Decision ID: f0ce533f-007e-42fb-ba5f-b0ae0c40c9d9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz geboren und mit Verfü-
gung des SEM vom (...) in die – infolge medizinisch bedingter Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs angeordnete – vorläufige Aufnahme sei-
ner Eltern einbezogen.
A.b Den Akten zufolge wurde er in den Jahren (...) und (...) je einmal per
Strafbefehl verurteilt, und zwar wegen (...).
B.
B.a Die Migrationsbehörde der Stadt B._ beantragte dem SEM am
14. Februar 2019 die Überprüfung und allfällige Aufhebung der vorläufigen
Aufnahme des Beschwerdeführers, da dieser, namentlich infolge seiner zu-
nehmenden islamistischen Radikalisierung, nicht fähig sei, sich in den Ar-
beitsmarkt zu integrieren. Das SEM leitete daraufhin ein (erstes) Aufhe-
bungsverfahren ein, stellte dieses jedoch mit Verfügung vom 24. April 2019
ein, da es die Voraussetzungen im damaligen Zeitpunkt als nicht erfüllt er-
achtete.
B.b Die Kantonspolizei C._ äusserte sich in einem Schreiben an
das SEM vom 2. Mai 2019 (vgl. A23) zum Beschwerdeführer und legte da-
bei dar, dieser besuche seit dem Jahr (...) regelmässig die Moschee, und
seither habe sich seine Persönlichkeit verändert. Es bestehe der Verdacht,
dass er von einem polizeilich bekannten Imam, welcher einen streng reli-
giösen, salafistischen Islam vertrete, beeinflusst werde und sich radikali-
siere. Anlässlich einer Aussprache mit dem Beschwerdeführer habe dieser
zum Ausdruck gebracht, dass er seinen Glauben über die in der Schweiz
geltenden Normen stelle.
B.c Der Migrationsdienst der Stadt B._ schloss mit dem Beschwer-
deführer am (...) eine Integrationsvereinbarung ab. Die darin vereinbarten
Ziele konnte der Beschwerdeführer den Akten zufolge nicht erfüllen; er be-
gründete dies mit dem Vorwurf, die Formulierungen in der Vereinbarung
seien unverständlich. Am (...) wurde daher eine neue Integrationsverein-
barung abgeschlossen.
C.
Im Rahmen der von der Bundesanwaltschaft (BA) geführten Ermittlungen
gegen einen in D._ wohnhaften Schweizer Bürger namens
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E._ wegen Verdachts auf Widerhandlungen gegen Art. 2 des Bun-
desgesetzes über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaïda» und «Islami-
scher Staat» sowie verwandter Organisationen vom 12. Dezember 2014
(AQ/IS-Gesetz, SR 122) und Art. 260ter StGB (SR 311.0) wurde festgestellt,
dass der Beschwerdeführer am (...) als Beifahrer im Fahrzeug von
E._ sass und diesem mehrere Naschids (Propaganda- und Kampf-
lieder) abspielte, welche die verbotene Terrororganisation «Islamischer
Staat» (IS) propagieren und in einschlägigen Videoproduktionen des IS
verwendet werden. Daraufhin eröffnete die BA am (...) eine Strafuntersu-
chung gegen den Beschwerdeführer wegen Verdachts auf Beteiligung an
bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) und
auf Verstosses gegen Art. 2 AQ/IS-Gesetz. Am (...) wurde der Beschwer-
deführer sodann im Rahmen einer interkantonalen polizeilichen Operation
gegen die radikale islamistische Szene angehalten. Bei der gleichentags
durchgeführten Hausdurchsuchung an seinem damaligen Wohnort wurden
unter anderem ein Computer, mehrere Mobiltelefone sowie militärische
Outdoor- und Tarnkleider sichergestellt. Eine Auswertung der elektroni-
schen Geräte förderte mehrere Dateien mit klarem Bezug zum IS zutage.
Gestützt auf weitere Ermittlungen, wobei unter anderem Dateien mit Ge-
waltdarstellungen auf dem Mobiltelefon des Beschwerdeführers gefunden
wurden, wurde die Strafuntersuchung später auf die Tatbestände (...) und
Gewaltdarstellungen ausgedehnt.
D.
D.a Nachdem die Migrationsbehörde der Stadt B._ im November
(...) an das SEM gelangte war und unter Hinweis auf die weiterhin fehlende
Integration in den Arbeitsmarkt, die zunehmende Radikalisierung des Be-
schwerdeführers und das gegen ihn eröffnete Strafverfahren der BA erneut
um Überprüfung und gegebenenfalls Aufhebung der vorläufigen Aufnahme
des Beschwerdeführers ersucht hatte, teilte das SEM dem Beschwerde-
führer mit Schreiben vom 22. Dezember 2020 mit, es erwäge, seine vor-
läufige Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 7 Bst. b des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration vom
16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) aufzuheben. Gleichzeitig wurde ihm
Gelegenheit gegeben, innert Frist dazu Stellung zu nehmen und allenfalls
bestehende Wegweisungsvollzugshindernisse darzulegen.
D.b Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 12. Januar 2012
(recte: 2021) eine Stellungnahme zu den Akten und erklärte darin, er sei
sich bewusst, dass er Fehler begangen habe. Er sei jedoch auch oftmals
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ungerecht behandelt worden. Die Auffassung, dass er die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung gefährde, sei absurd. Er sei inzwischen umgezogen
und habe eine Arbeitsstelle in Aussicht. Er wolle sich nun auf seine Ausbil-
dung fokussieren und für die Allgemeinheit Gutes bewirken.
D.c Mit Verfügung vom 22. März 2021 hob das SEM die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 84 Abs. 3 i.V.m.
Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG auf und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
Zudem entzog es einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
E.
Bei einer Hausdurchsuchung vom (...) am Wohnort des Beschwerdefüh-
rers stellte die Polizei 15 Wurfmesser sicher.
F.
Der Beschwerdeführer focht die vorinstanzliche Verfügung vom 22. März
2021 mit Beschwerde vom 28. April 2021 beim Bundesverwaltungsgericht
an und beantragte deren Aufhebung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung und – mittels separa-
tem, der Beschwerde beiliegenden Gesuch selben Datums – um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie unentgeltliche Verbeistän-
dung.
Der Beschwerde lagen das erwähnte Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege, ein SKOS-Budget 2021 des regionalen Sozialdienstes F._,
eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Vollmacht vom 19. April
2021 sowie eine E-Mail des Berufs- und Informationszentrums (BIZ) des
Kantons C._ an den Beschwerdeführer vom 20. April 2021 bei.
G.
Mit superprovisorischer Verfügung vom 10. Mai 2021 setzte die Instrukti-
onsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Mai 2021 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gut und
stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten. Ausserdem hiess sie das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung
wurde ebenfalls gutgeheissen, und dem Beschwerdeführer wurde sein da-
maliger Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet.
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Seite 5
I.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 9. Juni 2021 vollumfänglich
an seiner Verfügung fest.
J.
Nachdem er zur Einreichung einer Replik eingeladen worden war, ersuchte
der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Juni 2021 um ergänzende Ein-
sicht in die vorinstanzlichen Akten. Die Instruktionsrichterin forderte das
SEM daraufhin mit Verfügung vom 18. Juni 2021 auf, dieses Aktenein-
sichtsgesuch zu behandeln, und erstreckte gleichzeitig die Replikfrist.
K.
Mit Eingabe vom 23. Juni 2021 reichte das SEM eine ergänzende Ver-
nehmlassung zu den Akten und beantragte, die aufschiebende Wirkung
der Beschwerde sei wiedererwägungsweise zu entziehen. Die ergänzende
Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
24. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht.
L.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 8. Juli 2021, hielt an
seinen Rechtsbegehren fest und beantragte, es sei auf einen Entzug der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde zu verzichten.
Der Eingabe lagen ein Auszug aus dem Betreibungsregister des Be-
schwerdeführers vom 17. Juni 2021 sowie eine Honorarnote des Rechts-
vertreters vom 8. Juli 2021 bei.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juli 2021 trat die Instruktionsrichterin auf
den Antrag des SEM, es sei wiedererwägungsweise die aufschiebende
Wirkung der Beschwerde erneut zu entziehen, nicht ein.
N.
Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) ordnete mit Verfügung vom 22. Juli
2021 gestützt auf Art. 68 AIG die Ausweisung des Beschwerdeführers aus
der Schweiz sowie ein Einreiseverbot für die Dauer von 20 Jahren an.
O.
Die rubrizierte Rechtsvertreterin teilte mit Eingabe vom 24. September
2021 mit, sie habe kanzleiintern das Vertretungsmandat übernommen, und
D-1984/2021
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ersuchte um Genehmigung des Wechsels des amtlichen Rechtsbeistan-
des. Ausserdem reichte sie ein Schreiben der (...) vom 27. April 2021 (Ko-
pie) ein.
P.
Auf entsprechende Aufforderung hin informierte der Beschwerdeführer das
Gericht mit Eingabe vom 4. Oktober 2021 über den Stand des Auswei-
sungsverfahrens sowie des Strafverfahrens der BA und reichte weitere Be-
weismittel (Kopien) zu den Akten: die Beschwerde an das EJPD vom
23. August 2021, ein Schreiben des EJPD vom 26. August 2021 sowie eine
Haftentlassungsverfügung der Bundesanwaltschaft vom (...).
Q.
Die Instruktionsrichterin verfügte mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober
2021 antragsgemäss die Entlassung des vormaligen Rechtsvertreters aus
dem Mandat als amtlicher Rechtsbeistand und ordnete dem Beschwerde-
führer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei.
R.
Mit Verfügung vom 18. November 2021 wurde das Beschwerdeverfahren
sistiert.
S.
Mit – unangefochen in Rechtskraft erwachsenem – Strafbefehl der Bun-
desanwaltschaft vom (...) wurde der Beschwerdeführer der Widerhandlung
gegen Art. 2 Abs. 1 AQ/IS-Gesetz, des Besitzes von Gewaltdarstellungen
gemäss Art. 135 Abs. 1bis StGB (mehrfach begangen), des (...) (mehrfach
begangen) sowie des (...) (mehrfach begangen) schuldig gesprochen und
mit einer Freiheitsstrafe von (...) Tagen (aufgeschoben, Probezeit drei
Jahre) sowie Fr. 1'000.– Busse bestraft. Im Übrigen verfügte die Bundes-
anwaltschaft die Einstellung des Verfahrens (vgl. die Einstellungsverfü-
gung vom [...]).
T.
Am (...) wurde der Beschwerdeführer von der Kantonspolizei C._
nach Kosovo ausgeschafft.
U.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2022 hob das Gericht die Sistierung des Be-
schwerdeverfahrens auf und entzog der Beschwerde wiedererwägungs-
weise die aufschiebende Wirkung.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM betreffend die Aufhebung
der vorläufigen Aufnahme und entscheidet in diesem Bereich endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48, Art. 50 und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
Art. 112 Abs. 1 AIG; s. auch BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt grundsätzlich auf den Sachverhalt ab,
wie er sich im Zeitpunkt des Urteils verwirklicht hat. Für den Beschwerde-
entscheid ist somit die im Zeitpunkt seiner Ausfällung bestehende Akten-
lage massgeblich (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1).
4.
4.1 Gemäss Art. 84 Abs. 3 AIG kann das SEM – auf Antrag der kantonalen
Behörden, von Fedpol oder des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) –
die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des
Vollzugs (vgl. Art. 83 Abs. 4 und 4 AIG) aufheben und den Vollzug der Weg-
weisung anordnen, wenn Gründe nach Art. 83 Abs. 7 AIG gegeben sind.
Solche Gründe liegen namentlich vor, wenn die weg- oder ausgewiesene
Person erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet
oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Art. 83 Abs. 7 Bst. b
AIG). Der Wortlaut von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG stimmt mit demjenigen von
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Art. 62 Abs. 1 Bst. c AIG überein, weshalb für die Auslegung der in Art. 83
Abs. 7 Bst. b AIG verwendeten Rechtsbegriffe auch die Literatur und
Rechtsprechung zu Art. 62 Abs. 1 Bst. c AIG massgeblich sind.
4.2 Der Begriff der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bildet den Oberbe-
griff der polizeilichen Schutzgüter und umfasst die Gesamtheit aller unge-
schriebenen Ordnungsvorstellungen, deren Befolgung nach der herr-
schenden, sozialen und ethischen Anschauung als unerlässliche Voraus-
setzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens anzusehen ist.
Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlichkeit der objektiven
Rechtsordnung, der Rechtsgüter des Einzelnen (Leben, Gesundheit, Frei-
heit, Eigentum, etc.) sowie der Einrichtungen des Staates (vgl. SILVIA
HUNZIKER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Handkommentar zum
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Rz. 54
zu Art. 83 AIG i.V.m. Rz. 32 zu Art. 62 AIG; s. auch Botschaft zum Bundes-
gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3809;
BVGE 2007/32 E. 3.5).
4.2.1 Eine Nichtbeachtung respektive ein Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 62 Abs. 1 Bst. c AIG beziehungs-
weise Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG (je 1. Teilsatz) liegt gemäss der (nicht ab-
schliessenden) Aufzählung in Art. 77a Abs. 1 der Verordnung vom 24. Ok-
tober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE,
SR 142.201) insbesondere vor, wenn die betroffene Person gesetzliche
Vorschriften und behördliche Verfügungen missachtet (Bst. a), öffentlich-
rechtliche oder privatrechtliche Verpflichtungen mutwillig nicht erfüllt
(Bst. b) oder ein Verbrechen gegen den öffentlichen Frieden, Völkermord,
ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder ein Kriegsverbrechen öf-
fentlich billigt oder dafür wirbt (Bst. c). Eine strafrechtliche Verurteilung wird
nicht vorausgesetzt. Das sanktionierte Verhalten muss aber unbestritten
sein oder es dürfen aufgrund der Akten keine Zweifel bestehen, dass es
der betroffenen Person zur Last zu legen ist (BBl 2002 3809). Selbst wenn
einzelne Verstösse für sich alleine nicht ausreichen, einen Widerrufs- res-
pektive Ausschlussgrund zu begründen, kann deren wiederholte Begehung
darauf hinweisen, dass die betreffende Person nicht gewillt oder nicht fähig
ist, sich an die geltende Ordnung zu halten (vgl. dazu HUNZIKER, a.a.O.,
Rz. 33 zu Art. 62).
4.2.2 Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt ge-
mäss Art. 77a Abs. 2 VZAE dann vor, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person mit erheblicher
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Wahrscheinlichkeit zu einer Nichtbeachtung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung führt. Ob eine Gefahr für polizeiliche Schutzgüter besteht, lässt
sich praktisch nur in Form einer Prognose beurteilen, die sich insbesondere
auf das bisherige Verhalten der betroffenen Person stützt (vgl. dazu auch
das Urteil des BVGer C-1118/2006 vom 2. Juli 2010 E. 6.2 m.w.H. [betref-
fend Einreiseverbot]).
4.3 Das Ausländerrecht verfolgt nicht dieselben Ziele wie das Strafrecht.
Während der Straf- und Massnahmenvollzug nebst der Sicherheitsfunktion
eine resozialisierende beziehungsweise therapeutische Zielsetzung hat,
steht für die Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit im Vordergrund. Daraus ergibt sich ein im Vergleich mit den
Straf- und Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab
(BGE 137 II 233 E. 5.2.2). Im Gegensatz zu Strafen in einem Strafverfah-
ren sanktionieren die Aufhebungsgründe von Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83
Abs. 7 AIG demnach nicht vergangenes Verhalten respektive begangene
Straftaten, sondern erfüllen im Wesentlichen (spezial-)präventive Schutz-
interessen; die Öffentlichkeit soll damit vor künftigen Delikten der auslän-
dischen Person bewahrt werden (vgl. dazu PETER BOLZLI, a.a.O., N. 39 zu
Art. 83).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen
aus, die Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG seien als erfüllt zu
erachten. Der Beschwerdeführer sei bereits während seiner Adoleszenz
straffällig geworden, später habe er mutmasslich weitere Delikte begangen
(Verweis auf die Strafuntersuchung der BA). Gemäss Behördenangaben
habe er ferner ab dem Jahr (...) eine zunehmend radikale, islamistische
Gesinnung angenommen, entsprechende Kontakte gepflegt und sein Ver-
halten verändert. Gestützt auf Ermittlungen der BA sei gegen den Be-
schwerdeführer ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Beteiligung an
bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) und
Verstosses gegen Art. 2 AQ/IS-Gesetz eingeleitet worden. Er beschäftige
sich laut Bundeskriminalpolizei (BKP) intensiv mit radikalen islamistischen
Propagandaelementen, missachte die Werte der liberalen demokratischen
Gesellschaft der Schweiz und gebe den Regeln des Korans und der radi-
kal-islamistischen Auslegung seines Glaubens den Vorrang. Insgesamt be-
stünden daher konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sein weiterer Aufenthalt
in der Schweiz zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung führen würde. Zudem habe er nachweislich wiederholt behördliche
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Verpflichtungen missachtet, indem er die mit der Sozialbehörde abge-
schlossenen Integrationsvereinbarungen nicht eingehalten habe. Er habe
bisher rund Fr. 49'000.– Sozialhilfe bezogen und durch sein problemati-
sches Verhalten die Integration in den Arbeitsmarkt verunmöglicht. Damit
habe er gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen. Es sei
aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass sich an seinem Ver-
halten zukünftig etwas ändern werde. Die vorläufige Aufnahme sei daher
aufzuheben. Die Verhältnismässigkeit der Aufhebung der vorläufigen Auf-
nahme sei zu bejahen. Das öffentliche Interesse an der Aufhebung und
damit am Vollzug der Wegweisung sei mit Blick auf die vergangene Straf-
fälligkeit sowie die erwähnten Ermittlungen der BA per se als gewichtig zu
erachten. Der Beschwerdeführer sei zwar in der Schweiz geboren und auf-
gewachsen und verfüge nur hier über enge Verwandte, aber abgesehen
davon bestünden keine engen Beziehungen zur Schweiz. Seine berufliche
Integration sei gescheitert. In Kosovo verfüge er über ein tragfähiges ver-
wandtschaftliches Beziehungsnetz, zudem spreche er Albanisch und sei,
soweit aktenkundig, gesund. Es sei daher davon auszugehen, dass er sich
dort problemlos integrieren könnte und nicht in eine Notlage geraten würde.
Insgesamt überwiege das öffentliche Interesse an einem Wegweisungs-
vollzug die persönlichen Interessen des Beschwerdeführers am weiteren
Verbleib in der Schweiz. Der Vollzug der Wegweisung sei überdies als zu-
lässig zu erachten, zumal Kosovo als sogenanntes «safe country» im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst a AsylG gelte.
5.2 Der Beschwerdeführer verweist zunächst auf seine Probleme bei der
Arbeitssuche und erklärt, er habe im Islam Halt gefunden. Beim Besuch
der Moschee habe er Gleichgesinnte kennengelernt und sei dadurch mit
E._, dessen kriminellen Hintergrund er nicht gekannt habe, in Kon-
takt gekommen. Er verfüge aufgrund seines Interesses für den Nahost-
Konflikt über entsprechendes Bild- und Musikmaterial und habe sich dar-
über unter anderem mit E._ ausgetauscht. Die Inhalte der Videos
respektive des Bildmaterials billige er nicht. Aktuell stehe er weder zu
E._ und dessen Freunden noch zu seinem früheren Imam in Kon-
takt. Im Herbst (...) sei er umgezogen. Er wolle neu beginnen, habe eine
Berufsberatung in Anspruch genommen und eine Stelle in Aussicht. Ferner
macht er geltend, der Bezug von Sozialhilfe stelle keinen Ausschlussgrund
im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG dar, und die Nichterfüllung privatrechtlicher
Verpflichtungen gelte nur bei Mutwilligkeit als Verstoss gegen die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung. Er habe sich stets um die berufliche Integra-
tion und die Loslösung von der Sozialhilfe bemüht und an verschiedenen
Arbeitsintegrationsprogrammen teilgenommen. Die Schlussfolgerung des
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SEM, eine Erwerbstätigkeit erscheine praktisch unmöglich, sei daher un-
haltbar und willkürlich. Die Nichteinhaltung einer Integrationsvereinbarung
ohne entschuldbaren Grund stelle ebenfalls keinen Aufhebungsgrund nach
Art. 83 Abs. 7 AIG dar. Im Übrigen habe er nun damit begonnen, sich um
eine Stelle zu bewerben. Unter diesen Umständen könne nicht von einem
erheblichen und wiederholten Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung gesprochen werden. Es bestünden auch keine anderweitigen
Anhaltspunkte dafür, dass er die öffentliche Sicherheit und Ordnung ge-
fährden könnte. Im Strafverfahren der BA sei bisher nicht Anklage erhoben
worden. Das Vorgehen der Vorinstanz verstosse daher gegen die Un-
schuldsvermutung. Aus dem laufenden Strafverfahren könne nicht auf eine
Gefährdung geschlossen werden, und aus dem blossen Konsum von Vi-
deo-, Ton- und Bildmaterial könne nicht gefolgert werden, dass der Konsu-
mierende dessen Inhalt billige und von ihm eine Gefahr ausgehe. Aus den
vorhandenen Behördenberichten gehe zudem keineswegs hervor, dass er
sich zunehmend radikalisiere und eine Gefahr darstelle. Insbesondere sei
dem Gesprächsprotokoll, welches dem Bericht der Kantonspolizei vom 2.
Mai 2019 beigelegt sei, nicht zu entnehmen, dass er die Vorschriften des
radikalen Islams höher gewichte als die Werte der liberalen demokrati-
schen Gesellschaft. Die Tatsache, dass er praktizierender Muslim sei,
lasse nicht darauf schliessen, dass er die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung gefährde; eine derartige Schlussfolgerung würde auf eine Verletzung
der Glaubens- und Gewissensfreiheit hinauslaufen. Das Vorliegen des
Ausschlusstatbestandes gemäss Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG sei daher zu
verneinen. Im Übrigen wäre die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme oh-
nehin unverhältnismässig. Seit seinen strafrechtlichen Verurteilungen in
den Jahren (...) habe er sich wohlverhalten. Die angebliche religiöse Radi-
kalisierung und Gefährdung sei vom SEM nicht hinlänglich dargetan wor-
den. Demnach bestehe kein öffentliches Interesse an seiner Wegweisung.
Auf der anderen Seite sei sein Interesse an einem Verbleib in der Schweiz
als sehr hoch zu gewichten. Für die Verteidigung im laufenden Strafverfah-
ren müsse er hier anwesend sein. Zudem sei er in der Schweiz geboren,
aufgewachsen und einwandfrei integriert. Es bestehe begründete Hoff-
nung, dass er bald den Einstieg ins Berufsleben finden werde. Seine Kern-
familie befinde sich in der Schweiz, und auch seine übrigen sozialen Kon-
takte beschränkten sich auf die Schweiz. Zu seinen Verwandten in Kosovo
pflege er keinen Kontakt, Albanisch spreche er mehr schlecht als recht und
Kosovo kenne er nur als Tourist. Er sei mit den dortigen kulturellen und
sozialen Gegebenheiten nicht vertraut und würde nur schwer Anschluss an
das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben finden.
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Seite 12
5.3 Das SEM verweist in seiner Vernehmlassung auf einen Bericht des
Fedpol vom 27. Mai 2021 und führt aus, diesem Bericht zufolge habe das
zuständige Zwangsmassnahmengericht auf Antrag der BA am (...) eine
Untersuchungshaft von drei Monaten gegen den Beschwerdeführer ange-
ordnet, da er entgegen den anderslautenden Beteuerungen in der Be-
schwerde offenbar weiterhin und bewusst Kontakte zu Exponenten von ra-
dikal-islamistischen Gruppierungen pflege, was sich namentlich aus einem
im Rahmen von Überwachungsmassnahmen am (...) aufgezeichneten Ge-
spräch ergeben habe. Dies zeige, dass beim Beschwerdeführer mit einer
hohen Rückfallgefahr gerechnet werden müsse und sein Wille, sich zukünf-
tig an die öffentliche Ordnung in der Schweiz zu halten, als gering einzu-
schätzen sei. Seine Sozialhilfeabhängigkeit sei sodann nicht der Grund für
die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; sie sei jedoch ein Indikator für
die mangelnde Integration in den Arbeitsmarkt. Diese wiederum sei zumin-
dest teilweise darauf zurückzuführen, dass er mutwillig den Integrations-
vereinbarungen keine Folge geleistet habe. Seine Ansicht, aus dem lau-
fenden Strafverfahren könne aufgrund der Unschuldsvermutung nicht auf
eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung geschlossen
werden, treffe nicht zu, zumal für die Anwendung der fraglichen Gesetzes-
bestimmung kein rechtskräftiges Strafurteil vorausgesetzt werde und aus
den Berichten der BKP und des Fedpol deutlich hervorgehe, dass er mit
mehreren Straftaten in Verbindung gebracht werde und weiterhin Kontakt
zu Personen aus der radikal-islamistischen Szene pflege. In der ergänzen-
den Vernehmlassung zitiert das SEM sodann erneut die Feststellungen
des Fedpol in dessen Bericht vom 27. Mai 2021, wonach der Beschwerde-
führer nach Erlass der angefochtenen Aufhebungsverfügung Kontakt zu
G._ gehabt habe, welcher seinerseits in Deutschland unter ande-
rem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer acht-
jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei.
5.4 In der Replik wird im Wesentlichen geltend gemacht, es könnten den
Akten keine mutwilligen Verstösse gegen die zweite Integrationsvereinba-
rung entnommen werden. Der Beschwerdeführer habe die ihm zugewiese-
nen Arbeitseinsätze mit zwei Ausnahmen angetreten und absolviert und
sich somit durchaus um Integration in den Arbeitsmarkt bemüht. Aktuell rei-
che er Bewerbungen ein. Im Übrigen habe das SEM mit Verfügung vom
24. April 2019 das Aufhebungsverfahren eingestellt, obwohl der Beschwer-
deführer bereits damals mangels Integration in den Arbeitsmarkt Sozialhilfe
bezogen habe. Demnach habe dieses Schreiben keine Verwarnung in Be-
zug auf die mangelnde berufliche Integration dargestellt. Es liege somit
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Seite 13
keine Missachtung von behördlichen Verfügungen vor, weshalb die Aufhe-
bung der vorläufigen Aufnahme nicht statthaft sei. Hinsichtlich des in der
Vernehmlassung erwähnten Berichts des Fedpol vom 27. Mai 2021 sei
festzustellen, dass darin lediglich der Kontakt des Beschwerdeführers zu
G._ im April (...) erwähnt werde und einige Teilsätze aus dem am
(...) aufgezeichneten Gespräch zwischen dem Beschwerdeführer und
G._ zitiert würden. Beim fraglichen Gespräch sei es zudem keines-
wegs um die Planung irgendeines konkreten Vorhabens gegangen. In Be-
zug auf die zwischen dem Beschwerdeführer und G._ ausge-
tauschten Nachrichten betreffend eine «Baiy’ah» (vgl. dazu den erwähnten
Bericht des Fedpol) sei darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um ein is-
lamisches Huldigungsritual handle, welches mitnichten einzig auf einen
dschihadistischen Kontext schliessen lasse. Dem Fedpol-Bericht sei weiter
zu entnehmen, dass bei der Hausdurchsuchung nichts vorgefunden wor-
den sei, was auf eine vom Beschwerdeführer ausgehende Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung schliessen lasse. Aufgrund der Un-
schuldsvermutung müsse zwingend der Ausgang des Strafverfahrens ab-
gewartet werden, falls die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme im We-
sentlichen gestützt auf ein strafbares Verhalten verfügt werde. Laut Vo-
rinstanz beruhe die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
im Wesentlichen auf den engen Kontakten des Beschwerdeführers mit Ex-
ponenten von radikal-islamistischen Gruppierungen. Nachgewiesen seien
indessen lediglich der – inzwischen abgebrochene – Kontakt zu E._
im Sommer (...) sowie der Kontakt zu G._ im April (...). G._
sei, soweit bekannt, in jüngster Vergangenheit nicht strafrechtlich in Er-
scheinung getreten. Der Beschwerdeführer habe nicht gewusst, dass diese
Personen radikal-islamistischen Kreisen angehörten. Zudem seien die
Kontakte bloss oberflächlicher Natur gewesen.
6.
6.1 Das SEM bejahte den Tatbestand der Gefährdung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung schon bevor das Strafverfahren der BA abgeschlos-
sen war und stützte sich dabei auf die ihm damals bekannten Sachverhalts-
elemente (namentlich die radikale, islamistische Gesinnung des Beschwer-
deführers, dessen Kontakte zu einem polizeilich bekannten, salafistischen
Imam sowie zu dem ebenfalls einschlägig bekannten E._, mit wel-
chem er Nashids mit IS-Bezug und gewaltverherrlichendem Inhalt aus-
tauschte, Besitz von weiteren Dateien mit Bezug zum IS). Inzwischen ist
das Strafverfahren der BA rechtskräftig abgeschlossen (vgl. dazu die Ein-
stellungsverfügung [Teileinstellung] vom [...] sowie den Strafbefehl vom
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Seite 14
[...]). Die erwähnten Verfügungen der BA enthalten weitere wesentliche In-
formationen, ebenso der Amtsbericht der Kantonspolizei C._ vom
9. Juli 2021, auf welchen auch in der Ausweisungsverfügung des Fedpol
vom 22. Juli 2021 ausdrücklich Bezug genommen wird (vgl. dort S. 16).
Gestützt auf die heutige Aktenlage ergibt sich damit insgesamt folgendes
Bild: Der Beschwerdeführer vertritt seit dem Jahr (...) ein salafistisches Is-
lamverständnis und erklärte sinngemäss, er stelle seinen Glauben über die
hiesigen gesellschaftlichen Normen (vgl. A23 S. 3). Er war – wissentlich
und willentlich (vgl. S. 2 des Strafbefehls vom [...]) – im Besitz von mehre-
ren Dateien mit Gewaltdarstellungen mit IS-Bezug, konsumierte IS-Propa-
gandamaterial (namentlich Nashids) und spielte dieses dem ebenfalls po-
lizeilich bekannten und in der islamistischen Szene verkehrenden
E._ vor. Ausserdem hatte er Kontakt zu G._, welcher in
Deutschland im Jahr 2009 wegen Mitgliedschaft und Unterstützung der
Al Qaida zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, und unter-
hielt sich mit diesem über den terroristischen Anschlag in Wien vom No-
vember 2020. Im April (...) forderte er G:_ zudem auf, ihm die
«Bay’ah» (Treueschwur) in deutscher Sprache zu senden (vgl. S. 2 f. der
Einstellungsverfügung vom [...]). Ferner wurden beim Beschwerdeführer
(...) sichergestellt, welche er ohne Bewilligung erworben hatte. Den Verfü-
gungen der Bundesanwaltschaft ist zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer offensichtlich ein grosses Interesse an der Ideologie des IS und ver-
wandter Organisationen hat und aus tiefster ideologischer Überzeugung
gehandelt hat, sich bis heute nie glaubhaft von den Verbrechen dieser
Gruppierungen distanziert hat und sich weiterhin in einem Umfeld von be-
hördlich bekannten, salafistischen Personen bewegt. Die Kantonspolizei
C._ erachtet den Beschwerdeführer als unberechenbar und gefähr-
lich und traut ihm offenbar zu, aus seiner radikalen religiösen Gesinnung
heraus terroristische Handlungen vorzubereiten oder zu begehen.
6.2 Den Akten sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer die dargelegten Sachverhalte grundsätzlich bestreitet; er
ist lediglich mit den daraus gezogenen Schlussfolgerungen nicht einver-
standen. Sein Einwand, er billige den Inhalt des bei ihm gefundenen Bild-
materials nicht, habe keinen Kontakt zu E:_ mehr und werde künftig
besser darauf achten, mit wem er soziale Kontakte pflege (vgl. Art. 2 der
Beschwerdebegründung), vermag indes nicht zu überzeugen. Die Tatsa-
che, dass er die teils krassen Gewaltdarstellungen mit IS-Bezug sowie wei-
teres IS-Propagandamaterial offensichtlich nicht löschte, sondern aufbe-
wahrte, ist entgegen seiner anderslautenden Beteuerung als zustimmen-
D-1984/2021
Seite 15
des Verhalten zu werten. Ferner traf er sich nicht nur mit E._, son-
dern später auch mit G._. Es mag zwar sein, dass er über den «Hin-
tergrund» von G._ nicht genau Bescheid wusste (vgl. Art. 3 der
Replik); dessen Gesinnung war ihm indessen zweifellos bekannt, und er
macht bezeichnenderweise nicht geltend, er habe den Kontakt zu
G._ inzwischen abgebrochen. Sodann ist es aufgrund des Gesamt-
kontextes nicht glaubhaft, dass sich der Beschwerdeführer den Treue-
schwur lediglich aus allgemeinem Interesse an islamischen Ritualen zu-
senden lassen wollte und die (...) aus rein sportlichen Gründen erwarb, wie
er dies in der Replik geltend macht. Entgegen seinen Aussagen in der Be-
schwerde (vgl. Art. 3 der Beschwerdebegründung) hat er nach seinem Um-
zug nach F._ im Herbst (...) offensichtlich keinen «Schlussstrich»
gezogen.
6.3 Obwohl der Beschwerdeführer seit November (...) – als die Kantons-
polizei C._ aufgrund der von der Migrationsbehörde festgestellten
zunehmenden islamistischen Radikalisierung ein Gespräch mit ihm
führte – wusste, dass er im Visier der Behörden stand, hielt ihn dies nicht
davon ab, sich (weiterhin) in dschihadistischen/salafistischen Kreisen zu
bewegen, entsprechende Kontakte zu suchen und zu pflegen, auf seinem
Mobiltelefon Dateien mit IS-Propagandamaterial und Gewaltdarstellungen
mit IS-Bezug zu speichern und illegal (...) zu erwerben. Dieses Verhalten,
welches im Wesentlichen auch noch nach der Hausdurchsuchung im Rah-
men der Strafermittlungen im Oktober (...) andauerte, lässt darauf schlies-
sen, dass der Beschwerdeführer ein hohes Mass an krimineller Energie
aufweist und/oder leicht beeinflussbar ist und dass er nicht gewillt oder –
infolge mangelhafter Selbstkontrolle – nicht fähig ist, sich an das geltende
Recht zu halten. Bereits diese Erkenntnis lässt in Kombination mit der Tat-
sache, dass er sich weder im Strafverfahren noch im vorliegenden Verfah-
ren dezidiert und glaubhaft von der gewalttätigen und extremistischen Ide-
ologie sowie den Mitteln und Zielen des IS und verwandter Gruppierungen
distanziert hat, keine positive Prognose hinsichtlich seines zukünftigen Ver-
haltens zu. Zudem hat der Beschwerdeführer inzwischen nachweislich
(vgl. die Verurteilung im Strafverfahren der Bundesanwaltschaft; dazu vor-
stehend Bst. S) mehrere Delikte begangen und damit bereits gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen, weshalb die begründete
Besorgnis respektive eine erhöhte Wahrscheinlichkeit besteht, dass er in
Zukunft weitere Verstösse begehen wird, zumal aus den Akten nicht her-
vorgeht, dass er einsichtig oder gar reuig wäre. Es kann daher nicht davon
ausgegangen werden, dass seine Gefährlichkeit durch die Verurteilung we-
sentlich vermindert oder gar beseitigt worden ist. Im Übrigen zeigt die ihm
D-1984/2021
Seite 16
im Strafbefehl auferlegte Probezeit von drei Jahren, dass auch die BA von
einer nicht unerheblichen Rückfallgefahr ausgegangen ist.
6.4 Nach dem Gesagten bestehen konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer (auch) im heutigen Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko dar-
stellt und ein allfälliger erneuter (der Beschwerdeführer wurde inzwischen
nach Kosovo ausgeschafft; vgl. vorstehend Bst. T) Aufenthalt in der
Schweiz mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer erheblichen Nichtbeach-
tung der öffentlichen Ordnung und Gefahr für die öffentliche Sicherheit in
Form von Delikten gegen bedeutende Rechtsgüter führen wird.
6.5 Der Tatbestand der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG ist damit erfüllt, und die Vor-
aussetzungen für eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf
Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG sind somit grundsätzlich ge-
geben. Bei dieser Sachlage kann offenbleiben, ob der Beschwerdeführer
durch sein Verhalten gleichzeitig auch die alternativen Tatbestände von
Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG erfüllt (wiederholter Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz [wie das SEM in der angefochtenen
Verfügung unter Verweis auf das Nichteinhalten der Integrationsvereinba-
rung erwägt] respektive Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit
[wie dies in der – noch nicht rechtskräftigen – Ausweisungsverfügung vom
22. Juli 2021 festgestellt wird]).
7.
7.1 Auch wenn der Ausschlusstatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG zu
bejahen ist, erfolgt kein automatischer Ausschluss von der vorläufigen Auf-
nahme. Dies ergibt sich insbesondere daraus, dass es sich bei Art. 84
Abs. 3 AIG um eine «kann»-Bestimmung handelt; die Aufhebung der vor-
läufigen Aufnahme ist in diesen Fällen fakultativ, d.h. nur nach einer sorg-
fältigen Verhältnismässigkeitsprüfung – im Sinne einer Interessenabwä-
gung – zulässig (vgl. dazu BOLZLI, a.a.O., N. 40 zu Art. 83 AIG). Im Übrigen
ergibt sich auch aus Art. 96 AIG, dass die für die Anordnung einer auslän-
derrechtlichen Massnahme zuständigen Behörden bei der Ermessensaus-
übung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie
den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer berücksichti-
gen müssen (Art. 96 AIG). Es ist daher zu prüfen, ob der Ausschluss von
der vorläufigen Aufnahme im konkreten Einzelfall verhältnismässig ist
(s. auch Art. 5 Abs. 2 BV sowie BVGE 2007/32 und BVGE 2020 VI/9).
D-1984/2021
Seite 17
7.2 Wie in den vorstehenden Erwägungen (vgl. E. 6) festgestellt wurde, ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach wie vor eine Gefahr
für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt. Daran ändert im Übri-
gen auch der Umstand, dass er inzwischen nach Kosovo ausgeschafft
wurde, nichts. Daher besteht offensichtlich ein hohes Interesse an der Auf-
hebung der vorläufigen Aufnahme (vgl. Urteil des BVGer E-4795/2020 vom
21. April 2021 E. 5.8 S. 28). Die Interessen des Beschwerdeführers an ei-
nem Verbleib in der Schweiz vermögen dieses hohe öffentliche Interesse
nicht zu überwiegen. Zwar ist der Beschwerdeführer in der Schweiz gebo-
ren und hat sein gesamtes bisheriges Leben hier verbracht, und auch seine
Kernfamilie befindet sich in der Schweiz. Weder den Akten noch seinen
Vorbringen im Beschwerdeverfahren können aber Hinweise darauf ent-
nommen werden, dass er in der Schweiz ausserhalb seiner Familie über
enge Bezugspersonen oder anderweitige gewichtige Anknüpfungspunkte
zur Schweiz verfügt. Auch in wirtschaftlicher/beruflicher Hinsicht konnte er
sich in der Schweiz bisher nicht erfolgreich integrieren. Er schloss zwar die
obligatorische Schulzeit ab und besuchte ein 10. Schuljahr, absolvierte da-
nach aber keine Ausbildung, sondern leistete lediglich einige befristete Ar-
beitseinsätze und lebte demzufolge von der Sozialhilfe, welche ihm infolge
mangelnder Kooperation und Nichteinhalten der mit ihm abgeschlossenen
Integrationsvereinbarung regelmässig auf das Minimum gekürzt wurde
(vgl. A16 sowie A31). Der ihm gemäss Beschwerde in Aussicht gestellte
Stellenantritt bei der (...) im April (...) kam ebenfalls nicht zustande (vgl. die
Beschwerdebeilage 5). Von einer «einwandfreien» Integration in der
Schweiz (vgl. S. 12 der Beschwerde) kann bei dieser Sachlage keine Rede
sein. Gleichzeitig sind die Chancen des Beschwerdeführers, sich in Kosovo
zu integrieren, intakt. Er ist jung, ohne familiäre Verpflichtungen und leidet
an keinen aktenkundigen gesundheitlichen Problemen. Zudem ist er in Ko-
sovo nicht auf sich alleine gestellt, da er dort unbestrittenermassen über
ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz verfügt (vgl. dazu bereits die Er-
wägungen des SEM auf S. 10 der angefochtenen Verfügung). Aus den Ak-
ten geht zudem hervor, dass er im Herbst (...) einen Monat lang in Kosovo
bei einem Onkel lebte, wobei er weitere Verwandte besuchte (vgl. A23 S.
9), und offenbar auch im Jahr 2019 in Kosovo war (vgl. die angefochtene
Verfügung S. 9 unten), was er ebenfalls nicht bestreitet. Entgegen seinem
Einwand in der Beschwerde dürfte er daher mit der Kultur und den gesell-
schaftlichen Gegebenheiten in Kosovo durchaus vertraut sein. Soweit er in
der Beschwerde seine Albanisch-Kenntnisse kleinredet (vgl. S 12 der Be-
schwerde) ist festzustellen, dass er das Albanische andernorts als seine
Muttersprache bezeichnete (vgl. A14), weshalb von einer hohen Sprach-
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Seite 18
kompetenz auszugehen ist. Ungeachtet der Tatsache, dass die Lebensbe-
dingungen in Kosovo generell nicht dem hohen Schweizer Standard ent-
sprechen, ist es dem über eine gute Schulbildung verfügenden und grund-
sätzlich durchaus arbeitsfähigen Beschwerdeführer bei dieser Sachlage
ohne weiteres zuzumuten, sich in Kosovo eine Existenzgrundlage aufzu-
bauen.
7.3 Nach dem Gesagten überwiegt im Ergebnis das öffentliche Interesse
an der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme die persönlichen Interessen
des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz. Die Aufhebung
der vorläufigen Aufnahme ist daher als verhältnismässig zu erachten.
8.
8.1 Die vorläufige Aufnahme darf indessen nur aufgehoben werden, wenn
der Vollzug der Wegweisung zulässig ist. Dies ergibt sich aus dem Um-
stand, dass die Ausnahme von der Anordnung der vorläufigen Aufnahme
gemäss Art. 83 Abs. 7 AsylG nur für die vorläufige Aufnahme wegen Unzu-
mutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs gilt. Die Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs betrifft jedoch völkerrechtliche Pflichten der
Schweiz, die in jedem Fall zu beachten sind. Soll die zu einem früheren
Zeitpunkt verfügte vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzu-
mutbarkeit aufgehoben werden, muss die Behörde daher in jedem Fall die
Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs prüfen. Erweist sich dieser als un-
zulässig, ist die vorläufige Aufnahme (neu aufgrund Unzulässigkeit) zu be-
lassen.
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AuG).
8.3 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105];
Art. 3 EMRK). Wie bereits vom SEM festgestellt wurde, handelt es sich bei
Kosovo um ein sogenanntes «safe country» im Sinne von Art. 6a Abs. 2
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Bst. a AsylG (SR 142.31) (vgl. Anhang 2 der Asylverordnung 1 über Ver-
fahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Diese Ein-
schätzung stützt sich unter anderem auf die Feststellung, dass im betref-
fenden Land die massgeblichen Menschenrechtsstandards eingehalten
werden (vgl. dazu BBl 1996 II 58). Im Übrigen müsste der Beschwerdefüh-
rer gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar
2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, m.w.H.). Solches wird indes-
sen weder vom Beschwerdeführer vorgebracht, noch ergeben sich ent-
sprechende Hinweise aus den Akten. Der Vollzug der Wegweisung erweist
sich damit als zulässig.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Aufhebung der vor-
läufigen Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 84 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 83 Abs. 7 Bst. b AIG im Ergebnis zu Recht verfügt hat.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da je-
doch das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwischenverfü-
gung vom 18. Mai 2021 gutgeheissen worden ist, werden keine Verfah-
renskosten erhoben.
10.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde auch das Gesuch um amtli-
che Verbeiständung gutgeheissen. Im Rahmen des vom Gericht am
29. Oktober 2021 bewilligten Mandatswechsels wurde festgehalten, ein all-
fälliger Honoraranspruch des vormaligen Rechtsvertreters werde auf die
rubrizierte Rechtsvertreterin übertragen. Die Festsetzung des amtlichen
Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der Kostennote vom
8. Juli 2021 wird ein Aufwand von 14.1 Stunden sowie Auslagen von
Fr. 106.05 geltend gemacht, was angemessen erscheint. Der ausgewie-
sene Stundenansatz von Fr. 250.– ist indessen auf Fr. 220.– zu kürzen (vgl.
dazu die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 18. Mai 2021 be-
treffend die Praxis bei amtlicher Vertretung). Für die nach dem 8. Juli 2021
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entstandenen Aufwendungen der Rechtsvertreterin ist von Amtes wegen
ein Zuschlag von pauschal Fr. 200.– zu gewähren. In Anbetracht der mass-
geblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist der amtlichen Ver-
treterin demnach zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar
von insgesamt Fr. 3'655.– zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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