Decision ID: 1f691589-4eb2-5e9e-aee9-b1932b972b93
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 
Law Sub-area: nan
Label: dismissal

Facts:
Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 23. September 2016 im Empfangs-
und Verfahrenszentrum des SEM in B._ um Asyl nach. Dort wurde
er am 28. September 2016 zu seiner Person, zu seinem Reiseweg und
summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]).
Am 20. November 2017 hörte ihn das SEM ausführlich zu seinen Asylgrün-
den an (Anhörung).
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor,
er sei iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, stamme aus
C._ (Provinz D._) und habe zuletzt in E._ (in der
gleichnamigen iranischen Provinz) gelebt. Im April/Mai 2014 (iranischer
Kalender: Chordad 1993) habe er begonnen, selbstständig regierungskri-
tische Flugblätter zu verfassen, zu vervielfältigen und gelegentlich in
F._ (Provinz G._) sowie in H._ (Provinz I._)
zu verteilen. Auf den Flugblättern hätten einzelne Wörter wie Freiheit, Liebe
und Warmherzigkeit gestanden. Wegen des Verteilens dieser Flugblätter
sei er im selben Jahr auf einem Posten der Basiji am (...) in E._ für
zwei Tage inhaftiert worden beziehungsweise habe er keine Probleme mit
den iranischen Behörden bekommen. Ende 2014/Anfang 2015 (iranischer
Kalender: Dei 1993) habe er mit dem Verteilen der Flugblätter aufgehört.
Ungefähr im Mai/Juni 2015 (iranischer Kalender: Chordad 1394) sei er so-
dann innerlich zum Christentum konvertiert, nachdem er sich im Fernsehen
entsprechende Sendungen angeschaut habe. So sei er zur Überzeugung
gelangt, dass das Christentum die richtige Religion für ihn sei. Nachdem er
mit zwei Freunden über seine religiösen Ansichten und über Jesus gespro-
chen habe, sei er innerhalb von einer Woche drei Mal bedroht worden. Zu-
nächst sei er auf dem Nachhauseweg von zwei Basiji (iranische Milizen)
aus seinem Quartier mit einer Waffe bedroht worden. Das zweite Mal hät-
ten ihn dieselben Männer in ihrem Quartiersitz ungefähr eine halbe Stunde
lang festgehalten, mit Handschellen gefesselt und mit einem Schlagholz
auf ihn eingeschlagen. Den Grund dafür hätten sie jedoch nicht genannt.
Schliesslich habe jemand – vermutungsweise dieselben Personen – in der
Nacht einen mit Papier umwickelten Stein durch die Fensterscheibe seiner
Wohnung geworfen. Auf dem Papier habe sich eine Todesdrohung befun-
den. Daraufhin habe er noch in derselben Nacht respektive drei Tage spä-
ter die Stadt verlassen und sei am 9. Februar 2016 (iranischer Kalender:
20.11.1394) illegal aus dem Iran ausgereist. Nach seiner Ausreise habe er
sich am 15. Juli 2016 in einer Baptistenkirche in J._ taufen lassen
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und besuche seit seiner Ankunft in der Schweiz regelmässig Gottes-
dienste.
A.c Zum Beleg seiner Identität reichte er seine Shenasnameh (iranische
Personenstandsurkunde), seine Melli-Karte (iranische Identitätskarte), sei-
nen Führerschein, seinen Militärdienstausweis sowie diverse Ausbildungs-
bestätigungen (jeweils im Original) zu den Akten. Als Beweismittel legte er
eine Taufbestätigung einer Baptistenkirche in J._ vom 15. Juli 2016
(in Kopie) ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2019 – eröffnet am 16. Oktober 2019 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
14. November 2019 (Datum des Poststempels) – handelnd durch seinen
Rechtsvertreter – Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling
anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er aufgrund
subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling anzuerkennen und sei die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen. Subsubeventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachver-
haltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amt-
lichen Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung, einer Voll-
macht vom 7. November 2019, einer Substitutionsvollmacht vom 8. No-
vember 2019 sowie dem bereits aktenkundigen Beweismittel (vgl. oben
Bst. A.c) – folgende Unterlagen bei:
- Kopien von Instagram-Auszügen, in welchen er seinen Glauben öffent-
lich kundtue (datiert vom 22. März 2018, 31. März 2018, 10. Juni 2018,
15. August 2018, 28. Oktober 2018 und 3. November 2018)
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- Kopie eines Instagram-Auszugs, welcher den Beschwerdeführer mit
Mitgliedern der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas bei einem
privaten Ausflug zeigten (datiert vom 2. April 2018)
- Bestätigungsschreiben von K._ vom 12. November 2019 (einer
von zwölf Ältesten der Versammlung [...] der Zeugen Jehovas).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2020 stellte der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess er die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie der amtlichen Rechtsverbeistän-
dung – unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestäti-
gung sowie unter Vorbehalt einer Veränderung der finanziellen Verhält-
nisse – gut und ordnete dem Beschwerdeführer diesfalls lic. iur. Urs
Ebnöther als amtlichen Rechtsbeistand bei. Ferner wurde dem Beschwer-
deführer eine Frist bis zum 29. Januar 2020 angesetzt, um eine Fürsorge-
bestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 750.− zu
leisten.
E.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
27. Januar 2020 – unter Beilage einer Fürsorgebestätigung datiert vom
20. Januar 2020 – eine Beschwerdeergänzung ins Recht. Darin verwies er
im Wesentlichen auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) A.A. gegen die Schweiz vom 5. November 2019 (Be-
schwerde Nr. 32218/17).
F.
Das SEM wurde mit Zwischenverfügung vom 4. Februar 2020 eingeladen,
eine Vernehmlassung einzureichen.
G.
Am 10. Februar 2020 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen.
Dazu nahm der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertre-
ter – mit Eingabe vom 3. März 2020 Stellung. Gleichzeitig reichte er zwei
Fotografien, welche ihn an Zusammenkünften der Versammlung (...) der
Zeugen Jehovas vom Februar 2017 und September 2018 zeigten, ein wei-
teres Bestätigungsschreiben von K._ vom 26. Februar 2020 sowie
eine Kostennote seines Rechtsvertreters zu den Akten.
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Considerations:
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-
gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108
Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine
Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub-
jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls,
unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-
setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen,
die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
4.
4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz zu-
nächst aus, dass die Vorfluchtgründe den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen würden. So habe der Beschwer-
deführer zu seinen Problemen mit den iranischen Behörden, insbesondere
mit zwei Mitgliedern der Basiji, widersprüchliche Aussagen gemacht. Im
Rahmen der BzP habe er ausgesagt, gelegentlich Flugblätter verteilt zu
haben und deswegen zwei Tage in Haft gewesen zu sein. In der Anhörung
habe er hingegen die Frage verneint, ob das Verteilen der Flugblätter je-
mals irgendwelche Konsequenzen für ihn gehabt habe. Auf diesen Wider-
spruch angesprochen, habe er lapidar erklärt, nicht danach gefragt worden
zu sein. Auch bezüglich dem Erhalt des Drohschreibens, dem eigentlichen
Auslöser seiner Flucht, habe er unterschiedliche Aussagen gemacht. Im
Rahmen der BzP habe er berichtet, der mit Papier umwickelte Stein sei
durch das Fenster der Wohnstube geworfen worden, wohingegen er in der
Anhörung ausgeführt habe, es sei das Küchenfenster gewesen. Diese un-
terschiedliche Darstellung habe er auf entsprechende Nachfrage damit er-
klärt, dass beide Räume nebeneinander gelegen hätten. In der BzP habe
er sodann ausgesagt, auf dem Drohschreiben habe gestanden: «Deine
Zeit ist gekommen». In der Anhörung habe er hingegen erklärt, das Droh-
schreiben habe die Nachricht «Wir werden Dich töten. Dich erhängen.»
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beinhaltet. Schliesslich habe er in der BzP vorgebracht, die Stadt noch in
derselben Nacht verlassen zu haben. Im Gegensatz dazu habe er in der
Anhörung ausgeführt, dass er die Stadt drei Tage nach diesem Vorfall ver-
lassen habe. Auf entsprechende Nachfrage habe er zu Protokoll gegeben,
an jenem Tag zu seinem Kollegen gegangen zu sein. Zusammengefasst
sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer trotz dieses relativ
einfachen Sachverhalts derart widersprüchliche Aussagen gemacht habe,
zumal sich die geschilderten Ereignisse unmittelbar vor seiner Ausreise zu-
getragen seien. Dadurch würden sich erhebliche Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit seiner Darstellung ergeben.
Die Vorinstanz erwägt weiter, die Aussagen des Beschwerdeführers be-
züglich seiner Hinwendung zum Christentum im Iran seien oberflächlich
und unsubstanziiert ausgefallen. So habe er zwar erklärt, über Satelliten-
fernsehen oft christliche Sendungen angeschaut zu haben, habe aber we-
der die Namen dieser Sendungen noch die Sender nennen können. Selbst
die Personen, die in der Sendung gesprochen hätten, habe er nicht benen-
nen können. Darüber hinaus erweckten seine Aussagen nicht den Ein-
druck, dass er sich bereits im Iran vertieft mit dem Christentum auseinan-
dergesetzt beziehungsweise sich in das Thema eingelesen und darüber
recherchiert habe. Seine diesbezüglichen Ausführungen hätten sich auffal-
lend stark auf den Islam bezogen und zeigten nur ein sehr oberflächliches
Wissen über die christliche Lehre. Ausser den erwähnten Fernsehsendun-
gen habe er kaum etwas anderes gemacht, um sich dem Christentum an-
zunähern. Auf entsprechende Nachfrage habe er gemeint, ein Buch dar-
über gehabt zu haben, dazu aber kaum weiterführende Aussagen machen
können. Die Frage, ob er bei der Lektüre auf Dinge gestossen sei, die für
ihn schwierig verständlich gewesen seien, habe er verneint. Dies zeuge
ebenfalls nicht von einer vertieften Auseinandersetzung mit einem Religi-
onswechsel. Seine Aussagen zu seiner weiteren persönlichen Entwicklung
zum Christen seien sodann vage ausgefallen und er habe Mühe bekundet,
diese zu beschreiben. So habe er einzig erklärt, dass er nach der Hinwen-
dung zum Christentum im Alltag weniger aggressiv gewesen sei. Ebenfalls
substanzarm seien seine Aussagen bezüglich der Reaktionen aus seinem
Umfeld ausgefallen. Er habe lediglich erwähnt, seine konservative Mutter
habe nicht akzeptieren können, dass er sich dem Christentum zugewandt
habe. Auf die Frage nach diesbezüglichen Diskussionen, die er mit seiner
Mutter geführt habe, habe er einzig erklärt, dass sie ihn jeweils aufgefordert
habe, den Sender zu wechseln, wenn er sich christliche Sendungen ange-
schaut habe. Insgesamt könnten seine Aussagen in der gemachten Form
ohne Weiteres von irgendjemandem nacherzählt werden. Diese einfach
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gehaltene Sachverhaltsdarstellung sei mit der erfahrungsgemäss um ein
Vielfaches komplexeren Wirklichkeit nicht zu vereinbaren. Dies weise
ebenfalls darauf hin, dass er sich bei seinen Schilderungen auf einen kon-
struierten Sachverhalt und nicht auf tatsächlich Erlebtes stütze, was die
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen zusätzlich in Zweifel ziehe.
Im Hinblick auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten subjektiven
Nachfluchtgründe erwog die Vorinstanz, dass diese den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden.
Es werde nicht generell bezweifelt, dass er sich eventuell tatsächlich für
das Christentum interessiere oder in der Schweiz sogar eine Konversion
ins Auge fasse, zumal er erklärt habe, seit seiner Ankunft in der Schweiz
regelmässig Gottesdienste zu besuchen. Auch sei nicht auszuschliessen,
dass er sich nach seiner Ankunft in der Schweiz vertieft mit der Bibel aus-
einandergesetzt habe, nachdem er in der Lage gewesen sei, Bibelstellen
wiederzugeben. Jedoch habe er erwähnt, dass im Iran kaum jemand von
seiner Hinwendung zum Christentum wisse. Da er, wie bereits dargelegt,
nicht habe glaubhaft machen können, aufgrund seiner angeblichen Hin-
wendung zum Christentum einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt zu
sein, und im Iran seine Religion vornehmlich zu Hause ausgeübt habe, sei
auch nicht davon auszugehen, dass die iranischen Behörden Kenntnis von
seiner Sympathie für das Christentum hätten. Demzufolge sei auch nicht
zu erwarten, dass er bei einer Rückkehr in den Iran wegen der Unmöglich-
keit der Religionsausübung einem unerträglichen psychischen Druck aus-
gesetzt würde. Selbst wenn den iranischen Behörden seine Konversion in
der Schweiz, sollte er eine solche beabsichtigen, bekannt werden sollte,
sei davon auszugehen, dass sie unterscheiden könnten zwischen ernst-
haften Profilen und opportunistischen Verhaltensweisen seitens iranischer
Asylsuchender im Ausland. Es werde zwar nicht in Frage gestellt, dass den
Christen im Iran Kollektivverfolgung drohe. Wie bereits ausgeführt, gebe
es aber keine Hinweise, dass die iranischen Behörden den Beschwerde-
führer als Teil dieses Kollektivs sehe.
4.2 Demgegenüber wendet der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte-
leingabe ein, die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu rest-
riktiv gehandhabt. Die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sei bei einer Ge-
samtbetrachtung seiner Aussagen klar zu bejahen.
Zunächst sei festzuhalten, dass die von der Vorinstanz aufgeführten Unge-
reimtheiten in Zusammenhang mit den Drohungen und Festhaltungen
durch die Basiji ohne Weiteres entkräftet werden könnten. So seien das
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Wohnzimmer und die Küche in seinem Elternhaus nicht unterteilt und wür-
den in der gleichen Ecke des Hauses liegen, weshalb darin kein Wider-
spruch zu erkennen sei. Sodann habe er anlässlich der BzP lediglich eine
Passage des Drohschreibens genannt und an der Anhörung zwei weitere
Sätze angeführt. Darüber hinaus habe er bei der Antwort auf die Frage 156
deutlich gemacht, dass der Text noch länger gewesen sei, indem er «und
so weiter» gesagt habe. In keiner der beiden Befragungen sei er danach
gefragt worden, ob er den gesamten Text des Drohschreibens wiederge-
geben habe. Schliesslich habe er sowohl anlässlich der BzP als auch der
Anhörung übereinstimmend angegeben, direkt nach dem Erhalt des Droh-
schreibens seinen Wohnort – sein Elternhaus – verlassen zu haben und zu
einem Freund gegangen zu sein. Die Vorinstanz habe es unterlassen, ihn
an der BzP danach zu fragen, wie lange er bei diesem Freund geblieben
sei. Andernfalls hätte er bereits damals klargestellt, dass es drei Tage ge-
wesen seien. Ferner seien durch die Übersetzung Ungenauigkeiten ent-
standen, da der Dolmetscher die Frage, wann er die «Stadt» verlassen
habe, offensichtlich unter Verwendung eines Wortes, welches «Wohnort»
bedeute, übersetzt habe. Darüber hinaus seien seine Ausführungen zu den
Drohungen und Festhaltungen durch die Basiji plausibel, detailreich und
kohärent gewesen. Als Realkennzeichen zu erwähnen sei beispielsweise,
dass er geschildert habe, wie sein Herz schneller angefangen habe zu
schlagen, als der Stein durch die Fensterscheibe seiner Wohnung geflogen
sei.
Sodann seien seine Ausführungen zur Konversion im Iran persönlich,
nachvollziehbar und plausibel ausgefallen und enthielten eine Vielzahl von
Realkennzeichen. Insbesondere habe er im Rahmen der Anhörung auf die
Frage 110 spontan mindestens acht Gründe genannt, weshalb er vom Is-
lam zum Christentum konvertiert sei. Auch in der Antwort auf die Frage 124
habe er wiederum verschiedene Beispiele genannt, weshalb er sich mit
dem christlichen Glauben viel besser identifizieren könne als mit dem mus-
limischen. Der Umstand, dass er zur Begründung seiner Konversion viel
über den Islam gesprochen habe, spreche – entgegen der Meinung der
Vorinstanz – nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen.
Schliesslich sei er in einer muslimischen Gesellschaft aufgewachsen und
habe bis ins Erwachsenenalter mit diesem Glauben gelebt. Konvertierung
bedeute nicht nur das Annehmen einer neuen Religion, sondern auch die
Abkehr von der bisherigen. Ausserdem würden sich seine Aussagen inso-
fern auf das Christentum beziehen, als er auch Passagen, Verse, Gebete
und Geschichten aus dem Christentum beziehungsweise aus christlichen
Schriften habe wiedergeben können.
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Schliesslich sei festzuhalten, dass er sehr wohl zum Kollektiv der Christen
zähle. Er habe sich am 15. Juli 2016 in einer Baptistenkirche in J._
taufen lassen und kurz nach seiner Einreise in die Schweiz begonnen, re-
gelmässig an den Zusammenkünften der Versammlung (...) der Zeugen
Jehovas teilzunehmen, welche zweimal wöchentlich stattfinden würden.
Seither engagiere er sich aktiv für und mit den Zeugen Jehovas und missi-
oniere auch in ihrem Namen. Ausserdem sei er auf Instagram aktiv, wo er
Bilder christlichen Inhalts verbreite. Insofern habe er sich in besonderem
Masse exponiert. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass die ira-
nischen Behörden bereits Kenntnis von seiner Konversion hätten und ihn
überwachten, zumal er bereits vor seiner Flucht aus dem Heimatland durch
die Basiji bedroht und misshandelt worden sei. Bei einer Rückkehr in sei-
nen Heimatstaat drohten ihm deshalb drakonische Haftstrafen, körperliche
Bestrafung und Folter. Darüber hinaus sei nicht auszuschliessen, dass ihm
bei einer Rückkehr sogar die Todesstrafe drohe. Wegen der Unmöglichkeit
der Religionsausübung im Iran drohe ihm sodann unerträglicher psychi-
scher Druck. Da es im Iran verboten sei zu missionieren, könnte er dieser
zentralen Aufgabe als Zeuge Jehovas nicht mehr nachkommen. Auch der
Besuch von christlichen Zusammenkünften und das Kundtun seines Glau-
bens im Internet wären ihm im Heimatstaat nicht länger möglich. Dessen
ungeachtet würde seinem Umfeld, selbst wenn er seinen christlichen Glau-
ben gar nie öffentlich ausleben würde, sofort auffallen, dass er an muslimi-
schen Traditionen und Feiertagen nicht mehr teilnehme. Bereits der Zwang
zum aktiven Ausleben des Islams, von welchem er sich bewusst abge-
wandt habe, würde für ihn ebenfalls unerträglichen psychischen Druck dar-
stellen.
4.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, es
bestünden nach wie vor keine Anhaltspunkte für ein behördliches Interesse
am Beschwerdeführer. Daran vermöge auch sein in der Schweiz erfolgter
Anschluss an die Zeugen Jehovas nichts zu ändern. Diesbezüglich sei fest-
zuhalten, dass es der Beschwerdeführer versäumt habe, detailliert dazule-
gen, seit wann er aktives Mitglied der Zeugen Jehovas sei und inwiefern er
sich engagiere. Des Weiteren sei aus der Beschwerdeschrift nicht ersicht-
lich, inwiefern das Instagram-Profil des Beschwerdeführers als missionari-
sche Tätigkeit aufzufassen sei oder welche Aktivitäten er in dieser Hinsicht
ausführe. Hierzu sei anzumerken, dass sein Instagram-Profil mit dem Pro-
filnamen «(...)» ein privates Konto und damit nicht öffentlich einsehbar sei.
Mit aktuell 96 «Followern» sei der Kreis von Personen, die mit dem Be-
schwerdeführer über dieses Profil im Austausch stünden, auch relativ klein.
Vor diesem Hintergrund und in Ermangelung anderweitiger Hinweise in
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den Akten sei zu schliessen, dass es sich beim Beschwerdeführer um ein
einfaches Mitglied einer christlichen Vereinigung handle. Die vorgebrach-
ten religiösen Aktivitäten könnten nur dann im Sinne von subjektiven Nach-
fluchtgründen zur Flüchtlingseigenschaft führen, wenn im Falle einer Rück-
kehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte behörd-
liche Massnahmen zu erwarten wären. Aufgrund einer blossen Mitglied-
schaft in einer christlichen Vereinigung bestehe jedoch kein Anlass zu die-
ser Annahme. Den Akten könnten keine Hinweise darauf entnommen wer-
den, dass die iranischen Behörden von der Mitgliedschaft des Beschwer-
deführers Kenntnis genommen oder gestützt darauf gar Massnahmen zu
seinem Nachteil eingeleitet hätten.
4.4 In der Replik wendet der Beschwerdeführer ein, dass er an seinem Ge-
fährdungsprofil als überzeugter Anhänger und bald schon getaufter Zeuge
Jehovas, der seinen Glauben gefunden habe und nicht verleugnen werde,
festhalte. Der erste Kontakt zu den Zeugen Jehovas sei Anfang 2017 und
somit ungefähr vier Monate nach seiner Einreise in die Schweiz entstan-
den. Weil er noch nicht getauft sei, könne er noch nicht als vollwertiges
Mitglied der Zeugen Jehovas bezeichnet werden. Dies liege gemäss dem
beiliegenden Bestätigungsschreiben von Herrn K._ daran, dass zu-
nächst vertiefte Bibelkenntnisse verlangt würden und der Wille vorhanden
sein müsse, sein Leben ganz nach dem Glauben auszurichten. Er befinde
sich mitten im Aufnahmeprozess, der aus rein sprachlichen Gründen seine
Zeit in Anspruch nehme. Im selben Schreiben werde auch detailliert aufge-
führt, an welchen Veranstaltungen er teilnehme und inwiefern er seinen
Glauben weitertrage. Darüber hinaus werde seine Integration in der Ge-
meinschaft als sehr gut qualifiziert. Was sein Instagram-Profil betreffe, so
sei bekannt, dass die iranischen Behörden den Nachrichtenaustausch über
diese Plattform missbilligen würden. Es müsse deshalb davon ausgegan-
gen werden, dass der iranische Geheimdienst den Inhalt dieser Plattform
kontrolliere und nach geeigneten Wörtern durchsuchen könne. Die Tatsa-
che, dass Privatpersonen keinen freien Zugriff auf sein Instagram-Konto
hätten, lasse überdies noch nicht den Rückschluss zu, die iranischen Be-
hörden könnten dies ebenso wenig.
5.
5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
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Seite 12
Vorinstanz eine Verletzung der Prüfungs- und Begründungspflicht (respek-
tive allgemein des Anspruchs auf rechtliches Gehör) sowie die unrichtige
und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts vor.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungs-
pflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
5.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Übersetzung sei nicht einwandfrei ge-
währleistet gewesen. Der Übersetzer stamme aus dem Irak und habe da-
her einen anderen Sorani-Dialekt als er selbst gesprochen, was zu Unge-
nauigkeiten in der Übersetzung geführt habe. Nach Durchsicht der vo-
rinstanzlichen Akten ist indessen festzustellen, dass in den Protokollen
keine konkreten Anhaltspunkte für Verständigungsschwierigkeiten und/
oder Missverständnisse sprachlicher Natur zu finden sind. Der Beschwer-
deführer hat sowohl zu Beginn als auch am Ende der BzP ausdrücklich
bestätigt, den Sorani sprechenden Dolmetscher gut zu verstehen respek-
tive verstanden zu haben (vgl. A7 Bst. h und Ziff. 9.02). Auch zu Beginn der
Anhörung bestätigte er dies ausdrücklich (vgl. A18 F1). Eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs ist nicht ersichtlich.
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5.4 Seitens des Beschwerdeführers wird ferner gerügt, es gebe im Anhö-
rungsprotokoll mehrere Hinweise darauf, dass er sich in Anwesenheit des
Dolmetschers unwohl gefühlt habe, was dem SEM-Mitarbeiter hätte auffal-
len müssen. So habe er etwa den Dolmetscher danach gefragt, ob er sel-
ber Muslim sei und hinzugefügt, niemanden beleidigen zu wollen (vgl. A18
F110). Weiter habe er sich bei der Antwort auf die Frage 110 danach er-
kundigt, ob er frei sprechen und alles sagen dürfe. Schliesslich habe er
gegen Ende der Anhörung auf Deutsch gewechselt und gesagt: «Nicht vor
Interview» (vgl. A18 F188). Damit habe er deutlich gemacht, dass er nicht
frei habe sprechen können. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer, hätte er sich tatsächlich unwohl gefühlt, dies in jenen Mo-
menten oder zumindest zeitnah hätte vorbringen müssen. Stattdessen hat
er sich mit einer Befragung in diesem Setting einverstanden erklärt. Dar-
über hinaus hat auch die anwesende Hilfswerksvertretung auf dem Unter-
schriftenblatt nichts vermerkt (vgl. A18). Vorliegend kann der Beschwerde-
führer jedenfalls aus diesem Argument nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Es liegen keine Gründe dafür vor, das Anhörungsprotokoll dem vorliegen-
den Entscheid nicht zugrunde zu legen.
5.5 Weiter moniert der Beschwerdeführer, im Beweismittelumschlag der
Vorinstanz befinde sich eine Kopie seines Taufscheins vom 15. Juli 2016.
Dennoch sei die Vorinstanz in ihrem Entscheid der Ansicht, er habe keine
Beweismittel ins Recht gelegt. Auch sonst werde im angefochtenen Ent-
scheid nicht auf den Taufschein eingegangen. Ferner sei die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid auch auf seine Aktivitäten in den sozialen Me-
dien bezüglich seines Glaubens mit keinem Wort eingegangen. Vorab ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht, im Be-
weismittelumschlag der Vorinstanz befinde sich eine Kopie seines Tauf-
scheins (vgl. Prozessgeschichte, Bst. A.c). Entsprechend hat die Vor-
instanz im angefochtenen Entscheid tatsachenwidrig festgehalten, der Be-
schwerdeführer habe im vorinstanzlichen Verfahren keine Beweismittel ins
Recht gelegt (vgl. Verfügung des SEM vom 14. Oktober 2019, Ziff. I/3.),
und das entsprechende Beweismittel nicht gewürdigt. Nachdem die Vor-
instanz im Rahmen der Vernehmlassung in einer Gesamtwürdigung der
Vorbringen und Beweismittel nachvollziehbar aufgezeigt hat, von welchen
Überlegungen sie sich leiten liess, ist dieser formelle Mangel als auf Be-
schwerdeebene geheilt zu betrachten. Ein explizites Eingehen auf jedes
einzelne Beweismittel ist zur hinreichenden Nachachtung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör respektive der Begründungspflicht nicht erforderlich,
zumal die mit dem Taufschein nachgewiesene Taufe von der Vorinstanz
D-6037/2019
Seite 14
nicht bestritten wird. Des Weiteren ist festzuhalten, dass der Beschwerde-
führer an der Anhörung beiläufig erwähnte, sich auf seinem Facebook-
Konto zum Christentum zu bekennen (vgl. A18 F136-137). Im gesamten
vorinstanzlichen Verfahren hat er keine Anstrengungen unternommen, die
geltend gemachten Aktivitäten in den sozialen Medien bezüglich seines
Glaubens zu belegen, wozu er aufgrund seiner Mitwirkungspflicht gemäss
Art. 8 AsylG indes gehalten gewesen wäre, zumal sämtliche der auf Be-
schwerdeebene ins Recht gelegten Instagram-Auszüge vor der Eröffnung
der angefochtenen Verfügung datieren (vgl. Prozessgeschichte, Bst. C).
Diesbezüglich ist keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
respektive der Begründungspflicht festzustellen.
5.6 Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, das SEM habe den Un-
tersuchungsgrundsatz verletzt und den Sachverhalt nicht vollständig fest-
gestellt, indem es der SEM-Mitarbeiter an der Anhörung verschiedentlich
unterlassen habe, gewissen Fragen nachzugehen. Beispielsweise habe
ihn der SEM-Mitarbeiter nicht gefragt, was seine Aussage, «Ich sage diese
Sachen nicht, weil ich jetzt eine Befragung habe», hätte bedeuten sollen
(vgl. A18 F188). Auch auf die Aussage «[...] wenn ich hier spreche, werden
wir bis morgen nicht fertig sein.», sei der SEM-Mitarbeiter nicht weiter ein-
gegangen (vgl. A18 F188). Diesbezüglich ist vorab festzustellen, dass der
Beschwerdeführer an der Anhörung ausreichend Zeit und Gelegenheit
hatte, seine Asylgründe – auch in einem freien Bericht (vgl. A18 F78) –
darzulegen. Der blosse Umstand, dass er die Auffassung und Schlussfol-
gerungen der Vorinstanz nicht teilt, stellt keine ungenügende Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts, sondern eine materielle Frage dar. Es
ergeben sich denn auch nach Prüfung der Akten – nebst der bereits fest-
gestellten Nichtberücksichtigung des Taufscheins im erstinstanzlichen Ver-
fahren – keine weiteren Anhaltspunkte, welche den Schluss zulassen wür-
den, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig oder unrichtig ab-
geklärt.
5.7 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Subeventualantrag ist abzu-
weisen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten so-
dann in materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Er-
D-6037/2019
Seite 15
wägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG (Vorfluchtgründe) respektive Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG
(subjektive Nachfluchtgründe) nicht. Auf die betreffenden Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung (vgl. die Zusam-
menfassung der entsprechenden Erwägungen in E. 4.1 und 4.3 des vorlie-
genden Urteils) kann mit den nachfolgenden Ergänzungen verwiesen wer-
den. Die Rechtsmitteleingabe und die Replik halten dem nichts Stichhalti-
ges entgegen.
6.2 Entgegen der in der Beschwerde erhobenen Rüge hat sich die Vor-
instanz im vorliegenden Fall keine unrichtige Anwendung der Beweisregel
von Art. 7 AsylG vorzuwerfen. Wie in den Erwägungen der Vorinstanz mit
umfassender Begründung erläutert wird, halten die Vorbringen des Be-
schwerdeführers zu seinen Vorfluchtgründen in den wesentlichen Punkten
den Anforderungen an das reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens
nicht stand.
6.2.1 In erster Linie gilt dies für die im Zentrum stehenden Behelligungen
durch die iranischen Behörden, insbesondere durch zwei Mitglieder der
Basiji. Diesbezüglich hat die Vorinstanz berechtigterweise darauf hingewie-
sen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers inhaltliche (vgl. A7 S. 9;
A18 F78, F92-93, F156-157, F182-184) und zeitliche (vgl. A7 S. 9; A18
F160-168, F185) Abweichungen aufweisen. Die oberflächlichen Erklä-
rungsversuche auf Beschwerdeebene vermögen daran nichts zu ändern.
Insbesondere ist anzuzweifeln, dass es sich bei seinen Angaben hinsicht-
lich des Inhalts des Drohschreibens jeweils um exemplarische Ausschnitte
gehandelt haben soll, nachdem er dieselbe Drohung auf drei verschiedene
Arten geschildert hat (vgl. A7 S. 9; A18 F78, F156). Erschwerend kommt
hinzu, dass der Inhalt dieses Drohschreibens der eigentliche Auslöser für
seine Flucht aus dem Heimatstaat gewesen sein soll, was erfahrungsge-
mäss prägende Erinnerungen hinterlassen sollte. Auch der Versuch in der
Rechtsmitteleingabe, die Widersprüche in Bezug auf das Verlassen der
Stadt als Missverständnisse darzustellen, welche durch die Übersetzung
anlässlich der BzP entstanden seien, ist offensichtlich nicht stichhaltig, zu-
mal der Beschwerdeführer die Richtigkeit und Vollständigkeit des Proto-
kolls anlässlich der Rückübersetzung unterschriftlich bestätigte (A7 S. 11).
Darüber hinaus lassen sämtliche Ausführungen des Beschwerdeführers zu
den Behelligungen der iranischen Behörden nicht im Ansatz eine persönli-
che Betroffenheit erkennen und wirken konstruiert (vgl. A7 S. 8 f.; A18
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Seite 16
F101-107, F176-177). Die Sichtweise in der Beschwerde, dass seine Aus-
führungen plausibel, detailreich und kohärent gewesen seien, findet in den
Protokollen keine Bestätigung.
6.2.2 Weiter hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass die Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers hinsichtlich der Hinwendung zum Christen-
tum und der Reaktion seines Umfelds oberflächlich und unsubstantiiert
ausgefallen sind. Auch auf (mehrfache) Nachfrage vermochte der Be-
schwerdeführer seine Schilderungen nicht zu präzisieren (vgl. A7 S. 7 f.;
A18 F110-133, F151-153), weshalb sie nicht den Eindruck vermitteln, dass
sie auf persönlichen Erlebnissen beruhen. Der Einwand auf Beschwerde-
ebene, er habe zahlreiche Angaben zu seiner Konversion gemacht, bietet
für sich alleine noch kein Indiz für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen, zumal
die gemachten Angaben die erforderliche Substanz vermissen lassen und
mithin – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht als Real-
kennzeichen taxiert werden können. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen,
dass der Beschwerdeführer auf Nachfrage hin präzise und subjektiv ge-
prägt über das Geschehene und seine Gedankengänge hätte berichten
können, wenn er die Ereignisse tatsächlich auf die geschilderte Art und
Weise erlebt hätte. So führte der Beschwerdeführer beispielsweise erst auf
konkrete Nachfrage an, dass er sich – nebst dem Konsum von christlichen
Fernsehsendungen – mit der Lektüre eines Buches dem Christentum an-
genähert habe (vgl. A18 F118).
6.2.3 Somit ist im Sinne eines Zwischenergebnisses festzustellen, dass es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Aus-
reise aus dem Iran bestehende oder drohende asylrechtlich relevante Ge-
fährdung glaubhaft zu machen.
6.3 Sodann ist hinsichtlich der Konversion des Beschwerdeführers zum
Christentum das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54
AsylG zu prüfen.
6.3.1 Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchen-
den im Ausland ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die
christliche Überzeugung der Person im Einzelfall, soweit möglich, einer nä-
heren Überprüfung zu unterziehen (vgl. hierzu und zum Folgenden insbe-
sondere BVGE 2009/28 E. 7.3.4 und E. 7.3.5; Urteile des EGMR A. gegen
die Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342/16; EGMR [grosse Kammer]
F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, 43611/11; Urteil des BVGer
D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5 m.w.H.). Allein der Übertritt vom
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Seite 17
muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich zu keiner (in-
dividuellen) staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensaus-
übung vermag gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante Mass-
nahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aus-
sen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss,
dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar mis-
sionierende Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Eine Verfol-
gung durch den iranischen Staat kommt somit erst dann zum Tragen, wenn
der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten
bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom
Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im
Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaf-
tigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für
die betroffene Person in Betracht gezogen werden.
6.3.2 Vorliegend wird – mit Blick auf die eingereichten Beweismittel (vgl.
Prozessgeschichte; Bst. A.c, C und G) – nicht in Frage gestellt, dass sich
der Beschwerdeführer in J._ in einer Baptistenkirche hat taufen las-
sen und sich in der Schweiz an christlichen Aktivitäten der Zeugen Jehovas
beteiligt. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Taufe und der regelmäs-
sige Besuch christlicher Veranstaltungen in der Schweiz keine aktive Glau-
bensausübung im Sinne der genannten Rechtsprechung darstellen (vgl.
u.a. Urteile D-3667/2016 E. 3.2.6 und D-2496/2018 E. 5.5). Gemäss dem
Bestätigungsschreiben von K._ vom 12. November 2019 werde der
Beschwerdeführer seit ungefähr drei Jahren wöchentlich von Mitgliedern
der Zeugen Jehovas unterrichtet, er verfüge aber noch nicht über die bibli-
schen Kenntnisse, um in deren Namen zu missionieren, bei Gelegenheit
führe er allerdings mit anderen Asylsuchenden Gespräche zum christlichen
Glauben. Hierzu ist zu bemerken, dass durch das gelegentliche Führen
von privaten Gesprächen mit anderen Asylsuchenden keine subjektiven
Nachfluchtgründe bestehen, die bei einer Rückkehr des Beschwerdefüh-
rers in den Iran zu einer für die Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfol-
gung führen würden. Soweit der Beschwerdeführer einwendet, wegen des
Kundtuns seines christlichen Glaubens im Internet ins Visier der dortigen
Behörden geraten zu sein, ist schliesslich festzuhalten, dass er keine
schon im Heimatland bestandene Vorverfolgung glaubhaft machen konnte.
Allein aufgrund der Wiedergabe von sechs christlichen Beiträgen (haupt-
sächlich Bibelzitate) auf Instagram kann nicht darauf geschlossen werden,
dass der Beschwerdeführer seinen Glauben in exponierter Weise auslebt,
zumal er nicht unter seinem vollständigen Namen auftritt. Abgesehen da-
von datiert der letzte Beitrag vom 3. November 2018 und wurde somit vor
D-6037/2019
Seite 18
rund eineinhalb Jahren geteilt. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, die
iranischen Behörden unterstellten dem Beschwerdeführer eine missionie-
rende Tätigkeit beziehungsweise Aktivitäten, die als Angriff auf den Staat
gewertet würden.
6.3.3 Des Weiteren ist dem Beschwerdeführer zwar Recht zu geben, dass
das Missionieren für die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas ein
zentrales Element ihrer religiösen Identität darstellt und in diesem Sinne für
sie unverzichtbar ist, was das Bundesverwaltungsgericht bereits festge-
stellt hat (vgl. E-3923/2016 vom 24. Mai 2018, E. 5.1 m.w.H.). Nach dem
zuvor Dargelegten kommt das Gericht aber zum Schluss, dass dies für den
Beschwerdeführer persönlich offensichtlich nicht gilt, zumal er noch kein
getaufter Zeuge Jehovas ist. Somit ist – entgegen der Beschwerde – die
diskrete Glaubensausübung für ihn nicht als unerträglicher psychischer
Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren. Daran vermag auch
das zitierte Urteil des EGMR A.A. gegen die Schweiz (Nr. 32218/17) vom
5. November 2019 nichts zu ändern, zumal dies keinen konkreten Bezug
zur Person des Beschwerdeführers und dessen individuellen Asylvorbrin-
gen aufweist.
6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder Vor- noch Nachflucht-
gründe ersichtlich sind. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
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Seite 19
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR [Grosse Kammer] Saadi gegen Italien 28. Februar 2008,
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
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Seite 20
ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtli-
chen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre (statt vieler Urteile des BVGer D-860/2020 vom 17. März 2020
E. 7.3.2).
8.4.2 Darüber hinaus liegen auch keine individuellen Gründe vor, die ge-
gen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Beim Beschwerdeführer han-
delt es sich um einen alleinstehenden Mann ohne gesundheitliche Prob-
leme (vgl. A7 Ziff. 8.02; A18 F17). Er hat vor seiner Ausreise in E._
gelebt, wo nach wie vor Familienangehörige ([...] und [...]) wohnen (vgl. A7
Ziff. 2.01), zu denen er teilweise immer noch Kontakt pflegt (vgl. A18 F19-
F20, F136). Sodann hat er die Schule mit der Matura abgeschlossen, eine
dreijährige Ausbildung als (...) absolviert und zuletzt in den (...) sowie als
(...) gearbeitet (vgl. A7 Ziff. 1.17.04 f.; A18 F54-56, F64-66). Hinzu kommt,
dass eine (...) des Beschwerdeführers in L._ lebt, an welche er sich
im Bedarfsfall zwecks materieller Unterstützung wenden könnte (vgl. A7
Ziff. 2.01).
8.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
D-6037/2019
Seite 21
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit verfah-
rensleitender Verfügung vom 14. Januar 2020 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut-
geheissen worden ist und nicht von einer veränderten finanziellen Lage
auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Ebenfalls mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. Januar 2020
wurde dem Beschwerdeführer die amtliche Rechtsverbeiständung im
Sinne von aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG zugesprochen und sein Rechts-
vertreter als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Dieser reichte am
3. März 2020 eine Kostennote zu den Akten, die einen zeitlichen Vertre-
tungsaufwand von insgesamt 11.19 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 300.– sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 61.40 ausweist. Der geltend
gemachte zeitliche Aufwand erscheint angesichts der konkreten Verfah-
rensumstände als zu hoch und ist auf 8 Stunden zu kürzen. Unter Berück-
sichtigung des massgebenden Stundenansatzes von Fr. 220.– für Anwäl-
tinnen und Anwälte ist dem Rechtsvertreter demnach vom Bundesverwal-
tungsgericht ein amtliches Honorar von gerundet Fr. 1’960.– (inkl. Ausla-
gen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten (vgl. Art. 12 und Art. 14
Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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