Decision ID: 344b1ec4-72d5-4f3e-9a29-071be51eb398
Year: 2022
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A. B., geboren am XX.XX.1967, war ab dem 1. September 2015 beim Spitalverbund Appenzell
Ausserrhoden (SVAR) als Teamleiterin Radiologie angestellt (vgl. dazu den Arbeitsvertrag
vom 27. Mai 2015, act. 5.14/6). Nachdem B. dem SVAR am 16. Juli 2018 ein Arztzeugnis
zugesandt hatte, wonach sie bis zum 12. August 2018 arbeitsunfähig sein werde, ordnete
der SVAR am 20. Juli 2018 eine vertrauensärztliche Untersuchung an (act. 5.1/13). Mit
Schreiben vom 30. Juli 2018 (act. 5.14/41) kündigte B. das Arbeitsverhältnis auf den
31. Oktober 2018. In der Folge reichte B. mehrere Arztzeugnisse ein, welche ihr bis zum
Ablauf der Kündigungsfrist (31. Oktober 2018) eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % attestierten
(act. 5.1/22). Am 14. August 2018 fand die vertrauensärztliche Untersuchung bei Dr. C.,
Institut D., statt. Dieser kam zum Schluss, dass keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
von B. als Teamleiterin Med.Tech. Radiologie vorlägen. Deshalb wurde ihr eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt (act. 5.1/16). Mit Schreiben vom 10. September 2018 (act.
5.14/46) lehnte B., vertreten durch RA BB., die Unterzeichnung einer Aufhebungsverein-
barung (act. 5.23/36) ab, gemäss welcher vorgesehen war, das Überstundenguthaben und
den Feriensaldo während der Kündigungsfrist zu verrechnen. Vom 3. Oktober 2018 bis zum
30. Oktober 2018 befand sich B. in stationärer psychosomatisch-sozialmedizinischer
Rehabilitationsbehandlung in der Klinik E. (act. 5.1/20).
B. Mit Schreiben vom 16. November 2018 (act. 5.14/56) erhob B., vertreten durch RA BB., beim
SVAR verschiedene Ansprüche aus dem gekündigten Arbeitsverhältnis. U.a. forderte sie für
nicht bezogene und infolge Krankheit auch nicht beziehbare bzw. kompensierbare Ferien
und Überstunden eine Auszahlung von CHF 34'033.20. Mit Schreiben vom 4. Februar 2019
(act. 5.1/1) ersuchte B. den SVAR um Erlass einer anfechtbaren Verfügung in Bezug auf die
offenen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis.
C. Mit Verfügung vom 26. April 2019 (act. 5.1/1) stellte der SVAR fest, dass der ehemaligen
Mitarbeiterin B. keine Ansprüche mehr aus dem per 31. Oktober 2018 beendeten
Arbeitsverhältnis mit dem SVAR zustünden. Begründet wurde dies in Bezug auf die Ferien-
und Überstunden mit der vertrauensärztlichen Untersuchung vom 14. August 2018.
D. Dagegen liess B., vertreten durch RA BB., mit Eingabe vom 14. Mai 2019 (act. 5.1) Rekurs
beim Regierungsrat erheben u.a. mit den Anträgen, die Verfügung aufzuheben und den
SVAR zu verpflichten, für nicht bezogene und infolge Krankheit auch nicht beziehbare bzw.
kompensierbare Ferien und Überstunden einen Betrag von CHF 34'548.25 nebst Zins zu 5 %
ab dem 1.11. 2018 zu bezahlen.
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E. Mit Beschluss vom 17. August 2021 (act. 1.1) hiess der Regierungsrat den Rekurs teilweise
gut. Der SVAR wurde u.a. verpflichtet, B. eine Abrechnung über das Überstunden- und
Ferienguthaben vorzulegen und ihr den Saldo des Guthabens nebst Zins zu 5 % ab dem
1. November 2018 zu bezahlen.
F. Gegen diesen Beschluss liess der SVAR (im Folgenden: Beschwerdeführer), vertreten durch
RA AA., mit Eingabe vom 22. September 2021 (act. 1) beim Obergericht Beschwerde
erheben, wobei er eingangs erwähnte Rechtsbegehren stellte.
G. Mit Schreiben vom 1. November 2021 (act. 4) und 23. November 2021 (act. 7) liessen sich
der Regierungsrat (im Folgenden: Vorinstanz) und B. (im Folgenden: Beschwerdegegnerin),
vertreten durch RA BB., mit eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur Beschwerde
vernehmen.
H. Mit Eingabe vom 25. Januar 2022 (act. 12) liess der Beschwerdeführer eine Replik einrei-
chen, worin er an seinen Anträgen festhielt. Dazu liess sich die Beschwerdegegnerin mit
Duplik vom 7. März 2022 (act. 16) ebenfalls unter Aufrechterhaltung ihrer Rechtsbegehren
vernehmen. Darauf folgten weitere Eingaben durch den Beschwerdeführer am 17. März 2022
(act. 17) und die Beschwerdegegnerin am 23. März 2022 (act. 18).
I. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen
näher eingegangen.
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Considerations:
Erwägungen
1.
1.1 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen ergibt,
dass das Obergericht nach Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1) und Art. 70 Abs. 2 lit. c des Personalgesetzes (PG, bGS 142.21) zur
Behandlung der Beschwerde gegen den Rekursentscheid der Vorinstanz zuständig ist und
die Voraussetzungen hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung sowie der Frist-, Form- und
Begründungserfordernisse erfüllt sind.
1.2 Der Beschwerdeführer macht eingangs geltend, dass er bereit sei, im Sinne von Ziff. 2 des
angefochtenen Beschlusses eine neue Abrechnung über das Überstunden- und Feriengut-
haben der Beschwerdegegnerin zu erstellen. Ziff. 2 des angefochtenen Beschlusses enthalte
neben einer Leistungspflicht jedoch auch die Feststellung, dass er zur finanziellen Abgeltung
des gesamten, noch zu bestimmenden Guthabens verpflichtet sei. Aufgrund dieser
Ausgestaltung sei er gezwungen, ein Feststellungsbegehren zu stellen.
Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Zulässigkeit eines Feststellungsbegehrens. Dem
Beschwerdeführer sei es ohne weiteres möglich gewesen, ein Leistungsbegehren zu stellen,
indem er einerseits die Aufhebung des regierungsrätlichen Entscheids und andererseits die
leicht errechenbare Zusprechung des Ferien- und Überstundenanspruchs für die Zeitspanne
vom 2. bis 30. Oktober 2018 in Höhe von CHF 8'996.40 beantragt hätte. Ein schutzwürdiges
Interesse an einer Feststellungsklage bestehe nur insoweit, als eine Rechtsunsicherheit nicht
durch eine Leistungs- und Gestaltungsklage behoben werden könne.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet eine Beschwerde, welcher ein Rekursent-
scheid der Vorinstanz und eine Verfügung des Beschwerdeführers zugrunde liegen. Damit
handelt es sich um ein Rechtsmittel- und nicht etwa um ein Klageverfahren. Die Frage, ob
eine Klägerin in der Lage ist, ein Leistungsbegehren zu stellen, stellt sich nur im
Klageverfahren (TOBIAS JAAG, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechts-
pflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 10 zu § 83 VRG). Die Beschwerde-
gegnerin hatte ein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung, ob Ansprüche aus dem
Arbeitsverhältnis bestehen, welche vom Beschwerdeführer in der Verfügung vom 26. April
2019 verneint wurden. Die Vorinstanz kam dagegen zum Schluss, dass solche Ansprüche
bestehen. Wie diese in Ziff. 2 des Rekursentscheids richtig ausführt, lassen sich die Ferien-
und Überstundenguthaben der Beschwerdegegnerin aus den Akten nicht eindeutig verifi-
zieren. Dazu hat der Beschwerdeführer den von der Beschwerdegegnerin vorgelegten Über-
stundensaldo in der Rekursantwort bestritten (act. 5.14, S. 9). Die Höhe eines allfälligen
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Ferien- und Überstundenanspruchs ergibt sich daher erst nach erfolgter konkreter Abrech-
nung, welche durch den Beschwerdeführer vorzunehmen wäre. Eine solche detaillierte
Abrechnung ist jedoch nur erforderlich, wenn das Obergericht den Anspruch der
Beschwerdegegnerin auf Auszahlung der Ferien- und Überstundenguthaben vom 16. Juli
2018 bis und mit 2. Oktober 2018 sowie am 31. Oktober 2018 bejahen würde. Das Rechts-
begehren 1 des Beschwerdeführers erweist sich damit als zulässig, womit auf die
Beschwerde einzutreten ist.
1.3 Wie der Beschwerdeführer in der Replik zutreffend ausführt, existiert im Kanton Appenzell
Ausserrhoden im verwaltungsgerichtlichen Verfahren (anders als bspw. bei der Anschluss-
berufung gemäss Art. 313 der Zivilprozessordnung, ZPO, SR 272) keine Anschluss-
beschwerde. Die Beschwerdegegnerin kann demzufolge im Beschwerdeverfahren nicht eine
Abänderung des angefochtenen Beschlusses zu ihren Gunsten beantragen. Dazu hätte sie
vielmehr selbst Beschwerde erheben müssen. Da das Rechtsbegehren 3 der Beschwerde-
gegnerin über das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers (Streitgegenstand der
Beschwerde) hinausgeht, ist auf dieses nicht einzutreten (vgl. dazu MARCO DONATSCH, in:
Alain Griffel [Hrsg.], a.a.O, N. 22 zu § 63 VRG).
2.
2.1 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass mit dem Ergebnis der
vertrauensärztlichen Untersuchung nicht unmittelbar eine Rechtswirkung verbunden sei.
Diese diene lediglich der Auskunft. Mit dieser Auskunft hätte der Beschwerdeführer eine
Grundlage gehabt, um die Beschwerdegegnerin aufzufordern, wieder zur Arbeit zu erschei-
nen oder sie hätte den Ferien- und Überstundenbezug anordnen können. In den Akten sei
keine solche Anordnung des Beschwerdeführers zu finden. Auch auf die Rückmeldungen der
behandelnden Ärzte sei keine Reaktion durch den Beschwerdeführer erfolgt. Hätte der
Beschwerdeführer die Abwesenheiten der Beschwerdegegnerin wegen Krankheit nicht
akzeptieren wollen, hätte er diese zur Arbeitsleistung auffordern oder den Bezug von Ferien
und Überstunden anordnen müssen. Da der Beschwerdeführer dies nicht getan habe, habe
er faktisch akzeptiert, dass sich die Beschwerdegegnerin bis zur Beendigung des Arbeitsver-
hältnisses am 31. Oktober 2018 im Krankenstand befunden habe. Die Beschwerdegegnerin
habe Anspruch auf Auszahlung des gesamten Überstunden- und Ferienguthabens.
2.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass die Beschwerdegegnerin als Teamleiterin
einer gesteigerten Treuepflicht unterlegen habe. Sie sei verpflichtet gewesen, die Interessen
des Kantons zu wahren. Aus der Treuepflicht lasse sich ohne Weiteres das Gebot ableiten,
dem Arbeitgeber nunmehr nutzlos entstehende Kosten in zumutbarem Umfang zu mildern.
Hierzu gehöre auch das Gebot, dem Arbeitgeber die entsprechenden Kosten zu ersparen,
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indem Ferientage und Überstunden bei fehlender Arbeitsfähigkeit aber bestehender
Ferienfähigkeit bezogen bzw. kompensiert würden. Gemäss Art. 30 Abs. 4 Anhang A zum
Personalreglement sei ein positiver Zeitsaldo bei einem Austritt innerhalb der Kündigungsfrist
zu kompensieren. Dieser Grundsatz binde beide Parteien; es habe somit umso mehr und
über die Treuepflicht hinaus auch der Beschwerdegegnerin oblegen, sich um die Kompensa-
tion ihrer Überstunden während der Kündigungsfrist zu kümmern. Sie hätte mindestens
proaktiv mit ärztlichen Zeugnissen belegen müssen, dass ihr der Bezug von Ferien und
Überstunden nicht möglich gewesen sei. Dies habe sie jedoch pflichtwidrig unterlassen.
2.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt
des Kantons mit Sitz in Herisau (Art. 1 des Gesetzes über den Spitalverbund Appenzell Aus-
serrhoden, Spitalverbundgesetz, SVARG, bGS 812.11). Gemäss Art. 14 Abs. 1 SVARG
i.V.m. Art. 2 Abs. 1bis PG bestimmen sich die Arbeitsverhältnisse im SVAR nach dem Per-
sonalgesetz und der Besoldungsverordnung. Der Verwaltungsrat erlässt die Ausführungs-
bestimmungen dazu. Soweit das Gesetz und die Ausführungsbestimmungen nichts Abwei-
chendes bestimmen, gelten die einschlägigen Bestimmungen des Obligationenrechts sinn-
gemäss (Art. 3 Abs. 2 PG). Nach Art. 50 Abs. 1 PG wird der Zeitpunkt des Ferienbezugs von
der vorgesetzten Stelle unter Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten und nach
Rücksprache mit der oder dem Angestellten festgelegt. Anrechenbare Überstunden sind mit
Freizeit von gleicher Dauer zu kompensieren. In Ausnahmefällen kann die Anstel-
lungsbehörde eine Auszahlung zum ordentlichen Stundenlohn anordnen (Art. 62 Abs. 3 PG).
Gemäss Art. 21 Abs. 1 des Personalreglements (PR) wird der Ferienbezug so früh als
möglich, in der Regel 3 Monate im Voraus, festgelegt. In Ausnahmefällen, namentlich bei
Beendigung des Arbeitsverhältnisses, ist eine kurzfristige Anordnung zulässig, sofern dies
den Ferienzweck nicht vereitelt (vgl. dazu auch die analoge Bestimmung in Art. 17 Abs. 1 der
Personalverordnung, PGV, bGS 142.212). Bei der Kündigung einer oder eines Angestellten
ordnet der SVAR falls notwendig, die Kompensation von Überstunden oder den Bezug
ausstehender Ferien an (Art. 52 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 51 Abs. 2 PR; vgl. dazu auch Art. 42
Abs. 2 i.V.m. Art. 43 lit. c PGV). Gemäss Art. 30 Abs. 3 des Anhangs A PR (Arbeitszeit,
Zeitzuschlag und Inkonvenienzentschädigung) kann die vorgesetzte Stelle die Kompensation
entsprechend der betrieblichen Notwendigkeiten anordnen. Die Anordnung hat frühzeitig,
mindestens vierzehn Tage im Voraus, zu erfolgen, damit die Angestellte oder der Angestellte
entsprechend planen kann. Beim Austritt ist ein positiver Zeitsaldo innerhalb der
Kündigungsfrist zu kompensieren. Er wird finanziell zum Ansatz des ordentlichen
Stundenlohns abgegolten, wenn ein Abbau aus betrieblichen oder triftigem persönlichen
Grund bis zum Austritt nicht erfolgen kann (Anhang 30 Abs. 4 Anhang A).
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2.4 Mit der Vorinstanz ist darin übereinzugehen, dass die vertrauensärztliche Untersuchung vom
14. August 2018 keine unmittelbaren Rechtswirkungen entfaltete, was vom Beschwer-
deführer auch nicht bestritten wird. Unbestritten ist im Weiteren, dass nach der vertrauens-
ärztlichen Untersuchung keine Anordnung des Beschwerdeführers erfolgte, wonach die
Beschwerdegegnerin wieder zur Arbeit zu erscheinen oder den positiven Ferien- und Über-
stundensaldo während der Kündigungsfrist zu kompensieren habe. Aus Anhang 30 Abs. 4
Anhang A PR kann entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht abgeleitet werden,
dass bei einem positiven Zeitsaldo beim Austritt auf eine Anordnung verzichtet werden kann,
stünde dies doch im offensichtlichen Widerspruch zum übergeordneten Art. 50 Abs. 1 PG,
welcher eine einzelfallweise Festlegung des Ferienbezugs nach Rücksprache mit der oder
dem Angestellten vorschreibt (vgl. dazu auch Art. 329c Abs. 2 OR). Eine (zumindest
kurzfristige) Anordnung zur Kompensation von Überstunden und des Bezugs ausstehender
Ferien ist nach Art. 50 Abs. 1 PG, Art. 21 Abs. 1 PR, Art. 52 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 51 Abs. 2
PR und Art. 30 Abs. 3 Anhang 3 PR) vielmehr zwingend und gehört zu den Pflichten des
Arbeitgebers (vgl. auch BGE 128 III 271 E. 2 a bb; 123 III 84 E. 5b).
Wie die Beschwerdegegnerin vernehmlassungsweise zutreffend ausführt, lässt sich auch
aus der Treuepflicht nicht ableiten, dass auf eine Anordnung der Ferien- und Überstunde-
kompensation verzichtet werden kann. Der vom Beschwerdeführer zitierte BGE 128 III 271
ist mit dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar, da sich dieser auf die Treuepflicht eines
während der Dauer der Kündigungsfrist freigestellten Arbeitnehmers bezieht. Dabei war
dessen Arbeits- bzw. Ferienfähigkeit nicht umstritten; zudem überschritt die Freistellungs-
dauer den Restanspruch des Arbeitnehmers deutlich. Aus den Akten ergeben sich keine
Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer bis zur Zustellung des Entwurfs der Aufhe-
bungsvereinbarung am 23. August 2018 den Ferienbezug und eine Überstundenkompen-
sation überhaupt thematisiert hat. Ein solcher wurde auch nicht angeordnet, nachdem sich
die Beschwerdegegnerin geweigert hatte, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Da es der
Beschwerdeführer trotz vertrauensärztlicher Untersuchung versäumt hat, die Beschwerde-
gegnerin zum Bezug der Ferien und Überstunden zu verpflichten, hat er der Beschwerde-
gegnerin das Ferien- und Überstundenguthaben auszuzahlen. Damit ist der vorinstanzliche
Rekursentscheid in diesem Punkt nicht zu beanstanden, womit die Beschwerde abzuweisen
ist. Im Sinne einer Eventualbegründung ist im Folgenden dennoch auf die Frage der Arbeits-
und Ferienfähigkeit der Beschwerdegegnerin einzugehen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass sich die ärztlichen Zeugnisse der Beschwerde-
gegnerin nicht zu deren Ferienfähigkeit äusserten. Demgegenüber sei Dr. C. in seinem
umfassenden und ausführlich sowie nachvollziehbar begründeten Gutachten vom 14. August
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2018 zum Ergebnis gekommen, dass die psychischen Beschwerden der Beschwerde-
gegnerin keinen Krankheitswert aufwiesen und dass sie folglich zu 100 % arbeitsfähig
gewesen sei. Der Arbeitnehmer trage die Beweislast für seine behauptete Arbeits- und
Ferienunfähigkeit. Angesichts der Beweislage habe die Beschwerdegegnerin weder ihre
Arbeitsunfähigkeit noch ihre Ferienunfähigkeit rechtsgenügend bewiesen. Selbst wenn die
Beschwerdegegnerin ihre Krankheit zu beweisen vermöchte, würde dies nicht bedeuten,
dass sie auch ferienunfähig gewesen sei. Sofern das Gericht am Beweiswert des Gutachtens
von Dr. C. zweifeln sollte, beantragt der Beschwerdeführer die Einholung eines gerichtlichen
Gutachtens.
3.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt dagegen den Standpunkt, dass sich aus den beiden ärztli-
chen Berichten von Dr. F. vom 11. Oktober 2018 (act. 5.1/8) und Dr. G. vom 26. Oktober
2018 (act. 5.1/19) ohne Zweifel eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin ergebe,
andernfalls wäre diese mit Sicherheit nicht einer stationären Therapie zugeführt worden. Dies
werde deutlich durch den Psychostatus und den somatischen Aufnahmebefund bei
Klinikeintritt am 3. Oktober 2018 bestätigt (act. 5.1/20). Das Gutachten von Dr. C. vermöge
von vornherein keine beweistaugliche Grundlage für die Entwicklung des Gesundheitszu-
stands der Beschwerdegegnerin nach dem Zeitpunkt der Untersuchung vom 14. August 2018
zu erbringen. Der Gutachter sei im Rahmen seiner Beurteilung von einer ganzen Reihe
falscher Tatsachen und blossen Mutmassungen ausgegangen. Rechtlich komme dem
Bericht von Dr. C. nur die Bedeutung eines Parteigutachtens zu, das im Lichte der übrigen
Arztberichte zu würdigen sei. Für die Kompensation des Überstundensaldos stelle sich die
Frage der Ferienunfähigkeit von vornherein nicht. Ein Arztzeugnis brauche sich nicht explizit
über die Ferien zu äussern, wenn Ferien gar nicht geplant seien oder wegen Krankheit gar
nicht angetreten werden könnten. Die Beweislast dafür, dass die Beschwerdegegnerin die
ihr zustehenden Ferien tatsächlich bezogen habe, liege bei der Beschwerdeführerin. Die
regelmässigen Arztbesuche der Beschwerdegegnerin würden einen Ferienbezug aus-
schliessen.
3.3 Nach herrschender Lehre schliessen sich Krankheit und Ferien grundsätzlich gegenseitig
aus. Bei Bettlägerigkeit und regelmässigen Arztbesuchen ist die Ferienfähigkeit zu vernei-
nen. Ist der Arbeitnehmer trotz Erkrankung ferienfähig, ist eine Kompensation seines Feri-
enanspruchs während einer längeren Krankheitsdauer grundsätzlich möglich. Der Arbeit-
nehmer trägt die Beweislast für die Ferienunfähigkeit (PRINZ/GEEL in: Etter/Facincani/Sutter
[Hrsg.], Arbeitsvertrag, 2021, N. 17 zu Art. 239a OR; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH,
Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, N. 6 zu Art. 329a OR). Demgegenüber trägt der Arbeitgeber die
Beweislast, dafür, dass und wie viele Ferientage vom Arbeitnehmer bezogen worden sind
(BGE 128 III 271 E. 2a).
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Mit der Beschwerdegegnerin ist darin übereinzugehen, dass in der Literatur und Recht-
sprechung die Unterscheidung zwischen Arbeitsunfähigkeit und Ferienunfähigkeit relevant
ist, wenn ein Arbeitnehmer in den Ferien erkrankt. Dabei handelt es sich ausschliesslich um
Fälle, in welchen ein Ferienbezug stattgefunden hat und der Erholungswert der Ferien nach-
träglich wegen Krankheit in Frage gestellt wird. Vorliegend geht aus den Akten jedoch kein
solcher Ferienbezug der Beschwerdegegnerin während der Kündigungsfrist hervor, welcher
im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vom Beschwerdeführer zu beweisen
wäre. Vielmehr ist erstellt, dass die Beschwerdegegnerin im August und September 2018 in
regelmässigen Abständen Dr. F. sowie Dr. G. konsultiert hat (act. 5.1/17 und 22). In diesen
Zeitraum fiel zudem die vom Beschwerdeführer angeordnete ärztliche Untersuchung vom
14. August 2018. Aufgrund dieser Arztbesuche war die private Lebensgestaltung der
Beschwerdegegnerin und damit auch ein allfälliger Feriengenuss stark eingeschränkt, was
nach herrschender Lehre eine Ferienfähigkeit in diesem Zeitraum ausschliesst. Dasselbe
muss ohnehin für den Zeitraum vom 16. Juli 2018 bis zum 14. August 2018 gelten, ergab
sich doch bei der Konsultation in H. eine Reduktion des körperlichen und psychischen
Allgemeinzustands und der Verdacht eines Burn-out-Syndroms der Beschwerdegegnerin
(act. 5.1/12). Damit bestand für diese vor der vertrauensärztlichen Untersuchung vom
14. August 2018 kein Grund, sich selbst als ferienfähig einzustufen und Ferien zu beziehen,
selbst wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre. Eine Ferienkompensation ist auch nicht für
den 31. Oktober 2018 erkennbar, hat die Klinik E. der Beschwerdegegnerin doch auch für
dieses Datum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (act. 5.1/20). Dazu kommt, dass
der Beschwerdeführer von den Ärzten der Beschwerdegegnerin selbst Stellungnahmen
eingeholt hat, welche nach Ansicht des Obergerichts auf eine Ferienunfähigkeit der
Beschwerdegegnerin ab dem 10. August 2018 schliessen lassen, wobei insbesondere dem
Fachwissen von Dr. G. als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie für das im Raum
stehende Burn-Out-Syndrom der Beschwerdegegnerin erhöhtes Gewicht zukommt (Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts A-6820/2008 vom 15. April 2009 E. 3.3.1; STREIFF/VON
KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., N. 12 zu Art. 324a OR, S. 425 f.). Da sich die Befunde der
behandelnden Ärzte und des Vertrauensarztes offensichtlich widersprechen, wäre es am
Beschwerdeführer gewesen, spätestens nach dem Eingang der ärztlichen Stellungnahmen
die Ferienfähigkeit der Beschwerdegegnerin durch einen zweiten Vertrauensarzt überprüfen
zu lassen. In Anbetracht dieser Umstände vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen
und erscheint es nicht plausibel, dass die Beschwerdegegnerin während der Kündigungsfrist
Ferien oder Überstunden kompensiert hat. Daran würde auch die Einholung eines
unabhängigen Gutachtens nichts ändern, da ein solches über drei Jahre nach der strittigen
Ferienunfähigkeit nicht die gewünschte Klärung bringen könnte.
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4. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer zurecht
verpflichtet hat, der Beschwerdegegnerin eine Abrechnung über das Überstunden- und
Ferienguthaben vorzulegen und ihr den Saldo des Ferien- und Überstundenguthabens nebst
Zins zu 5 % ab dem 1. November 2018 auszubezahlen. Die Beschwerde ist damit abzu-
weisen.
5. Im Rechtsmittelverfahren ist grundsätzlich gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teil-
weise unterliegt oder auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 53 Abs. 1 i.V.m.
Art. 19 Abs. 3 VRPG). Bei Streitigkeiten aus dem öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis
werden jedoch keine Kosten erhoben (Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 2 lit. c VRPG).
6. Nach Art. 53 Abs. 3 VRPG hat die obsiegende Partei in der Regel Anspruch auf eine Ent-
schädigung für ihre notwendigen Kosten und Auslagen. Bei nur teilweisem Obsiegen besteht
ein Anspruch nur nach Massgabe des Obsiegens (vgl. etwa GEORG WILHELM, in:
Zünd/Pfiffner Rauber [Hrsg.], Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich, 2. Aufl. 2009, N. 8 zu § 34 GSVGer). Hinsichtlich des Masses des Obsiegens ist zu
beachten, dass der nicht erfolgreiche Nichteintretensantrag der Beschwerdegegnerin nicht
als Unterliegen gilt, weil die Frage des Eintretens von Amtes wegen zu prüfen ist. Hingegen
unterliegt die Beschwerdegegnerin mit ihrem Antrag 3. In wirtschaftlicher Hinsicht wollte die
Beschwerdegegnerin mit ihrem Antrag 3 eine Beschleunigung erreichen, nicht aber zusätz-
liche materielle Ansprüche stellen. Das Unterliegen in diesem Punkt wird mit einem Fünftel
quantifiziert. Bei der Bestimmung der Entschädigung geht auch das Obergericht Appenzell
Ausserrhoden nach der aus dem Zivilprozessrecht bekannten Methode vor, wonach die
Differenz der Kostenanteile, für die die beschwerdeführende und die beschwerdegegne-
rische Partei kostenpflichtig erklärt wurden, mit der Kostennote der mehrheitlich obsiegenden
Partei zu multiplizieren ist (ARMIN LINDER, Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar
zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege des Kantons St. Gallen, 2020, N. 16 zu
Art. 98bis VRP). Vorliegend hat also die Beschwerdegegnerin Anspruch auf Ersatz von (4/5
minus 1/5 =) 3/5 ihrer Auslagen.
Die (volle) Entschädigung setzt sich zusammen aus einem Honorar und den Barauslagen;
die Mehrwertsteuer wird als Zuschlag in Rechnung gestellt (Art. 3 der Verordnung über den
Anwaltstarif, AT, bGS 145.53). In Verfahren vor dem Obergericht in Verwaltungssachen wird
das Honorar pauschal festgelegt (Art. 13 Abs. 1 lit. c AT) und beträgt Fr. 1‘000.-- bis
Fr. 10‘000.-- (Art. 16 Abs. 1 AT). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens richtet
sich das Honorar nach den besonderen Umständen des Falles. In Betracht fallen namentlich
Art und Umfang der Bemühungen, die Schwierigkeiten des Falles sowie die wirtschaftlichen
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Verhältnisse der Beteiligten (Art. 17 AT). Grundsätzlich kann die mögliche Bandbreite der
Honorare unterteilt werden in
a) einfache, unterdurchschnittlich aufwändige Fälle, in denen ein Honorar von
Fr. 1‘000.-- bis zu Fr. 4‘000.-- zu sprechen ist;
b) mittlere Fälle, die durchschnittlich schwierige Rechts- und/oder Sachverhaltsfragen
betreffen und einen durchschnittlichen Aufwand benötigten, in denen ein Honorar in
der Grössenordnung von Fr. 4‘000.-- bis Fr. 7‘000.-- angemessen erscheint; und
c) schwierige Fälle sowohl bezüglich Sachverhalts- und/oder Rechtsfragen, in denen
überdurchschnittlich umfangreiche Eingaben notwendig waren und umfangreiche
Akten zu studieren waren, was ein Honorar von Fr. 7‘000.-- bis Fr. 10‘000.--, bzw. in
aussergewöhnlichen Fällen bis zu Fr. 15‘000.-- rechtfertigt.
Vorliegend handelt es sich nach Erachten des Obergerichts um einen Fall, der der mittleren
Kategorie zuzuordnen ist. Dabei ist zu beachten, dass der Rechtsvertreter die Beschwer-
degegnerin bereits im vorinstanzlichen Verfahren vertreten hat, womit sich der Aufwand re-
duzieren liess. Dem Aufwand und den Anforderungen angemessen erscheint ein Honorar in
der Höhe von Fr. 5'000.--. Dazu kommen die Barauslagen, deren Höhe in Anlehnung an die
St. Galler Lösung (Art. 28bis Abs. 1 der Honorarordnung, sGS 963.75) praxisgemäss auf 4 %
festgesetzt wird, und 7.7 % Mehrwertsteuer. Es resultieren Fr. 5'600.40. Davon hat der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin 3/5 und damit Fr. 3'360.25 zu ersetzen.
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