Decision ID: 0ccdd6df-b77b-4858-9eb6-82f687bc868b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, gelernte
Coiffeuse
, war zuletzt im
Gipserge
schäft
ihres Ehemannes
Y._
, wo sie administrative und andere Arbeiten ausführte, sowie bei der
Z._
AG als Call Agent Outbound im Stundenlohn tätig (
Urk. 11/10
; Urk.
11
/
58
). Am 20. März 2010 rutschte sie auf einer Treppe aus, verstauchte sich den linken Fuss und schlug das linke Knie an (Schadenmeldung vom 23. März 2010, Urk.
11/25
/365).
Am 7. Juni 2011 (Eingangsdatum) meldete sie sich bei der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
11/2
). Die IV
Stelle tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen
und stellte der Versi
cherten mit Vorbescheid
vom 28. Mai 2014 (Urk.
11
/
70
) eine vom 1. April bis zum 31. Juli 2012 befristete g
anze Invalidenrente in Aussicht. Nach
erfolgtem Einwand der Versicherten (Einwand vom 2. Juli 2014, Urk.
11
/
72
; ergänzende
Einwandbegründungen
vom 15. und 16. September 2014, Urk.
11
/
78
und Urk.
11
/
80
) holte die IV-Stelle den Arztbericht von Dr. med.
A._
, FMH Orthopädische Chirurgie, vom 5. Januar 2015 (Urk.
11
/
82
) ein
und erliess a
m 27. Februar 2015 einen neuen Vorbescheid (Urk.
11
/
85
), mit welchem sie die Abweisung des Leistungsbegehren
s
in Aussicht stellte.
Mit
Verfügung vom 24. April 2015
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wie vorbeschieden ab (Urk.
11/91
).
Die von der Versicherten hierg
egen erhobene Beschwerde vom 4.
Mai 2015 (
Urk.
11/92/3 ff.) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 21.
Sep
tember 2016 (Verfahrens-Nr. IV.2015.00477;
Urk.
11/95) in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen wurde, damit diese den Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit, insbesondere im zeitlichen Verlauf, in geeigneter Weise und unter Einholung der vollständigen Suva-Akten abklärt und danach neu verfügt.
1.2
Nachdem die IV-Stelle die vollständigen Suva-Akten (
Urk.
11/96;
Urk.
11/108) sowie den Bericht von
Dr.
A._
vom 2
4.
Februar 2017 (
Urk.
11/104)
einge
holt hatte, stellte sie mit Vorbescheid vom 2
2.
September 2017 die
Zusprache
einer vom
1.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
August 2012 befristeten ganzen Rente in Aussicht (
Urk.
11/112).
Die Versicherte erhob hiergegen Einwand (Einwand vom 1
0.
Oktober 2017; ergänzende
Einwandbegrün
dungen
vom 19./3
0.
Oktober 2017 und 3
0.
November 2017
,
Urk.
11/121,
Urk.
11/125
und
Urk.
11/128).
Mit Verfügung vom 1
7.
Mai 2018 (
Urk.
2) sprach die IV-Stelle der Versicher
t
en eine vom
1.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
August 2012 befristete ganze Rente zu.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
1.
bzw. 2
2.
Juni 2018 Beschwerde
(
Urk.
1
und
Urk.
7
)
und beantragte, es sei ihr in teilweiser Aufhebung der angefochtenen Verfügung für den Zeitraum von August 2012 bis Ende März 2016
eine ganze Rente
und danach eine halbe Invalidenrente
zuzusprechen
. Mit Beschwerde
antwort vom 2
8.
August 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
11/1-148), worüber die Beschwerdeführerin am
3.
September 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
12).
3.
Die Suva erbrachte als zuständige Unfallversicherung die gesetzlichen Leistungen für den Unfall vom 2
0.
März 2010 Nach erwerblichen und medizinischen Abklä
rungen stellte die Suva mit Verfügung vom
3.
Mai 2013 ihre Leistungen für die Folgen des Unfalles vom 2
0.
März 2010 betreffend linkes Sprunggelenk und linkes Knie (Taggeld und Heilkosten) per 2
1.
Mai 2013 ein und verneinte auch den Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung mangels Vorliegens eines adäquaten Kausal
zu
sammenhangs der beklagten Beschwerden zum Unfall, woran die Suva mit
Ein
spracheentscheid
vom
3.
Januar 2014 festhielt. Die hiergegen am
3.
Februar 2014 eingereichte Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
0.
Mai 2016 in dem Sinne gut, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
aufgehoben und an die Suva zurückgewiesen wurde, damit diese, nach Einholung der notwendi
gen medizinischen Begutachtung, neu über den Leistungsanspruch nach dem 2
1.
Mai 2013 entscheide (vgl.
Urk.
11/96/771 ff.;
Verfahrensnr
. UV.2014.00030).
Nach Einholung des Gutachtens von
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 3.
August 2017
(
Urk.
11/108/8 ff.)
teilte die Suva der Versicherten mit Schreiben vom 1
0.
Oktober 2017 mit, dass die Beschwerden des linken Sprunggelenkes (Fuss) gemäss Gutachter nicht zu terminieren seien, daher würden die Kosten der Heil
behandlung und der Taggelder ab dem 2
1.
Mai 2013 bis zum 3
1.
Dezember 2015 nachträglich übernommen (
Urk.
11/147/5 f.). Mit Verfügung vom 1
6.
Oktober 2017 sprach die Suva der Versicherten eine Integritätsentschädigung von 15
%
in Höhe von Fr. 18'900.-- zu (
Urk.
11/147/41).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
In der angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin dafür (
Urk.
2), dass die Beschwerdeführer
in
aufgrund ihres Unfalles vom 1
2.
November 2010 bis Mai 2012 bzw. vier Monate nach der Bandrekonstruktion mit Sehnentransfer im Januar 2012
in sämtlichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig
gewesen sei
. Ab Mai 2012 sei sie in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig, womit sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Die nachfolgenden Ope
rationen hätten keinen längerdauernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt, sie sei jeweils vier Monate nach den Eingriffen wieder in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig gewesen.
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor (
Urk.
7),
dass gestützt auf das Gutachten von Prof.
B._
vom
3.
August 2017
und die entsprechenden Ergänzungsfragen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bis Ende 2015 bestanden habe. Eine angepasste Tätigkeit sei ihr nicht zuzumuten gewesen, so hätte sie aufgrund der Gehstöcke keine Lasten heben können und der Fuss habe hochgelagert werden müssen. Hinzu komme, dass sie den Arbeitsweg aufgrund ihrer Gangunsicherheit und dem
Angewiesensein
auf Gehstöcke ohne
hin nicht hätte bewältigen können
. Seit
März 2016 bzw. drei Monate nach der bis Ende 2015 dauernden Rehabilitation sei ihr gestützt auf die Ausführungen von Prof.
B._
eine angepasste Tätigkeit während 5 Stunden täglich zumutbar. Unter Berücksichtigung ihrer früher geleisteten Wochenarbeitsstunden von durchschnittlich 49.5 Stunden sowie eines Leidensabzuges von 15
%
resultiere ein Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
, womit sie einen Anspruch auf min
destens eine halbe Invalidenrente ab April 2016 habe.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherung
srechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz
über die Invaliden
versi
cherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör
perli
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
de
s
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
ach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
3.1
Dr.
A._
notierte in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 2
4.
Februar 2017 (
Urk.
11/104) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Restbeschwerden nach Revision oberes Sprunggelenk (OSG)/unteres Sprunggelenk (USG),
subtalare
Arth
r
odese
links am
2.
September 2014
-
Beginnende
Coxarthrose
mit deutlicher Labrumdegeneration mit/bei mus
kulärer
Dysbalance
(MRI
6.
April 2016)
-
Rezidivierende lumbale Schmerzen bei rezidivierenden muskulären Ver
spannungen
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte sie 1) eine rezidivierende Sinusitis
sphenoidalis
mit
holocephalen
Kopfschmerzen (MRI
8.
Dezember 2016, Röntgen
C._
) und 2) eine Adipositas (92 kg), Status nach
Magenbanding
1998 mit Inspektion 2007 und Entfernung des Bandes am 2
6.
Oktober 2012.
Die Beschwerdeführerin sei als Raumpflegerin tätig gewesen und seit dem Unfall bis zum
1.
Juni 2015 vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen. Seit dem
1.
Juni 2015 sei
die bisherige Tätigkeit noch
während 4 Stunden täglich
möglich
. Die Einschränkungen liessen sich durch medizinische Massnahmen nicht vermindern. Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei bei langem Unterbruch kaum zu erwarten, theoretisch sei aber eine 50%ige Arbeitsfähigkeit gegeben.
3.2
3.2.1
Prof.
B._
hielt in seinem Gutachten vom
3.
August 2017 folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
11/108/17):
-
Status
nach Trauma
am oberen Sprunggelenk am 20.03.
2010 mit Knor
pel
schaden im unteren Sprunggelenk.
In der Folge
-
Bandnaht
am lateralen Bandapparat des oberen Sprunggelenks (
Dr.
D._
am 12.11.2010)
-
Ankerentfernung und Bandrekonstruktion (Klinik
E._
am 08.06.2011)
-
Bandrekonstruktion mit Sehnentransfer (Klinik
E._
,
Dr.
F._
am 04.01.2012)
-
Konsekutive Entwicklung eines Spitzfusses
-
Revision OSG/USG,
subtalare
Arthrodese
,
Remodelling
der
Fibula
spitze
, Abtragung des
anterioren
Osteophyten
im Bereich der
Tibiavor
derkante
links (
Dr.
A._
,
Spital
G._
am 02.09.2014)
-
Leichte
Varusfehlstellung
im
Rückfuss
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte Prof.
B._
1) einen Status nach Meniskusverletzung bei Kontusion des linken Kniegelenks beim Unfall vom 20.03.2010 und 2) einen Status nach
arthroskopischer
Meniskektomie
am 12.11.2010.
Prof.
B._
führte aus, dass bei der Beschwerdeführerin ein
Zustand nach eine
m Sturz auf der Treppe am 2
0.
März 2010 mit Verdre
hung des
linken Fusses und direkter Kont
usion beider Kniegelenke
bestehe
. Am linken Kniegelenk
habe sie sich
offenbar eine Verletzung des medialen Meniskus zu
gezogen
. Nach der
arthroskopischen
Meniskektomie
ca. 6 Monate später
sei diese Verletzung folgen
los aus
geheilt.
Am Sprunggelenk
sei
es anfänglich nach Angabe
n der Beschwer
de
führerin zu einer starken Schwell
ung
gekommen
. Diese
sei
in den zur Verfü
gung stehenden Dokume
nten nicht dokumentiert, es gebe
keinen Bericht über den Initialzustand. Trotz Ruhigstellung
hätten
die Beschwerden im linken Rück
fuss
persistiert
, so dass
sie
während
6 Monaten mit Stöcken entlastet habe (ihre Arbeitstä
tigkeit aber weiter ausführte).
Obwohl das MRI
vom
6.
Oktober 2010
lediglich eine Verdickung der Bänder, nicht hingegen eine Ruptur
gezeigt habe
,
sei am 1
2.
November 2010
eine
Bandnaht
durchgeführt
worden.
Da sich anschliessend die Beschwerden nicht
gebessert hätten
,
habe der damals behandelnde Arzt die Beschwerdeführerin
an die Klinik
E._
überwiesen
. Hier
hätten die Ärzte
folgendes festgestellt: «E
xquisite, sehr starke
Druckdolenz
im Bereich der
Fibulaspitze
und im Bereich der
Peroneal
sehnen
. Zudem zeigt sich radiologisch der Verdacht auf eine etwas prominente Ankerbasis, welche bei Belastung auf die
Pe
ronealsehnen
drücken
kann.»
Am 8.
Juni
2011
sei
der Anker an der Fibula links und die laterale Band-Re
-
Rekon
struktion nach
Broström
(
transossär
) links an der Klinik
E._
durchgeführt
worden
. Auch diese Operation
habe
keine Besserung
gebracht
.
Die Beschwerde
führerin sei
weiterhin arbeitsunfähig
gewesen
und
habe mit Stöcken den linken Fuss
entlasten
müssen
.
Im September 2011
sei
der Verdacht auf ein CRPS geäussert
worden
. Allerdings
seien
hierzu keine passenden Symptome beschrieben
worden
(z.B. Veränderungen der Hautfarbe, Temperatur, fleckförmige Osteoporose etc.). Weitere Infiltrationen
hätten
ebenfalls keine Besserung
gebracht
. Wegen der Persistenz der Sympto
ma
tik
sei
nochmals eine Operationsindikation gestellt
worden
. Obwohl es sich primär um eine Schmerzproblematik
gehandelt habe
und nicht um eine Insta
bilität, sei am
4.
Januar
2012 an der Klinik
E._
die laterale Band
rekon
struktion mit Transfer einer
Allograft
-Sehne links durchgeführt
worden
. Die Prob
lematik
habe sich im Anschluss verschlimmert
und es
habe
sich ein Spitzfuss
entwickelt
.
Am
2.
September
2014 schliesslich
s
e
i
von
Dr.
A._
nach vorherigen diagno
stischen Infiltrationen und einer SPECT-CT-Untersuchung eine Revision des OSG und USG von lateral
durchgeführt worden.
Bis es zur Ausheilung der
Arthrodese
gekommen sei
und
die Beschwerdeführerin wie
der einigermassen schmerzfrei mit
Vollbelastung
habe gehen könn
e
n
,
habe
es nochmals mehr als ein Jahr
gedauert
. Seit anfangs 2016
könne sie nun voll belasten.
Es bestehe
im unteren Sprunggelenk aktuell eine leichte
Varusfehlstellung
, was die
Beschwerdeführerin
wegen der Versteifung im USG nicht kompensieren k
ö
nn
e
, weswegen sie vorwieg
end den Fussaussenrand belaste
. In der retro
spekti
ven Betrachtung
habe
von Anfang an keine Bandverletzung
bestanden
, son
dern ein Knorpelschaden im unteren Sprunggelenk,
welcher nicht diagno
stiziert wo
r
de
n sei
.
Die Tatsache, dass die wesentlichen Beschwerden nach der Versteifung des USG besser
geworden seien
und die
Beschwerdeführerin
nach der Konsolida
tion erstmals wieder voll
belasten und ohne Schiene habe gehen können
, sprech
e
sehr dafür, dass sich die eigentliche Problematik von Anfang an
im unteren Sprunggelenk befunden habe
(
Urk.
11/108/17 ff.)
.
3.2.2
Auf ebenem Boden
könne die Beschwerdeführerin
mit Schuhen recht gut gehe
n, erst nach etwa 30 Minuten träten mä
ssig star
ke Beschwerden auf. Auf unebenem
Boden
sei sie hingegen unsicher und kö
nn
e
nicht gut gehen. Die
Beschwerde
führerin könne
auch
nicht springen und habe
Mühe beim
Treppensteigen. Auch barfuss kö
nn
e
sie kaum gehen, sie geh
e
immer auf der Aussenkante des Fusses, da die USG-
Arthrode
se
etwas zu stark im
Varus
stehe
. Beim Liegen habe si
e keine Schmerzen, hingegen trete
beim Sitzen nach einigen Minuten ein Schwellun
gs
gefühl auf, die Schmerzen schö
ssen beim Abstellen des Fusses
ein. Nach 30
Minuten Stehen habe
sie
ebenfalls Schmerzen. Manchm
al habe sie auch Krämpfe im Fuss
. Zudem bestehe eine Gefühlsstörung im Bereiche der Zehen zwei und drei links. Im Bereiche des Rückens und
der oberen Extremitäten bestünden
keine wesentlichen Probleme. Aufgrund der objektiven Befunde mit mehrfachen Vor-Operation
en
und aktuell
Arthrodese
des USG in
Varusfehlstellung
mit konsekutiver, nicht
kompensierbarer
Fehlbelastung, seien
die geschilderten Beschwerden
plausibel und nach
vollziehbar
(
Urk.
11/108/19)
.
3.2.3
Nach ihrem Unfall vom 2
0.
März 2010 sei die Beschwerdeführerin
trotz Ver
wen
dung von Krückstöcken weiter zur Arbeit
gegangen. Ab dem
5.
Juli
2010
sei
sie zu 100% arbeitsfähig geschrieben
worden. Am 1
2.
November
2010
s
e
i
sie operiert
worden
. Ab diesem Zeitpunkt
sei
sie zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
. Sie
habe
das linke Bein nicht voll belasten und nicht ohne Krückstöcke gehen
können
. In der Folge
sei
sie drei weitere Male operiert
worden
. D
ie ersten drei Operationen hätten
die Situation nicht verbessert, son
dern verschlechtert. Erst die vierte Ope
ration habe
, nach einem Jahr Rehabilitation, zu einer deutlichen Ver
be
sserung geführt. Seit dem
1.
Januar
2016
sei sie nun wieder arbeitsfähig. Sie kö
nn
e
während 5 Stunden am Tag einer Tätigkeit nachgehen, bei der sie abwechs
elnd Gehen, Stehen und Sitzen kö
nn
e
, jeweils während nicht mehr als 30
Minuten in
der gleichen Stel
lung. Der Gebrauch der Hände sei
nicht ein
gesch
ränkt. Auch Überkopfarbeiten seien
möglich, solange diese nicht ständig ausgeführt werden müssen. Auch Bücken und Arbei
ten in ungünstiger Stellung seien
kurzzeitig (bis 10 Minuten lang) möglich. Lasten, die gehoben werden müss
t
en, sollten 5 kg nicht übersteigen. Vermieden werden müss
t
en das Arbeiten auf einer Leiter sowie das Gehen auf unebenem Boden wie auch kauernde oder kniende Positionen.
Bis zu ihrem Unfall
sei die Beschwerdeführerin
in einer Firma tätig
gewesen
, in welcher sie für die Raumpflege und gewisse Arbeiten im Zusammenhang
mit dem Marketing zuständig gewesen sei. Eine solche Arbeit sei
aus
ärztlicher
Sicht gut adaptiert. Gemäss
der
Selbsteinschätzung
der Beschwerdeführerin könne
sie zu Hause putz
en, lediglich Fensterputzen gehe
nicht, da
sie dies auf einer Leiter tun mü
ss
e
.
Die Beschwerdeführerin könne
also in der Raumpflege tätig sein, solange s
ie keine hohen Fenster putzen mü
ss
e
. Auch ihre Tätigk
eit
im Marketing
kö
nn
e sie vol
lumfänglich wahrnehmen.
Da die bisherige Tätigkeit gut adaptiert sei, bestehe keine Notwendigkeit, eine Verweistätigkeit zu suchen (
Urk.
11/108/20).
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, des Regio
na
len ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin (RAD), nahm nach Eingang des Gutachtens von Prof.
B._
am 1
7.
August 2017 Stellung (Fest
stellungsblatt vom 2
2.
September 2017,
Urk.
11/110). Er führte aus, dass aus Sicht des RAD auf das Gutachten von Prof.
B._
abgestellt werden könne und bemerkte, dass es sich bei dem zur Arbeitsunfähigkeit führenden Gesund
heitsschaden um Unfallfolgen handle. Am 2
6.
Oktober 2012 sei eine
lapo
roskopische
Adhäsiolyse
, Entfernung des Magenbandes und
Gastric
Sleeve
Resection
und am 2
9.
Oktober 2012 eine Revision und Hämatom-Evakuation durchgeführt worden. Diese Operationen und die postoperativen Nach
behandlungen fielen in die Arbeitsunfähigkeitszeiten, die wegen der OSG- und Fussverletzung entstanden seien.
3.4
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
H._
am 1
2.
September 2017 (
Urk.
11/110/5)
aus, dass die von Prof.
B._
gestellten Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor Januar 2016 einschränke. Zwischen dem 1
2.
November 2010 und Januar 2016 hätten insgesamt vier Operationen am linken oberen Sprungge
lenk/Fuss stattgefunden. Medizinisch-theoretisch habe die postoperative Behand
lung jeweils vier Monate umfasst, in denen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster als auch angestammter Tätigkeit vorgelegen habe. Dazwischen könne medizinisch-theoretisch von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit in ange
stammter und einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit unter Beach
tung des Belastungsprofils ausgegangen werden. Das mögliche Belastungsprofil
umfasse überwiegend sitzend ausgeübte leichte wechselbelastende Tätigkeiten auch mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 5 kg, ohne Knien, Kriechen, Hocken, Kauern und ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an d
ie Stand- und Gangsicherheit und ohne dauer
haftes Stehen und Gehen auf unebe
nem Grund sowie ohne Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten. Es handle sich wie gesagt um eine theoretische Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit. Der Gut
achter Prof.
B._
habe fest
gestellt, dass die angestammte Tätigkeit mit kleinen Einschränkungen gut adaptiert sei und verzichtete auf die Festlegung einer Ver
weistätigkeit. Das heisse, dass er die Kundin auch in angepasster Tätigkeit vom 1
2.
November 2010 bis Januar 2016 als vollumfänglich arbeitsunfähig beurteile.
Die behandelnden Ärzte nähmen keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit.
Zusätzlich müssten noch weitere Operationen berücksichtigt werden, die ebenfalls in dieser Zeit erfolgt seien und auch zur Arbeitsunfähigkeit geführt hätten. Am 2
6.
Oktober 2012 sei eine
laporoskopische
Adhäsiolyse
, Entfernung des Magen
bandes und
Gastric
Sleeve
Resection
und am 2
9.
Oktober 2012 eine Revision und Hämatom-Evakuation durchgeführt worden. Diese Operationen und die postope
rativen Nachbehandlungen fielen in Arbeitsunfähigkeitszeiten, die durch die OSG- und Fussverletzung verursacht worden seien.
3.5
Mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2018 führte Prof.
B._
ergänzend zu einem mögli
chen Anforderungsprofil einer angepassten Tätigkeit aus, dass die Beschwerde
führerin nicht längere Zeit auf unebenem Boden gehen, springen bar
fuss oder Treppensteigen
sollte. Sie sollte auch nicht dauerhaft sitzen müssen, sondern sie sollte die Möglichkeit haben, zwischendurch zu gehen oder eventuell sogar eine Zeitlang das linke Bein hochlagern zu können.
Wie im Gutachten erwähnt könne die Beschwerdeführerin eine solche Tätigkeit während 5 Stunden am Tag ausüben. Dabei sei es von untergeordneter Bedeu
tung, ob diese Arbeitsleistung bei einer Firma oder an mehreren Arbeitsstellen geleistet werde. Aus medizinischen Gründen sei eine Arbeitsleistung von mehr als fünf Stunden täglich nicht als zumutbar zu betrachten. Auch eine angepasste Tätigkeit könnte vor allem wegen der Schwellungstendenz im linken Rückfuss
bereich nicht vollzeitlich ausgeführt werden (
Urk.
11/147/305 f.).
4.
4.1
Das
orthopädische
Gutachten
von Prof.
B._
vom
3.
August 2017
erfüllt
zusammen mit seiner ergänzenden Stellungnahme vom 2
0.
Juni 2018
sämtliche
rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlagen (
vgl. E. 2.4
). Es beruht auf fachärztlichen Unter
suchungen durch
Prof.
B._
(
Urk.
11/108/12 ff.)
und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(
Urk.
11/108/26 ff.)
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztbe
richte sorgfältig
und berücksichtigt die von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend und das Gut
achten ist schlüssig.
4.2
Prof.
B._
legt begründet und nachvollziehbar dar, dass es der Beschwerde
führerin seit der ersten Operation im November 2010 bis Ende 2015 nicht möglich war, ihren Fuss voll zu belasten, so dass er ihr für diesen Zeitraum eine volle Arbeitsunfähigkeit attestierte.
Die
Einschätzung
von Prof.
B._
wurde zunächst auch von RAD-Arzt Dr.
H._
übernommen und er stellt
e
ohne Ergänzungen darauf ab (E. 3.3). In seiner zweiten Stellungnahme vom 1
2.
September 2017 führte er dem wider
spre
chend aus, dass medizinisch-theoretisch jeweils vier Monate nach den Opera
tionen eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestanden hätte. Di
e weiteren Operationen vom 2
6.
u
nd 2
9.
Oktober 2012 hätten ebenfalls zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt, welche allerdings in Arbeitsun
fähig
keits
zeiten gefallen seien, welche durch die OSG- und Fussverletzung entstanden seien (E.
3.4). Dies
e Angaben sind
nicht nachvollziehbar
, da die diesen Operationen zuletzt vorausgegangene Operation des Fusses am
4.
Januar 2012 stattgefunden hatte – mithin rund 9.5 Monate vorher, so dass die Beschwerdeführerin bereits wieder seit rund 5.5 Monaten in einer angepassten Tätigkeit hätte voll arbeits
fähig sein sollen (vgl. E. 3.2.1). Die nächste und bis anhin letzte Fussoperation erfolgte am
2.
September 2014, so dass die Operationen vom 2
6.
und 2
9.
Oktober 2012
–
den Angaben von
Dr.
H._
folgend, wonach die Fussoperationen jeweils nur für 4 Monate eine volle Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen hätten
–
keinesfalls in den gleichen Zeitraum fielen.
4.3
Prof.
B._
lag – soweit dies aus den Angaben im Gutachten zu beurteilen ist (Urk.
11/108/26 ff.) – der aktuellste von der Beschwerdegegnerin einge
holte Bericht von
Dr.
A._
nicht vor. Darin attestierte
Dr.
A._
der Beschwer
deführerin eine Arbeitsfähigkeit von 4 Stunden täglich seit
dem
1.
Juni 2015 (vgl.
E. 3.1), was auf einen geringfügig schnelleren Heilungsverlauf nach der Operation schliessen lässt, als dies von Prof.
B._
angenommen wurde.
Zusammenfassend ist gestützt auf das Gutachten von Prof.
B._
vom
3.
August 2017 sowie den Bericht von
Dr.
A._
vom 2
4.
Februar 2017 von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit vom 1
2.
November 2010 (erste Operation) bis zum
3
1.
Mai 2015 auszugehen. Vom
1.
Juni 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2015 ist von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten als auch in einer angepassten Tätig
keit im Umfang von 4 Stunden täglich auszugehen. Ab dem
1.
Januar 2016 ist es der Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich
zumutbar
, ihre ange
stammte oder eine dem Belastungsprofil entsprechende angepasste Tätigkeit während 5 Stunden täglich auszuüben.
Wie folgend gezeigt wird (vgl. E. 5 f.), kann
offen bleiben
, ob es der Beschwerde
führerin möglich wäre, in einer besser angepassten Hilfsarbeiter
tätigkeit ein höheres Arbeitspensum auszuüben.
5.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeits
fähigkeit.
5.1
Die Beschwerdegegnerin setzte das
Valideneinkommen
gestützt auf den Abklärungsbericht vom 1
5.
April 2014 in Höhe von
Fr.
58'297.
--
fest
, das Inva
lideneinkommen bezifferte sie mit
Fr.
51'441.10
(
Urk.
2; vgl. auch Urk.
11/109;
Urk.
11/65;
Urk.
11/67). Die Beschwerdeführerin brachte demgegen
über vor, dass sie im Unfallzeitpunkt bei der
Z._
AG mit einem Voll
zeitpensum von 44.5
Stunden angestellt gewesen sei und gleichzeitig noch im
Gipsergeschäft
ihres Mannes mit einem Pensum von 12
%
gearbeitet habe. Die Suva habe entspre
chend eine Tätigkeit von 123
%
bzw. 49.5 Wochenstunden errechnet. Bei einer zumutbaren Arbeitsleistung von 5 Stunden täglich sowie unter Berück
sichtigung des tieferen Invalideneinkommens und eine
s
ange
messenen Leidens
abzug
s
von 15
%
errechne sich daraus ein Invali
ditätsgrad von mindestens 50
%
(
Urk.
7).
5.2
5.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2.2
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Die Beschwerdeführerin meldete sich am
7.
Juni 2011 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Eingangsdatum). Der
frühest
mögliche Rentenbeginn ist ent
sprechend der
1.
Dezember 2011 (
Art.
29 IVG).
5.3
Die
Beschwerdeführerin war vom 1
2.
November 2010 bis zum 3
1.
Mai 2015 voll
umfänglich arbeitsunfähig. Entsprechend hat die Beschwerdeführerin vom
1.
Dezember 2011
(vgl. E. 5.3)
bis zum 3
1.
August 2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (3 Monate nach der Verbesserung,
Art.
88a
Abs.
1 IVV).
5.4
Die Beschwerdeführerin arbeitete vor dem Unfall bei der
Z._
AG und dane
ben noch im
Gipsergeschäft
ihres Mannes (
Urk.
11/58;
Urk.
11/10).
5.4
.1
Im Arbeitgeberfragebogen des
Y._
Gipsergeschäftes
vom 1
3.
Juni 2011 wurde festgehalten, dass sie seit 1994 fünf Stunden wöchentlich für das Geschäft gearbeitet habe, es sei ein Lohn von ca.
Fr.
2'900.
--
versichert
gewesen
(
Urk.
11/10).
In
der Schadenmeldung UVG vom 2
3.
März 2010 wurde festgehal
ten, dass die Beschwerdeführerin zu 100
%
unregelmässig im Büro des
Y._
Gipsergeschäfts
mitarbeite (
Urk.
11/96/10). Anlässlich der Bespre
chung der Suva mit der Beschwerdeführerin vom 1
7.
Juli 2012 führte diese aus, dass die Suva allenfalls etwas falsch verstanden habe. Die Tätigkeit im Geschäft des Ehemannes sei mal ein 50%-Pensum gewesen. Der administrative Anteil habe nur etwa 1⁄4 betragen, der Rest vor Ort habe 3⁄4 ausgemacht. Si
e habe die Bes
p
r
e
chungen mit den Architekten und Bauherren gemacht, habe Kunden
wünsche ent
gegengenommen, Mängel besichtigt
und die Übergaben vorge
nommen
,
damit ihr Mann und die damals noch beschäftigten Mitarbeiter hätten vorwärts arbeiten können. Zwischendurch habe sie geholfen aufzuräumen, Abdeckungen wegzu
nehmen und habe gewisse Baureinigungsarbeiten vorge
nommen. Zum Unfall
zeitpunkt hätten sie noch zwei Festangestellte gehabt. Aufgrund der veränderten Situation nach dem Unfall hätten sie diese entlassen, weniger Aufträge
entgege
nommen
und zwischendurch noch mit
Temporär
mit
arbeitern
gearbeitet. Da ihr Mann nun ebenfalls 50 Jahre alt
sei
, habe er ebenfalls etwas reduzieren wollen.
Er sei nun seit einiger Zeit alleine tätig, dement
sprechend gäbe es weniger admi
nistrative Tätigkeiten. Der Büroanteil sei nun noch geringer, teilweise werde es durch den Mann oder die Tochter erledigt. Es seien nur noch wenige Prozente, eigentlich nur noch Rechnungsstellung
en
(Urk.
11/96/346).
Im Haushaltsabklärungsbericht vom 2
3.
April 2014 führte die Beschwerde
führe
rin aus, dass sie mit einem Einsatz, welcher ca. einem 50%-Pensum ent
sprochen habe, zu einem höheren Betriebsumsatz beigetragen habe und das Arbeitsvolu
men aufgrund ihres Ausfalles habe heruntergefahren werden müssen, so dass die beiden Angestellten hätten entlassen werden müssen (
Urk.
11/65/3)
.
Die
Abklä
rungsperson
hielt
allerdings
fest, dass bereits im Geschäftsabschluss 2009 keine Gehälter für Mitarbeiter aufgeführt seien und damit auch die Mithilfe wohl nicht im geschilderten Ausmass angefallen sei. Es werde daher gestützt auf den Frage
bogen für
Arbeitgebende
von einer geleisteten Tätigkeit von fünf S
tunden wöchentlich ausgegangen, wobei der Lohn für Hilfsarbeiten
einzusetzen sei
(
Urk.
11/65/4).
Die Tätigkeit bei der
Z._
nahm die Beschwerdeführerin - soweit dies aus den Akten ersichtlich ist - erst im Oktober 2008 in einem derart hohen Pensum auf (Lohnkonto 2008,
Urk.
11/147/131; IK-Auszug vom
9.
November 2017, Urk.
11/147/83 f.). Entsprechend bestand
die
Doppelbelastung durch die Tätigkeit bei der
Z._
und der von der Beschwerdeführerin angegebenen Tätigkeit im
Gipsergeschäft
ihres Ehemannes - sofern man aufgrund der widersprüchlichen Angaben davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin eine solche regelmässig ausgeübt hat - lediglich während rund 18 Monaten bis zu ihrem Unfall im März 201
0.
Damit erscheint es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin eine solche Doppelbelastung weiterhin auf sich genommen hätte, zumal auch ihr Ehemann ihren Angaben entsprechend habe
kürzer treten
wollen.
Die Angaben bezüglich der Tätigkeit im Geschäft des Ehemannes sind zusammengefasst widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Ein Einkommen aus dem
Gipsergeschäft
wurde darüber hinaus - soweit aus dem IK-Auszug ersichtlich - zu keinem Zeitpunkt mit einer AHV-Ausgleichskasse abgerechnet (
Urk.
11/147/83 f.). Damit ist beim
Valideneinkommen
lediglich die Tätigkeit bei der
Z._
AG zu berücksichtigen und
eine
Tätigkeit im
Gipsergeschäft
des Ehemannes nicht miteinzubeziehen.
5.4
.2
Das bei der
Z._
AG im Jahr 2009 erz
ielte Einkommen in Höhe von Fr.
50'826.-- (
Urk.
11/147/84) ergibt bereinigt um die Nominall
ohnentwicklung bis ins Jahr 2015
ein anrechenbares
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
53'494.75
(
Fr.
50'826
.
--
:
2552 x 2686;
Bundesamt für Statistik, T 39 Ent
wicklung der
Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1910
2017, Nominallöhne, Frauen,
Basis 1939 = 100, Stand 2009 =
2552, Stand 2015
=
2686
).
F
ür das Jahr 2016 resultiert ein anrechenbares
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
53'952.80
(
Fr.
53'494.
75
:
2686 x 2709; Bundesamt für Statistik, T 39 Ent
wicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1910
2017, Nominallöhne, Frauen, Basis 1939 = 100, Stand 2015 = 2686, Stand 2016 = 2709).
5.5
Vom
1.
Juni 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2015 ist von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 4
Stunden täglich auszugehen. Ab dem
1.
Januar 2016 ist es der Beschwerde
führerin überwiegend wahrscheinlich zumutbar, ihre angestammte oder eine dem Belastungsprofil entsprechende angepasste Tätigkeit während 5
Stunden täglich auszuüben.
5.5
.1
Das Invalideneinkommen
für das Jahr 2015
ist gestützt auf den Tabellenlohn für Hilfsarbeiten in Höhe von
Fr.
4'300
.-- monatlich
festzusetzen (
ausgehend von
40
Arbeitsstunden in der Woche;
LSE 2014, TA1 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Pri
vater Sektor, Total, Kompetenzniveau 1 Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
, Frauen
).
Der Beschwerdeführerin war
aus medizinischer Sicht vom
1.
Juni 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2015 lediglich eine Arbeitstätigkeit von 4 Stunden täglich zumutbar
, woraus ein Invalideneinkommen fü
r das Jahr 2015
in Höhe von
Fr.
25'925.50
resultiert (
Fr.
4'
300
.
--
:
40 x 20 x 12 : 2673 x 2686;
Bundesamt für Statistik, T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsum
entenpreise und der Reallöhne, 1910-2017, Nominallöhne, Frauen, Basis 1939 = 100, Stand 2014 = 2673, Stand 2015 = 2686).
5.5
.2
Seit dem
1.
Januar 2016 ist es der Beschwerdeführerin zumutbar, fünf Stunden täglich zu arbeiten. Daraus resultiert ein anrechenbares Invalideneinkommen in Höhe von
Fr.
32'684.35 (
Fr.
4'300.
-- :
40 x 25 :2673 x 2709 x 12;
Bundesamt für Statistik, T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1910-2017, Nominallöhne, Frauen, B
asis 1939 = 100, Stand 2014
=
2673
, Stand 2016 = 2709).
5.5
.3
Die Beschwerdeführerin brachte vor, dass bei der vorliegenden Ausgangslage ein Leidensabzug zu gewähren sei.
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungs
weise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische
Anforde
rungs
- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeits
pensum tre
tende qualitative oder quantitative Einschränkung der Arbeits
fähigkeit dar
stellt,
wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätig
keiten (weiter) ein
gegrenzt wird, welche unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ver
glichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohnein
busse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 2
8.
Januar 2014 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Ist von einem genü
gend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, kön
nen unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berück
sichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG) als ausser
or
dentlich zu bezeichnen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 2
2.
September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 1
3.
April 2016 E. 3.2.1).
Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mit
telschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 1
8.
September 2012 E. 5.2).
Ein Leidensabzug aufgrund der zusätzlichen qualitativen Einschränkungen
ist in
casu
(vgl. E. 3.5)
– insbesondere
unter Berücksichtigung
des Umstands
, dass ihr die angestammte Tätigkeit
weiterhin zumutbar
ist
(vgl. E. 3.2.3)
– nicht gerecht
fertigt.
5.6
Stellt man das
Valideneinkommen
2015 in Höhe von
Fr.
53'494.75
dem Invali
deneinkommen 2015 in Höhe von
Fr.
25'925.50 gegenüber, resultiert eine Ein
kommenseinbusse in Höhe von
Fr.
27'569.25
, was ei
nem Invaliditätsgrad von rund 52
%
(
Fr.
27’569.
25
:
Fr.
53'494.75
) entspricht.
Die Beschwerdeführerin hat somit
vom
1.
September 2015 bis zum 3
1.
März 2016 Anspruch auf eine halbe Rente (
Art.
88a IVV).
5.7
Im Jahr 2016 betrug das anrechenbare
Valideneinkommen
Fr.
53'952.80
, was einem Invalideneinkommen von
Fr.
32'684.35 entgegenstand. Die daraus resul
tierende Einkommenseinbusse von
Fr.
21'268.45
(
Fr.
53'952.80
– Fr.
32'684.35) entspricht ei
nem Invaliditätsgrad von rund 39
%
(
Fr.
21'268.
45
:
Fr.
53'952.80
),
womit die Beschwerdeführerin ab dem
1.
April 2016
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr hat.
6.
Zusammenfassend ist die Beschwerde
teilweise
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuh
eben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin vom 1.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
August 2015 Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente, vom
1.
September 2015 bis zum 3
1.
März 2016 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente und ab dem
1.
April 2016
keinen Anspruch auf eine Rente mehr hat.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens si
nd auf Fr. 8
00.-
-
festzulegen und
ausgangsgemäss
von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7
.2
Nach der Rechtsprechung ist bei
bloss
teilweisem Obsiegen dann eine ungekürzte Parteientschädigung zuzusprechen, wenn die versicherte Person im Grundsatz obsiegt und lediglich im
Masslichen
(teilweise) unterliegt. In Streitigkeiten um die Höhe einer Invalidenrente trifft dies zu, wenn nicht die beantragte ganze oder höhere Rente, sondern eine geringere Teilrente zugesprochen wird. Dahinter steht die Überlegung, dass eine „
Überklagung
“ eine Reduktion der Parteientschädigung nicht rechtfertigt, soweit das Rechtsbegehren keinen Einfluss auf den Prozess
auf
wand ausübt (Urteil des Bundesgerichts 9C_995/2012 vom 17. Januar 2013 mit weiteren Hinweisen).
Die durch
Dr.
iur
. Felix Rüegg
vertretene Beschwerde
führe
r
in
hat somit Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung.
Diese ist in Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialver
siche
r
ungsgericht (
GSVGer
) auf Fr. 2‘1
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) fest
zulegen und der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.