Decision ID: 3878d9e6-679c-4387-96d0-75e0e643363e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren
1995,
besucht
aufgrund eines
allgemei
nen
Entwicklungsrückstandes
und einer Sprachentwicklungsverzögerung
seit
2003
die
heilpädagogische Sonderschule
in der Stiftung
A._
,
B._
(vgl.
Urk.
9/8
;
Urk.
9/9
)
. Die Sonderschul
massnahm
en
wurden
bis
Ende Dezember 2007
von der Invalidenversicherung
finanziert (vgl.
Urk.
9/5); seit dem 1. Ja
nuar 2008
ist der
Kanton
dafür zuständig
(
Urk.
9/6)
. Am
1
9
. Februar 2013
mel
dete sich
der Versicherte
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/7;
Urk.
9/9
).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
einen
medizi
nische
n Bericht
(Urk.
9/13/
5) ein
und
stellte mit Vorbescheid vom 3. Ap
ril 2013 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
9/17).
Dage
gen erhob der Versicherte Einwand (
Urk.
9/20; vgl. auch
Urk.
9/18
). S
eitens der Stiftung
A._
wurden
weitere Unterlagen ein
gereicht
(
Urk.
9/
21-23;
Urk.
9/25-26
).
In der Folge
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. August 2013 ei
nen
Anspruch
des Versicherten
auf Leistungen
der Invalidenversicherung (
Urk.
9/28 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
8. August 2013
(Urk. 2) erhob der Versicherte, vertre
ten
durch seinen Beistand,
am
6. September 2013
Beschwerde (Urk. 1
/1
) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Sache sei zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen
(S. 2 Ziff.
1
).
In prozessualer Hinsicht stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltlichen Rechtsbeistand (S. 2 Ziff. 2-4).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom
14. Oktober
2013
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 8)
. Dies wurde dem Be
schwer
deführer am 26. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 10).
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
des
gesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als inva
lid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit Art. 5
Abs.
2 IVG).
1.2
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frü
hestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29
Abs.
1 IVG).
Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Art. 29
Abs.
2 IVG).
1.
3
Der in der Invalidenversicherung geltende Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ bewirkt, dass die Rente grundsätzlich hinter einer Eingliederungsmassnahme beziehungsweise dem damit verbundenen Taggeld zurücktreten muss (
Rz
9001 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversiche
rung, KSIH).
Ein Rentenanspruch kann grundsätzlich erst nach Beendigung der Eingliede
rungsmassnahmen entstehen. Vor diesem Zeitpunkt kann eine Rente, gegebe
nenfalls auch rückwirkend, nur dann zugesprochen werden, wenn die versi
cherte Person
nicht beziehungsweise noch nicht eingliederungsfähig
ist
oder wenn Abklärungsmassnahmen hinsichtlich der Eingliederungsfähigkeit durch
geführt w
e
rden und diese erg
e
ben, dass eine
Eingliederung nicht möglich ist (
Rz
9002 KSIH mit Verweis auf AHI-Pra
xis 1996 S. 189 ff.).
Wird während der Wartezeit bis zum Beginn einer erstmaligen beruflichen Ausbil
dung oder Umschulung ein Wartetaggeld nach Art. 18 der
Verordnung
über die Invalidenversicherung
(IVV)
ausgerichtet, so kann der Rentenanspruch ebenfalls nicht entstehen (
Rz
9004 KSIH).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus, dass ein Anspruch auf erstmalige berufliche Ausbildung frühestens nach abge
schlossener schulischer Ausbildung bestehe. Der Beschwerdeführer besuche vo
raussichtlich bis Ende Schuljahr 2013/2014 die Sonderschule, weshalb Mass
nahmen beruflicher Art zurzeit noch nicht möglich seien (S. 1 unten). Vor Ge
währung einer Invalidenrente sei in jedem Fall zuerst die Möglichkeit der Ein
gliederung zu prüfen. Der mittels Intelligenztest ermittelte IQ von 50 bedeute eine leichte Intelligenzminderung. Entsprechend der Beurteilung des Psycholo
gen wäre damit eine einfache praktische Ausbildung nach
Insos
möglich. Somit sei noch nicht beurteilbar, ob ein rententangierendes Einkommen erzielt werden könne. Ein Rentenanspruch könne erst nach Abschluss der Eingliederungsmass
nahmen beurteilt werden (S. 2 oben).
2.
2
Der Beschwerdeführer stellte sich in der Beschwerde (
Urk.
1
/1
) auf den Stand
punkt,
dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt klar ersichtlich sei, dass er durch die im Jahr 2014 geplanten Eingliederungsmassnahmen kein rentenbeeinflussendes Einkommen erzielen könne (S. 5 Ziff. 9).
Er befinde sich aufgrund der geistigen Behinderung bis Sommer 2014 in einer schulischen Massnahme. Dann werde zu prüfen sein, ob er eine praktische Ausbildung nach
I
nsos
absolvieren könne. Erst nach Abschluss der Ausbildung werde sich zeigen, ob er im ersten Arbeits
markt (Nischenarbeitsplatz) integriert werden könne. Bei dieser allerbesten Ent
wicklung könnte er einen maximalen Lohn von etwa Fr. 600.-- pro Monat er
zielen,
realistischerweise
könne jedoch nur von Fr. 200.-- bis Fr. 300.-- ausge
gangen werden (S. 4 f. Ziff. 4).
Bei der neusten Testung sei ein Gesamt-IQ von 49 ermittelt worden. Bei diesem Grad der kognitiven Beeinträchtigung könne kein rentenbeeinflussendes Einkommen erwartet werden. Rentenbeeinflussend wäre ein monatliches Einkommen von mehr als Fr. 1‘200.-- (S. 5 Ziff. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
Dass
im Verfügungszeitpunkt
vom 8. August 2013
M
assnahmen
beruflicher Art aufgrund des noch ein Jahr andauernden Schulbesuchs des
Be
schwerdeführer
s
verfrüht w
a
ren
, ist
richtig
und wurde
auch
seitens des
Be
schwerdeführer
s
nicht be
anstandet
.
Vielmehr meldete sich dieser sogar explizit zur Rentenprüfung an (vgl.
Urk.
9/7).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf eine Invalidenrente bereits in grundsätzlicher Hinsicht, da vor Gewährung einer Rente zuerst
Eingliede
rungsmassnahmen zu prüfen seien und solche beim Beschwerdeführer, der die
schulische Ausbildung noch nicht abgeschlossen habe, zurzeit noch nicht mög
lich seien.
3.2
Wie gesehen (E. 1.3), kommt
eine Rente vor der Beendigung von
Eingliede
-
rungs
massnahmen
ausnahmsweise in Betracht, wenn die versicherte Person nicht beziehungsweise noch nicht eingliederungsfähig ist.
Der Beschwerdeführer wurde am 1. Februar 2013 18
Jahre alt
. Aufgrund seines Entwicklungsrückstandes absolvierte er zu diesem Zeitpunkt noch die Sonder
schule.
Massnahmen beruflicher Art waren respektive sind verfrüht, da er noch bis Ende des Schuljahres 2013/2014 die Schule besuchen wird, mithin die schu
lische Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist.
Wie die Beschwerdegegnerin geltend machte, fällt die Sonderschulung nicht in den Leistungsbereich der In
validenversicherung (vgl.
Urk.
2 S. 1 unten). Der Schulbesuch ist somit kein taggeldbegleiteter Tatbestand
. Die
Ausrichtung eines Taggeldes stände
einer Berentung entgegen
,
entsteht
doch d
er Rentenanspruch solange nicht, als die versicherte Person ein Taggeld beanspruchen kann (v
gl. E.
1.2
).
Da
d
er
Be
schwerdeführer aufgrund seines Schulbesuchs noch nicht eingliederungsfähig ist, liegt
die Sachlage so
, dass eine Rente vor Durchführung von Eingliede
rungsmassnahmen in Betracht kommt.
Somit
ist nicht einzusehen, weshalb dem noch in der schulischen Ausbildung stehenden Beschwerdeführer keine Rente zugesprochen werden könnte. So wird auch im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit festgehalten, dass der Versicherungsfall für die Rente bei Geburts- und Frühinvaliden in der Regel im Zeitpunkt der Vollendung des 18. Altersjahres eintritt, sofern diese Versicherten im besagten Zeitpunkt nicht in Eingliederung stehen
(
Rz
1032 KSIH).
3.3
Nach dem Gesagten
ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invaliden
rente zu prüfen
.
Wie unter Erwägung 1.1 dargelegt, gelten n
icht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr als invalid, wenn ihre gesundheitliche Beeinträchti
gung voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur
Folge haben wird.
4
.
4
.1
Dem Schulbericht der Stiftung
A._
vom 1
2.
Februar 2012 (
Urk.
9/23/4-5) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer schriftliche Arbeiten, die er verstehe, mit grosser Sorgfalt erledige. Es gelinge ihm nur mit Unterstützung, einen
Arbeits
ablauf
mit mehreren Arbeitsschritten vorausschauend zu planen und
durchzu
führen
(S. 1 Mitte)
.
Der Wortschatz des Beschwerdeführers sei einfach und ent
wickle sich aus dem alltäglichen Handeln. Einfache Texte lese er langsam, meistens flüssig. Er könne sich gut auf visuelle Details konzentrieren und darum fehlerfrei abschreiben. Frei schreibe er einfache, kurze Sätze mit immer ähnli
chem Satzaufbau und sich oft wiederholenden Wörtern (S. 1 unten).
Der Be
schwerdeführer habe im Zahlenra
um bis
20
addieren und sub
trahieren (teilweise ohne Hilfsmittel) gelernt. Die Münzen und Noten kenne er bis hundert Franken. Dabei gelinge es ihm, einfache Additionen
handelnd vorzunehmen (beispiels
weise Fr. 1.20 + Fr. 1.30). Das Lesen der Uhr sei noch unsicher und werde weiter geübt und vertieft (S. 1 f.).
4
.2
Aus dem Schulbericht der Stiftung
A._
vom 26. Februar 2013 (
Urk.
9/23/1-3) ergibt sich, dass
der Beschwerdeführer seit August 2012 als Oberstufenschüler die Atelierklasse besuche
(S. 1 oben)
.
Neue Fertigkeiten eigne er sich ganz langsam an, um möglichst keine Fehler zu machen. Biete man ihm Stützen in Form von klaren Strukturen, bewege er sich darin sehr selbständig. Innerhalb eines vorgegebenen Rahmens plane er selbständig seine Arbeitsschritte sehr pflichtbewusst und zuverlässig. Für eigene Lösungen fehle der Mut
(S. 1 Mitte).
Im Zahlenraum bis 20 fühle sich der Beschwerdeführer relativ sicher bei Additi
onen und Subtraktionen; Multiplikation und Division seien nicht vertieft.
An
schauungen und konkretes Handeln seien Grundvoraussetzungen, damit er Be
züge machen und den Inhalt verstehen könne. Der Beschwerdeführer schlage sich mit einem eher kleinen Wortschatz recht gut durch. Er lese langsam und aufmerksam. Nicht immer sei das Textverständnis verlässlich. Es sei schon öf
ters beobachtet worden, dass er zu einzelnen Wörtern keinen Inhalt habe. Manchmal reime er sich einen Zusammenhang zu den verstandenen Wörtern zusammen (S. 1 unten). So könne es zu Falschdeutungen kommen. Beim Schreiben brauche der Beschwerdeführer Unterstützung (S. 2 oben).
Beim Ko
chen arbeite er noch sehr langsam, aber ganz genau. Anwei
sungen würden um
gesetzt, wenn s
i
e
einfach und schrittweise übermittelt werden. Er zeige ein grosses Entwicklungspotential auf dem Weg zu selbständigerem Arbeiten (S. 2 unten).
Der Beschwerdeführer reise selbständig mit den öffentlichen Verkehrs
mitteln. Umstellungen in der Zeitplanung möge er nicht. Fein- und
grobmoto
rische
Tätigkeiten im Atelier setze er langsam, aber ohne Einschränkungen um. Schwierigkeiten seien zu erkennen beim Nachahmen von Bewegungsabläufen, die er parallel umsetzen solle. Im schulischen Umfeld fühle sich der Beschwer
deführer sehr integriert. Er habe Vertrauen gefasst und pflege Kontakte mit Gleichaltrigen und Erwachsenen. Um verbindliche Beziehungen und Kontakte zu pflegen, brauche er Unterstützung und Anleitung (S. 3).
4
.3
Dr.
med.
C._
, Spezialärztin für Kinder
- und Jugendmedizin
,
hielt
mit Bericht vom 18. März 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/13/5)
fest
, dass abgesehen von einer konstitutionellen Wachstumsverzögerung, wel
che sich nicht wesentlich auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken sollte, eine volle körperliche Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bestehe. Inwieweit jedoch der bekannte allgemeine Entwicklungsrückstand, vor allem die kognitive und sprachliche Entwicklung, seine Arbeitsfähigkeit beeinflussen, sei bei den entsprechenden pädagogischen Institutionen (Stiftung
A._
) abzuklären.
4
.
4
Dr.
med.
D._
, Kinder- und Jugendmedizin
FMH
, führte im
Bericht
vom 23. April 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/18) aus, dass beim Beschwerdeführer seit Geburt ein deutlicher allgemeiner
Entwicklungs
rückstand
bestehe, welcher in diversen Testverfahren regelmässig quantifiziert werde. Gemäss der neusten Testung vom 10. April 1013 mittels HAWIK 4 habe beim nun 18-jährigen Beschwerdeführer ein
Gesamt-IQ von
49 festgestellt wer
den können
.
Dieser entspreche im Testalter äquivalent einem 7-
bis
8
-
jährigen Jungen. Aufgrund des Alters und der verbleibenden Schulzeit sei nicht von ei
ner Verbesserung dieses Wertes auszugehen.
Die vorgängigen Messungen im November 2010 und Juni 2005 würden diesen aktuellen Befund bestätigen.
4
.
5
Der Psychologe
E._
, Stiftung
A._
, gab im Bericht vom 27. Mai 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/25) an, dass eine kurzfristig durch
geführte Kontrolldiagnostik
vom 10. April 2013
beim nun 18
-
jährigen Be
schwerdeführer einen Gesamt-IQ von 50 ergeben habe. Die intellektuellen Mög
lichkeiten des Beschwerdeführers lägen im Grenzbereich einer leichten bis mit
telgradigen Intelligenzminderung. Die Testalter-Äquivalente lägen alle ungefähr im Bereich der 7- bis 8-Jährigen. Auffallend beim Beschwerdeführer seien seine gute Arbeitshaltung, sein Lernwille, sein Durchhaltevermögen und seine hohe Mitarbeitsbereitschaft bei allen Testaufgaben. Er bleibe
ruhig und konzentriert und sei bemüht, alle Aufgaben, die seinen kognitiven Möglichkeiten entspre
chen, auch zu lösen. Obwohl sein kognitives Potential deutliche Grenzen setze, könnte der Beschwerdeführer seines Erachtens eine einfache
PraInsos-Anlehre
durchaus bewältigen.
5.
5.1
Gemäss Kreisschreiben ist e
ine Intelligenzminderung (Oligophrenie, Imbezillität, Idiotie, Demenz) in jedem Fall mittels geeigneter Testbatterien zu quantifizieren. Bei einem Intelligenzquotient von unter 70 ist in der Regel von einer vermin
derten Arbeitsfähigkeit auszugehen. In jedem Einzelfall muss jedoch zudem eine objektive Beschreibung der Auswirkungen auf das Verhalten, auf die berufliche
Tätigkeit, die normalen Tätigkeiten des täglichen Lebens und das soziale Umfeld vorliegen (
Rz
. 1011
KSIH).
5.2
Beim Beschwerdeführer besteht unbestrittenermassen seit Geburt ein deutlicher allgemeiner Entwicklungsrückstand. In körperlicher Hinsicht ist er gemäss Ein
schätzung von
Dr.
C._
voll leistungsfähig. I
n intellektueller Hinsicht
er
reichte der Beschwerdeführer im
Alter von 18 Jahren einen Gesamt-IQ von 50. Dieser Wert liegt im Grenzbereich einer leichten bis mittelgradigen
Intelligenz
minderung
.
Auch RAD-Arzt
dipl.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seiner Stellungnahme vom
30. Juli 2013 fest, dass als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eine leichte Intelligenzminderung seit Geburt vorliege (
Urk.
9/27 S. 2).
5.3
Gemäss Einschätzung des Psychologen der Stiftung
A._
sollte dem
Be
-
schwerde
führer
eine
einfache
PraInsos-Anlehre
möglich sein.
Der Nationale Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinde
rung (INSOS)
hat im August 2007 die Praktische Ausbildung (
PrA
) nach INSOS lanciert.
Das niederschwellige und auf die individuellen Ressourcen ausgerich
tete Berufsbildungsangebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Lern- und/oder Leistungsbeeinträchtigung, welche den Anforderungen einer beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest nicht ge
wachsen sind. Ziel der
PrA
ist es, diesen jungen Menschen eine Zukunftsper
spektive zu geben und ihre Integrationschancen im ersten Arbeitsmarkt zu ver
bessern
(vgl.
Homepage
www.insos.ch/praktische-ausbildung
, besucht am
26. März 2014)
.
Bei der
Praktische
n
Ausbildung
nach INSOS handelt es sich somit um ein Ange
bot
für Jugendliche,
denen es nicht möglich ist, eine
Anlehre
zu
absolvieren
, mithin um eine Ausbildung auf sehr tiefem Niveau.
Dass es
de
m
Beschwerde
führer
auch mit dieser Ausbildung nicht möglich sein wird, ein
rentenaus
schliessendes
Einkommen zu erzielen, ist unbestritten.
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
jedoch
von ei
nem allenfalls rententangierenden Einkommen aus; dies könne noch nicht be
urteilt werden (
Urk.
2 S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer machte geltend, dass erst ein monatliches Einkommen von mehr als
Fr.
1‘200.-- rentenbeeinflussend wäre (
Urk.
1
/1
S. 5 Ziff. 6).
5.
4
Bei Versicherten ohne Ausbildung erfolgt die Bemessung des
Valideneinkom
mens
gestützt
auf
Art. 26 IVV.
Konnte die versicherte Person wegen der Invali
dität keine zureichenden berufli
chen Kenntnisse erwerben, so entspricht das
Er
werbseinkommen
, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, nach Alter abge
stuften Pro
zentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik. Bei Versicherten vor Voll
endung
von 21 Altersjahren ist ein Prozentsatz von 70 massgebend
(Art. 26 Abs. 1 IVV)
.
Vorliegend beträgt das
dem Einkommensvergleich zugrunde zu legende
Validen
einkommen
im Jahr 201
3
somit
Fr. 5
3
'500.-- (0
.
7 x Fr. 7
7
'000.--; Art. 26 Abs. 1 IVV; Kreisschreiben des BSV über das durchschnittliche Ein
kommen der Arbeitneh
mer zur Invaliditätsbemessung auf Grund von Artikel 26 Absatz 1 IVV vom
27. November 2013
).
Bei einem
jährlichen
Invalideneinkommen von Fr. 15'600.-- (13 x Fr. 1'200.--) würde im Vergleich zum
Validenein
kommen
eine Erwerbseinbusse von Fr. 37'900.-- resultieren, was einem Invaliditätsgrad von 70 % entspricht. Ein Invaliditätsgrad von 70 % gibt Anspruch auf eine ganze Rente der Invaliden
versi
cherung.
Angesichts dessen
müsste der Beschwerdeführer ein
monatliches
Einkommen von mehr als
Fr.
1‘200.-- erzielen können, damit er nicht mehr Anspruch a
uf eine ganze Invalidenrente hätte
. Dies
erscheint indessen
angesichts
der konkre
ten Umstände
nicht
als
realistisch.
Wie sich aus den Schulberichten ergibt, ist
d
er
Beschwerdeführer
im geschützten Rahmen bestehend aus Schule und Fami
lie
gut integriert
.
Intellektuell ist er auf dem Stand eines 7- bis 8-Jährigen.
Nur schon d
ie normalen Tätigkeiten des täglichen Lebens kann der Beschwerdefüh
rer nicht ohne Anleitung respektive Unterstützung bewältigen.
So
ergibt sich aus den Schulberichten deutlich, dass
er
klare Strukturen und Anweisungen
be
nötigt
. Ein selbständiges Arbeiten erscheint angesichts der
vorliegend
en Ein
schränkungen kaum möglich.
Bereits vor Durchführung von beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen kann somit gesagt werden, dass er unter diesen Vo
raussetzungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
kein Fr.
1‘200.-- überstei
gendes Einkommen wird erzielen können. Demzufolge hat der Beschwerdefüh
rer Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
5.
5
Vorliegend ist d
er Versicherungsfall für die Rente im Februar 2013 eingetreten (vgl. E. 3.2).
D
er
Rente
nanspruch entsteht
in Anwendung von Art. 29
Abs.
1
IVG sechs Monate nach
der Anmeldung bei der Invalidenversicherung
.
Die Rente ist somit
ab
dem
1. August 2013
auszurichten
(vgl. Art. 29
Abs.
3 IVG)
.
Die
Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen,
dass
die
angefochtene Verfügung
aufzuheben und festzustellen
ist
, dass
der Beschwerdeführer
mit Wirkung ab 1. August 201
3
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
hat
.
Festzuhalten bleibt, dass die Berentung der Prüfung von Massnahmen berufli
cher Natur für die Zeit nach abgeschlossener Sonderschulung nicht entgegen
steht.
6
.
6
.1
Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
600
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
r Beschwerdegegnerin
aufzuerle
gen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2
Ziff.
2) als gegenstandslos.
6
.2
Der
Beistand des
Beschwerdeführer
s
beantragte,
dass
diesem
– in Absprache mit
ihm
– ein unentgeltlicher Rechtsbeistand mit juristischen Fachkenntnissen des Versicherungsrechts zu gewähren
sei (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3 und 4),
ohne jedoch selbst einen solchen beizuziehen.
Anlässlich des Telefonats vom 2
8.
Februar 2014
gab der Beistand des Beschwerdeführers an, dass er eventuell – je nach
dem, wie die Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin ausgefallen sei und ob er noch zur Stellungnahme dazu aufgefordert werde – eine Anwältin beiziehen werde
(vgl. Aktennotiz,
Urk.
11).
Schliesslich
erfolgte jedoch kein
Beizug
eines
Rechtsa
nwaltes.
Dementsprechend
erweist sich auch das Gesuch um unentgeltli
che Rechtsvertretung als gegenstandslos.