Decision ID: c93e1f1a-a27b-44e9-958b-4e817b799fcd
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989,
war zuletzt vom 1. November 2010 bis 30. Sep
tember 2013 als Monteur Gas und Wasser bei der
Firma Y._
an
gestellt (Urk. 9/11)
und
dadurch
bei der Pensionskasse
P._
berufsvorsorge
versichert
.
Am 4. Juni 2013 (Urk. 9/2) meldete er sich unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung
bei der
Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog
nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (IK) des Versicherten (Urk. 9/8) die
Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 9/14)
bei und holte Berichte der behan
delnden Ärzte (Urk. 9/9-10, Urk. 9/16-17) wie auch der letzten Arbeitgeberin (Urk. 9/11) ein.
Am 10. Oktober 2013 (Urk. 9/15) teilte sie
X._
mit, dass aufgrund seines
aktuellen
Gesundheitszustandes keine beruflichen Einglie
derungsmassnahmen möglich seien.
Nach
Durchführung des
Vorbescheidver
fahren
s
(Vorbescheid vom
18. Mär
z 2014
,
Urk. 9/21), in dessen Verlauf sich die Pensionskasse
P._
am 30. April 2014 (Urk. 9/27) vernehmen liess, sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügungen vom 11. Juni (Urk. 2) und 18. Juli 2014 (Urk.
10/2
)
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 92 %
eine ganze
R
ente ab 1. März 2014 zu.
2.
Hiergegen
erhob die Pensionskasse
P._
am
10. Juli (Urk. 1
;
Verfahren
IV.2014.00749
)
und
25. Juli 2014 (Urk.
10/1;
Verfahren
IV.2014.00768
) Be
schwerde und beantragte, die angefochtenen Verfügungen vom 11. Juni und
18. Juli 2014 seien aufzuheben und es sei festzustellen, dass
X._
kei
nen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung
habe. Eventualiter sei die Sache zu
weiteren medizinischen Abklärungen und zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Dabei machte sie unter anderem auch eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend (Urk. 1 S. 4 Ziff. 10 und S. 9-11 Ziff. 25-28, S. 14 Ziff. 43 und Urk. 10/1 S. 4 Ziff. 11 und S. 9-11 Ziff. 26-29, S. 15 Ziff. 44).
In
ihren
Beschwerdeantwort
en
vom 15. Oktober 2014 (Urk. 8,
Urk.
10/
8)
schloss
die IV-Stelle
auf
teilweise Gutheissung der Beschwerde
n
im Sinne einer Rück
weisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalte
s, was der Be
schwerdeführerin m
it Verfügung vom
22. Oktober 2014 (Urk. 11)
zur Kenntnis
gebracht wurde. Gleichzeitig wurden die beiden Verfahren vereinigt und
der Ver
sicherte
zum Prozess beigeladen.
Er liess sich
a
m 13. November 2014 (Urk. 13) vernehmen
und reichte weitere ärztliche Unterlagen ein (Urk. 14/1+2)
.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1
.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen
guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1
.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
6
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
im Rahmen
der
Zusprache der ganzen Ren
te
(Urk. 2, Urk. 10/2)
auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 5. März 2014
(Urk. 9/19/3), worin Dr. med.
Z._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin, unter Verweis auf die Berichte der behandelnden Ärzte der
Klinik A._
ausgehend von der Diagnose einer paranoiden Schizo
phrenie eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jede Erwerbstätigkeit seit März 2013 attestierte und vermerkte, dass seit Februar 2014 ein Arbeitsversuch im geschützten Rahmen (50 %-Pensum) erfolge.
Auf dieser
Grundlage
ermittelte die Beschwerdegegnerin
anhand der allgemei
nen Methode des Einkommensvergleichs
(vgl. E. 1.4 hiervor)
aus der Gegen
überstellung eines Validenlohns von Fr. 62'725.-- und eines Invalideneinkom
mens von Fr. 4'867.20
eine Erwerbseinbusse von Fr. 57'857.80
entsprechend ei
nem
Invaliditätsgrad von 9
2
%
(Urk. 9/1
8
)
.
2
.2
Bei den IV-Akten liegen verschiedene Berichte der den Beigeladenen stationär und tagesklinisch behandelnden Fachpersonen der
Klinik A._
:
Berichte von med. pract.
B._
, Assistenzärztin, und Dr. med.
C._
, Oberarzt, Facharzt für Neurologie, Abteilung für junge Erwachsene und ersthospitalisierte Psychosepatienten (STEP), vom 22. Juli (Urk. 9/9) und 30. Juli 2013 (Urk
. 9/14/8-11)
Berichte von Dr. med.
D._
, Oberärztin, Psychiatriezentrum
E._
, vom 4. September 2013 (Urk. 9/14/6-7) und 13. Februar 2014 (Urk. 9/17)
Bericht von Dr.
C._
und dipl. psych.
F._
, Psychologin, Abtei
lung
STEP
, vom 16. Januar 2014 (Urk. 9/16)
Diese
Unterlagen
beinhalten mit Blick auf von Dr.
D._
fachärztlich (Urk. 14/2) diagnostizierte paranoide Schizophrenie (Urk. 9/14/6-7 S. 1 Ziff. 4; vgl. auch Urk. 14/1) gewichtige Hinweise auf eine relevante psychische Gesund
heitsstörung und lassen e
ntgegen dem von der Beschwerdeführerin (Urk. 1
S. 7-9 Ziff. 17-23, Urk. 10/1 S. 7-9 Ziff. 18-24)
bekundeten
Standpunkt
nicht ohne weiteres auf ein reines Suchtgeschehen
(Cannabis, Tabak)
ohne invalidenversi
cherungsrechtliche Bedeutung (vgl. dazu Urteil des Bundes
-
gerichts 9C_701/2012
vom 10.
April 2013 E. 2) schliessen
.
Indes
erweist sich der
Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht
als
zu wenig ab
geklärt, um
zuverlässig
über den Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit befinden zu können.
Die behandelnden Fachpersonen der
Klinik A._
beurteilten die Arbeit mit Gasinstallationen als proble
matisch (Urk. 9/14/10 Ziff. 7.3) und empfahlen ein unterstützendes Arbeitsum
feld (Urk. 9/9/4 Ziff. 1.5) respektive einen ruhigen Arbeitsplatz (Urk. 9/9/7, Urk. 9/16/7)
.
J
edoch
liegt
keine fachkundige ärztliche Einschätzung
vor
, worin nachvollziehbar und überzeugend dargelegt wird, dass dem Beigeladenen
im
hier
zu beurteilenden Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 11. Juni und 18. Juli 2014 (Urk. 2, Urk. 10/2)
nurmehr eine Beschäftigung an einem geschützten Arbeitsplatz zumutbar
gewesen
sein soll.
Hieran vermag
die
Stellungnahme
des Beigeladenen
vom 13. November 2014
(Urk. 13)
und der von ihm
ins Recht gelegte
Bericht von Dr.
D._
vom 10. November 2014 (Urk. 14
/1
)
nichts zu ändern.
Insofern
beanstandete
die Beschwerdeführerin zu Recht die unzureichende medizinische Aktenlage (Urk. 1 S. 11-14
Ziff.
29-42, Urk. 10/1 S. 11-15 Ziff. 30-43), was
denn auch
von der Beschwerdegegnerin am 15. Oktober 2014 (Beschw
erdeantworten,
Urk. 8, Urk. 10/8) anerkannt wurde.
2.3
Da sich aus
de
n
vorliegenden
Akten
kein schlüssiges Bild über den Gesund
heits
zustand
und
das
berufliche Leistungsvermögen
des
Beigeladenen ergibt und die
Bereitstellung der medizinischen Entscheidungsgrundlage
nach Art. 43 Abs.
1 ATSG in erster Linie
dem Sozialversicherungsträger obliegt,
ist die Sache unter Aufheb
ung der angefochtenen Verfügungen vom 11. Juni und 18. Juli
2014
(Urk. 2,
Urk. 10/2) an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese die notwendigen
– allenfalls gutachterlichen –
Abklärungen veran
lasse und hernach über den Rentenanspruch des
Beigeladenen
neu verfüge.
3
.
3
.1
Eine Aufhebung der angefochtenen
Rentenv
erfügungen (Urk. 2, Urk. 10/2) und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin ist sodann auch aus for
mellen Gründen angezeigt.
3
.2
3
.2.1
Nach Art. 42 ATSG haben die
Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind
–
was
auf
Verfügungen über Leistungen der
Invalidenversicherung nicht zutrifft (vgl. Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG)
–
, nicht angehört werden müssen.
Ein
Bestandteil
des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung
in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs.
2 der Bundes
verfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a), ist das Recht der ver
sicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die
Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beein
flussen (BGE 132 V 368 E. 3
.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die
Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in
der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begrün
den hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern
sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG)
– zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu
versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE
124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versi
cherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden
(
Kieser, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N
38 zu
Art. 49 ATSG, mit Hinweis auf BGE
124 V 180). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids
möglich ist (Kieser, a.a.O., N
126 zu
Art.
61 ATSG).
3
.2.2
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur.
Daher führt d
essen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung de
s
angefochtenen
Entscheids.
Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des
Begründung
srechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt
wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechts
f
ragen uneingeschränkt überprüft
. Von einer Rückweisung der Sache zur Ge
währung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei e
iner schwer
wiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer be
förderlichen Beurteilung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
3
.3
Mit Vorbescheid vom 18. März 2014 (Urk. 9/21) stellte die Beschwerdegeg
nerin
gestützt auf einen
Invaliditätsgrad von 92 %
die Zusprache einer ganzen Rente ab 1. März 2014 in Aussicht
. Dabei ging sie davon aus, dass der Beigeladene seit dem 22. März 2013 erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und nach Ablauf der einjährigen Wartezeit in der angestammten Tätigkeit als Monteur Gas und Wasser zu 100 % arbeitsunfähig sei. Aktuell sei ihm lediglich ein 50 %-Pensum im geschützten Rahmen zumutbar.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 30. April 2014 (Urk. 9/27) verschie
dene Einwände und machte im Wesentlichen geltend, dass die vorhandenen Unterlagen (aus näher dargelegten Gründen) keine zuverlässige medizinische Entscheidungsgrundlage darstellten und die Frage der zumutbaren Arbeitsfähig
keit gutachterlich geklärt werden müsse (S. 7 ff. Ziff. 18-26), sofern die Invalidi
tät nicht ausgehend von einem reinen Suchtgeschehen zu verneinen sei (S. 6 f. Ziff. 15-17).
In den angefochtenen Verfügungen vom 11. Juni und 18. Juli 2014 (Urk. 2
,
Urk. 10/2) wiederholte die
Beschwerdegegnerin zunächst ih
re Ausführungen des Vorbescheids. Sodann referierte sie die von der
Beschwerdeführer
in
gestellten Anträge und nahm dazu wie folgt Stellung
(vgl. Verfügungsteil 2 S. 2)
:
"
Mit dem Einwand werden keine neuen fachärztlich-psychiatrisch ausge
wiesenen Tatsachen und Befunde vorgebracht. Somit stützen wir uns voll
umfänglich auf unsere Abklärungen ab. Aufgrund der eindeutigen Sach- und Rechtslage ist ein anderer Entscheid nicht möglich."
Mit
Verfügungen vom 14. Juli
und 5. August 2014 (
Urk. 5,
U
rk. 10/5) wurde die Beschwerde
gegnerin angehalten, zur Frage der hinreiche
nden Wahrung des rechtlichen Ge
hörs im
Verwaltungsverfahren
Stellung zu nehmen, welcher Aufforderung sie indes nicht nachgekommen ist
.
3
.4
In den angefochtenen
Rentenv
erfügungen
vom 11. Juni und 18. Juli 2014 (Urk. 2, Urk. 10/2)
wurde hinsichtlich der – immerhin zehn Seiten umfassenden – Einwände der Beschwerdeführerin lediglich ausgeführt, es seien keine neuen fachärztlich-psychiatrisch ausgewiesenen Tatsachen und Befunde vorgebracht worden.
In
dieser
allgemein gehaltenen,
von der Beschwerdegegnerin zuweilen auch in anderen Fällen
verwendeten
Formulierung kann
klarerweise keine
rechtsgenüg
liche Begründung (vgl. E.
3
.2.
1
hiervor) erblickt werden.
Mangels einer
eigentli
chen
Auseinandersetzung mit den
konkreten
Einwänden und de
n
auf
den
Ein
zelf
all bezogenen Gegebenheiten
konnte
die Beschwerdeführerin
nicht
e
rken
nen
, ob ihre
Vorbringen
überhaupt geprüft und mit welchen Überlegungen sie allenfalls verworfen worden waren.
Mithin
leiden die angefochtenen Verfügun
gen
(Urk. 2, Urk. 10/2)
an einem schwerwiegenden Begründungsmangel, wel
cher eine sorgfältige Meinungsbildung der Beschwerdeführerin darüber, ob und
gegebenen
falls mit welcher Argumentation sie die Rentenzusprache anfechten soll, verunmöglichte. Die Beschwerdeführerin wurde gewissermassen
auf den Gerichtsweg gezwungen, um
– allenfalls – die
Entscheidungsgründe der Be
schwerdegegnerin
zu erfahren
.
Dies kann
nicht im Sinne der
Verfahrensökono
mie liegen und
erweist
sich
auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
)
als
stossend
.
Sodann kann es
nicht Sinn
des durch die Recht
sprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass
die
Verwaltung sich über den elementar
en Grund
satz des rechtlichen Ge
hörs hinwegsetz
t
und darau
f vertrau
t
, dass
der
Verfah
rensm
angel
in einem
etwaigen
Prozess
behoben
werde
(vgl. BGE
116 V 182 E.
3c)
und das Gericht
womöglich
anstelle der
Versäumnisse
im
Verwaltung
s
verfahren
eine rechtsgenügliche Begründung verfass
e
.
Es besteht
daher
für das Gericht kein Anlass, die
Gehörsverletzung im vorlie
genden Verfahren
als
geheilt zu betrachten, weshalb die angefochtene
n
V
erfü
gung
en
vom 11.
Juni und 18. Juli 2014 (Urk. 2,
Urk. 10/2)
auch
aus die
sem Grund
aufzuheben
sind
.
4
.
Die Gerichtsk
osten
im Sinne von
Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr.
1‘0
00
.--
anzu
setzen
und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der obsie
genden Beschwerdeführerin
steht
in ihrer Eigenschaft
als
Sozialversiche
rungsträgerin
grundsätzlich
keine Parteientschädigung zu
(BGE 128 V 124
E. 5b
, 126 V 143 E. 4a),
die Voraussetzungen fü
r
die
ausnahmsweise Zusprache
einer
solchen
sind nicht gegeben
.