Decision ID: b64ca137-b395-5335-b437-f0c69ccd9ba2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1971
, Mutter von
einem
Kind (Jahrgang
1996
), ist
seit Januar 2009
in einem Teillohnarbeitsprojekt
bei der
Z._
als Betriebsmitar
beiterin tätig (
Urk.
9/23) und
meldete sich nach erfolgter Früherfassung (
Urk.
9/10)
am
1
4.
Oktober 2014
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
9/18
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab,
und gewährte der Versi
cherten mit Mitteilung vom 1
2.
August 2015
Kostengutsprache für ein
Aufbau
training (
Urk.
9/36)
und mit Mitteilung vom 1
0.
März 2016 (
Urk.
9/58) für Ar
beitsvermittlung plus. Mit Mitteilung vom
9.
August 2016 (
Urk.
9/73) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
In der Folge holte die IV-Stelle ein
bidisziplinärers
Gutachten ein, das am
2.
November 2017 erstat
tet wurde (
Urk.
9/90).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/95
;
Urk.
9/112
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
1.
Juli 2018
einen Rentenanspruch (
Urk.
9/116
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
2
9.
August 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
1.
Juli 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
ab Som
mer 2015
mindestens eine
Viertelsrente
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Ferner
sei die IV-Stelle zu verpflichten, Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und in die Wege zu leiten
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
September 2018
(
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
4.
Oktober 2018
wurde
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung bewil
ligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10
).
In der Folge ersuchte das Gericht
den rheumatologischen
Gutachter um eine ergän
zende Stellungnahme, die am
2
2.
August 2019
erstattet wurde (
Poststempel,
Urk.
14
). Dazu nahm die Beschwerde
gegnerin
- unter Hinweis auf eine
seitens ihres Regionalen Ärztli
chen Dienstes (RAD) abgegebene Stellungnahme (Urk.
20
)
- am
1
5.
Oktober 2019
(
Urk.
19
) Stellung.
Dies wurde der Beschwerde
führerin am
1
2.
November 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk.
22).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die ver
sicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen um
fassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklag
ten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinanderset
zung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwen
dende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechts
pflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fre
denhagen
, Das ärztliche Gutachten,
4.
Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
gestützt
auf die medizinischen Akten, insbesondere das
bidisziplinäre
Gutachten vom 2.
November 2017 (
Urk.
9/90) und die Stellungnahme des RAD vom 22.
Novem
ber 2017 (
Urk.
9/94
S.
4
ff.
), davon aus,
dass der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin nicht mehr zumutbar sei. Eine körperlich leichte Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin hingegen zu 80
%
zumutbar (S. 2 oben). Eine Verschlechterung der rheumatologischen Beschwerden sei aus fach
ärztlicher Sicht nicht ausgewiesen. Vielmehr würden sich krankheitsfremde Um
stände wie soziokulturelle Schwierigkeiten, eine ungünstige Arbeitsmarktlage so
wie die finanzielle Notlage auf das Beschwerdebild auswirken. Eine verminderte Erwerbsfähigkeit aufgrund de
r
somatischen Beschwerden sei nicht nachvollzieh
bar (S. 2 unten).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt (
Urk.
1),
gemäss Gutachten vom
2.
November 2017 ergebe die rein somatisch-rheumatologische Beurteilung für die bisherige Tätigkeit eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
seit 2009
und f
ür eine angepasste Verweistätigkeit seit 2009
eine solche
von zunächst 20
%
, seit 2014 von durchschnittlich 30
%
und seit dem Sommer 2015 von durchschnittlich 40
%
. Aus psychiatrischer Sicht habe nie eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden. Der RAD habe diese Einschätzung nach unten korrigiert und eine Verschlechterung der Arbeits
fähigkeit auf 30
%
seit 2014 und schliesslich 40
%
ab Sommer 2015 verneint (S.
7 Mitte). De
r
Begründung
für eine Korrektur der von den Gutachtern beurteilte
n
prozentuale
n
Arbeitsfähigkeit könne aus den genannten Gründen nicht gefolgt werden
und es sei i
m Resultat der Einschätzung des Gutachtens bezüglich Ar
beitsunfähigkeit zu folgen (S. 8 Mitte). Da das
Valideneinkommen
dem Invali
deneinkommen entspreche, resultiere ein I
nvaliditätsg
rad von 40
%
seit Sommer 2015, was zum Anspruch auf eine
Viertelsrente
führe (S. 8 unten). Weiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, berufliche Massnahmen zu prüfen und in die Wege zu leiten (S. 9 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch
der
Beschwerdeführer
in
.
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatr
ie und Psychotherapie, und
Dr.
m
ed.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumato
logie, nannten im interdisziplinären Gutachten vom
2.
November 2017 (
Urk.
9/90)
folgende Diagnosen mit langandauernder Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
(S. 9
Ziff.
III)
:
-
«Geburtsgebrechen» mit persistierendem Kraftdefizit
des linken
Bein
es
, Beckenasymmetrie mit Beinlängendifferenz, welche funktionell partiell kompensiert
wird
mittels Knieflexionshaltung links sowie Hüftgelenkdys
plasie rechts
-
Zervikal- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
mit diffuser Aus
strahlung
-
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
Als Diagnosen ohne langandauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann
ten sie (S. 9 unten):
-
Anpassungsstörung beziehungsweise längere depressive Reaktion, Januar 2015 bis Januar 2017, anhaltende somatoforme Schmerzstörung (seit Sommer 2016), finanzielle Schwierigkeiten und Verlust der Arbeitsstelle
-
chronisches, sich generalisierendes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
krankheitsfremde Faktoren
-
primäres F
i
bromyalgie-Syndrom
-
nicht-
dermatombezogene
Hyposensibilität des ganzen rechten Armes und des ganzen rechten Beines für ausschliesslich taktile Reize bei all
seits normalem Lage- und Vibrationssinn
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke
-
Schlafstörungen, Müdigkeit
-
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
3.1.2
Der rheumatologische Gutachter
führte
in seinem Teilgutachten (
Urk.
9/90/3
-22)
aus,
e
s lieg
e
eine komplexe Situation vor, bei der die von der
Beschwerdeführerin
seit Ende 2016 geschilderten
S
chmerzen im Sinne eines chronischen, sich gene
ralisierenden Schmerzsyndroms nicht mehr mit den objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunden korrelieren
würden
(S. 1
0
Mitte)
.
Die
Beschwerdeführerin
habe
bezüglich
der
somatisch abstützbaren Pathologien während Jahren zunächst belastungsabhängige Beschwerden
berichtet
, wobei die diffus geschilderte Schmerzausstrahlung, gemäss der vorliegenden Dokumenta
tion, zumeist im Sinne einer pseudoradikulären Schmerzausstrahlung interpre
tiert
worden sei
. Ein gesicherte
r
Hinweis auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfall
syndrom insbesondere des rechten Beines
habe
, gemäss der vorliegenden Doku
mentation, nie
bestanden
, auch wenn in der bil
dgebenden Abklärung, wie der MRI
-Abklärung der Lendenwirbelsäule vom 1
6.
Dezember 2016
, auf eine Kom
pression der Wurzel L4 rechts hingewiesen
worden sei
. Die am 1
3.
Mai 20
16 durchgeführte Steroidinfiltration der Wurzel L4 rechts und der Facettengelenke von LWK4/5 beidseits
habe
zu einer vorübergehenden Schmerzreduktion bis an
nähernden Schmerzfreiheit
geführt
, die von der
Beschwerdeführerin
als mehrere Monate andauernd umschrieben
worden sei. Das heisse
konkret, dass zumindest bis zum damaligen Zeitpunkt eindeutige Hinweise auf somatisch abstützbare Be
schwerden bestanden
hätten (S. 11 Mitte)
.
Die
Beschwerdeführerin
schilder
e
eine nicht
dermatombezogene
Hyposensibilität des ganzen rechten Armes und des ganzen rechten Beines für ausschliesslich tak
tile Reize. Bereits diese Beschreibung
lasse
an vordergründig nicht somatisch ab
stützbare Beschwerden denken, weil die sensiblen Qualitäten für den Vibrations
sinn und für den
Lagesinn
allseits als normal geschildert
worden seien
,
wodurch
der Aspekt von somatisch abstützbaren Beschwerden zudem entkräftet
werde
. Ferner
seien
als Kriterien für vordergründig nicht somatisch abstützbare partielle
Sensibilitätsstörungen die normal getesteten Muskeleigenreflexe der rechten Kör
perhälfte hinweisend. Diesbezüglich
sei darauf hinzuweisen,
dass ein Mus
keleigenreflex ein objektives Untersuchungskriterium darstell
e
, welches nicht von der Mitarbeit einer Patientin respektive
der zu untersuchenden Person
abhängig
sei
. Ein nicht gesteigert auslösbarer Muskeleigenreflex setz
e
voraus, dass keine relevante Störung der sensiblen Afferenz und/oder der motorischen Efferenz vor
lieg
e
. Da die Muskelkraft und die
Muskeltrophik
der rechten Extremitäten allseits normal
seien
,
könne
diese als partiell geschilderte Sensibilitätsstörung der rechten Extremitäten vordergründig nicht auf ein bekanntes somatisch-rheumatologisch-neurologisches
Krankheitsbild ab
gestützt werden
(S. 1
2
unten).
W
ährend der klinischen Untersuchung setz
e
eine schmerzvermittelnde Mimik und Gestik ein, im Rahmen derer
vier
der
fünf
Waddell
-Zeichen, als Hinweis auf nicht organisch abstützbare Beschwerden, demonstriert
worden seien.
Die
Beschwerde
führerin
schilder
e
diffuse Druckschmerzen beim Berühren der Weichteile des gan
zen Körpers. Sie block
e
phasenweise zunächst harmonische Bewegungen mit einem abrupt einsetzenden muskulären Widerstand ab. Sie schilder
e
nicht-der
matombezogene
Sensibilitätsstörungen. Diese schmerzvermittelnde Mimik und Gestik
könne
vordergründig nicht mit einem bekannten somatisch-patholog
i
schen Krankheitsbild begründet werden (S. 1
3
oben
)
.
Aufgrund der schmerzver
mittelnden Mimik und Gestik,
der
diffusen
Druckdolenz
sowie
der von der
Be
schwerdeführerin geschilderten Beschwerden könne seit Ende 2016 von vorder
gründig nicht mehr somatisch abstützbaren Beschwerden ausgegangen werden (S. 1
3
unten f.).
Aufgrund der Ergebnisse
der
Begutachtung
bestünden
somit seit Ende 2016 Dis
krepanzen zwischen den geschilderten Beschwerden und den diskutierten objek
tivierbaren Befunden.
In den ergänzend durchgeführten Untersuchungen
habe
zudem kein Hinweis auf eine entzündliche Systemaffektion, auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom oder auf eine paraneopla
stische Komponente objekti
viert werden können (S. 1
4
oben)
.
I
nsgesamt
seien die
von der
Beschwerdeführe
rin
geschilderten Beschwerden bezüglich Umfang und Intensität partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar. In einer derarti
gen Situation
seien
grundsätzlich
krankheitsfremde Gründe
, ein Aggravations
verhalten im Rahmen eines Rentenbegehrens und eine psychosomatisch-psy
chiatrische Affektion
zu diskutieren (S. 1
4
Mitte)
.
Die Arbeitsfähigkeit sei, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt, seit 2009 für berufliche Tätigkeiten, die nicht die Kriterien einer angepassten Ver
weistätigkeit erfüll
t
en, nicht mehr gegeben.
Für eine angepasste Verweistätigkeit
sei
eine durchschnittliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu formulieren, auch
wenn Phasen der vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit vorge
legen haben müss
t
en, zum Beispiel nach der Hysterektomie oder nach der Vor
fussfraktur links. Für eine angepasste Verweistätigkeit
bestehe
aus rein soma
tisch-rheumatologischer Sicht beurteilt eine anhaltende zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit
2009 von zunächst maximal 20
%
,
seit 2014 von durch
schnittlich 30
%
und seit Sommer 2015 von durchschnittlich 40
%
. Dieses zu
mutbare Arbeitspensum
könne
sowohl am Stück als auch mit vermindertem Tempo über den Tag verteilt abgeleistet werden
(S. 1
5
Mitte)
.
Die angepasste
Ver
weistätigkeit
liege
in einem temperie
rten Raum (Raumluft), beschränke
sich auf leichtgradig körperlich belastende Arbeiten und
lasse
die Möglichkeit, zwischen sitzender, stehender und gehender Körperhaltung zu wechseln, zu. Das Einhalten der Rückenergonomie
sei
als zwingend vorauszusetzen. Nicht mehr zumutbar
sei
da
s Gehen auf unebenem Untergrund und
d
as repetitive Begehen von Treppen sollte vermieden werden
(S.
1
6
oben)
.
Ungünstig auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess könn
ten sich krankheitsfremde Faktoren
auswirken
, wie beispielsweise länger anhal
tende berufliche Arbeitsabstinenz im ersten Arbeitsmarkt, ärztlicherseits länger
dauernd attestierte Arbeitsunfähigkeiten, Alter, ungünstige Arbeitsmarktsituation und möglicherweise die limitierte Motivation
(S. 16 oben)
.
Die Wahrscheinlichkeit
sei
klein, dass
die Beschwerdeführerin
, nach langanhaltender beruflicher Arbeits
abstinenz im ersten Arbeitsmarkt, wieder längerdauernd im ersten Arbeitsmarkt beruflich tätig
werde
. Diesbezüglich
seien
, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt,
die erwäh
nten krankheitsfremden Faktoren
massgebend ursäch
lich
. Die bei der Beschwerdeführerin ausgewiesenen somati
sch-pathologischen Aspekte
hätten
während Jahren zu Beschwerden geführt, die
plausibilisierbar
ge
wesen seien
. Auch deshalb
würden
namhafte Einschränkungen der
Arbeitsfähig
keiten
resultieren (S. 16 unten)
.
Die seit Ende 2016 geschilderten Beschwerden im Sinne des chronisch sich generalisierenden Schmerzsyndroms
würden
hingegen nicht mehr mit diesen objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunden
kor
relieren
. Damit
werde
der seither therapierefraktäre Beschwerdeverlauf auf die wiederholt somatisch ansetzenden Therapiemassnahmen plausibel
(S. 17 oben)
.
3.1.3
Der psychiatrische Gutachter führte
i
n seine
m Teilgutachten (
Urk.
9/90/23-40)
aus,
als
Hauptproblem
könnten
die chronischen Schmerzen angesehen werden. Bis Sommer 2016
habe
diese Problematik, gemäss
rheumatologischem Teilgut
achten
, rheumatologisch erklärt werden
können
. Teilweise in Zusammenhang mit der Kraftabschwächung des linken Beines
sei
es zu Hüftbeschwerden
gekommen
, später
seien
Schulter- und Rückenschmerzen hinzu
gekommen
. Im Sommer 2016
sei
eine neue Situation
entstanden
, indem sich die Schmerzen in erheblichem Ausmass
ausgedehnt
und erstmals die
Weichteile
erfassten
hätten
.
Die Beschwer
deführerin
leide seither an einem Ganzkörperschmerzsyndrom, welches sie in ih
rer Lebensentfaltung beeinträchtig
e
. Sie zeig
e
Hinweise für das Vorliegen einer
psychosomatischen Überlagerung.
Sie
sei
auf die Schmerzen fixiert, diese
würden
den Hauptfokus ihres Interesses
bilden.
Es lieg
e
aber nicht ein Vollbild dieser Störung vor, da das Ausmass der Schmerzen von körperlichen Belastungen, nicht aber von Lebensproblemen oder emotionalen Konflikten abhängig
sei. Zudem komme es nach den
Therapien oft zu einer Verbesserung der Schmerzen. Bei der heutigen Untersuchung
zeige
die Beschwerdeführerin
ein massives Schmerzemp
finden, möglicherweise
bestünden
aggravierende Anteile
(S. 9 Mitte).
Gemäss ihren Angaben
sei
sie immer glücklich
gewesen
, wenn sie
habe
arbeiten
können
. Im Januar 2015
sei
sie in eine seelische Krise
geraten
, als sie am dama
ligen Arbeitsplatz in Schwierigkeiten
geraten sei
. Der Sozialdienst soll
e
stark auf eine Arbeitsstelle in der freien Wirtschaft gedrängt und die finanzielle Unterstützung ein
ge
stellt haben. Es
seien
andere Institutionen, insbesondere
das
RAV und die Invalidenversicherung dazu
gekommen
. Diese komplizierte Situation
habe sie überfordert und
sie
habe
mit Selbstwerteinschränkungen, Verstimmungen, Kon
zentrationsstörungen und Schlafproblemen
reagiert
. Da ein enger Zusammen
hang
zwischen der seelischen Krise und den Ursachen
bestanden habe
,
habe
von einer Anpassungsstörung, später von einer depressiven Reaktion ausgegangen werden
können (S. 9 f.).
Definitionsgemäss könn
t
en Anpassungsstörungen
bezie
hungsweise
längere depressive Reaktionen gemäss ICD-10 nur zwei Jahre diag
nostiziert werden. Ab Februar 2017
könne
deshalb definitionsgemäss diese
Diag
nose nicht mehr gestellt werden. Seither
könne
das Verhalten der Versicherten angesichts der Lebensprobleme als
«
normal
»
angesehen werden. Weiterhin
wür
den
sich dagegen die chronischen Schmerzen ungünstig aus
wirken
. Gemäss ICD-10
sei
es beinahe die Regel, dass chronische Schmerzen auch zu Verstimmungen führ
t
en, da es nicht einfach zu ertragen
sei
, ständig an Schmerzen zu leiden und Einschränkungen in der Lebensführung hinnehmen zu müssen. Im Januar 2015
habe die Beschwerdeführerin
eine ambulante psychiatrische Therapie auf
genom
men
, welche sie bis heute weiterführ
e
. Sie geh
e
alle zwei Wochen
zum Psychiater und
erhalte
antidepressiv wirkende Medikamente. Das psychotherapeutische Set
ting
könne
als genügend angesehen werden. Die medikamentöse Compliance
sei
insuffizient
(S. 10 Mitte)
.
Es
bestünden
bedeutende krankheitsfremd
e Faktoren wie
s
oziokulturelle Probleme, Status nach Scheidung, Status nach Arbeitsplatz
verlust, fehlende Berufsbildu
ng, finanzielle Schwierigkeiten sowie
Abhängigkeit vom Sozialdienst
(S. 10 unten).
Eine bedeutende beziehungsweise anhaltende psychiatrische Störung bestehe nicht und relevante objektive Befunde hätten nie bestanden
(S. 13 oben). Da keine bedeutende Störung bestehe, seien keine krankheitsbedingten Auswirkungen auf die diversen Lebensbereiche vorhanden (S. 15 Mitte). Die Beschwerdeführerin sei in den bisherigen Tätigkeiten nie anhaltend eingeschränkt arbeitsfähig gewesen.
3.1.
4
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» der Standardindikatoren führte der psy
chiatrische Gutachter aus, dass die Beschwerdeführerin Hinweise für eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung zeige, aber nicht das Vollbild vorhanden sei, da mehrere Kriterien der ICD-10 nicht nachweisbar seien. Die Beschwerdeführerin zeige erfreuliche somatische Behandlungsergebnisse, obschon es auch zu Rück
fällen komme. Sie sei zudem sehr motiviert, bei Integrationsmassnahmen mitzu
machen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine eigenständige Komorbidität. Vielmehr seien es die ungünstigen psychosozialen und soziokulturellen Um
stände, welche zu den seelischen Krisen geführt hätten. Bei Wegfall dieser Belas
tungen gehe es der Beschwerdeführerin psychisch gut (S.
11 Mitte).
Zum Komplex «Persönlichkeit» führte der psychiatrische Gutachter aus, dass die Beschwerdeführerin ausreichend persönliche Ressourcen besitze. Sie sei in der Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht eingeschränkt. Die Realität werde korrekt geprüft und die Urteilsbildung und die Impulskontrolle seien in Ordnung. Die Affekte seien nicht immer optimal gesteuert, die Intentionalität sei in vollem Um
fang vorhanden. Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich nicht nachweisen.
Zum Komplex «Sozialer Kontext» führte der psychiatrische Gutachter aus, dass die Beschwerdeführerin familiäre und genügende soziale Kontakte zeige, wenn sie auch nicht mehr gesellschaftlich eingebettet sei wie früher, als sie noch gear
beitet habe (S. 11 unten).
Zur Konsistenz führte der psychiatrische Gutachter aus, dass die Beschwerdefüh
rerin in allen vergleichbaren Lebensaktivitäten genügende Aktivitäten zeige, al
lerdings habe sie schmerzbedingt teilweise zurückstecken müssen. Sie gehe regel
mässig zum Psychiater und sei diesbezüglich kooperativ. Sie habe auch bei der Integrationsmassnahme motiviert mitgemacht (S. 12 oben).
3.1.
5
I
n der interdisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die sowohl die soma
tisch-rheumatologische Komponente als auch die psychosomatisch-psychiatri
s
che Komponente mitberücksichtige,
könne
für die in der Schweiz bisher ausge
übten beruflichen Tätigkeiten und für eine angepasste Verweistätigkeit vollum
fänglich auf die Einschätzung aus somatisch-rheumatolo
gischer Sicht abgestützt werden (
Urk.
9/90/2
).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 2
2.
November 2017 (
Urk.
9/94
S. 4 ff.
) aus, das Gutachten vom
2.
November 2017 beantworte die gestellten Fragen umfassend, berücksich
tige die geklagten Beschwerden, sei in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden und sei in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge einleuchtend. Die gezogenen Schlussfolgerungen seien jedoch nicht konsistent.
Es
lägen
nicht somatisch abstützbare Beschwerden vor. Bei der Un
tersuchung seien vier der fünf
Waddell
-Zeichen als Hinweis auf nicht organisch abstützbare Beschwerden demonstriert worden. Zudem beschreibe der rheumato
logische Gutachter krankheitsfremde Faktoren wie lange Arbeitsunfähigkeit, Al
ter und ungünstige Arbeitsmarktsituation (S. 4 unten). Der psychiatrische Gut
achter sehe weitere krankheitsfremde Faktoren wie soziokulturelle Probleme, Sta
tus nach Scheidung, Status nach Arbeitsplatzverlust, fehlende Berufsausbildung, finanzielle Schwierigkeiten und Abhängigkeit vom Sozialdienst. Er stelle zudem Hinweise für eine Aggravation der Schmerzen fest. Eine psychiatrische Erkran
kung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werde verneint. Wegen Erkran
kungen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sollten Medikamente einge
nommen werden,
welche
die Beschwerdeführerin laut Blutspiegeluntersuchung nur sporadisch einnehme. Auf rheumatologisch-somatischem Fachgebiet würden Erkrankungen vorliegen, die eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit begründen würden. In angepasster Tätigkeit entsprechend dem Belas
tungsprofil
sei seit 2009 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Der rheu
matologische Gutachter reduziere die Arbeitsfähigkeit auf 70
%
ab 2014 und auf 60
%
ab Sommer 201
5.
Dies sei nicht nachvollziehbar, da die Reduzierung der Arbeitsfähigkeit mit der Zunahme der Schmerzen begründet werde
, d
ie somatisch nicht begründbar
seien
(S. 5 oben).
Dr.
C._
nannte folgendes Belastungsprofil (S. 5 f.): «
L
eichte Tätigkeiten in Wechselbelastung, teils sitzend, teils gehend, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne
Steigen von Leitern und Gerüsten, ohne Kauern, Knien, Bücken, Hocken, ohne repet
itive Rotation im Sitzen, ohne Ü
berkopfarbeiten, ohne Tätigkeiten auf Leitern
und Gerüsten, ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und ohne dauerhaftes Gehen und Stehen auf unebene
m Grund».
3.3
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte in der Stel
lungnahme vom
5.
April 2018 (
Urk.
9/111) aus, dass die Prognose im rheumato
logischen Teilgutachten als gut beurteilt werde, sei für sie aus
näher
genannten Gründen nicht nachvollziehbar und falsch
(S. 1 unten). Gemäss rheumatologi
schen Gutachtern bestünden seit Ende 2016 krankheitsfremde Faktoren wie Hy
posensibilität des ganzen rechten Armes und diffuse Druckschmerzen und Schmerzen im Sinne eines generalisierten Schmerzsyndroms. Dies sei für sie nicht nachvollziehbar und falsch. Diese Schmerzen habe die Beschwerdeführerin seit sie in ihrer Behandlung stehe (seit Dezember 2011)
,
und
sie träten
im Rahmen der
bekannten
Diagnosen im Zusammenhang auf (S. 2 oben). Als die Beschwerde
führerin ab 2015/2016 das Arbeitspensum auf 80
%
hätte erhöhen sollen, habe sie sich aufgrund der Schmerzen nicht mehr in der Lage gesehen das Arbeitspen
sum zu b
ewältigen. Aufgrund belastungs
abhängige
r
Rücken- und Hüftschmerzen sei ein langes Stehen und Gehen, aber auch langes Sitzen, erschwert. Somit be
stehe ein Zusammenhang zwischen den Schmerzen und der Reduktion des Ar
beitspensums auf 50
%
ab Januar 200
9.
Und darum sei sie zu 50
%
arbeitsfähig. Eine Eingliederung sei nur im geschützten Rahmen möglich (S. 2 oben).
3.4
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.1) führte in der Stellungnahme vom 2
3.
August 2019 (Eingangsdatum,
Urk.
14) aus,
der RAD
übernehme
in
der
Stellungnahme vom 2
2.
November
2017 diejenigen Diagnosen, die
er
in
seinem Gutachten vom
2.
No
vember
2017 erwähnt
habe
und dies sowohl bezüglich denjenigen Diagnosen mit langdauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit als auch mit denjenigen Diagnosen ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Er beschreibe
weiter ein zumutbares Belastungsprofil, das denjenigen Angaben, die
er
in
seinem
Gutachten betreffend eine angepasste V
erweistätigkeit formuliert habe,
nicht widerspr
eche.
Ebenfalls
sei
der RAD
der Ansicht, dass die bisherigen Tätigkeiten seit 2009 nicht mehr zumutbar
seien (S. 1 unten)
.
Differenzen zu
seinem
Gutach
ten
würden
sich dadurch
ergeben
, dass
der RAD
die Arbeitsunfähigkeit für eine angepasste Verweistätigkeit seit 2009 zumeist mit 20
%
beziffere
und
er
nach 2009,
ausgehend von einer zunächst bestehenden Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit von 20
%
, seit 2014 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von durch
schnittlich 30
%
und seit dem Sommer 2015 von durchschnittlich 40
%
attestiert habe.
Sicherlich
treffe
die Aussage
des RAD
zu, dass die von der
Beschwerdefüh
rerin
geschilderten Beschwerden diskrepant zu den objektivierbaren Befunden
seien
und dass die
Beschwerdeführerin
unspezifische Beschwerden beschreib
e
, die vielfach nicht zu
den ausgewiesenen somatisch-pathologischen Befunden korre
lieren
würden
(S. 2 oben)
.
Betreffend
Schmerzzunahme
der
Beschwerdeführerin
verweise
er
a
uf die im
Gut
achten vom
2.
November
2017 gemachten und in Gegenwart der
Beschwerdefüh
rerin
diktierten Beschwerden.
Der zunehmende Umfang der Beschwerden
werde
von der
Beschwerdeführerin
über die Jahre hinweg geschildert.
Die Schmerzen würden seit dem Herbst 2016 auf der visuellen Analog-Skala (Minimum 0 und Maximum 10) im Bereich von 7 bis 9 Punkten fluktuieren und seit Ende 2016 hätte sich diesbezüglich nichts mehr geändert. Eine zunehmende Schmerzinten
sität
werde
somit von der
Beschwerdeführerin
bis Ende 2016
,
aber seit Ende 2016 nicht mehr geschildert, wobei die
Beschwerdeführerin
zum damaligen Zeitpunkt bereits keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt
habe (S. 2 Mitte)
.
Die von
ihm
attestierte Zunahme der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für an
gepasste Verweistätigkeiten
sei
somit nicht nur mit einer Zunahme der Schmerzen begründet worden.
Er
habe
sich
bezüglich der progredienten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Verweistätigkeit auch auf
objektivierbare Pa
thologien
abgestützt
. So
habe
er
unter anderem die Befunde einer diffusen-idio
pathischen-
skelettalen
Hyperostose mit Befall der Wirbelsäule und auch der Schultern diskutiert. Auch
habe
er
die radiologischen Befunde im Bereich des Beckens vom 1
7.
Oktober
2017 mit dem dokumentierten Bruch der
C
erclage
-Drähte, erstmalig dokumentiert am 3
1.
Oktober 20
11 und seither zunehmender Tendenz in den Aufnahmen bis
zum
2
3.
Dezember
20
1
6
,
berücksichtigt.
Bezüg
lich der progredienten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
habe
er
auch berück
sichtigt, dass die Kompensationsmöglichkeiten des Bewegungsapparates bei die
ser
Beschwerdeführerin
auf Grund des Geburtsgebrechens mit den asymmetri
schen Auswirkungen der Physik auf den Bewegungsapparat
eingeschränkt seien (S. 2 unten)
.
3.5
Dr.
C._
,
RAD
(vorstehend E. 3.2)
,
führte daraufhin in
sein
er Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 2019 (
Urk.
20) aus,
der rheumatologische Gutachter gebe
in
der
Stellungnahme an, dass
sich
seine Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit
auf die Angaben der
Beschwerdeführerin
gestützt habe
, obwohl die Befunde die Be
schwerden nicht abstützen
würden. Im
Gutachten
habe
sich
der rheumatologische Gutachter
auf
die
subjektive
n
Angaben der
Beschwerdeführerin
abgestützt
und die Inkonsistenzen nicht
beachtet
. Zu den kaum eingenommenen Medikamenten bezieh
e
er keine Stellung. Hier wäre zu diskutieren
gewesen
, wieso die
Beschwer
deführerin
kaum Schmerzmittel
einnehme
, obwohl die Schmerzen als sehr inten
siv geschildert
würden
. Die Schmerzen
würden
auf die gebrochene
Cerclage
an der
rechten Hüfte zurückgeführt. Die
Cerclage
sei jedoch 2011 gebrochen. Warum die Schmerzen erst
2014
angegeben
worden seien,
werde nicht erklärt. Die am
4.
April
2007 wegen einer Hüftdysplasie rechts implantierte Hüft-TP rechts mit
Trochanterosteotomie
und Pfannenaufbau
sei bei der Röntgena
ufnahme vom 1
7.
Oktober
2017 ohne Lockerungszeichen
gewesen. Es liege
wohl eine Bein
längendifferenz vor, die durch orthopädische Zurichtung (Absatz- oder Schuher
höhung) korrigiert werden
könne
. Des Weiteren
werde eine
diffuse-idiopathische-
skelettale
Hyperostose angeführt. Bei moderater Hyperostose
würden
sich meist keine schwerwiegenden Schmerzen ein
stellen (S. 1 unten)
.
Der rheumatologische Gutachter
habe
eine komplexe Situation festgestellt,
bei der die von der
Beschwerdeführerin
seit Ende 2016 geschilderten Schmerzen im Sinne eines chronischen, sich generalisierenden Schmerzsyndroms nicht mehr mit den
objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunden korrelier
t
en
(S. 1 unten f.).
Es
lägen
nicht somatisch abstützbare Beschwerden vor. Bei der Unter
suchung
seien
4 der 5
Waddell
-Zeichen als Hinweis auf nicht organisch abstütz
bare Beschwerden demonstriert
worden
.
Es würden
krankheitsfremde Faktoren wie lange Arbeitsunfähigkeit, Alter der
Beschwerdeführerin
und
eine
ungünstige Arbeitsmarktsituation
beschrieben
.
Der psychiatrische Gutachter
sehe
we
itere krankheitsfremde Faktoren wie
soziokulturelle Probleme, Status nach Scheidung, Status nach Arbeitsplatzverlust, fehlende Berufsausbildun
g, finanzielle Schwie
rigkeiten und eine
Abhängigkeit
vom Sozialdienst. Dieser habe
Hinweise für eine Aggravation der Schmerzen fest
gestellt
. Eine psychiatrische Erkrankung mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
werde
verneint. Wegen Erkrankungen ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit soll
t
en Medikamente eingenommen werden, die die Kundin
laut
Blutspiegeluntersuchung nur sporadisch
einnehme (S. 2 oben)
.
Es
gebe
Hinweise für Aggravation und fehlenden Leidensdruck.
So habe der psy
chiatrische Gutachter festgestellt, dass die Beschwerdeführerin die vom Psychia
ter verordneten Medikamente gemäss Labor nicht in relevantem Ausmass ein
nehme, was einen Leidensdruck als unwahrscheinlich vermuten lasse. Weiter habe die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung Hinweise für eine Aggrava
tion der Schmerzen gezeigt (S. 2 unten).
Auf rheumatologisch-somatischem Fachgebiet
würden
Erkrankungen vor
liegen, die eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit
in angestammter Tätigkeit begründen
wür
den
. In
entsprechend dem Belastungsprofil
angepasster Tätigkeit
sei seit 2009 eine 20
%
ige Arbeitsunfähigkeit respektive eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
ausge
wiesen.
Im rheumatologischen Gutachten werde
die
Arbeitsfähigkeit
ohne we
sentliche Veränderung der Befunde
ab 2014
auf 70
%
und
ab Sommer 2015
auf 60
%
reduziert
. Dies
sei
nicht nachvollziehbar, da die Reduzierung der
Arbeitsfä
higkeit
mit der
Zunahme der Schmerzen begründet
worden sei
, die ohne somati
sche
s
Korrelat
seien
. Damit
sei die 20%ige
Arbeitsfähigkeit
seit 2009 ohne Ver
änderung bis heute nachvollziehbar
(S. 3 Mitte)
.
Zuletzt
halte der rheumatologische Gutachter fest
, dass d
ie Wahrscheinlichkeit klein
sei
,
dass die
Beschwerdeführerin
, nach langanhaltender beruflicher Arbeits
abstinenz im ersten Arbeitsmarkt, wieder längerdauernd im ersten Arbeitsmarkt beruflich tätig
werde
. Diesbezüglich
seien
, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt,
die erwähnten krankheitsfremden Faktoren
massgebend ursäch
lich.
Die sukzessive
Erhöhung der
Arbeitsunfähigkeit auf
40
% seit Sommer 2015
lasse sich
durch keine Befunde belegen
(S. 3 unten)
.
4.
4.1
Das interdisziplinäre Gutachten vom
2.
November 2017 (
Urk.
9/90) erfüllt grund
sätzlich die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Beweisgrundlagen (vorstehend E. 1.4). Es beruht auf eigenständigen Un
tersuchungen in den Fachgebieten Rheumatologie (
Urk.
9/90/3-22) und Psy
chiatrie (
Urk.
9/90/23-40) und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(
Urk.
9/90/8-11,
Urk.
9/90/25-26) abgegeben. Die am Gutachten beteiligten Fach
ärzte erhoben jeweils eine ausführliche Anamnese, gingen in ihren Beurteilungen auf die Beschwerden der Beschwerdeführerin ein
und setzten sich
im Wesentli
chen
mit früheren Einschätzungen auseinander.
Dies ist unter den Parteien soweit unbestritten.
4.2
In psychi
atri
scher Hinsicht erweist sich das interdisziplinäre Gutachten als schlüssig und überzeugend.
Der psychiatrische Gutachter
begründete nachvoll
ziehbar, dass aufgrund der erhobenen Befunde nicht vom Vorliegen einer rele
vanten psychischen Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
Er
legte überzeugend dar, dass die Beschwerdeführerin z
war Hinweise für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
zeige
, jedoch
aufgrund mehrerer
nicht nachweisbarer ICD-10 Kriterien nicht das Vollbild vorhanden sei
,
und
nie rele
vante objektive Befunde respektive eine bedeutende beziehungsweise anhaltende psychiatrische Störung bestanden
hätten
.
Auch setzte sich der
psychiatrische
Gut
achter ausführlich mit den
Vorakten
und insbesondere der
diagnostischen
Ein
schätzung
des behandelnden Psychiaters
auseinander und zeigte auf, dass die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung
nicht nachvollziehbar sei, da es
vorgängig nie depressive Episoden gegeben habe und es
offensichtlich gewesen sei,
dass die damaligen ungünstigen soziokulturellen und psychosozialen Um
ständen zu den
Verstimmungen geführt hätten und ein reaktives Geschehen be
standen habe
, und sich e
ine Persönlichkeitsstörung nicht nachweisen
lasse. Der psychiatrische Gutachter verwies zudem auf die in der Untersuchung gezeigten Hinweise für eine Aggravation der Schmerzen und auf eine insuffiziente medi
kamentöse Compliance
(vgl. vorstehend E. 3.1.3)
.
Der psychiatrische Gutachter setzte sich dabei
eingehend mit den Standardindi
katoren auseinander (
vorstehend E. 3.1.4
).
Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so ver
fasst, dass die attestierte
Arbeitsunfähigkeit
«gleichsam aus dem Saldo aller we
sentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Der
psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie
er
das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt,
er
hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheit
lichen Beeinträchtigung sind, und
seine
versicherungsmedizinische Zumutbar
keitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsan
wendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rah
menbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachwei
sen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
Insgesamt ist somit aufgrund der gutachterlichen Ausführungen davon auszugehen – und wird von den Parteien im Übrigen auch nicht bestritten –, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatri
scher Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist.
4.
3
4.
3
.1
In somatischer Hinsicht
hielt der rheumatologische Gutachter im Wesentlichen fest, dass die von der Beschwerdeführerin
seit Ende 2016
geschilderten Beschwer
den bezüglich Umfang und Intensität partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar seien.
So könnten die geschilderte Sensibili
tätsstörung im Sinne einer nicht
dermatombezogenen
Hyposensibilität des gan
zen rechten Armes und rechten Beines sowie die diffusen Druckschmerzen nicht auf ein bekanntes somatisch-pathologisches Krankheitsbild
abgestützt werden und die während der
klinis
chen Untersuchung demonstrierte
schmerzvermitteln
den Mimik und Gestik
mit vier von fünf positiven
Waddell
-Zeichen würden eben
falls auf nicht organisch abs
tützbare Beschwerden hindeuten.
Aufgrund der er
hobenen Befunde und gestellten Diagnosen erachtete der rheumatologische Gut
achter eine
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als nicht mehr gege
ben. Für eine angepasste Tätigkeit formulierte er eine durchschnittliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und attestierte eine anhaltende zeitliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit seit 2009 von zunächst maximal 20
%
, seit 2014 von durchschnittlich 30
%
und seit Sommer 2015 von durchschnittlich 40
%
(vorstehend E.
3.1.2
).
4.
3
.2
Diese in zeitlicher Hinsicht abgestufte Erhöhung der Arbeitsfähigkeit erachtete die Beschwerdegegnerin wegen der fehlenden somatischen Begründbarkeit der Schmerzzunahme gestützt auf die Beurteilung des RAD als nicht nachvollziehbar
und ging - neben einzelnen kurz andauernden vollständigen Arbeitsunfähigkei
ten - von einer seit 2009 durchgehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
von 20
%
aus
(vorstehend E.
3.2
)
.
4.
3
.3
Die vom RAD aufgeworfenen (Kritik-)Punkte vermochte der rheumatologische Gutachter
auch
nach Aufforderung durch das Gericht (Verfügung vom 1
6.
Au
gust 2018,
Urk.
12) mit seiner Stellungnahme vom 2
3.
August 2019 (vorstehend E. 3.4) nicht aufzulösen. Insbesondere gelingt es dem rheumatologischen Gutach
ter nicht darzulegen, gestützt auf welche Befunde er im Jahr 2014 die Arbeitsfä
higkeit
in einer angepassten Tätigkeit
von 80 auf 70
%
respektive ab Sommer 2015 auf 60
%
reduzierte. Vielmehr wiederholte
der rheumatologische Gutachter
-
dem RAD zustimmend
-
unter anderem
nochmals,
dass die von der Beschwer
deführerin geschilderten Beschwerden diskrepant zu den objektivierbaren Befun
den seien und dass
diese
unspezifische Befunde beschreibe, die vielfach nicht
mit
den ausgewiesenen somatisch-pathologischen Befunden korrelieren würden
.
So
weit der rheumatologische Gutachter weiter ausführte, dass die von ihm attes
tierte
(weitere)
Verschlechterung
der
Arbeitsfähigkeit
für
angepasste Verweistä
tigkeiten
nicht nur mit einer Zunahme der Schmerzen begründet worden
sei und er
unter anderem die Befunde einer diffusen-idiopathischen-
skelet
t
alen
Hyper
ostose mit Befall der Wirbelsäule und auch der Schultern diskutiert und die ra
diologischen Befunde im Bereich des Beckens berücksichtigt
habe
(vgl.
Urk.
14
S.
2
)
, so
lassen sich
aus den Akten
hierzu
keine veränderten Befunde
entnehmen
, die eine stufenweise
- und
andauernde
-
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
im Jahr 2014 und im Sommer 2015 begründen würde
n
.
So
wird
im Jahr 2014
über
eine vorübergehende Verschlechterung der Schulter
beschwerden
berichtet
(vgl. Bericht vom
2.
September 2014,
Urk.
9/25/8-9)
, wel
che nach
durchgeführter
Physiotherapie
innert
kurzer Zeit wieder abnahmen
und
schliesslich
auf psychosomatisch mitbedingte muskuläre Schulter-/Nackenver
spannungen hingewiesen wurde.
Weiter liegt in den Akten ein Bericht der
E._
vom
9.
April 2014 (
Urk.
9/25/6-7), welcher
in der Anam
nese
über eine Zunahme von tieflumbalen belastungsabhängigen Rückschmerzen berichtet
e
, sich jedoch bildgebend im Vergleich zur Voruntersuchung im Jahr 2011 unveränderte Befunde zeigten. Insbesondere wurden
keine Lockerungszei
chen oder Polyethylene in der Hüfte rechts
und
keine relevanten degenerativen Veränderung
en
der Hüfte links
festgestellt. Schliesslich attestierte
die Hausärztin
Dr.
D._
im Bericht vom 2
0.
November 2014
(
Urk.
9/25/1-5) eine 80%ige Arbeits
fähigkeit in sitzender Position.
Die vom rheumatologischen Gutachter im Jahr 2014 angenommene
Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit auf 70
%
stützt sich
nach dem Gesagten
nicht
auf veränderte Befunde und ist damit nicht
nachvollzieh
bar.
Gleiches gilt für das Jahr 201
5.
Die Hausärztin
Dr.
D._
attestierte im Bericht vom
3
0.
März 2016 (
Urk.
9/62/6-10) wie bereits in ihrem früheren Bericht vom 2
0.
No
vember 2014 eine Arbeitsfähigkeit in sitzender Position bis 80
%
und legte unter anderem einen Bericht der
E._
vom
1.
April 2015 (
Urk.
9/62/13-14)
bei, aus welchem hervorgeht
, dass die Beschwerdeführerin mit ähnlichen Beschwerden im Bereich der r
echten Hüfte wie im April 2014 vorstellig geworden sei, wobei in der bildgebenden Diagnostik erneut eine unveränderte Komponentenanlage festgestellt wurde.
Bei
Bursitits
trochanterica mit Insuffi
zienz der Hüftabduktoren und einer Irritation der
Iliopsoasehne
rechts schlugen die Ärzte eine Osteosynthesematerialentfernung vor,
welche
r
die
Beschwerdefüh
rerin
jedoch
aus Angst
ablehnend
gegenüberstand
. Zudem empfahlen die Ärzte Physiotherapie und eine
Infiltration
der
Iliopsasehne
.
Eine Verlaufskontrolle wurde nicht vorgesehen, sondern die Beschwerdeführerin gebeten, die vorge
schlagenen Therapieoptionen mit der Hausärztin
Dr.
D._
zu besprechen und sich dann wieder zu melden (S. 2 unten).
Weitere medizinische Berichte aus
dem Jahr 2015
fehlen
, weshalb anzunehmen ist, dass die vorgeschlagenen Therapieoptio
nen nicht wie vorgeschlagen
angegangen
wurden.
Eine Veränderung
ab Sommer 2015
erscheint schliesslich
auch deshalb als wenig
plausibel
, da die Beschwerde
führerin
vom
7.
September 2015 bis
6.
März 2016 ein Aufbautraining bei der
F._
absolvierte und bei gesamthaft lediglich fünf Absenzen die Präsenzzeit von anfänglich vier auf sechs Stunden pro Tag erhöhen konnte (vgl.
Urk.
9/46,
Urk.
55-56 und
Urk.
9/59).
Letztlich erscheint
die vom rheumatologischen Gutachter formulierte durch
schnittliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schon deshalb als
fragwürdig
, weil er diese im Teilgutachten mit Phasen von vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeiten nach der Hysterektomie oder der Vorfussfraktur links be
gründete (vorstehend E. 3.1.2). Die Vorfussfraktur erlitt die Beschwerdeführerin jedoch im Oktober 2011 und die Hysterektomie fand im Juli 2012 statt, weshalb
die
se zur Begründung der
Reduzierung der Arbeitsfähigkeit im Jahr 2014 und im Sommer 2015
sicherlich nicht herangezogen
werden können.
4.
3
.
4
Soweit der rheumatologische Gutachter
zur Begründung der Schmerzzunahme
in der ergänzenden Stellungnahme vom 2
3.
August 2019 (
vorstehend E. 3.4
)
auf die im Gutachten gemachten und in Gegenwart der Beschwerdeführerin diktierten Beschwerden verwies und ausführte, dass
der
zunehmende Umfang der Beschwer
den von der Beschwerdeführerin über Jahre hinweg geschildert werde,
so
stimmt
diese
Aussage
weder
mit der
im
rheumatologischen Teilgutachten
erhobenen und
aufgeführten
Anamnese
(vgl.
Urk.
9/90/4-5) noch
der
gutachterlichen Beurtei
lung
(vgl.
Urk.
9/90/12-19)
überein
.
So geht a
us dem rheumatologischen
T
eilgut
achten
explizit
hervor, dass der Umfang und die Schmerzintensität
-
wie von der Beschwerdeführerin berichtet
-
seit Herbst 2016 geändert habe
, wobei
die ge
machten Angaben
auf nicht mehr somatisch abstützbare Beschwerden hinw
i
esen und nicht mehr mit den objektivierbaren Befunden korrelieren würden (
vgl.
Urk.
9
/90/4 unten,
Urk.
9/90/14 Mitte
).
Eine
bis zu diesem Zeitpunkt dokumentierte
(
wesentliche
)
Zunahme des Be
schwerdeumfangs
und der Schmerzintensität
über die Jahre
wird offenbar weder von der Beschwerdeführerin geschildert noch
lässt sich
eine solche
in
den medi
zinischen Akten
erkennen
respektive
wurde vom rheumatologischen Gutachter
auch nicht mit Verweis auf entsprechende Berichte und Befunde begründet
.
So erfolgten die Konsultationen in der
E._
im April 2014, im März 2015 und im April 2016 jeweils aufgrund der gleichen
anhaltenden
Be
schwerdesymptomatik
(zum Verlauf vgl.
Urk.
9/82/7)
und die von den behan
delnden Ärzten vorgeschlagenen weiterführenden Therapieoptionen, wie bei
spielsweise die Entfernung des Osteosynthesematerials, für welche bereits im Jahr 2014 von den Ärzten der
E._
eine Operationsindikation gestellt (vgl.
Urk.
9/21/7) und
die
auch im Jahr 2015 nochmals erwähnt wurde (vgl.
Urk.
9/61/14), wurden von der Beschwerdeführerin nicht
realisiert
. Im Rah
men der im Mai 2016 an der
E._
durchgeführten Facetten
gelenksinfiltrationen, von welchen die Beschwerdeführerin gut profitierte und
die
zu mehrmonatigem und deutlichem Beschwerderückgang - bis hin zu annähern
der Schmerzfreiheit - führten (vgl.
Urk.
9/71,
Urk.
9/79/8-18,
Urk.
9/80), hielten die behandelnden Ärzte im Bericht vom 2
9.
Juni 2016 fest, dass sie zum aktuellen Zeitpunkt auf eine operative Therapie verzichten möchten, und wiesen dabei auf die Planung einer gegebenenfalls nötigen Entfernung der
Cerclagen
hin (vgl.
Urk.
9/71/2)
, wie sie bereits seit Jahren vorgeschlagen wurde
. Nach zwischenzeit
lich von der Beschwerdeführerin berichtete
m
deutliche
n
Beschwerderückgang (vgl. Bericht vom 1
0.
Februar 2017,
Urk.
9/79/8-9) klärten die behandelnden Ärzte die Beschwerdeführerin im Bericht
8.
März 2017 nach erneuter Schmerzausstrahlung i
n
den
rechten Oberschenkel
erneut
über eine mögliche Operation auf, welche die Beschwerdeführerin jedoch weiterhin ablehnte (
Urk.
9/79/9).
Schliesslich diagnostizierten die Ärzte der
E._
nach erneuter
insbesondere
von der Beschwerdeführerin gewünschten Facettenge
lenksinfiltration eine
regrediente
Lumboischialgie
L4/5 rechts und berichteten von einem guten kurz- und mittelfristigen andauernden Effekt (vgl.
Urk.
9/81/
6-9).
Inwiefern
die vom rheumatologischen Gutachter
diskutierten Befunde einer dif
fusen-idiopathischen-
skelettalen
Hyperostose mit Befall der Wirbelsäule und auch der Schultern sowie die radiologischen Befunde im Bereich des Beckens
eine
Zunahme
der Arbeitsunfähigkeit
in den Jahren 2014 und 2015
begründen
, legte d
ies
er in seiner ergänzenden Stellungnahme
(vgl. vorstehend E. 3.4)
nicht dar.
So führte der RAD
hierzu
aus, dass die am
4.
April 2007 implantierte Hüft-TP mit
Trochanterosteotomie
und Pfannenaufbau bei der im Rahmen der Begutachtung angefertigten Röntgen-Aufnahme
(nach wie vor)
ohne Lockerungszeichen gewe
sen sei und wohl eine Beinlängendifferenz vorliege, die
aber
durch orthopädische Zurichtung (Absatz- und Schuherhöhung) korrigiert werden könne. Weiter wür
den sich bei moderater Hyperostose meist keine schwerwiegenden Schmerzen einstellen (vgl. vorstehend E.
3.5
)
.
Sodann stellte
selbst
der rheumatologische Gutachter
fest, dass die diffus geschilderte Schmerzausstrahlung zumeist im Sinne einer pseudoradikulären Schmerzausstrahlung interpretiert worden sei und ein gesicherter Hinweis auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom insbeson
dere des rechten Beines nie bestanden habe, auch wenn in der bildgebenden Ab
klärung der Lendenwirbelsäule auf eine Kompression der W
urzel L4 hingewiesen worden sei. So konnte er auch in den ergänzend durchgeführten Untersuchungen keinen Hinweis auf eine entzündliche Systemaffektion, auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom oder eine paraneoplastische Komponente objektivieren
(vgl.
vorstehend E. 3.1.2).
Auch die Ärzte der
E._
konnten trotz festgestellter Kompression der L4-Wurzel rechtsseitig bei Diskushernie L4/5 und stabiler
Spondylisthese
L4/5 keine Hinweise auf eine L4-Radikulopathie fest
stellen
(vgl. Bericht vom 2
2.
Dezember 2016,
Urk.
9/79/13).
4.
3
.5
S
ubjektive Schmerzangaben
müssen
im Rahmen der sozialversicherungsrechtli
chen Leistungsprüfung mit Blick auf die sich stellenden Beweisschwierigkeiten durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinrei
chend erklärbar sein
(vgl. BGE 139 V 547
E.
5.4).
Nach dem Gesagten
erscheint die Beurteilung des RAD, welcher in der (ergänzenden) Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 2019 nochmals nachvollziehbar ausführte, dass sich die Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit auf 40
%
durch keine Befunde belegen lasse und sich der
rheumatologische Gutachter auf die subjektiven (Schmerz
)
Angaben der Be
schwerdeführerin gestützt und dabei die Inkonsistenten ausser Acht gelassen habe (vorstehend E. 3.5), als plausibel und nachvollziehbar. Wie in Erwägung 4.
3
.
3
dargelegt finden sich in den
Berichten
aus den Jahren 2014 und 2015 keine Befunde, die eine
(andauernde)
Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit
in einer ange
passten Tätigkeit
ab 2014 und ab Sommer 2015 aufzeigen und belegen würden.
Schliesslich
vermag der rheumatologische Gutachter
die von ihm in den Jahren 2014 und 2015 angenommene Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
auch mit
der
er
gänzenden Stellungnahme vom 2
3.
August 2019
nicht
überzeugend zu begrün
den
(vgl. vorstehend E. 4.
3
.4).
4.
4
Zusammenfassend erscheint entgegen der gutachterlichen Einschätzung somit sowohl mit Blick auf die medizinische Aktenlage als auch die Beurteilung des RAD eine stufenweise Erhöhung der
20%igen
Arbeitsunfähigkeit seit 2014 nicht nachvollziehbar.
Selbst die behandelnde Hausärztin ging im November 2014
von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit in sitzender Position (vgl.
Urk.
9/25/1-5) und im März 2016 sowie im Mai 2017 von einer bis zu 80%igen Arbeitsfähigkeit in sit
zender Position aus (vgl.
Urk.
9/62/6-10,
Urk.
9/79/4-7).
Auch
die Ärzte der
E._
attestierten der Beschwerdeführerin eine
Arbeitsfähigkeit in wechselbelastender Tätigkeit von rund sechs Stunden (vgl.
Urk.
9/80/4), was ebenfalls einer höheren Arbeitsfähigkeit als derjenigen im rheumato
logischen Gutachten entspricht.
Angesichts der im Gutachten
dokumentierten
nicht somatisch abstützbaren Be
schwerden, der von der Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung de
monstrierten und diffus geschilderten Schmerzen sowie der
erheblichen krank
heitsfremden
Faktoren kann der Beurteilung des RAD, wonach
in einer angepass
ten Tätigkeit
eine seit 2009 bestehende 20%ige Arbeitsunfähigkeit
nachvollzieh
bar
und ausgewiesen
sei (vgl. vorstehend E.
3.2 und E. 3.5
), gefolgt werden.
Selbst bei der Annahme der von den Ärzten der
E._
attestierten Arbeitsfähigkeit würde vorliegend kein rentenbegründenden Invaliditätsgrad re
sultieren (vgl. nachstehend E. 4.
5
).
4.
5
Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich (vgl.
Urk.
2 S. 1 f.) ist nicht zu beanstanden und wurde von der Beschwerde
führerin auch nicht bestritten. Beim resultierenden rentenausschliessenden Inva
liditätsgrad von 20
%
besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Nachdem die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin im Vorbescheid vom
8.
Januar 2018 Unterstützung bei der Stellensuche auf schriftliches Gesuch hin angeboten hatte (vgl.
Urk.
9/95 S. 2 Mitte)
ist nicht zu beanstanden, dass
s
ie die von der Beschwerdeführerin
im
Verwaltungsverfahren gestützt auf den
Bericht von
Dr.
D._
vom
5.
April 2018
verlangte
Durchführung von Eingliederungsmassnah
men im geschützten Rahmen (vgl.
Urk.
9/112 S. 7 unten)
gestützt auf
Rz
1006
des
Kreisschreiben
s
über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art (KSBE
) verweigerte
. Es bleibt der Beschwerdeführerin - einen Eingliederungswillen vorausgesetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_111/2018 vom 2
1.
August 2018 E. 6.3 f) - jedoch unbenommen, sich bei der zuständigen
Invalidenversicherung
für eine Unterstützung bei der Stellensuche zu melden.
Die angefochtene Verfügung
vom
1
1.
Juli 2018
erweist sich demnach als rech
tens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerle
gen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden diese jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, dies mit Hinweis auf §16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).