Decision ID: 1ea7207f-5f26-4384-978e-d7ef12fa89b5
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law
Law Sub-area: nan
Label: approval

Facts:
Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1972, von Beruf
Coiffeuse
, meldete sich im Juni 2011
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 11/1). Die
Sozi
al
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte zunächst am 5. Juli
2011 mit der Versicherten ein Ressourcengespräch durch, in dessen Anschluss sie
gleichentags die schriftliche Mitteilung erliess, es seien derzeit aufgrund des Ge
sundheitszustands der Versicherten keine beruflichen Eingliederungsmass
nah
men möglich (Urk. 11/6). In der Folge zog die IV-Stelle Berichte von den behan
delnden Ärzten (Urk. 11/9; Urk. 11/12; Urk. 11/14; Urk. 11/15), einen Auszug
aus
dem individuellen Konto (IK)
(Urk. 11/10), die Akten des
Krankentaggeld
ver
sicherers
(Urk. 11/11), sowie einen Fragebogen für
Arbeitgebende
(Urk. 11/13) bei. Am 11. Januar 2012 teilte sie der Versicherten mit, es bestehe kein An
spruch
auf Kostengut
sprache für eine Umschulung (Urk. 11/18). In der Folge holte die IV-Stelle einen Arztbericht der
Y._
vom 23. Februar 2012 ein. Die be
handelnden
Kli
nikärzte
kamen darin zum Ergebnis, derzeit bestehe bei der Ver
sicherten eine Arbeitsfähigkeit von 40 %, per 1. April 2012 sei das Pensum auf
50 % steiger
bar (Urk. 11/24). Zu diesen Akten nahm der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD), PD Dr. med. univ.
Z._
,
Facharzt Neurologie und zertifizierter Medizinischer Gutachter SIM, am 1. März 2012 Stellung (Urk. 11/32/4). Gestützt auf diese Be
urteilung stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. Mai 2012 für den Zeitraum ab 1. Dezember 2011 die
Zusprache
einer
Drei
viertels
rente
und ab 1. April 2012 die
Zusprache
einer halben Rente in Aussicht (Urk. 11/34). Nachdem seitens der Versicherten dagegen keine Einwände erho
ben wurden, verfügte die IV-Stelle am 16. Juli 2012 im Sinne des Vorbescheids (Urk. 11/37 und Urk. 11/41-50).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt U.
Kröpfli
, mit Eingabe vom 29. August 2012 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben; es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen;
die Verfahrenskosten seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und diese sei zu
verpflichten, eine angemessene ausserrechtliche Entschädigung zu leisten; es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (Urk. 1). Mit Verfügung vom
31. August 2012 wurde der Beschwerdeführerin das Formular zur Abklä
rung der
prozessualen Bedürftigkeit zugestellt (Urk. 5), welches diese am 28. September 2012 unter Einreichung weiterer Beilagen ausgefüllt retournierte (Urk. 7-9). Am 3. Oktober 2012 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Vernehm
lassung ein, in wel
cher sie Abweisung der Beschwerde beantragte (Urk. 10). Der Beschwerde
füh
rerin wurde dies mit Schreiben vom 4. Oktober 2012 zur Kennt
nis gebracht
(Urk. 12).
Mit Beschluss vom 2
2.
November 2013 eröffnete das Ge
richt der Be
schwerdeführerin, dass es eine Rückweisung der Sache an die
Be
sch
wer
degeg
ne
rin
in Aussicht nehme, und gab
ihr
Gelegenheit die Beschwerde zurückzuziehen
(
Urk.
15). Die Beschwerdeführerin hielt an der Beschwerde fest (
Urk.
17).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

Considerations:
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4 Abs. 1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbs
unfä
higkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fas
sung).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a Abs. 1 IVG (bis 31. Dezember 2007:
Art.
28 Abs. 2 IVG
) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Er
werbs
einkommen
, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungs
mass
n
ahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung ge
setzt zum
Er
werbs
einkommen
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig mög
lichst genau ermittelt und einander gegenüber
ge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Me
thode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (
Art.
28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28
Abs.
1 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge
mutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen,
ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum
es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
ach
tens ist
im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersu
chun
gen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psy
chi
schen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Aus
einander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darle
gung
der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schluss
fol
gerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die
rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die
Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die
Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deu
t
lich macht (BGE 134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E.
1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialver
sicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Im Folgenden ist die medizinische Aktenlage darzustellen:
2.1
Am
5.
Januar 2011
(Urk.
11/9/13-14)
berichtete das
A._
über
eine
Hos
pitalisation
der Beschwerdeführerin vom 3
1.
Dezember 2010 bis
5.
Januar 201
1.
In dem
Austrittsb
ericht werden folgende Diagnosen genannt:
Schwindel, bislang unklarer Genese
a
namnestisch transiente
Fazialisparese
;
a
ktuell: massiver Drehschwindel mit Nausea, Erbrechen & Hyperventila
tion;
3.1.11 MRI Schädel: 2 intraaxiale Prozesse
Zona
semiovalis
und dorsale Pons links;
Status nach C2-Abusus
aktuell unter
Antabus
.
Die
behandelnden Ärzte führt
en aus
, die Beschwerdeführerin sei mit dem R
ettungs
dienst zugewiesen worden
,
bei
massivem
Drehschwindel
und
starker Nausea
.
Gemäss
den Ergebnissen eines neurologischen Konsiliums vom 3
1.
Dezember 2010
könne die Symptomatik bei fehlenden richtungweisenden klinischen Be
funden möglicherweise auf einer
Neuronitis
vestibularis
oder aber einem benig
nen paroxysmalen Lagerungsschwindel gründen. Die Symptomatik werde si
cher
lich durch die ängstliche Grundhaltung der Beschwerdeführerin verstärkt.
Ein MRI Schädel vom
3.
Januar 2011 habe zwei sehr ungewöhnliche intraaxiale Prozesse in der Zone
semiovalis
auf der linken Seite sowie in der dorsalen Pons links mit deutlichen ringartigen Diffusionsrestriktionen und einem gemischten Verhalten nach Kontrastmittelgabe gezeigt. Aufgrund der morphologischen Er
scheinungen gebe es mehrere Differentialdiagnosen, die damit erklärbar wären. Es sollte an eine multiple Sklerose gedacht werden. Ein ischämisches Geschehen
wäre prinzipiell denkbar, aufgrund der Morphologie indes weniger wahrschein
lich. Theoretisch könnte auch eine andere Form einer
Vaskulitis
vorliegen. Ein entzündlicher Prozess sei insgesamt weniger wahrscheinlich, insbesondere weil die Beschwerdeführerin ansonsten keine systemischen Veränderungen wie Fie
ber oder CRP-Erhöhung aufgewiesen habe (
Urk.
11/9/13-16).
2.2
Am 1
7.
Februar 2011 berichtete das
A._
über vier ambu
lante neurologische Konsilien vom 1
0.
und 1
4.
Januar 2011 sowie vom
4.
und
7.
Februar 2011, wobei sich bei letzterem ein stationärer Verlauf gezeigt habe.
Damit
habe d
ie Beschwerdeführerin mittler
weile innerhalb von ca. sechs Wochen
drei Episoden mit neurologischen Aus
fällen erlitten. Mitte Dezember 2010 seien Schwindel und eine
Fazialisparese
links aufgetreten, Anfang Januar 2011 eine
Arm
parese
rechts und Anfang Februar eine weitere Episode mit heftigstem Schwindel und Erbrechen. Die kernspintomographischen
Befunde hätten im Ver
lauf progrediente Läsionen
pe
riventrikulär
und im Bereich des
Pons
zum Teil
Gadolinium aufnehmend nach
gewiesen. Somit seien zwei der revidierten McDo
nald
Kriterien zur Diagnose ei
ner
Encephalomyelitis
disseminata
morphologisch erfüllt. Ergänzend spreche der
Liquorbefund
mit Nachweis
oligoklonaler
Banden ebenfalls für diese Diag
nose. Entsprechend dem klinischen Verlauf sei die Beschwerdeführerin jeweils mit einer Cortison-Stosstherapie behandelt worden, worauf sich die Beschwer
den zurückgebildet hätten. In Anbetracht der verhält
nismässig raschen Abfolge der Schübe sei eine
immunmodulatorische
Behand
lung indiziert (
Urk.
11/9/8-9)
.
2.3
Dem
Austrittsbericht vom
7.
März 2011
ist
eine weitere
Hospitalisation
vom
5.
bis 1
1.
Februar 201
1
im
A._
zu entnehmen
.
Dabei stellte
n
die Ärzte die
Diagnosen einer Multiple
n
Sklerose (EM 12/2010, ED 01/2011) so
wie
eines
Status nach C2-Abusus.
Hinsichtlich des Verlaufs führte das Spital aus, die Beschwerdeführerin
habe sich
selbst zugewiesen
bei erneutem
akuten
Auftreten der
Drehschwin
delsympto
m
a
tik
mit Übelkeit und Erbrechen
. Wegen der gleichen Prob
lematik
habe
die letzte
Hospitalisation
bis
5.
Januar 2011
stattgefunden
.
Dabei sei
differential
diagnos
tisch
am ehesten an eine
demyelinisierende
Erkrankung, eine
Vaskulitis
oder ein infektiöses Geschehen gedacht worden. Die daraufhin ambulant durchgeführte MRI-HWS-Untersuchung habe keine
demyeli
ni
sieren
den
Läsionen im
Myelon
ge
zeigt. Laborchemisch seien positive OKB im Liquor nachweisbar gewesen. A
nam
nestisch sei es nach dem letzten Austritt zu einer Lähmung des rechten Arms
gekommen, wobei das Gesicht auch mitbetroffen gewesen sei. Im ambu
lanten Rahmen sei die Steroidtherapie über fünf Tage durchgeführt worden, an
schliessend habe sich eine
Regredienz
der Symptomatik eingestellt, aktuell mit persistierender leichter
Feinmotorikstörung
in der rech
ten Hand.
Klinisch neurologisch hätten sich beim aktuellen Eintritt keine Hinweise auf eine
Neuronitis
vestibularis
, einen M.
Menière
oder einen benignen paroxys
malen Lagerungsschwindel gezeigt. Eine symptomatische antiemetische Thera
pie sei begonnen worden. Im Verlauf habe die Beschwerdeführerin über Dop
pelbilder
ge
klagt sowie über ein Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte. Es hätten sich
ein spontaner
rotatorischer
Nystagmus nach rechts und eine
perip
here
Fazi
alisparese
links präsentiert. Im Kontroll-MRI-Schädel
vom
8.
Februar 2011
seien im Vergleich zum
3.
Januar 2011 grössenprogrediente Läsionen im Centrum
se
mio
vale
links und im dorsalen Pons links, letztere im Bereich des
Vestibu
la
risgebietes
als wahrscheinliche Ursache für die Beschwerden nach
weisbar ge
wesen. Aufgrund der Anamnese, des Verlaufs mit aktuell zweitem Schub, posi
tivem OKB im Liquor und grössenprogredienten Läsionen im MRI Schädel h
abe die Diagnose einer
Encephalomyelitis
disseminata
gestellt werden können
. Eine dreitägige intravenöse Steroidtherapie sei durchgeführt worden, darunter sei es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden gekommen. Die Beschwerde
führerin habe am 1
1.
Februar 2011 bei gutem stabilem Zustand nach Hause ent
lassen werden können (
Urk.
11/11/8-11).
2.4
Am 2
0.
Mai 2011 berichtete das
A._
über eine ambulante Vorstellung der Beschwerdeführerin vom 1
6.
Mai 2011 betreffend
Verlaufskon
trolle
bei
Encephalomyelitis
disseminata
unter
Rebif
-Therapie. Die behandeln
den Ärzte erklärten, die Beschwerdeführerin habe berichtet, die Dosis regelmäs
sig in Eigenregie zu spritzen. Obwohl sie regelmässig vorgängi
g
Dafalgan
ein
nehme, leide sie unter Fieber und Gliederschmerzen in der auf die Injektion fol
gende
n
Nacht. Möglicherweise wäre hier eine Bedarfsmedikation mit Ibuprofen anzudenken. Im Wesentlichen habe die Beschwerdeführerin jedoch berichtet, ins
gesamt seit mittlerweile drei Wochen eine stetige Verbesserung der
Rest
schwindelsymptomatik
erfahren zu haben. Im Augenblick fühle sie sich emotio
na
l stabil und zuversichtlich. Gelegentliche Angstzustände könne sie gut be
herrschen. Sie habe mittlerweile auch begonnen, stundenweise ihrer Arbeit nach
zugehen (
Urk.
11/9/6).
2.5
Im von der IV-Stelle
einverlangten
Arztbericht vom
8.
Juli 2011 erklärte das
A._
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit, diese
sei nach Mass
gabe des Hausarztes entsprechend der jeweiligen Beschwerden festzulegen (
Urk.
11/9/1-4).
2.6
Der Hausarzt
Dr.
B._
,
Allgemeine Medizin FMH, führte in seinem IV-Arztbericht vom 2
0.
Juli 2011 aus, aktuell bestünden noch Schwindel. Die Be
schwerdeführerin sp
reche indes gut auf Benzodiazep
ine an. Weiter seien
Kon
zentrationsschwierigkeiten
sowie rasche Ermüdbarkeit – sowohl körperlich als
auch geistig – gegeben. Die Feinmotorik sei noch verlangsamt, aber soweit in
takt.
Seit dem 2
0.
Dezember 2010 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, dies min
destens noch bis 3
1.
Juli 201
1.
Bei der Arbeit als
Coiffeuse
habe die Be
schwer
de
führerin Mühe mit längerem Stehen,
sie müsse sich immer wieder hinsetzen. Weiter seien eine etwas verlangsamte
Feinmotorik
sowie gewisse
Konzentra
tions
störungen
festzustellen (
Urk.
11/12/1-6). Am 2
9.
September 2011 berichtete
Dr.
B._
,
seit dem Bericht vom 2
0.
Juli 2011 hätten sich keine neuen Gesichtspunkte ergeben (
Urk.
11/14/5-6).
2.7
Mit Schreiben vom 2
3.
September 2011 bat die Beschwerdegegnerin
die Ärzte des
A._
erneut um Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit. Diese er
klärte
n
sodann im Bericht vom 2
8.
September 2011, bei schubweise fluk
tuierender Symptomatik sei eine langfristige Aussage nicht möglich. Die Ar
beitsfähigkeit richte sich nach dem aktuellen klinischen Bild bzw. sei
sie
jeweils
durch Rücksprache mit dem Hausarzt zu bestimmen (
Urk.
11/
15).
2.8
D
ie Beschwerdeführerin
befand
sich vom 2
0.
Oktober bis 1
4.
Dezember 2011 in stationärer Behandlung
in der
Y._
.
Die Oberärztin
führte in ihrem
Arzt
be
richt
vom 2
3.
Februar 2012 als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine Multiple Sklerose, bestehend seit dem Jahr 2010, auf. Ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit seien ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, derzeit absti
nent, bestehend seit ca. 2008, ein schädlicher Nikotinkonsum, bestehend seit Jahren,
sowie
die Substitu
tion mit Benzodiazep
inen (
Oxazepan
) DD: Schädlicher Ge
brauch
von Benzodiazepinen, bestehend seit 2010.
Die Klinikärzt
in
legte dar, die Beschwerdeführerin habe sich am Entlassungstag wach, in sehr gepflegtem Allgemeinzustand und schlankem Ernährungszustand präsentiert. Sie habe zu allen Qualitäten ausreichend orientiert gewirkt. Die Konzentration und das Gedächtnis hätten sich
leichtgradig
eingeschränkt ge
zeigt, Merkfähigkeit und Auffassung hätten sich uneingeschränkt prüfen lassen. Es hätten keine Hinweise auf formale oder inhaltliche Denkstörung, Sinnestäu
schung oder Ich-Störung bestanden. Affektiv sei die Beschwerdeführerin
eu
thym
erschienen und die Schwingungsfähigkeit sei regelrecht erhalten gewesen. Die Beschwerdeführerin habe deutliche Ängste im Hinblick auf ihre berufliche Situation, aber auch im Hinblick auf ihre Erkrankung an Multipler Sklerose bzw. den zukünftigen Krankheitsverlauf beschrieben. Es hätten sich keine Hin
weise auf Zwänge ergeben, die Beschwerdeführerin sei von Suizidalität glaub
haft
distanziert gewesen.
Im Verlauf der stationären Behandlung habe sich gezeigt, dass die Beschwerde
führerin sehr hoh
e
Ansprüche an sich selbst und die eigene Leistungsfähigkeit
habe. Infolge dieses hohen Anspruchs
hätten sich bei ihr in der Vergangenheit häufig starke Spannungszustände in Verbindung mit Versagensängsten entwi
ckelt. Diese Symptomatik habe sie eigenständig mit Alkohol
mediziert
, sodass sich im Verlauf eine Alkoholsuch
t
erkrankung entwickelt habe. Im Jahr 2010 sei dann die Diagnose einer Multiplen Sklerose gestellt worden. Diese Beeinträchti
gung und der unvorhersehbare Verlauf der Erkrankung hätten zu eine
r
deutli
chen psychischen Destabilisierung und Verschlechterung der Suchtproblematik geführt. So habe sich bei der Beschwerdeführerin ein sich ständig verstärkender Teufelskreis mit Anspannung, Versagensängsten, Alkoholkonsum und körperli
chen Einschränkungen entwickelt, welcher letztlich zur Arbeitsunfähigkeit ge
führt habe.
Im Verlauf der stationären Behandlung seien eine psychiatrisch-psychothera
peu
tische Betreuung im Einzel- und Gruppensetting, eine medikamentöse Ein
stellung sowie Sport-, Bewegungs- und Gestaltungstherapie erfolgt.
Es empfehle sich zukünftig eine weiterführende therapeutische Begleitung zum Erhalt der psychischen Stabilität. Eine ambulante Begleitung werde von der Beschwerde
führerin i
m weiteren Verlauf
auch
angestrebt.
Prognostisch führten die behandelnden Ärzte aus,
d
ie Beschwerdeführerin sei zunächst mit einer 40%-Arbeitsfähigkeit entlassen worden. Im Verlauf sollte eine
geringgradige
Steigerung erfolgen. Bei einer reduzierten Arbeitsbelastung und entsprechender psychotherapeutischer Begleitung sei die Prognose günstig zu stellen. Im Verlauf der stationären Behandlung sei deutlich geworden,
dass die Beschwerdeführerin
,
bedingt durch einen akzentuierten Perfektionismus in ihrem Bestreben
,
Leistung zu erbringen
,
eher habe gebremst werden müssen, so
dass insbesondere in Bezug auf die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess
bzw. zum Erhalt der günstigen Prognose zunächst auf ein reduziertes Pensum zu
achten sei.
Im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit wurde von der Klinik ausgeführt, zwischen dem 2
0.
Oktober und 1
4.
Dezember 2011 habe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit vorgelegen. Vom 1
5.
Dezember 2011 bis 3
1.
März 2012 sei eine Ar
beitsfähigkeit von 40
%
anzunehmen und ab dem
1.
April 2012
eine solche von
50
%
.
Wann eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit anzustreben sei, sollte Mitte bis Ende des Jahres 2012 neu beurteilt werden (
Urk.
11/24/4-7).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihren
Rentenentscheid auf den Arztb
ericht der
Y._
vom 2
3.
Februar 201
2.
In dem Bericht
wird als einzige Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Multiple Sklerose genannt.
Eine ver
tiefte Auseinandersetzung
mit
dieser Diagnose
findet allerdings nicht statt. Na
ment
lich kommt in
der Beurteilung
nicht
zur Sprache,
inwieweit damit eine all
fällige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verbunden ist
.
Davon abgesehen
muss
die
Zuverlässigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
auch inso
weit
in Frage ge
stellt werden, als
die behandelnden Ärzte
die Arbeitsunfähigkeit
einerseits
mit dem
Alkoholabusus
begründe
te
n
, welcher einleitend unter den Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt wurde, und ande
rerseits hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit andere Faktoren eine Rolle zu spielen
scheinen
, deren IV-rechtlicher Krankheitswert unklar ist
, so
die erwähnten Befunde Anspannung
und Versagensängste
. Nicht schlüssig erscheint sodann, ob sich die attestierte Ar
beitsunfähigkeit nur auf die angestammte oder auch auf eine angepasste Tätig
keit bezieht. Gesamthaft
kann deshalb dem Bericht der
Y._
hinsichtlich der Frage nach dem Vorliegen
eine
r
invalidisierenden Krankheit
kein relevanter Beweiswert beigemessen werden
.
In Bezug auf die Beurteilungen der
anderen
behandelnden Ärzte ist
festzustellen, dass vom
A._
keine An
gaben zur Arbeitsfähigkeit gemacht wurden (Urk. 11/9, Urk. 11/11/9-11). Dem
gegenüber äusserte sich der Hausarzt Dr.
B._
(Urk. 11/12) zwar zur
Arbeitsfähigkeit, allerdings
erscheint die
betreffende Einschätzung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit zwischen dem 20. Dezember 2010 und dem 31. Juli
2011
nicht plausibel
, nachdem die Beschwerdeführerin am 20. Mai 2011 ge
gen
über dem
A._
angegeben hatte, sie habe ihre Arbeit mitt
ler
weile stundenweise wieder aufgenommen (Urk. 11/9/6). Ohnehin wird von Dr.
B._
die IV-rechtlich bedeutsame Frage, inwieweit eine Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit besteht, nicht beantwortet.
Schliesslich
kommt
hinzu, dass gemäss Angaben der Beschwerdeführerin in ih
rer Beschwerde im Mai
2012 – also vor dem Zeitpunkt des Verfügungserlasses – ein neuer schwerer Krankheitsschub aufgetreten sei
n soll
. Näher dokumentiert wurde dies nicht. Es ist deshalb unklar, ob mit diesem neuen Schub ein dauerhafter Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbunden war oder ob die Beschwerdeführerin sich davon er
holt hat. Jedenfalls erscheint dies abklärungsbedürftig.
3.2
Zusammenfassend bestehen im vorliegenden Fall keine zuverlässigen Grundla
gen für die Beurteilung eines Rentenanspruchs. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die
Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
4.1
Gemäss
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG das
Be
schwerdeverfahren
bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert
im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festgelegt. Die Gerichtskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
4.2
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Parteikos
ten
.
Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen
(§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Grundsätze, welche in gleich gelagerten Fällen einen maxi
malen Aufwand von 10 Stunden als angemessen erscheinen lässt, nach Einsicht in die Aufstellung vom 9.
Oktober 2012 (Urk.
14), worin Barauslagen von
Fr.
47.
—
dargelegt sind, sowie unter Zugrundelegung eines Stundenansatzes von
Fr. 200.— wird die Entschädigung ermessensweise auf Fr. 2‘200.— (inkl.
Baraus
lagen
und
MWSt
) festgesetzt und ausgangsgemäss der unterliegenden
Beschwer
degegnerin
auferlegt.
4.3
Das von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechts
pflege
erweist sich bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos.