Decision ID: c84f498d-1093-5257-a328-a42cc3b14604
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: 
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
1.
Der
1984 geborene
X._
war
seit dem 1. Januar 2013 bei der
Y._
(inzwischen in Liquidation)
als Schaler angestellt und dadurch bei der Suva obligato
risch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 8. Juni 2016 geriet er beim Fräsen von Kantholz
in die
Tischfräse und
trennte
sich dabei den
rechten Daumen ab (Urk. 11/1).
Noch am
gleichen
Tag
erfolgte im
Z._
die Replantation (Urk.
11/10). Nach einem konsekutiven Gewebsuntergang bei Mikroz
irkulationsstörung wurde am 15.
Juni 2016 eine Resektion der unter
gegangenen Weichteile und eine distal gestielte Radialislappenplastik zur Defekt
deckung durchgeführt
(Urk.
11/
9).
Die Suva erbrachte in der Folge die gesetz
lichen Versicherungsleistungen (Urk. 11/3).
Bereits während der Hospitalisation im Juni 2016 wurde
n
eine Schmerzexazerbation und eine posttraumatische Be
lastungsstörung festgestellt (Urk. 10/11). Seither war der Versicherte in dauernder psychiatrischer Behandlung in der
A._
, welche mit Bericht vom 15. März 2017 eine mittelgradige depressive Episode sowie eine posttraumatische
Belastungsstörung diagnostizierte (Urk. 11/77).
Am 30. Januar, 8. Mai und 20. November 2017 fanden Revisionsoperationen statt (Urk.
11/73, 11/92, 11/141
).
Mit Mitteilung vom 7. Juni 2018 stellte
die Suva
gestützt auf die Beurteilu
ng durch den Kreisarzt Dr. med. B._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
vom 6.
Juni
2018 (Urk.
11/181)
,
die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 31. August 2018 ein
und
stellte
zur Erhaltung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit über diesen Zeit
punkt hinaus
die Übernahme der
Kosten für
Schmerzmittel und zur Schmerz
mittel-Abgabe nötige Konsultationen beim Hausarzt
in Aussicht
(Urk. 11/184).
Mit Verfügung vom 13. Juni 2018 sprach sie dem Versicher
ten
sodann
eine In
va
lidenrente von 16 % ab dem 1.
September 2018 sowie eine Integritätsent
schädi
gung von 20 % (Fr. 29'640.--) zu (Urk. 11/192)
, wogegen der Versicherte am 9. Juli 2018 Einsprache erhob (Urk. 11/198). Vom 8. Oktober 2018 bis 18. Januar 2019 wurde eine von der IV-Stelle Zürich veranlasste berufliche Abklärung im
C._
in
D._
durchgeführt (Urk. 11/212, 11/216)
.
Mit Ein
sprachee
ntscheid vom
1
2.
April
2019
hiess die Suva die Einsprache des Ver
si
cherten
teilweise gut, erhöhte die Invalidenrente auf 17 % und legte den Ren
ten
beginn auf den 1. Februar 2019 fest. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab
(Urk. 2).
2
.
Dagegen erhob
X._
am 28. Mai 2019 Beschwerde mit dem Antrag, es sei die Suva
zu verpflichten, ergänzende medizinische Berichte einzuholen, weitere medizinische Abklärungen durchzuführen und eine Evaluation der funk
tionellen Leistungsfähigkeit
in die Wege zu leiten. Gestützt darauf sei über den Anspruch auf eine höhere UVG-Rente und eine höhere Integritätsentschädigung neu zu verfügen
(Urk. 1 S.
2).
Am 12. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer
sodann
ein Schreiben der
IV-Stelle
Zürich bezüglich Eingliederungsmassnahmen
in der
E._
nach (Urk. 6 und 7).
Mit Beschwerdeantwort vom
3. Juli 2019
schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
10),
wovon der Be
schwerdeführer mit Verfügung vom
12
.
Juli
2019 in Kenntnis gesetzt wurde
(Urk.
12
). Mit Eingabe vom
7
.
Januar 2020
legte
der Beschwerdeführer
schliesslich
ein
en B
ericht
vom 17. Dezember 2019
über die Eingliederungsmassnahmen in der
E._
im Zeitraum vom 23. April bis 22. Oktober 2019
ins Recht
(Urk.
13 und 14
).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 8. Juni 2016 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein
Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 AT
SG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Renten
anspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und all
fällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.5
1.5.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.5.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.5.4
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E.
5b/aa, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.5.5
Bei banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weite
res verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesund
heits
schaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6a).
1.5.6
Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b).
1.5.7
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E.
6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr,
je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S.
215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.6
1.6.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ange
messene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschä
digung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.6.2
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der bundes
rät
lichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als Ziff. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala ange
gebene Prozentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach
unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt,
ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 12. April 2019
einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall
er
eignis und den psychischen Beschwerden
nach der von der Rechtsprechung ge
bildeten Psycho-Praxis (BGE 115 V 133; E. 1.5.7)
. Bezüglich den somatischen Beschwerden erachtete sie
gestützt auf die Beurteilung des Kreisarztes
angepasste
Tätigkeiten ganztags für zumutbar.
Dabei stellte sie nicht auf den B
ericht der Abklärungsstätte
C._
vom 28. Januar 2019
ab, weil dieser
auch nicht adä
quate Unfallfolgen berücksichtigt
habe
(Urk. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer
mit Beschwerdeschrift vom 28. Mai 2019
im Wesentlichen entgegen, dass
die
Unfalladäquanz der bestehenden psychischen
Beschwerden gegeben sei. Der zu beurteilende Vorfall sei den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Die
Kriterien der Schwere
oder
besonderen Art der erlitte
nen Verletzungen sowie
des
Grad
es
und
der
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
seien
in besonders ausgeprägter Weise
und
zumindest mehrere der massgebenden Kriterien
seien
in
einfacher Form
erfüllt.
Zudem habe die drei
monatige Abklärung in
C._
gezeigt, dass die vom
Kreisarzt festgestellte ganztäg
ige Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
nicht den tatsächlichen Ge
gebenheiten entspreche.
Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers sei
massiv eingeschränkt, was
auch der
aktuelle
Einsatz in der
E._
deutlich
mache
.
Die Suva
sei
deshalb
zu verpflichten,
eine funktionsorientierte medizini
sche Abklärung in die Wege zu leiten
(Urk. 1
, Urk. 13
).
3.
Im Bericht vom 6. Juni 2018 über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 5. Juni 2018 wurden die folgenden Diagnosen festgehalten (Urk. 11/181
S. 7
):
Kreissägenverletzung der rechten Hand am 8. Juni 2016 mit:
-
Amputation des rechten Daumens auf Höhe des Grundgelenks mit aus
gedehnter Weichteilverletzung
-
Status nach Replantation des Dig. I Hand rechts mit Osteosynthese, Naht der Digitalnerven, Revaskularisation mittels Venenbypass von der Arteria radialis, Beuge- und Strecksehnennaht sowie Naht einer streckseitigen Vene am 08.06.2016
-
Status nach Weichteilnekrose und Anlegen eines distal gestielten Radia
lislappens am 15.06.2016
-
Status nach Lappenausdünnung, Lappenformung und Narbenkorrektur mittels Mikro- und Nanofett am 30.01.2017
-
Status nach Lappenausdünnung sowie Z-Plastik an der Grundglied
beuge
falte am 08.05.2017
-
Status nach Neuromresektion und Verlagerung des dorsopalmaren Daumennervens in die Thenarmuskulatur sowie Lappenausdünnung am 20.11.2017
-
Hypästhesie im Daumenstumpf, Dysästhesien un
d Allodynien im Bereich des The
nars und Dig. II rechts und im Bereich der Spalthaut
transplan
tation am Unterarm
-
Funktionseinschränkung der Greif- und Haltefunktion der rechten Hand
Kreisarzt
Dr.
B._
führte
hierzu
aus, dass aktuell ein etwa 3 cm langer Dau
menstumpf bestehe, welcher funktionell für das Halten im Pinzettengriff und Schlüsselgriff für leichte Gegenstände, wie beispielsweise Schreibwerkzeug, je
doch nicht für feinmechanische Tätigkeiten, wie das Hantieren von Werkzeug, geeignet sei. Ständiges Halten von Gegenständen mit Hilfe des Daumenstumpfes sei aufgrund der fehlenden Oberflächensensibilität ebenfalls nicht möglich, da das palmarseitige Gewebe im Bereich des Daumenstumpfes nicht berührungs
empfindlich sei.
Nachdem die chirurgischen Möglichkeiten der Schm
erzreduktion ausgeschöpft un
d
die Narben bland verheilt seien
sowie
das kosmetische Ergebnis zufrieden
stellend sei, könne aktuell
mit
keiner weiteren operativen Behandlung eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes
mehr
erzielt werden.
Auch durch weitere Ergotherapie könne a
ufgrund der funktionellen Einschränkung durch die Kürze des Daumenstumpfes keine wesentliche Verbesserung d
er Handfunktion erreicht werden.
Die Kraftentfaltung sei entsprechend der Verletzung zufriedenstellen
d
gut. Es sei somit ein stabiler medizinischer Zustand, ein Endzustand, eingetreten.
Die
angestammte Tätigkeit
als Schaler
sei dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich
,
da sie
zu schwer sei. Zumutbar seien leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen bis 10 kg in den Fingern II bis V, ohne feinmechanische Tätigkeiten, ohne Tätigkeiten mit schlagenden oder vibrierenden Maschinen, ohne Exposition für Temperaturen unter 0°C und über 30°C und ohne repetitives Einsetzen des rechten Armes. Bei Einhaltung dieses Zumutbarkeitsprofils bestehe
eine
ganztägige Arbeits
fähigkeit
(Urk. 11/181)
.
4.
4.1
Der Kreisarzt
Dr.
B._
tätigte sorgfältige,
umfassende Abklärungen, berück
sichtigte
die geklagten Beschwerden und begründete seine Einschätzung in nach
vollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den Vorakten. Hinweise, welche gegen die Verwertbarkeit der kreisärztlichen Beurteilung sprechen, sind
nicht ersichtlich.
4.2
Dr.
B._
führte
in Übereinstimmung mit den Einschätzungen der behan
deln
den Ärzte
aus
, dass der Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht seiner ange
stammten Tätigkeit als Schaler nicht mehr nachgehen
könne
, da sich di
ese Arbeit als zu schwer erweise
(vgl. Urk. 11/181 S. 8).
4.3
In Bezug auf leide
nsadaptierte Tätigkeiten
berücksichtigte er die Einschrän
kungen für den rechten Arm und legte
ausführlich
dar, welche Arbeiten dem Beschwerdeführer
weiterhin möglich seien
(vgl. E. 3)
.
Diesbezüglich erachtete er eine vollschicht
ig
e Arbeitsfähigkeit für zumutbar. Das
kreisärztliche Zumut
barkeitsprofil
sowie die Arbeitsfähigkeitseinschätzung erweisen
sich aufgrund der
vorhandenen
Befunde als nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Die Ansicht des Beschwerdeführers,
dass die Leistungsfähigkeit
auch
in ange
passter Tätigkeit
aufgrund der Schmerzen,
des Kraftverlustes
sowie
der einge
schränkten Beweglichkeit
und
Funktionalität der Hand
reduziert
sei
(Urk. 1 S. 5 ff.)
,
kann nicht geteilt werden.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht aus
führte (Urk. 10 S. 5 f.), berücksichtigte der Kreisarzt in seinem Belastungs- und Leistungsprofil den physischen Endzustand des Daumens sowie die damit erklär
baren Beschwerden und arbeitsbezogenen Einschränkungen. Als zumutbar
wurde
n lediglich leichte Tätigkeiten,
insbesondere
ohne feinmechanische Arbeiten, beurteilt. Zudem wurde der Einsatz des rechten Daumenstumpfes
vollumfänglich ausgeklammert
, o
bwohl
damit
eine geringe und gelegentliche Haltefunktion
mit ausreichender Stabilisierung von leichten Gegenständen möglich wäre
.
Einge
schlossen
wurde
bei der rechten Hand
nur
der Gebrauch der Finger II bis V
, welche
uneingeschränkt beweglich sind
(Urk.
11/181
S. 8 f.
)
.
Der
vom Beschwer
deführer beklagte
isolierte
punktuelle
Druckschmerz
radiopalmar auf Höhe des Daumengrundgelenkes
, welcher nicht ausstrahlend oder fortgeleitet ist,
konnte
sodann
auch von den behandelnden Ärzten
keiner
(somatischen)
Genese
zuge
ordnet werden
(Urk.
11/157 und
11/170)
und sollte sich bei Nichtgebrauch des Daumens
– da nicht permanent vorhanden, sondern vor allem auf Druck von der Daumenunterseite
(palmar)
auslösbar (vgl.
auch
Urk.
44
S. 1
) -
auch nicht übermässig hindernd auswirken.
Zudem
äusserte
sich
der Beschwerdeführer
(über seine deutschsprechende Ehefrau) verschiedentlich
dahingehend
,
dass er nur bei Bedarf
ab und zu
Schmerzmittel
ein
nehme und es zwischendurch auch Tage gebe, an welchen er oh
ne Schmerzmittel auskomme (Urk. 11/
146
, 11/168
).
Diesbe
züglich ist sodann
darauf hinzuweisen
, dass
in Bezug auf Schmerzen mit den sich dabei naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten die subjektiven Schmerz
angaben der versicherten Person für die Begründung einer (teilweisen) Arbeits
unfähigkeit allein nicht genügen; vielmehr muss im Rahmen der sozialver
siche
rungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Bef
unde hinrei
chend erklärbar sind
(
BGE 130 V 396
E. 5.3.2
).
Ebenso wenig vermögen
das leichte Medianusreizsyndrom
, ohne sensible oder motorische Defizite und ohne
elektroneurographisch nachweisbare Nervenschädigung,
und die
berichteten
inter
mittierenden Sensibilitätsstörungen an
Hand und Arm rechts
, ohne Zeichen für eine zentrale oder zervikogene Komponente
(Urk
.
11/163)
,
eine Einschränkung
über das Belastungsprofil hinaus
zu begründen
.
Das kreisärztliche
Zumut
bar
keitsprofil wurde
ferner
von keiner medizinischen Fachperson angezweifelt
, auch nicht von dem den Beschwerdeführer über einen langen Zeitraum behandelnden
und jeweils operierenden
Dr. med.
F._
, Facharzt für Plastische, Rekon
struktive und Ästhetische Chirurgie.
Und schliesslich ist zu berücksichtigen,
dass
selbst bei funktioneller Einarmigkeit wegen Gebrauchsunfähigkeit der domi
nan
ten Hand grundsätzlich eine verwertbare Arbeitsfähigkeit zu bejahen
ist
(Urteile des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.1; 8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweis; 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.2 mit Hinweisen).
Soweit der Beschwerdeführer sodann geltend macht, dass die medizinische Ein
schätzung der Leistungsfähigkeit durch den Kreisarzt in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zur festgestellten Leistungsfähigkeit anlässlich der Abklä
rungen
im
C._
und der
E._
stehe
(Urk. 1 S. 4
f
f
.
, 13
)
, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden.
Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen
erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bundesge
ric
hts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis).
Steht eine medizinische Einschätzung der Leis
tungsfähigkeit
aber
in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leis
tung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwand
freiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabding
bar (Urteile 8C_411/
2015 vom 17.
September 2015 E.
5.2; 9C_737/2011 vom 16.
Oktober
2012 E.
3.3; 9C_833/2007 vom 4.
Juli
2008 E.
3.3.2)
. Dies ist vor
liegend allerdings nicht der Fall.
Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Be
schwerdeantwort vom 3. Juli 2019 (Urk. 10 S. 7) richtig darlegte,
führte der Beschwerdeführer bei den Abklärungen auch Tätigkeiten aus,
welche dem kreis
ärztlichen Zumutbarkeitsprofil zuwiderlaufen, wie beispielsweise
der
repetitive Einsatz des rechten Armes oder Arbeit mit vibrier
enden Arbeitsmitteln (vgl. Urk.
11/216
S. 3 ff.
, 14 S.
1 f.
).
Zudem
wurden die Leistungen
insbesondere
auch aufgrund von
psychischen
Einschränkungen
, welche vorliegend nicht zu
berück
sichtigen sind (vgl. unten E. 5
)
,
als re
d
uziert bewertet (Urk.
11/216 S.
6
, 14 S. 4
).
Weiter
zeigte der Beschwerdeführer anlässlich der Abklärung
en
-
abhängig von
seinem Interesse
an der Arbeit - teilweise
unterschiedlich
gute
Leistungen (Urk. 11/216 S.
4). Und schliesslich
konnten
auch
das
C._
sowie
die
E._
durchaus
einige
handschonende Tätigkeit
en als geeignet
empfehlen
(Urk.
11/216 S.
5
f.
, 14 S. 2
).
Die Berufsabklärung
s
berichte wecken daher keine
ernsthaften
Zweifel an der fachärztlichen Einschätzung der Arbeits
fähigkeit
(
aus somati
scher Sicht
) durch Dr.
B._
,
weshalb auf das Einholen einer klärenden medizini
schen Stellungnahme verzichtet werden
kann.
4.4
Ebenso erweist sich der Fallabschluss
(spätestens)
per Januar 2019 als rechtens.
Dr.
B._
hielt hierzu am 6. Juni 2018 nachvollziehbar fest, dass
weder durch
weitere operative Behandlungen noch durch Ergotherapie eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes beziehungsweise der Handfunktion erzielt werden könne (vgl. E.
3
).
Behandlungsbedürftige psychische Gesundheitsschäden stellen nach Massgabe der „Psycho-Praxis“
sodann
kein Hind
ernis für den Fall
abschluss dar.
4.5
Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlich davon auszugehen, da
ss der Beschwerdeführer
aus somatischer Sicht
jedenfalls seit
Februar 2019
in einer angepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsfähig ist. Bei der insoweit hin
reichend aufschlussreichen Aktenlage besteht – entgegen
der Ansicht des
Be
schwerde
füh
rer
s
(Urk. 1 S.
2) -
kein weiterer Abklärungsbedarf
(antizipierte Be
weiswürdi
gung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E.2.2 mit Hinweisen).
5.
5.1
Es bleibt
zu prüfen, ob ein adäquater Kausalzusammenh
ang zwischen dem Unfall vom 8
.
Juni 2016
und
den
psychischen Beschwerden
des Beschwerdeführers beziehungsweise den organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden zu bejahen ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_691/2
013 vom 19. März 2014 E. 7.1).
Die Frage, ob die natürliche Kausalität gegeben ist, kann praxisgemäss of
fen bleiben (vgl. Urteil
8C_234/2012 vom 26. Juli 2012 E. 5.3 mit Hinweis), da die Adäquanz
- wie nachfolgend gezeigt wird
- zu verneinen ist.
5.2
Am 8. Juni 2016
geriet
der Beschwerdeführer
beim Fräsen von Kantholz
(
mit der Tischfräse
)
in die Fräse und
trennte
sich dabei den
rechten dominanten
Daumen ab
(
vgl. Schadenmeldung,
U
rk.
11/1). Gemäss
seinen
Angaben
vom 4
.
Oktober 2016 h
abe
er
Glück im Unglück gehabt. Denn die
Fräse
hätte
seine ganze Hand einziehen können, wenn er
sie
nicht sofort mit voller Kraft zurückgezogen hätte (
Urk.
11/44).
Die Beschwerdegegnerin hat den Unfall zutreffend dem Bereich der mittelschweren Unfälle im engeren Sinne zugeordnet
(Urk. 2 S. 5, 10 S. 8)
und auch der
Beschwe
rdeführer
geht von einem mittelschweren Unfall aus
(Urk. 1 S.
9)
. Diese Einschätzung steht in Übereinstimmung mit anderen ver
gleichbaren, vom Bundesgericht beurteilten Fällen (vgl. Urteil
e
des Bundesge
richts
8C_561/2012 vom 12. Dezember 2012, 8C_445/2010 vom 3
. November 2010, U
82/00 vom 22.
April 2002, U
19/06 vom 18. Oktober 2006
) und ist daher nicht zu beanstanden.
5.3
Bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne kann die Adäquanz nur bejaht werden, wenn mindestens drei der sieben Adäquanzkriterien in einfacher Form erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (Urteil des Bundes
gerichts 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5).
5.3
.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände vorliegen oder eine besondere Ein
drücklichkeit des Unfalls gegeben ist, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Ein
drücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteri
ums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet. Der nachfolgende Heilungsprozess wird nicht ein
bezogen (Urteil des Bundesgerichts 8C_137/2014 E. 7.1 mit weiteren Hinweisen).
Beim Unfall vom 8
.
Juni 2016
waren mit Blick auf die Kasuistik (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
U
82
/00 vom 2
2.
April 2002,
U
69/99
vom
19.
Januar 2001
,
U 19/06 vom 18.
Oktober 2006
) weder besonders dramatische Begleitumstände noch
eine besondere Eindrücklichkeit des Ereignisses in ausgeprägter Form ge
geben.
5.3
.2
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
(Urk. 1 S. 9)
ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen nicht erfüllt. Auch wenn
er zweifellos eine komplexe Handverletzung erlitt
en hat
,
erscheinen die Verletzungen - aufgrund ihrer besonderen Art und Schwere - nicht als geeignet, psychische Fehlreaktionen auszulösen (vgl. die Kasuistik
in den
Urteil
en
des Bundesgerichts
U
82/00 vom
22. April 2002, U 19/06 vom 18.
Oktober 2006
).
Zwar wirken
für manuell tätige Versicherte schwere Handverletzungen erfah
rungsgemäss oft besonders traumatisierend. Allerdings ist auch bei Handwer
kern
für die Beurteilung der besonderen Art der Verletzung auf die gesamten Umstände des
Einzelfalles
abzustellen und
das Behandlungsresultat zu berücksichtigen
(v
gl. Urteil des Bundesgerichts U
82/00 vom 22.
April 2002)
. Dabei ist hier wesentlich,
dass die rechte
dominante
H
and im
Rahmen
des Zumutbar
keitsprofils noch ein
setzbar
, die Lappenplastik schlank und das Osteosynthesematerial stabil ist. Zu
dem liegt eine vollständige knöcherne Konsolidierung vor
(vgl. Urk. 11/157,
11/170
, 11/181
)
.
Ferner ist der Beschwerdeführer in der Lage
,
gut und sicher zu greifen (Urk. 11/157 S. 2).
Mithin ist von einem
objektiv
guten Behandlungsresul
tat auszu
gehen.
5.3
.3
Trotz der komplexen Handverletzung kann nicht von einem schwierigen Hei
lungsverlauf
oder erheblichen Komplikationen
gesprochen werden. Zwar musste sich der Versicherte
eine Woche nach der Replantation einer zweiten Operation (Resektion der untergegangenen Weichteile und distal gestielte Radialislappen
plastik zur Defektdeckung
[
Urk.
11/9]
) und
a
m 30. Januar, 8.
Mai
und 20. November
2017
weiteren
Operationen (insb
esondere Lappenausdünnungen,
Narbenkorrektur
en
und Neuromresektion
[Urk. 11/73, 11/92, 11/141]
) unter
zieh
en
. Solche sind nach komplexeren Handverletzungen indes häu
fig unumgänglich (
Urteile des Bundesgerichts
U 19/06 vom
18.
Oktober 2006,
U 325/04
vom 1. April 2005). Zudem
resultierte aus den Operationen schliesslich ein gutes
Ergebnis
(vgl. E
.
5.3.2)
.
Auch d
er Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine
Beschwer
defreiheit erreicht werden kann, reicht allein f
ü
r die Bejahung des Kriteriums nicht aus (Urteile
des Bundesgerichts
8C_963/2009 vom 11. M
ä
rz 2010 E. 5.6 und 8C_124/2008 vom
17.
Oktober 2008 E.
10.6).
E
benso wenig
ist
eine ärztliche Fehlbehandlung
ausgewiesen
.
5.3
.4
Mit Blick auf das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Be
handlung somatischer Beschwerden ist
gemäss der Rechtsprechung zu den psy
chischen Unfallfolgen
festzuhalten, dass dieses nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen ist. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesund
heitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinu
ier
liche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesund
heits
zustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gegeben sein. Manualtherapeutische Massnahmen zur Erhaltung des Zustandes, ärztliche Verlaufskontrollen sowie medikamentöse Schmerzbekämpfung allein genügen diesen Anf
orderungen nicht (vgl. Urteil U
480/06 vom 5. Oktober 2007 E. 4.2.2 mit Hinweis). Auch kommt einzig der Abklärung des Beschwerdebildes dienenden Vorkehren nicht die Qualität einer Heilmethodik in diesem Sinne zu (Urteil 8C_7
47/2009 vom 2.
Dezember 2009 E. 6.2 mit diversen Hinweisen).
Zudem sind
nur die körperlichen, nicht jedoch die psychischen Beschwerden zu berücksichtigen. Hinsichtlich der somatischen Beschwerden war die ärztliche Behandlung
des Beschwerdeführers
mit der Operation vom November 2017
zu einem grossen Teil
abgeschlossen.
Danach nahm der Beschwerdeführer insbeson
dere noch Medikamente und abs
olvierte Ergotherapie und Psycho
therapie. Des Weiteren
wurden
weitere Abklärungen in Bezug auf die Schmerzhaftigkeit des Daumens
getätigt
. Damit
liegt keine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vor
.
5.3
.5
Ebenso ist das Merkmal der körperlichen Dauerschmerzen nicht erfüllt. Nach anfänglich starken Schmerzen fühlt
e
der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt des Fallabschlusses
«
lediglich
»
noch einen isolierten
punktuellen
Druckschmerz auf der radiopalmaren Seite des Daumengrundgelenkes, während weitere Schmerzen vern
eint wurden (Urk. 11/157
)
.
5.3
.6
Im Zusammenhang mit dem unfallbezogenen Kriterium der langdauernden Arbeits
un
fähigkeit ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass bei dessen Beurteilung nur die körperlich bedingte Arbeitsunfähigkeit massgebend ist (U19/06 vom
18.
Oktober 2006).
Zudem bezieht sich dieses Kriterium
nicht allein auf das Leis
tungsverm
ö
gen im angestammten Beruf
(RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 [U
56/00]; Urteil
8C_744/2009 E. 11.7). Im Zeitpunkt des Fallabschlusses wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer in angestammter Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist. Jedoch wurde ihm in angepasster Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass bis dahin auch die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
mit
berücksichtigt wurde, kann die langdauernde Arbeitsunfähigkeit nicht
a
ls erfüllt betrachtet werden
.
5.3.7
Gestützt auf das Dargelegte
ist
keines
der Adäquanzkriterien erfüllt. Damit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht die Adä
quanz zwi
schen dem Unfallereignis vom 8
.
Juni 2016
und
den psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers
ver
neint.
Di
es bedeutet, dass bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers
lediglich die aus somatischer Sicht
bestehende
n Einschränkungen zu berück
sichtigen sind
(vgl. E. 4
)
.
Ebenso wenig ist mithin zu bemängeln, dass die Beschwerdegegnerin den Abschluss der Eingliederungsbemühungen durch die Invalidenversicherung nicht abgewartet hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_657/2012 vom 18. Oktober 2012 E. 2.2).
6
.
6
.1
Da der
Beschwerdeführer
aus somatischer Sicht unfallbedingt nicht mehr in
seinem
angestammten Beruf als
Schaler
arbeitsfähig ist, ist ein Rentenanspruch aufgrund eines Einkommensvergleichs zu prüfen.
6
.2
Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt
werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt.
6
.3
6
.3.1
Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empiri
scher Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesund
heitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein.
6
.3.2
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass der Beschwerdeführer nach wie vor als Schaler tätig wäre, weshalb sie
zur Ermittlung des V
alideneinkommens auf den Arbeitsvertrag zwischen d
em Beschwerdeführer und der
Y._
vom 15. Januar 2016 sowie die Lohnabrechnungen der Monat
e Januar bis Juni 2016 ab
stellte
(Urk.
11/35 und 11/36).
Gestützt hierauf
setzte
sie
das Validen
ein
kommen
2019
auf Fr. 65
'
022
.
--
fest
(Urk.
2 und 11/
38/
185)
. Diese Berechnung
des Valideneinkommens wurde nicht bestritten und ist auch nicht zu bean
stan
den
, zumal das Valideneinkommen bei einer Berechnung unter Zugrundelegung
der gültigen Jahresarbeitszeit gemäss
Landesmantelvertra
g für das Schweizeri
sch
e Bauhauptgewerbe (LMV
), welchem die
ehemalige
Ar
beit
geberin
des Beschwer
deführers
unterstand
,
mit Fr. 61'987.--
tiefer ausfallen würde: 2112 Jahres-Totalstunden
(inkl. Ferien
-
und Feiertage)
x Fr. 29.35
Stundenlohn, wobei sich die Löhne
zwischen
2014
und 2018
nicht verändert haben
(vgl.
auch Urk.
11/75, 11/76,
11/185)
.
6
.4
Da dem Beschwerdeführer die bisherige Arbeitstätigkeit nicht mehr zumutbar ist, sind zur Bemessung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne der Schweize
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 heranzuziehen.
Mit Blick auf das medizinische Belas
tungsprofil ist zusammen mit der
Beschwerdegegnerin
auf den Tabellenwert in der Höhe von Fr. 5’340.-- (LSE 2016, Tabelle TA l, TOTAL, Kom
peten
zniveau
l, Männer) abzu
stellen. Davon brachte die
Beschwerdegegnerin
leidensbe
dingt 20 % in Abzug, was seitens des Beschwerdeführers nicht bean
standet wurde und auch keinen Anlass zur gericht
lichen Korrektur ergibt
(vgl.
BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit im Jahr 2018 von 41.7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2018, A-S 01-96), der Nominallohnentwicklung für Männer bis ins massgebliche Jahr
2019
sowie eine
s leidensbedingten Abzugs von 20
% ergibt sich ein Invalideneinkomm
en von rund Fr. 54’194
.--
für ein zumutbares Pensum von
100 % (Fr. 5'340.-- : 40 x 41.7 x 12
x 1
.
004 (2017) x 1
.
005
(2
018) x 1
.
005
(mutmasslich 2019)
x 0.8
).
6
.5
Wird das Valideneinkommen von
Fr. 65'022.--
dem Invalideneinkommen gemäss LSE von
Fr. 54’194.--
gegenübergestellt, resultiert ei
ne Erwerbseinbusse von Fr. 10’
828
.--, w
as einem Invaliditätsgrad von 16.65 %, gerundet 17
%,
und damit
dem von der Beschwerdegegnerin ermittelten Erwerbsunfähigkeitsgrad
ent
spricht
.
Ein höherer Invaliditätsgrad lässt sich nicht rechtfertigen.
7
.
Hinsichtlich
des
Anspruchs auf eine Integritätsent
schädigung ist ebenfalls auf die Stellungnahme des Kreisarztes Dr.
B._
abzustellen. Er schätzte den Inte
gritätsschaden in seinem Bericht vom 5. Juni 2018 (Urk. 11/180) auf 20 % und führte hierzu aus, dass in der
Suva-
Tabelle 3
zum
Integritätsschaden bei ein
fachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlusten
,
bei einem Verlust des Daumens im Bereich des Grundgelenks ein Integritätsschaden von 20 % aus
gewiesen
werde
. Funktionell entspreche der Daumen vorliegend weitestgehend
einem Verlust in diesem Gelenk, denn d
er 3 cm lange, gefühllose Stumpf sei funkti
onell nicht relevant einsetzbar.
Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden und erfolgt in Übereinstimmung mit de
n Richtlinien des Anhanges 3 zur
UVV sowie der Suva-Tabelle 3 Ziff. 2 – 4, wonach der (vollständige) Verlust des Dau
mens einem Integritätsschaden von 20 % entspricht.
Insofern der Beschwerdeführer vorbringt, dass die funktionellen Einschrän
kun
gen am Daum
en mehr als 20 % betragen (Urk. 1 S.
8), so begründet er dies
zum einen
nicht weiter und
würde zum anderen zu
k
einem abweichenden Ergebnis führen, ist doch bereits der Maximalwert für einen Verlust des Daumens angerechnet worden
.
Da die psychischen Beschwerden vorliegend entgegen der Ansi
cht des Beschwerdeführers (Urk.
1 S. 8) nicht unfallkausal sind, können diese bei der Beurteilung des Integritätsschadens nicht berück
sichtigt werden (vgl. E. 5
).
8
.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 12. April 2019 (Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.