Decision ID: 10447915-8f5a-4331-bb60-ddd640e8582f
Year: 2009
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt im Vergleich zu früher klar und entscheidend geändert, was die
IV-Stelle auch zu berücksichtigen habe.
4. In ihrer Vernehmlassung beantragte die IV-Stelle die Abweisung der
Beschwerde. Sie hielt einleitend fest, dass Beschwerdegegenstand nur die
Eintretensfrage bilde, wobei diesbezüglich der bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der angefochtenen Verfügung sich verwirklichte Sachverhalt massgebend sei.
Erforderlich für die Anpassung der IV-Rente sei, dass sich der IV-Grad der
Rentenbezügerin erheblich geändert habe. Dies könne entweder gestützt auf
eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes oder aber aufgrund
der wirtschaftlichen Auswirkungen des unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes sowie des für die Methodenwahl ausschlaggebenden
hypothetischen Sachverhalts geschehen. Die IV-Stelle führte mit Verweis auf
BGE 133 V 105 E. 5 f. ausserdem aus, dass sich die Frage, ob eine solche
Änderung eingetreten sei, durch den Vergleich des Sachverhaltes wie er im
Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung mit jenem der streitigen
Verfügung beurteile. Für die Glaubhaftmachung einer erheblichen
Sachverhaltsänderung reiche es gemäss Praxis nicht, wenn ein Arzt den
gleichen Sachverhalt unterschiedlich beurteile und andere
Schlussfolgerungen ziehe. Stattdessen bedürfe es neuer Elemente
tatsächlicher Natur, die nach der ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten
und zu dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen seien oder
diesen verändert hätten. Im vorliegenden Fall werde im letzten Arztbericht von
Dr. med. ... vom 23. Dezember 2008 lediglich der bisherige Sachverhalt
allenfalls anders gewürdigt als im früheren Verwaltungsverfahren in dessen
früheren Arztberichte vom 9. Februar und 8. August 2005. Sogar in diesen
früheren Arztberichten habe der gleiche Arzt bereits festgehalten, dass die
Versicherte praktisch 100%-ig arbeitsunfähig sei und ihr nur eine geringe,
stundenweise Arbeitstätigkeit zumutbar sei. Es liessen sich den neuen
Arztberichten keine neuen Elemente tatsächlicher Natur entnehmen.
Vielmehr sei daraus ersichtlich, dass die seit dem 1. Juli 2004 bestehenden
gesundheitlichen Probleme bei der Versicherten weiterhin andauerten. Auch
Dr. med. ... vom Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) bestätige,
dass die gesundheitliche Situation, mit Ausnahme einer vorübergehenden
krisenhaften Verschlechterung im Februar 2008, keine anhaltende
Verschlechterung erfahren habe.
5. Die Beschwerdeführerin verzichtete ausdrücklich auf die Einreichung einer
Replik.

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Verfahren die Verfügung der IV-Stelle
vom 18. März 2009. Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die IV-Stelle zu Recht
nicht auf das Gesuch um Rentenrevision eingetreten ist.
2. a) Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird die Rente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben, wenn sich der IV-Grad eines Rentenbezügers oder einer
Rentenbezügerin erheblich ändert. Vorausgesetzt wird somit, dass sich
bestimmte anspruchsbegründende Tatsachen geändert haben. Diese
Änderung kann den Gesundheitszustand, die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit, das massgebende Vergleichseinkommen (Validen- und
Invalideneinkommen) oder die Methode der Invaliditätsbemessung betreffen
(Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 17 Rz. 7 ff.).
b) Nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) gilt: Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, ist darin glaubhaft zu
machen, dass sich der IV-Grad der versicherten Person in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Demnach muss eine bestimmte
Änderung der anspruchsbegründenden Tatsachen eingetreten sein. Diese
Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn bloss eine unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhalts erfolgt. Das
Bundesgericht hat im Urteil I 484/2000 vom 21. März 2001 festgehalten, dass
es beim Vorliegen eines neuen Arztberichtes für die Glaubhaftmachung einer
erheblichen Sachverhaltsänderung nicht ausreiche, dass im fraglichen
Bereicht der bereits bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung gegebene Sachverhalt anders bewertet werde und daraus
andere Schlussfolgerungen gezogen würden als im früheren Verwaltungs-
und/oder Beschwerdeverfahren. Vielmehr bedürfe es neuer Elemente
tatsächlicher Natur, die nach der ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten
und zu dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen seien oder
diesen verändert hätten (E. b, bb). Zu diesen anspruchsbegründenden
Tatsachen gehört einerseits die Änderung des Gesundheitszustands. Es
müssen danach neue Elemente tatsächlicher Natur vorliegen. Andererseits
kann eine Anpassung auch erfolgen, wenn sich bei einem an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustand die erwerblichen Auswirkungen geändert
haben oder wenn die Methode der Invaliditätsbemessung erneuert wurde (vgl.
Kieser, a.a.O., Art. 17 Rz. 15 ff.; Maurer / Scartazzini / Hürzeler,
Bundessozialversicherungsrecht, 3. Auflage, Basel 2009, § 12 Rz. 96 f.; je mit
weiteren Hinweisen). Die in Art. 87 Abs. 3 IVV genannte
Eintretensvoraussetzung (erhebliche Veränderung des IV-Grades) soll
verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleich lautenden und
nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts
darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 76 f. E. 3.2.3, 125
V 412 E. 2b, 117 V 200 E. 4b, 109 V 264 E. 3.2.3). Diesem Zweck kann nur
wirksam Rechnung getragen werden, wenn sich die versicherte Person das
Ergebnis der letztmaligen materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs im
Rahmen eines erneuten IV-Leistungsgesuchs entgegenhalten lassen muss.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen
Änderung bildet stets die letzte (der versicherten Person eröffnete)
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruhte
(BGE 133 V 108 E. 5.4). Im konkreten Fall datiert die letzte rechtskräftige
(Ablehnungs-) Verfügung vom 25. Juni 2007. Der in casu zu überprüfende
Zeitraum für eine allfällige Gesundheitsverschlechterung mit
Erwerbsauswirkung bis zur angefochtenen (Nichteintretens-) Verfügung vom
18. März 2009 beträgt demnach 1 3⁄4 Jahre.
c) Am 8. August 2005 hielt Dr. med. ... in seinem Verlaufsbericht fest, dass sich
die im Sommer 2004 verschlechterten chronischen lumbalen
Rückenschmerzen der Versicherten wieder gebessert hätten, so dass wieder
der gleiche Zustand gegeben sei wie vor der Verschlechterung im Sommer
2004. Gestützt darauf sei die Versicherte theoretisch teilarbeitsfähig. Da sie
jedoch nur jeweils wenige Tage arbeite und dann wieder arbeitsunfähig sei,
sei sie praktisch zu 100% arbeitsunfähig. In Kenntnis dieses Verlaufsberichtes
reduzierte die IV-Stelle die IV-Rente mit Verfügung vom 21. Dezember 2005
ab dem 1. Mai 2005 wieder auf die bisherige halbe. Auch die dagegen
erhobene Einsprache wurde rechtskräftig abgewiesen. Nach Einleitung des
Verfahrens einer Rentenrevision reichte die Beschwerdeführerin zur
Begründung des erhobenen Einwandes das vom 23. Dezember 2008
datierende Arztzeugnis von Dr. med. ... ein. Betreffend Arbeits(un)fähigkeit
führte der Arzt darin aus, dass die Versicherte in den letzten Jahren immer
wieder zu arbeiten versucht habe. Nach wenigen Tagen sei sie jeweils mit
noch grösseren Schmerzen in seine Praxis gekommen, so dass er sie zu
100% habe arbeitsunfähig schreiben müssen. Sie habe folglich nie mehr als
wenige Tage arbeiten können. Aufgrund von chronischen Schmerzen sei der
Versicherten eine Erwerbstätigkeit nicht möglich, weshalb sich eine
Rentenrevision aufdränge. Ein Vergleich dieser zwei Arztberichte von Dr.
med. ... zeigt, dass jeweils die gleiche Frage behandelt wurde mit dem
einzigen Unterschied, dass der Arzt früher von einer theoretischen 50%-igen
und praktischen 100%-igen Arbeitsunfähigkeit ausging und später eine solche
von 100% festlegte. Der Arzt geht in beiden Gutachten von der gleichen
gesundheitlichen Situation aus, beurteilt diese jedoch im zweiten Arztbericht
abweichend. Entsprechend den obigen Ausführungen reicht eine bloss
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Sachverhalts nicht für die Annahme des Vorliegens eines Revisionsgrundes.
Gestützt auf diese Ausführungen kann trotz den mit dem Gesuch
eingereichten ärztlichen Berichten über die ambulante Untersuchung in der
Klinik Gut in St. Moritz (15. September 2007), Aufenthalte im Spital ... in ...
(1. bis 12. Februar 2008) und in der ...klinik ... (26. Februar bis 22. März 2008)
sowie die ambulante Untersuchung im Kantonsspital ... (15. Juli 2008) nicht
von einer dauerhaften Veränderung ausgegangen werden. Dies bestätigt
auch Dr. med. ... vom RAD am 6. November 2008. Sie hielt fest, dass in den
Gutachten lediglich eine erneute krisenhafte Verschlechterung der bekannten
Beschwerden im Sinne eines akuten Krankheitsgeschehens beschrieben
werde, die mit adäquater Behandlung wieder auf das vorherige, bekannte
Mass zurückgehe, was ferner auch die Klinik in ihrem Austrittsbericht
bestätige. Es lägen weiterhin Berichte vor, welche sich mit weiteren
Behandlungsmöglichkeiten der Grundproblematik beschäftigten. Eine
anhaltende Verschlechterung mit relevanter Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit sei nicht glaubhaft gemacht worden. Folglich ist die
Vorinstanz zu Recht nicht auf das eingereichte Gesuch um Revision
eingetreten. Die Beschwerde ist demnach als klar unbegründet abzuweisen.
3. a) Das Beschwerdeverfahren ist - in Abweichung zu Art. 61 lit. a ATSG -gemäss
Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-
Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Daher
hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Kosten von Fr. 700.-- zu tragen.
Der Beschwerdegegnerin steht gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG e contrario kein
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu.
b) Die Beschwerdeführerin beantragt für das vorliegende Verfahren die
unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung. Das Gericht kann nach Art
76 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) einer Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf
Antrag die unentgeltliche Prozessführung bewilligen, sofern ihr Rechtsstreit
nicht offensichtlich mutwillig oder von vornherein aussichtslos ist. Gemäss Art.
61 lit. f ATSG muss das Recht, sich verbeiständen zu lassen, gewährleistet
sein. Wo die Verhältnisse es rechtfertigen, wird der Beschwerde führenden
Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Die Voraussetzungen für
die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung sind in der Regel erfüllt, wenn die Partei bedürftig ist,
der Prozess nicht aussichtslos erscheint, und die Verbeiständung durch einen
Anwalt oder eine Anwältin notwendig oder doch geboten ist (BGE 125 V 202
E. 4a mit Hinweisen). Als bedürftig gilt eine Partei, welche nicht in der Lage
ist, innert angemessener Frist die Gerichts- und Anwaltskostenvorschüsse zu
bezahlen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des
Grundbedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 127 I 202 E. 3b;
128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im
Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
(BGE 108 V 269 E. 4). Die Grenze für die Annahme von Bedürftigkeit im Sinne
der Regel über die unentgeltliche Verbeiständung liegt höher als diejenige des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums und berücksichtigt, ob die Partei
die in Frage stehenden Vertretungskosten aus ihrem realisierbaren
Einkommen und Vermögen innert angemessener Frist effektiv bezahlen kann
(Kieser, a.a.O., Art. 61 Rz. 106). Für die Annahme der prozessualen
Bedürftigkeit genügt es, dass die Gesuch stellende Person nicht über mehr
Mittel verfügt, als zur Bestreitung eines normalen, bescheidenen Unterhalts
nötig sind. Dabei sind nicht nur die Einkommensverhältnisse, sondern
vielmehr die gesamten finanziellen Verhältnisse ausschlaggebend (RKUV
1996 Nr. U 254 S. 208 E. 2). Als aussichtslos gelten nach der
bundesgerichtlichen Praxis Verfahren, bei denen die Gewinnaussichten
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und diese deshalb kaum
mehr als ernsthaft bezeichnet werden können (BGE 122 I 267 E. 2b).
c) Gemäss den eingereichten Unterlagen ist die Bedürftigkeit der
Beschwerdeführerin nicht ausgewiesen. Während auf dem Formular „Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung“ des Verwaltungsgerichts Graubünden
neben einem Motorfahrzeug (Audi, Baujahr 1999, 120'000 km) keine weiteren
Vermögenswerte aufgelistet sind, geht aus den Angaben in der definitiven
Veranlagungsverfügung der Kantons- und Gemeindesteuer 2007 hervor,
dass der Beschwerdeführerin und ihrem Ehepartner ein Reinvermögen von
Fr. 115'100.-- zur Verfügung steht. Von einer die unentgeltliche Rechtspflege
gewährenden Bedürftigkeit kann unter diesen Umständen nicht ausgegangen
werden. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung ist
demnach abzuweisen.