Decision ID: 686cb3ef-a420-4a22-89fb-cbdd2ae8ea1b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 25. Oktober 2001 wurde die Ehe von A._ und B._ vom Bezirksgericht Y._/TG
geschieden. Am 4. März 2005 ersuchte B._ beim Bezirksgericht Z._/ZH um
Abänderung des Scheidungsurteils. Am 3. August 2005 liess sich Rechtsanwalt X._
von A._ deren Forderungen aus zwei Verlustscheinen über CHF 97'306.90 und
CHF 22'451.80 gegenüber B._ abtreten. Die Abtretungen zeigte er dem Schuldner
gleichentags an. Im Verfahren betreffend Abänderung des Scheidungsurteils schlossen
A._, vertreten durch Rechtsanwalt X._, und B._ am 4./19. August 2005 eine
Vereinbarung, mit welcher sich B._ verpflichtete, A._ zur Deckung aller
Freizügigkeits- und Unterhaltsansprüche sein Freizügigkeitsguthaben von
CHF 255'671.50 überweisen zu lassen und ihr CHF 257'000 zu bezahlen. Der
Einzelrichter des Bezirksgerichts Z._/ZH merkte die Vereinbarung am 31. August 2005
vor und schrieb das Verfahren als durch Vergleich erledigt ab. Er wies die
Freizügigkeitsstiftung von B._ an, den Betrag von CHF 255'671.50 auf ein
Freizügigkeitskonto von A._ zu überweisen. Am 21. Februar 2011 vergüteten die
Erben von C._ sel., dem Vater von B._, A._ CHF 323'000.
B.
Am 30. April 2021 zeigte A._ Rechtsanwalt X._ bei der Anwaltskammer des Kantons
St. Gallen an. Sie warf ihm vor, neben dem – laufend und ohne Rechnungen bezahlten
– "normalen" Anwaltshonorar von insgesamt rund CHF 30'000 zusätzlich ein
Erfolgshonorar von CHF 50'000 gefordert zu haben. Mangels einer Vereinbarung habe
sie ein solches bisher nicht bezahlt. Rechtsanwalt X._ betreibe sie deshalb seit März
2011 jährlich über den Betrag von rund CHF 60'000. Sie erhebe jeweils
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Rechtsvorschlag. Rechtsanwalt X._ führe das Verfahren aber nie weiter.
Die Anwaltskammer gab Rechtsanwalt X._ am 5. Mai 2021 Gelegenheit, sich zur
Anzeige zu äussern. Da A._ die Frage, ob sie Rechtsanwalt X._ zu irgendeinem
Zeitpunkt vom Anwaltsgeheimnis befreit habe, am 10. Mai 2021 verneint hatte, erhielt
Rechtsanwalt X._ zudem Gelegenheit, sich auch dazu zu äussern. Die Anwaltskammer
verlangte von ihm zudem Auskünfte im Zusammenhang mit dem Honorar.
Rechtsanwalt X._ verwies auf die Aktenaufbewahrungsfrist von zehn Jahren. Deshalb
könne er leider keine Auskünfte erteilen.
Am 20. Juli 2021 eröffnete die Anwaltskammer ein Disziplinarverfahren gegen
Rechtsanwalt X._. Im Entscheid vom 7. Dezember 2021 kam sie zum Schluss,
Rechtsanwalt X._ habe seine Berufspflichten verletzt und mehrfach gegen das
Berufsgeheimnis verstossen (Ziffer 3), büsste ihn mit CHF 4'000 (Ziffer 4) und
auferlegte ihm die Entscheidgebühr von CHF 1'500 (Ziffer 5). Soweit das Verfahren die
im März 2011 eingeleitete Betreibung betraf, wurde es – wegen Verjährung – eingestellt
(Ziffer 1). Bezüglich des Vorwurfs, ein Erfolgshonorar geltend gemacht zu haben, wurde
der Anzeige keine Folge gegeben (Ziffer 2). Die Anzeigerin wurde über den Ausgang
des Verfahrens informiert (Ziffer 6).
C.
Rechtsanwalt X._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 10. Dezember 2021
versandten Entscheid der Anwaltskammer (Vorinstanz) mit Eingabe vom 27. Dezember
2021 und Ergänzung vom 4. Februar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er
beantragt, der angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben.
Mit Vernehmlassung vom 9. Februar 2022 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen. Der
Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf eine abschliessende Stellungnahme.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Considerations:
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 34 Abs. 1 des
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Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz];
SR 935.61, BGFA, in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des st. gallischen Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG). Der Beschwerdeführer ist Adressat des angefochtenen Entscheids
und hat ein eigenes schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, zumal er von der
Feststellung, Berufsregeln verletzt zu haben, und von der ihm auferlegten
Disziplinarmassnahme besonders berührt ist. Er ist daher zur Beschwerdeerhebung
befugt (Art. 34 Abs. 1 BGFA und Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerde gegen den am 10. Dezember 2021 versandten Entscheid der Vorinstanz
wurde mit Eingabe vom 27. Dezember 2021 unter Berücksichtigung des
Fristenstillstandes über die Weihnachts- und Neujahrstage (Art. 30 VRP in Verbindung
mit Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung; SR 272)
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 4. Februar 2022 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 34 Abs. 1 BGFA
und Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mündliche und öffentliche Verhandlung
Der Beschwerdeführer beantragt die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. –
Nach Art. 6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) hat jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf
ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen ("des contestations sur ses droits
et obligations de caractère civil"; "determinations of civil rights and obligations") oder
über eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage von einem unabhängigen und
unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, öffentlich
und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird. Das Urteil muss grundsätzlich
öffentlich verkündet werden. Der Begriff der "civil rights" umfasst nicht nur
zivilrechtliche Streitigkeiten im engeren Sinn, sondern auch Verwaltungsakte einer
hoheitlich handelnden Behörde, sofern sie massgeblich in Rechte und Verpflichtungen
privatrechtlicher Natur eingreifen. Zivilrechtlichen Charakter können daher auch solche
Entscheidungen haben, mit denen einer Person die Erlaubnis zur Ausübung eines
Berufs verweigert oder entzogen wird. Darunter fallen der Widerruf und der
disziplinarische Entzug einer Berufsausübungsbewilligung. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass die Anwendbarkeit von Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf
Disziplinarverfahren gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
nicht davon abhängt, ob im konkreten Fall die Berufsausübungsbewilligung tatsächlich
ausgesetzt oder entzogen wird; es genügt, wenn diese Möglichkeit besteht, weil sie im
Katalog der zulässigen Sanktionen – wie im anwaltsrechtlichen Disziplinarrecht in
Art. 17 Abs. 1 Ingress und lit. d und e BGFA – vorgesehen ist (vgl. BGE 147 I 219 E.
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2.2.1 und 2.2.2 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Pflicht zur Durchführung einer öffentlichen und
mündlichen Verhandlung indessen nicht absolut. Die Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Bundesgerichts lässt ein
Absehen von einer öffentlichen und mündlichen Verhandlung unter anderem dann zu,
wenn die Angelegenheit ohne Weiteres aufgrund der Akten sowie der schriftlichen
Parteivorbringen beurteilt werden kann. Hingegen ist eine öffentliche und mündliche
Verhandlung dann notwendig, wenn die Überprüfung der vorinstanzlichen
Sachverhaltsermittlung erforderlich ist, wenn die Beurteilung der Angelegenheit vom
persönlichen Eindruck abhängt oder wenn das Gericht weitergehende Abklärungen zu
gewissen Punkten treffen muss. Ob eine öffentliche und mündliche Verhandlung
durchzuführen ist, beurteilt sich anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls (vgl.
BGer 1C_502/2020 vom 23. September 2021 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 147 I 153
E. 3.5). – Die Erhebung der für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit
wesentlichen Tatsachen bedarf keiner persönlichen Anwesenheit des
Beschwerdeführers. Insbesondere hätte er die für die Einreichung an Schranken
vorbehaltenen Beweismittel auch im schriftlichen Verfahren beibringen können. Die
Entgegnungen zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen sind der schriftlichen Form ohne
Weiteres zugänglich. Der persönliche Eindruck, den der Beschwerdeführer anlässlich
einer Begegnung beim Gericht hinterlassen würde, ist angesichts des in den Akten
dokumentierten Verhaltens, das ebenfalls Ausdruck seiner Persönlichkeit ist, ohne
Bedeutung. Sein Antrag ist dementsprechend abzuweisen.
3. Streitgegenstand
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass das ihm von der Vorinstanz zur Last
gelegte Verhalten in den der anwaltsrechtlichen Aufsicht unterstehenden
Tätigkeitsbereich fällt. Er beanstandet den angefochtenen Entscheid in formeller
Hinsicht (nachfolgend Erwägung 4) und ist in materieller Hinsicht der Auffassung, er
habe seinen Beruf sorgfältig und gewissenhaft ausgeübt und das Berufsgeheimnis
nicht verletzt (nachfolgend Erwägung 5).
4. Formelle Rügen
Nichtigkeit
Der Beschwerdeführer macht geltend, der vorinstanzliche Entscheid sei nichtig, weil
die –örtlich ohnehin nicht zuständige – Vorinstanz nicht getagt habe. Es fehle ein
Zirkularbeschluss oder ein anderweitiges Protokoll.
4.1.
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Der Beschwerdeführer ist seit 2009 im Anwaltsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen (vgl. www.sg.ch, Recht/Gerichte/Anwalts-&Notarwesen/Anwaltsregister;
aufgesucht am 24. Februar 2022 sowie 30. Mai 2022). Er kann damit in der ganzen
Schweiz ohne weitere Bewilligung Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten und
untersteht der kantonalen Aufsichtsbehörde über die Anwältinnen und Anwälte (Art. 4
und 14 BGFA). Das Gesetz beantwortet die Frage der örtlichen Zuständigkeit der
kantonalen Aufsichtsbehörden in Disziplinarangelegenheiten nicht ausdrücklich. Art. 15
BGFA regelt die Meldepflicht von Gerichts- und Verwaltungsbehörden: Kantonale
Behörden melden Vorfälle, welche die Berufsregeln verletzen könnten, der
Aufsichtsbehörde ihres Kantons (Abs. 1), eidgenössische der Aufsichtsbehörde jenes
Kantons, in dem eine Anwältin oder ein Anwalt eingetragen ist (Abs. 2). Art. 16 BGFA
regelt unter dem Randtitel "Disziplinarverfahren in einem anderen Kanton" das
Vorgehen bei Eröffnung eines Disziplinarverfahrens durch eine Aufsichtsbehörde gegen
im Register ihres Kantons nicht eingetragene Anwältinnen und Anwälte. Das
Anwaltsgesetz des Bundes sieht nicht vor, dass kantonale Aufsichtsbehörden bei ihnen
eingegangene Anzeigen gegen im Register ihres Kantons eingetragene Anwältinnen
und Anwälte der Aufsichtsbehörde jenes Kantons übermitteln müssen, in welchem der
allfällige Verstoss gegen die Berufspflichten begangen wurde. Aus den
bundesrechtlichen Regeln zur Disziplinaraufsicht ergibt sich damit, dass die kantonale
Aufsichtsbehörde bei Anzeigen gegen im Register ihres Kantons eingetragene
Anwältinnen und Anwälten zur Durchführung eines Disziplinarverfahrens in jedem Fall
zuständig ist. Die Vorinstanz war deshalb zur Durchführung des Disziplinarverfahrens
gegenüber dem Beschwerdeführer örtlich zuständig. Dieses Ergebnis steht auch nicht
im Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung, auf welche der
Beschwerdeführer verweist. Vielmehr werden danach von der Aufsicht der kantonalen
Behörde nicht allein die im kantonalen Anwaltsregister eingetragene Personen erfasst,
sondern auch ausserkantonal registrierte Personen, sobald diese im Rahmen eines
Verfahrens vor einer Gerichts- oder Verwaltungsbehörde des betreffenden Kantons
tätig werden (BGer 2C_551/2014 vom 9. Februar 2015 E. 3.3, Hervorhebung nicht im
Original). Die Frage, welcher Kanton zuständig ist, wenn eine Person in mehreren
kantonalen Registern eingetragen ist, stellt sich nicht, zumal der Beschwerdeführer im
Anwaltsregister das Kantons Thurgau, dessen Aufsichtsbehörde er als zuständig
erachtet, nicht eingetragen ist (vgl. www.tg.ch, Justiz/Anwaltswesen/Anwaltsregister/
Kantonales Anwaltsregister, aufgesucht am 24. Februar 2022 sowie 30. Mai 2022).
Der Beschwerdeführer folgert aus dem Umstand eines fehlenden
Verhandlungsprotokolls, die Vorinstanz habe nicht verhandelt. Dieser Schluss ist zwar
richtig, aber verfahrensrechtlich unproblematisch. Eine mündliche Verhandlung findet in
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Anwesenheit der Parteien statt. Auf die Durchführung einer solchen Verhandlung vor
der Anwaltskammer besteht kein Anspruch. Diesbezüglich kann auf die zutreffenden
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Erwägung II/4). – Von der
mündlichen Verhandlung ist die interne Beratung einer Angelegenheit im Spruchkörper
ohne Beteiligung der Parteien zu unterscheiden. Der Beschwerdeführer behauptet, die
Vorinstanz habe nicht getagt. Weder liege ein Protokoll vor noch sei ersichtlich, dass
der Entscheid im Zirkulationsverfahren zustande gekommen sei. – Art. 22 VRP (in
Verbindung mit Art. 41 AnwG) verlangt – Zirkulationsbeschlüsse vorbehalten (Abs. 3) –
bei Kollegialbehörden die Anwesenheit der Mitglieder (Abs. 1). Zwar hat die Vorinstanz
im Beschwerdeverfahren keine Kopie des – wohl bestehenden – Protokolls über die
Sitzung der Anwaltskammer vom 7. Dezember 2021, in welchem Ort, Zeit und
insbesondere die Anwesenheit der am Entscheid mitwirkenden Personen, allenfalls
einzelne Diskussionsbeiträge der Mitwirkenden und der Beschluss festgehalten
wurden, eingereicht. Eine Pflicht zur Protokollierung des Beschlusses sieht das Gesetz
über das Verwaltungsverfahren jedenfalls nicht ausdrücklich vor. Mit dem Rubrum und
dem vom Präsidenten und vom Sekretär der Anwaltskammer unterzeichneten
Dispositiv wird hinreichend zuverlässig beurkundet, wer am Entscheid beteiligt war und
an welchem Tag er gefällt wurde. Ohne den Hinweis auf ein Zirkulationsverfahren wird
damit auch zum Ausdruck gebracht, dass die Mitwirkenden am bekanntgegebenen
Datum gemeinsam, mithin unter Anwesenheit, den Entscheid gefällt haben (vgl. dazu
BGer 2P.318/2006 und 2A.733/2006 vom 27. Juli 2007 E. 6.3). Soweit über den Inhalt
der Beratung, die unter Ausschluss der Parteien stattfindet, ein Protokoll erstellt wird,
handelt es sich zudem ohnehin um ein internes Aktenstück, das dem Anspruch auf
Akteneinsicht nicht unterliegt (vgl. BGer 2A.253/1999 vom 17. Februar 2000 E. 2a). Die
Rüge, der angefochtene Entscheid sei aufgrund des nicht vorgelegten
Sitzungsprotokolls nichtig oder aufzuheben, erweist sich deshalb als unbegründet.
Rechtliches Gehör im vorinstanzlichen Verfahren
Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung verschiedener Teilaspekte seines – aus
Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
BV) und Art. 15 VRP (in Verbindung mit Art. 41 AnwG) abzuleitenden – Anspruchs auf
Gewährung des rechtlichen Gehörs im Verfahren vor der Vorinstanz.
Dass dem Beschwerdeführer die Besetzung der Vorinstanz nicht vorab individuell
bekannt gegeben wurde, trifft zu. Indessen wird im Staatskalender publiziert, wer die
Anwaltskammer präsidiert, welche zwei Personen in den Rechtsanwälte und
Rechtsanwältinnen betreffenden Angelegenheiten als Mitglied amten und wer das
Sekretariat führt (vgl. www.sg.ch; Politik & Verwaltung/Aktueller Staatskalender;
4.2.
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aufgesucht am 28. Februar 2022). Damit war aus dem Staatskalender und dem Internet
die ordentliche Zusammensetzung des Spruchkörpers ersichtlich. Dem
Beschwerdeführer als Rechtsanwalt war es zumutbar, schon während des
erstinstanzlichen Verfahrens die ordentliche Zusammensetzung des Spruchkörpers in
Erfahrung zu bringen und allenfalls ein Ausstandsbegehren zu stellen (vgl. BGer
2C_952/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.6.2). Dass ihm die Zusammensetzung des
Spruchkörpers nicht vorab individuell bekannt gegeben wurde, war für den
Beschwerdeführer nicht nachteilig. Im Übrigen macht er auch beschwerdeweise
gegenüber den Personen, die am Entscheid mit Stimmrecht mitgewirkt haben, keine
Ausstandsgründe geltend.
Soweit der Beschwerdeführer beanstandet, es sei ihm der Aktenschluss nicht mitgeteilt
und damit die Einreichung weiterer Akten vereitelt worden, ist ihm entgegen zu halten,
dass er vom Präsidenten der Vorinstanz mit verfahrensleitender Verfügung vom
27. Oktober 2021 Gelegenheit erhielt, zu verschiedenen Aspekten des Sachverhalts
innert 14 Tagen Stellung zu nehmen. Für den Säumnisfall wurde angekündigt, es werde
aufgrund der Akten entschieden. Für den Beschwerdeführer war damit erkennbar, dass
er die Beweismittel, die er in seiner Stellungnahme vom 4. August 2021 erwähnt hatte
und die aus seiner Sicht für die Beurteilung der Angelegenheit von Bedeutung sein
würden, innert der angesetzten – auf Gesuch hin wohl auch erstreckten – Frist
einreichen musste, andernfalls er dafür keine Möglichkeit mehr haben würde. Darauf
hat er stillschweigend verzichtet. Formell nach der unbenützt abgelaufenen 14-tägigen
Frist einen "Aktenschluss" festzustellen, war deshalb nicht erforderlich. Auch der
Umstand, dass dem Beschwerdeführer das Datum der "Verhandlung" – gemeint wohl
der Beratung – nicht bekannt gegeben wurde, ist deshalb nicht geeignet, seine
verfahrensrechtlichen Ansprüche zu verletzen.
Der Beschwerdeführer macht sodann Unvollständigkeit der Akten geltend mit der
Begründung, es lägen keine Aktennotizen zum telefonischen Kontakt zwischen dem
Sekretär der Vorinstanz und der Anzeigerin beziehungsweise einer Person, die für sie
auftrat, vor. Dass ein solcher telefonischer Kontakt bestand und er nicht schriftlich
dokumentiert wurde, ist unbestritten. Die Vorinstanz hat indessen bei der Beurteilung
der Angelegenheit einzig auf den Inhalt der ihr vorliegenden Akten und schriftlichen
Eingaben abgestellt. Auf mündliche Äusserungen der Anzeigerin oder der Drittperson
wurde nicht abgestellt. Die Rüge der unvollständigen Akten erweist sich als
unbegründet. Ebenso wenig ist der Umstand, dass der Sekretär der Vorinstanz der
Anzeigerin das Vorgehen bei der Einreichung einer Anzeige an die Anwaltskammer
erläutert hat, deshalb geeignet, ihm gegenüber einen Anschein der Befangenheit zu
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5. Materielle Rügen
erwecken (vgl. dazu BGer 2P.318/2006 und 2A.733/2006 vom 27. Juli 2007 E. 5.2).
Dass die Vorinstanz sich auf die Erhebung der aus ihrer Sicht für die Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts beschränkt und – in antizipierter Beweiswürdigung –
weder den Beschwerdeführer noch Zeugen einvernommen und auch keine öffentliche
mündliche Verhandlung durchgeführt hat, ist nicht zu beanstanden.
Der Beschwerdeführer ist schliesslich der Auffassung, das Disziplinarverfahren habe
sich an strafprozessualen Grundsätzen auszurichten. Die Regelung des
Disziplinarverfahrens ist Sache der Kantone (vgl. Art. 34 Abs. 1 BGFA; BGE 129 II 297
E. 1.1, 130 II 270 E. 1.1). Art. 4, 4 und 5 AnwG enthalten Bestimmungen zu
Zusammensetzung, Sekretariat und Aufgaben der Anwaltskammer. Im Abschnitt über
die Aufsicht (Art. 34-40 AnwG) werden in verfahrensrechtlicher Hinsicht einzig die
Veröffentlichung von Massnahmen (Art. 39 AnwG) und die Verjährung (Art. 40 AnwG)
geregelt. In den Schlussbestimmungen verweist Art. 41 AnwG unter dem Randtitel
"Ergänzendes Recht" auf das – sachgemäss anwendbare – Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege. Die Auffassung des Beschwerdeführers, im
Disziplinarverfahren seien die strafprozessualen Regeln ohne Abstriche anzuwenden,
findet deshalb keine Stütze im Gesetz. Soweit der Beschwerdeführer den
strafprozessualen Grundsatz des Anklageprinzips, darin mitenthalten die
Anforderungen an eine Anklageschrift, als verletzt rügt, erweist sich die Beschwerde als
unbegründet.
bis
Unrichtiger Sachverhalt
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz gehe (teilweise) von einem
falschen Sachverhalt aus. Bei den wiederholten Betreibungen, welche stets innert
einem Jahr erfolgt seien, sei es einzig um die Unterbrechung der Verjährung (wegen
ungerechtfertigter Bereicherung) gegangen. Der frühere Ehemann der Anzeigerin habe
dieser die Forderungen aus den an ihn abgetretenen Verlustscheinen von
CHF 97'306.90 und CHF 22'451.80 Valuta 21. Februar 2011 bezahlt.
Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer am 8. Oktober 2021 mitgeteilt, sie werde die
vom Rechtsvertreter des früheren Ehemannes der Anzeigerin ihr zusammen mit einer
Anzeige vom 23. August 2021 – der nicht Folge gegeben werde – eingereichten Akten
im hängigen Disziplinarverfahren berücksichtigen. Dass die Forderungen aus den
Verlustscheinen vom Schuldner mit einer Vergütung vom 21. Februar 2011 über
CHF 323'000 an die Anzeigerin möglicherweise beglichen worden waren, ergab sich
5.1.
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aus diesen Akten. Der Beschwerdeführer hat sich allerdings zu den daraus
hervorgehenden Tatsachen im vorinstanzlichen Verfahren trotz entsprechender
Aufforderung nicht geäussert. Insbesondere hat er keinen Zusammenhang mit den
jährlichen Betreibungen ab März 2011 geltend gemacht. Indem die Vorinstanz unter
diesen Umständen davon ausging, die jährlich eingeleiteten Betreibungen einer
Forderung von CHF 59'879 gälten nicht der Durchsetzung der an ihn abgetretenen
Verlustscheinforderungen, sondern der Eintreibung offener Honorarforderungen, hat sie
die Beweise in zulässiger Weise und im Einklang mit den Akten gewürdigt. Der
Beschwerdeführer hat in sämtlichen Betreibungen als Forderungsurkunde und -grund
jeweils einen "Auftrag vom 26.1.2011 (Gerichtsstand R._ SG) Honorarnote vom
26. Februar 2011 mit Zahlungsfrist 10 Tage" angegeben. Die vom Beschwerdeführer
geltend gemachte Beweiswürdigung lässt sich dagegen aktenmässig nicht belegen,
sondern erscheint vielmehr unglaubwürdig. Den Forderungsgrund hat er in den
Betreibungen unmissverständlich angegeben. Im Zusammenhang mit der Betreibung
im Jahr 2017 hat er zudem gegenüber der Anzeigerin am 21. Juni 2017 ausdrücklich
festgehalten, es bestünden noch Honorarforderungen und bat sie, um diese gerichtlich
beurteilen lassen zu können, ihn vom Berufsgeheimnis zu entbinden. Die
Verlustscheinforderungen bestanden zudem gegenüber dem früheren Ehemann der
Anzeigerin. Der Beschwerdeführer hat denn auch – erstmals – im Januar 2021
gegenüber diesem eine Betreibung eingeleitet. Die Rüge, die Vorinstanz sei – aufgrund
einer fehlerhaften Beweiswürdigung – von einem falschen Sachverhalt ausgegangen,
erweist sich damit als unbegründet.
Allgemeine Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung5.2.
Rechtliches
Gemäss Art. 12 Ingress und lit. a BGFA haben Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben. Art. 12 Ingress und lit. a BGFA
dient als Auffangtatbestand. Praxisgemäss rechtfertigt eine unsorgfältige
Berufsausübung im Sinne dieser Bestimmung ein staatliches Eingreifen nur dann, wenn
diese objektiv eine solche Schwere erreicht, dass – über die bestehenden
Rechtsbehelfe aus Auftragsrecht wegen unsorgfältiger Mandatsführung hinaus – eine
zusätzliche Sanktion im überwiegenden öffentlichen Interesse liegt und
verhältnismässig erscheint; diese Voraussetzung ist erst bei einer qualifizierten Norm-
bzw. Sorgfaltswidrigkeit gegeben. Art. 12 Ingress und lit. a BGFA setzt somit einen
bedeutsamen Verstoss gegen die Berufspflichten ("un manquement significatif aux
devoirs de la profession") voraus (BGer 2C_507/2019 vom 14. November 2019 E. 5.1.2
mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 II 473 E. 4.1). Nach Beendigung des
5.2.1.
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Auftragsverhältnisses zwischen dem Anwalt und seinem früheren Klienten besteht kein
Treueverhältnis mehr, das dem Anwalt ein Vorgehen gegen den ehemaligen Klienten
schlechthin verbieten würde (BGer 5A_562/2021 vom 3. Dezember 2021 E. 3.3.2).
Die blosse Einleitung einer Betreibung – welche von Gesetzes wegen an keinerlei
Voraussetzungen gebunden ist (vgl. Art. 38 und 67 des Bundesgesetzes über
Schuldbetreibung und Konkurs; SR 281.1, SchKG) und insbesondere vorgängig weder
eine Zahlungsaufforderung noch eine Androhung der Betreibung verlangt – vermag
grundsätzlich keine gegen Art. 12 Ingress und lit. a BGFA verstossende Handlung
darzustellen, auch wenn ein Eintrag im Betreibungsregister für den Betroffenen
unangenehm sein mag. Anders verhält es sich nur dann, wenn die Betreibung geradezu
missbräuchlich ist (vgl. BGE 130 II 270 E. 3.2). Diese Rechtsprechung bezieht sich zwar
auf die Frage, wann das Vorgehen eines Rechtsanwalts gegen eine Gegenpartei
unnötig forsch und unangebracht hart ist und damit dem Gebot der sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung widerspricht und unter Umständen eine
Disziplinierung wegen Verletzung von Art. 12 Ingress und lit. a BGFA rechtfertigt. Es
erscheint gerechtfertigt, zumindest diesen Massstab auch im Verhältnis zu früheren
Mandantinnen und Mandanten, denen gegenüber der Rechtsanwalt aus dem
Auftragsverhältnis verbliebene Forderungen durchsetzen will, anzuwenden.
Nach ständiger Rechtsprechung erweist sich eine Betreibung nur in Ausnahmefällen
wegen Rechtsmissbrauch als nichtig. Dazu gehört insbesondere ein Verhalten des
Gläubigers, der mit einer Betreibung offensichtlich Ziele verfolgt, die nicht das
Geringste mit der Zwangsvollstreckung zu tun haben. Dies ist beispielsweise der Fall,
wenn bloss die Kreditwürdigkeit des (angeblichen) Schuldners geschädigt werden soll
oder wenn zwecks Schikane ein völlig übersetzter Betrag in Betreibung gesetzt wird
(vgl. BGer 5A_727/2019 vom 12. November 2020 E. 4.3.1 mit Hinweisen auf BGE 140
III 481 E. 2.3.1; 130 II 270 E. 3.3.2 und weitere Rechtsprechung). Die Angaben zur
Forderungsurkunde bzw. zum Forderungsgrund sollen dem Schuldner zusammen mit
dem weiteren Inhalt des Zahlungsbefehls über den Anlass der Betreibung Aufschluss
geben. Hingegen kann es nicht darum gehen, dem Betreibungsamt die materielle
Prüfung der Forderung zu ermöglichen. Vielmehr sollen die Anforderungen an einen
Zahlungsbefehl dem Schuldner die notwendigen Informationen über die Forderung
verschaffen, die Gegenstand der konkreten Betreibung bildet. Fehlt es an einer
Forderungsurkunde, so ist immerhin der Forderungsgrund zu nennen. Eine knappe
Umschreibung der Forderungsurkunde beziehungsweise des Forderungsgrundes
genügt, wenn die in Betreibung gesetzte Forderung dem Schuldner aus dem
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Gesamtzusammenhang nach Treu und Glauben erkennbar wird. Dem Schuldner soll
ermöglicht werden, sich allenfalls zur Anerkennung des in Betreibung gesetzten
Betrages zu entschliessen. Hingegen soll er nicht Rechtsvorschlag erheben müssen,
um erst in einem anschliessenden Rechtsöffnungsverfahren oder Forderungsprozess
von der gegen ihn geltend gemachten Forderung Kenntnis zu erhalten (vgl. BGer 5A.
726/ vom 12. November 2020 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 141 III 173 E. 2.2.2 und
weitere Rechtsprechung). Auch eine Betreibung und das Androhen einer solchen ist
grundsätzlich zulässig. Eine unzulässige Nötigung liegt vor, wenn die Betreibung
rechtsmissbräuchlich erfolgt (vgl. BGer 6B_1037/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.3.3 mit
Hinweisen auf weitere Rechtsprechung).
Würdigung
Der Beschwerdeführer hat für die seit März 2011 gegenüber der Anzeigerin jährlich
eingeleiteten Betreibungen als Forderungsgrund stets einen "Auftrag vom 26. Januar
2011" und eine am 26. Februar 2011 ausgestellte "Honorarnote" mit einer Zahlungsfrist
von zehn Tagen genannt. Welchen Inhalt der Auftrag hatte und welche anwaltlichen
Leistungen im Wert von knapp CHF 60'000 er innerhalb eines Monats erbrachte, hat
der Beschwerdeführer im Lauf des Verfahrens nicht konkretisiert. Vielmehr hat er,
nachdem die Anzeige erstattet worden war, einen anderen Forderungsgrund – nämlich
eine ungerechtfertigte Bereicherung der Anzeigerin – geltend gemacht. Obwohl er sich
auf einen Auftrag und eine Honorarnote stützte und der Auffassung war, der Anzeigerin
seien im Februar 2011 Mittel zugeflossen, die es ihr ermöglicht hätten, die von ihm
geltend gemachte Forderung zu begleichen, hat er das Betreibungsverfahren nie
fortgesetzt und – gegen den von der Anzeigerin jeweils erhobenen Rechtsvorschlag –
beim Richter Rechtsöffnung verlangt. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass ihm
selbst allenfalls vorhandene Unterlagen als nicht geeignet erschienen, eine
(provisorische) Rechtsöffnung zu erlangen. Noch geringer wären die Aussichten
gewesen, gegenüber der Anzeigerin einen Anspruch aus ungerechtfertigter
Bereicherung gestützt auf die Zessionen vom 3. August 2005 unmittelbar auf dem Weg
der Zwangsvollstreckung durchzusetzen. Wenn der Beschwerdeführer von der
Gültigkeit der Zessionen vom 3. August 2005 ausgeht, ist – was er schliesslich
ebenfalls auf dem Weg der Zwangsvollstreckung im Januar 2021 versucht hat – die
Forderung ohnehin nicht gegenüber der Anzeigerin, sondern gegenüber deren früheren
Ehemann geltend zu machen. In dieser Betreibung wurde das Rechtsöffnungsbegehren
des Beschwerdeführers abgewiesen und er wurde auf den ordentlichen Prozessweg
verwiesen, weil die Gläubigeridentität wegen erheblicher Zweifel am Bestand der
Zessionen fraglich und die Zahlung vom 21. Februar 2011 über CHF 323'000 vom
5.2.2.
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früheren Ehemann der Anzeigerin an diese als gutgläubige und in Kenntnis des
Beschwerdeführers erfolgte Tilgung der ursprünglich an den Beschwerdeführer
zedierten Forderungen zu qualifizieren war. Indem der Beschwerdeführer die Anzeigerin
während Jahren regelmässig betrieben hat, konnte er damit nicht ernsthaft die
Vollstreckung einer ihr gegenüber bestehenden liquiden Forderung bezwecken.
Es verbleibt damit der Zweck, die Verjährung der betriebenen Forderung zu
unterbrechen. Beruhte die Forderung auf einem Auftrag vom 26. Januar 2011 und einer
Honorarnote vom 26. Februar 2011, bestand jedenfalls bis zum Jahr 2015 kein Anlass,
die fünfjährige Verjährungsfrist, wie sie für Forderungen aus Berufsarbeiten von
Anwälten gilt (vgl. Art. 128 Ingress und Ziff. 3 des Schweizerischen Obligationenrechts;
SR 220, OR), zu unterbrechen. Angesichts der Unklarheit über den Bestand der
Forderung wäre es nähergelegen, sie auf dem ordentlichen Prozessweg geltend zu
machen. Soweit es um eine Forderung gegenüber deren früherem Ehemann gegangen
sein sollte, war die Betreibung der Anzeigerin von vornherein nicht geeignet, die
Verjährung zu unterbrechen.
Das Verhalten des Beschwerdeführers – während zehn Jahren jährlich einer Forderung
in Betreibung zu setzen, deren Bestand offenkundig nicht in einer eine provisorische
Rechtsöffnung rechtfertigender Weise zu belegen war – erscheint in einem Ausmass
als schikanös und damit missbräuchlich, das als qualifizierte Sorgfaltswidrigkeit
gegenüber seiner früheren Mandantin eingestuft werden muss. Die Vorinstanz ist
deshalb zu Recht davon ausgegangen, der Beschwerdeführer habe seine
Berufspflichten massiv verletzt und damit gegen Art. 12 Ingress und lit. a BGFA
verstossen.
Berufsgeheimnis
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe nicht die Kompetenz zu
beurteilen, ob das Anwaltsgeheimnis im Sinn von Art. 321 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB) verletzt worden sei. Sie dürfe das auch nicht
antizipiert oder subsidiär tun und damit das Strafrecht "übersteuern". Rechtens wäre
es, das Disziplinarverfahren zu sistieren, bis ein rechtskräftiger strafrechtlicher
Entscheid vorliege. – Der Vorwurf, die Vorinstanz habe eine strafrechtliche Frage
entschieden, steht im offensichtlichen Widerspruch mit dem angefochtenen Entscheid.
Darin wird ausdrücklich festgehalten, eine strafbare Handlung (insbesondere im Sinn
von Art. 321 StGB), liege nicht nachweislich vor (vgl. Erwägung 2b des angefochtenen
Entscheides). Sodann hat die Vorinstanz Art. 13 BGFA ausgelegt und angewendet und
in diesem Zusammenhang einzig festgestellt, der Geheimnisbegriff in dieser
5.3.
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Bestimmung decke sich mit jenem in Art. 321 StGB und die Geheimhaltungspflicht
bleibe ebenfalls nach Beendigung des Mandats bestehen. Die Tathandlung im
Disziplinarrecht sei aber wesentlich weiter als jene im Strafrecht. Insbesondere genüge
für die Verhängung einer Disziplinarmassnahme eine ernsthafte Gefährdung des
Berufsgeheimnisses (durch Unterlassung). – Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die
Vorinstanz habe unzuständigerweise eine strafbare Verletzung des Berufsgeheimnisses
festgestellt, erweist sich damit als unbegründet.
Der Beschwerdeführer bringt sodann vor, die Vorinstanz gehe davon aus, die
Betreibungen gegenüber der Anzeigerin seien bis zur Praxisänderung zulässig
gewesen, und sie sanktioniere infolgedessen nur die späteren Betreibungshandlungen
wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses. Der Tatbestand einer
Berufsgeheimnisverletzung könne objektiv und subjektiv jedoch nicht nochmals
begangen werden, wenn bei derselben Behörde dieselbe Forderung erneut betrieben
werde. Die Tatsache sei dem Betreibungsamt bereits vor Januar 2017 bekannt
gewesen. Wenn A vor 2017 von einem "Berufsgeheimnis" zulässigerweise etwas wisse,
könne A gegenüber nach Januar 2017 durch einfache Wiederholung gar keine
Berufsgeheimnisverletzung (mehr) stattfinden. – Der Auffassung des
Beschwerdeführers ist entgegenzuhalten, dass ein Geheimnis selbst dann offenbart
werden kann, wenn der Empfänger die geheim zu haltende Tatsache bereits kennt (vgl.
BGE 75 IV 71 E. 2). Der Beschwerdeführer konnte auch nicht davon ausgehen, dass
während mehrerer Jahre stets dieselben Personen mit der Abwicklung des
Betreibungsverfahrens betraut sein würden. Er hat denn auch – wohl durchaus im
Bewusstsein der Änderung der Rechtsprechung der Anwaltskammer – versucht, im
Jahr 2017 von der Anzeigerin eine Entbindung vom Berufsgeheimnis zu erlangen.
Damit ist auch die Schlussfolgerung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe mit
seinem Verhalten jeweils Geheimnisse, die er bei Ausübung seines Berufs
beziehungsweise im Rahmen seines ihm von der Anzeigerin übertragenen Mandats
wahrgenommen hatte, gegenüber unberechtigten Dritten (Betreibungsamt und
Friedensrichteramt Y._) nicht geheim gehalten und dadurch – mehrfach – gegen
Art. 13 Abs. 1 BGFA verstossen, nicht zu beanstanden.
Bemessung der Busse
Der Beschwerdeführer beanstandet auch die Bemessung der Busse. Die Vorinstanz
verweise für die "Strafverschärfung" auf einen früheren Vorwurf und gehe dabei
aktenwidrig von einem falschen Sachverhalt aus. Die Rede sei von einer Klientin,
tatsächlich habe es sich "um die (nicht erbrechtlich begünstigte) ex Frau des
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Erblassers" gehandelt. Er sei Willensvollstrecker gewesen. Die ex Frau des Erblassers
habe sowohl vom Sozialamt H._ als auch den Erben Geld (aus angeblich
geschuldeten Unterhaltsbeiträgen) gefordert. Obgleich der ex Frau – sie sei bereits
lebzeitig durch Alimentenbevorschussung der Wohngemeinde befriedigt worden –
keine Forderung (mehr) zugestanden habe, habe sie (gegenüber eingesetzter Erbin,
Willensvollstrecker und Sozialamt H._) einen regelrechten Telefonterror betrieben.
Bei Verletzung der Berufsregeln kann die Aufsichtsbehörde gemäss Art. 17 Abs. 1
BGFA eine Verwarnung (lit. a), einen Verweis (lit. b), eine Busse bis CHF 20'000 (lit. c),
ein befristetes Berufsausübungsverbot für längstens zwei Jahre (lit. d) oder ein
dauerndes Berufsausübungsverbot (lit. e) anordnen (vgl. BGer 2C_897/2015 vom
25. Mai 2016 E. 5.2.2). Die Bestimmung von Art und Mass der Sanktion ist vorab Sache
der zuständigen Aufsichtsbehörde. Ihr kommt diesbezüglich ein weiter
Ermessensspielraum zu. Das Verwaltungsgericht, bei welchem gemäss Art. 61 Abs. 1
VRP einzig Rechtsverletzungen gerügt werden können, greift nur ein, wenn die
angefochtene Sanktion den Rahmen des pflichtgemässen Ermessens sprengt und
damit als willkürlich und unverhältnismässig erscheint (vgl. BGer 2C_536/2018 vom
25. Februar 2019 E. 4.1 und 5.3). Berücksichtigt werden insbesondere die Schwere der
Berufsregelverletzung, das Mass des Verschuldens sowie das berufliche Vorleben des
Anwalts (T. Poledna, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], a.a.O., N 23 ff. zu Art. 17 BGFA). Eine
Verwarnung oder ein Verweis als im Vergleich zur Busse mildere Massnahmen
kommen vorab bei geringfügigen Verfehlungen in Betracht.
Die Vorinstanz hat die Bemessung der Busse damit begründet, der Verstoss gegen die
Treuepflicht gegenüber seiner ehemaligen Klientin sei als mittelschwer zu werten. Dass
der Beschwerdeführer mehrfach verstossen habe, sei sanktionserhöhend zu
berücksichtigen. Ebenfalls zu seinen Lasten wirke sich aus, dass bei ihm Einsicht in
sein Fehlverhalten nicht erkennbar sei. Gleiches gelte für den Umstand, dass er von der
Anwaltskammer am 27. Februar 2019 wegen Verletzung von Art. 12 Ingress und lit. a
BGFA mit einem Verweis diszipliniert worden sei. Dieser Verweis wurde – nachdem der
Beschwerdeführer das dagegen beim Verwaltungsgericht erhobene Rechtsmittel am
10. April 2019 zurückgezogen hatte (B 2019/51) – rechtskräftig. Dass der Hinweis des
Beschwerdeführers auf eine fehlerhafte Darstellung des dem Verweis
zugrundeliegenden Sachverhalts möglicherweise zutrifft, vermag nichts daran zu
ändern, dass die Anwaltskammer in ihrem damaligen Entscheid vom 27. Februar 2019
den – zutreffenden – Sachverhalt als Verletzung der anwaltlichen Berufspflicht des
Beschwerdeführers beurteilt hat, der mit einem Verweis disziplinarrechtlich geahndet
wurde. Dass dieser Umstand erhöhend berücksichtigt wurde, ist nicht zu beanstanden.
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6. Zusammenfassung und Kosten
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten
sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).