Decision ID: a6803ebf-ac1f-5b19-8e74-f462c270800a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am (...) Juni 2017 in der Schweiz ein Asylge-
such.
A.a Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 12. Juni 2017 und der
Anhörung zu den Asylgründen vom 1. März 2018 begründete der Be-
schwerdeführer sein Gesuch im Wesentlichen folgendermassen:
Im Frühling 2012 habe er die Schule in der (...) Klasse abbrechen müssen,
weil sein Vater erkrankt sei und er sich um den Landwirtschaftsbetrieb der
Familie habe kümmern müssen. Ungefähr (...) 2013 sei er zum Militär-
dienst aufgefordert worden. Die Dorfverwaltung habe in seiner Abwesen-
heit der Schwester das Aufgebot übergeben, wonach er sich für den Nati-
onaldienst melden müsse. Er habe keinen Dienst leisten wollen und sich
deshalb in der Wildnis versteckt. Zwei oder drei Wochen später seien Sol-
daten zum Haus der Familie gekommen; er sei zwar gerade zu Hause ge-
wesen, aber eine Nachbarin habe ihn rechtzeitig vor den Armeeangehöri-
gen warnen können, so dass er sich unerkannt zurück in die Wildnis habe
begeben können. Die Soldaten hätten seine Geschwister erfolglos nach
seinem Aufenthaltsort befragt und seien daraufhin wieder abgezogen. Spä-
ter sei ihre Mutter aus dem Spital, wo sie den Vater besucht gehabt habe,
nach Hause zurückgekehrt und sei von der Armee an Stelle ihres Sohnes
festgenommen worden. In dieser ausweglosen Situation habe er sich zur
Flucht aus Eritrea entschieden und sei am (...) 2013 illegal aus dem Hei-
matland ausgereist. Später sei dann seine Mutter wieder freigelassen wor-
den.
A.b Der Beschwerdeführer begab sich nach seiner Ausreise nach Italien,
wo er im Sommer 2016 ein Asylgesuch stellte. Er konnte von einem
Relocation-Programm der Schweiz profitieren und reiste am (...) Juni 2017
mit Bewilligung des SEM legal in die Schweiz ein.
A.c Während des erstinstanzlichen Asylverfahrens in der Schweiz reichte
der Beschwerdeführer eine Kopie seines Taufscheins und Kopien von Aus-
weisen seiner Eltern zu den Akten.
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B.
Mit Verfügung vom 5. März 2020 – frühestens am Folgetag eröffnet –stellte
die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz und den Wegweisungsvollzug an. Das SEM begründete diesen
Asylentscheid im Wesentlichen damit, dass das Kernvorbringen des Be-
schwerdeführers (Erhalt des Aufgebots, Dienstverweigerung, Festnahme
der Mutter an seiner Stelle) als unglaubhaft qualifiziert werden müsse.
C.
Mit Eingabe vom 3. April 2020 liess der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung einlegen. Er be-
antragte, diese sei aufzuheben und die Akten seien zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung dieses Antrags wurde
ausgeführt, die Glaubhaftigkeitsbeurteilung des SEM sei falsch, weshalb
die Vorinstanz anzuweisen sei, die asylrechtliche Relevanz seiner Asyl-
gründe zu prüfen.
In prozessualer Hinsicht wurden die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht beantragt.
D.
Der Instruktionsrichter bestätigte am 9. April 2020 den Eingang der Be-
schwerde und stellte fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des
Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten könne.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 5
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, die protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers seien zwar
grundsätzlich widerspruchsfrei ausgefallen, viele seiner Schilderungen
würden jedoch unplausibel und wenig substanziiert erscheinen. Nament-
lich erscheine es als unglaubhaft, dass er das ihn betreffende Aufgebot gar
nicht selber angeschaut und sich auf die Darstellung seiner Schwester ver-
lassen habe, die das Dokument gelesen und ihm dessen Inhalt zusammen-
gefasst habe. Bezeichnenderweise habe er dieses Dokument auch nicht
zu den Akten gereicht. Dass eine Nachbarin ihn vor den herannahenden
Soldaten gewarnt habe und er deshalb gerade noch habe fliehen können,
sei zwar nicht gänzlich abwegig, wirke aber bemüht. Es falle auf, dass der
Beschwerdeführer die Umstände der Verhaftung seiner Mutter nicht detail-
liert habe angeben können. Dass er die Schule habe abbrechen müssen,
um sich um den Landwirtschaftsbetrieb zu kümmern, sei schwer nachvoll-
ziehbar, weil er ja noch (...) ältere Geschwister habe, welche diese Aufga-
ben hätten übernehmen können. Schliesslich habe der Beschwerdeführer
in der BzP angegeben, er sei am (...) und damit an seinem (...) Geburtstag
aus Eritrea ausgereist, während er bei der Anhörung zu Protokoll gegeben
habe, er sei beim Erhalt des Marschbefehls, rund (...) Monate vor der Aus-
reise, schon (...)-jährig gewesen. Werde auf die Angabe in der BzP abge-
stellt, wäre er als Minderjähriger aufgeboten worden; diese Besonderheit
habe er jedoch mit keinem Wort erwähnt.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seinem Rechtsmittel, seine proto-
kollierten Aussagen seien anerkanntermassen widerspruchsfrei. Das SEM
habe bei seiner Glaubhaftigkeitsbeurteilung die in Eritrea herrschenden
Umstände nicht mitberücksichtigt. Insbesondere sei bekannt, dass dort
Schulabbrecher, auch Minderjährige, in den Militärdienst eingezogen wür-
den. Er habe keine Veranlassung gehabt, an den Auskünften seiner
Schwester zu zweifeln. Weil er sofort gewusst habe, dass er den Marsch-
befehl verweigern würde, habe er sich auch nicht weiter um das Datum auf
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der Vorladung gekümmert. Nach seiner Anhörung habe er mit seiner Fami-
lie Kontakt aufgenommen und erfahren, dass das Dokument von den Fa-
milienangehörigen nicht sorgfältig aufbewahrt worden und in der Zwischen-
zeit verloren gegangen sei. Wieso das SEM die Warnung durch eine Nach-
barin als "bemüht" qualifiziere, sei nicht ersichtlich. Im Zeitpunkt der Mit-
nahme der Mutter habe er sich in der Wildnis aufgehalten, weshalb er
nichts Näheres zu den Umständen dieser Verhaftung sagen könne. Weil er
dann sogleich ausgereist sei und auf der Reise nach Europa keinen Kon-
takt zur Familie habe herstellen können, wisse er auch nicht, wie lange die
Mutter schliesslich festgehalten worden sei. Später, als er sich in der
Schweiz aufgehalten habe, seien nur kurze Telefonate mit schlechter Ver-
bindung möglich gewesen, bei denen man sich einzig nach dem gegensei-
tigen Befinden und nach der Gesundheit habe erkundigen können. In der
Anhörung sei er gefragt worden, wie alt er beim Erhalt der Vorladung "un-
gefähr" gewesen sei, und er habe wahrheitsgemäss "(...) Jahre" geantwor-
tet. Dass in Eritrea Schulabbrecher ab dem (...) Lebensjahr direkt zum Na-
tionaldienst aufgeboten werden könnten, sei bekannt. Seine Vorbringen
seien plausibel, und das SEM müsse vom Bundesverwaltungsgericht an-
gewiesen werden, die flüchtlingsrechtliche Relevanz seiner Asylgründe zu
prüfen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich nach Durchsicht aller Ak-
ten der Glaubhaftigkeitsbeurteilung der Vorinstanz im Ergebnis an:
6.1.1 Dass eine Person in der vom Beschwerdeführer geschilderten Situa-
tion darauf verzichten würde, einen der Familie abgegebenen Einberu-
fungsbefehl selber anzuschauen, ist offensichtlich lebensfremd. Ein sol-
ches Desinteresse wäre schon deshalb unverständlich, weil ja die jüngere
Schwester, die davon berichtet habe, etwas falsch verstanden haben
könnte. Und schliesslich hätte eine Planung der Dienstverweigerung und
der späteren Flucht schon nur deshalb die Kenntnis des Einrückungs-
datums vorausgesetzt, weil bis zum Eintritt der Säumnis nicht mit Nach-
stellungen durch die Armee oder einer landesweiten Fahndungsausschrei-
bung hätte gerechnet werden müssen.
6.1.2 Hinzu kommt, dass eine Person, die ihr Heimatland wegen einer Re-
fraktion verlässt und allein mit diesem Vorbringen ein Asylgesuch in Europa
begründen möchte, vernünftigerweise das aussagekräftigste Beweismittel
für die Asylgewährung mitnehmen oder zumindest die spätere Zusendung
organisieren würde – so wie sich der Beschwerdeführer von der Schweiz
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Seite 7
aus durch seine Schwester "über das Internet" Scans seines Taufscheins
und eines Ausweises seines Vaters zustellen liess (vgl. Protokoll Anhörung
A12 ad F6 ff.).
6.1.3 Die Beschreibung der erfolgreichen (durch eine Nachbarin ermög-
lichten) Flucht vor herannahenden Soldaten, die ihn hätten verhaften wol-
len, beschränkt sich auf diese protokollierten Aussagen des Beschwerde-
führers: "Ich bekam aber vorher [...] Bescheid, dass sie vorhatten, mich
holen zu kommen. Das heisst, ich konnte noch rechtzeitig das Haus ver-
lassen" (vgl. a.a.O. ad F93) und "Nachdem sie mir das sagte, bin ich dann
von dort schnell weg" (vgl. a.a.O. ad F118). Das Bundesverwaltungsgericht
geht davon aus, dass eine Person in der Situation des Beschwerdeführers,
der als Minderjähriger tatsächlich von (zweifellos bewaffneten) Soldaten
gejagt worden ist, einen derart krassen und beängstigenden Vorfall auch
ohne spezifische Nachfragen substanziierter schildern würde. Dies vorlie-
gend umso mehr, zumal er zu anderen Punkten – etwa bei der Darstellung
seiner allgemeinen Lebenssituation oder bei der Schilderung der illegalen
Ausreise (vgl. a.a.O. S. 5 ff. und S. 17 ff.) – ausführliche und realistisch
wirkende Angaben zu Protokoll geben konnte. Im Übrigen hätte sich der
Beschwerdeführer vor den Soldaten kaum zwei Monate lang auf dem
45 Minuten entfernten Land der Familie verstecken können, weil diese ver-
mutungsweise auch dort nach ihm gesucht hätten.
6.1.4 Dass der Beschwerdeführer keine Ahnung habe, wie lange die Mutter
an seiner Stelle inhaftiert gewesen sei, lässt sich offensichtlich nicht allein
mit ungenügenden Kommunikationsmitteln begründen. Er stand gemäss
einen Angaben wiederholt telefonisch und "über das Internet" mit seinen
Angehörigen in Verbindung und hätte sich – wäre dieses Vorbringen au-
thentisch – zweifellos nach der Dauer der Verhaftung der Mutter erkundigt,
zumal dieses Erlebnis für ihn "unerträglich" und "das Schlimmste" gewesen
sei (vgl. a.a.O. ad F134 und 141).
6.1.5 Diese Summe klarer Unglaubhaftigkeitsindizien führen zum Schluss,
dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, das Kernvorbringen sei-
nes Asylgesuchs (Erhalt einer Vorladung zum Nationaldienst, Refraktion,
Fahndung nach ihm, Verhaftung der Mutter an seiner Stelle) glaubhaft zu
machen. Die Richtigkeit der übrigen Unglaubhaftigkeitsargumente des
SEM kann damit offenbleiben.
6.1.6 Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von
den eritreischen Behörden nicht als Dienstverweigerer angesehen wird.
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Seite 8
6.2
6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D-7898/2015
vom 30. Januar 2017 festgestellt, dass einer Person einzig aufgrund ihrer
illegalen Ausreise aus Eritrea noch keine relevante Verfolgung droht. Auch
die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den Nationaldienst ein-
gezogen wird, ist flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Für die Begründung der
Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedarf es neben einer ille-
galen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Ver-
schärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. Referenzurteil E. 5.1 f.).
6.2.2 Der Beschwerdeführer gibt an, sich nie politisch betätigt und – abge-
sehen von der angeblichen Vorladung zum Nationaldienst – keine Prob-
leme mit den heimatlichen Behörden gehabt zu haben (vgl. Protokoll BzP
A4/12 S. 6). Seine illegale Ausreise konnte er, wie erwähnt, zwar durchaus
substanziiert und glaubhaft schildern. Den Akten sind aber keine zusätzli-
chen Anknüpfungspunkte zu entnehmen, welche ihn in den Augen des erit-
reischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, be-
ziehungsweise zu einer Schärfung seines Profils und dadurch zu einer
flüchtlingsrelevanten Verfolgungsgefahr führen könnten.
6.3 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine relevante Ver-
folgungsgefahr im Sinn von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG darzutun. Die
Vorinstanz hat seine Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Seine Wegweisung wurde
ebenfalls zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
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Seite 9
8.2
8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
8.2.2 Der Beschwerdeführer weist die Flüchtlingseigenschaft nicht auf.
Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar.
8.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Grundsatzurteil BVGE
2018 VI/4 festgestellt, dass eine drohende Einziehung in den eritreischen
Nationaldienst für sich allein nicht gegen das Verbot der Zwangsarbeit ge-
mäss Art. 4 Abs. 2 EMRK oder der Folter und der unmenschlichen respek-
tive erniedrigenden Behandlung nach Art. 3 EMRK verstösst.
8.2.4 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Etwas anderes wird auch
vom Beschwerdeführer nicht behauptet. Der Wegweisungsvollzug ist folg-
lich als zulässig zu qualifizieren.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.3.2 Nach aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg,
Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei-
ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen
werden (vgl. hierzu das Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom
17. August 2017 E. 16 f.). In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingun-
gen in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach
wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssi-
tuation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich in den letzten
Jahren aber stabilisiert.
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Seite 10
8.3.3 Der Beschwerdeführer bestreitet in seinem Rechtsmittel auch die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht. Er verfügt gemäss seinen
vom SEM protokollierten Angaben über eine (...)jährige Schulbildung und
über ein umfangreiches familiäres Beziehungsnetz. Er war in der Landwirt-
schaft tätig, und es ist davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr wie-
der bei seiner Familie wohnen kann und diese ihn bei seiner sozialen und
wirtschaftlichen Wiedereingliederung unterstützen wird. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sich somit auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Die Rechtsbegehren des Beschwerdeführers erweisen sich als aus-
sichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung ungeachtet der prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Erlass des Kostenvorschusses ist mit dem heutigen Entscheid in der
Sache gegenstandslos geworden.
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