Decision ID: 93e5d319-5c9b-4b82-89bc-a78227c68b1e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem 1955 geborenen
X._
mit Verfügung vom 14. April 2008 mit Wirkung ab 1. Dezember 2007 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 6/35).
1.2
Im Februar 2009 eröffnete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren. Zur Klä
rung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse holte sie
Auskünfte
des Versicherten
(Urk. 6/40) und einen Verlaufsbericht
des behandelnden Arztes
(Urk. 6/42) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 6/41) ein. Sodann wurde eine interdisziplinäre Begutachtung durch die Abklärungsstelle
Z._
angeordnet, welche ihr internistisch-rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten am 23. März 2010 erstattete (Urk. 6/53). Am
19. Januar 2011 unterzog sich der Versicherte
in Nachachtung
der von der IV-Stelle auferlegten Schadenminderungspflicht (Urk. 6/54)
einer Hüft-Totalprothese
-Operation
rechts
(Urk. 6/63). Nach Eingang weiterer medizinischer Berichte (Urk. 6/66, Urk. 6/69) stellte die IV-Stelle die dem Versicherten bisher ausgerichtete Invalidenrente nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/74-77) mit Verfügung vom 16. Januar 2012 per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats, das heisst per Ende Februar 2012, ein (Urk. 6/78 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 16. Januar 2012 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Eingabe vom 20. Februar 2012 Beschwerde und beantragte, es sei die Sache zur Neubeurteilung
der Arbeitsfähigkeit
an die Vorinstanz zurückzuweisen
, even
tuell sei ihm eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50
%
zuzusprechen (Urk. 1 S. 1 f.).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 22. März 2012 auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2. April 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
1 mit Hinweisen).
1.2
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass eine medizi
nisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten ist (Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG],
2.
Auflage, Zürich 2010, S. 383). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizi
nisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechender
Ein
kommensvergleich
(mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorge
nommen werden kann. In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtspre
chung dennoch nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) aus
gewiesener Leistungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Invalidenrente zuge
sprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung entgegen stehen, wenn aus den Akten ein
wandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein mittels
Eigen
anstrengung
der versicherten Person nicht möglich ist. Folglich muss sich die Verwaltung vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente verge
wissern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsver
mögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad nieder
schlägt oder ob dafür - ausnahmsweise - im Einzelfall eine erwerbsbezogene
Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 30. S. 86).
1.3
Diese Praxis ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Invalidenrente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.3, in: SVR 2011 IV Nr. 73 S. 220). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass versicherte Personen auf Grund des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus fol
genden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wieder einzugliedern. Dies führt zwar für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich - aber immerhin - zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt werden darf. Diese Recht
sprechung bedeutet im Ergebnis eine Vorwirkung des am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen ersten Massnahmenpakets der 6.
IV
Revision, welches unter dem Gesichtspunkt einer eingliederungsorientierten Rentenrevision Mass
nahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rentenbezügern vorsieht (Art. 8a IVG) und bestimmt, dass während der Durchführung solcher Massnahmen die bisherige Rente weiter ausgerichtet wird (Art. 22
Abs.
5
bis
IVG).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin
ging
gestützt auf
die medizinische Aktenlage
von einer vollen Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
und von einem nunmehr
ren
tenausschliessenden
Invaliditätsgrad
von 10 %
seit dem 1. Mai 2011 aus (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss, Urk. 6/72)
und
stellte ohne Weiterungen mit Vorbescheid vom 11. Oktober 2011 die Einstellung der bisherigen Rente in Aussicht (Urk. 6/74).
Der im
Februar 1955 geborene Beschwerdeführer (Urk. 6/2 Ziff. 1.3) war im Zeit
punkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 16. Januar 2012 knapp 57
Jahre alt und bezog seit 1. Dezember 2007 (Urk. 6/35), mithin seit
mehr als
vier Jahren, eine ganze Invalidenrente. Wegen seines fortgeschrittenen Alters fällt er unter den vom Bundesgericht besonders geschützten Personenkreis
(vgl. E. 1.3 hiervor)
.
Aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich und
es
wird von der
Beschwer
degeg
nerin
auch nicht geltend gemacht, dass
sie
vor der
Rentenein
stellung
die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung geprüft oder de
m
Beschwerde
führer diesbezüglich Hilfeleistungen angeboten hätte.
E
r
wurde lediglich
mit der r
enten
aufhebenden
Verfügung
vom 16. Januar 2012
darauf hingewiesen, dass er
für eine Wiedereingliederung in die Berufswelt ein schrift
liches Gesuch stellen
könne
, welches dann im Hinblick auf
eine
berufliche Wieder
ein
gliederung geprüft werde (Urk. 2 S. 2 unten
)
.
2.2
Damit
hat die Beschwerdegegnerin
den bundesgerichtlich
en
Voraussetzungen zur Herabsetzung von langjährigen Renten nicht Genüge getan. Vielmehr
hätte sie
sich vor der Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente vergewissern
müssen
, ob sich ein medizinisch-theoretisches Leistungsvermögen ohne Weite
res in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür eine erwerbsbezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne erforderlich
sind
.
Dieser Prüfungsschritt zeitigt dort keine administrativen Weiterungen, wo die gegenüber der Eingliederung vorrangige Selbsteingliederung direkt zur
renten
ausschliessenden
arbeitsmarktlichen
Verwertbarkeit des Leistungsvermögens führt. Das ist namentlich der Fall, wenn bisher schon eine erhebliche
Restar
beitsfähigkeit
bestand, so dass der anspruchserhebliche Zugewinn an Leis
tungsfähigkeit kaum zusätzlichen Eingliederungsbedarf nach sich zieht, vor allem wenn das hinzugewonnene Leistungsvermögen in einer Tätigkeit verwer
tet werden kann, welche die versicherte Person bereits ausübt oder unmittelbar wieder ausüben könnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009, vom 10. Sep
tember 2010, E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Dies ist vorliegend nicht der Fall. Der Beschwerdeführer hat
während mehreren Jahren
in guten Treuen eine ganze Invalidenrente bezogen und derweil keine Erwerbstätigkeit ausgeübt
.
A
ngesichts seines Alters
und der jahrelangen Arbeitsabstinenz ist ihm
die Selbstei
ngliederung nicht mehr zumutbar
.
Dies auch
, da
er
über keine
berufliche
Ausbildung verfügt und gemäss
Belastungs
profil
des
A._
nur noch sehr leichte bis leichte
behinderungsangepasste
Tätigkeiten (vgl. Urk. 6/72/6) aus
zu
üben
vermag.
Damit ist die Rentenaufhebung
zumindest
so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers nicht aktiv gefördert und ihn nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat.
2.3
Nachdem die Beschwerdegegnerin bislang entsprechende Massnahmen unterlas
sen hat, ist angesichts der mangelnden wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ohne materielle Prüfung der medizinischen Aktenlage und ohne Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen zur Rentenrevision weiterhin von der b
isherigen Erwerbsunfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
auszugehen. Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass d
er
Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente hat.
3.
3.1
Die Kosten gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
500.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Ferner hat der Beschwerdeführer in Anbetracht seines Obsiegens gestützt auf §
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schw
ierigkeit des Prozesses auf Fr.
1'4
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen
.