Decision ID: 292447f5-5d4f-599f-89d9-8186dcf6854d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und B._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) – syrische Staatsangehörige kurdischer Eth-
nie – verliessen eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am (...) 2015
und seien über die Türkei, Griechenland und weitere Länder am 28. No-
vember 2015 in die Schweiz eingereist, wo sie am 30. November 2015
Asylgesuche einreichten. Am 3. Dezember 2015 wurden die Befragungen
zur Person durchgeführt (BzP; A7/13 und A8/12), am 15. Dezember 2017
fand die Anhörung des Beschwerdeführers (A18/24) und am 7. Februar
2018 die der Beschwerdeführerin statt (A24/10).
Zu ihrem persönlichen Hintergrund brachten sie vor, der Beschwerdeführer
stamme aus einem Dorf bei F._ und die Beschwerdeführerin
komme aus einem Dorf in der Nähe von G._. Von 2010 bis zu ihrer
Ausreise hätten sie in H._ gewohnt, ohne offizielle Meldung des
Wohnsitzes. Der Beschwerdeführer sei dort im Jahr (...) als (...) der staat-
lichen (...) angestellt worden und nach der Ableistung des Militärdienstes
([...]) weiterhin in der (...) tätig gewesen, unter anderem als (...). Daneben
habe er an seinen freien Tagen einen (...) betrieben. Die Beschwerdefüh-
rerin habe bis zu ihrer Ausreise (...).
Zu den Asylgründen führten sie aus, der Beschwerdeführer werde von sy-
rischen Behörden und von Apoci (Anhänger von „Apo“ [Abdullah Öcalan],
das heisst Anhänger der PKK [Partiya Karkerên Kurdistanê] beziehungs-
weise der PYD [Partiya Yekitîya Demokrat]) gesucht. Im August 2015 hät-
ten ihm zwei Apoci an seiner Arbeitsstelle ein Reservedienstaufgebot aus-
gehändigt und mitgeteilt, er solle sich innert Frist im Rekrutierungsbüro in
I._ oder in J._ melden. Er könne für das Regime oder aber
auch für die Apoci kämpfen. Nach diesem Vorfall sei er nicht mehr zur Ar-
beit erschienen und habe sich zuhause versteckt. Mitte September habe
er durch seinen Vorgesetzten einen Suchbefehl der Militärsicherheit erhal-
ten, die ihn an seiner offiziellen Adresse in F._ nicht habe auffinden
können. Am (...) Oktober 2015 sei er von drei respektive zwei Apoci in sei-
ner Wohnung festgenommen und in das Sicherheitszentrum gebracht wor-
den. Er sei geschlagen und bedroht worden, da er die Apoci abgelehnt und
schlecht über sie geredet habe. Es sei ihm vorgeworfen worden, Versamm-
lungen zu organisieren, und er sei aufgefordert worden, das Versteck sei-
nes Onkels, der ein wichtiges Mitglied der Al-Parti-Partei (Partiya Demo-
krata Kurdistan a Sûriye; PDK-S) sei, zu verraten. Nachdem er sich bereit
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erklärt habe, mit den Apoci zusammenzuarbeiten, sei er wieder freigelas-
sen worden. Er habe sich daraufhin mit seiner Familie umgehend zu seinen
Schwiegereltern begeben und das Land verlassen. In der Schweiz habe er
an fünf oder sechs Demonstrationen teilgenommen, die unter anderem von
seinem Onkel organisiert worden seien.
Zur Stützung ihrer Angaben reichten die Beschwerdeführenden ihre Iden-
titätskarten, das Familienbüchlein, ein Dienstbüchlein, ein Militäraufgebot,
einen Suchbefehl der Militärsicherheit, eine Sympathisantenbestätigung
der Al-Parti-Partei, eine Mitarbeiterkarte der staatlichen (...), einen Antrag
auf Anstellung und eine Anstellungsverfügung sowie 26 Fotos und Doku-
mente der (...) ein.
B.
Mit Verfügung vom 23. April 2019 – eröffnet am 24. April 2019 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an, schob jedoch den Vollzug wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten
einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe vom 24. Mai 2019 liessen die Beschwerdeführenden durch
ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe-
ben und beantragen, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und
die Sache an das SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts und Neubeurteilung zurückzuweisen,
eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu ge-
währen, eventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen. In prozessu-
aler Hinsicht ersuchten sie um Einsicht in die Akten A3/21, A4/19, A14/34,
in sämtliche Beweismittel sowie in die Akten A21/1 und A23/3 und eventu-
aliter um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den genannten Aktenstü-
cken und – nach der Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des
rechtlichen Gehörs – um Einräumung einer angemessenen Frist zur Ein-
reichung einer Beschwerdeergänzung. Im Fliesstext der Beschwerde
machten sie zudem geltend, das SEM habe das Recht auf Akteneinsicht
betreffend die Akte A26/12 verletzt. Im Weiteren ersuchten sie unter Vor-
lage einer Sozialhilfebestätigung vom 30. April 2019 um Erlass der Verfah-
renskosten und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
Zur Untermauerung ihrer Angaben legten sie eine Bestätigung der PDK,
Organisation Schweiz, vom 20. Dezember 2017 vor.
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D.
Mit Eingabe vom 6. Juni 2019 reichten sie ein Bestätigungsschreiben des
Onkels des Beschwerdeführers vom 22. Mai 2019 zusammen mit einer
Übersetzung dieses Schreibens und einer Kopie seines Ausweises zu den
Akten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2019 wies die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Akteneinsicht in die Akten A3/21, A4/19, A14/34, A21/1 und
A23/3 ab. Gleichzeitig setzte sie den Beschwerdeführenden Frist an, dem
SEM für die Einsichtnahme in die Akte A26 eine Einwilligung des Onkels
vorzulegen. Im Weiteren wurde das SEM aufgefordert, den Beschwerde-
führenden innert Frist Einsicht in die abgegebenen Beweismittel zu gewäh-
ren.
F.
Am 25. Juni 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine Einwilligung des
Onkels (...) zur Einsichtnahme in das Protokoll seiner Anhörung zu den
Akten.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2019 hielt das SEM vollinhaltlich an
der angefochtenen Verfügung fest und gewährte Einsicht in die gemäss
Akte A17/1 im Beweismittelumschlag enthaltenen Beweismittel sowie in
das Anhörungsprotokoll von (...).
H.
Mit Replik vom 25. Juli 2019 hielten die Beschwerdeführenden an ihren
Begehren fest und bemängelten, das SEM habe die eingereichten Beweis-
mittel nicht gewürdigt. Darüber hinaus würden sich aus dem beigezogenen
Anhörungsprotokoll des Onkels weitere Hinweise auf die geltend gemachte
Gefahr der Reflexverfolgung ergeben.
I.
Mit Duplik vom 4. September 2019 äusserte sich das SEM zum Beweiswert
der Beweismittel und den Vorbringen in der Replik.
J.
In ihrer Triplik vom 25. September 2019 hielten die Beschwerdeführenden
an ihren Beschwerdebegehren fest.
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K.
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2019 wiesen die Beschwerdeführenden auf
die volatile Situation in Nordsyrien aufgrund der türkischen Invasion hin,
welche in ihrem Fall zwingend zu berücksichtigen sei.

Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Rechtsmitteleingabe zu-
nächst verschiedene Verletzungen formellen Rechts vor. Konkret habe die
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Vorinstanz das rechtliche Gehör, insbesondere den Anspruch auf Akten-
einsicht, sowie die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts verletzt. Diese Rügen sind vorweg zu prü-
fen.
3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–35 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige-
nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und
zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu
können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf-
klärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-
recht der Parteien dar. Er beinhaltet die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig und
ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 32
Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, sich
mit den wesentlichen Vorbringen des Rechtssuchenden zu befassen und
Entscheide zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb seine Ver-
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
grundsätzlich zur Aufhebung der mit dem Verfahrensmangel behafteten
Verfügung führt (BGE 126 V 130 E. 2b). Eine Gehörsverletzung kann indes
ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die Gewährung des rechtlichen
Gehörs in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die
Rechtsmittelinstanz sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei
überprüfen kann, die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und
der betroffenen Partei durch die Heilung kein Nachteil entsteht (BGE
137 I 195 E. 2.3.2; 129 I 129 E. 2.2.3; BVGE 2017 I/4 E. 4.2).
3.3 Die Rüge, das SEM habe das Akteneinsichtsrecht verletzt, indem es
die Aktenstücke A21/1 (SEM-interne E-Mail zur Erfassung des Bruders und
zweier Onkel im ZEMIS) und A23/3 (interne Aktenanfragen bezüglich des
Bruders und eines Onkels) nicht offengelegt habe, ist nicht begründet. Wie
aus der Zwischenverfügung vom 20. Juni 2019 hervorgeht, wurden die bei-
den Akten zu Recht als intern qualifiziert, und es kann auf die diesbezügli-
chen Ausführungen verwiesen werden. Auch hinsichtlich der geltend ge-
machten Verletzung des Anspruchs betreffend die Aktenstücke A3/21 und
A4/19 (Rapporte des Grenzwachtkorps) sowie A14/34 (E-Mailaustausch
mit dem roten Kreuz und Eingaben wegen eines Antrags auf humanitäres
Visum betreffend die Schwester der Beschwerdeführerin) kann auf die Zwi-
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schenverfügung vom 20. Juni 2019 verwiesen werden. Die genannten Ak-
tenstücke sind zwar – entgegen der Qualifizierung im Aktenverzeichnis des
SEM – keine internen Akten, haben sich aber auf den vorliegenden Ent-
scheid nicht ausgewirkt. Nach dem Gesagten liegt deshalb keine gravie-
rende Verletzung des Anspruchs auf Akteneinsicht und keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vor.
3.4 Zur geltend gemachten Verletzung des Akteneinsichtsrechts in Bezug
auf die abgegebenen Beweismittel und das Anhörungsprotokoll eines On-
kels (A26) kann ebenfalls auf die Erwägungen in der Zwischenverfügung
vom 20. Juni 2019 verwiesen werden. Die Beschwerdeführenden wurden
von der Instruktionsrichterin ausdrücklich auf die Möglichkeit hingewiesen,
sich mit einer schriftlichen Einwilligungserklärung an das SEM zu wenden,
um Einsicht in das Anhörungsprotokoll des Onkels zu erlangen. Sie konn-
ten sich in der Folge Einsicht verschaffen und sich in ihrer Replik dazu äus-
sern, worauf das SEM duplizierte. Ein allfälliger Mangel ist damit als geheilt
zu erachten.
3.5 Soweit die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung verlangen, indem sie sich auf drei Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts beziehen, verkennen sie, dass es sich dabei nicht um ver-
gleichbare Fälle handelt. In den zitierten Entscheiden wurden entweder die
Dossiers der eigenen Kinder der Beschwerdeführenden nicht beigezogen
und berücksichtigt (D-2152/2019 vom 22. Mai 2019) oder es handelte sich
bei den unberücksichtigt gebliebenen Akten um Aussageprotokolle der Be-
schwerdeführenden selbst («Relocation»-Akten oder Akten für humanitäre
Visa, vgl. D-1879/2019 vom 14. Mai 2019, D-2068/2019 und D-2073/2019
vom 9. Mai 2019). Da dies vorliegend nicht der Fall ist, erübrigt es sich,
weiter darauf einzugehen.
3.6 Im Weiteren machen die Beschwerdeführenden geltend, das SEM
habe sich nicht um die Übersetzung der vorgelegten Dokumente geküm-
mert. Das SEM hat indes die wesentlichen Dokumente am 15. Dezember
2017 übersetzen lassen (A17, Identitätsdokumente, Militärbüchlein, Militär-
aufgebot, Suchbefehl, Entlassungsentscheid). Für die Einschätzung der
Wesentlichkeit der übrigen Schriftstücke hat das SEM summarisch deren
Inhalt erfasst (etwa BM9: Sympathisantenbestätigung der Al-Parti-Partei;
BM10: Antrag auf Anstellung 2001; BM 11: Anstellungsverfügung als (...)
11.3.2001). Demnach ist klar, dass der Inhalt der Beweisstücke in ausrei-
chendem Umfang erfasst wurde und das SEM seinen Abklärungspflichten
nachgekommen ist. Die Tatsache, dass das SEM die Relevanz und den
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Beweiswert der Dokumente anders einschätzt als die Beschwerdeführen-
den, stellt keine Verletzung der Abklärungspflicht dar.
3.7 Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführenden stellen im Weite-
ren die Durchführung der Anhörung zwei Jahre nach Einreichung des Asyl-
gesuchs und die Dauer der Anhörung des Beschwerdeführers – insbeson-
dere, da deren Dauer nicht 7:45 Stunden betragen hat, sondern abzüglich
der Pausen circa sechs Stunden – keine Verletzung der Abklärungspflicht
dar, zumal in keiner Weise dargelegt wird, inwiefern sich diese Umstände
konkret auf die Feststellung des Sachverhalts ausgewirkt hätten. Aus dem
Protokoll gehen auch keinerlei Hinweise auf allfällige Ermüdungserschei-
nungen des Beschwerdeführers hervor. Der geltend gemachte Zeitablauf
zwischen Asylgesuch und Anhörung ist im Übrigen bei der Würdigung der
Aussagen im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen und
gibt vorliegend keinen Anlass zur Annahme, die Verfahrensrechte der Be-
schwerdeführenden seien verletzt worden.
3.8 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, verschiedene Be-
weismittel seien nicht berücksichtigt worden (Consultingbericht, einge-
reichte Beweismittel), hat das SEM im angefochtenen Entscheid in nach-
vollziehbarer Weise dargelegt, aufgrund welcher Überlegungen ihrer An-
sicht nach die Angaben der Beschwerdeführenden den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen und die geltend gemachte Verfolgungssituation den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genüge. Im Weiteren
hat es angeführt, dass die eingereichten Beweismittel daran nichts zu än-
dern vermöchten. In der Duplik wurde diese Ansicht mit Bezug zu den ein-
zelnen Beweismitteln rechtsgenüglich präzisiert. Dazu konnten sich die Be-
schwerdeführenden in ihrer Triplik äussern.
3.9 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgrund von Verstän-
digungsschwierigkeiten mit der Dolmetscherin an der BzP erweist sich als
unbegründet. Aus dem Protokoll ergeben sich keine Hinweise dafür, dass
es aus sprachlichen Gründen zu Verständigungsschwierigkeiten gekom-
men wäre. Die Beschwerdeführenden machten auch keine entsprechen-
den Bemerkungen. Vielmehr gab der Beschwerdeführer an, die Dolmet-
scherin sehr gut zu verstehen, und bestätigte mit seiner Unterschrift, dass
das Protokoll in eine ihm verständliche Sprache (Kurmanci) rückübersetzt
worden sei und seinen Aussagen entspreche (A7/10 F9.02). Aus den pro-
tokollierten Aussagen des Beschwerdeführers kann geschlossen werden,
dass er durchaus in der Lage war, die ihm gestellten Fragen, insbesondere
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betreffend seine Asylgründe, gebührend zu beantworten. Es besteht dem-
nach kein Anlass, an der Korrektheit der Übersetzung zu zweifeln.
3.10 Im Weiteren bringen die Beschwerdeführenden vor, die Hilfswerkver-
tretung habe erst während der Anhörung der Beschwerdeführerin Einsicht
in das Anhörungsprotokoll des Beschwerdeführers erhalten, weshalb sie
nicht garantieren könne, dass der Sachverhalt vollständig abgeklärt wor-
den sei. Dies sei zumindest in Bezug auf die Protokollstelle A24/7 F30 als
problematisch zu erachten. An der Stelle wurde die Beschwerdeführerin
gefragt, ob ihr Mann nach Erhalt des Aufgebots noch Kontakt zu seinem
Vorgesetzten gehabt habe. Gemäss dem damals in Geltung befindlichen
aArt. 30 Abs. 4 AsylG kann die Hilfswerkvertretung Fragen zur Erhellung
des Sachverhaltes stellen lassen, weitere Abklärungen anregen und Ein-
wendungen zum Protokoll anbringen. Es ist Aufgabe der Vorinstanz, für die
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, welche in Bezug
auf die Frage, ob der Mann der Beschwerdeführerin nach Erhalt des Auf-
gebots noch Kontakt zu seinem Vorgesetzten gehabt habe (A24/7 F30),
nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführenden legen auch nicht dar,
inwiefern sich der Umstand, dass die Hilfswerkvertretung das Anhörungs-
protokoll des Mannes nicht vorgängig gelesen habe, auf die Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und die Gewährung des rechtlichen
Gehörs ausgewirkt haben soll.
3.11 Im Weiteren lässt der Umstand, dass die Vorinstanz gewisse Sach-
verhaltselemente in ihrer Verfügung nicht explizit berücksichtigte, lediglich
auf eine andere rechtliche Würdigung der Vorbringen schliessen, die nicht
mit der Sichtweise der Beschwerdeführenden übereinstimmt. Es liegt keine
Verletzung der Begründungspflicht vor, da die angefochtene Verfügung die
wesentlichen Überlegungen der Vorinstanz beinhaltet und es den Be-
schwerdeführenden möglich war, den Entscheid sachgerecht anzufechten
(vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2, mit Hinweisen).
3.12 Zusammenfassend erweisen sich die vorgebrachten Verletzungen
des formellen Rechts als unbegründet. Soweit die Würdigung der vorge-
legten Beweismittel angesprochen wurde, hat die Vorinstanz ihre Überle-
gungen im Schriftenwechsel ausführlich dargelegt. Das Begehren, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Abklärung und
Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-
halts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist dem-
zufolge abzuweisen.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete die Ablehnung der Gesuche im Wesentli-
chen damit, dass die Beschwerdeführenden in zentralen Punkten wider-
sprüchliche Angaben gemacht hätten, weshalb ihre Vorbringen unglaub-
haft geblieben seien. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, ihn
hätten die Apoci aufgefordert, für sie oder für die syrische Regierung zu
kämpfen. Dabei hätten der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin
unterschiedliche Angaben zu seinen Begegnungen mit den Apoci gemacht.
Beide hätten an der BzP gesagt, die Apoci seien dreimal zu ihnen nach
Hause gekommen. An der Anhörung habe der Beschwerdeführer hingegen
gesagt, die Apoci seien im August zu ihm in die Firma gekommen. Im Wei-
teren habe ihn die Militärsicherheit im September ebenfalls in der Firma
gesucht, er sei aber nicht da gewesen. Erst beim dritten Vorfall vom
(...) Oktober 2015 seien die Apoci zu ihm nach Hause gekommen. Die Be-
schwerdeführerin habe an der Anhörung wiederum gesagt, zu den ersten
beiden Vorfällen keine genauen Aussagen machen zu können, da sie zu
jener Zeit wegen der Prüfungen an der Universität gewesen sei. Im Weite-
ren hätten beide an der BzP angegeben, am (...) Oktober 2015 seien drei
Männer von den Apoci gekommen. An der Anhörung habe die Beschwer-
deführerin gesagt, es seien zwei gekommen und der Beschwerdeführer
habe von insgesamt fünf Männern gesprochen, wobei zwei die Wohnung
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betreten hätten. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer an der BzP gel-
tend gemacht, er habe den Apoci die Zusammenarbeit zugesichert, jedoch
einige Zeit Vorbereitung benötigt. Als er sich nicht gemeldet habe, sei ihm
das Gehalt gestrichen worden. An der Anhörung habe er hingegen gesagt,
Mitte September sei er in der Firma von der Militärsicherheit gesucht wor-
den, woraufhin ihm sein Vorgesetzter mitgeteilt habe, das Gehalt nicht
mehr zahlen zu können. Somit habe er sowohl zum Zeitpunkt als auch zum
Grund für die Zahlungseinstellung unterschiedliche Angaben gemacht.
Selbst wenn die Rekrutierungsbemühungen der Apoci glaubhaft wären,
vermöchten sie mangels eines Verfolgungsmotivs und mangels hinreichen-
der Intensität keine Asylrelevanz zu entfalten.
Die an der Anhörung geltend gemachte Verfolgung durch das Regime habe
der Beschwerdeführer an der BzP nicht erwähnt, sondern angegeben, kei-
nerlei Schwierigkeiten mit den syrischen Behörden gehabt zu haben. Die
Vorbringen zum mutmasslichen Aufgebot in den syrischen Militärdienst
seien daher als nachgeschoben und somit als unglaubhaft zu werten. Da-
ran vermöchten weder der Einwand, die Dolmetscherin sei aus dem Irak
gewesen und habe nur Fragen nach den Apoci gestellt, noch der einge-
reichte Suchbefehl etwas zu ändern, da ihm das Protokoll rückübersetzt
worden sei und er dessen Richtigkeit mit seiner Unterschrift bestätigt habe.
Im Übrigen seien die Rekrutierungsbemühungen für die syrische Armee im
Wirkungsgebiet der kurdischen Truppen als eher unwahrscheinlich zu er-
achten, da sich die Armee – mit Ausnahme der Städte K._ und
I._ – aus dem Gebiet zurückgezogen habe.
Im Weiteren seien die Vorbringen zum politischen Engagement in Syrien
als widersprüchlich, nachgeschoben und unglaubhaft zu werten. Der Be-
schwerdeführer habe an der Anhörung geltend gemacht, an Treffen mit Po-
litikern, darunter sein Onkel, teilgenommen und manchmal die Zeitung der
Al-Parti-Partei verteilt sowie an Demonstrationen gegen das Regime teil-
genommen zu haben. Demgegenüber habe er an der BzP lediglich gesagt,
sich manchmal unter Nachbarn kritisch über die PYD geäussert zu haben.
Im Weiteren habe er an der BzP gesagt, den Onkel seit zwei Jahren nicht
mehr gesehen zu haben. Die Beschwerdeführerin habe den Onkel an der
BzP überhaupt nicht erwähnt, sondern lediglich angegeben, die Apoci hät-
ten den Beschwerdeführer rekrutieren wollen.
Bezüglich der vorgebrachten exilpolitischen Tätigkeiten sei davon auszu-
gehen, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die Erfassung von Per-
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sonen konzentrierten, die qualifizierte Aktivitäten ausübten, welche auf-
grund der Exponierung wegen ihrer Persönlichkeit, des Auftritts und der
Inhalte der Äusserungen als potentielle Bedrohung für das Regime wahr-
genommen würden. Deshalb seien die Fotos, die die Beschwerdeführen-
den bei der Teilnahme an Demonstrationen in der Schweiz zeigten, nicht
geeignet, eine Gefährdung bei einer allfälligen Rückkehr zu begründen.
5.2 Demgegenüber machten die Beschwerdeführenden geltend, ihre Vor-
bringen seien zu Unrecht für unglaubhaft befunden worden. Beim ersten
Vorfall habe die PYD versucht, den Beschwerdeführer vor dem Einzug in
die syrische Armee wegzurekrutieren. Das Vorgehen stehe im Einklang mit
dem Consultingbericht des SEM, aus dem hervorgehe, dass einerseits
eine pragmatische Kooperation zwischen Damaskus und der kurdischen
Autonomieverwaltung betreffend die (...) stattgefunden habe, andererseits
die parallelen Rekrutierungsbemühungen zu Spannungen zwischen den
YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) und der syri-
schen Armee geführt hätten. Dies sei auch in Anbetracht der vom Be-
schwerdeführer geschilderten Beobachtungen über die Firma, in der die
Apoci einen Lohn vom Regime erhalten hätten, stimmig. Aufgrund seiner
detaillierten Aussagen an der Anhörung sei der Vorfall als glaubhaft zu er-
achten.
Im Weiteren habe er an der Anhörung dargelegt, dass am (...) Dezember
2015 ein Entlassungsentscheid gegen ihn ergangen sei, weshalb er eine
Verfolgung zu befürchten habe. Dieses Vorbringen könne nicht als nach-
geschoben gewertet werden, wie auch die weiteren Beweismittel, die zum
Teil erst nach der BzP entstanden seien.
Sodann habe das SEM vergessen zu erwähnen, dass der Beschwerdefüh-
rer und seine Geschwister von ihrem Onkel, der Politiker sei, quasi gross-
gezogen worden seien. Dem Beschwerdeführer habe die PYD (beim drit-
ten Vorfall) damit gedroht, dass sie seinen Kindern das Gleiche antun wür-
den wie (...). Nach der Ausreise sei ihre Wohnung beschlagnahmt worden,
wobei zu berücksichtigen sei, dass der Beschwerdeführer zwei Wohnsitze
gehabt habe, einen in F._ und einen in H._ (an welchem er
nicht offiziell gemeldet gewesen sei). Dies habe es seinem Onkel ermög-
licht, sich versteckt aufzuhalten. Er (der Beschwerdeführer) gehe davon
aus, die PYD habe davon erfahren, weil Personen aus dem Kreis, in dem
er sich bewegt habe, verhaftet worden seien. Seine Ausführungen wiesen
zahlreiche Realkennzeichen auf. Zu nennen seien die direkte Rede, oder
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Details über die Verhaftung. Etwa habe er geschildert, dass er barfuss ge-
wesen sei, und Namen erwähnt, über die er mit der PYD gesprochen habe.
Auch habe er Geheimfragen erwähnt, die sein Onkel jeweils gestellt habe,
um zu wissen, ob er sicher zur Wohnung gelangen könne. Im Weiteren
habe er geschildert, weshalb er Sympathisant gewesen sei und sich nicht
habe exponieren können. Die Ausführungen könnten nicht als Nachschübe
gewertet werden, da das SEM die Beschwerdeführenden an der BzP auf-
gefordert habe, ihre Gründe für die Ausreise nur summarisch zu schildern.
Auch habe er an der Anhörung dargelegt, dass es zu Übersetzungsschwie-
rigkeiten gekommen sei. Die Übersetzerin habe ihn gefragt, ob er einer
politischen Partei angehöre, und nicht, ob er politische Tätigkeiten ausge-
übt habe. Ein Indiz dafür sei, dass die Beschwerdeführerin geantwortet
habe, dass sie die Partei unterstütze. Damit habe sie offensichtlich auf das
politische Profil hingewiesen. Auch habe der Beschwerdeführer an der BzP
vorgebracht, dass er die Partei Barzanis unterstütze. Demnach habe er
klar dargelegt, dass er gegen die PYD eingestellt gewesen sei, wovon
diese auch gewusst habe.
Die Behauptung des SEM, er habe an der BzP geschildert, die PYD sei
dreimal bei ihm zuhause erschienen, sei zudem aktenwidrig. Er habe le-
diglich ausgeführt, dass die PYD dreimal erschienen sei, das dritte Mal
seien sie zuhause am Essen gewesen. Dasselbe gelte für die Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin, die an der BzP nur ausgesagt habe, die PYD
sei nach Hause gekommen. Dabei habe sie nicht gesagt, die PYD sei alle
drei Male zuhause bei ihnen erschienen.
Im Weiteren habe der Beschwerdeführer ausführlich geschildert, dass sich
der Onkel seit zwei Jahren versteckt gehalten habe und seit zwei Jahren
nicht mehr öffentlich mit dem Beschwerdeführer unterwegs gewesen sei.
Diesbezüglich bestünden keine Widersprüche und es ergebe sich in der
Kombination eine asylrelevante Verfolgung aufgrund der Verwandtschaft
und in Bezug auf den (...).
Die behaupteten Widersprüche zur Anzahl der Personen, die beim dritten
Vorfall gekommen seien, seien aktenwidrig. Der Beschwerdeführer habe
ausdrücklich gesagt, dass drei Personen zum Haus gekommen seien, wo-
bei zwei in die Wohnung eingedrungen seien und einer bei der Haustüre
gewartet habe. Auch die Beschwerdeführerin habe keine widersprüchli-
chen Angaben betreffend die Anzahl der Personen gemacht, sie habe die
zwei Personen erwähnt, die in die Wohnung eingedrungen seien. Dass sie
E-2531/2019
Seite 14
an der BzP gesagt habe, es seien drei Personen gekommen, treffe ange-
sichts der im Treppenhaus befindlichen Person zu.
Im Weiteren habe das SEM in aktenwidriger Weise behauptet, es bestün-
den Widersprüche zum Zeitpunkt und Grund der Einstellung der Lohnzah-
lungen. An der Anhörung habe er erklärt, dass ihm sein Vorgesetzter mit-
geteilt habe, er würde ab dem nächsten Monat keinen Lohn mehr erhalten,
da er gesucht und dem Militär zugeteilt worden sei. An der Erstbefragung
habe er keine anderen Ausführungen gemacht, sondern zusammengefasst
dargelegt, dass er nicht zur PYD gegangen sei und seinen letzten Lohn
nicht mehr erhalten habe. Damit habe er die Ereignisse offensichtlich rück-
wirkend zusammengefasst, worin kein Widerspruch zu sehen sei.
Zusammengefasst sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer von den
syrischen Behörden aufgefordert worden sei, Militärdienst zu leisten. Die
PYD habe ihm das zusätzlich ausgerichtet und ihn gleichzeitig aufgefor-
dert, Militärdienst für die YPG zu leisten, um dem syrischen Militärdienst zu
entkommen. Er sei weder in den syrischen Militärdienst noch in jenen der
YPG eingerückt, sondern habe sich versteckt. Die PYD habe ihn gesucht,
misshandelt und festgenommen. Er sei aufgefordert worden, mit der PYD
zusammenzuarbeiten und mitzuteilen, wo sich der politisch aktive Onkel
befinde. Als er sich zur Zusammenarbeit bereit erklärt habe, sei er freige-
lassen worden und geflüchtet. Demnach werde er sowohl von den syri-
schen Behörden als auch von der PYD gezielt asylrelevant verfolgt, da er
Militärdienst leisten müsste. Im Weiteren habe er seine Arbeitsstelle unent-
schuldigt verlassen, weshalb er als Landesverräter betrachtet und das Aus-
reiseverbot für syrische Staatsangestellte missachtet habe. Zudem werde
er wegen des Versteckens des Onkels von der PYD gesucht und zur Zu-
sammenarbeit genötigt, wobei er für den Fall einer Weigerung konkret be-
droht worden sei. Zusätzlich drohe ihm, in den Militärdienst der PYD ein-
zurücken. Im Fall einer Rückkehr werde er am Flughafen als Militärdienst-
verweigerer und landesverräterischer Staatsangehöriger identifiziert und
gezielt asylrelevant verfolgt.
Weiter habe das SEM in tatsachenwidriger und der Rechtsprechung wider-
sprechender Weise behauptet, die Rekrutierung in kurdischen Gebieten sei
unwahrscheinlich, obwohl die syrischen Behörden gemäss Consultingbe-
richt des SEM weiterhin Einfluss in H._ hätten.
Insbesondere sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer sowohl
gegenüber dem syrischen Regime sowie insbesondere gegenüber der
E-2531/2019
Seite 15
PYD unter einer asylrelevanten Reflexverfolgung wegen des Onkels und
der übrigen Verwandten leiden würde. Er sei wegen des Onkels gezielt von
der PYD verhaftet und bedroht worden. Es sei offensichtlich, dass der Mi-
litärdienst von der PYD lediglich vorgeschoben worden sei. Zuletzt sei er
sogar nur mehr konkret wegen des Onkels bedroht worden.
Ferner sei offensichtlich, dass von ihm als Staatsangestellten besondere
Sensibilität bezüglich politischer Aktivitäten und besondere Loyalität ver-
langt werde. Die Weigerung, in den Militärdienst einzutreten, würde als re-
gimefeindliches und oppositionelles Verhalten betrachtet werden. Es be-
stehe auch der in BVGE 2015/3 dargestellte Politmalus. Aufgrund des Pro-
fils des Beschwerdeführers (Kurde, Sympathisant und Neffe eines opposi-
tionellen Politikers, Mitglied einer politisch aktiven Familie, Staatsangestell-
ter) sei die Asylrelevanz der Verfolgung wegen Verweigerung des Militär-
dienstes noch verschärft.
Gestützt auf den Consultingbericht, in dem beschrieben werde, wie Deser-
teure mutmasslich inhaftiert würden, sei auch von einer asylrelevanten Ver-
folgung seitens der PYD/YPG auszugehen.
Zumindest sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers aufgrund
der illegalen Ausreise anzuerkennen, da er ein spezielles Profil erfülle. Be-
züglich der geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten sei festzuhalten,
dass sie sein Profil als Oppositioneller verschärften. Seine Teilnahmen an
den Demonstrationen stünden in engem Zusammenhang mit den Aktivitä-
ten seines politisch herausragenden Onkels. Es sei offensichtlich, dass die
Nähe zu den zwei Onkeln dazu führen würde, dass er identifiziert und im
Fall einer Rückkehr gezielt verfolgt würde.
5.3 In der Vernehmlassung nahm die Vorinstanz die Bestätigung der PDK,
Organisation Schweiz, zur Kenntnis und hielt an ihren Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung fest.
5.4 In der Replik führten die Beschwerdeführenden aus, das SEM habe zu
den 26 Fotos, die der Beschwerdeführer vorgelegt habe, wie auch zu an-
deren Beweismitteln nur rudimentäre Abklärungen gemacht. Dies zeige
auch die pauschale Begründung, wonach die Bestätigung der PDK, Orga-
nisation Schweiz, an den Erwägungen nichts zu ändern vermöge. Mit dem
Militäraufgebot als Reservist und dem Suchbefehl der militärischen Sicher-
heit habe er den objektiven Beweis erbracht, dass er wegen Verweigerung
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Seite 16
des Reservedienstes von den Behörden gesucht werde. Aus dem Anhö-
rungsprotokoll des Onkels gehe hervor, dass er sich bei Verwandten ver-
steckt habe und dass zahlreiche andere Familienmitglieder gezielt verfolgt
würden.
5.5 In der Duplik vom 5. September 2019 hielt das SEM fest, das Anhö-
rungsprotokoll des Onkels habe keine relevante Verwendung für die Ent-
scheidfindung. Zu den eingereichten Beweismitteln sei anzumerken, dass
die Vorbringen betreffend das Aufgebot für den Militärdienst als unglaub-
haft eingestuft worden seien. Da syrische Dokumente – wie militärische
Vorladungen – in Syrien und umliegenden Ländern käuflich erwerblich
seien, sei deren Beweiskraft als gering zu erachten und erübrigten sich
weitere Abklärungen. Die eingereichten Fotos belegten, dass der Onkel
über ein herausragendes politisches Profil verfüge. Im Weiteren zeigten die
Fotos, dass der Beschwerdeführer an politischen Demonstrationen teilge-
nommen habe. Dies werde auch durch die Bestätigungen der PDK, Orga-
nisation Schweiz, zusätzlich belegt. Wie in der Verfügung erwogen, seien
die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers
aber nicht geeignet, Furcht vor Verfolgung zu begründen. Zur geltend ge-
machten Reflexverfolgung sei zu sagen, dass der Onkel gemäss Eingabe
vom 6. Juni 2019 zwar bestätige, sich bei der Familie des Beschwerdefüh-
rers versteckt zu haben. Daraus gehe aber nicht der Zeitpunkt hervor. Da
die Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau in Bezug auf den
Zeitpunkt voneinander abwichen, hielten sie einer Glaubhaftigkeitsprüfung
nicht stand. Im Weiteren hänge der (...) nicht mit den Vorbringen des Be-
schwerdeführers zusammen und die geltend gemachte Reflexverfolgung
halte einer Glaubhaftigkeitsprüfung nicht stand.
5.6 In der Triplik vom 25. September 2019 hielten die Beschwerdeführen-
den fest, das SEM habe es versäumt, die Akten des Onkels vollständig
beizuziehen und zu berücksichtigen, weshalb die Feststellungen betref-
fend das asylrelevante Profil des Beschwerdeführers nicht haltbar seien.
Das SEM missachte ferner den Vorrang der Beweismittel. Aufgrund der
theoretischen Möglichkeit von Fälschungen sei es nicht von der Pflicht der
Abklärung des relevanten Sachverhalts entbunden. Es sei eine Dokumen-
tenanalyse durchzuführen. Das SEM besitze umfassendes Vergleichsma-
terial und könne eindeutige Unterscheidungen zwischen echten und un-
echten Dokumenten vornehmen. Mit dem pauschalen Fälschungsvorwurf
habe es das SEM unterlassen, die Beweismittel zu würdigen. Dem Be-
schwerdeführer drohe aufgrund seiner Aktivitäten und seiner Verwandt-
schaft Verfolgung. Es sei unbestritten und bewiesen, dass sich der Onkel
E-2531/2019
Seite 17
beim Beschwerdeführer versteckt habe, weshalb er mit gezielter Verfol-
gung zu rechnen habe.
6.
6.1 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Asylgesuche der Beschwerdeführenden
zu Recht abgelehnt hat. Zwar vermögen einzelne Erwägungen des SEM
im Detail nicht zu überzeugen, wie etwa der Vorwurf, die Beschwerdefüh-
renden hätten an der BzP gesagt, die Apoci seien bei jedem der drei Vor-
fälle zu ihnen nach Hause gekommen, oder die Würdigung, sie hätten beim
dritten Vorfall von einer unterschiedlichen Anzahl von Personen gespro-
chen. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist das SEM aber insgesamt
betrachtet in zutreffender Weise von der fehlenden Glaubhaftmachung ei-
ner asylrelevanten Verfolgungsgefahr durch das Regime und die Apoci
ausgegangen. So trifft es zu, dass sie an der BzP keine Verfolgung durch
das Regime geltend gemacht haben. Auch der angeblich ausreiserele-
vante Vorfall mit den Apoci vom Oktober 2015 ist hinsichtlich des Zeit-
punkts unglaubhaft. Es ist zwar richtig, dass die Aussagen der Beschwer-
deführenden auch Realkennzeichen aufweisen, wie etwa die Scham, vor
den Nachbarn ohne Schuhe abgeführt zu werden. Der Beschwerdeführer
muss sich aber seine unglaubhaften Angaben zu seinen angeblichen Akti-
vitäten davor in den Jahren 2014 bis 2015 entgegenhalten lassen, weshalb
nicht davon ausgegangen werden kann, dass er deshalb am (...) Oktober
2015 von den Apoci aufgesucht worden sei. Im Folgenden ist auf die zent-
ralen Widersprüche einzugehen, die vorliegend in einer Gesamtabwägung
als überwiegend anzusehen sind.
6.2 Zunächst ist auf die strittige Frage einzugehen, ob sich aus der Ver-
wandtschaft des Beschwerdeführers zu einem Oppositionellen ein Gefähr-
dungsprofil ergibt.
In den Anhörungen brachten die Beschwerdeführenden vor, der Onkel
habe sich oftmals bei ihnen versteckt (A18/10 F27 f.; A24/8 F34). Der Be-
schwerdeführer habe andere Kollegen, darunter (...), der danach möglich-
erweise unter Folter seine Adresse verraten habe, zwecks Sitzungen mit
dem Onkel ins Haus geholt und mit ihnen über politische Fragen gespro-
chen (A18/10 F26, A18/11 F 34 f, F40). Deshalb sei es zum ausreiserele-
vanten Vorfall vom (...) Oktober 2015 gekommen, an dem der Beschwer-
deführer von den Apoci verhaftet und aufgefordert worden sei, den Aufent-
haltsort des Onkels bekanntzugeben (A24/8 F33).
E-2531/2019
Seite 18
Diesbezüglich ist aber festzuhalten, dass beide Beschwerdeführenden an
der BzP nicht erwähnt hatten, den Onkel bei sich versteckt zu haben. Auch
wenn sie dazu aufgefordert worden sein sollten, sich kurz zu fassen, ist
nicht erklärbar, warum sie die zentrale Ursache ihrer Probleme, nämlich
ihre Unterstützungsleistungen für den Onkel, nicht einmal ansatzweise er-
wähnt haben sollten. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, sagte
der Beschwerdeführer an der BzP nur, sich manchmal bei Treffen unter
Nachbarn gegen die Methoden der PYD ausgesprochen zu haben (A7/8
F7.01). Wie das SEM im Weiteren in zutreffender Weise festgehalten hat,
brachte der Beschwerdeführer an der BzP vor, den Onkel seit zwei Jahren
– somit seit Ende des Jahres 2013 – nicht mehr gesehen zu haben und in
seinem Heimatland nicht politisch aktiv gewesen zu sein, sondern sich um
seine Kinder gekümmert zu haben (A7/8 F7.01 und F7.02). Im Widerspruch
dazu sagte er an der Anhörung, der Onkel habe sich im Jahr 2014 bis März
oder April 2015 oft bei ihnen versteckt (A18/10 F27). Er (der Beschwerde-
führer) habe an den noch dazu von ihm ermöglichten Treffen seines Onkels
mit (...) in seinem Haus teilgenommen, an denen sie politische Fragen be-
sprochen hätten. Zudem habe er die Untergrundzeitung der Partei verteilt
(A18/11 F41). Die demgegenüber stark abweichende Darstellung an der
BzP vermochte der Beschwerdeführer nicht schlüssig zu erklären. Dass
die Dolmetscherin an der BzP eine Kurdin aus dem Irak gewesen sei, die
nur nach den Apoci gefragt habe, kann angesichts der protokollierten Fra-
gen, die offen formuliert sind, nicht gehört werden. Auch gehen aus den
Akten keinerlei Hinweise auf sprachliche Verständigungsschwierigkeiten
hervor (E. 3.9 hiervor).
Im Gegensatz zu den Vorbringen in der Replik geht im Weiteren auch aus
dem Anhörungsprotokoll des Onkels nicht hervor, dass er sich beim Be-
schwerdeführer versteckt haben soll. Trotz mehrmaligen Nachfragens
nannte jener als Zufluchtsmöglichkeiten ganz andere Orte und Verwandte.
Der Brief des Onkels vom 22. Mai 2019 (BVGer act. 3), in dem er bestätigt,
sich oftmals bei seinen Neffen, darunter auch den Beschwerdeführer, ver-
steckt zu haben, ist als Gefälligkeitsschreiben zu werten.
Nach dem Gesagten hat das SEM die Aussagen der Beschwerdeführen-
den über ihre Unterstützung des Onkels in den Jahren 2014 und 2015 in
zutreffender Weise für unglaubhaft befunden. Aus dem Umstand, dass der
Onkel Politiker sei und im Untergrund gelebt habe, lässt sich daher keine
Gefährdung für die Beschwerdeführenden ableiten.
E-2531/2019
Seite 19
Damit ist auch dem mutmasslichen Verrat der Adresse des Beschwerde-
führers und dem geltend gemachten Vorfall vom (...) Oktober 2015, bei
dem der Beschwerdeführer wegen des Onkels von den Apoci verhaftet und
zur Zusammenarbeit genötigt worden sein soll, die Grundlage entzogen.
6.3 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass sich die von Anfang
an von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Behelligungen der
PYD darauf beschränkten, dass der Beschwerdeführer dazu aufgefordert
worden sein soll, mit ihnen zu kämpfen. Gemäss konstanter Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts ist eine allfällige Einberufung zum
obligatorischen Dienst in den YPG, welcher seit Juli 2014 besteht, nicht
asylrelevant (vgl. Referenzurteil BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015
E. 5.3 sowie dazu auch Urteile BVGer E-6558/2019 vom 9. Januar 2020
E. 7.2, D-4838/2019 vom 30. Dezember 2019 E. 7.4.2 und D-7460/2016
vom 12. Dezember 2019 E. 5.2).
Trotz der Darlegungen in der Beschwerde kann demnach nicht festgestellt
werden, dass der Aufforderung durch die PYD ein Verfolgungsmotiv nach
Art. 3 AsylG zugrunde gelegen wäre.
6.4 In Bezug auf die geltend gemachte Reflexverfolgung wegen des On-
kels ist zwar festzuhalten, dass der Beschwerdeführer geltend gemacht
hat, der Onkel habe nach dem Tod seines Vaters eine sehr nahe Beziehung
zu ihm und seinen Brüdern gehabt (A17/4 F6). Gleichzeitig hat er aber
auch ausgesagt, dass einige seiner Brüder im Heimatland verblieben seien
(A7/5 3.01; A17/4 F7). Die Beschwerdeführenden machen nicht geltend,
die in Syrien lebenden Brüder seien wegen des Onkels reflexverfolgt. Es
liegen keine Gründe vor, weshalb dann die Beschwerdeführenden und ihre
Kinder einer künftigen Reflexverfolgung ausgesetzt sein sollten. Auch aus
den Aussagen des Onkels gehen keine entsprechenden Anhaltspunkte
hervor.
6.5 Aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer trotz seiner Ver-
wandtschaft zu einem kurdischen Oppositionellen bis kurz vor seiner Aus-
reise im Staatsdienst weiterarbeiten konnte, ist im Weiteren klarerweise
davon auszugehen, dass er auch den Behörden nicht als Gegner des Re-
gimes bekannt war. Vielmehr führte er an der Anhörung aus, lediglich Sym-
pathisant der Partei gewesen zu sein, auch auf Empfehlung seines Onkels
und des Leiters des lokalen Parteibüros hin, sich als Staatsangestellter
nicht zu exponieren. Soweit er behauptet, im Jahr 2013 an Demonstratio-
E-2531/2019
Seite 20
nen teilgenommen zu haben (A18/11 F41), hat er dies lediglich wie tau-
sende andere in Syrien getan. Dass er sich dabei speziell hervorgetan hat,
machte er nicht geltend.
6.6 Die Vorbringen zum Aufgebot für den Militärdienst und zur anschlies-
senden Suche lassen ebenfalls erhebliche Zweifel an den Angaben des
Beschwerdeführers aufkommen. Die Ausführungen der Vorinstanz, der Be-
schwerdeführer habe die Gründe für seine Flucht an der Anhörung in zent-
ralen Punkten anders dargestellt als an der BzP, treffen zu. Auch die Erwä-
gungen in der Duplik, Dokumente wie das Aufgebot und der Suchbefehl
seien käuflich erwerblich, sind nicht zu beanstanden.
6.6.1 Insbesondere hat das SEM die Angaben des Beschwerdeführers
zum Vorfall vom September, er habe einen Suchbefehl der Militärsicherheit
erhalten, in zutreffender Weise als unglaubhaft bezeichnet. Anlässlich der
BzP hat er ausgesagt, es sei zu insgesamt drei Vorfällen mit den Apoci
gekommen (August, September und Oktober). Demgegenüber sprach er
an der Anhörung nur mehr über zwei Vorfälle mit den Apoci (August und
Oktober), im September habe ihm dann sein Vorgesetzter mitgeteilt, dass
die Gehaltszahlungen eingestellt würden, und einen Suchbefehl des Mili-
tärsicherheitsdienstes ausgehändigt (A18/5 F13). In der Beschwerde
macht er geltend, im Dezember – somit nach seiner Ausreise – entlassen
worden zu sein. Die dargestellte Chronologie muss in Anbetracht der ver-
fügbaren Länderinformationen als eher ungewöhnlich betrachtet werden.
Wie auch aus dem Consultingbericht hervorgeht, gibt es in öffentlich zu-
gänglichen Quellen Hinweise darauf, dass sich die Rekrutierungsbemü-
hungen auf Staatsangestellte ausgeweitet haben. Etwa berichteten Jour-
nalistenorganisationen darüber, dass Staatsbedienstete vor die Wahl ge-
stellt wurden, entweder den Reservedienst anzutreten oder entlassen zu
werden (Danish Immigration Service (DIS) / Danish Refugee Council
(DRC), Syria: Recruitment Practices in Government-controlled Areas and
in Areas under Opposition Control, Involvement of Public Servants and Ci-
vilians in the Armed Conflict and Issues Related to Exiting Syria. Report
based on interviews in Beirut, Lebanon and Amman, Jordan, 26 March to
5 April 2017, 08.2017, S. 19, abrufbar unter https://www.ecoi.net/de/doku-
ment/1423225.html, abgerufen am 18.08.2020; Syria direct, Syrian public
sector employees fired in latest government conscription effort,
07.12.2017, https://syriadirect.org/news/syrian-public-sector-employees-
fired-in-latest-government-conscription-effort/, abgerufen am 18.08.2020).
E-2531/2019
Seite 21
Im vorliegenden Fall macht der Beschwerdeführer aber insgesamt betrach-
tet an der Anhörung und in der Beschwerde geltend, dass ihn die Militärsi-
cherheit bereits gesucht habe, noch bevor er überhaupt aus dem Staats-
dienst entlassen worden sei. Angesichts der Quellenlage ist dies als ein
ungewöhnliches Vorgehen zu betrachten. Den Suchbefehl und die Suche
durch Regierungsbehörden hat er zudem an der BzP überhaupt nicht er-
wähnt. Auch hat er die Einstellung der Lohnzahlungen – wie das SEM zu-
treffend festgehalten hat – an der Anhörung anders dargestellt, nämlich in
Zusammenhang mit dem Erhalt des Suchbefehls. An der BzP sagte er hin-
gegen, «(l)e PYD est venu me demander de prendre les armes et d’aller
me battre avec eux. Ils voulaient m’obliger car moi je soutiens plutôt le parti
de Barzani. Je suis contre le PYD car ils sont liés Bashar el Assad. De peut,
j’ai dit que j’étais d’accord et que j’allais les rejoindre et qu’ils me laissent
quelques jours pour me préparer. Ensuite je ne me suis pas rendu alors je
n’ai pas reçu mon salaire, le salaire d’octobre» (A7/8 F 7.01).
Ferner erscheint auch das Vorbringen an der Anhörung, zwei Männer der
Apoci hätten ihm ein Aufgebot für den Reservedienst in der Syrischen Ar-
mee gebracht, eher ungewöhnlich. So sagte er, diese Männer hätten ihn
an seiner Arbeitsstelle aufgesucht und ihm im Beisein seines Vorgesetzten
das Aufgebot überreicht sowie gleichzeitig mitgeteilt, er solle sich in
J._ oder I._ melden oder für sie kämpfen (A18/5 F13).
Nach dem Gesagten ist es als unglaubhaft zu erachten, dass der Be-
schwerdeführer im September einen Suchbefehl der Militärsicherheit er-
halten habe.
An diesem Ergebnis vermag auch der vorgelegte Suchbefehl des Rekru-
tierungsbüros F._ vom (...) September 2015 nichts zu ändern. Aus
diesem geht hervor, es sei militärpolizeilich heimlich und öffentlich nach
dem Reservisten zu suchen. Er sei festzunehmen und auszuliefern sowie
für den Fall, dass dies nicht zustande komme, sei innert 15 Tagen Bericht
zu erstatten. Angesichts des Auftrags, nach dem Beschwerdeführer zu
fahnden, erstaunt es, dass der Suchbefehl dem Vorgesetzten in der Firma
ausgehändigt worden sein soll und anschliessend in die Hände des Be-
schwerdeführers gelangen konnte. Das Verhalten der Militärsicherheit er-
scheint kontraproduktiv und wirft Zweifel an der geltend gemachten Fahn-
dung auf. Auch die weitere Vorgehensweise betreffend die Auslieferung,
wonach die Person, die den Befehl in Händen halte – im vorliegenden Fall
der Beschwerdeführer – innert 15 Tagen Bericht erstatten solle, wenn die
Auslieferung scheitere, ist nicht nachvollziehbar. Wie das SEM geht auch
E-2531/2019
Seite 22
das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass in Syrien nahezu jedes
amtliche Dokument käuflich erhältlich gemacht werden kann (BVGer
D-3030/2018 vom 10. Juli 2018 E. 4.1; D-5750/2017 vom 13. Mai 2019
E. 4.3, E-1695/2017 vom 14. Juni 2017 E. 7.3.1). Selbst einem formell ech-
ten amtlichen Dokument ist daher nur dann eine relevante Beweiskraft bei-
zumessen, wenn es im Kontext mit einem hinreichend schlüssigen Sach-
verhaltsvortrag eingereicht wird. Da dies vorliegend nicht der Fall ist, erüb-
rigte sich auch die Vornahme einer Dokumentenanalyse.
6.6.2 Die Ausführungen zur Käuflichkeit des militärischen Suchbefehls tref-
fen im Weiteren auch auf das vorgelegte Aufgebot für den Reservedienst
zu. Wie bereits dargelegt, ist nicht nachvollziehbar, dass das syrische Re-
gime ein militärisches Aufgebot von Vertretern der PYD aushändigen las-
sen soll. Der Beschwerdeführer hat daher nicht glaubhaft zu machen ver-
mocht, er sei in den Reservedienst eingezogen worden. Deshalb erübrigt
es sich auch, weiter auf die beschwerdeweise aufgeworfene Frage einzu-
gehen, ob neben K._ und I._ noch in weiteren kurdischen
Gebieten Reservedienstaufgebote üblich seien. Darüber hinaus ist nicht
ersichtlich, weshalb eine Weigerung, einem allfälligen Aufgebot Folge zu
leisten, im Fall des Beschwerdeführers mit einem Politmalus im Sinn von
BVGE 2015/3 behaftet sein soll. Insbesondere ist kein Zusammenhang mit
dem politisch aktiven Onkel erkennbar, zumal der Beschwerdeführer jahr-
zehntelang als Staatsangestellter tätig war und deshalb nie in den Fokus
der Behörden geraten ist. Dem Vorbringen fehlt demnach auch die Asylre-
levanz.
6.7 Es ist ferner – entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift –
auch nicht davon auszugehen, dass das Fernbleiben von der Arbeitsstelle
dazu geführt habe, dass der Beschwerdeführer als Regimegegner qualifi-
ziert worden sei. Schliesslich lässt auch allein die Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer in seiner Eigenschaft als Staatsangestellter unerlaubter-
weise ausgereist ist, nach Ansicht des Gerichts nicht auf dessen Flücht-
lingseigenschaft schliessen, liess er sich doch bis zum Verlassen seiner
Heimat offensichtlich kein Fehlverhalten zuschulden kommen, das geeig-
net gewesen wäre, ihn als Regimegegner erscheinen zu lassen. In diesem
Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass praxisgemäss bei solchen
Verfehlungen lediglich Bussen ausgesprochen würden (vgl. dazu BVGer
D-4493/2015 und D-254/2016 vom 7. Juli 2016 E. 7.3; D-1948/2015 vom
19. April 2016 E. 6.3; D-5512/2014 vom 2. März 2016 E. 6.3).
E-2531/2019
Seite 23
6.8 Zum exilpolitischen Engagement des Beschwerdeführers in der
Schweiz ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner
Praxis davon ausgeht, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen
Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei ei-
ner selektiven und gezielten Überwachung der im Ausland lebenden Op-
position liegt (Referenzurteil BVGer D-3839/2013 vom 27. Oktober 2015
E. 6.3). Die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der
syrischen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine
begründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten
schliessen lässt, rechtfertigt sich deshalb nur, wenn diese sich in besonde-
rem Mass exponiert (a.a.O. E. 6.3.6).
Auf Grundlage der Vorbringen und der eingereichten Beweismittel ist nicht
davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe innerhalb der exil-syri-
schen Bewegung in der Schweiz eine Rolle inne, die die genannte
Schwelle der öffentlichen Exponierung erreicht. Auf den eingereichten Fo-
tos von Kundgebungen in der Schweiz ist lediglich erkennbar, dass er mit
anderen Demonstranten auf öffentlichen Plätzen Transparente zeigt. Es ist
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer deshalb als Regime-
gegner in den Fokus der syrischen Behörden geraten ist oder registriert
wurde. In Bezug auf die in der Beschwerde und den Eingaben belegten
Aktivitäten des Beschwerdeführers kann vollumfänglich auf die zutreffende
Einschätzung des SEM verwiesen werden. Diese Aktivitäten sind als zu
niederschwellig einzustufen, um als Oppositioneller in den Fokus des Re-
gimes zu geraten, eine diesbezügliche Verfolgung erscheint unwahrschein-
lich. Im Weiteren kann auch auf die zutreffende Einschätzung der Beweis-
mittel in der Duplik verwiesen werden. Die Nähe zum mittlerweile ebenfalls
in der Schweiz lebenden Onkel ändert daran nichts (vgl. E. 6.4).
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine
Fluchtgründe oder subjektiven Nachfluchtgründe haben nachweisen oder
glaubhaft machen können. Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingsei-
genschaft zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
E-2531/2019
Seite 24
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Da die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 23. April 2019 wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges in der Schweiz ohnehin vor-
läufig aufgenommen wurden, erübrigen sich weitere Ausführungen zur ver-
änderten kriegsbedingten Gefährdungslage aufgrund der türkischen Inva-
sion, da diesbezüglich keine Asylrelevanz ersichtlich ist. Wegen der alter-
nativen Natur der Wegweisungsvollzugshindernisse erübrigt sich im Wei-
teren auch die Überprüfung der Unzulässigkeit (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Eingabe vom 24. Mai
2019 wurde indessen ein Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gestellt. Gemäss dieser Bestimmung befreit
die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Be-
gehren nicht aussichtslos erscheint. Die Beschwerdebegehren erschienen
nicht von vornherein aussichtslos und die Beschwerdeführenden sind auf-
grund der vorgelegten Sozialhilfebestätigung als bedürftig anzusehen. Das
Gesuch ist daher gutzuheissen und es sind keine Verfahrenskosten zu er-
heben.
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E-2531/2019
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