Decision ID: b3137c00-a325-4d93-b028-9046df7be9d2
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Die Vizepräsidentin entnimmt den Akten:
1.
Mit Rapport vom 31. Oktober 2021 verzeigte die Regionalpolizei Wettin-
gen-Limmattal B., Halterin des Personenwagens "Subaru Impreza"
(ZH xxx), bei der Staatsanwaltschaft Baden wegen Nichtgenügens der Mel-
depflicht bei entstandenem Sachschaden gemäss Art. 51 Abs. 3 i.V.m.
Art. 92 Abs. 1 SVG. B. wurde verdächtigt, am 21. August 2021 im Tivoli
Parkhaus 2 mit ihrem Personenwagen "Subaru Impreza" (ZH xxx) den par-
kierten Personenwagen "Toyota Prius" (ZH yyy) von A. beschädigt und sich
von der Örtlichkeit entfernt zu haben, ohne sich um den Schaden zu küm-
mern.
2.
Die Staatsanwaltschaft Baden verfügte am 13. Dezember 2021 gestützt auf
Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO, dass die Strafsache nicht an die Hand genom-
men werde.
Diese Nichtanhandnahmeverfügung wurde am 16. Dezember 2021 von der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigt.
3.
3.1.
Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung vom 13. Dezember 2021 erhob A.
mit Eingabe vom 26. Dezember 2021 (Postaufgabe am 27. Dezember
2021) bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des
Kantons Aargau Beschwerde. Sie beantragte sinngemäss, die Nichtan-
handnahmeverfügung sei aufzuheben, die Staatsanwaltschaft Baden sei
anzuweisen, eine Strafuntersuchung gegen B. zu eröffnen, F. und G. seien
als Zeuginnen zu befragen und die von F. gemachten Fotos seien zu be-
rücksichtigen.
3.2.
Die Beschwerdeführerin leistete die von der Verfahrensleiterin der Be-
schwerdekammer in Strafsachen mit Verfügung vom 10. Januar 2022 ein-
verlangte Sicherheit von Fr. 800.00 für allfällige Kosten am 14. Januar
2022.
3.3.
Die Staatsanwaltschaft Baden beantragte mit Beschwerdeantwort vom
21. Januar 2022, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei
die Beschwerde abzuweisen, unter Kostenfolgen.
3.4.
Die Beschuldigte liess sich nicht vernehmen.
- 3 -

Considerations:
Die Vizepräsidentin zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss
Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit
Beschwerde anfechtbar. Nachdem vorliegend keine Beschwerdeaus-
schlussgründe i.S.v. Art. 394 StPO bestehen, ist die Beschwerde zulässig.
1.2.
1.2.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden machte in der Beschwerdeantwort vorab
geltend, die Beschwerdeführerin sei angesichts der Aktenlage im Zeitpunkt
der Nichtanhandnahmeverfügung als Geschädigte geführt worden. Da pra-
xisgemäss nur Privatkläger beschwerdelegitimiert seien, sei der Beschwer-
deführerin die Nichtanhandnahmeverfügung nur zu Kenntnis zugestellt
worden. Mangels Aktivlegitimation sei daher auf die Beschwerde nicht ein-
zutreten.
1.2.2.
1.2.2.1.
Nach Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes
Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ein
Rechtsmittel ergreifen. Partei im Strafverfahren ist gemäss Art. 104 Abs. 1
lit. b StPO auch die Privatklägerschaft. Als Privatklägerschaft gilt die ge-
schädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf-
oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Als geschädigte Per-
son gilt wiederum nur die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten
unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). In seinen Rechten
unmittelbar verletzt ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm ge-
schützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsguts ist. Bei Strafnormen,
die nicht primär Individualrechtsgüter schützen, gelten praxisgemäss nur
diejenigen Personen als Geschädigte, die durch die darin umschriebenen
Tatbestände in ihren Rechten beeinträchtigt werden, sofern diese Beein-
trächtigung unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung ist. Im
Allgemeinen genügt es, wenn das von der geschädigten Person angeru-
fene Individualrechtsgut durch den verletzten Straftatbestand auch nur
nachrangig oder als Nebenzweck geschützt wird, selbst wenn der Tatbe-
stand in erster Linie dem Schutz von kollektiven Rechtsgütern dient. Wer-
den indes durch Delikte, die nur öffentliche Interessen verletzen, private
Interessen bloss mittelbar beeinträchtigt, ist der Betroffene nicht Geschä-
digter im Sinne des Strafprozessrechts (BGE 140 IV 155 E. 3.2 S. 157 f.).
Geschädigte, die sich nicht als Privatkläger konstituiert haben, können eine
Nichtanhandnahme- oder Einstellungsverfügung mangels Parteistellung
grundsätzlich nicht anfechten. Diese Einschränkung gilt dann nicht, wenn
- 4 -
die geschädigte Person noch keine Gelegenheit hatte, sich zur Frage der
Konstituierung zu äussern, so etwa wenn eine Einstellungsverfügung
ergeht, ohne dass die Strafverfolgungsbehörde die geschädigte Person zu-
vor auf ihr Konstituierungsrecht aufmerksam gemacht hat oder wenn eine
Nichtanhandnahmeverfügung ganz zu Beginn des Vorverfahrens ergeht
(BGE 141 IV 380 E. 2.2 S. 383; GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, in:
Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014,
N. 11 zu Art. 115 StPO).
1.2.2.2.
Art. 92 SVG stellt die Verletzung der Verhaltenspflichten bei Unfall gemäss
Art. 51 SVG unter Strafe. Zu den durch Art. 92 SVG geschützten Rechts-
gütern zählt in erster Linie der individuelle Schutz von Leib und Leben
(Art. 51 Abs. 2 SVG) sowie der Vermögensinteressen der am Unfall Betei-
ligten bzw. der Versicherer (Art. 51 Abs. 3 SVG). Die Pflicht zur Benach-
richtigung der Polizei bzw. des Geschädigten und zum Verbleiben auf der
Unfallstelle (Art. 51 Abs. 2 SVG) dient sodann der Beweissicherung im Hin-
blick auf die zivilrechtliche Auseinandersetzung (Schadenersatz- und Ge-
nugtuungsansprüche). Daneben erleichtert der Tatbestand aber auch die
(Straf-)Rechtspflege und damit die Durchsetzung von Gemeininteressen.
Allgemeine Interessen sind überdies betroffen, soweit Art. 51 Abs. 1 SVG
die Beteiligten verpflichtet, nach einem Strassenverkehrsunfall die erforder-
lichen Massnahmen zum Schutz der Verkehrssicherheit zu ergreifen (LEA
UNSELD, in: Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014, N. 1 und 4
zu Art. 92 SVG; PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar Strassenverkehrs-
gesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, N. 17 zu Art. 92 SVG).
Die Beschwerdeführerin sieht die strafbare Handlung darin, dass die Be-
schuldigte mit dem PW "Subaru Impreza" (ZH xxx) einen Parkschaden an
ihrem PW "Toyota Prius" (ZH yyy) verursacht und damit ihre Vermögensin-
teressen unmittelbar beeinträchtigt haben soll. Sie wäre damit durch die
behauptete Straftat (Nichtgenügen der Meldepflicht gemäss Art. 92 Abs. 1
i.V.m. Art. 51 Abs. 3 SVG) i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO geschädigt und
könnte sich am Strafverfahren als Privatklägerin beteiligen. Zwar hat sich
die Beschwerdeführerin vor Erlass der Nichtanhandnahmeverfügung vom
13. Dezember 2021 nicht gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO als Privatklägerin
konstituiert. Aus den Akten ergibt sich jedoch nicht, dass sie bis zum Erlass
der Nichtanhandnahmeverfügung Gelegenheit hatte, sich zur Frage der
Konstituierung zu äussern, bzw. von der Staatsanwaltschaft Baden auf
diese Möglichkeit hingewiesen wurde. Die Beschwerdeführerin ist damit zur
Beschwerdeführung legitimiert.
- 5 -
1.3.
Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt und geben zu
keinen Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be-
schwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist deshalb ein-
zutreten.
2.
Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, was im Kanton Aargau ge-
mäss § 65 Abs. 2 GOG i.V.m. § 9 f. und Anhang 1 Ziff. 2 Abs. 5 der Ge-
schäftsordnung des Obergerichts vom 21. November 2012 der Fall ist, so
beurteilt die Verfahrensleitung die Beschwerde gemäss Art. 395 lit. a StPO
allein, wenn diese - wie im vorliegenden Fall - ausschliesslich Übertretun-
gen zum Gegenstand hat.
3.
3.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden führte zur Begründung der Nichtanhand-
nahme aus, die polizeilichen Ermittlungen, nämlich die Sicherung von Spu-
ren mittels "Spurensicherungskleber", die Einvernahme der Beschuldigten
sowie zusätzliche Abklärungen beim Garagisten der Beschuldigten, hätten
keinen rechtsgenüglichen Nachweis eines strafbaren Verhaltens der Be-
schuldigten ergeben. Unklar sei vorab, ob es überhaupt zu einer Kollision
der beiden genannten Fahrzeuge gekommen sei. Spurentechnisch liege
hier kein verwertbarer Nachweis einer Kollision vor. Zudem bestünden an-
gesichts des Verhaltens der Beschuldigten am betreffenden Tag keine An-
zeichen dafür, dass sie eine Kollision, so denn eine überhaupt stattgefun-
den habe, bemerkt habe bzw. hätte bemerken können. Weitere Ermitt-
lungshandlungen seien im heutigen Zeitpunkt weder beantragt, ersichtlich
noch erfolgsträchtig. Demnach ergebe sich kein genügender Tatverdacht
betreffend ein tatbestandsmässiges Verhalten (pflichtwidriges Verhalten
bei Unfall) der Beschuldigten, weshalb im heutigen Zeitpunkt das Strafver-
fahren durch Nichtanhandnahme gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO
abzuschliessen sei.
3.2.
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde geltend, obwohl der
Polizei die Zeuginnen H. (recte: F.) und G. bekannt gewesen seien, seien
diese nicht zur Tat befragt worden. Die beiden Zeuginnen hätten sich zur
selben Zeit im Tivoli Parkhaus 2 in Spreitenbach befunden und den Tatvor-
gang beobachtet. Sie hätten sie mittels Notiz auf der Frontscheibe ihres
Fahrzeugs und auch den Kundendienst des Tivoli-Einkaufszentrums infor-
miert. F. habe die Fahrzeuge nach dem Tatvorgang fotografiert. Die beiden
Zeuginnen seien daher zum Tathergang zu befragen und ihre Aussagen
seien bei den Ermittlungen zu berücksichtigen. Ausserdem müssten die
von F. erstellten Fotos berücksichtigt werden.
- 6 -
3.3.
Die Staatsanwaltschaft Baden wandte in ihrer Beschwerdeantwort ein, ge-
mäss bisheriger Aktenlage seien den Strafverfolgungsbehörden einzig die
Personalien und die Adresse von F. bekannt gewesen. Es werde in das
Ermessen des Obergerichts gestellt, ob eine nachträgliche Einvernahme
der in der Beschwerde genannten Zeuginnen zur Klärung notwendig sei.
4.
4.1.
Die Staatsanwaltschaft eröffnet insbesondere dann eine Untersuchung,
wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Straf-
anzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatver-
dacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Ein hinreichender Tatverdacht
setzt voraus, dass die erforderlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung
konkreter Natur sind. Konkret ist der Tatverdacht dann, wenn eine gewisse
Wahrscheinlichkeit für eine strafrechtliche Verurteilung der beschuldigten
Person spricht. Die Gesamtheit der tatsächlichen Hinweise muss die plau-
sible Prognose zulassen, dass die beschuldigte Person mit einiger Wahr-
scheinlichkeit verurteilt werden wird. Diese Prognose geht über die allge-
meine theoretische Möglichkeit hinaus. Ein blosser Anfangsverdacht, d.h.
eine geringe Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung aufgrund vager tatsäch-
licher Anhaltspunkte (z.B. ungenaue Schilderungen eines Anzeigeerstat-
ters), genügt nicht (NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, in: Kommentar
zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 25 f. zu
Art. 309 StPO).
Sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass
die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeu-
tig nicht erfüllt sind, verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme
(Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Die Situation muss sich für den Staatsanwalt
folglich so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte angenommen wer-
den dürfen oder der Anfangsverdacht vollständig entkräftet wurde. Bei
missbräuchlichen und von vornherein aussichtslosen Strafanzeigen hat
ebenfalls eine Nichtanhandnahme zu erfolgen (LANDSHUT/BOSSHARD,
a.a.O., N. 4 zu Art. 310 StPO). Es muss mit anderen Worten sicher sein,
dass der Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt, was etwa der Fall
ist bei rein zivilrechtlichen Streitigkeiten. Eine Nichtanhandnahme darf nur
in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen. Im Zweifelsfall
ist folglich eine Untersuchung zu eröffnen. Ergibt sich nach durchgeführter
Untersuchung, dass kein Straftatbestand erfüllt ist, stellt die Staatsanwalt-
schaft das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 StPO ein (BGE 137 IV 285
E. 2.3 S. 287 f.).
- 7 -
4.2.
4.2.1.
Nach Art. 92 Abs. 1 SVG wird mit Busse bestraft, wer bei einem Unfall die
Pflichten verletzt, die ihm dieses Gesetz auferlegt. Ist bei dem Unfall nur
Sachschaden entstanden, so hat der Schädiger sofort den Geschädigten
zu benachrichtigen und Namen und Adresse anzugeben. Wenn dies nicht
möglich ist, hat er unverzüglich die Polizei zu verständigen (Art. 51 Abs. 3
SVG).
4.2.2.
Gemäss Rapport vom 31. Oktober 2021 stellte die Regionalpolizei Wettin-
gen-Limmattal anlässlich der Tatbestandsaufnahme vom 21. August 2021
im Tivoli Parkhaus 2 fest, dass das Fahrzeug "Toyota Prius" (ZH yyy) der
Beschwerdeführerin an der Stossstange hinten links beschädigt war, indem
es Kratzspuren in einer Höhe von 69 cm ab Boden aufwies. Mittels Spu-
rensicherungskleber wurden Mikrospuren aus der Schadenszone gesi-
chert. Überdies wurde das Spurenbild fotografisch festgehalten (Rapport
S. 2 f.); die Fotografien sind in den Akten allerdings nicht vorhanden.
Auf den von der Beschwerdeführerin als Beschwerdebeilagen eingereich-
ten Fotografien der Zeugin F. ist ersichtlich, dass das Fahrzeug der Be-
schwerdeführerin an der Stossstange hinten links Kratzer bzw. silber-
grauen Farbabrieb aufwies. Das gleiche Schadensbild zeigte sich an der
Stossstange hinten rechts auf ca. derselben Höhe am Fahrzeug der Be-
schuldigten, welches auf dem Parkfeld links neben dem Fahrzeug der Be-
schwerdeführerin abgestellt war. Den Fotografien ist weiter zu entnehmen,
dass die Platzverhältnisse eng waren, zumal die Beschwerdeführerin ihr
Fahrzeug sehr nahe an der linken Begrenzungslinie ihres Parkfelds abge-
stellt hatte. Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Beschuldigte beim
Einparkieren in das Parkfeld oder beim Manövrieren im Parkfeld mit der
Stossstange hinten rechts ihres Fahrzeugs die Stossstange hinten links
des Fahrzeugs der Beschwerdeführerin touchierte. Angesichts der dabei
entstehenden Geräusche und des Widerstands erscheint es als unwahr-
scheinlich, dass die Beschuldigte eine solche Streifkollision, die diese
Schäden verursachte, weder bemerkt hätte noch hätte bemerken können,
sofern sie tatsächlich stattfand.
Die Beschuldigte sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 15. Oktober
2021 aus, sie sei beim Manövrieren ihres Fahrzeugs nicht abgelenkt gewe-
sen. Sie habe nichts gemacht. Der Schaden sei zwei bis drei Jahre alt.
Diesen habe sie an ihrem Arbeitsort verursacht. Ihr Garagist könne bestä-
tigen, dass sie den Schaden nicht mehr reparieren lassen wolle (Protokoll
Einvernahme beschuldigte Person vom 15. Oktober 2021, S. 4).
- 8 -
Gemäss Rapport der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal vom 31. Okto-
ber 2021 teilte der Geschäftsführer der Garage der Beschuldigten gegen-
über dem ermittelnden Polizeibeamten mit, dass der PW "Subaru Impreza"
der Beschuldigten seit ca. drei Jahren an der vorderen Stossstange rechts-
seitig einen Schaden aufweise, dessen Reparatur die Beschuldigte abge-
lehnt habe. Da es vorliegend jedoch mutmasslich um einen Schaden an
der hinteren Stossstange geht, steht nicht mit hinreichender Sicherheit fest,
dass dieser Schaden (ebenfalls) vor dem angezeigten Vorfall vom 21. Au-
gust 2021 bereits bestanden hatte und es am 21. August 2021 nicht zu ei-
ner Kollision zwischen den Fahrzeugen der Beschuldigten und der Be-
schwerdeführerin gekommen ist.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde F. und G.
als Zeuginnen anrief, welche am 21. August 2021 den mutmasslichen Tat-
hergang beobachtet und danach die durch die Streifkollision entstandenen
Beschädigungen an den Fahrzeugen der Beschuldigten und der Beschwer-
deführerin fotografiert haben sollen. Sie sollen auch einen Zettel an der
Frontscheibe des Fahrzeugs der Beschwerdeführerin angebracht haben,
auf welchem steht, dass der Schaden an ihrem Fahrzeug hinten von einem
silbergrauen Subaru mit dem Kennzeichen ZH xxx (dem Fahrzeug der Be-
schuldigten) stamme, und den Kundendienst des Tivoli Shopping Centers
informiert haben.
Beim gegenwärtigen Aktenstand kann somit nicht gesagt werden, es be-
stehe kein hinreichender Tatverdacht, dass sich die Beschuldigte des
pflichtwidrigen Verhaltens i.S.v. Art. 92 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs. 3 SVG
zum Nachteil der Beschwerdeführerin schuldig gemacht habe. Vielmehr
besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine strafrechtliche Verurtei-
lung der Beschuldigten. Ob ein Tatverdacht erhärtet werden kann, der ei-
nen Strafbefehl oder eine Anklage rechtfertigt, wird nicht zuletzt von den
noch zu erhebenden Aussagen der Zeuginnen F. und G., der Beschwerde-
führerin und der Beschuldigten sowie den noch zu den Untersuchungsak-
ten zu nehmenden Fotografien der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal
und von F. abhängen.
4.3.
Wie erwähnt, darf eine Nichtanhandnahme nur in sachverhaltsmässig und
rechtlich klaren Fällen ergehen. Dies trifft, wie soeben dargelegt, vorliegend
nicht zu. Die Voraussetzungen von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO für den Erlass
einer Nichtanhandnahmeverfügung sind somit nicht gegeben. In Gutheis-
sung der Beschwerde ist die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsan-
waltschaft Baden vom 13. Dezember 2021 deshalb aufzuheben.
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5.
5.1.
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Hebt
die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Kanton die Kos-
ten des Rechtsmittelverfahrens und, nach Ermessen der Rechtsmittel-
instanz, jene der Vorinstanz (Art. 428 Abs. 4 StPO). Diese letztgenannte
Bestimmung bezieht sich insbesondere auf kassatorische Entscheide über
Beschwerden gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO (THOMAS DOMEISEN, in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 25 zu
Art. 428 StPO).
Ausgangsgemäss sind die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens somit auf die Staatskasse zu nehmen. Über die Tragung der Untersu-
chungskosten wird zu gegebener Zeit die Staatsanwaltschaft Baden bzw.
das angerufene erstinstanzliche Gericht zu entscheiden haben.
5.2.
Der nicht anwaltlich verbeiständeten Beschwerdeführerin ist im Beschwer-
deverfahren kein entschädigungspflichtiger Aufwand entstanden, weshalb
sie unabhängig vom Ausgang des Hauptverfahrens keinen Anspruch auf
Entschädigung hat.