Decision ID: 5bcc0041-8309-4da1-a360-1f092f8fe536
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, war
als Cabaret-Tänzerin
bei der Continentale Allgemeine Versicherungs-AG (heute: Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft, Allianz) obligatorisch unfallversichert, als sie am
3.
April 1997 als Fussgängerin von einem Auto angefahren wurde (
Urk.
16/1,
Urk.
16/2 S. 1).
Die Allianz sprach ihr m
it Verfügung vom 2
9.
Dezember 2000
eine
Integritäts
entschädi
gung
entsprechend einer Integritätseinbusse von 30
%
(
Urk.
16/70
=
Urk.
3/10
) und mit Verfügung vom 1
7.
März 2003 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 54
%
(
Urk.
16/97)
zu
.
Beide Verfügungen sind rechtskräf
tig.
1.2
Die Allianz leitete im August 2008 ein Revisionsverfahren ein (
Urk.
16/101) und holte unter anderem ein Gutachten ein, das am 2
8.
März 2009 erstattet wurde (
Urk.
16/120).
Mit Verfügung vom 1
2.
Mai 2009 setzte die Allianz den
Invali
ditätsgrad
auf 15
%
hinab (
Urk.
16/122
=
Urk.
3/12
). Die Versicherte erhob dagegen am 1
5.
Juni 2009 Einsprache (
Urk.
16/131). Die Allianz holte daraufhin
beim
Y._
ein
interdisziplinäres Gutachten ein, das am 1
1.
Juni 2010 erstattet wurde (
Urk.
16/155; vgl.
Urk.
16/179-180), stellte der Versicherten am
7.
Juli 2010 eine mögliche Schlechterstellung (
reformatio
in
peius
) in Aussicht (
Urk.
16/157) und erliess am 1
6.
Oktober 2014 den Einspracheentscheid (
Urk.
16/197 =
Urk.
2), mit welchem sie gemäss Dispo
sitiv (S. 23) die Rente per 3
1.
Mai 2009 aufhob (
Ziff.
1), einen Anspruch auf eine zusätzliche Integritätsentschädigung verneinte (
Ziff.
2), eine
Kostenüber
nahme
für ein von der Versicherten eingeholtes Gutachten ablehnte (
Ziff.
3) und den unentgeltlichen Rechtsvertreter mit
Fr.
8‘454.25 entschädigte (
Ziff.
4).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
2) erhob die Ver
sicherte am
1
7.
November 2014 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Anträgen (S. 2), dieser sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass keine wesentliche Verände
rung des Gesundheitszustandes vorliege (
Ziff.
3) und der Invaliditätsgrad wei
terhin 54
%
betrage (
Ziff.
2),
es sei dies
eventuell näher abzuklären (
Ziff.
4),
es sei
die Entschädigung für das Einspracheverfahren auf
Fr.
27‘446.65 festzulegen (
Ziff.
5) und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten von zwei Parteigutachten zu übernehmen (
Ziff.
6).
Die Allianz beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
März 2015 (
Urk.
15) die Abweisung der Beschwerde.
Am 2
8.
April 2015 reichte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, aufforderungsgemäss die Akten der Invalidenversicherung ein (
Urk.
19/1-20).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Juni 2015 wurde antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
8) die unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
24).
Am 2
1.
Oktober 2015 erstattete die Beschwerdeführerin ihre Replik (
Urk.
29), und am 1
7.
Februar 2016 die Beschwerdegegnerin ihre Duplik (
Urk.
35), die am 2
3.
Februar 2016 der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
36).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht wer
den kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118
V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Ändert sich der Grad der Invalidität des Rentenbezügers in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG).
Dieser Revisionsordnung geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückzukommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Rentenver
fügung
erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17 ATSG gestützte Revisionsverfügung mit dieser substituierten Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Erwerbs
einkommen
, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener
Arbeits
marktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) aus, auf
grund der aktenkundigen Arztberichte sei davon auszugehen, dass die von somatischer Seite noch geklagten, unfallbedingten Gesundheitsschädigungen
verminderte Belastbarkeit der Brustwirbelsäule (BWS)
/
Halswirbelsäule (HWS), Krämpfe / Zittern im linken Oberschenkel - im Wesentlichen die glei
chen seien wie in den Jahren 2000 beziehungsweise 2003
(S. 7
Ziff.
18). Gleichwohl sei insofern von einer rentenrelevanten Veränderung der tatsächli
chen Verhältnisse auszugehen, als die Versicherte selber angebe, dass sich die Rückenbeschwerden im Lauf der letzten
Jahre stets verbessert hätten. Dies kor
reliere mit den von ihr ausgeübten Aktivitäten und dem Umstand, dass sie sich nicht mehr bei der Invalidenversicherung angemeldet habe (S. 7
Ziff.
19). Auch die von der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren erstmals geltend gemachte erhöhte Vergesslichkeit seit dem Unfall würde einen Revisionsgrund darstellen (S. 7
Ziff.
20), ebenso der Umstand, dass sie mittlerweile im Alter von 40 Jahren als Cabaret-Tänzerin nicht mehr das gleiche (Validen-) Einkommen generieren könnte wie als Dreissigjährige (S. 8
Ziff.
22).
Die Aufhebung der
Rentenzusprache
vom März 2003 sei sodann (auch) unter dem Titel der Wiedererwägung zulässig (S. 8
Ziff.
24), dies mit der substituierten Begründung der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen
Zusprache
(
S
. 8
Ziff.
25); die
Leistungszusprache
von 2003 sei - aus näher dargelegten Gründen (S. 8 ff.
Ziff.
25 ff.) - zweifellos unrichtig gewesen (S. 10
Ziff.
38).
Die medizinischen Beurteilungen divergierten bezüglich der Frage, ob die fest
ge
stellten leichten neuropsychologischen Einschränkungen unfallkausal seien, ob ein
Hemineglect
links vorliege und in welchem Ausmass sich die
–
unfall
kausalen
- Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten
(S. 15
Ziff.
63). Aus näher dargelegten Gründen sei ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und allfälligen neuropsychologischen Defiziten (S. 16
Ziff.
68) und einem allfälligen
Hemineglect
(S. 16
Ziff.
70) nicht überwiegend wahrscheinlich.
Aus ebenfalls näher dargelegten Gründen sei davon auszugehen, dass die Ver
sicherte sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als Cabaret-Tänzerin als auch in jeder anderen, leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit ohne längere Arbeiten über Schulterhöhe und ohne längere Phasen in vorgeneigter Körper
stellung zu 100
%
arbeitsfähig sei (S. 18
Ziff.
85).
Die von der Beschwerdeführerin eingeholten Gutachten seien für die Beurtei
lung des Leistungsanspruchs un
massgeblich gewesen, weshalb die entsprechen
den Kosten nicht übernommen würden (S. 19
Ziff.
97).
Der vom unentgeltlichen Rechtsvertreter geltend gemachte Aufwand von 123.37 Stunden erscheine als unverhältnismässig (S. 20
Ziff.
103 f.). Aus näher darge
legten Gründen sei ein Zeitaufwand von maximal 38 Stunden als angemessen zu beurteilen (S. 21
Ziff.
110). Statt der in Rechnung gestellten
Fr.
27‘446.65 (S.
20
Ziff.
103) würden
Fr.
8‘454.25 vergütet (S. 201
Ziff.
110).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), den von der Beschwerdegegnerin eingesetzten Gutachtern habe ein CT des Schädels nicht vorgelegen (S. 10
Ziff.
34)
und einem der Gutachter mangle es an der erforderlichen Glaubwürdigkeit (S. 12
Ziff.
43).
Sie sei eine professionell ausgebildete Tänzerin und unverändert für diese Tätig
keit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 19
Ziff.
70), womit es an einem Revisionsgrund mangle (S. 20
Ziff.
72). Auch die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung seien nicht erfüllt, da keine zweifellose Unrichtigkeit vorliege (S. 22
Ziff.
85).
Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den neurologischen (richtig: neuropsychologischen) Einschränkungen und dem Unfall
ereignis sei - aus näher dargelegten Gründen (S. 28 f.
Ziff.
109 ff.) - gegeben (S. 29 f.
Ziff.
113).
Wenn es zutreffe, dass der gefundene
Hemineglect
die Leistungsfähigkeit nicht einschränke, so beweise das Vorhandensein des
Hemineglects
(immerhin)
, dass sie beim Unfall eine relevante Hirnverletzung erlitten habe (S. 31
Ziff.
117).
Die Annahme, die Tätigkeit als Cabaret-Tänzerin sei grossmehrheitlich eine leichte, sei falsch; sie impliziere eine grosse physische Belastbarkeit, die mit der
jenigen
einer Balletttänzerin verglichen werden könne (S. 32
Ziff.
124). Entsprechend falsch sei die Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit (S. 32
Ziff.
125).
Sodann äusserte sie sich zur geltend gemachten zusätzlichen
Integritätsentschä
digung
(S. 34 ff.
Ziff.
137 ff.), zu den Gutachtenskosten (S. 37 ff.
Ziff.
147 ff.) und zur Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters (S. 40
Ziff.
162 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist in inhaltlicher Hinsicht, wie es sich mit der
Unfallkau
salität
noch vorhandener Gesundheitsschäden und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verhält und ob eine allfällige Leistungsanpassung unter dem Titel der Revision oder der Wiedererwägung zulässig ist.
3.
3.1
Gemäss Austrittsbericht der Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie,
Z._
vom
2.
Mai 1997 (
Urk.
16/2
=
Urk.
3/21
) wurde die Beschwerdeführerin am
3.
April 1997 als Fussgängerin von einem Taxi ange
fahren und war sodann bis am
2.
Mai 1997 hospitalisiert. Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1 Mitte):
discoligamentäre
Instabilität Brustwirbelkörper (BWK) 11/12
Flexions-
/
Distraktionsfraktur BWK 12
Kompression des Rückenmarks durch Fragment im Spinalkanal
Schädelkalottenfraktur
occipital
rechts
Sie wurde in eine Rehabilitationsklinik überwiesen (S. 2 oben), wo am 1
6.
Juni 1997 bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert wurde (
Urk.
16/4
Ziff.
5).
3.2
Am
5.
Januar 2000 erstattete Prof.
Dr.
med.
D._
, Chefarzt Wirbelsäule
/
Orthopädie,
E._
Klinik, ein Gutachten im Auftrag der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin (
Urk.
16/45).
Er führte unter anderem aus, die Tätigkeit als Tänzerin mit Extrembewegungen des Rumpfes und des gesamten Körpers sei der Patientin nach dem Unfall nicht mehr zuzumuten (S. 5
Ziff.
5). Denkbar sei, dass die Patientin in körperlich nicht beanspruchenden Tätigkeiten (Ausschluss von extremen Körperstellungen, Verharren von längerer Zeit in bestimmter Stellung, Lastentragen) zumindest teilweise einsatzfähig sein werde. Ideal wäre eine Tätigkeit mit wechselnder Körperstellung, allenfalls in einer Situation, wo die Arbeit entsprechend den Beschwerden eingeteilt werden könne, wie etwa bei einer selbständigen admi
nistrativen Tätigkeit (S. 5
Ziff.
6). Bei entsprechend idealer Tätigkeit und Anstellung sollte eine Arbeitsfähigkeit von 50-70
%
möglich sein (S. 5
Ziff.
7).
3.
3
Am
2.
Oktober 2000 erstattete
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
16/67
=
Urk.
3/23
).
In seiner Beurteilung führte er unter anderem aus, zweifelsohne sei an eine Wie
deraufnahme der alten Tätigkeit nicht zu denken. Im Beruf als Cabaret-Tän
zerin bleibe die Versicherte 100
%
arbeitsunfähig. Hingegen dürfte in einer wechselbelastenden Tätigkeit bereits heute eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht sein, welche seines Erachtens innert Monaten auf 75
%
gesteigert werden könne. Zweifellos sei die körperliche Integrität definitiv und irreversibel geschä
digt; er beziffere den Schaden insgesamt auf 25
%
(S. 9 Mitte).
3.
4
In der Folge sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine
Integri
tätsentschädigung
entsprechend einer Integritätseinbusse von 30
%
zu (
Urk.
16/70).
Sodann ging sie bei der Invaliditätsbemessung von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
56‘160.-- aus und setzte das Invalideneinkommen fest, indem sie den Durchschnitt aus zwei konkreten Lohnanfragen - Telefonistin/Empfangsdame bei einer Bank (
Urk.
16/75) und
Hotelreception
/Empfang (
Urk.
16/76) - sowie der
Salärempfehlungen
des Schweizerischen Kaufmännischen Verbands (SKV) für Angestellte mit Bürolehre ermittelte, was bei einer Arbeitsfähigkeit von 75
%
rund
Fr.
44‘554.
--
ergab (
Urk.
16/
79
S.
2
Mitte)
.
Bei der
Rentenzusprache
(
Urk.
16/97) ging die Beschwerdegegnerin von einem Invalideneinkommen von
Fr.
52‘000.-- bei einem Vollpensum und einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
aus,
womit ein Invaliditätsgrad von 54
%
resultierte (S. 2 oben).
4.
4.1
Am 2
8.
März 2009 erstattete
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, einen konsiliarischen Bericht im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
16/120
=
Urk.
3/20
), dies nach Konsultationen am
9.
und 2
6.
Februar 2009 (S. 1 Mitte).
Er führte unter anderem aus, die Patientin habe lumbale Rückenbeschwerden, welche im Liegen abnähmen
, sowie seit langem wiederkehrende
Parästhesien
/
Krämpfe im linken Bein (S. 2 Mitte). Aus heutiger Sicht lasse sich sagen, dass es sich um ein sehr erfreuliches Behandlungsresultat handle. Von den Unfallverlet
zungen beziehungsweise der damaligen Operation sei lediglich eine leicht ein
geschränkte Funktion der LWS mit geringen belastungsabhängigen Beschwer
den zurückgeblieben. Bezüglich der krampfartigen Schmerzen im linken Bein könne von einem möglichen Kausalzusammenhang ausgegangen werden; ein
deutige organische Befunde fehlten (S. 3
Ziff.
3).
Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, in den letzten Jahren sei die Patientin als Hausfrau und Mutter vermutlich voll arbeitstätig gewesen, wobei sie die Mög
lichkeit gehabt habe, sich selbst zu organisieren, Ruhepausen einzulegen und sich bei allzu schweren Verrichtungen helfen zu lassen. In diesem Sinne halte er sie für jede leichtere, wechselbelastende Tätigkeit für voll arbeitsfähig. Sie müsste dabei häufiges Bücken, langes Sitzen oder Stehen und schweres Tragen vermeiden können. Arbeiten im Haushalt oder im Büro wären deshalb praktisch ohne Einschränkungen möglich (S. 3
Ziff.
4).
4.2
Am 1
1.
Juni 2010 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin, Chefarzt
Y._
, ein Interdis
ziplinäres Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
16/155/1
=
Urk.
3/17a
). Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Versicherten (S. 11 ff.), die von ihm am 2
6.
März 2010 erhobenen Befunde (S. 15 ff.)
,
ein chirurgisch-orthopädisches (S. 18 ff.;
Urk.
16/155/
4
), ein neurologisches (S. 24 ff.;
Urk.
16/155/
3
=
Urk.
3/16
) und ein psychiatrisches (S.
29 ff.;
Urk.
16/155/
2
) Teilgutachten und den Bericht über eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL; S. 33;
Urk.
16/155/
5
).
Im Gutachten wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 40 f.
Ziff.
1.7):
eingeschränkte Belastbarkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule mit
/
bei:
Status nach Flexions- und Distraktionsfraktur BWK 12 mit
diskoliga
mentärer
Instabilität BWK 11/12 am
3.
April 1997
Status nach Reposition und dorsaler
Spondylodese
mit Fixateur interne am
4.
April 1997
Status nach ventraler
Spondylodese
Th11/12 mit Span vom linken
Becken
kamm
am
7.
April 1997
Status nach
dekompressiver
Hemilaminektomie
BWK 12 am 1
1.
April 1997
Status nach
Osteosynthesematerial
-Entfernung im Dezember 1997
asymmetrisches traumatisches Defektsyndrom des
Conus
medullaris
mit sensiblen Störungen und einer
leichtgradigen
Pyramidenbahnschädi
gung
für das linke Bein
Gemäss den berufsanamnestischen Angaben im Gutachten beschrieb die Beschwerdeführerin ihre frühere Tätigkeit dahingehend, dass sie mit Kunden habe Champagner trinken müssen und zwischendurch auf der Bühne gestrippt habe (S. 11
Ziff.
3.1.2). Im Bericht über die EFL (
Urk.
16/155/
5)
wurde dazu ausgeführt, die Arbeitszeit sei, ohne Pausen, von 20 Uhr bis 1 Uhr gewesen, ihre Hauptaufgaben seien das Tanzen sowie das Unterhalten der Kunden an der Bar gewesen. Sie habe vier bis fünf Mal pro Abend für jeweils maximal 10 Minuten getanzt, die restliche Zeit habe sie an der Bar verbracht und die Kunden unter
halten, indem sie mit
ihn
en
Champagner getrunken habe (
S. 4 oben).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätig
keit als Nachtclub-Tänzerin sei die Versicherte, zumindest medizinisch-theore
tisch, wieder zu 100
%
arbeitsfähig (S. 39
Ziff.
7.6). In einer dem Leiden optimal angepassten, körperlich leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit ohne län
gere Arbeiten über Schulterhöhe und ohne längere Phasen in vorgeneigter Kör
perstellung bestehe aus interdisziplinärer Sicht eine uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit von 100
%
(S. 39
Ziff.
7.7).
4.3
Am 1
0.
November 2010 berichtete
lic
. phil.
H._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP und Psychotherapie FSP, über ihre am
9.
November 2010 erfolgte Untersuchung (
Urk.
16/156
=
Urk.
3/29
).
Sie beurteilte die erhobenen Befunde wie folgt (S. 3 f.):
Bei insgesamt dem Trainingsstand entsprechende
r
sprachlich-kommunikativen Fähigkeit in Deutsch und unauffälligen kulturspezifischen Fertigkeiten finden sich deutliche Hinweise auf Störungen der Aufmerksamkeitsfunktion, der
Umstell
fähigkeit
und der Frischgedächtnisfunktionen, wie sie nach umschrie
benen Läsionen
fronto
-temporaler Strukturen zu beobachten sind. Die mit der mehrstündigen Beanspruchung einhergehende mentale Ermüdung resultiert auch in einer zunehmenden Fehlerquote. Die Befunde sind als leichte neu
ropsychologische Funktionsstörung zu beurteilen.
Als neuropsychologische Diagnose nannte sie eine leichte Störung (S. 1 unten).
4.4
Am 2
2.
November 2010 erstattete
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurolo
gie sowie für Physikalische Medizin und Rehabilitation, ein Gutachten im Auf
trag des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin (
Urk.
16/163
=
Urk.
3/22
). Als aktuelle Beschwerden hielt er fest, im Vordergrund stünden für die Explorandin Probleme bei längerem Stehen, Gehen oder auch Sitzen; nach 20-40 Minuten in der gleichen Lage komme es zum Zusammenziehen der mittleren Rückenpartien, dann müsse sie sich intensiv strecken, eventuell kurz hinlegen (S. 4 unten).
In seiner Beurteilung führte er unter anderem aus, bei
m
schweren Verkehrsun
fall 1997 habe die Beschwerdeführerin eine erhebliche Rückenverletzung mit gleichzeitig wahrscheinlicher Quetschung des lokalen Rückenmarks erlitten. Diese Tatsache sei für die bereits im neurologischen Teilgutachten des
Y._
festgehaltene Pathologie im linken Bein und damit auch für die von der Patien
tin geklagten Verhärtungen und Krämpfe verantwortlich (S. 7 unten).
Zusätzlich sei es auch zu einer im
Z._
offensichtlich unterschätzten traumati
schen Hirnverletzung gekommen. Dies sei belegt durch die im
Z._
-Bericht erwähnte
Schädelkalottenfraktur
und vor allem eine im ersten CT im
Z._
beschriebene Blutung links frontal
. Aus unerklärlichen Gründen erscheine die Hirnverletzung nicht im Austrittsbericht. Auch heute finde sich im Neurostatus ein
Hemineglect
, der nur durch Läsionen im Grosshirn erklärt werden könne
(S.
8 oben).
Die von ihm gefundene
Hemineglectsymptomatik
nach links habe sich in den neuropsychologischen Tests nicht ausgewirkt; offenbar werde diese Vernachlässigung von Informationen von links bei gleichzeitiger
Reizdarbie
tung
von rechts vom Gehirn weitgehend kompensiert (S. 8 Mitte).
Als Tänzerin se
i
die Explorandin nur schon wegen der Rückenverletzung seit dem Unfall und definitiv zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit für irgendeine alternative Tätigkeit sei durch die Folgen der Hirnverletzung (Gedächtnisstörungen, Konzentration, verminderte Belastbarkeit) reduziert, nach den inoffiziellen diesbezüglichen Tabellen der Suva für die medizinisch-theore
tische Arbeitsfähigkeit nach Hirnverletzung um 20
%
. Dazu komme die Reduk
tion durch die Folgen der Rücken- und vor allem Rückenmarkverletzung (nur für beschränkte Zeit einnehmbare gleiche Position etc.), die sich in allen denk
baren Tätigkeiten auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Insgesamt schätze er die Rest-Arbeitsfähigkeit für alternative Tätigkeiten mit optimaler Anpassung auf maximal 50-60
%
(S. 10 Mitte).
4.5
Am 3
0.
Mai 2011 nahm der Verfasser des neurologischen Teilgutachtens des
Y._
, Prof.
Dr.
A._
, Facharzt für Neurologie, Stellung (
Urk.
16/179
=
Urk.
3/24
) und führte unter anderem aus, hinsichtlich des spinalen Syndroms stimmten die von
Dr.
B._
und die von ihm erhobenen Befunde weitgehend überein; hierzu könne also kein wesentlicher Dissens bestehen (S. 1 Mitte).
Seinem Gutachten sei (auf S. 4) zu entnehmen, dass die Frage nach einem
Hemineglect
von ihm lege
artis
geprüft worden sei. Die gegenteilige Einlassung von
Dr.
B._
sei also irreführend und falsch (S. 1).
Richtig sei, dass
Dr.
B._
und er
nicht zu einem identischen Befundergebnis kämen. Die von
Dr.
B._
als von ihm ‚verpasst‘ bezeichnete Störung im Sinne eines
Hemineglects
nach links würde den Nachweis einer Läsion des rechtsseitigen
Kortex
erfordern; die von
Dr.
B._
beschriebene
cerebrale
Läsion liege jedoch fernab davon und anatomisch auf
der ‚falschen‘ Seite. Bei diesem Befund könne es sich also auch um einen Artefakt handeln (S. 1 unten).
Die Bildgebung vom November 2010 zeige ein kleines links
fronto-mesial
loka
lisiertes Defektareal, vereinbar mit einer
kontusionellen
Defektnarbe. Ein
links
hirniger
Defekt sei angesichts der sich kreuzenden Anatomie der
Sehbahn
nicht geeignet, einen
Hemineglect
nach links zu erklären. Hierfür wäre eine
rechtshir
nige
Läsion zu fordern; ein solche liege jedoch nachweislich gar nicht vor (S. 2 oben).
Die ausgesprochen geringe Grösse der (wahrscheinlich)
kontusionellen
Läsion mache einen biologischen Effekt im Sinne einer resultierenden kognitiven
/
neuropsychologischen Störung unwahrscheinlich. Aus dem klinischen Eindruck der Beschwerdeführerin habe sich kein Anhalt für eine kognitive
Gestörtheit
ergeben und die nochmalige bildgebende Untersuchung des Gehirns weise kei
nen Anhalt für eine ausgedehntere traumatypische Läsion auf. Vielmehr komme neben dem minimen kleinen frontalen Defektareal ein normales Hirn zur Dar
stellung, was eine behinderungsrelevante
cerebrale
Störung nochmals unwahr
scheinlich mache. Die von
Dr.
B._
beschriebenen Auffälligkeiten seien von Artefakten nicht ausreichend sicher abgrenzbar und als allenfalls
leichtgradig
interpretierbar, mithin ohne ausreichend sicheren behindernden Effekt und schliesslich auch mangels eines zureichenden bildmorphologischen Korrelats nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als unfallkausal zu interpretieren (S. 2).
Dennoch sei
Dr.
B._
zu danken für die Aufdeckung eines unfallassoziierten stattgehabten Schädelhirntraumas einschliesslich einer kleinen, wahrscheinlich
kontusionellen
kortikalen Läsion (S. 2 unten). An der gutachterlichen Einschät
zung ergebe sich keine Änderung (S. 3 oben).
4.6
Am 2
3.
Juni 2011 nahm der Gutachter
Dr.
C._
Stellung (
Urk.
16/180
=
Urk.
3/17b
) und führte unter anderem aus,
die unterschiedliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Prof.
D._
im Jahr 2000 und im
Y._
-Gutachten sei damit zu erklären, dass die Beurteilung durch Prof.
D._
wahrscheinlich auf einer ganz falschen
Vorstellung über die zuletzt ausgeübte effektive Tätigkeit beruhe. Die berufliche Tätigkeit einer Cabaret-Tänzerin umfasse nicht wie bei einer Ballett- oder Musical-Tänzerin effektive Tanzaktivitäten, sondern entspre
che im Wesentlichen einem Escort-Service. Gemäss den eigenen anamnesti
schen Angaben der Versicherten betrage das eigentliche Tanzen auf der Bühne weniger als 10
%
der gesamten Arbeitszeit (S. 1
Ziff.
2).
Die meiste Zeit sässen die sogenannten Tänzerinnen mit Kunden an der Bar oder am Tisch und trän
ken dabei Champagner, um die Kunden zu unterhalten. Es handle sich somit um eine körperlich sehr leichte Tätigkeit, die der Versicherten durchaus ganztags während 8.4 Stunden pro Tag zumutbar wäre; dies habe auch die EFL ergeben (S. 2 oben).
4.7
Am
5.
August 2011 nahm
Dr.
B._
abermals Stellung (
Urk.
16/182
=
Urk.
3/25)
und führte unter anderem aus, er habe Prof.
A._
fälschlicherweise angekreidet, dass d
ies
er den
Hemineglect
nicht geprüft habe, wofür er um Entschuldigung bitte. An seinem Befund eines sensorischen oder taktilen
Hemineglects
halte er aber fest;
er habe die
Neglectprüfung
mehrmals und mit konstantem Befund durchgeführt (S. 1
Ziff.
1). Bezüglich der von Prof.
A._
angeführten Inkompatibilität der (linkseitigen) Läsion mit einem (linksseitigen)
Neglect
wies er darauf hin, dass die Bildgebung lange nicht alle bei einer
Hirn
verletzung
vorhandenen Läsionen darstellen könne (S. 2 oben). Die neuropsy
chologische Untersuchung und seine eigene Exploration hätten, im Gegensatz zu den Angaben von Prof.
A._
, nicht unerhebliche kognitive Funktionsstörun
gen ergeben (S. 2
Ziff.
2).
Die Erläuterungen von Prof.
A._
könnten die Ausführungen zur durchgemach
ten traumatischen Hirnverletzung und ihren Auswirkungen in seinem Gutach
ten in keinem wesentlichen Punkt widerlegen (S. 2
Ziff.
3). Zu den Auswirkun
gen der unbestrittenen spinalen Läsion auf die Arbeitsfähigkeit habe sich Prof.
A._
nicht geäussert (S. 2 f.
Ziff.
4).
Die Beschwerdeführerin habe in einem Nachtclub der gehobenen Klasse gear
bei
tet, wo sie pro Abend 5-7 Tanzeinlagen von zirka 7 Minuten Dauer zu absol
vieren gehabt und vor jeder Tanzsequenz 20 Minuten zur Vorbereitung mit Dehnungsübungen etc. (offenbar wie auch beim Ballett-Tanz üblich) gebraucht habe. Damit fülle das Tanzen mit den Vorbereitungen rund 3 Stunden des Arbeitstages aus. Er habe Prof.
D._
- den Verfasser des Gutachtens von 2000 - konsultiert, der betont habe, dass die Tanzsequenzen im Cabaret ‚sich nach sei
ner eigenen Erfahrung punkto Anforderung an den Körper nicht von jenen im Ballett unterscheiden würden‘ (S. 3
Ziff.
5).
4.8
Am
7.
November 2014 nahm
lic
. phil.
H._
Stellung
(
Urk.
3/27)
und führte unter anderem aus, sie habe - dem Standard jeder Testdiagnostik entsprechend - die Testergebnisse auf ihre Konsistenz geprüft, was sie an einem Beispiel erläu
terte (S.
1 f.). Dass die Beschwerdeführerin bei verschiedenen Untersuchenden nicht wortwörtlich die gleichen Angaben gemacht habe, habe damit zu tun, dass sie auf die jeweilige Fragestellung Bezug genommen habe (S. 2).
4.9
Am
8.
November 2014 nahm
Dr.
B._
ein weiteres Mal Stellung
(
Urk.
3/15a)
und äusserte sich unter anderem kritisch dazu, dass Prof.
A._
die Hirnläsion als ‚von ausgesprochen geringer Grösse‘ charakterisiert hatte (S. 1 f. lit. A1). Bei Schädelfrakturen komme es typischerweise zu Hirnverletzungen in der Region unter der Aufprallstelle, besonders aber auch diametral davon auf der Gegen
seite, hier also links frontal; Prof.
A._
hätte sich bemühen müssen, die entspre
chenden ursprünglichen Bildgebungen zu erhalten (S. 2 lit. A2). Das sensible
Hemisyndrom
(
Hemineglect
) sei mit Sicherheit vorhanden; wenn Prof.
A._
es nicht festgestellt habe, deute das auf eine diesbezüglich eher oberflächliche Untersuchung hin (S. 2 f.
Ziff.
A4). Das an sich seriöse Instrument der EFL sei wohl geeignet, besonders bei handwerklichen Tätigkeiten die Belastbarkeit zu evaluieren, tauge jedoch nicht, die Arbeitsfähigkeit einer Tänzerin zu messen, da hier (auch für Tänzerinnen im Kabarett) insbesondere überdurchschnittliche Bewegungsmuster im Beckengürtelbereich gefragt seien (S. 3 lit. A4).
Sodann äusserte er sich - zustimmend - zum 2000 von Prof.
D._
erstatteten Gutachten (S. 3 lit. A5), zur Feststellung
Dr.
G._
s (vorstehend E. 4.1), für die krampfarti
gen Schmerzen fehlten eindeutige organische Befunde (S. 4
Ziff.
15), und zu weiteren Formulierungen im Einspracheentscheid (S. 4 ff.
Ziff.
16, 19, 21, 30, 31, 40, 44, 45, 47, 53-55, 64-74, 76, 77, 80, 81, 83, 95, 97, 99).
4.10
Am 1
1.
November 2014 führte
Dr.
med.
I._
, Senior Consultant und stellvertretender medizinischer Direktor der Rehaklinik
J._
- auf Anfrage von
Dr.
B._
-
unter anderem aus, die EFL erlaube in Bezug auf die Tätigkeit als Tänzerin keine zuverlässige Aussage, da vor allem der Bereich der
Ganzkör
per-motorischen
Koordination und auch die entsprechende Ermüdung bei den besonderen Anforderungen einer Tänzerin nur ungenügend evaluiert würden (
Urk.
3/26).
5.
5.1
Die
Rentenzusprache
im Jahr 2003 (
Urk.
16/97) beruhte auf einer rechtsfehlerhaften Invaliditätsbemessung. So erfolgte die Ermittlung des
Invali
deneinkommens
nicht aufgrund der anerkannten Grundsätze, wonach entweder - hier nicht anwendbar - unter Umständen das effektiv erzielte Einkommen zugrunde zu legen, oder aber
im Hinblick auf den gemäss
Art.
16 ATSG zu beachtenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
auf Tabellenlöhne abzustellen ist. Vielmehr zog die
Beschwerdegegnerin
nebst den SKV-
Salärempfehlungen
zwei konkrete Lohnauskünfte bei und verwendete den
Durchschnitt dieser drei Werte als Invalideneinkommen, was zumindest als
ungewöhnlich
bezeichnet werden muss. Schwerer wiegt jedoch, dass die
Beschwerdegegnerin
- anders als ursprünglich vorgesehen - von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 50
%
aus
ging, obwohl der Gutachter
Dr.
F._
schon im Oktober 2000 eine innert Monaten zu erreichende Arbeitsfähigkeit von 75
%
attestiert hatte (vorstehend E. 3.2). Der so resultierende Invaliditätsgrad von 54
%
(vorstehend E. 3.3) erweist sich deshalb als zweifellos unrichtig.
5.2
Damit
ist
die Anpassung der 2003 erfolgten
Leistungszusprache
unter dem Titel der Wiedererwägung (vorstehend E. 1.3)
zulässig und es kann offenbleiben
, ob auch eine zwischenzeitliche revisionsrelevante Änderung des Gesundheitszu
stands oder seiner erwerblichen Auswirkungen (oder des hypothetischen
Vali
deneinkommens
) zu bejahen wäre.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin machte unter anderem sinngemäss geltend,
Dr.
C._
als Verfasser des
Y._
-Gutachtens sei aus näher dargelegten Gründen befangen (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
42 f.).
Diesbezüglich ist auf das am 2
3.
April 2013 - mithin rund 1 1⁄2 Jahre vor Beschwerdeerhebung - ergangene Urteil des Bundesgerichts 9C_970/2012 zu verweisen, in welchem alles gesagt wurde, was dazu auszuführen ist (E. 4.3.2).
6.2
In medizinischer Hinsicht postulierte
Dr.
B._
unter anderem einen
Hemineglect
(vorstehend E. 4.4). Nachdem
Dr.
B._
selber festhielt, dieser habe sich in der neuropsychologischen Testung nicht ausgewirkt und werde vom Gehirn offenbar weitgehend kompensiert, fällt er mangels Relevanz bei der weiteren Beurteilung nicht in Betracht, und die diesbezügliche ausgedehnte Kontroverse
zwischen
Dr.
B._
und
dem Gutachter Prof.
A._
erweist sich als irrelevant.
Immerhin ist zu bemerken, dass
Dr.
B._
zuerst Prof.
A._
vorwarf, diesen Aspekt nicht untersucht zu haben, was nachweislich falsch war (vorstehend E.
4.7), worauf er sich darauf verlegte, Prof.
A._
- der keinen
Neglect
hatte finden können (vorstehend E. 4.5) - eine diesbezüglich eher oberflächliche Untersuchung vorzuhalten (vorstehend E. 4.7). Ein vergleichbares Muster ist bezüglich des möglichen zugehörigen Substrats festzustellen: Zuerst führte
Dr.
B._
als Beleg dafür eine bildgebend nachgewiesene Hirnläsion an (vor
stehend E. 4.4). Nachdem Prof.
A._
darauf hingewiesen hatte, dass diese Läsion
mit dem
postulierte
n
Hemineglect
nur zusammengehören würde, falls sie in der anderen Hirnhälfte lokalisiert wäre (vorstehend E. 4.5), erklärte
Dr.
B._
, die Bildgebung könne eben lange nicht alle Hirnläsionen darstellen (vorstehend E.
4.7).
6.3
Eine leichte neuropsychologische Störung wurde erstmals nach der neuropsy
chologischen Untersuchung im November 2010 berichtet (vorstehend E. 4.3). Weder im Gutachten vom
Januar 2000 (vorstehend E. 3.2), noch jenem vom
Oktober 2000 (vorstehend E. 3.
3
), noch jenem vom Februar 2009 (vorstehend E.
4.1), noch jenem vom Juni 2010 (vorstehend E. 4.2) finden sich entspre
chende Hinweise, dies obwohl dem letztgenannten interdisziplinären Gutachten unter anderem auch ein neurologisches Teilgutachten zugrunde lag. Dass eine erst 13 1⁄2 Jahre nach dem Unfall
vo
m April 1997 erstmals festgestellte Beein
trächti
gung in natürlichem Kausalzusammenhang mit diesem Unfall stehen könnte, erscheint als wenig wahrscheinlich, sondern bestenfalls als möglich. Damit ist der Regelbeweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht erreicht und ein natürlicher Kausalzusammenhang (vorstehend E. 1.1) zwischen dem Unfall und der leichten neuropsychologischen Störung ist zu verneinen.
6.4
Strittig ist schliesslich, inwieweit sich allfällige unfallkausale Beeinträchti
gun
gen auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
auswirken. Dabei steht die Frage im Zentrum, mit welchen Beanspruchungen des Bewegungsapparates die frühere Tätigkeit der
Beschwerdeführerin
als Tänzerin in einem Cabaret - bezie
hungsweise Nachtclub der gehobenen Klasse (vorstehend E. 4.7) - verbunden ist beziehungsweise war. Diesbezüglich wurde im
Y._
-Gutachten auf die Angaben der
Beschwerdeführerin
abgestellt (vorstehend E. 4.2 und 4.6), während
Dr.
B._
unter Berufung auf die Erfahrung von Prof.
D._
davon ausging, es unterschieden sich die körperlichen Anforderungen nicht von jenen im Ballett (vorst
ehend E. 4.7). Fest steht
, dass die Tanzdarbietungen während der rund fünfstündigen Präsenzzeit 4-5 Mal je maximal 10 Minuten (vorstehend E. 4.2) beziehungsweise 5-7 Mal je rund 7 Minuten (vorstehend E. 4.7) beanspruchten, während die restliche Zeit auf die Unterhaltung der Gäste - und laut
Dr.
B._
die Vorbereitung der Tanzdarbietungen (vorstehend 4.7) - entfiel.
O
b die Tätigkeit insgesamt (so das
Y._
-Gutachten) als eine körperlich sehr leichte zu qualifizieren ist, womit eine volle Arbeitsfähigkeit auch in der frühe
ren Tätigkeit bestünde, oder - so sinngemäss
Dr.
B._
und der von ihm als Fachmann konsultierte Prof.
D._
- nicht, kann aus folgendem Grund offen bleiben.
6.
5
Im Zusammenhang mit der 2003 erfolgten
Rentenzusprache
machte die Beschwer
deführerin geltend, dass sie - bei guter Gesundheit - wahrscheinlich noch höchstens zehn Jahre als Tänzerin würde arbeiten können
; e
s sei absehbar, dass sie ohne den
Unfall nach Abschluss ihrer Tätigkeit als Tänzerin eine andere Tätigkeit aufgenommen hätte (
Urk.
15/90 S. 4)
.
Davon ist auszugehen,
da anzunehmen ist, dass die Beschwerdeführerin aus eigener Anschauung mit den branchenspezifischen Gegebenheiten besser ver
traut ist als andere, Dritte, und
deshalb insbesondere die zeitlichen Perspektiven zuverlässig einschätzen konnte und kann. So
mit
kann
für die Bestimmung des hypothetischen
Valideneinkommens
im Jahr 2014 nicht auf
dasjenige abgestellt werden
, das 2003
ausgehend von der damaligen Beschäftigung als Caba
ret-Tänzerin
eingesetzt wurde. Vielmehr is
t vom Einkommen auszugehen, das
sie im aktuellen Zeitpunkt
in einer anderen als der früheren Tätigkeit erzielen könnte.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass
mit der altersbedingten Aufgabe des Tanzens egal welcher Ausprägung sich ihre früher erworbene Ausbildung auf diesem Gebiet auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr verwerten lässt. Ferner ist
ihre gemäss eigener Darstellung mangelnde
anderweitige
Ausbildung zu berücksich
tigen, so dass etwa eine kaufmännische Anstellung nicht in Frage kommt, son
dern höchstens eine solche als Bürohilfe oder als Verkäuferin (
Urk.
1
6
/90 S. 3 unten).
Vor diesem Hintergrund sind zur Bestimmung des
Valideneinkommens
die im Rahmen der Lohnstrukturerhebung (LSE) vom Bundesamt für Statistik ermittel
ten Tabellenlöhne heranzuziehen, und zwar angesichts der genannten
Randbe
dingungen
solche für einfache, keine Ausbildung voraussetzende Tätigkeiten.
Da d
er Beschwerdeführerin körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne längere Arbeiten über Schulterhöhe und ohne längere Phasen in vorgeneigter Körperstellung zu 100
%
zumutbar
sind
(vorstehend E. 4.2)
, ist auch für die
Bestimmung des Invalideneinkommens
auf die
Tabellenlöhne
der LSE
abzustel
len, und zwar ebenfalls diejenigen für einfache, keine Ausbildung vorausset
zende Tätigkeiten.
Mithin decken sich das hypothetische
Valideneinkommen
und das hypotheti
sche Invalideneinkommen, womit ein Invaliditätsgrad von 0
%
resultiert.
6.6
Dies führt zusammengefasst zum Schluss, dass auch aufgrund allfälliger
unfall
bedingter
Beeinträchtigungen keine anspruchsbegründende Invalidität mehr besteht, so dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid ein Fort
dauern des Rentenanspruchs zu Recht verneint hat.
7.
7.1
Hinsichtlich der zusätzlich beantragten Integritätsentschädigung (
Urk.
1 S. 34 ff.
Ziff.
137 ff.) erübrigen sich Weiterungen, nachdem die zur Begründung ange
führte
leichte neuropsychologische Beeinträchtigung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in natürlichem Kausalzusammenhang zum erlittenen Unfall steht (vorstehend E. 6.3).
7.2
Die von der Beschwerdeführerin veranlassten Gutachten haben sich als nicht
entscheidrelevant
erwiesen, weshalb für die beantragte Kostenregelung (
Urk.
1 S. 37 ff.
Ziff.
147 ff.) kein Raum bleibt und der angefochtene Entscheid auch in diesem Punkt zu bestätigen ist.
7.3
Zur Beschwerde betreffend die
Höhe der
eine
m unentgeltlichen Rechtsvertreter zugesprochenen Entschädigung
ist nur dieser selbst berechtigt (BGE 110 V 360 E. 2
, Urteil des Bundesgericht 8C_24/2012 vom 2
6.
April 2012 E. 5
). Vorliegend wurden die Anträge (
auch) zu diesem Punkt
(
Urk.
1 S. 40 ff.
Ziff.
162 ff.)
jedoch im Namen
der
beschwerdeführenden
Versicherten
gestellt. Darauf ist mangels Legitimation nicht
einzutreten.
Der Rechtsvertreter selber hat keine Beschwerde erhoben.
Damit kann auch offen bleiben, wie
es
sich in
berufsethi
scher
Hinsicht damit verhält, dass
er
(seit 1999)
seiner mittellosen Klientin offenbar Rechnungen im Gesamtbetrag von rund
Fr.
155‘000.-- (
Urk.
3/32) präsentiert hat.
7.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde - soweit auf sie eingetreten werden kann - als unbegründet erweist, womit der angefochtene Entscheid zu bestätigen und sie abzuweisen ist.
8.
8.1
Mit Verfügung vom 2
3.
Februar 2016 wurde der unentgeltliche Rechtsvertreter auf die Möglichkeit hingewiesen, eine Honorarnote einzureichen (
Urk.
36 S. 2
Ziff.
2).
8.2
Davon hat er keinen Gebrauch gemacht, so dass die Entschädigung wie ange
kündigt nach Ermessen festgesetzt wird, dies beim praxisgemässen
Stundenan
satz
von
Fr.
200.-- bis Ende 2014 und
Fr.
220.-- seit
1.
Januar 2015 (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
3‘300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer), unter Hinweis an die Beschwerdeführerin auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).