Decision ID: 6396e899-4282-5fef-b1e2-8f84c453896c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 25. September 2015 in der Schweiz
um Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 29. September 2015
und der Anhörung vom 4. Juli 2017 führte er im Wesentlichen aus, er habe
von der Geburt bis zur Ausreise in B._ gelebt. Die Schule habe er
bis zur 10. Klasse besucht. Ungefähr im Oktober 2012 sei er von zwei Per-
sonen in ziviler Bekleidung in der Schule verhaftet worden. Er sei sodann
zwei bis drei Tage im Militärlager in C._, zehn Tage auf dem Poli-
zeiposten, zwei Tage im Gefängnis D._ und bis April 2013 sechs
Monate im Gefängnis E._ inhaftiert gewesen. Den Grund seiner
Verhaftung kenne er nicht. Am 21. Januar 2013 sei sein Vater verhaftet
worden; vermutlich weil der Vorgesetzte seines Vaters in den Putschver-
such vom 21. Januar 2013 involviert gewesen sei. Im April 2013 sei er nach
F._ transferiert worden, wo er für ein Staudammprojekt habe arbei-
ten und Wachdienst habe halten müssen. In E._ und F._ sei
er geschlagen und misshandelt worden. Im September oder Oktober 2013
sei ihm die Flucht aus F._ gelungen. Er sei nach B._ zurück-
gekehrt und habe als Bauarbeiter und versteckt in einer Bäckerei gearbei-
tet. Im November 2013 habe er eine Identitätskarte beantragt. Im Januar
2014 sei er anlässlich einer Razzia zu Hause festgenommen, in ein Lager
mitgenommen worden, zwanzig Tage auf einem Polizeiposten und eine
Woche in E._ inhaftiert gewesen. Ungefähr im Februar 2014 sei er
nach G._ überwiesen worden. Dort habe er vom 2. bis 24. März
2014 die militärische Grundausbildung erhalten. Am 24. März 2014 sei er
für sieben Monate nach H._ gebracht worden, wo er Zwangsarbeit
habe leisten müssen und gefoltert worden sei. Im Juli 2014 sei in
H._ eine Krankheit ausgebrochen, weshalb das Lager geschlossen
worden sei. Er sei zunächst nach I._ und später nach B._
ins Büro der J._ transferiert worden, wo er als Wächter eingesetzt
worden sei. Sein Vorgesetzter habe aufgrund seines Vaters ein Problem
mit ihm gehabt und ihm gedroht, er würde ihn wie seinen Vater verschwin-
den lassen. Zur Strafe sei er fast täglich gefesselt worden. Während des
Transports ins Gefängnis K._ im April 2015 sei er geflüchtet. Ein
ehemaliger Kamerad, der als Wächter dabei gewesen sei, habe ihm zur
Flucht verholfen, so dass er vom Fahrzeug habe abspringen können. Noch
im April 2015 sei er illegal aus Eritrea ausgereist.
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Der Beschwerdeführer reichte seine eritreische Identitätskarte im Original
inklusive Übersetzung, ein Schulzeugnis der 7. Klasse sowie einen Schü-
lerausweis der 8. Klasse (beide in Kopie) ein.
B.
Mit Verfügung vom 13. März 2018 (eröffnet am 14. März 2018) stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte das Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug der Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe vom 13. April 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei vollumfänglich aufzuheben, die Sache sei zur rechtsgenüglichen
Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei
die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten. Dem Beschwerdeführer sei in der Person des Unterzeichnen-
den ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
Der Beschwerdeführer reichte eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein.
D.
Mit Schreiben vom 22. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer ein Schrei-
ben der L._, (...), vom 7. Juni 2018 und drei Fotos im Original ein.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Januar 2019 hiess der Instruktionsrichter
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-
ordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes gut, verzichtete auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz Gelegenheit zur
Einreichung einer Vernehmlassung.
F.
Am 4. Februar 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
G.
Mit Replik vom 21. Februar 2019 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur
Vernehmlassung. Der Replik war ein Kurzbericht der Hilfswerkvertretung
vom 4. Juli 2017 und eine Kostennote beigelegt.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer
rügt eine Gehörsverletzung sowie eine Verletzung der Pflicht zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
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wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
4.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.4 Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Sachverhaltsabklä-
rung. Die Vorinstanz habe die Verhaftung seines Vaters vom 21. Januar
2013 sowie die damit verbundenen Probleme mit seinem Vorgesetzten
nicht erwähnt. Weiter moniert er, die erlebte Folter sei nicht berücksichtigt
worden.
Die Gefängnisaufenthalte werden von der Vorinstanz als glaubhaft einge-
stuft, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die erlittene Folter
in diesem Zusammenhang miteinbezogen und somit berücksichtigt wurde.
Im Übrigen führte die Vorinstanz diese Vorbringen im Sachverhalt zwar
nicht an, äusserte sich jedoch in ihrer Vernehmlassung ausführlich dazu.
Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde somit vollständig festgestellt
4.5 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Begründungspflicht.
Die Vorinstanz habe lediglich unter Verweis darauf, es sei unlogisch, dass
der Beschwerdeführer trotz Fesseln habe rauchen können und es sei rea-
litätsfern, dass der Wächter das Risiko eingegangen wäre, ihm bei der
Flucht zu helfen, auf seine Unglaubwürdigkeit geschlossen. Zudem sei die
Begründung in Bezug auf das Vorliegen von Anknüpfungspunkten zu kurz
ausgefallen.
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Die Vorinstanz nannte in ihrem Entscheid kurz die wesentlichen Überle-
gungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf welche sie ihren Ent-
scheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Par-
teistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin-
gen ausdrücklich widerlegt. Sie hat die Vorbringen des Beschwerdeführers
genügend abgehandelt und diesem war es möglich, den Entscheid sach-
gerecht anzufechten. Die Begründungspflicht ist somit nicht verletzt. Zu-
dem ist darauf hinzuweisen, dass die materielle Prüfung hinsichtlich des
Begehrens, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen, zu Gunsten des
Beschwerdeführers ausfällt, kann offenbleiben, ob die Begründungspflicht
in Bezug auf das Vorliegen von Anknüpfungspunkten verletzt wurde.
4.6 Insgesamt besteht kein Grund zur Aufhebung der Verfügung. Das dies-
bezügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach
Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von be-
stimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich
kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grund-
sätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein.
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, es sei nicht auszu-
schliessen, dass der Beschwerdeführer den Militärdienst geleistet habe.
Seine Schilderungen zur Flucht respektive zur Desertion seien unglaub-
haft. Seine illegale Ausreise sei nicht asylrelevant, da keine Anknüpfungs-
punkte vorliegen würden, welche ihn in den Augen der eritreischen Behör-
den als missliebige Person erscheinen lassen könnten.
6.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Aussagen seien wider-
spruchsfrei und detailreich. Die Vorinstanz habe vorliegend keine Gesamt-
würdigung aller Umstände vorgenommen und zahlreiche Elemente, wel-
che für seine Glaubwürdigkeit sprechen würden, ohne Würdigung zurück-
gewiesen und somit Art. 7 AsylG verletzt. Durch die mehrfachen Verhaftun-
gen und Folterungen habe er bereits vor seiner illegalen Ausreise als miss-
liebige Person im Visier der eritreischen Behörden gestanden. Hinzu
komme, dass sein Vorgesetzter beim Militär ein Problem mit ihm gehabt
habe und seine Familie allgemein im Visier der eritreischen Behörden
stehe, da seinem Vater eine Beteiligung an einem Putschversuch vorge-
worfen werde. Aufgrund seines Alters von 20 Jahren zum Zeitpunkt seiner
Ausreise aus Eritrea sei er mit Sicherheit noch nicht aus dem Militärdienst
entlassen worden. Die Vorinstanz stelle seine gesamte Glaubwürdigkeit in
Frage, weil sie es als unlogisch erachte, dass er während des Transports
mit gefesselten Armen habe rauchen können und ein ihm aus früheren
Haftaufenthalten bekannter Wächter zur Flucht verholfen und sich dadurch
selbst in Gefahr gebracht habe. Er erfülle die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 AsylG. Weiter seien die Art. 3 und 4 EMRK verletzt, da bei einer
Rückkehr nach Eritrea eine reale Gefahr der Folterung und der unmensch-
lichen Behandlung bestehe und ihm Sklaverei und Zwangsarbeit drohe.
Der Wegweisungsvollzug sei unzulässig und unzumutbar.
6.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung aus, sie schliesse nicht
aus, dass der Beschwerdeführer inhaftiert gewesen sei. Die Gefängnisauf-
enthalte in den Jahren 2012, 2013 und 2014 würden jedoch weder in einem
zeitlichen noch in einem sachlichen Kausalzusammenhang zu seiner Aus-
reise stehen. Zudem würden keine Hinweise vorliegen, wonach die Flucht
von F._ im September 2013 zum jetzigen Zeitpunkt noch zu asylre-
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levanten Verfolgungsmassnahmen führen könnte, da der Beschwerdefüh-
rer wieder zum Militärdienst zurückgekehrt sei. Eine zukünftige Verfolgung
sei aufgrund der unglaubhaften Flucht im April 2015 als unwahrscheinlich
einzustufen, weshalb die diversen Gefängnisaufenthalte keine Asylrele-
vanz aufweisen würden. Er sei vor seinem Vater verhaftet worden, weshalb
seine Verhaftung nicht im Zusammenhang mit der Verhaftung seines Va-
ters gestanden habe. Die Probleme mit seinem Vorgesetzten seien nicht
asylrelevant.
6.4 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer zusätzlich geltend, er
nehme aufgrund seiner traumatisierenden Erlebnisse in Eritrea eine psy-
chotherapeutische Behandlung in Anspruch. Die eingereichten Fotos wür-
den belegen, dass er in den Militärdienst habe einrücken müssen. Die ein-
zige Möglichkeit diesen zu verlassen, sei die Flucht respektive Desertion
gewesen.
7.
7.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-
sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-
rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-
nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt
ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven
Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den
Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person
rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen
droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung
unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regel-
mässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird
von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit auf-
gefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer
solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinn von
Art. 1A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen
(vgl. zum Ganzen Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3; bestätigt im Urteil des BVGer
E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1).
7.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei ab Oktober 2012 inhaftiert ge-
wesen. Im September oder Oktober 2013 sei ihm die Flucht aus dem Ge-
fängnis F._ gelungen. Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass
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die Vorbringen glaubhaft sind. Seine Angaben sind ausführlich und nach-
vollziehbar. Allerdings stehen sie nicht in einem zeitlichen Kausalzusam-
menhang zu seiner Ausreise, da diese erst im April 2015 stattgefunden hat.
Anlässlich der Anhörung gab er zudem an, er habe sich nach der Flucht in
seinem Heimatort B._ aufgehalten. Aufgrund von Razzien durch die
eritreischen Behörden sei es für ihn schwierig gewesen, sich dort frei zu
bewegen, weshalb er versteckt in einer Bäckerei gearbeitet habe. Trotz-
dem sei es ihm gemäss seinen eigenen Angaben gelungen, kurz nach sei-
ner Flucht im November 2013 ohne Probleme bei den eritreischen Behör-
den in B._ eine Identitätskarte zu beantragen. Seine Begründung
in der Replik, er sei nicht ausgereist, da er für seine Familie habe sorgen
müssen, überzeugt nicht. Offensichtlich hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht
die Absicht auszureisen. Zwischen seiner Haft in den Jahren 2012 und
2013 mit der darauffolgenden Flucht und seiner Ausreise im Jahr 2015 ist
somit auch kein sachlicher Kausalzusammenhang gegeben, weshalb
diese Vorbringen nicht asylrelevant sind.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Reflexverfolgung aufgrund
seines Vaters erachtet die Vorinstanz zu Recht als nicht nachvollziehbar.
Anlässlich der Anhörung gab er an, er sei im Oktober 2012 bereits verhaftet
worden. Zum Zeitpunkt der Verhaftung seines Vaters im Januar 2013 hat
er sich somit bereits selber in Haft befunden, weshalb ein Zusammenhang
zu seiner eigenen Verhaftung nicht ersichtlich ist. Seine Vorbringen in der
Beschwerde und der Replik ändern an dieser Einschätzung nichts, da sein
Vater im Jahr 2016 aus der Haft entlassen wurde. Eine Reflexverfolgung
liegt somit nicht vor.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe Probleme mit dem Vorge-
setzten gehabt. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass sie dieses Vorbrin-
gen als nicht asylrelevant einstuft. Beim schikanösen Verhalten seines Vor-
gesetzten fehlt es an der nötigen Intensität.
Die Vorinstanz geht von der Glaubhaftigkeit der Leistung des Militärdiens-
tes des Beschwerdeführers aus. Die Desertion aus dem Gefangenentrans-
port hält sie jedoch zu Recht für unglaubhaft. So sagte er anlässlich der
Anhörung aus, seine Hände seien während der Fahrt auf dem Rücken ge-
fesselt gewesen. Ein Wächter, welcher ein ehemaliger Kamerad von
H._ gewesen sei und auch gesehen habe, wie er gefoltert worden
sei, habe ihm mit dem Fuss die Fesseln gelockert und so zur Flucht ver-
holfen. Selbst wenn der Beschwerdeführer angibt, er sei mit einem dehn-
baren Strick gefesselt gewesen, so ist es nicht nachvollziehbar, wie der
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Wächter ihn unbemerkt hätte befreien können, zumal gemäss seinen eige-
nen Angaben an allen Seiten des Fahrzeuges Wachen positioniert gewe-
sen seien und bei einer Flucht beim Abspringen vom Fahrzeug die Wächter
mit Stöcken auf die Gefangenen einschlagen würden. Bei der Aufdeckung
der Fluchthilfe hätte sich der Wächter dem unverhältnismässig hohen Ri-
siko seiner eigenen Verhaftung ausgesetzt. Unglaubhaft ist weiter, dass
dem Beschwerdeführer, obwohl er beim Absprung zu Boden gefallen sei,
dennoch die Flucht gelungen sei. Auf Beschwerdeebene bot er keine Er-
klärungen für diese Ungereimtheiten. Die Desertion ist als unglaubhaft ein-
zustufen, weshalb eine Befreiung oder ordentliche Entlassung des Be-
schwerdeführers aus dem Nationaldienst anzunehmen ist (vgl. Urteil des
BVGer
E-2730/2017 vom 21. August 2018 E. 5.1).
Zusammenfassend ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer von den eritreischen Behörden nicht als Dienstverweigerer angesehen
wird. Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass keine Vorfluchtgründe
im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt sind.
7.3 Weiter ist zu prüfen, ob subjektive Nachfluchtgründe zufolge der illega-
len Ausreise des Beschwerdeführers vorliegen. Personen mit subjektiven
Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54 AsylG zwar kein Asyl, werden
aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Als subjektive Nachflucht-
gründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes (sog.
Republikflucht), das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland oder exilpo-
litische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung
begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen illegaler
Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die bezüglich
ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen
(BVGE 2009/29).
Das Bundesverwaltungsgericht kam im Referenzurteil D-7898/2015 vom
30. Januar 2017 nach einer eingehenden Lageanalyse zum Schluss, dass
die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlings-
eigenschaft führte, nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Es sei nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Per-
son einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante
Verfolgung drohe. Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand
nach der Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen werde ob eine dro-
hende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Blickwinkel von Art. 3
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EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die Frage der Zuläs-
sigkeit bzw. Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Für die Begründung
der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der
illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Ver-
schärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgungsgefahr führen könnten (E. 5.1 f.).
Die illegale Ausreise schilderte der Beschwerdeführer detailliert und mit
Realkennzeichen versehen. Er nannte die Dauer der Reise, erzählte, wie
er von M._ festgehalten worden sei und seine Familie Lösegeld
habe bezahlen müssen. Weiter erklärte er, wie er vom Sudan über die Sa-
hara nach Libyen und Italien in die Schweiz gelangt sei. Die illegale Aus-
reise ist somit glaubhaft.
Die Vorinstanz geht von der Glaubhaftigkeit der Gefängnisaufenthalte des
Beschwerdeführers in den Jahren 2012, 2013 und 2014 aus (vgl. E. 7.2).
Anlässlich der Anhörung machte er genaue Ausführungen zur Dauer jeder
einzelnen Inhaftierung. Die verschiedenen Gefängnisanlagen und die Ta-
gesabläufe vermochte er detailliert zu beschreiben. Er hat willkürliche Ver-
folgungsmassnahmen erlebt; ein zeitlicher oder sachlicher Kausalzusam-
menhang zwischen den Gefängnisaufenthalten und der illegalen Ausreise
ist für die Annahme von Anknüpfungspunkten nicht nötig. Somit sind zu-
sätzliche Anknüpfungspunkte zur illegalen Ausreise vorhanden. Es ist da-
her davon auszugehen, dass die illegale Ausreise des Beschwerdeführers
von den eritreischen Behörden als Ausdruck einer oppositionellen bezie-
hungsweise regierungskritischen Haltung aufgefasst wird und er deshalb
als missliebige Person gilt.
7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass neben der glaubhaft gemach-
ten illegalen Ausreise zusätzliche Gefährdungselemente vorliegen, auf-
grund derer von einer relevanten Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3
respektive Art. 54 AsylG auszugehen ist. Die Vorinstanz hat somit die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Unrecht verneint.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend die Flüchtlingseigen-
schaft und den Wegweisungsvollzug gutzuheissen, die Dispositivziffern 1,
4 und 5 der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz vom 13. März 2018
sind aufzuheben und der Beschwerdeführer ist als Flüchtling zu anerken-
nen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, ihn als Flüchtling vorläufig aufzuneh-
men (Art. 83 Abs. 8 AIG). Die Asylverweigerung ist indessen zu bestätigen
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und insoweit ist die Beschwerde abzuweisen, nachdem keine asylrelevan-
ten Vorfluchtgründe bestehen und die Flüchtlingseigenschaft sich aus
Nachfluchtgründen ergibt, die eine Asylgewährung ausschliessen.
9.
9.1 Bei diesem Verfahrensausgang ist praxisgemäss von einem Obsiegen
des Beschwerdeführers zu zwei Dritteln auszugehen, womit der Beschwer-
deführer die Verfahrenskosten zu einem Drittel zu tragen hätte (Art. 63
Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 21. Januar 2019
gutgeheissen wurde und keine Veränderung der finanziellen Verhältnisse
eingetreten ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
9.2 Obsiegende oder teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf
eine Parteientschädigung für die notwendigerweise erwachsenen Partei-
kosten (Art. 64 VwVG und Art. 7–13 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dem Beschwerdeführer ist im Rahmen sei-
nes Obsiegens zu zwei Dritteln eine Parteientschädigung zuzusprechen.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine aktualisierte Hono-
rarnote vom 21. Februar 2019 eingereicht. Darin wird ein Aufwand von ins-
gesamt 18.35 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300. sowie Aus-
lagen von Fr. 93.60 geltend gemacht. Der geltend gemachte Aufwand so-
wie die Auslagen erscheinen angemessen. Der ausgewiesene Stundenan-
satz bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Demnach
hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der
Höhe von (gerundet) Fr. 4'015.– (inklusive Mehrwertsteuerzuschlag) aus-
zurichten.
9.3 Mit Verfügung vom 21. Januar 2019 wurde dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Verbeiständung (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) gewährt. Das
Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von
einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Ver-
treterinnen und Vertreter aus. Ausgehend von einem Stundenansatz von
Fr. 150.– ist das amtliche Honorar für den amtlichen Rechtsbeistand zu-
folge seines Unterliegens zu einem Drittel auf (gerundet) Fr. 1'020.–
(inkl. Auslagen) festzusetzen und geht zulasten der Gerichtskasse des
Bundesverwaltungsgerichts.
(Dispositiv nächste Seite)
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