Januar 2014
E. 1.3.1 mit Hinweisen).
1.3.4 Die Beschwerdeführenden haben als Einsprecher am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen und sind mit ihren Rechtsbegehren nicht
vollständig durchgedrungen. Die Beschwerdeführerin 1 ist Eigentümerin
der Parzelle Gbbl. Nr. (...) in St. Moritz, wobei die Linienführung der Seil-
bahn in ca. 15 m Entfernung von der Grundstücksgrenze verläuft. Die Be-
schwerdeführenden 2 und 3 sind Eigentümer von Stockwerkeinheiten bzw.
die Stockwerkeigentümergemeinschaften der Parzellen Gbbl. Nrn. (...) und
(...) in St. Moritz. Die Linienführung der Seilbahn inkl. Schwenkbereich
überspannt diese Parzellen. Die Grundstücke der Beschwerdeführenden 2
und 3 werden hinsichtlich der Durchleitungs- und Überleitungsdienstbar-
keiten teilweise enteignet. Als Eigentümer von Grundstücken, die sich un-
mittelbar neben oder unter der Seilbahn befinden, sind die Beschwerde-
führenden in besonderem Mass von der Streitsache betroffen. Hinsichtlich
der Bahnanlage sind sie aufgrund der räumlichen Nähe zur Beschwerde
legitimiert.
Laut Vorinstanz ist die Talstation ca. 600 m von der Liegenschaft der Be-
schwerdeführerin 1 entfernt. Bei den Liegenschaften der Beschwerdefüh-
renden 2 und 3 beträgt die räumliche Distanz zur Talstation ca. 250 m resp.
225 m. Soweit die Beschwerdegegnerin und teilweise auch die Vorinstanz
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 9
aus diesem Grund die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführenden
hinsichtlich der Talstation in Abrede stellen, ist ihnen in dieser Absolutheit
nicht zu folgen. Liessen namentlich die raumplanerischen oder die umwelt-
rechtlichen Bestimmungen die Errichtung der neuen Talstation nicht zu, wie
dies die Beschwerdeführenden geltend machen, wäre die geplante Seil-
bahn allenfalls nicht oder nur mit einer geänderten Linienführung realisier-
bar. Den Beschwerdeführenden würde demzufolge ein praktischer Nutzen
entstehen, sollten ihre Beschwerden hinsichtlich der Talstation gutgeheis-
sen werden. Sie sind somit auch in Bezug auf die Talstation mit all jenen
Rügen zum Verfahren zuzulassen, die sich rechtlich oder tatsächlich auf
ihre Stellung auswirken.
Soweit die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführenden im Sinne
der dargelegten Rechtsprechung überhaupt noch zweifelhaft erscheint,
braucht diese indes auch nicht abschliessend geklärt zu werden, da die
Beschwerden – wie zu sehen sein wird – vorliegend ohnehin abzuweisen
sind.
1.4
1.4.1 Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
ist das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung
bildet oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen, soweit es
im Streit liegt. Fragen, über welche die erstinstanzlich verfügende Behörde
nicht entschieden hat, darf die zweite Instanz nicht beurteilen; sonst würde
in die funktionelle Zuständigkeit der ersten Instanz eingegriffen. Wird ein
Nichteintretensentscheid angefochten und hat sich die Vorinstanz auch
nicht in einer Eventualbegründung mit der materiellen Seite des Falls be-
fasst, so prüft das Bundesverwaltungsgericht nur die Rechtsfrage, ob die
Vorinstanz die Eintretensvoraussetzungen zu Recht verneinte (statt vieler:
Urteil des BVGer A-4929/2017 vom 31. Januar 2018 E. 1.2.4; MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.8, 2.164 und 2.213; je mit Hinweisen).
1.4.2 Wie bereits in ihrer Einsprache macht die Beschwerdeführerin 1 in
der Beschwerde subeventualiter ein enteignungsrechtliches Entschädi-
gungsbegehren für den Minderwert ihrer Liegenschaft geltend. Die Vor-
instanz ist auf die Einsprache in diesem Punkt nicht eingetreten. Sollte die
Beschwerdeführerin 1 mit dem Subeventualbegehren der Beschwerde
zum Ausdruck bringen, dass sie eine materielle Beurteilung der Entschädi-
gungsforderung durch das Bundesverwaltungsgericht wünscht, kann dem
Anliegen nach dem vorgehend Ausgeführten nicht entsprochen werden.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 10
Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren kann lediglich die
Frage bilden, ob die Vorinstanz auf die Entschädigungsforderung der Be-
schwerdeführerin 1 zu Recht nicht eingetreten ist. Soweit das Subeventu-
albegehren der Beschwerde darüber hinausgeht, ist darauf nicht einzutre-
ten.
1.5
1.5.1 Nach der Rechtsprechung ist eine Verfügung ausnahmsweise nich-
tig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer und offensichtlich
oder zumindest leicht erkennbar ist und die Rechtssicherheit durch die An-
nahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgründe
fallen namentlich schwerwiegende Verfahrensfehler in Betracht. Die Nich-
tigkeit ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes
wegen zu beachten. Auf eine gegen einen nichtigen Entscheid oder nich-
tige Teile eines Entscheids erhobene Beschwerde ist mangels tauglichen
Anfechtungsobjektes nicht einzutreten. Gegebenenfalls ist die Nichtigkeit
der Verfügung im Dispositiv festzustellen (vgl. statt vieler BGE 139 II 243
E. 11.2, 137 I 273 E. 3.1; Urteil des BVGer A-4273/2017 vom 31. Mai 2018
E. 2.1; MARKUS MÜLLER, Kommentar VwVG, Art. 5 Rz. 25 f.; je mit Hinwei-
sen).
1.5.2 In der Replik bringen die Beschwerdeführenden 2 und 3 vor, die Ge-
suchsunterlagen der Beschwerdegegnerin und die öffentliche Planauflage
seien derart ungenügend, dass die angefochtene Verfügung als nichtig zu
betrachten sei. Wie nachfolgend im Einzelnen aufzuzeigen sein wird, liegt
weder hinsichtlich der gerügten Gesuchsunterlagen noch der öffentlichen
Planauflage ein besonders schwerer Verfahrensmangel vor, der zudem of-
fensichtlich oder zumindest leicht erkennbar wäre (vgl. nachstehend
E. 10 ff.). Für das Begehren der Beschwerdeführenden 2 und 3, die ange-
fochtene Verfügung sei als nichtig zu erklären, besteht daher kein Grund.
1.6 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobenen Beschwerden
(Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach grundsätzlich einzutreten.
Kognition
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 11
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt sich allerdings eine ge-
wisse Zurückhaltung, wenn technische Fragen zu beurteilen sind oder die
Vorinstanz gestützt auf eigene besondere Fachkompetenz oder die ihr vom
Gesetzgeber beigegebenen Fachbehörden entschieden hat. Dies setzt vo-
raus, dass im konkreten Fall der Sachverhalt vollständig und richtig abge-
klärt worden ist und die Vorinstanz die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und um-
fassend vorgenommen hat (vgl. BGE 142 II 451 E. 4.5.1; BVGE 2016/13
E. 2; Urteil des BVGer A-702/2017 vom 26. März 2019 E. 2.1; MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.149 ff.; je mit Hinweisen).
Rechtsgrundlagen
3.
3.1 Das Seilbahngesetz bezweckt, dass Seilbahnen für Menschen sicher,
umweltverträglich, raumplanungskonform und wettbewerbsfähig gebaut
und betrieben werden (Art. 1 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 23. Juni
2006 über Seilbahnen zur Personenbeförderung [Seilbahngesetz, SebG,
SR 743.01]).
Wer eine Seilbahn bauen oder betreiben will, die für die regelmässige und
gewerbsmässige Personenbeförderung bestimmt ist und für die eine Bun-
deskonzession notwendig ist, benötigt eine Plangenehmigung und eine
Betriebsbewilligung der Vorinstanz (Art. 3 Abs. 1 SebG, vgl. auch Art. 1
Abs. 2 und Art. 6 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 20. März 2009 über die
Personenbeförderung [Personenbeförderungsgesetz, PBG, SR 745.1]).
Mit der Plangenehmigung wird das Recht erteilt, eine Seilbahn zu bauen.
Mit ihr werden sämtliche für den Bau erforderlichen Bewilligungen erteilt.
Dabei ist das kantonale Recht zu berücksichtigen, soweit es die Seilbahn-
unternehmung in der Erfüllung von Aufgaben nicht unverhältnismässig ein-
schränkt (Art. 9 Abs. 1 SebG). Gleichzeitig mit der Plangenehmigung wird
die entsprechende Personenbeförderungskonzession nach den Bestim-
mungen des PBG erteilt (Art. 9 Abs. 2 SebG; vgl. BVGE 2013/31 E. 3.1).
Die Plangenehmigung wird nach Art. 9 Abs. 3 SebG erteilt, wenn die grund-
legenden Anforderungen sowie die übrigen massgebenden Vorschriften er-
füllt sind (Bst. a), keine wesentlichen öffentlichen Interessen, namentlich
der Raumplanung, des Natur- und Heimatschutzes oder des Umweltschut-
zes, entgegenstehen (Bst. b) und die Voraussetzungen zur Erteilung der
Personenbeförderungskonzession erfüllt sind (Bst. c). Die Bedürfnisse der
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 12
Menschen mit Behinderungen sind im Sinne des Behindertengleichstel-
lungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 (BehiG, SR 151.3) zu berücksich-
tigen (Art. 9 Abs. 3 SebG). Wer eine Seilbahn bauen oder betreiben will,
dem steht sodann das Enteignungsrecht gemäss der Bundesgesetzge-
bung zu, sofern die Anlage der Nutzungsplanung entspricht (Art. 7 Abs. 1
SebG). Die Erstellung und Änderung von Bauten und Anlagen, die nicht
überwiegend dem Bahnbetrieb der Seilbahn dienen (Nebenanlagen), un-
terstehen hingegen den allgemeinen raumplanungs-, bau- und umwelt-
rechtlichen Vorschriften von Bund und Kantonen (Art. 10 SebG).
Die gesetzlichen Vorgaben werden in der Verordnung vom 21. Dezember
2006 über Seilbahnen zur Personenbeförderung (Seilbahnverordnung,
SebV, SR 743.011) sowie in der "Richtlinie 1: Plangenehmigung und Kon-
zession" der Vorinstanz vom Januar 2018 näher konkretisiert (nachfolgend:
Richtlinie 1). Die Richtlinie ersetzt das Merkblatt 1 der Vorinstanz vom
1. Dezember 2008 (nachfolgend: Merkblatt 1). Um eine einheitliche Voll-
zugspraxis zu fördern, hat das BAFU zusammen mit der Vorinstanz zudem
die Vollzugshilfe "Umwelt und Raumplanung bei Seilbahnvorhaben" von
2013 ausgearbeitet (nachfolgend: Vollzugshilfe Seilbahnen 2013).
3.2 Das Plangenehmigungsgesuch ist mit den erforderlichen Unterlagen
bei der Vorinstanz einzureichen (vgl. Art. 11 Abs. 1 SebG und Art. 11 Abs. 1
SebV). Die Gesuchsunterlagen nach Art. 11 Abs. 1 SebV müssen es der
Behörde ermöglichen zu beurteilen, ob die Vorschriften eingehalten und
die Bewilligungs- bzw. Konzessionsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 11
Abs. 2 SebV). Die Vorinstanz prüft die Unterlagen auf ihre Vollständigkeit
und verlangt allenfalls Ergänzungen (Art. 11 Abs. 2 SebG, Art. 11 Abs. 5
SebV). Sie kann auf einzelne Unterlagen verzichten, wenn diese aufgrund
der Bahnart oder der Umstände des Einzelfalls nicht erforderlich sind
(Art. 11 Abs. 3 SebV).
Beweisanträge
4.
4.1 Im Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht beantragen die Beschwer-
deführenden, es seien Expertisen zu den hier strittigen Fragen einzuholen,
die Beschwerdegegnerin habe weitere Unterlagen u.a. zur Wirtschaftlich-
keit der Seilbahn einzureichen und bei der Vorinstanz seien die Konzessi-
ons- und Plangenehmigungsunterlagen von anderen vergleichbaren Seil-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 13
bahnen zu edieren. Ferner sei ein Augenschein durchzuführen und die Be-
schwerdegegnerin anzuweisen, das Projekt erneut auszustecken und Pro-
file zu erstellen.
4.2 Im Verwaltungsprozess gilt der Untersuchungsgrundsatz; das Bundes-
verwaltungsgericht ermittelt den Sachverhalt von Amtes wegen (Art. 12
VwVG), wobei den Parteien unter Umständen Mitwirkungspflichten oblie-
gen (Art. 13 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht nimmt die ihm ange-
botenen Beweise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhaltes tauglich
erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Es kann von einem beantragten Be-
weismittel dann absehen, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden
soll, wenn zum Voraus gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine we-
sentlichen Erkenntnisse zu vermitteln vermag oder wenn die verfügende
Behörde den Sachverhalt auf Grund eigener Sachkunde ausreichend wür-
digen kann (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3,
134 I 140 E. 5.3; statt vieler Urteil des BVGer A-407/2019 vom 14. Mai 2020
E. 2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.144).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat vorliegend ein umfassendes In-
struktionsverfahren mit mehrfachem Schriftenwechsel durchgeführt und
die Fachbehörden des Bundes zur Stellungnahme zu den Beschwerden
eingeladen. Auch hat es zusätzliche Unterlagen zur Wirtschaftlichkeit der
Seilbahn von der Beschwerdegegnerin eingeholt. Der Sachverhalt er-
schliesst sich nun in genügender Weise aus den Akten. Die Beweisanträge
sind daher, soweit weitergehend, in antizipierter Beweiswürdigung abzu-
weisen.
Rechtliches Gehör
5.
5.1 Die Beschwerdeführenden 2 und 3 rügen eine Verletzung ihres Rechts
auf Akteneinsicht im vorinstanzlichen Verfahren. Die Akteneinsicht am Sitz
der Vorinstanz erweise sich aufgrund der langen Fahrtzeit nach Ittigen, der
beschränkten Zeit vor Ort sowie der unzureichenden Kopiermöglichkeiten
als unverhältnismässig. Die Vorinstanz hätte ihrer Rechtsvertretung die Ak-
ten ohne grösseren Aufwand per Post zusenden oder dann zumindest bei
der Gemeinde St. Moritz eine Einsicht ermöglichen können. Während des
Verfahrens habe die Beschwerdegegnerin auch zahlreiche neue Akten ein-
gereicht, die ihnen die Vorinstanz teilweise ohne Beilagen und ohne Akten-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 14
verzeichnis zugestellt habe. Des Weiteren beanstanden die Beschwerde-
führenden, die Vorinstanz sei in der angefochtenen Verfügung auf ver-
schiedene Rügen ihrer Einsprachen nicht eingegangen und habe damit die
Begründungspflicht missachtet.
5.2 Die Vorinstanz erachtet in der Vernehmlassung die formellen Rügen
der Beschwerdeführenden als unbegründet.
5.3
5.3.1 Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verankerte Grundsatz
des rechtlichen Gehörs besagt, dass niemand in seiner Rechtsstellung be-
einträchtigt werden darf, ohne vorher angehört worden zu sein, und um-
fasst alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem
Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Das recht-
liche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und stellt andererseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht dar. Der Anspruch umfasst di-
verse Teilgehalte, so auch das Recht auf Akteneinsicht (Art. 26 ff. VwVG;
vgl. BGE 144 II 427 E. 3.1, 143 V 71 E. 4.1,135 II 286 E. 5.1; HÄFELIN/MÜL-
LER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1001 ff.
und 1019 ff.).
Nach dem Wortlaut von Art. 26 Abs. 1 VwVG ist das Akteneinsichtsrecht
grundsätzlich am Sitz der Behörde auszuüben. Es besteht kein allgemeiner
Anspruch auf Zustellung der Akten. Viele Behörden und etwa auch das
Bundesverwaltungsgericht kennen indes die Praxis, anwaltlichen Rechts-
vertretern die Akten auf dem Postweg zuzustellen, sofern keine ausserge-
wöhnlichen Umstände dagegen sprechen. In solchen Fällen kann sich aus
dem Rechtsgleichheitsgebot bzw. dem Gleichbehandlungsgebot (Art. 8
Abs. 1 BV) sogar ein Anspruch auf Zusendung ergeben (vgl. BGE 140 II
194 nicht publ. E. 4.1; BVGE 2015/44 E. 5.4.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, a.a.O., Rz. 3.102). Die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts setzt
eine Aktenführungspflicht der Verwaltung voraus. In der Regel ist auch ein
Aktenverzeichnis zu erstellen, welches eine chronologische Auflistung
sämtlicher in einem Verfahren gemachter Eingaben enthält (vgl. BGE 138
V 218 E. 8.1.2, 130 II 473 E. 4.1; Urteil des BVGer A-5757/2015 vom
19. Februar 2016 E. 2.5; WALDMANN/OESCHGER, Praxiskommentar, Art. 26
Rz. 35 ff.).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 15
5.3.2 Nach ständiger Rechtsprechung steht den anwaltlich vertretenen Be-
schwerdeführenden 2 und 3 kein allgemeiner Anspruch auf die beantragte
postalische Zustellung der Verfahrensakten zu. Vorliegend durfte die Vor-
instanz vor allem dem Umstand Rechnung tragen, dass es sich hier um
umfangreiche Verfahrensakten handelt und zudem mehrere Einsprecher
am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt waren, die potenziell gleichzeitig
um Akteneinsicht ersuchen konnten. Die Einsichtnahme am Sitz der Vor-
instanz war daher rechtens. Soweit die Beschwerdeführenden 2 und 3 er-
gänzend geltend machen, ihnen seien Akten teils ohne Beilagen zugestellt
worden, hätte es ihnen offen gestanden, bei der Vorinstanz ein entspre-
chendes Akteneinsichtsgesuch zu stellen. Analoges gilt auch für das ge-
wünschte Aktenverzeichnis. Die Beschwerdeführenden 2 und 3 hatten
demzufolge im vorinstanzlichen Verfahren genügend Gelegenheit, ihr
Recht auf Akteneinsicht wirksam wahrzunehmen. Ihr Anspruch auf rechtli-
ches Gehör wurde diesbezüglich gewahrt.
5.4
5.4.1 Als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör hält Art. 35 Abs. 1
VwVG fest, dass schriftliche Verfügungen zu begründen sind. Die Begrün-
dung einer Verfügung hat im Allgemeinen den rechtserheblichen Sachver-
halt und die anwendbaren Rechtsnormen zu enthalten und sodann die
rechtliche Würdigung (Subsumtion) des Sachverhalts unter die anwendba-
ren Rechtsnormen aufzuzeigen. Die Behörde ist nicht verpflichtet, sich mit
jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand ausdrück-
lich auseinanderzusetzen. Sie darf sich auf die für den Entscheid wesent-
lichen Überlegungen beschränken. Die Vorinstanz hat sich jedoch insge-
samt mit den verschiedenen rechtlich relevanten Gesichtspunkten ausei-
nanderzusetzen und darzutun, aus welchen Gründen sie den Vorbringen
einer Partei folgt oder sie diese ablehnt. Die Begründung muss – im Sinne
einer Minimalanforderung – so abgefasst sein, dass sich die Betroffenen
über deren Tragweite Rechenschaft geben und sie sachgerecht anfechten
können. Welchen Anforderungen eine Begründung hinsichtlich Dichte und
Qualität zu genügen hat, ist im Einzelfall anhand der konkreten Umstände
und der Interessen der Betroffenen zu bestimmen (vgl. BGE 142 II 324
E. 3.6, 137 II 266 E. 3.2; Urteil des BVGer A-1251/2012 vom 15. Januar
2014 E. 6.2; KNEUBÜHLER/PEDRETTI, Kommentar VwVG, Art. 35 Rz. 7 ff.).
5.4.2 In der angefochtenen Verfügung erfüllt die Vorinstanz – wenn auch
mit gewissen Einschränkungen – die soeben aufgeführten Anforderungen
an eine genügende Begründung. Ihre Verfügung umfasst 224 Seiten. Die
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 16
Vorinstanz prüfte zunächst das Gesuch der Beschwerdegegnerin u.a. un-
ter den Aspekten Enteignung, Personenbeförderungskonzession, Sicher-
heit, Raumplanung und Umwelt. Anschliessend ging sie im Rahmen der
Einsprachen nochmals auf die strittigen Punkte ein. Aus den Erwägungen
gehen die wesentlichen Überlegungen hervor, auf welche sich die Vor-
instanz stützt. Vor allem in Bezug auf die Rodungsbewilligung und den
Schutz des Gewässerraums sind die Ausführungen allerdings eher knapp
ausgefallen und hier wäre aufgrund der Bedeutung im konkreten Fall eine
vertiefte Begründung angezeigt gewesen. Dennoch waren sich die Be-
schwerdeführenden, wie sich an den Vorbringen in den Beschwerden
zeigt, letztlich über die Tragweite der angefochtenen Verfügung im Klaren
und ohne Weiteres imstande, diese sachgerecht anzufechten. Eine Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist damit zu verneinen.
Personenbeförderungskonzession
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden beantragen, das Konzessionsgesuch der
Beschwerdegegnerin sei abzuweisen. Sie bestreiten, dass für die Erteilung
der Personenbeförderungskonzession ein ausreichendes Transportbedürf-
nis bestehe. Bei der Seilbahn sei die Anzahl der sog. Ersteintritte in den
letzten zwanzig Jahren stark zurückgegangen. Die behaupteten Wartezei-
ten von bis zu zwei Stunden würden längst der Vergangenheit angehören
und seien in keiner Weise belegt. Die Erstellung einer Kabinenbahn mit
einer deutlichen Kapazitätssteigerung sei nicht gerechtfertigt und die heu-
tige Pendelbahn ausreichend, um das Gästeaufkommen zu bewältigen.
Zudem sei die von der Vorinstanz durchgeführte Wirtschaftlichkeitsprüfung
als ungenügend zu rügen. Die Unterlagen zur Wirtschaftlichkeit der Seil-
bahn lägen nicht vollständig vor und die Beschwerdegegnerin habe bereits
zum Zeitpunkt ihres Gesuchs mit überholten Zahlen operiert. Das Projekt
sei mit ausserordentlich hohen Kosten von 35 Mio. Franken verbunden.
Auch gemäss Beurteilung der Vorinstanz verfüge die Beschwerdegegnerin
im Verhältnis zum Gesamtkapital über wenig eigene Mittel, was auf eine
hohe Fremdverschuldung schliessen lasse. Die Erstellung der Kabinen-
bahn führe zu einer massiven Erhöhung der Fremdverschuldung, so dass
noch höhere Kreditlasten bedient werden müssten. In Berücksichtigung
der Tatsache, dass der Wintersport rückläufig sei und Seilbahnen in der
heutigen Zeit kaum mehr Gewinne erzielen könnten, sei die Rentabilität
nicht gegeben, zumal die Beschwerdegegnerin selbst davon ausgehe, die
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 17
Kabinenbahn werde zu keinem Zugewinn an Gästen führen und keine
Mehreinnahmen generieren.
6.2 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung daran fest, dass die Voraus-
setzungen für die Konzessionserteilung erfüllt seien. Es bestehe ein aus-
gewiesenes Bedürfnis an einer seilbahntechnischen Erschliessung von
St. Moritz Bad aus in das Skigebiet Corviglia. Die Wirtschaftlichkeit der Ka-
binenbahn habe sie gestützt auf die Geschäftsberichte der Beschwerde-
gegnerin sowie weiterer Unterlagen geprüft. Auf die Nachreichung einer
aktualisierten Planerfolgsrechnung habe sie verzichtet, da sich aus den
Gesuchsunterlagen keine Notwendigkeit dafür ergeben habe.
6.3 Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Vorbringen der Beschwerde-
führenden im Einzelnen. Im Wesentlichen stellt sie sich auf den Stand-
punkt, der Bedarf für die geplante Kabinenbahn sei ausgewiesen. Die vor-
gelegten Unterlagen würden zeigen, dass die Investitionen finanzier- und
tragbar seien.
6.4 Das SECO verweist in seinem Fachbericht vom 6. August 2018 im We-
sentlichen auf seine früheren Stellungnahmen im vorinstanzlichen Verfah-
ren, wonach die Konzession aus touristischer und regionalwirtschaftlicher
Sicht erteilt werden könne. Das Finanzierungsszenario der Beschwerde-
gegnerin stuft es nach wie vor als realistisch ein.
7.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 PBG kann der Bund Unternehmen für die gewerbs-
mässige Beförderung von Reisenden mit regelmässigen Fahrten Perso-
nenbeförderungskonzessionen erteilen. Das Unternehmen muss dazu u.a.
nachweisen, dass die geplante Transportleistung zweckmässig und wirt-
schaftlich erbracht werden kann (Art. 9 Abs. 2 Bst. a PBG in der seit dem
1. Juli 2020 geltenden Fassung [AS 2020 1889] sowie in der Fassung vom
20. März 2009 [AS 2009 5631]). Für Angebote ohne Erschliessungsfunk-
tion sind folgende zusätzliche Anforderungen erforderlich (Art. 11 PBG):
Der Standort, die Art und die Beförderungsleistung des vorgesehenen An-
gebots sind zweckmässig (Bst. a). Der Ausgangspunkt für die geplanten
Fahrten ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar (Bst. b). Das
neue Angebot gefährdet die wirtschaftliche Existenz bestehender bedürf-
nisgerechter Angebote nicht (Bst. c). Die bestehende oder vorgesehene
touristische Ausstattung im Bereich des geplanten Angebots lässt eine für
einen kostendeckenden Betrieb ausreichende Nachfrage erwarten (Bst. d).
Die Nutzung des bestehenden Transportangebotes eines Gebietes ist gut
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 18
und wird durch das neue Angebot nicht erheblich verschlechtert (Bst. e).
Die vorgesehene Finanzierung und der voraussichtliche wirtschaftliche Er-
folg lassen erwarten, dass die für das Angebot erforderlichen Bauten, An-
lagen und Fahrzeuge nach den Erfordernissen der Betriebssicherheit un-
terhalten und genügend abgeschrieben werden können (Bst. f).
8.
8.1 In der angefochtenen Verfügung wird der Beschwerdegegnerin die Per-
sonenbeförderungskonzession für die 10er-Kabinenbahn von St. Moritz
Bad nach Signal mit einer stündlichen Förderleistung von 2'400 Personen
erteilt. Zwischen den Parteien ist strittig, ob für die Erteilung der Personen-
beförderungskonzession ein ausreichendes Transportbedürfnis besteht.
Die Beschwerdeführenden zweifeln nicht nur den Bedarf nach einer Er-
satzanlage an, sondern sie wenden sich auch gegen die vorgesehene Ka-
pazitätssteigerung sowie die Systemwahl einer Kabinenbahn.
8.2 In konzessionsrechtlicher Hinsicht begründet die Beschwerdegegnerin
den Bedarf für die Ersatzanlage dahingehend, dass eine Modernisierung
der beinahe fünfzigjährigen Pendelbahn mit einer Förderkapazität von
1'000 Personen pro Stunde aus technischen, wirtschaftlichen und rechtli-
chen Gründen nicht möglich sei. Sie legt vorliegend nachvollziehbar dar,
dass die Technologie veraltet ist und keine Ersatzteile mehr für die beste-
hende Anlage am Markt erhältlich sind. Es wird denn auch von den Be-
schwerdeführenden nicht substantiiert entkräftet, dass die aus dem Jahr
1972 stammende Seilbahn schon aus technischen Gründen kaum sinnvoll
modernisiert werden kann und zu ersetzen ist.
Die Seilbahn St. Moritz Bad - Signal dient in erster Linie als Zubringeran-
lage in das Ski- und Wandergebiet Corviglia und zählt zum sog. touristi-
schen Bedarfsverkehr ohne Erschliessungsfunktion (vgl. Art. 3 PBG; Merk-
blatt 1 S. 9 f., Richtlinie 1 S. 59 ff.). In der geltenden kantonalen Richtplan-
karte ist die Bahn als „Zubringeranlage bestehend" verzeichnet. Gemäss
kantonalem Richtplan ist das Gebiet Corviglia Teil des rund 4'410 ha gros-
sen Intensiverholungsgebiets von regionaler Bedeutung „Corvatsch, Cor-
viglia, Diavolezza/Lagalp, Muottas-Muragl/AIp Languard, Zuoz" (Blatt 4
Südost und Objekt 11.FS.10, Kapitel 4 Tourismus, Richtplan des Kantons
Graubünden, genehmigt vom Bundesrat am 19. September 2003 [BBl
2003 6528], abrufbar unter <www.richtplan.gr.ch>, besucht am 17. August
2020). In Berücksichtigung der Grösse, Lage und Verkehrserschliessung
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 19
der Bahn erscheint es berechtigt, dass die Vorinstanz hier von einer Haupt-
zubringeranlage spricht, auch wenn – wie in den Beschwerden geltend ge-
macht – das Gebiet Corviglia an anderen Stellen, z.B. über die Standseil-
bahn St. Moritz-Chantarella, ebenfalls zu erreichen ist. Selbst wenn die
Passagierzahlen in den letzten zwanzig Jahren generell zurückgegangen
wären, wie von den Beschwerdeführenden eingewendet, so besteht doch
nach wie vor ein erhebliches öffentliches Interesse an einer angemessenen
Infrastrukturanlage in das Intensiverholungsgebiet Corviglia. An dieser
Stelle braucht daher nicht weiter geklärt zu werden, ob die Vorinstanz das
öffentliche Interesse an der Ersatzanlage zusätzlich auch aus dem Abstim-
mungsergebnis der Gemeinde St. Moritz vom 30. November 2014 schlies-
sen durfte. Jene Abstimmung der Gemeinde St. Moritz betraf, soweit er-
sichtlich, allein die Dienstbarkeitsverträge, die es der Beschwerdegegnerin
erlauben, gemeindeeigenes Gebiet für die neue Kabinenbahn auf dem be-
stehenden Trassee zu nutzen.
Was den strittigen Kapazitätsausbau der Ersatzanlage im Vergleich zur bis-
herigen Bahn betrifft, so leuchtet es ein, dass sich die Betriebsbedürfnisse
wie auch die Kundenerwartungen über die vergangenen knapp fünfzig
Jahre erheblich geändert haben und mit der neuen Förderleistung beson-
ders der Publikumsandrang an Spitzentagen und bei Skirennen besser be-
wältigt werden kann. Angesichts der Lebensdauer der Ersatzanlage ist es
überdies gerechtfertigt, auch die zukünftige Entwicklung des Seilbahnbe-
triebs in angemessener Weise mitzuberücksichtigen. Schliesslich stellt die
von den Beschwerdeführenden hauptsächlich geforderte Errichtung einer
Pendelbahn oder 3S-Bahn keine echten Alternativen zur Kabinenbahn dar,
wie noch im Einzelnen darzulegen sein wird (vgl. nachstehend E. 18).
Die Beurteilung der Vorinstanz und auch des SECO als Fachbehörde ist
daher nicht zu beanstanden, wonach für die ersuchte Personenbeförde-
rungskonzession ein genügendes Transportbedürfnis im Sinne des PBG
besteht.
9.
9.1 Im Rahmen der Erteilung der Personenbeförderungskonzession bleibt
die strittig gebliebene Frage zu klären, ob die geforderten wirtschaftlichen
Voraussetzungen hierfür gegeben sind.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 20
9.2 Bei der Konzessionsvoraussetzung der Wirtschaftlichkeit geht es um
die Frage, ob die Seilbahn voraussichtlich genügend Einnahmen erwirt-
schaften wird, um dauerhaft betrieben und nach den Erfordernissen der
Betriebssicherheit unterhalten werden zu können (HEPP/STÜCKELBERGER,
Seilbahnrecht, in: Müller [Hrsg.], Verkehrsrecht, Schweizerisches Bundes-
verwaltungsrecht Band IV, 2008, Rz. 55). Es geht nicht um den unterneh-
merischen Erfolg in Form von Gewinnausschüttung, sondern um die Si-
cherstellung der Finanzierung eines sicheren Betriebs (BVGE 2013/31
E. 10.4.2).
9.3 Soweit die Beschwerdeführenden das Konzessionsgesuch der Be-
schwerdegegnerin vom 28. Mai 2015 als unvollständig kritisieren, ist ihre
Rüge als begründet zu erachten. So ist festzustellen, dass im Konzessi-
onsgesuch kein Finanzierungsnachweis des benötigten Fremdkapitals ent-
halten ist. Die Planerfolgsrechnung weist zudem keine Angaben über die
nächsten fünf Jahre auf, sondern reicht nur bis in das Jahr 2017 (vgl.
Art. 20 Abs. 2 Bst. a und b SebV, Merkblatt 1 S. 10, Richtlinie 1, S. 60).
Zwar kann gemäss Art. 11 Abs. 3 SebV auf einzelne Unterlagen verzichtet
werden, soweit diese aufgrund der Bahnart oder der Umstände des Einzel-
falls nicht erforderlich sind. Diese Voraussetzungen sind hier indes nicht
gegeben. Vor allem angesichts des Investitionsvolumens von geschätzt 35
Mio. Franken ist ein Finanzierungsnachweis sowie eine vollständige Plan-
erfolgsrechnung notwendig, um die Wirtschaftlichkeit der Seilbahn sachge-
recht beurteilen zu können. Auf Aufforderung der Instruktionsrichterin hat
die Beschwerdegegnerin mit Eingaben vom 31. Januar und 27. Februar
2019 folgende Unterlagen nachgereicht: Finanzierungsbestätigung der
Bank vom 21. Februar 2019 sowie eine Planerfolgsrechnung und -bilanz
für die Jahre 2018/2019 bis 2022/2023. Die Unterlagen wurden der Vor-
instanz sowie den Beschwerdeführenden zur Stellungnahme zugestellt,
um unter Wahrung der Verfahrensrechte der Parteien deren Beurteilung
nachträglich zu ermöglichen.
9.4 Die Kosten für die Erstellung der Seilbahn belaufen sich auf geschätzte
35 Mio. Franken. Die Beschwerdegegnerin sieht eine Finanzierung mit
Eigenmitteln (Cash-Flow aus den vergangenen Jahren) vor, wobei bei ei-
ner allfälligen Überbrückung der Liquidität auf Fremdkapital der Bank zu-
rückgegriffen werden soll. Die Vorinstanz und das SECO stufen dieses Fi-
nanzierungsszenario angesichts der berechneten Kennzahlen zur Investi-
tionsfähigkeit, Ertragskraft, Liquidität und Fremdverschuldung der Be-
schwerdegegnerin insgesamt als realistisch ein. Gestützt darauf und – zu-
sammen mit den neu eingereichten Unterlagen – kann die Finanzierbarkeit
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 21
der veranschlagten Investitionskosten als gesichert angesehen werden.
Insbesondere liegt nun auch eine Finanzierungsbestätigung der Bank vom
21. Februar 2019 vor, welche ausschliesslich für das Bauprojekt der Seil-
bahn ein Kreditlimit von (...) bestätigt. Was die wirtschaftliche Tragbarkeit
der Investitionen betrifft, so wurde von der Beschwerdegegnerin eine vor-
sichtige Planung vorgenommen, die aufgrund der neu vorgelegten Unter-
lagen ebenfalls plausibel erscheint. Auch unter Berücksichtigung des wirt-
schaftlichen Umfeldes für Seilbahnen findet sich für die Annahme der Be-
schwerdeführenden, dass die Eigenkapitalquote der Beschwerdegegnerin
durch die neue Kabinenbahn auf einen kritischen Wert sinken könnte,
keine Bestätigung. Die von der Beschwerdegegnerin neu eingereichten
Planerfolgsrechnung und -bilanz 2018/2019 bis 2022/2023 lassen darauf
schliessen, dass sie auch in den kommenden Jahren in der Lage sein wird,
das notwendige Kapital für den Betrieb der Anlage aufzubringen. Mit der
Vorinstanz und dem SECO als Fachbehörde ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdegegnerin für einen sicheren Seilbahnbetrieb der künftigen
Anlage wirtschaftlich ausreichend gewappnet ist.
Die Vorinstanz hat demnach im Ergebnis die Voraussetzungen zur Ertei-
lung der Personenbeförderungskonzession zu Recht bejaht und diese der
Beschwerdegegnerin erteilt.
Plangenehmigungsgesuch und öffentliche Planauflage
10.
10.1 Die Beschwerdeführenden rügen die öffentliche Planauflage als un-
zureichend. So hätten zahlreiche Gesuchsunterlagen gefehlt, weshalb es
ihnen nicht möglich gewesen sei, sich ein genaues Bild vom Projekt zu
machen. Die Sicherheitsanalyse und der Sicherheitsbericht seien nicht öf-
fentlich aufgelegt worden. Während des vorinstanzlichen Verfahrens habe
die Beschwerdegegnerin verschiedene Dokumente nachgeschoben, die
bereits anlässlich der Planauflage hätten vorliegen müssen. Betroffene
Dritte hätten von der weiteren Projektentwicklung keine Kenntnis erhalten.
10.2 Die Vorinstanz legt in der Vernehmlassung dar, die Gesuchsunterla-
gen der Beschwerdegegnerin seien ausreichend gewesen, um das Plan-
genehmigungsverfahren zu eröffnen. Die von der Beschwerdegegnerin im
Laufe des Verfahrens nachgereichten Unterlagen habe sie jeweils den be-
troffenen Behörden sowie den betroffenen Parteien zur Stellungnahme
übermittelt.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 22
10.3 Die Beschwerdegegnerin betont, sie habe der Vorinstanz ein vollstän-
diges Dossier eingereicht. Die nachgereichten Unterlagen hätten sich aus
den vertieften Abklärungen der Fachbehörden ergeben und seien für die
Beschwerdeführenden nicht von wesentlicher Bedeutung.
10.4
10.4.1 Nach Art. 12 Abs. 2 SebG wird das Gesuch in den amtlichen Publi-
kationsorganen der betroffenen Kantone und Gemeinden publiziert und
während dreissig Tagen öffentlich aufgelegt. Im Gegensatz zur Publikation,
die eine erste, nicht abschliessende Orientierung potentiell Betroffener be-
zweckt, dient die Planauflage dazu, dass sich diese vom geplanten Projekt
umfassende Kenntnis verschaffen und sich dagegen fristgerecht zur Wehr
setzen können (vgl. Urteil des BVGer A-1451/2015 vom 7. Juli 2015 E. 4.3
mit Hinweisen; vgl. auch DAVID DUSSY, in: Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr
[Hrsg.], Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, 2016, Rz. 7.115 ff. [nachfol-
gend: Fachhandbuch Baurecht]).
10.4.2 Das Konzessions- und Plangenehmigungsgesuch der Beschwerde-
gegnerin vom 28. Mai 2015, bestehend aus den "Gesuchsunterlagen
Teil 1, Grundlagen", wurde den gesetzlichen Vorschriften entsprechend öf-
fentlich aufgelegt. Auch wenn diese Unterlagen teilweise unvollständig
oder inhaltlich mangelhaft waren und nachträglich ergänzt werden muss-
ten, so war es den Beschwerdeführenden schon anhand der öffentlich auf-
gelegten Unterlagen ohne Weiteres möglich, sich von der projektierten An-
lage ein umfassendes Bild zu machen und sich dagegen sachgerecht zur
Wehr zu setzen.
Gestützt auf den allgemeinen Untersuchungsgrundsatz von Art. 12 VwVG
und in Übereinstimmung mit Art. 11 Abs. 2 SebG und Art. 11 Abs. 5 SebV
war die Vorinstanz sodann befugt, während des laufenden Verfahrens er-
gänzende Unterlagen, so u.a. betreffend Lärm und Gewässerschutz, von
der Beschwerdegegnerin einzufordern. Das diente der Sachverhaltsabklä-
rung sowie der Verbesserung des Projekts und ist bei komplexen Verfahren
wie dem vorliegenden üblich. Es kann davon ausgegangen werden, dass
die von der Beschwerdegegnerin nachgereichten Unterlagen keine we-
sentlichen Projektänderungen betrafen, die gegebenenfalls eine erneute
öffentliche Auflage erfordert hätte. Da die Vorinstanz diese Unterlagen je-
weils den entsprechenden Fachbehörden vorgelegt und den Beschwerde-
führenden das rechtliche Gehör gewährt hat, wurden die verfahrensrecht-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 23
lichen Vorgaben gewahrt. Den Beschwerdeführenden ist kein Verfahrens-
nachteil dadurch entstanden. Nichtdestotrotz bleibt an dieser Stelle kritisch
anzumerken, dass es das vorinstanzliche Verfahren deutlich vereinfacht
und beschleunigt hätte, wenn die Beschwerdegegnerin bereits von Anfang
an ein vollständig dokumentiertes Gesuch eingereicht hätte.
10.5 Die "Gesuchsunterlagen Teil 2, Sicherheitstechnik" wurde erst am
4. Dezember 2015 eingereicht und bildeten nicht Bestandteil der öffentli-
chen Planauflage. Das Vorgehen entspricht der ständigen vorinstanzlichen
Praxis (vgl. Merkblatt 1 S. 2, Richtlinie 1 S. 16). Die Beschwerdeführerin 1
zweifelt an, dass diese Praxis verordnungskonform ist.
Nach dem Wortlaut der Verordnung sind die Unterlagen betreffend Sicher-
heit nach Anhang 1 SebV mit dem Plangenehmigungsgesuch einzureichen
(Art. 11 Abs. 1 Bst. a SebV). Zur Beurteilung der Sicherheit differenziert
Anhang 1 SebV zwischen Unterlagen, die mit dem Plangenehmigungsge-
such (Abs. 1 Ziff. 1-14), und Unterlagen, die spätestens zwei Monate vor
Erteilung der Plangenehmigung (Abs. 2 Ziff. 1-3), einzureichen sind. Dies-
bezüglich sind somit in der SebV selbst ungleiche zeitliche Vorgaben zu
finden. Wie es sich damit verhält, braucht vorliegend indes nicht abschlies-
send geklärt zu werden. Selbst wenn in Bezug auf die Unterlagen zur Si-
cherheitstechnik von einer unvollständigen Planauflage auszugehen wäre,
wäre dieser Verfahrensmangel nicht als schwerwiegend zu betrachten.
Während des Plangenehmigungsverfahrens hatte die Beschwerdeführe-
rin 1 die Gelegenheit, diese Unterlagen nachträglich einzusehen und ihr
Anspruch auf rechtliches Gehör wurde gewahrt. Dennoch hat sie keine Rü-
gen in Bezug auf die Sicherheitstechnik erhoben. Es ist nicht ersichtlich,
dass ihr durch diesen allfälligen Mangel der öffentlichen Planauflage ein
Verfahrensnachteil erwachsen wäre.
10.6 Soweit die Beschwerdeführenden sich für die Beschwerdemöglichkeit
von Dritten einsetzen wollen, sind sie nicht zu hören. Allein die theoretische
Möglichkeit, dass bei einer erneuten öffentlichen Planauflage zusätzlicher
Unterlagen eventuell weitere Einsprachen eingegangen wären und sich
durch diese breitere Opposition gegen das Projekt allenfalls ihre eigene
Stellung im Verfahren verbessert hätte, stellt kein hinreichendes schutz-
würdiges Interesse im Sinne von Art. 48 VwVG dar (vgl. Urteil des BVGer
A-1813/2009 vom 21. September 2011 E. 9.7 mit Hinweisen).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 24
Verfahrenskoordination im Rahmen der Plangenehmigung
11.
11.1 Von der Beschwerdeführerin 1 wird geltend gemacht, die vorliegende
Plangenehmigung der Seilbahn sei mit der Planung und Genehmigung der
Arealüberbauung Signal zu koordinieren. Eine Zweiteilung des Projekts sei
nicht statthaft. Ergänzend beanstandet sie, gemäss regionalem Richtplan
müsse vor Genehmigung der Seilbahn ein generelles Konzept für das Ge-
samtgebiet St. Moritz Bad sowie ein Konzept für den Standort der Talsta-
tion vorliegen, was noch nicht der Fall sei. Die Beschwerdeführenden 2
und 3 rügen zudem, die Vorinstanz habe die Grundwasserwärmenutzung
zur Beheizung der Talstation bewilligt, obwohl der Energienachweis und
die kommunale wasserbaurechtliche Konzession noch ausstehend seien.
Werde diese Konzession nicht erteilt, dann verändere sich die gesamte
Konzeption der Talstation.
11.2 Die Vorinstanz vertritt in der Vernehmlassung den Standpunkt, dass
eine Zweiteilung des Projekts vorliegend zulässig sei. Die erforderlichen
richtplanerischen Grundlagen für die Ersatzanlage seien vorhanden. Auch
hinsichtlich des Energienachweises und der kommunalen wasserbaurecht-
lichen Konzession erweise sich die angefochtene Verfügung als korrekt.
11.3 Die Beschwerdegegnerin stützt die Auffassung der Vorinstanz.
11.4
11.4.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss die Rechtsan-
wendung materiell koordiniert – mithin inhaltlich abgestimmt – erfolgen,
wenn für die Verwirklichung eines Vorhabens verschiedene materiellrecht-
liche Vorschriften anzuwenden sind und zwischen diesen Vorschriften ein
derart enger Sachzusammenhang besteht, dass sie nicht getrennt und un-
abhängig voneinander angewendet werden dürfen. In solchen Fällen ist die
Anwendung des materiellen Rechts überdies in formeller, verfahrensmäs-
siger Hinsicht in geeigneter Weise zu koordinieren (vgl. BGE 137 II 182
E. 3.7.4.1, 117 Ib 35 E. 3e; Urteil des BGer 2C_975/2019 vom 27. Mai 2020
E. 4.5.2; Urteil des BVGer A-5705/2018 vom 6. Februar 2020 E. 4.2; DAVID
DUSSY, Fachhandbuch Baurecht, Rz. 7.27; je mit Hinweisen).
11.4.2 Das hier strittige Seilbahnprojekt bildet die erste Bauetappe eines
Gesamtprojekts. Die Arealüberbauung Signal, welche neben der Talstation
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 25
in einer zweiten Bauetappe eine neue Gesamtüberbauung für Läden, be-
wirtschaftete Wohnungen sowie für ein Hotel und eine Tiefgarage vorsieht,
unterliegt nicht dem bundesrechtlichen Plangenehmigungsverfahren, da
sie nicht überwiegend dem Betrieb der Seilbahn dient (vgl. Art. 10 SebG).
Für die Bewilligung der Arealüberbauung Signal ist die Vorinstanz nicht zu-
ständig.
Die geplante Kabinenbahn dient als Ersatzanlage und ist in baulicher und
betrieblicher Hinsicht so ausgerichtet, dass sie auch ohne Arealüber-
bauung Signal realisiert sowie zweckmässig betrieben werden kann. Der
Betrieb der Seilbahn könnte zwar durchaus von der zukünftigen Gesamt-
überbauung profitieren, ist aber nicht zwingend darauf angewiesen. Wäh-
rend das Seilbahnprojekt Planungsreife aufweist, ist dies bei der Arealüber-
bauung Signal nicht der Fall. Für diese plant die Gemeinde, eine Spezial-
zone "Signal" mittels Ortsplanrevision auszuscheiden. Es steht – soweit
ersichtlich – noch nicht fest, wann diese Teilrevision der Ortsplanung durch-
geführt wird. Weder die planerischen Grundlagen für die Arealüberbauung
Signal noch ein entsprechend konkretes Ausführungsprojekt liegen vor.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden kann somit von einer ra-
schen Realisierung der zweiten Bauetappe nicht gesprochen werden. Zum
jetzigen Zeitpunkt erscheint es vielmehr ungewiss, ob, wann und in welcher
Form diese ausgeführt wird. Bei dieser Ausgangslage fehlt es für eine wei-
tergehende Koordination an einem hinreichend engen sachlichen Zusam-
menhang zwischen den beiden Bauetappen.
11.4.3 Im regionalen Richtplan Oberengadin ist der Bereich der Talstation
als „Entwicklungsstandort Bergbahnen" definiert. Als Grundlage für die wei-
tere Entwicklung soll ein generelles Konzept für das Gesamtgebiet St. Mo-
ritz Bad erstellt werden mit einer Abstimmung zu den weiteren touristischen
Einrichtungen, der Ausstattung und dem gebietsbezogenen Verkehr. Des
Weiteren soll ein Konzept für den Standort der Talstation Signalbahn erar-
beitet werden mit Angaben zur Nutzung (inklusive Mantelnutzung), Er-
schliessung, Bebauung und Etappierung (Objekt 11.SW.06, Siedlung, Re-
gionaler Richtplan Oberengadin, genehmigt von der Regierung des Kan-
tons Graubünden am 18. Dezember 2012 [RB Nr. 1200], abrufbar unter
<www.richtplan.gr.ch>, besucht am 17. August 2020). Die beiden vom re-
gionalen Richtplan vorgesehenen Konzepte zum Gesamtgebiet St. Moritz
Bad und zum Standort der Talstation, auf die sich die Beschwerdeführerin 1
beruft, liegen – soweit ersichtlich – noch nicht vollständig vor.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 26
An dieser Stelle ist wiederum darauf hinzuweisen, dass die Arealüberbau-
ung Signal nicht Gegenstand des vorliegenden Plangenehmigungsverfah-
rens bildet. In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz ergänzend aus,
dass der bestehende Standort der Talstation als Ausgangslage den weite-
ren Konzepten zugrunde gelegt und die zukünftige räumliche Planung des
Gebiets darauf ausgerichtet wird. Die Annahme der Vorinstanz, dass jene
noch ausstehenden Konzepte zu keiner anderen raumplanerischen Ge-
samtsicht des hier strittigen Projekts führen werden, erscheint realistisch
und wird von der Beschwerdeführerin 1 auch nicht substantiiert entkräftet.
Das vorinstanzliche Vorgehen ist daher nicht zu beanstanden.
11.4.4 Die projektierte Heizung der Talstation mittels Grundwasserwärme-
nutzung ist ein Bestandteil des Seilbahnprojekts. Die Vorinstanz hat die
Gebäudeheizung beurteilt und der Beschwerdegegnerin eine gewässer-
schutzrechtliche Bewilligung unter Auflagen und Bedingungen erteilt (Dis-
positiv Ziffer 4.5 der angefochtenen Verfügung; vgl. Art. 19 Abs. 2 des Ge-
wässerschutzgesetzes vom 24. Januar 1991 [GSchG, SR 814.20]). Aus-
stehend ist der Energienachweis über die Gebäudeheizung sowie die kom-
munale wasserbaurechtliche Konzession (vgl. Art. 76 Abs. 4 BV), was von
den Beschwerdeführenden 2 und 3 gerügt wird.
In der angefochtenen Verfügung ist die Vorinstanz ihrer Koordinations-
pflicht hinreichend nachgekommen, indem sie die Beschwerdegegnerin
u.a. dazu verpflichtet hat, die kommunale wasserbaurechtliche Konzession
vor Baubeginn einzuholen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die An-
lage für die Grundwasserwärmenutzung erst dann erstellt wird, wenn auch
die kommunale Konzession hierfür vorliegt. Eine weitergehende Koordina-
tion ist im vorliegenden Fall nicht gefordert. Sollte der Beschwerdegegnerin
die kommunale wasserbaurechtliche Konzession verweigert werden,
stünde es ihr gemäss den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im-
mer noch offen, ein Bewilligungsgesuch für eine andere Heizung einzu-
reichen (so z.B. für den von der Beschwerdegegnerin ebenfalls in Betracht
gezogene Anschluss an das Fernwärmenetz von St. Moritz). Dass die In-
stallation einer anderen Heizung eine Änderung der Gesamtkonzeption der
Talstation erfordere, wie dies die Beschwerdeführenden 2 und 3 vorbrin-
gen, leuchtet nicht ein und wird auch von der Vorinstanz in der Vernehm-
lassung verneint. Eine Verletzung der Koordinationspflicht im Plangeneh-
migungsverfahren ist daher nicht erkennbar.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 27
Auflage betreffend Nachweis zur Behindertengerechtigkeit
12.
12.1 Die Beschwerdeführerin 1 rügt, die Vorinstanz hätte vor Erlass der
angefochtenen Verfügung prüfen müssen, ob die Seilbahn behindertenge-
recht geplant sei. Eine blosse Auflage, dass der Nachweis durch die Be-
schwerdegegnerin noch zu erbringen sei, genüge der Prüfpflicht nicht. Ge-
mäss klarer Verordnungsbestimmung seien die Unterlagen zur Behinder-
tengerechtigkeit der Seilbahn mit dem Plangenehmigungsgesuch einzu-
reichen. Das solle beispielsweise auch Behindertenorganisationen ermög-
lichen, Beschwerde gegen die Verfügung zu erheben.
12.2 Die Vorinstanz entgegnet in der Vernehmlassung, aus den Gesuchs-
unterlagen der Beschwerdegegnerin sei klar erkennbar, dass die Seilbahn
behindertengerecht erstellt werden soll. Aus praktischen Gründen könne
erst nach der Bauvollendung bestätigt werden, dass die massgebenden
Vorgaben eingehalten würden. Dies entspreche der gängigen Praxis bei
der Nachweisführung über das behindertengerechte Bauen.
12.3 Die Beschwerdegegnerin erklärt, aus den Planunterlagen gehe her-
vor, dass die Seilbahn behindertengerecht erstellt werde. So sei u.a. jedes
Geschoss der Talstation durch einen behindertengerechten Lift erreichbar
und auch die Gondeln seien rollstuhlgängig.
12.4
12.4.1 Eine Auflage gehört zu den Nebenbestimmungen einer Verfügung.
Sie ist die mit einer Verfügung verbundene zusätzliche Verpflichtung zu ei-
nem Tun, Dulden oder Unterlassen. Wird der Auflage nicht nachgelebt, so
berührt das nicht die Gültigkeit der Verfügung an sich, aber das Gemein-
wesen kann die Auflage mit hoheitlichem Zwang durchsetzen (vgl. HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 919 ff.). Im öffentlichen Baurecht sind
Nebenbestimmungen häufig anzutreffen. Neben der Behebung von beste-
henden Mängeln werden Nebenbestimmungen auch präventiv zur Einhal-
tung des rechtmässigen Zustands eingesetzt (STALDER/TSCHIRKY, Fach-
buch Baurecht, Rz. 2.36 f.). Nach der allgemeinen Rechtsprechung des
Bundesgerichts können durch Nebenbestimmungen lediglich untergeord-
nete Mängel eines Baugesuchs behoben werden (vgl. Urteil des BGer
1C_476/2016 vom 9. März 2017 E. 2.4 mit Hinweisen).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 28
12.4.2 Für Seilbahnen, die wie im vorliegenden Fall über mehr als acht
Plätze pro Transporteinheit verfügen, sind die Unterlagen betreffend die
Behindertengerechtigkeit der Anlage zusammen mit der Plangenehmigung
einzureichen (Art. 11 Abs. 1 Bst. b SebV). In Dispositiv Ziff. 3.2.7 der ange-
fochtenen Verfügung wird die Beschwerdegegnerin mittels Auflage dazu
verpflichtet, den Nachweis zur Behindertengerechtigkeit der Seilbahn im
Rahmen des Sicherheitsnachweises für die Betriebsbewilligung zu erbrin-
gen. Dieses Vorgehen entspricht der allgemeinen Praxis der Vorinstanz
(vgl. Richtlinie 1, S. 57). Von der Beschwerdeführerin 1 wird bestritten,
dass diese Praxis rechtskonform ist und den Rechtsschutz ausreichend
wahrt.
Die Gesuchsunterlagen der Beschwerdegegnerin enthalten vorliegend die
grundlegenden Angaben zur Behindertengerechtigkeit der Anlage. So
ergibt sich beispielsweise aus den öffentlich aufgelegten Plänen, dass die
Seilbahn in der Talstation über eine Rolltreppe wie auch über einen Lift
zugänglich ist. Die hier strittige Auflage gilt es sodann im Gesamtzusam-
menhang zu den entsprechenden materiellen Erwägungen der Vorinstanz
zu sehen. Im Rahmen der materiellen Prüfung erwog sie, dass die gesetz-
lichen und normativen Vorgaben betreffend die behindertengerechte Aus-
führung der Baute umfassend berücksichtigt werde. Im Projekt seien die
entsprechenden Massnahmen für den barrierefreien Zugang vorgesehen
(z.B. Rolltreppen, Liftanlagen, Level-walk-in). Anhaltspunkte, die diese vor-
instanzliche Beurteilung widerlegen könnten, ergeben sich nicht aus den
Akten und werden von der Beschwerdeführerin 1 auch nicht substantiiert
geltend gemacht. Daraus lässt sich schliessen, dass die Beschwerdegeg-
nerin die massgebenden Vorgaben zur Behindertengerechtigkeit der Seil-
bahn grundsätzlich einhalten kann und die erlassene Auflage allein Detail-
fragen zur behindertengerechten Ausgestaltung betrifft, die von der Be-
schwerdegegnerin noch auszuarbeiten und zu optimieren sind oder über-
haupt erst nach Erstellung der Anlage geklärt werden können. Bei den Ge-
gebenheiten des konkreten Falls durfte die Vorinstanz nach erfolgter ma-
terieller Prüfung sich darauf beschränken, den erforderlichen Nachweis
mittels Auflage zu verfügen.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 29
Umweltverträglichkeitsbericht
13.
13.1 Die Beschwerdeführenden erachten den Umweltverträglichkeits-
bericht als ungenügend. Im Hinblick auf eine gesamthafte Prüfung der Um-
weltauswirkungen sei es nicht zulässig, dass die Beschwerdegegnerin den
Umweltverträglichkeitsbericht während des Plangenehmigungsverfahrens
mehrfach ergänzt habe. Zudem sei er nach wie vor unvollständig, da darin
die Umweltauswirkungen der geplanten Arealüberbauung Signal sowie
mögliche Alternativen zum Projekt nicht enthalten seien.
13.2 Die Vorinstanz, das BAFU sowie die Beschwerdegegnerin äussern
sich zu den vorgebrachten Rügen der Beschwerdeführenden im Einzelnen
und erachten diese übereinstimmend als unbegründet.
14.
14.1 Wer eine Anlage, die der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unter-
steht, planen, errichten oder ändern will, muss der zuständigen Behörde
einen Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) unterbreiten. Dieser bildet die
Grundlage der UVP und hat entsprechend alle Angaben zu enthalten, die
zur Prüfung des Vorhabens nach den Vorschriften über den Schutz der
Umwelt notwendig sind (Art. 10b Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 7. Ok-
tober 1983 über den Umweltschutz [USG, SR 814.01]). Er umfasst nach
Art. 10b Abs. 2 USG folgende Punkte: den Ausgangszustand (Bst. a), das
Vorhaben, einschliesslich der vorgesehenen Massnahmen zum Schutze
der Umwelt und für den Katastrophenfall, sowie einen Überblick über die
wichtigsten allenfalls vom Gesuchsteller geprüften Alternativen (Bst. b) und
die voraussichtlich verbleibende Belastung der Umwelt (Bst. c). Nachträg-
liche Ergänzungen eines UVB sind nach der Rechtsprechung nicht ausge-
schlossen, solange die gesamthafte und koordinierte Beurteilung im Sinne
von Art. 8 USG sichergestellt ist und der der Beurteilung zu Grunde gelegte
Sachverhalt den aktuellen Verhältnissen entspricht (vgl. Urteil des BVGer
A-2016/2006 vom 2. Juli 2008 E. 7.5 mit Hinweisen).
14.2 Das Prinzip der ganzheitlichen Betrachtungsweise gemäss Art. 8
USG fordert eine gesamthafte Beurteilung aller Anlagen, die aufgrund ihres
räumlichen, zeitlichen und funktionalen Zusammenhangs als Gesamtan-
lage erscheinen. Die UVP-Pflicht hat sich deshalb auf alle Teile zu erstre-
cken, die zusammen eine Gesamtanlage in diesem Sinne bilden. Für die
Frage des Umfangs einer UVP ist ein funktionaler Zusammenhang dann
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 30
zu bejahen, wenn sich einzelne Projekte derart ergänzen oder ergänzen
können, dass sie als betriebliche Einheit zu betrachten sind. In zeitlicher
Hinsicht sind in die Prüfung der Umweltverträglichkeit alle Teilvorhaben ein-
zubeziehen, die in relativ rasch aufeinander folgenden Etappen verwirklicht
werden sollen. Ein einzelnes Vorhaben darf jedoch gemäss bundesgericht-
licher Rechtsprechung dann isoliert beurteilt werden, wenn dessen allei-
nige Verwirklichung zweckmässig erscheint und gleichzeitig die Ausfüh-
rung weiterer damit zusammenhängender Projekte ungewiss ist. In diesem
Fall sind bei der späteren Beurteilung weiterer Vorhaben die Umweltaus-
wirkungen der bereits realisierten Anlage einzubeziehen (vgl. zum Ganzen
BGE 146 II 36 E. 3; Urteil des BGer 1C_467/2018 vom 3. Mai 2019 E. 4.3;
ALAIN GRIFFEL, Umweltrecht in a nutshell, 2. Aufl. 2019, S. 57 f., GRIF-
FEL/RAUSCH, Kommentar zum USG, Ergänzungsband zur 2. Aufl., 2011,
Art. 10a Rz. 23 [nachfolgend: Ergänzungsband Kommentar USG]; je mit
Hinweisen).
14.3 Bei öffentlichen und konzessionierten privaten Anlagen, die der UVP
unterliegen, verlangte ursprünglich aArt. 9 Abs. 4 USG eine Begründung
des Vorhabens, was grundsätzlich die Prüfung von Alternativen erforderte.
Diese Bestimmung wurde am 20. Dezember 2006 aufgehoben (AS 2007
2701). Aufgrund des Bundesbeschlusses vom 27. September 2013 über
die Genehmigung und Umsetzung der Aarhus-Konvention und von deren
Änderung (AS 2014 1021) trat per 1. Juni 2014 die aktuelle Fassung von
Art. 10 Abs. 2 Bst. b USG in Kraft, wonach ein Überblick über die wichtigs-
ten allenfalls vom Gesuchsteller geprüften Alternativen im UVB zu erfassen
sind. In den Materialien wird hierzu ausgeführt, dass die neue Bestimmung
den Gesuchsteller nicht verpflichtet, Alternativen zu prüfen. Soweit er dies
jedoch tut oder aufgrund anderer Vorschriften tun muss, hat er einen Über-
blick über die wichtigsten von ihm geprüften Alternativen in den UVB zu
integrieren (Botschaft vom 28. März 2012 zur Genehmigung und Umset-
zung der Aarhus-Konvention und von deren Änderung, BBl 2012 4349; vgl.
PETER M. KELLER, Anmerkung der Redaktion zum Urteil des BGer
1C_648/2013 vom 4. Februar 2014, Umweltrecht in der Praxis [URP]
3/2014 S. 314 f.; vgl. auch DANIELA THURNHERR, Fachhandbuch Baurecht,
Rz. 7.192, GRIFFEL/RAUSCH, Ergänzungsband Kommentar USG, Vorbe-
merkungen zu Art. 10a-10d Rz. 63 und Art. 10b Rz. 15f., RAUSCH/KELLER
in: Vereinigung für Umweltrecht [VUR]/Keller [Hrsg.], Kommentar zum Um-
weltschutzgesetz, 2. Aufl. 2004, Stand 2001, Art. 9 Rz. 88 ff. [nachfolgend:
Kommentar USG]). Nach materiellem Recht sind Alternativen u.a. dann zu
prüfen, wenn das Gesetz oder die Verordnung die Standortgebundenheit
eines Vorhabens verlangt (z.B. Art. 5 Abs. 2 Bst. a des Bundesgesetzes
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 31
vom 4. Oktober 1991 über den Wald [Waldgesetz, WaG, SR 921.0]) oder
eine umfassende Interessenabwägung voraussetzt (z.B. Art. 3 des Bun-
desgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz [NHG,
SR 451], vgl. BGE 137 II 266 E. 4, 136 II 214 E. 2.2; Urteil des BGer
1C_528/2018 vom 17. Oktober 2019 E. 4.1; BVGE 2016/35 E. 6.2.2; KEL-
LER, a.a.O., S. 314, NINA DAJCAR, Fachhandbuch Baurecht, Rz. 4.103 und
4.182; je mit Hinweisen).
15.
15.1 Es ist unstrittig, dass die Erstellung der vorliegenden Seilbahn der
UVP-Pflicht unterliegt (Ziff. 60.1 des Anhangs der Verordnung vom 19. Ok-
tober 1988 über die Umweltverträglichkeitsprüfung [UVPV, SR 814.011]).
Mit den Gesuchsunterlagen hat die Beschwerdegegnerin entsprechend ei-
nen UVB vom 22. Mai 2015 zur Talstation sowie einen UVB vom 21. Mai
2015 zur Strecke/Bergstation eingereicht. Soweit es im Verlaufe des vor-
instanzlichen Verfahrens zu mehreren Ergänzungen des UVB vor allem in
den Bereichen Lärm und Gewässerschutz kam, waren diese statthaft. Die
Ergänzungen betrafen spezifische Sachverhaltsabklärungen sowie zusätz-
liche Schutzmassnahmen und wurden dem BAFU als Fachbehörde jeweils
zur erneuten Beurteilung vorgelegt. Vorliegend besteht kein Anlass zur An-
nahme, dass infolge dieser Ergänzungen eine aktuelle und ganzheitliche
Betrachtungsweise im Sinne von Art. 8 USG nicht gewährleistet ist. Viel-
mehr ermöglichten diese gerade eine präzisere Beurteilung sowie Begren-
zung der zu erwartenden Umweltauswirkungen.
15.2 Der UVB zur Talstation nimmt verschiedentlich auf die spätere Areal-
überbauung Signal Bezug, ohne jedoch deren Umweltauswirkungen ge-
samthaft zu prüfen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden
ist es nicht angezeigt, den Prüfgegenstand des UVB auf die Arealüberbau-
ung Signal auszuweiten. Es wurde eingangs bereits ausgeführt, dass der
projektierten Ersatzanlage eine eigeständige Bedeutung zukommt. Die Ka-
binenbahn ist in baulicher und betrieblicher Hinsicht so ausgestaltet, dass
sie auch ohne Arealüberbauung Signal realisiert sowie zweckmässig be-
trieben werden kann. Während das Seilbahnprojekt Planungsreife auf-
weist, ist noch offen, wann die planerischen Grundlagen sowie ein konkre-
tes Ausführungsprojekt für die Arealüberbauung Signal vorliegen werden
(vgl. vorstehend E. 11.4.2). In Übereinstimmung mit der bestehenden
Rechtsprechung sowie der Fachmeinung des BAFU durfte die Beschwer-
degegnerin davon absehen, das weitere Vorhaben der Arealüberbauung
Signal im UVB zu erfassen.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 32
15.3 Näher einzugehen bleibt auf die Rüge der Beschwerdeführenden, der
von der Beschwerdegegnerin eingereichte UVB enthalte keine Angaben
über geprüfte Alternativen zur Kabinenbahn.
Für die Errichtung der projektierten Kabinenbahn bedarf es u.a. einer Ro-
dungsbewilligung, womit sich die Frage der Standortgebundenheit der An-
lage nach Art. 5 Abs. 2 WaG stellt. Schon aufgrund des Rodungsgesuchs
ist eine umfassende Prüfung von Alternativen nach materiellem Recht er-
forderlich. Entsprechend hätte diese Prüfung nach Art. 10b Abs. 2 Bst. b
USG Eingang in den UVB finden müssen. Auch bei einer Ersatzanlage wie
im vorliegenden Fall kann nicht von vorherein ausgeschlossen werden,
dass die Umweltauswirkungen z.B. mit einer geänderten Linienführung
oder mit einem anderen Luftseilbahnsystem massgeblich begrenzt werden
könnten. Die Beschwerdegegnerin durfte daher im UVB auf eine sorgfäl-
tige Variantenprüfung gemäss materiellem Recht nicht verzichten.
Der von den Beschwerdeführenden erhobene Einwand, der UVB sei mit
Blick auf die erforderliche Variantenprüfung inhaltlich unvollständig, erweist
sich insofern als berechtigt. Wie sich jedoch aus der nachfolgenden Erwä-
gungen ergibt, führt dieser Mangel im vorliegenden Fall nicht zur einer Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung.
Variantenprüfung Kabinenbahn
16.
16.1 In der Hauptsache rügen die Beschwerdeführenden die von der Vor-
instanz vorgenommene Variantenprüfung als ungenügend und fehlerhaft.
Konkret sind sie der Auffassung, eine Modernisierung der bestehenden An-
lage oder dann die Errichtung einer Pendelbahn oder 3S-Bahn sei aus
landschafts- und umweltschutzrechtlicher Sicht vorteilhafter als die projek-
tierte Kabinenbahn und erfülle den Zweck des Projekts – nämlich die Er-
schliessung des Gebiets Corviglia – gleichermassen. Bei einer Pendel-
oder 3S-Bahn seien keine zusätzlichen Waldrodungen erforderlich. Die Pri-
vatsphäre sei besser vor Einblicken geschützt und der Schattenwurf sowie
die Lärmimmissionen der Bahn würden weniger störend ausfallen.
16.2 Die Vorinstanz weist in der Vernehmlassung die Rügen der Beschwer-
deführenden als unbegründet zurück. Die Beschwerdegegnerin habe die
entsprechenden Abklärungen zu einer Modernisierung der bestehenden
Anlage sowie zur Systemwahl im Vorfeld vorgenommen und nachvollzieh-
bar dargelegt, weshalb eine Kabinenbahn zum Einsatz gelangen soll.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 33
16.3 Die Beschwerdegegnerin legt im Wesentlichen dar, sie habe sich ge-
stützt auf eine umfangreiche Interessenabwägung für die Kabinenbahn
entschieden. Eine Modernisierung der bestehenden Pendelbahn sei nicht
möglich und eine neue Pendelbahn wäre nicht nur umweltbelastender,
sondern würde auch für die Beschwerdeführenden grössere Emissionen
mit sich bringen. Eine 3S-Bahn wäre überdimensioniert und hätte massive
Landschaftseingriffe zur Folge.
16.4 Das BAFU erachtet in seinem Fachbericht das Projekt als umwelt-
rechtskonform. Die Vorinstanz habe die Interessenabwägung unter Be-
rücksichtigung der gesamten Umstände korrekt vorgenommen.
17.
17.1 Die Plangenehmigung setzt eine umfassende Interessenabwägung
durch die Genehmigungsbehörde voraus (vgl. Art. 9 Abs. 2 Bst. b SebG).
Diese hat die im konkreten Fall relevanten und rechtlich anerkannten Inte-
ressen zu ermitteln, zu beurteilen und so zu optimieren, dass sie in Berück-
sichtigung ihrer Beurteilung möglichst umfassend zur Geltung kommen
(vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl.
2014, § 26 Rz. 37). Regelt das Verfassungs- und Gesetzesrecht einzelne
Aspekte der Interessenabwägung konkret, hat sie vorweg zu klären, ob das
Vorhaben mit diesen Vorschriften vereinbar ist. Erst wenn dies zutrifft und
das anwendbare Recht Entscheidungsspielräume belässt, hat sie die Ab-
wägung aller zu berücksichtigenden Interessen koordiniert durchzuführen
(vgl. BGE 134 II 97 E. 3.1; Urteile des BGer 1C_595/2018 vom 24. März
2020 E. 3.5 [zur Publikation vorgesehen] und 1C_39/2017 vom 13. Novem-
ber 2017 E. 4.1; BVGE 2016/35 E. 3.4).
17.2 Im Rahmen der Gesuchsprüfung hat die Genehmigungsbehörde u.a.
die verschiedenen Einwände gegen das Projekt und alle zur Diskussion
gestellten Varianten zu beurteilen. Der Vergleich verschiedener Lösungen
ist allerdings nur dann angezeigt, wenn die einander gegenübergestellten
Varianten echte Alternativen, d.h. realistisch und einigermassen ausgereift
sind. Auch müssen nicht alle in Betracht kommenden Alternativen im Detail
projektiert sein. So dürfen insbesondere Varianten, die mit erheblichen
Nachteilen belastet sind, schon nach einer ersten summarischen Prüfung
aus dem Auswahlverfahren ausscheiden. Von der Genehmigungsbehörde
kann nicht verlangt werden, dass sie neue Varianten hinzuzieht, es sei
denn, die Prüfung der Gesuchstellerin sei nicht umfassend gewesen oder
es seien Lösungen mit offensichtlichen Vorteilen erkennbar. Liegen solche
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 34
Lösungen nicht auf der Hand, ist es Sache der Betroffenen, also z.B. von
Einsprechenden, entsprechende Anregungen zu machen; Alternativvor-
schläge sind dabei möglichst genau und umfassend vorzubringen. Kommt
die Genehmigungsbehörde ihren Prüfungspflichten nicht nach und zieht
sie im Plangenehmigungsverfahren trotz alternativer Vorschläge der Ein-
sprechenden keine Alternativen in Betracht, so liegt eine fehlerhafte Inte-
ressenabwägung und damit ein Rechtsfehler vor (vgl. zum Ganzen BGE
139 II 499 E. 7.3.1; Urteil des BGer 1C_528/2018 vom 17. Oktober 2019
E. 4.1; BVGE 2016/35 E. 3.4, 2016/13 E. 8; Urteile des BVGer
A-1251/2012 vom 15. Januar 2014 E. 27.2 f. und A-1813/2009 vom
21. September 2011 E. 12.3).
18.
18.1 Wie bereits im Zusammenhang mit der Erteilung der Personenbeför-
derungskonzession dargelegt, kommt vorliegend eine Modernisierung der
bestehenden Pendelbahn, wie dies als hauptsächliche Alternative in der
Einsprache der Beschwerdeführerin 1 geltend gemacht wird, schon aus
technischen Gründen nicht ernsthaft in Frage. Auf die Erwägungen kann
an dieser Stelle verwiesen werden (vgl. vorstehend E. 8.2).
Was die Ersatzanlage betrifft, so befasst sich die angefochtene Verfügung
im Rahmen der Gesuchsprüfung sowie aufgrund der Einsprachen der Be-
schwerdeführenden mit den folgenden drei Luftseilbahnsystemen:
- Bei der von der Beschwerdegegnerin projektierten Kabinenbahn han-
delt es sich um eine Umlaufbahn mit bis zu 31 Kabinen im Anfangsaus-
bau und bis zu 41 Kabinen im Endausbau, welche jeweils 10 Personen
Platz bietet. Hinsichtlich der Anzahl der Kabinen sind im Betrieb Bestü-
ckungsgrade von 25%, 50%, 75% sowie 100% möglich.
- Im Gegensatz zu einer Kabinenbahn würden bei der Alternative einer
neuen Pendelbahn weiterhin zwei Grosskabinen zwischen den Statio-
nen verkehren. Die beiden Grosskabinen könnten jeweils 100 Perso-
nen Platz bieten, sollte sich die Förderkapazität an der bestehenden
Pendelbahn orientieren. Diese Alternative wurde einspracheweise vor-
rangig von den Beschwerdeführenden 2 und 3 eingebracht. Die Be-
schwerdeführerin 1 spricht sich zwar nicht ausdrücklich dafür aus,
macht aber in der Eventualbegründung ihrer Einsprache geltend, auch
bei einer Modernisierung der Pendelbahn könne die von der Beschwer-
degegnerin angestrebte Kapazitätserhöhung erreicht werden. Da eine
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 35
solche Kapazitätserhöhung umfassende bauliche Anpassungen bedin-
gen würde, ist daraus zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin 1
sinngemäss eine neue Pendelbahn als bessere Alternative ebenfalls
einfordert.
- Bei der sog. 3S-Bahn schliesslich, welche die Beschwerdeführenden 2
und 3 in der Beschwerde als weitere taugliche Alternative zum Aufla-
geprojekt ansehen, handelt es sich um eine Seilbahn im Umlaufbahn-
system, die ähnlich wie bei einer Pendelbahn grössere Kabinen er-
laubt.
In der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz das von der Beschwer-
degegnerin gewählte System einer Kabinenbahn bestätigt. Bei der Ge-
samtinteressenabwägung der alternativen Seilbahnsysteme sind vor allem
die vorinstanzliche Beurteilung der betrieblichen Interessen, der Interessen
des Natur- und Heimatschutzes und der Walderhaltung sowie der Eigen-
tumsinteressen strittig geblieben. Darauf ist nachfolgend im Einzelnen ein-
zugehen.
18.2 Hinsichtlich der betrieblichen Interessen hat die Vorinstanz in der an-
gefochtenen Verfügung nachvollziehbar aufgezeigt, dass die Kabinenbahn
eine leistungsstärkere und komfortablere Transportmöglichkeit in das Ski-
und Wandergebiet Corviglia bieten kann als eine Pendelbahn oder eine 3S-
Bahn. Insbesondere ist als wichtiger Nachteil der beiden alternativen Seil-
bahnsysteme zu verzeichnen, dass die Grosskabinen keinen kontinuierli-
chen Transport von Fahrgästen ermöglichen und im Betrieb weniger flexi-
bel sind. Anders als bei einer Kabinenbahn wären die Kapazitäten starr und
könnten nicht dem Bedarf z.B. bei Spitzentagen und bei Skirennen ange-
passt werden. Sie würden damit nicht im gleichen Masse den heutigen und
auch zukünftigen Anforderungen an die touristische Beförderungsanlage
gerecht, wie dies die Kabinenbahn vorliegend vermag. Die Vorinstanz hat
diesen betrieblichen Nachteilen zu Recht ein erhebliches Gewicht beige-
messen, da es sich hier um eine Hauptzubringerbahn in ein Intensiverho-
lungsgebiet handelt.
Was die Beschwerdeführenden gegen die vorinstanzliche Beurteilung der
betrieblichen Interessen einwenden, vermag diese nicht zu widerlegen. Es
ist zwar richtig, dass die von der Beschwerdegegnerin angestrebte Kapa-
zitätssteigerung mit einer Pendelbahn oder 3S-Bahn gleichermassen er-
reichbar wäre. Gemäss Einschätzung der Vorinstanz müsste wohl aber vor
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 36
allem eine solche Pendelbahn mit Doppelstockkabinen ausgestattet wer-
den, was sich – wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird – wiederum als
deutlicher Nachteil für den Landschaftsschutz erweisen würde. Soweit die
Beschwerdeführenden ergänzend anführen, die von ihnen befürworteten
Seilbahnsysteme würden eine höhere Fahrgeschwindigkeit und so eine
kürzere Fahrzeit für die Passagiere erlauben, stünden dieser Zeitersparnis
die systembedingt längeren Wartezeiten gegenüber, die es ebenfalls zu
berücksichtigen gilt. Des Weiteren wird von der Vorinstanz in der Vernehm-
lassung bestätigt, dass eine Pendelbahn im Betrieb weniger Energie ver-
braucht als eine Kabinenbahn. Zugleich weist sie darauf hin, dass die Mög-
lichkeit der Teilbestückung einer Kabinenbahn energetisch vorteilhaft sei.
Soweit die Beschwerdeführenden sich auf den geringeren Energiever-
brauch der alternativen Seilbahnsysteme berufen, erscheint dieser Aspekt
bei den vorliegenden Gegebenheiten nicht ausschlaggebend, zumal eine
Kabinenbahn bei geringem Passagieraufkommen mit weniger Gondeln
und reduzierter Fahrgeschwindigkeit betrieben werden kann. Ferner ergibt
sich nicht aus den Akten, dass das Auflageprojekt in Bezug auf die Wind-
stabilität als problematisch zu erachten wäre. Selbst wenn die beiden an-
deren Bahnsysteme, wie von Beschwerdeführenden vorgebracht, über
eine bessere Windstabilität verfügen würden, so dürfte dies vorliegend
nicht als wesentlicher Vorteil anzusehen sein, der den eingangs genannten
betrieblichen Nachteil der Alternativvarianten ausgleichen könnte.
Die Gesamtkosten der neuen Kabinenbahn belaufen sich auf ca. 35 Mio.
Franken. Die Kosten einer neuen Pendelbahn werden von der Beschwer-
degegnerin auf 40 bis 50 Mio. Franken geschätzt. Die Kosten einer 3S-
Bahn dürfte nach der Beschwerdegegnerin nochmals höher liegen, wobei
sie sich für ihre Schätzung ergänzend auf die Vergleichszahlen anderer
Neuanlagen in Ischgl und Zermatt stützt. Die Beschwerdeführenden be-
streiten, dass die Alternativvarianten teurer wären und verweisen in ihrer
Begründung auf die tieferen Erstellungskosten einer 3S-Bahn in Kitzbühl.
Allein die von den Beschwerdeführenden angeführte Anlage in Kitzbühl
vermag indes die Ausführungen der Beschwerdegegnerin zum konkreten
Fall nicht zu widerlegen. Deren Annahme, dass sich die Alternativvarianten
als voraussichtlich nachteilig hinsichtlich der Kosten erweisen würden, ist
vielmehr nachvollziehbar. Im Übrigen bleibt anzumerken, dass die in der
Beschwerdeantwort ergänzend angeführten Nachteile einer Pendelbahn
oder 3S-Bahn nicht vollständig überzeugen. Von der Beschwerdegegnerin
wird nicht schlüssig begründet und es ist auch nicht ersichtlich, weshalb
diese Seilbahnsysteme in Bezug auf die erforderliche Behindertengerech-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 37
tigkeit der Anlage wesentliche Nachteile aufweisen sollten. Was den Wa-
rentransport betrifft, so ist zwar ein kontinuierlicher Warentransport nur bei
einer Kabinenbahn möglich, wie von der Beschwerdegegnerin dargelegt.
Dafür könnten bei einer Pendelbahn oder einer 3S-Bahn auch sperrige Wa-
ren oder grössere Warenmengen zusammen transportiert werden, wie dies
die Beschwerdeführenden einwenden. Soweit der Aspekt des Warentrans-
ports bei der vorliegenden Bahn überhaupt von Bedeutung erscheint, dürf-
ten sich daher die betrieblichen Vor- resp. Nachteile der einzelnen Systeme
wohl ungefähr die Waage halten.
Hinsichtlich der betrieblichen Interessen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass kein Grund besteht von der vorinstanzlichen Beurteilung abzu-
weichen. Im hier strittigen Fall weisen die beiden alternativen Seilbahnsys-
teme vor allem den wesentlichen betrieblichen Nachteil auf, dass sie keine
kontinuierliche und betrieblich flexible Transportmöglichkeit in das Intensiv-
erholungsgebiet bieten können.
18.3 Im Folgenden ist zu klären, wie es sich mit den Aspekten des Natur-
und Heimatschutzes sowie der Walderhaltung verhält.
Gemäss der angefochtenen Verfügung sind vom Bau der Kabinenbahn
rund 4'000 m2 nach NHG schutzwürdige Flächen (vorwiegend Arven-Lär-
chenwälder, Zwergwachholder) betroffen. Es sind Rodungen im Umfang
von insgesamt 1'580 m2 (608 m2 temporär und 972 m2 definitiv) vorgese-
hen. Auf drei Abschnitten des Trassees sind zudem Niederhaltungen in ei-
nem Korridor von ca. 18 m Breite und auf einer Fläche von insgesamt
14'970 m2 geplant. Wie sich dem UVB zur Strecke/Bergstation entnehmen
lässt, wird das Landschaftsbild im Bereich der Seilbahn durch den Arven-
Lärchenwald mit vereinzelten Villen sowie durch Bauten und Strassen von
St. Moritz Bad im Gebiet der untersten beiden Stützen geprägt. Die heutige
Pendelbahn, vor allem der markante Kubus der Bergstation und die hohe
Seilführung mit der grossen Stütze, ist wahrnehmbar. Bei der projektierten
Kabinenbahn erfährt das Landschaftsbild gemäss UVB durch den vorge-
sehenen Rückbau der Bergstation eine Aufwertung, da die neue Bergsta-
tion zwar weiterhin sichtbar ist, aber kleiner ausfällt und sich architekto-
nisch besser in das Landschaftsbild einfügt. Des Weiteren wird die heutige
exponierte Stütze durch acht kleinere, aber teilweise gut sichtbare Stützen
ersetzt. Während des Betriebs sind zudem die Gondeln dauerhaft sichtbar.
Nach dem UVB tritt das Trassee nicht als Schneise in Erscheinung, da nur
kleinräumige definitive Rodungen im Bereich der Stützen vorkommen und
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 38
das Niederhalteservitut streckenweise auch ausgewachsene Bäume zu-
lässt. Ein Flachmoor von regionaler Bedeutung wird durch die Seilführung
wie bisher überspannt, ohne dass jedoch ein Eingriff in die Vegetation er-
folgt. lnventarobjekte des Natur- und Landschaftsschutzes werden nicht
tangiert. Im UVB zur Talstation wird u.a. ausgeführt, dass mit der geplanten
Talstation und der Arealüberbauung Signal das Ortsbild beim westlichen
Ortseingang aufgewertet werden soll. Die Sichtbezüge zwischen den Tal-
seiten bleiben gewährleistet. Von der projektierten Talstation selbst, so der
UVB, sind keine Waldflächen oder geschützte Lebensräume betroffen.
Mangels Planungsreife sind die genauen Auswirkungen der beiden alter-
nativen Seilbahnsysteme nicht bekannt. Generell gilt gemäss den Ausfüh-
rungen der Vorinstanz, dass eine Pendelbahn und auch eine 3S-Bahn
grössere Stationsgebäude und weniger, aber dafür massivere Masten er-
fordern als eine Kabinenbahn. Mit Blick auf den Landschaftsschutz ist fest-
zuhalten, dass die alternative Pendelbahn sowie die 3S-Bahn den Vorteil
hätten, dass sie mit weniger Kabinen wie auch Stützen auskämen. Die sei-
tens der Beschwerdeführenden kritisierte Wirkung der Kabinenbahn, dass
die Gondeln "einer Perlenkette gleich" während des Betriebs dauerhaft in
der Landschaft sichtbar wären, könnte vermieden werden. Soweit die al-
ternativen Anlagen eine höhere Seilführung bei einer geringen Anzahl an
Stützen erlauben, dürfte dies auch dem Wald und der nach NHG schutz-
würdigen Flächen zumindest teilweise zu Gute kommen. Diesen Vorteilen
der Alternativvarianten stehen jedoch gewichtige Nachteile gegenüber.
Sollte die Pendelbahn eine ähnliche Kapazität wie die projektierte Kabinen-
bahn erreichen, müsste sie nach der Einschätzung der Vorinstanz wohl mit
Doppelstockkabinen ausgestattet werden. In diesem Fall müsste die
Stütze, sofern eine einzelne überhaupt genügt, und auch die exponierte
Bergstation erheblich grösser dimensioniert werden, was sich deutlich ne-
gativ im Landschaftsbild niederschlagen würde. Ähnliches dürfte auch für
die Errichtung einer 3S-Bahn gelten, wobei diese laut Vorinstanz sicherlich
zusätzliche Stützen benötigen würde.
Selbst wenn bei einer neuen Pendelbahn auf eine Kapazitätssteigerung zu
verzichten wäre, käme eine solche Ersatzanlage nicht ohne zusätzlichen
Eingriff in die Landschaft, in die nach NHG schutzwürdigen Flächen und in
das Waldgebiet aus. In der Vernehmlassung hat die Vorinstanz die Aus-
sage der Beschwerdegegnerin bestätigt, dass bei einer Ersatzanlage auf-
grund neuer Vorschriften namentlich grössere Sicherheitsabstände im Be-
reich der Querpendelung zu beachten wären. Nach Angabe der Vorinstanz
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 39
waren beispielsweise auch in Davos zusätzliche definitive Rodungen erfor-
derlich, als dort eine bestehende Pendelbahn durch eine neue gleichwer-
tige Pendelbahn ersetzt wurde.
Auch wenn die Vorinstanz in der Vernehmlassung keine exakten Angaben
zur Dimensionierung einer neuen Pendelbahn oder 3S-Bahn machen
konnte, so ist es doch einsichtig, dass die grössere Bergstation sowie die
massiveren Stützen der Alternativvarianten insgesamt als erheblicher
Nachteile für den Landschaftsschutz zu erachten sind. Die von den Be-
schwerdeführenden demgegenüber geltend gemachten Vorteile erschei-
nen nicht als derart eindeutig, dass sie die erkannten Nachteile aufzuwie-
gen vermögen. Angesichts dessen, dass die Seilbahn sich an einer von
St. Moritz weithin sichtbaren Lage befindet, ist auch nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz dem Interesse des Landschaftsschutzes ein verstärk-
tes Gewicht beigemessen hat.
18.4 Unter dem Aspekt der Eigentumsinteressen der Beschwerdeführen-
den ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Linienführung der Ersatzan-
lage wie schon bisher in ca. 15 m Entfernung an der Parzellengrenze der
Beschwerdeführerin 1 vorbeiführt und die Parzellen der Beschwerdefüh-
renden 2 und 3 direkt überquert (inkl. Schwenkbereich). Nachdem mit den
Beschwerdeführenden 2 und 3 keine Einigung über einen freihändigen Er-
werb der erforderlichen Durchleitungs- und Überleitungsdienstbarkeiten er-
zielt werden konnte, reichte die Beschwerdegegnerin die entsprechenden
Enteignungsgesuche ein. Die Dienstbarkeiten zu Lasten der Parzellen der
Beschwerdeführenden 2 und 3 sind bei allen drei Seilbahnsystemen erfor-
derlich.
Was die Einsehbarkeit der Liegenschaften betrifft, so kann eine Kabinen-
bahn zu einer vermehrten Beeinträchtigung der betroffenen Liegenschaf-
ten führen. Dies wird auch in der angefochtenen Verfügung nicht in Abrede
gestellt. Denn anders als bei einer Pendelbahn oder einer 3S-Bahn schwe-
ben die Gondeln der projektierten Kabinenbahn in einer geringeren Höhe
und während des Betriebs ohne zeitlichen Unterbruch an den Liegenschaf-
ten vorbei. Von den Beschwerdeführenden wird hierbei geltend gemacht,
dass das Gefühl, unter dauernder Beobachtung zu stehen, auch schon bei
unbesetzten Kabinen einsetzen würde. Von den Gondeln der Kabinenbahn
können der Garten und teilweise die Balkone der Beschwerdeführenden 2
und 3 eingesehen werden. Die Einsehbarkeit in den Innenbereich der Woh-
nungen wird bei der Entfernung tagsüber von der Beschwerdegegnerin
nicht erwartet, zumal die Gebäude seitlich versetzt zum Seilbahntrassee
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 40
angeordnet sind. Diese Annahme ist nachvollziehbar und findet ihre Bestä-
tigung in der mit der Beschwerdeantwort eingereichten Fotodokumenta-
tion. Der Umstand, dass vorwiegend die Aussenräume und diese aus einer
gewissen Entfernung einsehbar sind, relativiert somit die von den Be-
schwerdeführenden beanstandete vermehrte Beeinträchtigung der Pri-
vatsphäre. Hinzu kommt, dass aus der in Fahrt befindlichen Gondeln der
Kabinenbahn kaum ein längerer Beobachtungsblick möglich ist und es sich
somit um einen flüchtigen Einblick handelt, was den effektiven Eingriff in
die Privatsphäre ebenfalls zumindest mindert. Schliesslich gilt es zu be-
achten, dass die Aussenräume der Liegenschaften der Beschwerdeführen-
den 2 und 3 auch bei einer Pendelbahn oder 3S-Bahn einsehbar wären,
wenn auch aus grösserer Entfernung und mit geringerer Frequenz als beim
Auflageprojekt. Hinsichtlich der Liegenschaft der Beschwerdeführerin 1 hat
die Beschwerdegegnerin sodann ebenfalls anhand von Fotos nachvoll-
ziehbar visualisiert, dass bei der dortigen wesentlich tieferen Seilführung
der Kabinenbahn die Bäume in diesem Abschnitt einen weitgehenden
Sichtschutz bieten. Aufgrund der örtlichen Besonderheiten wird hier der
Schutz der Privatsphäre sogar besser gewahrt als bei der höheren Seilfüh-
rung der alternativen Seilbahnsysteme.
Die einzelnen Seilbahnsysteme unterscheiden sich sodann hinsichtlich des
Schattenwurfes. Bei der Kabinenbahn befürchten die Beschwerdeführen-
den eine Zunahme der Lichtimmissionen durch den ständigen Wechsel von
Licht und Schatten der vorbeifahrenden Gondeln, vergleichbar mit dem
störenden Schattenwurf des Rotors einer Windenergieanlage. Bei der Ka-
binenbahn fällt der einzelne Schattenwurf angesichts kleinerer Gondeln
geringer aus als bei einer alternativen Pendelbahn oder 3S-Bahn. Gleich-
zeitig ist jedoch die Anzahl der Schattenwürfe deutlich höher, weshalb die
Systemwahl einer Kabinenbahn zu verstärkten Lichtimmissionen führen
kann. Im vorliegenden Fall gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass ge-
mäss den überzeugenden Darlegungen der Vorinstanz die störende Wir-
kung des wechselnden Schattenwurfs der Gondeln allgemein mit zuneh-
mender Entfernung abnimmt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
renden kann der Schattenwurf überdies nicht ohne Weiteres mit der einer
Windenergieanlage gleichgesetzt werden. Bei einer maximalen Fahrge-
schwindigkeit der Kabinen von 6 m/s wandert der Schatten deutlich lang-
samer als dies bei den Rotoren einer Windenergieanlage der Fall wäre. Die
Geschwindigkeit der Flügelspitze einer Windenergieanlage beträgt in der
Regel über 56 m/s, wobei der Schlagschatten "blitzartig" und nicht "schlei-
chend" wie bei einer Kabinenbahn auftritt (vgl. hierzu auch die technischen
Ausführungen im Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg [Deutschland]
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 41
Au 6 K 19.1128 vom 6. November 2019 E. 46 betreffend Bau- und Betriebs-
genehmigung für eine Seilbahnerweiterung; abrufbar un-
ter <https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-
BECKRS-B-2019-N-34159?hl=true>, besucht am 17. August 2020). Die
Beurteilung der Vorinstanz erscheint daher einsichtig, dass bei der vorlie-
genden Distanz die Liegenschaften der Beschwerdeführenden 2 und 3
durch den vermehrten Schattenwurf der Kabinenbahn zwar tangiert, nicht
aber erheblich gestört werden. Hinsichtlich der Liegenschaft der Beschwer-
deführerin 1 dürften wiederum die dortigen Bäume einen weitgehenden
Schutz vor der Schattenwirkung der Gondeln bieten.
Die Parteien sind sich uneins, ob die beiden Alternativvarianten zu einer
tieferen oder sogar zu einer höheren Lärmbelastung der Liegenschaften
der Beschwerdeführenden führen würden. Wie nachfolgend zu zeigen sein
wird, können gemäss Lärmnachweis bei der projektierten Seilbahn die gel-
tenden Planungswerte an allen Ermittlungsorten eingehalten werden (vgl.
nachstehend E. 30). Bei einer Pendelbahn oder eine 3S-Umlaufbahn wäre
die Anzahl der Gondeln und der Stützen geringer, was die Frequenz der
Lärmereignisse reduzieren würde. Zumindest bei einer Pendelbahn, wo die
Gondeln auf Rollen über das Tragseil fahren, würden aber auch zusätzli-
che Fahrgeräusche auf dem Seil anfallen. Zugleich wäre bei Grosskabinen
das jeweilige Überqueren der Stütze nach Angabe der Beschwerdegegne-
rin deutlicher zu hören. Soweit beim aktuellen Planungsstand der Alterna-
tivvarianten eine Beurteilung des Lärms überhaupt möglich ist, kann inso-
fern nicht von klaren Vorteilen gesprochen werden. Da zudem die Pla-
nungswerte wie erwähnt beim Auflageprojekt eingehalten sind, kommt die-
sem Aspekt auch keine gewichtige Bedeutung im Rahmen der vorliegen-
den Variantenprüfung zu.
Mit Blick auf die Wahrung der Eigentumsinteressen der Beschwerdefüh-
renden sind somit einzelne Vorteile der alternativen Seilbahnsysteme na-
mentlich hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre, des Schutzes vor
Lichtimmissionen und allenfalls auch des Lärmschutzes erkennbar. Gleich-
wohl sind diese Vorzüge bei den konkreten Gegebenheiten nicht als erheb-
lich einzustufen, zumal auch gewisse Nachteile unter diesen Aspekten zu
verzeichnen sind. Die vorinstanzliche Beurteilung der betroffenen Eigen-
tumsinteressen ist daher ebenfalls zu bestätigen.
18.5 Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung ist somit aus den vorstehenden
Erwägungen zu schliessen, dass die geforderten Alternativen einer Pen-
delbahn und einer 3S-Bahn wesentliche Nachteile in betrieblicher Hinsicht
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 42
sowie in Bezug auf den Schutz des Landschaftsbildes erkennen lassen,
ohne dass andere namhafte Vorteile insbesondere hinsichtlich der Eigen-
tumsinteressen der Beschwerdeführenden dem gegenüberstehen würden.
Die Vorinstanz durfte sich deshalb auf eine summarische Prüfung dieser
beiden Varianten beschränken und war nicht gehalten, die Beschwerde-
gegnerin zu einer detaillierten Projektierung zu verpflichten und diese hier-
nach als echte Alternativen zu prüfen. Trotz unvollständigem UVB (vgl. vor-
stehend E. 15.3) ist im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Alternativen einer
Pendelbahn und einer 3S-Bahn verworfen hat.
Im Folgenden bleibt auf die übrigen Rügen der Beschwerdeführenden ein-
zugehen, soweit diese nicht bereits durch die vorangehenden Erwägungen
ausdrücklich oder implizit widerlegt wurden.
Zonenkonformität
19.
19.1 Die Beschwerdeführenden rügen die projektierte private Mantelnut-
zung der Talstation als nicht zonenkonform. Abweichend zum kantonalen
Recht, so die Beschwerdeführenden in ihrer Begründung, lasse das Bau-
gesetz von St. Moritz eine untergeordnete private Nutzung in der Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen nicht zu. Selbst wenn eine private Nutzung
in dieser Zone als zulässig zu erachten wäre, wäre diese im vorliegenden
Fall keineswegs von untergeordneter Bedeutung. Es sei davon auszuge-
hen, dass mindestens 2'000 m2 bis 3'100 m2 der Fläche für private Nutzun-
gen bestimmt sei, weshalb auch die von der Vorinstanz vorgenommene
Flächenzuordnung der Talstation fehlerhaft sei.
19.2 Die Vorinstanz vertritt in der Vernehmlassung die Ansicht, dass die
Zone für öffentliche Bauten und Anlagen den Bau der Talstation mit den
geplanten Nutzungen zulasse. Zur Begründung verweist sie auf ihre Erwä-
gungen der angefochtenen Verfügung sowie auf die Stellungnahmen des
Kantons Graubünden und der Gemeinde St. Moritz im vorinstanzlichen
Verfahren.
19.3 Die Beschwerdegegnerin erklärt ebenfalls, dass die Talstation in der
Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zonenkonform sei. Des Weiteren
erläutert sie im Einzelnen die vorgesehene Nutzung.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 43
19.4 Das ARE äusserst sich in seinem Fachbericht zum Verhältnis des
Konzessions- und Plangenehmigungsverfahrens zur kommunalen Nut-
zungsplanung. Es sieht die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen als
geeignete Zone für die Errichtung der Talstation an.
20.
Der Wortlaut von Art. 9 SebG kennt keine Vorgabe, wonach im Rahmen
des Plangenehmigungsverfahrens kantonale Pläne nicht erforderlich sind.
Er unterscheidet sich damit von den meisten anderen Bundesgesetzen, die
eine Plangenehmigungskompetenz des Bundes im konzentrierten Ent-
scheidverfahren normieren (z.B. Art. 18 Abs. 4 des Eisenbahngesetzes
vom 20. Dezember 1957 [EBG, SR 742.101], Art. 16 Abs. 4 des Bundes-
gesetzes vom 24. Juni 1902 betreffend die elektrischen Schwach- und
Starkstromanlagen [Elektrizitätsgesetz, EleG, SR 734.0] und Art. 26 Abs. 3
des Bundesgesetzes vom 8. März 1960 über die Nationalstrassen [NSG;
SR 725.11]). Nach den Materialien zum SebG sind die kantonalen, insbe-
sondere raumplanerischen Vorgaben (Richtplan, Zonenplan) zu berück-
sichtigen und im Verfahren zur Erteilung der Plangenehmigung und der
Konzession wird u.a. geprüft, ob das Projekt den Nutzungsplänen ent-
spricht (Botschaft vom 22. Dezember 2004 zum Bundesgesetz über Seil-
bahnen zur Personenbeförderung, BBl 2005 913 und 922 [nachfolgend:
Botschaft SebG]; vgl. kritisch TSCHANNEN/MÖSCHING, Bauen auf Bahn-
arealen, Raum & Umwelt Nr. 6/2009 S. 12). In der Vollzughilfe Seilbahnen
2013 wird hierzu ausgeführt, dass die Festlegung der zulässigen Nutzung
des Bodens nach Art. 14 des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die
Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700) von der Verfahrens-
konzentration nicht erfasst werde: Die Zuweisung der durch die Seilbahn
beanspruchten Flächen (Stationen und ihre Umgebung, Trassee) im Rah-
men der Nutzungsplanung zu einer Zone für Bauten und Anlagen für den
Schneesport oder andere Freizeitaktivitäten (z.B. Schneesportzone, Win-
tersportzone oder Freizeitzone) stelle die raumplanerische Grundlage für
die Erteilung der Plangenehmigung durch die Vorinstanz dar (Vollzugshilfe
Seilbahnen 2013, S. 20).
21.
21.1 Gemäss Zonenplan der Gemeinde St. Moritz befindet sich der Stand-
ort der Talstation in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Strittig
und nachfolgend zu prüfen ist, ob die private Mantelnutzung der Talstation
nach kantonalem sowie kommunalem Recht zulässig ist. Die Zonenkonfor-
mität der Seilbahnanlage selbst ist unbestritten geblieben.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 44
Zwischen den Verfahrensbeteiligten besteht Einigkeit, dass im vorliegen-
den Plangenehmigungsverfahren auch über die Mantelnutzung der Talsta-
tion zu befinden ist und es sich hier nicht um eine Nebenanlage im Sinne
von Art. 10 SebG handelt.
21.2 Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen sind nach Art. 28 Abs. 1 des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden vom 6. Dezember
2004 (KRG/GR, BR 801.100) für öffentliche oder öffentlichen Interessen
dienende Bauten und Anlagen bestimmt. Untergeordnete private Nutzun-
gen sind zulässig, wenn sie mit zonenkonformen Bauten baulich verbun-
den sind. Das Baugesetz der Gemeinde St. Moritz vom 14. März 1999
(nachfolgend: BG/St. Moritz) statuiert in Art. 83 Abs. 1, dass die Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen für öffentliche oder öffentlichen Interessen
dienenden Bauten und Anlagen bestimmt ist. In der Fn. 34 zu Art. 83
BG/St. Moritz wird auf die ergänzende Regelung in Art. 28 Abs. 1 und 2
KRG/GR verwiesen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist nicht erkennbar,
dass eine strengere kommunale Regelung besteht, die abweichend zu
Art. 28 Abs. 1 KRG/GR untergeordnete private Nutzungen in der Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen ausschliesst. Gegen eine solche gesetzli-
che Einschränkung spricht besonders der Verweis auf Art. 28 Abs. 1
KRG/GR in der Fn. 34 zu Art. 83 BG/St. Moritz. Mit der Vorinstanz ist des-
halb davon auszugehen, dass auch in der Gemeinde St. Moritz unterge-
ordnete private Nutzungen in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen
grundsätzlich bewilligungsfähig sind, wenn sie mit zonenkonformen Bauten
baulich verbunden sind. Unter diesen Umständen ist auf die unter den Par-
teien strittig gebliebene Frage, ob eine strengere kommunale Regelung
nach kantonalem Recht überhaupt zulässig wäre, nicht näher einzugehen.
21.3
21.3.1 Die hier strittige private Mantelnutzung ist räumlich in die projektierte
Talstation integriert. Zu klären bleibt, ob die vorgesehene private Nutzung
als untergeordnet im Sinne von Art. 28 Abs. 1 KRG/GR zu qualifizieren ist,
ob sie mithin in quantitativer Hinsicht den Rahmen des Zulässigen über-
schreitet.
21.3.2 In der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen darf eine private Ne-
bennutzung – wie in Art. 28 Abs. 1 KRG/GR ausdrücklich normiert – nur
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 45
von untergeordneter Bedeutung sein. Erreicht sie ein Mass, das sie im Ver-
gleich zur öffentlichen Nutzung ihrerseits zu einer Hauptnutzung macht, so
ist sie in dieser Zone nicht zulässig. Das Ausmass der noch zulässigen
privaten Nutzung ist nicht in abstrakter Weise, sondern im Einzelfall auf-
grund von Kriterien wie der Grösse ihrer Bauten und Anlagen, ihrer Flä-
chenbeanspruchung, der Nutzung der Parkplätze oder der mit ihr verbun-
denen Immissionsbelastung zu bestimmen (vgl. DANIEL GSPONER, Zone für
öffentlichen Bauten und Anlagen, 2000, S. 173, Fn. 1232 mit Hinweisen).
21.3.3 In der angefochtenen Verfügung werden die folgenden Räumlich-
keiten der geplanten Talstation funktional der Seilbahn und damit der öf-
fentlichen Nutzung zugeordnet: Lagerräume, Anlieferungsflächen, Kabi-
nengaragierung, Werkstätten, Kassengebäude, diverse Technikräume,
WC-Anlagen, weitere Gebäudetechnikräume, Erschliessungsflächen
(Treppenaufgänge, Rolltreppen, Stockwerkgänge) und Verwaltungsräume
im Attikageschoss, soweit sie von der Beschwerdegegnerin benutzt wer-
den. Die weiteren Verwaltungsräume im Attikageschoss, die für Gesell-
schaften mit öffentlichen Dienstleistungen bestimmt sind (z.B. Tourismus-
büro), werden als öffentliche Nutzung ohne funktionalen Bezug zur Seil-
bahn eingestuft. Die übrige Mantelnutzung, d.h. Bar/Gastronomie, Sport-
und Skishop mit Verkaufsfläche und Skidepot, werden als private Nutzung
qualifiziert. Auf diese Weise kommt die Vorinstanz auf eine private Mantel-
nutzung von ca. 1'100 m2 der gesamten Gebäudefläche von 8'300 m2 (Flä-
che Untergeschoss, Erdgeschoss und vier Obergeschosse: 6'668.40 m2;
Aussengeschossfläche: 1'642.70 m2).
Die vorgenannte Flächenzuteilung der Talstation wurde von der Vorinstanz
im Einzelnen begründet und erscheint als sachlich vertretbar. Mit einem
relativen Anteil der privaten Nutzungsfläche von wenig mehr als 10 % der
gesamten Gebäudefläche ergibt sich die Dimensionierung der Talstation
primär aus der öffentlichen und nicht aus der privaten Mantelnutzung. Auch
wenn die Fläche, die für die Bar/Gastronomie, Sport- und Skishop inkl. Ver-
mietung und Skidepot bestimmt ist, in absoluten Zahlen durchaus eine re-
levante Grösse erreicht, so wird die öffentliche Nutzung dadurch noch nicht
in den Hintergrund gedrängt. Vielmehr ist die vorgesehene private Mantel-
nutzung, wie von der Vorinstanz dargelegt, unmittelbar auf den Seilbahn-
betrieb ausgerichtet und weist einen engen sachlichen Zusammenhang zur
öffentlichen Nutzung auf. Da sich die Zielgruppe der privaten Mantelnut-
zung hauptsächlich aus derjenigen der öffentlichen Seilbahn rekrutieren
dürfte, ist auch nicht davon auszugehen, dass infolge der privaten Neben-
nutzung zusätzliche Parkplätze erforderlich wären oder mit ihr eine starke
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 46
Immissionszunahme einhergehen würde. Soweit die Beschwerdeführen-
den vorbringen, eine anderweitige kommerzielle Nutzung der Räumlichkei-
ten sei absehbar, fehlt es für diese Behauptung an konkreten Anhaltspunk-
ten, zumal sich die Talstation namentlich als Standort für einen grösseren
Sport- und Skishop besonders eignen dürfte.
Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der konkreten Verhältnisse erreicht
die vorgesehene private Mantelnutzung somit nicht ein Mass, das sie im
Vergleich zur öffentlichen Nutzung ihrerseits zu einer Hauptnutzung macht.
Das hätte selbst dann noch zu gelten, wenn der von der Beschwerdefüh-
renden vertretenen Flächenzuordnung zu folgen und der privaten Mantel-
nutzung mindestens 2'000 m2 bis 3'100 m2 der Gebäudefläche zuzuordnen
wäre. Angesichts des vorliegenden engen sachlichen Zusammenhangs
entspräche diese Grösse gerade noch dem zulässigen Mass. Es erübrigt
sich deshalb, auf die diesbezüglichen Vorbringen der Beschwerdeführen-
den detailliert einzugehen. Ebenfalls offenbleiben kann die Frage, wie es
sich mit der privaten Mantelnutzung von anderen Seilbahnstationen im
Kanton Graubünden verhält. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführe-
rin 1 besteht bei dieser Sachlage schliesslich auch keine Veranlassung, die
zukünftige Einhaltung der Zonenordnung mittels Erlass einer Auflage si-
cherzustellen.
21.4 Die Vorinstanz ist somit zu Recht zum Ergebnis gelangt, dass vorlie-
gend die private Mantelnutzung der Talstation eine untergeordnete Rolle
im Vergleich zur öffentlichen Nutzung spielt und sie sich in der aktuell gel-
tenden Zone für öffentliche Bauten und Anlagen als zulässig erweist.
Kommunale Bauvorschriften
22.
22.1 Des Weiteren rügen die Beschwerdeführenden, bei der Talstation
seien die kommunalen Bauvorschriften zur Gebäudelänge und Gebäude-
höhe nicht eingehalten. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Aus-
nahmebewilligung nach Art. 23 RPG seien nicht gegeben, vor allem da die
Abweichungen bei den Gebäudemassen seilbahntechnisch nicht erforder-
lich seien und auch die angedachte Zonenplanrevision für die Arealüber-
bauung Signal keine Vorwirkung entfalten könne.
22.2 Die Vorinstanz erklärt in der Vernehmlassung, es sei nach nochmali-
ger Beurteilung der Sachlage festzuhalten, dass die geplante Talstation
auch ohne Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 23 RPG die
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
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kommunalen Bauvorschriften erfülle. Die erteilte Ausnahmebewilligung in
der angefochtenen Verfügung sei nicht erforderlich.
22.3 Die Beschwerdegegnerin erachtet die Erteilung einer Ausnahmebe-
willigung nach Art. 23 RPG ebenfalls nicht als notwendig. Bei der Projek-
tierung der Talstation habe sie die Bauvorschriften der angrenzenden Zo-
nen angemessen berücksichtigt.
22.4
22.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 2 BG/St. Moritz gelten in der Zone für öffentli-
che Bauten und Anlagen gegenüber angrenzenden Zonen sinngemäss de-
ren Grenz- und Gebäudeabstände, mindestens aber von 2,5 m bzw. 5 m.
Die übrigen Zonenvorschriften der angrenzenden Zonen sind bei der Er-
stellung von Bauten und Anlagen angemessen zu berücksichtigen. Nach
der bundesgerichtlichen Praxis ist es zulässig, die Bauvorschriften in der
Zone für öffentliche Bauten und Anlagen offen zu umschreiben, da die öf-
fentlichen Nutzungsarten sehr unterschiedlich sein können (z.B. Schul-
haus, Spital, Kehrichtverbrennungsanlage; vgl. Urteil des BGer
1C_449/2015 vom 25. Februar 2016 E. 4.3.2 mit Hinweisen). In einem die
Gemeinde Arosa betreffenden Fall erwog das Bundesgericht, das kommu-
nale Baugesetz sehe für die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen keine
fest definierten Kennzahlen für die maximale Ausnützungsziffer sowie für
die Gebäudehöhe und -länge vor, sondern bestimme einzig, dass die Vor-
schriften der angrenzenden Zonen angemessen zu berücksichtigen seien.
Der Gemeinde stehe insoweit ein gewisser Spielraum zu, der pflichtge-
mäss und willkürfrei auszuüben sei (vgl. Urteil des BGer 1C_234/2012 vom
29. August 2012 E. 4.5).
22.4.2 Vorliegend ist zu klären, ob die Gebäudehöhe sowie die Gebäude-
länge der projektierten Talstation nach dem BG/St. Moritz zulässig sind.
Nicht mehr strittig ist die Einhaltung der Grenzabstände der Talstation,
nachdem im Rahmen des vorliegenden Schriftenwechsels das Protokoll
des Gemeinderates von St. Moritz vom 29. September 2016 über die Ge-
nehmigung des Dienstbarkeitsvertrags zu den Akten gereicht wurde.
In der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen gilt nach Art. 83 Abs. 2
BG/St. Moritz, dass für die Gebäudehöhe und die Gebäudelänge die Zo-
nenvorschriften der angrenzenden Zonen angemessen zu berücksichtigen
sind. Das kommunale Recht selbst eröffnet damit einen gewissen Spiel-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 48
raum, der von der Bewilligungsbehörde pflichtgemäss und willkürfrei aus-
zuüben ist. Die hier strittige Talstation grenzt an die Äussere Dorfzone an,
wo gemäss Zonenschema eine maximale Gebäudehöhe von 15.5 m und
eine maximale Gebäudelänge von 45 m gilt (Art. 86 Abs. 4 BG/St. Moritz).
Die projektierte Talstation weist eine Gebäudehöhe von rund 22 m auf.
Hierzu gilt es festzuhalten, dass schon die 2./3. Ebene, in der sich u.a. der
Ein- und Ausstiegsbereich der Seilbahn befindet, technisch bedingt eine
Höhe von 17.8 m erreicht und damit die maximale Gebäudehöhe für die
Äussere Dorfzone von 15.5 m überschreitet. Das Attikageschoss der
4. Ebene, in dem ausschliesslich Büroräumlichkeiten vorgesehen sind, ist
sodann räumlich zurückversetzt und tritt dadurch nicht dominant in Erschei-
nung. Letzteres ergibt sich mit hinreichender Klarheit aus den Visualisie-
rungen in den Plangenehmigungsunterlagen. Was die Gebäudelänge der
Talstation von rund 62 m betrifft, so ist diese im Wesentlichen bereits auf
den Flächenbedarf in der 2./3. Ebene für den Ein- und Ausstiegsbereich
der Seilbahn und die Garagierung der Kabinen zurückzuführen. Weiter gilt
es zu beachten, dass die unmittelbare Umgebung der Talstation gerade
durch grössere Gebäudekomplexe geprägt wird. So weist nach Angaben
der Vorinstanz das Gebäude der Nachbarparzelle Nr. 1962 eine Länge von
ca. 64 m und das gegenüberliegende Personalhaus des Hotel Kempinski
eine Länge von ca. 70 m auf. In Anbetracht der konkreten Gegebenheiten
erweisen sich somit die Gebäudehöhe und -länge der Talstation, selbst so-
weit diese nicht durch die Seilbahn bedingt sind, nicht als unangemessen.
Das Projekt nimmt auf die Zonenvorschriften der angrenzenden Äusseren
Dorfzone genügend Rücksicht und eine Verletzung von Art. 83 Abs. 2
BG/St. Moritz ist nicht erkennbar.
Wie von der Vorinstanz anlässlich der Vernehmlassung zutreffend erkannt,
bedarf es bei dieser Sachlage keiner Ausnahmebewilligung im Sinne von
Art. 23 RPG. Die in der angefochtenen Verfügung erteilte Ausnahmebewil-
ligung kann vorliegend keine eigenständige Rechtswirkung entfalten, wes-
halb auf die von der Beschwerdeführenden dagegen erhobenen Rügen
nicht näher einzugehen ist. Gleichfalls braucht nicht geklärt zu werden, ob
die Vorinstanz der geplanten Teilrevision der Ortsplanung eine unzulässige
Vorwirkung zuerkannt hat, wie dies die Beschwerdeführenden kritisieren.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 49
Gewässerraum
23.
23.1 Die Beschwerdeführenden rügen, das aufgelegte Projekt sei nicht ge-
nehmigungsfähig, da der Gewässerabstand zum Inn nicht eingehalten
werde. Die Gemeinde St. Moritz habe den Gewässerraum noch nicht ver-
bindlich festgelegt, womit die bundesrechtlichen Übergangsbestimmungen
anzuwenden seien. Der massgebende Gewässerabstand von 20 m werde
sowohl durch die Talstation als auch die Niederhaltestütze unterschritten.
Die Besitzstandsgarantie greife nicht, da die bestehende Talstation voll-
ständig zurückgebaut und der Neubau erheblich grösser ausfallen werde.
Es könne daher auch nicht von einer Umbaute, massvollen Erweiterung
oder Nutzungsänderung im Sinne von Art. 81 Abs. 2 KRG/GR gesprochen
werden. Ausserdem gelte das Gebiet im heutigen Zustand nicht als dicht
überbaut.
23.2 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung daran fest, dass die Tal-
station den zulässigen Gewässerabstand nicht unterschreite. Die Festle-
gung des Gewässerraums von 10 m im Rahmen der Teilrevision Ortspla-
nung "Signal" sei unstrittig und deren Inkraftsetzung reine Formsache. Auf
der gegenüberliegenden und ausserhalb der Bauzone gelegenen Fluss-
seite stehe genügend Platz für einen grösseren Gewässerraum zur Verfü-
gung (Korridorprinzip). Die dortigen Parzellen würden der Gemeinde
St. Moritz gehören, die sich mit der lateralen Verschiebung des Gewässer-
raums einverstanden erklärt habe.
23.3 Die Beschwerdegegnerin teilt die Auffassung der Vorinstanz. Ergän-
zend weist sie darauf hin, dass schon im Rahmen der erfolgten Renaturie-
rung des Inns der Gewässerabstand bei der Talstation 10 m betragen
habe.
23.4 Das BAFU erklärt in seinem Fachbericht, die asymmetrische Festle-
gung von 10 m resp. 35 m sowie die Gesamtbreite des Gewässerraums
des Inns seien nicht zu beanstanden. Auch die kantonalen Fachstellen hät-
ten den so ausgeschiedenen Gewässerraum anlässlich der Vorprüfung der
Teilrevision Ortsplanung "Signal" bestätigt.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 50
24.
24.1 Gemäss Art. 36a GSchG sind die Kantone verpflichtet, den Raumbe-
darf der oberirdischen Gewässer (Gewässerraum) festzulegen, der zur Ge-
währleistung der natürlichen Funktionen der Gewässer, zum Schutz vor
Hochwasser und im Interesse der Gewässernutzung erforderlich ist. Sie
haben zudem dafür zu sorgen, dass der Gewässerraum extensiv gestaltet
und bewirtschaftet wird (Art. 36a Abs. 3 GSchG). Die Bestimmungen von
Art. 41a ff. der Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV,
SR 814.201) sowie die dazugehörigen Übergangsbestimmungen führen
Art. 36a GSchG näher aus (Art. 36a Abs. 2 GSchG). Der Gewässerraum
ist bis zum 31. Dezember 2018 festzulegen (Abs. 1 der Übergangsbestim-
mungen zur Änderung der GSchV vom 4. Mai 2011); solange dies nicht
geschehen ist, gelten die Übergangsbestimmungen zur Änderung der
GSchV (vgl. BGE 140 II 428 E. 2.3, 139 II 470 E. 4; BVGE 2016/35 E. 6.2.3;
CORDELIA BÄHR, Neun Jahre Gewässerraum: ein Rechtsprechungsbericht,
URP 1/2020 S. 5 und 21; CHRISTOPH FRITZSCHE, in: Hettich/Jansen/Norer
[Hrsg.], Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbauge-
setz, 2016, Art. 36a GSchG Rz. 5 ff. und 70 ff. [nachfolgend: Kommentar
GSchG], BAFU, Erläuternder Bericht vom 20. April 2011 zur Parlamentari-
schen Initiative Schutz und Nutzung der Gewässer [07.492] - Änderung der
Gewässerschutz-, Wasserbau-, Energie- und Fischereiverordnung, S. 30
[nachfolgend: Erläuternder Bericht GSchV]). Der übergangsrechtliche Ge-
wässerraum soll gewährleisten, dass im Zeitraum nach dem Inkrafttreten
der Verordnung bis zur definitiven Festlegung des Gewässerraums keine
unerwünschten neuen Anlagen errichtet werden (vgl. BGE 140 II 437
E. 6.2, 139 II 470 E. 4.2; Urteil des BGer 1C_106/2018 vom 2. April 2019
E. 5.2; FRITZSCHE, Kommentar GSchG, Art. 36a GSchG, Rz. 73; Erläutern-
der Bericht GSchV, S. 4; je mit Hinweisen).
24.2 Im Gewässerraum dürfen nur standortgebundene, im öffentlichen In-
teresse liegende Anlagen wie Fuss- und Wanderwege, Flusskraftwerke
oder Brücken erstellt werden (Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GSchV). Sofern keine
überwiegenden Interessen entgegenstehen, kann die Behörde eine Aus-
nahmebewilligung für die Erstellung bestimmter, in Art. 41c Abs. 1 Satz 2
Bst. a-d GSchV genannter Anlagen erteilen. Bestehende Anlagen sind in
ihrem Bestand grundsätzlich geschützt, sofern sie rechtmässig erstellt wur-
den und bestimmungsgemäss nutzbar sind (Art. 41c Abs. 2 GSchV).
Als standortgebunden im Sinne von Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GSchV gelten
Anlagen, die aufgrund ihres Bestimmungszwecks oder aufgrund der stand-
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 51
örtlichen Verhältnisse nicht ausserhalb des Gewässerraums angelegt wer-
den können. Aufgrund ihres Bestimmungszwecks standortgebunden sind
etwa Fuss- und Wanderwege, während mit standörtlichen Verhältnissen,
die das Erstellen von Anlagen im Gewässerraum zulassen, beispielsweise
Schluchten oder durch Felsen eingeengte Platzverhältnisse gemeint sind
(vgl. Erläuternder Bericht GSchV, S. 14). Zu den Anlagen, die aufgrund ih-
res Bestimmungszwecks positiv standortgebunden sind, gehören auch Lei-
tungen, die ein Gewässer queren müssen, weil die entsprechende, im öf-
fentlichen Interesse liegende Infrastruktur sonst nicht sinnvoll bereitgestellt
werden kann. In jedem Fall muss der Grund für die Bejahung der Standort-
gebundenheit ein objektiver, sachlicher sein und darf nicht leichthin ange-
nommen werden; ebenso wenig wie im Fall einer Rodung vermag der Um-
stand, dass die Erstellung einer öffentlichen Anlage in der (staats-)eigenen
Gewässerparzelle einfacher zu bewerkstelligen ist als ausserhalb des Ge-
wässerraumes die Standortgebundenheit zu begründen (BVGE 2016/35
E. 6.2.3; vgl. zum Ganzen BÄHR, a.a.O., S. 26 ff., FRITZSCHE, Kommentar
GSchG, Art. 36a GSchG, Rz. 114 ff., JEANNETTE KEHRLI, Bauen im Gewäs-
serraum und Uferstreifen, URP 8/2015 S. 684 ff.; je mit Hinweisen).
25.
25.1 Die Gewässerraumfestlegung im Sinne von Art. 36a GSchG erfolgt im
Kanton Graubünden in der kommunalen Nutzungsplanung (vgl. Amt für
Natur und Umwelt [Hrsg.], Leitfaden Gewässerraumausscheidung Grau-
bünden vom 20. August 2018 S. 2 f. und S. 26 ff.; abrufbar unter
<https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/ekud/anu/ANU_Doku-
mente/ANU-406-30d_Leitfaden_Gewaesserraumausscheidung.pdf>, be-
sucht am 17. August 2020). Die Gemeinde St. Moritz sieht vor, den hier
fraglichen Gewässerraum des Inns anlässlich der geplanten Teilrevision
Ortsplanung "Signal" festzulegen. Der Gewässerraum soll auf der Uferseite
der Talstation 10 m und auf der gegenüberliegenden Uferseite 35 m betra-
gen. Der Gewässerraum wurde von den kantonalen Fachstellen im Rah-
men des Vorprüfungsverfahrens bestätigt (vgl. Art. 12 der Raumplanungs-
verordnung für den Kanton Graubünden vom 24. Mai 2005 [KRVO/GR; BR
801.110]). Da das Verfahren zur Teilrevision Ortsplanung "Signal" vorlie-
gend indes noch nicht abgeschlossen ist, wurde der Gewässerraum im Be-
reich des Projektperimeters noch nicht im Sinne von Art. 36a GSchG
rechtskräftig festgelegt. Folglich erweist sich der Einwand der Beschwer-
deführenden als berechtigt, dass die Übergangsbestimmungen zur Ände-
rung der GSchV vom 4. Mai 2011 Anwendung finden.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 52
25.2 Die bestehende Gerinnesohle des Inns beträgt mehr als 12 m Breite,
womit ein übergangsrechtlicher Gewässerraum von beidseitig 20 m gilt
(Abs. 2 Bst. b der Übergangsbestimmungen zur Änderung der GSchV vom
4. Mai 2011). Die projektierte Talstation, welche einen Gewässerabstand
zum Inn von 10 m aufweist, liegt somit innerhalb des übergangsrechtlichen
Gewässerraums von 20 m. Allenfalls dürfte auch die Niederhaltestütze den
übergangsrechtlichen Gewässerabstand unterschreiten, wobei hierzu wi-
dersprüchliche Angaben in den Akten zu finden sind. Zwischen den Verfah-
rensbeteiligten ist im Grunde unbestritten geblieben, dass die hier zu beur-
teilende Ersatzanlage über den Rahmen des Bestandesschutzes hinaus-
geht (Art. 41c Abs. 2 GSchV) und diese auch ausserhalb des dicht über-
bauten Gebietes geplant ist (Art. 41c Abs. 1 Satz 2 Bst. a GSchV). Da in-
nerhalb des Gewässerraums jedoch standortgebundene Anlagen im öf-
fentlichen Interesse gestützt auf Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GschV zulässig
sind, bleibt im Folgenden zu prüfen, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind.
Wie bereits in E. 8.2 dargelegt, besteht vorliegend ein öffentliches Inte-
resse, dass das Intensiverholungsgebiet Corviglia weiterhin über eine an-
gemessene öffentliche Hauptzubringeranlage verfügt. Eine Modernisie-
rung der heutigen Pendelbahn kommt schon aus technischen Gründen
nicht ernsthaft in Frage, wobei auch die alte Talstation bereits innerhalb des
Gewässerraums des Inns liegt. Die neue, erweiterte Talstation ist am bis-
herigen Standort geplant. Da die projektierte Talstation direkt an die Kan-
tonsstrasse angrenzt, ist eine Verschiebung südostwärts, also weg vom
Gewässerraum, auszuschliessen. Die Fläche für den Ein- und Ausstiegs-
bereich der Seilbahn sowie für die Garagierung der Kabinen beansprucht
praktisch die gesamte Grundfläche der 2./3. Ebene, weshalb auch eine
deutliche Redimensionierung der Grundfläche der Talstation wohl kaum in
Betracht kommt, um den Gewässerraum zu schonen. Im Übrigen wird die
Standortwahl durch den Bestimmungszweck der Anlage, den seilbahntech-
nischen Anforderungen sowie den topographischen Gegebenheiten vor Ort
beschränkt. Im Rahmen der Interessenabwägung gilt es auch mitzuberück-
sichtigen, dass es sich hier um eine Ersatzanlage handelt und namentlich
die Verkehrserschliessungen am heutigen Standort der Talstation schon
vorhanden sind. Was die Niederhaltestütze betrifft, so ergibt sich aus den
Akten, dass deren Standort – gerade mit Blick auf den Gewässerraum –
bereits mit einem grossen Abstand zur Talstation gewählt wurde. Es kann
demnach davon ausgegangen werden, dass seilbahntechnische und topo-
graphische Gründe einer weiteren Verschiebung hangaufwärts entgegen-
stehen. Im konkreten Fall sind gesamthaft betrachtet keine Anhaltspunkte
erkennbar, dass echte Alternativlösungen für einen Standort der Talstation
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 53
und allenfalls auch der Niederhaltestütze ausserhalb des Gewässerraums
vorhanden wären. Des Weiteren ist festzuhalten, dass der Inn in diesem
Flussabschnitt gemäss Angabe der Beschwerdegegnerin bereits renatu-
riert ist. Die örtlichen Verhältnisse lassen sodann weiterhin eine zukünftige
asymmetrische Festlegung des Gewässerraums in genügender Breite zu
(Korridorprinzip). Wie schon erwähnt, ist eine solche Festlegung des Ge-
wässerraums im Rahmen der nächsten Ortplanrevision der Gemeinde
St. Moritz vorgesehen und wurde auch vom Kanton Graubünden im Rah-
men des Vorprüfverfahrens sowie vom BAFU im vorliegenden Verfahren
befürwortet. Daraus ergibt sich, dass die hier strittige Ersatzanlage weder
die Revitalisierung des Inns noch die zukünftige Gewässerraumplanung
erheblich beeinträchtigt.
In Berücksichtigung der aufgezeigten Gesamtsituation kann vorliegend die
Standortgebundenheit der Ersatzanlage innerhalb des Gewässerraums
sowohl für die Talstation als auch für die Niederhaltestütze bejaht werden.
Als standortgebundene Anlage im öffentlichen Interesse ist im konkreten
Fall die Gewässerraumnutzung gestützt auf Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GSchV
als zulässig zu erachten. Die im öffentlichen Interesse liegende Infrastruk-
tur könnte andernfalls nicht sinnvoll bereitgestellt werden.
Rodungsbewilligung
26.
26.1 Die Beschwerdeführenden vertreten die Ansicht, dass die Vorausset-
zungen für eine Rodungsbewilligung nicht erfüllt seien. So fehle es an der
notwendigen Standortgebundenheit und am Bedarfsnachweis. Es lägen
keine wichtigen Gründe vor, die das Interesse an der Walderhaltung über-
wiegen würden. Rein finanzielle Interessen seien für die Rodungsbewilli-
gung nicht massgebend. Sie betonen, bei einer Modernisierung oder Er-
neuerung der bestehenden Pendelbahn müsste kein Wald gerodet werden.
26.2 Die Vorinstanz äusserst sich in der Vernehmlassung zu den Voraus-
setzungen der Rodungsbewilligung und erachtet diese als erfüllt.
26.3 Die Beschwerdegegnerin weist insbesondere darauf hin, dass die Ka-
binenbahn im Vergleich zu einer neuen Pendelbahn mit einem geringeren
Eingriff in den Wald verbunden sei.
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 54
26.4 Das BAFU legt in seinem Fachbericht dar, die Standortgebundenheit
der Seilbahn sei gegeben und die Rodungsbewilligung könne der Be-
schwerdegegnerin erteilt werden.
27.
27.1 Das Waldgesetz schreibt vor, dass der Wald in seiner Fläche erhalten
bleiben soll (Art. 3 WaG). Rodungen sind deshalb grundsätzlich verboten
(Art. 5 Abs. 1 WaG). Eine Ausnahmebewilligung für eine Rodung darf ge-
mäss Art. 5 Abs. 2 WaG nur erteilt werden, wenn der Gesuchsteller nach-
weist, dass für die Rodung wichtige Gründe bestehen, die das Interesse
an der Walderhaltung überwiegen; es gilt die gesetzliche Vermutung, dass
das Interesse an der Walderhaltung grundsätzlich höher zu werten ist als
das gegenüberstehende Interesse an der Rodung. Nicht als wichtige
Gründe gelten finanzielle Interessen, wie die möglichst einträgliche Nut-
zung des Bodens oder die billige Beschaffung von Land für nicht landwirt-
schaftliche Zwecke (Art. 5 Abs. 3 WaG). Weiter muss das Werk, für das
gerodet werden soll, auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein
(Standortgebundenheit) und die Voraussetzungen der Raumplanung sach-
lich erfüllen (Art. 5 Abs. 2 Bst. a und b WaG). Die Rodung darf schliesslich
zu keiner erheblichen Gefährdung der Umwelt führen und dem Natur- und
Heimatschutz ist Rechnung zu tragen (Art. 5 Abs. 2 Bst. c und Abs. 4 WaG;
vgl. zum Ganzen Urteil des BGer 1A.32/2004 vom 30. September 2004
E. 4.1; BVGE 2016/35 E. 6.2.2; GRIFFEL, a.a.O., S. 230 f., BÜHLMANN/KIS-
SLING/ZIMMERMANN, Waldrodung für Siedlungszwecke? Raum & Umwelt
2/2013, S. 4 f.).
Das Erfordernis der Standortgebundenheit im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Bst. a
WaG ist nicht in einem absoluten Sinn zu verstehen. Es genügt eine rela-
tive Standortgebundenheit, wovon auszugehen ist, wenn objektive Gründe
für die Wahl des Standorts vorliegen, ohne dass es sich um den einzig
möglichen Standort handeln muss. Entscheidend ist, ob die Gründe der
Standortwahl die Interessen der Walderhaltung überwiegen; die Voraus-
setzungen der Standortgebundenheit gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. a WaG und
die überwiegenden Interessen gemäss Art. 5 Abs. 2 WaG stehen in einem
engen Zusammenhang. Dies setzt voraus, dass eine umfassende Abklä-
rung von Alternativstandorten (ausserhalb des Waldes) stattgefunden hat
(vgl. BGE 136 II 214 E. 2.2, 120 Ib 400 E. 4c, 119 Ib 397 E. 6a; BVGE
2016/35 E. 6.2.2; DAJCAR, Fachhandbuch Baurecht, Rz. 4.182; BÜHL-
MANN/KISSLING/ZIMMERMANN, a.a.O., S. 5).
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
Seite 55
27.2 Für die Errichtung der Kabinenbahn sind Rodungen im Umfang von
1'580 m2 (608 m2 temporär und 972 m2 definitiv) vorgesehen.
Wie bereits aufgezeigt, besteht vorliegend ein öffentliches Interesse, dass
das Intensiverholungsgebiet Corviglia weiterhin über eine angemessene
öffentliche Hauptzubringeranlage verfügt. Eine Modernisierung der heuti-
gen Pendelbahn kommt schon aus technischen Gründen nicht ernsthaft in
Frage (vgl. vorstehend E. 8.2). Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
renden ergibt sich der Grund für die Rodung damit aus dem öffentlichen
Interesse nach einer Ersatzanlage und nicht allein aus dem Bedürfnis, eine
Komfortsteigerung für die Passagiere zu erreichen oder aus allfälligen
finanziellen Interessen der Beschwerdegegnerin. Es liegt daher ein gesetz-
lich zulässiges Interesse für die Rodungsbewilligung vor.
Im Rahmen des vorliegenden Schriftenwechsels äusserten sich die Ver-
fahrensbeteiligten nochmals vertieft zur Rodungsbewilligung und insbe-
sondere zu möglichen Alternativvarianten. Trotz unvollständigem UVB (vgl.
vorstehend E. 15.3) ist eine Beurteilung des hier strittigen Erfordernisses
der Standortgebundenheit nach Art. 5 Abs. 2 Bst. a WaG nun möglich. Wie
bereits im Zusammenhang mit der Standortgebundenheit der Talstation
festgehalten, wird die Standortwahl der Seilbahn durch den Bestimmungs-
zweck der Anlage, den seilbahntechnischen Anforderungen sowie den to-
pographischen Gegebenheiten vor Ort beschränkt. Im Rahmen der Inte-
ressenabwägung gilt es auch mitzuberücksichtigen, dass es sich hier um
eine Ersatzanlage handelt und namentlich die Verkehrserschliessungen
am heutigen Standort schon vorhanden sind (vgl. vorstehend E. 25.2). Was
die Linienführung der Seilbahn betrifft, so ist aufgrund der Grösse der
Waldfläche sowie der örtlichen Flachmoorgebiete nicht erkennbar, dass im
konkreten Fall eine sinnvolle alternative Linienführung ausserhalb des
Waldgebietes realisierbar wäre. Wie im Rahmen der Variantenprüfung ge-
sehen, kommt die Errichtung einer neuen Pendel- oder 3S-Bahn als echte
Alternative nicht in Betracht, zumal auch diese beiden Seilbahnsysteme
aufgrund grösserer Sicherheitsabstände im Bereich der Querpendelung
nicht ohne zusätzliche Eingriffe in den Wald auskämen (vgl. vorstehende
E. 18). Infolge von Projektoptimierungen wurde die Rodungsfläche sodann
beim Auflageprojekt auf ein Minimum reduziert. Definitive Rodungen sind
für einzelne Stützenstandorte notwendig. Für den überwiegenden Teil der
Bahnstrecke wurde ein Niederhalteservitut festgelegt, wobei dieses ge-
mäss UVB streckenweise auch ausgewachsene Bäume zulässt.
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Seite 56
Im Ergebnis ist somit im Rahmen einer Gesamtbetrachtung nicht zu bean-
standen, dass die Vorinstanz die Standortgebundenheit der Anlage bejaht
hat. Dass die übrigen gesetzlichen Voraussetzungen von Art. 5 WaG sowie
die Eingriffsvoraussetzungen nach NHG nicht erfüllt wären, wird von den
Beschwerdeführenden nicht substantiiert gerügt und ergibt sich auch nicht
aus den Akten. So hat denn auch das BAFU in seinem Fachbericht noch-
mals ausdrücklich bestätigt, dass aus seiner Sicht die Rodungsbewilligung
erteilt werden könne.
Betriebslärm
28.
28.1 Die Beschwerdeführenden befürchten, dass der Betrieb der projek-
tierten Kabinenbahn zu einer verstärkten Lärmbelastung ihrer Liegenschaf-
ten führe. Im Einzelnen rügen sie, der revidierte Lärmschutznachweis vom
10. Dezember 2015 weise im Vergleich zu früheren Versionen zahlreiche
Widersprüche auf und beruhe nicht auf den definitiven Plänen. Die Berech-
nungsgrundlagen sowie die Pegelkorrekturen seien ohne nachvollziehba-
ren Grund angepasst worden, um die Planungswerte einzuhalten. Sie for-
dern eine Gesamtbeurteilung des Betriebslärms unter Berücksichtigung
weiterer Lärmquellen. Ausserdem sei im Lärmschutznachweis der Maloja-
wind nicht berücksichtigt, der die Lärmimmissionen im Norden verstärke.
Bei einer korrekten Lärmprognose sei zu erwarten, dass die Planungswerte
überschritten würden. So hätten auch die Vergleichsmessungen bei der
Seilbahn in Scuol höhere Lärmwerte ergeben. Die Plangenehmigung
könne der Beschwerdegegnerin deshalb nicht erteilt werden.
28.2 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung daran fest, dass die Be-
schwerdeführenden nicht von übermässigem Lärm betroffen seien.
28.3 Die Beschwerdegegnerin weist insbesondere darauf hin, dass die ein-
gereichte Lärmprognose der Seilbahn auf hohem Niveau erstellt worden
sei.
28.4 Das BAFU äussert sich in seinem Fachbericht im Einzelnen zu den
vorgebrachten Rügen. Es erachtet die angefochtene Verfügung in lärm-
schutzrechtlicher Hinsicht als bundesrechtskonform.
29.
Art. 11 USG verlangt, dass Lärmemissionen durch Massnahmen an der
Quelle begrenzt werden. Im Rahmen der Vorsorge sind unabhängig von
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Seite 57
der bestehenden Umweltbelastung Emissionen im Rahmen der Vorsorge
so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirt-
schaftlich tragbar ist. Neue Anlagen dürfen nur errichtet werden, wenn die
durch diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen, vorbehältlich Er-
leichterungen, die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten
(Art. 25 USG). Die lärmrelevanten Vorgaben des USG werden in der Lärm-
schutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV, SR 814.41) konkreti-
siert. Auch diese schreibt in Art. 7 Abs. 1 vor, dass Lärmemissionen einer
neuen ortsfesten Anlage nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde so
weit zu begrenzen sind, als dies technisch und betrieblich möglich sowie
wirtschaftlich tragbar ist. Die von der Anlage allein erzeugten Lärmimmis-
sionen dürfen die Planungswerte grundsätzlich nicht überschreiten (vgl.
BGE 123 II 325 E. 4; Urteil des BGer 1C_139/2017 vom 6. Februar 2018
E. 7.2; GRIFFEL, a.a.O., Rz. S. 124 f., ROBERT WOLF, Kommentar USG,
Art. 25 Rz. 1 ff.; je mit Hinweisen).
Für die Beurteilung des Lärms von Seilbahnen sind die in Anhang 6 der
LSV aufgeführten Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewerbelärm
massgebend (Anhang 6 Ziff. 1 Abs. 2 LSV; vgl. Urteil des BVGer
A-5324/2009 vom 27. Juli 2010 E. 3.3). Gemäss Anhang 6 Ziff. 32 LSV wird
die durchschnittliche tägliche Dauer der Lärmphase aus ihrer jährlichen
Dauer und der Anzahl der jährlichen Betriebstage berechnet. Um der un-
terschiedlichen Störwirkung verschiedener Lärmarten Rechnung zu tra-
gen, werden bei der Berechnung der einzelnen Lärmphasen die Pegelkor-
rekturen K1, K2 und K3 vergeben. K1 bezieht sich dabei auf den Anlagetyp
der Lärmphase. K2 und K3 beziehen sich auf den Tongehalt der Lärm-
phase bzw. deren Impulsgehalt am Immissionsort (Anhang 6 Ziff. 33 LSV;
vgl. BGE 138 II 331 E. 4.2; Urteil des BGer 1C_139/2017 vom 6. Februar
2018 E. 7.2; BAFU [Hrsg.], Vollzugshilfe "Ermittlung und Beurteilung von
Industrie- und Gewerbelärm", 2016).
30.
30.1 Es ist unbestritten, dass es sich beim vorliegenden Auflageprojekt
lärmschutzrechtlich um eine Neuanlage handelt und für eine Seilbahnan-
lage die Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewerbelärm Anwen-
dung finden. Die massgebenden Planungswerte betragen am Tag Lr 55
dB(A) resp. Lr 60 dB(A) in den Zonen mit Empfindlichkeitsstufe II und III
(Anhang 6 Ziff. 2 LSV). Gemäss dem Lärmschutznachweis der D._
AG werden bei der projektieren Seilbahn die erforderlichen Planungswerte
an allen Ermittlungsorten eingehalten (Lärmschutznachweis vom 20. Mai
A-2700/2018, A-2735/2018 und A-2739/2018
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2015, revidierte Fassung vom 15. Dezember 2015 und Ergänzungen vom
11. Mai 2016 [nachfolgend: Lärmschutznachweis]). In Dispositiv Ziff. 3.3.8
der angefochtenen Verfügung wird die Beschwerdegegnerin überdies ver-
pflichtet, die Einhaltung der Planungswerte mittels Abnahmemessung zu
belegen. Die Beschwerdeführenden rügen vorliegend eine vom Betrieb der
Kabinenbahn ausgehende verstärkte Lärmbelastung ihrer Liegenschaften.
In der Begründung bringen sie verschiedene Rügen zum Lärmschutznach-
weis vor, die im Folgenden zu prüfen sind.
30.2 Im Laufe des Planungsprozesses hat die Beschwerdegegnerin zu-
sätzliche technische Lärmschutzmassnahmen in das Projekt aufgenom-
men, wie die Belegung der Deckenflächen der Talstation mit absorbieren-
den Materialien sowie Massnahmen an der Seilbahnmechanik und an der
Niederhaltestütze. Die Projektoptimierungen erklären zumindest teilweise,
dass der Lärmschutznachweis – anders als noch die erste Fassung vom
11. November 2014 – von keiner Überschreitung der Planungswerte mehr
ausgeht. Die ursprünglich erwarteten Überschreitungen der Planungswerte
betrafen ohnehin nur die Liegenschaften neben der Tal- und der Bergsta-
tion und nicht diejenigen der Beschwerdeführenden.
30.3 Mit der Fachmeinung des BAFU ist einig zu gehen, dass spätestens
zum Zeitpunkt der Erstellung der revidierten Fassung des Lärmschutz-
nachweises genügend Angaben zum Seilbahnprojekt vorlagen, um die
Lärmprognose adäquat vornehmen zu können. Die vorliegende Lärmprog-
nose wurde auf der Grundlage von Referenzwerten mehrerer ähnlicher
Seilbahnanlagen erstellt. Nach der überzeugenden Beurteilung des BAFU
entspricht dies dem üblichen Vorgehen, wenn keine gesicherten Angaben
zum Anlagentyp vorliegen. Für die Ausarbeitung der Lärmprognose hat die
D._ AG zusätzlich eine eigene Lärmmessung bei einer 8er-Kabine-
nenbahn in Scuol durchgeführt. Wie auch vom BAFU bestätigt, ist es sach-
gerecht, dass die Messergebnisse von Scuol nur unter entsprechenden
Anpassungen im Lärmschutznachweis verwendet wurden. So ist die Nie-
derhaltestütze in Scuol deutlich näher an der Ausfahrt der Talstation positi-
oniert als beim vorliegenden Projekt. Diese Unterschiede der Anlagen gilt
es zu beachten.
Im Lärmschutznachweis wurde die Pegelkorrektur K3 (Impulshaltigkeit) im
Nahbereich von 4dB (deutlich hörbar) auf durchgehend 2dB (schwach hör-
bar) herabgesetzt. Nach Einschätzung des BAFU ist diese Pegelkorrektur
angesichts der Projektoptimierungen angebracht und entspricht der Praxis
bei der Beurteilung von ähnlichen Seilbahnprojekten. Diese Ausführungen
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der Fachbehörde sind plausibel und werden auch von den Beschwerde-
führenden nicht substantiiert widerlegt. Was die Zeitkorrektur betrifft, so
wurde im Lärmschutznachweis eine tägliche Betriebszeit von 9 Std. 40 Mi-
nuten veranschlagt. Nicht als Betriebszeit berücksichtigt wurde damit die
Zeit für die Ein- und Ausgaragierung der Gondeln, die zu einem grossen
Teil im Inneren der Talstation abgewickelt werden und daher auch nach
Einschätzung des BAFU zu keinen nennenswerten Immissionen führt.
Doch selbst wenn der Rangierbetrieb bei der Betriebszeit einzubeziehen
wäre, wie von den Beschwerdeführenden eingefordert, würde sich nichts
Wesentliches am Ergebnis ändern. Gemäss Lärmschutznachweis wären
die Planungswerte auch bei einer Berechnung mit einer längeren Betriebs-
zeit von 11 Std. noch eingehalten.
30.4 Vorliegend kann der fachkundigen Begründung des BAFU gefolgt
werden, dass der Ein- und Ausstieg der Fahrgäste mit Skischuhen, der Gü-
terumschlag, die Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen sowie die Gara-
gierung der Kabinen im Gebäudeinnern der Talstation nur von untergeord-
neter Bedeutung für die Lärmprognose sind. Für die Bar/Gastronomie ist
kein Aussenbereich geplant, wie sich aus der Klarstellung der Beschwer-
degegnerin gemäss E. 10.6.7 Bst. d der angefochtenen Verfügung ergibt
und wovon verbindlich auszugehen ist. Gemäss revidierter Fassung des
Lärmschutznachweises werden zudem hinsichtlich des Parkplatzlärms die
Planungswerte an den dortigen Ermittlungsorten deutlich unterschritten. Es
besteht daher kein Anlass von der Fachmeinung des BAFU abzuweichen,
dass sämtliche relevanten Lärmquellen bei der Lärmprognose berücksich-
tigt wurden. Schliesslich führt das BAFU in seinem Fachbericht aus, einer
allfälligen Wirkung des Malojawindes, soweit für die Immissionspunkte
oberhalb der Anlage überhaupt relevant, werde bei der Modellierung mit
dem Programm CadNa genügend Rechnung getragen, da das Programm
bereits von meteorologischen Bedingungen ausgehe, welche die Lärmbe-
lastung am Immissionsort tendenziell überschätze. Diese fachlichen Aus-
führungen werden denn auch von den Beschwerdeführenden nicht sub-
stantiiert bestritten. Soweit eine allfällige Wirkung des Malojawinds über-
haupt relevant ist, wurde ihr im Rahmen der Lärmprognose genügend
Rechnung getragen.
30.5 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Lärmnach-
weis der Seilbahn nicht zu beanstanden ist. Es kann demnach bestätigt
werden, dass gemäss Lärmprognose die massgebenden Planungswerte
bei den Liegenschaften der Beschwerdeführenden eingehalten werden.
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Allfällige zusätzliche Lärmschutzmassnahmen zum jetzigen Zeitpunkt ge-
stützt auf das Vorsorgeprinzip werden überdies auch von den Beschwer-
deführenden nicht geltend gemacht. Ihre Vorbringen zur Lärmbelastung ih-
rer Liegenschaften erweisen sich somit insgesamt als unbegründet.
Weitere umwelt- und baurechtliche Rügen
31.
Die Beschwerdeführenden machen im Übrigen geltend, es würden ver-
schiedene baurechtliche Unterlagen fehlen und die in Dispositiv Ziff. 3.3.19
verfügte Auflage betreffend kommunale Bewilligung Wasserbedarf sei un-
zulässig. Zudem rügen sie eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes
sowie die Verletzung weiterer Gewässerschutzvorgaben. Diese Einwände
der Beschwerdeführenden betreffen im Wesentlichen die Gesuchsunterla-
gen sowie die Variantenprüfung. Darauf wurde in den vorangegangenen
Erwägungen E. 10 ff. und E. 18 bereits eingegangen. Auf weitere Ausfüh-
rungen kann daher an dieser Stelle verzichtet werden.
Enteignungsrechtliche Rügen der Beschwerdeführenden 2 und 3
32.
32.1 In enteignungsrechtlicher Hinsicht rügen die Beschwerdeführenden 2
und 3 im Wesentlichen, dass die verfassungsrechtlich vorgegebenen Vor-
aussetzungen für eine Enteignung nur bei einer neuen Pendelbahn, nicht
aber bei einer Kabinenbahn erfüllt seien.
32.2 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung an den Erwägungen der
angefochtenen Verfügung fest.
32.3 Die Beschwerdegegnerin erachtet die Vorbringen der Beschwerde-
führenden 2 und 3 ebenfalls als unbegründet.
33.
33.1 Die Einräumung einer Dienstbarkeit auf dem Wege einer Enteignung
stellt einen Eingriff in die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV dar. Steht ein
Recht unter dem Schutz der Eigentumsgarantie, kann es nur eingeschränkt
oder entzogen werden, wenn der Eingriff auf einer gesetzlichen Grundlage
beruht, im öffentlichen Interesse liegt, verhältnismässig ist und gegen volle
Entschädigung erfolgt (Art. 26 BV i.V.m. Art. 36 BV). Das Enteignungsrecht
kann nur geltend gemacht werden, wenn und soweit es zur Erreichung des
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Zweckes notwendig ist (Art. 1 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. Juni
1930 über die Enteignung [EntG, SR 711]). Der mit der Enteignung einher-
gehende Eingriff in das Eigentum muss sich zwar auf ein Minimum, jedoch
nicht auf das absolut Notwendige beschränken, sondern darf sich auf alles
erstrecken, was zur angemessenen Realisierung eines Werks erforderlich
ist. Die Beurteilung der Notwendigkeit kommt damit einer Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung gleich. Die Frage der Zulässigkeit der Enteignung hängt
namentlich auch davon ab, ob alternative, bessere Varianten vorhanden
sind. Die Variantenprüfung gibt im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprü-
fung Antwort auf die Frage der Erforderlichkeit (vgl. BVGE 2016/13
E. 16.4.1; Urteile des BVGer Urteil A-1345/2019 vom 5. September 2019
E. 5.3.1 f. und A-2795/2017 vom 27. November 2017 E. 5.1; HÄFELIN/MÜL-
LER/UHLMANN, a.a.O., 2395 ff.; je mit Hinweisen).
Wer eine Seilbahn bauen oder betreiben will, dem steht das Enteignungs-
recht gemäss der Bundesgesetzgebung zu, sofern die Anlage der Nut-
zungsplanung entspricht. Das Enteignungsverfahren kommt erst dann zur
Anwendung, wenn die Bemühungen für einen freihändigen Erwerb oder für
eine Landumlegung nicht zum Ziel führen (Art. 7 SebG). Im konzentrierten
Entscheidverfahren entscheidet die Plangenehmigungsbehörde auch über
die enteignungsrechtlichen Einsprachen und damit über die Zulässigkeit
und den Umfang der Enteignung, nicht jedoch über die Höhe der Entschä-
digung. Nach Abschluss des Plangenehmigungsverfahrens wird, soweit er-
forderlich, das Schätzungsverfahren vor der Eidgenössischen Schätzungs-
kommission durchgeführt (vgl. Art. 16 Abs. 1 SebG i.V.m. Art. 18h Abs. 1
und Art. 18k EBG; Botschaft SebG, BBl 2005 915).
33.2 Die hier strittige Enteignung betrifft die Errichtung von Durchleitungs-
und Überleitungsdienstbarkeiten zu Lasten einer Fläche von 40 m2 der Par-
zelle Nr. (...) sowie zu Lasten einer Fläche von 1'040 m2 der Parzelle
Nr. (...). Die Beschwerdegegnerin reichte die Enteignungsgesuche ein,
nachdem mit den Beschwerdeführenden 2 und 3 keine einvernehmliche
Lösung über einen freihändigen Erwerb der Rechte gefunden werden
konnte.
Der Beschwerdegegnerin steht gestützt auf Art. 7 SebG das Enteignungs-
recht von Gesetzes wegen zu, sofern die Seilbahnanlage – wie vorliegend
– der Nutzungsplanung entspricht (vgl. auch vorstehend E. 19 ff.). Im hier
zu beurteilenden Fall besteht ein öffentliches Interesse, dass das Intensi-
verholungsgebiet Corviglia weiterhin über eine angemessene öffentliche
Hauptzubringeranlage verfügt (vgl. vorstehend E. 8.2). Die Massnahme ist
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sodann geeignet, dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden und es ist
kein milderes Mittel ersichtlich, mit der dasselbe Ziel erreicht werden
könnte. So hat sich gezeigt, dass die Errichtung einer Pendelbahn oder 3S-
Bahn keine ernsthafte Alternative zur Kabinenbahn bildet, wobei eine ding-
liche Belastung der beiden privaten Grundstücke auch bei diesen Varianten
erforderlich wäre (vgl. vorstehend E. 18). Die Linienführung der Seilbahn
verläuft zwischen den beiden Liegenschaften der Beschwerdeführenden 2
und 3. Wie schon in anderem Zusammenhang dargelegt, wird die Stand-
ortwahl der Seilbahn durch den Bestimmungszweck der Anlage, den seil-
bahntechnischen Anforderungen sowie den topographischen Gegebenhei-
ten vor Ort beschränkt. Im Rahmen der Interessenabwägung gilt es auch
mitzuberücksichtigen, dass es sich hier um eine Ersatzanlage handelt und
namentlich die Verkehrserschliessungen am heutigen Standort schon vor-
handen sind (vgl. auch vorstehend E. 25.2 und 27.2). Dem öffentlichen In-
teresse an dieser Infrastrukturanlage stehen im Wesentlichen die privaten
Interessen der Beschwerdeführenden 2 und 3 an der ungestörten Nutzung
ihrer Grundstücke gegenüber. Vorliegend ist der Eingriff in das Grundei-
gentum bei den gegebenen Umständen als nicht besonders schwer ein-
stufen. Die Linienführung der projektierten Seilbahn orientiert sich an der
bestehenden und führt wie bis anhin über diese beiden bebauten Parzel-
len. Auch bei einer dinglichen Belastung durch die Seilbahn bleibt den Be-
schwerdeführenden 2 und 3 eine sinnvolle Nutzung ihrer Liegenschaften
weiterhin möglich, zumal auch nicht mit übermässigen Lärm- oder
Lichtimmissionen der neuen Kabinenbahn zu rechnen ist und der Schutz
der Privatsphäre hinreichend gewahrt bleibt (vgl. vorstehend E. 18.4 und
E. 30). Die Enteignung erweist sich demnach für sie als zumutbar und da-
mit insgesamt als verhältnismässig.
Die Vorinstanz hat die enteignungsrechtlichen Einsprachen der Beschwer-
deführenden 2 und 3 somit zu Recht abgewiesen und die Enteignungsge-
suche der Beschwerdegegnerin gutgeheissen.
Enteignungsrechtliche Rügen der Beschwerdeführerin 1
34.
34.1 In enteignungsrechtlicher Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin 1
vor, sie sei befugt, ihre schutzwürdigen Interessen gegen die Errichtung
der Kabinenbahn geltend zu machen, auch wenn keine Landbeanspru-
chung ihrer Parzelle erfolge. Durch die Kabinenbahn werde die Pri-
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vatsphäre massiv eingeschränkt und sie habe mit deutlich mehr Lärmim-
missionen zu rechnen. Die geforderte Minderwertentschädigung in der
Höhe von 2 Mio. Franken sei bei einem Verkehrswert des Grundstücks von
(...) realistisch. Die Vorinstanz hätte die Frage der grundsätzlichen Ent-
schädigungspflicht sowie diejenige des Umfangs der Beeinträchtigungen
selbst beurteilen müssen und insoweit keinen Nichteintretensentscheid er-
lassen dürfen.
34.2 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung an der angefochtenen Ver-
fügung fest.
34.3 Die Beschwerdegegnerin erachtet die Vorbringen der Beschwerde-
führerin 1 gleichfalls als unbegründet.
35.
35.1 Gemäss Art. 5 Abs. 1 EntG können auch die nachbarrechtlichen Ab-
wehrrechte Gegenstand einer formellen Enteignung sein, welche sich aus
Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907
(ZGB, SR 210) ergeben und den Eigentümer vor von benachbarten Grund-
stücken ausgehenden übermässigen Immissionen schützen. Ein Nachbar,
der sich mit seiner Einsprache im Plangenehmigungsverfahren gegen
übermässige Lärmimmissionen zur Wehr setzt, zusätzliche Schallschutz-
massnahmen verlangt und eine Minderwertentschädigung geltend macht,
kämpft gegen die Unterdrückung nachbarlicher Abwehrrechte (Art. 679 und
684 ZGB) an und erhebt damit zumindest sinngemäss eine enteignungs-
rechtliche Einsprache (vgl. BGE 133 II 30 E. 2.3 mit Hinweisen). Die Plan-
genehmigungsbehörde hat in einem solchen Fall gestützt auf Art. 16 Abs. 1
SebG i.V.m. Art. 18h Abs. 1 EBG das Vorhandensein der Voraussetzungen
des Enteignungsrechts zu prüfen und damit zu beurteilen, ob die übermäs-
sigen Einwirkungen zulässig und unvermeidbar sowie Lärmschutzvorkeh-
rungen anzuordnen sind. Lediglich die Entschädigungsforderungen, die bei
übermässigen Einwirkungen von den Bedingungen der Unvorhersehbar-
keit und Spezialität der Immissionen sowie der Schwere des Schadens ab-
hängen (vgl. BGE 134 II 172 E. 5 mit Hinweisen), sind weiterhin in einem
gesonderten Verfahren erstinstanzlich von der zuständigen Eidgenössi-
schen Schätzungskommission zu behandeln (vgl. Urteil des BVGer
A-2566/2019 vom 19. Mai 2020 E. 7.5.4 mit Hinweisen). Nur wenn über-
mässige Beeinträchtigungen durch das Werk von vornherein ausgeschlos-
sen werden können, fällt die Durchführung eines Enteignungsverfahrens
ausser Betracht und ist auf die enteignungsrechtliche Einsprache gar nicht
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einzutreten (vgl. Urteil des BGer 1E.2/2004 vom 21. April 2004 E. 3; Urteile
des BVGer A-1052/2020 vom 3. August 2020 E. 4.2, A-1619/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 10.1 und A-684/2010 vom 1. Juli 2010 E. 4.2).
35.2 Nachfolgend ist allein zu prüfen, ob die Vorinstanz auf die enteig-
nungsrechtlichen Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin 1 zu Recht
nicht eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.4). Nach der dargelegten Recht-
sprechung kann die Befugnis zur enteignungsrechtlichen Einsprache nur
jenen abgesprochen werden, die für das Werk mit Sicherheit keine Rechte,
auch keine nachbarlichen Abwehrrechte gegen Immissionen abzutreten
haben.
Anders als bei den Parzellen der Beschwerdeführenden 2 und 3 überquert
die Linienführung der Seilbahn nicht das Grundstück der Beschwerdefüh-
rerin 1, weshalb die Beschwerdegegnerin auch kein Enteignungsgesuch
für dieses Grundstück gestellt hat. Die von der Beschwerdeführerin 1 vor
der Vorinstanz eingereichte Einsprache kann sich daher allenfalls gegen
eine Enteignung nachbarrechtlicher Abwehransprüche richten. Hierfür fehlt
es jedoch, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, von vornherein an der
Übermässigkeit der Beeinträchtigung. Hinsichtlich des Lärms ist eine Über-
schreitung der Immissionsgrenzwerte nicht zu erwarten, da bei der Liegen-
schaft der Beschwerdeführerin 1 die strengeren Planungswerte eingehal-
ten werden (vgl. vorstehend E. 30). Soweit die Beschwerdeführerin 1 sich
in ihrer Einsprache gegen eine Störung der Privatsphäre wendete, können
übermässige Beeinträchtigungen durch die Kabinenbahn ebenfalls ausge-
schlossen werden, zumal die dortigen Bäume der Liegenschaft einen weit-
gehenden Sichtschutz gegenüber der Seilbahn bieten (vgl. vorstehend
E. 18.4). Eine übermässige Beeinträchtigung aus dem Seilbahnbetrieb,
welche allenfalls enteignungsrechtlich relevant sein könnte, kann daher mit
der erforderlichen Sicherheit verneint werden.
In Berücksichtigung der dargelegten Rechtsprechung ist somit nicht zu be-
anstanden, dass die Vorinstanz auf die enteignungsrechtlichen Rechtsbe-
gehren der Beschwerdeführerin 1 nicht eingetreten ist.
Ausgang des Beschwerdeverfahrens
36.
Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass
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die Voraussetzungen für die Erteilung der Konzession und der Plangeneh-
migung erfüllt sind. Die Beschwerden erweisen sich daher im Ergebnis als
unbegründet und sind abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Kosten und Entschädigung
37.
37.1 Es bleibt, über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des vereinigten
Beschwerdeverfahrens zu befinden.
37.2 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Wenn mit einer
Plangenehmigung zugleich über enteignungsrechtliche Einsprachen ent-
schieden wird, richtet sich die Kosten- und Entschädigungsregelung nach
den Spezialbestimmungen des EntG. Nach Art. 116 Abs. 1 EntG trägt die
Kosten des Verfahrens vor Bundesverwaltungsgericht, einschliesslich ei-
ner Parteientschädigung an den Enteigneten, der Enteigner. Werden die
Begehren des Enteigneten ganz oder teilweise abgewiesen, können die
Kosten auch anders verteilt werden. Unnötige Kosten trägt in jedem Fall,
wer sie verursacht hat (vgl. Urteil des BVGer A-2566/2019 vom 19. Mai
2020 E. 9.1 mit Hinweisen).
Das Bundesverwaltungsgericht setzt die Kosten für das vereinigte Be-
schwerdeverfahren auf Fr. 6'000.- fest (Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Enteignungsrechtliche Fragestellungen betreffen ca. 1/6 des Beschwerde-
verfahrens. Für ein Abweichen vom Grundsatz, wonach die Enteignerin die
die entstehenden Kosten trägt, sind vorliegend keine Gründe ersichtlich.
Die entsprechenden Verfahrenskosten in der Höhe Fr. 1'000.- sind daher
der Beschwerdegegnerin als Enteignerin zur Bezahlung aufzuerlegen.
Im Übrigen bestimmen sich die Kostenfolgen nach Obsiegen und Unterlie-
gen. Die Beschwerdeführenden sind als unterliegend anzusehen, weshalb
sie die verbleibenden Verfahrenskosten von Fr. 5'000.- zu tragen haben.
Die Beschwerdeführenden 2 und 3 verfügen über die gleiche Rechtsver-
tretung und haben identische Eingaben eingereicht. Es rechtfertigt sich da-
her, die verbleibenden Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin 1 zu 1/2
(Fr. 2'500.-) und den Beschwerdeführenden 2 und 3 zu je 1/4 (je Fr. 1'250.-)
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aufzuerlegen. Die Verfahrenskosten sind dem jeweils geleisteten Kosten-
vorschuss von 4'500.- zu entnehmen und der Mehrbetrag nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
37.3 Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie all-
fällige weitere notwendige Auslagen der Partei (vgl. Art. 8 Abs. 1 VGKE).
Das Bundesverwaltungsgericht legt die Parteientschädigung aufgrund ei-
ner detailliert einzureichenden Kostennote oder, wenn – wie vorliegend –
keine Kostennote eingereicht wird, aufgrund der Akten fest (vgl. Art. 14
VGKE).
Den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden steht eine Parteient-
schädigung für den enteignungsrechtlichen Teil ihrer Beschwerden zu
(Art. 116 Abs. 1 EntG). Gründe für ein Abweichen vom Grundsatz, wonach
die Enteignerin die entstehenden Kosten trägt, sind keine Gründe ersicht-
lich. In Anbetracht des diesbezüglich mutmasslichen Aufwands ist eine Ent-
schädigung von Fr. 2'000.- für die Beschwerdeführerin 1 sowie eine Ent-
schädigung von je Fr. 1'250.- für die Beschwerdeführenden 2 und 3 ange-
messen. Bei der Parteientschädigung der Beschwerdeführenden 2 und 3
gilt es einerseits zu berücksichtigen, dass sie stets identische Eingaben
eingereicht haben. Anderseits dürfte jedoch die hohe Anzahl der vertrete-
nen Parteien einen deutlich erhöhten Aufwand verursacht haben. Die Par-
teientschädigungen hat die Beschwerdegegnerin als Enteignerin zu tra-
gen.
Im Übrigen ist der anwaltlich vertretenen und obsiegenden Beschwerde-
gegnerin eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
Für den enteignungsrechtlichen Teil des Beschwerdeverfahrens steht ihr
als Enteignerin trotz Obsiegens keine Parteientschädigung zu (Art. 116
Abs. 1 EntG e contrario). Das Bundesverwaltungsgericht erachtet eine re-
duzierte Parteientschädigung von Fr. 10'000.- für die Beschwerdegegnerin
als angemessen. Analog zu den Verfahrenskosten ist diese der unterlie-
genden Beschwerdeführerin 1 zu 1/2 (Fr. 5'000.-) und der Beschwerdefüh-
renden 2 und 3 zu je 1/4 (je Fr. 2'500.-) aufzuerlegen.
Praxisgemäss werden die Parteikostenansprüche gegenseitig verrechnet.
Folglich hat im Ergebnis die Beschwerdeführerin 1 der Beschwerdegegne-
rin eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.- (Fr. 5'000.- abzüglich
Fr. 2'000.-) nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zu bezahlen. Die Be-
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schwerdeführenden 2 und 3 haben der Beschwerdegegnerin eine Partei-
entschädigung von je Fr. 1'250 (je Fr. 2'500.- abzüglich Fr. 1'250.-) nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zu entrichten.