Decision ID: ef351d28-579b-4d2d-a440-e0db133b9e7c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die serbische Staatsangehörige A._, geb. 1981, heiratete am 3. Dezember 2012 den
italienischen Staatsangehörigen B._, geb. 1989, der über eine EU/EFTA-
Aufenthaltsbewilligung verfügte und damals in S._ wohnhaft war. Am 16. Mai 2013
und am 13. November 2017 stellte B._ je ein Gesuch um Familiennachzug für seine
Ehefrau. Beide Gesuche wurden vom Migrationsamt des Kantons St. Gallen
abgewiesen, da die für eine Prüfung erforderlichen Unterlagen nicht eingereicht worden
waren. Ein weiteres Gesuch um Familiennachzug vom 11. Juni 2019 wurde schliesslich
gutgeheissen und A._ am 12. Juli 2019 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zum
Verbleib bei ihrem Ehemann im gemeinsamen Haushalt in T._ erteilt (gültig bis 11. Juli
2024). Am 3. Juli 2019 reiste A._ in die Schweiz ein.
B.
Polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass A._ bereits vor Erwerb der
Aufenthaltsbewilligung im Restaurant C._ in U._ als Servicemitarbeiterin tätig war. Bei
der Befragung gab sie an, sie sei seit Sommer 2018 die Freundin des
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Restaurantinhabers D._, was dieser bestätigte. Mit Strafbefehl vom 8. Oktober 2019
wurde A._ vom Untersuchungsamt S._ wegen rechtswidrigen Aufenthalts sowie
Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen
zu CHF 30 und zu einer Busse von CHF 200 verurteilt.
C.
Per 1. April 2020 meldete sich A._ neu in U._ an, wo sie als Untermieterin von D._
eine Wohnung in der Liegenschaft des Restaurants C._ bezog, während ihr Ehemann
B._ bereits zuvor am 16. März 2020 in V._ zusammen mit einer anderen Frau eine
Wohnung gemietet hatte. Das Migrationsamt leitete aufgrund der Trennung in der Folge
ein Verfahren zur Prüfung des Aufenthaltsverhältnisses ein. Die Eheleute erklärten die
räumliche Trennung mit ihren unterschiedlichen Arbeitsorten (U._ und V._).
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von A._ mit Verfügung vom 4. August 2021 und wies sie an,
die Schweiz innert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Zur
Begründung führte es im Wesentlichen an, aufgrund von diversen Indizien sei erstellt,
dass die Ehe nur formell bestehe und nur noch aufrechterhalten werde, um
ausländerrechtliche Ansprüche nicht untergehen zu lassen. Die Berufung auf eine
solche Ehe erweise sich als rechtsmissbräuchlich, womit der Anspruch auf die
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erloschen sei.
Am 9. August 2021 meldete sich die Beschwerdeführerin bei ihrem Ehemann in V._
an. Ungeachtet dessen wies das Sicherheits- und Justizdepartement den gegen die
abschlägige Verfügung des Migrationsamts von A._ erhobenen Rekurs mit Entscheid
vom 25. Juli 2022 ab.
D.
Gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) erhob A._
(Beschwerdeführerin) mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 29. August 2022 und
Ergänzung vom 31. Oktober 2022 beim Verwaltungsgericht Beschwerde mit dem
Rechtsbegehren, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und vom Widerruf der
Aufenthaltsbewilligungen sei abzusehen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 10.
November 2022 die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheids. Auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin,
die im Rekursverfahren mit ihrem Begehren, es sei ihr die Aufenthaltsbewilligung zu
belassen, unterlag, ist zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 26. Juli 2022
versandten Rekursentscheid wurde unter Berücksichtigung der Gerichtsferien mit
Eingabe vom 29. August 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 31. Oktober 2022 formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
bis
Gestützt auf Art. 7 lit. d des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, SR
0.142.112.681, FZA) in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a des Anhangs 1
zum FZA haben Ehegatten von in der Schweiz ansässigen EU-Staatsangehörigen
ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit einen abgeleiteten Aufenthaltsanspruch mit dem
Zweck, das gemeinsame Familienleben zu ermöglichen, solange die Ehe formell
fortdauert. Keine Voraussetzung des Nachzugsrechts gemäss FZA ist das
Zusammenwohnen der Ehegatten, doch steht das Recht unter dem Vorbehalt des
Rechtsmissbrauchs. Art. 3 des Anhangs I FZA spricht ausdrücklich davon, dass die
Familienangehörigen eines Bürgers der Vertragsparteien das Recht haben, "bei ihr
Wohnung zu nehmen", was ein minimales Zusammenleben bzw. eine minimale
eheliche Verbundenheit voraussetzt (VerwGE B 2018/217 vom 24. März 2019 E. 2.1.).
Dauerhaft ohne plausible Begründung getrenntlebende Ehegatten setzen sich daher
dem Verdacht aus, die Ehe nur noch aus ausländerrechtlichen Gründen
rechtsmissbräuchlich aufrechtzuerhalten (M. Spescha, in: Spescha/Zünd/Bolzli/
Hruschka/de Weck [Hrsg.], Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 11 zu Art. 42 AIG). Fehlt
der Wille zur ehelichen Gemeinschaft und dient das formelle Eheband ausschliesslich
(noch) dazu, die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen, fällt der
Anspruch dahin (vgl. BGE 144 II 1 E. 3.1 mit Hinweisen; BGer 2C_924/2021 vom 16.
März 2022 E. 4.1). Da das Freizügigkeitsabkommen keine abweichenden
2.1.
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Bestimmungen enthält (vgl. Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
und die Ausländer und die Integration, SR 142.20, AIG), verliert der
drittstaatsangehörige Ehegatte bei einer rechtsmissbräuchlichen Berufung auf eine Ehe
seinen Status als Familienangehöriger nach Art. 3 Anhang I FZA und damit auch sein
daraus abgeleitetes Aufenthaltsrecht. Die vom aufenthaltsberechtigten EU-
Staatsangehörigen abgeleitete Bewilligung kann in diesem Fall mangels Fortdauerns
der Bewilligungsvoraussetzungen gestützt auf Art. 23 Abs. 1 der Verordnung vom
22. Mai 2002 über den freien Personenverkehr zwischen der Schweiz und der
Europäischen Union und deren Mitgliedstaaten, zwischen der Schweiz und dem
Vereinigten Königreich sowie unter den Mitgliedstaaten der Europäischen
Freihandelsassoziation (Verordnung über den freien Personenverkehr, SR 142.203,
VFP) in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG wegen Nichteinhaltens einer mit der
Verfügung verbundenen Bedingung widerrufen oder nicht (mehr) verlängert werden
(vgl. BGE 144 II 1 E. 3.1; 139 II 393 E. 2.1; 2C_924/2021 vom 16. März 2022 E. 4.2).
Bei der Frage, ob eine Ehegemeinschaft besteht bzw. gewollt ist, handelt es sich um
eine Sachverhaltsfrage (vgl. BGE 128 II 145 E. 2.3 mit Hinweisen; BGer 2C_680/2017
vom 23. August 2017 E. 2.2; 2C_398/2014 vom 7. Mai 2014 E. 2.2). Grundsätzlich liegt
es an der ausländischen Person, im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht nach Art. 90
AIG die massgeblichen sachverhaltlichen Umstände nicht nur zu behaupten, sondern
auch zu belegen (vgl. BGer 2C_377/2020 vom 15. Juli 2020 E. 3.4.2; 2C_436/2020 vom
2. Juli 2020 E. 4.3.2, jeweils mit Hinweisen). Diese Pflicht kommt insbesondere bei
Tatsachen zum Tragen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und die ohne ihre
Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhoben werden können.
Insbesondere, wenn bereits gewichtige Hinweise für ein rechtsmissbräuchliches
Verhalten sprechen, wird von den betroffenen Personen erwartet, dass sie von sich aus
substantiiert Umstände vorbringen, die gegen ein solches Verhalten sprechen (BGer
2C_ 718/2021 vom 11. Januar 2022 E. 3.2.2).
Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, ihr Ehemann habe mit dem
Gesuch um Familiennachzug vom 11. Juni 2019 seinen Ehewillen kundgetan. Dass es
zuvor in den Jahren 2013 und 2017 zweimal nicht geklappt habe mit dem
Familiennachzug, da der Ehemann die Unterlagen nicht vollständig eingereicht habe,
könne ihr nicht angelastet werden. Vor Gewährung des Familiennachzugs sei es ihr
nicht möglich gewesen, mit ihrem Ehemann zusammenzuleben. Es könne ihr daher
nicht unterstellt werden, dass es ihr kein grosses Bedürfnis gewesen sei, mit ihrem
Ehemann das eheliche Zusammenleben aufzunehmen. Unmittelbar nach Erteilung der
2.2.
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Bewilligung sei sie in die Schweiz eingereist. Hier lebe sie nach wie vor in ungetrennter
Ehe mit ihm. Es sei nicht erstellt, dass ihr Ehemann eine Liebesbeziehung mit E._
habe. Diese sei eine Kollegin, die zusammen mit ihnen in einer Wohngemeinschaft in
V._ lebe. Die Vermutung der Vorinstanz sei falsch und nicht erwiesen. Im Zeitraum 16.
Dezember 2017 bis 31. März 2020 sei E._ zwar wie der Ehemann an der W._strasse
in T._ gemeldet gewesen, aber nicht im gleichen Haushalt. Die beiden seien als
Zeugen hinsichtlich der Tatsache zu befragen, ob sie ein Liebespaar seien. Die
Annahme der Vorinstanz, die Beschwerdeführerin würde die beiden in ihrem
Aussageverhalten beeinflussen, sei unhaltbar, und die antizipierte Beweiswürdigung
der Vorinstanz daher unzulässig. Die herangezogenen Pfändungsprotokolle des
Ehemannes seien nicht aussagekräftig. Da die Beschwerdeführerin im Februar 2019
noch nicht in die Schweiz eingereist gewesen sei, habe er auch nicht angeben können,
dass er mit ihr zusammenlebe. Der reduzierte Grundbetrag rühre vom Umstand her,
dass die Beschwerdeführerin arbeitsbedingt in der Personalwohnung in U._
übernachtet habe. Dass der Ehemann im Arbeitsvertrag seinen Zivilstand als
geschieden angegeben habe, sei ein Versehen. Die Angaben im Strafverfahren,
wonach die Beschwerdeführerin die Freundin von D._ sei, seien von den beiden in
Absprache bewusst gemacht worden, um der Strafverfolgung zu entgehen. Die
Beschwerdeführerin habe mit diesem nie eine Liebesbeziehung gehabt. D._ lebe mit
seiner Familie glücklich in X._, wozu dessen Ehefrau zu befragen sei. Die
Beschwerdeführerin bereue ihre auf Anraten des Chefs gemachte falsche Aussage von
damals. Den Mietvertrag für die Wohnung in V._ habe der Ehemann allein
unterzeichnet. Daraus dürfe nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin
aktuell nicht in V._ lebe. Dass eine Drittperson zusammen mit dem Ehepaar in der
Wohnung lebe, sei nicht aussergewöhnlich. Die Anmeldung der Beschwerdeführerin in
V._ sei nicht unter dem Druck des ausländerrechtlichen Verfahrens erfolgt. Ihr Ehewille
bestehe nach wie vor. Die Schlussfolgerung, wonach sie sich rechtsmissbräuchlich auf
das Institut der Ehe berufe, sei fehlerhaft und der angefochtene Entscheid somit
gesetzeswidrig und unverhältnismässig.
Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, das Ehepaar A._ und B._ habe seit der
Heirat im Dezember 2012 bis zur Einreise der Beschwerdeführerin in der Schweiz am 3.
Juli 2019 nie zusammengelebt. Der Ehemann habe gegenüber der Polizei im Frühjahr
2018 angegeben, er wohne seit Januar 2018 zusammen mit seiner Freundin in T._.
Auch nach der Einreise der Beschwerdeführerin habe er aufgrund von
Pfändungsprotokollen nachweislich in Wohngemeinschaft mit einer anderen Frau
gelebt. In einer Einvernahme vom 3. März 2020 habe B._ erneut ausgesagt, dass er
2.3.
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mit seiner Freundin zusammenlebe. Die Ehefrau habe er nicht erwähnt. Gemäss
Mietvertrag per 1. April 2020 wohnten in der 21⁄2-Zimmerwohnung in V._ der Ehemann
und E._, mit welcher jener bereits zuvor in T._ zusammengelebt habe. Kurz nach der
Einreise habe die Beschwerdeführerin in einer polizeilichen Befragung erklärt, sie sei
seit Sommer 2018 die Freundin von D._, was dieser bestätigt habe. Für die Wohnung
in T._ habe sie keinen Schlüssel. Dort befänden sich keine persönlichen Gegenstände
von ihr. Beide Ehegatten hätten zudem bei verschiedenen Gelegenheiten angegeben,
dass sie getrennt lebten. Die Beschwerdeführerin wohne seit 28. April 2020 zur
Untermiete bei D._ in einer 21⁄2-Zimmerwohnung in U._. Aufgrund der gesamten
Sachlage sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne den Willen in die
Schweiz eingereist sei, die eheliche Gemeinschaft mit ihrem Ehemann zu leben. Das
formelle Eheband diene nur dazu, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin
sicherzustellen. Daran vermöge auch der Umstand, dass sie mittlerweile mit ihrem
Ehemann in V._ wohne, wo nach wie vor auch E._ lebe, nichts zu ändern.
Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht geeignet, die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung und Beweiswürdigung als offensichtlich unrichtig erscheinen
zu lassen. Seit der Heirat im Jahr 2012 bis zum Familiennachzug haben die Eheleute
nie für längere Zeit zusammengelebt. Der Ehemann hielt sich meist in der Schweiz und
teilweise in Italien auf. Hätte die Beschwerdeführerin damals tatsächlich in der Schweiz
mit ihrem Ehemann zusammenleben wollen, wäre es auch an ihr gewesen, die
erforderlichen Dokumente dafür (z.B. ausgefüllte Gesuchsformulare, Kopie ihres
Reisepasses, etc.) beizubringen. Sodann wäre es durchaus möglich gewesen, die für
den Familiennachzug erforderliche Voraussetzung des Zusammenlebens zu erfüllen.
Die unterschiedlichen Arbeitsorte V._ und U._ stellen keinen zwingenden Grund für
örtlich getrennte Wohnsitze dar, zumal der Ehemann über ein eigenes Fahrzeug verfügt
und die Fahrdauer mit einer halben Stunde pro Weg nicht überaus lang ist. Es wäre
ihnen auch zuzumuten gewesen, einen geografisch günstig gelegenen, gemeinsamen
Wohnort zu suchen. Schliesslich hätte sich die Beschwerdeführerin auch als
Wochenaufenthalterin in U._ anmelden können, ohne ihren Wohnsitz zu verlegen.
Bereits vor Erwerb der Aufenthaltsbewilligung hielt sich die Beschwerdeführerin im
Frühjahr 2019 in der Schweiz auf und war ohne Arbeitsbewilligung erwerbstätig.
Damals wie heute arbeitet sie im Restaurant C._ in U._. Dessen Inhaber D._ gab bei
den polizeilichen Befragungen am 17. Juli 2019 an, die Beschwerdeführerin sei seine
Freundin. Er liebe sie sehr, vielleicht würden sie in drei Jahren heiraten (Migrationsakten
der Beschwerdeführerin [MA BF] 70). Dasselbe gab gleichentags auch die
2.4.
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Beschwerdeführerin selbst zu Protokoll. D._ sei seit Sommer 2018 ihr Freund (MA BF
51). Dass sie nie eine Beziehung mit D._ gehabt und es sich bei den früheren
Aussagen um Schutzbehauptungen gehandelt habe, ist unglaubwürdig und stellt eine
Schutzbehauptung dar. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sich das Bestehen einer
Liebesbeziehung auf die Tatbestände des rechtswidrigen Aufenthalts und der
Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung hätte strafmildernd auswirken sollen. Sämtliche
persönlichen Utensilien (Kleider, Toilettenartikel, etc.) von ihr befanden sich im Büro
des Restaurantbetriebs, wo sie zusammen mit D._ auf einer Matratze nächtigte;
manchmal übernachteten sie auch zusammen in Y._, wo D._ ein weiteres Restaurant
betreibt (MA BF 70 f.). Gemäss eigenen Angaben hatte die Beschwerdeführerin in der
Wohnung ihres Ehemannes in T._, wo sie damals gemeldet war, sodann keinerlei
persönliche Gegenstände. Sie verfügte auch über keinen eigenen Schlüssel für jene
Wohnung (MA BF 56). Seit 1. April 2020 war die Beschwerdeführerin in U._
angemeldet (MA BF 84), wo sie vom 28. April 2020 bis 9. August 2021 in der
Restaurantliegenschaft in einer gemieteten 21⁄2-Wohnung zur Untermiete wohnte (MA
BF 179). Gemäss der Adressangabe im Untermietvertrag vom 28. April 2020 war der
Hauptmieter D._ in jener Wohnung und folglich zusammen mit der
Beschwerdeführerin an der Z._strasse in U._ wohnhaft (MA BF 180 ff.).
Der Ehemann der Beschwerdeführerin lebte seit 15. Dezember 2017 in einer Wohnung
an der W._strasse in T._. Der Mietvertrag für die 2-Zimmerwohnung lautete auf ihn
alleine, die Wohnung war für eine Person vorgesehen (Migrationsakten B._ [MA SP]
214). Im gleichen Haus wohnte E._, vorerst noch zusammen mit F._, der auf
demselben Stockwerkt eine 1-Zimmerwohnung gemietet hatte. F._ zog per Ende Juli
2018 weg (vi-act. 21). Da E._ nie selbst Mieterin einer Wohnung an der W._strasse
war, liegt es nahe, dass sie anschliessend in der Wohnung von B._ lebte.
Wahrscheinlich war dies jedoch gestützt auf die Angaben von B._, wonach seine
Freundin seit anfangs Januar 2018 mit bei ihm in T._ wohne, bereits schon früher der
Fall (MA SP 245). Dass der Ehemann in T._ im Jahr 2019 in einer Wohngemeinschaft
lebte, geht auch aus mehreren Pfändungsprotokollen hervor (Protokoll vom 25. Februar
2019, 8. August 2019, 11. Oktober 2019 und 7. Januar 2020, MA SP 308 ff.), wo ihm,
da in Wohngemeinschaft lebend, ein reduzierter Grundbetrag von CHF 1'050
zugestanden wurde. Weder das Einkommen noch der Grundbedarf der
Beschwerdeführerin (als Ehefrau) wurde in den Protokollen vom 8. August 2019, 11.
Oktober 2019 und 7. Januar 2020, als die Beschwerdeführerin in der Schweiz weilte,
berücksichtigt. In einer polizeilichen Einvernahme vom 3. März 2020 gab der Ehemann
zudem an, er lebe mit seiner Freundin zusammen. Von der Ehefrau war nicht die Rede
(MA SP 359 f). Am 16. März 2020 zog er weg nach V._ in eine 21⁄2-Zimmerwohnung.
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Im Mietvertrag vom 12. Februar 2020 sind als Mieter bzw. Solidarhafter B._ und E._
gleichermassen aufgeführt. Die Wohnung ist für zwei Personen vorgesehen. Die
Beschwerdeführerin ist im Mietvertrag nicht aufgeführt, die Wohnung gilt zudem nicht
als Familienwohnung (MA BF 200). Dass E._ unter diesen Umständen lediglich eine
freundschaftliche Kollegin des Ehemannes sein soll, erscheint angesichts der
zahlreichen gewichtigen Indizien, die auf eine Liebesbeziehung schliessen lassen,
unglaubwürdig. Selbst wenn nicht E._ seine Freundin (gewesen) wäre, steht fest, dass
der Ehemann gemäss eigenen Angaben über Jahre hinweg eine Beziehung zu einer
anderen Frau pflegte und mit dieser auch zusammenlebte. Gemäss eigenen Angaben
in der Beschwerde lebte der Ehemann vom Dezember 2017 bis Ende März 2020 mit
einer anderen Frau in T._ zusammen (act. 9, S. 5). Unbestritten ist sodann, dass die
Eheleute seit der Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz nie für längere Zeit
zusammenwohnten, obschon es dafür keinen triftigen Grund gab.
Dass die Vorinstanz vor diesem Hintergrund davon ausging, die Berufung auf die Ehe
erweise sich als rechtsmissbräuchlich, gründet auf erwiesenen Indizien und ist
schlüssig. Seit Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerdeführerin im
Familiennachzug, die an die Bedingung des Zusammenlebens geknüpft war (vgl. MA
BF 32), sind weder ernsthafte Bemühungen noch ein echtes Bedürfnis nach einem
Eheleben in der Schweiz erkennbar, in der Schweiz als Ehegatten im gemeinsamen
Haushalt zusammenzuleben, obschon dies die Bedingung für die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung war. Das Zusammenleben der beiden – sofern es ein solches
überhaupt je gab – beschränkte sich höchstens auf wenige kurze Phasen und
erschöpfte sich in einer Wohngemeinschaft ohne Willen zur ehelichen Gemeinschaft.
Daran vermag auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin sich per 9. August
2021 nunmehr an der Adresse ihres Ehemannes in V._ anmeldete, nichts zu ändern.
Ob sie sich tatsächlich dort aufhält, steht nicht fest und erscheint angesichts der
Tatsache, dass zusammen mit E._ seit mehr als einem Jahr dauerhaft drei Personen in
der 21⁄2-Zimmerwohnung leben würden, höchst unwahrscheinlich. Unabhängig davon
ist offensichtlich, dass dieser Wohnsitzwechsel unmittelbar nach Eröffnung der
ablehnenden Verfügung des Migrationsamts erfolgte. Zuvor war stets argumentiert
worden, die unterschiedlichen Wohnorte ergäben sich zwingend aus den
unterschiedlichen Arbeitsorten (V._ und U._). Obschon die Arbeitsorte bis heute
unverändert sind, soll es unter dem Druck des ausländerrechtlichen Verfahrens nun
offenbar doch plötzlich möglich sein, dass die Beschwerdeführerin in V._ wohnt und in
U._ arbeitet.
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Die Beschwerdeführerin rügt, die von der Vorinstanz vorgenommene antizipierte
Beweiswürdigung in Form des Verzichts auf die Befragung des Ehemannes und von
E._ sei unzulässig. Als Zeugen müssten diese vor Gericht die Wahrheit sagen,
weshalb eine vorgängige Instruktion nicht zu vermuten sei.
Zum Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
gehört, dass die Behörde die ihr angebotenen Beweise abnimmt, wenn diese zur
Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Umgekehrt folgt daraus, dass keine
Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt, wenn eine Behörde auf die Abnahme
beantragter Beweismittel verzichtet, weil sie aufgrund der bereits abgenommenen
Beweise den rechtlich erheblichen Sachverhalt für genügend geklärt erachtet und ohne
Willkür vorweg die Annahme treffen kann, dass ihre rechtliche Überzeugung durch
weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 mit Hinweis
auf BGE 136 I 229 E. 5.3; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton T._,
2. Aufl. 2003, Rz. 622 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz stellte sich in E. 5c des angefochtenen Entscheides auf den Standpunkt,
auf die Befragungen des Ehemannes und von D._ könne bei der vorliegenden
Sachlage verzichtet werden. Einerseits müsse damit gerechnet werden, dass die
Beschwerdeführerin diese beiden instruiert habe, andrerseits hätten sich die beiden
schon mehrfach, schriftlich und in Befragungen, geäussert. Auf die Befragung der
Beschwerdeführerin selbst könne ebenfalls verzichtet werden. Diese habe mehrfach
schriftlich Stellung nehmen können. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern diese
Befragungen die Beweislage ändern könnten. Diesen im Ergebnis zutreffenden
Erwägungen ist nichts entgegenzuhalten. Eine unzulässige antizipierte
Beweiswürdigung liegt nicht vor, insbesondere nicht hinsichtlich der Befragung von
E._, deren Befragung im vorinstanzlichen Verfahren nicht zum Beweis verstellt wurde.
Die Beschwerdeführerin stellt im Beschwerdeverfahren neue Beweisanträge. E._ und
die Ehefrau von D._ seien hinsichtlich der nie vorhanden gewesenen Beziehungen
zum Ehemann der Beschwerdeführerin bzw. zur Beschwerdeführerin zu befragen.
Angesichts der unter E.2.4. vorstehend gewichtigen Indizien sowie den diesbezüglich
unmissverständlichen Äusserungen der Beteiligten, namentlich des Ehemannes, dass
er seit mehreren Jahren eine Freundin habe, und der Beschwerdeführerin, die D._ als
ihren Freund bezeichnete, vermöchten selbst anderslautende Angaben der beantragten
2.5.
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3.
Besteht kein Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, ist über die
Erteilung bzw. Verlängerung nach pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden. Nach
Art. 96 Abs. 1 AIG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen, die persönlichen Verhältnisse und den
Grad der Integration der Ausländerin (Art. 96 Abs. 1 AuG). Gemäss konstanter
verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung besteht ein öffentliches Interesse an der
Wiederausreise von Ausländern und Ausländerinnen, bei denen nach kurzem
Aufenthalt in der Schweiz die Bedingung für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung
wegfällt (VerwGE B 2009/17 vom 22. September 2009 mit weiteren Hinweisen; siehe
auch BGE 137 I 247 E. 4.1.2, wonach eine restriktive Einwanderungspolitik
grundsätzlich ein wichtiges öffentliches Interesse ist).
Die Vorinstanz hat dazu zutreffend ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei am 3. Juli
Zeugen das Beweisergebnis nicht umzustossen. Die vorliegend entscheidrelevanten
tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich abschliessend aus den Verfahrensakten.
Deshalb kann im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung davon ausgegangen
werden, dass weitere Beweiserhebungen daran nichts ändern könnten. Auf die
beantragten Befragungen kann daher verzichtet werden.
Da Ehegatten von EU-Angehörigen gleich zu behandeln sind wie Ehegatten von
Schweizer Bürgern kommt Art. 50 AIG, wonach der Anspruch des Ehegatten auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe
weiterbesteht, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und
die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfüllt sind oder wenn wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, als günstigeres
Recht im Vergleich zum FZA zur Anwendung (BGE 144 II 1 E. 4.7). Da die Zeiten
sporadischen und kurzen Zusammenwohnens bei der Berechnung der dreijährigen
Ehedauer nicht mitzuzählen sind, wenn dabei keine ernsthafte Führung des Ehe- und
Familienlebens beabsichtigt war (vgl. BGE 140 II 289 E. 3.5.1), erweisen sich die
Ausführungen der Vorinstanz, wonach die Dreijahresfrist von Art. 50 AIG mangels
Zusammenlebens nie zu laufen begonnen habe, und dass weder sonst wichtige
persönliche Gründe für einen weiteren Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der
Schweiz vorlägen noch gestützt auf Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Verlängerung
bestehe, als zutreffend. Die Beschwerdeführerin macht auch keine entsprechenden
Rügen geltend. Sie hat somit auch nicht gestützt auf eine andere Rechtsnorm einen
Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA.
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2019 im Alter von 37 Jahren in die Schweiz eingereist. Ihre prägende Kinder- und
Jugendzeit sowie einen wesentlichen Teil ihres Lebens als Erwachsene habe sie in
ihrem Heimatland verbracht. Sie sei mit den dortigen Verhältnissen und der Sprache
vertraut. Grundsätzlich könne ihr daher zugemutet werden, wieder in ihr Heimatland
zurückzukehren. Da sie in der Gastronomie arbeite, übe sie auch keine besonders
qualifizierte Erwerbstätigkeit aus, die aus wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht
einen Aufenthalt in der Schweiz gebieten würde. Im Heimatland lebten sodann ihre
Tochter und ihre Mutter. Dass die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen
ungünstiger seien, vermöge daran nichts zu ändern.
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz überwiegt das öffentliche Interesse am Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA sowie an der Wegweisung das persönliche
Interesse der Beschwerdeführerin an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. Diese
hält sich erst seit gut drei Jahren in der Schweiz auf und eine Rückkehr nach Serbien
ist ihr ohne Weiteres zuzumuten. Der Entscheid der Vorinstanz war damit recht- und
verhältnismässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, zumal dem
Verwaltungsgericht eine eigentliche Ermessenskontrolle verwehrt ist und es nur über
Rechtsverletzungen und Fehler in der Sachverhaltsfeststellung befinden kann (Art. 61
VRP).
4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von CHF 2'000 ist ihr daran anzurechnen.
Eine ausseramtliche Entschädigung ist bei diesem Verfahrensausgang nicht geschuldet
(Art. 98 und Art. 98 VRP).