Decision ID: c3c5610d-5645-418f-b477-ad268dec6216
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 4. August 2003 bei der B._ AG
als Hilfsarbeiter in einem Pensum von 80 % tätig und in dieser Eigenschaft bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert. Mit
Schadenmeldung UVG vom 17. November 2020 meldete die Arbeitgeberin, dass der
Versicherte am 16. November 2020 beim Gehen mit einer Gasflasche einen Zwick in
der rechten Wade verspürt und sich einen Muskelriss am rechten Unterschenkel
zugezogen habe (Suva-act. 1).
A.a.
Dr. med. C._, Facharzt für Angiologie und Innere Medizin, hielt im Bericht vom
17. November 2020 fest, der Versicherte habe beim Herumtragen einer schweren Last
(Bauarbeiter!) plötzlich einen Stich in der rechten Wade verspürt. Diese sei umgehend
stark angeschwollen und richtig hart geworden. Er diagnostizierte ein grösseres
Wadenmuskelhämatom bei Wadenmuskelriss rechts, traumatisch bei der Arbeit, und
einen Status nach II-Etagen-TVT (tiefe Venenthrombose) Bein links im Juli 2020, aktuell
partiell rekanalisiert. Hinweise auf eine Begleit-TVT fänden sich nicht. Als weitere
Diagnose erwähnte er eine bekannte MS (Multiple Sklerose, Erstdiagnose 2006; Suva-
act. 15). Im Bericht vom 25. November 2020 ergänzte er bei unveränderten Befunden,
die Hämatomgrösse habe nicht zugenommen. Das Hämatom habe sich aber auch
nicht zurückgebildet oder verteilt (Suva-act. 16).
A.b.
Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, führte am 20. Januar 2021
aus, der Versicherte habe am 16. November 2020 bei der Arbeit eine traumatische
A.c.
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Wadenmuskelteilruptur rechts mit Ausbildung eines akuten und sehr grossen
Hämatoms in der Wade erlitten unter Einnahme eines oralen Blutverdünners. Dieser sei
notwendig gewesen, da bei einer vorhergehenden Verletzung mit traumatischem
Muskelfaserriss der linken Wade im Juni 2020 eine tiefe Venenthrombose des linken
Unterschenkels aufgetreten sei. Im weiteren Verlauf sei es unter einer konservativen
Behandlung des Hämatoms zu einer weitestgehenden Abschwellung der Wade bis zum
aktuellen Zeitpunkt gekommen. Allerdings sei ein neuropathischer Schmerz aufgetreten
im rechten Unterschenkel. Unter der Behandlung mit Pregabalin seien die Schmerzen
im rechten Bein rückläufig. Klinisch lasse sich immer noch ein hinkender Gang
feststellen mit unvollständigem Abrollen des Fusses. Der Zehen- und Fersenstand
seien weiterhin schmerzhaft. Der Unterschenkel und die Wade seien noch deutlich
druckschmerzhaft. Es sei eine ergänzende Physiotherapie eingeleitet worden und ein
weiteres Aufdosieren des Pregabalin vorgesehen (Suva-act. 20). Der Versicherte war
vom 16. November 2020 bis 31. Januar 2021 zu 100 % arbeitsunfähig und ab
1. Februar 2021 wieder zu 100 % arbeitsfähig (Arztzeugnisse E._, Suva-act. 9 ff., und
Dr. C._, Suva-act. 21).
Der Versicherte suchte am 24. Februar 2021 wegen erneuten Auftretens eines
akuten muskulären Wadenschmerzes rechts wiederum Dr. C._ auf. Dieser überwies
ihn zur weiteren Abklärung an PD Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie (Suva-
act. 44).
A.d.
Dr. F._ berichtete am 5. März 2021, dass beim Versicherten weiterhin der
dringende Verdacht auf einen Muskelfaserriss im Bereich der rechten Wade bestehe.
Es fände sich zwar kernspintomografisch keine Kompression der Nervenwurzel, aber
eine foraminale Enge, so dass die beklagte Taubheit zumindest auf eine Reizung der
Nervenwurzel S1 zurückgeführt werden könne. Möglicherweise sei der erneute
Muskelfaserriss auf eine Fehlbelastung zurückzuführen. Der Versicherte berichte immer
noch über schmerzhafte Phänomene im Bereich der Arme und Beine bds. mit
Schwellung, die er aus neurologischer Sicht nicht erklären könne (Suva-act. 23). Die
Dres. C._ und F._ attestierten dem Versicherten wegen "Krankheit" eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 24. Februar bis 14. März 2021 (Suva-act. 34-4 ff.).
Ab dem 15. März 2021 war der Versicherte wegen "Unfalls" zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben (Arztzeugnisse vom 19. April 2021, Suva-act. 34-7; vom 17. Juni 2021,
A.e.
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Suva-act. 56; vom 13. Juli 2021, Suva-act. 58; vom 6. August 2021, Suva-act. 68; vom
24. August 2021, Suva-act. 75-4; vom 22. September 2021, Suva-act. 77-5 und vom
28. Oktober 2021, Suva-act. 82-5).
MRI-Untersuchungen des rechten Unterschenkels und des rechten OSG vom
19. März 2021 zeigten Muskelfaserrisse im muskulotendinösen Übergang des Caput
mediale des Musculi gastrocnemii rechts sowie eine schwere, längerstreckige
Partialruptur der Peronaeus brevis Sehne rechts ohne vollständige
Kontinuitätsunterbrechung (Suva-act. 25).
A.f.
In einem Bericht vom 19. März 2021 über ein ambulantes Konsilium vom 15. März
2021 führte Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, aus, der
Versicherte verspüre laut eigenen Angaben seit Anfang März akut stechend
einschiessende Schmerzen im Bereich der rechten Wade, provoziert durch bestimmte
Bewegungen im rechten Sprunggelenk. Die MRI-Befunde (vom 19. März 2021, vgl.
Suva-act. 25) erklärten aus seiner Sicht die geschilderte Schmerzsymptomatik
hinlänglich. Was die Muskelfaserrisse betreffe, sei der Befund nahezu identisch wie auf
der linken Seite einige Monate zuvor. Nicht beantwortet sei bisher die Frage, warum es
beim Versicherten wiederholt zu diesen Muskelfaserrissen komme (Suva-act. 27-2). Im
Sprechstundenbericht vom 21. April 2021 über die Untersuchung vom 19. April 2021
hielt Dr. G._ fest, der Versicherte habe, was die Schmerzsymptomatik im Rahmen
des jüngsten Ereignisses betreffe, noch nicht von einer relevanten Schmerzlinderung
berichten können (Suva-act. 33).
A.g.
Dr. med. H._, Praktischer Arzt, berichtete der Suva am 5. Mai 2021 über die
Erstbehandlung als diensthabender Arzt in der Permanence im Schadenfall vom
16. November 2020, nachdem der Versicherte auf einer Treppe einen Riss in der linken
(richtig wohl: rechten) Wade verspürt habe mit Schmerzen und zunehmendem
Spannungsgefühl. Die Wade sei damals geschwollen und hart gewesen, mit deutlich
vermehrtem Umfang. Die Schmerzen habe der Versicherte mit einer Intensität von 8
(von 10) angegeben. Bei der Untersuchung vom 20. April 2021 sei die Wade im Umfang
noch etwa 2 cm grösser als rechts (richtig wohl: links) und druckschmerzhaft gewesen.
Das Aufliegen der Wade führe innerhalb kurzer Zeit immer wieder zu Krämpfen mit
A.h.
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Schmerzen bis zur Stärke 7 der 10-teiligen Schmerzskala. Der Versicherte sei beruflich
immer noch stark eingeschränkt und zu mehr als 75 % arbeitsunfähig (Suva-act. 40).
Suva-Arzt Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
kam in seiner Beurteilung vom 7. Mai 2021 zum Schluss, möglicherweise liege keine
Körperschädigung vor, die vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
sei. Aktuell sei noch in Abklärung, warum es beim Versicherten immer wieder zu
Zerrungen im Bereich der Wadenmuskulatur komme. Überwiegend wahrscheinlich
handle es sich sowohl beim ersten als auch beim zweiten Ereignis um eine
Muskelzerrung (Suva-act. 31).
A.i.
Der Versicherte schilderte am 11. Mai 2021 telefonisch, im Juni 2020 habe er am
linken Fuss eine Thrombose gehabt und nicht gehen können. Danach sei er wieder
beschwerdefrei gewesen. Genau dasselbe sei im November 2020 rechts passiert,
einfach beim normalen Tragen. Im Februar 2021 sei er arbeitsfähig gewesen. Dann
habe er beim normalen Gehen wieder einen Zwick verspürt (Suva-act. 32). Mit
Schreiben vom 12. Mai 2021 kündigte die Suva dem Versicherten an, sie übernehme
die Versicherungsleistungen für das Ereignis vom 16. November 2021 (Suva-act. 37).
A.j.
SUVA-Arzt Dr. med. J._, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, hielt in seiner Beurteilung vom 22. Juli 2021 unter anderem fest, aus
den vorliegenden Dokumenten seit 2019 gehe hervor, dass beim Versicherten
rezidivierend akute gesundheitliche Beschwerden und auch Körperschädigungen,
welche in den Zuständigkeitsbereich der Unfallversicherung fielen, spontan aufträten.
Gleichzeitig sei für verschiedene Gesundheitsschädigungen eine gegenüber der
Allgemeinbevölkerung schlechtere Heilungstendenz und erhöhte Komplikationsrate zu
erkennen. Neurologisch beurteilt sei dies auf die seit dem Jahr 2006 beim Versicherten
bekannte neurologische Grunderkrankung Encephalomyelitis disseminata (Synonym:
Multiple Sklerose) zurückzuführen. Zum aktuellen Zeitpunkt bzw. zum Zeitpunkt des
jüngsten aktenkundigen ärztlichen Berichts vom 21. April 2021 über die Untersuchung
vom 19. April 2021 seien keine im engeren Sinne neurologischen Unfallfolgen mehr
erkennbar (Suva-act. 59).
A.k.
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B.
Mit Schreiben vom 22. Juli 2021 kündigte die Suva dem Versicherten die
Einstellung der Versicherungsleistungen auf den 31. Juli 2021 an (Suva-act. 61), worauf
der Versicherte am 9. August 2021 eine anfechtbare Verfügung verlangte (Suva-
act. 67). In der Einstellungsverfügung vom 11. August 2021 hielt die Suva fest,
aufgrund der Beurteilung des ärztlichen Dienstes seien die aktuell bestehenden
Beschwerden nicht mehr unfallbedingt (Suva-act. 69). Dagegen erhob der Versicherte
am 16. August 2021 Rekurs (richtig: Einsprache) und machte geltend, das
Unfallereignis habe nicht den gesundheitlichen Vorzustand verschlimmert, sondern
direkt zur heute vorliegenden Arbeitsunfähigkeit geführt (Suva-act. 71).
A.l.
Mit Entscheid vom 19. Oktober 2021 wies die Suva die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie aus, Dr. J._ habe überzeugend dargelegt, dass die Folgen des
Ereignisses vom 16. November 2020 anlässlich der Untersuchung vom 19. April 2021
(Suva-act. 33) bzw. spätestens im Zeitpunkt der neurologischen Beurteilung vom
22. Juli 2021 (Suva-act. 59) vollständig ausgeheilt gewesen seien und die noch
geklagten Beschwerden im Wadenbereich sowie die weiterhin attestierte
Arbeitsunfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Folge der neurologischen
Grunderkrankung (Encephalomyelitis disseminata/Multiple Sklerose) zu sehen seien
(Suva-act. 78).
A.m.
Mit Beschwerde vom 21. November 2021 beantragt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), der angefochtene Einspracheentscheid sei unter Kostenfolge
aufzuheben und es seien die Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) in
vollem Umfang weiter zu erbringen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin), nachdem ihm eine Gasflasche auf den Fuss
gefallen sei, von einer Krankheit bzw. von einem Kontext zur Multiplen Sklerose
ausgehe. Zum Beweis reichte er u.a. Berichte von Dr. H._ vom 16. Oktober 2021 (act.
G 1.15) und Dr. med. K._, Fachärztin für Neurologie, vom 15. November 2021 ein
(act. G 1.16).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Dezember 2021 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen und der Einspracheentscheid
vom 19. Oktober 2021 sei zu bestätigen. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen
B.b.
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Considerations:
Erwägungen
1. Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für das am
17. November 2020 gemeldete Ereignis anerkannt (Suva-act. 36 f.) und bis zum 31. Juli
2021 Heilbehandlungsleistungen und Taggelder erbracht hat. Aktenkundig ist, dass
über das Einstellungsdatum hinaus Arbeitsunfähigkeiten vorgelegen haben (Suva-
act. 58-1; Suva-act. 68-4; Suva-act. 75-4; Suva-act. 77-5; Suva-act. 82-5) und
Heilbehandlungen durchgeführt wurden (Berichte von Dr. H._ vom 16. Oktober 2021,
act. G 1.15; und Dr. K._ vom 15. November 2021, act. G 1.16). Strittig und zu prüfen
ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des Beschwerdeführers auf
Versicherungsleistungen über den 31. Juli 2021 hinaus abgelehnt hat.
2.
aus, dass sich am 16. November 2020 kein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG ereignet
habe. Dr. J._ habe in seiner neurologischen Beurteilung vom 22. Juli 2021
nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, dass die Folgen des Ereignisses vom
16. November 2020 spätestens zum Zeitpunkt der neurologischen Beurteilung
vollständig ausgeheilt gewesen seien. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers seien auch die behandelnden Ärzte (Dr. K._, Dr. C._ und
Dr. H._) nicht anderer Meinung. Zusätzliche Abklärungen vermöchten an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr zu ändern (act. G 3).
Der Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf eine Replik (act. G 4 f.).B.c.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt
nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im
jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (André Nabold, N 42 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 E. 2.1 E. 2.1, je mit Hinweisen). Das für den
Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach
Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam „programmwidrig“ beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin
nicht vorausgesetzt. Wo sich eine Schädigung auf das Körperinnere beschränkt und sie
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von
degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus normalen
Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte Bewegung als
unmittelbare Ursache der Schädigung indessen unter besonders sinnfälligen
Umständen gesetzt worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel
in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine
erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V
80 E. 4.3.2.1, 130 V 118 E. 2.1 und Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014,
8C_783/2013, E. 4.2, je mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 f. zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 38, N 40 zu Art. 6). Weiter bejaht die Rechtsprechung das Vorliegen
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn beim Heben oder Verschieben
einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer, gelegentlich
als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt (KOSS UVG-Nabold, N 33 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, N 40 zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S.
42; BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer sodann bei Vorliegen
eines Unfalls für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen sowie adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten
Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 48 ff. zu
2.2.
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Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 63 ff. zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (vgl. KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6;
BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V 181
E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009
vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch
objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2, 118
V 291 f. E. 3a).
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die Versicherung
ihre Leistungen auch bei den folgenden, abschliessend aufgelisteten
Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 42 zu Art. 6), sofern sie nicht
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche,
b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse, e. Muskelzerrungen;
f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h
UVG wird die gesetzliche (Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der Unfallversicherer
bei erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich aber von seiner
Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (Botschaft vom 30. Mai
2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19. September 2014, BBl 2014
S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren Faktors wird explizit
verzichtet (BBl 2014 S. 7922). Ist eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG
gegeben, kann der Unfallversicherer den Gegenbeweis antreten, wonach diese durch
Abnützung oder Krankheit verursacht wurde. Dieser beschlägt den natürlichen
Kausalzusammenhang. Nur der Nachweis eines rechtsgenügenden, d.h. vorwiegend
degenerativ oder krankhaft verursachten Schadens, kann zu einer Verneinung des
natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. der Leistungspflicht des Unfallversicherers
führen (Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358, 363). Der Gegenbeweis der
vorwiegend krankhaften oder degenerativen Pathogenese der Listendiagnose ist
erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung
beruht (BGE 146 V 64 E. 8.2.2.1 mit Hinweisen). Aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG
vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises ergibt sich allerdings auch nach der am
1. Januar 2017 in Kraft getretenen UVG-Revision die Notwendigkeit der Abgrenzung
2.3.
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der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von
der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit bleibt auch beim
Vorliegen einer Listendiagnose die Frage nach einem initialen erinnerlichen und
benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung als zeitlicher
Anknüpfungspunkt für Fragen der Versicherungsdeckung oder Zuständigkeit des
Unfallversicherers - relevant (zum Ganzen: BGE 146 V 69 f. E. 8.6 mit Hinweisen). Zur
Feststellung der medizinischen Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der Tatfrage, ob
eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist
die rechtsanwendende Behörde ebenfalls auf Unterlagen angewiesen, die ihr von
Ärzten und Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit
zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer,
N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.).
Ist es durch einen Unfall zu einer Gesundheitsschädigung gekommen oder liegt
eine Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vor, die nicht vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, übernimmt die Unfallversicherung die
Leistungen bis zur Heilung der spezifischen Schädigungsfolgen (Status quo ante; vgl.
in Bezug auf die unfallähnlichen Körperschädigungen: Samuelsson, a.a.O., S. 362 f.;
vgl. zum Erreichen des Status quo ante: UVG Kommentar-Nabold, N 54 zu Art. 6 UVG;
BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6 UVG; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
2.4.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 138 V 221 f.
E. 6 mit Hinweisen, 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden
Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon,
von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
2.5.
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3.
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Auch Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während
des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3).
Gemäss Schadenmeldung vom 17. November 2020 (Suva-act. 1; vgl. dazu die
übereinstimmenden Sachverhaltsdarstellungen laut Bericht Dr. C._ vom
17. November 2020, Suva-act. 15; Angaben des Versicherten vom 5. Dezember 2020,
Suva-act. 8) trug der Beschwerdeführer am 16. November 2020 eine 15 bis 20 kg
schwere Gasflasche und erlitt im Gehen die diagnostizierte Verletzung des rechten
Wadenmuskels (Bericht Dr. C._ vom 17. November 2020, Suva-act. 15; Bericht
Dr. C._ vom 20. Januar 2021, Suva-act. 20). Der Hergang, wonach ihm die
Gasflasche beim Gehen auf den Fuss (Bericht Dr. H._ vom 16. Oktober 2021,
act. G 1.15) bzw. auf das distale Schienbein (Bericht Dr. K._ vom 15. November
2021, act. G 16) gefallen sei, wurde erst im Beschwerdeverfahren vorgebracht. Die
Beschwerdegegnerin verweist diesbezüglich zu Recht auf die höhere Beweiskraft der
von versicherungstechnischen Überlegungen noch nicht geprägten Erstaussage
(act. G 3, Ziff. 5.1; vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. April 2018, 8C_622/2017,
E. 3.2, und vom 20. August 2019, 8C_27/2019, E. 5.2; KOSS UVG-Nabold, N 11 zu Art.
6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29 f.).
3.1.
Den somit massgeblichen ersten Schilderungen ist keine Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper des Beschwerdeführers zu
entnehmen. Der Beschwerdeführer trug die Gasflasche plan- bzw. programmgemäss
von einem Ort zum anderen. Eine unkoordinierte Bewegung (Stolpern, Ausgleiten,
Anstossen, reflexartige Bewegung zur Sturzvermeidung) erfolgte nicht. Ebenso lassen
sich den Akten keine Anhaltspunkte für eine Überanstrengung oder ein Verhebetrauma
entnehmen. Eine den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung im Sinne eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors wurde von der Rechtsprechung nur bei Lasten von
mehr als 100 kg bejaht (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2009,
3.2.
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4. Im Folgenden ist zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körperschädigung nach Art. 6
Abs. 2 UVG vorliegt. Während der Orthopäde und Suva-Arzt Dr. I._ mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Muskelzerrung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. e
UVG annahm (Suva-act. 31-1; vgl. auch Bericht Dr. C._ vom 20. Januar 2021, Suva-
act. 20), bejahte der Neurologe und Suva-Arzt Dr. J._ das Vorliegen eines
Muskelrisses (lit. d der genannten Bestimmung; Suva-act. 59; vgl. auch Berichte
Dr. C._ vom 17. und 25. November 2020, Suva-act. 15 f.). Wie es sich damit genau
verhält, kann offen bleiben, da so oder anders eine unfallähnliche Körperschädigung im
Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG vorliegt.
5.
8C_319/2009, E. 3.3 mit Hinweis auf Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 9. Oktober 2003, U 360/02). In Fällen, in welchen die zu hebenden Lasten
zwischen 50 und 100 kg schwer waren, wurde eine den Unfallbegriff erfüllende
Überanstrengung im Sinne eines ungewöhnlichen äusseren Faktors verneint (Urteil des
EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02, E. 3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1, und 25. August 2011,
8C_246/2011, E. 4.4; vgl. zum Ganzen auch Entscheide des Versicherungsgerichts
vom 13. März 2020, UV 2019/15, E. 3.2, und 22. März 2018, UV 2016/67, E. 6.3.1). Im
vorliegenden Fall wurden die massgeblichen Gewichtslimiten bei weitem nicht erfüllt.
Auch wurde vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, dass das Tragen einer
Gasflasche nicht zu seinen üblichen Arbeiten gehören würde. Damit ist nicht von einem
Unfall im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG auszugehen.
Die Beschwerdegegnerin anerkannte am 12. Mai 2021 ihre Leistungspflicht für das
Ereignis vom 16. November 2020 (Suva-act. 37-1) und damit auch das Vorliegen eines
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen diesem Ereignis und dem
Gesundheitsschaden. Den Gegenbeweis, es bestehe keine Leistungspflicht, da die
unfallähnliche Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sei, führte sie nicht. Vielmehr begründete sie die Einstellung ihrer
Leistungen mit der vollständigen Heilung der Folgen des Ereignisses vom
16. November 2020 spätestens zum Zeitpunkt der neurologischen Beurteilung vom
22. Juli 2021 und der Auffassung, dass die noch geklagten Beschwerden im
Wadenbereich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die neurologische
Grunderkrankung zurückzuführen seien (Suva-act. 78, E. 4c). Somit steht vorliegend
die Leistungseinstellung in Bezug auf das Ereignis vom 16. November 2020 wegen
Erreichens des Status quo ante in Frage.
5.1.
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6.
Der Beschwerdeführer erlitt unbestrittenermassen eine Weichteil- bzw.
Muskelverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG beim Ereignis vom 16. November 2020.
Eine solche heilt in der Regel folgenlos aus und bedarf lediglich einer konservativen
Behandlung (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl., Einträge
Muskelfaserriss, S. 1201, Muskelriss, S. 1202 und Muskelzerrung, S. 1202; Alfred
M. Debrunner, Orthopädie/Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., 2002, S. 412). So ist auch
beim Beschwerdeführer von einer vorübergehenden Verletzung auszugehen. Es konnte
denn auch auf eine chirurgische Behandlung verzichtet werden (Bericht Dr. C._ vom
17. November 2020, Suva-act. 15-2; Berichte Dr. H._ vom 5. Mai 2021, Suva-act. 40;
vom 16. Oktober 2021, act. G 1.15).
5.2.
Die Beschwerdegegnerin geht mit Verweis auf die neurologische Beurteilung von
Dr. J._ vom 22. Juli 2021 (Suva-act. 78-8 f.) von einer Heilung der Muskelläsion bzw.
einem Status quo ante (spätestens) per vorgenanntem Datum aus. Die
Leistungseinstellung erfolgte per 31. Juli 2021. Dr. J._ hielt fest, dass zum aktuellen
Zeitpunkt bzw. zum Zeitpunkt des jüngsten Berichts vom 21. April 2021 über die
Untersuchung vom 19. April 2021 keine im engeren Sinne neurologischen Unfallfolgen
mehr erkennbar seien (Suva-act. 59-4).
6.1.
Der Beschwerdeführer war nach dem Ereignis vom 16. November 2020 zu 100 %
arbeitsunfähig (vgl. Arztzeugnisse, Suva-act. 9 ff.). Dr. C._ hielt am 21. Januar 2021
fest, es bestehe immer noch ein stark hinkender Gang (Suva-act. 20). Indes attestierte
er dem Beschwerdeführer ab 1. Februar 2021 eine volle Arbeitsfähigkeit (nach bis
dahin 100 %iger Arbeitsunfähigkeit; Suva-act. 21-2). Aus den telefonischen Angaben
des Beschwerdeführers gegenüber der Beschwerdegegnerin vom 18. März 2021
(Suva-act. 22) ist zu schliessen, dass er effektiv arbeitete, bevor er am 24. Februar
2021 wegen eines akuten Wadenschmerzes rechts erneut Dr. C._ aufsuchte. Dabei
erklärte er, dass der Schmerz wie im Juni und November 2020 ohne adäquates Trauma
aufgetreten sei (Suva-act. 44; vgl. auch Suva-act. 32). Dr. C._ überwies den
Beschwerdeführer zur neurologischen Abklärung (Suva-act. 26). Gegenüber dem
Neurologen Dr. G._ erklärte der Beschwerdeführer, seit Anfang März verspüre er,
provoziert durch bestimmte Bewegungen im Bereich der rechten Wade, akut
einschiessende, stechende Schmerzen (Suva-act. 27-2). Die nachfolgende, bereits
erwähnte Arbeitsunfähigkeit ab 24. Februar 2021 wurde zunächst mit Krankheit (Suva-
act. 34-4 ff.) und dann mit Unfall (Arztzeugnisse vom 19. April 2021, Suva-act. 34-7;
vom 17. Juni 2021, Suva-act. 56; vom 13. Juli 2021, Suva-act. 58; vom 6. August 2021,
Suva-act. 68; vom 24. August 2021, Suva-act. 75-4; vom 22. September 2021, Suva-
6.2.
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act. 77-5 und vom 28. Oktober 2021, Suva-act. 82-5) begründet. Eine MRI-
Untersuchung vom 19. März 2021 ergab sodann Muskelfaserrisse (Mehrzahl) im
muskulotendinösen Übergang des Caput mediale des Musculi gastrocnemii rechts
(Suva-act. 25; vgl. auch rheumatologisches Konsilium Dr. G._ vom 19. März 2021,
Suva-act. 27).
Dass Dr. C._ dem Beschwerdeführer ab 1. Februar 2021 eine volle
Arbeitsfähigkeit attestierte (Suva-act. 21-2) und dieser wieder bis zum 24. Februar 2021
bei seiner Arbeitgeberin arbeitete (Suva-act. 22, 34-1, 34-4), lässt die Beurteilung von
Dr. J._ plausibel erscheinen, wonach die Folgen des Ereignisses vom 16. November
2020 spätestens zum Zeitpunkt seiner Beurteilung bzw. des jüngsten in den Akten
vorliegenden ärztlichen Untersuchungsberichts vom 21. April 2021 über die
Untersuchung vom 19. April 2021 weitestgehend abgeheilt gewesen seien. Daran
vermag nichts zu ändern, dass am 24. Februar 2021 (Suva-act. 44; vgl. auch Suva-
act. 35-5) erneut zur vollständigen Arbeitsfähigkeit und zu Heilbehandlungen führende
Schmerzen auftraten und Beschwerden bzw. Befunde in der rechten Wade vorhanden
waren (Bericht Dr. H._ vom 16. Oktober 2021, act. G 1.15; Bericht Dr. K._ vom
15. November 2021, act. G 1.16). Dr. C._ sah explizit keinen unmittelbaren
Zusammenhang der im Februar 2021 erneut aufgetretenen Wadenschmerzen rechts
mit dem Ereignis vom 16. November 2020 (vgl. Bericht vom 8. April 2021, Suva-
act. 26). Auch berichtete der Beschwerdeführer am 19. März 2021 gegenüber Dr. G._
konkret in Bezug auf die Schmerzen seit März 2021 von schmerzauslösenden
Bewegungen (Suva-act. 27-2), was ebenfalls nicht mehr auf einen direkten
Zusammenhang zum Ereignis vom 16. November 2020 hinweist. Die Entwicklung der
Beschwerden mit im Verlauf weitestgehender Abschwellung der Wade (vgl. Bericht
Dr. C._ vom 20. Januar 2021, Suva-act. 20, und vorne Sachverhalt A.c) und zunächst
Rückgang und dann erneuter Exazerbation der Schmerzen rund drei Wochen später
bedeutet grundsätzlich, dass die erneuten Beschwerden nicht mehr auf das Ereignis
vom 16. November 2020 zurückzuführen sind. In der Regel zeigt sich nämlich eine
Beschwerdesymptomatik unmittelbar nach dem Unfall oder zumindest in zeitlicher
Nähe am stärksten. Nachfolgend schliesst der Heilungsprozess an, was in der Regel zu
einer stetigen Beschwerdeabnahme führt. Die vorliegend spätere Progredienz der
Schmerzen und die nach drei Wochen erneut eingetretene Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers entsprechen nicht dem Regelfall eines Heilungsprozesses von
Weichteilverletzungen. Ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis führt, dass der
Beschwerdeführer gemäss Bericht von Dr. K._ vom 15. November 2021 seit dem
16. November 2020 persistierende Schmerzen und Verhärtungen in der rechten Wade
beklagte (act. G 1.16). Diese spätere Feststellung der Ärztin beruht rein auf Angaben
6.3.
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