Decision ID: 9fe40d0e-859f-50d2-afe7-2f1caeae1aba
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 31). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
Berufslehre als B._ sowie eine Ausbildung zum C._ in der Endverarbeitung
absolviert. Die im Anmeldeformular enthaltenen Fragen zu seinen beruflichen
Tätigkeiten beantwortete er nicht. Als relevante Gesundheitsbeeinträchtigungen nannte
er Rückenschmerzen und Schmerzen im linken Bein. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete
die Medizinisches Gutachtenzentrum Region St. Gallen (MGSG) GmbH am 14. April
2016 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 125). Im Bericht über eine im Rahmen der
Begutachtung durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit war
festgehalten worden, dass dem Versicherten aus funktioneller Sicht eine leichte bis
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit mit einer maximalen Arbeitszeit von sechs
Stunden pro Tag zumutbar sei. Der orthopädische Sachverständige führte aus, der
Versicherte leide an einer Pseudolumboischialgie rechts sowie – ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit – an unklaren Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk, an einem
Status nach dem Einsetzen einer Hüfttotalprothese links, an leichten Spreizfüssen und
an einer Adipositas. Die bisherige Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter, die als leicht zu
qualifizieren sei, aber vorwiegend sitzend habe ausgeübt werden müssen, sei
retrospektiv seit Mai 2008 nur zu 75 Prozent zumutbar. Für körperlich leichte bis
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten sei für die Zeit ab Mai 2008 keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Der psychiatrische Sachverständige
hielt fest, der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen depressiven Episode und einem somatischen Syndrom
A.a.
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sowie an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und
abhängigen Persönlichkeitszügen. Retrospektiv sei für die Zeit ab etwa Januar 2014
von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für die angestammte Tätigkeit und von einer
Arbeitsfähigkeit von 60 Prozent für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit auszugehen.
Die Prognose sei verhalten günstig. Im Idealfall könne binnen eines Jahres eine
Leistungssteigerung auf 70 Prozent für die angestammte und auf 80 Prozent für eine
leidensadaptierte Tätigkeit erreicht werden. Der internistische Sachverständige stellte
keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Mit einer Verfügung vom
17. Oktober 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 155). Zur Begründung führte sie an,
in somatischer Hinsicht sei der Versicherte gemäss dem Gutachten der MGSG GmbH
für leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig. Im psychiatrischen
Teilgutachten sei festgehalten worden, dass sich der Gesundheitszustand mittels einer
Intensivierung der Therapie verbessern lasse. Mangels einer „ausgewiesenen
Therapieresistenz“ liege kein „invalidisierender Gesundheitsschaden“ vor, weshalb in
Abweichung vom „an sich beweiskräftigen“ Gutachten auch in psychiatrischer Hinsicht
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
Der Versicherte liess am 17. November 2016 eine Beschwerde gegen die
Verfügung vom 17. Oktober 2016 erheben. Das Versicherungsgericht hob die
angefochtene Verfügung mit einem Entscheid vom 25. Juni 2019 auf und wies die
Sache zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens an die IV-Stelle zurück (IV
2016/398). Es hielt fest, das orthopädische Teilgutachten der MGSG GmbH sei aus der
Sicht eines medizinischen Laien als teilweise unvollständig und insgesamt als nicht
ausreichend schlüssig zu qualifizieren. Nach der (erneut) geänderten
bundesgerichtlichen Auffassung zur „invalidisierenden Wirkung“ von leicht- und
mittelgradig ausgeprägten depressiven Störungen stehe der Umstand, dass noch
weitere Therapieoptionen bestünden, dem Attest einer relevanten Arbeitsunfähigkeit
nicht (mehr) entgegen. Der Schluss der IV-Stelle, angesichts der noch bestehenden
therapeutischen Optionen könne in psychiatrischer Hinsicht keine „invalidisierende“
Arbeitsunfähigkeit vorliegen, erweise sich damit als falsch. Die Zweifel der IV-Stelle am
Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung seien berechtigt. Diese Zweifel erlaubten es
allerdings nicht, auf das Gegenteil (dass keine Persönlichkeitsstörung vorliege) zu
A.b.
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B.
schliessen. Vielmehr erweise sich der Sachverhalt in dieser Hinsicht als unzureichend
abgeklärt. Die IV-Stelle werde also nicht nur ein neues orthopädisches, sondern auch
ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben haben. Dafür sei die Sache
an sie zurückzuweisen.
Die IV-Stelle erhob eine Beschwerde gegen diesen Entscheid und machte
insbesondere geltend, das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weigere sich
konstant, die bundesgerichtliche Auffassung zu beachten, wonach das kantonale
Gericht bei Zweifeln an der Zuverlässigkeit eines Administrativgutachtens ein
Gerichtsgutachten in Auftrag geben müsse. Mit einem Urteil vom 25. September 2019
(9C_463/2019) hob das Bundesgericht den Entscheid des Versicherungsgerichtes vom
25. Juni 2019 auf. Das Bundesgericht hielt fest, das Versicherungsgericht habe die
Sache nicht zur Beantwortung einer „bisher vollständig ungeklärten Frage“ und auch
nicht zur Einholung einer Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung des Gutachtens an
die IV-Stelle zurückgewiesen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis sei die
Rückweisung deshalb unzulässig gewesen. Das Versicherungsgericht hätte vielmehr –
im Interesse der Verfahrensfairness und der „Straffung des Gesamtverfahrens“
respektive der „beschleunigten Rechtsgewährung“ – ein Gerichtsgutachten einholen
müssen. Die Sache sei deshalb an das Versicherungsgericht zurückzuweisen und
dieses sei zu verpflichten, ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben.
A.c.
Das Versicherungsgericht teilte den Parteien am 30. Oktober 2019 mit (act. G 2),
es beabsichtige, die ABI GmbH mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens
zu beauftragen.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 8. November
2019 (act. G 3), dass den Sachverständigen der ABI GmbH der vom Bundesamt für
Sozialversicherungen ausgearbeitete Fragenkatalog unterbreitet werde oder dass die
Sachverständigen zumindest auf die Notwendigkeit hingewiesen würden, die
bundesgerichtliche Auffassung zu den sogenannten „Standardindikatoren“ zu
berücksichtigen, wie es erfahrungsgemäss der Praxis des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen in anderen Fällen mit Gerichtsgutachten entspreche.
B.b.
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Der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) protestierte am 18.
November 2019 gegen die Wahl der Gutachterstelle (act. G 4). Er liess geltend machen,
die ABI GmbH sei bekannt für ihren „zynischen“ Umgang mit Menschen. Man müsse
davon ausgehen, dass sie „profitorientiert geschäfte“. Anhand von „haarsträubenden“
Beispielen zeige sich, dass teilweise die internen Qualitätskontrollen versagten. Ein
ABI-Gutachten sei „nie“ unvoreingenommen.
B.c.
Mit einem Beweisbeschluss vom 17. März 2020 (act. G 5) beauftragte das Ver
sicherungsgericht die ABI GmbH mit der Einholung eines Gerichtsgutachtens zur
Beantwortung der Fragen nach den Diagnosen, der Prognose, der Arbeitsfähigkeit in
der angestammten und in einer leidensadaptierten Tätigkeit, der Umschreibung des
Anforderungsprofils, allfälliger Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
sowie dem mutmasslichen Beginn und Verlauf einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit. Das
Gericht hielt fest, es werde die Sachverständigen der ABI GmbH verpflichten, die in
den BGE 141 V 281 und 143 V 409 statuierten Vorgaben zu beachten. Die Wahl sei vor
allem deshalb auf die ABI GmbH gefallen, weil diese als eine der wenigen
Gutachterstellen Gewähr für die vom Bundesgericht als vorrangiges Interesse des
Beschwerdeführers fingierte rasche materielle Erledigung des Verfahrens bieten könne.
B.d.
Der Beschwerdeführer teilte am 11. Mai 2020 mit (act. G 6), dass er gegen die aus
seiner Sicht „schlechte Wahl“ keine Beschwerde erheben werde. Er gebe zu bedenken,
dass die Geschwindigkeit bei der Erledigung eines Auftrages wohl kaum ein Argument
für die Qualität sein könne. Sonst müsste man ja der Rechtsprechung des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen „ganz schlechte Noten“ erteilen.
B.e.
Am 29. Mai 2020 erteilte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen der
ABI GmbH den Auftrag zur Erstellung eines Gerichtsgutachtens (act. G 7).
B.f.
Am 4. Juni 2020 forderte der federführende Sachverständige der ABI GmbH beim
Versicherungsgericht einen aktuellen IV-Aktenauszug an (act. G 8). Das
Versicherungsgericht ersuchte die Beschwerdegegnerin in der Folge, die Akten in
elektronischer Form einzureichen. Am 10. Juni 2020 reichte die Beschwerdegegnerin
eine CD mit den Akten eines anderen Versicherten ein (act. G 8.1). Das Versehen der
Beschwerdegegnerin wurde zunächst nicht bemerkt. Die ABI GmbH musste das
B.g.
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Versicherungsgericht deshalb in der Folge nochmals ersuchen, die Akten des
Beschwerdeführers einzureichen; das Versicherungsgericht musste die
Beschwerdegegnerin nochmals zur Akteneinreichung anfordern. Erst am 22. Juni 2020
konnten die richtigen Akten an die ABI GmbH weitergeleitet werden (act. G 9).
Am 11. August 2020 bot die ABI GmbH den Beschwerdeführer zu den einzelnen
Untersuchungen auf (act. G 11).
B.h.
Am 25. August 2020 lehnte der Beschwerdeführer die Sachverständigen Dr. med.
D._, Dr. med. E._ und Dr. med. F._ mit der Begründung ab (act. G 13), es handle
sich dabei nicht nur um „schlechte Gutachter“; sie würden ihre Gutachten auch „nicht
ergebnisneutral“ erstellen. In einem anderen Fall sei ein ABI-Gutachten von anderen
Sachverständigen mit dem Hinweis kritisiert worden, die Sachverständigen der
ABI GmbH hätten die Qualitätsleitlinien der SGPP nicht erfüllt; „diese werden durchs
ABI nie erfüllt, weil das eine sorgfältigere Exploration benötigen würde, was sich nicht
rechnet mit der Entschädigung des BSV“.
B.i.
Am 3. September 2020 teilte das Versicherungsgericht der ABI GmbH mit, dass die
Untersuchungen verschoben werden müssten, weil zuerst über die Ausstandsbegehren
vom 25. August 2020 entschieden werden müsse, was einige Zeit in Anspruch nehmen
werde (act. G 16).
B.j.
Mit einem Beweisbeschluss vom 8. September 2020 wies das
Versicherungsgericht die Ausstandsbegehren gegen die Sachverständigen Dres. D._,
E._, G._ und F._ ab (act. G 19).
B.k.
Am 30. Oktober 2020 ersuchte das Versicherungsgericht die ABI GmbH (act. G 20),
neue Termine anzusetzen. Es wies darauf hin, dass der Beweisbeschluss vom 8.
September 2020 unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen sei, weshalb die
ursprünglich geplanten Untersuchungen nun durchgeführt werden könnten. Am 1.
Dezember 2020 bot die ABI GmbH den Beschwerdeführer erneut zu den persönlichen
Untersuchungen auf (act. G 21).
B.l.
Am 24. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer ein
Wiedererwägungsgesuch ein (act. G 23), mit dem er die Neuvergabe des
B.m.
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Gutachtensauftrages entweder an die MEDAS Luzern oder an das asim in Basel
beantragte. Zur Begründung machte er geltend, das Bundesamt für
Sozialversicherungen habe die IV-Stellen aufgrund eines jüngst publik gewordenen
Zwischenfalls angewiesen, keine bidisziplinären Gutachten mehr bei der ABI GmbH
einzuholen. Eine Versicherungsrichterin teilte dem Beschwerdeführer am 29. Dezember
2020 mit, dass keine Gesetzesgrundlage existiere, die es dem Versicherungsgericht
erlauben würde, einen formell rechtskräftigen Gerichtsentscheid in Wiedererwägung zu
ziehen, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch vom 24. Dezember 2020 nicht
eingetreten werden könne (act. G 24). Am 4. Januar 2021 insistierte der
Beschwerdeführer, der verfahrensleitende Richter müsse sich mit dem
Wiedererwägungsbegehren befassen und die Beschwerdegegnerin müsse Kenntnis
vom Wiedererwägungsgesuch erhalten (act. G 25). Am 12. Januar 2021 erliess der
verfahrensleitende Richter einen Nichteintretensentscheid (act. G 26).
Am 17. März 2021 erstattete die ABI GmbH das vom Versicherungsgericht in
Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten (act. G 27). Der internistische
Sachverständige hielt fest, beim Beschwerdeführer bestehe das Vollbild eines
metabolischen Syndroms, basierend auf einer morbiden Adipositas. Der zum Syndrom
gehörende Diabetes mellitus habe bisher keine relevanten Folgeerscheinungen gehabt;
er sei medikamentös gut eingestellt. Anderweitige internistische Probleme seien nicht
feststellbar gewesen. Aus internistischer Sicht sei der Beschwerdeführer
uneingeschränkt arbeitsfähig. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, im
Rahmen der Untersuchung seien keine Konzentrationsstörungen aufgefallen. Die
Stimmung sei etwas herabgesetzt, aber nicht depressiv gewesen. Der
Beschwerdeführer habe vereinzelt auch herzhaft lachen können. Der Antrieb sei nicht
vermindert gewesen. Der affektive Kontakt sei gut gewesen. Der Beschwerdeführer
habe einen wachen Eindruck gemacht. Er sei bewusstseinsklar und vollständig
orientiert gewesen. Die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt
gewesen. Insgesamt habe sich ein unauffälliger objektiver klinischer Befund gezeigt.
Eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. Die
durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektivierten geklagten
Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung seien mit Blick auf die
psychosozialen Belastungsfaktoren diagnostisch als Ausdruck einer chronischen
B.n.
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Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu qualifizieren. Die in den
Akten erwähnte depressive Störung sei remittiert. In der aktuellen Untersuchung hätten
keine Hinweise für das Vorhandensein einer depressiven Erkrankung festgestellt
werden können. Die Blutuntersuchungen hätten gezeigt, dass der Beschwerdeführer
die Antidepressiva entgegen seiner Angaben nicht regelmässig einnehme. Die in den
Vorakten erwähnten depressiven Symptome seien objektiv nicht mehr nachweisbar
gewesen. Auch Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung hätten nicht vorgelegen. Der
Beschwerdeführer habe zwar eine schwere Kindheit gehabt, weil sein Vater sehr
jähzornig gewesen sei, aber er habe problemlos in die Schweiz emigrieren, während
Jahren hier arbeiten, sich bei der Arbeit durchsetzen und eine stabile Beziehung zu
seiner Ehefrau pflegen können. Auch die Beziehung zu den Kindern sei gut. Früher
habe er intensive Kontakte mit Kollegen gepflegt und jetzt habe er immer noch
regelmässig Kontakt mit einigen Kollegen. Im Gutachten der MGSG GmbH sei die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit einem sozialen Rückzugsverhalten
begründet worden. Dieser Rückzug sei aber nicht stark ausgeprägt und vor allem
dadurch bedingt gewesen, dass die Kollegen den Beschwerdeführer für einen
Simulanten gehalten hätten. Ein Mensch, der an einer Persönlichkeitsstörung leide, sei
sowohl in seiner Arbeitsfähigkeit als auch in der Pflege von persönlichen Beziehungen
erheblich beeinträchtigt. Das sei beim Beschwerdeführer aber nicht der Fall. In den
Akten fänden sich keine Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer jemals während
einer längeren Zeit an einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode gelitten
hätte. Zum jetzigen Zeitpunkt könne mit Sicherheit keine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht festgestellt werden und auch rückwirkend
fänden sich keine klaren Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen wäre. Der
orthopädische Sachverständige hielt fest, der Beschwerdeführer leide an chronischen
Schulterbeschwerden rechts bei einem Status nach einer Verletzung im Rahmen eines
Sturzes mit dem Fahrrad im Juni 2017, an chronischen Hüftbeschwerden rechts bei
einer Femurkopfnekrose und einer mässigen Coxarthrose ohne ein klinisch fassbares
höhergradiges funktionelles Defizit, an einem chronischen tieflumbalen und beidseitig
glutealen Schmerzsyndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
chronischen Hüftbeschwerden links, an chronischen Beinbeschwerden rechts, an
einem Status nach Rippenserienfrakturen, einem Milzriss und multiplen Prellungen im
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Rahmen eines Motorradsturzes im Juni 2018 und an einem Status nach einer
konservativ behandelten Endphalanxfraktur des linken Daumens. Zudem bestehe der
Verdacht auf eine Schmerzausweitung. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass
er im Alltag durch die Beschwerden erheblich eingeschränkt sei. Relevant lindernde
Faktoren habe er nicht nennen können. Analgetika nehme er nicht ein, weil diese keine
Wirkung gezeigt hätten. In der Untersuchung hätten sich die insgesamt recht diffus
beklagten Beschwerden klinisch, radiologisch und infiltrativ keinesfalls vollständig
erklären lassen. Nachvollziehbar sei nur ein gewisser Leidensdruck an der rechten
Schulter, an der rechten Hüfte und an der lumbalen Wirbelsäule. Die deutlich
diskrepante klinische Präsentation lasse an eine erhebliche nicht-organische
Beschwerdekomponente denken. Für körperlich sehr leichte, immer wieder auch
sitzende Verrichtungen unter Wechselbelastung könne eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Der neurologische Sachverständige führte aus, der
Beschwerdeführer leide an einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom, das sich nicht
auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Zudem bestehe der (sich ebenfalls nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkende) Verdacht auf eine leichte diabetische Polyneuropathie.
Aus neurologischer Sicht sei eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren. In
der Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen fest, die angestammte Tätigkeit
sei spätestens seit Juni 2014 unzumutbar. Für eine leidensadaptierte Tätigkeit könne
weder gegenwärtig noch für die Vergangenheit eine relevante Arbeitsunfähigkeit
attestiert werden. Das Versicherungsgericht leitete das Gutachten am 24. März 2021
zur Kenntnis- und Stellungnahme an die Parteien weiter (act. G 28).
Die Beschwerdegegnerin machte am 1. April 2021 geltend (act. G 29), nach der
bundesgerichtlichen Auffassung komme einem Gerichtsgutachten per se die höchste
Beweiskraft zu. Zudem habe Dr. med. H._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) das Gutachten als überzeugend qualifiziert (vgl. act. G 29.1).
B.o.
Der Beschwerdeführer nahm am 12. Juli 2021 Stellung zum Gerichtsgutachten
(act. G 36). Er hielt fest, er sei davon ausgegangen, dass die ABI GmbH sich
wenigstens bei der Erstellung eines Gerichtsgutachtens „anstrengen“ werde. Leider sei
ein „typisches ABI-Gutachten herausgekommen“, das „oberflächlich, inkompetent,
fehlerhaft und nicht nachvollziehbar“ sei. Er würde „so ein Gutachten gar nicht
bezahlen“. Wenn die Sachverständigen „wenigstens den Gerichtsentscheid“ gelesen
B.p.
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Considerations:
Erwägungen
1. Da dieses Beschwerdeverfahren – wie das vorangegangene Beschwerdeverfahren
IV 2016/398 – die Überprüfung der Verfügung vom 17. Oktober 2016 auf deren
Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des am 17. Oktober 2016
abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entsprechen, das heisst es beschränkt sich
auf die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das im Juni 2014 gestellte Rentenbegehren
des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat. Bei jenem Rentenbegehren hat es
hätten, wäre ihnen bewusst gewesen, welche Fragen sie hätten beantworten müssen.
Die Fragen seien noch immer offen. Der orthopädische Sachverständige habe seine
Schlussfolgerungen nicht begründet. Sein Teilgutachten sei nicht verwertbar: „Das ist
kein Gutachten. Das ist eine Aufforderung ans Gericht zu einem Glaubensbekenntnis:
Glauben Sie mir, ich bin Dr. G._!“ Der orthopädische Sachverständige sei ebenso
wenig wie die andern Sachverständigen auf die relevanten Vorakten eingegangen. Die
Berichte über in der Vergangenheit erfolgte Arbeitsversuche respektive Arbeitseinsätze
und auch die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit seien „totgeschwiegen“
worden. Der psychiatrische Sachverständige habe keine fremdanamnestischen
Auskünfte eingeholt. Er habe sich auch nicht wirklich mit den Akten
auseinandergesetzt. Letztlich laute die Quintessenz des psychiatrischen
Sachverständigen: „Schau her, zwei Stunden reichen mir, um festzustellen, dass all
das, was Du, werter Kollege, in einer Dekade herausgefunden und behandelt hast,
nichts als ein potemkinsches Dorf ist. Der Mensch ist gar nicht krank“. Die Chirurgin Dr.
med. L._ habe das Gutachten in einer Würdigung vom 9. Juli 2021 als nicht
verwertbar qualifiziert (act. G 36.1). Zusammenfassend überzeuge das Gutachten der
ABI GmbH nicht. Das sei für den Beschwerdeführer „äusserst ärgerlich“, denn es
bleibe wohl nichts anderes übrig als die Einholung eines weiteren Gerichtsgutachtens
bei einem „seriösen“ Gutachtenzentrum.
Am 14. Juli 2021 liess der Beschwerdeführer geltend machen (act. G 38), die
Beschwerdegegnerin habe „es sich auch leicht gemacht“; „die machen jetzt schlicht
ihre Arbeit einfach nicht“. Die Stellungnahme des RAD-Arztes sei „nichtssagend“. Die
Beschwerdegegnerin habe „uns diese Begutachtung miteingebrockt, indem sie sich
nicht gegen das ABI wehrte, obwohl auch sie wusste, was die für schludrige Arbeit
abliefern, jetzt soll sie die Suppe auch korrekt auslöffeln“.
B.q.
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sich um eine sogenannte Neuanmeldung nach der Abweisung eines früheren
Rentenbegehrens gehandelt. Die Frage, ob es rechtmässig gewesen ist, auf die
Neuanmeldung einzutreten (vgl. Art. 87 Abs. 3 IVV) ist vom Versicherungsgericht und
auch vom Bundesgericht implizit bejaht worden, weshalb darauf hier nicht weiter
einzugehen ist.
2. Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität ist gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen zu setzen, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
3. Der Beschwerdeführer hat in seinem Herkunftsland zwar eine Berufslehre
absolviert, aber der entsprechende Abschluss kann nicht mit einem eidgenössischen
Fähigkeitszeugnis verglichen werden. Der Beschwerdeführer ist hier in der Schweiz
auch nie im erlernten Beruf als Tischler tätig gewesen, sondern er hat typische
Hilfsarbeitertätigkeiten ausgeübt. Folglich ist er als ein Hilfsarbeiter zu qualifizieren,
weshalb das Valideneinkommen dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in
der Schweiz entspricht.
4.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
entscheidend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht in
welchem Umfang zumutbar sind. An sich wäre die Frage nach der sogenannten
„medizinisch-theoretischen“ Arbeitsfähigkeit in freier Beweiswürdigung anhand
sämtlicher medizinischer Akten zu beantworten, was bedeutet, dass nicht die Herkunft
oder die Art des einzelnen Beweismittels, sondern allein dessen Inhalt oder „innere“
Überzeugungskraft massgebend sein müsste. Nach der bundesgerichtlichen
Auffassung lässt sich jedoch eine schematische Abstufung des Beweiswertes von
medizinischen Berichten anhand der Herkunft solcher Berichte mit dem Grundsatz der
4.1.
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freien Beweiswürdigung vereinbaren (statt vieler: BGE 125 V 351). Das Bundesgericht
unterscheidet vier „Klassen“ von medizinischen Berichten: Berichte von behandelnden
Ärzten („vierte Klasse“) verfügen generell nur über einen sehr eingeschränkten
Beweiswert, weil bei deren Würdigung der Erfahrungstatsache Rechnung getragen
werden muss, dass behandelnde Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Stellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten berichten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353
mit Hinweisen); auf Berichte von versicherungsinternen medizinischen
Sachverständigen („dritte Klasse“) kann dagegen generell abgestellt werden, sofern
nicht Zweifel an deren Überzeugungskraft bestehen, wobei allerdings bereits geringe
Zweifel genügen (BGE 135 V 465 E. 4.6 S. 471 mit Hinweisen); von einem
Administrativgutachten eines versicherungsexternen medizinischen Sachverständigen
(„zweite Klasse“) darf nach der bundesgerichtlichen Auffassung nur abgewichen
werden, wenn konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb S. 353 mit Hinweisen); von einem Gerichtsgutachten („erste
Klasse“) darf schliesslich nicht ohne zwingende Gründe abgewichen werden (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 64, mit Hinweisen; Urteil IV
2018/409 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 17. Juni 2020, E. 2.4 f.).
Beim Gutachten der ABI GmbH vom 17. März 2021 handelt es sich um ein
Gerichtsgutachten und damit um ein Beweismittel, dem nach der bundesgerichtlichen
Auffassung per se ein sehr hoher Beweiswert zukommt („erste Klasse“) respektive von
dem nicht ohne einen zwingenden Grund abgewichen werden darf. Die Stellungnahme
von Dr. L._ zum Gutachten kann keinen solchen zwingenden Grund darstellen, da
diese Stellungnahme als ein Beweismittel „vierter Klasse“ qualifiziert werden muss, das
nicht mit einem Beweismittel „erster Klasse“ mithalten kann. Auch die RAD-
Stellungnahme zum Gutachten als ein Beweismittel „dritter Klasse“ ist letztlich
irrelevant. Die Sachverständigen der ABI GmbH haben die Vorakten gewürdigt, sie
haben den Beschwerdeführer persönlich untersucht, sie haben die objektiven
klinischen Befunde erhoben und festgehalten und sie haben anhand dieser objektiven
klinischen Befunde auf eine nachvollziehbare Weise Diagnosen gestellt und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeleitet. Ein zwingender Grund, der gegen die
Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würde, ist nicht ersichtlich. Deshalb ist darauf
abzustellen und davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für den gesamten hier
massgebenden Zeitraum eine leidensadaptierte Tätigkeit ohne eine Einschränkung
hätte ausüben können.
4.2.
Da kein statistischer Nachweis dafür besteht, dass eine körperlich leichte
Hilfsarbeit schlechter als eine körperlich schwere Hilfsarbeit entlöhnt würde, hätte der
4.3.
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5. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600
Franken gedeckt. Die Kosten für das Gerichtsgutachten von 11’941.20 Franken sind
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, weil sie zu den Abklärungskosten im Sinne des
Art. 45 ATSG gehören und weil sie durch das Abstellen auf ein Administrativgutachten
ohne einen ausreichenden Beweiswert, das heisst durch eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) die Einholung eines
Gerichtsgutachtens erst nötig gemacht hat.