Decision ID: e7504e2a-eef9-4fb6-8ecf-58a42acf5fcb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._, deutsche Staatsangehörige, geboren 1958, reiste im März 2009 in die Schweiz ein (Urk. 11/70/1). Vom 1. November 2009 bis 30. November 2010 arbeitete sie als Verkaufsmitarbeiterin bei Z._ GmbH (Urk. 11/53/35, 11/68). Im März 2012 meldete sie sich bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/4-5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärun
gen und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung durch das A._
(
A._
; Gutach
ten vom 5. Mai 2014, Urk. 11/53, Urk. 11/64). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (Urk. 11/74, 11/78) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. Januar 2016 einen Anspruch auf eine In
validenrente (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ mit Eingaben vom 2. respektive 18. Februar 2016 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente (Urk. 1, 5). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 5. April 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10), wovon der Beschwerdeführerin Kenntnis gegeben wurde (Urk. 13).

Considerations:
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht, sofern die entsprechenden Anspruchsvor
-
aussetzun
gen (
Art.
28
Abs.
1 IVG) gegeben sind, frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruches (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Rentenbegehrens damit, dass gestützt auf das Gutachten des A._ vom 14. Mai 2014 von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei, was einen Rentenanspruch ausschliesse. Zwar habe von Mitte Mai 2011 bis Mitte Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Diese sei vorliegend aber irrelevant, da die Beschwerdeführerin die Arbeitsfähigkeit vor Ablauf des Wartejahres wieder erlangt habe. Sodann sei wegen einer Bauchdeckenrekonstruktion für die Dauer vom 22. Juli bis 16. August 2015 eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Diese sei aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ebenfalls unerheblich, weil sie we
niger als drei Monate gedauert habe (Urk. 2, 11/74).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, das Gut
achten vom 14. Mai 2014 sei nicht beweiskräftig. Zudem sei es im Zeitpunkt der Verfügung vom 20. Januar 2016 nicht mehr aktuell gewesen. Nach Erstellung des Gutachtens habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Folglich könne darauf nicht abgestellt werden. Aufgrund der Berichte der behandelnden Ärzte sei ausgewiesen, dass sie sowohl aus somatischen als auch psychischen Grün
den arbeitsunfähig sei. Sie habe daher Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 1, 5).
3.
3.1
Die Ärzte des A._ stellten im Gutachten vom 14. Mai 2014 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.11/53/68):
1.
Überlastungsbedingte Weichteilstrukturen submalleolär medial mit mögli
chem dorsalem Tarsaltunnel-Reizsyndrom beidseits bei
-
erheblicher Adipositas mit valgischer Beinachse und Senkfüssen
-
elektrophysiologisch ohne Hinweise für ein relevantes Tarsaltunnel-
syndrom
2.
Beginnende Polyneuropathie im Rahmen eines Diabetes mellitus Typ 2
3.
Karpaltunnelsyndrom beidseits
4.
Diffuse Schwindelsymptomatik vom Schwankschwindelcharakter am ehesten im Rahmen einer distalbetonten Polyneuropathie (im Rahmen des insulin
pflichtigen Diabetes mellitus).
3.2
Dazu führten die Gutachter aus, die anlässlich der
interdisziplinären Begutach
tung durchgeführte in
ternistische Untersuchung habe das Bild einer
adipösen, kardiopul
monal kompensierten Beschwerdeführerin
in leicht reduziertem All
gemeinzustand
ergeben. Die klinische Untersuchung sei
altersentspr
echend normal, ohne Hinweise auf
eine
Herzinsuffizienz oder Lungenerkrankung. Das EKG zeige
einen unauffälligen Erregungsab
lauf und die Spirometrie liefere
keine Hinweise für eine obstruktive oder restriktive Ventilationsstö
rung. Auch im Abdominalstatus lie
ssen sich keine pathologischen Befunde erheben. Der verminderte Vibrationssinn sowie die nachweisbare Pro
teinurie und HbA1c-Er
höhung sei
auf den langjährigen Diabe
tes mellitus Typ 2 zurückzuführen, wobei der HbA1c-Wert
für eine aktuell gut eingestellte Diabetesbehandlung s
preche
.
Die bestehende Autoimmunhepatitis sei
unter der Therapie mit Imurek sehr gut behandelt
. Aus internistischer Sicht bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit
(Urk. 11/53/77).
3.3
Bei der a
ngiologischen Untersuchung hätten
sich kein
e
Anhaltspunkt
e
für eine hämodynamisch relevante peripher-arterielle Verschlusskrankheit
ergeben
. Die peri
phere arterielle Zirkulation sei
bis zu den Füssen/Zehen gut kompensiert
. Venös zeigten
sich eine retikuläre Varikosis sowie Besenreiser beidseits ohne Hinweise für eine Pathologie der tiefen Beinvenen und oberflächlich
en Venen
stämme. Klinisch bestehe
zusätzlich ein Lipödem der Beine bei der deutlichen Adipositas.
Am 24. Mai 2011 sei
die Diagnose einer nicht ganz frischen Throm
bosierung der Vena poplitea rechts
gestellt worden. Im Duplex hätten
sich die Vena poplitea und auch die proximalen Unterschenkelvenen vollständig reka
nalisiert ohne postt
hrombotische Residuen oder
Klappeninsuffizienz. Hinweise für eine chronisch-venöse Insuffizienz fehl
t
en klinis
ch. Aus angiologischer Sicht sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben (Urk. 11/53/77-78).
3.4
Während der rheu
matologischen Untersuchung habe die 56jährige Beschwerde
führerin
ü
ber Missempfindungen im Bereich
der Planta pedis und inframalleo
lär medial beidseits [also über Missempfindungen im Bereich der Fersen] geklagt, die seit zwei Jahren bestünden, betont im Stehen und Gehen und
deutlich ab
geschwächt im Liegen in der Nacht. Dies
e seien
bedingt durch eine Reizsymp
tomatik des Tarsaltunnels ohne elektrophysiologisch verifizierbares Tarsalt
un
nelsyndrom bei einer Senkfuss
konstellation,
eine
valgische Beinachse un
d er
hebliches
Übergewicht
. Es handle sich um eine Ü
berlastungsproblematik der er
wähnten Gewebestruktur, was aber bei angepasster Belast
ung kompensiert werde
und in einer leidensangepassten Tätigkeit
ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit bleibe
.
Zeitweise träten überdies
lumbo
vertebrale Missempfindungen auf. Auch sie seien Folge der Ü
berlastung bedingt durch das Körpergewicht mit konsekutiver Hyperlordosierung lumbal bei zusätzlich globalmuskulärer Insuffi
zienz, ohne Hinweise für eine schmerzbedingte lumbale Bewegungseinschrän
kung.
D
ie globalmuskuläre Insuffizienz mit
Fehlhaltung lumbal sowie die Überlastungsproblematik im Bereich
des medialen Fussgewölbes und Tarsaltun
nels beidseits
wirkten sich auf das Zumutbarkeitsprofil bei ansonsten voller Ar
beitsfähigkeit aus. M
onoton stehende Tätigkeiten, repetitives Zurücklegen lan
ger Wegstrecken, Strecke
n auf Treppen oder Leitern und
Gehen auf unebenem Gelände
,
monoton vornübergebückte Arbeitsposition
en und
Gewichtsbelastung über 15 kg
seien nicht zumutbar (Urk. 11/53/78).
3.5
Aus neurologischer Sicht sei hinsichtlich der
berichteten Kopfschmerzen am ehesten von chronischen Kopfschmerzen vom
Spannungstyp auszugehen
. Die im Rahmen der polydisziplinären Abklärung durchgeführte apparative Zusatz
diagnostik
(MRI Neurokranium) habe
kein
en Hinweis auf
intrazerebrale Läsio
nen
oder
eine Liquorzirkulationsstörung
ergeben
. Aufgrund der rege
lmässigen Analgetika-
Einnahme
von mindestens drei- bis mehrmals pro Woche sei auch ein Analgetika-
induzierter Kopfschmerz nicht ausz
uschliessen. Beim berichteten
Schwankschwindel mit einer subjektiven Gangunsicherheit
handle es sich wohl
um Begleiters
cheinungen im Rahmen der distal-
betonten Polyneuropathie.
Ebenso seien auch die Sensibilitätsstörungen im Bereich der unteren Extremitä
ten am ehesten auf die
Polyneuropathie zurückzuführen.
Die einmalige Episode eines Drehschwindels sei
aufgrund der anamnestischen An
gaben
und der kur
zen Episodendauer
als einen
benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
zu interpretieren. Die
Kribbeldysästhesien im Bereich der oberen Extremitäten
hät
ten ihren Grund im bereits bekannten bilateralen mittelschweren K
arpaltunn
el
syndrom. Aus neurologischer Sicht seien der Beschwerdeführerin
leichte bis mittelschwere angepasste Tätigkeiten in Wechselbelastung (teils sitzend, teils ebenerdig gehend oder stehend) zu 100
%
zumutbar (Urk. 11/53/79).
3.6
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration hätten sich keine Auffälligkeiten eruieren lassen. Ein
reduziertes Aktivitätsniveau
bestehe nicht. Die funktionelle Leistungsfähigkeit sei nicht eingeschränkt. Insbesondere seien die
diagnosti
schen Kriter
ien einer anhaltenden somatoform
en Schmerzstörung
nicht gege
ben. Hingegen lägen
multiple, nicht IV-relevante psychosoziale Belastungsfak
toren vor (Migrationshintergrund, Probleme in der Ehe, keine berufliche Ausbil
dung, finanzielle Probleme, mangelnde Sprachkenntnisse)
. Aus psychiatrischer Sicht könne
keine Einschränkung der Arb
eitsfähigkeit attestiert werden (Urk. 11/53/79-80).
3.7
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei. Zumutbar seien der Beschwerdeführerin
leicht
e bis mittelschwere
Tätigkei
ten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Tran
sportieren von schweren Lasten über
15 kg
, ohne
Verharren in
Zwangshaltungen, ohne Ersteigen von Treppen, Leiter und Gerüsten
sowie
ohne
überwiegende Geh- und Stehbelastung
(Urk. 11/53/81). Die Gutachter konnten sich mangels hinreichender Angaben zur bisherigen Tätigkeiten nicht dazu äussern, ob diese einer leidensangepassten entsprach (Urk. 11/53/82, 11/64). Weiter hielten sie fest, dass die Beschwerde
führerin von Juni 2011 bis September 2012 zunächst wegen der tiefen Beinve- n
enthrombose und im weiteren Verlauf wegen der Autoimmunhepatitis mit aku
tem Leberversagen arbeitsunfähig gewesen sei. Von einer vollen Arbeitsfähig
keit in einer leidensangepassten Tätigkeit sei folglich ab Oktober 2012 auszuge
hen (Urk. 11/64).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin legte im Rahmen des vorliegenden Prozesses Berichte ihrer behandelnden Ärzte auf.
4.2
Die Fachleute des B._ hielten im Be
richt 24. Juli 2014 über zwei Vorgespräche vom 16. Mai und 5. Juni 2014 - nebst somatischen Diagnosen - eine mittelgradige Episode fest. Die Beschwer
deführerin beschrieben sie als äusserlich geordnet, altersentsprechend, be
wusstseinsklar, allseits orientiert, in der emotionellen Kontaktaufnahme abwar
tend, aktiv im Spontanverhalten, in der Stimmung depressiv-resigniert, im Ge
sprächsverlauf verbal redebedürftig, psychomotorisch gehemmt, im Blickkon
takt direkt, stimmlich sanft, ihr Symptomerleben vordergründig reflektierend schildernd, introspektiv, kognitiv verlangsamt und im Denken formal beweg
lich. Anhaltspunkte für psychotische Erlebniswelten oder für eine Suizidalität fehlten. Dazu hielten sie fest, die Störung habe Krankheitswert, und attestierten rückwirkend ab 2011 eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/5).
4.3
Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie, diagnostizierte im Bericht vom 24. Juni 2015 eine Fasziitis plantaris links mehr rechts, anamnestisch eine Po
lyneuropathie der unteren Extremitäten bei Diabetes mellitus, ein zervikover
tebrales Syndrom und einen Verdacht auf eine beginnende Gonarthrose rechts bei periarthropatischen Beschwerden rechts (Urk. 6/6). Diese Diagnosen hatte er bereits im Bericht vom 23. Januar 2013 (vgl. Urk. 11/37/12-13) gestellt, worauf er selber hinwies. Eine Arbeitsunfähigkeit attestierte er nicht. Als Behandlung verordnete er Physiotherapie (Urk. 6/6). Im Bericht vom 4. Februar 2016 stellte er im Wesentlichen die gleichen Diagnosen mit dem Unterschied, dass er die Gonarthrose nicht mehr bloss als Verdachtsdiagnose, sondern als eigentliche Diagnose auflistete (Urk. 6/7).
4.4
Die Beschwerdeführerin musste sich am 22. Juli 2015 einer Bauchdeckenrekon
struktion unterziehen. Dem Bericht des J._ vom 9. Dezember 2015 ist dazu zu entnehmen, dass es danach im September 2015 zu einer Infektion und zu einer Rehospitalisation gekommen ist (Urk. 6/9).
4.5
Der Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, hielt im Bericht 8. Februar 2016 fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung verschlechtert habe. Weiter wies er darauf hin, dass auch die Adipositas als solche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge habe. Aus medizinischer Sicht bestehe seit 2012 mindestens eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 50 %. Auf jeden Fall könne aufgrund der Polymor
bidität nicht von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % ausgegangen werden (Urk. 6/8).
4.6
Dr. med. E._, Fachärztin für Allgemeine Medizin, Psychosomatische und Psycho
soziale Medizin SAPPM, Delegierte Psychotherapie FMPP, diagnostizierte im Bericht vom 10. Februar 2016 (Urk. 6/4) eine generalisierte Angststörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome und ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom multifak
toriell. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit 27. Januar 2016 in ihrer Praxis zur delegierten psychotherapeutischen Abklärung bei lic. phil. F._ und zur psychosomatischen Abklärung bei ihr selber. Die Be
schwerdeführerin sei von lic. phil. F._ bereits vom 9. Januar bis 18. September 2015 betreut worden, als diese noch im G._-Institut gearbeitet habe. Davor sei die Beschwerdeführerin bei Dr. H._ in Behandlung gewesen (S. 1). Unter den Befunden führte sie aus, die Beschwer
deführerin klage
über multiple Beschwerden: Suizidgedanken,
Angst verrückt zu werden,
deutlicher Verlust der Freude, Reizbarkeit, Konzentrationsmangel, Ver
gesslichkeit, rasche Ermüdbarkeit, ausgeprägte psychomotorische Blockade, Ap
petitmangel, Gewichtsverlust von ca. 8 kg (aktuell 95kg, Grosse 154cm), Nausea, Morgentief, Früherwachen, Ein- und Durchschlafstörung
, ständige Anspannung und Ü
berreiztheit, Angstgefühle, Mundtrockenheit, Blähungen, Aufstossen, Herzklopfen, Hitzewallungen, Gesichtsrötung
, Durchfall, ständiges Grübeln,
negat
ive Gedanken, Traurigkeit,
Schwindel, Antriebslosigkeit, starke innere Unruhe mit Rastlosigkeit, belastende Zwangshandlungen (ständige Kon
trolle von Herd, Türen und exzessives Händewaschen), negative Zukunftsge
danken, V
ersagensgefühle, Schuldgefühle
, Verlust des Selbstvertrauens, ständi
ges
Weinen, sozialer Rückzug, Entscheidungsunfähigkeit, Kraftlosigkeit, Li
bidoverlust und
Emotionslosigkeit (S. 2). Eine antidepressive Medikation finde nicht statt (S. 4). Die Indikation dazu sei jedoch gegeben. Aufgrund der unkla
ren Hepatologie könne eine solche aber nur nach Rücksprache mit der Klinik für Gastroentologie und Hepatologie begonnen werden (S. 5). Weiter erklärte Dr. E._, der Gesundheitszustand habe sich seit 2010 zunehmend verschlechtert, dies insbesondere ab Mai 2014. Die somatischen Beschwerden beeinträchtigten in ihrem Summenpotenzial massgeblich die psychosoziale Situation der Be
schwerdeführerin. Sie wirkten mit den psychischen Beschwerden verstärkend und führten zu schädigendem Dauerstress und multifaktoriellen Einschränkun
gen in relevanten Lebensbereichen. Im Rahmen einer psychosomatischen Ge
samtbetrachtung sei von einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen, da zur gesund
heitlichen Problematik eine fehlende Berufsbildung, ein niedriger Bildungssta
tus, ein hohes Lebensalter, eine längere Arbeitslosigkeit und mangelnde Sprach
kenntnisse dazu kämen (S. 6).
4.7
Die IV-Stelle liess den RAD-Arzt Dr. med. I._ zum A._-Gutachten und den weiteren Berichten Stellung nehmen. Er führte aus, im A._-Gutachten würden viele psychosoziale Belastungsfaktoren, aber keine psychiatrische Pa
thologie aufgeführt. Auch in den Berichten des J._ und des Dr. C._ gebe es keine Hinweise auf eine psychische Problematik. Erst im Bericht von Dr. E._, worauf auch Dr. D._ verweise, würden nun psychiatri
sche Diagnosen aufgeführt. Dies spreche dafür, dass es per Ende Januar 2016, also nach Erlass der angefochtenen Verfügung, zu einer Verschlechterung ge
kommen sei (Stellungnahme vom 9. März 2016, Urk. 12).
5.
5.1
Das polydisziplinäre Gu
tachten des A._ vom 14. Mai 2014 (Urk. 11/53
) basiert auf den erforderlichen allseitigen fachärztlichen Untersuchungen (internistisch,
angiologisch, rheumatologisch,
neurologisch und psychiatrisch) und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetz
ung mit den Vorakten (Anamnese) abge
ge
ben. Die Gutachter haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwer
den berücksichtigt und sich mi
t diesen sowie dem Verhalten der Beschwerde
führerin
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge
einleuchtend dargelegt. Das A._
-Gutachten erfüllt mithin die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Entschei
dungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a
).
5.2
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Beweiskraft des A._-Gutachtens nicht substantiiert (Urk. 5 S. 4). Es sind denn auch keine Anhaltspunkte ersichtlich, die ein Abweichen vom Gutachten rechtfertigen würden. Insbesondere ist der Bericht des B._ vom 24. Juli 2014 nicht geeignet, die Beweiskraft des A._-Gutachtens in Zweifel zu ziehen. Erstattet wurde er kurz nach der polydiszipli
nären Begutachtung in Hinblick auf das laufende invalidenversicherungsrechtli
che Verfahren (vgl. Urk. 11/65). Eine Behandlung beim B._ hatte zuvor nicht stattgefunden. Weder die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode noch die attestierte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit werden näher begrün
det. Letztere habe, so die B._-Ärzte, seit 2011 Geltung (Urk. 6/5), was sich mit den erst im Frühsommer 2014 durchgeführten Gesprächen nicht in Einklang bringen lässt. Die Divergenz zum A._-Gutachten ist mithin bloss auf eine an
dere Einschätzung zurückzuführen. Dies genügt nicht, um die Gerichtsexpertise in Frage zu stellen (Bundesgerichtsurteil 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E
. 5.1)
.
5.3
Hingegen kann dem A._-Gutachten nicht gefolgt werden, soweit davon ausge
gangen wird, aufgrund der Autoimmunhepatitis habe eine Arbeitsunfähigkeit bis September 2012 bestanden. Wie sich aus den echtzeitlichen Berichten ergibt, befanden sich die Laborwerte ab Juni 2012 im Normalbereich (Bericht der Kli
nik für Gastroenterologie und Hepatologie des K._ vom 19. Juni 2012; Urk. 6/37/29), was die Gutachter offensichtlich übersahen. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich daher keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Auto
immunhepatitis mehr begründen, wie Dr. I._ in seiner Stellungnahme vom 22. Juni 2015 nachvollziehbar darlegte (Urk. 11/71/8). Es ist somit davon aus
zugehen, dass von Juni 2011 bis Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit und danach zumindest bis zum Zeitpunkt der Begutachtung vom 3. März 2014 (vgl. Urk. 11/53/1) eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit bestand.
6.
6.1
Weiter stellt sich die Frage, ob sich der Gesundheitszustand, wie die Beschwerde
führerin geltend macht, nach der Begutachtung in relevanter Weise verschlechtert hat.
6.2
Davon kann in somatischer Hinsicht nicht ausgegangen werden. Der Verdacht auf eine Gonarthrose war den A._-Gutachtern bekannt (Urk. 11/37/12-13, 11/53/14). Dass Dr. C._ diesen Verdacht im Bericht vom 4. Februar 2016 (Urk. 6/7) bestätigte, ändert nichts, da den Einschränkungen am Bewegungsap
parat im Rahmen des gutachterlich formulierten Zumutbarkeitsprofils hinrei
chend Rechnung getragen wurde. Abgesehen davon attestierte Dr. C._ - auch wenn er sich bloss im Rahmen eines Verlaufsberichts äusserte - keine Arbeits
unfähigkeit. Auch gestützt auf den Bericht von Dr. D._ vom 8. Februar 2016 ist keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands auszumachen. Im Wesentlichen begründet er die von ihm postulierte (Teil-)Arbeitsunfähigkeit mit der Polymorbidität der Beschwerdeführerin und mit der Zunahme der rheuma
tologischen Beschwerden (Urk. 6/8). Das A._ ist als MEDAS spezialisiert auf die Beurteilung polymorbider Beschwerdebilder. Die abweichende Meinung des Internisten Dr. D._ vermag das Gutachten deshalb nicht in Zweifel zu ziehen. Mit dem im Gutachten beschriebenen Belastungsprofil setzt er sich nicht ausein
ander. Er legt auch nicht dar, inwiefern sich eine allfällige Zunahme der rheumatologischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit in einer leidensange
passten Tätigkeit zusätzlich negativ auswirken sollte. Auch verkennt er, dass eine Adipositas alleine keine leistungsbegründende Invalidität bewirkt (ZAK 1984 S. 345 f. E. 3; Bundesgerichtsurteile I 839/06 vom 17. August 2007 E. 4.2.3 und I 745/06 vom 21. März 2007 E. 3). Vor diesem Hintergrund ist der Einschätzung des RAD-Arztes Dr. I._ beizupflichten, der keine massgebli
che Verschlechterung in somatischer Hinsicht erkennen konnte. Anzufügen bleibt, dass aufgrund der Bauchdeckenoperation und der damit verbundenen Rehospitalisation zwar eine Arbeitsunfähigkeit von 22. Juli bis Ende September 2015 ausgewiesen ist (Urk. 6/9). Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ist diese jedoch nicht relevant, da sie
weniger als drei Monate Bestand hatte (
Art.
88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV).
6.3
In Anbetracht des Berichts von Dr. E._ hält Dr. I._ dafür, dass ab Ende Januar 2016 wohl eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes eingetreten sei (Urk. 12). Dieser Einschätzung ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Die von Dr. E._ erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen spre
chen für eine Verschlechterung. In Abklärung bei Dr. E._, die über keine psy
chiatrische Fachausbildung verfügt, ist die Beschwerdeführerin erst seit 27. Januar 2016. Zuvor war sie bei lic. phil. F._ in Therapie. Dabei handelte es sich um eine psychologische, nicht aber um eine psychiatrische Be
treuung. Vor dieser Therapie hatte sich die Beschwerdeführerin laut Bericht von Dr. E._ zu Dr. med. H._ in Behandlung begeben. Nähere Angaben dazu fehlen. Aufgrund des Zeitablaufs dürfte es sich dabei aber kaum um eine länger dauernde Behandlung gehandelt haben, da im Gutachten vom 5. Mai 2014 nichts Entsprechendes vermerkt ist (vgl. Urk. 11/53/30+59) und die Be
schwerdeführerin im Januar 2015 die Behandlung bei lic. phil. F._ aufnahm. Abgesehen davon verfügt Dr. H._ über keinen Facharzt
titel (vgl. dazu www.medregom.admin.ch). Dass sich die Beschwerdeführerin Ende Januar 2016 schliesslich zu Dr. E._ in Behandlung begab, deutet auf eine Verschlechterung zu jener Zeit hin. Da das Gericht den Sachverhalt bis zum Er
lass der angefochtenen Verfügung, also bis zum 20. Januar 2016, zu überprüfen hat (E. 1.4 hievor), hat die (allfällige) Verschlechterung jedenfalls ausser Acht zu bleiben. Zu beachten ist, dass Dr. E._ in ihrer Beurteilung massgeblich – ent
sprechend ihrem Facharzttitel - auch psychosoziale Belastungsfaktoren berück
sichtigte. Solche sind
invalidenversicherungsrechtlich
aber
ausser Betracht zu lassen (
BGE 127 V 294 E. 5a S. 299). Aus diesem Grund kann auf ihren Bericht, wenngleich er auf eine inzwischen eingetretene Verschlechterung des psychi
schen Gesundheitszustands hinweist, nicht unbesehen abgestellt werden. Diesem Umstand wird im Rahmen einer (allfälligen) Neuanmeldung Rechnung zu tragen sein.
6.4
Nach dem Gesagten ist eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustan
des nach erfolgter Begutachtung bis zum Verfügungserlass vom 20. Januar 2016 zu verneinen.
7.
7.1
Da sich die Beschwerdeführerin im März 2012 zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 11/4-5), kann ein allfälliger Rentenanspruch frühestens per 1. September 2012 entstehen (Art. 29 IVG; E. 1.2 hievor). Die Arbeitsunfähigkeit von Juni 2011 bis Juni 2012 fällt daher insofern nicht ins Gewicht.
7.2
Im Arbeitgeberbericht (ausgefüllt im Frühling 2015) gab die Z._ GmbH an, der Beschwerdeführerin sei aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden. Gleichzeitig wies die ehemalige Arbeitgeberin daraufhin, dass die Gesellschaft seit 2010 aufgelöst sei (Urk. 11/68). Die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin waren so
mit nicht (mehr) kausal für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Dies ergibt sich auch aus dem Kündigungsschreiben vom 31. Oktober 2010. Darin werden einzig wirtschaftliche Gründe als Begründung für die Kündigung angegeben (Urk. 11/68). Der IV-Stelle ist daher beizupflichten, dass für die Bestimmung des Valideneinkommens nicht auf die bei der Z._ GmbH erziel
ten Einkommen, sondern auf die tabellarischen Ansätze gemäss LSE 2012, Ta
belle TA1, Total Frauen, Kompetenzniveau 1, abzustellen ist (Urk. 11/70, 11/71/9). Dieser Tabellenlohn gilt auch für das Invalideneinkommen.
Aus
nahmsweise darf von der ärztlich geschätzten Arbeits(un)fähigkeit ohne Weite
res auf einen entsprechenden Invaliditätsgrad geschlossen werden (SVR 2011 IV Nr. 71 S. 213 E. 3.2.3 [9C_994/2010]). Dies trifft beispielsweise zu, wenn die beiden Vergleichseinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu ermitteln sind. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn, der höchs
tens 25 % betragen darf (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; Bundesgerichtsurteil 8C_450/2014 vom 24. Juli 2014 E. 7.3).
Die IV-Stelle nahm keinen Tabellenab
zug vor, was nicht zu beanstanden ist. Mithin resultiert ein Invaliditätsgrad von 0 %, was einen Rentenanspruch selbstredend ausschliesst. Selbst wenn man den höchstmöglichen Abzug von 25 % gewähren wollte, änderte sich nichts an diesem Ergebnis.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
Die Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 800.-- festzuset
zen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.