Decision ID: f9070108-4c4e-425b-a316-d1eda3be2c9e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ bezog Arbeitslosentaggelder und war dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen
obligatorisch versichert, als er am 25. Mai 2008 auf dem Umschlagplatz einer Baufirma
mit dem Motorrad einen festgefahrenen Pfad auf einen Kieshügel hinauffuhr. Weil der
Hügel auf der Rückseite jedoch bereits abgebaut war, endete der Pfad auf dem
höchsten flachen Teil abrupt und der Versicherte stürzte trotz Vollbremsung rund fünf
Meter in die Tiefe (Suva-act. 2, 7-3 ff.). Die erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals
B._, wo sich der Versicherte vom 25. Mai bis 7. Juni 2008 stationär befunden hatte,
listeten in ihrem Austrittsbericht vom 6. Juni 2008 als Diagnosen ein leichtes
Schädelhirntrauma, ein stumpfes Thoraxtrauma, eine Wirbelsäulenverletzung, eine
distale, extraartikuläre Radiusfraktur links sowie eine Schürfwunde prätibial rechts auf.
Sie attestierten ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 25. Mai bis 22. Juni 2008
(Suva-act. 3). Am 5. Juni 2008 hatte sich der Versicherte einer offenen Reposition und
Osteosynthese des distalen Radius (Speiche) unterzogen (Suva-act. 4).
A.a.
Die behandelnden Ärzte des Kantonsspital B._ berichteten am 16. Juli 2008
über einen hochgradigen Verdacht auf ein komplexes regionales Schmerzsyndrom
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(CRPS) in der Region der Radiusfraktur links (Suva-act. 11). Vom 4. November bis 12.
Dezember 2008 befand sich der Versicherte stationär in der Rehaklinik Bellikon. Die
behandelnden Ärzte bestätigten im Austrittsbericht vom 17. Dezember 2008 die
Diagnose eines CRPS am Handgelenk links und berichteten zusätzlich über eine leicht-
bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0) sowie eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Der Versicherte sei aus psychischen Gründen zu
100% arbeitsunfähig (Suva-act. 25, vgl. Suva-act. 24).
Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Pneumologie,
diagnostizierte nach einer Untersuchung vom 6. Mai 2009 eine formal mittelschwere
restriktive und leicht obstruktive Ventilationsstörung (Suva-act. 54). Suva-Kreisarzt Dr.
med. D._, Facharzt FMH Allgemeinchirurgie und Traumatologie, beurteilte am 20.
August 2009, es sei davon auszugehen, dass die festgestellte Lungenfunktionsstörung
vorbestehend und nicht unfallkausal sei (Suva-act. 70).
A.c.
Der Versicherte war vom 19. Januar bis 2. Februar 2010 stationär in der Klinik
E._. Als Hauptdiagnosen hielt die dort behandelnde Ärztin eine mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1) fest. Der Versicherte trat auf eigenen Wunsch aus der Klinik aus (Suva-
act. 110).
A.d.
Am 18. Mai 2010 unterzog sich der Versicherte im Kantonsspital B._ einer
Osteosynthesematerialentfernung (OSME) am Vorderarm links (Suva-act. 131). Suva-
Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, befand am 30. Juli 2010, aus somatischer Sicht sei der
Endzustand erreicht (Suva-act. 138). Suva-Kreisarzt Dr. D._ beurteilte am 19. August
2010, der Versicherte sei aus somatischer Sicht in seiner ursprünglichen Tätigkeit als
Lagerist wieder zu 100% arbeits- und vermittlungsfähig. Eine bleibende
Beeinträchtigung der Integrität liege nicht vor (Suva-act. 144).
A.e.
Mit Verfügung vom 28. September 2010 stellte die Suva die
Versicherungsleistungen per 30. September 2010 ein (Suva-act. 155). Dagegen erhob
die Swica Gesundheitsorganisation, Krankenversicherer des Versicherten, am 1.
Oktober 2010 vorsorglich Einsprache, zog diese jedoch am 8. Oktober 2010 wieder
A.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zurück (Suva-act. 157, 159). Der Versicherte erhob am 22. Oktober 2010 ebenfalls
Einsprache (Suva-act. 160). Mit Entscheid vom 14. Januar 2011 wies die Suva die
Einsprache ab (Suva-act. 167). Der Versicherte erhob dagegen Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (Suva-act. 170-1 ff.).
Im November 2010 hatte die Suva Kenntnis von einer durch die zuständige
Haftpflichtversicherung in Auftrag gegebenen Observation des Versicherten im
Zeitraum von Januar bis Mai 2010 erlangt (vgl. Suva-act. 210 ff.).
A.g.
Dr. med. G._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, untersuchte den
Versicherten am 27. Mai und 20. Juni 2011 in dessen Auftrag. Er beurteilte am 24. Juni
2011, aus somatischer Sicht sei der Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu
höchstens 50% arbeitsfähig (Suva-act. 179, vgl. auch Stellungnahme vom 15.
Dezember 2011; Suva-act. 184). Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
FMH, Kompetenzzentrum für Versicherungsmedizin der Suva, schätzte den
Integritätsschaden am 30. September 2011 auf 10%. Es sei ein Endzustand
eingetreten und für eine adaptierte Tätigkeit bestehe seit 30. September 2010 wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 178). Dr. med. I._, Facharzt für Chirurgie FMH
und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Kompetenzzentrum für Versicherungsmedizin der Suva, nahm am 18. Januar 2012
Stellung zu den Einschätzungen von Dr. G._ sowie Dr. H._ und schloss sich im
Wesentlichen der Beurteilung von letzterem an (Suva-act. 198).
A.h.
Mit Entscheid vom 9. August 2012 hiess das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen die Beschwerde unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 14. Januar
2011 in dem Sinn teilweise gut, dass es die Angelegenheit zur medizinischen (suva-
externen) Abklärung der Frage des Vorliegens von unfallbedingten
Gesundheitsschäden an der Brustwirbelsäule (BWS), der linken Hand und hinsichtlich
der Lungenfunktion sowie deren Auswirkung auf die Integrität und die Erwerbsfähigkeit
des Versicherten an die Suva zurückwies (Suva-act. 199).
A.i.
Die Suva teilte dem Versicherten mit Schreiben vom 3. Januar 2013 mit, gestützt
auf das Gerichtsurteil bestehe ab dem 1. Oktober 2010 kein Anspruch auf
A.j.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Taggeldleistungen mehr. Bezüglich Rentenleistungen oder einer
Integritätsentschädigung würden weitere Abklärungen getätigt (Suva-act. 221).
Nach einer Untersuchung vom 16. Januar 2013 hielt Dr. med. J._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gutachten vom 30. Januar 2013 keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er ein Vortäuschen neuropsychologischer
Einschränkungen (ICD-10: Z76.5) (Suva-act. 262). Im Auftrag der Suva (Suva-act. 238)
wurde der Versicherte durch Ärzte des Kantonsspitals K._, unter Leitung von Dr.
med. L._, chirurgisch-orthopädisch abgeklärt. In ihrem Gutachten (nachfolgend:
Gutachten K._) vom 8. Juli 2013 beurteilten sie, die Rückenschmerzen der BWS
sowie die CTS-Symptomatik des Nervus medianus und die Kraftminderung der linken
Hand stünden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 25. Mai
2008. Die Thoraxverletzung sei eine Unfallfolge und die Ventilationsstörung
möglicherweise eine Spätfolge. Die posttraumatische Belastungsstörung sei ebenfalls
eine Unfallfolge. In der angestammten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%,
in einer adaptierten Tätigkeit eine solche von 80%. Den Integritätsschaden schätzten
sie auf 20% (Suva-act. 270).
A.k.
Nachdem Ärzte des Kompetenzzentrums für Versicherungsmedizin der Suva das
Gutachten K._ für nicht beweiskräftig erachtet hatten (vgl. Suva-act. 272), wurde der
Versicherte im Auftrag der Suva (vgl. Suva-act. 293, 295) im Februar 2015 durch Ärzte
der Universitätsklinik M._ polydisziplinär (orthopädisch, handchirurgisch,
neurologisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten (nachfolgend: Gutachten M._) vom 20.
Mai 2015 listeten sie als Diagnosen eine Lumbo-Thoracodorsalgie, eine Kraftminderung
und Schmerzen der Hand links, eine (unfallfremde) mittelschwere restriktive
Ventilationsstörung, einen Status nach stumpfem Thoraxtrauma bei Motorradunfall
vom 25. Mai 2008, einen Status nach leichtem Schädelhirntrauma nach Motorradunfall
vom 25. Mai 2008, einen Verdacht auf Status nach posttraumatischer
Belastungsstörung sowie einen Verdacht auf Status nach leichter bis mittelgradiger
depressiver Episode auf. Sie erachteten den Versicherten auch unter Einbezug des
pneumologischen Gutachtens von Prof. Dr. N._ vom 24. November 2014 (vgl. Suva-
act. 309) als zu 100% arbeitsfähig in seiner angestammten Tätigkeit als Staplerfahrer
sowie einer adaptierten Tätigkeit. Den Integritätsschaden schätzten sie auf 15-20%
A.l.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
C.
(Suva-act. 308, vgl. Suva-act. 307). Am 20. Oktober 2015 äusserte sich Gutachterin Dr.
med. O._, Oberärztin Wirbelsäulenchirurgie, Universitätsklinik M._, zu einer
Nachfrage der Suva (Suva-act. 317, vgl. Suva-act. 310).
Mit Verfügung vom 22. April 2016 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 15% zu,
bestätigte die Einstellung der Versicherungsleistungen per 30. September 2010 und
verneinte sinngemäss einen Rentenanspruch (Suva-act. 339).
A.m.
Dagegen erhob der Versicherte am 25. Mai 2016 Einsprache (Suva-act. 341, vgl.
Zusatzbegründung vom 15. Mai 2017; Suva-act. 348).
B.a.
PD Dr. med. P._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Kompetenzzentrum für
Versicherungsmedizin der Suva, schätzte den Integritätsschaden am 7. April 2017 auf
15% (Suva-act. 347).
B.b.
Mit Entscheid vom 17. Oktober 2017 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act.
350).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2017 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 17. November 2017. Der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) beantragte darin dessen Aufhebung und es seien ihm aufgrund des
Unfalls vom 25. Mai 2008 weiterhin die gesetzlichen Versicherungsleistungen
auszurichten. Es sei ihm mindestens eine 50% UVG-Rente sowie eine
Integritätsentschädigung auf der Grundlage einer Integritätseinbusse von mindestens
30% auszurichten. Eventualiter sei ein unabhängiges polydisziplinäres Gutachten zu
erstellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Am 11. Dezember
2017 begründete er ergänzend, es sei auf das Gutachten von Dr. L._, Kantonsspital
K._, abzustellen. Die Gutachten von Dr. J._ und der Universitätsklinik M._ seien
hingegen nicht beweiskräftig bzw. unter Verletzung der Mitwirkungsrechte entstanden
(act. G3).
C.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Considerations:
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2008 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 20. Februar 2018,
die Verfügung vom 22. April 2016 sowie der Einspracheentscheid vom 17. Oktober
2017 seien mit Bezug auf die zugesprochene Integritätsentschädigung in reformatio in
peius zu ziehen und dem Beschwerdeführer sei der Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung abzusprechen. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen
und der Einspracheentscheid zu bestätigen. Eventualiter sei die Beschwerde
abzuweisen und der Einspracheentscheid zu bestätigen. Sie begründete, die am 25.
Mai 2008 vom Beschwerdeführer an den Tag gelegte Verhaltensweise, welche zum
Unfall geführt habe, sei als Wagnis zu qualifizieren, weshalb kein Anspruch auf
Geldleistungen ausgewiesen sei (act. G7).
C.b.
Mit Replik vom 30. April 2017 ergänzte der Beschwerdeführer sein
Rechtsbegehren insofern, als er beantragte, das Begehren der Beschwerdegegnerin
auf reformatio in peius sei abzuweisen, sofern überhaupt darauf einzutreten sei. Er
machte geltend, es sei nicht vom Erfüllen des Wagnistatbestandes auszugehen (act.
G11).
C.c.
In ihrer Duplik vom 15. Mai 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem
Rechtsbegehren und den Ausführungen fest (act. G13).
C.d.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 24. Mai 2018 seine
Honorarnote ein (act. G15, G15.1).
C.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente sowie eine höhere Integritätsentschädigung als bereits zugesprochen.
Vorübergehende Leistungen sind trotz allfälligem sinngemässem Antrag nicht
Streitgegenstand. Das Versicherungsgericht hat die per 30. September 2010 erfolgte
Leistungseinstellung bereits mit dem in Rechtskraft erwachsenen
Rückweisungsentscheid vom 9. August 2012 für korrekt befunden (Suva-act. 199).
Nachdem die Beschwerdegegnerin bis zum 30. September 2010 Leistungen erbracht
und dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung zugesprochen hatte (Suva-
act. 339, 350), stellte sie sich in ihrer Beschwerdeantwort auf den Standpunkt, die vom
Beschwerdeführer am 25. Mai 2008 an den Tag gelegte Verhaltensweise sei als Wagnis
zu qualifizieren, weshalb kein Anspruch auf Geldleistungen ausgewiesen sei. Der
angefochtene Einspracheentscheid sei mit Bezug auf die zugesprochene
Integritätsentschädigung in reformatio in peius zu ziehen (act. G7). Folglich ist vorerst
zu prüfen, ob das Unfallereignis vom 25. Mai 2008 als Wagnis zu qualifizieren ist.
Gemäss Art. 39 UVG kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und
Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung
sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung
oder Kürzung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ordnen.
Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat u.a. mit Erlass von Art. 50 UVV Gebrauch
gemacht. Danach werden bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, die
Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren Fällen verweigert
(Abs. 1). Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich die versicherte Person einer
besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder treffen zu
können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken (Abs. 2 Satz 1). Die
versicherte Person muss sich wissentlich einer besonders grossen Gefahr aussetzen,
damit eine Handlung als Wagnis qualifiziert werden kann. Das subjektive Element des
Wissens bezieht sich dabei auf die Gefahrensituation als solche und nicht auf ihre
konkreten Umstände (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2013, 8C_640/2012,
E. 2 mit Hinweis).
2.1.
Lehre und Rechtsprechung unterscheiden zwischen absoluten und relativen
Wagnissen. Ein absolutes Wagnis liegt vor, wenn eine gefährliche Handlung nicht
schützenswert ist oder wenn die Handlung mit so grossen Gefahren für Leib und Leben
verbunden ist, dass sich diese auch unter günstigsten Umständen nicht auf ein
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
vernünftiges Mass reduzieren lassen. Ein relatives Wagnis ist gegeben, wenn es die
versicherte Person unterlassen hat, die objektiv vorhandenen Risiken und Gefahren auf
ein vertretbares Mass herabzusetzen, obwohl dies möglich gewesen wäre (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Februar 2013, 8C_987/2012, E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. auch
BGE 141 V 218 E. 2.1 f.).
Die Leistungskürzung wegen eines Wagnisses geht derjenigen wegen
Grobfahrlässigkeit nach Art. 37 Abs. 2 UVG vor (sog. lex specialis, BGE 134 V 340 E.
3.2.4). Gemäss Art. 37 Abs. 2 UVG werden die Taggelder, die während der ersten zwei
Jahre nach dem Unfall ausgerichtet werden, gekürzt, wenn die versicherte Person den
Nichtberufsunfall grobfahrlässig herbeigeführt hat (vgl. BGE 138 V 522 E. 5.2.1 und
5.2.2 mit Hinweisen).
2.3.
Eine Leistungskürzung ist nur zulässig, wenn zwischen dem Wagnis und dem
eingetretenen Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(vgl. auch SVR 1995 UV Nr. 29 S. 85 f. E. 2d mit Hinweisen). Die Rechtsfrage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang bestimmt sich dabei nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung (vgl. (BGE 125 V 456 E. 5a mit
Hinweisen).
2.4.
Das Versicherungsgericht ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden. Es
kann eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid zu Ungunsten der Beschwerde
führenden Person ändern (reformatio in peius) oder dieser mehr zusprechen, als sie
verlangt hat, wobei den Parteien vorher Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum
Rückzug der Beschwerde zu geben ist (Art. 61 lit. d ATSG). Sofern reformatorisch
entschieden werden kann und die Sache nicht wegen anderer Mängel zurückgewiesen
werden muss, ist das kantonale Sozialversicherungsgericht bei Feststellung einer
Rechtsverletzung verpflichtet, eine reformatio in peius ins Auge zu fassen. Ob eine
solche tatsächlich zu erfolgen hat, da das objektive Recht durchgesetzt werden soll,
oder ob im Einzelfall das subjektive Rechtsschutzinteresse überwiegt, verbleibt im
Rahmen dieses Spannungsverhältnisses der Überprüfung durch das kantonale Gericht
(BGE 144 V 153, E. 4.2.1).
2.5.
Das Vorliegen eines Wagnisses ist aufgrund des konkreten Geschehensablaufs zu
beurteilen. Mit anderen Worten ist zu prüfen, ob dem Unfallhergang, wie er sich konkret
ereignet hat, Wagnischarakter zukommt (vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom
19. September 2006, U 122/06, E. 3.2.1). Gemäss Erwägung 2.5 steht dem
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherungsgericht bei der Prüfung einer reformatio in peius ein gewisser
Ermessensspielraum zu.
In sachverhaltlicher Hinsicht ist mit Blick auf die Abklärungen der Kantonspolizei
Q._ folgender Geschehensablauf überwiegend wahrscheinlich erstellt: Am 25. Mai
2008 unternahm der Beschwerdeführer mit Kollegen eine Motorradtour. Die
Motorradgruppe wartete neben der öffentlichen Strasse auf einem Umschlagplatz einer
Baufirma auf den Beschwerdeführer, welcher dort als letzter Fahrer eintraf. Dort
angekommen, liess der Beschwerdeführer seinen Soziusfahrer absteigen. Auf dem
Areal befand sich unter anderem ein Kieshügel, auf den ein festgefahrener Pfad führte.
Der Beschwerdeführer fuhr diesen Pfad mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 km/h
hinauf. Weil der Hügel auf der Rückseite jedoch bereits abgebaut war, endete der Pfad
auf dem höchsten flachen Teil abrupt und der Beschwerdeführer stürzte trotz
Vollbremsung samt Motorrad rund fünf Meter in die Tiefe. Weiter ist dem Polizeirapport
zu entnehmen, dass auf dem Hügel, bei der Absturzstelle, 60cm vor dem Abgrund eine
Reklametafel der Baufirma angebracht gewesen sei. Auf der Rückseite der erwähnten
Reklametafel (Sturzseite) sei eine gelbe Tafel mit dem Vermerk "Das Betreten der
Baustelle verboten. Für Unbefugte wird bei Unfällen jede Haftung abgelehnt"
angebracht gewesen. Eine Tafel mit dem gleichen Hinweis habe sich auch am Ende
des Platzes bei der dortigen Einfahrt, das heisst rechts vom Kieshügel, befunden. Die
erwähnte Tafel sei dort auf einer rot-weiss markierten Baustellenlatte montiert
gewesen, habe aber von der Fahrtrichtung des Beschwerdeführers aus nicht
eingesehen werden können (Suva-act. 7-3 ff.).
3.2.
Das Motorradfahren an sich gilt als schützenswerte Betätigung, während die
Teilnahme an einem Motocross-Rennen oder einem Training dazu
rechtsprechungsgemäss ein absolutes Wagnis darstellen (Alexandra Rumo-Jungo/
André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S.
221, 223). Beim vom Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls gefahrenen Motorrads
BMW R80 GS (vgl. Suva-act. 7-4) handelt es sich um eine Enduromaschine, welche
geländegängig ist (https://de.wikipedia.org/wiki/ BMW_R_80_GS, abgerufen am 9.
September 2019). Das vorliegend in Frage stehende Befahren eines festgefahrenen
Pfades auf einen Kieshügel war folglich mit diesem Motorrad grundsätzlich gefahrlos
möglich. Bei der Baumaterialdeponie handelte es sich erkennbar um ein Privatareal.
Das Betreten oder Befahren desselben stellt an sich jedoch noch kein Wagnis dar. Auf
den Kieshügel führte wie erwähnt ein festgefahrener, ansonsten von grossen
Fahrzeugen für den Umschlag von Kies benutzter Pfad. Diese Seite des Kieshügels
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Weiter ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu
prüfen.
liess damit keine besondere Gefahr erkennen. Auch waren die vorhandenen
Hinweisschilder für den Beschwerdeführer nicht sichtbar (vgl. Suva-act. 7-3 ff.). Den
Kieshügel zu befahren - ohne sich zuvor mindestens zu versichern, dass auch auf der
Rückseite ein Pfad nach unten führt - war zweifelslos eine unüberlegte, fahrlässige
Handlung. Der Beschwerdeführer setzte sich jedoch nicht wissentlich einer besonders
grossen Gefahr aus. Weder wusste er, noch hätte er wissen müssen, dass der
Kieshügel auf der anderen Seite abgebaut war. Unbestritten beabsichtigte er auch
nicht, mit dem Motorrad "vom Hügel zu springen". Insgesamt weist das vorliegende
Ereignis nicht die gleiche Schwere auf wie die vom Bundesgericht als Wagnis
anerkannten Begebenheiten (vgl. Beispiele in Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 223 ff.).
Daran ändert auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs (einfache Verkehrsregelverletzung) mit einer Busse
bestraft wurde (vgl. Suva-act. 262-21 f.), nichts.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Argumentation wesentlich auf das
bezüglich einer Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer einerseits und
dem zuständigen Motorfahrzeugversicherer bzw. dem Eigentümer der Baufirma
andererseits ergangene Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2014
(4A_385/2013; Suva-act. 274). Das Bundesgericht hatte festgehalten, im Ergebnis
verletze es kein Bundesrecht, wenn die Vorinstanz angenommen habe, das Verhalten
des Beschwerdeführers unterbreche den Kausalzusammenhang (E. 6.4.2). Damit sei
die Vorinstanz auch zu Recht davon ausgegangen, dass der Unfall durch grobes
Verschulden des Beschwerdeführers verursacht worden sei (E. 7). Wie der
Beschwerdeführer zu Recht geltend macht (act. G11), entspricht ein grobes
Verschulden aus zivilrechtlicher Sicht jedoch nicht ohne Weiteres dem
unfallversicherungsrechtlichen Begriff des Wagnisses.
3.4.
Zusammenfassend ist das Vorliegen eines Wagnisses zu verneinen und eine
Kürzung allfälliger Geldleistungen rechtfertigt sich nicht.
3.5.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person
durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen
Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24
Abs. 1 UVG). Wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden
kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV)
abgeschlossen sind, entsteht der Rentenanspruch. Mit dem Rentenbeginn fallen die
Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Während es Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den
natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55, 58; BGE 125 V 456; 123 III 110; 112 V 30). Im Bereich klar ausgewiesener
organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt
die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. 5d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung; BGE 118 V 286, E. 3a).
4.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Vorliegend ist die Frage zu prüfen, ob die medizinische Situation und die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Der
angefochtene Einspracheentscheid stützt sich in medizinischer Hinsicht im
Wesentlichen auf die Gutachten M._ sowie dasjenige von Dr. J._ (Suva-act. 262,
308, 350). Der Beschwerdeführer spricht diesen die Beweiskraft ab und hält ihnen das
Gutachten K._ entgegen (act. G1, G11, Suva-act. 270). Unbestritten ist die
Verwertbarkeit des bezüglich der Observation des Beschwerdeführers im Zeitraum von
Januar bis Mai 2010 (vgl. Suva-act. 210 ff.) erstellten Materials (vgl. BGE 143 I 377).
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
In psychiatrischer Hinsicht liegt das Gutachten von Dr. J._ vom 30. Januar 2013
vor. Dieser erachtete die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht als nicht
eingeschränkt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er ein
Vortäuschen neuropsychologischer Einschränkungen (ICD-10: Z76.5) (Suva-act. 262).
Er stützte sich dabei unter anderem auf die Beurteilung von Fachpsychologe Dr. phil.
R._ vom 17. Januar 2013, welcher einen Verdacht auf eine Simulation von geltend
gemachten neurokognitiven Einschränkungen geäussert hatte (Suva-act. 262-76 ff.).
Der Beschwerdeführer bringt vor, Dr. J._ habe es versäumt, die von ihm selbst
erhobenen, psychopathologischen Befunde nach ICD-10 zuzuordnen. Dasselbe
Vorgehen lasse sich mit Blick auf die Ergebnisse der Hamilton Depressionsskala
beobachten, welche eine leichte Depression ergeben hätten. Dr. J._ habe sämtliche
dieser Befunde ohne ersichtlichen Grund ignoriert (act. G3). Wie das
Versicherungsgericht bereits mit Entscheid vom 3. April 2018 im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren IV 2016/14 (E. 3.2) ausführte, hat Dr. J._
praktisch gar keine objektiven klinischen Befunde erheben können. Dr. J._ hat im
Wesentlichen nur die Aussagen des Beschwerdeführers wiedergegeben. Diese können
keine hinreichende Grundlage für eine Diagnosestellung und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung bilden. Es besteht auch kein Grund zur Annahme, dass Dr.
J._ wesentliche objektive Befunde übersehen hätte, denn er hat die von ihm
erhobenen unauffälligen klinischen Befunde ausführlich beschrieben (Suva-act. 262-54
ff.). Zwar erhob er mittels der Hamilton Depressionsskala einen Wert von 14 Punkten.
Diese Skala ist jedoch nicht allein ausschlaggebend für die Diagnose einer Depression,
zumal das Resultat massgeblich von subjektiven Angaben geprägt ist (vgl. Suva-act.
262-56). Dr. J._ hat seine Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausführlich begründet. Zudem hat er sich mit den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers und - entgegen dessen Kritik (act. G3) - auch eingehend mit den
vorgängigen relevanten medizinischen Berichten auseinandergesetzt (vgl. Suva-act.
262-58 ff., 262-64 ff., 262-67 ff.). Die vom Beschwerdeführer angeführten früheren
psychiatrischen Einschätzungen, welche von einer Arbeitsunfähigkeit ausgingen,
entstanden zudem im Jahr 2009, mithin vor dem Fallabschluss vom 30. September
2010 (vgl. act. G11). Bereits Dr. med. S._ hatte die geltend gemachten psychischen
Einschränkungen des Beschwerdeführers am 25. Mai sowie 10. August 2011 stark in
Frage gestellt. Insbesondere mit Blick auf die Ergebnisse der Observation befand er, es
sei kaum möglich, als sich etwas anderes als eine absichtliche Täuschung der
Sozialversicherungen vorzustellen (vgl. Suva-act. 262-38 ff.). RAD-Arzt Dr. med. T._,
Facharzt für Psychiatrie, hatte ebenfalls erhebliche Zweifel an einer psychisch
relevanten Einschränkung geäussert (Datum unbekannt, vgl. Suva-act. 262-43 f.).
Insgesamt ist die überzeugende Beurteilung von Dr. J._ damit als beweiskräftig zu
erachten. Auch Dr. med. U._, Neurologin, Mitarbeiterin der IV-Stelle, hatte das
Gutachten als beweiskräftig bezeichnet (Suva-act. 262).
Die Ärzte des Kantonsspitals K._ klärten den Beschwerdeführer chirurgisch-
orthopädisch ab. Am 8. Juli 2013 beurteilten sie, die Rückenschmerzen der BWS sowie
die CTS-Symptomatik des Nervus medianus und die Kraftminderung der linken Hand
stünden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 25. Mai 2008. Die
Thoraxverletzung sowie die posttraumatische Belastungsstörung seien Unfallfolgen
und die Ventilationsstörung möglicherweise eine Spätfolge. In der angestammten
Tätigkeit als Staplerfahrer bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%, in einer adaptierten
Tätigkeit eine solche von 80% (Suva-act. 270). Wie die Beschwerdegegnerin gestützt
auf die Beurteilung von Dr. med. V._, Fachärztin für Neurologie FMH und Psychiatrie,
sowie Dr. I._ vom 6. März 2014 zu Recht vorbringt, ist das Gutachten K._ jedoch
als nicht beweiskräftig zu erachten (act. G7, G13, Suva-act. 272, vgl. auch die
Stellungnahme von Dr. U._; Suva-act. 262-99 ff.). Entgegen dem Auftrag der
Beschwerdegegnerin, eine interdisziplinäre Begutachtung mit den Fachrichtungen
Chirurgie-Orthopädie (Federführung, Schwergewicht durch Dr. L._) und Pulmologie
(Beurteilung Lungenfunktion, Zuzug eines Experten nach Wahl) zu erstellen (Suva-act.
226), hielten die Gutachter letzteres nicht für notwendig. Sie führten aus, die
Ventilationsstörung sei möglicherweise eine Spätfolge des Unfalls. Der
Kausalzusammenhang würde sich nur mittels eines pulmologischen Gutachtens klären
lassen. Bei fehlenden Beschwerden sei diese Begutachtung ihrer Auffassung nach
nicht erforderlich (Suva-act. 270-15). Nach dem 30. September 2011 erstellte Berichte
wurden im Gutachten weder in der Zusammenfassung der Akten aufgelistet, noch
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
thematisiert (vgl. Suva-act. 270). Es ist damit zumindest fraglich, ob sie den Gutachtern
bekannt waren. Offenbar keine Kenntnis hatten sie von den bereits zuvor erstellten
Beurteilungen von Dr. J._ und Dr. phil. R._. Sie hielten diesbezüglich fest, inwieweit
die von ihnen erwähnte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung Einfluss
auf die Erwerbsfähigkeit habe, sollte mit einem neurologisch/psychiatrischen
Zusatzgutachten geklärt werden (Suva-act. 270-17). Weiter bemängeln Dr. V._ und
Dr. I._, die Gutachter hätten diverse Befunde im Bereich der oberen Extremitäten,
speziell der Schultern sowie des Rückens erhoben, seien jedoch nicht weiter auf diese
eingegangen. Weiter hätten sei einen dumpfen Druckschmerz über dem TFCC
angegeben, sich jedoch nicht zu einer eventuell vorhandenen begleitenden Verletzung
des TFCC geäussert (Suva-act. 272-3 f., vgl. Suva-act. 270-11 ff.). Die Gutachter
berichteten über eine postoperative CTS-Symptomatik nach osteosynthetisch
versorgter distaler extraartikulärer Radiusfraktur sowie Metallentfernung mit
persistierendem Kraftdefizit bei durchgemachtem CRPS (Suva-act. 270-21). Wie Dr.
V._ und Dr. I._ zu Recht ausführen, war diese Diagnose zuvor nicht aktenkundig.
Die Gutachter begründeten ihre erstmalige Diagnose nicht. Zudem führten Dr. V._
und Dr. I._ aus, die Quantifiziertung der Kraft sei sehr stark von der Kooperation des
Untersuchten abhängig. Ein objektives Kriterium wäre die Umfangmessung der Ober-
und Unterarmmuskulatur sowie der Mittelhand gewesen, was jedoch nicht
durchgeführt worden sei (Suva-act. 272-4). Die Gutachter führten bezüglich der
Arbeitsfähigkeit unter anderem aus, bei sitzenden Tätigkeiten seien aufgrund von
Rückenbeschwerden regelmässige Pausen nötig (Suva-act. 270-24). Dr. V._ und Dr.
I._ stellten dies insofern in Frage, als die Beschwerden des am meisten betroffenen
BWK 6 sich bei sitzenden Tätigkeiten wesentlich weniger stark auswirken sollten als
etwa Frakturen im Bereich der Lendenwirbelsäule (Suva-act. 272-5). Die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ist zudem insofern widersprüchlich,
als die Gutachter einerseits befanden, es liege eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als
20% vor, gleichzeitig aber festhielten, es bestehe bis auf weiteres eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% (vgl. Suva-act. 270-25, Fragen 3.5 f.). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 20% in einer adaptierten Tätigkeit begründeten sie
sodann nicht nachvollziehbar, zumal sie nach der Umschreibung des
Zumutbarkeitsprofils lediglich ausführten, geringe Einschränkungen (20%) könnten
auch in adaptierten Tätigkeiten gegeben sein (Suva-act. 270-25). Der
Beschwerdeführer geht gar davon aus, diese 20%ige Einschränkung sei zusätzlich zur
Limitierung der Arbeitsfähigkeit auf sechs Stunden pro Tag zu berücksichtigen, womit
insgesamt eine Arbeitsfähigkeit von 60% resultiere (Suva-act. 270-26, act. G3).
Insgesamt ist das Gutachten K._ entsprechend der Beurteilung von Dr. V._ und Dr.
I._ als nicht beweiskräftig zu erachten, da es erhebliche formale und fachliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich mit einer Begutachtung durch
Dr. med. W._ einverstanden erklärt. Das Gutachten sei aber von Dr. O._ und
schliesslich per Delegation durch Dr. med. X._, Assistenzärztin Orthopädie, erstellte
worden. Diese sei im erforderlichen Bereich völlig unerfahren. Da er sich nicht mit der
Erstellung des Gutachtens durch Dr. O._ bzw. Dr. X._ einverstanden erklärt habe,
seien seine Mitwirkungsrechte verletzt (act. G3). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
nicht die Herkunft oder die Urheberschaft eines Gutachtens für dessen Beweiswert
entscheidend ist, sondern dass im Rahmen der freien Beweiswürdigung nur der Inhalt
bzw. die inhaltliche Überzeugungskraft eines Gutachtens ausschlaggebend sein kann.
Die gegen die Person von Dr. X._ gerichtete Kritik des Beschwerdeführers geht
deshalb an der Sache vorbei. Dr. X._ hatte das Gutachten zudem unter Aufsicht von
Oberärztin
Dr. O._ und PD Dr. med. Y._, Stv. Teamleiter Handchirurgie der Universitätsklinik
M._, erstellt (vgl. act. G3, Suva-act. 308-72). Insofern der Beschwerdeführer geltend
macht, Dr. X._ sei deutlich durch die Ausführungen von Dr. J._, dessen
Begutachtung eine Vortäuschung der Beschwerden ergeben habe, beeinflusst
gewesen, bestehen dafür keine Anhaltspunkte. Dr. X._ verwies bei der Frage, ob mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden könne, dass die
Defizite sowie Unklarheiten aufweist. Zudem fehlte eine pulmologische Begutachtung
und es ergaben sich Hinweise auf die Notwendigkeit einer neurologischen Abklärung
(vgl. Suva-act. 272). Der (im Übrigen verspätet erhobene) Vorwurf des
Beschwerdeführers, wonach eine weitere Begutachtung einer unzulässigen
Zweitbegutachtung gleichgekommen sei (vgl. act. G3), trifft damit nicht zu.
5.3.1 Die M._-Gutachter listeten als Diagnosen eine Lumbo-Thoracodorsalgie, eine
Kraftminderung und Schmerzen der Hand links, eine (unfallfremde) mittelschwere
restriktive Ventilationsstörung, einen Status nach stumpfem Thoraxtrauma bei
Motorradunfall vom 25. Mai 2008, einen Status nach leichtem Schädelhirntrauma nach
Motorradunfall vom 25. Mai 2008, einen Verdacht auf Status nach posttraumatischer
Belastungsstörung sowie einen Verdacht auf Status nach leichter bis mittelgradiger
depressiver Episode auf. Sie erachteten den Beschwerdeführer als zu 100%
arbeitsfähig in seiner angestammten sowie einer adaptierten Tätigkeit (Suva-act. 307
f.).
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerden und Symptome tatsachenwidrig dargestellt würden, auf die Beurteilung
von Dr. J._ (Suva-act. 308-70). Damit brachte sie lediglich zum Ausdruck, dass sie
dessen Meinung teile. Die Neutralität der Gutachterin wird damit nicht in Frage gestellt.
5.3.3 Wie der Beschwerdeführer vorbringt, führten die M._-Gutachter Krafttests der
Hände durch. Diese ergaben an der betroffenen linken Hand 63.75%, 64.9% und
70.3% schlechtere Ergebnisse als an der rechten Hand. In der Konsensbeurteilung
hielten die Gutachter als Diagnose eine Kraftminderung und Schmerzen der Hand links
fest. Bei der Beantwortung der Fragen der Beschwerdegegnerin bezeichneten sie die
Kraftminderung als leicht (Suva-act. 308-63, 308-67). Der Beschwerdeführer sieht
einen Widerspruch zwischen den Testergebnissen und der Einstufung als "leichte"
Kraftminderung (act. G3). Wie bereits erwähnt, sind solche Krafttests jedoch stark von
der Mitwirkung der untersuchten Person abhängig (vgl. Suva-act. 272-4, Erwägung
5.2). Die Gutachter prüften zusätzlich auch den Bewegungsumfang des Handgelenkes
und beurteilten dieses inspektorisch (Suva-act. 308-56 f.).
5.3.4 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
Gutachten M._ vom 20. Mai 2015 (Suva-act. 307 ff.) auf umfassender Aktenkenntnis
sowie polydisziplinären eigenen Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer vorgebrachten medizinischen
Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte, welche im
M._-Gutachten vom 20. Mai 2015 ausser Acht gelassen worden wären. Sie sind nicht
geeignet, das Gutachten in Zweifel zu ziehen. Schliesslich wurden auch zwischen dem
M._-Gutachten und dem umstrittenen Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2017
(Suva-act. 347) eingetretene massgebliche Veränderungen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit nicht substantiiert geltend gemacht und solche ergeben sich auch
nicht aus den Akten. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich damit.
6.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Der Beschwerdeführer hat in seinem Heimatland den Beruf des Schreiners erlernt,
war in der Schweiz aber nie als solcher tätig. Er bezog zum Zeitpunkt des Unfalls vom
25. Mai 2008 Arbeitslosentaggelder (Suva-act. 2) und war zuvor zuletzt als
Maschinenbediener und Staplerfahrer tätig (vgl. Suva-act. 13). Er ist damit als
Hilfsarbeiter einzustufen. Es ist ihm deshalb ohne weiteres zumutbar, im Ausmass
seiner verbliebenen Arbeitsfähigkeit einer Hilfsarbeit nachzugehen. Es muss sich um
eine der Behinderung optimal gerecht werdende Hilfsarbeit handeln, damit die
verbleibende Arbeitsfähigkeit - der allgemeinen Schadenminderungspflicht Rechnung
tragend - bestmöglich verwertet werden kann. Wenn in Art. 6 Satz 1 ATSG von der
durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten Einschränkung bei der Fähigkeit, im
bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten, die Rede ist, so kann damit im
Zusammenhang mit der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens des
Beschwerdeführers also nur die Arbeitsunfähigkeit in einer behinderungsadaptierten
Hilfsarbeit gemeint sein (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts vom 17. August 2012, IV
2010/400 E. 1.1). Es rechtfertigt sich damit, sowohl das Invalideneinkommen als auch
das Valideneinkommen gestützt auf die LSE, Total sämtlicher Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen.
6.2 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie die
M._-Gutachter festhielten, hat der Beschwerdeführer nur geringe qualitative
Einschränkungen. Es sind ihm alle wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Tragen von
Lasten über 20kg zumutbar (Suva-act. 308-69). Er ist im Vergleich zu voll
leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig nur geringfügig benachteiligt und
muss mit höchstens leicht unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum
Ganzen Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers
[Hrsg.]: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.; Urteil des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E 3.1.2). Es rechtfertigt sich
damit, den Tabellenlohnabzug auf 5% festzusetzen. Für einen weitergehenden Abzug -
wie vom Beschwerdeführer beantragt (act. G3) - besteht keine Grundlage.
6.3 Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten und
unter Berücksichtigung eines 5%igen Tabellenlohnabzugs resultiert im Rahmen eines
Prozentvergleichs ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 5%.
7.
Weiter ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung zu
beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer gestützt auf die
Beurteilungen der M._-Gutachter und Dr. P._ eine solche basierend auf einem
Integritätsschaden von 15% zu (Suva-act. 308-69 f., 339, 347, 350).
7.1 Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 UVV wird die
Integritätsentschädigung gemäss den Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen.
Dieser Anhang enthält eine als gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte
Skala. Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form
(sogenannte Feinraster) erarbeitet. Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die
Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll; sie sind mit dem
Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c mit Hinweis).
7.2 Die M._-Gutachter erachteten aufgrund der Beschwerden an der Wirbelsäule ein
Integritätsschaden von 15-20% als gegeben (Suva-act. 308-69). Dr. P._ präzisierte,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
es liege aufgrund der Wirbelsäulenaffektion ein Integritätsschaden von 15% vor (Suva-
act. 347). Der Beschwerdeführer beanstandet diese Beurteilungen nicht grundsätzlich,
hält aber einen zusätzlichen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung aufgrund der
Beeinträchtigung seines linken Handgelenks für gegeben. Er stützt sich dabei auf das
nicht beweiskräftige Gutachten K._ (act. G3). Diese Gutachter hatten befunden, die
Schädigung sei vergleichbar mit einer wenig bis mässig ausgeprägten
Handgelenksarthrose, womit ein Integritätsschaden von 5-10% bestehe (Suva-act.
270-20). Wie die M._-Gutachter jedoch plausibel ausführten, besteht beim
Beschwerdeführer keine Beeinträchtigung, für welche die Suva Tabelle 1
"Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten" eine
Integritätsentschädigung vorsehen würde (Aufhebung der Pro- und/oder Supination
des Vorderarms, Steifheit bei gewissen Bewegungen der Hand, radiocarpale
Arthrodese, Handwurzelarthrodese; abrufbar unter https://www.suva.ch/de-CH/
material/Dokumentationen/tabelle-01-integritaetsschaden-bei-funktionsstoerungen-an-
den-oberen-extremitaeten, abgerufen am 9. September 2019).
7.3 Zusammenfassend besteht entsprechend der Schätzung von Dr. P._ ein
Integritätsschaden von 15%.
8.
8.1 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Oktober
2017 nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen.
8.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.