Decision ID: a2963e5f-0196-512f-bfe4-f1007aa6b776
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Die A._ S.A., Zweigniederlassung Zürich (fortan: Zweigniederlas-
sung) bezweckt insbesondere die Ausübung aller direkten Versicherungs-
und Rückversicherungsaktivitäten sowohl in (...) als auch im Ausland. Die
Zweigniederlassung ist versicherungsaufsichtsrechtlich für die Bereiche
Krankheits- und Unfallversicherung registriert. Ihr Hauptsitz befindet sich
in (...) (fortan: Hauptsitz), wobei die Zweigniederlassung und ihr Hauptsitz
Teil des global tätigen Versicherungskonzerns A._ sind.
B.
Während des verfahrensrelevanten Zeitraums bezog sich die Geschäftstä-
tigkeit der Zweigniederlassung hauptsächlich auf eine weltweit vertriebene
Versicherungslösung, die sich an Unternehmen mit international tätigen
Mitarbeitern (Expats) richtet. In geringerem Umfang war die Zweignieder-
lassung auch im Geschäft mit internationalen Versicherungspolicen für In-
dividualkunden tätig. Als Versicherer realisierte die Zweigniederlassung
von der Steuer ausgenommene Versicherungsumsätze und war demzu-
folge für die Inlandsteuer nicht als Mehrwertsteuerpflichtige registriert.
C.
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2013 sowie Ergänzungen vom 31. Ja-
nuar 2014 wandte sich die Zweigniederlassung an die ESTV, informierte
diese über die während der Jahre 2008 bis 2012 aus dem Ausland bezo-
genen Dienstleistungen und meldete die Höhe der zu entrichtenden Be-
zugsteuer. Dazu erklärte die Zweigniederlassung, sie beziehe steuerbare
Leistungen seitens der A._ Services Ltd. ([...]; fortan: Konzern-Ser-
vicing-Gesellschaft). Die gemäss der Dienstleistungsvereinbarung Nr. 3 er-
brachten und von ihr bezogenen Leistungen würden zwar weitgehend un-
ter die Kategorie der Steuerausnahme für Versicherungsvertreter und –
makler fallen, einige Dienstleistungen seien aber als steuerbar zu qualifi-
zieren. Soweit bestimmte Leistungen (z.B. IT-Supportsysteme) keine ei-
genständigen Leistungen bildeten, müssten sie zudem proportional auf die
beiden Kategorien (steuerbar/von der Steuer ausgenommen) aufgeteilt
werden. Für die als steuerbar qualifizierten Leistungen sei die Bezugsteuer
zu entrichten. Basierend auf einer Dienstleistungsvereinbarung Nr. 5 weise
der Hauptsitz ihr überdies einen Teil seiner Verwaltungskosten zu. Diese
Leistungen seien steuerbar und würden ebenfalls der Bezugsteuer unter-
liegen.
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Gemäss dieser Selbstdeklaration ergaben sich für die Steuerperioden
2010 bis 2012 zu entrichtende Bezugsteuern in Höhe von CHF 105'852.92
(2010), CHF 85'169.81 (2011) und CHF 154'188.02 (2012).
D.
Die ESTV teilte der Zweigniederlassung mit Schreiben vom 8. Oktober
2015 mit, dass sämtliche von ihr gemeldeten Dienstleistungsbezüge als
steuerbare Backoffice-Tätigkeiten zu qualifizieren seien und stellte der
Zweigniederlassung zwecks Nachbelastung der Bezugsteuer für die Steu-
erperioden 2010 bis 2012 je eine Ergänzungsabrechnung zu, i.e.
CHF 200'886.83 für die Steuerperiode 2010, CHF 208'051.11 für die Steu-
erperiode 2011 und CHF 309'578.72 für die Steuerperiode 2012.
E.
Auf Verlangen der Zweigniederlassung erliess die ESTV am 28. Septem-
ber 2017 eine Verfügung, womit sie die Steuernachforderung gemäss den
Ergänzungsabrechnungen für die Steuerperioden 2010 bis 2012 bestä-
tigte. Zur Begründung führte die ESTV im Wesentlichen aus, dass die von
der Zweigniederlassung bezogenen Dienstleistungen weitgehend typi-
schen Backoffice-Leistungen entsprechen würden und die Zweigniederlas-
sung überdies keine Nachweise dafür erbracht habe, dass es sich bei den
von der Konzern-Servicing-Gesellschaft bezogenen Dienstleistungen um
solche handle, die auf einer Vertreter-/Maklertätigkeit der Letzteren grün-
den würden.
F.
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2017 erhob die Zweigniederlassung gegen
die Verfügung vom 28. September 2017 Einsprache und beantragte deren
Aufhebung. Neu stellte sie sich auf den Standpunkt, dass sämtliche von ihr
bezogenen Dienstleitungen von der Steuer ausgenommen seien und dem-
nach keine Bezugssteuer anfalle; eventualiter beantragte sie, die Höhe der
Bezugsteuer sei auf Basis ihrer Selbstdeklaration festzusetzen.
Zur Begründung ihres neuen Standpunkts brachte die Zweigniederlassung
im Wesentlichen vor, dass zwischen ihr und der Konzern-Servicing-Gesell-
schaft gar kein Leistungsfluss stattfinde. Vielmehr würde die Konzern-Ser-
vicing-Gesellschaft ihre Leistungen an den Hauptsitz erbringen, was dem
Jahresbericht 2012 der Konzern-Servicing-Gesellschaft entnommen wer-
den könne. Die Zweigniederlassung beziehe demnach gar keine Leistun-
gen von der Konzern-Servicing-Gesellschaft, sondern vom Hauptsitz und
diese Leistungen seien in Anwendung einer wirtschaftlichen Sichtweise als
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Seite 4
von der Steuer ausgenommene Versicherungsleistungen zu qualifizieren,
womit keine Bezugsteuer anfalle.
Ihre Sichtweise der zwischen den drei Gesellschaften bestehenden Leis-
tungsverhältnisse begründet die Zweigniederlassung damit, dass sie we-
der über das Eigenkapital noch über das Personal und die Infrastruktur
verfüge, um das Versicherungsgeschäft selbständig durchführen zu kön-
nen. Die Mitarbeiter in der Schweiz seien weder fähig noch berechtigt,
Preise zu berechnen oder Angebote bzw. Vertragsunterlagen vorzuberei-
ten. Die Tätigkeit via Zweigniederlassung erfolge lediglich aus regulatori-
schen Gründen und der Abschluss der Verträge via Zweigniederlassung
erfolge der Form halber. Auch die Verbuchung des Versicherungsgeschäfts
in der Schweiz auf Stufe der Zweigniederlassung werde einzig aus versi-
cherungsaufsichtsrechtlichen und direktsteuerlichen Gründen vorgenom-
men. Die Versicherungsprämien würden jedoch direkt vom Hauptsitz fak-
turiert. Abgesehen vom Inkasso und der Verbuchung der Prämien übe die
Zweigniederlassung keinerlei Aktivitäten aus. Infolge der fehlenden finan-
ziellen Autonomie der Zweigniederlassung sowie aufgrund der Risikoallo-
kation trage der Hauptsitz das versicherungsrechtliche Risiko. Es sei der
Zweigniederlassung deshalb gar nicht möglich, auf eigene Rechnung zu
handeln. Deshalb sei vorliegend nicht auf die zivilrechtliche Ausgestaltung,
sondern auf den tatsächlich wirtschaftlich ablaufenden Sachverhalt abzu-
stellen. Wirtschaftlich gesehen werde die Versicherungsleistung vom
Hauptsitz erbracht; dieser sei wirtschaftlicher Versicherer. Die Zweignie-
derlassung handle auf Rechnung des Hauptsitzes, also auf fremde Rech-
nung, weshalb ein indirektes Stellvertretungsverhältnis vorliege. Dies habe
zur Folge, dass das Leistungsverhältnis zwischen der Zweigniederlassung
und dem Hauptsitz gleich zu qualifizieren sei wie dasjenige zwischen der
Zweigniederlassung und den Versicherungsnehmern. Qualifizierten die
von der Zweigniederlassung an die Kunden erbrachten Leistungen als
steuerausgenommene Versicherungsleistungen, so gelte dies auch für die
von der Zweigniederlassung von Seiten des Hauptsitzes bezogenen Leis-
tungen.
G.
Mit Einspracheentscheid vom 6. September 2018 wies die ESTV die Ein-
sprache der Zweigniederlassung ab und hielt fest, die Zweigniederlassung
schulde der ESTV unter dem Titel Bezugsteuer für die Steuerperioden
2010 bis 2012 CHF 718'516.- zuzüglich des gesetzlich geschuldeten Ver-
zugszinses ab 31. Dezember 2011 (mittlerer Verfall).
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Seite 5
Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, nicht der Hauptsitz, son-
dern die Zweigniederlassung sei Vertragspartnerin der Konzern-Servicing-
Gesellschaft.
Indirekte Stellvertretung liege vor beim Handeln im eigenen Namen, aber
auf fremde Rechnung. Die Zweigniederlassung sei Vertragspartnerin der
Schweizer Kunden und verpflichte sich gegen den Erhalt von Prämien ein
Risiko zu decken. Die Zweigniederlassung handle also im eigenen Namen.
Die Tatsache, dass lediglich aus regulatorischen Gründen eine Zweignie-
derlassung in der Schweiz gegründet worden sei und der Abschluss der
Verträge via Zweigniederlassung erfolge, ändere nichts daran, dass diese
ein eigenständiges Steuersubjekt und gegenüber Schweizer Kunden Leis-
tungserbringerin sei.
Die Zweigniederlassung handle jedoch nicht auf fremde Rechnung. Denn
erstens sei nicht nachgewiesen, dass der Hauptsitz die Prämie den
Schweizer Kunden direkt fakturiere. Zweitens würden die wirtschaftlichen
Effekte bei Schadenfällen nicht unmittelbar beim Hauptsitz entstehen.
Wenn überhaupt sichere der Hauptsitz das finanzielle Risiko der Zweignie-
derlassung, das diese im Zusammenhang mit Schweizer Kunden eingehe,
ab. Dies sei aber nicht mit einer indirekten Stellvertretung vergleichbar, viel-
mehr würde dies als anderweitiges Rechtsverhältnis zwischen der Zweig-
niederlassung und dem Hauptsitz qualifiziert werden. Die von der Zweig-
niederlassung geltend gemachte fehlende finanzielle Autonomie sowie die
Risikoallokation könne deshalb nicht per se dahingehend interpretiert wer-
den, dass sie auf fremde Rechnung handle. Indirekte Stellvertretung liege
zudem nur vor, wenn sowohl ertrags- als auch aufwandseitig Versiche-
rungsleistungen gegeben seien. Nur dann könne von zwei gleichartigen,
aufeinander folgenden Leistungsverhältnissen gesprochen werden. Das
Vorliegen einer Versicherungsleistung zwischen der Zweigniederlassung
und dem Hauptsitz sei jedoch nicht aktenkundig.
H.
Mit Schreiben vom 8. Oktober 2018 erhebt die Zweigniederlassung (fortan:
Beschwerdeführerin) Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der
ESTV vom 6. September 2018 und stellt folgende Anträge:
1. Der Einspracheentscheid vom 6.9.2018 sei aufzuheben.
2. Die Steuerforderungen für die Steuerperioden 2010 bis 2012 seien wie
folgt festzusetzen:
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Seite 6
2.1 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2010 sei
auf CHF 0.- festzusetzen. Der Beschwerdeführerin sei unter Be-
rücksichtigung der für die betreffende Steuerperiode bereits ab-
gelieferten Steuer ein Betrag von CHF 200'886.83 zuzüglich Ver-
gütungszins zurückzuerstatten.
2.2 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2011 sei
auf CHF 0.- festzusetzen. Der Beschwerdeführerin sei unter Be-
rücksichtigung der für die betreffende Steuerperiode bereits ab-
gelieferten Steuer ein Betrag von CHF 208'051.11 zuzüglich Ver-
gütungszins zurückzuerstatten.
2.3 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2012 sei
auf CHF 0.- festzusetzen. Der Beschwerdeführerin sei unter Be-
rücksichtigung der für die betreffende Steuerperiode bereits ab-
gelieferten Steuer ein Betrag von CHF 309'578.72 zuzüglich Ver-
gütungszins zurückzuerstatten.
2.4 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Bundes.
3. Eventualiter seien die Steuerforderungen für die Steuerperioden 2010
bis 2012 wie folgt festzusetzen:
3.1 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2010 sei
auf CHF 105'852.92 festzusetzen.
3.2 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2011 sei
auf CHF 85'169.81 festzusetzen.
3.3 Die Steuerforderung der ESTV für die Steuerperiode 2012 sei
auf CHF 154'188.02 festzusetzen.
3.4 Der Beginn des Zinslaufes für Verzugszinsen sei auf den Zeit-
punkt der ersten Zahlung durch die Beschwerdeführerin im No-
vember 2015 festzusetzen.
3.5 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Bundes.
4. Subeventualiter sei der Beginn des Zinslaufes für Verzugszinsen auf
den Zeitpunkt der ersten Zahlung durch die Beschwerdeführerin im
November 2015 festzusetzen.
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Seite 7
Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie
beziehe keine steuerbaren Leistungen aus dem Ausland, da sie keine Ein-
gangsleistungen von der Konzern-Servicing-Gesellschaft erhalte. Vielmehr
würden die genannten Leistungen dem Hauptsitz erbracht, denn nur die-
sem könnten sie zugeordnet werden. Die Beschwerdeführerin begründet
diese Sichtweise insbesondere damit, dass der Hauptsitz der wirtschaftli-
che und damit faktische Versicherer gegenüber den Schweizer Kunden sei.
Die Beschwerdeführerin selbst sei gar nicht in der Lage, den schweizeri-
schen Kunden Versicherungsdienstleistungen aus eigener Kraft anzubie-
ten. Die Beschwerdeführerin beziehe demnach vom Hauptsitz von der
Steuer ausgenommene Versicherungsleistungen und verkaufe diese in ei-
genem Namen und auf fremdes Risiko an die schweizerischen Kunden
weiter. Mehrwertsteuerlich liege damit eine indirekte Stellvertretung vor.
Zur Begründung des Eventualantrags verweist die Beschwerdeführerin auf
die in ihrem Schreiben vom 23. Dezember 2013 vorgebrachte Argumenta-
tion (vgl. Sachverhalt Bst. C).
Ihren Subeventualantrag, wonach der Beginn des Zinslaufes für Verzugs-
zinsen auf den Zeitpunkt der ersten Zahlung durch die Beschwerdeführerin
im November 2015 festzusetzen sei, begründet die Beschwerdeführerin
damit, dass sich die ESTV – nachdem sich die Beschwerdeführerin im De-
zember 2013 ein erstes Mal zur Deklaration der Bezugssteuern an die
ESTV gewandt habe – bis zum 8. Oktober 2015 Zeit gelassen habe, um
der Beschwerdeführerin zu antworten (vgl. Sachverhalt Bst. D). Nach Er-
halt des genannten Schreibens habe die Beschwerdeführern den Betrag
von CHF 516'120.31 (betreffend die Steuerperioden 2008 bis 2012) unter
Vorbehalt unverzüglich bezahlt. Vorher sei keine formlose Überweisung
möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin nicht im Mehrwertsteuerre-
gister eingetragen sei. Das Verfahren sei seitens der ESTV verzögert wor-
den, woraus folge, dass sämtliche Verzugszinsen, welche für den Zeitraum
vor der Zahlungsmöglichkeit eingefordert worden seien, Bussen-Charakter
hätten.
I.
Mit Vernehmlassung vom 27. November 2018 beantragte die ESTV, die
Beschwerde sei unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin voll-
umfänglich abzuweisen.
Zur Begründung verweist die ESTV im Wesentlichen auf ihre Ausführun-
gen im Rahmen des Einspracheentscheides vom 6. September 2018. Zum
A-5789/2018
Seite 8
im Rahmen der Beschwerde neu gestellten Subeventualantrag führt die
ESTV aus, es sei zutreffend, dass die Beschwerdeführerin per 10. Novem-
ber 2015 eine Zahlung in Höhe von CHF 516'120.31 geleistet habe. Zutref-
fend sei auch, dass sich die Ausstellung einer Nachbelastung für den von
der Beschwerdeführerin ursprünglich noch unbestrittenen Anteil an Bezug-
steuern zwecks Abklärung des gesamten Sachverhalts verzögert habe. Die
Beschwerdeführerin behaupte jedoch nicht, die ESTV hätte in rechtsmiss-
bräuchlicher Absicht gehandelt. Ebenso wenig mache die Beschwerdefüh-
rerin geltend, sie hätte sich bei der ESTV danach erkundigt, wie sie den
von ihr unbestrittenen Teil an Bezugsteuern begleichen könne. Die Be-
schwerdeführerin äussere sich des Weiteren nicht dazu, weshalb der Zin-
senlauf für die von ihr u.a. im Dezember 2013 nachgemeldete Bezugsteuer
für die Steuerperiode 2008 erst im November 2015 zu laufen beginnen
solle.
J.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 VwVG (Art. 31 VGG). Soweit das VGG nichts anderes
bestimmt, richtet sich das Verfahren nach den Vorschriften des VwVG
(Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ficht einen Einspracheentscheid der ESTV be-
treffend die Nachbelastung von Mehrwertsteuern an. Der Einspracheent-
scheid stellt eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Eine Ausnahme
in sachlicher Hinsicht nach Art. 32 VGG liegt nicht vor und die Vorinstanz
ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht
ist somit zur Beurteilung dieser Beschwerde sachlich und funktionell zu-
ständig (Art. 31 VGG). Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerdeführung
berechtigt (Art. 48 VwVG), hat die Beschwerde frist- und formgerecht ein-
gereicht (Art. 50 und 52 VwVG) und den Kostenvorschuss rechtzeitig be-
zahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
A-5789/2018
Seite 9
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Rüge der Unange-
messenheit erheben (Art. 49 VwVG).
1.4
1.4.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende
Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll-
ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-
rechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersuchungsmaxime
beherrscht (Art. 12 VwVG; vgl. auch E. 1.3). Demnach muss die entschei-
dende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie trägt die Be-
weisführungslast (sog. subjektive oder formelle Beweislast). Der Untersu-
chungsgrundsatz wird im Mehrwertsteuerverfahren indes dadurch relati-
viert, dass der steuerpflichtigen Person spezialgesetzlich statuierte Mitwir-
kungspflichten auferlegt werden (vgl. Art. 13 VwVG; BVGE 2009/60
E. 2.1.2). Dazu zählt namentlich das im Mehrwertsteuerrecht geltende
Selbstveranlagungsprinzip (BGE 137 II 136 E. 6.2; Urteile des BGer
2C_353/2013 vom 23. Oktober 2013 E. 3.3, 2C_970/2012 vom 1. April
2013 E. 4.1).
1.4.2 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGE 130 II 485 E. 3.2). Die Beweiswürdigung
endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche
Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet,
wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat.
Gelangt das Gericht nicht zu diesem Ergebnis, kommen die Beweislastre-
geln zur Anwendung. Dabei ist – in analoger Anwendung von Art. 8 ZGB –
im Fall der Beweislosigkeit zuungunsten jener Partei zu urteilen, welche
die Beweislast trägt. Im Steuerrecht gilt, dass die Steuerbehörde die Be-
weislast für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen trägt,
während die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und -min-
dernden Tatsachen beweisbelastet ist (statt vieler: BGE 140 II 248 E. 3.5;
Urteil des BGer 2C_353/2013 vom 23. Oktober 2013 E. 3.3; Urteil des
BVGer A-4308/2015 vom 18. Februar 2016 E. 1.4.2 mit Hinweisen).
A-5789/2018
Seite 10
2.
2.1 Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die
Mehrwertsteuer (MWSTG; SR 641.20) in Kraft getreten. Mit dem Inkrafttre-
ten dieses Gesetzes wurden die Bestimmungen des bis dahin gültigen
Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer
(aMWSTG; AS 2000 1300 ff.) aufgehoben (vgl. Art. 110 MWSTG). Art. 112
MWSTG legt jedoch fest, dass die aufgehobenen Bestimmungen sowie die
darauf gestützt erlassenen Vorschriften – unter Vorbehalt von Art. 113
MWSTG – weiterhin auf alle während deren Geltungsdauer eingetretenen
Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwendbar bleiben.
Die vorliegend zu beurteilende Sache betrifft die Steuerperioden 2010 bis
2012. Somit ist in casu das MWSTG (mitsamt der zugehörigen Mehrwert-
steuerverordnung vom 27. November 2009 [MWSTV; SR 641.201]) in den
in den Jahren 2010 bis 2012 gültigen Fassungen massgebend, worauf
nachfolgend – wo nicht anders vermerkt – referenziert wird.
Soweit im Folgenden auf die Rechtsprechung zum aMWSTG verwiesen
wird, liegt der Grund darin, dass diese im vorliegenden Fall auch für das
MWSTG übernommen werden kann.
2.2
2.2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem Sys-
tem der Nettoallphasensteuer (auch als Allphasensteuer mit Vorsteuerab-
zug bzw. Mehrwertsteuer bezeichnet [Art. 1 Abs. 1 MWSTG]; Art. 130 BV).
Die Steuer wird auf den im Inland von steuerpflichtigen Personen gegen
Entgelt erbrachten Leistungen (Inlandsteuer), auf dem Bezug von Leistun-
gen von Unternehmen mit Sitz im Ausland durch Empfänger und Empfän-
gerinnen im Inland (Bezugsteuer) und auf Einfuhren von Gegenständen
(Einfuhrsteuer) erhoben (Art. 1 Abs. 2 MWSTG). Die Erhebung erfolgt nach
den Grundsätzen der Wettbewerbsneutralität, der Wirtschaftlichkeit der
Entrichtung und der Erhebung und der Überwälzbarkeit (Art. 1 Abs. 3
MWSTG; vgl. auch KLAUS A. VALLENDER, in: Ehrenzeller/Schindler/Schwei-
zer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 130 Rz. 8 ff.; zum Ganzen: Urteil des BVGer
A-3502/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 2.1.1).
2.2.2 Der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität verlangt, dass ein moder-
nes Verbrauchssteuersystem wie die Mehrwertsteuer nach Möglichkeit in
seinen Auswirkungen neutral sein muss. Das heisst, es darf den Wettbe-
werb zwischen den Unternehmen nicht beeinträchtigen und hat das Gleich-
A-5789/2018
Seite 11
behandlungsgebot zu beachten. Die Mehrwertsteuer muss deshalb umfas-
send sein und alle Waren und Dienstleistungen im Inland gleichmässig er-
fassen. Andererseits muss vermieden werden, dass eine Steuerkumulation
entsteht, weil die Waren und Dienstleistungen auf allen Stufen der Produk-
tion und Verteilung und bei der Einfuhr besteuert werden. Diesem Zweck
dient der Vorsteuerabzug. Damit wird die Wettbewerbsneutralität der Mehr-
wertsteuer dem Grundsatz nach verwirklicht, indem sichergestellt wird,
dass die Endbelastung beim Konsumenten immer gleich hoch ist, und zwar
unabhängig davon, auf welchem Weg die Ware oder Dienstleistung zu ihm
gelangt (vgl. BGE 125 II 326 E. 6a, BGE 124 II 193 E. 8a, mit Hinweisen;
Urteile des BVGer A-3502/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 2.1.2 und
A-1382/2015 vom 11. August 2015 E. 3.2; DIEGO CLAVADETSCHER, in: Kom-
mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehr-
wertsteuer, Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], 2015 [nachfolgend:
Kommentar zum MWSTG], Art. 1 Rz. 156 ff.; FELIX GEIGER, in: MWSTG
Kommentar, Schweizerisches Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer mit
den Ausführungserlassen sowie Erlasse zum Zollwesen, Geiger/Schlucke-
bier [Hrsg.], 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: MWSTG Kommentar], Art. 1
Rz. 29; vgl. auch ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum Mehrwertsteuer-
gesetz [MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 105 ff.).
2.3
2.3.1 Dienstleistungen von Unternehmen, die ihren Sitz im Ausland haben
und nicht im Register der steuerpflichtigen Personen eingetragen sind, un-
terliegen der Bezugsteuer, sofern sich der Ort der Leistung nach Artikel 8
Absatz 1 im Inland befindet (Art. 45 Abs. 1 Bst. a MWSTG).
2.3.2 Sinn der Bezugsteuer ist die Realisierung des aus der Wettbewerbs-
neutralität fliessenden Bestimmungslandprinzips im internationalen Ver-
hältnis. Wettbewerbsvorteile für ausländische Anbieter sollen damit ver-
mieden werden. Die Bezugsteuer trägt zur lückenlosen Erfassung der Leis-
tungen am Ort des Verbrauchs bei (ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum
Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], 3. Aufl. 2012, N. 2092). Mittels der Be-
zugsteuer werden Leistungen, die aus dem Ausland bezogen werden, auf
die gleiche Weise mit der Steuer belastet, wie wenn sie im Inland (von einer
steuerpflichtigen Person) bezogen worden wären. Der Unterschied besteht
insbesondere darin, dass die Steuer direkt beim Leistungsempfänger er-
hoben wird und nicht beim leistungserbringenden Unternehmen, das dann
die Steuer auf den Leistungsempfänger überwälzt (Urteil des BVGer
A-904/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.2.2).
A-5789/2018
Seite 12
2.3.3 (Bezug)steuerpflichtig ist der Empfänger der Leistung im Inland, so-
fern er entweder nach Art. 10 MWSTG steuerpflichtig ist (Art. 45 Abs. 2
Bst. a MWSTG) oder – bei gegebenen weiteren Voraussetzungen – im Ka-
lenderjahr für mehr als CHF 10'000.- der Bezugsteuer unterliegende Leis-
tungen bezieht (Art. 45 Abs. 2 Bst. b MWSTG).
In Analogie zu Art. 8 Abs. 1 MWSTG ist von einem inländischen Empfänger
auszugehen, wenn dieser den Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine
Betriebsstätte, für welche die Leistung erbracht wird, oder in Ermangelung
eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte den Wohnort oder
den Ort des üblichen Aufenthalts im Inland hat (FELIX GEIGER, in: MWSTG
Kommentar, Art. 45 Rz. 38).
2.3.4 Als Empfänger der Dienstleistung gilt grundsätzlich der Vertrags-
partner des leistenden Unternehmers. Es ist unbeachtlich, für wen die
Dienstleistung bestimmt ist bzw. wer die Dienstleistung verbraucht. Kauft
beispielsweise eine Schweizer Managementgesellschaft zentral Marketin-
gleistungen ein und verrechnet diese sodann einer ausländischen Kon-
zerngesellschaft weiter, so gilt mit Bezug auf das erste Leistungsverhältnis
die Managementgesellschaft als Leistungsempfängerin; die Marketingleis-
tung ist somit im Inland steuerbar. Mit Bezug auf das zweite Leistungsver-
hältnis gilt die ausländische Konzerngesellschaft als Leistungsempfänge-
rin; die Marketingleistung ist ausserhalb des Anwendungsbereichs des
MWSTG und unterliegt nicht der Schweizer Mehrwertsteuer. Mit Bezug auf
die Pflichtverteidigung gilt nicht der Angeklagte als Leistungsempfänger,
sondern der Staat, der den Pflichtverteidiger beauftragt hat (BGE 141 IV
344, E. 3 f.; Urteil des BGer 5A_504/2015 vom 22. Oktober 2015, E. 3; vgl.
zum Ganzen: FELIX GEIGER, in: MWSTG Kommentar, Art. 8 Rz. 8).
Ob die Betriebsstätte – und eben nicht der im Ausland gelegene Hauptsitz
– Empfängerin der Leistung ist, hängt von der Zweckbestimmung ab, die
sich in erster Linie aufgrund von Art und Verwendung der Dienstleistung
ermitteln lässt; wer (Sitz oder Betriebsstätte) den Auftrag erteilt hat oder die
Rechnung bezahlt, ist lediglich ein Indiz für die Zurechnung der bezogenen
Leistungen (GEIGER, in: MWSTG Kommentar, Art. 8 Rz. 16; NIKLAUS
HONAUER, in: Kommentar zum MWSTG, Art. 8 N. 9). Problematisch sind
insbesondere jene Fälle, in denen sich eine einheitlich fakturierte Dienst-
leistung sowohl auf den Hauptsitz als auch auf die Betriebsstätte bezieht.
Bei dieser Konstellation drängt sich eine gesonderte Fakturierung der Leis-
tungen für den Hauptsitz und die Betriebsstätte auf, was auch aus direkt-
A-5789/2018
Seite 13
steuerlichen Gründen angezeigt sein kann (MARKUS WEIDMANN/DANIEL BA-
DER, Die mehrwertsteuerliche Stellung der Betriebsstätten - Die Einheit des
Unternehmens im nationalen und internationalen Verhältnis, in: Archiv für
Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 78 S. 801 ff., S. 831).
2.3.5 Für die Bezugsteuerpflicht wird zudem vorausgesetzt, dass die be-
treffende Dienstleistung eine (objektiv) steuerbare Leistung bildet (Urteil
des BGer 2C_1076/2015 vom 9. Dezember 2016 E. 4.1; Urteil des BVGer
A-904/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.2.1). Nicht der Bezugsteuer un-
terliegen folglich steuerausgenommene Leistungen im Sinne von Art. 21
MWSTG und steuerbefreite Leistungen im Sinne von Art. 23 MWSTG (vgl.
Art. 109 Abs. 1 MWSTV; seit 1.1.2018 explizit in Art. 45a MWSTG; Urteil
des BVGer A-3549/2018 vom 6. April 2020 E. 4.3).
2.3.6 Von der Mehrwertsteuer ausgenommen sind nach Art. 21 Abs. 2
Ziff. 18 MWSTG Versicherungs- und Rückversicherungsumsätze ein-
schliesslich der Umsätze aus der Tätigkeit als Versicherungsvertreter oder
Versicherungsvertreterin, als Versicherungsmakler oder Versicherungs-
maklerin.
2.3.6.1 Der Begriff der Versicherungs- bzw. Rückversicherungsumsätze
wird weder im aMWSTG noch im MWSTG definiert. Die ESTV orientiert
sich bezüglich des Versicherungsbegriffs an der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zur Versicherungsaufsicht (vgl. MWST-Branchen-Info 16
"Versicherungswesen", gültig ab 1. Januar 2010, Ziff. 1.2), wonach eine
Versicherung durch folgende fünf begriffsnotwendige Merkmale gekenn-
zeichnet ist: 1. das Vorhandensein eines Risikos oder einer Gefahr; 2. die
Prämie als Leistung des Versicherungsnehmers; 3. die Leistung des Versi-
cherers; 4. die Selbständigkeit der Operation; und 5. die Kompensation der
Risiken nach den Gesetzen der Statistik bzw. die Planmässigkeit des Ge-
schäftsbetriebs (BGE 114 Ib 244 E. 4.a, 107 Ib 56; Urteile des BGer
2C_833/2016 vom 20. Februar 2019 E. 3.3.2, 2C_410/2010 vom 21. Ja-
nuar 2011 E. 3, 2C_506/2007 vom 13. Februar 2008 E. 6.2; Urteil des
BVGer A-5934/2018 und A-5937/2018 vom 4. Februar 2020 E. 2.4.1,
BVGE 2011/5 E. 6; ausführlich: ROLF NEBEL, in: Honsell/Vogt/Schnyder
[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bundesgesetz über
den Versicherungsvertrag [VVG], 2001, Art. 101 N. 4 ff.).
2.3.6.2 Von der Mehrwertsteuer ausgenommene Umsätze aus der Tätig-
keit als Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler erzielt, wer zwei
A-5789/2018
Seite 14
Voraussetzungen kumulativ erfüllt. In subjektiver Hinsicht hat der Leis-
tungserbringer als Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter zu
gelten. In objektiver Hinsicht muss es sich um sog. berufstypische Leistun-
gen eines Versicherungsmaklers oder Versicherungsvertreters handeln.
Nicht berufsspezifische Tätigkeiten, wie etwa Dienstleistungen im Bereich
der Organisation, Administration, Koordination oder Geschäftsführung blei-
ben der Steuer unterworfen (vgl. Urteile des BGer 2C_434/2009 vom
17. Juni 2010 E. 2.3.1, 2C_612/2007 vom 7. April 2008 E. 6.6; Urteile des
BVGer A-5934/2018 und A-5937/2018 vom 4. Februar 2020 E. 2.4.2;
A-4516/2008 vom 5. Januar 2011 E. 4.3.2 mit Hinweisen).
2.3.6.2.1 Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler sind natürliche
oder juristische Personen, die im Interesse von Versicherern oder potenti-
ellen Versicherungsnehmern Versicherungsverträge anbieten und/oder ab-
schliessen oder andere Vorbereitungshandlungen zum Abschluss von sol-
chen durchführen (vgl. MWST-Branchen-Info 16, a.a.O., Ziff. 1.5.1). Um
eine Tätigkeit als Versicherungsvertreter handelt es sich nach der Praxis
dann, wenn jemand im Auftrag von Versicherern Abschlüsse von Versiche-
rungsverträgen gegen Provision vermittelt (Urteile des BGer 2C_434/2009
vom 17. Juni 2010 E. 2.4; 2C_284/2008 vom 23. September 2008 E. 3.3
f.). Demgegenüber ist der Versicherungsmakler im Auftrag des Versiche-
rungsnehmers tätig und ist insbesondere auch berechtigt, gegenüber den
Versicherern als Interessensvertreter des Versicherungsnehmers aufzutre-
ten (Urteile des BVGer A-6671/2015 und A-6674/2015 vom 9. August 2016
E. 2.3.4.1). Jedenfalls wirken beide als Intermediäre zwischen Versiche-
rern und Versicherungsnehmern auf den Abschluss von Versicherungsver-
trägen hin (vgl. Urteil des BGer 2C_612/2007 vom 7. April 2008 E. 6.1;
Urteil des BVGer A-4516/2008 vom 5. Januar 2011 E. 4.3.2.1 mit Hinwei-
sen).
2.3.6.2.2 Zu den berufstypischen Aufgaben der Versicherungsvertreter
bzw. -makler gelten nach der vom Bundesgericht ausdrücklich bestätigten
Praxis der ESTV die Ermittlung des Versicherungsbedarfs, d.h. die Analyse
der Risiken sowie die Erarbeitung eines Konzepts zur Risikobewältigung,
die Definition der Anforderungen an die Versicherungsbedingungen, die
Ausschreibung und Evaluation der Offerten samt Preis- und Leistungsver-
gleichen, die Verhandlung mit den Versicherern, die Ausarbeitung und Kon-
trolle der Vertragsdokumente, die laufende Überprüfung des Konzepts, die
Unterstützung bei der Schadenabwicklung und die Unterstützung im Zu-
sammenhang mit dem Prämieninkasso (vgl. MWST-Branchen-Info 16,
a.a.O., Ziff. 1.5.1; Urteil des BGer 2C_612/2007 vom 7. April 2008 E. 6.3;
A-5789/2018
Seite 15
Urteile des BVGer A-6671/2015 und A-6674/2015 vom 9. August 2016
E. 2.3.4.2, A-1533/2006 vom 18. Mai 2010 E. 2.2 mit Hinweisen [bestätigt
durch Urteil des BGer 2C_552/2010 vom 10. Mai 2011]).
Vorausgesetzt ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den erbrach-
ten Leistungen und dem Abschluss von Versicherungsverträgen. So hat
das Bundesgericht die Leistungen eines von verschiedenen Krankenkas-
sen gegründeten Vereins, welcher für seine Mitglieder bestimmte administ-
rative Dienstleistungen im Bereich der Krankenversicherung erbrachte
(z.B. Führung der Dossiers der Versicherten, Zahlungsverkehr, Informatik,
Buchhaltung), der Steuer unterworfen. Es begründete dies damit, dass die
Erbringung solcher Dienstleistungen zwar durchaus zu den Aufgaben ei-
nes Versicherungsagenten gehören könnte. Doch habe der Verein keine
Versicherungsverträge vermittelt, und es habe daher an einem unmittelba-
ren Zusammenhang zwischen solchen Verträgen und den erbrachten Leis-
tungen gefehlt (Urteil des BGer 2C_612/2007 vom 7. April 2008 E. 6.6; be-
stätigt in einem die PTT-Betriebe betreffenden Urteil 2C_284/2008 vom
23. September 2008 E. 3.4; Urteil des BVGer A-6671/2015 und
A-6674/2015 vom 9. August 2016 E. 2.3.4.2).
2.3.7 Als Steuer- und Abrechnungsperiode für nach Art. 45 Abs. 2 Bst. b
MWSTG Bezugsteuerpflichtige (i.e. Bezug von der Bezugsteuer unterlie-
genden Leistungen für mehr als CHF 10'000.-) gilt das Kalenderjahr
(Art. 47 Abs. 2 MWSTG). Gemäss Art. 66 Abs. 3 MWSTG hat sich die ein-
zig für die Bezugsteuer steuerpflichtige Person innert 60 Tagen nach Ablauf
des Kalenderjahres schriftlich bei der ESTV zu melden und gleichzeitig die
bezogenen Leistungen zu deklarieren. Im Gegensatz zur ordentlichen
MWST-Abrechnung gibt es für die Deklaration der Bezugsteuer kein amtli-
ches Formular. Da die Bezugsteuer nach Art. 45 Abs. 2 Bst. b MWSTG
immer nur für ein Kalenderjahr geschuldet ist, muss sich der Steuerpflich-
tige auch nicht bei der ESTV abmelden (HONAUER, in: Kommentar zum
MWSTG, Art. 47 N. 5 ff.). Gestützt auf Art. 86 Abs. 1 MWSTG hat die steu-
erpflichtige Person innert 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode
die in diesem Zeitraum entstandene Steuerforderung zu begleichen, an-
dernfalls ohne Mahnung ein Verzugszins geschuldet ist (Art. 87 Abs. 1
MWSTG; vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer A-3285/2017 vom 21. Juni
2018 E. 2.3.4 f.; HONAUER, in: Kommentar zum MWSTG, Art. 47 N. 5 mit
weiteren Hinweisen).
A-5789/2018
Seite 16
2.4
2.4.1 Steuerpflichtig ist, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck und Ge-
winnabsicht ein Unternehmen betreibt und nicht von der Steuerpflicht be-
freit ist. Ein Unternehmen betreibt, wer eine auf die nachhaltige Erzielung
von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtete berufliche oder gewerbliche
Tätigkeit selbstständig ausübt und unter eigenem Namen auftritt (Art. 10
Abs. 1 MWSTG). Steuerpflichtig kann nur eine Person sein, die ein Unter-
nehmen betreibt und entweder Leistungen erbringt oder bei welcher der
Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine Betriebsstätte, oder in Erman-
gelung eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte, der Wohnort
oder der Ort, von dem aus sie tätig wird, im Inland liegt (Art. 8 Abs. 1
MWSTV).
2.4.2 Als Betriebstätte gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 MWSTV jede feste Ge-
schäftseinrichtung, durch welche die Tätigkeit eines Unternehmens ganz
oder teilweise ausgeübt wird. Namentlich Zweigniederlassungen gelten als
Betriebsstätten (Art. 5 Abs. 2 Bst. a MWSTV).
2.4.3 Nach schweizerischem MWST-Recht werden der Hauptsitz und die
Betriebsstätten bzw. Zweigniederlassungen eines Unternehmens als sepa-
rate Steuersubjekte behandelt, soweit sie sich in unterschiedlichen Län-
dern befinden. Werden zum Beispiel Leistungen zwischen der schweizeri-
schen Betriebsstätte eines ausländischen Unternehmens und seinem aus-
ländischen Hauptsitz ausgetauscht, unterliegen die von der schweizeri-
schen Betriebsstätte bezogenen Leistungen in der Regel der Bezugsteuer,
sofern sie nicht von der Steuer ausgenommen sind.
Die Theorie der Behandlung von Hauptsitz und Betriebsstätte bzw. Zweig-
niederlassung als separate Steuersubjekte (Dual-Entity-Prinzip) steht im
Widerspruch zum schweizerischen Zivilrecht, das sie als Teil einer einzigen
juristischen Person definiert (REGINE SCHLUCKEBIER, in: MWSTG Kom-
mentar, Art. 10 Rz. 141 ff.; WEIDMANN/BADER, a.a.O., S. 821). Eine Zweig-
niederlassung ist ein kaufmännischer Betrieb, der rechtlich Teil einer
Hauptunternehmung ist, von der er abhängt, und der in eigenen Räumlich-
keiten dauernd eine gleichartige Tätigkeit wie jene ausübt, wobei er über
eine gewisse wirtschaftliche und geschäftliche Unabhängigkeit verfügt
(BGE 142 II 113 E. 7.1 f.; BGE 117 II 85 E. 3). Eine Zweigniederlassung
bildet mithin zusammen mit dem Hauptsitz eine rechtliche Einheit und ist
selbst nicht rechtsfähig (Urteile des BGer 4A_510/2016 vom 26. Januar
2017 E. 3.2; 4A_27/2013 vom 6. Mai 2013 E. 2.2).
A-5789/2018
Seite 17
2.5
2.5.1 Im Rahmen der Beurteilung, ob ein Leistungsverhältnis vorliegt, ist
zu prüfen, wer als Leistungserbringer und wer als Leistungsempfänger zu
gelten hat. Wer als Leistungserbringer zu gelten hat, bestimmt sich laut
Art. 20 Abs. 1 MWSTG und nach konstanter Rechtsprechung in erster Linie
nach dem Aussenauftritt. Das mehrwertsteuerlich relevante Handeln wird
demgemäss grundsätzlich demjenigen zugeordnet, der gegenüber Dritten
im eigenen Namen auftritt (statt vieler: Urteile des BVGer A-2859/2019 vom
5. Dezember 2019 E. 2.3.4, A-5720/2012 vom 19. Februar 2014 E. 2.3.7;
RALF IMSTEPF, Die Zuordnung von Leistungen gemäss Art. 20 des neuen
MWSTG [nachfolgend: Zuordnung von Leistungen], in: ASA 78 S. 757 ff.,
772).
2.5.2 Wenn eine Person im Namen und für Rechnung einer anderen Per-
son handelt (und somit nach aussen hin nicht als Leistungserbringerin auf-
tritt), gilt die Leistung als durch die vertretene Person getätigt (sog. direkte
Stellvertretung), sofern die Voraussetzungen nach Art. 20 Abs. 2 Bst. a und
b MWSTG kumulativ erfüllt sind: Bst. a verlangt, dass die Vertreterin nach-
weisen kann, dass sie als Stellvertreterin handelt und die vertretene Per-
son gegenüber der Steuerbehörde eindeutig identifizieren kann. Bst. b
setzt mit Bezug auf das Aussenverhältnis voraus, dass die Vertreterin das
Bestehen eines Stellvertretungsverhältnisses gegenüber dem Leistungs-
empfänger ausdrücklich bekannt gibt oder sich dieses (zumindest) aus den
Umständen ergibt. Hierbei ist nach objektiven Massstäben – und gerade
nicht nach der Wahrnehmung des konkreten Leistungsempfängers – zu
prüfen, ob Umstände vorliegen, welche auf das Bestehen eines Stellver-
tretungsverhältnisses schliessen lassen. Lediglich aus Sicht eines objekti-
ven Dritten muss erkennbar gewesen sein, dass der Handelnde nicht sich
selbst, sondern einen Dritten verpflichten wollte (Urteil des BGer
2C_767/2018 vom 8. Mail 2019 E. 2.1.1; Urteil des BVGer A-713/2017 vom
2. Juli 2018 E. 2.4.3; PIERRE-MARIE GLAUSER, in: Kommentar zum
MWSTG, Art. 20 Rz. 34 f.; IMSTEPF, Zuordnung von Leistungen, a.a.O.,
S. 773 ff.). Findet Art. 20 Abs. 1 MWSTG in einem Dreiparteienverhältnis
Anwendung, so wird das Leistungsverhältnis zwischen der nach aussen
auftretenden Person und der die eigentliche Leistung erbringenden Person
gleich qualifiziert wie das Leistungsverhältnis zwischen der nach aussen
auftretenden Person und der leistungsempfangenden Person (sog. indi-
rekte Stellvertretung, Art. 20 Abs. 3 MWSTG [BGE 145 II 270 E. 4.4.3]; vgl.
dazu: IMSTEPF, Zuordnung von Leistungen, a.a.O., S. 777 und RALF
IMSTEPF, Der mehrwertsteuerliche «Aussenauftritt», Konturen eines unbe-
stimmten Rechtsbegriffs [nachfolgend: Aussenauftritt], in: ASA 82 S. 451
A-5789/2018
Seite 18
ff., 465 ff.]). Der indirekte Stellvertreter, welcher die Leistung in seinem Na-
men, aber für die Rechnung des Vertretenen erbringt, wird in die Umsatz-
steuerkette integriert, indem die wirtschaftliche Realität zwischen dem Ver-
tretenen und dem Dritten ignoriert und unterstellt wird, dass der Vertreter
dem Dritten eine Leistung erbringt, welche ihm vorher vom Vertretenen er-
bracht worden ist. Somit wird die Vermittlungsleistung zwischen dem Ver-
tretenen und dem Vertreter durch eine Warenlieferung oder Dienstleistung
ersetzt. Dadurch wird der indirekte Stellvertreter in die gleiche Lage ver-
setzt, wie wenn er für eigene Rechnung handeln würde (vgl. Art. 20 Abs. 1
MWSTG; GLAUSER, Kommentar zum MWSTG, a.a.O., Art. 20 Rz. 19; vgl.
IMSTEPF; Aussenauftritt, S. 463). Hierbei soll die Rechtsfolge bzw. Fiktion
aus Abs. 3 nicht eine absolute Gleichqualifizierung der beiden Leistungen,
sondern nur eine Gleichqualifizierung bzgl. der objektiven Merkmale errei-
chen (wie bspw. «Art der Leistung» oder Höhe des Entgelts; Urteile des
BVGer A-2273/2019 vom 19. Februar 2020 E. 2.4.3; A-713/2017 vom
2. Juli 2018 E. 2.4.3; GLAUSER, Kommentar zum MWSTG, a.a.O., Art. 20
Rz. 20; IMSTEPF, Zuordnung von Leistungen, a.a.O., S. 777 f.).
2.6
2.6.1 Im Mehrwertsteuerrecht stellt jede einzelne Leistung grundsätzlich
ein selbständiges Steuerobjekt dar, das heisst voneinander unabhängige
Leistungen werden selbständig behandelt (Art. 19 Abs. 1 MWSTG; GEI-
GER, in: MWSTG Kommentar, Art. 19 Rz. 1).
2.6.2 Leistungen, die miteinander verbunden sind (sog. Leistungskom-
plexe), werden mehrwertsteuerlich jedoch dann als einheitlicher wirtschaft-
licher Vorgang betrachtet, wenn sie wirtschaftlich derart eng zusammenge-
hören und ineinander greifen, dass sie ein unteilbares Ganzes bilden. Da-
bei wird zwischen einer Gesamtleistung und einer Hauptleistung mit ak-
zessorischer Nebenleistung unterschieden (Art. 19 Abs. 3 und 4 MWSTG;
Urteil des BVGer A-1266/2013 vom 5. November 2013 E. 2.2).
2.7 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in erster
Linie aus einer zivil- bzw. vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirt-
schaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (sog. wirtschaftliche Be-
trachtungsweise). Die zivil- bzw. vertragsrechtliche Sicht ist demnach nicht
entscheidend, hat aber immerhin Indizwirkung (statt vieler: Urteile des
BGer 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2, 2A.304/2003 vom 14. November
2003 E. 3.6.1; BVGE 2007/23 E. 2.3.2, mit Hinweisen; Urteil des BVGer
A-6642/2017 vom 5. November 2018 E. 4.5).
A-5789/2018
Seite 19
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ge-
genüber den Kunden in der Schweiz im eigenen Namen auftritt und damit
Erbringerin der Versicherungsleistungen ist (E. 2.5.1). Unbestritten ist des
Weiteren, dass die Beschwerdeführerin Dienstleistungen aus dem Ausland
bezieht, um ihre Versicherungsleistungen erbringen zu können. Bestritten
ist hingegen zunächst (den Hauptantrag betreffend), ob die Beschwerde-
führerin von der Konzern-Servicing-Gesellschaft mit Sitz in (Bezeichnung
des Landes) direkt diverse Dienstleitungen bezieht, um damit ihre Dienst-
leistungen für die schweizerischen Endkunden erbringen zu können oder
ob die Dienstleistungen der Konzern-Servicing-Gesellschaft zuerst dem
Hauptsitz in (Bezeichnung des Landes) erbracht werden, welcher die ge-
nannten Leistungen daraufhin gemeinsam mit eigenen Leistungen (Ver-
waltungsleistungen [vgl. Sachverhalt Bst. C]) als von der Bezugsteuer aus-
genommenes Paket an die Beschwerdeführerin weiterleitet.
3.2
3.2.1 Wie im Sachverhalt in Buchstabe C schon ausgeführt, besteht zwi-
schen der Konzern-Servicing-Gesellschaft und der Beschwerdeführerin die
(multilaterale) Dienstleistungsvereinbarung Nr. 3, welche ab dem 1. Januar
2010 wirksam wurde. Appendix 2, Exhibit 3, definiert, dass die Beschwer-
deführerin von der Konzern-Servicing-Gesellschaft Leistungen in den Be-
reichen HR, Rechtliches, IT, Finanzen, Aktuariat, «Treasury», «Facilities»,
«Sales and Marketing», «Underwriting», «Account Management and Ad-
ministration» sowie «Claims and Billing» bezieht. Die vertragschliessenden
Parteien einigen sich darüber hinaus, dass die von der Konzern-Servicing-
Gesellschaft erbrachten Leistungen möglichst exakt den jeweiligen Leis-
tungsempfängern zugeordnet werden sollen. Unterschieden wird zwischen
«reimbursable services», d.h. Leistungen, die dem jeweiligen Leistungs-
empfänger belastet werden, und «reimbursable costs», wobei es sich um
Rechnungen für Leistungen handelt, die nicht direkt von der leistungsemp-
fangenden Partei, sondern von einer «advancing party» bevorschusst wer-
den. Die «advancing party» ist in der Folge dafür verantwortlich, dass die
Kosten dem jeweiligen Leistungsempfänger zugeordnet werden.
3.2.2 Als Empfänger der Dienstleistung gilt grundsätzlich der Vertrags-
partner des leistenden Unternehmers. Es ist unbeachtlich, für wen die
Dienstleistung bestimmt ist bzw. wer die Dienstleistung verbraucht. Ob die
Betriebsstätte – und eben nicht der im Ausland gelegene Hauptsitz – Emp-
fängerin der Leistung ist, hängt jedoch von der Zweckbestimmung ab, die
sich in erster Linie aufgrund von Art und Verwendung der Dienstleistung
A-5789/2018
Seite 20
ermitteln lässt; wer (Sitz oder Betriebsstätte) den Auftrag erteilt hat oder die
Rechnung bezahlt, ist lediglich ein Indiz für die Zurechnung der bezogenen
Leistungen (E. 2.3.4).
Vertragspartnerin der Konzern-Servicing-Gesellschaft und Empfängerin
der Dienstleistungen der Letzteren ist gemäss der Dienstleistungsverein-
barung Nr. 3 die Beschwerdeführerin. Mangels Rechtsfähigkeit kann die
Beschwerdeführerin, bei welcher es sich bekanntlich bloss um eine Zweig-
niederlassung handelt, zwar nicht sich selbst verpflichten, sondern immer
nur die Rechtsperson, welcher sie angehört (i.e. eigentlicher Vertrags-
partner ist der Hauptsitz), doch ist die Tatsache, dass nicht der Hauptsitz,
sondern explizit die Beschwerdeführerin in der Dienstleistungsvereinba-
rung Nr. 3 als Vertragspartnerin und Leistungsempfängerin aufgeführt ist,
ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Beschwerdeführerin Empfängerin der
Dienstleistungen der Konzern-Servicing-Gesellschaft ist. Des Weiteren
sind die Dienstleistungsbezüge, um die es hier geht, unbestrittenermassen
für den Schweizer Markt bestimmt und fliessen damit in Versicherungsleis-
tungen, welche die Beschwerdeführerin in eigenem Namen den Kunden in
der Schweiz erbringt. Auch dies spricht dafür, dass die Beschwerdeführerin
– ohne Umweg über den Hauptsitz – die Dienstleistungen der Konzern-
Servicing-Gesellschaft direkt empfängt.
3.3
3.3.1 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in ers-
ter Linie aus einer zivil- bzw. vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirt-
schaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (E. 2.7).
3.3.2 Die Beschwerdeführerin begründet ihren Hauptantrag im Wesentli-
chen damit, dass sie keine Leistungen von der Konzern-Servicing-Gesell-
schaft und damit keine der Bezugsteuer unterliegende Leistungen beziehe.
Vielmehr würden die genannten Leistungen dem Hauptsitz erbracht, denn
nur diesem könnten sie zugeordnet werden. Die Beschwerdeführerin be-
gründet diese Sichtweise insbesondere damit, dass der Hauptsitz der wirt-
schaftliche und damit faktische Versicherer gegenüber den Schweizer Kun-
den sei. Die Beschwerdeführerin selbst sei gar nicht in der Lage, den
schweizerischen Kunden Versicherungsdienstleistungen aus eigener Kraft
anzubieten. Die Beschwerdeführerin beziehe demnach vom Hauptsitz von
der Steuer ausgenommene Versicherungsleistungen und verkaufe diese in
eigenem Namen und auf fremdes Risiko an die schweizerischen Kunden
weiter. Mehrwertsteuerlich liege damit eine indirekte Stellvertretung vor.
Deshalb sei vorliegend nicht auf die zivilrechtliche Ausgestaltung, sondern
A-5789/2018
Seite 21
auf den tatsächlich wirtschaftlich ablaufenden Sachverhalt abzustellen (vgl.
Sachverhalt Bst. H).
Wie erwähnt (E. 3.1), ist an sich unbestritten, dass die Beschwerdeführerin,
die den Kontakt zu den Schweizer Kunden hält und die Versicherungsver-
träge in eigenem Namen unterzeichnet, gegenüber den Schweizer Kunden
mehrwertsteuerlich als Erbringerin der Versicherungsleistungen auftritt.
Die Beschwerdeführerin weist diesbezüglich aber auf die regulatorischen
Vorgaben hin, die zu ihrer Gründung und Existenz geführt hätten. Nur aus
aufsichtsrechtlichen und formellen Gründen schliesse sie die Versiche-
rungsverträge mit den Schweizer Kunden ab und verbuche das Schweizer
Geschäft für sich. Aus Sicht der Leistungsempfänger trete jedoch der
Hauptsitz bzw. der dahinterstehende Konzern als wirtschaftlicher und da-
mit tatsächlicher Erbringer der Versicherungsleistungen auf. Hieraus fol-
gert die Beschwerdeführerin in einem zweiten Schritt, dass die Leistungen
Dritter, die mit den Versicherungsleistungen zusammenhängen, dem
Hauptsitz zugeordnet werden müssen. Leistungsempfänger der Dienstleis-
tungen der Konzern-Servicing-Gesellschaft sei somit der Hauptsitz. Als
blosse Zweigniederlassung könne die Beschwerdeführerin zivilrechtlich
gesehen gar keine Verträge abschliessen. Als Vertragspartei der Versiche-
rungsverträge und somit als Erbringer der Versicherungsleistungen komme
demnach aus zivilrechtlicher Perspektive einzig der Hauptsitz in Frage.
3.3.2.1 Dass der Hauptsitz der wirtschaftliche und damit faktische Versi-
cherer gegenüber den Schweizer Kunden sei und diesem daher die Dienst-
leistungsbezüge von der Konzern-Servicing-Gesellschaft zuzuordnen
seien, begründet die Beschwerdeführerin vorab mit dem Aussenauftritt. Es
sei ohne weiteres ersichtlich, dass aus Sicht der Versicherungsnehmer die
A._-Gruppe bzw. der Hauptsitz die Versicherungsleistungen er-
bringe und nicht die Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin will ih-
ren eigenständigen Aussenauftritt aufgrund von vier Indizien verneint wis-
sen.
 Erstens trete die A._ lediglich als Gruppe, i.e. als global tä-
tiger Versicherungskonzern auf. Die einzelnen Konzerngesellschaf-
ten sowie die Zweigniederlassungen hätte keinen eigenen Aussen-
auftritt.
 Zweitens sei die A._ eine weltweit tätige Versicherungs-
gruppe, die Versicherungslösungen für Auslandaufenthalte anbiete.
A-5789/2018
Seite 22
Es sei ohne weiteres ersichtlich, dass aus Sicht der Versicherungs-
nehmer die Gruppe bzw. der Hauptsitz die Versicherungsleistung
erbringe und nicht die vier-Personen-starke Zweigniederlassung in
der Schweiz.
 Drittens müssten die Versicherungsprämien auf ein Konto bei einer
Bank in (Bezeichnung einer Stadt) überwiesen werden, welches auf
den Hauptsitz laute (mit Verweis auf Beilage 33 der Beschwerde).
 Viertens seien versicherungsrechtliche Ansprüche an eine Adresse
der A._ -Gruppe in (Bezeichnung eines Landes) zu richten.
3.3.2.2 Vorab ist der Beschwerdeführerin zu entgegnen, dass ihre Argu-
mentation einem offensichtlichen Widerspruch unterliegt. Entweder tritt sie
gegenüber den Versicherungsnehmern in eigenem Namen nach aussen
auf und ist Erbringerin der Versicherungsleistungen – was an sich unbe-
stritten ist (auch bei Vorliegen indirekter Stellvertretung) – oder eben nicht.
Träte hingegen der Hauptsitz gegenüber den Versicherungsnehmern als
Leistungserbringer auf – wie seitens der Beschwerdeführerin vorgehend
argumentiert – würden die Schweizer Kunden die Versicherungsleistungen
direkt aus dem Ausland beziehen, womit die Argumentation, es liege hin-
sichtlich der Versicherungsleistungen indirekte Stellvertretung vor, dahin-
fiele.
Mit ihrem Vorbringen, der Hauptsitz sei der tatsächliche Leistungserbringer
und trete gegenüber den Schweizer Kunden auch als solcher auf, vermag
die Beschwerdeführerin jedoch ohnehin nicht zu überzeugen. Erstens kann
aus den in E. 3.3.2.1 dargelegten Indizien 1, 2 und 4 keinesfalls der
Schluss gezogen werden, der Hauptsitz sei Leistungserbringer. Vielmehr
geht hieraus hervor, dass den Kunden in der Schweiz durchaus bewusst
sein dürfte, dass es sich bei der A._ um einen weltweit tätigen Kon-
zern handelt, bei welchem bestimmte Funktionen zentral von einzelnen
Konzerngesellschaften wahrgenommen werden. Damit ist jedoch nicht ge-
sagt, dass sie den Hauptsitz als ihren unmittelbaren Leistungserbringer
wahrnehmen.
Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin (Indiz 3) lässt sich
sodann der Beilage 33 der Beschwerde nicht entnehmen, ob es sich beim
Inhaber bzw. Begünstigten des genannten Kontos, auf welches die
Prämien geleistet werden, tatsächlich um den Hauptsitz handelt. Die
Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang zutreffend darauf hin, dass die
A-5789/2018
Seite 23
Frage der Zahlstelle ohnehin nicht einheitlich geregelt sei. So seien
gemäss einem anderen aktenkundigen Vertrag die Prämien an A._
international in (Bezeichnung eines Landes) zu überweisen, wobei mit dem
Begriff «A._ international» offensichtlich einzig eine Marke gemeint
sei (mit Verweis auf act. 6, Beilagen: Seite 39 und 51 des betreffenden
Vertrags sowie act. 14, Beilage 18).
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, aufgrund des Aussenauftritts
sei der Hauptsitz als der wirtschaftliche und damit faktische Versicherer
gegenüber Schweizer Kunden zu betrachten, überzeugt demnach nicht.
3.3.2.3 Dass der Hauptsitz der wirtschaftliche und damit faktische Versi-
cherer gegenüber den Schweizer Kunden sei und diesem daher die Dienst-
leistungen der Konzern-Servicing-Gesellschaft zuzuordnen seien, begrün-
det die Beschwerdeführerin sodann damit, dass ihre Existenz einzig versi-
cherungsaufsichtsrechtlich bedingt sei. Die FINMA verlange, dass der
Hauptsitz Prämieneinnahmen und die dazugehörenden Aufwände sowie
die versicherungsmathematischen Aktiven und das Deckungskapital der
Schweiz zuordne, sodass Schweizer Kunden ihre Ansprüche auf Versiche-
rungsleistungen gegebenenfalls in der Schweiz vollstrecken könnten. Die
Zweigniederlassung (i.e. die Beschwerdeführerin) verfüge jedoch über kein
Eigenkapital und weder über Personal noch Infrastruktur, um das Versiche-
rungsgeschäft selbständig durchführen zu können. Aus der beiliegenden
Rechnung sei ersichtlich (mit Verweis auf Beschwerdebeilage 37), dass die
Prämien eines schweizerischen Versicherungsnehmers, welche schliess-
lich bei der Beschwerdeführerin verbucht worden seien, direkt vom Haupt-
sitz fakturiert würden. Somit handle es sich beim tatsächlichen wirtschaftli-
chen Versicherer nicht um die Beschwerdeführerin, sondern um den
Hauptsitz. Damit stehe fest, dass die Arbeiten der Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit den Versicherungsverträgen auf Rechnung des
Hauptsitzes erfolgen würden. Die Beschwerdeführerin verfüge über keiner-
lei unternehmerische Autonomie bzw. sei fremdbestimmt durch den Haupt-
sitz. Das monetäre Risiko der Versicherungsansprüche trage der Haupt-
sitz. Durch die fehlende finanzielle Autonomie sowie aufgrund der Risikoa-
llokation sei es nicht möglich, dass die Beschwerdeführerin auf eigene
Rechnung handle. Sie handle auf Rechnung des Hauptsitzes. Da der
Hauptsitz die Versicherungsgesellschaft sei, empfange er die Leistungen
der Konzern-Servicing-Gesellschaft, da diese Dienstleistungen nur von
ihm verwendet werden könnten.
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3.3.2.4 Vorab ist der Beschwerdeführerin hierzu zu entgegnen, dass – wie
schon unter E. 3.3.2.2 ausgeführt – auch gemäss Beschwerdebeilage 37
(Prämienrechnung) die Prämien an A._ International in (Bezeich-
nung eines Landes) zu überweisen sind, womit offenbleibt, welche Gesell-
schaft der A._-Gruppe bzw. welche Zweigniederlassung nun Be-
günstigte ist. Auf der Rechnung aufgeführt ist die Mehrwertsteuernummer
der Konzern-Servicing-Gesellschaft, welche gemäss der Dienstleistungs-
vereinbarung Nr. 3 auch das Inkasso übernimmt. Damit ist demnach kei-
nesfalls bewiesen, dass der Hauptsitz die Prämien fakturiert bzw. verein-
nahmt, wie seitens der Beschwerdeführerin vorgebracht wird.
Wie die Vorinstanz in ihrem Einspracheentscheid ausführt, ist zutreffend,
dass bei Zweigniederlassungen ausländischer Versicherungsgesellschaf-
ten das geforderte Mindestkapital sowie die erforderlichen Eigenmittel für
die Geschäftstätigkeit in der Schweiz an den ausländischen Hauptsitz an-
knüpfen (Art. 15 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht
über Versicherungsunternehmen vom 17. Dezember 2004 [VAG;
SR 961.01]). Gleichzeitig wird jedoch – wie die Beschwerdeführerin selbst
vorbringt – versicherungsaufsichtsrechtlich verlangt, dass Prämieneinnah-
men und die dazugehörenden Aufwände sowie die versicherungsmathe-
matischen Aktiven und das Deckungskapital der Schweiz zugeordnet wer-
den, sodass Schweizer Kunden ihre Ansprüche auf Versicherungsleistun-
gen gegebenenfalls in der Schweiz vollstrecken könnten. Mit anderen Wor-
ten wird gerade auch versicherungsaufsichtsrechtlich verlangt, dass die
Beschwerdeführerin auf eigene Rechnung handelt. Ob die Gründung einer
Betriebsstätte, i.e. der Beschwerdeführerin, lediglich aus regulatorischen
Gründen erfolgte und ob diese sodann lediglich aus regulatorischen Grün-
den im eigenen Namen und auf eigene Rechnung handelt, ist für die mehr-
wertsteuerliche Beurteilung nicht von Relevanz. Wie sich die Beschwerde-
führerin bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit organisiert, i.e. unter an-
derem, über wieviel qualifiziertes Personal sie selbst verfügt bzw. in wel-
chem Umfang sie Tätigkeiten auslagert, die der eigenen Leistungserstel-
lung dienen, ist zudem Sache ihrer unternehmerischen Freiheit. Die Be-
schwerdeführerin kann ohne weiteres ausgelagerte Tätigkeiten direkt von
Dritten beziehen, i.e. ohne dass diese über den Hauptsitz «laufen».
Es gibt nach dem Gesagten keine Hinweise dafür, dass die Beschwerde-
führerin für Rechnung des Hauptsitzes handeln würde.
3.3.2.5 Damit ist nicht vom Vorliegen des seitens der Beschwerdeführerin
ins Feld geführten indirekten Stellvertretungsverhältnisses zwischen dem
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Hauptsitz, der Beschwerdeführerin und den Schweizer Versicherungskun-
den auszugehen. Vielmehr erbringt die Beschwerdeführerin die Versiche-
rungsleistungen in der Schweiz sowohl im eigenen Namen als auch auf
eigene Rechnung. Die von der Konzern-Servicing-Gesellschaft bezogenen
Dienstleistungen sind dementsprechend nicht dem vermeintlichen fakti-
schen Versicherer, i.e. dem Hauptsitz, zuzuordnen, sondern die Beschwer-
deführerin ist Empfängerin der genannten Dienstleistungen (vgl. E. 3.2.2).
3.3.3 Völlig haltlos sind die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin
im Rahmen des Hauptantrags betreffend die infolge der Bezugsteuer an-
fallende taxe occulte sowie betreffend die rechtsungleiche Behandlung di-
rekter Konkurrenten. Es ist gesetzgeberisch gewollt, dass Erbringer von
der Steuer ausgenommener Leistungen die ihnen für Leistungsbezüge be-
lastete Vorsteuer nicht abziehen können und diese Vorsteuer dementspre-
chend verdeckt auf die Empfänger der steuerausgenommenen Leistungen
überwälzt wird. Dass mittels «Insourcing» die genannte taxe occulte ver-
ringert werden könnte, wie beschwerdeseitig moniert, ist systemimmanent.
Es steht der Beschwerdeführerin – wie auch ihren Konkurrentinnen – frei,
ihre Strukturen entsprechend anzupassen. Rechtsungleich behandelt wird
sie jedenfalls nicht.
3.4 Damit kann als Zwischenfazit festgehalten werden, dass die Be-
schwerdeführerin Empfängerin der seitens der Konzern-Servicing-Gesell-
schaft in Bezug auf Schweizer Versicherungsnehmer erbrachten Dienst-
leistungen ist und darauf – bei gegebener Steuerbarkeit – die Bezugsteuer
abzurechnen hat.
4.
4.1 Streitig ist sodann (den Eventualantrag betreffend), ob sämtliche von
der Beschwerdeführerin seitens der Konzern-Servicing-Gesellschaft bezo-
genen Dienstleistungen der Bezugsteuer unterliegen oder nur diejenigen,
die die Beschwerdeführerin seinerzeit mit Schreiben vom 23. Dezember
2013 als steuerbar deklariert hat (vgl. Sachverhalt Bst. C). Die Beschwer-
deführerin verweist zur Begründung des Eventualantrags vollumfänglich
auf die im Schreiben vom 23. Dezember 2013 vorgebrachte Argumenta-
tion.
4.2 Im Schreiben vom 23. Dezember 2013 führte die Beschwerdeführerin
unter anderem aus, basierend auf der Dienstleistungsvereinbarung Nr. 5
weise der Hauptsitz ihr einen Teil seiner Verwaltungskosten zu. Diese Leis-
tungen seien steuerbar und würden der Bezugsteuer unterliegen (vgl.
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Sachverhalt Bst. C). Die Beschwerdeführerin führte sodann aus, die Kran-
kenversicherungspolicen, die im Namen der Beschwerdeführerin abge-
schlossen würden, würden durch Mitarbeiter der Konzern-Servicing-Ge-
sellschaft an die Beschwerdeführerin vermittelt. Entsprechend würden die
Administration der Policen, die Schadenbearbeitung sowie die Nachbe-
treuung der Kunden, die allenfalls in den Abschluss neuer oder in die An-
passung bestehender Versicherungsverträge münde, auch durch Mitarbei-
ter der Konzern-Servicing-Gesellschaft im Namen der Beschwerdeführerin
geleistet. Nach Ansicht der Beschwerdeführerin seien demnach die folgen-
den auf Basis der Dienstleistungsvereinbarung Nr. 3 von der Konzern-Ser-
vicing-Gesellschaft bezogenen Dienstleistungen von der Steuer ausge-
nommen: «Sales and Account Management Support», «Full client opera-
tion Support», «Underwriting and Pricing», «Legal and Compliance» und
«Actuarial Support». Denn bei diesen bestehe ein direkter Bezug zu Versi-
cherungsverträgen, die durch die Beschwerdeführerin abgeschlossen wor-
den seien und es handle sich dabei um berufstypische Tätigkeiten von Ver-
sicherungsvertretern bzw. Versicherungsmaklern. Die Beschwerdeführerin
unterteilt sodann die weiteren von der Konzern-Servicing-Gesellschaft be-
zogenen Dienstleistungen in gemischt verwendete bzw. steuerbare und
gelangt zum Schluss, dass sie Bezugsteuern in der im Eventualantrag de-
finierten Höhe schuldet.
4.3 Von der Mehrwertsteuer ausgenommene Umsätze aus der Tätigkeit als
Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler erzielt, wer zwei
Voraussetzungen kumulativ erfüllt. In subjektiver Hinsicht hat der
Leistungserbringer als Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter
zu gelten. In objektiver Hinsicht muss es sich um sog. berufstypische
Leistungen eines Versicherungsmaklers oder Versicherungsvertreters
handeln (E. 2.3.6.2). Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler
wirken als Intermediäre zwischen Versicherern und Versicherungsnehmern
auf den Abschluss von Versicherungsverträgen hin; sie führen also
diejenigen Parteien zusammen, die letztlich miteinander einen
Versicherungsvertrag abschliessen sollen. Um eine Tätigkeit als
Versicherungsvertreter handelt es sich nach der Praxis dann, wenn jemand
im Auftrag von Versicherern Abschlüsse von Versicherungsverträgen
gegen Provision vermittelt (vgl. E. 2.3.6.2.1).
Im vorliegenden Fall ist die Konzern-Servicing-Gesellschaft unbestrittener-
massen im Auftrag der Beschwerdeführerin und anderen Mitgliedern des
Konzerns tätig (vgl. Dienstleistungsvereinbarung Nr. 3). Zu prüfen ist somit
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vorab in subjektiver Hinsicht, ob die Konzern-Servicing-Gesellschaft Versi-
cherungsvertreterin ist und als solche u.a. im Auftrag der Beschwerdefüh-
rerin Abschlüsse von Versicherungsverträgen gegen Provision vermittelt.
Die Beschwerdeführerin beschränkt sich diesbezüglich darauf vorzubrin-
gen, die im Namen der Beschwerdeführerin abgeschlossenen Versiche-
rungsverträge würden durch Mitarbeiter der Konzern-Servicing-Gesell-
schaft an die Beschwerdeführerin vermittelt. Belege hierzu werden keine
genannt und sind aus den Akten auch nicht ersichtlich. In Ziffer 11 der
Dienstleistungsvereinbarung Nr. 3 ist gar vermerkt, dass mit diesem Ver-
trag kein Angestellten-/Agentur- oder Vertretungsverhältnis begründet
wird. Damit ist zu Ungunsten der beweisbelasteten Beschwerdeführerin
davon auszugehen, dass es sich bei der Konzern-Servicing-Gesellschaft
nicht um eine Versicherungsvertreterin handelt, womit deren Leistungen
auch nicht von der Steuer ausgenommen sein können.
4.4 Dementsprechend schuldet die Beschwerdeführerin der Vorinstanz die
mit Einspracheentscheid vom 6. September 2018 festgelegten Bezugs-
steuern.
5.
5.1 Streitig ist sodann (den Subeventualantrag betreffend), ob der Beginn
des Zinsenlaufes für Verzugszinsen auf den Zeitpunkt der ersten Zahlung
durch die Beschwerdeführerin im November 2015 festzusetzen ist.
5.2 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Position im Wesentlichen da-
mit, dass sich die ESTV – nachdem sich die Beschwerdeführerin im De-
zember 2013 ein erstes Mal zur Deklaration der Bezugssteuern an die
ESTV gewandt habe – bis zum 8. Oktober 2015 Zeit gelassen habe, um
der Beschwerdeführerin zu antworten (vgl. Sachverhalt Bst. D). Nach Er-
halt des genannten Schreibens habe die Beschwerdeführerin den Betrag
von CHF 516'120.31 (betreffend die Steuerperioden 2008 bis 2012) unter
Vorbehalt unverzüglich bezahlt. Vorher sei keine formlose Überweisung
möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin nicht im Mehrwertsteuerre-
gister eingetragen sei. Das Verfahren sei seitens der ESTV verzögert wor-
den, woraus folge, dass sämtliche Verzugszinsen, welche für den Zeitraum
vor der Zahlungsmöglichkeit eingefordert worden seien, Bussen-Charakter
hätten (vgl. Sachverhalt Bst. H).
5.3 Die einzig für die Bezugsteuer steuerpflichtige Person hat sich innert
60 Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres schriftlich bei der ESTV zu mel-
den, die bezogenen Leistungen zu deklarieren und die in diesem Zeitraum
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entstandene Steuerforderung zu begleichen, andernfalls ohne Mahnung
ein Verzugszins geschuldet ist (E. 2.3.7).
Vor dem Hintergrund dieser klaren Regelung vermag die Argumentation
der Beschwerdeführerin nicht zu überzeugen. Es wäre an ihr gewesen,
sich – in Bezug auf die Steuerperiode 2010 – bereits anfangs 2011 an die
ESTV zu wenden und sich um die Begleichung ihrer Bezugsteuerschuld zu
kümmern, andernfalls die Verzugszinsen ohne weiteres zu laufen begin-
nen. Die Beschwerdeführerin hat sich indessen in Bezug auf sämtliche de-
klarierten Dienstleistungsbezüge zu spät bei der ESTV gemeldet (z.B. be-
treffend die Steuerperiode 2010 knapp 3 Jahre zu spät) und sich auch da-
nach nicht erkundigt, wie sie den von ihr unbestrittenen Teil an Bezugsteu-
ern begleichen kann. Dementsprechend ist die Beschwerde auch im Sub-
eventualantrag abzuweisen.
6.
Der vorinstanzliche Entscheid erweist sich damit als rechtmässig und die
Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
7.
Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens in Höhe von
CHF 8’500.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
und Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
entnehmen. Parteientschädigungen sind keine auszurichten (vgl. Art. 7
VGKE).
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