Decision ID: 98215493-96ec-5aad-a680-fd772237f2c8
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der am [...] geborene, aus Bosnien und Herzegowina stammende und in
seiner Heimat wohnhafte X._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
war in der Schweiz erwerbstätig und entrichtete während rund 20 Jahren
die obligatorischen Beiträge an die Schweizerische Alters-, Hinterbliebe-
nen- und Invalidenversicherung (AHV/IV).
B.
Mit Formular vom 25. Juni 2003 meldete sich der Beschwerdeführer
erstmals bei der IV-Stelle St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle SG) zum
Leistungsbezug an. Aufgrund einer Anpassungsstörung mit längerer de-
pressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) bei emotional instabiler, narzissti-
schen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.30, F60.8) wurde dem Be-
schwerdeführer mit Verfügung vom 5. Februar 2004 mit Wirkung ab
1. Mai 2003 eine ganze Invalidenrente zugesprochen.
C.
Im Rahmen der im Jahr 2005 eingeleiteten Revision wurden umfangrei-
che Abklärungen vorgenommen und unter anderem ein Gutachten des
Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI-Gutachten)
eingeholt.
Mit Verfügung der IV-Stelle SG vom 26. November 2007 wurde dem Be-
schwerdeführer die Invalidenrente eingestellt. Die IV-Stelle SG stützte
sich dabei auf das ABI-Gutachten und ging davon aus, dass dem Be-
schwerdeführer körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätig-
keiten, so auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, zumutbar seien. Die da-
gegen erhobene Beschwerde wurde mit Entscheid des Versicherungsge-
richts des Kantons St. Gallen vom 25. November 2008 abgewiesen.
D.
Mit Formular vom 4. März 2009 stellte der Beschwerdeführer erneut ein
Gesuch um Ausrichtung von IV-Leistungen. Mit Verfügung vom 3. Juni
2009 trat die IV-Stelle SG gestützt auf die Stellungnahme des Regional-
ärztlichen Dienstes der Vorinstanz (nachfolgend: RAD) vom 8. April 2009
nicht auf das gestellte Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ein, da
eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der letz-
ten Verfügung nicht habe glaubhaft gemacht werden können.
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Seite 3
E.
Nachdem der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz nach Bosnien und Her-
zegowina verlegt hat, wurde das Dossier zuständigkeitshalber der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: Vorinstanz) weiter-
geleitet.
F.
Mit Formular vom 11. Oktober 2010 meldete sich der Beschwerdeführer
erneut zum IV-Leistungsbezug an und reichte diverse medizinische Un-
terlagen ein. Das Dossier wurde anschliessend dem RAD zur Beurteilung
vorgelegt. Der RAD-Arzt Dr. med. A._ hielt in seiner Stellungnah-
me vom 15. April 2011 fest, dass die neu vorgelegten Unterlagen keine
neuen Aspekte zeigen würden (vgl. IV act. 18).
G.
Mit Vorbescheid vom 9. Mai 2011 teilte die Vorinstanz dem Beschwerde-
führer mit, dass die Kriterien für das Eintreten auf das neue Leistungsge-
such nicht gegeben seien. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft
gemacht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch er-
heblichen Weise geändert habe.
Am 17. Juni 2011 erhob der Beschwerdeführer Einwände gegen den Vor-
bescheid (vgl. IV act. 19 f.).
Mit Verfügung vom 19. August 2011 bestätigte die Vorinstanz ihren Vor-
bescheid und trat auf das Gesuch des Beschwerdeführers nicht ein (vgl.
IV act. 22).
H.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 20. September
2011 (Posteingang) Beschwerde an die Vorinstanz, welche in der Folge
zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet wur-
de. Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss, die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung, die medizinische Abklärung seines Gesundheits-
zustandes und die Zusprechung einer Invalidenrente.
I.
Mit Vernehmlassung vom 23. Januar 2012 beantragt die Vorinstanz, die
Beschwerde sei abzuweisen und der Nichteintretensentscheid zu bestäti-
gen.
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Seite 4
J.
Mit Replik vom 16. April 2012 (Posteingang) führte der Beschwerdeführer
aus, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe. Er habe
psychische Störungen und hege Selbstmordideen. Die Verschlimmerung
seines Zustandes stehe auch im Zusammenhang mit der Unmöglichkeit,
mit seiner Familie zusammen zu wohnen. Der Beschwerdeführer reichte
zusätzlich einen Kurzbericht von Dr. med. B._ vom 10. April 2012
ein.
K.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Duplik vom 4. Juni 2012 an ihrem Antrag auf
Abweisung fest.
L.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterla-
gen wird – sofern erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügun-
gen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst.
d bis
VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das
ATSG anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des So-
zialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) auf die Invalidenversicherung
(Art. 1a – 26 bis
und 28 – 70) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrück-
lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
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Seite 5
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verfü-
gung der Vorinstanz vom 19. August 2011. Der Beschwerdeführer hat
frist- und formgerecht Beschwerde erhoben (Art. 60 ATSG). Als Adressat
der angefochtenen Verfügung ist er besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung (Art. 59
ATSG). Damit ist auf die Beschwerde einzutreten, nachdem auch der ge-
forderte Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn nicht eine kantonale Be-
hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG).
2.
Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur
Anwendung gelangen.
2.1 Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Bosnien und Herze-
gowina und hat dort seinen Wohnsitz. Ein Abkommen über soziale Si-
cherheit zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Re-
publik Bosnien und Herzegowina wird derzeit ausgearbeitet. Bis zu des-
sen Inkrafttreten ist das Abkommen vom 8. Juni 1962 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Republik Ju-
goslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1, in Kraft seit
1. März 1964) anwendbar. Gemäss Art. 2 des Abkommens sind Angehö-
rige der Vertragsstaaten in den Rechten und Pflichten aus der Bundesge-
setzgebung über die Invalidenversicherung einander gleichgestellt, soweit
in diesem Abkommen und seinem Schlussprotokoll nichts Abweichendes
bestimmt ist. Hinsichtlich der Voraussetzungen des Eintritts auf eine Neu-
anmeldung sieht das Abkommen keine im vorliegenden Verfahren rele-
vanten Abweichungen vom Gleichbehandlungsgrundsatz vor. Demnach
bestimmt sich vorliegend die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf
die Neuanmeldung eingetreten ist, allein aufgrund der schweizerischen
Rechtsordnung, insbesondere dem IVG, der Verordnung vom 17. Januar
1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), dem ATSG sowie
der entsprechenden Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV, SR
830.11). Für die rechtsanwendenden Behörden in der Schweiz besteht
keine Bindung an Feststellungen und Entscheide ausländischer Versiche-
rungsträger, Krankenkassen, Behörden und Ärzte (vgl. BGE 130 V 253
E. 2.4, AHI-Praxis 1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989 S. 320 E.2). Viel-
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mehr unterstehen auch aus dem Ausland stammende Beweismittel der
freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. zum Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung BGE 125 V 351 E. 3a).
2.2 In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalts Geltung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3). Ein allfälliger Leis-
tungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bis-
herigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro
rata temporis; BGE 130 V 445). Damit finden im vorliegenden Verfahren
grundsätzlich jene schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die
bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 19. August 2011 in Kraft
standen (Bestimmungen der 5. IV-Revision). Noch keine Anwendung fin-
det vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Massnah-
menpaket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011 [AS
2011 5659]).
3.
3.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich
nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu
denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in
Form einer Verfügung beziehungsweise eines Einspracheentscheids –
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung (bzw. der Ein-
spracheentscheid) den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungs-
gegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und
somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfü-
gung (bzw. kein Einspracheentscheid) ergangen ist (BGE 131 V 164
E. 2.1).
Im Streit liegt eine Verfügung, mit welcher die Vorinstanz auf eine Neu-
anmeldung nicht eingetreten ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat dabei
lediglich zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf die Neuanmel-
dung eingetreten ist (vgl. BGE 132 V 74 E. 1.1 m.w.H.). Soweit der Be-
schwerdeführer beantragt, es sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen
oder es seien weitere medizinische Abklärungen durchzuführen, ist des-
halb auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali-
dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
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Seite 7
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör-
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird
auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbe-
reich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente, bei einem Invaliditäts-
grad von mindestens 60 % Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertels-
rente.
Gemäss Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad
von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die
ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der
Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Vereinbarungen eine abwei-
chende Regelung vorsehen. Nach Art. 8 Bst. e des Sozialversicherungs-
abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Föderativen Republik Jugoslawien werden die nach der schweizerischen
Gesetzgebung vorgesehenen ordentlichen Renten an Versicherte, die
weniger als zur Hälfte invalid sind, nur bei Wohnsitz in der Schweiz ge-
währt.
3.4 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ver-
weigert, wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die gesuchstellen-
de Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für
den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV).
Ob eine im Sinne dieser Bestimmungen erhebliche Tatsachenänderung
eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich der Verhältnisse im Zeit-
punkt der Neuanmeldung mit denjenigen bei Erlass der letzten, auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver-
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Ermittlung des Invaliditätsgrades
beruhenden Verfügung. Das Gesetz knüpft das Eintreten auf eine Neu-
anmeldung an dieselben Voraussetzungen, wie sie im Falle eines Revisi-
onsgesuchs gelten (BGE 133 V 108 E. 5.2).
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Seite 8
Unter Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV ist nicht der Be-
weis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisan-
forderungen sind vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vol-
len Beweises die Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden
braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich
eine relevante Änderung eingetreten ist. Es genügt, dass für den geltend
gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse An-
haltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu
rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete
Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Bei der Prüfung der Frage,
ob die Vorbringen der versicherten Person glaubhaft sind, berücksichtigt
die Verwaltung u.a., ob seit der rechtskräftigen Erledigung des letzten
Leistungsgesuchs lediglich kurze oder schon längere Zeit vergangen ist;
je nachdem sind an die Glaubhaftmachung einer Änderung des rechtser-
heblichen Sachverhalts höhere oder weniger hohe Anforderungen zu stel-
len.
Eine Änderung des Invaliditätsgrades setzt stets auch eine Änderung der
tatsächlichen Verhältnisse voraus. Ausgangspunkt zur Beurteilung dieser
Veränderung ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten der versi-
cherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver-
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens-
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht, vorliegend der Verfü-
gung vom 26. November 2007. Diesem Ausgangszeitpunkt ist als aktuel-
lem Referenzzeitpunkt der Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung, vorliegend also der 19. August 2011, gegenüberzustellen (vgl.
BGE 131 V 242 E. 2.1). Da zwischen der Neuanmeldung vom 11. Okto-
ber 2010 und den massgeblichen Untersuchungen rund drei Jahre ausei-
nanderliegen, sind an die Glaubhaftmachung nicht allzu hohe Anforde-
rungen zu stellen (vgl. BGE 130 V 64 E. 6.2).
Die Veränderung der Verhältnisse zwischen den beiden zeitlichen Refe-
renzpunkten muss erheblich sein, das heisst hinsichtlich der Auswirkun-
gen auf den Invaliditätsgrad rentenwirksam sein (siehe Art. 17 ATSG,
BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Unter revisionsrechtlichen Ge-
sichtspunkten – welche gleichermassen für das Neuanmeldungsverfah-
ren gelten (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.2; Urteil des Eidgenössischen Versi-
cherungsgerichts [EVG] I 658/05 vom 27. März 2006 E. 4.4) – ist die un-
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Seite 9
terschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebe-
nen Sachverhaltes unerheblich (BGE 112 V 371 E. 2b mit Hinweisen; So-
zialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 1996 IV Nr. 70 S. 204
E. 3a; Urteil EVG I 574/02 vom 25. März 2003 E. 2; Urteil BGer
8C_379/2007 vom 22. Januar 2008 E. 2).
4.
Gemäss den dargelegten Grundsätzen ist nachfolgend zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer im Rahmen der Neuanmeldung auf Grund der einge-
reichten medizinischen Unterlagen glaubhaft gemacht hat, dass sich sein
Gesundheitszustand bzw. seine Erwerbsfähigkeit seit dem 26. November
2007 in anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat, so dass die Vor-
instanz auf das Rentengesuch hätte eintreten müssen.
Dabei gilt festzuhalten, dass das Gericht bei der beschwerdeweisen
Überprüfung in der Regel den Sachverhalt zu Grunde legt, wie er sich der
Verwaltung bot. Im vorliegenden Verfahren sind jedoch nachfolgend nebst
den ärztlichen Berichten, welche bis zum Erlass der angefochtenen Ver-
fügung vom 19. August 2011 verfasst wurden, auch die Arztberichte neue-
ren Datums zu würdigen, da diese mit dem Streitgegenstand in engem
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Verfü-
gungszeitpunkt zu beeinflussen (vgl. E. 4.3.4 und 4.4; BGE 116 V 80
E. 6b; ZAK 1989 S. 111 E. 3b mit Hinweisen).
4.1 Medizinische Grundlage war sowohl bei der Verfügung der Vorinstanz
vom 26. November 2007 als auch beim Entscheid des kantonalen Versi-
cherungsgerichts vom 25. November 2008 das ABI-Gutachten vom 1. Ju-
ni 2007 und deren Ergänzung vom 22. November 2007 (Posteingang).
Im Rahmen dieser medizinischen Begutachtung vom 30. April 2007 klag-
te der Beschwerdeführer über Kreislaufprobleme. Er habe immer wieder
Episoden mit Atemnot und mit einem Druck auf der Brust. Wiederholt und
oft leide er unter allgemeiner Kraftlosigkeit, sei müde, nervös und schlafe
manchmal auch im Sitzen ein (vgl. ABI-Gutachten S. 7 f.).
Die ABI-Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer folgende Diagno-
sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
– Status nach Implantation einer Bauchaortenprothese am 30. Oktober
2005
– Bei Status nach infrarenalem, symptomatischem Bauchaorte-
naneurysma (ICD-10 F71.4)
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Seite 10
– Deutliche arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt
– Erhebliches kardiovaskuläres Risikoprofil
– Fortgesetzter Nikotinkonsum (ca. 40 packyears) (ICD-
10 F17.1)
– Siehe Diagnose "Metabolisches Syndrom"
– Koronarographie im Jahre 2004 mit blandem Befund
– Persistierende postoperative erektile Dysfunktion
Zudem attestierten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit:
– Metabolisches Syndrom
– Adipositas (BMI 32 kg/m2) (ICD-10 E 66.0)
– Arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt (ICD 10 l 10)
– Dyslipidämie, medikamentös behandelt (ICD 10 E 78.2)
– Aktuell erhöhter Hb-A1c-Wert mit 6,9 % (Norm < 6,3)
– Verdacht auf beginnenden Diabetes mellitus (ICD 10 E
11.9)
– Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10 F 43.21)
– Akzentuierte Persönlichkeitszüge, narzisstisch (ICD 10 Z 73.1)
– Leichte Erhöhung des Kreatininwertes, kontrollbedürftig
Die Gutachter hielten zusammenfassend fest, dass dem Beschwerdefüh-
rer körperlich schwer belastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien.
Körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten, so auch
die zuletzt durchgeführte Tätigkeit, seien ihm medizinisch-theoretisch zu
100 % zumutbar.
4.2
4.2.1 Der Beschwerdeführer belegte seine Neuanmeldung mit folgenden
ärztlichen Unterlagen, welche anschliessend einer Würdigung zu unter-
ziehen sind:
– Die Übersetzungen der Arztberichte von Dr. med. C._ vom 11.
Oktober 2004 sowie von Dr. med. D._ und Dr. med.
E._ des Kantonsspitals St. Gallen vom 12. November 2004
(vgl. IV act. 13 f.), welche jedoch bereits bei der ursprünglichen Verfü-
gung vom 26. November 2007 aktenkundig gewesen sind.
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Seite 11
– Ein von Dr. med. F._ am 27. Oktober 2009 ausgefüllten Fra-
gebogen, worin dieser ausführte, dass der Beschwerdeführer unter
Erschöpfung, Dyspnoe, Ermüdbarkeit, Apathie, Suizidgedanken,
Schlaflosigkeit und Schmerzen in den Extremitäten leide. Er sei seit
2002 100 % arbeitsunfähig und benötige eine psychotherapeutische
Behandlung.
– Ein Bericht von Dr. med. F._ vom 28. Dezember 2011, worin
dieser ausführte, dass er den Beschwerdeführer seit 2009 begleite
und seinen Gesundheitszustand beobachte. Der Beschwerdeführer
melde sich regelmässig beim Arzt.
– Ein Bericht des Instituts G._ vom 7. Mai 2010, worin ausge-
führt wurde, dass der Beschwerdeführer über Angst, Schlafstörungen,
starke Ermüdbarkeit, intermittierendes Herzklopfen, Reizbarkeit und
häufige Konflikte mit seinem Umfeld klage. Dr. med. H._, Dr.
med. I._ und Dr. med. J._ attestierten dem Beschwer-
deführer eine andauernde Persönlichkeitsänderung mit häufigen neu-
rotischen Dekompensationen (ICD: 10 F62.05), "Status Post OP
Aneurysme Aortae Abdominals" und "Hypertensio arterialis". Sie stuf-
ten ihn als Invaliden ein.
– Ein Bericht von Dr. med. B._ vom 10. April 2012, worin dieser
ausführte, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verschlimmert habe. Er diagnostizierte beim Beschwerdeführer eine
emotional unbeständige Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ,
F60.3, und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode mit häufigen depressiven närrischen Ideen der
Schuld, F33.2/3.
4.3
4.3.1 Die Arztberichte von 2004 bzw. die eingereichten Übersetzungen
sind nicht aktuell und wurden überdies im ersten Revisionsverfahren,
welches zur Einstellung der Invalidenrente führte, im Rahmen der medizi-
nischen Sachverhaltsabklärung berücksichtigt und entsprechend gewür-
digt.
4.3.2 Beim Arztbericht von Dr. med. F._ vom 27. Oktober 2009
handelt es sich um eine sehr kurz gehaltene Einschätzung, welche eher
auf den subjektiven Leiden des Beschwerdeführers basiert und die attes-
tierte volle Arbeitsunfähigkeit nicht begründet. Es wird keine exakte Diag-
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Seite 12
nose gestellt, sondern lediglich ausgeführt, dass der Beschwerdeführer
psychische Probleme habe und eine Psychotherapie benötige. Aus dem
Bericht von Dr. med. F._ vom 28. Dezember 2011 geht weder eine
Diagnose noch eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hervor. Es handelt
sich dabei vielmehr um eine Behandlungsbestätigung, welche nicht ge-
eignet ist, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu indizie-
ren.
4.3.3 Die im Bericht des Instituts G._ vom 7. Mai 2010 diagnosti-
zierte arterielle Hypertonie und der Status nach Bauchaortenprothese
sind bereits anlässlich der ABI-Begutachtung diagnostiziert worden. Vom
ABI-Gutachten abweichend wird dem Beschwerdeführer in diesem Be-
richt eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung mit häufigen neuroti-
schen Dekompensationen attestiert. Der RAD-Arzt Dr. med. A._
verneint in seiner Stellungnahme vom 15. April 2011 eine Verschlechte-
rung des Gesundheitszustandes, dies mit Verweis auf die RAD-
Stellungnahme von Dr. med. K._ vom 8. April 2009, wonach im
ABI-Gutachten das Vorliegen bzw. das Nichtvorliegen einer Persönlich-
keitsstörung ausführlich diskutiert und ausgeführt worden sei, dass keine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vorliege. Die Vorinstanz hat je-
doch nicht dargelegt und es ist auch nicht ersichtlich, warum es nicht
glaubwürdig sein sollte, dass sich seit der ABI-Begutachtung eine emoti-
onal instabile Persönlichkeitsstörung mit häufigen neurotischen Dekom-
pensationen entwickelt haben sollte.
4.3.4 Hinsichtlich des Berichts von Dr. med. B._ vom 10. April
2012 kam der RAD-Arzt Dr. med. L._, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie, in seiner Stellungnahme vom 24. Mai 2012 zum Schluss,
dass darin die bereits bekannten Diagnosen gestellt werden. Diese seien
allerdings anders gewichtet worden als im ABI-Gutachten vom 1. Juli
2007. Es werde behauptet, dass eine schwere Depression vorläge. Dr.
med. L._ schliesst eine solche aufgrund der Medikation und der
fehlenden Hospitalisierung des Beschwerdeführers aus. Diese Argumen-
tation erscheint jedoch nicht nachvollziehbar, denn zum einen geht aus
dem Bericht hervor, dass der Beschwerdeführer eine Begleitung oder
eventuell eine Behandlung im Krankenhaus benötige, und zum anderen
können einzig aufgrund der Medikation keine definitiven Rückschlüsse
auf die Veränderung des Gesundheitszustandes in psychischer Hinsicht
gezogen werden.
B-5859/2011
Seite 13
4.4 Zusammenfassend gilt festzuhalten, dass die Feststellungen in den
eingereichten Arztberichten eher knapp begründet sind und sicher nicht
ausreichen würden, um einen materiellen Entscheid darauf abzustützen.
Jedoch stellen sowohl die Beurteilung des Instituts G._ als auch
diejenige von Dr. med. B._ objektive Hinweise für eine Verschlim-
merung des Leidens des Beschwerdeführers dar, die durchaus eine ren-
tenrelevante Auswirkung auf den Invaliditätsgrad haben könnten. Die Vor-
instanz hätte nicht ohne weitere Abklärungen die Diagnosen der behan-
delnden Ärzte als nicht glaubhaft einstufen dürfen, zumal es sich insbe-
sondere beim eingereichten Bericht des Instituts G._ um eine in-
terdisziplinäre Abklärung mit einer fachgerechten Anamnese und Unter-
suchung handelt. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die geltend
gemachte Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen aufgrund der
eingereichten medizinischen Unterlagen daher als glaubhaft gemacht.
Die Vorinstanz hätte demnach auf das Leistungsgesuch eintreten und ab-
klären müssen, wie sich die tatsächlichen Grundlagen seit der rentenver-
neinenden Verfügung vom 26. November 2007 verändert haben und ob
diese tatsächlichen Änderungen zu einer anderen Beurteilung des medi-
zinischen Sachverhalts und des Zumutbarkeitsprofils führen, als im Zeit-
punkt der Rentenabweisung angenommen.
Angesichts der vorstehenden Darlegung ist zusammenfassend festzustel-
len, dass die Vorinstanz zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung des Be-
schwerdeführers eingetreten ist. Die Beschwerde ist folglich gutzuheis-
sen, die angefochtene Verfügung vom 19. August 2011 aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie das Leistungsge-
such des Beschwerdeführers vom 11. Oktober 2010 materiell einlässlich
prüfe und anschliessend neu verfüge.
5.
5.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG auferlegt das Bundesverwaltungsge-
richt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind dem obsiegenden Beschwerdefüh-
rer keine Kosten aufzuerlegen, so dass der geleistete Kostenvorschuss in
der Höhe von Fr. 400.– dem Beschwerdeführer auf ein von ihm anzuge-
bendes Konto zurückzuerstatten ist. Der Vorinstanz werden keine Verfah-
renskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
5.2 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64
Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Febru-
B-5859/2011
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ar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz für die ihm erwachsenen notwendigen
Kosten. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwandes erscheint
eine Entschädigung von pauschal Fr. 700.– angemessen.