Decision ID: 358e588d-5fba-4753-aab5-45772365acb3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der 1964 geborene, verheiratete und in seiner Heimat wohnhafte kosova-
rische Staatsangehörige A._ (im Folgenden: Versicherter oder Be-
schwerdeführer) war – mit Unterbrüchen – von April 1988 bis Dezember
1995 in der Schweiz jeweils als Saisonnier erwerbstätig und entrichtete da-
bei Beiträge an die obligatorische schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung. Zuletzt war der gelernte Landschaftsgärtner als
Landarbeiter beim Landwirt und Schäfer C._ tätig. Das Arbeitsver-
hältnis endete durch Zeitablauf (AHV/IV; vgl. vorinstanzliche Akten [im Fol-
genden: IVSTA-act.] 8 und 14-17).
B.
B.a Am 24. April 2018 meldete sich der Versicherte, vertreten durch seinen
Bruder, bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA; im Folgenden
auch: Vorinstanz) zum Bezug einer Invalidenrente an (vgl. IVSTA-act. 2-5).
Nachdem die Vorinstanz medizinische und erwerbliche Abklärungen getä-
tigt und der Versicherte mit Eingabe vom 13. November 2018 aufforde-
rungsgemäss auch das ausgefüllte Anmeldeformular nachgereicht hatte
(Eingang bei der Vorinstanz am 10. Dezember 2018; vgl. IVSTA-act. 6-22,
28 und 32), stellte sie dem Versicherten gestützt auf eine Stellungnahme
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 11. Dezember 2018 (IV-
STA-act. 31) mit Vorbescheid vom 21. Januar 2019 die Abweisung seines
Leistungsbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie im Wesentli-
chen aus, dass seit dem 1. April 2010 das Sozialversicherungsabkommen
zwischen der Schweiz und dem ehemaligen Jugoslawien im Verhältnis
zum Kosovo nicht mehr angewendet werde und er daher als Nichtvertrags-
ausländer gelte; gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts hätte eine
rentenbegründende Gesundheitsbeeinträchtigung vor dem 31. März 2010
vorliegen müssen. Eine Arbeitsunfähigkeit habe jedoch allenfalls erst ab
dem Operationsdatum vom 24. März 2015 bestanden. Die geltend ge-
machte Sägeverletzung aus dem Jahr 1994 stehe in keinem Zusammen-
hang mit den heutigen Beschwerden an der HWS (vgl. IVSTA-act. 33). Da-
gegen erhob der Beschwerdeführer am 12. Februar 2019 (Datum Post-
stempel [IVSTA-act. 40]) Einwand. Nach erneuter Konsultation des RAD
(IVSTA-act. 42) erliess die Vorinstanz am 3. April 2019 eine dem Vorbe-
scheid vom 21. Januar 2019 entsprechende Verfügung (IVSTA-act. 43).
B.b Die dagegen am 15. April 2019 erhobene Beschwerde wies das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil C-1821/2019 vom 31. Juli 2019 ab, mit
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der Begründung, für die weitere Anwendung des in Bezug auf kosovarische
Staatsangehörige seit dem 1. April 2010 ausser Kraft gesetzten Sozialver-
sicherungsabkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und der (ehemaligen) Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über Sozial-
versicherung vom 8. Juni 1962 müsse ein IV-Rentenanspruch vor diesem
Datum entstanden sein; weil jedoch der im Kosovo wohnhafte Versicherte
lediglich die kosovarische Staatsbürgerschaft besitze und der Leistungs-
anspruch in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens am 1. Juni 2019
hätte entstehen können, habe er keinen Anspruch auf eine IV-Rente. Aller-
dings stehe es dem Versicherten frei, nach Inkrafttreten des neuen Sozial-
versicherungsabkommens im September 2019 ein neues Leistungsgesuch
zu stellen. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.c Nach Inkrafttreten des neuen Abkommens zwischen der Schweiz und
dem Kosovo am 1. September 2019 reichte der Versicherte mit Eingabe
vom 20. September 2019 bei der Vorinstanz ein neues Leistungsgesuch
ein, welches diese am 25. September 2019 zwecks Einleitung des zwi-
schenstaatlichen Verfahrens zuständigkeitshalber an den kosovarischen
Sozialversicherungsträger übermittelte (IVSTA-act. 73-84). Nach Eingang
des offiziellen Anmeldeformulars vom 4. November 2019 sowie weiterer
Unterlagen (IVSTA-act. 85-92) stellte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-
rer nach Durchführung von medizinischen und erwerblichen Abklärungen
gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 16. März 2020 mit Vorbe-
scheid vom 14. Mai 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus-
sicht im Wesentlichen mit der Begründung, der Versicherte sei nicht wäh-
rend eines ganzen Jahres ohne wesentlichen Unterbruch ausreichend
durchschnittlich arbeitsunfähig gewesen. Es liege somit keine Invalidität
vor, die einen Rentenanspruch zu begründen vermöge (vgl. IVSTA-act. 93-
110). Nachdem der Versicherte, vertreten durch seinen Bruder, am 20. Mai
2020 schriftlich Einwand erhoben hatte (IVSTA-act. 111), erliess die Vor-
instanz nach erneuter Konsultation des RAD vom 8. Juni 2020 (vgl. IVSTA-
act. 112 f.) am 11. Juni 2020 eine dem Vorbescheid entsprechende Verfü-
gung (vgl. IVSTA-act. 114).
C.
C.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (fortan: Beschwerdefüh-
rer), vertreten durch seinen Bruder, beim Bundesverwaltungsgericht mit
Eingabe vom 3. Juli 2020 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Auf-
hebung der Verfügung vom 11. Juni 2020 und die Zusprache einer Invali-
denrente. Im Weiteren machte er sinngemäss geltend, kaum über finanzi-
elle Mittel zu verfügen. Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im
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Wesentlichen vor, er habe aufgrund der bei seinem Arbeitsunfall vom
23. Mai 1995 zugezogenen Schäden am Kopf und an der Wirbelsäule bis
zur Operation vom 24. März 2015 mit Schmerzen gelebt und bis heute
nicht mehr gearbeitet. Aufgrund seiner Wirbelsäulenprobleme könne er
nicht einmal 10 kg heben, weshalb er auch in der Landwirtschaft keine Ar-
beit finde. Im Kosovo erhalte er eine Invalidenrente von Fr. 100.-, die je-
doch nicht ausreiche, um seine Physiotherapie, den Unterhalt und die Me-
dikamente zu finanzieren. Er werde daher von seinem Bruder in der
Schweiz unterstützt (vgl. Akten im Beschwerdeverfahren [im Folgenden:
BVGer-act.] 1).
C.b Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juli 2020 wurde der Eingang der Be-
schwerde bestätigt und der Beschwerdeführer gleichzeitig aufgefordert, ei-
nerseits innert 30 Tagen ab Erhalt der Verfügung das beigelegte Formular
«Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» ausgefüllt und mit den nötigen
Beweismitteln versehen einzureichen, und andererseits eine Vertretungs-
vollmacht für seinen Bruder vorzulegen. Mit Eingabe vom 9. Juli 2020 liess
der Beschwerdeführer zunächst eine Vertretungsvollmacht für seinen Bru-
der vorlegen, mit Eingabe vom 21. August 2020 (Datum Postaufgabe) das
ausgefüllte Formular vom 20. August 2020 samt Beilagen (vgl. BVGer-
act. 2-8).
C.c Am 2. September 2020 reichte die Vorinstanz auf richterliche Aufforde-
rung vom 27. August 2020 hin ihre Akten in elektronischer Form ein (vgl.
BVGer-act. 9 f.).
C.d Nachdem der Beschwerdeführer betreffend das Gesuch um unentgelt-
liche Rechtspflege am 24. Februar 2021 zur Einreichung weiterer Unterla-
gen sowie um Mitteilung ergänzender Angaben aufgefordert worden war,
erklärte er am 1. März 2021 den Rückzug seines Gesuchs um unentgeltli-
che Rechtspflege. Dieses wurde mit Zwischenverfügung vom 4. März 2021
als gegenstandslos geworden abgeschrieben; gleichzeitig wurde der Be-
schwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten) auf-
gefordert, innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung einen Kosten-
vorschuss von Fr. 800.– zu leisten. Am 5. März 2021 überwies der Be-
schwerdeführer einen Betrag von Fr. 800.– zuhanden der Gerichtskasse
(vgl. BVGer-act. 12-16).
C.e Mit Vernehmlassung vom 24. März 2021 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Einleitend verwies sie bezüglich der Vorge-
schichte auf ihre Vernehmlassung vom 18. Juli 2019 im vorangegangen
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Beschwerdeverfahren sowie das dazu ergangene Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts C-1821/2019 vom 31. Juli 2019. Bereits im damaligen
Verfahren sei vom ärztlichen Dienst festgestellt worden, dass es sich beim
Unfall vom 23. Mai 1995 um einen Bagatellunfall gehandelt habe, der keine
länger andauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt und in keinem Be-
zug zum erst Jahre später aufgetretenen Bandscheibenleiden gestanden
habe. Der ärztliche Dienst habe im Rahmen der Prüfung des ersten Leis-
tungsgesuchs dementsprechend festgestellt, dass wegen dem Bandschei-
benleiden seit der Operation vom 24. März 2015 volle Arbeitsunfähigkeit in
der schweren Tätigkeit als Landarbeiter bestehe. Jedoch bestehe drei Mo-
nate nach der Operation in dem Rückenleiden angepassten leichten Ver-
weisungstätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Diese Beurteilung sei vom
ärztlichen Dienst im Rahmen der Prüfung des neuen Leistungsgesuches
vollumfänglich bestätigt worden. Gemäss dem Einkommensvergleich vom
7. Mai 2020 erleide der Beschwerdeführe keine gesundheitlich bedingte
Erwerbseinbusse. Beschwerdeweise ergäben sich keine neuen Aspekte,
welche zu einer geänderten Beurteilung führen würden (BVGer-act. 19).
C.f Mit Replik vom 8. April 2021 (Datum Postaufgabe) hielt der Beschwer-
deführer sinngemäss an seinen Anträgen und deren Begründung fest
(vgl. BVGer-act. 21).
C.g Mit Duplik vom 16. April 2021 hielt auch die Vorinstanz an ihrem Antrag
und ihrer Begründung fest (vgl. BVGer-act. 23).
C.h Mit Instruktionsverfügung vom 21. April 2021 wurde dem Beschwerde-
führer ein Doppel der Duplik der Vorinstanz vom 16. April 2021 zur Kennt-
nisnahme zugestellt und gleichzeitig der Schriftenwechsel – unter Vorbe-
halt weiterer Instruktionsmassnahmen – abgeschlossen (BVGer-act. 24).
C.i Mittels Spontaneingabe (Datum Poststempel nicht entzifferbar) liess
der Beschwerdeführer ohne Begleitschreiben eine CD (in beschädigter
Hülle) nachreichen, die nicht gelesen werden konnte, und daher am
30. April 2021 im Original an den Beschwerdeführer retourniert wurde (vgl.
BVGer-act. 25 f.).
C.j Mit Spontaneingabe vom 28. Mai 2021 (Datum Postaufgabe) reichte
der Beschwerdeführer zwei Untersuchungsberichte vom 19. April 2021
und einen Bericht betreffend eine Operation am Gehörgang vom 25. Mai
2021 ein. Eine entsprechende Kopie wurde der Vorinstanz mit Verfügung
vom 2. Juni 2021 zur Kenntnisnahme zugestellt (vgl. BVGer-act. 27 f.).
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C.k Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – so-
weit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht rich-
tet sich grundsätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vor-
behalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestim-
mungen des ATSG (SR 830.1). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der
angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb
er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG; Art. 48
Abs. 1 VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet
wurde, ist auf die frist- und knapp formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4
VwVG).
2.
Der Beschwerdeführer ist kosovarischer Staatsangehöriger und wohnt im
Kosovo. Nach dem Zerfall der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien blie-
ben zunächst die Bestimmungen des Abkommens vom 8. Juni 1962 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Volks-
republik Jugoslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1) für
alle Staatsangehörigen des ehemaligen Jugoslawiens anwendbar (BGE
126 V 198 E. 2B, 122 V 381 E. 1 mit Hinweis). Ab dem 1. April 2010 entfiel
dessen Weiterführung mit dem Kosovo (vgl. hierzu bereits das den Be-
schwerdeführer betreffende Urteil C-1821/2019 vom 31. Juli 2019 E. 2).
Das neue, am 8. Juni 2018 abgeschlossene und am 1. September 2019 in
Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und der Republik Kosovo über soziale Sicherheit
(SR 0.831.109.475.1) ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren, in wel-
chem die angefochtene Verfügung vom 11. Juni 2020 (vgl. E. 2 hiervor) zu
beurteilen ist, anwendbar. Es begründet keine Leistungsansprüche für den
Zeitraum vor seinem Inkrafttreten (vgl. Art. 35 Abs. 1 des Abkommens). Je-
doch wird über Ansprüche von Personen, deren Rente – wie vorliegend –
vor dem Inkrafttreten dieses Abkommens abgelehnt oder festgestellt wor-
den ist, auf Antrag nach diesem Abkommen neu entschieden (Art. 35
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Abs. 1 des Abkommens). Nach Art. 4 dieses Abkommens sind die Staats-
angehörigen der Vertragsstaaten sowie deren Familienangehörige und
Hinterlassene in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften
des anderen Vertragsstaats den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaats
beziehungsweise deren Familienangehörigen und Hinterlassenen gleich-
gestellt, soweit das Abkommen nichts anderes bestimmt. Weil vorliegend
keine abweichenden Bestimmungen zur Anwendung gelangen, bestimmt
sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der schweizeri-
schen Invalidenversicherung aufgrund der schweizerischen Rechtsvor-
schriften.
3.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 11. Juni 2020, mit welcher die Vorinstanz bei einem festge-
stellten IV-Grad von 0 % das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
abgewiesen hat. Aufgrund der Rechtsbegehren ist Prozessthema respek-
tive streitig und zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine In-
validenrente hat und in diesem Zusammenhang vorab, ob die Vorinstanz
den rechtserheblichen Sachverhalt in medizinischer und erwerblicher Hin-
sicht rechtsgenüglich abgeklärt hat.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 11. Juni 2020) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des BGer 8C_136/2017 vom
7. August 2017 E. 3). Ärztliche Berichte, die sich über den vorliegend
massgebenden Zeitraum aussprechen, hat das Gericht auch dann zu be-
rücksichtigen, wenn sie nach dem Verfügungserlass datieren (vgl. Urteil
BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E. 3.3.2 m.w.H.). In zeitlicher Hin-
sicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 11. Juni 2020 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind. Im vorliegenden Fall sind damit insbesondere die erst am
1. Januar 2022 in Kraft getretenen Änderungen (Weiterentwicklung der IV
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[WEIV]; Änderung vom 19. Juni 2020, AS 2021 705, BBl 2017 2535) im
IVG, in der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversiche-
rung (IVV [SR 831.201]) sowie im ATSG nicht anwendbar (vgl. Urteil des
BGer 9C_339/2021 vom 27. Juli 2022 E. 2.1).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
3.4 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6, 126 V 353
E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Der Sozialversicherungsträger als
verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tat-
sache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 8C_494/2013 vom
22. April 2014 E. 5.4.1, n. publ. in: BGE 140 V 220).
3.5 Das Sozialversicherungsverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben die Verwaltung und im Beschwerdefall das Ge-
richt von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen
nicht uneingeschränkt. Zum einen findet er sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a,
je mit Hinweisen); zum anderen umfasst die behördliche und richterliche
Abklärungspflicht nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet
oder verlangt wird. Vielmehr bezieht sie sich nur auf den im Rahmen des
streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sach-
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verhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es ab-
hängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist
(vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 43 und
273). In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialversiche-
rungsgerichte zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veran-
lassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus
den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE
117 V 282 E. 4a mit Hinweis; Urteil des BGer 8C_843/2016 vom 8. März
2017 E. 2; zum Ganzen auch BGE 144 V 427 E. 3.2).
3.6 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Be-
weismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver-
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten (BGE 125 V
351 E. 3a).
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
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Seite 10
4.2
4.2.1 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Zusätzliche kumulative Voraussetzung für einen Ren-
tenanspruch ist, dass der Versicherte im Sinne von Art. 36 Abs. 1 IVG beim
Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge an die Al-
ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet hat.
4.2.2 Der Beschwerdeführer hat gemäss Bescheinigung des Versiche-
rungsverlaufs in der Schweiz E 205 vom 15. August 2018 während 44 Mo-
naten Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet (IVSTA-act. 8). Er
erfüllt mithin die Voraussetzung der dreijährigen Mindestbeitragsdauer für
den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente.
4.3 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2).
4.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente. Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad
von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die
ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz
haben, soweit nicht zwischenstaatliche Vereinbarungen eine abweichende
Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme sieht das Abkommen zwi-
schen der Schweiz und dem Kosovo nicht vor.
4.5 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die er-
forderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist somit dem Durchfüh-
rungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem
Untersuchungsgrundsatz abzuklären, und zwar richtig und vollständig, so
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Seite 11
dass gestützt darauf die Verfügung über die jeweils in Frage stehende Leis-
tung ergehen kann (Art. 49 ATSG; BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
4.6 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun-
gen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a).
4.7 Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht
verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf Berichte versicherungs-
interner medizinischer Fachpersonen zu entscheiden. In solchen Fällen
sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne
zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vor-
zunehmen sind (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465; 122 V 157 E. 1d).
5.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht
im vorangegangen Beschwerdeverfahren C-1821/2019 nicht mit den me-
dizinischen Akten auseinandersetzen musste, da mit Blick auf die frühest-
mögliche Entstehung des Leistungsanspruchs vom 1. Juni 2019 das in Be-
zug auf kosovarische Staatsangehörige ausser Kraft gesetzte Sozialversi-
cherungsabkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und der (ehemaligen) Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über Sozial-
versicherung vom 8. Juni 1962 offensichtlich nicht mehr anwendbar war
(vgl. Urteil C-1821/2019 vom 31. Juli 2019 E. 2). Allerdings hätte auch eine
Auseinandersetzung mit den medizinischen Akten im vorangegangenen
Beschwerdeverfahren aufgrund des klaren Wortlauts von Art. 35 Abs. 5
des Abkommens einer erneuten Prüfung der medizinischen Akten im vor-
liegenden Beschwerdeverfahren nicht entgegengestanden (vgl. E. 2 hier-
vor).
C-3412/2020
Seite 12
6.
Aufgrund des soeben Ausgeführten ist nachfolgend zunächst zu prüfen, ob
die Vorinstanz den medizinischen Sachverhalt entsprechend der ihr ge-
mäss Art. 43 Abs. 1 ATSG obliegenden Pflicht rechtsgenüglich abgeklärt
hat respektive ob mit den vorliegenden Akten eine rechtsgenügende
Grundlage zur Beurteilung des Gesundheitszustands sowie der Arbeits-
bzw. Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers vorgelegen hat. Zum Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers im für die Beurteilung eines all-
fälligen Rentenanspruchs massgebenden Zeitraum lässt sich den medizi-
nischen Akten im Wesentlichen das Folgende entnehmen:
6.1
6.1.1 Bezüglich des Unfallereignisses vom 23. Mai 1995, welches der Be-
schwerdeführer als Ursache seiner geltend gemachten gesundheitlichen
Beschwerden erachtet, hat der Beschwerdeführer sowohl im ersten, als
auch im vorliegenden Gesuchsverfahren lediglich eine Bagatell-Unfallmel-
dung UVG des damaligen Arbeitgebers vom 9. August 1995 (vgl. IVSTA-
act. 75 S. 1), eine Rechnung des Regionalspitals D._ vom 25. Juli
1995 (vgl. IVSTA-act. 75 S. 2) sowie eine Arztrechnung des damals behan-
delnden Hausarztes vom 19. Juli 1995 (vgl. IVSTA-act. 75 S. 8) einge-
reicht. Aus diesen Dokumenten geht lediglich hervor, dass sich der Be-
schwerdeführer eine Schnittwunde am Kopf respektive der Stirn zugezo-
gen hatte, die am 23. Mai 1995 notfallmässig im Regionalspital D._
und anschliessend am 24. Mai 1995 in der Hausarztpraxis jeweils mittels
Wundverband versorgt worden sei (vgl. IVSTA-act. 75 S. 1-4 und S. 7 f.).
Eigentliche echtzeitliche medizinische Unterlagen befinden sich jedoch
keine in den Akten. Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Vorinstanz
haben vergeblich versucht, entsprechende Behandlungsberichte aus je-
nem Zeitraum erhältlich zu machen. Aufgrund der verstrichenen Zeit seit
dem Unfallereignis vor über 20 Jahren waren jedoch weder beim Regio-
nalspital D._ noch bei der Praxis des damaligen Hausarztes irgend-
welche Unterlagen vorhanden (vgl. IVSTA-act. 2 S. 5, 21 f., 27, 46 S. 2, 49
S. 2, 67, 68 S. 1 und S. 9, 75 S. 5 und 111 S. 3 f.).
6.1.2 Im Entlassungsbericht der Klinik für Neurochirurgie E._ be-
treffend den Krankenhausaufenthalt vom 16. bis zum 26. März 2015 be-
richten die Dres. med. F._ und G._ (jeweils ohne Angabe
eines Facharzttitels), dass der Versicherte seit ein paar Monaten Nacken-
schmerzen habe, ihm zudem Gegenstände aus der Hand fallen würden
und sein Gang erschwert sei. Mittels MRT sei eine Diskushernie C5 bei
C-3412/2020
Seite 13
zervikaler Myelopathie festgestellt worden, welche am 24. März 2015 mit-
tels Diskektomie C5 und Cage-Einlage operativ versorgt worden sei. Im
Weiteren führen die Ärzte aus, dass ein postoperativ erstelltes Kontroll-
Röntgenbild eine saubere Position des Implantats gezeigt habe. Bis zum
nächsten Kontrolltermin in zwei Monaten sei der Versicherte krankge-
schrieben worden (IVSTA-act. 19; 57, 70 S. 6 und 81).
6.1.3 Gemäss Bestätigung des kosovarischen Sozialversicherungsträgers
vom 26. Mai 2017 beziehe der Beschwerdeführer seit dem 16. Dezember
2016 eine kosovarische IV-Rente (vgl. IVSTA-act. 16).
6.1.4 Im Kurzbericht vom 18. August 2018 führt Dr. med. H._, Fach-
arzt für Neurochirurgie, die Diagnosen St. n. Diskektomie C5 und Cage-
Einlage am 24. März 2015, posttraumatische Cephalea sowie Zervikobra-
chialgie-Syndrom auf. Im Weiteren führt er aus, dass der Patient mittels
diversen Therapien (Physio-, Kinesio- und Kryotherapie; Massagen;
Elektro-, Ultrasono- sowie Ergotherapie; Lymph-Drainage, Muskel-Tapping
etc.), ebenso mit Analgetika und Muskelrelaxanzien behandelt worden sei.
Schliesslich hielt der Arzt fest, dass der Versicherte wegen den Schmerzen
im Bereich der Halswirbelsäule und am Rücken «weiterhin» nicht in der
Lage sei zu arbeiten. Er empfahl die weitere Behandlung mittels Schmerz-
und Physiotherapie (vgl. IVSTA-act. 18).
6.1.5 Die soeben aufgeführten Dokumente wurden dem RAD-Arzt
Dr. med. I._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
bereits im ersten Gesuchsverfahren zur Beurteilung unterbreitet. In Würdi-
gung dieser Unterlagen stellte Dr. med. I._ in seiner Stellungnahme
vom 11. Dezember 2018 als einzige (Haupt-)Diagnose mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit einen St. n. Diskektomie C5 und Cage-Einlage am
24. März 2015 bei zervikaler Myelopathie. Der RAD-Arzt wies darauf hin,
dass die Aktenlage zwar dürftig sei, sich daraus trotzdem erkennen lasse,
dass die Sägeverletzung aus dem Jahr 1994 nichts mit den heutigen Be-
schwerden zu tun habe und der Bandscheibenvorfall nicht auf den damali-
gen Unfall zurückzuführen sei. Aufgrund der HWS-Schäden und der am
24. März 2015 durchgeführten Operation seien dem Patienten die ange-
stammte Tätigkeit als Saisonarbeiter/Gartenarbeiter sowie jede andere
schwere körperliche Arbeit ab dem 24. März 2015 nicht mehr zumutbar.
Demgegenüber fänden sich in den Akten keine Hinweise für eine (dauer-
hafte) Arbeitsunfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten ohne Belastung
der Wirbelsäule. Diesbezüglich habe lediglich von 24. März 2015 bis
C-3412/2020
Seite 14
24. Juni 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ebenso seien keine
invalidisierenden Unfallfolgen vorhanden (vgl. IVSTA-act. 31).
6.1.6 Einwandweise reichte der Beschwerdeführer einen handschriftlich
verfassten und daher nur teilweise lesbaren Kurzbericht der Polyklinik
«J._» vom 7. Februar 2019 nach, den die Vorinstanz in der Folge
ins Deutsche übersetzen liess. Soweit gemäss deutscher Übersetzung ent-
zifferbar, nennt Dr. med. K._, Fachärztin für Physikalische Medizin
und Rehabilitation, die Diagnose St. n. Diskektomie C5 infolge einer Dis-
kushernie C5. Im Weiteren lässt sich dem Bericht entnehmen, dass der
Beschwerdeführer Schmerzen im zervikalen Bereich habe und die Reflexe
bei der Untersuchung symmetrisch gewesen seien. Schliesslich lässt sich
dem Bericht noch entnehmen, dass die Ärztin nebst einer Schmerzmedi-
kation auch eine 2-wöchige Behandlung im Heilbad eines Reha-Zentrums
mitsamt diverser Therapien (u.a. perkutane elektrische Nervenstimulation
[PENS], physikalische Therapie [PT] und Kinesiotherapie) verschrieben
habe (vgl. IVSTA-act. 38 f.).
6.1.7 Unter Berücksichtigung dieses neuen Berichts bestätigte Dr. med.
I._ mit Stellungnahme vom 1. April 2019 seine Einschätzung vom
11. Dezember 2018. Der nachgereichte Bericht ändere nichts an der Ein-
schätzung, wonach der Beschwerdeführer dauerhaft zu 100 % arbeitsun-
fähig in seiner angestammten Tätigkeit sei. Abgesehen von einer vorüber-
gehenden dreimonatigen vollen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Operation
sei er ab dem 24. Juni 2015 in leidensangepassten Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsfähig. Im Weiteren seien der Bandscheibenschaden und die Opera-
tion nicht in einem direkten kausalen Zusammenhang mit der Sägeverlet-
zung vor 25 Jahren zu sehen (vgl. IVSTA-act. 42).
6.2 Nach Erhalt des nach Inkrafttreten des neuen Sozialversicherungsab-
kommens per 1. September 2019 erneut gestellten Leistungsgesuchs la-
gen der Vorinstanz in medizinischer Hinsicht nebst den obgenannten Do-
kumenten zusätzlich die folgenden Berichte vor:
6.2.1 Im fachärztlichen Befundbericht vom 3. Oktober 2019 führt Dr. med.
F._ (ohne Angabe eines Facharzttitels) betreffend die Verlaufsun-
tersuchung aus, der Beschwerdeführer sei 2015 wegen einer zervikalen
spondylotischen Myelopathie operiert worden. Der Versicherte fühle sich
subjektiv besser, habe aber weiterhin Probleme beim Gehen und ein Krib-
beln in den Armen. Die Kontroll-Untersuchung mittels MRT habe einen Zu-
C-3412/2020
Seite 15
stand nach der Operation und eine residuale alte Myelopathie auf dem Ni-
veau C5 ohne kompressive Phänomene im Spinalkanal gezeigt. Dr. med.
F._ bestätigte die Dagnose St. n. Operation der Diskushernie C5.
Er empfahl eine Physiotherapie sowie eine Kontrolluntersuchung in sechs
Monaten. Im Weiteren empfahl er die Einweisung bei der Invaliditätskom-
mission zwecks Begutachtung der Arbeitsfähigkeit (vgl. IVSTA-act. 86).
6.2.2 Im knapp gehaltenen, vom kosovarischen Sozialversicherungsträger
veranlassten Formularbericht E 213 vom 20. Dezember 2019 hielt
Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie, fest, dass der Versicherte
unter Schmerzen am Rücken, im linken Bein und in der rechten Hand leide,
wobei die beiden erstgenannten Leiden im Vordergrund stünden. Aktuell
stehe er in Behandlung bei einem Neurochirurgen. Im Rahmen der körper-
lichen Untersuchung habe sich eine Schwäche der oberen und unteren
Extremitäten gezeigt; ebenso seien die Reflexe geschwächt. Als Diagno-
sen nannte der Arzt eine Essentielle (primäre) Hypertonie (ICD-10: I10),
sonstige Bandscheibenschäden (ICD-10: M51), zervikale Bandscheiben-
schäden (ICD-10: M50) sowie eine Funktionsstörung des Labyrinths im In-
nenohr (ICD-10: H83.2). Im Weiteren gab der Arzt an, dass der Verlauf der
Erkrankung chronisch sei und sich der Zustand im Vergleich zur Vorunter-
suchung – wobei unklar bleibt, wann letztere erfolgt sei – verschlechtert
habe. Der Beschwerdeführer sei weder im angestammten Beruf noch in
angepassten Tätigkeiten arbeitsfähig. Eine Verbesserung des derzeitigen
Zustands könne nicht erzielt werden (vgl. IVSTA-act. 91 und 95).
6.2.3 Am 4. März 2020 ersuchte die Vorinstanz den RAD zu prüfen, ob mit
den neuen Unterlagen glaubhaft gemacht werde, dass sich der Invaliditäts-
grad in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe (vgl.
IVSTA-act. 98). In Würdigung der bekannten sowie neu vorgelegten Unter-
lagen teilte Dr. med. I._ mit Stellungnahme vom 16. März 2020 mit,
dass die Hauptdiagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der bis-
herigen entspreche; weitere Diagnosen nannte der RAD-Arzt nicht. Auch
seine im Rahmen des ersten Gesuchsverfahrens abgegebene Einschät-
zung der Arbeitsfähigkeit bestätigte Dr. med. I._. Zur Begründung
führte er aus, die «nun erneut» vorgelegten Berichte seien nicht geeignet
eine wesentliche IV-relevante Änderung des Gesundheitszustandes «über-
wiegend wahrscheinlich glaubhaft» zu machen. Der eingereichte MRI Be-
fund zeige keine Kompression, also kein Rezidiv nach der Operation von
2015 (vgl. IVSTA-act. 99).
C-3412/2020
Seite 16
6.2.4 Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Mai 2020 Ein-
wand erhoben hatte, ohne dabei jedoch neue medizinische Unterlagen vor-
zulegen, bestätigte Dr. med. I._ mit Stellungnahme vom 8. Juni
2020 erneut seine bisherigen Beurteilungen, führte dabei aber bei der Di-
agnoseliste ergänzend einen St. n. Sägeverletzung links frontal als Neben-
diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf. Zur Begründung
wies er darauf hin, dass keine neuen Erkenntnisse vorlägen. Für sämtliche
körperlichen und die Wirbelsäule belastenden Tätigkeiten bestehe eine Ar-
beitsunfähigkeit. Hingegen fänden sich keine Hinweise auf eine Arbeitsun-
fähigkeit in leichten, den Leiden angepassten Tätigkeiten ohne Heben und
Tragen, ohne Zwangshaltungen, ohne Bücken, Hocken, Knien und Leitern
besteigen. Es gelte daher weiterhin das in den bisherigen Stellungnahmen
Gesagte (vgl. IVSTA-act. 113).
7.
Zur Beurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers stützte
sich die Vorinstanz im vorliegenden Gesuchsverfahren auf die Beurteilun-
gen des RAD-Arztes Dr. med. I._ vom 16. März 2020 und vom
8. Juni 2020 (siehe E. 6.2.3 und E. 6.2.4 hiervor). Dieser hat den Be-
schwerdeführer nicht persönlich untersucht, sondern eine reine Aktenbeur-
teilung vorgenommen. Dabei stützte sich der RAD-Arzt im Wesentlichen
auf die spärlichen vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Be-
handlungsberichte aus dem Zeitraum 16. März 2015 bis 3. Oktober 2019
sowie auf den vom kosovarischen Sozialversicherungsträger übermittelten
Formularbericht E 213 vom 20. Dezember 2019 (vgl. E. 6 hiervor).
7.1 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen
Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die
für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit
oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini-
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die
Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht insbesondere
darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die
medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über
den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sach-
verhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch zu würdigen
(vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil des BGer 8C_756/2008] E. 4.4 mit Hinweis;
Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3).
C-3412/2020
Seite 17
7.2 Die Stellungnahmen des RAD, welche nicht auf eigenen Untersuchun-
gen beruhen, können wie Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lü-
ckenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht,
mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den
Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018
E. 5.1; 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni
2014 E. 5.1.1, je mit Hinweisen). Enthalten die Akten für die streitigen Be-
lange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme einer
versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende Be-
urteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen
Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3).
Zu prüfen ist somit, ob die vorliegenden medizinischen Akten es dem RAD
erlaubten, sich ein umfassendes Bild der gestellten Diagnosen, der ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen (Verlauf und gegenwärtiger Status) und
deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu machen, und ob seine
Schlussfolgerungen nachvollziehbar und schlüssig sind.
7.3 Wie sich aus den unter E. 6 aufgeführten medizinischen Berichten
ergibt, stand dem RAD-Arzt für seine Aktenbeurteilung eine äusserst dürf-
tige medizinische Aktenlage aus dem Zeitraum von März 2015 bis Dezem-
ber 2019 zur Verfügung. Durch diese ist zwar immerhin widerspruchsfrei
erstellt, dass beim Beschwerdeführer aufgrund einer Diskushernie auf der
Höhe C5 am 24. März 2015 eine Diskektomie mit Cage-Einlage durchge-
führt wurde und ihm aufgrund dieser HWS-Schäden sowie der durchge-
führten Operation keine schweren körperlichen Tätigkeiten mehr zumutbar
sind. Jedoch besteht weiterhin darin Uneinigkeit, ob dem Beschwerdefüh-
rer leichte, leidensangepasste Tätigkeiten zumutbar sind.
7.4 Im Zusammenhang mit der Würdigung der spärlichen Aktenlage durch
Dr. med. I._ fällt auf, dass die Vorinstanz dem RAD das medizini-
sche Dossier mit der Frage unterbreitet hat, ob mit den neuen Unterlagen
glaubhaft gemacht werde, dass sich der Invaliditätsgrad seit der Abwei-
sung des ersten Gesuchs am 3. April 2019 in einer für den Anspruch er-
heblichen Weise geändert habe (vgl. Anfrage an den RAD vom 28. Januar
2020, IVSTA-act. 98). Damit hat die Vorinstanz Dr. med. I._ offen-
sichtlich darum ersucht, die medizinischen Akten unter dem Aspekt einer
Neuanmeldung gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV (diese Rechtsnorm wird in der
Anfrage an den Arzt explizit erwähnt) zu würdigen, was jedoch klar Art. 35
Abs. 5 des am 1. September 2019 in Kraft getretenen neuen Abkommens
widerspricht (vgl. E. 2 hiervor). Zwar hat die Vorinstanz in casu über das
C-3412/2020
Seite 18
erneute Leistungsgesuch – statt mittels Nichteintreten mangels Glaubhaft-
machung – letztlich doch materiell entschieden. Dennoch erfolgte die me-
dizinische Würdigung durch Dr. med. I._ unter falschen Vorausset-
zungen, was sich eindeutig aus seiner Aussage ergibt, dass die vorgeleg-
ten Berichte nicht geeignet seien, eine wesentliche IV-relevante Änderung
des Gesundheitszustandes «überwiegend wahrscheinlich glaubhaft» zu
machen (vgl. IVSTA-act. 99 S. 2 unten), was im Übrigen bezüglich des Be-
weismasses eine unzulässige Vermengung der beiden unterschiedlichen
Beweisgrade «überwiegende Wahrscheinlichkeit» und «Glaubhaftma-
chung» darstellt.
7.4.1 Die irreführende Fragestellung durch die Vorinstanz hatte offensicht-
lich zur Folge, dass der RAD-Arzt die vorgelegten medizinischen Unterla-
gen nicht mit der nötigen Sorgfalt geprüft und gewürdigt hat, wie es ein
umfassend zu prüfendes Gesuch (E. 2 hiervor) erfordern würde. Zwar er-
weisen sich die Ausführungen von Dr. med. I._ aufgrund der vorlie-
genden Akten insofern als nachvollziehbar und widerspruchsfrei, als beim
Beschwerdeführer ein St. n. Diskektomie C5 und Cage-Einlage am
24. März 2015 bei zervikaler Myelopathie vorliegt. Indessen hat der RAD-
Arzt offensichtlich übersehen, dass Dr. med. L._, Facharzt für Neu-
rologie, im Formularbericht E 213 vom 20. Dezember 2019 nebst den be-
reits bekannten Bandscheiben-Schäden insbesondere neu auch die Diag-
nose «Funktionsstörung des Labyrinths im Innenohr (ICD-10: H83.2)» auf-
geführt hat (vgl. IVSTA-act. 91 S. 4 und 95 S. 7 f.); Dr. med. I._ hat
jedenfalls aktenwidrig ausgeführt, es lägen (im Vergleich zum ersten Ver-
fahren) keine Änderungen respektive neuen Erkenntnisse vor (vgl. IVSTA-
act. 99 und 113). Der RAD-Arzt hat im Zusammenhang mit dem Formular-
bericht E 213 von Dr. med. L._ lediglich erwähnt, dass gemäss die-
sem Bericht keine Arbeitsfähigkeit beim Beschwerdeführer bestehe (vgl.
IVSTA-act. 99 S. 1).
7.4.2 Gemäss einer kurzen Internet-Recherche kann die Funktionsstörung
des Labyrinths im Innenohr zu verschiedenen Beschwerden führen, wie
z.B. Schwindel, Gleichgewichtsprobleme oder Minderung des Hörvermö-
gens (vgl. die auf der Homepage des deutschen Bundesministeriums für
Gesundheit abrufbaren Erläuterungen, https://gesund.bund.de/icd-code-
suche/h83, zuletzt besucht am 13. Oktober 2020). Zwar hat der untersu-
chende Neurologe Dr. med. L._ seine Diagnose nicht näher be-
gründet, sodass nicht hinreichend klar ist, aufgrund welcher Befunderhe-
bungen der kosovarische Arzt letztlich zu seiner Schlussfolgerung gelangt
C-3412/2020
Seite 19
ist. Jedoch hat er immerhin bei der Befundaufnahme eine Hypakusis (Ein-
schränkung des Hörvermögens; vgl. Ziff. 3.2.2 des Formulars E 213) und
einen schwerfälligen Gang (vgl. Ziff. 3.10 des Formulars E 213) festge-
stellt. Aufgrund der ärztlicherseits erwähnten Funktionsstörung des Laby-
rinths ist unklar, ob beide klinischen Befunde Folge von der von Dr. med.
L._ diagnostizierten Funktionsstörung des Labyrinths im Innenohr
sein könnten (vgl. IVSTA-act. 91 S. 2). Entsprechende, auch vier Jahre
nach der Operation an der HWS weiterbestehende Probleme beim Gehen
hat der Beschwerdeführer im Übrigen im Rahmen der Kontrolluntersu-
chung vom 3. Oktober 2019 auch gegenüber Dr. med. F._ erwähnt,
welcher im Jahre 2015 den Eingriff durchgeführt hatte (vgl. IVSTA-act. 86).
Dass die Diagnosen nicht grundlos gestellt wurden, zeigen zumindest die
im vorliegenden Beschwerdeverfahren nach Abschluss des Schriftenwech-
sels mit Spontaneingabe vom 28. Mai 2021 eingereichten beiden Untersu-
chungsberichte vom 19. April 2021, welche die Diagnose bilaterale Oto-
sklerose erwähnen, sowie der Entlassungsbericht betreffend die Hospitali-
sation vom 15. bis zum 25. Mai 2021, im Rahmen welcher am 25. Mai 2021
eine Stapedektomie durchgeführt wurde (vgl. BVGer-act. 27 sowie deren
Übersetzung in BVGer-act. 32). Jedoch geben auch diese Arztberichte kei-
nen Aufschluss über die Frage, ob die Schädigung im Ohr auch Auswirkun-
gen auf das Gleichgewichtsorgan und somit auch Auswirkungen auf den
Gang des Beschwerdeführers zeitigt.
7.4.3 Aufgrund der neu erwähnten, vom RAD-Arzt mit keinem Wort gewür-
digten HNO-Diagnosen, welche im Formularbericht vom 20. Dezember
2019 jedoch nicht hinreichend nachvollziehbar begründet wurden, wären
aufgrund des geltenden Untersuchungsgrundsatzes in jedem Fall weitere
Abklärungen angezeigt gewesen. Wie bereits ausgeführt (E. 2 hiervor), hat
der Beschwerdeführer nach Art. 35 Abs. 5 des Abkommens Anspruch da-
rauf, dass sein erneut gestelltes Gesuch nochmals umfassend geprüft wird.
7.5 Kommt hinzu, dass Dr. med. I._und Dr. med. L._ die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers unterschiedlich beurteilt haben.
Während Dr. med. L._ dem Beschwerdeführer für sämtliche Tätig-
keiten eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hat (vgl. IVSTA-act. 91 S. 7),
bescheinigte Dr. med. I._eine solche lediglich für schwere körperli-
che Tätigkeiten, wie z.B. für die angestammte Tätigkeit des Beschwerde-
führers als Landwirt. Leichte, den Leiden angepasste Tätigkeiten ohne He-
ben und Tragen von Lasten sowie ohne Bücken, Hocken, Knien und Be-
steigen von Leitern erachtete er zu 100 % als zumutbar. An der RAD-ärzt-
lichen Beurteilung bestehen jedoch gewisse Zweifel, weil sie – wie soeben
C-3412/2020
Seite 20
dargelegt (E. 7.4 hiervor) – ohne Auseinandersetzung mit der von Dr. med.
L._ erwähnten Diagnose «Funktionsstörung des Labyrinths im In-
nenohr» erfolgte. Da im Weiteren Dr. med. L._ seine Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit überhaupt nicht begründet hat, kann weder auf die eine
noch auf die andere Einschätzung abgestellt werden. Die beiden unter-
schiedlichen Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit geben daher ebenfalls An-
lass zu ergänzenden Abklärungen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4).
7.6 Schliesslich ergeben sich aus den vorinstanzlichen Akten gewisse Hin-
weise, dass dem RAD respektive der Vorinstanz möglicherweise nicht
sämtliche medizinischen Akten zur Prüfung des Anspruchs vorgelegen ha-
ben. Denn Dr. med. L._ hat in seinem Formularbericht E 213 vom
20. Dezember 2019 angegeben, dass sich der Zustand des Beschwerde-
führers (im Vergleich zur Voruntersuchung) verschlechtert habe (vgl. IV-
STA-act. 91 S. 6 Ziff. 7). Der kosovarische Arzt nennt zwar kein Datum der
entsprechenden Voruntersuchung. Jedoch ergibt sich aus den vorinstanz-
lichen Akten zumindest, dass der Beschwerdeführer seit dem 16. Dezem-
ber 2016 eine kosovarische IV-Rente erhält (vgl. die vom Beschwerdefüh-
rer bereits im ersten Gesuchsverfahren eingereichte Bestätigung des ko-
sovarischen Sozialversicherungsträgers vom 26. Mai 2017, E. 6.1.3 hier-
vor). Es besteht somit zumindest die Möglichkeit, dass der kosovarische
Rentenentscheid auf einer bereits früher veranlassten Untersuchung bei
einem Vertrauensarzt des kosovarischen Sozialversicherungsträgers be-
ruht. Diese Frage hat die Vorinstanz in casu trotz geltendem Untersu-
chungsgrundsatz nicht geklärt. Sie hat sich lediglich damit begnügt, die we-
nigen vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Berichte sowie
den vom kosovarischen Sozialversicherungsträger veranlassten und mit
Schreiben vom 28. Januar 2020 übermittelten Formularbericht E 213 vom
20. Dezember 2019 dem RAD mit der Frage zur Prüfung zu unterbreiten,
ob damit eine Verschlechterung glaubhaft gemacht worden sei, obschon
sie den Leistungsanspruch gemäss klarem Wortlaut von Art. 35 Abs. 5 des
Abkommens erneut umfassend hätte prüfen müssen.
8.
Aus dem insgesamt Ausgeführten ergibt sich, dass die medizinische Ak-
tenlage unvollständig ist. Den medizinischen Akten ist keine umfassende
Darstellung der Befunde zu entnehmen. Es fehlt auch eine fachübergrei-
fende Gesamtschau der verschiedenen geltend gemachten somatischen
Beeinträchtigungen bzw. der allenfalls darauf zurückzuführenden Ein-
schränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit (vgl. BGE 137 V 210 E.
C-3412/2020
Seite 21
1.2.4). Dabei ist insbesondere die im Formularbericht E 213 vom 20. De-
zember 2019 genannte Funktionsstörung des Labyrinths im Innenohr und
deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vollständig unberücksichtigt
geblieben. Als Folge davon bestehen zumindest geringe Zweifel an der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den RAD, zumal er sich auch nicht
einmal im Ansatz mit der abweichenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durch Dr. med. L._ auseinandergesetzt hat. Aus diesem Grund
kann auf die Aktenbeurteilungen des RAD als Grundlage für die Beurtei-
lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde-
führers nicht abgestellt werden. Daraus folgt, dass die Vorinstanz den re-
levanten medizinischen Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt hat.
Mangels einer zuverlässigen medizinischen Entscheidgrundlage ist es vor-
liegend demzufolge nicht möglich, mit dem im Sozialversicherungsrecht er-
forderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beur-
teilen, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe und ab wann der Beschwer-
deführer im Rahmen des aufgrund von Art. 35 Abs. 5 des Abkommens um-
fassend zu prüfenden neuen Gesuchs Anspruch auf eine ordentliche Inva-
lidenrente hat.
9.
9.1 Im vorinstanzlichen Verfahren sind infolge unvollständiger Feststellung
des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts (vgl. Art. 43 ff. ATSG
und Art. 12 VwVG) entscheidwesentliche Aspekte vollständig ungeklärt ge-
blieben. Da es insbesondere an einer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
fehlt und die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren noch kein Gutachten
eingeholt, sondern sich lediglich auf die – wie dargelegt – ungenügenden
Aktenbeurteilungen des RAD gestützt hat, steht einer Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen nichts entgegen (vgl.
BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens
oder Erhebung anderer Beweismassnahmen ist daher abzusehen. Die Be-
schwerde ist demzufolge insoweit gutzuheissen, als die Verfügung vom
11. Juni 2020 aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen des
rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.
9.2 Die Vorinstanz ist in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG anzuweisen,
zunächst das medizinische Dossier unter Mitwirkung des Beschwerdefüh-
rers und des kosovarischen Sozialversicherungsträgers zu aktualisieren
und danach unter Berücksichtigung sämtlicher aktenkundiger Arztberichte
eine umfassende interdisziplinäre medizinische Begutachtung des Be-
schwerdeführers zu veranlassen zur Klärung der Frage, welche gesund-
C-3412/2020
Seite 22
heitlichen Beeinträchtigungen mit welchen Auswirkungen auf die funktio-
nelle Leistungs- und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowohl in
der bisherigen Tätigkeit als Landarbeiter als auch in einer angepassten Tä-
tigkeit bestehen. Aufgrund der medizinischen Aktenlage geboten erscheint
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Innere Medizin, Or-
thopädie/Rheumatologie, Neurologie sowie ORL. Ob allenfalls weitere
Spezialisten beizuziehen sind, ist dem pflichtgemässen Ermessen der Gut-
achter zu überlassen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der kon-
kreten Fragestellung über die erforderlichen Untersuchungen zu befinden
(vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des BGer 8C_124/2008 vom 17.
Oktober 2008 E. 6.3.1), und sie letztverantwortlich sind einerseits für die
fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Ent-
scheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklä-
rung (BGE 139 V 349 E. 3.3). Die polydisziplinäre Begutachtung hat vor-
liegend in der Schweiz zu erfolgen, da die spärlichen medizinischen Be-
richte aus dem Kosovo – wie bereits ausgeführt – als Grundlage für eine
reine Aktenbeurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers
offensichtlich nicht genügen und vorliegend keine Gründe ersichtlich sind,
die eine Begutachtung in der Schweiz als unverhältnismässig erscheinen
liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip ge-
mäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermitteln (vgl. dazu BGE
139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV) und dem Beschwerdeführer
sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräumen (vgl. BGE 137
V 210 E. 3.4.2.9).
10.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 141
V 281 E. 11.1; 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwer-
deführer keine Kosten aufzuerlegen. Der von ihm geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.- ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden
Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Dem obsiegenden, nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
sind keine unverhältnismässig hohen Kosten entstanden, weshalb ihm
C-3412/2020
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keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 7 Abs. 3 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).