Decision ID: aeb6c414-cc23-5124-b14e-af77175dcf14
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Die am (...) 1972 geborene, ledige schweizerische Staatsangehörige
A._ bezieht seit 1. Juni 2013 eine ganze Rente der schweizeri-
schen Invalidenversicherung. Per 22. Juli 2016 ist A._ aus der
Schweiz weggezogen und lebt seither in Italien (vgl. IV-act. 85); die Akten
wurden zuständigkeitshalber an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
(nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) überwiesen (vgl. IV-act. 87).
A.b Mit Schreiben vom 6. Juni 2017 (IV-act. 98) informierte die IVSTA
A._ darüber, dass sie eine Rentenrevision einleiten müsse und des-
halb ärztliche Berichte aus dem Zeitraum 20. Oktober 2015 bis heute be-
nötige. Da die eingereichten Berichte keine zuverlässige Beurteilung des
Gesundheitszustandes zuliessen, schlug Dr. med. C._, Facharzt
für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie beim Regionalen Ärztli-
chen Dienst (RAD), mit Bericht vom 1. Mai 2018 (IV-act. 125) vor, ein psy-
chiatrisches Gutachten in der Schweiz erstellen zu lassen.
A.c Mit Schreiben vom 24. Mai 2018 (IV-act. 129) gab die IVSTA
A._ bekannt, dass beabsichtigt sei, ein psychiatrisches Gutachten
bei Dr. med. D._ einzuholen. Die IVSTA gab A._ Gelegen-
heit, innert 10 Tagen eventuelle Zusatzfragen für den Gutachter einzu-
reichen. Ferner wies die IVSTA A._ darauf hin, dass allfällige Ein-
wände oder triftige Verweigerungs- oder Ablehnungsgründe gegen die Gut-
achterperson ebenfalls innert 10 Tagen nach Erhalt des Schreibens mitzu-
teilen seien.
A.d Mit Schreiben vom 24. Juli 2018 (IV-act. 144) teilte die IVSTA
A._ den Begutachtungstermin vom 24. Oktober 2018 in der Praxis
von Dr. med. D._ mit. Die Begutachtung konnte am 24. Oktober
2018 wie geplant durchgeführt werden (vgl. IV-act. 151 f.) und der Gutach-
ter stellte der IVSTA am 9. Januar 2019 das in Auftrag gegebene Gutachten
zu (IV-act. 159).
A.e Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2019 (IV-act. 163) teilte die IVSTA
A._ mit, es bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente.
A.f Mit Eingabe vom 8. April 2019 (IV-act. 171) erhob A._, vertreten
durch B._, Einwand gegen den Vorbescheid und ersuchte um Ak-
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teneinsicht sowie um eine Fristverlängerung für eine detaillierte Begrün-
dung. Innert erstreckter Frist und nach Akteneinsicht begründete
A._ ihren Einwand mit Eingabe vom 29. April 2019 (IV-act. 175).
Nebst der Kritik an der – ihrer Ansicht nach – unzutreffenden Beurteilung
des Gesundheitszustands äusserte sich A._ auch zur Person des
Gutachters. Sie führte aus, dieser habe sie nach der Begutachtung gefragt,
ob sie ihn nicht mehr kenne. Dies habe sie verneint. Später habe sie sich
erinnert, dass sich Dr. med. D._ einst bei ihrem damaligen Arbeit-
geber als Vertrauensarzt beworben habe und sie, die die Rekrutierung
durchführte, einem anderen Bewerber den Vorzug gegeben habe.
A.g Mit Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 (IV-act. 194) wies die
IVSTA dieses Ausstandsbegehren ab. Zur Begründung führte sie aus, es
lägen vorliegend keine Anhaltspunkte vor, dass der Gutachter befangen sei
oder das Gutachten nicht neutral und sachlich abgefasst worden sei. Im
Übrigen sei der Einwand verspätet, da A._ den Ausstandsgrund
nicht unverzüglich nach der Begutachtung, sondern erst nach Erhalt des
Vorbescheids geltend gemacht habe.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2019 erhob A._
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 30. Januar 2020
(BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Zwischenverfügung und die An-
ordnung eines neuen Gutachtens durch einen anderen Gutachter. Zur Be-
gründung führte sie aus, es könne sein, dass sie im Rahmen ihrer früheren
beruflichen Tätigkeit die Gefühle von Dr. med. D._ verletzt und er
sich durch sie ungerecht behandelt gefühlt habe. Aus seinem Gutachten
gehe hervor, dass die Testauswertungen zum Teil erheblich von den sub-
jektiven Einschätzungen des Gutachters abwichen, was kaum erklärbar
sei. Der Gutachter bescheinige ihr eine volle Arbeitsfähigkeit in der bishe-
rigen Tätigkeit, obwohl sie sich mehrfach in stationärer Behandlung befun-
den habe und – gemäss Einschätzung der italienischen Psychiaterin – so-
gar im Jahr 2018, also wenig vor dem fraglichen Gutachten, hätte sein sol-
len.
B.b Am 5. März 2020 ist der mit Zwischenverfügung vom 11. Februar 2020
(BVGer-act. 2) einverlangte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 800.- beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen.
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B.c Mit Vernehmlassung vom 23. April 2020 (BVGer-act. 7) beantragte die
IVSTA die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, es
lägen keine objektiven Anhaltspunkte dafür vor, dass der Gutachter befan-
gen sein könnte, auch werde kein persönliches Interesse des Gutachters
an der zu beurteilenden Sache geltend gemacht. Ein Ausstandsgrund
liesse sich auch im Verhalten des Gutachters nicht erblicken, da sich das
umfassende Gutachten in sachlicher Weise ausschliesslich mit fachmedi-
zinischen Fragen befasse und sich auf die medizinische Beurteilung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin beschränke. Der individu-
elle Eindruck der Beschwerdeführerin reiche nicht, um den Anschein der
Befangenheit des Gutachters zu begründen. Schliesslich habe die Be-
schwerdeführerin den Ausstandsgrund verspätet geltend gemacht, wes-
halb ein allfälliger Anspruch verwirkt sei.
B.d Die Beschwerdeführerin liess sich nicht mehr vernehmen (vgl. BVGer-
act. 9 und 10).
B.e Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Be-
weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach-
folgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern wie hier keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört auch die IVSTA (Art. 33 Bst. d
VGG; vgl. Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Das Bundesverwaltungs-
gericht ist somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend-
bar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die
Invalidenversicherung anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine
Abweichung vom ATSG vorsieht.
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1.3
1.3.1 Anfechtungsobjekt ist vorliegend ein als Zwischenverfügung bezeich-
netes Schreiben der Vorinstanz vom 17. Dezember 2019, mit welchem die
Vorinstanz das Ausstandsbegehren der Beschwerdeführerin gegen den
Gutachter Dr. med. D._ abgelehnt hat.
1.3.2 Gegen selbständig eröffnete Zwischenverfügungen über die Zustän-
digkeit und über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 45
Abs. 1 VwVG).
Die Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 ist daher als eine an-
fechtbare Zwischenverfügung im Sinne von Art. 45 Abs. 1 VwVG zu be-
trachten und die dagegen erhobene Beschwerde ist somit zulässig.
1.3.3 Die Beschwerdeführerin kann durch das Bundesverwaltungsgericht
nur Rechtsverhältnisse überprüfen beziehungsweise beurteilen lassen, zu
denen die zuständige Behörde vorgängig und verbindlich – in Form einer
Verfügung – Stellung genommen hat. Gegenstand des Beschwerdeverfah-
rens kann deshalb nur sein, was Gegenstand des vorinstanzlichen Verfah-
rens war oder bei richtiger Rechtsanwendung hätte sein sollen. Fragen,
über welche die verfügende Behörde nicht entschieden hat, dürfen somit
grundsätzlich im Beschwerdeverfahren nicht beurteilt werden (vgl. ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2013, S. 29 f. Rz. 2.7 f. und BGE
125 V 413 E. 2a).
Soweit die Beschwerdeführerin vorliegend beantragt, das Gutachten
könne nicht berücksichtigt werden, da die Testergebnisse stark von der
subjektiven Sicht des Gutachters abwichen, das Gutachten insgesamt
nicht schlüssig sei und «gänzlich an der Realität vorbeigehe», gehen die
Anträge über das in der Verfügung geregelte Rechtsverhältnis (Beurteilung
des Ausstandsgesuchs) hinaus. Deshalb ist im vorliegenden Beschwerde-
verfahren darauf nicht einzutreten.
1.4 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men. Sie ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, so dass sie im
Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist.
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1.5 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und auch der Kostenvor-
schuss fristgerecht bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde grundsätzlich
einzutreten (vgl. aber E. 1.3.3 hiervor).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin kann im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder
der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes-
senheit rügen (Art. 49 VwVG).
2.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses des streitigen Entscheides eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seit-
her verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.
Im vorliegenden Verfahren ist streitig, ob die Vorinstanz zu Recht das Aus-
standsbegehren der Beschwerdeführerin, das sie gegen den Gutachter
Dr. med. D._ gestellt hat, abgelehnt hat.
3.1
3.1.1 Zu unterscheiden ist zwischen Einwendungen formeller und Einwen-
dungen materieller Natur. Dabei zählen die gesetzlichen Ausstandsgründe
(vgl. Art. 10 VwVG und Art. 36 Abs. 1 ATSG) zu den Einwendungen formel-
ler Natur, weil sie geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des
Sachverständigen zu erwecken. Einwendungen materieller Natur können
sich zwar ebenfalls gegen die Person des Gutachters richten. Sie beschla-
gen jedoch nicht dessen Unparteilichkeit. Oft sind sie von der Sorge getra-
gen, das Gutachten könne mangelhaft ausfallen oder jedenfalls nicht im
Sinne der zu begutachtenden Person. Solche Einwendungen sind in der
Regel mit dem Entscheid in der Sache im Rahmen der Beweiswürdigung
zu behandeln. So hat beispielsweise die Frage, aus welcher medizinischen
Fachrichtung ein Gutachten einzuholen ist, nichts mit Ausstandsgründen,
sondern mit der Beweiswürdigung zu tun (BGE 132 V 93 E. 6.5).
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Gemäss Art. 36 Abs. 1 ATSG treten Personen, die Entscheidungen über
Rechte und Pflichten zu treffen oder vorzubereiten haben in Ausstand,
wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus anderen
Gründen in der Sache befangen sein könnten.
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die
gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgese-
hen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorlie-
gen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei
der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der
nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung
nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsäch-
lich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den
Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu
begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit
und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjek-
tive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss viel-
mehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die er-
hebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungs-
recht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger
Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis auf BGE 120 V
364 E. 3).
3.1.2 Es ist vorliegend unbestritten, dass sich der Gutachter,
Dr. med. D._, einst bei der früheren Arbeitgeberin der Beschwerde-
führerin um eine Anstellung als Vertrauensarzt beworben hat. Die Be-
schwerdeführerin war damals als Mitglied der Direktion in der Funktion Ab-
teilungsleiterin Leistungssupport tätig (vgl. IV-act. 110). Im Auswahlverfah-
ren hat die Beschwerdeführerin einem anderen Bewerber den Vorzug ge-
geben; die Bewerbung von Dr. med. D._ wurde nicht berücksichtigt.
Im Rahmen der vorliegend fraglichen Begutachtung hat der Gutachter die
Beschwerdeführerin, wie diese vorbringt, am Ende der Begutachtung ge-
fragt, ob sie ihn nicht mehr kenne. Die Beschwerdeführerin macht geltend,
dass sie in jenem Moment nicht wusste, wer der Gutachter war. Erst als
dieser sie über die Umstände der früheren Begegnung aufklärte, erinnerte
sich die Beschwerdeführerin angeblich daran, dass sie ihm bereits früher
in einem anderen Kontext begegnet war. Die Beschwerdeführerin führte
aus, sie könne sich vorstellen, dass sie durch die Nichtberücksichtigung
damals tatsächlich die Gefühle des Gutachters verletzt und dieser sich un-
gerecht behandelt gefühlt haben könnte.
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Die Vorinstanz machte dagegen geltend, im Verhalten des Gutachters sei
kein Ausstandsgrund zu erblicken. Das umfassende, von ihm erstellte Gut-
achten befasse sich in sachlicher Weise ausschliesslich mit fachmedizini-
schen Fragen und beschränke sich auf die medizinische Beurteilung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin
gebe lediglich ihren persönlichen Eindruck wieder, was zur Begründung ei-
nes Anscheins der Befangenheit nicht ausreiche.
Damit ein Ausstandsgrund angenommen werden kann, ist erforderlich,
dass der begutachtenden Person ein persönliches Interesse an der Sache
unterstellt werden kann, das den Anschein der Befangenheit zur Folge hat.
Dies wäre namentlich dann der Fall, wenn der Gutachter ein rechtliches
oder tatsächliches Interesse am Verfahrensausgang hätte oder er persön-
lich, zum Beispiel durch Verwandtschaft zur begutachtenden Person, be-
troffen wäre. Es ist vorliegend nicht auszuschliessen, dass der Gutachter
enttäuscht war, dass es mit der Anstellung bei der Arbeitgeberin der Be-
schwerdeführerin nicht geklappt hat. Dennoch sind keine besonderen Vor-
kommnisse bekannt, die darauf hindeuten, dass es sich bei dieser Absage
um ein Ereignis gehandelt hat, welches einen Einfluss auf die korrekte und
unabhängige Ausübung der Gutachtertätigkeit haben könnte. So ist denn
auch aus dem Gutachten in keiner Weise erkennbar, dass der Gutachter
der Beschwerdeführerin schlecht gesinnt gewesen wäre. Das Gutachten
beinhaltet keine unsachlichen Bemerkungen, die den Verdacht der Befan-
genheit des Gutachters aufkommen lassen könnte. Für den Fall, dass der
Gutachter sie tatsächlich auf die frühere Begegnung hingewiesen hat, wie
von der Beschwerdeführerin behauptet wird, muss aus dem Umstand, dass
die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben den Gutachter erst später
wiedererkannte, geschlossen werden, dass damals im Bewerbungspro-
zess nichts Ausserordentliches vorgefallen war und die beiden somit kein
Ereignis verbindet, welches im heutigen Zeitpunkt einen Einfluss auf die
neutrale Ausübung der Gutachtertätigkeit haben könnte. Es ist somit nicht
davon auszugehen, dass beim Gutachter ein formeller Ausstandsgrund
vorliegt. Selbst wenn jedoch ein solcher vorliegen sollte, wäre dies – wie
nachfolgend darzulegen sein wird – im jetzigen Zeitpunkt unbeachtlich.
3.2
3.2.1 Das Vorliegen von Ausstandsgründen muss von Amtes wegen be-
achtet werden. Dennoch liegt es aber nahe, dass eine Partei das Bestehen
solcher Gründe möglichst frühzeitig geltend macht (zu dieser Obliegenheit
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vgl. BGE 132 V 106 f.). Andernfalls kann einer entsprechenden Einwen-
dung der Grundsatz von Treu und Glauben entgegengehalten werden (vgl.
BGE 121 I 229 f). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Aus-
stands- und Befangenheitsgründe umgehend geltend zu machen, das
heisst grundsätzlich sobald die betroffene Person Kenntnis von den ent-
sprechenden Tatsachen erhält. Wer den Mangel nicht unverzüglich vor-
bringt, wenn er davon Kenntnis erhält, sondern sich stillschweigend auf ein
Verfahren einlässt, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der ver-
meintlich verletzten Ausstandsbestimmung. Unverzüglich bedeutet ein
Geltendmachen binnen maximal sechs bis sieben Tagen; ein zwei- bis drei-
wöchiges Zuwarten ist bereits unzulässig (vgl. Urteil des BGer 8C_41/2019
E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Wird eine Frist zur Erhebung allfälliger Rü-
gen betreffend Ausstand angesetzt, kann einer solchen Frist nur der Cha-
rakter einer Ordnungsfrist zukommen; es kann sich nicht um eine Verwir-
kungsfrist handeln (vgl. BGE 112 V 210; zum Ganzen: UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 36, Rz. 21).
3.2.2 Im hier zu beurteilenden Fall hatte die IVSTA die Beschwerdeführerin
mit Schreiben vom 24. Mai 2018 (IV-act. 129) informiert, dass die Begut-
achtung bei Dr. med. D._ stattfinden wird und sie die Möglichkeit
habe, innert 10 Tagen seit Erhalt des Schreibens «allfällige Einwände oder
triftige Verweigerungs- oder Ablehnungsgründe gegen die oben aufgeführ-
ten begutachtenden Personen» zu erheben. Mit Schreiben vom 24. Juli
2018 gab die IVSTA der Beschwerdeführerin den definitiven Begutach-
tungstermin (24. Oktober 2018) sowie den Namen des Gutachters bekannt
(vgl. A.d. hiervor). Die Beschwerdeführerin hätte somit explizit die Möglich-
keit gehabt, im Vorfeld der Begutachtung Ausstandsgründe gegen den Gut-
achter geltend zu machen, was sie jedoch unterlassen hat. Die Beschwer-
deführerin erschien zum vereinbarten Begutachtungstermin und erhob
auch dort keine Einwände. Aus den Akten ist ersichtlich, dass sich die Be-
schwerdeführerin nach Durchführung dieser Begutachtung wegen einer
Frage zu den Reisespesen telefonisch am 20. November 2018 bei der Vo-
rinstanz gemeldet hat (vgl. IV-act. 158). In Bezug auf das Gutachten
machte sie keine Bemerkungen und gegen den Gutachter brachte sie
ebenso wenig Einwände vor. Am 25. Februar 2019 (vgl. IV-act. 164) mel-
dete sich die Beschwerdeführerin erneut telefonisch bei der IVSTA und er-
kundigte sich nach dem Stand der Dinge. Am 11. März 2019 informierte der
Vertreter der Beschwerdeführerin, B._, die IVSTA telefonisch dar-
über, dass die Beschwerdeführerin Berichte bei ihren Ärzten angefordert
habe und dann Einwand gegen den Vorbescheid erheben möchte (vgl. IV-
act. 168). Am 21. März 2019 wandte sich der Vertreter erneut telefonisch
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Seite 10
und am 8. April 2019 schriftlich an die IVSTA und erhob Einwand und be-
antragte im Wesentlichen die Zusendung des Gutachtens und eine Frist-
verlängerung zur Begründung des Einwands (vgl. IV-act. 169 und 171). Mit
Schreiben vom 29. April 2019 (IV-act. 175) begründete die Beschwerde-
führerin, vertreten durch B._, ihren Einwand und erhob insbeson-
dere auch die hier zu beurteilenden Ausstandsgründe gegen den Gutach-
ter.
3.2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die
ihr mit Schreiben vom 24. Mai 2018 angesetzte zehntägige Frist zur Erhe-
bung von Einwänden unbenutzt hat verstreichen lassen, da sich die Be-
schwerdeführerin – wie sie glaubhaft ausführt – nicht mehr an den Gutach-
ter erinnern konnte. Dieses Verhalten hat keine Konsequenzen, da es sich
bei der angesetzten Frist nicht um eine Verwirkungsfrist handelt (vgl.
E. 3.2.1 hiervor). Der IVSTA ist überdies kein Vorwurf in Bezug auf die Aus-
wahl des Gutachters zu machen, da sie vom Umstand, dass der Gutachter
die Beschwerdeführerin kannte, nichts wusste. Eine Berücksichtigung des
Ausstandsgrunds vom Amtes wegen kam somit nicht in Frage. In Anwen-
dung der vorgenannten Rechtsprechung und Grundsätze ist indes davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin umgehend nach Kenntnis des
Ausstandsgrundes hätte reagieren müssen. Gemäss der Schilderung der
Beschwerdeführerin hat sie vom Ausstandsgrund am Tag der Begutach-
tung Kenntnis erhalten, als sie der Gutachter auf den Umstand, dass sie
sich bereits früher begegnet waren, hingewiesen hat. Zwischen der Begut-
achtung am 24. Oktober 2018 und dem Tag, als sie den Ausstandsgrund
erstmals geltend machte (Begründung des Einwands mit Schreiben vom
29. April 2019) waren somit rund sechs Monate vergangen. Ein solches
Zuwarten widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben und verdient
keinen Rechtsschutz. Deshalb ist das Ausstandsbegehren – wie die Vor-
instanz zu Recht festgestellt hat – abzuweisen.
Der Vollständigkeit halber bleibt allerdings festzuhalten, dass damit nichts
über die Qualität des Gutachtens gesagt wurde und die von der Beschwer-
deführerin im Zusammenhang mit den Schlussfolgerungen des Gutach-
tens vorgebrachten materiellen Rügen im Rahmen des Rentenentscheids
und einer allfällig dagegen zu erhebenden Beschwerde zu prüfen wären
(vgl. E. 1.3.3 hiervor).
Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2019 ist somit
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
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Seite 11
4.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
4.1 Die Verfahrenskosten sind bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
die Verweigerung von IV-Leistungen nach dem Verfahrensaufwand und un-
abhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1'000 Franken festzulegen
(Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die Verfahrenskosten werden in der Regel der un-
terliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Für das vorliegende Verfahren sind die Verfahrenskosten auf Fr. 800.- fest-
zusetzen und der Beschwerdeführerin als unterlegene Partei aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- ist zur Bezahlung der Verfah-
renskosten zu verwenden.
4.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die IVSTA jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Parteient-
schädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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