Decision ID: 3a79ddbb-dfa2-4425-89a0-8b405d2cf661
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964
, war von 1
7.
August 2015
bis
31. März 2020
beim Alters
wohnheim
Z._
als
Pflegehelferin in einem 60
%-Pensum
angestellt
(Urk.
12/23/1-6
; vgl. auch Urk. 12/43
). A
m
27. August 2018 meldete sich die Ver
sicherte
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 12/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeld
versicherung bei (Urk. 12/3
) und holte bei
der
A._
AG ein
bi
disziplinäres
Gutachten ein, das am
10. Januar 2020 erstattet wurde (Urk. 12/40
).
Nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(Urk. 12/47
; Urk.
12/48,
Urk. 12/51, Urk. 12/57) verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom
17. Dezember 2020
einen Rentenanspruch
bei einem Invaliditätsgrad von 34 %
(Urk.
12/64 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
28. Januar 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
17. Dezember 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese
sei aufzuheben und es sei
ihr
eine ganze Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um
unentgeltliche Prozessführung (Urk. 4 S.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8. März 2021
(Urk.
11
) die Abweisung der Beschwerde.
Nachdem die Beschwerdeführerin das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit eingereicht hatte (Urk. 9; Belege Urk. 10/1-2)
,
wurde ihr mit Verfügung vom 11. März 2021 Frist zur Substan
tiie
rung des besagten Gesuchs angesetzt (Urk. 13).
Mit Eingabe vom 29. März 2021 (Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin erneut
das besagte Formular (Urk. 15) sowie Belege ein (Urk. 16/1-7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
läs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, gestützt auf die medizinischen Abklärungen sei ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres im April 2019 in ihrer bisheri
gen Tätigkeit als Pflegehelferin zu 50 % arbeitsfähig sei. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 %.
Der durchgeführte Einkom
mensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 34 %.
Daran - und insbesondere an der 70%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit gestützt auf die Einschätzung der Gutachter - hielt die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort fest (Urk. 11).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 4)
, gestützt auf die schlüssigen und nachvollziehbaren Einschätzungen der behan
delnden Ärzte sei auf dem freien Arbeitsmarkt keine
relevante
Arbeitsfähigkeit mehr ausgewiesen, womit ein Anspruch auf eine ganze Rente begründet sei.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin stellte sich am
1.
April 2018 notfallmässig
aufgrund einer linksseitigen Hypästhesie und passageren Aphasie
im
B._
vor
. Bei Ver
dacht auf ei
nen Minor
Stroke
sei
sie während drei Tage
n
hospitalisiert
gewesen
. Die Ursache
für die linksseitige Gefühlsstörung sei jedoch letztlich unklar geblie
ben (vgl. Austrittsb
ericht
vom
6. April 2018
, Urk. 12/
3/11-15
).
3.2
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, nannte im Bericht vom 1
4.
September 2018 (
Urk.
12/18/3-6) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf Minor
Stroke
im April 2018 (
Ziff.
2.5). Es würden wenige objektivierbare Befunde vor
liegen (
Ziff.
2.4). Aktuell leide die Beschwerdeführerin an leichten Kopf
schmerzen (
Ziff.
2.2), welche sich einschränkend in Bezug auf die bisherige Tätigkeit aus
wirken würden (
Ziff.
3.4). Eine angepasste Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin im Umfang von vier Stunden täglich zumutbar (
Ziff.
4.2). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Pflegerin könne sie nicht beurtei
len, so
Dr.
C._
(
Ziff.
4.1).
3.3
Nach de
r
zunächst schlaganfallähnlichen Episode
seien
wiederholte Bewusst
seinsstörungen und immer wieder Beschwerden von Seiten eines
zervikozephalen
und intermittierend
zervikospondylogenen
Schmerzsyndroms aufgetreten, wel
che zu schweren Einschränkungen
bei
der Beschwerdeführerin geführt hätten, gab
Dr.
med.
D._
, leitender Arzt Neurologie,
B._
, im Bericht vom
1.
Oktober 2019 an
(Urk. 12/37/3 Ziff. 3.3; vgl. auch Berichte vom
25. Mai 2018, Urk. 12/16
, vom
28. Juni 2018, Urk. 12/17
, vom
24. August 2018
, Urk. 12/
15/1-4,
vom
24. April 2019
, Urk. 12/
24, vom 28. Mai 2019, Urk. 12/25/2-3, und vom 26. Juli 2019, Urk. 12/28
). Aufgrund des Schmerzsyndroms (vgl. auch
Urk. 12/37/3
Ziff.
4.1 f.
)
attestiere er
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Pflegerin. Eine angepasste Tätigkeit sei zirka vier Stunden täglich zumutbar
. Für körperliche Tätigkeiten bestehe eine verminderte Leistungsfähig
keit von 70 bis 80 %
(Urk. 12/37/2 Ziff. 2.1
f.
)
.
3.
4
Am
10. Januar 2020
wu
rde das
bidisziplinäre
Gutachte
n der
A._
AG in den Disziplinen Neurologie und Rheumatologie erstattet (Urk. 12/40).
Die Gutachter stellten folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 5 Ziff. 4.2.1):
-
Migräne ohne Aura
-
zervikozephales
und
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit vegeta
tiven Begleitbeschwerden und zervikogenem Schwindel
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigke
it hätten folgende Diagnosen (Zi
ff. 4.2.2):
-
Status nach Differentialdiagnose (DD): Transitorische ischämische Atta
c
ke (TIA)/Enzephalitis
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits
-
Status nach Sturzattacke
-
Status nach ätiologisch unklarer Bewusstseinsstörung
-
orthostatischer Schwindel
-
Status nach
Nukleotomie
LWK5/SWK1 links
-
unklare Reduktion des Vibrationsempfindens rechts
Die Gutachter führten aus, die seit dem Ereignis im April 2018 verbliebenen Dauerkopfschmerzen seien mischursächlich, aber überwiegend wahrscheinlich keine Folge einer hirnsubstantiellen Schädigung. Vorbekannt sei eine Migräne ohne Aura, die die
attackenförmige
Kopfschmerzverstärkung erkläre. Zudem lägen, entsprechend den Diagnosen der Behandler,
Halswirbelsäulen (
HWS
)
-bedingte Kopfschmerzen vom Spannungstyp vor, wobei der Schmerzgenerator an der HWS weiter lokalisiert werden sollte. Trotz der bildgebend dokumentierten degenerativen Veränderungen sei die hohe Einschränkung der HWS
-
Beweglich
keit nur teilweise erklärbar und auch die Darstellung der Schmerz
intensität wirke deutlicher als nach den Ergebnissen der Bildgebung zu erwarten wäre.
Insgesamt zeige sich eine psychisch mitbeeinflusste Schmerzsymptomatik. Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und
psychi
schen Faktoren könne aber nicht gestellt werden, da die ICD-10-Kriterien nicht erfüllt seien, insbesondere bestehe schmerzbedingt kein deutlicher Leidensdruck in allen Lebensbereichen (S.
4 Ziff. 4.1).
Die Gutachter gaben i
m Rahmen ihrer Konsistenzprüfung an, die Beschwerdefüh
rerin habe über Einschränkungen bei körperlichen Tätigkeiten berichtet (als Pflegehelferin sowie bei der Besorgung des Haushalts) wegen einer subjektiv als ängstlich und deutlich beeinträchtigend erlebten Schmerzsymptomatik, die ganz im Vordergrund des Erlebens stehe. Damit kontrastiere eine aktuell eher geringe Behandlungsaktivität - bei allerdings bis anhin auch frustraner Therapie - und auch eine
r
geringe
n
Einnahme schmerzwirksamer Medikation. Das Ausmass der beklagten Einschränkungen sei nicht plausibel im Vergleich zu den objektivier
baren Befunden. Ursächlich für das Erkrankungsbild seien überwiegend wahr
scheinlich viele soziale Belastungsfaktoren wie frühe Scheidung, starke Belastung als alleinerziehende Mutter, langdauernde Arbeitsunfähigkeit, hohe Selbstlimitie
rung, Alter sowie subjektive Krankheitsüberzeugung (S. 6 Ziff. 4.6).
Aufgrund der HWS-Degeneration (MRI Juni 2018: degenerative Veränderungen der mittleren und unteren HWS; vgl. S. 4 Mitte) mit bis anhin therapierefraktärer Schmerzsymptomatik im Bereich des Kopfes, des Nackens und des oberen Schul
tergürtels bestehe eine Belastungsminderung der HWS. Daher seien nur noch kör
perlich leichte bis fallweise mittelschwere Tätigkeiten möglich, jedoch keine laufend mittelschweren und schweren körperlichen Tätigkeiten. Auch Tätigkeiten in ungünstiger oder nicht veränderlicher Kopfposition sowie mit ständig erhobe
nen
Armen und ständig repetierende Tätigkeiten seien nicht zumutbar. Hierdurch würden Einschränkungen in der bisherigen Tätigkeit entstehen. Bis zur Besserung der Schmerzen sei sekundär auch von einer schwan
kenden - leichten - Reduktion der kognitiven Leistungsfähigkeit auszugehen, sodass keine Tätigkeiten möglich seien, die nicht selbstbestimmt unterbrechbar beziehungsweise mit besonderer Verantwortung, Überwachungsfunktionen und hohen konzentrativen Anforde
rungen verbunden seien (S. 5 Ziff. 4.3).
In der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin liege ab spätestens 24. August 2018 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Einschränkung bedingt durch Mischkopfschmerzen und Belastungsminderung der HWS) vor. Vom 1. April bis 23. August 2018 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche
Tätigkeiten
(vgl. dazu S. 7 Ziff. 4.8) bestanden (S. 6 Ziff. 4.7).
In einer angepassten Tätigkeit
liege
seit dem 24. August 2018 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
vor
. Dabei bestehe keine
Einschränkung der zeitlichen Präsenz, sondern eine Minderung
der Leistungsfähigkeit um 30 %. Eine angepasste Tätigkeit solle folgendes Profil haben: Körperlich nur leichte bis mit
telschwere Tätigkeiten, keine ungünstige oder länger fixierte Kopfposition, keine Notwendigkeit mit ständig erhobenen Armen zu arbeiten und keine ständig repetierende Tätigkeiten. Möglich seien einfache, leicht erlernbare Tätigkeiten ohne nervliche Belastung, ohne Zeitdruck, ohne Überwachungsfunktion, ohne eigene Verantwortung, sondern mehr vorgegebene
n
Abläufe
n
folgend, möglichst ohne Publikumsverkehr und ohne besondere Gefährdungen. Zudem sollte die Möglichkeit selbstbestimmter und auch zusätzlicher Pausen bestehen. Tätigkeiten mit Überwindung von Höhendifferenzen seien nicht geeignet, wobei das Erstei
gen von Treppen in normalem Umfang und einer Haushaltsleiter von ein bis zwei Stufen neurologisch möglich sei
(S. 7 Ziff. 4.8).
3.
5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Anästhesiologie, Leitende Ärztin Schmerz
zentrum
B._
, nahm am 22. Juni 2020 Stellung zum Gutachten (Urk.
12/56
/1-3). Sie kritisierte die gestellten oder auch nicht aufgeführten Diagnosen im Gutach
ten (Ziff. 2)
. Das
zervicozephale
Schmerzsyndrom am ehesten wegen Arthrose der obersten Halswirbelgelenke im Übergang zum Kopf sei nicht adäquat gewichtet worden.
Die
Vorneigung des Kopfes führe nach Minuten zu einer Schmerz
zu
nahme. Das
zervikobrachiale
Schmerzsyndrom erscheine nicht in der Diagno
seliste. Sodann hielt sie fest
, das beschriebene Tätigkeitsprofil für eine angepasste Tätigkeit würde es auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht geben. Ihrer Ansicht nach bestehe lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 20 % bei einer Präsenzzeit von maxi
mal drei Stunden (Ziff. 4). Sodann führte
Dr.
E._
aus, die Beschwerdeführerin habe durch die Untersuchung bei der Begutachtung eine massive Schmerzver
stärkung erlitten. Nicht förderlich sei gewesen, dass sie von Seiten des Gutachters nicht kontaktiert
worden sei, obwohl sie sich mehrfach dorthin gewandt habe für Hilfe. Im MRI vom Januar 2020 sei eine massive, mit der Schmerzzunahme korrelierende Zunahme der Veränderung dokumentiert (Ziff. 9
; vgl. auch
Urk.
12/56/4-8 S. 2
).
3.
6
Anlässlich einer neurologischen Untersuchung am
B._
wurde der von den Gut
achte
r
n festgehaltene Spannung
s
kopfschmerz im Rahmen des bestehenden
zervikozephalen
und intermittierend
zervikospondylogenen
Schmerzsyndroms bestätigt (Bericht vom 30. Juli 2020, Urk. 12
/58
).
3.
7
Die Gutachter nahmen am 16. Oktober 2020 Stellung z
um
Vorbringen
bezüglich der aufgrund der gutachterlichen Untersuchung eingetretenen Schmerzverstär
kung (Urk.
12/62
; vgl. auch Urk. 12/60):
Im Rahmen der neurologischen Untersuchung sei keine passive Manipulation vorgenommen worden.
Bei
der aktiven Beweglichkeitsüberprüfung der HWS sei es zu keinem akuten HWS-Syndrom gekommen.
Die gutachterlichen Unter
su
chungen hätten am 17. Dezember 2019 stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe in der zweiten Januarwoche 2020 die Schmerztherapie aufgesucht. Allein schon aufgrund dieser Latenz sei es völlig unverständlich, weshalb ein Kausal
zu
sammenhang mit der Untersuchung bei der Begutachtung hergestellt werde. Die im Kontroll-MRI der HWS vom 13. Januar 2020 festgestellten Veränderungen
atlantookzipital
seien ätiologisch unspezifisch
.
Im konkreten Erkrankungsfall der Beschwerdeführerin sei sehr auffällig, dass ein spitz zulaufender
Dens
bestehe
und auch vermehrtes
Pannusgewebe
nachweisbar sei. In dieser Situation wäre auch an eine rheumatische Ursache (
Spondarthritis
) zu denken und
es wären
weitere Abklärungen einzuleiten gewesen (S. 1).
Das Erkrankungsbild
der Beschwerdeführerin sei rezidivierend und derartige Schmerzexazerbationen (auch ohne vorgängige Begutachtungssituation) seien schon in der Vergangenheit auf
getreten, teilweise sogar mit
pseudoparetetischer
Einschränkung der Arm
beweg
lichkeit. Neue Verlaufsaspekte würden sich daher nicht ergeben. Es sei von einer erneuten Erkrankungsepisode temporärer Art und entsprechend nicht von einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 2 oben).
Auch der rheumatologische Gutachte
r führte aus, es könne eine nachhaltige Ver
schlechterung aufgrund der Untersuchung vom 17. Dezember 2019 ausge
schlos
sen werden.
Versicherungsmedizinisch ändere sich die rheumatologische Beurtei
lung nicht und es drängten sich keine weiteren Abklärungen auf
(S. 2 Mitte).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin
beanstandete
insbesondere
die durch die Gutachter attestierte Arbeitsfähigkeit sowie das als zumutbar erachtete Tätigkeitsprofil
(Urk. 4 S. 4 Ziff. 4).
Die von den Gutachtern vorgenommene Beurteilung der zumutbaren Arbeits
fä
higkeit der Beschwerdeführerin ist vorliegend nic
ht schlüssig
. Vor dem Hinter
grund des doch vielseitig eingeschränkten Tätigkeitsprofils einer angepass
ten Tätigkeit
(vgl. E. 3.
4
)
erscheint es nicht nachvollziehbar, weshalb die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin noch im Umfang von 50 %
zumutbar
sein soll
.
Die Tätigkeit als Pflege
helfer
i
n stellt sowohl
Anforderungen an die kö
rperliche Leis
tungsfähigkeit als auch an die psycho-kognitive Belastbarkeit
, worauf Dr.
E._
im Schreiben vom
2
2.
Juni 2020 zu Recht hinwies (E.
3.4).
Somit treffen auch
auf die Arbeit
als Pflegehelferin viele der
ausgeschlossenen
A
nforderungen
an eine zumutbare Tätigkeit zu.
Der Hinweis des neurologischen Gutachters,
dass
beim Arbeitsversuch bei der ehemaligen Arbeitgeberin
zumin
dest ein 30 %-Pensum (richtig: 22
%
-Pensum
;
Urk.
12/23/3
) möglich gewesen
sei
(
Urk.
12/40
S. 19
Ziff.
7.3
),
ist insoweit zu relativieren,
als
die Beschwerdeführerin
dabei
nur für leichte
Pflegearbeiten eingesetzt
worden war
und die Arbeitgeberin
an
gab
, sie könne aufgrund ihrer Krankheit
(noch)
rein betreuerische Tätigkeiten ausüben (
Urk.
12/23/3).
B
etreffend
Einschränkungen in einer angepassten Tätigkeit ist sodann fraglich, weshalb bei
aus
gutachterlich
er
Sicht
lediglich leichter Reduktion der kognitiven Leistungsfähigkeit (vgl. Urk.
12/40
S. 5
Ziff. 4.3) nur noch
einfache,
leicht erlern
bare
,
serielle Tätigkeiten ohne Überwachungsfunktion und ohne hohe Anforde
rungen
an die Konzentration
zumutbar sein sollen
bei zusätzlicher Vorgabe einer fehlenden nervlichen Belastung,
eines fehlenden
Zeitdruck
s
,
einer fehlenden
eigene
n
Verantwortung und
fehlenden
Publikumsverkehr
s
(
Ziff.
4.8)
.
4.2
Sodann
wurde die Beschwerdeführerin insbesondere somatisch untersucht. Die Hausärztin wies auf wenig objektivierbare Befunde hin, attestierte ihr aber den
noch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(vgl. E. 3.2)
.
D
ie Gutachter
erklärten, es liege
eine psychisch mitbeeinflusste Schmerzsymptomatik
vor
, welche nicht im gezeigten Einschränkungsausmass (somatisch) objektivier
bar
und
insoweit
nicht
zu berücksichtigen
sei (vgl. E. 3.
4
;
Urk.
12/40
S. 20
Ziff.
8.2
). Vor diesem Hintergrund hätten weiterführende fachärztliche Einschät
zungen in psychiatrischer sowie
allenfalls
- aufgrund der neurologisch begrün
deten gesundheitlichen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit - neuropsycho
logischer Hinsicht eingeholt werden müssen. Ob die ICD-10-Kriterien einer psychiatrischen Diagnose im Zusammenhang mit der Schmerz
problematik erfüllt sind oder nicht, liegt in der Fachkompetenz eines Psychiaters oder einer Psychiaterin. Jedenfalls kann auf eine
Beurteilung aus fachpsychiat
rischer Sicht nicht verzichtet werden, wenn die
Gutachter
von einer «psychisch mitbeeinfluss
ten Schmerzsymptomatik» sprechen.
Die Sache
bedarf daher zumin
dest ergän
zender psychiatrischer, gegebenenfalls auch neuropsychologischer Beurteilung, wofür die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist
.
4.3
Die ergänzende psychiatrische (
und
allenfalls neuropsychologische) Beurteilung wird im Rahmen einer nun polydisziplinären Begutachtung zu erfolgen habe
n
, wobei auch die Fachdisziplinen Neurologie und Rheumatologie
erneut
beteiligt
sein müssen
.
Da die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schmerzen teilweise als somatisch nicht objektivierbar beurteilt wurden, kommt der Frage, ob allenfalls weitere oder andere
Krankheiten für eine (gegebenenfalls länger dauernde)
Symp
tomatik mitverantwortlich sein könnten, entgegen den Ausführungen
des neuro
logischen Gutachters der
A._
AG
vom 16.
Oktober 2020
(
E.
3.7;
Urk.
12/62/
2)
vorliegend
durchaus Bedeutung zu
. Die polydisziplinäre Begutach
tung wird somit
namentlich
auch die Frage nach
dem
Vorliegen einer Spond
ylo
arthritis
und
-
aufgrund des bereits festgestellten
entsprechenden
Risikos
(
Urk.
12/
40 S. 7 Ziff.
4.10)
-
das Vorliegen einer
Kollageno
se
zu beant
worten
haben
und
den
Gesundheitszustand
für die vorliegenden Belange der Invaliden
versicherung
v
oll
ständig zu beur
teilen
haben.
Eine solche umfassende Beurtei
lung stellen auch die Berichte von
Dr.
E._
selbstredend nicht dar; dabei ist zusätzlich zu berücksich
tigen, dass
behandelnde
Arztpersonen
mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zusammenfassend fehlt es an einem insgesamt vollständig und schlüssig ermit
telten Bild des Gesundheitszustandes
und der Arbeitsfähigkeit
.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Abklä
rungen, insbesondere die bisher vollständig ungeklärt gebliebene Frage einer all
fälligen Gesundheitseinschränkung aus psychiatrischer respektive poly
disziplinä
rer Hinsicht,
vornehme
.
5
.
5
.1
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend erweist sich der Antrag auf Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozess
führung (vgl. Urk. 4 S. 1
) als gegenstandlos.
5
.2
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung
sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung
als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Besch
werdegegnerin auf
zuerlegen sind.
5
.3
Nach § 34 Abs. 1
des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gericht
lich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Als weitere Bemessungskri
te
rien nennt
§
7
GebV
SVGer
den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Bei diesem Verfahrensausgang hat
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
In Anwendung obiger Kriterien ist die Parteie
ntschädigung vorliegend auf Fr. 1'400.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.