Decision ID: 6f704015-ae7b-4be5-88ce-e6d94963b01a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Am (...) suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach. Er
gab bei der Aufnahme seiner Personalien an, er sei am (...) in Afghanistan
geboren. Er wurde für die weitere Behandlung seines Verfahrens dem Bun-
desasylzentrum (BAZ) B._ zugewiesen.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am X._ in C._ und
am Y._ in D._ um Asyl ersucht hatte.
A.c Am 10. Februar 2022 stellte das SEM sowohl bei den Behörden von
D._ als auch den Behörden von C._ betreffend den Be-
schwerdeführer ein Informationsersuchen nach Art. 34 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz (Dublin-III-VO).
A.d Am 21. Februar 2022 führte das SEM eine Erstbefragung unbegleiteter
minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) durch. Dabei führte der Be-
schwerdeführer zu seinem Geburtsdatum an, er sei am (Nennung Datum)
geboren worden. Sein Geburtsdatum kenne er seit dem Erhalt seiner
Tazkira vor (Nennung Zeitpunkt), deren Original ihm die Behörden von
C._ weggenommen hätten. Es wurden ihm Fragen zu seinen Per-
sonalien, zum Erhalt seiner Tazkira, zu seinen persönlichen Verhältnissen,
zu Identitätsdokumenten, zum Reiseweg, zu seiner Herkunft, zum medizi-
nischen Sachverhalt, zu seinem Alter sowie medizinische Zusatzfragen zur
Altersabklärung gestellt. Ferner wurde er über den Ablauf einer möglicher-
weise durchzuführenden medizinischen Altersabklärung informiert.
A.e Die am (...) am (Nennung Institution) erstellte 3-Säulen-Modell-Ana-
lyse (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurtei-
lung) zur Altersbestimmung ergab zum Zeitpunkt der Untersuchung vom
(...) ein Mindestalter des Beschwerdeführers von (...) Jahren. Das (Nen-
nung Institution) hielt dabei fest, das vom Beschwerdeführer angegebene
Lebensalter von (...) Jahren und (...) Monaten sei mit den erhobenen Be-
funden nicht zu vereinbaren. Als Fazit wurde ausgeführt, die Vollendung
des 18. Lebensjahres und damit das Erreichen der Volljährigkeit lasse sich
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bei der untersuchten Person nicht mit der notwendigen Sicherheit belegen
(Minderjährigkeit sei möglich).
A.f Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer in der Folge am
23. März 2022 das rechtliche Gehör zum Abklärungsergebnis, zu den
Zweifeln des SEM an der vorgebrachten Identität, zur beabsichtigten An-
passung seines Geburtsdatums auf den X._ und zur Möglichkeit
der Behandlung seines Asylgesuchs durch die Behörden von D._
oder von C._.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 28. März 2022 seine Stel-
lungnahme ein. Darin führte er unter anderem an, er behalte sich bezüglich
eines allfälligen Dublin-Verfahrens und einer Wegweisung nach C._
vor, das rechtliche Gehör zu einem späteren Zeitpunkt zu ergänzen. Je-
denfalls sei er in C._ von (Nennung Behörde und Vorfälle), weshalb
vermutungsweise von einer Traumatisierung seiner Person auszugehen
und der medizinische Sachverhalt durch das SEM vor einer Wegweisung
ergänzend abzuklären sei. Des Weiteren beantragte der Beschwerdefüh-
rer bezüglich Altersanpassung im ZEMIS umgehend eine beschwerdefä-
hige Verfügung und er sei im Sinne einer superprovisorischen Massnahme
bis zum Ausgang des Beschwerdeverfahrens als UMA zu behandeln. Fer-
ner sei mit der Einleitung eines Dublin-Verfahrens zumindest bis zum Aus-
gang des Beschwerdeverfahrens betreffend ZEMIS-Änderung abzuwar-
ten.
A.g Mit E-Mail-Schreiben vom 30. März 2022 teilte das SEM dem Be-
schwerdeführer mit, dass sein Geburtsdatum im ZEMIS – mit Bestreitungs-
vermerk – auf den X._ angepasst worden sei und er für das restli-
che Verfahren als volljährig erachtet werde. Die Altersanpassung inklusive
Bestreitungsvermerk werde im Rahmen des Verfahrens mit dem (Dublin-)
Entscheid verfügt.
A.h Am 30. März 2022 ersuchte das SEM sowohl die Behörden von
D._ als auch von C._ um Wiederaufnahme des Beschwer-
deführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Dublin-III-VO.
A.i Mit Schreiben vom 31. März 2022 teilte der Beschwerdeführer mit, er
werde "soeben" in eine Unterkunft für Erwachsene transferiert. Er erneu-
erte seinen Antrag um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung bezüg-
lich Altersanpassung im ZEMIS und ersuchte gleichzeitig darum, er sei im
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Sinne einer superprovisorischen Massnahme in den Strukturen der UMA
zu belassen.
A.j Mit E-Mail-Schreiben vom 31. März 2022 bestätigte das SEM dem Be-
schwerdeführer den Eingang seines Schreibens gleichen Datums und
teilte ihm mit, dass es an die nun zuständige Dublin Sektion weitergeleitet
worden sei.
A.k Gemäss einem (Nennung Beweismittel) wurde der Beschwerdeführer
gleichentags wegen (Nennung Leiden) behandelt.
A.l Laut einem (Nennung Beweismittel) wurde der Beschwerdeführer we-
gen eines am (...) begangenen (Nennung Vorfall) zugewiesen und nach
Behandlung mit entsprechenden Abmachungen und Empfehlungen glei-
chentags wieder entlassen.
A.m Am 5. April 2022 sowie am 7. April 2022 reichte der Beschwerdeführer
weitere ärztliche Unterlagen zu den Akten (Aufzählung Beweismittel).
B.
Mit Eingabe vom 5. April 2022 reichte der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht eine Beschwerde ein und beantragte, es sei festzustel-
len, dass betreffend Änderung der Personendaten im ZEMIS eine Rechts-
verweigerung und/oder Rechtsverzögerung vorliege, die Vorinstanz sei an-
zuweisen, die bereits durchgeführte Änderung der Personendaten im
ZEMIS umgehend in Form einer Verfügung festzustellen und es sei im
Sinne einer superprovisorischen Massnahme die Vorinstanz anzuweisen,
ihn für die Zeit des hängigen Beschwerdeverfahrens in den Strukturen für
UMA unterzubringen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde lag (Nennung Beweismittel) bei.
C.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 6. April 2022 den Eingang seiner Beschwerde.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 8. April 2022 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, trat auf den Antrag
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auf Erlass einer superprovisorischen Massnahme nicht ein und lud das
SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 25. April 2022 ein.
E.
Mit Eingabe vom 12. April 2022 reichte der Beschwerdeführer ärztliche Un-
terlagen (Aufzählung Beweismittel) ins Recht und stellte weitere medizini-
sche Unterlagen – nachdem er (Nennung Vorfälle) – in Aussicht. Seit (Nen-
nung Zeitpunkt) befinde er sich in einer Unterkunft für Erwachsene. Das
SEM werde ihn noch gleichentags in eine andere Unterkunft verlegen,
ohne dass er den Ort oder den Grund dafür kenne.
F.
Am (...) lehnten die Behörden von D._ die Übernahme des Be-
schwerdeführers ab.
G.
Die Vorinstanz räumte dem Beschwerdeführer am 22. April 2022 erneut
das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit von C._ für die Behandlung
seines Asylgesuchs bis zum 28. April 2022 ein.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 22. April 2022 hielt das SEM nach einigen
ergänzenden Bemerkungen am vorliegenden (Dublin-)Verfahren fest und
stellte in Aussicht, die Altersanpassung mit zeitnahem Endentscheid zu
verfügen.
I.
Mit Eingabe vom 25. April 2022 legte der Beschwerdeführer zusätzliche
Beweismittel (Nennung Beweismittel) ins Recht.
J.
Die Instruktionsrichterin räumte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
27. April 2022 die Gelegenheit ein, bis zum 12. Mai 2022 eine Replik ein-
zureichen.
K.
Mit Eingabe vom 2. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres
Beweismittel (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
L.
Am 3. Mai 2022 liess der Beschwerdeführer dem SEM seine Stellung-
nahme zum neuerlich gewährten rechtlichen Gehör zur Zuständigkeit von
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C._ für die Behandlung seines Asylgesuchs zukommen (vgl. auch
Bst. G. oben).
M.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 12. Mai 2022.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch
vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG
[SR 142.31]). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern ei-
ner anfechtbaren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die
Behandlung einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene
Verfügung zuständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG).
Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden
Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig.
1.2 Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerden richten
sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwer-
delegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein
Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf
besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist,
in Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach Art. 6
i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15
E. 3.2 m.w.H.).
Der Beschwerdeführer stellte am 28. März 2022 im Rahmen seiner Stel-
lungnahme zum rechtlichen Gehör einen Antrag um Erlass einer beschwer-
defähigen Verfügung bezüglich Altersanpassung im ZEMIS, welchen er am
31. März 2022 erneuerte. Über diesen Antrag hat die Vorinstanz in Form
einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Der Beschwerdeführer ist da-
her zur Beschwerdeführung legitimiert.
1.3 Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer Verfü-
gung kann grundsätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50
Abs. 2 VwVG). Dennoch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
nicht völlig im Belieben der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz
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von Treu und Glauben bildet hier eine Grenze. Die beschwerdeführende
Person muss zudem darlegen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung
ein schutzwürdiges – mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der
Vornahme der verzögerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer
entsprechenden Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23).
Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-
den und das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vor-
nahme der Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass das SEM bis
anhin in der Sache nicht entschieden hat.
1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-
gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-
treten.
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot
verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa-
che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1
VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern,
wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sol-
len, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig
gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug ver-
kürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden
(vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung ergibt
sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Danach hat jede Person vor Gerichts-
und Verfahrensinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung
sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungs-
gebot).
3.2 Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde sich weigert,
eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen
Rechtsnormen verpflichtet wäre. Von einer Rechtsverzögerung im Sinne
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des Gesetzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches
Handeln zwar nicht (wie bei einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich in-
frage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der
Natur der Sache objektiv noch als angemessen erscheint. Die Angemes-
senheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung
der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei
namentlich die Komplexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Be-
teiligten und der Behörden, die Bedeutung des Verfahrens für die be-
troffene Partei sowie einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum
Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f. m.w.H.). Ein Verschulden der Behörde an
der Verzögerung wird nicht vorausgesetzt, weshalb sie das Rechtsverzö-
gerungsverbot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder
Überlastung nicht innert angemessener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513
E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behand-
lungsfristen sind bei der Beurteilung der Angemessenheit der Verfahrens-
dauer zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen auch Urteil des BVGer
E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.).
3.3 Vorliegend steht behördliches Handeln nicht grundsätzlich infrage, zu-
mal das SEM die Altersanpassung im ZEMIS gleichzeitig mit einem En-
dentscheid im Dublin-Verfahren wiederholt in Aussicht gestellt hat (vgl.
SEM act. 1124969-36/1; Vernehmlassung vom 22. April 2022). Die Rechts-
mitteleingabe des Beschwerdeführers ist daher unter dem Aspekt der
Rechtsverzögerung zu prüfen.
4.
4.1 In der Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen vor, die Vorinstanz habe seine Anträge auf Erlass einer beschwerde-
fähigen Verfügung betreffend Altersanpassung im ZEMIS implizit abge-
lehnt, da sie erfahrungsgemäss diesen Zwischenschritt erst mit dem End-
entscheid, vorliegend dem Dublin-Entscheid verfüge. Vorliegend sei unter
anderem gestützt auf Dublin-Akten aus anderen Dublin-Staaten, die ihm
nicht vorgelegt worden seien, sein Geburtsdatum auf den X._ ge-
ändert worden. Diesbezüglich sei fraglich, ob und inwiefern seine Stellung-
nahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 28. März 2022 von der
Vorinstanz überhaupt berücksichtigt worden sei, sei doch sein Transfer zu
den Erwachsenen bereits auf den (Nennung Zeitpunkt) geplant gewesen
und das Dublin-Verfahren am 30. März 2022, mithin keine zwei Tage nach
Ablauf der Frist zur Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs, eröffnet wor-
den. Die beabsichtigte Verlegung in die Erwachsenen-Unterkunft habe ihn
stark verunsichert und sein psychischer Gesundheitszustand habe sich
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seither massiv verschlechtert. Die Vorinstanz verkenne mit ihrem Schritt,
dass sich Datenmutationen im ZEMIS nicht auf das Asylgesetz, sondern
auf die Datenschutzgesetzgebung stützten. Indem es die Vorinstanz trotz
wiederholter Anträge unterlassen habe, eine ZEMIS-Verfügung zu erlas-
sen, liege eine Rechtsverweigerung vor, zumal eine Verweigerung der Be-
richtigung von Daten im ZEMIS durch die Vorinstanz im Rahmen einer an-
fechtbaren Verfügung zu geschehen habe. Überdies sei von einer Rechts-
verzögerung auszugehen, zumal nicht ersichtlich sei, weshalb sich die Vor-
instanz nicht zu den oben erwähnten Anträgen geäussert habe. Weiter sei
nicht nachvollziehbar und rechtlich nicht legitimierbar, auf dieser Grundlage
ein Dublin-Verfahren einzuleiten, solange die Volljährigkeit nicht rechtskräf-
tig festgestellt sei.
4.2 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, die Güterabwägung
verpflichte das SEM vorliegend, das Kindeswohl und den Schutz der in der
Minderjährigenstruktur untergebrachten vulnerablen Personen höher zu
gewichten als den Antrag, den Beschwerdeführer als eine mutmasslich
minderjährige Person dorthin zu verlegen. Weiter verfüge das SEM die Al-
tersanpassung der Personendaten im ZEMIS in ständiger Amtspraxis im
Endentscheid, soweit dieser zeitnah zu erwarten sei. Vorliegend habe das
SEM die Behörden von C._ am (...) um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers ersucht. Dieses Ersuchen sei erst nach durchgeführter
Anpassung des Alters im ZEMIS möglich. Gemäss den kurzen Antwortfris-
ten war und sei im laufenden Dublin-Verfahren von einem zeitnahen En-
dentscheid auszugehen. Am (...) hätten die Behörden von C._ das
Ersuchen des SEM denn auch implizit gutgeheissen. Dass bislang noch
kein Endentscheid habe ergehen können, sei auch dem Beschwerdeführer
anzulasten, zumal er sich in der Stellungnahme vom 28. März 2022 vorbe-
halten habe, zur Wegweisung nach C._ keine Stellung zu beziehen.
Es könne daher nicht von einer Rechtsverzögerung gesprochen werden,
da zunächst das hängige Dublin-Verfahren und auch noch die Stellung-
nahme des Beschwerdeführers habe abgewartet werden müssen.
Schliesslich dürften mit minderjährigen Personen gemäss Art. 8 Abs. 4
Dublin-III-VO keine Wiederaufnahmeverfahren durchgeführt werden.
Müsste bis zur Rechtskraft eines allfälligen Entscheids betreffend die Al-
tersanpassung abgewartet werden, würde die Durchführung von Dublin-
Verfahren mit ursprünglich minderjährigen Asylsuchenden gänzlich verun-
möglicht, was geltendes Recht aushebeln würde (mit Verweis auf Art. 26b
AsylG). Am vorliegenden Verfahren sei daher festzuhalten und die Alters-
anpassung werde mit zeitnahen Dublin-Entscheid verfügt werden.
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4.3 Mit Replik entgegnet der Beschwerdeführer, das Kindeswohl sei auch
bezüglich seiner Person zu beachten. Werde nämlich ein Jugendlicher wie
er als mutmasslich erwachsene Person behandelt, könne dies ernsthafte
und irreparable Nachteile haben und sei dies ein Eingriff in die Grund-
rechte. Zudem stelle die Änderung des Geburtsdatums auch einen Eingriff
in die Identität dar. Die vorgenommene Änderung des Geburtsdatums habe
bei ihm zu einer grossen Verunsicherung geführt, zumal er wiederholt
(Nennung Behandlungen) werden müssen; er befinde sich nach wie vor in
einem gesundheitlich prekären Zustand. Ferner werde – entgegen der vor-
instanzlichen Behauptung – die Altersanpassung nicht in ständiger Amts-
praxis des SEM erst im Endentscheid verfügt, sondern unterschiedlich ge-
handhabt. Überdies sei das SEM in ähnlich gelagerten Fällen bereits durch
das Bundesverwaltungsgericht angewiesen worden, die Datenänderung
im ZEMIS separat zu verfügen (mit Verweis auf das Urteil des BVGer
D-147/2022 vom 9. März 2022).
5.
5.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513;
ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu verge-
wissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorganen
bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass un-
richtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 3
Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein abso-
luter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. die Urteile des BVGer
A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.2 und A-4313/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 3.2, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_224/2014 vom 25. September 2014 E. 3.1). Die ZEMIS-Verord-
nung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige
Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
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Seite 11
5.2 Aus Gründen der Effizienz mag es für das SEM durchaus angebracht
sein, zeitgleich über die Frage einer Altersanpassung im ZEMIS und ein
Dublin-Verfahren zu entscheiden. So dürfte namentlich dann, wenn nach
erfolgtem Gesuch um Altersanpassung mit einem zeitnahen Dublin-Ent-
scheid zu rechnen ist, nicht leichthin von einer Rechtsverzögerung auszu-
gehen sein. Vorliegend ersuchte der Beschwerdeführer in der Stellung-
nahme vom 28. März 2022 zum rechtlichen Gehör betreffend sein Alter
respektive die beabsichtigte Anpassung seines Geburtsdatums im ZEMIS
auf den X._ um eine anfechtbare Verfügung. Die Behörden von
C._ haben ihre Zustimmung zum Gesuch des SEM um Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers vom (...) (Nennung Zeitpunkt) implizit er-
klärt. Das SEM erklärte in seiner Vernehmlassung den nachfolgenden Zeit-
ablauf damit, dass dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einer
Wegweisung nach C._ eingeräumt worden sei. Es hätte mit Blick
auf dieses Vorbringen des SEM indes erwartet werden dürfen, dass es
nach Eingang der Stellungnahme des Beschwerdeführers – den Akten zu-
folge ging diese Stellungnahme innert erstreckter Frist am 3. Mai 2022
beim SEM ein – entsprechend schnell reagiert und umgehend respektive
innert weniger Tage den in Aussicht gestellten Dublin-Entscheid erlassen
hätte. Ein umgehender Entscheid über die Altersanpassung wäre zudem
auch deshalb zu erwarten gewesen, da der Beschwerdeführer infolge sei-
ner beeinträchtigten psychischen Gesundheit offenbar auf einen raschen
Entscheid des SEM angewiesen gewesen wäre. Was letztlich der Grund
dafür ist, dass ein Dublin-Entscheid selbst im Zeitpunkt dieses Urteils noch
nicht ergangen ist, kann offenbleiben. Für die Annahme einer Rechtsver-
zögerung fällt im vorliegenden Fall entscheidend ins Gewicht, dass das
SEM seine Einschätzung, beim Beschwerdeführer handle es sich um eine
mutmasslich volljährige Person, bereits faktisch umgesetzt hat, indem es
ihn am (Nennung Zeitpunkt) in den Strukturen für Erwachsene unterge-
bracht hat. Vor diesem Hintergrund ist ein Interesse der Vorinstanz an ei-
nem zeitgleichen Entscheid zur Frage der Altersanpassung und des Dub-
lin-Verfahrens als nicht bedeutsam zu qualifizieren.
6.
Die Rüge der Rechtsverzögerung erweist sich nach dem Gesagten als be-
gründet, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. Die Akten gehen an
die Vorinstanz zurück, verbunden mit der Anweisung, das gestellte Daten-
änderungsgesuch im ZEMIS unverzüglich in einer anfechtbaren Verfügung
zu behandeln.
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Seite 12
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind – ungeachtet
dessen, dass mit Zwischenverfügung vom 8. April 2022 das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen worden
ist - keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
7.2 Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten, da es sich vorliegend
um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von
Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von
Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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