Decision ID: c60dd74b-1a60-4e96-8017-13f540bda4b0
Year: 2022
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ gelangte mit als «Beschwerde wegen Falsch-Deklaration und Retournierung von Insassen-Post» bezeichneter Eingabe vom 9. August 2021 an das Generalsekretariat der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern (SID). Er ersuchte um Ausrichtung von Fr. 100.-- Schadenersatz und einer Genugtuung nach behördlichem Ermessen, da «die Gefängnisse»  die Fürsorgepflicht verletzen und «unkorrekt und schludrig» mit der Insassenpost umgehen würden. Die persönliche Post sei jeweils an die  Adresse nachzusenden. Es sei ihm die unentgeltliche  und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die SID nahm die Eingabe als Staatshaftungsgesuch entgegen. Von der am 20. August 2021 (zugestellt am 27.8.2021) und 20. September 2021 (zugestellt am 22.9.2021)  Gelegenheit, zur Substantiierung der Haftungsvoraussetzungen konkret auszuführen und zu belegen, wie der für Nachforschungen nach  Post geforderte Betrag von Fr. 100.-- durch widerrechtliches  des Gefängnispersonals zustande gekommen sei, machte A._ keinen Gebrauch. Am 20. September 2021 wies die SID das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. Mit Verfügung vom 21. Januar 2022 wies sie das Staatshaftungsgesuch ab und auferlegte A._ die Verfahrenskosten.
B.
Gegen diese Verfügung hat A._ am 28. Februar 2022  erhoben. Er beantragt sinngemäss, die  Verfügung sei aufzuheben. Das Regionalgefängnis Bern und alle  Gefängnisse des Kantons Bern seien anzuweisen, die (persönliche) Post künftig nach einer Verlegung an die aktuelle Adresse der Gefängnisinsassen weiterzuleiten. Für die «immer zahlreicher werdenden Spesen im kausalen Zusammenhang mit der [...] widerrechtlichen Verletzung des Schutzes [] Privatsphäre» seien ihm pauschal Fr. 100.-- zu vergüten, und es sei ihm wegen «grobfahrlässiger Vernachlässigung der Fürsorge- und Betreuungs-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.06.2022, Nr. 100.2022.65U, Seite 3
pflicht» eine Genugtuung in angemessener Höhe auszurichten. In  Hinsicht ersucht A._ um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.
Die SID beantragt mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2022 die  Abweisung der Beschwerde. Da der Beschwerdeführer nun  aufsichtsrechtlich argumentiere, werde die SID seine Vorbringen als aufsichtsrechtliche Anzeige entgegennehmen und näher abklären. Der  hält in der Eingabe vom 4. April 2022 an seinen  fest. Dass die SID seine Beschwerde als aufsichtsrechtliche Anzeige «schubladisieren» und ihm damit sämtliche Parteirechte nehmen wolle, sei nicht akzeptabel. Die SID hat hierzu am 21. April 2022 Stellung genommen.

Considerations:
Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21; vgl. auch Art. 104 Abs. 3 des Personalgesetzes vom 16. September 2004 [PG; BSG 153.01]) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am  Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid  berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind grundsätzlich eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt von E. 1.2 hiernach einzutreten.
1.2 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist auf den  beschränkt. Dieser wird durch den angefochtenen Entscheid und  dieses Rahmens durch die Anträge der beschwerdeführenden Partei bestimmt (vgl. BVR 2020 S. 59 E. 2.2 mit Hinweisen; Ruth Herzog, in Herzog/ Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 84 N. 5; zum Begriff des Streitgegenstands vgl. Michel Daum, in Herzog/Daum
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.06.2022, Nr. 100.2022.65U, Seite 4
[Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 20a N. 4 ff.). Der Beschwerdeführer beantragt, die Gefängnisse des Kantons Bern seien anzuweisen, die (persönliche) Post künftig an die aktuelle Adresse der  weiterzuleiten, auch wenn diese verlegt worden seien.  er damit die Praxis der Gefängnisse zur Zustellung und Nachsendung von Briefpost an Gefängnisinsassinnen und -insassen als solche , geht sein Begehren über den Gegenstand des vorliegenden  hinaus und ist auf seine Beschwerde nicht einzutreten. Die SID hat aber in ihrer Beschwerdeantwort mitgeteilt, sie werde sein  als aufsichtsrechtliche Anzeige entgegennehmen und diesbezüglich Abklärungen vornehmen. Damit wird auch seinen aufsichtsrechtlichen  Rechnung getragen, allerdings (richtigerweise) nicht im Rahmen des Staatshaftungsverfahrens, das sich naturgemäss auf konkrete, in der  liegende Sachverhalte bezieht. Dass er im aufsichtsrechtlichen Verfahren nicht dieselben Parteirechte ausüben kann wie in einem ihn  betreffenden Staatshaftungsverfahren (vgl. Art. 101 Abs. 2 VRPG), ist nicht zu beanstanden und stellt nicht, wie er der SID zu unterstellen scheint, eine mutwillige Beschneidung seiner Parteirechte dar. Nicht  ist auf die Beschwerde auch, soweit sich diese gegen die mit  der SID vom 20. September 2021 verweigerte  Rechtspflege für das vorinstanzliche Verfahren richtet (vgl. Art. 112 Abs. 3 VRPG), fehlt es insoweit doch an einer ausreichenden Begründung (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG): Auch bei Beschwerden von  Laien, an die praxisgemäss keine hohen Anforderungen gestellt werden, ist erforderlich, dass zumindest kurz dargetan wird, inwiefern und aus welchen Gründen der angefochtene Entscheid beanstandet wird (vgl. BVR 2006 S. 470 E. 2.4). Der Beschwerdeführer setzt sich jedoch mit keinem Wort mit der (evtl. mitangefochtenen) Zwischenverfügung auseinander.
1.3 Der Streitwert liegt unter der Grenze von Fr. 20'000.--, womit die  der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der  und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.06.2022, Nr. 100.2022.65U, Seite 5
2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine private Post sei ihm wiederholt nicht zugestellt bzw. nicht an seine aktuelle Adresse weitergeleitet und an den Absender oder die Absenderin retourniert worden. Es handle sich dabei um ein in den Gefängnissen des Kantons Bern übliches Vorgehen: Mit der Post der Gefangenen werde «schludrig» umgegangen oder sie werde gar vorsätzlich nicht zugestellt und ihnen vorenthalten. Dies sei degradierend und stelle eine Vernachlässigung der Fürsorge- und Betreuungspflicht dar. Die Kontakte der Gefangenen zu ihrem sozialen Umfeld würden dadurch  oder gänzlich verunmöglicht. Der Kanton verletze mit seinem  die Grundrechte der Gefangenen. Namentlich würden die , das Diskriminierungsverbot, das Willkürverbot, das Verbot von Folter und jeglicher anderen Art von grausamer, unmenschlicher oder  Behandlung sowie der Anspruch auf Schutz des Postverkehrs  (Art. 7-10 und Art. 13 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Ausserdem sei das Recht der Gefangenen verletzt, mit Personen ausserhalb der Anstalt Kontakte zu pflegen (Art. 84 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0]). Aufgrund dieser Verstösse sei ihm ein Schaden entstanden. Die Ausgaben für Porto, Telefonkosten und die aufwendige Suche nach dem  könnten nicht «auf Heller und Pfennig» belegt werden. Für die « zahlreicher werdenden Spesen» seien ihm daher pauschal Fr. 100.-- zu vergüten. Zudem sei ihm wegen «Vernachlässigung der Fürsorge- und » eine Genugtuung in angemessener, vom Gericht  Höhe auszurichten.
3.
3.1 Der Kanton haftet für den Schaden, den die Mitarbeiterinnen und  in Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit Dritten widerrechtlich zugefügt haben (Art. 100 Abs. 1 PG; vgl. auch Art. 71 Abs. 1 der Verfassung des  Bern [KV; BSG 101.1]). Für Verletzungen der körperlichen Integrität und schwere Persönlichkeitsverletzungen haben die Geschädigten Anspruch auf
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eine angemessene Genugtuung (Art. 100 Abs. 3 PG). Die Haftung setzt  einen Schaden, eine widerrechtliche amtliche Handlung sowie einen ( und adäquaten) Kausalzusammenhang zwischen dieser und dem Schaden voraus; die Haftungsvoraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein (statt vieler BVR 2014 S. 297 [VGE 2012/65/66 vom 16.4.2014] nicht publ. E. 3.3; VGE 2019/324 vom 26.5.2021 E. 2.2.1 [zur Publ. bestimmt]). Der Kanton steht weiter für den Schaden ein, den er rechtmässig verursacht hat, wenn Einzelne unverhältnismässig schwer betroffen sind und ihnen nicht zugemutet werden kann, den Schaden selber zu tragen (sog. ; Art. 100 Abs. 2 PG). Während die geschädigte Person gemäss der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 des Schweizerischen  (ZGB; SR 210) die Beweislast für die Haftungsvoraussetzungen trägt, ist das Gemeinwesen beweispflichtig hinsichtlich möglicher  (Rechtmässigkeit der Amtshandlung, Selbstverschulden etc.; vgl. BVR 2011 S. 200 E. 2.4.2, 2005 S. 3 E. 3.1; Jürg Wichtermann, Staatshaftungsrecht, in Müller/Feller [Hrsg.], Bernisches Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2021, S. 143 N. 88; Michel Daum, a.a.O., Art. 18 N. 16).
3.2 Das Personalgesetz kennt keinen eigenständigen Schadensbegriff, weshalb für das bernische Staatshaftungsrecht vom privatrechtlichen  auszugehen ist (Jürg Wichtermann, a.a.O., S. 132 N. 59).  ist nach ständiger Rechtsprechung die ungewollte Verminderung des Reinvermögens (statt vieler BVR 2014 S. 297 E. 6.2). Er kann in einer  der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in  Gewinn bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem  Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (vgl. etwa BGE 144 III 155 E. 2.2 mit Hinweisen; Jürg Wichtermann, a.a.O., S. 132 N. 59). Immaterielle Unbill (seelisches Leid) lässt sich wertmässig nicht beziffern und stellt deshalb keinen Schaden dar. Dennoch leistet das Gemeinwesen unter bestimmten Voraussetzungen auch für solche Unbill in der Form der Genugtuung einen Ausgleich.  sind solche Leistungen beschränkt auf Fälle, in denen Betroffene in ihrer körperlichen Integrität oder ihrer Persönlichkeit nachweislich (schwer) verletzt werden (Jürg Wichtermann, a.a.O., S. 132 N. 60).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 07.06.2022, Nr. 100.2022.65U, Seite 7
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der  habe den von ihm geltend gemachten Schaden weder  noch belegt. Insbesondere sei nicht klar, worin seine  nach verlorener Post konkret bestanden hätten und inwiefern ihm dabei ein Schaden entstanden sei. Der Schaden gelte deshalb als unbewiesen, und der Beschwerdeführer trage die Folgen der Beweislosigkeit. Sein  sei daher abzuweisen. Gleiches gelte für die beantragte Genugtuung, wobei anzufügen sei, dass der Beschwerdeführer keine  der körperlichen Integrität geltend mache und eine schwere  durch das hier konkret vorgebrachte einmalige  der Annahme eines Briefs und dessen Retournierung an den Absender durch das Regionalgefängnis Bern von vornherein auszuschliessen sei.
4.2 Der Beschwerdeführer hält diesen Erwägungen nichts Stichhaltiges entgegen. Seine Ausführungen im vorinstanzlichen und  Verfahren enthalten zwar Hinweise, die auf allfällige Vorkommnisse oder Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Zustellung von  an inhaftierte Personen v.a. dann hindeuten könnten, wenn diese in  Vollzugseinrichtungen verlegt werden. So gesehen kann auch begrüsst werden, wenn sich – wie hier (vgl. vorne Bst. B und E. 1.2) – die  mit den Rügen befasst, um alsdann gegebenenfalls soweit nötig die erforderlichen Massnahmen zu treffen. Aus den Schilderungen des  ergeben sich allerdings keine Hinweise auf konkrete  Auswirkungen der vorgebrachten fehlerhaften bzw. unterbliebenen  seiner Post und damit verbundener Nachforschungen durch ihn. Er beklagt lediglich pauschal eine «monetäre Schädigung von Gefangenen» und rügt allgemein «Aufwendungen wie Porto-Kosten, Telefonkosten und aufwändige Suchen nach dem Absender» (Beschwerde S. 2), ohne aber solche Kosten, die eventuell im Zusammenhang mit dem konkret  und vorgelegten Beispiel einer mit dem Vermerk «refusiert/unbekannt» an das Gefängnis Moutier retournierten Sendung (act. 1C und Vorakten SID [act. 4A1]) stehen könnten, näher zu beziffern oder zu erläutern, inwiefern bei der erwähnten Suche nach dem Absender entsprechende  entstanden wären, die kausal mit einem fehlbaren (und widerrechtlich-
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keitsbegründenden) Verhalten von Mitarbeitenden des  in Verbindung gebracht werden könnten. Damit gelingt es ihm (wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren; vgl. vorne Bst. A und E. 4.1) nicht, den behaupteten Schaden bzw. eine tatsächliche Vermögenseinbusse zu belegen. Hieran ändert auch der eingereichte Kontoauszug betreffend den Zeitraum vom 13.-26. August 2021 (Vorakten SID [act. 4A] pag. 28) nichts, zumal Zusammenhänge von darin ersichtlichen Ausgaben zum konkret erwähnten Schreiben bzw. zum geltend gemachten Schaden weder geltend gemacht noch ersichtlich sind. Dass er durch die gerügte Vernachlässigung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht in seiner körperlichen Integrität oder in seiner Persönlichkeit schwer verletzt worden wäre, macht der  ebenfalls nicht genügend konkret bzw. substantiiert geltend und ist nicht ersichtlich.
4.3 Es fehlt mithin der für eine staatliche Haftung vorausgesetzte . Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob die weiteren  für eine Staatshaftung erfüllt sind (vgl. vorne E. 3.1). Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist (vgl. vorne E. 1.2).
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer  kostenpflichtig. Die Umstände rechtfertigen es indes, auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (vgl. Art. 108 Abs. 1 VRPG). Das  um unentgeltliche Rechtspflege ist damit als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (Art. 39 Abs. 1 VRPG).  Parteikosten sind keine entstanden (Art. 108 Abs. 3 und Art. 104 VRPG).