Decision ID: a9c41bb8-1839-4d1b-8146-71726a9d827e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2021 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Altersrente der AHV an (EL-act. 19 f.). Sie machte geltend, sie habe im April 2021 in ein
Altersheim eintreten müssen, wo sie „in der Pflegestufe 4 versorgt“ werde. Die
monatlichen Kosten beliefen sich auf rund 6’000 Franken. Zuvor habe sie jahrelang
unentgeltlich bei ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter gelebt. Der Sohn und die
Schwiegertochter hätten diverse Lebenshaltungskosten übernommen und die
Schwiegertochter habe die EL-Ansprecherin auch gepflegt und unterstützt, ohne dafür
bezahlt zu werden. Dadurch habe der Heimeintritt um Jahre aufgeschoben werden
können. Zudem habe die EL-Ansprecherin ihr steuerliches Reinvermögen in den Jahren
2012–2019 von 122’469 Franken auf 216’402 Franken (aktuell: 220’000 Franken)
erhöhen können. Für das Wohnrecht, die Lebenshaltungskosten sowie die Pflege- und
Unterstützungsleistungen schulde die EL-Ansprecherin ihrem Sohn und der
Schwiegertochter 596’607 Franken, wovon sie 141’667 Franken demnächst auszahlen
werde. Im Dezember 2011 habe sie zwei Liegenschaften mit einem amtlichen
Verkehrswert von 466’000 Franken an ihren Sohn übertragen. Der Kaufpreis habe
345’000 Franken betragen, wovon 95’000 Franken als eine Schenkung mit einem
Erbvorbezugscharakter gegolten hätten. Der Restbetrag des Kaufpreises von 250’000
Franken sei mit „Gegenleistungen“ getilgt worden. Folglich habe die EL-Ansprecherin
damals auf insgesamt 216’000 Franken verzichtet, wovon unter Berücksichtigung des
Art. 17e ELV aktuell bloss noch 126’000 Franken als Verzichtsvermögen angerechnet
werden dürften. Das effektive Reinvermögen belaufe sich damit auf 220’000 + 126’000
A.a.
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– 596’607 = minus 250’607 Franken. Dem beigelegten Kaufvertrag vom 15. Dezember
2011 liess sich entnehmen (EL-act. 21), dass die „Gegenleistungen“ des Sohnes zur
Tilgung des nach der Schenkung verbliebenen Kaufpreises von 250’000 Franken für die
Liegenschaften in der Übernahme einer bestehenden Grundpfandschuld von 200’000
Franken und in bereits durch den Sohn geleisteten Investitionen (u.a. Erstellung eines
Gartenhauses) bestanden hatten. Die Allgemeinmediziner Dres. med. B._ und C._
hatten im November 2017 bestätigt, dass die EL-Ansprecherin aus Krankheitsgründen
seit dem Jahr 2010 auf Unterstützung und Pflege durch Dritte angewiesen gewesen sei
(EL-act. 24). In einer Vereinbarung vom 17. Mai 2021 hatten sich die EL-Ansprecherin,
ihr Sohn und die Schwiegertochter auf eine Abgeltung von Wohn- und Pflegeleistungen
für die Zeit von Dezember 2011 bis April 2021 im Gesamtbetrag von 596’607 Franken
geeinigt (EL-act. 26–4 ff.). Der Betrag war ausgehend von einem monatlichen Mietzins-
und Lebenshaltungskostenanteil von 1’500 Franken respektive – für die Zeit nach
einem Umzug per 1. August 2014 – von 1’900 Franken sowie einem Ansatz von 6’500
Franken pro Monat für Pflegeleistungen im Vollpensum berechnet worden, das die
Schwiegertochter gemäss der Vereinbarung zuletzt geleistet hatte. Als massgebendes
Pensum war für einzelne Zeitabschnitte jeweils jener Teil berücksichtigt worden, um
den die Schwiegertochter ihr ausserhäusliches Erwerbspensum sukzessive verringert
hatte. Mit einer Verfügung vom 22. Juni 2021 wies die EL-Durchführungsstelle das
Leistungsbegehren mit der Begründung ab, der aktuelle Stand des Reinvermögens
überschreite die Vermögensschwelle nach Art. 9a Abs. 1 ELG (EL-act. 16).
Am 30. Juni 2021 liess die EL-Ansprecherin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 22. Juni 2021 erheben (EL-act. 11). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, die EL-
Ansprecherin verfüge effektiv über gar kein Reinvermögen; sie sei verschuldet. Das
habe er im Begleitschreiben zum Anmeldeformular ausführlich aufgezeigt und belegt.
Die EL-Durchführungsstelle habe sich in willkürlicher Weise mit keinem Wort zu dieser
Thematik geäussert. Mit einem Entscheid vom 21. Januar 2022 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache gegen die Verfügung vom 22. Juni 2021 ab (EL-
act. 4). Zur Begründung führte sie an, das unentgeltliche Wohnrecht, die Übernahme
der Lebenshaltungskosten und die Pflegeleistungen seien ursprünglich unentgeltlich
erbracht worden, was unter Familienmitgliedern und nahen Verwandten ja auch
durchaus üblich sei. Ansonsten hätte die EL-Ansprecherin die entsprechenden
A.b.
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B.
Zahlungen von Beginn weg monatlich geleistet. Bei der nachträglich erstellten
Abgeltungsvereinbarung handle es sich um den Versuch, die für einen EL-Anspruch
massgebende Situation der EL-Ansprecherin taktisch zu verbessern. Die geltend
gemachte Schuld müsse bei der Prüfung des Leistungsbegehrens ignoriert werden.
Am 21. Februar 2022 liess die EL-Ansprecherin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 21. Januar
2022 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheides, die Ausrichtung von jährlichen
Ergänzungsleistungen von mindestens 38’915 Franken ab April 2021 und eventualiter
die Feststellung, dass der Beschwerdeführerin dem Grundsatz nach ab dem 1. April
2021 Ergänzungsleistungen zustünden, verbunden mit der Rückweisung der Sache an
die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Fortsetzung
des Verwaltungsverfahrens. Zur Begründung führte er aus, die Beschwerdeführerin
habe, nachdem sie bereits jahrelang bei ihrem Sohn und der Schwiegertochter gelebt
und von diesen gepflegt und unterstützt worden sei, am 1. Dezember 2017 ein
Testament erstellt, in dem sie unter anderem die Entschädigung des unentgeltlichen
Wohnrechtes und der von der Schwiegertochter erbrachten Pflegeleistungen
vorgesehen habe (vgl. act. G 1.6). Im Testament vom 1. Dezember 2017 hatte die
Beschwerdeführerin „im Sinne einer Klarstellung und zur korrekten Berechnung meines
dereinstigen Netto-Nachlassvermögens“ festgehalten, dass sie im Zusammenhang mit
der im Dezember 2011 erfolgten Übertragung der Liegenschaften mit ihrem Sohn „eine
privatrechtliche Vereinbarung über ein Wohnrecht zu meinen Gunsten
(uneingeschränkte Nutzung im Sinne einer Wohngemeinschaft) abgeschlossen“ habe.
Dieses Wohnrecht habe sie ausgeübt, „ohne meinem Sohn hierfür je ein Entgelt
entrichtet zu haben“, weshalb sie nun hiermit festhalte, dass ihrem Sohn „von meinem
dereinstigen Nachlass vorweg die folgende Entschädigung für die Gewährung dieses
Wohnrechtes zusteht: 28,5 Monate à 1’500 Franken = 42’750 Franken“. Dieser Betrag
sei „im Rahmen der Teilung meines dereinstigen Nachlasses als offene Schuld
meinerseits (sog. Erbschaftsschuld) gegenüber meinem Sohn als Entschädigung für
das von ihm gewährte Wohnrecht (also als Entschädigung für eine erbrachte Leistung)
zu berücksichtigen“. Auch für das ab Mai 2014 in der neuen Wohnung des Sohnes
B.a.
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Considerations:
Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch beim Einspracheverfahren hat es
sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, was bedeutet, dass sich sein
Zweck in der Überprüfung der Verfügung vom 22. Juni 2021 auf deren Rechtmässigkeit
erschöpft und dass sein Gegenstand folglich jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprochen hat. Das am 22. Juni 2021 abgeschlossene
Verwaltungsverfahren hat die Prüfung eines erstmaligen Begehrens um eine
genutzte „lebenslängliche Wohnrecht“ müsse vom „dereinstigen Nachlass vorweg“ die
dem Sohn und der Schwiegertochter „zustehende Entschädigung im Sinne einer
Erbschaftschuld“ ausgerichtet werden. Die Entschädigung betrage 1’900 Franken pro
Monat. Zusätzlich sei „zu berücksichtigen, dass mich die Ehegattin meines Sohnes seit
dem Jahr 2010 unterstützt und pflegt. Aufgrund der von mir benötigten Unterstützung
und Pflege (siehe auch beiliegende Bestätigung meines Hausarztes) konnte ich bisher
einen Heimaufenthalt und dergleichen vermeiden. Meine vorerwähnte
Schwiegertochter hat allein zu meiner persönlichen Unterstützung und Pflege ihr
Arbeitspensum sukzessive um 20 Prozent reduziert. Ihre dadurch bedingte
Einkommenseinbusse beträgt 15’600 Franken pro Jahr beziehungsweise 1’300
Franken pro Monat. Hinzu kommen die Sozialversicherungsleistungen, welche
erfahrungsgemäss bei rund 15 Prozent liegen“. Die Entschädigung für die von der
Schwiegertochter erbrachten Pflegeleistungen betrage 85’675 Franken für die Zeit von
August 2010 bis Dezember 2016 und 1’300 Franken pro Monat für die Zeit ab Januar
2017. Die Beschwerdeführerin machte weiter geltend, die Schwiegertochter habe ihr
ausserhäusliches Erwerbspensum über die Jahre hinweg laufend reduziert, da der
Pflegeaufwand zusehends grösser geworden sei. Das gehe aus den entsprechenden
Arbeitsverträgen hervor. Effektiv verfüge die Beschwerdeführerin also über gar kein
Reinvermögen; sie sei verschuldet.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. März 2022 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.b.
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Ergänzungsleistung zum Gegenstand gehabt, was bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin grundsätzlich verpflichtet gewesen ist, alle
Anspruchsvoraussetzungen zu prüfen und sämtliche Berechnungspositionen zu
ermitteln. Da allerdings ein Begehren um eine Ergänzungsleistung in jedem Fall
abzuweisen ist, wenn eine der massgebenden Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt
ist, kann die Ermittlung und Würdigung der weiteren Sachverhaltselemente
unterbleiben, sofern feststeht, dass eine Anspruchsvoraussetzung nicht gegeben ist.
Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Vermögensschwelle nach
Art. 9a ELG überschritten sei, weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
eine Ergänzungsleistung haben könne. Bezüglich der weiteren
Anspruchsvoraussetzungen und der Berechnungspositionen hat sie keine Abklärungen
getätigt. Sollte sich ergeben, dass die Vermögensschwelle nach Art. 9a ELG entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht überschritten gewesen ist, müsste die
Sache notwendigerweise zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden, da das Versicherungsgericht andernfalls
eine originäre Ermittlung und Würdigung des Sachverhaltes vornehmen würde, was
sich mit dem Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens nicht vereinbaren liesse.
2.
Gemäss dem Art. 9a Abs. 1 ELG setzt ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen
(neu) voraus, dass der EL-Ansprecher, sofern er alleinstehend ist, über weniger als
100’000 Franken Reinvermögen verfügt. Allfällige Liegenschaften werden dabei nicht
berücksichtigt (Art. 9a Abs. 2 ELG), aber ein etwaiger Vermögensverzicht wird zum
Reinvermögen hinzugerechnet (Art. 9a Abs. 3 ELG). Massgebend ist der
Vermögensstand am ersten Tag des Monats, ab dem eine Ergänzungsleistung
beansprucht wird (Art. 2 Abs. 2 ELV).
2.1.
Die Beschwerdeführerin ist im April 2021 in ein Alters- respektive Pflegeheim
eingetreten. Da sie sich weniger als sechs Monate nach diesem Heimeintritt zum Bezug
von Ergänzungsleistungen angemeldet hat, ist ein Anspruch für die Zeit ab dem 1. April
2021 zu prüfen gewesen (Art. 12 Abs. 2 ELG). Am 1. April 2021 hat sich ihr
Sparguthaben auf 227’587 Franken belaufen (EL-act. 22–1). Zudem ist ein
Vermögensverzicht zu berücksichtigen gewesen, denn die Beschwerdeführerin hatte
im Jahr 2011 zwei Liegenschaften mit einem amtlichen Verkehrswert von 466’000
Franken für 250’000 Franken an ihren Sohn verkauft und damit im Sinne des Art. 11a
Abs. 2 ELG auf (mindestens) 216’000 Franken verzichtet. Zwar ist im Kaufvertrag nur
eine Schenkung über 95’000 Franken erwähnt, aber der Kaufpreis war bereits deutlich
tiefer als der amtliche Verkehrswert angesetzt worden, was von der
2.2.
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Beschwerdeführerin ausdrücklich als eine Schenkung respektive als ein
Vermögensverzicht anerkannt worden ist. Für die Bezifferung des Vermögensverzichtes
kann aber nicht der amtliche Verkehrswert massgebend sein, denn bei einem Verkauf
der Liegenschaften an einen Dritten hätte die Beschwerdeführerin einen Kaufpreis in
der Höhe des damaligen Marktwertes erhalten, der erfahrungsgemäss in aller Regel
(deutlich) höher als der amtliche Verkehrswert ist. Zudem wären die bereits vorab
getätigten Investitionen nur im Umfang ihres tatsächlichen Marktwertes berücksichtigt
worden, der möglicherweise (deutlich) tiefer als der im Kaufvertrag eingesetzte Betrag
von 50’000 Franken gewesen sein könnte. Insgesamt besteht damit Grund zur
Annahme, dass der Betrag des im Dezember 2011 im Zuge der
Liegenschaftsübertragung erfolgten Vermögensverzichtes (deutlich) höher als 216’000
Franken gewesen sein dürfte. Diesbezüglich erweist sich der massgebende
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Da es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichtes sein kann, das Versäumnis der Beschwerdegegnerin bei der
Erfüllung ihrer ureigensten Aufgabe – der Sachverhaltsabklärung – nachzuholen, ist die
Sache zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese wird insbesondere in Erfahrung bringen, wie hoch der
Marktwert der im Dezember 2011 verkauften Liegenschaften sowie der Marktwert der
vom Sohn der Beschwerdeführerin vorab getätigten, im Kaufvertrag mit 50’000
Franken berücksichtigten Investitionen gewesen ist, wofür sie eine Marktwertschätzung
bei einem externen Sachverständigen in Auftrag geben wird. Sollte der
Sachverständige keine zuverlässige Marktwertschätzung mehr erstellen können, etwa
weil nach dem Weiterverkauf weitreichende Umbaumassnahmen vorgenommen
worden sind, dürfte der Betrag, für den der Sohn die Liegenschaften im Jahr 2014
weiterverkauft hat, einen relativ zuverlässigen Anhaltspunkt für den Marktwert der
Liegenschaften bieten.
Zu prüfen bleibt, ob im April 2021 Schulden bestanden haben, die vom Vermögen
abzuziehen sind. Die Beschwerdeführerin hat nach der Übertragung der
Liegenschaften (vorläufig) unentgeltlich im nun dem Sohn und der Schwiegertochter
gehörenden Haus wohnen können. Der Sohn und die Schwiegertochter sind zudem für
einen wesentlichen Teil der Lebenshaltungskosten aufgekommen. Zudem hat die
Schwiegertochter die gemäss den ärztlichen Zeugnissen der behandelnden Ärzte
bereits damals auf Pflege und Unterstützung angewiesene Beschwerdeführerin
gepflegt. Eine schriftliche Vereinbarung über eine Abgeltung dieser Leistungen –
Wohnrecht, Finanzierung der Lebenshaltungskosten und Pflege – hat nicht bestanden.
Erst im Mai 2021, also kurz nach dem Heimeintritt und unmittelbar vor der Anmeldung
zum Bezug von Ergänzungsleistungen, haben die Parteien eine schriftliche
2.3.
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Abgeltungsvereinbarung ausgefertigt, die eine Entschädigung der Leistungen
vorgesehen hat. Die Beschwerdegegnerin hat (ohne weitere Abklärungen zu tätigen)
behauptet, die erst kurz vor der Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen
erstellte schriftliche Abgeltungsvereinbarung simuliere eine vom ursprünglichen
Vertragswillen der Parteien abweichende Entgeltlichkeit der vom Sohn und der
Schwiegertochter erbrachten Leistungen; es stehe mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Sohn und die Schwiegertochter die
Beschwerdeführerin hätten unentgeltlich bei sich wohnen lassen, verköstigen und
pflegen wollen. Diese Auffassung erweist sich mit Blick auf das Testament der
Beschwerdeführerin vom 1. Dezember 2017 (act. G 1.6) als tatsachenwidrig. In diesem
Testament hat die Beschwerdeführerin lange vor der Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (und offenbar in der Annahme, sie werde bis zu ihrem
Lebensende bei ihrem Sohn und der Schwiegertochter leben können; vgl. Ziff. 4.3) klar
und eindeutig festgehalten, dass sie das Wohnrecht – einschliesslich der Finanzierung
eines Teils der Lebenshaltungskosten – als entgeltlich qualifiziert hat, dass es also von
Beginn weg ihr Wille gewesen ist, ihrem Sohn und der Schwiegertochter eine
Gegenleistung auszurichten. Wieso sie diese Gegenleistung nicht fortlaufend (z.B.
monatlich) ausgerichtet hat, ist nicht ganz nachvollziehbar. Wahrscheinlich dürften
steuer- und beitragsrechtliche Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Wenn man
berücksichtigt, dass sich der auf die Wohnkosten und den allgemeinen Lebensbedarf
entfallende Teil des ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzminimums im Jahr 2017
auf (maximal) 13’200 + 19’290 = 32’490 Franken pro Jahr respektive 2’708 Franken pro
Monat belaufen hat, ist der im Testament erwähnte Betrag von 1’500 Franken
respektive (ab 1. Mai 2014) 1’900 Franken pro Monat für das Wohnen in einer eigenen
Einliegerwohnung mit 2,5 Zimmern (vgl. Ziff. 4.3) und das Bestreiten eines Teils der
Lebenshaltungskosten als angemessen zu qualifizieren. Folglich wäre gestützt auf das
Testament vom 1. Dezember 2017 eine Schuld von 42’750 Franken (für die Zeit bis
Ende April 2014; vgl. Ziff. 4.2) plus 83 × 1’900 = 157’700 Franken (für die Zeit vom 1.
Mai 2014 bis zum 31. März 2021), gesamthaft also 200’450 Franken, ausgewiesen. In
der Abgeltungsvereinbarung vom 17. Mai 2021 ist für die Monate Mai, Juni und Juli
2014 allerdings nur ein Entgelt von 1’500 Franken statt von 1’900 Franken vorgesehen,
sodass der Betrag um 3 × 400 = 1’200 Franken zu reduzieren ist. Zusammenfassend
ist also eine Schuld von 199’250 Franken für das Wohnrecht und die Finanzierung der
Lebenshaltungskosten ausgewiesen. Für die Pflegeleistungen, die die
Schwiegertochter erbracht hat, sieht das Testament vom 1. Dezember 2017 eine
Entschädigung von 85’675 Franken für den Zeitraum vom 1. August 2010 bis zum 31.
Dezember 2016 vor. Die Abgeltungsvereinbarung führt für die beiden Jahre 2015 und
2016 wesentlich höhere Beträge (3’250 Franken pro Monat statt 1’300 Franken pro
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3.
Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG). Die Rückweisung gilt
hinsichtlich der Entschädigungsfolgen rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei, weshalb die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Parteientschädigung hat. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist
als leicht unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil sich das Beschwerdeverfahren nur
auf die Frage nach der Vermögensschwelle beschränkt hat. Die Parteientschädigung ist
deshalb auf 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.