Decision ID: 9ebc2f8b-1be7-4767-9cf1-7be55236e222
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969, stammt aus
Y._
und lebt seit dem Jahr 2006 in der Schweiz. Sie war hier in verschiedenen
Anstellungen
i
n
Teilzeitpensen als Hilfsarbeiterin tätig, insbesondere im Bereich Unterhaltsreinigung
, zuletzt in ei
nem Pensum von 20
%
(
Urk.
11/1,
Urk.
11/3/3). Am 1
1.
Februar 2013 meldete sie
sich
m
it Hinweis auf ein
Asthma bei der Eidgenössischen Invaliden
ver
si
che
rung
zur be
ruflichen Integration und zum Rentenbezug an (
Urk.
11/1). Die Sozial
ver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizi
nische Abklärungen vor (
Urk.
11/5,
Urk.
11/6). Mit Vorbescheid vom
5.
Juni 2013
stellte die IV-Stelle eine Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da kein versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege (
Urk.
11/9). Hier
ge
gen erhob die Versicherte
am 2
5.
Juni 2013
Einwand und wies
auf eine seit
mehr als einem Jahr
dauernde
psy
chiatrische
Behandlung
hin
(
Urk.
11/10).
Ihre Teilzeitstelle in der Reini
gung kündigte die Versicherte am 1
4.
November 2013
aus gesundheitlichen Gründen
per 3
1.
Dezember 2013 (
Urk.
11/23).
Die IV-Stelle
nahm
im Vorbe
scheidverfahren
weitere medizinische Abklärungen vor (
Urk.
11/17,
Urk.
11/18), insbesondere liess sie die Versicherte am
6.
März 2014
durch med. pract.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch untersuchen (
Urk.
6/24). Zu dieser Untersuchung und Be
urteilung nahmen der beh
andelnde Hausarzt
Dr.
med.
A._
am
1.
April 2014 sowie die Versicherte selbst am 1
0.
April 2014 Stell
ung (
Urk.
11/26,
Urk.
11/27). Mit Verfügung vom
5.
Juni 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbe
scheids und wies das Leistungsbegehren ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt David Husmann, am
7.
Juli 2014 Beschwerde erheben (
Urk.
1). Sie beantragte, die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihr ab dem 1
3.
August 2013 eine halbe Rente auszurichten. Even
tualiter sei ein unabhängiges bidisziplinäres
psychiatrisch-pneumologisches
Gut
achten einzuholen. Zudem stellte sie das Gesuch, ihr sei die unentgeltliche Pro
zess
führung zu bewilligen und ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestel
len (
Urk.
1). Mit undatierter Beschwerdeantwort schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
10) und mit Verfügung vom 1
8.
September 2014 wurde der Versicherten die unentgeltliche Prozessführung be
willigt
sowie der
Rechts
an
walt David Husmann als unentgeltlicher
Rechts
vertreter bestellt (
Urk.
12). Mit Eingabe vom
9.
Oktober 2014 liess die Versicherte einen Arztbe
richt der Klinik für Neurologie des
B._
vom 2
1.
August 2014 einreichen (
Urk.
14,
Urk.
15),
dieser wurde der Beschwerdegegnerin am 10. Oktober 2014 zu
gestellt (Urk. 16).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutach
ten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S.
43 E.
5c). Da
bei müssen psychiatrische Berichte in der
Regel auf einer persönlichen Untersu
chung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345
, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I 169/06 vom 8. August
2006 E.
4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesund
heitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE
130 V 352 E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011
E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
ver
si
cherung nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art.
59 Abs.
2
bis
IVG).
Nach Art.
49
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs.
1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich
fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5
mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5)
.
Der Beweisw
ert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs.
2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den
praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1)
genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E.
1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD-Berichte gehören - nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit bestehen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014
vom 3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E.
5.2;
135 V 465
E.
4.4
und E. 4.7).
2.
Die IV-Stelle geht in der angefochtenen Verfügung vom
5.
Juni 2014 davon aus,
dass bei der Versicherten kein versicherungsrechtlich relevanter Gesund
heits
schaden vorliegt
. Die Adipositas sowie die Probleme durch negative Kind
heits
ereignisse seien invaliditätsfremd, weshalb sie bei der Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden könnten (
Urk.
2
). Demgegenüber stellt
sich die Versicherte auf den Standpunkt, sie sei aufgrund der asthmati
schen Be
schwerden in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft nicht mehr einsetz
bar. Weiter beständen diverse
psychische Beschwerden, weshalb aus psychia
tri
scher Sicht eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50
%
für jeg
liche Tätig
keiten ausgewiesen sei (
Urk.
1 S. 7). Zu prüfen ist somit, ob sich aus den ärztli
chen Berichten ein versicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsscha
den ergibt.
3.
3.1
Der
behandelnde
Hausarzt
Dr.
A._
hielt im Bericht vom
2.
März 2013 die Diagnosen einer chronischen prandialen Hyperaktivität
mit asthmaähnlicher Symptomatik, eine
s
primären Hyperparathy
reoidismus, einer mittelgradigen De
pression sowie
einer Adipositas mit BMI 36,7
, fest
, welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit
nannte
er
zudem
eine psychosoziale Überbelastung
.
Die Arbeitsfähig
keit schätzte er für
eine leichte und möglichst staubfreie
Tätigkeit auf 100
%
ein
(
Urk.
11/5).
Der
von
Dr.
A._
aufgeführte
primäre Hyperparathyreoidismus
war
im Dezember 2011 im Departement Chi
rurgie der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
des
B._
mit einer minimalinva
s
iv
en selektiven Parathyreo
ide
ktomie be
handelt worden (
Urk.
11/5/9-10).
Am 1
3.
November 2013 stellte
Dr.
A._
der Versicherten eine Bestätigung
dar
über
aus, dass
sie
an einer Überempfindlichkeit bis hin zu allergischem Asthma gegenüber Chemikalien, vor allem Putzmitteln, leide und er
ihr
deshalb emp
foh
len habe, ihre
Arbeitss
telle
als Reinigungsangestellte
zu kündigen (
Urk.
11/23/2).
Er
stellte der
Versicherten
am
7.
Januar 2014
zu Handen
der Arbeitslosen
ver
sicherung
ein Arztzeugnis aus, welches
ihr
eine ab dem
1.
Januar 2014 vor
aus
sichtlich dauernde Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50
%
be
scheinigte und festhielt,
sie
könne
nur
noch leichte physische Arbeiten
bei
sauberer Luft aus
führen (
Urk.
11/23/4).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Pneumologie, nannte am 1
8.
Dezember 2012 die Diagnose einer bronchialen Hyperreaktivität, als Verdachtsdiagnose wahr
scheinlich einem leichten Asthmaäquivalent entsprechend, sowie die Diagnose einer Adipositas (
Urk.
11/5/5-6).
Am
2.
Dezember 2013 hielt er gegenüber der IV-Stelle fest, aufgrund seiner Untersuchungsresultate vom 1
7.
Dezember 2012 dürfte die Versicherte aus somatischer Sicht zu diesem Zeitpunkt arbeitsfähig gewesen sein (
Urk.
11/18).
3.
3
Im Arztbericht vom 1
2.
November 2013 hielt die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
D._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine unreife Persön
lich
keit mit einer ausgeprägten Störung im Sozialverhalten (ICD-10 F60.8), eine emo
tional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus mit his
trioni
schen Züge
n
(ICD-10 F60.31)
, eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
störung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0), eine Trichotillomanie (ICD-10 F63.3),
ein
Nägelkauen (ICD-10 F98.8) und eine Adipositas (BMI 36,7) fest.
Sie
führte aus, die
Versicherte befinde sich seit dem 2
0.
Januar 2012 bei ihr in Be
handlung. Zum Befund hielt sie fest, sobald die Versicherte beginne, mit kindli
cher Stimme laut zu sprechen und das Gesagte mit theatralischen Gesten zu unterstreichen, wirke sie infantil und unreif. Ihre Konzentration und Aufmerk
samkeit seien reduziert und ihr fehle das Durchhaltevermögen. Die Versicherte wirke desorganisiert und unstrukturiert
.
I
hr formaler Gedankengang sei pha
sen
weise verlangsamt, dann wieder ideenflüchtig, ausschweifend, grübelnd und
sprunghaft, mit kreisenden Gedanken betreffend die Hauptproblematik, nämlich die Mutter sowie die Kindheit. Die allgemeine Ängstlichkeit werde häufig mit latenter Aggressivität kompensiert. Es bestehe eine Verlustangst betreffend den Ehemann. Die Stimmungslage sei schwankend und die Wahrnehmung der Rea
lität
fehle. Es bestehe Verzweiflung
keine geeignete Beschäftigung zu finden.
Die Motivation, der Antrieb und
die Stimmungslage
seien schwankend, der Af
fekt
parathym und es seien eine emotionale Inkontinenz, eine schubweise Nie
der
geschlagenheit, eine innere Unruhe, ein Verlust des Selbstwertgefühls, Ge
fühle von Nutzlosigkeit sowie ein sozialer Rückzug festzustellen. Die Belastbar
keit und
Stresstoleranz seien besonders unter Drucksituationen massiv einge
schränkt. Ein- und Durchschlafstörungen hätten sich mit der Einnahme des An
tidepressi
vum
s
Trittico etwas gebessert. Die Versicherte leide unter Frustrations
attacken
und häufigen Kopfschmerzen. Suizidalität werde glaubhaft verneint. Die Psy
chia
terin zog den Schluss, für die aktuelle Teilarbeitsunfähigkeit sei in erster
Linie die abgekapselte Depression verantwortlich. Die Teilarbeitsunfähig
keit werd
e vor
erst weiterhin bestehen, doch grundsätzlich dürfe man davon aus
gehen, dass die Depression schliesslich aufgrund der Therapie abklingen werde. Die günstige Prog
nose gelte auch für die Angstkrankheiten. Die Be
handlung be
stehe gegen
wärtig aus einer Gesprächstherapie mit ein bis zwei wö
chentlichen Terminen sowie einer Medikation mit Citalopram und Trittico. Es sei eine Locke
rung der depressiven Symptomatik eingetreten.
Seit Januar 2012 bestehe bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Zumutbar sei der Ver
sicherten eine staubfreie Arbeit in einem Umfang von 50
%
(
Urk.
11/17).
Zur Abklärung von chronischen Kopfschmerzen begab die Versicherte sich am 2
1.
August 2014 in die Sprechstunde in der Klinik für Neurologie des
B._
. Die Ursache der Kopfschmerzen konnte nicht eruiert werden. Es wurde angemerkt, dass diese möglicherweise im Rahmen einer Depression auf
träten (
Urk.
15).
3.
4
Med. pract.
Z._
vom RAD untersuchte die Versicherte am
6.
März 201
4.
In seinem Untersuchungsbericht hielt er fest, die Versicherte lebe mit ihrem Mann zusammen, habe wenige Freundinnen, besuche einen wöchentlichen Nähkurs und unregelmässig die liberale Synagoge. In der Freizeit
Nähe sie
und
fertige
Makramee-Schmuck an.
Die Versicherte
habe angegeben
, dass sie in der Nacht
wegen ihrem asthmatischen Husten mehrmals erwache und am Morgen dann
oft
müde sei. Ihre Depressionen zeigten sich auch in ihrer Unlust, etwas zu unter
nehmen. Dies habe einen Zusammenhang mit ihrer Zeit im Waisenhaus. Seither mache sie auch immer an ihren Haaren herum, habe sich ein Zwangslachen angewöhnt, wenn jemand gestorben sei, da sie im Wai
senhaus nicht habe wei
nen
dürfen
und knabbere an den Fingernägeln.
Beim Essen habe sie nicht immer
die nötige Kontrolle und esse gerne Ungesundes.
N
ach ihrer Geburt
sei sie
von den Eltern
in einem
Y._
Waisenhaus
ab
geliefert worden.
Dort sei sie
geschlagen worden und habe
dabei
nicht weinen dürfen, sondern lachen müssen.
Sie sei von den älteren Buben
im Heim
sexuell missbraucht worden und wenn man in die Hosen gemacht habe, habe man den Kot essen müssen. Als sie zehn Jahre alt gewesen sei, habe die Grossmutter sie aus dem Heim zu sich geholt. Die Grossmutter habe sie ebenfalls geschlagen, doch der Stiefgrossvater
sei lieb
gewesen
und
habe für sie die Rolle eines Men
tors eingenommen
. Sie habe
zu dem Zeitpunkt zudem
ihre biologischen Eltern kennengelernt und
ihre
Mutter habe sich ihr gegenüber wie ein Eisberg verhal
ten.
Zum
psychopathologischen Befund hielt med. pract.
Z._
fest, der Gedanken
gang
der Versicherten
sei gelegentlich weitschweifig gewesen, ansonsten jedoch flüssig und zu
sammenhängend. Die Versicherte sei bei der Schilderung der Waisenhäuser mit kurzer Denkblockade und Weinen deutlich betroffen gewe
sen, ansonsten sei
en
Gestik und Mimik unauffällig gewesen. Für Ängste seien keine Anhaltspunkte vorhanden gewesen. Im Gespräch habe die Versicherte einen geübten Umgang mit sozialen Regeln gezeigt. Zudem habe sie angegeben
,
sehr kommunikativ zu s
e
in, was sich in der Untersuchung bestätigt habe.
Med. pract.
Z._
hielt
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest.
Als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er Prob
leme durch negative Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61) fest. In Auseinanderset
zung mit dem Bericht von
Dr.
D._
führte er aus
, anlässlich
seiner
Unter
suchung hätten sich keine Befunde ergeben, welche eine Angststörung, eine de
pressive Störung, eine Persönlichkeitsstörung oder ein ADHS belegten. Da der
Pneumologe
Dr.
C._
eine bronchiale Hyperreagibilität angegeben habe, welche
keine Arbeitsunfähigkeit bedinge, sei unklar, weshalb der Hausarzt
Dr.
A._
der Versicherten eine Kündigung wegen Überempfindlichkeit gegen
über Putzmitteln empfohlen habe. In der bisherigen Tätigkeit als Reinigerin sei keine Einschränkung erkennbar
und bestehe volle Arbeitsfähigkeit, ebenso für eine angepasste Tätigkeit
(
Urk.
11/24)
4
.
4.
1
Die medizinischen Einschätzungen der
behandelnden Psychiaterin
Dr.
D._
und des RAD-Arztes med. pract.
Z._
widersprechen sich
.
Es ist daher zu prü
fen, ob
hinsichtlich der psychischen Beschwerden und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
auf eine
n
dieser beiden Berichte abgestellt werden kann.
4.2
Dr.
D._
begründete
in ihrem Bericht vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
11/17)
das Vorhandensein der zahlreichen von ihr diagnostizierten psychischen Be
schwerden nicht nachvollziehbar. Sie unterliess es auch, die konkreten Auswir
kungen dieser Beschwerden auf die Ausübung einer Arbeitstätigkeit
sowie auf den Tagesablauf und die Haushalts- respektive Freizeittätigkeiten
zu umschrei
ben.
Dazu ist anzumerken, dass die Psychiaterin sich in ihrem Bericht vom 1
2.
November 2013 nicht mit dem gewöhnlichen Tagesablauf oder den Frei
zeitaktivitäten der Versicherten auseinandersetzt
e
, obwohl dies im Hin
blick auf
die der Versicherten
ver
bleibenden Ressourcen relevant
sein könnte.
Zwar führte
sie eine gesundheitsbedingte Einschränkung des Konzentrations
vermögens, des
Auffassungsvermögens, der Anpassungsfähigkeit und der Be
lastbarkeit auf
.
D
och
bleibt
es
unklar, in welchem Ausmass solche Einschrän
kung
en
gemäss der An
sicht von
Dr.
D._
vorliegen und wie sich diese bei
spielsweise bei der Aus
übung einer Hilfsarbeitertätigkeit
konkret
auswirken. Insbesondere unterl
iess
es
Dr.
D._
schlüssig darzulegen
, weshalb die psy
chischen Beschwerden die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten au
f
50
%
reduzie
ren sollten.
Schliesslich äusser
te die Psychiaterin, die Teilarbeitsunfähigkeit sei vor allem depressionsbedingt.
Allerdings
führte sie
in ihrem Bericht auch
aus, es sei unter
der
Behandlung eine Lockerung der depressiven Symptomatik einge
treten
, äusserte sich je
doch
nicht zu deren Auswirkung
auf die Arbeitsfähig
keit, welche sie ab
dem
1.
Janu
ar
2012 unverändert mit 50
%
einschätzte
.
Insgesamt ist festzuhalten, dass weder die im Bericht der behandelnden Psy
chia
terin erwähnten Diagnosen noch ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nach
vollziehbar erscheinen, weshalb entgegen der Ansicht des Versicherten (
Urk.
1 S.
9
) zur Festlegung der Arbeitsfähigkeit nicht auf diesen Bericht abge
stellt werden kann.
4.3
Med. pract.
Z._
verneint
e
im Bericht vom
6.
März 2014 (
Urk.
11/24)
gänzlich
das Vor
liegen von
versicherungs
relevanten psychischen Störungen. Insbeson
de
re führte er aus, für die von der behandelnden Psychiaterin gestellten Diag
nosen
lägen keine Befunde vor
. Dabei
setzt
e er
sich
,
wie von der Versicherten zu Recht
sinn
gemäss
gerügt (
Urk.
1 S.
6)
,
nicht
damit
auseinander,
dass
die Ver
sicherte sich seit Januar 2012 in einer psychiatrischen Behandlung mit ein
bis zwei wöchentlichen Gesprächsterminen
befindet
und die Antidepressiva Trittico
so
wie
Citalopram einnimmt, was für das Vorhandensein
gewisser
psychischer
Be
schwerden spricht. Zudem
äusserte
er sich
,
wie auch in der Beschwerde
von der Versicherten
richtigerweise vorgebracht
(
Urk.
1 S.
5),
nicht
zu
r
Erwerbs
biogra
phie der Versicherten
, welche ihre Stellen oft nur kurze Zeit
ausübte (vgl.
Urk.
11/3/3)
und
entsprechend auch nicht zur Frage
, ob allfällige psychische
Störungen
einen
Einfluss auf diese
Erwerbsbiographie
hatten.
Der
Untersu
chungs
b
ericht fiel
im Übrigen insgesamt
relativ knapp aus
.
S
o wurden die von
Dr.
D._
diagnostizierten Beschwerden zwar
ausdrücklich
verneint,
doch es fehlt
an einer
vertieften Auseinandersetzung mit den
Feststel
lungen
von
Dr.
D._
. So hielt der RAD-Arzt beispielsweise zur Thematik
der
Durch
halte
fähigkeit
lediglich
fest, die Versicherte widme sich ausdauernd ihrem Hobby
Nähen
. Dies entspricht
jedoch keiner allgemeinen Ä
usserung zur Durch
halte
fähigkeit, wie sie
in einer Arbeitstätigkeit
benötigt wird
. Ebenso wenig sagt das Verkehren
der Versicherten
sowohl
in
einer
Kirchgemeinde
als auch
in der libe
ralen Synagoge etwas über eine an einer Arbeitsstelle
möglicherweise not
wen
dige
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit aus.
Insgesamt ist festzuhalten, dass
durchaus
Zweifel am Bericht von
med. pract.
Z._
vom
6.
März 2014 (
Urk.
6/24)
bestehen
, welcher
w
esentliche
Diskre
panzen zum Bericht von
Dr.
D._
vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
11/17)
nicht
plausibel
erläutert
.
Mit Hinweis auf die bundesgerich
tliche
Recht
spre
chung
kann auf einen RAD-Bericht als eine ver
waltungsinterne ärztliche Ab
klärung dann
nicht abgestellt werden, wenn auch nur
geringe Zweifel an
dessen
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl.
oben
E. 1.4
).
Vielmehr sind
in einem solchen Fall
ergänzende Abklärungen vor
zunehmen (
vgl.
BGE 135 V 465 E.4.4 mit Hinweisen)
.
4.4
Nach
höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversi
che
rungs
rechtliche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administra
tivverfah
rens zu führen und
ist eine Rückweisung an die Verwaltung vorzu
nehmen, wenn eine ungeklärte Frage abzuklären ist (vgl.
BGE 136 V 376 E. 4.2.1 und BGE 137 V 2
10 E. 4.4.1.4.). Dies trifft hier zu, da die Gesundheitsbeschwerden sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit noch nicht ausreichend
und
noch nicht im Rahmen einer gesamthaften Beur
teilung
abgeklärt wurden. Ent
gegen der Ansicht der Versicherten (
Urk.
1 S.
7) besteht somit kein Anspruch auf die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens.
4.5
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die Verfügung vom
5.
Juni 2014 aufzuheben und die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklä
rung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Da neben der
im Vorder
grund stehenden
psychischen
Beschwerden
in den Arztberichten
auch Lungen
beschwerden und deren Auswirkungen auf die angestammte Tätigkeit in der
Unterhaltsreinigung thematisiert w
u
rden,
erweist
sich
die Einholung
ein
es
bidis
ziplinäre
n
psychiatrisch-pneumologische
n
Gutachten
s
als notwendig.
Nach Vor
n
ahme dieser Abklärungen hat die IV-Stelle über den Leistungsanspruch der Versicherten neu zu entscheiden.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chun
g gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und
neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesge
richts U 199/02
vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10
S.
28 E.
3). Die Kosten sind der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuer
legen
.
5.2
Ferner hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessent
schä
digung.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt). Der Rechtsvertreter der Versicherten hat in seiner Honorarnote vom 2
0.
Mai 2015 einen Aufwand von zwölf Sunden und Barauslagen von
Fr.
108.-- aufgeführt (
Urk.
18). Dieser Aufwand, insbesondere die insgesamt mehr als sie
ben Stunden für das Aktenstudium und das Verfassen der Beschwerde, erschei
nen angesichts des bescheidenen Aktenumfang
s
sowie der rund acht Seite
n umfassenden Be
schwerdeschrift
als zu hoch. Zudem wurde in der Honorarnote am 2
8.
Oktober 2014 ein Telefon betreffend eine
Abklärung
aufgeführt, welche im vorliegenden Verfahren von keiner Relevanz ist. Es ist
vielmehr
von einem
gerechtfertigten
Aufwand von insgesamt
acht
Stunden auszugehen und es sind die Auslagen von
Fr.
108.-- zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes für selbständig tätige Rechtsanwälte von
Fr.
200.-- bis Ende 2014 und
Fr.
220.-- ab dem Jahr 2015 ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter
der Versicherten
, Rechtsanwalt
David Husmann, eine Prozessentschädigung von
gerundet
Fr.
1‘
9
00.--
(ink
lusive
Baraus
lagen und Mehrwert
steuer)
zu bezahlen.