Decision ID: 9453b3ff-cfea-576e-b9a1-9ab24c724325
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden gelangten am 26. Januar 2015 in die Schweiz,
wo sie gleichentags um Asyl ersuchten.
B.
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) wurde am 2. März 2015 zu
ihrer Person, dem Reiseweg sowie summarisch zu den Asylgründen be-
fragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 1. April 2015 wurde eine erweiterte
BzP durchgeführt und am 2. Dezember 2015 wurde sie eingehend zu den
Gründen der Flucht angehört.
Sie machte im Wesentlichen geltend, sie sei unter falschen Versprechen
nach Europa gebracht und in D._ zur Prostitution gezwungen wor-
den. Seit sie sich aus dieser Situation befreit habe, würden sie und ihre
Familie bedroht.
Die Beschwerdeführerin reichte eine Kopie ihres Geburtsscheins zu den
Akten.
C.
Mit Verfügung vom 5. August 2019 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte ihre
Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete deren Vollzug an.
D.
D.a Gegen diese Verfügung wurde am 4. September 2019 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhoben, worauf das SEM im Rahmen des
Schriftenwechsels mit Verfügung vom 16. Oktober 2019 die angefochtene
Verfügung teilweise in Wiedererwägung zog, die Dispositivziffern 3-5 auf-
hob, die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs feststellte und die vor-
läufige Aufnahme der Beschwerdeführerinnen anordnete.
D.b Mit Urteil D-4478/2019 vom 28. Januar 2020 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde gut, soweit sie nicht als gegenstandslos ge-
worden abgeschrieben wurde. Die Sache wurde zur Gewährung des recht-
lichen Gehörs zur Botschaftsabklärung und erneuten Entscheidung an die
Vorinstanz zurückgewiesen.
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E.
Mit Schreiben vom 5. Mai 2020 gewährte das SEM der Beschwerdeführe-
rin das rechtliche Gehör. Diese liess durch ihre Rechtsvertreterin am
20. Mai 2020 eine entsprechende Stellungnahme einreichen.
F.
Mit Verfügung vom 28. Mai 2020 (Eröffnung am 2. Juni 2020) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, und lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz an. Gleichzeitig ordnete es (erneut) die vorläufige Auf-
nahme der Beschwerdeführerinnen wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs an.
G.
Gegen diese Verfügung liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer
Rechtsvertreterin vom 23. Juni 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erheben. Darin wurde beantragt, die Ziffern 1 bis 3 der angefoch-
tenen Verfügung seien aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, die Be-
schwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren.
Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,
insbesondere sei ihr die unterzeichnende Juristin als amtliche Rechtsbei-
ständin beizuordnen. Von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei ab-
zusehen.
H.
Der Ehemann der Beschwerdeführerin stellte am 13. Januar 2019 ein Asyl-
gesuch in der Schweiz (N [...]). Nach ablehnendem Asylentscheid vom
5. August 2019 tauchte er unter.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin (und ihre Kinder) haben am Ver-
fahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Ver-
fügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin führte zur Begründung ihres Asylgesuches
aus, sie sei nigerianische Staatsangehörige und habe bis zu ihrer Ausreise
in Benin City gelebt. Ihr Heimatland habe sie aus wirtschaftlichen Gründen
verlassen. Sie habe von E._, einer damaligen Freundin ihrer Mutter,
das Angebot erhalten, für deren Tochter F._ als Babysitterin in
D._ zu arbeiten. Sie habe eine schriftliche Abmachung mit
E._ getroffen, wonach sie nicht zur Polizei gehen dürfe und alles,
was sie in D._ erlebe, für sich behalten müsse, ansonsten sie ge-
tötet würde. Mittels eines Voodoo-Rituals sei dieses Versprechen zusätz-
lich bekräftigt worden.
Im Dezember 2007 sei sie aus Nigeria ausgereist. In D._ habe dann
aber F._ von ihr 40'000 Euro für die Reisekosten verlangt und ihr
mit der Ermordung ihrer Familie gedroht, falls sie nicht zahle. Zuerst habe
sie sich geweigert, sich zu prostituieren, woraufhin sie mit dem Tode be-
droht worden sei. Sie habe schliesslich doch eingelenkt, aber in der fest-
gelegten Zeit die Summe nicht aufbringen können. Im Dezember habe sie
einen Mann kennengelernt, welcher ihr zur Flucht innerhalb D._s
verholfen habe. Diesen habe sie schliesslich geheiratet und sie hätten zwei
gemeinsame Kinder.
Nachdem sie aus der Zwangsprostitution geflüchtet sei, sei ihre Mutter in
Nigeria mit dem Tode bedroht worden, woraufhin diese in ihren Heimatort
geflüchtet sei. Im Dezember 2014 hätten zwei Personen ihrem Ehemann
mitgeteilt, dass sie in die Prostitution zurückkehren müssen, und im Januar
2015 sei sie bedroht und aufgefordert worden, die Restsumme zu beglei-
chen. Sie habe ihrem Ehemann erklärt, dass sie aus Angst nicht zur Polizei
gehen könne. Er habe dies aber nicht verstanden und sie verlassen. Da
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sie niemanden mehr in D._ gehabt habe, sei sie in die Schweiz ge-
reist.
Ihre Mutter sei im (...) 2019 verstorben und ihr Bruder, mit welchem sie im
regelmässigen Kontakt gestanden habe, gebe ihr die Schuld dafür, weil sie
den Voodoo-Schwur gebrochen habe. Sie selbst habe Angst, da sie den
Schwur gebrochen habe. Da die Täterschaft immer noch ein Interesse an
ihr habe, könnte sie bei einer Rückkehr nach Nigeria wieder in die Zwangs-
prostitution gelangen. Bei einer Rückkehr bestünde ferner das Risiko, dass
ihre Tochter entführt und zwangsprostituiert würde. Ein hinreichender staat-
licher Schutz in Nigeria sei zu verneinen.
Im vorinstanzlichen Verfahren reichten die Beschwerdeführerin einen Ge-
burtsschein, eine Kopie des Todesscheins der Mutter und diverse Arztbe-
richte ein.
5.2 Das SEM begründet seine Verfügung damit, dass die Beschwerdefüh-
rerin für ihre Ausreise wirtschaftliche Gründe anbringe, was nicht asylrele-
vant sei.
Übergriffe durch Dritte seien nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner
Schutzpflicht nicht nachkomme. Die Beschwerdeführerin mache geltend,
sie sei zur Prostitution gezwungen worden und man trachte ihr nach dem
Leben. Die Bekämpfung von Menschenhandel sei in Nigeria gesetzlich ver-
ankert und es bestünden Schutzinstitutionen, welche grundsätzlich funkti-
onsfähig seien. Die Behörden seien auch gewillt, Schutz zu bieten, wes-
halb nicht von einer Ächtung aufgrund der Stellung einer Frau, die sich der
Prostitution habe hingeben müssen, auszugehen sei. Da die nigeriani-
schen Behörden für jegliche Art von Menschenhandel schutzwillig seien,
sei bei diesem behördlichen Schutz auch eine Diskriminierung mit Bezug
auf andere vulnerable Faktoren, wie etwa prekäre wirtschaftliche oder fa-
miliäre Verhältnisse der Opfer oder eine Stigmatisierung, klar zu verneinen.
Es sei ihr daher zuzumuten, diesen behördlichen Schutz in Anspruch zu
nehmen. Ihre Vorbringen würden unter die gewöhnliche Kriminalität fallen,
welche nicht asylrelevant sei. Dass in Nigeria noch Fortschritte bei der Be-
kämpfung von Menschenhandel gemacht werden müssten, vermöge diese
Einschätzung nicht umzustossen.
Schliesslich sei eine Furcht vor Verfolgung aufgrund traditioneller religiöser
Rituale, Wahrsagerei, Voodoo oder schwarzer Magie nicht asylrelevant.
Ihre Befürchtung aufgrund des Bruchs des geleisteten Schwurs, sei somit
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unbeachtlich. Ferner sei diesbezüglich zu bemerken, dass sie dieses Ritual
in den Befragungen zur Person noch nicht erwähnt habe.
5.3 In der Beschwerde wird diesen Erwägungen entgegengehalten, dass
das Bundesverwaltungsgericht die Flüchtlingseigenschaft von nigeriani-
schen Menschenhandelsopfern bisher verneint habe, da kein asylrelevan-
tes Verfolgungsmotiv vorliege und ein adäquater staatlicher Schutz vorhan-
den sei. Diese Auffassung werde von der Lehre und der Rechtsprechung
der deutschsprachigen Nachbarländer nicht geteilt. So seien zurückkeh-
rende nigerianische Opfer von Menschenhandel Mitglieder einer bestimm-
ten sozialen Gruppe. Die Schutzfähigkeit Nigerias sei zu verneinen, da die
National Agency for the Prohibition of Trafficking in Persons (NAPTIP) un-
terfinanziert sei, die wenige Einrichtungen für Opfer in einem schlechten
Zustand seien und es nur mangelhafte Massnahmen zur Rehabilitation so-
wie keine zur Reintegration gebe. Es liege eine begründete Furcht vor Ver-
folgung in Form eines Re-Traffickings vor, da Zwangsprostituierte erwiese-
nermassen von ihren Familien abgelehnt würden. Auch die Botschaftsab-
klärung weise explizit auf die Probleme der NAPTIP hin.
Die Beschwerdeführerin habe Nigeria vor 13 Jahren als junge Frau verlas-
sen. Ihre in Europa geborenen Kinder hätten keinen Bezug zu Nigeria. Ihr
Ehemann habe sie verlassen. In der Schweiz lebe sie von der Sozialhilfe
und ihre Schulden gegenüber ihren Peinigern würden sich auf 25'000 Euro
belaufen. Als mittellose, getrenntlebende, alleinerziehende Frau und ehe-
malige Zwangsprostituierte wäre sie bei einer Rückkehr als Teil einer klar
definierten sozialen Gruppe ausgegrenzt. Alternativ wäre sie als Opfer von
Menschenhandel auch aufgrund ihrer Vulnerabilität sowie ihrer Rechts-
und/oder Schutzlosigkeit in der Gesellschaft als soziale Gruppe zu betrach-
ten. Es liege folglich ein Konventionsmerkmal vor. Ferner stelle Menschen-
handel auch eine geschlechtsspezifische Verfolgung dar, da Frauenhandel
untrennbar mit sexueller Gewalt, Ausbeutung und Zwangsprostitution ver-
bunden sei, und der Frauenhandel auf den Genderstatus der Frau, ihr Alter,
Geschlecht, ihre wirtschaftliche und soziale Stellung sowie insbesondere
auch auf ihre sexuelle Verwertbarkeit zu wirtschaftlichen Zwecken abziele.
Es bestünden konkrete Hinweise auf drohende ernsthafte Nachteile bei ei-
ner Rückkehr. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder wie auch ihre Mut-
ter seien bedroht worden, als sich Erstere aus der Ausbeutungssituation
habe befreien können. Gemäss Botschaftsabklärung sei E. eine bekannte,
einflussreiche und gefürchtete Person.
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Hinzu komme ein erhebliches Re-Trafficking-Risiko, zumal die Angst abge-
schobener nigerianischer Zwangsprostituierter vor den Folgen eines ge-
brochenen Schwurs unter Hinweis auf BVGE 2016/27 häufige Ursache für
eine erneute Anwerbung sei, insbesondere dann, wenn die Schulden noch
nicht vollständig abbezahlt worden seien. Da die Beschwerdeführerin le-
diglich vier Jahre Schulbildung und keinen Beruf erlernt habe sowie im
Falle einer Rückkehr von Beginn weg für sich und ihre Kinder aufkommen
müsste, sei das Risiko, erneut einem Täternetzwerk in die Hände zu fallen,
signifikant gesteigert.
Es sei zudem erwiesen, dass Opfer von Menschenhandel, welche aus Eu-
ropa nach Nigeria zurückkehren würden, einem erhöhten Gewaltrisiko und
deren Kinder einem höheren Entführungsrisiko ausgesetzt seien, da ihre
Umgebung davon ausgehe, dass sie über finanzielle Mittel verfügen wür-
den. Darüber hinaus sei zu berücksichtigen, dass ihre Tochter gross ge-
wachsen sei und sich bereits zur jungen Frau entwickelt habe, weshalb das
Risiko bestehe, dass sie in die Zwangsarbeit oder Zwangsprostitution ge-
raten könnte.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in
Nigeria rasch von der Täterschaft aufgespürt würde und ihr erhebliche
Nachteile drohen würden. Strafrechtlich könnten die Verstösse sowohl auf-
grund der Korruption als auch der Mängel im Bereich der NAPTIP nicht
zuverlässig verfolgt werden. Hinzu komme, dass den Beschwerdeführen-
den, da sie weder über ein soziales Netz verfügen würden noch auf län-
gerfristigen Opferschutz zählen könnten, die Inanspruchnahme des staat-
lichen Schutzes nicht zugemutet werden könne, und es ihnen überdies
auch nicht möglich respektive zumutbar wäre, sich an einem anderen Ort
innerhalb Nigerias eine neue Existenz aufzubauen.
6.
6.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen
der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-
motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die
geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist. Geht die Verfolgung
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von nichtstaatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführe-
rin staatlichen Schutz beanspruchen kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.,
2010/57 E. 2).
6.2 Die Zwangsprostitution und damit zusammenhängende Retorsions-
massnahmen im Falle einer Widersetzung knüpfen grundsätzlich nicht an
ein flüchtlingsrechtliches Merkmal an. Vielmehr handelt es sich dabei um
ein ausschliesslich gemeinrechtlich motiviertes Verbrechen ohne asylrele-
vantes Motiv (vgl. dazu die Urteile des BVGer D-2759/2018 vom 2. Juli
2018 S. 6 f; E-7609/2015 vom 24. Februar 2016 E. 5.4; D-1683/2014 vom
12. August 2014 E. 6.2; D-5017/2011 vom 20. September 2011 S. 7). Einer
möglichen Gefährdung ist daher einzig im Rahmen der – vorliegend nicht
zu prüfenden – Wegweisungsvollzugshindernisse, insbesondere nach
Art. 3 und 4 EMRK Rechnung zu tragen. Das Gericht sieht auch in Anbe-
tracht der Ausführungen in der Beschwerdeschrift keine Gründe, auf diese
Praxis zurückzukommen. Das diesbezügliche Vorbringen der Beschwerde-
führerin ist folglich nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begrün-
den. Die Frage der Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit der nigerianischen
Behörden kann an dieser Stelle offenbleiben.
6.3 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
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9.
9.1 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit aArt. 110a AsylG sind abzuweisen,
da sich die Beschwerde als aussichtslos erwiesen hat.
9.2 Die Kosten des Verfahrens sind folglich der Beschwerdeführerin aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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