Decision ID: e0118c19-5ad2-4b2b-9379-52017ce2b88a
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
war seit 2002 als Gärtner bei der
Y._
GmbH tätig (Urk. 7/11). Am 31. Januar 2011 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit August 2010 bestehende Krankheit bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Ab 1. März 2011 nahm er seine angestammte Erwerbstätigkeit
wieder schrittweise auf (Urk. 7/19, Urk. 7
/20). Ab dem 1.
Januar 2012 arbeitete der Versicherte wieder zu 100
% (Urk. 7/23/5). Mit Verfügung vom 29.
Mai 2012 verneinte die IV-Ste
lle einen Rentenanspruch (Urk. 7
/27).
1.2
Am 23.
Juni 2018 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Diskus
hernie erneut bei der IV-Ste
lle zum Leistungsbezug an (Urk. 7
/30). Die
IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärunge
n und gewährte als Frühinter
ven
tionsmassnahme am 2
4.
Januar 2019 eine Potentialabklärung bei der
Z._
Arbei
tsintegration (Urk. 7
/44). Nac
h Abschluss der beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen (vgl. Mi
tteilung vom 8. März 2019, Urk. 7
/55) wies sie das Leistungsbegehren mit Ve
rfügung vom 11.
Juni 2019 (Urk.
7
/71) ab.
Die
dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 18. Februar 2020
in dem Sinne gut, als
es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies (Prozess Nr.
IV.2019.00524;
Urk. 7/76).
1.3
Die IV-Stelle tätigte in der Folge weiter
e medizinische Abklärungen (Urk. 7/80
) und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten (Gutachten vom
21. Januar 2021, Urk. 7/89)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/92, Urk. 7/99
, Urk. 7/101
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
12. Juli 2021
einen Renten
anspruch des Versicherten (Urk. 7/104
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 13. September 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Juli 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente nach Gesetz zuzusprechen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und unent
geltliche Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2).
Am 14. Oktober 2021 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Mit Gerichtsverfügung vom
21. Februar 2022
(Urk.
9
) wurde die Pensionskasse
AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur
,
zum Prozess beigeladen
,
welche am
11. März 2022
auf eine St
ellungnahme verzichtete (
Urk.
11
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen
Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhn
lichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
leistungsabweisende Ver
fügung vom
12.
Juli 2021
(U
rk.
2) damit, dass
der Be
schwerdeführer seit dem 18.
März 2017 in seiner bisherigen Tätigkeit als Landschaftsgärtner zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einer optimal angepassten Tätigkeit sei er seit dem 19. Juni 2017 wieder zu 70 % arbeitsfähig
(S. 1)
.
Es ergebe
sich ein rentenausschli
essender Invaliditätsgrad von 35
%
. Ein leidensbedingter Abzug sei aus näher genannten Gründen nicht angezeigt
(
S.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
auf den Standpunkt (
Urk.
1),
aus näher genannten
Gründen
(S. 8 ff. Ziff. 20 ff.
)
könne er seine Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten, weshalb von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus
zugehen sei, was zur
Zusprache
einer ganzen Rente führen müsse (
S. 1
2
Ziff.
34). Sollte das angerufene Gericht davon ausgehen, dass er seine Restarbeitsfähigkeit noch verwerten könne, müsse aus näher genannten Gründen (
S. 13
ff.
Ziff.
35 ff.) ein
genereller
Abzug von mindestens 15 % vom Tabellenlohn vorgenommen wer
den, was basierend auf den Zahlen der Beschwerdegegnerin zu einer
Zusprach
e
einer
Viertelsrente
führen müsse (
S. 16
Ziff.
47). Aus näher genannten Gründen (
S. 17
f.
Ziff. 51
ff.)
sei ihm ein weiterer Abzug von 15 %
infolge Berufsunfähig
keit
zu gewähren (
S. 18 Ziff. 54
). Zudem sei
aus näher genannten Gründen (S. 18 f. Ziff. 55 ff.)
für jedes volle Jahr der beruflichen Desintegration ein Abzug von 5 % zuzulassen (
S. 19 Ziff.
59). Insgesamt rechtfertige sich ei
n Abzug vom Tabellenlohn von 55
%, was mit den Zahlen der Beschwerdegegnerin gerechnet bei einem IV-Grad von 70
% zur
Zusprache
einer ganzen Rente führen müsse
(S. 19 Ziff. 60)
.
2.3
Im Rahmen seiner ersten Anmeldung nahm der Beschwerdeführer seine ange
stamm
te Tätigkeit zu 75
%
ab dem 20. Juni 2011 (Urk. 7
/20) bezieh
ungsweise später zu 100
%
(Urk. 7/23/5) wieder auf. Am 29. Mai 2012 (Urk. 7
/27) verneinte die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspr
uch. Die neue Anmeldung vom
23. Juni 2018 (Urk. 7
/30) erfolgte, nachdem der Beschwerdeführer seine Arbeits
stelle verloren hatte. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich bei der Anmeldung vom 2
3.
Juni 2018 somit nicht um eine Neuanmeldung im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV. Vielmehr ist diese gleich wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln (Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018, E. 4.1).
Streitig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Invaliden
rente hat
.
3.
Im Urteil des hiesigen Gerichts
vom
18. Februar 2020
wurde die medizinische Aktenlage folgendermassen beurteilt
(Urk. 7/76
S. 6 f.
):
«In den Akten finden sich – nebst der RAD-Einschätzung - einzig aktuelle medi
zinische Berichte des Hausarztes
Dr.
A._
(...). Daraus gehen jedoch weder aktu
elle Diagnosen hervor, noch wurde beurteilt, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der Beschwerdeführer
arbeits
(
un
)fähig ist (E. 4.2).
RAD-Arzt
Dr.
B._
nahm (...) keine eigene Untersuchung, sondern lediglich eine Aktenbeurteilung vor, was den Beweisanforderungen (...) kaum zu genügen vermag. (...)
Eine Begründung für die Annahme einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit fehlt gänzlich. Zudem setzte sich der RAD-Arzt nicht mit dem Umstand auseinander, dass im Rahmen einer Potentialabklärung keine Arbeits
fähigkeit für den ersten Arbeits
markt festgestellt werden konnte (E. 4.3)
.
(...)
Da keine andere verlässliche und nachvollziehbare Einschätzung der verblie
benen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie in einer angepassten Tätigkeit vor
handen ist, fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid
(E. 4.4)
.
(...)
Vorliegend wurde der
entscheidrelevante
Sachve
rhalt, nämlich die Frage der Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers, ungenüge
nd abgeklärt. Es ist daher ange
zeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in geeigneter Weise abkläre und hernach die Frage von beruflichen Massnahmen prüfe oder gegebenenfalls erneut über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers entscheide
(E. 5.2
)
.
»
4.
4.1
4.1
.1
Seither präsentierte sich die relevante Aktenlage wie folgt:
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, für Endokrinologie-Diabetologie und für Kardiologie,
Dr.
med.
D._
, Praktische Ärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
und
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurolo
gie,
H._ AG
,
in I._
, erstatteten am 21. Januar 2021 ihr interdiszipli
näres Gutachten (Urk. 7/89).
4.1.2
Im allgemein-internistischen Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 15-21)
führte PD
Dr.
C._
aus, es fänden
sich keine Erkrankungen von Relevanz und mit Ein
fluss
auf die Arbeitsfähigkeit
(
S. 20
Ziff. 6.1)
.
Er nannte folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 20
Ziff. 6.3):
-
morbide Adipositas Grad III (BMI 43.4kg/m2)
-
Zustand nach Ulcus
ventriculi
August 2010 mit erfolgter HP-
Eradikationstherapie
-
Hyperlipidämie
-
Prädiabetes
4.1.3
Im kardiologischen Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 22-29) nannte PD
Dr.
C._
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 27
Ziff. 6.2). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (
S. 27
Ziff.
6.3):
-
k
oronare 1-Gefässerkrankung mit erfolgtem
Stenting
am 10. Januar 2010 bei einer 70%igen mittleren RIVA-Stenose PCI vom 7. Dezember 2010: 70%ige Stenose seriell des RIVA; RCS/RCA,
stenosefrei
, wanderverändert; Hauptstamm
stenosefrei
-
Zustand nach perkutanem Verschluss eines persistierenden
Foramen
ovale ohne
residuellem
arterialem
Shunt im Verlauf (
Figulla
Flex PFO
Occluder
) 7. Dezember 2010
-
Hyperlipidämie
-
arterielle Hypertonie
Aus kardiologischer Sicht besteh
e
derzeit eine gute Leistungsfähigkeit. Im Alltag
sei
der
Beschwerdeführer
mit dem Velo aber auch zu
Fuss
unterwegs.
Es beein
trächtigten lediglich die orthopädischen Probleme. Ebenso sei in der aktuellen Echokardiografie eine gute linksventrikuläre Pumpfunktion ohne regionale
Wandbewegungsstörungen bei einem unauffälligen Klappenapparat
feststellbar
(
S. 27
Ziff. 6.1).
4.1.4
Im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 30-42) nannte
Dr.
D._
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 39
Ziff. 6.2) eine Verbitterungs
störung (ICD-10 F43.8).
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie (
Ziff.
6.3) einen schädlichen Gebrauch von Alkohol
, Differential
diagnose (
DD
)
Alkoholabhängigkeitssyndrom mit ständigem Substanzkonsum
(Deltatrinker),
ICD-10
F 10.1
,
DD F10.
2.
Insgesamt
sei
aus psychiatrischer Sicht von einer leichten bis mittelgradigen Beeinträchtigung auszugehen. Von Seiten des Alkoholkonsums (etwa eine Flasche Rotwein pro Tag) seien aus psychiatri
scher Sicht die diagnostischen Kriterien für eine Alkoholabhängigkeits
erkrankung erfüllt. Im Falle von beruflichen Massnahmen sei eine kontrollierte Abstinenz von Alkohol - mit regelmässigen Kontrollen der alkoholspezifischen Labor Parameter
–
empfehlenswert
(S. 38
Ziff.
6.1)
. Aus rein psychiatrischer Sicht ergebe sich infolge einer Verbitterungsstörung eine insgesamt leichte Einschrän
kung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Gartenbau liege medizintheoretisch ab dem aktuellen Untersuchungszeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von 80 % vor. Im Verlauf sei aus rein psychischen Gründen nie eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(
S. 41
Ziff. 8.1)
. Auch in adaptierten Tätigkeiten liege aus rein psychiatrischer Sicht medizintheoretisch eine Arbeits
fähigkeit von 80 % vor. Grundsätzlich seien einfache, repetitive Tätigkeiten ohne Notwendigkeit von Deutschkenntnissen möglich (
S. 41
Ziff. 8.2).
4.1.5
Im
pneumologischen
Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 43-49) nannte
Dr.
E._
als hier gekürzt aufgeführte Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 47
Ziff.
6.2) eine
s
chwergradige
COPD, Phänotyp am ehesten im Sinne einer chronisch obstruktiven Bronchitis
.
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er
keine
(
S. 47
Ziff.
6.3). In der bisherigen körperlich schweren Tätigkeit als Gartenbauer bestehe
pneumologisch
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Da der Beschwerdeführer in früheren Jahren
pneumologisch
nie untersucht worden sei, es keine Lungenfunktionen gebe, könne kein retrospektiver Zeitpunkt für die Arbeitsfähigkeit bestimmt werden (
S. 48
Ziff. 8.1, S.
46
Ziff. 4.7).
Für eine
körperlich leicht
e
bis sehr leicht
e Tätigkeit
unter lufthygienisch unproblemati
schen Bedingungen
bestehe leistungsmässig momentan eine 100%ige Arbeits
fähigkeit. Diese optimistische Einschätzung könne sich allerdings rasch ändern, sollte die COPD in Zukunft progredient sein. Bezüglich Pensum müsse bei dieser schweren COPD bemerkt werden, dass Pausen nötig seien. In dem Sinne recht
fertige sich eine Einschränkung des Pensums um 30 %. Damit könnte der
Beschwerdeführer
gemäss definiertem Profil pro Tag knapp 6 Stunden arbeiten (
S. 48
Ziff. 8.2).
4
.1.6
Im orthopädischen Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 50-62)
nannte
D
r.
F._
fol
gende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 60
Ziff.
6.2):
-
chronische Kreuzschmerzen
-
rezidivierende Nackenschmerzen
-
belastungsabhängige Schulterschmerzen beidseits, aktuell rechts mehr als links
-
Status nach anamnestisch Explosionsverletzung an der linken Hand im 13. Lebensjahr
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (
S. 60
Ziff.
6.3)
eine
Adipositas.
Es bestehe eine 30%ige Arbeitsfähigkeit (70%ige Arbeitsunfähigkeit) in der an
gestammten Tätigkeit als Gartenarbeiter Bau (
S. 61
Ziff. 8.1). In einer ideal ange
passten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. In der Beschreibung des Leistungskalküls werde die verminderte Belastbarkeit der Hals- und Lenden
wirbelsäule, der Schultern sowie die Funktionseinschränkungen der linken Hand berücksichtigt. Dabei sollten folgende Tätigkeiten vermieden werden (
S. 61
Ziff. 8.2):
-
Das Heben/Tragen von Gewichten über 10 kg. Das Heben/Tragen sollte grundsätzlich nur fallweise gefordert sein mit anschliessender ausreichen
der Ruhezeit.
-
Arbeitszwangshaltungen mit vermehrter Belastung der Hals- und Lenden
wirbelsäule (zum Beispiel repetitive Rotationsbewegungen des Kopfes [über 40°] bei fixiertem Oberkörper oder fixierter Blickrichtung in deutlicher Abweichung zur Körperachse; repetitive Rotationsbewegungen über 30° des Oberkörpers bei fixiertem Stand der Beine oder vorgebeugte Arbeitszwangshaltungen ohne die Möglichkeit sich abzustützen).
-
Arbeiten, welche mit Bücken unter Tischkantenniveau verbunden
seien
.
-
Arbeitshaltungen im Knien oder in Hockstellung.
-
Arbeiten, welche mit dem Überwinden von Niveauunterschieden (z.B.: Treppensteigen) verbunden
seien
.
-
H
öhenexponierte Arbeiten (zum Beispiel auf Leitern oder Gerüsten) und Überkopfarbeiten.
-
S
tehend
e
/gehende Tätigkeiten sollen auf 60 Minuten am Stück reduziert sein mit anschliessender Möglichkeit zum Wechsel in eine sitzende Arbeitsposition.
-
Arbeiten mit
feinmanipulativem Handgeschick (Hantieren mit kleinen Schrauben,
Z
entrieren von kleinen Bohrern, feine Lötarbeiten)
-
Arbeiten mit
feinstmanipulativem
Handgeschick (Uhrenmacher, Perl
sticker etc.)
Zu empfehlen seien leichte, wechselbelastende Arbeiten mit der Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen (
S. 61
Ziff. 8.2).
4.1.7
Im neurologischen Teilgutachten (Urk. 7/89 S. 63-72)
nannte
Dr.
G._
fol
gende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 70
Ziff.
6.2):
-
chronische Lumbalgien
-
Schwindelattacken unklarer Ätiologie
-
anamnestisch Status nach Explosionsverletzung an der linken Hand im 1
3.
Lebensjahr
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (
S. 70
Ziff.
6.3)
aktenanamnestisch einen Status nach multiplen bilateralen ischämischen Hirn
infarkten mit
Hemisymptomatik
rechts am 2
8.
August 201
0.
Aus rein neurologi
scher Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (
S. 71
Ziff. 8.1). In einer vollständig angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Für eine vollständig angepasste Tätigkeit müssten folgende Kriterien
erfüllt sein: Rückenschonende, wechselbelastende, keine rein stehende oder rein sitzende Tätigkeit
mit
ausreichend Pausen zur Linderung der Schmerzen
und ohne
Tätigkeiten in Höhen. Arbeiten mit Beanspruchung der
Feinmotorik der linken Hand
seien aufgrund der akzidentellen Amputationen der Fingerglieder nicht vertretbar (
S. 71
Ziff. 8.2).
4.1.8
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S.
6
-14) führten die Gutachter
zusammenfassen
d
aus, es bestehe beim
Beschwerdeführer
eine deutliche Ein
schränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der
schwergradigen
COPD mit
hypoxämischer
respiratorischer Insuffizienz, chronischen Lumbalgien bei nachgewiesen degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS), Nacken und Schulterschmerzen und unklaren Schwindelattacken. Zusätzlich sei psychiatrisch eine Verbitterung mit negativer Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit
erhebbar
(
S.
7
Ziff. 4.1).
Die Gutachter nannten die folgenden,
hier gekürzt aufgeführte
n
Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeiten (S. 8
Ziff.
4.2.1):
-
schwergradige
COPD, Phänotyp am ehesten im Sinne einer chronischen obstruktiven Bronchitis
-
Verbitterungsstörung
-
chronische Lumbalgien
-
rezidivierende Nackenschmerzen
-
belastungsabhängige Schulterschmerzen beidseits, aktuell rechts mehr als links
-
Status
nach anamnestisch Explosionsverletzung an der linken Hand im 13.
Lebensjahr
-
Schwindelattacken unklarer Ätiologie
Zu
den
funktionellen Auswirkungen der Befunde / Diagnosen wurde ausgeführt, bei den massiv eingeschränkten Ventilationsreserven und der mutmasslichen Gasaustauschstörung seien die körperlichen Ressourcen deutlich eingeschränkt, dies jedenfalls für mittelschwere bis schwere körperliche Tätigkeiten. Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei leicht eingeschränkt. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sei leicht eingeschränkt. Die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sei leicht beeinträchtigt. Das Durchhaltever
mögen sei leicht beeinträchtigt. Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei mässig beein
trächtigt. Die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sei leicht eingeschränkt. Eine über
mässige Beanspruchung der Hals- und Lendenwirbelsäule sollte vermieden werden (
S. 9
Ziff. 4.3).
Als Belastung zeige sich beim
Beschwerdeführer
eine pessimistische und depres
sive Grundhaltung bei chronischer Schmerzsymptomatik. Die fehlenden Deutsch
kenntnisse erschwerten eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Als belastender Faktor würden auch die schwierigen familiären Umstände gesehen werden. Die körperlichen Einschränkungen in der angestammten Tätigkeit als Gärtner seien aufgrund der Rückenschmerzen nachvollziehbar. Der Explorand habe Schwierig
keiten sich neuen Situationen anzupassen. Das Durchhaltevermögen sei leicht beeinträchtigt. Es fehle ein gut gefestigtes soziales Umfeld mit enger familiärer Verbundenheit. Eine aktive Alltagsgestaltung mit regelmässigen Freizeit
aktivitäten sei nicht vorhanden. Auch die morbide Adipositas im Sinne eines metabolischen Syndrom
s
sei als Belastungsfaktor zu erwähnen. An Ressourcen zeige sich die Ausübung eines leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Berufes. Positiv zu benennen seien langjährige Erfahrungen im Rahmen einer aktiv ausgeübten Berufstätigkeit im Gartenbau. In diesem Kontext zu erwähnen seien auch gute Arbeitszeugnisse. Grundsätzlich versorge sich der Explorand aber selbstständig und brauch
e
keine Hilfe im Haushalt, er werde den an ihn gestellten fachlichen Erwartungen gerecht. Mit seinen Geschwistern beschreibe er einen sehr guten Kontakt. Hobbys würden vernachlässigt werden und der Explorand verhalte sich passiv. Die Selbstpflege, Kleidung und Sauberkeit seien angemessen (
S. 10
Ziff. 4.5).
Es bestünden keine relevanten Inkonsistenzen (
S. 10
Ziff. 4.6).
In angestammter Tätigkeit als Gartenbauarbeiter besteh
e
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Führend
sei
dabei das
pneumologische
Leiden einer schweren COPD
(
S. 11
Ziff. 4.7)
.
In optimal angepasster Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
bei einer zeitlichen Einschränkung des Pensums aufgrund der COPD (
S.
11
Ziff. 4.8). Über die Chronologie der Arbeitsunfähigkeit könne
pneumologisch
nichts ausgesagt werden, da der
Beschwerdeführer
früher
pneumologisch
nie evaluiert worden sei (
S. 12
Ziff. 4.11).
4.2
Dr.
med.
J._
, Facharzt für
Chirurgie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
führte mit Stellungnahme
vom 1.
Februar 2021 (Urk. 7/91/3-5) aus,
es werde empfohlen, den Beurteilungen des vorliegenden Gutachtens zu folgen
(S. 1)
.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit dem 1
8.
März 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In angepasster Tätigkeit habe v
om 1
8.
März bis 1
8.
Juni 2017 (Unfall mit Ri
ppenserienfraktur 6. bis 10.
Rippe)
eine
1
00
%
ige und vom 1
9.
Juni 2017 bis auf weiteres (aus versicherungsmedizinischer Sicht nach 12 Wochen Rekonvaleszenz und Frakturheilung) eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
(S. 3 Mitte).
Es werde im
Gutachten
kein genauer Beginn der Einschränkungen genannt, es sei jedoch versicherungsmedizinisch theoretisch gut nachvollziehbar, dass nach der Rippenserienfraktur eine merkbare Einschränkung bestanden haben müsse (S. 3).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer war von Mai 2002 bis November 2016 als Gartenarbeiter Bau bei der
Y._
GmbH tätig (
Urk.
7/11, Urk. 7/40/3). Seither war er nicht mehr arbeitstätig.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, attestierte mit Bericht vom 25. Juli 2018 (Urk.
7
/34) vom 18.
März bis 30. April 2017 (Unfall) und
vom 2. Juli bis 1.
Dezember 2017 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 1). Im orthopädischen Teilgutachten wurde ein
Status nach anamnestisch Velou
nfall mit Rippenserienfraktur links (
6.
bis 1
0.
Rippe) 2017 festgehalten (Urk. 7/89/51). Der RAD-Arzt hielt zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit fest, es werde im Gutachten kein genauer Beginn der Einschränkungen genannt, es sei jedoch versicherungsmedizinisch theoretisch gut nachvollziehbar, dass nach der Rippenserienfraktur eine merkbare Einschränkung bestanden haben müsse
(vorstehend E. 4.2)
. Angesichts dieser eher dürftigen echtzeitlichen Akten
lage ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin
das
Wartejahr ab 18. März 2017
eröffnete
(vgl. vorstehend E. 2.1).
5.2
Das
polydisziplinäre
Gutachten
der
H._ AG
wurde unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung umfassender Abklärungen erstattet und vermag den Anforderungen an den
Beweiswert einer medizinischen E
xpertise (vgl. vorstehend E. 1.4
) zu genügen.
Das Gutachten wird weder von der Beschwerdegegnerin noch vom Beschwerdeführer beanstandet (vorstehend E. 2, E. 4.2).
Gestützt auf das Gutachten
ist
ausgewiesen, dass
der Beschwerdeführer
an einer
Verbitterungsstörung, einer
schwergradigen
COPD, chronischen Lumbalgien,
rezidivierenden Nackenschmerzen, belastungsabhängigen Schulter
schmerzen beidseits und Schwindelattacken unklarer Ätiologie leidet, wobei diese Diagnosen Einfluss auf seine Arbeitsfähigkeit haben. Des Weiteren leidet der Beschwerdeführer an verschiedenen Diagnosen, welchen gemäss Gutachter
n
kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt (vorstehend E. 4.1).
Sie
kamen zum Schluss, i
n angestammter Tätigkeit als Gartenbauarbeiter bestehe eine
voll
ständige
Arbeitsunfähigkeit. Führend sei dabei das
pneumologische
Leiden einer schweren
COPD
. In optimal angepasster Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70
% bei einer zeitlichen Einschränkung des Pensums aufgrund der COPD (
vorstehend E. 4.1).
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er in einer behin
derungsangepassten Tätigkeit zu
70
% arbeitsfähig ist (vgl. Urk.
1 S.
7
Ziff.
14
). Er macht jedoch geltend, diese Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten zu können.
5
.3
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar
ist
. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
dene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein
(BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätig
keit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Er
werbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverläs
sige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl. BGE 138
V 457 E. 3.4).
Je restriktiver das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto einge
hender ist in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen (Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1 mit Hinweis). Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist erst anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts 582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_712/2017 vom 12. Januar 2018 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Das Bundesgericht hat generell relativ hohe Hürden für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen entwickelt (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.4 und 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E. 5.2, je mit Hinweis).
Eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters schliesst die Verwertbarkeit der verbleibenden Restarbeits
fähigkeit für sich alleine nicht aus (vgl. BGE 143 V 431 E. 4.5.2 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E. 5.2 mit Hinweis).
5
.
4
Das Gutachten
der
H._ AG
datiert vom
21.
Januar 2021 (vorstehend E. 4.1). Ab diesem Zeitpunk
t
erlaubten
die medizinischen Unterlagen eine zuver
lässige Sachverhaltsfeststellung
zur
Frage nach der Verwertbarkeit der Rest
arbeits
fähigkeit bei vorgerücktem Alter.
Damals
war
der am 26. September 1961 geborene Beschwerdeführer 59 Jahre und 4 Monate alt
.
5.5
Das Bundesgericht hat in neuerer Zeit die Verwertbarkeit der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit von
älteren
Versicherten in folgenden Fällen bejaht:
-
Urteil
8C_535/2021 vom 2
5.
November 2021 E. 5.4: Ein
61 Jahre und vier Mona
te al
t
er Versicherter,
Restarbeitsfähigkeit im Umfang von 75
%
.
- Urteil 9C_797/2019 vom
6.
Januar 2020 E. 5: 61 1⁄2-jähriger Versicherter, der leidensangepasste Erwerbstätigkeiten (in körperlicher Hinsicht leicht, ohne über
wiegendes Gehen) uneingeschränkt auszuüben vermag.
- Urteil 9C_693/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 4: 60-jähriger Versicherter, ver
fügt sowohl über eine abgeschlossene Ausbildung als auch über Erfahrung in leichte(
re
)n Arbeiten, die er in einer ihm zumutbaren leidensangepassten Tätigkeit nutzen kann. Aktivitätsdauer von vier Jahren und sieben Monaten. Diese Aktivitätsdauer reiche grundsätzlich - auch bei einer Resta
rbeitsfähigkeit von 50
% - aus, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzu
arbeiten und die Arbeit auszuüben.
- Urteil 9C_574/2019 vom 1
6.
Oktober 2019 E. 2.4: 60 3/4-jährige Beschwerde
führerin, ging nach ihrem Unfall vom
1.
April 2013 invaliditätsbedingt keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, war aber in leidensangepassten Verweisungs
tätigkeiten nicht mehr eingeschränkt und zeitlich voll disponibel. Zudem arbei
tete sie schon in unterschiedlichsten Berufen. Auch wenn sie diesbezüglich für eine angepasste Tätigkeit keine spezifischen Fertigkeiten nutzbar machen kann, zeugten die seinerzeitigen Berufserfahrungen dennoch von einer gewissen Umstellungsfähigkeit der Versicherten im Erwerbsleben.
-
Urteil des Bundesgerichts 8C_7
7/2019 vom
8.
März 2019, E. 3.2:
59
1/2 Jahre alt
im Begutacht
u
n
g
szeitpunkt
. E
ine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren gilt rechtsprechungsgemäss grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit aus
zuüben
.
- Urteil 8C_117/2018 vom 3
1.
August 2018 E. 3.3: 62-jährige Versicherte, rund 2 Jahre vor der ordentlichen Alterspensionierung, Rest-Arbeitsfähigkeit 80
%
; praktisch ausschliesslich im Bereich Wäscherei/Zimmerservice tätig gewesen, ohne Berufsbildung.
- Urteil 8C_892/2017 vom 2
3.
August 2018 (= SVR 2019 IV Nr. 7): gut 62-jähriger Barpianist ohne formelle Ausbildung, verbleibende Aktivitätsdauer im Beur
teilungszeitpunkt knapp 3 Jahre, Rest-Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit 80
%
.
- Urteil 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 E. 4.1: Restaktivitätsdauer im Zeit
punkt des Gutachtens noch mindestens 3 1⁄4 Jahre.
Verneint wurde die Verwertbarkeit vom Bundesgericht in neuerer Zeit in folgen
den Fällen:
- Urteil 9C_766/2019 vom 1
1.
September 2020, E. 4.2 ff.: Versicherte ist - selbst unter Berücksichtigung von Nischenarbeitsplätzen - nicht in der Lage, die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit von 20
%
- längerfristig - wirtschaftlich zu verwer
ten.
- Urteil 9C_644/2019 vom 2
0.
Januar 2020, E. 4.3: 59-jährige Versicherte mit ausgeprägter
arbeitsmarktlicher
Desintegration.
- Urteil 9C_183/2017 vom 3
0.
Oktober 2017, E. 5.2.3 und E. 6: Die Versicherte wäre bei einer Rückweisung zwecks Anordnung von Eingliederungsmassnahmen deutlich über 62-jährig gewesen, mit klar weniger als zwei Jahren bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters, weshalb die bisher ausgerichtete ganze Rente nicht herabgesetzt oder aufgehoben wurde.
- Urteil 9C_416/2016 vom 1
4.
Oktober 2016 E. 3.1 und E. 5: Alter 62.5 Jahre, Restaktivitätsdauer eineinhalb Jahre. Die Versicherte hatte keinen Beruf erlernt. Sie arbeitete seit 2005 als Montagemitarbeiterin am Fliessband, was ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden konnte. Altersbedingt und aufgrund minimaler (Aus-) Bildung wurde von einer geringen Anpassungs
fähigkeit an eine neue Tätigkeit ausgegangen.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass «die Nichtverwertbarkeit der Restarbeitsfähig
keit aufgrund fortgeschrittenen Alters in der Rechtsprechung in der Regel eine Ausnahme bleibt» (Marco Weiss, Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf
grund vorgerückten Alters - Rechtsprechungstendenzen, SZS 2018, S. 630 ff., S.
640).
Die Analyse der Rechtpraxis zeigt bei Versicherten mit einem Alter von unter 60 Jahren
, dass d
ie Verneinung der Verwertbarkeit
bei unter 60-Jäh
rigen die absolute Ausnahme bildet und nur vorkommt, wenn derart qualifizierende Begleitumstände hinzutreten, die auch für sich alleine betrachtet die Verwert
barkeit bereits als höchst zweifelhaft erscheinen lassen
(
Gächter
/Egli/Meier/Filippo,
Grundprobleme
der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung
, Rechtsgutachten
vom 2
2.
Januar 2021
, S. 46).
5.6
Der Beschwerdeführer war im massgebenden Zeitpunkt 59 Jahre und 4 Monate alt (
E. 5.3 f.
); es verblieben ihm noch 5 Jahre und 8 Monate bis zum Eintritt ins
AHV-Rentenalter
.
Hinsichtlich der Schul- und Erwerbsbiographie de
s
Beschwer
deführer
s
geht aus den Akten hervor, dass der in
K._
geborene Beschwerde
führer die Primarschule in
K._
absolviert habe und mit dem 13.
Lebensjahr ausgeschult worden sei. Er habe keine weiteren Ausbildungen absolviert. Er habe im 13. Lebensjahr mit dem Vater im Steinbruch arbeiten müssen, 1991 sei er in die Schweiz gekommen
(Urk. 7/89/18 Ziff. 3.2.5 f.). Von 1991 bis 2002 habe er als Bauarbeiter bei der
L._
AG
gearbeitet (Urk. 7/89/52
Ziff.
3.2.6, vgl. auch Urk. 7/13).
Von
2002 bis November 2016
,
und damit während rund 14 Jahren bei derselben Arbeitgeberin,
war er
als Gartenarbeiter Bau bei der
Y._
GmbH tätig (
Urk.
7/11,
Urk.
7/40/3
, vgl. auch Urk. 7/13
).
Seither war er nicht meh
r arbeits
tätig.
Der Beschwerdeführer verfügt nur über rudimentäre Deutschkenntnisse (Urk. 7/89/19
Ziff.
4.2).
5
.7
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist
in dem Sinne beeinträchtigt, als er nur noch
angepasste
leichte, wechselbelastende Arbeiten mit der Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen
ausüben
kann
. In
der angestammten Tätigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
als
Gartenbauarbeiter
besteht
aufgrund der
schwergradigen
COPD
keine Arbeitsfähigkeit mehr,
in einer
optimal angepassten Tätigkeit
besteht eine
70
%
ige
Arbeitsfähigkeit
.
Bei
m
vorliegenden
Gesundheitsschaden
, dem zu berücksichtigenden Belastungs
profil,
der
Arbeitsfähigkeit von
70
%
und unter Berücksichtigung der Erwerbs
biographie sowie den persönlichen Verhältnissen
verbleibt ein
ausreichendes
Spektrum von auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verfügbaren körperlich leichten
,
wechselbelastende
Tätigkeiten, insbesondere Hilfsarbeiten, die mit einem nur geringen oder gar keinen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand verbunden sind. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass der Beschwerdeführer über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt und bisher
während vielen Jahren bei den gleichen Arbeitgebern tätig war.
In Würdigung der rechtsprechungsgemäss massgebenden Umstände (vorstehend E.
5.3, E. 5.5
)
und insbesondere angesichts des im
massgebenden Zeitpunkt
erst 59-jährigen Beschwerdeführers
führt dies zum Schluss, dass
seine
Restarbeits
fähigkeit als noch verwertbar einzustufen ist.
Auf lohnmindernde Faktoren ist nachfolgend einzugehen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135
V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
6.3
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Im Rahmen von Revisionsverfahren ist der Zeitpunkt der Anpassung des Renten
anspruchs massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. Septem
ber 2019 E. 7.4).
6.4
Die Anmeldun
g des Beschwerdeführers vom 23. Juni 2018 ging am 10.
Juli 2018 bei der Beschwerdegegnerin ein (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 7/30),
womit ein Rentenanspruch
grundsätzlich frühestens am 1.
Januar 2019
entstehen konnte (
vorstehend E. 1.3
). Deshalb sind der Berechnung des Invaliditätsgrades die Werte des Jahres
2019
zugrunde zu legen.
Das Wartejahr war zu dies
em Zeitpunkt bereits abgelaufen (
vgl. vorstehend E. 5.1).
6.5
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das
Valideneinkommen
für das Jahr
2018 gestützt auf den zuletzt erzielten Verdienst bei der
Y._
GmbH
und den I
K
-
Auszug (vgl. Urk. 7/35)
, und errechnete ein hypothetisches
Valideneinkommen
von Fr. 73'384.35 (vgl. Urk. 7/90),
was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wurde (vgl.
Urk.
1
).
Hochgerechnet auf das Jahr 2019 resultiert ein
hypothetisches
Valideneinkommen
von F
r. 74'341.--
(
Fr.
72'670 [Jahr 2014]
+ Fr.
73'190.-- [Jahr 2015]
+ Fr.
73'197.80 [Jahr 2016] =
Fr.
219'057.90 / 3 =
Fr.
73'019.25
x 1.004 x 1.005 x 1.009
).
6.6
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs
einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwer
deinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.
8
D
ie bisheri
ge Stelle wurde dem
Besc
hwerdeführer
auf den 30.
November 2016
gekündigt (vgl. Urk.
7/
40/3
)
. In der Folge hat er
keine Erwerbstätigkeit aufge
nommen
.
Folglich stellte die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des Invaliden
einkommens zu Recht auf die Tabellenlöhne gemäss LSE ab, nämlich auf das von
Männern
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art durch
schnittlich erzielte Einkommen
in der Höhe von Fr. 5'417.--
(Lohnstrukturer
hebung (LSE) 2018, TA1_triage_skill_level, Total
Männer
, Kompetenzniveau 1). Angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr
2019
(vgl. Tabelle Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, herausgegeben vom Bundesamt für Statistik, BFS, T 03.02.03.01.04.01, Total
Ziff.
1-96) sowie an die durchschnittliche Nominallohnentwicklung
von 0.9 % im Jahr 2019
(Bundes
amt für Statistik, Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne,
Männer
) ergibt sich per
2019
in angepasster Tätigkeit ein Invalideneinkommen von Fr.
68'376.55 (Fr. 5'417
.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.009
).
Der
Beschwerdeführer ist unter Berück
sichtigung
seines Belastungsprofils 70
% arbeitsfähig, womit
ein Invalidenein
kommen von Fr. 47'863.60
resultiert.
6.9
Die Beschwerdegegnerin gewährte keinen Leidensabzug.
Soweit der Beschwerde
führer
geltend macht, es
sei standardmässig immer dann schon ein leidensbe
dingter Abzug von 15
% zu gewähren, wenn das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen ermittelt werde
(vgl. Urk. 1 S. 15 Ziff. 42)
ist
in diesem Zusammenhang
festzuhalten
, dass gemäss langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Ermittlung des Invalideneinkommens mittels der LSE-Tabellen vom Medianwert ausgegangen wird (BGE 129 V 472 E. 4.2.1; Urteil des
Bundesgerichts 9C_674/2019 vom
9.
Dezember 2019 E. 3.6.1). Um behinderungs
bedingte Einbussen auszugleichen, ist nicht auf einen Durchschnittswert unterer Quartilsbereiche abzustellen und vom Zentralwert des monatlichen Bruttolohnes (Median) abzuweichen. Hierfür sieht die Rechtsprechung explizit den leidens
bedingten Abzug von bis zu 25
%
des Medianwerts vor (Urteil des Bundesgerichts 8C_190/2019 vom 1
2.
Februar 2020 E. 4.1 mit Hinweisen).
Das Bundesgericht hat denn auch unter Bezugnahme auf die
im vorliegenden Beschwerdeverfahren ebenfalls vorgelegten
neusten wissenschaftlichen Unter
suchungen mit Urteil vom
9.
März 2022 entschieden, es halte eine Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung zur Ermittlung des Invaliditätsgrades anhand der Tabellenlöhne der LSE nicht für angezeigt. Es würden keine ernsthaften sach
lichen Gründe für eine Änderung der Praxis vorliegen. Für die korrekte Fest
legung des Invaliditätsgrades seien die bisher angewandten Korrekturinstrumente von zentraler Bedeutung. Eine Änderung der Rechtsprechung zum heutigen Zeit
punkt würde mit Blick auf die per
1.
Januar 2022 in Kraft getretenen Anpassun
gen des Bundesgesetzes und der Verordnung über die Invalidenversicherung ohnehin nicht opportun sein (vgl.
Medienmitteilung des Bundesgerichts zu seinem Urteil
8C_
256/2021
vom
9.
März 2022)
.
Vorliegend besteht
damit
kein Anlass, von der gefestigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend das Abstellen auf den Medianlohn abzuweichen oder einen generellen Abzug vorzunehmen.
Soweit der Beschwerdeführer auf fehlende genügende Sprachkenntnisse hinweist
und geltend macht, dass ihm eine berufliche Umorientierung nach 30 Jahren in Bautätigkeiten kaum mehr zugemutet werden könne (vgl. Urk. 1 S. 15
Rz
42)
,
ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach
mangelnde Sprachkenntnisse regelmässig keinen Abzug vom Tabellenlohn
begründen
.
Diesem Umstand sowie den fehlenden Berufskenntnissen in einer Verweistätig
keit wird bereits mit dem herangezogenen Tabellenlohn des niedrigsten Kompe
tenzniveau 1 Rechnung getragen
(vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_702/2020 vom 1.
Februar 2021
E. 6.3.2 mit Hinweis).
Zudem
nimmt auch die Bedeutung der Anzahl Dienstjahre im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist (AHI 1999 177 E. 3b S. 181), weshalb mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 die lange
n
Betriebszugehörigkeit
en
keinen Abzug zu rechtfertigen
vermögen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.1 mit Hinwei
sen).
Vorliegend sind
jedoch
die
fehlende Ausbildung,
das
Alter
und die
längere
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
als lohnmindernde Faktoren
zu berücksichtigen.
Hinzu kommt das
eingeschränkte orthopädische und neurologische
Belastungs
profil. Dieses floss in die Beurteilung der 70%igen Arbeitsfähigkeit nicht ein, hiel
ten die Gutachter doch fest, dass in einer
optimal angepasste
n
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
bei einer zeitlichen Einschränkung des Pensums auf
grund der COPD
bestehe
.
Aufgrund der konkreten Umstände, insbesondere ange
sichts der zahlreichen Anforderungen an die leidensangepasste Tätigkeit
, welche
im Wesentlichen
nicht nur Gewichte, Zwangshaltungen, Niveauunterschiede und Wechselbelastung sondern auch fein- und
feinstmanipulatives
Handgeschick betreffen
(vgl. vorstehend E. 4.1.6-4.1.7)
,
die im Rahmen der Stellensuche zu berücksichtigen und eines Vorstellungsgesprächs zu thematisieren sind, bestehen Hinweise, dass der Beschwerdeführer die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann.
Dies kann nicht unberücksichtigt bleiben, wo
mit i
nsge
samt
ein A
bzug vom Tabellenlohn von
15
%
zu gewähren
ist
.
Damit resultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen in Höhe von rund Fr.
40'684.05
(Fr. 47'863.60 x 0.8
5
)
und ein eine
Viertelsrente
begründender
Invaliditätsgrad von
rund 45
%
(
Fr.
74'341.-- -
Fr.
40'684.05 =
Fr.
33'656.95;
Fr.
33'656.95 /
Fr.
74'341.-- = 45
%
)
.
6.10
In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 1
2.
Juli 2021
aufzuheben und festzustellen, dass
der Beschwerdeführer
mit Wirkung ab
1. Januar 2019
Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und
einem
gerichtsü
blichen St
undenansatz
von Fr.
220.--
(zuzüglich
MWSt
)
ist die Beschwerdegegnerin daher zu verpflichten, de
m
anwaltlich vertretenen
Beschwerdefü
hrer
e
ine Prozessentschädigung von Fr. 2’400
.-- (inklusive Baraus
lagen und
MWSt
) zu bezahlen.
7
.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens er
weist sich das Gesuch de
s Beschwerdeführers
um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung als gegenstandslos
.